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Full text of "Die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg"

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CHARLES SUMNER 

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DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DES 



GROSSHERZOGTUMS BADEN 




hl. K. . ... 
DIE 

KUNSTDENKMÄLER 

DES 

GROSSHERZOGTUMS BADEN 

BESCHREIBENDE STATISTIK 

IM AUFTRAGE 

DES GROSSHERZOGLICHEN MINISTERIUMS DER JUSTIZ 

DES KULTUS UND UNTERRICHTS 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

GEH. RAT DR, DR. ING. JOS. DURM GEH. HOFRAT DR. A. VON OECHELHAEUSER 

PROFESSOR DER KUNSTGESCHICHTE AN DER 
PROFESSOR AN DER TECHNISCHEN HOCHSCHULE TECHNISCHEN HOCHSCHULE UND KUNSTAKADEMIE 

ZU KARLSRUHE 2U KARLSRUHE 

UND 

GEH. RAT DR. E. WAGNER 

OBERSCHULRAT, DIREKTOR 
DER GROSSH. SAMMLUNGEN FÜR ALTERTUMS- 
UND VÖLKERKUNDE 
UND GROSSH. KONSERVATOR DER ALTERTÜMER 

SIEBENTER BAND 
KREIS OFFENBURG 



TUBINGEN 
VERLAG VON J. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) 

1908 



DIE 

KUNSTDENKMÄLER 

DES 

KREISES OFFENBURG 

BEARBEITET 

VON 

MAX WINGENROTH 



MIT 390 TEXTBILDERN, 24 LICH rDRUCKTAFELN/3 KARTEN 
UND 52 WAPPENBILDERN 



TÜBINGEN 

VERLAG VON J. C.B.MOHR (PAUL SIKHKCK) 

T908 






I 




MWi^riTFn IM (Ht: unawwt 
o ri ii C" 
ttmM^miMUiUJII' 




Im dem vorliegenden VII. Bande des Inventarisationswerkes 
werden die Kunstdenkmäler des Kreises Offenburg be- 
schrieben, eines Kreises, der so ungefähr — mit einer 
beträchtlichen Ausnahme im Norden, nämlich den Ämtern Achem 
und Bühl — den ganzen Gau umschließt, der von alters her die Ortenau 
genannt wird. Da die Lande, deren Kunstdenkmäler hier geschildert 
werden, wohl mehr, als es bei den sonstigen Kreisen des Landes 
der Fall ist, schon im Mittelalter ein einigermaßen zusammengehöriges, 
historisches Ganze bilden, so glaubte ich diesem Umstände Rechnung 
tragen zu müssen. Ich habe deshalb in einer Einleitung versucht, ein 
Bild von der geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Entwickelung der 
Gegend zu geben, ohne damit aber dem zünftigen Historiker Neues 
bringen zu wollen. Dem Zwecke des Inventarisationswerkes gemäß 
mußte ich von vornherein auf eigene historische Forschungen verzichten 
und mich damit begnügen, das in den bekannten Werken und Zeit- 
schriften Publizierte zu benutzen, um ein halbwegs deutliches Bild zu 
gewinnen. Die kirchengeschichtlichen Abschnitte der Einleitung hat 
Herr Professor Dr. J. SAUER in Freiburg auf meine Bitte verfaßt. Um 
dem Benutzer des Werkes die politische Gestaltung des Landes vor 
Augen zu fuhren, habe ich eine Karte der Besitzverhältnisse in der 
zweiten Hälfte des 15. Jhs. beigefügt. Der Historiker, nach dessen 
Angaben sie auf meine Bitten angefertigt ist, will ungenannt bleiben. 
Ich habe weiterhin eine Karte der ehemaligen Fürstlich Fürsten- 
bergischen Herrschaft Kinzigtal beigegeben, die mir in dem Original 
von 1655 imd einer getreuen Kopie von 1795 in liebenswürdigster 
Weise von dem Fürstlichen Archiv in Donaueschingen zur Verfügung 
gestellt wurde. Da die Kopie ein besseres Resultat in der Wieder- 
gabe versprach, so habe ich sie dafür gewählt. An die Einleitung 
schließt sich eine Wiedergabe der für das ganze Gebiet, insbesondere 

Rand VIL ^ 



VORWORT. 



für dessen erhaltene Kunstdenkmäler, wichtigsten Wappen an, eine 
Arbeit des Herrn HELD, Heraldiker am Großh. General-Landes- Archiv. 
Vollständigkeit war bei diesem ebenfalls ersten Versuch nicht zu 
erreichen; es sollten die Beschreibung entlastet und den Einwohnern 
der Gegend selbst hoffentlich willkommene Anhaltspunkte bei etwaigen 
heraldischen Fragen gegeben werden. Die Wappen sind teils nach 
Siegeln, teils nach den sehr schönen Darstellungen in Konrad 
GRUNENBERGS Wappenbuch gezeichnet. 

Endlich ist auch bei den einzelnen Orten ihre Geschichte aus- 
fuhrlicher gegeben, als es sonst in dem Werke — mit Ausnahme 
einiger Abteilungen des Bandes IV — geschehen ist. Während der Ab- 
fassung des Bandes fühlte ich mich durch die Erwägung dazu veran- 
laßt, daß der Zweck desselben mit der einfachen Beschreibung nicht 
ganz erreicht sei: es soll doch auch draußen im Lande die Liebe zu 
den Denkmälern erwecken. Dazu aber glaubte ich den Denkmälern 
richtiges Leben durch die Geschichte verleihen zu sollen. Insbesondere 
bin ich auf die bauliche Entstehung der Städte näher eingegangen. 
Auch hier, wie ich betone, ohne archivalische Forschungen, nur auf 
Grund des vorliegenden Materials. Ebenso bei der Ortsgeschichte. 
Der Fachmann weiß, wie schwierig hier die Verhältnisse liegen, wie 
insbesondere im frühen und hohen Mittelalter nichts mit Sicherheit 
zu behaupten ist. Noch fehlt uns, eben der ungeheuren Schwierig- 
keiten halber, die so wünschenswerte Territorialgeschichte. Meine 
Absicht war aber die: das Buch für den Benutzer im Lande draußen 
brauchbar zu machen. Dem stehen nicht die literarischen Hilfsmittel 
der großen Stadt zur Verfügung, er kann sich auch nicht neben diesem 
schon kostspieligen Bande noch die wichtigen Werke KRIEGERS, 
GOTHEINS, HeyCKS, Riezlers u. a. m. anschaffen. Ihm vor allem 
soll mit diesen Abschnitten des Werkes gedient sein — ich bitte 
den Fachmann, das bei der Beurteilung zu berücksichtigen. Es soll 
dem draußen Wohnenden die Hilfsmittel der Bibliothek etwas ersetzen, 
nicht mehr, vor allem nicht dem Gelehrten Neues bieten. 

Die Beschreibung der prähistorisch-römisch-germanischen Denk- 
mäler hat, wie immer, Herr Geheimrat Dr. E. WAGNER übernommen, 



VORWORT. III 

seine Beiträg-e sind mit W. gezeichnet. Die kirchengeschichtlichen 
Einleitungen bei Allerheiligen, Gengenbach, Schuttern, Wittichen 
und Haslach entstammen wieder der Feder des Herrn Professor 
Dr. J. Sauer und sind stets mit S, gezeichnet. Alles andere stammt 
von mir. Nur wo über den verantwortlichen Verfasser Unklarheit 
entstehen konnte, habe ich mich durch Beisetzung eines Wth. kennt- 
lich gemacht Herr Professor Dr. J. SAUER hat auch die Liebenswürdig- 
keit gehabt, die Korrekturen mit mir zu lesen. Einem nicht genannt 
sein wollenden Gelehrten, der sich der gleichen Mühe unterzogen, sei 
hiermit wie Herrn SAUER herzlichst gedankt. 

Doch bin ich dadurch der Dankesschulden noch nicht ledig. Herr 
Oberbauinspektor HOFMANN in Offenburg hat in selbstlosester, hin- 
gehendster Weise das Zustandekommen des Bandes befördert. Er 
hat nicht nur seinen reichen Schatz an Zeichnungen zur Verfügung 
gestellt, er hat bereitwilligst neue Aufnahmen gemacht, die ihm zur 
Prüfung übersandten Grundrisse und Pläne kontrolliert und durch 
zahlreiche Notizen sowie mit seinem regen Interesse mir geholfen. 
Der Bezirkspfleger der Altertümer, Herr A. SiEFERT in Lahr, hat für 
seine Vaterstadt und deren Umgegend seine reichen Kenntnisse mir 
zufließen lassen und auf Reisen wie in reger Korrespondenz 'mich 
unterstützt. Herr Professor StatSMANN in Straßburg hat mit mir 
zusammen die Ausgrabungen in Allerheiligen geleitet, die dortigen 
Aufnahmen gemacht, und wenn ich auch als Schreiber des Textes 
allein dafür verantwortlich bin, so darf ich doch sagen, daß ihm 
mit die wichtigsten Feststellungen über die Gestalt der Kirche zu ver- 
danken sind. Herr Regierungsbaumeister a. D. O. LiNDE in Baden- 
Baden hat mir äußerst wertvolle Dienste geleistet, insbesondere auch 
bei der Feststellung der Städtebefestigungen. Desgleichen haben die 
Herren K. O. HARTMANN, jetzt Gewerbeschulrat in Stuttgart, und 
Herr Kunstmaler C. SCHUSTER in Freiburg i. Br., die für das Werk 
zeichneten, durch ihre Bemerkungen den Text gefördert. Ihnen allen 
sei mein herzlichster Dank ausgesprochen. Dem Kaiserl. Legationsrat 
Herrn Generalkonsul Freiherrn R. VON SCHAUENBURG sei für seine Hei- 
hilfe bei der Beschreibung seiner Stammburg lebhaft gedankt, ebenso wie 



IV VOR^Ä^ORT. 

seinem ehrwürdigen Vater Freiherrn Emil VON SCHAUENBURG. Nicht 
minder herzlich den Herren Direktor SUTTERLIN in Lahr, J. G. STRAUB 
und A. Armbruster in Wolfach, Lindenwirt GELDREICH in Ober- 
kirch sowie allen Behörden des Landes, insbesondere den Herren 
Bürgermeistern und Pfarrern. 

Die Zeichnungen sind von den obengenannten Herren HOFMANN, 
Linde, Statsmann, Hartmann und Schuster angefertigt worden, 
einzelne auch von Kunstmaler C. A. KOCH in Ulm. Einer Hand die 
gesamten Aufnahmen zu übertragen, war bei der großen Anzahl nicht 
möglich, es konnte daher in dieser Hinsicht keine künstlerische Ein- 
heitlichkeit erreicht werden. Die Photographien haben Herr Hofphoto- 
graph J. KraemER in Kehl und Hofphotograph W. Kratt in Karls- 
ruhe aufgenommen, einige wenige auch Herr G. Sai^ZER in Baden- 
Baden. Die Lichtdrucke wurden von Herrn J. KRAEMER in Kehl und 
der Hoflichtdruckanstalt J. SCHOBER (K. Obrist) in Karlsruhe her- 
gestellt." Letztere Firma hat auch einen Teil der Autotypien und Zink- 
hochätzungen geliefert, den größeren allerdings die Graphischen Kunst- 
anstalten Meisenbach, Riffarth & Cie. in München. 

Der C. F. MULLERschen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe sei für 
die Sorgfalt und Umsicht bei der Drucklegung des umfangreichen 
Bandes der allerwärmste Dank ausgesprochen. 

Von einer Teilung des starken Bandes in zwei Hälften mußte 
diesmal aus verschiedenen Gründen noch abgesehen werden; doch 
ist sie fiir den folgenden Band, Kreis Baden, bestimmt vorgesehen. 

Karlsruhe, November 1907. 

M. WINGENROTH. 



EINLEITUNG. 



Zur Ortenau wird im allgemeinen Sprachgebrauch der ganze Kreis Oflfen- 
burg gerechnet, mit Ausnahme etwa des oberen Kinzig- und Gutachtales, dazu 
vom Kreise Baden die Ämter Achern und Bühl sowie vom Kreise Freiburg 
ein Teil des Amtes Ettenheim. Das Hanauer Ländchen gehört auch dazu, wie 
es in den obigen Grenzen mit inbegriffen ist. Südlich und nördlich bilden die 
Grenze die Bleich und die Oos, im Westen der Rhein, im Osten die Schnee- 
schmelze des Schwarzwaldes. ^) Es ist dies der geographische Begriff, den wir 
mit dem Namen zu verbinden haben; in der politischen Geschichte wird 
darunter im engeren nur die Landvogtei verstanden. 

In jenem geographischen Sinne also kann main ohne großen Fehler sagen, 
daß in dem vorliegenden Bande die Kunstdenkmäler der Ortenau beschrieben 
werden. 

Wann aber kommt der Name auf und was bedeutet er? Er erscheint 
zum erstenmal als Mordunowa 763, allerdings in einer Kopie bezw. Fälschung 
von 1457, dagegen 768 sicher als Mordenaugia. Weiter heißt es dann Mordinuavia 
'\JTJ\ in pago Martinhauga 845 (Fälschung des 11. Jhs.), in pagello Mortinau- 
ginse 861, Mortonogowa 866, Mortunowa 888. Ich muß hier darauf ver- 
zichten, all die verschiedenen Formen anzuführen, die der Name im Lauf der 
Jahrhunderte angenommen hat, und verweise dafür auf Krieger.^) Mit dem 
Ende des 15. Jhs. verliert der Name seinen Anlaut und nähert sich .seiner 
heutigen Form; es heißt 1466 in der Ortnow, 1504 in der Ortenaw, 1507 noch 
in der Ortenaw und Mortenaw. Von dem 16. Jh. aber verschwindet die letztere 
Form und wir hören nur noch von der Ortenau. 

Von einer sagenhaften Erklänmg des Namens, die lange beliebt war, hat 
uns Münster in seiner »Cosmographey«^) berichtet. »Die Mortnaw ligt an 
einem gebirg,« schreibt er, »rinnt die kintzig dardurch, hat vorzeiten die ortnaw 
geheißen, aber von wegen der Mörder, deren etwann viel darinn gewesen, 
besonder am dorff Humbßfelden, das am Rhein ligt, hat es diesen nammen die 
Mortnaw bekommen.« Münster spielt hier auf ein Ereignis seiner Zeit an. 

*) Kolb, TopograpMsclics Lexikon von Baden III, S. 41, und Birlingcr, Rechtsrhein. 
Alemannien, S. 40. 

^ Krieger, Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Bd. II''*, S. 434. 
*) Basel 1574, dccxiiij. 



VI EINLEITUNG. 

Damals hauste in dem Dorf Hundsfeld eine Mordbande, die endlich vernichtet 
werden konnte: das Dorf wurde 1580 verbrannt und die Gemarkung mit der 
Gemarkung Eckartsweier vereinigt. Damit brachte man nun den merkwürdigen 
Namen des Landes zusammen. Eine richtige Erklärung desselben scheint bis 
jetzt nicht gefunden worden zu sein. Mortun- scheint vordeutsch. Die Deu- 
tungen von Vierordt^ (= Moorgegend), Förstemann^ (= Au des Morto) 
und Birlinger^ (= kelt :&Mori-dunum«, »Murridunum«) befriedigen nach 
Krieger nicht 

Über die Besiedelung des Landes in prähistorischen Zeiten möge man aus 
den Mitteilungen des Geheimrat Wagner bei den einzelnen Fundorten das 
Nötige entnehmen, ebenso über die römischen und frühgermanischen Funde. 
Es kann hier nicht versucht werden, daraus ein Gesamtbild zu gewinnen, da 
unser Gebiet keine besonderen Schicksale erlitten hat und man also geradezu 
die Geschichte der gesamten badischen Lande erzählen müßte. Es sei daher 
nur an die wichtigsten Tatsachen erinnert 

Noch im 2. Jh. unserer Zeitrechnung war die linke wie die rechte Rhein- 
ebene der Sitz einer reichen Kultur. Kelten und zwar Helvetier waren ihre 
Träger, und nach dem angewandten Material gehörte die Kultur der Bronzezeit 
an und zwar der sogen. La T^ne-Periode. Die Kultur scheint ziemlich hoch 
entwickelt gewesen zu sein: )&der Ackerbau war überall durchgeführt, eine große 
gewerbliche Kunstfertigkeit ausgebildet, und dem Verkehr dienten zahlreiche 
gebahnte Wege, die zwar nicht mit Steinoberbau versehen, aber an feuchten 
Stellen durch Holzeinlagen gefestigt waren. «^) 

Im Laufe des 3. und 2. Jhs. v. Chr. scheinen diese Kelten -Helvetier das 
Land nach und nach geräumt zu haben, so daß es ziemlich verlassen dalag 
und in der geographischen Überlieferung die Bezeichnung Helvetier -Wüste 
sich einbürgerte, mochte auch die Räumung nicht so vollständig gewesen sein, 
als es dem Wort nach klingen möchte. Wie Fabricius in der obencitierten 
Schrift darstellt, auf die ich ausdrücklich hinweisen möchte, mögen dann von 
den Cimbern und Teutonen, als diese den verhängnisvollen Zug nach Italien 
antraten, sich einzelne Scharen losgelöst haben, in der Rheinebene zurück- 
geblieben sein, nach der Niederlage ihrer Stammesgenossen sich in die Helvetier- 
Wüste gerettet und in Miltenberg eine Zuflucht gefunden haben. 

Damit beginnt die Wiederbesiedelung des Landes, das immer mehr von 
wandernden Germanenscharen heimgesucht wurde. Nach der Niederlage Ariovists 
durch Cäsar haben einige der Völkerschaften, die ihm gefolgt waren, auf das 
östliche Rheinufer sich zurückgezogen, darunter auch Markomannen, doch wissen 
wir nicht, wo z. B. letztere sich niedergelassen und ob sie überhaupt zur Seß- 

^) Die Besitznahme Badens durch die Römer, von E. F a b r i c i u s , Neujahrsblatt der Bad. 
histor. Komm. 1905, S. 17. 



EINLEanWG. VII 

haftigkeit übergegangen sind. Durch den Sieg Cäsars war das Vordrängen der 
Germanen ins Stocken gekommen, und der Rhein blieb zunächst die Grenze. 
Da unsere Vorfahren es aber liebten, zwischen sich und den Nachbarn Ödland 
zu lassen, so dürfen wir an keine große Besiedelung des Landes denken. Die 
ersten 70 Jahre unserer Zeitrechnung lag unser Land ziemlich verlassen da, 
zumal Rom nach der Teutoburger Schlacht auf eine Ausdehnung seiner Macht 
über den Rhein verzichtete. Auch Rom wußte es zu schätzen, daß zwischen 
ihm und den unruhigen Germanen nur wenig bewohntes, ödes Land war, und 
versagte noch i. J. 58 die Ansiedelung. Unter Vespasian aber trat eine Änderung 
in dieser Politik ein, sein Werk ist die Besitzergreifung unseres Gebietes, der 
Vorstoß erfolgte in den Jahren 73 und 74 unter dem Befehlshaber des ober- 
germanischen Heeres, Cn. Pinarius Cornelius Clemens, der damals, noch während 
des Krieges, eine Militärstraße von Straßburg aus über den Rhein durch das 
Kinzigtal und über den Schwarzwald hinweg bis zur Donau erbauen ließ. In 
Offenburg haben sich steinerne Dokumente derselben erhalten. An dieser Straße 
lagen wohl die ersten römischen Ansiedelungen im Lande oder Lager, deren 
Spuren wir eben in Offenburg wie in Gengenbach und Haslach finden. Hinter 
Schiltach erstieg die Straße, heute noch deutlich sichtbar, die Höhe. Das Land, 
dessen Wiederbesiedelung nun in die Wege geleitet wurde, ist wohl als kaiser- 
liche Domäne behandelt worden — soweit es nicht von abhängigen Germanen 
bewohnt war — , deren Teile verpachtet wurden : so entstanden die Dekumaten- 
äcker. Das rechtsrheinische Gebiet aber wurde mit der Provinz Germania 
Superior vereinigt. In der Zeit Trajans erfolgte dann der Ausbau des inneren 
Straßennetzes; damals (etwa 100 n. Chr.) wurde die Bergstraße angelegt, die am 
Fuße des Gebirges in nordsüdlicher Richtung die Rheinebene durchzieht, wohl 
bis zum Rheinübergange bei Augusta-Raurica, Basel- Äugst, führte und sich in 
Offenburg mit der Kinzigtalstraße kreuzte. An ihr liegen denn auch die weiteren 
Fundstätten unserer Gegend, so Dinglingen. 

In der zweiten Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. scheinen die Germanenvölker von 
neuem in Beweg^g geraten zu sein; es erfolgten die ersten Vorstöße gegen 
das römische Gebiet, und dieses Drängen nahm nun stetig zu. 213 erfolgte der 
erste große Alemanneneinfall, notdürftig wurde Frieden geschlossen, der 
Grenzwall aufs äußerste verstärkt, was aber natürlich im Kriege nutzlos war. 
Dem erneuten Sturme der Alemannen 235 hielt er nicht stand, ein Teil der 
Kastelle ist schon damals zerstört worden, nur mit Not wurden die wichtigsten 
Punkte über das Jahr 250 hinaus gehalten. ^Seit dem Jahre 260 aber war das 
Land auf der rechten Seite des Rheins dem römischen Reiche für immer 
verloren, c^) 

Die Römer mögen zuerst das Christentum in unsere Lande gebracht haben, 
und es sei versucht, seinen Spuren, den Anfängen unserer Kirchengcschichte 



1) Fabricins, S. 88. 



VIII EINLEITUNG. 

zunächst einmal nachzugehen. (IVtAJ So wenig aber sich eine einheitliche und 
lückenlose Darstellung der geschichtlichen Entwickelung der Kirche im Bereiche 
von Baden geben läßt, so wenig oder noch viel weniger läßt sich der kirchen- 
geschichtliche Verlauf für einen Teil von Baden in ein einheitliches, geschlossenes 
Bild zusammenfassen. Hier noch weit mehr als bei der Rekonstruktion des 
Geschichtsverlaufes in dem erst neuerdings zur geographischen Einheit gewordenen 
Baden zerfällt die Darstellung der Vergangenheit in Einzelbetrachtungen, zwischen 
denen oft genug kein innerer Zusammenhang besteht und auch bezüglich der 
äußeren Fakta große und bedauerliche Lücken gähnen. Die Aufgabe des Kirchen- 
historikers stellt sich demnach erst recht als ein »coUigere fragmenta^< dar; und 
oft genug muß er, namentlich für die älteste und interessanteste Zeit, die all- 
gemeinen geschichtlichen Verhältnisse des gesamten Gebietes als typisch auch 
für dessen einzelne Teile zu Hilfe nehmen. 

Daß das Christentum bereits unter römischer Okkupation wie im Deku- 
matenland überhaupt so auch im heutigen Baden Eingang gefunden hatte, wird 
heute kaum mehr zu bestreiten sein, wie auch Hauck die Wahrscheinlichkeit 
dieser Annahme anstandslos zugibt.^) Diese älteste Christianisierung unserer 
Lande muß aber lokal wie quantitativ sehr beschränkt gewesen sein ; sie bestand 
in der Hauptsache wohl nur aus einigen Ansiedelungen von Christen in den 
römischen Niederlassungen. Schon die Spärlichkeit irgendwelcher monumentaler 
Zeugnisse zeigt das mit wünschenswerter Klarheit Aus der ganzen vorkonstan- 
tinischen Zeit hat Baden nur ein einziges Dokument von christlichem Charakter 
aufzuweisen: das gnostische Amulett, das in den Ruinen von Badenweüer 
gefunden wurde. Der gnostisch-christliche Mischmasch seines Inhaltes ist eine 
charakteristische Probe von den synkretistischen Strömungen jener Übergangs- 
zeit, denen ja schließlich auch der weitverbreitete Mithraskult angehört. In dem 
Gemeng von griechischen und lateinischen Worten und Namen ist jene Amulett- 
umschrift zudem noch ein deutlicher Hinweis darauf, daß die ältesten Träger 
und Vertreter des Christentums bei uns vielfach dem östlichen Reichsgebiet 
angehörten. Ein sehr großer Prozentsatz der ältesten christlichen Grabinschriften 
bezieht sich auf syrische oder sonstige orientalische Kaufleute; und einem solchen, 
vielleicht auch einem ausgedienten, wohl ägyptischen Militär mochte das Baden- 
weilerer Beschwörungstäfelchen gehört haben. 2) 

Etwa unter Kaiser Gallienus (260 bis 268) dürfte das Dekumatenland und 
damit auch Baden den Alemannen zugefallen sein, und zeitweilig dehnte dieser 
Stamm seinen Besitz noch weit über das linke Rheinufer nach Rätien und Gallien 
hinein aus. Im 3. und 4. Jh. konnten verschiedene Erfolge der Römer unter den 

*) Hauck, Kirclicngesch. Deutschlands I (1904), S. 94. 

2) Vgl. über diesen jetzt in den Karlsruher Sammlungen befindlichen Gegenstand Kraus, 
Christi. Inschriften der Rheinlande I, S. 7 ff., wo die frühere Literatur verzeichnet und verwertet ist; 
femer Kunstdenkmäler von Baden, Kreis Lörrach, S. 91, und Cabrol, Dictionaire d'arch. chr^t. I 
(Paris 1905), p. 1837. 



EINLEITUNG. IX 

Kaisern Probus, Julianus und Valentinianus wenigstens die Rheinlinie als Grenze 
sichern, aber aus dem rechtsrheinischen Gebiet konnten die Alemannen nicht 
mehr verdrängt werden, und im 5. Jh. drangen sie überall über den Rhein südlich 
imd westwärts vor. Am Ende dieses letzteren Jahrhunderts jedoch scheint ihre 
Expansionskraft an der kompakteren Masse der Franken sich gebrochen zu 
haben. Ein zweimaliger blutiger WafTengang entschied zuungunsten der Ale- 
mannen; sie erkannten jetzt die Oberherrschaft der Franken an, während ein 
Teil sich südlich auf das Gebiet des Ostgotenkönigs Theoderich, etwa die heutige 
Schweiz, zurückzog, geschieden vom fränkischen Alemannien wohl durch den 
Rhein, 536 aber gleichfalls an die Franken kam. Die Alemannen waren zur 
Zeit dieses letzteren Ereignisses, als Volksstamm betrachtet, sicherlich noch 
Heiden. Vereinzelte Christen hat es aber jedenfalls schon gegeben. Die enge 
Berührung mit den Ostgoten scheint da und dort dem Arianismus schon im 
5. Jh. Eingang verschafft zu haben, wenigstens berichtet Eugippius (Vita Severini 
c. 19) von einem arianischen Alemannenherzog Gibuld. Wenn sich von den 
römischen Anfangen des Christentums im Dekumatenland etwas noch nach der 
Rückeroberung durch die Alemannen erhalten hat, so kann es nur ein kümmer- 
liches Dasein gefristet haben und wohl auch nur in der Nähe der linksrheinischen 
Bistümer Äugst, Windisch, Straßburg, die, wie man annehmen darf, die Stürme 
dieser Umwälzungen überdauert haben. Die nationale Antipathie gegen die 
Römer machte am Anfang sicher jegliche Annäherung der »immanis natio« an 
das von jenen vertretene Bekenntnis unmöglich. Dagegen haben ohne Zweifel 
die unaufhörlich im 4. und 5. Jh. über den Rhein bis tief ins romanisierte Gallien 
unternommenen Beutezüge zahlreiche christliche Kriegsgefangene ins alemannische 
Gebiet gebracht. Als der Herzog Rando zu Anfang des 5. Jhs. Mainz überfiel, 
führte er die gerade beim Gottesdienst versammelten und wehrlosen Christen 
>cum supellectili non parvac mit sich.^) Im 6. Jh. müssen sich diese immerhin 
dürftigen Anfänge schon bedeutend konsolidiert haben; denn das aus dem Ende 
dieses Jahrhunderts stammende alemannische Gesetzfragment hatte in einer 
Bestimmung auch christliche Verhältnisse im Auge; allerdings dürfte um diese 
Zeit, wenn wir dem Zeugnis des Agathias Glauben schenken, der Alemannen- 
stamm als Ganzes noch heidnisch gewesen sein,^ insofern er noch Basiliken 
und deren Metallbedachung auf Raubzügen nach Oberitalien plündert und Pferde- 
opfer darbringt. Auch für Columban ist das Alemannenvolk noch zu Anfang 
des 7. Jhs. heidnisch. 

In diese Übergangszeit hat man die Anfänge der Christianisierung der 
germanischen Bevölkerung in Baden zu verlegen und auch die ersten spär-^ 
liehen Zeugnisse dafür. Das wichtigste und älteste ist der Silberlöffel, der in 
einem Grab bei Sasbach am Kaiserstuhl gefunden wurde. Solche Funde sind 



^) Ammianus Marcell. XXVII, 10. 2. 
2) Agath., Hist. II, I ; I, 7. 



I 



X EINLEITUNG. 

auch sonst noch im alemannischen Gebiet gemacht worden, wie in Sierck, in Metz, 
in Sindelfingen, Espweiler, Gültlingen und Heilbronn. Die Bedeutung solcher 
Löffel kann meines Erachtens eine sehr verschiedene sein, und auch die ins 
Grab mitgegebenen könnte man zunächst als einfach aus dem Profangebrauch 
stammende Grabbeigaben zu betrachten geneigt sein. Indes trägt der Sasbacher 
Löffel den Namen Andreas mit der späteren, seit der Mitte des 4. Jhs. vor- 
kommenden Form des Monogramms Christi. Und auch anderwärts begegnen 
uns Apostelnamen — denn anders ist wohl der Name Andreas nicht zu deuten ') — 
wie Johannes, Matthias, Matthaios, Marcos, Lucas auf Löffeln. Im Kirchenscbatz 
zu Auxerre werden aus dem frühen Mittelalter zwölf Apostellöffel zusammen 
genannt. Wiederholt werden auch Stiftungen von Löffeln für Kirchen erwähnt. 
Die Beziehung solcher Kirchenlöffel auf die zwölf Apostel wie auch die Tat- 
sache, daß in der griechischen Liturgie die h. Kommunion mittels eines Löffels 
gespendet wurde, dürften doch wohl genügende Grundlage sein, diesem Gegen- 
stand eine liturgische Bedeutung zuzuschreiben. Man hat allerdings darauf 
hingewiesen, daß die römische Kirche den Gebrauch eines Löffels bei der Messe 
nicht kennt, ja ihn im Gegensatz zur griechischen Kirche verwirft. Dabei hat 
man aber übersehen, daß die älteste Liturgie in Gallien-Germanien nicht römisch, 
sondern gallikanisch war und die engste Beziehung zum Orient hatte, wie auch 
die Liturgien von Ravenna und Mailand. Gerade in Oberitalien aber wird uns 
mehrfach die liturgische Rolle des Löffels durch literarische wie monumentale 
Zeugnisse verbürgt. Wie hat man sich aber die Mitgabe solcher« Löffel ins Grab 
zu erklären? Hofrat Schliz, der den Heilbronner Fund bearbeitet hat,*) 
betrachtet den Löffel als Beutestück aus christlichem Gebiet, das den heidnischen 
Germanen als geheimnisvoller Zauber mit ins Grab gegeben wurde. Nun fand 
sich der Heübronner Löffel zusammen mit einem interessanten Elfenbeindiptychon 
im Grab eines Alemannen. Im Boden des Löffels ist die Inschrift Posenna vivas 
eingegraben. Ein anderer Löffel, der in Espweiler gefunden wurde, trägt auf 
der Kehrseite die Inschrift Luciliane vivas zwischen zwei auf blühenden Zweigen 
sitzenden Tauben. Gerade die letztere Inschrift mit ihren auf das Paradies und 
seine Freuden hinweisenden Symbolen schließt meines Erachtens jede andere 
außer der Funeralbedeutung aus. Das Vivas ist eine der ständig wiederkehrenden 
Grabformeln der Christen, die Weiterführung des Wortes des Herrn: Qui credit 
in me, vivet et non morietur in aeteraum. Diesem auf dem biblischen Wort 
sich aufbauenden Abschiedsgruß gab man noch einen besonderen Nachdruck, 
indem man den Toten durch den liturgischen Gebrauch geheiligte Gegenstände 
mit ins Grab gab. Sie sollten als Amulette im guten und ertaubten Sinn die 
Grabesruhe der Verstorbenen gegen alle dämonische Zudringlichkeit sicherstellen. 

^) Nur wenn man die frisch-freie, von allen geschichtlichen Voraussetzungen absehende Inter 
pretationsmanier F. Mones besitzt, kann man darin auch den Namen des Goldschmieds sehen 
(Die bildenden Künste in Baden XIV, 37). 

2) Histor. Verein Heilbronn, Bericht aus den Jahren 1900 bis 1903, Heft VlI (Heilbronn 1904), 8.23^. 



EINLETrUNG. XI 

Das häufige Vorkommen des Löffels in Gräbern scheint mir demnach geradezu 
die ursprünglich litutgische Bedeutung solcher LöfTel zu bestätigen. Wie man 
den Leichen ofl Goldgläser, die vorher bei den Agapen gedient, wie man ihnen 
selbst gegen das ausdrückliche Verbot der Kirche die Eucharistie selbst mit ins 
Grab gab, so gewiß auch die Utensilien, die bei der Ausspendung der eucha- 
ristischen Gestalten ehedem gedient hatten. Wie somit die zwei Löffel von 
Hdlbronn und EspweUer unzweifelhaft einem Christen und zwar aus einem 
christlich-religiösen Motiv ins Grab beigelegt wurden, so müssen wir auch bei 
den anderen im alemannischen Gebiet in Gräbern der gleichen Zeit gefundenen 
Löffeln dieselbe Bedeutung annehmen. 

Im Laufe des 7. Jhs. wuchsen sich die vorher noch spärlichen Anfänge des 
Christentums rasch aus, dank einer Anzahl bemerkenswerter Umstände. Schon 
der Verkehr alemannischer Großen am fränkischen Hofe führte diese früh bereits 
dem Christentum zu;^) sodann haben die Grenzbischofsitze sicherlich auch das 
Ihrige zur weiteren Ausbreitung des göttlichen Samenkornes getan. Am nach- 
haltigsten aber wirkte der Einfluß der Franken selbst Dadurch, daß den Franken 
offenbar infolge der verschiedenen Siege über die Alemannen eine große Anzahl 
Krongüter zufielen, war Gelegenheit geboten und auch durchweg ausgenutzt, 
auf alemannischem Boden bei den einzelnen fiskalischen Höfen Kirchen zu 
errichten, in denen wir wohl die Uransätze zur Gemeindeorganisation zu erblicken 
haben. Ks ist denkbar, daß Gotteshäuser wie die Severinskirche bei Denzlingen, 
die Kirche in Burgheim bei Lahr u. a. auf solche Anfänge zurückreichen. Der- 
artige frühfränkische Kirchen tragen zum Teil heute noch ihren Ursprungs- 
stempel in ihrem Patronus an sich. Ein sehr großer Prozentsatz der ältesten 
Kirchen ist dem fränkischen Nationalheiligen Martinus geweiht, andere dem 
h. Hilarius von Poitiers oder anderen fränkischen Heiligen wie dem Remigius, 
Vincentius, Germanus, Leonhard, Urbanus, Pancratius. In nicht wenigen Tituli 
und Patronen spiegeln sich auch die orientalischen Elemente der gallikanischen 
Liturgie der Franken wieder, wie im Titulus des Kreuzes (Ebersweier, Münch- 
weier, OfTenburg), der wohl von Poitiers aus zu uns kam, oder in dem sehr oft 
vorkommenden Patronat des Erzengels Michael. Man bringt ihn gewöhnlich mit 
irgendeiner germanischen Gottheit in Zusammenhang,^) indes wie erklärt man 
sich dann das Vorkommen des h. Michael überall da, wo orientalische Liturgie 
oder ihre Einflüsse wirksam waren (Ravenna, Süditalien, Küste von Gallien)? 
Dabei soll keinen Augenblick bestritten werden, daß nicht nebenher auch Rück- 
sichten auf altgermanische Kultstätten da und dort die Wahl gerade« dieses 
Patrons bedingt haben, vor allem wenn solche Kirchen, wie in Riegel, Unter- 
grombach, bei Heidelberg, in Haigerach, auf Anhöhen lagen. Gerade bei letzteren 
ist aber stets im Auge zu behalten, daß es sich sehr oft einfach nur um eine 



1) Vgl. Agathias I, 7. 

2) Bessert, Wttrttcmb. Kirchengesch. (Calw 1893), S. 15 ff. 



Xn EINLEITUNG. 

Nachahmung des Mont Michel in der Normandie handelt. Im Patronatsverhältnis 
des h. Michael zu vielen etwas späteren Kirchen ist sein doppelter Charakter 
sodann verkörpert, einmal der Charakter eines Seelengeleiters (des :»signifer 
sanctus Michael, qui repraesentet animas in triem sanctumc), den man um ein 
gutes Geleit in der Commendatio animae wie im Totenoffizium anrief (daher 
Patron der Kirchhofkapellen), sodann der Charakter des streitbaren Gottes- 
kämpfers, der als Schlachtenherr und Bannerheiliger der Deutschen früh schon 
nachweisbar ist (daher oft Patron von Burgkapellen). ^) 

Weit mehr aber als all die genannten Momente trug zur Grundlegung und 
Organisierung des Christentums die unter der Anregung und politischen Unter- 
stützung der Frankenkönige sich vollziehende, durch professionelle Missionäre 
systematisch vorgenommene Christianisierung im 7. und 8. Jh. bei. Über eine 
Anzahl der ältesten bei uns wirksamen Mönchmissionäre, wie Fridolin, Landolin, 
Trudpert, berichten nur spätere Legenden, deren historische Zuverlässigkeit nicht 
durchweg gesichert ist; viel besser ist der h. Columban bekannt, der im süd- 
westlichen und südlichen Gebiet Alemanniens tätig war und durch die Gründung 
seines Schülers, S. Gallen, auch in Baden bis tief nach Norden durch weit aus- 
gedehnten Besitz Einfluß bekam, wie sich aus den zahlreichen altes S. gallisches 
Gebiet meist anzeigenden Galluskirchen 2) ersehen läßt. Diese Sendboten des 
Christentums waren fast durchweg Iroschotten. Völlig verschieden von den 
fränkischen Mönchen, die wie die orientalischen Asketen ein völlig aktionsloses 
Leben führten und in keiner Weise Einflußnahme auf ihre Umgebung anstrebten, 
brachten diese Insulaner alle Erfordernisse eines Missionarius ApostoHcus mit: 
vor allem Unerschrockenheit allen Gefahren und Entbehrungen gegenüber und 
einen rastlos unsteten Wandertrieb. In dieser nomadenhaften Gestaltung des 
ältesten germanischen Christentums bei uns ist auch der Grund zu suchen, wes- 
halb keinerlei monumentale Erinnerungen von der römischen Übergangszeit bis 
herauf ins 9. Jh. bei uns erhalten sind. 

Die ältesten und zahlreichsten klösterlichen Zentren des Frühchristen- 
tums in Baden sind in Mittelbaden, in der Mortenau, zu suchen. Die Einwirkung 
von fränkischem Gebiet aus auf dem Weg über Straßburg ist hier unverkennbar; 
außerdem scheint gerade dieser Teil des badischen Landes dem fränkischen 
Einfluß ganz besonders unterstellt gewesen zu sein. Wir haben hier in geringer 
Entfernung voneinander die Gründungen von Ettenheimmünster, Schuttem, Gengen- 
bach, Honau und Schwarzach, wovon die zwei ersteren vielleicht noch ins 7. Jh. 
hinab reichen, während die anderen sicher in der ersten Hälfte des 8. Jhs. ent- 
standen sind. Das Gebiet scheint zu einem großen Teil fiskalisch gewesen zu 
sein; so dürfte es erklärlich werden, weshalb dem Frankenkönig unterstellte Ale- 

*) Andere alte Michaelskirchen in unserm Kreise sind in Appenweier, Honau, Sand, Schutter- 
7,ell, Unterharmersbach. 

2) Im Kreis Offenburg in Hofvveier, Ottenheim, Oberharmersbach. 



EINLEITUNG. XTTT 

mannenherzöge oder auch fränkische Gaugrafen wie Rudhardus oder Adelbert 
mit der Gründung von Schwarzach und Gengenbach bezw. von Honau, d. h. mit 
deren Dotierung, in Beziehung gebracht und weshalb sehr viel später Heinrich IL 
diese Klöster, wie Schuttem und Gengenbach, dem neugegründeten Bistum Bam- 
berg zuweisen konnte. Und auch weiterhin treten uns hier Inhaber von Reichs- 
lehen und eine enge Verquickung der Schicksale dieser Gegend und ihrer Klöster 
mit der Reichspolitik entgegen. 

In ihren Anfängen waren diese klösterlichen Niederlassungen (Ettenheim- 
münster und Schuttem, vielleicht auch noch Honau) ursprünglich Einsiedeleien, 
so wie wir es auch von den Anfangen des Klosters Münster in Gregorienthai 
(Elsaß) wissen. Eine feste, für alle Lagen bindende Regel scheint nicht bestanden 
zu haben; auch die Einwirkung auf die umwohnende Bevölkerung dürfte, nach 
den kümmerlichen Nachrichten zu schließen, nicht sehr groß gewesen sein. 
Solche Niederlassungen bestanden entweder für sich (Schwarzach, Honau, Etten- 
heimmünster) oder knüpften an schon vorhandene civile Gemeinden an (wie in 
Schuttern und wohl auch in Gengenbach). Möglich, daß die nationale Sonderart 
dieser Iren oder, wie sie im damaligen Sprachgebrauch hießen, Schotten, eine 
Annäherung mindestens erschwerte; erst allmählich ist wohl auch der Einheimische 
solchen Niederlassungen beigetreten. Aber noch in den Tagen Ludwigs des 
Frommen zeigen uns die Klosterlisten einen großen Prozentsatz Iroschotten. 
Eine gründliche Reform dieser Mönchsgründungen und damit eine Herbeiführung 
einheitlich geordneter und gefestigter Zustände erfolgte durch die Einführung 
der Benediktinerregel im ersten Viertel des 8. Jhs. Diese Reform ist in der 
Hauptsache das Werk Pirmins (gest 753), der außer verschiedenen elsässischen 
Klöstern bei uns Gengenbach, Schwarzach und Schuttern gründete bezw. der 
neuen Regel zuführte. 

Auf die innerkirchlichen Verhältnisse in den alemannischen Landen wirft 
das in der ersten Hälfte des 8. Jhs. entstandene Stammesgesetz scharfe Streif- 
lichter.^) Das Volk ist der Hauptsache nach christlich, enthält aber noch einen 
größeren Prozentsatz Heiden. Den kirchlichen Personen und Einrichtungen ist 
überall die erste Stelle eingeräumt, aber das moralische Niveau ist, wie sich 
aus all den Bestimmungen ergibt, ein nicht sehr hohes. Die Kirchen scheinen 
klein und sogar ohne das sonst übliche Atrium gewesen zu sein, so daß Asyl- 
suchende sich in das Innere flüchten mußten. Im übrigen war das kirchliche 
Leben völlig schon organisiert; es werden uns Bischöfe ebensowohl wie Presbyter 
und Diakone bezeugt. Für uns kommt hier allein das Bistum Straßburg, dessen 
Grenzen teilweise mit denen des nördlichsten Teiles alemannischer Lande zu- 
sammenlaufen, in Betracht. Der badische Teü dieses Bistums, der offenbar erst 
nachträglich, infolge der Missionierung, hinzukam, umfaßte die drei Landkapitel 



^) Vgl. die Ausgabe von K. Lehmann in Mon. Germ. Legg. V S. i (Hannover 1888), dazu 
Hauck, Kirchengesch. Deutschlands I, S. 343 ff. 



XIV EINLEITUNG. 

(Lahr, Offenburg, Ottersweier), die das sechste Archidiakooat (seit 1 2. Jh. nach- 
weisbar) des Bistums, Ultra Rhenum, ^) bildeten. In der frühesten Zeit begegnen 
uns in Honau Chorbischöfe, die zugleich Äbte waren. Ihnen kamen ofTenbar für 
einen Teil dieses rechtsrheinischen Sprengeis in Unterordnung unter den eigent- 
lichen Stadtbischof gewisse Rechte für das Land zu; der spätere »Chorbischof« 
ist dann nur identisch mit Archidiakon und partizipiert als solcher an der Ver- 
waltung der Diözese. 

Über die innere wirtschaftliche und politische Geschichte des 
Landes unter den Alemannen und Franken steht noch so wenig gesichert fest, 
daß wir nur mit äußerster Vorsicht einige Andeutungen geben können. Zur 
Zeit, als die ersten Alemannenscharen sich zum Anstürme gegen das Deku- 
matenland rüsteten, dürften ihre rechtlichen und wirtschaftlichen Ordnungen im 
ganzen noch dem von Tacitus gezeichneten Bilde nahegestanden sein. 2) Schon 
zu Cäsars Zeit macht sich der Übergang von einer rein militärischen zu einer 
landschaftlichen Gliederung bemerkbar, wenn wir von den angeblich 100 Gauen 
der Sueben hören, von denen jeder angeblich 1000 Mann zur Heerfahrt stellte 
und ebenso viele zu friedlicher Arbeit daheimließ. ^) »Zu Tacitus' Zeit war der 
Gau bereits zu einem räumlich abgegrenzten Gebiete geworden.« *) Auch die 
sonstigen militärischen Gliederungen, von denen wir wissen, galten fiir Rechts- 
und Wirtschaftsleben, so die Abteilung in Hundertschaften und die untersten 
Abteilungen der Sippschaften. Zur Zeit des Tacitus scheinen Sippennieder- 
lassungen bereits existiert zu haben, die aus einem oder mehreren Höfen 
bestanden. 

Durch die römischen Geschichtschreiber hören wir aus der Epoche, da 
die Alemannen die rechte Rheinebene besetzt hatten, von vielen gleichzeitigen 
Gauftirsten oder Königen, besonders zu den Zeiten Julians, aber von den Namen 
der einzelnen Gaue erfahren wir nur wenige, so den des Breisgaus. Mit der 
Zeit verwischte sich die Sonderstellung der Gaue sowie ihre landschaftliche 
Abgrenzung, und statt der früheren Vielzahl von Fürsten und Königen finden 
wir im 5. Jh. bei den Alemannen nur einen Herrscher.^) Auch dieser Zusammen- 
schluß aber war nicht mehr im stände, den übermächtigen Ansturm der Franken 
zu bekämpfen. In zwei Feldzügen — wie jetzt angenommen wird, allerdings 
nicht ohne Widerspruch — wurden die Alemannen unterworfen; der Kampf 

^) Vgl. Baumgartner, Gesch. und Recht des Archidiakonates der oberrheinischen Bistümer 
(Stuttg. 1907), S. 74. 

2) K.W eil er, Die Besiedelung des Alemannenlandes, Württemberg. Vierteljahrshefte NF. 
Vn (1898), S. 300. 

**) Ebenda, sowie Schröder, Lehrbuch der deuUchen Rechtsgeschichle *, S. i8 ff. Wait», 
Deutsche Verfassungsgeschichte I^, S. 2i2ff. Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben im Mittel- 
alter 12 (1880), S. 1489 ff. 

*) Weller a. a. O. S. 307. 

*) Siehe auch Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte I^, S. 128. 



EINLEITUNG. XV 

von 496 brachte nur eine leichte Abhängigkeit, nach einer Erhebung der Ale- 
mannen am Anfang des 6. Jhs. aber wurden dieselben abermals besiegt, ihr 
König und Adel fielen in der Schlacht, und die Alemannen wurden nun stark 
nach Süden zurückgedrängt, obgleich sie sich dem Schutze des Ostgotenkönigs 
Theoderich übergaben; die neue Grenze wurde nach altgermanischem Brauch 
aufs genaueste festgelegt,^) sie zog vom Hohenasperg aus in unseren Landen 
>nach einer südlichen Ausbuchtung, die den nördlichen Schwarzwald noch den 
Franken zuwies, in die Gegend der Homisgrinde, von hier die Oos entlang über 
den Rhein«. 2) 

Die Besiedelung des Landes durch die Alemannen hat sich in unseren 
Gegenden so ziemlich auf die Ebene, auf die Bergabhänge und das große 
Kinzigtal beschränkt, der Schwarzwald blieb im allgemeinen frei, ja im Renchtal 
sind bis jetzt nicht nur keine prähistorischen und römischen, sondern auch nicht 
die geringsten alemannischen oder fränkischen Funde gemacht worden. 

Die Alemannen scheinen sich ähnlich den anderen deutschen Völkerschaften 
in größeren Haufen gemeinsam angesiedelt zu haben, wie das ja auch natürlich 
ist, und zwar nach Familien und Sippen. Ebenso ergibt sich von selbst aus 
der Sachlage, daß in den einzelnen Seitentälern sich auch Einzelhöfe fanden. 

Bei der Anlage von größeren Siedelungsstätten scheint man die römischen 
Wohnorte gemieden zu haben, »deren Ackerland man jedoch gerne benutzte; 
die Wohnplätze liegen nicht auf der Stätte der römischen Gebäulichkeiten, 
sondern in einiger Entfernung von denselben«.^) Mit dieser Regel scheint mir 
übereinzustimmen, was ich in der Geschichte der Stadt Offenburg angedeutet 
habe. Während nämlich das römische Kastell, das auch Fabricius hier ver- 
mutet, allen Funden nach an der Stelle der erst im 12. Jh. erwähnten mittel- 
alterlichen Stadt gelegen haben muß, ist das Kinzigdorf, das früh als Dingstätte 
der Grafschaft auftritt, nördlich davon gelegen, wir dürfen in ihm wohl eine 
frühe Alemannenansiedelung vermuten. Gleichermaßen haben sich römische 
Reste auf dem Kastelberg bei Gengenbach gefunden, und wenn wir alten An- 
gaben trauen dürfen, ist das spätere Kloster auf den Trümmern eines immerhin 
möglichen römischen Kastells errichtet worden, während die früheste germanische 
Ansiedelung weiter westlich lag, wo noch der Titulus der alten Pfarrkirche 
ad S. Martinum auf frühfränkische Zeit zurückgeht. Die alte germanisch-gallische 
Bevölkerung ist durch die Alemannen teilweise vernichtet oder in die Gebirgs- 
täler verdrängt worden, in welch letzteren sie sich noch lange erhalten haben 
mag, gerade im unteren Kinzigtal, in Gengenbach und Welschensteinach haben 
wir interessante Anhaltspunkte dafür. 

*) Weiler a. a. O. S. 325. von Inama-Stcrncgg, Deutsche Wirtschaftsgeschichte £''1879^, 
S. 29 fif. 

^ Weller a. a. O. S. 326. 
«) Ebenda S. 333. 



XVI EINLEITUNG. 

Mit Sicherheit einzelne Orte unseres Gebietes auf alemannische Gründung^ 
zurückzuführen, scheint nicht möglich, jedenfalls lassen sie sich nicht von den 
Gründungen in der fränkischen Zeit unterschdden. Nach den Erwähnungen und 
ihrem Namen gehen aber ungefähr folgende Orte ziemlich in die Anfange des 
Mittelalters hinauf: im Amt Achem: Gamshurst, Sasbach, Wagshürst; im Amt 
Bühl: Breithurst, Schwarzach, Unzhurst; im Amt Kehl: Auenheim, Boderswder, 
Freistett, Hausgereut, Kork, Willstett; im Amt Lahr: Burgheim, Dinglingen, 
Friesenheim, Schopfheim, Ottenheim, Wittelbach; im Amt Oberkirch: Stadd- 
hofen, Urloffen; im Amt OfTenburg: Appenweier, Biberach, Bohlsbach, Ebers- 
weier, Gengenbach, Griesheim, Hannersbach, Nordrach, Ortenberg, Staufenberg, 
WaJtersweier, Windschläg; im Amt Wolfach: Steinach ;^) wozu aber bemerkt 
werden muß, daß in dieser Aufführung weder Vollständigkeit erstrebt noch 
zwischen alemannischer oder fränkischer Gründung unterschieden, noch überhaupt 
der Ursprung vor dem 8. bis 9. Jh. mit Sicherheit behauptet werden kann. 

Südlich von der genannten schwäbisch-fränkischen Grenze ist der Ausbau 
des Landes jedenfalls ganz von den Alemannen ausgegangen, und die Franken 
hatten als Volksstamm keinen Anteil daran,*) doch findet bei der Abhängigkeit 
von den Franken natürlich in gewissem Grade ein Eindringen derselben statt. 
Vor allem aber dringt unter den Merowingem ein Teil fränkischen Rechtes in 
die alemannische Gerichtsverfassung ein, so in der Grafschaftsverfassung, 
die charakteristisch für das merowingische Reich ist. In den Zeiten des Stammes- 
herzogtums wurden diese Grafen wohl von dem Herzog ernannt.') Bis in das 
8. Jh. nämlich erhielt sich dieses Herzogtum, das schon bei der Einverleibung 
unter Theudebert I. bestand und eine bedeutende Macht besaß, aber von der 
Zentralgewalt des Reiches abhängig war ; gegen das Ende seines Bestehens nur 
erscheint es fast völlig selbständig. 

In den Kämpfen der beiden Königinnen Brunhild und Fredegund tritt der 
Alemaimenherzog Uncelin auf, später der tapfere Gotfrid, der den merowingischen 
Hausmeiem ziemlich zu schaffen machte, ihm folgt wahrscheinlich*) Villehari, 
gegen den Pippin der Kleinere mehrere Züge unternehmen mußte, dann Lant- 
frid I., Theobald und endlich Lantfrid ü., der von demselben Pippin endgültig 
(748) niedergeworfen wurde, womit auf längere Zeit das Stammesherzogtum 
beseitigt war; die Grafen wurden von nun an direkt von der Zentralgewalt 
ernannt. Sie sind die eigentlichen Provinzialbeamten, die einzigen öffentlichen 
Beamten ihres Sprengeis ; vom König auf Lebenszeit ernannt, konnten sie von 
ihm abgerufen oder abgesetzt werden. In der Regel ist der Bezirk des Grafen 
der Gau. Solche aber kannte man nicht in Alemannien; schon seit der zweiten 
Hälfte des 5. Jhs. begegnen uns die alten Gaue nicht mehr. Auch gab es hier 

1) Siehe auch Schultze a. a. O. XXXII ff. 

2) Weiler a. a. O. S. 331. 

3) Ebenda S. 332. 

*) Vielleicht auch nur in der Ortenau (s. unten). 



EINLEITUNG. XVII 

keine römischen civitates, die man zu Grafschaftsbezirken machen konnte; also 
faßte man eine Anzahl von Hundertschaften zusammen und bildete so die Amts- 
sprengel der Grafen, die aber vor dem 8. Jh. noch keinen festgesetzten Umfang 
hatten, für jeden Fall vielmehr besonders festgestellt wurden. Eine Festlegung 
wäre ja auch eine Minderung der Rechte des Stammesherzogs gewesen, der 
aus seinen Verwandten oder Vertrauten den Grafen ernannte. Nach dem Auf- 
hören des Herzogtums ändert sich das, die Grafen unterstehen nun direkt der 
fränkischen Regierung, und die feste Abgrenzung der einzelnen Grafenbezirke 
wird, wie im übrigen Frankenreich, auch hier durchgeführt.^) Erst seit der 
Mitte des 8. Jhs. erscheinen so die Gaue in den Urkunden, zunächst die 
Bertholdsbaar am oberen Lauf des Neckars und der Donau, die Ortenau — seit 
763 genannt — , als Gau erstmals bezeichnet 845. Im Jahre 700 hören wir ferner 
in der Vita s. Desiderii von dem obengenannten Herzog Villehari: >ad fines 
Alamannorum ad locum cuius vocabulum est Mortenaugia, ubi dux praeerat 
Williarius,c wobei möglicherweise es sich nicht um einen Stammesherzog handelt, 
sondern nur um einen Herzog der Ortenau (?), vielleicht um einen »dux«, einen 
hauptsächlich militärischen, höheren Beamten als der Graf, dessen Sprengel 
stets mehrere Grafschaften umfaßt,*) der aber zugleich Graf eines Gaues sein 
kann. Direkt als Gaugraf bezeichnet wird dann zu Zeiten des Königs Arnulf 
ein Elbarhard.*) Im Jahre 926 wird ein Graf Bemold erwähnt und als Malstätte 
das oben schon besprochene »oppidumc »Chincihdorf«. 961 bis 1003 erscheint 
in den Urkunden als Gaugraf Cuonrad,*) dazwischen aber 994 ein Graf Cuno. 
1007 hören wir dann von dem icomitatu Hessini comitis«, endlich gelangt die 
Grafschaft an die Zähringer, und zwar an Bezelin, der 1016 genannt wird, denn: 
»in comitatu Bertoldi in pago Mortinowac wird man wohl mit Heyck auf ihn 
beziehen,*^) da sein Sohn die Grafschaft erbt. Unter den Zähringern wird nun 
auch das bisher noch wüste Renchtal besiedelt Als dann Bertold I. die Herzogs- 
würde erhielt, gab er die Grafschaft der schwäbischen Gaue auf, da das Ver- 
hältnis zu dem Herzog von Schwaben, Rudolf von Rheinfelden, nunmehr doch 
lästig wurde, und so treten andere Grafen auf, 1064 ein Wemhard, 1070 ein 
'LuitfHd.*) Dieser wird genannt in einer Urkunde, in welcher der Franke Sieg- 
fried sein Gut Ulm mit Ulmburg dem Bischof von Straßburg schenkt, gelegen 
>iii pago Mortinowa in comitatu ChinzihdorfT et Otenheimc. Man hat aus dieser 
merkwürdigen Bezeichnung der Grafschaft mit zwei Dingstätten auf eine Teilung 
der Ortenau in zwei Grafschaften geschlossen, wogegen sich Th. Müller in 

^ *) Hier wie im vorhergehenden folge ich Well er s Darlegungen. 

2) Gebhardt a. a. O. I^ S. 164. 

•) Krieger, Topograph. Wörterbuch II*, S. 435, sowie Schnitze, Die Gaugrafschaften 
des alemannischen Badens. 

*) Schnitze a. a. O. S. 4 und Grandidier, Oeuvres in^dites n, S. 34. 

*) Heyck, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 13. 

•) Heyck a. a. O. S. 31. Schnitze a. a. O. S. 4. Mitteil. d. Inv. f. Österr. Cfcschichts- 
foischung V, S. 406. Wttrdtwein NS. VI, S. 243. 

Band Vn. II 



XVIII EINLEITUNG. 

einem Aufsatze gewendet hat.') Wie dem auch sei, scheint es doch, daß gleich 
nachher wieder nur eine Grafschaft bestanden hat, die als letzter Burkard von 
Staufenberg innehatte, der auf der gleichnamigen Burg über Durbach residierte 
und bis 1092 regierte. Aus welchem der bekannteren Dynastengeschlechter er, 
sein Bruder Bertold, die späteren Heinrich, Konrad und Adalbert stammten, ist 
bisher noch nicht mit Sicherheit festgestellt worden. Mit ihm hört wahrscheinlich 
die Gaugrafschaft auf. Im 12. Jh. hatten die Zähringer bis zu ihrem Aussterben 
die Ortenau inne, wie es scheint als Lehen des Bistums Bamberg; nach dem Aus- 
sterben des Herzogshauses nahm der große Hohenstaufe Friedrich II. das Land 
wieder an sich, sein Vogt residierte auf Ortenberg. Die kaiserlichen Gerecht- 
same wurden von nun an durch einen kaiserlichen Landvogt ausgeübt; der Sitz 
desselben bezw. seines Vertreters war sicher schon 1233 die Burg Ortenberg, 
»der Stein« Ortenberg, auf dem später jährlich zweimal das kaiserliche Hof- 
gericht abgehalten wurde. Ihm war der Rest der Grafschaft und des Reichs- 
gutes unterstellt, soweit es von den Erwerbungen der großen Dynasten und des 
Bistums Straßburg unberührt war. Der Landvogt des Reiches war zugleich der 
Kastvogt des Klosters Gengenbach. Doch scheint in den Kämpfen Friedrichs II. 
mit dem Papst, in den Wirren, die das Reich damals durchmachte und die von 
allen Seiten zur Machtvergrößerung benutzt wurden, die Bedeutung der alten 
Grafschaft bezw. Landvogtei sehr geschwunden zu sein, andere Mächte spielten 
jetzt die erste Rolle in der Geschichte der Ortenau. Neben den Ansprüchen 
der Erben des Zähringer Herzogshauses, der Grafen von Urach, war es das 
Dynastengeschlecht der Geroldsecker, welches damals auf seinem Höhepunkt 
stand; in dem sogen. Hanauer Land (etwa Amt Kehl) aber konsolidierte sich 
im 13. Jh. die Macht der Herren von Lichtenberg, die Reichsstädte der Ortenau 
erkämpften sich ihre Selbständigkeit. Ehe wir indes auf diese Verhältnisse näher 
eingehen, müssen wir einen Blick auf die kirchliche Entwickelung werfen, zumal 
die Klöster, insbesondere Gengenbach und Schuttern, als politische Faktoren 
noch vor den weltlichen Mächten in Betracht kamen. (Wth,) 



Die Besiedelung des Landes durch die Alemannen, deren Unterwerfung 
unter die Franken und die dadurch bedingte eigenartige Entwickelung der ältesten 
Christianisierung hat auch einen Niederschlag aufzuweisen in dem Patronat 
der ältesten Kirchen. Außer den fränkischen und orientalischen Elementen, 
welche die nationale Provenienz dieser Missionierung kennzeichnen, sind als 
Kirchenpatrone ganz besonders beliebt die Apostelfürsten, oft noch neben Maria, 
Georg (Berghaupten, Gaisbach, Willstätt; als Patron von Burgkapellen und des 
Ritterstandes auf Schloß Staufenberg) oder Johannes Evang. und Bapt., Stephanus. 

*) Th. Müller, Beiträge zur Geschichte der Ortenau I, Graf Burkard von Staufenberg und 
die Grafen der Ortenau, Z, NF. 8, S. 419 ff. 



EINLEITUNG. XIX 

Die Bevorzugung solcher Kirchenpatrone ist ein wertvoller Hinweis auf den 
Geist dieses ältesten Kirchentums, auf die engen Beziehungen zu Rom, mit dem 
Angelsachsen wie das Frankenland in regem Verkehr standen. Namentlich 
mußten die Pilgerwallfahrten an die heiligen Stätten von selbst den Wunsch 
wecken, auch in der Heimat ähnliche Kultorte zu besitzen. Nur so läßt sich 
meines Erachtens befriedigend die Tatsache erklären, daß die Apostelfiirsten 
zusammen so häufig in dieser Frühzeit als Patrone von Kirchen vorkommen.*) 
Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß sie mancherorts erst nachträglich hinzu- 
gefügt worden sind, eventuell in der Pirminschen oder Winfridschen Reform, um 
dadurch ein Bekenntnis der Zugehörigkeit zu Rom monumental festzulegen; so 
erhält auch die Häufigkeit von Doppelpatronaten, an denen sehr oft Petrus und 
Paulus beteiligt sind (Honau, Burgheim bei Lahr, Schwarzach, Schuttem u. a.), 
eine natürliche Motivierung. Andererseits hat offenbar auch Straßburg, und 
dieses wohl unmittelbar, durch seine Kirchenpatrone auf die Auswahl der 
Heiligenpatronate Einfluß gehabt. So ist es leicht denkbar, daß das Patronat 
des h. Stephanus (Reichenbach), des h. Nikolaus (Griesheim, Altdorf, Haus- 
gereute, Eckartsweier, Freistett, Gamshurst, Seelbach, Unterentersbach), des 
h. Hilarius (Weilersbach), des h. Michael u. a. auf solche Anregung von selten der 
bischöflichen Kirche zurückgeht; auch das Doppelpatronat der Heiligen Nabor und 
Felix (Oberweier bei Lahr) scheint aus dem Elsaß, wo bei Rosheim eine gleiche 
Kirche war, zu uns verpflanzt worden zu sein. Auch die Heiligen Arbogast 
(Marien, Haslach), Gangolph (Offenburg), Aper (ebenda), Leodegar (Oberschopf- 
heim, im Elsaß Patron von Murbach, Masmünster, Münster im Gregoriental, 
Niedermünster) dürften aus dem Elsaß infolge der Zugehörigkeit zur Straßburger 
Diözese übernommen worden sein. Von Honau erhielten wohl Urloffen und 
Niederschopfheim die h. Brigida als Patronin. Außer diesen äußeren Motiven 
ist die Wahl dieses oder jenes Heiligen in der Frühzeit meist auch noch bedingt 
durch eine innere Bezugnahme auf gewisse Bedürfnisse der Menschen oder der 
Gemeinde; derart wurde der h. Nikolaus gerne an Flüssen gewählt als Patron 
der Fischer; später überhaupt ganz allgemein infolge seiner großen Volkstüm- 
lichkeit imd als mildtätiger Wohltatenspender verehrt. Nicht weniger beliebt 
waren die Patrone gegen Krankheiten (Rochus, Quirinus, Sebastian), der Vieh- 
zucht (Antonius der Einsiedler in Antogast, Schuttertal; Wendelinus); am 
Schlüsse des Mittelalters waren für die Auswahl entweder das Vorhandensein 
hervorragender Reliquien, die Erinnerung an berühmte Wallfahrten (Jakobus, 
Michael), der Bestand von Bruderschaften oder besonders gnadenreichen An- 
dachten (Georg, Katharina, Ursula, Barbara u. a.), die Zugehörigkeit zu den in 
Leibes- und Seelennöten besonders verehrten 14 Nothelfem bestimmend (Georg, 
Erasmus, Pantaleon, Dionysius, Achatius, Agidius, Katharina, Blasius, Vitus, 
Christophorus, Cyriacus, Eustachius, Margareta und Barbara). 



^) Vgl. hicrttber auch meine Zusammenstellung im FDA. NF. VIII (1907), S. 231 flf. 



XX EINLEITUNG. 

Sehen wir von dem schon im früheren Band behandelten Kloster Ettenheim- 
münster ab, das aus der Einsiedelei des nur legendarisch bekannten h. Landolin 
sich herausentwickelte, so ist im Mittellande Schuttern die älteste Idösterliche 
Niederlassung, gegründet allen Nachrichten zufolge von Angelsachsen und noch 
vor dem 8. Jh. und, wenn wir aus der ältesten Bezeichnung OfTonis willare, 
nicht -cella, Schlüsse ziehen dürfen, in einem schon bestehenden Gemeinwesen. 
In den zwanziger Jahren des 8. Jhs. sehen wir auch hier die Benediktinerregel 
dank dem Eingreifen des h. Pirmin einziehen. Aus der Bruderschaftsliste, die 
loo Jahre später bei der Aufnahme Schuttems in die Gebetsverbrüderung der 
Reichcnau angefertigt wurde, sowie aus anderen historischen Dokumenten ersehen 
wir^ daß das Kloster eine angesehene und stark besiedelte Reichsabtei /wrar, die 
aber, wohl weU sie ursprünglich aus Reichsgut dotiert wurde, erst durch Otto Ü. 
das Recht einer freien Abtswahl erhalten konnte und die nach mancherlei Schick- 
salsschlägen 1009 an das neugegründete Bistum Bamberg als Lehen vergabt wurde« 
In welcher Weise das hier besonders klar in die Erscheinung tretende Kastvogtei- 
§ystem in die inneren Verhältnisse des Klosters eingriff und wie sich dessen Ver- 
hältnisse überhaupt im Laufe des Mittelalters gestalteten, wird man weiter unten 
nachlesen können. Das Kloster Honau wurde ungefähr um 720 von dem Grafen 
Adalbert und dem Abt Benedikt gegründet.*) Es war eine ausgesprochene 
Schottenniederlassung; die Namen der meisten ältesten Abte sind durchaus irisch: 
Duban, Egidan, Forgal, Adalloch u. a. Bemerkenswert ist außerdem, daß die 
sechs ersten Abte (Benedictus, Duban, Stephan, Beatus, Egidan, Thomas) in 
Urkunden*) den Charakter eines Bischofs erhalten. Sie können aber nichts anderes 
gewesen sein als Regionarbischöfe, die gewisse weniger bedeutende bischöfliche 
Funktionen neben dem Ordinarius in einem Landsprengel oder auch nur in 
ilirer Klostemiederlassung ausüben durften. 

Wenn die Überlieferung als Gründer bald den Adalbertus dux, einen Sohn 
Ettichos, nennt, bald den Bischof und Abt Benedict,^) eine Differenz, die uns 
auch bei Gengenbach begegnet, so läßt sie sich leicht auf eine einheitliche Tat- 
sache zurückführen, insofern Benedict als der seine Niederlassung begründende 
Missionär oder Peregrinus zu fassen ist, Adalbertus als der eventuell in königlichem 
Auftrag handelnde Stifter, der das Besitztum anweist. Jedenfalls unterlag die 
Abtswahl bis zum Jahre 884 der Bestätigung des Königs; erst damals sprach 
Karl der Dicke auf Anregung eines Klostervogtes die Freiheit des Besitzes imd 
der Abtswahl aus. Noch im 8. Jh. hatten sowohl Pippin wie Karl der Große 
die ursprünglichen Güterzuwendungen auf beiden Seiten des Rheines neu be- 



^) Vgl. Sickel, Acta regnum. et imperatoram Karolingorum II (Wien 1876), S. 216. — Gran- 
didier, Hist. de l'^gl. et des ^vßques-princes de Strasb. I, S. 398 — 410, und CEuvres in^dites I, 
S. 157—165. — Hauck, Kirchengesch. Deutschi. I (1904), S. 305. 

'^) So eine Urkunde Pippins etwa um 748 (Mon. Genn., Diplom. I), S. 106; Böhmer- 
Mühlbacher, Kegesta Imperii I, Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern I, Nr. 60. 

^) Eine Urkunde Karls des Großen vom Jahre 775. Böhmer-Mühlbacher a. a.O. S. 185. 



EINLEITUNG. XXI 

stätigt und um ein beträchtliches vermehrt und in jeder Weise ihre Gunst den 
von den Einheimischen nicht immer freundlich behandelten Fremden bezeugt. 
Einen Besitzstreit zwischen Honaa und Corvcy ließ Karl der Große 870 in 
Schlettstadt durch die Kreuzprobe zugunsten des ersteren entscheiden. Die 
weitere Geschichte des Klosters interessiert hier weniger, da sie sich auf Besitz- 
nachrichten beschränkt. Ende des 11. Jhs. wurde es in ein weltliches Chor- 
herrenstift verwandelt, 1290 wegen Bedrohung durch den Rhein nach Rheinau ver- 
legt und 1398 aus dem gleichen Grund mit Alt -S.Peter in Straßburg vereinigt.^) 

Ungefähr um die gleiche Zeit wie Honau entstand auch das Kloster in 
Gengenbach, offenbar inmitten einer bürgerlichen Niederlassung. Als Gründer 
nennt die Tradition den Ruthardus dux und auch Pirmin, wobei wohl das gleiche 
Verhältnis anzunehmen ist wie in Honau. Nach der Reichenauer Verbrüderungs- 
liste ist es in der ersten Hälfte des 9. Jhs. eine stark besiedelte Niederlassung. 
Wie Schuttem kam auch Gengenbach zu Anfang des 11. Jhs. an. das Bamberger 
Bistum. 

Von diesen drei klösterlichen Ansiedelungen sind es namentlich Schuttern 
und Gengenbach, die auch wesentlich den Gang der kirchengeschichtlichen 
Entwickelung während des ganzen Mittelalters bestimmen. Nicht nur daß sie 
für Urbarmachung der Gegend erfolgreich tätig waren, daß sie durch überreiche 
Zuwendungen und Privilegienverleihungen immer mehr ihre Macht festigten und 
ausdehnten und schließlich bis zu einem Grade, daß heftige Konflikte mit anderen 
Instanzen sich daraus ergaben: viel bedeutsamer ist es, daß ihr Verhältnis zum 
Reich auch die Wogen der großen Kämpfe der deutschen Kaiser hierher lenkte. 
Welche Haltung Schuttem im Investiturstreit einnahm, entzieht sich unserer 
Kenntnis, da die Chronik gerade für diese 100 Jahre eine Lücke aufweist; um 
so besseren Einblick in die bewegten Verhältnisse jener Zeit gewähren uns die 
kaiserfreundlichen Annalen von Gengenbach. Hier vollzog sich jahrzehntelang 
keine Abtswahl mehr in ruhiger und . normaler Weise. Anscheinend stand die 
Mehrzahl des Konvents zum Papst, aber des Kaisers Anhang war dafür um so 
mächtiger und einflußreicher. Sobald nicht die Wahl eines ihm ergebenen Abtes 
anzunehmen ist, ernennt Heinrich IV. kurzerhand einen, wie 1074 den kurz 
zuvor in der Reichenau abgesetzten und exkommunizierten Ruotpert, einen 
simonistischen, habgierigen Mann, der schon 1075 erschlagen wurde. Auch sein 
Nachfolger ließ sich als Kaiserlicher nicht halten, und als Poppo 1083 gestorben, 
kam überhaupt sechs Jahre lang keine Wahl zustande. Der 1089 endlich Gewählte 
hatte offenbar auch eine große Gegnerschaft im Kloster, denn er wurde rasch 
vertrieben und konnte erst 1096 wieder von seinem Posten Besitz ergreifen. Die 
Kämpfe der Staufer mit den Päpsten machten sich erst in deren letzter Phase 
auch hier fühlbar; sie wurden nicht etwa als Prinzipienfragen, sondern als 
günstige Gelegenheit aufgefaßt, Einfluß und Besitzstand zu mehren. Schuttern 

^) Grandidier, Oeuvres inödites I, S. 159 ff. 



XXII EINLEITUNG. 

stand anfänglich auf selten Friedrichs II., verließ aber dessen Sache wie auch 
der Bischof von Bamberg, der von Straßburg und die Geroldsecker. Ob der Leut- 
kirchenstreit zwischen dem Ortenauer Adel und dem Stift Gengenbach ebenfalls 
einen solch politischen Hintergrund hatte, läßt sich mit Bestimmtheit heute nicht 
mehr sagen. Jedenfalls standen die königlichen Schultheißen, die die Interessen 
des Klosters Gengenbach in erster Linie zu wahren gehabt hätten, auf Seiten 
der Adeligen, so daß die Gengenbacher erst durch Anrufung der Hilfe der 
Königin ihr Recht durchsetzen konnten. In welcher Weise um dieselbe Zeit 
der Bischof von Straßburg die verworrene Lage des Kaisers für sich in der 
Ortenau auszunutzen wußte, werden wir weiter unten noch erfahren. Auch in 
den Kämpfen Ludwigs des Bayern, die hier gleichfalls lokal- und sonderpolitische 
Färbung annahmen, waren die zwei Nachbarabteien in ihrer Stellungnahme nicht 
Seite an Seite; wenigstens wird uns über die Haltung von Schuttern Näheres 
nicht mitgeteilt. Wir wissen nur, daß Kloster wie Stadt in dem heftigen Kampf 
des antiköniglichen Bischofs und der Bürgerschaft von Straßburg gegen das 
feste geroldseckische Schloß Schwanau verbrannt und sonst schwer geschädigt 
wurden ( 1333/34)- Gengenbach dagegen stellte sich offen und entschieden auf 
die Seite des Bayern, freilich auch nur, wie wir sehen werden, um für seine 
Interessenpolitik gegen die Reichsstädte Gengenbach und Offenburg eine einfluß- 
reiche und wirksame Stütze zu erhalten. 

Über die Entwickelung der Klöster im einzelnen, über den Ausbau ihres 
Besitzes wird weiter unten im einzelnen noch zu handeln sein. Während Schuttem 
bis in die Neuzeit hinein seinen Besitz und seine Rechte gegen die Kastvögte 
zu verteidigen hatte und meist in einer gewissen Abhängigkeit von der politischen 
Gemeinde stand, besonders seit diese zur Stadt erhoben wurde (1337), ist die 
Haltung von Gengenbach eher agressiv gegen die Bürgerschaft. Namentlich im 
13. Jh. hatte dieses Kloster durch Rodungen und Bergbau wie auch durch 
Stiftungen nahezu ein geschlossenes, das ganze untere Kinzigtal umfassendes 
Territorium sich geschaffen, innerhalb dessen dem Abt sehr weitgehende Rechte 
und Privilegien zustanden, wie zwei Drittel des Gerichts und des AUmendgenusses 
und das sehr ausgedehnte Fallrecht. Dadurch ergaben sich vielfach Reibereien 
zuerst mit dem Nachbaradel, teils weil Kompetenzen strittig waren, teils weil 
widerrechtlich kirchlicher Besitz angeeignet wurde, wie im Falle der Gengen- 
bacher Martinskirche. In letzterer Angelegenheit mußte der Konvent sich selbst 
gegen einen Gegenabt wehren, den der Adel ihm aufgedrungen hatte, und in 
corpore die Hilfe der gerade in Hagenau residierenden Königin anflehen (1235). 
Beachtenswert ist es, wie schon hervorgehoben, daß die königlichen Schultheißen 
als Beamte der Ortenauer Lehen auf seiten der Klostergegner standen, wie auch 
nochmals später unter Rudolf von Habsburg, der ihnen einschärfen mußte, sich 
jeglicher Schikanen und der Beeinträchtigung von klösterlichen Rechten und 
Einkünften zu enthalten. 



EINLEITUNG. XXIII 

Das wachsende Selbstbewußtsein der Städte, das sich vor allem in der 
Bekämpfung der Rechte und Privilegien der Grundherrschaft und ganz besonders 
der geistlichen Herrschaft äußerte, nicht zum wenigsten auch das Beispiel von 
Straßburg, das in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. in blutigen Waffengängen die 
Gewalt und den Einfluß des Bischofs in der Stadt gebrochen hatte, führten 
hauptsächlich in Gengenbach zu jahrhundertelangen Reibereien. Die Rechte der 
Abtei konnten im Ernst kaum angefochten werden; anders stellt sich aber die 
Frage, ob es klug war von selten der Äbte, gerade gegenüber den veränderten 
Verhältnissen, diese Rechte mit aller Schärfe zu betonen und die Privilegien 
wie unter Ludwig dem Bayern noch zu erweitern (1331). Das fühlte der da- 
malige weitblickende und das Ganze im Auge behaltende Abt Lambert von 
Bum, wenn er die klösterlichen Vorrechte auf ihr richtiges Maß zurückführte. 
Dem Kloster wurde von Ludwig das Recht der Ernennung des Stadtschult- 
heißen wie auch des Oberboten und Stadtmesners zugesprochen, während ihm 
bisher nur ein Einspruchsrecht zustand. Was die Bürger aber ganz besonders 
rebellisch machte, war die weit ausgedehnte und mit Spitzfindigkeiten ange- 
wendete Fallpflicht, das lästige Forstrecht des Klosters und namentlich dessen 
Recht auf zwei Drittel des AUmendgenusses. Die reichsstädtischen Freiheiten 
waren dadurch gelähmt Ebenso fühlte sich Offenburg durch die großen 
Privilegien und Rechte der Gengenbacher Abtei wie durch die Ansprüche auf 
den Gotteshauswald in seinem Aufschwung gehemmt und sah seine Ausbürger- 
politik durch die Ausdehnung der Leibeigenschaftsrechte wie der Gefälle völlig 
bedroht. Trotz wiederholter Mahnungen Ludwigs, sich mit dem Abt zu ver- 
tragen in bczug auf Gülten und Rechte, blieb Offenburg hartnäckig in seiner 
Weigerung und setzte es durch, daß in einem durch den Bischof von Straßburg 
vermittelten Vergleich die Wirkungslosigkeit der klösterlichen Leibfallrechte 
gegenüber allen Bürgern der Stadt, auch den Ausbürgern, anerkannt wurde.') 
In Gengenbach selbst wandelte Abt Lambert das am drückendsten empfundene 
AUmendrecht in die jährliche Abgabe eines kleinen Guldens und einen un- 
bedeutenden Erschatz um. Aber beseitigt, waren die Differenzen zwischen den 
Städten und dem Kloster nicht; dafür fielen die Interessensphären zu oft 
zusammen und waren die Ansprüche beiderseits zu wenig fest umgrenzt. Noch 
in den Tagen der beginnenden Reformation legte die Stadt all ihre Gravamina 
vor, und darunter figurierte jetzt auch die Exemtion des Konvents von allen 
öffentlichen Lasten. Damals bildeten diese Beschwerden die leicht zu durch- 
schauende Maske für die eigentlichen Pläne einer Säkularisierung und Prote- 
stantisierung des Stiftes. 2) 

Während der Besitzstand des Ortenauer Adels im Laufe des Mittelalters 
sich stark verschob und veränderte, blieb im allgemeinen der der Klöster sich 

^) Gothein, Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes I, S. 238 ff. 
*) Ruppert, Z. 31, S. 315 ff.; Z. 32, S. 309 ff. 



XXIV ElNLEn-ÜNG. 

gleich und nahm eher noch zu. Neben den klösterlichen Territorien bildete sich 
in der zweiten Hälfte des Mittelalters noch eine andere Grundherrschaft aus, 
die des Straßburger Bischofs, ^) die auf die Entwickelung der kirchen- 
geschichtlichen Verhältnisse nicht ohne Einfluß war. Auch hier zeigt sich trotz 
aller Zwischenfalle infolge von Verpfandungen die Tendenz, den Besitz immer 
weiter auszudehnen. Nachdem die Bischöfe schon in der ersten Hälfte des 13. Jhs. 
auf der Ullenburg und anderswo rechtsrheinisch begütert waren,*) suchten sie 
die nach dem Aussterben der Zähringer geschaffene unklare Erblage und die 
Gebundenheit des Reichsoberhauptes Friedrich 11. in den kirchenpolitischen 
Kämpfen zur raschen Erweiterung dieses Besitzes durch Aneignung zähringischer 
Güter auszubeuten. Unterstützt durch die Geroldsecker brachte Bischof Heinrich 
von Stahleck Ortenberg und die Städte Offenburg und Gengenbach an sich 
und ließ sich diesen Erwerb durch den Kardinallegaten Petrus wie den Papst 
bestätigen (1248). Als nun auch Graf Konrad von Freiburg vom Gegenkönig 
die Städte Neuenburg und Offenburg und die Landvogtei Mortenau sich zu- 
weisen und ebenfalls durch den Papst bestätigen ließ, kam es zur kriegerischen 
Auseinandersetzung, die für den Bischof erfolgreich verlief Wohl wurde 1250 
sein Bundesgenosse Walter von Geroldseck in der Burg Lahr gefangen gehalten, 
aber im gleichen Jahre noch gab Heinrich von Fürstenberg, der auf Seiten 
Konrads stand, seine Ansprüche auf Offenburg, Ortenberg und Gengenbaeh 
auf, und ebenso scheint auch gleichzeitig Konrad von Freiburg zurückgetreten 
zu sein ; ^) denn die Mortenau verblieb vorerst dem Bischof, bis sie später unter 
Rudolf von Habsburg wieder zurückgegeben werden mußte. 

In den heftigen Kämpfen, welche die Stadt Straßburg in der zweiten Hälfte 
des 13. Jhs. um ihre Freiheit von der bischöflichen Oberhoheit ausfocht, hatten 
die Bischöfe keine Zeit, an Erweiterung ihres Besitzes in der Mortenau zu 
denken. Um so mehr war das im 14. Jh. der Fall; damals wurde die bischöf- 
liche Herrschaft Oberkirch nahezu schon in ihrem späteren Umfang ausgebaut. 
Von Udelhildis, der Witwe Heinrichs von Fürstenberg, fielen dem Bistum durch 
Kauf Fürsteneck und Oberkirch zu -(1303), während die Ullenburg als Lehen, 
hernach als freier Besitz für kurze Zeit an die Schauenburger kam, um später 
noch oft die Besitzer oder Lehensinhaber zu wechseln. Mit Oberkirch gingen 
noch reiche zugehörige Güter in der Umgebung sowie im Oppenauer Tal an 
das Stifl über ; Bischof Johann I. von Straßburg verlieh dem Mittelpunkt dieser 
Herrschaft Stadtrecht und eine Umwallung (1326). Von dieser Zeit fuhrt die 
Stiftsherrschaft in der Ortenau nicht mehr die Benennung nach der Ullenburg, 
sondern noch Oberkirch. In Oppenau war das Stift zum Teil schon ansässig, zum 

^) Vgl. Bader, Die ehemals Straßburg. Herrschaft Oberkirch, Badenia II (1840), S. 219 — 237. 

^) In der zweiten Hälfte des 11. Jhs. war die Ullenburg schenkweise an das Stift Straßborg 
Übergegangen, von dem sie als Lehen an das Haus Zähringen kam, bis sie nach dessen Aussterben 
wieder an das Bistum heimfiel. Vgl. Schöpflin, Als. dipl. I, S. 174; II, S. 124. 

*) Vgl. Z. 9, S. 328, und im übrigen Ruppert, Mqrtenau I, S. 36 ff". 



EINLEITUNG. XXV 

Teil erwarb es noch weiteren Besitz dazu, wie das Gut des Klosters Aller- 
heiligen mit der Burg Friedberg. Kaiser Friedrich trat außerdem (1316) noch 
die Reichsdörfer Renchen, Ulm, Sasbach und das Oppenauer Tal mit der ganzen 
Jurisdiktion, mit der Unabhängigkeit vom Landvogt und mit allen Rechten 
und 1321 die letzten Reichsrechte gegen eine Summe von 300 Mark an den 
Bischof Johann ab, welche Cession 1330 auch durch Ludwig den Bayern bestätigt 
wurde. Dieses bischöfliche Territorium wurde jetzt in die sechs Gerichte zer- 
legt: Oberkirch (mit den Gemeinden Obemdorf, WoUfshag, Winterbach, Lauten- 
bach, Sendelbach, Butschbach, Diepersbach, Giedensbach, Odsbach, Waiden, 
Hesselbach, Schlatten), Kappel (mit Bemardshöfe, Steinenbach, Am Bach, 
Grimmerswald, Seebach, Hagenbruck, Unterwasser, Furschenbach, Waldulm, 
Simmersbach, Ottenhöfen), Sasbach (Sasbach, Ried mit den Zinken Wegscheid, 
Ottenweier und Malchhurst, Obersasbach mit Vogelsberg, Blumberg, Ziegelhof, 
Erlenbad, Kammersbronn, Heinishof, Winterbach, Sasbachwalden mit Sandweg, 
Büchelbach, Lierenbach, Eck, Dollen, Straubenhof mit Hagenberg, Schönbüch, 
Brandmatt, Bischenberg, Härchenberg, Steimelshof, Murberg, Ober- und Unter- 
Langert^ Kappelberg, Schelsberg); Oppenau (mit Guckinsdorf, Boxberg, Fohren, 
Ottersberg, Ebene, Ansätze und Nordwasser, Heimburgertum, Ramsbach, Ibach, 
Löcherberg, Freiersbach, Bästenbach, Döttelbach, Rench, Maisach und Lierbach) ; 
U 1 m (mit den Armenhöfen, Kayer, Weingarten und Rayersbach, Stadelhofen, 
Tiergarten mit Ringelbach, Mosbach, Erlach und Haslach); Re neben (mit 
Schneckenhöfen, Wagshurst und Honau). Den Bischöfen standen in diesem 
Gebiet völlig landesherrliche Rechte zu, die sich auch auf die unmittelbaren 
Ritterglieder ausdehnten. Jedem der sechs Gerichte waren der Schultheiß und 
Stabhalter sowie zehn von der Bürgerschaft präsentierte Gerichtsmänner vor- 
gesetzt, das Zwölfergericht, das filr die niedere Gerichtsbarkeit und Verwaltung 
zuständig war, während für die höhere der in Oberkirch residierende Landvogt 
oder Amtmann und Amtsschreiber in Betracht kamen und im Berufungsfall das 
Hof- und Appellationsgericht in Ettenheim, in früheren Zeiten in Zabern; die 
Gefalle waren der Amtsschaffnei in Renchen zugewiesen. 

Leider bildete die Herrschaft Oberkirch in den langen Jahrhunderten der 
Zugehörigkeit zum Stift mehr das Expediens zum Ausgleich finanzieller 
Schwankungen denn einen Gegenstand planmäßiger Verwaltung. Wie ein leicht 
zu veräußerndes Objekt wurde sie verpfändet oder sonstwie aus der Hand 
gegeben oder auch wieder eingelöst, je nachdem die Lage es erheischte. Erst- 
mals erfolgte eine Verpfändung 1 393. Damals überließ Bischof Wilhelm von 
Diest Fürsteneck mit den zugehörigen Gütern pfandweise dem Kloster Aller- 
heiligen ; im Falle einer Wiedereinlösung hatten die Gerichte Oberkirch, Ulm, 
Sasbach und Renchen für den allenfallsigen Kaufschilling aufzukommen. 1399 
kam gleicherweise ein anderer Teil der Herrschaft mit Oberkirch selbst an die 
Stadt Straßburg, und als das Stift später wieder in dessen Besitz zu kommen 



XXVI EINLEnüNG. 

suchte, entstanden schwere Differenzen (1428/29), in deren Verfolg als Ver- 
bündeter des Bischofs Markgraf Bernhard von Baden ein halbes Jahr erfolglos 
das Städtchen Oberkirch belagerte.^) Erst nach Erlegung der Pfandsumme fiel 
die Herrschaft wieder ganz dem Bischof zu, aber nur um sofort einer schon seit 
längerem gemachten Zusage zufolge um 10 000 Mark an einen Georg von Bach 
(1443) u^d Friedrich von Schauenburg überzugehen. Jedoch fand bald darauf 
wieder ein Rückerwerb statt. Von jetzt an war der Vogtei eine verhältnismäßig 
lange Zeit der Ruhe und der inneren Ordnung beschieden. Selbst die Bauera- 
unruhen beeinträchtigten diesen Zustand nur wenig; dagegen hatte die Herr- 
schaft vom Kapitelstreit des 16. Jhs., wie wir sehen werden, auch wieder die 
unangenehmste Seite zu tragen, und als schließlich 1604 ^^^ Einigung^ erzielt 
wurde, bildete sie ftir die vom Vermittler, dem Herzog von Württemberg", vor- 
gestreckte Entschädigungssumme von 380000 Mark an den protestantischen 
Markgrafen Johann Georg von Brandenburg das Pfandobjekt. 1665 wurde sie 
wieder eingelöst und von jetzt an auch wieder die Spuren des Protestantis- 
mus, die mit den Württembergera eingedrungen waren, beseitigt, namentlich 
seit die Kapuziner erschienen waren. Den Greueln des Dreißigjährigen und 
der späteren Franzosenkriege war das Gebiet als Eingangspforte zum Kinzig- 
tale ganz besonders ausgesetzt. Über das alles ist noch an anderer Stelle zu 
berichten. Erwähnt sei hier nur noch, daß nach der Wegnahme Straßburgs 
durch die Franzosen der Bischof daftir vom Kaiser verantwortlich gemacht und 
gemaßregelt wurde, indem ihm die Herrschaft Oberldrch abgenommen und dem 
Türkenlouis, dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, (1683) zugewendet 
wurde, bis sie im Ryswyker Frieden wieder ans Stift heimfiel (1697). Durch 
die Säkularisation (1803) kam sie an Baden. 

Außer den Benediktinern, die neben den genannten Abteien noch ein zu 
S. Georgen gehöriges Priorat in Rippoldsau (gegründet 1140) hatten, waren in 
unserem Kreis noch die Prämonstratenser vertreten, die sich in dem unwirt- 
lichen Lierbachtal eine von der Herzogin Uta von Schauenburg (1196) gestiftete 
und mit Gütern in Renchen, Ramsbach, Hesselbach, Elesweiler, mit dem Patronat 
über die wichtige Nußbacher Kirche dotierte Heimstätte Allerheiligen schufen. 
Heinrich VII. erweiterte 1227 und 1233 diesen Besitz um ein beträchtliches mit 
dem Reichsgut in der Ortenau ; auch von anderer Seite erfolgten Zuwendungen. 
Entsprechend ihrer Ordensregel treten die Klosterinsassen im Laufe der Jahr- 
hunderte wenig nach außen hervor. In der zweiten Hälfte des 15. Jhs. war der 
Konvent infolge eines Brandes genötigt, nach seinem Besitztum in Lautenbach 
für einige Jahre überzusiedeln; es entstand hier damals (147 1 ff.) die prachtvolle 
Kirche, eines der herrlichsten gotischen Gotteshäuser in Mittelbaden. Vom 
16. Jh. an machte sich Allerheiligen weithin bekannt durch sein treffliches 



*) Vgl. Schöpflin, Hist. Zaringo - Badens II, p. 115 ff. 



EINLFJTUNG. XXVII 

Gymnasium. Von den älteren Orden hatten die Augustiner eine Niederlassung 
in Lahr (1259 gestiftet, 1482 in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt, 1558 
protestantisch geworden), der Dominikanerorden eine wohl bald wieder ver- 
schollene Niederlassung für Dominikanerinnen in Offenburg (gegründet 1246); 
die Franziskaner besaßen Konvente in Seelbach, in Offenburg, wo sie seit 1280 
den Unterricht in Händen hatten ; die Klarissinnen die Niederlassung in Wittichen ; 
die Kapuziner, die im Dreißigjährigen Krieg und den späteren Franzosenkriegen 
durch ihr mutiges Auftreten wie durch mancherlei Sympathien bei dem Feinde 
zum Segen für ihre Umgebung wurden, Niederlassungen in Haslach (gegründet 
1630), in Offenburg (gegründet 1640) und in Oberldrch (gegründet 1696). In 
den wilden Kriegszeiten oblag den Kapuzinern vielfach ganz allein die Seel- 
sorge, denen in Haslach außerdem nach dem Heimfall der Herrschaft Gerolds- 
eck (1649) die Rekatholisierung dieses Gebietes und des Oberprechtales. 
Klausnerinnen und Beghinen werden im hohen Mittelalter in Gengenbach, Ober- 
ldrch und Offenburg erwähnt. 

Für die Entwickelungsgeschichte der Benefizien und Pfarreien bietet der 
Kreis Offenburg verschiedene sehr typische Beispiele dar. Wie in diesem Bezirk 
das Christentum vom fränkischen Gebiet aus über Straßburg durch Kloster- 
niederlassungen einen sehr frühen Einbruch vornahm, so auch durch Gründung 
von Kirchen und sonstigen Gotteshäusern, offenbar zunächst auf fränkischen Kron- 
gütem. Und wie die Circumscription der Bistümer den alten frühgermanischen 
Gebietsgrenzen folgen, so spiegeln sich noch oft in den alten Archidiakonaten 
oder Dekanaten wie in den Pfarreien die alten Grafschaften oder Hundertschaften 
wieder, an die sich die Erinnerung zum Teil bis zur Gegenwart noch in den 
Mark- und Waldgenossenschaften erhalten hat. Derart sind die uralte Pfarr- 
kirche und der Pfarrsprengel Nußbach entstanden. Noch im 10. Jh. verfügte der 
Kaiser, es war Otto HI., darüber und vergabte den Kronhof und wahrscheinlich 
auch das Kirchenpatronat an das Stift Waldkirch ; 100 Jahre später stritten sich 
um das letztere die Herzogin Uta und die Grafen von Freiburg. Ursprünglich 
ging die Jurisdiktion des Pfarrinhabers von Nußbach noch über die Kapellen in 
Oberldrch und Oberdorf, in Oppenau und Ebersweiler, bis sich im 1 3. Jh. Ober- 
kirch und Oppenau als selbständige Pfarreien loslösten. Weniger rasch erfolgte 
die Dismembration der Offenburger Pfarrei, trotzdem sich im 17. Jh. die ver- 
schiedenen Filialen Bohlsbach, Elgersweier, Ortenberg, Rammersweier, Tutweiler, 
Waltersweier und Weingarten in den unsicheren Zeiten ewiger Kriegsläufte eifrig 
um eigene Pfarrechte bewarben; erst Ende des i8. und im 19. Jh. wurden teil- 
weise diese Wünsche befriedigt Auch die uralte, wohl in fränkische Frühzeit 
noch hinabreichende Pfarrei Burgheim in Lahr ist durch ihre Lage wie durch 
ihre spätere Verschmelzung mit der Stiftskirche in Lahr ein gutes Schulbeispiel 
für den Wandel in der Entwickelung eines Pfarrbenefiziums ; [auch in Seelbach, 
dessen Kirche schon 11 79 urkundlich Pfarrechte besaß und in der Reformation 



XXVIII EINLEITUNG. 

die früheren Pfarreien Prinzbach, Schuttertal und Reichenbach absorbierte, können 
wir den gleichen Vorgang der Zentralisation wahrnehmen. fS.) 



Neben den Klöstern, unter denen Gengenbach an politischer Bedeutung 
weit hervorragt, und dem Bistum Straßburg treten im Laufe des i2. und 1 3. Jhs. 
einige mächtige Territorialherren auf. Im Süden des Landes waren es die 
Herren von Geroldseck, deren Macht in der ersten Hälfte des 13. Jhs. 
ihren Höhepunkt erreicht hat. Der Sage nach war ihr Geschlecht uralt und 
leitete seinen Ursprung ab von einem römischen Senator, namens Gerold, der 
Kaiser Karl den Großen nach seiner Krönung nach Deutschland begleitet und 
ihm im Kriege gegen die Sachsen große Dienste geleistet haben soll. Zum 
Lohne sei er zu einem Herzog in Schwaben und später außerdem zu einem 
Markgrafen von Osterreich ernannt worden. Noch heute erinnert eine Tafd 
auf der Burg Hohengeroldseck an diese Stammsage. In der Tat gab es nun 
einen Gerold, der aber natürlich ein Deutscher war, sich als Graf in der Baar 
und Statthalter in Bayern ein großes Ansehen erwarb und auch in der Karls- 
sage eine RoUe spielt. ') Er scheint aber ohne Nachkommen gestorben, zu sein, 
und für ein Anknüpfen des Geschlechtes an ihn sind auch nicht die geringsten 
Beweise vorhanden. Urkundliche Nachrichten, welche über das 11. Jh. hinaus- 
reichen, haben wir von den Geroldseckem nicht. 1035 wird ein Herimannus 
genannt, der wahrscheinlich dem Geschlecht angehörte, dann ein Waltherus de 
Geroldsecca. Aber schon mit den folgenden Otto und Burckhardt stoßen wir 
auf die Schwierigkeit, welche die Aufhellung der ältesten Geschichte des Hauses 
überall hindert, nämlich die Existenz eines gleichnamigen Geschlechtes im Elsaß, 
der Herren von Geroldseck am Wasichin, die nach dem Stande der heutigen 
Forschung mit den rechtsrheinischen Herren nicht verwandt warea 11 39 wird 
die Burg zum erstenmal genannt, am Anfange des 13. Jhs. treten Mitglieder 
des Geschlechtes häufiger hervor, erst mit Walter — dem I. oder IL, wie man 
will — gewinnen wir einen sicheren Boden. Der Territorialbesitz des Geschlechtes 
hatte damals seine größte Ausdehnung erlangt, ihm gehörte das Schuttertal, so 
ziemlich der größte Teil der Rheinebene von Mahlberg bis Offenburg, die Herr- 
schaft Mahlberg war vielleicht durch Heirat an Walter gefallen, einige Orte im 
unteren und die kleine Herrschaft Schenkenzell im oberen Kinzigtal, die Herr- 
schaft Romberg mit der gleichnamigen, heute zerstörten Burg bei Schapbach, 
zerstreute Besitzungen im Norden bis an die Oos, im Süden bis in das Glotter- 
und Dreisamtal, im Westen, über den Rhein hinüber, außer der Feste Schwanau 
noch eine Anzahl Besitzungen, kurz, es waren die Anfänge zu einer ganz 
bedeutenden mittelbadischen Macht vorhanden. 

*) Ruppert, Geschichte der Mortenau I, Geschichte des Hauses und der Herrschaft Gerolds* 
eck, S. 8. 



EINLEITUNG. XXIX 

Damals mochte Walter die Residenz hoch oben auf dem Berge unbequem 
gewesen sein, und so gründete er sich eine zweite am Ausgange des Schuttertales, 
ziemlich im Schwerpunkt seiner Macht, er erbaute die Tiefburg Lahr. Schon 
vorher muß hier eine kleine Burg vielleicht eines zähringischen Ministerialen 
gestanden haben, von emem Dorf aber hören wir trotz der alten Namensform 
erst etwa ein Jahrzehnt später: möglich also, daß es erst im Anschluß an diese 
Tief burg entstanden ist 

Unter Walter erfolgte die große Teilung der Herrschaft, die eine dauernde 
wurde und, wie stets, die Kraft des Geschlechtes lähmte. Die Söhne seines in 
der Schlacht bei Hausbergen gefallenen Sohnes, des Landvogtes Hermann, 
Heinrich I. und Walter II., erhielten die Herrschaft Lahr-Mahlberg und alles Land 
westlich der Bischofsmühle, die zwischen Lahr und Kuhbach zu suchen ist, femer 
halb Ottenheim und alle Güter im Elsaß, außer der Hälfte der so wichtigen 
Rheinfestung Sdiwanau. Diese Hälfte wurde dem anderen Zweig reserviert, also 
dem Onkel der beiden, dem dritten Sohne Walters, Heinrich, der die Erbin von 
Veldenz geheiratet hatte und sich danach Graf von Veldenz nannte. Er erhielt 
aUes Land östlich der Bischofsmühle, damit auch die Stammburg, dazu Zuns- 
weier, Berghaupten und >was gegen Schwaben liegt und das Gut zu Schwaben <. 
Nach dem später gebräuchlichen Ausdruck scheinen darunter die Güter im 
oberen Kinzigtal, die Herrschaften Romberg und Schenkenzell gemeint zu sein. 
Der älteste Sohn dieses Heinrich, Walter, erbte in der Hauptsache die veldenzischen 
Besitzungen, sein Interesse lag also ferne von den eigentlichen Stammlanden, 
obwohl er ursprünglich an diesen wie an der Stammburg Anteil hatte. In der 
Heimat blieb Heinrichs zweiter Sohn Hermann, der mit einer Gräfin Uta von 
Tübingen verheiratet war, woher seine Bezeichnung und die seiner Nachkommen: 
von Tübingen. Sein Sohn W^alter war mit einer Tochter des mächtigsten 
Dynastengeschlechtes der Umgegend verheiratet, mit Anna von Fürstenberg, er 
war also der Schwager jenes so trotzig dreinblickenden Grafen Götz, dessen 
Grabplatte wir in Haslach kennen lernen. Trotz dieser Verbindung aber ging 
es Walter herzlich schlecht. In den verschiedenen Fehden zwischen dem Bischof 
von Straßburg und dem Grafen von Württembei^, zwischen dem Bischof endlich 
und seiner Stadt, in den großen Kämpfen um die Kaiserkrone zwischen Friedrich 
von Österreich und Ludwig von Bayern benutzte der Geroldsecker seine Rhein- 
feste Schwanau zu einem ausgedehnten Erpressungssystem, insbesondere gegen 
die Kaufleute der Städte Zürich und Straßburg, indem er das Recht der Grund- 
ruher auf gewissenlose Weise mißbrauchte. Da zogen die Straßburger aus, 
eroberten nach heftiger Gegenwehr die, wie es scheint, sehr gut befestigte Tief- 
burg und verheerten auch auf dem rechten Rheinufer die Besitzungen des Hauses; 
so wurde Stadt und Schloß Schuttem verbrannt, bei welcher Gelegenheit das 
Kloster mit in Flammen aufging (i333). Nach einigen Nachrichten^) soll Walter 

*)Kindlcr von Knobloch, Oberbad. Geschlechterbuch I, S. 435i wogegen Ruppcrt 
JL a. O. S. 170. 



XXX EINLErrUNG. 

selbst in Schwanau gefallen sein, was von anderen bestritten wird. Von seinem 
wohl ältesten gleichnamigen Sohn, der sich ausdrücklich Herr von Hohengeroldseck 
nannte, ging die hohengeroldseckische Linie aus, die alle anderen überlebte, aber 
auch den tiefsten Niedergang des Geschlechtes sah und mit Jakob 1634 endete. 
Einer der drei anderen Söhne des unglücklichen Schloßherm von Schwanau, 
Georg, Gangolf oder Wilhelm, war der Stifter einer Sulzer Seitenlinie, die nur 
dadurch für unsere Gegend von Bedeutung ist, daß die Hohengeroldsecker Vettern 
in ihre Kämpfe mit den Grafen von Württemberg verwickelt wurden. Die Linie 
starb im 15. Jh. aus. 

Vor der großen Familientrennung i. J. 1277, schon am Ende des 12. Jhs., 
hatte sich ein Zweig von der Familie losgelöst, welcher sich nach seiner Residenz, 
der Diersburg in dem kleinen Tal zwischen den Ausläufern des Steinfirst, die 
Herren von Tiersperg nannte. Zum erstenmal hören wir 1197 von einem 
Waltherus de Tirsperg.^) Sein Enkel, Heinrich IL, der mit einer Heilika von 
Lichtenberg vermählt war, fiel 1262 in der Schlacht bei Hausbergen, und da 
sein Sohn Ludwig 1279 unverheiratet starb, so fielen die Lehen wohl an den 
Hauptstamm zurück, die Allode, darunter die Burg, aber kamen an den Gemahl 
der letzten Erbtochter, Wilhelm von Schwarzenberg, und gelangten, als dies 
Dynastengeschlecht immer mehr verarmte, in verschiedene Hände (s. unten). 

Neben den Geroldseckem waren es die Erben der Zähringer, die 
Grafen von Urach, die in der Ortenau zu großem Territorialbesitz gelangten. 
Nach dem Aussterben des Herzogsgeschlechtes fielen die Reichslehen an den 
Kaiser zurück, die Familiengüter aber kamen an die beiden Schwäger Bertholds V., 
den Grafen Ulrich von Kyburg und den Grafen Egeno von Urach. Letzterer 
erhielt die im badischen Oberland gelegenen Besitzungen. Doch hatte er sich 
zunächst mit dem König auseinanderzusetzen, der die allodiale Eigenschaft einer 
ganzen Anzahl Güter bestritt. 2) Es kam zu einem ersten Erbfolgekrieg, der in 
einem Ausgleich von 121 8 sein Ende fand. Die Masse des in unserer Gegend 
so erworbenen Besitzes erstreckte sich vom Acher- und Renchtal und von Kork 
nach Süden weit über die Grenzen der Ortenau, dazu gehörten Oberldrch, 
Hausach und Haslach. Ein neues Zerwürfnis mit den Hohenstaufen wurde 1226 
geschlichtet. Unter Egenos Enkeln, Konrad und Heinrich, erfolgte die Trennung 
in die zwei Linien, der ältere, Konrad L, erhielt Freiburg und die Güter im Breisgau, 
in unserer Gegend auch Hausach, das weitab von den übrigen Besitzungen lag. 
Er und seine Nachkommen nannten sich von nun an Grafen von Freiburg, der 
jüngere Bruder, Heinrich L, aber nannte sich noch länger Graf von Urach, aber 
daneben schon seit 1250 Graf von Fürstenberg, nach seinem Lieblings- 
wohnsitz. Von ihm stammt das heute noch blühende Geschlecht ab. Ihm waren 
die höher gelegenen, östlichen Teile des zähringischen Erbschaftsgebietes zu- 



^) Ruppert a. a. O. S. 32. 

^) Riezler, Geschichte des Hauses Fürstenberg I, S. 40. 



EINLEITUNG. XXXI 

gefallen im Schwarzwalde und in der Baar, im Kinzigtal Haslach, Steinach und 
Biberach, dazu schöne Besitzungen im Renchtal und ein Anteil am Schultheißen- 
amte in Kork. Haslach wurde zwar als angebliches Lehen vom Reiche in An- 
spruch genommen, und Heinrich sah sich genötigt, um die Stadt zu behalten, 
sie vom Bischof von Straßburg zu Lehen zu nehmen. Auch verzichtete er auf 
seine Ansprüche an OfTenbui^, Ortenberg und Gengenbach, auf die das Bistum 
damals seine mächtige Hand gelegt hatte. Der stammverwandte König Rudolf 
sicherte dann dem Hause Haslach als Reichslehen, dagegen mußte der offenbar 
in schlechter finanzieller Lage befindliche Heinrich die Hälfte seines Dorfes Ober- 
dorf und das Tal Ramsbach bei Oberkirch i^i dem Bischof von Straßburg zu 
Lehen aufgeben. Durch Vermählung seines ältesten Sohnes Heinrich mit Udilhild, 
der Erbtochter des Freiherm Friedrich von Wolfach, sicherte er seinem Geschlecht 
den Anfall der Herrschaft Wolfach, der auch etwa um 1280 erfolgt ist. Er 
dürfte dann noch die Burg Fürsteneck im Renchtal gegründet haben, wohl zum 
Schutze der dortigen Besitzungen, von denen Ausläufer bis in die Gegend von 
Bühl und das Achertal erkennbar sind, denen gerade Heinrich große Wichtigkeit 
beigel^ zu haben scheint.^) Sein gutes Verhältnis zu König Rudolf wirkte 
auch auf die Söhne Friedrich und Egeno nach, die so u. a. mit den Reichslehen 
zu Fürsteneck und Oberkirch belehnt wurden, nachdem Markgraf Rudolf von 
Baden darauf verzichtet hatte.*) Wieder aber hatte unterdes eine Teilung der 
Lande stattgefunden: Egeno nahm neben Villingen auch die Besitzungen im 
Kinzigtal mit Haslach, das nach dem Verlust Villingens an Osterreich der Haupt- 
ort der Linie wurde, die sidi dann auch danach benannte; Friedrich erhielt die 
alte Grafschaft Fürstenberg mit der Stammburg, den größeren Teil des Besitzes 
im Renchtal, ein kleinerer war gemeinsam. Wolfach blieb als Erbgut seiner 
Gemahlin bei Friedrich. 

Die Haslacher Linie überdauerte ein Jahrhundert, einer ihrer für die Geschichte 
unseres Landes bedeutendsten Vertreter war der 1341 gestorbene Graf Götz, 
der Schwager Walters IIL von Hohengeroldseck, der in zahllose Händel der 
G^end verwickelt war. Mit seinem Enkel Hans, der 1386 bei Sempach fiel, 
starb die Haslacher Linie aus, der die Stadt wohl ihren ersten Ausbau und ihre 
Freiheiten zu verdanken hatte, und die Besitzui^en kamen zurück an die 
Hauptlinie. 

Diese, die mit Heinrich II. begann, hatte gleich im Anfange eine Anzahl 
Verluste zu erleiden; so sahen Heinrich und seine Mutter Udilhild sich genötigt, die 
Burg Fürsteneck und die Stadt Oberkirch dem Bischof von Straßburg zu verkaufen 
(1303). Damit war die Hauptmasse des Besitzes im Renchtal verioren gegangen. 
Dafür aber brachte Heinrich durch seine Heirat mit Verena, der Erbtochter 
des Grafen Heinrich von Freiburg (Badenweiler) und der Anna von Wartenberg, 



*) Riczler, Geschichte des Hauses Fürstenberg I, S. 217. 
*) Ebenda S. 333. 



XXXn EINLEITUNG. 

außer Wartenberg usw. auch den altzähringischen Besitz Hausach wieder seinem 
Stamme zu. Dagegen hatte eine andere Erwerbung, die des Tales Harmersbach, 
das ihm 1330 Kaiser Ludwig verpfändete, keinen Bestand Seine drei Söhne 
nahmen eine neue Teilung vor, die aber der Tod bald beseitigte, und seinem 
Enkel, Heinrich IV., war es beschieden, alle Lande wieder in seiner Hand zu 
vereinigen, als auch 1386 die Haslacher Besitzungen zurückfielen, die er aller- 
dings nicht ohne langwierige Streitigkeiten mit den Ansprüchen anderer erhielt 
Schon mit seinen Söhnen erfolgt noch zu seinen Lebzeiten wieder eine Teilung 
der Lande, wobei aber die Kinzigtäler Besitzungen endlich vereinigt blieben, 
welche Konrad erhielt Mit ihm und seinem Sohn Heinrich VI. bestand diese 
Kinzigtäler Linie von 1406 bis 1490, deren Besitz sich etwa von Steinach bis 
Oberwolfach, zum Turm zwischen Gutach und Hausach, bis zur Heidburg oben 
auf den Bergen erstreckte. 

Gegen Osten grenzte ihr Besitz an Gutach, welches damals noch den Frei- 
herren von Hornberg gehörte, die auf der nahen Burg residierten, aber im 
Laufe des 1 5. Jhs. sich genötigt sahen, ein Stück ihrer Herrschaft nach dem 
anderen an die Grafen von Württemberg zu verkaufen. 

Außer dem Reich, dem Bischof, dem Kloster, den Geroldseckem und den 
Fürstenbergera teilten sich in den Besitz unserer Gegend noch die Herren 
von Lichtenberg und die Markgrafen von Baden. Erstere waren eine der 
mächtigsten Dynastenfamilien des unteren Elsaß, die ihren sagenhaften Ursprung 
auf Herzog Eticho hinaufführten. Doch treten sie urkundlich erst im 1 3. Jh. auf. 
Ihre Stammburg liegt auf einem hervorragenden Felskegel der Vogesen, über dem 
Dorfe Lichtenberg, unweit von Niederbronn. ^) Wie andere Dynasten sind auch 
sie erst nach dem Niedergange der deutschen Reichs- und Kaisermacht zur 
Selbständigkeit und zu größerem fest abgegrenzten Besitz gekommen. Als erster 
erscheint ein Albert von Lichtenberc in einer Verschreibung fiir die Abtei Selz, 
angeblich identisch mit Albert, dem Vogte von Rotbach. Von seinen Söhnen 
setzte Ludwig I. das Geschlecht fort, da der ältere, Heinrich L, wie es scheint 
nur eine Tochter hinterließ. Die Besitzungen des Geschlechtes im Elsaß müssen 
damals schon ziemlich bedeutende gewesen sein und ihre Macht im Aufstreben 
begriffen. Ludwig war der Schirmvogt der Stadt Straßburg, und die dauemde 
Verbindung mit der mächtigen Stadt mag der Familie ebenfalls förderlich 
gewesen sein. Nach dem Tode Ludwigs verwalteten seine beiden Söhne, 
Heinrich II. und Ludwig IL, die Vogtei, drei andere waren geistlichen Standes, 
und zwei davon, nämlich Konrad und Friedrich, von größter Bedeutung für das 
Geschlecht Hintereinander beistiegen sie den Straßburger Bischofsstuhl, Konrad 
regierte von 1273 bis 1299, Friedrich von 1299 bis 1306. Ersterer ist der Bau- 



^) J. Schaible, Geschichte des Bad. Hanauer Landes, Karlsruhe 1855, S. 19. J.G. Leh- 
mann, Urkundliche Geschichte der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Mannheim 1862. Kindler von 
Knobloch a. a. O. II, S. 492 ff. 



HNLETTUNG. XXXIÜ 

herr des Münsters, der die Fassade Erwin von Steinbachs erstehen ließ, auch 
sonst ein baulustiger Herr, jedoch ebenso kriegslustig, »ein herrlich schöne 
Person«, wie er in einer gleichzeitigen Chronik genannt wird 

Als er 1299 seinem Neffen zu Hilfe an der Spitze eines Heeres von an- 
geblich 12000 Mann gegen die Stadt Freiburg zog, da wurde er, der keinen 
Harnisch trug, von einem Metzger erstochen. Schon vor seiner Regierung 
müssen die rechtsrheinischen Besitzungen seiner Familie an diese gekommen 
sein, Willstett vielleicht schon zu Ende des 12. oder Anfang des 13. Jhs., doch 
dürfte er sie wesentlich vermehrt haben. Aus der Chronik des Königshoven 
wissen wir, daß er 1293 das Städtlein Sermersheim bei Bennfelden abbrechen 
ließ sowie die Burg Krax, und >die Steine wurden enweg gefüret und die Stat 
Lichtenowe wart darus gebuwen und mit einer Mauer umgeben«. Es mag 
dahingestellt bleiben, ob es sich dabei um eine völlig neue Gründung handelt, 
wie allerdings nach dem vollständigen Mangel einer vorherigen Erwähnung 
scheinen möchte, oder nur um einen Ausbau und eine Befestigung mit den 
Mauern, die nach einer archivalischen Notiz 1313 fertiggestellt waren. ^) Lichtenau 
und Willstett blieben jedenfalls die Hauptorte der nach ihnen benannten Amter, 
zu denen später gehörten: zum Amte Lichtenau noch die 16 Dörfer Scherzheim, 
Grauelsbaimi, Hehnlingen, Muckenschopf, Memprechtshofen, Holzhausen, Haus- 
gereuth, Diersheim, Leutesheim, Freistett, Bischofsheim, Linx, Hohbühn, Boders- 
weier, Zierolshofen und Rencherlocherhof; zum Amte Willstett dieses selber, 
ferner Kork, Odelshofen, Neumühl, Querbach, Eckartsweier, Hesselhurst, Hohn- 
hurst, Legelshurst, Bolzhurst, Sand und Auenheim, endlich die ausgegangenen 
Orte Weißweiler, Gundesweiler, Neuland, Guerge und Renchenbach. 2) Ein 
Blick auf die Karte lehrt, daß also so ziemlich das heutige Amt Kehl die Masse 
des Lichtenbergschen rechtsrheinischen Besitzes bildete. Wie all das an das 
Haus kam, läßt sich im einzelnen nicht immer mehr feststellen. Ein Teil hatte 
früher dem Hochstift Straßburg, ein anderer den Geroldseckem, ein anderer 
wohl dem Reiche gehört. Mit den Brüdern des Bischofs Konrad, Heinrich II. und 
Ludwig II., teilte sich das Geschlecht in zwei Linien, aber verwaltete zunächst 
noch die Besitzungen gemeinsam; erst unter ihren Söhnen, Konrad I. und 
Johann L, erfolgte eine Teilung. Letzterer, von der jüngeren Ludwigschen 
Linie, behielt neben einem Anteil an linksrheinischen die rechtsrheinischen 
Besitzungen. Noch einmal spaltete sich seine Linie mit seinen Söhnen Johann 
und Ludwig oder Ludemann, um 1335. Des letzteren Nachkommen, die jüngere 
oder auch lichtenauische Linie, erhielt neben Buchsweiler und zahlreichen 
Orten im Elsaß Burg und Stadt Lichtenau mit den zugehörigen Orten jenseits 
des Rheines. Da Ludemann wie sein Sohn Heinrich oft in Lichtenau residierten, 
nannten sie sich danach auch direkt Herren von Lichtenau. Da die beiden 

^) L e h m a n n a. a. O. S. 24. 
*) Schaible a. a. O. S. 17. 
Band Vn. III 



XXXIV EINLEITUNG. 

anderen Linien im Anfange des 15. Jhs. ausstarben, so vereinigten schließlich 
die Urenkel Ludemanns, Jakob und Ludwig, die Besitzungen des Hauses wieder 
auf sich. — Verschwägert mit den Markgrafen von Baden, den Herren von 
Eberstein, Klingen, Teck, Ochsenstein, Werdenberg-Montfort, Veldenz, Gerolds- 
eck u. a., haben die Lichtenberger, die erst 1456 in einer Urkunde Friedrichs IV. 
Grafen genannt werden, ^) an allen Händeln der Gegend reichen Anteil genommen. 

Von Norden her griff die Macht der Markgrafen von Baden in die 
Ortenau über. Bühl, das 1302 als ein ebersteinisches Lehen der Windecker 
erscheint, kam in seiner nördlichen Hälfte 1386 an Baden; Steinbach gehörte 
schon seit älteren Zeiten demselben, 1258 hatte es Stadtrecht erhalten nach 
Freiburger Muster, wurde später zum Amtssitz für Bühl, Vimbuch, Sinzheim 
und war befestigt. Die badische Herrschaft erstreckte sich zum Teil auf Grund 
alten ebersteinischen Besitzes östlich des Hanauer Landes nach Süden bis Neusatz 
und Gebersberg, also in den Gegenden der Ortenau, welche der heutigen Kreis- 
einteilung zufolge nicht mehr in diesem Bande behandelt werden. Mitten im 
Herzen der Ortenau aber lag eine badische Enklave, die Herrschaft Staufen- 
berg, welche von den Zähringem durch die Grafen von Freiburg an die Eber- 
stein gekommen, die es 1366 an Baden verkauften. Zu der Herrschaft gehörte 
die gleichnamige Burg, Durbach, Bühl, Hespengrund, VViedergrün, Obemessel- 
ried, Illental, Bottenau, Spring etc. Der Markgraf war so an allen Vorgängen 
der Ortenau direkt interessiert. 

Daneben sind noch eine Anzahl Minist erial engeschlechter zu erwähnen, 
die gerade im 13. Jh. zu blühen anfangen, unter ihnen als mächtigste und 
bedeutendste die Herren von Schauenburg und Windeck, im Renchtal etwa die 
Herren von Neuenstein, weiter die Herren von Schopf heim, von Bach, das 
Ministerialengeschlecht von Diersburg, die späteren Herren von Staufenberg, die 
auf dieser Burg sitzenden und sich nach ihr nennenden badischen Ministerialen 
Kolb, Tarant, Stoll, Wiedergrün, Bock, Pfau von Rüppurr und andere mehr, 
welche man am Schlüsse dieser Einleitung in der Wappenzusammenstellung nach- 
sehen mag. Sie bildeten zusammen später die Ortenauer Ritterschaft, über die 
an geeigneter Stelle noch das Nötige zu bemerken ist. 

Die Geschichte des 13. Jhs. beginnt in der Ortenau mit dem Kampf 
um die zähringische Erbschaft und dem damit zusammenhängenden Vordringen 
der Macht des Straßburger Bischofs. Zu gleicher Zeit steigerte der Aufstand 
des Königs Heinrich gegen seinen Vater Friedrich II. die Verwirrungen, die 
eben wieder von dem Bischof benutzt wurden. Er führte von 1228 bis 1230 
einen Krieg gegen den Grafen Egeno von Freiburg, in dem er verschiedentlich 
siegte, aber die Verwüstung seiner Lande durch Feuer und Schwert nicht ver- 
hindern konnte.^) Erfolgreicher war der Nachfolger, Bischof Heinrich von 

^) Kindler von Kn ob loch a. a. O. II, S. 497. 
-) Vierordt, Badische Geschichte, S. 280. 



EINLEITUNG. XXXV 

Stahleck, dem es in den vierziger Jahren gelang, die Städte Gengenbach und 
Offenburg zu erobern sowie die Burg Ortenberg, auf welcher bis dahin ein 
Vogt des Reiches, also des unterdes vom Papst geächteten Kaisers Fried- 
rich n., gesessen. Damit schien das Bistum die Ortenau in seiner Hand zu 
haben, und Heinrich von Stahleck begann sich häuslich einzurichten, u. a. die 
Befestigungen von Gengenbach zu erneuern. Obgleich die Kurie dem Grafen 
Konrad von Freiburg den Besitz der Städte Neuenburg und Offenburg sowie 
des Schlosses Ortenberg bestätigte und obgleich Graf Konrad von Freiburg die 
Verbündeten des Bischofs, Walter von Geroldseck und seinen Sohn Heinrich, 
in ihrem Schlosse Lahr gefangennahm — das ganze Jahrhundert finden wir die 
Geroldsecker im feindseligsten Gegensatz zu den Freiburgem, wohl weil sie 
ebenfalls Stücke, zähringischen Erbes an sich gerissen — , trotz allem blieb der 
Bischof im Besitz. Von ganz anderer Seite wurde seinen Machtbestrebungen 
eine Grenze gesetzt. Eine neue Macht trat auf den Plan, die der Städte. 
Wie in vielen Bischofsstädten hatte schon längst in Straßburg das Streben der 
Bürgerschaft begonnen, die Herrschaft des Bischofs abzuschütteln, und es sollte 
ihr auch nach langwierigen Kämpfen gelingen. Ein bischöfliches Recht nach dem 
anderen bröckelte ab, um so mehr, als auch die pekuniären Mittel des Bischofs 
mit der Zeit nicht Schritt gehalten hatten und er sich nur zu häufig in die 
Lage versetzt sah, Rechte an die Stadt zu verpfänden. Diese hatte zur Stärkung 
ihrer Wehrkraft zugleich eine lebhafte Ausbürgerpolitik begonnen. Zu dieser 
kritischen Zeit bestieg Walter von Geroldseck den Bischofsstuhl, ein Mann, 
welcher die Eigenschaften, die wir an verschiedenen Mitgliedern des Geschlechtes 
beobachten können, offenbar ebenfalls besaß: eine gewisse Streitlust, verbunden 
mit verwegenem Mut und Überschätzung der eigenen Kraft. Bei solchen An- 
lagen mußte es zum schärfsten Konflikte kommen ; der Bischof begann, gestützt 
auf die damals so blühende Macht seines Hauses, den Kampf. Der Stadt 
hatten sich zum Bunde gegen ihn u. a. die Städte Neuenburg und Colmar, vor 
allem aber der Graf Rudolf von Habsburg und natürlich Graf Konrad von Frei- 
burg, die Herren von Ochsenstein, Hohenstein und Girbaden angeschlossen. In 
der mörderischen Schlacht bei Hausbergen (1262), die der trotzige Mann trotz 
des Abratens vorsichtiger Freunde annahm, wurde er besiegt; zahllose Mitglieder 
des Adels und seines eigenen Geschlechtes, des Bischofs Bruder, der Landvogt 
Hermann, sein Oheim, der Herr von Tiersberg, Johannes von Werd und viele 
andere fanden den Tod.^) 76 andere Adlige waren ip Gefangenschaft geraten. 
Der Bischof selbst war, nachdem zwei Pferde unter ihm gefallen waren, auf dem 
dritten durch eilige Flucht entkommen. Auch die Herren von Lichtenberg 
— damals Heinrich IL und Ludwig II. — , obwohl Schirmvögte der Stadt, standen 
als Vasallen des Bischofs diesem bei, sowohl in der entscheidenden Schlacht 
als bis zu seinem Tode, der 1263 erfolgte. So litt auch ihr Land schwer unter 



*) Ruppert a. a. O. S. 65. 

III* 



XXXVT HNUTTUNG. 

den Kriegszügen der Straßburger Bürger, insbesondere wurde ihre Burg Will- 
stett von den Straßburgem erobert und zerstört. Mit dem neuen Bischof, der 
sich mit den Straßburgem aussöhnte, kam auch der Friede, nur nicht flir die 
Geroldsecker, gegen welche die Stadt den Kampf bis zum Jahre 1266 weiter- 
führte. Die Macht des Geschlechtes wurde in diesen Kämpfen flir immer 
gebrochen, es gab kein Aufsteigen mehr, sondern nur noch ein wenn auch lang- 
sames Niedersteigen. Eine Folge dieses Kampfes aber war auch, daß die 
Bestrebungen des Bischofs um Ausdehnung seiner Territorialmacht einige Zeit 
aufhörten, da er auch in den nächsten Jahrzehnten noch zu sehr durch seine 
Auseinandersetzungen mit der Stadt beschäftigt war. Vor allem jedoch war 
mit der Schlacht bei Hausbergen der endgültige Sieg der Stadt über den Bischof 
gewonnen. Gewiß blieb derselben noch viel zu wünschen und zu kämpfen 
übrig, noch bis in das 16. Jh. hinein, aber es war doch die Entscheidung 
gefallen. 

Wie die Stadt Straßburg, so blühten im 1 3. Jh. auch die kleinen Schwester- 
städte der Ortenau prächtig auf, und zwar nicht nur die drei Reichsstädte (bezw. 
späteren Reichsstädte) OfTenburg, Gengenbach und Zell, sondern auch die landes- 
herrlichen Städte wie Haslach, Hausach und Wolfach, vor allem aber das neu- 
gegründete Lahr, aus einem Dorf hervorgegangen, das möglicherweise erst kurz 
vorher im Anschluß an die neuerbaute Tiefburg der Geroldsecker entstanden war. 
Schon vor 1279 muß es zur Stadt erhoben worden sein, wie aus dem Freiheits- 
brief dieses Jahres hervorgeht, welchen die sich nach der Trennung Herren von 
Lahr-Mahlberg nennenden Geroldsecker Heinrich I. und Walter 11. ausstellten. 

Das Beispiel von Straßburg konnte nicht verfehlen, ansteckend auf Städte 
wie Offenburg, Gengenbach und Zell zu wirken. Wie die Ortenau überhaupt, 
war wohl auch das Terrain, auf dem die heutige Stadt Offenburg steht, von 
Kaiser Heinrich II. dem Bistum Bamberg verliehen worden, als Bamberger 
Lehen an die Zähringer gekommen. Diese gründeten hier eine Burg, von der 
die Nachrichten, aber keine Spuren mehr sprechen, und im Anschluß daran 
entstand die Stadt, die ihr Marktrecht wohl noch von den Zähringern, ihr 
Münzrecht vielleicht von dem großen Hohenstaufen Friedrich IL erhielt, der 
nach dem Erlöschen des Herzogshauses das Reichslehen an sich zog. Weil 
auf freiem Reichsterritorium gelegen, behauptete die Stadt ihre Zugehörigkeit 
zum Reich, stieß aber allerecken an die Besitzungen des Klosters Gengenbach, 
mit dem der Konflikt unvermeidlich war. Gengenbach war auf dem Eigengut 
des Klosters angelegt, und seine Bestrebungen, sich von den drückenden Ver- 
pflichtungen gegenüber dem Abte frei zu machen, haben somit eine gewisse 
Ähnlichkeit mit dem Vorgehen der Stadt Straßburg gegen ihren Bischof. Bei 
Zell, das von dem Kloster aus gegründet worden, lag der Fall wie bei Gengen- 
bach. — Vorerst war allerdings keine Gelegenheit für die Selbständigkeitsregungen 
der Städte, denn seit 1247 waren sie im Besitze des Bischofs von Straßburg, 



EINTEILUNG. XXXVIl 

der in den Wirren der Zeit sie erobert hatte und das ganze Interregnum über 
behielt. 1273 aber bestieg Rudolf von Habsburg ^ den deutschen Königsthron 
und zog, wie überall verlorenes Reichsgut, auch die Ortenau wieder an sich; 
etwa sechs Jahrzehnte blieb sie beim Reich. Sofort regten sich die Städte 
und begannen eine lebhafte Ausbürgerpolitik, die natürlich zu Konflikten mit 
den Rechten des Abtes führte. König Rudolf versuchte es, die Beziehungen 
des Klosters zu seinen Hintersassen und Zinsleuten zu regeln. Besonders günstig 
wurden die Verhältnisse für die Städte, als die großen Kämpfe um die deutsche 
Königskrone, die nach Rudolfs Tode ausbrachen, sich auf dem Boden des 
Oberrheins abspielten. Denn nun vermochte man ein geschicktes Verhältnis 
zu dem König zur Ausdehnung der Privilegien zu benutzen; in der Tat hat 
denn auch Adolf von Nassau die Städte sehr begünstigt, in der Geschichte 
der einzelnen Städte ist auf die Zeichen dieser Huld eingegangen. Adolf fiel 
zwar in der Schlacht bei GöUheim 1298, alleip zunächst änderte sich das 
günstige Verhältnis zu dem Reiche nicht. 

Die Stellung der Dynasten des Landes zu Adolf und seinem Gegner 
Albrecht von Habsburg war eine verschiedene, die ungeschickteste wieder die 
der Herren von Geroldseck, die, uneinig wie immer, auf beiden Seiten kämpften 
und von keiner Seite Dank erhielten. Zwar verlieh Adolf 1296, nach Absetzung 
des Albrecht nahestehenden Otto von Ochsenstein, die Landvogtei dem Sohne 
Heinrichs von Geroldseck -Veldenz, Hermann, der in der unglücklichen GöU- 
heimer Schlacht seine Treue mit dem Tode besiegelte. Die Anhänger Adolfs 
traf nun die Rache Albrechts L, den Geroldseckem entzog er das Reichslehen 
Mahlberg imd verpfändete es ihren alten Feinden, den Grafen von Freiburg, 
die allerdings nie in den Besitz gelangen konnten. Zu Heinrich VII. müssen 
die Geroldsecker dann wieder in besserem Verhältnis gestanden sein, denn 
1309 wurde Walter ID. nach Johann von Saarwerden Landvogt der Ortenau, 
sein Sohn trat in des Königs Dienst und begleitete ihn auf dem unglücklichen 
Römerzug. Von den beiden anderen großen Dynasten standen die Lichten- 
bergs treu auf Habsburger Seite, so auch zunächst wie später die Fürstenbergs, 
welches günstige Verhältnis nur kurz unter Albrecht I. vom Grafen Heinrich II. 
sehr zu seinem Schaden unterbrochen wurde. 

Nach der wenigstens von Thronstreitigkeiten freien Zeit Kaiser Hein- 
richs VTI. folgte 13 14 die verhängnisvolle Doppelwahl Friedrichs des Schönen 
von Osterreich und Ludwigs des Bayern, die neuen Zwiespalt auch in unsere 
Gegend brachte. Wieder war die Stellung der Geroldsecker geteilt : die in der 
Ortenau regierenden Linien standen nun auf der Habsburger Seite, fatalerweise 
diesmal der unterliegenden, die veldenzischen auf der Ludwigs; die Häuser 
Lichtenberg und Fürstenberg blieben habsburgisch. Die ganze oberrheinische 
Gegend hatte schwer unter den verheerenden Kämpfen der beiden Gegner zu 
leiden, und nach Beendigung der Zwistigkeiten, als Ludwig der Bayer siegreich 



XXXVUl EINLEITUNG. 

war, da begann für die Ortenau eine neue Art der Beunruhigung: das jahr- 
zehntelange schöne Verhältnis zum Reiche hörte auf, die Könige begannen 
Reichsgut und Stadtsteuem nur noch als gute Versatzgegenstände zu betrachten. 

Es fängt die Zeit der Pfands 6 haften an. Zunächst verpfändete 1334 König 
Ludwig »Rudolfen margrafen ze Baden genant von Pfarczheim und seinen erben 
Ortenberg die burch, Offenburg, Gengenbach und Celle die stet und alles daz, 
daz wir oder daz rieh in der Mortenaw haben, ez sein vogtay, zins, stiwr oder 
gült, swie daz genant ist«J) Zugleich aber hatte er angefangen, wie er es 
selbst nannte, Stücke aus der Landvogtei herauszubrechen, und das Hanners- 
bacher Tal mit seinen Seitentälern an die Grafen von Fürstenberg verpfändet. 
1351 wurde dem Bistum Straßburg das Recht gegeben, die Pfandschafit ein- 
zulösen, und 1356 das gleiche Recht für eine Hälfle derselben dem Pfalzgrafen. 
Letzterer machte zunächst keinen Gebrauch davon, wohl aber der Bischof, 
dessen Vögte von nun an auf Ortenberg saßen. Dieser versuchte nun, auch 
das Harmersbacher Tal wieder einzulösen, wogegen sich die Fürstenberger aber 
lebhaft sträubten. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen und Fehden, unter 
denen die Bauern sehr litten, bis 1367 durch Vermittelung der Städte Straßbui^, 
Freiburg und Offenburg das Tal endlich dem Bischof geräumt wurde, der es 
allerdings bald darauf in seiner Geldverlegenheit an das Straßburger Bürger- 
geschlecht Bock verpfändete. Diese und ihre Erben behielten es 300 Jahre, aber 
ihre Rechte waren in dem Versatzinstrument sehr beschränkt, durch die Zer- 
splitterung in viele Geschlechter wurde das Ansehen der Gemeinherren nicht 
erhöht, und diese Verpfändung von zweiter Hand wurde durch geschickte 
Benutzung die Vorstufe zur völligen Reichsfreiheit des Tales. ^) 

Bis zum Anfange des 15. Jhs. blieben die Bischöfe im Alleinbesitz der 
Landvogtei; als aber (1400) Kurfürst Ruprecht von der Pfalz den deutschen 
Königsthron bestiegen, da löste er die eine Hälfte für sein Haus ein (1406), und 
ein Jahrhundert lang stand nun die Ortenau unter zwei Pfandherren, dem Bischof 
und dem Pfalzgrafen. 

Die Geschichte der drei Reichsstädte war während dieser ganzen Zeit von 
zwei großen Angelegenheiten erfüllt. Es galt einerseits ihre Selbständigkeit 
gegenüber den Pfandherren zu wahren, andererseits dem Kloster Gengenbach 
immer mehr Rechte abzuringen. Beide Bestrebungen waren von Erfolg begleitet. 
Die Pfandherren, zunächst nur der Bischof, versuchten zwar, trotz des Versprechens, 
die Rechte zu wahren, die Städte unter ihre Gerichtsbarkeit zu bringen — mit 
diesem Anfang wären sie allmählich zu Landstädten herabgesunken — , der Bischof 
erlangte auch 1358 ein Privileg des Kaisers in diesem Sinne, allein die Städte 
protestierten, und unter Beihilfe des weitblickenden Abtes Lambert de Bum 
erreichten sie von Karl IV. das große Privileg von 1366, das ihre Reichsfreiheit 

^) Krieger a. a. O. IT, S. 435. 

-) Siehe unseren Text S. 542, nach G o t h c i n , Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes I. 



EINTEILUNG. XXXIX 

sicherte; sobald die Städte versetzt seien, sollten die Zwölf ihres Alten Rats 
sagen, was der Stadt Freiheit sei, außer dem Reichshofgericht sollten sie nur 
ihrem Zwölfergericht unterstehen. In dieser Urkunde, die sie sich unzählige Male 
neu bestätigen ließen, sahen die Städte mit Recht die Grundlage ihrer Reichs- 
freiheit. 

Über die Auseinandersetzungen mit dem Grundherrn der Gegend ist oben 
in der Geschichte des Klosters ausführlich gesprochen und wird im Text selbst 
Eingehenderes gesagt, so daß hier nur das günstige Resultat iiir die Städte erwähnt 
werden muß, die es verstanden, die Verpflichtungen gegenüber dem Abte auf 
ein Minimum einzuschränken. - Im Innern der Städte selbst spielte sich unter- 
dessen der Kampf zwischen den alten Geschlechtem und den Zünften ab, der 
zeitweilig mit dem Sieg der letzteren, dann aber mit einem Kompromiß endigte. 
Im 15. Jh. finden wir überall neben den Zwölfem des Alten Rats den Jungen 
Rat mit dem Stettmeister, der aus den Zünften gewählt wurde, und diese Ver- 
fassung, auf die unten im einzelnen eingegangen wird, blieb im wesentlichen 
gleich bis zum Ausgang des Römischen Reiches. 

Die Geschichte der Ortenau in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters 
wird im wesentlichen ausgeftillt durch die zahllosen kleinen Fehden zwischen 
den einzelnen Territorialherren untereinander, unter denen mehr oder minder 
jeweils die ganze Gegend litt. Es ist hier nicht der Ort, darauf näher ein- 
zugehen, und so seien nur einige der wichtigsten hervorgehoben, so die Fehden 
zwischen dem Markgrafen Rudolf III. von Baden und dem Bischof von Straß- 
burg, die zunächst begannen wegen dem Strand- und dem Gmndruhrrecht sowie 
wegen Ansprüchen gegen die Juden.*) Andere Gründe oder vielleicht nur 
Anlässe waren Streitigkeiten zwischen den Lehensleuten der beiden, so z. B. wegen 
eines badischen Lehensmannes von Ow, der auf Staufenberg saß, wobei der 
Markgraf insbesondere die bischöflichen rechtsrheinischen Lande verheerte, 
während der Bischof 1327 Staufenberg eroberte. Auch der Markgraf Hermann IX., 
ein streitbarer Herr, geriet mit dem Bistum in Händel, und wieder eroberten die 
Truppen des Bischofs das Schloß Staufenberg.*) 

Es waren die Zeiten, da die große Pest Europa heimsuchte und auch in 
unseren Gegenden fürchterliche Opfer forderte. Wie in vielen Gegenden 
beschuldigte man in der Ortenau die Juden der Brunnenvergiftung, so in Offen- 
burg, wo man alle der Stadt verwies; die Unglücklichen zogen es aber vor, statt 
neuen Schrecknissen entgegenzugehen, sich in einem Hause gemeinsam zu ver- 
brennen. Ahnliches geschah in ganz Deutschland, so daß Kaiser Karl IV. sich 
zum Einschreiten genötigt sah ttad teils aus Menschlichkeit, teils um dem Reiche 
namhafte Einnahmen nicht entgehen zu lassen, den Städten große Bußen auf- 
erlegte. Die Gefahr, daß auch gegen sie große Ansprüche geltend gemacht 

^) Weech, Badische Geschichte, S. 29. 

^ Das offenbar bereits^ an Baden verpfändet war, an das es erst 1366 definitiv gelangte. 



XL EINLEITUNG. 

werden könnten, einigte auf einen Moment die Reichsstände der Gegend, so 
daß sie ein Bündnis zusammen schlössen: so Bischof und Stadt Straßburg, der 
Markgraf von Baden, die Grafen von Württemberg, Frdburg, Hohenberg. Fürsten- 
berg, die Herren von Eberstein, Geroldseck u. a.*) Doch kaum war die Gefahr 
erledigt, als die Fehden wieder losbrachen, für unsere Gegend die verhängnis- 
vollste, der sogen. Dachsteiner Krieg, eine erneute blutige Auseinandersetzung 
des Bischofs von Straßburg mit der Stadt. Wilhelm von Diest benutzte den 
Auszug eines großen Teils des Adels aus der Stadt, um zum Kampfe zu ent- 
flammen, an dem außer dem Markgrafen von Baden und anderen Herren auch 
Ludwig von Lichtenberg auf des Bischofs Seite teilnahm. Die Kriegsscharen 
des letzteren und seiner Verbündeten legten sich vor Oberkirch, das der Bischof 
vor Jahrzehnten der Stadt Straßburg verpfändet hatte, ohne es aber zu erobern; 
die Scharen der Stadt verwüsteten die Lichtenberger Lande, ließen einige Orte 
in Flammen aufgehen, so auch Bischofsheim, wo die zur Verteidigung her- 
gerichtete und von Bauern besetzte Kirche mitsamt ihrer Besatzung verbrannt 
wurde, ^) worauf der Lichtenberger mit den Straßburgem Frieden schloß. Im 
Jahre 1429 schloß auch der Bischof Frieden. — Kleinere Fehden waren die 
zwischen den Badenem, den Lichtenbergem und den Ebersteinem wegen der 
Schauenburg, zwischen den Hohengeroldseckem und den Grafen von Mors um 
die lahr-mahlbergische Erbschaft sowie des rauflustigen Diebold von Hohen- 
geroldseck mit den Lichtenbergern um das Erbe seiner Mutter. 

* « 

Die Geschichte der Kunst in der Ortenau spiegelt getreulich die Ent- 
wickelung derselben mit allen ihren Phasen am Oberrhein, von Basel abwärts, 
wider. Wenn auch nicht in demselben Grade wie das Elsaß, ist das Land 
kulturell ein Zwischenland, das abwechselnd die Einflüsse von dem östlicheren 
Deutschland, von Schwaben und von Frankreich erfuhr. Wenn die rechts- 
rheinischen Gegenden begreiflicherweise weniger stark französischen Einflüssen 
ausgesetzt waren, so ist für die Ortenau doch wichtig, daß sie zum Sprengel 
des Bistums Straßburg gehörte, also mit diesem Zentrum der Kunst am Ober- 
rhein in engster Beziehung stand. 

Aus den früheren karolingisch-ottonischen Zeiten unserer Geschichte 
ist, wie es ja die Regel, in unseren Landen nichts erhalten, wenn wir nicht das 
kleine Heidenkirchlein in Freistett in so frühe Zeit datieren wollen. 

Dagegen besitzen wir ein ziemlich frühes Denkmal des romanischen 
Stils in dem kleinen Kirchlein in Burgheim bei Lahr mit seinen gekuppelten 
Rundbogenfenstern und dem um das Portal herum gezogenen Sockel. Wenigstens 
steht den Formen nach nichts entgegen, in dem erhaltenen Bau jenen zu sehen, 
der 1035 an Stelle eines älteren Gotteshauses eingeweiht wurde. Es ist nicht 

*) Wcech a. a. O. S. 37. 
■-*) Schaiblc a. a. O. S. 27 f. 



EINLEITUNG. XLI 

au^eschlossen, daß ungefähr zu gleicher Zeit, nach einer förmlichen Neu- 
gründung des Klosters durch Heinrich 11., die Kirche von Schuttern entstand, 
die nach Beschädigungen 1155 nur repariert wurde. Sie ist durch einen Barock- 
bau ersetzt, aber eine Ansicht vor dem Umbau zeigt uns eine große, drei- 
schiffige Basilika mit schlichtem Äußeren, das nur durch einen Bogenfries unter 
dem Dache geziert war. Erhalten ist nur ein Türsturz mit sehr primitiven 
Skulpturen, die zweifellos symbolische Bedeutung haben. 

Im 11./12. Jh. setzt der obenangedeutete stärkere schwäbische Einfluß 
ein. Die Reform der Cluniacenser war mit Anpassung an deutsche Verhältnisse 
unter dem großen Abt Wilhelm von Hirsau in seinem Kloster im Nagoldtal 
eingeführt worden, und von dort wurden ziemlich die meisten Benediktinerklöster 
reformiert. Mit den Hirsauer »Consuetudines« aber brachten die Mönche auch 
ihre eigenen Baugewohnheiten mit, so bei uns nach Gengenbach wie in die 
benachbarte neue Gründung Alpirsbach im oberen Kinzigtal. Kurz nach der 
Gengenbacher Reform i. J. 11 17 dürfte auch im Anschlüsse daran der Bau der 
dortigen Kirche begonnen worden sein, die mit wenigen späteren Anbauten 
heute ziemlich in ursprünglicher Gestalt dasteht. Sie zeigt die typische Hirsauer 
Form mit den über das QuerschifT fortgeführten Seitenschiffen, wie der Haupt- 
chor in kleineren Apsiden endigend, nach ihm zu sich in zwei Arkaden öffnend, 
daneben an den Ostwänden des Querschiffs noch zwei kleinere Apsiden, ein 
Schema, dessen Vorbild in der Aurelius- und Peterskirche in Hirsau nachgewiesen 
ist, das aber mit Vorliebe in den niedersächsischen Klöstern Hirsauer Obedienz 
erscheint. Die Arkaden des Langhauses werden abwechselnd von Pfeilern und 
Säulen getragen — der Stützenwechsel, der in Niedersachsen vor allem beliebt 
ist, der aber hier nicht wie dort zu einer Gliederung der Oberwand benutzt ist. 
Genau zu gleicher Zeit mag das im Schema etwas abweichende Alpirsbach, eine 
reine Säulenbasilika, entstanden sein, das also weder als Vorbild noch als Nach- 
bild betrachtet werden kann. Wohl 100 Jahre später ist dann, trotz ihres alter- 
tümlicheren Eindrucks, die Schwarzacher Klosterkirche entstanden,^) welche die 
typischen fünf Apsiden aufweist, im Innern aber keinen Stützenwechsel, sondern 
Säulenarkaden. Gegen die schlanken, klassischen Verhältnisse der Gengenbacher 
Kirche wirkt diese schwer und in ihren Einzelformen barock. Hier wie in 
Gengenbach fehlt jetzt die Vorhalle, die ihnen ursprünglich, wie in Alpirsbach, 
vorgelegt war. — Im Schuttertal sind noch in Wittelbach die Reste einer 
romanischen Kirche zu erwähnen. 

Was an romanischer Skulptur in der Ortenau erhalten ist, zeigt 
durchaus einen frühen oder einen provinzialen, primitiven Charakter. Den Tür- 
sturz von Schuttern haben wir schon erwähnt, ein weiterer Türsturz hat sich 
in Reichenbach (Amt Offenburg), je ein Tympanon in Haslach und Hausach 
erhalten. In Gengenbach müßte man der Eleganz des Baues und seiner orna- 

^) Ich stimme mit der Datierung S a u e r s flberein. 



XLII EINLEITUNG. 

mentalen Details entsprechend eine hochstehende Bildhauerarbeit erwarten, doch 
existiert nur die thronende Madonna im Giebel, eine Figur, die noch sehr 
unbeholfen im Block stecken geblieben ist. Viel bedeutender das Tympanon- 
reiief der Schwarzacher Kirche, darstellend den thronenden Heiland mit den zwei 
Apostelfürsten, das trotz seines archaischen Charakters in der ungezwungenen 
Haltung und dem Gesichtsausdruck als tüchtige Leistung der Zeit gelten kann. 

Eine eifrige Bautätigkeit haben vom Ende des 12. bis zum Elnde des 
13. Jhs. die Herren von Geroldseck entfaltet, während der höchsten Blüte 
ihrer Macht, deren Schwerpunkt ja in der Ortenau lag, was bei allen anderen 
Territorialherren nicht der Fall war. Von der ersten Gestalt der Stammburg 
Hohengeroldseck, die 1239 zum erstenmal erwähnt wird, ist uns nichts erhalten. 
In ihrer heutigen Erscheinung der früheste Bau des Hauses ist die entlegene 
Burg Schenkenzell: eine Anlage mit zwei Palasen, einem Hof dazwischen 
und einem Bergfried, deren schlichte Fensterformen noch durchaus romanisch 
scheinen. Den gleichen Stil in seiner Ausbildung zeigt die Diersburg, welche 
die früh abgezweigte Linie des Geschlechtes wohl um 1200 bezw. in den ersten 
Jahrzehnten des 13. Jhs. erbaut haben mag. Denn als noch vor der Mitte dieses 
Jahrhunderts Walter von Geroldseck von der Stammburg herabstieg und sich eine 
Residenz im Tale schuf, die Tief bürg Lahr, da war schon jene letzte Blüte 
des romanischen Stils eingetreten, die wir ob der spielenden Verwendung 
französisch-gotischer Formen den Ubergangsstil nennen. Die erhaltenen Fenster 
des schönen Quaderbaues sind gute Beispiele desselben. Bei Betrachtung dieses 
Baues und der folgenden möchte man beinahe glauben, daß Walter mit persön- 
lichem Geschmacke sich für die Neuerungen in der Kunst einsetzte. Natürlich 
ist das eine unbeweisbare Vermutung. Denn nun überschwemmt die ganzen 
oberrheinischen Lande auf einmal jene gewaltige Flutwelle französischer Kunst, 
es beginnt das Eindringen der Gotik. Als Walter 1259 das Spital in Lahr 
gründete und es mit Augustinermönchen aus Obersteigen im Elsaß besetzte, da 
wird auch sofort der Bau der Stiftskirche in den Formen und in der 
Konstruktion der Gotik begonnen. Noch spürt man in den Seitenschiffen das 
Raumgefühl der früheren Zeit, allein der hohe, lichte Chor und die Verhältnisse 
des Mittelschiffs, die Konzentrierung des Gewölbeschubs auf die Pfeiler und die 
Strebepfeiler zeugen von einem Verständnis für das Wesentliche des neuen 
Stils. Allerdings war der Baumeister des Konstruktiven nicht ganz sicher — 
die Strebepfeiler zumal sind zu schwach angelegt — , zugleich gingen den Bau- 
herren wohl in den schweren Kämpfen der sechziger Jahre mit dem Verluste 
ihrer Machtstellung die Mittel aus, die geplante Wölbung des Langhauses unter- 
blieb nach wenigen Ansätzen. Trotzdem ist der Bau, den wir wohl kaum 
später als in die Jahre 1260 bis 1280 datieren dürfen, ein interessantes und frühes 
Beispiel für das Eindringen des neuen Stils. Nicht viel vorher mag der Neubau 
der Stammburg in Angriff genommen worden sein, denn während die Tiefburg 



EINLEITUNG. XLIII 

Lahr noch ganz im Ubergangsstil erbaut ist, zeigt die weit in die Lande schauende 
Hohengeroldseck in den gekuppelten Spitzbogenfenstern, in den gerad- 
sturzigen, einpfostigen Fenstern des erhaltenen Palases, des -»alten Hauses« schon 
die Bauweise der Gotik. Eine merkwürdige, vielleicht nicht zufällige Über- 
einstimmung zeigt sich in der Anlage mit der Diersburg, in der Form der beiden 
Palase und dem dazwischen liegenden Hof, dem Fehlen einer Schildmauer und 
eines Bergfriedes. Der letzte erhaltene geroldseckische Bau — Burg Schwanau 
ist bis auf wenige Grabenreste verschwunden — , die Tiefburg Dautenstein bei 
Lahr, ist in dem allein alten Grundriß als eine verkleinerte Wiederholung der 
Lahrer Tiefburg anzusehen. 

Das 13. Jh. ist ja überall in deutschen Landen die Zeit gesteigerten 
Burgenbaues; so auch bei uns. Die Residenz Welfs VI. bezw. seiner Gemahlin, 
dieSchauenburg, ist von dem jetzt dort residierenden Ministerialengeschlecht 
gänzlich verändert und zu einem interessanten Typus einer Ganerbenburg mit 
drei Wohntürmen, merkwürdiger Zugbrückenanls^e, einer Schildmauer mit ein- 
gebauter Kapelle umgebaut worden. Stärker noch als im nordöstlichen Wohn- 
turm kommen im südwestlichen die Fensterformen der Gotik zur Geltung. 
Ähnlich haben wir uns wohl den Aufbau der Ruinen Fürsteneck, Neuenstein, 
Bärenburg, Schiltach, Wolfach u. a. zu denken, von denen heute nichts mehr 
steht als die Grundmauern. 

