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Full text of "Die Landschneckenkalke des Mainzer Beckens und ihre Fauna"

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Die Lundschneckenkalke des Mainzer Beckens 
und ihre Fauna. ' 



Von 

K. Fischer und W. Wenz. 

Frankfurt a. M. 



Sonder-Abdruck aus den 

Jahrbttcliern des Nassauiächeu Yereiiis fUr Naturkunde in Wiesbaden. 

67. Jahrgang. 1914. 



Verlag von J. F. Bergmann, Wiesbaden. 



inAdII- 



Die Landschneckenkalke des Mainzer Beckens 
und ihre Faunay 

Von 

K. Fischer und W. Wenz. 

Frankfurt a. M. 



I. Stratigraphischer Teil von K, Fischer S. 22—29 

II. Paläontologischer Teil von W. AVeuz „ 30—154 

1. Die Fauna des Brackwasserarmes ,.32 

2. Die eingeschwernmte Land- und Süsswasscrfauna ,, 36 

3. Die Fauna der Süsswassermergel Rheinhessens ,, 129 

4. Vergleich der Landschneckenkalke mit ent- 
sprechenden, annähernd gleichaltrigen Ablager- 
ungen ,, 132 

5. Die Verwandtschaftsbeziehungeu der Hochheimer 
Landschneckenfauna zu den lel>enden Formen ,, 135 

6. Die biologischen Verhältnisse ,, 145 




I. Stratigraphischer Teil. 



K. Fischer. 



Die Landschaft, die den Main auf seinem Wege zu Tal von 
Frankfurt über Höchst und Hattersheim begleitet, wird in ihrer 
Oberflächengestaltung fast allein durch ausgedehnte Kiesbildungen be- 
einflusst, die in der tieferen Talstufe von Aulehm, in der höheren durch 
eine Hülle von verschwemmtem Löss verschleiert werden. Diese Lehm- 
decke, die Vorbedingung für den ausgiebigen Ackerbau dieser Gegend, 
erweist sich jedoch fast überall von nur geringer Mächtigkeit, sodass 
sie das Bild der diluvialen Terrassenlandschaft, wie es besonders typisch 
zwischen Hattersheim und Eddersheim ausgeprägt ist, nicht zu stören 
vermag. 

Erst etwa einen Kilometer westlich von Flörsheim ändert sich der 
Charakter der Gegend, denn es schiebt sich aus der Richtung Norden- 
stadt-Delkenheim her ein Keil in das breite Flusstal. Selbst der 
Stromlauf des Maines wird dadurch beeinflusst, indem der Fluss von 
hier ab seine bisherige Richtung, die zwischen Höchst und Rüsselsheim 
fast genau von Nordost nach Südwest verläuft, verlässt, um in rein west- 
lichen Lauf überzugehen, den er dann bis zu seiner Mündung in den 
Rhein beibehält. Diese Barre wird gebildet durch eine Kalkscholle, 



— 23 — 

welche beiderseitig durch Verwerfungen begrenzt, sich festgeklemmt hat, 
während ihre Umgebung allmählich absank. ^) Ungefähr 800 m der 
harten z. T. bankigen Felsmasse des östlichen Steilhanges sind seit 
der Zeit dieses Abbruches schon der Denudation anheimgefallen ; zum 
Einebnen aber hatte selbst der eiszeitliche Fluss nicht die nötige 
Stosskraft. 

Den Main begleitend, durcluiuert eine vielbefahrene Landstrasse 
dieses Gebiet und so siedelte sich durch die gute Abfuhrmöglichkeit, 
rund um die höchste Erhebung, den Falkenberg, der hart an der 
Gemarkungsgrenze gegen das etwa 3 km entfernte Hocliheim, aber noch 
auf Flörsheimer Gebiet liegt, ein lebhafter Steinbruchbetrieb an. Schon 
vielen Generationen von Einwohnern der beiden Orte lieferte dieser die 
Hausteine und in früheren Jahrzehnten aus primitiven Kalköfen den 
Weisskalk zum Hausbau. Jetzt sind die meisten der Brüche in einer 
Hand vereinigt und werden durch die Portlandzementwerke von 
Dyckcrhoff in Biebrich in rationeller Weise ausgebeutet. Aber auch 
die Wissenschaft hat sich fast seit Beginn der Forschung im «Mainzer 
Becken» für die Hochheim-Flörsheimer Kalke und die in ihnen ein- 
geschlossene Lebewelt interessiert. Das Studium der angegebenen 
Literatur soll darüber aufklären und zugleich beweisen, wieviel wichtiges 
Vergleichsmaterial zur Gliederung der tertiären Horizonte wir diesen 
Brüchen verdanken. 

Noch bis vor kurzem herrschte betreffs der zeitlichen Aufeinander- 
folge der Landschneckenkalke und der meerischen Bildungen, der 
Cerithienschichten mit Perna einige Unklarheit, da beide dicht neben- 
einander in einem Bruche angetroffen werden. Allein heute wissen wir 
auch darüber Bescheid^), da sich nachweisen Hess, dass eine kleine 
Grabensenke letztere in die Tiefe befördert und sie dadurch in das 
Niveau der älteren Landschneckenkalke gebracht hat. So wurde die 
lange Jahre geltende Meinung widerlegt, dass beide Schiebten gleich- 
zeitig abgelagert seien, und die Landschneckenkalke nur das vor- 
geschobene Mündungsdelta eines vom Taunus herabkommenden Flüsschens 
in eine stille Bucht zur Cerithienzeit darstellten. 



^) W. W'e u z : Grundzüge einer Tektonik des östlichen Teiles des Mainzer 
Beckens. Abb. d. Senckenb. Nat. Ges., Bd. XXXVI, Heft I, p. 31 ff. 

2) W. Wenz: Zur Paläogeographie des Mainzer Beckens. Geol. Rund- 
schau, Bd. V. 1914, p. 321. 



— 24 — 

Wenn als einer der hauptsächlichsten Beweisgründe die Tatsache 
ins Treffen geführt wurde, dass eine gewisse Zahl von Binnenconchylien 
für beide Ablagerungen gemeinsam sei, so ist damit nur bewiesen, dass 
die Tiere in den höheren Schichten immer noch gleiche Lebens- 
bedingungen vorfanden ; eine gleichzeitige Ablagerung darf hieraus nicht 
gefolgert werden. 

Die Senkungen, in die das Meer zu Beginn der «Cerithienzeit» 
hereinbrach, haben das bestehende Verhältnis von Wasser und Land 
nicht in dem Mafse gestört, dass hierdurch eine Klimaänderung zustande 
gekommen wäre. Die Binnenconchylien fanden zur Zeit des Absatzes 
des Cerithienkalks noch die gleichen Bedingungen der Art und ihre 
Schalen wurden auch jetzt noch nach ihrem Absterben von kleinen 
Rinnsalen hinausgetrieben in die salzigen Fluten, genau wie ehedem auf 
den Algenrasen der stillen Brackwasserbucht. 

Um die Grenzen dieser Bucht kennen zu lernen, ist es notwendig, 
uns zunächst mit den Lokalitäten vertraut zu machen, an denen die 
Landschneckenkalke in typischer Ausbildung anzutreffen sind ; dann 
werden wir an Hand dieser Fundpunkte ein annähernd getreues Bild 
ihrer Verbreitung bekommen ; es wird sich eine ungefähre Umgrenzung 
des Beckens ergeben, in dem Terebralia rahti, das Leitfossil dieser 
Schichten, lebte und in das die Landschnecken eingeschwerarat wurden. 

Der am weitesten gegen Norden vorgeschobene Fundpunkt ist 
Hochheim. Leider kann man ein Profil für die dortige Schichtenfolge 
nur durch Kombination zusammenstellen. In den östlichen Brüchen 
hindert das Auftreten des Grundwassers die Ausbeutung des Kalkes bis 
zu dessen Sohle. Aber das allgemeine Einfallen der Kalkschollen gegen 
SO. kommt uns zu Hilfe und hebt die tiefsten Schichten der Land- 
schneckenkalke im Westen so hoch, dass sie vor Jahren gerade noch 
zur Ausbeutung gelangten und längere Zeit offen blieben. Selbst die 
oberen Partien des Cyrenenmergels konnte man etwa 2 km östlich von 
Hochheim nahe der Landstrasse Ende der 90 er Jahre in einem künst- 
lichen Anschnitt beobachten. Heute trifft man sie noch in den tiefsten 
Brüchen am Main. Nimmt man aber noch die Schurfresultate des ehe- 
maligen Braunkohlenschachtes hinzu, so erhält man folgendes Pi'ofil: 

{ Lehm, nur an wenigen Stellen mehr als 1^,2 m. 

Diluvium, j Kiesdecke, Taunusgesteine unterm, mit Buntsandstein- 
' brocken. 



— 25 - 



Ceritienschichten. 



Landschnecken- 
kalke. 



Harte bankige Kalke und Kalkmergel weclisel- 
lagernd mit Potamides plicatus pustulatus, Tympano- 
tomns submargaritaceus, Oaryatis incrassata usw. Land- 
schnecken erscheinen erst in den tieferen Lagen dieser 
Abteilung. 

Perna-Bänke, harte, feste Kalke. 

(1 e Hier Mergel mit massenhaften F o s s i 1 r e s t e n. 
Perna sp., Potamides plicatus mnltinodosus und eno- 
dosus, Neritina rhenana, Litorina moguntina usw. 
Grössere Landschnecken nicht selten, Pupen sehr selten. 

^ Grüne Mergel mit Perna-Schalen. 

Z eilige Algenkalkc durch Druck zerklüftet, stellen- 
weise verwittert. Hohlräume (Nester) enthalten in 
kalkig-kreidiger Fiillniasse Hydrobia dollfnsi, grosse 
und kleine Landschnecken. 

Fast reine, lockere, grobporige Algenkalke. 
Wo Hohlräume in dem Gesteine sich befinden, sind 
diese oft von einer bolusartigen dunl<ell)raunon Ton- 
masso dünn ausgekleidet, die einen fast wasserdichten 
Abschlnss bewirkt und so zur prächtigen Erhaltung 
lies, der kleinen und kleinsten Landschnecken bei- 
getragen hat (l'upenschlcbt Sand bergers u. a.). 

V e s t e Kalk h ii n k e a u s S i n t e r k a 1 k e n bestehen d 
oder aus .s(dchen hervorgegangen. Stellenweise tritt 
Terebralia lahti geradezu gesteinsbildend auf. Terc- 
bralia arcuatum ist nicht häutig. Die Schalen .sind 
umrindet (Mumien). 

Feste K a 1 k b ä n k e mit C yrena con vexa (Steinkerne), 
Potamides lamarcki usw. ') In den unteren Lagen 
wird der feste Kalk miirbe und kreidig und ist dann 
häufig von Palanusresten durchsetzt. Allmählicli über- 
gehend in : 

Stark aligero Ute iM il cli q uarzk iesel , durch kalkiges 
Pindemittel verkittet, (ierölle nach unten etwas an 
Kern grosse abnehmend. 



Cyrenenmergel. { (i r a u e , etwas sandige Mergel, hie und da von 
bitnmengetränkten Schichtlagen durchzogen, in denen 
zerdrückte Süsswasserconchj'lien: Planorbis sp. etc. 

Graue, fossillose Letten, trocken, bröcklig. 

G r ü n 1 i c h e , p 1 a s t i s c h e L e 1 1 e n , durchzogen von einer 
Schichtlage von Fossilien: Murex conspicinis, ('omi- 
nella cassidaria, Cyrena convexa usw. 

B r a u n k h 1 o. 

J) In dem östl. Steinbruch aus der obersten Lage dieser Schicht sammelte 
ich 1894 Handstiicke, auf denen Gyrena mit Schale erhalten ist (Senckenb. Mus.). 



— 26 ^ 

Knapp 8 km westlich und ungefähr 1 km bachaufwärts von der 
Donnermühle (Gemarkung Castel) fand ich 1905 unter der Führung von 
V. Reinach Landschneckenkalkc in einzelnen Brocken. Wir dürften 
uns hier wohl am ausgehenden des Lagers befinden, da weiter gegen 
Westen überall der Corbiculakalk ansteht. Es war ein harter splittrig 
brechender Kalk, der kleine Landschnecken meist nur in der Ilohlform 
erkennen Hess. Bruchstücke der Deckel von Ericia anti(iua Hessen jedoch 
den Schluss zu, dass man sich mit der gegebenen Schiclitbestimmung 
keiner Täuschung hingab. 

Rheinaufwärts bei Weisenau in dem südlichen schon vonLepsius 
erwähnten Hess eischen Steinbruch traf ich vor Jahren in der Bruch- 
sohle Algenkalko mit Metacampylaea rahti und Zonites discus an, die 
wohl den höheren Lagen der Hochheimer Landschneckenkalke entsprechen. 
Da von diesem Horizont bis zu den blauen, fetten Tonen des C3renen- 
mcrgels, der bei einer Brunnengrabung zutage kam ^), noch über 10 m 
Kalk (V = Schichten mit Tercbralia rahti) zu durchtcufen waren, so 
wird, wenn man die Hochheimer Verhältnisse zum Vergleich heran- 
zieht, die Annahme von Ijandschneckenkalk auch an diesem Orte ihre 
Richtigkeit haben. 

In den Steinbrüchen von Nierstein und Oppenheim trifft man bei 
sorgfältigem Suchen in den mittleren, aber besonders in den unteren 
Lagen der Kalke Binnenconchylien : Cepaea hortulana, Strophostoma 
tricarinatum, Pomatias labellum u. s. w., wie sie auch in den Cerithion- 
schichten von Hochheim vereinzelt vorkommen, aber bis zu den Land- 
schneckenkalken reicht leider der Bruchbetrieb nicht hinab, 

L e p s i u s -) kennt dagegen Terebralia rahti aus verstürzten Kalken 
von Dexheim bei Oppenheim, aus den Brüchen am Hospitalhof bei 
Hessloch und vom Steinbüchel bei Monzernheim ; an den beiden letzten 
Punkten zusammen mit Landschnecken. 

Weiter südlich sind aus der Pfalz die Ceritliienkiilkc und ihr 
Liegendes vom Kleinen Kalmit bei Ilbesheim •') schon lange bekannt. 
Neuerdings hat Bücher'^) das jüngere Tertiär dieser Gegend genauer 
untersucht und uns mit einer ganzen Reihe neuer Fundorte vertraut 



1) R, Lepsius: Das Mainzer Becken, p. 109, 
^) R. Lepsius: Das Mainzer Becken, p. 111 u. 112. 
3) Gümbel: Jahrb. f. Min.-Geol. u. Pal., 185:3. 

'') Bücher: Zur geolog. u. pnliiontolog. Kenntni.s d. jüngeren Tertiär.s 
Uhciiipridz. (ieogii. Jabresh. 19IH. 



— 27 — 

gcniaclit (lierxlicim a. 1)., Hitterncll westl, Neulciniugcii, Mertesheini, 
Quirnheim, Ebertsheim, Kindonheim, Zell, zwischen Biibenheim und 
llarxheini. Dagegen konnten die Untersuchungen in stratigraphischer 
und teutonischer Hinsicht nicht ganz befriedigen, da er nicht verniochte, 
die vielen kleinen einzelnen Aufschlüsse zu einem Gesamtbild des strati- 
graphischen Aufbaus der Gegend zu vereinigen. So hätte wenigstens 
für einzelne Punkte, z. I!, die klassischen Aufschlüsse am kleinen Kalniit, 
vcrsuclit werden müssen, ein Gesamt pi'otil vom Cyrenenmergel durch die 
I.andschneckenkalke bis zu den Cerithienschicliten aufzustellen und in 
Parallele zu setzen mit den Nornuili)rofilen des Mainzer Beckens im 
engeren Sinne. Freilich wird ein solches Unternehmen dadurch be- 
deutend erschwert, dass der stratigraphis(die Aufl)au durch die vielen 
Störungen sehr verschleiert wird, was auch Buch er ganz richtig 
erkannt hat. 

Am kleinen Kalniil liegen auch iieute noch die Verhältnisse am 
klarsten. Nach Sand be rgcr s ^) und Buch eis Angaben habe ich 
versucht für dort folgendes Profil zusammenstellen : 



Ccrithienschichten 



Landschnecken- 
kalke 



G eliäii irescli utt. 



Bänke mürbe 11 Kalke« nut T\ nipaiiotomii.s submarga- 
ritaceus. 



Feste Pernabäiiko („wie bei Hocldieim" Sandberger) 



Hellgraue gelbliche Kalke, z. T. mürbe und in 
Mergel übergehend mit l'erna .s|i,, Potamides plicatusetc. 



Versinterte Algenkalkc, Au Störuiigszoneii ist ein 
Teil der Kalkmasse durch das auf Rissen und Spältcbeu 
eindringende kohlensäurehaltige Wasser aufgelöst und 
dann wieder in den so ausgespülten Hohlräumen und 
tieferen Partien als kristalliner Kalk oder auch Kiesel- 
kalk abgesetzt worden. Daher die Angaben Sand- 
bcrgers: „Hellgelblicb, Aveisse Kalke mit unregel- 
mäfsigen Knollen von Kieselkalk. 

Darin: Ericia antiqua, Cepaca idbiiodos, Plebecula 
ramondi. 



ij Sand berger: Untersuchungen üb. d. Mainzer Tertiärbecken. Wies- 
baden 1853. 



— 28 — 



Cyrenenmergcl 

(Ob.lvalkig;msj,a'lj. 
Schicht.) 



Klotzig geljankto Kalke, bald hell, hart, sintciig, 
bald dunkler gelb gefärbt. Gegen oben zu lagenweise 
erfüllt von den Abdrücken und Steinkernen von Cyrena 
convexa (Mächtigkeit ca. 2 m). 



Ziemlich planparallel begrenzte Bank eines fossil- 
leeren, gelben Kalkes, die dui'ch ihre Zer- 
stückelung die Zerrüttung der ganzen Kalkmasse ver- 
anschaulicht (0,80 ni) 

Weicher, zum Teil zerreiblicher Kalk und unregel- 
mässige Lagen grünlichweisseu Mergels voll Balanus-Reste. 
Darin : Hydrobia sp., Potamides sp, (0,50 ra). 

Fester, klotziger, ungeschichteter Kalk (ca. 2ni). 

Zähe, fein oolithische Kalke, die reichlich feinen 
Sand enthalten. 

Ganzes riutil clwiis über 40 m mächtig. 

Für das Klicintal fehlen uns leider weitere Fundpunkte von Land- 
sehneckcnkalken, doch lässt sich annehmen, da die Cyrenenmergcl noch 
^Yeit nach Süden /u verfolgen sind, dass die Gebilde, die sich so eng 
anscliliessen, auch noch weitere Verbreitung gefunden luiben, zumal man 
eine grössere Zahl von schon erwähnten Leitversteinerungen dieses 
Horizonts, darunter auch Terebralia lahti aus den Cyrenenscliichtcn des 
nordalpincn A'orhuides kennt. ') 

Von dem einzig bekannten reclitsrheiuisclicn \'orkommen schreibt 
L e p s i u s " ) : 

'In ganz gleicher Beschaffenheit wie bei Dexheini und bei Hoch- 
heim stehen die unteren Cerithienkalke mit Cerithium rahti am öst- 
»lichen Rande des Mainzer Beckens an in dem verlassenen Steinbrudi 
», Kalkofen' nahe dem Forsthaus Dianaburg, nördlich Darmstadt am 
>Waldrande gelegen: zerklüftete, leicht verwitternde Kalksteine, 
vz. T. feinporös und als Algenkalke moosartig ausgebildet, hängen 
»dort am Rande der Rheinebene am Rotliegenden und verschwinden 

»alsbald unter der diluvialen Sanddecke 

»Aus diesem Vorkommen der Cerithienschichten bei Darmstadt 
»bestätigt sich wiederum die Ansicht, dass die rheinhessisclien Tertiär- 
»schicliten ehemals über die jetzige Rheinebene sich ausbreiteten bis 
^•zur Bergstrasse.« 



i) V. Gümbel: Geologie von Bayern 1892, Bd. II, p. 282. 

Derselbe: Abriss d. geognost. Verhältn. d. Tertiärsch. b. Miesbach 
u. d. Alpengebietes zw. Tegernsee u. Wendelstein. Festschr. z allg. Vers. 
d. D. geol. Ges. in München 1875. 

2) Lepsius: Das Mainzer Becken, p. 113. 



— 29 — 

Allerdings ist in dieser Hinsicht gerade für die Seliicliten mit 
Terebralia raliti eine gewisse Einschränkung zu niaclien, denn sie fehlen 
im Innern Rheinhessens ganz und werden dort durch Süsswassermergel 
ersetzt, worauf auch L epsi US weiter unten hinweist. Diese Süsswasser- 
mergel sind eine der Seekreide verwandte Bildung, die in einer sich 
abschnürenden, allmählich völlig zur Aussüssung gekommenen Lagune 
zum Absatz kam. Fossilien scheinen in diesen Schichten ausserordentlich 
selten zu sein, denn es gelang mir bisher nicht, trotz jahrelangen Suchens 
neue Beweisstücke aufzutreiben. Gross fand in den Süsswassermergeln 
am lleizeborn bei Partenheim Ericia antiqua und Lepsius fügte noch 
Klikia osculum und Strophostoma tricarinatum hinzu. 

Im östlichen Teil des Beckens, in Frankfurts Umgebung, wäre es 
bei si»äteren Aufschlüssen liöchst wahrscheinlich, dass man aus den mürben 
Kalken der ehemaligen Strandzone, die unter der bei Überrad aus- 
streichenden Pcrnabank schon zu beobachten waren, weitere Funde von 
Landschnecken verzeichnen kann. 

Die lehmigen, glimmerreichen Sande, welche auf der anderen 
Mainseitc an den beiden Hängen der «Hohen Strasse» unter der etwas 
sinterigen Bank mit l'erna hervoriiuellen, halte ich für (Jebilde der 
Voi'strandzone desselben Alters, besonders, da auch Binnenconchviicn der 
llochheimer Stufe darin aufgefunden wurden. Immer sind ijie Schalen 
jedoch stark zerdrückt und nur die Deckel von Ericia antitjua wohlerluilten. 

Besonders schön war diese Schicht jahrelang durch die Erdhöhlen der 
Kaninchen aufgeschlossen zwischen Bergen und Bischofsheim zu beobachten. 

Am Köderberg hatte ich seinerzeit Grelegenheit, bei Bohrungen den 
vollständig glatten Übergang dieser Glimmersande in die ('yrenenniergel 
kennen zu lernen. Diese Beobachtung lässt auch vom stratigraphischen 
Standpunkte aus ein Urteil über die Zugehörigkeit dieser Schichten zu. 
Wenn man die Landschneckenkalke irgendwo anschliessen will, so muss 
man sie an den Gyi"encnmergel angliedern, da hier ein ganz allmählicher 
Übergang bis zu den reinen Süsswasserschichten stattfindet, daiui aber 
plötzlich, fast katastrophal die salzigen Fluten hereinbrechen und die 
Ablagerungen der (.'erithienscliichten sich darüber legen. 

Nach der Klarstellung der geologischen Verhältnisse für tien kleinen 
Kalmit bei Hbesheim und besonders für Hochheim-Flörsheim kann wohl 
kein Zweifel darüber bestehen, dass diese Auffassung die richtige ist, 
dass man nicht schon früher zu ihr gelangte, daran sind wohl in erster 
Linie die späteren Störungen schuld, die das klare Bild etwas verwirrten. 



Die Landschneckenkalke des Mainzer Beckens 

und ihre Fauna. 

II. Faläontologischer Teil. 

Von 

W. Wenz. 

Mit- Abbildungen auf Tafel IV/XF. 



Was laicli veranlasste, die durch die Untersuchungen Öandhcrgers 
und Böttgers so gut bekannte Fauna des Landsehncekenkalkes vun 
neuem durchzuarbeiten, ist nielit in erster Linie der Umstand, dass eine 
Anzahl neuer Formen vun hier bekannt geworden ist, es sind deren 
nicht einmal sehr viele, und es ist auch nicht anzunehmen, dass wir 
hier noch grosse nbcrraschungen zu erwarten haben, sondern es sind 
eine Reilio anderer Gründe. 

Vor allem war ein neuer kritischer \ergleich der Formen sowohl 
mit den lebeiulen als auch mit den fossilen Verwandten erforderlich. 
Sanilberger war zu der Ansicht gelangt, dass wir einen grossen Teil 
der nächsten Verwandten der llochheimer Land- und Süsswas.serniollusken 
unter den lebenden ostasiatischen und vor allem amerikanischen Genera 
zu suchen hätten, und <). Böttger hat diesen Gedanken weiter 
verfolgt und durch seine Autorität gestützt. Bei dem überwiegenden 
KinHuss, den beide Forscher auf ihrem Spezialgebiete ausübten, ist es 
verständlich, dass diese ihre Anschauungen zunächst fast allgemeine 
Anerkennung und Zustimmung fanden und sich erst si)äter ein, wenn 
auch vereinzeltei', doch um so energischerer Widerspruch geltend machte, 
liier mussten also von neuem die Untersuchungen einsetzen. Aber auch 
ein Vergleich der Hochheimer Formen mit ungefähr gleichaltrigen 
fossilen erwies sich als notwendig. Nicht nur ist inzwischen auch an 
den anderen Lokalitäten neues bekannt geworden, das mit zum Vergleich 
herangezogen werden kann, sondern auch der Vergleich mit schon früher 
bekannten Formen ergab noch manche interessante Tatsache, und auch 
über die räumliche Verbreitung der einzelnen Formen sind wir heute 
besser orientiert. 



Ol — • 

Auch das biologische Interesse, das diese Ablagerung bietet, ist 
nicht gering, vor allem, wenn man auch die übrigen Vorkommen ein- 
geschwemmter Land- und Süsswasserconchylicn des Mainzer Beckens, die 
in vielem so ganz anders geortet sind, mit zum Vergleich heranzieht. 

Das Material, das mir zur Verfügung stand, war recht gross. Vor 
allem die reiche Sammlung des Senckenberg-Museums, die diejenigen 
0. Böttgers und F. Kinkel ins einschliesst. In liebenswürdiger 
Weise hat mir Herr Bergrat Prof. Dr. A. Steuer das vun ihm 
gesammelte Material der Grossh. Hessischen geol. Landesanstalt zur 
Verfügung gestellt, wofür ich ihm auch hier meinen verbindlichsten 
Dank aussprechen möchte. Auch die Sammlungen der benachbarten 
Museen Mainz, Wiesbaden (das die Sandb erger sehen Originale ent- 
hält) usw. wurden in einzelnen Fällen, in denen es sich als nötig erwies, 
mit herangezogen. Auch diesmal hat mir wieder Herr Ing. K. Fischer 
sein reiches Material zur Verfügung gestellt, das einige für Ilochhoim 
neue Formen enthielt, für deren freundliche ifhci'lassung ich ganz 
besonders dankbar bin. Und endlich kommt noch das Material meiner 
eigenen Sammlung in Betracht. 

Der Vergleich mit den lebenden Formen lässt sich natürlich nur 
mit einer so umfangreichen Sammlung von Land- und Süsswassermollusken 
durchführen, wie sie das Senckenberg-Museum besitzt. Diese Sammlung, 
die u. a. die von 0. Böttger, W. Kobelt, v. Möliendorff, 
Rossmässler umfasst, steht heute wohl unübertroffen da. Leider ist 
sie noch nicht so übersichtlich geordnet und ineinander gearbeitet, dass 
eine bequeme Benutzung möglich wäre. Umsomehr bin ich Herrn 
l>r. F. Haas zu Dank verpflichtet, der mich bei der Beschaffung des 
Vergleichsmaterials der lebenden Formen sowie der zugehörigen Literatur 
aufs Liebenswürdigste unterstützte. 

Was die Verbreitung der lebenden Arten und Familien betrifft, so 
sind hier vor allem W. Kobelts «Studien zur Zoogeograjdne» sowie 
Kobelt, Iconographie der Land- und Süssw. Moll. Bd. 11, und 
Pilsbry; Manual of Concholog}- herangezogen worden. 

Bei den einzelnen Arten sind die Mafse einer grösseren Anzahl 

von Exemplaren mitgeteilt worden, die zugleich die Variationsbreite 

erkennen lassen. Es ist dies vorteilhafter, als nur die Schwankungen 

in Höhe, Breite usw. anzugeben. Dabei gelten folgende Abkürzungen: 

H = Höhe der Schale. 

D r^ Durchniessei' der Sciiale. 



^ 32 — 

h =- IIülic der Mündung. 
1) = Breite der Äründnng. 
A = Windungszald. 

V = Verliältnis dos Durrliinessors zur iröhc = fj. 

^^ II 

V --— \orliältnis der Höhe der Seliale zur H(')lio der Mündung = 

h 

Um die l^iteratuiangaben nicht ins Ungeniessene zu vermehren, 
sind nur die wiclitigstcn aufgenommen worden. Vgl. ferner für alle 
(mit Ausnahme der hier neu beschriebenen) Arten: Fischer und Wenz, 
Verzeiclinis und Revision der tertiären Land- und Süssvvasser-Gastropoden 
des Mainzer Beckens. Neues Jahrb. f. Min. Gool. u. Bai. Beil. Bd. XXXIV, 
p. 431 — 512. Die Literaturangaben beziehen sich stets auf die Art 
in ihrem ganzen Umfang (mit N'aritäten) nicht auf die einzelne Varietät. 
In den Fundortangaben bedeutet «Hochheim- das bekannte Vorkommen 
am l\allienl)er"' zwischen Hocldieim und I''lörsheim. 



1. Die Fauna des Brackwasserarmes. 

Eine für die biologischen Verliältnisso des Mainzer Beckens ausser- 
oi'dentlich wichtige Tatsache ist die allmähliche Verarmung der reichen 
Meeresfauna aus der Zeit des Mecressandes uml Rupeltones, die sich 
schon in den oberen Meeressauilen bemerkbar macht und im Cyrenen- 
mergel rasch fortschreitet. Gegen Ende der Al)lagerung des Cyrenen- 
mergels sind alle Meoresformen verschwunden und haben einer Brackwasser- 
fauna Platz gemacht, die durch das massenhafte Auftreten weniger Formen 
(('erithien, Cyrena etc.) ihr typisches Gepräge erhält. Gegen Endo dieser 
Periode, zur Zeit der Ablagerung der Süssvvassermergol in Rheinhessen 
und der Landschncckcnkalkc am Westrande des von Süden nach Norden 
ziehenden langgestreckten Brackwasserarmes, hat die Verarmung auch 
die Brackwasserfauna ergriffen, die jetzt auf ganz wenige Formen 
beschränkt ist. Gerade die Landschnoidvcnkalkc sind so eingehend 
untersucht worden, dass wir ziemlich sicher sein k()nnon, dass keine 
di(>sei' r'ormen übersehen worden ist, zumal auch die Landschneckenkalke 
nicht auf das Gebiet bei Hochheim-Fh'h'sheim beschränkt sind, sondern 
auch noch weit nach Süden in gleicher Ausbildung und mit derselben 
P\auna nachgewiesen sind. 

Gorade Formen wie Torebralia rahti und arcuatum zeigen uns 
deullich, dass eine sehr sfaiko yVussüssung stattgefunden hatte, denn 



- 33 - 

diese Formen konnten in beinahe süssem Wasser leben : die Aussüssung 
war damals ^Yolll mindestens ebensoweit fortgeschritten wie zur Zeit der 
Ablagerung der unteren Hydrobienschichten. Diese Tatsache kann nicht 
genug hervorgehoben werden, da sie bisher zu wenig Beachtung gefunden 
. hat. Es ist dies wohl hauptsächlich dadurch veranlasst worden, dass 
die nächst jüngeren Schichten, die Cerithienschichten, ebenfalls kalkig 
ausgebildet sind, und man deshalb die Landschneckenkalke stets mit 
ihnen vereinigt hat, was dann eine Vermischung der Arten in den 
Faunenlisten zur Folge hatte, So kommt es, dass man in diesen Listen 
Terebralia rahti friedlich mit Perna, Pinna, Cjlichna, Dorsanum etc. 
zusammen findet. Beide Faunen, die des Landschneckenkalkes und die 
des Cerithienkalkes, sind aber biologisch so scharf geschieden, wie sie 
es nur irgend sein können, und die Fauna der Cerithienschichten zeigt 
mit unumstösslicher Sicherlieit, dass sie einem neuen Vordringen des 
Meeres ihre Entstehung verdankt. Wenn man also irgendwo einen 
schärferen Einschnitt in der Gliederung der Schichten des Mainzer 
Beckens machen will, so muss er hier gemacht werden, zwischen 
Landschneckenkalk und Cerithienschichten, deren untere Grenze so 
scharf durch die tiefste Pernabank gekennzeichnet ist. 

Dabei ist zu beachten, dass ich hier unter «Landschneckenkalk> nur 
die durch Terebralia rahti gekennzeichneten Schichten verstehe, Land- 
schnecken linden sich gelegentlich auch in den Cerithienschichten ein- 
geschwemmt (wie bei Karben), ebenso wie in den übrigen Horizonten 
des Mainzer Beckens. Mit ihnen haben wir uns hier nicht zu beschäftigen, 

MOLLUSCA. 

Familie HydroMidae. 

Genus Hydrobia Haetmann 182L 

1. Hydrobia doUfusi Wenz, 

1875. Hydrobia aturensis Sandberger: Land- und Süssw.-Conch. d. Vorw. p. .368, 
1913, Hydrobia dollfixsi Wenz; Nachr. -Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 120. 

Taf. 3, Fig. 44-5L 

Diese Form, die für die Landschneckenkalke charakteristisch ist, 
findet sich hier in grosser Zahl auch in den Algenkalken zusammen 
mit den eingeschwemmten Landschnecken, Vermutlich kommt sie auch 
mit Terebralia rahti zusammen in den Kalken bei Forsthaus Dianaburg, 

Jahili. fl. uass. Ver. f. Xat. 67, 1014. 3 



— 34 — 

südlich von Darmstadt, vor, doch ist dies nach den Steinkernen schwer 
zu entscheiden. 

Fundort: Überall in den Landschneckenkalken. 

Familie Cerithidae. 

Genus Terebralia Swainson 1840. 

2. Terebralia rahti (Sdbg.). 

1863. Cerithium rahtii Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p 95, 

Taf. IX, Fig 10. 
1913. Cerithium (Terebralia) rahti Bucher; Geogn. Jahresh. XXVI, p. 46. 

T. rahti kann neben T. arcuatum als die Leitform der Landschnecken- 
kalke aufgefasst werden. Sie war, wie der grösste Teil der Arten des 
Genus, dem schwach brackischen, fast süssen Wasser angepasst. Sie 
drang erst in das Becken ein, als die meisten Brackwasserbewohner, 
wie Cyrena convexa Desh., Potamides plicatus usw., schon erloschen 
waren und starb bei dem Eindringen salzigeren Wassers zu Beginn der 
Ablagerung der Cerithienschichten sogleich wieder aus. In Hochheim 
ist sie auf die tieferen Landschneckenkalke beschränkt, wo sie zusammen 
mit Hydrobia doUfusi Wenz und T. arcuatum (Sdbg.) zusammen vorkommt. 
Mafse: H = 38,3 mm D = 15,8 mm A = 14 C.W. 

33,2 « 12,8 « M.S. 

30,0 « 12,1 « M.S. 

29,6 « 12,8 « M.S. 

Fundort: Hochheim (in den tieferen Schichten z. h.), Ilbesheim 
b. Landau (kl. Kalmit), Neustadt a. d.H., Herxheim a, B., Neu-Leiningen, 
Ebertsheira, Mertesheim, Quirnheim, Kindenheim, Zell-Harxheim, Hessloch, 
Dexheim b. Oppenheim, Kalkofen nördl. Darmstadt. 

3. Terebralia arcuata (Sdbg.). 

1863. Cerithium arcuatum Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 94, 

Taf. IX, Fig. 11. 
1913. Cerithium arcuatum Bucher; Geogn. Jahresh. XXVI, p. 46, 88, Taf. I, 

Fig. 11-20. 

Findet sich mit der vorigen Art zusammen. Stücke mit gut er- 
haltenem Mundsaum sind noch seltener als bei der vorigen Ai't. Ein 
vollkommen erhaltenes befindet sich in meiner Sammlung. Es ist das 



— 35 — 

einzige gut erhaltene Exemplar, das ich bisher sah. Auch sie war 
denselben Lebensbedingungen angepasst wie T. rahti (Sdbg.) und erlischt 
in den Landschneckenkalken. In der Ausbildung der Varices und des 
Mundsaumes ist diese Form der vorigen überaus ähnlich und muss 
meines Erachtens ebenfalls zur Terebralia gestellt werden. 

Mafse: Das vollkommen erhaltene Stück meiner Sammlung misst 
H = 27,8 mm, D = 10,7 mm, A = ca. 12. 

Fundort: Hochheim (in den tieferen Horizonten n. s.), Neustadt 
a. d. H., Mertesheim, Ebertsheim, Marnheim, Rittersheim-Morschheim. 

Ob in den Landschneckenkalken noch ein drittes Cerithium : 
Potamides plicatus Brug, var. enodosa, multinoda Sdbg. vorkommt, kann 
ich nicht mit Sicherheit entscheiden. Ich habe allerdings einmal diese 
Art zwischen Algenkalken und zwar in den obersten Horizonten der 
Landschneckenkalke gefunden. Allein hier liegt die Vermutung nahe, 
dass diese Formen aus den darüber lagernden Cerithienschichten stammen, 
indem sie eine Spalte der Algenkalke ausfüllen. Mit den beiden 
anderen Cerithen in den unteren Landschneckenkalken kommt diese Art 
jedenfalls nicht vor. 

CRUSTAECA. 
Ostracoda. 

Es sind bisher drei Ostracoden aus dem Landschneckenkalke bekannt 
geworden, die alle Süsswasserformen sind ; ein weiterer Beweis für die 
offenbar nur noch ganz schwach brackische Natur der Landschneckenkalke. 

Genus Cyclocypris Brady et Noeman 1889. 

1. Cyclocypris similis Lienenklaus. 

1905. Cyclocypris similis Lienenklaus; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 18, 
Taf. I, Fig. 3. 

Fundort: Hochheim h. 

Ausserdem im Hydrobienkalk v. Wiesbaden, Frankfurt a. M. 

Genus Candona Baird. 
2, Candona albicans Brady. 

1864. Candona albicans Brady; Ann. and Magazine of Nat.-Hist., Sei*. III,. 

vol. XIII, p. 61, Taf. IV, Fig. 6-10. 
1868. Candona albicans Brady ; Ti'ansact, of the Linnean Soc. XXVI, 2, p. 381,. 

Tai XXV, Fig. 20— 2-^ 

3* 



— 36 — 

1874. Candona albicans Brady, Ci'osskey et Roberts ; Palaeontogr, Soc, p. 133, 

Taf. I, Fig. 10—13. 
1905. Candona albicans Lienenklaus; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 23. 

Fundort: Hochheim s. 

Ausserdem im Mainzer Becken im H} drobienkalk v. Wiesbaden. 

Genus Cypris O. F. Müllee 1785. 

3. Cypris agglutinans Lienenklaus. 

1905. Cypris agglutinans Lienenklaus; Ber. d. Senckenb. nat. Ges.. p. 24, 
' Taf. I, Fig. 8. 

Fundort: Flörsheim li. 

Im Mainzer Becken: Corbiculaschichten v. Frankfurt, Hydrobien- 

schichten Wiesbaden, Ob. Mioc.-Landschneckenmergel v. Frankfurt. 



2. Die eingeschwemmte Land- und Süsswasserfauna. 

a. MOLLUSCA. 

Familie Testacellidae. 

Genus Testacella C'uyiek 1800. 

Von den Testacelliden tritt das G-enus Testacella am frühesten auf. 
Fossile Formen finden sich schon im Oligocän, während Daudebardia 
erst vom jüngeren Miocän ab bekannt ist. Testacella ist eine europäische 
Gattung mit etwas über 20 Arten, die auf den Süden und Westen 
beschränkt ist und noch bis zu den Canaren und Azoren reicht. Nur 
von Testacella haliotidea Drap, ist die Anatomie genauer bekannt. Die 
Gruppe bedürfte dringend einer Durcharbeitung, die die Zahl der auf 
kleine Abänderungen in der Schalenform gegründeten Arten wohl sehr 
reduzieren würde. Die nächtlichen Tiere sind Fleischfresser, 

1. Testacella sandbergeri n. sp. 

1875. Testacella sp. Sandberger; Land- u. Süssw.-Concli. d. Vorwelt, p. 408, 
Taf. XXIII, Fig. 19. 

Leider ist die Form immer noch nicht genügend bekannt. Ausser 
dem von Sandberger erwähnten Exemplar scheinen weitere Stücke 
nicht gefunden worden zu sein, 

Fundort: Hochheim. 



— 37 - 

Familie Oleacinidae. 
Genus Poiretia Fischer 1883. 

Das Hauptverbreitungsgebiet der Oleaciniden ist heute Mittelamerika 
und die westindischen Inseln, wo sie sich auf eine Reihe von z. T. recht 
formenreichen Gattungen verteilen. In Europa lebt heute nur noch das 
eine Genus Poiretia mit den Arten algira (L.), cornea (Brum.) und 
compressa (Mouss.), die von manchen Autoren sogar in der einen Form 
algira (L.) zusammengezogen werden. Ihr Verbreitungsgebiet sind die 
Küstenländer des Mittelmeeres : Mingrelien, Kreta, Griechenland, Süd- 
serbien, Bosnien, Dalmatien, Istrien, Italien, Sizilien, Nordafrika, Spanien. 
Während die Schale von Poiretia kein Merkmal bietet, das sie von 
Euglandina trennt, ist die Anatomie beider Formen doch recht ver- 
schieden. Die em-opäische Gattung steht darin Laevoleacina weit näher, 
da bei ihr der Penis in einem ähnlichen transversalen Blindsack endet. 
Ausserdem unterscheidet sich die europäische Gattung von allen amerika- 
nischen dadurch scharf, dass bei ihr die Speicheldrüsen getrennt sind, 
während sie bei den westindisch-amerikanischen vereinigt sind. Dazu 
kommen noch einige Merkmale der äusseren Form des Tieres^). Diese 
Tatsachen müssen zu der Ansicht führen, dass schon frühzeitig eine 
Abtrennung und Lokalisierung der beiden Gruppen stattgefunden hat, 
wohl schon in der Kreidezeit, wo die ersten sicheren Formen in Europa 
auftreten ; und dass somit die tertiären Formen Europas eine geschlossene 
Gruppe bilden, als deren letzte Nachkommen wir Poiretia algira und 
ihre nahen Verwandten zu betrachten haben. Diesem Gedanken gibt 
auch Pilsbry Ausdruck, indem er die tertiären europäischen Formen 
unter Poiretia einreiht. 

Die Blütezeit der europäischen Gruppe fällt in die mittlere Tertiär- 
zeit ins Oligocän und Miocän. Hier zeigt sie die Neigung, sich in eine 
Reihe verschiedener Formen aufzuspalten, wie wir das ähnlich bei den 
lebenden westindisch-amerikanischen Formen sehen. Wir können im 
Tertiär zwei solcher Formenkreise unterscheiden, die ich als Palaeoglandina 
und Pseudoleaciua als Subgenera zu Poiretia stelle. Diese beiden 
spezialisierten Formenkreise sind erloschen. Die lebenden Formen sind 
offenbar weniger spezialisiert, weisen noch mehr ursprüngliche Merkmale 
auf und stehen daher scheinbar zwischen den beiden tertiären Gruppen 
(Subgenus Poiretia). 

^) Pilsbry, Manual of Conchology. Vol. 19, p. 164. 



— 38 — 

Bei diesem Formenreichtum sowohl der fossilen europäischen, als 
auch der lebenden amerikanischen Formen und dem schon eben er- 
wähnten Fehlen charakteristischer Unterschiede im Schalenbau ist es 
natürlich, dass konvergente Sclialenformen vorkommen, die Sandberger, 
0. Böttger und andere veranlassten, die tertiären mit den amerika- 
nischen in Verbindung zu bringen. Dazu kommt noch, dass die 
Schalenform der einzelnen Arten oft nicht unbeträchtlich schwankt. 

