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Full text of "Die Leipziger Mundart: Grammatik und Wörterbuch der Leipziger Volkssprache. Zugleich ein Beitrag ..."

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DIE 



LEIPZIGER MUNDART 



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GRAMMATIK UND WÖRTERBUCH 

DEB 

LEIPZIGER VOLKSSPRACHE, 



ZUGLEICH EIN BEITRAG 

ZUE SCHILDERüNd DER VOLKSSPRACHE IM ALT/iEMEINEN. 

VON 

Dr. KARL ALBBECHT, 

BEALSGHUL-OBEBLEHEEB ZU LEIPZIG. 

MIT EINEM VORWORT 

VON 

Pbof. Db. RUDOLF HILDEBBAND. 



LEIPZIG, 

ARNOLDISCHE BUCHHANDLUNG. 

1881. 



Dmok Von fioÄdertstond A PriM in Leipsig. 



Vorwort. 

Indem ich an das Vorwort gehe, das ich dem mir lange befreundeten 
Verfasser zugesagt hatte, konmit mir freilich so viel vor den Sinn, dass 
es fCb* den Bahmen eines solchen Vorwortes viel zu viel werden würde^ 
auch wenn ich zur AusfOhrung die Zeit hätte. Ich habe zu dem Buche 
eine doppelte Stellung, die mir den Gesichtspunkt bestinmit, als Leip- 
ziger Stadtkind und als deutscher Philolog, und in beiden Stellungen 
hatte ich gar Manches vor- und auszuführen, das wol hier seinen rechten 
Platz fände. 

Als Philolog möchte ich oder mfisste eigentlich dem vom Sammler 
vorgelegten Thatbestande unserer Mundart vor allem die Beleuchtung hin- 
zufügen, in der er sich vor dem geschichtlichen Blicke zeigt, welcher die 
Thatsachen von heute in ihrem Wachsen und Werden zu übersehen die 
Au%abe hat. An diesem geschichtlichen Blicke fehlt es ohnedem unsrer 
yielgerühmten Bildu;ng noch gar sehr, besonders sobald er sich auf das 
Nächste, Eigenste, Alltäglichste zu beziehen hat, er lässt sich aber auch 
an keinem Gegenstande so leicht üben und ausbilden, als an der Sprache, 
die man selber spricht, eben weil gerade sie Jedem das Nächste, Eigenste, 
Alltäglichste ist, das zugleich sein ganzes eigenstes Leben umspannt, wie 
ein Gefass für Alles, und richtig angeschaut zugleich das eigenste Leben 
der Vorfahren, von denen wir, jeder Einzelne, unser Herkommen haben. 

Also z. B. wenn unsere Mundart statt Vormittags und Nachmittags 
Vormittage und Nachmittage sagt, so rümpft die Bildung die Nase 
darüber, die Schule hat es zu bekämpfen; aber noch Geliert schrieb ur- 
sprünglich so, z. B. in der Schwedischen Gräfin: „Vormittage soll das 
Fräulein als (d. h. wie) ein Mann, und Nachmittage als eine Frau er- 
zogen werden" (2. Ausg. 1750 S. 4), erst in den sämmtlichen Schriften ge- 
ändert in Vormittags, Nachmittags. Man braucht aber nur das Alte und 
noch jetzt in der Mundart Lebende anders, d. h. eigentlich richtig zu 
schreiben: vor Mittage, nach Mittage, so blickt einen das Wort der 
Volkssprache auf einmal ganz anders an: worüber man die Nase rümpfte, 



IV Vorwort. 

das ist nun das eigentlich Bichtige und belehrt uns, auch z. B. über den 
Ursprung der Worte Vormittag, Na<5hmittag.*) Ist es nicht aber 
auch eine Pflicht, ein Unrecht zurück zu nehmen, wenn es auch nur 
einem Worte angethan war, aber einem Worte, das vordem Allen ge- 
hörte, also ein Unrecht gegen die eignen Vorfahren, also im Grunde doch 
auch gegen sich selbst? Ich denke, eine Pflicht und eine Freude zu- 
gleich. Und zu solchen Betrachtungen liegt Stoff in Ueberfülle vor. Nur 
Einiges noch. Das i in Männich en u. ä. (S. 23) ist nicht ein launen- 
hafter Einscfhub, sondei'n gehört von Haus aus in die Form; wenn die 
Bildung darüber zu spötteln gestimmt ist, so erscheint es dem geschicht- 
lichen Blicke vielmehr mit dem Adel des höchsten Alters (die alte Form 
mitteldeutscher Mundart war mennichin). Hat doc^h di6 Mundart selbst 
in vomehlneü Fremdworten manchmal Eecht gegen die Bildung, z. B. mit 
Canditer gegen Conditor (s. in G-rimms Wb. unter konditor). 

Auch in VolkeWcJrten, die von der gebildetön Spratjhe ganz vei'gessen 
oder ausgestossen sind, sieht der geschichtliche Blick oft jenen Adel des 
Alters und volles schönes Leben. So in mSss'eldräUtig (S. 168): mhd. 
hiess zerzupfte Leinwand, Chai^ie meizel, man muss aber auch schon 
beim Spinnön schlecht oder locker gedrehte Fädön so genannt haben, das 
lehrt das Volkstirört, denij Draht ist eigentlich Faden (von drehen, noch 
engl, thread), meisseldrähtig also ein Faden, der wie zerzupft, statt scharf 
zusammengedreht aussieht, auf Menschen und ihre Stimmung angewandt 
etwa wie unser zerfahren. Man kann oder muss sich dabei erinnern, wie 
in alter Zeit in jedem Hause das Spinnrad öder vor diesem der Spinn- 
rocken arbeitete und welche Bedeutung das Spinnen för die Wirthschaft 
hatte, um zu begreifen, wie man daher Bilder für das entnahm, was sonst 
in der Stube und im Hause vorging. — Lehrreich ist auch brämen 
(S. 92). Ich kenne es auch in der Wendung: er hat nich gebrämt, nicht 
gezuckt, d. h. bei einer Gefahr die an ihn heran trat, und daraus er- 
klärt es sich auch. Die Augbrauen hiessen nämlich ursprünglich auch 
bräme pl. (mit -m för ursprüngliches -w), dahw noch verbrämen, eigent- 
lich den Saum des Kleides mit einem Besatz als Zierat und Schutz zu- 



*) Auch Gotha in dem Liede: 

Nach Mittage sassen wir 
Junges Volk im Kühlen u. s. w. 
meinte eigentlich Nächmittage, wie bei Geliert, nicht nach Mittkge, das 
zeigt der Ton nnd Bhjthmas. (Die Bauern haben noch den alten, eigentlichen 
Ton in na mlttge.) 



Vorwort. V 

gleich versehen; wie das die Brauen f&r die Augenlider sind, ein Bild 
aus der ältesten Schneiderkunst unsrer Frauen (s. darüber unter gebräme 
in Grimms Wb.). Also eigentlich: er hat nicht mit den Brauen oder 
Wimpern gezuckt. Ist doch aus alter Zeit, aus dem germanischen Nor- 
den überliefert, dass man den Muth eines Knaben auf solche Weise 
prüfte und schärfte, dass man ihm mit Schwertesschärfe dicht vor die 
Augen fuhr, wobei er die Aufgabe hatte, mit den Lidern nicht zu zucken. 
Das lebt denn nach in der Redensart: er hat nich gebrämt. Auch 
brane Waldessaum (S. 92) erklärt sich hier; denn das ist gleichfalls eine 
alte Nebenform von braue und heisst forstmännisch auch noch brame, 
bräme (s. u. gebräme 4, c im Wb.). 

Von höchster Alterthümlichkeit aber; ein in die Gegenwart herein- 
ragendes Endchen aus dem Dunkel der ältesten germanischen Vorzeit ist 
der Buf eec^ (S. 97), den die Kinder beim Haschenspielen brauchen; es 
ruft so laut schreiend ein Eind, das eben in Gefahr ist gefangen zu wer- 
den und sich davor retten will. Die Auffassung des Wortes, das man ja 
nie geschrieben sieht, als ce-ce ist begreiflich, weil die Spielenden dabei 
an ihr ABG-Buch denken. Ich dachte mirs auch lange so, bis ichs im 
16. Jahrhundert geschrieben fand, im Gebrauch Erwachsener, die bei 
einer Gefahr damit die Hülfe der Dorfgenossen herbeirufen. So ruft oder 
schreit im Esop des Burkard Waldis, also hessisch, in der 80. Fabel des 
4. Buches ein Bauer, der Kälber auf seinem Acker sieht, zehel zehel 
In der 94. Fabel daselbst, wo ein Wolf beim Dorf erscheint, schreit der 
Erste der ihn sieht, zehol zehol d. h. zehe (zeh) mit dem schallenden 
— verlängert, das wir noch in feurio! kennen. Es ist ohne Zweifel der 
erste Theil des uralten Hülferufes zeter, der selbst ins Dunkel der 
ältesten Zeit zurückreicht und eigentlich gleichfalls die Hülfe der Ge- 
nossen herbeiruft. Auch im 16. Jahrhundert doch schon im Kinderspiel, 
das ja immer das Thun und Treiben der Erwachsenen nachahmte, und zwar 
eben in Leipzig oder Umgegend, zehal beim Versteckensspielen im Katzi- 
pori (s. in Grimms Wb. unter kucken 3, b). Auch niederdeutsch noch 
jetzt, denn Stürenburg im ostfries. Wb. 280 gibt t^-te als ein Kinderspiel, 
der Buf gilt den Spielern, die herbeikommen sollen ; aber „t^-t^ rief auch 
der Bauerrichter im Dorfe, um die Bauern zur Versammlung herbeizu- 
ziehen", wo denn mit te eigentlich die heilige Stätte des Gerichts ge- 
meint sein wird (nd. auch tl m., tie f., hd. zie m., vergl. zuo f. Lanz. 
7128). Kurz, es ist ein gebliebenes Stückchen aus dem allerältesten 
Leben der Vorfahren. 



VI Vorwort. 

Ein schönes altes Wort und doch jetzt nur in niedersten Kreisen 
lebend, d. h. langsam absterbend ist kalmen (S. 142), das mit engl, 
calm oder franz. calmer nichts zu schaffen hat, bei so vornehmem Ur- 
sprünge müsste es ja den höheren Schichten angehören, nicht den nieder- 
sten; es heisst noch in der Nähe der Stadt, z. B. in Liebertwolkwitz, auch 
qualmen und ist daraus entstanden, diess aber aus mhd. twalmen; 
noch der Schlesier Günther (S. 267) sang, in der Zeit als er das Schla- 
fen verlernt hatte: 

Mein Schlaf ist nur ein Qualm, 
Mein Lied ein Elagepsalm. 

So hat der kanker mit lat. cancer nichts zu schaffen, es ist ein 
altgerm. Wort, wie im Deutschen Wörterbuche des Weiteren nachgewie- 
sen ist. Die flssimatenten dagegen sind von gelehrtem Ursprung, aus 
der Heraldik oder der geheimnissvollen Heroldswissenschafb des 14. Jahr- 
hunderts; da heisst es im Sing, fisiment, geheimnissvoller Zug oder 
Zierat im Wappenwesen (Lassbergs Liedersaal 1, 579), womit man den 
Leuten auch Sand in die Augen streute, eigentlich lat. visamentum, 
wie wir noch vom visieren im Wappenwesen sprechen. Die heutige Form 
ist eine scherzende oder spottende Verdrehung der lat. Form. Falsches 
Französisch zeigt sich in dem masc. karrier (S. 46), es erklärt sich in 
Grimms IVb. unter kurier, das im Gebrauch sich mit jenem mischte, 
franz. en Courier reiten, als Kurier, nachher aufgefasst als en carriere. 
Neunhäutiger Schurke, Schuft o. ä. (so kenne ich es) ist nicht Ver- 
drehung aus meineidig, sondern hat einen alten derben Witz zum Hin- 
tergrunde, dass ein solcher, ähnlich wie der Kern einer Zwiebel, nicht 
eine, sondern neun Häute um sich habe, die man z. B. beim Züchtigen 
durchschlagen müsse, ehe man ihn selber trifft, wie das z. B. bei H. Sachs 
vorkommt. Aber ich muss abbrechen. 

Als Leipziger vergleiche ich natürlich, oder vergleicht sich beim 
Lesen von selber der vom Landsmann gesammelte und vorgefundne 
Sprachschatz der Vaterstadt mit dem in meinem Bewusstsein befindlichen. 
Da gewahre ich denn mit Verwunderung, dass beide doch nicht gänzlich 
übereinkommen. Einmal finde ich Manches, das ich ^nicht oder anders 
kenne, z.B. die Wendung es geben Leute für es gibt (S. 64) kenne ich 
wohl als osterländisch, thüringisch, hessisch u. s. w. (auch Göthe brauchte 
sie anfangs selbst als Schriftsteller'*'), aber nicht als Leipzig angehörig. 

*) „Müssen es hier Menschen geben, die Mittelpunkt sind nnd Sonne" u. s. w. 
Der junge Göthe 2, 465, später geändert: muss es u. s. w. 



Vorwort. VII 

Die Hundslsden kenne ich nur als HnndslÖdden, das indelt 
(S. 139) als innelt (eigentlich inlt), die Frage h^g (S. 131) in der Aus- 
sprache heie (mit e, nicht a oder ai), die Bedensart „bis Michel dutt'', 
d. h. dutet (S. 170) mit ditt, also eig. dütet, die Fumpnase (S. 117) 
als fumfnase*), d. h. etwas mehr hoohdeutsch, jenes mehr in niederd* 
Form; das Letztere stellt, wo es in unserer Mundart vorkommt, eine nie- 
drigere Schicht dar, z. B. selbst dad^ nd. he f&r er kommt oder kam in 
meiner Jugend unter den Eindem vor (kein Wunder, da es in alter Zeit 
auch in Schriften hiesiger Gegend erscheint), wenn eins recht nachdrück- 
lich und zugleich spöttisch verächtlich reden wollte, z. B. he will nich . 
Anderseits hab ich vor Jahren, vielleicht aus Bauemmunde, verbunden 
gehört schief un scheep, die hochd. und niederd. Form zu grösserem 
Nachdruck gesellt. 

Dagegen finde ich Manches nicht, was ich in meinen Notizen oder 
in der Erinnerung habe, wie: sich fräzen un sd&en von üppigstem Wol- 
leben, eigentlich sich voll stopfen bis man ächzt; babbeln, gierig essen; 
hähnem, necken; ein Häprich m., ein spärliches, kränkliches Kind; ein 
Merkchen, eine Kleinigkeit als Mass oder Unterschied, z. B. das Blau is 
e Merkchen dunkler (auch dunkler), was man auch eine Idee nennt; nlzen, 
werfen, mit Steinen, Schneebällen (Einderwort); rauchmüzig, auch 
rauchmütig, unbehaglich, besonders übernächtig, nicht ausgeschlafen; ein 
Schläz m., Biss mit Knall, wenn er eben geschieht, z. B. in einem 
Kleide (eigentlich eins mit franz. ^clat, das von deutschem Ursprung ist), 
als Zeitwort dazu schläzen und schllzen. Ein handschriftliches Idioticon 
Lipsiense von einem Eberhard, das die Universitätsbibliothek aufbewahrt, 
gäbe für die Zeit um 1700 manche Ausbeute, z. B. ein grober Hampe 
(Kerl), für nippernäppsch gibt es „übemäpsch, übernächtig, der die Nacht 
durch debauchirt hat und den Morgen darauf Uebelkeiten verspürt". Ueber- 
haupt würde, wenn man dem Ganzen den Hintergrund der älteren Leip- 
ziger Sprache hinzufügen wollte, eine neue Arbeit beginnen; schon die 
Leipziger Sdirifksteller des vorigen Jahrhunderts, wie Weisse, Babener, 
Geliert, Picander gäben eine hübsche Ausbeute**), um nicht von denem 



*) Das Wort ist von Werth für die Sprachforschung, denn es bezeugt einen 
sonst selten bezeugten Stamm pfimpfen, in starker Abwandlung, in der Bedeu- 
tung runzeln, einschrumpfen machen; s. z. B. ahd. in einer Glosse phamff 
caperrabat Diefenbach gloss. 96 c. 

**) Dabei möchte ich auf die Proben von Leipziger Sprache aufmerksam 
machen, die gegeben sind in Sophiens Beise vonMemel nach Sachsen. Lpz. 177B 
1, 289 und m Gottscheds Vernünftigen Tadlerinnen Lpz. 1725 1, 177. 181. 



Yin Vorwort. 

aus dem 16. 17. Jahrhundert zu reden oder von den noch älteren Ur- 
kunden, die nun im Cod. dipl. Saxoniae regiae leicht zugänglich vorliegen. 
Das mag einer späteren Zeit und jüngeren Kräften vorbehalten bleiben, 
falls einmal die Wissenschaft; oder die Theilnahme der Stadt danach ver- 
langen. 

Für jetzt müssen wir dem Verfasser dankbar sein, der fast ein Men- 
schenalter lang den heutigen Spracbbestand mit emsigstem Fleisse und 
feiner Beobachtung so reichlich und treffend zusammengebracht hat, wir: 
ich meine die Leipziger und wer sonst daran Theil nimmt, d. h. auch 
die deutsche Sprachforschung, natürlich auch das Grimmsche Wörterbuch. 

Leipzig, 4. Dec. 1880. 



Rnd. Hlldebrand. 



Einleitung. 

Die Leipziger Mnndart 

Das wirkliche nnd nationale Leben der Sprache 
pulsirt in ihren Mnndarten. 

Max Müller. 

Die Leipziger Mundart, ein Zweig der Sprache, wie sie das Volk L 
im Osterlande und im Meissenschen redet, herrscht streng genommen 
nur in einem sehr kleinen Gebiete: es ist die Stadt Leipzig und deren 
Umgegend, ein Kreis, welcher etwa von den drei bis sechs Stunden 
Ton Leipzig liegenden Städtchen Markranstädt, Schkeuditz, Eilen- 
burg, Würzen, Grimma, Bötha und Zwenkau eingeschlossen wird. 
Die Sprache der eingeborenen Leipziger unterscheidet sich aber schon 
wieder von jener der nächsten Dörfer, obschon diese eigentlich nur 
'unsere Vorstädte sind, und fast ringsum könnte man von Stunde zu 
Stunde Unterschiede des Dialektes nachweisen, namentlich hinsichtlich 
der Aussprache. Beispielsweise sagt man in Probstheida, ein Stündchen 
Yon der Stadt, noch „ich schläche dich dod'', in Zuckelhausen aber, nur 
ein halbes Stündchen weiter, bereits „ich' schlah d^ch dod''. In 
Wahren, eine Stunde von hier, beginnt die Aussprache „jeben, Jift", 
in Schkeuditz, drei Stunden von Leipzig, die Verwechselung von mir 
nnd mich, in Würzen, sechs Stunden entfernt, hört der Gebrauch der 
VerUeinerungsendung chen auf und es tritt *1 dafür ein. 