Viel früher als in den Bauten der Geroldsecker, vielleicht mit am frühesten 
am ganzen Oberrhein, scheint die Gotik eingezogen zu sein in dem um 11 96 
gegründeten Kloster Allerheiligen. Wenn auch nicht in demselben Maße 
wie die Cisterzienser, so sind doch die Prämonstratenser, deren Orden zur Neu- 
gründung berufen wurde, mehr oder minder ebenfalls die Pioniere der Gotik in 
Deutschland gewesen. Nicht lange nach der Gründung begann man in Aller- 
heiligen den Bau der Kirche, und zwar der Vorhalle wie des Chores (Sockel) 
noch in romanischem Stil, um dann im Aufbau des letzteren rasch durcih den 
Übergangsstil zur Gotik zu gelangen. Vielleicht wurde ein mit dem )>opus 
francigenumc vertrauter Baumeister direkt aus Frankreich bezogen. In rascher 
Folge ging man an das Langhaus, das nach allen Anzeichen als Hallen- 
kirche geplant war. Allerdings versagten da doch die technischen Fähig- 
keiten — wenn die aufgedeckten Strebepfeiler die ursprünglichen sind, so waren 
sie freilich durchaus ungenügend — und der Bau blieb als Provisorium mit 
hölzernen Stützen und hölzernem Dache stehen. In den Formen der Ostteile, 
besonders in der noch in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. angebauten Kapelle 
Allerheiligen aber besitzt die Gegend ein vorzügliches Beispiel frühgotischen Stils. 

Wie in der politischen Geschichte mit dem 13. und 14. Jh. die Macht 
der Städte in den Vordergrund tritt, so auch in der Kunstgeschichte. Es 
erfolgt ihr eigentlicher Ausbau und die Verbesserung bezw. Neuanlage ihrer 
Befestigungen. Aus dieser Zeit stammen wohl die nur in wenigen Resten 



XLTV EWLEITÜNG. 

erhaltenen Offenburger, welche uns verschiedene ältere Bilder zeigen, wie auch 
die Gengenbacher in der Hauptsache, der Oberbau der Türme ist allerdings 
jünger. Die schon in der Mitte des 13. Jhs. von Bischof Heinrich von Stahleck 
verbesserten Befestigungen sind am Ende des 14. Jhs. von der Bürgerschaft 
durchgehends erneuert worden. Typisch ist, wie am ganzen Oberrhein, die 
Anlage mit den zwei Mauerringen, ebenso vielen Zwingern, Gräben, den Udnen, 
nach innen offenen runden oder polygonalen Mauertürmen, den großen vier- 
eckigen Türmen, die ohne besondere Ausgestaltung in einem Pyramidendach 
endigen. Auch das Innere der Städte schmückte sich. In Offenburg erstand 
damals im 14. Jh. der Neubau der Pfarrkirche, von welcher im Chor noch ein 
Rest erhalten. Es entstand ein prächtiges Rathaus, Pfalz und Laube, das 
Andreasspital sowie das Franziskanerkloster. Sie alle sind den Zerstörungen 
des 17. Jhs. zum Opfer gefallen. Nur der Chor der Franziskanerkirche ze^ noch 
im Äußern seine alte Form, im Innern die hohen, weiten und lichten Verhält- 
nisse, wie sie dem Bedürfnis der Predigerorden entsprachen. — Einer der merk- 
würdigsten Reste der Zeit aber ist das Judenbad, das, aus rituellen Ansprüchen 
entstanden, seinen früheren Formen nach um 1300, also etwa 40 Jahre vor der 
großen Judenverfolgung, erbaut worden sein muß. — Die gleiche Zeit brachte 
auch einen neuen Klosterbau in Wittichen, von dem aber nichts Ursprüng- 
liches mehr erhalten ist. 

Am Ende des Mittelalters beobachten wir eine neue gesteigerte 
kirchliche Bautätigkeit. Überall wurden, wie es scheint, die alten Kirchen 
zu enge und man errichtete neue. Ihre Langhäuser sbd meistens in den späteren 
Jahrhunderten umgebaut worden, ihre Türme aber oft stehen geblieben, ein- 
fache, viereckige Bauten mit einer kreuzgewölbten Halle im Erdgeschoß, spitz- 
bogigen Maßwerkfenstern im obersten Stock und schlichtem Satteldach, so 
in Haslach, Mühlenbach, Gengenbach (Martinskirche), Wolfach, 
Hausach u. a. An letzterem Orte steht auch noch der reizvolle Chor mit 
dem komplizierten Netzgewölbe der Spätgotik, ihren trocken profilierten Rippen, 
den schlanken Fenstern mit dem flamboyanten Maßwerk. Beispiele des gleichen 
Stils sind die Friedhof kapeile in Oppenau, die Wallfahrtskirche in Unter- 
harmersbach, das kleine Kirchlein in Zimmern, die Kirche in Wein- 
garten bei Offenburg, die dreischiffige schöne Kapelle des Klosters in 
Offenburg. 

1470 äscherte der Blitz den, wie wir sahen, zum Teil nur provisorisch 
hergestellten Bau des Klosters Allerheiligen ein, und die Mönche sahen sich 
veranlaßt, bis zu erstelltem Neubau ihre Residenz einstweilen ins Renchtal zu 
verlegen. Diesem Umstand verdanken wir den Bau der Wallfahrtskapelle 
in Lautenbach, den in den Jahren 1471 bis etwa 1488 (mit den Einbauten) 
der Meister Hans Hertwig aus Bergzabern errichtete, ein hochbegabter Meister, 
der zweifellos in der Straßburger Bauhütte seine Schule erhalten. Die Gegend 



EINLETTUNG. XLV 

besitzt damit ein Juwel der Spätgotik, in der Einzelausfuhrung wie in der 
malerischen Erscheinung des Ganzen gleich reizvoll. Die Bedeutung der Kirche 
wird aber dadurch gesteigert, daß sie noch in ihrer alten, etwa von 1480 bis 
1524 vollendeten Innenausstattung erhalten ist. Noch zieren sie die größtenteils 
vor 1500 entstandenen Glasgemälde, welche denen der verbrannten Magdalenen- 
kirche so ähnlich und vielleicht in gleicher Werkstatt gearbeitet sind Noch 
besitzt sie ihre alten Schnitzaltäre mit den Skulpturen und Gemälden. 

In den letzten zwei Jahrhimderten des Mittelalters war der Einfluß Frank- 
reichs zurückgetreten, und die wichtigsten künstlerischen Beziehungen des Ober- 
rheins gingen wieder nach Osten und Süden, nach Schwaben und dem Schwäbischen 
Meere. Die Plastik des 14. Jhs. hat uns nur in dem Grabmal des Götz von 
Fürstenberg in Haslach ein etwas primitives Beispiel hinterlassen. Das 1 5. Jh. 
bringt dann die glänzende Ausbildung des Schnitzaltars und damit der Holz- 
skulptur, in die um die Jahrhundertwende schon em leichter Wind von Süden, 
ein Hauch der Renaissance eindringt. Der Lautenbacher Hochaltar ist wohl 
eines der glänzendsten Werke der Gattung. Daneben sind die beiden Seiten- 
altäre sowie der ganz hervorragende Kruzifixus zu erwähnen, weiter Holzfiguren 
in Gaisbach, Bohlsbach, Offenburg und an anderen Orten. Der Holzschnitzstil, 
die Vorliebe für außerordentlich knittrige Falten, für eine messerscharfe Behandlung . 
der Flächen überträgt sich auch auf die Steinskulptur, wie wir an Meisterwerken 
derselben, an dem heiligen Grab in Gengenbach, dem Kruzifixus und dem Olberg 
auf dem alten Friedhof in Offenburg beobachten können. Letzterer ist eine Kopie 
im Gegensinne des Olberges im Straßbui^er Münster; ersterer ist früher mit 
dem Badener Kruzifix des Niklas von der Leyen in Verbindung gebracht worden, 
meiner Ansicht nach ohne Recht, es ist eine durchaus selbständige Arbeit. 

Für die Entwickelung der deutschen Malerei, für die Eroberung der Welt 
der Wirklichkeit wird der Oberrhein ja neuerdings immer wichtiger. Dazu kann 
unsere Gegend keinen Beitrag bieten. Die erhaltenen Denkmäler stammen alle 
erst aus der zweiten Hälfte und dem Ende des 15. Jhs. So die Wandmalereien 
in Burgheim wie die in der Bühlwegkapelle bei Ortenberg. In den letzteren 
macht sich schon in der Tracht das Eindringen des neuen Geschmackes bemerk- 
lich. Auch die Tafelgemälde künden bereits die Wendung zum 16. Jh. an. 
Es sind meistens Bilder, die zu Hans Baidung Grien in irgendwelcher Beziehung 
stehen, mögen sie nun vor ihm oder unter seinem Einfluß geschaffen worden sein. 
Noch ist die Geschichte der Malerei am Oberrhein am Ende des 15. und Anfang 
des 16. Jhs. ein gänzlich unerforschtes Gebiet, vielleicht tragen die in diesem 
Band publizierten Bilder in Lautenbach, Kehl, Bohlsbach etc., zum Teil 
hochbedeutende Werke, irgendwie zur Klärung bei. 

Am Schlüsse der mittelalterlichen Kunstentwickelung unserer Gegend steht 
der Wiederaufbau von Allerheiligen, die spätgotische Herstellung des 
Langhauses, der Neubau des Kreuzganges und der Klosterräumlichkeiten, von 



XLVI EINLEITUNG. 

denen wir durch Grabungen den Kapitelsaal feststellen konnten, sowie der Um- 
bau des Rathauses in Offen bürg. Nur ein kleiner Rest ist noch erhalten, 
eine Torhalle mit Netzgewölbe, aus dem der Kopf des Baumeisters hervorlugt, 
zusammen mit den obengenannten spätgotischen Kirchen und Kapellen eine 
Andeutung des Reichtums und der hohen Qualität des früheren Kunstbesitzes 
der Gegend. 

* 

In den Besitzverhältnissen der Ortenau sind am Ende des Mittel- 
alters kleine Verschiebungen eingetreten. Zwei Dynastenhäuser erloschen: die 
lahr-mahlbergische Linie der Geroldsecker und die Lichtenberger. Die Herr- 
schaft Lahr-Mahlberg kam 1426 an den Gemahl der letzten Erbtochter, an den 
Grafen Johann von Mörs-Saarwerden, der aber in schwerem Kampfe gegen die 
Hohengeroldsecker das Erbe seiner Gattin zu verteidigen hatte. Die Grafen 
gerieten dadurch in derartige Schulden, daß sie 1442 die Hälfte der Herrschaft 
zum Mitbesitz an Markgraf Jakob von Baden verkaufen mußten. Baden ver- 
kaufte zwar wieder die Hälfte seines Anteils 1462 an die Stadt Straßburg, löste 
ihn aber schon 1480 wieder ein. Auch der Mörs-Saarwerdensche Mannesstamm 
starb 1527 aus, und nun kam der Schwiegersohn des letzten Grafen von Mors, 
Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken, in den Gemeinbesitz mit Baden. Dieser 
Zustand blieb bis 1629, wo u. a. auf Grund konfessioneller Bedenken des katho- 
lischen Markgrafen — das Haus Nassau war protestantisch — eine Teilung 
erfolgte, bei der die Herrschaft Lahr an Nassau, die Herrschaft Mahlberg aber 
an Baden kam. 

Das Haus Lichtenberg erlosch 1480 mit Jakob, er wird erstmals 1458 
als »Graf« von Kaiser Friedrich III. bezeichnet. Die gesamten rechts- und links- 
rheinischen Besitzungen des Hauses waren in diesem Jahrhundert an den jüngsten 
Stamm gefallen. Jakob starb kinderlos, sein Bruder Ludwig hatte jedoch zwei 
Töchter hinterlassen, Anna und Else, deren Männer, Philipp Graf zu Hanau und 
Graf Simon-Weeker von Zweibrücken-Bitsch, als Erben auftraten. Es kam zu 
einem Erbfolgekrieg mit dem Bischof von Straßburg, in dem letzterer Willstett 
besetzte. Doch wurde derselbe bald durch Vermittelung beigelegt, Philipp 
erhielt außer fiinf elsässischen Ämtern das Amt Willstett und Simon von Zwei- 
brücken-Bitsch neben der gleichen Anzahl linksrheinischer Besitzungen das Amt 
Lichtenau. Doch waren die beiden rechtsrheinischen Amter als Kondominat 
gemeinschaftlich. 

Wichtig fiir die Gestaltung der Gegend war dann vor allem der Nieder- 
gang des Hauses Hohengeroldseck. Unglückliche Kriege, durch die Rauflust 
seiner Mitglieder heraufbeschworen, brachten es an den Rand des Abgrundes. 
Schon Diebolt I. sah sich um die Mitte des Jahrhunderts genötigt, sich in den 
Erbdienst der Pfalz zu seinem Schutze zu begeben, der auch Diebolt II. 1474 
gegen die Straßburger schützte. Die pekuniären Bedrängnisse aber wurden 



EINLEITUNG. XLVTI 

immer größer, Dorf um Dorf verpfändet und verkauft. Schon war die Hälfte 
der Herrschaft verloren, da hatte Diebolt IL auch noch den unglücklichen 
Gedanken, sich von dem Erbdienst der Pfalz frei zu machen und dem Pfalzgrafen 
Fehde anzukündigen. Dieser — damals Kurfürst Philipp — eroberte i486 nach 
sechswöchiger Belagerung die Stammburg, und nun war das unglückliche Ge- 
schlecht gänzlich von Haus und Hof vertrieben. Auch die Herrschaft Romberg 
sahen sie sich genötigt 1490, die Herrschaft Schenkenzell 1498 (bezw. 1500) an 
die Grafen von Fürstenberg zu verkaufen, deren Gebiet so die wünschenswerte 
Abrundung erfuhr. — Kaiser Max erteilte zwar 1500 Gangolf von Hohengeroldseck 
die Reichslehen, erst nach Jahrzehnten aber gelangte dieser wieder in den Besitz 
seiner sehr ruinierten Lande. 

Mit der Einnahme der Hohengeroldseck schienen die Bestrebungen des 
Pfalzgrafen, sich in der Ortenau festzusetzen, von Erfolg gekrönt, hatte er doch 
auch die Hälfte der Landvogtei inne. Da wurde der Sohn Philipps, Ruprecht, 
durch seine Ansprüche auf das Erbe Georgs des Reichen von Landshut in den 
bayerisch-landshutischen Erbfolgestreit verwickelt, und als er sich weigerte, die 
Teilungsvorschläge des Königs Max anzunehmen, wurde über ihn die Reichs- 
acht verhängt, die Hälfte der Landvogtei wurde ihm abgenommen, ebenso die 
Hohengeroldseck. Letztere war zwar zunächst bis zum Ausgang des Prozesses 
mit der Pfalz dem Markgrafen Christoph von Baden zur Verwahrung übergeben, 
doch konnte endlich 1511 Gangolf wieder in sein Schloß einziehen. 

So war also das Vordringen der Pfalz zurückgedämmt. Die Reichs- 
städte der Ortenau hatten den König dabei kräftig unterstützt, dankbar 
bestätigte er jetzt ihre alten Rechte, beschränkte auch den Anspruch des Straß- 
burger Bischofs als Pfandherm auf seinen Anteil an der Reichssteuer und schlich- 
tete 1507 auf dem Reichstage zu Hagenau die Streitpunkte zwischen der Stadt 
Gengenbach und dem Kloster in einem für erstere günstigen Sinne. 

Auch das Haus Fürstenberg, das dem König beigestanden hatte, 
wurde belohnt Die Kinzigtäler Linie war mit dem baulustigen und kinderlosen 
Heinrich VI. 1490 ausgestorben, die Besitzungen im Kinzigtal waren wieder mit 
den Stammlanden vereint unter den Brüdern Heinrich und Wolfgang, und da 
ersterer 1499 starb, in der alleinigen Hand Wolfgangs. Der Vermehrung der 
Macht durch den Ankauf geroldseckischer Besitzungen ist bereits oben gedacht 
worden. Jetzt erhielt Wolfgang, der in der Ortenau mit gefochten hatte, 1504 
die pfälzische Hälfte derselben in Pfand. Er residierte von nun an mit Vorliebe 
auf der Burg Ortenberg. Schon fünf Jahre nachher aber starb Wolfgang und 
die Lande fingen an seinen Sohn Wilhelm über, der ob seines abenteuer- 
lichen und bewegten Lebens, dem die Zimmernsche Chronik ein besonderes 
Kapitel widmet, den Namen »der wilde Graf von Fürstenberg« erhielt Er focht 
bald im Dienste des Kaisers, bald in französischen Diensten, dann auf der Seite 
Sicldngens und wieder 1528 als kaiserlicher Feldobrist in Italien. Für die Sache 



XLVm EWLBITUNG. 

der Reformation hat er sich frühe interessiert und wohnte 1529 dem Religions- 
gespräch in Marburg bei. Gleich nachher dient er wieder dem König von 
Frankreich, zerwirft sich aber mit dem Conn^table von Montmorency, kehrt 
wieder zu den kaiserlichen Fahnen zurück und kämpft gegen Frankreich, wird 
gefangen, vom Haus Habsburg im Stich gelassen und endlich von seinem Bruder 
Friedrich ausgelöst, um fünf Jahre nachher auf Ortenberg, das auch er als 
Residenz bevorzugte, an Geist und Körper zerrüttet zu sterben. Insbesondere 
durch seine Stellung zur Reformation — nahm er doch auch an dem Schmal- 
kaldischen Kriege teil — hatten sich seine Beziehungen zu dem Kaiser immer 
mehr verschlimmert, und so mußte er 1 548 die Regierung an seinen Bruder, den 
Grafen Friedrich, abtreten. 

Dies in groben Zügen die Lage des Landes um die Wende vom 1 5. zum 
16. Jh. Unsere am Schlüsse, des Bandes beigegebene historische Karte ermög- 
licht einen Überblick über die Besitzverhältnisse: es ist dazu zu bemerken, daß 
auf ihr im allgemeinen der Zustand um die Mitte des 1 5. Jhs. geschildert ist, 
daß es sich aber empfahl, für die furstenbergischen Lande schon die Abrundung 
derselben am Ende des Jahrhunderts durch die geroldseckischen Verkäufe 

wiederzugeben. fWtk.) 

* * 

Über den kirchlich-religiösen Geist am Schlüsse des Mittel- 
alters gewähren uns die zugänglichen Dokumente nicht allzuviel Einblick. 
Dürfen wir aber einen Rückschluß wagen aus der raschen und weiten Verbreitung 
und den kirchenfeindlichen Zug der Bauemerhebung und der Reformation, so 
ergibt sich daraus nicht gerade ein erfreuliches Bild von der religiösen Haltung 
des Volkes. Im Anfang des 17. Jhs. schilderte der OfTenburger Pfarrektor Rapp^) 
in einem Rückblick auf die Zustände in seiner Pfarrei während der beginnenden 
Reformation, daß viele Pfründeinhaber, meist dem Adel angehörig, lieber nach 
Straßburg gezogen und daß der Gottesdienst auch von den an Ort und Stelle 
Anwesenden arg vernachlässigt worden sei ; ein Adeliger habe innerhalb 30 Jahren 
die Kanzel nicht betreten. Man wird sich gewiß hüten müssen, die schweren 
und häufigen Anklagen eines Geiler oder Sebastian Brant gegen den Klerus zu 
verallgemeinern; aber die Zustände in den großen und reich gewordenen Klöstern, 
in Gengenbach, weniger vielleicht in Schuttern, sowie in Wittichen, am Schlüsse 
des Mittelalters sind doch unleugbare Erscheinungen und Zeugen einer tiefen 
sittlichen Verwilderung. Gengenbach war ja seit dem Anfang des 15. Jhs. nur 
noch eine Versorgungsanstalt des Ortenauer Adels geworden; 146 1 wurde der 
Ausschluß bürgerlicher Elemente geradezu zum Klosterstatut erhoben. Reform- 
versuche wie durch Aufnahme in die Bursfelder Kongregation (1463), der auch 
Schuttem um diese Zeit beitrat, oder der Reformplan des Kardinals Peraudi 

^) K. Walter, Bericht des Kirchherrn Lazarus Rapp über die Pfarrei zu Offenbnrg vom 
26. Oktober 161 6, Karlsruhe 1892, und Staudenmaier im Freib. Kirchenbl. 1880, Nr. 4 ff. 



EINLEITUNO. XLIX 

blieben ohne nachhaltige Wirkung. Unter Konrad von Müllheim war die Zer- 
rüttung des Stiftes Gengenbach aufs höchste vorgeschritten (i 506); dem Vorgehen 
g^en diesen Prälaten, der kurzerhand gefangen gesetzt wurde, liegt als tiefstes 
Motiv wahrscheinlich die Absicht, das Kloster in ein weltliches Stift umzuwandeln, 
zugrunde; wenigstens hat der Haupträdelsfuhrer an dem Anschlag und der 
Nachfolger Konrads, Philipp von Eselsberg, diesen Plan mit größter Energie 
betrieben und in Rom auch vollen Erfolg erzielt (1523). Nur legte der Kaiser 
diesmal ein entschiedenes Veto ein. Auch im Stift zu Lahr hatten »die Priester- 
mägde« solches Ärgernis erregt, daß der Rat 1539 dagegen einschreiten mußte.*) 
Nicht besser war es in vorreformatorischer 2jA\, um Wittichen bestellt, wo eben- 
falls der Reichtum eine bedenkliche Laxheit im Lebenswandel gezeitigt, so daß 
auch hier Säkularisierungspläne auf selten der Nonnen bestanden. 

In bezug auf Pflege der Volksbildung und der Wissenschaften lassen 
sich nur wenige Momente zusammentragen, die uns dahingehende Bestrebungen 
bezeugen können. Im Kloster Gengenbach war jedenfalls in den turbulenten 
Zeiten des 15. Jhs. das Schulwesen arg vernachlässigt, so daß zu Anfang des 
16. Jhs. der Stadtrat in seinen Beschwerden dieses Desiderium ganz besonders 
unterstrich; in der kurzen protestantischen Periode konnte das protestantische 
Gymnasium unter seinem Begründer, der mit Sturm in Straßburg in enger 
Fühlung sich hielt, unter Matthias Erb, eine gewisse Blüte erzielen; dagegen 
ging es schon wieder unter seinem Nachfolger Dionysius Reuchlin (1537) stark ab- 
wärts. Auf katholischer Seite hat Cornelius Eselsberger, der Führer der Gegen- 
reformation im Stift Gengenbach, dem Schulwesen rühmliche Förderung zu teil 
werden lassen. In OfTenburg scheint man früher denn anderswo dem Unterrichts- 
wesen von Stadt wegen Aufmerksamkeit und Förderung geschenkt zu haben. 
Damit hängt, wie wir sehen, die Berufung der Franziskaner zusammen. Im 
15. Jh. weist die Stadt eine Anzahl tüchtiger Gelehrter und einen Kreis von 
Humanisten auf, der sich um eine 1490 hier errichtete Buchdruckeroffizin 
scharte, so den Historiographen Paul Volz, den Straßburger Rechtsgelehrten 
Dr. Wendelin Büttelbronn, den gleichfalls von hier gebürtigen Straßburger Stett- 
meister Sturm von Sturmeck, den Lehrer der Lateinschule Grervas Sopher. 
Andere wissenschaftlich interessierte Offenburger dieser Zeit sind der bischöf- 
liche Offizial in Straßburg Nikolaus Lindenstumpf, der seine Studien in Wien, 
Paris und Bologna gemacht, 141 7 am Konstanzer und 143 1 am Basler Konzil 
sich beteiligt hatte, 1421 Pfarrer in Offenburg, 1441 Kanonikus von Jung 
S. Peter in Straßburg geworden war ;^ oder der in Bologna zum Doctor juris promo- 
vierte Nikolaus Dych, der 1499 und 1502 als Clericus Argentinensis in Romana 
curia causarum procurator vorkommt.*) Über das Schulwesen der späteren Zeit 



*) Rnppert, Die Mortenau I, S. 369. 

*) Knod, DenUche Studenten in Bologna (Berlin 1899), S. 384 ü. 

«) Knod a. a. O. S. 90. — Z. NF. VH, S. laa, 128 ff. 

Bud vn. IV 



L EINLEITUNG. 

geben die Visitationsberichte des 17. Jhs. einige kümmerliche Aufschlüsse, die 
aber höchstens über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein sowie ganz 
allgemein über die Beschaffenheit der Lehrer an einem Ort etwas besagen. 

Die kirchlichen Verhältnisse waren somit auch in der Ortenau nicht besser 
und nicht schlechter am Schlüsse des Mittelalters als anderswo ; der Wetterzeicheo 
waren aber auch hier genug vorhanden, die auf eine Katastrophe hinweisen 
konnten. Der weitausgedehnte Besitz, den die Klöster und Stifte hier hatten und 
der gewöhnlich von keiner guten Einwirkung auf die sittlichen Zustände war, die 
mangelhafte geistige und religiöse Unterweisung des gewöhnlichen Volkes boten 
um die Wende vom 15. zum 16. Jh. sozial-religiösen Agitatoren günstig^es Feld 
Die Waldenser, hier Winkler genannt, hatten von Straßburg aus im 15. Jb. in 
größeren Gemeinwesen, wie Offenburg und Lahr, regen Anhang gefunden; es 
wurden bei einem gerichtlichen Verhör von 32 in Straßburg gefolterten Winklem 
die Häuser und Herbergen der Sekte in den zwei genannten Städten bekannt 
(1400). Während wir von den Straßburgem wissen, daß sie dem von den 
Dominikanern beantragten Feuertod nur durch Einspruch des städtischen Rats 
entgingen und mit Verbannung geahndet wurden, ist uns über das Schicksal 
der Lahrer und Offenburger Waldenser nichts bekannt. Wir müssen aber 
annehmen, daß Reste dieser Bewegung sich bis ins 16. Jh. forterhielten und in 
den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts in der Sekte der Wiedertäufer wieder 
auflebten. Auch die gegen wirkliche oder vermeintliche Mißstände in der Kirche 
und auf selten der Grundherrschaft gerichtete Bewegung unter der bäuerlichen 
Bevölkerung hatte zu Anfang des 16. Jhs. hier Wurzel gefaßt. Von Württem- 
berg aus war der Aufstand des Armen Konrad auch aufs badische Gebiet 
hinübergedrungen und hatte hier hauptsächlich in Bühl und Achem auf Anstiften 
des hernach hingerichteten Gugelbastian*) die Gärung eingeleitet, die im Bauern- 
krieg von 1525 ihren gewaltsamen Ausbruch erlebte. In dem uns hier zunächst 
interessierenden Gebiet vollzog sich die ganze Bewegung allerdings in harm- 
loseren Formen, wenn auch den verschiedenen Klöstern, die in erster Linie als 
Angriffspunkte ausgesucht wurden, wie Schuttern und dem Klosterhof von Aller- 
heiligen in Lautenbach, beträchtlicher Schaden zugefügt wurde. Anfangs schien 
es, als ob die ganze, noch nicht radikale Bewegung durch Unterhandlungen ein- 
gedämmt werden könne. Solche führte der Beauftragte des Straßburger Bischofs, 
Klaus Meyer, in den einzelnen Gerichtsorten der Ortenauer Landvogtei; nur 
Appenweier und Griesheim hatten weitergehende Forderungen gestellt. Während 
noch Mitte April überall eine friedliche Lösung zu erwarten war, brach schon 
am 27. April der Aufruhr los. Offenbar durch auswärtige Agitatoren geschürt, 
richtete sich der Sturm zuerst gegen Schwarzach und verpflanzte sich von dort 
auch durch den Oberkircher Haufen von Aufrührern in den nordöstlichen und 

^) H. Schreiber, Der Bundschuh zu Lehen und der arme Konrad zu Btthl, Freiburg 1824. 
Hartfelder, Zur Geschichte des Bauernkrieges in Südwestdeutschland (Stuttgart 1884), S. 372 C 



EINLEITUNO. LI 

südlichen Teil der Ortenau, wo Lautenbach und Schuttern besonders zu leiden 
hatten. Der Abt von Schuttem floh nach Freiburg, nachdem der auf seinen 
Eigenvorteil bedachte Kastvogt Gangolf von Geroldseck nichts ausgerichtet. In 
dem herrenlosen Kloster scheint bei der Jugendlichkeit des Priors die Disziplin 
rasch in Verfall gekommen zu sein.^) Gengenbach blieb dadurch, daß die Stadt 
und der Graf von Fürstenberg zum Zweck der Säkularisierung die Hand über die 
dortige Abtei hielten, von Exzessen verschont. Im übrigen einigten sich die ver- 
schiedenen Grundherren mit den Bauern in dem Vergleich von Renchen vom 
25. Mai 1525, den der Markgraf Philipp, der Bischof von Straßburg, die Grafen 
von Hanau -Lichtenberg und Fürstenberg, die Ortenauer Ritterschaft und die 
Schultheißen der Hauptorte unterzeichneten. Die fiir uns hier in Betracht kom- 
menden Punkte betrafen die Anstellung von Pfarrern, die erst nach Anhörung 
einer Predigt und nach Prüfung des Lebenswandels des Kandidaten durch das 
Ortsgericht erfolgen solle; femer die Verkündigung des Gotteswortes auf der 
Kanzely das lunverdunkelt und lauter« sein müsse. Wer sich dessen als unfähig 
erweist, solle binnen vier Monaten abgesetzt und aus den Zehntgefallen pensioniert 
werden. Zehnten sollen nur vom Wein und allem, was die Mühle bricht, gegeben 
werden; von Hanf und Heu bloß der Zwanzigste. Der Zehntherr muß für die 
Pfarrerbesoldung besorgt sein, damit die »Nebenschinderei« durch Opfer-, Beicht- 
und andere Gelder aufhöre. Für den südlichen Teil der Ortenau wurde die 
Basis zur Verständigung im Offenburger Vertrag vom 13. Juni gefunden, den 
Markgraf Philipp für die Herrschaft Lahr annahm. Die Vorteile, die der 
Renchener Vertrag garantierte, fehlten hier fast vollständig, dagegen wurden die 
Aufständischen zur Rechenschaft und zum Schadenersatz angehalten. Die Ge- 
meinde Schuttem wurde in Villingen und später auch durch den österreichischen 
Landvogt von Ensisheim zur Bezahlung einer Brandschatzung an das Kloster 
verurteilt (1526), die der Kastvogt Gangolf von Geroldseck für sich einzutreiben 
suchte (1527), bis man von Ensisheim dagegen einschritt. Im übrigen wurde 
die Bewegung, wie man aus der Darlegung der politischen Geschichte dieses 
Gebietes ersehen kann, hier ohne die sonstige blutige Strenge zum Halt gebracht. 
In der Art und Weise, wie in dem Bauemprogramm auch die Forderung 
eines sittlichen Lebenswandels, der unverdunkelten und lauteren Verkündigung 
des Gotteswortes und der Pfarreranstellung durch die Gemeinde aufgenommen 
ist, lassen sich unzweifelhaft Nachklänge der ersten Vorstöße der lutherischen 
Bcwegimg erkennen. Von ihr war von allem Anfang an auch die Ortenau 
berührt Der allmähliche Übertritt Straßburgs zu der religiösen Neuerung beginnt 
mit dem Jahre 1520, und die meisten der ortenauischen Grundherren traten wenn 
nicht sofort zu ihr über, so doch wenigstens ihr nicht entgegen. Namentlich 
erwies sich der einflußreiche und energische Graf Wilhelm von Fürstenberg als 
erfolgreicher Reformator des Kinzigtales^) und der ihm seit 1504 verpfändeten 

^) Mone, Quellensammlung III, S. 670. 

*) Vierordt, Gesch. der evang. Kirche in Baden I, S. 308 ff. 

IV 



LII WNLEITUNG. 

Landvogtei Ortenau. Schon in den zwanziger Jahren begann überall in diesem 
Gebiete die neue Lehre vorzudringen; freilich war damals der Graf noch meist 
auswärts, aber überall unter den ersten Vorkämpfern dafür. Nach dem Marburger 
Tag begleitete er die reformierten süddeutschen Theologen Butzer, Hedio und 
Okolampad heimwärts und betrieb 1 534 mit dem Landgrafen von Hessen die Heim- 
Führung des Herzogs Ulrich von Württemberg. Als er Ende der dreißiger und 
anfangs der vierziger Jahre in sein Gebiet heimkehrte, begann er systematisch 
die Reformation durchzuführen. Den Abt des Klosters Gengenbach, Philipp 
von Eselsberg, hatte er seit 1525 durch allerlei kleinliche oder gewalttätige 
Mittel zur Abdankung zu bestimmen gesucht, ') wodurch die auch von der Stadt 
aus betriebene Säkularisierung des Stiftes ipso facto herbeigeführt worden wäre. 
Den durchaus schwachen und wahrscheinlich selbst protestantischen Nachfolger 
in der Abtswürde, Melchior von Homeck,*) hatte Graf Wilhelm vollständig in 
der Hand, so daß, wie weiter unten ausführlich noch gezeigt werden soll, um 
das Jahr 1540 die Abtei unmittelbar vor dem Übergang an die neue Lehre 
stand; der Konvent war zeitweilig bis auf einen Pater zusammengeschmolzen. 
Dieser eine, Friedrich von Keppenbach, behauptete aber doch das Feld, wenn 
auch Graf Wilhelm mit allen erdenklichen Mitteln und zum Teil durch Haft- 
strafe ihn zur Nachgiebigkeit zu bestimmen suchte.^) Tatsachlich mußte er sich 
auch mit der von seinem Vorgänger, Melchior von Homeck, angenommenen 
Säkularisation und mit der Zulassung von aus Stiftsmitteln zu dotierenden Prädi- 
kanten einverstanden erklären; auch eine »Statthaltereic des siebenjährigen Otto 
von Eberstein, der nur der Stellvertreter des jungen Grafen von Salm war, 
wurde ihm aufoktroyiert und ein natürlicher Sohn des alten Salm, ein aus 
Rheims gebürtiger Mönch, als Prior. 

Auch anderswo in der Ortenau fand unter der Einwirkung des Grafen die 
neue Lehre Aufnahme, so rings um Offenburg, besonders in dem Filialort Wein- 
garten, wo 1537 ein Prädikant eingesetzt wurde. Im Kinzigtal hatte Graf 
Wilhelm erst nach dem Tode seiner Mutter Elisabeth (1540), die sich für Lebens- 
zeit einen Anteil an der Herrschaft gesichert hatte, freie Hand. Es wurde jetzt 
das Benediktinerkloster Rippoldsau aufgehoben und das Klarisiinnenkloster 
Wittichen aufs schwerste beeinträchtigt. 1 542 fand in Haslach eine evangelische 
Synode von Prädikanten der Landvogtei Ortenau und des Kinzigtales statt; 
auf ihr wurde das Ersuchen an den Grafen gestellt, eine neuerliche Visitation 
des Bezirkes durch Hedio vornehmen zu lassen zur Hebung der Kirchenzucht, 
Feststellung einer Kirchenordnung und Besetzung der noch ledigen Pfarr- und 
Schulstellen. Bei dieser Veranstaltung werden als im Tale wirkende Prädikanten 
angeführt: Magister Franz Beckh und sein Helfer Hans Jerg Lemp, Martin 

*) Franck in FDA. VI, S. 1—26. 

^) Vgl. über die Vorgänge unter diesem Abt Ruppert in Z. 33, S. 128—159. 

») Franck in FDA. VH, S. 83—105; Ruppert, FDA. XVI, S. 196—215. 



EINLEITUNG. LIII 

Schalling (von Straßburg nach Wolfach versetzt), die von Oberwolfach, 
Schenkenzeil, Hausach, Schappach, Welschensteinach. Durch die französische 
Gefangenschaft des Grafen wurde die weitere Reformierung der Grafschaft und 
Vogtei verlangsamt und durch die Einführung des Interims und den baldigen 
Tod des Fürstenbergers (1549) gewaltsam unterbrochea Der Erbe des Grafen 
Wilhehn, sein Bruder Friedrich, suchte die frühere Ordnung mit Umsicht und 
Besonnenheit wiederherzustellen.') In der Abtei Gengenbach hielt sich Friedrich 
von Keppenbach allen Schikanen zum Trotz gegen den »wälschen Prior« bis 
zu seinem unerwartet raschen Tod (1555). Sein Nachfolger Agricola suchte 
vor allem den letzteren zu entfernen, auf strikte, auch vom Kaiser neuerdings 
eingeschärfte Durchfuhrung des Interims und damit auf Entfernung der Prädi- 
kanten aus dem Reichsstädtchen zu dringen. Die eigentliche Seele der Gegen- 
reformation war aber der Stadtpfarrer Cornelius Eselsberger, der sich besonders 
um das Schulwesen in der Stadt dauernde Verdienste erwarb. Ruhiger noch 
scheint sich nach der Einlösung der Reichspfandschaft über die Ortenau durch 
Osterreich (1551) die Rekatholisierung hier vollzogen zu haben, soweit unter 
Graf Wilhelms Einfluß die neue Lehre emgedrungen war. Wenigstens wird uns 
nirgends von einem Gewaltakt berichtet, der doch sicherlich irgendwie festgelegt 
worden wäre. 

Bleibende Zustände schuf die Reformation im Gegensatz zum Gebiet des 
Fürstenbergers in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg.^) Zu Beginn der 
Bewegung stand der obere Teil der Grafschaft auf badischer Seite, das Amt 
Wilktätt, unter dem Grafen Philipp HI. Nahm er sich auch im Verein mit der 
Stadt Straßburg des m Lichtenau 1525 verhafteten Prädikanten Martin Enderlin 
an, so war er doch in seiner reUgiösen Haltung zum mindesten schwankend, 
wenn nicht Gegner der weiteren Entwickelung der religiösen Neuerung, so daß 
er das Vertrauen der Reformatoren in keiner Weise besaß. 1538 folgte ihm 
sein Sohn Philipp IV. im südlichen Teile der Grafschaft, indes er sich in die 
Herrschaft über den nördlichen, das Amt Lichtenau, ebenfalls mit dem katho- 
Uscben Grafen Reinhard von Zweibrücken-Bitsch teilen mußte. Der Reformation 
ofTcnbar von Anfang an zugetan, leistete er ihr aber erst nach dem Tod seiner 
Gemahlin Eleonore von Fürstenberg (1544) offenen Vorschub. Schon 1545 
erbat er von Straßburg i etliche taugliche und bewährte Diener des h. Evan- 
geliums für die fiimemsten Orte der Grafschaft«. Er erhielt zunächst nur drei 
mit der Kölner Reformationsordnung; während er zwei davon in dem elsässischen 
Teil seiner Herrschaft verwendete, kam Anselm Pflüger nach Willstätt; Ende 
des Jahres 1 545 finden wir ihn in Kork und Sand angestellt. Damals ersuchte 
der Graf die Stadt Straßburg um dessen dauernde Überlassung. Gleichzeitig 
unterhielt Graf Philipp eine lebhafte Korrespondenz mit dem Straßburger Refor- 

*) Vgl. FDA. II, S. II ff. 

*)Vierordt I, S. 319 ff. Schaible, Gesch. des bad. Hanauerlandes (Karlsruhe 1855), 
S. 45 ff. 



LIV EINLEITUNG. 

mator Hedlo. Zur Besprechung des Reformationsplanes und der kirchlichen 
Organisation wurde am 12. Mai 1545 die erste hanau- lichtenbergische Synode 
in der elsässischen Residenz des Grafen, Buchsweiler, abgehalten. Es beteiligten 
sich daran 21 GeisÜiche, von denen aber nur ein kleiner Teil sich unbedingt 
fiir Einfuhrung der Reformation aussprach. Im allgemeinen vollzog sich das 
Reformationswerk hier weniger schroff als vielfach anderwärts. Die erste wichtige, 
von Butzer vorgeschlagene Maßnahme war die Säkularisierung des Kirchengutes. 
Es wurde den Heiligenpflegem an den einzelnen Orten mit der Begründung, 
daß die Verwaltung vielfach nachlässig gewesen, entzogen und in einer einzigen 
für ein Amt zuständigen Kirchenschaffnei vereinigt, für das badische Hanauer- 
land in der Schaffnei Rheinbischofsheim. Damit war allerdings eine einheitlichere 
Verwaltung der Kirchengefälle gesichert und die letzteren wenigstens teilweise 
ihrem Zweck erhalten, insofern sie zur Bestreitung der Kirchen- und Schul- 
bedürfnisse verwendet werden sollten. Gleichzeitig verloren die einzelnen Kirchen- 
gemeinden ihre Benennung nach dem Orts- oder Kirchenpatron und behielten 
ausschließlich die bürgerliche Namensbezeichnung. In Legelshurst, wo das 
Kloster Eschau den Pfarrsatz hatte, hielt sich der katholische Gottesdienst am 
zähesten ; ebenso in der von Allerheiligen abhängigen Pfarrei von Sand, wo uns 
aber auch schon 1 560 der Prädikant Schallesius begegnet. In Rheinbischofsheim 
starb der letzte katholische Pfarrer, Martin Hildbrandt, 1564; aber auch er war 
verheiratet gewesen, und seine Witwe bezog noch einige Zeit das Benefiziums- 
erträgnis ; pastoriert wurde die Gemeinde indes von Fautenbach aus. Schließlich 
zog auch hier nach langen Auseinandersetzungen zwischen den zwei Herrschafts- 
inhabern, Hanau und Bitsch, und dem das Patronatsrecht ausübenden Domkapitel 
ein protestantischer Geistlicher ein. In Honau, wo das Straßburger Stift gleich- 
falls das Patronatsrecht hatte, war schon in den zwanziger Jahren ein Prädikant 
tätig gewesen. 1532 wurde zwar nochmals ein katholischer Pfarrer angewiesen, 
aber schon 1559 trat das bisher mit Honau pastorierte Bodersweier zur neuen 
Lehre über, weil das Domkapitel den dem Protestantismus zuneigenden Geist- 
lichen Koch von Bodersweier absetzen wollte. Honau dagegen blieb dank den 
Bemühungen des Kapitels dem Katholizismus erhalten. Auenheim hatte einen 
Prädikanten seit 1561, Lbx seit 1566, Eckartsweier wohl schon seit 1555, 
Freistett, das bisher Filiale von Rheinbischofsheim war, trotz Einspruchs des 
Domkapitels in Straßburg seit 1582, nachdem es zur Pfarrei mit der Filiale 
Memprechtshofen erhoben worden war. Im Amte Lichtenau fand die Reformation 
nach dem Tode Jakobs von Bitsch, des katholischen Mitherrn (1570), ebenfalls 
ungehindert Eingang; das Städtchen Lichtenau hatte einen Prädikanten schon 
seit 1565. 1572 wurde eine neue Kirchenordnung von dem Grafen erlassen; 
sie fugte der älteren manche aus den badischen und pfälzischen entnommenen 
Verordnungen bei.*) 1578 erschien ein vorläufiger Entwurf zur Konkordien- 



^) Gednickt in Straß bürg 1573. 



EINLEITUNG. LV 

formel, den 65 Prädikanten der gesamten Grafschaft unterzeichnet hatten; wer 
ihr nicht beitrat, wie der Pfarrer von Rheinbischofsheim, wurde abgesetzt. Das 
Hanauerland war damit bis auf kleine Enklaven, wie Honau, dem Protestantismus 
dauernd gesichert. 

Weniger nachhaltig war die Reformationsbewegung in der Herrschaft 
Geroldseck.*) Von allem Anfang sehen wir dieses freiherrliche Geschlecht, 
dessen letzte Schicksale von Verarmung und vielfachen Gewalttaten berichten, auf 
Seiten Luthers. Diesem letzteren hatte Diebolt von Geroldseck als Admini- 
strator von Einsiedeln 15 19 ein Asyl angeboten und ein solches auch Ulrich 
von Hütten am Zürichersee gewährt; mit Zwingli fand er einen gemeinsamen 
Tod bei Kappel (1531). Sein Bruder und Herrschaftsinhaber Gangolf (gestorben 
1548) war durch sein späteres Dienst- und Lehensverhältnis zu Osterreich von 
einer offenen Stellungnahme zum Luthertum abgehalten, dagegen übte er die 
Schirmvogtei über Ettenheimmünster und Schuttem in drückendster Weise aus. 
Dagegen wandte sich sein Sohn und Nachfolger Quirin unverhohlen, wie der 
Abt Johann von Gengenbach bezeugt, der lutherischen Sekte zu, unterstützte 
auch 1 568 mit dreizehn Fähnlein die Hugenotten, wobei er in der Schlacht von 
Montcontour (1569) fiel. Bis dahin ist offenbar die Protestantisierung von Seel- 
bach, Prinzbach und Schuttertal schon vollzogene Tatsache gewesen; nicht 
bekannt ist, ob auch in den Orten, wo die Geroldsecker nur die TeUherrschaft 
hatten, wie in Reichenbach, wo die Röder noch zuständig waren, oder in 
Berghaupten, das auch noch der Herrschaft des Bischofs von Straßburg unter- 
stand, während Münstertal, Schweighausen und Wittelbach als straßburgisch 
bischöfliches Lehen den Geroldseckern verliehen waren. Jedenfalls suchte Karl 
von HohenzoUem, der Vormund des noch unmündigen Söhnchens und Erben 
Quirins, Jakobs von Geroldseck, der 1573 in die Herrschaft kam, den alten 
Religionszustand wiederherzustellen, indem er zunächst vom Abt Gisbert von 
Gengenbach zwei »ehrbare gelarte und geschickhte Priester« erbat, ^die mit 
singen, lesen und predigen wohlgeübt«. Auf die religiöse Haltung des jungen 
Geroldseckers hatte er aber offenbar keinen Einfluß, denn kaum hatte dieser 
1584 die Herrschaft angetreten, so nahm er mit allem Nachdruck das Refor- 
mationswerk wieder auf, so daß bald alle Pfarreien mit Prädikanten besetzt 
waren, mit Ausnahme von dem von Ettenheimmünster abhängigen Wittelbach, 
das aber nach Wegnahme der Kirchengüter durch den Geroldsecker mit Schweig- 
hausen vereinigt werden mußte. Reichenbach bekannte sich, nachdem es schon 
seit 1552 verheiratete Geistliche gehabt, in einem tumultuarischen Akt 1595 
zur neuen Lehre. Als im letzteren Jahre der Subprior von Gengenbach zur 
Beerdigung des eben verstorbenen Pfarrers und zur Besitzergreifung der Pfarrei 
nach Reichenbach kam, wurde er von der durch geroldseckische Beamte 
geschürten Gemeinde zurückgewiesen. Als aber Jakob von Geroldseck ohne 

^) Vierordt I, S. 486 ff.; II, S. 238 ff. Hennig a. a. O. S. 159 ff. 



1,VI EINLEITUNG. 

männliche Erben starb, fielen die Lehen an Osterreich und Straßburg zurück 
und auch die Allodien wurden der einzigen Tochter weggenommen, weil, sie mit 
einem schwedischen General, Grafen Solms, verheiratet war, und dem katholischen 
Grafen Adam Philipp von Cronberg verliehen; wurde auch im Westfälischen 
Frieden eine Untersuchung der Erbansprüche der letzten Geroldseckerin in 
Aussicht gestellt, so blieb sie doch gänzlich wirkungslos, und nach dem Aus- 
sterben der Cronberger wurde die Herrschaft 1692 an die Freiherren von der 
Leyen vergabt und die Okkupation des Markgrafen von Baden -Durlach von 
Osterreich (1697) zurückgewiesen. Unter Adam Philipp von Cronberg wurde 
alsbald die Gegenreformation durchgeführt und nicht wenig gefordert durch den 
Wirrwarr, den die Kriege Ludwigs XIV. in den siebziger Jahren des 17. Jhs. 
über unser Land brachten. Das Hauptverdienst an der Rekatholisierung haben 
die Franziskaner von Kenzingen und die Kapuziner von Mahlberg und Haslach 
zu beanspruchen und haben es auch zum Teil in rivalisierender Konkurrenz mit- 
einander schon in gleichzeitigen Darstellungen betonen lassen. ^) Aus Anerkennung 
für diese Verdienste ließ Graf Kaspar von der Leyen 1732 in Seelbach ein 
Franziskanerkloster errichten.-) 

In der Grafschaft Lahr-Mahlberg,^) in deren Besitz sich die Grafen 
von Nassau und die Markgrafen von Baden-Baden teilten, fand die neue Lehre 
zunächst nur sporadisch Eingang. So tauchte schon 1525 in Lahr ein Prädikant 
auf, wohl nur vorübergehend, denn der eigentliche Pfarrer ^geigte damals«, wie 
ein Zeitgenosse sich ausdrückt, »noch auf der alten Geige«. Dagegen wurden 
während des Bauernkrieges die Geistlichen angewiesen, das freie Evangelium zu 
verkündigen und den Sterbenden nach Wunsch das Abendmahl in zwei Gestalten 
zu spenden. Entsprechend der schwankenden Haltung des Markgrafen Philipp I. 
wurden aber auch der neuen Lehre nicht allzuviel Konzessionen eingeräumt und 
verboten, »weitre endrunge in den irrigen artickeln zu lehren« oder an den bis- 
herigen Gepflogenheiten etwas zu ändern, solange nicht ein allgemeines Konzil oder 
ein Reichstag entschieden. Andererseits wollte Nassau möglichst ungemildert 
die Augsburgische Konfession schon 1531 durchgeführt sehen. Dazu kam es 
aber erst mit der Thronbesteigung des Markgrafen Bernhard lü. (1533); aber 
schon 1536 erfolgte durch dessen frühzeitigen Tod ein Umschwung. Als Vor- 
mund der Kinder übernahm Herzog Wilhelm IV. von Bayern die Regentschaft 
und stellte die katholische Religion wieder her. Der indes mündig gewordene 
Markgraf Philibert bekannte sich zum Protestantismus und führte ihn auf der 
Grundlage des Augsburger Religionsfriedens seit 1556 überall durch; 1558 
wurde zwischen den zwei Herrschaftsinhabem, Baden und Nassau, eine ReUgions- 
ordnung für das ganze Gebiet erlassen und 1567 näherhin die Straßburger 

^) P. Romuald, Hist. Capucinorum, S. 353. Grcidercr, Germania Franciscana (Inns- 
bruck 1777/81)11, S. 98. 

2) Hennig a. a. O. S. 214 ff. 

") Vicrordt, Hennig, Gesch. des Landkapilels Lahr, S. 138 ff. 



EINLEITUNG. LVII 

Kirchenordnung für alle Pfarreien vorgeschrieben. Es sollten nur noch pro- 
testantische Geistliche von den Patronatsherren verlangt werden. Der einzige 
noch katholische Pfarrer der Grafschaft, der von Altenheim, dessen Patronats- 
herr der Bischof von Straßburg war, wurde vor die Alternative gestellt, ent- 
weder zu resignieren oder zur neuen Lehre überzutreten. In Lahr hielt sich 
der katholische Gottesdienst bis zum Augsburger Rcligionsfrieden. Aber die 
Fundamente der kirchlichen Autorität waren hier wie an anderen Orten gründlich 
erschüttert. Außer den Prädikanten hatten die Wiedertäufer, die besonders 
stark in der Weberzunft vertreten waren, hier den Abfall vorbereitet; 1528 waren 
alle Gefängnisse der Stadt damit angefüllt und die Amtleute wurden angewiesen, 
eifrig nach diesen Sektierern zu fahnden und ihnen Straffreiheit zuzusichern, wenn 
sie ihren Irrtum abschwören wollten; falls sie aber nicht widerrufen wollten, 
sollte nochmals an die Regierung berichtet werden.^) Auch die Zustände im 
Stift waren nicht dazu angetan, im Volke das Autoritätsgefiihl vor dem Klerus 
zu stärken. Im Jahre 1539 ordnete der Rat der Stadt an, daß die liederlichen 
Priestermägde im Stift, die sich aufs schändlichste gegenseitig beschimpften, dem 
Volke großes Ärgernis gaben und wegen Diebstahls und anderen bösen Stücken 
arg beleumundet waren, in der Herrschaft nicht mehr geduldet werden soUtea^) 
Bei solchen Zuständen begegnete die endgültige Berufung des ersten pro- 
testantischen Pfarrers — vorübergehend war schon 1 536 einer angestellt gewesen — , 
des Johannes Wolph aus Koburg, wohl keinem allzu großen Widerspruch. Schon 
1564 wurden die reichen im Stift vorhandenen und durch die Wappen als 
Stiftungen der ortenauischen Adelsfamilien bezeugten Paramente verkauft. An 
verschiedenen Orten hatte der katholische Geistiiche vor der definitiven Los- 
reißung der Gemeinde von der Kirche längst nicht mehr seinen Pflichten ent- 
sprochen. So sollten die Pfarrer von Kürzel und Friesenheim, an welch letzterem 
Orte auch Wiedertäufer in den zwanziger Jahren tätig gewesen, wegen Kon- 
kubinats oder wirklicher Verheiratung vom Bischof abgesetzt werden im Wider- 
spruch mit der Gemeinde und den herrschaftlichen Amtleuten; und als es 
schließlich doch dazu kam, erfolgte der Übertritt zum Protestantismus (1565 
imd 1566), wogegen der Abt von Schuttem umsonst seine Patronatsrechte 
geltend machte. Um die gleiche Zeit hatte auch Kippenheim einen verheirateten 
Pfarrer, ob noch katholisch oder lutherisch, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen. 
In Hugsweier wurde der katholische Pfarrer durch Gehaltssperre (1562) verjagt 
und 1564 durch einen Prädikanten ersetzt, und ähnliches geschah um diese 
Zeit in Nonnenweier (1554), Oberweier (um 1570), Oberschopfheim (1562), 
Ottenheim, Sulz und Wagenstadt. 

Nach dem Tode des Markgrafen Philibert nach der Schlacht bei Mont- 
contour (1569) hatte zunächst Herzog Albrecht V. von Bayern die Vormund- 



*) Ruppert, Gesch. der Moitenau I, S. 279. 
*) Hennig a. a. O. S. 125. 



LVni EINLEITUNG. 

Schaft für den minderjährigen Thronerben Philipp II. zu führen. Während dieser 
Regentschaft und der selbständigen späteren Regierung des jungen Markg^rafen 
wurde trotz Eihspruches des Nassauer Mitregenten der Versuch einer Re- 
katholisierung gemacht, indem man vor allem die kirchlichen Rechte des Bischofs 
von Straßburg und der Äbte von Gengenbach und Schuttem wieder zu berück- 
sichtigen anfing. Einen systematischeren Gegenreformationsplan besprach der 
Jesuit Roberinus de Montreal mit dem Abt von Schuttem (1581). Indes starb 
der Markgraf Philipp schon 1588, und als die leichtfertige Regierung seines Nach- 
folgers Eduard Fortunat die Okkupation der oberen Markgrafschaft durch Kmst 
Friedrich von Baden-Durlach herbeiführte (1594 bis 1622), wurde der letzte Rest 
von katholischem Leben in dieser Gegend vertilgt, wiewohl ein dem Kaiser aus- 
gestellter Revers versprach, in Religionssachen nichts zu ändern. Erst Eduard 
Fortunats Sohn, der Markgraf Wilhelm, konnte wieder zur Herrschaft gelangen 
(1622). Sein erstes war die Rekatholisierung der dem Protestantismus zu- 
geflihrten Gebietsteile. Dabei konnten heftige Differenzen in der auch von dem 
protestantischen Nassau mitregierten Grafschaft Lahr-Mahlberg nicht ausbleiben. 
Schon gleich der Plan, die Pastoration des Lahrer Schlosses Konventualen von 
Schuttem zu übergeben, scheiterte an dem entschiedensten Widerspruch des 
Mitregenten; aber auch der Vorschlag der Gebietsteilung wurde abgelehnt und 
mußte 1629 durch den Kaiser vollzogen werden. Dabei fiel Mahlberg mit 
Kippenheim, Kippenheimweiler, Wagenstadt, Sulz, Langenhard, Kürzel, Schutter- 
zell, Ichenheim, Dundenheim, Ottenheim, Friesenheim, Oberweier, Heiligenzell 
und Oberschopfheim an Baden, Lahr mit Burgheim, Dinglingen, Altenheim, 
Hugsweier und Mietersheim an Nassau. Der nassauische Teil blieb naturgemäß 
protestantisch, während der an den Markgrafen gefallene wieder teilweise der alten 
Lehre zugeführt wurde. Wo indes geschlossene protestantische Gemeinden 
bestanden, blieben sie auch meist erhalten. Schon 1528 setzte Schuttem auf 
Veranlassung des Markgrafen nach Friesenheim einen katholischen Pfarrer. Als- 
bald nach der Huldigung des mahlbergischen Gebiets ließ Markgraf Wilhelm 
am 30. Oktober 1629 in Friesenheim den Geistlichen ihre Entlassung mitteilen 
und wenige Wochen später überall katholische Seelsorger einsetzen. In Kippen- 
heim erhielten die Jesuiten eine Niederiassung für zwei Patres. Vorübergehend 
wurde im Dreißigjährigen Krieg die katholische Pastoration noch wiederholt 
durch die Schweden gestört oder durch eine protestantische ersetzt, wie in 
Ichenheim (1633 bis 1635); auf Schloß Mahlberg saß ein schwedischer Leutnant. 
An vielen Orten war jede Seelsorge ausgestorben, und die moralische Verwilderung 
nahm mit dem physischen Elend erschreckend zu. Sobald der Markgraf wieder 
sein Land betreten konnte (1646), erließ er ein Religionsedikt zur Ordnung der 
religiösen Verhältnisse und schloß 1647 jeden protestantischen Gottesdienst unter 
Androhung von Strafen aus. ^) Jedoch gestattete man den protestantischen Unter- 

') Vicrordt II, S. 241 ff. Hennig, S. 152 ff. 



EINLEn-UNG. LIX 

tanen im gleichen Jahr einen Prädikanten in Kippenheim, ebenso erhielt Friesen- 
heim mit Oberschopfheim und Diersburg einen, Ottenheim einen weiteren 1650. 
Daß bei solcher konfessionellen Mischung im Laufe der Zeit beiderseits Über- 
griffe und ständige Reibungen vorkommen mußten, ist nur zu natürlich. Im 
allgemeinen aber fanden die berechtigten Wünsche und Beschwerden der 
Protestanten bei dem Markgrafen willfährige Aufnahme, nicht immer aber bei 
dem gegen den protestantischen Teil manchmal schroffen Amtmann Franz Ernst 
von Olizy (seit 1678), so daß die evangelische Minderheit 1720 eme mit einer 
Widerlegung beantwortete (1723) Beschwerdeschrifl an die Regierung richtete. 
Dieser Zustand dauerte fort, bis das Gebiet an die Durlacher Linie (1771) fiel; 
jetzt aber erregten umgekehrt die Errichtung protestantischer PfarrsteUen in 
Friesenheim, Kürzel und Sulz und andere Maßnahmen den Widerspruch des 
Straßburger Bischofs Rohan und der Katholiken des Bezirks, die im sogen. 
»Syndikatsprozeßc beim Reichshofrat in Wien die Bildung eines Syndikats zur 
Vertretung ihrer Interessen anstrebten. 

In den kleineren Gebietsteilen der Ortenau kam das Luthertum 
nicht weniger frühzeitig zur Einführung, dank dem Nachdruck der Gutsherr- 
schaften. So durch Egenolph von Röder, der seit 1523 an dem Reformations- 
virerk in Straßburg mit Eifer beteüigt war, in dem seinem Patronatsrecht unter- 
stehenden Ho fw ei er (Prädikanten von 1534 bis 1570, katholisch von 1570), 
Oberweier (protestantisch seit 1570, katholisch seit 1647), in Oberschopf- 
hcim-Diersburg (sehr früh protestantisch, katholisch seit 1655). Nach der 
Rekatholisierung der letzteren, ursprünglich einheitlichen Pfarrei wurde der noch 
protestantisch gebliebene Teil von Diersburg zur Pfarrei Friesenheim verwiesen 
und nach deren Eingehen (1676) zu Kippenheim.') In Meißenheim wirkten 
die Herren von Wurmser (protestantisch seit 1533) für die neue Lehre (1556 
erster nachweisbarer Prädikant), in Allmansweier und Wittenweier, wo 
die Klöster Schuttem 1540 und Leberau 1553 der Einsetzung eines Prädikanten 
widersprachen, die Freiherren von Böcklin. Auch die Reichsstädte blieben von 
der religiösen Bewegung nicht unbeeinflußt. Namentlich ließ sich Gengen- 
bach sehr weit von ihr treiben. Hier bewirkte der Jahrhunderte alte Gegensatz 
zur Abtei und der Einfluß des Grafen WUhelm nahezu den völligen Abfall der 
Stadt. Schon in den zwanziger Jahren dürfte der Stadtpfarrer, ein scharfer 
Gegner des Klosters, ein Prädikant gewesen sein; der Stadtschule, die unter Abt 
^Melchior aus Stiftsmitteln errichtet wurde, wandte Hedio ganz besondere Für- 
sorge zu. 1541 unterschrieb Gengenbach in der Reihe der evangelischen Städte 
das Protokoll des Regensburger Religionsgesprächs; untlr den Auspicien des 
städtischen. Rats erschien hier 1545 ein evangelischer Katechismus für die Stadt 
und das Kinzigtal. Im Jahr darauf hielt Hedio eine Kirchenvisitation ab. Das 
Interim, das durch kaiserlichen Befehl für Gengenbach noch eindringlich betont 

^) Vgl. Felix von Rödcr-Dicrsburg in FDA. XIV, S. 227—236. 



LX EINLEITUNG. 

wurde, führte hier wie in der Abtei den alten Zustand wieder her, das treibende 
Element der Gegenreformation aber war der auch um das Schulwesen hoch- 
verdiente Stadtpfarrer Cornelius Eselsberger. ^) Weniger Wurzel fassen konnte 
die Reformation in Offenburg. Es dürfte sich hier in der Hauptsache um 
ein anfangliches Schwanken gehandelt haben; denn auf dem entscheidenden 
Reichstag in Augsburg (1530) stellte sich die Stadt auf die Seite des Kaisers 
imd wehrte auch in der Folge jeder Neigung zur Neuerung, die etwa von außen 
her, wie von Weingarten, hätte genährt werden können. Dadurch, daß das 
Straßburger Domkapitel später zu einem großen Teil hier Unterkunft fand, hatte 
die Sache des Katholizismus eine bedeutende moralische Stütze erhalten. 

Den Anlaß zu dieser Übersiedelung des katholischen Teils des Domkapitels 
bildete der langjährige Kapitelstreit zwischen den katholischen und protestantischen 
Kapitularen, der 1592 nach dem Tode des Bischofs Johann von Manderscheid 
noch dadurch verschärfte Form erhielt, daß eine konfessionell bedingte Doppel- 
wahl erfolgte. Die katholischen Kapitulare wählten den Kardinal von Lothringen, 
die protestantischen den Markgrafen Johann Georg von Brandenburg, der aber 
nur den Titel eines Administrators führte und dem die rechtsrheinische Herr- 
schaft zufiel Die Verwaltung darüber erhielt der Kanonikus Ernst von Maus- 
feld als Amtmann in Oberkirch, dem auch Vierordt bescheinigen muß,*) daß 
er »die Übermacht zu vielen Gewaltschritten benutzt habe«. Durch Güte wie 
durch Gewalt suchte er das bisher noch wenig von der Reformation berührte 
Renchtal zu protestantisieren. Wie er im einzelnen das Kloster Allerheiligen 
drangsalierte durch Einsetzung eines eigenen Schaffners und durch das Verbot, 
neue Novizen aufzunehmen, wird noch unten zu berichten sein. Schließlich zählte 
der Konvent nur noch vier Novizen, und der nicht geftigige Propst Jehle starb 
im Gewahr der Feste Dachstein unerklärlich rasch. Auch sein Nachfolger 
Schüßler, den der Kaiser von Strahow schickte, sah sich zur Resignation 
genötigt; endlich wurde in einem Abkommen vom Jahre 1604 der Administrator 
durch das Angebot einer bedeutenden Geldsumme zum Verzicht auf die Herrschaft 
Oberkirch bestimmt. (S.) 

Von den beiden großen Bewegungen, die am Anfange des 16. Jhs. das 
ganze Deutschland erschütterten, ist die Verbreitung und Geschichte der Lehre 
Luthers in dem vorigen Abschnitt geschildert worden. Auch der große Bauern- 
aufstand ist soweit berührt worden, als er die Klöster betraf; ich kann mich 
daher auf einen kurzen Überblick über seinen Verlauf beschränken.^) 

1) Vierordt I, S. 314—319. 

*) Vierordt H, S. 75. 

") K. Hartfeldcr, Der Bauernkrieg in der Ortenau, Zeitschr. der Gesellsch. ftlr Beförderung 
der Geschichls-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, Breisgau etc., Bd. V (1882), S. 385 ff. 
Derselbe, Die Gesch. d. Bauernkrieges in Stldwestdeutschland, Stuttgart 1884. Derselbe, 
Straßburg im Bauernkrieg 1525, Forsch, z. deutsch. Geschichte XXIII, S. 221—285. Der Bauern- 
krieg am Oberrhein, Mone, Quellensamml. 11, S. 17 f. 



EINLEITUNG. LXI 

Während in den benachbarten Gegenden der Bauernkrieg schon längst 
begonnen hatte, blieb die Ortenau zunächst noch ruhig. Im Frühjahr 1525 aber 
regte sich*s auch hier, überall hielt man Zusammenkünfte ab und machte seine 
Beschwerden geltend, wie es scheint, zunächst in der Renchener Gegend. Mark- 
graf Philipp von Baden dachte zunächst an bewaffnetes Einschreiten, doch nahm 
er bald die Ansicht des Rates der Stadt Straßbuig an, zu versuchen, die Sache 
mit Güte zu erledigen. Der gleichen Ansicht war das Domkapitel von Straßburg. 
Vorteilhaft war auch das gute Verhältnis der drei Reichsstädte der Ortenau zu 
den Bauern, die in ihnen immer einen Kämpfer gegen die Bedrückungen des 
Klosters sahen. Zunächst schien es, als ob die Gefahr gänzlich vorübergehen 
wollte, Ende April 1525 aber kam es auch hier zu gewalttätigen Aufständen. 
In Schwarzach hatte sich ein Haufen gesammelt und machte seinem Groll gegen 
das dortige Kloster Luft durch Plünderung und Brandstiftung. Ein anderer 
Haufen sammelte sich bei Oberkirch. Dieser hatte sich Oberkirchs bemächtigt, 
die dortige Kirche, den Hof des Klosters Allerheiligen, den Hof des Klosters 
in Lautenbach und endlich das Kloster Allerheiligen selbst geplündert. Mit 
beiden Haufen unterhandelten die Gesandten der Stadt Straßburg und des Mark- 
grafen, sie fanden nur bei dem Oberkircher einigermaßen Gehör. Es kam denn 
auch zu einer Art Waffenstillstand; die Bauern sollten einen Ausschuß wählen, 
der auf einem Tag zu Renchen mit den Gesandten des Markgrafen und der 
Stadt einen endgültigen Vertrag schließen sollte. Es scheint doch auch auf der 
anderen Seite das Gefühl dafiir vorhanden gewesen zu sein, daß die Bedrückungen 
der Bauern durch Adel imd Klöster in der Tat auf ein unerträgliches Maß 
gestiegen waren. Die Zusammenkunft fand am 22. Mai statt; es war außer den 
Bauern bei ihr vertreten der Markgraf und die Stadt Straßburg, deren Räte den 
Vorsitz führten, der Bischof von Straßburg, die Grrafen von Zweibrücken-Bitsch, 
Hanau, Lichtenberg, Fürstenberg, letzterer als Landvogt der Ortenau, und mit 
zwei Gesandten die Ortenauer Ritterschaft Man einigte sich über zwölf Artikel, 
über die Besetzung der Pfarrstellen, den Zehnten, die Freizügigkeit, die Steuern, 
das Jagdrecht, die Forstrechte, die Frondienste, alle Strafen und Abgaben. 
Den Klöstern wurde es dabei überlassen, sich selbst mit den Bauern auseinander- 
zusetzen, was sie auch nachemander taten. 

Heftiger war der Aufstand in der südlichen Ortenau. Hier richtete sich 
die volle Wut der Bauern gegen die Klöster Schuttem und Ettenheimmünster, 
die sich um Hilfe an Gangolf von Geroldseck wandten, allerdings ohne großen 
Erfolg. Die Bauern plünderten die Klöster, die Empörung wurde immer all- 
gemeiner, bis auch hier der Markgraf, der durch die Herrschaft Lahr-Mahlberg 
in Mitleidenschaft gezogen war, und die Stadt Straßburg, deren Besitz in Etten- 
heim bedroht war, eingriffen. Die Abte der beiden ausgeraubten Klöster waren 
nach Freiburg geflüchtet In Offenburg kam endlich im Juni ein Vertrag zu 
Stande, imgünstiger für die Bauern als der Renchener, der aber doch den 
Frieden brachte. 



LXII EINLEITUNG. 

Die innere Geschichte der Gegend in den folgenden Jahrhunderten bringt 
wenig Bemerkenswertes. 1551 war die furstenbergische Hälfte der Pfandschaft 
der Ortenau, 1556 auch die bischöfliche von Österreich eingelöst worden, und 
österreichische Landvögte saßen nun auf Ortenberg. Wie früher die Pfand- 
herren, so versuchten jetzt auch sie die Selbständigkeit der Reichsstädte zu 
vermindern, und bis zum Ausgang des Römischen Reiches dauerten deshalb dUe 
Streitigkeiten fort. Die Städte wehrten sich mit Erfolg, doch zeigt sich schließ- 
lich eine gewisse Müdigkeit; insbesondere schien es bequemer, bei der Langsam- 
keit der Reichskammergerichtsentscheidungen das Gericht des Landvogtes an- 
zurufen. Im Stadtregiment selber bildete sich, wie das bei so abgeschlossenen 
Gemeinwesen nicht anders möglich war, eine üble Vetterles- und Cliquen- 
wirtschaft heraus, gegen welche die übrigen Bürger verschiedentlich reagierten, 
so daß es zu Kompromissen kam, die aber keine wirkliche Abhilfe brachten 

Die Besitzverhältnisse erfuhren keine wesentliche Veränderung, nur 
daß in verschiedenen Territorien ein Wechsel der Dynastien stattfand. In der 
Herrschaft Hanau-Lichtenberg starb mit Johann Reinhard III. der Mannes- 
stamm der Grafen aus und die Herrschaft kam an den Gemahl seiner Tochter, 
an Ludwig VIII., den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, und seine Nachkommen. 
1634 starb der letzte Herr von Hohengeroldseck, nachdem er vergeblich seiner 
Tochter Anna Maria die Erbfolge zu sichern versucht hatte. Nach seinem Tode 
überließ Österreich die Lehen den ihm treu ergebenen katholischen Grafen von 
Cronberg und ließ diese durch den General Gallas auch in den Besitz der 
Allode setzen. Anna Maria, deren erster Gemahl, ein Graf zu Solms- Rockel- 
heim, 1640 starb, reichte 1644 dem Markgrafen Friedrich IL von Baden-Durlach 
die Hand, der denn auch nicht versäumte, die Ansprüche auf ihr Erbe zu 
erheben, und so entspann sich ein hundertjähriger Prozeß. Nach dem Aussterben 
der Cronbergs 1692 ergriff der Markgraf mit Gewalt den tatsächlichen Besitz 
der Lande, in die aber Österreich 1697 mit 300 Mann den Freiherm Karl 
Kaspar von der Leyen als Herrn der Grafschaft einführte. Schon 1636 hatte 
es diesem treuen und gut katholischen Geschlechte die Anwartschaft darauf 
gegeben. Die von der Leyen blieben nun über 100 Jahre lang im Besitz der 
Herrschaft, die am Ende noch von Napoleon zum Fürstentum erhoben wurde. 

Die fürstenbergischen Lande wurden nach dem Tode jenes Grafen 
Friedrich, der auf seinen Bruder, den wilden Grafen, gefolgt war, einer neuen 
Teilung unterworfen, sein Sohn Christoph I. erhielt die Kinzigtäler Herrschaft, 
ihm folgte Christoph IL Wieder spaltete sich das Haus in zwei Linien, die 
Meßkircher und die Stühlinger, von denen die letztere das Kinzigtal übernahm. 
In ihr zeichnet sich Maximilian Franz als Bauherr des Schloßumbaues in 
Wolfach aus. 

Die Herrschaft Lahr kam von dem Hause Nassau-Saarbrücken an 
Nassau-Weilburg und endlich Nassau-Usingen 1 799, nicht ohne dazwischen einmal 



EINI^EITUNG. LXm 

verpfändet gewesen zu sein, nämlich 1654 bis 1727 an die Markgrafen von 
Baden-Durlach. So hatten also zeitweise beide badische Häuser hier Posten 
gefaßt — Mahlberg war baden-badisch — , und es mochte das um so aussichts- 
reicher erscheinen, als Baden-Durlach zugleich die obenerwähnten Ansprüche 
auf das Geroldsecker Erbe machte. Allerdings ohne Erfolg, auch die verpfändete 
Herrschaft Lahr mußte zurückgegeben werden. 1771 aber kam mit der Ver- 
einigung der badischen Lande unter Karl Friedrich auch Mahlberg unter dessen 
Scepter. 

Auch die Landvogtei der Ortenau war eine Zeitlang badisch geworden. 
Denn als in den Kriegen Ludwigs XIV. die militärische Wichtigkeit der Gegend 
sich herausstellte, da erteilte man die Landvogtei als Mannlehen einem der 
größten Kriegshelden der Zeit, dem Markgrafen Ludwig Wilhelm, und das 
baden-badische Haus blieb bis zu seinem Erlöschen 1771 im Besitz derselben. 

Das Harmersbacher Tal erringt in dieser Zeit seine vollkommene 
Selbständigkeit. Noch einmal versuchte der Bischof von Straßburg, damals 
Franz Egon von Fürstenberg, es in seine Hand zu bekommen, doch erkannten 
die Reichsbehörden seine Ansprüche nicht an. Auch das Verhältnis zur Stadt 
Zell wurde endgültig entschieden i. J. 171 8 zugunsten der Bauern, die sich da- 
gegen wehrten, ein Teil des zellischen Gemeinwesens zu sein. Sie erreichten 
ihr Ziel, und die stolze kleine Bauemrepublik blieb selbständig bis zum Über- 
gang an Baden. 

Dies die besonderen Schicksale der einzelnen Landesteile. Ein gemein- 
sames schweres Geschick aber hatten sie im 17. Jh. zu erleiden: die furcht- 
baren Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und der Raubkriege 
Ludwigs XIV. In beiden Fällen war die Ortenau Jahre hindurch der Kriegs- 
schauplatz, immer aber, so noch in den Kriegen der französischen Revolution 
und Napoleons, das naturgemäße Durchzugsland der Heerscharen. 

Im Dreißigjährigen Krieg waren es die Kämpfe der Schweden unter Hörn, 
Bernhard von Weimar und der mit letzterem verbündeten Franzosen, die sich 
auf unserem Boden abspielten. Insbesondere die Kinzigtalstädte waren den 
Hünderungen und Zerstörungen der Soldateska ausgesetzt. Offenburg erfuhr 
verschiedene Besetzungen und Plünderungen 1632, 1635, in den gleichen Jahren 
Haslach, Staufenberg, Wolfach, Oberkirch; am schlimmsten aber hauste die 
Armee Bernhard von Weimars, die i. J. 1643 Gengenbach, Haslach und Hausach 
einäscherte. Der frühere Wohlstand der Gegend war vernichtet, Offenburg 
z. B. konnte kaum mehr die Zinsen seiner Schulden aufbringen. Und kaum fing 
man an, sich ein wenig zu erholen, da brachen die Scharen Ludwigs XIV. herein. 
Schon in dem sogen. Holländischen Devolutionskrieg überzogen französische 
Truppen das Land und belagerten 1678 Offenburg. 1677 ließ der Marschall 
Crequi Lahr in Flammen aufgehen. Das Schlimmste aber brachte der Pfälzische 
Erbfolgekrieg 1688 bis 1697. Gleich im Anfang desselben begann die syste- 



LXIV EINLEITUNG. 

matische Verwüstung unserer Gegend, 1689 wurde Offenburg vollständig ver- 
brannt, Gengenbach eingeäschert, die Hohengeroldseck erobert und zerstört, 
um nur von den größeren Orten zu reden. Fast alle Dörfer der Rheinebene 
gingen in Flammen auf. Bei der Beurteilung des Denkmälerbestandes der 
Gegend ist die gründliche mehrmalige Zerstörung immer im Auge zu behalten. 
— Der Spanische Erbfolgekrieg brachte noch ein kleines Nachspiel; als Marschall 
Villars durch das Kinzigtal nach der Donau vordrang, 1704, wurden Hausach 
und Haslach eingeäschert. Neues Unheil brachte dann der Polnische Erbfolge- 
krieg, in welchem die Franzosen von neuem in der Ortenau übel hausten und 
eine Reihe kleinerer Orte verbrannten. Erst von der Mitte des Jahrhunderts 
an erfreute sich die Gegend dauernden Friedens. Aber es dauerte begreiflicher- 
weise lange, bis sie sich von den fürchterlichen Heimsuchungen erholte, noch 
am Ende des 18. Jhs. standen z. B. in Offenburg neben neuen Häusern brand- 
geschwärzte Ruinen. 

Die Kriege um die Wende des 18. Jhs. verschonten im allgemeinen die 
Ortenau, obgleich einer der wichtigsten Akte der Napoleonischen Geschichte 
sich auf ihrem Boden abspielte: die Gefangennahme des Herzogs von Enghien 
in Ettenheim. Kurz nachher begann die Ausbildung des heutigen Großherzog- 
tums Baden, an das im Verlauf der nächsten Jahre auch unsere Lande kamen: 
1803 die Herrschaft Lahr, die bischöfliche Herrschaft Oberkirch, die Grafschaft 
Hanau-Lichtenberg, die drei Reichsstädte, 1805 die Landvogtei Ortenau, 1806 das 
Gebiet der Reichsritterschaft, die fiirstenbergische Herrschaft im Kinzigtal, zu- 
letzt 18 19 die Herrschaft Hohengeroldseck. fWtk.) 



Mit der Schilderung der Reformationsbewegung ist im allgemeinen für das 
uns berührende Gebiet das kirchengeschichtliche Leben erschöpft. Die großen 
Richtlinien wurden durch sie für die nächsten Jahrhunderte festgelegt. Hatte 
schon sie eine vielfache Lockerung oder gänzliche Auslöschung der religiösen und 
moralischen Verhältnisse herbeigeführt, so vollendete der Dreißigjährige Krieg noch 
diesen Niedergang, namentlich auch nach der materiellen Seite. Daß auch der 
Ernst der Lage, der die religiöse Spaltung geschaffen, so wenig wie die positiven, 
durchs Tridentinum wiederum aufgefrischten kirchlichen Bestimmungen, eine 
Schärfung des Pflichtbewußtseins herbeizuführen nicht im stände war, ersieht 
man nicht nur aus den Zuständen im Kloster Gengenbach und Wittichen, sondern 
auch aus mancherlei durch Visitationsprotokolle und sonstwie bekannt gewordenen 
Vorkommnissen aus dem Leben der Geistlichen. ^) Auf dem Hintergrund des 
unsagbaren, gerade in Mittelbaden besonders großen Elends des 17. Jhs., das 
eine ergreifende Schilderung in Grimmeishausens :>Simplizissimus« erhalten 
hat, sowie der allgemeinen sittlichen Verwilderung hoben sich die traurigen 

1) Vgl. FDA. NF. III, S. 307, 322. 



MNLEnüNG. LXV 

Hexenprozesse ab, die besonders in Offenburg manche Opfer forderten, ') aber auch 
in Appenweier, Rammersweier, Ebersweier, Zell, Fessenbach, Lahr, Ortenberg, 
Oppenau und Haslach.*) An letzterem Orte wurden die Erträgnisse aus den 
Konfiskationen des Vermögens von Hexen teilweise zur Gründung des Kapuziner- 
klosters verwendet. Der Zustand der Kirchen ist im allgemeinen infolge der 
ständigen brutalen Kriege ein überaus bejammernswerter. Wo die Gotteshäuser 
nicht ganz niedergebrannt waren, da wurden sie doch beraubt oder befanden 
sich sonstwie in trostlosem Zustand, so daß es oft an den notwendigsten Gegen- 
ständen fehlte.' Für die Innenausstattung und namentlich die Aufstellung der 
Altäre ist besonders bedeutsam die Einführung von mancherlei Andachten und 
Bruderschaften (Herz Jesu-Andacht, Rosenkranzbruderschaft, Ewige Anbetung, 
Josephsbruderschaft u. a. m.); die würdige Instandsetzung der Kirchen wurde 
durch häufige Visitationen wie auch Synoden ebenso gefördert wie das religiös- 
sittliche Leben von Klerus und Volk. Nicht weniger erfolgreich für die Hebung 
des religiösen und sittlichen Empfindens im Volk erwiesen sich auch die Wirk- 
samkeit der Franziskaner und Kapuziner sowie die Missionen der Jesuiten, zu 
deren Niederlassung in Molsheim die Stadt Offenburg seinerzeit looo fl. bei- 
gesteuert. Zur Errichtung eines Priesterseminars in Straßburg sollten schon 1669 
und wieder 1682 auch die diesrheinischen Kapitel herangezogen werden, wo- 
gegen diese aber 1688 geschlossen Stellung nahmen. Daraus hat sich 1696 
die Verbrüderung der drei Kapitel ergeben. Erst 100 Jahre später (1770), ist 
der Plan zur Verwirklichung gelangt, ohne daß der diesrheinische Teil der 
Diözese, mit Ausnahme des baden-badischen, der Verpflichtung zu einem Bei- 
trag sich entziehen konnte.') 

Die französische Revolution brachte auch über die Ortenau in ihrem 
Gefolge eine ganze Anzahl von wichtigen Veränderungen. Wenn auch nicht 
direkt von den Exzessen der Revolutionäre berührt, so litt dieser Strich doch 
unter der Nähe von Straßburg und vor allem unter den zahlreichen Kriegs- 
zügen. Der Straßburger Bischof, Kardinal von Rohan, begab sich 1790, als der 
Konstitutionseid von den Bischöfen verlangt wurde, nach Ettenheimmünster und 
bald hernach dauernd nach Ettenheim; das Domkapitel ließ er zuerst nach 
Offenburg und dann gleichfalls nach Ettenheim kommen. In ihrem Gefolge 
brachte die Revolution die durch sie veranlaßte Neugestaltung der politischen 
Verhältnisse in Deutschland und die Säkularisation der geistlichen Stifte. So 
wurde das Kloster Mahlberg 1804 aufgehoben und das Gebäude in eine Schule 
verwandelt; Schuttem Dezember 1805, faktisch 1806; das Kapuzinerkloster in 
Seelbach, dessen Insassen zunächst noch in der Seelsorge verwendet wurden, 



*) Volk, Hexen in der Ortenau und in Offenburg, Lahr 1882. 

*) Vgl. die Zusammenstellung der in den Jahren 1557 bis 1630 in der Ortenau Justifi eierten 
bei Volk a. a. O. S. 23 ff. 

*) Vgl. die einzelnen Beitrage bei W e i ß , Gesch. des Dekanates und der Dekane des Rural- 
und Landkapitels Offenburg (Offenburg 1895), H. 4, S. 205. 

Band VH. V 



LXVI EINLEITUNG. 

1814; Haslach 1802 bezw. 1823; Gengenbach 1808, im gleichen Jahre auch 
das Franziskanerkioster in Offenburg, das Oppenauer schon 1807, Allerheiligen 
1803. Aus dem Chaos der durch die Säkularisation geschaffenen kirchlichen 
Verhältnisse erhob sich das Erzbistum Freiburg {1827), dem die drei bisher 
zu Straßburg gehörenden Kapitel Ottersweier, Lahr und Offenburg einverleibt 
wurden. fS,) 

Wir haben die Betrachtung der Kunstentwickelung in unseren Landen 
da verlassen, wo die ersten Anzeichen eines neuen Stils in der Skulptur und 
Malerei anfangen, sich leise bemerkbar zu machen. Vom Schwabenlande her 
dringt die Renaissance ein. Ein typisches Beispiel der Mischung von geradezu 
weich geworden gotischen Formen mit den neuen Formen, dem Akanthuskapitdl 
u. a. bietet der Rest eines Portals, der auf der Rückseite des Olbergs in Offen- 
burg eingemauert ist. Die Pfarrkirche in Offenburg bewahrt dann ein Gold- 
schmiedewerk mit ähnlicher Mischung der Formen, das bekannte Vortrags- 
kreuz, auf dessen Rückseite vollsaftige Renaissanceputten und die Madonna 
mit dem Kind nach einem Dürerschen Stich eingraviert sind. Das Kreuz trägt 
das Offenburger Beschauzeichen ; wenn wir solche Werke sonst gern Straßburger 
oder Freiburger Künstlern zuschreiben, haben wir hier also ein zweifellos ein- 
heimisches vor uns, und zusammen mit einer Notiz von 15 18, wonach ein 
Offenburger Augustin Stoos nach Sölden und S. Ulrich Monstranzen etc. lieferte, ') 
spricht das doch für eine gewisse Höhe des Goldschmiedehandwerkes in der 
auch geistig damals sehr angeregten Stadt. 

Doch war es wieder ein Schwabe, der das erste Denkmal reiner Friih- 
renaissance in der Ortenau schuf: Christoph von Urach, der in Urach selbst, 
in der Stiftskirche zu Baden und in Wertheim arbeitete und hier das Grabmal 
des Jörg von Bach schuf, ein typisches Frührenaissancewerk in dem Mangel 
jedes strengen architektonischen Aufbaues und der Frische der Behandlung. 
Die Umarbeitung, die der italienische Formenschatz später in Deutschland erfuhr, 
besonders durch die sogen. Kleinmeister, die Ornamentstecher Augsburgs und 
Nürnbergs — diese Umarbeitung ins Nationale spiegeln wider die übrigen 
Grabmäler an der Offenburger Kirche. Geradezu eine Musterkarte der 
ganzen Formenentwickelung bieten die Grabmäler an der Mauer des alten 
Lahrer Friedhofes, die in ununterbrochener Reihe vom 15. bis zum 18. Jh. 
führen. 

Das Jahrhundert vor dem großen Kriege war wie in ganz Deutschland so 
auch hier die Zeit des größten Wohlstandes, und das dokumentiert sich denn 
auch in zahlreichen Neubauten, insbesondere von Rathäusern. Im Anfange des 
17. Jhs. baute der Meister Wendling Götz das Offenburger, von dem nichts 
mehr erhalten ist. Etwa zu gleicher Zeit entstand das Lahrer, trotz seines 

*) Kunstdenkmäler des Großh. Baden VI, i. Abteil., S. 533. 



EWUEITÜNG. LXVn 

Umbaues durch die malerische Altane mit dem säulengetragenen Dach, die 
spitz herausspringenden Fenstererker noch heute ein wirksamer Bau. Schlichter 
das Rathaus in Schiltach, das indes von keinem Geringeren als Meister Beer, 
dem Erbauer des berühmten Lusthauses in Stuttgart, herrühren soll.^) Auch 
von Privathäusem sind einige Beispiele erhalten, so u. a. in der Einhoraapotheke 
in Offenburg und in dem Haus mit dem prachtvollen Erker in Wolfach. Auch 
noch in der Zeit nach dem großen Kriege blieb die Bauweise herrschend, davon 
zeugt der Umbau des Schlosses in Wolfach und das Portal der Gewerbehalle 
in Gengenbach. 

Von der reichen Innenausstattung all dieser Gebäude ist natürlich durch 
die großen Kriegsbrände wenig genug auf uns gekommen, so u. a. die Stücke 
eines figurenreichen gußeisernen Ofens aus dem abgebrannten Wolfacher Rathaus. 
Besser haben sich die gemalten Scheiben erhalten, mit denen man die 
Fenster der Häuser, insbesondere der Rathäuser, ausschmückte. Meistens setzen 
sich die Zwölfer in ihnen ein Denkmal. Solcher nach ihrem Hauptfabrikationsort 
so genannter Schweizerscheiben besitzt unsere Gegend noch eine stattliche An- 
zahl auf Schloß Staufenberg, in Oppenau und Zell. 

Neben dem Steinbau, für den der so reichlich vorhandene rote Sandstein 
durchaus bevorzugt wird, bildet sich in unserer Gegend ein reizvoller Fach- 
werkbau aus, nicht so reich wie etwa in Niedersachsen und Franken, aber 
gerade in seiner größeren Einfachheit gute Muster bietend. In Offenburg sind 
leider die zwei besten Beispiele neuerdings zerstört worden, ebenso das Pfaffsche 
Haus in Gengenbach, doch bietet letztere Stadt noch genug. Ein malerisches 
Bild durchgehenden Fachwerkbaues würde, wenn von dem Verputz befreit, die 
Stadt Schiltach bieten. Daneben sei auf das Gasthaus : Zum Adler« in Steinach 
hingewiesen. 

Das Bauernhaus der Gegend zerfällt in zwei Typen, das der Rhein- 
ebene, ein Riegelbau mit gesonderten Wirtschafts- und Wohngebäuden, in 
reicherer Ausbildung im Hanauer Land erhalten, und dann das sogen. Schwarz- 
waldhaus, von dem vor allem Gutach, Einbach und Kimbach Beispiele geben. 
Ja, an letzterem Ort steht noch eines der ältesten, von 1581, auch in der 
Täfelung der Wohnstube interessant. 

Gegen Ende des 17. Jhs., als neues Leben aus den Ruinen zu blühen 
beginnt, da dringt die letzte machtvolle Ausgestaltung der italienischen Spät- 
renaissance, das italienische Barock, ein. Aber nicht von Schwaben her; 
seine Träger sind die Meister der Vorarlberger Bauschule aus dem 
Bregenzer Wald. Als Gengenbach den Wiederaufbau des Klosters in Angriff 
nimmt, da beruft es die Meister Franz Beer, einen der bedeutendsten, Jakob 
Rischer u. a. dorther. Ihr Ruhm dringt auch nach Offenburg, der Wiederaufbau 
der dortigen Pfarrkirche und der Franziskanerkirche wird ihnen anvertraut, und 

»; Die Kunstdenkmale des Königreichs Württemberg I, S. 563. 

V* 



LXVin EINLEITUNG. 

sie leisten Glänzendes in dem originellen Grundriß sowie in den flott aufgebauten 
Türmen, die in der Gegend weithin Nachahmung finden. Ist doch das Barock 
überhaupt die Kunst des Turmbaues, insbesondere für kleinere Kirchen ; kerne 
Epoche hat es wohl so verstanden, darin jedesmal Neues und Gutes zu liefern. 

Die Vorarlberger scheinen nach den ersten Jahrzehnten des i8. Jhs. aus 
der Gegend verschwunden zu sein, mag auch noch in der zweiten Hälfte ein 
wohl vereinzelt zurückgebliebener Maurermeister aus dem Bregenzer Wald dem 
Rat von Offenburg seine Dienste angeboten haben. Dagegen setzt wieder, wie 
im 13. Jh., der mächtige Einfluß Frankreichs ein, vermittelt durch das jetzt 
französische Straßburg, in dem die aus königlichem Geblüt stammenden Rohans 
residierten. Ich glaube in der stattlichen Kirche des Klosters Schuttern 
eine Verwandtschaft mit Rohanschen Bauten vermuten zu dürfen. Von Schuttem 
stammt auch eines der glänzendsten Skulpturwerke des deutschen Rokoko, 
wie man wohl sagen darf, die holzgeschnitzte Pietä, jetzt in den Altertums- 
sammlungen zu Karlsruhe. Der äußerst bewegte Sockel kündet die Zeit des 
Rocaille an, .der uns dann überall in den Stuckverzierungen der Klöster — 
z. B. Gengenbach — und der Kirchen — z. B. Appenweier — entgegentritt Auch 
jetzt entstehen wieder eine Reihe sehr geschmackvoller Landkirchen, wie Hof- 
weier, Niederschopfheim, Schenkenzell und andere, auf die ich hier nicht näher 
eingehen kann. 

Die Ausstattung ist die bekannte, immer wirkui^svolle. Ein Stück 
hors ligne war das Gestühl des Klosters Gengenbach, in Verbindung mit Orgel 
und Altar ein großes, glänzendes Ganze. An großen Altären in dem üblichen 
Pilaster- und Säulenaufbau sei auf die in den Offenburger Kirchen und in 
Schwarzach hingewiesen. 

Auch der Profanbau blühte von neuem, seine wichtigsten Denkmäler das 
Amtshaus und das Rathaus in Offenburg. Ersteres, in den ersten Zeiten der 
badischen Landvogtei von dem markgräflichen Baumeister Rohrer erbaut, ist 
wie das Schloß in Rastatt und die Favorite ein Beispiel eines eigentümlich aus- 
gebildeten späten Louis XlV.-Stils. Letzteres, von dem Offenburger Mathias 
Fuchs errichtet, bietet eine treffliche, rhythmisch gegliederte Fassade. 

Im Hausbau macht sich dann zuerst der beginnende Zopfstil, eine 
strengere klassizierende Richtung geltend, so in dem Stößerschen Haus in Lahr. 
In zwei kleinen Gartenanlagen, dem Löwenbergschen Pavillon in Gengenbach 
und den Balustradefiguren des Vincentiusgartens in Offenburg, hat endlich die 
scheidende Kunst des 18. Jhs. ein letztes, bescheidenes, aber treffliches Zeugnis 
ihres Könnens gegeben. 

Mit dem Übergänge an Baden beginnt die Einwirkung der mächtigsten 
künstlerischen Persönlichkeit des neuen Großherzogtums, Weinbrenners, also 
des Vertreters des reinen Klassizismus bei uns, den man wohl als einen letzten 
Ausläufer der Renaissance bezeichnen darf Er hat damals für die Stadt Lahr 



EINLEITUNG. 



LXIX 



den Plan einer durchgreifenden baulichen Umgestaltung entworfen, der aller- 
dings erfreulicherweise für das alte Bild nicht zur Ausführung kam. Dagegen 
sind unter seinem Einfluß in Lahr eine stattliche Menge größerer und kleinerer 
Hausanlagen entstanden, im sogen. Biedermeierstil, auf die gerade heute die 
Blicke zu lenken zeitgemäß ist. 

Trotz aller Zerstörungen ist so noch eine erkleckliche Menge an Kunstgut 
in der Ortenau vorhanden — und wie vieles habe ich hier nicht erwähnen 
können. Möge es durch weise Sorgfalt ihr fernerhin erhalten bleiben. (WthJ 




LXX 






5- 



I. Lichtenau. S' ■ oppidi • in liehtenowe. An Urkunden von 1407 bis 1659. Stempel wahr' 
scheinlich älter. — 2. Lahr. •]* S' • : Civivm • '• • de • ■ • lare • • An Urkunden von 1305 bis 1472. 
Stempel wahrscheinlich fiUer. — 3. Gcngenbach. 7' S'vniversitatis: civiv • in • gengibach • An 
Urkunden von 1291 bis 1511. — 4. Obcrkirch. ■]• S' • civitatis • de ■ obemkirchen • An Urkunden 
von 1338 bis 1638. — 5. Oppenau. S' • civitatis • in • nopenowe. An Urkunden von 1425 bis 1454. 



LXXI 




5- 



I. Zell am Hannersbach. -j-S' • civitatis • d • celle • i • kizicKial. An Urkunden von 1351 bis 
1477- — 2« Offenburg, "i* SigUlvm • civitatis • de • oflfenbvrg. An Urkunden von 1284 bis 1595. 
Der Stempel wahrscheinlich älter. — 3. Haslach. [i* Sigjillv civi[v]m [in haselach]. Der Stempel 
ofTenbar aus dem 13. Jh. — 4. Hausach. "i* • S ■ civitatis : hvsen : An Urkunden von 1453 b*s 
1475. I^ Stempel zweifellos älter. — 5. Schiltach. S ■ opidi • schilttach. .An Urkunden von 
1497 bis 1507. 



Lxxn 








I. Wolfach. • Sigillvm civitatis • d'- wolfa. An Urkunden von 1370 bis 1543. — 2. Poiträt- 
Siegel der Gräfin Udelhild, geborene von Wolfach, Gemahlin des Grafen Friedrich I. von Ftirsicn- 
berg. — 3. Mühlenbach. Sig : vogt vnd gericht • stab in nivhlenbach. — 4. Schnellingen- 
Bollenbach, i* Vogt • V • gricht • z • schnelingen • vnd • Bollenbach • sig. — $. Steinach. Sigillvm 
des fleckens steinach. 1680. 



ijcxm 




I. 




3 






5- 



I. Wappen auf dem ältesten Siegel von Rheinbischofsheim, früher Bischofsheim zum hohen 
Steg. — i, Wappen auf spaterem Siegel desselben Ortes. — 3. Siegelbild auf dem ältesten Siegel 
von WillstCtt (Wülsutt). Umschrift unleserlich. -~ 4. Willstctt. Späteres Siegel: f Sigillvm • 
des • gerichU • in • willsetden • i . . . — 5. Ncufrcistett. Nach beschädigtem Oblatensiegel in 
Akten 1805. [f • sigillvm • civivm • neufreis[tjeitensi]vm]. 



LXXIV 





2. 





3. 



I. Der hochgeborn Grauffc von Wirttemberg vnd zuo Mümpelgartte etc. Grünenberg. 1483. 
Schild geviert. Feld i und 4 schwarze Hirschstangen in goldenem Feld, 2 und 3 zwei goldene Barben 
in Rot. Helmzier rechts: rotes goldbeschlagenes Hom mit blauem Träger, an der Mundöffnung besteckt 
mit rot-silberblauen Federn. Decken: rot-golden. Helmzier links: rotgekleideter goldgekrönter weib- 
licher Rumpf, statt der Arme die goldenen Barben. Decken: rot-golden. — 2. Grauf von Eberstein. 
Grünenberg. 1483 In silbernem Schild rote, blaubesamte Rose. Zwei Helme. Rechts: weißgekleideter 
Rischofsrumpf mit Schildbild auf Brust und Mitra. Links : zwei silberne Homer, besteckt mit goldenen 
Stäben, woran goldene Lindenblätter. Zwischen den Hörnern die rote, blaubesamte Rose. Decken: 
rot-silbern. — 3. Friderich vo gots gnaden Pfalzgraue by Rine Hertzog in Beiem vnd graue zu Span- 
heim. Lehensbuch des Pfalzgrafen Friedrich L (angelegt 1454 bis 1464). Gevierter Schild mit Herz- 
schild. Letzterer silberrot geschacht. Feld i und 4 goldener rotgekrönter Löwe mit roten Waffen 
in Schwarz. Feld 3 und 4 blau-silberne Rauten (Wecken). Helmzier: der Löwe des i. und 4. Schildfeldes 
zwischen zwei silber-blau geweckten Hörnern sitzend. Decken: schwarz-rot. — 4. Der Lantgrauf von 
Hessen. Grünenberg. 1483. In blauem Schild ein goldgekrönler Löwe, der von Rot und Silber viermal 
(oft auch mehrmals) quergestreift ist. Helmzier: zwei goldene Homer, die mit schwarzen Hahnenfeder 
büscheln besteckt sind auch silberne Homer mit goldenen Lindenzweigen besteckt). Decken: rot-silbern. 



LXXV 




I. 





I. Grauff von Friburg im Brisgo. Grtinenberg. 1483. In goldenem Schild, umgeben von 
silber-blauem Wolkenrand, ein roter, blaubewehrter Adler. Zwei Helme. Rechts : ein goldgekrönter, 
schwarzer wachsender Adler. Links : auf silber- und blaugestreiftem Kissen mit rot-goldenen Quasten 
ein silberner Ball. Helmdecken rechts: schwarz-golden, links: rot-golden. — 2. Grauff von FUrsten- 
bcrg, LAndtgrauffe in Baure. Grtinenberg. 1483. Schild wie Nr. i. Helmzier: auf rotem Kissen 
der Ball gleich Nr. i. Helmdecken: rot-golden. — 3. Grauff von Werdemberg vnd grauff zu dem 
hailgenberg. Grtinenberg. 1483. Gevierter Schild. Feld i und 4 in Rot eine silberne Kirchenfahne. 
Feld 2 und 3 ein sparren weise gebrochener Schrägrechtsbalken, die sogen. Heiligenberger Stiege. 
Zwei Helme. Rechts: eine rote Mitra. Decken: rot-silbern. Links: ein goldener Brackenhals. Decken: 
schwarz-golden. — 4. Grauff von Mors viT Grauff zu Sarwerd (Mörs-Saarwerden). Grünenberg. 1483. 
Gevierter Schild. Feld i und 4 in Gold ein schwarzer Querbalken. Feld 2 und 3 ein silberner, 
rotbewehrter Doppcladler. Zwei Helme. Rechts: ein schwarzer Bärenhals mit goldener Kette. 
Decken: schwarz -golden. Links: eine silberne Mitra, besteckt mit schwarzem Hahnenfederbusch. 
Decken: rot-silbem. 



LXXVI 






I. von Kronenberg (Cronberg). Grtinenberg. 1483. Gevierier Schild. Feld i und 4 silbern- 
blaue Eisenhütlein. Feld 2 rot, darin eine goldene Krone. Feld 3 rot. Helmzier: schwarzer Federn- 
btlschel. Decken: blau-silbern. — 2. Fry von Ochsenstain. Grünenberg. 1483. In rotem Schild zwei 
silberne Querbalken. Zwei Helme. Rechts: zwei rote Homer mit den silbernen Querbalken des 
Schildes belegt. Decken : rot-silbern. Links : Rumpf eines bärtigen Mannes, in den Farben des 
Schildes gekleidet, mit Hermelinhut. Decken: rot-silbern. — 3. von Ettendorf. Geviertcr Schild. 
Feld I und 4 ein roter Adler in Gold. Feld 2 und 3 ein schwarzes Andreaskreuz in Gold. Helm- 
zier: der Adler über der Krone stehend mit ausgebreiteten Flügeln. Decken: schwarz-golden. — 
4. Fry von Schwartzenberg. Stiffter des barfüßen closters ze friburg im brisgo". Grtinenberg. 1483. 
In silbernem Schild ein goldgeränderter schwarzer Sechsberg. Helmzier : der Sechsberg, darauf eine 
weiße Kugel (Ball). Decken: schwarz -silbern. 




LXXVII 






X. Fry von Geroltzegg. Grünenberg. 1483. In goldenem Schild ein roler Querbalken. Drei 
Helme. Mitte: rotgekleideter Weiberrumpf, statt der Arme goldene Homer mit rotem Querbalken. 
Rechts: goldener Flug mit rotem Querbalken. Links: roter Spitzhut mit goldenem Knopf, aus welchem 
grüner Pfauenstoß hervorwächst. Decken: rot-golden. — 2. von Andlaw. Grünenberg. 1483. Hier unter: 
Des haiigen Richs fier Ritter. In goldenem Schild ein rotes Kreuz. Helmzier: ein in Hermelin 
gekleideter goldgekrönter bärtiger Mann ohne Arme. Links und rechts eine Fahne mit dem Wappen- 
bild. Decken: rot-golden. — 3. Grauff von Salmen. Grünenberg. 1483. In goldenem Schild zwei 
abgewendete rote Fische (Salmen). Helmzier: zwei abwärts gekehrte rote Salmen. Decken: rot-golden. — 
4. von der Lcy ^Leyen). Grttnenberg. 1483. In blauem Schild ein silberner Pfahl. Helmzier: silberner 
Rudenkopf mit (zwischen) blauen Flügeln. Decken: blau-silbern. 



Lxxvm 





I. 





I. Graue zu Hanawe. (Pfalz. Lehensbuch.) Schild fünfmal von Gold und Rot gesparzt. Helm- 
zier: weißer Schwanenhals mit Flügeln. Decken: silbern. — 2. Herr zu Lichtenberg. (Pfalz. Lehens- 
buch.) In silbernem Schild mit rotem Schildrand ein schwarzer Löwe. Helmzier: weißer Schwanen- 
hals. Decken: silbern. — 3. Grauff von Oettingen. Grünenberg. 1483. In rotem Schild goldene 
Eisenhütlein, belegt von einem blauen Herzschildchen. Das Ganze überlegt von einem silbernen 
Schrägen. Zwei Helme. Rechts : auf blauem Kissen ein rotes Schirmbrett, überzogen von silbernem 
Schrägen und besteckt mit Pfauenfedern. Decken: rot -golden. Links: silberner Brackenhals mit 
rotem Ohr, das von dem silbernen Schrägen belegt ist. Decken : rot-silbern. — 4. Herczog von 
Vrslingen vnd von Schilttach. Grünenberg. 1483. In silbernem Schild drei rote Schildchen (2:1). 
Helmzier: silberngekleideter bärtiger Mann, auf der Bnist die drei roten Schildchen. Auf dem Kopfe 
eine silberne, rotgerandete Mütze, besteckt am vorderen Rande mit drei roten Federn, Decken: 
rot -silbern. 




LXXIX 




3- 4- 

I. Böcklin (Böcklin von Böcklinsau). Grünenberg. 1483. In rotem Schild ein silberner Bock. 
Helmzier: der Bock wachsend. Decken: rot-silbern. — 2. Zorn v. Bullach. Grtinenberg. 1483. 
Geteilter Schild. Oben: in rotem Feld ein goldener Stern. Unten: goldenes Feld. Helmzier: goldener 
SchwertgrifT. Decken: rot-golden. — 3. von Endingen. Grünenberg. 1483. Geteilter Schild. Oben: 
in silbernem Feld ein wachsender roter Löwe. Unten: blaues Feld. Helmzier: der Löwe wachsend. 
Decken: rot-silbern. — 4. von Landemberg. Grünenberg. 1483. In rotem Schild drei silberne Ringe 
(2: i). Helmzier: schwarzer, mit silbernen Lindenblättem besäter Flug auf rotem Kissen. Decken: rot. 



IJOCX 




3- 

I. von Bettendorf. (Pfalz. Lehensbuch.) In rotem Schild ein silberner Ring. Helmsier: der 
Ring am oberen Rand besteckt mit einem schwarzen Hahnenfederbusch. Decken: rot. — 2. Röder 
von Diersburg. (Pfalz. Lehensbuch.) In rotem Schild ein silberner tiberzwerch gelegter Adler. Helm- 
zier: silberner Adlerhals mit goldenem Schnabel und Zunge. Decken: rot-silbern. — 3. von Schowen- 
burg (Schawenburg). Grünenberg. 1483. Silberner, von blau-goldenem Wolkenrand umgebener Schild. 
Das Ganze Überlegt von rotem Schrägen. Helmzier: weißgekleideter Weibemimpf. Auf der Brust 
den Schrägen, statt der Arme blaue Hörner, besteckt mit goldenen Kugeln. 




1.x XXI 





3- 4- 

I. von Wunnser. (Pfalz. Lehensbuch.) Geteilter Schild. Oben*, in schwarzem Feld zwei 
sUbeme Halbmonde. Unten: goldenes Feld. Helmzier: schwarzgekleideter Weiberrumpf, auf der 
Brost die Halbmonde, anstatt der Arme goldene Homer. Decken: golden. — 2. Kemerer vö Dalbg, 
(Pßlz. Lehensbuch.) Blauer Schild, der in das goldene Schildhaupt mit drei Spitzen aufwärtssteigt, 
Im goldenen Schildhaupte ein schwarzer Tumierkragen. Im blauen Schild sechs silberne Lilien 
Helmzier: Flug mit dem Schildbilde. Decken: blau. — 3. von Kippenhaim (Kippenheim). Grllnen 
bci^. 1483. In rotem Schild drei goldene Fische im Dreipaß. Helmzier: zwei gestürzte, silber- 
schwarz geteilte Fische. Decken: schwarz-silbern. — 4. von Blumneg (Blunienegg). GrUnenberg. 
1483. Schild von rot- und silber-blauem Feh zu sechs Plätzen geteilt. Helmzier: rote Bischofsmütze 
mit einem Fehstreifen und die Spitzen besteckt mit Pfauenfedern. Decken: rot -silbern. 



Band Vri. 



VI 



Lxxxn 




I. 






I. Pfau von Rtippurr. (Pfalz. Lehensbuch.) In rotem Schild zwei silberne Schlüssel. Helmzier: 
die Schltlssel. Decken: rot-silbern. — 2. von Francken stein. (Pfalz. Lehensbuch.) In goldenem Schild 
ein rotes Parteneisen. Helmzier: goldener Flug mit Schildbild. Decken: rot-golden. — 3. vom Stiin. 
Grünenberg. 1483. In goldenem Schild drei gestürzte schwarze Wolfseisen (Wolfsangeln) übereinander. 
Helmzier: goldene Wolfsangel, deren Spitzen mit Pfauenfedern besteckt. Decken: schwarr-golden. 
4. Frig von Flaekenstain her zuo dachstal (Dachstuhl). Grtinenberg. 1483. Schild geviert. Feld l 
und 4 von Grün und Silber siebenmal geteilt. Feld 2 und 3 in Gold ein schwarzer Schrägen. Helmzier: 
goldgekleideter, goldgekrönter Weibemimpf, statt der Arme Hörner mit den grtln-silbemen Teilungen. 



LXXXIIl 






I. Schenken von Zell (Schenkenzeil). Eines Stammes mit den Schenken von Andeck oder 
Thalheim und von Erpfingen, auch von Stauflfenberg. In silbernem Schild ein rojter Querbalken. Über 
und unter demselben ein blauer Löwe. — 2. von Windeg (Windeck). Grünenberg. 1483. Ge- 
spaltener Schild. Rechts: rote Hirschstange in Silber. Links: silberne Hirschstange in Rot. Helmzier: 
die Hirschstangen, gefärbt wie im Schild. Decken: rot-silbern. — 3. von Stoffemberg (Stauflfenberg). 
Grttnenberg. 1483. In silbernem Schild auf blauem Dreiberg ein roter bedeckter Becher. Helmzier: 
rotgekleideter Weiberrumpf, statt der Arme silberne Hörner. Decken: rot-silbern. 



VI" 



LXXXIV 





<^ /P® 





I. von Muellenheim in Kalbsgasse. Roter, goldgerandeter Schild mit silberner Rose und griüien 
Kelchblättern. Helmzier: die Rose, deren Blätter besteckt mit je einer Pfauenfeder. Decken: rot- 
silbern. — 2. von Neuenstein (Rohart). Schwarzer Schild mit goldenem Rad. Um den Schild ein 
rot-silbern geschachter Rand. Helmzier : eine schwarze Säule mit dem Rad. Aus der Säule steigen 
Flammen. Decken: schwarz-golden. — 3. von Botzheim. In schwarzem Schild ein goldenes Krcu*. 
Helmzier : ein wachsender silberner Bracke zwischen zwei goldenen BtifFelhömern. Decken : schwan- 
golden. — 4. Huelwer. In silbernem Schild, aus grünem Dreiberg wachsend, ein feuerspeiender 
schwarzer Drache. Helmzier: der Drache wachsend. Decken: schwarz-silbern. 



LXXXV 






2. 




3. 



I. von Homberg. In goldenem Schild zwei mit den Mundlöchern auf einen schwarzen Drei- 
berg gcsttirrte schwarze Jagdhörner mit goldenem Beschlag an Mund- und Schalloch. Helmzicr: auf 
schwarzem Kissen mit schwarzen Quasten an goldenen Knöpfen ein schwarzes Jagdhorn an goldener 
Schnur. Decken: schwarz -golden. — 2. Horneck von Homberg. In goldenem Schild auf rotem 
Dreiberg ruhend ein rotes Jagdhorn mit verschlungener schwarzer Schnur. Helmzier: zwei silbern- 
schwarz tibereck geteilte Büffelhömer. Decken: schwarz -silbern. (Nach Kindler von Knobloch viel- 
fach in der Ortenau auftretend.) — 3. Erlach von Ulm. — 4. Wolflf von Renchen. In silbernem, 
rotomrandetem Schild ein grüner eingebogener Sparren von drei roten Sternen begleitet. Helmzier: 
zwei grüne Büffelhömer, begleitet von drei roten Sternen (2: i). Decken: grün -rot. 



LXXXVl ^<^ 







I . von Bniinbach. Wappen des Jakob von Brumbach auf dem Grabdenkmal in der Stiftskirche 
in Lahr. In silbernem Schild ein rotbewehrter grtlner Doppeladler mit roten Kleestengeln in den 
Flügeln. Helmzier: zwei rotbewehrte grüne Adlerhälse hintereinander. Decken: grün -silbern. — 
2. von Bach. (Pfalz. Lehensbuch.) In blauem Schild ein auch als Meerschnecke bezeichnetes, von 
Silber und Rot gestücktes Steinbockshorn (später ein ebenso geformter Hut mit goldenem Aufschlag). 
Helmzier: das Hörn wachsend. Decken: rot-silbern. — 3. Kechler von Schwandorf. In rotem Schild 
ein rechtsgekehrter silberner Fisch mit goldenem Rückenkamme. Helmzier: ein rotgekleideter b&rtiger 
Mannsrumpf mit dem Fische auf der Brust. Helmdecken: rot -silbern. — 4. von Grebcm. In 
rotem Schild ein schrägrechts gestellter silberner Besen oder Mückenwedel. Helmzier: ein am Rücken 
mit drei silbernen Besen besetzter schwarzer Adlerhals (oder drei auf dem Helme fächerförmig stehende 
silberne Besen). Helmdeckcn: rot-silbern. 



Lxxxvn 




!• Kloster Allerheiligen. Ältestes Konventsiegel. 




2. 



2, Kloster Schuttern. Ältestes Konventsiegel. 



LXXXVIII 










Louis Rcn^ Edouard, Prinz von Rohan - Guemen^e, Bischof von Straßburg. 
(Geboren 25. Sept. 1735, gestorben 17. Febr. 1803 zu Ettenheim.) 



Diese Zusammenstellung von Siegeln und Wappen soll, wie schon oben gesagt, 
den Benutzern für die Denkmäler eine gewisse Unterstützung g^en. Vollständigkeit 
war nicht möglich. Auch sind nicht nur eigentliche ortenauische Geschlechter darin 
berücksichtigt, sondern auch solche, die irgendwie der Denkmäler wegen wichtig schienen. 
Aus Gründen des Raumes war eine streng systematische Anordnung der Wappen nicht 
zu erreichen, was ich zu berücksichtigen bitte. So konnte hoher und niederer Adel 
nicht ganz geschieden werden. 



AMT KEHL 



Band VH. 



AUENHEIM 

u 

Schreibweisen: Ouuanheim 888; Owenheim 961 ; Owenheim 1318; Auenheim Ende 
14. Jhs. (Heim des Ouuo, Owo.) 

Archivalien: Mitth. d. histor. Komm. Nr. 17 (1895), S. 89. 

litteratiir: K. Asbrand, Die Fischerzunft zu A. Oberrh. Ztschr. IV, S. 79. 

Ortsgeschichte: Gehörte zur Herrschaft Hanau - Lichtenberg. 1429 gänzlich Ortsgcschichtc 
verbrannt Auenheim hatte eine Fischerzunft mit Fischerordnung von 1472; es wurde 
1803 badisch. Patronat und Zehnt gehörten vordem den Chorherm von S.Peter in 
Strassburg. Seit 1561 evangelisch. 

Vorgeschichtliches: Bemerkenswerth sind die wiederholten Funde schöner VorgcicWcht- 
geschliffener Steinbeilklingen aus der späteren Steinzeit, oder auch noch nach 
derselben in Benützung. Das Material bilden passend geformte und dann zugeschliffene 
Rheingeschiebe von schwarzem oder grünschwarzem Serpentin •, sie zeigen ein sorgfaltig 
gearbeitetes, rundes, von oben nach unten sich etwas verengendes Bohrloch für den 
Holzstiel. 

Zwei solche fanden sich im Schutt eines im 1 8. Jh. vom Blitz zerstörten Hauses, 
und waren trotz dieser Erfahrung seither im Besitz der betr. Familie als »Donnerkeile«, 
d.h. als Verwahrungsmittel gegen Blitzgefahr. Das eine 18,3 cm lang, befindet sich in 
der Grossh. Alterthümersammlung Karlsruhe, das andere sei verloren gegangen. 

Eine ähnliche kleinere Steinbeilklinge derselben Sammlung (Länge 11,5 cm) wurde 
1856 bei Ausgrabimg der neuen Mündung der Kinzig- Schutter gefunden. 

Eine vierte, in der Nähe des Orts wahrscheinlich beim Pflügen gefundene blieb 
lange (bis 1856) in einer Familie als Donnerkeil verwahrt, ist aber nicht mehr vor- 
handen. 

Endlich bewahrt die städt. Sammlung in Freiburg i. Br. ein Steinbeil und 2 solche 
kleinere Stücke aus dem Torfmoor »Hüblingswiesen« (Verzeichniss ders. n. Schreiber 
184..) (W.) 

Rötnisches: Fund von drei römischen Münzen. Römisches 

Evang. Pfarrkirche, [Ehemals ad S. Laurentium] ^), wie es scheint ein Bau des Pfarrkirche 
17. Jhs. der am Ende des 18. Jhs. umgebaut wurde (1792 eingeweiht). Auf ersteres 
deutet der mächtige Giebel der P'agade mit Abtreppungen etc. Portal im späten Zopfstil 
mit Säulen und Voluten wie das Südportal mit Säulen und Dreieckgiebel ganz monu- 
mental wh-kend. An Stelle des Chors nach Osten hat die (einschiffige) Kirche einen 
viereckigen Thurm, dessen Erdgeschoss sich ehemals in einem jetzt zugemauerten 
Rundbogen nach dem Langhaus zu öffnete. Weder dieser Bogen noch das Bnichstein- 
mauerwerk des Thurmes giebt sichere Anhaltspunkte flir ein immerhin mögliches höheres 
Alter desselben. 

*) Schaible, Geschichte des Hanauerlandes S. 54. — Mone, Die bildenden Künste in 
Baden. XIV (1890), 82. 



4 KREIS OFFENBURG. 

Glocke Eine Glocke ist 1720 in Strassburg von Edel gegossen, die anderen neu. 

Kirchcngeräthe Ktrcketigeräthe i Kupfervergoldete Hostienbüchse des 18. Jhs., zwei einfache, 

silberne Kelche mit Patenen, renovirt 1720. 

Auf dem Rathhaus aufbewahrt eine sogen. Hals geige (Marterwerkzeug) und eine 
eiserne Truhe mit gutem Schloss. (17. Jh.?) 

Ein Hufeisen des 18. Jhs. und ein Ring aus Auenheim stammend im Besitz der 
Grossh. Sammlungen für Alterthums- und Völkerkunde in Karlsruhe unter Nr. C. 1550. 



Ortsgeschichte 



Pfarrkirche 



Urkunden 
Fachwerkhaus 



BODERSWEIER 

Schreibweisen: Bothalaswileri 884; Boderswiler 14. Jh. (Weiler des Bodal). 
Ortsgeschichte: 749 und 754 wird ein Bodal genannt.') Der Ort, der zur Herrschaft 
Lichtenberg gehörte, wurde 1429 von den Strassburgem verbrannt und hatte auch in den 
Franzosenkriegen viel zu leiden. 1803 wurde Bodersweier badisch. Begütert waren hier 
ehemals die Böcklin von Böcklinsau; 1501 aber kam der »Hub- oder Liebenzellerhof« an 
die von Rathsamhausen und nach dem Heimfall an die Freiherm von Berstett. Das 
Patronatsrecht stand vormals dem Stifte Alt-St. Peter zu.^ 

Evang, Pfarrkirche,'^ (Ehemals ad S. Joannem Baptistam.) Die jetzige Kirche 
erbaut von dem Grafen Johann Reinhard von Hanau-Zweibrücken um 16 16. Es ist ein 
einschiffiger Bau mit gerader Decke, ein Rundbogen ößhet sich in den Thurm, dessen 
unterstes Geschoss als Chor dient. Der Thurm hat im Erdgeschoss nach Osten ein 
gekuppeltes Rundbogenfenster, mit flachem Bogen (s. Fig. i, der Pfosten jetzt weg- 
gebrochen), darüber dann Lichtluken, im zweiten bezw. dritten Geschoss gekuppelte 
Rundbogenfenster des 18. Jhs. nach allen 4 Seiten. Das Langhaus hat einfache SpiU- 
bogenfenster, ein spitzbogiges Portal (s. Fig. i), darüber in etwas derber, aber flotter 
Umrahmung das Hanau -Lichtenberg' sehe Wappen mit der Inschrift: 
lOHANN REINHARDT • GRAVE • 
ZV . HANAV . VND • ZWEY- 
BRVCKEN . HERR • ZV - 

LIECHTENBERCK • 
VND . OCHSENSTEIN • 

ERBMARSCHALK • 
VND . OBERVOGT • ZV • 
STRASBVRG • 1616 • 
An den spitzbogigen Seitenportalen die Jahreszahl 161 6. Bruchsteinmauerwerk 
verputzt \ die Profile etc. aus gelbem Sandstein. — Vermuthlich ist der Thurm in seinem 
Mauerwerk ein älterer Rest. Anfang des 1 7. Jhs. erfolgte dann der gänzliche Umbau, 
dem die Kirche ihre heutige Gestalt verdankt. — Orgelgehäuse mit Rocailleschnitzerd 
von 1777. 

^) Schöpflin, Alsat. illustr. I., 786. 

^ Grandidier, Ktat ecclösiast. du diocese de Strasbourg en 1454. Strassb. 1897 p. 66. 
■) Fr. Stengel, das älteste Kirchenbuch der Pfarrei Bodersweier. Kehler Zeitung 1905, 
Nr. 177; das Zweitälteste K. ebenda, Nr. 289; die evang. Pfarrei B. ebenda, Nr. 268. 



AMT KEHL. — DIERSHEIM. 



An der Aussenmauer der Kirche einfaches Epitaph im Zopfstyl der Maria 
Francisca Kohlund gebohme von Helbling •{•1794 und des Meinrad Kohhind, Lieutenant 
unter dem Hohenzollem. Schwaeb. Kreiskürassierregiment. 




Fig. /. Rundbogenfenster und Portal der Kirche in Bodersweier. 

Im Pfarrhaus Krankenkommissionsbesteck mit der Inschrift -» Fridericiis Franc k 
pastor in Bodersweihert, und -»Daniel Kober Kirchschaff7ie7' i6j2<^f in den flauen 
spätgothischen Formen dieser Zeit, ohne Zeichen; einfacher, silbervergoldeter Kelch von 
17 18. Glocken neu, ehemals Edel'sche von 17 14 und 1728. 

Auf dem Rathhaus eine grosse Anzahl von Urkunden. 

Am Ausgange gegen Linx zu ein Fackwerkhaus von 1 7 1 7 . 



DIERSHEIM 

Schreibweisen: Diersheim 12. Jh.; die zwei D. 14. Jh.; Tiersheim 1390; Dierß- 
hein 1412; Dierssheym 1492; Oberdiersheim 1620. 

Archivalien: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 16 (1894), S. 136. 

Ortsgeschichte: Die angeblich erste urkundliche Erwähnung von 961 ist eine Ortsgeschichte 
Fälschung des 12. Jhs. — 1469 verkaufte Margaretha Juckmantel, des Edelknechts Anton 
von Homberg Wittwe den Gross- und Kleinzehnten an den Edelknecht Johann Erlin; 
1620 befreite sich die Gemeinde durch Zahlung von 1000 fl. von allen Frohndiensten, 



6 KREIS OFFENBURG. 

173 1 wiirde Diersheim Pfarrei, vorher war es Filiale zu Rheinbischo&heim. Es gehörte 
zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Lichtenau und wurde 1803 badisch. 
Pfarrkirche Evotig, Pfarrkirche (ehem. ad s. Brigittam), einfacher Bau, nicht orientirt, aus 

Bruch- und Backsteinmauerwerk mit Sandsteinquadem an den Ecken. Einschiffiges, flach- 
gedecktes Langhaus und viereckiger Thurm. Am Portal der Kirche die Jahreszahl 1731. 

Der Thurm öffnet sich in einem fast hufeisenförmigen Bogen gegen das Langhaus. 
Er diente also früher als Chor, hat aber seine Bestimmung verloren, da er im 1 8. Jh. 
durch Emporen verdeckt wurde. So liegt die Vermuthung nahe, dass er älteren Datums 
als das Langhaus ist. Darauf deutet das bedeutend stärkere und aus grösseren Bruch- 
steinen gefugte Mauerwerk, die Rundbogenfenster mit abgeschrägten Gewänden im 
zweiten Obergeschoss, ein flachbogiges Fenster das über der lliür zum Dachraum 
zwecklos in diesen hinausschaut. Für irgend welche Datirung des Thurmes fehlen sjjer 
alle Anhaltspunkte. 

Der Neubau des 1 8. Jhs. wurde aus den Steinen der damals abgebrochenen K^)e]le 
in Zierolzhofen erstellt um 3930 fl. i b. 6 kr. ^) 

Das Innere der Kirche hat als einzigen Schmuck eine grosse Inschrifttafel in Stuck 
mit der Aufschrift in Capitale: REGI SAECULORUM IMMORTALI lUSTO 
BENIFICO AMANTI HOMINUM BONI AC DONI OMNIS AUTHORI 
LARGITORI FONTI DEO UNI ET TRINO PATRI CREATORI FILIO 
JESU CHRISTO IMMANUELI SERVITORI ILLUMINATORI PARACLETO 
DEO OMNIPOTENTI BENEDICTO AEDEM HANG SACRAM GUBER- 
NANTE HAS TERRAS ILLUSTRISSIMO D^'^ dno JOHANNE REIN- 
HARDO COMITE HANOVIAE VERAE DOCTRINAE REVERENDI 
PATRIS MARTINI LUTHERI MINISTERIO REPURGATAE DOCENDAE 
PROPAGANDAE DISCENDAE CUMQUE VERO SACRAMENTORUM 
USU ASSERENDAE GRATIA PONUNT DICANT CONSECRANT PACI 
DIERSHEIMENSIS INCOLAE ANNO INCARNATI CHRISTI MDCCXXXI. 
Abcndmahikannc Abendmahlkantie von 1783. 

Glocken Die Glocken (18. Jh.) aus der Ederschen Giesserei in Strassburg. 

Grabstein An der Südwestseite des Chorthurms Grabstein des »Georg Wolfgang Schnabel 

dieser Kirche erster Pfarrer •}• 10. November 1735«. Sandstein, Rocaille - Cartouche 
und Gitterwerk, 
wirthshaus- Schmiedeeiseme Wirthshausschilde des 1 8. Jhs. am Gasthaus zum Adler und 

Schilde "^ 

zum Rappen. 

ECKARTSWEIER 

Schreibweisen: Eckebrehtswilare 13 16; Eckebrehtzwilr 1372; Eckebrehtzwilre 
1378; Eckebrechts wilre 141 2; Eckartz willer 1480-, Eckhertz weiher 1557; Eckarts- 
weyer 1770 (Weiler des Eckebrecht). 
Ortsgeschichte Ortsgesckichtc i Nach Kolb I. 249 schon 1005 als Eckertswyr genannt in der 

Urkunde des Bischofs Wernher I. von Strassburg über die Besitznahme des FrauenstiÄs 
S. Stephan v. J. 1005. Nach dieser (gefälschten?) Urkunde soll es schon in Schriften 

^) Stocker, Schematismus der evang.- prost. Kirche im Grossh. Baden, Heilbronn 1878; 
(Nachtrag Karlsruhe 1886), S. 302. 



AMT KEHL. — FREISTETT. 7 

des Herzogs Adelbert und in dem Freiheitsbrief des Königs Childerich als an S. Stephan 
gegeben, bezeichnet worden sein. 1005 kam es an Strassburg; die Herrn von Hunnen- 
burg hatten hier ansehnliche Besitzungen; ihnen wurde es durch Conrad IL von Hunnen- 
burg, Bischof von Strassburg zugeeignet; nach ihrem Aussterben kam es an die Graf- 
schaft Lichtenberg, war dann als Lehen an die Liebenzeller gegeben, kam 1335 als 
Reinbolt Liebenzeller ohne Erben starb, an die Lichtenberg zurück, die es 14 18 an die 
Böcklin von Böcklinsau verpßuideten. Aus der Herrschaft Hanau-Lichtenberg, wo es 
zum Amt Willstett gehörte, bezw. aus dem Besitz der Landgrafen von Hessen-Darmstadt 
kam es 1803 an Baden. 

Evang. Pfarrkirche, Ehemaliger Titel: ad S. Nicolaum. E. wurde 1555 prote- Pfarrkirche 
stantisch M. Der jetzige Bau 1824 im Weinbrennerstil — Zinnerne AdendmaA/skanne AbcndmahU- 

' ' . kaone 

mit der Aufschrift: dem Gericht zu Eckartsweier 1761. 

Im Pfarrhausgarten, beim Umgraben des Friedhofs gefunden, das mittlere, leider 
stark beschädigte Stück eines römischen Viergöttersteins aus rothem Sandstein (Höhe Römischer vier- 
noch 40 cm). Von den 4 Relief - Götterfigiu-en ist nur der Rumpf bis herab zum 
Knie erhalten. Sicher erkennbar ist Hercules, in der Linken Aepfel der Hesperiden 
haltend, die Rechte auf die Keule gestützt, und Jupiter mit dem Blitz in der Rechten. 
Dazu vielleicht Mercur und eine weibliche Figur (Fortuna?). (Der Stein jetzt in der 
Grossh. Alterthümersammlung Karlsruhe.) (W,) 

FREISTETT 

Schreibweisen: Fregistatt 828; Freistetden 1365; villa Freistetten superior 1369; 
obem Freistetten 1390; Obem Freistetden 141 4; nidem Freistetten (Freistetden) 1390; 
die zwey Freistet 1492; die zwey Frystetten 1509 (Stätte des Frego). 

Archivalien: Mittheil. d. histor. Kommission Nr. 16 (1894) S. 136. 

Litteratur: A. Leitz, Gesch. der Gemeinden Freistett und Neufreistett bis zum 
Uebergange an Baden. Kehl 1890. Reinfried, Der Maiwald-Kanalprozess aus dem 
Jahre 1749. Acherbote 1895, Nr. 7 5 ff. 

Ortsgeschichte: Ober- und Nieder-Freistett (letzteres nicht zu verwechseln mit onsgcschichte 
Neufreistett), die von jeher einen Bann, ein Gericht und einen Pfarrer hatten, wurden 
urk. 1507 zum vierten Male vereinigt. Freistett hatte mit Renchen, Membrechtshofen, 
Gamshurst, Wagshurst und Ulm eine Waldgenossenschaft (Maiwald) ^. In den Kriegen 
Ludwigs XIV. vielfach verwüstet Es gehörte zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg, zum 
Amt Lichtenau und wurde 1803 badisch. Das Patronat besass das Domstift in Strassburg. 
Durch Tauschvertrag v. J. 828 erwarb das Kloster Schwarzach vom Grafen Erchanger 
hier Güter *). 

Evang, Pfarrkirche. Erwähnt 1574 sant Jörg und sant Niclauß in beiden Pürrkirche 
cappellen zu Freystet. 1582 erfolgte die Ernennung eines evangelischen Pfarrers für 
Freistett und zugleich die Erhebimg zur selbständigen Pfarrei, während es bisher Filiale 
von Rheinbischofsheim war *). Der jetzige Bau mit einschiffigem, flachgedecktem Lang- 

^) Schaible, a. a. O. 54. 

*) Vcrgl. Rcinfried in Freib. Diöz. Arch. 21, 273 u. Acherbote a. a. O. 

•) Vergl. Reinfried in Freib. Diöz. Arch. 20, 144. 

*) Schaible, a. a. O. 54. — Vierordt, Gesch. der evang. Kirche in Baden. I, 493. 



8 KREIS OFFENBURG. 

haus und daran anslosseiidein viereckigem Thumi stammt aus dem i8. Jh., wie die 
Jahreszahl 1741 an dem flachbogigen Sturz der Fa^adenthür zeigt Er ist fast schmucklos, 
aus Bnichsteinmaiierwerk mit Sandsteinquadem an den Ecken und den Gesimsen, über 
der erwähnten Fagadenthfir in RocaiUecartouche das zum Theil abgeblätterte hessen- 
dannstadtische Wappen und eine breite Tafel mit gereimter Inschrift: 
^or siebzehnhunderteinundintrzig Jahren 
Hots Jesus Wart beliebt^ im Fleisch zu offenbaren, 
(Sdie die weiteren schwulstigen Verse bei Leitz a. a. O. S. 177.) 

Der ThurtHj dessen unterstes Geschoss ehemals als Chor diente, öfinet sich in 
einem jetzt mit einem Verschlag geschlossenen Rundbogen nach dem Langhaus. Er hat 
im Erdgeschoss Rundbogenfenster mit stark abgeschrägten Bänken, im ersten Stock ein 
solches mit hohen sitzartigen Vorsprüngen, zeigt im Aeusseren zur Abgrenzung der Stock- 
werke ein Gesims aus Platte und Hohlkehle, oben geht er in das Achteck über. Möglich, 
aber nicht zu beweisen, dass seine unteren Theile einer früheren Zeit entstammen. 
OrsdandKajuei Im lunem Orgel und Kanzel im Empirestil. 

Giociua Zwei Glocken von Mathäus Edel in Strassburg 1741; eme dritte, kleinere mit 

der Minuskelinschrift: 

Ave * Maria 4 cratia * plena ♦ anno ^ }K ^ CCCC ^ XXXX ^ VII. 
HcadcakircUe Das sogeu. Heidenkirckle ziemlich am Ausgange des D<vfe, jetzt unbenutzt, ist 

ein einschiffiger Bau mit viereckigem Thurm, dessen Untergeschoss der Chor war, aus 
Bruchsteinmauerwerk mit Sandsteinquadem an den Ecken und Fenstergewänden. Im 
Langhaus sehr kleine, nach unten sich erweiternde Rundbogenfenster, eine Form, die 
besonders an sehr frühen romanischen Bauten vorkommt; sie dürfte auch hier kaum 
viel späteren Ursprungs sein und so bezeugen diese einzigen Anhaltspunkte eine Ent- 
stehung des ELirchleins in 10. bezw. 11. Jh. Im Thurmerdgeschoss ein gradsturziges 
Fenster und ein spitzbogiges mit abgefassten Ecken und KleeblattbogenfüUung. Verputztes 
Backsteintonnengewölbe. Im Obergeschoss des Thurmes ein Doppelfenster mit flachen 
Rundbögen. Der Thurm ist mit einem Satteldach gedeckt Möglicherweise stammt das 
Langhaus und das Untergeschoss des Thiumes (ohne Gewölbe) aus dem 10./ 11. bezw. 
16. Jh. und ist im 18. Jh. zum letzten Mal überarbeitet worden. An der Nordwand 
Spuren der alten Bemalung in den Resten einiger Apostelkreuze. 
Glocke Aus letzterer Zeit stammt auch die von Ludwig Edel in Strassburg gegossene Glocke, 

lutfahaos Neben der Kirche das Rathßiaus im französischen Stil des 18. Jhs. mit Mansarden- 

dach. Aehnlich gebaut noch verschiedene Häuser im Dorfe. 

Die Stadt Neufrei stett ist eine Gründung der Kuck*schen Flosskompagnie in 
Strassburg von 1740 und enthält nichts Erwähnenswerthes. 



HAUSGEREUTH 

Schreibweisen: Husgerute 1163; Hugsgerüte 1353; Hugesgerüte 1372; Hugeß- 

gerut 1547; Hawsgerait 1525. (Gereute [Rodung] des Huc). 

Ortsgeschichte Ortsgcsckichte i II 63 besass das S. Thomasstift zu Strassburg hier einen DinghoE 

Eine Kaplanei, die im folgenden Jahrh. zur Pfarrkirche erhoben wurde, erhielt das Dorf 

1288, nachdem es vorher in die Pfarrei Kork gehört hatte; Patronat und Zehnt hatte 



AMT KEHL. — HONAU. 



das Kloster Eschau, bis es dieselben 1552 an das Domstift zu Strassburg verkaufte. 
1429 war das Dorf von den Strassburgem niedergebrannt worden. Es gehörte zur 
Herrschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Lichtenau und wurde 1803 badisch. 

Evang. Kirche, Filiale von Rheinbischofsheim. Erw. 1288 s. o-, 1289 ein 
Oratorium beati Jacobi apostoli ac Marie Magdalene et Nicolai confessoris; 1425 sanctus 
Nicolaus patronus ecclesiae parrochialis. Einschiffiger Bau aus Bruchsteinmauerwerk 
mit Holzbalkendecke und viereckigem Thurm, dessen mit einem Kreuzgratgewölbe 
gedecktes Erdgeschoss als Chor dient. Im Langhaus kleine Fenster, sowohl mit geradem 
Sturz und abgefastem, zweimal auch mit einer Hohlkehle pro61irtem Pfosten, als auch 
geradsturziges Doppelfenster und ein schmales gedrücktes Spitzbogenfenster. Thür mit 
Flachbogen, sich kreuzendem Stabwerk und Hohlkehle. 

Der Thurm öfüiet sich nach dem Langhaus im Spitzbogen, hat im ersten Geschoss 
Lichtluken, im zweiten schwach spitzbogige Fenster. Die Balkenlöcher bezw. einfachen 
Konsolen für die alten Decken noch tiberall sichtbar. Satteldach. An der Ostwand 
kleine, kielbogige Sakramentsnische. An den Thurm schliesst die geradgedeckte Sakristei 
an mit kleiner, mit zwei Seiten des Dreiecks abgeschlossener Nische. . An den Ostecken 
des Langhauses und des Thurmes einfache, einmal abgeschrägte Strebepfeiler. 

Das Kirchlein gehört wohl dem 16. Jh. an und hat im 18. einige Veränderungen 
erlitten. 

Glocke von Matthäus Edel 1749. 



Kirche 



Thurra 



Glocke 



HONAU 



Schreibweisen: Hoinaugia 781; Hoinowa 870; insula Honaugensis 11 80; 

Honaugia 1191; Honauwia 1199; Honowe 1264; Honow 1268; Honowe Anf. 14. Jh. 

Litteratur: Reinfried, Archivalien des Landkapitels Ottersweier. Oberrh. Ztschr. 51 

(1897), Mittheil. Nr. 19, S. 24. Grandidier, Hist. de l'dglise de Strasbourg I, 

398 — 410 und Oeuvres inedites I, 157 — 165. 

Geschichte: Ehemals ein auf einer Rheininsel um 720 gegründetes Schottenkloster, ^) 
dessen Aebte den bischöflichen Titel führten. 2) Da der Rhein den grössten Theil der 
Insel wegfrass und die Stiftsgebäude selbst bedrohte, wurde das Kloster 1290 nach 
Rheinau und 1398 aus demselben Grunde nach Alt-S. Peter in Strassburg verlegt, nach- 
dem es schon im 11. Jh. in ein Chorhermstifl verwandelt worden war. — Das Dorf 
(Mortenau, Herrschaft Lichtenberg) ging 1802 von Strassburg an Baden über. — Seit 
1559 evangelisch. 

Die jetzige kaihol. Pfarrkirche wurde 1845 erbaut. Die alte Klosterkirche hatte 
den titulus ad S. Michaelem und als Nebenpatrone die Apostelfürsten Petrus und Paulus. 
Schon 1259 wird noch eine »capella sancte Brigide« erwähnt, 1365 »altare beate Marie 
virginis et beati Nicolai episcopi situm in ecclesia parrocchiali ville Honowe«. Später 
gehörte das Dorf zur Pfarrei Wanzenau, von der es 1730 getrennt wurde. — Bauliche 
Reste einer älteren Kirche sind keine vorhanden. 



^) Vergl. Sickel, Acta regum et imperatorum Karolingorum digesta et narrata. Wien 1867, II. 216. 
^ Der Sage nach soll 357 der Bischof Amandus von Strassburg hierher geflohen sein und 
seine Gebeine hier einst aufbewahrt worden sein. Mone, Die bildenden Künste etc. XIV., 46. 



Geschichte 



Pfarrkirche 



KREIS OFFENBURG. 



Hoirpiastik Die Kirchc bewahrt auf dem Nebenaltar der Kpistelseite eine werthvolle Holzplastik 

vom Anfange des i6. Jhs., eine Krönung Maria in zweidrittel lebensgrossen Figuren, j 
Maria nach vom knieend, Gottvater und Christus hinter ihr sitzend in den jetzt zwecklos ! 




Fig. 2, Hohskulptur : Krönung Maria in der Kirche in Hanau, 



Taufstein 
Kirchcngeräthe 



gespreizten Fingern ehemals die Krone haltend (s. Fig. 2). Tüchtige geschmackvolle Arbeit 
aus den ersten Jahrzehnten des 16. Jhs., die Fassung gänzlich erneuert. 

Auf dem Altar der Evangelienseite kleine Madonna mit Kind auf der Mondsichel; 
im Gior Madonna mit Kind ; an der Langhausnordwand Crucifixus, alles Holzschnitzereien 
im Durchschnittscharakter des 18. Jhs. 

Einfacher Rococo- Tauf st ein. 

In der Sakristei Kirch tfig e r äth e : einfacher Kelch, ku[)fervergoldet und Wettersegen 
mit geringen, getriebenen Rocailleornamenten. Beide ohne Goldschmiedezeichen. 



AMT KEHL. — KEHL. II 

Vor der Kirche Missionscruciüxus aus Sandstein. Auf mittlerem bauchigem Mijsions- 

crucifixus 

Barocksockel der Cnicifixus mit Magdalena, auf zwei schmäleren Seitensockeln Maria und 
Johannes. Ueberschlanke Figuren. Gestiftet 1779 von Anton Knerle und Frau. 



KEHL 

STADT und DORF 

Schreibweisen: Kelle 1289; Kenle 1326; Keule 1374; Keyle 16. Jh.; Kaile 16. Jh.; 
Keuhel 16. Jh., Keuln 1576; Kayl 16.— 18. Jh.; Keyl 1681 ; Keyhl 18. Jh. 

Litteratur: Bader, Fahrten und Wanderungen, IL (1856) S. 204 — 214. 

Alte Ansichten: Grundriss von Bodenehr. Kupferst. Augsb. ca. 1700. — Plan au« Ansicht«! 
der Stadt und Festung Strassburg, des Forts von Kehl mit allen neuen Werken sammt 
der Umgebung, im Massstab von 600 toises. 18. Jh. Bibliothek Le Mans: Catal. des 
manuscrits d. bibl. publ. de France, XX. 457. 

Ortsgeschichte: Stadt Kehl mit der Festung- gegründet, nachdem Strassburg onsgeschichtc 
in die Hände Frankreichs gefallen war, mehrmals zurückgegeben und wieder erobert, 
kam 18 14 endgültig an Baden. 

Dorf Kehl: urkundlich seit Ende 13. Jhs. als Ueberfahrtsort erwähnt, kam 1299 
zum vierten Theil mit Suntheim und Iringheim als Geroldseckisches Pfandlehen an die 
Böcklin zu Strassburg. Durch verschiedene Erbschaften hatte der Ort am Ausgang des 
Mittelalters folgende Herren: Böcklin \y das Domstift ^2^ Baden \ und Nassau ^\^, 
(Das Dorf wurde 1796 und 1797 ganz zerstört und dem Erdboden gleich gemacht. 

Vorgeschichtliches: Eine Steinbeilklinge, angeblich ca. 24 cm lang, 185 1 Vorgeschicht- 
im Kheinkies gefunden; Verbleib unbekannt (W.) 

Die simultane Pfarrkirche (der katholische Titel: ad Johann. Nepomuk), ein Pfarrkirche 
Neubau der letzten Jahrzehnte des 1 9. Jhs. enthält auf dem katholischen Hochaltar zwei 
beiderseitig bemalte Altarflügel, die als Verraächtniss des Dekans Hirscher aus dessen 
bekannter Sammlung in den Besitz der Kirche gelangt sind. Die Bildfläche beträgt je 
1,71 m zu 0,90 m. Der eine Flügel (s. Fig. 3) stellt die Anbetung des Kindes dar, im 
Hintergrunde die Verkündigung an die Hirten. Auf dem Saum des Kleides Maria in 
der Majuskelschrift des späten 15. Jhs. das Ave Regina. Der zweite Flügel (s. Fig. 4) die 
Anbetung der Könige, im Hintergrund Ausblick auf ein Meer. Die Rückseiten der 
Bilder konnte ich nicht besichtigen, da die Gemälde leider unbeweglich an der Wand 
befestigt sind, doch liegen mir Photographien von Hofphotograph Krämer-Kehl vor. 
Danach waren die Rückseiten je in eine obere und untere Abtheilung getheilt : bei dem 
einen Flügel zeigt die obere den h. Martin zu Pferde mit dem Bettler in einer Wald- 
landschaft, darunter vor einem mit einem Brokat behängtem Schranke stehend die Hei- 
ligen Sebastian und Antonius Eremita ; auf dem zweiten Flügel erblicken wir oben den 
h. Christophorus durch das Wasser watend, mit dem Christuskind auf der Schulter, unten 
die Heiligen Paulus Ap. und ein jugendlicher Heiliger (s. Fig. 5). Diese Rückseiten 
scheinen den Photographien nach ziemlich beschädigt und restaurationsbedürftig. Sie 
smd übrigens nicht ganz von der gleichen Hand wie die der Vorderseiten, sondern 
vielleicht von einem Gehilfen. Die Vorderseiten verrathen einen tüchtigen oberrheinischen 



12 



KREIS OFFENBUKG. 




^^g' S- Altarflügel in der Kirche zu Kehl (Stadt), Vorderseite. 



Meister vom Anfange des i6. Jhs., wenn auch nicht Baidung, als dessen Jugendwerke 
sie früher galten. Genaueres über sie zu sagen ist bei dem noch so unerforschten 
Gebiet der oberrheinischen Malerei unmöglich. "* 



AMT KEHL. — KEHL. 



13 




Fig. 4, Altarßügel in der Kirche zu Kehl (Stadt), Vorderseite. 

In der (kath.) Sakristei zwei Kelchej der eine silbervergoldet, hübsche getriebene 
Arbeit der Mitte des 18. Jhs. mit Augsburger Beschauzeichen und j (s. Rosenberg, 
Der Goldschmiede Merkzeichen, S. 109). — Der zweite Kelch, kupfervergoldet mit 



Kelche 



M 



KREIS OFFENBURG. 



Sudt 



Schloss 



eingravirten Ornamenten zeigt am Fuss die Umschrift: »il/. M. y. E. SUbel Cure ei 
C. A. Bergmann Bourgtmattre h Kehl ont Fait Faire ce Calice eti 1783,"^ (sie!) 

Die Stadt trägt, ihrer 
Geschichte gemäss, durchaus 
den Charakter der kleinen, 
französischen Pro\inzstadt des 
18. Jhs. Die wenigen besser ge- 
bauten Häuser mit Mansarden- 
dach sind ohne besonderes 
Interesse, wenn auch durch 
ihre Schlichtheit sehr gefällig. 
In der protest Kirche 
im Dorf-Kehl, zwei Oel- 
gemälde, Himmelfahrt Maria 
und Anbetung der Könige, 
Kopien nach französischen 
Werken des 1 7. Jhs. Im Pferr- 
haus ein einfacher Kelch, silber- 
vergoldet, mit eingravirtem 
Rocailleomament und der In- 
schrift: »Johannes Schütterlin 
Schultheis und Georg Jacob 
Sachs Pfarrer 1733.« ^^ 
Strassburger Beschauzeichen 
(Lilie) und der Goldschmied- 
name Ehrlen. 

Ein Schloss Bomeck^) 
(Bumeck 1455) im 16. Jh. 
durch den Rhein fortgerissen, 
die Mauerreste bei niederem 
Wasserstand im Rheinbett noch 
sichtbar. 

KORK 




Fig. S' Allarßügel in der Kirche zu Kehl (Stadt), Rückseite. 

(Keltisch, aus älteren Curciacum, verkürzt 



Schreibweisen : Corke 
1 004 ; Choreka 1 004 ; Chorcho 
T007; Kork 1275; Korgi3n; 



Korcke 1352; Korck 1366; Korckh 1561 
Kurkium.) 

Archivalien: Archiv der R öder: Mittheil. d. histor. Kommission Nr. 16 (1894), S.y^- 

^) Vergl. hierüber Oberrh. ZUchr. XVI, 286. — Bader, Badenia I, 344. — Ruppert, 
Mortenau I, 319. 



AMT KEHL. — KORK. 



15 



Litteratur: J. Schaible, Gesch. des bad. Hanauerlandes nebst Topographie des 
Amtsbezirks Kork, Karlsruhe 1855; Bacmeister, Alemahn. Wanderungen 74; 
Germania, Vierteljahrsschr. f. d. Altcrthumskunde, 13, 114; Bad. Militäralmanach VII, 
S. 73 bis 74 (Gefecht bei Kork und Willstett); J. B. Trenkle, Der Korker Waldbrief 
von 1476, Karlsruhe 1880; Oberrh. Ztschr. NF. 3, 344. 

Ortsgeschichte: Als Adelbert, angeblich ein Sohn des grossen Acticus, Herzogs omgeichichte 
von Hohenburg, i. J. 717 (der Sage nach) das Kloster S. Stephan in Strassburg stiftete, 
hat er unten an dem Rheinflusse alles bis an die Grenzen des dem Grafen Hugo ') 
zuständigen Eigenthums, Choreck genannt, an die Stiftung dieses Klosters verwendet. 

930 kam es durch Kaufan das Bisthum Strassburg, gegen Ende des 13. Jhs. als 
Lehen an die von Lichtenberg. 1275 envarb das Kloster Allerheiligen Gefalle aus dem 
Schultheissenamt, das Ritter Heinrich von Wilre von den Fürstenberg zu Lehen hatte. -) 
Das Patronat nebst dem Zehnt war dem Kloster Eschau, später dem Domstift zu Strass- 
burg. Gehörte zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Willstett und wurde 1803 badisch. 
— Auf noch höheres Alter will die Sage zielen mit dem Chrimhildestein. ^) 

Evang. Pfarrkirche, Ecclesia parrochialis etc. 1288; ehemaliger Titel: ad Pfarrkirche 
S. Dionysium. *) — Die Kirche, in ihren Chormauem noch die Reste eines ehemaligen 
gothischen Baues bergend, ist jetzt ein schlichter Bau aus Bruchsteinmauerwerk mit Bewurf 
des 18. Jhs. (1732) mit einschiffigem Langhaus, das eine einfache Stuckdecke hat und 
euiem Chor aus 5 Seiten des Achtecks, ohne deutliche Reste früher Zeit. 

Am Westportal Cartouche mit der Inschrift in Capitale: // 17;2 / JOHANNES / 
SCHREIBEISEN / SCHULZ IN KORCK. // 

Ueber dem Südportal das Hanau - Lichtenbergische Wappen, darunter in ovaler 
Cartouche, von Blätterwerk umgeben, die Inschrift (Capitale): // AVSPICIO / DEI / TER 
OPTIMI MAXIMI / HOC / ANTE ANNUM INCERTUM / TEMPLUM / 
TANDEM CONSUMATUM / POSTEA SOLENNITER INAUGURATUM / 
EST / SUB REGIMINE / ILLUSTRISSIMI DOMINI / DOMINI JOHANNIS 
REINHARDI / COMITIS HANOICI / ANNO RESTITUTAE ORBI 
SALVTIS / M DCC XXXIL // 

In der Kirche an der Nordwand das Epitaph der Maria Elisabeth Schaffalizky Epitaph 
von Muckodell geb. von Palm. Sandsteinplatte mit Rundgiebel und Rocailleomament, 
darüber die Wappen der Begrabenen und ihres Mannes. Ein Vorhang trägt die Cursiv- 
inschrift, über der Todtengebeine abgebildet sind. Sie lautet: Hier ruhet bifs zu 
seiner Verklärung der irdische Ueberrest der reichsfrey hochzvohlgebohmen Frey- 
frau Frauen Maria Elisabetha gebohmen von Palm, Der Hochseligen hoch- 
bekümmerter Gemahl Tit. Herr Christian Friederich Schaffalizky von Muckodell 
Premier-Maior des hochfrst. Wirt. Croys. Regts. beklaget den Verlust eines ohn- 
schatzbaren Kleynods seine im 29. Lebens ^ jähr 6 M : 8 Tag • A : C: lyjg den 
8*"" octob: Früh um j uhr leyder all zuf ruhe in den Englischai Orden erhöhete 
Palmin und Hesse der Hochseligen von Kehl hierher gebrachten und nächst 
dem Altar in sehte Gruffi eingesenckteti erblassten Leichnam difs Denckmal ezviger 



^) Des ethikonischen Grafen Hugo cf. Schaible, a. a. O. 14. 

^ Fürst., Urk. I, S. 249. 

•) Mone, Die b. K. etc. 14, 91. 

*) Schaible, a. a. O. 54. 



i6 



KREIS OFFENBXniG. 