Die beiden oben erwähnten tertiären Subgenera sind leicht durch 
die recht abweichenden Schalenformen zu trennen, die schon die älteren 
Autoren veranlasst haben, sie als Grlandina bezw. üleacina zu bezeichnen. 

Dass die Poiretien eine sehr alte Gattung sind, kommt auch darin 
zum Ausdruck, dass die lebenden Formen in ihrer Verbreitung nicht 
durch Meere und Gebirge gehindert werden (Ko bei t; Icongr, Bd. 11, p. 54). 

Subgenus Palaeoglandina n. subg. 

Grosse Formen, die ausgewachsen selten weniger als 4 cm Höhe 

erreichen, bauchig eiförmig mit hoher Mündung, die die Hälfte der 

Gehäusehöhe oder mehr erreicht, so dass das Gewinde kurz erscheint. 

Typus: Poiretia gracilis (Zieten) = spectabilis (Tho.) = inflata (Rss.). 

Arten: affuvelensis (Math .), 

cordieri (Desh.), 

longipontica (Bajan), 

naudoti (Desh,), 

costellata (Sow.), 

wagneri (Miller) usw. 

Hierher gehört von den Hochheimer Formen: 

2. Poiretia (Palaeoglandina) gracilis (Zieten) 

1830. Liiiinaea gracilis v. Zieten; Die Versteinerungen Wüittemh. p. 39, 
Taf. XXX, Fig. 3. 

1845. Succinea spectabilis Thomae; Jahrb. d. Nas.sau. Ver. f. Nat. II, p. 153. 

1846. Limnaeus gracilis v. Klein; Jahrb. d. Ver. f. vaterl. Naturk. in 

Württemb, II, p 84, Taf. II, Fig. 6. 
1852. Achatiua inflata Reuss; Palaeontogr. IL p. 33, Taf. 111. Fig. 14. 
1852. Glandina antiqua v. Klein; Württemb. Jahresh.. p. 162. Taf. IIT. Fig. 9. 
1858. Glandina antiqua v. Klein; Württemb. Jahresh.. p. 212. 
1854. Achatina porrecta Gobanz ; Sitz.-Ber. d. k k. Akad. d. W,. Wien XIII, p. 162. 



— 39 — 

1861. Glandina inflata Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W., Wien XLII, p. 69. 
1863. Glandina canceltala Sandbeiger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 46, 

Tuf. Y. Fig. 2. 
1867. Glandina inflata Quenstedt; Petrefaktenkunde II. p. 484, Fig. 105. 
1870, Glandina inflata Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R. XX, p. 286. 
1875. Glandina inflata Sandberger; Land- ii. Süssw.-Conch. d. Vorw.. p. 408 etc. 

Taf. XXI, Fig. 18. 

1891. Glandina inflata Klika : Arcli. f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhm, p, 20, Fig. 12. 
1891. Glandina inflata et var. porrecta Maillard ; Abh. d. Schweiz, pal. Ges. XVIII, 

p. 4. Taf. I, Fig. 3, p. 5, Taf. I, Fig. 4. 
1909. Glandina cancellata Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges.. p. 23. 
1911. Glandina inflata Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat. 64, p. 52. 

Berücksichtigt man die grosse Variationsbreite der Schale bei den 
lebenden Formen, so kann es keinem Zweifel unterliegen, dass alle die 
oben angeführten Formen zu vereinigen sind. Ihnen gebührt dann der 
älteste Zietensche Name. Dass die Form, die v. Klein unter dem 
Namen Limnaeus gracilis v. Ziet, abbildet, unsere Poiretia darstellt, 
kann keinem Zweifel unterliegen. Dagegen könnte man im Zweifel sein, 
ob Limnaea gracilis v. Zieten sich auf unsere Form bezieht. Die Ab- 
bildung ist schlecht und wohl wie die der meisten hier dargestellten tertiären 
Formen verzeichnet. Ausserdem lag wohl ein Stück mit abgebrochener 
Mündung vor. Die Beschreibung dagegen weist ausdrücklich auf die 
abgestumpfte Spitze hin, und der Vergleich mit Bulimus Poireti Pfeiifer 
= Poiretia algira (L.) macht die Vermutung, dass v. Zieten unsere Art 
bereits vorlag fast zur Gewissheit. Ich kann mich 0. Böttger hier nicht 
anschliessen, der P. cancellata und P. inflata als zwei gut unterschiedene 
Spezies auffasst (1. c. 1909, vergl. auch Jooss 1. c. p. 52), Vielmehr 
steht wohl fest, dass wir im Mainzer Becken nur diese eine Art haben, 
die vom Landschneckenkalk bis zu den Hydrobienschichten reicht und 
gleichzeitig auch in Mitteleuropa recht verbreitet war. Von ihr gibt 
es schlanke und bauchigere Stücke, die entweder nebeneinander auftreten, 
wie in Hochheim und Tuchoric. oder auch lokalisiert sind. Vielleicht 
kann man diese Formen als var. spectabilis Tho., var. inflata Reuss, var. 
cancellata Sdbg. etc. abtrennen; doch möchte ich aus den oben dar- 
gelegten Gründen dem keinen allzugrossen Wert beimessen. (Ebenso 
gehören auch z. B. P. rhenana Andreae und P. deckei Andreae zu P. 
cordieri und dürfen nicht artlich davon getrennt werden.) In Hochheim 
herrscht die schlankere Form vor. 



- 40 

M a I s e : 



H 


D 


h 


b A 


V 




35,5 mm 


19,3 mm 


21,6 mm 


13,4 mm 5 


1,84 V. inflata 


M.S. 


31,5 « 


17,3 « 


24,7 « 


12,0 * — 


1,82 V. inflata 


C.F. 


40,1 « 


18,5 « 


25,4 « 


12,2 « 4 


2,17 V. caiir. 


C.W. 


38,4 '< 


17.5 « 


24,7 « 


13,4 « V4 


2,19 V. caiic. 


C.W. 



Fundort; Hochheim z, s. 

Ausserdem im Mainzer Becken: Corbiculaschichten : Frankfurt a.M.- 
Röderberg, Laubenheim ; Hydrobienschichten : Wiesbaden, Budenheim 
b. Mainz, Oppenheim, Offenbach, Hochstadt b. Hanau, Bönstadt (Watt.). 

Böhmen; Tuchoiric, Lipen. 

Schwaben : Rugulosaschichten von Thaltingen, Eckingen, Michels- 
berg b. Ulm, Pappelau. Sylvanaschichten u. Ob. Mi. von Mörsingen, 
Steinheim a. Alb. (var.). 

Schweiz : Veveyse ( Aquit.), Riant Mont b. Lausanne (U. Mi.), Bois 
de Raube, Bäretschwyl b. Zürich, Reuental. 

Verwandte: Aus den oben dargelegten Gründen ist an einen 
Vergleich mit lebenden Formen nicht zu denken. Von den fossilen 
stehen die unteroligocäne P. (Palaeoglandina) cordieri (Desh.) von Bux- 
weiler und P. ovata (Miller) von Arnegg und Rammingen recht nahe 
und gehören mit in densell)en Formenkreis. 

Fast überall, wo diese Formen vorkommen, tindet man auch ihre 
grossen Eier, die früher sehr verschiedene Deutungen erfahren haben. 
Da sie eine kalkhaltige Hülle besitzen, waren sie erhaltungsfähig. In 
Hochheim habe ich sie noch nicht beobachtet. Taf. XI, Fig. 1 — 2 
zeigt solche aus dem Hydrobienkalk von Bieber b. Offenbach a. M. 

M a f s e : 
L= 19,4 mm D= 12,0 mm Bieber I L = 20,9 mm D = 12,0 mm Bieber 



19,4 « 12,3 

20,8 « 11,6 



21,2 « 11,0 

21,6 « 12,4 



Subgenus Pseudoleacina n. subg. 

inke Formen. Breite m( 
;r Mündung kleiner als 
Typus: Poiretia sandbergeri (Tho.). 



Kleine schlanke Formen. Breite meist unter ^j.^ der Höhe der 
Schale. Höhe der Mündung kleiner als die Hälfte der Schalenhöhe. 



— 41 — 

Arten: deschiensi (Bayan), 
ebuniea (v. Klein), 
elegaus (v. Klein), 
producta (Reuss), 
teres (Roais) etc. 

Hierher gehören die Formen der Landschneckenkalke: 

3. Poiretia (Pseudoleacina) sandbergeri (Tho.) 

1845. Achatina sandbergeri Tlioinae; Jahrb. d. Nass. V. f. Nat. II, p. 151,. 

Taf. 111, Fig. 11. 
1852. Achatina sandbergeri Reuss; Palaeontogr. II, p. 32, Taf. III, Fig. 11. 
1861. (Handina sandbergeri Reuss ; Sitz.-Ber. d. k. k. Ak. d. W., Wien XLII, p. 70. 
1863. Glandina sandbergeri Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens,. 

p. 47, Taf. V, Fig. 4. 
1866. Achatina sandbergeri Deshayes; Ann. s. vert. du Bassin de Paris II,. 

p. 846, Taf. LIII. Fig. 7-9. 
1870. Glandina sandbergeri Böttger; .Jahrb. d. k. k. geol. R. XX, p. 286. 
1875. Oleacina sandbergeri Sandberger; Land- u. Süssw. -Conch. d. Vorwelt,. 

p. 409, 444, Taf. XXIII, Fig. 82. 
1891. Oleacina neglecta Klika; Arch. d. nat. Landesdurchf. von Böhmen, 

p. 21, Fig. 18. 
1897. Oleacina sandbergeri Babor; Sitz.-Ber. k. böhm. Ges. d. W.. p. 15, 17. 
1913. Oleacina sandbergeri Bucher: Geogn. Jahresh., p. 46. 

Diese Art schwankt nicht unbeträchtlich in Form und Grösse, 
Verhältnis von Höhe und Breite der Schale sowie der Mündung. Jugend- 
exemplare sind teils schlank, teils recht bauchig und können leicht zur 
Aufstellung neuer Arten verleiten, wenn nicht ein grosses Material die 
Zusammengehörigkeit der Formen zeigte. Zweifellos sind eine Reihe 
der beschriebenen kleinen P'ormen nichts anderes als Jugendstadien von 
grösseren, wie Achatina oligostropha Reuss von P. sandbergeri var. 
neglecta, Oleacina ovulina Miller von P. elongata (Miller). 



H 


D 


h 


b 


A 




Mafse: 13,9mm 


4,9 mm 6,2 mm 


2,5 mm 


5V2 


M.S. 


12,8 * 


4,3 « 


6,0 « 


2,0 « 


5V2 


M.S. 


12,8 « 


4,1 « 


6,0 « 


2,3 « 


5V4 


C.W. 


?juv. 12,1 « 


4,0 - 


6,4 « 


2,4 « 


4^'4 


C.W. 


11,8 « 


3,8 « 


5,9 « 


1,9 « 


5V4 


C.W. 


Fundort: Hochheim n. s., 


Neustadt a. d. 


H., Königsbach. 





— 42 — 

Ausserdem im Mainzer Becken in den Hydrobienschichten von 
Hochstadt (KoU. Böttger in Mus. Senckenb.). 

Frasspuren auch an Helices aus den Corbiculaschicliten von 
St. Johann (Rhh.). 

Böhmen: Tuchoric, Lipen, Kolosuruk, Stoltzenhahn, Warzen (tj^p. 
■et var. neglecta Klika). 

Auch in den Süsswasserschicliten von Theobaldshof b. Thann 
i. d. Rhön findet sich eine Form, die ebenfalls hierher gehören dürfte. 

Sehr häufig trifft man Frasspuren dieser Form an den Gehäusen 
von Landschnecken, besonders an Ericia antiqua und Cepae alloiodes. 
Auffallend ist dabei die Regelmäfsigkeit, mit der diese Frassrinnen auf 
Ericia angelegt sind. Sie beginnen meist auf der Mitte des letzten 
Umganges nahe der Mündung und ziehen sich etwas schräg nach rechts 
aufsteigend noch über den vorletzten Umgang (Taf. XI, Fig. 3 — 4). Es 
hängt dies offenbar mit der Lage von Ericia beim Kriechen zusammen, 
wobei die Poiretia bestrebt war, die bequemste Lage einzunehmen. 
■Gelegentlich zeigen die Frasspuren mitten auf dem Umgang eine 
Unterbrechung. 

Verwandte: Die nächst verwandte Form ist P. sandbergeri var. 
neglecta Klika, die Klika artlich abtrennen wollte. Als wichtigsten 
Unterschied führt er an die verschiedene Höhe des letzten Umgangs im 
Vergleich zur Schalenhöhe. Bei P. neglecta soll sich die Höhe der 
Spira zu der des letzten Umganges wie 2:5, bei P. sandbergeri wie 
1 : 1 verhalten, was sich indes als nicht richtig erwies. Vielmehr ist 
das Verhältnis bei P. sandbergeri etwa dasselbe wie bei der böhmischen 
Form. Auch die übrigen Unterschiede reichen bei der grossen Variations- 
breite dieser Art nicht hin, um eine artliche Trennung zu rechtfertigen. 
Allenfalls kann man sie als Var. zu P. sandbergeri stellen. Auch 
P. producta (Reuss) steht unserer Form noch recht nahe, ferner die 
obermiocänen P. eburnea (v. Klein) von Mörsingen und P. hildegardiae 
Oottschick von Steinheim a. Alb. 

4. Poiretia (Pseudoleacina) producta (Rss.). 

var. subcylindrica n. var. 

Tv{. IV, Fig. l. 

1852. Achatina producta Reuss; Palaeontogr. II, p. 32, Taf. III, Fig. 15. 

186L Glandina producta Reuss ; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W., Wien, XLII, p. 70. 

1870. Glandina producta Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R. XX, p. 286. 



— 43 — 

1875. Oleaciua pioducta Sandberger ; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorwelt, p. 444. 

Taf. XXIV, Fig. 29. 
1891. Oleacina producta Klika; Aich. f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen VII, 4i 

p. 2.3, Fig. 14. 
1897. Oleacina producta Reuss var emphyseniatica Babor; Sitz.-Ber. d. k. 

böhm. Ges. d W. LXIII, p. 2. 

Diese Form, die von Hochlieim bisher nur in zwei Stücken vor- 
liegt, steht P. producta Reuss von Tuchoric sehr nahe und vor allem 
ihrer var. emphyseniatica Babor. Ich würde sie auch zu dieser in 
Tuchoric sehr seltenen Form, von der mir leider kein Vergleichsmaterial 
vorlag, gestellt haben, da sie mit ihr die mehr cylindarische Gestalt 
gemeinsam hat, wenn sie nicht in den anderen Merkmalen abwiche. 
Die Hochheimer Form ist im Gegensatz zu der böhmischen Var. weder 
breiter als der Typ., noch besitzt sie mehr Umgänge. 

Unterscheidet sich vom Typ. durch die mehr walzenförmige Gestalt 
der Schale und das langsamere und gleichmäfsigere Anwachsen dcK 

Windungen. 

H D h b A 

Mafse: 15,9 mm 4,3 mm 6,2 mm 2,2 mm ö^/g C.F. 
V17.5 « 4,3 * 6,7 « 2,5 « — C.W. 
Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Nächstverwandt ist, wie erwähnt, P. producta Rss. typ. 
und ihre var. emphysematica Babor von Tuchoric, Lipen und ? Vermes 
b. Delemont. 

5. Poiretia (Pseudoleacina) subsulcosa (Tho.). 

1845. Acliatina subsulcosa Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat. II, p. 1-52, 

Taf. III, Fig. 12. 
1863. Glandina subsulcosa Sandberger: Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens. 

p. 46, Taf. V, Fig. 3. 
1875. Oleacina subsulcosa Sandberger; Land- u. Süssw. Conch. d. Vorw-., p. 410. 
1?97. Oleacina subsulcosa Babor: Sitz.-Ber. k. böhm. Ges. d. W. LXIII, p. 17. 

Die von den beiden vorigen durch Form und Schalenskulptur gut 
unterschiedene Form ist in Hochheim ziemlich selten. Auch sie unter- 
liegt ähnlichen Schwankungen in Gestalt und Grösse wie die vorigen, 
mit denen sie zusammen vorkommt. 

H D h 

Mafse: 18.6mm 6,7 mm 8,9 mm 
16,7 * 6.3 « 8,6 « 
14,5 « 6,5 « 7,5 « 



b 


A 




3,6 mm 


5'U 


C.W, 


3,7 « 


— 


C.F. 


— 


. — . 


M.S. 



— 44 — 

Fundort: Hochbeim s., Ilbesheim b. Landau. 
Böhmen : Stoltzenliahn (Babor). 
Verwandte: Sind mir nicht bekannt. 

6. Poiretia (Pseudoleacina) rugulosa (Sdbg.). 

1S63. Grlandina rugulosa Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert, -Beckens, p. 391. 
1875. Glandina rugulosa Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorwelt, 

p. 409, Taf. XXII, Fig. 33. 
1913. Glandina rugulosa Bucher; Geogn, Jahresh., p. 46. 

Die Beschreibung dieser Art stützt sich auf das einzige an der 
Spitze etwas verletzte Exemplar Sandbergers. Diese Art entfernt sich 
von den übrigen Formen durch die dickere Schale und die starke 
Rippung. 

JMafse: H ca. 31mm D= 9mm h=16mm b= — A= — 

Fundort: Ilbesheim b. Landau (Kl. Kalmit), Neustadt a. d. H. s. s. 
In Hochheim hat sie sich bisher noch nicht gefunden. 

Dagegen kommt sie in Schwaben in den Rugulosaschichten (Crepido- 
stoma-Horizont) von Thalfingen vor. 

Verwandte: P. crassicosta (Sdbg.) ^) aus dem Unteroligocän von 
Arnegg und vom Eselsberg b. Ulm ist etwas kleiner: 

H = 20 mm, I) = 6 '/, mm, h = 10 mm, A = 6, 
gleicht ihr aber in der Form und dürfte vielleicht als ihr Vorläufer 
anzusprechen sein. 

Familie Limacidae. 

In Hochheim finden sich die Schälchen einer Limaeide. Nicht 
immer sind jedoch diese Schälchen so gut erhalten, dass die Zuwachs- 
streifen sichtbar sind. Ich besitze nur 2 Schälchen, bei denen diese 
deutlich sind und eine Fixierung der Gattung gestatten. Sie zeigen, 
dass hier nicht, wie Sandberger glaubte, Sansania crassitesta (Rss.) 
des Landschneckenkalkes von Tuchoric vorliegt, denn der Nucleus liegt 
nicht seitlich, sondern median. Die Schälchen stimmen also mehr mit 
Milax überein, unterscheiden sich aber dadurch von dieser Gattung, 
dass sie kürzer und dicker sind, so dass es sich empfiehlt, für sie eine 
neue Gattung zu errichten, die ihre Stellung im System in der Nähe 
von Milax erhält. 



1) Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorwelt, p. 356. 

Miller, Alttertiäre Land- u. Süssw.-Conch. der Ulmer (hegend. Jahresh. 
d. Ver. f. vaterl. Naturk. in Wttbg. 1907, p. 441, Taf. VII, Fig. 8. 



— 45 — 
Pachymilax Böttgee 1884. 

(Böttger, Ber. d. Senckenb. naturf. Ges. 1884, p, 259.) 

Gelegentlich der Beschreibung von Arion (Letourneuxia) indifferens 
erwähnt Böttger einen Pachymilax sandbergeri M. S. und bemerkt 
dazu : «Bei der letztgenannten neuen Gattung liegt der centrale Nucleus 
unmittelbar hinter dem ersten Drittel der Schalenlänge.» 

D i a g n. : Dem Genus Milax Gray nahestehend, aber mit gedrungener 
und viel dickerer Schale, die oval und beiderseits gewölbt ist. Nucleus 
median im oberen Drittel der Schalenlänge liegend. 

Typus: Pachymilax sandbergeri Bttg. 

7. Pachymilax sandbergeri Bttg. m. s. 
Taf. IV, Fig. 2. 
Schälcheu oval, sehr dick, beiderseits gewölbt, mit medianem, im 
ersten Drittel der Schalenlänge liegendem Nucleus ; gelblich-hornfarben, 
durchscheinend. 

Mafse: 4,5x2,8 X 1-4 mm C.W. Fig. 2 
3,5X2,5X1,0 mm- C.W. 
2,3 X 3.2X0,7 mm M.S. 

Fundort: Hochheim n . h . 

Verwandte: Unter den fossilen Formen sind mir keine näheren 
Verwandte dieser Art bekannt. Es lässt sich also vorläufig nicht viel 
mehr sagen, als dass die Form der Gattung Milax nahe steht. 

Familie Vitrinidae. 

C4enus Vitrina Deapaenaud 1801. 

Subgenus Phenacollmax Stabile 1859. 

8. Vitrina (Phenacolimax) puncticulata Sdbg. 

1863. Vitrina intermedia Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 12. 

Taf. V, Fig. 19. 
1875. Vitrina puncticulata Sandberger; Land- u. Süssw.-Concli. d. Vorwelt, 

p. 273, Taf. XXII, Fig. 11.^ 

Diese Form wurde von Sandberger zuerst mit der böhmischen 
Art V. intermedia Rss. vereinigt, dann aber auf Böttgers Ver- 
anlassung hin als verschieden erkannt und neu beschrieben. 



— 46 — 

Mafse: H = 2,3mm Dmaj. = 4,3mm A = S^I.^ C.W. 
2,8 - 5,6 « - C.W. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Unter den fossilen Formen steht ihr V. intermedia 
von Tuchoric, Kolosuruk und Stoltzenhahn, die etwas bauchiger und 
dickschaliger ist, sehr nahe, von den lebenden die mittel- bzw. süd- 
europäische V. major (Fer.). 

Familie Zonitidae. 
Genus Zonites Montfoet 1810. 

Während die älteren Autoren, vor allem Sandberger und 0. Böttger^ 
glaubten, unsere fossilen Formen von den lebenden trennen zu müssen, 
hat zuerst B a b o r ^) wieder darauf hingewiesen, dass die Abtrennung 
überflüssig ist, da pleistocäne Formen die Verbindung mit den tertiären 
herstellen. In der Tat ist eine solche Abtrennung gar nicht möglich, 
da sie sich aufs engste an die lebenden Formen anschliessen und sogar 
schon dieselben Grundformen besassen. Überdies haben sie genau dieselben 
generischen Merkmale, was in einzelen Fällen allerdings nicht ganz leicht 
festzustellen ist. So zeigen auch die fossilen Formen ausnahmslos die 
Spirale Streifung der Oberseite, die bei den lebenden meist sehr deutlich 
hervortritt und nicht selten zu einer Gitterung der Schale führt. Durch 
die Fossilifikation wird die Spiralstreifung leichter zerstört als die An- 
wachsstreifung, so dass sie nur bei ganz wenigen, besonders gut erhaltenen 
Exemplaren zu beobachten ist. Trotzdem ist es mir bei allen hier 
angeführten Formen gelungen, sie einwandfrei festzustellen. Wie leicht 
die Skulptur auch bei den lebenden Formen verschwindet, besonders auch 
die Körnelung der Embryonalwindung, auf die Sandberger sogrossen 
Wert legt, kann man an leicht angewitterten, gebleichten Stücken der 
lebenden Arten deutlich beobachten. 

Die Gattung hat heute ihre Hauptverbreitung in Österreich, Bosnien, 
der Herzegowina und geht noch bis nach Kleinasien (Cilicien) hinüber, 
überschreitet aber die mittlere Donau nicht und findet sich auch auf den 
Inseln des Mittelmeeres nicht vor. Dass sie noch zur Diluvialzeit weiter 
verbreitet war, zeigen isolierte Vorkommen, wie bei Weimar-Taubach. 



') Arch. f. d. naturw. Landesdurcbf, v. Böhmen 1903, Bd. XI, No. 5, p. 23. 



— 47 — 

SubgeDus Aeogopis Fitzingek 1833. 
9. Zonites (Aeogopis) verticilloides (Tho.) 

I8i5. Helix verticilloides Thoniae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 138, 

Taf. IV, Fig. 5. 
186:1 Helix subverticillus Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 14, 

Taf. I, Fig. 16. 
1867. Helix subverticillus Quenstedt: Petrefaktenk. 11, p. 483, Taf. XLV, Fig. 7. 
1875. Arcliaeozonites subverticillus Sandberger; Land- und Süssw. -Conch. d, 

Vorwelt, p. 40:^ Taf. XXI, Fig. 6, p. 497. 
1891. Archaeozonites subverticillus Maillard; Abh. d. Schweiz, palaeont. 

Ges., XVIII. p. 11, Taf. 1, Fig. 15. 
1893. Zonites (Archaeozonites) subverticillus Degrange-Touzin : Actes Soc. 

Linn. Bordeaux, XLV, p. 76. 

1912. Zonites (Archaeozonites) subverticillus var. steinheimensis Jooss; Nachr.- 

Blatt d. d. Malakozool. Ges., p. 31, Taf. II, Fig. 1. 

1913. Archaeozonites subverticillus Bucher; Geogn. Jahresh., p. 46. 

Zonites verticilloides Tho. ist eine der verbreitetsten der grösseren Arten 
des Landschneckenkalkes. Sie schwankt, was Höhe des Gehäuses, Wölbung 
der Umgänge, Weite der Nabelung betrifft, in denselben Grenzen wie der 
lebende Zonites verticillus und seine Varietäten. Missbildungen und 
ausgebesserte Verletzungen der Schale beobachtet man bei Hochheimer 
Stücken nicht gerade selten. 
H 

Mafse: 32,5 mm 
30,2 « 
24,7 * 
22,7 « 

Fundort: Hochheim 
Landau (Kl. Kalmit). 

Im Mainzer Becken : Corbiculaschichten von Mainz, Offenbach-Bieber. 

Schwaben: Rugulosaschichten von Eckingen, Ehingen, Unterelchingen^ 
Thalfingen, Allewind, Griesingen und im Üb. Miocän von Steinheim a. Alb. 
(var. steinheimensis Jooss.) 

Schweiz: Kienberg und Wolfliswyl (Argau) (ü. Mioc). 

Frankreich : Labrede (Calcaire gris de l'Agenais). 

Verwandte: In den Hydrobienschichten des Mainzer Beckens 
findet sich Z. increscens Tho., der sehr nahe mit Z. verticilloides ver- 
wandt ist und sich nur durch die etwas grössere Höhe, die dadurch 
bedingte kugeligere Gestalt und den engeren Nabel unterscheidet. Ebenso 



D 


h 


b 


A 


38,6 mm 


18,4 mm 


19,2 mm 


6 C.F. 


40,0 « 


19,0 « 


20,0 < 


6V4 C.F. 


30,7 « 


16,4 « 


15,7 * 


e'U c.F. 


30,7 - 


14,9 « 


14,4 « 


6V4 C.W. 


i z. h., 


Nierstein, 


Grünstadt, 


Ilbesheim b. 



— 48 — 

ist auch Z. strubelli Bttg. von Theobaldshof b. Tann in der Rhön sehr 
nahe verwandt. Im Obermiocän von Steinheim tritt var. steinheimensis 
Jooss auf. Die schwäbische Form Z. subangulosos Benz aus den 
Rugulosaschichten vermittelt in mancher Hinsicht zwischen dieser und 
Z. algiroides-haidingeri. Der stumpfe Kiel ist nicht bei allen Stücken 
gleich deutlich ausgebildet und fehlt oft ganz. 

Die Hocbheimer Art mit ihren Var. ist als ein Vorläufer der Gruppe 
des Z. verticillus aufzufassen, dessen heutiges Verbreitungsgebiet sich von 
den Ostalpen bis in die Balkanländer hinein erstreckt und dem man je nach 
der Auffassung eine Reihe von Varietäten oder Arten zui; Seite stellt. 

10. Zonites (Aeogopis) algiroides (Reuss). 

1852. Zouites algiroides Reuss; Palaeontogr., II, p. 19. Taf. I, Fig. 5. 

1861. Zonites algiroides Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W., Wien, XLII, p. 63. 

1870. Zonites algiroides Böttger: Jahrb. d. k. k. geol. R., XX. p. 286. 

1875. Arcliaeozonites haidingeri Sandberger, Land- und Süssw.-Conch. d. Vor- 
welt, p. 24:^ Taf. XXIV, Fig. 26. 

1891. Ai'chaeozonites liaidingeri Klika; Arch. f. d. nat Landesdurchf. v. Böhmen, 
p. 25. Fig. 17. 

1891. Archaeozonites semiplanus Maillard : Abh. d. Schweiz, palaeont. Ges., X VIII, 
p. 11, Taf. I, Fig. 15. 

1893. Zonites (Archaeozonites) semiplanus Degrange-Touzin, Actes Soc. Linn. 
Bordeaux, XLV, p. 17. 

Die im böhmischen Tertiär häufige und verbreitete Art kommt in 
Hochheim nur sehr selten neben Z. verticilloides (Tho.) vor. Die Stücke 
stimmen vollkommen mit der böhmischen Form überein, zu der var. 
haidingeri Reuss (= var. reussi Klika) als flache Form gehört ebenso 
wie Z. semiplanus Reuss als Jugendexemplare. Zwischen beiden finden 
sich alle Übergänge. 

Mafse: 
H D h b A 

19,8 mm 29,4 mm 13,4 mm 14,5 mm 5^2 C. F grösstes Expl. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Böhmen : Tuchofic, Lipen, Kolosuruk. 

Schweiz : Haslen (Appenzell) (Aquit.) 

Frankreich : Son-Saucats (Calcaire gris de l'Agenais). 

Verwandte: Von fossilen Formen steht der obermiocäne Z. costatus 
Sdbg. nahe, von lebenden Z. (Aegopis) carneolicus Ad. Schmidt von Krain, 
der in der Form ähnlich ist, aber feinere Anwachsstreifen besitzt. 



— 49 - 

Endlich gehört noch eine dritte Hochheimer Art hierlier, deren 
systematische Stellung bisher recht schwankend war : Helix discus Tho., die 
Sandberger als Trochomorpha imbricata beschrieb. Zweifellos besitzt 
die Form recht grosse Ähnlichkeit mit einigen gekielten Zeniten der 
Aegopisgruppe, Immerhin zeigte sie aber doch einge Unterschiede, die 
mich veranlassen, für sie ein besonderes Subgenus aufzustellen : 

Subgenus Archaegopis n. subg. 

Steht dem Subgenus Aegopis nahe in der Schalenfonn, besonders den 
gekielten Arten (Z. acies Partsch etc.); unterscheidet sich aber durch 
schiefere und weniger S-förmig gekrümmte Rippen. 

Typus: Zonites discus (Tho.) = imbricatus Sdbg. 

11. Zonites (Archaegopis) discus (Tho.). 

1845. Helix discus Thomae; Jalirli. d. Nass. Ver. f. Nat. II, p. lU. 

1863. Trochomorpha imbricata Sandlierger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, 
p. 15, Taf. II, Fig. 2. 

1875. Trochomorpha imbricata Sandberger, Land- und Süssav. -Conch. d. Ynrwelt, 
p. 403. Taf. XXIII. Fig. 2). 

189-^. Trochomorpha imbricata Degrange-Toiizin : Actes Soc. Linn. Bor- 
deaux, XLV. p. 97. 

Das diese Form ein Zonites ist und weder mit Trochomorpha, wie 
Sandberger, noch mit Poecilozonites, wie Böttger wollte, etwas 
zu tun hat, glaube ich nach sorgfältiger Prüfung und Vergleichung des 
zahlreichen fossilen und lebenden Materials annehmen zu dürfen. Der 
Name Poecilozonites ist auf die lebenden Formen zu beschränken. Die 
CaracoUenforra verleiht dem Gehäuse eine gewisse äusserliche Ähnlichkeit 
mit einigen Trochomorphaarten ; doch muss man immer berücksichtigen, 
dass der Verlauf der Anwachsstreifen und Rippen stets in hohem Grade 
von der Kielung abhängig und bei allen gekielten Formen daher ähnlich 
ist, ebenso wie auch die Weite der Nabelung von der Schalenhöhe ab- 
hängig ist. Im übrigen sind die Mündungscharaktere unserer fossilen Form 
durchaus die von Zonites. Um das zu erkennen, muss man allerdings 
vollkommen erhaltene Stücke haben, die ganz ausserordentlich selten sind. 
Die Form schwankt ebenfalls stark in der Höhe des Gehäuses, so dass 
sehr flache neben stark kegelförmigen Stücken vorkommen. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Xat. G7, 19H. -t 



22,3 


« 32,6 


« 12,9 « 


15,9 « 7 


22,0 


« 37,1 


« 15,0 « 


18.0 * 63/4 


22,0 


« 32,6 


« 13,8 « 


17,6 « 63/4 


19,7 


« 30,4 


« 12,3 « 


15,0 « 7 



- 50 — 

H D h b A 

Mafse: 23,5 mm 37,2 mm 15,8 mm 18,7 mm 6^/4 Hochli. C. F. 

M.S. 
C. F. 
C.W. 
M. S. 

Fundort: Hochheim, Weisenau. 

Schwaben : ? Göttingen b. Ulm (Ob, Rugulosaschichten) (Miller). 
Frankreich: Labrede (Calcaire blanc de TAgenais). 
Verwandte: Der äusseren Schalenform nach kommt von den 
lebenden Arten zum Vergleich Zonites acies Partsch in Betracht, dessen 
heutiges Verbreitungsgebiet Dalmatien, Welcbit, Kroatien, Herzegowina^ 
Bosnien und Westserbien ist. Trotzdem glaube ich nicht an eine sehr 
nahe Verwandtschaft beider Formen, sondern glaube, dass sich von den 
Zoniten mit gerundeten Windungen zu allen Zeiten gekielte P^ormen 
abgezweigt haben. Möglicherweise ist der Zweig, dem die Hohenheimer 
Form angehörte, bereits wieder erloschen. Bei Z. acies sind die Anwachs- 
streifen weniger schief und mehr S-förmig gekrümmt. Ferner ist sie 
flacher und mehr gewölbt. Ausdrücklich sei bemerkt, dass auch die 
fossile Form die Spiralstreifung erkennen lässt. 

Genus Archaeoplecta Gtjde 1911. 

Für Helix lapidaria (Tho.) = stenotrypta Sdbg. hat Gude das Genus 
Archeoplecta aufgestellt, in dem er die Form mit Hemiplecta everetti 
Smith vergleicht, ohne indes auf näherer verwandtschaftlicher Beziehung 
zu bestehen. Ich glaube, dieses Genus hier unterbringen zu müssen, wo 
es in der Schalenform in mancher Hinsicht zwischen dejn vorigen und 
dem folgenden vermittelt, wenn auch die Nabelung enger ist als bei 
diesen beiden Genera, 

12. Archaeoplecta lapidaria (Tho), 

1845. Helix lapidaria Thomae ; Jahrb. d. Nass. Ver, f. Nat., p. 139, Taf. III, Fig. 7. 
■ 1863. Helix stenotrypta Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 40, 

Taf, ]. Fig, 8. 
1875. Nanina stenotrypta Sandberger; Land- und Süssw. -Conch. d. Vorwelt, 

p, 407, Taf. XXIII, Fig. 22. 
1911. Archaeoplecta stenotrypta Gude, Proc. of the Malacol. soc. Lond. IX, p. 209. 
1913. Nanina stenotrypta Bucher; Geogu, Jahresb., p. 46. 



— 51 — 

Auch diese Form ist ausserordentlich veränderlich in der Grösse. 
Etwas weniger schwankend ist die Weite des Nabels. 

H D h b A 

Mafse: 27,5 mm 31,4 mm 16,5 mm 17,7 mm ö'/^ C.W. 

27.0 « 28,5 « 16,4 « 15,6 « 6 C.F. 
24,6 « 27,3 « 15,3 « 15,2 « 6 M.S. 
24,6 « 27,9 <' 15,8 « 15,8 « 5^/^ C.F. 
23,4 « 24,2 * 13,9 « 13,1 « 6 M.S. 

18.1 « 20,4 « 11,8 « 11,6 « 0^1^ C.W. 
Fundort: Hochheim n. s., Ilbesheim b. Landau (Kl. Kalmit) Neu- 
stadt a. d. H., Königsbach. , 

Verwandte: An eine Verwandtschaft mit Nanina ravida (Bens.) 
aus China wie Sandberger oder mit Trochonanina, wie Böttger 
wollte, glaube ich nicht, vermag aber auch keine nähere Verwandte anzugeben. 
Vermutlich ist die Gruppe erloschen. 

Genus Omphalosagda Sandbergek 1875. 

Dieses Genus, das von Sandberger für die fossilen Arten: gold- 
fussi Tha., subrugulosa und alveus Sdbg. nom. nud. errichtet wurde, hat 
mit Sagda nichts zu tun, sondern muss im System neben Aegopina 
Kobelt (1879) = Retinella Shuttleworth (1879) zu stehen kommen, 
Avenn man nicht beide Genera identifizieren will, wobei dann der ältere 
Name Omphalosagda beizubehalten wäre. Die tertiären Formen sind alle 
sehr eng miteinander verwandt und schliessen sich besonders gut an 
Aegopina tetuanensis Kob. an. Das heutige Verbreitungsgebiet von Aegopina 
reicht von den Pyrenäen über Mittel- und Süditalien, Sizilien, Kreta, 
Siebenbürgen, Dobrudscha, Krim, Kaukasus und die Nordküste von Klein- 
asien bis nach Nordpersien. Die Art tetuanensis tritt in Tetuan isoliert 
auf. Ich halte es aus diesem Grunde nicht für ausgeschlossen, dass sie 
auch systematisch eine gewisse Sonderstellung einnimmt. 

Die tertiären Formen sind in der Gestalt ganz ausserordentlich variabel 
und neigen im allgemeinen mehr zur Kugelform als Aegopina. 

13. Omphalosagda goldfussi (Tho.). 

1845. Helix goldfussi Thoniae ; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 140, Taf. III, Fig. 5. 
1863. Helix goldfussi Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 42> 

Taf. II, Fig. 1. 
1875. Omphalosagda goldfussi Sandberger: Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorwelt, 

p. 404, Taf. XXIII, Fig. 21. 
1884. Omphalosagda goldfussi Böttger; N. .lahrb. f. Min. etc., p. 136. 

4* 



— 52 ~ 

Auch diese Form ist in ilirer Gestalt sehr starken Schwankungen 
unterworfen, sowohl was ihre Grösse, als auch was ihre Form betrifft. 
Neben flachen, mehr kegelförmigen Stücken, die Aegopina am nächsten 
kommen, finden sich höhere kugeligere, zwischen denen es zahlreiche 
Übergänge gibt (Taf, XI, Fig. 5 — 8). Eines meiner Stücke, das von 
den übrigen stark ab^Yeicht, möchte ich als 

var. depressa n. var. 
abtrennen. 

Var. depressa unterscheidet sich vom Typ. durch die flachere Form, 
den etwas engeren Nabel und vor allem durch die stark in die Breite 
gezogene Mündung, die nicht wie beim Typ. als ein Kreisbogen erscheint, 
sondern ebenfalls von oben nach unten zusammengedrückt ist. Der letzte 
Umgang erweitert sich daher sehr rasch kurz vor der Mündung. In 
allen übrigen Merkmalen stimmt die Form so sehr mit dem Typ. über- 
ein, dass kein Anlass zu einer artlichen Abtrennung vorliegt. 

Diese Form scheint mir deshalb besonders wichtig, weil sie mög- 
licherweise zwischen 0. goldfussi und der folgenden Form vermittelt. 
H D h b A 
Mafse: 



17,6 mm 


18,3 


mm 


10,3 mm 


9,1 mm 


6V2 


CW. 


12,7 « 


16,7 


« 


8,6 « 


8,9 « 


ö'u 


cw. 


12,0 « 


15,6 


« 


8,0 « 


7,6 « 


6 


typ. CW. 


10,3 « 


12,2 


« 


6,0 « 


6.0 « 


5^/. 


CW. 


9,3 « 


13,9 


« 


6,5 « 


7,0 « 


öVsVa 


r.depressaCW. 



Fundort: Hochheim n. s. 

Ausserdem im Mainzer Becken: Cerithienschichten von Kl. -Karben, 
Corbiculaschichten von Offenbach-Bieber. 

Verwandte: Recht nahe steht die vicariierende Form der oberen 
Rugulosaschichten Schwabens: 0. subrugulosa Sdbg. von Thalfingen, 
Eggingen b. Ulm (Sandberger), Beiningen, Hochstr. (C. W.), Donaurieden. 
Sie ist noch kugeliger als die Hochheimer Art und behauptet diese Form 
viel konstanter als diese, schwankt aber auch recht beträchtlich in der 
Grösse. Im Mainzer Becken findet sich in den Hydrobienschichten 0, 
hydrobiarum Joos, die sich an manche Stücke von Hochheim gut an- 
schliesst, aber im allgemeinen etwas flacher ist und feinere Anwachs- 
streifen hat. Von den lebenden Arten steht, wie oben bemerkt, Aegopina 
tetuanensis am nächsten. 



14. Omphalosagda (V) hochheimensis (Bttg.). 

(Taf. IV, Fig. 3, a, b.) 

1897. Helix hochheimensis Böttger; Nachr.-Bl. d. D. Mahikozool. Ges., p. 17. 

Das oben erwähnte Stück von 0. goldfussi (Tho.) var. depressa 
Wenz hat mich nach mannigfachem Vergleichen mit hyalinienartigen 
Formen veranhisst, diese Art einstweilen hierher zu stellen. Vielleicht 
würde es sich empfehlen, für sie eine neue Gattung zu errichten, die 
ihre Stellung im System neben Omphalosagda und den Aegopinen erhielte; 
doch möchte ich vorläufig davon absehen, da bis heute nur ein einziges 
Exemplar bekannt geworden ist, und man daher noch keine Kenntnis 
über die mögliche Variationsbreite dieser Form hat. Andererseits 
schliesst sie sich auch an die Gruppe der Hyalinia ihli Klika an; 
es scheint also, als ob damals noch keine so scharfe Trennung zwischen 
den einzelnen Formenkreisen bestand. 

Da diese Form noch nicht abgebildet worden ist, lasse ich Be- 
schreibung und Abbildung hier folgen, 

Gehäuse festschalig, mit tiefem, offenem, sich langsam erweiterndem 
Nabel, dessen Breite ungefähr ^j^., der des Gehäuses beträgt; nieder- 
gedrückt, gerundet-kegelförmig, mit konvexem Gewinde und kleinem 
etwas zitzenförmigem Embryonalende. Die o^/g schwach konvexen 
Umgänge sind an der Naht tief eingesenkt und oben mit kräftigen, 
gebündelten Anwachsstreifen versehen, die auf der Unterseite bedeutend 
schwächer werden. Eine schwache Spiralskulptur scheint auf der Unter- 
seite vorhanden zu sein. Der letzte Umgang erweitert sich etwas nach 
der Mündung zu, so dass er doppelt so breit erscheint als der vorletzte. 
Er ist nicht herabsteigend. Die Mündung ist ein wenig schief, eiförmig, 
bi'eiter als hoch, mit einfachem scharfem Mundsaum. Der Mundrand 
ist oben fast gerade schräg hei-ablaufend, unten gebogen, an der Spindel 
etwas vorgezogen und kaum merklich umgeschlagen. 

Im Innern der Mündung findet sich ein Ringwulst, wie man ihn 
nicht selten auch bei den anderen Vertretern der Familie beobachtet. 
Ob er etwa für diese Art besonders charakteristisch ist, kann erst beim 
Bekanntwerden weiterer Stücke entschieden werden. 

Mafse: Das einzige Stück (Koll. Böttger in 3Ius, Senckenb,) misst: 
H^5mm, D = 7,7mm, h^=3mm, b = 3,7nim, A = 5'|2. 



- 54 - 

Geuus Hyalinia Feeussac 1819. 