In der Aussprache der Wörter gibt es zahlreiche Schwankungen II. 
und Schattirungen; aus den verschiedenen Abstufungen kann der Kenner 
geradezu auf den grösseren oder geringeren Grad von sprachlicher Bildung 
oder Unbildung der Bedenden schliessen*) und kommt dabei manchmal 

*) ,,Hiusichtlich der Aassprache sind gewisse physische und auch psychische 
Eigmithümlichkeiten des mitteldeutschen Volkes in Bechnang zu ziehen. Za- 
nächst scheint mir hierher zu gehören eine ^össere Dicke der Schädel- 
knochen, welche den Schall nicht so schnell zum Gehörnerven leiten als 
dlünnere, woraus ein langsameres Auffassen äusserer Gehörseindrücke folgt und 
hieraoB wieder die ^othwendigkeit, dass die Silben der Sprache eines solchen 
VoUecs einen starken Lanigehalt, also auch eine längere Dauer haben als bei 
einem Volke, dessen Auffassu^svermögen durch günstigere Organisation er- 
leiditert ist. Sodann die starke Entwickelung der Kinnladen; bei einer solchen 
besitzt natürlich aach die Zunge des deutschen Volkes im Allgemeinen ein 
nösaeres Volumen und ist in ihren Bewegungen langsamer als unter anderen 
VerbiltDissen. Das durch die Sprache zu Gehör Gebrachte fällt dabei derber, 
mudieiidor.aus — das ganze Sprachorgan ist daher mehr auf Konsonanten 
als auf Vokale angelegt.** (Professor Merkel.) 



X Einleitung. 



zu überraschenden Ergebnissen, namentlich was die „gebildeteren" oder 
doch besser unterrichteten Kreise betrifft. Erst in allerneuester Zeit 
beginnt man, etwas aufEeinheit der Aussprache zu halten, sich weniger 
gehen zu lassen'*'); im Durchschnitt hört man aber immer b und d für 
p und t, g für k^ e für ä und 8, i für fl, ei für en oder an u. dgl. 
Wenn die einfache Hausfrau sagt: „die Beime sin beide ganz sehen grien, 
un morchen genn' sie schon blien", so sagt der Vollblutleipziger zwanglos: 
„De Beme sin beide ganz scheue grien, un morchen genn' se schone 
blien". — Für Kühe sagt der Städter Klg, noch lieber Gle; der Bauer 
Giwe. Wir essen Glesser oder Glesse, vielleicht auch einmal Klesse, 
Glosse, im besten Falle Klösser, der Landmann aber Gliesse. Die 
Stadt Pirna wird — je nachdem — ausgesprochen: Pime, Peme, Birne, 
Beme; ordentlich heisst ordenglich und orntlich. Der Elementar- 
schüler spricht fuffz'n (15), etwas deutlicher fuffzehn, — wenn der 
Lehrer seine Aussprache verbessert: „fumfzehn", geziert fünfzehn; 
ebenso fuffz*ch (50), fuffzich, fumfzich, fünfzich. Der Gebildetere 
spricht und schreibt: wegen dem Eegen, der Naturbursche sagt: wegn'n 
Eegen, der Bauer: wegn'n Bahne. Die feineren städtischen FcHinen 
für Teppich, heiser, pflücken, Advokat, Gabel, aber, Pferde, vollends, 
Nikolaikirche, eine alte Frau, sind: Debbich, heisch, flicken. Ad- 
vegat, Gäfel, äwer, Ferde, volgends, Niggeleigirche, enne 
aide Frau, die ländlichen: Dewicht, heesch, flucken, Affegäde, 
Gawl, addr, Fähre, vulgends od. vult, Niggelsgerche, enne 
äle Prä. (Das in der ländlichen Umgebung Gebräuchliche ist in Gram- 
matik und Wörterbuch mit Bspr. = Bauernsprache bezeichnet; selbst- 
verständlich ist aber die Grenze zwischen Stadt und Land nicht immer 
genau zu ziehen.) 
[I. „T)iQ Leipziger singen sehr!" Ein Vorwurf, den man uns sehr 

oft macht. Nach den Erfahrungen, die ich bei längerem oder wieder- 
holtem Aufenthalt in Dresden, in der Lausitz und im Erzgebirge, im 
Vogtlande und in Böhmen, in Altenburg und Thüringen, in Berlin und 
Magdeburg, in Hamburg und Holstein, in Frankfurt a. M., am Ehein 
und im Elsass, im Odenwald und in Altbaiern, in Tirol, im Allgäu und 
in der Schweiz gesammelt habe, glaube ich dreist behaupten zu dürfen: 
Sie singen Alle, nur Jeder in einer andern Tonart, und die 
unsere — obschon wir im „Dehnen und Ziehen" ein Erkleckliches lei- 



*) „Dem Ausländer, einem Frankfurter, noch mehr aber einem Hanno- 
veraner, fällt die Mandart in den hiesigen Familien gewaltig auf; das macht, 
man ^bt sich wenig oder gar keine Mühe, gut zu sprechen, und wer es thut, 
geräth in die Gefanr, der Affektation beschuldigt zu werden. Einmid ums 
andere ruft man uns zu: „Redt duch, wie' eh der Schnabbel gewachsen ist'^ 
„Das gilt von der feinen Welt eben so sehr wie von der gemeinen.** (Leipzig 
im Profil, 1799, S. 251.) Trotz alledem geben Fremde gern zu, dass unsere 
Mundart leicht verständlich ist, weil sie immerhin der Schriftsprache 
näher steht als andere Dialekte. Dfuier mag es auch mit kommen, dass noch 
kein Idiotikon der sächsischen Mundarten zusammengestellt worden ist; die 
sächsische Sprache galt ja für so mustergiltig , dass Fulda in seinem „Ver- 
suche einer Idiotiken -Sammlung*' (1788) klagt: „Es gibt Leute, welche alle 
Wörter, die der Gebrau ch in Sachsen nicht gestempelt hat, von hochdeutschen 
Schriften gänzlich ausgemärzt haben wollen!** 



Einleitung. XI 



sten — ist weder die saumseligste noch auch die übelklingendste und 
ungemüthlichste! 

Was soll man indas Wörterbuch einer bestimmten Mundart IV. 
aufnehmen? Das war eine wesentliche und keineswegs leichte Frage. 
Man kann sagen: ,Jn eine solche Sammlung gehören nur diejenigen 
der Schriftsprache fremden Wörter, welche einzig und allein 
in der betreffenden Gegend gebräuchlich sind, im übrigen 
Deutschland aber nicht angewandt werden/' Dabei ist nur ein 
kleines Hindemiss. Wer ein solches Wörterbuch anlegen wollte, müsste 
vollendeter Kenner aller Dialekte der deutschen Lande sein, 
und er würde schliesslich sehr wenig zu verzeichnen haben, gleichviel 
welche Mundart er schildern wollte. Durch die Freizügigkeit, zum Theil 
auch durch humoristische Schriften, ist eine Wanderung von Provinzialismen 
befördert worden, welche den verschiedensten Gegenden immer neuen mund- 
artlichen Stoff zugeführt hat; unendlich schwer würde es sein^ zu sagen, 
was dem oder jenem Landstriche ausschliesslich zukommt. Zu welchen 
Selbsttäuschungen und Missgriffen man dabei kommt, zeigen uns ältere 
Sammler sehr belehrend. Professor J. G. Bock z. B. verspricht in seinem 
yjdioticon prussicum'' (1759) nur die Ausdrücke und Bedensarten auf- 
zunehmen, „welche allein in hiesigen Landen gebräuchlich sind''; 
aber in seiner kleinen Sammlung von 86 Seiten gibt er gegen 70 Wörter, 
welche auch in Leipzig gäng und gäbe sind, und ausserdem eine ganze 
Anzahl solcher, welche — wenigstens heutzutage — Schriftdeutsch sind. 
Fulda fQhrt in seinem „Versuche einer allgemeinen deutschen Idiotiken- 
Sanmüung** (1788) nicht nur eine Menge gut schriftdeutscher Wörter als 
Provinzialismen auf, er erklärt sogar manche gut hochdeutsche Wörter, 
indem er mundartliche Bezeichnungen anwendet, die man heute kaum 
allgemein versteht. Als Dialektwörter gibt er unter vielen andern: 

Aengerling, Aar, verblüfft, Bottich, buttern, fade, Finte, flackern, 
flimmern, Frömmling, Makel, Magd, maischen. Bind, ringeln, schwank, 
schnippisch, Zwinger, Zwirn. 

Zu folgenden gibt er die beigesetzte Erläuterung: 

Aengerling: Erdwurm, der zum Käfer wird; Brodem: Bradem; 
Böttcher: Küfer; Deut: Pfennig; Dolde: Spitze; Dohne: Vogel- 
schlinge; Dorsch: Kablyau; drollig: lustig, lächerlich; schnurrig: 
drollicht (!) ; dröhnen: zittern; Drohne: Brutbiene; Eiderdon:Schwanen- 
fell; Eller: omus (nur lateinischl); Elf: Berggeist; Falter: Papillen; 
auf Jemand fahnden: zu fahen suchen; Ferse: junge Kuh; Hausflur: 
flausöhm; Föhn: Südregenwind; Frischling: kleines wildes Schwein; 
Fusel: stinkender Branntwein; Gurke: Kümmerling; Gallerte: schleimige 
Kpnsistenz; Larve: Puppe, Vermummung; Lauwine: fallender Schnee- 
Humpen; Lefze: Lippe; Matte: geflochtene, gewobene Decke, Wiese; roch: 
odorabat; rann: fluxit; Weste: camisia; zieren: ornare; Ziege: ca- 
pella; schmuck: schön; ich mag: ich will; Stutzer: hochmüthiger 
junger Mensch; Wamms: Kleid; Zipfel: Spitze; Zickzack: Spitzen hin 
und her! 

Gerade umgekehrt gibt das Idioticon austriacum von 1824 Lippe 
als Dialektwort und erklärt es durch Lefze, für Binder (Fassbinder) setzt 
es Böttcher als hochdeutsch, welches Fulda als Provinzialismus gab. 



XII Einleitung. 



Wohl möglich, dass in den hundert Jahren, welche seit dem Erscheinen 
des Werkes von Fulda verstrichen sind, manches Wort, das damals nur 
landschaftlich gebraucht wurde, Gremeingut des ganzen Volkes geworden 
ist. Und — beiläufig bemerkt — zu meiner Freude habe ich gefunden, 
dass gerade eine ziemliche Menge „sächsischer'' Wörter in den hoch- 
deutschen Wortschatz übergegangen sind.*) Uebrigens wurde es auch 
mir oft schwer, zu entscheiden, ob Etwas für provinzial oder für Schrift- 
deutsch anzusehen sein möchte. Falls ich dabei manchmal geirrt habe, 
möge man es bei der Anzahl von mehr als viertausendsechshundert 
einzelnen Artikeln entschuldigen. 
V. Wenn es nicht thunlich erschien, den bisher bezeichneten Weg zu 

betreten, so blieb die andere Wahl, Alles zu verzeichnen, was nicht 
Schriftdeutsch, aber in der Leipziger Mundart gebräuchlich 
ist, gleichviel, ob es in dem oder jenem Dialekt deutscher 
Zunge ebenfalls bekannt ist. Ungemein viele unserer Ausdrücke und 
Wendungen leben auch in anderen G-egenden : sie. gehören in grösserem 
oder geringerem Grade der allgemeinen deutschen Volkssprache an; 
das wird kaum Jemand lebhafter empfinden als ich, weil ich bei meiner 
Sammlung fortwährend bemüht war, Vergleiche zwischen unserem Dialekte 
und den übrigen deutschen Mundarten anzustellen, soweit mich dazu der 
Stoff befähigte, welchen ich theils aus ähnlichen Sammlungen, theils aus 
mundartlichen Schriften, theils aus dem persönlichen Verkehr in den ver- 
schiedensten Gegenden zusammengebracht habe. Durch solche Vergleiche 
und durch die Verweise auf fremde Sprachen, hoffe ich, wird diese 
Arbeit auch weitere Kreise ansprechen und doch wohl hin und wieder 
einen dunkeln Punkt aufklären helfen. Die Ausnutzung des Eingeheimsten 
für die Zwecke der Sprachforschung überlasse ich gern den Männern 
der bezüglichen Wissenschaft. 
VI. Mein Streben als Sammler, das mich fast zwanzig Jahre beschäftigt 

hat, ging dahin, mit aller Vorsicht aufzuzeichnen; ich habe Nichts 
erfunden , nur das wirklich Vorhandene zusammengestellt und glaube, in 
dieser Hinsicht volle Glaubwürdigkeit beanspruchen zu dürfen. Die 
Arbeit war im Scherze begonnen, bald aber wurde sie unterhaltend und 
lehrreich und daher mit Ernst und Eifer weitergeführt. Nennenswerthe 
Vorarbeiten fand ich nicht; in grosser Zahl fand ich aber Mit- 
arbeiter, namentlich unfreiwillige aus den verschiedensten Schichten 
in Stadt und Land, welche mir schätzbare Beiträge lieferten, habe auch wohl 
der Beobachtung halber manche Gesellschaft besucht, deren Dunstkreis 
ich sonst willig gemieden hätte. In Flur und Wald, in Kirche und Schule, 
im Theater und auf dem Exerzierplatze, auf dem Markte und in der Werk- 
stätte, im Festsaal und im Schosse der Familien — überall fand ich 
Ausbeute, die reichste aber in Volks-, Arbeiter- und Vereins- 
Versammlungen, deren ich während einer 25jährigen Thätigkeit als 
Berichterstatter oder als Stenograf an die 4000 besucht habe. Der Be- 
richt, welchen ein Eeichstagsabgeordneter seinen Wählern abstattete, der 
Gedankenaustausch zwischen zwei Kaufleuten, das Gespräch der Vorüber- 



*) „Die reinste Quelle neuer Aasdrücke liegt in der Wiederbelebung alter, 
vergessener Wörter." (Disraeli). 



Einleitung. XHI 



gebenden auf der Strasse oder dem Spaziergange, das Geschwätz der 
Kaffeeschwestem und das Geplauder am Stammtische, das Wort, welches 
der pflügende Einecht an sein träges Gespann richtete — Alles wurde 
seit Jahren und mit Ausdauer auf seinen Feingehalt an Mundartlichem 
geprüft, und nicht selten hat mir die Bewegung meines Stiffces unverblümte 
Anzüglichkeiten eingetragen, wenn man meine kleine Absicht merkte und 
— verstimmt wurde. Trotz der so lange und eifrig fortgesetzten Be- 
mühung kann von einer unbedingten Vollständigkeit bei dieser Samm- 
lung natürlich ebensowenig die Eede sein wie bei irgend einem Wör- 
terbuche. „So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig, man muss sie für 
fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das Mögliche gethan 
hat". Absichtlich weggelassen wurden unfläthige Ausdrücke, 
welche das Buch auf dem Familientische, wo ich es gern sähe, unmög- 
lich machen würden. Eine zu weit gehende Zimperlichkeit konnte indess 
auch nicht massgebend sein. 

Fast gleichzeitig mit mir hatte Prof. Dr. med. Merkel eine gleiche 
Sammlung begonnen ; wir haben dann vielfach über die Sache verhandelt, 
und nach seinem Tode (1875) sind mir seine Papiere übergeben und ge- 
wissenhaft von mir benutzt worden. Von den Freunden, welche mich 
durch eigene Aufzeichnungen unterstützten, muss ich vor allen den 
Schriftsteller Theodor Oelckers nennen; er war ein geborener 
Leipziger wie ich selbst. 

Wohl mag man unserer Mundart geringere Bedeutung zumessen als VII. 
mancher anderen, die sich namhafter Schriftsteller — wie eines Grübel, 
Castelli, v. KobeU, Hebel, Groth, Eeuter — rühmen kann; immerhin bie- 
tet sie dem sinnigen gemüthlichon Freunde der Sprache manches An- 
ziehende, manch treffendes Wort, welches durch ein hochdeutsches nicht 
gedeckt wird, manch kerniges Bild, manch launige Wendung, auch manch 
Verlorengegangenes aus grauer Zeit, manch altehrwürdigen Stamm. *) Für 
den Eeichthum unsrer Eede bietet das „Wörterbuch" zahlreiche Zeug- 
nisse, ihn deuten schon die vielfachen Verweise von einem Artikel zum 
andern an — man vergleiche z. B. die 18 Ausdrücke för entwenden, 
welche unter k a z e n zusammengestellt sind, die 18 für verschwenden, 
durchbringen unter verjuchheien. Hier nur noch ein paar Belege. 

Für die verschiedenen Arten des Eedens haben wir etwa ein hal- 
bes Hundert Bezeichnungen, während uns auch alle bezüglichen schrift- 
deutschen Worte geläufig sind. Ein gemüthliches Plaudern nennen 
wir: bapeln, kusen, schmusen, labern, schläwern; zieht es sich 
mehr in die Breite: labern, wer es mit gewissem Eifer betreibt: storcht. 
Wenn Jemand zuviel schwatzt, zu weitwendig oder verworren schwadronirt, 
so heisst es: er gärt, kohlt, quatscht, quasselt, mährt, machte 
Merrettig, viel Sems oder Sums, er sumst 'was Ehrliches zusammen, 
macht enen gehörigen Qualm, e grossen- Qua ddr ich, einen Salm, 



*) „Unsere Sprache im Grossen und Ganzen ist keine Ausartung der neu- 
hochdeutschen Scnrift- und Theater-Sprache, sondern — wenigstens zum grossen 
Theil — ein traditionelles Stück alter guter germanischer Volkssprache*' (Merkel). 
Nichts ist d^er lächerlicher , als über die althergebrachten [Eigenheiten eines 
Dialektes zu lachen. 



XIV Einleitimg. 

"1 



einen schönen Quazig, Thätich, Madabbrich, Schlamassel, Säu- 
rich, ein Gresäure, er redet Blech, Messing, geschwollen. Eohes 
Sprechen nennt man blöken, grölen, gaken, gäken, gackern — ein 
ungeschicktes, undeutliches: dätschen, dalschen, talken, dräh- 
nen, bappern, bäppern, gnergeln^ nusseln, nuscheln, mauscheln, 
meckern, murksen, grunksen; eine weinerliche, marklose Sprache 
heisst: Quängelei, Pinselei. 

G^eld heisst Bims, Kies, Moos, Spiesse, Knöppe, Nieten, 
Moneten, Moses und die Profeten, neuerdings auch Asche. Wer 
gar keins mehr besitzt, hat keinen Boscher, keinen Silbermorgen, 
keinen Neukrüpel, keinen Nickel, auch nicht einmal ein bischen Both- 
buchnes mehr. 