Kanzel 



Glocken 



Aussenwand 



Kirchengeräthe 



Epileptische 
Anstalt 



Privathäuser 



Treue tmd Liebe stifften, Leich, Text: Rom, 8. V. 38—39, Ich bin gewiss, dass 
weder Tod noch Leben & vor der Liebe Gottes die in Christo Jesu ist unserm 
Herrn (sie!). — Am Sockel die Verse: 

TtMein Sippschaftsbaum verblüht mit zwo Elisabeten 
Die mein Vergnügen hier vollkommen schön erhöhten, 
Zwey Kleynod sencke ich in ihr Behältniss ein 
Ihr nehmt mein Hertze mit mein Gott gedencke mein,€ 
Die Kanzel mit Holzskulptur vom Ende des 18. Jhs. 

Im Chor unter der Tünche Spuren von Wandmalereien (Apostelkreuze) durch- 
schimmernd. 

Vier Glocken des 18. Jhs. von Matthias Edel mit dem Korker Wappen; an ihnen 
ausserdem noch die Namen der damaligen Gerichtszwölfer. (Näher war nicht beizn- 
kommen.) 

An der Aussenwand der Kirche drei weitere Grabraäler: 
i) Der »Maria Elisabetha geb. Hammerin, Frau des hochfÜrstl. Lichtenberg. Hof- 
raths und Amtmanns Andreas Lichtenberger zu Kork f 8. Okt. 1766« und der »Fran 
Margaretha geb. Wetzelin, des weil. Georg Wilhelm Lichtenbergers Rektors und Predigers 
zu Colmar Wittib f 13. Okt. 1767«. Sandsteinplatte, überragt von Rocaillewerit mit 
verwischtem Wappen, Sarkophag und Todtenschädel. 

2) In Volutenumrahmung, bekrönt von kleiner Rocaillecartouche, die Inschrift in 
CapitaJe: »DOM JACENT SUB HOC TUMULO FRANCISCUS, DOROTHEA, 
SAMSON ET CAROLUS, COGNATIONE FRATERNA ET SORORIA SE 
INVICEM ATTINGENTES CARISSIMI LIBERI JUST! JACOBI OTTONIS 
PRINCIPIS HEREDIS HASSIAE A CONSILIIS REIPUBLICAE MDCCLXI- 
SIC PATER QUOQUE QUIESCIT MDCCLXII.« Sandsteinplatte. 

3) Oblonge Sandsteinplatte mit stark erhöhtem Rand zeigt zunächst in Rocaille- 
cartouche das Wappen (Mann mit dem Schlüssel in der einen und Mond in der andern 
Hand), darunter in steifer Druckschrift: -» Hochfürstlich Hessen Honau Uchteft- 
bergischer Rath und Landschreiber Aembter Liechtenau und Willstett Friedrich 

Wilhelm Wildermiäh ward gebohren Ao, 1678 d, 2. November und starb Ao. 
1746 d, j, Septem,^ Grabschrift: i^Ein jeder lefse das der hier vorübergeht. 
In Christo starb ein Christ und wird mit ihm begraben^ dass er in Christo 
auch hin wieder auff ersteht, 'i^ 

Kirchengeräthe : Zwei einfache silberne, vergoldete Kelche mit eingeprägtem 
Cäsarenkopf, eine silbervergoldete Empireplatte mit Palmettenomament auf LöwenfÜssen 
und fünf Zinnkannen mit etwas reicher verziertem Henkel. 

Die Epileptiker 'Anstalt ist ein ehemals Hanau -Lichtenbergisches Lustschloss 
aus dem vorigen Jahrhundert einfachster, schmucker Erscheinung. In einem Zimmer 
des Erdgeschoss einfacher Rocaillewandschrank. 

Eine Sonnenuhr, Sandstein, von 1663; woher stammend? 

Im Privatbesitz des Anstaltsleiters ein hübsches Rocaillebuffet imd ein grosser 
Schrank in gleichem Stil. 

Von Privathäusem seien das einfache, aber gut wirkende Pfarrhaus des 18. Jhs., 
der Riegelbau des Wirthshauses »zum Ochsen« hervorgehoben, sowie das Haus Nr. 20 



AMT KEHL. - LEGELSHÜRST. 



17 



mit Mansardendach ; an einem Haus ? die Jahreszahl 1761 und ein Allianzwappen, rechts 
das Wildermuth'sche, links zwei gekreuzte Schwerter, dazwischen Lilien. 

Am Haus von Georg Königs Wittwe schmiedeeiserner Wirthshausschild »zur WiftiuhauMchiid 
Krone« im Stil Louis XVL, ein einfacherer am Gasthaus »zum Ochsen«. 

Im Ort schmiedeeiserner Pumpensckwengel mit der Aufschrift : » Joh. Aug. Hes 
Schultheiss«, gute Arbeit des i8. Jhs. 



Pumpco* 
■chwengel 



LEGELSHÜRST 

(mit Bolzhurst) 

Schreibweisen: Leicholczhurst 1364; Leichen ßhürste 141 2; Lechelßhurst 1443; 
Leuchelßhurst 1480; Leutzelschurst 1585; Leuttelßhurst 1585; Leuchelshurst 1561; 
Legelshurst iS79; Legelßhurst 1655. (Hurst des Leicholt.) 

Das Besetzungsrecht der Pfarrei übte bis 1554 das Kl. Eschau aus,') das wie das 
Kl. Allerheiligen hier zehntberechtigt war. 

Ortsgeschichie: Erste Erwähnung als Leicholczhurst nach Grossh. Baden S. 882 Ortsgeschicht« 
schon 1294. 141 1 gestattet der Bischof von Strassburg die Errichtung einer Kapelle in 
honorem b. Mariae Virg., die 1443 von ihrer Mutterkirche zu Kork getrennt und mit 
Willen des Kl. Eschau, des Patronat- und Zehntherren (seit 15. Jh., vorher Allerheiligen), 
zur Pfarrkirche erhoben wurde. Legelshurst gehörte zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg 
(es war wohl 1234 als Lehen an die Lichtenberg gekommen), zum Amt Willstett und 
wurde 1803 badisch. 

Evang, Pfarrkirche, Kirchenheiliger vor der Reformation S. Valentinus, Er- Pfarrkirche 
wähnungen der Kirche s. oben. Die Reformation wurde 1554 eingeführt. Es ist der übliche 
einschiffige Bau mit viereckigem Thurm aus Bruchsteinmauerwerk mit Sandsteinquadem 
an den Ecken. In diesem Falle ist aber das ältere Datum des Thurtns gesichert. Er Thurm 
dürfte aus den Jahren um 1447 (s. oben) stammen. Gegen das spätere Langhaus öffnet er 
sich im Rundbogen und hat im Erdgeschoss ein Kreuzrippengewölbe mit kleinem Schluss- 
stein, trocken profilirten Rippen, die auf schmalen Konsolen aufsetzen, nach Süden, Osten 
und Norden einfache Spitzbogenfenster, an der Nordseite eine Sakramentsnische mit 
Kleeblattbogen und Kielbogen, daneben führt eine (spätere) Thür in die Sakristei. Im 
ersten Obergeschoss Lichtluken, nach Süden gekuppelte Rundbogenfenster des 18. Jhs. 
In den dreieckigen Giebeln, mit denen jede Seite abschliesst, jeweils ein Fenster im 
Kielbogen geschlossen, mit zwei Kleeblattbögen, deren Pfosten offenbar herausgebrochen. 
Auf der Bühne des jetzigen Langhauses am Thurm noch der Dachansatz des alten, 
niederen Langhauses zu sehen. 

Das ziemlich einfache Langhaus mit den üblichen rundbogigen Fenstern zeigt Langhaus 
über der Thür der Südseite das landgräfliche Wappen, danmter geschwungener und 
gebrochener Giebel, unter dem die Inschrift in Capitale: DEO EIUSQUE CULTUI 
PUBLICO LUDOVICUS HASSIAE PRINCEPS HEREDITARIUS ATQUE 
LANTGRAVIUS AEDIFICIUM HOC EXSTRUI ET SACRUM ESSE VOLUIT 
ANNO MDCCXLIII PROCUL HING ABESTE PROFANI. 

1) Vierordt II, S. VII. 

Band VII. 2 



i8 



KREIS OFFENBXJRO. 



Glocken All dem Sturz der Westthüre die Jahreszahl 1743. 

KirchengCTäthe Drei Glockcti des 1 8. Jhs. aus der Edel'schen Giesserei. 

Kirchengeräthc: Einfache Zinnabendmahlkanne und ebensolches Taufgeschirr 
von 177 1, einfacher, runder, silbervergoldeter Kelch mit undeutlichem Goldschniiede- 
zeichen, im Fuss eingravirt: J • G • K • J74<S. 

Im Pfarrhausgarten ehemaliger gothischer Taufstein, mit achtkantiger Schale ohne 
besondere Dekoration mit der Jahreszahl (DCCCC ^ XL VII. 

In dem dazugehörigen Bolzhurst sollen unter der Erde noch die Grundmauern 
eines alten Schlosses vorhanden sein. 



LEUTESHEIM 



Ortsgeschichte 



Pfarrkirche 



Chorthurm 



Schreibweisen: Lutensheim 1233; Lütesheim 14. Jh.; Lüteßhein 14. Jh. ; Lutishexm 
1370; Lüteßhein 141 2; daz alte Lütißheim 1434 (Heim des Lütin). 

Ortsgeschichte: Leutesheim gehörte zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg und zwar 
zum Amt Lichtenau. Den Zehnten hatte das Kloster Honau. mit dem der Ort 1229 
in Streit kam, später das Kollegiatstift S. Leonhard zu Oberehnheim im Elsass. Seit 1803 
badisch. 

Evang. P/atTkirche. Erwähnt 1 434. Kirchenheilige vor der Reformation S. Marga- 
retha. Leutesheim war bis 17 16 (17) Filiale von Auenheim ^). 1740 wurde die Kapelle 
zur Kirche erweitert. Einschiffiges Langhaus mit älterem Ototihurm aus Bruchstein- 
mauenverk mit Sandsteinquadem an den Ecken usw. Das jetzt mit spitzem Tonnen- 
gewölbe überdeckte Erdgeschoss öffnet sich in Rundbogen (18. Jh.) gegen das Langhaus, 
hat hier nach Süden ein schmales kielbogiges Fenster mit eingeschlossenem gedrücktem 
Kleeblattbogen, nach Norden ebenfalls Kielbogenfenster mit einer Fischblase, daneb^i 
im Innern eine kleine kielbogige SaJcramentsnische ; im obersten Geschoss nach Süden 
und Norden je ein gekuppeltes, und nach Osten ein breiteres Rundbogenfenster (des 
18. Jhs.), Satteldach. Die Sakristei ist neueren Ursprungs, der Thurm wohl 16. Jh. 

Das Langhaus hat im Sturz des Fagadenportals die Jahreszahl 1740; über dem 
Südportal unter einem Giebel das landgräflich-hessische Wappen und auf einer plastisch 
behandelten Draperie in Capitale die Inschrift 2): DEM DREYEINIGEN GOTT ZU 
EHREN UND ZU SEINEN CEFFENTLICHEN REINEN DIENST NACH 
INHALT DES GÖTTLICHEN WOTS (sie!) H - SCHRIFT UND DER UN- 
VERENDERTEN AUGSPURG • CONFESSION UNTER GESEGNETER 
REGIERUNG DES DURCHLEUCHTIGSTEN FIRSTEN UND HERRN 
HERRN LUDWIG LANDGRAFF ZU HESSEN FÜRSTEN ZU HERSFELD 
WARD DIESE KIRCHE ERWEITERT UND EINGEWEIHT DEN VIII 
NOFEMBER I74o. 

An der Südwand der Kirche zwei schlichte Grabsteine : 

i) der Juliana Katharina geb. Wildin, Frau des Pfarrers Carl Sigm. Schwind, 
f 22. Nov. 1753 ; 

^) Schaible, a. a. O. 55. 

'^) S. Stocker, a. a. O. S. 309. 



AMT KEHL. — LICHTENAU. I 9 

2) der Frau Katharina Salomer, Frau des Pfarrers Joh. Gottfr. Schuhmeister, 
t . . . April 1769. 

Kirchengeräthe : Zinntaufschüssel mit Aufschrift: Leutisheim 1741*, Brodschüssel, Kirchcngemthe 
zwei Zinnabendmahlkannen, die eine mit der Aufschrift : 

Samuel — Fasco 

Der erste Pfarrer — /;/ Leutesheini 

Verehrte dise Zwei ■^— Kandten der Kirchen 

Alle Anno 171g. 

Eine weitere Kanne wohl noch des 17. Jhs. in guter Renaissanceform, am Fuss steht: 

P^ H^ H . S ' 7 ^ B • G ^ Leutesheim • 
Silbervergoldeter Kelch mit noch gothischem flauem Nodus, innen am Fuss steht 
in Cursiv: -^ Kirch Lützen oder Leutesheim wigt 26 loth • j ff • /70J. 



LICHTENAU 

Schreibweisen: Liehtenöwe 1316; Lichtenowe bürg und stat 1362; Lychtenöwe 
1370; Liechtenouwei4i2; Liechnowe 1 4 1 7 ; Liechtenawi563 (ahd. lioht, lieht-leuchtend). 

Litteratur: Merian, Topogr. Alsat. 1635 S. 23. — Briefe über eine Reise ins 
Württembergische. Frauenzimmermagazin IV. (Kehl und Basel 1783.). — Näher, Die 
Ortenau, Lahr 1888, S. 33. 

Münzfund: Makedonischer Philippeus. Münzfund 

Ortsgeschichte: Konrad III. von Lichtenberg, Bischof von Strassburg zerstörte Ortsgeschichic 
1293 das Städtlein Sermersheim, wie auch Burg Krax und verwendete die Steine davon 
zur Befestigung von Lichtenau'), dem König Albrecht L 1300 Stadtrecht verlieh. 
Lichtenau gehörte zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg, deren eines Amt nach ihm benannt 
war^). Denkwürdig ist der Vertrag, den Joh. Gutenberg mit Hans Riffe, Vogt zu 
Lichtenau, abschloss^). Im 30jährigen Kriege wiederholt geplündert. 1637 von Bern- 
hard von Weimar erobert. 1639 ^^^g* ^^r Pfarrer, in Lichtenau sei schon lange kein 
Einwohner mehr gewesen*), 1675 von Montecuculi besetzt, 1689 von Franzosen nieder- 
gebrannt, die auch 1707 die Festungsmauern, aber nicht, wie Näher annimmt, das 
Schloss zerstörten, welches erst im Anfange des 19. Jhs. abgebrochen wurde, als Lichtenau 
1803 badisch geworden war. 

Evang. Pfarrkirche. 1378 eine Kapelle erv^ähnt, 1464 ein capellanus sancti Pfarrkirche 
Andree und ein c. altaris sancte Katharine. Im Schloss eine Andreaskapelle. Die 
evangelische Lehre wurde vorübergehend schon 1524/25 in Lichtenau durch den ver- 
heiratheten Priester Martin Enderlin verbreitet; doch wurde dieser verhaftet und erst 
auf gemeinsame Bitten der Stadt Strassburg und des Grafen von Hanau nach Nürnberg 
entlassen 5). Von 1565 aber war ein evang. Pfarrer in Lichtenau^). Dem Langhaus des 

*) Schaiblc, a. a. O. 17. — Königshoven V. S. 315. 
*) Siehe die Einleitung. 

•) Schaible, a. a. O. 32. v. der Linde, Gutenberg (1878) S. 20 ff. Hartwig, Fest- 
schrift zum 500 jähr. Tag der Geburt Gutenbergs (Leipzig 1900), S. 218 ff. 
*) Schaible, a. a. O. 65. 
*) Vierordt, I, 161. 
•) Ebenda, I, 494. 

2* 



20 KREIS OFFENBURG. 

19. Jhs. ist der in diesen Gegenden stets wiederkehrende viereckige Thurm vorgelegt, 
der sich in einem grossen Rundbogen dorthin öffnet. Das Kreuzgratgewölbe des Thunn- 
erdgeschosses bildete ehemals wohl den Chor der (orientirten) Kirche. Nach Norden 
hat dies Geschoss ein viereckiges, innen flachbogiges Fenster, nach Osten ein grosses 
Rundbogenfenster, nach Süden eine Lichtluke, in dem obersten Geschoss nach alkn 
Seiten je zwei Rundbogenfenster (nach Osten nur eines). Wir dürften einen in seinen 
Mauern mittelalterlichen, im 18. Jh. überarbeiteten Thurm vor uns haben. Auf ihm eine 
Wetterfahne mit dem Schwan aus dem Stadtwappen. 

Kirchcngeräthe Kirchetigeräthe i zwei Kelche. An dem einen mit dem Strassburger Beschan- 

zeichen steht: G. E. L. Nessler Fast. ibid. 1755; an dem andern: »der Kirchen ra 
Lichtenau Anno 1755 G. E. L. Nessler Fast, ibid.« An der W^estfagade der Kirche ein- 
gemauert das aus der alten Kirche stammende Hanau-Lichtenbergische Wappen. 

Befcstipingen Reste der alten Befestigungen: im Pfarrhausgarten die Mauerreste eines vier- 

eckigen Thurmes aus Bruchsteinmauerwerk mit Backstein untermischt, die Mauern 
ca. I ^2 — 2 m dick, mit jetzt formlosem Eingang. Es sind die Reste des 1826 abgetragenen 
Streckthurmes mit daran anstossenden Mauerzügen. Etwa 10 m davor noch weitere 
Mauerzüge erkennbar. Reste der Stadtmauer im Garten des Gasthauses zum Ochsen- 
Ihr Zug ist in der Anlage der Strassen deutlich erkennbar. Ausserdem erinnern Namen 
wie Schanze, Schlosshof, Zwinger, Münzhof, Münzwald an die alten Zeiten. 



LINX 

Schreibweisen: Lincgisen 1139; Lingiez 1289; Lingies 14. Jh.; Linkies 1390; 
Lynckgieß 1412; Linggieß 1477; Linx 1595. (Verdorben aus Lingisheim = Heim 
des Lingo.) 

Archivalien : Auf dem Rathhaus ein Waldbrief ^) 

Litteratur: Schaible, a. a, O. 54. 
Ortsge»chicbt€ Oftsgeschickte '. Gehörte zur Herrschaft Hanau-Lichtenberg, wurde 1803 badisch. 

Pfarrkirche Evung, Pfarrkivcke. Patron vor der Reformation S. Vincenz. 

Die jetzige Kirche (s. Fig. 6) ist ein vielfach überarbeiteter Bau aus verschiedenen 
Zeiten in Bruchsteinmauerwerk mit Mörtelbewurf, Gesimse etc. aus rotheni Sandsteia 
Ein einschiffiges Langhaus mit quadratischem Chor, der das Untergeschoss des Thurmes 
ist, zu beiden Seiten desselben je eine Sakristei. Das gerade gedeckte Langhaus hat an 
jeder Seite drei einfache Spitzbogenfenster, ausserdem je ein Rundfenster und je eine 
spitzbogige l'hür in deren Sturz die Zahl 16 19 eingehauen ist. 

Ueber dem Portal der westlichen Frontseite das Hanau-Lichtenbergische Wappen 
(Fig. 7), eine fast genaue Wiederholung des Bodersweier' sehen, in gelbem Sandstein, auch 
die Inschrift in Capitale der Bodersweier' sehen gleich mit geringen Abweichungen und 
ohne Jahreszahl: »JOHANN REINHARDT GRAVE ZU HANAU UND ZWEI- 
BRÜCKEN HERR ZU LIECHTENBERG UND OCHSENSTEIN, ERBMAR- 
SCHALCK UND OBERVOGT ZU STRASSBURQ.« Das Langhaus hat einen 

^) Trenkle, a. a. O. 



AMT KEHL. - LINX. 



flachen Sockel und eine einfache VVasserschräge als Gesims. An seiner Ostwand zu 
beiden Seiten des Thurraes zwei Rundfenster mit flamboyanter Masswerkfüllung. 

Ein Rundbogen fllhrt in den ehemaligen, jetzt durch eine Bretterwand abgeschlossenen 
Chor, der jetzt gerade gedeckt ist. An der Nordwand dieses Raumes führt eine mit Rund- 
stab und Hohlkehle profilirte und im Vorhangbogen abgeschlossene Thür in die Sakristei. 
Neben dieser Thür eine kleine, durch einen Wimperg bekrönte Sakramentsnische 
mit ziemlich zerstörtem Gewände, ebenso zerstörtem Wappen und Jahreszahl . . 51. An 
der Südseite dieses Thurm- 
untergeschosses ein rund- V 

bogiges, einpfostiges Fenster 
mit spätem, rohem Mass- 
werk, im Osten ein flach- 
bogiges Fenster. Im Stock- 
werk darüber eine Scharte 
und ein kleines flachbogiges 
Fenster. 

Im folgenden Geschoss 
noch an drei Seiten sichtbar 
ein gekuppeltes, romanisches 
Rundbogenfenster mit einem 
teilenden Säulchen , das 
eine attische Basis und 
ein mächtig ausladendes 
Kämpferstück hat Das ent- 
sprechende Fenster an der 
Westseite ist noch erkenn- 
bar, aber zugemauert und 
durch das später höher ge- 
führte Dach verdeckt. Im 
Geschoss darüber rund- 
bogige Fenster des 18. Jhs. 

Die nördliche Sakristei 
mit Kreuzgratgewölbe weist 

eine gothische Nische für Waschungen auf und wird an ihrer Nordostecke durch einen 
Strebepfeiler gestützt Die südHche Sakristei ist viel späteren Datums. 

Die Baugeschichte lässt sich aus den Resten etwa so konstruiren : der Thurm ist Baugeschichte 
der letzte Rest eines romanischen Baues des 12. bezw. 13. Jhs.; im 15. und 17. Jh. 
erfolgte ein Umbau und eine Erhöhung des Langhauses; letzterer wohl die Spitzbogen- 
fenster angehörig und die Thüren mit der Jahreszahl 16 19, von welcher Bauzeit auch die 
Inschrifttafel zeugt. 

Im Langhaus ein Epitaph: »Epitaphium M. Leonhardis: Ermingeri pastoris 
ecclesiae lincensis pie defuncti : XLVI annorum : XIII Maij anno MDC conditur 
hie tumulo Leonharts Erminger honest • vir tonus ac justus tum pietate gravis • 
officio Christi viginti praefuit annos quod mediante deo presto cathedra dedit-« Dazu 




Fig. 6. Kirche in Linx. 



Sakristei 



Epitaph 








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/'/>/ 7, iVufipfft uher dem Portal der Kirche in Linx. 

> Durchs Wasser und den Geist 
Ihn ich ausz Gott gebohren 
Obgleich durchs Wasser auch 
Mein Leben hab verlohren 
Ist doch mein Geist bey Got 
Der Leib thut hier sanft schlafen 
lUsz dasz mein Jesus ruft: 
Komm Ilirte mit den Schaf en,^<> 



Ar. 5c Sir^^L:>i Jcr 



f '::.': rf j^iL^^rm Ttf 
Ghmbsh^im rfj Creitz- 
rack fyarrer.t, y /s r^ 
zcmbrr l'ii: JO yjtre 
alt: ^desz Amfts 10 
jahr. c Von Vohnen cnd 
Rankenirerk umrahmte 
Fatte; in einem Oval dn 
Tisch, darauf ein Heiz, aas 
dem drei Blinnen spriessen; 
dazu die oben angedeutete 
Inschrift und auf einem 
plastisch behandelten Tudi 
die Verse: 



AMT KEHL. - MEMPRECHTSHOFEN. ODELSHOFEN. RHEINBISCHOFSHEIM. 23 

2) Eine oblonge Platte mit breitem Rahmen unten in Nische Todtenkopf und 
Gebeine (vor kurzem weggemeisselt) : -»Hier ruhen die Gebeine des weiland wohl- 
ehrwürdigen Herrn Johann Stephan Müllers drey jähr und ein viertel allhier 
gewesenen treuen Predigers des Evangelii christi welcher gestorben MDCCXXX. 

3) Schmuckloser Grabstein der Carolina Wilhelmina Nesslerin f 1788 mit Vers: 

Kind du starbst zu unsem Schmerzen, 

Du starbst für uns zu früh 

• Jedoch in deiner Eltern Hertzen 

Da stirbst du nie, 

1788, 

MEMPRECHTSHOFEN 

Schreibweisen: Meinbrehteshöwen 1390; MeinbrechtshofFen 141 2; Meynbrechtz- 
hoffen 1462; Membrechhofen 1521; Meimberthhoffen 152 1. (Höfen des Meinbrecht.) 

Archivalien: Mitteil. d. histor. Komm. Nr. 16 (1894), S. 137. 

Litteratur: K. Bissinger, Münzfund von Memprechtshofen. Gymn, Progr. 
Donaueschingen 1894, S. 5. 

Ortsgeschichte: Memprechtshofen gehörte bis 1 803 zur Grafschaft Hanau-Lichten- Ortigcschichtc 
berg, Amt Lichtenau. — Kirchlich war es bis 1790 Filiale von Freistett. 

T>\e Protest, Kirche dementsprechend ein Riegelbau von 1794, theil weise renovirt Kirche 
18 16; von grösster Einfachheit. Empire-Orgel, Empire-Orgei 

Am Ausgang des Ortes das alte Entenfänger haus, wo der von der Herrschaft Entcnfimgerhaus 
Hanau-Lichtenberg bestellte Entenfönger wohnte. Zweistöckiger Bau des 18. Jhs. mit 
Mansardendach. 

ODELSHOFEN 

Schreibweisen: Otoltzhoven 1333; Oteltzhofen 1341; OttolßhofFen 141 2; Ottelß- 
hoffen 1480. (Höfen des Otolt oder Otolf.) 

Ortsgeschichte: 1354 wurde von Markgraf Rudolf dem Wecker der Edelknecht OrtsgcscWchtc 
Johann der Göler mit Odelshofen belehnt, 1429 von Bernhard L der Edelknecht Reinh. 
von Neipperg; 1429 von den Strassburgern abgebrannt Der Ort gehörte bis 1803 zur 
Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Willstett. 

Am Haus Nr. 51 hübscher Ziehbrunnen von 1783. Ziehbrunnen 



RHEINBISCHOFSHEIM 

Schreibweisen: Bischovescheim 1274; Bischovisheim 1304; Bischofesheim prope 
Rbenum 1330 u. s. w. Bischffosheim zum Hohensteg 1574. (Heim eines Bischofs.) 

Archivalien: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 16 (1894), S. 138 und Rosenberg, 
Badische Sammlung V (1899), S. 30. 

Litteratur: Kurze Beschreibung eines Theils des Oberamts Bischofsheim, Magazin 
för Baden 1803, I, 349—384. 



24 



KREIS OFKENBURG. 



Ortsgescbichte 



Vorgeschicht- 
liches 



Pfarrkirche 



Glocken 



Ortsgeschichte: Erste urkundliche Erwähnung um iioo als Biscofesheim (?),*) 
heisst später gewöhnlich Bischofsheim an hohen Steg; war 1218 schon eigene Pfarrei; 
1429 von den Strassburgern in Asche gelegt. Gehörte zur Herrschaft Lichtenberg 
und zum Amt Lichtenau. Im 17. und zu Anfang des 18. Jhs. residirten verschiedene 
Grafen von Hanau daselbst, die auch eine Münze und Kanzley hier hatten. Johann 
Reinhard, der letzte Graf von Hanau, ward hier geboren. ^ Ein Theil des Hauses, wo 
er zur Welt kam, stand zu Kolbs Zeiten noch als Wohnung eines Hufschmiedes, lieber 
das von diesem Grafen Anfang des 18. Jhs. zu bauen angefangene, aber nicht«vollendete 
Schloss s. u. — Ging 1803 aus dem Besitz der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, denen 
die Herrschaft seit 1736 gehörte, an Baden über. Das Patronatsrecht und den Zehnten 
besass das Domkapitel in Strassburg. 

Vorgeschichtliches. An der Strasse nach Wagshurst fand man 1854 
im abgestochenen Mattengrund ein Bronzebeil älterer Form mit Absatz, 
1 8 cm lang (Bronzezeit). In der Grossh. Sammlung Karlsruhe (s. Fig. 8). (W.) 
Protest. Pfarrkirche, Die ehemaligen Patrone sancti ecclesic 
parochialis in Bischovissheim Argentinensis diocesis, videlicet sanctus 
Johannes baptista et beatus AdelfFus episcopus 1484. 1574 nur noch 
sanct Johans baptista? 1564 verstarb der letzte (verehelichte) katholische 
Pfarrer.») 

Die jetzige Kirche ist ein Neubau von 1873 bis 1876. Eine Photo- 
graphie im Pfarrhaus von Diersheim zeigt die alte Kirche, welche den 
üblichen, wohl noch romanischen, viereckigen TTiurm mit Lichtlucken hatte 
und ein teil weiser Neubau des 17. Jhs. nach dem Brande von 1642 war. 
Der Wiederaufbau des Chors und Thurmes fiel dem Strassburger Domkapitel, 
der des Langhauses der Kirchenfabrik zur Last*) 

Aus der alten Kirche sind noch zwei Glocken vorhanden. Die eine 
von 1633 zeigt oben die zweireihige Inschrift in Capitale: //IHS SANCTA 
ORA PRO NOBIS JEAN RODER ESCUIER SEIGNEUR DE 
JUBAINVILLE LIEUTENANT GENERAL AU BAILLIAGE DE I6>3 \ 
LEVESCHE DE TOUL PARAIN (sie!) & DAME MARIE OLIVIER FEMME 
A MONSIEUR DEBOULET LIEUTENANT AU GOUVERNEMENT DE 
TOUL MARAINE. // Darunter aufgelöthetes Relief Maria mit dem Kind, sehr plump, 
sowie der Gekreuzigte von Engeln gehalten. Am untern Rand der Glocke steht: 
// TOBIE DE LA PAIX MA FAICT EN LAN 16;; // in aufgesetzten Buch- 
Stäben und eine Klreuzigung. 

Eine zweite Glocke von 1669 hat oben die Inschrift in Capitale: // DIE HOCH- 
GRAFFLICHE HANAUISCHE VORMUNDTSCHAFFT HATT DIESE 
KLOCK IN DIE KIRCHE / BISCHOFFSHEIM GIESSEN LASSEN IM 
JAHR 1669 / AUS DEM FEUER FLOSS ICH PETER SPECK IN STRAS- 
BURG GOSS MICH. // In der Mitte der Glocke eine Kreuzigung und das Hanauer 
Wappen. 




Fig^ 8. 

Bronzebeil 
aus Rhein- 
bischof shiim. 

MARIA 



^) Das Grossh. Baden, p. 927. 

2) Kolb, I, p. 117. 

8) Schaible, a. a. O. 55. 

*) Vicrordt, II, 236 und 272. 



AMT KEHL. — SAND. 25 

An der Strasse nach Freistett grösseres Haus mit zwei vorspringenden Flügeln, 
ein schmuckloser Bau des 1 8. Jhs. (Das oben erwähnte Schloss gänzlich abgerissen in 
den 40er Jahren des 19. Jhs.) 

Schmiedeeiserner Wirthshausschild »zum Adler«, 18. Jh. wirthshausschiw 

(Die katholische Kapelle, ein einfacher Bau der letzten Jahrzehnte enthält nichts.) 
In den Grossh. Sammlungen f. A. u. V. zu Karlsruhe wird unter C 1628 der 
Deckel eines Rauchfasses von Bronze aus Rheinbischofsheim aufbewahrt. 

1675 waren Abendmahlskelch und Patene auf einer Rheininsel, wohin der Pfarrer 
sie geflüchtet, von den Franzosen erbeutet worden ; Ende des Jahrhunderts hatte man 
sogar versucht, die Kirchenfenster nach Strassburg zu retten, sie aber bloss bis Diersheim 
gebracht. ') 

SAND 

Schreibweisen: Sande 1254; Sand 1309; Sant 1353; Sanden 141 2; Sannde 1480; 
Alt- und Neusand: de Sande antiquo 131 1; vom alten Sande 1497; in Altensannd 
1526; zfi nidem Sant 1372; in banno et villa Sande in superiori 1294. 

Ortsgeschichte : Kloster Allerheiligen erhält 1 2 54 hier Güter. Der Ort gehörte Ortsgeachichte 
zur Grafschaft Hanau-IJchtenberg und wurde 1803 badisch. 

Evang, Pfarrkirche, Sand war zu Ende des 13. Jhs. bereits Pfarrei. Erwähnt Pfarrkirche 
eine capella sancti Bartholomei 131 1, S. Petri 1383. Capelle S. Peter und Paul (1454).'-*) 
Das Patronatsrecht besass das Kloster Allerheiligen, dem es 1280 Friedrich I. von 
Lichtenberg Bischof von Strassburg tibertragen hatte. Da aber Sand evangelisch wurde 
(1560) und blieb, so trat Allerheiligen dieses Recht zu Anfang des 18. Jhs. an den 
Landesherm ab. 

Die Kirche ist ein Bau aus einfachem Bruchsteinmauerwerk mit Quadern an den 
Ecken, im Langhaus mit später eingesetzten Rundbogenfenstem. Offenbar ein Bau des 
Jahrhunderts, der im 18. Jh. umgeändert imd erhöht wurde. Die Westfront zeigt in dem 
verputzten Bruchsteinmauerwerk eine spitzbogige Thür aus rothem Sandstein, das Gewände 
mit Hohlkehle und sich schneidenden Rundstäben auf den üblichen, hohen, kleinen 

Basen der Späthgothik. Im Sturz das Steinmetzzeichen: /t . Den Sockel der Kirche 

bildet überall eine Hohlkehle; unterm Dach zieht sich eine Wasserschräge her, an der 

die Zeichen: Y und T zu bemerken. An der Fagade über der Thür zieht sich 

diese Wasserschräge in die Höhe zur Umrahmung einer rechtwinkligen Tafel mit der 
Inschrift (s. Fig. 9) 3): 

Gedenken soll ain jeder crist 

dass urtal gote/s zu der frist 

anno • dJii • 1^06 • jar • 

^) Vierordt, IT, 275 und 321. 
^ Grandidier, Etat Eccl^s. S. 34. 

*) Vcrgl. Mone, Die bild. Künste im Grossh. Baden XIV. S. 59, der die Inschrift nicht ganz 
richtig wieder giebt 



26 



KREIS OFFENBURC. 



Chor 



Sakristei 



(mit dem Steinmetzzeichen dazwischen). Dieses Zeichen und das M des Tausenders 
sind etwas verdächtig; möglich, dass der Stein beschädigt und diese Stelle nachgearbeitet 
wurde. 

Das Langhaus ist einschiffig. Der viereckige Chor^ das unterste Geschoss des 
Thurmes mit Stemrippengewölbe — die Rippen von trockenster Profilining — zeigt 

östlich und südlich einfache 
Spitzbogenfenster. Nördlich 
führt eine Thür, deren Ge- 
wände durch Hohlkehle und 
einen Rundstab auf kleinen, 
gewundenen Basen gegliedert 
ist, in die Sakristei, Diese 
hat zwei Kreuzgratgewölbe 
und öffnet sich in vier- 
eckigem Fenster nach Osten. 
Im Aeusseren hat sie an der 
Nordseite drei kurze, zw^- 
mal abgetreppte Strebepfeiler. In das zweite Geschoss des Thurmes führt vom Dach- 
boden des Langhauses aus eine spitzbogige Thllr mit total zerstörtem Gewände. An 

HF A 

der Wandung später eingehauen: j^^^ • In der Scheitelhöhe des Spitzbogens an der 

Thurmwand die Reste einer Wasserschräge, offenbar war hier der Thurm ehemals frei 
und das Langhaus nicht höher. In dem zweiten Thurmgeschoss zwei schiessscharten- 
artige Oeffiiungen. Glocken neuesten Datums. 

In der Nähe von Sand befand sich ehemals das ausgegangene vom 12. — 16. Jk 
in Urkunden vorkommende DorfEicha oder Eicher, von dem keine Reste vorhanden. 




Fig. g. Inschrift an der Pfarrkirche in Sand. 



WILLSTETT 



Schreibweisen: Gwillisteti 723; Wilestetin 1254; Willestetten 1254; Willstete 1284; 
Willestete 1287; Willesteten 1309; Wilstetten 1289; Wilstette 1318; Willestette 14. Jh.; 
bürg und stat 1362 ; biu-g und dorf 1409. (Zu einem Personennamen Willo oder ähnlich.) 

Litteratur: H — r, Allgemeine Bemerkungen über die badischen Entschädigungs- 
ämter Willstett und Lichtenau. Mittheil, von und für Baden 1802, zweites Stück; Bd. H 
S. 100 — 121 ; Nachtrag S. 206. 
Ansichten Anstchtett: Merian, Topogr. Alsatiae, Frankfurt 1643, S. 43. (Unsere Fig^. 10). 

Ortagcschichtc Ortsgesckiclite '. Angeblich soll ein edler Franke, Williharius, der Erbauer Willstetts 

sein. Schon früh muss der Ort befestigt bezw. durch eine Tiefburganlage geschützt 
worden sein. Zu Ende des 12. oder Anfang des 13. Jhs. muss sie in den Besitz der 
Lichtenberg gekommen sein. Im J. 1262 in den Kämpfen zwischen Bischof Walter und 
der Stadt Strassburg wurde Willstett als eine wohlbefestigte Stadt von den Strassburgera 
erobert und zerstört. Dasselbe Schicksal erfuhr Schloss und Stadt im Kriege zwischen 
dem Markgraf Rudolf von Baden und der Stadt Strassburg. 1632 von den Schweden 
besetzt, belagerten es die Kaiserlichen und verbrannten es, endlich wurde es 1677 von 
den Franzosen gründlich vernichtet. Es war eines der Aemter der Herrschaft Hanau- 



AMT KEHL. 



WILLSTETT. 



27 



Lichtenberg; 1803 wurde es badisch. — Willstett hat einen sehr berühmten Sohn in 
Joh. Mich. Moscherosch (Philander von Sittewald), der 1601 als Sohn des Amtmanns 
hier geboren wurde. 

Evang, Pfarrkirche. 1357 S. Georg als Patron erwähnt Heute ein einfacher 
schmucker Bau des 18. Jhs. aus Bruchstein mit Mörtelverputz. Die architektonischen 
Schmucktheile aus rothem Sandstein. Der Westfront ist der viereckige Thurm vorgelegt, 



Pfarrkirche 



Thurm 




Fig. 10. Willstett im Jahre 164s nach Merian. 

dessen zwei unterste Geschosse an den Ecken von Pilastem mit Rocaillekompositkapitälen 
verziert sind. Im untersten Geschoss öfftiet sich die mit flachrunder Gesimslinie abge- 
deckte Thür in die Kirche, an deren Sturz das Wappen des Landgrafen Ludwig von 
Hessen, darüber von grossen Voluten gestützt ein flachbogiger Giebel. Die so umschlossene 
Inschrifttafel mit der Inschrift in Cursiv : 

Deo 

TRJUNJ 

Saluti populi 

poni jussit 

LUDOWICUS 

Piinceps Hereditarius 

Hassiae Landgravius 

MDCCLVI 



Thür 



28 



KREIS OFFENBURG. 



Darunter je zwei Bibelsprüche: -»Es freue sich das Hertz derer die den Herrn 
suchen^, Ps. CV., 3 und ^die Gott sticken, denen wird das Herz leben^, Ps. L. XIX. 33. 

Der Thurm wird in seinem zweiten Stockwerk von mächtigen Voluten flankirt, 
über denselben geht er in das Achteck über, ist an den Ecken mit Lisenen versehen 
und trägt ein Zwiebeldach. 
Barockkaozei Das im Aeussem ganz schmucklose Langhaus der einschiffigen Kirche mit runder 

Nordostapsis hat im Innern an dieser Apsis eine reiche Barockkanzel in höchst geist- 
reicher Verbindung mit dem Altar, aus italienischem Stucco mit Imitation der ver- 
schiedensten Marmorarten (s. Fig. 11). Auf dem Gebälk der Kanzel die lursprünglich 
Kreuzigtings- nicht dazu gehörige Kreuzigtingsgnippe {^\ lebensgrosse Figuren) in weissem Stuck, 
dahinter eine Cartouche mit den Evangelistensymbolen. Auf den schmucklosen Emporen 
Or^ci eine Orgel mit einfachem, vergoldetem Rocailleschnitzwerk. 

Von den Glocken, soweit beizukommen, eine aus dem 16. Jh. mit ganz ver- 
wischter zweizeiliger Inschrift, eine mit Kreuzigungsbild, eine dritte von Matthaeus 
Edel 1770, auch die vierte von den Edels; näher konnte ich nicht heran. 
Zunftkannen Im Gasthaus »zum Adlcr« aufbewahrt, dem Gewerbeverein gehörig, zwei prächtige 

Zunftkannen, Eine von 1720 der ehrsamen Gesellschaft der Zimmerleut und Maurer 
Bischen zum Hohensteg (Rheinbischofsheims) mit dem Namen des Johann Michael Schiele 
der Zeit Zunflflmeister. Im Schild auf dem Deckel die Zunfftzeichen. 

Die zweite von 1763, ebenfalls als Griff des Deckels das Wappen mit Werkzeugen, 
gestiftet »den 10. Julius 1763« mit den Namen des Johann Gerhard Jenser, Oberherr; 
Jacob Riebel, Ziuifftmeister ; Jeremias Burg, aeltester Geschwohrner \ Jacob Hörnel, Jüngster 
Geschwohmer; Johannes Wüst; Johann Jacob Stöltzel; Georg Krieg-, Friedrich Stöltzeh 
Johann Georg Leicht, Adler-Wirth als Herbergs- Vatter ; die weitere Aufechrift in einem 
Lorbeerkranz: Meisterkann einer ehrsamen Schneiderzunft ampts Willstett. Ausserdem 
noch zwei einfache Zinnkelche und etliche Zunftschilder. 
Häuser Die Häuser Nr, IJ2, /j<P, ijg, 775 und noch verschiedene andere sind hübsche 

Riegelhäuser. Ueberhaupt ist diese Bauart erfreulicher Weise in W. noch reichlich 
vertreten. 

ZIEROLSHOFEN 

Schreibweisen: Cieringeshoven 14. Jh.; Zieringeshoven 1 390 ; Zieringeshofen 1412; 
Zierershoven 1443 (Hof des Zierinc). 

Ortsgeschichte Ortsgescfuckte l Zicrolshofcn gehörte zur Herrschaft Hanau -Lichtenberg, Amt 

Lichtenau, und wurde 1803 badisch. Ehemals stand eine Kapelle hier, die 1731 abge- 
brochen wurde, aus ihren Steinen erbaute man die Kirche in Diersheim (s. dort). 

wirthshausschiid Schmiedeeiserner Wirthshausschild am Gasthaus »zum Ochsen«. 





Fig. II. A'anzei und Altar in der Kirche in W'illstett. 



Band Vll. Zu Seite 28. 



AMT LAHR 



ALLMANSWEIER 

Schreibweisen: Almensweiler 1016; Albeswilre 11 35, Kop. 1351, wohl irrthüm- 
liche Lesart der Kopie; Almerswilre 1356; Almeschwiller 14 14; Almersweyler 1426; 
Almeschwir 1453 u. s. f. (Weiler des Almar, Adelmar.) 

Ortsgeschichte: A, gehörte in die Herrschaft Geroldseck, kam 1 340 durch Heirath Orugcchichte 
an die Grafen von Werdenberg-Trochtelfingen, 1381 durch Kauf an Strassburger Bürger, 
1403 an Ritter Reinbold HüfTelin und 1501 an die Stadt Strassburg. Seit 1663 gehörte 
^/4 der Familie von Frankenstein, 7* der von Berkheim, \ der von Böklin und \ der 
von Waldner. A. wurde 1806 badisch. 

Evang, Pfarrkirche, Ecclesia de Ottenheim . . . habet filiam seu capellam Pfarrkirche 
sitam in villa dicta Almeswilre 1296. Magister Johann Lentonis dictus ad Angelum, 
quondam Rector in Otenheim hat zur Errichtung der Kaplaney 30 Mark Silber gestiftet.^) 
1419 hören wir von einem »Sant Niclaus Altar«. Wilhelm Bischof von Strassburg 
errichtete 1509 die selbständige Pfarrei, die unter der Abtei Schuttem stand. 

Der jetzige Bau zeigt ein einschiffiges Langhaus mit vorgelegtem, in seinem Kern 
vielleicht älteren, Thurm; es wurde 1781 bis 1783 gebaut. Im Erdgeschoss des Turmes 
öffaet sich das flachbogige Portal, von kräftigen Voluten bekrönt, die eine Vase tragen; 
im Giebelfeld das Wappen der Böcklin. Die Stockwerke durch je zwei verkröpfte 
Gesimse von einander geschieden, das zweite mit Rundbogenfenstem, das dritte geht 
unvermittelt ins Achteck über mit Lisenen an den abgerundeten Ecken, darüber eine 
sehr wirkungsvolle Doppelzwiebel, mit Schiefer gedeckt. Das Langhaus, mit Achteck- 
schluss, abgerundeten Ecken, Fenstern mit sehr flachem, einfachem Bogen, hat das 
gleiche doppelte und verkröpfte Gesims wie der Thurm. In der Thurmhalle die Inschrift: 
Hoc templum exstnictum est anno MDCCLXXXEII cura et opere Dmn. G. Schoell et 
J. Held u. s. w. 2) 

Sehr wirkungsvolle Barockkanzel aus Stuckmarmor mit den vier Holzreliefs der Kanrei 

Evangelisten von Ignaz Speckler in Oflfenburg 1783^); ähnlich behandelter Altar und AUar 

Orgel von Blasius Schaxel in Herbolzheim 1783 mit feiner Rocailleschnitzerei. Orgci 

Einfacher, silbervergoldeter Kelch mit Palmettenomament vom Anfange des 1 9. Jhs. Kelch 

Eine Glocke von Matthaeus Edel in Strassburg 1789. 

Auf der Bühne aus der ehemaligen Ursulakapelle (s. u.): der Torso eines Cruci- Hohfipircn 
fixus. wohl aus der zweiten Hälfte des 1 6. Jhs. ; eine Schmerzensmutter mit dem Heiland, 
bessere Arbeit des 17. Jhs., und endlich der Torso einer jungfräulichen Heiligen, wohl 
noch vom Anfange des 1 6. Jhs. 

Diese eingegangene Ursulakapelle (S. Ursula Kirchlin zue Höfen 1628) gehörte zu 
»des gotzhus Gengenbach gtilthof genant zu den Höften (1529)«, im 18. Jh. wohnte ein 
Einsiedler neben ihr ; der letzte verbrannte 1 8 1 9 mit seinem Haus, worauf die Kapelle 
aiif Abbruch verkauft wurde. 

^) Stock er a. a. O. S. 150. 

^ Die ganze Inschrift s. S t o c k e r a. a. O. Seite 1 50. 

') Aus den Pfarrakten, wie auch das Folgende. 



32 



KREIS OFFENBURO. 



DINGLINGEN 



Ortsgeschichte 



Romisches 



Alemannisches 



Pfarrkirche 



Kruzifix 



Glocken 



Schreibweisen: In comitatu Mortenuuva in villa Tuntelinga 961; Dundelingen 
II 54; Duldelingen 1289; Tundlingen 1341; Tunglingen 1387. (Bei den Angehörigen 
des Tuntilo.) 

Ortsgeschichte: Nach alter Ueberlieferung sollen auf dem »Mauerfeld« gefundene 
Reste von der ehemals hier gestandenen »römischen« Stadt Lahr gezeugt haben (s. u.). 
Erste urkundliche Erwähnung Dinglingens Ende des 10. Jhs. (s. o.). In früher Zeit war 
das Bisthum Chur hier begütert ; seine Besitzungen kamen durch Tausch an das Kloster 
Schwarzach. Patronat und Zehnt kam 1355 ^" ^^ Domstift zu Strassburg. Der Ort 
gehörte zu altem geroldseckischem Besitz und ging mit demselben in Nassau-Usingen'schen 
über. Auf der Schutterbrücke bei D. fand 24. März 1642 die Auswechslung Gustat 
Hom's gegen Johann von Werth statt, 1677 wurde D. von den Franzosen abgebrannt, 
nachher wieder aufgebaut und wurde 1803 badisch. 

Römisches: Das »Mauer feld«, südlich der Schutterbrücke, deckt eine grössere 
römische Niederlassung, die sich auf den dortigen Aeckem durch Scherben von 
römischen Thongefassen, auch solchen von roter terra sigillata, Ziegelstücke und Mauer- 
trümmer in verschiedener Tiefe unter dem Boden kennzeichnet. Die Karlsruher Samm- 
lung besitzt einen 1820 beim Bau der steinernen Schutterbrücke in über 5 ni Tiefe mit 
Münzen von Augustus bis Hadrian zusammen gefundenen römischen Gefässgriff 
von Bronze in barocker Zusammensetzung verschiedener Thierfiguren. 

Alemannisches: In einem Hausgärtchen fand man 1825 eine alemannische Grab- 
stätte, in derselben ein kurzes Eisenschwert, Eisenspeer und Streitaxt, ein Glas ui«i 
einige Münzen. Die Funde sind, wie es scheint, in die städtische Sammlung in Freiburg 
i. Br. gelangt. Wahrscheinlich ist das Grab nicht vereinzelt, sondern dürfte einem 
alemannischen Friedhof angehören. (W,) 

Evang. Pfarrkirche, Envähnt »dominus Albertus viceplebanus in Tundelingen 
1291«; ecclesia parrochialis in Dindelingen 1349. 1357 inkorporirt der Bischof Johann 
von Strassburg die Einkünfte der Pfarrei der Dompräsenz in Strassburg und beschliesst, 
die Pfarrkirche in Dinglingen nicht mehr durch einen Rector, sondern durch einen 
ständigen Vikar zu besetzen.^) 1419 Niclaus Müge, liUpriester zu Dündlingen. D. trat, 
wie die ganze Gegend, in der Mitte des 16. Jhs. dem Protestantismus bei (1553) und 
blieb dabei, da es bei der Theilung 1629 zu der Hälfte gehörte, die dem Grafen von 
Nassau-Saarwerden zufiel. 

Die jetzige Kirche, an Stelle einer älteren 1781 bis 1787 errichtet, ist ein schlichter, 
aber schmucker Barockbau aus Bruchsteinen mit Sandsteinquadern an den Ecken, Sand- 
stein-Gewänden und -Gesimsen. Sehr gefallig der in Abbildung Fig. 12 wiedergegebene 
Thurm, dessen Anschluss an das Langhaus durch Voluten vermittelt wird. Im Innern 
ist die Kirche 1898 gänzlich restaurirt worden. 

Knizißx, versilberter, gegossener Corpus Christi auf schwarzem Holzkreuz, vom 
Ende des 18. Jhs, 

Glocken: die mittlere mit der Aufschrift: Als Johann Georg Müller Pfarrer'] 
Johann Wickert Johann Bruder beide Schultlieifsen \ Georg Genshirt Jacob 



^) Stock er a. a. O. Seite 153. 



AMT LAHR. — DINGLINGEN. 



33 








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Baod VII 



34 



KREIS OFFENBURG. 



Holderer beide Heimburger zu Dinglingen \ und Mietersheim waren, \ Matkaeus 
Edel zu Strasburg gas mich Anno 1798, Die kleinere: Mathaeus Edel u. s. w. 1774. 
Grabsteine An der Aussenseite der Kirche drei Grabsteine früherer Pfarrer eingemauert: 

1. des Jacob Friedrich Maler, 37 Jahr, * zu Emmendingen 27. Juni 1652, 1675 
Prediger in Hugsweier, 1676 Mütersheim, 1682 Dinglingen, -J- 26. Mai 17 18. 
Ovales Medaillon von Kranz umgeben; Sandstein; 

2. des Johann Friedrich Deußner, Pfarrers allhier, gest Ostertag 1759 u. s. w. 
Rechteckige Sandsteinplatte, ovales Feld mit Inschrift, darüber Wappen ; Engels- 
köpfe und Rocaillewerk ; , 

3. des Johann Georg Müller, Pfarrer zu Dinglingen (aus Lahr geb.), * 8. Febniar 
1734, studirte zu Jena, 1757 Pastor. Vikar zu Lahr, 12. Juni 1759 verheirathet 
mit Friderike Sophie Henmngs aus Karlsruhe, 1768 Pfarrer dahier, starb 
12. Februar aetat. 38. 7 Tag. Die langathmige Inschrift auf steinernem Vor- 
hang, darüber gebrochener Volutengiebel, Vasen, Wappen in Rocaille-Cartouche: 
oben: 1772. 

Ziehbrunnen Beim Haus Nr. 167 Ziehbrunnen von 1760. 



DUNDENHEIM 

Schreibweisen: Dundenheim 1289; U)undenheym 1302; Thundenheim i4M- 
Tundenheym 1428. (Heim des Dundo.) 

Archivalien der Gemeinde und im Privatbesitz: Mitth. der bist. Komm. Nr. 15 
(1893) S. 99. 
ortageschichte Ortsgesckichte '. D. gehörte ehemals zur Herrschaft Mahlberg, also zu dem Theü 

der Herrschaft Lahr-Mahlberg, der 1629 Baden-Baden zugesprochen >\iirde. 
Kath. Kirche Die ktttk, Kircke (ad. S. Joannem Baptistam) ist ein Bau von 1822 bis 1823; sie 

enthält eine kleine Madonnenholzstatue, die noch dem 16. Jh. entstammen dürfte. 
Evang. Kirche Die evung, Kircke, erbaut 1790 zu Ehren des dreieinigen Gottes, ist ein schlichter, 

nur mit Lisenen gegliederter Bau, das schmucklose Innere mit unregelmässiger Emporen- 
Giocke anläge. Eine Glocke von 1791. 
Crucifixus An der Dorfstrasse ein Rocaille- Crucifixus mit -/.j lebensgrossem Corpus Christi. 



FRIESENHEIM 

Schreibweisen: Frisenhaim (?); Friesenheim 1016; Fresenheim 1259; Frysenheim 
1386 u. s. w. 

Archivalien: Mittheil, der histor. Kommission Nr. 15 (1893) S. 99; Nr. 16 (1894/ 
S. 71 — 74. — Ruppert, Mortenau I 272 — 284. 
Ortsgeschichte Ortsgcschichte '. Die erste Nachricht im Schenkungsbrief K. Heinrichs 11., der 

dem Kloster Schuttem 1016 »unum mansum in Fresenheim in comitatu Bertholdi in 
pago Mortinoua« vergabte. Das Kloster besass auch das Patronatsrecht Seine Besitzungen 
wurden 1279 durch die Schenkung des letzten Tiersbergers ansehnlich vermehrt u. s.*- 
Der Ort gehörte in die Herrschaft Hohengeroldseck, an die er aber wohl erst nach dem 



AMT LAHR. — FRIF.SENHEIM. 



35 



Vorfi^eschicht- 
liches 



Thurm 



Erlöschen der Tiersberger gefallen ist^) Daraus ist es wohl zu erklären, dass der Ort 
den beiden Linien Hohengeroldseck und Lahr-Mahlberg gemeinschaftlich zustand. 1503 
kam Fr. an den Markgrafen Christoph von Baden »zu ewigem Kauf und zu rechtem, 
stetem Eigenthum«. 1529 machten sich hier Wiedertäufer bemerkbar. Am 8. August 
1638 wurde F. von den Schweden niedergebrannt. — Die Klöster S. Ulrich im Breisgau, 
Ettenheimmünster, S. Arbogast zu Strassburg, Gengenbach, ausserdem verschiedene 
Geschlechter des Elsasses und der Ortenau hatten hier Besitzungen. 

VorgeschicJUliches: Die städt. Sammlung in Freiburg i. Br. bewahrt von dort 
einen Halsring von Bronze mit aufgedrückten Schildchen und 3 Schtisselchen zu 
eingelegten Glasflüssen, femer Fragmente eines hohlen und eines derben Armrings 
von Bronze (La Tene-Periode), gef. 1828. (W,) 

Sifnultankirche (ad S. Laurentium). Fr. cum ecclesia 1 1 36. Fridericus rector Simultankirche 
ecclesie in F., schon 1272 erwähnt. 1290 inkorporirte Bischof Konrad zu Strassburg 
die Pfarrei dem Kloster Schuttem und erlaubte demselben, wenn der derzeitige Pfarr- 
rector sterbe, seine Stelle künftig nur niit einem Vikar zu besetzen. 1320 erfahren wir 
von der Weihe eines Altars des h. Stephan, Der lliurm der Pfarrkirche wurde 1496 
von der Gemeinde erbaut.^) Mit der Reformation der Herrschaft Mahlberg wird auch 
hier die neue Lehre eingeführt; erst 1628 sandte Schuttem wieder einen katholischen 
Pfarrer. 

Der jetzige Bau zeigt ein Barocklanghaus und den älteren Thurm (s. o.), der aus 

Bruchsteinmauerwerk errichtet ist mit Bossenquadem an den Ecken der beiden unteren, 

mit glatten Quadern an denen der oberen Stockwerke. Im untern sind im 1 8. Jh. grosse 

Rundbogenfenster eingebrochen worden, das zweite Stockwerk hat Lichtluken, das dritte 

nichts, im vierten noch die spitzbogigen gothischen Fenster mit flamboyantem Masswerk, 

der jeweils eine Pfosten überall weggebrochen. Unter dem Dach des jetzigen Langhauses 

sieht man am Thurm noch die Ansatzspuren des früheren. Im Erdgeschoss des ITiurmes 

Kreuzgewölbe mit trocken profiiirten Rippen auf gefalteten Konsolen, ein gedrückter, 

einmal abgetreppter Spitzbogen fuhrt in das Langhaus. Dieses, im Aeussern schmucklos, 

hat im Innern ein flaches Spiegelgewölbe mit einschneidenden Kappen auf einfachen 

Wandpilastem. Deckengemälde mit der Auferstehung Christi. Unter der Empore ein 

solches mit der Austreibung der Wechsler; hier die Bezeichnung »J. G. Nussbaumer pin.« 

An dem Südportal der Kirche, das die beliebte Scheintjuadenrng aufweist, die 

Jahreszahl 1768. 

l^TkxoQ^K.' Hochaltar mit einbezogenen Sakristeithüren. In der kath. Sakristei Kirchen- 
geräthe: Wein- und Wasserkännchen mit Tablette, Silber getrieben, feine Rocaillearheit Kirchcngcräthe 

T O 

mit dem Augsburger Beschauzeichen, darunter C und „ ; Monstranz in der Sonnen- 

F T 
form, Silber, vergoldet, getrieben, Augsburger Zeichen und , ? (Rosenberg Nr. 358?); 

ein Kelch aus Kupfer vergoldet und getrieben, mit Bandomamenten vom Anfange des 
18. Jhs.; ein w^eiterer, Silber vergoldet und getrieben, mit Rocailleornamenten, gute 
Augsburger Arbeit, Meisterzeichen I • C • B • ; in Silber getriebenes Rauchfass, Mitte des 
18. Jhs. und einfachere Barockholzleuchter. Ausserdem eine nicht schlecht gearbeitete 
Holzstaitie der Immaculata, etwa vom Ende des 18. Jhs. Hoizstatuc 

*) Huppert a. a. O. Seite 274. 



Langhaus 



Hochaltar 



36 



KREIS OFFENBÜRG. 



Epitaph 



Glocke 



Am Aeussem der Kirche eingemauert Epitaphium in guten Renaissanceformen: 
das Allianzwappen unter einem Bogen, welcher von Säulen flankirt wird, die das Gebälk 
tragen und von Rollwerk umgeben sind. Unter dem Wappen die Inschrift (s. Abbild. 
Fig. 1 3), wonach der edlen, tugendreichen Frawen Justina von Giffen Wittibin gebomen 
Elhefin von Schelnpach ihr Sohn Johann dies Gedächtniss hat machen lassen. Datum : 
4. Februar 161 2. Eine Glocke von 17 15. 



E^^^ 




Pfarrhaus 



Crucifixxu 



^^S' 'S' Epitaph an der Kirche in Friesenheim. 

Pfarrhaus, Am Portal des Gartens auf einem ausgehauenen Band die Inschrift: 
Archipresbyter Jacohis Heid IJ22 Conradus Rieh Abbas in Schuttem iy22. 
Das Pfarrhaus ein guter, einfacher Bau des 18. Jhs. ; über dem Eingang in reicher 
Rocaille-Cartouche das Wappen des damaligen Abtes von Schuttem, umgeben von den 

C A 
Buchstaben : Z • S • 
175? 
Auf dem Platz vor der Kirche Crucifixus mit Maria und Johannes; Sandstein: 
Barockarbeit. 



AMT LAHR. — HUGSWEIKR. 



37 



Im Ort eine stattliche Anzahl alter Riegelhäuser, Gerade die Hauptstrasse am Riegeihauser 
Bach hat noch mit geringen Ausnahmen ihren alten, malerischen Charakter bewahrt, 
der ihr hoffentlich erhalten bleibt 



Gutes schmiedeeisernes Wirths- 
Aausschild am Gasthaus »zum 
Ochsen«, ein weiteres am »Adler«. 

Am Haus Nr. 2 interessanter, 
steinerner Kellerladen (s. Fig. 14). 




Wirthshaus- 
Schild 



Figr, 7^. 



Steinerner Kellerladen am Haus Nr. a 
in Friesenheim. 



HUGSWEIER 

Schreibweisen: Hugeswillare ca. 
1007; Hugeswilre 1341; Hugeswilr 
1350; Hügswier 1470; Hugschwiler 
1536. 

Archivalien: der Gemeinde und Pfarrei Mittheil, der histor. Komm. Nr. 15 (1893), 
S. 99. (Weiler des Huc.) 

Ortsgeschichte: Nach einer sehr alten Notiz schenkte Bischof Richwin von Strass- Ortsgeschichte 
bürg (916 bis 932) dem Kloster S. Thomas in Strassburg den Ort \ dem er aber wieder 
entzogen und an die Herrschaft Mahlberg gegeben wurde. Dinghof, Pfarrsatz und Zehnt 
gehörten dem Frauenkloster zu Waldkirch, von dem sie 1352 an die Johanniter zum 
grünen Word in Strassburg übergingen. Erwähnt auch noch ein Besitz: »des huses ze 
sante Johans ze Friburg meygertum ze Hugswilre 1353«. lieber die hier einst begüterten 
Geschlechter s. Ruppert.^ Der Ort gehörte zur Herrschaft Lahr-Mahlberg, 1562 trat 
er der Reformation bei; bei der Gebietstheilung kam er an Nassau und wurde 1803 
badisch. 

Evang, Pfarrkirche. (Ehemaliger Patron?) Erwähnt ecclesia cum villa iuxta 
Scutero 1178; *) ein Henricus rector 1334; ein Bertholt lütpriester 141 9. — Die jetzige 
Kirche ist ein Neubau aus der Zeit von 1755 ^'s 1790, wobei wohl der Thurtn zuerst 
fertiggestellt wurde und später wieder renovirt werden musste. Auf der Helmstange 
steht nämlich nach Angabe des Pfarrers : (?) A^ • Johanniter . orden • in • Strasburg - 
comntandens • Kleinklaus • 7755 • Johann • Michael • Kn'öri • Schulmeister . Christian • 
Fridrich • Habet • Pfarrer • Michael . Ruder • Schultheis • renoviert • //po . comman- 
dens de Monge • Frid • Jac • Thomae • Pfarrer • Andreas • Gerhard • Schultheiss, 
Im Gebälk des Thurmes die Jahreszahl 1790. Der Thurm besteht, wie die ganze Kirche, 
aus Bruchstein mit Mörtelverputz, die Ecken wie die Gewände aus rothem Sandstein; 
er hat im Erdgeschoss ein flachbogiges Barockportal, in den zwei nächsten Geschossen 
Lichtluken und geht im vierten ins Achteck über. Das einfache, einschiffige Langhaus 
schliesst mit Voluten an ihn an, es hat Rundbogenfenster, an der Nord- und Südseite, 
wie auch in dem Achteckschluss je ein Portal. Der Thurm öfftiet sich gegen das Lang- 

^) cf. SUassb. Urkundenbach I, 43. Vergl. Deutsche Städtechroniken, Strassburg, p. 1055. 
Ruppcrt a. a. O. Seite 297. 
*) a. a. O. Seite 298 f. 
•) Auf H. zu deuten cf. Ruppert a. a. O. Seite 297. 



Pfarrkirche 



Thurm 



Langhaus 



38 



KKKIS OFFKNBURG. 



haus in einem Rundbogen mit abgefassten Kanten. Das Innere ist sehr schlicht im 
Empirestil mit einfacher, aber guter Empirekanzel. 

Grabsteine In der Kirchc Grabsteine: 

i) des Wilh, Friedr, Roedcr von Dierspurg. //. Gr. Hanau- Lichtefiberg. 
Cammer Juncker und Haubtmann des lob. 0. R. .Vassau su Lahr ctc.f f 21. Januar 
MDCCXXV. Die Inschrift ist umgeben von den Wappen seiner 16 Ahnen, in Mitte 
zwischen kriegerischen Trophäen das seinige; 

2) des weil. Iwchehrwürdigefi und hochgelehrten Herrn Johannes Morstat, 
29 Jahr getvesten Pfarres allhie f 28, Juli 174.3 etc. (Langathmige Inschrift.) Der 
Stein ist oben zerstört. 

Pfarrhaus Im Pfarrhaus wird ein Dachziegel der Kirche aufbewahrt mit eingeritzten Rosetten, 

Kirchcngeräthc Blumcn u. s. w. mit der Jahreszahl 1791. An Kirchengerätheft eine versilberte Rocaille- 

platte; Kelch, Silber vergoldet und getrieben mit Palmettenornament vom Ende des 

18. Jhs., ein weiterer ähnlicher, Kupfer getrieben und vergoldet. Im Garten die obere 

Hälfte eines achteckigen Taufsteins (17, Jh.). 

Bauernhof Am Ausgang dcs Ortcs gegen Schuttern besonders hübscher, typischer Bauern- 

hof, auch sonst einige hübsche, zu erhaltende Riegelbauten. 

Ofenpiaite ßgi Herrn Friedr. Lang gusseiseme Ofenplatte mit Elisascenen, ähnliche noch 

sonst im Ort bei Frl. S. Suhm u. a. 

ICHENHEIM 

Schreibweisen: Ichinhen (902) Fälschung; desgl. 2. Hälfte 13. Jhs.; Ichelenheim 
vor 1066 (?); Ichenheim 11 36; Ichinhein 1216; Eichene 1275; das huß zu Eiche 1350; 
Ychenheim 1368; bürg Aicha 1392 u. s. w. (Heim des Icho.) 

Archivalien: der Gemeinde und (kath.) Pfarrei; Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15 
(1893), S. 100. 
Ortsgeichichte Ortsgeschichte '. I. gehörte zur Herrschaft Geroldseck; bei der Theilung 1277 war 

es an die Linie Lahr-Mahlberg gefallen und wurde 1327 an Hug von Geroldseck am 
Wasichin verpfändet, von diesem 1340 zur Hälfte an die Strassburger Patrizier von 
Mülnheim. Später trat Walter IV. v. G. »das huß zu Eiche« an Graf Eberhard v-on 
Werdenberg, den Mann seiner Enkelin ab^), mit Bedingungen, aus denen her\'orgeht, 
dass es sich um kein Schloss oder eine richtige Tief bürg handelt, obwohl einige Jahre 
später die Bezeichnung Schloss vorkommt. Seine Si)uren sind längst verschwunden. 
Ende 14. Jhs, musste Heinrich von G. das Haus dem Grafen Eberhard von Wirtenberg 
übergeben, um es als Mannlehen wieder zu bekommen. Es kam dann an Mörs-Saar- 
werden; seit 1477 gemeinsamer Besitz derselben mit Baden-Baden, fiel es bei der 
ITieilung von 1629 an dieses als Theil der Herrschaft Mahlberg. Patronat und Zehnt 
gehörten dem Kloster Gengenbach nebst einem Freihof. In den ältesten Zeiten war 
S. Trudpert hier begütert, später Ettenheimmünster und als weitere Klöster noch Schuttem, 
S. Arbogast in Strassburg und Eschau. — In dem Ichenheimer Bann lagen noch die 
Orte Hohenwilre und Bastolzwilre, von denen das erste noch in dem Ottenweirer Hof 
weiterdauert, während das zweite eingegangen ist. 



^) Ruppen a. a. O. Seile 313 ff. 



AMT LAHR. 



ICHENHKIM. 



39 



Die Simultankirche (Patron : S. Nikolaus, früher anscheinend S. Peter) ist ein Simuiiankirchc 
Neubau von 1819. Erwähnt parrochia ville Ichenheim 1372 ; der heilige sant Peter und 
die pfarrkürche zuo Ichenheim 1575; Conradus plebanus de Ichenheim i2i6;Johans 
von Bar, Kirchherre zu Ichenheim 1400; Peter Böutin lütpriester 14 19. Das Patronats- 
recht stand dem Kloster Gengenbach zu (schon 1289). 1567 wurde die Reformation 
eingeführt, 1629 Ichenheim mit der einen Hälfte der Herrschaft wieder katholisch, 
wechselte dann noch mehrmals, schliesslich wurden die Lutheraner nach Ottenheim, 
später Meisenheim eingepfarrt, bis 1765 eine eigene Pfarrei für sie errichtet wau*de. 

Von dem früheren Bau rührt noch der Thumi her, der aus Bruchsteinmauer- n»urm 
werk mit Quadern an den Ecken errichtet ist Er hat unten Lichtluken, im zweiten 
Geschoss, nur von innen sichtbar, die vier alten Spitzbogenfenster mit Fischblasen- 
masswerk, die Pfosten theüs weggebrochen. Die Fenster sind an drei Seiten durch das 
Dach, an der vierten durch ein Gitter verdeckt. Unter diesem Stockwerk, von der 
jetzigen Bühne aus sichtbar, die alte Wasserschräge, über der eine ganz verwischte Jahres- 



zahl eingehauen war; hier auch die Steinmetzzeichen: 



r*^ 



Im Innern zeigt das Erdgeschoss des Thurmes, das sich im Spitzbogen zum Lang- 
haus öffnet, ein Stemgewölbe mit den trocken profilirten Rippen der Spätzeit und Schluss- 
stein mit Wappen : viergetheilt, I. Feld schrägrechts rother Balken in Blau, ü. schwarzer 
Balken in Gold, in. schwarzer Adler in Gold, IV. roth und schwarzes Schachbrett. 

Von den Glocken eine ältere: Matthäus Edel in Strassburg gos mich 1790. Glocken 
(Susanna.) 

In der Sakristei verschiedene Paramente des 18. Jhs. (Caseln, Stolen, Mani- Paramcnte 

peln etc.). Ein kleiner, getriebener, silbervergoldeter Kelch mit aufgelegten Silber- 

I T 
Ornamenten aus der Mitte des 1 8. Jhs. : Herzzeichen mit Blüthenzweig und , ; silber- 

E T 
vergoldete Sonnenmonstranz mit dem Augsburger Zeichen und , , mit Rocailleorna- 

menten und Putten; noch zwei einfachere Kelche und ein Wettersegen des 18. Jhs. 

Das kath, Pfarrhaus, ein Bau des 18. Jhs., zeigt über dem Portal in Rocaille- Kath. Pfarrhaus 

cartouche ein Abtswappen (Rebstock und Doppeladler), daneben j ^ ' >." 

Aufbewahrt wurde im Pfarrhaus ein silberner, gravirter Abtsring, die halblebens- 
grossen Holzfiguren der Mutter Anna und der Maria, zu einer Gruppe der h. Anna selbdritt 
gehörig, aus den ersten Jährzehnten des 16. Jhs. Im Pfarrhausgarten ein Stein, der auf 
beiden Seiten bearbeitet ist, also wohl ehemals über einem Einfahrtsthor angebracht war; 
auf der einen Seite ein Adler mit Schild, worin Fische; rechts im oberen Felde ein 
wachsender geflügelter Hirsch, untep ein Schrägbalken rechts in Rocailleumrahmung, 
darunter steht 1594, was auf dies Wappen keinen Bezug haben kann, wohl aber auf das 
darunter befindliche Stück, auf dem über Rollwerk in flachem Relief ein Crucifixus dar- 
gestellt war (nur der untere Theil desselben erhalten) mit Maria und Johannes. Ebenda 
noch der Sandsteinfiiss eines Ofens mit Maskeron, Voluten und der Jahreszahl 1723. 



40 



KREIS OFFENBURG. 



Kapelle Eine kleine Kapelle ^ gänzlich schmuckloser Bau, wurde laut einer Inschrift >zu 

Zeiten Lutheri in Grund zerstörte und wieder aufgebaut: »zu Ehren der schmerzhaften 
Mutter Gottes und Jungfrau Maria Herz von Sigmann Emele Bürger zu Ichenheim 
geboren zu Gengenbach und seiner Ehefrau Anna Regina Michelin geboren zu Wein- 
garten i736f. 

An der Strasse gegen Dundenheim ein Riegelhaus (wie sonst noch einige im Ort), 
die Schmiede, mit der Jahreszahl 1687 auf einem Holzbalken. 

Das Wirthshaus »zum Schwanen«, ein Bau des 18. Jhs., zeigt über seinem mit 
Pilastem und Voluten geschmückten Portal in Rocaillecartouche das Auge Gottes, darüber 
die Jahreszahl 17-85, darunter: Jacob Derendinger Theresia Kempfin. 
Crudfixu» Am Ausgang gegen Kehl zu Crucifixus mit Rocailleomamenten, 1754 von Jacob 

Bentz imd Katharina Wurtin errichtet 

Bei Herrn Apotheker Bauer befand sich ein Messingmörser von 1771 mit dem 
Wappen des damaligen Salemer Abtes. 



KUHBACH 

Schreibweisen: Cuobach 1035; Cubach 1270; Kubach 1367; Kubach 1370; 

Kübach 1399; Khubach 1535. 

Litteratur: Die Wallfahrtskapelle Bruderthal bei Kuhbach. Bad. Beobachter 1887, 

Nr. 219, 239; Lahrer Anzeiger i887, Nr. 80. 
Ortigeschichie Ottsgeschtchte i Der Ort gehörte in die Herrschaft Geroldseck; es scheint jedoch, 

als ob es den G. nicht ganz gehört hätte, sondern zum Theil Baden, an das es vielleicht 

durch die Grafen von Freiburg gekommen sein mag (zweite Hälfte des 14. Jhs.?). Bei 

der Theilung von 1277 war K. der oberen Herrschaft oder Hohengeroldseck zugefallen. 

Es büdete mit Schutterthal, halb Reichenbach und Seibach die Vogtei Seibach. Seit 

1819 badisch. 
KapeUe Kapelle im Bruderthal: dem h. Gallus geweiht. (?) 1490 hiess die Ks^elle zum 

Schweisstuch Christi; später war die Andacht »ziu* schmerzhaften Mutter Gottes«. Erwähnt 

der heylige sannt Blesius zu Kuobach (1579). Jetziger Bau nach dem Abbruch des alten 

1886 erstellt. 
Riegeihäuscr Zu erwähnen nur einige Riegelhäuser, hübsche Bauten mit sogen. Erkerfenstern. 

An einem Haus ein Christuskörper des 17. Jhs., Sandstein, eingemauert 



KÜRZELL 

Schreibweisen: Kirtzel 1016 (Fälschung); Cella 1139; Zelle 1368; Kirzel 1367; 
Kircelle 1368; Kirczel X414; Kirchzell 1469; Kürtzlen 1610; Kertzel 1614. (ZeUe 
mit oder bei der Kirche.) 



AMT LAHR. — KORZELL. 4I 

Archivalien; der Gemeinde und Pfarreien: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15, 1893, 
S- 100. 

Ortsgeschichte \ Nach Kolb^) besass hier das Kloster Schuttem schöne Güter, Ortsgcachichte 
welche es theils durch die Offonische Stiftung (1), theils durch Kaiser Heinrich II. 1016 
erhalten haben soll. Während erstere Notiz sagenhaft ist, scheint letztere auch nicht 
gesichert. 2) Ichenheim gehörte zur Herrschaft Geroldseck, fiel 1277 bei der Theilung 
an die Linie Lahr-Malberg, wurde 1321 an Hug von Geroldseck am Wasichin zur Hälfte 
versetzt, welche Hälfte von diesem als Pfandlehen an die von Mülnheim kam. Was er 
noch nicht verpfändet, brachte 1355 Heinrich von Geroldseck-Lahr wieder an sein Haus. 
1 430 nach Aussterben der Lahr-Malberger Linie kam K. an Mörs-Sarwerden ; 1442 durch 
Pfandschaft zur Hälfte an Baden »und erbte, als auch das Haus Mörs-Sarwerden erlosch, 
an die Grafen von Nassau-Sarbrücken«. ^ Bei der Theilung 1629 fiel es an Baden- 
Baden. — Auf der Gemarkung K. lagen die jetzt eingegangenen Dörfer Meroltsweiler 
und Mütershofen. 

Die Simultankirche (ad s. Laurentium) ist ein Neubau von 1827. Erwähnt 11 36 simuiunkirche 
Kirechcella cum ecclesia. Um diese Zeit besass (Konfirmation des Papstes Innocenz U.) 
Schuttem bereits das Patronatsrecht und einen Freihof mit vielen Gütern. Johannes 
papa XXII tres parochias, nempe Saspach, Kirchzell, Jünswiler donat et monachis 
monasterii Schutterani administrandas comittit anno 1325. Er gestattete dem Kloster 
die Inkorporation imd Versehung der Pfarrei durch einen Klostergeistlichen ; was Bischof 
Johann I. von Strassburg indess umänderte. 1419 hier Thuman von Schuttem lütpriester 
erwähnt. In den Jahren 1564 bis 1567 vollzog sich der Uebertritt Ktirzells zur Augs- 
burgischen Konfession. Da es bei der Theilung der Herrschaft 1629 an Baden-Baden 
kam, wurde es wieder katholisch, im 18. Jh. aber wurde die Kirche zum Simultaneum 
gemacht 

In der Sakristei : Ein schöner Kelch, silbervergoldet, laut Inschrift im Fuss eine Kirchcngcrathe 
Stiftung des Henricus Eicharius und der Maria Magdalena Funckartin 1611. An dem 
Fuss (Sechspass), der mit Rollwerk, Engelsköpfen geschmückt ist, auf den fischblasen- 
formigen Abtheilungen Medaillons mit Reliefs: das Wappen der Stifter, Engel mit den 
Leidenswerkzeugen, Stigmatisation des h. Franz, Magdalena am Fusse des Kreuzes. 
Stange und Nodus mit Beschlägomamenten, Engelsköpfen und Fischblasen dekorirt, 
die Cuppa schmucklos. 

Ein weiterer, silbervergoldeter Kelch, in einfachen Formen, zeigt in hübsch gravirter 
Rollwerkcartouche die Inschrift: Ex gratia Sibyllae Augustae Marchionissae Badensis 
und ihr Wappen. — Sannentnonstranz^ silbervergoldet, getrieben, von 1770. — Mess- 
gewänder mit typischer Empirestickerei und in den typischen Empirefarben. 

1) II S. 136. 

2) Rnppert a. a, O. S. 331. 
•) Rnppert a. a. O. S. 334. 



42 



KRHS OKKKNBrR«;. 



\M-^r> 














/V^. /). lyappdtt der Stadt Lahr. (Sandstein. Jh der Stadtiich(M SamntluMg.j 



LAHR 

Schreibweisen: dominus de Gerolsegge in castro suo Lare 1250; zu Lara 1270; 
in der stat 1366; castrum Lare et oppidum eidem castro annexum 131 1; Lore 1358; 
Lor 1373; Lar 1401; Läre 1458; Lhaar 1576. (Lar, in Ortsnamen häufig, vor allem 
auch als zweiter Bestandteil. Nach den einen mit Otfrieds giläri, habitalis, nach den 
anderen mit ahd. lari = leer zusammenzustellen.) 

Archivalien: der Stadt Lahr, Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 12 (1890) S. 97 — 108; 
Archiv der Roeder von Diersburg: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 16 (1894) S. 78; 
Th. Müller, Aus dem I^hrer Stadtarchiv. Lahrer Zeitung 1890, Nr. 168 — 170; 
P. Stauden maier; Mittheil, aus den Kapitelarchiven Lahr und Offenburg. Freib. 
Diöces. Archiv Band 14, S. 268 ff. 

Litteratur: Ursprung der Stadt L. Beil. z. Anzeiger für Stadt und Land 1891, 
Nr. 143, Zeitschr. 52 (S. 674). J. J. Reinhardt, Pragmatische Geschichte des Hauses 
Geroldseck, wie auch der Reichsherrschaften Hohengeroldseck, Lahr und Mahlberg in 
Schwaben. Frankfurt und Leipzig 1766. Ruppert, Mortenau I, S. 338 — 377. F. Stein, 
Geschichte und Beschreibung der Stadt Lahr und ihrer Umgebung. Lahr 1827. 
Friedr. Müller, Beiträge zur Geschichte der Stadt Lahr. Gymn. Progr. I 1855, II 1856. 
P. Stau den maier. Aus der Türckheimischen Bibliothek, Abdruck einer Chronik von 
1593. Lahrer Zeitung i88r. Ders., Ueber die nach dem Schwedenkriege einge- 
wanderten Geschlechter. Fbenda 188?. Ders., Die adeligen und Patriziergeschlechter 
zu Lahr. Ebenda 188?. Ders., Lahr lun 1707 und Lahr um 1880. Ebenda 188:. 
Langsdorf, Erläuterung und Erklärung des Freiheitsbriefes von 1877. Lahr 1795. 



AMT LAHR. — LAHR. 



43 



Raii, Auslegung und Erklärung des Freiheitsbriefes vom Jahre 1377. Strassburg 1802. 
Tobias Bundius, Lahrische Bettglocke, angezogen den 18. Octobris. Strassburg 
^^33' ]• G- Langsdorf Aera., Abschieds- und Antrittsrede, geh. 21. März 1803, als 
die Herrschaft Lahr ... an Baden übergeben wurde. Lahr 1803. K. Steinmann, 
Der Lahrer Prozess in Lahrer Mundart. Nach dem Tagebuche eines Zeitgenossen. 
Nebst dem Freiheitsbriefe. Lahr 1855. 

M. Henning, Geschichte des Landkapitels Lahr. Lahr 1893. Alte Kapitel- 
statuten von 1450 aus Registr. des Landkapitels L. Freibg. Kath. Kirchenblatt 1890 
Nr. 38, 39. P. Staudenmaier, Mittheil, aus den Kapitelsarchiven Offenburg und Lahr. 
Diöces. Archiv. XIV (1881) S. 268 — 279. Wilhelm Weiss, Geschichte des Dekanats 
und der Dekane des Rural oder Landkapitels I. Offenburg 1895. Gesch. und Statist. 
Nachrichten über die kath. Stadtpfarrei L. Anzeiger für Stadt und Land 1880 Nr. 85 fg. 
F. Bauer, Series pastorum Larensium. Bad. Geschäftskalender für d. J. 1898. Ausg. 
für Geistliche. 

Ad. Bütte rlin, Lahr und seine Umgebung. Lahr 1904. Ders., Kleiner Führer 
durch Lahr und Umgebung. Lahr 1906. Album Lahr. Den Festgästen der Haupt- 
versammlung des bad. Schwarzwaldvereins 2 6./28. Mai 1906 überreicht. Lahr 1906. 

Ortsgeschichte: Die Gegend war, wie das zu erwarten, schon in frühesten Zeiten onsgeschichie 
besiedelt, wie Funde aus der Steinzeit und aus der Bronzezeit (s. u.) beweisen. Auch die 
Römer wie die Alemannen haben Spuren ihrer Anwesenheit hinterlassen, die uns aber 
nicht das Recht geben, von einer grösseren und geschlossenen Ansiedelung zu sprechen. 
Die Stadt Lahr verdankt vielmehr, wie es scheint, ihren Ursprung erst dem 
Dynastengeschlechte der Geroldsecker. So alt ihr Name klingt, dürfte sie doch erst aus 
den Ansiedlungen um die Tief bürg dieses Geschlechtes entstanden sein. Die Erwähnung 
eines ^Heinricus deLare miles« 12 15 deutet schon auf das Vorhandensein eines Schlosses. 
Dieser Ministeriale des Markgrafen Hermann und Friedrich von Baden verkaufte damals 
sein Lehensgut Spitzenbach bei Breitebnet dem Kloster Tennenbach. Anhaltspunkte daftir, 
dass zur gleichen Zeit schon ein Dorf bestand, fehlen gänzlich. Die Burg dieser Zeit 
aber war wohl eine ganz einfache Anlage, vielleicht nur aus einem (noch später vor- 
handenen viereckigen ?) Thurm nebst Mauern bestehend. Ich werde weiter unten zeigen, 
dass die noch existierenden Reste derselben nicht früher als gegen die Mitte des 1 3. Jhs. 
erbaut sein können ; sie zeigen die Formen des entwickelten Uebergangsstyles. Nun hören 
wir, dass 1250 Walter von Geroldseck sammt seinem Sohne in seinem Schloss Lar von 
dem Grafen Konrad von Freiburg genommen wurde \ 1259 wird in der Stiftungsurkunde 
des Augustinerklosters eine Hofstätte, iu.xta munitionen nostram -) bezeichnet und noch 
nicht von einem Dorf gesprochen. Mit der Annahme Rupperts, dass Lahr und andere 
Orte Zähringer Güter gewesen sind, die an die Staufer und von da g^g^xi die Mitte des 
13. Jhs. an die Geroldsecker gekommen sind, stimmen diese Nachrichten wie der bau- 
liche Befund überein. Gleich nach ihrer 'Besitznahme haben die Geroldsecker gegen 
1250, nachdem sie als Helfer des Bischofs von Strassburg ihre Herrschaft durch den 
Erwerb Malbergs vergrössert hatten und durch die Auffindung reicher Silberadern zu 
mächtigen, angesehenen Herren geworden waren ^), die einfache Tiefburg zu einem 

^) Ruppert a. a. O. S. 339; Krieger II, S. 7. 

2) Ruppert a. a. O. S. 340, 

«) Fr. Mttller, Beiträge 1855 ^- »6 flf. Ruppert a. a. O. S. 342. 



44 KREIS OFFENBURG. 

wohnbaren und prächtigen Schlosse umgestaltet. Daran werden sich, wie immer sogleich 
Ansiedelungen geschlossen haben, und bald konnte man von einem Dorfe sprechen. 
Fast zur nämlichen Zeit aber wie die Schlossbauten stifteten die D3aiasten das erwähnte 
Kloster und begannen den, man darf sagen, glänzenden Bau der stattlichen Kirche, in 
den Formen des Uebergangsstyles und der frühesten Gothik, wohl ehe ihre Mittel in den 
Kämpfen des Bischöfe Walter von Strassburg so beträchtlich geschwächt wurden. 1267 
endlich wird das Dorf erstmals genannt ^) ; es wird unter dem Schutz der aufblühenden 
Herrschaft mächtig gewachsen sein, so dass es etwa 10 Jahre später zur Stadt erhoben 
werden konnte. Diese Erhebung muss nicht lange vor 1279 stattgefunden haben, denn 
in dem Freiheitsbrief von 1279 ^^ sie schon Stadt genannt. 

Bei der Theilung, die Walther I. 1272 vornahm, war Lahr zusammen mit Maiberg, 
Langenhard etc. (s. Einleitung) an die Söhne seines 1262 in der Schlacht bei Hugsberg 
gefallenen Sohnes, des Landvogtes Hermann, an Heinrich I. und Walther II. gefallen. 
Diese verliehen Lahr das Stadtrecht nach dem Freiburger Muster. Heinrich L stellte 
den Freiheitsbrief ^) aus, der die Stadt mit werthvollen Privilegien ausstattete. 1301, 1314, 
1320 und 1354 wurde der Brief erneuert und erweitert, der grosse Freiheitsbrief von 
1377 endlich war »nur eine Vereinigung und Erweiterung dieser Urkunden«. ^) An der 
Spitze der übrigens stets grundherrlichen Stadt, stand ein Zwölferrath, der jährlich von der 
Bürgerschaft gewählt wurde; die Herrschaft aber hatte sich das Recht vorbehalten, ihr 
nicht gefallige Personen auszuschliessen und eine Neuwahl zu verlangen. An ihrer Spitze 
stand der Vogt, später der von der Herrschaft ernannte Schultheiss. Eine Zeit lang 
wurden aus den Rathsmitgliedem »Vierer« gewählt, welche mit dem Vogt zusammen die 
jährliche Steuer zti bestimmen hatten, von 1354 aber an verschwinden sie und die Ver- 
theilung der Steuer wird zu einem Recht des gesammten Rathes, in dem 1365 ein Bürger- 
meister erscheint. Den Vorsitz behielt der Vogt und der Schultheiss. Das erstere Amt 
war als Zeitlehen der Herrschaft in den Händen von Vasallen, während das Schult- 
heissenamt wohl einem der Rathsglieder von der Herrschaft verliehen wurde. Später 
kam dazu ein Amtmann und solange Baden und Nassau sich in die Herrschaft theilten, 
deren zwei. 

Die Stadt scheint rasch emporgeblüht zu sein, obgleich die Geroldsecker ihr Ver- 
sprechen, sie nicht zu bedrücken, und die Bestimmung, dass die Bürger von Lahr nicht 
gegen ihren Willen haftbar oder verpfändet werden sollten, unter dem Drucke der 
schweren Zeitläufte oft nicht einhalten konnten. Die Stadt theilte die Schicksale der 
Herrschaft und mag unter deren Niedergang oft genug gelitten haben. Die Geroldsecker 
haben, wie viele Geschlechter, über fortwährenden Theilungen ihre Macht eingebüsst. 
1299 theilten die Brüder Heinrich und Walter ihre Herrschaft in Lahr und Malberg, die 
aber bald nachher, nach dem Tode Heinrichs, wieder in der Hand Walthers 11. vereinigt 
wurde. Er und seine Nachkommen waren nun eifrig bestrebt, soweit es in ihrer 
sinkenden Macht stand, die Stadt zu fördern; die Rechte und Freiheiten derselben 
scheinen auch reichlich Fremde herbeigelockt zu haben. Das Bürgerbuch von 1356, 
das, lange Zeit fortgesetzt, noch im Stadtarchiv zu Lahr aufbewahrt wird, weist 192 
Bürger und iio Ausbürger auf. Die letzteren blieben in ihren nahegelegenen Heimath- 



^) Fr. Müller, Beiträge 1855 S. 16 ff. Ruppert a. a. O. S. 342. 
2) Abgedruckt u. a. bei Sütterlin, Lahr (1904), S. 12. 



AMT LAHR. — LAHR. 45 

Orten wohnen, hatten aber bürgerliche Rechte und genossen in Kriegszeiten den Schutz 
der Stadt Wie schon Stein bemerkt, ergiebt sich daraus, dass keine einzige Familie 
zahlreich war, die Mannigfaltigkeit der Namen daher gross war, dass alle vor mehr oder 
minder km-zer Zeit eingewandert sind. 

Kurz ehe dies Bürgerbuch begonnen wurde, hatte die Stadt die beiden gewaltigen 
Ereignisse durchzumachen, die ganz Deutschland und mehr oder minder ganz Mittel- 
europa erschütterten, das Erdbeben von 1348 und die grosse Pest. Wie allerwärts, so 
schrieb man auch hier die Schuld daran den Juden zu und beschloss über diese auf 
einem Landtag zu Benfelden (s. Einleitung), dem auch Walther IV. von Lare nebst 
seinen Vettern beiwohnte. Die Folge davon war eine schreckliche Judenverfolgimg, die 
m Lahr mit deren vollständiger Ausrottung und Austreibung geendigt zu haben scheint, 
denn in dem Bürgerbuche von 1356 geschieht ihrer keinerlei Erwähnung mehr. Die 
Stadt, die sich immer mehr emporhebt, konnte 1362 daran denken, ihr Ohmgeld um 
ein Dritttheil zu erhöhen, allerdings ohne grossen Nutzen davon zu haben, denn die 
Geroldsecker nahmen nun häufig ihre pekimiäre Zuflucht zu ihren Mitteln, wofür sie 
denn manche Privilegien gewähren mussten, so den erwähnten grossen Freiheitsbrief von 
1377- — 1426 starb ihr Mannesstamm aus und nun kam die Stadt mit der Herrschaft 
an Johann Grafen von Mors und Saarwerden, der in schwerem Kampfe gegen die Erb- 
ansprüche der Hohengeroldsecker das Erbe seiner Gattin zu vertheidigen hatte. Ganz 
besonders litt unter diesen Kämpfen die Stadt, da auch ihr Markt von den Hohengerolds- 
eckem durch Errichtung eines neuen Marktes in Seibach schwer geschädigt wurde. 
1444 wurde endlich Friede geschlossen; die Grafen aber waren derartig in Schulden 
gekommen, dass sie 1442 die Hälfte der Herrschaft zum Mitbesitz an Markgraf Jakob 
von Baden verkauften. Dieser verkaufte wieder die Hälfte seines Antheils um 1 5 000 
Gulden 1462 an die Stadt Strassburg, löste ihn aber schon 1480 wieder ein. Auch der 
Mörs-Saarwerden*sche Mannesstamm starb bald aus — der letzte Erbe endigte in geistiger 
Umnachtung 1527 — , da kam der Schwiegersohn Johanns HI., Johann Ludwig von 
Nassau-Saarbrücken in den Gemeinbesitz mit Baden. Stadt und Herrschaft machten 
nun, wie so manche deutsche Länder, jenes ewige Hin und Her von Verpfandungen, 
Rückgabe, Uebergang durch Vererbung an andere Häuser mit, welches die deutsche 
Geschichte im 16. bis 18. Jh. so unerquicklich macht In der Einleitung ist geschildert, 
wie auf die Nassau -Saarbrücken die Nassau-Weilburg und die Nassau-Usingen folgten, 
wie die Herrschaft bisher im Gemeinbesitz von Nassau und Baden-Baden 1529 zwischen 
diesen getheilt wurde, wesentlich auf Grund konfessioneller Bedenken des badischen 
Markgrafen. Lahr kam dabei an Nassau und blieb somit protestantisch. 1654 bis 1727 
war es pfandweise im Besitz des Markgrafen von Baden-D urlach ; endlich kam es 1803 
definitiv an Baden. Seit 1527 wird wohl kaum einer der Herren mehr länger in Lahr 
residirt haben, ihre Interesse an der Entwickelung der Stadt mag unter derartigen 
Wechselfallen nicht sehr gross gewesen sein und Lahr verlor mit dem Erlöschen des 
Geschlechts seiner Gründer immer mehr an Bedeutung, es scheint selbst vor dem 
dreissigjährigen Krieg kaum mehr Bewohner gehabt zu haben als im Mittelalter, etwa 
100 Jahre nach seiner Gründung. Selbstverständlich nahmen diese dann in den Zeiten 
des grossen Krieges rapid ab, es hatte an dessen Ende drei Viertel seiner Bewohner 
verloren und fing gerade an, sich zu erholen, als die Kriege Ludwigs XIV. über die 
Gegend herein brachen. 1677 wurde, wie andere Orte, auch die Stadt Lahr verbrannt 



46 KREIS OFFENRURG. 

und die Tief bürg mit ihren mächtigen Mauern ruinirt; wie gründlich, davon giebt die 
weiter unten folgende Abbildung derselben einen Begriff. Im i8. Jh. begann die 
Stadt unter der offenbar nicht harten nassauischen Herrschaft wieder aufzublühen. 1734 
^vurde sogar das Schloss so gut wie möglich noch einmal befestigt und auch sonst 
manche Ausbesserungen vorgenommen. Die Ruhe, die sich allmählich einstellte, 
wurde indess im letzten Drittel des Jahrhunderts durch die Prozesse zwischen den 
Bürgern der Stadt und der Herrschaft zerstört, wobei erstere sich auf den allen 
Freiheitsbrief mit einseitiger Auslegung desselben stützten. Es kam zu heftigsten 
Scenen, die man in Steins Geschichte der Stadt I^r nachlesen mag; in dem 
»Lahrer Prozess«, einem Gedicht in Lahrer Mundart '), sind diese Differenzen 
trefflich geschildert. Ihren letzten Grund mögen sie wohl darin gehabt haben, dass 
die grosse Entfernung von dem Sitz der Herrschaft eine intimere Beziehung zwischen 
Fürst und Volk unmöglich machten, welche natürlich dadurch nicht besser werden 
konnten, dass Nassau sich schliesslich zur Stillung des fbnnlichen Aufstandes 300 
Mann Exekutionstruppen von Baden erbat. Das Unnatürliche solcher Herrschafis- 
verhältnisse im alten deutschen Reich offenbart sich damit genügend. Das Reichs- 
kammergericht aber hatte von da an mit unendlichen, bei den Haaren herbeigezogenen 
Prozessen der Lahrer gegen ihre Regierung genügend zu thun. Diese unglücklichen 
Verhältnisse haben natürlich dazu beigetragen, die Lahrer Bürger für die Ideen der 
Revolution, die damals in Frankreich ausbrach, besonders empfänglich zu machen. --Ab 
den 13. Jenner 1792 Prinz Conde unter Husarenbedeckung durch Dinglingen fuhr und 
sich gegen die Zuschauer verbeugend aus dem Wagen lehnte, schrieen ihm die ver- 
sammelten Lahrer das »vive la nation« entgegen.« (Stein.) Auch sonst ergrifTen die 
Bürger jede Gelegenheit, den flüchtigen Aristokraten ihren Hass auszudrücken, sie 
werden also die Besetzung Lahrs am 31. Juni 1796 durch die Republikaner kaum ungern 
gesehen haben. Lange dauerte diese allerdings nicht. Den Versuchen aber des Erz- 
herzogs Carl von Oesterreich, eine Art Landsturm zu errichten, setzten die I^hrer einen 
stillen, aber wirksamen Widerstand entgegen. Die Nassauische Regierung l>ehandelte 
die Stadt, angesichts des Zunders, der dort aufgehäuft schien, von nun an äusserst vor- 
sichtig und nachgiebig. Es schien sich daher ein besseres Verhältniss herauszubilden, 
wie die schnelle Deckung eines Anleihens der Regierung im Jahre 1798 beweist; indess 
versuchte die Stadt Lahr doch noch einmal 1802 im sogenannten Dinglinger Zollkrieg 
sich mit Gewalt Recht zu verschaffen. So musste es denn eine wahre Erlösung sein, 
als Lahr 1803 an Baden kam. Am 26. September dieses Jahres wurde von dem 
Geheimen Rath und Landvogt zu Mahlberg, Freiherrn von Roggenbach, die Huldigung 
der Herrschaft Lahr, der Oberämter Oberkirch, Lichtenberg, Ettenheim und Schliengen, 
den Reichsstädten Offenburg, Gengenbach und Zell in der Stadt Lahr entgegengenommen. 
Erst durch diesen Einschluss in ein grösseres Ganzes konnte nun die Stadt emporbliihen 
und sich zu ihrer heutigen Handelsbedeutung entwickeln. Der Namenstag Karl Fried- 
richs, der Karlstag, wurde daher bis auf unsere Zeiten in I^hr mit Recht gefeiert. 
vorgeschicht- VorgeschtcktUches '. lieber ein 1825 von dem Geologen Ami Boue in Wien aus 

dem Löss der Gegend von Lahr ausgegrabenes menschliches Skelett s. Albr. Müller, 



liches 



*) K. Steinmann, Der Lahrer Prozess in Lahrer Mundart. Nach dem Tagebuch eines 
Zeitgenossen. Nebst dem Freiheitsbriefe. Lahr, Geiger 1855. 



47 



»Die ältesten Spuren des Menschen in Europa«, Basel, Schweighauser, 1871. Auf dem 
»Burghard«, '/g Stunde südöstlich von der Stadt, befindet sich ein gro^s^r Ringwall , 
oval, 300 auf 200 m, Höhe ca. 2,50 m. Herr v. Preen fand 1896 im nordöstlichen 




Theil des Innenraums »den prähistorischen ähnliche Scherben«. Seine Grabungen von 
1897 auf der Südwestseite ergaben nichts weiteres der Art; in einer Tiefe von 40 cm 
kam eine Lage unregelmässig aneinander geschichteter, 20 cm grosser Sandsteine zum 
Vorschein, der Wall selbst ist aus Sandsteinschutt hergestellt. »Westlich davon die 
Heidenburg mit dem Heidengi'aben'^, nach F. Stein, Geschichte und Beschreibung 



48 



KRELS OFFENBURG. 



der Stadt Lahr 1827, »etwa 1500 Schritte von der Stadt, auf der rechten Seite des 
Schutterthals. Sie ist durch Steinbrüche umwühlt, ohne Spuren früheren Mauerwerks. 




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^J. • ^ 






.^1^. ly, Ansicht der Tieflmrg Lahr (von Südosten). 
( Aquarellko^e in den StädtisckeM Sammlungen uack versckfillenem Original.) 




Fig. j8. Ansicht der Tief hur g Lahr (von Nordwesten). 

( Aqiiarellkopie im Privatbesitz in Lahr.) 

An ihr zieht sich auf einige 1 00 Schritte der Heidengraben in das Gebirge hinein, dem 
Anschein nach von der Kunst zur Vertheidigung benützt, an dessen linkem steilen 
Abhänge sowohl als auf der Höhe ebenfalls Verschanzungen angebracht sind.« 



AMT LAHR. — LAHR. 



49 



Einige Steinwerkzeuge befinden sich in der von Prof. Mohr neu geordneten 
Stadt. Sammlung in Lahr, darunter zwei grosse Mahlsteine aus Gneis (60 und 65 cm 
lang), ein geschliffenes und durchbohrtes Steinbeil aus Serpentin, gef. 1882 bei Legung 
der Wasserleitung in der Friedrichstrasse, ein weiteres solches 2 m tief im Löss 
gefundenes (oberes Stück abgebrochen). Ebendort eine Bronzebeilklinge mit Schaft- 
lappen und seitlichem Ringchen, gef. in einer Felsspalte im »Hohberg«. 

Römisches: In der Stadt. Sammlung von Freiburg i. Br. befinden sich aus der 
Gegend von Lahr Scherben von rother terra sigillata und 2 Ziegelstllcke mit dem Stempel 
der LEG. VIII (Verzeichniss von Schreiber); in der Sammlung von Lahr ein kugeliger 
Thonkrug mit verziertem Schulterband, gef 1887 beim Bau einer Brücke über den 
Schutterkanal, ca. 300 m öst- 
lich vom Bahnhof, vier weitere 
römiscfie Thongefässe aus der 
Umgegend und zwei Bruch- 
stücke von römischen Stein- 
skulpturen, gef, 1891 auf dem 
rechten Ufer der Schutter; das 
Kopfstück eines Altarsteins mit 
den Buchstaben DE (o) und ein 
Fragment mit dem Bein und 
Stab des Merkur (31 cm hoch). 
Alemannisches : Beim 
Ausheben von Baugruben im 
> Hagedom« stiess man 1899 
auf Grä^^r eines alemannischen 
Friedhofs. An Beigaben fanden 
sich ein langes zweischneidiges 
Eisenschivert (Spatha), zwei einschneidige Kurzschwerter (Scramasax), Speer- und 
Pfeilspitzen und Schnallen, von letzteren eine mit Silbertauschirung. (W,) 

Da die Entstehung der Stadt Lahr sich anschliesst an die an dieser Stelle vor- 
handene Tiefburg der Geroldsecker, da demgemäss auch ihre bauliche Anlage nur aus 
der Beziehung auf diese zu verstehen ist, so muss die Besprechung dieser einstmals so 
prächtigen Anlage aller weiteren Beschreibung vorangehen. Von ihr steht heute nur 
noch ein Rest in dem sogen. Storchenthurm und den beiderseitig an ihn anstossenden 
Mauer- bezw. Gebäuderesten. Durch den Plan Merian's (s. Fig. 16) aber von 1643, 
sowie durch zwei Aquarelle — Kopien in der Stadtsammlung und im Privatbesitz, welche 
(die Originale habe ich bisher nicht auffinden können) die Burg in dem ruinösen Zustand 
des 18. Jhs. wiedergeben.' — kann ihre ehemalige Gestalt einigermassen festgestellt 
werden (s. die Fig. 17 u. 18). Das Bild, das die Burg bot, war der klassische Typus 
einer Tiefburg, ein Viereck mit runden Thürmen an den Ecken, an die sich die Wohn- 
gebäude anschlössen. Da bei dem erhaltenen Theil die an den Thurm anstossenden 
Mauern einen spitzen Winkel bilden (s. Fig. 20), so war das Viereck nicht regelmässig, 
sondern an der einen Ecke verschoben, wie es unser rekonstruirter Plan (s. Fig. 19) 
zeigt, möglicherweise auch überhaupt rautenförmig gestaltet. Ein grosser, ca. 12 m 
und darüber breiter Graben, der sein Wasser aus dem Gewerbekanal, einem abgeleiteten 
Band vii. 4 




Fig. ig. Versuchswase Rekonstruktion der Tießmrg Lakr. 



RGmUches 



Alemaonisches 



50 



KR HS OKFENBURG. 



Arm der Schutter, erhielt, welcher die Stadt durchfliesst, umgab das Viereck. Er schei^i 
von einer niederen (früher wohl höheren) Mauer nach aussen begrenzt gewesen zu sein 




t I I } I t -4-4-1- 




höHt B 




Mome:A 



Fig. 20. 7ie/fntrg Lahr Oogr/t. Storchcnthurm) . 



an ihn setzte im A\'esten und Osten die Stadtmauer an, über die die Burg etwa um ein 
Drittel herausragte. An dieser freien Stelle scheint ehemals ein Zwinger vorgelagert , 
gewesen zu sein, wenigstens glaube ich, den auf unsern beiden Aquarellen angegebenen 



Tafel I 





Storchenturm in Lahr. 



AMT LAHR. - LAHR. 



51 



Lattenzaun so deuten zu dürfen. Eine steinerne (?) Bogenbrücke überschritt den Graben 
und verband die Burg mit der Stadt 

Soweit die Gesammtanlage. Ueber den inneren Ausbau geben uns die noch 
stehenden Reste gute Auskunft. Sie bestehen zunächst aus dem mächtigen Thurm 
{A auf der Rekonstruktionsskizze]. Dieser, von etwa 8,5 m Durchmesser, einer unteren 
Mauerdicke von ca. 2V4 ni, zeigt im Aeusseren eine ausserordentlich wirkungsvolle 
Bekleidung mit sauberen Bossen- 
quadem (s. Fig. 20), die von 
virtuoser Steinmetztechnik — 
die Zeichen der Steinmetzen 
eben^Is Fig. 20 — zeugen. 

Diese Quader greifen zum 

Theil merkwürdig hakenartig 

übereinander. Sie sind aus dem 

harten, rothen Sandstein der 

Umgegend (vom Altvater). 

Der innere Mauerkem besteht 

aus Bruchsteinmauerwerk. Der 

Thurm enthält drei Stockwerke 

übereinander. Man betritt ihn 

durch eine Thür mit geradem 

Sturz, an dem (anscheinend alt) 

die Umrisslinien zweier Ritter 

auf Pferden eingeritzt sind, 

und Kleeblattblendbogen. Eine 

nicht mehr zugängliche Treppe 

führt von hier herunter in 

einen verliessartigen Raum. Im 

Erdgeschoss selbst, durch eine 

(theilweise erneuerte) Mauer 

von der Treppe getrennt und 

durch eine geradsturzige Thür 

zugänglich, ein halbrunder 

Raum, der wenig Licht durch 




/'Vf. 2/. Bofrenschiessscharte im Storchenthumi zu Lahr. 



Schiessscharten mit grosser Kammer erhält. Er ist durch ein später, wohl im 18. Jh. ein- 
gezogenes Backsteingewölbe zu einer Art Wachtstube hergerichtet. Zwischen ihm und 
dem zweiten Stockwerk führte eine jetzt zugemauerte Thüröffnung in den Ostpalas. Man 
sieht schon aus dem bisherigen, dass der Thurm in späterer Zeit viele Ueberarbeitungen 
erfahren hat, die seine ursprüngliche Anlage nicht mehr klar erkennen lassen. Das 
wird sofort bestätigt durch das folgende, das zweite Stockwerk. Hier, wo sich nach 
aussen die langen, interessanten Bogenschiessscharten (s. Fig. 21) öffnen, ist von dieser 
Schiessscharte zu der Thür die Mauer abgespitzt, neues Mauerwerk eingefügt und doch 
muss zu der Erbauungszeit die Mauer den Raum noch weniger eingeengt haben, da 
sonst die Oeffnung für Schützen ganz unbrauchbar gewesen wäre. Auch die Gurtbögen, 
welche die Decke dieses ganz unregelmässigen Gewölbes (bei ebenso unregelmässigem 

4* 



52 



KRELS OFFENBURG. 



Grundriss) tragen, sind zweifellos erst im i6. Jh. eingezogen worden, ebenso sind die 
Treppen zum Theil l>ei späteren baulichen Eingriffen verändert. Zwischen dem zweiten 
imd dritten, und ebenso über dem letzten Stockwerk war die Treppe einstmals durch 
Thüren abschliessbar, deren Spuren noch sichtbar. Das nun folgende dritte Stockwerk 
zeichnet sich durch sorgfältigere Behandlung aus. Es ist gegen die Treppe durch eine 
Quermauer abgeschlossen, rechts und links von dem durch die einfache Thür Ein- 
tretenden sind in der Mauerdicke Flachnischen ausgespart, während die vierte Seite 
1j « durch die runde Linie der Thurmmauer das Ge- 

1 Ä /^ [ ' mach apsidenartig abschliesst, welches von einem 

^ R Kreuzgewölbe mit birnenförmig profilirten Rippen 

; t auf achteckigen Konsolen gedeckt wird. Letztere 

' t ' sind leicht konkav (s. Fig. 22). Der Schlussstein zeigt 

"^ verwaschenes, flaues Blattwerk, das auf das 15. Jh. 

weist. Die Anlage des Raumes legt den Gedanken 
an eine Kapelle nahe; doch möchte ich mich 
darüber nicht sicher aussprechen. Dafür sprechen 
aber jedenfalls die in den beiden Flachnischen vor- 
handenen, jetzt theilweise zugemauerten, Doppel- 
fenster mit spitzen Kleeblattbögen (s. Fig. 2 3). Von 
hier aus führt wieder eine Thür in den Ostpalas, 
sowie dann, in der Dicke der Mauer, ihrem runden 
Zuge folgend, die alte Treppe zur Plattform, 
die von mächtigen Zinnen umgeben war, deren 
Zwischenräume jetzt zum Theil durch späteres 
Flickmauerwerk ausgefüllt sind. Wir sehen im 
Innern hinter den Zinnen eine kleine Aufmauerung, 
die wohl einer Balkenlage gedient haben mag. 
Ueber die ehemalige Gestaltung dieses obersten 
Theiles wie über die Art der Endigung der Zinnen 
können wir keine sichere Anschauung mehr ge- 
winnen, da hier im 17. Jh. durch Einziehen schlechter Riegelwände Alles zu kleinen 
Zimmern umgeändert worden ist. Ein ähnliches Dach wie heute mag ehemals die 
Bekrönung gebildet haben, das heutige, durch einen mächtigen hölzernen Dachstuhl 
gehalten, der wohl auch schon in das 17. oder 16. Jh. hinaufragt, es trägt das Storchen- 
nest, das dem Thurm den Namen giebt. 

Die Thurmmauer war nach dem Innern des Schlosshofes zu bis zu etwa ^/s Höhe 
muldenartig eingeschnitten, um dem hier sich anfügenden Gebäude den guten Anschluss 
zu ermöglichen, was allein schon die Gleichzeitigkeit der Bauten beweist Von diesem 
Gebäude stehen nur noch die zwei an den Thurm anstossenden Aussenmauem in einer 
Stärke von etwa 2^/2 m. Diese Mauern zeigen nach aussen die gleiche vorzügliche 
Bossen-Quaderbekleidung wie der Thurm, nach innen zu eine Bekleidung mit sauber 
glatt behauenen Quadern, während der Zwischenraum durch Gussmauen\erk ausgefüllt 
ist. Alles also in vorzüglich solider Technik. Das nördliche Mauerstück, das noch 
etwa in der Länge von 8 m erhalten ist, hat im unteren Theil keinerlei Oeffhung, im 
oberen dagegen die Hälfte eines gekuppelten Fensters , zwei Kleeblattblendbögen 




Fig. 22. Kippe mit Konsole aus dtmlP'. Stock 
werk des Thumies der Tiefburg T^hr. 



AMT LAHR. — LAHR. 



53 



(einer noch erhalten) auf schlanken Säulchen mit Tellerbasen und Knospenkapitellen, 

das Ganze war umschlossen von einem grossen Blendrundbogen und der Zwischenraum 

durch eine Platte noit geometrisch geschnittener Oefl&iung geschlossen (s. Fig. 24). Sichtbar 

auch noch die Löcher für die Verschlussbalken. 

Die südöstliche Wand, etwa 9 m lang erhalten, von der gleichen Dicke wie die 

andere, aber mit nach Innen nicht so gut sauber hergestelltem Mauerwerk und mit dem 

Thurm anscheinend nicht bündig, zeigt zunächst dem Thurm nicht ganz in der Höhe 

des geschilderten Nordfensters eine 

schlanke, im Kleeblattbogen abge- Kl . "d I . i 

schlosseneThür, die ehemals zu einem 

Abort führte, dessen Konsolen noch 

aussen sichtbar sind. Dann, ebenfalls 

etwas tiefer wie das Nordfenster, ein 

grosses Doppelfenster, durch einen ab- 
geschrägten Pfosten getheilt, geradem 

Sturz über den beiden Oeflfhungen, 

darüber in flacher Ausführung — 

gleich der unteren Thtir in den 

Thurm — Kleeblattblendbögen und 

eine geometrisch ausgeschnittene Stein- 
platte, das Ganze von einem runden 

Blendbogen zusammengehalten. Im 

unteren Theil der Mauer über dem 

jetzigen Erdboden ein gleiches, lange 
Zeit als Hühnerstall gebrauchtes 
Fenster. Bei beiden sind die Ge- 
wände einfach abgeschrägt. Im Innern 
in der stattlichen Mauerdicke spannt 
sich über ihnen ein Rundbogen. 
Ueber dem unteren Fenster ein Unter- 
stützungsspitzbogen. Im imteren Theil 
daneben vom Innern aus ein ent- 
sprechender Rundbogen, aber durch sehr roh behauene Steine gebildet, der aber nicht 
zu einem Fenster gehört, sondern schräg in die Tiefe führt. Vielleicht der auf der 
alten Ansicht angedeutete Ausgang in den Graben? 

Am ganzen Gebäude zerstreut die für die Mitte des 13. Jhs. ebenfalls charak- 
teristischen Steinmetzzeichen (s. Fig. 20). 

Und nun werfe man einen Blick auf die beiden in Fig. 1 7 und 1 8 abgebildeten 
Aquarelle. Auf dem einen (Fig. 1 8) sehen wir die Nordostwand und zwar an den Thurm 
anlehnend einen ziemlich hohen Giebel, in diesem in drei Stockwerken übereinander 
zuerst zwei, dann je ein Fenster, unten aber im Hauptgeschoss des Gebäudes ein 
gekuppeltes Rundbogenfenster, das Fenster, das wir in Fig. 23 wiedergegeben haben, 
wie es deutlicher und genauer der etwas unbeholfene Zeichner bei dem kleinen Massstab 
gar nicht hätte wiedergeben können. Der Giebel allerdings ist der Zeit zum Opfer 
ge&llen, das Fenster aber steht noch. Und bei der Südostwand (s. Fig. 1 7) giebt der 




^*g' ^S' Doppelfenster im Starchenthurm tu Lahr. 



54 



KREIS OKFKNBURG. 



Zeichner ebenfalls mit wünschenswerther Deutlichkeit die beiden von uns geschilderten 
Fenster übereinander, dann wieder ein Fenster, das heute nicht mehr vorhanden, und 

dann, wohl dem Thunn etwas 
zu nahe gerückt, der Ausgang in 
den Graben. Aber nach Allem 
dürfen wir, werm auch nicht in 
jeder Kleinigkeit — z. B. nicht 
in der Fensterzahl — seinen 
Angaben unbedingt trauen und 
können uns danach das Bild 
des Schlosses folgendennassen 
rekonstruiren : 

In dem unregelmässigen 
Viereck standen sich gegenüber 
die zwei palasähnlichen Bauten 
B und D. Beide schlössen sich 
an je zwei Thürme der Um- 
fassungsmauer an; die Innen- 
räume der Thürme waren theil- 
weise mit zu Wohnzwecken be- 
nutzt. Die Aussenmauem des 
Schlosses waren zugleich die 
Aussenmauem dieser Gebäude. 
Beide waren, wie es schien, im 
edelsten Uebergangsstyl erbaut 
Von B können wir sicher sagen, 
dass es ein Satteldach besass, 
noch sehen wir auf der Zeich- 
nung den stattlichen Giebel, der 
sich an den Thurm (A) anlehnte 
Der Bau scheint drei Stockwerke 
gehabt zu haben ; der Erdboden 
bedeckt heute das untere, das 
sich in einer runden Ausfall thür 
nach dem Graben öffnete. Das 
Stockwerk darüber zeigt ge- 
kuppelte Rundbogenfenster — 
es mag wohl die Prachtsäle ent- 
halten haben — , das obere 
Stockwerk ein derartiges Fenster 
und dann durch einen Pfosten getheilte geradsturzige Fenster. Gegen den Hof (O) zu 
hatte der Bau Spitzbogenfenster und ein grosses spitzbogiges Thor. Eine etwas stärkere 
Mauer trennte das letzte Drittel des Baues von dem andern Theil. Von dem gegenüber- 
liegenden Bau können wir auf dem Aquarell noch vier grosse gekuppelte Fenster 
erkennen, die gedrückte Spitzbogen zu haben scheinen, wenn das nicht, wie bei dem 




iii^TUWirf'iJ^^" 




Fig. 24. Fenster in der Tief bürg Lahr, 



AMT LAHR. — LAHR. 55 

gegenüberliegenden Bau nach den Resten sicher, als missglückte Rundbogen auf Rech- 
nung des Zeichners kommt. Die Südmauer des Hofes (C) scheint eine rundbogige 
Ausfallthür (?) gehabt zu haben und eine grosse (?) Schiessscharte, die Nordmauer — an 
der wir das gekuppelte Fenster der Schmalseiten der Bauten B wie D noch erkennen — 
öffnete sich in spitzbogigem Thor zu der steinernen Brücke. Kurzum, das klare Bild 
einer mehr ilir eine gewisse Prachtentfaltimg, als flir starke Vertheidigungen errichteten 
Anlage. 

Indess scheint eine alte Notiz, die Stein mittheilt und die auch Ruppert 
abdruckt, diesem ziemlich klaren Befund zu widersprechen. Danach stand nämlich in 
dem Schlosse noch ein auf unsem Abbildungen nicht ersichtlicher Thurm. Ich dnicke 
diese Nachricht nach Stein ab: 

In dem Schlosse stand ehemals noch ein viereckigter, 32 Fuss in das Gevierte haltender, 
Thurm, der im Jahr 1655, auf Befehl der Regierung, abgebrochen werden sollte. Sie trug dabei 
ihrem Beamten auf, fleissig zu achten, wie derselbe inwendig beschaffen sey, >da in dergleichen 
alten Gebäuden oft Sachen wären, die nicht ftlr Jedermann passten.« In dem 
hierauf erstatteten Berichte heisst es: «dass sich das Abbrechen ohne allzugrosse Mühe und Kosten 
> nicht machen lasse, denn das Gezeug sey gar fett und viel härter und fester als die Steine selbst. 
»Derowcgen habe man den Thurm mit allem Fleiss besichtigt und gefunden, dass noch ein Gewölbe 
»30 Werkschuh tief darunter sey, dieweilen aber uns der Thurm zu besteigen unmöglich, auch bei 
^solchen Umständen andern Leuten anzuvertrauen nicht zu verantworten gedacht; als haben wir dem 
»Boden gleich ein grosses Loch eingebrochen. In Auswerfung des Grundes, so viel sich annoch 
»thun lassen, in Beiseyn unserer (des Beamten und Maurenneisters) anders nichts als vermoderte 
«grosse und kleine Menschen beisamt verbrannter Asche, welches annoch auf sechs Werkschuh tief 
»und Morgens Tags, geliebts Gott, vollends ausgeführt und nach Erfund Bericht erstattet werden soll, 
: darin befunden, daraus zu muthmassen, dass vor alten Zeiten Leut darein gethan und mit Feuer 
»erstickt und vcrbrandt worden.« 

Weitere Nachrichten fehlen. Von aufgefundenen Waffen oder sonstigen Geräthschaften geschieht 
keine Erwähnung. 

Nach dem von dem Maurermeister bei dieser Gelegenheit gefertigten Plane enthält der Thurm 
drei viereckigte Gewölbe übereinander. Das unterste, 14 Fuss weit und 30 Fuss hoch, wovon 6 Fuss 
in dem Boden und 30 Fuss im lachten, hatte 9 Fuss 4 Zoll dicke Mauern. Ans ihm ging ein 
2^/2 Fuss weites Loch durch die Wölbung in das mittlere, gleich grosse, und 1 1 Fuss hohe Gemach, 
in dessen vier Seiten eben so viele innen 3 Fuss hohe, aber enge auslaufende, Wartlöcher angebracht 
waren. Eine 3^/2 Fuss lange und 2 Fuss breite Oeffnung führte in das oberste Gemach. Dieses, 
ein 10 Fuss hohes Kreuzgewölbe von der nemhchen Weite wie die übrigen, hatte auf entgegen- 
gesetzten Seiten zwei Wartlöcher, einen Kamin, einen Abtritt und eine Treppe, auf der man inner- 
halb des Thurmes auf dessen 3^/2 Fuss hohe Brustwehr stieg. Aus einer Thtire, der einzigen dieses 
Thurmes, kam man auf die Fallbrücke, welche mit den Schlossmauern oder Gebäuden in Verbindung 
gewesen seyn muss. Der Thunn scheint in der Mitte des Schlosses gestanden und jenen Platz ein- 
genommen zu haben, welchen das Viereck des, vor dem Jahre 1643 entworfenen, Schlossplanes 
bezeichnet. Diese Vermuthung wird noch dadurch sehr bestärkt, dass die Wohn- und Oekonomie- 
Gebäude an den Seiten angebracht waren, und die Schlossmauern allenthalben Oeffnungen hatten. 
Der erwähnte Regierungsbefehl nennt diesen Thurm vorzugsweise den alten, und man scheint 
ihn daher schon damals für älter als die runden Eckthürme gehalten zu haben. Auffallend ist es, 
dass das Innere desselben der Regierung und ihren Beamten unbekannt geblieben war, und dass 
man darin besondere und wichtige Geheimnisse, deren allgemeine Bekanntwerdung man nicht für 
räthlich hielt, verborgen glaubte. 

Woher diese Nachricht stammt, habe ich bis jetzt nicht konstatiren können; sie 
ist immerhin so bestimmt, dass wir ihr einstweilen Glauben schenken dürfen und ich 
möchte danach annehmen, dass dieser Wohnthurm, für den in dem doch 12 m breiten 
Hofe (C) reichlicher Platz war, stehen geblieben ist als Ueberrest der alten einfacheren 



56 KRELS OKFENBURG. 

Geschichte Ticfburg vof der Besitzergreifung durch die Geroldsecker. Nicht unmöglich aber auch, 

der StadtanUtge 

dass diese ihn gebaut haben, um der Anlage doch einen grösseren, fortifikatorischeD 
Werth zu verleihen, als sie nach unsem Bildern zu haben schien. 

In dem Hofe bei dem Thurm werden jetzt die Ueberreste des alten Lahrer Galgens 
aufbewahrt. 

Zu gleicher Zeit etwa mit diesem Burgbau wurde, einige hundert Meter davon 
entfernt, das Spital imd die Stiftskirche erbaut, die unten besprochen wird. — Im Jahie 
1279, da zum ersten Mal von einer Stadt Lahr gesprochen wird, wird dieselbe schon 
nicht mehr schutzlos den Feinden preisgegeben, sondern durch eine Befestigung geschützt 
gewesen sein. Welcher Art diese war und welchen Umfang sie hatte, können wir, 
mangels irgend welcher Anhaltspunkte, nicht sagen. Jedoch kennen wir die Lage der 
Schlosskapelle auf dem heutigen Schlossplatz, in der die Bürger bei geschlossenen 
Thoren den Gottesdienst besuchten; sie wird also gegen die Stadt zu gelegen haben, 
die sich demnach schon damals nach der gleichen Richtung wie auf dem Merian'schen 
Plane ausdehnte, wenn sie auch jedenfalls nicht so yiel Raum einnahm. Ein Blick auf 
den Stadtplan lässt zunächst eine älteste Anlage vermuthen, die durch die heutigen 
Metzgerstrasse, Kirchstrasse, Bismarckstrasse und Waldhomgasse bezeichnet wird und 
mit dem darin einbezogenen Schloss etwa ein unregelmässiges Achteck bildete. Zur Zeit 
jenes Bürgerbuches 1356 scheint Lahr trotz der nicht geringen Zahl der Btlrger keine 
grösseren Bauten besessen zu haben, auch die Zahl der aus Stein gebauten Häuser war 
gering^), so dass es, wie Ruppert sagt, »Ringmauern undThore abgerechnet, in seinem 
Aeussem in nichts von den benachbarten Dorfschaften verschieden war«. Unter den 
erwähnten Oertlichkeiten der Stadt befindet sich eine Kapelle, die Predigerherberge, ein 
Schulhaus, das Friesenthor, das Rappenthor, das Fulhabemthor, die Trinkstube, die 
Badstube, die Brodlaube, der Weg, »do die Kefige (Gefangniss) stant« u. s. w. Inner- 
halb der Ringmauer befand sich noch die Stadtmühle, die vordem dem Kloster Gengen- 
bach gehört hatte; endlich wissen wir noch, dass seit 1366 das Kloster Schuttem hier 
ein Haus besass und etwas später auch das Kloster Gengenbach. 

Das Rappenthor ist damals vielleicht am Anfang etwa der heutigen Rappenthor- 
gasse zu suchen, es hat auch zu Merians Zeiten (aber wohl an anderer Stelle?) noch 
so geheissen, während ich den Ort des Fulhabemthores nicht zu bezeichnen weiss. 
Diu-chflossen wurde die Stadt von dem Gewerbekanal, der auch den Schlossgraben 
bewässerte. Oestlich, einige 100 Meter von den Mauern entfernt, lag die Stiftskirche 
mit den Stiftsgebäuden, um die sich wohl auch schon einige Ansiedelungen gruppirt 
hatten. Vor der Stadt lag ein Ackerhof von beträchtlicher Grösse, der zum Schloss 
gehörte. Weiter südlich floss die eigentliche Schutter dahin, um sich zwischen Dinglingen 
und Lahr wieder mit dem abgeleiteten Kanal zu vereinigen. 

In den folgenden Jahrhunderten wird die Stadt trotz mancher Schwankungen 
allmählich an Umfang zugenommen haben, die alten Häuser werden durch solche aus 
Stein ersetzt worden und mancher öffentliche Bau mag erstanden sein. ^ Allzu schön 
dürfen wir uns aber diese Bauten nicht vorstellen ; bezeichnend genug ist der Umstand, 

A) Ruppert a. a. O. S. 359. 

^) Es kann nicht die Absicht sein, hier auf Grund neuer Untersuchungen die Baugeschichte 
Lahrs zu schaffen. Es wäre aber sehr erfreulich, wenn unsere Skizze dazu anregen wollte, wie Aber 
haupt eine wissenschafUiche Geschichte der Stadt Lahr ein äusserst dankenswerthes Unternehmen w£re. 



AMT LAHR. — LAHR. 57 

dass von Baufonnen des 13. bis 15. Jhs. geradezu nichts erhalten ist, während die 
Renaissance ausser grösseren Bauten auch zahb-eiche Spuren hinterlassen hat, obgleich 
zwischen beiden Perioden keine nennenswerthe Zerstörung der Stadt zu konstatiren ist, 
die das etwa erklärte. 

1456 erfahren wir von einem Rathhaus: es findet »in der grossen ratstube« ein 
Schiedsgericht statt zwischen den Klöstern Schuttem und Gengenbach. ^) Auch von 
diesem Rathhaus aber scheinen mir keinerlei Reste mehr erhalten. — 147 1 bestätigt 
Kaiser Friedrich III. die von Lahr unternommene Verlegung der Strasse, d. i. also doch 
der Schutterthalstrasse, die vormals unter der Stadt hingegangen und unbrauchbar (?) 
geworden war, in die Stadt ^ Diese hatte nun solche zu unterhalten »zu friedsamer 
Förderung und Nothdurft derer, die mit ihrer Kaufmannschaft und Handthierung die 
Stadt besuchten, in Bau und Besserung. Aus diesem Grunde erhielt sie das Recht, im 
Umfange von einer Stunde ein Weggeld zu erheben. Zugleich wurde ihr, sowie andern 
Mauthstädten die Bestrafung der Defraudanten überlassen; doch durfte der gemeine 
Mann nicht beschwert werden und den Rechten des Kaisers und Reichs, so wie Anderer, 
kein Eintrag geschehen«. Diese Strasse ist nun sicher die, welche durch die ehemalige 
Rappenvorstadt, die Rappengasse, den Urthelplatz, die Spitalgasse zum Dinglingerthor 
hinaus zog nach Dinglingen, oder wie es heute heisst (leider hat man auch hier mit den 
alten Namen aufgeräumt), durch die Geroldsecker Vorstadt, die Friedrichstrasse und die 
Kaiserstrasse nach Dinglingen. Da nun Stein an anderer Stelle (S. in) davon spricht, 
dass nach »den noch vorhandenen Trümmern« — was ich heute nicht mehr nachprüfen 
kann — die ursprüngliche Stadtmauer anders verlaufen sei, als auf dem Plane von 1643, 
nämlich »in bogenförmiger Linie bei der »Krone« und dem Willig'schen Hause durch 
die Stadt, so dass die nördliche Grenze letzterer nur wenig nördlich der Obststrasse und 
des Marktplatzes hingezogen sei, während die ganze obere Stadt erst die Folge einer 
späteren Erweiterung ist«, so scheint mir das auf den wahrscheinlichen Sachverhalt zu 
deuten: vor dem Jahre 147 1 wurde der Umfang der Stadt umschrieben durch die 
Mauern, welche sich, selbst im heutigen Plane noch erkenntlich, folgendermassen herum- 
zogen: im Nordwesten etwa im äusseren Eck der südlichen Gebäude der Hundstrasse 
beginnend, zunächst in einiger Entfernung der heutigen Schillerstrasse dieser parallel, 
dann in einem stumpfen Winkel nach Westen umbiegend mit einem weiteren Knie zum 
Gewerbekanal, von diesem mit mehreren »Knieen« zum Graben des Schlosses, das am 
Südende der Stadt über die Mauern hervorragte. An der Ostseite des Grabens schlössen 
sich diese wieder an, zogen in mehreren Knicken etwa in der Linie der heutigen Bismarck- 
strasse (an Stelle der alten Schäferei) nordöstlich zum Kanal, dann etwas umbiegend 
direkt nach Norden bis zum Vogtsthor, von hier durch die Gebäude zwischen der 
Schnadergasse und der Alleestrasse endigend in einem Knie bis zur Rappenthorgasse, 
hier das ältere Rappenthor, dann etwas nördlich der Obstgasse und des Marktplatzes 
herüber zum Anfang. Hier scheint mir die Art des Anschlusses nicht mehr zu erkennen. 
In dieser älteren Stadt waren die hervorragenden Stellen südhch das Schloss mit dem 
Schlossplatz und nördlich der Markt- oder Sonnenplatz, an dem wir wohl das alte Rath- 



*) Ruppert a. a. O. S. 374/375- 

^ Stein a. a. O. S. 42. — Da Stein leider fast nirgends seine Quellen angiebt, so sind 
seine Angaben kaum nachzuprüfen, doch ist er im Allgemeinen verlässig; hier aber habe ich gegen 
die Angabe, dass die Strasse »unbrauchbar« geworden sei, Zweifel. 



58 KRKIS OFFENI'.UR«;. 

haus vermuthen dürfen. Nördlich der Stadt nun zog die genannte grosse Strasse vorbei, 
an der allmählich ausser der schon früh genannten Rappenvorstidt auch nach Westen 
hin zahlreiche Häuser erbaut worden waren. In der zweiten Hälfte des 1 5. Jhs. machte 
sich nun das Bedürfniss fühlbar, auch diese Häuser in den Mauerbereich einzuschliessen, 
womit denn auch die Strasse in denselben fiel, was eben 1471 von Kaiser Friedrich ID. 
genehmigt wurde. Die alte nördliche Mauer wurde niedergerissen, da wo die Mauer 
von Süden herkommend auf die Rappenthorstrasse stiess, bog sie nun in einem spitzen 
Winkel nach Osten, der Südlinie der Gasse folgend, bog schliesslich um und stiess etwa 
gegenüber der Einmündung der Zollamtstrasse auf die Friedrichstrasse (ehemalige Rappen- 
gasse). Hier stand das spätere Rappenthor. Von da zog die Mauer nördlich der 
Brestenberggasse und der vorderen Mauergasse (vor der Mauer) ') in mehreren Knicken 
etwa bis zur Brunnengasse, von hier fast rechtwinklig nach Südwesten umbiegend in der 
Richtung der Schillerstrasse über die heutige Kaiserstrasse- (ehemalige Friedrichsstrasse); 
wo sie diese traf, stand das Dinglingerthor. In der gleichen Richtung zunächst weiter- 
gehend, bog sie dann etwa in der Höhe des Sonnenplatzes in fast rechtem Winkel nach 
Südwesten um und traf hier auf die ältere Befestigung. Zu den genannten zwei Haupt- 
plätzen der alten Stadt kam nun der wohl schon vor der Einbeziehung bestehende Urthel- 
platz, an dem dann — naturgemäss an der neuen Hauptstrasse — das spätere Rathhaus 
erbaut wurde. So etwa scheint mir die Baugeschichte der Stadt zu rekonstruiren. Von 
nun an fehlen weitere Anhaltspunkte, da wir aber nicht wohl Grund haben, in den zwei 
Jahrzehnten des 17. Jhs. vor dem dreissigjährigen Krieg eine bedeutende Verändenmg 
anzunehmen, so dürfte uns die Anlage im 16. Jh. durch den, den obigen Angaben schon 
zu Grunde gelegten, Meri an 'sehen Plan vor 1643 erhalten sein. Danach ergiebt sich 
eben jener Mauerumfang, wie auch die drei charakterisirten Hauptstellen leicht ersichtlich 
sind, ebei^so die grosse Strasse, welche durch den oberen Stadttheil durchführen (s. auch 
Fig. 25, unterer Plan). Wir sehen daraus, wie sich um den Urthelplatz, dessen ursprüng- 
liche Bestimmung aus seinem Namen erhellt, die wichtigsten Amtsgebäude gruppiren. ^) 
Noch in der Spitalgasse die Landschreiberei, dann am Beginn des Urthelplatzes das 
Rathhaus, weiterhin der Stiftshof, die alte Landschreiberei, die herrschaftliche Trotte, 
das Pfarrhaus, der Speicher, in der Rappengasse am Thor der Amtshof, gegenüber der 
Amtsgarten. Am Ausgang der Spitalgasse das Spital. An dem zweiten Mittelpunkt, 
dem Marktplatz, lagen Metzig und Brodlaub, am Ausgang der Judengasse die Juden- 
schule und schliesslich in der Nähe des Schlosses am Kanal Marstall, Reitschule und 
Badhaus, auf dem Schlossplatz die Kapelle. Die Stadt hatte 4 Thore, nach Westen das 
Dinglinger Thor, nach Norden das offenbar stattlichste Obere llior, welches aus zwei 
Thoren, deren vorderes mit einem Kreuzgewölbe geschmückt war, und einem Zwischen- 
hof bestand ; das Rappenthor, das sich zur Strasse ins Schutterthal öffnete und vor dem 
später die eigentlich schon früher genannte Rappenvorstadt lag. Endlich nach Süden 
zu am Ende der Kirchgasse das Vogtsthor, auch dies nach Fig. 25 aus zwei Thoren 
bestehend, wie das ja überhaupt üblich war, durch das man in die Vogtsvorstadt und 
auf dem Kirchweg zwischen dem Schulgarten und dem Pfarrgarten in die Stiftskirche 

^) In der hinteren Mauergasse Nr. 6 noch die unten erwähnten Reste der Mauer und eines 
halbrunden Thunnes. 

^) Ich entnehme diese Angaben der Erklärung Stein's zu seinem Plan II (Fig, 24), von denen 
ich nicht weiss, woher er sie hat. 



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AMT LAHR. - LAHR. 



59 



gelangte und zu dem Kloster, hinter dem sich der Stiflsgarten und der Dekanatsgarten 
ausdehnte. Ihnen gegenüber, über dem Kanal z\%ischen diesem und der Schutter, der 
Diakonatsgarten und die Klostermatte, weiter nach Westen die Amtsmatte und vor 
einem Theil der Südseite die Schäferei. Von Brunnen finden wir vermerkt auf dem 






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Fig. 26. Vogtsthor und Vogtsvorstadt am Ende des 18. Jhs. (von der Schäferei aus gesehen). 



Urthelplatz der »obere Stockbnmn«, am Ausgang der späteren Hundsgasse der »Bader- 
bninn«, am Beginn der Kirchgasse der »untere Stockbrunn«, in der »Kirchgasse« der 
»Kuttelbrunn«. Die Namen der Strassen sind zum ITieil dieselben geblieben bis ins 
19- V^'f wie wir sie auf dem Plan von 1827 noch lesen; nur der Name der Badergasse 
ist in Mühlgasse, der Strauchgasse in Schnadergasse umgeändert worden ; erst die unselige 
Umtaufleidenschaft unserer Tage hat gerade die für die Geschichte -der Stadt charak- 



6o 



KRKIS OFFENBURG. 



teristischen alten Namen hinweggenommen. Die Zahl der Häuser^) betrug 1629 ohne 
die gefreiten und ritterschaftlichen Sitze und ohne Burgheim 275. So mag die Stadt 
ziemlich unverändert bis in das Ende des 18. Jhs. ausgesehen haben, die Verwüstungen 
der Franzosenkriege allerdings dazu gerechnet 1734 wurde zum letztenmal das Schloss 

mit Palissaden und trocknen 
Mauern so gut wie möglich 
befestigt, die Mauern längs der 
Schäferei abgebrochen und vor 
den Stadtthoren Gatterwerke 
angelegt Ein Bild des Schlosses 
in damaliger Zeit haben wir 
in Fig. 17 und 18 gegeben. 
In dem Graben waren mit der 
Zeit Karpfenteiche angelegt 
worden. 1754 tiberliess Fürst 
Carl von Nassau den ganzen 
Platz nebst dem Graben und 
der steinernen Brücke, mit Aus- 
nahme des zu Gefängnissen 
gebrauchten Thurmes imd des' 
Folterhäuschens der Stadt zum 
Anbau mit Häusern. ^) 

Eine Ansicht eines Theils 
der Stadt, nämlich des Vogts- 
thores mit dem Anßing der 
Vogtsvorstadt von der Schäferei 
aus, aus dem Ende des 1 8. Jhs. 
können wir nach einer Aquarell- 
kopie aus den Stadt. Samm- 
lungen in Fig. 26 wiedergeben. 
Hier sehen wir auch die Stadt- 
mauer, über deren üblichen 
Typus mit hölzernen gedeckten 
Wehrgängen uns die Bilder der 
Tiefbiurg ebenfalls Aufschluss 
gaben, an welche sie mit 
runden Thürmen anschloss. Als 
Stein seine Geschichte der 
Stadt T^r schrieb {1827), 
standen noch das Dinglinger Thor und das obere 'llior, aber seinem Plan nach nur noch 
zum kleinen ITieil, während das Rappenthor mehrere Jahre vorher und das Vogtsthor ein 
Jahr vorher abgebrochen war; die Hauptstrasse, vor den Mauern neue, in der Stadt 
Marktstrasse, führte bereits über den Schlossplatz. Die Vorstädte, sowohl die alten : die 

^) Stein a. a. O. S. 112. 
'^) Ebenda S. 108. 




Fig. 2y. Alte Strasse in Lahr. 

(Getuschte FederaeicknuHg von K. Weysser im Bilderarchiv 

der Grossh. Sammlungen.) 



AMT LAHR. - LAHR. 6l 

Rappen- und die Vogtsvorstadt, als auch die Dinglinger Vorstadt hatten damals ein 
grosses Wachsthum zu verzeichnen. In ihnen waren eine Anzahl, zum Theil sehr statt- 
licher und vornehmer Häuser im späten Zopf- und Biedermeierstyl entstanden, typisch 
für Lahr insbesondere die Verbindung eines freistehenden Wohnhauses mit zwei ein- 
stöckigen, vorgelagerten Flügelbauten, Magazinen und im Anschluss daran noch Fabrik- 
gebäude, wie die verschiedenen Lotzbeck'schen Anlagen, die Friedrich Vogel'schen 
Gebäude, die Trampler*sche und die Daniel Völcker'sche Cichorienfabrik. Auf noch 
erhaltene, charakteristische Beispiele werde ich unten eingehen. Die Altstadt bot, wie 
gesagt, ziemlich unverändert noch das alte Bild. Aber auch diesem wollte man zu 
Leibe gehen. Der Stadtrath Hess damals durch Weinbrenner eben Plan ausarbeiten, 
nach dem Lahr zu einer regelmässigen Anlage umgeändert werden sollte. ') Derselbe 
kam jedoch nicht zur Ausführung. Indess hat das 19. Jh. doch so gründlich mit dem 
Alten aufgeräumt, dass das Stadtbild stark verändert erscheint Die Grundanlage blickt 
allerdings noch durch und besonders zwischen Marktplatz und Storchenthurm hat sich 
der alte Charakter noch ziemlich erhalten. Hier haben sich auch noch malerische 
Gässchen erhalten, mit Fachwerkbauten und Holzgallerien, wie sie Weysser in seinen 
Aquarellen und Zeichnungen, von denen wir eine (s. Fig. 27) abbilden, festgehalten hat. 
Ein besonders schöner Blick von der Brücke bei dem Schlossplatz. Wenn nun auch 
nur ein Pedant verlangen kann, dass unbesehen jedes alte Haus konservirt werde, so 
kann die Denkmalpflege doch fordern, dass nicht lediglich der Reisschiene und dem 
Zirkel des Geometers zu Liebe ohne dringende Nothwendigkeit der Charakter dieses 
Stadttheils verwischt und durch eine banale Neuanlage ersetzt werde. 

Kirchen: Die ersten Ansiedelungen um die Burg Lahr gehörten in das Kirchspiel Kirchen 
Burgheim, als aber nach der Erhebung zur Stadt dieselbe sich auch westwärts ausdehnte, 
tiberschritt sie damit die Zehntgrenze von Burgheim und damit gehörte ein Theil in das 
Kirchspiel Dinglingen. So besass Lahr, längst Stadt geworden und an Bedeutung allen 
Nachbarorten überlegen, bis zum Ende des Mittelalters keine Pfarrkirche. Denn das 
vor den Mauern gelegene Kloster, über welches weiter unten gehandelt wird, besass zwar 
eine stattliche Kirche, aber keine Pfarrrechte. In der Stadt existirte als älteste Kaplanei 
die bei dem Schloss. Die Schlosskapelle (unser liebe frau und die märtyrer Crispin SchioM-Kapeiie 
und Crispinian. in der kapelle zu Lahr ad a. 1497) stand an der von uns schon ange- 
gebenen Stelle vor dem Schloss. Später entstand dann die Kapelle im 7ieuen Spital. Spitai Kapeii« 
Während das alte sich seiner Stiftung gemäss bei dem Kloster befand, war dieses neue 
mindestens 90 Jahre nach jenem schon in der Stadt gegründet und ist, wenigstens 
später, an dem Dinglingerthore nachzuweisen. In diesem neuen Spital stiftete Walther VI. 
am 2. März 1349 in honorem trium magorum et S. Petri et Pauli eine Pfründe 2), deren 
Patronat er sich und seinen Nachkommen reservirte. In der Urkunde ist sein Bruder 
Heinrich »rector ecclesiae parochialis in Dinglingen«, in dessen Kirchspiel eben dies 
Hospital gelegen sei, erwähnt. Es ist dies der Bruder, der wieder in den weltlichen 
Stand zurücktreten musste, um das Geschlecht weiterzuführen, als Walther noch in dem 
gleichen Jahre starb. Sein Vater, Walther V., stiftete dann am 5. November des gleichen 
Jahres in dem gleichen Spital »in hospitali novo« eine Pfründe zu Ehren der h. Nicolaus, 

^) Stein a. a. O. S. 113. 

*;: Reinhard Urk. S. 57. — Ruppert a. a. O. S. 370. 



62 KREIS OFFENBURO. 

Erhard und Leonhard, deren Patronat er sich ebenfalls reservirte. ^) Enrähnt wird 
»Ulrich Püster ein priester, zu den Ziten spittal pfleger zu Lar 1 39 1 < ; ein »Jocob caplon 
zu sant Peter und sant Paulus alter in dem spittal zu Lor gelegen 1419; capellanus 
sancti Anthonii hospitalis infirmorum 1464; capellanus sanctorum Leonhardi et Nicolai 
vel dominii in hospitali 1464.« *) Wie bei der Schlosskapelle wurden auch diese Priester- 
präbenden später mit dem Stifte vereinigt und während der Gemeinherrschaft Badens 
und Nassaus von diesen abwechselnd vergeben. 

Der Mangel einer eigenen Pfarrei machte sich aber allmählich immer fühlbarer, 
denn nur in Nothfallen dringendster Art war es den Geistlichen oben genannter Pfründen 
gestattet, Funktionen vorzunehmen, die den Pfarrherm von Burgheim und Dinglingen 
zustanden. Zur Errichtung einer Pfarrei aber gehörte nicht nur die Zustimmung der 
Herrschaft und des Bischofs, sondern auch des Pfarrers und des Patronatsherm von 
Burgheim, welches an die Markgrafen von Baden übergegangen war. (Das von Ding- 
lingen war an das Hochstift Strassburg gekommen.) Erst als die Markgrafen Mitbesitzer 
der Herrschaft Lahr geworden waren, war es möglich, die Pfarrei Burgheim dem Stifte 
in Lahr zu inkorporiren (1492). Die Einwohner von Burgheim und Lahr hatten nun 
ihre Pfarrkirche zu sehen in der altem Stiftskirche. Der Frühmesser im Spital und der 
Kaplan auf dem Schlosse hatten sich aller seelsorgerlichen Verrichtungen zu enthalten. 
Nur wenn bei Nacht die Thore geschlossen waren, der Zugang zu dem draussen gelegenen 
Stift also nicht möglich war, durften der Kaplan der Schlosskapelle und der von Burg- 
heim die Funktionen versehen. ^) Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei aber behielt 
sich Baden vor und ernannte sofort den Pfarrer Jacob Boll von Stuttgart dazu, der 
damit zugleich Canonicus im Stift werden musste. 

Kurz nach dieser Neuordnung wurde in der Schlosskapelle eine Predigerpfiründe 
von den Meistern des Schuhmacher- und Gerberhandwerks zu Lahr gestiftet *) und ich 
vermuthe, dass die Schutzheiligen dieser Zunft damals erst in den Titel dieser Kapelle 
hineinkamen. 1518 wird noch erwähnt ein »Johannes Schyber zu der zeyt capplan 
unserer frowen in der cappelen by dem schloss in der stat Ix)re«; bald darauf drangen 
die Wogen der Reformation auch nach I^hr. Der neuen Lehre war Nassau von vorn- 
herein günstig gesinnt, während Markgraf Philipp I. eine schwankende Haltung einnahm. 
So konnte sich die neue Lehre in Lahr leicht einbürgern. Während des Bauernkrieges 
und seiner Nachwirkungen hatte die I^ahrer Gemeinshernschaft die Geistlichen ange- 
wiesen, die Predigten dem Evangelium gemäss zu halten, den Sterbenden auf ihr Verlangen 
das Abendmahl in beiderlei Gestalten zu reichen u. s. w. Nach der Niederwerfung der 
Bauern 1526 kamen von Baden aus entgegengesetzte Befehle; als aber 1533 Markgraf 
Bernhard III. an die Regierung kam, der wie Nassau der neuen Lehre zugethan, da 
machte diese rasche Fortschritte, allerdings traten noch mehrere Schwankungen ein. 
Etwa 1554/55 aber wurde mit Johannes Wolph aus Koburg der erste eigentliche prote- 
stantische Pfarrer in Lahr eingesetzt; 1558 an und 1567 wurde durch Beschlüsse der 
Gemeinherrschaft die neue Lehre zur allein herrschenden erklärt. Bei der Theilung 1629 

^; Reinhard Urk. S. 59. -— Ruppert a. a. O. .S. 372. 

2) Krieger II S. 8. 

^) Ruppert a. a. O. S. 362. 

*) Henning ^- *• ^^- ''^- '°^- 



I 



AMT LAHR. — LAHR. 63 

kam Lahr an Nassau und blieb somit protestantisch. Erst im Jahre 1844 wurde wieder 
mit dem Bau einer katholischen Kirche begonnen. 

Auch nach Einführung der neuen Lehre blieben die Kapellen bestehen, auch das 
Stift blieb bei seiner Einrichtung und erlosch erst allmählich. In den Stürmen der 
Franzosenkriege aber verbrannten 1673 die Schlosskapelle und 1677 die obengenannte 
Spitalkapelle, während die Stiftskirche als Pfarrkirche bestehen blieb. 

Ausser diesen Gotteshäusern bestand aber nach Stein noch eine Gutleuthaus- Guticutiiaut- 
kapelle \ in welcher der Pfarrer von Dinglingen zu bestimmten Zeiten predigen musste, 
die ebenfalls nicht mehr existirt. Bezieht sich darauf etwa die Nachricht von einem 
»her Heinrich von Gisingen, lütpriester ze Lare 131 2«?-) 

Das Augusimerkloster und das ehemalige Spital verdankt seine Ciründung der Augustiner 
Gemahlin Walthers II. von Geroldseck. Diese hatte in ihrem Testamente 5>pro sui ipsius 
ac suorum parentum animarum remedio« die Gründung eines Spitals für den freien 
Unterhalt von zwölf Armen angeordnet und ihrem Gemahle empfohlen. ^) Dieser berief 
zu diesem Zwecke aus dem Kloster Steige im Elsass vier Brüder und zwei Laienbrüder 
(servos?) und übergab ihnen am 30. November 1259 in der Nähe seines Schlosses (s. o. 
iuxta munitionem nostram) eine Hofstätte, stellte ausserdem noch drei Personen zur 
Pflege der Armen an und stattete diese Stiftung offenbar auch sonst reichlich aus. (Der 
Stiftungsbrief ist stark beschädigt.) Weitere Vergabungen machte er dem Kloster 1265 *) 
und 1 2 7 5 5). Auch sonst mögen demselben von verschiedensten Seiten Gaben zugeflossen 
sein, so dass dasselbe rasch emporblühte, was wir allerdings nur aus den Baulichkeiten 
schliessen können ; denn, da das Archiv des Klosters gänzlich verloren scheint \ so ist 
über seine Schicksale bis zur Säkularisation nur bekannt, was aus den sonstigen Lahrer 
kirchlichen Verhältnissen erhellt. Auch in der Litteratur scheint das Kloster nicht 
bekannt. 

Die Mönche gehörten dem »Augustinerorden« an, d. h. wohl den nicht lange 
vorher aufgekommenen Augustiner-Eremiten und zwar einer Kongregation, deren Mutter- 
kloster wohl das erwähnte »Steige« gewesen zu sein scheint. Dieser Gruppe gehörten 
nur fünf Klöster an, eben Steige, Zabem, Landau, Lahr und auf dem Beerenberge. Mit 
allen waren Spitäler verbunden.') Angeblich gab ihnen erst 1289 Papst Nikolaus die 
Bestätigung ihrer Einrichtungen und Besitzungen. Wir hören dann von einigen neuen 
Schenkungen aus dem 14. Jh. ^), von »prior und convent dez closters an der nider 
steygen by Lor 1419« ^) und von einem »her peter, capplon in dem closter zu der 
nidem steigen by Lor gelegen 141 9«. 

1482: »das closter zuo Lar zu einem stifit erhoben«. Aus einem Sinne heraus, 
der am Ende des 15. Jhs. manche ähnliche Umwandeliingen bewirkte - die gesammten 



') Stein a. a. O. S. 122. 

2) Krieger II S. 8. 

') Reinhard Urk. S. 34. 

*) Ebenda S. 35. 

^) Ebenda S. 36. 

^: Ruppert a. a. O. S. 367. 

*) Stein a. a. (). S. 119. 

^'} Ruppert a. a. ( ). S. 368. 

^) Krieger 11 S. 9 u. Mitiheil. d. hislor. Komm. 23, 108. 