Die Hyalinien sind heute eine holoarktische Gattung, über Europa, 
Sibirien und Nordamerika verbreitet. 

Subgenus Polila Held 1837. 

15. Hyalinia (Polita) subcellaria (Tho.), 

1845. Helix subcellaria Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver f. Natiuk.. II, p. 144. 
1863. Helix (Hyaliaia) impressa Saudberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, 

p. 389, Taf. XXXV, Fig. 20. 
1866. Hyalinia impressa Deshayes; Ann. s. vert. du bassin de Paris, II, p. 817. 

Taf. LI., Fig. 25, 28. 
1875. Hyalinia impressa Sandberger: Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorwelt, p. 405, 

Taf. XXIII, Fig. 23. 

Die Hyalinien sind im Tertiär des Mainzer Beckens recht selten, 
so auch die vorliegende Form. Eine, wenn auch geringe Variations- 
breite kommt auch ilir zu. Neben oben fast flachen Stücken kommen 
auch solche vor, bei denen die Spitze etwas mehr hervortritt. 

Fundort: Hochheim s. 

PVankrcichV: Fontainebleau (Calcaire de Bauce), 

Verwandte: Sandberger weist unter den lebenden Formen 
auf H. lenis Shuttlew. von Palma und Hierro (Canaren) hin. Bei dem 
Mangel an vollkommen ausgebildeten, gut erhaltenen Stücken und bei 
der Unsicherheit der Umgrenzung der lebenden Formen glaube ich, vor- 
läufig von einer eingehenden Vergleichung absehen zu sollen 

10. Hyalinia (Polita) mattiaca Bttg. 
1913. Hyalinia (Polita) mattiaca Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 182. 
Diese kleine, weiter genabelte, glänzende Form ist in Hochheim 
noch seltener als die vorige. Das Original zu Böttger s Beschreibung 
konnte ich nicht auffinden. Es fanden sich in dem mit dem Etikett : 
«(Polita) mattiaca Bttgr. Ob, Ölig. Hochheim. *Orig. 1903» versehenen 
Gläschen zahlreiche Stücke von Pyramidula stenospira Rss. und Hyalinia 
mendica Klika, die höchstwahrscheinlich von Tuchoric stammen und 
durch Verwechselung hierher gelangt sind. Ich bilde daher ein zweites 
in Koll. K. Fischer befindliches Stück ab ^), da bisher noch keine Ab- 
bildung erfolgt ist. und lasse die Beschreibung hier folgen : 

1) Infolge der durch den Krieg veranlassten Störung konnte ich das betr. 
Stück nicht erhalten und muss daher seine Abbildung auf später verschieben. 



— 55 — 

Das Gehäuse ist eng, aber durchgehend genabelt, kreisförmig, 
massig niedergedrückt, dünn, mit erhabenem kegelförmigem Gewinde und 
hervortretender Spitze, Die 4^/2 gewölbten Umgänge nehmen langsam 
zu. Sie sind durch wenig tiefe Nähte von einander getrennt und mit 
scharfen Anwachsstreifen versehen. Der letzte Umgang ist stumpf ge- 
kielt, auf der Unterseite fast eben und vor der Mündung kaum erweitert ; 
«r erreicht fast ^/^ der Gehäusehöhe. Die Mündung ist leicht umge- 
bogen, rhombisch, mit einfachen, kaum zusammenstossenden Rändern; 
der rechte scharf vorgezogen, oben etwas herabsteigend, in der Mitte 
gewinkelt. Der Unter- und Spindelrand ist regelmässig gekrümmt. 
Mafse: H = 2,lmm, D = 4,4mra, h^ 1,5 mm, b=:l,8mm, A=472. 

Fundort: Hochheim p. s. 

Verwandte: Von den fossilen Formen steht H. ihli Klika von 
Tuchoric nahe, die aber bei gleicher Windungszahl bedeutend grösser 
ist. Von den lebenden zieht Böttger H. (Polita) pura Aid, zum 
Vergleich heran, die bei gleicher Grösse etwas gewölbtere und rascher 
zunehmende Windungen, tiefere Nähte und grössere Mündung hat. 

Familie Arionidae. 

Genus Arion Fekussac 1821. 

Die Arioniden scheinen schon im Tertiär recht häufig gewesen zu 
sein. In den oberraiocänen Landschneckenmergeln von Frankfurt a. M. 
finden sich die Kalkkonkretionen von A. kinkelini Wenz zu Millionen, 
während A. (Letourneuxia) indifferens Bttg. recht selten ist. In Hoch- 
heim findet sich: 

17. Arion hochheimensis Wenz. 
1911. Arion hochheimensis Wenz; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 177. 

Die Form ist auf einzelne Schichten beschränkt, tritt aber da oft 
recht zahlreich auf. Leider gibt die Form der Konkretionen keinen 
sehr guten Anhalt zu spezifischen Abgrenzungen. 

Fundort: Hochheim z. h. 

Verwandte: Die Konkretionen sind denen von A. kinkelini 
Wenz sehr ähnlich. Die Untergattung ist aus den oben angeführten 
Gründen schwer zu ermitteln. 



— 56 - 

Familie Endodontidae. 

<leiiu!^ Pyraniidula Kitzinger 1833, 
Subgenu!> Gonyodiscus Fitzinger 1833. 

Von dieser schon im Tertiär recht verbreiteten Gruppe finden 
sich in Hochheim nicht weniger als fünf verschiedene Arten, zu denen 
noch eine weitere aus dem Landschneckenkalk von Hessloch kommt, die 
aber bisher in Hochheim noch nicht nachgewiesen werden konnte, 

18. Pyramidula (Gonyodiscus) frici (Klika) 

1892. Piitula frici Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen VII, 4, 
p. 35, Fig. 27. 

Von dieser ursprünglich nur von Böhmen bekannten Form liegt 
ein Stück mit 5^/2 Windungen in meiner Sammlung, das mit der böhmischen 
Art gut übereinstimmt und nur vielleicht etwas flacher ist. Jedenfalls 
stimmt es mit dieser Art besser überein als mit der nahe verwandten 
P. falcifera Bttg., die noch niedriger, mehr flach gewölbt, d. h. weniger 
kegelförmig ist und feinere Zuwachsstreifen hat. Die feine Spiralskulptur 
scheint durch eine überaus zarte Körnelung der breiten Querrippen lier- 
vorgerufen, die sich aber auch bei P, falcifera angedeutet findet ^). 
Mafse: 11 = 8,0 mm, D= 15,2 mm, h = 6,2mm, b = 7,0mm, A = 572' 

F u n d ort: Hochheim s. s. 

Böhmen : Warzen. 

Schwaben : S a n d b e r ge r führt P. falcifera aus den oberen Rugulosa- 
schichten von Eckingen und Göttingen bei Ulm an. 

Verwandte: Von den fossilen Arten ist die obermiocäne P, 
(Pyramidula) mamillata Andreae von Oppeln nahe verwandt. Unter 
den lebenden Formen steht ihr die weitverbreitete südeuropäische P. balmei 
Potiez et Mich. (?=flavida Ziegl.), Algerien, Sardinien, Sizilien, Malta, 
Kreta, Rhodos, Cypern, Syrien und Palästina, aufserordentlich nahe. 
Das Tier lebte offenbar wie die lebende Verwandte in Felsspalten und 
wurde deshalb wohl nur selten eingeschwemmt. 



1) Ein weiteres, etwas kleineres Stück in KoU. K. Fischer gehört nach 
meiner Eriinierung wohl ebenfalls hierher; doch kann ich vorläufig nichts 
sicheres darüber sagen, da es mir augenblicklich nicht möglich ist, es zu ver- 
gleichen. 



19. Pyramidula (Gonyodiscus) multicostata (Tho.) 

1845, Helix multicostata Thoniae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Natnrk., p. 143. 
1863. Patula multicostata Sandbei'ger ; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 15. 

Taf II, Fig. 9. 
1870. Patula multicostata Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R, XX, p. 288, part. 
1875. Patula multicostata Saudberger; Land- und Süssw. -Conch. d. Vorwelt, 

p. 497, Taf. XXII. 13 
1908. Patula multicostata Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges , p. 146. 
1911. Patula (DiscusI multicostata Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 55. 

Diese in den höheren Schichten des Mainzer Beckens (Hydrobien- 
schichten) sehr häufige Art tritt in Hochheim nur sehr selten auf. 
P. sandbergeri Clessin herrscht hier bei weitem vor. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Im Mainzer Becken : Hydrobienschichten von Wiesbaden, Mainz, 
Budenheim. 

Ob in den Rugulosaschichten Schwabens diese oder die böhmische 
Form vorkommt, vermag ich nicht zu entscheiden, da mir von dort 
keine tadellos erhaltenen Stücke vorliegen. 

Verwandte: Sehr nahe steht die böhmische Form, die man 
bisher mit multicostata vereinigt hat. Während die Form des Mainzer 
Beckens, von der ich grosse, vollkommen erwachsene Stücke von Buden- 
heim b. Mainz besitze, stets einen deutlich ausgebildeten stumpfen Kiel 
zeigt, haben meine Tuchoricer Stücke mehr gerundete Umgänge, so dass 
der Kiel überhaupt nicht in die Erscheinung tritt oder doch fast un- 
merklich ist. Damit hängt auch zusammen, dass bei der böhmischen 
Form die Nähte tiefer eingesenkt sind als bei multicostata. Wichtig 
ist, wie schon Klika bemerkt, dass die böhmische Form viel enger 
gewunden ist. Von zwei gleichgrossen Stücken hat das böhmische 5, 
das Budenheimer nur 4 Windungen. Dies veranlasst mich, die böhmische 
Form abzutrennen als : 

Pyramidula (Gonyodiscus) bohemica n. sp. 

1861. Helix multicostata Reuss: Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W., Wien, LVII, 

p. 81, Taf. I, Fig. 2. 
1870. Patula multicostata Böttger: Jahrb. d. k k. geol. R. XX, p. 288. 
1891. Patula multicostata Klika; Arch f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen, VII, 4, 

p. 39, Fig. 81. 

Gehäuse flach kegelförmig, mit stumpfem zitzenförmigem Embryonal- 
ende, unten gewölbt und massig weit, aber tief genabelt. Die fünf flach 



— 58 — 

gewölbten, durch tiefe Nähte getrennten Umgänge sind mit zahlreichen, 
feinen, etwas gebogenen Anwachsstreifen verziert, die unten etwas' 
schwächer sind und häufig nach dem Nabel zu an Stärke wieder zu- 
nehmen. Der letzte Umgang ist gerundet, nicht gekielt; die Mündung 
mondförmig, mit scharfen Rändern, etwas schief. D = 3,8 mm, H ^ 2,1 mm. 

Fundort: Tuchoric (Orig. in Koll. Wenz). 

Die drei Tuchoricer Arten euglypha (Rss.), bohemica Wenz, 
stenospira (Rss.) zeigen in der Form Ähnlichkeiten, die auf nähere 
Verwandtschaft schliessen lassen. P. euglypha (Rss.) ist am stärksten 
gerippt, weit genabelt, stumpf gekielt und mit einer Kante um den 
Nabel. P. bohemia Wenz ist weit schwächer gerippt, so dass die 
Rippen mit blossem Auge kaum zu erkennen sind und erst unter der 
Lupe deutlich werden, nicht gekielt und ohne Kante um den engeren 
Nabel. P. stenospira (Rss.) endlich ist ihr in der Form ähnlich, aber 
ohne Rippen, nur mit feinen Anwachsstreifen versehen ; mit P. bohemica 
verwandt ist ferner P. supracostata aus den Silvanaschichten von Mörsingen 
und Undorf und eine Varietät dieser Art, von der ich gute Stücke von 
Hohenmemmingen besitze. 

P. multicostata Tho. und ihre nächsten Verwandten gehören in die 
Gruppe der lebenden rotundata, die sich von ihnen durch die etwas weitere 
Nabelung unterscheidet. 

20. Pyramidula (Gonyodiscus) stenospira (Reuss). 

1852. Hehx stenospira Reuss: Palaeontogr., II, p. 22, Taf. I. Fig. 11. 

1861. Helix stenospira Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W., Wien, XLII. p. 63. 

1870. Patula stenospira Böttger: Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 287, 

Taf. VIII, Fig. 2. 
1875. Patula stenospira Sandberger; Land- und Süssw.-C'onch. d. Vorwelt, 

p. 427, 454. 
1891. Patula stenospira Klika; Arch. f. d. Nat Landesdurclif. v. Böhmen, VII, 4, 

p. 38, Fig. 30. 

Diese böhmische Art, die bisher aus dem Mainzer Becken noch 
nicht bekannt war. ist neuerdings auch in Hochheim gefunden worden 
(Koll. K. Fischer und W. Wenz). Die Stücke stimmen mit der 
böhmischen Art vollkommen überein. 

Mafse: H = 1,7 mm, D == 3,3 mm. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Böhmen: Tuchoric, Kolosuruk, Stoltzenhahn. 



— 59 — 

Verwandte: Sehr nahe verwandt ist von den fossilen Formen 
P. lunula (Tho.) von Wiesbaden (Hessler), die etwas flacher und ein 
wenig schwächer gestreift ist. Sie ist zweifellos als direkter Nachkomme 
zu betrachten. Maillard führt sie auch aus dem Helvetien von 
Dettighofen b. Eglisau an, doch wird schwer zu entscheiden sein, ob 
hier diese Form oder stenospira vorliegt. Weiter besitze ich sie aus 
dem Untermiocän von Theobaldshof b. Tann i. d. Rhön. 

Unter den lebenden F'ormen steht ihr, wie schon Sandberger 
bemerkt, P. textilis Shuttlew. von den Canaren nahe. 

21. Pyramidula (Gonyodiscus) sandbergeri Clessin. 

1863. Helix (Patula) euglypha Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, 

p. 389, Taf. XXXV, Fig 18. 
1866. Helix euglypha Deshayes ; Ann. sans vert. du Bass. de Paris, II, p. 880, 

Taf. XI, Fig. 33-36. 
1875. Patula (Charopa) euglypha Sandberger; Land- und Süssw.-Conch. d. 

Vorwelt. p. 373, Taf. XXIV, Fig. 3. 
1898. Patula sandbergeri Clessin; Ber. d. Nat. Ver. Regensburg, H. IV, p. 6. 
1913. Patula euglypha Bucher; Geogn. Jahresh., p. 45. 

Clessin hat zuerst auf die Unterschiede aufmerksam gemacht, die 
diese Art von der böhmischen trennen, zu der sie S a n d b e r g e r zog. 
P. sandbergeri ist ein wenig flacher, etwas stärker gerippt und hat 
oberseits mehr gewölbte Umgänge, so dass die Naht tiefer eingesenkt 
erscheint. Ihr Nabel ist deutlich weiter und die Rippen sind stärker 
und fast doppelt soweit von einander entfernt wie bei der böhmischen 
Art, so dass bei ihr etwa 40, bei euglypha etwa 70 auf den Umgang 
kommen. 

Fundort: Hochheim n. s., Neustadt a. d. H. 

Frankreich: Marigny b, Orleans (Calcaire de Beauce). 

Verwandte: Die böhmische P. euglypha (Rss.) steht nahe, auch 
insofern als bei ihr wenigstens auf der Unterseite die Zahl der Rippen 
durch zwischengeschaltete vergrössert wird. Auf die Unterschiede beider 
ist oben hingewiesen worden. P. euglyphoides Sdbg, aus dem Sylvankalk 
Schwabens mit 60 — 65 Rippen steht der böhmischen Form wiederum 
sehr nahe, besitzt aber einen schärfer abgesetzten Kiel, der an der 
Unterseite durch eine Rinne begrenzt wird (Stücke v. Hohenmemmingen 
b. Giengen), Mörsingen, Altheim b. Ehingen, Hausen ob. Almendingen, 
ebenso P. costata Gottschick aus dem Obermiocän von Steinheim a. A. 
Gut erhaltene Stücke von Steinheim sind ein wenig weiter genabelt 



— 60 — 

und feiner gerippt als euglypha. Über die systematische Stellung der 
Form bin ich mir vorläufig noch nicht ganz klar und will sie deshalb 
hier unterbringen. Die starke Rippung allein scheint mir nicht von so 
grosser Bedeutung, um darauf eine nähere Verwandtschaft zu gründen. 

22. Pyramidula (Gonyodiscus) disculus (Sdbg.). 

1863. Helix disculus Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 16, 

Taf. II, Fig. 10. 
1875. Patula disculus Sandberger: Land- und Süssw. -Conch. d. Vorwelt, p. 373, 

Taf. XXII, Fig. 12. 

Diese scharf gekielte Form findet sich in Hochheim ziemlich selten, 
doch immerhin noch häufiger als P. falcifera Bttg. und P. stenospira (Rss.). 

M a f s e : H = 2,0 mm D = 5,7 mm A = 4^2 
1,8 « 5,3 « A = 4V2- 

Fundort: Hochheim z. s. 

Verwandte: P. alata Klika von Tuchoric scheint der Hochheimer 
Art nahe zu stehen. Von lebenden Arten kommt meiner Ansicht nach 
P. omalisma Bgt. von Catalonien ziemlich nahe. Die lebende Art ist 
etwas enger gewunden. 

23. Pyramidula (Gonyodiscus) costulatostriata (Greppin). 

1855. Helix costulatostriata Greppin; Nouv. Mem. soc. helv. sc. nat., p. 67, 

Taf. in, Fig. 3. 
1863. Helix costulatostriata Sandberger ; Conch. d MainzerTert.-Beckeus, p. 17. 

Ich habe das Stück nicht vergleichen können und kann daher hier 
auch nichts näheres darüber mitteilen. 
Fundort: Hessloch s. 
V e r w a n d t e : V 

Familie Helicidae. 

Subfamilie Geomitriuae. 

Genus Plebeciila Loye 1S52. 

24. Plebecula ramondi (Brong.). 

1811. Helix ramondi Brongniart; Ann. du Mus. Vol. XV. p. 50. Taf. XXII. 
Vgl. die weitere vollständige Literatur in ; 

1909. Dollfus, Essai sur Fetage Aquitanieu; Bull, des serv. de la carte geol- 

de la France, No. 124, Bd. XIX, 1909. 

1910. Helix (Plebecula) ramondi Kollier ; Mat. p. la carte geol. Suisse, XXV, N. S- 
191o. Helix ramondi Bucher; Geogn. Jahresh., p. 45. 



- 61 — 

Diese wichtige leitende Form, die sicli im Mainzer Becken nur in 
den Landschneckenkalken gefunden hat, ist hier nicht selten, aber nicht 
häufig gut erhalten. Sie variiert in der Grösse sehr beträchtlich. 
Kollier hat (1. c. p. 77) die grosse Form als P. dollfusi abgetrennt 
und Jooss (Jahresh. d. Ver. f, vaterl. Naturk. in Wttbg., Jg. 68, 1912, 
p. 166) eine kleinere Form P. fraasi Jooss beschrieben. Dass die 
grösseren Formen für einen bestimmten geologischen Horizont charak- 
teristisch sind, glaube ich nach meinen Erfahrungen in den Rugulosa- 
schichten Schwabens nicht. Vielmehr vermute ich, dass die Formen 
sehr wohl gleichzeitig, aber an verschiedenen Standorten gelebt haben 
mögen. In die Cerithien= und Corbiculaschichten geht die Form nicht 
über. Auch in Tuchor-ic usw. findet sie sich nicht. Ebenso fehlt sie 
in den oberen Rugulosaschichten. 

Mafse: 
11= 22,0 mm D = 21,4 mm h-. 14,3 mm b= 12,3 mm A = 5V4 CW. 

20,5 « 

20,5 « 

19,5 * 

17.9 « 

17,7 « 

Fundort: Hochheim n. s., Oppenheim, Nierstein, Albisheim, 
Kindenheim, Mertesheim, Quirnheim, Königsbach, Neustadt a. d. H., 
Ilbesheim b. Landau (Kl. Kalmit). 

Verwandte: Unter den fossilen steht P. fraasi Jooss möglicher- 
weise nahe. Die nächste lebende Verwandte ist die lebende bzw. subfossile 
P. bowdichiana von den Canaren (Madeira), die recht gut mit der 
tertiären übereinstimmt. Sie soll allerdings keine Papillen besitzen ; 
doch fand ich bei manchen Stücken die Streifen in Papillen aufgelöst. 
Sie kann wohl als direkter Nachkomme aufgefasst werden. 

Subfamilie Kygroxnüuae. 

Genus Hj;a:roniia Risse 1826. 

Subgenus Trichiopsis C. Böttgek 1911. 

25, Hygromia (Trichiopsis) leptoloma (Sdbg.). 

1845. Helix similis Thomae; Jahrb. d. Nass. V. f. Naturk., p. 143 (non Adams). 
1863. Helix leptoloma Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.- Beckens, p. 20. 
Taf. II, Fig. 7. 



20,8 « 


13,3 « 


12,5 « 


6^U C.W. 


22,7 - 


14,2 « 


11,4 « 


5'/4 C.W. 


21,7 « 


13,9 « 


12,0 « 


5 C.W. 


21,0 « 


18,7 « 


11,3 « 


i^U <^'-W. 


19,0 « 


12,0 « 


10,5 * 


5 C.W. 



5,5 mra 


A: 


=5 C.W. 


5,8 « 




5 C.F. 


5,9 « 




4'^,, C.W, 


5,0 « 




5 C.F. 


4,7 « 




4=^/, C.F. 



— 62 — 

1875. Helix (Fruticicola) leptolonia Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. 

Vorwelt, p. 380. 
1891. Helix leptoloma Maillard; Abh. d. Schweiz, palaeont. Ges. XVllI, p. 84. 

Diese Form, was Grösse und Form des Gehäuses betrifft, scheint 
nicht ganz so stark zu variieren, wie ihre nächsten Verwandten. 

il a is e : 
H = 7,4mm D = 9,4 nim h = 5,0mm b 

7,0 « 10,0 « 4,9 « 

6,6 « 10,2 « 4,8 « 

5,9 « 8,5 « 4,2 « 

5,5 « 8,5 « 3,7 « 

Fundort: Hochheim s. 

Verwandte; H. leptoloma bildet mit der böhmischen H. apicalis 
von Tuchofic, Lipen, Kolosuruk und Stoltzenhahn und mit ihrer 
schwäbischen var. subapicalis Sdbg. von Eckingen usw., ebenso mitH. crebri- 
punctata(Sdbg. aus den Corbiculaschichtenv. St.Johann(Rhh.),Gr.-Wintern- 
heim(Rhh.), Frankfurt a. M. und den Hydrobienschichten von Wiesbaden, 
Castel, Mainz, Weisenau, Budenheim, Gau-Algesheimer Kopf, Gr.-Wintern- 
heim, Bad Weilbach, Frankfurt a. M., Lämmerspiel, Hochstadt, Erbstadt- 
Kaichen und mit H. kleini (v. Klein) aus dem Obermiocän von 
Mörsingen, Hohenmemmingen, Steinheim, Frankfurt a. M. eine sehr 
enge Gruppe. Auch H. barteyresi (Noul.) aus dem Calcaire blanc de 
l'Agenais von Balizac und dem Calcaire gris de TAgenais von Sos 
(Lot-et-Garonne) sowie H. lucbardecensis (Noul.) aus dem Calcaire gris 
de l'Agenais und dem Langhien von Saucats gehören noch hierher. 

Zwischen den genannten Arten kann man nicht selten sogar Übergangs- 
formen beobachten, so dass deren Abgrenzung nicht immer ganz leicht ist. 

Geuus Fruticicola Held 1837. 
Von dieser palaeoborealen Gattung findet sich in Hochheim nur 
eine Form : 

26. Fruticicola subvillosa (Sdbg.). 

1868. Helix subvillosa Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 22, 
Taf. II, Fig. 4. 

Mafse: 
H = 7,0mm D = 12,9 mm h = 4,8mm b = 6,2mm A = 5 C.F. 
6,5 « 11,8 « 4,6 « 6,2 « — M.S. 



— 63 — 

Fundort: Hocliheim s. s. 

Verwandt e: Die Form gehört in die Gruppe der F. villosa (Stuci,), 
mit der sie in Form und Skulptur viel Ähnlichkeit besitzt, aber enger 
genabelt ist. 

Genus Pseiidoxerotricha C. Böttger 1911. 
27. Pseudoxerotricha subconspurcata (Sdbg,). 

1875. Helix Xerophila subconspurcata Sandberger; Land- u. Süssw.-Concb. 

d. Vorwelt, p. 338. 
1911. Pseudoxerotricha subconspurcata C. Böttger; Nacbr.-Bl. d. d. Malako- 
zool. Ges., p. 132. 
Leider konnte ich kein Exemplar dieser noch einigermafsen rätsel- 
haften Form auftreiben, die auch nicht abgebildet worden ist. Die 
beiden Stücke in KoU. Fischer erwiesen sich als zu Trichiopsis leptoloma 
gehörig. 

Genus Hemistenotrema Böttger 1897. 

Für die beiden Formen Hx. quadrisinuosa Bttg. und Hx. heydeni 
Bttg. schuf 0. Böttger das Genus Hemistenotrema, da er beide Formen 
den Stenotremen nahestehend glaubte, indem er die erste mit Steno- 
trema hirsuta Sow., die zweite mit Stenotrema monodon var. fraterna 
Say, nebenbei bemerkt den beiden einzigen ihm vorliegenden Formen 
von Stenotrema, verglich. Beide Formen haben mit Stenotrema nichts 
gemein als die Zahnung, die sich auch noch bei vielen anderen Formen 
findet und zudem noch stark von der von Stenotrema abweicht, da die 
Parietallamelle fehlt. Mit dem gleichen oder noch grösserem Recht 
würde man dann auch unsere Isognomostonia personatum (L.) zu Steno- 
trema stellen, ein Beispiel, das uns die Haltlosigkeit der allein auf die 
Schalenform gegründeten und ganz ohne Rücksicht auf die Zoogeographie 
vorgenommenen Vergleiche zeigt. Am besten wird die Gattung wohl 
neben Dihothryon Pfeiffer 1855 zu stehen kommen, die eine etwas ab- 
weichende Zahnung besitzt. 

Schon Böttger deutet die Möglichkeit an, dass beide Formen 
zur selben Art gehören könnten. Auch ich neige derselben Ansicht 
zu, wenn auch die ungezahnte Hx. heydeni Bttg. grösser ist als quadri- 
sinuosa Bttg. Erst kürzlich sah ich mehrere Stücke von Archelix 
doubleti Bgt. von Lella Marnia in Koll. W. Kobelt, von denen einige 
gezahnt, andere ungezahnt waren, wobei noch hervorzuheben ist, dass 



— 64 — 

sie nebeneinander vorkommen. Nicht selten beobachtet man, dass gerade 
grosse Formen einer Art oft unvollkommen ausgebildete Mündungen besitzen 
(Hypertropie). Mit Sicherheit wird die Frage erst dann zu entscheiden 
sein, wenn mehr Material vorliegt. Bis jetzt sind aber weitere Stücke 
nicht bekannt geworden. Ich habe daher einstweilen heydeni Bttg. als 
Var. zu der ersteren gestellt. Beide sind noch nicht abgebildet worden, 
was ich hiermit nachhole : 

28. Hemistenotrema quadrisinuosa Bttg. 
Taf. IV. Fig. 4. 
1897. Hemistenotrema quadrisinuosa Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. 
Ges.. p. 16. 

Gehäuse eng und halb bedeckt genabelt, gedrückt kugelig, mit 
flach kegelförmigem Gewinde und stumpfem Embryonalende. Die fünf 
langsam wachsenden, wenig gewölbten Umgänge sind durch eine deutliche, 
etwas eingedrückte Naht getrennt, beiderseits fein gestreift, auf der 
Unterseite etwas schwächer als oben. Der letzte Umgang ist vor der 
Mündung eingeschnürt und plötzlich umgeschlagen. Die Mündung ist 
sehr schief, verengt und mit vier Buchten versehen, zwischen denen drei 
Zähne sitzen. Der innerste Zahn am Spindelrand ist sehr schwach, 
die beiden andern sind etwa gleich stark. Von den vier Buchten ist 
die äusserste, vierte, am grössten; dann folgen der Grösse nach die 
dritte, erste und zweite. Der Innenrand ist scharf und bei der zweiten 
Bucht nach aussen etwas umgeschlagen, der äussere Rand gleichfalls 
scharf. Taf. IV, Fig. 4. (Nach dem in Koll. Böttger im Mus. 
Senckenb. befindlichen Original exemplar). 

Mafse: 
H=4,3mni D = 7,2mm h = 3,5mm b=4,0ram A = 5. 
Fundort: Hochheim s. s. 

29. Hemistenotrema quadrisinuosa Bttg. var. heydeni Bttg. 

Taf. IV, Fig. 5. 

1897. Hemistenotrema heydeni Böttger; Nachr.-Bl d. d. Malakozool. Ges.. p. 17. 

Unterscheidet sich vom Typ. durch etwas grösseres Gehäuse, weit 
auseinander stehende Haargruben in decussierter Stellung, das Fehlen 
der Buchten und Zähne (nur eine seichte Einbuchtung eben angedeutet), 
an deren Stelle eine gebogene, nach innen scharfe Lamelle den Mund- 
saum verengt. Der Spindelrand ist etwas stärker umgeschlagen und 
endet in einem Spindelblech, das den Nabel fast ganz bedeckt. 



— 65 — 

Taf. IV. Fig. 5. (Nach dem in Koll. Böttger im Mus. Senckenb. 
betindlichen Originalexemplar). 

Mafse: 
H=:5mm D = 8,0mm h = 3,5mm b = 4,6mm A = V 

Fundort: Hochheim s. s. 

Subfamilie Helicigoninae. 

Die heute lebenden Helicigoninen sind Gebirgsschnecken, die ihre 
Hauptverbreitung in den Alpen haben. Sie reichen von den Pyrenäen 
über den Balkan bis in die Dobrudscha, während ein anderer Zweig 
über den Apennin und Sicilien bis zur kleinen Kabylie vorgedrungen 
ist. Auch heute umfasst diese Gruppe ausser dem Hauptstamm noch 
in den Schalencharakteren recht abweichende isolierte Arten. Da kann 
€s uns nicht Wunder nehmen, wenn wir im Tertiär noch mehrere 
solcher Formen finden, die sich uns nicht sofort auf den ersten Blick 
als Helicigoninen zu erkennen geben. Ursprünglich waren es wohl eine 
ganze Reihe von Stämmen, die neben einander lebten, von denen nur 
einzelne sich den veränderten Lebensbedingungen anpassen konnten und 
einen grossen Formenreichtum entwickelten, von anderen sind uns heute 
nur wenige isolierte Formen erhalten, während die meisten, wie Metacam- 
pylaea, Galactochilus, Cyrtochilus, Tropidomphalus usw. erloschen sind. 

Genus Metacampylaea Pilsbkt 1894. 
30. Metacampylaea rahti (Tho.). 

1845. Helix rahtii Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. .f. Naturk., II, p. 140. 

Taf. III. Fig. 10. 
1863. Helix rahtii Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 24, 

Taf. III, Fig. 3. 
1875. Helix rathii Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., p. 387, 

Taf. XXII, Fig. 28. 
Die systematische Stellung dieser Form bei den Campylaeinen, wohin 
sie Pilsbry wies, scheint auch mir am meisten wahrscheinlich. Sicher 
ist, dass sie mit Geotrochus, wohin sie Böttger stellt, nichts zu tun 
hat. Dass diese grosse Form schon damals, trotzdem sie in Hochheim 
nicht gerade selten ist, dem Aussterben nahe war, darauf scheinen mir 
die häufig vorkommenden abnormen und krüppelhaften Gehäuse hinzu- 
deuten. Ganz besonders beobachet man Skalaridenbildung bei verlängertem 
oder verkürztem Gewinde. 

Jahrb. (1. nass. Vev. f. Nat. 67. 1914. 5 



— 66 - 



Mafse; 



H 


D 


h 


b 


A 




19,4 mm 


34,6 mm 


15,5 mm 


20,3 mm 


4*/2 


C.W. 


19,0 « 


33,3 « 


15,3 « 


17,8 « 


43,^ 


c. w. 


18,3 « 


32,0 « 


15,7 « 


17,5 « 


A--'U 


C.W. 


19,7 « 


32,5 « 


15,7 « 


17,7 « 


4^/4 


C.W. 


19,4 « 


29,6 « 


14,7 « 


16,0 « 


4^/4 


C.W. 



Fundort: Hochheim 11. s., Weisenau. 

Verwandte: Sehr nahe fossile Verwandte dieser Form sind mir 
nicht bekannt. Hx. obtusecarinata Sdbg. von Tuchoric, die Reuss zuerst 
als M. rahti Tho. beschrieb, und die 0. Böttger als nahe verwandt 
mit dieser Form betrachtet, gehört nicht hierher, sondern, wie C. Böttger 
gezeigt hat, zu Cepaea. Dagegen wird wohl Hx. papillifera Klika voä 
Tuchoric hierher gehören, steht aber der folgenden noch näher. 

31. Metacampylaea densipapillata Sdbg. 

1863. Helix (Hemicycla) densipapillata Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.- 

Beckens, p. 390, Taf. XXXV. Fig. 4. 
1875. Helix (Hemicycla) densipapillata Sandberger; Land- u. Süssw. -Conch. 
d. Vorw., p. 382. 
Man könnte daran denken, dass diese Form eine schwach gekielte 
rahti sei; doch ist auch die Skulptur eine etwas andere. Ausserdem ist 
die Oberseite der Windungen nicht flach wie bei rahti, sondern etwa& 
gewölbt. 

H D h b A 

Mafse: 20,8mm 28,8mm — , mm — , mm 5^/^ M.S. 
20,0 * 28,9 * 14,7 « 16,8 « 5 M.S. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Die nächsten fossilen Verwajidten sind M. papillifera 
(Klika) von Tuchoric und M. rahti (Tho.), die mit ihr zusammen vorkommt. 

(xenus Gralactocliiliis Sandberger 1875. 

Dieses Genus, das Sandberger für die lebende Luquilla cornu- 
militare (Linne) und die fossilen Formen pomiformis Sdbg. = braunü 
(Tho.), ehingensis (v. Klein), mattiacum (Stein) etc. aufgestellt hat, muss auf 
die fossilen Formen beschränkt werden. Interessant ist die fortdauernde- 
Grössenzunahme, die diese Formen in ihrer Entwicklung zeigen und die das- 
Aussterben der Gruppen ähnlich wie bei Triiitychia beschleunigen musste. 



— 67 — 

32. Galactochilus braunii (Tlio.). 

1845. Helix braunii Thomae: Jalirli. tl. Nass. Ver. f. Natuik-, IL p. 129, 

Taf. 11. Fig. 1. 
1863. Helix pomiformis Sandberger ; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 39, 

Taf. III, Fig. 1. 
1875. Helix (Galactochilus) pomiformis Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. 

d. Vorw., p. 387, Taf. XXIII, Fig. 1. 
1891. Galactochilus pomiforme Maillard: Abb. d. Schweiz, palaeont. Ges., XVllI, 

p. 31, TaL III, Fig. 3. 

Diese grosse Form ist verhältnismäfsig recht konstant. Gute, wohl- 
erhaltene Stück sind recht selten. 

H D h b A 

Mafse: 32,2 mm 40,6 mm 22,3 mm 23,7 mm 4^2 M.S. 
32,8 « 41,9 « 23,7 * 24,5 < 4^/4 M. S. 
32,5 « 42,1 « 23,7 « 21,9 « 4^/4 M.S. 
31,5 * 41,5 « 23,0 « 25,8 - 4^/^ M. F. 
31,5 « 40,0 « 23,4 * 25,4 - 4^/4 M.F. 
29,4 « 40,3 « 22,3 « 23,0 « 4^^ ^^ S. 
Fundort: Hochheim s. s. 

Schweiz : Lauengraben b. Thun (Aquit. inf. fide Maillard). 
Verwandte: Die Gattung Galactochilus, die noch im Tertiär 
ausgestorben ist, bildet eine grosse, sehr geschlossene Gruppe eng ver- 
wandter Arten. Von Tuchoric ist bisher noch kein Galactochilus bekannt 
worden. Die schwäbische Form G. inliexum Ziet. = ehingensis (v. Klein) 
schliesst sich mehr an G. mattiacum (Stein.) aus den Hydrobienschichten 
an. Dagegen steht G. silesiacum Andreae aus dem Obermiocän von 
Oppeln recht nahe und könnte wohl ein Nachkomme der Hochheimer 
Form sein. (Vgl. auch St. v. Gaal: Die sarmatische Gastropodenfauna 
von Rakosd . . . Jahrb. d. k. ung. geol. R., Bd. XXIII, p. 112 ff.) 

Genus Tropidomphalus Pilsbry 1894. 

Diese formenreiche Gruppe hat auch in Hochheim einen Vertreter. 
Trotz der von 0. Böttger »mit Vorbedacht« abgegebenen Erklärung 
(Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges. 1894, p. 111 und 1909, p. 117) 
schliesse ich mich Pilsbry s Ansicht durchaus an, der diese Formen zu 
den Campylaeinen stellte. Das typische Campylaeinenband, das man bei 
den böhmischen und schwäbischen Arten gut beobachten kann, ist bei 
der Hochheimer Art selten eben angedeutet, was indes einzig am Erhaltungs- 

5* 



- HS - - 

zustand liegt. Ähnliche Gehäuseformen linden wir auch noch heute bei 
den Campylaeinen z. B. bei Eucampylaea planispira (Lam.) var. setulosa 
Brug. und Elona quimperiana (Fer.). Doch glaube ich nicht an eine 
sehr nahe Verwandtschaft einer dieser Formen mit Trepidomphalus. 
Vielmehr dürfte diese Gattung in Tertiär erloschen sein. Wie die meisten 
tertiären Campylaeinen umfasste auch Tropidomphalus feuchtigkeitliebende 
Formen, die wohl eine ähnliche Lebensweise führten, wie die lebende 
Elona quimperiana (Fer,), der sie auch in dem Schalenbau am meisten 
gleichen. 

33. Tropidomphalus arnoldi (Tho.). 

1845. Helix arnoldii Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II. p. 1.36, 

Taf. III. Fig. 6. 
1863. Helix lepidotiicha Sandberger; Couch, d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 30, 

Taf. III, Fig. 4. 
1875. Helix (Fruticicola) lepidotricha Sandberger: Land- u. Süssw.-Conch. d. 

Yoiw., p. 339, Taf. XXII, Fig. 21. 
1891. Helix lepidotricha Maillard; Abb. d. Schweiz, pakeont Ges., XVIII, 

p. 33, Taf. III. Fig. 4. 
1893. Helix (Fruticicola) lepidotricha Degrange-Touzin ; Actes soc. Liiin. 

Bordeaux, p. 79. 

Diese Art ist in der Form sehr konstant und schwankt nur in der 
Grösse der Stücke in nicht sehr weiten Grenzen. Ich habe nur bei 
einem der Stücke eine scliwache Andeutung des Carapylaeinenbandes 
beobachten können. 

Mafse 



H 


D 


h 


b 


A 




15,0 mm 


25,4 mm 


13,8 mm 


14,4 mm 


4^-4 


C. W. 


13.0 <= 


23,2 « 


11.8 -< 


13,0 « 


4V4 


c. w. 


13,0 « 


22.0 « 


12,2 « 


12.7 « 


4V4 


c. w. 


12,7 « 


22.3 « 


12,2 « 


11,7 « 


4\'4 


M.S. 


12,1 * 


21,6 « 


11.2 - 


12.3 - 


4 


C.W. 



Fundort: Hochheim n. h. 

Verwandte: Die näcliste Verwandte ist eine Form aus den 
Rugulosakalken Sciiwabens: Thalfingen, Eckingen (Sandberger), Arnegg- 
Ermingen (Müller), Beiniugen, Göttingen b. Ulm (Wenz), von der ich 
tadelloses Stück von Thalfingen b. Ulm und eine grössere Anzahl von 
Beiningen (Hochsträss) besitze, und die einen eigenen Artnamen verdient, 
da sie von arnoldi (Tho.) sehr gut unterschieden ist. Herr C. H. Jooss 
der die B\iuna der schwäbischen Süsswasserablagerungen einer Neu- 



-- 61) — 

bearbeitung unterzieht, wird ^\e als T. minor beschreiben. Von arnoldi 
(Tho.) unterscheidet sie sich durch konstant geringere Grösse (H = 12,8, 
D= 18,0 mm — Thaitingen; H = 10,5, D= 16,2 mm — Beiningen), 
höheres Gewinde, wodurch eine mehr kugelige Gestalt erreicht wird und 
kleinere mehr winklige Mündung. Diese Form besitze ich auch in 
einer schwachen Varietät aus dem Untermiocän von Theobaldshof bei 
Tann a. d. Rhön, wo sie nicht selten ist, aber fast stets zertrümmert 
vorkommt. Maillard erwähnt T. arnoldi von Courendlin (Berner Jura) 
(Aquit.) und von Hohe Rhonen (Aquit), Degrange-Touzin aus dem 
Calcaire blanc de l'Agenais von Labrede ; doch bleibt ungewiss, ob hier 
die schwäbische oder die Hocheimmer Form vorliegt. 

In Tuchoric vertritt ihn der schon weiter entfernte Tropidomphalus 
(Pseudochloritis) robustum (Rss.) 

Wie ich schon oben bemerkte, zeigte Elona quimperiana (Fer.) und 
Eucampylaea planispira (Lam.) var. setulosa Brug. eine ähnliche Gehäuse- 
form. Sie sind aber nicht so eng eingerollt wie arnoldi (Tho.). Ich halte 
sie auch nicht für besonders nahe verwandt. 

Genus Cyrtochilus Sandbeeger 1875. 

Auch diese Gattung ist auf das Tertiär beschränkt und hat keine 
Nachkommcnen hinterlassen. Wir kennen bis jetzt nur die eine Form. 

34. Cyrtochilus affinis (Tho.). 

1815. Helix affinis Thomao ; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 138. 
1863. Helix affinis Sandberger; Oonch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 34, 

Taf. IV, Fig. 2. 
1875. Helix (Cyrtochilus) expansilabris Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. 

d. Vorw., p. 386, Taf. XXII, Fig. 27. 
1891. Cyrtochilus expansilabris Maillard ; Abb. d. Schweiz, palaeont Ges., XVIII, 

p. 49, Taf. IV, Fig. 4-5. 
1893. Helix (Cyrtochilus) expansilabris Degrange-Touzin, Actes Soc. Linn., 

Bordeaux, XLV, p. 79. 
1909. Helix (Cyrtochilus) expansilabris Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. 

Ges., p. 20. 
1913. Helix affinis Bucher; Geogn. Jahresh., p. 45. 

Die in Hochheira recht seltene Form scheint mehr in der Grösse 
zu schwanken als Trepidomphalus. Ich besitze von Hochheim ein sehr 
kleines Stück. Auch das Verhältnis von Höhe und Durchmesser ist ein 
wenig veränderlich, sonst ist sie in den Schalencharakteren sehr konstant. 



h 


b 


A 




8,0 mm 


8,0 mm 


5^2 


M. S. 


10,3 « 


9,8 * 


5^. 


C.W. 


8,0 « 


10,0 « 


5V4 


M. S. 


9,0 « 


10,5 « 


— 


M. S. 


8,0 « 


8,5 < 


5 


C. W. 


von Harxheim. 







_ 70 — 

Sandberger hat diese Form zweimal unter verschiedenen Namen 
beschrieben, als affinis und expansilabris. 
H D 

Mafse: 13,6 mm 14,2 mm 
13,5 « 15.9 < 
12,5 « 15,0 « 
11,5 « 16,4 < 
11,3 « 14,2 « 
Fundort: Flochheim s. s. ; östl. 
Hj'drobienschichten von Budenheim. 
Schwaben : Rugulosaschichten von Ehingen '? (Schad). 
Schweiz : Bötzberg (Argau) (Tortonien). 
Frankreich: Calcaire blanc de l'Agenais von Labrede. 
Verwandte: Ich kenne weder fossile noch lebende Verwandte. 
Die Form ist im Tertiär erloschen. 