Vielfache Schattirung gibt es für die Arten des Grehens, Wer ge- 
mächlich oder lässig wandelt, der bummelt, dusselt langhin, 
latscht, schlumpt, stapelt, zottelt, zumpelt, sockt, schlän- 
gelt sich hin. Wer ungeschickt geht, hapelt, humpelt, tumbelt, 
macht er dabei grosse, schwere Schritte, so stulkst er oder talpt, 
tappt, sappt, trappst, stakt, — sind die Schritte klein, so hippelt, 
tappelt, trippelt oder hickst er. Eiligen Gang bezeichnen: aus- 
kratzen, die Beine untern Arm nehmen, galöppern, klabastern, 
wetzen, losfledern, drauflos strampeln, hinrasseln, 'nunter- 
rasaunen, hinstürzen, hineisen. Für einfaches Fortgehen sagt 
man: fortmachen, abfahren, absegeln, abziehen, absocken, 
abstiefeln, abhuppen, alle werden, sich drücken, sich ziehen, 
sich quetschen, verduften, die Klinkein die Hand nehmen u.s.w. 
Das Kapitel vom Trinken und Betrinken ist natürlich reich be- 
dacht; Lichtenbergs bekannte Sammlung Hesse sich leicht vermehren, 
aber — drollig genug — gerade die dahin gehörigen „Fachausdrücke" 
haben wohl sämmtlich die Bunde über ganz Deutschland gemacht! Auch 
unsere Mundart würde da wohl kaum Etwas bieten, was unser eigenster 
Besitz wäre, es müssten denn etwa Eedensarten sein, wie: er ist betrun- 
ken wie eine Eadehacke oder: wie eine Sackstrippe, oder: er sieht 
e Fuder Heu für ene Pelzmütze an! 

nil, Ueber den Werth, welchen eine wenn auch in engen Grenzen lebende 
Mundart für die Geschichte der Sprache hat, braucht man wohl heut 
kein Wort mehr zu verlieren. Auch ich glaube, eine nicht ganz unnütze 
Arbeit gethan zu haben; übrigens denke ich genau, wie Johann George 
Bock, „der Akademie zu Königsberg Professor Ordinarius", welcher in 
der Vorrede seines 1759 erschienenen Idioticon prussicum in ehrlicher 
Deutlichkeit sagt: „Um diejenige so dieses gantze Geschäfte vielleicht für 
eine unnöthige Klauberey und eine Arbeit müssiger Köpfe halten 
dörften, bin ich gantz unbekümmert. Ich verliehre an ihnen nichts 
mehr als eine sehr geringschätzige Mithülfe und einen Beifall an dem 
mir gar wenig gelegen ist; ja ich werde mich an dergleichen Tadlern 
schon sattsam genug dadurch gerochen finden, weil sie selbst ihren 
Unverstand vor den Augen der klugen Welt merklich zu erkennen geben". 

X. Schliesslich einige Bemerkungen über die Einrichtung des Buches. 

In der Schreibweise habe ich mich an die sogenannte Orthographie 
gehalten, wie sie herkömmlich ist, sonst würde das Verständniss manch- 



Einleitung. XV 



mal erschwert worden sein; freilich aber musste ich hin und wieder den 
nnbeholfenen Buchstaben durch allerlei Mittelchen nachhelfen. Wörter, 
welche sich bloss durch die provinzielle Aussprache vom Hochdeut- 
schen unterscheiden, sind nur in einzelnen Fällen aufgenommen worden, 
z. B. Aebeme, hegen, Dacht; Ebillet, duse und manche andere, welche 
kaum noch zu erkennen sind. — Bilder und Bedensarten, welche 
nicht selbstverständlich sind, haben Berücksichtigung gefunden; letztere 
stehen unter dem betreffenden Substantiv, wenn sie eines enthalten. 

Leipzig, 18. Oktober 1880. 



Karl Albreelit. 



Abkürzungen. 



A. allemaniiisch. 
Ab. Altenburg, 
ahd. altbocbdentscb. 
An. Ansbacb. 

Ap. Appenzell. 

An* Angsbnrg. 

B. Baiern. 
Bg. Berg. 
Bö. Böbmen. 
Br. Bremen. 
Brl. Berlin. 
Bsl. Basel. 

Bspr. Banemspracbe. 

D., Di. Ditbmarscben. 

Da. Danzig. 

dän. däniscb. 

Dd. Dnderstadt. 

Drsd. Dresden. 

E. Elsass. 

Eg. Erzgebirge. 

engL engfiscb. 

F., Fr. Franken. 

franz. französiscb. 

Fri. Friesland. 

Gl. Glatz. 

H., Ho. Holstein. 

Ha. Hamburg. 

Hb. Henneberg. 

bebr. bebräiscb. 

Hi. Hildesbeim. 

HL Halle an der Saale. 

Hob. Hobenlohe. 

boU. bolländiscb. 

Bi. Hannover. 

Hss. Hessen. 

Hz. Harz. 

J. Jülicb. 

K. (C.) Koblenz. 

L. Lausitz. 

lat. lateinisch. 

Lpz. Leipzig(er). 

M. Mark, märkisch. 

Mb. Mecklenburg. 

Me. Meseritz. 

mbd. mittelhochdeutsch. 

Mü. München. 



N. 

Na. 

ND. 

NR. 

NS. 

N.Th. 

O.D. 

Oe. 

Os. 

OS. 

P. 

Pa. 

Pf. 

Po. 

Pol. 

port. 

PP. 

R. 

Rh. 

Rl. 

Rw. 

S., Schi. 

Sb. 

Sbg. 

Schott. 

Schw., Sn, 

schwed. 

Sdt. 

SD. 

Sl. 

span. 

St. 

Stb. 

Str. 

Sz. 

T., Tir. 

Tb. 

V. 

W. 

Wb. 

Wf. 

Wn. 

Wü. 

Ww. 

Zeh. 



Nürnberg. 

Nassau. 

niederdeutsch. 

Niederrhein. 

Niedersachsen. 

Nordthüringen. 

oberdeutsch.. 

Oesterreich. 

Osnabrück. 

Obersachsen. 

Posen. 

Paderborn. 

Pfalz. 

Pommern. 

Polen. 

portugiesisch. 

Provinz Preussen. 

Ravensberg. 

Rheinland. 

Ruhla. 

rothwelsch. 

Schlesien. 

Salzburg. 

Siebenbürgen, 

schottisch. 

Schwaben. 

schwedisch. 

Sudeten. 

süddeutsch. 

slawisch. 

spanisch. 

Schwein fürt. 

Strassburg. 

Steiermark. 

Schweiz. 

Tirol. 

Thüringen. 

Vogtland. 

wendisch. 

Würtemberg. 

Westfalen. 

Wien. 

Würzburg. 

Westerwald. 

Zürich. 



Abgekttrzte Bflchertltel : 



Bernd, Posener Idiotikon. 

Böhme'sHoraz, TJebersetzung ; Dres- 
den. 

Grimm, Deutsches Wörterbuch. 

Jobs. = Jobsiade v. Kortum. 

Rondeau, teutsch-frantzös. Wörter- 
buch, Leipz. 1731 f. 

Rtr. ~ Fritz Reuters Werke. 



Rüdiger, Sprache der Menschen in 

Thüringen. 
Vilmar, Hessisches Idiotikon. 

Unter Gramm, und W.-B. sind die 
Theile des vorliegenden Buches 
„Grammatik und Wörterbuch" 
zu verstehen. 



Inhalt, 



Grammatik. 



Erster Albsclmltt. 

Lautlehre. 



A. Die Vokallaate im Allgemeinen § 1. 
Ihre Kürze und Lange § 2—11. 
Ihre Verflüchtigung § 12. 
Verflüchtigung unbetonter Worte § 1 3. 

B« Aasspraehe der einzelnen Vokal- 
laute § 14—65. 

€• Die Konsonanten § 66—109. 

I. „Harte und weiche" Buchstaben 

§ 66—68. 
II. Hauch- U.Gaumenlaute § 69—78. 

III. Lippenlaute § 79—87. 

IV. Zahn- oder Zungenlaute §88—97. 
V. Schmelzlaute § 98—109. 

D. VerkftrziingderWOrterS 110—127. 

I. Ausstossung von Selbstlautern 
§ 110— in. 



U. Ausstossung von Mitlautern 

§ 112—123. 
in. Ausstossung ganzer Silben 
§ 124—127. 

E. Vorlängerang der WOrter 

§ 128—148. 

I. Zusetzung von Selbstlautern 

§ 128—132. 
II. Zusetzung von Mitlautem 

§ 133—147. 
III. Zusetzung ganzer Silben § 148. 

F. Versehiebang des Worttones §149. 

G. Dmdeatsehang unverstandener 

Wörter § 150—151. 

H. Sammlung anfTallender Beispiele 

§ 152—154. 



Zweiter Abschnitt. 



Wörterbildung. 



I. HaoptwOrter § 155—168. 

1. Mit der Endung e von Eigen- 

schaftswörtern § 155. 

2. Mit der Endung e von Zeit- 

wörtern § 156. 

3. Mit der Endung de, te § 157. 

4. Mit der Endung er, el § 158. 

5. 6. 7. Mit der Endung ich, rieh, 

ieht, age § 159—161. 

8. Mit der Endung ei § 162. 

9. Mit der Endung ian § 163. 

10. Mit der Endung s § 164. 

11. Einzelnes § 165. 



12. Eigenschaftswörter und Parti- 

zipien als Hauptwörter §1 66 a. 

13. Absirakta im Sinne Yon Eigen- 

scbaftswörtern § 166 a. 
14—24. Eigennamen als Gattungs- 
namen § 166 b. 

II. VerkleinernngswOrter § 167. 

III. Zusammengesetzte HanptwOrter 

§ 168. 

rv. Eigensehafts Wörter § 169-171. 
1. Mit der Endung ich, ieht, 
Uch, iseh § 169. 



XVIII 



Inhalt. 



2. Partizipien als eigenthüm liehe 

Eigenschaftswörter § 170. 

3. Adverbien als Eigenschafts- 

wörter § 171. 
V. Adverbien § 172—175. 
VI. Zeitwörter § 176—180. 

1. Nebenformen hochdeutscher 
Zeitwörter § 176. 



2. Mit den Vorsilben be-, ver- 

§ 177. 

3. Mit den Vorsilben aas^^^e- § 1 78. 

4. Zeitwörter von Ortsnamen § 1 79. 

5. 6. Eeflexive Zeitwörter § 180. 
7. umschriebene § 180. 



Dritter Abschnitt. 



Wortbiegung. 



I. HaaptwKrter § 181—183. 

1. Abweichunff in Geschlecht und 

Endung § 181. 

2. Mehrheitsformen § 182. 

3. Deklination § 183. 

II. Artikel § 184—185. 

1. Bestimmter Artikel § 184. 

2. Unbestimmter Artikel § 185. 

HI. Eii^^ensehaftswKrter § 186—188. 
IV. Zahi werter § 189. 

V. Fürwörter § 190—196. 

1. Personenwörter § 190—192. 

2. Besitzwörter § 193. 

.3. Hinzeigende Fürwörter § 194. 

4. Rückbezügliche § 195. 

5. Fragende § 196 a. 

6. Unbestimmte § 196 b. 

VI. Hilfszeitwörter § 197—202. 

Haben 1 97 ; sein 1 98 ; werden 1 99 ; 
dürfen, können, sollen, wollen, 
200—201 ; — thun 202. 

VU. Zeitwörter § 203—213. 

1. Zeitwörter auf nen § 203. 



2. Zeitwörter auf den, ten, then 

§ 204. 

3. kennen, nennen, rennen, bren- 

nen § 205. 

4. Schwache Abwandlung anstatt 

starker § 206. 

5. verderben, löschen, schmelzen, 

quellen, schwellen, hängen, 
erschrecken, schleifen u. s. w. ; 
— stecken, laden § 207. 

6. StarkeAbwandlung§ 208—213. 

vm. Verhältnisswörter § 214—219. 
Bei 214; gegen 215; wegen, 
halben, statt 216; zwischen 
217; vor, für 218; auf, mit, 
von u. 8. w. 219. 

IX. Bindewörter § 220—222. 

Ihr eigen thümlicher Gebrauch: 

als wie, da, und, derweile, ehe, 

so, bis, ob § 220. 
Ueberflüssi^^e Bindewörter: dass, 

denn wefl, um damit § 221. 
Weggelassene Bindewörter § 222. 



Vierter Abschnitt. 



Zur Satzlehre. 



A. Gebraucli der Kasus § 223—232. 

1. Genitiv § 223—29. 

2. Dativ § 230—32. 

B. Gebraueil der Zeitwortsformen 

§ 233. 

C. Wortfolge im Satze § 234—240. 

1. 2. Adverbien § 234. 

3. Unbestimmter Artikel § 235. 



4. Eigenschaftswörter § 236. 

5. aUe § 237. 

6. wieviel u. s. w. § 238. 

7. Vorsilben § 239. 

8. Hilfszeitwörter § 240. 

D. Weglassung von Wörtern § 241, 

E. Ueberflassige Wörter § 242. 



Wörterbuch Seite 71—243, 



GRAMMATIK 



BEB 



LEIPZIGER MÜNDART. 



Erster Abschnitt. 
Lautlehre. 

A. Die Yokallaute Im ülgemelnen. 

Die Selbstlaater haben in der Leipzi|^er Aussprache eine gewisse, der § 1. 
flachen Gegend entsprechende, weichliche äreite; sie kommen weniger ans der 
Kehle als nur ans dem Mnnde, sie haben keine Tiefe wie in Gebirgsgegenden, 
sie werden nicht so stark gehaucht, rassehi nicht so heftig an das Ohr wie 
z. B. beim Wiener, prickeln nicht so wie bei dem Hochtone des Berliners; sie 
haben aber auch weni£^ Metall, keine einschmeichelnde Abwechselung des Klanges, 
welche dem Ohre wohlthate. Die verwandten Lantabstnfungen, welche gleichsam 
um einen halben Ton von einander verschieden sind, werden in Eins zusammen- 

Seworfen; so klingen al, eu, äu nur wie ei, ü und i haben gleichen Klang, 
und werden durch e vertreten n. s. w. ; es ist z. 6. kein Unterschied zwischen 
Feier und Feuer, heiser und Häuser, sie rieben und Rüben, le^en, sie lägen 
and sie lögen. Für das Verständniss muss — wie ja so oft — der Zusammen- 
hang sorgen; indess macht sich mitunter die Mundart auch ihre eigenen Haus- 
mittelchen pfiffig zurecht, um gar deutliche Unterschiede herzustellen. Auf 
cUese werden wir an verschiedenen Stellen zurückkommen. 

Die Kürze und Länge der Vokale wird nicht immer richtig beobachtet, § 2. 
obschon wir im Dehnen der Silben nicht so weit ^ehen wie der Wiener, im 
scharfen Abstossen nicht so weit wie der Berliner in vielen Fällen (z. B. in: 
Glas, Tag, Schlag, Jagd, Bad). 

1. Langesa statt eines kurzen sprechen wir z. B. in: Anis, Antlitz, Masche, § 3. 
Afrika; langes o für 5 in Carolus (so selbst in Aachen, wo er so oft genannt 
wird) u. in Carola. Das Yerhältnisswort an wird kurz gesprochen, z. B. an 
mich, die Vorsilbe an aber lang, z. B. in: ankommen, er nahm es an, lang 
selbst in Namen wie :Anschütz. Auch in den Zusammensetzungen : daran, hinan, 
heran, voran, nebenan, obenan, bergan u. s. w. spricht man es meist lang. Die Prä- 
position nach ist kurz, das Adverb lang: „Er kam uns nach Dresden 
nach;'' vgl. Nachfolger _u. Nachbar^ s. vor, § 32. — Die Bauern sagen laasen 

f. lassen (alte Form), alt, kalt, Gärten, warten; Sz.; manche Leute sprechen 
das ä in nachlässig lang. Schwankend ist die Quantität des ä in Städte, 
Städter, städtisch, und des a in der Nachsilbe sam, wie in langsam, sparsam. 

2. Das e wird gedehnt in Elle (V., Fr., Jobs.), retour, lutherisch, in letz- § 4. 
terem Worte selbst auf der Kanzel, aber nur im Sinne: nach Luthers Lehre; 
dgg. die lutb^rsche Bibel, Sprache, Zeit. Das i ist lang in Musik, Kolibri, 

das XL in Schmutz (man schreibt auch: Schmuz), Kunze u. s. w. — Will Jemand 
aus Entrüstung recht nachdrücklich Etwas zurückweisen, so spricht er: „Das 
verbiet ich mir'S verbidde wäre zu schwächlich für seinen Ernst. Ebenso: 
ich werde mir Urlaub erbeten (f. erbitten). 

3. Verkürzung langer Silben tritt häufiger ein, weil man eben die § 5. 
Wörter flotter machen will; so spricht man: 

& in: aber (=» awr, V.), Ader, Athem (*=» addn), Fabel, gab (holl. gäf), 
Gabel, Grab, ich habe (wie mhd.), ihr habt, Haselnüsse, Kasimir, Masern, Nabel, 

Albrecht, Leipz. Mundart. \ 



2 §. 6—12. 

Nadel, schmal, Schnabel, Tadel, diese jedoch meist nur in der Bspr.; der 
Städter sagt z. B. nie: eine Gabbl, sondern eine Gäfel. In wahrlich ist die 
Verkürzung zur allgemeinen Regel geworden, in wahrscheinlich ist sie auch 
bei Gebildeten sehr beliebt ; ebenso spricht man allgemein Chärfreitag neben 
Chärwoche. Anstatt Bazär sagt man Bäzer. — Die Zeitwörter auf-aden,^ 
-athen werden verkürzt, wenn ein t in der Endung steht, z. B.; er bädt 
sich, sie wädten durch, das schadt nischt, er rät't mir, ufigelädt; s. § 204. 

§6. 4. ä wird verkürzt in: Schädel, schläfern, schmäler, zählen, erzählen, 

(mhd. bezellen); s. auch § 3 E. 

§7. 5. e in: Feder, Leder (das Leddr ist ^ Leder, die Leddr = Leiter), ledig, 

schwerlich, Predigt (ND.), jener, Eddelsteene (Schi, ädl f. edel), Ellefante, 
Merrlinsen f. Meerlinsen. Zehn ist lang, aber in 13, 14, 15 u. s. w. klingt die 
zweite Silbe nur wie z'n: — dreizn, verzn, fuffzn, neinzn u. s. w. — Leddern 
ist: aus Leder, ledern aber ist: langweilig. — Die Zeitwörter auf edenund 
eten haben dieselbe Verkürzung wie jene auf aden, athen (s. § 5): reden: 
er redt; ebenso: er bätt f. betet, errette mich f. rettete; sie hat gebätt f. ge- 
betet; sie hat gebett f. gebettet; ihr wett gestern f. wettetet. — Ich sehe, 
aber: ihr sett; sett'r'sch = seht ihr es. 

§8. 6. i ist kurz in: wider und wieder (Th.), Wiesel (Th.), sich f. sieh, in 

Bspr. auch: ich blieb, rieb, schrieb, und im Munde vieler Gelehrten die 
Grichen und Grichenland ! I — Ich kriege, sieben, Spiess sind lang, aber er 
kriegt, du kriegst, siebzehn, siebzig, Spiessruthen kurz. Der Schmied, die 
Schmiede mit kurzem i; schmieden lang, er schmiedet aber ^ Schmitt; mhd. 
smitte, Schmiede. Der Positiv lieber ist lang, der Komparativ lieber kurz, 
besonders in der Lieblingsredensart lieber gar! Die Fiedel ist bald kurz, 
bald lang, fiedeln nur kurz (Tb.). Du gibst, er gibt sind so kurz wie Gift, 
Stiefel klingt Stiwwl und Stewwl; Zwiebel = Z wiefei und in Bspr. Zwiwl; ' 
— sie schwankt ie nach der Betonung zwischen si, si, se und s\ 

§9. 7. wird verKürzt in: Polizei (= BoUezei), Bspr. in: Boden, er bot, ge- 

boten, Honig (ND.), Kohlrabi, Cholera, fodem, Aolibri (= gollibri), Hof, 
Odem (oddn), geloffen (gelaufen, V.), ich zog, er flog (dagegen der Flok = Floh). 
Ich hole ist lang, hohl kurz, z. B. eine holle Babbel (Pappel); vgl. Hollunder. 
§10. 8. ö ist kurz in: nöthigen (neddigen), Bspr.; in grösser, Th., schöner, Th., 

wenn sie Komparative sind (also wie bei lieber, §8; ebenso heisst in Sdt. die 
Steigerung von schien ^ schön : schinner). Von hoch ist Komparativ höher und 
höcher, der Superlativ der höchste. , 

Hl. 9. u wird in Bspr. verkürzt nur in: Stube, Th. schlug; fl in über, hin- 

über, herüber, darüber. 