64 



KREIS OFFENBURG. 



oben genannten fünf Klöster sollen nur noch 3 2 Mönche gezählt haben ^) — , trug der 
Generalprior bei Sixtus IV. auf Umwandlung in weltliche Stifter an ; in der That bestätigte 
der Papst in der Bulle vom 17. Juni 1482 die Umwandlung, die Bischof Albert von 
Strassburg schon am 8. Februar desselben Jahres vorgenommen hatte. Des letzteren 
Aufsicht wurde das Stift fortan unterstellt, der Prior wurde Dekan, von den neun vor- 
handenen Mönchen fünf Chorherm, die übrigen Vikare. Im Jahre 1492 wurde dann, 
wie oben erzählt, die Stiftskirche zur Pfarrkirche, der neue berufene Pfarrer musste damit 
eines der Kanonikate erhalten und da gerade keines frei war, so verzichtete Anton Sybolt 




Fig. 28. Ansicht der Stiftskirche (vom Eingang Otts) vor dem Jahre IJS^, 
(Aquarell in der Stadt. AlterthMnissammlung in Lahr.) 

gegen ein Leibgeding auf das seine. Als Entgelt aber für seine Nachgiebigkeit in der 
Pfarreifrage hatte Markgraf Christoph von Baden verlangt und erhalten, dass das Stift 
sein bisheriges Recht, Dekanat, Kanonikat und Vikariate selbst zu vergeben, abtreten 
musste, ersteres hatte nun Baden, die beiden anderen Stellen abwechselnd Baden und 
Nassau zu besetzen. Wenn schon bald die Zahl der Chorherrn nie vollständig war und 
das Einkommen der nicht besetzten Stellen zu Aufbesserung der übrigen Pfründen 
verwendet wurde, so schlich sich jetzt bald der Missbrauch ein, es zu anderen Zwecken, 
zur Unterstützung für Studierende auszugeben, was natürlich dem Stift nicht förderlich 
war, aber mit dem Aufkommen der neuen Lehre immer häufiger wurde. Endlich hatte 
die arge Verwilderung, die so viele Klöster am Ende des Mittelalters ergriffen hatte, auch 

^) Stein a. a. O. S. 119. 



AMT LAHR. — LAHR. 6$ 

hier die gute Zucht gelockert; inshesondere die Beziehungen mit dem Kloster Gengen- 
bach gaben zu argen Skandalen Anlass und die liederlichen Priesterraägde erregten 
grosses Aergemiss. Bei den schwankenden Religionsverhältnissen war eine Besserung 
dieser Zustände kaum möglich. 1558 aber wurde das Stift von den protestantischen 
Beamten in Besitz genommen. 

Als Spital ist es wohl bald zu klein geworden, wir hören daneben von einem 
neuen, offenbar schon am Anfang des 14. Jhs., gegen welches das alte immer mehr 
zurückgetreten ist Von ihm, wie den Klostergebäuden ist heute nichts mehr erhalten. 
Sie schlössen sich (s. Plan Fig. 25) an die Südseite der Kirche an und bogen dann in 
rechtem Winkel parallel zur Schutter um ; eine offenbar ziemlich unbedeutende Anlage, 
die seit der Reformation allmählich zerüel. 

Dagegen steht noch die ehemalige Stiftskirche, jetzige Pfarrkirche, ehemaliger 
Titulus: unserer lieben Frau, später S. Jakob; allerdings nicht mehr in ihrem ursprüng- 
lichen Zustand. In den Jahren 1848 bis 185 1 wurde der schadhaft gewordene Bau 
durch Eisenlohr restaurirt. Aus den damaligen Vorlageberichten an den Oberkirchen- 
rath, der alten Zeichnung in den Stadt. Sammlungen vor dem Jahre 1736 (s. Fig. 28) 
und dem heutigen Befund lässt sich der einstige Zustand deutlich erkennen, von dem 
auch der restaurirte Bau, von den Details abgesehen, ein ziemlich richtiges Bild giebt. 

Wir haben eine dreischiffige, gewölbte, basilikale Anlage ohne Querschiff (s. Fig. 29) Baubeschr«bung 
vor uns mit aus dem Achteck geschlossenen Chor, dem ein verhältnissmässig schmales 
Viereck vorgelegt ist. Die Seitenschiffe sind zu beiden Seiten dieses Vierecks in je 
einer Kapelle weitergeführt. Viereckige Pfeiler mit vorgelegten Halbsäulen tragen die 
Gurtbögen der Gewölbe und zwar sind diese Halbsäulen im Mittelschiff, wo sie bis zu 
dessen Gewölben emporschiessen, äusserst schlank und von bedeutend geringerem Durch- 
messer sowohl als die unverhältnissmässig starken HaJbsäulenvorlagen, welche die Arkaden- 
bögen und die, welche die Gurtbögen der Seitenschiffe tragen, als auch die Halbsäulen 
an den Wänden der Seitenschiffe. Die Kreuzrippengewölbe des Mittelschiffs mit etwas 
ansteigendem Scheitel sind auf oblongem Grundriss errichtet, ihnen entspricht je ein 
quadratisches Kreuzrippengewölbe mit geradem Scheitel in den Seitenschiffen. Einen 
schmalen, oblongen Grundriss weist dann das Gewölbe vor dem Chor auf, der letztere 
hat die einfachste Form der Achteckeinwölbung mit Rippen und Schlussstein. Acht 
Strebepfeiler stützen auf jeder Seite des Langhauses das Gewölbesystem, vier an den 
Ecken des Achtecks dasjenige des Chors. Die beiden westlichsten, sechsten Joche des 
Seitenschiffes ilankiren den Thurm, der in die Fagade eingebaut, aber gänzlich als 
Neubau des 19. Jhs. zu betrachten ist, auch die Fagade ist so sehr erneuert, dass nur 
die drei bei der Restauration wieder verwendeten Portale für uns in Betracht kommen. 
Erhellt wird der Chor durch ein zweipfostiges und vier einpfostige Spitzbogenfenster. 
In letzterer Form wird auch den Seitenschiffen und den beiden Kapellen zu Seiten des 
Chores Licht zugeführt, während niedrige gedrückte Spitzbogenfenster über den Dächern 
der Seitenschiffe dem Mittelschiff Licht geben. 

Dem alten Bau gehören nun an zunächst die Grundmauern der ganzen Anlage, 
mit Ausnahme der Fagade. Der östliche Theil der Kirche, der Chor, die beiden 
Kapellen, das erste Joch des Mittelschiffes und je die zwei östlichsten Joche der Seiten- 
schiffe mit ihren Hochmauem, Pfeilern, Halbsäulenvorlagen und (jewölben repräsentiren 
mit Ausnahme der wenigen Ausflickungen in Stuck an den Kapitellen der Dienste den 

Band VII. 5 



66 



KKEIS (Ur KN'BURG. 




¥ 



■f^ 



J'/j^. 2q. Crfintdriss der Stiftskirche in Lahr. 

ursprünglichen Zustand. »Nicht nur der Chor istv^, schreibt Eisenlohr in einem der 
erwähnten Vorlageberichte an den Oberkirchenrath , »mit einem sehr schönen und 
wohlerhaltenen Gewölbe, sondern auch das zunächst angrenzende Viereck des Mittel- 



AMT LAHR. — LAHR. 67 

schififs mit einem ganz ähnlichen versehen, ja die beiden Seitenschiffe sind noch um ein 
Feld weiter westlich eingewölbt, was beinahe ihre (der Kirche) halbe Länge beträgt«.') 
Kine genaue Untersuchung dieser Theile hat denn auch ergeben, dass mit Ausnahme 
der Stuckergänzungen an den Kapitellen, die, schon oben erwähnt, zugleich ein untrüg- 
liches Kriterium des Alten sind, Eisenlohr diese Theile, abgesehen von dem Anstrich 
unberührt gelassen hat, was ich ausdrücklich betonen möchte, da die etwas flaue Be- 
handlung der Kapitelle den oberflächlichen Beschauer leicht zu der Annahme verleiten 
möchte, sie seien neu.^) Niu- die Pfosten und das Masswerk der Fenster sind • — das 
vollständig alte Mittelfenster des Chors ausgenommen — neuen Ursprungs, die Gewände 
selbst zum Theil auch, zum Theil abgespitzt; das Fenster im östlichsten Joche des süd- 
lichen Seitenschifls ist — hier stiess ehemals das Kloster an — ebenfalls erst bei der 
Restauration gebrochen worden, wie auch das Fenster im zweitöstlichsten Joche des 
nördlichen Seitenschifls. Entsprechend der alten Wölbung dieser Teile sind auch die 
vier östlichsten Strebepfeiler an der Nordwand, sowie diejenigen des Chores alt, während 
an der Langhaussüdseite, wohl des angebauten Klosters halber (?) keine vorhanden waren 
(s. unten). Von den alten Strebepfeilern der Nordwand an zieht sich ein Kaffgesims, 
das zugleich als Fensterbank dient, mit starker Hohlkehle imd Platte um diesen Theil der 
Nordwand wie um den Chor zu dessen erhöhten Fensterbänken ansteigend herum. Im 
weiteren Theile des Langhauses sind zwar alle Pfeiler und Wandsäulen wie die Wände 
alt, ihre Basen auch meistens unberührt, ihre Kapitelle aber müssen fast gänzlich abge- 
schlagen gewesen sein, zum grossen Theil auch die über die Arkaden hinaufstrebenden 
Schäfte der Dienste des Mittelschiffs, sie sind alle von Eisenlohr in ziemlich getreuer, 
aber der Zeit entsprechend trockener Nachahmung der alten Theile erneuert worden. 
Er hat hier denn auch die Gewölbe eingezogen, die Seitenthüren gebrochen und einen 
Theil der Fenster erneuert, sowie die sämmtlichen Strebepfeiler an diesen Theilen 
errichtet. Von dem Fagadeneck aber bis zum zweiten Fenster hat sich auf beiden Seiten 
ein Stück des alten, niederen, einfach abgeschrägten Sockels erhalten. Alt dann noch, 
wie schon erwähnt, die drei spätgothischen Portale der Fa^ade. 

Da es bei dem Ineinandergreifen der alten, neuen und ergänzten Theile nicht gut 
zu machen war, dieselben im Grundriss durch Schraffirung zu scheiden, so gebe ich 
hiermit ein Verzeichniss der alten, der erneuerten, und neuen Theile mit Zugrundelegung 
der in dem Plan eingeschriebenen Buchstaben und Zahlen : 

Die Chorgewölbe / und // sowie das Mittelschiffgewölbe alt, die Mittelschiffgewölbe /// bis 
y// neu. 

Die Seilenschiffgewölbe tffli, ^^i, cc^ sind alt, Jäi, ^^1, //i, ggi neu. 
Die Dienste und die PfeUer ««i, ßßi^ TTii ^^v "i* ^ii ^^^^ durchaus alt, ebenso die 
Halbsänien JlAi, /«/«i, w^; nur an den Kapitellen von 1 1 1, ^Ci ^nden sich einige Ergänzungen 
in Stuck. 

Bei den PfeUem 17171 und 6-&i sind die Basen alt, alle Kapitelle und wohl auch die die 
Gewölbe des Mittelschiffs tragenden Dienste neu, d. h. also von Eisenlohr im Anschluss an die 
alten Osttheile ergänzt, ebenso sind die Halbsäulen der Seilenschiffe o 1, 9 9) 1 in den Basen alt, 

^) »Im Jahre 1844 wurde für das Herauswerfen des Schuttes, welcher auf den Gewölben lag, 
67 fl. 16 kr. Rlr Taglohn bezahlt. Damals waren in jedem der beiden Flügel der Kirche die Ge- 
wölbe 47 Fuss lang und 16 Fuss breit, t (Aus den Vorlageberichten des Oberkirchenraths.) 

^ Die Eisenlohr 'sehe Art ist eine ganz andere, die sich deutlich in den in obiger Schilde- 
rung als neu angegebenen Theilen dokumentirt. 

5* 



68 



KREIS OFFENBURG. 



Alte Innenansicht ig 



l^ttner 



in den Kapitellen ergänzt. Bei ^ und yr i scheint ein alter Kern vorhanden zu sein, doch bin ich 
da nicht ganz sicher, während t und ^i ganz neu sein dfirften. 

Von den Fenstern ist das mittlere Chorfenster ^ ganz allein intakt erhalten, B B i^ C Ci, DD^ 
sind in dem Gewände ih eil weise alt, Pfosten und Masswerk aber sind neu eingesetzt. Sic hatten, 

wie die Spuren zeigen, die frilb- 
gothische Theilung mit vorgdegtes 
schlanken Halbsäulen gleich dem 
Mittelfenster. Von den Fenstern der 
Nordwand sind dann £, K und L 
in gleichem Sinne all, F' G und H 
scheinen auch nach den V'orlagcn de 
Oberkirchenraths neu zu sein; eben- 
so die Thüre bei F, Von des 
Fenstern des Miitelschifies sind dk 
über E /'und K in ihren Gewindea 
alt ; Pfosten und Masswerk neu, wie 
die Oberfenster über G und H. 

An der Südseite sind die 
Fenster E^, G x, H^ vollständig 
neu; /^i, K^y -^i, sowie diis zuge- 
mauerte Rundfenster bei Gy in 
ihren Gewänden? alt. 

Alt die Portale -V, K, Z. 
Dieses Resultat wird durch 
die alte Intunansuht (s. Fig. 27 
ergänzt und bestätigt, welche ans 
der Zeit zwischen 17 17 bis 1737 
stammt, da sie Lettner und Barodt- 
Orgel zeigt. Von 1677 nämück 
dem Jahre des Brandes durch die 
Franzosen, bis 1717 war keine Orgd 
in der Kirche. In letztgenanntem 
Jahre wurde eine neue Orgel ange- 
schafft und auf den Ltttner gestdh, 
welcher den Chor von dem Lang- 
haus trennte. 1736 stellte Stiftsver- 
walter Dreyspring bei der Kirchen- 
behörde den Antrag auf Entfernung 
des Lettners und entwarf dazu einen 
Plan der Stiftskirche, w^elcher ach 
im Generallandesarchiv in Karlsruhe 
befindet. Diesem Antrag wurde statt- 
gegeben und die Veränderungen 
ausgeführt, 1737 also der Lettner 
mit seinen Kreuzgewölben ganz ent- 
fernt und die Orgel in den Thunn 
versetzt; später, i. J. 1754, wurde 
sie zwar wieder in den Chor vcr 
bracht. Unsere Zeichnung, vennuih- 
lich auch von Dreyspring, giebt also den Bestand vor 1737, allerdings recht ungeschickt wieder. 
Wir sehen das heute noch stehende Chorgewölbc, den in drei Spitzbogen sich öffnenden Lettner, 
die Orgel darauf mit barockgeschnitzten Orgelgehäuse und Holzgitter auf der Lettnerbrttstung, wir 
sehen die wenigen alten Fenster im Mittelschiff, die Fenster des Seitenschiffs mit dem alten Masswerk, 
die Dienste des MitielschilTs in falscher Weise mit Bogen verbunden, die Balkendecken der .Schiffe 




H — h 



I I I I 



^^S' S^' Mittleres . Chorfenster der Stiftskirche in Lahr. 



AMT LAHR. — LAHR. 



69 



— dass das erste Joch noch gewölbt war, hat die Ungeschicklichkeit des Zeichners nicht anzugeben 
vermocht. Im stldlichen Seitenschiff war eine Holzgallerie eingebaut, im nördlichen sehen wir eine 
ThOr mit Eselsrückenbogen und daneben zwei offenbar reichere Grabmäler. 

Weitere Anhaltspunkte giebt uns der Plan von Lahr i. J. 1827. Dort sehen wir die Kirche 
mit den von uns als alt bezeichneten Strebepfeilern und mit dem eingebauten, etwas über die 
Fagade vorspringenden Thurm, der bald darauf die Kirche mit Einsturzgefahr bedrohte. 

In dem Chor, dem ersten Gewölbefeld des Mittelschiffs, den zwei Seitengewölben 
des Seitenschiffs und den zwei Kapellen (/, //, ///, aa^, bb^, cc^ des Planes) haben 











f^'g- 31 ' 




Kapitell und Rippenansatz eines Dienstes im Chor und einer Halbsäulenvorlage 
im Seitenschiff der Stiftskirche zu Lahr. 



>vir also mit Ausnahme der ausser im mittleren Chorfenster ergänzten Pfosten und Mass- 
werke den unberührten alten Theil vor uns, aus dem wir uns ein Urtheil über die 
Gestaltung des übrigen und über die Detailbehandlung bilden können. Da haben wir 
denn durchaus die Formen und die Anlagen der frühesten Gothik vor ims. Ein 
typisches Beispiel derselben ist das Mittelfenster (s. Fig. 30) mit seinen zwei Pfosten und 
den vorgelegten vier Säulchen, welche die Spitzbogen tragen, von denen der mittlere 
höher ist. Die Säulchen zeigen noch die flachen Tellerbasen, das schmucklose Kelch- 
kapitell mit der flachen Kämpferplatte, von dem die runden Wülste ausgehen, welche 
die Spitzbögen, den grossen Spitzbogen und die drei Vierpässe umziehen. Die Arbeit 
ist hier ausserordentlich exakt und sauber. Die schlanken Dienste, welche die Gewölbe 
des Chores tragen, haben Tellerbasen und zwei ein Knospenkapitell (s. P'ig. 31), dessen 
stylisirende Behandlung fast noch an den Uebergangsstyl anklingt im Gegensatz zu der 
ausgeprägt gothischen, hohlgekehlten und abgeschrägten Kämpferplatte, Die starken 
Rippen haben das einfache, abgeschrägte Profil der Frühzeit. Aehnlich sind die Halb- 
säulen im Seitenschiff behandelt, nur ist ihr Kapitell reicher verziert durch weniger 



Detail- 
behaodluDg 



70 



KREIS OKFENBURG. 



Portale 



Gesammtanlage 




stylisirte Knospen mit sich durchschneidenden Stengeln. Die Schiflfspfeiler in der ein- 
fachen Form eines Quadrates mit vorgelegten Halbsäulen (s. Fig. 32) zeigen an den Kapitellen 
dieser, also auch der das Mittelschiffgewölbe tragenden Dienste, um welche die Deck- 
platte der anderen Halbsäulenvorlagen wie ein Ring herumzieht, die Fortentwickelung 
dieses Knospenkapitells allerdings in einer etwas flauen Form, ähnliches die übrigen Chor- 
dienste. Die Rippen sind überall wie im Chor behandelt. Die Schlusssteine zeigen ähn- 
liches Blattwerk wie die Kapitelle, in den Kapellen aa^ die (ja häufig vorkommende) Hand 

auf dem Kreuz. Die Strebepfeiler, 
von denen allerdings der erste alte 
iS des Grundrisses) stark verändert 
und geflickt ist, sind einmal abge- 
treppt durch die als Kaffgesims 
sich herumziehende Wasserschräge 
mit starker Hohlkehle, auch ihre 
schräge Plattenabdeckung endigt 
in einer Schräge mit Hohlkehle. 
Das Material des Baues 
ist der rothe Sandstein der Um- 
gegend, dessen glatt behauene 
Quader, abwechselnd Binder und 
Stösser, von guter Technik zeigen. 
Am Chor finden sich die in Fig. 33 
oben abgebildeten frühen Stein- 
metzzeichen. 

Die drei Portale an der 
Fagade gehören einer weit jüngeren 
Periode, der Spätgothik an. Ihre 
Gewände sind mit sich durch- 
schneidenden Rundstäben auf 
kleinen steilen, reich gegliederten 
Basen und Hohlkehlen profilirt; 
das mittlere Portal (Fig. 34) ist ent- 
sprechend reicher behandelt. 



-Wwt \ \ ^- 



-^l! 




Pig' 3^' Pfeiler im Mittelschiff der Stiftskirche zu Lahr. 



Die Anlage des östlichen ITieiles, die zugleich bekundet, wie das ganze Langhaus 
— im Sinne der heutigen Ausführung — gedacht war, weist auf einen Meister, der noch 
aus dem Uebergangsstyl herausgewachsen, sich über die konstruktiven und ästhetischen 
Vorzüge des neuen Styles wohl im Klaren war (s. Fig. 35 und 36). Die Konzentrirung 
der Last der Gewölbe auf die Pfeiler, die Begegnung ihres Schubes durch die Strebepfeiler, 
die oblonge Mittelschifflravee, die hohe luftige Gestaltung des Chores sind Beweise dafür. 
Leider ist sein Plan nicht ganz zur Ausführung gekommen und der Bau später recht 
verdorben worden, wir besässen sonst in ihm ein stattliches und wie mir dünkt recht 
fiilhes Beispiel des Eindringens der Gothik am Oberrhein mehr. Dass der Meister vielleicht 
technisch gansi sicher nicht war, darauf scheint uns die etwas schüchterne Ausbildung 
der Strebepfeiler, die möglicherweise (?) zum Aufgeben der vollkommenen Einwölbung 
führte, zu deuten. In den verhältnissmässig niedrigen Seitenschiffen und der überaus 



A\H LAHR 



r.AIIR 



kräftigen Gestaltung der Halbsäulenvorlagen in denselben klingt doch auch noch das Gefühl 
des alten Styles nach. 



Der Verlauf der 



Ao^ rHoR AvijCtM s,: "^ J*-*h^r s»^ 



A n C <7 J hAiS[yVJs^{C^^Z A ^ 



Baugeschichtc 



^->s^>-^j:t^ 



Ikiugeschichte dürfte fol- 
gender gewesen sein : 
Bald nach der Grün- 
dung des Klosters (1259) 
wurde mit dem Bau 
der Osttheile begonnen 
und die heute noch alt- 
gewölbten Theile, sowie das gesammte Langhaus in rascher Folge vollendet. Mit 
dieser Annahme ist - wie ich wohl weiss - der Bau recht früh datirt, er wäre 



■C 



Mm/pt ^ ^ ^ 



/>^. jj. Stchwietzzeicßun an der Stiftskirche in Lahr. 




Fig. S4- ^^^^f Mitielpi>rfa/ ihr Stiftskirche in Lahr. 

ziemlich gleichzeitig mit den frühesten gothischen Bauten am Oberrhein entstanden. 
Dafür spricht aber die politische Geschichte der Geroldsecker sowie ihre Vermögens- 
verhältnisse, die später wohl kaum mehr günstig genug für die Inangriffnahme eines auch 



72 



KREIS OtTENBURt;. 



für ihre glänzende Zeit inunerhin stattlichen Baues waren. Und da des Gründers, Walters II, 
Sohn eben damals Domprobst und später Bischof von Strassburg war, so haben wir damit 
zugleich einen Fingerzeig, woher der neue Styl in Lahr stammt, ohne allerdings ein Vor- 
bild des Baues in Strassburg selbst nennen zu können. Auch in Steige finden sich für 
den Styl der Lahrer Kirche keine Anhaltspunkte mehr. 



QMtft]fsXtL 




lii M l mH 1- 



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-^^i^- SS' Querschnitt durch die östlichste Langhaus travee der Stiftskirche in Lahr. 

Der Baumeister, der den Schub der Gewölbe auf der Nordseite auf Strebepfeiler 
überleitete, sah sich durch die an die Südwand anstossenden Klostergebäude, die wohl 
vor dem beginnenden Verfall des i6. Jhs. einen grösseren Raum einnahmen, als auf dem 
Plan der Stadt von 1827 ersichtlich, hier an der Anbringung von Strebepfeilern verhindert 
und verstärkte dafür diese Südwand um ein Beträchtliches. Sie ist ca. 3 m stark gegen 2 m 
der Nördlichen. Möglich nun, dass er als Neuling dem Strebepfeilersystem noch nicht 
ganz traute, möglich auch, dass eine ungenügende Fundamentierung noch während dem 
Bau Risse in den Hochmauem zu Tage treten Hess, oder endlich, dass das Geld immer 
langsamer floss — es scheint jedenfalls, dass es nicht mehr zu der beabsichtigten Wölbung 



AMT LAHR 



LAHR. 



73 



der übrigen Theile gekommen ist Dass man sie bei der gleich zu erwähnenden Um- 
arbeitung im 1 8. Jli. weggeschlagen hätte, scheint mir unwahrscheinlich, da sonst doch 
kaum das eine Gewölbe im Langhaus und die zwei in den Seitenschiffen stehen geblieben 
wären. Dass die Mangelhaftigkeit der Fundamente der Grund gewesen sei, dafür spricht 
ein Vorlagebericht aus den Jahren 1848/51 an den Oberkirchenrath : »Beim Ausgraben 







«so 

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^Xf. S^- Längsschnitt durch die Ostt heile der Stiftskirche in Lahr. 

der Fundamente zu den äusseren Strebepfeilern hat sich gezeigt, dass die Kirche in den 
Seitenschiffmauem wenig oder gar keine Fundamente hat. Ein Fuss unter der jetzigen 
Bodenfläche zeigte sich an einigen Stellen ein Sockel, an anderen auch keiner; unter 
dem Sockel zeigte sich dann noch an manchen Stellen auch zwei Fuss tieferes Gemäuer 
von kleinen Steinen und dann der natürliche Boden«. Und weiter »an der Nordseite 
am Seitenschiffe entdeckte man ein später eingesetztes Stück Mauer, 41 Fuss lang und 
30 Fuss hoch (wo die grossen Risse waren) aus kleinen Stücken schlecht gemauert. Hier 
an dieser Stelle muss die Kirche einmal einen grossen Schaden erlitten haben. (Dekan Doli 



74 KKKIS «U'KKNHl'K«;. 

an Oberkirchenrath.) Die grossen Hauj)trisse verrathen ein grosses Alter«. • Haben sich 
wie höchst wahrscheinlich jene Risse in den vorderen Mittelschifünauem gleich anfänglich 
bemerkbar gemacht, so könnte dies auch von gänzlichem Einwölben damals abgehalten 
haben«. (Eisenlohr.) Diese Risse scheinen an den Mittelschiffmauem etwa über den 
Fenstern F — K, an den nördlichen Seitenschiffmauem etwa vom heutigen Strebepfeiler j? 
bis zum Fenster L gewesen zu sein. Daneben mag dann wohl der rasche politische 
und pekuniäre Niedergang des Geschlechtes der Stifter die Mittel flir eine genügende 
Ausbesserung der erkannten Mängel haben fehlen lassen. Damit hängt denn auch 
das Vorhandensein der spätgothischen Portale an der Fagade zusammen. Diese ist im 
13. Jh. offenbar nie ausgeführt gewesen, sondern erst am Ausgange des Mittelalters 
vollendet worden. Weniger wahrscheinlich ist mir, da ich keine Anhaltspunkte dafür 
sehe, dass die Kirche damals vorgeschuht worden sei. Dass der gleichen Zeit aiKh 
erst der Thurm entstammte, scheint mir nach einer flüchtigen Zeichnung, die Ingenieur 
Hofmann 1874 anfertigte (Copie bei Dekan Bauer) wahrscheinlich. Ein offenbar sehr 
schlichter viereckiger ITiurm mit Spitzbogenfenstem. - Bis in das 18. Jh. blieb die 
Kirche — abgesehen von dem Brande durch die Franzosen — unberührt. 1736 aber 
ging von dem Stifbsverwalter Dreyspring der Antrag auf gründliche Wiederherstellung 
aus, dem stattgegeben wurde; leider hatte er die Entfernung des Lettners zur Folge, 
ausserdem werden wohl damals die Dienste der Mittelschiffgewölbe abgeschlagen 
worden sein, deren Spuren Eisenlohr noch erkannte. Vermuthlich sind damals auch 
eine grosse Anzahl von Grabsteinen und andern Monumenten aus der Kirche entfernt 
worden. Ebenfalls dieser Zeit ist dann die Erhöhung der Seitenschiffdächer zuzu- 
schreiben, bei der — wie Eisenlohr konstatirt — die Fenster, welche dem Mittel- 
schiff ihr Licht spenden sollten, gedeckt wurden ^und jetzt gänzlich vermauert sind. 
Die Gurten, welche über den früheren Seitenschiffdächem zur Abdeckung ihres oberen 
Randes hinwegliefen, sind noch im Innern der jetzigen Dächer sichtbar, sowie auch 
diejenigen Theile dieser Gurten, welche zugleich als Bänke der oberen Fenster gedient 
haben«. 1774 wurde der Dachreiter der Kirche, den wir uns also zu dem Bilde hinzu- 
denken müssen, entfernt 

In den vierziger Jahren des 19. Jhs. begann man nun, dem Gedanken einer 
umfassenden Restaurirung näher zu treten, da der Zustand der westlichen Hälfte die 
Kirche gefährdet erscheinen Hess. 1844 wurden die Gewölbe vom Schutt befreit 
Eisenlohr untersuchte damals die alte steinerne Kanzel - eine späthgothische? - 
deren Steine durch Brand so gelitten hätten, dass sie nicht wieder herzustellen sei. \ 
Im Oktober 1848 erfolgte dann ein grösserer Bericht Eisenloh rs. Er verlangte 
zunächst die Einwölbung der noch nicht eingewölbten Theile, wodurch allein der Kirche 
fernerer Bestand auf Jahrhunderte gesichert werden könne, der sonst in nicht allzulanger 
Zeit nach dem jetzigen Zustand der westlichen Hälfte gefährdet sein möchte. Daher 
die beiden Spitzbogen zu den Seiten des Thurmes zu unterfangen, damit die Gesammt- 
last nicht mehr allein auf den eUvas geschwächten inneren Thurmpfeilem ruhe. Im 
Frühjahr 1850 wurde die Räumung der Kirche begonnen, am 27. April 185 1 wurde 
sie vollendet. Ich habe in der Beschreibung des Baues die neuen Theile von den alten 
geschieden. Eisenlohr hat auch den Seitenschiffdächem wieder die alte geringere 

*) Angeblich soll die neue Kanzel mit ihrem Fischblasenmasswerk eine -getreue« Nachbildung 
der alten sein. 



i 



AMT LAHR. — LAHR. 



75 



Höhe gegeben, dadurch die oben erwähnten Fenster und die Gurten freigelegt. Den 
alten Thurm Hess er offenbar mit den angegebenen Korrekturen stehen, trotz letzterer 
aber scheint derselbe später nicht mehr genügt zu haben, er wurde 1874 durch den 
jetzigen ersetzt. 

Der alte Lettner stand unter dem Gewölbe IV\ wir dürfen danach Chorschranken Lettner 
etwa über die Seitenschiffe oder zwischen den östlichen Langhauspfeilern vermuthen, die 
einen ziemlichen Raum als Mönchskirche abtrennte. 

Die heutige Ausstattung der Kirche entstammt mit geringen Ausnahmen dem Auwtattung 
19. Jh. Von den Grabmälem, die sie einst enthalten, sind nur kümmerliche Reste übrig 
geblieben. Der Stifter, Walther II., soll nach der Pappenheimer Chronik »im Closter 
oder Stift zu Lare« begraben liegen, doch ist keine Spur des Grabes mehr erhalten. 
Vor den (alten) Stufen, auf welchen man zum Altare (wohl Chor) steigt, befand sich nach 
Stein ^) ein »bleiernes Epitaphium mit der Inschrift: Lonerus de Geroldsecke •{• anno 
Domini 1348 Pdie Kl. Aug.« Schon Stein konnte aber die Inschrift nicht selbst mehr 
entziffern, da sie verwischt und unlesbar geworden, sondern gab sie nach einer alten 
Lesart, die er selbst als vermutlich irrig erklärt, da kein »Lonerus« de Geroldsecke bekannt 
ist. — Im Pfarrhaus befindet sich noch eine Zeichnung eines Steines, der noch 1766 im 
Chor der Kirche gestanden habe, aus der aber nur ein allgemeiner mittelalterlicher Charakter 
desselben hervorgeht 

Im nördlichen Seitenschiff befindet sich eine Grabplatte der späthesten, barocken 
Gothik mit 5 Wappen und einer theilweise verwischten Inschrift in krausen Buchstaben : 

// atno • bni • m • h* • €tD • oini? (?) ELor • jlarfi / her tbcl • un • erhcjl . 
3[ac06 • HO • 6ruQ&acg • ano • m • b' 2 • X • uff • bt • tag • 3ianuari • ftarb 
tiie / ttiel • ftatD • cleopj^e • bo • mill^ei • fi'n • elid^e / j^u^fr ^ • ano • tini • m • b' 
ftr& • bie • ebel • fto^ • litgeri • bo • ftagiiecfir - abre • frobi • bene • ale • got • gna // 

Hinter dem Altar ein schöner holzgeschnitzter Crucifixus^ aus der Barockzeit, Hoizgeschnitrter 
verhältnissmässig ruhig und vornehm. 

Zwei von den Glocken der Kirche stammen aus dem Jahre 1 7 1 8 und sind von Glocken 
Mattheus Edel in Strassburg gegossen. 

Im Pfarrhaus wenige iMtKirchengeräthe: Ein Kelch, Silber vergoldet, mit getriebenen Kirchengeräthc 
Barockomamenten : Joachim Dendele Capitain Leutenant des Kanofskischen Regiments 
verehrt disen Kelch der Statt Lahr 1646. Laut einer zweiten Inschrift 1759 *^"^ ^^^ 
Stadt Kosten« renovirt. Ein zweiter, ähnlicher Kelch : »die Frau Maria Salome Kanofski 
von Langendorf verehrt diesen Kelch der Statt Lahr 1650« und gleiche Renovirungs- 
inschrift — Ausserdem ein htibscher, silbergetriebener Bucheinband einer Kirchenchronik 
von 1771, damals aber umgearbeitet aus einem ähnlichen, der 1696 von »Johannes 
Morstadt, gewesenen Spezialsuperintendenten« gestiftet war. 

Auf dem Friedhof grosses Steinkruzifix mit Maria und Johannes, derbe, aber steinkruiifix 
wirkmigsvolle Arbeit aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs. Keinesfalls von dem in Offenburg 
thätig gewesenen Bildhauer Christoph von Urach, dem es Manche mit Unrecht zuschreiben. 

An der Mauer des Friedhofes eine Serie von Grabplatten, die aus 4 Jahrhunderten Grabplatten 
stammen, fUr die Ortsgeschichte sehr interessant sind und man möchte sagen, eine 
Art Museum der Stylentwickelung durch die Renaissance zum Barock und zum Zopf 
abgeben. Wenn auch keine Kunstwerke ersten Ranges darunter sind, so repräsentiren 
sie doch einen guten Durchschnitt. Dass sie nicht durch die Feuchtigkeit des Bodens 



y6 KRKIS OKKKNBURt;. 

schon stärker zerstört sind, verdanken wir nur dem energischen Eintreten des Bezirksr 
pflegers der Alterthümer in Lahr, des Herrn A. Siefert. 

Da es keinen Zweck haben kann, die eintönigen, langen Inschriften alle hier ab- 
zudrucken, beschränke ich mich auf die Angabe der Hauptsachen. Auch die künstlerische 
Gestaltung ist überall die gleiche: die Wappen, gewöhnlich das Allianzwappen des 
Begrabenen, darunter die Inschrifttafel in RoUwerkumrahmimg oder ähnlichem, das Ganze 
in einfacher Umrahmung oder von Säulen flankirt und mit einem Giebel bekrönt Es 
folgen der Reihe nach, beginnend mit dem südlichsten ') : 

1. Anno Domini 1613 den 21. Junius starb .... Fravw Veronica vom Ruest geb. 
von Weitterszheim. 

2. Johann Burckhart von Müllenheira -{• 4. Mai 1623 und seine Fraw Magdalena 
geb. von Endingen •{• 16 ? ? 

3. Balthasar vom Ruest •{• i. Mai 1629, »seines Alters 74 Jahr und 6 Monat«, 
vor dieser Zeit ehemaliger fürstl. Württemb. Obervogt zu Nagold, dann Markgr. bad. 
Amtmann beider Herrschaften Lahr und Mahlberg. 

4. Fraw »Maria Salome Streüffin von Lawenstein geb. Böckin von Ehrlenburg 
+ 7. Sept. 1627, Frau des Philips Streüffen von Lawenstein«, gräfl. Nassau-SaarbrücJdscbem 
Rath und Amtmanns beider Herrschaften Lahr und Mahlberg. 

5. »Jungfraw Magdalena vom Stein vom Reichenstein« •{•12. Okt. 1582. (Gesetzt 

1587.) 

6. Philibert vom Stein vom Reichenstein 7 i. Januar 1608 und J z vom 

Ruost, fürstl. Markgr. Rath und Landvogt zu Rötteln f 9. Juli 1597. 

7. Fraw Maria von Kippenheim geb. Rochartin von Newenstein f 5. Juli 1589. 

8. Hans Matheus Musler, Nassauischer Amtmann der Herrschaft Lahr und Mahl- 
berg auf Liechteneck -J- 12. Dec. 1581. 

9. Andreas Vinther »der Rechten Docter« und fürstl. Markgr. Kanzler zu Baden 
-{• I. Mai 1573 und seine Fraw Magdalena Vintherin geb. Vambilerin •{• 2. Aug. 1584. 
(Gesetzt 1587.) 

10. Maria Rebsoeckin geborne Brosingerin f 24. April 1576. (Gesetzt 1578.) 

(Fig. 37.) 

11. Johann Jacob Kirs von Obemdorf, der Rechte Doktor, f 19. Okt 1573. 
(Gesetzt 1574.) 

12. Frav Catharina Oedtlerin geb. von Tunsel-Silberbergerin f 28. Sept. 1586. 

13. Junckher Hans Volmar von Bernshofen f i. Februar 1572. (Gesetzt 1573-) 

14. Der »Gattin Carolina ? ? gewidmet von Conrad Ludwig Ehrmann Amtshafher 
in Brumath«. Mit einem Medaillon geschmückt, vom Ende des 18. Jhs. 

15. Jacob von Endingen -J- 28. August 1556, Markgr. Amtmann der Herrschaft 
Lahr und Mahlberg, und Frav Rickart von P^ndingen geb. Zornin von Bulach und die 
Töchter der Beiden, Junckfrav Jacobe •{• 1574 »am Sant Anno Dach«, Martha •{• Christ- 
abend 1575, Susanna •{•1576 den >^2o Dach«. 

16. Hans Georg Wurmser f 7. Nov. . . 79 (1579), »desen Alter war 18 Wochen«. 

^) Der vollständige Text der Inschriften und die Beschreibung der Steine s. A. SiefcrL 
Die Inschriften der Grabsteine alter adeliger und bürgerlicher Geschlechter auf dem Friedhof ru 
Lahr. Lahrer Wochenblatt; Unterhaltungsbeilage der Lahrer Zeitg. 1903. Nr. 98 u. 99. 



AMT LAHR. — LAHR. 



77 



17. Joh. Adam Koch. ♦ 12. Aug. 1739 zu Seelbach im Herzogthum Nassau, 
7 9. Dez. 1814 zu Lahr, Grossherzogl. Bad. Dekan und erster Stadtpfarrer zu Lahr. 

18. Adriana Frie- 
derica geb. Schneider 
7 20. ? 1791 im vieren 
. . . . ? »Zum Andenken 
seiner werthesten Gattin 
setzte ihr Ehmann Joh. 
Adam Koch Stadt- 
pfarrer«. 

19. Reichardt Ro- 
hardt von Newenstein 
t ? (Ende 16. Jh.) 

20. Inschrift weg- 
geschlifTen , nach dem 
Wappen der Familie 
von Bernshofen zuge- 
hörig. 

21. Ebenfallsohne 
Namen und Datum. 
Wappen der Neuenstein, 
Weitersheim, Endingen 
und Homeck von Horn- 
berg. 

22. Wilhelm Streüf 
von Lawenstein f 1 4. Juli 
1622, »nachdem er 
69 J^r gelebt«, gräfl. 
Nassauischer Amtmann 
zu Lahr und Mahlberg 
und Fraw Maria Streüffin 
von Lawenstein geb. von 
Broumbach •{• 7. Dez. 
1613. 

23. Georg Müller. 
Vom Ende des 18. Jhs. 
Ohne Datum, mit langer, 
gereimter Inschrift. 

24. Frav Special 
Müllerin geb. Drey- 
springin f 1778. 

25. Fraw Juliana Röederin von Dierspiirg geb. von Svit f 8. April 1588. 

26. Die Reichsfrey. Hochwohlgeborne Ehleute Egenolph Friedrich Röder von 
Thiersberg de nat. undt Maria Elisabetha Eleonora von Pistorie zu Reicheweiler de nat. 
d. 30. Juni 1727. Unten verzeichnet: Johannes Kocher zu 1732. 




^''.^- S7- Grabstein der Maria Rebsveckin auf dem alten Friedhof zu Lahr. 



78 KREIS OFFENBURG. 

27. Johann Rauh, der 22 Jahre lang Bürgermeister, zehn Jahre zuvor des Raths 
Assessor in Lahr gewesen. Mit langer, gereimter Inschrift, »aufgericht von seinen 
Kindern d. XV. Apr. 1738«. 

28. Hartmann von Bnimbach und Frav Ursella von Brumbach geb. Zindra von 
Kenzingen •{•20. Juli 1574. 

29. Arbogast von Brombach •{• i. Febr. 1539 und Fraw Maria von Brombach 
geb. Wurmbserin •{• 10. April 1574. 

30. (Minuskelschrift.) Anno Dm die II mensis Februaru obiit honora- 

, BiLis DM. Jacobus ? Also wohl aus dem 15. Jh., ohne besonderen Schmuck. 

31. Fraw Katharina Vintherin »weilandt Herrn Johan Vinthers gewesten Stadt- 
schreibers zu Lohr eheliche Hausfraw« •}• 1600 »uf Dunerstag den 26 Brachmunats«. 
»Hodie mihi gras (sie!) tibi«. 

32. Johan Philips Streif von Lawenstein >seins Alters zwey Jar und 9 Monat 
f 5. November 1583. (Gesetzt 1584.) 

33. Herr Birgenmeister Johan Jacob Scnitzl (?) ♦ 28. Febr. 1709 •{•4. Jan. 1756. 

34. Johanni Morstadio Consiliario eclesiastico Superintendenti Lahrensi etc. 
D. XXI. Augusti 1 7 1 9 placide defuncto Aetatis LXXII ann. etc. (mit Vers). 

35. Christiano Henrico Morstadio etc. 23. apr. ann. 1735 P^^ defuncto aetatis 
44 annv. etc. monumentum ergi iussit etc relicta Maria Magdalena nata Mulleria. 

36. Johann Andreas Rizhaubt f i. Nov. 1749, Specialsuperintendent und Pastor 
Primarius bei der Stiftskirche zu S. Jakob in Lahr. Errichtet von der Wittne Maria 
Elisabetha Gerthrud geb. Demin und dessen VI Waisen. Dazu der I^ichentext und 
der Vers: 

Herrn Rizhaubts Leichenstein 
Darf nur acht Wörter haben: 
Hier lieget Treu und Fleis 
Und Frömmigkeit begraben. 

37. Jungherr Carl Wilhelm Baron von Terzi und Cronenthal ♦ zu Kandtem 
28. Febr. 1722 •}• in Lahr 18. Febr. 1741. »I-.edig. Alt 18 Jahr 11 Monat 18 Tag.: 

Die freyherrl. Eltern weil. Christian Casimir Baron von Terzi und Cronent F. M. 
Baden-Durlach, Cammer-Jungkerr und Ober-Forstmeister in Sausenb., Rötlen u. Badenw. 
Augusta Maria geb. Baronne von Düngern * 28. Nov. 1694 "i* in Lahr 16. Juni 1777. 
Ebenfalls mit gereimten Sprüchen. 

38. Herr Friedrich Wilhelm von Dunger Edler zu Weyher * 7. Sept 1688 in 
Emmendingen, f 29. Dez. 1748 zu Lahr »eines Alters 60 Jahr 3 M.« Hofrath, Ober- 
amtmann und Forstmeister in der Herrschaft Lahr. 

Pfarrhaus Das Pfarrhütis ist ein einfacher, vornehmer Bau der Biedermeierzeit. 

R.-»thhaus Von öffentlichen Gebäuden ist hier vor allem erwähnenswerth das Rathhaus, das 

leider i. J. 1885 etwas gründlich verändert wurde. Wir geben es in Fig. 38, nach den 
vorhandenen Zeichnungen rekonstruirt, in seinem alten Bestand. 

Das älteste Rathhaus der Stadt — vielleicht jene Rathsstube, von der i. J. 1456 
die Rede ist, mag an anderer Stelle gestanden haben, vielleicht (war es das »alte Schul- 
haus«?) am Marktplatz, wenn unsere Annahme (s. oben), dass der nördlichste Theil der 
Stadt eine Erweiterung aus dem Ende des 15. Jhs. ist, richtig ist. Das noch heute 
stehende gehört erst dem 16. Jh. an. Es war ein malerisches Gebäude, dessen Erd- 



AMT LAHR. - LAHR. 



79 










£:r^:>-_/iJvv., •-)'^' 



^''^. J*<^- Rathhatis in Lahr vor /SSj. 



8o 



KREIS OFFENBURG. 







VoVh'^ 



Fig. 



S(?' 



Aitiin am Rathhausc in Lahr. 



geschoss sich in grossen Spitzbögen 
öffnete und eine Halle enthielt, die 
als Getreidemarkt diente. Eine grosse 
Freitreppe mit Masswerkbrüstimg 
führte in das obere Stockwerk. Sic 
endigt in einem Altan (s. Fig. 39) 
mit ähnlicher Brüstung, zwischen der 
sich die diaroantirten Sockel der drei 
kannellirten Kompositsäulen befinden, 
welche das Zeltdach tragen. Am 
Kapitell der mittleren dieser Säulen 
das Lahrer Stadtwappen. An dem 
spitzbogigen Thore unter dem Altan 
die Jahreszahl 1608. — Eine im 
Korbbogen geschlossene Thür mit 
sich kreuzenden Rundstäben tmd 
Hohlkehlen führt von dem Altan in 
das Obergeschoss. Dieses hat an der 
Längsseite des Hauses einfache ge- 
kuppelte gradsturzige Fenster mit 
hohlgekehltem Gewände, an der 
Giebelseite springt jeweils die mittlere 
Fensteröffnung als über Fxk gestellter 
Erker vor. Darüber erhebt sich der 
in Voluten endigende geschweifte 
Giebel, der noch zwei Stockwerke 
enthält, über ihm der Dachreiter. 
Bei dem Umbau wurde die Frei- 
treppe weggebrochen, die untere 
Halle zugemauert und mit Fensteni 
versehen, der Dachreiter, vollständig 
verändert, von seinem ursprünglichen 
Platz weg nach vom auf den Giebel 
gerückt, ausserdem noch im Detail 
manches verändert. 

An öffentlichen Gebäuden be- 
sitzt Lahr sonst nichts Bemerkens- 
werthes, dagegen sind eine Anzahl 
Privathäuser als Ganzes, oder wegen 
an ihnen erhaltener Details wichtig. 
Wie schon gesagt, sind aus dem 
Mittelalter keine erhalten; auch aus 
der Renaissance eigentlich nur Bau- 
reste, die zeigen, was einmal ge- 
standen hat, bevor die Einäscherung 



AMT LAHR. — LAHR. 



8l 



durch die Franzosen es vernichtete. Sobald die Stadt sich dann wieder aufrichtete, 
entstanden einige Barockhäuser; entsprechend dem Wachsen des Wohlstandes am Ende 
des 1 8. und Anfang des 1 9. Jhs. können wir in dieser 5^it eine sich immer mehrende 
Hauthätigkeit im sogen. Zopf- und Biedermeierstyl vermerken. 




Fig. 40. Stoesser* sches Haus in Lahr. 

Privathäuser: 

Bismarckstrasse (Bärenplatz) Nr. 15 a: Haus mit Rocailleomamenten, Maskerons, 
hohem Mansardendach und grossem Balkon auf Konsolen aus der zweiten Hälfte des 
18. Jhs., leider durch Ladenfenster verunstaltet. 

Bergstrasse Nr. 19: Sogen. Leipziger Hof; Biedermeierhaus. 

Brestenberggasse Nr. i: Gute schmiedeeiserne Thürbänder des 18. Jhs. (1778). 

Ebenda Nr. 2 : An der Thür Beschlag des 18. Jhs., das Gewände der Thür Barock- 
einfassung mit Oberlicht und Jahreszahl 1723. 

Ebenda Nr. 6 : Zwei von anderswo stammende Säulen tragen das Eck des Ober- 
geschosses, diese Säulen sind gerautet und haben über Eck gestellte Sockel. 

Bud vu. 6 



Privathäuscr 



82 



KREIS OFFENBURG. 



Gerichtstrasse Nr. 5 : In dem Haus ein skulpirtes Band, darauf zmschen d«- 
Jahreszahl 1564 ein Allianz wappen : Bärtiger Meergreis (von Vinther) und Rosette mk 

Fischhaken (Augsburger 
Familie Jörger : Agnes 
Jörger). Siehe auch S. 78 : 
Grabstein Nr. 31 und 
S. 84 : Haus Marktstrasse 
Nr. 15 (Hinterhaus). 

Geroldsecker Vor- 
stadt Nr. 2 : Rosshaar- 
Spinnerei C. F. Maurer. 
Die Barockfenstergewände 
sowie die beiden fiotten 
Portale mit gebrochenem 
Rundgiebel und Vasen 
stammen von dem abge- 
rissenen Kloster Etten- 
heimmünster, das der 
ehemalige Besitzer dieser 
Spinnerei auf Abbruch 
erstanden hatte. 

Geroldsecker Vor- 
stadt Nr. 6: Gute Vilb 
vom Anfang des 19. Jhs. 

Kaiserstrasse Nr. 6: 
Haus des 18. Jhs., dkc 
Fenster flachbogig ge- 
schlossen mit Wulstprofi- 
lirung und gebauchten 
Fensterbänken, über der 
Thür hübsches schnuede- 
eisemes Oberlicht, Ro- 
caille mit Küferzeichen. 

Ebenda Nr. 1 1 : Ein- 
faches, gutes Haus des 
18. Jhs. 

Ebenda zwischen 
Nr. 37 und 39 stand einst 
das Dinglinger Thor. '} 

Ebenda Nr. 34. 
Ebenda Nr. 41: Grosses, dreistöckiges Patrizierhaus (Stoesser) in spätem Zopfstv 1 

mit kräftigen Urnen an dem Mansardendach (s. Fig. 40). 

I 

*) Abbildung in dein Buch: Der Dinglingerthorthunn oder die Verwaltung Völcker - Fingado. I 
Lahr 1S42. 




A/^. ^/. Portal vom Hause Marktplatz Nr. 2 in Lahr. 



AMT LAHR. — LAHR. 



83 



Ebenda Nr. 42 : Lotzbeck'sches Haus vom Ende des 18. Jhs. im späten Louis XVI. 
Styl; Balkon mit schmiedeeisernem Geländer, in dem das Lotzbeck'sche Wappen an- 
gebracht ist Dazu gehört noch ein erhaltener Seitenflügel. Leider ist die Anlage sonst 
verunstaltet 

Ebenda Nr. 43 : Das kleine Haus war das ehemalige Zollhaus vor dem Thore. 




Fig. 42, Zu dem Haus Marktplatz Nr. 2 gehöriges Gebäude mit Hohgallerie in Lahr. 

Ebenda Nr. 44 : Gutes Biedermeierhaus (mit neuem Stockwerkaufsatz über der 
Mitte). 

Ebenda Nr. 52 mit charakteristischem Holzunterzugbalken am Thore; am west- 
lichen Thorpfosten übertünchte Inschrift. 

Ebenda Nr. 56: Barockhaus mit hohem Mansardendach. 

Ebenda Nr. 58: Haus in einfachem Empirestyl. 

Ebenda Nr. 62: Haus im Biedermeierstyl. 

Ebenda Nr. 93 : Haus des ausgehenden Empirestyles. 



84 KREIS OFFENBURG. 

Ebenda Nr. 60 : Gymnasium, ehemaliges Privatgebäude, in der in Lahr gerade tr. 
der Biedermeierzeit vielfach gebräuchlichen Anordnung: das Wohnhaus zurückstehen c. 
flankirt von zwei einstöckigen Flügelbauten, die sich bis an die Strasse erstrecken un:: 
einen Vorhof oder Garten umschliessen. Hier ist leider der eine Flügel durch einer, 
sehr imerfreulichen Bau aus der zweiten Hälfte des 19. Jhs. ersetzt worden. 
Ebenda Nr. 97: Haus im späten Empirestyl. 

Ebenda Nr. 99 : Die gleiche Biedermeieranlage wie bei dem Gymnasium, hie: 
sehr »behäbige wirkend. Nur noch die geschmackvollen Flügel erhalten, das Haus s^lls; 
in unseren Zeiten umgebaut. 

Kirchstrasse Nr. 6: Riegelhaus mit vorkragendem Dachgeschoss. 
Ebenda Nr. 9: Der in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. umgebaute Gasthof 'iv.- 
Blume« weist noch die alte Fenstergruppirung auf. 
Ebenda Nr. 25 und 27: Empirehäuser. 

Ebenda Nr. 32: Durch Ladenumbau völlig verändertes, ehemaliges Zollhaus vor 
dem Vogtsthor mit Lahrer Stadtwappen aus dem 18. Jh. 

Ebenda noch eine Anzahl von gut wirkenden Giebelhäusern. 

Lammstrasse Nr. 10: 
Verputztes Riegelhaus mit 
gutem hölzernen UnterEug- 
balken des Thores ; ebenda 
noch eine Reihe leider ver- 
putzter Riegelbauten. 

Marktplatz Nr. 2 : Haupt- 

Ft^. 43. Sturz eints ehemaUgen Brunnens am Hinterhaus von gebäude in flottem Barod 

Marktstrasse Nr. ij in Lahr, styl ; die SandsteinfeßSier- 

gewände mit Muschel bekirj- 
nung, das Portal im Style des späten Louis XIV. (s. Fig. 41) sollen vom Kloster 
Ettenheimmünster hierher transportirt worden sein. Der oberste Stock ist erat ia 
neuester Zeit aufgesetzt. Das Haus ist angedeutet im Hintergrund von Fig. 42; 
diese zeigt das dazu gehörige langgestreckte Gebäude mit prächtig wirkender HoU- 
gallerie, das in dankenswerther Weise von dem Besitzer wieder hergestellt worden ist 
Die Fenstergewände des Erdgeschosses weisen Hohlkehlen auf, die in kleinen Voluten 
endigen; der Bau dürfte am Ende des 17. Jhs. errichtet worden sein, vielleicht mit 
Benützung älterer Mauern. Darauf deutet die Jahreszahl am Thor gegen den Markt- 
platz zu. In einem Rollwerkschild findet sich zu beiden Seiten des Wappens der 
Herrn von Bemhofen (Hund an Kette nach links springend) die Zahl 15-77 und 

das Zeichen: *n 

Marktplatz Nr. 4: Hohes, schmales, zweifenstriges, gut wirkendes Haus, erste 
Hälfte oder Mitte des 18. Jhs. mit hohem Mansardendach. Erwähnenswerth auch Markt- 
strasse Nr. 4 und 6. 

Marktstrasse Nr. 1 5 : Am Hinterhaus gegen Obststrasse eingemauert der Stun 
eines ehemals im Hof stehenden Brunnens, an demselben die Wappen der Vinther und 
Jörger (Augsburger Familie) sowie die Jahreszahl 1561 (s. Fig. 43). Siehe auch S. 59: 
Haus Gerichtsstrasse Nr. 5, sowie S. 56: den Grabstein Nr. 31. 




AMT LAHR. 



LAHR. 



85 



Marktstrasse Nr. 2 2 : Ein Thordurchgang des 1 8. Jhs. in flachem Bogen gewölbt 
mit einfach verziertem Schlussstein. 

Marktstrasse Nr. 53: Eine der besterhaltenen Häuseranlagen der Biedermeierzeit, 
mit dem vornehm zurückliegenden Wohnhaus und den zwei einstöckigen, an die Strasse 
vorspringenden Magazinflügeln (s. Fig. 44). Besitzer : Geh. Kommerzienrath F. Sander. 

Mauergasse, Hintere, Nr. 6 : Hier (s. oben) der Rest bezw. der untere Theil eines 
halbrunden Thurmes der firüheren Stadtmauer, mit liegender, rechteckiger Schiessscharte, 
hier auch die alte Stadtmauer erkenntlich, die unter den Häusern durchgeht 

Mauergasse, Vordere, Nr. 10: Garten- bezw. Hofportal von 1786 mit Wappen: 
Bretzel und Wecken unter Kurkrone, darunter: 

HIB MSB. 

Ebenda Bierbrauerei Domer: Eingemauert ein Radwappen (Wappen der Familie 
V. Newenstein), an den Fenstergewänden die üblichen Voluten des 17. Jhs. An einer 




Fig. 44. HoMsanlage Marktstrasse Nr. jj in Lahr. 

Scheime der Brauerei eingemauert ein Todtenkopf mit Gebeinen (Sandsteinrelief), der 
wohl von dem Beinhaus des in der Nähe gelegenen Spitales und seines Friedhofes 
stammt 

Mühlgasse Nr. 15: Die ehemalige Stadtmühle; einen ITieil des Erdgeschosses 
bildet eine Halle auf Holzstützen. 

Oberthorstrasse Nr. 4: Haus des 18. Jhs. mit flachbogigen Fenstern, an deren 
Stürzen in barock-omamentaler Behandlung Fische und Fratzen skulpirt sind, die runde 
Ecke des Hauses ist quaderartig behandelt. 

Obstgasse Nr. 3 : Schmuckes, einfaches Barockhaus des 1 8. Jhs. 

Rossgasse Nr. 3 : Eingemauert ein Stein mit dem Wappen der Gerberzunft, Jahres- 
zahl 1558 und dem Zeichen: T (Hier am Gewerbekanal die Gerberwerkstätten). 



86 KREIS ÜFFENBURG. 

Rossgasse Nr. 4 : Jetzt zugemauerter ITiorbogen mit unkenntlichem ^^'appen imd 
Jahreszahl 1727; altes Fachwerkdachgeschoss. 

Rossgasse Nr. 7 : Altes Badhaus (angeblich noch Geroldseckisch) *) mit leicht vor- 
kragendem Obergeschoss. Im unteren Stock die Badstellen nach dem Gewerbekanal is. 

Schlossplatz Nr. 20: In der Wand eingemauert flotte Renaissancecartouche ms 
Rollwerk und Baden-Durlachischem Wappen; leider ist das Sandsteinwerk schon sehr 
verwittert. 

Schlossplatz Nr. 2 : Eingemauert ein kleines Steinrelief, Crucifixus mit Maria und 
Johannes. 

Friedrichstrasse Nr. 2 1 (Grossh. Bezirksamt), jedoch in der Brestenberggasse gelegen: 
Spätgothische Sandsteinthürgewände mit Vorhangbogen. 

Werderstrasse Nr. 6 : Aehnliche, aber nicht so gute Holzgallerie wie an Markt- 
platz Nr. 2. 
Städtische Für die, wie in anderen Städten, so auch in Lahr sich seit der grösseren Aufinerk- 

samkeit darauf häufenden Alterthumsfunde dienen als Aufbewahrungsort die städtischen 
Sammlungen^ die jetzt in der ehemal. Jamm'schen Villa im Lahrer Stadtpark unter- 
gebracht sind. Es finden sich darin prähistorisch-römisch-germanische Funde, deren 
wichtigste schon an anderer Stelle besprochen worden sind. Eine Anzahl von Sachen aas 
Mittelalter und Renaissance, unter anderem: 

Ein Würfelkapitel mit Säulenstumpf, wohl der Rest eines ehemaligen Fenster- 
säulchens vom Lützelhard, das dort i. J. 1905 von Stadtpfarrer Bark geümden 
wurde, womit also die Richtigkeit der sagenhaften Angabe erwiesen ist, dass auf diesem 
Berg im hohen Mittelalter eine Burg gestanden; ein achteckiger abgebrochener Sand- 
steinblock, etwa I m hoch; auf drei Kanten steht in Majuskelschrift des 14. Jhs. soweit 
lesbar: Slßa CVLPH / ? IGÖRöas - /^ ? / Röie» ? ÄRIL (?) // angeblich eine 
Mariensäule; der Sandstein mit dem Lahrer Stadtwappen, der an der Spitze diese 
Artikels abgebildet ist ; ein weiterer, vom alten Schulhaus stammend, mit der nicht piehr 
ganz erhaltenen Jahreszahl 153?; zwei Steinkonsolen vom ehemaligen Lagerhaus Sattele, 
das 1563 erbaut und vor 5 Jahren abgerissen worden, mit Maskerons und RoUwerk, 

sowie dem Zeichen : j- ; steinerne Reinigungskasten und thöneme Röhren von der 



Sammlungen 



mittelalterlichen Lahrer Wasserleitung aus der Bertholdstrasse (vulgo: »Kähner (I)-Gässle€); 
ein Majolikateller von Hafnermeister A. Litsch in Lahr von 1750; Ofenkacheln des 16. 
und 17. Jhs. von der Hohengeroldseck ; das Lahrer Grüselhom, das in der Lützelhardt- 
sage eine Rolle spielt und früher auf dem Vogtsthore aufbewahrt wurde : ein hübsches, 
kleines Bronzehorn mit einfacher Gravirung aus dem 1 6. Jh. ; ein Wappen der Bäcker- 
zunft aus dem 18. Jh. ; eine Anzahl Oelgemälde, Porträts von I^rer Bürgern aus dem 
17. und 18. Jh. sowie Herkules, den nemeischen Löwen erwürgend, von einem Schüler 
bezw. Nachahmer des Rubens; endlich eine Bildersammlung, unter denen sich Stadt- 
pläne (der Merian'sche etc.) und Ansichten der Stadt aus dem 19. Jh. befinden, aber 
auch die in Fig. 1 7 wiedergegebene Ansicht des alten Schlosses, die A. Leibiger 1 886 
nach verloren gegangenem Aquarell kopirt hat, wie auch die in Fig. 18 wiedergegebene 

^) Siehe; Grundriss der Stadt Lahr vor dem Jahr 1643 in »Geschichte und Beschreibung der 
Stadt Lahr und ihrer Umgebungen« von Amtmann Stein (Lahr 1827), Objekt 13 (Erklärung n\ 



AMT LAHR. — BURGHEIM LAHR'. 87 

A^nsicht der Vogtsvorstadt von dem gleichen; die alte Ansicht der Stiftskirche (Fig. 28), 
ein Plan der noch nicht näher durchforschten Umwallung auf dem Burghard, Zeichnung 
des Schlösschens Dautenstein u. a. m. 

Dazu eine kleine Sammlung exotischer Gegenstände, indische Speckstein- und 
Si11>erarbeiten etc. 

Im Besitze der Schützengesellschaft, aufbewahrt beim jeweiligen Ober- Becher 
scHützenmeister, befinden sich vier silberne^ theilweise vergoldete, Becher aus dem 
1 8 - Jh. und zwar : 

1. Ein kleiner, \ Liter haltender Becher, vom Markgrafen Carl Wilhelm von 
Hajden gestiftet, mit eingravirten Medaillons, in denen die verschiedenen Herrschafts- 
Wappen des Markgrafen von Baden-Durlach, das Monogramm X "nd die Inschrift : Den 
2 2 May 1 7 1 7 von Ihro Durchlt. der Schützen-Comp. in Lahr verehrt worden. 

2. Ein ^/^ Liter haltender, glatter Becher, vom Ftirsten Friedrich Ludwig von 
ivTassau 1726 gestiftet, mit eingravirten Medaillons, in denen eingravirt das Nassau- 
Saarbrücken'sche Wappen, das Lahrer Stadtwappen, das Monogramm F. L. und die 

'^ Was schon über sechtdg Jahr 

dem Haus Nassau war entnommen 
Ist durch Friederich Ludwigs Sorg 
wiederum darzu gekommen 1726 
Lahr 

Den Schützen las ich dieses reichen 
zu einem steten gnadenzeichen. 

3. ^2 Liter haltender Becher, vom Fürsten Wilhelm Henrich (sie ) von Nassau- 
Saarbrücken i. J. 1752 gestiftet. Auf dem Deckel ein Putte mit Lorbeerzweig, im 
Deckel das Nassauische Wappen und die Umschrift: 

Der becher der mir jüngst bey euch 

zum preis geworden, 
bleibt hier stets wohl verwahrt 
zum rühm fttr eiu-en Orden, 
Nehmt diesen von mir an 
und wenn ein Schusz gelingt, 
so seyd vergnügt, schenckt ein, 
gedenckt an mich und trinckt. 
Wilhelm Henrich Fürst zu Nassau 
Saarbrücken etc. Anno MdccLTI. 

4. Ein anderthalb Liter haltender Becher, wie Nr. i mit Kugelfüssen, vom Fürsten 
Carl zu Nassau-Usingen geschenkt, mit Schuppenrand, mit der Inschrift: 

Ihro Hochftlrstliche Durchlaucht zu Nassau-Usingen, Herr Carl, haben der hochlöblichen 
ScHtltzen-Compagnie der Stadt Lahr gegenwärtigen Silberverguldeten Becher gnädigst verehrt im 
Jahr 1752. 

BURGHEIM 

Schreibweisen: Burcheim 1035; Burkheim ca. 1235; Burghein 1367; Burck- 
heim 1536 etc. 

Archivalien: der Roeder von Diersburg, Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 16 (1894), 
S. 90. 

Litteratur: Staudenmaier in der Lahrer Zeitung 18? S. ? — Näher, Ortenau. 



88 KREIS OFFENBURG. 

Ortsgeschichtc Ortsgesckickte '. »Bischof Wilhelm von Strassburg weihte am 25. Juli 1035 unter 

dem Zuströmen einer grossen Menge Volkes aus der ganzen Ortenau die Kirche m 
Burgheim zur Mutterkirche und widmete sie der h. Maria, dem Apostel Petrus und alko 
Heiligen. Durch die Hand des Vogtes Hermann Hess er das Widemgut, Weinberge, 
Felder und Leibeigene, sowie den huic ecclesiae ab antiquis patribus institutam Zehnten 
bestätigen, indem er Kubach und Diezen, soweit es sein gehörte, hinzufügte. Zuglddi 
erklärte er öffentlich, dass sein Vorgänger Erkenbold von Tundelingen ohne doi Be- 
schluss eines Konzils und gegen Recht der Kirche einen Theil ihres Zehnten entzogen 
und weggegeben habe und zwar vor den Augen seines Vorfahren Werners-, er versprach 
feierlich, wenn er am Leben bleibe auf seiner nächsten Generalsynode die Zurückgabe 
des Zehnten zu bewirken. Der Urkunde beigefügt ist das Verzeichniss der Reliquien 
auf dem Altäre«.^) Da Erkenbold 965 bis 991 Bischof von Strassburg war und da nadi 
obiger Angabe der Zehnte »ab antiquis patribus« angeordnet war, so muss die Burgheimer 
Kirche schon im 10. Jh. für die ganze Gegend von grosser Bedeutung gewesen sein. 
leider ist aber bisher nicht viel mehr über die Geschichte des Ortes im Mittelalter be- 
kannt geworden bezw. nichts Sicheres. War der Vogt Hermann ein Geroldsecker berw. 
Tiersberger? Das Patronat der Kirche zu Burgheim war jeden&Us an den Besitz des 
Schlosses Tiersberg gekntipfl. Wem gehörte die Burg auf der Burghalde, die später von 
Baden zu Lehen ging? Ruppert hält es für nicht unwahrscheinlich, dass dieselbe an 
Baden kam mit den Ebersteinischen Gütern 1404, da Clara von Schwarzenberg, die 
Tochter der letzten Tiersbergerin die Gemahlin Heinrichs I. von Eberstein (1280 bis 1322) 
geworden ist. Dagegen spricht aber die Notiz, wonach schon 1381 ein »Heintzmann 
von Croswilre hat von den marggrafen zu lehen eyn halb teil dez vischewassers von 
Kubach untz Bischofis mülin, daz halb gericht zu Burgheim und eyn halben twing imd 
ban«^; also nicht erst 1410 wie Ruppert annimmt. Kam es daher vielleicht von den 
Schwarzenbergem unmittelbar an Baden? Wer waren die Schenke von Burgheim: 
»demüdis uxor Heinrici Pinceme militis de Burchein, filia quondam Alberti militis dicti 
Tarant de Stouphenberc 1291« und »Obrecht Schenke selig zu Bürckheim 1343«, 
»Heinrich Schenke von Burgheim 1381«^); waren sie identisch mit den Schenken von 
Bombach? Das Geschlecht scheint um 1400 erloschen zu sein und die Lehen von 
Burgheim gingen an die StoU von Stauffenberg über*), die nach obiger Notiz über die 
Gemahlin des Schenken Heinrich wohl mit ihnen schon länger verschwägert waren und 
bis zu ihrem Erlöschen das Lehen behielten. Die erwähnte Burg aber ist heute voll- 
ständig vom Erdboden verschwunden. — Burgheim gehörte im 16. Jh. zur badisch- 
nassauischen Gemeinherrschaft Lahr, bei der Theilung 1629 kam es an Lahr und wurde 
1803 wieder badisch. 
Kirche Die Kircke (in honorem Dei sanctissimaeque genitricis suae Mariae et in comme- 

moratione sancti Petri principis apostolorum et omnium sanctorum), offenbar die älteste 
der Gegend s. o., war bis z. J. 1492 die Pfarrkirche auch für das längst Burgheim 
an Bedeutung überflügelnde Lahr. Erwähnt wird 1291 ein »dominus rector ecclesie in 
Burchein, frater Heinrici Pincerne militis de Burchein«, 1305 und 131 2 zwei der 



^) Ruppert a. a. O. S. 257 (s. Gall. Urkundenb. III 692). 

2) Krieger I S. 354. 

**) Krieger, ebenda. 

*) Ruppert a. a. O. S. 260. 



AMT LAHR. — BUKGHEIM (LAHR). 



89 




m^ \fj.ji^ m^.- 



Fig. 4J. Kirche in Burgheim (Lahr), Ostansicht. 

Schenken v. B. als Kirchherren, 141 9 als solcher ein Herr Johans und 1458 ein Herr 
Johanns Slichlin von Urach. 1429 wird ein »her Heinrich Kleinmann lütpriester« ge- 
nannt — Endlich übergab, da Johann Schlichlin freiwillig verzichtete, Anton Röder die 
Pfründe mit all* ihren Nutzungen dem Lahrer Stift; 1492 kam die Einigung zwischen 
Baden, Mors und Strassburg zu Stande, wonach die Pfarrei definitiv dem Stift einverleibt 



90 



KRKIS OKKENBIRG. 



wurde. An der zur Kapelle degradirten Kirche zu Burgheira amtirte der seitherige 
Pfarrer Andreas Murr als Kaplan weiter. Als die Herrschaft I-ahr protestantisch wurde, 
ging aber die Kaplanei allmählich ein. 
Baubeschreibung Die Hialerisch auf der Höhe über Lahr gelegene Kirche ist ein Bau aus verputztem 

Bruchsteinmauerwerk mit glatt behauenen rothen Sandsteinquadem an den Ecken; aus 
Sandstein auch die Gewände etc. Die Kirche besteht aus einem einfachen Langhaus, 
welchem nach Osten der lliurm, dessen Erdgeschoss als Chor dient, vorgelagert ist Im 

Süden stösst an ihn die 
Sakristei, im Norden fuhrt 
eine offene, mit einem Dach 
geschützte Holztreppe zu 
ihm empor (s. Fig. 45)" 

Der viereckige Thurm 
hat im Erdgeschoss nadi 
Osten ein wohl im 13. Jh- 
gebrochenes dreifaches Spitz- 
bogenfenster , im zweiten 
Geschoss einfache Licht- 
lucken bezw. Schiessscharten, 
im obersten, von einem 
Satteldach gedeckten G^ 
schoss auf allen Seiten je 
zwei gekuppelte Fenster, 
deren Rundbögen auf kleinen 
Säulchen mit steilen attischen 
Basen und weit auslaufen- 
dem Kämpfer ruhen (vergl 
Fig. 46). Nach Osten und 
Westen statt der Säule ein 
Pfeiler mit vorgestellter Säule. Im Innern ist das Erdgeschoss des Thiirmes, das ak 
Chor diente, von einem (alten) Tonnengewölbe überspannt, das auf achtem roma- 
nischem Gesims (zum Theil für Eingang in Sakristei später weggehauen) mit Platte, 
Wulst und Kehle rußt. Der östlichste Theil des Langhauses, der mit dem Thurm heute 
noch kirchlichen Zwecken dient, dürfte mit dem Thurm aus gleicher Zeit stammen 
und den Umfang der alten Kirche bezeichnen; später (im 19. Jh.) sind zur besseren 
Beleuchtung vier Spitzbogenfenster eingebrochen worden, die alten, vermuthlich rund- 
bogigen Fenster sind heute nicht mehr auffindbar. In der Südwand befindet sich eine 
alte Sakramentsnische, mit spitzem Kleeblattbogen in Kielbogen und umrahmenden 
Fialen aus dem Ende des 15. Jhs., in der Nord wand eine kleinere Nische, die aber 
laut Aufschrift 1857 renovirt wurde. Der vordere, breitere Theil der Kirche, jetzt als 
Feuerwehrdepot dienend, ist eine Erweiterung späterer Zeit und zwar aus dem 1 5- 1^' 
wie das in der Südwand angebrachte Fenster mit flambopantem Masswerk beweist A^ 
der gleichen Wand eine Thür mit Blendkielbogen und der Jahreszahl IXYV (i455) 
Merkwürdiger Weise nun hat man bei dieser Erweiterung einfach das alte romanische 
Portal benützt und es an seine heutige Stelle vorversetzt. Dieses Portal (s. Fig. 47 "• ^' 




II I I 1— m:^j4.;'^.<vmmu 

Fij^. 46. Fenster am Thurm der Kirche in Burgheim (Lahr). 




Fig. 4g. Der h. Christophoms. Wandgcnnihie in der Kirche zu Burgheim (Lahr). 
Band VIL Zu Seite 91. 



AMT LAHR. - BURGHEIM (LAHR). 



9» 



mit gradem Sturz wird in grossem Blendrundbogen von dem mit Rundstäben reich profi- 
lirten Sockel der alten Kirche umzogen. Im Tympanon war nach den erhaltenen Spuren 
in gothischer Zeit einmal die Kreuzigung gemalt. 

In dem vorderen Theil der Kirche nun sind Wandgemälde erhalten, für die gründ- Wandgemälde 
liehe Konservirungsarbeiten in Aussicht genommen sind. Und zwar sehen wir an der 
Nordwand der Kirche in zwei Reihen übereinander in der üblichen rothen Umrahmung 
6 — 3 und 3 Scenen, von denen indess die östlichsten durch die eingezogene Trennungs- 
wand und da sie in den unaufgedeckten östlichen llieil sich weiterziehen, nicht erkennt- 
lich sind.^) Die anderen -- 
zeigen Passionsscenen und ^iA ^ 
zwar unten eine Kreuzi- "^' ^ 
gung, im Bilde Lanzen, 
Fahnen, Männer, also wohl 
die Gefangennahme, oben 
ist noch zunächst eine 
einzelstehende Figur imd 
daneben eine Domen- 
krönung kenntlich. Weiter 
westlich in bedeutend 
grösserem Massstabe über 
der Thür der h. Jakob von 
Compostella mit seinem 
Pilgerhut auf gothischem 
Throne sitzend, zu seinen 
Füssen der Stifter, daneben 
Spruchbänder, im Hinter- 
grund gothische Archi- 
tektur. Auf dem Sturz 
der Thür darunter gemalt 
die Jahreszahl 1452 (?) in 
Minuskeln. An den Wänden 
ausserdem noch Apostel- 
kreuze, an der Südwand Reste einer Engelsfigur und endlich an der schmalen Fläche, 
welche da geboten wird wo die Südwand zur Erweiterung der Kirche vorspringt am 
besten erhalten der h. Christophorus mit dem Kinde, eine über den Durchschnitt solcher 
Malereien ziemlich herausragende Gestalt (s. Fig. 49). 

Die Sakristei zeigt ein Kreuzrippengewölbe, Schlussstein mit ehemals bemaltem Sakristei 
Schild; die trocken profilirten Rippen gehen ohne Konsolen in die Wand über. 

Das Ganze stellt sich so dar als ein frühromanischer Bau in Thurm und östlichstem Baugesciuchtc 
Langhaustheil, den in die Zeit obiger Weihe, also in die Mitte des 1 1 . Jhs. anzusetzen 
eigentlich nichts hindert, wenn auch natürlich keine Gewissheit dafür beansprucht werden 
kann. Das 15. Jh. nahm dann die Erweiterung nach Westen vor (1455) und wohl auch 
den Neubau der Sakristei. 1857 erfuhr der Bau eine kleine Renovirung, hoffen wir, 
dass ^e jetzt ins Auge gefasste dem ehrwürdigen Kirchlein den alten Charakter bewahrt. 
S. Loiz, Stotistik II 73. 







Fig, 47. Portal der Kirche in Burgheim (Lahr). 



92 



KREIS OFFENBURG. 



GrabpUttcn An dcF nördlichen Aussenwand sind einige, vielleicht aus dem Innern stammende, 

zum Theil verstümmelte Grabplatten aufgestellt Davon sind vier sich sehr ähnlich, mit 
in Umrissen eingeritzter Zeichnung. 

1. Die grösste zeigt ein gleichschenkliges Lilienkreuz und in guten Majuskeln cfic 
Umschrift: // + HKHO • DO/ölIIW '- ffiGGaVII • K K . lÄ/H . OBH t • 

hQmR' . Das . isaßiii // 

2. Die zweite zeigt das zweite Kreuz auf Stange, die unten noch einmal in Lihc 
endigt, und die Umschrift: // + HRHO • DNI / ffiOGa . Vffl . IH • K K • DG • • • 
/ . : ID^ . HDVOCHS . DB . LÄRG // 

3. Die dritte zeigt nur das Lilien- 
kreuz unten in einem Standfuss ausgehend, 
daneben Hackbeil und Messer. 

4. Die vierte Grabplatte, eben&Us 
ohne Umschrift, zeigt ein eingeritztes 
Standkreuz mit Kleeblattendigimgen auf 
breitem Sockel, links ein Zirkel, rechts ein 
Kelch. 

5. Die ftlnfte Platte endlich, nur in 
ihrem oberen Theil erhalten, zeigt in \-er- 
tieftem Schild den sehr schönen IDoppel- 
adler und die zum Theil verwischte oder 
abgehauene Inschrift: //HNN . DO / flUMI • 

SR . . Q . A / 

(PBVRHflBHQll // Die Buch- 
staben sind bedeutend schlechter, die N 
zum Theil aus unzusammenhängenden 
Strichen bestehend, ausserdem stehen die 
Buchstaben unregelmässig. Trotzdem kann 
ihrer Form nach der Stein kaum später als 
1350 gearbeitet sein. Es handelt sich um 
ein Mitglied der Familie Bumebach, die 

Fig. 48. Gewändeprofil ""» 250 Jahre später in der Stiftskirche 

vom Portal der*Burgheinur Kirche (iMhr). begegnet. 




Vorgeschicht- 
liches 



MEISSENHEIM 

Schreibweisen: villa Meissenheira 1267; Missenhein 1270; Myssenheim 1445; 
Mihssenheim 1464 etc. 

Archivalien : der Gemeinde und (evang.) Pfarrei : Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 1 5 
(1893) S. 100 — loi ; Archiv der Roeder von Diersburg Nr. 16 (1894) S. 93 — 96. 

Litteratur: Job. Georg Schilher, Chronicum Meissenheimensc. s. Huhn Quellen 
der bad. Geschichte I Hdbg. 1844; Lahrer Wochenblatt 1907. Nr. 6 ff. 

Vorgeschichtliches. Im Gemeindewald »Langenrod« östlich vom Ort steht ein 
ansehnlicher runder Grabhügel von 16 m Durchmesser bei 1,50 m Höhe, dessen Unter- 



AMT LAHR. — MEISSENHEIM. 



93 



Ga^ot. 



Unlenirtii 



suchtmg im Juni und wieder im August 1886 vorgenommen wurde. Merkwürdigerweise 
befindet er sich in der Rheinniederung, hart westlich von erhöhtem Terrain, und muss 
im Lauf der Zeit des Oefteren tiberschwemmt worden sein. Während der Boden dort 
kiesig, mit schwacher Humusschicht gedeckt ist, besteht der Hügel aus fettem Lehm, 
der von 15 bis 20 Minuten östlich hergeholt und festgestampft worden sein muss. Er 
enthielt mehrere Bestattungen, alle in verschiedener Tiefe ziemlich in der Mitte. Die 
wichtigste in der Tiefe des gewachsenen Bodens kennzeichnete sich durch auf einer 
schwarz gewordenen Tannenholz-Unterlage gebettete Skelettreste einer, nach den Zähnen 
zu schliessen, über dem mittleren I^bensalter stehenden weiblichen Person mit 
einem 8 — 10 jährigen Kind. Anziehend erscheinen die Reste ihres Schmucks: In 
der Halsgegend sah man 
rechts und links je eine 
schwarze mattgeschliffene 
grosse Perle von Gagat 
kohle (s. Fig. 50) *) hervor- 
stehen ; beide mögen oben 
am Gewand befestigt oder 
an einem Halsband ge- 
tragen worden sein. 
Zwischen ihnen lagen ein 
grösserer Bronzering, Stücke 
einer wasserblauen Glas- 
perle und eine grössere An- 
zahl kleiner Bronzeringehen 
mit an ihnen aufgereihten 
Thonperlchen, alles wohl 
Reste eines Halsschmucks. 
An jedem der Unterarme 

war zunächst der Handwurzel ein breites offenes, mit Strichmustem verziertes und an 
den Enden mit dicken Knöpfen endigendes Armband (Fig. i a) von Bronze zu sehen, 
hmter dem sich ein zweites, 6 cm dickes, schwarzes, von eigenthümlichem kohlen- 
artigem Stoff (Lignit) befand (Fig. i b), dessen Material, verschieden von der Gagatkohle, 
südwestdeutschen Ursprungs sein muss, bis jetzt aber noch der Auffindung harrt. Die 
Bestimmung eines in der Nähe gefundenen Ringchens von feinem Gold (Durchmesser 
i»3 cm) (Fig. 3) blieb leider unaufgeklärt. 

Eine zweite ähnliche Bestattung, gleichfalls auf Holzunterlage, mit verziertem Hals- 
ring, Gtirtelblech und Beinringen von Bronze, lag in halber Tiefe des Hügels, muss also 
später eingesenkt worden sein ; wahrscheinlich war der Hügel längere Zeit benützte 
Familiengrabstätte. Weiter fanden sich noch zweimal Armbänderpaare von Lignit, Perlen 
von Glas (an eisernem Ringchen) und Bernstein und Scherben von zum Theil verzierten 
Thongeülssen, auch ein Bruchstück von einem grossen Eisenschwert. In einem oder 

^) Die Gagatkohle (engl, je t}, durch alle Kulturperioden durch, ähnlich dem Hernsiein, 
^cgen ihres mattschwarzen Glanzes als Schmuck, besonders Trauerschmuck, geschätzt, findet sich im 
unteren Jura in Schwaben, England und Spanien als Rohmaterial (s. darüber Corresp. Bl. der West- 
deutschen Zeitschrift f. Geschichte und Kunst, Jahrg. 1888 VIT Sept. u. Okt. Nr. 138). 




^ig' Jo. Vorgeschichtliches aus Meissenheim. 



94 



KREIS OFFENBURG. 



Ortsgeschichte 







zwei Fällen dürfte Leichenbrand angenommen werden. Formen und Stoff der Fund- 
stücke weisen auf die mittlere Eisenzeit, das Ende der sogen. Hallstadt-Periode, ca. 500 
vor Chr., hin. 

In dem benachbarten Gemeindewald von Alten heim (Mittelwald, Schlag 7} 
befindet sich ein ähnlicher Hügel von 14 m Durchmesser, der aber, da sich in seinem 

Innern Mauersteine tmd Dach- 
ziegel fanden, nicht als Grab- 
hügel in Betracht kommt. Es 
soll hier ein Häuschen ge- 
standen haben. flV.J Vergl. 
dazu noch Westdeutsche Ztschr. 
Corr. VI 5; Karlsr. Ztg. 1886 
Nr. 290, Verh. d. naturhistor. 
Ver. Karlsruhe X (1888) 114. 
Ortsgeschichte: Zum 
ersten Male 1267 urkundlich 
en^'ähnt, befand M. sich damals 
schon im Besitz der Gerolds- 
ecker, bei der Theilung 1277 
kam es an die Lahrer Linie, 
ging aber nach einiger Zeit \-er- 
loren ^) und kam an das Dom- 
stift Strassburg als verfallenes 
Lehen. 1558 besass Dam'el 
Wurmser das Lehen und nach 
ihm erscheinen im Katalog der 
Ortenauer Ritterschaft eine 
lange Reihe von Mitgliedern 
der Familie als Besitzer. Bis 
1806 gehörte M. zum schwä- 
bischen Ritterkreis (Bezirk 
Ortenau) und war eine Besitzung 
der Familie von Dungem. 2) 

Seit 1418 besass das 

Kloster Schuttem hier einen 

Freihof, auch das Frauenkloster 

S. Stefan zu Strassbiu-g hatte 

ums Jahr 1450 und später 

hier Besitzungen, ebenso die 

Johanniter von Kenzingen. 

Simultankirche Simultankirchc '. Ein lütpriester, Johans Fronweler 141 9 erwähnt; Paulus Joly 

rector ecclesie parocchialis in Myssenheim Argentinensis diocesis 1484. Um das Jahr 

1533 trat Meissenheim zum Protestantismus über, der von der Familie VViuTiiser eingefiihrt 

^) Ruppert a. a. O. S. 389. 
2) Krieger II 167. 











Fig. s^' RocailUCartouche in der Kirche tu Meiasenheim. 



AMT LAHR. — MEISSENHKIM. 



95 



wurde. 1634 und 1674 bei Versuchen der Rekatholisirung hielten die Einwohner ihren 
Gottesdienst auf den Rheininseln. 

Die Kirche ist ein Bau des 1 8. Jhs. Der Fagade ist der Thurm vorgelegt, dessen 
zwei unterste Stockwerke mit Rundportal und Rundbogenfenster an den abgerundeten 
£cken Pilaster aufweisen, über dem verkröpften Gesimse ein Dreieckgiebel mit der 
Umschrift: Deo triuni 1766; darüber ein drittes viereckiges Geschoss, worauf der Thurm 
in das Achteck übergeht. Zwei kräftige Voluten flankiren ihn und verbinden ihn mit 
dem einschiffigen Langhaus, das im Achteck abgeschlossen ist und durch Lisenen 
g^egliedert wird. 

Im Innern hat die Kirche Emporen an den Seitenwänden : sie sind mit unbedeutenden 
Bildern aus dem Leben Christi, der Apostel und Propheten in Rocaillestuckumrahmungen 
g^eschmückt. 

An der südlichen Langhauswand grosse, üppig schöne, Rocaillecartouche in weissem Stückarbeiten 
Stuck mit langer Inschrift zum Gedächtniss des Joh. Daniel Voelkers und Gottlob Friedr. 
Lenzens, welche bey erbauung dieser Kirche das Pfarramt allhier bekleidet. 

An der gegenüberliegenden Wand eine ähnliche, noch geschmackvollere Cartouche 
mit dem Wappen der Grundherrschaft, der Freiherm Wurmser von Vendenheim, und 
an der gleichen Wand eine dritte (s. Fig. 51), auf der verzeichnet sind: Christmann 
Fischer Amt-Schultheiss, Joh. Georg Lux Burgermeister, Christmann Fischer Kirchen- 
pfleger, Theobald Heimburger, Jacob Kederlin, Andreas Hockenios, Joh. Theobald Kern, 
Johannes Wenz, saemtlich GerichtsschoefTen, Henr. Christoph Kuhlwin, Gerichts-Schreiber, 
Johannes Fischer, Kirchenpfleger. MDCCLXVI. 

Die ausserordentlich flotte, freie Modellirung dieser jeweils mehrere Meter hohen 
Cartouchen lässt vermuthen, dass sich die Meissenheimer hierzu einen ganz besonders 
geschickten, vielleicht französisch gebildeten Modelleur et^^a aus dem nahen Strassburg 
dazu hergeholt haben. 

An der geraden Decke des Langhauses in einem Langbild die Himmelfahrt Christi, 
in vier runden Medaillons die Evangelisten und in zwei ovalen die Anbetung des Kindes 
und der Leichnam Christi, derbe aber kräftig wirkende Malereien im Dekorationsstyl der 
zweiten Hälfte des 18. Jhs. 

Altar: Mensa in italienischem Stuckmarmor mit Rocaille Verzierung und ächter 
Marmorplatte. 

Kanzel nebst Schalldeckel, über dem grosser Pelikan, in gleichem Geschmack, 
ebenfalls Stucco. Aifch die Orgel weist, geschnitzt, die entsprechenden Ornamente auf. 
Eine achtstufige Treppe mit schmiedeeisernem Gitter und Gitterthür führt zu dem 
ummauerten Kirchplatz hinauf (Aus der gleichen Zeit.) 

Auf dem Friedhof: Grabstein mit dem doppelten Wappen der Wurmser; in Roll- 
werkcartouche die Inschrift (in Kapitale): »Anno domini 1624 den 5 Tag Novembris 
starb die wohledle und tugendtreiche Fraw Maria Eusebia Wurmserin deren der allmechtige 
Gott am jüngsten Tag in fro . . .« (das weitere unter der Erde vergraben). 

Einfacher Grabstein aus dem 18. Jh. des Amtsschultheissen Christmann Fischer. 

An der Ostwand der Kirche der Grabstein Friederike Brion's von Sesenheim, der 

Jugendliebe Goethes, die ihre letzten Lebensjahre hier, bei ihrem Schwager, dem Pfarrer 

Marx als im ganzen Ort geliebte »Tante« verlebte und 181 3 hier starb. In hellgrauem 



Altai- 



Friedhof 
Grabsteine 



96 KREIS OFFENBURG. 

Sandstein erhebt sich die Grabstele, aus kranzumgebenem Medaillon mit vergoldetem 
Grund hebt sich in weissem Marmor die Büste Friederikcns hervor, darunter die Inscfarift: 

Friederike Brion 
VON Sesenheim gewidmet. 
Ein Stral der Dichtersonne fiel auf sie, 
so reich, dass er unsterblichkeit ihr lieh 1 

(Verse von L. Eckardt 
Daneben deckt eine kleine schwarze Marmorplatte das Grab der Schwester, mit 
dem Dichtemamen aus: Wahrheit und Dichtung als Olivie (in der That Maria Salomea 
f 15. Jan. 1807) bezeichnet: 

Hier ruht 
unsterblich wie friederike 
„Olivie" 
GEB. Brion 
VON Sesenheim 
Geb. 1749 — Gest. I8o7 
Wer einem Dichter hold begegnet, 
Dess' Name bleibt fortan gesegnet! 
Vergl. dazu: Ph. T. Lucius, Friederike Brion, Strassburg 1878, S. 106; H. Dttntzer. Fr. vot 
Sesenheim, Stuttgart 1893, S. 136 ff.; Bielschowsky, Fr. Br., Breslau 1880, S. 40; W. H, Das 
Grab der Fr. Br. in Meissenheim, Antiquität. Zcilschr. VI (1894) Nr. 13, etc. 



MIETERSHEIM 

Schreibweisen: Mutherisheim 763; kop. 1457 (Fälschung); Motrisheim iioS; villa 
Moteresheim; Mutershein 1270; Müterzhein 14. Jh.; Muetershein 1450 etc. (Heim des 
Motheri.) 

Archivalien: Der Roeder von Diersburg. Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 16 (1594) 
S. HO. 
Ortsgeschichte Ortsgesckickte 1 M. ist ein sehr alter Ort, der schon 763 (?) mit dem benachbarten 

Kippenheim dem Kloster Ettenheimmtinster durch Bischof Heddo geschenkt wurde.') 
Damals hiess es: Mutberisheim. 11 10 erhält das Kloster S. Peter auf dem Schwan- 
walde eine Schenkung in M. Es gehörte in die untere Herrschaft Geroldseck imd wird 
häufig in Schenkungen genannt. Heinrich von Geroldseck-Lahr musste, betheiligt an 
dem Ueberfalle des Grafen Eberhard von Württemberg im Wildbad, als er sich mit 
demselben aussöhnte, sein Lehensmann werden und gab u. a. Mietersheim dem Grafen 
auf, um es als Mannlehen zu bekommen. Bei der Gebietstheilung 1629 kam der Ort 
an Nassau und wurde 1803 badisch. 
Kapelle Eine kleine Kapelle^ die in die Pfarrei Dinglingen gehört, befindet sich an der 

Hauptstrasse. Sie hat einen kleinen Dachreiter, schliesst im Achteck, die Fenster- 
gewände sind hohlgekehlt, das hinterste Fenster im Chor hatte einen, jetzt weggehauenen 
Pfosten. Ein Bau des 16. oder 17. Jhs. Durch die Tünche im Langhaus schimmern 

V Ruppert a. a. O. S. 395. 



1 



AMT LAHR. - NONNENWEIER. 



97 



Apostelkreuze durch. Dass am Jakobssonntag hier Kirche gehalten, deutet vielleicht 
auf den früheren Titel. Früher bestand hier eine eigene Pfarrei. 

An dem Kellerzugang eines Hauses (Nr. 12) die Jahreszahl 1623; ausserdem im Privathiiuer 
Ort eine Anzahl Riegelhäuser, leider zum Theil verputzt. 



NONNENWEIER 



Schreibweisen: Nunnewilre 1003; Nunnenwilr 1270; Nonnenwilr 141 4; Nunnen- 
weyler 1426 ; Weiler der Nonnen. 

Archivalien der evang. Pfarrei: Kirchenbücher von 1642 an. Mittheil. d. histor. 
Komm. Nr. 15 (1893) S. loi. 

Ortsgesckichte: Nonnenweier ist ein frühe urkundlich vorkommender Ort. Kaiser Ortsgeschichte 
Lothar schenkte angeblich 845 dem Kloster S. Stephan zu Strassburg unter anderen 
Höfen auch »Nunnenwilre«. Doch ist die Urkunde eine Fälschung des 11. Jhs. Dann 
kam das Dorf an den Bischof von Strassburg, von dem es die von Windeck als Lehen 
trugen. 13 16 löste es von Berthold von Windeck der Bischof wieder aus. Eine Zeit 
lang kam es, wohl als Pfandlehen, an die Geroldsecker, endlich nach verschiedenem 
Wechsel wieder an das Stift. *) Später war es eine ritterschaftliche Besitzung der Rath- 
samhausen, der Böcklin und der Oberkirch und gehörte bis 1806 zum schwäbischen 
Ritterbezirk Ortenau. 

Evang, Pfarrkirche: Erwähnt 1270 Johannes rector ecclesie; 1419 Johans Pfarrkirche 
Wahter Kircherre und Johans Frügemesser. 1473 war eine Kaplanei hier. Die Refor- 
mation führte der Strassburger Rathsherr Bock im Auftrage des Rathes hier ein. Die 
Kirche war ursprünglich eine aus dem 1 2. sec. stammende Kapelle, wie Stocker schreibt, 
welche noch das Langhaus bildete und durch spätere Anbauten vergrössert wurde. Leider 
fand ich dieselbe, als ich hinkam, glattweg abgerissen und dem Boden gleich gemacht. 
Nach einer Mittheilung, die ich im Pfarrhause erhielt, schloss der Chor mit grossem 
Rundbogen an die Kirche an, die 1727 vergrössert wurde. An Resten sah ich noch 
einen grossen Sandstein, an dem vorne unten eine romanische Fratze herausgearbeitet 
war mit herausgestreckter Zunge. Der Stein soll auf der südwestlichen Giebelecke des 
Langhauses gelegen haben. Ausserdem war noch erhalten der Kämpfer eines Bogens 
mit Rundstab und weiter die Reste eines romanischen Thürgewändes, sowie eines offenbar 
später eingefügten Sakramentshäuschen mit Fischblasenmasswerk, ein mit Muschel- 
omament verzierter Renaissance-Stein und eine Quader mit runder nach vom sich 
erweiternder Oeflfnung. (Siehe Nachtrag.) 

Zwei Grabplatten mit vollkommener Ahnenprobe in den zahlreichen Wappen- Grabplatten 
schildern: der Anna Amalia von der Grün geb. von der Sachsen f MDCLXXIII 
(genauer siehe im Nachtrag) und der des Joh. Christoph von der Grün •}• 21. Dezember 
MDCLXVL 

Ein weiterer Grabstein, verziert mit skulpirten Guirlanden und Bändern der Christina 
Luisa Frid. Freifrau von Boecklin zu Boecklinsau ♦ 1768 •{• 1799 und ihrer Tochter 
Luise Francisca Caroline ♦ 1799 -j* 1799. 

*) Ruppert a. a. O. S. 396. 

Band VH. 7 



98 KREIS OFFENBURG. 

Im Norden der Kirche konstatirte man, etwa am Thurm beginnend, von Süda 
nach Norden ziehend einen Mauerzug, vielleicht von einem früheren Kloster. 

Kirchengcräthe Im Pfarrhaus ein Kelch aus dem 17. Jh. Cuppa Silber, Fuss kupfervergoklö 

mit Fischblasen und Rautenomament am Nodus ; am Fuss eingravirt das W2q[>pen vi» 
der Grün und in Minuskelschrift: joerg maria. Vier Zinnkannen von >Joh. Danid 
Reiser in Lohr«. (18 Jh.) Seidengestickte Altar- und Kanzelbekleidung von 1770. 
«Schioss« Das alte >Sckloss(i^ derer von Boecklin, jetzt Anstalt flir evang. Kinderpflege, hat 

noch hübsche Rocaille-Einfahrtspfosten aus Sandstein und ein schönes Thorgitter rat 
dem Wappen. 

Ricgcihäuscr Einige gute Riegelkäuser, wie immer leider auch hier verputzt, stehen im On. 

^il^hiidi"' Schmiedeeiserne Wirthshausschilde »zum Löwen« und »zum Wolf« (?) 

Porzdianfabrik Im i8. Jh. befand sich hier eine Porzellanfabrik, die im Jahre 1786 von Pfalzer, 

der die Fabrik in Dautenstein angelegt hatte, gegründet worden und später als Filiale 
der Dautensteiner Fabrik weitergeführt wurde, aber keine grossen Erfolge erzielte. Bn 
einziges Stück ist bisher mit Wahrscheinlichkeit auf Nonnenweier zurückzuführen. ^) 



OBERSCHOPFHEIM 

(Niederschopfheim s. Amt Offenburg) 

Schreibweisen: Scopfheim 763; kop. 1457 eine Fälschung, dagegen in Morthenania 
Scofhaim 777; Schopfheim 1050; Scoppheim 11 79; Schophen 1275 etc. 

In superiore Schopffen 10 16 ist wieder eine Fälschung, zum ersten Mal die 
Trennung erwähnt wohl 1273 (Oberschopfen) ; in villa et banus superioris ville Schopf 
heim 1291; Obernschopfhein 1388 etc. 

Archivalien der Gemeinde und kath. Pfarrei: Mittheil, der histor. Komm. Nr. 15 
(1893) S. loi ; Archiv, der Roeder v. Diersburg ebenda Nr. 16 (1894) S. in. 
Ortsgeschichte OrtsgescMchte i Ursprünglich, wie aus Obigem ersichtlich, nur ein Dorf, scheint 

dasselbe sich im 13. Jh. in Ober- und Niederschopfheim getrennt zu haben. Das Kloster 
Ettenheimmünster war in alten Zeiten hier begütert, später das Kloster Schuttem, eine 
Zeit lang auch Alpirsbach, von 1300 bis 1509, wo ihm Schuttem diese Besitzungen 
abkaufte, und Gengenbach. Der Ort gehörte in die Herrschaft Geroldseck, kam 1620 
an Baden-Baden. (Herrschaft Mahlberg.) 

Schon ziemlich früh, im 12. Jh., lernen wir ein Ministerialengeschlecht in Schopf- 
heim kennen, das, solange die Grafschaft der Mortenau bei den Zähringem war, zu 
deren Dienstadel gehörte. Ihr Siegel zeigt im Schüd einen aufrecht stehenden, nach 
rechts schauenden Vogel mit ausgebreiteten Flügeln. Am Anfang des 14. Jhs. scheint 
ihr Mannesstamm ausgestorben zu sein. 
Pfarrkirche Kath, Pfarrkirche i ad S. Leodegarium episcopum. Im Mittelalter scheint im 

Ort selbst nur eine Kaplanei bestanden zu haben, ursprünglich verbunden mit dem Ho/, 
den das Kloster Gengenbach hier besass, während die vor dem Ort liegende Leutkirche 
als Pfarrkirche genannt wird (s. unten). Erwähnt capella annexa curie, quam habet 



1) Abgcb. bei K. F. Gut mann. Die Kunsttöpferei des 18. Jh« 
Ueber die Fabriken ebenda S. 165 flf. 



IS. im Grossh. Baden. S. i8ft 



AMT LAHR. — OBERSCHOPFHEIM. 99 

monasterium de Gengenbach in Oberschopfen ; capella in obem Schopfheim 1452. 
1666 dagegen wird von der »ecclesiac geredet, als Collator der Abt von Schuttem 
genannt — Oberschopfheim war als baden-badisch katholisch geblieben — -»animas 
regendas habet ca 200; adsünt et plures haeretici«. 

Der heutige Bau stammt wohl ganz aus der Zeit um 1715, welche Jahreszahl über 
dem Portal steht Es ist eine einschiffige Kirche, der Chor in drei Seiten des Achtecks 
schliessend, der viereckige Thurm, welcher der Kirche vorgelegt ist, geht in seinen 
oberen Stockwerken in das Achteck über und endigt in einem Zwiebeldach. Das 
Aeussere der Kirche mit Lisenen etc. gegliedert Das Ganze steht vorzüglich in der 
Landschaft Im Innern einfachere Barock-, Hoch- und Seitenaltäre. 

Kirchengeräthe: Sonnenmonstranz, theil weise restaurirt, mit dem Augsburger Kirchengerfithe 

F T 

Zeichen und ^ . Zwei reichere und ein einfacher Rocaillekelch, Silber getrieben, ver- 
goldet, wieder Augsburger Arbeit, die reicheren mit Silberfiligran und Steinen haben die 
Meisterzeichen : B und I • C • M. Silbergetriebene Messkännchen der gleichen Zeit. 
Einige Kirchengewänder des 1 8. Jhs. 

Die Glocken sind neu. An der Kirche Trümmer eines Rocaille-Grabsteins ; vor 
derselben ein Cnicifixus, am Kreuzesfiiss die Madonna, 1764 von Franz Wetterer und 
EUsabetha Roderin seiner Ehefrau gestiftet. 

Etwa 20 Minuten westlich vor dem Ort die Reste der Gtäleuikirche (s. Näher Guticutkirchc 
Ortenau S. 41 und Tafel IX), die schon 1362 erwähnt wird: Kirche zu Lütkirche; 
parochia in Lütkilch 1366, parocchialis ecclesia in Lütkirch 1394, und also im 14. Jh. 
Pfarrkirche war, die 1409 dem Kloster Schuttem inkorporirt wurde. Sie wurde in dem 
spanischen Erbfolgekrieg mit dem Dorf zerstört, worauf man, wie es scheint, nur den 
Chorthurm wiederhergestellt und als Kapelle benützt hat, während das Langhaus in 
Ruinen liegen blieb. In den letzten Jahren wurde dasselbe zur Hälfte wieder eingedacht 
und ausgebaut. Von dem ehemals sicher damit verbundenen Siechenhaus, das auch 
verbrannte, ist heute keine Spur mehr zu sehen. 

Die Kirche war ein einschiffiger Bau, mit ziemlich langem Langhaus, dem das 
Erdgeschoss des Thurmes als Qior diente. Dies Erdgeschoss ist mit einem Kreuzrippen- 
gewölbe gedeckt, mit trocken profilirten Rippen der Spätzeit, die heutigen Fenster sind 
nach der Zerstörung eingebrochen. Der Thurm selbst ist nur noch ein Stumpf, da nur 
ein Obergeschoss, ebenfalls nach dem 1 7. Jh. wieder ausgeflickt, vorhanden ist Im Lang- 
hause die Reste spitzbogiger Fenster zum Theil mit Fischblasenmasswerk, ausserdem noch 
die Konsolen sichtbar, die wohl einer Empore gedient haben mögen. Auf der noch 
stehenden Fagadenwand eine stark beschädigte Kreuzblume, in ihr ein spitzbogiges Thor. 
Der Bau besteht aus schlechtem Bruchsteinmauerwerk mit Sandsteinquadern an den 
Ecken und Sandsteingewänden. 

In dem Chörlein ein ganz wirkungsvoUer Barockaltar, in Verbindung mit den zwei 
Seitenthüren zu kleinen Aufbewahrungsorten flir die Geräthe. Hinter dem Altar und 
an der Decke dekorative Barockmalereien. Im Jahre 1905 sind hier ausserdem die 
Reste von Wandgemälden aus dem Anfange des 16. Jhs. hervorgetreten. An den Wandgemälde 
beiden Seitenwänden des Chores fanden sich die zweidrittellebensgrossen Gestalten der 
Apostel, je vier auf jeder Seite, der fünfte ist durch das später eingebrochene Fenster 
vernichtet. Engel hielten hinter ihnen ausgespannt Teppiche. Diese Figuren begannen 



lOO KREIS OFFENBUKG. 



1 



etwa I '/j, m vom Boden, unter ihnen zog sich eine Bordüre hin, in der nach den eiiialtenea 
Spuren auf deutsch in Minuskelschrift die Worte des Credo standen. In die Kappa 
des Gewölbes wuchsen leichte, spätgothische Ranken empor. Die Gestalten wiesen ai 
einen Durchschnittsmaler vom Anfange des 1 6. Jhs. Sie waren sehr schlecht, zum Thcfl 
nur in wenigen Resten der Umrisse erhalten und wiu-den 1905/6 durch den Maler Kolb 
aus OfFenburg übermalt, leider etwas stark. Besser erhalten waren die Halbfiguren der 
klugen und thörichten Jungfrauen in halbrund abgeschlossenen Nischen an den Laibungs- 
flächen des Triumphbogens. Manches, so die Haartracht und die Schapel, wdche ät 
Köpfe der klugen Jungfrauen schmücken, deuten auf eine vielleicht im 16. Jh. restauriitc 
Grundlage des 14. Jhs.? Erfreulicher Weise ist hier die Uebermalung unserer Zeit nidit 
so weit gegangen. 
Kruzifixe In der Nähe finden sich an der Strasse noch zwei einfache Krusifixe^ das eine 

datirt von 1779 ^^^ ^i^ Bildstock des 18. Jhs. 



OBERWEIER 

Schreibweisen: Obemwilire 1064; kop. 17. Jhs.; Oberwilr 1350; Oberwilre 1363: 
villa 1368 etc. 

Archivalien der Gemeinde und kath. Pfarrei: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15 
(1893) S. HO — III. 
Ortigcschichte Ortsgescktckte : O., in die Kastvogtei von Schuttem gehörig, war bambergisches 

Lehen, und gelangte nach dem Aussterben der Tiersberger Linie an die Geroldsecker, 
also erst 1277') nach der Theilung; es blieb daher als ungetheilter Besitz beiden Linien 
gehörig, denen es allrpählich gelang, es in ein Reichslehen umzuwandeln. Mit der Hälfte 
der Herrschaft Lahr-Mahlberg kam die eine Hälfte, 1475 mittelst Verkauf durch Diebok 
von Hohengeroldseck das eine Viertel der zweiten Hälfte an den Markgrafen Christoph 
von Baden, nach dem Aussterben des Geschlechts das letzte Viertel ebenfalls, somit 
war O. baden-badisch. 

Das Patronat kam von den Tiersbergem als AUod an die Schwarzenberger; wir 
mit der Feste Tiersberg verbunden und wechselte mit dieser die Besitzer. Lehen 
besassen hier die Schauenburg und die Brombach und von den Klöstern der Umgegend 
war, seiner Lage gemäss, vor allem Schuttem hier begütert. Ein Ortsadel 1361, 
1365 und 1370 erwähnt. 
Pfarrkirche Katk. Pfarrkirche: Sancti Naboris et Felicis (später hinzu gekommen), heute 

S. Michaelis. Erwähnt 141 4, 1545; parocchialis ecclesia 1400; Heinrich Esel, der 
kirchherre der pfarrekirche zu Oberwilre 1377; Cunrat Pawel, lütpriester 14 13. Durch 
die Reformation, die theilweise auch hier vorzudringen versuchte, war die »olim insignis 
parocchia« 1666 sehr zusammengeschmolzen: »parochiani ibidem sunt numero paud, 
haereticorum vero numerus satis magnus«. 

Die kath, Pfarrkirche ist ein Bau von 1876 bis 1880. Damals wurden Theile 
der alten Kirche im Fundament vermauert. Schon diese aber soll ein Bau im Wein- 
brennerstyl gewesen sein. Nur die zwei untersten Geschosse des Thurmes sind in ihrem 



^) Ruppert a. a. O. S. 397 ff. 



AMT LAHR. - OTTENHEIM. lOI 

Kern alt, mit Cement bekleidet Im Erdgeschoss Portal im Kielbogen geschlossen, mit 
sich schneidenden und todt auslaufenden Rundstäben auf steilen Basen (natürlich Sand- 
stein), der Jahreszahl : 2 I 6 2 J 2 X und dem Steinmetzzeichen : •n . Kreuzgewölbe 

im Innern mit einmal hohlgekehlten Rippen, die ohne Konsolen an der Wand verlaufen, 
und Schlussstein mit dem Agnus dei. 

Auf dem Friedhof aufgestellt der obere Theil eines verstümmelten, naturalistischen Cmcifixus 
Crucifixtis an baumartig gestaltetem Kreuz (i6. Jh.), an dem ehemaligen Postament 
eine verwischte Inschrift. An der Friedhofmauer alte Grabsteine mit mehrmals wieder- 
kehrendem Stretif von Lawenstein'schem und Brombach'schem Wappen, deren Inschriften 
durch Erhöhung des Friedhofniveaus zugeschüttet wurden, jedoch gut erhalten sind. 



OTTENHEIM 

Schreibweisen: Othenhen 845 Fälschung d. 11. Jhs. ; Ottenheim 1016; Oten- 
heim 1225 etc.; Heim des Otto. 

Archivalien der Gemeinde und Pfarreien : Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15 (1893) 
S. loi — 102. 

Litteratur : Heimburger Grammat. Darstell, der Mundart des Dorfes O. Halle 1887; 
Götz, A., Volkskunde von Siegelau, nebst Mittheilungen aus O. Alemannia XXV i — 62. 

Ortsgesckichte : In O. amtirte 1070 der letzte Gaugraf der Ortenau, Luitfrid. OrtegescWcht« 
Wie es an die Geroldsecker kam, ist unbekannt. Bei der Theilung von 1277 behielt 
sich beide Linien den gemeinsamen Besitz von O. und dem gegenüberliegenden Schwanau 
vor, da mit beiden Orten die Rheinschifffahrt beherrscht wurde. Schwanau war eine 
mächtige Tiefburg, nach den Nachrichten fortifikatorisch vorzüglich ausgestattet. So 
wurde denn auch im Anfang des 14. Jhs. Raub und Schädigung der Schifffahrer, ins- 
besondere der Strassburger, Züricher Kaufleute, mit Erfolg betrieben und die Gerolds- 
ecker standen diesem Treiben nicht fem. Das wurde schliesslich so arg, dass die Strass- 
burger mit ihren Verbündeten vor die Burg zogen, nach langwieriger Belagerung sie 
eroberten imd dem Erdboden gleich machten. Damit war auch die Bedeutung des auf 
der andern Seite liegenden Ottenheim dahin. 1481 ging die der Linie Hohengeroldseck 
gehörige Hälfte erst pfiandweise, dann 1503 als Eigen thum an Baden über, während die 
andere Hälfte bei der Theilung von 1629 der Herrschaft Mahlberg zugewiesen, ihm 
ebenfalls zufiel. O. war also baden-badisch. Unter den Geroldseckischen Vasallen hatte 
Hans Truchsess verschiedene Güter hier. Ein Ortsadel wird erwähnt 1256, 1288 
und 1317. 

Simultankirche (ad s. Gallum). Ecclesia erwähnt 1136, Johannes dictus ad simuitankirchc 
Angelum quondam rector ecclesie in Otenhein 1296 ; Walramus de Veldencze, canonicus 
eccl. Arg. et rector eccl. de Otenheim 1 3 1 1 . Bald aber hatte Ottenheim zwei Pfarr- 
kirchen, zwei Pfarreien und zwei Pfarrherren. Die erste Erwähnung derselben geschieht 
1326, wo ein Acker tbi der nuwen kirchen« angeführt wird^), dann 1422 bei der 

*) Hertzog, Edelsasser Chronik (1592) S. 108 ff. Z i m m e r 'sehe Chronik Ed. Barack I. 365. 
Strobel, Gesch. d. Elsasses n 199 ff. Badenia, Alte Folge II 301. 
*) Ruppert, a. a. O. 403. 



I02 KREIS OFFENBURG. 

Ablösung einer Gült von »der alten kirchen in Ottenheim«. 14 19 erfahren wir tc» 
Johans Bromber, Kircherre zu Altenotenheim, 1452 von den »kylichherren der zwi^er 
Pfarrkirchen zuo Otenheirac oder auch von den »herren Thoman und herren Johannes4 
kilchherren und lutpriester der zweier Pfarrkirchen zu Ottenheim. Am An^nge des 
16. Jhs. aber ging die alte Kirche ein, auf die Gründe deutet die Notiz: »Wilhelmus 
episcopus Arg. ius parochiale apud ecclesiam vetus Ottenheim nuncupatam, quia timetts 
propediem eandem ecclesiam ex vi fluminis Rheni demoliri, ad ecclesiam Ottenheiin 
nova dictam transferimus i5o9€.^) Mit der ehemaligen Existens zweier Kirchen hangt 
es wohl zusammen, dass 1692 als »patronus coeli S. Johannes Baptistac genannt wird, 
1699 S. Dionysius Ep. et mart und später im 18. Jh. der h. Gallus.^) Das Fatromt 
stand dem Kloster Schuttem zu ; wie gewöhnlich ward dann auch Ottenheim inkorpom:, 
was 1401 durch Papst Bonifaz bestätigt wurde. Schuttem besetzte nun die (eine?) Pfand 
mit ständigen Vikaren. — Auch hier fand die Reformation bald Eingang und in jener 
Notiz von 1692 (s. o.), in der auch als coUator et decimator domnus marchio Badensis 
genannt wird, heisst es: »animas habet ca 50, reliqui sunt haeretici«. Da die Heirschalt 
aber katholisch war, so blieb die Kirche den Katholiken, bis sie 1765 zum Simultan- 
gebrauch bestimmt wurde. 

Der heutige Bau stammt in den Untertheilen des als Chor dienenden Thunnes 
aus älterer Zeit, im Langhaus von 17 71. Der Thurm weist unten Spitzbogenfenster aar 
mit theils noch vorhandenem, theils herausgebrochenem Masswerk, welches ebenso 
wie die Profilirimg der Laibungen schon auf das späte 16. wenn nicht 17. Jh. deutet, im 
zweiten Geschoss Lichtluken, im dritten Rundbogenfenster, die er einer Restauratios 
i. J. 1791 zu verdanken hat Sein Mauerwerk besieht aus Bruchsteinen mit Sandstein- 
quadem an den Ecken. Das schlichte Langhaus weist Rundbogenfenster auf und ein 
einfaches Barockportal mit dem Datum 1771. 

Im Innern hat der Thurm unten ein Stemgewölbe mit trocken profilirten Rippen 
ohne Konsolen und unverziertem Schlussstein. Eine Thür mit geradem Sturz, sieb 
kreuzendem Stabwerk auf steilen kleinen Basen führt zur Sakristei, die mit zwo 
Kreuzrippgewölben (ohne Konsolen) mit geradem Scheitel bedeckt ist. — Das Langhaus 
zeigt ein Spiegelgewölbe mit einschneidenden Kappen auf schlanken Pilastem, An der 
Decke ein Gemälde der Himmelfahrt des seeligen Bernhard, gut-dekorative Malerei 
von Morathi, in kleineren Bildern die Sinnbilder Christi, dann die Weihe emes Bildes 
durch den Markgraf Georg August und endlich die Seeligsprechung Bernhards, die 
eben damals geschehen war. 
Altäre In der Kirche drei Altäre mit Altarbildern, eine Kanzel und Orgeln von 1773 

Taufstein in dem üblichen, wirksamen Rocaillegeschmack. Ein Tauf steine verziert mit Beschläg- 

omament von 1630, renovirt 177 1. 
Glocken Die vier Glocken stammen aus der Edel'schen Giesserei in Strassburg und zwar 

die grösste von 1777, dem h. Gallus geweiht, eine von 1750, eine kleine von 1791 
(h. Sebastian) und die vierte, deren Jahreszahl ich nicht beikommen konnte. 
Kirchengeriithe Ktrc k enger ät e : Silber getriebener vergoldeter Rocaillekelch ohne Zeichen, des- 

gleichen gravirt und getrieben im Uebergang zum Zopfstyl, wohl nach 1771, und ganz 

^) Krieger II S. 451. — Ruppert S. 403 meint, die Rechte der einen Pfarrei seien 1509 
auf die neu errichtete Kirche in Almersweiler transferirt worden; also wohl die der neuen Kirche. 
^) Stocker a. a. O. S. 162. 



AMT LAHR. - PRINZBACH. I03 

schlichter aus dem 17. Jh. Aus dem 18. Jh. (nach 1771?) die silbergetriehene, vergoldete 
übliche Sonnenmonstranz ohne Zeichen und die Kreuzpartikel. 

An der Nordwand der Kirche 'Emi^yit-Epitaph des Joh. Ant. Ed. Sartori Pfarrer Epitaph 
*i* 14. Dez. 1807 und vor der Kirche grosser Cnicifixus mit Maria und Johannes, derbe 
Arbeit von 1740. 

Kath, Pfarrhaus von 1749 bezw. 1782, schlichter Bau. Kath. Pfarrhau« 



PRINZBACH 

Schreibweisen: Bnmsebach 1270; Bninspach 1367; Brunsebach 1368; Printzbach 
1493; Brinspach 16. Jh. 

Archivalien der Gemeinde und Pfarrei: Mittheil, d histor. Komm. Nr. 15 (1893) 
S. 102. 

Ortsgeschichte: Die Sage, für die aber nicht die geringsten Anhaltspunkte vor- Ort«gwchichte 
banden sind, erzählt von einer römischen Stadt und römischen Silberbergwerken, auch') 
von einem Fund römischer Münzen von Hadrian und seinen Nachfolgern. Wenn letzteres 
wohl nicht undenkbar ist, so beweist es doch nichts für das Erstere, ja, könnte geradezu 
der Ursprung der Sage sein. Wie es scheint, sind Erwähnungen des Ortes vor dem 
13. Jh. nicht zu konstatiren. Erst aus dieser Zeit finden sich denn auch Nachrichten 
über die während einer kurzen Periode ergiebigen Silberbergwerke, die offenbar die 
Hauptquelle für Walters 11. Macht und Reichthum gewesen sind. ^) Möglich, wie 
Ruppert bemerkt, dass in dem spärlich bewohnten Thal sich daraufhin die Zahl der 
Ansiedler mehrte, aber eine Stadt war P. nie. Die aus verschiedenen Gründen unmög- 
liche Notiz Kolb's*), dass die Stadt (I) Prinzbach i. J. 1008 (siel) am Charfreitage von 
den Freiburgem überfallen und geplündert, die Schmelzöfen und Münzwerkstätten aber 
zerstört worden seien, mag vielleicht auf ein ähnliches Vorgängniss im 13. Jh. im 
Zusammenhang mit der Gefangennahme Walters durch den Grafen von Freiburg zurück- 
zufahren sein.*) Dass bei der Theilung 1277 Prinzbach wie alles Land ostwärts der 
Bischofsmühle in den Besitz Heinrichs von Geroldseck -Veldenz kam und die Lahrer 
Linie sich nicht den Mitbesitz sicherte, wie seinerseits Heinrich an dem in ihrem llieil 
gelegenen Schwanau, könnte meines Erachtens darauf hindeuten, dass die Bergwerke 
erschöpft waren und man ihnen keinen Werth mehr beilegte. Später hat man ver- 
schiedentlich nach Silber wieder gesucht, aber ohne grossen Erfolg, weder bei den 
Nachforschungen durch Bischof Friedrich von Blankenheim •'^) (1375 bis 1393)» ^och als 
Pialzgraf Friedrich i486 die Herrschaft erobert hatte und nach Silber oder Blei suchen 
Hess. Es werden erwähnt 1496 »zwo gruben mit namen sant Mauricius fundtgnib im 

*) Kolb in 73 und Berstett Mttnzgesch. p. 171. 

^ Anhaltspunkte daftir hat Ruppert (S. 247) gefunden in Richerius Senon. und in den 
Cohnarer Annalen, die 2. J. 1257 bemerken: tin Brusbach monte Brisgaudie invcniebant argentum 
in magna quantitate«. 

•) Kolb in 74. 

*) Wie Ruppert wohl mit Recht vermuthet, der die früheste Notiz darüber (S. 247) »n einem 
Kopialbuch des XVI. Jhs. gefunden hat, das sie einem alten Messbuche entnommen haben will. 

') Königshofen Deutsche St&dtechroniken. Strassburg 1679. Mone Quellensammlung I 
S. 267. 



I04 



KREIS OFFENBURG. 



Brunspach und sant Lendlins grub im Emellspach«. ^) 1530 waren in Prinzbacfa die 
Gruben in Betrieb, im Emersbach und im Harmersbach je eine und Markgraf Philipp 
von Baden gerieth mit Gangolf von Hohengeroldseck wegen deren Verleihung in Streit 
Der Ertrag war jedenfalls nicht gross, denn man hört kaum mehr etwas davon. Kolb 
berichtet zwar, dass 1790 noch das Silber- und Bleiwerk Marianna im Betrieb war. 
Man will in unserer Zeit beim Kellerbau des Zimmermann Josef Rosenthal noch das 
fiühere » Stadt« pflaster gefunden haben, ebenso den Eingang zu dem früheren Bleibag- 
werk, endlich sollen noch Reste einiger »Stadt «mauern, Theil vom Erdwall, Stadtgraben') 
gefunden worden sein. Bis auf geringe thatsächlicbe Gemäuerreste (s. unten) unkontrolÜr- 
bare Nachrichten. Prinzbach hatte mit der ganzen Herrschaft Hohengeroldseck, bei der 
es verblieb, 1485 die Verwüstungen durch den Pfalzgrafen zu erleiden. Mehrere Jahre 
nachher noch waren die Einwohner nicht im Stande, ihre Steuern zu entrichten. 1670 
kam neues Unheil, der Ort wiu^e durch die Franzosen unter Crequi verbrannt. 1819 
wurde er badisch. 

Ein Ritter Johannes von Schutterthal, Lehensmann der Geroldsecker, hatte um 1350 
in P. seinen Wohnsitz, ausserdem werden im 14. Jh. verschiedene Edelknechte von Pr. 
erwähnt. 
Pfarrkirche Die kuth. Pfarrkirche'. Ad S. Mauritium. 1291 ein Waltherus clericus de Brunse- 

bach genannt, 1464 ein rector ecclesie. Die Collatur sowie der Zehnten gehörten von 
altersher zu Hohengeroldseck, daher wird der Besitznachfolger »praenobilis Über baro 
de Leuen« 1699 als »collator et simul decimator« genannt. 

Der heutige Bau ist im Wesentlichen einer Wiederherstellung nach der letzten 
Zerstörung, also Ende des 17. oder im 18. Jh. zuzuschreiben. Ein einschiffiges Lang- 
haus mit östlichem Thurm, der wie üblich als Chor dient Dieser Thurm Bruchstein- 
mauerwerk mit Sandsteinquadem an den Ecken, hat an diesen schwach hervortretende 
Strebepfeiler; an deren südöstlichstem eingeritzt die Linien einer Sonnenuhr. Während 
er im Süden ein späteres gradsturziges Fenster mit abgefastem Gewände aufweist, ist 
das östliche ein doppeltes Spitzbogenfenster mit nach Innen kurzer, nach Aussen sebr 
starker Abschrägung. Die noch viereckigen Geschosse darüber haben schmale Licht- 
luken, der Thurm endigt in einem achteckigen Geschoss aus Riegelwerk und dessen 
Bedachung aus dem 18. Jh. Im Erdgeschoss ein Kreuzgewölbe mit plumpen Rippen 
auf merkwürdig primitiven achteckigen Konsolen. Der Schlussstein zeigt das Lamm 
Gottes und weist auf spätgothische Zeit. Der Chor öffnet sich in gedrücktem Spitzbogen, 
der auf spätgothischen Kämpfern aufsitzt, gegen das schlichte Langhaus; die Fa^de 
öffnet sich in gradsturziger Thür, darüber Oculus und Spitzbogenfenster. 
Austtattung Der Taufsteiu mit gebauchtem Fuss und muschelartig verzierter Cuppa stammt ans 

dem 16. bis 17. Jh.; ebenso ein Weihwasserstein am Nordportal. Die Altäre sind im üb- 
lichen Barockstyl, die Kanzel dagegen schon Louis XVI. mit den Reliefs der Evangelisten. 
Glocken T>re\Glocken sind neu, die vierte von 1765, also wohl aus der Edel'schen Giesserd 

In unserm Jahrhundert hat die Kirche eine Erneuerung ihrer Bedachung erfahren. 
Kirchcngeräthc Zwei silbervergoldcte Kelche^ der eine von 1750 mit Augsburger Zeichen, zwei 

schlichte Empire-Kelche, entsprechendes Versehkreuz und übliche Sonnenmonstrans, 
Kupfer, versilbert und vergoldet mit Rocailleomamenten. 

^) Krieger II 503. 



AMT LAHR. — REICHENBACH. I05 

Vor der Kirche Crucifixus mit Magdalena, Sandstein, 1762 gestiftet von Maria 
Magdalena Steigerin. Der Friedhof hat alte Ummauerung mit abgeschrägten Deckplatten. 

Fünf Minuten östlich der Kirche Reste eines alten Mauerzuges, etwa zwanzig m*»»« 
Schritte langes, ziemlich regehnäasiges Granu- BrucAsteinmaufnvfri ; ausserdem glaubt 
man noch die Anlage eines Grabens zu entdecken. 

An dem gegenüber der Pfarrei gelegenen Hause Brunnensäule mit Menschen- BniDoeiuiuie 
fratze als Ausfluss. Diese Fratze mit merkwürdig stylisirtem Haar könnte noch romanischen 
Zeiten nahe stehen. 

REICHENBACH 

Schreibweisen: Richenbach cum vallibus suis scilicet Diezzen et Weiler 1270; 
Richembach 1466; Langenrichenbach 1322 und 1476; zu Richenbach unden im dorff 
16. Jh. 

Archivalien der Gemeinde und (kath.) Pfarrei: Mitth^il. d. histor. Komm. Nr. 15 

(1893) S. 102; Archiv der Röder von Diersburg; Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 16 

(1894) S. 96. 

Ortsgeschichte : Ruppert sieht irriger Weise in dem R., das in dem Schirmbrief omgcchichte 
Innocenz U. von 11 39 für das Kloster Gengenbach erwähnt wird, das Dorf bei Lahr. 
Dieses scheint zum ersten Male (s. oben) 1270 erwähnt zu werden. Bei der Theilung 
kam es zur Grafschaft Hohengeroldseck zur Hälfte, während die eine Hälfte als Zu- 
behörde zu Schloss Tiersberg und Allod die Geschicke des Schlosses theilte, 1466 als 
badisches Pfandlehen bei den Rödem war, durch einen gemeinsamen Vogt dieser und 
der Geroldsecker verwaltet wurde (gegenseitige Freizügigkeit bestand) etc.') Es machte 
die Schicksale der Hohengeroldsecker mit und wurde 181 9 erst badisch. 

Kirche (h. Stephan): ecclesia Rychenbach apud castrum Geroltzecke 1332 ; sännet Kirche 
Steffins (sie) der heilige und die Kirche Richenbach etc. Das Patronat hatte schon 1289 
hier das Kloster Gengenbach. Die Pfarrei wurde, wie es scheint, im Anfange des 16. Jhs. 
dem Kloster inkorporirt. 1666 erscheint als collator et decimator ecclesiae d. comes 
de Gerolzeck und es wird weiter berichtet, dass es damals 1200 Seelen zählte. Der 
heutige Bau ist vollständig neu. 

Auch das Schlösschen im Weilerthal ist spurlos verschwunden. Es war als Gerolds- SchiöMchcn 
eckisches Mannlehen ein Sitz verschiedener kleiner Adeliger. 2) In den Kämpfen dieser 
mit dem Pfalzgrafen wurde es, um letzterem keinen Stützpunkt zu geben, von Diebold 
von Hohengeroldseck selbst verbrannt. 

Im Ort eine stattliche Reihe malerische Riegelhäuser, in ihrer Gesammtheit gut Riegeihäuscr 
wirkend. 

Am Südausgang des Ortes ein Kruzifix von 1756 und in der Nähe der ICirche Knmfix 
ein kleines Bildstöckle des 18. Jhs. 



^) Ruppert a. a. O. S. 406. 
2) Ebenda. 



io6 



KREIS OFFENBURG. 



SCHÖNBERG 

Schreibweisen: am Schünberg 1444; Schyberg 1476; Schymberg 1496; Schyn- 
berg 1522; auf dem Schimperg 1530. 

Der Zinken, der nur wenige Häuser enthält, gehörte zur Grafschaft Geroldseck 
und wurde 18 19 badisch. 

Das Gasthaus »Zum Löwen« aus dem 16. Jh., laut Jahreszahl 1732 im 18. Jh. 
umgebaut, hat im Innern spätgothische, gebauchte Holzsttitzen des grossen Durchzugs- 
balken mit schachbrettartiger Verzierung am Gebälkstück. 

Ihm gegenüber liegt die (s. Fig. 52): 

RUINE HOHENGEROLDSECK 



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~ ■•.■'^■■'"^fff^'X 














'f'hzC? ,r.^»i<;^' 



^^S^' S^' ^^ Ruine Hohengeroldscck (Schönberg). 



Schreibweisen: castrum Gerolteshecke 1139; kop. 1276; Geroltseck 1228; Gerols- 
eke 1253; Geroltsecke 1260 etc. Hochengeroltzeck 1449; ^"o ^^^ hochen Geroltzeckh 
1487; Hoengeroltzeck 1504. Steyn Geroltzeck 1500. (Eck des Gerolt.) 

Litteratur ^) : Fr. G e s s 1 e r , Hohengeroldseck. Sage und Dichtung. Lahr, Schauen- 
biu-g 1 887 . — Krieg vonHochfelden, lieber die alte Befestigung der Burg Hohen- 
geroldseck in Mone's Bad. Archiv II S. 307. — Näher, Ortenau S. 14 ff. und Tafel HI. 
— N. Nickl^s, Das röm. Ehl, Hohenburg und Hohengeroldseck, nebst den Sagen 
dieser Gegend. Abdr. a. d. elsäss. Samstagsblatt. Mülhausen, Rissler 1866. — Ruppert 
a. a. O. S. 3 u. 284 ff. — Schulte vom Brühl, Hohengeroldseck. Bad. Volkserzählung. 
Lahr, Schauenburg 1893. — Oskar Schwebel, Die Geroldsecker und ihre Burgen. 
Vom Fels zum Meer 1888/89, ^^^ ^2. — Alfr. Siefert, Eine Wanderung von Lahr 
nach den Ruinen Hohengeroldseck und Lützelhart. Lahr 1890. — Ders., Die Sage 
von Walter von Geroldseck und Diepolt von Lützelhardt. Lahr, Geiger 1895. — Ders., 
Ursage von Hohengeroldseck. Lahr 1895. — C. A.W oll, Genealogie imd Besitzungen 
der Reichsgrafen von der Leyen. Pfalz. Mus. IX 31 — 32, 40 — 42. A. Siefert, Buig 
Hohengeroldseck etc. Burgwart, IL Jahrg., S. 2 5 ff. 

') Die Litteratur ist hier nur soweit angegeben, als sie das Schloss selbst betrifit, da die 
Geschichte der Dynasten und ihrer Herrschaft in der Einleitung gegeben ist mit den Litteraturangabcn. 



AMT LAHR. - SCHONBERG. (RUINE HOHENGEROLDSECK.) I07 

Ansichten: Federzeichnung von Grimmeishausen (?) in den Akten des 30jährigen Annchten 
Krieges im Reichsarchiv zu München (s. Fig. 53). — Ansicht des Schlosses H. von 1645 
o. 0.{?) — Aus dem 19. Jh. in Badenia ü, 1840; in Näher, Ortenau, Tafel HI; ebenda 
Grundriss, ein solcher auch in Mones Bad. Archiv II (zu dem Aufsatz Kriegs v. H.) 
V. J. 1693, aufgenommen von dem österr. Genieoffizier Boulaincourt. 

Geschichtliches: Es ist nicht die Aufgabe dieses Abschnittes, die Geschichte der GeKhichtBche« 
Geroldsecker zu erzählen, da dies in der Einleitung zu dem Bande in Verbindung mit 
der gesammten Geschichte der Mortenau geschehen ist. Nur diejenigen Vorgänge und 
Thatsachen sollen hier rekapituliit werden, die geeignet sein könnten, ein Licht auf die 
Baugeschichte des Schlosses zu werfen. 

Urkundliche Nachrichten, welche über das 11. Jh. hinaufreichen, haben wir von 
den Geroldseckern nicht. »1035 wird ein Herimannus advocatus aecclesiae in Burcheim« 
erwähnt, der möglicherweise — auch Krieger scheint es für wahrscheinlich zu halten — 
dem Geschlecht angehörte, dann wird ein Waltherus de Geroldsecca im Cod. Hirsaug. 26 
genannt, der etwa von 1061 bis 1105 gelebt haben muss. 1141 hören wir von »Otto 
et Burchardus de Geroldisecco«, die aber wohl dem elsäss. Geschlecht angehörten (?). 
Die Burg wird erwähnt zum ersten Male 1 1 39 in dem Schirmbrief Innocenz U. für das 
Kloster Gengenbach. Wir dürfen also annehmen, dass im 1 1. und 1 2. Jh. das Geschlecht 
bereits seinen Hauptsitz auf der späteren Burg gehabt hat, die damals schon im Mittel- 
punkt der noch bedeutend kleineren Besitzungen gelegen haben mag. Häufiger treten 
die Mitglieder dann mit Beginn des 13. Jhs. hervor, wir hören von einem Heinri- 
cus 12 18, von einem Burchardus 1232 und von >B. et. B. de Geroltsecke« 1236. Erst 
mit Walter U. aber, dem Vater des gleichnamigen Bischofs von Strassburg, dem Erbauer 
der Tiefburg in Lahr und des Stiftes Lahr gewinnen wir einen sicheren Boden. Zu seinen 
Lebzeiten lieferten die Silber- und Bleigruben bei Prinzbach jene reichen Erträgnisse, 
die die Grundlage seiner Macht bildeten, offenbar der grössten, wie sie nie vorher und 
nachher mehr ein Geroldecker besessen. Aber in demselben Augenblick, in dem der 
Gipfelpunkt erstiegen war, begann auch schon das Sinken. In den Krieg des genannten 
Bischöfe mit der Stadt Strassburg verwickelt, erlitten sie schwere Wunden. Dazu kam die 
Theilung 1277 zwischen den Enkeln Walters II., Heinrich und Walter, welche Lahr bekamen, 
und ihrem Oheim Heinrich von Geroldseck- Veldenz, der alles Land ostwärts der Bischofs- 
mühle (in der Mitte des Weges zwischen Lahr und Kuhbach) und somit auch die Stamm- 
burg erhielt, sowie das wtirttembergische Sulz. Er scheint sich mehr auf den ihm durch 
seine (zweite?) Frau zugefallenen niederrheinischen Besitzungen und in den schwäbischen 
Landen aufgehalten zu haben, als in dem alten Erbsitz seines Geschlechtes. ^) Von seinen 
Söhnen bezw. Nachkommen stammen die zwei Linien Hohengeroldseck und Sulz, 
während die Kinder, welche die Veldenzer Länder erhielten, sich Grafen von Veldenz 
nannten, doch hatten sie auch ein Erbrecht auf die Geroldseckische Hinterlassenschaft. 
Es waren die Zeiten der äussersten Verwirrung Deutschlands di^ch die Kämpfe um 
die Kaiser- bezw. Königskrone und die Familie Heinrichs I. wurde aufs lebhafteste 
mit hineingezogen. Und zwar stehen die verschiedenen Mitglieder dabei in schärfstem 
und merkwürdigstem politischem Gegensatz. Als dann Albrecht von Oesterreich siegte, 
da konnten die auf seiner Seite stehenden Veldenzer ihre Erbansprtiche wirksam 



^) Ruppert a. a. O. S. 108 ff. 



Io8 KREIS OFFENBURG. 

vertreten und es kam zu einem Vertrag mit den andern Nachkommen Hcinricbs L 
Im Laufe des 14. Jhs. aber verloren die Veldenzer allmählich ihren BesitzantheiL Was 
die Genealogie der Sulzer und Geroldsecker Linie betrifft, so ist hier Verschiedcoes 
noch unklar J) Es ging ihnen indess genau wie ihren Lahrer Vettern, in innen 
Zwistigkeiten und äusseren Kämpfen rieben sie sich auf, jeder Vater hinterliess seinen 
Söhnen eine grössere Schuldenlast, Verkauf folgte auf Verpfändimg. Der Landvogt 
Hermann ^) war zwar diu-ch seine Gemahlin Uta von Tübingen in ein verwandtschaft- 
liches Verhältniss zu König Rudolf getreten und hatte daher auch von diesem ver- 
schiedene Reichslehen erhalten. Er starb aber bald, noch ehe sein Sohn Walter 
mtlndig geworden. Dieser war mit einer Anna von Fürstenberg verheirathet Er 
hatte wegen der Erbansprüche der Veldenzer verschiedene Schwierigkeiten zu besteheiL 
Sein Sohn Walter ist dann jener »böse Geroldsecker«,') der von der Veste Schwanan 
aus die Rheinfahrer ausplünderte und schliesslich den Feldzug der Strassburger und 
ihrer Verbündeten 1333 gegen diese veranlasste, welcher sich auch über den Rhein aus- 
dehnte, Schuttem in Flammen setzte und gewiss \ael Elend über die Grafschaft brachte. 
Sein Sohn Walter (IV.) scheint verhältnissmässig friedliche Zeiten gehabt zu haben- Ein 
Neffe *) von ihm Namens Walter scheint sich an den Kämpfen Erzherzogs Leopold von 
Oesterreich in der Schweiz betheiligt zu haben. Unter seinen Söhnen aber Georg und 
Heinrich brach ein heftiger Bruderzwist aus, der schliesslich 1370 zu einer Theilung 
ihrer Lande führte und da erfahren wir denn auch von der Stammburg, dass Heinrieb 
das »vorder Huss« erhielt, Georg das »hinder Huss«.^) Da sie an dem Ueberfall des 
Grafen Eberhard von Württemberg im Wildbad beteiligt gewesen waren, so richtete sich 
derselbe auch gegen sie und nötigte sie, Heinrich und Georg, 1375 und 1377 ihm die 
Oefihung zu Geroldseck zu verschreiben.*) Georg starb ohne Erben und damit fiel die 
ganze Herrschaft Hohengeroldseck wieder an Walter,'') seines Bruders Sohn von einer 
Ochsenstein, der mit einer Elisabeth von Lichtenberg verehelicht war, von welcher er 
fünf Söhne und zwei Töchter hatte. Er, der 1432 (?) gestorben ist, hat wie es scheint noch 
einmal eine gewisse Rolle gespielt auf dem Konstanzer Konzil. Dann aber brach wieder 
der Verwandten- und Bruderzwist in dem Hause aus, die Söhne Diebold und Heinrich 
empörten sich gegen den Vater, der bei Heinrich von Fürstenberg Zuflucht suchte. 

Unterdess war 1427 der Mannesstamm der Lahrer Linie ausgestorben und die 
Besitzungen derselben kamen an die Mörs-Sarwerden, wogegen nun die Hohengerolds- 
ecker protestirten, insbesondere Diebold, der die Wittwe des früh verstorbenen Erbsohnes 
des letzten I^ahrers zur Gattin hatte. Bei dem Krieg stand aber Walter V. mit seinen 
Söhnen Johann und Georg gegen die anderen Söhne, wobei es ihm gelang, die Stammburg 
zu erobern. Endlich 1434 nach langem verderblichen Kriege kam es zu einer Einigung 
und einer neuen Theilung zwischen den übrig gebliebenen Brüdern Diebold, Georg und 
Hans. Die Urkunde darüber ist für das Schloss wieder wichtig.®) Danach sollte Diebold 

^) Kindler v. Knobloch, Oberbad. Geschlechterbuch I S. 433 ff. 

2) Ich folge hier im Wesenüichen Ruppert. 

•) »Der böse Geroldseckerc, Badenia II 1840, S. 301. 

*) Reinhardt, Pragmat. Gesch. S. 39. 

^) Ebenda S. 42. 

ö) Ebenda S. 43, Ruppert S. 285. 

') Reinhardt S. 43, 

8) Reinhard Urkunde LXUI. 



AMT LAHR. — SCHONBERG. (RUINE HOHENGEROLDSECK.) IO9 

erhalten zu Geroldsecken der Vesten »das nuwe Hussc, Georg und Hans »das ander 
alt huss uff dem Velsen, unnd dazu Ruprechts-Stocke«. Alles Andere soll 
richtig vertheilt werden und zwar: »sunst allen andern Gebuwe und was noch 
in dem Gebuwe uff und inn dem Sloss Geroltzecke ist, und darzu die 
andern steynen Stöcke inn der nidern Bürge, sollent glich eynem als vil als 
dem andern, und on alle Geuerde, geteyltt werdennc. Des weiteren heisst es: »Es ist 
auch berett und beteydingett, als das Hinderhuss und Ruprechtsstock den 
obgenannten Hern Jörgen und Junckher Hansen werden und zugehören 
soll ; wer es, dass under den zweyn Gebrüdern eyner abging, so soll das Huss unnd der 
Stock an den andern und sin Erbenn fallen«. Aehnliches wiederholt dann ein weiterer 
Theilungsbrief von 1435.*) »Durch einen Burgfrieden, dessen Weitreiche bei dem Brück- 
lein am Schimberg anfing, den Weg hinab bis zu dem Bache, aufwärts bis zum Kalkofen 
am Eichberg, bis an den Ruchkasten, auf den Kopf, »als man die schneit hinabgeht«, 
üch erstreckte, wurde bestimmt, dass jeder der Brüder drei wehrhafte Knechte auf dem 
Schlosse haben solle, dass jeder zu gleichen Theilen an den Bau- und Unterhaltungs- 
kosten beizutragen habe und jeder abwechselnd zwei Jahre Baumeister sein solle'. ^) 
145 1 starb Hans ohne Erben, 1453 theilten die übrig bleibenden Diebold (I.) und Georg 
(der Domherr zu Strassburg blieb) und zwar erhielt Diebold Geroltzeck und alle Güter 
der Umgegend. Er musste sich, um eine Stütze zu haben, 1454 in den Erbdienst des 
Pfalzgrafen Friedrich begeben. Das so stolze Geschlecht war also schon tief gesunken. 
Als er 146 1 starb, hinterliess er drei Söhne, Diebold {II.), Walter und Gangolf, die indess 
erst 1466 mündig wurden, als ihr Vormund und Onkel, Georg, der Domsänger in Strass- 
b^g» gestorben war, womit sie auch seine Lande wieder erbten. Sie theilten unter sich 
i. J. 1470^); Diebold (II.), als dem »ehesten derselben Herren ist zugetailt auch vorenz 
worden und belieben sollent, die Mannschaften und Lehenschafften zu der Herrschafft 
Geroltzeck gehörig« und »Geroltzeck das Schloss mit aller Gerechtigkeit und Zugehörde«. 
»Wäre auch, dass dieselbe zween mine Geprudere Gangolff und Walther ihre Behausung 
und Wohnung ufF dem Schloss Geroltzeck auch haben wolten, das mögent sie wohl thun, 
doch ungevarlich und ohne min Diepolts Schaden. Dagegen sollen Gangolff und 
Walter das Hinterhauss zu Geroltzeck auch im Bau und Ehren halten 
inn ihren Costen ohne mins Diepolts Schaden. Dye sollent auch in dem Schloss Geroltzeck 
ihr Hofung haben etc.« Diebold (IL) war vermählt mit Elisabeth geb. Frau von Rode- 
machem, Wittwe des Lahrer Herren Grafen Friedrich zu Mors und Sarwerden. Seine 
Regierung bedeutete einen weiteren Niedergang. Da er von Ottenheira aus die Räubereien 
seines Ahnen auf dem Rheine wieder aufnahm, insbesondere die Eidgenossen auf dem 
Rheine belästigte, so zogen die Strassburger 1474 wider ihn, eroberten und zerstörten 
Stadt und Schloss Schuttern und belagerten dann, allerdings wie es scheint ohne Erfolg, 
die Hohengeroldseck. Nur das Eingreifen des Pfalzgrafen half zum Frieden. *) Die 
pekuniären Bedrängnisse aber wurden immer grösser, Dorf nach Dorf wurde verpfändet 
oder auf Wiederkauf verkauft. Die Hälfte der Güter waren so verloren gegangen. Trotz 
dieser Lage suchte er sich noch von dem Erbdienst der Pfalz, den sein Vater zu seinem 

*) Ebenda Urkunde LXV. 
^ Ruppert a. a. O. S. 283. 
») Reinhard, Urk. XCni. 
*) Reinhard, S. 60. 



1 



HO KREIS OFFENBURG. 



Schutze eingegangen, freizumachen und kündigte dem Pfalzgrafen Fehde an, während er 
zugleich versuchte, sich in den oesterreichischen Schutz zu stellen ') (i486). Die Folge 
davon war, dass er alles verlor, was er noch hatte, nämlich die beiden Vogteien Brins- 
bach und Schimberg und die Stammburg. Diese hatte Pfalzgraf Philipp sechs Wochen 
lang belagert, Bresche geschossen, worauf sie ihm übergeben wurde. ^ 

Von dem offenbar händelsüchtigen Diebold hören wir nichts weiter, als dass er 
1498 noch einmal eine Fehde mit dem Bischof von Strassburg hatte. Da er ohne Eiben 
starb, sein Bruder Walther von einem wtithenden Hund gebissen, sich in das Kloster 
Ettenheimmtlnster zurückgezogen und daselbst geendet hatte, so empfing der letzte 
Bruder, Gangolf, 1500 von Kaiser Maximilian I. die Reichslehen. Als der Kaiser 1507 
die Pfalz besiegt hatte, stellte er das Schloss bis zum Ausgang des Prozesses zwischen 
Gangolf und der Pfalz dem Markgrafen Christoph von Baden zu »in truwes handent. 
Endlich 1 5 1 1 sollte der Geroldsecker wieder in sein Schloss einziehen, Baden verlangte 
nun aber 1500 Gulden, die es über die Einnahmen der Zinsen und Gefalle an dem 
Schloss verbaut habe. Dasselbe muss also in den Kriegsfällen arg gelitten haben. Infolge 
dieser Schwierigkeiten gelang es erst seinen Söhnen Gangolf (11.) und Walter in den 
Besitz des Schlosses etc. zu kommen, nachdem sie ihre Stammbiu-g und die beiden 
Vogteien Prinzbach und Schimberg von Oesterreich zu Lehen genommen hatten *) und 
zwar als Mannlehen, aber mit der Bedingung, dass nach dem Aussterben des Mannes- 
Stammes auch Töchter erbberechtigt sein sollten. Im gleichen Jahre wurden sie 
mit der Herrschaft Sulz belehnt, die der Familie verloren gegangen war, und nannten 
sich nun wieder von Geroldseck-Sulz. Sie suchten wenigstens einen Theil der Güter 
durch Rückkauf von Baden an sich zurück zu bringen, was auch nach allerlei Prozessen 
gelang. Und so hatten sie denn eine allerdings sehr zusammengeschmolzene Herrschaft 
wieder beisammen. Gangolf II. war 1 549 toL Sein Sohn Quirin-Gangolf besass dann 
bis zu seines Onkels Walters Tode (1555) mit diesem die Herrschaft, dann mit seinem 
Vetter Walter, der offenbar bald starb, danach allein. Quirin Gangolf, der sich 1558 
mit Maria Gräfin von Hohenstein verheirathet hatte, fiel am 15. Sept 1569. Er hinter- 
liess einen unmündigen Sohn Jacob, den letzten des Mannesstammes. 1584 mündig 
geworden, verheirathete er sich mit Barbara von Rappoltstein, dann mit Elisabeth Schenk 
von Limburg, von der er eine Tochter Anna Maria hatte. Er hatte unter anderem durch 
Vertrag mit der letzten Erbin von Dautenstein dies Schloss wieder an sich gezogen, es J 
vollständig wieder aufbauen lassen und, residirte sehr häufig hier. Er scheint bemüht 
gewesen zu sein, seine Herrschaft, in welcher er auch den Protestantismus einführte, 
durch geordnete Verwaltung wieder in die Höhe zu bringen. Vor seinem Tode suchte er 
noch die Erbfolge seiner Tochter, die mit dem schwedischen Obersten Grafen Friedrich 
zu Solms-Roedelheim verheirathet war, sicher zu stellen.*) 1634 schloss er seine Augen, ^) 
die bambergischen und strassburgischen Lehen gingen ziuiick, während Anna Maria 

1) Reinhard, Urk. C. und S. 62. 

2) B. Hertzog, Edels. Chronik (1592) II S. 128 und Reinhard. 
») Reinhard, Urk. 

*) Siehe Reinhard, S. 73 ff, auch für die folgende Darstellung. 
^) Zwei Kupferstiche zeigen uns den letzten Geroldsecker und zwar der eine su Pferd, der 

andere ein Brustbild (Exemplare davon in der Lahrer Sammlung). 



AMT LAHR. - SCHONBERG. (RUINE HOHENGEROLDSECK.) 



III 



zunächst die Reichs- und österreichischen Lehen behielt bis zur Aussonderung 
ihres Eigengutes. Ein Jahr nachher aber wiu-den diese Lehen den Grafen von Cron- 
berg übergeben, die ein grösseres Guthaben bei dem Hause Oesterreich hatten, 
und dieselben auch durch die Truppen des Generals Gallas in den Besitz gesetzt, 
selbst der Orte, die Anna Maria als Allod beanspruchte. Ihr erster Gemahl starb 
1640,^) sie verheirathete sich 1644 mit dem Markgrafen Friedrich V. von Baden- 




Pig' SS- ^^ Hohengeroldseck. 
(Nach einer FedeneichnuHg von Grimmelshausrnf?) im Reichsarehiv zu Miinchrn von 1643.) 

Durlach und nun begann ein über hundertjähriger Prozess um die Allodien, in dessen 
Verfolg Reinhard seine oft citirte pragmatische Geschichte des Hauses Geroldseck 
schrieb zur Verteidigung der badischen Ansprüche, die zunächst sich nicht auf das Schloss 
richteten. Dieses, im Besitz der Cronberg, hatte unter ihnen seine endgültige Zerstörung 
zu eridden in den Kriegen Ludwigs XIV. Ende 1688 zogen sie auch vor die alte 
Bynastenburg und wenige Tage nach Dreikönig 1689 wurde dieselbe erobert, in Brand 
gesteckt und zerstört. Von da an lag sie in Ruinen, an einen Wiederaufbau wurde nicht 

^) Kindler v. KDobloch a. a. S. 234. 