Genus Klikia Pilsbet 1894. 
Dass dieses Genus hierher und zwar in die Nähe von Isognomostoma 
zu stellen ist, haben die Untersuchungen von C. Böttger (Nachr.- 
Bl. d. d. Malakazool. Ges. 1912 p. 28) und mir (dgl. p. 189) ergeben. 

Subgenus Klikia Pilsbrt 1894. 

35. Klikia (Klikia) osculum (Tho.). 

1845. Helix osculum Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk.. II, p. 137, 
Taf. III, Fig. 4. 

Dieser Form habe ich eine besondere Studie gewidmet : Jahrb. 
d. Nass. Ver. f. Naturk. 1911, p. 75, wo man auch die übrige 
Literatur, sowie nähere Angaben über ihre Verbreitung und ihre 
Verwandten findet. 

Fundort: Hochheim, östl. Lautersheim. 

Im Mainzer Becken: Cyrenenraergel von Sulzheim, Offenbach a. M., 
Süsswasserschichten von Partenheim, Cerithienschichten von Kl. -Karben, 
Corbiculaschichten von Frankfurt und Bieber b. Oft'enbach. 

Böhmen : Tuchoric, 

Schwaben: Rugulosaschichten von Thalfingen, Eggingen, Erstetten- 
Pappelau. 

Schweiz : Bühneralb b. Laufen. 



— 71 — 

Verwandte: Die älteste bis heute bekannte Form dieser Gruppe 
ist K. praeosculina Miller aus dem Unteroligocän von Arnegg, die wir 
als Stammform betrachten können. In den schwäbischen Rugulosakalken 
findet sich noch Klikia osculum var. crassa Wenz, in den höheren 
Schichten des Mainzer Beckens Klikia osculum var. depressa Sdbg. : 
Corbiculaschichten von Gross - Winternheim und Ober -Ingelheim (Rhh.), 
Hydrobienschichten von Hochstadt b. Hanau und Wiesbaden. Eine 
jüngere Mutation ist Klikia giengensis (Krauss), die in den Sylvana- 
schichten Schwabens etc. sehr verbreitet ist: Hohenmemmingen b. Giengen, 
Hausen b. Ehingen, Mörsingen u. Umg. : Deutschhof b. Pflummern, 
Emeringen, Bechingen, Osterberg b. Riedlingen ; in der Schweiz : Baarburg 
(Zug), Winnekon (Luzern), Schwammendingen u. Roth b. Kaiserstuhl 
(Zürich), Rued u. Siggenthal (Argau), Annwyl (Argau), Mammern (Thur). 
Ebenso findet sie sich in den Sylvanaschichten Bayerns bei Günzburg 
und Undorf b. Regensburg und in den gleichalterigen Landschnecken- 
mergeln von Frankfurt. In den Hydrobienschichten finden wir Klikia 
jungi Bttg. Wiesbaden und Budenheim b, Mainz und eine Varietät: 
Klikia jungi var. suevica Wenz in dem Crepidostamahorizont von 
Beiningen (Hochsträss). In Tuchoi^ic tritt neben dem Typus noch 
Klikia labiata Klika auf. Weiter entfernt sind Klikia osculina von 
Altheim b. Ehingen, Ob. Mioc, Klikia (Apula) devexa (Reuss) von 
Böhmen, Klikia (Apula) coarctata (v. Klein) und Klikia (Apula) catanto- 
stoma Sdbg. aus den Sylvanakalken Schwabens etc. 

Auf die liohe Bedeutung dieser Arten und Varietäten als Leit- 
fornien habe ich (1. c.) aufmerksam gemacht. 

Unter den heute lebenden Formen ist Isognomostoma isognostoma 
(Gmelin) = personatum (Lam.) am nächsten verwandt, ohne dass es 
jedoch bis jetzt gelungen wäre, sie zu irgend einer der erwähnten 
Formen in engere Beziehungen zu bringen. Isognomostoma isognostoma 
(Gmelin) hat ihre Hauptverbreitung in den Alpen und dringt von hier 
bis in die Pyrenäen nnd Katalonien, nach Mitteldeutschland (Rhön) und 
nach Siebenbürgen vor. 

Subfamilie Helicodontinae. 
Genus Helicodoiita Ferussac 1819. 

Auch die Helicodontinen sind eine recht alte Heliceengruppe, die 
schon im Oligocän sehr artenreich entwickelt war. Dementsprechend 



— 72 — 

ist auch ihre heutige Verbreitung eine recht grosse, von Ostchina bis 
zu den Canaren und Madera, vorausgesetzt, dass sich die ostasiatischen 
Formen anatomisch als zugeliörig erweisen, was noch recht fraglich ist. 
In Hochheim linden sich drei Formen, von denen eine zum Subgenus 
Helicodonta s. Str., die anderen zwei zu Caracollina gehören. Übrigens 
dürften die beiden Subgenera kaum einem natürlichen Einteilungsprinzip 
entsprechen; doch kann eine Neugliederung natürlich erst dann statt- 
finden, wenn man die Anatomie der einzelnen lebenden Formen genau 
kennt. 



Subgenus Helicodonta Febussac 1819. 

36. Helicodonta (Helicodonta) involuta (Tho.). 

1845. Helix involuta Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 144, 
Taf. II, Fig. 8. 

1852. Helix involuta Reuss; Palaeontogr. II. p. 28. Taf. III, Fig. 3. 

1853. Helix involuta v. Klein ; Jahresh d Ver. f. Vaterl. Nat., in Wttbg., 

p. 211, Taf. V, Fig. 8. 
1863. Helix involuta Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 32, 

Taf. III, Fig. 10. 
1866. Helix involuta Deshayes; Anim. s. vert. du Bassin de Paris, II, p. 814, 

Taf. LH, Fig. 26—29. 
1870. Helix (Trigonostoma) involuta Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R., p. 289» 
1875. Helix (Gonostoma) involuta Sandberger; Land- u. Süssw. -Conch. d, 

Vorw., p. 376 etc.. Taf. XXII, Fig. 17. 
1891. Helix (Trigonostoma) involuta var. minor, et var. hecklei Klika; Arch> 

f. d. nat. Landesdurcbf. von Böhmen, p. 46, Fig. 39 — 40. 
1893. Helix involuta Degrange-Touzin : Actes soc. Linn. Bordeaux, XLV, p. 79. 
1908. Helix (Gonostoma) involuta Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool Ges 

p. 148. 

1911. Helicodonta (Helicodonta) involuta v. deplanata Jooss; Jahrb. d. Nass, 

Ver. f. Naturk.. p. 57. 

1912. Helicodonta (Helicodonta) involuta var. angitorta Jooss; Nachr.-Bl. d. d, 

Malakozool. Ges., p. 34, Taf. II, Fig. 3, 

Die im Oligocän und Miocän weit verbreitete Art zeigt bedeutende 
Schwankungen, während die lokalen Formen oft recht konstant sind. 
Die Form scheint nirgends besonders häufig zu sein, 

Mafse: H 



= 3,4 mm 


D = 6,1 mm 


A = 5V, 


C.W. 


= 2,8 - 


= 5,8 « 


= 4V, 


C.W. 


= 2,7 * 


= 5,2 « 


= 4V, 


c. w. 



— 73 — 

Fundort: Hochheim n. h. 

Im Mainzer Becken: In den Cerithienschichten von Kl. -Karben, 
(Wett.), Corbiculaschichten von Weieenau, Frankfurt und Bieber b. Offen - 
bach, Hydrobienschichten von Wiesbaden, Budenheim b. Mainz, Hochstadt 
(var. deplanata), Ob. Mioc., Landschneckenmergel von Frankfurt (var.). 

Böhmen: Tuchoric, Lipen, Kolosoruk, Stoltzenhahn (var, minor et 
var. hecklei). 

Schwaben: Sylvanaschichten von Mörsingen, (var. scabiosa Sdbg.), 
Steinheim (var. angitorta). 

Frankreich: Cestas (Langhien), Montabuzard b. Orleans, (Calcaire 
gris de 1' Agenais). 

Verwandte: Sclion im Unteroligocän tritt ein Vorläufer H. 
subinvoluta (Sdbg.) auf. Im Oberoligocän ist die Form in verschiedenen 
Varietäten sehr verbreitet (s. o.) Im Pliocän ist H. planorbiformis 
Sacco von Villafranca wohl nur eine aufsteigende Mutation der miocänen 
Form. Von den lebenden Arten ist H. angigyra nahe verwandt. Sehr 
ähnlich in der Gehäuseform ist auch H. biconcava Heude von Hu-bei. 
Sie kommt indes zum Vergleich kaum in Betracht ; auch ist sie ver- 
mutlich keine Helicodontine und die Ähnlichkeit der Schale ist lediglich 
eine Konvergenzerscheinung. 



Siibgeuus Caracollina Beck 1837. 
37. Helicodonta (Caracollina) phacodes (Tho.). 

1845. Helix phacodes Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 142, 

Taf. IIL Fig. 8. 
1852. Helix petersi Reuss; Palaeontogr., II, p. 23, Taf. II, Fig. 3. 
1861. Helix petersi Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. Wissensch , XLII, p. 68. 
1863. Helix phacodes Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 33. 

Taf. III, Fig. 11. 
1866. Helix petersi Quenstedt; Petrefaktenk., II, p. 483, Taf. XLV, Fig. 11. 
1870. Helix (Gonostoma) phacodes Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R., p. 289. 
1875. Helix (Gonostoma) phacodes Sandberger; Land- u. Süssw. -Conch. d. 

Vorw., p. 378 etc., Taf. XXII, Fig. 19. 
1891. Helix (Gonostoma) phacodes Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. 

Böhmen, VII, 4, p. 45, Fig. 3^. 
1891. Helix (Gonostoma) phacodes Maillard; Abb. d. Schweiz, palaeont. Ges. 

XVIII, p. 67, Taf. V, Fig. 10. 
1897. Helix (Caracollina) phacodes Thomae var. grossa Babor; Sitz.-Ber. d. 

k. böhm. Ges. d. W., LXIII, p. 3. 



— 74 — 

1908. Helix (Gonostoma) phacodes Böttger; Nachr.-Bl d. d. Malakozool. Ges., 

p. 149. 
1911. Helicodonta (CaracoUina) phacodes Thoinae f. major Jooss: Jahrb. d. 

Nass. Vor. f. Nat., p. 57. 
1913. Helix phacodes Bücher; Geogn. Jahresh., p. 45. 

Auch diese Art schwankt etwas in der Grösse, während sie ihre 
Form sehr streng bewahrt. 

Mafse: H = 5,0 mm D = 10,6 mm A = 6 C.W. 
= 4,8 « = 10,0 * = 6 C. W. 

= 4,5 * = 9,4 « =6 C.W. 

= 4,5 « = 8,8 « = 5^'^ C. W. 

= 4,0 * = 7,1 « = 5^/4 C. W. 

Fundort: Hochheim n. h., Ilbesheim b. Landau (Kl, Kalmit), 
Königsbach, Mertesheim. 

Im Mainzer Becken : Hydrobienschichten von Wiesbaden, Buden- 
heim b Mainz (f. major.), 

Böhmen: Tuchoric, Stoltzenhahn (typ, et var,), 

Schwaben: Rugulosaschichten, Crepidostomakalk v. Thalfingen, 
Sylvanaschichten von Hausen b, Ehingen, Hepsisau. 

Frankreich : Calcaire gris de l'Agenais. 

Schweiz : Chätillon u. St, Imier. 

Verwandte: Die tertiären Formen schliessen sich eng an den 
Typ, an; die jüngeren neigen zu etwas bedeutenderer Grösse. 

Die Form gehört in die Gruppe der lebenden H. lens und 
lenticula (Fer.). H. lenticula (F'6r.) von den Canaren unterscheidet sich 
von phacodes durch den verdeckten Nabel und die plötzlich abwärts 
gebogene letzte Windung. H. lens ist viel grösser und zeigt die 
gleichen Unterschiede, die indes nicht verbieten, H. phacodes in dieselbe 
Gruppe zu stellen. Am nächsten steht meiner Meinung nach H, supra- 
costata Kobelt. Auch sie ist grösser, wie es schon im Entwicklungsgang 
der tertiären Formen ausgesprochen ist, stimmt aber sonst in Rippung und 
Nabelung gut überein ; auch steigt bei ihr ebenso wie bei H, phacodes 
(Tho.) der letzte Umgang bis zur Einschnürung nicht herab. 

38. Helicodonta (CaracoUina) lapicidella (Tho.). 

1845, Helix lapicidella Thomae ; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., 11, p. 14-2. 
1863. Helix sublenticula Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 33, 
Taf. IIl. Fie. 12. 



— 75 — 

1875. Helix (Gonostoma) sublenticula Saiidberger : Land- u. Süssw.-Conch. d. 

Vorw., p. 379, Taf. XXII. Fig. 20. 
1891. Helix (Gonostoma) lapicidella Maillard : Abb. d. Schweiz, palaeont. Ges. 

XVIII, p. 64, Taf. V, Fig. 5. 

Dass wir es bei H. lapicidella (Tho.) mit einem Vorläufer von 
Helicigona lapicida (L.) zu tun haben, wie Thomae wollte, glaubeich 
trotz der ziemlich grossen äusseren Ähnlichkeit nicht. Zwar stimmt 
die Schalenform und auch die Mündung recht gut mit dieser Form ; 
doch ist die Schalenskulptur sehr stark abweichend. Allerdings findet 
sich unter den lebenden Formen der Helicodonten auch keine sehr 
nahe Verwandte. 

Die Form, die in Hochheim ausserordentlich selten ist, ist sehr 
konstant. 

Mafse 



H 


D 


h 


b 


A 




5,7 mm 


11,9 mm 


5,2 mm 


5,6 mm 


5 


C.W. 


5,7 < 


11,6 « 


5,0 * 


5,1 < 


4»/4 


C.W. 


5,3 « 


11,0 * 


5,0 « 


5,5 * 


4V2 


C.W. 


4,5 « 


9,7 « 


4,3 « 


4,8 « 


4V4 


C.W. 



Fundort: Hochheim s. s. 

Sandberger und Maillard führen sie noch von Sornetan 
(Aquitanien sup.) und Castel b. Grellingen (Aquit. sup.) an. 

Auch in den schwäbischen Rugulosaschichten findet sie sich. Stücke 
von Ehingen (Coli. Schad.) gehören einer kleineren Var. an, die nur 
H = 4 mm, D = 9 mm misst; sie sei als var. minor n. var. ab- 
getrennt. 

Verwandte: Von fossilen Formen ist vielleicht H. tropifera 
F. Edw., wie schon Sandberger bemerkt, nahestehend, noch mehr viel- 
leicht H. massiliensis (Math.). Letztere ist wesentlich grösser und erinnert 
in ihrer Form noch mehr an H. lapicida (L.). Von lebenden Formen 
weist Sandberger auf H. hispidula von Tenerifa, indes ist die Ver- 
wandtschaft wohl keine sehr nahe. Wir müssen uns vorläufig damit 
begnügen, festzustellen, dass sie vermutlich zu Gruppe der H. lens, lenti- 
cula usw. gehört. 

Subfamilie Feutataeniinae. 

Diese heute palaearktische Gruppe war im mittleren Tertiär schon 
ziemlich formenreich und enthält eine Reihe z. recht nahe verwandter 
Formen, deren Abgrenzung und Identifizerung nicht immer ganz leicht ist. 



— 76 — 

Genus Cepaea Held 1837. 

Von einer Zerlegung dieser formenreichen Gattung in Untergattungen 
möchte ich hier absehen, da eine solche nur unter Berücksichtigung des 
gesamten lebenden und fossilen Materials erfolgen kann. Bezüglich 
der Frage der Zugehörigkeit der Formen zu Tachea verweise ich auf 
die Untersuchungen C. Böttgers (Nachr.-Bl. d. d. Malokozool. Ges. 
1909, p. 1, 39, 1911, p. 99, 113). 



39. Cepaea alloiodes (Tho.). 

1845. Helix alloiodes Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Natuik., II, p. 133. 
1863. Helix deflexa Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 28, 

Taf. IV, Fig. 7. 
1875. Helix (Macularia) deflexa Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., 

p. 38:}. Taf. XXII, Fig. 24. 
1909. Tachea (Tachea) deflexa C. Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 51. 
1913. Helix deflexa Bucher; Geogn. Jahresh., p. 45. 

Synonym ist auch Hx. noae Tho. (1. c. p. 135, Taf. II. Fig. 5), 
die eine kleinere Form darstellt. 

Die Schwankungen in Grösse und Form sind sehr beträchtlich. 
Grosse Stücke linden sich neben sehr kleinen (Hx. noae Tho. = var. 
minor Sdbg.), hohe neben fast ganz flachen. Auch skalaride Stücke 
kommen vor, ebenso solche, bei denen der Mundsaum einen oder mehrere 
Knicke zeigt. 



H 


D 




h 


b 


A 




Malse: 11.5 mm 


18,9 ; 


mm 


8,7 mm 


11,1 mm 


4^', 


C.W. 


11,9 « 


18,5 


« 


9,3 « 


10,7 « 


4^/4 


C.W. 


9,8 « 


18,0 


« 


8,6 <^ 


10,7 « 


4\'. 


C.W. 


11,5 « 


18,5 


« 


8,5 « 


10,6 * 


4V4 


C.W. 


9,7 « 


17,2 


4C 


8,3 « 


9,7 « 


4^4 


C.W. 


9,8 « 


13,9 


« 


6,3 « 


7,1 « 


iV2 


C.W. 


9,1 « 


12,9 


« 


6,5 « 


7,0 « 


4V2 


C.W. 


Fundort: Hochheim s. 


h., 


Oppenhei 


m, Nierste 


dn, A 


Ibisheir 



Harxheim, Mertesheim, Quirnheim, Leistadt, Königbach, Neustadt a. d. H., 
Ilbesheim b. Landau (Kl. Kalmit). 

Verwandte: Bei der Wandelbarkeit der Form sind die nächsten 
fossilen und lebenden Verwandten schwer zu ermitteln. 



— 77 — 

40. Cepaea subsulcosa (Tbo.). 

18^5. Helix subsulcosa Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 130, 

Taf. II, Fig. 3. 
1863. Helix subsulcosa Sandberger; Couch, d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 38, 

Taf. IV, Fig. 10 u. Helix (Polymita) colorata, p. 391. 
1875. Helix (Coryda) rugulosa var. subsulcosa Sandberger; Land- u. Süssw.- 

Conch. d. Vorw., p. 381, Taf. XXII, Fig. 23. 
1891. Helix rugulosa var. subsulcosa Maillard; Abh. d. Schweiz, palaeont. Ges., 

p. 56, Taf. IV. Fig. 15. 
1897. Helix (Coryda) rugulosa v. subsulcosa Babor; Sitz.-Ber. d. k. Böhm. 

Ges. d. W.. LXIII, p. 17. 
1909. Tachea (Tachea) subsulcosa C. Böttger: Nachr.-Bl. d. d. Malakozool 

Ges., p 56. 

Viel konstanter als die vorige. Immerhin zeigen die Stücke geringe 
Unterschiede in der Grösse und vor allem in der mehr oder minder 
kräftigen Rippung. 

H D h b A 

Mafse: 14,8 mm 20,4 mm 11,5 mm 12,3 mm 4^/4 C.W. 
14,6 « 19,7 « 10,0 « 11,6 « 41/4 C.W. 
13.4 « 18,5 « 9,5 « 10,9 < 5 C.W. 

13,2 « 16,6 « 7,9 « 9,7 « 5V4 C.W. 

10,8 « 15,5 « 7,8 « 8,4 « 4V2 C.W. 

10,0 « 14,0 < 7,2 « 8,0 * 4V2 C.F. 

Fundort: Hochheim z. h. 

Mainzer Becken : Schleichsand v. Elsheim-Stadecken, Cerithien- 
schichten: Kl. -Karben, Olfenbach. Corbiculaschichten von St. Johann 
(Rhh.)? Ob. Ingelheim V 

Schweiz : Bühneralb b. Lauften, Moulin-Creux b. Lausanne, Gresy s. Aix. 
Böhmen : Tuchoric, Stoltzenhahn (Babor). 

Verwandte: Die nächste Verwandte ist zweifellos T. rugulosa 
(v. Mts.) die vicariierende Form der schwäbischen Rugulosaschichten. 

41. Cepaea hortulana (Tho.). 

1845. Helix hortulana Thomae: .lahrb d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 134. 
1852. Helix macrochila Reuss; Palaeontogr., II, p. 26, Taf. III, Fig. 1. 
1863. Helix hortulana Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 26., 

Taf. IV, Fig. 6. 
1870. Helix hortulana Böttger; Jahrb d. k. k. geol. R.. XX, p. 290. 
1875. Helix (Macularia) hortulana Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. 

Vorw., p. 384, Taf. XXII, Fig. 25. 



— 78 — 

1891. Helix (Coryda) hortulana Klika: Arch. f. d. nat. Landesdurchf. von 

Böhmen, VIII, 4, p. 59, Fig. 55. 
1909. Tachea (Tachea) hortulana C. Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. 

Ges., p. f.O. 
1913. Helix hortulana Bucher; Geogn. Jahresh., p. 45. 

Diese Form ist weit seltener als die vorigen und verhältnismäfsig 
konstant. Nur die Höhe des Gehäuses schwankt ein wenig. 

H D h b A 

Mafse: 18,2 mm 19,2 mm 9,7 mm 10,5 mm 5V4 C.W. 

16,5 - 18,3 < 9,0 « 10,5 « 5V4 C.W. 

15,4 « 17,4 * 8,7 « 10,6 « 5^4 C.W. 

13,3 « 15,8 * 8,2 < 9,1 « 4^/^ C.W. 

12,7 « 16,8 « 8,5 « 10,2 « 5 C.W. 

Fundort: Hochheim z. h., Nierstein, Oppenheim, Ilbesheim b. 
Landau (Kl. Kalmit). 

Böhmen: Tuchoric, Kolosoruk, Stoltzenhahn. 
Schwaben : Rugulosaschichten. 

Genus Parachloraea Sandbebgee 1875. 

Von Cepaea durch die stark hervortretende Spiralskulptur, die durch 
feine Rillen gebildet wird, sowie durch die schmale langgestreckte 
Mündung unterschieden. 

Typus: Parachloraea oxystoma (Tho.). 



42. Parachloraea oxystoma (Tho.). 

1845. Helix oxystoma Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 136^ 
Tat". HI, Fig. 1. 

1854. Helix oxj'stoma var. carinata Noulet, Mem. s. 1. Coq. d'eau douce, p. 124. 

1868. Helix oxystoma Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 26, 
Taf. IV, Fig. 9. 

1875. Helix (Parachloraea) oxystoma Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. 
Vorw., p. 385, Taf. XXII, Fig. 26. 

1891. Helix (Parachloraea) oxystoma Maillard; Abh. d. Schweiz, palaeont. 
Ges., XVI II, p. 60, Taf. IV, Fig. 18-20. 

1893. Helix oxystoma Degrange-Touzin, Actes soc. Linn. Bordeaux, p. 79. 

1909. Tachea (Parachloraea?) oxystoma C. Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malako- 
zool. Ges., p. 50. 

1913. Helix oxystoma Bucher; Geogn. .lahresh., p. 46. 



D 


h 


b 


A 




19,2 mm 


7,8 mm 


11,7 mm 


Kl 

/4 


C.W. 


18,2 - 


6,9 « 


10,5 « 


5 


C.W. 


15,4 « 


5,9 . 


8,6 « 


5 


C.W. 


15,5 « 


6,4 « 


8,8 < 


4^4 


C.W. 


14,6 « 


6,0 < 


8,3 < 


4»/4 


C.W. 



— 79 — 

Auch diese Form ist ausserordentlich veränderlich in Form und 
Grösse. Neben ganz flachen Stücken finden sich hoch getürmte, die 
in der Form an C. hortulana erinnern. Auch links gewundene Stücke 
sind bekannt geworden. 
H 
Mafse: 13,9 mm 
10,8 * 
10,8 « 
8,9 « 
8,9 >> 

Fundort: Hochheim u. s., Nierstein, Oppenheim, Ilbesheim b. 
I.andau (Kl. Kalmit). 

Schwaben : Rugulosaschichten : Ehingen a. D., Käsehof b. Statten^ 
0. A. Ehingen (C. W.). 

Schweiz: Montcherand b. Orbe (Aquit.), Mammern (Aquit.) ? Kien- 
berg (Langhien). 

Frankreich : Sainte-Croix-du-Mont (Calcaire blanc de 1' Agenais)? 
?Nerac, Puymirol, Malause, Boudon, Auvillars. 

Verwandte: Es sind bis jetzt weder lebende noch fossile Ver- 
wandte bekannt geworden. Die übrigen Parachloraeaarten scheinen 
unserer nicht sehr nahe zu stehen. 

Familie Clausiliidae. 

Genus Triptychia Sandberger 1875. 

Die Gattung Triptychia bildet eine gut umschlossene Formengruppo 
im europäischen Tertiär, auf das sie beschränkt ist. Sie ist im Pliocän 
mit sehr grossen Formen erloschen, ohne Nachkommen zu hinterlassen. 
Das Fehlen des Clausiliums beruht auf Rückbildung, wenigstens lässt 
die fortschreitende Verkümmerung der Lamellen, besonders der Spiral- 
lamelle, bei den jüngsten Formen diesen Schluss zu, so dass wir es hier 
also nicht mit einer primitiven Gruppe im Clausilienstamme zu tun 
haben, wie 0, Böttger glaubte, ebensowenig wie bei Balaea. Es 
handelt sich offenbar ähnlich wie bei Eualopia um Formen, bei denen 
sich das Clausilium als überflüssig erwies, da die Tiere unter den gleich- 
mäfsigen klimatischen Verhältnissen der Meeresküste lebten. 

Im Tertiär des Mainzer Beckens gehören Triptychien zu den 
grössten Seltenheiten. 



80 



Subgenus Eutriptychia Böttger 1877. 

43. Triptychia (Eutriptychia) recticosta (Bttg.). 
Taf. XI, Fig. 11-12. 

1877. Clausilia (Triptychia) recticosta Böttger; Clansilienstudieii, p. 21, Taf. I, 

Fig. 15. 
1885. Clausilia (Triptychia) re<:ticosta Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. 

Ges., p. 116. 

Von dieser Form beschrieb Böttger zunächst ein Exemplar 
ohne Mündung und ergänzte dann die Beschreibung, als ein weiteres 
vollkommeneres Stück bekannt wurde. Heute liegen mir ausser diesen 
noch 3 Exemplare aus der Sammlung der Grossh. Hessischen geol. 
Landesanstalt in Darmstadt und eines aus KoU. K. Fischer vor, die 
die grosse Variabilität der Gehäuseform zeigen, besonders was das Ver- 
hältnis von Länge und Breite betrifft. Auch bei anderen Arten dieser 
Gattung kann man die Variabilität beobachten. Ich bilde die beiden 
extremen Stücke der geol. Landesanstalt ab, da bis jetzt noch keine 
Abbildung eines vollkommenen Exemplares bekannt ist, und lasse hier 
die Beschreibung folgen: 

Gehäuse bauchig spindelförmig, breit geritzt, mit getürmt kegel- 
förmigem Gewinde und etwas zugespitztem Embryonalende. Von den 
15 fast ebenen und durch eingedrückte, etwas gekerbte Nähte getrennten 
Umgängen sind die ersten drei glatt, die übrigen mit regelmäfsigen, 
senkrecht stehenden, geraden, schmalen und scharfen Rippen verziert, 
von denen auf den vorletzten Umgang 52, auf den letzten 44 (43 — 45) 
kommen. Sie werden auf der Mündung nicht schwächer, aber gabeln 
sich hier. Der letzte Umgang ist etwas gewölbt, die Mündung klein, 
lang gestreckt, aufrecht, birnförmig, mit kleinem, oben spitzem und 
nach rechts gewandtem Sinus, Der rechte Mundrand ist wenig verdickt, 
umgeschlagen, glänzend, oben abgelöst und torgezogen, etwas S-förmig 
gebogen, der linke nicht gelippt. Die mit der Spirallamelle verbundene 
Oberlamelle ist schmal, schief und hoch und von der Grundfläche aus 
betrachtet S-förmig gekrümmt; die Unterlamelle schief, die schwache 
Subcolumellare fast rechtwinkelig gebogen und dann gerade aufsteigend. 

Etwas abweichend gebaut ist das oben erwähnte schlanke Exemplar 
(Darmstadt). Nicht allein weicht es in der Gestalt ab, sondern die 
Rippung ist etwas weiter und die einzelnen Rippen sind ein wenig 
kräftiger. Es kommen auf den vorletzten Umgang 47, auf den letzten 36. 



— 81 — 





H 


D 


h 


b 


A 


Mafse: 


29,6 mm 


7,8 mm 


— mm 


— mm 


14 M. S, 




29,6 « 


6,7 . 


6,7 * 


4,4 « 


157^ M.D. 




24,8 « 


7,4 « 


6,2 « 


4,2 « 


13 M.ü, 



Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Die Form gehört in die Reihe der T. emmerichi 
Wenz-T. baccilifera Sdbg, ^) deren ältestes bekanntes Glied sie darstellt. 
Am nächsten kommt sie wohl T. emmerichi Wenz aus den Hydrobien- 
schichten von Budenheim, die bis jetzt nur in einem Exemplar bekannt 
ist. Ich hatte bei ihrer Beschreibung schon die Vermutung geäussert, 
dass es sich um ein abnorm bauchiges Stück handelt. Dies 
scheint insofern bestätigt zu werden, als sie in ihrer Form mit dem 
ebenfalls abnorm bauchigen Stück von T. recticosta Bttg. gut über- 
einstimmt. T. recticosta Bttg. unterscheidet sich von T, emmerichi 
Wenz durch die grössere Zahl der feineren und weniger breiten Rippen. ; 
ferner hat sie eine mehr längliche Mündung, weniger stark verdickte 
Mundränder und eine schmälere und etwas schwächere Oberlamelle. 

Genus Constricta Böttgee 1877. 

Auch diese Gattung, die Cristataria nahe steht, deren Verbreitungs- 
gebiet Macedonien, Kleinasien, Syrien und Palästina ist und die mög- 
licherweise als ihr Vorläufer aufzufassen ist, umfasst nur fossile Formen. 
Ausser den beiden Hochheimer C. kochi (Bttg.) und C. coUarifera (Bttg.) 
gehört noch die böhmische Art C. tenuisculpta (Rss.) hierher. Es 
besteht übrigens auch hier die Möglichkeit, dass wir im Fehlen der 
Mondfalte eine Reduktionserscheinung zu sehen haben. 



44. Constricta kochi (Bttg.). 

1877. Clausula (Constricta) kochi Böttger; Clausilienstudien, p. 42, Taf. II, 
Fig. 22. 

Von dieser Form liegen mir jetzt eine Reihe von Stücken vor 
(Senckenb. Museum, Mus. Mainz, Koll. K. Fischer, KoU. W. Wenz), 
die, abgesehen von geringen Unterschieden, in der Grösse gut über- 
einstimmen. 



1) Vergl. Wenz, Die fossilen Mollusken der Hydrobienschichten von 
Budenheim b. Mainz. II. Nachtr. Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges. 1912, p. 1«6. 
Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. 67, 1914. 6 



6,7 mm 


A = 9 


C.F. 


6,5 « 


= 8'/2 


M. S 


6,6 « 


= 9 


C. V 



— 82 — 

Maatse: H = 19,3 mm D 
= 19,1 » 
= 19,0 » 
Fundort: Hoclilieim s, s. 

Verwandte: Von den beiden anderen fossilen Formen, die sich 
nahe stehen, unterscheidet sie sich durch ihre Form und Grösse scharf» 
Lebende Verwandte fehlen. 

45. Constricta collarifera (Bttg.). 

1877. Clausilia (Constricta) collarifera Böttger; Clausilienstudien, p. 44, Taf. 11^ 
Fig. 24. 

Ausser dem einen von C. Koch gefundenen Stück scheint kein 
weiteres bisher bekannt geworden zu sein. Ich kann daher über sie 
hier nichts neues mitteilen. 

H D h b A 

Mafse: 20,5 mm 4,0 mm 4,5 mm 3,3 mm lÜ 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Die nächste Verwandte ist C. tenuisculpta (Rss.) 
von Tuchoric, von der sie sich durch das grössere, schlankere Gehäuse, 
höhere Umgänge, einfache Nähte, mehr verlängerte letzte Windung und 
weniger entwickelte Unterlamelle unterscheidet. An eine nahe Ver- 
wandtschaft mit lebenden Formen ist nach dem oben gesagten nicht zu 
denken. Böttger vergleicht sie mit Cristataria vesicalis (Friv.) vo» 
Syrien, der sie in der Form gleicht, von der sie aber natürlich durch 
das Fehlen der Mondfalte scharf geschieden ist. 

Genus Canalfcia Böttgee 1863. 
Auch diese Gattung umfasst ausschliesslich fossile Formen und 
schliesst sich an Mentissa Bttg. an, deren Arten auf der Krynini leben. 
Alle Formen, die im Oberoligocän und in Miocän lobten, stehen 
einander sehr nahe. 

46. Canalicia articulata (Sdbg.). 

1863. Clausilia articulata Sandberger; Conch. d Mainzer Tert. -Beckens, p. 893, 

Taf. XXXV, Fig. 15. 
1863. Clausilia (Canalica) articulata Böttger: Palaeontogr., X. p. 311, Taf. LI, 

Fig. 1-5. 
1875. Clausilia (Canalicia) articulata Sandberger: Land- u. Süssw.-Conch. d» 

Vorw., p. 890, Taf. XXIII. Fig. 14. 
1877. Clausilia (Canalica) articulata Böttger; Clausilienstudien, p. 82. 



— So 

Bei weitem die häufigste der in Hocliheim vorkommenden Clausilien • 
aber immer noch verhältnismäfsig selten. 

Mafse: H = 15,7 mm A = 13 M. S. 
= 15,4 « =13 C. F. 

=^ 14,5 « = 12 C. F. 

Fundort: Hochheim z. s. 

Verwandte: Sehr nahe steht die zweite Hochheimer Canalicia, 
C. protraeta (Bttg.), die vielleicht nur als Var. von C. articulata (Bttg.) 
zu halten ist, ebenso die böhmische C. attracta (Bttg.) von Tuchoric, 
Lipen, Kolosoruk, die sich durch die gelegentliche Andeutung einer 
Mondfalte unterscheidet, und die schwäbische C. wetzleri (Bttg.) aus 
den ob. Rugulosaschichten (Crepidostomakalk) von Thalüngen. Alle 
diese Formen bilden eine enge Gruppe sich gegenseitig vertretender 
Arten. Etwas weiter entfernt ist die jüngere C. gonypty (Bttg.) von 
Grund b. Wien. 

47. Canalicia protraeta (Bttg.). 

1863. Clausilia (Canalica) protraeta Böttger; Palaeontogr., X, p. 313, Taf. LI, 

Fig. 6— S. 
1877. Clausilia (Canalicia) protraeta Böttger; Clausilienstiulien, p. 82. 

Ausser den von Böttger erwähnten Mündungsbruchstücken ist 
meines Wissens kein weiteres Exemplar bekannt geworden. 
Fundort: Hochheim s. s. 
Verwandte: Vgl. das oben bei C. articulata Gesagte. 

Genus Lamiiiifera Böttger 1877. 

Von dieser im Tertiär des Mainzer Beckens, Schwabens und 
Böhmens weit verbreiteten Gattung sind nur zwei lebende Arten: L. pauli 
Mabille aus den Pyrenäen und L. subarcuata Bof. aus Catalonien be- 
kannt (Untergattung Pyrenaica Bttg.). 0. Böttger glaubte sie mit den 
südamerikanischen Neniaarten in Verbindung bringen zu müssen, mit 
denen sie in der Schalenform einige Älnilichkeit aufweist. Inzwischen 
hat die anatomische Untersuchung gezeigt, dass beide Gruppen nicht 
das geringste mit einander zu tun haben, dass also nur eine Konvergenz- 
erscheinung vorliegt. 

In Hochheim finden sich nicht weniger als vier Laminiferaarten, 
die aber durchweg sehr selten sind. 



— 84 — 

48. Laminifera abnormis (Bttg ). 

1863. Clausilia (Laminifera) abnormis Böttger ; Palaeontogr., X, p. 317, Taf. LI, 

Fig. 19—20. 
1877. Clausilia (Laminifera) abnormis Böttger; Clausilienstudien, p. 102. 

Ausser dem Mündungsbruclistück Böttgers ist mir kein weiteres 
Exemplar dieser Form bekannt geworden. 
Fundort: Hochheim s. s. 
Verwandte: — 

49. Laminifera didymodus (Bttg). 

1863. Clausilia (Laminifera) didymodus Böttger; Palaeontogr., X, p. 316, Taf. LI, 

Fig. 16—18. 
1877. Clausilia (Laminifera) didymodus Böttger; Clausilienstudien, p. 104 

Auch diese Form ist bis jetzt noch nicht vollständig bekannt 
geworden. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Diese Form schliesst sich eng an L. neniaeformis 
(Bttg.) aus den Schleichsanden von Eisheim — Stadecken (Rhh.) an. 

50. Laminifera rhombostoma (Bttg.). 

1863. Clausilia (Laminifera) rhombostoma Böttger; Palaeontogr., X, p. 314, 

Taf LI, Fig. 9-15. 
1875. Clausilia (Laminifera) rhombostoma Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. 

d. Vorw., p. :391, Taf. XXllI, Fig. 5. 
1877. Clausilia (Laminifera) rhombostoma Böttger; Clausilienstudien, p. 106. 

Sie scheint etwas häutiger zu sein als die übrigen Arten, doch 
ist mir neues Material nicht bekannt geworden. 

Fundort: Hochheim s. s. 

V e r w a n d t e : L. rhombostoma (Bttg.) schliesst sich an L. flexidens 
(Bttg.) aus den Schleichsanden von Elsheim-Stadecken (Rhh.) an, ist aber 
wesentlich kleiner und auch sonst gut unterschieden (Vgl. Böttger 1877 
1. c. p. 105). Sie ist zugleich diejenige Form, die L. pauli (Mab.) am 
nächsten steht. 

51. Laminifera mattiaca n. nom. 

Taf. IV, Fig. 6, Taf. XI, 9—10, 13. 

1904. Clausilia (Laminifera) fischeri Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges. 

Da der BOttgersche Name bereits 1862 für Clausilia fischeri 
jMirliaud vergeben ist, nuisste unsere Form einen neuen Namen 



— 85 — 

erhalten. Da sie noch nicht abgebildet ist, lasse ich hier Beschreibung 
und Abbildung folgen : 

L. mattiaca unterscheidet sich von L. rhombostoma Bttg. dui'ch 
etwas grösseres und festeres Gehäuse, durch weite und grosse rippige 
Streifung, den stärker winklig vorgezogenen letzten Umgang, der an der 
Naht und auf dem Kamm des Ringwulstes stärker gerippt ist. Der 
Nacken ist stärker gekrümmt, beinahe knotig verdickt, der Ringwulst 
vor der Mündung mehr aufgeblasen und nach der Mündung breiter und 
tiefer abgeschnürt, die Mündung grösser, weniger schief und mehr 
kreisförmig und erweitert. Das Interlamellar zeigt nur 1 — 2 Falten. 
Die Lamellen sind schmäler, aussen am Rande nicht gespalten, die 
Unterlamelle der Oberlamelle parallel und nicht plötzlich winklig mit 
ihr zusammenlaufend, die Palatale schwach. 

Mafse: 
H = 13,5 mm D=3,0mm h = 2Jmm b = 2,3mm A = — C.F. 

13.5 - 2,9 ^< A^-.llVgC.F. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Nach dem Vorausgegangenen schliesst sie sich eng 
an L. rhombostoma an. 

Familie Buliminidae. 

Die Buliminiden haben heute ihr Hauptverbreitungszentrum im 
südöstlichen Europa und in Vorderasien, reichen aber nach Westen 
noch bis zu den Canaren. 

In Hochheim kommt von dieser P'amilie nur die Gattung Buliniinus 
und von dieser nur eine einzige Art vor. 

Genus Buliminus (Ehbenberg 1831) Beck 1837. 

Subgenus Zebrinus Held 1837. 

52. Buliminus (Zebrinus) gracilis (Tho.). 

1845. Bulimus Gracilis Thomae : Jahrb. d Nass. Ver. f. Natiirk., p. 165, 

Taf. III, Fig. 9. 
1863. Bulimus gracilis Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p 43, 

Taf. V, Fig. 1. 
1875. Bulimus (Petraeus) gracilis Sandberger; Land- u. Süssw.-Couch. d. 

Vorw., p. 389, Taf. XXIII, Fig. 2. 
1913. Buliminus gracilis Bucher; Geogn. Jahresh., p. 46. 



— 86 — 

Diese recht konstante Form ist in Hochheim nicht selten und 
findet stets sich zusammen mit Pomatias labellum (Tho.), dessen Lebens- 
weise sie wohl teilte. 

M a [ s e : 

H = 16mm l) = 5,5mm h = 5,5mm b = 4mm A = 8. 

Fundort: Hochheim n. s., Neustadt a, d. H,, Königsbach. 

Verwandte: Mit den Petraeusformen Syriens, mit denen Sand- 
berg er und Böttger diese Form vergleichen, kann ich keine sehr 
grosse Ähnlichkeit erkennen. Neuerdings hat C. Böttger Formen 
von den Canaren mitgebracht, die unserer Art weit näher stehen. 

Familie Yertiginidae. 

Diese Familie, die zu den ältesten der Landschnecken gehurt, 
hatte offenbar schon im älteren Tertiär eine ziemlich weite Verbreitung 
erlangt, so dass wir die Vertreter fast aller Genera da finden, wo günstige 
Lebensbedingungen ihr Dasein ermöglichten. Kleine Verschiebungen in 
der Verbreitung mögen auch später noch stattgefunden haben, grosse 
sicher nicht; und wenn wir heute einzelne Gattungen mehr lokalisiert 
linden, so liegt das in den seltensten Fällen daran, dass sie hier in 
ihrem Entwicklungszentrum verharrten, sondern in den meisten Fällen 
daran, dass sie an anderen Orten zurückgedrängt worden sind und 
erloschen. Nur in dieser Weise können wir das Vorkommen so vieler 
noch heute existierender Genera im Tertiär Europas verstehen, die 
heute hier nicht mehr vorkommen. Die Verhältnisse liegen ähnlich wie 
etwa bei den Didelphiden, die früher auch im Tertiär Europas vor- 
kamen, während sie heute auf Südamerika beschränkt sind (mit Aus- 
nahme des Opossums, das spätei' wieder in Nordamerika eingedrungen 
ist. Genau dieselbe Erscheinung beobachten wir auch bei der tertiären 
Flora P]uropas, wo wir viele nordamerikanische (und ostasiatische) Typen 
finden. Auch sie waren damals gleichmäfsig verbreitet, sind dann bei 
uns erloschen, während sie in Nordamerika (und Ostasien) persistierten. 

Die veränderten Lebensbedingungen, besonders das kältere Klima 
des jüngeren Tertiärs und vor allem der P^iszeit, haben sie hier zum Er- 
löschen gebracht, während sie an anderen Orten weiter lebten. Wohl 
sind kleinere Gebiete verlassen und wieder liesiedelt worden ; an ein 
Wandei'n oder, besser gesagt, ein Ausbreiten in weiterem Sinne in oder 
nach der Tertiärzeit, wie es 0. Böttger wollte, brauclit man dabei 



— 87 — 

keineswegs zu denken. Daraus erhellt auch, dass wir hei allen Formen, 
<ieren Verwandte nicht mehr im Uebiete selbst vorkommen, keine sehr 
nahe Verwandtschaft erwarten dürfen. Die Abzweigung hat eben dann 
schon früher stattgefunden. Diese Tatsache findet man denn auch 
bestätigt, wenn man die scliönen Untersuchungen 0. Böttgers über 
«die Entwicklung der Pupaartcn des Mittelrheingebiets in Zeit und 
Raum» (Jahrb. d. Nass, Ver. f. Nat. 1889) heranzieht. Wir haben 
hier nur wenig hinzuzufügen oder abzuändern. Nur eines sei gleich 
hier bemerkt. Die Schichten vom Affenstein und von der Schleusen- 
kammer in Frankfurt a. M., die einen reichen Beitrag zur Vertiginideu- 
fauna des Mainzer Beckens geliefert haben, und die 0. Böttger noch 
als Corbiculaschichten ansprach, sind inzwischen als jünger erkannt 
•worden, und damit hat auch manche Unstimmigkeit ihre Aufklärung 
gefunden, mit der sich Böttger damals, so gut oder schlecht es ging, 
abfinden musste. Sonst ist, wie gesagt, wenig von Belang hinzuzufügen. 
Auch neue Formen sind bis auf eine nicht mehr bekannt geworden. 