Verflüchtigung der Vokale. 

H^* 1- Für jeden kurzen Vokal tritt häufig e ein, namentlich in den unbetonten 

Silben länfferer Wörter, besonders Fremowörter; z. B. e f. a: Parlement (wie 
engl.), rebberiren (repariren), Reimedissen (Rheumatismus), Breid'chen f. Bräu- 
tigam, Sakrement, Desdement, Vag^ebund, Bare^raf, auch Barrigraf für Para- 
graf, Eedischen, Bagetelle, strabbeziren (während das Hauptwort S trab az che, 
Strawäzche lautet), regommendiren (rekommandiren), Posementier, Be- 
winzchen (Rapunzel), Rebundika, Megister (ßiyiaxoq), Rebarber (dem 
Rheum barbarum entsprechend), Gombenie (Kompagnie), Bäzer (f. Bäzär) ! So 
besonders auch in Endungen von Eigennamen (so wie: Rose, Amande f. Rosa, 
Amanda) z. B. : Borne, Tauche f. Borna, Taucha, Gode f. Gotha, Beiche f. Beucha; 
Gorwede f. Corbetha. Die Dörfer Gross- u. Klein- Pössna heisseu: de grosse 
un de gleene Bese; erhalten wird das a z. B. in Eythra. (Das Städtchen 
Rötha wird Rede ausgesprochen; nun lieh einmal Jemand einem Manne in 
Borna Geld; der Affegade setzte eine Schuldverschreibung auf und las sie 
den Betbeiligten vor. Als er an die Worte kam: „zu verzinsen ist das in Rede 
stehende Kapital", unterbrachen sie ihn: „nee, in Borna steht's, nich in 
Rede.) — Die Nachsilbe sam wird mitunter, bes. in Bspr., sen, s'n gesprochen: 
das is was seltsenes, das isst sich recht rathsn (rathsam, das heisst: man 
braucht nicht viel davon) ; arbeits'ne Leute (auch arbeit 'sehe), sparsen f. sparsam, 
Sdt.; s. dagegen § 3. — Bspr. auch erber f. ehrbar, sogar nur erbe; Eg. — 



§ 13—15. 3 

In der Vorsilbe ge wird das e oft ausgestossen : zur G'snndheet, gesegnete 
Mahlzeit; Wn. 

$ f. I: BoUezei, delegat, Resedenz, Uneform, gorrechiren (korrigiren), fre- 
siren f. Polizei, delikat, frisiren; — knlteviroD, Massekanten, Elarrenette, Mil- 
ledär f. Militär. 

e f. ie: Emile, Bosale, Jale. 

e f. o: Hibbedek f. Hypothek, Jehanne oderGehanne f. Johannis, Restera- 
tioD, Gaddelicke f. Katholik (daneben aber gadölsch oder gardölsch f. katho- 
lisch). Citternat (so schreibt Johannes Falk, f. Citronat), Schockelade, Hole- 
fernes, Honerar, Fottegrafe, Liddegrafie, Ordegrafie, Advegate, reselvirt, resselut 
f. resolut, Baremeder, Dermemeder, resseniren (raisonniren) , Gilchedine f. 
Guillotine, Reffelluzchonf. Revolution. 

e f. u: Dokement, Monement, spekeliren (auch spickeliren), Fakeltät, popelär, 
titteliren, bekehren (pokuliren), inseltiren, konseltiren, Gor'gemeh f. Karkumae, 
Jesewite f. Jesuit; graddeliren, aggerade (accarat), Ackesativ, zefrieden, z'rletzt; 
de f. du; bes. nach dem Zeitwort, wie: haste, biste, f. hast du, bist du n. s. w. 

e f. aa in Endungen: Pege, Mucke, Zwenke, Zwicke, Glauche f. Pegau, 
Mockau ü. s. w. Das Dorf Wachau klingt ganz wie eine Wage; erhalten 
bleibt au in: Lindenau, Schönau, Wiederau u. s. w. 

e f. oi in karmesin. 

2. In gleicher Weise werden untergeordnete, unbetonte Wörter im Satze § 13. 
mehr verkürzt als wichtigere; z.B. klingen der, mir, wir, ihr, ja, denn, 
ein, wenn sie nicht den Ton haben, wie: d r, m'r, mr, *r, je, d'n, e, während sie, 
mit Nachdruck gesprochen, lauten: dar, mir, mir, ihr, ja, denn, een. Das Flick- 
wort denn bekommt je nach der verschiedenen Aussprache und Betonung ganz 
verschiedene, sehr aasdrucksvoUe Klänge, die man freilich durch die Schrift 
nicht recht wiedergeben kann; ärgerlich: was wollen Sie denn! — Gleichgiltig : 
was wollen Se d'n? — Nachlässig: was wolFn s'n? — Gemüthlich: was wollen 
Sie denne? bäurisch: was wollen s'enne? 

üeber die Yertauschung der Vokale in betonten oder Stammsilben s. die 
einzelnen Vokale; ausserdem vgl. noch die Kapitel über die stummen Buch- 
staben, § 110—127. 

B. Anssprache der einzelnen Yokallante. 

a. 

1. Das lange a klinc^ nicht ganz rein, es hat einen Anklang von o, jedoch § !-!• 
nicht so stark wie in Th., Eg. u. s. w. Vollkommen zu o wird es, bes. in 
Bspr. z. B. in Dobak f. Tabak, ND., Pf.: Dubak; vgl. Wahn und Argwohn. 

"e tritt für a ein in: ich frege f. frage (mhd. vräge ^ vröge) aber auch „ich 
fra@''y beides Bspr.; Schi.; vgl. hochdeutsch: Adel u. edel, mahlen u. Mehl, 
Hahn n. Henne, Vater u. Vetter. — Die Nachsilbe bar bleibt rein, ausser in: 
Nachb'r. Des Nachdrucks halber setzt man aa für a in: infaum, auch imfaum, 
infamicht; ä f. a: der Rahm (Rahmen). 

2. Das kurze a erleidet verschiedene Wandlungen; oft wird es zu e (vgl. § ^5. 
§ 12 u. die hochdeutschen: Hand — behend, nass — netzen): ich derf, werrlich ^ 
wahrlich, werrlichen Gott = beim wahrhaftigen Gott, Hellsehe Strasse f. 
Hallesche, Schernier f. Scharnier, Schbrpi f. Charpie, elleene f. allein, lieber 
einige Umlaute (ä f. a) s. noch § 182, 6; 187. — Für wann und dann sagt 
man immer wenn (selbst auf dem Schulkatheder 1) und denn; umgekehrt kennt 
man in S. D. nur wann und dann, aber kein wenn und denn, so dass der Ge- 
brauch dieser Wörter jetzt in der That als Unterschied zwischen den Mundarten von 

S. D. und N. D. betrachtet werden könnte. Indess sagen wir doch nicht „denn 
und wenn'S sondern dann und wann. — Das Adverb da bleibt unverändert ; 
wird es aber als eine Art Zuruf angewendet, wenn man Jemand Etwas anbietet, 
hinhält, zureicht, so lautet es „da"; s. da, 4, im W.-B. — Ja, wenn es nicht 
bejahend, sondern blos Flickwort ist, klingt je, z. B. ich habb d'r'sch je ahm 
gegähm (ich habe dir's ja eben gegeben). — Aha wird oft eh^ ausgesprochen. — 



4 § 16—21. 

{ f. a in: Suntig, sont'g, f. Sonntag, Dorschtig (Donnerstag), zu Mittige 

(mitt'ge »s MittM^); auch Dobich f. Tabak; ebenso in Schw., Sdt., Y., Eg., 

Th. — Jasmin kUngt SchismL 
§ IG- 3. o f. i: die Dorre, spottlahm (spathlahm), Solat, bolanciren, einen Sporn 

(Sparren) zuviel haben; Eorakter, ND. 
§ 1'7* 4. ü f. ft Bspr.: Eurakter, Bolangs'che (Balance), Baldrian, ich hatte, 

Lakrezchen f. Lakrizen (liqoiritiae). 



e. 

Die verschiedenen Laute, welche das e im Hochdeutschen hat, die aber je 
nach der Gegend sehr schwanken, wollen wir in folgender Weise bezeichnen: 

1) e ^ e in Henne, Bett ; wie im en^l. hen, bed. 

2) 6 := e in jeder, weder; so wie ee m Beet, Thee, franz. thä, engl, eight. 

3) ^ ^ kurzes ä in Best, Fenster; so wie ä in März, franz. mettre. 

4) ^ = langes ä in Leder; wie ft in Bär, franz. t@te, engl. bear. 

§ ^^« 1. Wir sprechen z. B. e in Better, Vetter, Wette, Kellner, Hesse, besser, 
Teil, bellen, schnell, Schelle, Held, der Belt, Becken, setzen, wetzen, fest, 
Schreck, wechseln, Zettel, Gespenster, Treppe; 

aber ^ in Wetter, Keller, Messe, hell, Fell, Feld, Geld, die Welt, lecken, 
Fetzen, Motzen, Best, Speck, drechseln, Bettel, Schneppe. 

Vor r ist e stets ^ A: gern, merken, Werk, Berg, Herr, derb, gerben (von 
gar). Man unterscheidet ^ssen (speisen) und essen (Schornsteine, früher Oessen 
genannt). 

6 in: heben, jeder, hegen, sich regen, sehr, bescheren, die Wehr. 

6 in: geben, Leder, Degen, der Kegen, Ther, scheren, das Wehr (klingt 
wie: wer, währ' und war*). 

Hier unterscheidet sich unsere Mundart schon ganz merklich von der 
Dresdner und anderen sächsischen; wir sagen: B^de, Kägel, h^gen, l^gen, 
begehren, sehnen, dehnen, Beschwerde, entbehren; die Dresdner sprecnen: Kide, 
Kdgel, h§gen, legen, begdhren, sehnen, ddhnen, Beschwerde, entbehren; wir 
sprechen enre, die Wiener Shre. Wenn man sagt, dass solche Wörter in Süddeutsch- 
land mit 6, im Norden mit d gesprochen werden, so stehen wir hier mitten 
inne, wir sprechen einige so, andere anders; manche schwanken, so: begehren, 
befehden, hegen, entbehren, dehnen, sehnen, doch herrscht 6 vor. — Meter 
schwankt ebenfalls zwischen 6 u. d, während ,,Barometer, Thermometer" nur 
6 haben. Unsere Bspr. setzt oft ^, wo der Städter e spricht, so: das Fest. — 
e f . 6 hört man manchmal in Schwert. 
§ 19. 2. Unterscheidungen: Das W6hr: die Wehr, w§r; die L§hne: das 
L^hen; — das Adjektiv §ben klingt dhm; ebenso das Adverb 6ben «» soeben, 
just; die Verbindung „eben voll" spricht man aber ^hmvull; „der Weg, den wir 
6m (oder Smd) gegangen sind, ist ganz dm; das Glas ist ^mvull (d. h. ganz 
voU, fast zum Ueberlaufen). Nu §m, Lieblingswort der Leipziger f. freflich, 
ja wohl, so ist es u. s. w. 

Bei den Zeitwörtern, in welchen e mit ä wechselt, klingt öfters e = d und 
dagegen ft :» 6; z. B. ich ndhme: ich nähme «» ich nähme; ich g§be: ich gäbe 
«» ^ebe; gäng und gebe «» geng und gäbe. Ich lese (6): ich läse (ä); — so 
auch: ich sehe (6) — ich säe (^ Seee): ich spreche: ich spräche (e). In: ich 
ässe, sie wären (klingt wie : wehren), icn käme klingt ä ebenfalls = 6. Ebenso 
wechseln die kurzen Laute in es erhellt (mitä) und er erhält (mit e). üe ber- 
ingen, unterlagen, erlägen und verlägen sind Zeitwörter, überleben, 
unterlägen, erlägen und verllgeu Eigenschaftswörter; z. B.: „nur üeberl^en 
macht überlägen I*' Gleicher Lautunterschied ist zwischen angelegt und ange- 
legen, gelegt u. geladen; s. noch ä, § 41. 
§ 20. 3. Das tonlose e m Endungen wie el, en, er verschwindet fast ganz: Wed'l, 
Lad*n, Bäd*r; s. stumme Vokale, § HO f. 
\ % 21. 4. i f. e Bspr.: gihn, stihn f. gehen, stehen, ihrscht f. erst; Sdt., V., Th. 
Blutigel allgemein f. Blutegel, P.P.; Mielthau f. Mehlthau (mhd. nur mil-tou). 
Ebenso i f. Ö: sticken f. stecken (§ 207), V.; spickeliren, eine Hinne f. Henne, 



§ 22—29. 5 

ND.; Linial, — Bidienter, bistellen f. Bedienter, bestellen; jizt, jitzig f. jetsst 
n. B. w.; inzwei f. entzwei, s. § 22. 

5. & f. i, bes. in Bspr.: Galender (Geländer), Bareiter, anzwee ^Gebildetere § 22 
sagen inzwei, wie ND., der Ableitung ganz entsprechend), Lavkoi, Baroi^ f. 
Perron, labendi^ (Th. läwig, Y. lami^, lämig), Marrettig (denkt man vielleicht 

an Mähre, Pferd, wie engl, horse-radish ?) ; Rabhahn, B. Bopfhuhn, Bnpfhahn; 
ND. Bapphuhn, schwed. Bapphoner. Im Y. noch häufiger, z. B. gibs Gald 
fer'sch Assen her! (das Geld für das Essen her). 

6. a f. e: — ganz Ungebildete sprechen zu für die Yorsilbe zer: znbrochen, § 22 
znrissen f. zerbrochen, zerrissen. 

7. Für egal sagen Zieräffchen eingal (ND.), verähnlichen es so dem § 24 
einerlei; egal hat den Ton hinten, wenn es „gleichartig" bedeutet, aber meist 
vom, so baldes „einerlei*' heisst; z.^. diese Handschuh sind nicht egal, das 

ist mir aber egal; es ist ihm ^anz egal (nie: ganz egal); will man, im Scherze, 
behaupten, dass Etwas nicht einerlei sei, so heisst es „das ist nicht egal, das 
ist — zwegal!" 

8. Die Silbe e n t in Fremdwörtern klingt — wie anderwärts, auch bei uns — § 2c 
meist ent, z. B. Parlament; wie ang jedoch in: Appartemang, Departemang, 
Meublemang, Commmang, Etablissemang, Gouvememan^, Avancemang, Begle- 
mang (neben reglementarisch), Abonnemang (neben Abonnent), Sangtim. — 
Accent, Fallissement, Transparent, Centimeter werden auf beide Arten ausge- 
sprochen. — Der Moment (momang) ist der Augenblick, dagegen : ein wichtiges 
Moment (moment), ein wichtiger Umstand. 

1. 

1. 6 oder ö, selten e f. i: nur in Bspr.; schöf f. schief; ¥v4de bedeutet § 2( 
Friede und Freude, dagegen heisst Friede nur Gottfried; zufr^den, zufrMen 

f. zufrieden; ich bldb (bald kurz, bald lang) f. blieb, ebenso viele andere Inaper- 
fekte; 8. § 212. Die Schmdle, schmoren f. Schmiele, schmieren; vdl, SpSl, 
W6se f. viel, Sj>iel, Wiese; — Beggl f. Eiegel; vgl. ü, 4. 

2. ei f . i m einigen Wörtern, z. B. er leit, kreit f. liegt, kriegt, P., Y. ; so § 2 ' 
in dem Einderreime : „Schacke, schacke, Beiter! Wenn er fällt, da leit er*'; ein 
Waldweg, „die lange Linie" heisst allgemein „die lange Leine". 

3. e f. 1 oder?; z. B. Stebbeln f. Stiefel, rennen, Bennstein (ND. Eon- § 2i 
stein), Spenat, Schennebein f. Schienbein; Bspr. m^t f. mit, Y.; ben f. hin, 
heogihn = hingehen; wMdr, nMdr f. wider, wieder, nieder. (So heisst in den 
Kohlgärten bei Leipzig ein etwas tiefer liegendes Stück Acker das NMdrstigge 

«= Niederstück.) Becholen oder reolen f. rigolen ; — illuminir^n wird durch die 
Aussprache eluminiren, öUuminiren in Yerbindung mit dem Brennstoff gebracht. 
fr vor Konsonanten wird regelmässig zu er, ebenso irr^^err ; z.B. in Wirbel, 
Kirche, Kirsche (mhd. Kirse u. K^rse, von Kerasos), cirka, Zirkel (le cercle), 
Bezirk, Hirt (mhd. hirte u. h@rte), Schmirgel, irgend, wirklich, Quirl, Schirm 
(mhd. schirm u; schörm), Zwirn, Birne, (jehirn (mhd. hirne u. hörne), Wirth, 
Myrthe, Hirschj Hirse (sprich harsche); Pfirsich = fersche (mhd. phörsich, von 
persica), Geschirr, klirren, verwirren, irren; für Guirlande sagt man: Gerrlande, 
Gar lande (engl.) u. Galande. Bei mehreren weist die Ableitung auf e, wie bei 
Gebirge, Giestirn, wirf, irden. — Kinder bis etwa zum dritten Jahre sind nicht 
im Stande „Birne", zu sprechen ; sie sagen entweder Beme oder, wenn sie das 
i erzwingen wollen „Bihme"; Beme ist = Birne und Pirna. Man vergleiche 
die englische Aussprache von Sir, girl, bird u. s^w. Ganz ebenso geht nun 
kurzes ür in er über, s. ü, 3. — Dagegen bleibt Tr rein, z. B. Zierde, studirt, 
geschmiert (Bspr. geschmort, s. § 26). Mit der Länge und Kürze ändert sich 
daher auch die Aussprache; man sagt: vier, der vierte, aber dasYertel, verz'n, 
verz'g f. Viertel, vierzehn, vierzig; Pf. Yor Vokalen lautet ir nur ausnahms- 
weise = er, z, B. in Tiroler. 

4. en f. r inmitten fremder Wörter: fissentiren, Bressendente, Bardendur, § 2' 
Andenter, Sped enter, Bosendur, (üffendiren, proffentiren f. visitiren, Präsident, 
Partitur, Auditeur, Spediteur. Positur u. s. w.; aus radikal wird rattenkahl; 
pr'äsidiren und präsentiren fallen zusammen in bressendiren ; vgl. § 146. 



6 § 30—38. 

§ 30. 5. Vereinzelt steht a f. i: Gramassen f. Grimassen, Garlande oder Galande 

f. Gnirlande (a gariand, § 28); oder o f. i: Artollerie, Attollerie f. Artillerie; 
profatf. privat, profatum f. privatim. Der First des Hauses heisst Forscht; 
Forstenziegel kündigt man sogar in den Zeitungen an. 