112 KREIS OFFENBURG. 

mehr gedacht, obwohl die Oesterreicher 1693 um die ganze Burg herum Sc 
anlegten. ^) Als seine Besitzer, die Cronberg, ihrem Ende nahten, da ertheilte der 
Leopold den Herren von der Leyen die Anwartschaft (eigentlich schon 1636, 16 
erneuert) auf deren Besitz, trotz der Ansprüche Baden-Durlachs. Letzteres aber 
sich, nach dem Aussterben 1692 mit Gewalt in den thatsächlichen Besitz der 
in die dagegen Oesterreich i. J. 1697 mit 300 Mann den Freiherm Karl 
von der Leyen als Herren der Grafschaft einfiihrten. Das neue Haus war eil 
niederrheinisches Geschlecht, nach seinem Schloss Leye an der Mosel benannt ; 
indess auch einige Besitzungen in der Triberger Gegend. Manche Aebte und B 
waren aus ihm hervorgegangen. Schon die treue katholische Gesinnung mochte 
Habsburgem empfehlen, auch sonstige politische Gründe sprachen dafür, und so 
der Familie bereits 1636 die Anwartschaft auf die Grafechaft gegeben. 1653 
sie in den Freiherrenstand erhoben, 1677 die Anwartschaft erneuert, 1697 
sie in den Besitz und wurden endlich 1 7 1 1 von Karl VI. in den Reichsgra5s 
erhoben. Sie hatten den Vortheil, dass im 1 8, Jh. wie in ganz Deutschland, so 
ihrer Grafschaft, die wirthschaftlichen Verhältnisse sich allmählich besserten, so 
Andenken kein schlechtes ist. Im Geiste des Jahrhunderts schufen sie auch eine 
Ordnung und manche andere gute Einrichtungen. Ihre Residenz war Dautenst 
Karl Kaspar folgte Friedrich Ferdinand, dann Franz Karl und endHch Philipp 
(•}• 1829), dem in den napoleonischen Zeiten eine weitere Rangerhöhung zu Theil 
Zunächst allerdings verlor er durch den Luneviller Frieden die alten linksrheii 
Besitzungen des Geschlechtes. Bei den berühmten Entschädigungsverhandlung 
er in Paris anwesend. . Trotzdem gelang es ihm jetzt und bei der Gründung des 
bundes nicht, irgend etwas anderes zu erlangen, als die Erhebung in den Fürst 
1 8 1 5 kam das kleine Ftirstenthum wieder unter oesterreichische Staatshoheit, die T« 
kommission nach dem Wiener Kongress aber machte 1819 diesem Zustand ein 
die Herrschaft kam an Baden. Die Burg Hohengeroldseck, Dautenstein und 
andere verblieb der Familie als standesherrlicher Besitz. 
Konscrvirungs- Die Ruine blieb unaufgebaut und wurde, wie es ja überall geschehen, auch als! 

bruch benützt. Als man i. J. 1860 Ausbesserungen zur Erhaltung vorschlug, hat 
dessen die gefahrdrohenden Mauern niedergerissen. Erst am Ende des 19. Jhs. beg 
unter Leitung des Konservators der Baudenkmale, Oberbaurath Kirch er, durchgre 
Wiederherstellungsarbeiten, bei der längst verschüttete Theile, wie Felsenbrunne 
Bmnnenhaus, wieder freigelegt wurden, wie auch der alte Zugang zur oberen Burg, 
wurde mit den Bauarbeiten begonnen, die i. J. 1901 fertiggestellt wurden. Diese In 
Setzung der Burg wurde mit Genehmigung und Unterstützung des Eigenthümers 1 
die Grossh. Regierung und die Stadtgemeinde I^r ermöglicht. Diesen schlos 
dann in thatkräftiger Weise der Schwarzwaldverein, Sektion Lahr, an, welcher] 
dauernd diesem Denkmal seine Unterstützung zuzuweisen die Absicht hat ^ 



^) Siehe die Schanzen auf dem Plan bei Krieg v. Hochfelden a. a. O. und auf 
Plan Fig. 54. 

') Siehe die Berichte des Konservators der Baudenkmale in der Karlsruher Zeitung 1899 ] 
und 1902 Nr. 49. — Da, so viel ich weiss, Oberbaurath Kirch er die Absicht hat, Ausfüfa 
ttber die Ruine und ihre Herstellung zu publiziren, so beschränke ich mich bei folgender Besch 
auf das ftlr die Zwecke vorliegenden Werkes Nothwendigste an Text wie Abbildungen. 



AMT LAHR. — SCHONBERG. (RUIKE HOHENGEROLDSECK.) 1 1 3 

Beherrschend über dem Kinzigthal und dem Schutterthal, auch dem, der im Rhein- 
thal mit der Bahn vorübersaust, von weitem sichtbar, liegt die alte Burg, recht im Mittel- 
punkt der Besitzungen des mächtigen Geschlechtes in seiner grössten Blüthe, als diese 
von Schwarzach bis Schenkenzell, von da bis nach Mahlberg und zur Landeck und bis 
über den Rhein nach Schwanau und Ehrstein reichten. Sie krönt die mittlere Spitze 
des Schimberges (525 m über dem Meere) einem der drei Berge — Steinfirst und Rauh- 
kasten heissen die anderen — welche die Wasserscheide zwischen Kinzig und Schutter 
bilden. Eine schöne Strasse unter Grossherzog Ludwig erbaut und ihm zu Ehren Ludwig- 
strasse genannt, führt heute in bequemster Steigung in der Einsattelung des Berges von 
Biberach herauf und herunter in's Schutterthal ; ihrem höchsten Punkt gegenüber liegt 
eben jene Spitze, welche die Burg trägt. Schon in alten Zeiten mag hier ein alter Pfad 
herübergeführt und die Burg so mit beiden Thälem verbunden haben (s. Fig. 54). 

Wir verlassen die grosse Strasse und folgen dem Fussweg, der uns in die Ein- 
sattelung hinab, dann ziemlich rasch emporführt. Doch biegen wir auf halber Höhe 
links ab, um dem alten Aufgang zur Burg zu folgen. Dieser führte von Nordwesten 
herauf, bog dann nach Norden um und passirte in einem Thor die Befestigung, die die 
Oesterreicher 1693 angeblich angelegt, in der That aber nur erneuert haben und die 
einen breiten äusseren Vorhof umschloss. An der nordöstlichsten Ecke desselben gelangte 
man zu dem Hauptthor mit einigen Vorwerken und einer Zugbrücke, von denen heute 
nur noch Spuren vorhanden sind. Dieser Haupteingang bestand aus einem vorderen und 
20 m zurück einem hinteren Thor. Der Thorweg war nördlich von der hier nur (Mauerdicke 
ca. 2,05 m) etwa 80 — 100 cm starken äusseren Umfassungsmauer und südlich von einer 
den Zwinger von dem Thorweg trennenden etwas stärkeren Mauer umschlossen. Durch das 
zweite Thor hindurchgeschritten, befinden wir uns auf dem Plateau der »niederen Burg«, 
wie es in den Urkunden heisst, den Ausdruck Zwinger finde ich hier nirgends angewendet. 
Das Plateau des Berges von unregelmässiger Form, gegen Südosten spitz auslaufend, von 
etwa 95 ra grösster Länge und 60 m grösster Breite, ist zum grössten Theil in den 
Bereich der Mauer eingezogen, sie folgt seinem Abhang im Norden und Westen ziem- 
lich getreu, während sie an den andern Seiten etwas zurücktritt. Hier hatten, nach der 
Krieg von Hochfelden 'sehen Zeichnung, die Oesterreicher 1693 glacisförmige Ver- 
schanzungen angelegt und damit vielleicht das Bild einer ehemals hier vorhandenen 
weiteren kleinen Zwingeranlage verwischt. In der »niederen« Burg befanden sich 
Wirthschaftsgebäude, im Nordosten ein anscheinendes Wohngebäude, ein Bau, der früher 
als Thurm gedeutet wurde, an der südöstlichen Spitze. Ziemlich in der Mitte dieses 
Plateaus erhebt sich dann etwa 6 — 8 m hoch ein länglicher Porphyrfelsen, dessen obere 
Fläche etwa 50 m zu 15 bezw. 19 m gross ist. Auf ihr stand die eigentliche Burg, 
das alte oder hintere und das neue Haus, wie sie in den Urkunden genannt werden, in 
dem dazwischen gelegenen Burghof zwei kleinere Gebäude mit leichterem Mauerwerk. 
Den Aufgang zu dem eigentlichen Schloss bildete eine in der Nordecke beginnende 
Treppe, die zwischen dem hier dem Felsen vorgelegten Brunnenhaus und der Nord- 
mauer des neuen Hauses emporführte und an der Nordostecke des neuen Hauses über eine 
Zugbrücke hinüber in dem etwas vorspringenden Thorthurm rechts umbiegend in den 
Burghof mündete. 

Von allen Gebäuden am besten erhalten ist das südöstliche Wohnhaus, das »alte 
huss uff dem velsen« oder auch das »hinterhuss«, wie es in den Urkunden genannt wird. 

Band vn. 8 



114 



KREIS OFFENBÜRG. 



Es ist ein unregelmässiges Viereck, dessen Mauern noch 15 — 20 m hoch emporragn, 
sie stehen auf dem gewachsenen Fels und haben eine Stärke von etwa 2 m. Die längerei 




Fig. SS' ^^ Südostpalas der Ilohengeroldseck vor den Konservirungsarbeiten. 

Seiten des Wohnhauses sind etwa 15 m lang, von den Schmalseiten die nordwest- 
liche (immer im Innern gerechnet) ebenfalls^ fast 15, die südöstliche ca. 8 m. Flg. 55 



AMT LAHR. — SCHÖNBERG. (RUINE HOHEN GEROLDSECK.) 



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Eeig;t uns den alten Zustand der Burg vor der Restauration, Fig. 56 denjenigen nach 
derselben. 

In vier Stockwerken steigt der Palas auf. Das Erdgeschoss zeigte nach Süd- 
3steo einfache Schiessscharten, die bis auf Geringes erhalten waren. Dagegen waren die 











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Fig. s6. Der Südostpalas der Hohengeroldseck nach den Konservirungsarbeiten, 

Scharten der Südwestwand ihrer Gewände beraubt, die wiederhergestellt werden mussten. 
Die Nordostwand zeigt fünf Schiessscharten mit geradem Schlitz, eine davon mit grösserer 
Kammer. In der Wand gegen den Hof zu eine Thür, in ihrer ursprünglichen Form 
nicht mehr erkennbar, welche in den Anbau führte, zwei Schiessscharten, eine grössere, 
spitzbogige Thüre, nach Innen zu im Scheitel noch der Platz für die hier ehemals 

8* 



ii6 



KREIS OFFENBURG. 



angebracht gewesene Laterne und wieder eine Nische, d. h. ehemaliges Thürchen, das bd 
geschlossener Hauptthür den Ausgang gestattete, dann die Thür, welche in den sich hkr 
an der Nordwestecke anlegenden Treppenthurm fuhrt Dies Erdgeschoss, dessen Oefl&mngcn 
nicht überall mit dem Bau gleichaltrig sein dürften, hat also wesentlich Vertheidigungs- 
zwecken gedient Es war, wie auch die oberen Geschosse, in verschiedene Räume 
abgetheilt, deren Mauerspuren noch in unserm Plane erkenntlich sind. Die Balkenlöcfae: 
und die grösstentheils abgehauenen Kragsteine zum Auflegen der Decke sind noch deut- 
lich sichtbar. Das Geschoss darüber zeigt in der Nordost- und Südwestwand gerad- 
sturzige Fenster mit jetzt theiweise erneuerten Pfosten, deren Spuren aber vorhanda 
waren, und Sitzbänken. In der Südostwand war später einmal eine flachbogige grössere 

Oeffhung eingebrochen, die nun 
wieder durch ein entsprechen- 
des Fenster ersetzt ist. In der 










Nordwestwand eine grosse flach- 
bogige OefFnung, die ohne 
Zweifel ehemals ein gekup[>elte< 
Spitzbogenfenster, wie oba 
aus zweimal drei Spitzbogoi- 
öffnungen bestehend, die durch 
eine Säule getrennt waren, um- 
^,'^.^schloss. In den beiden Seiteo- 
gewänden auch noch die Reste 
der Sitzbänke. Weiter nach 
Südwesten, über der unteren 
Eingangsthür, beginnt, von Back- 
steinen gemauert, ein scbroalff 
Schacht, der bis in das \natc 
Geschoss hinauflRihrt und dort 
in einer flachbogigen Nische 
endigt; er diente der gros» 
Uhr und ihren Gewichten und 
ist natürlich späteren Ursprungs 
Daneben dann ein gut erhal- 
tenes, einpfostiges Fenster mii 
flachbogigem Sturz, gut erhaltenen Sitzbänken und deutlich sichtbarer Vorrichtung foi 
die Fensterriegel. Das gleiche Fenster kehrt an dieser Stelle in den beiden oberen 
Geschossen wieder, wir geben daher hier als Beispiel dasjenige des vierten Obergeschosses 
wieder (s. Fig. 57). Daneben dann, die ebenfalls in den drei Stockwerken wieder- 
kehrende Thür in den Treppenthurm, hier im Rundbogen geschlossen, dann gerade, 
endlich flachbogig (die ich später wie das Fenster, nicht mehr erwähnen muss). Auch 
hier wie überall die Kragsteine zum Auflager der Balken. Das dritte Stockwerk scheint 
den eigentlichen Zwecken der Prunkentfaltung gedient zu haben, es enthält nach Nord- 
osten, Südosten und Südwesten die gekuppelten Spitzbogenfenster, von denen wir iu 
Fig. 58 eines abbilden. Sie mussten bei der Restauration, das eine durch Doppelsäulcben 
aus Granit, die zwei anderen durch einen Granitpfosten gestützt werden. 



-^Xif- S7' Fenster von dem Südostpalas der Hohengeroldseck. 



AMT LAHR. — SCHONBERG. (RUINE HOHENGEROLDSECK.) 



117 



Die Nordost- und die Südwestwand haben gegen die Nordwestmauer zu noch je 
ein einpfostiges (wiederhergestelltes) Fenster; die Nordwestwand zwei solche; zwischen 
ihnen, d. h. schon ein Stockwerk tiefer und zwischen ihnen emporführend, beginnt die 
Ausmauerung des grossen, bis zum Giebel hinaufführenden Kamins. Das darübergelegene 
Geschoss zeigt ebenfalls wieder einpfostige (theilweise erneuerte) geradsturzige Fenster; 
darüber erhoben sich nach Südosten und Nordwesten mächtige zinnenartig abgetreppte 
Giebel mit weniger starkem Mauerwerk, auf etwas vorkragenden Konsolen (s. Fig. 59). 
Der Bau ist aus Bruchsteinmauerwerk (aus dem Urgestein des Felsens) aufgeführt, an 
den Ecken mächtige Sandsteinquader in unregelmässiger Abwechslung von Läufern und 
Bindern. Aus Sandstein sind auch die Gewände der Fenster etc., sowie das abgeschrägte 
Sockelgesims, das an der Südostseite, wo der Fels höher hinaufragt, emporsteigt und 
diesen umrahmt Am Aeussem unter dem III. Prunkgeschoss ein Zurückspringen der 
Mauer mit einfach abgeschrägtem Gesims, auf dem die Fenster mit ihrer Sohlbank auf- 
sitzen. Unter dem Dach 
schloss eine Hohlkehle 
den Bau ab. 

An seiner Hofseite 
finden wir neben der 
Thür des Erdgeschosses 
die Inschrift- und Wappen- 
tafel eingemauert, die nach 
Prinzbach verschleppt, 
von dort wieder hierher 
zurückgd)racht worden ist 
(s. Fig. 60), die in ihren 
gebauchten Säulchen mit 
Kompositkapitellen und 
die die Bauchung beglei- 
tenden Akanthusblättem 
auf die Frührenaissance 
weist Die Inschrift be- 
zieht sich auf die sagenhafte Gründung der Burg diu-ch den angeblichen Schwaben- 
herzog Gerold: 

hohen gerolt-seck mich bau 

von ehm reich herr geroldt hiesz l dem grosz- 

en Kaiser Karlo werdt 2 in vil riterlichen • thate • 

bewert l wardt auch margroff in oesterreich 

in seh woben hertzog zugleich l auch groff zu 

bussen sich genandt den namen tragen in solchem 

standt * do disz ehrn 

her • sein no woppen • fie 

chgebore? ret recht 

geschlecht 
Die heruntergekommenen und verarmten Herren mochten in dieser stolzen Ursprungs- 
sage einen Trost in ihrem Leid finden. 




^^g^' S^' Fenster im SüdostpcUas der Hohengeroldseck. 



ii8 



KREIS OFFENBURG. 



Den Zugang zu den einzelnen Stockwerken des Palas bildete ein Treppaithonn, 
der den Steinmetzzeichen nach gleichzeitig sein dürfte (s. Fig. 6i). Der Eingang (s. Fig. 62 

in ihn, dessen gerader Sturz auf vorkragenden Konsokt 
ruht und in merkwürdiger Schweifung an den Thonn 
anschliesst, zeigt noch die Vorrichtungen ftir die Thür. 
Der Thurm mit geradsturzigen Lichtluken besteht ans 
hervorragend gut gearbeiteten Sandsteinquadem. In der 
Höhe des dritten Palasgeschosses öffnet er sich nach Süd- 
westen auf einen Abort, dessen Vorkragungen noch sicht- 
bar sind. Abgedeckt war der Thurm diu-ch einen nadb 
innen geschweiften Helm aus Steinplatten (s. Fig. 63). Am 
Thurm, wie am Palas selber findet sich eine stattfid«; 
Reihe von Steinmetzzeichen (s. Fig. 64), welche, denen 
am Storchenthurm zu Lahr verwandt, in ihrer Form auf 
das 13. Jh. hinweisen. Einen weiteren Anhalt für (üe 
Datirung des Baues bieten uns die gekuppelten Spitzbogcn^ 
fenster, die nach aller Analogie mit anderen oberrheinischen 
Burgbauten ebenfalls in das 13. Jh. zu setzen sind. Ans 
^ '^' der Geschichte des Geschlechtes möchte man dann den 
Fig^sg^ OstgubelvomSüäostpalas.^'^^'^^^ ^^^hen, dass noch unter Walter (H.), auf dem 

Höhepunkt der Macht und des Reichthums, dieser Palas 
erbaut und überhaupt die Burg angelegt worden ist, da der schon im 12. Jh. vor- 
handene Bau, von dem keine Spur mehr vorhanden, den Bedürfiiissen nicht mdir 




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Fig. 60. Inschrift- und Wappentafel auf der Hohengeroldseck, 

gentigte. Eine zu frühe Datirung lassen allerdings die schon hochgothisch anmuthenden 
einpfostigen und geradsturzigen Fenster nicht zu — dass sie einem späteren Umban. 
zu verdanken sind, scheint durchaus unwahrscheinlich — und so möchte man annehmen, 



AMT LAHR. — SCHONBERG. (RIHNE HOHENGEROLDSECR.) 



119 




dass die Anlage vielleicht erst unter Walters Sohn, Heinrich I. von Geroldseck- Veldenz 

(-J- 1294), vollendet wurde. 

Gegentiber diesem Palas erhob sich »das nuwe huss«, das — nach den Berichten 

von 1860 damals noch weit besser erhalten — heute nur noch in den Grundmauern 

steht. An seiner Westecke sind bei den Konservirungsarbeiten mit geringer Ausnahme 

neue Bossenquader wieder eingemauert worden, die den Beschauer über die ehemalige 

Behandlung der Ecken aufklären sollen. In der Südwestwand die Spuren zweier Fenster 

bezw. Thüröffiiungen, die auf eine Altane herausführten, deren Untermauerung auf dem 

hier vorspringenden Fels noch _ 

sichtbar. Dieser Südwestpalas 

hatte — in umgekehrtem 

Sinne — etwa die gleiche 

Form, wie das »alte Hause, 

doch misst er im Innern nur 

etwa 1 1 m zu 14 m. Eine noch 

erhaltene Stiege mit flacher 

Wölbimg führte in ihm herunter 

in den in seinem nordwest- 
lichen Theil gelegenen Keller. 

Auch in diesem Bau vermittelte 

ein angebauter VVendeltreppen- 

thurm, der niu- noch in seiner 

Rundung in der Südwestmauer 

und in der Mauer des hier 
anstossenden Gebäudes er- 
halten ist, den Zugang zu den 
verschiedenen Stockwerken. 
In diesem Treppenthurm iführte 
eine Thür auf die Abortanlage 
dieses Palas. Vom älteren zum 
jüngeren Bau zog auf der 
Breite der Ringmauer ein 
Wehrgang bezw. Verbindungs- 
gang hin mit vier nach den 
alten Spuren erneuerten Schiess- 
scharten. Unter dem Treppen- 
thurm des alten Hauses etwa und unter der Ringmauer hat der Burgfelsen einen starken 
Einschnitt; ein mächtiger Entlastungsbogen stützt die oberen Mauern, der Felseinschnitt 
darunter ist mit Mauerwerk ausgeftillt. — Daraus, dass der jüngere Palas 1434 das 
»nuwe husst genannt wird, zu schliessen, dass er erst kurz vorher erbaut worden, ist 
nicht wohl angängig; er kann sehr wohl irgendwann im 14. Jh. entstanden und den 
Namen im Gegensatz zu dem älteren Bau behalten haben. Zwischen den Treppen- 
thürmen beider Bauten lag ein kleineres Gebäude, das mit seinen Mauern von nur 
ca. 65 cm an die alte mächtige Aussenraauer des Beringes angelehnt worden ist und 
von dem wir nichts weiter zu sagen vermögen. In seinem unteren Geschoss, wo bei 







TFlCTPEhrru^MTiiK- 



Ftg^. 61. Die südliche Burghofecke. 



I20 



KREIS OFFENBURG. 







Fig. 62. Eingang in den Treppenthttrm des 
Südostpalas. 



den Grabarbeiten Pfeifenköpfe gefunden wurden, ein Schutt- bezw. Ausgussstein, der 
auf eine ehemalige Töpferei deutet Darüber Fenster und daneben im Erdgeschoss eo 

zweites jetzt zugemauertes. Auch von dm 
gegenüberliegenden, an die Nordostmauc 
des Burghofes angelehnten kleineren Gebäude 
sind nur noch die Mauerzüge erkennbar. Es 
waren drei Räume wohl zu wirthschafüichen 
Zwecken (Waschküche), wie aus der Gestak 
auf der Grimmelshausen'schen Zeichmmr 
hervorgeht. 

An der Nordostwand des neuen Hauses, 
die Löcher für das hier angebrachte G^ 
länder noch sichtbar, nun stieg die Treppe, 
welche den Zugang zu diesem oberen Bering 
bildete, in mehreren Absätzen empor. Sie 
war etwa 2,50 m breit; einige ihrer alten 
Stufen sind noch erhalten. Der Weg über 
sie durchschnitt — nach der offenbar recht 
"'**'^^ getreuen alten Zeichnung — den kleinen 
Thurm, dessen Wendeltreppe — heute von 
der Kellertreppe des neuen Hauses zugäng- 
lich — unter ihr hinunter mit vier alten, sonst 
erneuerten Stufen zum Brunnenhaus führte. Nach diesem Thor folgte eine Felsen- 
aussprengung mit einer Fallbrücke, über die man in ein weiteres Thürmlein und von di 
in den innem Hof gelangte. Das auf dem unteren Plateau erbaute, an den Felsen 
angelehnte, eben durch jene Wendeltreppe zu- 
gängliche Brunnenhaus, dessen Mauern noch 
ca. I V2 ™ über dem Boden stehen, ist zur Ver- 
theidigung eingerichtet mit 5 Schiessscharten, 
worunter auch eine zur Durchführung eines 
Geschützrohres nachträglich erweiterte. Vom 
Wendeltreppenthurm aus führt merkwürdiger 
Weise eine liegende Scharte in das Brunnenhaus. 
Es umschliesst den etwa 2,80 zu 3 m (im 
Lichten) weiten Brunnenschacht, der durchaus 
sauber und präcis ausgearbeitet etwa 65 m tief 
hinunter steigt. Elr ist in den Felsen gesprengt 
und nur gegen die obere Oeffnung zu auf einer 
Höhe von etwa 5 m auf eingezogenen Flach- 
bogen gemauert, um den Schacht zu verengern. 
Er soll etwa 300 Hektoliter reinen Quellwassers 
enthalten. Im Aeussem umzog das, wie alle 
Gebäude aus Bruchsteinen des Urgesteines gemauerte Brunnenhaus ein abgeschrägter 
Sandsteinsockel. Nach seiner Verbindung mit der oberen Burg und seinem Mauerwerk 
scheint das Haus noch zu der Anlage des 13. Jhs. gehört zu haben. Dies kann 




Fig. 6(S- Thurmkrönung und Neltnansati 
am Treppentkurm des SüdostpaUu. 



AMT LAHR. — SCHONBERG. (RUINE HOHENGEROLDSECK.) 131 

dagegen von den in dem unteren Rateau in Mauerspuren noch vorhandenen Gebäuden 
nicht sicher mehr ausgesagt werden. An die Nordwestmauer angelehnt war ein aus 
zwei Räumen bestehendes Gebäude {Stallung?), mit der Nordostmaucr in Verbmdung 
ein ausgedehnteres mit einem Wendeltreppenthurm, von dessen, im Gegensatz zu den 
oberen, dünnen Mauern noch etwas mehr erhalten ist — letzteres wohl irgend ein 
Dienerschaftswohngebäude. An der Südostecke vermuthete man ehemals ^inen Thurm, 
doch giebt das geringe hier aufgedeckte Mauerwerk nur Kunde von einem zweigetheilten, 
viereckigen Raiun (wohl kaum ein Thurm). 

Die äussere Ringmauer, in der Stärke von ungefähr 2 m zeigt von dieser Südecke 
an bis etwa in die Mitte ihrer Südwestausdehnung den oberen Absatz für den hier auf- 
gesetzten Wehrgang und noch weiterhin die Löcher der Balken, die diesen stützten. *) 
An ihren Knicken scheint nach der alten Zeichnung die Mauer überall mit kleinen erker- 
artigen Vorbauten besetzt gewesen zu sein. In der Mitte des genannten Theiles finden 
wir die Reste eines Kamines — möglicherweise die Burgschmiede — und daneben 

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Fig, 64. Steinnutzteichen vom Südostpalas und Treppenthurm. 

einen aus einem Stein gehauenen runden Abfluss. Hier auch noch die abgespitzten 
Stufen der steinernen Treppe erkenntlich, die zum Wehrgang hinaufführte. 

So steht also das Büd der Burg ziemlich deutlich vor uns — besonders wenn 
wir die Grimmeishausen 'sehe Zeichnung auf Grund der vorhandenen Bauformen 
ergänzen ; deutlich in den zwei Palasen, die man auch wohl Wohnthürme nennen könnte, 
ihren Treppenthürmen, dem Zugang und dem Brunnenhaus. Deutlich auch in dem, was 
fehlt, einem eigentlichen Berchfried. Nur den in den Urkunden erwähnten »Rupprecht- 
stockc können wir nicht bezeichnen, auch nicht einmal vermuthen, welches Gebäude 
in ihm gemeint gewesen sei, ebensowenig die anderen Stöcke, während das sonstige 
»Gebuwe« sich leicht aus den Resten erklärt. 

Allzu grosse Zerstörungen hat die Burg, nach dem ganzen Befund, vor der Zer- 
störung durch die Franzosen nicht erlitten. An einigen Stellen nur können wir die wohl 
bei der pfalzischen Belagerung geschlagenen Breschen und ihre eilfertige Ausbesserung 
nachweisen, so an der Südwestmauer etwas nördlich der Wehrgangstreppe. 

^) Der Wehrguig mit seinen Schiessscharten bei Grimmeishausen sehr deutlich. 



122 KREIS OFFENBURG. 

SCHUTTERN 

Schreibweisen: Scutura(?); Schuttura nach 1129; Schutera 1235; Schötere 12 58; 
Schutere 1258; Schuttem 1328 etc. (Nach dem Flussname Schutter.) 

Archivalien der Gemeinde: Mittheil. d. histor. KomnL Nr. 15 (1893), S. 102; 
Archiv der Roeder von Diersburg ebenda Nr. 16 {1894), S. 113. (Litteratur siehe 
unter Kloster.) 
Ort»gcschichte Oxtsgeschichte i Mit der Legende von dem britischen König oder Prinz Offo 

verliert sich die Geschichte in das Sagenhafte. In der That wird sich wohl aus einer 
ursprünglichen Ansiedelung das Dorf allmählich an das hier gegründete Kloster angeschlossen 
haben. Es war offenbar alte Geroldseckische Besitzung, gehörte aber zunächst der Linie 
Tiersperg, die auch die Kastvogtei des Klosters hatten, an ihre Stelle traten dann die 
Geroldsecker. Möglicher Weise damit zugleich ^) wurde es zur Stadt erhoben, als welche 
es in dem Vertrag von 1327 genannt wird. Der Abt war jetzt Grundherr, er gestattete 
aber den Geroldseckem »eine statt uff des closters eigen und hofe zu buwende und zu 
machende zu Schuttem in gemarken und zilen, als die in derselben statt besonder und 
ussgescheiden sint«. ^) Damals stand also das Schloss mit seinen Burggräben, die in dem 
Vertrag genannt sind, schon, wie Ruppert bemerkt, es mag wohl schon von den Tiers- 
pergem erbaut worden und eine (natürlich kleinere) Tief burganlage \%ie Lahr gewesen 
sein.*) In dem Schwanauer Krieg zogen die Strassburger mit ihren Schaaren auch vor 
dieses Schloss, verbrannten es, wobei auch Stadt und Kloster in Flammen aufgingen, und 
zerstörten es von Grund aus. Wohl wurde das Städtchen wieder aufgebaut, vierzig 
Jahre später eben der Geroldsecker halber wieder verbrannt, zum dritten Male dann 
1433 "^ ^^"^ Erbstreit zwischen Diebold von Hohengeroldseck und Mörs-Sarwerden 
Diebolds Bruder wurde bei dem Sturm erschlagen. Abermals 1473 zogen die Strass- 
burger gegen Schuttem gegen Diebold II., stürmten es und rissen es nieder. Da nahm 
sich der Pfalzgraf der Sache Diebolds an. Nach den Wirren, die dann über die Gerolds- 
ecker kamen, gelangte es endlich wieder an Gangolf zurück, aber seine Bedeutung war 
sehr gesunken. Bald mussten die Geroldsecker das Schlösschen verpfänden. — Das 
Dorf — es hatte nach 1525 : nur »31 hüser von gemeynen lütten, item 7 hüser sind diener 
des apts von Schutter, item 2 witwe hüser, item i ler hüs«, und so hiess es jetzt an 
Stelle von Stadt Flecken — gehörte wie die Abtei zur Landvogtei Ortenau und wurde 
1805 badisch. (Wth,) 

KLOSTER SCHUTTERN 

Literatur: Chronik von Schuttem vom 9. bis 1 5. Jh. bei Mone, Quellensammlung III, 
41 — 132. — Anonymi Chronicon Coenobii Schutterani bei Schannat, Vindemiae 
litt I, 17 ff. — Monumenta historico-chronologica monastica coUecta a P. Gallo 
Mezler, herausgegeben von J. G. Mayer im Freib. Diöz.-Arch. XIV, 55 — 167. 
— Handschriftl. Diarium des Abtes JacobusII. Vogler von 1689 ^^^ 1702 im 
Grossh. Generallandesarchiv (vgl. Freib. Diöz.-Arch. EI [1868J, 168 ff., und XX, 126 ff). 



^) Ruppert a. a. O. S. 426. 
5^) S. Niher, Ortenau, S. 40. 



AMT LAHR. — SCHUTTCRN. (KLOSTER SCHOTTERN.} I 23 

Vgl. May, Zur Kritik der Annalcn von Schuttern. Z.G.O. NF. Vm, 256 — 288. — 
Ders., Paul Volz von Offenburg und die Annalen von Schuttem. Leipz. 1898. — 
H. Bloch, Die Urkundenfälschungen Grandidiers. I. Die Kaiserurkunde für das Kl. 
Schuttem. Z.G.O. NF. XII, 460 — 471. — A. Gasser, Grandidier est-il faussaire? 
Fans 1898. 

Trithemius, Annal. Hirsaug. I, 151. — Jod. Coccius, Dagobertus Rcx 
(Molsheim 1623), S. 72 — 85. — Austria Sacra II, 148 — 178, 400 — 435. — Gerbert, 
HNS. I, 44 ff. — Grandidier, Hist. de Teglise et des ^vöques-princes de Stras- 
bourg I, 337 — 340, und Oeuvres hist. in^dites de Grandidier I (Colm. 1865), 
108 — 117. — Kolb, Histor. Topogr. Lexikon von Baden III, 191. — Rettberg, 
Kirchengesch. Deutschi. 11, 85. — Friedrich, Kirchengesch. Deutschi. II, 528 ff. — 
Hauck, £Lirchengesch. Deutschi, i^ (1904), 350. — Das alte Kloster Schuttem oder 
Offonszell. Bad. Landesztg. 1884 Nr. 157 II. — Das Kloster Schuttem und seine 
Beziehungen zur Stadt Lahr und Umgebung nach P. Marquard Benders (1750) Annalen. 
Anzeiger f. Stadt und Land (Lahr) 1891 Nr. 135 — 136. — Hennig, Gesch. des Land- 
kapitels Lahr (Lahr 1893) S. 20 — 24. — Wilh. Weiss, Gesch. des Landkapitels Offen- 
burgin Fred. Mones »Die bildenden Künste im Grossherzogthum Baden« XIV, 20 — 23. 
— Ruppert, Gesch. der Mortenau I (1883), 425 — 440. — Krieger, Topograph. 
Wörterbuch 11 ^ 918—923. 

Geschichtliches: Die Anfange dieser frühesten klösterlichen Niederlassung des Ge«:hichtiiches 
bad. Landes verlieren sich in völligem Dunkel. Die älteste Bezeichnung Offoniswilare oder 
Oflfunwilare, die in Urkunden aus dem ersten Viertel des 9. Jhs. begegnet, macht es ziemlich 
wahrscheinlich, dass die Klostergründung an eine schon vorhandene bürgerliche Nieder- 
lassung anknüpfte und dass Offoni nur als Namengeber bezw. ursprünglicher Besitzer, 
vielleicht auch als Gründer der letzteren, nicht aber der ersteren in Betracht kommen 
kann. Die spätere Tradition kehrte dieses Verhältniss um und identifizirte den Kloster- 
gründer (603) mit dem irischen König oder königl. Prinzen Ofüst, dessen Schicksale durch 
Beda(Hist eccles. V, 19) bekannt waren, imd dem man in gleicherweise auch die Gründung 
von Offenburg zuschrieb. Die Entstehung dieser Legende giebt sich in der späteren 
Benennimg Offoniscella, Kloster, nicht Weiler des Offoni (1016 in einer Urk. Hein- 
richs n.; schon 964 in einem gehuschten Diplom), zu erkennen; sie wird noch später 
gefestigt durch Errichtimg eines Grabes und durch die liturgische Feier des Jahres- 
gedächtnisses des Heiligen (14. Januar). Nicht unwesentlich mag zur Bildung der Legende 
die durch die Verbrüderungsliste der Reichenau belegte Anwesenheit von angelsächsischen 
Klosterinsassen beigetragen haben. ^) 

Diese Liste im Verbrüderungsbuch von Reichenau, sowie das Capitulare Ludwigs 
des Frommen, in dem es unter den 14 bedeutendsten Reichsabteien rangirt, die zu 
Abgaben und Stellung von Mannschaften in Kriegsfallen verpflichtet sind (dona et 
müitiam facere debent), ^) lassen Schuttem als ein stark besiedeltes, hochangesehenes 
Kloster erscheinen, dessen Anfänge noch über das 8. Jh. hinabreichen. Zwar lässt sich 
der geschichtliche Wert der Urkunde, durch die K. Dagobert auf Anregimg des Bischofs 

^) Die indifTerente Bezeichnung Scatura, Schuttem, nach dem Fltlsschen, kommt schon in der 
Vita S. Pirminii (Mon. Genn., Sript. 15, 26) vor und wird im spätem Mittelalter die ausschUesslich 
übliche. 

') Mon. Genn., Legg. Sect II. Tom. I (Capitul.) 350. 



124 KREIS OFFENBURG. 

Arbogast der Niederlassung einen Hof in Herlisheim geschenkt haben soll (630, bezw. 
705), ^) heute nicht mehr festhalten, nachdem sie als Fälschung des 12. Jhs. erkannt ist 
Zur Zeit Pirmins aber bestand jedenfalls schon eine Klostemiederlassung in Schuttem, 
denn dieser Reformator des alemannischen Mönchsthums gab ihr eine feste Kloster- 
regel, d. h. die des h. Benedikt (vgl. Gerbert, HNS I, 45). In vorpirminischer Zeh 
war die Organisation wahrscheinlich wie in Ettenheimmünster und Honau eine weniger 
feste, bei der das monachale Leben mehr die Form des Eremitenthums annahm. Auch 
das Kloster Münster im Gregorienthai (Eis.), dessen Gründung legendarisch zur selben 
Zeit wie die von Schuttem erfolgt sein soll, hat die gleiche Entwickelung aufzuweisen. 
Vielleicht lässt sich damit auch die Thatsache in Zusammenhang bringen, dass die 
Klosterkirche von Schuttem zwei Kirchenpatrone aufzuweisen hat, S. Maria bezw. der 
spätere Titulus Assumptio beatae Mariae Virg. und Peter und Paul. 

Die lange Abtsliste, welche die Klosterchronisten Volz und Mezler fiir die Frtih- 
zeit aufstellen, und Grandidier (Hist del'dgl. de Strasb. I, 337 ^0 und Kolb (a.a.0.1 
wiederholen, muss als völlig unhistorisch abgelehnt werden. Für die Reihenfolge der 
Aebte bis ins 12. Jh. hat Fred. Mone in seiner gründlichen Einleitung zur Kloster- 
chronik 2) hinreichend Klarheit geschaflfen. Geschichtlich beglaubigt sind als ei^ 
Schütterer Aebte nur die fünf dem Ende des 8. und der ersten Hälfte des 9. Jh. an- 
gehörenden, im Reichenauer Verbrüderungsbuch aufgeführten, Beretrich, Ercbanpeit, 
Weinbert, Adalbert, Petrus.^) 

Für das J. 937 oder 938 ist der erste grosse Klosterbrand bezeugt; Bischof 
Erchenbald von Strassb. konsekrirt zu Beginn seiner Regierung (965) die neue Kirche.*) 
Was Trithemius*^) kiu-z hernach (963) von einem Reformkonzil in Worms und der 
Schlichtung eines langjährigen Streites zwischen dem Kloster imd dem Weltklerus wegen 
verschiedener Servitien und des Todgefalles zu berichten weiss, kann auf historisdie 
Giltigkeit keinen Anspruch erheben; hingegen kaim die bemerkenswerthe Begünstigung 
der Abtei durch Otto 11. und Heinrich II. nicht bestritten werden, auch wenn verschiedene 
darauf sich beziehende Urkunden bei Grandidier Fälschungen sind. Otto 11. verlieh 975 
das Recht der freien Abtswahl ^) und Heinrich 11. hob die durch Brand und anderes 
Unglück in tiefste Armuth gerathene Abtei dadurch, dass er unter Bestätigung ihrer 
Privilegien sie mit anderen alemannischen Klöstern als Lehen dem neugegründeten Bisthum 
Bamberg und zugleich dessen Schutze gegen die Willkür der Kastvögte unterstellte') 1009 
imd 1016. Gleichzeitig erfolgte die Zuweisung von Gütern in Heiligenzell, Friesenheim, 
Plobsheim, Oberschopfheim, Zuntzweier, Kürzel, Almenschweier und Ottenheim, mit 
denen der jeweilige Abt bei seiner Investitur vom Bischof von Bamberg belehnt wurde. ^ 
Heinrich n., der auf einer Reise von Basel nach Strassburg eine Nacht in Schuttem 



^) Oberrh. Ztschr. III, 94. Erstmals von Coccius in Dagobertus Rex erwähnt S. 75 ff. 
^) Quellensammlung III, 50—57. 

*) Mon. Germ. Libri Confratemit., ed Pieper, p. 213. Abt Petrus ist auch im Reichenauer 
Todtenbuch zum 21. Febr. (ca. 830) vermerkt (Mon. Genn., Necrol. Germ. I, 273. 
*) Gerbert, HNS. I, 197. 
') Annal. Hirs. I, 108. 

•) Mon. Genn., Dipl. reg. et imper. Genn. 2, 138. 
') Trithemius, Annal. Hirs. I, 151. Schannat Vindem. lit. I, 19. 
*) Krieger, Topogr. Wörterbuch n, 918. 



AMT LAHR. — SCHUTTERN. (KLOSTER SCHUTTERN.) I25 

zugebracht, galt in der Folge geradezu als zweiter Gründer; sein Gedächtniss wurde als 
festum duplex secundae clorsis gefeiert. 

Aus dem 12. und 13. Jh. berichtet die Klostertradition von zwei grossen Bränden, 
um II 69 in Folge des Ueberfalles durch Graf Berthold von Neuenbürg^) und 1240 unter 
Abt Heinrich. Bald nach der letzteren Katastrophe wurde eine kleine Marienkapelle kon- 
sekrirt, welche, wie auch das Johannesspital, bis zur Wiederherstellung der Klosterkirche 
für den Gottesdienst in Gebrauch genommen wurde (abgebrochen unter Abt Konrad 
Frick 1527).^ Schon 1153 war das Innere des Chores diu-ch Feuer schwer beschädigt 
worden. 1155 fand danach die Konsekration des wiederhergestellten Chores statt: 
usque ad parietem, qui ecclesiae corpus a choro disterminat. Mit dem Hochaltar wurden 
noch drei Seitenaltäre konsekrirt Abt Friedrich (1256 — 62) wie sein Nachf. Hermann 
von Bumer (1262 — 95) besassen beachtenswerthe Grabmonumente in der neuen Kirche 
mit entsprechenden Inschriften.') Der Wiederaufbau nach der Brandkatastrophe von 
1240 ging offenbar sehr langsam vor sich. 1268 konnte erst der Aussentheil des 
Gotteshauses, coq>us ecclesiae nempe pars exterior monasterii, geweiht werden und 
zwar durch den im gleichen Jahr auch in Freiburg nachweisbaren Albertus Magnus.*) 
Die eigentliche Konsekration wurde aber erst 1283 vorgenommen und zwar an der 
Kirche und an sechs Altären, darunter ein hochgelegener Altar (altare superius in 
testudine) offenbar über der Eingangshalle in einem Obergeschoss zu Ehren des 
h. Michael und aller h. Engel. Die Ruhestätte der Prälaten im Kreuzgang vor dem 
Kircheneingang, die zu gleicher Zeit konsekrirt wurde, trug die Aufschrift : Coemeterium 
hoc venerabilium Abbatum huius Monasterii Schuttem Anno Domini MCCLXXXIII XIX 
Cal. Dec. sub Abbate Hermanno de Burner, quousque est consecratum, quousque incisae 
pictaeque Cruces, muros utrosque insignient.^) Unter diesem letztgenannten Abt erhielt 
das Gotteshaus ein neues Monument des Stifters Offo, eine Sakristei, deren Baudatum 
der Custos und Chronist Nikolaus von Gerau noch in der ersten Hälfte des 16. Jhs. 
fand in defluxu muri versus orientem: 1290 Hermannus abbas, Gotfridus custos me 
fecerunt; femer zwei silbervergoldete Vortragskreuze, deren eines verschiedene bildliche 
Darstellungen hatte. Von Strassburg kam nebst anderen Passionsreliquien eine Reliquie 
vom kostbaren Blut.*) Eine Quelle unaufhörlicher Belästigungen und Schädigungen während 
des ganzen Mittelalters bildete das Verhältniss zu den Kastvögten, wodurch Schuttern 
wiederholt dem Untergang nahegebracht wurde. Zur Hebung seiner materiellen Lage 
wurden der Abtei eine Anzahl Pfarreien inkorporirt, so Wippertskirch und Unter- 

^) Grandidier, Oeuvres in^ditesl, 115 und Freib. Diöz.-Arch. XIV, 159. — Mone, Quellen- 
sammlung in, 91. 

^ Grandidier, 1. c. p. 117. — Ruppert, Mortenau I, 436. 

*) Schannat, 1. v. p. 20. — Mone, Quellensammlung III, 97. 

*) Mone, Quellensammlung III, 99, und Schannat, Vind. litt. I, 20. Ueber andere Grab- 
legcn von Ticrspergem und Geroldseckem im Kloster Schuttem vgl. Mone, Quellensammlung IH, 96 ff. 

*) Ueber die Anwesenheit des Seligen am Oberrhein i. J. 1268 vgl. Michael, Gesch. des 
deutschen Volkes III, 104. 

') Freib. Diöz.-Arch. XIV, 159. Das alljährlich am Freitag nach Weissen Sonntag abgehaltene 
Fest vom kostbaren Blut wurde von zahlreichen Wallfahrern besucht. Nach Coccius (Dagobertus 
Rex, p. 81) hat der bertlhmte Ttlbinger Theologe Konrad Summenhart, der 1502 im Kloster 
Schuttem starb und in der dortigen Kirche beigesetzt wurde, eine besondere Abhandlung De sanguine 
Christi geschrieben, die handschrifUich in der Klosterbibliothek aufbewahrt wurde. Vgl. auch Mone, 
Qaellensaimnlung m, 106 ff. 



126 KREIS OFFENBURG. 

Bahlingen (1276),^) Friesenheim (1290), Sasbach, Kürzel und Zunzweier (1325) 
Köndringen (1328). Die letztere Inkorporation ist ausdrücklich damit motivii 
das Kloster durch Plünderungen einiger Adliger in's tiefste Elend gerathen sei, so d 
Insassen wiederholt an verschiedenen Orten getrennt leben mussten, und ausdr 
wird in dem Schreiben Johanns XXII. über die Inkorporation Köndhngens fest| 
dass die Beeinträchtigungen des Klosters von Parteigängern Ludwigs des Bayern 
seien. ^) Ueber die Mehrzahl dieser Kirchen stand der Abtei schon vorher das Pal 
recht zu. Besonders verhängnissvoll für das Kloster war die Fehde mit den 1 
Kenzingen und Endingen zu Anfimg 1304, wobei u. a. auch das Grabmoniunei 
zu Grunde gegangen sein soll; und der Strassbiu-ger Krieg gegen die. H« 
Geroldseck, dem 1333/34 das Kloster zum Opfer fiel;*) ein zweites Mal wurde 
erst aufgebaut, durch die Strassburger 1372 zerstört 

Das Vogteirecht über die Abtei stand ursprünglich den Herzögen von 
ZU; ging von diesen auf die Grafen von Diersburg (Tiersperg) und zu Anfang des 
an die Geroldsecker über.*) Die beiderseitigen Verpflichtungen waren durch eine 
Verträge normirt, die ein gutes Bild über die Entwickelung dieser Institution ge 
Der Klostervogt hatte die Gerichtsbarkeit in Kriminalfällen, während die 
(über dub und vrevel) dem Abte zustand; von den Gerichtsgebtihren hatte d 
ein Drittel, der Abt zwei Drittel. Ausserdem beanspruchte der Erstere Naturalienal 
Steuern im Dorfe Schuttem und Reisekosten, was das Kloster möglichst in ei 
Abgabe umzuwandeln suchte. Sonderbestimmungen regelten auch das Verhäl 
Klosterleute zum Kloster und dessen Vogt.®) Mit der Erhebung Schuttems 
(1327) wurde die Sicherheit des Klosters noch mehr gefährdet, als schon bisher 
dem K. Sigismund 14 18 ihm seinen besonderen Schutz zugesagt, zogen die 
ecker Vögte es in ihre unselige Streitpolitik hinein. Im Kriege Diebolds I. gegen 
Sarwerden waren die Klostergebäude z. T. zu Vertheidigungszwecken umgewandt 
benutzt und deren Insassen zur Auswanderung genöthigt worden, bis 1434 der 
Zustand wiederhergestellt werden konnte. Im Pfalzer Krieg kam die Kastvogt« 
Schuttem 1497 an den Pfalzgrafen; 1506 konnte sie von K. Maximilian, 
bayerischen Krieg in Schuttem einzog, der Familie Geroldseck wieder zurück, 
werden, wenngleich die Aebte nach einander dagegen protestirten und wiederhol 
Hause Habsburg Schutz und Recht suchen mussten. 

Zur inneren Reform des Klosters wurde Ende des 15. Jhs. von Hirsau aui 
tüchtige Persönlichkeit als Abt nach Schuttem geschickt, Johann von Widel, di 
Kloster der Bursfelder Kongregation anschloss. Der Bauernkrieg hatte für die 
imd, wie besonders erwähnt wird, für deren Kirchenschatz schwere Schädigung 
Folge; der Konvent musste zeitweilig das Kloster verlassen. Aber auch später 

^) Regesten der Bischöfe von Konstanz I, 278. 

2) Vgl. die betreffende Bulle Johanns XXII. und das Erläutcrungsschreiben des 
burger Bischofs Johanns I., Freib. Diöz.-Arch. XIX, 305. 

*) Regesten der Bischöfe von Konstanz II, 132. Die vom Bischof vorgenommene 
poration erfolgte erst 1332, ebenda p. 148. 

*) Vgl. Vita Bertholdi de Buochecke bei S t u d e r , Die Chronik des Matthias von Neufl 
Bern 1866, S. 230. 

^) Vgl. Mone, Quellensammlung III, 57 ff. 

•) Vgl. Mone a. a. O. — Ruppert, a. a. O. 426 ff. 



^ 



AMT LAHR. — SCHUTTERN. (KLOSTER SCHUTTERN.) 



127 



selbst noch im 18. Jh., hören wir von grosser Unzufriedenheit der dem Kloster 
inkorporirten Ortschaften. In ihnen hatte auch von allem Anfang an die Reformation 
starke und leichte Verbreitung gefunden, während die Klosterinsassen, mit seltenen 
Ausnahmen, wie der Klosterchronist Paul Volz,^ der alten Lehre treu blieben. Zum 
Elend der Zeiten, das vor Allem in Form von Türken- und Reichssteuem schwer 




^^^'^l^ ' ^ t r . ' n 



Pig' ^S- ICirche %u Schuttern. 



drückte, kam 1548 noch ein Brand, der sämmtliche Gebäulichkeiten einäscherte. Die 
immer mehr sich häufenden Reichsabgaben, die unaufhörhchen Kriegszüge im 17. 
und 18. Jh., denen Schuttern als wehrloses Opfer preisgegeben war, die Sperrung oder 
Wegnahme der Einkünfte durch Schweden und die Markgrafen von Baden, brachten 
die alte Niederlassung wiederholt an den Rand des Verderbens. 1744 verhütete der 
französische Dauphin, der 4 Tage im Kloster weilte, den gänzlichen Ruin durch 



128 



KREIS OFFENBURG. 



Pfarrkirche 



Thurm 




Fig. 66. Thurmfafoäe der Kirche in Schuttern. 



materielle Unterstützimg. Zmr Elrmne- 
rung an den Dm-chzug der Marie 
Antoinette (1770) erhielt der Abt ein 
kostbares Pektorale imd eine goldene 
Medaille. Unter dem letzten -\bt 
Placidus Bacheberle wurde das Stift 
säkularisirt (1803). (Sauer,) 

Von den mittelalterlichen KJoster- 
bauten steht heute nichts mehr, tte 
grossen Brände und Zerstörungen von 
1334, am Ende des 14. Jhs., sowie 
1433, dann aber vor Allem die Ein- 
äscherung durch die Franzosen haben 
nichts davon übrig gelassen. Möglich, 
dass ein unten erwähnter romanischer 
Thürsturz von Kloster oder Kirche 
stammt, sicher ist es nicht Der Ver- 
lust ist für die Kunstgeschichte des 
rechten Oberrheins aufe Höchste zu 
beklagen, da dies so bedeutende wie 
alte Kloster baulich sowohl wie in 
seiner Ausstattung vom höchsten 
Interesse gewesen sein muss. - 

Die heutige kath. Pfarrkirclu 
(ad S. Virginem Mariam Assumtam) ist 
ein wirkungsvoller Bau des 18. Jhi, 
der nach einem Brande im 19. Jh. in 
seiner Thurmbedachung und in seiner 
Innenausstattung renovirt worden ist 
(s. Fig. 65). Eine einschiffige, krenz- 
fbrmige Kirche, die Ecken des Qimt- 
schiffs und des Chors konkav, die 
Wände dieser Theile konvex ge- 
schwungen bezw. ausbauchend. Der 
Chor enthält zu beiden Seiten Sakri- 
steien. Dem Langhaus ist der Thurm 
vorgelagert, der etwa der Chorbreite 
entspricht und daher zu beiden Seiten 
von langgestreckten einstöckigen Vor- 
hallen begleitet wird, die mit einer 
Plattform abgedeckt und mit einer 
Balustrade umgeben sind, so dass der 
Thurtn daraus hervorzuwachsen scheint 
(vergl. Fig. 66). Das Erdgeschoss des 
Thurmes enthält die geradsturzigeThür, 




Fig. 6y. Die unteren Thurmgcscliosse der Kirche zu Sc/inttern, 



Band VII. Zu Seite 129. 



AMT LAHR. — SCHÜTTERN. (KLOSTER SCHIHTERN.) 



129 



welche flankirt wird durch je zwei dorisirende Vollsäulcn mit Rustikaringen auf jeweils 
gemeinsamem Sockel, die den dorischen Triglyphenfries mit verkröpftem Gebälk tragen 
(s. Fig. 67). Ueber dem Wappen des Hauptportals zieht sich dies Gebälk in einer 
geschwungenen Linie herum. Darüber ein von Voluten flankirter Aufeatz, der in hübschem 
Bänderrahmen ein Relief, Halbfigur der Madonna mit Kind enthält. Ein flachbogiger 
Giebel schliesst diesen Aufsatz ab; in dem Giebelfeld Puttenköpfchen mit dem Auge 
Gottes und auf dem Giebel die Freifigur der Madonna mit dem Kind. 

In flotter Rocaillecartouche über dem Hauptportal das Wappen Schutterns (der 
Pelikan) (s. Fig. 68), unter demselben steht: 

AEDES HAS. B. V. MARIAE ASSUNTAE . SACRAS 
EXTRUXIT EXCELLENTISSIMUS D. D. CAROLUS 
ABBAS . MDCCLXXIII 
Zu beiden Seiten die 
Fenster der Vorhallen mit ge- 
schwungenem Gebälk und 
Konsole, darüber Rocaille- 
cartouchen und Füllfelder. 
Die Ecken der Vorhalle durch 
Pilaster gebildet vor einer 
Scheinquaderung. Der um die 
ganze Vorhalle sich herum- 
ziehende Triglyphenfiies ist 
an Stelle der Metopen mit 
Früchtekränzen geschmückt. 
Eine Balustrade mit bauchigen 
Rocaillevasen krönt die Vor- 
halle; neben dem Portalauf- 
satze stehen die flotten Barock- 
figuren eines Kaisers und 
eines Königs mit jeweils 
einer Kirche im Arm, wohl 
Heinrichs 11. und des sagen- 
haften Offb. Ueber den Vor- 
hallen erheben sich die zwei viereckigen Geschosse des Thurmes unten mit dorischen, 
oben mit jonischen Pilastem und entsprechenden Vollsäulen an den eingeschnittenen 
Ecken, die verkröpft^s Gebälk tragen; das obere Stockwerk von einer Balustrade 
gekrönt Darüber dann das Achteckgeschoss mit korinthischen Dreiviertelsäulen an 
semen Ecken und den Figuren zweier mönchischer Heiligen; die Bedachung ist nicht 
gerade günstig im 19. Jh. ergänzt worden. 

Der Thurm besteht durchaus aus bestem Sandstein ; das Langhaus dagegen zeigt 
den Sandstein nur an den architektonischen Gliederungen und ist sonst aus verputztem 
Bnichsteinmauerwerk errichtet. Mächtige Pilaster gliedern das Langhaus und flankiren 
die abgerundeten Ecken, sie tragen ein hohes verkröpftes Gebälk mit Tröpfchen. 
Zwischen ihnen imten kleinere, theilweise blinde Fenster, oben hohe flachrundbogige 
Fenster mit kleinen Konsolen im Sturz, die sich an das Gebälk anschliessen. 
Bud vn. 9 




Fig. 68, Wappen über dem Portal der Kirche in Schuttem. 



1 



I30 



KREIS OFFENBURG. 



Portalthüren 
Altäre 



Gemttlde 



Holzskulpturen 



Glocken 



Schrank 
Paramente 



Wir haben in der Kirche einen hervorragenden, äusserst gut durchdachten und 
dabei doch frisch wirkenden Barockbau vor uns, der alle andern derartigen Provinz- 
bauten weit überragt und es ist nicht nur die allgemeine Aehnlichkeit gleichzeitiger 
Bauten, sondern verschiedentliche nahe Verwandtschaft zu dem Palais der Rohan in 
Strassburg, die uns vermuthen lässt, dass der Erbauer der Kirche in einem nahen Scbu^ 
verhältniss zu dem Architekten des Palais gestanden haben mag. 

Das einschiffige Innere hat leider bei dem Brande besonders gelitten und ist dess- 
halb stark modemisirt. Zwei Reihen schwach hervortretender Pilaster übereinander mit 
entsprechendem Gebälk gliedern die Wände und ziehen sich um Querschiff und Chcx 
herum. Diese doppelte Pilasterstellung hat ihren Grund in der ehemals im Langhaus 

vorhandenen Empore, die in unserm Grundriss ge- 
strichelt eingezeichnet ist. Von ihr steht noch der 
an den Thurm anschliessende Theil auf zwei Pfeilern 
und zwei Säulen mit einer ähnlich wie im Aeusseren 
behandelten Balustrade. Das wegen des Balkenauflagers 
Schwächer- Werden der Wände und eine diesbezügliche 
schriftliche Notiz im Pfarrhaus beweist die angedeutete 
Fortführung. Aus dieser Empore erklärt sich auch die 
doppelte Fensteranlage ; da, wo die Empore noch vor- 
handen, sind die unteren Fenster nicht blind. — Die 
Kirche hat heute eine neue, flache Balkendecke. 

Auch die Ausstattung ist natürlich nur noch zum 
kleinsten Theil die ursprüngliche. Alt die schönen, 
geschnitzten, in ihrem oberen Theil mit Wappen b^ 
krönten, l'hürflügel des Portals. Der Hochaltar und 
die Seitenaltäre — wenn auch gleichzeitig, vielleicht 
doch nicht für Schuttem gearbeitet — sind die üblichen, 
nicht besonders hervorragenden Säulen - Altäre der 
Barockzeit. Auf dem Hochaltar eine geschnitzte 
Kreuzigungsgruppe und ein Gemälde der Himmel&hrt 
Christi, auf dem rechten Seitenaltar Kreuzigung und 
darüber h. Martyr, auf dem linken Maria in Wolken 
mit Engeln, darüber ein h. Dominikaner. Alles Durch- 
schnittsbilder des i8. Jhs. Aehnlich an den Wänden 
des Langhauses die Himmelfahrt eines graubärtigen bischöflichen Heiligen, ein h. Sebastian 
und eine Copie des Rubenschen Kindermordes; geringer und theilweise übermalt Jacob 
und Rebecca und Esther. 

An Holzskulpturen findet sich ausser der der Kreuzigungsgruppe des Hochaltars 
und einer rohen Pietä noch ein eindrittellebensgrosser manirirter Barockcrudfixus, eine 
recht gute Arbeit. 

Die Glocken der Kirche sind neu. 

In der Sakristei ein Schrank mit guter Rocailleschnitzerei, einige Caseln und 
Levitengewänder und einige nennenswerte Kirchengeräthe: eine silbervergoldete, 
getriebene Monstranz mit Steinauflagen, Süberfiligran, getriebenem VerkündigungsreKct 
noch vom Anfang des i8. Jhs. Das Zeichen verwischt. Geringes Versehkreuz. Guter 




Fig. 6g. Kelch in Schuttern. 



Ah€T LAHR. - SCHUTTERN. (KLOSTER SCHITTTERN.) 



»3» 




/^i^. yo. Madonnenstatue am Pfarrhaus in Schuttern. 

Rocaillekelch, sübergetrieben und vergoldet, mit Emails am Fusse (s. Fig. 69), den Buch- 
staben LH., den verwischten Wappen, darüber 1787 und darunter 7. o. 

Ein silbergetriebenes Weihrauchschiffchen mit grossem Blumenmuster, wohl noch 
aus dem 17. Jh. 

9* 



132 



KREIS OFFENBURG. 




''Slu,..*^' 



Fig. 7/. Ziehbrunnen von 1623 in Scfmttern. 



Auf den Schränken holzgeschnitzte Putten, wohl von früherer Dekoration. 
Pfarrhaus An den Chor stösst ein Rest des ehemaligen Klosters an, der jetzt als Pfarrhaus 

dient, ein Bau des 16. bezw. 17. Jhs., der im 18. renovirt worden. Ein Portal niit 
gebrochenem Giebel führt zum Pfarrhaus. Es zeigt die Inschrift: 

refeCtorIVM 

ABBATE pLaCID • TERTIo 

eXtorto 
renoVatVr et eXornatVr, 



AMT LAHR. - SCHXJTTERN. (KLOSTER SCHUTTERN.) 



^^3 



also 1788. Die rdchgeschnitzte Thür, welche ehemals den Kellereingang verschloss, 
soll angeblich vor einigen Jahren nach Karlsruhe verkauft worden sein. Pfeiler an der 
Treppe ina Innern, auf mit eierstabverzierten Konsolen stammen noch vom ehemaligen 
Renaissancebau. Im Pfarrhaus die Kupferplatte mit dem Grundriss des Klosters (s. Fig. 65) 
und ein gutes Gemälde: Brustbild des letzten Mönches. 

An der Ecke des Pfiurhauses gegen den Garten zu jetzt aufgestellt die halblebens- 
grosse Scmdsteinfigur der gekrönten Madonna mit Kind (s. Fig. 70), ein Werk aus den Madonnensutue 
ersten Jahrzehnten des 16. Jhs., das sich weiter als es die schwer herzustellende Photo- 
graphie zeigt, über den Durchschnitt erhebt 

Im Pfisurhausgarten steht auf einem Steinpfosten eine Sonnenuhr, auf der gravirten 
Zinkplatte das Schütterer Abtswappen im Styl des späten 17. Jhs. Ebenda noch ein 
Taufetein der gleichen Zeit. 

Von den Umfassungsmauern des Klosterbezirkes aus erstreckt sich bis hinter die 
gleich unten erwähnte Mühle. Die Schutter floss, wie auf Fig. 65 ersichtlich, durch 
den Klosterbezirk durch. An der flachbogigen Brücke, da wo sie 
in die Mauern eintritt, steht die Jahreszahl 1519, dessgleichen an 
dem darauffolgenden Thor; daran setzte die Stadtmauer an. 

Die KlostennühUj ein sonst schmuckloser Bau des 17. Jhs., 
hat im Innern noch die alten Mahlgänge und die einfachen Holz- 
stützen für die Durchzugsbalken. 

Auf dem vor dem Ort gelegenen Friedhof eine schmucklose 
Kapelle \ die das vorkragende Dach stützenden Holzpfeiler stehen 
auf Renaissancepostamenten. In der Kapelle ein holzgeschnitztes 
Kruzifix des 18. Jhs. 

Grabsteine: der eines Abtes von Schuttem mit dem Abtei- 
wappen und verwischter Schrift 18 Jh.; ein weiterer mit hohem 
Kreuz und Rocailledekoration, aber von 1807. Auf dem Friedhof 
femer ein Steinknizifix mit Maria und Johannes auf Rocaillesockel. 
Von dem Schloss oder wohl besser der Tiefburg, das die 
Geroldsecker hier besassen, sind keine Spuren mehr vorhanden, 
wenn nicht ihm, statt dem Kloster, der romanische Portalsturz 
(s. unten) entstammt Erwähnt wird es zum ersten Male 1327, 
dann 1433, 145 1 >burg und stat«, »das schloss mit dem burgkhoff« im 16. Jh., ja noch 
164S als »schlösslin und burckstall« zu Schuttem 1648. Bald danach wird es wohl 
gänzlich eingegangen sein. 

Das Haus der Josefine Obert, schlichter Bau des 18. Jhs., weist in Stein das 
Wappen des Klosters auf und die Inschrift: 

Franciscus abbas huius 
nominis primus 
hoc aedificium fieri 

CURAVIT 17+7. 

Am Schulhaus über dem Eingang ebenfalls Abtswappen (im Wappen ein Gebäude, 
darunter ein Eber auf Fluss) und die Jahreszahl 1788. 

Haus Nr. 165 Hofthorpfosten mit Rankenornamenten des 18. Jhs. 




Klottermühle 



Friedhof 
Kapelle 



Grabsteine 



Schloss 



Fig. 72. Figurenfragment 
in Schuttem, 



134 



KREIS OFFENBURG. 



Am Haus des Franz Breger geschnitzte Thür (mit grossen Ranken) vom Anfang 
des i8. Jhs. 

Schmiedeiseme Wirthshausschilde am Gasthaus zum Adler und zum Prin^n 
(Empire). 
Ziehbrunnen Im Ort einige alte Ziehbrunnen^ vor Allem einer mit trefflicher Renaissanc^ 

Ornamentik und der Jahreszahl 1623 (s. Fig. 71). 

Endlich noch ein Figurenfragment (s. Fig. 72) von einem irgendwo einst verwendeten 
Steinpfeiler aus der gleichen Zeit. 

In der Grossh. Alterthümersammlung zu Karlsruhe wird unter Nr. C. 5139 und 40 

Thürstu« in zwei Sandsteinstücken ein romanischer Thürsturz aufbewahrt, den der Direktor und 

Konservator der Alterthümer E. Wagner dort in der Kirchhofimauer unbeachtet vermauet 

aufgefunden imd geborgen hat. Er zeigt einen Löwen, der ein Rind verschlingt, und dann 




Fig. 7S. Thürsturz aus Schuttem (in der ^Grossh, Alterthümersantmlung su KärUruk^J. 



Picti 
Holrplastik 



Bildstock 



das Obertheil eines Ritters, der einen Löwen tödtet (s. Fig. 73). Die dreieckige Thür- 
öffiiung mass im Lichten 95 cm. Es muss — wie oben erwähnt — dahingesteUt 
bleiben, ob dieser Thürsturz aus dem Kloster oder aus dem Schlosse stammt, das auch 
trotz fehlender Erwähnungen bereits im 12. Jh. gestanden haben kann. 

Des weiteren bewahrt die Sammlung aus Schuttern eine eiserne Thüre des 1 7. Jhs. 
(C. 6806) und vor Allem eine ganz hervorragende holzgeschnitzte Gruppe der Pietä 
(Tafel II) aus etwa der Mitte des 18. Jhs. Die das Haupt klagend zum Himmel 
erhebende Jungfrau mit dem todten Sohn auf dem Schooss sitzt auf einer Felsgruppe, 
die unten in üppigem Rocaillewerk endigt. Bei der Vornehmheit der beiden Gestalten, 
dem ergreifenden Ausdruck der Mutter, dem geschlossenen Umriss und der ganz 
vorzüglichen Detailbehandlung stehe ich nicht an, die Gruppe für ein Meisterwerk der 
deutschen Rococoskulptur zu erklären. 

Vor dem Ort Bildstock des 17. Jhs. mit leerer Aedicula. 




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I 



AMT LAHR. — SCHUTTERTHAL. I35 

SCHUTTERTHAL 

(Bestehend aus Oberthal und Unterthal mit Rheinmühle und Schäferhof.) 

Schreibweisen: Schutertal 1270; Schutterdal 1368. Archivalien: der Gemeinde 
und kath. Pfarrei. Mittheil, der histor. Komm. Nr. 15 (1893) S. 102 f. 

Ortsgeschichte: Seh. ist und war offenbar immer kein zusammenhängendes Dorf, Ort«g«schichte 
sondern besteht und bestand aus vielen einzelnen Gehöften, die im Schuttcrthal und 
in den Seitenthälem oder an den Bergen liegen. Bei der Theilung 1277 kam es zur 
Herrschaft Hohengeroldseck, der es bis 1819 angehörte, wo es mit dem gesammten 
Fürstenthum badisch wurde. 

Den Mittelpunkt des Ortes bildete die Kirche des hl. Antonius (s. unten). Wir 
hören, dass 1463 Georg von Hohengeroldseck als Vormund der Kinder seines Bruders 
dem Konrad von Girsperg, genannt von Hohenstein, drei Fronberge zu Sankt 
Antonien im Schutterthal, genannt an der »vorhen«, verlieh.*) 

Auch das Schloss hat in der Nähe gelegen. Wir hören von »hus und bürg ScMom 
zu Schuttertal gelegen by Sant Antoniien 1470«. Dass es eine Tiefburg gewesen ist, 
dafür spricht der Ausdruck das >wasserhus« von 1515. 1531 hören wir noch einmal 
von dem »burgstadel, wie das zu Sant Anthonien im Schutterthale der herrschafl Geroltz- 
eck gelegene, wissen aber heute nur noch im Terrain seinen Platz nachzuweisen. Im 
15. Jh. hatte es das Geschlecht der Wallstein als Geroldseckisches Lehen inne; wir 
hören von »graben und gärten, schüre, hus und hof vor dem sloss.« 1531 brachte 
Gangolf von Hohengeroldseck die Lehen wieder an sich zurück. 

Ein Vogt Wilhelm von Schutterthal wird schon 1277 in der Theilungsurkunde 
als Zeuge genannt; 1336 ein Hermann von Seh. edelknecht; 1341 »Johans von Seh. ein 
ritter und Anna Müllerin sin elich wip; Hans von Seh. 1406; Wilhelm von Seh. ein 
edelknecht 1352. Möglich, dass mit jenem Hans das Geschlecht ausstarb oder, wie 
Ruppert annimmt, dass nur Mitglieder irgend eines der benachbarten Geschlechter sich 
nach ihrem Sitze hier nannten«. 

Kath. Pfarrkirche (ad. S. Antonium). Erwähnt ein »sacerdos« in Seh. 1 314, Kath. Pfarrkirche 
Johans Replin, lütpriester 1419*, zu S. Antonien in Seh. 1436 und 1463; 1464 ein 
>rector ecclesie in Seh.; Ende 15. Jh. die pfarr zu Schuttertal hat ein priester, heisset 
her Anthonius von Elmatingen, hat im Juncker Depolt von Geroltzegk geluhen«. Sie 
scheint ein beliebter Wallfahrtsort gewesen, aber nach der Reformation nicht mehr so 
besucht worden sein : »haec ecclesia pro patrono honorat s. Antonium, et ante Lutheranis- 
mum fiiit in hoc loco celeberrima peregrinatio, quae autem tempore apostaziae defecit« 
heisst es 1666. Jm 17. Jh. wurde die Kirche Filiale von Seibach: »Schutterthal, 
Prinzbach, Reichenbach, fuere hae tres etiam parochiae, sed jam a longs tempo admini- 
strantur per parochum in Seelbach« (1692). Kollatiu- und Zehnt gehörten zu Hohen- 
geroldseck. 

Der heutige Bau stammt aus etwa drei Perioden. Der älteste der dem Langhaus 
vorgelagerte Thumt, wie immer Bruchsteinmauerwerk, an den Ecken Sandsteinquader, rhurm 
einfach abgeschrägter Sockel, spitzbogige Eingangsthüre mit Hohlkehlen; gegen das 
Langhaus zu öfl&iet sich der Thurm in abgefastem Spitzbogen. Zwei Stockwerke, durch 



^) Ruppert a. a. O. S. 441. 



136 KREIS OFFENBURG. 

Wasserschrägen von einander getrennt, im unteren Lichtluke, im Obergeschoss ge- 
kuppelte, runde Kleeblattbogenfenster mit ausgebrochenen Pfosten; darüber SatteldadL 
Das Ganze ein möglicher Weise älterer Kern, der im 16. Jh. überarbeitet und seme 
heutige Gestalt erhielt. 

Der Eingang zum Thurm ist durch ein Vordach geschützt, das auf Konsolen ruht 
und in der Gegend sehr malerisch wirkt. ^) 
Langhaus Das einschiffige Langhaus mit abgeschrägtem Sockel, Rundbogenfenstem mit 

flauer Hohlkehlung dürfte noch dem 17. Jh. angehören; doch ist im Langhaus selbst 
eine Bauunterbrechung zu bemerken, die Kirche ist also wohl vergrössert worden. In 
der Südseite an den Fenstern theilweise noch die Ansätze von Masswerk. Der Chor 
ist in drei Seiten des Achtecks abgeschlossen; die Sakristei zeigt die Flachbogenfenster 
des 18. Jhs. 
Sandsteinepitaph Im schlichten Inuem Sandsteinepitaph des F. A. Schmelzer, aet 53, 1765 aus 

der Barockzeit, das Christuskind mit Fahne in sonnenartigem Medaillon. 

Orgel mit Rocailleschnitzerei und entsprechendem anschliessenden Gitter^?eil; 
gute Arbeit; Rococogestühl. 
Glocken Von den Glocken stammen zwei aus der Edel'schen Werkstätte in Strassburg, 

eine ältere mit Inschrift, der ich leider nicht beikommen konnte. 
Wetterfahne Auf dem Thurm originelle Wetterfahne mit drachenartiger Gestalt und 

Doppelkreuz. 
Epitaph Neben dem Thurmportal Epitaph; Protonotarshut und Wappen: drei Berge, ans 

denen Rosen hervorspriessen, Helmkleinod, Haltfigur mit Soutane. Die Inschrift besagt: 
Anno 1736 die 5. Feb. obiit et 7 " sepultus est P. R. Praenobilis et clarissimus D.D. 
Franciscus Sigebertus Domblüet ven. capit. Lahrens, Archipresb. protonotar. apostol 
etc. 40 Ann. ParochQ in Seelbach et Schutterthal. aet septuagen. requiescat in pace. etc. 
Kjrchengerftthe An Kivchengeräthen silbervergoldeter Kelch im Zopfstyl mit verwischtem Zeichen 

und ^ H ^ 1 Kupfer getriebener vergoldeter Empirekelch ; ein weiterer befand sich nicht 
zugänglich im Altar; Kreuzpartikel, silbergetrieben imd vergoldet, Zopf, ohne Zeichen. 
Privathttuser Hinter der Kirche, sowie auf der Anhöhe nach Wittelbach zu einige charak- 

teristische Riegel- imd Holzhäuser. 



SCHUTTERZELL 

Schreibweisen: Blenzenzell nidewendig Kircelle 1279; Blenzenzelle 1367; Blienzcn- 
zell 1367; zu Zelle 1346; Celle 1368; Zell by Kurtzeil 1498; das dorff Zelle by 
Schuttem 1513; Schutterzell 1524. 

Archivalien: der Gemeinde: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15 (1893) S. 103. 
Ortsgeschichte Ottsgeschichtei Schon 11 39 und 1288 in päpstlichen Schirmbriefen, die Besitzungen 

des Klosters Gengenbach betreffend, wird der Ort genannt, 1279 belehnen Heinnch 
und Walter von Geroldseck (Lahr) den Ritter Konrad WaJpot damit ; nach dem Aus- 
sterben dieser Familie ging das Lehen an Hug und Hans von Linstetten über. Der 

^) Leider soll die Kirche abgebrochen werden, was sehr bedauerlich wäre, denn das GaW^ 
insbesondere der Thurm, steht besser in der Landschaft als irgend ein sogenannter tStyU-bao. 



AMT LAHR. - SBELBACH. I37 

Zehnte gehörte dem Kloster Schuttem. Der Ort gehörte zur Herrschaft Lahr-Mahlbcrg, 
kam bei der Teilung 1627 an Baden-Baden. 

Simultankircke (ad. S. Michaelem): 1513 erwähnt »sanct Peters und sancte Simuiunidrchc 
Barbare althar«. Wie in der ganzen Gegend drang auch hier die Reformation ein und 
machte, trotz der nach anfänglichem Schwanken, katholischen Herrschaft, Fortschritte, 
so dass es 1666 heisst in einem Visitationsprotokoll: »parochianos catholicos habet 50; 
haereticorum vero ultra 120«, wobei übrigens als »huius ecclesiae patronus coeli 
S.Laurentius« genannt wird. Allmählig aber mag das katholische Bekenntniss der Herr- 
schaft über das andere gesiegt haben; jedenfalls war es im Besitz der Kapelle. 1798 
wollten die Evangelischen eine neue Kirche erbauen, standen aber davon ab und sprachen 
das Simultaneum an der 1752 aus Gemeindemitteln erbauten Kapelle an, welches ihnen 
auch 1804 zugesprochen wurde. Die heutige Kirche aber wurde aus gemeinsamen 
Mitteln 1859 bis 1861 erbaut Alt zwei Kelche aus der Mitte des 18. Jhs., der eine silber- «deiche 
getrieben, vergoldet, in reicherem Rocaillestyl ; Augsburger Zeichen, darunter Y und 
PDS; der andere einfacher, sowie ein Rauchmantel, mit bunter Seide und Silber reich R«uchm»ntei 
gestickt auf Damast; laut Schrift unter der Cappa: paramenta circa annum 1760 a rev. 
Dno Abb. Joanne Baptista comparata, P'^- R. Benedictus Dehm Prior sub felici regimine 
R *^™- Dui Augustini Abbatis reparari et omari duravit 1763; also aus Schuttem 
stammend. 

Haus Nr. 10 hübsches Fachwerkhaus^ in der Nähe davon Crucifixus, Sandstein Fachwerkhaui 
auf üblichem Rocaillesockel von 1783. "* 



SEELBACH 

Schreibweisen: Sellebach 1179; Sellibach 1257; Seibach 1270; Seilbach 16. Jh.; 
Sejdbach im dorff 1500 etc 

Archivalien der (kath.) Pfarrei: Mittheil. d. histor. Komm. Nr. 15 (1893) S. 103. 

Litteratur: J. R. Saltzmann, kurtze Beschreibung des heylsamen Badts und 
Brunnens, der Sahlbronnen oder das Sehlbacher Bad genannt, in der Herrschaft Hohen- 
Göroltzeck, Strassburgi6i2 ; L. Thurneysser zum Thurn, Zehen Bücher von kalten 
warmen Minerischen und Metallischen Wassern, dem eine kurze Beschreibimg des Sehl- 
bacher Brunnens hinzugethan (von Saltzmann), Strassburg 1612. — O. Himmels- 
bach, Geschichte des Marktfleckens Seelbach, Hauptort der ehemaligen Herrschaft 
Hohengeroldseck. 1906. 

Ortsgeschichte: Unter den Besitzungen, welche i. J. 11 79 dem Kloster Ortsgeschichte 
S. Georgen auf dem Schwarzwald durch Papst Alexander HI. bestätigt wurden, befand 
sich auch die Kirche zu Seibach, in der wir wohl dieses Seelbach zu sehen haben. Der 
Ort gehörte zu der Herrschaft Geroldseck, bei der Theilung von 1277 kam er wie alles 
Land ostwärts der Bischofsmühle an Hohengeroldseck, das wegen des Patronats mit 
dem Kloster S. Georgen in Streit kam; trotz eines Vertrages von 1330 mit dem Kloster 
besassen die Geroldsecker ihn später. — Als die Herrschaft Lahr 1427 an Mörs-Sar- 
werden überging, trotz der Erbansprüche der Hohengeroldsecker, die darum jenen 
ruinösen Kampf begannen, da suchten letztere Seelbach zum Hauptort ihrer Herrschaft zu 
machen und, indem sie einen Markt daselbst errichteten sowie ihre Leute zwangen, den 



138 



KREIS OFFENBURG. 



I" 



Pfarrkirche 



Hochaltar 

SeitenalUtre 

Kanzel 
Orgel 



Lahrer Markt zu meiden, Lahr-Mahlberg empfindlich zu schädigen. Bei der Theilung 
zwischen den Brüdern erhielt Diebolt die Vogtei S., der Markt mit allem Einkommen 
daraus sollte aber allen Drei gemeinsam gehören. Diebolt sollte einen kaiserlichen 
Brief für die Errichtung und den Schutz des Marktes herbeischaffen; das geschah audi 
und 145 s erneuert Kaiser Friedrich III. Diebolt 11. das Marktrecht Das gab natürlich 
Unzuträglichkeiten mit Lahr-Mahlberg, die zunächst aufhörten, als 1482 Diebolt ü. in 
seiner Geldnoth genöthigt war, die Vogtei S. auf Wiederkauf an den Markgrafen 
Christoph von Baden zu verkaufen. Mittelst eines langen Prozesses kamen dann die 
Söhne Gangolfs I , der vergebens die Schuldsumme an der Münze in Strassburg hinter- 
legt hatte, endlich 1538 wieder in den Besitz. Wie die ganze Herrschaft Hohen- 
geroldseck kam Seibach, das deren Hauptort blieb — der letzte Hohengeroldsecker 
residirte mit Vorliebe auf dem nahegelegenen Dautenstein — , an die Cronberg und 
dann an die Freiherren, späteren Grafen und Fürsten von der Leyen, die hier bezw. 
in Dautenstein, ihre Residenz aufschlugen. 18 19 wurde es mit dem kleinen Ftirsten- 
thum badisch. 

Im 16. und 17. Jh. war S. ein Badeort, dessen Quellen, wie aus oben zitierten 
Büchern hervorgeht, Heilkraft zugeschrieben wurde. Es soll zahlreich von Einheimischen 
und Fremden besucht worden sein. Indess scheint es diese Bedeutung bald verloren 
zu haben. Vor einiger Zeit erst soll man den tiefen Schacht, mit behauenen Steinen 
ausgemauert, in dem die Quelle gefasst war, zugeworfen haben. ^) Nicht nach den 
Quellen übrigens erklärt sich der Name des Orts, er ist wohl zu erklären als »Bach, an 
dem (Sal) Weiden stehen«. 

KathoL Pfarrkirche {2A, S. Nicolaum episcopum) erwähnt ecclesia Sellebach 11 79, 
Kirche 1370. 1330 verzichtet Walter von Geroldseck auf seine Forderungen etc., die 
er für sich und seine Nachkommen an das Kloster S. Georgen auf dem Schwarzwalde 
hatte, »von dez Kirchensatzes wegen der Kirchen zu Seibach gelegen in Strasburger 
bistume«. Doch hatten die Hohengeroldsecker bald darauf Kollatur und Zehnt — 
1366 wird ein dominus Georgius de Geroltzeck, plebanus in Seibach erwähnt; 14 19 
Johans Reype lütpriester; von Ende des 15. Jhs. wird berichtet: pfarr zu Seibach hat 
ein priester, heisset her Johans Schriber von Mossbach, die ist ime von Juncker Depolt 
von Geroltzegk geluhen«. Die Reformation kam auch hierher, wurde aber weder 
zurückgedrängt und die Gemeinden Schutterthal, Prinzbach imd Reichenbach wurden 
dann von Seibach aus pastorisirt, gutthatsweise auch Wittelbach, das nach Schweighausen 
eingepfarrt war. 

Die heutige Kirche ist ein einschiffiger schlichter Bau mit Chor aus drei Seiten 
des Achtecks und ebenso einfachem Aeussem. Ueber der Fagadenthür im Sturz: 
Anno 1749. 

Im Innern der Hochaltar in dem bekannten Barockaufbau, Säulen, durch Voluten 
verbunden, welche die Krone halten \ hübsches Rocailletabemakel. Aehnlich die beiden 
Seitenaltäre mit guten Holzfiguren von Heiligen und Engeln, gute, bewegte Rococo- 
figuren. In gleichem Styl, ruhig, aber mit geschmackvollen Schnitzereien und dem 
Wappen des draussen begrabenen Hofrats Schmelzer, die Kanzel und ebenso die 
Orgel, An dem nördlichen Seitenaltar Holzmedaillon mit dem Rosenkranz, den Leiden 



^) Himmelsbach a. a. O. S. 105. 



AMT LAHR. — SEELBACH. (SCHLOSS DAUTENSTEIN.} 



139 



Crucifixus 
Taufstein 

GnlMteine 



Giristi, etwas flüchtige Schnitzerei des 17. Jhs. Alles andere Angeführte aber aus der 
Zeit des Baues der heutigen Kirche. Das Gleiche gilt von dem halblebensgrossen 
Crucifixus am Triumphbogen, während der Tau/stein (Sandstein) mit Beschlägomament 
wieder dem 17. Jh. entstammt. 

Am Aeusseren der Kirche einige Grabsteine im späten Empirestyl, darunter der 
des Leyen'schen Hofrathes und Oberamptmanns Sigbert von Schmelzer -{- 1798. 

In der Sakristei Kirchengeräthe : Monstranz in der üblichen Sonnenform, Kupfer Kirch«ng«riihe 
getrieben, vergoldet; eine kleinere Sonnenmonstranz mit Zeichen Jesu und v. Leyen'schem 
Wappen; silbervergoldeter getriebener Kelch mit Rocailleomamenten, laut Inschrift am 
Fuss ein Geschenk der Mar. Antonia Vischerin Abbatissa Beixiniensis 1774 mit ver- 
wischtem Zeichen, ein zweiter einfacher, silbergetrieben, an den Buckeln des Fusses 
das Leyen'sche Wappen, ein dritter mit Augsburger Zeichen und B ; Versehkreuz kupfer- 
vergoldet vom Anfang des 18. Jhs.; WeihrauchschifTchen ebenfalls des 18. Jhs.; und 
drei Zinnteller. — Ebendaselbst wird eine schwungvolle und doch vornehme eindrittel- 
lebensgrosse Holzfigur der Madonna aus dem 18. Jh. aufbewahrt, mit einem Rosen- Holzfigur 
kränz geschmückt, an dem eine Medaille des 17. Jhs. mit der Geschichte Davids und 
Bethseba's hängt — Eine Casel, Handstickerei aus der Mitte des 18. Jhs. mit dem 
Wappen Derer v. Leyen. 

Das jetzige Schulhaus ist der ehemalige Franziskanerkonvent, aus zwei im Frandakaner- 
rechten Flügel an einander stossenden Flügeln und einer oblongen Kirche bestehend. 
Möglich, dass dies die Kirche zum h. Michael ist, von der Kolb^) spricht. Sie ist 
heute zu einer Wohnung umgebaut. Das ganze Gebäude ist von äusserster Schlichtheit 

Die Ruine Liäzelkard, von Kolb erwähnt, der angebliche Sitz des in die Sage R«»»« Lüueihard 
der Geroldsecker verflochtenen Geschlechtes, deren Existenz vielfach bezweifelt wurde, 
hat nach dem auf dem Lützelhard gefundenen romanischen Kapitell, jetzt in der Lahrer 
Alterthumssammlung (s. dort), thatsächlich hier gestanden; durch Grabungen Hesse sich 
wohl noch Manches zu Tage fordern. Bei ihrer Lage auf dem Berge, welcher den Aus- 
gang des Thaies beherrscht, durch das die Strasse von der Hohengeroldseck in das 
Schutterthal führt, musste es flir die Geroldsecker bei wachsender Macht eine Lebens- 
frage sein, diese Burg entweder zu besitzen oder zu vernichten. 



SCHLOSS DAUTENSTEIN 



Schreibweisen: Toutenstein 1251, Tutenstein 1291, Dutenstein 1308, Dutten- 
stem 16. Jh., Tuttenstein 1571 {Stein, Fels des Tuto.) 

Litteratur: Ausser Ruppert a, a. O. s. Himmelsbach, der Marktflecken Seelbach. 

Geschichte: Wenig von Seelbach entfernt, am linken Ufer der Schutter liegt das 
Schlösschen, das zum ersten Male 1251 erwähnt wird. 1249 schon wird ein »Albert 
de Dutenstein genannt, ebenso 1260, seine Gemahlin Petrissa und Heinrich, Johannes 
und Abreht ir beder sdne von Bossenstein, 13 13 der Tochtermann Albrechts, Rein- 
bolt Stubenweg von Straspurg und weitere Mitglieder der Familie bis z. J. 1428.« 
Von den Söhnen des ersten Albrechts nennt sich Heinrich von Tutenstein, seine 



Geschichte 



A) Kolb a. a. O. UI, S. 227. 



140 



KREIS OFFENBURG. 



Brüder von Bosenstein, nach der Burg, die ihr Vater mit den dazugehörigen Gutem im 
Acherthal erworben hatte. Die einzige Nachricht von einer Begüterung des Geschledites 
in der Herrschaft Geroldseck stammt aus den 2^iten Walters IL, der zwei von dem 
genannten Ritter Albrecht von T. erkaufte Höfe dem Bischof Heinrich als Sühne m 
Lehen aufgab. Da nun auffallender Weise in keiner der anderen so zahlreichen 
Geroldsecker Urkunden ein Mitglied des Geschlechtes erwähnt wird, so schliesst 
Ruppert — wohl nicht ohne Wahrscheinlichkeit — , dass die Familie zu den 
Zähringischen Ministerialen gehörend, durch das Aussterben des Herzogsgeschlechtes 




4- 



1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 

Fig. 7^. Plan des Schlosses Dautenstein bei Seeldach, 

den Uebergang Mortenauischer Güter an die Hohenstaufen, die mit deren Ausgang ver- 
bundenen Wirren und Fehden aus ihrer Heimath vertrieben worden sind;^) eben also zu 
Zeiten Walters 11., unter dem die Geroldseckische Macht auf ihrem Gipfel stand Dauten- 
stein kam dann wohl mit Seibach etc. bei der Familientheilung an die Hohengerolds- 
ecker. 1437 belehnt Diebolt I. seinen unehelichen Bruder Hans und dessen Schwager 
Rudolf Lumbart ; ^) letzterer erwarb dann allmählich durch Kauf das ganze Lehen, das 

^) Ruppert a. a. O. S. 459. 
2) Reinhardt Urk. CXXII. 



AMT LAHR. - SEELBACH. (SCHLOSS DAUTENSTEIN.) I41 

aber im Anfang des i6. Jhs. wieder in die Hände Gangolfe I. gekommen war, der, 
wohl in seiner Geldnoth, es 15 14 dem Landschreiber Siegfried Reuss zu Lahr als Erb- 
und Kunkellehen verlieh, dessen Nachkommen sich nun Pleuss von Dautenstein nannten. 
Im Bauernkriege ward das Schloss zerstört, aber nachher und zwar auf Kosten der 
Bauern wieder errichtet Als 1580 der letzte Pleuss ohne Leibeserben starb, gelang es 
Jakob von Hohengeroldseck nach Verhandlung mit der Schwester des Verstorbenen 
und ihrem Mann sich auf einen Auskauf des Lehens zu einigen. Jakob Hess nun an- 
geblich das Schloss abbrechen und, wie seine Tochter Anna Maria später in ihren 
Klageschriften ausführte, mit mehr als 40,000 Thalem als eine schöne und herrliche 
Kesidenz wieder aufbauen, die er seiner Tochter zu sichern hofite, da Hohengeroldseck, 
Schönberg und Prinzbach als Lehen an Oesterreich zurückgingen, Seibach imd Dauten- 
stein aber ihm zu eigen waren. Nach seinem Tode 1635 *^^r wurde trotzdem auch 
dies von den Cronbergem beansprucht, 1636 das Schloss von der Kaiserlichen 
Soldateska geplündert und angeblich bis auf den Grund in Asche gelegt Die Cron- 
berger begannen mit dem Wiederaufbauen — zwischenhinein war es auch einmal im 
badischen Besitz (der Erben der Anna Maria) — , das aber erst die von der Leyen aus- 
führten. Eine Abbildung dieses Baues, eines stattlichen Barockpalais, den Strassburger 
Bauten der Zeit entsprechend, mit zwei vorspringenden Seitenflügeln, ist erhalten. ') 
Ehe sie es aber beziehen konnten, brach Feuer aus und das Schloss brannte nieder 
(nach 1755), ^^ ^^r grosse gewölbte Keller unter dem östlichen Flügel blieb unversehrt, 
auf dem der heutige einstöckige Bau errichtet wurde. 

Ein Blick auf den Gnmdriss (s. Fig. 74) giebt uns das typische Bild einer Tief burg, Bau- 

beschretbung 

ähnhch der zu Lahr, das Viereck mit den vier Rundthürmen imd dem Graben und so 
möchte ich glauben, dass trotz aller Nachrichten über Brände und Verwüstungen die 
Grundmauern die des mittelalterlichen Schlosses sind, das entweder die Tutensteiner 
oder wahrscheinlicher die Geroldsecker hier erbaut haben. In der That liegt die Ver- 
mutung wohl nahe, dass entweder Walter II. vor oder die Hohengeroldsecker nach der 
Theilung nach dem Vorbild von Lahr die Burg anlegten; begreiflich, dass ihnen dann 
im 15. Jh. der Gedanke kam, hier in Seelbach und Dautenstein ein Gegengewicht gegen 
Lahr zu schaffen. 

Heute stehen nur noch die niederen Stumpfe der vier Thürme, in den Oberbauem 
aus Bruchsteinmauerwerk. Während der dem Haus zunächst gelegene, jetzt nicht mit 
einem Dach versehen, sondern als Altane dienende B i noch ein Kreuzgratgewölbe in 
dem inneren Rund zeigt und vier sehr sauber gearbeiteten Maulscharten (s. Fig. 7), die 
dem 16. Jh., also wohl dem Umbau unter Jakob entstammen, sind die anderen mit 
niederm Kegeldach bedeckten Thurmstümpfe mit Erde ausgefüllt und ohne Oeffnungen ; 
ihr Obergeschoss besteht jetzt aus Riegelwerk. Das Gebäude A ist der angeblich stehen 
gebliebene Keller des Ostflügels, des projektierten Leyen'schen Baues ; jedenfalls stammt 
der untere Theil des Gebäudes aus besseren Zeiten. Das eingezeichnete Gratgewölbe 
und die viereckigen Pfeiler bestehen aus sauber behauenen Sandsteinquadem. Durch eine 
eingezogene Zwischenmauer und Verstärkung der Pfeiler wurde er später verändert; 
eine rundbogige Thür führt zu ihm. Der Oberbau von A aber ist ein schlichter Riegel- 
bau des 18. Jhs., dem auch der kleine Anbau sowie der gegenüberliegende Bau C 



^) Abgeb. bei Himmelsbach a. a. O. S. 80 nach einem Kupferstich. 



1 



142 KREIS OFFENBURG. 

entstammt. Die Vierecksmauer besteht aus Bruchsteinmauerwerk, sie ist geflickt und 
verputzt. Noch ist die Mauer ausserhalb des Grabens und die Stelle der alten Briicte 
über denselben sichtbar. 

Besitz der Fürsten von der Leyen, dient das Schlösslein heute als Sitz des fiint- 
lichen Rentamtes. 

SULZ 

Schreibweisen: Sulz cum vallibus suis 1270, Sultz 1275, Sulcze 1364 (ahd. sulza 
Salzwasser, Salzloche). 
Ort«ge»chichte Ortsgesckickte i 1275 erfahren wir, dass Walter IL von Geroldseck dem Kloster 

zu Lahr den Frohnhof und den Schenkenhof zu Sulz schenkte. 135 1 schenkten die 
Geroldsecker Patronat und Zehnt an das gleiche Kloster, das dafür den Pfarrer besoldete. 
Den Novalzehnten beanspruchte die Gemeinsherrschafl, die im 1 6. Jh, auch den Kirchera- 
satz an sich zog. Sulz gehörte zur Herrschaft Lahr-Malberg, bei der Theilung 1627 kam 
es zu Mahlberg, wurde also baden-badisch. 
Römisches Römisckes. Näher (Bauliche Anlagen der Römer, Anh. ü) giebt am Sulzbach 

Baureste eines römischen Gehöftes an Römische Ziegel- und Thongefassscherte 
der städt. Sammlung in Freiburg könnten dorther stammen. Vom Langenhardbei 
Sulz ist der Fund einer Bronzefibula und von röm. Ziegelbruchstücken bezeugt. 

Am Sulzberg: Fund einer römischen Heftnadel (Fibula), Form des 2. bis 
3. Jhs. nach Chr., im dortigen Domänenwald (1872); jetzt in der Karlsruher Sammlung. (W.) 
Simultankirche Simultanktrcke (ad S. Petrum et Paulum; vor der Reformation Petrus, um 1700 

findet sich S. Agatha als Nebenpatronin). Genannt »ecclesia 1364, ein rector ecclesie 
1464, als patronus: S. Petrus apostolus 1692. — 1419 ein herr Peter lütpriester zoo 
Sulz genannt. Das Kloster zu Lahr bestellte (s. oben) bis in das 16. Jh. den Pfeirer. 
Während der Reformationszeit machte Sulz die religiösen Schicksale der Herrschaft 
Mahlberg durch. 

Die heutige Kirche ist ein Neubau von Hübsch von 1865. ^^^ angeblich interes- 
santen Architekturtheile der alten Kirche wurden angeblich verhauen und bei Häusern 
verwendet. 
Barocktaufstein In der Kirchc i Barocktauf stein von 1631 mit gewundenem Fuss und natura- 

listischen Blumen an der Achteckschale. Nach Angabe des •)• Pfarrers Staudeninaier 
noch ein Holzkruzifix aus dem 17. Jh. 
Glocken Glocketi: Zwei von Edel-Strassburg, die eine von 1749 Maria und Agatha, die 

andere von 1775 Petrus und Martha; die dritte von 1805 wurde 1823 umgegossen. 
Kirchengeräthe Kirckengeräthe : Sonnenmonstranz, 1754 wohl von Markgräftn M. Victoria gestiftet; 

zwei einfache Kelche kupfervergoldet. Zinnkelch von 1772. 

Auf dem Friedhof roher Crucifixus 1772 von Martin Eisenbeiss in Heiligenttll 
gefertigt. 
Riegelhäuser Im Ort die Häuser Nr. 9, 10, 11, 14 und andere mehr als Riegelhäuser ru 

erwähnen. Am Gasthaus zur Sonne guter, schmiedeeiserner Wirthshausschild, Rocaillc 
In der Nähe eine originelle schmiedeeiserne Laterne. 

Vor der Kirche mächtiger Brunnentrog aus Monolith mit verwischter Inschrift 
und Wappen. 



AMT LAHR. 



WITTELBACH. 



M3 



Im Thal bei der Sägemühle und auf dem Langenhard schlichte Kapellen im Kapellen 

Riegelbau aus dem i8. und 19. Jh. Auf letzterem beim Wirthshaus zur Eiche Kruzifix Kruzifix 
des 1 8. Jhs., eines auch auf dem Weg nach Kippenheim. Auf dem Langenhard und 

am Weg nach Mietersheim Bildstöcke, Biid»t5cke 



WITTELBACH 




t^ 



^ * 



Fig. 7J. Gewölberippe 

mit Konsole im Erdgeschoss des 

Thurmes zu Wittelbach, 



An seiner Südseite 



Kirche 



Schreibweisen: Wittilnbach 902, Fälschung; Wittilunbach 11 44; Witilinbach 1185; 
Wittilinbach 1186; Witteinbach 1270; Wittelbach 16. Jh. etc. (Bach des Wittilo). 

Ortsgeschichte: Wie schon aus dem Namen hervorgeht, ein ziemlich alter Ort. Orts^eschichte 
1144 hatte das Kloster S. Trudpert irgendwelche Besitzungen hier, die es 1363 an das 
Kloster Ettenheim verkaufte. Möglicher Weise gehörte der Ort ursprünglich den Dauten- 
steinem, von denen nach Rupperts Vermuthung die zwei 
Drittel des Klosters erkauft waren; ein Drittel ging später 
mit Dautenstein von Geroldseck zu Lehen. Wegen der 
Ausübung der Gerichtsbarkeit, die die Geroldsecker bean- 
spruchten, kam es zu verschiedenen Streitigkeiten mit dem 
Kloster. — Bis 1803 gehörte der Ort zum weltlichen Be- 
sitz des Hochstifts Strassburg (Herrschaft Ettenheim) und 
wurde dann badisch. 

Die Kirche (ad S. Petrum et Paulum) wird 1132 
geweiht und zwar merkwürdiger Weise von dem Konstanzer 
Bischof, trotzdem sie in der Strassburger Diözese gelegen 
ist, anno 11 32 imperante Wernero abbate dedicatae sunt 
ecclesiae a venerabili Udalrico Constantiensis ecclesiae 
episcopus in honores trinitatis Witilinbach quidem et 
Derlinbach. 1699 heisst es: Wittelbach ecclesia filialis 
matrids in Schweighausen, cujus patronus in coelis 
s. Petrus apostolus; collator et decimator d. abbas in 
Ettenheim münster. — 14 19 Walther Wetzel lütpriester 
erwähnt, 1464 plebanus in Wittelbach. 

Die Kirche, ein Bau aus Bruchsteinmauerwerk, mit Sandsteinquadem an den Ecken, 
besteht aus einem kurzen, einschiffigen Langhaus (mit einfacher Balkendecke des 18. Jhs.), 
dem das Untergeschoss des viereckigen Thurmes als Chor dient. An den Thurm stösst 
die viel später (18. Jh.) angebaute Sakristei an. Der Thurm, dessen besseres Mauerwerk 
durch zum Theil gut hergerichtete Bruchsteine sich von dem des Langhauses unter- 
scheidet, hat im Erdgeschoss ein Kreuzrippengewölbe, dessen einfach abgeschrägte 
Rippen, mit merkwürdiger Verzierung am Ende der Abschrägung, auf Konsolen ruhen, 
' deren Verzierung fratzenartige Köpfe bilden (s. Fig. 75). Der Thurm öffnet sich in das 
I Langhaus im Rundbogen, dessen Kämpferprofil auf der einen Seite vielfache Abtreppung, 
auf der andern Seite den runden Wulst in einer Abtreppung zeigt. Während das untere 
Thunnfenster im 18. Jh. eingebrochen ist, zeigt dagegen die kleine Rundbogenthür mit 
Billeten (Kugeln) in ihrer Abfasung acht romanischen Charakter. 



^ 



144 



KREIS OFFENBURG. 



hat der Thurm ganz primitive Strebepfeiler (einfache Schrägen), seine zwei obera 
Geschosse treten jeweils ein wenig zurück, im ersten Obergeschoss hat er im Dreieck 
geschlossene Lichtluken, im Geschoss darüber gekuppelte Spitzbogenfenster, von dnem 
Spitzbogen um^isst, in dessen Platte ein Vierpass eingeschnitten ist Das Satteldach 
des Thurmes ruht auf Konsolen auf. Im Langhaus gegen den Thurm zu schüd^ 
Fenster des 17. od. 18. Jhs., dann eine Thür, bei der man einen alten romanisdxn 
Sturz verwendet hat, der in eingeritzten Linien ein Kreuz, eine Rosette und eine Ait 
Baum aufweist Zwei kleine, kaum spitzbogige Fenster mit nach Innen und Aussen 
gleichermassen abgeschrägten Laibungen, dann an der Fa^e eine Rundbogentiim, 



..'^<>? 



ä-"^^^ 




Fig, 76, Portal der Kirche^in Wittelbach. 



Barockkanzel 



Barocksäulen- 
Altar 

Gbcken 



wieder mit Billetenverzierung (s. Fig. 76), neben ihr aus dem Achteck koDStniirter 
Weihwasserstein; darüber kleines, schlankes Rundbogenfenster und ein weiteres los 
spitzbogiges Fenster. — Die Kirche ist somit im Wesentlichen ein spätromanischer Bau, 
aus Zeiten, wo auch schon der Uebergangsstyl in der Gegend vertreten war, also Mitte 
des 13. Jhs.; am Ende des 16. Jhs. hat das Langhaus aus irgend welchem GnnMfe 
Ausbesserungen und Veränderungen erfahren. 

Bemalte Barockkanzel, zu der eine steinerne Treppe mit plumpen Ornamenten 
und der Jahreszahl 1767 führt 

Ueblicher Barocksäulenaltar, 

Eine Glocke von 1681, die andere von 1761 aus der Edel'schen Werkstatt 



AMT LAHR. 



WITTENWEIER. 



145 



WITTENWEIER 



Schreibweisen: iuxta Renum villa Wittenwilr 1270; Wittenwilre 1411 ; Wietien- 
wilr 1414; Wyttenweüer 1426 etc. 

Archivalien der Gemeinde und (evang.) P^urei: Mittheil, der histor. Komm. Nr. 15 
(1893) S. 103. 

Ortsgeschichte: W. gehörte zur Herrschaft Geroldseck (Lahr-Mahlberg), kam aber Oruge^htchte 
schon im 14. Jh. durch Heirath an die Grafen von Werdenberg-Trochtelfingen, dann durch 
verschiedene Käufe an Strassburger Familien. Anfang des 19. Jhs. war es zu ^12 ^^ ^^°^ 
Besitz der von Berkheim, zu \ der von Frankenstein und zu \ der von Böcklin. 
Patronat und Zehnt hatte das Spital zu Strassburg von den von Hohenstein erkauft. 
Am 9. August 1638 siegte Bernhard von Weimar hier über die Kaiserlichen unter Götz 
und SavellL Ein Kupferstich (von?) stellt dies Ereigniss dar; darauf sehen wir auch den 
kleinen Ort mit seiner offenbar gothischen Kirche, Diese (erwähnt 14 19 ein Johans 
Nuweneck Kirchherre, 1464 ein rector ecclesie), dem h. Dionysius geweiht, oder ein 
späterer Neubau, wurde am Ende des 18. Jhs. von den Fluthen des Rheines weg- 
geschwemmt Die heutige ist ein schlichter Bau von 1806. Von den Glocken stammt 
die eine von Matthaeus Edel 1727. 

Das Pfarrhaus ist ein einfacher Bau von 1765 mit der stolzen Inschrift: haec domus 
parocchialis sub quaestura Stoeserich et pastoratu Wiedemanni ab architectis Freisingero 
et Hasio structa est MDCCLXV. 

Im Ort einige gute Typen des alemannischen Bauernhof eSj leider zum Teil 
durch moderne Back- und Sandsteinbauten ersetzt. 



Kirche 



Glocken 



Bauernhofes 




Band VU. 



1 



AMT OBERKIRCH 



BUTSCHBACH 

Schreibweisen: Buspach by Fursteneck 1360; Buspach 1381; in dem Kiispil ru 
Bfispach 1381; in dem Buspache 141 7; Bußbach 1433; Butschbach 1441 etc. (Eine 
Erklärung des Namens sehr zweifelhaft, vielleicht: Bach des Buso?) 

Ortsgeschichte: Der Ort, eine zerstreute Talgemeinde, wird seit 1300 oft in omfetcWchte 
Allerheiliger Urkimden genannt 1381 hören wir von einem GUgelhimenhof. B. ge- 
hörte zum weltlichen Gebiet des Hochstifts Straßburg und zwar zur Herrschaft Ober- 
kirch. 1803 wiu-de es badisch. 

Eine Kirche oder erwähnenswerte Kapelle ist hier nicht vorhanden. In einer 
Bergsattelung steht ein spätgotisches Bildstöckchen (s.Fig. 77), vielleicht das künstlerisch 
ausgebildetste, das wir in Baden besitzen. Der Fuß hat abgefaste Ecken, die Adicula 
ist von Rtmdstäben und Hohlkehlen eingefaßt; an ihr in eingravierten Linien die Dar- 
stellung der Madonna und des h. Georg (?) sowie die verwischte Inschrift: fät tn(aria) 
und fant jfitg, außerdem die Reste der Jahreszahl: I-Y?$ (1508?). 

Am Übergang zum Fuß das Wappen der Pfau von Rippur. 

Das Bildstöckchen, in weichem Sandstein gehauen, bröckelt ziemlich ab. 

Weiter gegen das Renchtal zu ein Kruzifix mit Maria auf Rocaillepostament. 

RUINE FÜRSTENECK 

Schreibweisen: Vurstenecke 1263; Furstenegge 1275; die burch zu Fürstenegge 
1298; Fürstenecke 1299; der statt Straßburg sloß Fürstenecke etc. 

Literatur: Näher, Ortenau, S. 13. J. Fritz, Das Territorium des Bistums Straß- 
burg, Köthen 1885, S- 148 ff. 

Die Burg, die zum erstenmal 1263 erwähnt wird, gehörte ursprünglich den GeschichtUches 
Zähringem und kam aus deren Erbschaft mit der Herrschaft Oberkirch an die Fürsten- 
berg, was König Rudolf 1286 dem Friedrich und Egeno von Fürstenberg bestätigt. 
Bereits 1303 aber verkaufte die Witwe Friedrichs, Udelhildis, das Schloß Fürsteneck 
mit der Stadt Oberkirch und allen Pertinenzien an den Bischof von Straßburg, Friedrich 
von Lichtenberg. Zu diesen Pertinenzien gehörten außer Oberkirch und Oberndorf 
Güter in Ringelbach, Geldengrunt, Frawensberge ; sodann im Noppenouwer Tal in 
Gerwinsberge, Nortwasser, Meisahe, Rotschier, Breitenberg, Dettlinsbach, Bestenbach, 
Eberlinsberge, In dem Springe, Löhem, In der Gassen, Ruprehtsbühele, Sigmannes- 
gassen. An der Matten, Ibach, Ramesbach, Richenbach. Es war einer der bedeu- 
tendsten Schritte zur Ausbreitung bischöflichen Territorialbesitzes auf rechtsrheinischem 
Boden zur Abrundung desjenigen Distriktes, der nach der ältesten festen Nieder- 
lassung Ullemburg genannt wurde. Die Burg wurde 1395 an den Propst von Aller- 



^ 



ISO 



KREIS OFFENBURG. 



Beschreibung 
der Ruine 



^y-^<^^ 







Fig. yj. Bilds töckchen bei Butsfhbach. 



^-^- 



heiligen und von diaGE 
1405 an die Stadt Straß- 
burg verpfändet 1606 
kam sie an Württemberg, 
1664 zugleich mit dem 
Amte Oberkirch wieder zu- 
rück an das Bistum Stral>- 
burg. Noch einmal wnrde 
sie diesem genommen 
wegen Begünstigung der 
Einnahme von Straßburg 
durch die Franzosen 1683 
und vom Kaiser dem 
Türkenlouis (MarkgrafLud- 
wig Wilhelm von Baden) 
übergeben; 1697 aber kam 
sie an das Bistum zurücL 
Unterdes war unsere Burg 
den Flammen der Fran- 
zosen zum Opfer gefallen 
und liegt seither als Ruine 
da. Heute ist sie im Pri\'at- 
besitz (s. Fig. 78). 

Allein die Mauerzüge 
lassen sich erkennen, sie 
ragen noch ca. 1 m aus 
dem Boden hervor, nur 
nach Westen hin stehen äe 
noch höher, aber ohne uns 
irgendwelche Bauformen ai 
verraten. Andere Mauer- 
züge sind nur noch in ihrer 
Richtung erkennbar. Wie 
man sieht, liegt die Burg 
auf der länglichen Kuppe 
des in die Ebene vor- 
springenden Vorberges, 
dessen Form sich ihre ca. 
I \ m dicke Umfassungs- 
mauer anschließt. An der 
westlichen Spitze dürfen 
wir in D wohl einen Wohn- 
turm vermuten', in C ein 
kleineres Gebäude. Was bei 
A gestanden hat, können 



AMT OBERKIRCH. - ERLACH. 



>5> 



wir nicht mehr erkennen, dagegen sind bei ß noch die Spuren des Brunnens bezw. der 
Cisterne nachweisbar. 



I» *» 1»^ 



y^ 




^ 



Fig. 78. Rtäfu Fürsteneck. 

Auch über das Alter der Burg gibt uns der Befund keine Auskunft. Wenn Kolb 
behauptet, sie sei ca. 1260 von den Fürstenbergem zum Schutz von Oberkirch angelegt 
worden, so fehlen dafür alle Anhaltspunkte; ebensogut können das schon die Zähringer 
getan haben. 

ERLACH 

Schreibweisen: Erlehe 1285; Kriech 14. Jh.; Erloche 14. Jh.; Erleiche 1411; 
Erlach 1533. (Ort, wo viele Erlen stehen.) 

Archivalien: Mitteil. d. histor. Komm. Nr. 19 (1897), S. 23. 

Literatur: K. Fehrenbach, Auszüge aus einer Erlacher Ortschronik des Joachim 
Kupferer, Oberkircher Bote 1894, Nr. 144 — 151 ; 1895 Nr. 3-70. 

Ortsgeschichte: E. ist seit dem 13. Jh. bekannt. Es mag damals wohl in den Orthßcschichtc 
Besitz des Bischofs von Straßburg gekommen sein, dem es bis 1803 gehörte; es lag in 
der Herrschaft Oberkirch bezw. im Distrikt Ullemburg. 1250 schon besaß das Kloster 
Allerheiligen hier einen Hof, außerdem waren die Neuenstein und Schauenburg hier 
begütert') Auch gab es ein Geschlecht: »die Erlach von Ulm«, das, in Offenburg 
ansässig, im 14. und 15. Jh genannt wird und Ende des 16. Jhs. ausstirbt.^) 

Die kath. Pfarrkirche (ad S. Anastasium), als Kapelle seit 15 1 1 laut ihrer Inschrift Pfarrkii^hc 
bestehend, 1876 zur Pfarrkirche erhoben; früher war Erlach Filiale der Pfarrei Ulm. ''^) 

*) Das Großh. Baden, S. 814. 

^ Kindler v. Knobloch, Oberbad. Geschlechterbuch I, 107. 

") Bad. Beobachter 1882, Nr. 175. 



»52 



KREIS OFFENBURG. 



Die Kirche ist ein einschiffiger Bau mit östlichem Turm, dessen Erdgeschoß als 
Chor dient. Dieses ist mit einem spätgotischen Netzgewölbe bedeckt imd öflbet sidi 
in großem Spitzbogen nach dem Langhaus. In dem Schlußsteine die Hand Gottes. 




^^g' 79- Nördlicher Seitenaltar (Mittelschrein) in der Kirche in Erlach. 



Die Rippen haben die übliche, trockene Profilierung der Spätzeit. An beiden Seiten- 
wänden des Chors je ein spitzbogiges Maßwerkfenster. Drei solche (das vierte jetzt 
wohl durch das Dach verdeckt) zeigt das erste Obergeschoß des Turmes, alles weitere 



AMT OBERKIKCH. - ERLACH. 



•53 




Fig. 80. Südlicher Seitenaltar in der Kirche in Krlach. 



Stammt von dem Neubau i. J. 1884. Durch ihn erhielt auch das Langhaus seine heutige 
Gestalt; nur die zwei spitzbogigen Fenster mit Maßwerk, die dem Chor am nächsten 



1 



»54 



KREIS OFFENBURG. 



liegen, sind alt, ebenso das an der Fassade wieder verwendete, kielbogige Portal, mit 
sich durchkreuzenden Rundstäben auf kleinen, steilen Basen; über ihm die Jahreszahl 

und das Steinmetzzeichen : O^C^TU^il^' 

An der Nord wand des Chores noch eine kleine Sakramentsnische zu verzeichnen, 
umrahmt von sich kreuzenden Rundstäben. 
Aitirc Drei Altäre: der Hochaltar, ganz flotter Barockaufbau aus dem i8. Jh. mit der 

Statue des h. Anastasius. Der nördliche Seitenaltar ein vorzügliches Schnitzwerk der 
frühesten Renaissance oder, wenn man so will, unserer spätesten Gotik mit geschwellten, 
in der Mitte zusammengefaßten Säulchen und gutem Ranken werk (s. Fig. 79). In ihm 
die Gestalten der Mutter mit dem Kind, über der Engelchen die später erneuerte Krone 
halten, der h. Katharina und der h. Barbara, gleichzeitigen sehr guten Skulpturen (ca. 85 
bis 95 cm hoch). Später als diese, wohl bald nach dem Bau der Kirche 1511 ent- 
standenen Werke in dem im 19. Jh. hergestellten Aufbau die h. Anna selbdritt, wohl 
aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs. stammend. Neu auch das Innengemälde der Flügel, 
während die Außenbilder, der Schmerzensmann und die Schmerzensmutter, geringe 
Bilder etwa von 1600 sind. 

Aus der zweiten Hälfte des 1 6. Jhs. stammt der südliche Seitenaltar (s. Fig. 80), 
ein typischer Renaissancebau mit dem Relief der Kreuzigung Christi, des Veroneikon, 
Gottvaters und den kleinen Freifiguren des h. Kaisers Heinrich (?) und der h. Kunigunde, 
der Apostelfürsten und der Pietä. Die oberste Bekrönung ist erneut. 

In der Kirche noch ein schlichter Weihwasserstein; vor ihr Kruzifix mit Maria 
und Johannes auf zopfigen Postamenten, von einer Anzahl Erlacherinnen 1782 gestiftet 
In der Gemarkung u. a. ein Bildstock mit dem Relief der h. Barbara, Rokoko, von 1764 
und ein solcher von 1688 mit später aufgesetztem Kruzifix. 
wirtshauiÄchiid Am Wirtshaus »Zur Krone« schmiedeeisernes Wirtshausschild. 



Kruzifix 



Bildstock 



GAISBACH 



Schreibweisen: In dem Geißbach 1255; Gaisbach 131 3; In dem Geisbach 1365; 
Geispach 1476. 
Ortsgeschichte OrtsgiscMchte i Die Annahme liegt nahe, daß der Weiler, der 1225 in den Zehent- 

bezirk der Pfarrei Oberkirch gehörte, im Anschluß an die auf dem Berg über ihm 
liegende Burg entstanden ist. Die Geroldsecker waren auch hier begütert, wir hören, 
wie aus der ganzen Gegend, von Belehnungen, die sie den Herren von Schauenburg 
erteilen;') aber auch der Straßburger Bischof hatte Besitzimgen, w hören 1351 von 
homines Berth. episcopi Argentinensis in dem Giesbach. — Für den Zusammenhang 
des Ortes mit dem Schloß spricht wohl auch, daß er bis 1806 ritterschaftliche Besitzung 
der Familie von Schauenburg war. 
Kapelle Kapelle: 1531 wird sie erwähnt; es heißt: bey sännet Jörgen, sie ist also 

nicht, wie man gemeint hat, erst 1623 von Hannibal von Schauenburg gestiftet *) Damit 

^) Ruppert a. a. O. S. 475. 

-) Wie J. Hofmann meint. (Der Schulkreis Offenburg, S. 359.) 



AMT OBRRKIRCH. 



GAISBACH. 



»55 



stimmt auch der Befund. Eine einschiffige Kapelle, in die sich der aus drei Seiten des 
Achtecks geschlossene, verhältnismäßig lange Chor im gedrückten Spitzbogen öf&et 
Die einpfostigen Fenster zeigen Fischblasenmaßwerk. 

1899 \Mirden Wandgemälde aufgedeckt, die in dem Anfange des 17. Jhs., WandgemjUde 
möglicherweise bei einer Erneuerung der Kapelle durch Hannibal von Schauenburg gemalt 
worden sind. Es sind im Chor zweimal fünf Figuren in Lebensgröße : der Heiland mit 
der Weltkugel, die Rechte segnend erhoben, die Heiligen Petnis, Paulus, Andreas und Katha- 
rina etc., unter jedem .. ^_ .'- . ^ . 

der Name, unter dem *^ ^ 

Andreas steht außerdem 
noch H . ANDRES • ^ 
CR IST.. Unten weih- 
räuchemde Engel. Der 
Urheber der Bilder- 
reihen, S. Keller von Oberkirch, 




sich 
Die 

die 



nennt 

selbst unter den linksseitigen Bildern. 
ganze Kirche war bemalt, lekler waren 
Bilder der Mutter Gottes, der Himmelfahrt 
und des h. Georg zu sehr ruiniert Die anderen 
Bilder wurden in den Jahren 1901 und 1902 
von J. Mader restauriert, w^ozu die Regienmg 
und der kath. StÜtungsrat m Gaisbach die 
Mittel hergaben. 

Am Bergrücken steht das in seinem 
Hauptgebäude neue Scßiioß der l^Yeiherren 
von Schauenburg. Seit detti 1 6. Jh. etwa wird 
hier ein Wohnhaus der Familie gestanden 
haben — man verließ ja damals überall die 
unbequemen Burgen — , 1655 hören wir, daiS 
Karl von Seh. sein :& adelig Haus im G.* nebst 
drei Rebhöfen an Johann Reinhard von Seh. 
abtrat. Wohl aus dem 16. oder 17. Jh. Fig, Si. Holzsäule im Nebengebäude 

etwa mögen die Gebäude auf der nörd- des Schlosses zu Gaisbach. 

liehen Hofeeite stammen. Das eine hat 

im Erdgeschoß einen saalartigen Raum mit großem Unterzugsbalken und abgefaster 
Holzstütze (s. Fig. 81), an der Wand gemalt die Wappen des H. Reinhard von Schauen- 
burg und seiner Gemahlin Walpurgis geb. von Wachenheim, 1654. Der anstoßende 
Riegelbau, an dem ein Stein mit der Inschrift 1661 sich befindet, zeigt Schießscharten 
(Gewehr), unten im Kreis endigend. Eine weitere Anzahl von Schießscharten ist hier 
eingemauert, die von der Burg stammen. Das rundbogige Eingangstor trägt die Jahres- 
zahl 161 9. 

Im Besitz des Freiherm von Schauenburg eine Anzahl erwähnenswerter Altertümer : 
I. ein Türsturz (Sandstein) mit Blendspitzbogen, darin das Wappen der Schauen- 
burg und das der Windeck (s. Fig. 82); wohl noch aus dem ausgehenden 14. Jh. und 
möglicherweise von der Burg, nach andern Angaben von der Altwindeck stammend \ 




Schloß 



Altertümer 



156 



KREIS OFFENBURG. 



2. ein kreisrunder Stein (Fig. 83) mit spätgotischem, krausem Blätterwerk, darin vier 
Wappen der Berlichingen, Schauenburg, Landschaden von Steinach und Neuneck; die 
Umschrift in Minuskeln lautet: 

fcgtötrifter • ba fdgiaubeBurB %\mix • bamni • m • tat • Itttt-bni; 




Fig. 82, Tür stur X im Besitz des Freiherm von Schatunhurg in Gaisbach. 



i^ Jf-rh C7n^^ -.^ 



3. ein Epitaph (Sandstein), der obere Aufsatz möglicherweise nicht zum unteren 
gehörig, zeigt ein Allianzwappen, von dem nur noch das schauenburgische kenntlich ist; 

in dem unteren vertieften Viereck ausgehauen 
wieder ein Allianzwappen und die Inschrift: 

pgtlip^ taetjel bon marftli dfaranna bon 
^cgauenburg, 

oben die Zahl 1475 (s- Fig. 84); 

4. ein Türsturzrest, von der Burg stammend 
mit dem Wappen imd einem Band, auf dem die 
Jahreszahl (s. Fig. 85); 

5. ein hübsches Epitaph im Zopfstil; 

6. tine Rocai/lekartuschef in der das Wappen 
eines Malteser Großmeisters von Schauenburg, um- 
geben von Putten, die mit den Insignien spielen, 
vom Bezirksamt in Kenzingen stammend; 

7. ein Holzrelief yon 16 10 mit der Verkün- 
digung Maria in schön mit Rankenwerk geschnitztem 
Rahmen, am bekrönenden Gesims die Inschrift: 

CLAUDIA VON SCHAUENBÜRG 
GEBORNE VON LÜTZELBURG; 




Fig. 8j. Schluß stein im Besitz des 
Freiherrn von Schauenburg in Gaisbach, 



HANS REINHARD VON 
SCHAWENBURG 2 M • DC • X 
1905 im Kunsthandel erworben; 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 



157 



8. eine ^^i/r^MÄr mit 
in Silber getriebenem Ziffer- 
blatt; 

9. ein silbergetriebe- 
ner Becher^ vergoldet, 
mit Augsburger Beschau- 
zeichen und B ; eingraviert 
das Allianzwappen der Frau 
des Ulrich Diebold von 
Seh., der Ursula geb. 
Bärenfels; 

I o. ein holzgeschnitzter 
Ä. Georg des 17. Jhs.; 

1 1 . Voitvsporen des 
Hannibal von Schauen- 
burg aus der Kirche in 
Gaisbach; 

12. einige Ölgemälde j 
Familienporträts, aus denen 
ich hervorhebe das des 
Ulrich Diebold und der 
Ursula vom Anfange des 
18. Jhs.; das eines Herrn 
zu Rhein, wohl französische 
Arbeit aus dem Anfange 
des 18. Jhs. ; zwei hübsche 
Pastellporträts u. a. m. 

(Die hier aufbewahr- 
tenFunde von der Schauen- 
burg werden in der folgen- 
den Beschreibung dieser 
erst erwähnt) 

Über diesem Wohnsitz liegt, auf einem Vorhügel des Solbergs von etwa 379 ™ 
Höhe, die 

RUINE 
SCHAUENBURG 

Schreibweisen : Scowen- 
burc ca. 11 50; Scouvenburg 
1167 ; Scowenburg 1196; 
Schowenburg 1 2 1 3 ; Schom- 
burg 1343; Schonburg 1356; 
Schawembiirg 1441 ; in castro 

Schawenburc 1301 ; zu Schowenburg in der bürge; Schauwenbiirg das schloß 

M52- 




Fig. 84. Epitaph im Besitz des Freiherrn von Schauenhur g in Gaisbach. 




Pig' 8S- 



Türsturt von der Burg im Besitz des Frtiherrn 
von Sehentenburg tu Gaisbaeh. 



158 KREIS OFFFNBURG. 

Literatur: J. Bader, Frau Uta, Herzogin zu Schauenburg, Badenia I (1839), 
S. 114 — 118. Ruppert, Regesten des Mortenauer Adels: 2. Die von Schauenburg, 
J. 39, S. 83 — 180. Bodo Ebhardt, Deutsche Burgen, Liefer. 4 und 5, S. 178 ff. 
Geschichtliche« Geschichtliches: Ursprünglich war die Burg zähringische Besitzung. Als Liut- 

gard, die Tochter Bertholds IL, den Grafen Gottfried von Calw heiratete, dem Heinrich V. 
i. J. 1 1 1 3 die rheinische Pfalzgrafschaft anvertraute, da befand sich die Feste Schauen- 
biu-g unter ihrem Heiratsgut.') Sie scheint vor ihrem Gatten ins Grab gesunken 
zu sein, ebenso ihr einziger Sohn. Als Pfalzgraf Gottfried 1136 starb, blieben nur 
Töchter übrig; die eine, Liutgard, war zu einer nicht standesgemäßen Ehe gez^nrngen 
worden und schied somit von der Erbberechtigung aus. Die andere, Uta, hatte aui 
Betreiben Heinrichs des Stolzen dessen Bruder Weif VI. die Hand gereicht, und dieser 
trat nun die Erbschaft aller Lehen und Güter seines Schwiegervaters an. Dagegen 
aber erhob der Sohn eines Bruders desselben. Albert, Einspruch, der mindestens die 
Hälfte des Calwer Gutes fordern zu können glaubte. Es kam zur Fehde, bei weldier 
Weif die Burg Alberts verbrannte. Nun griff auch Herzog Konrad von Zähringen ein. 
Er war nicht willens, die Mitgift seiner Schwester ohne weiteres dem angeheirateten 
Weifen zu überlassen, zog mit Heeresmacht heran und belagerte die Schauenburg.^ 
Da aber trat der Kaiser (Lothar) dazwischen. Es muß dann zu einem Vergleich gekommen 
sein, denn als Uta hochbetagt starb, kam die Schauenburg nebst Zubehör nicht (?) in das 
zähringische Gut zurück.*) Uta, von ihrem Gemahl über der Liebe zu anderen Frauen 
vergessen, saß von ihm getrennt auf der Biu-g, nach der sie sich Herzogin von Schauen- 
burg nannte. Sie kommt noch ca. 1196 urkundlich vor, 1200 ist sie schon tot, da es 
heißt: »Felicis memoriae Uta ducissa de Sowenburg«. Die Burg kam an den nächsten 
Erben der Uta, an Eberhard von Eberstein,'') dessen Ansprüche nach Ruppert ans 
Calwischer Heirat herrührten. Wohl erheben die Erben der Zähringer, die Uracber, 
Ansprüche, die aber schließlich erledigt werden. 

Möglich,*) daß die Burg schon damals ein Lehen des heute noch blühenden 
Geschlechtes war. Schon zwischen 1120 und 11 50 hören wir von einem Rödolfus, miles 
de Scowenburc. Die Familie muß schon im 1 2. Jh. in stattlichem Ansehen gestanden haben, 
daftir spricht ihr bereits zahlreiches Vorkommen in Zähringer Urkunden. Am Ende des 
i2.Jhs. erscheint in dem Stiftungsbrief von Allerheiligen ein Fridericus de Scowenburg als 
kaiserlicher Landvogt im Elsaß und als königlicher Ministeriale. Während man früher die 
Zugehörigkeit zum Herrenstande annahm und ein altes schauenburgisches Herrengeschlecht 
konstruierte, an dessen Stelle nach seinem Aussterben im 14. Jh. die jetzige Familie 
getreten wäre, wird wohl Ruppert recht haben, wenn er den Schluß auf Herrenmäßig- 
keit nicht fiir richtig erachtet und deshalb eine Kontinuität der Familie vom 12. Jh. bis 
auf unsere Zeit wohl fiir möglich hält. ") Die Familie hat fiir die Gegend eine größere 

*) Heyck a. a. O. S. 221. 
'^) Ebenda S. 286. 
8) Ebenda S. 286. 
*) Ebenda S. 287. 
5) Ruppert a. a. O. S. 84. 
*) Ruppert a. a. O, S. 84. 

") Ebenda S. 85 IT. Nicht zu verwechseln ist die Familie mit den gleichnamigen Dynasten 
an der Hergstraße sowie einem wlirttembergischen (ieschlecht von gleichem Namen. 



^ 

^ 
^ 




I 



.8 



AMT OBERKIRCH. - GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.} I 59 

Bedeutung gehabt als die Neuensteiner u. a. »Mit größerem Besitz, mit vielen Lehen 
ausgestattet, beschränkten die Schauenburger den Schauplatz ihrer Tätigkeit nicht auf 
den heimatlichen Boden, auf das enge Renchtal, wir finden ihre Glieder an den Höfen 
von Baden, von Wirtemberg, der Pfalz, an dem Hofe des Bischofs von Straßburg imd 
der Erzherzöge von Osterreich ; wir finden sie auch als fromme Ordensritter, als Mönche 
und Äbte.«') Den Stammbaum mit Sicherheit weiter hinaufzuführen als bis zum Ende 
des 13. Jhs., scheint nach Ruppert unmöglich. Schon damals scheint zeitweise eine 
Trennung in zwei oder mehrere Linien zu bestehen. Am Ende des 15. Jhs. (ca. 1474) 
spaltete sich das Geschlecht auf die Dauer in zwei große Linien, die Elsässer oder 
Herrlisheimer Linie, die mit Reinhard, und die Luxemburger oder Harthartsche Linie, 
die mit Friedrich ihren Anfiuig nimmt Von der Elsässer Linie zweigten sich verschiedene 
Seitenlinien ab, die aber mit der Zeit ausstarben, so die alte Gaisbacher, die gräfliche, 
die Jungholz- oder Niederherckheimsche, die in den Freiherm von Schauenburg zu Hoch- 
felden weiterlebt, die mährische und endlich die Herrlisheimer Linie, welche in Gaisbach 
residiert und welcher wir die Erhaltung des alten Stammsitzes zu danken haben. Die 
ziu- 2^it lebenden Mitglieder der Luxemburger Linie wohnen in Oberkirch am Ausgang 
gegen I^utenbach. *) 

Wir hören außerdem vom 13. bis 15. Jh. noch von den Winterbachen und den 
Kalwen von Schauenburg in der Gegend, von denen es sicher ist, daß sie nicht 
der gleichen Familie entstammten.*) Doch erscheinen sie seit dem Ende des 13. Jhs. 
als Ganerben auf der Burg; außerdem scheinen sie verschiedentlich in eheliche Ver- 
bindung mit der Familie getreten zu sein. Dagegen erklärt Ruppert die Zugehörigkeit 
zur Familie bei den ebenfalls vorkommenden Höfinger von Seh. für möglich, bei den 
Burggrafen von Seh. und bei dem Neunecker ist sie zweifellos. 1320 erscheint dann 
noch ein her Albrecht der Roder von Negewils von Schowenburg genant und 1235 
Conradus et Heinricus dicti Schidelin fratres milites de Schowenburg, die nur des 
Wohnsitzes halber diesen Namen erhielten. 

Über das Wappen der Seh. (mit dem Schrägen) siehe Einleitung und Ruppert; 
letzteren auch über die Familienlehen, deren älteste die ebersteinischen sind, die Burg, 
die Dörfer Gaisbach, Femach etc., dann die badischen, vor 1366 freiburgischen, im 
Renchtal mit Altneuenstein etc.; die geroldseckischen (später sarwerdischen) Lehen in 
Nesselried, Sinzenhofen, Haslach etc., stülingen-lupfisches Lehen zu Mosbach, Ober- 
stadelhofen ; die bischöflich straßburgischen Lehen in der Ortenau ; bedeutender jedoch 
auf elsässischem Boden die bischöflich straßburgischen, die österreichischen, marbach- 
lüdersschen und rappoltsteinischen Lehen. 

Die Burg war, wie aus den von Ruppert publizierten Regesten hervorgeht, ein Baimachrichten 
Ganerbensitz und zerfiel, wie wir sehen werden, in mehrere Teile. Doch läßt sich auf 
Grund der Nachrichten der Anteil der verschiedenen Besitzer nicht bestimmen. Die 
erste bauliche Angabe enthält die Notiz, daß 1275 Graf Heinrich von Fürstenberg mit 
dem Verzicht auf alle Ansprüche an den unteren Hof zu Nußbach auch auf das dazu- 
gehörige Patronat der »capella de Schowenburgc verzichtet.*) 1300 bezieht das Stift 



*) Ebenda. 

^ Beckc-Klüchtzner, Stammtafeln des Adels des Großh. Baden, S. 402—406. 

') Ebenda S. 99. 

*) F. V. I, S, 241. - Ruppert a. a. C). S. no. 



l6o KREIS OFFENBURG. 

Straßbtirg Einkünfte aus einem Grundstück Hahnrain »prope fossatum castri Schaweor 
burc«. Aus einer Erbverschreibung von 1331 geht hervor, daß ein Ganerbenantdl ass 
»dum, hus und hofc, Garten und zwei Pfistereien bestand.') 1333 hören wir ca. 
davon, daß nach einer Fehde mit dem Bischof von Straßburg, der die Burg ohne 
Erfolg belagert, aber die schauenburgischen Besitzungen arg beschädigt hatte, die 
Schauenburger versprechen, den Teil ihrer Burg, den Johann und Kunze van 
Winterbach und Heinzelin Burggraf besaßen, dem Bischof zu tibergeben, diesem jederzeit 
die Schauenburg zu öfihen, doch nicht wider ihren Herrn von Eberstein, von dem sie 
dieselbe Burg zu Lehen haben. Bald nachher aber wird dieser Vertrag wieder zd- 
gehoben. 1388 hören wir wieder von einem Vertrag zwischen den Verwandten über 
den Anteil an der Burg, ohne daraus etwas über die Bauten zu erfahren, 1402 aber 
hören wir, daß Egenolf Kalwe von Schauenburg und sein Bruder Kunemann vom Mark- 
grafen Bernhard von Baden die Lehen empfangen haben, die ihr Vater selig getrageOt 
darunter: »das vorderhus, das stoßet an Sigelin, das hinderhus, stoßt 
ein site an den mantel und den alten Kelre unter der capellen und den 
vorhof am weg in die kapellen und in des Winterbachs hus, item des 
hof uff dem graben neben herrn Conrads sun und an des bischofs 
gut, item ein garten an der gaß uff den Spring und am gemeinen wald etcc*) 1403 
gibt es wieder Streitigkeiten wegen Ludwig von Winterbachs selig Anteil an der Feste, 
da der Markgraf diesen Anteil durch den kinderlosen Tod Ludwigs als heimgefallen 
betrachtete, während die Schauenburg dieser Ansicht widersprachen, weil Ludwig von 
Geburt von Schauenburg gewesen und sie untereinander eine stete feste Gemeinschaft a 
Schloß und Berg und allen Zugehörden hätten. Bei dem Manngericht am 24. September 
1403 schwören die Gemeiner von Schauenburg u. a. : »Darzu hettent sie ein staick 
gemeinschaft miteinander an der vestin zu Schowenburg, an dem berge, an dem \'elsen, 
an dem mantel, an muren, porten, brücken, graben, an der cappelen, an 
der drinckstuben, an wege und stege, an walt, wasser, weyde, und wer anders kein 
sunderheit do, wen daz ihre vorderen und sie sundere hüszer und wonunge äo 
hettent, und die werent vor zyten ußgezeichnet, wo ir jeglicher mit sime wibe und kiadc 
ire hüszer und gemache hettent und als schier ir einer für sin turn kerne, so 
were er uff irer gemeinschaft« etc.^) Wir hören nichts Genaueres; 1405 aber am 
26. Januar belehnt Graf Bernhard von Eberstein den Volmar von Schauenburg mit den 
Gütern, welche Ludwig von Winterbach selig zu Lehen gehabt, welche nachher an Heinze 
Truchseß von Hofingen verliehen, von diesem aber an Volmar abgetreten waren, danmter 
ein »ußteil« an Schauenburg, der Burg mit Wald, Weid undWasser, ein Garten 
zu Schauenburg neben Konrads von Schauenburg selig Sohn, neben 
Ottemann von Schauenburg, Winterbachs Anteil am gemeinen Berg und dem Spring, 
und mit einer Hofstatt am Graben.*) 1407 belehnt derselbe Eberstein Rudolf 
von Seh. mit einem Vierteil an der Burg.^) 1432 rückten in gemeinsamem Zuge Graf 

^) Ebhardt a. a. O. S. 183, wohl aus dem Archiv in Gaisbach. 
'^) Ruppert a. a. O. S. 146. 
") Ebhardt a. a. O. S. 183. 

*) Ebhardt a. a. O. S. 183. Aus »Historia und Geschieht, so herr Wilhelm von Schanwen- 
burg Selbsten verzeichnete. Straßburger Archiv: Argentor. hist. politica. 
") Ruppert a. a. O. S. 150. 



AMT OBERKIRCH — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) l6l 

Ludwig von Württemberg und die Straßburger vor die Burg. Der Grund der Belagerung 
war, daß Wilhelm von Seh. dem Friedrich Bock von Staufenberg, der mit ihm in Fehde 
gegen Württemberg lag, Aufenthalt auf der Burg gewährte und daß dessen Knechte einen 
Straßburger Bürger, Lingers Clauß, »ein würdt zu Schauwenburgc, erschlagen hatten. ^) Sie 
beschossen die Burg etwa 1 7 Tage lang, und zwar pflanzten die Straßburger ihr Geschütz 
dem Teil der Burg gegenüber auf, der Wilhelm von Schauenburg gehörte, die Württem- 
beiger mußten sich eine andere Seite aussuchen und »schußent do Vollmars husze die 
eine seidten nider«.^) Aber auch die Straßburger müssen etwas erreicht haben, denn 
in der Aufzeichnung des Wilhelm von Seh. heißt es: »Und ich W. v. Seh. fing an daz 
haus wider zu bauwen, das danider geschossen ward mit nammen den 
türm bey dem thor uflf die liechtmeß Anno 1433. Und ward vollbracht mit allem 
baw in demselben ior vor St. Gallentagt^) (16. Oktober), also in 8^2 Monaten. Durch 
Vermittlung des Bischofs, des Pfalzgrafen Ludwig und des Markgrafen von Baden wurde 
die Fehde beigelegt und der Schaden repariert. Am 14. November 1433 schlössen 
dann Matheus von Schauenburg und sein Sohn Wilhelm, Volmar von Seh. und seine 
Söhne Bechtold Cunemann und Ludwig, Bernhard von Seh. und sein Sohn Jörg, Rudolf 
von Seh. und sein Sohn Jörg und Adam Kalwe von Seh. Edelknechte einen Burg- 
frieden. *) Unter anderem heißt es darin : die Burg solle jederzeit mit 4 Knechten, 
einem Torwart imd einem Förster versehen sein und in Kriegszeiten deren Anzahl nach 
Ermessen vermehrt werden. Für jedes Burgviertel sollen 2 Büchsen, 2 Armbruste und 
500 Pfeile vorhanden sein und dazu jeder nach Verhältnis seines Burganteils beitragen. 
Der Baumeister soll alljährlich durch Stimmenmehrheit gewählt und ihm von jedem 
Burgviertel 6 fl. bezahlt werden, um sie nach seinem Gutdünken für die bauliche Unter- 
haltimg der Burg zu verwenden usw. 1438 erfolgte eine neue Belagerung, diesmal durch 
den Markgrafen von Baden, doch kam es nicht zu einer Erstürmung, da man sich 
einigte.*) Um diese Zeit beginnen die Baumeisterrechnungen, die noch im Archiv zu 
Gaisbach erhalten sind.®) Eine Anzahl von Ausgaben beziehen sich ersichtlich auf 
diese Belagerung, andere sind 1442, 1443 und 1447 datiert. Sie geben manchen 
interessanten Einblick in die Bewaffnung und die Lebensgewohnheiten, hier und da auch 
Notizen über Bauten auf der Burg, die ich im folgenden wiedergebe. Nach dem Burg- 
frieden war jedes Jahr einer der Bewohner Baumeister, und so finden wir nacheinander 
»juncher Rudolffe uz geben, juncher Wylhelms« etc. Unter Ersterem ist verrechnet: 
>dz tore imd dz slosß wyder dor ane zu slahen«. Unter Wilhelm hat »meyster Ulrich 
von Offenburg daz bolwerk« gemacht. Von Häusern hören wir nennen: Adern huß, 
Rudolff huß, Wilhelm huß, des grosen Jergen huß, dz kalben huß. Wir 
erfahren von dem »werck«, das Wemher »machen sol Im zwinolff« (Zwinger). 
Eme Anzahl von Posten bezieht sich auf Reparaturen im Graben, andere auf das 
»hinder huß«. Bei der Besichtigung durch den Baumeister (damals Ludwig von Seh.) 
werden 1442 erwähnt: Adams huß; Behtolt, Cunmann und Ludewigs teyl, 

*) Aus obenzitierter Handschrift des Wilhelm von Schauenburg, s. Ebhardt a. a. O. S. 183. 

2) Ebenda. 

») Ebenda. 

^) Ruppert a. a. O. S. 167. 

*) Ruppert a. a. O. S. 171. 

*) Publiziert in der ersten Urkundenbeilage zum Uurgwart (Nr. 4, III. Jahrg.). 

Band VII. 1 1 



l62 KREIS OFFENBURG. 

Jörgen des alten teyl, Rudolffs teyl; Wilhelms huß«; also, wie es scheint, 
fünf Sitze. Derselbe Ludwig verzeichnet: »Item ich han geben flf vii ß ^ umb fimfeig 
Tylen zu der brücken«, also zu einer Holzbrücke, wie auch aus anderen Angaben 
hervorgeht. »Item ich han geben xxxvfj ß ^ dem Wemher Im Geyßpach von dem 
gründe In den hindern zwingolff zu ziehen, der do lag vor Rudolffs 
und Wilhelms husern«. »Item ich han geben der Gerdruten ein dag v ^ moß 
zu brechen zu dem graben«. Ahnlich muß ein Knecht Wilhelm tun und dem 
»Frießen« auch helfen arbeiten in dem Graben. Wir hören von einer »Kamertnr ni 
hencken uff der stuben«, von zahlreichen Arbeiten an der Brücke, von »des geppfers 
hu sei in« im Zwinger, von Stolljeckelins Stube (der Wirt, der die Verpflegung der 
Arbeiter besorgte), von Ausgaben für den Zimmermann, »der unß den burnen uff 
wal ruß legen solle«, »uff den brunnen, also er in unß hin In füren 
solle« (es handelt sich also wohl um das Holzwerk an dem Brunnen); von den »lune 
In dem felßen under des großen J er gen huß«, wozu ein Knecht »stecken 
und gertden« beibringt; »von dem dolen, der dz wasser von dem kenner 
In den burggraben treyt und von dem durlin In dem zwynel bej 
Wilhelms turnes eck«, also von einer Entwässerungsanlage und von einer Tür in 
den Zwinger; von Arbeiten an dem »bollwerck«; von dem ^brunnen In graben zu 
legen« und von »kachelen die zu dem brunnen ouch gebrucht sint«, also wohl dner 
Ziegelummauerung usw.; vom »hynder dorlin« und einem »krumen Isen an den stocke«; 
von neuen Ausgaben für den Zimmermann, »als er dz holz feit zwen dag« und dk 
»Steg über den graben by des Kalwen vihe huß« und zu der »brüst gewer 
uff den graben« und »von dryen thüren«; von Holz, das beigefuhrt wird ai 
dem »bolwecke« (sie!), von dem ^bollwerck zu machen zwuschen dz Jergen 
huß und Kumans huß«; von einem Maurer für »die muren zu belegen, do 
die diellen waren für den Regen«, was nicht ohne weiteres mit Ebhardt aaf 
Holzhrustwehren vor den steinernen Zimmern gedeutet werden darf; von einer »leytcr, 
dz man uff den mantel got«; von den »swarten, die dath ich (Ludwig) auf die 
falb rucken« usw. Am ir. Februar 1441 belehnt Graf Hans von Eberstein Wilbclm» 
also wohl den Sohn des unterdes gestorbenen Matheus, mit einem Viertel von der Burg, 
und in demselben Jahre am 15. Mai verkauft der obengenannte Adani Kalwe von Seh. 
mit Willen des Lehnsherrn an die Gebrüder Bechtold, Konrad und Ludwig von Seh. 
Haus und Hofstätte in der Burg: »stoßet hinten arf minen türm, einsit 
an den mantel, andersite an den alten keller unter der kapelUs 
auf Wiederlösung um 100 fl. Am 26. November aber erklären Bechtold und Konrad 
von Seh., daß die 100 fl., mit welchen Adam Kalwe von Seh. ein Haus in der Burg 
erkauft habe, von ihrem Bruder Ludwig allein hergegeben worden seien. 1447 beschwört 
Reinhard von Seh. für seinen Anteil an der Seh. (von seinem Vater Rudolf) den Burg- 
frieden. 1450 am 22. November ward Schauenburg von den Herren von Lichtenberg 
und dem eigenen Lehnsherrn von Eberstein angeblich genommen und zwar »durch 
verrätherey einer kuchenmagd, die da Wortzeichen gab, das man in der portstubcn 
zu abent zehrt«. ^) Und sie »gewonnent auch onseglich gut daruf, wan er viel ge- 
meiner het, der etlich doben gesessen warent«.-) Graf Johann von Eberstein verkauft 

*) Ruppert a. a. C). S. 179. — Mone, Quellens. II, S. 140. 
-) Ebenda. 



P"^ 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 163 

nun dem Markgrafen Jakob eine ewige Öffnung des Schlosses Schauenburg, ^) i. J. 145 1 
machoi die beiden einen Burgfrieden, 2) und 1452 veq>fändet der Graf dem Markgrafen 
das Schloß um 1000 rhein. Gulden auf Wiederlösung ;^ die Schauenburger aber suchten 
Hilfe beim Pfalzgrafen, dessen Lehensleute sie waren und der ihnen auch half, das 
Schloß wieder zu erobern, »und gab ine das wieder mit behaltung eines unverteilten 
ewigen vierteils und der lehensschaft, das es vorbaß von der Pfaltz empfangen werden 
sollte.*) Dies Ereignis hat in Michel Beheims Reimchronik eine poetische Schilderung 
erhalten : ^) 

^Schouwenburg in der Mortenaw 

ein schloßy gut v est für alle traw 

ward den stamen van Schouwenberck 

angewunnen mit nuters werk 

von dem graven Johanne 

von Eberstein dem Manne. ^ 
usw. 
(Die noch folgenden drei Strophen abgedruckt bei Ruppert) 
Die Kämpfe gingen nun hin und wider, noch einmal wurde die Schauenburg vom 
Markgrafen eingenommen, durch den Pfälzer ihm wieder abgenommen, 1460 berannte 
er sie zum letztenmal vergeblich; endlich 1465 sühnten sich die Schauenbtu-ger mit 
dem Markgrafen, und 147 1 ist wieder der Ebersteiner ihr Lehensherr. Aus einem Lehens- 
revers Reinhards von Seh. gegen Graf Bernhard von Eberstein lernen wir sein Sechstel 
an der Burg kennen, nämlich: »das Vorderhaus neben seines Vetters Sigelin 
Sohn, das Hinterhaus, einseit der Mantel und der alte Keller unter 
der Kapelle, anderseit der Vorhof, stoßt auf den Weg, der in dieKapelle 
und in Volmars Haus führt«.*) 

1 5 II wiurden eine Anzahl Reparaturen vorgenommen. ') Die Schmiede wurde 
neu gedeckt; sie erhielt Fenster und Laden sowie einen Helm mit einem kupfernen Knopf, 
den ein Offenburger Maler in den schauenburgischen Farben anstrich ; neu gedeckt wird 
der »Wasser dum« imd das »wechterheislin davur«, des weiteren zwei »dimlein« und 
das »Porthaus«. Repariert wird auch das Dach »ob der gemeinen Stegen, der 
mantel und die kirch (uf einer siten)«, femer das »kleine bei gl in oben an der 
Stegen und das kleine beiglin bei dem pordthaus« (Wehrgänge oder Erker?), 
endlich das gemeine Haus »da der gal der burkust innen sitzt« (der Burgwächter Gal). 
Bei dieser Gelegenheit erfahren wir auch von einem »kipferin ofenhaifen« von Michel 
Keßler zu Offenburg, einem neuen Ofen und »ofenhaifen« von Hafner Friedrich Frick 
im Loh. Weitere unbedeutende Reparaturen ergeben sich aus den Rechnimgen, auch 
daß 1523 ein Stück Mauer in den Graben fallt und erneuert wird. 

*) Regesten de Markgrafen, Nr. 7284. 
^ Ebenda, Nr. 7295. 
*) Ebenda, Nr. 7342. 
*) Ruppert a. a. O. S. 180. 

*) Michel Beheims Reimchronik, Quelhn zur bair. und deutschen Geschichte III, S. 163 f.; 
abgedruckt bei Ruppert a. a. O. S. 180. 
*) Gaisbacher Archiv. 
") Ebenda C VI. F. 46, Nr. 2. - Ebhardt a. a. O. 

II* 



164 



KREIS OFFENBURG. 



Obzwar es scheint, daß die Mitglieder des Geschlechts nicht mehr regelmäßig anf 
der Burg gewohnt haben, wurde dieselbe doch stets in wohnlichem Zustand erhalten und 
die schon genannten Teile öfters ausgebessert, ja, es muß in den ersten Jahrzehnten des 
16. Jhs. sogar ein Neubau entstanden sein; in einer Erbteilung von 1541 ist die Rede 
von »des Junkern seligen angebewe« *) und weiterhin von dem »newen haus so Junkher 
Schwickhardt selig gebawen«. Dieser Schweikardt kann wohl kein anderer gewesai 
sein, als derjenige dieses Namens, welcher um 1 500 lebte. Wie aus verschiedenen Teil- 
büchem sich ergibt, hatte die eine Linie drei Türme zu verteilen, den »hintern Tb um 

— C>- «^f vto ' \te • ■ 







Fig. 86. Plan der Ruine Schatunburg. 

sampt der Capell dabey, den größeren Thurn und des bösen Jergen 
Thurn sampt dem Keller unter der Capell«, die andere Linie zwei weitere 
Türme. Wir hören im ganzen 16. Jh. von weiteren, offenbar geringeren Reparaturen, 
einer vermutlich größeren um 1600. Damals war auch ein Streit wegen eines erledigten 
I^ehens mit den Grafen von Eberstein entstanden, der aber 1600 erledigt w^urde. Die 
Schauenburger erhalten den Teil der Burg, sollen ihn aber, da er verwahrlost war, 
reparieren. Verschiedentlich werden dann aus dem 17. Jh. Reparaturen an der Brücke 
gemeldet. Der Dreißigjährige Krieg hat auch auf der Schauenburg manchen Schaden 



^) Ebhardt a. a. O. S. 189. 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUNE SCHAin-:NBlRG.) 



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l66 KREIS OFFENBURG. 

angerichtet, neue Fenster mußten für die zerschlagenen eingesetzt werden u. a. m., I^eista 
auf die Sparren »uffen Kirchlinc geschlagen werden. Um die Mitte des Jahihunckits 
war Grimmeishausen Schaffoer auf dem Schloß, seine Rechnungen u. a. von 1653 und 
1659 berichten aber nur Geringes, so von dem Brunnendeckel. Im letzteren Jahre 
verpflichten sich die Schauenburger ihrem Lehensherm gegenüber, den zerfallenen Teil 
der Burg mit dem neuen, 16 14 aufgerichteten Bau zu ersetzen. 1686 wird Holz bei- 
geschafft, »umb die Oberbruck sampt einem Steeglein auf dem Schloß 
Schawenbiu"g von newera zu machen«, auch waren Ausbesserungen an der runderen 
Brücken« nötig. 1689 wird wieder der Wasserturm genannt. Im gleichen Jahre aber 
wiu*de das Schloß von den Franzosen gesprengt, nicht wieder repariert und lag so seit 
dem 18. Jh. ganz in Ruine. Erst der heute in Gaisbach residierende Freiherr Emil von 
Schauenburg wendete der alten Stammburg die nötige Sorgfalt zu ; ihm ist deren Erhaltui^ 
zu danken. Er erhielt dann auch die Beihilfe des Staates, und der Konservator der 
Baudenkmale hat umfassende Konservierungsarbeiten vorgenommen. Neuerdings hat 
femer der Sohn des genannten Freiherm, Kaiserl. Legationsrat Freiherr R. von Schaueih 
bürg, umfassende Ausgrabungen zusammen mit Erhaltungsmaßregeln begonnen, die schon 
sehr wichtige Resultate zutage gefordert haben und noch fordern werden. 