Genus Lauria Geay 1840. 
Die heute lebenden Vertreter dieser Gattung haben ihre Haupt- 
verbreitung aut den Canaren und in den Kaukasusländern. Sie leben 
alle in der Nähe der Küste und dringen nur so weit ins Innere des 
Landes, als der Einfluss des Meeres in klimatischer Beziehung noch 
reicht. In Deutschland findet sich nur eine Art, die weitverbreitete 
L. cylindracea (da Costa), die hier ziemlich selten und vereinzelt auf- 
tritt. Zusagende Lebensbedingungen mussten diese Formen auch an 
den Ufern des Tertiärmeeres finden: Hierher gehört: 

53. Lauria minax Bttg. 
Taf. IV, Fig. 7. 
1889. Lauria minax Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 237, Taf. VI, 
Fig. L 

Ihre var. microdoma Bttg. ist wohl nur ein krnppelhaftes Exemplar. 

Mafse: H = 1,6—1,8 mm D = l,Omm A = 5— öVa- 

Fundort: Hochheim s.S. 

Verwandte: l'irekte Nachkommen scheint die Form nicht hinter- 
lassen zu haben. Sie musste aussterben, sobald sich die Lebens- 
bedingungen nur wenig änderten. In höheren Schichten des Mainzer 
Beckens beobachten wir nichts mehr von ihr; auch eine andere Lauriaform 



— 88 — 

hat sich bis jetzt noch nicht hier gefunden. Immerhin ist es interessant, 
dass die nächsten lebenden Verwandten auf die Canaren verweisen. 

Genus Orcula Held 1837. 
Diese wesentlich europäische Gruppe hat ihre Hauptverbreitung in 
den Gebirgsländern Südeuropas, den Pyrenäen, Alpen, Karpathen, auf 
dem Balkan und im Kaukasus. 

54. Orcula subconica (Sdbg.). 
Taf. IV, Fig. 8. 

1863. Pupa subconica Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 51, 

Taf. V, Fig. 7. 
1861. Pupa subconica Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Ak. d. W., LVII, p. 82, Taf. IV, 

Fig. 3. 
1870. Pupa subconica Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 295. 
1875. Pupa (Orcula) subconica Sandberger; Land- u Süssw. -Conch, d. Vorw., 

p. 394, Taf. XXIII, Fig. 8. 
1889. Orcula subconica Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk.. p. 238. 
1891. Orcula subconica Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen, VII, 4, 

p. 88, Fig. 84. 

Aussei' geringen Schwankungen in der Grösse ist die Form recht 
konstant. 

D = 3,9mm A = 8^l^ C.W. 

3,8 « 8V2 C.W. 

3,5 « 8'/2 C.W. 

3,7 « 8^/2 C.W. 

z. s. 

Böhmen: Tuchoric. 

Verwandte: Nächst verwandt ist die lebende 0. conica (Rssm.) 
von Steiermark, Krain, Illyrien, Südkroatien, die ihr höchst ähnlich, 
aber kleiner und schlanker ist, auch kein Angularknötchen besitzt. Auf 
jeden Fall deutet diese Verwandtschaft mit der alpinen Form darauf 
hin, dass auch die tertiäre Art wohl als Gebirgsform lebte. 

Genus Torquilla FAURE-Biguet b. Studer 1820, 
Diese vorwiegend westeuropäische Gruppe hat ihre Hauptverbreitung 

in den Pyrenäen (Westalpen) und geht noch nach Nordafrika hinüber. 
In Ilochheim finden sich zwei Formen von Torquilla, die einander 

nahe stehen, aber keine Übergänge zeigen. Die grosse Variabilität der 



Mafse: 


H 


= 6,7 mm 
6,5 « 
6,5 « 
5,9 « 


F u n d r 


t: 


Hochheim 



— 89 — 

Gehäuseformen, die auch die heutigen Formen zeigen, legen die Ver- 
mutung nahe, dass es sich nur um Mutationen oder Varietäten handelt» 
Da nun aber auch die anderen sehr nahe verwandten Formen scharf 
abgetrennt und als Arten behandelt werden, so muss man wohl in 
gleicher Weise auch mit diesen beiden Formen verfahren. Die Begrenzung 
der einzelnen Arten ist eben hier, wie in allen Fällen, wo man voll- 
ständige Entwicklungsreilien hat, mehr oder weniger willkürlich. 

55. Torquilla subvariabilis (Sdbg.). 

Taf. IV, Fig. 9. 

1863. Pupa subvariabilis Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 50, 

Taf. V, Fig. 6. 
1875. Pupa (Torquilla) variabilis Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., 

p. 393, Taf. XXIII, Fig. 6. 
1889. Torquilla subvariabilis Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 243. 
1913. Pupa (Torquilla) subvariabilis Bucher; Geogn. Jahresh , p. 46. 
Sehr konstant in Grösse und Form. 
Mafse: H = 7,2mm D = 2,5mm A = 8 C.W, 
6,9 « 2.6 « 8 C.W. 

6,6 - 2,5 « 8\'4 C.W. 

6,1 « 2.4 < l^U ^^^'^ 

Fundort: Hochheim z. s., Königsbach. Ferner in den Crepidostoma- 
schichten von Thalfingen, 

Verwandte: Nächst verwandt ist die zweite Form von Hochheim 
— T. fustis Bttg., weiter T. intrusa Slavik von Tuchoric und Lipen^ 
die etwas grösser und konischer ist und eine stumpfe Kante auf dem 
letzten Umgang hat, endlich die jüngeren T. noerdlingensis (v. Klein) 
und T. antiqua (Schübler) aus dem schwäbischen Obermiocäu, die zur 
lebenden T. variabilis (Drap.) hinüberführen, die ihre heutige Ver- 
breitung in Südfrankreich und Norditalien hat. 

56, Torquilla fustis Bttg. 
Taf. IV, Fig. 10. 
1889. Torquilla fustis Böttger; Jahrb d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 246. 

Diese von Böttger abgetrennte Form ist bisher noch nicht abgebildet : 

T, fustis unterscheidet sich von T. subvariabilis (Sdbg,) durch das 

schlankere, verlängert spindelförmige bis zylindrisch-getürmte Gehäuse, 

die 9 — 10 gewölbten Umgänge, die durch eine tiefe Naht getrennt und 

regelmäfsiger gestreift sind. Die Mündung ist im Verhältnis zur Höhe 



— 90 — 

der Schale kleiner, höher als breit, die Angulare weniger stark und 
vom rechten Mundsaum durcli einen kleinen Zwischenraum getrennt. 
Von den vier Palatalt'alten ist die dritte länger, die vierte punktförmig. 
Mafse: H = 9,8mm I) = 2,7mm A = 10 M. S. 
8,3 < 2.5 « 9 M. S. 

7,8 « 2,6 « 91 '2 C.F. 

7,2 « 2,6 « 8V. C.F. 

Fundort: Hoehheim z. s. 
y e r w a n d t e : Vgl. die vorige Art. 

Genus Piipilla Leach 1820. 

Die Pupillen sind eine sehr alte Gattung, die schon vor dem 
Tertiär eine weltweite Verbreitung erlangt hatte. Selbst wenn wir, wie 
dies durchaus wahrscheinlich ist, die nordamerikanischen Formen als 
später über die Landbrücke der Aleuten eingewandert betrachten, ist 
ihre Verbreitung dennoch eine ausserordentlich grosse. Die genaue 
Abgrenzung der einzelnen P'ormen ist nicht immer ganz leicht und es 
muss vorläufig dahingestellt bleiben, ob sie wirklich ein einheitliches 
Ganze bilden, ob sie sich in einzelne Gruppen aufspalten lassen oder 
ob sie gar heterogene Elemente enthalten. Den Entscheid über diese Fragen 
kann erst die anatomische Untersuchung der lebenden Formen liefern. 
Von Hociiheim kennen wir nur zwei Formen : 



57. Pupilla selecta (Tho.), 

Taf. V, Fig. 11. 

1845. Pupa selecta Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 150. 

1863. Pupa quadrigraiiata Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 52, 

Taf. V, Fig n. 
1875. Pupa (Papilla) quadrigranata Sandbeiger; Land- u. Süssw.-Conch. d. 

Vorw., p. 395, TaL XXIH, Fig. 9. 
1877. Pupa (Pupilla) quadrigranata Böttger; Palaeontogr. 24, p. 213. 
1889. Pupilla quadrigi-anata Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 151. 
1908. Pupilla quadrigranata mut. suprema Böttger; Nachr. -Bl. d. d. Malako- 

zool. Ges., ji. 150. 
1911. Pupilla quadrigranata mut. suprema Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. 

Naturk., p. 63. 
1911. Pupilla cf. selecta Wenz; Notizb. d. Ver. f. Erdk. u. d. Grossh. geol. 

Laudesanst. Darmstadt, p. 156. 



— 91 — 

Wie bei allen Pupillaarten schwankt die Höhe des Gehäuses und 
der Windungszahl. 

Mafse: H = 3,0mm D= 1,5— 1,6 mm. 

Fundort: Hochheim n. s. 

Mainzer Becken: Cerithienschichten von K1-. Karben, Corbicula- 
schichten von St. Johann (Rhh.), Frankfurt ; Hydrobienschichten von 
Wiesbaden, Mainz, Weisenau, Budenheim, Crontal i. T., Bad Weilbach, 
Hochstadt b. Hanau (überall mut. suprema Bttg.). 

Verwandte: Die im Mainzer Becken weit verbreitete Form 
tindet sich in den höheren Horizonten (Hydrobienschichten) als mut. 
suprema Bttg. P. rahti (Sdbg.), die selten neben ihr vorkommt, ist 
nichts anderes als eine linksgewundene Form von ihr. Andere Unter- 
schiede als der Windungssinn sind nicht vorhanden. Dass sich Über- 
gänge zwischen beiden Formen finden sollen, wie 0. Böttger (1. c) 
fordert, kann man billigerweise nicht verlangen. Weiter entfernt sind 
schon P. impressa (Sdbg.) von Hochheim und P. eumeces Bttg. aus 
dem Obermiocän von Frankfurt. 

Lebende Verwandte der so variablen Form sind nicht ganz leicht 
zu ermitteln. Böttger weist auf die kaspisch-kaukasische P. signata 
(Mouss.) hin, die sich mehr auf den Typ. und auf P. fontana (P.), deren 
Verbreitungsgebiet von Abessinien bis zum Kap reicht, die sich mehr 
an mut. suprema Bttg. anschliesst. 

58. Papilla impressa (Sdbg.). 

Taf. V, Fig. 12. 

1863. Pupa impressa Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 392. 

Taf. XXXV, Fig. 16. 
1875. Pupa (Papilla) impressa Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., 

p 395, Taf. XXIII, Fig. 10. 
1889. Papilla impressa Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 156. 
1911. Pupilla impressa Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 63. 

Die Höhe des Gehäuses ist etwas schwankend; es kommen sogar 
nicht selten sehr hohe Stücke mit erweitertem letztem Umgang wie bei 
Sphyradium columella (v. Mts.) mit unvollkommener Bezahnung (Hyper- 
trophie) ^) vor. 

Mafse: H = 2,l — 2,6 mm, D = 1,2— 1,3 mm. 

Fundort: Hochheim n. s. 

1) Vgl. Geyer; Nachr. El. d. d. Malakozool Ges., p. 19. 



— 92 — 

Mainzer Becken: Corbiculaschichtenvon St. Johann (Rhh.), Hydrobien- 
schichten Wiesbaden, Gau-Algesheimer Kopf, Ob. Miocän-Landschnecken- 
mergel Frankfurt a. M. 

Verwandte: Diese der vorigen verwandte Art darf als Stamm- 
form der transkaukasischen P. triplicata (Stud.) var. luxurians Reinli. 
betrachtet werden, mit der sie Böttger vergleicht. 

Genus Neguliis Böttgek 1889, 

Diese Gattung, deren lebende Vertreter N. reinhardti (Jickeli) und 
N. abessynica (Reinh.) aus Abessynien sind, weist in Hochheim eine im 
Tertiär weitverbreitete Form auf: 

59. Negulus suturalis (Sdbg.), 

Taf. V, Fig. 13. 

1863. Pupa suturalis Sandbei-ger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 54, 

Taf. V, Fig. 13, VI, Fig. 1. 
1861. Pupa suturalis Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W. Wien, XLII, p. 71. 
1866. Pupa edentula Deshayes: Anim. s. vertebres du Bassin de Paris, II, 

p. 850, Taf. LVI, Fig. 28-30. 
1870. Vertigo suturalis Böttger; .Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 295. 
1875. Pupa suturalis Sandberger; Land- u. Süssw. -Conch. d. Vorw , p. 397, 

Taf. XXIII, Fig. 12. 
1889. Negulus lineolatus Böttger; .Jahrb. d. Nass Ver. f. Naturk., p. 270. 
1891. Negulus lineolatus Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen, 

VII, 4, p. 89, Fig. 85. 
1902. Negulus lineolatus Andreae: Mitt. d. d. Römer-Mus., No. 18, p. 17. 
1908. Negulus lineolatus Böttger: Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 151. 

1911. Negulus lineolatus Jooss; Jahrb. d. Nass. Vei-. f. Naturk., p. 63. 

1912. Negulus lineolatus Jooss; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 36. 

In Hochheim bei weitem die häufigste Vertiginide. 

Mafse: H = 1,6 mm, D = 0,7 — 0,8 mm. 

Fundort: Hochheim z. h. 

Mainzer Becken : Hydrobieuschichten von Budenheim bei Mainz und 
Wiesbaden ; Ob. Miocän-Landschneckenmergel. (Eine schwache Mutation.) 

Schlesien: Ob. Miocän v. Oppeln. 

Böhmen : Tuchoric. 

Schwaben: Ob. Mioc. v. Steinheim a. Alb. 

Frankreich: Cote-Saint-Martin b. f]tampes (Calcaire de Beauce). 

Verwandte: Die Art, die vom Oberoligocän bis zum Obermiocän 
fast unverändert durchhält, hat in dem oberpliocänen N. villefranchianus 



— 93 — 

(Sacco) aus Pieniont einen Nachkommen. Die nächste lebende Ver- 
wandte ist N. reinhardti (Jickeli) aus Abessynien, die aber schon ferner 
steht. Wahrscheinlich ist die im Tertiär so verbreitete Form erloschen, 
ohne direkte Nachkommen zu hinterlassen. 

Genus Acmopupa Böttger 1889. 

Dieses Genus umfasst nur eine Art subtilissima (Sdbg,), über deren 
Beziehungen zu älteren oder jüngeren Formen wir nichts wissen. Sie 
nimmt eine durchaus isolierte Stellung ein; ja es steht nicht einmal 
fest, ob sie eine echte Vertiginide ist. Eine zweite Art scheint nach 
Jooss im Obermiocän von Steinheim vorzukommen. 

00. Acmopupa subtilissima (Sdbg.) 

Taf. V, Fig. 14. 

1863. Pupa subtihssima Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 54,^ 

Taf. VI, Fig. 2. 
1875. Pupa subtilissima Sandberger ; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., p. 389, 

Taf. XXIII, Fig. 13. 
1889. Acmopupa subtilissima Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 271. 
A. subtilissima Sdbg. ist ebenfalls in Hochheim nicht selten und 
findet sich meist mit der vorigen zusammen. 

Mafse: H = 1,6 mm, D = 0,6 mm, A = 41/2. 
Fundort: Hochheim z. h. 
Verwandte: — . 

Genus Isthniia Gray 1840. 

Auch diese Gattung ist geologisch sehr alt. In ihren Schalen- 
charakteren ist sie sehr konstant geworden. Sie ist eine paläarktische 
Gattung, die einerseits bis zum Hochland von Abessynien, andererseits 
bis zu den atlantischen Inseln vorgedrungen ist. 

61. Isthmia splendidula (Sdbg.). 

Taf. V, Fig. 15. 

1875. Pupa (Isthmia) splendidula Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. 

Vorw., p. 397. 
1885. Isthmia splendidula Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 198. 
1889. Isthmia splendidula Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 372, 

Taf. VI, Fig. 9. 
1891. Isthmia splendidula Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen, 
VII, 4, p. 93, Fig. 85. 

1911. Isthmia splendidula Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 64. 

1912. Isthmia splendidula Wenz; Nachr.-Bl. d. d. malakozool. Ges., p. 191. 



— 94 — 

Diese im Tertiär verbreitete, aber stets recht seltene Art ist auch 
in Hoobheim sehr selten. 

Mafse: II = 1,2 mm, D ^ 0,6 mm, A=5\'2 — G^j^. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken : Corbiculaschichten von Frankfurt a. M. Hydrobien- 
schichten von Wiesbaden und von Budenheini b. Mainz. 

Böhmen : Tuchofic. 

Verwandte: Von den lebenden Arten ist die alpine I. salurnensis 
(Reinh.), wie schon Böttger bemerkt, die nächste Verwandte. 

62. Isthmia cryptodus (Sdbg.). 
Taf. V, Fig. 16. 

1868. Pupa cryptodus iSandberger: Conch. d. Mainzer Tert.-Beckeus, p. 53. 

Taf. XXXV, Fig. 7. 
1875. Pupa (Isthmia) crj-ptodus Sandberger: Land- und Süssw.-C'oncli. d. Vorw., 

p. 896, Taf. XXllI, Fig. 11 " 
1877. Pupa (Isthmia) cryptodus Böttger; Palaeontogr. 24, p. 213. 
1884. Isthmia cryptodus Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 267, 

Taf. IV, Fig. 7. 
1889. Isthmia crj-ptodus Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 274. 

1903. Isthmia cryptodus Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 75. 

1904. Isthmia cryptodus Fischer; Ber. d. Senckenb. nat. Ges.. p. 58. 

1908. Isthmia cryptodus Böttger: Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges , p. 151. 
1911. Isthmia cryptodus Jooss ; Jahrb. d. Na.ss. Ver. f. Nat., p. 64. 

Diese Art, die ebenfalls räumlich und zeitlich weit verbreitet ist, 
ist weit häutiger als die vorige. 

Mafse: H= 1,6—1,8 mm, D = 0,7— 0,8mm, A = öVa— öVs- 

Fundort: Hochheim n. s. 

Mainzer Becken: Corbiculaschichten von St. Johann (Rhh.) Hydrobien- 
schichten von Wiesbaden, Budenheim b. Mainz. Ob. Mioc.-Landschnecken- 
mergel von Fiankfurt a. M. 

Verwandte: Die Form geht ziemlich konstant vom Oberoligocän 
ins Obermiocän und auch ihr lebender Nachkomme, die alpin-kaukasische 
I. strobeli (Gredler) ist kaum von ihr unterschieden. 

Genus Leiicochila v. Marxens 1860. 

Auch Leucochila ist eine sehr alte Gattung, was schon allein aus 
ihrer heutigen Verbreitung folgt. Wir rinden sie heute in Nordamerika, 
den westindischen Inseln, in Abessynien, im nördlichen Asien, in Neu 



— 95 — 

Guinea, Australien und Polynesien. Wälu'end sie zur Tertiärzeit auch 
in Europa noch zahlreiche Vertreter aufwies, ist sie jetzt hier aus- 
gestorben. 

Der Name ist von 0. Böttger 1880 unberechtigter Weise in 
Leucochilus umgeändert worden. 

63. Leucochila turgida (Rss.). 
Taf. V, Fig. 17. 

1852. Pupa turgida Reuss; Palaeontogr., II, p. 30, Taf, III, Fig. 8. 

1856'63. Pupa lamellidens Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p 55, 
Taf. V, Fig. 8. 

1861. Pupa turgida Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W. Wien, XLII, p. 71 

1870. Pupa lamelhdens Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 295. 

1875. Pupa lamellidens Sandberger; Land- und Süssw.-Concb. d. Vorwelt, 
p. 398, Taf. XXIII, Fig. 14. 

1877. Pupa (Leucochila) quadriplicata Böttger; Palaeontogr. 24, p. 201. 

1889. Leucochilus quadriphcatum var. lamellidens Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. 
f. Nat., p. 280. 

1891. Leucochilus quadriplicatum var. lamellidens Klika; Arch. f. d. nat. 
Landesdurchf. v. Böhmen, VII, 4, p. 91, Fig. 87. 

1893. Leucochilus quadriplicatum Degrange-Touzin ; Actes soc. Linn. Bor- 
deaux, XLV, p. 22. 

1902. Leucochilus quadriplicatum var. lamellideus Andreae ; Mitt. a. d. Römer- 
Museum Hildesheim, No. 18, p. 17. 

1908. Leucochilus quadriplicatum Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., 
p. 151. 

1911. Leucochilus quadriplicatum Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 64. 

1911. Leucochilus quadriplicatum Wenz; Notizbl. d. Ver f. Erdk . p. 156. 

Zur Synonymie der Art ist folgendes zu bemerken: Der Name 
AI. Brauns Pupa (piadriplicata hat als nom. nud. keine Geltung. Es 
gilt also der Reusssche Name F. turgida (von Tuchoricj. Dieser Name 
kann trotz Pupa turgida Parr. bestehen bleiben, da dieser nur nom. nud. 
ist. Diese Reusssche Form von Tuchoric entspricht P. lamellidens 
Sandberger,- die Sandberger von P, quadriplicata Sdbg. trennte. Nun- 
mehr muss also Sandberge rs Typ. von (luadriplicatum als var. zu 
L. turgida (Reuss) gestellt werden als L. turgida mut. quadriplicata, 
wozu noch L. acuminata (v. Klein) = quadridentata (v. Klein) kommt. 

Mafse: H = 2.5— 3,0 mm, D := 1,6— 1,7 mm, A = ö^/g. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken : Schleichsand von Elsheim-Stadecken und Offen- 
bach a. M. Hydrobienschichten von Wiesbaden, Mainz, Weisenau bei 



— 96 — 

Mainz, Budenheim b. Mainz, Gau-Algesheimer Kopf (var. quadriplicata). 
Obermioc. Landschneckenmergel von Frankfurt a. M. (var. quadriplicata). 

Schwaben : Sylvanakalk von Mörsingen-Zwiefalten, Hausen bei 
Ehingen a. D., Altheim b. Ehingen, Mundingen, Leisacker bei Neu- 
berg a. 1). Ob. Mioc. v. Steinheim a x\lb. (acuminata v. Klein). 

Schlesien: Ob. Mioc. v. Oppeln. 

Frankreich: Noaillan (Calcaire blancdel'Agenais), Merignac u. Saucats 
(Calcaire gris de l'Agenais). 

Verwandte: Die Form ist, wie aus der voranstehenden Zusammen- 
stellung hervorgeht, im europäischen Tertiär weit verbreitet. Als einzelne 
Entwicklungsstufen haben wir die Reihe: turgida typ. (Ob. Oligoc. — 
U. Miocän) — mut, quadriplicata (U. Miocän — Ob. Miocän) — 
acuminata (Ob. Miocän). An sie schliesst sich noch L. fossanensis 
(Sacco) und ihre var. quattuordentata Sacco aus dem oberitalienischen 
Oliocän. Übrigens scheint es mir, dass die verschiedenen Formen z. T. 
gleichzeitig nebeneinander an verschiedenen Standorten lebten, was auch 
von L. larteti (Üupuy) gilt, die man am besten als Varietät zu acuminata 
stellt. Es handelt sich also um eine Form, die sehr lange bei uns aus- 
gehalten hat, bis sie endlich am Ende des Pliocän zum erlöschen kam. 

64. Leucochila didymodus (Sdbg.). 
Taf. V, Fig. 18. 

1863. Pupa didymodus Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 57, 

Taf. V, Fig. 14. 
1875. Pupa (Leucochila) didymodus Sandberger; Land- und Süssw.-Conch. d. 

Vorwelt, p. 399, Taf. XXIII, Fig. 15. 
1889. Leucochilus didymodus Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 283. 

L. didymodus (Sdbg.) bildet mit L. fissidens (Sdbg.) und L. obstructura 
(Sdbg.) und ihren Verwandten eine sehr enge Gruppe von grosser Ver- 
breitung im europäischen Tertiär. 

Mafse: H = 2,lmm, D = 0,9— 1,0 mm. 

Fundort: Hochheim z. s. 

Verwandte: Von den tertiären Formen ist L. fissidens (Sdbg.) 
und L. obstructum (Sdbg.) sehr nahe verwandt. Sie lassen sich beide 
von didymodus als Grundform ableiten. Beide finden sich in den Hydrobien- 
schichten des Mainzer Beckens und L. obstructum Sdbg. und ihre Var. 
francofurtaua Bttg. auch noch in den obermiocänen Landschneckenmergeln 
von Frankfurt a. M. Im Obermiocün von Steinheim a. Alb. finden wir 



— 97 — 

L. heterodus Bttg. und im Ob. Mioc. von Oppeln L. ferdinandi Andreae, 
die beide ebenfalls sehr nahe stehen. Der lebende Nachkomme ist 
L. theli (West.) von Westsibirien und Transkaukasien 

65. Leucochila fissidens (Sdbg.). 
Taf. VI. Fig. 19. 

1863. Pupa didymodus vav. fissidens Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.- 

ßeckens, p. 57, Taf. V, Fig. 16. 
1875. Pupa (Leucochila) didymodus var. fissidens Sandberger; Land- u. Süssw - 

Conch. d. Vorwelt, p. ;t99. 
1889. Leucochilus fissidens Böttger; Jahrb. d. Nass. Vereins f. Naturk , p. 285. 
1908. Leucochilus fissidens Böttger: Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 151. 
1911. Leucochilus fissidens Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 65. 

Diese Form tritt etwa in der gleichen Häufigkeit mit der vorigen 
zusammen in Hochheim auf, während in den Hydrobienschichten die 
vorige fehlt. 

Mafse: H = 1,9— 2,0 mm, D = 0,9— 1,0 mm. 

Fundort: Hochheim z. s. 

Mainzer Becken : Hydrobienschichten von Wiesbaden und Buden- 
heim bei Mainz. 

Verwandte: Vgl. d. vorige. 

Genus Vertigo Müller 1774. 

Diese Gattung umfasst eine ausserordentlich grosse Zahl verschieden 
gestalteter Formen, die sich zu einer Reihe von Untergattungen zu- 
sammenfassen lassen, deren Berechtigung nicht allein durch ihre Schalen- 
charaktere, sondern auch durch ihre geographische Verbreitung dar- 
getan wird. 

Subgeniis Enneopupa Böttger 1889. 

Für die Hochheimer Vertigo cylindrella hat Böttger das Subgenus 
Enneopupa geschaffen. 

66. Vertigo (Enneopupa) cylindrella (Sdbg.). 

Taf. VI. Fig 20. 

1863. Pupa cylindrella Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert -Beckens, p. 56, 

Taf. V, Fig. 9. 
1875. Pupa (Vertigo) cylindrella Sandberger; Land- und Süssw.-Conch. d. 

Vorw., p. 393,>af. XXIII, Fig. 7. 
1889. Vertigo (Enneopupa) cylindrella Böttger ; Jahrb. d. Nass. \er. f. Nat., p. 1 88. 
Jahrb. d. nass. Ver. f. X;it. fi7, 1<J14. 7 



— 98 ~ 

Mafse: H = 2,l mm, D = 1,4, A = 6C.W. 
Fundort: Hochheim s. s. 
Verwandte: — . 

Subgenus Glandicula Sandbergee 1875. 

Diese Untergattung wurde von Sandberger für die Hochheimer 
Vertigo tiarula aufgestellt, die vorläufig die einzige Art bildet. 0. Bot tger 
glaubte diese Art in die Nähe von Ptychochilus stellen zu sollen. 

67. Vertigo (Glandicula) tiarula (Sdbg.). 
Taf. VI, Fig. 21. 

1863. Pupa tiarula Sandberger; Conch d. Mainzer Tert.-Beckens, p.- 60, 

Taf. V. Fig. 18. 
1866. Pupa turcica Deshayes; Anim. sans vertebres du Bassin de Paris, II, 

p. 861, Taf. LVII, Fig. 1-3. 
1875. Pupa (Glandicula) tiarula Sandberger; Land- und Süssw.-Conch. d. 

Vorwelt. p. 401, Taf. XXIII, Fig. 17. 
1889. Vertigo (Glandicula) tiarula Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 290. 

Malse : H = 1,9—2,1 mm, D = 1.1 mm. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Vertigo (Glandicula) turcica (Desh.) von Cöte-Saint- 
Martin (Calcaire de Beauce) ist vermutlich identisch oder mindestens sehr 
nahe verwandt mit der Hochheimer Art. Lebende Verwandte sind 
nicht bekannt. 

Subgenus Ptychochilus Böttger. 

Ob die beiden Arten Vertigo trigonostoma (Sdbg.) und V. blumi Bttg. 
wirklich zu der ozeanischen Gattung Ptychochilus geiiören, scheint mir 
noch durchaus zweifelhaft. Es würde bedeuten, dass diese Untergattung 
sehr alt ist und ehemals eine grosse Verbreitung besass. Einstweilen 
bringe ich die Hochheimer Form hier unter. 

68. Vertigo (? Ptychochilus) trigonostoma (Sdbg.). 

Taf. VI, Fig. 22. 

1863. Pupa trigonostoma Sandberger; Couch, d. Mainzer Tei-t.-Beckens, p 59, 

Taf. V, Fig. 17. 
1875. Pupa trigonostoma Sandberger; Land- und Süssw.-Conch. d. Vorwelt, 

p. 400, Taf. XXIII, Fig. 16. 
1889. Vertigo (Ptychochilus) trigonostoma Böttger; Jahrb. d.Nass. Ver. f. Nat. 



- 99 — 

M a f s e : H = 2,0 mm, D = 1 ,3 mm, A = 5 C. W. 
Fundort: Hochheim s. s. 
Verwandte: — . 

Subgeims Alaea Jeffkeys 1830. 

Dieses holoarkische Subgenus umfasst eine recht grosse Zahl fossiler 
und lebender Formen und scheint etwas jünger zu sein als die übrigen 
Untergattungen. 

69. Vertigo (Alaea) callosa (Rss.) [mut. maxima Bttg.]. 

Taf. VI, Fig. 23. 

18.52. Pupa callosa Reuss; Palaeontogr. II, p. oO, Taf. III, Fig. 7. 

1856/63. Pupa alloeodus Sandberger, Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. .58, 

Taf. XXXV, Fig. 10 
1^61. Pupa callosa Reuss; Sitz.-Ber d. k. k. Akad d. W.. Wien, XLII. p. 72. 

Taf. II. Fig. 6-7. 
1875. Pupa callosa Sandberger: Land- und Süssw. -Conch. d. Vorwelt, p. 400, 

Taf. XXIV. Fig. 19. 
1877. Pupa (Vertigo) callosa var. alloeodus Böttger; Palaeontogr. 24, p. 196. 
1884. Vertigo (Alaea) callosa alloeodus Böttger ; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 269. 
1889. Vertigo (Alaea) callosa Böttger; .Jahrb. d. Nass. Ver f. Nat, p, ;^97. 
1891. Vertigo (Alaea) callosa Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurcbf. v. Böhmen, 

VII, 4, p. 96, Fig. 91. 
1893. Vertigo (Alaea) callosa Degrange-Touzin ; Actes soc. Linu. Bordeaux, XLV, 

p. 24. 

1901. Vertigo callosa mut. cyrenarum Zinndorf; Ber. d. Offenb. Ver. f. Nat., 

p. 136. 

1902. Vertigo callosa Andraea: Mitt d. d. Römer-Mus., Hildesheim No. 18, 

p. 19. 
1908. Vertigo (Alaea) callosa mut. alloeotlus Böttgei': Nachr.-BI d. d. mala- 

cozool Ges., p. 75. 
1904. Vertigo callosa var. alloeodus Fischer; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 51. 
1911. Vertigo (Alaea) callosa mut. alloeodus .Jooss: Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat., 

p. 65 
1911. Vertigo (Alaea) callosa mut. alloeodus Wenz, Notizbl. d. Ver. f. Erdk., 

p. 156. 

Diese weitverbreitete und sonst meist recht häufige Form ist in 
Hochheim äusserst selten. Ausser dem Original Böttgers in Coli. Mus. 
Senckenb. ist mir nur ein zweites Stück bekannt geworden, das sich 
in meiner Sammlung befindet. Es zeichnet sich durch viel geringere 
Grösse und breite untere Parietale aus. 

7* 



._ 100 — 

Mafse: H = 2,l I)= 1,3 (mut. niaxima) Coli. Böttger M. S. 
1,9 1,2 C. W. 

Fundort: Hochheim s. s, (mut maxima Bttg.) 

Mainzer Becken : Cyrenenmergel v. Offenbach a. M, (mut. cyrenarum 
Zinnd.), Coibiculaschichten von St. Johann (Rhh.), Uydrobienschichten 
von Wiesbaden, Mainz, Weisenau b. Mainz. Budenheim b. Mainz, 
Gau-Algesheim er Kopf, Nieder-Höchstadt (mut. alloeodus). Ober Mioc- 
Landschneckenniergel von Frankfurt a. M. (mut. alloeodus). 

Schlesien : Oppeln. 

Schwaben : Leisacker b. Neuburg a. D. ? 

Böhmen : Tuchoric, Lipen, Kolosuruk (Typ.). 

Frankreich: Noaillan (Calcaire blanc de TAgenais), Merignac 
(Calcaire gris de 1' Agenais). 

Verwandte: Wie aus den vorangehenden Angaben hervorgeht, 
ist die Form im mitteleuropäischen Tertiär vom Oligocän bis ins Ober- 
miocän in verschiedenen Var., die wohl mehr den Charakter von Lokal- 
formen als den einzelner Entwicklungsglieder haben. Sie ist der 
Vorläufer von V. antivertigo (Drap.). 

P. callosa Halavcits (Result. d. Erf. d. Balatonsus I. 1, p. 60. 
Taf. III, Fig. 9) gehört nicht hierher, sondern ist, wie Lörenthey 
nachwies, Leucochila nouletiana (Dup.). Die H alavä tssche Abbildung 
stimmt mit dieser Form nicht überein und ist wohl eine Kopie nach 
Keuss. 



70. Vertigo (Alaea) protracta (Sdbg.). 
Taf. VI, Fig. 24. 
1875. Pupa protracta Sandberger; Land-, und Süssw.-Conch. d. Vorw., p. 400. 
1889. Vertigo (Alaea) protracta Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat, p. 300, 
Taf. VII, Fig. 5. 
Auf ihre Unterschiede von V. callosa und V. ovatula hat Böttger 
1. c, genügend hingewiesen. 

Mafse: H = 1,7— 1,8mm D=l.lmm A = 5. 
Fundort: Hochheim s. 

Verwandte: Wahrscheinlich handelt es sich um eine Form, die 
sich von der vorigen abgezweigt hat und nun neben und mit ihr oder 
als Lokalform lebte. Verwandte: Vgl, die vorige. 



— 101 — 

71. Vertigo (Alaea) ovatnla (Sdbg.). 

Taf. VI, Fig. 25. 

1875. Pupa ovatnla Sandberger ; Land- und Süssw.-Conch. d. Vorwelt, p. 301, 

Taf. VII, Fig. (3. 
1884. Vertigo (Alaea) ovatula niut. miliiformis Böttger: Ber. d. Senckenb. nat. 

Ges., p. 370, Taf. IV, Fig. 9. 
1889. Vertigo (Alaea) ovatula Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p 301, 

Taf. VII, Fig. 6. 
1908. Vertigo (Alaea) ovatula var. hydrobiarum Böttger; Nachr.-Bl. d. d. 

Malakozool. Ges. p. 151. 
1911. Vertigo (Alaea) ovatula mut. hydrobiarum .Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. 
f. Nat.. p. 66. 
In Hochheim ist diese in der Grösse und Form ein wenig schwankende 
Form nicht gerade selten. 

Mafse: H = 1,7—1,8 mm D = 1,0 mm A = 5V2- 
Fundort: Hochheim z. h. 

Mainzer Becken : Hydrobienschichten von Wiesbaden und Budenheim 
b. Mainz (mut. hydrobiarum). Ob. Mioc. -Landschneckenmergel von 
Frankfurt a. M. (mut. miliiformis). 

Verwandte: Die Form reicht vom Oberoligocän mit ihrer mut. 
hydrobiarum (Bttg.) und mut. miliiformis Bttg. bis ins Obermiocän. 
Sie scheint in der Paläarktis erloschen zu sein, während in N.-Amerika 
ein Zweig von ihr in V. milium Say erhalten blieb. 

72. Vertigo (Alaea) kochi Bttg. 
Taf. VI. Fig. 26. 
1889. Vertigo (Alaea) kochi Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat., p. 304' 
Taf. VIT, Fig. 9. 

Vertigo (Alaea) kochi Bttg. kommt mit der vorigen zusammen vor, 
wohl nicht ganz so selten, als es ursprünglich schien. Die genaue 
Durchprüfung der Stücke in Coli. K. Fischer ergab, dass V. (Alaea) 
minor Bttg. nicht in Hochheim vorkommt. Die Stücke erwiesen sich 
als V. kochi Bttg. 

Mafse: H= 1,4mm D = 0,9 mm A = 4:^lo. 

Fundort: Hochheim z. s. 

Verwandte: — . 

Veitigo (Alaea) kochi Bttg. wird ausserdem noch von Andreae aus 
dem Obermiocän von Oppeln angegeben. Mit Unrecht! Die Stücke 
meiner Sammlung, die ich durch Herrn K. Fischer erhielt (leg- 
Dr. 0. von Troll), erwiesen sich als durchaus von V. kochi verschieden. 



— 102 — 

Ich widmete diese neue Art Herrn Dr. 0. von Troll und lasse hier 
Diagnose und Abbildung folgen : 

Vertigo (Alaea) troUi n. sp. 
Taf. VII, Fig. 27. 
1902. Vertigo kochi Andreae (non Bttg.); Mitt. a. d. Römer-Mus. Hildesheim 
1902, No. 18, p. 19). 
Gehäuse eiförmig, glänzend, mit stumpfem Embr3^onalende und 
engem, nach aussen erweitertem Nabel. Die 4^2 gewölbten, durch tiefe 
Nähte getrennten Umgänge sind mit sehr feinen Anwachsstreifen versehen. 
Der letzte Umgang, der ungefähr ^/r, der Gehäusehöhe einnimmt, zeigt 
einen ziemlich kräftigen Anteperistonalwulst und einen schwachen Basalkiel. 
Die Mündung ist gerundet-dreieckig, 6-zähnig, die Mundränder durch 
einen kräftigen Callus verbunden, etwas umgeschlagen und verdickt. 
Die Bezahnung ist kräftig. Von den zwei Parietalen ist die rechte 
gelegentlich nach dem rechten Mundrand hingebogen, ähnlich wie bei 
Ptychalaea, die linke tiefere und ein wenig kräftigere sehr schief, so dass 
sie der oberen Columellare fast parallel läuft. Von den beiden Colu- 
mellaren ist die obere am kräftigsten. Die beiden Palatalen sind ziem- 
lich gleichstark, die untere etwas breiter als die obere. 
Mafse : H = 1,4 mm D = 0,85 mm C. W. 
1,35 « = 0,85 « C. W. 
1,3 « =0,85 « C. W. 
Fundort: Obermiocän von Oppeln n. s. 

Subgenus Pseudelix Böttgee 1889. 
Dieses Subgenus errichtete Böttger für V. microhelix (Sdbg.) und 
die neu von ihm beschriebene V. comes Bttg.. die mir indes nichts 
anderes zu sein scheint, als ein hjpertropes Stück der ersteren. Sand- 
berger und Böttger vergleichen die Form mit Pupa conoidea 
Newcomb von British Guyana, der sie jedoch ferner steht. 

73. Vertigo (Pseudelix) microhelix (Sdbg.) 

Taf. VII, Fig. 28. 

1863. Pupa microhelix Sandherger; Gonch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 61. 

Taf. III, Fig. 8. 
1875. Pupa microhelix Sandberger: Land- u. Süssw -Conch. d. Vorw., p. 402, 

Taf. XXIII, Fig. 18 
1889. Vertigo (Pseudelix) microhelix Büttger: Jahr)), d. Nass. Ver. f. Naturk., 
p. 316. 



— 103 — 

Mafse: H = l,6mm D = 1,6 mm. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: — . 

Hierzu kommt noch eine Form, die 0. Böttger artlich abtrennte, 
die mir aber nichts anderes zu sein scheint, als ein hypertropes Stück 
mit schwacher Bezahnung, wie man solche auch bei anderen Formen 
findet. Endgültig wird die Frage erst zu entscheiden sein, wenn ein 
grösseres Material vorliegt. Ich will sie deshalb vorläufig als Var. zu 
der vorigen hierherstellen : 

Vertigo (Pseudelix) microhelix (Sdbg.) var. comes Bttg. 

1889. Vertigo (Psendelix) comes Böttger; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk. 
p. 317. 

M a Is e : H = 1,6 mm D = 1,5 mm 
Fundort: Hochheim s. s. 
Verwandte: — 

Genus Acanthopnpa n. gen. 

Gehäuse langgestreckt-eiförmig, mit stumpfem Embryonalende, eng 
genabelt. Mit Ausnahme des ersten sind alle Umgänge mit schiefen, 
weit von einander entfernten Querrippen verziert. Mundsaum mit ein- 
fachen scharfen Rändern und umgeschlagenem Spindelrand. 

Typus: Acanthopupa joossi n. sp. 

Von Acanthinula unterscheidet sich die Gattung vor allem durch 
die langgestreckte Form des Gehäuses, das viel höher als breit ist. 

Diese Gattung scheint mir insofern von grosser Wichtigkeit für die 
Stammesgeschichte der Acanthinulaarten zu sein, als sie durch ihre 
Schalenform diese Gruppe mit den Vertiginiden verbindet, worauf ja 
auch die anatomischen Befunde bei Acanthinula hindeuten. 

74. Acanthopupa joossi n. sp. 
Taf. VII, Fig. 29. 
Gehäuse langgestreckt-eiförmig, mit stumpfem Embryonalende, sehr 
eng genabelt. Die 5^/2 — 6^/, Umgänge sind gewölbt und durch tiefe 
Nähte getrennt. Der erste Umgang ist glatt, die übrigen sind mit 
schiefen, unregelmäfsigen, z. T. sehr schwach S-förmig gebogenen scharfen 
Rippchen verziert, zwischen denen eine feinere Anwachsstreifung bemerk- 
bar ist. Der letzte Umgang umfasst etwas mehr als die Hälfte der 



— 104 — 

Gehäusehöhe. Die Mündung ist schief, der obere Rand vorgezogen, 
rundlich, mit einfachen scharfen Rändern. Der Spindelrand ist stark 
umgeschlagen, so dass er den Nabel z, T. bedeckt. 

Mafse: 
H DA 

4,9 mm 2,4 mm 6V2 Taf. Fig. M. S. 

3,7 « 2,0 « 51/2 Taf. Fig. Coli. C. Jooss. 
Diese Art erhielt ich in einem erwachsenen und einem jungen 
Exemplar von Herrn C. H. Jooss. Ein weiteres grösseres Stück fand 
sich in der Sammlung des Senckenb. Museums als «Acme filifera» Coli. 
Kinkelin. 

Fundort: Hochheim s. 