6. Die Endung io (ia) wird oft zu ^ verkürzt, so: Jule, Rosale, Emile; 
manchmal wird da das i auch zu j, wie überhaupt zwischen zwei Vokalen; 
z. B. Lilje (Rammler schreibt Lilge, schwed. Lilia), Familiche, Familche f. Fa- 
milie; — Br^miche f. Prämie; orijentalsch, Baldrijan, Karnalichenvogcl, Spa- 
nichen; Bidderzilche f. Petersilie, Bspr.; ebenso Marjane f. Marianne (Ab. 
Marje f. Marie), Galfunichen f. Kolophonium; Spichon, spicheniren f. Spion 
u. s. w. ; Ficheline f. Violine; Gabberolichen u. Gabrijolichen f. Kapriolen; 
Gumfifchen f. Convivium, Eg.; Effengelichen (Ab.: Iffegilgen) f. Evangelium; 
Laberatorichen, Judizchen, Konsistorichen f. Laboratorium, Judicium, Konsisto- 
rium. Das Dorf St. Egidien bei Glauchau wird allgemein Tillichen ausgesprochen. 

7. fl spricht für 1 Mancher in Hilfe, Sprichwort, giltig, Hifthorn, 
die man ja oft auch so verfehlt gedruckt sieht; desgleichen Pfeffer münze 
für Pfefferminze (mentha). 

0. 

§31. 1. t bekommt in gezierter Sprechweise oft einen Anklang von a (wie im 

engl. God, not); so in: Morgen, Doktor, doch, noch, Gold, Gott u. a. Von Un- 
gebildeten hört man meist: Saldate (Bsl.), Schassee, Matte, ab f. Soldat, Chaussee, 
Motte, ob; auch: Kanditer (was dem Kandiren entspricht) neben Kundiderei. 
Bspr. ich sali f. soll; na nich, na meh f. noch nicht, noch mehr; Karschett 
f. Korsett u. dgl. 

§ 32. 2. wird seltener^ zu ä, so in Sooleier, Rogen (Fischeier j bei Rtr. 

Ragen). Vor heisst vor, wenn es betont ist: er setzte sich vor mich; ich 
nahm mir's vor; sonst: vorr, farr, ferr oder fr, was sämmtlich auch für be- 
deuten kann, Sdt.; z. B. vorzüglich; farr (ferr, fr) ä Daler Gäffeh; fr mir = 
meinetwegen! Vgl. nach, § 3. 

§ 33. 3. Ö oft = u, Bspr. in: Holz, Wolle, wir wollen, wir sollen, die Sonne, 
Sonntag (auch Suntig, Sunt'g), geschwommen, sonst, Koffer, Konsens, Kokarde, 
Kompliment, locker, pochen, Konditorei, von, Folge, soff, Molch, kolbig; Schi., 
V. Daher entspricht dem Unkenruf das Verslein: „Hätt'ch m'r liwwer ä Mann 

fenumm, w^r ich nich in Deich gegumm; unkl" (Vgl. die hochdeutschen 
ormen: Gold, Gulden.)_ 
§ 34. 4. Seltener klingt < «=> u; so in Mond, Montag (Bspr.), Hobel. 

§ 35. 5. In Fremdwörtern lautet die Endung or == er: Pastor (wie: passt er), 

Kantor, Doktor, Professor; Konditerei; Mehrheit: die Pastersch, Doktersch. 
§ 36. 6. Einzelnes, e f. o: ver = vor (s. § 32J; ich seilte (auch sallte, sullte, 

Bspr., Sdt., V.) ; Sessies'chen f. Saucischen, spioniren wird spicheniren, § 30, 6. — 
i f . o: er gimmt Tauch gömmt, f. kommt), Mü., Str.;_Ehbillet f. Epaulette. — 
ö f . i in: der Schlösser statt Schlosser. — ä f . o: Dächt f. Docht. 

n. 

§37. 1. Das lange u erleidet nur wenige einzelne Veränderungen, z. B. Stawwe 

f. Stube, Bspr., Spok f. Spuk, ND. Kugel wird in der Kindersprache zu Kaule 
(Bö., PP.); das Dorf Grosskugel bei Schkeuditz nennen die Landleute Gross- 
kaubel! (Vgl. au in Alaun mit dem u in alumen, au in Kapaun mit dem o 
in capo, xdnwv^ chapon.) 

§ 38. 2. Das kurze u wird zu a in: Kouleur (SchL; ND.: Kallür); Null ouveit 

(beim Skatspielen) = äw6r ; „Lawise sak de Stadenten mit Masike gumm'* 
(Luise sah die Studenten mit Musik kommen); zaruck f. zurück, Bspr., Brl. — 
e f. u in Feberar f. Februar, dischkeriren f. diskuriren, disbetiren f. disputi- 
ren; s. noch § 146, 1; ferner in dem unbetonten du: de gehst; haste = hast 
du; biste = bist du; Eg. Ebenso in dem unbetonten zu, zur: ze lange, 
z'dumm, z'r Messe; auch in nur: was er n*r will? vgl. § 12 u. 146. Bspr. 
i f . u in 'rimm f. herum, worimm f. warum; V., auch jüdisch; gemüsst, gemisst 



§ 39—45. 7 

f. gemosst; seltener: gewisst f. gewusst. — o f . kurzes u in Tulpe, Tulipane 
(Dolbane), Kourage (Rtr. K'rascL), Kouleur (s. oben"); kurios (= gorchos, Etr. 
kariös), Patrouille (== Badrolle); kurzes ur vor Konsonanten, urr auch vor 
Vokalen klingt regelmässig wie orr: durch, Furcht (mhd. vorht, Ztw. vurhten, 
vührten), absurd, Wurf, gedurft, Burg, Chirurg, Gurgel (mhd. mit u und o), 
Schurke, Gurke, Sturm, Wurm, Thurm (mhd. türm, torm, torn), Kurkumae 
(== Gofgemeh), Urne, Durst, Wurst, kurz rmhd. mit u und o), Prankfurt, Gurt, 
Bursche, Urtheil, Sturz, Wurzel, purzeln, Gonggorsch f. Konkurs, Eg.; — mur- 
ren, schnurren, knurren; Pf.; daraus ergibt sich für die Ableitung von Dialekt- 
wörtern mancher Wink. — Langes ur bleibt in der Regel rein: ihr fuhrt, 
Kur (dagegen: korriren); ausnahmsweise: Tambor, Gebörtstag. Vgl. ir, § 28. 

3. u mit w vertauscht in: Edeward (engl. Edward), Jannewar, Aktewar, § 39 
Menewett (Menuet), Jesewite (Rtr.) ; Luise wird zu Luwise, Lowise, Lawise, da- 
her die Liebkosung Wis'chen, Wisel, bei Rtr. Wising. Umgekehrt spricht 
man u f. v in Ganua f. Canevas. 

Anm. Ueber die Endung ium s. § 30, 6. 



gilt richtig für i, nur einzelne Gelehrte sprechen es wie ft (in Mythe, Ty- § 40 
pus, Cypern u. s. w.)! 

a. 

1. Für langes ä tritt oft 6 ein , z. B. in Gräte, wählen, quälen, zählen § 4| 
nähren, ich thäte, grämen, Chaise. Gefäss, Aehre (= Ehre), säen (seen, dgg. 

ist sehen ==söhen), spät, Späne, Gespräch, Palais (= Balee); V., ND. Fähre; 
Gepräge, es bräche, schäkern ; Schläge werden bald mit ä, bald mit 6 gesprochen. 
Die Zähne = z^hne, dgg. zehn = zfehne, Scene = zöhne: die Nähe «■ nßhe, 
aber ich nähe = nebe; vgl. § 19 und die hochdeutschen Formen: Adel, edel; 
mahlen, Mehl. Die Endungen tat, aeus und äer verwandeln ä auch in 6: Majestät, 
Matthaeus, Europäer. In -vielen Wörtern bleibt aber das ä unberührt, so in 
Bär, Käse, Säle, träge, lähmen. 

2. Das kurze ä wird alter Lautregel gemäss meist e, so in: Hände, Männer, 
verständig, Bänke, Geschäft, die Mängel, Aepfel (eppl), ich hätte, ängsten = 
engsten, Häuschen, die Ställe = Stelle , Wälle = Welle, Bälle = belle, es fällt, 
ich kämme. Unterscheide: Felle: Fälle (mit e). VgL die hochdeutschen: 
behende von Hand, Stengel von Stange, schellen von Schall, krellen von Kralle, 
Henne und Hahn; stemmen, Stamm; . Vater, Vetter; Satz, setzen; nass, 
netzen u. s. w. 

3. a f. ä in Kräh anstatt Krähe, der Stimme des Vogels entsprechender. § 42. 

1. Michaelis wird zu Michöle, Bspr. Michehöle; vgl. Michael und Michel; § 43. 
Israelit = Isrelite. 

2. Die latein. Endung aoi klingt wie eh, z. B. es is Matthe am letzten ; so 
entstand auch Bartelme (Name) aus dem Genit. von Bartholomaeus. 

o. 

1. ö wird durchweg zu 6 oder ^, so in Meubleur (mewldr), französisch § 44. 
(franzesch), Französin (fransäs'n), König (genich), Rötha (== Rede, s. § 12), 
Goethe (g^de), Söhne (sene, wie Sehne. = sene) ; — Hörner, hören, Störche. Aus- 
nahmsweise m Bspr. = ß in Möhren (Moorrüben). 

2. In einigen Wörtern wird 5 zu i (Bspr.): — die Röhre (= rihre), hören, § 45. 
schwören, schön, bös, sommern, Eg.; gönnen, N., Schi., Pf., V.; schwed. gynna, 
mhd. gunnen, ^ünnen; — - der Rittersporn wird Ritterspirchen genannt, das 
Dejeuner: deschinä. 



'8 § 46—52. 



1. (l wird allgemein durch i vertreten: lü^en «= liegen, betrügen ««betrie- 
gen (mdh.), Züge = Ziege, Schüler« Schieler, kühn = Kien, Thür = Thier oder 
dir; rühmen = Biemen; Kuben nnd riehen klingen rihm. Süden = sieden; 
P., Schi. 

2. In einzelnen Fällen wird in Bspr. tt zu u: pflücken := flucken, schwül 
= schwul, auch zu e, 6 und ö : ich müsste = meste, brüllen = brellefi, über- 
drüssig = iwerdrdse ; „m'r gumm vun drömmr^wer un gihn oh w6dd*r newwr" 
= wir kommen von drüben herüber und gehen auch wieder hinüber. — Die 
Mühle = M§le, ND., die Thüre «= döre, Stubenthttre = Stummsdöre; — für 
== ver, 8. § 32. 

3. ilr Hteht dem ir gleich, wird mithin auch err gesprochen, s. § 28, so: 
fürchterlich, Würfel, dürfen, Bürger, Türke, Kürbiss, (spr. g^rbs, ND. Körhs)^ 
Würste, Stürze, mürbe; stürmen und sterben lauten stärm, Würmer = wärmer, 
Thürme = Därme; V., ND., Sdt.; vgl. engl, hurt, purr, furrow u. s. w. Eine 
Ausnahmestellung nimmt der Bürgermeister ein; er lautet nicht nur Berge- 
mäster, sondern gewöhnlicher Borgemester; s. § 122. 

ni. 

1. ui in plui, hui lautet wie oi; mhd. pfi. 

2. In unbekannteren Fremdwörtern wird das stumme u mitgesprochen, so 
in: Guido, Guitare; fürintrigue hört man intrigue und intrigü. — In ähnlicher 
Weise wird Queue = kw^ gesprochen in der Redensart „Einem ein Kwe hinein- 
legen" =:» ihm ein Hindemiss in den Weg legen; dagegen heisst der Billard- 
stock nur das Q6. 

au. 

1. au wird häufig wie o gesprochen, zum Theil der Abstammung gemäss, 
SO: ich globe (von gelobe) f. glaube; in vielen Wörtern wird aber auch au bei- 
behalten ; man vergleiche folgende beiden Reihen : au (mhd. ou) wie o in : Laub, 
Urlaub, Erlaubniss, taub, der Rauch, Staub, schmauchen (to smoke), auch, Auge, 
Lauge, taugen, kaufen, laufen, raufen, taufen, Traufe, Baum, Traum, Zaum 
(mhd., meist auch allemannisch : loup, urloup ^== urlob, erlouben, toup, rouch, 
stoup, euch s== och, ouge, louge, tougen «- tugen, koufen, loufen, roufen, toufen, 
trouie, boom ^^ bom, troum, zoum *« z5m). au wie au: Laube, der Taube, 
rauch, Haube, Hauchen, saugen, Haufen, Raum Troom), Schaum, Saum, Daumen, 
Flaum, Pflaumen, kaum, Gaumen, Zaun (diese nahen mhd. und allemannisch % 
z. Th. auch Nebenformen mit ou: tübe, rüch, hübe »= hoube, buchen, sügen »= 
sougen, hüfe = boufe, rüm = roum, schüm *=* schoum, düme = doume, phlüme, 
küme, zun == zoun). 

Man unterscheidet also: im Laube (o) und die Laube (au); der Taube (o, 
engl, deaf), die Taube (au, Vogel, engl, dove), der Rauch (o, engl, reek) rauch 
(au, Eigenschaftswort, engl, rough); Rauchwaaren sind also nur Pelze, aber 
Schinken oder Cigarren wären Kochwaaren; taugen (o), tauchen (au). Das 
Zeitw. rauben lautet mit au, mit o aber (rohen) beim Spiele: den aufliegenden 
Trumpf mit der Sieben vertauschen; vgl. Räuber in § 65. Das Ztw. gaukeln 
(Gaukelei treiben_, mhd. goukeln), freilich wenig im Gebrauch, lautet mit au; 
es heisst aber gögeln i. S. v. mit Feuer, Licht spielen (mhd. gogelen «=» hin 
und her gaukeln, flattern). — Missverständniss führt nun auch zum umgekehrten 
Fehler, dass man gauscher f. koscher (hebräisch) sagt. — o f . au nur in 
Schnittlauch, Knoblauch, (Bsl. Knoblecb, Rtr. Enuwwlock); vgl. er soff, Söffel 
von saufen. (Ein Knabe, den die Mutter „Gnobblochseide** (Knopflochseide) 
holen geheissen, verlangte vornehm: Knoblauchseide!) 

2. Bspr. 5 oder 6 t au, selten: döfen, de Dö{te f. taufen, Taufe. (Rtr. 
döffen, mhd. toufen und töufen) ; du glebst f. du glaubst (deutet auf du glaubst); 
V. — a f . au: die Frä f. Frau, V.; auch in der Stadt Frä, wenn der Name 
folgt: de Frä Meiern. Für Baccalaureus hört man: der Backelarichs; Pauns- 



§ 53—56. 9 

dorf es Baausdorf. — u f. au snr in jnchzen (Ob.-Oe.}» auch jüksen, Bspr. 
Eg.: gtÜEsen, mbd. jüvezen; allgemein in auf, herauf, hinanf, darauf, Schi., V., 
alte Form. — Die Endung au s. § 11 E. . 

ei, ai, eu, äu 

klingen alle wie ei oder ai, äussern also wie eisern, Hauser wie heiser, Bäuber § 53. 
wie Beiber (s. aber § 65), Waise wie Weise und weisse. — In den Schulen, 
wo man den tiefen Laut eu erzwingen will, ward oft, und nicht immer nur von 
den Schttlem, oi dafQr gesagt: Moise, doitsch; Tb. 

ei. 

1. Das ei bleibt rein in Wörtern, welche mbd. und jetzt noch im Alleman- § 54. 
nischen i haben; wo aber mbd. ei steht, wird es zu e; für letzteres ei steht 

im Engl, meist o, z. B. stone, no, most, alone, oak, bone, oath, both, clothes, 
own, whole (heil), holy. Man spricht z. B. 

ei in: bleich, Teich, Deich, Beleb, Leiche, Scblefcber, Speichel, Deichsel, 

leicht, Bereich, seicht; beichten; — Leib, Weib, bleiben, treiben; 
S in: Eiche, Eichel, bleichen, Speiche, Zeichen, reichen (ZtwJ, bereichern ; 

— Bspr. bechten; * 

ei in: Eid, Neid, Kreide, Schneide, Seide, leider, scheiden, beschneiden; 
e in: beide, Kleid, leidthun, Bescheid wissen; 
ei in: greifen, pfeifen, kneifen, steif, Eifer, Zweifel, der Reif (Thau, Sz.: 

rif). reif (Adjekt.), Feige; 
e in: Seue, Streifen, Geifer, Schweif, geschweift, der Reif oder Reifen (am 

Fass), feig; 
ei in: Geige, schweige, zeigen. Zweige; 
e in: eigen, Teig, Seiger (s. oben Eiche, Eichel u. s. w.); 
ei in: Eue, Beil, geil, Keil, Pfeil, Pfeiler, steil, Meile, weil, Zeile; 
e in: Theil, vertheilen, Vortheil (Vortel und Vort^l), ürtheil (wie Viertel, 

Fünftel, ürthel); 
ei in: Keim, Reim, Feim, Leim, Schleim, Obeim; 
^ in: heim, geheim, heimlich, Heimat «= h^mde, Eimer (<= ^mer, auch 

emmer, s. § 58); 
ei in: fein, mein, dein, sein, Rhein, Lein, Pein, Schein, Schwein, Latein, 

Feind, verneinen, einst (was in Volkssprache nicht vorkommt); 
^ in: einzeln (auch Snzeln), allein, Bein, kkm, kein (Schi.), gemein, rein, 

Rain, Stein, nein «» ne; 
ei in: kneipen, Heirat, Feier, Leier, Reiher, Geier, Schleie, Schleier; Eis, 

Fleiss, Geis, Greis, der und das Reis, Preis, leis, Eisen, speisen, 

Kreisel, beissen, schmeissen, Geist, dreist, leisten, Kleister, heischen, 
_ Zeisig (E^. Zessig); 

e in: heiss, neissen, Gleis, Geschmeiss, Meise, Meisel (auch Mdstel); 

Schweiss, heiser (auch beesch, s. § 93); meist, Meister, der Leisten; 
ei in: bereit, seit, gescheit, Scheit, Streit, weit, Zeit, eitel, Scheitel, leiten, 

reiten, schreiten, Eiter, heiter, Scheite, Peitsche, Geiz, Reiz, spreizen; 
e in: breit, Geleit, beizen, heizen, Weizen; 

ei in : bei, Blei, drei, frei, Brei, Papagei, Schrei, Kinderei, Spielerei u. s. w.; 
. _ gedeihen, leihen, reiben, verzeihen; 

e in: zwei, entzwei, Hahnrei; enerlä, vielerM, allerl^ u. s. w. 
Die Bspr. geht hier manchmal roch weiter und sagt z. B.: sehnen f. 
schneien, Kräs f. Kreis, G^st und feste f. Geist, feist ;,arDät, arbeten, sogar 
erbten f. arbeiten , Sdt. ; bei Schkeuditz sagt man die Eer f. die Eier, f. krei- 
schen sagt man kröschen und krischen. 