Die angegebenen Nachrichten über den Bau scheinen sehr reichlich, bieten in der Tai 
aber recht wenig Aufschlüsse, da mit wenigen Ausnahmen (die wir im folgenden bemerkeo 
werden) alle Anhaltspunkte fehlen, um die berichteten Gebäude genau zu lokalisieieo 
und also mit etwa heute stehenden zu identifizieren, mit Ausnahme einer Anzahl von 
Bauten, wie Torhaus, Kapelle, Brücke, Zwinger, Bollwerk usw., von denen die Notizen 
lediglich das Vorhandensein ebenso wie der heutige Befund ergeben. Wir sind also für 
eine wirkliche Baugeschichte auf letzteren angewiesen. Rekapitulieren wir itnmeiiiin das 
Wichtigste aus dem vorstehenden: Aus der bedeutendsten, tatsächlichen Bauzeit, dem 
12. und 13. Jh., hören wir nichts. Nur von der Kapelle ist schon 1275 die Rede. 
1300 hören wir vom Graben, 1388 von verschiedenen Häusern, von denen mir das 
»Hinterhuß« identifizierbar scheint, ebenso die 1450 erwähnte Hofstätte. Sonst wechsdn 
aber die Namen. Es müssen eine stattiiche Anzahl Häuser hier gestanden haben, 
größtenteils VVohntürme. Um die Mitte des 15. Jhs. werden fünf Häuser genannt, die 
vielleicht heute noch im Grundriß erhalten sind. Auch im 16. Jh. werden nur fünf 
Türme genannt, allerdings auch ein angeblich Schweickardtscher Neubau. Wir hören 
von dem Mantel, womit nicht allein die Schildmauer, sondern die ganze Umfassung 
gemeint gewesen sein kann, für deren Besteigung man eine Leiter brauchte. Hier waren 
VVehrgänge und Erker, wie auch an dem Torhaus. Mindestens zwei Brücken waren da, 
eine Hauptbrücke und ein wohl kleinerer Steg, Bollwerk, Zwinger, dann war eine Wirts- 
stube da, wohl für die Knechte und Handwerker, eine Schmiede, für derartige Zwecke 
auch im Zwinger Gebäude. Ein Wasserturm wird genannt, daneben aber ein Brunnen, 
vielleicht identisch, so, daß ein Gebäude den Brunnen umgab, verschiedene Wege, ein 
Vorhof u. a. m. 
Bau- Wenden wir uns nun zu der Betrachtung der Ruine selbst und ihres Planes (Fig. 86). 

Das oblonge, nach Westen, der Bergseite, zu sich verschmälemde Plateau der Burg ist 
von einer 1^2 — 2 m starken Mauer aus Bruchsteinmauerwerk mit Bossenquadem an den 
Ecken umschlossen, welche Mauer zugleich die Außenwand der daran anstoiSenden 
Gebäude bildet. Nach der Angriffseite zu war die Burg durch eine mächtige Schild- 



beschrcibung 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 



167 




*^yj^dw€st )^ cK er v/oh ^ t wfiTv 



/V^. SS. Kuine Schauenburg. Nordwestlicher Wohnturm, 



i68 



KREIS OFFENBURG. 



mauer geschützt, die, 3,70 m stark, heute noch in einer Höhe von 8,20 m steht Sie 
ist ebenfalls aus Bruchsteinmauerwerk mit Bossenquadem an den Ecken gebildet (ad)e 
die Ansicht der Südecke auf Tafel III). Mit der übrigen Umfassungsmauer ist sie nicbt 
bündig ; da nach Norden, Westen und Süden der Berg ziemlich schroff abfällt, so mag 
man sich hier ursprünglich mit geringerer Befestigung begnügt haben, die Schildmauer 
also vielleicht den ältesten Teil noch aus der Weifenzeit (?) darstellen. Denn alles andere 
stammt zweifellos erst aus dem 13. Jh. Die nächstälteste Anlage ist die Gebäudegnippc 
an der Westseite (s. Fig. 87), die beiden Wohntürme, von denen der nordwestliche nod 
ziemlich gut erhalten, der südwestliche dagegen bis auf sein unterstes Stockwerk zerstön 
ist, und das dazwischenliegende Gebäude mit den fünf Lichtluken. 

Der nordwestliche Wohn türm (s. Fig. 88), ein unregelmäßiges Viereck von ca. 8 
zu 7 m innerer Weite und bis zu 2 m dicken Wänden, zeigt noch die EinteDimg in fünf 

Stockwerke. Unten ein Kellergeschoß 




vtnwK^- 



nor^w»4tl»Aßr 






mit schlichten Lichtluken nach Westen 
und Norden; in der Nordwand die 
Löcher für die Balken der Decke. 
Im zweiten Geschoß in den gleichen 
Wänden ähnliche Lichtluken, es mag 
also auch zu Wirtschaftszwecken ge- 
dient haben; an der Südwand noch 
eine größere erhaltene Verputzflacbe, 
in ihr Treppenstufen erkennbar, die 
zu der Eingangstür des Gebäudes im 
Stockwerk darüber führten. Dies Ge- 
schoß diente mit den zwei darüber 
gelegenen zu den eigentlichen Wohn- 
zwecken. Sie hatten alle drei nach 
Westen zu je ein großes Fenster mit 
vermutlich drei imd drei Spitzbogen- 
Öffnungen, welche von einem flachen 
Bogen, der in der Mitte auf einer 
Stütze aufruhte, zusammengeschlossen waren. Dieser Bogen ist im dritten GeschdJ 
noch erhalten, im vierten noch ein seitliches Gewände mit Sitzen, im fiinflen noch 
ein genügend andeutender Rest des Gewändes. Neben diesen großen Fenstern je 
ein Doppelspitzbogenfenster mit Sitzen (s. Fig. 89), im dritten und vierten Stock voll- 
kommen (ihr Gewände zeigt interessanten Ablauf), im fünften wenigstens in der unteren 
Hälfte erhalten. Also die genau gleiche Anordnung wie auf der Hohengeroldseck. 
Über dem dritten und vierten Stockwerk ist an Süd- und Nordwand ein vorkragender 
Gurt als 'Auflager der Balken zu konstatieren, an der Nordwand des dritten Stockwerk« 
die schon vorhin genannte spitzbogige Eingangstür, deren äußere Erscheinung mit tadel- 
loser Bossenquaderumrahmung in Fig. 90 wiedergegeben ist Nur mittelst einer Holz- 
treppe war wohl der Zugang zu ihr möglich. Die Abarbeitung der Bossen über ihr 
deutet darauf hin, daß diese Treppe eingedacht war. In der Nordwand des dritten 
Stockwerkes Konsolen und daneben die Tür auf den Abort, dessen nach außen vor- 
kragende Doppelkonsolen innen einen senkrechten Schlitz aufweisen, in den ein Brett 



/'V^'-. Sg. Ruine Schaucnburg. 
Fenster im nordwestlichen Wohnturm. 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 



169 



eingelassen werden konnte, um die Blöße der Benutzer vor unberufenen Augen zu 
schützen. In der Westmauer ist ein Raum ausgespart, das vollständige Aufschlagen 
der Tür zu ermöglichen (s. Fig. 91). In der VVestwand dieses Stockwerkes Konsolen 
bezw. ihre Spuren für den Mantel des Kamins, dessen Schlotreste wir in der Wand 
darüber erkennen. Das vierte Stockwerk zeigt in der Nordwand ebenfalls Konsolen und 
die Reste eines Doppelfensters (s. Fig. 91), das fünfte endlich in der Westwand gegen 
die Südwestecke zu eine Tür, die ins Freie zu einem Wehrgang oder einer Altane (?) 
führte. Der Turm enthielt also eine Anzahl immerhin stattlicher Gelasse. Er ist aus 
Bruchsteinmauerwerk, an den Ecken mit sauber gearbeiteten Bossenquadem versehen, diese 
wie sämtliche, außerordent- 

1 iTür %u 5i3)- 



lieh exakt gearbeitete Fen- 
ster- und Türgewände hier 

aus Granit Über dem vierten 

Stockwerk tritt von außen 

das Mauerwerk etwas zurück. 

Seine Mauern sind wohl mit 

dem südlich anstoßenden 

Gebäude, nicht aber mit der 

Nordmauer der Burg bündig. 
Das anstoßende Ge- 
bäude ist nur noch in Resten 

des Erdgeschosses erhalten. 

In seiner Westwand hat es 

fünf Lichtluken, die außen 

rundbogig, während die nach 

innen sich stark verbreiternde 

Schartennische spitzbogig 

geschlossen ist (s. Fig. 92). 

Mauerreste teilen von diesem 

Gebäude einen größeren 

Raum ab, der sich in großer 

Tür gegen die Burg zu öffnete. 

von hier in den Vorhof. 

Von dem südwestlichen Wohnturm sind nur noch die imtersten Mauern erkennbar. 

Nach Westen scheint mir die Form derMauerreste auf ein ehemals hier vorhandenes Fenster 

hinzuweisen, an der Nordwand finden sich zwei Konsolen und etwas darüber eine weitere, 
die wohl irgendwie als Balkenauflager gedient haben mag. In der Mauer, die von hier 
zum Torhause führt, findet sich eine den fünf westlichen durchaus gleiche Schießscharte. 
Der heutige Torbau ist jedenfalls ein Produkt verschiedentlicher Umbauten. Seine 
Wände bestehen aus Bruchsteinmauerwerk, sein Tonnengewölbe dürfte erst dem Anfange 
des 19. Jhs. entstammen, der Zeit um 1835, ^* "^^h Inschrift die Türen repariert 
wurden. Die stehen gebliebene Fortsetzung der West- und Ostmauern des Tores deutet 
auf einen weiteren Torweg oder einen kleinen Vorhof, vielleicht denjenigen, der in den 
Urkunden genannt wird. Nördlich vom Torbau die Reste des runden Brunnens, der 
noch zugeschüttet ist, mit Bruchsteinummauerung. 




nBffdi Ichtn W^nÄ /-»^-z^-^ * j- ^ ^ ^ ^^ - j 



Fig. 90. Ruine Schoiunburg. Tür in den nordwestlichen IVohnturm. 



Ein weiterer, nicht recht erklärlicher Mauerzug zieht 



1 



lyo 



KREIS OFFENBURG. 







Fig. gi. Ruine Schauenburg, nordwestlicher Wohnturm. No^'dostecke. 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 



171 



Der nun folgende südöstliche Wohnturm ist der besterhaltene Teil der Burg. Er 
ist jedenfalls um einige Jahre jünger als der Nordwestturm, wie die Formen beweisen, 
auch sind bei ihm die Gewände nicht mehr Granit, sondern Sandstein, und Granit nur 
an den Rossenquadem der Ecken verwendet, die aber von viel geringerer Bearbeitung 
sind als an dem ersten Turm. Der Turm hatte unten ein heute noch nicht ganz 
ausgegrabenes Kellergeschoß; ein Mauerabsatz an Nord- und Ostwand trug dessen 
Balkendecke. Letzteres kehrt im ganzen Gebäude wieder, so auch im nächsten (zweiten) 
Geschoß, das nur nach der Außenseite der Burg zu, nach Süden, zwei einfache, schlitz- 
artige Schießscharten aufweist. Im darüber folgenden dritten Wohngeschoß befand sich, 
wie am Nordwestturm, der wohl durch Holztreppen vom Burghof aus zu erreichende 
spitzbogige Eingang. In der Südaußenwand erhellten zwei Doppelspitzbogenfenster die 
hier ehemals liegenden Wohnräume, neben ihnen noch eine kleine Tür, die zu einem 
dauernden oder nur für 

den Moment herzu- Jn-un-^^uHr. 

stellenden Steg auf die 
äußere Zwingermauer 
führte. In der Westwand 
noch das Loch für einen 
großen (Durchzugs-?) 
Balken. Das vierte Ge- 
schoß muß eine Art Prunk- 
saal enthalten haben, 
der in zwei dreiÜEichen 
Spitzbogenfenstem nach j\uf^^-lfltisitWt 
Süden schaute (s. Fig. 93). 
In ihren Seitenwänden 
schlichte Sitzbänke. Vier- 
eckige kleine Konsolen 
(s. Fig. 93), teilweise 
mit skulpierten, ehemals 
wohl bemalten Schild- 
chen, sind zu den 
Seiten jeden Fensters als 

Balkenträger angeordnet. Da sie in der Höhe des die Fenster umrahmenden Flach- 
bogens liegen, so scheinen sie mir auf eine gewölbte Holzdecke zu deuten, wie solche 
ja sehr beliebt waren. Für ihre Konstruktion wäre dann der Mauerabsatz an der Ost- 
seite mit einer Balkenlöcherreihe darüber zu beachten. In der Westwand finden sich 
hier noch größere Verputzreste, der Beginn eines Kamins und eine Tür wohl zum Abort. 
Das Stockwerk darüber, das fünfte, ebenfalls wieder Wohnräumen dienend, öffnet sich 
nach Süden in zwei spitzbogigen Doppelfenstern, nach Westen in einer kleinen Lichtluke. 
In der Nordwand sind noch die Spuren der Treppe erhalten, die auf zwei Konsolen und 
backsteinuntermauert zur Plattform bezw. zum Wehrgang emporführte. Überhaupt fällt an 
diesem Turm die starke Verwendung von Backstein bei den Fensterflachbögen usw. auf. 
Die an den Turm anstoßende Außenmauer ist mit diesem bündig, dagegen nicht 
mit der Schildmauer, auf die sie zuführt. Letztere zeigt gerade an der Anschlußstelle 




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Fig. g2. Rfune Schauenburg. Fenster der West- und Südseite. 



172 



KREIS OPTENBURG. 



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die alten Bossenquadem, es war also hier ein Ansatz bei Erbauung der Schildmaucr 
nicht beabsichtigt. An der äußeren Ostmauer des Turmes ist noch die Ansatzlinie dnes 
Pultdaches für ein an die Außenmauer angelehntes Gebäude erkenntlich. Da nun die 
Kapelle gleich daneben liegt, so glaube ich hierin — falls an der Nordseite des Komplexes 
nicht noch ein Turm festgestellt werden sollte — Haus- und Hofstätte zu sehen, die 
Adam Kalwe von Seh. 1441 an die Brüder Bechtold, Konrad und Ludwig verkaufte 
und von der es heißt: »stoßet hinten an minen tum, einsit an den mantel, andersite an 
den alten Keller unter der Kapelle«. Dann hätten wir aber in dem soeben beschriebenen 

Stidostturm der Kalwe Haus vor uns. An diesem 
Teil der Schildmauer finden sich zwei Konsolcii, 
vielleicht trugen sie eine Holzplatte, auf die man 
mit der Leiter hinaufgelangte. 

An die Schildmauer angebaut ist die Kapelle. 
In ihrem Erdgeschoß ein Keller, zu dem ein spitz- 
bogiger Eingang mit abgefastem Gewände führt 
Da dieser Keller in obiger Stelle als alt bezeichnet 
wird, so haben wir in ihm vielleicht die Reste der 
ersten Kapellenanlage (1235 erste Erwähnung) vor 
uns, die später umgebaut wurde, denn die Formen 
der oberen Kapelle weisen durchaus auf das 15. JIl, 
wenn nicht auf das Ende desselben. Eine Wendel- 
treppe führte zu ihr hinauf, mit in starker Hohlkehle 
elegant geschwungener Spindelbasis. Die erhaltenen 
Konsolen und Rippen anfanger lassen uns das Innere 
der Kapelle einigermaßen rekonstruieren (s. Fig. 94I 
Ein Steinfragment mit einem kielformig endigenden 
spitzen Kleeblattbogen') dürfte wohl zu einer Sakra- 
mentsnische gehört haben. Ein Stück eines Fenster- 
pfostens läßt auch die einstigen Fenster, aber nicht 
den Ort ihrer Anbringimg erkennen. Ein aus der 
Schildmauer herausgehauener, kleiner viereckiger 
Raum diente als Chor. Die Abmessungen des 
Kapellenraumes im Innern, etwa 4 zu 7 ^j., m, boten 
immerhin genügenden Raum. 
An der Nordmauer sind eine Anzahl von Kellerräumen neuerdings aufgedeckt, 
ein größerer mit den Spuren einer Mauerteilung darin und einem TonnengewöU^e, in 
ihn führt eine Rundbogentür mit abgefastem Gewände und Treppen. Nach Osten zu 
ein kleiner Vorkeller, nach Westen wieder ein größerer Kellerraum und daneben em 
kleiner ohne eigenen Ausgang, der von dem größeren aus nur durch ein Loch zugänglich 
war und wohl zu Gefängniszwecken gedient haben dürfte. Ob das sich über ihnen 
ehemals erhebende Haus das 1541 erwähnte neue Haus des Schweickardt oder der 
Neubau von 1 6 1 4 war, kann ich nicht mehr entscheiden, das ganze Aussehen weist fast 
auf das letztere. 




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Fig. gs- Ruine Schauenburg, 

südlicher bezw. südöstlicher Wohnturm, 

Fenster im vierten Stock. 



^) Abgeb. bei Ebhardt a. a. O. Fig. 194. 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 



173 



Von Steinmetzzeichen am südöstlichen Bollwerk finden sich nur spätgotische: 



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Die Biirg ist in geringem Abstände von einem Zwinger umgeben, dessen Mauern, 
nach Norden und Osten am besten erhalten, eine ungefiihre Dicke von 2 m zeigen. 
An der Nordostecke ist ^ 

em bastionartiger runder — -^ 

Vorsprung zu sehen, in Gewölbe re^jtevo». ^a ßv/R^KArEutE 

welchena wir wohl das 
öfters ausgebesserte Boll- 
werk erkennen dürfen ; 
nach Norden und Südosten je ein 
Bollwerk von etwa fünfeckigem 
Grundriß, in der Verdickung seiner 
vorderen Spitze wohl auf die Ab- 
wehr von Feuergeschossen berech- 
net, also erst Ende des 15. Jhs. 
oder Anfang des 1 6. Jhs. angelegt 
In der nördlichen eine liegende 
Scharte mit runder Mittelöffhung 
und weiter, flachbogig geschlossener 
Kammer. An der südlichen eben- 
falls eine Schießscharte; hier die 
interessante Ausbildung der Spitze, 
die Fig. 95 wiedergibt. 

Aus allen Anlagen ersieht 
man, wie sorgsam die Burg gegen 
die Angriffseite nach Osten zu 
geschützt war. 

Um die ganze Burg zog sich 
ein künstlich vertiefter Graben, 
von dem wir schon aus früher 
Zeit wissen, daß er mit Wasser 
angefüllt war. Um diesen Graben ei^e^^lwe 1 



zog sich herum ein Wall bezw. ein 
zweiter Zwinger, von dessen Mauern 
wir im Südwesten und Nordwesten 
noch Spuren sehen, an denen ver- 
schiedene Maueransätze auf wei- 
tere Abteilungen schließen lassen 







Fig. g4. /Quitte Schauenlmrg. Reste der Kapelle. 



Das ei^e Tor zur Burg mag im Norden oder Osten gelegen haben. Von dort 
aus ging man 'durch einen Teil des äußeren Zwingers bis zu dem südlichen, m seinen 
Grundmauern noch erhaltenen Tore. Kaum hatte man dieses durchschritten, ^o bat an 
man sich vor der Zugbrücke, die zu dem merkwürdigen Brückenbau in den oberen ^wmg 



174 



KREIS OFPENBURG. 



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AMT OBERKIRCH. - GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 



175 



hinüberleitete (s. Fig. 96). Dieser Brückenbau schob sich vom oberen Zwinger aus als 
langgestreckter Trakt in den Graben hinein. In seinem Untergeschoß besaß er vom 




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Fig. gS' R^n^ ScMautnhurg. 
EckoMsbildung an der südHchen Bastion, 

zunächst eine Art Wachtstube, mit ganz schmalem Türschlitz und liegenden Scharten, 
sogen. Maulscharten. Dahinter ein längerer, oben durch Fenster erhellter Raum. Die 




Fig, qj. Ofenkachel 
van €Ur Ruine Schauenhurg. 




Fig. g8. Ofenkachel von der Ruine Schauenburg. 

Zugbrücke kann wohl erst über diesem Kellergeschoß angelegt gewesen sein. Hier waren 
die Mauern des Baues von auf Rundbogenfriesen nihenden Wehrgängen begleitet. Unter 



^ 



176 



KREIS OFFENBURG. 



dem Rundbogenfries der Westseite noch bemerkbar ein Entlastungsflacbbogen. Da der 
zweite Zwinger, in den dieser Bau führte, immer noch ca. 7 m unter dem oberen Burg- 
niveau lag, so muß eine Treppenanlage zu dem nahen Torhause emporgefiihrt haben, ^) 




Fig. 99. Ofenkachel twn der Ruine S^hauenbnrg. 



Kacheifundc Von den Funden sind die Architekturteile, die möglicher^-eise von hier stammenn 

schon im Vorstehenden unter Gaisbach beschrieben worden. Außerdem wurden schoo 





Fig. 100 a. 



Spätgotische Ofenkacheln von der Ruine Schauenburg. 

die von der Burg herrührenden, jetzt dort eingemauerten Schießscharten, meist aus den^ 
16. Jh., erwähnt. 2) In neuester Zeit sind dann noch eine große Fülle von Kacheln gefunder. 

^) E b h a r d t gibt eine versuchsweise RekonsUnktion des eben geschilderten Ganzen, die aber 
von etwas kühner Phantasie zeugt. Er hat zwar die historischen Notizen fleißig zusammengetrat,*^^- 
sie aber nicht auszunutzen versucht, überhaupt die Bauten nur sehr flüchtig geschildert, wie sijlI 
sein Grundriß teils flüchtig, teils falsch ist. Schade um die Mängel in dem so schön ai]-;^c 
statteten Buche. 

'^) Einige davon abgebildet bei Ebhardt a. a. O. Fig. 198. 



AMT OBERKIRCH. — GAISBACH. (RUINE SCHAUENBURG.) 



177 



worden. Aus hochgotischer Zeit 
hebe ich hervor das Stück eines 
Drachen (s. Fig. 97), die gut- 
erhaltene Kachel mit der Figur 
eines Greifen (s. Fig. 98), die 
mit einem Papageien (s. Fig. 99). 
Die ersten beiden kehren auf 
Schloß Hohenbaden, aber nicht 
aus demselben Model gepreßt, 
wieder. Dann die spätgotischen 
Stücke: Rest einer Engelsfigur 
(Fig. looa), ein Mann mit 
Schriftrolle über einer Nische 
(Fig. 1 00b), ein Ritter (Fig. 1 00 c), 
auf vorzügliche Model zurück- 
gehend. Aus der Renaissance- 
zeit vor allem eine weibliche 
Figur (s. Fig. loi), in zahl- 




I 




^ig. Joi. Renaissancekachel von der Ruine Schanenburg. 
Band VII. 



Fig, 100 c. 
Spätgotische Ofenkachel von der Ruine Schauenhtrg, 



reichen, glasierten und unglasierten Exem- 
plaren erhalten. Des weiteren : Teil eines 
runden Aufsatzes mit Rauten Verzierung, 
Reste eines Zinnenkranzes mit Blend- 
' fenstem, Teil eines Adlers sowie eines 

i Pfauenschweifhelmschmuckes, beide aus 

I 

r dem Anfange des 16. Jhs., letzterer von 

l der Bekrönimg eines offenbar sehr reichen, 
grünglasierten Ofens, eine Kachel mit 
einem thronenden König, ca. 1500, dann 
eine Anzahl von schwarzglasierten Stücken 
des 17. Jhs., wie sie bei dem damaligen 
schwimghaflen Modelhandel überall vor- 
kommen, kurz, nach Zahl, Verschiedenheit 
und Glasur die Reste von etwa 10—20 
Ofen von 1400 bis gegen 1650. Einige 
Tonziegel wurden weiter gefunden, ein 
Stück einer Pulvermühle, ein sehr früher 
Sporn (Stachelspom), ein kleines Bischofs- 
köpfchen, ca. 2 cm hoch aus Ton mit 
niederer Mitra (i3/i4- Jh.??), ein Spiel- 
zeug (?), eine Anzahl Pfeilspitzen u. a. m. 

13 



itS 



KRFIS OFFENUUHG. 



GRIESBACH 



Schreil «weisen: GmBenbach 1330, 13*^6; Grußpach 1476; Greyspach 1&05; 
(irielM>acher 1617 fil.A, (In ahd. i^rro/ Saml, Kiessand) 

I -itcratur : J. Z e n t n e r , 1 )as Rem hthal und seine Bäder, Freibnrg i S 2 7. J. B ade r 
und Kiefer, 1 nhrer für Fremde durch die ITmgegcncl von Achern und die Renchthal 
und Knieltishäder n.uti Allorheilii^en, Karlsruhe 1849. W, J. A. Werber, l^er Suhi 
süuerling zu Gneshach um hiük' des Kniehi^^^ Karlsruhe und Freiburg 1S40. Ehrharct 



Ortsgeschichte 




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f'^J ^Uifih Miß iiiu). 



Hnd Oriesbarli, Siraßburi^ '^55- ^ ''^i \\ eech, Zur Gesch, der Renchbader, Antoga^t 
Froicrsba<h. (irlesb.uh, IVlersLiF /. 2'Ä, S. 438 — 466. R. Kraus, Zur Gesch. der 
Rcnrbtrilb.uk'r (iricsliach ek. unter wiiriL Herrs! haft, Z. NF. 21, S. loi, C her die 
sonstige rd< he Fiterntur s. Kionit/ und Wagner S. 360. 

Ansiiifitir. \nn ;ilteren Anj^n liten kenne ich nur die hei Mcrinn, Topographia 
Alsaliae (5^.30}, die unsere Fig^. T02 wiedergibt. 

OrtsiiiSihh htt : [m Miuelulter^ wie es srheint, noch nicht von Rede utung» hat Gr, 
eine ?^nldie erst diurh seine Heihvai^ser erlialten. Die iiiteste Nachricht ulier diese ver 
danken wir iknn bt-kannten Arzte binilt Theodor ;uis llergüabern, genannt Taheman^ 
inonLuuH, der in seinem 1503 i\\ Irankhirt tT^rhienenen Buche >^New, Wasserschau 
auf S, 4J3 — 434 u]>tr die Ken« IjI Lider handelt. Seiner Erzählung nach hat zuerv 



AMT OBERKIRCH. — HASLACH. HERZTAL (S. WENDEL). 179 

ein Wilhelm von Schauenburg, als ihm geraten wurde, einen Sauerbrunnen zu gebrauchen, 
diesen in der Nähe gelegenen aufgesucht, mit Erfolg, und ließ ihn dann fassen ; er wurde 
nach ihm der Schauenburger Brunnen genannt Es läßt sich daraus entnehmen, daß 
schon früher die Heilkraft erkannt und benutzt wurde. Ende des i6. Jhs. ließ dann 
der Landesherr, Bischof Johann von Manderscheid — Griesbach gehörte zum weltlichen 
Territorium des Bistums Straßburg, Herrschaft Oberkirch — eine dringend nötige 
stattliche Behausung errichten. Mit der ganzen Herrschaft Oberkirch kam Gr. eine 
Zeitlang an Württemberg, das sich sehr für Bad und Badeordnung interessierte, kam an 
das Bistum zurück und wurde 1803 badisch. Hier in dem rings von den Ausläufern 
des Kniebisstockes umschlossenen Griesbach unterzeichnete am 22. August 18 18 Ciroß- 
herzog Karl die badische Verfassungsurkunde. 

Kapelleiireste: Bei der jetzigen (neuen) Badkapelle, als Schutzgeländer gegen den lUpeiiearette 
Abhang benutzt die fünf spätgotischen Maßwerkf üUungen der Fenster der alten, lei<ler im 

19. Jh. abgebrochenen Badkapelle, die diesen Resten nach ein hübscher spätgotischer 

Bau war. 

Im Betsaal des Badgebäudes geringe Reste aus der alten Kapelle: Barockaltar 

und entsprechende Figuren, Holzwappen der Abte von Schuttern in Barockrahmen. 

An das Remisengebäude angelehnt abgetretene Grabplatte: Totengerippe im 

Relief, darüber Astwerk. 16. Jh.? 



HASLACH 

Schreibweisen: Hasilach prope Obirkilke 1247; Haseiahe 1348; Haseloch, Hasela 
1347; Haßlach 1660. 

Ortsgeschichte: Der Ort, der nach Ulm eingepfarrt war, zum Ulmer Gericht Ortsgcschic hte 
gehörte, wie bis in die Mitte des 19. Jhs. zum Schulverband, war im Distrikt Ullemberg 
gelegen bezw. der Herrschaft Oberkirch und weltlicher Besitz des Bistums Straßburg. Die 
Nachrichten über ihn sind dürftig. Wir hören 1247 von einer curia sita in H. 1519 
wird ein Schlößchen zu Valwen-Hasloch genannt. Letzteres war eine Odung, der 
Name ist noch heute als Flurname Halbhaslach zwischen Stadelhofen und Tiergarten 
erhalten. An das Schlößchen mag wohl auch der 1526 vorkommende Flurname 
>Burg« erinnern. 

Im Ort nichts Altes mehr erhalten. Die Kirche (ad S. Aloysium) ist ein Neubau 
von 1866. 

HERZTAL 

(S. WENDEL) 

Schreibweisen: zu Hetzeiis tal 1346; Hetzelstal 1361; Hetzlinstal 1381; Heetz- 
dall 1571. (Tal des Hetzelin.) 

Der Ort gehörte zur Landvogtei Ortenau, zum Landgericht Appenweier. Yä kommt 
seit dem 13. Jh. in den Allerheiliger Urkunden vor. Seit 1805 badisch. 
Im Ort nichts Erwähnenswertes. Dazu gehört aber die 



i8o 



KREIS OPFENBURG. 







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Fig. loj. S. IVendelin, VVallfaltrtskapelk bei Oberkirch. 






WALLFAHRTSKAPELLE S. WENDELIN 



von der wir bisher nicht nachweisen können, daß sie schon vor dem i8. Jh. bestand 
Aus der Mitte desselben stammt der Bau, eine einschiffige Kapelle mit flacher Apsiv 
Schlichte Seitenwände. In der Fassade eine Tür mit geteiltem Volutengiebel, in originelkr 
Verbindung damit die Außenkanzel mit dem Schalldeckel, der gefallige Rocailledekoraticn 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. l8l 

aufweist (s. Fig. 103). Darüber noch ein Rundfenster und dann der abgetreppte Giebel. 
Auf dessen First, leider in üadschem Klassizismus in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. 
erneuert, ein Glockentürmchen, auf dem — alt — die Figur des h. Wendel, deren Sockel 
von vier naturalistischen, liegenden Tieren getragen wird. 

Im Innern an der Apsis, auf die anstoßenden Kirchenwände übergreifend, ein großes 
GetPiälde, auf die Stiftung der Kapelle bezüglich, im rauschenden Dekorationsstil des Gemälde 
18. Jhs., von tüchtiger Schulung, leider von nicht sehr geschickter Hand restauriert Es 
stellt den h. Wendel dar, die Schafe hütend ; ein anbetendes Ehepaar, eine Vision mit 
Engeln, darüber die h. Dreieinigkeit, im Hintergrund Nußbach, offenbar mit der alten 
romanischen Kirche usw. Das Ganze umrahmt von einer Architektur mit Vorhängen, 
von Engeln gehalten. 

Der Altar im Rocaillestil mit Putten an dem Tabernakel. Aiur 



LAUTENBACH 

Schreibweisen: Lutenbach 1233; Lutembach 1452; Liitembach 1484; Luttembach 
i486. 

Manuskript: Eine Beschreibung der Kirche von Peter Adalbert Hardt, Rektor in 
Lautenbach von 1740 bis 1755, im Pfarrarchiv aufbewahrt (Auf sie geht die Sens- 
burg'sche Beschreibung im wesentlichen zurück.) 

Literatur: Sensburg, Beschreibung der merkwürdigen Kirche zu I^utenbach, 
Freiburg, Herder 1830. Ph. Ruppert, Die Kirche zu Lautenbach im Renchtal, F^^^ -4, 
S. 273—290. * 

Ortsgeschichte: L war wohl, zur Zeit als das Kirchlein gebaut wurde (1471), das Orugcschichte 
dem Ort die kunstgeschichtliche Bedeutung gibt, noch kein Dorf. Damals lagen hier 
nur einige Gehöfte, die in die Pfarrei Obemdorf bei Oberkirch gehörten und wie der 
Grund und Boden, auf dem die Kirche liegt, zum Teil ebersteinisch-badische I.ehen der 
Edlen von Bach und Schauenburg waren. (?) ') Diese Gehöfte werden sich naturgemäß 
schon in der Nähe der Renchtalstraße gruppiert haben. Der Weiler aber gehörte seit 
1303 (s. Ftirsteneck usw.) in das weltliche Territorium des Bistums Straßburg: »homines 
Bertholdi episcopi Argentinensis in dem Lutenbach« heißt es 1 35 1 . Auch Allerheiligen war 
hier frühe begütert Als daher im Jahre 1 470 das Kloster zum größten Teile abbrannte und 
auf Jahre hinaus nicht bewohnbar war, da nahmen die Mönche einstweilen hier Wohnsitz 
und begannen mit dem Bau der Kapelle und des daranstoßenden Klosters, das später als 
Klosterhospiz diente. Ja, eine Zeitlang war die Neigung vorhanden, das in schwer zugäng- 
licher Höhe gelegene alte Kloster überhaupt zu verlassen und dauernd hier in dem 
bequemen, fruchtreichen sowie anmutigen Tale Aufenthalt zu nehmen. Darüber gab es 
manches Für und Wider, bis schließlich die Partei siegte, welche für das Verbleiben an 
der alten Stätte war. Ja, es wurde 1484 ausdrücklich festgesetzt in einer Urkunde, ^j 
daß kein Propst oder Mönch in das Kloster aufgenommen werden dürfe, der nicht 
geschworen habe, nie zu einer Verlegung des Klosters, sei es irgendwohin, seine Zu- 



*) Ruppert, FDA. 24, S. 273. 
^ Ebenda S. 281. 



l82 KREIS OFFENBURG. 

Stimmung zu geben. Immerhin erfreuten sich Kapelle und Hospiz, wo ein ständiger 
Kaplan residierte, häufigen Besuches und der steten Gunst der Pröpste, und damit gedieh 
auch der Ort. Der erste Kaplan an der neuen Kirche (B. V. Mariae), der Konventualc 
Heinrich Vehl von Allerheiligen, der auch, als er 1 5 1 7 Propst geworden war — er 
dankte übrigens 1531 ab — , die Kaplanei behielt, muß nach allem ein guter Verwalter 
und Mehrer des Vermögens gewesen sein. Die Kapelle erhielt immer neue Geschenke, 
so 1483 von dem Junker Volmar von Schauenburg, 1491 dann durch Verfügung des 
Bischofs Albert von Straßburg vom 1 4. Mai allen Besitz der Frauenklause zu Obemdorf. '; 
Von den Schwestern dieser Klause heißt es, sie führten ein äußerst tadelnsw^ertes Leben, 
ja, sie kämen anscheinend aus allen Gegenden der Welt hier zusammen w^en der 
größeren Gelegenheit zu sündigen. Wegen dieser abscheulichen Lebensführung sei die 
Klause aufgehoben, die offenbar ziemlich gut ausgestattet war. Es mögen das wohl nicht 
ganz aus der Luft gegriffene Beschuldigungen gewesen sein, war es doch überhaupt ^t 
Periode größter Lockerung der Klosterzucht. Allerheiligen wußte sich die Vorwürfe gut 
zunutze zu machen. Im Herbst des gleichen Jahres konfirmierte Papst Innocenz YIIL 
die Aufhebung des Klosters und dessen Inkorporation zur Kapelle in Lautenbach. ^ So 
ganz waren aber offenbar die Stifterfamilien, welche die Klause seit Jahrhunderten bedacht 
hatten, mit diesem Vorgehen doch nicht einverstanden, und wohl auf ihr Drängen mußte 
der Bischof anordnen, daß in der Kapelle in L. wöchentlich eine Messe gehalten werde 
fiir die Stifter der aufgehobenen Klause sowie für den ganzen Adel der Ortenaiif 
Einer der früheren Insassen, Anna Rüsch von Reutlingen, die sich durch die Aufhebung 
ihrer Pfründe und Wohnung entsetzt sah, mußte auf das Drängen der Ortenauer Ritter- 
schaft hin Heinrich Vehl als Schaffner des Propstes und des Klosters 1492 12 gute 
rheinische Gulden auszahlen, wofür sie auf ihre Ansprüche verzichtete. *) 

Am nördlichen Ufer der Rench, auf dem Kapelle und Hospiz eben an der Tal- 
straße lagen, mehrten sich nun die Ansiedlungen. Der Ort scheint in den folgenden 
Jahrhunderten von aller Unbill, die die Umgegend so reichlich erfuhr, ziemlich verschont 
geblieben zu sein. Zwar hören wir, daß im Bauernkriege ein stattlicher Haufen, wie in 
dem Oberkircher Klosterhof, auch hier übel gehaust habe, allein so wie dort kann er 
nicht auch hier die Heiligenbilder zertrümmert, die Wappen in den Fenstern zer- 
schlagen, die Grabsteine geraubt haben; dafür ist die Kapelle heute noch zu gut mit 
allem Inhalt erhalten, was auch beweist, daß sie sowohl im dreißigjährigen Krieg i»ie 
auch in den Franzosenkriegen verhältnismäßig schadlos durchgekommen ist. Den ver 
schiedenen Besitzwechsel, nämlich die zeitweise württembergische Herrschaft, dann die 
Rückgabe an das Bistum, machte der Ort wie die ganze Gegend mit, 1 803 wurde er 
badisch. Die Eisenschraelzerei, die der Bischof Franz Egon von Straßburg im 16. Jh. 
hier begründet hatte, bestand bis 1780. 
Kirche Die Kivche (B. V. Mariae), mit ihrer fast vollständigen Innenausstattung aus der 

Zeit ihrer Gründung, ist in den Jahren 147 1 bis 1488 fast fertiggestellt worden (s. Fig. 104). 
Begonnen wurde ihr Bau unter dem offenbar sehr kunstverständigen Propste Andreas 
Rohart von Neuenstein (f 1474) aus dem Oberkircher Geschlechte, das mit den 

^) Ruppert, FDA. 24, S. 286. 
^) Ebenda S. 287. 
8) Ebenda S. 287. 
*) Ebenda S. 289. 



AMT OBERKIRCH. - I-AITTENBACH. 



•83 




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Fig, 104. Grundriß der Kirche in Lautenbach. 

Gütern auch den Namen der ausgestorbenen Adelsfamilie, deren Burg ganz in der Nähe 
auf den Bergen am linken Ufer der Rench lag, übernommen hatte, etwa um 1470, 



l84 KREIS OFFENBURG. 

Die alte Angabe, daß der Bau auf dem Erbgute des Propstes Rohart von Neucn- 
stein selbst erstanden sei, scheint nicht stichhaltig zu sein. Der Vertrag über die Dotierung 
der Kirche und über den Bau ist wohl nicht mehr erhalten. Eine Urkunde von 1526 
berichtet aber,') der Boden, auf dem die Kirche steht, habe zu dem Bachschen 
Lehensgut gehört, das ein gewisser Peter Danner als Zinslehen bebaute. »Als man nit 
platz hatte, daruff man gebuwen möcht«, kauften die Bauherren des Danners Gütchen, 
»samenthaft und um das halbgeschenkt«. Und »da der erst stein gesetzt was, da legt 
ir jeder ein gülden uff den stein und rittent hinweg«. Bauherren waren nach Ruppert 
»der Propst von Allerheiligen, der als Pfleger die Bauverträge abschloß, das Vermögen 
der Kirche verwaltete und dieselbe in allen Streitigkeiten vertrat, der Junker Georg 
von Bach und der Junker Friedrich von Schauenburg«.^) Am Portal (s. unten) findet sich 
das Wappen der beiden letzteren, außerdem zweimal dasjenige des obengenannten 
Bischofs Albrecht von Straßburg, nicht des Markgrafen von Baden, wie irrtümlich 
behauptet worden. Die Wiederholung deutet wohl auf einen besonderen Anteil des 
kunstsinnigen Bischofs. 

Als Baumeister hatte man den Meister Hans Hertwig, Steinmetz aus Bergzabern, 
berufen, der einmal 1000 fl., dann 70 und wieder 38 fl. erhalten hatte. Es »habe«, 
heißt es in einer Urkunde, ^) »derselbe meister Hans drey verding an unserer lieben 
frawen capell zue Luttenbach getan, das ein umb tausend gülden, das ander um 
sibenzig gülden, das dritt umb acht und dreisig gülden in einer benannten zit ußzu- 
machen, alles nach Inhalt dreier Zettel darüber begriffen«. Der Propst Andreas Rohart 
von Neuenstein war unterdes (1474) gestorben, auf ihn war Georg Federle gefolgt 
(+ 1477)' Auch er sah aber die Vollendung der Kapelle nicht, dagegen wohl sein 
Nachfolger Johannes Magistri (f 1492). Um Mittel für den Bau flüssig zu niachen, 
erlaubte 1480 der Bischof von Straßburg die Aufstellung eines Opferstockes zum Ausbau 
und zur Erhaltung. Meister Hans aber wurde nicht zur richtigen Zeit fertig. Der 
Propst klagte daher i. J. 1481 beim Gericht zu Oppenau, aus dessen Urteilsurkunde 
vom 12. November obige Sätze entnommen sind, »es seye dieselbe zit verschinen und 
deren keins noch nit ußgemacht und darzu über die obgemelt drey summa me uff- 
genommen und hoff, er solt ihm Sicherheit geben, die gemelten drey verdinge noch hent 
bey tage ußzemachen, und ihn auch umb solches, so er me über die obgemelten drey 
summen uffgenommen hat ußzerichten und ein gnügen zue thun« etc. Meister Hans 
mußte die Anklagen zugeben, »aber er wer frembt und wißte solche Sicherheit nicht 
uffzebringen und begerte gnad«. Die Zwölfer zu Oppenau aber luteilen: »dieweyl der 
antwurter frembd sey . . . ., woU dann der cläger nit entbeeren, so soll der antwurter 
schwören, solche drey verding ußzemachen und solle der cläger ihme dieweyl essen 
geben«. Doch war bis zum 4. Februar 1482 das Ausbedungene noch nicht völlig 
fertiggestellt, und in einer Urkunde von diesem Datum bekennt das der Meister, der 
160 fl. über die vereinbarte Summe aufgenommen hatte; er gelobt, den Bau zu 
vollenden, und verzichtet für sich und seine Nachkommen auf alle Ansprüche, die aus 
dem Bau hergeleitet werden könnten. »Ich Hans Hertwig von Bergzabern, 
Steinmetz, bekenne offenlich in disem brieff, als ich der capellen halb unser lieben 

^) Ruppert a. a. O. S. 294. 

2) Ebenda. 

8) Ruppert a. a. O. S. 279 f. — GLA., AUerh., Kopialbuch 3, 5, 8. 292. 



ABTT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 



i8S 



frawen zu Luttenbach drey verding, eins umb tusent, das ander umb sibenzig, das dritt 
umb dreißig und acht gülden getan han, die capell und etliche stuck darinnen 
in einer gesetzten zit in kerfzedeln darüber vergriffen, bestimbt, auch ußzumachen und zu 
vollnbringen, und aber in gesetzten vergangen zilen ich solche gebuwe nit volnbracht 
und dannoch gemelte summa gülden uffgenommen, auch hundert und sechzig gülden 
mehr, dann die verding inhaltent, uffgenommen han. Darumb ich bekenne, solche 
verdinge ußzumachen, auch die mehr uffgenommene himdert und sechzig gülden 
zu bezahlen schuldig bin. 

Wann ich aber armut halb daß nit vermag, so han ich mit andern minen guten 
gönnem den würdigen geistlichen herren Johannsen, probst des closters zu Alienheiligen 
im Schwarzwald, pfleger der obgenannten capellen emstlich gebetten und erbetten, daß 







fis- foj. Ansicht der Kirche in Lautenbtuh aus dem Jahre i486. 

der mich egemelter verding und darüber uffgenommene summe hundert und sechzig 
gülden gnediglich erlassen und quittirt hat Haruf so verzihe ich Hans Hertwig für 
mich und alle mine erben in craft diß brieffs uff alle forderung und ansprach, so ich 
oder mine erben, noch jemand von unseretwegen gemelter verdings und buws halb gegen 
den obgenannten minen gnedigen herren probst sinen nachkommen, sine closter und 
der capellen zu Luttenbach und welchen das berüren mag, immer erdenken, fÜmehmen, 
suchen noch finden möchte in dhein weg, alle geverde und argelist gar ußgeschlossen. 

Deß zu Urkunde han ich Hans Hertwig mit vliß gebetten den frommen und vesten 
Junker Hans von Nüvenstein und Junker Stefan Mollenkopf vom Ryse, daß der ir 
yeglicher sin eigen ingesigel an diesen brief hat lassen henken. Des wir dieselben Hans 
und Stefan bekennen, also umb siner ernstlichen bitte willen getan hant, doch uns und 
unsem erben on schaden. 

Der geben ward uff montag nechst nach unser lieb frowentag der liechtmeß in 
dem jare als man zalte nach Christi, unsers lieben herrn geburt 1482 jare.«') 

1) GLA., AUcrh., Kopialbuch (4) 6, S. 672. — Ruppert a. a. O. S. 280 f. 



l86 KREIS OFFENBURG. 

Diese wichtige Urkunde kann ich nicht mit Ruppert dahin interpretieren« daß 
der Meister damit von seinem Werk geschieden sei. Ich glaube eher annehmen zq 
dürfen, daß er dasselbe in den kommenden Jahren vollendet hat, und da von »etlicben 
stuck darinnen« die Rede ist, als Steinmetzarbeiten aber doch eigentlich nur noch die 
prachtvolle Gnadenkapelle mit der Jahreszahl 1485 und der Lettner mit dem Datum 1488 
in Betracht kommen, so möchte ich glauben, daß der Künstler auch diese ausgeführt 
und dann erst die Stätte seiner Wirksamkeit verlassen hat. Die Inschrift am Portal: 

anno i bniiftixUi pribie 
fialen i augit|$tt i inceptu i 
e^t i Sqc i tbifitinm i 

die den Beginn des Baues auf den August 147 1 festsetzt, läßt es auch für damalige Zeit 
als nicht gerade erstaunlich erscheinen, daß er 1482 noch nicht durchaus vollendet 
war, und so werden die Pröpste keineswegs gesonnen gewesen sein, den hervorragenden 
Künstler zu entlassen, sondern vielmehr ihn genau zu binden. 1488 konnte die Kirche 
geweiht werden. 
Baubeschreibung Die jetzige Pfarrkirche, ehemalige Kapelle B. V. Mariae zu Lautenbach (s. Fig. 1 05), ist 

ein einschiffiger Bau, aus vier Gewölbejochen bestehend. Das unregelmäßige Netz- 
gewölbe wird von Halbpfeilem getragen, die in tiefen Hohlkehlen und Rundstäben 
profiliert sind, welch letztere in die Gewölberippen übergehen. Diese haben das trockene 
Profil der Spätzeit mit flacher Hohlkehlung. In den neun Schlußsteinen fdnfiaaal krauses 
Rankenwerk, dann vier Wappenschilde mit neu aufgemalten Wappen. An das Schilf 
schließt sich der Chor, der im Lichten 11,3 m lang und 7 m breit ist; er endigt in fünf 
Seiten des Achtecks. Sein Netzgewölbe, dessen Rippen auf polygonalen Konsolen auf- 
ruhen. Wie aus dem Plan ersichtlich, steht der Chor nicht genau in der Achse, sondern 
weicht um über i m nach Süden ab, was indes durch den vorgelegten Lettner dem 
Beschauer kaum zum Bewußtsein kommt. Ein Grund dafür ist nicht ersichtlich, es sd 
denn der, daß damit die Nordwand der angebauten Sakristei in einer Linie mit den 
Strebepfeilern steht. Gegen das Langhaus zu öffnet sich der Chor in großem Spitz- 
bogen, dessen I^aibung durch einen starken Wulst und zwei Hohlkehlen profiliert ist 
Strebepfeiler mit zweimaliger Abtreppung, deren eine als Wasserschräge und Kaffgesiros 
sich um den ganzen Bau herumzieht, und leicht konkaver Abdeckung stützen die Gewölbe 
der Kirche, deren Langhaus an der Nordseite durch zwei einpfostige und zwei zwei- 
pfostige Spitzbogenfenster mit flamboyantem Maßwerk erhellt wird, während an der Süd- 
wand das westlichste Fenster wegen des Klosteranbaues hier wegfällt. Vier ähnliche 
zweipfostige Fenster erhellen den Chor, den Gewölben unter dem Lettner wird durch 
zwei kleine, geradsturzige Fenster licht zugeführt. Die Fassade des alten Baues zeigte 
das unten besprochene Spitzbogenportal, über dem sich die Wasserschräge in die Höhe 
zog, bis zu der zweiten Schräge, auf welcher ein großes dreipfostiges Spitzbogenfenster 
mit flamboyantem Maßwerk aufsaß. Den einfachen Giebel der Fassade bekrönte ein 
kleines Dachreiterchen mit (^löckchen. In einem provisorischen Bau des 16. Jhs. auf 
der Nordseite befanden sich die Glocken. 
Umbau Eine spitzbogige Tür mit abgeschrägtem Gewände gestattet den Eingang in das 

Langhaus von Norden ; eine geradsturzige mit Hohlkehlen und sich kreuzendem Stabwerk 
fuhrt vom Chor in die Sakristei, eine dritte in den Pfarrgarten. 



Taßt ly 




Lütittntmk, PfitiitI iier Kit cht. 




AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 



187 



Der Bau, in den archi- 
tektonischen Teilen aus dem 
roten Sandstein der Umgegend, 
besteht im übrigen aus ver- 
putztem Bruchsteinmauerwerk. 
— Er hat schon länger den Be- 
dürfnissen der Gemeinde nicht 
mehr genügt, und mir liegt 
ein Plan und eine Fassaden- 
ansicht von 1847 ^'or, wodurch 
das Äußere der Kirche gründ- 
lich mit einem Turm nach dem 
Vorbild des Freiburger Münsters 
verändert worden wäre. Dieser 
Plan kam jedoch glücklicher- 
weise durch das Eingreifen des 
Konservators von Bayer nicht 
zur Ausführung, erst im Anfange 
des jetzigen Jahrhunderts ist 
durch den damaligen erzbischöf- 
lichen Baudirektor Meckel der 
Wunsch nach Erweiterung und 
nach einem Turme erfüllt 
worden. Wie sehr dabei das 
Alte geschont wurde, geht aus 
unserem Grundriß deutlich her- 
vor. Der an die Nordseite 
angebaute Turm paßt in seiner 
einfachen und doch schmucken 
Elrscheinung diu-chaus hierher, 
die Fassade ist in der alten 
Schlichtheit aufgebaut, in ihr 
das alte Portal mit dem er- 
neuerten Holzdach und das 
alte Spitzbogenfenster. 

Die Gewände {Tafel IV) 
des Portals sind in Hohl- 
kehlen und Wülsten profiliert; 
an dem Mittelpfosten greift 
der mittlere Wulst auf das 
Tympanon über und endigt 
hier in einem krausen Laub- 
kapitell, das der fast lebens- 
großen Gestalt der Madonna 

mit dem Kind (s. Fig. 106) als Fig. 106. Madonna mit Kind, vom Portal der KircJu in Lauten bach. 




i88 



KREIS OFFENBURG. 



Postament dient (aus gelbem Sandstein), über ihr zwei Engel mit gefiederten Körpern, 
sie hielten wohl mit ihren jetzt abgehauenen Händen die Krone. Darüber ein Baldachin 
mit knorrigem Astwerk. 

Zu beiden Seiten der Madonna, fast in Vollplastik durchgefilhrt, zweimal das Wappen 
des damaligen Bischofs von Straßburg, Albrecht von Witteisbach, dann das Wappen der 
von Bach (die Schnecke) und der von Schauenburg. Auch in diesen Wappen eine 
technisch hervorragende Steinmetzarbeit, gehören die Skulpturen des Portals, vor allem 
die Madonna mit dem Kind und die Engel, zu den allervorzüglichsten Werken des aus- 
gehenden 15. Jhs. 




Fig, loy, Lettner in der Kircfu zu Lautenbach. Ansicht vom Langhaus. 



Inneres 



Über dem Spitzbogen des Portals die schon oben wiedergegebene InschrifL 
Im Innern an der Südseite des Langhauses die Gnadenkapelle angebaut, welche 
das wundertätige Gnadenbild umschließt (Tafel V), durch das die Kirche zu einer 
vielbesuchten Wallfahrtskirche wurde. Die Kapelle ist ein üppiger Bau der Spätgotik, 
dem aber trotz der überreichen Formengebung, den sich diu-chschneidenden Bögen, den 
Fialen, den Krabben und den Fischblasen die Klarheit des Aufbaues nicht verloren 
gegangen ist. Ein Fenster nach Osten, zwei nach Norden, eines mit eingefügter Tür 
nach Süden; zwischen ihnen Pfeiler mit Hohlkehlen und Rundstäbchen auf hohen, 
steilen, gerauteten oder geriefelten Basen, Wimpergen etc. in Nachbildung üppigst ent- 
wickelter Strebepfeiler. Die sie verbindenden Bögen durchschnitten von den kielbogigen 
Wimpergen der Fenster. Der Sockel durch Kleeblattblendbögen geziert Ein Netz- 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 189 

gewölbe deckt das Ganze, dessen Rippen sich am Ende kreuzend in der Wand ver- 
laufen. In den Schlußsteinen die Wappen der Bach, der Schauenburg und ein schwarzer 
Adler in Gold (Bemalung neu). — An einem der Pfeiler der Kapelle am Äußern die 
Jahreszahl IA87 eingehauen. Nach dem Manuskript des Pater A. Hardt wäre sie 1488 
geweiht, was mir zu spät scheint imd wohl aus falscher Lesung obiger Jahreszahl (statt 
1485: 1487) entstanden ist Das Mauerwerk der Kapelle, aus etwas hellerem Sandstein, 
ist mit dem des Langhauses nicht bündig; da, wo sie an die Pfeiler desselben etwas 
unvermittelt anstößt, ist die Ritze durch Mörtel zugeschmiert, auch reicht das Langhaus- 
fenster mit seiner Sohlbank noch ziemlich unter das Gewölbe herunter. Daraus darf 
man aber den Schluß ziehen, daß die Kirche selbst schon spätestens 1485, vor dem 
Beginn dieses Einbaues, fertiggestellt war, also etwa zwei Jahre nach dem obenerwähnten 
Geständnis des Meisters. 

Drei Jahre später ist der Lettrur{s. Fig. 107) fertiggestellt worden, der sich in der Lettner 
ganzen Breite des Langhauses vor den Chor legt; vier schlanke, achteckige Pfeiler mit 
steilen Basen und Kapitellen, die aus zwei Hohlkehlen und einem Plättchen bestehen, 
tragen die fünf Spitzbogen; die Archivolten sind mit sich schneidenden Stäben profiliert, 
an dem Schlußstein des einen Bogens die Jahreszahl 1X88. Das Netzgewölbe des 
Lettners, dessen Rippen einesteils in den Pfeilerkapitellen, andererseits sich durch- 
schneidend an der Wand verlaufen, weist 14 Schlußsteine auf, darin die vier Evangelisten- 
zeichen in Flachrelief, die Halbfigur der Madonna mit Kind und der h. Norbert ab- 
wechselnd mit krausem Blattwerk. Der mittleren Arkade entsprechend führt in der 
Rückwand eine spitzbogige Öffnung, deren Gewände in Hohlkehlen und Rundstäben 
profiliert ist, in den Chor. Verschlossen wird sie durch ein schönes altes Gitter mit 
Rauten- und Quadratmuster in Gußarbeit. Die Arkadenzwickel sind durch kleine 
Kleeblattblendbogen belebt, darüber erfolgt der Abschluß durch eine Balustrade mit 
Fischblasenmaßwerk; eine entsprechende schließt nach dem Chor zu ab, von dem aus 
eine sehr malerische Wendeltreppe mit Stabgehäuse, die Tür im Kielbogen geschlossen, 
mit ähnlicher Balustrade emporführt zu seiner Plattform, auf der noch die alte Mensa 
des Kreuzaltares steht. 

Wenn auch einfacher gehalten, so zeigt der im gleichen Sandstein gehaltene 
Lettner doch in den Einzelheiten so viel Anklänge an die Gnadenkapelle, daß man 
beide dem gleichen Künstler zuschreiben wird. Auch der Lettner ist ursprünglich nicht 
geplant gewesen, wie sich aus dem Anschluß an die Mauer ergibt. Das hindert aber 
meines Erachtens nicht, in ihm und der Gnadenkapelle Werke des Hans Hartwig zu 
sehen: die »etliche stuck darinnen«, wie es oben heißt, die derselbe auf Grund eines 
neueren Beschlusses der Bauherren einfügte. 

An der Südwand des Chors befindet sich eine Kredenznische mit geradem Sturz, Krcdenioische 
Rahmenwerk aus Hohlkehlen und sich diu-chkreuzendem Stabwerk. An der Nordwand ist 
die Sakristei angebaut, aus zwei Jochen mit Netzgewölbe bestehend und mit einpfostigen Sakristei 
geradsturzigen Fenstern erleuchtet, Sie ist gleichzeitig mit dem Hauptbau entstanden. 

Der ganze Bau aber, auf den wir zum Schlüsse noch einmal einen Blick werfen, 
ist das hervorragende Werk eines feinen Künstlers. Ungeachtet der hier und da 
trockenen Behandlung des Details ist er so gut durchgeführt, in der eher sparsamen 
Ausschmückung, die nur an zwei bevorzugten Stellen, der Gnadenkapelle und dem 
Lettner, üppig wird, so wohl erwogen, daß wir gerne die weiteren Spuren des 



190 



KREIS OFFENBÜRG. 



an 



an 



am 



am 



Hochaltar 



Meisters verfolgen möchten. Daß bei der Lage seines Heimatsorts und der Lauten- 
bachs wir das Elsaß und vermutlich Straßburg als seine künstlerische Heimat ansehen 
müssen, darüber wird kein Zweifel bestehen. Aber wohin er sich von Lautenbach 
gewendet, kann ich bis jetzt nicht nachweisen. Man könnte sich versucht sehen, ihn in 
dem Meister Hans wiederzufinden, der 1497 am Theobaldraünster zu ITiann tätig war, 
über dessen Tätigkeit wir indes auch nichts Genaueres erfahren. *) 
Von Steinmetzzeichen finden sich an den Pfeilern: 

der Fassade: *+* h "K ^ ; 

der Gnadenkapelle: 4:T'J4't'?i\'T'T1^ /tv 1 ^ ' 

am Äußeren des Langhauses : A 1/ [^ \A / • 

Ausstattung AusstuttUHg: DtT Hocftaltar (s. Fig. 108), ein großer Flügelaltar, zeigt im Mittel- 

schrein unter einem äußerst kapriziösen spätgotischen Gewölbe, dessen Rippen ¥ne 
Astwerk behandelt sind, in Nischen aus dem Achteck, die durch sich durchkreuzende 
Rundbögen verbunden sind, die Holzstatuen der Maria mit dem Kind, über der Engd 
die Krone halten, den h. Johannes den Täufer und Johannes den F.vangelisten, ca. 1,50 m 
hohe Gestalten. Darüber in graziösem, leichtem Aufsatz aus Stab werk, Fialen und 
Krabben die in kleinerem Maßstab gehaltene Figur des Schmerzensmannes. Auf den 
Flügeln innen, links vom Beschauer, die Geburt Christi, unten die Beschneidung, rechts 
oben die Anbetung der Könige und unten die Darstellung im Tempel. Diese Bilder, 
wie auch die der Außenflügel 1,60 m hoch und 1,20 m breit, sind an ihrem oberen Rand 
jeweils durch ein geschnitztes gotisches Rankenwerk abgeschlossen, während die Bilder 
der Außenflügel durch in vergoldete Kreide eingedrückte Frührenaissanceornaraente 
abgeschlossen werden. Sie stellen dar: links oben die Geburt Maria, unten die Heim- 
suchung, rechts oben die Verkündigung, links den Tod Mariens. 

Nach P. Ilardt sind an dem Saum des oberen Kleides der Marienstatue zu lesen neben 
anderen anmutigen Lobsprüchen : >die zwey altar fassen undt vergolden Joseph Rier der meister und 
fixcl sein gesell«, wovon ich indes nichts konstatieren kann. 

Zu dem Bilde der Geburt Maria auf dem einen Außenflügel mit der Figur des knieenden 
Stifters in Gestalt eines Propstes von Allerheiligen mit dem Wappen, der Mond und ein Stern, 
bemerkt dasselbe Manuskript, daß »dessen nahm an dem ranft der tafel geschrieben wardt nrmmlich 
petrus Burckardi«. Auf dem Bilde des Englischen Grußes findet sich die kleine, knieende Gestalt 
eines Prämonstratensermönches, »dessen nahm ebenfalls an dem ranft deß flügels zu lesen war: 
nemmlich F: Fidentius Jehle: Dieser beider Herrn nahmen sind nunmehro mitt färben Qberfahreo 
undt zugedecket«. In der Zeit, als P. Adalbert Hardt in Lautenbach Rektor war, hat man die 
Renovierung des Altares vorgenommen, bei der dies Überstreichen stattfand. Ob er richtig gelesen 

^) Weltmann, Deutsche Kunst im Elsaß, S. 188. 



Tafel VI 




Lautenback, Mittelschrein des Hochaltars. 



4<: 

H - 



AMT fiBERKlRCH, — LAirrKHBACII. 



1*31 




Fi^. 10S. Hi>£ktji/ijf jßi tiir Alnki m Lautindii^h. 



192 



KREIS OFFENBURG. 



hat, ist unsicher; statt Fidentius Jehle wäre Heinrich Vehle verständlicher. Ebensowenig wissen wir, 
ob diese Beischrift ursprtlnglich war; die Art, wie sie angebracht gewesen sein soll, ist nicht gerade 
vertrauenerweckend; immerhin kann sie auf einer guten Tradition beruhen. Bei jener Renovation 
wurden zuerst einmal die Holzteile gründlich gereinigt, und der Pater erzählt uns: »Die Vergoldung 
deß ganzen altars ist also dauerhaft aufgetragen, daß wir bey Renovierung desselben 3—4 Ktibel 
voll Wasser an die bilder, selbige von dem s. v. vogelsunrath zu säubern, geschüttet undt ist noch 
nit eines hellers groß gold davon gefallen ; eben dieser altar ist laut einer gothischen schrift mittsampt 

der Kirchen consecriert und ein- 
geweyhet worden : Anno 1483 
in hon. B: M: v: Joannis Bap- 
tistae et Joannis Evangelistae 
Dominica proxima ante festum 
S. Michaelis. Darum ist allzeit 
der nächste sonntag vor diesem 
fest begängung der Einweihung 
der großen Capelen bey dieser 
wallfahrt.« Das Datum kann 
nun natürlich nicht ftlr den Auf- 
satz, sondern nur für die Ein- 
weihung der Kirche und die 
Weihe der Mensa gelten. Wichtig 
aber ist die Notiz über die 
Renovierung, der in unserem 
Jahrhundert eine zweite gefolgt 
ist, so daß die Fassung nur noch 
zum Teil die ursprüngliche ist. 
Gelegentlich der vom 
Großherzog von Baden i. J. 1902 
einberufenen Konferenz über die 
Baidung zugeschriebenen Ge- 
mälde im Kloster Lichtental 
wurden auch diese Gemälde den 
in Baden versammelten Forschem 
vorgezeigt, deren Urteil dahin 
ging, daß die Bilder auf Schul- 
verwandlschaft mit B a 1 d u n g 
hinweisen.^) 

Die Holzskulpturen 
(Tafel VI) des Altars in ihrer 
etwas manierierten Haltung 
und Fußstellung (s. insbeson- 
dere die beiden Johannes), 
in den überaus reichen, in tiefen Falten gebauschten Gewändern sind echte Kinder der 
Spätgotik. Aber die dabei weiche Behandlung des Ganzen, die freien und gut individuali- 
sierten Haare, wie die Behandlung des Fleisches und der Köpfe weisen sie schon in die 
Zeit der beginnenden Renaissance. Ebenso der Typus der Madonna und des aufrecht 
sitzenden Kindes, in dessen auffallender Haltung der Künstler wohl die Bedeutung des 
Heilandes ausdrücken wollte. Originell auch das Motiv des langen, offenen Hemdes. 
Das Kind legt jetzt der Madonna eine Birne auf die äußere Handfläche, was sinnlos ist; 

^) Gemälde des XV. und XVI. Jhs. im Kloster Lichtental, Repertorium für Kunstwissen- 
schaft XXV, S. 477. 




Fig. rog. Darbringung im Tempel. 
(Gemälde vom Hochaltar in Lautenbach.) 




Fig. HO. Detail von der Darhringung im 'J'ernpci. (Cicmiihie rom Ilochaltiv in F.aiitcnhacli.) 
Band VIT. Zu Seite 192. 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH, 



ia die Hand der Jungfrau 
iber angesetzt ist, so dürfen 
wir wohl annehmen, daß sie 
»meuert und daß ursprüng- 
ich die Mutter die Bime dem 
Kind hinreichte. Die gleiche 
rierliche und manierierte Bein- 
stellung wie die zwei Heiligen 
zeigt der Schmerzensmann 
ies Aufsatzes. Das Taber- 
nakel mit den kleinen Figuren 
der Evangelisten zwischen den 
Spitzbögen seiner Maßwerk- 
fenster entstammt der gleichen 
Zeit, auf die auch die 
Schnitzerei der Bögen, Krab- 
ben und Gewölbe hinweist: 
dem ersten oder zweiten Jahr- 
zehnt des 1 6. Jhs. Denn dahin 
wird man doch wohl die 
Figuren ansetzen, von denen 
ich nicht zu viel sage, wenn 
ich sie für Meisterwerke ersten 
Ranges erkläre. Einen Schul- 
zusammenhang vermag ich 
nicht zu konstatieren, es 
sind eben Werke der ober- 
rheinischen Plastik, ^) die im 
Anfange des i6. Jhs. insbe- 
sondere in Colmar, Breisach 
und Freiburg so schöne 
Früchte gezeitigt hat. 

Bei den Gemälden macht 
sich auf den ersten Blick 
eine gewisse Verschiedenheit 
geltend; die der Innenflügel 
stehen beträchtlich über denen 
der Außenflügel und scheinen 
auch von anderer Hand. Auf 
den Innenbildem fällt uns 
neben der vorzüglichen Kom- 

^) Ich sage ausdrücklich nicht 
«Isässischen, da das meines Ei> 
achtens eine unstatthafte Ver 
«ngenmg des Begriffes ist. 



Band VU. 




Fi^. III. Der Kerzenträger auf der Darbringung im Tempel. 
(Gemälde vom Hochaltar in Lautenbach.) 

«3 



194 



KREIS OFFENBURG. 



Position ein ausgebildeter Geschmack in schönen Stellungen (s. Fig. iii), hübschen 
Kopfhaltungen, eleganten Gewändern auf; daneben der Männertypus mit dem stark 
gewölbten Schädel, einer Einziehung über den Augen und stark hervortretenden Augen- 
knochen, kräftig und gut wirkend (s. Fig. iio). Leer und nur in den seltensten Fällen 
geßlllig der übrigens noch nicht feststehende Frauentypus, der einmal sogar mit dem 
kleinen, runden hervorspringenden Kinn und dem mächtig runden Oval des Gesichtes 

die Karikatur streift, d. h. 
^<^ A^^f ^St^^xSl vollständig verzeichnet ist 

Auch die meist fettes 
Hände leiden oft an 
Zeichenfehlem (s. Fig. 1 1 1] 
und erwecken nicht den 
Eindruck des wirklichen Zih 
greifens. Erstaunlich dem- 
gegenüber die so aus- 
drucksvollen, in ihrer B^ 
wegung ausgezeichnet auf- 
gefaßten Gestalten Simeons» 
des Hohepriesters und des 
Beschneiders (s. Fig. 112I, 
die schönen Figuren da 
Kerzenträger (s. Fig. 113!!, 
die ja nur wenig hervor- 
tretende, dann aber flott 
hingemalte Felsenland- 
Schaft. — Die Malerei 
nicht sehr pastos, zeigt bei 
den besten Figuren satte 
Farben in geschmackvoller 
Zusammenstellung, sonst 
hier und da etwas Ver- 
blasenes. Das Kostüm 
(s. den Mohr, sowie überall 
die Schuhe) scheint mir 
auf das zweite Jahrzehnt 
des 16. Jhs. hinzudeuten 
(s. Fig. 114). — Die Ungleichheit auf den Bildern lediglich aus der mehr oder minder 
guten Nachahmung eines größeren Meisters zu erklären, scheint mir bei der auch bb 
ins einzelne der Köpfe vorzüglichen Durchbildung des Besten nicht statthaft; wir haben 
eher hier ein junges Talent vor uns, das noch nicht gefestigt in seiner Naturanschauung ist 
Schablonenhafter muten uns die Außenflügel (s. Fig. 1 1 5) an. Jenen charakteristischen 
Männertypus finden wir hier nicht wieder, auch nicht das Frauenantlitz. Letzteres zeigt 
mehr den hergebrachten und wie mir scheinen will, schwäbischen Typus, das erstcrc 
ist schwächlicher und hat eine gewisse Verwandtschaft mit Typen der späten Schongauer- 
schule (?). Architektur, Landschaft und alles Beiwerk treten, nicht zugunsten der Kom- 




F/g. 112. Die Bcschneidutig Christi. 
(Gemälde vom Hochaltar in Laufenbach.) 




b 



ft 



ftg, ifj, fJfiaJ/ aui ticm Gemtiide dir Heickfidämig C/tmti mm HiKfmlhu tu LaHtmbmh. 
&^d VTl. Zu Seite tq4 




AMT OBERKIRCH. — LAUTENIIAlH 



>9S 




I*ig. 144. Anh€tHft^ tti 



I iti'maiik vif/fi //fif/tti/tifr in LanUHitathJ 



posftiOTi, stärker hen^or. Auf dem ilild^^ der Heitnsuchung^ werden wir entschädigt durch 
neu sehr geschickten Ausblick in ein felsiges l'lußtal mit weich %'erschwimmender Feme. 




196 KREIS OPFENBURG. 

Den Gesamteindruck möchte ich dahin formulieren : wir haben die Arbeit einer 
älteren Werkstatt vor uns, in der ein junges Talent nur zum Teil zum Wort kommt 
Auch für die Bilder aber ergeben sich die Anfangsjahrzehnte des 16. Jhs. als £m- 
stehungszeit, und so gewinnt die Notiz des P. Hardt über den Namen des Petrus 
Burkard, der von 1492 bis 15 14 Propst von Allerheiligen war und im Chor der Kirdie 
zu Lautenbach begraben liegt, einigermaßen an Wahrscheinlichkeit. Jedenfalls werdai 
die deshalb hier etwas ausführlicher besprochenen Bilder bei jeder Untersuchung der 
oberrheinischen Malerei am Anüsinge des 16. Jhs. von großer Wichtigkeit sein. 

Auf dem Altartisch, an den Aufsatz angelehnt, zwei Gemälde mit den Brustbikkni 
der Heiligen Gregor und Ambrosius, die Reste der alten Predella. 

Auf der Rückseite der Predella die Brustbilder der h. Katharina und Magdalena, 
Ursula und Margaretha, jeweils mit dem Veronikon dazwischen, leider bei der Herrichtung 
des Altares sehr zerstört. 
Rechter Der rcchtc (vom Eintretenden) Seitenaltar (s.Fig. 116) »zu Ehren der h. Beichtiger 

Seitenaltar . 

und Bischöfe und der h. Wittwen und Jungfrauen« zeigt im Mittelschrem unter einem 
Doppelbogen, der auf gewundener, in der Mitte zusammengefaßter Säule ruht, die 
Statuen der Heiligen Wolfgang und Martin (ca. i m hoch), über dem Bogen Rankenweit- 
füllung, auf den Seitenflügeln innen im Flachrelief die Heiligen Antonius Ekemit und 
Wendelin, in ihren Heiligenscheinen eingepreßt die Inschriften in mißverstandene 

Majuskeln : 

O A HER ^ SANTA ^ ÄNOONI ^ BIT . - 
imd 

^ O HER A SANTA ^ VENDEL ^ BIT - • 

Auf den Außenseiten der Flügel gemalt die Heiligen Wolfgang und Martin, letzterer 
im Kostüm vom Anfang des 16. Jhs. mit Schaube und Mütze. In den Heiligenscheinen 
wieder die Inschriften: 

O SAH (sie!) T A WOLGÄN ^ BIT ^ GOT ^ 
und 

O SÄNT ^ MÄRTNI ^ BIT ^ . . 

Auf der Predella gemalt die Halbfiguren der h. Jungfrauen -Märtyrer: Agatha, 
Margaretha, Dorothea, Agnes und Apollonia. Da die Predella bei geschlossenem Ahar 
über denselben herausragt, so ist anzunehmen, daß er noch zwei hintere feststehende 
Flügel gehabt hat; auch berichtet uns der oftzitierte Pater: »an den zwey hindersten 
flüglen aber sindt angemahlet die h. wittfraw Elisabetha undt anderer seith die 
h. Maria Magdalena.« Also nichts anderes, als die heute oben auf den Altarschrein 
gestellten Gemälde, die wir uns zu dem Bilde des Altars hinzuzudenken haben 
(s. Fig. 117). 

Bilder, Skulpturen (in erneuerter Fassung) und der ganze Altaraufbau weisen wieder 
zweifellos in die ersten Jahrzehnte des 16. Jhs. Die Skulpturen stehen zwar hinter 
denen des Hochaltars zurück, sind aber doch, trotz einiger Ungeschicklichkeitea, tüchtige 
Werke. Die Bilder, jedenfalls etwas später als die des Hochaltars (nach ihnen wird man 
den Altar auf etwa 1520 bis 1530 datieren dürfen) entstanden, sind ebenfells recht 
erfreuliche Leistungen. Die Außenbilder der vorderen Flügel in der Ausfuhnmg und in 
den guten Typen den hinteren Flügehi überlegen. 




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md Vll. Zu 5^cite 196. 




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*MT QBEREmCH. — MITTEN IJ ACH. 



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Der Unke Seitenaltar (s. Fig. 1 18) der schmerzhaften Mutter Gottes^ daher auch der 
umerzhaTte oder gnadenreiche Altar genannt, ^eigt im Mittelschrein unter erhöhtem 



Uiik«r 
Seiunftltar 



iqS 



KREIS OFFENBURG. 



Bogen die Gruppe der Pietä, unter den zwei Seitenarkaden die Apostel Phil^us nni 
Jakobus. Auf den zwei Seitenflügeln die Relieffiguren der h. Katharina und h. Barbari^j 
in den Heiligenscheinen ihre Namen: 

O SANCTA • KA : HEPIN A ^ OR • 
S ^ BÄPBEPR A BIT ^ GOT ^ FIR 

Die Holz 
dieses Schreines, ol 
ziemlich gleichzeitig,! 
zweifellos nieder 
einem anderen Kür 
der im GcgensatE 
dem des vorigen Alt 
bei seinen Frei% 
schlanke Proportic 
liebt. Insbesondere] 
das die liberschla 
Apostel, bei denen 
Künstler Kontraposte i 
sucht hat; man sehe 
die verschiedenen 
imgen und W'endu 
des Philiptms; auch 
Köpfe der Apostel 
möglichst viel aüsdriklt' 
Die Falten hatten }•. 
etwas Krauses, Knittrig 
wie es bei mancbeii 
Künstlern der Zeit belieU 
ist Die beiden wöb- 
liehen Relieffiguren sind 
schöne, weiche Gestalf?^ 
in einer gewissen Ren.- 
sanceflille der Fom'L 

Auf den Außen* 
Seiten der Mügel das Vt^- 
mälde der Verkündigi; 
(Tafel VU), DasGem^^ 
in dem Maria die B 
schafl empfangt, gewährt aus einem Seiten- und einem Rückfenster den Ausblick m 
eine felsige Flußlandschaft mit Burgen, von der Decke des Gemaches hängen srhw^ie 
Fruchtgirlanden herab. Neben dem Engel kniet der Stifter, eine gut durcbgeiiibne 
Porträtfigur, nach P. Hardt der Propst von Allerheiligen: »herr Henricus Fehl, welcb 
diesen und den S. Martinsaltar hatt faßen laßen, wie es die seinem lebenslauf glei 
lautende Jahrzahl 1523 so in einem kleinen beygemahlten täfelin, allwo auch dk^- 
Distichon stehet bey Gemahlet ist ; nemmlich : 




Fig. ijy. Ehemalige Rückflügelbilder von dem rechten Seitenaltar 
in Lautenbach. 



Tafel VII 




Außen ansieht des linken Seitenaltars in der Kirche zu Lautenbach. 



AMT OBERKIRCH. - LAUTENBACH. 



199 



O miseris patrona reis fac redde benignum 
üliolum misero propitiumque mihi, 
zu teutsch: 

O Patronin großer stinder 
und verfallener Adamskinder 
schaff, daß aach dein söhnelein 
mir Elenden thue gnädig sein.« 
Auf der Vase der Anfang des Eng- 
lischen Grußes. — Die Rolle oder die 
Tafel mit der Inschrift ist bei der 
Restauration i. J. 1903 verschwunden als 
^ätere Zutat. Die Schrift schien auf das 
19. Jh. und eine damalige Restauration zu 
deuten, indes war sie schon nach Hardt, 
also in der Mitte des 18. Jhs., vorhanden. 
Sollte man etwa im 19. Jh. eine alte vor- 
handene Tafel, mit gleichlautender In- 
schrift, die sehr zerstört gewesen sein 
mag, durch eine neue ersetzt haben? Die 
Jahreszahl stimmt jedenfalls mit dem Stil 
des Bildes überein. An der Vase steht: 
AVE MARIA GRA ... 

Ob*) der dargestellte Stifter tatsäch- 
lich der Propst Heinrich Vehl ist, können 
wir natürlich nicht mit Bestimmtheit fest- 
stellen. Immerhin werden wir sehen, daß 
manches daftir spricht. 

Das Bild ist zweifellos das beste 
Gemälde, welches die Kirche besitzt; 
ebenso zweifellos steht es, insbesondere 
die Figur der Jungfrau, Baidung sehr nahe, 
sowohl in der Zeichnung wie auch in dem 
sehr weichen Kolorit, in dem tiefen Blau- 
grün ihres Gewandes etc. Trotzdem hat 
die genannte Konferenz sich nicht ent- 
scheiden können, es ihm zuzuschreiben. 
Bei dem Dunkel, das noch über der ober- 
rheinischen Malerei dieser Zeiten liegt, 
wird man sich damit begnügen müssen. 
Möglich, daß hier eine andere Persönlich- 
keit vorliegt, die uns erst allmählich klar 
wird. Jedenfisdls aber gehört die Gestalt der Madonna zu dem formal Schönsten, was 
unsere Malerei am Anfange des 1 6. Jhs. geschafien hat. 




Fig. iig. Holzstatuette der Madonna mit Kind vom 
Altar in der Gnadenkapelle der Kirche in Lautenbach. 



*) Siehe auch Sentbarg a.a,o. S. 15, nach dem die Inschrift ursprünglich, aber auf- 
gefrischt ist 



200 KREIS OFFENBURG. 

In der Predella sind unter flachbogigen Arkaden gemalt die Halbfiguren Chrisd, 
der Heiligen Philipp, Jakob, Barbara und Katharina, ebenMs sehr tüchtige Bilder mit 
guter Modellierung. 

Im i8. Jb. kamen noch zwei kleinere Altäre, ebenfalls unter dem Lettner, hinzn, 
die i. J. 1884 verkauft wurden, aber wenigstens in Photographien erhalten sind. Es 
waren reiche und geschmackvolle Rokokoschnitzereien mit gewundenen Säulen und 
Rocailleomamenten. Der eine, etwa 1,50 m hoch, der Rosenkranzaltar, an dem u. a. die 
hiesige Erzbruderschaft vom h. Rosenkranz Ablaß gewinnen konnte, zeigte drei Statuetten: 
die anscheinend sehr liebreizende Immaculata Conceptio, die Heiligen Norbert und 
Dominikus; der zweite, etwa 1,50 m hoch, der Altar der h. Ursula, in ähnlicher 
Durchbildung, war mit der Statuette der Heiligen und den Büsten zweier ihrer Jung- 
frauen geschmückt, »undt sindt auch von etlichen imsres h. ordens Geistlichen, welche 
zu Colin ihre Studia prosequieret haben, mehrerer particula der Reliquien von der 
Gesellschaft der h. Ursula überbracht undt dem erstgedachten altar eingesezt worden<. 
Auch den Rosenkranzaltar zierten allerlei Reliquien. 

Auf dem sonst gänzlich neuen Altar in der Gnadenkapelle befindet sich die neu- 
gefaßte, etwa 55 cm hohe Holzstatuette der Madonna (s. Fig. 119); wenn auch von etwas 
gedrängter Statur, so doch ein wohltuendes Werk aus der ersten Hälfte des 1 6. Jhs, De: 
Künstler des ehemals hier aufgestellten Altares, vermutlich im Barockstil, war luch 
Hardt Johannes Maier, Bürger und Schreiner in Gengenbach. Wohin der Ator 
gekommen, weiß ich nicht zu sagen. 
Kruzifixe Endlich ist noch der h. Kreuzaltar auf dem Lettner zu erwähnen, die Mensa mit 

dem geschlossenen h. Grab (ohne Figuren), woselbst »annoch zu sehen ist ein vor- 
stehendeß großes Cnicifix, welches ehedeßen an dem altar gestanden ; wie man dann 
noch deßen schließen sihet, durch welche es dort gestellet wurde«. Zu Zeiten des 
P. Hardt wurde schon keine Messe mehr hier gelesen. Das bisher dort befindlicbe 
Kruzifix ist ein nicht sehr bedeutendes Werk des 1 8. Jhs. ; heute steht an seiner Stelle 
das zweite in der Kirche vorhandene Kruzifix, das bis vor wenigen Jahren über der 
nördlichen Seitentüre hing (Tafel VIII). Das Kreuz selber ist neu, der Ya lebensgroße 
Corpus Christi aber ein vorzügliches Werk aus der Zeit um 1500, die Körperbehandlung 
in der Art der Spätgotik zwar etwas manieriert — man beachte die spitz herangezogeneo 
Beinmuskeln, wie man sie auch bei dem Steinkruzifix des Niklas van der Leyen in Baden- 
Baden findet, die stark betonte Taille etc. — , dabei aber doch von bester Natur- 
beobachtung zeugend, der Kopf, was auf dem Bilde nicht genügend zum Ausdruck 
kommt, von einem Adel der Züge und einer Stärke des Ausdrucks, die dies Werk dem 
einige Jahrzehnte ftüheren des Niklas van der Leyen ebenbürtig an die Seite stellen. 
Grabstätten und Im Chor liegt uach Hardt begraben der Propst Peter Burkard. 

Grabmäler 

Daselbst eine Kupferplatte, auf der mit erhabenen (getriebenen) Buchstaben die wdi- 
läufige Inschrift : ^) Hie jacet nobilis et clarissimus vir Dominus Joannes Georgius Bieg- 
eisen i. V. D. Comes palatinus ac quondam episcopatus Argentinensis etc, cancellaiiiis 
amplissimus, der im Schwedenkrieg von Bergzabern nach Oberkirch geflüchtet war und 
vor seinem Tod dem Kloster Allerheiligen ein Anniversar gestiftet hatte für sein Heil, 
das seiner Gattin und seiner Freunde, f 8. November 1637. 

^) Vollständig abgedruckt bei Sensburg a. a. O. S. 16/17. 



Tafel VIII 




Holzgeschnitztes Kruzifix in der Kirche zu Lautenbach. 



1 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 



20I 



Im Langhaus liegt begraben Petrus Ellnbard, Statthalter in Straßburg, f 1 7. September 
1533* daneben sechs Schauenburgsche, vier größere und zwei kleinere, abgeschliffene 
Grabsteine; ähnliche Grabsteine zweier Neuenstein. In der Nähe der Gnadenkapelle der 
zweite Abt des Klosters Allerheiligen (seit 1657 Abtei), f 2. April 1707; dann 
der Prior Georgius 
Kämpfer, Novizen- 
meister in Allerhei- 
ligen. Seine Inschrift- 
platte (von den an- 
deren ist nichts mehr 
vorhanden) ist an dem 
Gehäus der Lettner- 
treppe angebracht, sie 
lautet: 

Hie ex adverso 
quiescit reverendissi- 
mus ac eruditione 
et pietate clarissimus 
D. Georgius Hempfer 
sacrae theologiae Li- 
centiatus qui annis 
multis officio Prions 
ad omnes sanctos per- 
fongens et doctrina 
ex exemplo discipli- 
nara coUapsam egregie 
restauravit Mortuus 
XXV. Martii anno 
MDCXLVni cujus 
animam Deus pro 
meritis condingne re- 
muneret Amen. 

Neben seiner 
Grabstätte die des 
Abtes Isfrid Bresle, 
t S.Juni 1718. 




Fig. 120, Glasgemälde aus der Kirche in Lautenbach, 



Vielleicht den wertvollsten Schmuck der Kirche bildet aber der große Schatz an 
Glasgemälden aus der Zeit um 1500, welche sie noch besitzt Dieselben stellen GUsgemäide 
m ganzer Figur in etwa ^3 Lebensgröße eine stattliche Anzahl von Stiftern bezw. Gut- 
tätera dar, fast alle den bekannten Familien der Umgegend entstammend, Pröpste von 
Allerheiligen etc., in Andacht vor der Mutter Gottes oder einer Passionsszene oder 
Heiligen knieend. 

Leider wurden die Bilder in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bei einer Restauration 
nicht sorgfiltig genug behandelt, d. h. die Glasmalereianstalt (Beiler in Heidelberg) scheint unnötig 
viele ähere Stücke durch neue ersetzt zu haben, wie Mone behauptete, sogar absichtlich unter- 



202 KREIS OFFENBURG. 

schlagen zu haben, Stücke davon seien in den Kansthandel gelangt. Diese Beschuldigung führte zu 
einem Prozeß, der aber mangels Beweises zu Gunsten der Glasmalereianstalt entschieden wurde. Fest- 
steht für uns, daß leider zu viel erneuert worden. An der Hand der (wenigstens von einem Teil) 
vorher aufgenommenen Photographien, der Beschreibung des P. Hardt (dem Sensburg folgt) und 
dem Befund können wir einigermaßen Altes und Neues feststellen. 

Wir beginnen die Betrachtung an der nördlichen Langhausseite vom Eingang aus 
und finden hier im neuen Anbau in dem Fenster 

I. neun alte Scheiben eingesetzt. In der drittuntersten Reihe beginnend, zeigen 
die Scheiben 

1.-3. die spätgotische, gänzlich erneuerten Baldachine; 
in der Reihe darunter : 

4. den h. Joseph (mit dem Schiff), scheint neu und zwar von Bömer in 
Offenburg; 

5. h. Ursula, vor der Restauration photographiert, durchaus alt, mit ergänztem 
Hintergrund; sie muß sich fiHher irgendwo an einem Chorfenster befunden 
haben ; 

6. h. Bischof mit Monstranz (h. Norbert?), neu; 

in der untersten Reihe : 

7. spätgotisches Postament, neu; 

8. Wappen des Bischofs Albrecht von Straßburg (regierte 1478 bis 1506), von 
einer barfüßigen Nonne gehalten, vor der Restauration photographiert, alt; 

9. wie 7. 

Im obersten Teil des Fensters zehn neue Ornamente. 

II. Das folgende, alte Fenster an der nördlichen I^nghauswand kt einpfostig, es 
zeigt unten unter alten Baldachinen mit Fialen etc. 

i.u. 2. die Verkündigung; 

3. die Jungfrau vor ihrem Gebetpult und 

4. den Engel mit dem Spruchband, worauf die Worte : 

abe « tn plena botninuiS tecum. 

Im Hintergrund des Gemaches das Bett, rechts eine Bank, dazu eine Reihe Haus- 
haltungsgegenstände, Tasse, Dose, Messer usw. — Beide Figuren, die nach Hardt und 
Sensburg sich am Fenster der Westfessade befanden, sind alt, bei dem Engel aller- 
dings das Gewand stark ergänzt. 

ni. Das nächste Fenster, wieder zweipfostig, enthält in der viertuntersten Reihe in 
den Scheiben 

1.-3. leichte spätgotische, alte Bekrönungsomamente ; 
in der Reihe darunter: 
4. Mann und Frau zusammen knieend, unten ihr Wappen, in dem Wappen steht : 

i. notatiatusl / 3[a8anni|8 notet (?) (undeutlich) 

über ihnen stand nach der alten Photographie (s. Fig. 120): 

$1. )Qcoji ein bilger gfit galt ung in gät i 

Heute heißt es statt dessen, leider ein trauriger Beweis für die Sorglosigkeit 
der Restaurierung : S. Maria bit für unß I Der untere Teü des Gewandes 
der Frau ist neu, er war ehemals mit anderswoher genommenen Stückchen 
ausgeflickt. (Nach Hardt südlich über der Altane.) 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 



203 



die Madonna mit dem Kinde in der Mandorla. Eine Photographie aus der 
Zeit vor der Restauration liegt mir nicht vor; hier sind, besonders in den 
oberen und unteren Teilen, starke Ausflickungen vorgenommen worden. 
Nach Hardt an dem Nordfenster über dem Lettner; 




Fig. 121. Giasgemälde aus der Kirche in Lautenbach. 

knieender Mann und Frau, Unterschrift: 

fteinricg taegiSttl bö o6erfiirö uiT 6arBra ^i gu^fra 

und im Spruchband darüber: 

tnaria 6tt bin 6int fut ung. 

Gehörte nach Hardt zu 5. und befand sich am gleichen Fenster. Das Bild 
war nach der alten Photographie sehr gut erhalten, hier ist mit Ausnahme 
eines kleinen Stückes im Bogen alles alt (s. Fig. 121); 
in der zweituntersten Reihe 



204 



KREIS OFFENBURG. 



1 



7. ein knieender Bürger mit der Unterschrift: ^) 

contat tnegltei bö o&etfirhrd^ 

und im Spruchband darüber: 

)o]^anne$l gotte^ ftänt &tt fär un$ matta unb tr Itebe^ ttnt 

Befand sich ursprünglich mit den zwei folgenden 8. und 9. zusammen an 
dem vom Lettner aus zweiten großen Fenster der Langhausnordwand. Sdir 
gut erhalten; 

8. Johannes der Täufer, mit 7. und 9. zusammengehörig. Ebenfalls fast tadeDos 
erhalten ; 

9. die Frau des Konrad Wegstein (wie alle knieend) mit der Unterschrift: 

un fiatgertn $lin gujlfirotD 

und im Spruchband: 

joganne$l ber l^elliget man gtiff m$ yx got uff bte pan 

(Hardt las hier: uff die »rechte« pan; doch scheint mir das eine Ergänzung 
von ihm zu sein); 

in der Reihe darunter 
IC- 12. neue gotische Postamente; neu auch die 
13. Omamentfüllung am Scheitel oben. 
IV. Das folgende, doppelpfostige Fenster enthält in vier Reihen übereinander 
Glasgemälde, und zwar in der obersten 

1.-3. die teilweise ergänzten Endigungen der Baldachine; darunter 

4. ein knieender Bürger, ohne Unterschrift, im Spruchband, durch Nachbildung 
ersetzt (I), 

0^ iSant jocoji fiit got för ung; 

5. der h. Jakob von Compostella. Hier schemt das noch gut erhalten gewesene 
Original durch eine vollständige Nachbildung ersetzt zu sein; 

6. die Frau des Obigen (Nr. 4), im Spruchband: 

^ant jocop bilgtt gut galt un$l iu btt ffut, 

nicht in einer Photographie vor der Restauration vorliegend ; vermutlich wie 
die obigen, in alter Photographie erhaltenen, unnötigerweise durch Nact 
bildung ersetzt. 4.-6. befanden sich nach Hardt an dem südlichen Fenster 
über dem Lettner; 

in der weiteren Reihe darunter 

7. knieender Ritter mit Wappen und Unterschrift: 

SCntj^an ilamftein (Hardt las noch richtig Anthoni von Ramstein), 

vor ihm das Wappen; moderne Nachbildung, ich gebe die Photographic 
nach dem alten Original. Es kann sich hier doch wohl kaum um das 
Geschlecht handeln, das sich nach seiner Burg bei Triberg nannte, *) sondern 
vermutlich um ein im Renchtal bei Ramsbach ansässiges, bisher unbekanntes 
Geschlecht ; 

8. der Gekreuzigte mit einigen aufgespießten Heiligen aus der Marter der Zdm* 
tausend ; 



^) Die Unterschriften immer nach der alten Photographie gegeben; große Abweichungen i& 
neuen Zustand werden angefUhrt. 

2) Krieger a. a. O. II, S. 16. 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 205 

9- ^rbara bon ^tauffen&erg/ die GemahUn des Anton von Ramstein, 
mit der Unterschrift: 

^Iter&ra bon jtouffen&erg 

und dem Wappen. Diese Scheibe ist alt Nr. 7.-9. befanden sich nach 
Hardt an dem gleichen Fenster wie heute. 
Darunter 10 bis 12 neue gotische Füllungen. 

V. Wir wenden uns nun zur südlichen Langhauswand und finden an dem ersten 
zwdpfostigen Fenster über der Gnadenkapelle in der Mitte des Fensters drei Reihen 
übereinander : 

in der obersten Reihe 
'•~3- gotische Baldachine, zum Tdl erneuert, darunter in 

4. ein knieender Bürger in weitem roten Gewände, neue Nachbildung, auf 
der alten Scheibe war die Unterschrift nach Hardt zu lesen: 

geinticg bpi^tdjtDdg ^cgult; ju obetfiiird^, 

im Spruchbande steht heute noch, wie auch nach Hardt: 

maria ein muttet 3ort l^tlf unj 3a <0ott uff bie ^orb* 

An der Unterschrift zu zweifeln, besteht kein Grund, da Hardt dieselben 
überall richtig wiedergibt; sie ist aber ganz besonders wichtig für uns, weil 
wir wissen, daß Heinrich Diestelzweig 1480 Schultheiß in Oberkirch war; ') 

5. die h. Jungfrau sitzend mit dem Kind auf ihrem Schoß und zwei lilien- 
stengeln. In alter Photographie erhalten und bis auf geringe Flicken alt; 

6. die Ehefrau des Diestelzweig mit der Unterschrift: 

unb anna jtn l^u^fnutD, 

im Spruchband steht: 

<a Jliaada ein tönigin big mitt itltn ein Pflegerin, 

alte, gut erhaltene Scheibe, 4.-6. an der alten Stelle wie bei Hardt; 
darunter in 
7.-9. gotische, neue Postamente; 

oben in dem Scheitel des Bogens 
IG. moderne Ornamente. 

VI. Das folgende zwdpfostige Fenster hat unten in drei Reihen übereinander 
folgende Scheiben: 

zu Oberst 
i~3- gotische Baldachine, zum Teil erneuert; in der folgenden Reihe 

4. knieender Mann mit der Unterschrift: 

bernl^art ug bem jlultsbab, 

im Spruchband: 

^ 8er burcft hin i |8o tag un|J fiier hin fiulb rtaerben, 

diese Inschrift heute ergänzt (nach Hardt: wegen dym kinds sterben), die 
Figur alt, wenn auch ergänzt; 

5. eine Pietä, daneben die Henkerwerkzeuge, in Photographie vor der Restauration 
erhalten, alt; 

*) Krieger a. a, O. II, S. 380. 



2o6 



KREIS OFFENBURG. 



die Frau des Obengenannten, Unterschrift: 

unh oa^a (Hardt liest: (iEha) ^m gußfrota, 

im Schlußband steht: 

(& get burcg bine bittren bot gilff uiig ug . . . not 

Das Schlußband ist stark ergänzt, 
der Hintergrund ist neu, die Figur alt 
(alte Photographie). Nr. 4.- 6. befinden 
sich an derselben Stelle wie bei 
Hardt; darunter in 
7.-9. neue Postamente, 

im Scheitel des Bogens in 
IG. neue Ornamente. 
VII. Ich gehe nun zu den Fenstern 
des Chores über. Das westlichste 
Fenster desselben sowohl in der 
Nord- wie der Südwand enthält heute 
keine Glasgemälde. Das auf der 
Nordseite folgende, in der nordöst- 
lichen Achteckseite befindliche zeigt 
dagegen eine stattliche Reihe: in 
den oberen zwei Reihen in 
1.-3. und 

4.-6. die teilweise erneuerten Bal- 
dachinbekrönungen, in der fol- 
genden Reihe in 
7. knieender Ritter mit dem 
Schwert in der Hand, vor ihm 
sein Wappen; Unterschrift: 

JFribcricg b5 Mt\ntn^ttin, 

in dem Spruchband: 

^ i. barbra junfib vtin bit 
bag ttiir gegen in gimmel ein* 

Völlig neu, ohne alle Vorlage, 
war nach Hardt durch Unge- 
witter zerstört, auch bei Sens- 
burg nicht vorhanden; 

8. die h. Barbara, alt, Hintergrund ergänzt; 

9. Veronika von Neuen stein, geborene von Schauenburg, in hermelinbesetztem 
Brokatkleid mit Wappen und Unterschrift (s. Fig. 122): 

Uli liranica ^in gu ^cööbg, 

im Spruchband: 

barfira eine junfrato jart bit für un^S öie uii borL 

Die Unterschrift ist ergänzt, der größere Bruchteil des Gewandes, der Brustteil 
desselben und der Hintergrund, das andere ist alt. 8. und 9. befanden sich 
früher nach Hardt an dem gegenüberliegenden Fenster; 




A/^. 122. Giasgemälde im Chor der Kirche in Lautenbach. 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 207 

in der nächsten Reihe : 

10. S. Leonhard mit Geißel und Ketten. Die Photographie des alten Zustandes 
liegt vor: der Hintergrund ist erneuert, die Kirche eine Zutat, ebenso das 
Spruchband Die Scheibe befand sich früher mit der h. Ursula am südlichen 
Fenster unter dem Lettner; 

II- ein größtenteils erneuerter Baldachin; 

12. ein Propst von Allerheiligen in seinem Chorpelz, im Spruchband die Schrift: 

€$to * lalutata * btrgo * cQ « ptült *6eata * 
€t • stnittlx « pia * micgi • jucntrre • maria . . . 

(So nach der Photographie vor der Wiederherstellung; der P. Hardt schreibt: 
sis mihi dux in morte maria.) Befistnd sich nach Hardt am mitderen Chor- 
fenster, ist alt, aber an einigen Stellen des Spruchbandes und des Hinter- 
grundes ausgeflickt; 

in der untersten Reihe: 

13. in voller Rüstung betend ein Ritter mit seinem Wappen; Unterschrift: 

JFtiberid^ bon ^d^otDen&utg/ 

im Spruchband: 

^ joj^aitneiS Baptist ^u ^tliun mä pf mi 3A got uff bt. recgt ban i 

(Hardt las: bitt uff daß er uns neme an.) Das Spruchband scheint neu (?), 
ebenfalls einzelne Teile an der Rüstung sowie der Hintergrund, während die 
Scheibe nach der Photographie sehr gut erhalten war; 

14. Johannes der Täufer mit Buch, Lamm und Kreuzfahne; gut erhalten; 

15. die knieende Frau mit der Unterschrift: 

uti fiiati^n bo jultjbacg i\ l^ugfro 

(so nach der Photographie vor der Restaurierung; Hardt und Sensburg 
lasen allerdings nur: Kattryn syn haußfrow), dagegen ist das Wappen vor- 
handen ; 

im Spruchband steht: 

(0 in^mnti ^u gotteä ftänt bit für mi tnarie fiiut* 

Die Scheibe scheint sehr stark erneuert, Kopf, Gewand und Spruchband, 
obwohl das nach ihrer guten Erhaltung nicht nötig war. 13. 1 5- befanden 
sich nach Hardt schon hier an diesem Fenster; 
16.- 18. größtenteils neue gotische Postamente; 
19. neue Ornamente. 
Ein Friedrich von Schauenburg wird 1 509 mit seinen Brüdern erwähnt. 

Vm. Das mittlere Chorfenster enthält in den Feldern 

1.-4. Baldachine aus Astwerk in Gold; alt, aber restauriert auf blauem neuen 
Hintergrund, vier durchaus alte Rankenomamente. Darunter in den Feldern 
5.U.6. die Verkündigung; 
7.U.8. die Heimsuchung; 

5. der Engel mit dem Spruchband: 

abe • maria ♦ gratia ♦ Mena ♦ (sicl) hm|ä ♦ tc tum * ^ 

mit den beiden letzten Worten ragt es hinüber in das Feld 6, worin die Madonna an 
ihrem Lesepult kniet. Von beiden existieren alte Photographien vor der Restauration, 



2o8 KREIS OFFENBURG. 



1 



nach denen diese Stücke alt sind, während die Heimsuchung der Maria m Feld 7 niclit 
Photographien war, dagegen die h. Anna. Die Maria der Heimsuchung ist völtig nen; 
über ihr die Worte nach Hardt: 

JIßagnififcat anitna mea dominum/ 

über der h. Elisabeth: 

^tata Quae cretiibiltl 

Die Gestalten scheinen nach Holzschnittvorlagen vom Ende des 1 5. Jhs. gearbeitet 
zu sein. 

Nach Hardt war an dem mittleren Chorfenster noch dargestellt ein Guttäter aus 
dem Hause Kurbayem, ein Bischof von Straßburg, also wohl der Witteisbacher Albrecbt; 
diese Scheibe wird schon bei Sensburg nicht mehr erwähnt, nach Hardt trug sie die 
Umschrift: Spes mea in hacce via post Christum sola Maria cresco roges quem tnnc 
parcere coges ; darauf folgte der im vorigen Fenster imtergebrachte Allerheiliger Propst 
und ein weiterer Flügel, der schon zu Hardts Zeiten durch Ungewitter zerstört war; 
ebenso fehlte schon 1830 der hier dargestellte Jörg von Bach. 

IX. Das folgende Fenster an der Südostachteckseite hat in sechs Reihen über- 
emander folgende Glasgemälde: 
oberste Reihe 

1.-3. heraufragende Endigungen, Fialen etc. der unteren Baldachine in dem spät- 
gotischen knorrigen Astwerk; in 

4.-6. und in der dritten Reihe darunter noch 

7. die wenig ergänzten Baldachine; in der Mitte der dritten Reihe 

8. die h. Katharina, die ganz neu ist, auf einem hohen, in derselben naüin- 
listischen Weise wie die Baldachine verzierten Sockel, der das Feld 11. der 
folgenden Reihe ausfüllt. Zu beiden Seiten dieses Sockels in 

IG. Ritter, betend, mit dem neuensteinischen Wappen; die ganze Scheibe ist 
hier neu, an Stelle einer sicher noch ziemlich gut erhaltenen alten, die se 
in täuschender Weise kopiert. Nach Hardt und Sensburg scheint nur 
das Wappen die Persönlichkeit erklärt zu haben, vielleicht auch Stücke des 
Namens Neuenstein ; bei der Kopie hat man das in Hans von N. fidsdi 
ergänzt, nach seiner Gattin ist es Melchior von N., der mit ihr 1477 ^) and 
1478 ^ erwähnt wird, u. a. bei einem Verkauf an die Klause von ObemdorC 
Im Spruchband stand nach Hardt; 

<0 getttg jungftatai ^. iSattritn ftitt fSr un|l raariam unb i]^t fittnt, 

im heutigen, offenbar getreu kopierten Spruchband heißt es: 

^ geltg }unti(l)frQtai ^nt fiatj^rin &it fär üf mar . . un it fttnWl; 

1 2. auf der anderen Seite des Sockels kniet die Gemahlin des Melchior (Fig. 123) 
mit der Unterschrift: 

ftiCp 05 fira6tat(yr syn housfrou) 
(das Eingeklammerte ist neue Ergänzung, wie die Photographie vor der 
Restauration lehrt; die Inschrift stimmt mit Hardt, der nur Groß wyr las); 
im Spruchband: 

<© ♦ ^ ♦ Ratgerf in mine leöe jSd^aff 63 mi* al min jSiintit tarR h'geftem 

^) Krieger a. a. O. II, S. 312. 
2) Ruppert FDA. 39, S. 182. 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 



309 



Der Hintergrund ist hier ergänzt, wie gesagt auch die Hälfte der Unter- 
schrift, das Übrige mit geringen Ausflickungen alt Nr. 8., 10., 11., 12. befanden 
sich nach Hardt in gleicher Zusammenstellung an dem jetzt leeren Nordfenster 
des Chors. 

In der Reihe darunter 
13. ein ritterliches Ehepaar, er in 
voUer Rüstung betend, sie 
hinter ihm, beide mit dem 
gleichen Radwappen der Neuen- 
stein und der Unterschrift: 
(g)e&|^art (heute »ochhart«) bo . 
(ne)tDtIl^teill (Hardt las: Newstain), 
nn Spruchband: 

i<& i jS^i . baiStian taiir 6it . . 
trid^ bft got fär ung m^tfüu 

(So nach der Photographie vor 
der Restauration; Hardt las: 
kräfftigUch.) 

Es ist der 1479 erwähnte 
>jungher Gebhart Rohart von Neuen- 
stein«, ^) der nach Ruppert^ bis 
1546 lebte, mit seiner ersten Ge- 
mahlin Anna von Neuenstein (seine 
zweite war eine Pfisiu von Rippur, 
hatte also ein anderes Wappen), was 
für die Datierung der Gemälde nicht 
unwichtig. 

Ergänzt ist die Unterschrift, 
Teile des Fußbodens ; neu eingesetzt 
die Figur des Ritters ; wo das Original 
hingekommen, weiß ich nicht 

In Nr. 14. der h. Sebastian; 
nicht das einstens vorhandene Ori- 
ginal, sondern ganz neu! 

Daneben in 15. wieder ein knieender Neuensteiner in voller Rüstung mit Wappen, 
dahinter seine Frau mit Wappen, nach Hardt: 

hans von newenstein (dies wohl nach alter Unterschrift) und 
seine Gemahlin Magdalena von Zellwang^). 
Im Spruchband steht: 

Q l^elig ^ * ^eba^tian in nöten taion^t un^ byätagn; 




Ftg-, /2S. Glasgemälde aus dem Chor der Kirche in Lautenbach. 



*) Krieger a. a. O. 11, S. 312. 

^ FDA. S. 130 fr., Slammtafel. 

*) Der Name war 1882 unter den alten Scheiben noch erhallen. 

Band Vn. 



2IO 



KREIS OFPENBURG. 



Chorgestühl 



Kanzel 



Glocken 



die Unterschrift scheint neu, das Sprudiband ergänzt, auch die Scheibe stark geflickt 
Haben wir hier Hans von N., der eist 1500 majorenn (?) wurde, und eine seiner Gemah- 
linnen vor uns? 

Hier an der Scheibe 15. nun, berichtet uns der P. Hardt, sei das Datum der 
Entstehung dieses Glasgemäldes angegeben gewesen: »an einem gemahlten Chorfenster 
gegen den Hof hinauß diese auf Gothisch formierte Jahrzahl annoch zu sehen ist: 
anno tint flßCCCCliXXXII«, wie er in dem zweiten Kapitel bemerkt, während er 
später diese Stelle ausdrücklich bezeichnet Nach Au&eichnung des älteren Monewar 
die Zahl an der verlorenen Scheibe mit dem Bilde Bischof Albrecht von Straflburg 
erhalten ; die vordere Hälfte 1400 fand der jüngere Mone 1882 noch unter den Scheiben. 

Die Bilder 13.- 1 5. befanden sich nach Hardt ehemals an dem jetzt leeren Fenster 
der Chorsüdwand. 

Die Glasgemälde müssen alle ziemlich in der gleichen Zeit entstanden sein; 
Komposition, Detail und Farben deuten bei allen auf die gleiche Werkstätte. Ihre Technik 
ist die am Ende des 15. Jhs. beliebte: es ist noch das richtige Glasmosaik, gemalt wird 
nur mit Schwarzlot und Chromsilber ; in den Hintergründen findet sich hier und da die 
Methode des Überfangglases. Die Gemälde, zweifellos unter dem Einfluß Schongauers, 
waren den vor einigen Jahren durch Brand zerstörten der Magdalenenkirche in Straß- 
burg nahe verwandt, deren Entstehung man um das Jahr 1480 ansetzte;^) auf die 
gleiche Zeit weisen alle auf unseren Gemälden vorkommenden Personen, soweit sie bis 
jetzt urkundlich nachgewiesen sind, alle werden in den siebziger Jahren des iS-Jhi 
erwähnt. Es ist das sehr geeignet, uns die von dem stets gewissenhaften P. Hardt 
angegebene Jahreszahl 1482 als den Zeitpunkt, um den oder kurz nach dem sie alle 
vollendet wiu-den, sehr glaubhaft erscheinen zu lassen. Das beweist dann aber aud, 
daß der Bau des Meister Hertwig 1482 schon recht weit gediehen war, daß er in da 
nächsten Jahren vollendet worden, und daß kein Grund besteht, anzunehmen, der Meister 
habe sein Werk verlassen. Unsere Glasgemälde aber, die sozusagen in einem Guß mit 
der Kirche selbst entstanden sind, bilden ein in Baden einziges und auch sonst höchst 
seltenes Ganze, dessen teilweise Verunstaltung durch einen nicht sehr gewissensstrengen 
Restaurator auf das höchste zu beklagen ist. Zu restaiuieren war an diesen Werken 
gar nichts, nur hier und da etwas auszuflicken, trotzdem ging man so rücksichtslos vor 
und beachtete bei der Neuordnung nicht einmal die in dem Manuskript festgelegte 
alte Anordnung: sapienti satl 

Auf beiden Seiten des Chores einfaches, geschmackvolles Chorgestühl der Spät- 
gotik mit flachgeschnitztem Laubwerk in den zinnenbesetzten Giebeln. 

Kanzel, übliche Barockschnitzerei, ist erfreulicherweise noch nicht durch eine 
pseudogotische Neuschöpfung ersetzt. 

Die Orgel entstammt dem 19. Jh., ebenso der 'Taufstein. 

Von den Glocken trägt die größte oben die Inschrift: 

// O MARIA SUB TUUM PRAESIDIUM CONFUGIMUS + / 

JOSEPUS(sic!) ABBAS III AD OMNES SANCTOS • I7oo // 
unten : 



^) Straßburg und seine Bauten, Straßburg 1894, S. 252. 




Fig. 124. Miuionncnsttituclte in licr Sakristei in f.aulcnhtuh. 



Band VII. Zu Seite 211. 



AMT OBERKIRCH. — LAITTENBACH. 211 

AUS DEM FEYR BIN ICH GEFLOSSEN DURCH STEFFENN NICOLAUS 
ARNOLD FETTER BERNAR (siel) AUS LOTHRINGEN BIN ICH 
GEGOSSEN ANNO - l7oo • • ; 
aufgelötet das Bild der Schmerzensmutter und auf der anderen Seite das des Ge- 
kreuzigten. 

Die zweite Glocke zeigt oben einen Früchtekranz und die Umschrift: 

feLix abbas aD oMnes sanCtos renoVari feCIt rüpta füI, 

unten: 

MATTHEUS EDEL ZU STRASSBURG GOS MICH I78I, 
aufgelötet das Bild eines h. Abtes (Norbert?) und eine Kreuzigung. 

Die kleinste Glocke trägt die Inschrift: Ego sum effusa in honorem S. Barbarae 
1590 e monasterio ad omn . . sanctos. 

IQrc/tengeriUe, teilweise in der Sakristei und teilweise im Pfarrhaus aufbewahrt: KirchencerJite 

Sonnenmonstranz, silbergetrieben und vergoldet, Reliefüguren, getriebene Medail- 
lons am Fuß, darin : Abendmahl, btU^de Magdalena und Abtswappen von Allerheiligen 
mit der Umschrift in Kursiv: Josephus D. G. Abbas Collegii Con. Praemonstrad. ad 
omnes Sanctos. Augsburger Beschauzeichen und I Z(?) (Johann Jeckel?), cf. Rosen- 
berg Nr. 292. 

Speisekelch, silbervergoldet, getrieben; nicht so stattliche Arbeit, Augsburger Be- 

schauzeichen und rj^(B. Wentzel?, •{• 1704, Rosenberg Nr. 228). 

Kelch, silbervergoldet mit Silberfiligranwerk an der Cuppa und am Fuß Email- 
medafllons aus der Passion, Augsburger Zeichen und I Z (s. oben). 

Desgleichen mit getriebenen Rocailleomamenten und Steinchen, Augsburger Zeichen 
und R. 

Desgleichen ebenfalls mit Rocailleomamenten, Beschauzeichen: Kreuz in schräg 

quadriertem Schild und ^ . 

Wettersegen 1 8. Jh. mit Silberranken in den Kreuzecken. 

Meßkännchen, silbervergoldet mit kräftigen getriebenen Blumenomamenten ; am 
Wdnkännchen das Straßburger Feingehaltszeichen von 1750 bis 1796 (cf Rosen berg 
Nr. 1505) und nochmals die Lilie, worunter D (Jahresbuchstabe für 1755?, Rosen- 
berg Nr. 1 513); außerdem I M L I N; das Wasserkännchen nur mit D unter der Lilie. 
Die Platte, wohl kaum dazugehörig, in kräftigen Formen getrieben, Früchte und Engels- 
köpfe zieren sie ; in dem vertieften Standort der Kännchen Namenszug Maria und Jesu. 
Augsburger Zeichen und IBE (Joh. Baptist Ernst, + 1697, Rosenberg Nr. 258). 
Treffliche Arbeit vom Ende des 17. Jhs. 

Madonnenstatuette (s. Fig. 124), silbervergoldet, getrieben. Die Madonna auf der 
Mondsichel (ca. 17 cm hoch) mit reichgelocktem, über die Schultern fallendem Haare, 
trägt die (später aufgesetzte) Krone und hält in beiden Händen das unbekleidete Kind, 
hinter ihr die Strahlenmandorla ; sie steht auf spätgotischem, achteckigem (gegossenem) 
Postament, in dessen Nischen zwischen fialengeschmückten Strebepfeilern kleine Engelchen 
musizieren. Das Ganze ein htlbsches Werk aus dem Anfange des 1 6. Jhs., mit den 
deutlichen Zeichen der eindringenden Renaissance. Es steht jetzt auf einem silbernen 



212 



KREIS OFFENBURG. 



Pfarrhaus 



Schrank 



Ölgemälde 



Brunnen 



Schluß- 
betrachtung 



Fuß späterer Zeit mit getriebenen Früchteoraamenten und gegossenen Engelsköpfen, am 
Fuß das Zeichen F ? ; ein Rosenkranz umrahmt die Figur. 

Auf dem Altar vier silberne Barockleuchter aus Allerheiligen. 

An alten Gewändern ist die Kirche ziemlich reich; ich zählte 3 Pluviales, iSRaseb, 
ziemlich noch mit allem alten Zubehör. Es sind durchgängig Produkte des i8.]hs., 
teils mit eingewebten Blumen, teils gestickt, von dem vornehmen Geschmack und oft 
zarten Farbensinn dieser Zeit zeugend. Vor allem hervorzuheben ein weißer Randh 
mantel nebst Kasel, Levitenkleider, Mitra etc. mit prächtiger Hochstickerei in Silber, 
Gold und bunter Seide im Rocaillestil. Die Sachen dürften größtenteils aus Allerheiligen 
stammen. 

Das Pfarrhaus, zwischen dem ersten und zweiten südlichen Strebepfeiler an das 
Langhaus angebaut, also ursprünglich über die Kirche etwas herausragend, und in einem 
Flügel nach Osten umbiegend, aus Bruchsteinmauerwerk, verputzt, mit Sandsteingewändei, 
zeigt an seinen Eingangstüren kielbogigen Sturz, ein kleines Fenster mit ähnlichem Sturz, 
die anderen alle mit geradem und mit hohlgekehltem Gewände; eine Wasserschrage 
trennt das untere vom überkragenden, oberen Geschoß, welch letzteres nur aus Riegel- 
werk besteht. 

Im Innern führt eine interessant angelegte, spätgotische Tür in das einstige Refek- 
torium der Mönche; hier sehen wir auch noch die Ofihung in das Armenspeisezimmer. 

Aufbewahrt werden sie zum Teil in einem reich geschnitzten, spätgotischen Schrank^ 
der in seiner Bekrönung köstliches Rankenomament aufweist und größtenteils noch die 
alte Fassung besitzt. 

In dem Schrank zwei Glasscheiben aus der Kirche aufbewahrt, Stücke ^dd 
Baldachinen. 

In einem Zimmer des Erdgeschosses hängt ein dekorativ sehr tüchtiges, leider 
stark beschädigtes Oelgemälde von einem guten Rubensschüler, eine Anbetung der 
Könige darstellend : nach der Aufschrift auf der Rückseite von dem Maler und Kupfer- 
stecher Paneels, ^) der, 1600 in Antwerpen geboren, 1630 über Köln nach Mainz xseA 
Frankfurt gezogen ist. *) 

Im Garten des Pfarrhauses ein Brunnen: Achteckschale, worin achteckiger Stock 
mit Maskaronausflüssen, auf ihm Statue der Madoima mit Kind: aus der ersten Hälfte 
des 17. Jhs. 

In der Gartenmauer eingemauert: kleines Figürchen, Putto mit Fisch von emem 
Bnmnen des 17. Jhs. 

Von der Südostecke des Pfarrhauses aus zieht sich die alte Umfassungsmauer 
herum bis zu dem jetzigen Turm, wo ein Stück von ihr niedergelegt ist In ihrem nörd- 
lichen Teil befand sich ein Fenster eingemauert mit Rimdstäben und Hohlkehlen an 
dem Gewände, geradem Sturz mit Blendkielbogen, daran die verwischte Schrift: 

anna • • ♦ IVZI 

Das Fenster ist jetzt neben der Eingangstür des Pfarrhauses verwendet Seine 
Jahreszahl gibt meines Erachtens den Abschluß der Bauten hier, ja überhaupt der 
ganzen Ausstattung, und wir kommen damit auf die, ich möchte sagen : innere Geschichte 
des Baues. Nach den am Bau selbst vorhandenen Jahreszahlen, nach den Ergebnissen 

1) Allgem. Kttnstlerlexikon 3 III (Frankfurt 1898), S. 366. 



AMT OBERKIRCH. — LAUTENBACH. 213 

der Stilkritik, nach den erwähnten historischen Daten und nach den damit überein- 
stünmenden, wie wir sahen, sehr gewissenhaften Angaben des Pater Hardt dürfen wir 
diese Geschichte so rekonstruieren: Nach dem Brand von Allerheiligen faßte Propst 
Andreas Rohart von Neuenstein den Entschluß zu dem Bau, in dem ihn wohl der Kon- 
ventuale Heinrich Vehl lebhaft unterstützte. Nach den nötigen Vorbereitungen wurde 
ein hervorragender Baumeister aus dem nahen Elsaß, Hans Hertwig aus Bergzabern, 
herbeigeholt und 1471 der Grundstein gelegt Wie schon ausgeführt, waren die Bau- 
herren der Propst von Allerheiligen, der als feinsinnig bekannte Bischof Albrecht von 
Straßburg, ein Herr von Bach und ein Herr von Neuenstein. Der Bau schritt rüstig 
vorwärts, auch nachdem der Propst Andreas gestorben war; doch scheint der Meister 
dem Drängen der Bauherren nicht immer genügt zu haben, was zu den eingangs 
erwähnten Verhandlungen führte; um 1482 muß aber def Bau im wesentlichen voll- 
endet gewesen sein; damals begann und wurde bald danach fertiggestellt die Aus- 
stattung mit Glasgemälden, mit denen sich die Guttäter der Kirche, insbesondere aus 
den Familien der Schauenburg und Neuenstein, aber auch reiche bürgerliche Geschlechter 
der Umgegend ein Denkmal setzten. Die Pröpste von Allerheiligen forderten die Aus- 
stattung, insbesondere Johannes Magistri, f 1492, dessen Interesse wir aus den Ver- 
trägen mit dem Meister kennen gelernt haben, unter dessen Regierung 1485 die Gnaden- 
kapelle und 1488 der Lettner entstand; dann Peter Burkard, der im Chor der Kirche 
begraben liegt. Ihm (f 1514) danken wir den prachtvollen Hochaltar; wir dürfen darin 
den Angaben des P. Hardt nach allen Proben trauen und demnach auch sein Porträt 
in der Stifterfigur erkennen; in dem Mönch auf dem Gemälde der Heimsuchung den 
Kaplan Heinrich Vehl. Er scheint — man kann es ohne große Phantasie aus allem 
erraten — so recht die treibende Krafl des Ganzen gewesen zu sein und wußte der 
Kux:he fortwährend neue Stiftungen zu verschaffen; auch als er 15 14 selbst Propst 
geworden, behielt er die Kaplanei bei; 1521 war Kloster bezw. Hospiz und Kirche 
völlig fertig; 1523 stiftete er für sich, seine Eltern und alle Wohltäter der Kapelle zwei 
Jahrzeiten mit Vigilien, ^) wozu jeweils sechs Priester von Allerheiligen kommen sollten. 
Möglich, daß damit die zwei geschilderten Seitenaltäre unter dem I^ttner zusammen- 
hängen; wenn auch die Inschrift neu, so stimmt sie doch mit der Formengebung, und 
gegen die Identifizierung der Stifterfigur dürfte nicht viel einzuwenden sein. Schon vorher 
mag er das schöne Kruzifix für den Kreuzaltar bestellt haben, wie auch noch unter ihm 
die BeschafUmg der silbernen Madonnenstatuette für die Prozessionen geschehen sein 
mag. Als er in Allerheiligen abdankte, kehrte er nach Lautenbach zurück, um dort bis 
zu seinem Tode zu bleiben. Der begeisterten Initiative dieses einen, der rührigen 
Förderung durch die Allerheiliger Pröpste, dem lebhaftesten Interesse der ganzen Gegend, 
der Meisterhand eines großen Künstlers und seiner Kollegen ~ verdanken wir so dies 
einzige Ganze. 

Im Dorf noch zu bemerken: die Jahreszahl 1605 an dem abgefasten Rundbogentor 
des Hauses Nr. 43 sowie die schmiedeeisernen Schilder an den Wirtshäusern »Zum 
Schwanenc und »Zum Sternen« aus dem 18. Jh. 

Aus der gleichen Zeit Bildstöcke auf den Wegen nach Oberkirch und Hubacker, ßüdstöcke 
wo auch ein Kreuz von 1681. Kreuz 



^) Ruppert FDA. 24, S. 278. 



214 KREIS OFFENBURG. 

LIERBACH 

Schreibweisen: Lerbach ca. 1381 ; Lirpach 1386; zuo Lierbach under Allenheiligen 
in dem tale 1386; Lyerbach 1542. (Lier? ~ schlier, slier = Lehm?) 

Das Tal des Nordwassers gehörte vom Bestehen dej Klosters an zu Allerheiligen; 
der Ort besteht aus weit auseinander liegenden Gehöften und gehörte bis 1803 zum 
weltlichen Besitztum des Bistums Straßburg (Herrschaft Oberkirch), dessen Schicksale er 
ohne besonders Erwähnenswertes mitmachte. 

Bei Schwaiger in L. sollen sich früher Holzverzierungen (?) aus Allerhefligen 
erhalten haben. 

KLOSTER ALLERHEILIGEN 

Schreibweisen: Coenobium in honorem omnem Sanctorum ca. 11 96; Monasteriam 
Omnium Sanctorum 1224; Cella omnium Sanctorum (Annal. Marchtal.) 13. Jh.; de 
Omnibus Sanctis 1287; von Allen helgen 1347; zu AUenheilgen 1356. 

Literatur: Schannat, Notitiae Monasterii Omnium Sanctorum in Vindemiae 
liter. I, S. 142-151. Ruppert, Regesten zur Geschichte der Schauenburger, Oberrh. 
Ztschr. XXXIX, S. 83-180. Freib, Diöz.- Archiv XXI, S. 31 1 ff., XIV, S. 268 ff. Garns, 
Nekrologium des aufgehobenen Klosters, Freib. Diöz.- Archiv XII, S. 231-234. 

Petrus, Suevia ecclesiastica, Augsburg 1699, S. 651-657. Hugo, Annales Ord 
Praemonstratensis, Nancy 1734/36, II, S. 453-460. Grandidier, Oeuvres ineditesOI, 
S. 149 ff., 228 ff. J. Bader, Führer für Fremde durch die Umgegend von Achem, 
in die Rench- und Kniebisbäder, nach Allerheiligen etc., Karlsruhe 1844 (die einzeben 
Teile auch gesondert). Schriften des bad. Altertumsvereins Heft V. F. von Böckh, 
Geschichte des Kurortes Allerheiligen. Gründung und Geschichte des Klosters, Lahr 1879. 
G. Mayer, Triumphierende Übersetzung zweier heiliger Leiber, der Blutzeugen Clemens 
und Bonifacius, welche im Stifte Allerheiligen begangen, Rastatt 1773. Das Kloster 
Allerheiligen im Schwarzwalde, Katholik 1850, H, S. 461-470. K G. Fecht, Das 
Kloster Allerheiligen, Karlsruhe 1872, ^1890. Wilh. Weiß, Geschichte des Dekanates 
und der Dekane des Real- und Landkapitels Offenburg, S. 112-145. J. P. Scherer, 
Allerheiligen im badischen Schwarzwald einst und jetzt, Leipzig o. J. (i 900). F. J. S c h mitt, 
Die Bauthätigkeit der ehemaligen Prämonstratenserabtei Allerheiligen, Oberrh. Ztschr. 
NF. IX, S. 274-283. Kolb, Lexikon vom Großh. Baden I, S. 11-13. Krieger, 
Topographisches Wörterb. I, S. 36-40. 
Ansichten Afisickten des Klosters von 1680 in Näher, Die Ortenau; v.J. 1734 in Hugo, 

Annales ördin. Praemonstratensis, Nancy 1734/36. Eine Ansicht v. J. 1783, deren 
Original mir unauffindbar, Reproduktion im Kurhaus, stammt vom Abt Felix. — Eane 
farbige Lithographie der Klosterruine von F. Stroobant ca. 1850. 
Geschichtliches GescktchtHches : Für eine geschichtliche Würdigung des Klosters Allerheiligen 

sind weder von seiten des Konventes im Laufe seiner 6oojährigen Existenz größere 
Vorarbeiten gemacht worden, noch liegt aus neuerer Zeit ein irgendwie brauchbarer 
Versuch vor. Die literarische Tätigkeit des ersteren, soweit sie der eigenen Vergangenheit 
galt, beschränkte sich auf Anlegung eines Totenbuches, eines imter Propst Johann Schüßlcr 
angelegten Kopialbuches (Hypothecarum, privilegiorum, immimitatum, censuum ac jurium 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 2 I 5 

monasterii Omnium Sanctorum Tomi I et 11), fortgesetzt unter dem Titel »Schriftliche 
Dokomente des Gotteshauses AUerheüigen« (Karlsruhe, Generallandesarchiv), sowie auf 
den Yöllig verschollenen Anfang einer KJosterchronik von P. Georg Hempfer (-j- 1648) 
und auf gleichfalls verschwundene Annalen von Propst Hodapp und Abt Kistner 
(17. Jh.). Im 19. Jh. sind Dekan Haid und Ruppert über die Sammlung von 
Materialien nicht hinausgekommen. Das geschichtliche Bild ist infolge dieses Mangels 
an reicher fließenden Quellen wie an Bearbeitungen in vielen, namentlich mittelalter- 
lichen Partien sehr lückenhaft und wenig plastisch. 

Als Gründerin ist die Herzogin Uta von Schauenburg *) bezeugt Tochter des 
Pfalzgrafen Gotfrid von Calw-Schauenburg, des Vertrauten Heinrichs V., und der Tochter 
des Herzogs Berthold n. von Zähringen, Luitgard, war sie in erster Ehe mit Berthold 
von Eberstein, in zweiter mit Weif VI., Grafen von Altdorf, Herzog der Reichslehen 
Spoleto tmd Tuscien, verheiratet Nach dem frühen Tode eines Söhnchens über- 
ließ sich 'der in seiner Hoffnung auf Nachkommenschaft enttäuschte Herzog einem zügel- 
losen Leben, indes Uta die einsamen Jahre in Sindelfingen und auf der Schauenburg ver- 
trauerte. Alter und die Folgen seines Lebens führten Weif wieder zur Frau zurück. 
Eine Frucht dieser inneren Umkehr ist die Stiftung des Klosters Allerheiligen, die Uta nach 
dem Tode Wel6 ( 1 1 9 1) ausführte. Über den genauen Zeitpunkt sind wir nicht unterrichtet, 
da der Stiftungsbrief nur in der undatierten Bestätigungsurkunde Kaiser Heinrichs VL 
v.J. 1196^ enthalten ist; doch ist nur ein Spielraum zwischen 1191 und 11 96 denkbar. 
AusgesteUt ist die Gründungsurkunde in Sindelfingen, wo die Herzogin, abwechselnd mit 
der Schauenburg, sich aufzuhalten pflegte. Dieser Ort und die Herkunft des Herzogs 
Weif bieten uns genügende Anhaltspunkte zur Beantwortung der Frage, aus welchem 
Grunde gerade Chorherren vom Prämonstratenserorden berufen wurden, die im süd- 
westlichen Deutschland damals so selten zu treffen waren wie später. In der Diözese 
Straßburg kam nur noch ein Hagenauer Kloster (gegründet 1198) in Betracht, mit dem 
Allerheiligen auch für die ganze Folgezeit nahe Beziehungen unterhielt. Aber zur Zeit 
der Gründtmg bestand jenes noch nicht. Aus dem Stiftungsbrief hat auch ein Filiations- 
verhältnis zu einem Würzburger Kloster schließen wollen. Aber die betreffenden Worte 
der Urkunde : ad Argentinensem quoque ecclesiam et episcopatum Claustrum spectare, 
sicut cella Erbipoldi, unde plantatiun est, constituimus, sprechen somit von einem uns 
bisher nicht bekannten Kloster wohl in der Straßburger Diözese. Andererseits wissen 
wir, daß auch in Sindelfingen ein Kloster des gleichen Ordens bestand, und aus den 
Annalen des kurz zuvor (11 71) gegründeten Prämonstratenserklosters Marchthal, daß 
dieses Stift ein Patemitätsrecht (ius patemitatis) über Allerheiligen hatte. Worin dieses 
bestand, wird uns nicht gesagt ; schon Propst Dietrich von Wittenhausen (1242 bis 1251) 
verachtet aber wegen der Schwierigkeit der Wege auf Ausübung dieses Rechtes, quod 
ecdesia ista in cella omnium Sanctorum se recognovit habere.^ Das Marchthaler Kloster 
war eine Stiftung des Pfalzgrafen Hugo von Tübingen und seiner Gemahlin Elisabeth, 
einer Nichte des Herzogs Weif. Dadurch wird auch die Wahl des Ordens bei den 



*) Vgl- Jos- Bader, Frau Uu Herzogin zu Schauenburg, Badenia I (1839), S. 114— 118. 

*) Veröffeudicht bei Petrus, Suevia ccclesiastica, S. 651, Schöpflin, Alsatia diplom. I, 
S. 306. Grandidier, Oeuvres in^d. III, S. 229. Vgl. dazu Ruppert, Oberrh. Ztschr. XXXIX, 
S. 105. 

») Annal. Marchthalenses, FDA. IV, S. 186. . 



ai6 KREIS OFFENBURG. 

Gründern von Allerheiligen erklärlich. Wie bei Marchthal mochte auch für Weif und Uta 
die Erwägung : quod ordo Praemonstratensis in brevi multum coram Deo et hominibiis 
profecit,') den Ausschlag gegeben haben. 

Die Stiftung des Schwarzwaldklosters wurde noch im gleichen Jahr wie durch 
Kaiser Heinrich VI. durch Eberhard von Eberstein, den nächsten Erben der Uta, bestätigt, 
ebenso durch Kaiser Philipp^) und Papst Innocenz III. 1200 und 1203; durch Papst 
Honorius in. 12 17 und 1222; durch Kaiser Friedrich U. 1218^ und Bischof Heinrich 
von Straßburg 1220. 1 203 und 1216 werden als primi fundatores den eigentlichen Gründern, 
Herzog Weif frommen Angedenkens und seiner Frau Uta, noch beigefügt Conradus seligen 
Angedenkens Bischof von Straßburg, Hugo de Ulmburg, Bertoldus Herzog von Zeringen, 
die den Ort durch fromme Zuwendung von Besitzungen ursprünglich gegründet haben. ^) 
Im Stiftimgsbrief ist die Lage des Klosters bestimmt am Nordwasserbach neben dem 
Büttenstein. Nach der Legende wäre sie von einem von der Schauenburg ausgesandten 
Esel, der das Rtr den Bau bestimmte Geld trug, gefunden worden ; nur daß nicht die 
Höhe des Sohlberges, sondern der Talgrund darunter gewählt wiutie. Den durch eine 
entsprechende Inschrift gekennzeichneten Eselsbrunnen habe das Tier diu-ch einen Huf- 
schlag zur eigenen Labung erschlossen. Als Klosterbesitz wiesen die Stifter ein Gebiet 
an, das im Osten bis an die Homisgrinde, im Westen bis an den Sohl- und Brunnberg, 
im Norden bis an den Griesbaumkopf reichte, außerdem Güter in Renchen, Ramsbach, 
Hesselbach, Elesweiler, den vierten Teil der Fischerei in Busterich, den KirchensatE in 
Nußbach. 1 203 werden in der Bestätigimgsbulle Innocenz' in. noch weitere Grundstücke 
in Appenweier, Ufholz, Grisbaum, 1216 das Spital von Simon und Juda in Gamshmst 
genannt; 1224 das von S. Jakob und S. Johann in Urloffen ;^) nach dem Kopeybuch 
kam schon 1198 noch der Kirchensatz in Oberkirch, Oppenau und in der Burgkapelle 
der Schauenburg hinzu. 

Nach der Tradition begann die Errichtimg des Stiftes schon 1 1 9 1 ; die eines 
offenbar bescheidenen Gotteshauses 1192/93 und im folgenden Jahr die der Gebäu- 
lichkeiten für anfangs fünf Insassen. Als Todesjahr der Stifterin wird 11 96 genannt; 
1200 ist sie jedenfalls nicht mehr am Leben. Das Mortuarium verzeichnet ihr Gedächt- 
nis zum 26. August. Als erster Propst begegnet in den Urkunden von 1203 und 
1 2 1 7 Gerungus, ®) ein angeblicher Sohn der Uta, der aber nur aus ihrer ersten Ehe 
stammen könnte. Der zweite Abt Walter ist urkundlich nachweisbar erstmals 1221;^ 
er stand ursprünglich dem Marchthaler Kloster vor und kam bald nach seiner Resignation 
dort (1214) als Propst nach Allerheiligen, ®) aber nicht vor 1 2 16. Ein Propst H.[einricus] 
wird 1248 und 1249 genannt; der vierte Vorsteher war Konrad von Schauenburg (1262 

*) Annal. Marchthalenses, FDA. IV, S. 159. 

'•) Würdtwein, Nova subsidia X, S. 187. Schöpflin, Alsat dipl. I, S. 308. Böhmer, 
Regesta imperii V, S. i, 17. 

') Schöpflin, Alsat. dipl. I, S. 333. Böhmer, Regesta imperii V, S. i, 221. 

*) FDA. XXI, S. 312. 

^) Hugo, Annal. Praemonst. II, S. 279. Böhmer, Regesta imperii V, S. i, 710. 

®) Das Allerheiliger Mortuarium bezeichnet ihn als sacerdos et fundator huius ecdesiae, de 
quo datur conventui solatium, Badenia I, S. 114. 

^ Schannat, Vind. lit. I, S. 142. 

^) Annal. Marchthalenses, FDA. IV, S. 176. 



AMT OBERKIRCH. — LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 217 

b^ 1290), der 1290 resignierte und neun Jahre später erst starb. ') Das Ansehen und 
die materielle Macht des Klosters hatten sich wesentlich gefestigt und bis zu einem 
Maße gemehrt, Ober das es später kaum noch hinausgekommen ist. Zuwendungen 
von Gütern und Rechten erfolgten von allen Seiten, namentlich von den Schauen- 
bürg, Eberstein, Stauffenberg, Neuenstein, Winterbach, Ulmburg, Röder u. a., aber 
auch von Bürgerlichen und Geistlichen. 1227 vergab Kaiser Heinrich einen Hof 
m Reichenbach bei der Schauenburg und empfiehlt gleichzeitig die Almosensammler 
des Klosters seinen Dienstmannen und Amtleuten; 1233 vermacht er zu ewigem Besitz 
die früher als königliche Lehen dem Bertold von Winterbach zugewiesenen Güter 
in Winterbach, Trutkindesberge, Lautenbach, Sulzbach, Zirbirchen (Hofgut bei Ulm), 
Dachshurst.*) 1228 stiftet der gleiche Bertold für sich und seine Frau gegen Zu- 
sicherung einer Jahresrente ein Seelgerät; er übernimmt dagegen vom Kloster gegen 
eine Jahresabgabe für sich und seine Erben die Burg in Winterbach, die »turris 
lapidea«. *) Von Hirsau übernahm Allerheiligen den verpfändeten Klosterhof und den 
zugehörigen Zehnten in Sasbach (1233);*) die um diesen Besitz und um Güter in 
Neusatz entstandenen Irrungen mit den Windeckem wurden 1249 geschlichtet. 1254 
kamen Güter in Sand, 1262 in Walldorf (von Uta, Witwe des Grafen Gotfrid von 
Calw), 1275 eine Jahresgilte in Kork, 1284 durch Propst Heinrich von Honau Höfe 
und Güter in Ebersweier, Zusenhofen und Willstätt noch hinzu.*) Zu mancherlei 
Unruhen führten die Rechte und Besitzungen in Nußbach. Schon Markgraf Hermann V. 
von Baden focht die Schenkung der Herzogin von Schauenburg und Eberhards von 
Eberstein an und erhob Anspruch auf die Vogtei und die Gotteshausleute in Nußbach, 
wobei der Propst Heinrich gefangengesetzt und dem Kloster beträchtlicher Schaden im 
Wert von über 100 Pfund zugefügt wurde. Im Vergleich, den Bischof Konrad von 
Sp^er herbeiführte (1241), wurde der Markgraf zum vollen Schadenersatz und zum 
Verzicht auf seine Ansprüche angehalten. •) Dreißig Jahre später machte Graf 
Heinrich I. von Fürstenberg dem Kloster die Nußbacher Rechte und Besitzungen streitig. 
Wahrscheinlich im Anschluß an den auf dem Erbweg erfolgten Übergang der Herrschaft 
Oberkirch an den Grafen (1271) verlangte dieser den »unteren Hof« in Nußbach mit 
dem Patronatsrecht über die dortige Kirche und ihre Filialen, den Allerheiligen von der 
Mutter des Fürstenbergers käuflich erworben hatte, wieder zurück. Nach Erlegung der 
Kaufsumme von 1 20 Pfund fiel ihm der Hof auch wieder zu, dagegen verzichtete er auf 
alle anderen Rechte und Güter in Nußbach, ebenso auf das Patronatsrecht in Nußbach, 
Oppenau, Oberkirch und der Kapelle der Schauenburg, desgleichen auf den noch von 
der Herzogin Uta herrührenden »oberen Hof« (1275). '') 



1) Ruppcrt, Obcrrh. Ztschr. XXXIX, S. 108 flF. 

2)Grandidicr, Oeuvres in^d. HI, S. 243; Obcrrh. Ztschr. XXXIX, S. 106; NF. I. S. 70. 
Schöpflin, Alsat. dipl. I, S. 360. Böhmer, Regesta unperii V, S. 2, 736. 

*) Schannat, Vind. lit. I, S. 142. 

*) 1293 ging durch Verkauf noch ein Sasbacher Hof an das Kloster über, den bisher Johann 
TOD Neuenstein als markgrÄflich badisches Lehen innehatte. Fester. Regesten der Markgrafen von 
Baden I, Nr. 617. 

*) Schannat, Vind. lit. I, S. 142 ff. . 

•) Schöpflin, Hist. Zaringo-Badcnsis V, S. 211 (wo eine Kopie z. J. 1246 publiziert wird). 
Grandidier, Oeuvres in6d. HI, S. 250. Fester, Regesten der Markgrafen von Baden I, Nr. 379- 

^ Schannat I, S. 146 ff. 



2l8 KREIS OFFENBURG. 

Weitgehend wie die Güterzuwendungen waren auch die Privilegien und die Gerecht- 
same, mit denen Allerheiligen von allem Anfang an bedacht wurde. Es wurde unab- 
hängig gestellt von jeder Vogtei und frei von landesfürstlichen und gemeinen Auflagen. 
Von Seiten Straßburgs wurde es später nur zur Tragung der mit dem Bürgerrecht 
zusammenhängenden Verpflichtungen, Kriegslasten etc. angehalten, wie 1360, wo es 
»2 Helme« zum Kontingent der Stadt Straßburg für den Zug des Kaisers g^en den 
Herzog von Württemberg zu stellen hat.') Außer dem gewöhnlichen Zehnten vom 
angebauten Land wurde dem Stift durch eine Bulle Alexanders IV. v.J. 1256 und eine 
solche Bonifaz' VDI. v.J. 1295 in allen zehntpflichtigen Orten der Neubruchzehnte und 
Novalzehnte zugestanden. Auch bezüglich der Introitus- und Egreßtaxe bei Tün6' 
besetzungen wurden den Konventualen von Seiten des Kapitels Offenburg mancherld 
Vergünstigungen zu teil (1462).^ 

Daß mit diesem äußeren Aufschwung auch das moralische Ansehen gleichen 
Schritt schon in den ersten Jahrzehnten hielt, ersehen wir aus der Berufung von Kon- 
ventualen des Schwarzwaldklosters nach der Abtei Lorsch, um dort im Auftrag des 
Mainzer Bischöfe gegen widerspenstige Mönche gründliche Reform durchzuführen und 
den wahren Geist der Disziplin wiederherzustellen.^ Außer diesem Ereignis bleibt die 
Geschichte von Allerheiligen für die nächsten Jahrhunderte fast nur auf Änderungen im 
Besitz- und Rechtsstand beschränkt; das iimere Leben bleibt für uns stumm, und audi 
im äußeren ist der Brand v.J. 1470 das erste wieder registrierte Ereignis. Nach der 
traditionellen Annahme hätte das Feuer damals fast das ganze Kloster vernichtet ^Vie 
Ruppert aber mit Recht betont, bedarf diese Ansicht einer wesentlichen Einschränkung. 
Denn schon 1469, 17. März, beschlossen Propst und Konvent, das von 
Propst Berthold hinterlassene Geld zur Tilgung der Klosterschulden 
aufzuwenden und die Restsumme von 3575 Gulden auf Zinsen anzulegen 
und daraus die Kosten der Restaurierung des Klosters zu bestreiten, 
bis Kreuzgang, Schloßhaus, Propstei, Münster, Siechenhaus, Gasthaus 
und die Ordensgebäude mit Steinwerk, Ringmauer und Pforten nach 
Herkommen versehen wären.*) Die ganze Klosteranlage befand sich somit nach 
diesem Dokument in einem teilweise unfertigen Zustand. Nach dem Brand zog der 
Konvent nach Lautenbach und richtete sich dort häuslich ein, bis der Neubau in Aller- 
heiligen wieder bewohnbar war. Diesem Anlaß verdankt Lautenbach seinen schönen 
Kirchenbau. Einen Augenblick schien es sogar, als ob das rauhe und einsame Waldtal 
Allerheiligen ganz aufgegeben werden sollte. Aber die Klosterinsassen widersetzten sich 
solchen Bestrebungen des Propstes mit aller Entschiedenheit und vor allem mit dem 
Beschluß, daß kein Propst in Zukunft länger in Lautenbach sich aufhalten dürfe (1480). 
1484 wurde ein Kapitelsstatut angenommen, daß jeder Konventuale bei der Aufiiahme 
eidlich geloben müsse, jeder Verlegung des Stifts sich zu widersetzen. 

Die religiösen und politischen Unruhen des 1 6. Jhs. machten sich in Allerheiligen 
zunächst nur in der Bauemerhebung bemerkbar. Indem wir auf die allgemeine Dar- 
stellung dieser Bewegung in der Einleitung oben verweisen, berühren wir hier nur die 



*) Straßburger Urkundenbuch V, S. 448. 

2) FDA. XIV, S. 268 ff. 

*) Vgl. Falk, Geschichte des Klosters Lorsch, Mainz 1866, S. 95. 

*) Allerheiligen, Kopialb. H, S. 670. Ruppert, FDA. XXTV, S. 274. 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 219 

AlleriieOigen allein betreffenden Vorgänge. Nachdem der hauptsächlich von der Grafschaft 
Hanau-Lichtenberg aus genährte Aufstand schon in der unteren Ortenau am 1 2. April 1525 
am Kloster Schwarzach ein Opfer gefunden hatte, waren auch im Amt Oberkirch zur 
gleichen Zeit durch den Oberkircher Haufen von etwa 8000 Mann ähnliche Exzesse 
begangen worden. Anfangs Mai 1525 war hier der Klosterhof von Allerheiligen in Ober- 
kirch geplündert und in fanatischer Weise in der dortigen Kirche gewütet worden: der 
Altar wurde erbrochen, das Ciborium seines Inhaltes entleert und die Hostien auf der 
Erde zertreten ; drei Heiligenbüsten wurden zerschlagen, ebenso alle Fenster mit Adels- 
wappen; von den Grabsteinen der Messingschmuck weggerissen. Ahnliches wird auch 
vom Klosterhof in Lautenbach und vom Kloster Allerheiligen selbst gemeldet, wo man 
aber die wertvollsten Sachen schon in die Feste Schauenburg geflüchtet hatte. ') Nach- 
dem sich der Markgraf von Baden und die Stadt Straßburg auf der Tagung in Renchen 
(22. — 25. Mai 1525) mit den Bauern geeinigt hatten in 12 Artikeln, machte auch Aller- 
heiligen, als erstes der Stifte, auf der gleichen Basis seinen Frieden mit den Bauern. 
Propst und Konvent wurden wieder in die alten Rechte und den Genuß von Gütern 
und Zinsen eingesetzt und sollten von den Bauern alle Ornate und Kirchengeräte, 
Hausrat und Urkunden, die in Allerheiligen wie in Lautenbach und Oberkirch geraubt 
worden waren, zurückerhalten, nicht aber das sonst noch Entwendete und Veräußerte. 
Dagegen hatte das Kloster dem Bauemausschuß 100 fl. zu zahlen.^ 

War damit dem Kloster die Ruhe wieder zurückgegeben, so brachte schon 1555 
ein Brand wieder neues Unheil. Ihm fiel das Dach und die Innenausstattung der Kirche, 
von den Klostergebäulichkeiten selbst das Dormitorium und Refektorium, die Werk- 
stätten und Kirche, das Spital, die Prälatur und die Wirtschafbräume anheim. Der 
Konvent mußte sich nach Lautenbach und auf die benachbarten Stiftshöfe zerstreuen. 
Schon vor dem J. 1562 war die Klirche wieder in stand gesetzt; der Aufbau der Stifts- 
gebäude zog sich aber, infolge mangelnder Mittel, bis in die 80 er Jahre hinaus. Und 
kaum war diese Sorge behoben, so brachen die Folgen der Reformation über die stille 
Mönchsniederlassung herein. Zwar blieben Allerheiligen wie sein Gebiet und seine 
Pfarreien der neuen Lehre größtenteils verschlossen, dafür aber fiel es mit dem rechts- 
rheinischen Gebiet des Bistums Straßburg im Kapitelstreit dem protestantischen Bischof, 
dem Markgrafen Johann Georg von Brandenburg, zu (1592). Auch Vierordt muß 
zugeben, daß das Verfahren dieses Administrators in dem geschlossenen katholischen 
Gebiet unrechtmäßig und gewalttätig war : ') der streng protestantische Kanonikus 
Ernst von Mansfeld wurde Amtmann in Oberkirch. In dieser Stellung versuchte er auf 
gütlichem wie gewaltsamem Wege, das Renchtal zu protestantisieren. Dem Kloster 
Allerheiligen setzte er einen eigenen Schaffner und mischte sich auch in die geistlichen 
Angelegenheiten ein. Durch das Verbot, neue Novizen aufzunehmen, sollte das Stift 
zum Aussterben verurteilt sein, damit es desto leichter säkularisiert werden konnte. 
Zuletzt fanden sich nur noch vier Religiösen vor, die Stiftschule wurde gleichfalls in 
ihrer Wirksamkeit gehemmt. Aus dem Straßburger Klosterhof nahm Mansfeld das 
Silbergerät an sich. Als sich der Konvent beschwerdeftihrend an den Kaiser wandte, 

*) Hart fcl der, Die Geschichte des Bauernkrieges in Sudwestdeutschland, S. 383 ff., nach 
einem gleichzeitigen Bericht. 
*) Ebenda S. 392. 
*) Vierordt, Gesch. der evang. Kirche in Baden I, S. 76 ff. 



2 20 KREIS OFFENBURG. 

rügte Rudolf 11. in mehreren Erlassen das Vorgehen Mansfelds sowie die Versuche, die 
Klosterinsassen zu protestantisieren, und ordnete die Herausgabe der widerrechtlich weg- 
genommenen Klosterhabe und die Erhebung des P. Peter Jehle zum Propst an. Ernst 
von Mansfeld wollte ihn nur gegen die Zusicherung zulassen, ihn jederzeit entfernen zu 
können und die Schlüssel zum Kloster eingehändigt zu bekommen. Als sich Jehle 
darauf nicht einließ, wurde er gefangen nach der Feste Dachstein gebracht, wo er 
noch im gleichen Jahr 1595 starb, wie das erregte Volk glaubte, nicht eines natüriichen 
Todes.') Diese völlige Okkupation durch Mansfeld hatte erst ein Ende, als Rudolf IL 
aus dem Prager Schwesterkloster Strahow den energischen Prior Johannes Schüßler 
in das Schwarzwaldkloster als Propst abordnete (1599). Durch den Willstätter Ver- 
trag (1600) mit den Vertretern des protestantischen Bischofs wurden die schlimmsten 
Rechtsverletzungen Mansfelds beseitigt. Schüßler erhielt wieder die Verwaltung des 
Klosters, die Lautenbacher Kirche und den Straßburger Hof säim Reibeisen zurück, 
dafür entrichtete er von da an die jährliche Abgabe anstatt ans Reichskammergoicht an 
den Bischof Um wieder Ordnung in die Rechtsverhältnisse des Klosters zu bringen, 
sorgte der neue Propst für die Wiederherstellung und Sichtung des Archivs und für 
Anlage eines Kopialbuches, das mit seinen späteren Fortsetzungen 24 Bände umMt 
Schon 1601 dankte Schüßler, kurz vor seinem Tode, ab; auch sein Nachfolgerhielt 
sich nur wenige Wochen in seinem Amte, das noch immer in den wesentiichsten Funktionen 
gehemmt und beeinträchtigt war. Erst das Abkommen zwischen den zwei Bischöfen 
V. J 1 604 brachte dem Kloster wieder die notwendige Bewegungsfreiheit und damit die 
Möglichkeit einer gedeihlichen Entwickelung : der protestantische Administrator wurde 
für seinen Gebietsteil durch eine größere Geldsumme abgefunden. Zu deren Deckung 
kam das Amt Oberkirch mit Allerheiligen als Pfand an den Herzog von Württemberg. 
1665 wurde auch das wieder eingelöst 

Inzwischen hatten die Schrecken und Nöten des Dreißigjährigen Krieges von 
Oberkirch aus wiederholt an die stille Waldsiedelung geklopft; immer aber war sie ihnen, 
zum Teil durch Protektion Richelieus, entgangen, nur daß 1638 am 19. Februar bei 
Erstürmung der Oberkircher Kirche durch Franzosen und Schweden auch einige Kon- 
ventualen fielen. 1657 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Mit allem Nachhalt 
ging man jetzt in verhältnismäßig langer Friedenszeit an die Ausbesserung der materiellen 
Schäden und an die Festigung der inneren Ordnung. Auch die Klosterschule, die 
schon lange vor 1590 begegnet, später Gymnasium genannt, eine überaus segensreiche 
Pflanzstätte humanistischer Bildung für Mittelbaden, nahm einen immer höheren Auf- 
schwung bis zur Aufhebung des Stiftes. Bei Ausbruch der französischen Revolution 
siedelte das Straßburger Priesterseminar unter der Leitung Liebermanns in die gastlichen 
Räume, die auch manchem emigrierten Priester ein einsames und sicheres Obdach 
boten. Dank einer weisen und umsichtigen Verwaltung hatte das Kloster während 
seiner ganzen Existenz alle Besitztitel zu wahren gewußt. Unmittelbar vor seiner AuP 
hebung hatte es noch eine gemilderte Auflage des Bauernaufstandes zu bestehen, der 
sich ebensosehr gegen die bischöflichen wie die klösterlichen Gerechtsame richtete. 
Anlaß zur Unzufriedenheit gegen das Kloster gab ein das ganze 18. Jh. hindurch spielender 

^) Vgl. Descriptio historica in tabulis domesticis coordinata bei Petras, Suevia ecdes. S. 653. 
Badenia m (1844), S. 250. 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 221 

Prozeß wegen der Benutzung eines Genossenschaftswaldes der Gemeinden Ulm, Waldulm, 
Renchen u. sl, der sog. Ulmhartprozeß. Ermutigt diu-ch die revolutionäre Erhebung 
jenseits des Rheins versuchten die Talgemeinden (1789) durch Gewalt sich Recht zu ver- 
schaffen. Wiederholt erschienen die empörten Scharen in der Nähe des Klosters; 
Hilfe kam weder vom Bischof noch am Anfang vom Markgrafen. Erst eine länger 
dauernde kurpfälzische und kurmainzische Besatzung schuf wieder Ruhe ; eine Bestrafung 
der schuldigen Rädelsführer verhinderte aber der milde Abt Felix Kemmerle. 