Verwandte: Weitere fossile oder lebende Formen der Gattung 
kenne ich nicht. Acanthopupa joossi weicht von allen bisher bekannten 
Acanthinulaarten durch die langgestreckte Form ab. Am nächsten 
steht ihr noch Acanthinula hesserana Jooss aus den Hydrobienschichten, 
doch ist A. joossi viel höher und besitzt mehr Umgänge, als diese. Die 
ebenfalls ziemlich hohe obermiocäne Acanthinula trochulus (Sdbg.) ist 
kegelförmig und hat mit unserer Form nichts zu tun. 

Genus Acantbinula Beck 1837. 
Diese paläarktische Gruppe, die im Süden bis nach Nordafrika, 
im Norden bis Skandinavien reicht, sich im Kaukasus und N.-Persien 
findet und nach Osten wohl bis zum Behringsmeer reicht, hat in Hochheim 
drei Vertreter: 

75. Acanthinula paludinaeformis (Sd"bg.). 

Taf. VH. Fig. 30. 

1863. Helix pahidinaeformis Sandberger: Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, 

p. 17, Taf. III, Fig. 9. 
1875. Patula (Acanthinula) paludinaeformis Sandberger; Land- u. Süssw.- 

Conch. d. Vorw., p. 875, Taf. XXII, Fig. 15. 
1875. Patula paludinaeformis Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 94. 

Die Form schwankt nicht unbeträchtlich in der Grösse. 
Mafse: H = 4,0mm D = 3,4 mm A = 6 C.W, 
3,1 « 3,0 « 4V2 C. W. 

F u n d r t : Hochheim z. s. 
Mainzer Becken : Schleichsand von Elsheim-Stadecken. 



— 105 — 

Verwandte: In Böhmen wird sie durch die sehr nahestehende 
Ä. tuchoricensis Klika vertreten. Unter den lebenden Formen scheint 
ihr A. spinifera (Mousson) am nächsten zu stehen. 

76. Acanthinula plicatella (Rss.). 

Tat'. VII, Fig 31. 
1852. Helix plicateUa Reuss; Palaeontogr., II. p. 21, Taf. I, Fig. 10. 
1875. Patula plicatella Saudberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., p. 375, 427. 
1880. Patula plicatella C. Koch: Erl. z. Bl. Hochheim d. geol. Spezialk. v. 

Preussen, p. 21. 
1891. Helix (Acanthinula) plicatella Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v.. 
Böhmen, VIT, 4. p. 43. Fig. 36. 
Diese Form wurde von C. Koch zuerst von Hochheim angeführt 
(0. Böttger det.). 

M a fs e : H = 1,8 mm D = 2,2 mm A = 5. 
Fundort: Hochheim s. s. 
Böhmen : Tuchoric. 

Verwandte: A. plicatella steht der lebenden A. lamellata (Jeffr.) 
sehr nahe und darf wohl als ihr Vorläufer angesehen werden. 

77. Acanthinula nana (Sdbg.). 

Taf. VII, Fig. 32. 

1875. Patula (Acanthinula) nana Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vonv.. 

p. 374. Taf. XXII. Fig. 14. 
1891. Helix (Acanthinula) nana Klika; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. 
Böhmen, VII, 4, p. 41. Fig. 34. 

Mafse: H = 0,8 mm D = 1,4mm A = 4. 
Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken: Hydrobienschichten von Mainz (nach C. Koch). 
Verwandte: Ein lebendes Analogon dieser winzigen Form hat 
sich bis jetzt noch nicht gefunden. 

Familie Strobilopsidae. 
Genus Strobilops Pilsbet 1892. 

Ich habe dieser Gattung eine kleine Monographie gewidmet ^), auf 
die ich hier, was Einzelheiten anbetrifft, verweisen muss. Es handelt 



M Jahrb. f. Min. Geol u. Pal. 1915. 



— 106 — 

sich um kleine Formen und es liommt daher ihrer Verbreitung die 
Möglichkeit einer leichten passiven Übertragung zu Hilfe. Ihre Lebens- 
weise muss ungefähr die von Vallonia gewesen sein, mit der sie stets 
^zusammen vorkommt. Auch Vallonia ist ja eine holoarktische Gattung. 
"Warum die eine in Europa zum Erlöschen kam, während die andere 
persistierte, wird schwer zu ermitteln sein. Sicher ist, dass beide sehr 
alte Gattungen sind. Die Gattung ist holoarktisch, aber in Europa am 
Ende des Tertiärs erloschen. 

In Hochlieim finden wir zwei Vertreter dieser Gattung: 

78. Strobilops uniplicata (Sdbg.). 
Taf. VIT, Fig. ;i3. 

1863. Helix uniplicata Sandberger; Concli. d Mainzer Tert -Beckens, p. 35, 

Taf. fll, Fig. 7. 
1861. Helix uniplicata Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W. Wien, XLII, p. 68. 
1870. Hyalinia uniplicata Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R, XX, p. 2-ä7. 
1875 Strobilus uniplicatus Sandberger: Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw.. 

p. 406, Taf. XXIII, Fig 21. 
1884. Strobilus uniplicatus var. sesquiplicata Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. 

Ges., p. 259. 
1891. Strobilus uniplicatus Klika ; Arcb. f. d nat. Landesdurclif v. Böhmen, 

VII, 4, p. 32, Fig. 24 b, c (non a), Fig. 25 a 
1891. Strobilus uniplicatus Maillard; Abb. d. sclnveiz. palaeont. Ges., p. 20, 

Taf. I, Fig. 22-23. 
1903. Strobilus unipiclatus var. sesquiplicata Böttger: Nachr.-Bl. d. d. Malako- 

zool. Ges., p. 75. 
1901. Strobilus uniplicatus var. semiplicata Fischer: Ber. d. Senckenb. nat. 

Ges., p. 51. 
1908 Strobilus uniplicatus Böttger; Nacbr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 150. 

1911. Strobilus uniplicatus et var. sesquiplicata Jooss: Jahrb. d. Nass. A^er. 

f. Naturk., p. 61. 

1912. Strobilus uniplicatus Aar. sesquiplicata Wenz: Nacbr.-Bl. d. d. Malako- 

zool. Ges., p. ICO. 

Die häufigere der beiden Strobilopsformen Hochheims : einige Stücke 
lassen die Andeutung der zweiten, dem Nabel näher gelegenen Falte 
schon von aussen erkennen, die bei der var. sesquiplicata Bttg. deutlicher 
in die Erscheinung tritt. Meine Stücke von Tuchoric sind durchweg 
kleiner und zeigen die Andeutung der zweiten Falte weit seltener. Sie 
sind ausserdem viel schwächer gelippt und besitzen eine schwächere Falte. 

Die Stücke aus den Hydrobienschichten schliessen sich dem Hochheimer 
Typ. an, nur dass var. sesquiplicata Bttg. ausgeprägter und häutiger 



— 107 — 

auftritt. Yar. sesquiplicata wird also in den höheren Horizonten häufiger. 
In den obermiocänen Landschneckenmergeln von Frankfurt scheint sie 
allein aufzutreten. 

Mafse: H = 1,0— 1,1 mm D = 1,9— 2,1 mm. 

Fundort: Hochheim n. h. 

Mainzer Becken : Hydrobienschichten von Wiesbaden, Mainz, Buden - 
heim b. Mainz, Ob. Mioc.-Landschneckenmergel von Frankfurt (var. 
sesquiplicata Bttg.). 

Böhmen: Tuchoric, Warzen. 

Schwaben : Sylvanaschichten von Hohenmemmingen b. Giengen (var. 
depressa). 

Schweiz: Dettighofen b. Eglisau (Helvetien). 

Verwandte: — . 

79. Strobilops diptyx (Bttg.). 

Taf. VIIL Fig. 34. 

1869. Helix diptyx Böttger: Palaeontogr.. XIX, p. -44, Taf. YIII, Fig. 5. 
1875. Strobilus diptyx Saiulberger : Land- u Süs.sw.-Coiicli d. Vorw., p. 406, 

Taf. XXIli, Fig. 25. 
1901. Strobilus diptyx Ziimdorf: Ber. d. Offenb. Ver. f. Natiirk.. XLII, p. HO. 

Genauer Vergleich unserer Hochheimer Form mit den Stücken, die 
K 1 i k a unter demselben Namen von Tuchoric beschrieben hat, zeigt mir, 
dass beide Formen recht verschieden sind, so dass ich die böhmische 
nicht einmal mehr als Yar. zum Hochheimer Typ. stellen möchte, 
sondern sie abtrennen muss (s. unten). B ö 1 1 g e r s Abbildung lässt 
übrigens die Unterschiede nicht gut erkennen. 

Mafse: H = 1,5 mm D = 2,5 mm. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Unter den fossilen Formen ist die oben erwähnte 
böhmische Form zweifellos nahe verwandt, aber doch gut unterschieden: 

Strobilops fischeri n. sp. 

(1891. Strobilus diptyx Klika von Bttg.: Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. 
Böhmen. YII, 4. ].. 34. Fig. 26.) 
Gehäuse flach, kegelförmig, mit engem, nach aussen plötzlich er- 
weitertem Nabel und stumpfem Embryonalende, unten wenig gewölbt- 
Die 4^2, durch tiefe Nähte getrennten Umgänge sind oben wenig 



— 108 — 

gewölbt; sie nehmen sehr langsam an Breite zu. Letzter Umgang nicht 
erweitert und nicht herabsteigend, mit stumpfem Kiel auf der Mitte. 
Der erste Umgang ist glatt, die übrigen sind mit feinen und regel- 
mäfsigen Anwachsstreifen versehen. Die Mündung ist eng, halbmond- 
förmig, etwas schief gestellt. Der Mundsaum ist oben weniger, in der 
Mitte und unten stark umgeschlagen und etwas verdickt, der Spindelrand 
am Nabel kurz umgebogen. Die Mundränder sind durch eine kräftige 
Schwiele verbunden, auf der zwei dünne schiefgestellte Lamellen sitzen, 
von denen die obere höher und kräftiger ist. 

Ausser diesen beiden Parietallamellen, die im Innern durch kleine 
Knötchen zahnförmig gestaltet sind, beobachtet man noch in etwa V4 
Umgang eine columellare Zahnfalte und zwei basale, von denen die 
äussere am kräftigsten ist. 

Mafse: H= 1,2mm D = 2,3 mm. 

Die Abbildung bei Klika 1. c. Fig. 26 ist so gut, dass ich hier 
keine neue zu geben brauche. 

Unterscheidet sich von Str. diptyx (Bttg.) von Hochheini vor allem 
durch das viel niedrigere Gehäuse und den plötzlich erweiterten Nabel. 
Beide Merkmale, besonders das letztere, trennen die Formen scharf 
von einander. Während bei Str. diphyx (Bttg.) der Nabel eng, rund 
und vom Spindelrand noch z. T. bedeckt ist, erweitert er sich bei Str. 
tischen n. mit dem letzten Umgang ganz beträchtlich, was ich bei den 
Stücken meiner Sammlung und denen aus Coli. 0. Böttger in Mus. 
Senckenberg feststellen konnte und auch Klikas Abbildung deutlich 
zeigt. Ausserdem sind die Umgänge bei diptyx Bttg. stärker gewölbt. 
Der Spindelrand bei diptyx Bttg. ist fast gerade, während er bei tischen n. 
deutlich kurz vor der Ansatzstelle umbiegt. Die Unterschiede, die Klika 
anführt, kann ich nicht bestätigen : im Gegenteil ist fischeri n. wesentlich 
breiter. 

Ich widme diese Art meinem lieben Freunde und Mitarbeiter 
Herrn Ing. K. F i s c h e r - Frankfurt a. M. 

Sehr nahe verwandt ist der Hochheimer Form auch Str. 
elasmodonta (Reuss) von Tuchoric, der ihm., abgesehen von dem ge- 
schlossenen Nabel, in der Totalform näher steht als Str. fischeri. 
Vielleicht hat sich Str. diptyx Bttg., die ja schon vom Mitteloligocän 
an bekannt ist, in die zwei Formen gespalten, die im Untermiocän von 
Tuchoric nebeneinander lebten. 



— 109 — 

Familie Valloniidae. 

Genus Talloiiia Risso 1826. 

Ebenso wie Strobilops ist auch Vallonia eine sehr alte Gattung, die 
genügend Zeit und die Möglichkeit fand, sich auszubreiten, so dass sie 
heute holoarktisch ist. Schon im Eocän finden wir die ersten Vertreter, 
im Oligocän kann man schon die beiden Formenkreise der pulchella- 
costata und der tenuilabris unterscheiden ; und im Ausgang des Miocän 
finden sich die Vorläufer fast aller in Mitteleuropa lebenden Formen. 
In Hochheim finden wir zwei Arten : 

80. Valonia lepida (Kss.). 

1845. Helix pulchella Thomae: Jahrb. d. Nass. Ver. f. Natink., II, p. 145. 

1852. Helix lepida Reuss; Palaeontographica. II, p. 24, Taf. II, Fig. 4. 

1863. Helix pnlchelhi Sandberger: Conch. d. Mainzer Tert.-Beckeus, p. Bl, 

Taf. 111, Fig. 6. 

1870. Helix pulchella Büttger: Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 289. 

1875. Helix sandbergeri Bötfger; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 95. 

1875. Helix (Valonia) lepida Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., 

p. 375, Taf. XXII, Fig. 16. 

1«77. Helix pulchella var. Böttger; Palaeontogr. 24, p. 192. 

18S4. Helix (Valonia) lepida Böttger; Ber. d. Senckenb. nat Ges., p. 160. 

1903. Valonia lepida Böttger: Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 72. 

1904. Valonia lepida Zinndoif: Ber. d. Offenb. Ver. f. Nat., p. 96. 
1904. Valonia lepida Fischer; Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 51, 53. 

1908. Valonia lepida et var. subcosfata Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. 

Ges.. p. 146. 
1911. Valonia lepida Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk.. p. 61. 
1911. Valonia lepida Wenz; Notizbl. d. Ver. f. Erdk. u. d. Grossh. geol. 

Landesanst.. p. 155. 

Diese Form ist in Hochheim die seltenere der beiden Arten, während 
in den Hydrobienschichten das Verhältnis gerade umgekehrt ist. (Vgl. 
biolog. Teil p. — .) 

Mafse: H = 2,5— 2,8 mm D = 1,5 mm A = 3 ^/a. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken : Schleichsand von Eisheim, Cerithiensand von 
Kl.-Karben und Offenbach a. M. Hydrobienschichten von Wiesbaden, 
Mainz, Weisenau b. Mainz, Budenheim b. Mainz, Gau-Algesheimer Kopf, 
Hochstadt, Nieder-Höchstadt. 

Böhmen: Tuchoric. Lipen, Kolosuruk. 



— 110 — 

Frankreich : Es bleibt ungewiss, ob liier V. lepida (Rss.j oder V. 
sandbergeri Desli. in den einzelnen Fällen vorliegt. 

Verwandte: Die Form gehört zur Gruppe der lebenden V, 
pulchella (Müll.) und V. costata (Müll.). Die böhmischen Formen sind 
nicht so stark gerippt, wie die des Mainzer Beckens und zeigen auch 
sehr feine Unterschiede in der Ausbildung des Mundsaumes, die man 
indes auch bei den Mainzer Formen triift, wie ich mich an einem 
grösseren Material überzeugen konnte, so dass man sie nicht von einander 
trennen darf. 



81. Vallonia sandbergeri (Desh.). 

1866. Helix sandbergeri Deshayes; Anim. saus vertebres du Bassin de Paris, II,. 

p. 816, Taf. LH, Fig. 23-25. 
1903. Valonia sandbergeri Böttger; Nachr. -Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 72. 
1908. Valonia sandbergeri Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 147.. 
1911. Valonia sandbergeri Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk , p. 62. 

Diese Form ist in Hochheim die herrschende, im Gegensatz zu den 
Hydrobienschichten, wo V. lepida (Rss.) ausserordentlich viel häutiger ist. 

Mafse: H = 2,4—2,7 mm D=l,3~l,4mm A = 3 ^2- 

Fundort: Hochheim n. s. 

Mainzer Becken : Hydrobienschichten von Wiesbaden, Budenheim. 

Frankreich : Cote-Saint-Martin (Calcaire de Beauce). 

Verwandte: V. sandbergeri gehört zur Gruppe der im Diluvium 
sehr verbreiteten und heute bei uns im Aussterben begriffenen V. 
tenuilabris. 



Familie CocMicopidae. 
Genus Cochlicopa Risso 1826. 

Diese Gattung tritt bereits im Eocän (Bu.xweiler) auf. Eine kritische 
Untersuchung der einzelnen Arten wäre sehr vonnöten. Es will mir 
scheinen, als ob die vielen Arten, die bisher beschrieben worden sind, 
sich auf ganz wenige werden reduzieren lassen. Solange aber eine 
solche kritische Sichtung der lebenden Formen noch nicht durchgeführt 
ist, sind auch die fossilen schwer zu bewerten. 

In Hochheim haben wir drei Formen: 



— 111 — 

82. Cochlicopa lubricella (Sdbg.). 
Taf. VIII, Fig. 35. 
1845. Achatina lubrica Tliomae: Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 151. 
1863. Glandina lubriceHa Sandberger: Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 48,. 

Taf. V, Fig. 5. 
1866. Cionella lubricella Deshayes; Anim. sans vertebres du Bassin de Paris, II,. 

p, 845, Taf. LIV, Fig. 22—24. 
1875. Cionella lubricella Sandberger; Land- u. Süssw.-Conoh. d. Vorw., p. 389' 

u^., Taf. XXIII. Fig. 3. 
1877. Cionella lubricella var. major Böttger; Paleaontogr. 24, p. 213. 
1909. Cochlicopa (Cionella) lubricella Böttger; Nachr.-Bl. d. d. MalakozooL 

Ges. 1909, p. 25. 
1911. Cochlicopa (Zua) lubricella raut. gracilis Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f.. 

Naturk., p. 62. 

Wenn man C. subrimata (Reuss) von Tuchoric von dieser Forn> 
abtrennt, deren wesentliche Unterschiede weniger in der bauchigen und 
mehr gewölbten Schale, sondern in den viel flacheren und weniger 
gewölbten Umgängen bestehen, dann kann der Name beibehalten werden. 
Andernfalls hat dafür C. subrimata (Reuss) zu treten, an die man unsere 
Form vielleicht als var. anzuschliessen hätte. 

Die Hochheimer Form schwankt, was Grösse des Gehäuses und 
Verhältnis von Höhe und Breite betrifft, ebenso wie die lebende C. lubrica. 

Ma l'se : H = 5,6 mm D = 2,1 mm V = 2,67 mm C. W. 





5,3 « 




2,4 « 


2,21 


« 


C.W. 




5,3 « 




1,9 « 


2,79 


« 


C.W. 




5,2 «= 




2,0 « 


2,60 


« 


C.W. 




5,0 « 




2,2 « 


2,27 


« 


C.W. 


u n d r t : 


Hochheim n. 


h. 











Mainzer Becken : Corbiculaschichten von St. Johann (Rhh.) (var. 
major Bttg.), Hydrobienschichten von Wiesbaden, Weisenau und Buden- 
heim b. Mainz, Hochstadt b. Hanau (mut. gracilis Jooss). 

Frankreicli : Fontainebleau (Calcaire de Beauce). 

Verwandte: Sehr nahe stehen die beiden böhmischen Formen 
C, dormitzeri (Reuss) von Tuchoiic und Kolosuruk und C, subrimata (Rss.) 
von Tuchoric und Lipen, an die sich auch C. loxostoma (v. Klein) aus 
dem Obermiocän von Mörsingen (die man nicht mit Azeca loxostoma Sdbg. 
verwechseln darf) ausschliesst. Sie sind wohl nichts anderes als schwache 
Varietäten unserer Art. Sie alle gehören zum Formenkreis der lebenden 
C. lubrica, deren hohes Alter auch aus ihrer holoarktischen Verbreitung 
hervorgeht. 



— 112 — 

83. Cochlicopa macrostoma (Bttg.). 
Taf. VIII. Fig. 36. 
1875 Cionella macrostoma Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. (Tes.. [>. 96. 

Diese schlanke, in der Grösse zwischen C. lubricella und der 
folgenden C. splendens stehenden Form, die Böttger zuerst aus den 
Schleichsanden von Elsheim-Stadecken beschrieb, fand sich auch in 
Hochheim. Sie hat bisher weder genügende Beschreibung noch Ab- 
bildung erfahren, weshalb ich hier beides folgen lasse: 

Gehäuse schlank, zylindrisch-spindelförmig mit stumpfem Apex. 
Die 6 schwach gewölbten Umgänge sind glatt und glänzend und mit 
sehr schwachen Anwachsstreifen versehen. Die letzte Windung umfasst 
«twa '/j der Gehäusehöhe. Die Mündung ist verhältnismäfsig schmal 
und schlank, ihre Höhe etwa 2/5 der des Gehäuses. Spindelrand und 
Aussenrand der Mündung sind nur schwach gekrümmt. 

Mafse: H = 7,5 mm D = 2,7 mm A = — M.D. 
5,8 « 2,3 « M.S. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken : Schleichsand von Eisheim (Rhh.). 

Verwandte: Diese Art dürfte noch in den Formenkreis von 
lubricella (Sdbg.) gehören, C. splendens, mit der sie Böttger in Be- 
ziehung bringt, steht sie entschieden ferner. 

84. Cochlicopa splendens (Sdbg.). 

Taf. VIII, Fig. 37. 

1863. Glandina (Cionella) splendens Sandberger: C'onch. d. Mainzer Tert,- 

Beckens, p. 392, Taf. XXXV, Fig. 5. 
1897. Cionella splendens Babor; Sitz. -Ber. d. k. böhni. Ges. d. "SV., LXIII, p. 17. 

Diese grosse und bauchige Form, die von den beiden anderen sehr 
scharf geschieden ist, ist wie die vorige in Hochheim ebenfalls selten. 

Mafse: 
H = 11,4 mm D = 4,9 mm A = 6 M. D. Taf. VHI. Fig. 37. 
11,4 « 4,7 « 6 M.D. 

9,9 « 4,2 « 5V2 M.D. 

Fundort: Hochheim s. s. 
Böhmen: Tuchoric (Babor). 

Verwandte: Es sind mir weder lebende noch fossile Verwandte 
dieser Form bekannt. 



— 113 — 
Familie Carychiidae. 

Die Carychiiden sind im Tertiär durcli zwei Genera vertreten : 
Carychiopsis und Carychium, von denen die erstere erloschen ist, während 
die zweite heute noch eine weite Verbreitung besitzt. 

Genus Carychiopsis Sandbeegee 1875. 
Die Gattung Carychiopsis ist eine sehr alte; sie tritt schon im 
Eocän (Rilly) auf und bildet einen sehr geschlossenen Formenkreis. 
Von Hochheim gehört hierher : 

85. Carychiopsis costulata (Sdbg.). 
Taf. VIII. Fig. 38. 

1863. Carychium costulatum Sandberger: Couch, d. Mainzer Tert. -Beckens, 
p. 393, Taf. XXXV, Fig. 19. 

1861. Pupa schwageri Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W. Wien. LVII, p. 82. 
Carychium schwageri Slavik ; Arch. f. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen, I, 2 
p. 268, Taf. IV, Fig. 20, 21. 

1870. Carychium costulatum ßöttger: Jahi'b. d. k. k. geol. K.. XX. p. 297. 

1875. Carychiopsis costulata Sandberger: Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., 
p. 39 J. Taf. XXII. Fig. 9. 

1891. Carychiopsis costulata var. schwageri Klika: Aich. f. d. nat. Landes- 
durchf. V. Böhmen, VIT, 4, p. ICO. Fig. 96. 

Die Form scheint in Hochheim nur in ganz bestimmten Schichten 
aufzutreten und auch hier ausserordentlich selten zu sein. Mit der 
Tuchoricer Form stimmt sie gut überein. In der Streifung linde ich 
keine Unterschiede, höchstens ist die böhmische Form ein wenig grösser. 

Mafse: H = 1,8 mm D = 0,9 mm C.W. Taf. VIII, Fig. 38. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Böhmen : Tuchoric, Stoltzenhahn. 

Verwandte: Unter den fossilen Formen, die alle einander sehr 
nahe stehen, kann vielleicht C. dohrni aus dem Eocän von Rilly als 
Vorläufer betrachtet werden. Weiter entfernt ist schon Carychiopsis 
quadridens Andreae von Buchsweiler. Nachkommen scheint diese Form 
ebenso wie die Gattung überhaupt nicht hinterlassen zu haben. 

Genus Carychium Müllee 1774. 
Diese holoarktische Gattung ist ebenfalls recht alt. Die anatomische 
Untersuchung der lebenden Formen hat gezeigt, dass diese sehr eng 
zusammen gehören. Auch die Zoospeumarten sind anatomisch kaum 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Xat. 67, 1914. ;s 



— 114 — 

verschieden. Im Tertiär hat es sicher eine grössere Zahl differenter 
Arten gegeben: doch dürfte aucli hier manches zusammen zu ziehen sein. 

86. Carychium nanum Sdbg. 

Taf. VIII, Fig. 39. 
1863. Carychium nanum Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 64, 

Taf. III, Fig 4. 
1870. Carychium nanum Büttger; Jahrb. d. k. k. geol. R., p 297. 
1875. Carychium nanum Sandberger: Land- u. Süssw. -Conch. d. Vorw., p. o71,. 

Taf. XXII, Fig. 10. 
1890. Carychium minutissimum Flach; Verb. d. phys.-med. Ver. Würzburg,. 

N. F., XXIV, p. i\ 

Auch diese winzige Form ist in Hochlieim recht selten, wie alle 
Carychiiden, wenn auch nicht so selten wie Carychiopsis costulata (Sdbg.) 

Mafse: H= 1,0 mm D = 0,5 mm C. Taf. VIII, Fig. 39. 

P" u n d r t : Hochheim s. s. 

Böhmen : Tuchoric, Lipen (var. boettgeri Flach). 

Verwandte: C. nanum ist die kleinste Form einer Entwicklungs- 
reihe. Das böhmische C. nanum var. boettgeri Flach ist merklich 
grösser. Eine weitere aufsteigende Mutation ist das noch grössere 
C. laeve Bttg., das Böttger als Var. von nanum Sdbg. beschrieb, 
Andreae aber artlich abtrennte. Wir linden die Form in den Hydro- 
bienschichten, in den Braunkohlentonen von Kaltenuordheim i. d. Rhön^ 
in den obermiocänen Landschneckenmergeln von Frankfurt und im Ober- 
miocän von Oppeln. Unter den lebenden Formen weist Sandberger 
auf C. exiguum Say aus Nordamerika hin, das mir indes noch in den 
Formenkreis des lebenden minimum zu gehören scheint. In Europa 
scheint die Gruppe ebenso wie die übrigen tertiären Gruppen dieses 
Genus bis auf das C, minimum erloschen zu sein. 

87. Carychium fischeri Bttg. 

Taf. IX, Fig. 40. 
1903. Carychium fischeri Böttger: Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ge.s., p. 184. 

Auch diese in Hochheim äusserst seltene Form ist bisher noch nicht 
abgebildet worden. 

Gehäuse breit, geritzt, länglich-eiförmig; Gewinde kurz, kegelförmig, 
konvex, mit stumpfem Embryonalende. Die 5 Windungen sind etwas 
gewölbt, mit tiefer Naht, leicht aufgebläht und mit sehr feinen 'An- 
wachsstreifen versehen. Der letzte Umgang, der ^j^ der Gehäusehöhe 



— 115 — 

ausmacht, ist erweitert, in der Mitte beinahe eben, an der Mündung 
unterhalb des Sinulus breit ausgedrückt. Die Mündung ist senkrecht 
zur letzten Windung, eiförmig, mit stark verdickten und ausgebreiteten 
Rändern, der rechte Mundsaum winklig vorgezogen und mit einem 
kräftigen Zahn versehen. Die Parietale ist lang und schmal, die 
Columellare klein und stumpf. (Taf. IX, Fig. 40.) 

Mafse: H = l,4mm D = 0,8 mm, 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: ßöttger vergleicht die Form mit C. gibbum aus 
dem Obermiocän von ündorf, der sie zweifellos nahe steht. 

Familie Limnaeidae. 

Wie alle Wasserschnecken, so sind auch die Limnaeen in Hochheim 
äusserst selten. 

Was die Verwandtschaft der tertiären Formen mit unseren heute 
lebenden betrifft, so ist festzustellen, dass die Wandelbarkeit dieser 
Formen meist eine recht grosse ist, und wir haben keine Ursache, an- 
zunehmen, dass es im Tertiär anders war. Wir haben im Tertiär 
dieselben Formenkreise wie heute. So kann man fast alle tertiären 
Stücke mit heute lebenden Arten und ihren Standortsformen belegen. 
Die vielen beschriebenen tertiären «Arten» haben daher meist nur sehr 
bedingten Wert. 

Genus Limnaea Lamaeck 1799. 

Subgenus Limnus Montfoet 1810. 

88. Limnaea (Limnus) cretacea (Tho.). 

1845. Limnaeus cretaceus Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 157. 
1852. Limuaeus thoniaei Reuss; Palaeontogr.. II. p. 36, Taf. IV, Fig. 4. 
1870. Limnaeus cretaceus Böttger; .lahrb. d. k. k. geoi. R., XX, p, 298. 
1875. Limnaeus thomaei Sandberger ; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw,, p. 370. 
1878. Limnaeus cretaceus Böttger: Jahresber. d. Offenbacher Ver. f. Nat., 

p. 13, Taf. n, Fig. 1—2. 
1891. Limnaeus thomaei Klika : Arch. d. nat Landesdurchf. v Böhmen, VII, 4, 

p. 91, Fig. 101. 

Diese grosse Form ist sicher nicht von weither einge.schwenimt, 
da sie keinen weiten Trausport vertragen haben würde. 
Mafse: H = 47 und D = 25 mm. M. S. 

8* 



— 116 — 

Fundort: Hochheim z. s. 

Böhmen : Tuchoric, Lipen, Kolosoruk (U. Mioc.-Landschneckenkalk). 

Verwandte: Die Form gehört, wie schon Böttger (1. c.) wahr- 
scheinlich macht, zur Gruppe der lebenden L, stagnalis (L). 

Ausserdem besitze ich noch von Hochheira eine kleine gelippte 
Limnaea, d. h. eine Trockenform, die wohl zu einer anderen Art, viel- 
leicht zu Limnaea (Limnophysa) subpalustris (Tho.) oder L. fabula Brong. 
gehören dürfte. 

Familie Flanorbidae. 

Ebenso wie die Liranaen sind auch die Planorbenformen in Hoch- 
heim äusserst selten ; doch haben sich auch hier die häufigsten Formen 
des Mainzer Beckens gefunden. 

Genus Plauorbis Guettaed 1756. 
89. Flanorbis cornu Brong. 

1810. Planorbis cornu Bronguiait ; Ann. du Mus. 15, p 871, Taf. XXII, Fig. 6. 

1845. Planorbis solidus Thomae: Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., II, p. 153. 

1852. Planorbis pseudamnionius Reuss; Palaeontogr . II, p. 37, Taf. IV, Fig. 7. 

1863. Planorbis solidus Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 71. 
Taf. VII, Fig. 8. 

1861. Planorbis solidus Reuss: Sitz.-Ber. d. k. k. Akad. d. W. Wien, XLll, p. 79. 

1870. Planorbis solidus Böttger: Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 298. 

1875. Planorbis cornu Sandberger; Land- u. Süssw. -Conch. d. Vorw , p. 147 etc., 
Taf. XVIll, Fig. 12. 

1875. Planorbis cornu Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. Ges.. p. 10 ) ff. 

1877. Planorbis cornu var. solidus Böttger: Palaeontogr., XXIV, p. 211. 

1893. Planorbis cornu var. solidus Degrange-Touzin: Actes soc. Linn. Bor- 
deaux, XIV, p. 47. 

1908. Planorbis solidus Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 184. 

1911. Coretus solidus Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 71. 

1911. Planorbis cornu v. sohda Wenz ; Notizbl. d. Ver. f. Erdk. u. d. Grossb. 
geol. Landesanst.. p. 158. 

etc. etc. 

Die im europäischen Oligocän und Miocän weitverbreitete Art 
findet sich auch in Hochheim, ist aber hier selten, 
Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken: Vom Cyrenenmergel ab in allen Horizonten. 
Böhmen : Tuchoric, Lipen, Kolosuruk. 



— 117 - 

Süddeutschland : lu den Rugulosa- und in den Sylvanakalken (var. 
mantelli Dkr.) 

Frankreich : Calcaire blanc de 1' Agenais, Calcairegris de 1' Agenais etc. 

Verwandte: Es scheint sich hier um eine durch eine ganze 
Reihe von Stufen durchgehende recht konstante Form zu handeln, in 
deren Gruppe auch der cocäne P. pseudammonius gehört und deren 
lebender Vertreter P. corneus L. ist. 

Genus Oyraulus Agassiz 1837. 

90. Gyraulus dealbatus (Sdbg.). 

1875. Planorbis ((gyraulus) dealbatus Sandberger: Land- n. Sttssw.-Conch. d. 

Vorw., p. 492, Taf. XXV, Fig. 10. 
1877. Planorbis dealbatus Böttger; Palaeontographica 24. p, 210. 
1893. Planorbis (Gyrorbis) dealbatus Degrange - Touzin ; Actes soc. Linn. 

Bordeaux, XLV P- 47. 
1908. Planorbis dealbatus Böttger; Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. Ges., p. 154. 
1911. Gyroraulus dealbatus .Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 71. 
1911. Planorbis (Gyraulus) dealbatus Wenz; Notizbl. d. Ver. f. Erdk. u. d. 
Grossb. geol. Landesanst., IV, 32, p. 158. 

Diese Form, die in den höheren Schichten grosse Bedeutung ge- 
winnt, tritt hier im Mainzer Becken zum erstenmal auf. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken : Von den Landschneckenkalken ab in allen höheren 
Horizonten. G. dealbatus-laevis findet sich im Miocän Europas in weiter 
Verbreitung. 

Frankreich: Calcaire blanc et calcaire gris de l'Agenais. 

Verwandte: Nächstverwandt ist G. laevis (v. Klein), in welche 
Form die Art in den höheren Horizonten unmerklich übergeht. Von 
den lebenden Arten steht G. stroemi (West) und G. albus (Müll.) in 
der Form sehr nahe. 

91. Gyraulus applanatus (Tho.). 

1845. Planorbis applanatus Tliomae; Jalirb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 150. 
1852. Planorbis applanatus Reuss; Palaeontogr., IT, p. 88, Taf. IV, Fig. 8. 
1863. Planorbis declivis Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 73, 

Taf. VII, Fig. 9. 
18G0. Planorbis applanatus Reuss; Sitz.-ßer. d. k. Akad. d. W. Wien, XLIl, 

p. 79. 
1870. Planorbis declivis Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 298. 



— 118 — 

1875. Plaiiorbis declivis Sandberger; Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw., p.491, 

Taf. XXV, Fig. 9. 
1877. Planorbis declivis ßöttger; Palaeontogr. 24, p. 208. 
1891. Planorbis declivis Klika; Arch. d. nat. Landesdurchf. v. Böhmen, VII, 4, 

p. 107, Fig 104. 
1893. Planorbis (Gyrorbis) declivis Degrange-Touzin ; Actes soc. Linn Bor-' 

deaux, XLV, p 49. 
190?. Planorbis declivis Böttger; Naclir.-Bl d. d. Malakozool. Ges., p. 154 
1911. Gyrorbis declivis Jooss; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 71. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Mainzer Becken: Corbiculaschichten von St. Johann (Rhh.), 
Hydrobienschichten von Wiesbaden, Weisenau b. Mainz, Budenheim b. 
Mainz, Kastei, 

Böhmen: Tuchoric, Lipen, Kolosoruk, Stoltzenhahn. 

Frankreich : Calcaire blanc de l'Agenais : Villandraut, Noaillan, 
Cabanac, Saucats. Calcaire gris de l'Agenais: Bazas, Labrede, Saucats. 

Verwandte: Von den lebenden Formen könnte vielleicht G . 
tenellus (Hartm.) aus dem Bodensee in Betracht kommen. Leider wissen 
wir über diese Form seit ihrer Entdeckung nichts mehr. 

Familie Acmeidae. 

Über die Verbreitung der Acmeiden, die infolge ihrer versteckten 
Lebensweise und ihrer Kleinheit nicht leicht zu linden sind, sind wir 
noch nicht genügend unterrichtet, doch dürfte sie wohl grösser sein, 
als bisher bekannt wurde ; denn auch Acme ist eine alte Gattung, die 
schon im Oligocän in einer Anzahl von Arten auftritt. 

Genus Acrae Haetmann 1821. 
Subgenus Auricella Moquin -Tandon 1855. 
92. Acme (Auricella) filifera (Sdbg.). 
Taf. IX, Fig. 41. 

1863. Acicula filifera Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 388, 

Taf. XXXV, Fig. 17." 
1875. Acicula limbata Sandberger: Land- u. Süssw.-Conch. d. Vorw.. p. 410, 

Taf XXIII, Fig. 2ß. 
1889. Acme filifera Flach; Ber. d. Wetterau. Ges. f. Nat., p. 69, Taf. I. Fig. 4. 

Mafse: H = 2,8 mm D = 1,0 mm C.W. Taf. IX. Fig. 41. 

Fundort: Hochheim n. h. 



— 119 - 

Verwandte: Unter den fossilen Formen steht A. limbata (Reuss) 
von Tuchoric am nächsten, die sie hier zu vertreten scheint. Weiterhin 
ist wohl A. diezi Flach aus dem Obermiocän von Undorf der direkte 
Nachkomme. Von den lebenden Formen steht die Gruppe des A. lineata 
(Drap.), sublineolata (Andr.) und beneckei (Andr.) am nächsten. 

Subgenus Platyla Moquin-Taudon 1855. 

93. Acme (Platyla) subfusca Flach. 

Taf. IX, Fig. 42. 

1&89. Acme subfusca Fhicli ; Ber. d. Wetterau. Ges. f. d. ges. Nat., p. 69, 

Taf. I. Fig. 1. 
1891. Acme subfusca Klika: Arch. d. nat. Landesdurchforschung v. Böhmen,. 

VII, 4, p. 17, Fig. 7. 

Mafse: H ^= 3,0 mm D^l,l mm. 
Fundort: Hochheim s. s. 
Böhmen : Tuchoric. 

Verwandte: Die Form unterscheidet sich kaum von der lebenden 
A. polita Hartm., (^fusca Stein) als deren Vorläufer sie aufzufassen ist.^) 

Genus Pseudotrnncatella Andeeae 1904. 

Während man bisher die Hochheimer Form microceras Sdbg. in die 
Oattung Moitessieria stellte, veranlasste die Auffindung einer nahe ver- 
wandten Form P. pretiosa Andr. aus dem Obermiocän von Oppeln 
Andreae, für beide ein neues Genus zu errichten: Pseudotrnncatella 
mit P. microceras als Typus und dieses zu den Acmeiden zu stellen. 
In der Tat scheint diese Form in ihrem Schalenbau Acme näher zu 
stehen. Dazu kommt das Vorkommen beider Arten in faziell ähnlichen, 
fast nur Landesschnecken führenden Ablagerungen und der Umstand, 
dass ich die Hochheimer Form stets mit Acme filifera zusammen fand. 

94. Fseudotruncatella microceras (Sdbg.). 

Taf. IX, Fig. 43. 

1863. Acicula. Truncatella microceras Sandberger: Conch. d. Mainzer Tert.- 

Beckens, p. 11, Taf. VI, Fig. 3. 
1875. PseudotruncateHa microceras Andreae: Mitt. a. d. Römer-Mus Hildes- 
heim No. 20. 

^) Nicht A. fusca Hartm., wie Flach schreibt, von dem es Klika übernahm I 



— 120 — 

Mafse: H=l,2 mm D = 0,7 mm C.W. Taf. IX, Fig. 43, 
Fundort: Hochheim z. s. 

Verwandte: Die nächstverwandte fossile Art ist P. pretiosa 
Andr, von Oppeln, mit der die Form ausgestorben zu sein scheint. 

Familie Fomatiasidae. 

Die heutige Verbreitung der Pomatiasiden ist eine sehr beschränkte. 
Das Hauptverbreitungsgebiet sind die Alpen und die sich daran an- 
schliessenden Gebirgszüge des südlichen paläarktischen Gebiets. Sie 
haben also seit dem ältesten Tertiär ihr Wohngebiet nicht verändert. 

Genus Pomatias Studer 1789. 

Subgeims Rhabdotacra Wagner 1897. 

95. Pomatias (Rhabdotacra) labellum (Tho.). 

1845. Cyclostoma labellum Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 148, 

' Taf. IV, Fig. 4. 
1863. Pomatias labellum Sandbeigei"; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 9, 

Taf. 1, Fig. 5. 
1869. Pomatias labellum Böttger: Palaeoutogr., XIX. p. 34. 
\^lb. Pomatias laltellum Sandberger: Land- u. Stissw.-Conch. d. Vorw., p. 411, 

Taf. XXIII, Flg. 27. 
1903. Pomatias labellum Bucher; (Jeogn. Jahresh., p. 46. 

Diese Art gehört zu den häufigsten in Hochheim. Sie schwankt 
etwas in der Grösse und in der Zahl der Windungen. Böttger er- 
wähnt auch (1. c.) ein links gewundenes Exemplar. 

Mafse: H = 9,7 mm D = 4,4 mm C.W. 

9.4 « 4,2 « C.W. 

8.7 « 4,5 - C.W. 

8.5 « 4,0 « C.W. 

7.8 « 3,8 « C,W. 
7,0 « 3,8 « C.W. 

Fundort: Hochheim z. h. und in den entsprechenden Ablagerungen 
von Nierstein, Kindenheim b. Monsheim, Königsbach, Mertesheim, 
Immersheim-Ottersheim, Ilbesheim b. Landau (Kl. Kalmit). 

Verwandte: Die nächstverwandte fossile Form dürfte P. fraasi 
Jooss aus dem Obermiocän von Steinheim a. A. sein. Von den lebenden 



— 121 — 

steht P. obscurus Drap, besonders in der Skulptur sehr nahe, während 
P. arriensis St. Simon noch etwas bessere Übereinstimmung in den 
Mündungscharakteren zeigt. 

Familie Ericiidae. 
Genus Ericia Moquin-Tandon 1848. 
Auch diese Gattung ist eine südpaläarktische, die vom kaspischeii 
Meer über den Kaukasus, Kleinasien, Nordsyrien, den Balkan, die 
Mittelmeerländer (ausschliessl. Palästina und das Wüstengebiet), Marokko 
bis zu den Canaren und Azoren reicht. Auch sie geht bis ins älteste 
Tertiär zurück. 

96. Ericia antiqua (Biong.). 
1810. Cyclostoma elegans antiqua Brongniart; Ann. du Mus. d'hist. nat. 15 

p. 365, Tal. XXII, Fig. 1. 
1815. Cyclostoma bisulcatum Thomae; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Naturk., p. 146, 

Taf. IV, Fig. 2. 
1854. Cyclostoma antiqua Noulet; Mem. s. 1. coq. foss des terr. d'eau donce 

etc., II, p. 177. 
1863. Cyclostoma bisulcatum Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, 

p. 7, Taf. I, Fig. 3. 
1875. Cj^clostoma antiqua Sandberger; Land- u. Sttssw. -Conch. d. Vorw.^ 

' p. 411, Taf. XXIII. Fig. 28. 
1893. Cyclostomum antiquum Degrange-Touzin : Actes Soc. Linn. Bordeaux, 

" XLV, p. 67. 
1913. Cyclostoma antiqua Bucher; Geognost. Jahrb., p. 46. 

Ericia antiqua ist in Hochheim sehr häufig und sehr variabel, be- 
sonders in der Grösse. 



Mafse: H = 21,0 mm 


D 


= 17,5 mm A 


= 5 


C.W. 


20,5 « 




16,7 « 


5 


C.W. 


19,2 « 




17,0 « 


5 


C.W. 


18,0 « 




14,6 « 


5 


C.W. 