2. Die Nachsilben heit und keit werden stets mit e gesprochen: Dumm- § 56. 
heit, Richtigkeit. 

3. ein ist nach dem Sinne verschieden; der Artikel (s. § 185) wird ver- § 56. 
kürzt zu ft, e; die Zahl ein heisst ^, ^ns, ^ner; Einback (Gegentheil von Zwieback) 



10 § 57—65. 

heisst also äback; einfältig in Bspr. ^föltig, ^felFg; ^spänner f. Einspänner 
(Studentensprache auch ^spnz). Das Anhängsel ein oleibt unverändert: feldein, 
herein, hinein u. s. w. — Einmal, betont = ömal; ufF dmal gink d'r Deiwl 
los; das geht nich glei mit emal (mit einem Male); unbetont emal, 'mal: 's 
wird sich schon emal machen; gommal her = komm einmal her. 
§ 57. Sjnnesunterschied bei gleicher Form :_ der Heide (mit ei), die Heide 

(mit e), heidnisch (mit ei), Heidelbeere (mit e); die Eichen (mit e, Bäume), 
die Eichen (mit ei, kleine Eier, gewöhnlicher: Eierchen); Reiche (mit ei, Länder 
oder wohlhabende Leute), reiche (mit e. Ztw.); streich (ei,_Ztw.), Streich (e, 
Hauptwort) ; weichen (ei = nachgeben, ausweichen), weichen (e = weichraachen, 
einweichen); der Keif (ei, Thau), der Reif (e, Fassreif); Feige (ei = Frucht), 
feige (e, muthlos); schleifen (ei, scharfmachen, mhd. sleifen, Sz. schlife) schlei- 
fen (e, schleppen, mhd. slepen neben sleifen; ebenso das Hauptwort: die Schlei- 
fen); Heil als (seltnes) Hptw. mit_ ei, als (gewöhnliches) Eigenschftw. mit e; 
Feile (ei, Werkzeug), feile halten (e); die Weine (ei), ich weine (e^; der Leisten 



(mit e), leisten (ei, ZtwJ; der Reis (ei): die Reise (e); die Seite (ei): die^ Saite 
(e), die Seide (ei); der Leiter (ei, z. B. der Blitzableiter): die Leiter (ledder, 
Bspr. leder); meinen (ei, Fürwort): meinen (e. Ztw.); Rhein (ei): rein, Rain (e). 



Ich weisse, die Weise, ich weise, Beweis, Wegweiser (alle mit ei): ich weiss, 
die Waise (mit e, bes. in Zusammensetzen, wie: Waisenkinder, Waisenhaus). 
Die Weide (ei, Baum): die Weide (e, Trift). Der Teich (mit ei), der Teig (e), 
zeigen (ei) und Zeichen (e) unterscheiden sich so ganz klar, obschon sie im 
übrigen ganz gleich lauten; das Ztw. sein lautet sinn, das Fürwort bleibt 
unverändert, z. B. das Geld soll seine sinn. Vgl. der Steig und Steg, die Kreide 
und Kreta. 

§ 58. 4. e f. ei: einzeln, einander, Eimer (ND. Emmer und Ammer); Vortheil, 
bevortheilen (Wn., wie in Viertel, ürthel); Bschr. hem und höme. — Die Kom- 
parative kleiner, reiner klingen glenner, renner, die Positive aber: glener, 
rener; z. B. „mei Glener is noch glenner als Deiner." — s. noch den unbe- 
stimmten Artikel, § 185. 

§ 59. 5. i f. ei im Infinitiv sein, s. § 57. Bspr. es schnitt f. schneidet (Sdt. 

schnedt). Die von Weidenzweigen geschnittenen Bänder zum Befestigen von 
Pflanzen heissen Wie den (mhd. wide, Weide), s. W.-B. 

ai. 

1. ai bleibt meist rein: Kaiser, Hai, Mai, Mais, Laib, Hain. 

2. 6 f. ai nur in: Waisen(kinder), Saite, Rain, maischen, s. § 54. 57. 

3. Die Endung hain in Ortsnamen klingt meist hän: Knauthan, Fuchs- 
han; das Dorf Hain bei Rötha heisst Hahne bei R^de; Albrechtshain = ol- 
werts'n; Belgershain =» belgersch*n. 

eu. 

§63. 1. Wenn eu oder äu hochdeutsch gesprochen werden soll, klingt es immer 

noch wie ei (s. § 53); im Dialekt wird eu mitunter zu 6, so in: Freude (V., 
Schi., Schw.), dgg. er freute sich = er freide sich; ferner in: scheuchen (eben- 
da), beugen, leugnen. 

§ 64. 2. i f. eu, Bspr. nur in euch: ich haww ich's gesaht = ich habe es euch 

gesagt; hatt'r'ch denn gesen = hat er euch denn gesehen, Sdt. 

äu. 

§65. 1. 6 f. äu, wenn äu von einem solchen au abgeleitet ist, welches wie o 

klingt, s. § 51, also z. B. in räuchern, Stäubchen, dnegig (einäugig), Ögelchen 
(Aeuglein); Käufer, er läuft. Bäumchen, abergläubisch, träumen; seltner ein 
Hefchen f. Häufchen ; der R^ber anstatt Räuber bedeutet den „Raspel** am Lichte, 
die Schnuppe, dagegen heisst der Strassenräuber u. s. w.: Reiber; rein bleibt 
äu (d. h. ei) in: Säule = Seile, Häuser = heiser, er säuft (er s^ft heisst: er seift). 
Bspr. Freien f. Fräulein, Sdt. 




§ 66—69. 11 



C. Die Konsonanten. 

I. Harte und weiche Buchstaben. 

1. Scharfe und sanfte Laute kennt der Leipziger nicht; auch von p und t ^ ^^• 
ist keine Rede, sondern yon einem weichen b und von einem harten b, von 
einem weichen d und einem harten d, oft sehr der Lautverschiebung gemäss und 
dem seit dem 14. J. H. herrschenden Schwanken der Schrift: beiz u. pelz, börle 

n. pßrle, bochen u. puchen, bolster u. polster, dampf u. tampf, dunkel u. tunkel, 
drache u. trache, gibitz -= Kiebitz, mücke u. mügge; — vgl. auch die regel- 
m&ssige Erweichung in tac, tages; slac, slages; hant, hende; stap, stabes u. s. w. 
unsere TJnterscheidfung zwischen „hart und weich** besteht aber auch nur für 
die Schrift und für das Buchstabiren, nicht für die Aussprache, welche alle 
scharfen Konsonanten im Anlaut zu sanften macht, was freilich höchst 
bequem ist. Eben so wenig wie die Vokale 5, ü, eu, äu, sind die scharfen 
Konsonanten vorhanden; für p, t, k (Tenuis) tritt im Anlaut überall b, d, g 
(Media) ein. So wird auch in der Sz. das anlautende t und ]> zu d und b, 
während k übertrieben hart gesprochen wird. Wörter wie Bein und Pein, 
du und thu, Garten und Karten, gönnen und können, gohr, Chor und 
Corps u. tausend andere lauten ganz gleich, man vertraut eben dem Zusammen- 
hange. Will nun ein Ungebildeter „vornehme** (hochdeutsch) reden, so ver- 
wechselt der Unglückliche gewöhnlich „hart und weich'* und bringt z. B. folgende 
Leistung fertiff: „Ich kehe kern mit mein' Gleinen in den Guchenkarten vorm 
Krimm'schen Dore; ta setze ich mich ins Kartenhaus un gaufe mir für mein 
kntes Keld Kose un Gäseguchen un fr de Ginder Gaffeeguchen un Dorde.*' 
Ich habe einmal deklamiren hören, wie folgt: „Die koldne Gedde kib mir nicht, 
die Gedde kib den Biddern, vor derem stolzen Angesicht der Feinde Landsen 
spliddern." — Im Zorn gibt man seiner Stimmung Ausdruck durch Verhärtung 
der Laute, z. B. „Sie Pauerl Kottvertammich !*' — Dass unter solchen Verhält- 
nissen z. B. Bagage in Package (das Pack) umgedeutet oder die Baste im 
Kartenspiel der Pastor genannt wird, ist sehr begreiflich. 

2. Im Inlaut (in der Mitte der Wörter) lautet t ebenfalls wie d, k wie g ^ 67. 
in Gabe, p wie b in Baum ; — d im Inlaute bleibt d, aber b wird zu w, g meist 

zu eh (j); z.B. Eidder, Beidel (Beutel), Libbe (Lippe), graubeln; in Acker, trocken, 
Büdken, Ekel lautet das k oder ck wie g in Gabe; lagen, legen, liegen, lügen 
n. s. w. klingen wie lachen, lejen, liejen. 

3. Im Auslaut (am Ende des Wortes) lässt man dem Drucke der Lippen, § 68. 
dem Stosse des Gaumens, der Kraft des Hauches freien Lauf und spricht nicht 

nur p, t, k scharf ^enug, sondern macht aus b ein p, aus d ein t, seltner aus 
g ein k, oft ganz richtig nach mhd. Form; z. B. Trap, ap, op, Hunj; f. Trab, 
ab, ob, Hund; der Gank, er fink an, ich wusste weder Wet noch Stek. — Bei 
g schwankt es; man sagt: Dag und Dak u. s. w.; mit Heftigkeit spricht man: 
geh w^ckl aber: „nimm diesen Wdch oder Wök." Nach 1 u. r ist g meist = 
ch: — Balg, Berg, Orgel. Die Befehlsform auf g bleibt weich: leg, lieg, sag. 
Im übrigen s. b, p, d, t, g, k, q, eh einzeln a. 1. 0. 

II. Die Hauch- und Gaumen-Laute 

h, ch, g, j, k, q. 

h. Auslautendes h wird öfters zu ch verstärkt: sich f. sieh, mhd.; P., V., § 69. 
Sdt.; sie Sachen f. sahen (mhd. sach von sehen^, El.; jach, zach (Nd. tag), rauch, 
(Eg.; mhd. rüch;) subtrachiren f. jäh, zäh, raun, subtrahiren. — Die Form „hob" 
ist nicht im Gebrauch; man sagt: „e hocher Berg, das hoche Haus, Eg.; er 
wohnt schon hok, ich aber noch höcher; Sz., ND., Wn., E. Die Höhe = höe, 
Bspr.: die hdchde; — vgl. geschehen: Geschichte; sehen: Gesicht, schlagen: 
Schlacht, tragen: Tracht u. s.w. SD.: Das Viech, die Viecher f. Vieh, Thiere. 



12 § 70-75. 

eh. 

§70. 1. Aaslantendeseh hat den harten Laut nach a, o, n, an, den weichen 
nach allen anderen Vokalen nnd nach 1, n, r, also richtig hochdeutsch. Vgl.: 
ach, Loch, Buch, Eauch mit: Pech, Schächte, Löcher, Bücher, räuchern, reich, 
mich, — welche, manche, durch. Das Gefühl wahrt so z. B. die verschiedenen 
Laute des eh in: brauchen u. Frauchen, in Sprachen u. Papachen, in Knochen 
u. Solo'chen, in wachsam u. wachsen. — Mit diesen beiden Lauten stimmt das 
inlautende g yollständig überein ; J hat genau denselben weichen Laut wie eh in 
Pech; es würde für unsere Aussprache gleich sein, ob man schriebe: Chemie 
oder Jemie; l^gen, lejen oder lachen; Augen oder Auchen, balgen oder baichen; 
so schwankt ja auch die Schreibweise zwischen Wagen und Sprachen, zeigen und 
Zeichen, Speicher und Seiger, riechen und Biegen, deren Ausgang uns ganz 

fleich lautet. — In wenigen Wörtern setzen wir kstatt des in- und auslauten- 
en eh: kickern f. kichern, Eg.; schlnxen, gräxen, juxen f. schluchzen, krächzen» 
J'auchzen (Eg.) , während ächzen , lechzen richtig gesprochen werden, üeber 
loch s. § 69 u. vffL § 78. 
§71. 2. Anlautend klingt eh wie k oder ^ (Gaumenlaut) vor a, o, u, 1, p: Cha- 
* rakter, Chor, Chur, Cholera, Chlor, Christ; — weich (Kehllaut, wie in Pech = j) 
Tor e und i: Chemie, Cherub, China, Chirurg; Ausnahme: Chemnitz = Kemnitz. 
— In unbekannteren Fremdwörtern wird eh auch vor a oft weich gesprochen, 
selbst von Gelehrten, so in Chaos, Charon. Leute, welche ein wenig Französisch 
verstehen und sonst nichts von fremden Sprachen wissen, sprechen gern alle 
Fremdwörter nach französischer Art aus; von solchen hört man dann auch 
Orschester (auch Orjester) und Del Wettechio f. Orchester und Del Vecchio. 

§72. 1. Das g ist der wandelbarste von allen Lauten; man nennt ihn zwar Je, 
nicht ge, er wird aber doch im Anlaut fast immer g (Gaumenlaut) gesprochen, 
nicht wie J (Kehllaut). In Leipzig sagt man: Gaben, geben, Gift, Gott, gut, 

Koss, gleich, Gnade; bereits in der nächsten Nähe beginnt aber das Schwanken, 
dem Dorfe Möckem, ein Stündchen von Leipzig, spricht man noch ebenso 
wie in der Stadt ; eine Viertelstunde weiter, in Wahren, sagt man schon „jeben, 
jnt;** in einzelnen Nachbarstädten heisst es: Gaben, jeben, jären, Jöthe, Jift, 
Gott, gut, gross, gleich (also ganz wie im Schwed.), in anderen aber durchweg 
,Jabe, jeben, Jiffc, Jott, jut, jross, jleich, Jnade**, und selbst auf den „Jelehrten- 
schulen" reuet man da von Jeoiraphie und derjleichen; wir sagen von jenen 
Leuten: „Die sprechen mit dem je.*' 

§ 73. 2. Ausnahmsweise spricht auch der Leipziger das g der Vorsilbe j|^e wie J, 
wenn der Stamm wieder mit einem Gaumenlaute beginnt; so: jegessen, je^ngen, 
jekommen, geklingelt, jequält; dann auch in manchen Eigennamen und Fremd- 
wörtern, die er sich gleichsam schriftmässig vorbuchstabirt, und wo er dann 
das g eben Je nennt; so in: Gera, Gössnitz (aber Gohlis, nicht Johlis), Agathe 
(ganz wie Achate), Gehrmann, Genua, General, Gethsemane, Georg, Genitiv, 
Genus; so auch: Efan-jelium (selbst auf der Kanzel! während die Bauern dafür 
effengdlichen sagen; s. § 30, ö). Vereinzelt hört man auch: die Jicht f. Gicht 
(Nd., Rl.); einen Jang gehen, Jose f. ifiose; ich bin kochjar (erhitzt); vgl. § 107 E. 
Gäten und jäten schwankt; mhd. jeten, aber: ich gite. 

§ 74. 3. Inlautendes g meist wie eh, und zwar wie eh in Bach nach a, o, u — aber 
wie eh in Pech nach e, i (s. § 70); so: Segen, sägen, sagen, siegen, sie lögen» 
trugen, Sago, Mahagoni, Eagout, egal. Ebenso klingt gg in Flagge (Flache), 
Egge, Roggen, Dogge. Von Kegel (spr. g^jel) bildet man ein Zeitwort umkegeln 
(spr. umgegeln = umfallen, umpurzeln.) 

§ 75. 4. Auslautendes g klingt ebenso wie das inlautende; sein: frag, leg, lieg, 
log, trog, Dogma, phlegmatisch, Lorgnette (= lorchnette), Leipzig (spr. Leibz'ch); 
sogar das Städtchen Lausigk wird trotz des Lautversicherungs-k nur lauss^ch 
gesprochen! — Mitunter hört man auch g am Ende (wie in Gabe); so in: Tag, 
Schlag, flog, der Weg; Bspr. selbst mit k, wie BrL — Der Pfennig heisst 
Fenk, Mehrheit: die Fenche (aber nicht: 10 Pfennig, wie auf den neuesten 
Münzen zu lesen ist, während auf den Briefmarken 10 Pfennige steht!). 

Die Verbindung ng s. § 106. 



§ 76—82. 13 

1. J wird gewöhnlich zu stark gehaucht, ganz wie (ßh in Pech. § 76. 

2. Selten spricht man es wie g, so wohl nur in: Jerusalem, Johannis =» 
Gohanne, Bö.; Bs^r.: genner f. jener; gauxen f. jauchzen; im Y. u. Eg. all- 
Mmein: guksen f. jauchzen, Gahr f. Jahr (in Sbg.: Oohr), Gahrmert f. Jahrmarkt, 
Uunge f. Junge; (im Eg.: ,4 hob ga ka Gack ah** « ich hab ja keine Jacke 
ao.) Durch solche Aussprache entstand aus jählings: gelchen, aus jagen: g^chen. 
Majoran heisst Meiran, m)., Bl Maierl. — Den Don Juan nennen Ungebildete 
DoogBchuang, Dongschewang; Jasmin heisst Schismi, ND. SchismiS; s. § 71 E. 

k, q. 

1. Anlaut k — ff: Kunst ^= Gunst, Karten »- Garden, Kaistrasse sogar » § 77. 
G^hstrasse! „Gleine Ginder gennen geine Girschgeme gnacken." Ebenso KÜn^ 

% und e (woes k vertritt): Gwal, Gwelle, Gado f. Qual, Quelle, Cato. Vgl. mhd. 
gaffen u. kaffen, garre u. karre, griffen u. kripfen, gugel u. kugel. — Am be- 
siohwerlichsten findet man die Verbmdung kn, sie wird entweder zu rn oder 
auch zu dB,. so in: Ejiall, Knochen. — Vereinzelt tritt d f . k ein in: BiddUng, 
Bastemade f. Pökling, Pastinake; Gelenderpuppe f. Gelenkpuppe; aus Missver- 
st&ndniss in: Goldrabe anstatt Kolkrabe; s. dgg. § 89. 

2. Zwischen zwei Vokalen, auch nach 1 oder r, erweicht k manchmal zu eh : § 78. 
das Stächet f. Staket, eine Bachete f. Eakete, Bh., die Gurkenlage f. Lake (dän: 
Lage}; Kalch, Quarch, Marcht f. Kalk, Quark, Markt. — Werk klingt wie Werg 
(mhd. werch und werc) ; in Fuhrwerk, scharwerken, Werkstelle wird oft eh ge- 
sprochen. Auch in Tabak findet das mitunter statt; dies Wort kann überhaupt 
yerschieden klingen: Däwak, Dowak, Dawach, Dowach, Do wich. Daraus erklärt 

sich der scherzweise Gebrauch von anno Dowak f. anno Domini. S. das G^gen- 
theü § 70, 1 E. 

in. Die Lippenlaute 
w, b, p, pf, £ V. 



Das w ist an sich so sanft, dass es der Dialekt nicht gut noch mehr er- § 79. 
weichen konnte; indess wird es zu min wir = mir, m*r, wie mhd.; so inB., 
P., Fr., Schw., Tir., V., Hb., Sz.; in El. wird wir sogar zu rae, in Schi. dagg. zu 
ber; s. noch § 80 u. 87. 

b. 

1. b wird vollständig zu w: § 80. 

a) wenn es zwischen zwei Vokalen steht; so in: aber, Leber, lieber, Ober, 
Gabel, Kabale, laboriren, Debatte, Habit, sogar in Zusammensetzungen wie: 

, Obacht, Hebamme, Büböl, Beibeisen, und in Verbindungen wie: halb eins, ob ich, 
(klingt wie obig); selbst bb wird zu w: in meiner Gasse ist ewe (Kasse, Ebbe). 

b) seltener, wenn es nach einem Konsonanten und vor einem Vokale steht: 
halbiren, baibiren, selbander. Schwalbe, Farbe, gerben (früher mit w geschrieben 
wie manche andere), Problem, Lorber, auch Halbabend (spr. halwamM), was in 

. der Bspr. f. Vesper gebraucht wird; es is halweens, halwachde f. halb eins, acht. 

c) noc hseltner wird b zu w, wenn es zwischen zwei Konsonanten steht; so 
in Ulbricht, Albrecht, sterblich, weiblich, lieblich. 