Auf dem Gebiet der Wissenschaften hat Allerheiligen glänzende Namen oder auch 
nur solche zweiten Ranges in größerer Anzahl nicht aufzuweisen : auf dem der Theologie, 
vornehmlich der praktischen, und der Ascese u. a. P. Sebastian Alber (f 1752), 
Gerungus Goetz (f 1687) und Ludwig Goetz (•{• 1710); den sehr verdienten PCsurer 
von Lautenbach P. Adalbert Hard (f 1754), ^) Georg Hempfer, über 20 Jahre Prior 
des Klosters (f 1648), schrieb außer theologischen Arbeiten eine Historia illustrium 
virorum Sueviae und den Anfang eines Chronicon Monasterii Omnium Sanctorum. ^ 
Ein gleichfalls für die Geschichte des Klosters wertvolles Unternehmen führten der 
Propst Norbert Ho dapp (1639 bis 1653) und sein Nachfolger der Abt Gottfried Kistner 
(1657 bis 1692) mit der Abfassung der Annalen von Allerheiligen aus, die aber hand- 
schriftlich in neuerer Zeit verschollen sind. ^) Von den Persönlichkeiten, die ihre Aus- 
bildung dem Stiftsgymnasium verdanken, verdienen Erwähnung der Haslacher Adalbert 
Eisenmann, später Professor der Mathematik in Paris, und Fr. Xaver Merk, später 
Professor der Theologie in Heidelberg und Freiburg. 

AulSer der Klosterkirche stand auf dem Stiftsboden noch eine Ursulakapelle, 
die erstmals 1352 und 1370 erwähnt wird, angeblich an der Stelle errichtet, wo am 
Fest der h. Ursula (21. Oktober 1191) der mit dem Geld für den Klosterbau beladene 
Esel Halt machte. 1370 wurde die Kapelle neu gebaut und anläßlich der Einweihung 
am Fronleichnamstag ein Ablaß verliehen. Aus älterer Zeit werden Grablegen in 
der Klosterkirche erwähnt: von einem armiger Rudolf de Schowenburg und seinem 
Sohn, qui apud nos quiescunt (13. Jh.);*) von Bertoldus de Schowenburg, der tumbam 
habet oblongam in ambitu claustri australi cum hac inscriptione : Anno Domini MC CC VIII 
cal. April. Bertoldus de Schowenburg feliciter obiit ; *) von einer Agnes de Zeiskeim, 
Frau des Heinrich Röder, später des Reinbold von Schauenburg (zweite Hälfte des 
i4.Jhs.).«) 

1803, 14. Februar, wurde das Stift säkularisiert. Der größte Teil des aus 28 Chor- 
herren bestehenden Konventes zog mit seinem Abt nach Lautenbach. Schon am 6. Juni 
schlug der Blitz in den Turm der Kirche und äscherte infolge der leicht entzündlichen 
Bedachimg Turm und Dach der Kirche und den größeren Teil der Klostergebäude ein. 
Erhalten blieben u. a. die Prälatur, Bibliothek und das Gymnasium. Auch der Hoch- 

^) GoovaertSf Ecrivains, artistes et savants de Tordre de Premontr^ I, Brüssel 1899, XVI, 
S. 324t 353. 

*) Bader, Badenia III, S. 252. Gooyaerts a. a. O. I, S. 373. 

") Goovaerts (a. a. O. I, S. 392, 446) erwähnt, daß die Handschrift 1883 durch den Buch- 
händler Aaer in Wien zum Verkauf angeboten und rasch auch abgesetzt wurde. 

*) Ruppert, Oberrh. Ztschr. XXXIX, S. 108. 

•) Straßh. Stadtarchiv K. v. K. Argentoratensia hist. polit Tom. i. Ruppert, ebenda S. 114. 

•) Ruppert, ebenda S. 137. 



222 KREIS OFFENBURG. ^H 

altar, sechs kleinere Nebenaltäre und ein kunstvolles altes Ciborium blieben uobeschä^ 
Aber auch die Kirche wäre bei der Widerstands^igkeit der Gewölbe leicht miedet 
in stand zu setzen und zu erhalten gewesen, wenn sich damals jemand darum angenommeti 
hätte und wenn sie nicht später als Steinbnich hätte dienen müssen. Ein trauriges 
Ende dieser alten Kulturstätte I Die erhaltenen Gebäude wurden als Forsthaus eo- i 
gerichtet und neuestens als Kurhaus. (Sauer.) fl 

Daß der Brand von 1 803, wie oben geschildert, nicht allzuviel zerstörte, gehl ins " 
der Beschreibung Kolbs hervor: »Von der schönen, großen, aus Quadersteinen erbiutc» 
Kirche ist niu: das Dach, wie auch das Holzwerk des Spitzturms verbrannt, \ier Glocken 
geschmolzen, auch haben die schönen Kreuzgewölbe des Kirchenschiffs^ welche auf m j 
steinernen Säulen ruhten, hin und wieder Schaden gelitten. Der prächtige Gioraltir^ \ 
nebst noch sechs kleineren, blieben vom Feuer verschont Alle anderen Nel «l ngehäude, 
das Schulhaus, zwey große Gasthäuser, die Mühle und Bäckerey, Scheuem und Stallungen 
blieben unversehrt.« ') 1 

»Nach Aufhebung des Klosters wollte man,« erzählt Kolb weiter, 5 hier emc \ 
Spinnfabrik errichten ; allein bey den ersten Anstalten, die getroffen wurden, zeigte e* 
sich, daß wegen der rauhen und bergigten Gegend nur das Fuhrwesen mehr Kosten 
verursachen würde, als man Nutzen zu hoffen hätte.« Man gab es also auf, und vm 
wohnte in den weitläufigen Gebäuden der Meier mit seiner Familie, an den man Wiesen 1 
und Felder verpachtet hatte, der Förster, der zugleich Wirt war, und ein Kapuziner. 

Mit geringen Reparaturen hätte man die Baulichkeiten erhalten können. Allein mui «et* 
steigerte sie 181 1 auf Ahhruch. Unter anderem soll von den hier gewonnenen Steinen die Kindkt 
in Achem erbaut sein. Indes stand man auch davon, des kostspieligen Transponcs wegen, tald ^ 
Aber die Einbrüche hatten genügt; die Natur ftlhrte das Zerstörungswerk weiter. Die Gei^-ölbe i« 
Kirche stürzten zusammen, die Klostergebäude ebenfalls; nur weniges ist stehen geblieben. 1S34 vr 
hier die Bezirksforstei, die 1838 nach Ottenhöfen verlegt wurde, während der WaldhQieri E. Miuet- 
maier, nach Allerheiligen versetzt wurde, der 1844 die Erlaubnis zum Betrieb einer WittscU 
erhielt. Erst als 1840 der Forstmeister Eichrodt mit Beihilfe Mittermai ers die Wosseifalle, b 
denen unterhalb des Klosters der Bach »das Nordwasserc zu Tale braust, wieder zuganglich machti, 
stieg auch das Interesse an der Ruine, über die i. J. 1848, im III. Jahrgang der Scbrifien drj 
Altertums- und Geschichtsvereine Badens, der um die Kunde der Badener AUertfüner Tcrdkric 
G. J. von Gerlat-Wellenburg eine kurze Notiz brachte, worin er. allerdings filst-hlkherwo« 
von einer Cisterzienserabtei redete. Nun nahm sich der Badische Altertumsvercin der Ruine aß- 
1842 wurden nur geringe Ausbesserungen vorgenommen, 1845 *^her begannen die Arbeiten umcf 
Leitung des Konservators A. von Bayer, der in den Schriften des Altertums Vereins 1S46 darüber 
berichtet. 1850 werden Zeichnungen des Bestehenden aufgenommen. Damals sLAnden von dem 
eigentlichen Klosterkomplex noch die Umfassungsmauern und der an die Kirche anstoßende, w^oäl 
umgebaute, heute noch stehende Teil der Gebäude, der als Forsthaus diente; von iliin aas binc 
man in die Kirchenruine hinein einen Anbau gemacht. (Siehe Fig. 125.) 

Die Spuren des Kreuzganges waren noch erkennbar und, wie heute noch, an der Langbaus- 
Südseite die Ansätze seiner Gewölbe, die Gewölbe selbst sind auf dem Plan rekonstruiert, ebenso wt«: 
die zusammengefallenen Gewölbe der Kirche, deren nördliche Langhausmauer nicht mehr stand her» 
unter der Erde lag. Verschüttet lagen auch die Seitenräume neben dem Haupt ei ngang, You dcsi 
engeren Klosterbezirk aus erstreckte sich noch ein Mauerrest nach Süden; verschiedene Oköniwue 
bauten und zwei Gartenanlagen waren noch vorhanden. 

185 1 ging die Sorge für die Erhaltung an die Finanzverwaltung über. Unter persötdichö: 
Leitung A. von Bayers wurde das baufällige Tonnengewölbe des Paradieses her^gesteUt; die 
Bogenrippen des Kapellchens (Akten des Konservators) wurden alle vorgefiinden, auch die »Fäiie 

1) Kolb I, S. II. 



1 



AMT OBERKIRCH. - UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 22$ 

der nmgefkllenen Säulen c waren noch vorhanden, die Quader kamen wieder an ihre frflheren Stellen. 
Die Mittel waren ursprflnglich vom Badiachen Altertomsreretn hergegeben, *) spiter von der Regierung. 
Es wurden »sowohl großartige Lichtungen und Wegr&omnngen von Schutt und Graus als auch Bau- 
Ergänzungen« vorgenommen, »so daß die ihrer reichen Bauart wegen lehrreichen Reste der ehe- 
maligen Klosterkirche firei zu liegen kamen und gefahrdrohende Baotheile wieder verfestigt wurden«. 
Außer den obenerwähnten Aufnahmen ist auch in der handschriftlichen Beschreibung der Baudenk- 
male Badens, die G. J. von Gerlat-Wellenburg in den fttnfziger Jahren des 19. Jhs. anlegte, 
eine Aufnahme der Ruine in ihrem Stand von 1857 erhalten. Kunstgeschichtlich blieb die Ruine 
ziemlich unbekannt, von ganz kurzen und irrigen Notizen bei Lotz^ und Otte*) abgesehen. 1876 
bn 1878 wurden neue, ausgedehntere Erhaltungsarbeiten unter Direktor Kachel vorgenommen. 
Nach den Berichten war ein Teil der Blendarkaden vor dem Paradies als Prellsteine gebraucht ; das 
Gewölbe des letzteren und der vordere Gurtbogen mußten erneuert, Fensterteile neu aufgestellt werden, 
die Umfassungsmauer der Kirche wurde wiederhergestellt; das Gewölbe in der Kapelle, an deren 
Wänden damals »Fresken« konstatiert wurden, wurde neu etngewölbt, die Rippen gesttttzt, außen 
die Strebepfeiler ausgebessert; letzteres geschah auch mit dem T/eppenttlrmchen und seinem Stein- 
dach. Damalige Grabungen im nördlichen Querschiff und in der Kapelle haben nichts ergeben ; die 
skulpierten Platten in der Vorhalle wurden wieder aufgerichtet etc. 

Im Jahre 1887 wurden auf Anregung des Konservators Geheimrat Wagner die in der Ruine 
vorhandenen Schlußsteine etc. in der Vorhalle aufgestellt, 1888 verschiedene kleinere Restaurierungs- 
arbeiten durch die Bezirksbauinspektion in Achem vorgenommen. Unterdes hatte auch die Forschung 
den Bau etwas grtlndlicher berücksichtigt; Ltlbke hat in seinen Streifztigen durch Baden darauf 
hingewiesen und schon eine besonders frühe Hallenkirche zu erkennen geglaubt. Ein Aufsatz 
Franz Jakob Schmitts im Repertorium fttr Kunstwissenschaft^) brachte eingehendere Mitteilungen 
über die Kirche, die er in Beziehung zu bringen versuchte mit Notre Dame zu Laon, eine unhalt- 
bare Annahme, wie wir sehen werden. — Als ich dann i. J. 1900 ftlr dies Werk die Kirche 
nntersuchte, wurde mir klar, daß nur durch Nachgrabungen ihre einstige Gestaltung endgültig fest- 
gestellt werden könnte, daß aber die kunstgeschichtliche Bedeutung des Baues solche Nachgrabungen 
auch rechtfertige. Mit den vom Großh. Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts und 
dem Karkruher Altertumsverein zur Verftlgung gestellten Mitteln konnten Professor Karl Statsmann 
und ich in den Jahren 1902 und 1903 die Nachgrabungen ausftlhren mit befriedigenden Resultaten. 
Es wurde vor allem der Raum nördlich der Vorhalle ausgegraben; von einer Untersuchung des 
südlichen mußte abgesehen werden, weil dadurch die Schönheit der Ruine zu sehr beeinträchtigt 
worden wäre ; auch dürfte er dem nördlichen durchaus ahnlich gewesen sein. So ziemlich das ganze 
Langhaus wurde in einzelnen Grabenzügen auf Baureste durchwühlt und auch einiges gefunden, im 
Querschiif vor allem einige Bestattungen. An der Nordseite wurde durch Versuchsgrabungen das 
Nötige festgestellt, desgleichen vor dem Eingangstor zum Paradies, an der Stelle des allen Kreuz- 
ganges und des östlichen Klostertraktes. Die einzelnen Resultate werden bei der Beschreibung der 
Kirche erwähnt werden. 

Für die Baugeschichte der Kirche sind folgende Nachrichten festzuhalten: Die 
Gründung mtiß zwischen 1191 und 11 96, jedenfalls vor letzterem Datum erfolgt sein, 
möglicherweise mit Marchthaler Mönchen, Mitte des 1 3. Jhs. verzichtet indes das March- 
thaler Kloster auf sein Patemitätsrecht Kiu"z nach der Gründung muß die Errichtung 
eines Gotteshauses und die der Gebäulichkeiten für fünf Insassen erfolgt sein. Wichtig 
ist, daß der zweite Propst Walter (um 1221) vorher dem Marchthaler Kloster vorgestanden 
hatte. In der zweiten Hälfte des 13. Jhs. war die materielle Macht des Klosters auf 
ihrem Höhepunkt Die Gebäude müssen indes in den kommenden Jahrhunderten nie 
ganz fertiggestellt worden sein; nur so erklärt sich der oben S. 218 zitierte Beschluß 



^) Generalbericht der Direktion des badischen Alterthums Vereines, Karlsruhe 1858, S. 17. 

*) Statistik n, S. 7. 

*) Kirchl. Kunstarchäologie 5 ü, S. 282. 

*) Bd. XVn, S. 439 ff. 



224 



KREIS OFFENBURG. 



IM« 




" wi [ hw ' t — i ' I * r r i' f i ' r r 



Ft'^. 126, Grundriß der Klosterkirche zu Allerheiligen. 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



225 



des Propstes und Konventes von 1469, Geld auf Zinsen zu legen, um damit die oben- 
genannten Bauten zu restaurieren: »mit Steinwerk, Ringmauer und Pfosten nach Her- 
kommen zu versehene. 1470 erfolgte der große Brand, der wohl gerade des geschilderten 




fi^. 126 a. Plan der Ausgrabungen an der Klosterruine Allerheiligen in den Jahren igo2 und igos> 

Zustandes wegen ungeheuer um sich griff und die zeitweise Residenz der Mönche in 
Lautenbach sowie die dortigen Bauten veranlaßte. 1555 erfolgte ein zweiter Brand, 
1562 war die Kirche wieder im Stand, erst in den achtziger Jahren das Kloster. Das ist 
alles, war wir tlber die Bauten wissen. 

BaadVIL 15 



226 



KREIS OFFENBURG. 



iri^RüTPCSFfVILfR . 










Kirche 



Baubeschrcibung 
Gesamtanlage 



Außer den obenerwähnten Abbildungen kommen unserer Vorstellung von den 
ehemaligen Bauten noch die ausgezeichneten Grundrisse zu Hilfe, die bei der Säkulari- 
sation im Oktober 1803 auf sechs Blatt von einem W. Sehn.? aufgenommen wurden und 
von denen wir die wichtigsten Blätter wiedergeben. 

Das Kloster liegt in dem kleinen Tal, genannt die Wiesenau am östlichen Fuße 
des Sohlberges; rings von Bergen eng umgeben, füllte es mit seinen Baulichkeiten und 
Gärten das ganze Tal aus, das im Osten von einem Bache, dem Nordwasser, durch- 
strömt wird. Die Ost- 
mauem des Konventes 
stießen hart an eine 
steile Schlucht, welche 
dies Wasser durchströmt, 
der Chor der Kirche 
ist nur wenige Meter 
von ihr entfernt. Süd- 
lich, im tieferen Teil 
des Tales, ebnet sich 
das Terrain, das Wasser 
fließt friedlich zwischen 
Wiesen und Gärten da- 
hin, um eine halbe 
Stunde weiter in mäch- 
tigen Fällen herunterzu- 
brausen. 
Von den bedeutenderen Gebäuden ist nur 
noch die Ruine der Kirche (s. Fig. 126) erhalten. 
Der Grundriß zeigt uns ein dreischifiiges 
Langhaus von 15,44 m Breite, das Mittelschiff 
6,30 m, die Seitenschiffe 3,52 m breit; die Länge 
etwa 20,20 m. Die Gewölbejoche des Mittelschiffe 
sind quadratisch, die der Seitenschiffe oblong. Die 
Arkaden des Langhauses, von denen die südlichen 
noch in ihrem Hochbau stehen, werden von Acht- 
eckpfeilern getragen mit Halbsäulenvorlagen nach 
dem Langhaus und den Seitenschiffen zu. In dem 
nördlichen Seitenschiff entsprachen diesen Pfeilern 
an den Wänden je drei runde Dienste, die die Rippen trugen, im südlichen Seitenschiff 
Konsolen. Mächtige Pfeiler mit Halbsäulenvorlagen stützten das Quadrat der Vierung, 
das die Grundrißdimensionen bestimmt; ihm sind die Quadrate des Mittelschiffs gleich 
sowie die des nördlichen und südlichen Querschiffs und das Chorquadrat, während die 
Seitenschiffe um je 37 cm breiter sind als die Hälfte des Mittelschiffs, übrigens eine 
geringe Abweichung. An die Ostseite des südlichen Querschiffs ist die Kapelle Omnium 
sanctorum angebaut. Dem Mittelschiff des Langhauses ist eine tonnengewölbte Vorhalle 
vorgelagert, die zu beiden Seiten entsprechend der Breite der Seitenschiffe von Neben- 
räumen flankiert wird. Die Nordwand der Kirche hat an zwei Stellen den Gurtbögen 



TpwiiQiTuii^fttfr 




Fig. 127. Klosterkirche Allerheiligen. 
Vierungspfeiler. 



AMT OBERKIRCH. — LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



227 



der Seitenschiffe entsprechend ganz schwache Strebepfeiler, wenn man es so nennen 
darf, stärkere an den Ecken des nördlichen Querschiffs *) und des Chores. An der 
Westecke des nördlichen Querschiffs ein Wendeltreppentürmchen, das wohl den Zugang 
zum Vienmgsturm bildete, dessen Mauern zum Teil noch aufrecht stehen, bis zu dem 
ehemaligen Anfang des Turmdaches. Zwei der Wasserspeier sind hier noch erhalten. 
Nach den Bildern des 18. Jhs. war das gesamte Langhaus nebst Vorhalle mit einem 







Fig, 128. Klosterkirche Aller heiligen. Kämpfer der Vierung. 

Satteldach abgedeckt, der Turm mit einem Zeltdach; auch die schwachen Strebe- 
pfeilerchen der Nordseite sind auf diesen Bildern ersichtlich. 

Bei der Beschreibung des Einzelnen beginne ich mit den Ostteilen der Kirche, und 
zwar mit der Vierung, Mächtige viereckige Pfeiler mit stärkeren runden Diensten, 
d. i. Halbsäulenvorlagen für die Gurtbögen, schwächeren für die Gewölberippen, tragen 
die spitzbogigen Arkaden. Der Mittelpunkt der Spitzbögen liegt nahe der Achse. 
Diese Halbsäulenvorlagen haben tellerförmige Basen mit zum Teil merkwürdigen Eck- 
blättem imd Schnauzen (s. Fig. 127) auf viereckigen Postamenten. Sie endigen in 
schmucklosen Kelchkapitellen, welche die in einfacher Abschrägung profilierten Rippen 
tragen (s. Fig. 128). Aus dieser Gestaltung der Vierungspfeiler ergibt sich das ehemalige 



^) An das südliche stießen die Klosterräumlichkeiten an. 



Vierung 



IS* 



228 



KREIS OFFENBURG. 



Kreuzrippengewölbe. Noch stehen die Arkaden gegen das südliche Querschiff und den 
Chor zu; ihre Bögen sind den Rippen entsprechend profiliert Über ihnen erheben 
sich die Reste des Vierungsturmes mit Sandsteinquadem an den Ecken, sonst geringerem 
Bruchsteinmauerwerk. Er zeigt im unteren Geschoß eine flachbogige Tür, im oberen 
ein schlichtes Spitzbogenfenster, die Geschosse von einander durch Wasserschrägen 
getrennt, an den Ecken oben Wasserspeier (s. Fig. 129), sehr stilisierte und unbeholfene 
liegende Löwen. 




Fig, 12g. Klosterkirche AUerheiligen. Wasserspeier vom Vierungsiurm. 

In gleichseitigem Spitzbogen öffnet sich die Vierung in den gerad geschlossenen 
Chor (s. Fig. 131), dessen südliche Wand noch zur Hälfte in der Höhe von ca. 8 m erhalten 
ist, von der nördlichsten wenigstens der an die Vierung anstoßende Teil, die Östliche in 
etwa I m Höhe. Die um die Ecke herumgeführten Pfeiler der Vierung gaben hier einen 
ihrer schwächeren Dienste für die Rippen des Chorkreuzgewölbes, denen in den Ost- 
ecken schlanke Dreiviertelsäulen entsprachen, deren Tellerbasen in Spuren noch vorhanden 
sind. An der südlichen Chorwand stehen noch die Reste einer dreifachen Kleeblatt- 
bogennische (s. Fig. 132), deren Bögen auf Doppelsäulen mit Tellerbasen ruhten; erhalten 
drei Viertel des ersten Bogens, die Kapitelle und die Basen der ihn tragenden Doppel- 
säulen, die Basen der weiteren Doppelsäulen, der Anfang des flachen Entlastungsbogens 
darüber und die westliche Hälfte des Gewändes des großen Spitzbogenfensters darüber 



J 



AMT OHERItIKCn. ^ UERBACH (ICLOSTHK AJXHtHOLlGfi^'.i 



131} 



(s. Fig, I jj), Dmiach Heß sich die Nische und das Fenster lekonstniiereti, *) wobei 
allerdings zn liemerken ist. daß der Mittelpfosten des Fensters lediglich eine Vemiuiung 
auf Grund der vorhandenen Reste eines frühgoiischen Scbiffensters ist.^) Die ge^enUher* 




Fif. ijo. Aiifth^ägm. ßlkk in <& Ositeik der Kirche. 



I liegende Chorwand hat eine entsprechende Nische mit vermutlich nur xwei Doppel- 
saulenpaaren, während das noch erhaltene Gewände der Nische an der Ecke abgehst 
lei 



^) Die Phanuaiea Scliinitta über den Zweck der » vierfach cnt Blendftrkaden falkn damii 
tofoit weg. 

*) Die BlendsLfkiden der Südwand ähneln denen im Münster zu Freiburg and StFaßbarg; in 
letzterem Man sind «ie erst nach Vollenduni: des Schiffes, um die Mitie des 13, Jhs,, eingebaut worden. 



230 



KREIS OFFENBURG. 



ist und den Anfang eines Spitzbogens (ergibt sich bei Berücksichtigung der Säulenstand- 
spuren) zeigt Die Anordnung war also hier eine andere, ich möchte sagen, aus- 



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P'ig' 'Si' Khslerkirche AUerhiiligen, Chor, Grundriß. 



gesprochener gotische ; vermutungsweise ist sie in Fig. 131 rekonstruiert Darüber dann 
ebenfalls ein großes Fenster, dessen seitliches Gewände noch vorhanden ist Noch 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



231 



geringer sind die Auskünfte, die wir aus den Resten der Ostwand erhalten. Wir sehen 
hier auch eine Nische mit einer Mittelsäule; das Profil der weit ausladenden, flachen, 
tellerfbrmigen Basis ist in Fig. 131 oben gegeben ; das Gewände der Nische ist zu beiden 





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PKfH^ B).7CröL.CHOR.U7Änö- 



Fig, IS2. Klosterkirche AlUrhHligen, BUndarkaden der südlichen Chorwand. 

Seiten abgeschrägt Eine Nische aber muß es wohl gewesen sein, über der sich erst das 
Fenster erhob, denn wir können so tief unten nicht schon den Ansatz des Chorfensters 
annehmen. Über die Fundamente der Chormauem gibt Fig. 126a oben Auskunft, 

Von dem nördlichen Querscßüff steht noch ein Teil der Ost- und der größte xördi.Qucrschiff 
Teil der Nordwand, während die westlichen Mauern nur noch in ihren Fundamenten 



232 



KREIS OFFENBURG. 



erhalten sind. In der Ostwand findet sich in geringer Höhe vom Boden eine Nische 
(s. Fig. 134) in gedrücktem Spitzbogen, die ein einpfostiges Fenster umschließt, mit ein- 
fachstem Maßwerk, das sich nach den Resten leicht ergänzen ließ. Diese Nische, vor 
der seinerzeit ein Altar gestanden, hat in ihrem nördlichen Gewände eine kleine nrnd- 
bogige Nische, darunter einen Wasserbehälter mit Ausfluß (s. Fig. 134^). Über der 
Nische noch erhalten die Fensterbank eines großen gotischen Fensters (s. Fig. 135) mit 
den Ansatzspuren der Pfosten etc. Die Formen sind hier ausgesprochen gotisch. An 
der Nordwand (s. Fig. 1 36) sind noch die Kelchkapitelle der Halbsäulen erhalten, die die 
Rippen des Kreuzgewölbes trugen; ihre Behandlung ist durchaus dieselbe wie bei dai 
Vienmgspfeilem. Auch die Ansätze der Rippen selbst sind noch vorhanden, ebenso der 
Schildbogen. Aus der Einfachheit dieser Kapitelle dürfte kein Schluß zu ziehen sein 
auf ein größeres Alter, ihre Schlichtheit wird rein ökonomisch zu deuten sein. 

Ein großes einpfostiges Spitzbogenfenster durchbricht die Nordwand. Der Pfosten 
ist weggebrochen, aber die Spitzbögen, das Rund etc., die Laibung und die Fenster- 
bank noch erhalten,') so daß 
die Gestalt des ausgesprochen 
gotischen Fensters mit Genauig- 
keit festzustellen ist. Das west- 
lich darunter befindliche Türchen 
(s. Fig. 137) in nmdem Klee- 
blattbogen, von einem Blend- 
spitzbogen umrahmt mit dem 
Profil von unten zusammenlaufen- 
den Rundstäben und Hohlkehlen, 
weist dagegen die Formen des 
Übergangsstiles auf. Daran aber, 
daß die Fenster der Ost- und 
Nordwand etwa später eingesetzt 
seien, ist, wie die Mauerbehandlung beweist, nicht zu denken. Diese ist bis zur Scheitel- 
höhe des Schildbogens wie auch im Chor überall eine tadellose aus sauber behauenen 
Sandsteinquadem. Wie bei der Vierung, so beginnt auch hier über dem Gewölbe 
geringes Bruchsteinmauerwerk. Hier oben führte aus dem Treppentürmchen eine Tür in 
den Dachboden, der daneben durch ein einfaches spitzbogiges Fenster Licht empfing. 
Das Treppentürmcheny im gleichen soliden Quaderbau wie die unteren Teile hoch- 
geführt, ist von achteckigem Grundriß außen, rund im Innern und enthält eine sich 
um sich selbst drehende Wendeltreppe mit angearbeiteter Spindel (s. Fig. 138). Erhellt 
wird es durch kleine geradsturzige Fenster mit starker Abschrägung, von denen das eine 
eine später hergerichtete Verschluß vorrichtimg besitzt (s. Fig. 138 unten). Abgeschlossen 
wird das Türmchen durch eine Wasserschräge mit starker Hohlkehle und einen acht- 
kantigen Steinplattenhelm, an dem die Jahreszahl 1556 auf eine Reparatur nach dem 
zweiten Brande hindeutet 
südi. Querschiff Das südliche Querschiff ist in viel größeren Resten auf uns gekommen. Noch 

steht hier die Arkade, in der sich die Vierung nach ihm öffnet. Die zwei hierher 




Treppen- 
türmchen 



Pig' fJS' Klosterkirche AlUr heiligen. 
Kapitelle und Säulenfüße der südlichen Chornische. 



^) Auch die Spuren der Pfostenbasis. 



AMT OBERKIRCH. - LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 



233 



gewandten, jüngeren Dienste des Vieningspfeilers und zwei ihnen entsprechende Halb- 
säulen trugen das Kreuzgewölbe. Die Ostwand, in der unten sich der spitzbogige Eingang 
zur Kapelle öffnet, hat in der Höhe zwei Rundfenster, die merkwürdigerweise von dem 
Schildbogen durchschnitten wurden und an den Durchschneidungsstellen entsprechend 
abgearbeitet sind, also vor dem Gewölbe da waren. Das wird wohl so zu erklären sein, 
daß man anfänglich aus irgend welchen Gründen die Wölbung hier sparen wollte und 
eine gerade Holzdecke eingezogen hatte. An der äußeren Ostwand des südlichen Quer- 
schiffs ist zu ersehen, wie das hohe gotische Dach der Kapelle zwischen den Oculi 
hinauifechneidet, daß letztere also des Daches wegen nicht in der Mitte des Gewölbe- 
schildes sitzen (s. Fig. 157). Da der obere Teil der Ostmauer im 15. Jh. verändert 




Fig. IJ4. Klosterkirche AlUrheiligen. Nische im nördlichen Querschiff. 



worden ist, worauf die andere Bearbeitungsweise der Quader und ihre Steinmetzzeichen 
hinweisen (s. Tabelle Fig. 152 bei i), so könnte man annehmen, daß die Wölbung im 
südlichen Querschiff" erst um diese Zeit eingesetzt worden ist, nach dem großen Brande. 
Es ist aber wahrscheinlicher, daß eine Ausbesserung dieses Teils im 15, Jh. zwar statt- 
gefunden hat, daß aber eine Wölbung doch schon im 1 3. Jh., kurz nach Einbrechen der 
Kapelle, in die Ostmauer ausgeführt worden ist. Denn es ist doch nicht recht glaubhaft, 
daß man im 1 3. Jh. die schon angefangenen Rippenansätze über den Kapitellen nicht 
weitergeführt haben sollte. Die Gleichheit des Schlußsteines und der Rippen mit denen 
der anderen Querschiffteile hat auch nach einer etwas größeren Unterbrechung im 
13. Jh. nichts Befremdendes, wäre aber im 15. Jh. unmöglich gewesen. 

Die Südwand öfftiete sich in zwei Türen auf einen Gang und die daneben liegende 
Sakristei, deren Außenmauem zum Teil noch stehen. Hier aber hat einer der Brände 
ganz besonders stark gewütet, die Steine sind geradezu versintert, das Mauerwerk, so 



234 



KREIS OFFENBURG. 



^.S*H7 


p4 








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, oj.e ^ 




>- _^ »63 





möchte man sagen, geschmolzen, so daß über die Gestaltung dieser Mauern nichts mehr 
ausgesagt werden kann. Besser ist die Westseite des Querschiffes erhalten, sowohl die 
spitzbogige Arkade ohne Wulst (der hier am Vierungspfeiler ursprünglich vorhandene 
Dienst bezw. Halbsäule ist weggehauen) als das Quadermauerwerk darüber, in dem ach 

-— ^ ein zum Teil seiner Gc- 

Jet?:^z^BJxr?j^ im noF.cn/ gc^R&c^iq^ ^^^^ beraubtes SpiU- 

bogenfenster nach dem 
Seitenschiff zu öffiiet 
Da dieses Fenster in die 
später hier vorhandenen 
Gewölbe des Seiten- 
schiffes einschneidet, so 
muß dieses also im 
13. Jh. anders geplant 
gewesen sein. Im 
Gegensatz zu dem nörd- 
lichen Seitenschiff ist die 
Mauer des südlichen 
Langhauses mit der des 
Querschiffes nicht zusam- 
menhängend, was allein 
schon auf verschiedene 
Bauzeit schließen läßt. 
Die an die Ost- 
niauer des Querschiflfes 
angebaute Kapelle Aller- 
heiligen (Tafel IX) ist 
dagegen trotz der vor- 
geschrittenen Bauformen 
mit diesem, aber nicht mit 
dem Chore im Verbände, 
Aus fünf Seiten des Acht- 
ecks konstruiert, öflhet 
sie sich nach dem Quer- 
schiff in großeno Spitz- 
bogen, dessen Laibung 

Fensterbank im nördlichen Querschiff. »" Hohlkehlen Und Ah- 

schrägungen profiliert ist 
(s. Fig. 139). Das sechsteilige Gewölbe mit geradem Scheitel und tief herabgezogenen 
Kappen wird von Wandpfeilern getragen, die in drei Rundsäulen gegliedert sind, welche im 
Querschnitt wie auch in Einzelformen (z. B. der Säulensockel mit den Konsölchen unter 
den Basen) Verwandtschaft haben mit den Dienstresten in Fig. 141 links unten. Diese 
ruhen mit ihren flachen, tellerförmigen Basen auf aus dem Achteck konstruierten Sockeln 
mit kleinerem Durchmesser, wo die Basen übergreifen, werden sie durch blattartige Gebilde 
gestützt. Feingebildetes, leider stark verwittertes Blattwerk schmückt auch die Kelch- 




P^S' ^SS' K'losterkirche Allerheiligen. 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 



«35 



kapitelle. Zu beiden Seiten des Altars sind die Säulchen nicht auf die Erde herab- 
gefuhrt, sondern ruhen in der Höhe der Fensterbank auf kantigen, leis konkaven Konsolen. 
Die Rippen haben ein schlankes Bimenprofil und endigen in einem Schlußstein, der mit 



^C^RfTt DUf^Cn PAS (NOROU 







Fig. ij6. Klosterkirche Allerheiligen. Nordwand des nördlichen Querschiffs, 

Vierpaß und Kreuz verziert ist (s. Fig. 143 unten). Die Fensterchen mit stark ab- 
geschrägter Sohlbank zeigen spitze Kleeblattbögen und darüber Dreipässe ; an einem sind 
der Spitzbogen und die Endigungen des Dreipasses stark kielförmig geschweift (s. Fig. 140). 
Strebepfeiler (Fig. 143), deren Köpfe turmartig mit Giebeln und (abgebrochener) Kreuz- 



236 



KREIS OFFENBURG. 



Langhaus 



blume ausgestaltet waren und in den Giebeln Dreipässe aufweisen — ein Kopf ist mit 
sich durchschneidenden Giebeln gebildet — , begegnen im Äußern dem Schub der 
Gewölbe. Die Bedachung der Kapelle mit Steinplatten ist ein Werk des 19. Jhs. Der 
Ansatz des weit steileren alten Daches und dessen Abdeckleiste an der Wand samt 
oberer Spitze ist außen noch gut sichtbar. 

Südlich von dem Altar der Kapelle ist in die Wand eine kleine Nische zum Auf- 
stellen der Meßkännchen eingelassen, die auf vierkantiger Konsole ruht und sich den 
Fenstern ähnlich im Spitzbogen und darüber einem Dreipaß öffnet In der nördlichen 



^_ ^t4 j 




pcvWnfvi'i, >tr C^'^rpfciUi 







^ig- ^37' Klosterkirche Allerheiligen. Säulenfuß der Chorpfeiler und Eingangstüre tum Treffen- 
türmchen des nördlichen Quersehiffs. 

Wand ist zwischen Kapelle und Chor ein mannshoher Hohlraum entstanden, zu dem 
eine kleine in flachem Spitzbogen geschlossene Öffnung fllhrt, die von einem Blend- 
spitzbogen mit Kleeblattbogenfüllung umrahmt wird. Zu was diese Nische gedient haben 
mag, bin ich nicht im Stande bestimmt anzugeben; vielleicht ein Sacrarium zur Auf- 
bewahrung des Kirchenschatzes? 

An der gesamten Ostpartie, also um Querschiffe und Chor, zieht sich der aus- 
gesprochen romanische Sockel herum, der in Fig. 130 zu sehen ist und den wir auch 
an der Vorhalle wiederfinden werden. Er besteht aus einer Abschrägung und zwei Wülsten. 

Im Langhaus (s. Fig. 141) stehen heute noch die südlichen Arkaden aufrecht, von 
den nördlichen nur noch die Sockel. Diese sind aus dem Achteck konstruiert, mit 
zwei kleineren Seiten, da wo sich die runden Dienste vorlegen. Eine außergewöhnlich 






AMT OBERKIRCH. — UERBAGH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



237 



tiefe Hohlkehle bildet den Übergang vom Sockel in den Pfeiler; sie endigt nach unten 
wie oben in einer Abschrägung, die von der Basis, wenn ich es so nennen darf, der 
Dienste in der auf der Zeichnung wiedergegebenen Weise durchschnitten wird. Der 
Pfeiler geht ki^itelllos in den Spitzbogen über; kapitelllos auch die Dienste, aus denen 
die drei trocken profilierten Gewölberippen hervorstrahlen. Das Quaderwerk der Pfeiler 

ist weit entfernt von der sauberen Arbeit 

der Ostteile, die Hochmauem sind in ^ '\Stnh\fy^ at^^M<iy><% 

unregelmäßigem Bruchsteinmauerwerk 
ausgeführt. Geradezu liederlich wird 
dies Mauerwerk an der südlichen Lang- 
hauswand, in die ziemlich roh die Kon- 
solen eingefügt waren, welche, mit den 
Diensten der Pfeiler, die ebenso wie 
im Langhaus behandelten Dienste der 
Seitenschiffgewölbe trugen. Aus dem 
Seitenschiff führt an seinem östlichen 
Ende ein Portal in den Kreuzgang, 
dessen Gewände nach innen zu zer- 
stört ist, weshalb es erst mit dem 
Kreuzgange besprochen wird. Von den T™ 
Konsolen des Seitenschiffes sind in 
Flg. 141 zwei Beispiele gegeben. In der 
Seitenschiffmauer, die die Spuren eines 
offenbar kolossalen Brandes trägt, liegt 
jetzt ein Rundfenster mit abgeschrägtem 
Gewände und, der mittelsten Langhaus- 
arkade entsprechend, der Rest eines 
Spitzbogenfensters. Vollständig anders 
waren die Stützen des nördlichen Seiten- 
schiffgewölbes. Den Diensten der Mittel- 
pfeiler entsprach ein reichgegliederter, 
früh- bezw. hochgotischer Wandpfeiler 
(s. Fig. 141 unten links) mit abge- 
schrägten Ecken und drei vorgelagerten 
runden Diensten, deren flache Basen 
übergreifend, mit daruntergesetzten 
kleinen Konsolen, auf einem hohen 
Sockel mit abgefasten Ecken ruhen, dem 
Sockel der Vierungspfeiler nicht unähnlich. Diese Wandpfeilerreste sind erst bei der 
Restauration von 1850 wieder freigelegt worden. Ihnen entsprechen im Äußern 
schwache Strebepfeiler, wie sie die Bilder des 18. Jhs. bestätigen. Der Mauerzug ist 
hier teils 1850 ausgegraben, teils mit alten Steinen neu angelegt worden. 

Das Langhaus, das im Mittelschiff und im südlichen Seitenschiff zweifellos der 
späten Gotik entstammt, also einige hundert Jahre später als das Querschiff entstanden 
ist, bewahrte, wie es scheint somit, in dem nördlichen Seitenschiff die Reste seiner ehe- 




P- 






/Xf. /jS. Klosterkirche Aller heilt gen. Wendeltreppe 
des nördlichen Querschiffs. 



238 



KREIS OFFENBURG. 



maligen, der Ostpartie gleichzeitigen Ausgestaltung. Auf die Fragen, die uns dieser Befund 
aufgibt, wird indes erst nach Schilderung der in der Vorhalle aufbewahrten Bauteile eine 
Antwort zu erteilen sein. 



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CpoHcr?€r7 iro,5uPiy GtutF^Scf7if 



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Fig. ijg. Klosterkirche Allerheiligen. Kapelle im südlichen Querschiff. 



Vorh.iiie Die Vorhalle besteht heute aus drei Teilen. Der mittlere, dem Mittelschiff vor- 

gelagerte ist von einem Tonnengewölbe bedeckt aus Bruch- und Backsteinen, das 
zweifellos nicht ursprünglich ist, wenn auch die Konsolen des Schildbogens ursprünglich 
scheinen. Die Ostwand der Vorhalle aljer, die noch zum Teil in die beiden Seitenräume 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



239 



Übergreift, ist ihrem Quaderverband nach aus der gleichen Zeit wie Chor und Querschiff. 
In ihr das ausgesprochen spätromanische Portal (s. Fig. 142), dessen Umrahmung 
sich als Sockel fortsetzt und auch an Querschiff wie Chor wiederkehrt Über dem 
Portal die Spuren einer Rankenbemalung, an ihm selbst die einer gemalten Quadrierung, 
deren Fugen sich, wie gewöhnlich, nicht mit den tatsächlichen decken. Die Vorhalle 
öffnet sich nach außen in einer neu hergestellten Türe, zu jeder Seite erleuchtet ein 
Fensterpaar den Raum. Je zwei abgefaste viereckige Pfosten mit einem wenig aus- 
ladenden plumpen Kämpfersttick tragen die Spitzbogen. Nur diese Fenster stammen 
aus dem 1 3. Jh., die Mauer selbst ist ihrem Verband nach zweifellos später, wie auch 
die Nord- und Südmauer der Vorhalle. Zwei geradsturzige Türen führten von ihr 
in die beiden Seitenräume; über dem Tonnengewölbe ist an der Nordwand die Sohl- 
bank einer Tür erhalten. Die noch in ziemlicher Höhe erhaltenen Mauern über der 
Mittelvorhalle, aus geringem Bruchsteinmauerwerk (auch im Osten hört, etwa in der 
Scheitelhöhe der Schiffsarkade, das gute Quaderwerk auf), lassen zunächst auf einen 
Westturm schließen, wogegen aber die erhaltenen Bilder 
sprechen. Ein an der Wand (bei Fig. 158 ^ rechts) außen 
laufendes Gesimsstück läßt es als möglich erscheinen, daß 
der Mittelteil der Vorhalle ursprünglich vielleicht (?) allein 
bestand, etwa mit abfallend anschließenden seitlichen Pult- 
dächern der Seitenschiffe. 

Der nördliche Seitenraum (s. Fig. 144), der ganz 
verschüttet war, wurde von Herrn Statsmann und mir aus- 
graben. Dabei wurde das schon erwähnte Übergreifen 
der alten Ostwand der Mittelvorhalle konstatiert, aber auch 
daß das übrige Mauerwerk durch seine Zusammensetzung 
(Bruchstein) sich als bedeutend später erweist. In der 
Nordwestecke fand sich noch in situ ein Eckdienst des 
i3.Jhs. Auf polygonalem, durch eine Hohlkehle gegliedertem 
Sockel die übergreifende flache Basis und der Runddienst. 
Des weiteren fanden sich die Fundamente eines Altares und die Bodenfliesen des 
Raumes, Backsteine mit Handstrichrillen (s. Fig. 144 Nr. /j). Im Schutt aber lagen, 
ganz in der Reihenfolge, wie sie beim allmählichen Zusammenstürzen liegen mußten, zu- 
nächst der spätgotische mit einer Rosette verzierte Schlußstein (Nr. // u. I2\ aus dessen 
Rippenansätzen sich unschwer ein oblonges Kreuzgewölbe ergab; dann Rippen dieses 
Kreuzgewölbes, ein Stück einer polygonalen Konsole (10) und endlich Teile der 
Fenstermaßwerke (^ — 8), Der Wandbündelpfeiler des nördlichen Langhauses ist heute 
durch die eingezogene Mauer teilweise vermauert; er war ursprünglich auch bestimmt, 
das Gewölbe dieses Teils der Vorhalle mitzutragen. Hier haben wir also deutlich einen 
Raum vor uns, der im 1 3. Jh. angelegt, entweder nie vollendet oder zerstört und Ende 
des 15. Jhs. neu hergerichtet worden ist, zu dieser Zeit als eine Art Kapelle, die westlich 
ein großes Maßwerkfenster hatte (die Spuren noch sichtbar) und gewissermaßen eine 
Verlängerung des nördlichen Seitenschiffes darstellte. Den südlichen Vorhallenraum 
auszugraben war wie gesagt nicht möglich; er war vermutlich ähnlich gestaltet, aber 
birgt wolü gar keine Reste des 13. Jhs mehr, da auf dieser Seite der Brand stärker 
gewütet hat. 




Fig. 140, 
heiligen. 



der Quer schiff kapeile. 



Nördl. Seiten- 
raum 



Klosterkirche Aller- 
SüdHches Fenster 



240 



KREIS OFFENBURG. 








i 



1-> ^ntrrrr l^ipjienAnv^mH 







/^X^. 7^7. Klosterkirche All tr heiligen. Langhaus. 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 



241 



Die erwähnten Trümmer des nördlichen Seitenraumes werden heute in der mittleren 
Vorhalle aufbewahrt, in der auch alle früheren Funde wie die Funde unserer Aus- 
grabungen aufbewahrt sind. Da liegen u. a. eine Anzahl Schlußsteine (s. Fig. 144), 
von denen ich zunächst eine Gruppe hervorhebe: ein ziemlich großer Schlußstein mit 
den Ansätzen für die einfach durch Abschrägung profilierten Rippen eines Kreuzgewölbes; 
an der unteren Fläche ein seg 



Funde 
Schluflsteine 






nender Christus, zwischen den 
Rippen drei Engelsköpfe und 
ein bärtiger Mannskopf; ein 
nicht ganz so reicher Schluß- 
stein nur mit einem ver- 
witterten Flachrelief kopf in dem 
Rund und den gleichen Rippen- 
ansätzen. Letztere kehren auch 
an zwei weiteren, schlichten 
Schlußsteinen wieder, die ein- 
fach aus einem Steinring be- 
stehen. Ein Blick auf die Ab- 
bildung lehrt, daß sie mit dem 
vorhergehenden zweifellos zu- 
sammengehören. Und da nun 
die Rippenansätze dieser vier 
Steine zu den Rippen in den 
Ostteilen der Kirche passen, 
so dürfen wir in ihnen wohl 
sicher die Schlußsteine der 
Chor-, Vierungs- und Quer- 
schifTgewölbe sehen, wobei es 
dann unerheblich ist, ob wir den 
reicheren Schlußstein dem Chor, 
wie ich, oder der Vierung, wie 
Herr Statsmann, zuteilen, 
während die beiden schlichten 
natürlich dem nördlichen und 
südlichen QuerschifF angehören. 
Außer diesen sind noch 
sechs Gruppen von Schluß- 
steinen zu unterscheiden: (I) eine ziemlich große Sorte, etwa 40 cm im Durchmesser, 
mit krausem Blattwerk, in flauer Ausführung verziert Sechs Rippenansätze, von denen 
vier auf ein oblonges Gewölbe oder, in Verbindung mit den zwei, im spitzen Winkel 
zwischen ihnen ansetzenden auf ein Netzgewölbe deuten. Erhalten sind vier Steine und 
der Rest eines flinflen. Die Zahl spricht dagegen, daß wir in ihnen die Schlußsteine 
des nur drei Joche großen Mittelschiffes besitzen. Diesen ganz ähnlich, nur in einem 
Exemplar eiiialten, (II) ein Schlußstein mit Blattwerk von ca. 30 cm Durchmesser und 
den Rippenansätzen für ein Kreuzgewölbe. Eine dritte Gruppe (HI) mit nur drei 

Band VU. l6 




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Fig. 142. Klosterkirche Allerheiligen. 
Romanisches Portal der westlichen Vorhalle, 



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242 



KREIS OFFENBURG. 



unregelmäßig zueinander stehenden Rippenansätzen zeigt in einem Dreipaß den Scbild 
mit den Marterwerkzeugen Christi. Diese nur in einem Exemplar erhaltene Sorte, von 
ca. 35 cm Durchmesser, deutet auf ein ganz unregelmäßiges Gewölbe, das in den 

2^fiU dir 7trtS^Krtrtai>wtrt(t 



©es PARBI>Itfy«<5 







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^XS"- ^43' Klosterkirche Allerheiligen. Reste von dem nördlichen Seitenraum der Vorhalle 
bezw. von dem nördlichen Joche des Paradieses. 



Kreuzgang zu versetzen nach den dort erhaltenen Rippenansätzen nicht angängig ist 
Eine vierte (IV), der vorigen ganz ähnliche Gruppe, in zwei Exemplaren erhalten, eben- 
falls mit nur drei Rippenansätzen, zeigt in einem Dreipaß von ca. 32 cm Durclimesser 







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^'i"- ^4S^' Klosterkirche AUerhäligen. Fenster der \' erhalle. 



Band VIT. Zu Seite 242. 



AMT OBERKIRCH. — LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



243 



in flachem Relief das Lamm. Die fünfte Gruppe (V), in einem Exemplar erhalten, eben- 
falls in einem Dreipaß mit dem Namen Jesu, hat vier Rippenansätze (s. Fig. 145) eines 
oblongen Gewölbes. Diese letzten drei Gruppen scheinen mir näher zusammen zu 
gehören. Eine sechste Gruppe (VI) mit Schilden, die teilweise skulpiert, teilweise in 
Malerei langgestreckte Blätter aufweisen (s. Fig. 145 u. 147), hat im Rund ca. 32 cm 
Durchmesser, einmal auch 36 cm, ist in drei Exemplaren erhalten mit den Ansätzen 
für die Rippen eines oblongen Gewölbes. Endlich existiert noch ein Stein, den ersten 
Gruppen ähnlich, sehr zerstört, ca. 30 cm Durchmesser, krauses Blattwerk, mit ganz 
unregelmäßigem Ansatz von zwei Rippen. 

Eine Anzahl von Rip- 
penstücken wird hier aufbe- 
wahrt, alle in der schlichten, 
trockenen Hohlkehlung der 
Spätzeit, wichtig einige Exem- 
plare sich im spitzen Winkel 
durchschneidender Rippen. 

Reste einer Wölbung 
des frühgotischen Langhauses 
fehlen danach gänzlich. Da 
wir über die Gestaltung des 
Chorgewölbes, der Querschiflf- 
gewölbe und derjenigen der 
seitlichen Vorhallenräume Ge- 
wißheit besitzen, so können 
wir obige Schlußsteine nur auf 
das Langhaus und den Kreuz- 
gang verteilen. Da ist es 
denn möglich, daß das Mittel- 
schiff mit einem Netzgewölbe, 
wie Lautenbach, überdeckt 
war, wobei sich dann die 
vielen Schlußsteine der ersten, dritten und vierten Gruppe erklären ließen; trauen wir 
aber dem Grundriß von 1803, so müssen wir ein Kreuzgewölbe annehmen mit Schluß- 
steinen etwa wie die zweite Sorte, und die vorhin genannten Schlußsteine dem Kreuz- 
gang zuweisen. Die Stücke der sechsten Gruppe dürfen wir wohl für die oblongen 
Seitenschiffgewölbe in Anspruch nehmen. 

Aufbewahrt werden hier auch die Funde aus dem Kapitelsaal (s. Fig. 126a). 

Weitere Funde sind: ein DoppelkapiteU mit Laubwerk von der Chornische, viel- 
fache Reste der Wandpfeiler des nördlichen Seitenschiffes, genau zu den dort aufgestellten 
passend, ein plumper Wasserspeier der Vierung, stark verwitterte Reste eines romanischen 
Ornamentes (s. Fig. 146), zwei weitere Ornamentstücke (s. Fig. 147), von denen das 
letztere der Renaissance angehört ; ein Steinfragment mit dreifachem Kleeblattblendbogen 
(s. Fig. 147); die Reste eines frühgotischen Fensters (s. Fig. 148), aus denen sich dieses 
Fenster mit Leichtigkeit rekonstruieren läßt. Es ist dem Fenster des nördlichen Quer- 
schiifes sehr ähnlich, und da es, ohne jede Brandspuren, vom südlichen nicht stammen 

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Fig, 144. Klosterkirche Allerheiligen. 
Gewölbeschiußs feine, vermutlich aus Chor, Vierung und Querschiffen. 



244 



KREIS OFFENBÜRG. 






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kann, so müssen wir 
seinen ursprüngüchöi 
Platz wohl im Norden, 
also in der Außenwind 
des nördlichen Quer- 
schiffs oder des nörd- 
lichen Seiieaschiffs, 
suchen. Für ein weiteres. 
frühgurisches Fen^i!r. 
dessen Reste ebenfialk 
in Fig. 148 abgebrlda 
sind, vertnogen i*ir hh 
jetzt keinen PSati atuu- 
geben. Es ist noch in 
einem /weiten Exemplar 
erhalten, das heute kun 
vor dem Ab^cg zu den 
Wasserfällen aufgestelli 
ist. Die Reste einö 
dritten Fensters gestatten 
ebenfalls eine genaue Rfr 
konstriikOon (s. Fig. 1 49) 
Außerdem werden hier in 
Steinsarkophage -*:^ ^"^^^^^^^^itf fl^ 'Siy Jf" o | ^^ '^""^^ der Vorhalle zwei Am- 

Sarkophage (s. Fig. 150) 
aufbewahrt, %'on denen 
sich der erste re bei dem 
Fundament der ntird- 
liehen Langhaüspfdler itn 
dritten Joch vorfand, der zweite im Bezirk des östlichen Kreuzganges (s, den Aus- 
grabungsplan Fig. 126a). Beide waren ohne Deckel und ohne Inhalt Der *^taus 

interessantere erste zeigt in guter Arbeit die Aus- ^ e * ^ 

höhlung für Kopf und Schultern des Toten, eine Form, 
die man gewöhnlich sehr frühen Perioden unserer 
Geschichte zuzuschreiben pflegt, die aber hier doch 
kaum älter sein kann als 1200. Offenbar aber ist eine 
gewisse Ausarbeitung des Steinsarges in Allerheiligen 
länger Sitte geblieben, denn auch der zweite Sarkophag 
zeigt wenigstens eine Aushöhlung für den Schädel des 
Toten. Grabstätten ohne Särge bezw. mit jetzt zer- 
fallenen Holzsärgen haben sich in den Fundament- 
mauern der Vierung vorgefunden, hier auch ein silbernes 
Sterbekreuz (18. Jh.). 

In der Vorhalle haben endlich noch einige Grab- 
steine, wohl auch aus dem Innern der Kirche, Aufstellung gefunden. Zwei kleinere 





Fig. 14S' Klosterkirche Allerheiligen. 
Schlußsteine voft Mittelschiff (?) und Seitenschiffen (?). 



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Fig. 146. Klosterkirche Aüerhah^ 
Romanisches Omamenifragmeiü- 



AMT OBERiORCH. — LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



245 





aus dem 17. Jh., der eine mit teilweise zerstörter Inschrift für einen Chrysostomus, 
der andere: 

HIC lACET ^^ pf^^ 

ANTONIVS ^^ ' 

DIACON CO 
NFRATER 
AMANDVS 
. . AV . MDCLXIII. 
Eün Inschriftstein 
vom Abteigebäude mit 
dem Wappen des Abtes 
Anastasius und dem Rest 
der Inschrift : 

CONDIDIT HAS 

ADES ABBAS EX 

ORDINE 

PRE 

Unter dem Wappen : 
16 69 

MDC LXIX 

An den Wänden 
der Kirche, ganz be- 
sonders an den Ost- 
teilen, haben sich eine 
Fülle von Steinmetz- 
Zeichen ergeben, über 
welche die beiliegende 
Tabelle (s. Fig. 151) von 
Herrn Prof. Statsmann 
eine vorzügliche tJber- 
sicht gibt. Wenn man 
auch sicher flir Vergleiche mit anderen Bauten diesen Zeichen keinen allzu großen 
Wert beilegen darf, so stimmen die sich aus ihnen ergebenden Resultate hier doch 
so auffallend mit denen der baulichen Untersuchung, daß sie deren Beweiskrafl sehr 
unterstützen. 

Prof. Statsmann bemerkt über diese Steinmetzzeichen und die daraus zu ziehenden 
Folgerungen fWth.J'. 

Es sind gegen 50 verschiedene Zeichen vorhanden. 

Dieselben befinden sich auf den Quadern der noch stehenden Reste der Klosterkirche, ins- 
besondere an den Wänden in Chor, Querschiffen, östlicher Seitenkapelle, an den Gurtbögen der Vierung, 
an den Viemngspfeilem, an den Schiffpfeilem der spätgotischen Zeit, an der nördlichen Türe nach 
dem Rreuzgang. 




Fig, 147, Klosterkirche Allerheiligen. Schlußstein und Ornamentstücke. 



246 



KREIS OFFENBURG. 



Die Zeichen sitzen sowohl am Äußern der Kirche als auch im Innern, an Quadern etwa 
in der Mitte der Sichtfläche, regellos, in verschiedensten Stellungen. Außer an Glattquadern stzeo 
sie auch an profilierten Sttlcken (G2S, K 20, L24, Q 2J-27) und vereinreit an Kapitellen (JI17 ies 
Vierungspfeilers, /^2i, 2g am Säulenfuß). Nicht jeder Stein besitzt sichtbare Zeichen. 

Die Zeichen der ältesten Periode (frühgotische Zeit) sind fein mit dem Meißel eingeschligcn 
und bestehen daher meist aus linearen Formen (i, s~^> 9> ^2-iy, 20 von 3-6 cm Höbe; die 
Zeichen 2, 7, 8, 10, 14, ly, 18, 21, 22, 2j-jo von 5-8 cm Höhe). In der hochgotischen Zeit 




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Fig. 148. Klosterkirche Allerheiligen, Schiffenster u. a. 

(östliche Kapelle des südlichen Seitenschiffes) erscheinen Flächengebilde R 20^ 21, M 22, EjS ^^ 
Gabelungen (ij, 16), das Zeichen 2 wurde auch an einem Stück des Wandpfeilers des (nördlichen?) 
Seitenschiffes gefunden, welcher vermutlich aus der hochgotischen Zeit herrührt (Reststäck in der 
Westvorhalle); in der spätgotischen Zeit erscheinen die feinen, gut gearbeiteten Zeichen wie 
TS4> ^34-43 oder die sehr roh, groß (bis 10 cm) und tief gearbeiteten LjsS?» PSSSI- Zeichen 
R jo, 14 und j6, 20 kommen auch in der Westfront des Münsters zu Straßburg unten vor. 

Sehr häufig kommen Nr. /, 2, 4, 7, 8 vor. Zeichen 9, 18 (Hexenbesen!) sitzen wie aocb 
an anderen Kirchen dieser Zeit an einem Fenster der Nordseite; als Apotropeion? Die Zeichen 
2S-28 sitzen an den VieningsgewÖlbebogen ; Zeichen der Wölbemeister? Selten kommen 7/-^;. 
jy Ji vor. 



AMT OBERKIRCH. — UKRBACH. (KLOSTER ALLER HEIUGEN.) 



247 



Id der westlichen Vorhalle ist nur ein Zeichen A / nachweisbar ; dasselbe verschwindet in 
der hochgotischen Zeit. 

Vorkommen, Zahl und Art der Zeichen lassen somit folgende Entwükeiungserklämng des 
Kirchenbaues zu: 

Die Klosterkirche wurde mit der Westvorhalle begonnen (frühestens um i20o\ Lebhafte 
Bautätigkeit beginnt dann einige Jahrzehnte später am östlichen Teile der Kirche. Zunächst wird 
hier der Ostchor begonnen, 
dann fast gleichzeitig das 
nördliche Querschiff und das 
südliche Querschiff. Nicht 
lange darauf wird im süd- 
lichen Querschiff, aber schon 
in der zweiten Hälfte des 
13. Jhs. frühestens, die öst- 
liche Kapelle eingesetzt (vgl. 
die sehr voi^eschrittenen 
Formen der Fenster und 

Strebepfeileraufsätze da- 
selbst !). Gleichzeitig wird 
das Schiff der Kirche in 
Angriff genommen (hoch- 
gotischer nördlicher Wand- 
pfciler), aber nicht vollendet. 
Zwar wird die Vierung durch 
neu hinzukommende Meister 
gewölbt, die Schiffwölbung 
unterbleibt jedoch und wird 
erst im 15. Jh. vollzogen. Zur 
Stabilisierung des Vierungs- 
gewölbes und des nördlichen 
Querschiffgewölbes wird im 
Vcriauf des 13. Jhs. der 
Vierungsturm aufgesetzt. 
Die Wölbung des süd- 
lichen Seitenschiffes unter- 
bleibt bis zu dieser Zeit 
oder bis nach dem ersten 
Brande im 15. Jh. 

Ich möchte noch da- 
rauf aufmerksam machen, 
daß die meisten Zeichen 
vom Chor und den beiden 
Querschiffen, nämlich 2, 
3> 5, 6, 7, 9, an sämt- 
lichen Ostteilen ein- 
schließlich der Kapelle 
wiederkehren, Zeichen 14, 

iS und 22 am südlichen Querschiff und der Kapelle allein, das Zeichen / an Vorhalle und Chor, 
dann aber nur an den unteren Teilen der Querschiffe. Es scheint danach, daß an Vorhalle und 
Chor sowie an den unteren Osttcilen gleiche Steinmetzen, des weiteren an sämtlichen Oslteilen mit der 
Kapelle die gleichen Arbeiter tätig waren, neu hinzukommende besonders am südlichen Querschiff und 
der Kapelle, woraus sich ergeben würde, daß Vorhalle, Chor, Vierung, Querschiffe und Kapelle in 
nicht zu langen Zwischenräumen, etwa in der Dauer eines stattlichen Menschenlebens, erbaut worden 
sind. Damit stinmit auch die kunstgeschichthche Betrachtung der Bauteile. (St.) 




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Fig. 14g. Klosterkirche Allerheiligen, 
nach den in der Vorhalle vorhandenen Resten rekonstruiertes Fenster. 



248 



KREIS OFFENBURG. 



Baugeschichte Die Baugescktckte dürfen wir also folgendermaßen rekonstruieren: 

Das Portal der Vorhalle sowie deren Ostwand dürften ziemlich gleichzeitig in 
Angriff genommen worden sein mit den Fundamenten der Ostteile. Wenn wir als 
wahrscheinlich annehmen, daß die Mönche ihre Andacht in einem provisorischen Holz- 
bau verrichtet haben, und andererseits die offenbar durchaus kontinuierliche Bautätigkeit 
mit größtenteils denselben Arbeitern bis zur Hochgotik in Betracht ziehen, so werden 
^. r • wir diesen Beginn etwa in die 

y \" -- , ^y^ ^^__^.-^ - Zeit um 1220 bis 1230, also etwa 

die Regierungszeit des Marchtaler 
Abtes, ansetzen. Der Bau wurde 
in den Formen des Ubergangs- 
stils fortgeführt, die sich unmerk- 
lich in solche der Frühgotik um- 
wandelten, und zwar zunächst im 
Chor, in der Vierung, im nörd- 
lichen und dann im südlichen 
Querschiff sowie der Vorhalle. 
Chor, Vierung, Querschiffe wurden 
mit frühgotischen Kreuzgewölben 
eingewölbt, die auf den Vienings- 
pfeilem mit schwächeren und 
jüngeren Diensten und ent- 
sprechenden Diensten in den 
Fxken ruhten. Diese Dienste 
haben noch die ausgesprochen 
flachen Basen der Frühzeit und 
die schmucklosen Kelchkapitelle. 
Daß die konstruktive Neuenmg 
der Gotik verstanden wurde, das 
zeigen die wenn auch nicht über- 
aus entwickelten, so doch ^-oU- 
kommen genügenden Strebepfeiler 
an den Ecken. In den Wand- 
arkaden des Chors ist der all- 
mähliche Übergang zum neuen 
Stil am besten zu erkennen: 
während die der Südwand mit ihren runden Kleeblattbögen, den Eckblättem an den 
Basen, den geriefelten Blättern an den Kelchkapitellen noch ziemlich in den Formen 
des Ubergangsstils gebildet sind, lassen die Reste der Nordarkade auf eine schon mehr 
gotische Bildung schließen. Ausgesprochen gotisch waren dann die Fenster des Chors, 
ebenso wie die des nördlichen Querschiffes, in welchem nur die Tür zu dem Treppenturm 
noch den Ubergangsstil verrät. Dabei geht doch aus allem hervor, daß hier keine 
große Unterbrechung des Baues stattgefunden haben kann, und wir müßten also ungefähr 
die Jahre 1230 bis 1250 dafür in Anspruch nehmen. Das ist allerdings ein ziemlich 
frühes Datum in Anbetracht der sonstigen Zeugen des Eindringens der Gotik am Ober- 




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Fig- 15O' Klosterkirche Allerheiligen. 
Im Langhaus gefundener Steinsarkophag. 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 







































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KREIS OFFENBURG. 



rhein, welches in Straßburg und Wimpfen erst in der zweiten Hälfte des 1 3. Jhs. zu 
konstatieren ist. In unserer Gegend, in Lahr, haben wir es für die Jahre zwischen 1250 
und 1270 wahrscheinlich machen können. Mit den genannten Bauten, insbesondere 
mit Lahr und Wimpfen, hat Allerheiligen in seinen Formen vieles gemeinsam. — Möglich 
bleibt immerhin, daß durch die Beziehungen des Ordens zu Frankreich das frühe Datum 
zu rechtfertigen ist. — Das südliche Querschiff zeigt ein merkwürdiges Schwanken. Wir 



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Fig. IJ2. Klosterkirche Allerheiligen, Der südwestliche Vierungspfeiler und die in das Quersckiß 

fithrende Arkade. 

haben die Rundfenster in seiner Ostwand erwähnt, die von den Schildbögen des 13. Jlis. 
durchschnitten wurden. Da aber das Querschiff doch ersichtlich auf Wölbung angelegt 
war, und zwar auf Wölbung der Vienmg entsprechend, und da nach dem vorhandenen 
Schlußstein diese Wölbung nicht etwa unausgeführt blieb, so ist nur die oben gegebene 
Erklärung möglich. Allerdings hat der große Brand von 1470 ganz besonders an 
der Südseite der Kirche gewütet. Er ist, wie begreiflich, von dem Kloster ausgegangen, 
das oflfenbar nach dem obenzitierten Beschluß von 1469 an baulicher Solidität zu 
wünschen übrigließ, hat von hier aus das südliche Seitenschiff völlig zerstört, dann 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 25 1 

das Langhaus ergriffen, aber auch an der Südmauer des südlichen Querschiffes sehr 
ruiniert, so daß sie, wie auch die Westmauer gründlich renoviert werden mußte. 

Zu gleicher 2^it etwa mit den Unterteilen des Chors wird wohl die Vorhalle angelegt 
worden sein. Wie aber haben wir uns sie ausgebaut zu denken? Das Tonnengewölbe 
der mittleren Teile ist nicht ursprünglich, das beweist schon die spitzbogige Tür in dem 
Oberbau, deren Schwelle unterhalb des Gewölbescheitels liegt. Der gesamte Oberbau 
selbst aber scheint mir seiner Mauertechnik nach eher dem 15. als dem 13. Jh. anzu- 
gehören. Damit fiele auch für dieses die Beweiskraft der an dessen Nordwand bezw. also 
an der Südwand des nördlichen Seitenraumes vorhandenen Konsolen, die zunächst darauf 
hinzudeuten scheinen, daß diese Seitenräume niedriger als die Seitenschiffe waren. Wir 
bleiben schließlich, was das Aussehen dieser Westteile im 13. Jh. anbelangt, ganz auf unsere 
Phantasie angewiesen, der einzig der Eckdienstrest des nördlichen Raumes, das Portal 
der Mittelhalle imd ihr nach Norden übergreifendes altes Mauerwerk als Anhaltspunkte 
dienen können. Einstweilen scheint mir am naheliegendsten, uns eine einheitliche 
Vorhalle vorzustellen, wie sie die Kirchen der neuen Orden damals häufig besaßen, eine 
Vorhalle, deren Rippenkreuzgewölbe auf Wandpfeilem mit Halbsäulenvorlagen imd Eck- 
diensten ruhten, darin den Querschiffen ähnlich. Im 15. Jh. haben dann hier nach dem 
Brand von 1470 große Veränderungen stattgefunden. In dieser Zeit ist die Vorhalle 
zweifellos in drei Teile geteilt worden durch die Querwände, auf denen jetzt die Tonne 
ruht, die riiittiere eigentliche Vorhalle und die zwei Seitenräume. Erstere wohl flach- 
gedeckt, letztere (die Wahrscheinlichkeit zugegeben, daß der südliche dem nördlichen 
gleich war) unter Verwendung der noch brauchbaren Teile (Eckdienst) als Kapellen 
ausgebildet in Verlängerung der Seitenschiffe, mit spätgotischem Kreuzrippengewölbe und 
je einem großen, zweipfostigen Maßwerkfenster, welches auch in den Bildern des 1 8. Jhs. 
ersichtlich. Diese zeigen in der Mitte der Westfassade ein barockisiertes Portal, darüber 
nach den Annales zwei schmälere Langfenster, nach der Zeichnung des Abtes Felix fast 
zu beiden Seiten kleine Spitzbogenfenster. Sollten damit die gekuppelten Spitzbogen- 
fensterchen der heutigen Vorhalle gemeint sein, von denen ich nicht sicher behaupten 
möchte, wo sie ursprünglich angebracht waren? Ob auch in der Vorhalle? Darüber 
dann nach den Ansichten des 18. Jhs. ein Rundfenster und im Giebel noch einmal ein 
Spitzbogenfenster. 

Im Langhause hat der große Brand ganz besonders gewütet. Die südliche Seiten- 
schiffmauer ist ihm vollkommen zum Opfer gefallen, ebenso die Arkaden des Mittelschiffes 
mit ihren Hochmauem, wenn sie überhaupt je in Stein vorhanden waren. Daß das nicht 
der Fall, darauf deutet das gänzliche Fehlen irgendwelcher Reste des 1 3. Jhs. Auch die 
Fundamentreste der bestehenden Schiffspfeiler sind neu, d. h. 15. Jh. So groß, daß er 
alles geradezu weggeschmolzen hätte, kann der Brand nicht gewesen sein, er hätte 
sonst auch an den Vierungspfeilem stärkere Spuren hinterlassen müssen. Damit 
bringe ich wieder die Notiz von 1469 zusammen, und es will Herrn Prof Statsmanh 
sowohl wie mir danach scheinen, daß das Langhaus nie ausgeführt war, an Stelle der 
Pfaler vielmehr Holzstützen standen und das Ganze mit flachen Holzdecken eingedeckt 
war. Damit erklärt sich auch leicht die Gewalt des Brandes. Die Wandpfeiler der 
Seitenschiffe mit ihren Diensten waren dagegen offenbar schon ausgeführt und sind auch 
da, wo der Brand am wenigsten wütete, im nördlichen Seitenschiff, stehen geblieben. 
Wir haben nun Fingerzeige, wie im 1 3. Jh. das Langhaus geplant war, und zwar hat 



252 



ILREIS OI-TENBURG. 



damals schon eine Andemng im Bauplan stattgefunden. Zuerst nänilidi dadite maTi 
sich die Seitenschiffe ziemlich niedrig, was das spitEbogife Fenster in der Westi^and des 




-^sjf. IJJ* klcsfi^kirehe Alkrhiüigm. Bück auf ikn süäwistikken Vmufigif*jtif£r t^om MifmsiMf JW* 

südlichen Qtterschiffes beweist. Danach ist gar nichts Anderes möglich, als daß je iw6 
Gewölbejoche der Seitenschiffe auf ein Joch des Mittelschiffes fielen; wenn wir aber 
daraufhin den Grundriß ansehen, so ergab sich dabei der Grundriß einer Kirche tm 



AMT OBERICIIICH« — LIER&ACH. (KLOSTER ALLSRKetUGEK } 



253 



alten» gehmäenen System* Zur Ausführung ist das aber nicht gekommen, 
sondern wurde verdrängt durch einen ungleich wertvolleren und 




Fi£^ /J4- KUtterkir^hi AUerhiiägett^ Büfk vüm skäUcAfft QuerscMff an/ den südwtstii£hen 

VürmtgspßiUr. 

neuen Baugedanken. Der stehen gebliebene westliche Dienst des südlichen 
Viemogspferjers {s. Fig. 152) gibt den Anhaltspunkt fllr die dann geplanten Seitenschiff- 
gewöibe, das Ganze war danach als friihgotische Hallenkirche gedachti 




254 



KREIS OFFENBURG. 




aber nie ausgeführt. Dieser Vierungspfeiler hat in späterer Zeit verschiedene Bear- 
beitungen erlitten. Wir sehen an der dem Langhaus zugekehrten nördlichen Seite oben 
noch die Kapitelle der Dienste. Das des nordwestlichen Eckdienstes ist abgearbeitet, 



AMT OBERKIRCH. — LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 255 




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256 KREIS OFFENBURG. 

die Spuren, die Steinfugen zeigen die Erneuerung und geben deutlich an, daß es in der 
Höhe der anderen Kapitelle lag. Also ist die frühgotische Arkade höher gewesen als 
die jetzige. Dafür spricht auch der abgearbeitete westliche Dienst, der da, wo jetzt der 
Bogen der Arkade ansetzt (s. Fig. 153), noch nicht aufhörte, dessen Kapitell also höher 
lag; die Arkade war demnach höher. Das Fenster in der Westwand des südlichen 
Querschiffes wurde von den Gewölbeschildbogen des 15. Jhs. durchschnitten. Der 
Arkade entsprechend muß derjenige des 13. Jhs. höher gewesen sein und so liegt die 
Annahme nahe, daß er das Fenster in sich schloß, womit das Gewölbe die gleicbe 
Höhe gehabt hätte, wie das des Mittelschiffes. Auch der südwestliche Eckdienst ist 
offenkundig abgeschnitten, des niederen Ansatzes der spätgotischen Rippen wegen. Da 
von einer Kapitellabarbeitung aber keine Spuren zu bemerken sind, so lag dieses höber, 
somit also ebenfalls der Ansatz des frühgotischen Gewölbes. Betrachten wir nun die 
südliche Seite des Pfeilers (s. Fig. 154), so finden wir, daß der südliche Dienst m seinem 
unteren Teile intakt erhalten, in seinem oberen Stück aber abgearbeitet ist 
Und zwar scheint hier das Kapitell abgearbeitet zu sein, wenn dieser Stein nicht überhaupt 
dem 15. Jh. angehört, deim irgendwie später eingesetzt ist er. Das Kapitell der Halb- 
säule des 13. Jhs. muß aber höher gelegen haben, da sich bei dem unteren Durch- 
messer sonst eine unerträglich plumpe Form ergeben hätte. Der gegenüberliegende 
Kämpfer der Arkade ist in seinem heutigen Aussehen ebenfalls dem 1 5. Jh. zuzuschreiben. 
Das Sockelgesims — der ehemalige Fußboden lag um etwa 20 cm niederer — an 
dieser Stelle ist dagegen alt, es zog sich auch nach Süden herum; eine Langhausmauer 
war also hier in frühgotischer Zeit nie fertiggestellt. Daß an dieser Stelle nach dem 
Brand große Veränderungen stattgefunden haben, wird, abgesehen von der Bearbeitung 
der Steine an der Querschiffwestwand, auch dadurch bewiesen, daß in der Südwestecke 
des südlichen Querschiffes der zweifellos ursprünglich vorhandene Dienst in der Spät- 
gotik durch eine Konsole ersetzt wiu-de. — So steht also das Projekt der Hallenkirche 
klar vor uns. Prof. Statsmann hat in Fig. 141 u. 157 gezeigt, wie nach diesem 
Projekte die Schiflfpfeiler wohl gestaltet sein sollten. Dieses Projekt mag der Zeit nach 
1250 entstammen. Nicht allzuviel später muß die Kapelle im nördlichen Querschiff 
erbaut worden sein, zumal sie mit Querschiff und Chor bündig ist, also von vornherein 
geplant war. Ihre ausgesprocheneren, fast hochgotischen Formen hindern nicht, sie in 
die Zeit um 1260/70 zu setzen. Nach dem Brande von 1470 hat die Spätgotik die 
Kirche dann ausgestaltet, der Scheitel der Seitenschiffgewölbe lag bei ihr nur ca. 2 m 
niederer als der des Mittelschiffes. Im nördlichen Seitenschiff benutzte man die stehen 
gebliebenen Wandpfeiler des 13. Jhs., die schon durch die schwachen Strebepfeiler etwas 
verstärkt waren, im Langhaus errichtete man die Pfeiler, die man stark fundierte und 
durch feste Quaderzüge verband, da sie ohne Unterstützung durch ein ausgebildetes 
Strebesystem den Druck des Mittelschiffgewölbes zu tragen hatten. Im südlichen Seiten- 
schiff, d. h. an dessen Südwand, trugen Konsolen das Gewölbe. Die Seitenschiffe waren 
nach den Funden mit oblongem Rippengewölbe eingewölbt, für das Langhaus hatte man 
früher ein komplizierteres Gewölbesystem angenommen, das auch den Zeichnungen von 
1850 zugrunde gelegt ist. Dagegen spricht allerdings der Grundriß von 1803, der hier 
Kreuzgewölbe zeigt ;^) doch scheint mir die Einzeichnung der Gewölbe so flüchtig, daß 

^) Danach in unserem Grundriß. 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEIUGEN.) 



257 




Band VII. 



17 



258 



KREIS OFFENBURG. 




AMT OBERKIRCH. — LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



259 



darauf kein großer Wert zu legen ist Die Schlußsteine für Langhaus und Seitenschiffe 
haben sich in einer stattlichen Zahl erhalten, die uns leider keine deutliche Vorstellung 
ermöglicht 




Nach dem Dargelegten sind die Rekonstruktionsversuche des Herrn Prof. Stats-Rckonstruktions 
mann, die den vermutlichen Zustand um 1500 wiedergeben, ohne weiteres verständlich 
(s. die Figuren 155—159). 

Chor und Querschiff waren mit Satteldächern gedeckt, deren Giebel unter der 
erwähnten Mauerschräge des obersten Turmgeschosses anschlössen. Das angebliche 
Fenster in dem Geschoß darunter ist eine Ttlr in die Bühne. Der Turm — dessen Ober- 



26o 



KREIS OFFENBURG. 



mauern den Wasserspeiern nach dem 13. Jh. entstammen — hatte ein spitzes P)Tamiden- 
dach, das aus den Abbildungen des 18. Jhs. ersichtlich ist 

Langhaus und Vorhalle waren vor und nach 1470 mit einem großen Satteldach 
überdeckt, dessen Traufe tiefer herabging als die des Querschiffes, (Man hätte sonst 




Fig. 160. Klosterkirche Allerheiligen. Portal zum Kreuzgange und Rippenanfanger in demstliez. 

die Seitenschiffmauem unnötig hoch führen müssen und das Dach wäre sehr flach 
geworden.) 

Auch der Brand von 1555 muß die Kirche etwas in Mitleidenschaft gezogen haben; 
damals wurde der Treppentiirm im nördlichen Querschiff wieder hergestellt und ^ 
Fenster des südlichen Seitenschiffe, wie wir aus der Betrachtung der Klosteranlage ersdjco 
werden, verändert. 



AMT OBERKIRCH. — LIERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 26 1 

Später wurde eine Empore eingefügt, deren Balkenlöcher in der Westwand noch 
vorhanden sind (s. Fig. 157). Außerdem schloß nach dem Grundriß eine große, barocke 
Chorgestühlanlage die Vierung ab. 

Von den Klosterbatäen des 1 3. Jhs. ist heute auch nicht die geringste Spur mehr 
zu entdecken; auch die Grabungen ergaben nichts. Dagegen können wir die Konvent- Konvenuniage 
anläge des ausgehenden 15. Jhs. noch in den wesentlichsten ZUgen feststellen, sie ist 
auch die Gnmdlage für die künftige Gestaltung geblieben. An die I^anghaussüdseite schloß 
sich der Hof mit dem Kreuzgange an. Ein spitzbogiges Portal (s. Fig. 160), dessen Kreuigang 
äußeres noch erhaltenes Gewände aus sich kreuzendem und teilweise totlaufendem Stab- 
werk und Hohlkehlen besteht, führte von hier in das südliche Seitenschiff. Daneben ist 
noch eine polygonale Konsole mit hohlgekehlten Rippen erhalten aus dem nördlichen 
Kreuzgangflügel, weiterhin sind an der Südwand der Kirche noch die Sandsteine erkenn- 
bar, an denen die Konsolen und Rippenansätze später abgespitzt wurden. Danach muß 
man wohl annehmen, daß dieser nördliche Kreuzgangflügel einstmals bestanden hat, aber 
nicht dauernd, da sein Dach die Fenster des südlichen Seitenschiffes zum Teil bedecken 
würde. Daß er im 18. Jh. nicht mehr bestand, zeigen die Ansichten sowie die Pläne 
von 1803. Da er seinen Formen nach (Portal und Rippen) sich etwa auf die Zeit um 1470 
datieren läßt, so wird man annehmen müssen, daß er mit dem ganzen Konvent damals 
neu erbaut wurde ') und daß vielleicht das Seitenschiff damals nur durch die Rundfenster 
erhellt wurde, von denen noch Beispiele erhalten (die mit den anderen Spitzbogen- 
fenstem nicht mehr recht zusammenzubringen sind); nach dem zweiten Brande von 1555 
erneuerte man aber den wohl ganz besonders mitgenommenen Nordflügel nicht mehr, 
man konnte daher bei der Wiederherstellung der südlichen Schiffswand (deren Mauer- 
werk das allerschlechteste in der ganzen Kirche ist) ihr tief herabführende Fenster geben, 
die reichliches Licht spendeten. Die drei anderen Kreuzgangflügel blieben bestehen, sie 
sind noch auf den Bildern des 18. Jhs. zu erkennen. Ihr Gewölbe (wie das ehemalige 
des Nordflügels) war entweder ein einfaches Kreuzgewölbe (s. Fig. 160) — die vermut- 
lichen Schlußsteine desselben habe ich bei den Funden in der Vorhalle erwähnt - oder 
ein Netzgewölbe, wie es der Plan der Grabungen annimmt. 

An das Querschiff der Kirche stieß nächst dem südlichen Kreuzgang zunächst ein 
gewölbter Gang an, der direkt in den Kapitelsaal führte, neben diesem Gange die 
Sakristei, über deren Gestaltung wir nur noch Vermutungen haben. Dagegen gelang es 
Herrn Prof. Statsmann, die Reste des Kapitelsaales mit genügenden Anhaltspunkten 
auszugraben. Es fanden sich die Standpunkte und Sockel des Mittelpfeilers, der Wand- 
pfeiler im Norden und Süden (Fig. 126a) sowie ein Schlußstein, nach dem wir ein stern- 
förmiges Gewölbe, etwa in der angedeuteten Art, anzunehmen haben, dessen Rippen an 
Ost- und Westwand entweder auf Konsolen ruhten oder unmittelbar in die Wand über- 
gingen. Auch die Stelle des Altars fand sich, wie er in dem Plan von 1803 ein- 
gezeichnet ist. Dort sehen wir das gleiche Netzgewölbe und scheinbar überall Wand- 
pfeiler bezw. Konsolen, von denen aber die Grabungen keine Spur gaben. 

Weiteres über die Klostergebäude des 15. und 16. Jhs. vermögen wir nicht mehr 
festzustellen. Im 17. und 18. Jh. ist an ihnen jedenfalls immer weiter verbessert und das 



*) Daß vor 1469 kein architektonisch bedeutender Kreuzgang bestand, dafür spricht der in 
der Einleitung ciüerte Beschloß. 



262 



KREIS OFFENBURG. 






?^^ 






E: 



n- 



8 r 




Ganze ausgebaut worden (s. Fig. 161). 1735 bestand es nach dem Stich der Annales aus 
folgendem: der unveränderten alten Kirche, dem Konvent mit dem alten Kreuzgang (ohne 
Nordflügel), der vordere Teil des Konventes diente als Abtshaus, seine Ecke zierte ein 
Erker mit dem Tulpendach des 1 7. Jhs. Ein hölzerner Gang führte von hier heriiber in das 



AMT OBERKIRCH. — UERBACH. (KLOSTER ALLERHEILIGEN.) 



263 



daneben liegende vierstöckige Gasthaus, daneben das kleine molendinum (Mühle). Ihnen 
gegenüber, also westlich, das langgestreckte »domus famulorum et peregrinontiiim« 
(Knechte und Fremden), das offenbar viele Insassen aufzunehmen fähig war, daneben das 
horreum (Scheuer) und galUnarium (Hühnerhaus) und endhch an die Südmauer des Bezirks 
angebaut die Ställe. An der Westmauer gegenüber dem Abteigebäude ein Garten und 
ein Bau, der als macellum (Metzig) et lavatorium (Badehaus) diente. Der ganze Bezirk 
mit der Kirche war von einer Mauer eingeschlossen und öffnete sich in drei Toren, 
einem südöstlichen, das auf den Kniebisweg führte, einem südlichen, das talabwärts 
schaute (nach den Fällen zu), und einem nordöstlichen neben der Kirche etwa auf den 
heutigen Fahrweg nach Oberkirch und Ottenhöfen ; davor lagen noch einige Gärten, eine 
Mühle und ein Teich. Bis zu der Zeichnung des Abtes Felix von 1783 sind noch 
einige Veränderungen vorgenommen worden: die Abtei wurde aus dem Westflügel des 
Konventes in das frühere Gasthaus verlegt, dieses deshalb mit dem Konvent durch einen 
Erweiterungsbau (statt Holzbrücke) 
über breitem gewölbten Torweg ver- ^ä^ß^t^a^uuuUtns 
bunden. Der Erker des Konventes 
wurde über diesem Torweg ange- 
bracht. Das kleine Gebäude neben 
dem Abtshaus wurde zum Spielsaal. 
In dem Westgebäude des Konventes, 
das heute noch (etwas verändert) als 
altes Gasthaus steht, wurden Kranken- 
wohnung, Kellerei und Küche einge- 
richtet Das domus peregrinontium 
wurde lediglich Gasthaus. Im Süd- 
osten wurde ein neues größeres Ge- 
bäude errichtet, an das sich jetzt die 
Metzig anschloß. Der Garten im 
Westen des Bezirks, in dem das Gym- 
nasium stand, erhielt wohl jetzt erst 
die hübsche Balustrade, von der wir in Fig. 162 ein Beispiel geben. Vor den alten 
Mauern wurde ein terrassenförmiger Garten für die (iäste, um den Mauerbezirk herum 
ausgedehnte Prozessionswege mit Ruhebänken angelegt, i) — Nördlich von der Kirche 
befand sich der Friedhof. — Von dem allen steht außer Kirchenruine und westlichem 
Konventshaus nur noch ein Teil des Gasthauses, die rundbogigen Türen mit Sandstein- 
gewänden an einem Wirtschaftsgebäude und die Reste der Umfassung der zwei Gärten. 
Das Ganze ein ansprechendes Büd beschaulich-ruhigen und einer gewissen Wohl- 
habenheit, nicht Üppigkeit, sich erfreuenden Klosterdaseins, in dem, wie in der Einleitung 
dargelegt worden, neben der Frömmigkeit auch die Lehrtätigkeit gepflegt wurde. - Für 
die Kunstgeschichte ist lediglich die Kirchenruine interessant. Da sie in ihrer ursprüng- 
lichen Gestalt doch wohl im zweiten und dritten Viertel des 13. Jhs. entstanden sein muß, 

1) Die Pläne von 1803 zeigen uns alle Einzelheiten: die Sakristei und die Kapelle, das Museum 
und das Archiv, die an den alten Kreuzgang anstießen, Gesindestuben, Bäckerei, Küchen, Apotheke, 
Ställe usw. Es würde zu weit ftlhren, darauf näher einzugehen. Interessenten mögen die in der 
Plansammlung des Großh. Gcnerallandesarchivs aufbewahrten Blätter einsehen. 




Fig. 162. Klosterkirche Ai/er heiligen. 
Docken der Einfassung des Kloster gartens. 



Zusammen- 
fa&sung 



264 KREIS OFFENBURG. 

SO ist sie neben der Stiftskirche in Lahr ein neues und man kann wohl sagen bisher 
noch nicht gekanntes Beispiel für das Eindringen der Gotik am Oberrhein. Bestinmite 
Beziehungen mit irgendwelchen oberrheinischen Bauten, etwa nach Straßbnrg oder W mpfei 
hin, sind nicht nachzuweisen. Höchstens ließe die eigenartige Querschnittbildung, sm 
welcher das Quadrat und das gleichseitige Dreieck sich ergeben (Fig. 152 u. 156), aaf 
Verwandtschaft mit der Straßburger Bauhütte schließen. Gänzlich verfehlt aber ist der 
Versuch F. J. Schmitts,^) Allerheiligen in irgendwelche Beziehungen mit Notre Dame 
zu I^on zu bringen.^) Wie er das bei der unglaublichen Verschiedenheit in Grundriß 
und Aufbau fertigbringen konnte, ist unbegreiflich. Denn die Kreuzesform, der 2^ntral- 
turm über der Vierung, der gerade Chorschluß und die Apside am südlichen Quersdnf 
dürften gewiß hundert Kirchen gemeinsam sein. Dafür hat Notre Dame zu Laon einen 
dreischiffigen Chor fast von der Länge des Langhauses, mit Ausnahme der Vierung 
überall oblonge Gewölbejoche, auf ein oblonges Gewölbejoch im Langhaus ein quadra- 
tisches im Seitenschiff, also in allem der direkte Gegensatz von Allerheiligen, von dem 
Aufbau überhaupt zu schweigen 1 Auch mit dem Bausystem des Langhauses der Prä- 
monstratenser- Abteikirche St. Martin zu Laon hat das Langhaus von Allerheiligen nicht 
das mindeste zu tun. Dagegen ist ein Blick auf die Prämonstratenserkirche in Rüti im 
Kanton Zürich in mancher Hinsicht interessant,^) deren Langhaussystem aber ebenfalls 
gerade das umgekehrte gewesen ist. Wichtig ist aber, daß dieser Bau (12 14 bis 12 19, 
beendigt ?) unter denen der Nordschweiz einer der ersten war, in welchen der Spitzbogen 
zur praktischen Verwertung gelangte. Wir werden es daher leicht verstehen, wenn auch 
in Allerheiligen verhältnismäßig früh die Gotik eindrang. In jener Kirche zu Rüti aber 
legten sich den Seitenschiffen in westlicher Verlängerung zwei schmale, seitwärts ab- 
geschlossene Räume vor und zwischen denselben eine große Vorhalle mit rundbogigem 
Tonnengewölbe, während wir in Allerheiligen eine einheitliche Vorhalle anzunehmen 
haben. — Die zweite kunstgeschichtliche Bedeutung unseres Baues liegt in dem Plane 
einer frühgotischen Hallenkirche, der allerdings nicht zur Ausführung kam. Er reiht sich 
damit den frühesten gotischen Hallenkirchen an, d. h. wenigstens in der kühnen Konzeption. 
Ausgeführt, wäre bei diesem klaren Grundriß, den im Verhältnis zu dem Grundriß weiten 
Bogenspannungen wohl ein sehr einheitlich wirkender Raum entstanden. So wenig aller- 
dings als an den meisten frühen gotischen Hallenkirchen sind die konstruktiven Vorteile 
des Systems verstanden, nämlich die dadurch mögliche Überleitung des Schubs der 
Mittelschiffgewölbe auf die Seitenschiffgewölbe und ihre demgemäß entwickelten Strebe- 
pfeiler; gerade das ist hier sogar direkt verkannt worden. Möglich, daß während des 
Baues eben dieser Wölbungsschwierigkeiten halber von der Ausfuhrung abgesehen wurde. 
Die Prämonstratenser haben in der Geschichte der Baukunst nicht die Rolle 
gespielt, wie die Cluniazenser und die Cisterzienser; immerhin aber waren auch sie 
selbstverständlich Träger des französischen Einflusses und diejenigen, welche der Gotik 
den Weg freigemacht haben. Man kann auch nicht sagen, daß sie ein besonderes 
Kirchenschema ausgebildet haben; sie schlössen sich vielmehr eng an das der gleich- 
strebenden Orden an. Und so treffen wir denn bei ihnen den gerade abgeschlossenen 
Chor, der Kapellenumgang fehlt, östliche Kapellen am Querschiff kommen vor, die 

^) Repertor. XVII, S. 440. 

2) Viollet Ic Duc, Tafel 362. 

3) Rahn, Die bild. Künste i. d. Schweiz, S. 385. 



AMT OBERKIRCH. — MAISACH. (ANTOGAST.) 265 

Gnindrißgestaltung ist schlicht und klar, die Details sparsam und nüchtern behandelt: 
alles Eigenschaften, die wir auch in Allerheiligen wiederfinden, wie auch die in der 
ganzen Breite des Langhauses diesem vorgelegte Vorhalle. Gleich den Cisterziensern 
haben auch die Prämonstratenser sie bevorzugt Wir treffen sie in der zweiten Hälfte 
des 12. Jhs. u. a. in Enkenbach. ') Wäre jener allerfrüheste, vermutliche Plan in Aller- 
heiligen zur Ausführung gekommen (vor der Hallenkirche) mit je zwei quadratischen 
Jochen der Seitenschiffe auf eines des Mittelschiffs etc., so wäre die Ähnlichkeit des 
ganzen Grundrisses mit Enkenbach auffallend gewesen, woraus wir allerdings heute keine 
Schlüsse mehr ziehen können. 

Neben der Anziehungskraft der malerischen Ruine in hochgelegenem, von tannen- 
bewaldeten Bergen umschlossenem Gebirgstal kann Allerheiligen künftig noch den 
Anspruch erheben, bei der Einführung der neuen Kunstweise am Ober- 
rhein eine vielleicht nicht unbedeutende Rolle gespielt zu haben 
und als eine der frühesten Hallenkirchen auf deutschem Boden 
wenigstens geplant gewesen zu sein. 

MAISACH 

(ANTOGAST) 

Schreibweisen: zu Meisahe 14. Jh.-, in der Meysach 1381; Meisen 1476. (Für 
älteres Meizahi, von ahd. meizo = Holzschlag.) 

Der Ort, der nichts Bemerkenswertes enthält, gehörte bis 1803 zum weltlichen 
Gebiet des Hochstifts Straßburg, Herrschaft Oberkirch. 

Im Meisachtal liegt, von Bergen eng umgeben: 

BAD ANTOGAST 

Schreibweisen: zu Antegast 1336; Antengast 1383. (Wohl entstellt aus Arbo- 
gast und nach dem Straßburger Bischof dieses Namens genannt.) 

Literatur: Die Bäderliteratur und die Führer s. bei Kienitz und Wagner S. 237. 
Tabemae montanus (Jacob Theodor aus Bergzabern). New Wasserschatz, Frankfurt 1 593. 
F. v. Weech, Zur Geschichte der Renchbäder Antogast etc., J. 28, S. 438 — 466. 
J. Zentner, Das Renchthal etc. (s oben), Freiburg 1827 und Karlsruhe 1839. R. Kraus, 
Zur Geschichte der Renchtalbäder, Z. NF. 21, S. 601. 

Ortsgeschichie: Im 14. Jh., wie es scheint, zuerst genannt, hat Antogast jeden- onsgeschichte 
falls schon im 16. Jh. sich Besucher seiner Quellen erfreut. Es gehörte zum weltlichen 
Besitz des Bistums Straßburg. Nach der Verpfandung des Amts Oberkirch durch den 
evangelischen Bischof von Straßburg, Markgraf Johann Georg von Brandenburg, an Herzog 
Friedrich von Württemberg nahm dieser sich der Renchtalbäder mit lebhaftem Interesse an. 
1637 kamen sie wieder an Straßburg (in sicheren Besitz erst 1665), und nun erließ Bischof 
Leopold eine ausführliche Badeordnung für Griesbach, Peterstal und Antogast. Weiter 
hören wir nicht mehr viel von Antogast, das 1803 mit dem ganzen Gebiet badisch wurde. 

In dem Badhans einige Bilder des 17. und 18. Jhs.; die Gebäude selbst sind Badhaus 
neueren Datums, aus dem Anfange des 19. Jhs., ohne architektonische Bedeutung. 



^) Dehio u. Bezold, Kirchl. Bauk. d. Abendlandes, Tafel 165. 



266 KREIS OFFENBURG. 



1 



NUSSBACH 



Schreibweisen: Nuzbach 994; Nutzbach 1196; Nuzbach 1200; Nusbach 1239 etc. 
(ahd. Nuz = die Nuß). 

Literatur: Ad. Wehrle, Geschichte der h. Wendelinuswallfahrt Nußbach, io 
Wehries Wendelinusbüchlein, Ingenbohl 1878. 
Ortsgeschichte Ortsgesckichte i 994 schenkte Kaiser Otto HI. seinen Hof Nußbach dem Stifte 

Waldkirch. 1024 kam der Ort durch Kaiser Heinrich II. an das Bistum Bamberg, von 
diesem an die Zähringer und an die Grafen von Freiburg, doch scheint die Herzogin 
Uta von Schauenburg auf das Patronat der Kirche Anspruch gemacht zu haben. Diese 
ist die Mutterkirche des gesamten Renchtales. Ihrer neuen Gründung Allerheiligen 
übergab die Herzogin das Patronat, wie wir aus dem Bestätigungsbrief von 1 196 ersehen, 
und zwar »cum cunctis suis attinentibus«. 1225 hören wir von der »donatio iuris patronatm 
ecclesie in Nusbach et capellarum eidem ecclesie annexarum, videlicet Obimkirchen et 
Noppenowe a ducissa de Scowenburc, Uta nomine, consentiente nobili viro Eberharde 
de Eberstein eins berede preposito et conventui Omnium Sanctorum facta«. Da das 
Patronat und Zehnt aber zu dem Dinghof gehörten, so geriet das Kloster in einen langen 
Streit mit den Grafen von Freiburg. Diese verkauften 1239 ihren Hof an Allerheiligen; 
doch hören wir noch einmal 1327, daß Heinrich von Fürstenberg »curiam suam in 
villa Nüszbach .... cum curia inferiori sita in dicta villa . . . spectante ad curiam 
predictam cum iure patronatus ecclesie parrochialis ipsius ville Nüszbach et capellarun 
dependencium ab eadem« dem Propst und Konvent verkauft; damit also wird wohl erst 
der Streit beigelegt worden sein. Mit der Auflösung des Klosters kam das Patronat an 
Baden. — Außer Allerheiligen muß auch Gengenbach hier begütert gewesen sein, denn 
wir hören i486 von dem »amptlehen, so Albrecht von Nuwenstein zu Nußbach« von 
dem Abt von Gengenbach hatte. Einige weitere Höfe mit verschiedenen Besitzern 
werden im 14. und 15. Jh. erwähnt.^) Der Ort gehörte zur Landvogtei Ortenau und 
wurde mit dieser 1805 badisch. 
Pfarrkirche Koth, Pfarrkirche (ad S. Sebastianum). Ihre frühe Bedeutung geht schon ans 

dem Obigen hervor. Ihr waren die Kapellen in Oberkirch und Oppenau eingepfarrt, 
ebenso Ebersweier. »Ecclesia parrochialis ville Nuspach cum omm'bus suis capellis, 
videlicet capella in Oberkirche et in Obemdorf ac' edam in Noppenowe et in Ebeß- 
wilre« heißt es 1365, in dem Kirchspei zu Nußbach 1400, matricis et parrochialis ecclesiac 
N. 1666. — Vom 13. Jh. an besetzte Allerheiligen die Pfarre mit einem seiner Kon- 
ventualen. 1246 hören wir von einem decanus Hermanus, 131 1 von einem viceplebanns, 
1434 von Rulmannus dictus Tedinger perpetuus vicarius seu plebanus in N.; 1464*^ 
Andreas Rohart von Neuenstein, der spätere Propst, Leutpriester hier. 

Die heutige Kirche ist ein Bau des 19. Jhs., in diesem selbst mehrfach vergrößert, 
so besonders vor kurzem. 1828 hat der am ganzen Oberrhein tätige, tüchtige Dekorateur 
Wilhelm (aus dem Vorarlberg stammend) für 2000 fl. die ganze Innenausstattung der 
Kirche hergestellt, von der heute nichts mehr erhalten. Der jetzige Chor ist das ehe- 
malige Langhaus der alten Kirche, an dem keine älteren Spuren mehr erhalten. Von 
ihm aus tritt man in den einstigen Chor, einen quadratischen Raum, der, wie so vielfiwt 



1) Krieger II, S. 362. 



AMT OBERKIRCH. » NUSSBACH. 



267 



das Erdgeschoß des in drei Geschossen alten Turmes war. Er ist mit einem Kreuz- 
rippengewölbe gedeckt, dessen Rippen als mächtige runde Wulste tief unten in den 
Ecken auf Halbsäulen aufsitzen, deren Kapitelle weggeschlagen sind, auch die Basen 
sind zerstört. Der alte Fußboden lag tiefer. Erleuchtet wird der Raum durch ein abge- 
schrägtes kleines Rundbogenfenster in der Ostwand; je eine Lichtluke an Nord- und 
Südwand ist jetzt zugemauert. Am Äußern der alte romanische Sockel mit Wulst und 
Abschrägungen. Gegen die Kirche zu öfftiet sich der Chor in einem Spitzbogen auf 




Wandgemälde : zwei Evangelistensymbole, 



Pfeilern mit einfachen Kämpfern und einer Art attischer Basis. Nach allem wird man 
diesen Rest der alten Kirche in die ersten Jahrzehnte des 1 3. Jhs. setzen müssen. 

In den Kappen des Kreuzgewölbes Reste von Wandgemälden. 

Im Jahre 1899 begann die Untersuchung dieser Bilder durch den Kunstmaler 
J. Made r, die i.J. 1902 ihren einstweiligen Abschluß fand. Es wurden mehrere Bemalungen 
übereinander konstatiert, eine aus dem Anfange des 13. Jhs. stammend, die Felder mit 
Sternen von roter und grünblauer Farbe, die Rippen des Gewölbes aus stumpfem Rot mit 
weißen Wellenlinien ornamentiert, im gleichen Rot auch die Laibungen des Fensters. — 
Für die zweite Bemalung wurde die erste hell übertüncht, darauf malte man in zwei Kappen 
je zwei der Evangelistensymbole, in deren Spruchbänder noch mehr oder minder die 
Namen der Evangelisten erhalten sind, und zwar zusammen: Adler und Ochse, bei 



Wandgemälde 



1 



268 KREIS OFPENBURG. 

letzterem noch: C a-#; dann Löwe und Engel (s. Fig. 163): mar-ni|i -ä- 
tnatj^EU • ; in der dritten Kappe sehen wir S. Michael mit der Seelenwage und in der 
vierten die rituelle Feier des Abendmahles. Diese Bilder sind vorzügUche Werke aus dem 
Ende des 1 5. Jhs., die der ausgeprägten Schongauerschule — trotz manches Verwandten — 
nicht zuzuschreiben sind. Die Reste der dritten Beraalung bestehen nur noch in Farben- 
spuren, die auf einstige figurale Renaissancemalereien zu deuten scheinen. An der jetzigen 
südlichen Chorwand ein Wandgemälde des 18. Jhs,, eine Kreuzigung. 

In der Kirche noch ein spätgotischer Taufetein, das Becken polygonal, die Felder 
mit reichem Maßwerk verziert, in einem die gute, bewegte, kleine Gestalt des h. Sebastian 
an knorrigen Baum gebunden, in einem anderen in flatterndem Bande die Jahreszahl: 
anno + biii + OlCCCtlXXVI; außerdem noch ein Drache im Astgeschlinge der einen 
Fläche. 

Ein Holzknizifix, Durchschnittsarbeit vom Ende des 16. Jhs. 
Am Äußern der Kirche ein jetzt eingemauerter Stein mit dem Wappen des Abtes 
Lorenz Schlecht, der nach der Inschrift die Kirche neu erbaute: 

IN TE LAURUS 

EN AEDES ISTA STRUXIT LAUREN 

TIUS ABBAS 

TEMPORE QUOBIS TER MENSES 

PEREL . AVERATAE TER 

CINGIMUS EX AURO PRO IN SUA 

TEMPORA LAURO 

HUNC AFFERT NOMEN QUEM 

PERPETUABITET OMEN 
I75o 
Kirchengeräte In der Sakristei einige Paramente des 18. Jhs. Kxx Kirchengeräten sind zu nennen: 

eine Monstranz, silbervergoldet, getrieben, mit Bandomamenten am Fuß, Engeln etc. 

F T 
oben. Anfang des 1 8. Jhs. Undeutliches Beschauzeichen und , ; ein silbergetriebener, 

vergoldeter Kelch vom Anfange des 18. Jhs. Engelsköpfe, die Leidenswerkzeuge, 
Blumen und Früchte am Fuß, dasselbe in durchbrochener Arbeit aufgelegt an der 
Cuppa, sehr feine Arbeit, Augsburger Pinienzeichen, darunter A und I Z (Johann Zecke) ?, 
Rosenberg Nr. 292); Kelch in gleicher Arbeit, mit Leidenswerkzeugen und h. Sebastian 
im Relief am Fuß, Bandornament vom Anfange des 18. Jhs., ohne Zeichen. Ein kleiner 
Empirekelch, kupfervergoldet, getrieben. Ein Wettersegen, silbervergoldet, getrieben, 
in einfachen, aber guten Formen vom Ende des 18. Jhs. Beschauzeichen: Schild mit 
Schräglinksbalken, darüber Krone (?) und IJ. Weihrauchfaß mit getriebenen Engels- 
köpfchen, Silber, aus der Mitte des 18. Jhs.; ein einfacheres vom Ende desselben. Auf 
dem Altar vier silberne Leuchter vom Anfange des 18. Jhs. 

Die Glocken nach der Angabe des Pfarrers alle aus dem 1 9. Jh. 
Ölgemälde Im Pforrhaus : Ölgetnälde, Portrait des Abtes Joachim Bahr von Allerheiligen. 

Auf den Wegen zu den umliegenden Orten eine Anzahl von Bildstöcken und 
Kruzifixen des 1 8. Jhs. 



AMT OBERRIRCH. — OBERKIRCH. 269 

OBERKIRCH 

Schreibweisen: Oberkirch ca. 1229; Obemkirchen 1236; oppidum 1303; Obir- 
kilke 1247; Oberkilch 13 16; merketstat Oberkirchen in der gegene zuo Mortenowe 
gelegen 1303. 

Literatur: J.Bader, Die ehemalige Straßburgische Herrschaft Oberkirch, Badeniall 
( 1 840), S. 219 — 237. K. Christ, Zu den Hausinschriften in Neuenheiro und Oberkirch. 
Picks Monatsschrift VI, S. 582. Hart felder, Ordnungen der Stadt Oberkirch, J. 58, 
S. 679. F. J. Mone, Der Schauertag zu Oberkirch im 16. Jh., J. 17, 1865. Fecht, 
Allerheiligen, S. 85ff. Fr. Schaz, Stadt O. und die Burgen des vorderen Renchthales, 
Achem 1898. Die Bruderschaft zum h. Skapulier in Oberkirch, Freiburg 1865. (Dazu 
die allgemeineren, öfters zitierten Werke von Fritz, Zentner etc. — Näher, 
Ortenau, S. 25.) 

Ortsgeschichte: Oberkirch wird verhältnismäßig spät erst erwähnt und dürfte also Ortsgeichichte 
wohl auch erst im Laufe des 11. imd 12. Jhs. aus vereinzelten Ansiedelungen entstanden 
sein,') die von Nußbach aus pastoriert wurden und dann auch eine Kapelle erhielten, 
die dem Ort der oberen Kirchen den Namen gab. Diese Kapelle aber lag nicht an 
der Stelle der heutigen Pfarrkirche, sondern in dem heute sogenannten Obemdorf, und 
es ist möglich, daß wir ihre Überreste noch in dem auf dem Friedhof stehenden Bau 
besitzen. Der Ort gehörte zu zähringischem Besitz und kam als Erbe an die Grafen 
von Freiburg. 1246 aber wird Obirinkirchen als Stadt der Markgrafen Hermann und 
Rudolf von Baden genannt (Kopie des 16. Jhs.). Wie es an diese kam und ob das 
zusammenhängt mit der Verpfändung der damals schon bischöflich straßburgischen 
Territorialbesitzungen Ullemburg und Renchen, 2) vermag ich nicht recht zu sagen. 
Sollten die Grafen von Freiburg es schon einmal an Straßburg abgetreten haben? Bereits 
vor 1273 waren Renchen und Ullemburg von dem Bischof zurückgekauft. 1271 war 
Graf Heinrich von Ftirstenberg mit der Hälfte der Herrschaft Obemdorf, unterhalb der 
Burg Fürsteneck, nebst dem kleinen Seitental des Walramesbaches Lehns- und Burg- 
mann des Bischofs von Straßburg geworden. Die Besitzverhältnisse in der Gegend 
müssen wohl strittig gewesen sein, was ich daraus entnehme, daß König Rudolf Lehen 
in Fürsteneck und Oberkirch dem Markgrafen Rudolf von Baden verliehen hat (feoda 
in Furstenecke et Obirkirche, que Rudolfus senior marchio de Baden a Rudolfo Romano- 
rum rege et imperio possedit 1286). Es handelte sich also dabei um Reichslehen. Im 
gleichen Jahre aber verzichtet der Markgraf darauf, und der König übergibt sie an 
Friedrich und Egeno von Fürstenberg als »perpetuo libere possidenda«,*"*) also doch als 
Allodialbesitz. 1303 verkauften dann Udelhüdis, die Witwe Friedrichs, und ihr Sohn 
Heinrich Schloß und Stadt dem Bistum Straßburg, das schon in der Gegend reiche 
Besitzimgen hatte. Als Pertinenzien zu Schloß und Stadt kamen damals dazu Güter in 
Ringelbach, Geldengrunt, Frowensberge ; sodann im Noppenouwer Tal in Gerwinsberge, 
Nortwasser, Meisahe, Rotschier, Breitenberg, Dettlinsbach, Bestenbach, Eberlinsberge, 
in dem Springe, Löhem, in der Gassen, Ruprehtsbühele, Sigmannesgassen, an der Matten, 

*) Die früheren Annahmen einer Entstehung des Namens aus Ilypergraecia und eines lateinischen 
Ursprunges brauchen hier nicht mehr widerlegt zu werden. 
^ Fritr a. a. O. S. 144. 
») Krieger I, S. 664. 



2 70 KREIS OFFENBTJRG. 

an der niedem Matte, Ibach, Ramesbach, Richenbach. ') Bischof Johann I. von Straßbnrg 
umgab Oberkirch mit Mauern, wobei es sich meines Erachtens nur um den auf dem rechten 
Ufer der Rench gelegenen Ort gehandelt haben kann, das sogenannte Obemdorf blieb 
außerhalb. Möglich, daß damit erst die Anlage einer zweiten Kapelle zusammenhängt 
an Stelle der heutigen Pfarrkirche, denn zum erstenmal hören wir 1365 von zwei zu 
Nußbach eingepfarrten Kapellen, der »capella in Oberkirche et in Obemdorf c, während 
das »ecclesia de Oberkirchen 1275c sich noch gut auf die Kapelle in Obemdorf beziehen 
kann, da, wie mir scheint, ein genauer Unterschied im Gebrauch der Namen Obemdorf 
und Oberkirch erst im 14. Jh, eintritt In der seit 1323 erwähnten alten Stadt sehe ich 
eben die ältere Ansiedelung in Obemdorf und glaube das aus der Art zu erkennen, wie 
sie bezeichnet wird: hinter der Altenstatt 1323, uf der alten stat apud Oberkirche 1347, 
zwo iuch veld gelegen uff der Altstatt by Oberkirch 1445, vor Oberkirch uflf der alten 
statt 1452 (Kopie ca. 1500). Mit seiner Ummaüerung erhielt 1326 Oberkirch das Oflfenburger 
Stadtrecht. ^ Auf die allmähliche Abrundung der bischöflichen Herrschaft Oberkirch 
brauche ich nach der Einleitung nicht näher einzugehen. Der bischöfliche Vogt, der 
früher auf der Ullemburg gesessen hatte, residierte nun in Oberkirch, das später bei der 
weiteren Ausgestaltung der Herrschaft dieser den Namen gab und der Sitz eines ihrer 
sechs Gerichte war. Zu dem Gericht Oberkirch gehörten Obemdorf, Wolfshag, Winter- 
bach, Lautenbach, Sendelbach, Butschbach, Diebersbach, Gydensbach, Odsbach, Waiden, 
Hesselbach, Schlatten. Das Gericht setzte sich, wie üblich, zusammen aus dem vom 
Bischof emannten Schultheißen und dem Stabhalter und zehn von dem Gericht vorge- 
schlagenen, von dem Bischof bestätigten Männem (Zwölfergericht). Ihm lag die niedere 
Gerichtsbarkeit ob. An der Spitze der Stadt stand der schon erwähnte Schultheiß. Als 
ersten finden wir einen Albert 1270 erwähnt, dann mehrere aus der Familie Rohart, 
Heinrich 1322, Heitzemann 1556 imd andere,^) 1480 z. B. den auf einem Glasgemälde 
in Lautenbach abgebildeten Heinrich Distelzweig. 

In den auf den Verkauf folgenden Jahrhunderten hatte, da das Bistum bei seinem 
Kampfe mit der aufstrebenden Macht der Stadt Straßburg häufig in pekuniäre Verlegen- 
heiten geriet, die Gegend verschiedentliche Verpfändungen zu erleiden. 1399 mußte der 
Bischof Wilhelm von Diest einen Teil der Herrschaft mit Oberkirch der Stadt Straßburg 
verpfänden. 1428 wollte der Bischof das Städtlein wieder mit Gewalt an sich zurückbringen, 
wozu ihm die Hilfe des Markgrafen Bernhard von Baden wurde. Fast ein halbes Jahr 
dauerte die Belagerung, bis von Straßburg aus Ersatz nahte. Der Erzbischof von Mainz 
vermittelte, und so kam nach Rückzahlung der Pfandsumme die Herrschaft wieder an das 
Hochstift, das sie aber bereits 1443 unter Bischof Ruprecht wieder verpfändete, und zwar an 
Georg von Bach, 1 449 an denselben nebst Propst Rütmann von Allerheiligen, Hans Erhart 
Bock von Staufenberg, Leonh. von Neuenstein und Becht. von Windeck. Der Nachfolger, 
Bischof Albrecht, löste sie wieder ein, verstand es auch, die allmählich drückend gewordenen 
Abgaben in richtiger Weise zu ordnen, und nun folgten für die Gegend anderthalb ruhige 
Jahrhunderte ; auch der Bauernkrieg scheint nicht allzuviel hier verwüstet zu haben. Wohl 
hat der Oberkircher Haufen den Klosterhof und die Klosterkellerei Allerheiligen in 

Fritz a. a. O. S. 149. 
2) Großh. Baden, S. 912. 
») Krieger II, S. 380. 



AMT OBERKIRCH. • OBERKIRCH. 27 1 

Oberkirch geplündert, auch in der Kirche wie in Lautenbach manchen Unfug verübt, 
doch wurde der Aufstand bald dtu-ch Verhandlungen beigelegt 

Bei den Streitigkeiten, die sich gegen Ende des Jahrhunderts im Straßburger Kapitel 
erhoben, als Johann von Manderscheid-Blankenheim zum Bischof gewfihlt worden, standen 
Oberkirch und Oppenau treu auf des letzteren, des Katholischen, Seite und hatten deshalb 
Manches durchzumachen, wofür sie Johann nach Kräften entschädigte. Eine Steininschrifl, 
die an einem der ehemaligen Türme angebracht war und die man bei Kolb^) nachlesen 
mag, erinnerte an seine segensreiche Regierung. Nach seinem Tode wurde von den katho- 
lischen Mitgliedern des Kapitels Herzog Karl von Lothringen, von den protestantischen 
Markgraf Johann Georg von Brandenburg zum Bischof gewählt, worüber ein heftiger Klein- 
krieg entstand. 1593 wurde eine einstweilige Abmachung getroffen, 1604 der Streit end- 
gültig durch Herzog Friedrich von Württemberg beigelegt und der protestantische Bischof 
für seinen Verzicht durch eine Geldsumme und eine Rente entschädigt Der Herzog streckte 
dem Bistum, das in bedrängter pektmiärer Lage war, die erforderlichen Gelder vor, wofür 
ihm als Pfand die Herrschaft Oberkirch tibergeben wurde. Und nun brach das Elend 
des Dreißigjährigen Krieges über die Gegend herein. In dem Wechsel der Sieger war 
Oberkirch vorübergehend 1634 von Osterreich dem Hochstift zurückgegeben worden, das 
es aber nach ein paar Jahren wieder verlor. 1638 wurde es mit seiner kaiserlichen 
Besatzung von den Schweden belagert und auch nach wenigen Tagen mit den üblichen 
Greueln erobert Noch verschiedentlich wechselte das Kriegsglück und damit der Besitzer 
der Stadt, die 1643 eine neue schwere Plünderung durchzumachen hatte. Die Herrschaft 
blieb schließlich bei Württemberg, bis sie 1 664 von Bischof Franz Egon von Fürstenberg 
gegen Zahlung der Pfandsumme eingelöst wurde. Sie mußte jedoch zunächst von diesem 
dem Herzog von Lothringen, der die Pfandsumme geliehen, als Pfiand gegeben, bezw. 
dafür dem Prinzen Vaudömont eine jährliche Rente gewährt werden, und als der Bischof 
dieselbe nicht zahlen konnte, kam dieser eine Zeitlang in den Besitz der Herrschaft. 
Als Straßburg französisch geworden nicht ohne Beihilfe seines Bischofs, da entzog Kaiser 
Leopold diesem die Herrschaft und übergab sie 1683 zum Dank für seine Dienste dem 
Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem Türkenlouis. Das war der Anlaß für die 
französischen Truppen, in den Raubkriegen Ludwigs XTV. die Stadt anzugreifen ; sie wurde 
1688 belagert und geplündert, 1689 auf einige Zeit wieder von den Bayern eingenommen, 
noch im selben Jahre aber fiel sie den Flammen der Franzosen zum Opfer. 1697 endlich, 
nach dem Frieden von Ryswick, kam sie an das Bistum zurück, und nun folgten im 
allgemeinen ruhige Zeiten, die nur durch die ewigen Waldprozesse der Bewohner der 
Gegend mit der Herrschaft und die damit verbundenen Aufstände gestört wurden. In 
den Kriegen der ersten Republik sah das Renchtal hauptsächlich wegen des Kniebis- 
passes in den Jahren 1796 bis 1800 verschiedentliche Kämpfe auf seinem Boden, doch 
scheint die Stadt Oberkirch wie die anderen Orte daraus ohne große Schäden hervor- 
gegangen zu sein. 1803 wurde sie mit der Landschaft badisch. 

Von der alten Anlage der Stadt ist nach den Verwüstungen vom Ende des 17. Jhs. staduniage 
nicht mehr allzuviel zu erkennen. Sie ist zweifellos entstanden aus Ansiedelungen zu 
beiden Seiten der Renchtalstraße, die noch heute die Hauptstraße des Ortes ist. Eben 
dieser Straße halber und des Schutzes durch die Rench hat man dann nicht die älteste 



*) Kolb ni, S. 8. 



272 KREIS OFFENBURG. 

Ansiedelung, das Oberdorf, sondern diese Stelle befestigt und daselbst auch, wie ich 
oben ausgeführt habe, eine Kapelle erbaut. Nur wenige Reste (s. unten), ein Spitzbogen, 
Inschriften in der Kirche, ein Wappen und ein Bninnenrest sind aus dem Mittelalter 
und der Renaissance erhalten. Sonst wird der Charakter der Stadt bestimmt durch die 
zahlreichen und sehr malerischen Fachwerkhäuser, die gottlob noch zu großem Teil 
unverputzt sind, und durch ein paar größere Steinbauten mit Mansardendächem in den 
französischen Stilen des i8. Jhs. Von der ehemaligen Befestigung ist nichts mehr 
erhalten, dagegen ist der Mauerzug noch deutlich erkennbar, vor allem in der westlichen 
Promenade. Nach Kolb') hatte die Stadt zu seiner Zeit größtenteils noch erkennbare 
doppelte Wassergräben und zwei Tore ; der obere Torturm stand damals noch, während 
von dem unteren die schon oben erwähnte Inschrift auf den Bischof Johann herrührte. 
Vor dem oberen Tor, gegen das Tal zu, nur durch eine Brücke über den Graben von 
der Stadt getrennt, lag die eine Vorstadt, genannt »im Looc, in ihr das heute noch 
bestehende Gasthaus »zur Linde«. Diese Vorstadt Loh wird schon früh erwähnt: »bona 
que dicuntur in dem Lohet heißt es 1275, matten gelegen in dem L8he 1419, das 
Lohe 141 7. Auch hören wir von des Klosters zu Allerheiligen mul gelegen by der stat 
Oberkirch obnan in dem Lohe 1442. Vor dem unteren, westlichen Tor lag die Vorstadt 
Allment mit Femach. Letzteres wird 1308 als Vemach erwähnt, Vemech 1347, in dem 
Femich 1360, zu Hindervemech by Oberkirch 1397. (Der Name ahd. mhd. vam — Ort, 
wo viele Famkräuter stehen.) Hier stand das ehemalige Kapuzinerkloster. 

Von Familien in Oberkirch werden erwähnt: Burke de O. 13. Jh., dann ver- 
schiedentlich die Rohart von O., darunter 1387 Heuplin Rohart als Edelknecht, die 
Schönzeler von O. und die Schultheiße von O. im 14. Jh. 
Pfarrkirche Pfarrkirche (ad S. Cyriacum). Ecclesia 1275, sanctus Cyriacus der hußherre der 

Kirchen zu Oberkirch 14 16, in der pfarrkirchen sannt Cyriacus zu Oberkirche 1479- 
Älter als 1275 wird sie kaum sein, etwa gleichzeitig erhielt auch Unzhurst eine Kirche 
ad S. Cyriacum. Ob die folgenden Erwähnungen sich auf diese Kirche oder auf die ältere 
in Oberdorf beziehen, vermag ich nicht zu entscheiden: capella Obimkirchen ca. 1225, 
capella in Oberkirch, parrochialis filia ecclesie in Nußbach 1356. Erwähnt werden auch 
eine Anzahl Priester: archipresbiter^) de Oberchirche Argentinensis diocesis 1220, Bcrt- 
holdus decanus in Oberchirche 1 2 70, F. decanus in 0. 1 279, bruder Wolvelin der lutpriester 
fon Oberakirche 1289, frater Heinricus de Omnibus sanctis, viceplebanus in 0. 1291. Die 
beiden Kapellen in Oberkirch waren nach Nußbach eingepfarrt. Schon im Stiftungsbrief 
des Klosters Allerheiligen hatte Uta diesem das ius patronatus in der Kirche zu Nußbach 
mit allem, was dazu gehört, übergeben ; ausdrücklich werden darunter wenig später die 
Kapellen in Oberkirch und Oppenau genannt. Das Kloster hatte die Pfarrer zu ernennen, 
die aus der Zahl seiner Chorherren genommen wurden und vom Bischof bestätigt sein 
mußten. Es scheint eine Pfarrwohnung in Obemdorf bestanden zu haben. In der 
eigentlichen Stadt bezw. ihren Vorstädten besaß das Kloster einen Hof, das Propsld- 
gebäude: »zu Oberkirche in der stat des closters hof zu Alienheyligen 1357«, eine Mühle: 
»der herren von A. mule by O. 1300«, eine Badstube: »die groß badstube mit der 
zugehorde gelegen zu Oberkirch in der statt an dem Mulbach, die Eberlin Bader von 

1) Kolblll, S. 8. 

^) Danach war es schon dismembriert von Nußbach, immerhin ist es seltsam, daß noch 136$ 
nur eine Kapelle erwähnt wird. 



AMT OBERKIRCH. 



OBERKIRCH. 



273 



Wolfach umb den convent zu AUenheiligen gelehenet hat« 1446, nach Fe cht') noch 
ein Pitanzhaus (Mönchsspeisehaus), einen Weinkeller und einen wohlbesetzten Klosterkeller 
(wohl in dem Klosterhof). De^ Oberpfarrer von Oberkirch war Großkellerer des Klosters. 
Der heutige Bau stammt aus dem J. 1863, ^o^ scheinen mir bei dem Chor 
die alten Grundmauern des gotischen Chors benutzt zu sein. Nach Kolb^) wurde die 
Kirche erst nach dem Brand der Stadt in den Franzosenkriegen aus den Ruinen der 
alten Kx4)elle erweitert und i. J. 1761 bei der damaligen bischöflichen Visitation 
die Erlaubnis erteilt, »den Sonn- und Feyertäglich vormittägigen Gottesdienst darinn zu 
halten«. Da Kolb aber vorher (S. 8) von der in gotischem Geschmack gebauten 
Pfarrkirche spricht, so vermute ich, daß vor dem Brand schon eine größere Kirche hier 
gestanden, die nachher barock ausgebaut und in unserem Jahrhundert umgebaut wurde. 
Das Untergeschoß des Turmes blieb aber stehen bezw. wurde verwendet, und hier ist 
das Kreuzgrabgewölbe mit abgespitzten Konsolen und ein Spitzbogenfenster erhalten. 
Aus der alten Kirche sind noch einige Reste herübergenommen worden : 
An der Südwand des Chores Sandsteinplatte mit der Inschrift 



jgamo * »m ♦ öiccc ♦ 



XXXVn ♦ Kli * OVRU ♦ BCff 



€ ♦ h€c ♦ cKpeiiiiff ♦ ji ♦ hem 



f^ico ♦ ßcviiseso o CO f^o 



hjM^© ♦ Oe • OSf^KTf^CIie 



An der Nordwand eine kleinere viereckige Platte, unten zwei Wappen, das eine 
mit Pflugschar, das andere mit Rad und Bohrer, darüber in schlechter Minuskel : 

Uff bonerftag ben r?3 iunp ^Dnno • • 
£rrvu ftarb bie erfant fratn « bar : 
bara • feglein jQJ^an belfen • egelidie 
fiau^fratn beten feelen gott genabe 
amen 

An der Fassadenwand im Innern zwei Epitaphien, das nördliche zeigt ein Mittel- 
feld mit skulpiertem Vorhang in derbem, aber wirkungsvollem Rocaillerahmen mit 
Pilastem, flachrundem Giebel etc. mit dem Allianzwappen : ein Vogel auf einem Dreiberg 
und zwei Löwen. Auf dem Mittelfeld die übliche, langatmige Aufforderung an den 
Vorübergehenden, unten in Rocaillekartusche : 

oVä sVMVs 

hInC nostros 

also 1726. ^'^ '^^^ ^^^ ^^' ^'^^^ 

Das südliche Epitaph zeigt auf ausbauchendem Sockel mit den Todeszeichen eine 
giebelbekrönte Platte, darauf eine lange Inschrift: in Kapitale : 

JOH. CHRISTOPHOR. FISCHER, FÜRSTBISCHÖFLICHER ADMINI- 
STRATOR IN OBERKIRCH f 26. DEZ. 1725 etc. 

1) Fecht a. a. O. S. 85. 

2) Kolb in, S. II. 

Band VU. iS 



Epitaphien 



274 



KREIS OFFENBURG. 



Kirchengeräte 



Holzfiguren 



Pfarrhaus 



Kelch 



An der Eingangswand hängt auch noch ein Gemälde des 1 7. Jhs.: die HeSimg 
eines Kranken durch den h. Cyriacus. 

In der Sakristei eine Anzahl Kirchengeräte aus dem 18. Jh.: 

eine Sonnenmonstranz, silbervergoldet, getrieben, mit einem Baumblattzeichen; 
ein Kelch, silbervergoldet, getrieben, mit Rocailleomamenten, hübsche Arbeit, 
Augsburger Beschauzeichen, darunter M und I T H ; 

ein weiterer Kelch, silbervergoldet, getrieben, vom Ende des 1 8. Jhs., mit Dekor 
im späten Louis X VI.- Stil, Zeichen: CAS und ?; 

ein dritter ähnlicher der gleichen 2^it, Augsburger Zeichen, darunter H und 
weiter : I A • S • ; 

ein Speisekelch, silbervergoldet, getrieben, im Empirestil, mit Aufechrift: 
13 Netzel 13; 

dazugehörig ein schweres goldgesticktes Tuch aus der gleichen Zeit; 
ein kleinerer, schlichter Kelch, ebenfalls mit Decke in Hochstickerei; 
ein Wettersegen, kupfervergoldet, mit aufgesetzten Ornamenten des 18. Jhs.; 
getriebene Silberfigürchen des h. Cyriacus und der Frau, der er den Teufel 
austreibt, 40 und 25 cm hoch, nicht gerade feine, aber gefällige Arbeit vom Anfenge 
des 18. Jhs.; 

ein modernes Missale mit alten, silbernen Rocaillebeschlägen ; 
kupfervergoldete Wein- und Wasserkännchen mit Platte, getriebene reichere 
Rocaillearbeit, ohne Zeichen, in gepreßtem Lederetui; 

eine Anzahl holzgeschnitzter Reliquiare aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs.; 
zwölf Meßgewänder (Caseln) mit Zubehör, in den verschiedensten Arten der 
Stickerei, eines in Silber gestickt, andere gewebt, wfe immer geschmackvolle Arbaten 
des 1 8. Jhs. ; 

eine drittellebensgroße Holzfigur des Christus im Grab, aus dem 17. Jh.; ähnlich 
ein Auferstandener; 

etwa 80 cm hohe Figur der Immaculata, hübsche, schwungvolle Arbeit vom 
Anfange des 18. Jhs.; 

ein Ledersessel mit geschnitztem Fuß, angeblich aus Allerheiligen, 17. Jh. 
Das PfarrkauSy in dem sich auch das Großh. Finanzamt befindet, ist das ehemalige 
Propsteigebäude, das, 1798 verbrannt, sogleich wieder aufgebaut wurde und über seinem 
Tor das Doppelwappen des Klosters und des letzten Abtes aufVveist Ein schlichter Bau 
im einfachen Klassizismus. 

In demselben wird ein aus Allerheiligen stammender Kelch aufbewahrt, silber- 
vergoldet mit getriebenem Band- und frühem Rocailleomament und je drei Email- 
medaillons am Fuß : darstellend Sebastian, Cyriacus und eine Heilige im Feuer, Augs- 



burger Zeichen, darunter E und 



FR 



Die Emails hervorragend feine Arbeiten. 



Ebenda ein weiterer Kelch, silbervergoldet, getrieben, mit Emailmedaillons und 
Ornament in gleichem Stile, Augsburger Zeichen, sehr gute Arbeit; 
ein Kelch vom Ende des 18. Jhs. in schöner Einfachheit; 
ein Speisekelch, kupfergetrieben, vergoldet, aus der zweiten Hälfte des 18. Jhs. 
und eine silberne, vergoldete Krone des 18. Jhs., die ihn krönte, sowie 



AMT OBERKIRCH. — OBERKIRCH. 275 

eine goldgestickte, weiße Abtsmitra aus Allerheiligen; Mitra 

ein schlichter Abtsstab ebendaher vom Ende des 1 8. Jhs. 
und auf dem Speicher eine Holziigur des i8. Jhs.: der h. Markus mit dem 
Löwen; Vs L^^nsgröße. 

Südlich vor der Kirche ein Kruzifix von 1772 auf Rocaillepostament. 
Über der Rench, gegen die Fürsteneck zu, Hegt der Zinken Oberdorfs wie schon Oberdorf 
erwähnt, wohl die älteste Ansiedelung, die, nachdem sich der Ort hauptsächlich auf das 
rechte Ufer der Rench hinübergezogen hatte, diesen Namen erhielt. Wir hören 1291 
von villa Obemdorf, in dem obem dorf 1316 etc. 1271 verkauft Graf Heinrich von 
Fürstenberg »dimidietatem ville Obemdorf cum omnibus attinentiis infra bannum eiusdem 
ville situatis domino H. episcopo Argentinensi nomine ecclesie sue«. 

Die auf dem Friedhof liegende Kapelle »ad S. Marcum« birgt noch die Reste Kap«iie 
eines Baues aus dem 12. Jh., also vieUeicht der ältesten Kultstätte Oberkirchs. Erwähnt 
wird eine »ecclesia de Obemdorf iuxta Fürstenecke 1299; als Patron 1452 S. Nicolaus 
Episcopus genannt Neben dem patronus principalis S. Marcus sind patroni secundarii 
Nikolaus und Margaretha. ^) Das Patronat erhielt mit dem über die Mutterkirche Nußbach 
Allerheiligen, und so hören wir denn 1355 (Kopie 17. Jhs.), »daß Eberhart der probst 
von AUenheyligen kürchherre über daß Oberdorff« genannt wird. 1464 wird ein 
plebanus erwähnt. 

Der Chor der Kapelle, wohl auch der Chor der alten Kirche, war zugleich das 
Erdgeschoß ihres Turmes (5,40 zu 5,40 m) und ist ähnlich dem in Nußbach von einem 
Kreuzrippengewölbe mit breiten flachen Gurten als Rippen überdeckt, die auf Säulen 
ruhen, deren primitive Würfelkapitelle einfach durch Abschrägung der unteren Kanten- 
hälfte entstanden sind. Der Rundbogen zum Langhaus ruht auf Pilastem mit durch 
Wulst und Platte gebildetem Kämpfer. Basis, auch der Säulen, wohl unter jetzigem 
Boden- Nach Norden und Süden kleine Rundbogenfenster mit abgeschrägter Laibung, 
am äußeren noch der einfache abgeschrägte Sockel. Der Vorbau stammt aus dem 1 9. Jh. 
Auch der Friedhof ist ohne ältere Monumente, nur ein Kruzifix auf Barocksockel 
von 1773. 

In der Nähe der Kirche lag die kleine Frauenklatise : die gaischlichen vrowen Emgcganirene 
in der closen, die closenerinnen in dem Obemdorfe bi Oberkirch in dem bistume von 
Straßburg 13 16, priorissa et sorores incluse inclusorii in Oberndorf prope Oberkirch 1381 ; 
die geistlichen frowen uff der close in dem Oberadorß* by der statt Oberkirch ge- 
legen 1482. Sie war dem Predigerkloster zu Straßburg unterstellt und diente meistens 
zur Unterbringung und Versorgung der Töchter des benachbarten Adels, die wir auch 
öfters als Priorinnen treffen.^ Am Ende des 15. Jhs. scheint eine gewaltige Sitten- 
losigkeit in der Klause eingerissen zu sein, und auf Antrag des Propstes Johann von 
Allerheüigen hob daher Bischof Albrecht von Straßburg die Klause auf und übergab ihre 
Güter, Einkünfte und alle Rechte der neugegründeten Kirche in Lautenbach, in der 
dafür — so wurde im nächsten Jahre bestimmt — täglich eine Messe zum Seelenheil 
der Stifter und Wohltäter und deren Nachkommen gelesen werden mußte. Desgleichen 
sollte viermal im Jahre in der Pfarrkirche zu Oberkirch ein feierliches Totenamt stattfinden. 



*) FDA. NF. m, S. 314. 

2) Ruppert, FDA. 24, S. 294 ff. 



276 



KREIS OFFENBURG. 



Eüngegangenes 
Kapuzinerkloster 



Amtsgebäude 



Von den Gebäuden dieser Klause ist heute nichts mehr erhalten. 

Ebensowenig von dem Kapuzinerkloster^ das nach Kolb^) in der Vorstadt 
Allment am unteren Tor lag und 1696 und 1697 erbaut wiu*de »mit einer schönen 
Kirche, wo sich unter der Kapelle des h. Fidelis die Totengruft befindet«. 

Unter den Profangebäuden ist zunächst zu nennen: 

Das Amtsgebäude (Nr. 176), in dem Bezirksamt und Amtsgericht untergebracht 
sind. Es zeigt über dem Pqrtal das Wappen der Herrschaft Oberkirch und des Joh. Ev. 
von Bodeck, Geh. Rat und Oberamtmann der Herrschaft Oberkirch, welcher dies Haus 




Fig. 164. Obtrkirch. Straße mit Riegelhäusern, 



Hof derer von 
Neuenstein 



erbaute, nachdem das frühere, i. J. 1688 gebaute i. J. 1689 mit der ganzen Stadt ab- 
gebrannt war. ^) Darunter die Jahreszahl 17-04. 

Das heutige Gasthaus »Zur Sonne« ist der (teils umgebaute) ehemalige Hof derer 
von Neuenstein, den sie, wie viele Geschlechter der Umgegend, in der Stadt besaßen. 
Im Hofe bemerkenswert die alte Wendeltreppe, in dem üblichen polygonalen Grundriß 
mit schräg ansteigenden Fenstern. Eine Tür führt zu ihr mit geradem unverzierten 
Sturz, auf Pfosten, die aus dreifach voreinander gelegten Pilastem bestehen, deren 
Fläche durch Medaillons und Rankenwerk ausgefüllt wird; ebenso entsprechend ver- 
dreifacht der Sockel mit einer ausgehauenen Raute als Verzierung. Über der Tür in 

1) Kolb ni, S. 8. 

2) Zentner a. a. O. S. 227. 



J 



AMT OBERKIRCH. — OBERKIRCH. 277 

großer Rollwerkkartusche das AUianzwappen Neuenstein - Zorn von Bulach mit der 
Umschrift: 

JOHANN ADAM VON NEVENSTEIN ANNA MARIA ZÖRNIN VON 

BULACH ANNO i6Z9. 

Gute, dekorative Arbeit der Renaissance. — Im Innern des Treppenhauses noch 
die fünf untersten steinernen Stufen und der Ansatz der Spindel. Am Torbogen des 
Hinterhauses die Jahreszahl 1609. 

Am geradsturzigen Türchen an der Hauptstraße flache Hohlkehlen nebst Rundstab 



und das Zeichen: 



i 



Ein stark umgebautes Haus aus den Zeiten der Renaissance findet sich noch, wenn 
man durch den Hundschen Torbogen hindurchgeht Hier ist (später eingemauert) noch 
eine Tür mit geradem Stiffz, die Seitenwände durch Rundstäbe und Hohlkehlen gegliedert, 
am Sturz vier Wappen und zwischen ihnen die Zahl 15 79, am rechten Pfosten das 

Zeichen: IE. Gegen die Seitengasse sowie gegen den Kanal zu ist das Haus ein 

stattlicher Riegelbau, ohne besonders hervorzuhebendes Schnitzwerk. Im Erdgeschoß 
der Giebelfassade wieder eine Tür mit einfacher Abfasung und Hohlkehle am Gewände, 



am 



Sturz steht: J^ ^ (^ Q 



In dem gleichen Gäßchen wie die obenerwähnte Tür noch eine schlicht profilierte 
Tür mit der Jahreszahl 1727. 

Das Gasthaus »Zur Linde« besteht aus zwei äußerst malerischen, stattlichen Riegel- 
bauten (Tafel X), von denen der jetzt als Nebengebäude gebrauchte der ältere ist. 
Besondere Schnitzereien finden sich wenig, nur an den Eckpfosten. An einem derselben 
steht eingekratzt: 

Soly Deo Gloria 
Christian 
Fischer 
am 
Wirdt und Gast 
geber zur 
Linden, 
An diesem Haus auch schmiedeeiserner Wirtshausschild des 18. Jhs. An einer 
Kellertür noch zu lesen : J 6 • H^ H • E 5 9. Hier noch steinerner Ofenfuß eingemauert 
mit Wappen der Fischer. Eine Holzbalustergalerie fuhrt hinüber zu dem jetzigen Haupt- 
gebäude mit ähnlichem Fachwerk. Einige Türen mit verwaschenen Hohlkehlen und 
Rundstäben, teilweise in Voluten endigend (s. Fig. 165), erinnern an das 17. Jh. 

Die Apotheke ist ein schlichter Bau des 1 8. Jhs. mit einfachem schmiedeeisernen 
Gitter an den Fenstern und an dem Balkon, der von mächtigen Delphinen getragen 
wird. An der Apotheke angebaut tragen zwei Pfosten mit Maskerons (ehemaliger Brunnen- 
ausfluß) auf stark ausgebauchtem Sockel die Barockstatue des h. Nepomuk (Sandstein), 
Hervorzuheben im Ort noch: 

In der Hauptstraße, von einem ehemaligen Brunnen herrührend, auf sechseckigen Brunneo 
Pfosten ein Löwe mit dem Wappen des Bischofs Johann von Manderscheid-Blankenheim. 



278 



KREIS OFFENBURG. 



I^ut Aufschrift von diesem errichtet und 1895 renoviert. An der Bekrönung (te 
Pfostens die alte Jahreszahl 1570. 

Zwischen Haus Nr. 137 und Nr. 141 der Durchgang zur Kirche: ein Spitzbogen 
mit Hohlkehle und birnenförmigem Wulst, im Scheitel ein Schild (ehemals mit Wappen), 
darüber die Mauer emporgeführt und auf derselben eine kleine Adicula mit kielbogen- 
förmiger Nische, in der die Holzfigur einer Pietä, wohl aus dem 16. Jh., in dem nach- 
klingenden spätgotischen Stil, aufgestellt ist. Der Bogen wohl 15. Jh. Eine neue Inschrift 



•OBERKIRCH- 

^A5tl2AU5 224r Lincüe • 
7V<>jiJabläMje 







Wiitshausschild 
Kathaus 
Mildstöckle 
Kruzifix 



besagt allerdings: Erbaut 1337, 
renoviert 1 896. Im Durchgang ein 
ehemaliges Kapitell eingemauert 
mit Rosette, drei Fischen und 
17 . M F . ?4. 

Gegentiber am Haus Nr, 140 
Durchfahrtsrundbogen mit Wulst und 
Hohlkehle profiliert und mit von Voluten 
flankiertem, verwischtem Wappen am 
S<:heitel sowie der Jahreszahl 15-82. 
Gegenüber der Kirche am Hans 
Nr. 230 Sandsteinstatue des h. Nepo- 
niuk, Mitte des 18. Jhs., in der damals 
beliebten aufgeregten Stellung. 

Am Haus Nr. 131 in schlichter 
Nische ansprechende Madonnenfigur 
des 1 8. Jhs. 

In der Nähe des Gasthauses »Zur 
Linde« ELruzifix aus Sandstein, am 
Sockel Rollwerkschild mit verwischter 
Umschrift um 1700. 

Gegenüber auf Rocaillepostament 
die zweidrittellebensgroße Sandsteinstatue 
des h. Wendel mit dem Datum iin- 
Am Gasthaus »Zum (goldnen?) Adler« schmiedeeiserner Wirtshausschild des iS.Jbs. 
Im Rathaus werden Zunftkannen, Hellebarden und andere Altertümer aufbewahrt 
Am Weg von Oberkirch nach Lautenbach ein Bildstöckle des 1 8. Jhs. sowie in 
einem Anwesen ein Kruzifix, fast lebensgroß, mit Maria, auf geschwungenem Rocaille- 
sockel und Kartusche mit teilweise zerstörter Inschrift sowie (Schauenbiurgschem) Wappen. 
Am Weg nach Odsbach Bildstock des Ciriak Hallier und Kreuz aus dem 18. Jh. 




Fig. lös , Oberkirch. Türablauf am Gasthaus > Zur Lindg^. 



ÖDSBACH 



Schreibweisen: Otesbach 1347; Otenspach 1350; Ötspach 1386; ödspach 1499 etc. 
(Bach des Otine.) 
ortsgeschichtf Ortsgeschicktc i Odsbach bestand im Mittelalter aus freiburgischen und ebe^ 

steinischen Lehen der Schauenburger und Staufenberger. Doch gehörte es später zur 



AMT OBERKIRCH. - OPPENAU. 279 

Herrschaft Oberkirch, zum weltlichen Besitz des Bistunis Straßburg, und wurde 1803 
badisch. — Die Waldgenossenschaft des Mooses hielt ihr ehemaliges Waldgericht zu 
Odsbach unter der Linde. Neuordnung der Waldgerechtigkeiten 1527. 

Kapelle ad S. Jacobum. Kleiner Bau des iS.Jhs. auf älterer Grundlage: gekuppelte Kapciie 
Rundbogenfenster in der Altarwand. Holzftgur der Madonna, 1 8. Jh., gut bemalt 

An der den Ort durchziehenden Landstraße ein Kreuz von 1687 sowie ver- BUd.töckc und 
schiedene Bilds fö ekle. An dem Weg nach Lautenbach ebenfalls solche des 18. Jhs. 
und ein Rokoko-Kruzifixus von 1730. 

Auf dem Weg von Giedembach nach Lautenbach zweidrittellebensgroße, flotte 
Sandsteinstatue der Immaculata in der geschwungenen Haltimg des 1 8. Jhs. auf üblichem 
RocaiUesockel von 1750. 

OPPENAU 

Schreibweisen: ad Noppenow in Martnowa ca. 1070 bis 1092; Openowe zweite 
Hälfte des 12. Jhs.; Noppenowe 1289; Oppinaue 1294; in valle Noppenowe 13 16; 
Noppenower tal 1321 etc. (Au des Noppo.) 1347 hören wir von einer »villa in valle 
Noppenowet; 1395 heißt es »zu Noppenowe in dem dorf « ; 1381: »der famd ob der 
stad zu Nopenouwe«. 

Literatur: Das Oppenauer Hubrecht aus dem XV. Jh., Z. III, 484; außerdem 
Zentner, Das Renchtal, S. 221, und die allgemeinen Schriften. 

Ortsgeschichte: Oppenau scheint ursprünglich Reichsgut gewesen zu sein. 1 3 1 6 über- Ortsgcschichic 
trug König Friedrich dem Straßburger Bischof Johann I. von Dirpheim alle Reichsleute, 
die in der Stadt Renchen, im Noppenouwer Tal etc. wohnten. Es war das ein großer 
Schritt weiter zu dem von den Bischöfen erstrebten Ziel der Landesherrschaft über das 
ganze Renchtal. In Frage gestellt wurde diese Erwerbung durch König Ludwig den 
Bayer, indes kam eme Vermittelung zu stände, die den Besitz tatsächlich dauernd machte, 
da die Pfandsumme von 4000 Mark, die dem Bischof als Ersatz für den in Benfeld durch 
Ludwigs Partei erlittenen Schaden zugesagt war, natürlich niemals gezahlt wurde. ^) Zu- 
gleich waren die Bischöfe eifrig bestrebt, ihren Grundbesitz in der Gegend zu vermehren. 
So hören wir 13 19 von dem Ankauf von Grundstücken in dem Noppenauer Tal. Auch 
gelang es ihnen, das stattliche Gut des Klosters Allerheiligen und die dazugehörige, 
über dem Ort liegende Burg Friedberg, von der heute keine Reste mehr vorhanden sind, 
durch Tausch von dem Kloster Allerheiligen zu erwerben. Oppenau, das bis zum 
J. 1803, wo es badisch wurde, nun zum weltlichen, rechtsrheinischen Gebiet des 
Bistums Straßburg gehörte, zur Herrschaft Oberkirch, machte deren schon mehrfach 
geschilderte Schicksale mit. Es war später eines der sechs Gerichte der Herrschaft, und 
zwar gehörten zu ihm^) Guckinsdorf, Bocksberg, Fohren, Ottersberg, Ebene, Ansätze und 
Nordwasser, Heimburgerturm, Ramsbach, Ibach, Löcherberg, Freiersbach, Rüstenbach, 
Döttelbach, Rench, Maisach und Lierbach. Bald nach der Erwerbung — nach Kolb^) 
noch von Johann I. — wurde es zur Stadt erhoben und befestigt. Es hatte zwei Tore, 



1) Fritz a. a. O. S. 151 ff. 

^ Fe cht, Allerheiligen^ S. 104. 

^ Kolb III, S. 39. 



2go 



KREIS OFFENBURG. 



Befestigung 
Tor 



Kirchen 



das eine ins Uerbachtal zu, das andere dem Renchtal zugewandt. 1383 hören wir von 
»unter der linden upwendig der muren zuNoppenowet. Unter seinen Bewohnern befanden 
sich im 15. Jh. eine Anzahl Zinsleute der Herren von Neuenstein. 1615 brannte die 
ganze Stadt und damit auch das Schloß Friedberg ab. 1689 wurde sie dann wiedenim 
von den Franzosen verbrannt nach vorheriger Plünderung. 1701 erneuerte Kaiser 
Leopold der Stadt ihre Rechte und Gewohnheiten nach dem Vertrage von 1526; 1667 
erhielt Oppenau den Johannismarkt, 1758 zwei weitere Jahrmärkte und einen Wocben- 
markt. — Gegen das Renchtal zu lag vor dem Tor, sich hinauf bis in die Nähe der 
alten Pfarrkirche erstreckend, die Vorstadt Allmend und eine am oberen Tor, die noch 
heute sich abtrennt. 

Von der ehemaligen Befestigung steht nur noch das Tor gegen das Lierbachtal 
zu, das wohl nach dem Brande im 16. Jh. erneuert wurde; es öf!het sich in einfachem 
abgefasten Spitzbogen gegen das Tal zu, flacher Bogen gegen die Stadt, mit steinernen 
Halten für die Angeln. Außen am Scheitel in Stuck angeklebt in Rocaillekartusche das 
bischöflich Rohansche Wappen. 

Kirchen: Oppenau war, wie Oberkirch, mit einer Kapelle Filiale von Nußbach. 
1196 kam das Patronat von Nußbach mit seinen Kapellen im Stiflungsbrief von Aller- 
heiligen an dieses Kloster. 1225 wird die Schenkung neu bestätigt und dabei die Kapelle 
in Oppenau, wie es scheint zum erstenmal, ausdrücklich genannt, auch 1226 als K24)e])e 
erwähnt. 1275 at>er hören wir von der ecclesia de Nopenowe, sie scheint also vorher 
schon vom Bischof von Straßburg zur Pfarrkirche erhoben worden zu sein. Die Rechte 
Allerheiligens wurden dabei aber anerkannt »C. episcopus Argentinensis«, heißt es, 
»preposito et conventui fratrum celle Omnium sanctorum eiusdem dyocesis indulgemus» 
ut deinceps vobis ecclesiam dq Noppenowe, in qua ius patronatus ad vos pertineie 
dinoscitur, per fi-atrem vestri monasterii vel professionis eiusdem loci regere et procurare 
liceat pleno iure« 1381. 1270 hören wir von einem Conradus plebanus, 1279 von 
A. archipresbiter, 1336 von dem kirspel zu Noppenowe, 1464 von einem rector ecdesie; 
1289 wird ein bruder Henrich der Schiber von Noppenowe der lutpriester genannt Die 
alte Kirche lag auf der Höhe, ihr Chor ist noch in der Friedhof kapelle erhalten. Patronus 
coeli war Johannes der Täufer. Zu ihr gehörten drei Kapellen : eine, ad S. Sebastianum, 
in der Stadt, von der jetzt keine Spur mehr erhalten ist, die zweite im Tal des Apostel- 
fiirsten Petrus und die dritte, neu errichtete Maria Himmelfehrt in Griesbach, Filiale der 
letzteren. (Visitationsprotokoll von 1666.)') 1668 kam eine Niederlassung der Kapuziner 
hinzu, wie es heißt vom Bischof gerufen, da im Bistum Mangel an Priestern, auch das 
Kloster Allerheiligen nur dürftig besetzt war, zur Rekatholisierung der Gegend. Sie 
versahen unter Aufsicht des Oppenauer Pfarrers, der bis 1803 ein Mönch von Aller- 
heiligen war, die Seelsorge in Griesbach und Peterstal, Nach Aufhebung des Klosters 
wurde i. J. 1807 dessen Kirche zur Pfarrkirche gemacht und die unbequeme, alte auf 
dem Berge verlassen. 
Kath.pfarrkirchc Dieser ^fe^/A. Ffürrkirche, natürlich mit gleichem Titel »ad. S. Johannem Baptistamc, 

scheinen aber auch die Räume der alten Kapuzinerkirche nicht genügt zu haben; es 
wurde sofort zu einem Neubau in dem Stil der Weinbrennerschen Richtung geschritten. 
Der Bau steht heute noch, wie immer schlicht, aber mit emer recht gefäUig^i Logen- 



1) FDA. NF. m, S. 315. 



AMT OBERKIRCH. — OFFEN AU. 28 1 

anläge zu beiden Seiten des Chors. Auf dem Dachfirst ein etwas verwittertes Sandstein- 
kreuz hochgotischer 2^t aus Allerheiligen. 

Altäre» Kanzel, Weihwassersteine etc. sind in dem gleichen klassizistischen Stil innenaussuttung 
gehalten, ein Weihwasserbecken auf polygonalem Fuß trägt die Jahreszahl 1 600. 