16,6 « 




12,6 « 


^'U 


C.W. 


14,6 -= 




11,3 « 


^'!. 


C. W. 


Fundort: Hochheim s. 


h. 


und in dem g. 


[eichen 


Horizo] 



Nierstein, Neustadt a. d. H., Hessloch, Königsbach, Leistadt, Mertesheim,^ 
Büdesheim, Albisheim, Ilbesheim b. Landau (Kl. Kalmit). 

Ferner in den gleichalterigen Süsswassermergeln von Partenheim 
und in den Kalken und Sauden unmittelbar über dem Cyrenenmergel 
bei Frankfurt. 



— 122 — 

Frankreich: Calcaire de Beaucc : Fontainebleau, Bellevue b. Meudon, 
Cote-Saint- Martin b. Etampes, Vaudroy; Calcaire gris de l'Agenais: 
Saucats ; Calcaire blanc de l'Agenais : Bernachon (Saucats), Villandraut, 
Sainte-Croix-du-Mont. 

Die Form ist ebenso wie die vorige im Mainzer Becken wie es 
scheint auf den einen Horizont beschränkt; wenigstens hat sich bis jetzt 
in den höheren Schichten noch keine Pomatias oder eine Ericia gefunden. 

Verwandte: In den schwäbischen Rugulosaschichten vertritt sie 
E, bisulcata, die meist eine wulstförmigo Verdickung vor der Mündung 
zeigt; auch sind die Windungen des Deckels nicht eraporgezogen, wie 
bei E. antiqa (Brong.). 

Unter den lebenden Formen dürfte E, costulata Ziegler aus Süd- 
europa und dem Kaukasus in der Skulptur und der Form des letzten 
Umganges und des Nabels am nächsten stehen. Nur ist sie etwas 
bauchiger und breiter als die fossile. 



Familie Bolaniidae. 

Genus Bolania Gray 1840. 

Diese Gattung, die heute auf den atlantischen Inseln, hauptsächlich 
auf den Canaren, verbreitet ist. war noch im Tertiär in ganz Mittel- 
und Westeuropa verbreitet. Die Arten treten aber hier nur sehr vereinzelt 
auf und sind meist recht selten. 



Subgenns Physotrema Sandbeegee 1875. 
97. Bolania utriculosa (Sdb.). 

1863. Craspedopoma utriculosum Sandberger; Concli. d. Mainzer Tert. -Beckens. 

p. 5, Taf. I, Fig. 2. 
1875. Craspedopoma utriculosum Sandberger; Land- u. Süss^v.-Concli. d. Vorw.. 

p. 41.3, Taf. XXIIL Fig. 23. 

Diese Art ist bisher nur in einem einzigen Exemplar bekannt 
geworden. 

Mafse: H ^ 4 mm, D = 3 mm. 
Fundort: Hochheim s. s. 
Verwandte: — . 



— 123 — 
Familie Strophostomatidae n. f. 

Es ist unmöglich, die Strophostomaformen des europäischen Tertiärs 
zu irgend einer der bekannten Familien zu stellen. Sie besassen offenbar 
einen Horndeckel, was sie scharf von den Ericiiden trennt. Auch zu 
den übrigen Familien der Pneumonopomen kann ich keine nahen 
Beziehungen finden. Ihre eigenartige Gehäuseform rechtfertigt überdies 
die Aufstellung der neuen Familie, die als einzige Gattung Strophostoma 
enthält. Sie gehört zu den ältesten Pneumonopomenfamilien, die wir 
kennen, die schon in der Kreide existierte. Auch der hornige Deckel 
ist zweifellos ein primitives Merkmal. 

Genus Strophostoma Deshates 1828. 

Die Gattung ist aus der Kreide bekannt und reicht bis zum Beginn 
des Minoän, wo sie ausgestorben zu sein scheint. 

98. Strophostoma tricarinatum M. Braun. 

183S. Stiophostoiiia tricarinatum M. Braun; Jahrb. f. Min. Geol u. Pal., 

p. 291, Taf I, Fig. 5. 
1845. Strophostoma tricarinatum Thomae: Jahrb. d. Nass. Yer. f. Naturk.. 

p. 148, Taf. IV, Fig. 10. 
1863. Strophostoma tricarinatum .Sandberger: Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens. 

p. 4. Taf. I. Fig. 1. 
1875. Stropliostoma tricarinatum Sandberger; Land- und Süssw. -Conch. d. 

Vorw., p 414, Taf. XXIII. Fig. 31. 
1893. Strophostoma tricarinatum Degrauge-Tonzin; Actes Soc Linn. Bordeaux. 

XLV. p. 81. 
1913. Stropliostoma tricarinatum Bucher; Geogn. Jahresh., p. 46. 

Die Schwankungen in der Grösse unter strenger Einhaltung der 

Schalenform sind bei dieser Art besonders auffallend. 

Mafse: H = 10.5 mm Dmaj. = 17,0mm A = 5 C.W. 

10,5 < 16,7 « 5 C.W. 

9,1 « 15,0 « 5 C.W. 

7.3 * 13,4 « 5 C.W. 

6.3 « 11,5 « 4V2 C.W. 

4.4 « 8.9 « 3V2 C.W. 
Fundort: Hochheim s. h. und in den gleichaltrigeen Schichten 

von Nierstein, Asselheim, Königsbach, Neustadt a. d, H., Ilbesheim 
b. Landau (Kl. Kalrait), sowie in den Süsswassermergelii von Partenheim. 



— 124 — 

Ferner besitze ich sie aus den Tonen im liegenden der Braunkohle 
im Lettengraben b, Wüstensachsen und zwar sind diese Stücke noch 
ein wenig grösser als die Hochheimer Form. 

Schwaben : V Rugulosaschichten von Ehingen (Schad). 

Frankreich: Sein Vorkommen bei Pelona, Pontpourquey (VLanghien) 
ist noch sehr der Bestätigung l)edürftig. 

Verwandte: Strophostoma italicum Sacco von Dego, Mioglia, 
Sassello (Nördl. Apennin) ist sicher nahe verwandt. Es vermittelt 
wohl zwischen unserer Art und Str. anostomaeforme Grat., auch das ober- 
eocäne Str. striaticum Desh. dürfte noch zu diesem Formenkreis gehören. 
Dagegen steht das mitteloligocäne Str. anomphalum schon ferner. 

Familie Ventriculidae n. f. 

Auch die Art «Cyclostoma dolium (Tho.)* lässt sich bei keiner 
der bekannten lebenden oder fossilen Gattungen oder Familien unter- 
bringen. Mit Ericia (= Cyclostoma aut. vet.j, zu der sie Thomae 
stellte, hat sie nichts zu tun. Sie dazu zu stellen, verbietet ihre Form 
und die Tatsache, dass sie einen Horndeckel besass, was wir daraus 
schliessen müssen, dass sich aus den vielen Hunderten von Exemplaren 
nie eines mit Deckel, noch solche einzeln fanden, während man die von 
Ericia ungemein häutig antrifft. Sand berger stellte sie zu Megaloma- 
stoma, also zu den Neocyclothiden ; aber diese haben einen Kalkdeckel, 
ganz abgesehen davon, dass auch sie in der Totalform keine Über- 
einstimmung mit unserer Art zeigen. Viel eher könnte man an Polli- 
caria (^ Hybocjstis ^ Hainesia) denken (Farn. Pupinidae); allein es 
fehlt unserer Form der Kanal, die abgetiachte Vorderseite und der stark 
umgeschlagene Mundrand. So bleibt nichts anderes übrig, als für sie 
eine neue Familie und Gattung zu gründen. Vorläufig kann ich nur 
die eine Form hierher stellen. Eine Reihe anderer tertiärer Formen, 
die Sandb erger zu Megalomastoma stellte, lässt sich vielleicht bei 
Ericia, Eeonia usw., also bei den Ericiiden unterbringen. Diagnose: 
Vgl. die der einzigen Gattung Ventriculus n. : 

Genus Ventriculus n. g. 

Gehäuse festschalig, bauchig, eiförmig, sehr fein genabelt, mit 
gleichmäfsig und rasch zunehmenden, etwas gewölbten Umgängen und 
flachen Nähten. . Der letzte Umgang gegen die Mündung etwas vor- 



— 125 — 

schmälert, Mündung kreisrund, zusammenhängend, angeheftet, ohne Kanal 
mit etwas verdicktem Mundsaum. 

Typus : Ventriculus dolium (Tho.). 

99. Ventriculus dolium (Tlio.). 

1847. Cydostoma dolium Tho.; Jahrb. d. Nass. Ver. f. Nat.. IL p. 147, 

' Taf. IV, Fig. 3. 
1863. Megalomastoma pupa Sandl>erger: C'onch. d. Mainzer Tert. -Beckens, 

p. 8, Taf. I, Fig. 4. 
1875. Megalostoma pupa Sandberger : Sand- und Süssw.-Conch. d. Vorwelt, 
p. 413, Taf. XXIII, Fig. 30. 
Wie alle Hochheimer Pneumonopomen schwankt auch diese Form 
sehr beträchtlich in der Grösse, während die Totalform stets gewahrt bleibt. 
Mafse: H = 15,0 mm D=9,0mm A = 6 C.W. 
14,2 « 8,5 « 6 C.W. 

12,2 « 7,4 « 51/4 C.W. 

11.5 « 6,5 * 5V4 C.W. 

10.6 « 6,0 « 5 C.W. 
10,4 « 6.4 « 5V2 C.W. 

Fundort: Hochheim n. s. und in den entsprechenden Schichten 
von Hessloch. 

Ihr Vorkommen in den Hydrobienschichten von Hochstadt bedarf sehr 
der Bestätigung. Vielleicht liegt eine Namensverwechslung mit Hoch- 
heira vor. 

Verwandte: — . 



Familie Hydrbbiidae. 

Genus Pseudamnicola Paultjcci. 

100. Pseudamnicola rara (Bttg.). 

Taf. IX. Fig. 44. 

1884. Realia rara Böttger; N. Jahrb. f. Min., Geol und Pal, p. 136. 
1884. Amnicola mülleri Böttger; Her. d. Senckenb. nat. Ges., p. 276. 

Die Form ist von Böttger einmal als Landschnecke der Gattung 
Realia, dann, vermutlich als er noch neues Material bekam, als Amnicola 
beschrieben worden. Ich lasse hier Beschreibung und die noch fehlende 
Abbildung folgen : 



— 126 — 

Gehäuse klein, eng genabelt, gedrückt-kugelig, dünn. Gewinde 
kurz konvex-kegelförmig; Embryonalende etwas abgestumpft. Die vier 
konvexen, sehr fein gestreiften Umgänge sind durch tiefe, etwas ein- 
gedrückte Nähte getrennt. Der letzte steigt nicht herab, ist stark 
erweitert und ungefähr doppelt so hoch als das übrige Gewinde. Die 
Mündung ist weit, fast kreisrund, oben schwach gewinkelt und erreicht 
etwas mehr als die Hälfte der Gehäusehöhe. Der Mundsaum ist 
zusammenhängend, oben angedrückt, mit einfachen oder weniger verdickten 
Rändern. 

Mafse: H=l,8mm D=2,0mm. (Taf. IX, Fig. 44). Coli. 
Böttger im Mus. Senckenb, 

Fundort: Hocbheim s. s. 

Verwandte: Die altweltliche Gattung Pseudamnicola umfasst 
eine sehr grosse Anzähl von Arten, die dringend einer Revision be- 
dürfen und dann wohl auf wenige Formen beschränkt werden können. 
Im Tertiär des Mainzer Beckens lebte ebenfalls eine Anzahl von Formen, 
darunter P. moguntina Bttg. aus den unteren Hydrobienschichten, die 
ich bei einer früheren Gelegenheit erwähnte ^) und deren Originale ich 
verschollen glaubte. Sie haben sich inzwischen gefunden und ich hole 
hier die Abbildung nach, die bisher nicht erfolgt ist. (Fig. 40). 
18^4 Pseudamnicola moguntina (Böttger), Ber. d. Senckenb. nat. Ges., p. 276. 

Gehäuse klein, weit genabelt, gerundet-kegelförmig, festschalig, mit 
gewölbtem Gewinde und kleinem spitzem Embryonalende. Die 4 — 4^/2 
Umgänge sind gewölbt, mit tief eingedrückter Naht, deutlich gestreift. 
Der letzte, der ein wenig herabsteigt, ist aufgeblasen und höher als das 
übrige Gewinde. Die Mündung ist weit, kreisförmig, oben kaum 
gewinkelt, etwa von der halben Höhe des Gehäuses. Der Mundsaum 
ist zusammenhängend, oben angedrückt, mit schwach verdrehten Mund- 
rändern. 

Mafse: 
H = 2,5mm D = 2,2mm A = 4i/2 Taf. IX, Fig. 45, Coli. Böttger 

in Mus. Senckenb. 
H = 2,2mm D=2,lmm A = 4 Coli. Böttger in Mus. Senckenb. 

Fundort: Untere Hydrobienschichten Gau - Algesheimer Kopf 
(Appenheim). 

1) Notizblatt d. Ver. f. Erdk. u. d. Grossh. geol. Landesanstalt Darmstadt, IV, 
32, 1911, p. 160. 



- 127 — 

Genus Bytliinella MouQiN-Tandon 1851. 

Von dieser Gattung ist erst neuerdings in Hochheim ein Vertreter 
bekannt geworden. Ich fand die Art in zwei Exemplaren in der 
Pupenscliicht. Der Aufenthalt dieser Formen in Quellen und kleineu 
Wasserläufen bringt es mit sich, dass sie nur selten mit Genist ein- 
geschwemmt werden. 

101. Bythinella thomaei n. sp. 
Taf. IX, Fig. 46. 

Gehäuse dünnschalig, glatt, glänzend, langgestreckt, zylindrisch- 
turraförmig, mit stumpfem Apex. Die fünf rasch zunehmenden 
"Windungen sind gewölbt und durch tiefe Nähte getrennt. Der letzte 
Umgang ist nicht erweitert, die eiförmige Mündung oben nur schwach 
rundlich gewinkelt und wenig ausgezogen. Der Mundrand ist zusammen- 
hängend, scharf, etwas erweitert und umgebogen, der rechte Mundsaum 
unten etwas vorgezogen; der Nabel fein stichförmig, 

Mafse: H = 2,5mm D = 0,9— 1,0 mm A = 5. 

Fundort: Hochheim (Coli. W. Wenz). 

Verwandte: Der äusseren Form nach könnte man wohl an 
Lartetia denken, doch spricht der stumpfe Apex durchaus für Bythinella. 
Am nächsten verwandt dürfte unter den fossilen Arten Bythinella scalaris 
Slavik von Tuchoric sein, die dort sehr selten auftritt. Da ich kein 
Exemplar dieser Art vergleichen konnte und die bisher veröffentlichten 
Abbildungen sehr unvollkommen sind und nicht mit der Beschreibung 
übereinstimmen, muss ich vorläufig von einem genaueren Vergleich ab- 
sehen. Mit Bythinella cyclothyra (Bttg.) aus dem Cyrenenmergel von 
Vilbel, Gronau und Oftenbaoh und aus den Landschneckenkalken von 
Tuchoric hat sie nichts gemein. 

Familie Melaniidae. 

Genus Tinnyea Hantken 1887 = Metamelania Cossmann 1910. 

Von diesem Genus, das heute seine Hauptverbreitung in Vorder- 
indien, den Sundarinseln und Polynesien besitzt, aber einen Zweig noch 
bis nach Kleinasien entsendet, findet sich in Hochheim die im europäischen 
Tertiär weit verbreitete M. escheri Brong. 



— 128 — 

102, Tinnyea escheri (Brong.) vav. tenuicostata Steuer. 

Lit. Vgl. Dollfus, Essai sur l'Etage Aquitanien: Bull, de la carte geol. de la 

France, No. 12i, Bd. XIX. 1909, p. 97. 
1909. Melania escheri var. tenuicostata Stener; Notizbl. d. Ver. f. Erdk. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Verwandte: Vgl. die Zusammenstellung bei Dollfus (1. c). 
Interessant ist das allmähliche Vordringen der Formengruppe nach Osten, 
wo sie heute im indischen Archipel ihre Hauptverbreitung hat, während 
sie bei uns erloschen ist. 



Familie Sphaeriidae. 

Genus Sphaeriuni Scopoli 1777. 

Subgenus Corneola Held 1837. 

102. Sphaerium (Corneola) oepiingensis (v. Klein). 

1846. Cyclas oepiingensis v. Klein ; Jahresh. d. Ver. f. Vaterl. Natux"k. in 

Wttbg., p. 93, Taf. II, Fig. 19. 
1852. Cyclas Cornea Reuss; Palaeontogr.. II, p. 4!, Taf. IV, Fig. 13. 
1860. Cyclas pseudocornea Reuss; Sitz.-Ber. d. k. k. Akjid. d. W. Wien, XLII, 

p. 82. 
1870. Sphaerium pseudoconieum Böttger; Jahrb. d. k. k. geol. R., XX, p. 299. 
1875. Sphaerium pseudocorneum Sandberger; Land- und Süssw.-Conch. d. 

Vorwelt, p. 366 etc. 
1891. Sphaerium pseudocorneum Klika ; Arch. d. natiuw. Durchf. v. Böhmen, 

VII, 4, p. 115, Fig. 115. 

Die Form ist in Hochlieim sehr selten. Soweit sich das nach 
•dem mangelhaften Vergleichsmaterial beurteilen lässt, gehören nicht 
nur die Hochheimer und die böhmische Form zusammen, sondern es 
gehört auch Sph. oepfingensis (v. Klein) aus den Rugulosaschichten 
Schwabens hierher, so dass dieser Name vor dem Reussschen die 
Priorität besitzt. 

Fundort: Hochheim s. s. 

Böhmen : Tuchoric, Lipen, Stoltzenhahn, Miresovic, Kostenblatt 
•(pseudocornea). 

Schwaben : ( )pfingen b. Ehingen, Ferner Kaltennordheim : Braun- 
kohlentone. 

Verwandte: Als nächst verwandte lebende Art kommt, wie 
schon Reuss erkannt hat, Sph. corneum (L.) in Betracht. 



— 129 — 

b. ARTHßOPOBA.' 

mSECTA. 

Von Insekten finden sich die Nester von Eumenes roemeri Handl. 
in dem Geniste mit den Mollusken zusammen nicht selten. Auch die 
Hinterleibsenden von Stratiomyslarven habe ich hin und wieder be- 
obachtet. Da H a n d 1 i r s c h die fossilen Reste der Hochheimer Insekten 
seit einigen Jahren in Bearbeitung hat, dürfen wir wohl erwarten, bald 
näheres darüber zu erfahren. 

c. VEETEBEATA. 

Was die Wirbeltiere der Hochheimer Fauna betrifft, so kann und 
xnuss ich mich hier ebenfalls kurz fassen. Bisher ist nur wenig von 
hier bekannt geworden und selbst von diesen wenigen Stücken wissen 
wir wieder nicht, ob sie aus den Landschneckenkalken oder aus den 
Cerithienschichten sind, da Angaben darüber meist fehlen. Ich vermute 
sogar, dass das meiste aus den Cerithienschichten stammt, also nicht 
hierher gehört. Ich kann mich hier also nur auf Beobachtungen ver- 
lassen, die ich selbst anstellen konnte. Es handelt sich dabei um zwei 
Reptilien. In dem Geniste beobachtet man nicht selten die Eier einer 
Geckonenart meist jjaarweise, in einem Gelege, zusammen. Ausserdem 
findet man beim Schlämmen recht häufig die Schuppen von Pseudopus 
moguntinus, was ja in diesen an Landschnecken so reichen Schichten 
nicht Wunder nehmen kann. 



3. Die Fauna der Süsswassermergel Rheinhessens. 

Die Fauna der kleinen flachen, mit Charen bewachsenen Seen, in 
denen sich die rheinhessischen Süsswassermergel bildeten, ist sehr klein. 
Es liegt dies daran, dass hier natürlich von einer Einschwemmung von 
weitei'her nicht die Rede sein kann, sondern die Formen lebten entweder 
in den Gewässern selbst oder an ihrem Rande. Von Landschnecken 
finden sich nur vier Arten, von denen drei auch von Hochheim bekannt 
sind und hier zu den häufigsten Arten gehören. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Nat. 67, 1914. 9 



— 130 — 

a. MOLLUSCA. 

1. Klikia osculum (Tho.). 

Lit. s. 0. p. 70. 

1883. Helix osculum Lepsius; Das Mainzer Becken, p. 114. 

Fundort: Partenheim. 

2, Limnophysa fabula (Brong.). 

1810. Limnaeus fabdum Brongniart; Ann. du Mus., XV, p. 3^5, Taf. XXII, 

fig. 16. 
1863. Limnaeus acutilabris Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, 

p. 69, Taf. VII, Fig. 7. 
1875. Limnaeus fabula Sandberger; Land- und Süssw. -Conch. d. Vorw., p. 342. 
1878. Limnaeus fabula Böttger; Ber. d. Offenb. Ver. f. Nat, p. 15, Taf. II, 

Fig. 3-5. 

Fundort: Partenheim, Sulzheim, Hackenheim, Horweiler, Hatten- 
heim Rhg. 

Mainzer Becken : Cyrenenmergel, Schleichsand. 

Frankreich ; Soc. div. 

Verwandte: Diese Art gehört in den Formenkreis der lebenden 
L. palustris (Müll.). 

3. Planorbis cornu (Brong.). 
Lit. s. 0. p. 116. 

Fundort: Partenheim, Sulzheim, Hackenheim, Stadecken, Hor- 
weiler, Hattenheim Rhg. 

4. Gyraulus cordatus Sdbg. 

1863. Planorbis cordatus Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert. -Beckens, p. 394, 

Taf. XXXV, Fig. 21. 
1875. Planorbis cordatus Sandberger; Land- und Süssw. -Conch. d. Vorwelt, 

p. 343. 
1875. Planorbis cordatus Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. Ges.. p. 100. 
1901. Planorbis cordatus Zinndorf; Ber. d. Offenbacher Ver. f. Nat., 42. 

p 111, 118. 
1912. Gyraulus cordatus Jooss; Jahresb. d. Ver. f. vaterl. Nat. in Wttbg., 

p. 171, Taf. IV, Flg. 11. 

Fundort: Sauerschwabenheim, Hackenheim, Sulzheim, Horweiler. 
Mainzer Becken: Süssw. Hör. d. echten Cyrenenmergel. 
Schwaben : Hobelsbuck (Ries). 



— 131 — 

5. Veletia decussata (Reuss). 

1852. Ancylus decussatus Reuss; Palaeontogr., II, p. 17, Taf. I, Fig. 1. 
1860. Ancylus decussatus Reuss; Sitz.-Ber. d. k. Akad. d. W. Wien, XLII, 
1863. Ancylus decussatus Sandberger; Conch. d. Mainzer Tert.-Beckens, p. 394. 
1875. Ancylus decussatus Sandberger; Land- u. Stissw.-Conch. d. Vorw., p. 424 

etc., Taf. XXIV, Fig. 2. 
1875. Ancylus decussatus Böttger; Ber d. Senckenb. nat. Ges., 1873/74, p. 120. 
1891. Ancylus (Velletia) decussatus Klika; Arch. d. nat. Landesdurchf. von 

Böhmen, VII, 4, p. 110, Fig. 109. 
1891. Ancylus decussatus v. Reinach; Ber. d. Senckenb. nat. Ges , p. 33. 

etc. 

Wie sich gezeigt hat, dass die bei uns lebenden «Ancylus»-Formen 
sich auf nur zwei Arten beschränken, die allerdings sehr weit voneinander 
entfernt sind, so dürfte auch der grösste Teil der fossilen Formen, von 
denen eine grosse Anzahl einzelner Arten beschrieben worden sind, zu 
wenigen guten Arten zusammenzuziehen sein. Auch die vorliegende Form 
hat eine weitere Verbreitung als zunächst anzunehmen ist. 

Fundort: Sauerschwabenheim. 

Mainzer Becken: Cyrenenmergel (Süssw. horizonte) Alzey, Frankfurt, 
Offenbach, Vilbel. 

6. Ericia antiqua (Brong.). 
Lit. s. o. p, 121. 
1867. Cylostomus antiquus Groos; Geol. Spezialk. d. Grossli. Hessen, p. 47. 
1883. Cjiostomus antiquus Lepsius; Das Mainzer Becken, p. 114. 

Fundort: Partenheini. 

7. Strophostoma tricarinatum M. Braun. 

Lit. s. 0. p. 123. 
1883. Strophostoma tricarinatum Lepsius; Das Mainzer Becken, p. 114. 

Fundort: Partenheim, 

8. Pisidium sp. 
1875. Pisidium sp. Böttger; Ber. d. Senckenb. nat. Ges. 1873/74 p. 54. 

b. YERTEBKATA. 

1. Diplocynodon sp. 
1875. Saurierzahn Böttger; Ber. d. Senckenb. nat, Ges. 1873/74, p. 54. 
Fundort: Sauerschwabenheim. 



132 — 



4. Vergleich der Landschneckenkalke 
mit entsprechenden, annähernd gleichaltrigen Ablagerungen. 

"Wenn man zwei ungefähr gleichaltrige Lokalitäten in Bezug auf 
ihre Fauna vergleicht, so hat man sich zunächst über eine Reihe von 
Fragen allgemeinerer Natur zu vergewissern, ehe man weitergehende 
Schlüsse aus den Vergleichen zieht. Meist handelt es sich darum, die 
betreffende Ablagerung in ein Schichtensystem einzugliedern, d. h. das 
Alter der betreffenden Ablagerung zu bestimmen. Dabei ist nun vor 
allem zu beachten, dass bei solchen rein faunistischen Vergleichen, bei 
denen eine stratigraphische Entscheidung nicht möglich ist, wie bei den 
Brack- und Süsswasserschichten voneinander getrennten, isolierter Becken, 
nicht immer die Zahl der übereinstimmenden oder nicht überein- 
stimmenden Arten einen sicheren Aufschluss zu geben vermag. Wenn 
an beiden Orten die ökologischen und biologischen Verhältnisse nicht 
wenigstens annähernd dieselben sind, so dürfen wir auch nicht erwarten, 
dieselbe Fauna zu finden. Diese Tatsache, die uns bei den rezenten 
Faunen so selbstverständlich erscheint, hat leider bei den fossilen immer 
noch nicht genügend Beachtung gefunden. Vor allem ist die beliebte 
Methode aus der prozentualen Zahl übereinstimmender Formen auf grössere 
oder geringere Übereinstimmung im Alter zu schliessen, nur mit der 
allergrössten Vorsicht zu benutzen. 

Es kommt dabei ausser dem oben erwähnten noch ein anderer Um- 
stand in Betracht. Die einzelnen Formen haben recht ungleichen Wert 
für die Altersbestimmung. Viele Formen gehen durch grosse Zeiträume 
unverändert hindurch und sind daher für die genauere Altersbestimmung 
nicht brauchbar, während andere raschen Änderungen ausgesetzt sind 
und gute Indikatoren abgeben. 

Ein Beispiel bieten die älteren marinen Schichten des Mainzer 
Beckens. Die folgende Tabelle gibt einen Vergleich der unteren Schleich- 
sande und der C'henopussande (ob. Schleichsand) mit den höheren und 
tieferen Schichten nach Böttger.^) 



J) Böttger, Üb. d. Glied, d. Cjrenenmergelgruppe im Mainzer Becken. 
Ber. d. Senckenb. uaturf. Ges. 1873/74. 



133 





Schleiclisand 


Cheuopiissaiid 


Papilateuscbicht 


35,4 


40,3 


Chenopussand 


49,4 


100 


ü. Schleiclisand 


100 


59,7 


Biipelton 


6,3 


17,7 


Meeressand 


41.8 


61,3 



Darnach ist die Übereinstimmung zwischen u. Schleichsand und 
Meeressand, ebenso zwischen Chenopussand und Meeressand grösser als 
mit dem Rupelton, was ja leicht durch die fazielle Verschiedenheit 
erklärlich ist. Schwerer verständlich ist, dass der Chenopussand eine 
grössere Übereinstimmung mit dem Meeressand als mit dem ihm 
unterlagernden u. Schleichsand zeigt, obwohl gerade die beiden Horizonte 
so eng miteinander verknüpft sind, dass sie oft kaum voneinander zu 
trennen sind. Ebenso ist die Übereinstimmung beider Schichten, vor 
allem der Chenopussande, mit dem Meeressand viel grösser als mit der 
Papillatenschicht. 

Es kommt hier nicht darauf an, dass in diesen P'ällen die Ur- 
sachen der Abweichung leicht zu erkennen sind ; sie sollen uns nur 
zeigen, dass bei solchen Vergleichen grösste Vorsicht geboten ist. 

Was hier für marine Bildungen gilt, gilt in gleicher Weise auch 
für Süsswasserablagerungen ; auch diese sind nicht immer gleichwertig, 
nicht immer unter denselben biologischen Verhältnissen entstanden. Auf 
die näheren Einzelheiten werden wir noch im sechsten Abschnitt zurück- 
kommen und uns jetzt den einzelnen Ablagerungen zuwenden. 

Am nächsten liegt der Vergleich mit den böhmischen Süsswasser- 
kalken, vor allem mit Tuchoric. 

Von den 103 Hochheimer Land- und Süsswassermollusken und den 
ca. 90 von Tuchoric kommen 26 also etwa ^Z^, bzw. ^/g an beiden 
Orten gemeinsam vor. Das ist für eine im wesentlichen aus Land- 
schnecken bestehenden Fauna schon recht viel, zumal, wenn man bedenkt, 
dass dazu noch eine Reihe von Formen kommen, die, wenn artlich 
verschieden, doch sehr nahe verwandt ist. Es geht daraus hervor, dass 
nicht nur eine ungefähre Gleichaltrigkeit besteht, sondern auch, dass 
bei der Ablagerung ähnliche genetische und biologische Bedingungen 
obwalteten. Was diesen letzten Punkt betrifft, so dürfen wir schliessen, 
dass auch die Tuchoricer Formen eingeschwemmt sind und, dass auch 
das Gebirge einen gewissen Anteil an der Fauna gehabt hat, ähnlich 
wie in Hochheim. Andererseits ist aber in Tuchoric auch die Fauna 



— 134 - 

der Fluss- und Seeufer beteiligt (mit Carychium nanum Sdbg.) Stro- 
bilus sp. Vertigo (A.laea) callosa (Rss.), Vertigo (Ptychalaea) flexidens 
(Rss.), Vallonia lepida (Rss) Succinea sp. sp. etc., die in Hochheim fast 
vollkommen fehlt. Dagegen sind in Tuchoric die Pneumonopomen schlecht 
vertreten. Besonders Pomatias fehlt gänzlich, was wohl auf den Mangel 
von Kalkböden in dem Abschwemmungsgebiet hindeutet. 

Andererseits darf man aber auch nicht einige beträchtliche Ab- 
weichungen ausseracht lassen. Die etwas altertümlichen Formen der 
Hochheimer Fauna, vor allem die Leitform Plebecula ramondi (Brong.), 
dann Strophostoma tricarinatum M. Braun, die Vertiginidengattungen 
Enneopupa, Glandicula, Pseudelix fehlen hier. Auch die häufigste 
Cepaeart C. alloiodes (Tho.) findet sich nicht. Dagegen tritt C. bohemica 
(Bttg.) auf, die mit den obermiocänen C. sylvana (v. Klein) und 
C. Kinkelini Bttg. verwandt ist; überhaupt zeigt die Tuchoricer Fauna 
auch schon einige Anklänge an die der Hydrobienkalke des Mainzer 
Beckens. Sie ist zweifellos jünger als Hochheim und wir werden 
nicht fehl gehen, wenn wir sie zwischen die Landschneckenkalke und 
die Hydrobienschichten des Mainzer Beckens stellen. Es ist also wohl 
berechtigt, sie ins Untermiocän zu stellen. 

In zweiter Linie kommen zum Vergleich Süddeutsche und Schweizer 
Ablagerungen in Betracht und zwar die sog. untere Süsswassermollasse 
und von diesen wiederum die unteren Rugulosakalke, während die 
liöheren Crepidostomaschichten viel mehr den (Corbicula und) Hydrobien- 
schichten entsprechen. Leider ist die Fauna dieser Schichten noch nicht 
so gut bekannt wie die von Hochheim oder Tuchoric und der weniger 
günstige Erhaltungszustand bedingt es, dass wir über die kleineren 
Arten fast gar nichts wissen. Die Neubearbeitung dieser Fauna, die 
uns Herr C. H. Joos s- Stuttgart in Aussicht gestellt hat, dürfte hier 
viel neue Aufschlüsse bringen. Wichtig ist vor allem das Auftreten der 
Leitform Plebecula ramondi (Brong.) ; ferner das Vorkommen von Zonitis 
(Archaegopis) discus (Tho.), Cyrtochilus affinis (Tho.), Tachea hortulana 
(Tho.), Tachea oxystoma (Tho.), Strophostoma tricarinatum M. Braun 
in beiden Ablagerungen, während andere Arten durch sehr nahe Ver- 
wandte ersetzt sind, so Tachea subsulcosa (Tho.) durch T, rugulosa (v. Mts.) 
Omphalosagda goldfussi (Tho ) durch 0. subrugulosa (Sdbg.). Dagegen 
nähert sich die Fauna der Crepidatomaschichten viel mehr der der 
Hydrobienschichten. Auch zu Tuchoric zeigen die Rugulosaschichten 
unzweifelhaft Beziehungen ; so durch Tachea obtusecarinata (Sdbg.) usw. 



— 135 - 

Endlich müssen wir die französischen Vorkommen zum Vergleich 
heranziehen und zwar vor allem den Calcaire blanc de Agenais. 
Plebecula ramondi (Brong.), Tachea oxj'stoma (Tho.), Zonites (Archaegopis) 
discus (Tho.), Tropidomphalus arnoldi (Tho.), Cyrtochilus affinis Sdbg. 
Zonites verticilloides, Ericia antiqua (Brong.) usw. stimmen hier mit 
der Hochheimer Fauna überein. Auch hier ergeben sich schon einige 
Beziehungen zu höheren Horizonten, aber nicht mehr als sie auch die 
Hochheimer Fauna mit der der Hydrobienschichten hat. 

Die Fauna des Calcaire gris de l'Agenais dagegen ist aufs engste 
verknüpft mit der Fauna der Hydrobienschichten, der Crepidostoma- 
schichten und mit einigen jüngeren (nicht in Hochheim vertretenen) 
Formen von Tuchoric. 

Recht interessant ist, dass in der Gironde offenbar ähnliche Ver- 
hältnisse obwalteten, wie im Mainzer Becken. Ebenso wie auf die 
Landschneckenkalke im Mainzer Becken ein neues Vordringen des 
Meeres stattfindet, das zur Ablagerung der Cerithienschichten führt, 
die sich zwischen die Landschneckenkalke und die Corbicula- und 
Hydrobienschichten einschalten, schalten sich auch dort marine Ab- 
lagerungen, die Faluns de Bazas und die Faluns de Lariey zwischen 
den Calcaire blanc und den Calcaire gris. 

Im Pariser Becken entspricht der Calcaire de Beauce mit seinen 
Süsswasserbildungen unseren Landschneckenkalken. 

Auf Einzelheiten brauche ich mich hier nicht einzulassen, da man 
diese bei der Besprechung der einzelnen Arten findet. 



5. Die Verwandtschaftsbeziehungen der Hochheimer 
Landschneckenfauna zu den lebenden Formen. 

Eine der interessantesten, aber zugleich auch der schwierigsten 
Aufgaben ist der Vergleich der fossilen Formen mit den rezenten 
Solche Untersuchungen sind imstande, uns wichtige Aufschlüsse zu geben 
über die Entwicklung der einzelnen Formen sowohl als auch ganzer 
Faunen. Dazu ist natürlich vor allem eine genaue Kenntnis der heute 
lebenden Formen und ihrer Verbreitung notwendig. Während man 
über die Grundzüge der Zoogeographie der höheren Tiere wenigstens. 



— 136 — 

eiiügermafsen im klaren war, lag die Zoogeographie der Formen, die 
uns hier beschäftigen, der Mollusken, lange im Argen. Es ist vor 
allem das Verdienst Kobelts, in einer Reihe von weitausgreifenden 
Untersuchungen^) dieses Gebiet erschlossen zu haben. Erst durch diese 
Arbeiten ist eine sichere Grundlage für die Behandlung der vorliegenden 
Fragen geschaffen worden. Dass bei diesen Untersuchungen die 
anatomische Erforschung der Formen mit der zoogeographischen Hand 
in Hand gehen muss, ist selbstverständlich. Die vergleichende Unter- 
suchung der Schalenformen ist nämlich nicht in allen Fällen ausreichend, 
besonders nicht bei Gruppen, die keine ausreichende Differenzierung 
der Schale aufweisen. Aber selbst bei solchen Formen, deren Schale 
sehr spezialisiert ist, kann man zu überraschenden Ergebnissen gelangen. 

Ich brauche hier nur ein Beispiel anzuführen, das uns dies deutlich 
zeigt. Lange hat man Isognomostoma isognostoma, die gewiss eine sehr 
differenziierte Schale besitzt, und gerade deswegen, mit den amerikanischen 
Triodopsis verglichen; und viele Forscher haben sie unbedenklich in 
diese Gruppe gestellt, bis der anatomische Nachweis geliefert wurde, 
dass Isognomostoma zu den Helicigoninen gehört, dass es sich hier also 
um eine Schalenkonvergenz handelt. Ja, es hat noch lange gedauert, 
bis diese Kenntnis in der Literatur Beachtung fand. 

Wäre Isognomostoma ausgestorben und nur fossil bekannt, so wäre 
diese Aufklärung kaum möglich gewesen. 

Ein weiteres Beispiel bieten die Clausiliidengattungen Nenia und 
Laminifera. Während 0. Böttger noch bis zuletzt an der nahen 
Verwandtschaft beider testhielt, haben die neueren Untersuchungen die 
anatomische Verschiedenheit dargetan. Auch hier ist die Ähnlichkeit 
der Schalenform nur eine Konvergenzerscheinung. 

Endlich sei noch ein drittes Beispiel angeführt, Isognomostoma 
holoserica (Stud.) und Helicodonta obvoluta (Müll.) sind zum Verwechseln 
ähnlich in ihrer Schalenform und gehören trotzdem verschiedenen Sub- 
familien an. 

Während man nun bei den lebenden Arten in der anatomischen 
Untersuchung stets ein Kriterium hat, das bei verwandtschaftlichen und 
bei zoogeographischen Fragen in erster Linie die Entscheidung liefern 
muss, sind wir bei den fossilen Formen sehr viel ungünstiger daran, 
da wir hier dieses Entscheidungsmittels ermangeln. Daher wird man 



1) Vgl. Kobelt: Studien zur Zoogeographie. 



— 137 - 

auch stets bei dem Vergleich der fossilen und lebenden Mollusken mit 
grösster Vorsicht zu Werke gehen müssen und auch das zoogeo- 
graphische Verhalten der lebenden Formen zu Rate ziehen müssen, 
will man nicht zu falschen Schlüssen gelangen. 

Dass gerade auf diesem Gebiete solche falschen, auf ungenügender 
Beachtung angeführten Gesichtspunkte aufgebaute Ansichten bis in die 
neueste Zeit bestanden haben, gestützt durch das wissenschaftliche 
Ansehen ihrer Verfechter (ich brauche nur an die Nainen eines 
F. San db erger und 0. Böttger zu erinnern), tritt heute immer 
klarer hervor, je mehr die Kenntnis der lebenden Formen gefördert wird. 

Die ersten Forscher, die sich mit der Untersuchung der Hochheimer 
Molluskenfauna beschäftigten, vor allem Thomae, zogen zum Vergleich 
hauptsächlich die europäischen Formen heran ; allerdings wohl weniger 
in der Überzeugung, dass sie allein die Verwandten der fossilen sein 
könnten, als vielmehr deshalb, weil ihnen die ausländischen noch kaum 
bekannt waren. 

Das wurde mit einem Male anders, als S a n d b e r g e r seine um- 
fassenden und gross angelegten Studien der tertiären Land- und Süss- 
wasserconchylien begann. Sandberger hatte die Beobachtung gemacht, 
dass viele der tertiären Formen Europas in ihren Schalencharakteren 
Ähnlichkeiten aufwiesen mit aussereuropäischen lebenden. Er glaubte, 
diese Ähnlichkeiten nur durch die Annahme einer inneren Verwandt- 
schaft dieser Formen erklären zu können. Ganz besonders sollten 
solche Verwandtschaftsbeziehungen zu der lebenden amerikanischen 
Fauna bestehen. Er konnte um so eher an dieser Annahme festhalten, 
als ihr noch eine Theorie zu Hilfe kam, die sie stützte und erklärte; 
ich meine die einer tertiären Verbindung, einer Laudbrücke von Amerika 
nach Europa, auf der diese Formen wandern konnten. Schien doch 
diese Theorie auch durch die Verbreitung anderer Tierklassen nur 
bestätigt zu werden. 

Das ging schliesslich so weit, dass er und seine Zeitgenossen, 
unter denen ganz besonders 0. Böttger, diese Ideen mit Eifer auf- 
griff und verfocht, so von ihnen gefangen genommen wurden, dass sie 
eher geneigt waren, die Verwandten unserer tertiären europäischen 
Formen in weit entfernten Tropengebieten zu suchen, als sie mit 
lebenden Paläarkten zu vergleichen. 0, Böttger ist darin am 
weitesten gegangen. Nach ihm bestanden beinahe gar keine Beziehungen 
zwischen der tertiären und der lebenden Fauna Europas. 



— 138 — 

Beinahe fanatisch hielt man an der einmal angenommenen Theorie 
fest, um so mehr, als sich der Widerspruch zu regen begann. ^) Dieser 
Widerspruch erfolgte zunächst nur ganz vereinzelt und war auch wenig 
wirksam. Das ist leicht zu erklären, wenn man bedenkt, welchen 
Einfluss Sandberger und Böttger auf die zeitgenössischen Forscher 
hatten. Noch heute sind Sandbergers «Land- und Süsswasser- 
conchylien der Vorwelt» für das Studium der tertiären Molluskenfauna 
unentbehrlich. Jeder, der sich mit diesen Untersuchungen beschäftigte, 
musste dieses monumentale Werk zur Hand nehmen, und damit gingen auch 
die Theorien mit über. Nicht geringer war der Einfluss 0. Böttgers. Um 
das zu erkennen, braucht man nur die Untersuchung der meisten Paläonto- 
logen in die Hand zu nehmen, die sich mit jenen Gebieten beschäftigten. 

Wie schon erwähnt, fehlte es schon daraaJs nicht an Widerspruch, 
wenn er auch nur vereinzelt auftrat. Die zoogeographischen Studien 
hatten Kobelt zu einem ganz anderen Resultate geführt und von den 
Amerikanern war vor allem H. A. Pilsbrj' für die Unabhängigkeit 
der amerikanischen Fauna von der tertiären Europas und für die 
Selbständigkeit beider Faunengebiete eingetreten; aber ihre Arbeiten 
fanden bei den Paläontologen zu wenig Beachtung, und andererseits 
waren sie zu sehr mit ihren eigenen Untersuchungen der lebenden 
Formenwelt beschäftigt, als dass sie hier den Kampf aufgenommen 
hätten. Pilsbry hat auf den Angriff Böttgers nicht geantwortet. 
Erst in neuerer Zeit setzte der Widerspruch in verstärktem Mafse ein, 
als sein Neffe C. R. Böttger, ausgehend von der Untersuchung der 
europäischen Heliciden und besonders der Cepaen, sich gegen diese 
Theorie wandte ^) und jene heftige literarische Fehde hervorrief, die 
so bald durch den Tod 0. Böttgers ihren Abschluss fand. Auf die 
Einzelheiten jener Kontroverse, die ich als bekannt voraussetze, wollen 



1) Man vgl. die Streitschriften 0. Böttgers zu dieser Frage: 
Böttger, 0.; H. A. Pilsbry und die Verwandtscliaftsbeziehungen 

der Helices im Tertiär Europas. Nachr.-Bl. d. d. Malokozool. Ges., 1894, p. 97. 
Derselbe: Noch einmal „Die Verwandtschaftsbezieliungen der Helix- 
Arten aus dem Tertiär Europas. Ibid. 1909, p. 97. 