2. Wie f klingt b in: Gewölbe f= Gewelfe, nicht aber in wölben), Zwiebel, § 81. 
Tir., Bö., Schw., und in Gabel, welcne in der Stadt die Gafel heisst, auf dem 
Lande aber die gäwl; vgl. Gaffelbaum, engl, gaff, dän., schwed. u. hell, gaffel. 

Das Umgekehrte s. § 87. 

3. ben und b'n lauten wie m; so in: gaben (= gam oder gäm), wohl- § 82. 
habend, Abend (»» ahmd), Abenteuer, neben (== nehm), sieben, oben, Stuben, 



14 § 83—88, 

Btäubeo, Scheiben, reiben (=Reim), gestorben, ergebenst, ergebener, erhabne, 
Rabener, Liebner. So auch bei Zusammenziehnng: — das hamm'r = haben 
wir; so lähm'r = so leben wir. Der Graben klingt wie der Gram, dafür hat 
er aber seinen besonderen Plural: die Gräme! So wird aus eben mit ange- 
hängtem t: ahmt; Y., RI. „Es ist ein richtiger Elemenz'^ heisst es yon £inem, 
der gern kleben (glähm) bleibt, nämlich in der Schenke. — Aehnlich sa^t man 
f. Carbonade: garraenade (Rtr.), eine Traube heisst bei Hl. eine Traumel (ebenso 
im „Zittauer Hungertuch**, 1472); s. noch § 103. 



§83. 1. Als Anlaut ist p = b: s. § 66; also: packen == backen, Gepäck = Ge- 

bäck, paar == bar, Pole = Bowle, Pomeranze = Bummeranzche, halb Part = 
halbärt; der Name eines Gehölzes „der Apitsch" wird zu Ahsch; das Parthe- 
Fiüsschen ist auf älteren Karten als Barde bezeichnet, auf dem Titelbilde von 
Weiz, Verbessertes Leipzig, 1728, u. in Baumgarten, Flora Lipsiensis, 1790, so- 

far als Bare, wie es auch allgemein ausgesprochen wird; die „Parthe'' entspringt 
ei Bardau, einem Orte unweit Grimma, welchen Niemand mit P schreibt! 
s. noch § 86. 
§ 84. 2. Selten wird p zu w erweicht, so in: Wildpret, stupid, Teppich, Trapez, 
Strapatze, Antwerpen, Stipendium = Willwert, stiwied, Dewich, Drawez, Schtra- 
wazche, Andwerwen, Schtiwendjum. Die Rippen == rimm. Gros de Naples = 

froddenawl. Der Perpendikel wird zu Barmediggl, Di. : Parmetik, V.: das Bam- 
erdeckl. 



pf. 

§85. 1. Anlautend wird pf zu f: Pfahl, Pfand, Pflicht, PfeflFer = fahl, fand, 

flicht, feflfer; P., Schi. 

§ 86. 2. Auslautend u. inlautend klingt pf wie p ; so in : Eopf, daher Feifengopp 
f. Pfeifenkopf; Töpfer (= Debber), Kupfer, klopefn, Hopfen, Pfropf (= Fropp), 
Th., P. ; Schneppe und Schnepfe werden gleich ; ebenso Topf und topp. — mpf 
klingt wie mf, in Bspr. wie mp; so in: Dampf, stampfen, Strumpf; Kampf = 
Gamf; in Bspr. aber: Damp, Strump. Missverständlich glaubt man nun, pf f. 
p oder f setzen zu müssen, um richtig hochdeutsch zu reden, z. B. in Trepfe, 
• Kupfert f. Treppe, Koffer; so in Brl., wo auch „Apfrikosen*' wachsen! In Wn. 
heisst der Klempner Klampferer, in Eger nennt er sich auf seinem Schilde 
„Klempfner." 

£ V. 

§ 87. !• f nßd V klingen ganz gleich, wie f, so auch in Fremdwörtern meistens, 
z. B. in Venedig, Venus, Viktoria; auch Lateinisch wird auf diese Art gelesen. 
In einzelnen Fremdwörtern spricht man jedoch v = w, so in: Vase (agg. ist 
eine Fase = Faser), Canevas (Gänewa, auch Gänua), Vanille, Vignette, Volon- 
tair, Pavillon, Villa. Schuhmacher sagen anstatt der Nerv: der Nerb^n = närm. 
2. Einzelnes: f wird zu w in Schwefel (ebenso mit w-laut im schwed.: 
svafvel, dän.: svovel, holl. zwavel; inhd. swSbel u. swevel; NS. Swebel). Hafer 
-=a Hawer (alt); der Deiwel ~ Teufel; Bspr.: Stiewel (auch Stewl, P., ND.) 
Käwer, Huwe, im Howe (Bspr.) = Stiefel, Käfer, Hufe, im Hofe (mhd. hof, hoves). 
— Das Büwett oder sogar Büwä f. Büffet; s. § 81 u. vgl. schnauben und 
schnaufen, Kör bei von Caerefolium. — Die Sphäre mitunter «= Spähre (Metathe- 
sis!). — f = p nur in raffen; in ND. allgemein. 

IV. Die Zahn- oder Zungen-Laute 

d, t, 89 z, c. 

§88. 1- d und t klingen im Anlaut und Inlaut = d, im Auslaut «= t, s. § 66; 

also ist Taube = Daube, Taxe «» Dachse, Teich und Tei^ = Deich, Thier und 
Thür = dir. Thron •=« drohen, Torf = Dorf, treu = drei, Tusch© = Douche, 



§ 89—93. 15 

Thürme «= Därme. — Der Hunt: die Hunde, das Lant: die Länder, wie mhd. 
Sie hatte, Mitte, Mittel, reiten, Buthe = hadde, Midde, Middel, reiden, Bude. 
Somit werden gleich : Leiter Tauch «== Ledder) und leider; rathe und Bade; leite, 
Leute, läute und leide; Mietne und müde u. s. w. Dies {zwischen zwei Vokalen 
scharf zu sprechen vermögen nicht viele Leute. Vgl. den Wechsel im Schrift- 
dentschen bei Wade und waten, Brod und Brot; engl, passed und past, learned 
n. learnt; — had, middle, ride, rod; holl. hadden, middel, rijden , roede; dän. 
middel, ride, rode; schwed. hade, medel, rida. , 

2, In einzelnen Wörtern tritt % oder k f . d oder t ein : — f. eitles Brod sagt § 89. 
man „eikeles Brod" (dgg.: eitle Narren). Schlunk f. Schlund (Anklang an schlin- 
gen u. scMucken; holl. slok, Schluck u. Kehle); der Veikstanz f. Veitstanz, Eg. 

Tob man an feixen c^edacht hat?) das Bingel oder Binkel f. Bündel, Oe., Schi.; 
die Wolke schlagen l Volte; die Hyacinthe wird abgekürzt in „die Zinke, das 
Zinkchen **; — ins Dekrement gerjtthen anstatt: ins Detriment. Das Dorf 
Lindenthal wird Linkel ausgesprochen; s. das Gegentheil § 77. 

3. In den tonlosen Silben entlich wird das t zu |^ oder k; so in: eifirentlich, § 90. 
ordentlich (ordenglich od. orndlich, s. § 125), wöchentlich, gelegentlich; V., Schi., . 
Sdt., Po.; in Bspr. wird nd, nt öfters zu ng, bes. nach e, i, u; z. B. Kinger, 

fummt hinger f. Kinder, kommt hinter; sie hingen, fingen, fungen, gefungen f. 
inden, finden, fanden, gefunden; ungene f. unten, hingeue f. hinten; nicht aber 
in: Enden, Winde, blonde, runden, Hunden, Stunden, Gesunden; ähnlich in Hss., 
ite-, Rh.; in Bsl.: Häng'li, Ching'li f. Händlein, Kindlein. S. noch § 115 E. u. 
über die Zeitwortendungen tet, tete u. s. w. § 204. 

£ s. 

1. Man spricht den S-laut durchweg scharf, gleichviel ob er zu Anfang oder § 91. 
zti Ende steht, ob er s, fs oder ss geschrieben ist, also gleich in : so, sausen, das, 
dass, Nase, Nässe; es fallen also in einen Laut zusammen: Weise, Waise und 
Weisse; reisen und reissen, Busen und Bussen u. dgl. Nur gezierte Aussprache 
bringt das weiche s (wie im franz. rose) zuwege, setzt es dann aber auch be- 
sonders gern an die verkehrteste Stelle, in den Anlaut, wie Plattdeutsche und 
Holländer. 

2. rs = rsch, z. B. in anders (V., Schi, anderscht; P. anderschter; Rl. an- § 92. 
nerscher), Vers, Börse, Kours (««korsch), Person, Perser; Kommers (^ummersch), 
Gehorsam, Hirse (*= heersche, P. hirsche), Universität, die Force (Lieblingswort 

f. Stärke), Farce (Füllsel) ; — der erste, Fürst («- ferscht), du verlierst, du frorst, 
das oberste, Gerste, garstig, Durst (d erseht), Bückmerschdorf f. Eückmarsdorf 
(so in Banmgarten, Flora Lips., 1790) Bürsten und bersten (= berschten), Würste 
(= werschte, ebenso klingt: wirst du); du irrst; — die Pfirsich oder die Pfirsche 
neisst ferrsche, der Mörser «» meerschel (Schi.). So auch in den Zusammen- 
ziehungen: wie war's? Nimm dir's; gebt mir's; habt ihr's (= habt' rsch), 
hat er s (hatt'rsch); da haben wir's (<= hamm'rsch); wollt ihr's, da könnt 
ihr^s nehmen; — du beer seht f. hörst, aber heerschde und herrschde f. 
hörst du? 

Dagegen bleibt s rein nach den Vorsilben er-, ver-, her-, vor- ; so : ersehen, 
versuchen, hersetzen, vorsehen; ebenso in: sparsam, Arsenik und einigen anderen 
weniger gebräuchlichen. 

3. Einzelne Wörter, in denen s wie seh lautet: Gaze = gasche, wie: Gage, § 93. 
d^g. : die Gase mit s; Muskete, Muskate, Basen (Bspr.), Passage, Diskurs «» 
Dischgorsch, Eg. Sergeant klingt: scherschant, scherschante, schersant (bei 
Grimmeishausen: Schergeant). Für heiser (mhd. heis, heise, heiser) sagt man 
heischer, ND. Eg. So bei Uhland: „Welche Stimme, rauh und heischer? ist 

es Klemens wohl, der Fleischer?" — Lessing, Fabeln: „Ich habe einen heischeren 
Halä." — Nichts wird zu nischt verdreht; V., Schi. u. s.w., in P.P.: nuscht. 

4. Für s tritt z ein in: Sellerie, (Ha., in Tb. sogar: Zellderi;) auch insammt, 
(mit zammst den Sachen fiel er ins Wasser); namentlich in „allezamrot, zammt 
nnd sonders"; erinnert an zusammen; mhd. zamen neben zesamene. Anstatt 
seciren (eine Leiche) sagt man zensiren; s. § 146. 



16 § 94—100. 

¥- - ■ ■ — i ■ ■ .^ — — — ..■■■■■■■ ■!■ ■ I 

sp, St. 

§ 94. !• sp, st klingen als Anlaute richtig hochdeutsch, wie sanftes sehp, 
seht, also gehaucht, nicht geblasen, wie man in ND. spricht und f&i 
richtig ausgibt! Sächsische Zieräfichea, welche die plattdeutsche Aussprache 
nachahmen wollen, pflegen zu sagen : sdehen, sbrechen. Als Anlaut von Fremd- 
wörtern wird selten der fremde Laut noch geachtet: Spiritus, Spektrum, stu- 
diren, Stil, Strapaze, Stuart, Stenographie sind eben eingebürgert (vor 25 Jahren 
sf^e man noch Stenographie mit dem st wie in West); der Gelehrte ss^ in 
stabat mater das st wie in Stab, aber Spiritus asper »- Schpiritus asper. 

2. Als Inlaut oder Auslaut bleibt st und sp scharf, geblasen, also Wespe, 
Haspen, Last, Lust, Polster (nicht Weschpe, Luscht, Polschter wie in S.D.) — 
s. jedoch § 92. — In Fremdwörtern bleiben sp und st — sp und st: — Hos- 

Si&l, Knaster, Astronomie, justement, subhastiren, auch in dem davon gebil- 
eten „versebastiren". So auch in Shakespeare, was der Leipz. Theaterzettel 
©l^dei^neat druckt! 
§ 95. 3. Die Endung sehest zieht man zusammen zu seht, z. B. du wünscht, 
du hascht. — Bspr.: In „du kannst, du sollst, du willst'^ noch gewöhnlicher in den 
UmkehruDgen „kannst du, sollst du, willst du'' spricht man für das st nur ein 
t (alte Schreibweise willtu, soUtu); ,,das gannte m'r glöm*' »» das kannst du 
mir glauben; bäuerisch: was willte denn? städtisch: was willst'n; dgg. bleibt 
unverändert: du magst, du darfst, du brauchst und andere. 

z, c. 

§ 96. 1. z erleidet nur geringe Veränderungen; nach 1 und u ist es von s nicht 
zu unterscheiden: Gans und ganz, Falls, Falz und Pfalz, Franzen und Fransen, 
Plinsen und blinzen klingen uns gleich; Schreibweisen wie: Halz, Schmelsbntter 
sieht man auf Ladenschüdern 1 Für zwischen und zwitschern sagt man oft 
schwischen, schwitschem; kurz wird in gemeinster Bspr. zu kortsch; schluch- 
zen »= schluxen s. § 70. 

§ 97. 2. c in Fremdwörtern = z, z. B. Ceder, Cigarre; — placiren klingt bald 
plassiren, bald plaziren. In gezierter Aussprache wird — auch auf der Bühne! 
— aus einem Offizier ein Omsir, halb deutsch, hiJb welsch. Vielleicht soll da- 
durch das z in Sellerie (Zellerie) wieder wett gemacht werden. Ganz unver- 
meidlich ist diese gemischte Aussprache freifleh bei „Ingenieur'^ dagegen, 
sprechen nur Ungebildete Engen wie eischeen. 

V. Die Schmelzlaute I, m, n^ r und der Nasenlaut ng. 

L 

§ 98. 1. Für 1 tritt mitunter r ein; man sagt Escher f. Eschel, Franell f. Flanell 

Kristier f. Klvstier (ital. cristero), Eg., Eh.; für vielleicht hört man oft ver- 
1 eicht; das Dorf Pristäblich wird Pnstäbrich ausgesprochen. Anstatt stolpern, 
holprig heisst es storpeln, holkrig. Vgl. Hebel und Heber , Turban und TuÜ- 
pane, beide vom türkischen Tulban; mhd. murmern neben murmeln, ent- 
sprecnend der lat., franz., engL, itaL, spaü. , portug. Form; ferner: franz. 
Angola und Angora, rossignol von lusciniola. — Das Umgekehrte s. § 108. 

§ 99. 2. Selten setzt man n iTl, so in: Nillje f. Lilie, s. § 30, 6; so entsteht Norbel 
f. Lorber im Sinne von Schafmist. 

m. 

§100. 1. Für m tritt n ein in der tonlosen Endung em, z. B. im Dativ: mit 
kalten Blut, von rothen Wein u. s. w., was die Verwechselung mit dem Accu- 



sativ wesentlich begünstigt. Aus Athem wird aten (Btr.), äden, Bspr. addn, 
aus Odem: öden, oddn. Für Katechismus, Kollegium, Pantomime hört man 

" \ man denkt an: Miene). So wer- 
an, z. B.^an Sonndage, an letzten 



aus vfueiui uucu, uuuu. jd ur A.ateuuismu8 , js ^ 

faddegissn, das gollegen, die bandomine (Sz.; man denkt an: Miene). So wer- 
en auch die Wörter im und am zu in und a 



§ 101—104. 17 

Male» in Bahnhofe; Wn.; s. noch § 104 c. Ans der Yerwechslnng von m nnd ii 
erklärt sich auch der Einderreim : , Schneckenhans, kriech ans^ anstatt Schneck 
im Haus. 

2. Die Endung sam verflüchtigt sich zu s'n, z. B. rats'n f. rathsam, ar- § 101. 
heits'ne Leide f. arheitsame Leute; behuts'n f. behutsam; Eg.: arbsn, bahntsn; 
ähnlich: der Breidch^n f. Bräutigam. 

3. In einzelnen Fällen findet sich nk oder ng f. m, so: Hin^beere f. Hirn- § 102. 
beere ^ Es,; (P.P. Hintbeere, wie mhd. hint-ber. die Beere, weiche die hinte, 

die Hirschkuh, gern frisst; im Eg. ist Hirschoeere eine mildere Sorte von 
Brombeeren); Gingang f. Giugham. 



1. Für wen sagt man wem, bes. wenn es betont werden soll: wem hast § 103. 
du gesehen? Das m lehnt sich an das w an. „Zum^ tritt für die leider ver- 
lorene Zusammenziehung zun (mhd. zen) ein: zum Kindern gehn, zum Leuten; 

f auf Firmen : „zum drei Bösen." 

2. Das auslautende n bequemt sich dem nachfolgenden Konsonanten an §104. 
(LautangleichungV 

a) n vor b, p, f, v, w wird m, man sagtBamft, samffc, Semf, Hamf, Hämfiing, 
Jemf (f. Genf), fömf, Zumft, Vemumft, Zukumft, f. Ranft, sanft u. s. w., was 
zum Theil der Abstammung entspricht (Zukunft von kommen, Vernunft von 
nehmen, ahd.: flmf, samft, ramit, vernumft; schwed.: femton, dän.: femten 
"" 15; schwed.: hämpUng = Hänfling. Hanf: schwed. hampa, dän. hamp; 
Zukunft schwed. ankomst, hoU. toekomst.) l^D., Sz. Aehnlich ist leidenamt 
f. Leutnant. Dieselbe Lautangleichung findet sich dann auch in Zasammen- 
Setzungen: umbeqnem, umbefangen, umbedingt, ambinden, Amblick, ämfangen 
(gewöhnlicher aber: anfangen), ampassen, umpassend, ampacken, umparteiisch, 
Simbild (für Sinnbild, erinnert an Symbol), komfirmiren, Komfession, Komfusiou, 
imfam (auch imfaum f. infam), umverschämt, umvemünftig, ummäss^, um- 
möglich, ömecht*g (ohnmächtig); so auch Schwambei f. Schwanenboi. Ebenso, 
wenn nach Ausstossune^ eines Buchstaben das n und ein Lippenlaut zusammen- 
kommen, z. B. embinden f. entbinden, emberen f. entbehren (empören klingt 
ebenso). Hammbiechen, Hammichel f. hanebüchen (von Hainbuche), Hansmichel. 
Femer im Satzzusammenhang: Sachsen um Bayern ^f. und); er war im 
Böhmen; ich bimm'r fbin mirj Nischt bewusst (übrigens heisst es ahd.: ih pim); 

aoer du nast ewig was amm'r (= an mir) zu tadeln; mam 

nan muss; das kamm'r f. das 

wenn mir; w^mmVsche 0= 

wenn wir sie) treffen; wemm'r'sch (= wenn man es) nich merkt. So in Pf., 

£g. und anderwärts; vgl. die hochdeutschen Formen: empören, empfehlen. Im- 

biss und die gleiche Alliteration in den romanischen Sprachen. 

b) Da wir und man oft gleich mir, mer, m'r, gesprochen werden (s. 
§ 190), so kommt auch vor diesen Wörtern dieselbe Lautangleichung vor: 
wemm'r gehn, hamm'r imm'r schlechtes Wetter; gehm'r aw'r nich, simm'r drum 
(sind wir); was woUm'r nu duhn? das essm'r (essen wir); wenn gomm'r'n hin 
(kommen wir denn)? das gammer machen (kann man)* wemm'r Unrecht gedan 
werd un wemm'r unsr Geld nich kriegn, da werd m'r'sch'n (man es ihnen) schone 
stecken; (wemm'r ist also = wenn mir, wenn man, wenn wir); Eff., s. noch § 126 a. 

c) Vor g nnd k wird das n zu ng, obschon es der vorhergehenden Silbe 
angehört, z. B. das ung-glück, unggeheuer, anggehn, hinggehn, angkommen, 
hinggegangen, unggeschickt, inggrimm, unggefähr, auch onggefähr (in Bozen: 
unggfär). Ebenso nach Ausstossung eines Buchstabens; z. B. Fenk i. Pfennig. 
Fangkuchen f. Pfannenkuchen (ßsl. rfangkuche), Brungkresse f. Brunnenkresse, 
Zing-^iesser f. Zinngiesser, Sanggallen f. Sankt Gallen, und im Zusammenhang 
der Worte: das kang komm'; wang kam er? ich hing gewesen; ich bin drang 
gewöhnt; ing guten Händen, vong guter Seite; es gang gar nich fehlen (kann 
gar\; sie sing gelaufen (sind); eine Fabel vong Geliert. Dies erstreckt sich 
aucii auf das für m eintretende n: er ist ang grössten, ang kleinsten, ing gleichen 
Falle. Vgl. die Aussprache von handkerchief. 