In zwei Fenstern des Chors sind zehn gemalte Scheiben angebracht aus der Zeit Giasfemäide 
von 1588 bis 1617, nach einer Angabe von drei Meistern: Caspar Rotgiesser, Daniel 
lindtmayr oder Bardi. Link (?) und von einem Schüler des letzteren. Acht von ihnen, 
c^ 40X 30 cm groß, stellen je einen der damaligen Gerichtszwölfer dar mit seiner Ehefrau, 
in Renaissanceumrahmung von Säulen imd Bogen, Unterschrift und einer Genrescene 
über ihnen, die neunte, sehr zerstörte zeigt nur noch ein Wappen, die zehnte das der 
Stadt Oppenau. Sie dürften wohl aus dem alten Rathaus (s. unten) hierher gebracht 
worden sein.*) 

Am südlichen Fenster beginnend, stellen sie dar: 

1. i^ang naglet gettcgtäjtDelffet 

und ^ua fein — l^augfratn 1617 (jeweils dazwischen das Wappen); 
im oberen Bild die Erschaffung der Eva: 

<(^ott nam ein Hipp aug SObamiS Xeifi 
^tguff €na braug jm 5a ein Ilßeib gene • 11 ; 

2. i^ang %raun — ((^etid^tiSstDöIffet 
uti SKpoIonia fein — IiaugfratD 161 7, 

darüber der Sündenfall: 

®ie eSa ]^at ber ttielt baiS <(^Iudr betloten 
%xi fcgmettjen i]^te ^inbet geboten; 

3. i^nfl jF^eüiet gtit&t — jtDelffet ju 
<l^penatD matgtet — begletin fein 
i^aitfftatD — SBnno 1588, 

darüber em Genrebild; 

4- 3acob ...t int faupatg 

unb egelitge i^au§lftatai 

SJnno — •♦17, 

oben ein Genrebild mit Schweineherde; 

5- C^rifhiiä 55ec8 — lin gtitgt^^jtoölfet 
unb ((^ettttaut fein — l|au|S^atai 1617, 

darüber die Arbeit der ersten Menschen dargestellt: 

aibam fieng an J^flanjen unb ^atoen 
%fx ((^ott fielt et aH fein bettljtauen; 

6. !!••• jfcget ge — tiri&t^itoelfet üb 
Stg*. fein egelid^ — ]^au§iftatai 1617, 

darüber die Ermordung Abels und: 

<ain fd^tög feinen Stöbet 3Ö Cobt 

(<5ott fttaflft ••n ba# et lieff in not. gene . iii; 

7. sehr zerstört, nur noch die rechte Hälfte teilweise erhalten, und verwischte 
Inschrift: 



^) Sechs weitere von hier stammende Scheiben sind nach Schloß Staufenberg bei Durbach gelangt. 



KRFJS OPFENBURC. 




Fi^, l66. Wappen dtr St mit öffmau- 

, . 5^aco0 ^^c^mibt uiib mar . 
griitBcrin fein e^endje Ijausi 

frata Bebe ^Surgtr in 

atu . ietjo ^^aftmtiftcr iiffm «tiitöii 
♦ 610; 



AMT OBERKIRCH. — OPPENAU. 



283 



8. die Figur des Mannes arg zerstört: 

4!>iienaC fianecßerin fein 

Celicge t • • ♦ • Stnno 1588; 

9. nur ein Wappen, teilweise zusammengeflickt, mit verwischter Unterschrift, die 
ganz unleserlich ist; 

10. das Wappen der Stadt Oppenau (s. Fig. i66), unter von Karyatiden ge- 
tragenem Gesims, von einem Bär mit der Fahne gehalten. Die in zwei Abteilungen 
nebeneinander angebrachte, rechts etwas zer- 
störte Inschrift lautet: 

^n^ taarbt gejalt nacg gefturt Cljrifti 
im Jüäonab ben brejifigften SOugufti 
€in taufenb ^ecgäl^unbett funßegn jar 
ba toar <(E>iipenau in {}ad^fter gefal^r. 
^urcß ein entflanbcn ^cßräcftlicöe 25runft 
€6 toar alle^ Xafcgen um&fonft 



^ag gantje ^tättlin . . &&ronen ift 
Mitfit ein gaug uffrecgt ge&Iiben ift 
J^ad^malen bifeiS fiatt^iaug 
SCIIerbingä bon £ityi . . . 
burcft natögefetjte . • 
lE^iber ge&autoen un 

^aöer ficg fieiner .J5(?) 

• ♦ taone ficg ferner bor 25 ♦ ♦ • 
Sil^nen nacg biefem 3U . * . 
Sliuff afifterben baß • • • • 
^men bag taerbe aucg . . . . 
45ott fieöiiett taeitter bor J?eu ♦ . 

Diese Scheibe scheint also jedenfalls aus 
dem Rathaus zu stammen. 

In der Sakristei einige Kirckengeräie : 
große Monstranz, silber vergoldet, getrieben, am 
Fuß Engelsköpfchen und Kreuztragungsrelief. An den Strahlen Relieffiguren. 




C"» 100 JO o 



Fig. 167. 



Grundriß der FriedhofskapeUe 
in Oppenau, 



Mitte 



Kirchen - 
gerate 



des 18. Jhs., Augsburger Beschauzeichen und ^. — Kelch, silbervergoldet, getrieben, 

in den Formen des beginnenden i8. Jhs. mit Bandgeschlinge am Fuß und einem Email- 

V T 
medaillon mit der Darstellung der h. Familie. Zeichen ? und , (?). — Ein weiterer 

Kelch, silbei-vergoldet, getrieben, in spätem Zopfstil, Augsburger Zeichen und I A B. 
— Eine weiße Casel des 1 8. Jhs. 

Die Friedhofskapelle ist der Chor der ehemaligen Pfarrkirche, der allein stehen Friedhofskapciic 
geblieben ist (s. Fig. 167). Sie ist in drei Seiten des Achtecks geschlossen und öffnete 
sich in jetzt zugemauertem, großem gedrückten Spitzbogen gegen das Langhaus, jetzt 
in späterer Tür auf den Friedhof Sie ist mit einem Netzgewölbe (s. Fig. 168) über- 



284 



KREIS OFFENBURG. 



deckt, dessen trocken profilierte Rippen ohne Konsolen an der Wand veriaufen. Im 
mittleren Schlußstein (s. Fig. 169) das Oppenauer Wappen und die Umschrift: 

j^ihtti 0ericgt 1 3110 1 nopimobb i 
IX6X i 
Daraus schloß Mone') wohl mit 
Recht, daß die Kirche durch den Ge- 
richtsstab erbaut wiu-de. In einem 
anderen Schlußstein neu gemalt (nach 
vorhandenen Resten?) das Wappen: 
drei Berge (?) mit Kreuz darauf, in 
einem weiteren die segnende Hand 
auf dem Kreuz. 

Zwei einpfostige Spitzbogenfenster 
mit Fischblasenmaßwerk und ein gerad- 
stiu-ziges Fenster erhellen den Raum. 
In der Nordwand eine Tür mit geradem 
Sturz, Hohlkehlen und sich kreuzen- 
dem Stabwerk; ebenda eine Sakra- 
mentsnische mit spitzem Kleeblattkiel- 
bogen. Gegenüber an der Südwand 
Nische im Eselsrücken geschlossen und 
an beiden Wänden noch zwei große, 
flachbogige Nischen. — Der Bau ist aus Bruchsteinmauerwerk errichtet, die Gewände etc. 
aus rotem Sandstein; kleiner späterer Dachreiter. Steinmetzzeichen unter der dicken 
Farbe unkenntlich. 
Kruzifixus Im Äußern an der Südwand überlebensgroßer holzgeschnitzter Kruzifixus von 1 7 1 3. 

Auf dem Friedhof reiches, 
mit Ranken 




Fig. 168. Gewölbe der Friedhof skapelU in Oppenau, 



Schniicdeciiernes schmiedeeisemes Kreuz 

Kreuz 

und Stabwerk aus dem 18. Jh. 

An der Straße zum Friedhof 
Siindsteinkruzifix derbes Sandsteinkruzifix von 1701, 
laut Inschrift von verschiedenen Oppen- 
auer Bürgern gestiftet. 

Pfarrhof. An der Innenseite der 
Wappenstein Gartenmauer ein Wappenstein des 
Abtes Anastasius von Allerheiligen ein- 
gemauert, mit der Unterschrift: 
PRAESULE ANASTASIO 
SURGENT QUAS CERNI 

TIS AEDES 

ANNIS TER DENIS RITE 

GERENTE LOCUM 

MDCLXXXVII 




.■|Jl^^^LHyiUl 










Fig. lÖQ. Schlußstein in der Friedhof skafclU in Opfemam. 



>) Z. Vm, S. 432. 



AMT OBERKIRCH. — PETERSTAL. 2$$ 

Um das W^pen später emgemdßeH: Lapis hie in prisdnae domus fronte erat 1 836. 

Von Privaihäusem ist das des Lec^. Hodapp zu erwähnen mit einem Erker PriT^ti«« 
und der Jahreszahl 1681 und dem Gerberzeichen an der Türe, deren Gewände al^ge- 
schrägt nnd hohlgekehlt and, sowie das Okonomi^ebäude des Gasdiauses >Zur S<^nne< 
mit der Jahreszahl 1682 an der ähnlich profilierten Tür. — Beim Apotheker Jun^hans 
be&nd sich früher ein Bronzemörser mit der Anschrift Soti deo gloria 1628. 

In der Hauptstraße, zwischen Kirche und oberem Tor, stehen eine stattÜ« he An- 
zahl Riegelhäuser, leider jetzt verputzt In ihrer alten Gestalt wiederhergestellt, «~jrdcn 
sie der Straße ein sehr malerisches Aussehen geben. 

An den von Oppenau ausgehenden Straßen einige Kmzitxe und Bildstöcke des 
17. und 18. Jhs., so ein Kruzifix von 1775 auf dem Weg nach Lierl,a<ch. eines von 
1796 auf dem Weg nach Antogast und ein solches von 16S1 auf dem Weg nar.h 
Ramsbach. 

PETERSTAL 

Schreibweisen : zu sant Peter in Noppenowertal 1360; 13 90: 1416: zu Bestem- 
bach in Noppenauwerthale ob sant Peter gelegen ein hofnatt; Peter^thal 1660. 

Literatur : Tabemae montanus = TTieod. Jac Necw Wasserv.hatz- IJja ist : Von 
Allen heylsamen Metallischen, Minerischen Badern und Wassern, Sonder i'h a}^«- von 

den neuwen erfundenen Sawerbnmnen zu Langenschwaülai^^h vnd im Sr,hi»artz- 

wald in dem löblichen Stifft Strassburg in dem Petersthai . . — \ incer.tir.i Arufej .Si-ae, 
tract duo, in specie : de deux Fontaines dites de Grey5^ach et de S. Pierre tu. , S'j-aL- 
burg 1590. Deutsch zur gleichen Zeit ebenda. — C.Graseccins, Föns sa>:',ris v^teLra 
Petrina,Straßb. 1607. — CErhardt, Bad Petersthal im Groi. herzog h.ni h^^t'^KTi m^l vrine 
Stahlsäuerlinge, Karlsruhe 1856. — Fr. von Weech, Zur Gev ?-i' hte der Rer.'h'/ader 
Antogast, Freiersbach, Griesbach und Petersthal Ob. 28, 438 -466. — P. Pfaff , Ine 
Renchthalbäder um 1644, Monatsblätter des Badischen S^. h vi arzwitd verein«» III 1900,, 
Sp. 87 — 92. Kraus, Zur Geschichte der RenchtäiVader, Z. NP. 21, S 60 . L''>^ 
die neuere Bäderliteratur s. K i e n i t z und Wagner. 

Ansickten: Merian, Topographia Alsatiae 1644, S. 50. — Zi^olf Ar.*jr,hvrn von A.-.»i',? •>?« 
Petersthal mit Antogast, Freiersbach, Sulzbach und deren Urr.^e'yjng, Kar.-jr.he, M ...':r,o J. 

Geschichtliches: Schon Ende des 13- Jhs. lag hier 's. ^T.ten eir^ Kapelle, na/,h 0'k'K.'r.»..u 
deren Titel das Tal genannt wurde. Der später no<^-h erwahr/je V\^^j\KX^:/fi «nird v.hon 
II 96 genannt, also war damals das Tal schon l.»esiedeit. 1476 hören »ir von dem 
Bestenbachhof. Die Güter des Tales waren als I^hen von I're:''/:rg, hv:r-,te:n und 
Straßburg in den Händen des Schauenburger und .S:a.ufen'x:r^'er AdeS Der Ort ;.;efiOrte 
zum Bistum Straßburg, Herrschaft Oberkirch, Erst im 16. Jh., »ohl etnas s\,^\nx aS 
der Griesbacher, scheint der Sauerbrunnen bekannt geworden zu se:ri. 15^0 war er in 
einen viereckigen, hölzernen Kasten gefaxt Nach der Vtr^fi^rA^na der H*;rrv haft an 
den Herzog Friedrich von Württemberg nahm dieser le\ har.es Ir.teresve an den I'adem 
und erließ 1605 eine Badeordnung. 1637 erfol^je eine ne::c Ordn r.ii d^nh f',iv.hof 
Leopold Im Anfang des 17. Jh& war es in dem Besitz von verv-'M»:derien ?.!vJH-,ern, 
von denen (kr erste, Odino, nach den Mitteil jn;^en desGrasecci is, die J^ei dem groLen 
Andrang nicht mehr genügenden Her^>ergen etc. in einen geeijpeten Stand setzte. So 



286 



KREIS OFFENBURG. 



präsentierte sich das Bad mit einer Anzahl offenbar ganz stattlicher Riegelbauten (s.Fig. 170). 
Auch genoß es den Ruf, daß vortrefflich für des Leibes Nahrung mit I^ckerbissen aller 
Art gesorgt war^) und daß dort über die Maßen lustig gelebt wurde. In den folgenden 
Jahrhunderten wechselte das Bad verschiedentlich die Eigentümer, im 1 8. Jh. kam es in 
den Besitz des Klosters Schuttem, das ein neues großes Kurhaus erbaute, ind^ auch 
keine guten Geschäfte gemacht zu haben scheint und das Bad offenbar wie Griesbach 
weiterverkaufte. Als 1803 das Gebiet an Baden fiel, nahm sich die Regierung der 
Bäder an durch Unterstützung der Eigentümer. Die heutigen Bauten stehen noch an 
alter Stelle, entstammen aber alle (wenigstens im Umbau) dem 19. Jh. 




Fig. lyo. Beut PeUrstal im Jahre 1644. 

KAth. Pfarrkirche Die kutk, Pfarrkirche (ad S. Petrum et Paulum). 1293 wird erwähnt die »capella 

sita in parrochia ecclesie de Noppenowe, que vocatur vulgariter die wüste capelle, filia 
ad ecclesiam predictam spectans K. Da das Patronat von Oppenau (mit Nußbach) AUer- 
heiligen gehörte, so auch diese Kapelle. 132 1 wird sie als »capella sancti Petri dicta die 
wüste capelle, ecclesie in Noppenowe attinens« genannt. Die Erklärung des Beiworts 
findet sich in folgender Erwähnung: »in dem thal zu Noppenauwe zu der wüsten Reynchen 
zu sant Peters capelle 1 38 1 «. Der Gottesdienst ist wohl durch einen Kaplan von Oppenau 
besorgt worden. 161 9 hören wir von einem )?pfleger sancti Petri im thal«. Nach der 
Niederlassung der Kapuziner in Oppenau 1668 besorgten diese unter Aufeicht des 
Oppenauer Pfarrers den Gottesdienst in Peterstal. 1801 aber »zwang der Bischof und 
Landesherr das Mediatkloster Allerheiligen zur Erbauung eines Lokalkaplaneihauses im 



^) S. Weech a. a. O. S. 440 f., Zentner a. a. O. S. 26 ff. und Philander von Sitte- 
walds SchUderung in den Visiones de Don Queredo etc., Straßburg 1642. 



AMT OBERiORCH. — RAlfSBACH. (BARENBURG.) 



287 



Peterstalc, und 1807 wurde unter badischer Herrschaft die KapeUe in eine »schöne, 
neue Kirche« umgewandelt') 181 7 erhielt Peterstal eine eigene Pfarrei. 

Der heutige Bau stammt aus dem Anfangt des 19. Jhs. (auf Grundmauern des 
18. Jhs.?) in üblicher, schlichter Erscheinung mit einem vorgelegten Turm. 

Altäre: ÜbUches Barocktabemakel mit hübschem Rocaillewerk auf dem Hochaltar, Ahäre 
Putten und größere Engel in Stuck, darüber mächtiges Altargemälde Aller Heiligen, 
Werk des 18. Jhs., angeblich aus dem gleichnamigen Kloster stammend. Die zwei 
Seitenaltäre zeigen den üblichen Barocksäulenaufbau mit Gemälden, h. Magdalena und 
S. Petrus (?). — Kanzel im gleichen Stile. — Roter Taufetein mit kleinen, viereckigen 
Pfeilern am Fuß. — Vier überlebensgroße Holzfiguren von Heiligen, dekorative Arbeiten, 
18. Jh., angeblich aus Allerheiligen. 

In der Sakristei : zwei silbergetriebene Kelche, einer graviert, der andere mit auf- 

F I 
gelbem Silberomament am Fuß sowie Augsburger Beschauzeichen und ^ . Kupferne 

Sonnenmonstranzy Rokoko, neu vergoldet. 

Zu Peterstal gehört noch Freiersbach, das als Bad erst später erkannt, die Freienbach 
Geschicke der Gegend mitmachte und 1803 badisch wurde. Altes ist hier nicht erhalten. 



RAMSBACH 

Schreibweisen: Ramesbach 11 96; Waltramesbach 1271; Ramspach 1336 etc. 

Ortsgeschickte: 11 96 schenkte Uta von Schauenburg dem Kloster Allerheiligen Ortsgeschichte 
eine Hube in Ramsbach. Die Gegend gehörte wohl zu altera zähringischen Besitz und 
kam daher als Erbe an die Fürstenberg, von denen wir hören, daß sie dieselbe 1271 
besitzen. Bei dem Verkauf der Fürsteneck durch Udelhildis kamen auch diese Besitzungen 
an das Bistum Straßburg, Herrschaft Oberkirch, und machten der letzteren Schicksale 
mit, bis sie 1803 badisch wurden. 

An der Landstraße Bildstock von 1752. Bildstock 

Zu Ramsbach gehört der Zinken 

BÄRENBACH mit der BÄRENBURG 

Geschichtliches: »Berenbach« wird 1293 erwähnt, 135 1 etc.; nydern boerenbach Geschichtliche. 
im Noppenower tal 1386. Es gehörte offenbar aus der zähringischen Erbschaft den 
Fürstenbergem, die auch die Burg als Lehen zu vergeben hatten. — Verschiedene 
Geschlechter schrieben sich von Bärenbach, ^) eines mit dem Staufenberger Wappen, das 
1297 bis 1363 vorkommt; dann ein Zweig der Wolf von Renchen, der in Gengenbach 
saß, 1360 bis etwa 1448. Em drittes Geschlecht nannte sich wohl nach dem Zinken 
Bärenbach im Bezirksamt Wolfach. 

Die Burg wird im 14. Jh. erwähnt: »bürge zu Berembach«. »Wir grave Egen Burg 
herre ze Friburg han verlühen ze rechtem manlehen Johannese von Bembach, Johannes 
von Sneite thoter sune, die bürg ze Bembach sinen teil 1312«. — 1321 aber verkaufen 



») Kolb m, S. 39. 

^ Kindler von Knobloch a. a. O. I, S. 33. 



288 



KREIS OFFENBURG. 



»Burkart und Johannes zwene gebrudere, hem Johanneses seligen eines ritteis ▼on 
Berembach süne«, aus dem oben zuerst genannten Geschlecht, dem Bischof Johaxmes 
von Straßburg und seinem Stift »alles ir reht an der bürge Berembach und an alloi 
den gutem, die sie obewendig des gedoßes in dem tale zu Noppenowe mit da- bürge 
von grave Cunrat herre ze Friburg hattent zu lehenne«. 1455 hören wir noch einmal 
von dem »Schloß Berenbach«, das wohl nachher irgendwie zerstört wurde. 

An der Stelle der Burg liegt nicht etwa, wie Kindler von Knobloch mdnt, 
heute der Bauernhof auf dem Otschenfeld, sondern nur in der Nähe. Sie krönt eme 
etwas vorspringende Kuppe des Gebirges über dem Renchtal, 159 m über dem Meere, 
die nach drei Seiten einigermaßen schroff abfällt. Geringe Reste von Mauern ans 
Bruchsteinmauerwerk erheben sich noch über den Boden, andere sind noch in Sporen 



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Fig. lyi. Plan der Bärenburg bei Ramsbach, 

nachweisbar, andere endlich nur noch an der Terraingestaltung (s. Fig. 171). Die größte 
Wehr mußte sich gegen die Südseite, die Bergseite, richten, von der aus man heute den 
Zugang zur Burg findet. Hier scheint ein künstlicher (?) Graben hergestellt worden zu 
sein, in dem heute die Straße läuft. Von dieser abbiegend, den Fußweg betretend, 
haben wir rechts die Reste eines 5x6 m großen, vom halbnmden Baues E^ einer 
Bastion (?), von der aus die Mauer nach Norden zog. Links vielleicht die Spuren eines 
Bergfriedes A mit etwa 4 m Weite im Innern und 2 m starken Mauern, und des Vor- 
hofes B, wenn nicht A und B ein größeres turmartiges Wohngebäude bildeten. Weiter 
nach Norden ein Plateau mit dem Mauerzug C, wohl eine an den Zwinger sich an- 
schließende Vorburg; in der Mauer eine noch heute erkenntliche Türöfihung, die wohl 
den unteren Haupteingang zur Burg bildete. Mehr ließ sich ohne Grabimgen nicht 
feststellen. 

RINGELBACH 

Schreibweisen: in dem Ringelbach 1225 etc.; zu dem nydem Ringelbach 1386: 
zu obern Ringelbach 1386. (Bach des Ringilo oder auch von der schlängelnden, ring- 
förmigen Gestalt des Baches.) 



AMT OBERKIRCH. — STADELHOFEN. SULZBACH. 289 

Ortsgeschichte: Die großen Besitzungen des Bistums Straßburg hier kamen wohl Ort»gc»chichte 
schon 1070 mit der Ullemburg an das Bistum. Auch waren die Geroldsecker hier 
begütert: »der hof ze Ringelbach, den Steinmar Schonzeler von der herschaft Geroltz- 
ecke zu lehen hatte« 1347. Diesen Hof gibt Heinrich von Geroldseck-Lahr 1359 dem 
Propst und Konvent zu Allerheiligen. Seit dem 14. Jh. gehört die ganze Gegend zum 
weltlichen Besitz des Bistums Straßburg und wird 1803 badisch. 

lärchliches: Ringelbach war teilweise nach Oberkirch eingepfarrt; 1351 hören Kirchliche« 
wir von den homines Berth. episcopi Argentinensis in dem Ringelbach, parrochiani 
ecciesie parrochiali in Oberkirche. Später gehörte es zu drei Pfarreien {und drei 
Gerichten), Oberkirch, Ulm und Waldulm (Gericht Kappel).') Früher war nur eine 
kleine Kapelle (ad S. Wendelinum) gestanden; 1863 wurde die heutige Pfarrkirche mit 
dem gleichen Titel erbaut Sie enthält noch einen Barocksäulenaltar, der wohl aus Barocksäuicn- 

ftltar 

der Kapelle oder aus einer anderen alten Kirche stammt. In der Sakristei eine weiße 
Casel des 18. Jhs. mit prachtvoller bunter Seidenstickerei von Blumen etc. auf dem Casei 
Balken und ein Kelch vom Anfange des 1 8. Jhs., silbervergoldet, getrieben, mit Band< Kdch 
geschlingeomamenten und dem Augsburger Beschauzeichen; das andere verwischt 

Auf der Höhe zwischen Ringelbach und Waldulm ein Kruzifixus auf Rocaille- Knuifixus 
postament von 1782. 

STADELHOFEN 

Schreibweisen: Stadelhoven 14. Jh.; Stadelhof en 1316; zu nidern Stadelhofen 
14- Jh.; im obem Stadelhoven 14. Jh. etc. 

Ortsgeschichte: Schon 961 hören wir von einer Schenkung Bischof Uthos III. von Ortsgcschichic 
Straßburg an die Kirche zu Straßburg. Wie in Ringelbach hatte hier sicher schon seit 1070 
der Bischof von Straßburg Besitztümer. Mit der ganzen Gegend gehörte es seit dem 
14. Jh. zur bischöflichen Herrschaft Oberkirch. Die Schauenburger waren hier begütert. 
1803 wurde Stadelhofen badisch. 

Kirchliches: 1780 wurde hier eine Wendelinuskapelle erbaut (Filiale von Ulm), die Kirchliches 
1783 zur Pfarrei erhoben wurde. 2) Diese wurde aber im 19. Jh. durch einen Neubau ersetzt 

In demselben ein holzgeschnitzter Kruzifixus der Barockzeit, der Corpus alt, das Kruzifixus 
Kreuz wohl von der Renovation 1907. Die Kanzel, eine Renaissanceschnitzerei aus dem 
17. Jh., ist in die Großh. Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde gelangt. 

Schmiedeeiserner Wirtshausschild am Gasthaus i>Zum Ochsen«. wirTihfrsschu" 

An der Straße nach Tiergarten Kruzifix von 1775 auf Rocaillesockel. Kruzifix 

SULZBACH 

Schreibweisen: Sulzebach 1233; Sulczebach 1336; Sulczbach 1342 etc. (Salzbach?) 
Literatur: J. J. Mezius, Bericht etlicher New erfundenen Saurbrunnen zu Sultz- 
bach etc, Fbg. 16 16; Zentner a.a. O., S. 124. (Für die neuere Badliteratur s. Kienitz- 
Wagner.) 

^) Kolb III, S. III. 

^0 Frcib. Kirchcnbl. 38, 115. FDA. NF. II, 262. 

Band VD. 19 



j 

i 290 KREIS OFFENBURG. 

omgeschichtc Ortsgeschichte: Der Ort, der zur Gemeinde Lautenbach gehört und wohl bei seinen 

\ frühesten Erwähnungen aus kleinen Ansiedelungen bestand, verdankt seinen Namen den 

hier sprudelnden warmen Wasserquellen, die nicht, wie Zentner meint, erst Ende des 
18. Jhs., sondern schon Ende des 15. Jhs., wenn auch nicht weithin, bekaimt gewesen 
sein müssen, denn auf den Glasgemälden der Kirche in Lautenbach finden wir einen 
! »bemhart uß dem sultz b ad und Eva sin hußfrow«, also Bürger, während wir in der eben- 

falls dort dargestellten Kathrin von Sultzbach, Ehefrau des Friedrich von Schowenburg, 
ein Mitglied eines sich so nennenden adeligen Geschlechtes sehen müssen; auch 1526 
hören wir vom »Sultzbad« und 1558 von »hoffguet und bade gelegen im Sultzbach 
Oppenawer gerichts«. In den folgenden Zeiten scheint das Bad allmählich in Vergessen- 
heit geraten zu sein. Die Gegend gehörte zum weltlichen Besitz des Bistums Straßburg. 
Herrschaft Oberkirch, und war nach Oberkirch, im 19. Jh. nach Lautenbach eingepfam. 
Kapelle Bei dem jetzigen Badgebäude steht eine schlichte Kapelle^ laut Inschrift über der 

Türe von Lorentz Spener und Catharina seiner Hausfrau 1775 errichtet. Im Innern 
Kirchengestühl Kirchetigestühl mit Barockschnitzereien, aus der alten Kirche in Oberkirch stammend, 
mit den Namen der Filialgemeinden von Oberkirch an den Wangen. 
Knizifix An dem Weg nach Hubacker Kruzifix von 1 761, im 19. Jh. renoviert 



TIERGARTEN 

Schreibweisen: in dem Tiergarten 14. Jh.; in dem Thiergarten 1319; us dem 
Diergarten 1347. (Ursprünglich = Gehege für Rotwild, dann aber auch Pferch für das 
Weidevieh.) ^) 

Archivalien: Reinfried, Archiv des Landeskapitels Ottersweier; Z. NF. 12, 
Mitt. 19; 20 — 31. 
Ortsgeschichtc Ortsgcsckichte '. Tiergarten kam wohl 1070 mit der Ulmburg, zu der es wohl als 

Rotwildgehege gehörte (?), an Straßburg und gehörte bis 1 803, wo es badisch wurde, zw 
dessen weltlichem Besitz zur Herrschaft Oberkirch. Schon 1227 wird der zwischen Tier- 
garten und Gaisbach gelegene Richenbacher Hof erwähnt 13 19 vertauschte Bischof 
Johann das seinem Stifte gehörige Gut Tanzberg »in dem tiergarten« mit Allerheiligen 
gegen das Schloß Friedberg bei Oppenau. 
Kath. Pfarrkirche Die hcutigc kütk. Pfarrkirche ist ein Neubau des 19. Jhs. (ad S. Urbanum). Früher 

bestand hier nur eine Kapelle mit gleichem Titel. Aus dieser stammt wohl die Barock' 
Kanzel küfizel mit ausgebauchter Brüstung und lebhaft bewegtem Engel auf dem Schalldeckel. 

In der Nähe auf einem der Rebhügel stand die 

ULLENBURG (uimburg) 

Schreibweisen: Ulmena 1070; Ulmeburc 1228; Ulmenburg 1271; Ullemburg 
14. Jh. etc. 

Die Burg wurde 1070 zusammen mit Ulm und größeren Besitzungen der Umgegend 
von einem fränkischen Ritter Siegfried dem Bistum Straßburg geschenkt: vir militaris 

^) Alemannia VIII, 13, 



AMT OBERKIRCH. — ULM. 29 1 

Sigifridus magna Franconim ex stiq)e predium dictum Ulmena eiusdemque nominis castellum 
in pago Mortenowa in comitatu Chinzihdorf et Otenheim situm Argentincensi ecclesiae 
tradit. Als nach dem Tode Bertholds IV. von Zähringen seine Brüder sich mit seinem 
Sohne Berthold V. über eine Teilung des Hausbesitzes einigten, scheint Hugo außer den 
£igengütem das bischöflich straßburgische Lehen Ulmburg erhalten zu haben, das nach 
seinem Tode wohl eingezogen wurde. 1 2 1 9 nennt sich aber Rudolf von Eberstein auch 
Herr von Ullenbuig. 1228 wurde es an die Markgrafen von Baden verpfändet.^) Wann 
es ausgelöst worden, scheint nicht genau festzustehen. 1271 aber wird nach der Spaltung 
des Uracher Hauses Graf Berthold von Fürstenberg straßburgischer Burgmann zu Ulm- 
burg. Die bischöflichen Vögte der Herrschaft Oberkirch saßen zunächst in der Burg; 
so hören wir 1270 von einem Peregrinus advocatus, 1310 von Stinolt der fout fon 
Ulmburc, 131 6 von einem advocatus Johannis Argentinensis episcopsi in Ullenburg 13 16; 
später residierten sie in Oberkirch. Am Anfange des 14. Jhs. waren die Schauenburger 
mit der Burg belehnt, denen sie von Bischof Wilhelm von Diest auf Wiederlösung ver- 
kauft wurde. Schon Bischof Rotbert aber löste sie wieder ein, und die Burg kam nun 
im weiteren Verfolg als Lehen in verschiedene Hände, so 1478 an die Familie 
von Boozheim, bei den Streitigkeiten des 1 6. Jhs. an den Grafen Ernst von Mansfeld, 
1605 als Pfand an den Herzog Fr. von Württemberg, der die Familie Küfer damit 
belehnte, die auch nach dem Rückfall an Straßburg noch dort blieb. Dann kam das 
Lehen an die Schweinhuber, deren letzter 1770 als Chorherr von Allerheiligen starb. 
1785 ließ Kardinalbischof Rohan die Burg zerstören. Er verlegte die Pfründe der Schloß- 
kapelle — 1464 hören wir von einem capellanus in Ulenburg, die Patrone waren 
S. Urbanus und S. Sebastian — nach Ulm (1790). Eine Anzahl von Familien nannten 
sich im 14. und 15. Jh. nach der Burg, hatten also offenbar dort ihren Sitz, die Gir, die 
Müller, die Stern, die Rohart und ein Rickaldeus.^) 

Erhalten ist heute von der Burg nichts mehr. Man sucht sie auf einem Rebberg 
über Tiergarten, welcher der Schloßberg genannt wird und dessen Stützmauern, wie es 
scheint, aus Steinen der Burg errichtet sind. Mir will derselbe als etwas zu klein erscheinen 
für den zu vermutenden Umfang der doch eine ziemliche Rolle spielenden Burg, und 
ich möchte mindestens die Hauptburg auf einem geeigneteren Hügel, der etwas nach 
Süden liegt, suchen. 

ULM 

Schreibweisen: Ulmena 1070; in banno ville Ulme 1285; Ulma 1347; Ulmen 1399; 
Ulm 1558. (Deutung ungewiß.) 

Ortsgeschichte: Zugleich mit der Ulmburg kam 1070 Ulm an das Bistum Straß- Ortsgeschichte 
bürg (s. oben) \ es teilte die Schicksale der Ulmburg. Mit Ringelbach, Erlach, Haslach, 
Mosbach, Stadelhofen und Tiergarten bildete es eines der vier Gerichte der Herrschaft 
Oberkirch. Im 14. Jh. muß es hier noch Reichsbesitz gegeben haben, wir hören 1343 
von »die lute zu Ulme, die vom riche rürent und zu Offenburg bürger geworden«. Wie 
die ganze Herrschaft wurde Ulm 1803 badisch. 



^) Heyck, Gesch. der Herzöge von Zähringen, S. 418 und 520. 
^ Krieger II, 1239. 

19* 



292 



KREIS OFFENBURG. 



Pfarrkirche 



Kanzel 



Holzfiguren 



Olgemfilde 



Eine Familie von Ulm erscheint 1270 in Heinricus de Ulmen und 1398 in Nesa 
de Ulma filia quondam Heinrici de Ulma de OfTemburg domicella. 

Kath. Pfarrkirche (ad S, Mauritium) : Eine der ältesten Pfarreien der Gegend, 
deren Filialen u. a. Renchen, Mosbach, Haslach, Tiergarten, Stadelhofen und Erlach 
waren. Doch scheinen wir erst 1332 zum erstenmal von der Kirche zu hören. Damals 
wurde die Pfarrei von Bischof Berthold dem Stifte Säckingen inkorporiert (nos Berhtoldas 
Argentinensis ecclesie episcopus ecclesiam parrochialem Ulme cum capella in R^ 
nicheim etc.). 141 2 war hier ein Leutpriester Gilg! »Gilg lütpriester der Kirchen zu 
Ulm gelegen in Straßburger bystum, und Schaffner frowe Clor Annen von der hohen 
dingen, eptesin zu Seckingen«. 1483 heißt es: »als Ulme und Renichen die zwey 
Kirspel bißher eine lutpriesterey, die der eptissin zu Seckingen zu lihen gepiut, gewesen«. 
Später kam KoUatur und Zehent in den Besitz des Chorpräbendarienstifts in Straßburg. 
1666: Ulm, huius ecclesie patronus coeli s. Mauritius; collatores sunt domini deputati 
summi chori Argentinensis.* 

Die heutige Kirche stammt aus den Anfangsjahrzehnten des 19. Jhs. mit Ausnahme 
des viereckigen Turmes aus Bruchsteinmauerwerk mit Quadern an den Ecken und oben 
gekuppelten Schallfenstern des 1 8. Jhs., sein Alter ist mangels sicherer Anhaltspunkte 
nicht zu bestimmen. Über den Schallöchem ist in Relief ein Rocaillewappen unter 
einer Krone angebracht : in viermaliger Wiederholung eine nach rechts gerichtete Taube 
(oder Hahn?). 

Im Innern bemerken wir die Kanzel im Rocaillestil, an der die Brüstung tragenden 
Konsole in origineller Zusammenfassung die Evangelistensymbole, Putten auf dem 
Schalldeckel. 

Zwei Holzfiguren, eine Madonna mit Kind und ein h. Sebastian, stammen wohl 
vom Ende des 16. Jhs. Ein Kruzifixus und ein h. Wendelin aus dem 18 Jh. 

An den Langhauswänden eine Anzahl Ölgemälde verschiedener Schule und ver- 
schiedenen Wertes: 

Vermehrung der Fische und Brote, deutsch, mit der Aufschrift: Johannes Müller 
pingsit 1733. 

Beschneidung Christi, nicht untüchtiges Bild vom Anfange des 17. Jhs. unter 
dem Einfluß der Spätvenetianer, Tintorettos und Bassanos. 

Beweinung Christi, deutsch, vom Ende des 18. Jhs.; flaches Akademiebild. 

Marter des h. Sebastian, die Pfeile werden ihm herausgenommen, gute Modelliening 
und ziemlich virtuose Helldunkelbehandlung, wohl deutsch, aus der Mitte des 17. Jhs. 

Ecce homo mit Kriegsknechten, deutsch, zweite Hälfte des 18. Jhs. 

Marter des h. Andreas, wie das Sebastiansbild (wohl vom gleichen Künsüer, recht 
tüchtige Leistung aus der Mitte des 17. Jhs.). 

Anbetung der Hirten, gleich der Beschneidung unter venetianischem Einfluß, aus 
dem Anfange des 17. Jhs. 

Kreuzabnahme Christi, auch durch die spätere Schule Venedigs beeinflußt, vom 
Anfange des 17. Jhs. 

Einzug Christi in Jerusalem und Kreuzigung, etwas rohe Bilder wohl aus der ersten 
Hälfte des 1 8. Jhs., deutsch. 



AMT OBERKIRCH. — UIAI. 



293 



Von den Glocken habe ich nur der großen Hauptglocke nahe kommen können. oiocWen 
Die anderen scheinen, soweit von ferne zu urteilen, aus dem 1 8. Jh. Die große aber 
trägt in erhabener Schrift die Worte: 

+ ♦ RQX ♦ GLORia . X . VGHI ♦ QV + PÄCIä ♦ + S LVCIÄS ♦ 
JKÄTIiäVS + S . WARD (sie !) VS + 
(Umgekehrtes Q bei Marcus, 9 bei Rex und falsches € bei veni.) 

Auf dem Platz des ehemaligen Friedhofes um die Kirche Grabsteine des 18. Jhs., ürabstcinc 
emer mit Voluten und Rundgiebel von 1775, einer mit ovalem Feld unter Giebel von 1 794. 
Hier auch ein 1851 erneuertes Kruzifix auf Rocaillesockel. 

In der Sakristei eine Anzahl Kirchengewänder des 18. Jhs., unter anderem eine KirchengewänJer 
rote und eine weiße Casel, zwei Kelchtticher, zum Teil Hochstickerei in bunter Seide 
und Gold ; das eine Kelchtuch zeigt die Kreuzigung Christi mit Ranken in Hochstickerei. 

Von Kirchengeräten ist zu erwähnen: eine Monstranz, silbervergoldet, getrieben, Kircheogeriite 
Empire, teilweise erneuert. Eine Anzahl Kelche: einer, silbervergoldet, mit getriebenen 
Bandomamenten am Fuß, ähnlichen eingravierten an der Cuppa, verwischtem Zeichen 
(Vogel?), Anfang 18. Jhs.; ein zweiter, silbervergoldet, getriebene Arbeit des Rocaillestils, 

F • C 

Augsburger Beschauzeichen, darunter C und y, , am Fuß eingraviert : Metnento niei 

ad Altare Dei Rogat P, Jvo Metsch ; ein dritter, silbervergoldet, getrieben, in gutem 
Zopfstil aus der Zweiten Hälfte des 1 8. Jhs., Augsburger Zeichen, darunter M und J N S ; 
der vierte aus Kupfer, getrieben, vergoldet, ein schönes schlichtes Werk vom Ende des 
18. Jhs., innen am Fuß steht: Calix ecclesiae Erlacensis et Ulmensis rectoris. Ein 
Wettersegen, silbervergoldet, getrieben, spätes Rocaille; zwei RauchfUsser, das eine vom 
Anfange des 18. Jhs. in späten Barockformen, das andere Rocaille; ein Schiffchen der 
gleichen Zeit in gebauchter Form. 

Privathäuser: In einem Holzbalken, von altem Riegelhaus stammend, jetzt an PnvathÄuscr 
der Brauerei Walz, eingeschnitten: 

I A S 

M B 

16 

$5. 

Schmiedeeiserner Wirtshausschild am Gasthaus »Zur Linde c<. Schmiedeeiserner 

Wirtshausschild 




AMT OFFENBURG 



Band VU. 



ALTENHEIM 

Schreibweisen: villa Altheim 1289; das dorff zu Altheim 1482. (Kaum identisch 
mit dem schon 880 erwähnten Baidanheim, da die ZurückfÜhning darauf sprachliche 
Schwierigkeiten bietet.) 

Archivalien der Gemeinde und Pfarrei: Mitteil. d. histor. Komm. Nr. 5 {1885), 
S. 261 — 262. 

Ortsgeschichte :^) Der Ort gehörte zur Herrschaft Geroldseck und kam bei der OrugescWchte 
Teilung derselben an die Linie Lahr-Mahlberg. Bei der Heirat der Susanne von Geroldseck- 
Lahr mit Hug von Geroldseck am Wasichin wurde deren Mitgift als Pfandsumme u. a. 
auf Altenheim gestellt, Hug aber verpfändete die Hälfte des Ortes an die Müllenheim. 
Außer diesen hatte um das J. 1400 noch ein Walter Wachsiger hier ein geroldseckisches 
Lehen. Um 1359 hören wir auch von einem Edelknecht Kuno von Hundsfeld, der 
seinem Lehensherrn Heinrich von Lichtenberg das Lehen, das er u. a. auch in Alten- 
heim hatte, resigniert. Vom 12. bis 14. Jh. scheint das Kloster St. Georgen auf dem 
Schwarz wald Besitzungen hier gehabt zu haben; 1288 erwarb das Kloster Gengenbach 
den päpstlichen Schutz flir einen Hof hier. Im gleichen Jahre verkauften Walter von Klingen 
und seine Frau Sophie ihren Besitz zu Altenheim an den Ritter Sigmund Hogmesser zu 
Straßburg, von dem diese Güter an den Ritter Diebold Schenke von Oberehnheim und 
dann 1306 an den Domherrn Gerhard von S. Stephan zu Straßburg übergingen. 
1290 hören wir auch von einem Hugo von Altenheim, Bürger zu Offenburg. 

Der Ort machte die Schicksale der Herrschaft Lahr-Mahlberg mit, er kam also 1427 
an Mörs-Sarwerden, und als dies die Hälfte der Herrschaft an den Markgrafen von Baden 
verkaufte, zugleich unter dessen Herrschaft; bei der Teilung 1629 kam er zu Lahr, 
d. h. also an Nassau-Saarbrücken. Da dieses Haus aber die Herrschaft an Baden-Durlach 
verpfändete, so war auch Altenheim bis zum Rückfall der Pfandschaft baden-durlachisch, 
dann unter Nassau-Usingen, bis es i. J. 1803 badisch wurde. 

Eifang. Pfarrkirche, ehemaliger Titel (?). 1 300 hören wir von Wemherus rector Evang. pfarr 
ecclesie in Altheim, ftater Heinrici armigeri de Schopfheim. Kirchensatz und Zehnt, die 
dem Hochstift Straßburg gehörten, waren als bischöfliches Lehen im Besitze derer von 
Schopfheim, von dem als letzte die drei Brüder Erkenbold, Heinrich und Werner damals 
lebten ; eben dieser Werner war der Pfarrrektor. Nach dem Aussterben der Schopfheim 
kam das Lehen an das Stift zurück, das es in einzelnen Teilen an verschiedene Edle 
weitervergabte. — Wir hören darm 1336 von Heinrich Kalwe von Schauenburg Kirchher 
zu Altheim, 1419 von Götze Wilhelm lütpriester zu Altheim, 1428 von der ecclesia 
parrochialis in Altheim. Wie die ganze Herrschaft Lahr-Mahlberg, neigte sich bei der 
Kirchenspaltung Altenheim rasch der neuen I^hre zu, die 1567 endgültig eingeführt 

*) Ruppert, Gesch. der Mortenau I, S. 237 flf. 



TurDi 



298 KREIS OFFENBURG. 

wurde. 1602 wurde von der SchafTnei Lahr eine neue Kirche hier erbaut,^) der Turm 
der alten blieb aber stehen, wie auch bei dem zweiten Neubau von 1808 bis 1813. 

Dieser Turm von quadratischem Grundriß weist in seinem Erdgeschoß ein spät- 
gotisches Rippenkreuzgewölbe auf, er dürfte also dem 15. oder 16. Jh. entstammen. Hier 
sind auch unter der Tünche in den letzten Jahren Spuren von Wandgemälden, Ranken- 
werk etc. zutage getreten. Im übrigen ist der Turm gänzlich überarbeitet. Die Kirche 
in dem schlichten, klassizierenden Stil vom Anfange des 1 9. Jhs. 

An den Außenwänden der Kirche eine Anzahl Grabsteine, und zwar: 

des Philipp Ludwig Roeder von Diersburg, gest. 17. Homung 1744, einfache 
Platte mit Wappen; 

des weiland hochehrwürdigen und hochgelehrten Herrn Christian Samuel Lotz- 
beck, war geboren zu Weisenburg 1681, Pfarrherr zu Nimburg 1706 und zu Alten- 
heim 1713, Special vicarus zu Lahr 1750, und dessen Ehefrau etc., gest. 1751, er 
selbst gest. 1757, Platte mit reicher Rocailleumrahmung, Engelsköpfen und Wappen; 
des Johannes Henricus Büttnerus, Pastor in Altenheim pie obiit anno 
Christi MDCLXIX— XXI Aug. Anno Aetat. LXXXI ministerii LVIÜ etc., auf der 
Platte Kreuz mit Kartuschenwerk; 

des Philipp Reinhard Greiffenberg, Pfarrherm zu Altenheim, gest. 26. Juni 1777, 
Platte mit reichem Rocaillerahmen, geschwungenem Giebel, Voluten, Vasen und Wappen. 
Im Pfarrhaus werden einige ältere Kirchengeräte aufbewahrt : eine zinnerne Abend- 
mahlskanne mit der Inschrift : Die schwedischen Dragoner verehren auff den Altar in 
der Kirchen zu Altenheim am Rhein diese Kandten zu immerwährenden gedächtnos, 
Martin Bohn Fenderich, Hans Georg Kratz Corporal, Hans Ohrdorff und Peter Schuh- 
mann, anno 1649. Wohl eine Erinnerungsstiftung der hier stationierten Dragoner, die 
offenbar deutsche Landsleute waren, beim Friedensschluß, und ein Zeichen guten ßn- 
vemehmens mit den Bewohnern. Des weiteren wird hier aufbewahrt eine silberne, ver- 
goldete Hostienbüchse von 1699 mit Gravierungen, gestiftet von Joh. Dan. Bruch und 
Johanna Margar. gebohrne Saxin Eheleute von Rohrburg. 
Ratiiaus Im Rathaus vard. aufbewahrt: 12 cm hoher, silbervergoldeter Becher; der Rand 

der Cuppa mit getriebenen Blüten verziert, am Fuß in reicher Gravierung sechs Wappen: 
zwei Steinbockhörner, Löwe und Sterne, Steinbock, Schlüssel, aus Blumen hervorgehend, 
und Sterne, ein Bock, wieder die Steinbockhörner. Im Fuß eingelassen eine Silber 
münze des Herzogs Friedrich I. Georg von Sachsen und seiner Gemahlin Johanna. 
Goldschmiedezeichen: N, ein Turm und HB, etwa aus der Zeit um 1600. 
1 vum Im Ort ein viereckiger, niedriger Turnt, etwa 8 m hoch, auf dem Pyramidendach 

eine Laterne, Bruchsteinbau. An ihm eine Inschrift: DRS, darunter die Umrißlinien 
eines Karpfen eingeritzt und darunter 17 (|) 64. ( AI tenheimer Wappen.) Der Tunn 
soll angeblich von einer Wasserburg, der Rohrburg, stammen. Diese 

ROHRBURG 

stand aber an anderem Platze, nämlich zwischen der heutigen Mühle Rohrburg und dem 
Dorfe Müllen. Um das Schloß hatte sich ein Dorf bezw. ein Weiler angesiedelt. 

^) Stocker a. a. O. S. 151. 



AMT OFFENBURG. — APPENWEIER. 299 

Erwähnungen: curia Wilre apud Altheim 1300; Wilre propc Mülnheim 1343 etc.; 
Rorburg 1357; Roreburg 1432; in dem banne zu Rorburg 1373. 

Von der Buig hören wir 1344 : in villa Wiler der graben umbe den bühel, videlicet 
den Burgbühel; 1373 in castro Rorburg; burgstal 141 5; burgstadel 1481. (Burg im 
Röhricht) 

Literatur : R u p p e r t , Mortenau I, S. 408 — 4 i5;Derselbe, Die Erlin von Rorburg, 
Straßb. Studien n, S. 68 — 77; Kindler von Knobloch, Oberbad. Geschlechterbuch I, 
S. 308 ff. 

Ortsgeschichte: Schon 1275 hören wir von einem Heinncus miles de Wilre et Ort»gc5chtchte 
Erkenboldus fUius eius dictes Mulner. Sie gehörten wohl zu der Familie derer von 
Schopfheim, die, wie es scheint, Vasallen der Geroldsecker waren und am Ende des 
13. Jhs. Rohrburg besaßen. Im 14. Jh. war es Eigentum der Klobeloch, 1427 bis 1599 
im Besitze der Erlin von Rohrburg, einer Straßburger Familie, wechselte dann häufig 
die Besitzer und kam im 18. Jh. an die Freiherren von Türckheim. Es gehörte zum 
schwäbischen Ritterkreis (Bezirk Ortenau) und kam 1805 an Baden. Heute existiert 
nichts mehr von der Burg. 

Wir hören 131 7 von einigen Höfen in villa et banno Wilre, 1415 von der mule 
zu Rorburg. Noch heute steht eine Rohrburger Mühle. Der Ort hatte zu Kolbs 
Zeiten noch 23 Einwohner, die nach Altenheim eingepfarrt waren, ist aber jetzt gänzlich 
eingegangen. 

APPENWEIER 

Schreibweisen: Abbenwilare 1088; Appenwilre 1216; villa 1312; in dem dorfe 
zu Appenwibre 1399; Appenwir 148 1; Appenweyr 1530. (Weiler des Appo.) 

Archivalien: Mitteil, der histor. Komm. Nr. 17 (1895), S. 47. 

Ortsgeschichte: Von vorgeschichtlicher Besiedelung spricht der unten berichtete Ortsgcschichte 
Fund. Dann wird Abbunwilari 884 erstmals erwähnt. (?) 1088 schenkt Waltherus de 
Abbenwilare dem Kloster Hirsau ebendaselbst ein Gehöfte, das 1236 in den Besitz des 
Klosters Allerheiligen überging. Ein Samagal de Appinwilre 11 48 erwähnt. 1328 ver- 
kauften Andreas »dictus de Rodecke miles« und seine Frau Petronella dem königlichen 
Vogt Andreas in Achem ihren Hof in A. mit Patronat und Zehnt : cum jure juris patro- 
natus ecclesie parrochialis ipsius ville Appenwilre et capellarum ab eadem ecciesia 
dependendum. Nach dessen Tod aber schenkte seine Witwe Gisela de Hovevilre den 
ganzen Erwerb dem KLloster Allerheiligen. — Der Ort gehörte zur Landvogtei Ortenau 
und bildete mit Urloffen, Zusenhofen, Nußbach, Herztal, Meisenbühl und halb Nesselried 
eines der vier Landgerichte. »In dem geriht von Appenwilre« heißt es 1364. Im 
Jahre 1533 hatten »am grossen zehenden zu Appenwyr« die Markgrafschaft Baden ein 
Drittel und die Propstei Allerheiligen zwei Drittel. Mit den Gemeinern zu Staufenberg 
und den übrigen Angehörigen des Landgerichts bildete A. die Waldgenossenschaft im 
Staufenberger Hard; die Waldordnung stammte von 1447. Wie heute ein Knoten- 
punkt der Bahn, so war es schon im Mittelalter, ein Knotenpunkt der Kniebis- und der 
Rheintalstraße: die alte stroß gen Erlech 1347;^) uf der Hohenstraße zusehen Winsle 



*) MoDe, Urgeschichte I, S. 145. 



^IJ""*"^ 



-T<,--,»S» »'. 



300 



KREIS OFFENBURG. 



1^ 




Fig. 172. Kath, Pfarrkirche in Appenweier, 

und Appenwilre 1381. 1805 wurde es (niit der vorderösterreichischen Landvogtei 
Ortenau) badisch. 



AMT OFFENBURG. — APPENWEIER. 



301 



iches 



^ 5 




Vorgeschichtliches: Bei Vergrößerung des Bahnhofs 1864 wurde ca. 120 m vor«! 
nördlich vom alten Gebäude und 30 m westlich von der Bahn eine etwa i m hohe 
Erhebung des Geländes durchgraben, die sich als alter Grabhügel erwies. Es fanden 
sich dabei, mit etwas Asche und Kohle vermischt, ein Halsring, zwei Armspangen und 
zwei Fußringe von Bronze, massiv und dick gearbeitet ohne Verzierung, und ein nicht 
mehr deutbares flaches Stück Eisen, also die Reste einer Bestattung oder vielleicht eines 
Leichenbrands; Genaueres war, da die Arbeiter ohne Aufsicht gegraben hatten, nicht 
mehr festzustellen. (Fundstücke in der Karlsruher Sammlung.) (W,) 

Kath. Pfarrkirche (ad S. Michaelem). 1287 wird ein Wemherus rector ecclesie Kath.Pfarrkirchc 
de Appenwilre, filius quondam H. militis de Stoffenberg dicti Schidelin erwähnt, 1291 
ein Waltherus sacerdos de A. Wie oben erwähnt, kam durch Schenkung 1359 das 
Patronat an Allerheiligen, 1361 inkorporierte Bischof Johann von Straßburg demselben 
"-parrochialem ecclesiam in A.«; ') demgemäß hören wir z. B. 1439 ^^" Rülmann Tedinger 
ein conventherre des closters Allerheiligen zu der zit ein lutpriester der kirchen zu A. 
1692 war die Kirche so zerstört, daß sie kaum noch dem Gottesdienst dienen konnte, 
und auch die Innenausstattung 
hatte schwer durch den Krieg 
gelitten. ^ 

Die heutige Kirche ist 
ein Bau aus der Mitte des 
1 8. Jhs. (s. Fig. 1 7 2). Über dem 
Portal steht: »Anno 1750 hat 
die gemeindt Appenweyher 
diese Kirch zu größerer Ehr 
Gottes unter direction Hern 

Simon bruder des vogtens auf- __. _ — ^' — ^.r 

erbauen lassen«. Eine ein- ^-^-^-,^.- - - " * ^. .. - 

schiffige Kirche mit Chor, der ^^^ ^^^ ^^^^ .,^ Appenwder. 

in drei Seiten des Achtecks 

endigt. Einfache Lisenengliederung der Außenwände. Die Fassade ist mit stattlichem 
Barockgiebel gekrönt, neben dem Chor der Turm mit abgerundeten Ecken und originellem 
Zwiebeldach, an diesem die Jahreszahlen 1748, 1835, 1881, 1900. Im Innern hübsche 
Stuckomamente im Rocaillestil an den rundbogigen Fenstern wie an dem Spiegelgewölbe 
der Decke, wo sie die dortigen Gemälde einschließen. Diese stellen dar im Langhaus 
die Himmelfahrt Maria, im Chor die Speisung der Zehntausend, in den Stichkappen 
die Evangelisten und die Symbole Maria aus der Lauretanischen Litanei : den hortus 
conclusus, den fons signatus, pulchra ut luna, electa ut sol, quasi flos rosarum, sicut 
lilium inter spinös, außerdem Moses und David. Flotte Werke der rau.schenden Deko- 
rationskunst des 18. Jhs. Im Chor an den Wänden in schöner Stuckumrahmung je ein 
Wandgemälde, darstellend die Heiligen Norbert und Augustin. Auch die Sakraments- 
nische hat eine entsprechende Umrahmung. 

Am Triumphbogen in Rocaillekartusche großes badisches Wappen, Wappen 







^) Bestätigt durch die päpstl. Bulle 1407, FDA. XXI, S, 314 ff. 
2) FDA. NF. m, S. 318. 



302 



KREIS OFFENBURG 



Kirchengeräte 



Innenausstattung Itintnausstattting i Kanzcl aus der Mitte des Jahrhunderts mit sehr origineller 

Rocailletreppenwange ; Empore, später eingezogen, im Zopfstil. 

Der Hauptaltar in dem barocken Aufbau von Säulen (Stuckmarmor) mit ver- 
kröpftem Gebälk umschließt ein Gemälde, darstellend den h. Michael, der den Drachen 
tötet; auf den ähnlich ausgestalteten beiden Seitenaltären ebenfalls Gemälde, rechts 
Knizifixus, links eine Madonna rosanim. 

Auf jeder Seite des Langhauses je ein ca, i m hohes, gut gearbeitetes Rocaill^ 
Hokskuipturcn sandsteinpostament. Auf dem einen die holzgeschnitzte Gruppe der h. Anna selbdritt 
aus dem Anfange des 1 6. Jhs., gute Arbeit (neu gefaßt), auf dem anderen eine Immaculata 
in der geschwungenen Haltung des 1 8. Jhs. 

Neben der nördlichen Eingangstür schlichter Grabstein mit Kelch des »Thadaeus 
Jaeger der hochw. Abtey Allerheiligen regulierter Chorherr und Pfarrer allhier gestorben 

den VIII. Juni 1772 seines 
Alters 39 Jahr, seines Pfarramts 
im 4 Mohnat « . Dazu ein Vers : 
Hier liegt ein Hirt der Geist 

und Leben 
Voll Eyfer für sein Herd ge- 
geben etc 
In der Sakristei einige 
Kirchengeräte: ein Kelch, 
silbervergoldet, Anfang 1 8. Jh., 
mit getriebenen Mönchsinsig- 
nien* ein Speisekelch, silber- 
vergoldet, im gleichen Stil mit 
aufgelegten silbernen Blumen 
an der Cuppa, Zeichen : Zirbel- 
nuß und S R; eine große 
Monstranz in der Sonnen- 
form mit gutem Rocailleoma- 
ment, silbervergoldet, getrieben, 
Zeichen: Augsburg und P ?; eine kleinere ähnliche mit Augsburger Zeichen und EF, 
KirchcDgcwänder kleine Nische in der Wand mit Rocaillemadonna. - Einige Äi'r^A^Ä^^'tf/^TW^A- des 18. Jhs.: 

A/i T 

eine weiße Casel mit Goldbrokat und gepreßter Samtverzierung und den Buchstaben y.^A 

ein einst vorhandener Rauchmantel von gleichem Stoff ist früher einmal zerschnitten 
worden. 

Drei Glocken^ alle wohl aus einer Zeit; nur einer konnte ich nahe kommen, sie 
ist von Matthaeus Edel 1751 gegossen. 

Vor der Südseite der Kirche auf Rocaillepostament mit zwei Armen ein Krusifixus 
mit Maria, Magdalena und Johannes, Sandstein, laut Aufschrift 1773 von Sebastian und 
Maria Anna Wiedemer gestiftet. 

Ein diesem nachgebildetes Kruzifix, diu*chaus noch in Rocailleformen, steht auf 
dem Friedhof, laut Inschrift erst 1830 gesetzt. 




Fig. JJ4. Haus in Appenweier. 



Glocken 



Krurifixus 



AMT OFFENBURG. — BERGHAUPTEN. 303 

Auf dem Friedhof noch einige stark zerstörte Grabsteine des i8. Jhs., ii. a. der Grabtteioe 
eines Bemard Göring von 1723, und noch ein zerstörtes Rocaillekruzifix. 

Das Rathaus ist ein Bau des 18. Jhs. mit Mansardendach und der Jahreszahl 1765 Rathaus 
am Eingang. 

Im Ort erfreulicherweise noch eine Anzahl schöner Riegelkätisery von denen ich Ricgdhauser 
zwei (s. die Fig. 173 und 174) hervorhebe. 

In der Hauptstraße an einem Haus mit Rocailleomamenten gezierte Sandsteinbank. Sandsteinbank 
Einige steinerne Kettenbrunnen, so bei Haus Nr. 228 einer von 1794. Kettenbrunnen 

Auf dem Weg nach Nußbach wieder ein Kruzifix von 1769 mit den Heiligen Kruzifix 
Wendelin und Anton auf geschmackvollen Rocaillesockeln ; an der Straße nach Nessel- 
ried auf einem Sockel in schon sehr klassizierendem Louis XVI.-Stil eine Statue der 
Immaculata conceptio, von I^rentz Shilli 1789 errichtet. 



BERGHAUPTEN 

Schreibweisen: Berghaubten 1277; Bergehopten 1370; Berghoubten 1423; Berg- 
hobten 1435; im Berghopterthal 1504. (Erklänmg s unten Schloß.) 

Archivalien der Gemeinde und Pfarrei : Mitteil. d. histor. Komm. Nr. 5 (1885), S. 262. 

Literatur: Ruppert, Mortenau I, S. 242^ Untersuchung der Beschaffenheit des 
Fleckens Berghaupten und des Berges Bellenberg, in Ansehung der Familie von der 
Schleiß etc, Straßburg 1755; Gründliche Abhandlung deren Erzh. Ostr. und Hochgräf. 
Leyischen Gerechtsamen auf Berghaupten, Wetzlar, o. J. 

Ortsgeschichie : Zum erstenmal 1277 erwähnt, kam Berghaupten damals bei Ortsgeschichtc 
der geroldseckischen Familienteilung an Heinrich von Geroldseck- Veldenz, also an die 
sogen. Hohengeroldsecker Linie. Da der Name') nach der I^ge des Orts sicher 
ursprünglich derjenige der ehemals auf der benachbarten Höhe gelegenen Burg gewesen 
und von dieser erst später auf das in der Niederung liegende Tal übertragen worden, 
diese Übertragung aber damals schon stattgefunden hatte, so dürfen wir wohl ein beträcht- 
liches Alter der Burg und des geroldseckischen Besitzes annehmen. Bei der Teilung 
zwischen den Brüdern Heinrich und Georg 1570 kam Berghaupten auf Georgs Teil. Da 
bisher nirgends von Straßburg die Rede war, nimmt Ruppert wohl mit Recht an, es sei 
Allod und nicht, wie man gemeint, bischöfliches Lehen gewesen. Im Anfange des 15. Jhs. 
erteilten die Geroldsecker verschiedene Lehen zu Berghaupten. 1436 aber verkaufte 
Diebold es an den Edelknecht Bernhard Böcklin zu Straßburg gegen Wiederlösung, 
1530 Tffc'urde es aber — wohl infolge Geldmangels der Geroldsecker — von dem Bischof 
eingelöst und den alten Besitzern zu Lehen gegeben. Nach Erlöschen der Geroldsecker, 
nach langem Prozeß mit den Cronberg etc. darüber, ob es Allod oder Lehen gewesen, 
kam es als bischöfliches Lehen an Franz von Merci und seine Söhne, dann an die Frei- 
herren von der Schleiß. 

Von der Burg sind keine Reste mehr zu sehen, auch ihr Standort ist imbestimmt. 
.\ußer ihr muß noch eine Tief bürg vorhanden gewesen sein, ein »Wasserhaus« oder 
»Schlößchen«, das von den Wartenbergs genannt von Wildenstein an den Domherrn 



^) Krieger I, S. 152. 



304 KREIS OFFENBURG. 

Heinrich von Werdenberg in Straßburg, von diesem 1488 an die Schauenburg und über 
andere Besitzer 1697 an die von der Schleiß gelangte. Auch von dieser Anlage ist 
nichts mehr zu sehen. 

Kath.Pfarrkirche Kutk, Pfarrkirche (ad S. Georgiura Mart.). Berghaupten war im Mittelalter eine 

Filiale von Zunsweier, daher gehörten Zehnt und Kollatur dem Kloster Schuttem. 
1443 hören wir von einer Kapelle, 151 2 heißt sie die kapel sant Jergen zu Berghoubten. 
Bald nachher müssen aber zwei Kapellen dagewesen sein, denn wir hören 1455 von 
unser lieben Frowen Kirche zu den vier Stegen zu Berghoupten, 1555 und 1564 »gen 
Berckhaupten in beide Kirchen sanct Jergen, auch unser lieben frawen«. Welche von 
ihnen 1556 vom Blitze getroffen damiederbrannte, ^) können wir nicht entscheiden. Seit 
1536 war ein eigener Kaplan am Ort, über dessen Bestallung ein besonderes Abkommen 
i. J. 1539 getroffen wurde. 2) In der Mitte des 18. Jhs. erhielt Berghaupten eine eigene 
Pfarrei, und damals wurde auch die jetzige Kirche erbaut (1752). 

innenausstottung Es ist ein schUchter einschiffiger Bau mit geradlinig geschlossenem Chor. Auch 

die Innenausstattung ist aus der gleichen Zeit. Der Haupt- und die zwei Seitenaltäre 
mit dem üblichen Säulenaufbau ; Kanzel mit wenigen Rocailleomamenten ; entsprechende 
Beichtstühle ; Holzstatuen der Madonna, der Heiligen Johannes, Nepomuk u. a., 1 8. Jh. \ 
Taufstein mit Rankenomament und: 

A . B . V. 1686 I . A . N . 
späterer Holzdeckel. 

Kirchengeräte Klrchengeräte '. Monstranz, silbergetrieben, teilweise vergoldet, mit Rocailleoma- 

menten und Wappen am Fuß ; Kelch, silbervergoldet, getrieben, mit Rocailleomamenten, 
Augsburger Zeichen und L K; kleinerer silberner Kelch mit Allianzwappen am Fuß; 
Wettersegen der gleichen Zeit. 
Kruzifix Vor der Kirche Kruzifix auf üblichem Barockpostament von 1753. 

Ehem. Schloß Ehemaliges Schloßt einfacher Barockbau des 18. Jhs. mit Mansardendach, am 

Giebel das Schleißsche Wappen. 
Bildstock Am Eingang in den Ort von Gengenbach her Bildstock von 1798; an der Straße 

von Berghaupten nach Zunsweier ein weiterer. 



BIBERACH 

Schreibweisen: Biberaha 1220; Biberach 1233; Biberahe 1240; Pibrach 1479 ^^' 
(Zusammengesetzt aus biber und aha [Wasser].) 

Archivalien: Mitteil, der histor. Komm. Nr. 16 (1894), S. 106 (Über Fischwasser), 
und Nr. 19 (1897), S. 51— 53- 
Ortsgeschichie Ortsgeschichtc Erste urkundliche Erwähnung 787. (?)^) 1250 verzichtet Graf 

Heinrich von Fürstenberg zugunsten des Bischofs von Straßburg auf seine Ansprüche an 
Offenburg und Gengenbach und deren Zugehörden, ausgenommen Steinach, Haslach und 
Biberahe; Fürstenberg nimmt es von Straßburg zu Lehen, es müssen also früher hier 
Ansprüche des Zähringerhauses bestanden haben. Später gehörte Biberach zum Gebiet 

^) Ruppert I, S. 247. 

^) H e n n i g , Gesch. d. Landkapitels Lahr, S. 209. 

^) Großh. Baden, S. 784. Wohl ein anderes Biberabh. 



AMT OFFENBURG. — BOHLSBACH. 305 

der Reichsstadt Zell, bis es 1803 badisch wurde. Seine Bedeutung war klein, sie ist 
erst seit der Anlage der Bahn und der Station gewachsen. 

1261 hören wir von Besitzungen des Klosters Gengenbach, von einer curia. 1484 
erhält »Ludwig Roder zu Tiersperg« das lehen, »das ist die vischentz und vischwasser 
zu Bibrach«, das schon seine Vorfahren hatten, vom Kloster. 

Kath.Pfarrkirche (ad S. Blasium Mart). Ursprünglich Filiale von Zell, erhob Kath. Pfarrkirche 
Bischof Leopold von Straßburg 1 6 1 8 mit Zustimmung des Abtes von Gengenbach, dem 
die Kollatur zustand, Biberach zur Pfarrkirche. Doch fand die Pastoration fast das 
ganze 17. Jh. von Zell aus statt, da der Pfarrer aus der geringen, vom Abt und Konvent 
in Gengenbach geleisteten Dotienmg seinen Unterhalt nicht bestreiten konnte.') Die 
heutige Kirche ist ein schlichter, einschiffiger Bau mit gerader Decke, in drei Seiten des 
Achtecks abschließendem Chor mit Kreuzgratgewöll)e aus dem Ende des 18. Jhs. Von 
alter Innenausstattung eine Kanzel in Rocaille, ein einfacher Beichtstuhl des gleichen Innenausstattung 
Stiles, eine Holzstatue des h. Blasius und eine der Maria mit dem Jesuskind aus dem 
18. Jh. 

An der Außenwand der Kirche ^oz2J^tgrabstein mit der originellen Inschrift: Grabstein 

HIER LIEGT EIN GUTER HIRT IN MItI SEINER SCHAFEN 

DER SICH IN STAUB VERSCHLUPFT DA ER IN GOTT ENTSCHLAFEN 

DER ALLE STUNT BEREIT SEIN LEIB SEIN BLUT UND LEBEN 

FIR SEINER SCHAEFLEIN WOHL GROSMÖTHIG HERZUGEBEN 

DER GLEICHSAM NACH DEM DOD NOCH FIR DIE LEMER KRIGET 

UND JETZ IN DISER KRUFT SICH BEI DER HERD VERGNIGET 

DER FIR DIE BRUDERSCHAFT DER VIERZEHN HELFERN WACHTE 

UND ENDLICH SELBSTEN SICH ZU EIM NOTHHELFER MACHTE 

FRANZ JOSEPH SIBERT IST SEIN ANGEBOHRNER NÄHME 

DEN ER MIT SICH GEBRACHT DA ER ZU WELDE KÄME 

DIS IST DER MINSCHEN LOB HIERZU WOLST IHM NOCH GEBEN 

O SCHEPFER ALER DING DAS IMER WAEHREND LEBEN. 

Der Tunn stammt in seinem Unterbau, mit Quadern an den Ecken, aus dem Turm 
Mittelalter. 

Vor der Kirche Sandsteinkruzifix von 1781. Sandsteinkruxifix 

BOHLSBACH 

Schreibweisen: Badeisbach in Mortenowa 96 1 ; villa Badelsbah 973 ; Baisbach 1273; 
Bolspach 1347, im Boltspacher banne 1469^ Bolßbach 1475 etc. (Nach dem Personen- 
namen Bodal.) 

Archivalien: Mitteil. d. histor. Komm. Nr. 17 (1895), S. 48, und Ruppert, Mor- 
tenau I, S. 471. 

Ortsgeschichte: Schon sehr früh (961) erwähnt, gehörte der Ort zur Landvogtei Ortsgcschichtc 
Ortenau. Im 14. und 15. Jh. hatten die Geroldsecker hier Besitzungen, wir hören ver- 
schiedentlich von Lehen, die sie erteilten. 1805 ging Bohlsbach von Osterreich an 
Baden über. 

») FDA. NF. III, S. 308. 



3o6 



KREIS OFFENBURG. 



Kath. Pfarrkirche Küth, Pfarrkirche (ad S. Laurentium). Bohlsbach war nach Offenburg eingcpfarrt: 

die gemeinde von Bolesbach die in daz kirchspei zu Offenburg hörent 1351. 1788 erhielt 




fig' nS' Ehemaliger Altarflügel in der Kirche in Bohlsbach. 

es eine eigene Pfarrei. Die heutige Kirche ist ein Bau des 19. Jhs. Älter, aber 
Gemälde ändert, der Turm. Bemerkenswert in ihr einige Gemälde. Vor allem vier 

im Chor, Flügel von einem einstigen größeren Altar, darstellend je zwei Heü^ 



Tafel XI 




Ehemaliges Flu geige mäldt eines Altars in der Kirche zu Bohlsbach. 



AMT OFFENBITRG. — BOHLSBACH. 



307 



-/j Lebensgröße, und zwar (mit Auf- 
schrift auf den Nimben) die Heiligen 
Eucharius und Nikolaus (Tafel XI), 
Christophonis und Johannes der 
Täufer, Maria Magdalena und Mar- 
gareta (s. Fig. 175), Barbara und 
Katharina. Die Gestalten stehen vor 
ausgespannten Teppichen, darüber 
Goldgrund und eingepreßtes Ranken- 
werk. Kräftige, wirkungsvolle Ge- 
stalten, etwa aus dem zweiten Jahr- 
zehnt des 16. Jhs., die wieder einen 
Beweis ablegen für die Tüchtigkeit 
der oberrheinischen Malerei. Ge- 
naueres läßt sich bei dem noch 
gänzlich unerforschten Gebiet über 
sie nicht aussagen. (Holz: t,5 m 
zu I m.) Die Bilder wurden 1867 
gekauft aus Privatbesitz in Achem. 

Auf dem rechten Seitenaltar 
steht jetzt die 80 cm hohe Holzstatue 
des h. Laurentius (s. Fig. 176), ein 
vorzügliches Werk vom Anfang des 
16. Jhs. ; Fassung neu. 

An der Nordwand der Kirche 
eine Kopie nach dem h. Laurentius- 
Bild in der Münchener Pinakothek, 
dem Original ziemlich gleichzeitig; 
gegenüber ebenfalls ein Ölgemälde 
der gleichen Zeit: die Madonna mit 
dem Kind, dem h. Alfons, erscheinend. 
Wohl auch Kopie nach einem 
(spanischen?) Original, das mir un- 
bekannt. 

In der Kirche noch kleines 
Holzkruzifix des 18. Jhs. 

Eine Glocke ist von Matthäus 
Edel 1725 gegossen. 

Kirchengeräte: im Pfarrhaus 
aufbewahrt ein spätgotischer Kelch, 
silbervergoldet, mit sechsblätterigem 
Fiiß, auf dem einen Blatt eingraviertes 

Kreuz, der Nodus getrieben, in Fischblasen ausgestaltet mit eingraviertem Ornament. 
Im Fuß die Jahreszahl 15 19, am inneren Rand des Kelches steht: GEHORT BOLS- 
PACHER KIRCH. Der Kelch ist 19^2 cm hoch (ohne Goldschmiedezeichen). Außer- 




Hokstatue 



Glocke 



Kirchengeräte 



Fig. 176. 



Holzstatue dis h, Laurentius in der Kirche 
in Bohlsbach, 



3o8 KREIS OFFENBURG. 

dem noch eine spätgotische Monstranz, silbervergoldet, mit Fialen, Fischblasenomament 
am Nodus aus Bleibach (Amt Waldkirch) stammend, ein einfacher Wettersegen und 
ein gesticktes Meßgewand zu erwähnen. 

Privathall« Haus des Josef Link : einfacher Riegelbau mit hübschem Ziehbrunnen nebst Trog 

von 1788. 

Marienstotue Vor dem Ort : die in Rokokoweise stark bewegte Gestalt der Immaculata conceptio 

auf dem üblichen Barocksockel mit Voluten und Rocaillekartusche mit der Inschrift, laut 
der »Lorentz Wirthle und dessen Ehe-Frau Elisabeth Dredterin in Bohlspach 1765« 
das Bild gestiftet haben. Die Figur könnte von dem gleichen Meister sein, der die Arbeiten 
im ehemals Bussi^reschen Garten in Offenburg geliefert hat. 
Büdatock An einem Feldweg zwischen Bohlsbach und Offenburg noch ein Bildstock von 1717. 



BÜHL 



Schreibweisen: Buhele 1242; Bühel 15. Jh.; das dorfflin Puhl 1504; Bühl Grieß- 
heimer gerichts in der landvogtey Ortenau gelegen 1662. 

ürtsgeschichte Ortsgeschühte i Schon im 1 4. Jh. Pfarrdorf, gehörte es zur Landvogtei Ortenaa, 

1805 ging es von Osterreich an Baden über. Im 14. Jh. hatten die Geroldsecker hier 
Besitzungen, Edelknecht Reinbolt Suse sowie Rudolf von Mutzer und Hans Adolf Sachs 
tragen Lehen von ihnen. — 1242 hören wir noch von einer tilia sita iuxta curiam 
Muselini in villa B. Kolb spricht noch von einem ehemals adeligen Geschledit 
von Bank, dessen Nachkommen im Bauernstande leben ; doch ist diese Notiz für midi 
unkontrollierbar. 

Kath.Pfarrkirchc Kutk, Ffarrkivcke (ad S. Petrum et Paulum). Das Patronat hatten im 14. Jh. der 

Komthur (praeceptor) und die Brüder des Spitals Sancti Johannis Jherosolemitani zu dem 

Grunenwerde in Straßburg, 1390 inkorporierte ihnen Bischof Bonifaz auch die Pianei.') 

— Die heutige Kirche ist ein Bau vom Anfange (?) des 19. Jhs. — Auf dem ehemaligen 

Kruzifix Friedhof ein Kruzifix (Corpus Christi abgeschlagen) mit Maria auf Rocaillepostament 

Grabstein von I • 7 • 6 • 5 • Und ein schlichter Grabstein von 1765. 

Im Privatbesitz des Dekans Doos befanden sich bei meinem Besuch einige Alter- 
tümer: ein schön gearbeitetes Elfenbeinkruzifix des 18. Jhs. ; zwei eingelegte Schränke 
der gleichen Zeit; eine Kommode mit Aufsatz, in dem eine Uhr angebracht ist, deren 
silbernes Zifferblatt getrieben die Evangelisten und die Taufe Christi zeigt, aus der Mitte 
des 18. Jhs.; ein eingelegter Sekretär im Stil Louis XVI.; entsprechender Tisch; Stühle; 
zwei Leuchter etc. 

Fachwerkhäuser Im Ort einige Fachwerkhäuser i u. a. eins von 1708, die ehemalige »Krone«. 

Kruzifix Am Weg von Bühl nach Griesheim ein Kruzifix mit Maria, Johannes und Magda- 

lena auf dreigeteiltem Rocaillepostament, möglicherweise von dem in Offenburg tätigen 
Bildhauer Speckle, mit folgenden Inschriften in Kapitale: 

^) Ende des 17. Jhs. befand sich die Kirche in sehr verwahrlostem Zustand; selbst Kelche, 
Missalien und Ciborium fehlten. Der riesenhafte, offenbar alte Taufstein (ingens molcs fonds 
baptesimalis) sollte damals durch einen bequemeren ersetzt werden. FDA. NF. III, S. 323. 



Und; 



AMT OFFENBURG. — DIERSBURG (BURG). 30Q 

AUFGERICHT VON ZWEI EHELEUTEN ANNO MDCCLXXI 

ZU GOTTES UND MARIA EHR 

STELLEN SIE ES HIERHER 

ES IST IHR GRÖST VERLANGEN 

VON GOTT IM HIMMEL GNAD ZU EMPFANGEN. 

MARIA THEILT MIT IHREM SOHN 

DAS BITRE LEIDEN SPOT UND HOHN 

CHRIST LIEBST DU IHREN SOHN VON HERZEN 

NIMM WIE SIE ANTHEIL AN DEN SCHMERZEN. 



Endlich: 



JOHANNES HAT SICH NICHT GESCHEUT 
BEI SEINES MEISTERS KREUZ ZU STEHEN 
WEH DENNEN DIE VOM KREUZE WEIT 
DEN ROSENWEEG DER SÜNDE GEHEN. 

Darauf folgen an dem Weg auf hohen Sockeln, die in Voluten und Engelsköpfen endigen, 
sechs Stationen, die derben Reliefs in Rocaillekartuschen, und zwar (von Griesheim aus- 
gegangen) : Christus am Olberg, Christus an der Säule, Verspottung und Geißelung, 
Christus vor Pilatus, Annagelung an das Kreuz. 



DIERSBURG 

(nebst BURG) 

Schreibweisen: Tiersperc 1257; Diersberg 1259; Tiersberc 1266; Tiersberg 1291 ; 
sloß Diersberg ze Mortenaw 1 390 ; Tyersbergk 1 396 ; Diersperg 1453; Tiersperger tal 1466; 
vogt und gemeinde des thals Thiersperg 1530. 

Archivalien: Mitteil. d. histor. Komm. Nr. 16 (1894), S. 63—71, 80—84; Nr. 17 
(1895), S. 47. — F. Röder von Diersburg: Mitteil, aus dem Freiherm von Röder- 
schen Archive über die Pfarreien Diersburg etc, FDA. XIV (1881), S. 225 — 236; 
Notizen zur Gesch. der Herrschaft Tiersperg (1392 bis 1463), Freib. Zeitschr. V, 
S- 327 — 343; Beiträge zur Gesch.: Hildebrands Vierteljahrsschrift für Heraldik XI 
(1883), S. 145—180. 

Literatur: Näher, Die Ortenau, S. 18. F. Röder v. D., Der Stein zu D., Freib. 
Zeitschr. IV, S. 273 — 286. Ruppert, Mortenau I, S. 23 — 32 und S. 456 — 460. 
H. Schreiber, Hohenrod, Rodeck, Thiersberg, Sagen und Geschichte. Schönhut, 
Burgen n, S. 109 — 130. 

Ortsgeschichte: Das Dorf ist wohl aus Ansiedelungen unter dem Schutze der Ortsgeschichte 
Burg entstanden. Diese ist ein Bau des gleichnamigen Dyna.stengeschl echtes, das nach 
allem ein Zweig der Geroldsecker gewesen ist.^) Zum erstenmal hören wir von einem 
Walthenis de Tirsperg 1197, der als erster Zeuge einer Schenkung des Markgrafen von 
Baden an das Kloster Selz auftritt und 1207 noch lebt. Möglich, daß er ein Sohn 
Burkards und Bruder Wolfgangs, des vermutlichen Stifters der Geroldseck-Lahrer Linie, 

^) Ruppert a. a. O. — Kindler von Knobloch, Oherhad. Geschlechterbuch I, 
S. 224—226. 



310 KREIS OFFENBURG. 

gewesen ist. Dieser Walter I hatte zwei Söhne, die 1224 in einer Angelegenheit des 
Klosters Schwarzach als Zeugen auftraten, Heinrich (I) und Walter, welch letzterer kinderlos 
starb. Heinrich erhielt 1235 die Kastvogtei des Klosters Schuttem; er fiel zusammen 
mit seinem gleichnamigen Sohne (Heinrich II) 1262 in der Schlacht bei Hausbergen, 
die wie flir den Hauptstamm so wohl auch für die Tiersberger das Ende ihrer gegen 
Ende des 12. und im Anfange des 13. Jhs. großen Machtstellung bedeutete. Vater und 
Sohn wurden zunächst in Dorlisheim l^ei Molsheim begraben, nach einiger Zeit aber 
wurden ihre Leichen in der Familiengruft der Tiersberger, im Kloster Schuttem, bei- 
gesetzt. Mit der Zerstörung des alten romanischen Kirchenbaues durch die Franzosen 
sind auch die Spuren dieses Begräbnisses verschwunden. Da die zwei anderen Söhne 
Heinrichs I, Berthold und Hermann, Geistliche waren, der Sohn Heinrichs II und der 
Heilika von Lichtenberg, Ludwig, aber, der 1278 einen Hof in Friesenheira an das 
Kloster Schuttem vergabte, kinderlos starb und mit ihm das Geschlecht zu Ende ging, 
so kamen die AUodialgüter an die Tochter Heinrichs II, Heilika, die mit einem Wilhelm 
von Schwarzenberg verheiratet war. Die Herrschaft, deren Mittelpunkt die Diersburg 
gewesen, zerfiel ; einiges kam wohl wieder an den Hauptstamm der Geroldsecker zurück, 
doch wissen wir darüber ebensowenig Bestimmtes wie über die Ausdehnung der 
Herrschaft. 

Unter den Allodialgütern, die an die Schwarzenberg kamen, waren Schloß und 
Dorf Tiersberg, Burgheim mit dem Kirchensatz imd Güter zu Oberweier und Friesenheim, 
Regelhofen, Reichenbach, Gereut sowie der Zehnt zu Schutterwald und Hofweier.^) 
Aber das ehemals stolze Dynastengeschlecht war schon arg heruntergekommen und 
mußte immer mehr von seinen Gütern verkaufen. Durch Erbschaft besaß um 1390 
Boemund von Ettendorf und Herr zu Hohenfels drei Viertel der Burg. In diesem Jahre 
verschrieb er dem Pfalzgrafen Rupprecht »sein sloß Diersberg ze Mortenaw« zu offenem 
Hause. Doch kann dies Verhältnis nicht lange gedauert haben, denn schon 1393 ver- 
pfändete Boemund einen Teil seiner Feste an den Markgrafen Bernhard von Baden und 
1396 einen weiteren Teil an denselben. Immerhin müssen die Schwarzenberg noch einen 
Teil besessen haben, denn im gleichen Jahre verkaufte Ulrich von Schwarzenberg seinen 
Anteil ebenfalls an den Markgrafen, während Susa von Staufenberg geb. Schwarzenberg 
und ihr Gemahl Hans ihren Anteil den Brüdern Burkhard und Wilhelm Hummel von 
Staufenberg, ihren Mitbesitzern an der gleichnamigen Burg, verkauften. Der Markgraf 
von Baden übergab 1396 Georg von Bach amtsweise seinen Anteil und derselbe schließt 
im Namen des Markgrafen und mit Boemund einen Burgfrieden ab. 1397 aber verkaufte 
er seine Ansprüche an die Burg, mit Ausnahme des Burgfriedensbriefes, um dieselbe 
Summe, um die er sie von Boemund gekauft hatte (?), um 500 fl., an den Markgrafen. 
(141 3 endlich übergab auch die Witwe Boemunds, Schanat von Ettendorf, diesem alle 
Briefe, die ihr verstorbener Gemahl besaß.) Die Hummel von Staufenberg aber waren 
noch im Mitbesitz, 1423 teilen die Vettern Hans und Burkhard Hummel ihren Antal.^ 
Aus diesem Vertrag ergibt sich, wie eng ihre beiden Familien auf dem gemeinsamen Anteil 
zusammenwohnten. Der Markgraf belehnte 1428, aber nur auf Lebenszeit, die Edel- 
knechte Heinrich Leimer, Hans von Mülnheim und Seifried Pfau von Ritpur mit je einem 

») Ruppert a. a. O. .S. 28. 

*^) Vergl. zu obi«>er Darstellung Regesten der Markgrafen 1606, 1675, 1676, 1677, 1691, 1759 
und 2786. 



AMT OFFENBURG. — DIERSBURG (BURG). 3 1 1 

Viertel. Burkhard Hummel d. J. verkauft 1438, nachdem er sein Schloß zu Hofweiler 
gebaut hatte, seinen Anteil um 1200 fl. an den Markgrafen Jakob, der bald nachher 
auch den letzten Rest von Hans Hummel und seinen Kindern Adam und Else erwarb. ') 
Damit war die genannte Burg im Besitz des Markgrafen, und nachdem die 1428 belehnten 
Edelknechte offenbar gestorben waren, verpfändet Markgraf Karl 1455 dem Andres Röder, 
seinem Amtmann zu Lahr, das Schloß um 1600 fl. Dieser verpflichtet sich aber, daran 
200 fl. zu verbauen. 1463 endlich belehnt Markgraf Karl Andres und Egenolff Röder 
mit dem ganzen Schloß nebst allem Zubehör (das Dorf etc.) und den Kirchensätzen zu 
Hofweier und Oberweier, 1476 wird das Lehen von Markgraf Christoph erneuert; die 
Röder blieben von nun an im Besitz und nannten sich danach, 1488 hören wir von Hans 
und Ludwig Rödere von Tiersperg. Ihr Geschlecht besteht noch heute und ihm gehört 
die Grundherrschafl, während das Dorf, bis 1806 zur Ortenauer Ritterschaft gehörig, 
badisch wurde. 

Mit ihnen ist nicht identisch ein geroldseckisches Dienstmannengeschlecht, das 
sich ebenfalls nach der Burg de Tiersberg nannte. 1227 erscheint der erste als Heinrich 
von Tiersperg. Mit dem Aussterben der Dynasten verloren wohl auch sie ihren Sitz 
auf der Burg, hatten verschiedene andere geroldseckische und auch badische Lehen 
inne. Auch sollen sie im unteren Teile des Diersburger Tales, im sogen. Regelhöfle, 
noch ein kleines Wasserschloß besessen haben. 2) Sie starben in verschiedenen Branchen 
im 15. und 16. Jh. aus, der letzte soll angeblich, gänzlich verarmt, im Wirtshause zu 
Oberschopfheim, wo er gewöhnlich wohnte, gestorben sein. In ihren besseren Zeiten 
waren sie mit den Röder, den Schauenburg, den Brandeck, den Besserer von Ravens- 
burg verschwägert. 

Kath. Pfarrkirche (ad S. Carolum Borromaeum). Ursprünglich war Diersburg Kath.Pfarrkirche 
nach Oberschopfheim eingepfarrt. Den Burgbewohnem und den Dorfleuten aber wurde 
in der Biu'gkapelle die Messe gelesen, wozu 147 1 Bischof Rupprecht von Straßburg die 
Erlaubnis erteilte. Seit dem 1 8. Jh. scheint eine eigene Pfarrei zu bestehen ; die heutige 
Kirche aber stammt aus dem 19. Jh. und bewahrt auch keine älteren Gegenstände auf. 

BURG 

Aus der oben dargelegten Geschichte des Geschlechtes und der Herrschaft läßt 
sich für die Baugeschichte der Burg nur erkennen, daß die wahrscheinliche Erbauungs- 
zeit für dieselbe das 12. Jh. oder die erste Hälfte des 13. Jhs. ist, als die geroldseck- 
tierspergische Macht auf ihrem Höhepunkt stand. Von urkundlichem Material kommt 
für den Bau in Betracht der Teilungsbrief zwischen Hans und Burkard Hummel von 
1423, aus dem wir manches über die damalige Anlage erfahren, dann die Nachricht 
von einer Schloßkapelle aus dem J. 147 1, wonach dieselbe damals erst erbaut worden 
zu sein scheint, und endlich eine von dem Straßburger Notar und Bürger Michael Beringer 
am 22. April 161 1 ausgestellte Urkunde betreffend die Inventur der Verlassenschaft des 
Nikolaus Röder von Tiersberg, welcher Stadtmeister zu Straßburg war und als Senior 



*) VergL Regesten der Markgrafen 5714 und 6157. 
^) Ruppert a. a. O. S. 460. 
Band VU. 



312 



KREIS OFFENBURG. 



des Geschlechtes auf dem Diersburger Schlosse zu hausen pflegte, wo er am 9. Februar i6ii| 
auch verstarb.*) 

Werfen wir zunächst einen Blick auf den Grundriß (s. Fig. 177): 
Die Wasserscheide zwischen dem Kinzig- und Schuttertal, in ihren hö 
Erhebungen der Schönberg, auf welchem die Hohengeroldseck liegt, der Rauhk; 
und der Steinfirst genannt, umschließt in ihren Ausläufern nach Westen zu ein kl( 
von einem munteren Bach durchströmtes Tal, das sich bei Niederschopfheim in 
Rheinebene öffnet. In dem oberen Teile dieses Tales auf einem mäßigen Hügel, d( 
von dem hinteren Berge durch einen künstlich zum Halsgraben vertieften Einschnill 
geschieden ist, liegt die Ruine. Das Plateau des Hügels ist etwas über 50 m lang 
ca. 20 m breit. Diese Form bestimmte die längliche Anlage. Die Hauptburg selbst; 
48 m lang und durchschnittlich 15 m breit, ist, wie die Hohengeroldseck, von einec 



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^^S- '77' P^an der Ruine Dierslmrg. 



ziemlich gleichmäßig etwa 2,7 m starken Mauer umzogen, die zugleich als Außenmauer 
für die Gebäude benutzt ist. Im westlichen Teil des inneren Berings erhob sich der 
in den Urkunden »das alte Haus« genannte Palas A, im östlichen der sogen. Neubau 
des Palas C, Auch in diesen auf die Baugeschichte deutenden Namen ist die Ähnlich- 
keit mit der Hohengeroldseck evident, wie auch in dem Grundriß der Palase, einem 
unregelmäßigen Viereck, und dem dazwischenliegenden Hof B. Wir werden genisse 
Analogien damit auch in der ebenfalls den Geroldseckem gehörigen Burg bei Schenken- 
zell wiederfinden. Die beiden Palase hatten einen an der Westseite von A noch in 
c^. 4 m Höhe erhaltenen, auch an der Nordseite von C in gleicher Höhe sichtbaren 
Sockel von Sandsteinbossenquadem (s. Fig. 178),^) die, vorzüglich behauen, mit sauberem 
Randschlag, wieder an die Hohengeroldseck erinnern. Ihre Behandlung ist aber an 
beiden Palasen eine verschiedene. Bei C sind die Steine bedeutend kleiner, die Bossen 



^) F. Röder v. D., Freib. Zeitschr. IV, S. ii. 
'^) Die Sandsteine wohl aus den Lahrer Brüchen. 



AMT OFFENBURG. — DIERSBURG (BURG). 



313 




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schwächer und der Saumschlag nicht von der sauberen Arbeit wie bei A. In der Mauer 
des Hofes B fehlen sie ganz ; dieselben sind, wie auch die Hochmauem der Palase aus 
ziemlich regelmäßigen Bruchsteinen (teilweise Granit I) aufgeführt. Einen Bergfried und 
eine eigentliche Schildmauer besaß die Burg ebensowenig wie die Hohengeroldseck. Im 
Hofe B findet sich der Brunnen, dessen runder Schacht bei seiner Öffnung sechseckig 
ummauert ist. Ein schmaler Zwinger F umgibt die innere Burg an der Nord-, West- 
imd Südseite; an der Ostseite sind die Mauern des Palases und des Zwingers zerstört, 
die Steine wurden nach der Angabe F. Röders von Diersburg bei dem Kirchenbaue 
in Hofweier 1761 bis 1764 verwendet. An seiner Nordostecke hat dieser Zwinger eine 
viereckige Erweiterung, welche auf einen Turm zu deuten und wieder an eine ähnliche 
Anlage auf der Schwesterburg zu erinnern scheint. Die größtenteils zerstörte äußere 
Zwingermauer fuhrt um die 

Südseite herum bis zu den -^ | ^( ^■■■1 ^^ ,-^^^ 1 

Resten, wie es schemt, eines 
halbrunden Turmes (Mauern 
nur 30 cm stark und schlecht). 
Nach Analogie der Hohen- 
geroldseck möchte man ge- 
neigt sein, sich hier — durch 
den Turm — den Eingang in 
die Burg zu denken, der 
dann allerdings direkt in den 
Palas C geführt hätte, Näher 
hat auch hier eine Türe ver- 
zeichnet. Heute sind die An- 
haltspunkte dafür, wenn sie 
je vorhanden waren, ver- 
schwunden. Der doppelte Ein- 
gang ließe sich, wie wir 
unten sehen werden, erklären. 

Da kein Raum war, diesen Zwinger zu einer unteren Burg auszugestalten und hier 
die Nebengebäude unterzubringen, so wurden diese auf dem östlichen niederen Hügel 
angelegt und natiü-lich auch durch Mauern geschützt, die sich möglicherweise bis zum 
heutigen von Röderschen Hof erstreckten. E^ entstand somit eine Vorburg, durch welche 
der Burgweg hindurchging. Er führte dann auf einer Brücke — deren Pfeilerreste 
früher noch sichtbar gewesen sein sollen — über den Halsgraben in den Torturm bezw, 
Bau E. In den Mauerresten (Mauerdicke ca. 60 cm) desselben ist nach Süden zu eine 
Schießscharte, nach Norden eine Türöffnung erhalten. Eine Rundbogentür — ihre 
Bossenquaderumrahmung teüweise glatt gehauen — öffnet sich auf den von Mauern 
umschlossenen weiteren Weg, der endlich in einem Tor — Spuren im Terrain noch 
sichtbar — in den Zwinger führte. 

Etwa in der Mitte der nördlichen Zwingermauer führte eine Mauer in das Tal 
hinunter, wo heute an der Straße noch Reste zu erkennen sind. Über der Straße drüben 
sollen die Reste eines Mauervierecks ehemals zu sehen gewesen sein, sodaß also die 
Straße gesperrt war. 



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Fig, lyS. Sockel von Bossenquadern an der Ruine Diersburg. 



314 



KREIS OFFENBURG. 



Ob die westlich vor der Burg, etwas niederer gelegene, ovale Abplattung des Hügels 
künstlich ist und — wie man früher glaubte — eine Vorbefestigung trug, vermag ich 
nicht zu entscheiden. 

Kehren wir zu den Bauten der Hauptburg zurück. Man betrat sie von Norden 
her durch ein i,6o m breites und 2,30 m hohes Tor, dessen Gewände und Rundbogen 
von kräftigen, im Bogen keilförmigen Bossenquadem gebildet werden (s. Fig. 179). Die 
Schwelle des Tors liegt auch heute noch 1,90 ra über dem Boden, der doch seit dem 
Mittelalter eher eine Erhöhung erfahren hat. Zu beiden Seiten in der Scheitelhöhe je 
eine Konsole. Ich glaube hier nicht an einen Gang, es scheint mir eher, als ob diese 
zum Auflager für ein Schutzdach gedient haben. Möglich, daß das Tor früher viel höher 
über dem Boden lag, daß vor ihm eine eben mit diesem Dach geschützte Altane oder 

besser Podest angebracht war, den man 
vom Zwinger aus auf einer Holztreppe oder 
Brettern erreichte. (Wie am Bernhardsbau 
in Baden.) Dieser ganze hölzerne Vorbau 
mag dann in Kriegszeiten abgebrochen 
worden sein und man hatte sich dann des 
vermuteten südlichen Tores bedient. — Im 
Burghof stehen wir vor der nur noch in 
wenige Meter hohen Resten erhaltenen 
Ostmauer des Palas A, Wir erkennen eine 
Tür, von der aus Stufen in das niederer 
gelegene Erdgeschoß des Palas, wohl den 
Keller, hinabführen. Daneben eine gerad- 
sturzige Fensteröffnung. Von den Mauem 
des Palas stehen die südliche und westliche 
noch in mehrerer Stockwerke-Höhe. Man 
erkennt die Absätze der Stockwerke: und 
zwar außer dem Kellergeschoß von dreien. Das zunächst unterste hat in der Westwand 
eine Schießscharte, der nicht näher beizukommen ist, das zweite Stockwerk ein gerad- 
sturziges Fenster, dessen Gewände aus glattbehauenen, nicht weiter profilierten Sandstein- 
quadem bestehen. Das dritte Geschoß endlich zeigt in der Mitte der Westmauer ein 
gekuppeltes Rundbogenfenster, nach der Südwestecke zu ein kleines, einfaches gerad- 
sturziges Fenster, in der Südwand die Nischenanfänge, die Sohlbank eines zweiten 
gekuppelten Rundbogenfensters und endlich ein noch aufrechtstehendes, durch Auf- 
mauerung und Eisenstangen gehaltenes drittes (s. Fig. 180). Diese Fenster, von 
sauberster Steinmetzenarbeit, haben abgeschrägtes Gewände mit den Löchern für den 
Verschluß der Fensterläden. Der Rundbogen ist nur als Blendbogen in der Steinplatte 
ausgehauen. Es sei auch noch auf die kreisrunde Öffnung über den gekuppelten Fenstern 




Fig. 779. Haupttor der Ruine Diersburg. 



aufmerksam gemacht. Hier auch zweimal das Steinmetzzeichen: 



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So sehr häufig 



nun diese Fensterform auch ist, so wird man es doch wohl kaum als einen Zufiül 
bezeichnen, daß sie sich geijau so an einem weiteren geroldseckischen Bau, an der Tief- 
burg in Lahr, wiederfindet. Dieses Geschoß hat also den großen Prunksaal enthalten. — 
An der West- und Südwand des Baues ist hier oben innen die Mauer um etwa i m 



AMT OFFENBURG. — DIERSBURG (BURG). 



315 



geschwächt; somit entsteht hier ein Gang, der sich nicht, wie Näher behauptet, auf der 
Mauer des Hofes fortsetzt Über den sogen. Neubau läßt sich, da nur noch geringe 
Mauerreste erhalten sind, nur aus dem obengenannten Inventar etwas entnehmen, das 
auch über die Einteilung des alten Baues Anhaltspunkte gibt Danach führte in dem Alt- 
bau eine Wendeltreppe A in die oberen Räume, welche in die dicke Mauer der west- 
lichen Ecke eingebaut war. »Westlich« kann hier nur vom Hof aus genommen sein, 
wir werden uns danach einen Treppenturm in der Art der Hohengeroldseck vorzustellen 
haben, dessen Steine in das Mauergefüge eingriffen. Der Palas enthielt einen Balken- 
keller (d. h. also nicht gewölbten) und die Gefangnisse, dann im unteren Stocke mehrere 
Räumlichkeiten, im zweiten Stocke eine große Stube mit einem »Kontörlein« und 
eine Stubenkämmer, im 
dritten Stocke eine große 
Stube und eine Knechts- 
kammer. Es ist dies 
das Stockwerk, dessen 
gekuppelte Rundbogen- 
fenster noch zum Teil 
erhalten sind. Es um- 
schloß, wie das dritte 
Stockwerk auf der 
Hohengeroldseck eben- 
falls, offenbar den Prunk- 
saal, für den, wenn 
wir 8 — 10 qm für die 
Knechtskammer u. a. ab- 
rechnen, ca,8oqm übrig- 
blieben. Im obersten 
oder vierten Stocke be- 
fanden sich wie auf der 
Schwesterburg wieder mehrere Stuben, nämlich die Jungfemkammer und noch sechs 
fernere Kammern für Gäste, Mägde und zu anderem Gebrauche. Im sogen. Neubau, 
also dem Palas C, »befanden sich im unteren Stocke wieder eine große Stube mit einem 
Kontörlein und einer Kammer, wie im zweiten Stocke eine kleine Stube und zwei Stuben- 
kammem«; weiter ist hier nichts angegeben, doch dürfen wir wohl mehr Stockwerke 
annehmen. In der Nordwand sind die Spuren einer ca. 1,40 m breiten Fensternische 
erhalten. In beiden Hauptgebäuden war je eine Küche ; auch ist in älteren Urkunden 
die Rede von einem »Speißgaden«, einer »Pisterie« und einer »Badstubenkemenat«. 

Im Tortimn E befand sich unten ein Stübchen für den Turmwart, im oberen 
Stocke die Schloßkapelle, die, wie es scheint, erst 147 1 gestiftet wurde. Unter der 
Südseite der Burg lag der Fischweiher. 

Wenn nun auch im Laufe der Jahrhunderte manche innere Umbauten stattgefunden 
haben mögen, so ist die Einrichtung der beiden Palase in ihrer Entstehungszeit doch 
kaum eine viel andere gewesen, wie die noch aus derselben erhaltenen Mauern des 
Palas A beweisen. Nach der Gestaltung der Rundbogenfenster — die Quadertechnik 
beweist nichts — und ihrem Profil müßten wir den Bau in die Zeit des spätromanischen 




Ft^. 180. Fenster von der Ruine Diersburg. 



3i6 KREIS OFFENBURG. 

oder Ubergangsstiles setzen, sagen wir in die Jahre 1220 bis 1260. Der Neubau C'iA 
doch wohl noch unter den Tiersbergem entstanden zu denken. Da nun der tenninus 
ante quem die Burg wenigstens zum größten Teile entstanden sein muß, die Schlacht 
bei Hausbergen ist, in der 1262 die Macht der Geroldsecker gebrochen wurde 
— nachher wird höchstens Begonnenes vollendet worden sein — , und da nach 1279 
der letzte Tiersberger nicht mehr genannt wird, so haben wir uns die Baugeschidite 
etwa so zu denken: Etwa zur gleichen Zeit wie die Tiefburg in Lahr, also zwischen 
1230 und 1250, wurde der Umbau einer älteren Anlage (des 12. oder 11. Jhs.), von der 
keine Spiu: mehr erhalten, begonnen, die Mauer des gesamten inneren Berings und der 
Palas A hochgeflihrt. In rascher Folge schritt das mächtige, aufblühende Geschlecht 
auch zum Bau des Palas C und der unerläßlichen Zwingeranlage F, Diese Bauten 
wurden vielleicht durch die Schlacht unterbrochen und erst später fortgeführt. Ob der 
Torturm E mit dem Gange aus der gleichen Zeit stammt, können wir heute nicht mehr 
feststellen. Etwas Ahnliches aber muß dagewesen sein. Erst nach dieser Burg hat wohl 
derselbe Baumeister nach demselben Plan, mit Anpassung an den größeren Platz, den 
Neubau der Hohengeroldseck errichtet, der fortgeschrittenere Formen zeigt — Mit 
Ausnahme des späteren Torturmes haben die späteren Jahrhunderte dem Bilde nichts 
zugefügt. Nicht zu vergleichen mit den größeren Residenzen der Hauptlinie, ist die 
Burg für die Nebenlinie doch ein geräumiger und stattlicher Sitz gewesen, der erst 
später, als mehrere Ganerben hier saßen, für das von ihm umschlossene Leben etwas 
eng geworden sein mag. 

DURBACH 

(Talgemeinde, bestehend aus den Stäben Heimburg, Bottenau und Gebirg, Durbach Tal 
mit Amtshof, Gral, Lindenplatz und Steingasse etc.) 

Schreibweisen: Turbach 1289; in dem Durbach 1399; im Thurbach 15 15; zu 
Turbach wiler 1328; zu Wiler in dem Turbach 1360; Wyler in dem Turbach 1482 etc.; 
der Grol 1381; das hüsz genant der Gräl, daz da lit im Turbach 1423; der Gralc in 
Turbach 1434; zu der Lynden 1475; "^ ^^^ mtilen zue Durrenbach wiler 1328; uf 
der mül zu Turbach wiler 1378 etc.; der hof zu StaufFenberg der hinder Büchdberg 
im Turbach gelegen 1580. (Zu ahd. durri = dürr, bezeichnet einen Bach mit zeitweilig 
geringem Wasserstand.) 

Ortsgeschichte Ortsgeschichte i Im Mittelalter offenbar nur aus zerstreuten Höfen bestehend, als 

Ort von keiner großen Bedeutung, gehörte Durbach zu der Landvogtei Ortenau; Be- 
sitzungen hatten hier die Grafen von Freiburg und von Eberstein, wohl aus der 
zähringischen Erbschaft, sowie die Herren von Geroldseck. Die Güter und Rebberge 
zu Türrenbach sind seit dem 13. Jh. Lehen der Staufenberg von diesen drei Geschlechtern. 
Sicher ist, daß um 1400 Durbach von den Ebersteinem an Baden kam; jedenßüls war 
es später als Teil der Herrschaft Staufenberg baden-badisch. Die Herrschaft trug zuletzt 
Freiherr von Orscelar zu Lehen, worauf sie an den Lehensherm ztulickfiel. Das Schlöfkhen 
Gral oder Grol war seit 1400 badisches Lehen der Zorn von Bulach. — Im 18. Jh. 
grub man in Durbach Eisenerz. 

Vorgeschicht- VoTgeschichtHches i Auf dem Stollenberg befinden sich zwei Ring wälle (in 

deren Mitte das ehemalige Schloß Stollenberg gestanden haben soll); sie sind in einem 



AMT OrrENBURG. — DURBACH. 317 

Umkreis von ca. 450 m aufgeführt und bestehen aus mit Erde gedecktem, unbehauenem 
rohen Mörtebnauerwerk. Zeit ihrer Entstehung unbekannt, vielleicht frühes Mittel- 
alter? {"W.J 

Kaih. Pfarrkirche (ad S. Henricum Imper.). In früheren Zeiten ist nichts von K»th.Pfarrkirch« 
einer Kirche bekannt Dagegen ist die Schloßkapelle 1655 zur Pfarrkirche erhoben 
worden auf Betreiben des Barons von Orscelar; sie ist später nach Durbach verlegt 
worden. Die heutige Kirche ist ein Bau des ausgehenden 18. Jhs., einschiffig, mit 
gerader Decke, der Chor in drei Seiten des Achtecks geschlossen, in ganz schlichter 
Ausführung. Am Äußeren sind die Ecken durch Pilaster betont, eine große Freitreppe 
führt empor zu dem Eingang von außen auf die Empore, hier die Jahreszahl 1790. 

Innenausstattung: Hochaltar neu; Seitenaltäre im üblichen Barockaufbau; Kanzel innenauntattung 
in einfachem Louis XVI.- Stil. 

Neben der Kanzel eingemauert Grabstein des Freiherm Wilhelm Hermann Grab«tdn 
von Orscelar (gest 1 8. Juni 1 666). Oben das Wappen (s. Einleitung), der Tod und ein 
Engel halten darunter ein Tuch mit der Aufschrift: 

Stupes Viator mortuale Schema: 

Hoc saxo in anno si Stemmatis serie 

Postremum me condit LibiHna • 

Esse inter uiuos coepi A^ WC- XXVIII: 

Desij AJio WCLXVr IIXX Jumj 

Nascenti Parentes Nomen dedere •» 

GVILIELMO PERMNNO: 

Natales Uberü • Barone ab Orscelar 

de Stauffenberg insignierunt 

Dignitas Ser*^* Prindpis ac Domini 

Dnl GVILIELMO Marchionis Bades 
Camerarium fecit 

Ut Collo nascere caelebs uixi; 

Mortalitatis uiuo crebras experto uices 

Illustfi morte finitus Domum 

Durbaclsi fundaui PAROCHIA 

Htäc ossa aniniä Coelo credidi 

Cui pro Inferijs si miseris bene 

precare et abi fors breui secu: 
turus. 
An den Wänden des Chors hängen zwei Ölgemälde: eine Kreuzigung (18. Jh.) Ölgemälde 
und eine h. Familie, Elisabeth mit dem Kind auf dem Schoß, der kleine Johannes kommt 
hinzu, dahinter Maria; interessantes Werk unter venetianischem Einfluß vom Ende des 
16. Jhs. 

Kirchengeräte: Kelch, silbervergoldet, getrieben, mit Rocailleomament, Augsburger Kirchengerätc 
Zeichen und IGS(?); ein zweiter ähnlicher mit dem gleichen Zeichen und S; eine ein- 
fache, im 19. Jh. erneuerte Sonnenmonstranz; Weihrauchschiffchen des 18. Jhs.; einige 
gewirkte und gestickte Kirchengewänder des 18. Jhs. 

Vor der Kirche nach früheren Angaben ein Kruzifix von 1780, heute nur ein 
solches von 1852. 



3i8 



KREIS OFFENBURG. 



Privathäuser Bemerkenswerte Privatkäuser: Haus des Münchner Kunstmalers Huber, Ri^el- 

bau ; die Herrenmtihle, gegenüber der Linde, ehemals Allerheiligen gehörig (s. oben). 
Über dem Kellertor steht : 

17 F.I. (Kelch) V A 89 
darüber an der Fassade eingemauert das Wappen von Staufenberg 1588 (dreifadies 
Wappen); die Jahreszahl 177 1 an einem Haus gegen Staufenberg zu. 
Krurifix Ein Kruzifix von 1759 bei Eyersbach, ein reicheres von 1789 mit dreigeteiltem 

Postament, mit Maria, Johannes und Magdalena. Überlange, verwitterte Gestalten. 



BURG STAUFENBERG 

Schreibweisen: StoufFenberg ca. 1070 bis 1092; Stoufenberc 11 20 bis 11 50; 
Stoufenberg ca. 1150; Stoffenberg 14. Jh.; Sthuflfenberg 1308; Stophenbeig 1318; 
Stauffenberg 1421; Stouffemberg 1441 etc.; die bürg zu Stoflfemberg 1330; zu Stauffen- 
berg in der vesty 1435. 

Literatur: K. Asbrand, Badenia NF. 1(1859), S. 340 — 425. (Eckert),Temringer 
Peter oder die Sage vom Schloß Staufenberg 1863. Fi ekler. Schloß Staufenberg, in 
Schönhut, Burgen etc. I, S. 96 — 107. Th. Müller, Beiträge zur Geschichte der 
Ortenau: I. Graf Burkhard von Staufenberg und die Grafen der Ortenau, Z. NF. 8 (1893), 
S. 419 — 435. K. Schorbach, Jüngere Drucke des Ritters von Staufenberg, Ztschr. ftir 
deutsches Altertum, Band 40 (1895), S. 123 — 126. Edward Schröder, Zwei altdeutsche 
Rittermären: Moriz von Crabn und Peter von Staufenberg, Berlin 1894, vgl. Z. NF. 9, 
S. 336. Revue critique 39, S. 452. Göttinger gelehrte Anzeigen Nr. 5 (Mai 1895), 
S. 405—416). Litter. Centralblatt Nr. 16. 
Geschichtliches GeschichtHckes i Die Fabeln, die man, wie früher üblich, über den rqjnischen 

Ursprung der Burg erfunden hat, brauche ich hier nicht zu widerlegen, noch weniger 
die Kombinationen über die Beziehungen derselben zu dem Ringwall auf dem Stollen- 
berge. Man mag das Alles in dem sehr anmutenden Aufsatze Asbrands nachlesen. 

Jedenfalls schon früh knüpfte sich an die Burg die schöne Sage von jener Fee, die in treocr 
Liebe mit einem Ritter Peter von Stauffenberg verbunden war: »Petermann der Diemiinger, ein 
degen uzerkorn, von Stoufenberg was er geborn, daz liet in Mortenouwe«. Er hatte ihr geschworen, 
kein ander Weib zu nehmen, und er bleibt ihr treu, bis der König ihn überredet, seine Nichte, die 
Herzogin von Kärnten, zu heiraten. Beim Hochzeitsmahle erscheint, wie die Fee als Zeichen an- 
gekündigt, ihr weißer Fuß durch die Decke des Saales: 

Ein Frauenfuß sich sehen ließ 

Im Saale bloß bis an das Knie, 

Und schöner ward auf Erden nie 

Noch lieblicher ein Fuß gesehen 
und drei Tage später war der Ritter tot. Der Dichter des Liedes war selbst ein Staufenberger, 
Egenolf, der 1273 schon vorkommt und 1324 stirbt und offenbar als Vorbild Konrad von Würrburg 
hatte. Die Dichtung ist früh gedruckt worden, in, wie es scheint, mehreren Inkunabeln, 158S hat 
sogar Johannes Fischart sie auf Wunsch des Junkers Melchior Wiedergrün von StaufTcnbciTg um- 
gearbeitet, aus dem 19. Jh. existieren drei Ausgaben. Den Helden der Dichtung genauer zu 
bestimmen, ist bis jetzt nicht gelungen. Auch über den Zusammenhang der Familien Diemeringen 
(Elsaß) und St. konnte nichts festgestellt werden. Ein Peter von St. erscheint 1274; es scheiai 
mir aber gänzlich ausgeschlossen, daß die Sage an einen Zeitgenossen des Dichters anknüpfte, wohl 
eher an einen weit älteren Vorfahr des gleichen Namens. — Später — schon im 15. oder 16. Jh. — 
scheint dann eine Verwechslung mit der Melusinensage eingetreten zu sein, und schließlich wurde 
Staufenberg und die angebliche Burg auf dem Stollenberg als die Heimat der Melusine bcidchnei. 



AMT OFFENBURG. - DURBACH. (BURG STAUFENBERG.) 319 

Historisch erscheint zum erstenmal ein Burckardus comes de Stouffenberg 1070 
bis 1092, der nach der Notitia fundationis Monasterii S. Georgii 1092 starb, dort »comes 
de Castro Stoupha« genannt. Nur er hieß Graf, sein Bruder Bertholdus wird als »ingenuus 
homoc bezeichnet. Neben ihm erscheinen noch seine Brüder Anselm und Adalbert 
sowie der Sohn des Anselm Hermann und »(juidam militaris homo, libertate nobilis, 
Heinricus nomine de Stouphenbergc, der 1132 Mönch von S. Georgen wird und dem 
Kloster stattliche Güter mitbringt. Des letzteren Zusammenhang mit den früher Genannten 
ist eben den Gütern nach höchst wahrscheinlich,') ihr Sitz muß dieses Staufenberg 
gewesen sein. Es bildet so recht den Mittelpunkt der Besitzungen, die in der Ortenau, 
im Ufgau, im Breisgau und in der Baar lagen. Die Versuche, die Familie in eines der 
bekannten Grafengeschlechter einzureihen, sind bis jetzt mißlungen. Es scheint auch, 
daß die Mitglieder zwar zu den Edelfreien gehörten, daß aber nur jener eine Burekart 
diu-ch zeitweilige Bekleidung eines Grafenamtes zu höherem Range emporgestiegen ist. 
Der Gau, in dem er die Grafschaft innehatte, kann kaum ein anderer gewesen sein als 
die Ortenau. Hier könnte er der Nachfolger der Cirafen Wernhart und Lintfried gewesen 
sein, mit denen seine Familie möglicherweise verschwägert war. Als Graf der Ortenau 
stand er nun vielleicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Zähringern, auch Sonstiges 
weist darauf, daß dies edelfreie Geschlecht ihnen nahestand. Möglich, daß sie über- 
haupt die Burg nur als zähringisches Lehen besaßen und daß diese nach dem Eintritt 
des letzten der Familie, Heinrichs, in das Kloster eines ihrer Ministerialengeschlechter 
auf die an sie zurückgefallene Burg setzten. 

Eine Verwandtschaft dieses jüngeren Geschleclites von Staufenberg mit dem älteren 
scheint nicht unmöglich, aber auch nicht sicher nachzuweisen. Sollte sie bestanden 
haben, so wäre also das Geschlecht um die Mitte des 12. Jhs. aus dem Herrenstand in 
die Ministerialität übergetreten. (?) Zum erstenmal erscheint 11 48 »de domo ducis (de 
Zaringen) Adalbertus et frater eius Conradus de Stoufinberc« und in ebensolcher Ver- 
bindung im gleichen Jahre Burekart. Das Geschlecht setzt sich dann fort bis in das 

14. Jh. Ihm gehört auch der obengenannte Dichter an. Mit Wylhelm von Stauffenberg 
zwischen 1374 und 1376 scheint es auszusterben. 

Die Burg mit Zubehör kam von den Zähringem über die Grafen von Freiburg an 
die Eberstein, 1 366 an die Markgrafen von Baden, von denen sie die auf Staufenberg 
sitzenden Geschlechter zu I^hen hatten. Seit dem 13. Jh. treten immer neue 
Geschlechter in der Burg auf; so kurze Zeit die Röder: Albrecht Roder von St. 1311. 
1270 treten die Kolb von St. auf mit Ülricus miles dictus Colbo, die Anfang des 

15. Jhs. mit Ludewig Kolbe von Stoffenberg edel kneht (141 7 und 141 9) aussterben. 
Es folgen 1274 die Tarant mit her Brun dez Terandes sun, die aber schon mit seinem 
Sohn Heinrich (1322) endigen; die StoU: Bruno, filius quondam domini Conradi nobilis 
dicti Stollen 1291, deren letzter Wolf Stoll von St. 1545 ist; die Schottkind oder 
Schott: Heinricus de Stoffenberg dictus Schotkindt nobilis 1301 und wohl sein Sohn 
Johannes, zuletzt 1372; die Wiedergrün mit Heinrich zu St. von Widergrin 1303, 
die am längsten auf der Burg hausten und erst mit Melchiors Sohn Philipp 1604 aus- 
starben; die Hummel mit Johannes dictus Humbel de Stofenberg 1330, armiger 1346, 
die 1504 mit Diether verschwinden; endlich 1370 die Bock mit Wersich Bock von 

^) Müller a, a. O. S. 423. Doch sind alle diese Darlegungen fraglich. 



320 



KR£IS OFFENBURG. 



St. ein edel knecht, als letzte genannt Elsbeth Bock von St., witwe Junckers Dietbold 
Pfau von Riedbur 151 6. Die Familie der Pfaue von Rüppur war gegen Ende 
des 14. Pis. mit Sifrit von dem Markgrafen gegen den Widerspruch der meisten Burg- 
anteilhaber in eines der erledigten Burgteile eingesetzt worden.^) Die Wirtschaft auf 
dem Schloß war ziemlich verarmt, die beiden Belagerungen und teilweisen Zerstörungen 
1329 und 1350 durch Straßburg — schuld an der letzten war ein Albrecht von Ow, 
welche Familie kurze Zeit ebenfalls einen wenn auch nicht vollberechtigten Burganteil 
hatte — mögen schuld daran sein; dann aber hatte das immer kapitalkräftige Kloster 
Allerheiligen, das den Zehnten besaß, auch sonst große Teile und Rechte der Herrschaft 
in seinen Besitz gebracht Die Pfaue scheinen nun einen frischen Zug in die Familien 
gebracht zu haben, 1456 wird ein Burgfrieden geschlossen, 1489 erneuert Bis zum Aus- 
sterben im 1 6. Jh. hatten die Pfaue 3 '/a Burgteile an sich gebracht Die Markgrafen 
haben in dieser Zeit bei dem Aussterben der verschiedenen Linien keine neuen Lehens- 
träger eingesetzt, und so konnte 1604 nach dem Tode des letzten Wiedergrün Ernst 
Friedrich von Baden das Lehen wieder einziehen. Zwar war es kurz vorher mit großen 
Geldopfem in ein Kunkellehen verwandelt worden, der Ansprüche der Töchter aber 
wurde nicht geachtet. Als Markgraf Wilhelm von Baden-Baden durch kaiserliche 
Kommissare wieder in den Besitz der Herrschaft gekommen war gegen die Ansprüche 
Baden-Durlachs (1622), verlieh er die Herrschaft als Pfandlehen dem Freiherm Karl von 
Orscelar von Oudenguth, dessen Sohn Wilhelm Karl sich sehr um das Aufblühen nach 
dem Dreißigjährigen Kriege bemühte. Durch Erbschaft kamen 1667 Franz Fortunat von 
Haindorf und Georg Wilhelm von Bettendorf in den Besitz, durch Kauf 1683 Christoph 
von Greifen. 1700 endlich löste Markgraf Ludwig Wilhelm die Herrschaft mit 50 000 fl. 
und erwarb 17 19 die pfauischen Lehen um 11426 fl. von der Familie Küffer dazu. Die 
Herrschaft Staufenberg umfeßte das Schloß, Durbach mit Stöcken, Bühl, Hespengrund, 
Wiedergrün, Obemesselried, Hlental, Bottenau, Spring, Heimbach, Stürzelbach, Eigers- 
bach, Lautenbach, Neuweg, Vollmersbach, Halsbach, Sendelbach, Gebirg, Brandeck, Gral, 
Oberweiler und Unterweiler. 1832 kaufte Großherzog Leopold das Schloß vom Domänen- 
fiskus, als Erbe erhielt es sein Sohn Prinz Wilhelm, und daher gehört es jetzt dem Prinzen 
Maximilian von Baden. 

Die Anlage des Schlosses im Mittelalter, deren Reste heute noch zu erkennen, 
ergibt sich aus seinem Zweck als Sitz von etwa acht Ganerbenfamilien; außer diesen 
vollberechtigten Anteilen gab es noch zwei weitere. Aus den urkundlichen Nachrichten 
hören wir von einer »capelle zu Stoffenberg uf der Bürge« 1360, die nach Nußbach ein- 
gepfarrt war. Die »phründe, die da höret zu sant Gergen capellen zu Stoffenberg«, 
gehörte schon 1578 dem Kloster Allerheiligen. Während noch 1545 sant Georgen 
caplanei uf dem hauß Stauffenberg genannt wird, heißt es 1666 von der 1655 zurP&nei 
erhobenen Kirche: »patronus coeli est s. Henricus; coUator, decimator et dominus 
temporalis est Hermannus Wilhelmus baro ab Orsclar«. 1374 bis 1376 wird ein kirch- 
herre Lemelin Lampreht genannt Wir hören von den offenbar an der nördlichen 
Mauer gelegenen Wohnungen der Wiedergrün, der Kolb, der Bock, der Staufenberger, 
auf welche die Kapelle folgte, dann vom Stollenhaus, das später zum Amtshaus wurde, 
sowie von der an der südlichen Mauer dem Tor zu gelegenen Hofstatt der von Ow. 

*) Regesten der Markgrafen 1843 ""^ 1883. 



AMT OFFENBURG. - DURBACH. (BURG STAUFENBERG.) 



321 



Im 1 5. Jh. muß die Burg in zehn Teile geteilt gewesen sein. Bei einer Visitation durch 
den markgräflichen Beamten zu Zeiten des Bauernkrieges ergab sich, daß die Burg 






%^v>:. 




I 



■5 
I 






in ganz schlechtem Zustand war, die Geschlechter dort ließen ihre Häuser verfallen. 
1537 lernen wir aus einem Inventar der Wiedergriin die offenbar nicht sehr glänzende 



322 



KREIS OFFENBITRG. 






Innenausstattung ihrer Wohnimg kennen. Unter der Occupation Baden-Durlachs wiirde 
an der Stelle des jetzigen Kellergebäudes ein neuer Bau aufgeführt, der 1663 zusammen- 
fiel und dabei Teile des Zwingers beschädigte. Im Jahre 1632 ist die Burg durch die 
Schweden verwüstet, 1689 durch die Franzosen teilweise beschädigt worden. Bei den 
Wiederherstellungsarbeiten nach 1832 mußten wegen Baufälligkeit die Kapelle und die 
ihr zunächst liegenden zwei Häuser beseitigt und der 1730 renovierte Torturm durch 
einen neuen ersetzt werden. 
Baubeschreibung Die Burg liegt, 383 m hoch, auf einer Kuppe, die nach Norden, Westen und 

Süden ziemlich steil, auch nach der Angriffsseite im Osten noch einigermaßen abfallt 
«— , .V. . -^ und einen weiten Ausblick in das 

Durbachtal und die Rheinebene 
gestattet. Unser Plan (s. Fig. i8i) 
läßt uns den alten Burgweg E 
erkennen, der von Ost nach West 
an der zerstörten Zwingermauer 
empor zum Tore D führt, das in 
seiner heutigen Gestalt, wie gesagt, 
dem 19. Jh. entstammt. Doch ge- 
hört es in seinen Fundamenten 
noch dem ehemals hier vor- 
handenen alten Bau an. An seiner 
dem Burghof zugekehrten Seite ist 
ein aus dem Ende des 15. Jhs. 
stammendes Allianzwappen , der 
Pfaue von Rüppur und der Bock, 
eingemauert. Eine nur ca. 65 cm 
starke Mauer aus Bruchsteinmauer- 
werk umgibt den oberen Bering, 
der etwa als unregelmäßiges Viel- 
eck zu charakterisieren wäre. 
Beim Eintritt in dasselbe finden 
heute nur von niederen Mauern umgebenen Raum C, der nach 

Daran stößt das heutige 
Ihm ist 




/'i^. 182. Wappensteine im Burghof von Scfilofi Staufenberg. 



wir rechts einen 

Asbrand^) die Häuser der Wiedergrün enthalten haben soll. 
Kellergebäude i9 an, an Stelle des 1663 zusammengestürzten »neuen Baues«. 
das in Fachwerk errichtete Brunnengebäude vorgelagert mit dem alten, achteckig um- 
mauerten Ziehbrunnen. An der Nordmauer folgten nacheinander vom Tore aus auf- 
gezählt ein Stallgebäude, das Stollenhaus und die S. Georgskapelle, alle 1832 abge- 
rissen. Aus der Kapelle, die nach Osten zu eine kleine Apsis hatte, sollen die zwei 
Wappensteine (s. Fig. 182) stammen, die jetzt in die Nordmauer von C eingemauert 
sind : das Wappen der Marsil und das von Staufenberg. Alt sind hier oben nur noch 
der Flankienmgsturm F und das Gebäude A^ auch sie mehrfach umgebaut In dem 
unregelmäßigen Viereck des nur noch bis zu einer geringen Höhe stehenden Turmes 
möchte ich einen Rest der ältesten Anlage erkennen, da hier ein kräftiger Schutz gegen 



^) Badenia a. a. O., s. auch den dortigen Plan. 



AMT OFFENBURG. — DURBACH. (BURG STAUFENBERG.) 



323 



die Angriffsseite nötig war. Der heute zu Wohnzwecken umgeänderte Bau enthält nach 
Norden und Westen noch einige Schießscharten. An seiner Nordostecke ist das Mauer- 
werk außerordentlich verstärkt. An ihn schloß sich wohl gegen Süden ziehend die 
Schildmauer an, von der wir hören, aber keine Spuren mehr vorfinden. Der Bau A, 
wohl auf älterer Grundlage, ist von Melchior Wiedergrün durchgreifend erneuert worden, 
worauf die Eingangstüre 
(s. Fig. 183) mit dem 
Wappen von Staufenberg 
und Blumeneck hindeutet 
Sie ist mit einem Flach- 
bogen abgeschlossen, ihr 
Gewände in Hohlkehlen 
und flachen Wülsten pro- 
filiert, die unten einer- 
seits in einem Voluten- 
ablauf, andererseits in 
einem Maskeron endigen. 
Aus dem nördlichen 
Teil führte eine schlichte 
Spitzbogentür nach der 
Kapelle zu. Die Ge- 
wände, wie auch die ab- 
gefasten der Fenster des 
Hauses , bestehen aus 
rotem Sandstein, der Bau 
selbst ist aus Bruch- 
steinen errichtet, Bossen- 
quader an seinen Ecken. 
Er hat, auch noch im 
19. Jh., manchen Umbau 
im Innern erlitten, so 
daß dessen alte Gestalt 
schwer zu erkennen. Im 
Erdgeschoß im Em- 
pfangszimmer noch eine 
Spitzbogentür mit Hohlkehle und Rundstab, in Voluten endigend, erhalten, eine Tür 
mit ähnlicher Profilierung führt in die Turmräume. An einem Doppelfenster findet sich 
noch, die beiden Flachbogen tragend, eine gebauchte Renaissancesäule (s. Fig. 184), 
an ihrem Gebälk wieder das Staufenberger und Blumenec ker Wappen. In dem gleichen 
Gemach an der anderen Wand eine große Doppelflachbogennische. In dem ganzen 
Gebäude zerstreut eine stattliche Anzahl von Glasgemälden^ die angeblich, nur oias^cn.aidc 
zum Teil wahrscheinlich aus der alten Georgskapelle, zum Teil aber wohl auch aus 
Sammlertätigkeit von anderen Orten stammen. Einige von ihnen sind stark restauriert, 
andere aus verschiedenen Scheiben zusammengeflickt. Ich lasse sie der Zimmerreihe 
nach folgen: 




j^u^^^W 



Fig. i8j. 7 Ute in dtn Wohnhau auf Schloß Staujcnherg. 



324 



KREIS OFFENBURG. 



1. Bärtiger Mann in der puffigen Tracht der zweiten Hälfte des i6. Jhs., die Büchse 
über der Schulter und Patronenhalfter; ihm reicht seine gegenüberstehende Frau einen 
Pokal. Darüber die Mühle mit Rad, Mehlsäcken, eine arbeitende Magd und die zwei 
Töchter (im Brautschmuck ?). Unten die Hausmarken und die Schrift: 

SHod^em SUmmen Mün . . 
Zu SUhorff Unh SUnh i . . • 
25eter ^in Cge ♦ ♦ • 
SCnno ^om . . ^cgärer 3m 

In einer eingeflickten Scheibe zwischen den Beinen des 
Mannes steht: Hege • o. (31 X 20 cm.) 

2. In Rollwerkkartusche Wappen: eineBram(Brehme) 
über Dreiberg, Helmkleinod, ein Mann mit Mütze, der 
zwei Bienen in der Hand hält, imten ein Trommler und 
ein Pfeifer und die Unterschrift: 

SBnhareä 25ram htfer 
^it l^ogc ber ]^erf$aft Ünonaii 
mnb Xubtinanbt ber ftatt jftfib 
15 93 

(Etwas zusammengeflickt, sonst gut erhalten.) (29X20 cm.) 

3. Von zwei Landsknechten gehalten das Wappen 
mit dem Reichsadler, darüber die Krone. Unten Wappen 
von Glarus, derselbe oben noch einmal, daneben Scenen 
aus seinem Leben. Unten steht: 

l^üi Xä&licge Xanb <6lani^ä 

16 63 

(Die Scheibe ist stark geflickt, das Reichswappen scheint 
ganz neu eingefügt.) (30X20 cm.) 

4. Ehepaar (wie i.). Mann mit Büchse, die Frau 
mit Pokal, oben sein Abschied und seine Heimkehr. 
Unten das Wappen, nach links springender Fuchs (?), und 
die Unterschrift: 

J^ifÖelm Iut3i offem J^irfcgfierg 45rbineri 
^ant Omaner ^ot nacg <0enff unb Catlgari 
na ^laicgin fpn € .♦ liege j^ugftauüi* 1640. 

(Sehr gut erhalten.) (29 X 20 cm.) 

5. Von hübschen Tugendgestalten flankiert das Wappen: Schild, gespalten, rechte 
Seite schräg links rot und silbergestreift, auf der linken Seite eine .Axt in Blau ; Unterschrift 
in Rollwerkkartusche : 

2 25altaffar Simerma beß »atgö ber 
^tatt %ütttn unb ber %tit jft i <il^t J^auptmann. 1632. 

Oben Anbetung der h. drei Könige, daneben der h. Franz und auf der anderen Seite ein 
Reiter in der Zeittracht. (Die Scheibe scheint ziemlich unberührt, doch würde man sie 
ihrem Stil nach gewiß 50 Jahre früher ansetzen.) (31 X 20 cm.) 

6. Abrahams Opfer unter Frührenaissancearchitektur, unten links (vom Beschauer) 
hält eine Gerechtigkeit mit verschleierten Augen einen Schild mit dem Buchstaben R, 




Fij^. 184. FenstersäuU im Wohn- 
f^ebäude des Schlosses Staufetiherg. 



AMT OFFENBURG. - DURBACH. (BURG STAUFENBERG.) 



325 



rechts ein Engel einen Schild mit schwarzem, linksschrägem Bach und Haken in gelbem 
Feld; dazwischen in Rollwerkkartusche die Inschrift: 



r^j^uü- > ^M^» 




ifiliP^'i'' 


IWSm 


iii 


\Ef^mf:lT%^\\\^ 


r 1^ 


■r Jl^r^r^ "\.' .t^^^^^ T^f^^ii^w .^^^^^^^M BI^E^PV 


!%i« 


«^^Xs^fia 


P? 


i^fcw^ÜBl!^ \t?if '^ 


hfce<y 





//^. /iS^j. Glasgemälde auf Schloß Staufenberg bei Dur back. 

Ca^tiar S^erer 
bifer 2ptt SCmpt 
man 3U ben ^ugen 
ftjineten i6i+* 

Oben von Putten mit Vasen begleitet Kartusche mit der Inschrift ; 

6ott fielet SCfiraj^amä unb taillen 

Xafl in fpn apffer nit e • • • Hen 
%\^ ba^ unf^ulb bor&ilb . ft 
^ai^ 4^{iflfer unfer$l ]^dla * * 1^ Cgtift 



326 KREIS OFFENBURG. 

Das sehr schöne, noch auf Holbeinsche Tradition zurückgehende Hauptbild in seiner 
rechten Ecke leider stark geflickt; die Umrahmung und Bekrönung mit den Putten 
sind früher als die Jahreszahl; die Scheibe ist aus zwei verschiedenen zusammengefügL 
(30 X 20 cm.) 

7. Mann und Frau, er mit Büchse, sie mit Pokal, ein Töchterchen an der Hand 
führend. Oben das Ehepaar, Gäste bewirtend. Unten Wappen: Stern und Mond 
mit H D und die Unterschrift: 

^m% ©oßler SBIa Wtibtl sura l^afferj 
Slnb freuen Mtt^tn fin ee* froutai* 1598. 

Ziemlich intakt erhaltenes Stück. (31 X 20 cm.) 

8. Allianzwappen in Architekturumrahmung : ein nach links wachsender schwaner 
Widder in Gold, ebensolches Helmkleinod ; quergeteütes Schild, oben zwei weiße Lilien 
in Schwarz, unten schwarze Lilie in Silber. — Über der Architektur die kleinen Dar- 
stellungen einer Gerichtsscene und der h. Magdalena. Unten in Rollwerkkartusche die 
Inschrift : 

jjaarplcu) ^rigfultöa . . • furfHtcö ©|8e (?) 
CrtsöertjOB Ktnpül . . reicg «ad) 
unb S^ertnaltter b . nfd^afft 3uq 
Coftant; unb jfi. . . <^cgulbt]^aigiu 
gefiotne JOSütnp * <^piegel&erg 
fetn Cgegema • • 1630. 

Die Inschrift, die in der Mitte jeder Zeile, wo die Verbleiung durchgeht, Worte und 
Buchstaben vermissen läßt, ist nach einer Beschädigung so zusammengeflickt worden. 
Auch am Oberstück der Scheibe ist verschiedenes geflickt; es erscheint nicht sicher, 
daß alles hier zugehörig war. (31 X 20 cm.) 

9. Hauptdarstellung: das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg. Zwei jüngere 
Männer sprechen mit dem alten Besitzer. Im Kopfstück: ein Pflug von vier Pferden 
gezogen. Unten links Wappen, schräg links geteilt : oben Schaufel in Blau, unten Pflug- 
schar in Silber. Unten rechts ebenfalls ein Wappen, ein Turm in Blau. Dazwischen 
Inschriften. In Rollwerkkartusche, deren oberer Teil allein erhalten ist: 

^abracg Vornan* 

In einem eingeflickten Feld darunter, wohl nicht hierhergehörig: 

aibriä Siealer • bti • ilatg^ unb 
Barbara Rumänin unb * 
25ar6ara ^ßartenöQferin fine 
egeoemaöel iTNHO 1607, 

Die sonst nur wenig geflickte Scheibe ist hier unten oflenbar stark verändert worden 
(s. Fig. 185.) (30X20 cm.) 

IG. Mann und Frau, er mit großem Zweihänder auf der Schulter, sie mit Pokal 
wie üblich. Im Kopfstück Stierbrennung und wie der Stier auf die Weide getrieben 
wird; unten in rotem Schild die Hausmarke und die verstümmelte Inschrift: 

IjEliaf • fiürtip ♦ uff • lutentniö • unb 

eiffiet • l©et5ler • • • • fm ♦ ♦ ? • 1598 ♦ • • (30 x 20 cm.) 

II. Allianzwappen. In blauem Schild drei goldene Rauten, Helmkleinod, Ol»er- 
teil eines Mannes mit Mütze und Rautenband ; in goldenem Schild ein schwarzes Rad, 



1 



AMT OFFENBURG. — DURBACH. (BURG STAUFENBERG.) 337 

dasselbe zwischen zwei Hörnern als Kleinod; die Wappen von Renaissancearchitektur 
umrahmt; oben Kampf Davids und Goliaths, unten in Rollwerkkartusche (sicher dazu- 
gehörig) die Inschrift: ^) 

^^eorg jßapet unb ürfula 
jßaperin €^e6orne f^aperin 3m^ 

16 — i(?)5 (30 X 20 cm.) 

12. Hauptdarstellung: eine Sängerschule. Im Kop&tUck Putten, Rollwerk, ein 
h. Bischof und h. Barbara (?); unten, von Engeln gehalten, ein Wappen, Rad mit drei 
Sternen in Grün, und eine Tafel mit Inschrift: 

i^anng l^egner alt Säcgenj^ers 
l^tger Z^ ^ratt jfttntirrid^. Unb 
3ona$ ^tffnn ^igrr %pt JFänb- 
ttiäi Unb l^anng Sfirg 
^ultjet • alle brep ^ututt ber 
^tatt Wintttt^üt • 1650 Hp^iegU. ^ 

In allen Stücken nicht zusammengehörend, ganz zusammengeflickte Scheibe. (29,5 X 20 cm.) 

13. Der h. Georg, den Drachen tötend, von Säulen flankiert; darüber in Rocaille- 
kartusche: 

^tt Bitter fanct ^firg gantj boj^Igetniit 
l^otn Znäitn bie ^[uncfiiftato erififen buot. 

Unten in Spätrenaissancekartusche die neue Inschrift: 

Slbam l^utn^ tnel <6emeiner 
3U ^tauffen&ers SOnno 1470 

und das Wappen : drei Kugeln in gelbem Feld. Dies eine ganz irrige Ergänzung aus 
dem 19. Jh. {30 X 20 cm. Sehr schönes Stück heute in einem Schreibtisch aufbewahrt.) 

14. Unter Säulenarchitektur ein Mann mit Mantelkragen und seine Frau mit Pokal. 
Im Kop&tück Austreibung aus dem Paradies, worunter steht: 

<6ott lieg fp lagen ug bem <6aiten 

®er Zuh foft fortj^in ierer toarte* gene:?. 

Unten an der Scheibe Rollwerkkartusche, in der Mitte das Wappen: in blauem Feld 
Schlächterbeil auf Dreiberg imd die Inschrift : 

3aro6 JFueger — <6ricgtä3taielffer 

er (sie!) unb Cj^rifhna — fein ^au^fratn 161 7 

Wohl von Oppenau stammende, in der Unterschrift erneuerte Scheibe. (33,5 X 2 1 cm.) 

15. Unter von Säulen getragenem Gesims ein Wappen: ein Mann in Pluderhosen 
mit je einem Rebstock in der Hand, als Helmkleinod die Halbfigur des gleichen Mannes 
mit Trauben in den Händen ; zu beiden Seiten die Gestalten der Justitia und Prudentia, 
oben neue Grotesken, unten Putten und die etwas geflickte Inschrift: 

^eremiaä fte&ftudr • ber 
^eit « « il^ur » enbergifcger 
l^ogt 3fl 4?(ipenau 1625. 

Also ebenfalls zu den Oppenauer Scheiben gehörig. (33 X 20 cm.) 

S. Kindler von Knobloch I, S. 73/74. 

*) Das Wappen ist nicht das bekannte des Hegner; Unterschrift also wo andersher. 

Baad VU. 22 



328 KREIS OFFENBURG. 

i6. Mann mit Kragenmantel und Frau mit Pokal unter Säulenarchitektur. Oben 
Einzug in die Arche (33 X 20 cm): 

(I50tt l^ieg inn «afleii 4ßoe trettcn 
.mit feim utfäflt^t mxh tnaä fu f^ttttn 

GENE J VI -CA : 
Unterschrift : 

i^ang ^pifier ge — rid^t^jlDcIfer ♦ flti 
Cua fehl Cl^elicge — ßaujifrata* 1617- 

Dazwischen ein Schild mit FS in silbernem Feld. Auch zu der Oppenauer Serie gehörend. 

17. Mann und Frau in gleicher Stellung und Tracht Oben der Sünden£adl und: 

^mäi falfcgen lift bie gifftig ^d^Iang 

^it erften Mtniä^i Iei«r stnang* gene - in 

Unterschrift in Rollwerkkartusche : 

üb Slrfula fein — ö^w^frata* 1617. 

Dazwischen Hausmarke in silbernem Schild. Ebenfalls zur Oppenauer Serie gehörig, 
(33 X 20 cm.) 

18. Ebenso Mann und Frau. Im Kopfstück die Arbeit der ersten Menschen und: 

^aä jp^elb baut ^bam Aämmerlicg 

SInb mug im ^d^tneig f^it * neigten ficg. ge • iii. 

Unten in Rollwerkkartusche: 

3löary Jjornner ~ (l5erirfjt^|tDeI?fer 
üb jlHargreta fein ~ öauäfrata 161 7, 

dazwischen Schild mit Brezel auf drei Hügeln in Violett. Aus Oppenau stammend. 
(33 X 21 cm.) 

19. Mann und Frau in gleicher Stellung. Scham Noäh und der Regenbogen: 

l^tt Jtegciiftogen tnarb gott^ä ßunb 

Cgain fein IDatter Wog ligen funb* gene • ix. 

Unten wieder in Rollwerk: 

Jlflartin jUlüHer - 45ridjtsl5tD5Iffer 
nnb Urfufa fein — gau^fratn 161 7. 

Dazwischen in Blau die Hausmarke. (33 X 21 cm.) 

20. Rundscheibe mit Wappen der Pfau von Rippur: 

23urftöarb .^fau ban »üppur 1+70* 

Neues Werk des 19. Jhs. 

21. Von Löwen gehalten das Reichswappen mit der Krone darüber. Der eine 
Löwe hält Schwert, der andere Standarte mit Staufenberger Wappen (roter Kelch auf 
blauem Dreiberg); dieses Wappen kehrt unten zweimal wieder, dazwischen die Zahl 1579^ 
Säulenarchitektur ; im Kopfstück Simson mit dem Löwen und derselbe mit den Stadt- 
toren. Teilweise geflickte Scheibe. (42 X 30 cm.) 

22. Rundscheibe. Eine Frau in der Tracht des ausgehenden 15. Jhs. mit dem 
Wappen der Marsilius (oder Uttenheim). Neue Arbeit des 19. Jhs. 

23. Mann und Frau in der Tracht aus der Mitte des 16. Jhs., zwischen ihnen das 
Staufenberger Wappen : eine Frauen- Halbfigur (von der Sage auf die Melusine bezogen), mrt 
Hörnern statt Armen als Helmkleinod; über ihnen RoUwerkomamente und im Kopfstück 



I 

j 



AMT OFFENBURG. - DURBACH. (BURG STAUFENBERG.) 329 

der Fang von Wasservögeln durch das Netz ; unten die moderne und nicht hierher- 
gehörige Inschrift: 

Mtläiiot üßtebersrutt b« ^tauf^ 

fen&erg unb %nna bon ^lumtnttA 

feine egdicge lljau#frau. 1470 (siel) (39 x 33 cm.) 

Auch das Staufenberger Wappen ist neu, die sogen. Melusinentigur an dasselbe angeflickt. 
24. Gepanzerter Krieger mit Hellebarde, zu beiden Seiten ein Trommler und 
ein Pfeifer. Über ihm in nmder, von Rollwerk umrahmter Kartusche das Wappen der 
Urkantone und als Kopfstück der Empfang von Reitern durch Franziskaner; eingeflickt 
neben dem Mann das Wappen der Bock, ebenso neu die Unterschrift : 

<0eor0 ^ntk^ ^tmtintt 
5U ^tauffcnßerg* 1470. 

Wie ersichtlich, sind diese wie die vorhergehende und noch einige weiter unten folgende 
ursprüngliche Schweizerscheiben durch neue Einflickungen und Unterschriften für die 
Geschichte des Schlosses hergerichtet worden, allerdings mit großen chronologischen 
Schnitzern. (33 X 25 cm.) 

26. Schöne Frührenaissancescheibe. Der h. Petrus und der h. Benedikt halten 
den Wappenschild mit den Schlüsseln in silbernem Felde und je einem Goldgulden mit 
der Umschrift: MONETA NOVA AVREA 1544 in rotem Felde; Frührenaissance- 
säulen tragen den Flachbogcn; im Kopfstück Bären- und Saujagd (s. Fig. 186); 
Unterschrift : 

Sllbam afitit 311 fannt peter uff betn 
^fttaarcj tnalht • ^ . anno 1544. 

Der Stil dieser vorzüglichen Scheibe weist auf Basel. Das Jahr 1 544 ist das Todesjahr des 
genaimten Abtes (Guldin) von S. Peter, woher die Scheibe wohl stammt. (43 X 31 cm.) 

27. Mann mit Hellebarde, Frau mit Pokal. Tracht Ende 16. Jh.; Wappen: nach 
links steigender Löwe in Silber, ein Mohr als Helmkleinod. Im Kopfstück: Getreide 
wird zur Mühle geschafft, untere Landschaft neu ; durch die neue Inschrift ftir Staufen- 
berg adoptiert: 

i^an^ iinfb bon 
^tauffenfiera 

1400 00 (35,5 X 28 cm.) 

28. Schöne Frührenaissancesäulen tragen einen Flachbogen; im Kopfstück ein 
Scherzspiel zipiischen Männern und Weibern ; wieder an Baseler Vorwürfe erinnernd. In 
diese alten Reste ist ein Staufenberger Wappen hineingesetzt und die neue Inschrift: 

%tü ftpöer 5U flauffe : erögcr jü ftaftelBerg* (41 x 31 cm.) 

29. Obergeschoß: Verkündigung, in Renaissancesaal; daneben S. Ottilie und 
S. Katharina ; unten links eine betende Dominikanemonne, rechts : Schild mit Kreuz. In 
dieses geringe Stück, wohl vom Ende des i6. Jhs. und aus einem Dominikanerkloster 
stammend, ist unten noch der Rest der Unterschrift einer anderen Scheibe eingeflickt: 

Ijaii^ WtU afier ♦ • 

Sitt J^OBtt 3Ö . ♦ (27X21 cm.) 

30. Hübsche Frauengestalt (Oberkörper erneuert) im Kostüm der zweiten Hälfte 
des 16. Jhs. mit Barett hält zwei Wappen; das eine zeigt schwarzen Säulenstumpf in 
silbernem Felde, als Helmkleinod einen Mann mit demselben Säulen stumpf auf der Brust 



330 



KREIS OFFENBURG. 



(Rink); das andere: sogen. Judenhut und fünf roten Wecken in Gold, als Kleinod Mann 
mit demselben Hut. Im Kopfstück ein Turnier. Unterschrift in Rollwerkkartusche: 

l^iebagen bon ü^ifen&erg genant 
»in* her ^pt ^Jurger ♦ epfter 5« fd^aflf 
laufen unb JlSargrett ^i . in bon '^ü^ . inge 
(in egmagL 

Das Wappen unter von Balustersäulchen getragener Architektur. (27 X 21 cm?) 




Ft£^, 1S6. Glasgemälde im IVohfigebäude des Schlosses Staufenhetg, 

31. Aus verschiedensten zusammengeflickte Scheibe: Kopf eines Johannes des 
Evangelisten; kleinerer Kopf eines Gottvaters; eine Hand; eine allegorische Frau mit 
Bienenkorb ; Schlachtung eines Ochsen ; Schild mit silbernem Hom imd goldenem Steni 
in Blau sowie dem umgekehrten doppelten P. 

32. Nische mit h. Papst und h. Bischof mit Kirchenmodell, dazwischen ein Wappen: 
Feld I und 4 schräglinks geteilt, jeweils oben Schlüssel, unten Fisch; Feld 2 und 3 



AMT OFFENBURG. - DURBACH. (BURG STAUFENBERG.) 33 1 

h. Georg; im Herzschild Stierkopf; im Kopfstück: Kreuzigung des h. Andreas und 
h. Georg, den Drachen tötend; unten die nicht hierhergehörige alte Inschrift: 

9a %mh ^cgaffguff 

ANNO DOM . 6o5. 
Auch im Wappen und oben Stück von anderer Scheibe eingesetzt. (39 X 31 »5 cm.) 

33. Rundscheibe (20 cm): Rest der DarsteUung eines Mahles; zwei Wappen: ein 
Bär mit goldenem Baum in rotem Feld, derselbe wachsende Bär als Helmkleinod und 
ein roter Drudenfuß in Blau, derselbe Drudenfuß auf dem Flug. Auch sonst zusammen- 
geflickt 

34. Aus vielen Stücken zusammengesetzt: Halbfigur eines Gewappneten; eine 
Burg; Greifen in einer Säulenarchitektur halten ein Wappen; eherne Schlange am 
Kreuz in Blau und gelbe Kugeln in Rot; darunter andere kleine Wappen; endlich auch 
noch die Jahreszahl 1 586 von irgendwoher eingesetzt. 

35. Runde Wappenscheibe: auf goldenem Feld blauer Balken, schräg rechts, darin 
drei goldene Lilien ; Helmkleinod : wachsender Mann mit demselben Balken. Das Ganze 
auf damasziertem Grund ; alt 

36. Stück einer Wappenscheibe : ein Mann mit Binsen in Händen in gelbem Feld, 
derselbe als Helmkleinod; zwei aufgerollte Bänder daneben, worauf steht: 

. H . S . und MARIA. (13 X 10 cm.) 

37. Grisaillebild vom Ende des 17. Jhs. ; in Rankenumrahmung die Heiligen 
Bartholomäus und Andreas. 

Ein Ölgemälde: Porträt des Markgrafen Karl Friedrich ca. 1780. 

hxüL Kellergebäude findet sich die Jahreszahl 1698, der Speicher desselben stammt KeUergebäude 
ebenfalls aus dieser Zeit 

Das Gebäude ist aus Bruchsteinen, mit Backsteinen untermischt, errichtet, wie auch 
das Gebäude A. An den Ecken finden sich Bossenquader mit größtenteils abgehauenen 
Bossen. Schlichte, geradsturzige Fenster. Erneuerte Treppengiebel. Der Keller von 
einem stattlichen Tonnengewölbe, wohl aus dem 18. Jh., überdeckt Auf dem Speicher 
des Kellers wird die aus dem Berchfrit stammende Glocke aufbewahrt mit badischem Glocke 
Wappen und der Inschrift: 

CONFLATVM SVB LVDOVICO GEORGIO MARCHIONE BADENSE ET 
HOCHBERGENSE 

RENOVATVM REGNANTE CAROLO FRIDERICO ELECTORE BADENSE 
PER MATHAVM EDEL ARGENTORATI I8o5 

prInCIpIs ILLas gratIa restItVIt GVL pasqVe hoC vere reDonat fa