2) Böttger. C. R. ; Beitr. z. Erforschung d. europ. Heliciden. Ibid. 
ie09, p. 1. 

Derselbe: Einige Worte zu: Noch einmal ,Die Verwandtschafts- 
beziehungen der Helix-Arten aus dem Tertiär Europas" : von Prof. Dr. 0. Böttger 
in Frankfurt (Main): ibid. 191 K p. 99. 113. 



— 139 — 

wir hier nicht näher eingehen, sondern nur kurz prüfen, was jener 
Theorie tatsächliches zugrunde liegt. Gewöhnlich pflegt eine solche 
Theorie nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein, und die Namen so 
bewährter Forscher wie Sandberger und Bö ttger bürgen uns dafür, 
dass dies ganz besonders hier nicht der Fall ist. 

Zweifellos weisen viele unserer tertiären Heiices in ihrem Schalen- 
bau Ähnlichkeiten mit manchen amerikanischen und ganz allgemein 
mit tropischen Formen auf; allein diese Ähnlichkeit ist in weitaus den 
meisten Fällen nur eine äusserliche. die sich nicht auf alle Einzelheiten 
des Schalenbaues erstreckt und die wohl meist durch die ähnlichen 
biologischen Verhältnisse bedingt ist, unter denen die Formen lebten. 
Ich habe schon oben auf einzelne Beispiele unter den lebenden Formen, 
auf Isognomostoma isognostoma (Gmel.) und die Triodopsisarten, auf 
Isognomostoma holoserica (Stud.) und Helicodonta obvoluta (Müll.), auf 
Nenia und Laminifera hingewiesen und ich könnte hier noch auf die 
äussere Ähnlichkeit von Elona quimperiana (Fer.) mit Chloritisarten 
hinweisen. Leider kennen wir die Bedingungen heute noch zu wenig, 
die solche konvergenten Schalenformen zustande bringen, wir können 
einstweilen nur die Tatsache feststellen. Dazu kommt noch, dass 
während der Tertiärzeit bei uns ein tropisches bis subtropisches Klima 
herrschte, das uns die Ähnlichkeit des Schalenbaues der tertiären Form 
mit manchen lebenden tropischen Gattungen verständlich erscheinen lässt. 
Übrigens muss ich hier gleich bemerken, dass gerade den Hochheimer 
Formen ein sehr wesentliches Merkmal vieler Tropengattungen, die Dick- 
schaligkeit, fast vollkommen abgeht. 

Verwandtschaftsbeziehungen im weitesten Sinne bestehen natürlich 
zwischen allen Land- und SüsswassermoUusken, also auch zwischen 
denen Amerikas und Europas, aber diese scheiden hier natürlich aus. 
Es fragt sich, ob auch noch engere Beziehungen vorhanden sind, die 
nur durch die Annahme einer tertiären Landbrücke zwischen Amerika 
und Europa über die atlantischen Inseln und Westindien, wie sie u. a. 
0. Böttger forderte, zu erklären sind. Zweifellos gibt es Beziehungen, 
die eine frühere Verbindung vermuten lassen. Um nur eines heraus- 
zugreifen, verweise ich auf die Verbreitung der Oleacinidae auf den 
westindischen Inseln und auf die tertiären und lebenden Formen der 
alten Welt; ferner auf die Verbreitung der Pneumonopomen, auf 
Eomegaspira im europäischen Eocän usw. Allein wir sahen schon, dass 
diese Gruppen sehr alt sind, sie sind schon in der Kreide bezw. im 



— 140 — 

älteren Eocän im europäischen Tertiär nachgewiesen. Überdies liegen 
die Verhältnisse bei diesen Formen wesentlich anders als bei den Heli- 
ciden, auf die sich 0. Böttger stützte, und für die das oben gesagte 
in erster Linie gilt. Aus ihrem hohen Alter und ihrer Verteilung 
ergibt sich, dass ihre Ausbreitung schon sehr früh, mindestens schon in 
der Kreidezeit, erfolgte und nichts spricht für die Annahme einer neuen 
Verbindung im mittleren oder jüngeren Tertiär. 

Ob und wie lange eine Landbrücke im Norden bestand, kommt 
hier zunächst nicht in Betracht. 

Hätte eine Verbindung über die atlantischen Inseln noch lange 
ins Tertiär hinein bestanden, etwa bis ins Oligocän, wie dies 0. Böttger 
annahm, so müsste dies in der Fauna jener Liselgruppen zum Ausdruck 
kommen, die in enger Beziehung zur westindisch-amerikanischen stehen 
müsste. Dass davon keine Rede sein kann, darauf haben schon 
Kobelt u. a. genügend hingewiesen und neuerdings hat C. Böttger 
die Fauna der Canaren einer erneuten Untersuchung unterzogen, deren 
reichen wissenschaftlichen Ergebnissen wir mit einiger Spannung ent- 
gegensehen dürfen, da sie imstande sind, noch manches Rätsel zu lösen 
und hier volle Klarheit zu schaffen. 

Es galt also, wie wir sahen, von neuem die Verwandtschafts- 
beziehungen der einzelnen Formen mit den lebenden zu prüfen. Ganz 
besonders war zu untersuchen, ob die Formen, als deren nächste Ver- 
wandte man amerikanische, ostasiatische oder australische Formen an- 
gesprochen hatte, sich nicht etwa besser an europäische Formenkreise 
anschliessen. Den Vorwurf, dabei in den anderen Fehler verfallen zu 
sein, d. h. um jeden Preis versucht zu haben, alle diese Formen in 
europäische Formenkreise zu zwängen, wird man mir nach dem Ergebnis 
der Untersuchungen nicht machen können. 

Die P>gebnisse dieser Untersuchungen sind bereits bei den einzelnen 
Arten angeführt; ich brauche sie hier nicht zu wiederholen und lasse 
nur der bequemeren Übersicht wegen ein Verzeichnis der Formen und 
der heutigen Verbreitung ihrer näheren oder entfernteren Verwandten 
folgen : 

1. Testacella sandbergeri n. sp S.- u. W.-Europa. 

2. Poiretia gracilis (Zieten) Mittelmeerländer. 

3. « sandbergeri (Tho.) .... * 

4. « producta (Rss.) var « 



— 141 



5. Poiretia subsulcosa (Tho.) . 
(). « rugulosa (Sdbg.) . 

7. Pachymilax sandbergeri Bttg. 

8. Vitrina puncticulata Sdbg. 

9. Zonites verticilloides (Tho.) . 

10. « algiroides (Reuss) . . . 

11. « discus (Tho.) .... 

12. Archeoplecta lapidaria (Tho.) 

13. Omphalosagda goldfiissi (Tho.) . 

14. « hücheimensis (Bttg, 

15. Hyalinia subcellaria (Tho.) . . 

16. « mattiaca (Bttg.) . . 

17. Arion hochheimensis Wenz . 

18. Pyraniidula frici (Klika) . . . 

19. multicostata (Tho.) . 

20. « stenospira (Rss.) , . 

21. « sandbergeri (Clessin) 

22. *= disculus (Sdbg.) , . 

23. « costulatostriata (Greppin 

24. Plebecula raniondi (Brong.) . 

25. Hygromia leptoloma (Sdbg.) . 

26. Fruticicola subvillosa (Sdbg.) 

27. Pseudoxerotricha subconspurcata (Sdbg 

28. Hemistenotrema quadrisinuosa (Bttg, 

29. « var. heydeni (Bttg.) 

30. Metacampylaea rahti (Tho.) . 

31. « densipapillata (Sdbg 

32. Galactochilus braunii (Tho.) . 

33. Tropidomphalus arnoldi (Tho.) 

34. Cyrtochilus affinis (Tho.) . . . 

35. Klikia osculum (Tho.) .... 

36. Helicodonta lapicidella (Tho.) 

37. Helicodonta involuta (Tho.) . 
38 « phacodes (Tho.) . . 

39. Cepaea alloiodes (Tho.) . . 

40. « subsulcosa (Tho.) . 

41. -■ hortulana (Tho.) . 

42. Parachloraea oxystoma (Tho.) . 



Mittelmeerländer. 

« 
Europa. 
S. -Europa. 
S. 0. -Europa. 



N.-Afrika. 



'? Canaren. 

Europa. 

Europa. 

Mittelmeerländer. 

Europa. 

Canaren. 

t (Europa). 

S.W. -Europa. 

? (Europa). 

Canaren. 

Europa. 

Alpenrand. 

— ? Europa. 

? 0.. Europa. 

? « 

t (Europa), 

t (Europa). 

f (Europa). 

f (Europa). 

t (Europa). 

f Europa. 

Europa. 

Europa (? Asien)." 

? S.-Europa-N. -Afrika. 

Europa. 



— 142 — 

43. Triptychia recticosta (Bttg.) . . . . f (Europa). 

44. Constricta kochi (Bttg.) f Östl. Mittelmeer. 

45. « collarifera (Bttg.) . . . . f « 

46. Canalicia articulata (Sdbg.) . . , . f S. O.-Europa. 

47. « protracta (Bttg.) . . . . f « 

48. Laminifera abnormis (Bttg.) .... Pyrenäen. 

49. « didymodus (Bttg.) ... 

50. « rhombostoma (Bttg.) ... « 

51. « mattiaca Wenz .... « 

52. Buliminus gracilis (Tho ) ? Canaren. 

53. Lauria minax Bttg Canaren. 

54. Orcula subconica (Sdbg.) Ostalpen. 

55. Torquilla subvariabilis (Sdbg.) . . . Westalpen. 

56. <■ fustis Bttg 

57. Pupilla selecta (Tho.) Kaukasien(?Abessymen). 

58. « impressa (Sdbg.) Transkaukasien. 

59. Negulus suturalis (Sdbg.) Abessynien. 

60. Acmopupa subtilissinia (Sdbg.) ... f. 

61. Isthmia splendidula (Sdbg.) .... Alpen. 

62. « cryptodus (Sdbg.) Alpen-Kaukasus. 

63. Leucochila turgida (Rss.) N. -Amerika. 

64. « didymodus (Sdbg.) . . . W.-Sibirien, 

Transkaukasien. 

65. « iissidens (Sdbg.) .... W.-Sibirien, 

Transkaukasien. 

66. Vertigo cylindrella (Sdbg.) . . . . f — 

67. « tiarula (Sdbg.) f — 

68. « trigonostoma (Sdbg.). . . . Oceanien. 

69. « callosa (Rss.) M.- u. N.-Europa, 

70. « protracta (Sdbg.) « 

71. « ovatula (Sdbg.) N.- Amerika. 

72. « kochi (Bttg.) f ?. 

73. « microhelix (Sdbg.) .... f. 

74. Acanthopupa joossi Wenz f (Europa). 

75. Acanthinula paludinaeformis (Sdbg.) . ? Canaren. 

76. « plicatella (Rss.) .... N.-Europa. 

77. « nana (Sdbg.) ?. 

78. Strobilus uniplicatus Sdbg N. -Amerika. 



— 143 — 

79. Strobilus diptyx (Bttg.) N.- Amerika 

80. Vallonia lepida (Rss.) Europa. 

81. « sandbergeri (Desh.) .... « 

82. Cochlicopa lubricella (Sdbg.) .... « 

83. « raacrostoma (Bttg.) ... « 

84. « splendens (Sdbg.) ....-{- (Europa). 

85. Carychiopsis costulata Sdbg f (Europa). 

86. Carychium nanum Sdbg ? ? N.- Amerika. 

87. « fischeri Bttg ? Europa. 

88. Limnaea cretacea (Tho.) Europa. 

89. Planorbis coriiu (Brong ) « 

90. Gyraulus dealbatus (Sdbg.) .... « 

91. « applanatus (Tho) .... « 

92. Acme filifera (Sdbg.) M.- u. 0. -Europa. 

93. « subfusca (Flach) Europa. 

94. Pseudotruncatella microcei'as (Sdbg.) . f (Europa). 

95. Pomatias labellum (Tho.) .... W.-Europa. 

96. Ericia antiqua (Brong.) S. 0.- Europa, Kaukasieu. 

97. Bolania utriculosa (Sdbg.) .... Atlant. Inseln. 

98. Strophostoma tricarinatum (M. Braun.) . f. 

99. Ventriculus dolium (Tho.) .... f. 

100. Pseudaninicola rara (Bttg; .... S.-Europa. 

101. Bythinella thomaei Wenz « 

102. Tinnyea escheri (Brong.) ? Kl.-Asien, Insulinde. 

103. Sphaerium pseudocorneum (Rss.) . . Europa. 

Weitaus der grösste Teil der Nachkommen und nächsten Ver- 
wandten der Hochheimer Mollusken hat ihre heutige Verbreitung in der 
paläarktischen Region (über 90*^/q), und zwar im östlichen Teile der 
borealen Provinz. Nur 4 — 5 Arten weisen auf Nordamerika hin. Sehen 
wir uns diese zunächst etwas genauer an. Es sind zwei Vertiginiden : 
Leucochila turgida (Rss.) und Alaea ovatula (Sdbg.); zwei Strobilops- 
arten : Str. uniplicatus (Sdbg.) und diptyx (Bttg.) und vielleicht noch 
ein Carychium: G. nanum Sdbg., bei dem die Beziehungen aber noch 
nicht ganz sicher stehen. Es sind dies durchweg sehr alte, gefestigte 
und kleine Formen, die sich schon früh ausgebreitet haben, was durch 
ihre Kleinheit besonders begünstigt wird (Verschleppung). Leucochila 
hat weltweite Verbreitung und ihr Auftreten im europäischen Tertiär 



— 144 — 

sagt uns nur, dass sie damals auch bei uns verbreitet war und erst 
später hier ausstarb. Auch die zweite Formengruppe der Alaeen ist 
durch die ganze Arctis verbreitet, da kann es nicht Wunder nehmen, 
dass eine dieser Formen, die in dem paläarktischen Gebiet erlosch, nun 
nur noch in der Nearctis Verwandte hat. Genau ebenso liegen die 
Verhältnisse bei dem Car.ychium. Auch von Strobilops dürfen wir etwas 
ähnliches vermuten. Auch diese Gattung, deren Entwicklungszentrum 
wohl in Asien lag, und die von hier aus Zweige nach Westen bis nach 
Europa und nach Osten über die Laudbrücke nach Amerika sandte, ist 
sehr alt und war ebenfalls einst durch die ganze arktische Region ver- 
breitet, ähnlich wie etwa heute die Vallonien, denen sie in Form und 
Lebensweise nahe kam. Zwei Vertreter finden sich noch heute in China 
und Korea. Später ist diese Gruppe dann wohl in der Palaeartis aus- 
gestorben. 

Von den mittelgrossen und grösseren Formen ist keine einzige 
vorhanden, die auch nur die entfernteste Verwandtschaft mit den 
amerikanischen Formen aufweist. 

Eine oder zwei Vertiginiden haben ihre nächsten Verwandten in 
Abessynien, das auch aus anderen Gründen zur paläarktischen Region 
in engen Zusammenhang gebracht werden muss. 

Was endlich den Ptychochilus betrifft, so liegen hier die Verhält- 
nisse wohl so, dass diese Gruppe ihr Entwickelungszentrum im mittleren 
oder südlichen Asien hatte und von hier Zweige nach Europa einerseits, 
nach Oceanien andererseits entsandte, von der nur der letztere erhalten 
blieb, während der erste wieder erloschen ist; daher auch keine sehr 
nahe Verwandtschaft der tertiären und der lebenden Formen. Gerade 
dieses Beispiel zeigt uns, wie solche uns heute seltsam anmutenden 
Verbreitungen einzelner Formen zustande kommen können ; und ähnlich 
verbreiteten sich wohl auch die oben erwähnten amerikanischen Formen. 

Man hat viel von dem Abwandern der Formen gesprochen. Dieser 
Ausdruck ist zum mindestens nicht gut gewählt, weil missverständlich 
und so, wie ihn 0. Böttger auffasste, geradezu falsch. 0. Böttger 
denkt an ein aktives Abwandern in bestimmter Richtung. Besser 
würde man von einer Verschiebung des Verbreitungsgebietes sprechen. 
Wir haben uns diesen Vorgang etwa so zu denken: Durch günstige 
Bedingungen veranlasst, breitet sich eine Form nach dieser oder jener 
Richtung etwas aus und dringt in bisher von ihr unbesetzte Gebiete 
ein. Sind die Bedingungen dauernd günstig, so wird sie festen Fuss 



_ 145 — 

fassen, andernfalls geht das gewonnene Gebiet wieder verloren. Fort- 
dauernd finden so am Rande des Verbreitungsgebietes kleine Ver- 
schiebungen statt. Während sie sich an einer Stelle weiter ausbreitet, 
kann sie an einer anderen, z. B. durch andere Formen, verdrängt werden. 
Dabei kann sich das ganze Verbreitungsgebiet mehr oder weniger ver- 
schieben; ja es kann in getrennte Gebiete zerfallen, die dann im 
weiteren Verlauf ein Sonderdasein führen können. Meist wird damit 
auch eine Spaltung der Art verbunden sein, doch ist dies nicht un- 
bedingt notAvendig. 

So können wir es uns z. B. auch erklären, dass wir eine Reihe 
von Verwandten der Hochheimer und allgemein der tertiären Mollusken 
Europas auf den Canai-en finden. Früh von dem Festland abgeschlossen 
und fortdauernd unter fast gleichen Lebensbedingungen, haben sich hier 
noch eine Reihe von Formen erhalten, die auf dem Festlande unter 
den stark wechselnden Lebensbedingungen erloschen sind. Bei der 
völligen Isolation war auch auf der Inselgruppe eine Verdrängung durch 
andere Formen ausgeschlossen. 

So sehen wir, dass wir die meisten lebenden Verwandten der 
Hochheimer Formen heute in Südeuropa und in den Mittelmeerländern 
finden, wo die klimatischen Verhältnisse denen, unter denen ihre Vor- 
fahren lebten, am ähnlichsten sind. In Nordeuropa können wir sie, von 
wenigen Ausnahmen abgesehen, natürlich nicht erwarten. Hier hat die 
Eiszeit zu sehr vernichtend eingegriffen. 



6. Die biologischen Verhältnisse. 

Im ersten Abschnitt hat K. Fischer die Ergebnisse der Untei'- 
suchungen dargelegt und weiter ausgeführt, die mich zu einer von den 
früheren Anschauungen etwas abweichenden Ansicht über die strati- 
graphische Stellung der Landesschneckenkalke führten und über die 
ich bereits in anderem Zusammenhange kurz berichtet habe.^) Hier 



1) Weiiz: Zur Palaeogeographie des Mainzer Beckens. Geol. Rund- 
schau 1914, p. 321—346. 

Jahrb. d. nass. Ver. f. Xat. 67, 1914. 10 



- 146 — 

möchte ich daran anknüpfend noch ein paar Worte über die Entstehung- 
der Ablagerungen und über die dabei obwaltenden biologischen Ver- 
hältnisse sagen. 

Da dürfte zunächst ein Vergleich der Landschneckenkalke und 
der Süsswassermergel am Platze sein. Während die Landschnecken- 
kalke eine überaus reiche Fauna enthalten, sind die Süsswassermergel 
ausserordentlich arm an Landmollusken. Es hängt dies ganz allein 
mit ihrer durchaus verschiedenen Entstehungsgeschichte zusammen. Die 
Süsswassermergel lagerten sich in flachen, von Charen durchwachsenen 
Seen ab, die keine oder nur geringe Zuflüsse hatten und in die deshalb 
nur höchst selten Landmollusken eingeschwemmt wurden. 

Anders liegen die Verhältnisse bei den Landschneckenkalken. Sie 
wurden, wie wir sahen, in einer flachen von Algen durchwachsenen 
Bucht des Brackwasserarmes an seinem nördlichen Ende und an seinen 
Rändern abgelagert. Zahllose Landschnecken werden hier von aussen 
durch Flüsse und Bäche hereingeschwemmt. Diese Landmollusken sind 
mit dem Geniste der Flüsse und Bäche hereingekommen, das können 
wir deutlich beobachten, das zeigt das nesterweise Auftreten, das zeigt 
auch vor allem fossiles Geniste mit Hähnchen, Schnecken, Nestern von 
Eumenes, Insektenlarven usw., wie man es nicht selten beobachten kann. 
Eines der schönsten Stücke ist auf Taf. X, Fig. 1, abgebildet worden. 
Auch die Erhaltung der Gehäuse lässt darauf schliessen, Sie sind 
nicht so gut erhalten, wie die der Hydrobienschichten, die sofort ein- 
gebettet wurden, sondern häufig leicht angewittert; ebenso wie auch 
bei dem rezenten Geniste besonders die grösseren Schalen fast alle 
gebleicht sind. 

Diese Entstehungsweise legt sofort die Frage nahe, ob wir es mit 
einer biologisch einheitlichen Fauna zu tun haben. Dass dies nicht 
der Fall ist, zeigt schon die grosse Artenzahl und wird auch bei einem 
Überblick über die Formen sofort klar. 

Wenn man überhaupt an die Untersuchung der Lebensbedingungen 
herantritt, unter denen eine fossile Fauna sich befand, so muss mau 
dabei die Voraussetzung machen, dass die damaligen Formen unter 
denselben Bedingungen lebten wie ihre Verwandten heute noch, d. h., 
dass die Formen ihre Lebensweise nicht wesentlich geändert haben. 
Diese Annahme scheint mir, von wenigen Ausnahmen abgesehen, durch- 
aus berechtigt, wenn man sich, wie das natürlich ist, nur an ganz eng 
verwandte und in ihren Charakteren genügend gefestigte Formen. 



— 147 - 

hält. Niemand wird annehmen wollen, dass z. B. die Pupillen des 
Tertiärs, die Torquillen, die Carychien usw. eine andere Lebensweise 
führten, als die heute noch lebenden Formen. 

Wir stehen hier erst am Anfang derartiger Untersuchungen tertiärer 
Landschneckenfaunen und niemand wird erwarten, dass ich hier eine 
abgeschlossene Paläobiologie der Hochheimer Fauna entwerfe. Dagegen 
wollte ich hier an einzelnen Beispielen zeigen, dass eine solche Be- 
trachtungsweise ihre Berechtigung hat, und welche Ausblicke sie uns 
gewähren kann. Dabei wird uns vor allem auch der Vergleich mit 
ähnlichen Ablagerungen von Nutzen sein und wir wollen daher auch 
die uns nächstliegenden Ablagerungen, die der Hydrobienschichten 
und der obermiocänen Landschneckenmergel, zu diesen «vergleichend 
paläobiologischen Untersuchungen» heranziehen. 

Um solche Untersuchungen ausführen zu können, ist zweierlei nötig : 
«inmal die Kenntnis der Lebensweise der rezenten Formen, dann aber 
auch das Aufsammeln der fossilen Fauna nach diesen Gesichtspunkten, 
d. h. eine scharfe Trennung nach einzelnen kleinen Horizonten und Vor- 
kommen, in denen man Zusammengehöriges erwarten darf. Freilich ist 
gerade das letztere nicht in allen Fällen möglich, besonders soweit es 
sich um seltenere Formen handelt. 

Wir haben bereits festgestellt, dass es sich bei der Molluskenfauna 
des Landschneckenkalkes fast ausschliesslich um eingeschwemmtes Genist 
handelt. Daraus erklären sich schon einige Eigentümlichkeiten der 
Ablagerung. Süsswasserschnecken, selbst die sonst häufigsten Schnecken, 
wie Limnaeen und Planorben, gehören in Hochheim zu den allergrössten 
Seltenheiten. Sie haben eben nicht in dem Brackwasserarm selbst gelebt 
(wie dies wohl in den Hydrobienschichten der Fall war), sondern sind 
vermutlich ebenfalls eingeschwemmt worden. Nun wissen wir aber, dass 
im Flussgeniste diese Formen ebenfalls selten sind. Die Schalen füllen 
sich nach dem , Tode des Tieres mit Wasser und sinken auf den Grund, 
wo sie beim Transport zerrieben werden. Dasselbe gilt für alle weit- 
mündigen Schalen, wie Vitrina und Succinea. Die erste ist in Hochheim 
sehr selten, die zweite überhaupt noch nicht beobachtet worden. Man 
sieht ein, dass es unter solchen Umständen durchaus falsch wäre, wollte 
man aus dem Nichtvorkommen dieser Formen in den Kalken schliessen. 
dass sie zur damaligen Zeit in der Nähe des Vorkommens nicht gelebt 
haben. 

10* 



- 148 — 

In einem kalkigen Mergel, der aus einer eng begrenzten Stelle des 
Vorkommens entnommen wurde, fanden sich folgende Formen: 

X Poiretia sandbergeri n. h. 

O Pachymilax sandbergeri n. h. 

O Zonites verticilloides s. 

O Omphalosagda goldfussi n. s. 

O Arion hochheimensis h. 
O X Pyramidula sandbergeri n. s. 

Hygromia leptoloma s. 
O X Klikia osculuni n. s. 

X Helicodonta phacodes n, h. 
X O Helicodonta involuta n. s. 

X Metacampylaea rahti n. b. 

X Tropidomphalus lepidotricha n. s, 
Tachea detlexa z. b. 

X Cochlicopa lubrica s. 
O X Buliminus gracilis s. 
O X Orcula subconica s. s. 

X Torquilla fustis n. s. 

O Acmopupa subtilissima n. s. 

O Negulus suturalis n. s. 

X Isthmia cryptodus s. 

O Acme filifera n. s. 
X O Poniatias labellum b. 
O X Ericia antiqua n. s. 

O Stropbostoma tricarinatum n. s. 

O Ventriculus dolium s. 

Was lehrt uns diese Zusammenstellung V Zunächst dürfen wir wohl 
annehmen, dass wohl die meisten der Formen auch zusammen gelebt 
haben. Und zwar sind es z. T, typische Waldbewohiier, z, T, Formen^ 
die felsigen Untergrund lieben, was häutig schon im Schalenbau aus- 
gedrückt ist, wie bei den flachen Formen (Helicodonta phacodes). Wir 
werden also nicht fehlgehen, wenn wir als Standort für diese Formen 
einen felsigen, zum grössten Teil von Wald bedeckten Boden annehmen, 
einen Standort, wie ihn wohl nur der nahe Taunus geboten haben kann. 
In der Liste sind die Formen, die wir vermutlich als Bewohner des 



— 149 - 

Waldes (im Moos, an Baumstämmen) und der Gebüsche zu betrachten 
haben, mit O, die der Felsen und des Steingetrümmers mit x bezeichnet. 
Diese Auffassung wird auch durch die negativen Befunde bestätigt. 
Unter den Hunderten von Formen fanden sich keine Pupillen, keine 
Vallonien, keine Strobilops, also keine Formen, die mehr auf offenes, 
wiesenartiges Gelände hindeuten. 

In einer anderen Schicht, einem mehligen, mergeligen Kalk, fanden 
sich folgende Arten : 

Hygromia involuta s. 
Isthmia cryptodus n. h. 
Acmopupa subtilissima n. h. 
Pupilla selecta n. s. 
Leucochila turgida s. 
Vallonia sandbergeri s. h. 
Strobilops uniplicatus h. 
Pomatias labellum z. h. 
Ericia antiqua n. h. 

Wenn auch diese kleine Fauna noch Anklänge an die vorige aufweist, 
so zeigt sie doch ein wesentlich anderes Bild. "Vallonia, Strobilus, 
die Pupilla deuten auf freies Wiesengelände hin, wie wir es uns im 
Vorland denken können. Vallonia macht beinahe die Hälfte der Stücke 
aus, Strobilops über ^/^. Dieses Zusammenvorkommen beider Formen 
ist kein zufälliges. Auch in den Hydrobienschichten und in den ober- 
miocänen Landschueckenmergeln finden sie sich zusammen. Nie habe 
ich hier Strobilops ohne Vallonien gefunden; ja sogar das Verhältnis, in 
dem beide auftreten, bleibt in einem Horizont meist recht konstant. 
Finden sich viel Vallonien, so kann man auch auf das häufige Auftreten 
von Strobilus rechnen. Wir dürfen daraus schliessen, dass beide Formen 
unter gleichen Bedingungen lebten, worauf auch schon die ähnliche 
Schalenform hindeutet. 

Ganz besonders auffällig ist in der Hochheimer Fauna die grosse 
Seltenheit der Carychiiden (Carychiopsis und Carychium) ') und von 



1) In dieser Hinsicht dürfte auch die Tatsache interessieren, dass unsere 
heutigen Taunusbäehe in ihrem Genist Carychien ebenfalls nur sehr spärlich 
führen. So fand ich im C^enist des Wiokerbaches, der das Hochheimer Vor- 
kommen durchschneidet, unter Tausenden von Vertigonen, Pupillen, Vallonien, 
Cochlicopen nur etwa ein Dutzend Stücke von Carychium minimum (Müll.). 



— 150 — 

Vertigo (Alaea) callosa, von der mir nur ein Stück in Coli. 0. Böttger 
(M. S.) und eines meiner Sammlung vorlag, um so auffallender, wenn 
man weiss, dass diese Formen in bestimmten Horizonten der Hydrobien- 
schichten zu Tausenden vorkommen. Wichtig ist zunächst, dass wir 
wissen, dass sie überhaupt damals lebten. Um dieses eigenartige Ver- 
balten zu verstehen, brauchen wir nur einige andere Beispiele für die 
Anhäufung von Conchylien heranzuziehen. 

In dem Geniste der Flüsse, die ihr Material aus breiten Talebenen 
rnitnebmen, sind die Carychien, die besonders häutig in der Talzone 
nahe dem Ufer leben, ausserordentlich häufig. Was die Hydrobien- 
schichten betrifft, so habe ich bereits an einer anderen Stelle ^) auf die 
eigenartige Fauna der dunklen Mergelbänder aufmerksam gemacht, die 
häufig mit einer dünnen Braunkohlenschicht abschliessen. Sie setzt sich 
aus folgenden Formen zusammen: 

Pyramidula multicostata z. h. 

Tachea subcarinata n. s. 

Leucochila turgida n. h. 

Vertigo (Alaea) callosa var. alloeodus h. 

Vallonia lepida h. 

Strobilus uniplicatus n. h. 

Carychium antiquum s. h., 

"WOZU noch eine Reihe von Wasserbewohnern kommen. Nun habe ich 
bereits dort gezeigt, dass es sich um eine Fauna handelt, die an Ort und 
•Stelle, an dem sumpfigen Uferrand lebte, der infolge kleiner Schwankungen 
des Wasserspiegels oft überflutet wurde. Pupillen, Torquillen usw. sucht 
tnan hier natürlich vergebens. 

FiS scheint aber nach allem, dass solche feuchten, sumpfigen Ufer- 
ränder zur Zeit der Ablagerung der Landschneckenkalke am Rande des 
Beckens und an den Ufern der Bäche oder Flüsse nicht (oder nur in 
sehr beschränktem Mafse), vorhanden waren. Dass sich Flüsse oder Bäche 
vermutlich auch nicht durch breite Talflächen hinzogen, scheint mir auch 
durch die Seltenheit der Cochlicopa angedeutet. 



1) W e n z : Die fossilen Mollusken der Hydrobienscliichteu von Buden- 
lieim b. Mainz. II. Nachtrag, Nachr.-Bl. d. d. Malakozool. C4es. 1912, p. 186. 



— 151 — 

Von den beiden Vallonien, die in Hochheim vorkommen, ist V. sand- 
bergeri (Desh.) bei weitem die häutigere, während V. lepida (Rss.) sehr 
selten ist, gerade umgekehrt wie in den Hydrobienschichten. Nun ist 
V. sandbergeri die Form, die V. tenuilabris am nächsten stellt, offenbar 
eine Art, die mehr an trockenen Stellen lebte, was ganz in unser Bild 
passt. 

Beachtenswert ist auch das häufige Auftreten grosser Formen, die 
keinen sehr weiten Transport vertragen (Galactochilus braunii, Zonites 
verticilloides, Metacampylaca rahti etc.). Solche Formen sind in den 
Hydrobienschichten schon wesentlich seltener. Immerhin findet sich auch 
in ihnen noch eine Schicht (in den mittleren Horizonten der oberen 
Hydrobienschichten), die sich mit der Hochheimer habituell vergleichen 
lässt. Diese Zone enthält u. a. : 



Poiretia gracilis 
Galactochilus mattiacuni 



P. gracilis 
G. braunii 



Klikia osculum v. depressa K. osculum typ. 



Trichiopsis crebipunctata 
Hygromia punctigera 
Helicodonta phacodes v. major 
Helicodonta involuta 
Tachea moguntina 
Eualopia bulimoides 
Cochlicopa lubricella 



T. leptoloma 

H. subvillosa 

H, phacodes typ. 

H. involuta 

T. alloiodes 

C. lubricella 



Die biologisch entsprechenden Hochheimer Formen sind in der 
zweiten Reihe angegeben. Auch diese Fauna wird aus der nächsten 
Nähe in den See eingeführt worden sein. Sie lässt sich natürlich nicht 
vergleichen mit der oben erwähnten Fauna des Denudationsgebietes des 
Seeufers. 

Etwas anders liegen die Verhältnisse bei den obermiocänen Land- 
schneckenmergeln, die bis jetzt überhaupt noch keine grossen Formen 
geliefert haben, und in denen die kleinen und kleinsten Formen (Ver- 
tiginiden) weit überwiegen, die auf eine grössere Ausdehnung des offenen 
Geländes, der Wiesenflächen schliessen lassen. Möglich, dass auch bei 
dem weiteren Transport die grösseren Gehäuse ebenso zertrümmert 
wurden, wie die Knochenpanzer der Schildkröten, von den man fast stets 



— 152 — 

nur kleine und kleinste Trümmer antrifft. Auch die Pneumonopomen 
(Acme, Pomatias, Ericia). ferner Torquilla, Zonitos und die Campjiaeinen 
(Klikia giengensis ausgenommen), die in den gleichaltrigen süddeutschen 
Ablagerungen nicht selten sind, scheinen hier vollkommen zu fehlen. 
Und doch ist dieses Fehlen wohl nur scheinbar und durch äussere 
Ursachen bedingt. 

Fassen wir noch einmal kurz die Ergebnisse dieser biologischen 
Analyse zusammen, so können wir sagen, dass eine grosse Anzahl von 
Formen, die vielen Zonitiden, Hjgromin subvillosa, Laminifera und die 
übrige reiche Clausilienfauna, Ericia, Pomaties auf ein waldreiches 
felsiges Gebirge (Taunus) hindeutet, dem auch der Kalk ('? mitteldevonische 
Kalke) damals noch nicht in dem Mafse gefehlt haben kann, wie heute, 
was uns besonders die Häufigkeit des Pomatias zeigt : ja einige Formen 
wie die Orcula und Isthmia splendidula haben schon etwas Hochgebirgs- 
charakter. 

Die Meeresnähe wird durch die Poiretieu. Triptychia, Lauria an- 
gedeutet und die Flussfauna ist durch die Limnaeen, Planorben, 
Pseudamnicola, Tinnyea und Sphärium, wenn auch etwas spärlich, 
vertreten. 

Mit Absicht bin ich hier über den Rahmen der Hochheimer Ab- 
lagerungen hinausgegangen, einmal weil wir die übrigen Ablagerungen 
zum Vergleich brauchten, dann aber auch, um zu zeigen, dass man tertiäre 
Landschneckenfaunen verschiedener Lokalitäten zu stratigraphischen 
Zwecken nicht miteinander vergleichen darf, ehe man sich nicht 
Rechenschaft über die biologischen und ökologischen Bedingungen 
gegeben hat, unter denen sie lebten und die sich in ihrem Charakter 
zu erkennen geben. 

Ebenso wird man sehr vorsichtig sein müssen bei negativen Be- 
funden. Man wird stets im Auge behalten müssen, dass Landschnecken- 
faunen nur unter ganz besonders günstigen Bedingungen erhalten werden, 
und dass das Nichtvorkommen einzelner Genera noch nicht auf ein 
Nichtvorhandensein zu der betreffenden Zeit in der Nähe der Lokalität 
schliessen lässt. 

Es ist hier am Platze, noch ein Wort über das Klima zu sagen, 
das zur Zeit der Ablagerung der Landschneckenkalke herrschte. Es 
ist schon sehr viel über diese P'rage geschrieben worden, und ich will 
mich hier auf eine Diskussion nicht einlassen. Beim Durcharbeiten 
der Gastrapodenfauna bin ich zu der Anschauung gekommen, dass alle 



153 



diese Formen etwa unter denselben Bedingungen leben konnten, wie 
sie lieute die Canaren in klimatologischer Hinsicht bieten. Und in 
der Tat lassen sich wohl auch die Verhältnisse, die bei der Ablagerung 
jener Schichten herrschten, recht gut damit vergleichen, denn auch 
damals hatten wir einzelne Inselgruppen und weite Meeresflächen in 
der Nähe, die eine bedeutende Ausgleichung der Klimaschwankungen 
herbeiführten. 



Figuren-Erklärung. 

Tafel IV. 
Fig. 1 . Poiretia (Pseudoleacina) producta (Rss.) var. snbcylindrica n. var. Nat. Gr. 
„ 2. Pachyniilax sandbergeri ßttg. Vergr. Gmal. 
„ 3. Omphalosagda hochheimensis (Bttg.). Vei'gr. 2 mal. 
, 4. Hemi.stenotroma quadrisinnosa Bttg. Vergr. 2 mal. 
„ 5, , , var. heydeni Bttg. Vcrgr. 2 mal. 

„ 6. Laminifera mattiaca n. nom. Vergr. 2 mal. 
„ 7. Lauria minax Bttg. Vergr. 13 mal. 
, 8. Orcula subconica (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 9. Torquilla subvariabilis (Sdbg.). Vergr. 6^/2 mal. 
„ 10. Torquilla fusti.s Bttg. Vergr. ßi/smal. 

Tafel V. 
Fig. 11. Pupilla selecta (Tho.\ Vergr. 13 mal. 
„ 12. Pupilla impressa (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
„ 13. Negulus saturalis (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 14. Acraopupa subtilissima (Sdbg.) Vergr. 13 mal. 
, 15. Tsthmia splendidula (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 16. Lsthmia cryptodus (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 

„ 17. Leucochila turgida (Rss.). (Mit schAvacher Columellare!). Vergr. 13 mal. 
, 18. Leucochila didymodus (Sdbg). Vergr. 13 mal. 

Tafe 1 VI. 
Fig. 19. Leucochila fissideus (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
„ 20. Vertigo (Enneopupa) cylindrella (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
„ 21. Vertigo (Glandicula) tiarula (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 22. ^'ertigo (Ptychochilus) trigonostoma (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 23. Vertigo (Alaea) callosa (Rss). Vergr. 13 mal. 
„ 24. Vertigo (Alaea) protracta (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 25 Vertigo (Alaea) ovatula (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 26. Vertigo (Alaea) kochi Bttg. Vergr. 13 mal. 



— 154 — 

Tafel VII. 
Fig. 27. Vertigo (Alaea) trolli n. sp. Vergr. 13 mal. 
„ 28. Vertigo (Pseudelix) microhelix (Sdbg.)- Vergr. 13 mal. 
„ 29. Acanthopupa joossi n. sp. Vergr. 13 mal. 
, 80. Acanthinula paludinaeformiss (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 31. Acanthinula plicatella (Rss.). Vergr. 13 mal. 
, 32. Acanthinula nana (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 33. Strobilops uniplicata (Sdbg). Vergr. 13 mal. 

Tafel VIII. 

Fig. 81. Strobilops diptyx (Bttg.). Vergr. 13 mal. 

, 35. Cochlicopa lubricella (Sdbg.). Vergr. 6 mal. 

, 36, Cochlicopa macrostoma (Bttg). Vergr. 6 mal. 

^ 87. Cochlicopa splendens (Bttg). Vergr. 6 mal. 

„ 38. Carychiosis costulata Sdbg. Vergr. 13 mal. 

, 89. Carychium nanum Sdbg. Vergr. 13 mal. 

Tafel IX. 
Fig. 40. Carychium fischeri Bttg. ^'ergr, 13 mal. 
, 41. Acme (Auricella) filifera (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 42. Acme (Platyla) subfusca Flach. Vergr. 13 mal. 
^ 43. Pseudotruncatella microceras (Sdbg.). Vergr. 13 mal. 
, 44. Pseudamnicola rara (Bttg.). Vergr. 9 mal. 
, 45. Pseudamnicola moguntina Bttg. Vergr. 9 mal. 
, 46. Bythinella thoraaei n. sp. Ver^r. 13 mal. 

Tafel X. 
Fig. 1. Fossiles Geniste: Halme, Pupen usw. von Hochheim-Flörsheim. 
, 2. Fossiles Geniste: Zusammengetriebene grössere Iiandschnecken. 

Tafel XI. 
Fig. 1 — 2. Poiretia gracilis (Ziet). Eier. 
, 3—4. Plebecula ramondi (Brong.) und Ericia antiqua (Brong.) von 

Poiretia sandbergeri (Tho.). angenagt. 
, .5 — 8. Omphalosagda goldfu.ssi (Tho.). 
.„ 9 — 10. Laminifera mattiaca n. n. 
, 11—12. Triptychia recticosta (Bttg). 
, 13. Laminifera mattiaca n. u 



Jahrbuch des nassauischen Vereins für Naturkunde 67, 1914. Tafel IT. 




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Fig. 7 a Fig. 7 b 






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Verlag vun J. F. Bergmann in Wiesbaden. 



Jahrbuch des nassaüischen Vekeins für Naturkunde 67, 1914. Tafel V, 





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Fig. IIb 



Fig. 12 a Fig. 12 b 






Fig. Fig. Fig. 

13a 13b 14a 14b 15a 15b 




Fig. 
16a 16b 



Fig. 
17 a 17 b 



Fig. 
18a 18b 



Verlag von J, F. Bergmann in Wiesbaden. 



Jaükbuch des Nässauischen Vereins für Naturkunde 67, 1914, Tafel YI, 




Fig. 19a Fig. 19b Fig. 20a Fig. 20b 



Fig. 21a Fig. 21b 





Fig. 22a Fig. 2-zb 



Fig. 23a Fig. 23b 




Fig. 24a Fig. 24b Fig. 25a Fig. 25b Fig. 26a Fig. 26b 



Verlag von J. F. Bergmann in Wiesbaden. 



Jahrbuch des nassauischen Vereins für Naturkunde 67, 1.914, Tafel Yll. 






Fig. 27 a Fig. 27 b Fig. 28 a Fig. 28 b 




^Fig. 29 a Fig. 29 b 



Fig. 30 





Fig. 31 Fig. 32 




Fig. 33 



Verlag von J. F. Bergmann in Wiesbaden. 



Jahhbuch des nassaujschen Vereins fük Naturkunde 67, 1914. Tafel VIII. 






Fig. 34 Fig. 35 Fig. 36 





Fig. 37 



Fig. 88 Fig. 39 



Verlag von J. F. Bergmann in Wiesbaden. 



Jahrbuch des nassauischen Vereins für Naturkunde 67, 1914. Tafel IX. 





Fig. 41 






Fig. 42 



Fig. 43 



Fiff. 44 





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Fig. 46 



Verlag von J. F. Bergmann in Wiesbaden. 



Jahrbuch des nassauischen Vereins für Naturkunde 67, 1914. Tafel X. 




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Fig. 2 
Fossiles Geniste: Landschneckenkall( von Hociiheini-Fiörsheim. 



Verlau von J. f. Berumann in Wiesbaden. 



Jahrbuch ;;'Dti:s nassäuischen VebeinsJfük Naturkunde 67, 1914. Tafel XI. 




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Fig. 13 



Verlag von J. F. Bergmann in Wiesbauen. 



DRUCK von CARL RITTER. O. m. b. H, 
WIESBADEN. 



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