Albrecht, Leipz. Mundart. o 




18 § 105—110. 



§105. 3. Einzelnes: n = r in man Opar» nier, m'r, s. § 190); n «= 1 in ürdels* 
band (ein Schmetterling); Bpsr. Zaum wird oft für Zaun gesprochen. — s. 
noch § 90 über nd, nt. 

^' 

§106. 1. Es wird in einzelnen Fällen zu n, z. B. Bedinnung f. Bedingung Qm 

Ztw. bedingen bleibt es aber richtig) ; es wird zu m in Jungfer = Jumfer, ND., 
Eg. (so in Richard Wagner's Meistersingern), jüngferlich •=« jümferlicb, (lehnt 
sich gut an zimferlich f. zimperlich an). 

§ 107. 2. Das auslautende Dff klingt meist wie nk; so in Bing, Bang, Ding; den 

sanften Laut erhält es in der Mitte wieder: Binge, Bange, Ungarn, Dinge, 
englisch, länglich, Angler u. s. w.; ND. Der „ferein fon mennem, welher di 
einfürunc der rein fonetishen ortografi auf seine fäne geshriben hat,** wünscht 
diesen Unterschied auch wieder in die Schrift einzuführen. Mit dem gleichen 
Laute ng, also mit zu offenem Munde spricht man auch französ. Wörter: 
Meublement, Nuance, Orleans, Jean («> Schang!). 

Ldl dem Adjektiv lang bleibt in der Bspr. durchweg das k, im Adverb das 
z. B. „ich habe lange auf den lanken Eerl gewartet, aber nu wird mir 
[ie Zeit lank;'* eris 1 an k -»» hochgewachsen; er is lange, er bleibt lange aus. 
So an der Buhr: du büss lang geblewen; de Bank üss lank. 

3. In einigen Eigennamen und Fremdwörtern, bes. wo ein o oder u 
auf ng folgt, lautet ng «=» ^g-g, z. B. Mangan, Mangold, Mongolen, Longo- 
barden, Känguru, evangelisch, — in andern wie nj, so in: Flamingo, Domingo, 
Angelika, Marengo, Fandango, Mungo Park, auch in: Diphthong; Manche sprechen 
auch Lonjobarden, Eänjuru; vgl. § 73. Dagegen klingt ng in: Ingelheim, 
Ingolstadt wie in: zwingen 



dl 



r. 

§108. 1. r wird öfters zu 1 erweicht (Eg.), so: Balwier, Pf., Bsl.; („der Dorf- 

balbierer** hiess eine Oper v. Chr. F. Weisse, 1777); Salvete f. Serviette, ND., 
Schw., ital. salvietta; Salfelatworscht, Wn., Kam allen vogel, Mörschel (Mörser), 
Ablikose (Aprikose, Ho. und Schw. : appelkose, ital. albicocca), malkem f. mar- 
tern; der Schlittschuh hat den Schrittschuh (ahd. scritescuoh) , ND. Striedscho 
V. strieden, schreiten, fast ganz verdrängt. Für observiren sagt der Bauer „ob- 
selfirn'*, der Ungebildete „absolviren**; — ND. alifiren f. arriviren. Mhd. Kirche 
u. Küche, Buder u. Budel, Körper u. Körpel, Koriander u. Koliander; tölpel ist 
= törper, dörper (Bauer, Tölpel). Vgl. schütteln und erschüttern, Faser und 
faseln, wandern und wandeln; ital. ciri^gia und ciliegia, pellegrino und pere- 

frino von peregrinus, albero von arbor; s. § 98. Wie beweglich das r bei 1 ist, 
eweist, dass man nicht gar zu selten hört: „er hatte nichts Eileriges zu 
zu thun" f. Eiligeres. 
§109. 2. n f. r tritt ein in dessentiren f. desertiren (vgl. § 146); missverständ- 
liche Verdrehung hört man in: Patritur f. Partitur. 

B. Yerkiirzniig der WSrter durch Ansstossnng von Bnch- 

staben oder Silben. 

I. Ausstossung von Vokalen. 

§110. 1. Die „Verflüchtigung der Vokale*', namentlich in unbetonten Silben 

längerer Wörter ist schon besprochen (§ 12); hier erwähnen wir noch der Fälle, 
wo vokale ganz weggelassen werden.*) Es ist stumm ain: Grimmische Strasse 
f. Grimma'sche, Jochensthal f. Joachimsthal (Name eines Gebäudes; vgl. ND. 




heixnen Last am Verderben und Yertuistalteii heryorEiigehen yielmehr einem tiefen und 
nnbewuBBten Gefühle des Wohllautes folgt. 



§ 111-113. 19 

Jöcben), Gadrine f. Eatharine, zu Mittche, Snond'ch f. Mittag, Sonntag; Is&ak 
und Kanaan lauten wie Isak and Kanan; Israeliten »» Isreliten; Bräutigam = 
Bräutchn, Eg.; über die Endung sam s. § 101. 

e in: Gorch'nhaus f. Georgenhaus (wie Gorge, Jörge); sperrangelweit wird 
zu sprangelweit, Eg. • appliren, Emstinej, femer ist e stumm in den meisten 
tonlosen Endungen : mummet, Grummet, Sammet, du schössest, (s. § 95), Damen, 
Graben (= grahm), Leben (:=» lähm); ganz besonders zwischen zwei gleichen 
oder ähnlichen Lauten: er redet; ihr rettet und ihr rettetet lauten =» rett; 
8. § 204. 

i in: Leibz'ch, Essy, verz'g (40), sibbz'ff u. s. w., ibb'g f. tippig; ew'ch, 
led'ch, beir'sch f. bairisch und bäurisch, Fenk f. Pfennig, Dick'cht. Bspr. 
Bredd'cht f. Predigt* Breidchen f. Bräutigam; die Schneiderin, die Gech'n 
(Köchin), Werd'n f. Wirthin, die Frau Mei'rn; hesch f. hessisch, franseesch f. 
französisch, rusch f. rassisch, bolsch f. polnisch, breisch f. preussisch, Käbsch 
f. Eabisch (Name); 'r f. das persönliche Fürwort ihr; z. B. was wollt *r? Da- 
gegen bleibt das Besitzwort ilir richtig, oder es wird zu ähr (Bspr.). 

Die fremde Endang ien wird oft zu 'n: die Privilegen, die KoUeg'n (s. 
Kollegien): s. § 30, 6. 

in : J egrafie f. Geografie, Karline, Schoglade f. Schokolate ; Dedor f. Theodor. 

u in: ^imedissen ( Kheumatismas) ; Borpr f. Parpur. Das Bivouak, aus- 
gesprochen biwak, erhält fast ganz sein ursprüngliches deutsches Kleid wieder 
Seiwacht). Februar wird Fewerar, Febrar, in Oe. Feber; Beifuss in Bspr. 
Beiwes, Beibs, Th.: Bäbs. Für und wird zwar gewöhnlich un gesagt, aber in 
den Zahlzusammensetzungen klingt es nur 'n; so in: ein'nz wanzig, zwei'n- 
dreissig, drei^nvierzig u. s. w.; bei Zusammentreffen mit der sieben verschmilzt 
es mit der Silbe en: 27 «= siemzwanz'ch. — Du = de oder d\ was suchste 
denne, oder: was suchst'n? = was suchst du denn; hast'n = hast du ihn; 
haste se «» hast du sie; nimmste s'r «» nimmst du sie ihr. 

ei in: ich arbte f. arbeite, während die Grundform arbeiten = arböten 
ist, seltner arb'tn; Eg., Sdt. 

2. Li zusammenhängender Bede werden manche Vokale weggelassen; z. B. §111. 
was'ch'r gabb. hadd'ch ibrig; 'r hat nischt beis'ch, se bringen nischt vors'ch, 
"sis^n (es ist innen) aw'r schone recht; ob'ch's^n (ob ich es ihm oder ihnen); 
wie'r'n verloren hatte (er ihn); ich hamm' oder ich habb'n (= ihn), Eg. 
„Wemm^r'sch sieht, da lässt m'r'sch liegen , sieht m'r'sch nich, da hebt m'r'sch 
uf" (das Loch in der Haselnuss). Wemm'rs'ch'n (wenn man sich den) Gaffee 
selwr gocht. 

11. Ausstossung von Konsonanten. 

Allgemeiner Grundsatz: Wenn zwei gleiche oder zwei nah verwandte §112. 
Buchstaben zusammenstossen , bleibt der Bequemlichkeit halber der eine weg; 
man wird z. B. in das Seil, mittheilen, Wilddieb niemals zwei deatliche s, t, d 
hören. Abbrennen, abbrechen, abbeissen lauten fast ganz wie abrennen, ab- 
rechen, abeisen; Filzschuh = Filtschu ; Halsschmerz = Haischmerz; Holzstoss 
s» Holschtoss; Holzschneider = Hollschneider; der älteste = eiste; zum min- 
desten »° zuminsten; Trinkgeld = Tringgeld; plattdeutsch = blädeitsch; es 
schneit, was spielt er, ich muss sprechen, er geht durch, sie isst das, die 
Schweiz steht gross da, klingen: e'schneit, wa'spielt'r, ich mu*sprechn, er geh- 
durch, sie issdas, die Schwelt schteht a. s. w. Das Dorf Portitz lautet: Bürz; 
Schkeuditz :=» Scbkeiz. Ebenso verkürzt man: „in Garten, an Nagel'' f. in den 
Garten, an den Nagel; s. noch § 204. Man vergleiche mit dieser bequemen 
Aussprache Formen wie: den albern Mönch, den ledern Gurt, mit einer silbern 
Zange (Lessing). 

Beispiele mit stummen Konsonanten. 

h, p: halwege, halpart, Simtom f. halbwegs (ND., Sdt. holbig), halbpart §113. 
Symptom; Bspr.: gehatt, se bann, ich hac (P.), icn gä d'r 'was f. gehabt, sie 
haben, ich haoe, ich gebe dir Etwas; gäl f. gelb; Y. 



20 § 114—117. 



d. 

§ 114. 1. Zu Anfang in: das (='s), des, dem, den, dessen, derer, P.; s. § 184; 
*n und enne f. denn. 

2. In der Mitte meist nach Konsonanten, bes. nach flüssigen: ich werde, 
V., P., Schi.; in Bspr. wird es ausgesprochen: ich wäre, dgg. heisst der Kon- 

i'unktiv „ich wäre = ich w^re. Kaldaunen, Wildpret (= wilb*rt, wilw'rt; Sdt., 
Ih.); die Mulde = Mühle; Abendbrot (spr. Ahmbrot); Dresden = Dräsen. — 
Die Bspr. geht weiter als die städtische; sie sagt: Anegade f. Advokat, Mächen 
f. Mädchen; wunnerbar, Aebem f. wunderbar, Erdbirnen, üeber die Verbindung 
nd s. § 90. 

3. Am Ende: un f. und, sinn f. sind; Bspr.: das fähr, die fähre (in der 
Stadt: Ferd, Fähre); das Färichen (f. Pferdchen, auch in der Stadt; Sdt. die 
Pfare); baal oder baale f. bald (V. u. El. ball, Schwb. bal, Rh. boU); Marke- 
tender = markedäner. 

t. 

§115. j. InderMitte: Fasnacht, mhd. vasnaht neben vastnaht; B. Fosinacht, 

ND. Fasslabend ; Sankt Gallen = Sanggallen ; Nackfrosch f. Nacktfrosch (nacktes 
Kind\* der Alte = ahle, Bspr., ND.; halen f. halten; der hunderschte f. hun- 
dertste. In der Vorsilbe ent verschweigt man das t bes. vor z, seh, f, g, b; 
man sagt: enziehn, enzwei, enschieden, enschliessen, enschuldigen; auch en- 
fliehn, enführen, enstehen; für entgelten, entbehren sagt man: enggelten, em- 
behren; dagegen wird empfinden zu entfinden. — üeber die Parthe s. §83. 
So erklären sich auch Fehler, wie: der drinffenste, der bedeutenste, die sich 
z. B. auch in Hackländer's, Spielhagen's Schriften finden, jedenfalls infolge nach- 
lässiger Korrektur. Ebenso erklärt sich das Gegen theil: § 139. 

2. Am Ende: er is f. ist (aber nicht du bis f. du bist); nich f. nicht, P.; 
— in Drsd., L. ni, Sdt.: ne; Erzg., V. net; er hiel, sie hielen f. hielt, hielten; 
der Habich f. Habicht; Daweldo und dö-a-de f. Table d'hote und t^te-k-t^te! 
Bspr. : er sulle gumm, aw'r e wulle nich, er sollte kommen, aber er wollte nicht. 

Die Verbindungen nd, nt bleiben beim Städter rein, in einiger Entfernung 
von der Stadt klingen sie entweder wie ng, z. B. hingen, fingen. Kinger (s. § 90), 
oder auch nur wie nn: binnen, finnen, schwed. finna. Ginner = Kinder. Vgl. 
schott. bin, blin, flu, win, lan = binden, blind, finden, Wind, Land. 

Die Silbe det, tet wird zusammengezogen zu blossem t: er redet; sie bätt 
heisst sie betet; dgg. sie bett = sie bettet; s. § 204. 
§ 116. 1. g fällt in manchen Fremdwörtern zwischen zwei Vokalen aus, man sagt 
z. B. Relion (feiner: Relichon), Real, Laterne meiga f. Religion, Regal, Laterna 
magica. 

2. In der Bspr. ist g in der Endung -agen stumm, seltener in -agel und 
-egen; z. B. fran, dräu, schlän, sän, klä.n (mhd. klän), der wän f. fragen, 
tragen, schlagen, sagen, klagen, der Wagen; Eg., P., Th., Sdt., Rh.; vgl. engL: 
say, slay, day u. s. w. So in den Ableitungen drakorb (Tragkorb), es sohlet 
(auch schlett) f. schlägt, der Schlätot (Todtschläger), erlebt f. liegt, se l^n =« 
liegen, dagegen anlßhn = anlehnen; er fräte (auch frete) f. fragte, er sat f. 
sagt, Schw. er sait, gesait; er kreit f. kriegt, von kreien f. kriegen. In 
manchen Wörtern wird aber das g erhalten, so in jagen (neben jechen = ver- 
scheuchen), Kragen, Magen, Tagen, wagen, sie lagen. Man sagt: der Hagel, 
aber der Näl (Nagel, mhd. nagel und nail, näl, engl, nail), Degen, aber der 
Rähn (Regen, mhd. rein u. rögen, engl» rain), es rähnt (regnet), Sog. Aehnlich 
am Ende: zei' 'mal f. zeig 'mal; lee d'ch f. lege dich (mhd. er leite u. legete, 
ligen u. lin); da leit's f. uegt es. 

3. Vor Konsonanten fällt g selten aus, so in Mahd f.Magd, Meede für 
Mägde (vgl. Maid, Mädchen, Mädel); incognito lautet = ingonido. 

§117. ^ verschwindet (nebst p) in dem Blumennamen Hortensie, der Attens'che 
' ausgesprochen wird, und nach eh: in Wachholder; Eichhörnchen. 



§ 118—123. 21 

eh. Der Auslaut eh wird maocbmal, bes, in Bspr. abgeworfen; z. B. er is § 118 
ob na uicb da f. auch nocb nicht; er werd bemahn glei gumm (hernach gleich 
kommen); 'sis donnich wahr (doch nicht); nammiddage (ND.) oder nammitt'cbe 
f. Nachmittag, Eeistrasse f. Eeichsstrasse, büschtawe, büschtewiren f. Buchstabe, 
buchstabiren ; Aehnliches in Sdt., Di., V., Schw. Die Deichsel heist Deistel; 
dgg. ist der Deixel der Teufel. 

1. Das auslautende 1 wird häufig stumm in mal: „gomm ma 'runter": §119 
wi viel ma geht's? Eh.; — eine Mausctielle f. Maulschelle. Inlautend wird 
es weggelassen in Tischler (Tischer, alte Form; bei Goethe öfters). 

m ist stumm in athmen, so dass dies, wie auch das Hauptwort der §120 
Athem, «= ad'n klingt; s. § 100. Aus Omnibus wird önibus, auch ornibus, bei 
Btr. Anibus; vgl. franz. automne gegen engl, autumn. 



1. Für das Neglige sagt man oft das Eglische; man hat wohl oft ee- § 121 
hört „im grössten Neglig^, in Neglige*' u. dgl. und weiss nun nicht, wohin 

das n gehört! Aus ähnlichem Grunde sagt man : die Esteration f. Restauration. 

2. In Mitte der Wörter verstummt n bei Konsonantenhäufung; so: Ohn- 
macht, omächtig [was übrigens die richtige alte Form ist, mhd. ämaht, worin 
äverneinende Vorsilbe ist; Luther schreibt anmacht, ammacht; Eg.: Amocht], 
bölsch f. polnisch, Derbedin f. Terpentin, BsL; lammediren f. lamentiren, fufz'n, 
fufz'g, der Gummedant f. Kommandant, regummediren f. rekommandiren; 
Schorsteen f. Schornstein; Bspr. die Biesen f. Binsen, ND. Biesen und Beesen; 
holl. bies. — die Zeitwörter auf nen nach einem Konsonanten werfen das eine 
n ab: rechen, zeichen, begeben, regen; s. § 203. 

3. Femer ist n stumm in mein, dein, sein; z. B. mei Appel, dei Disch, sei 
Loschir (Logis); meine, deine, seine werden vollständig ausgesprochen, nicht 
wie in SD. mei Mutter. Meinen, deinen, seinen lauten mein, dein, sein. — 
Für nein waltet die alte Form nee vor; dgg. bedeutet „'nein" hinein, s. §124; 
kein wird zu gee (gee Geld; Bsl. kä); das Neutrum kleines kürzt man zu 
glee: e glee bischen, so e glee Mädchen (nicht aber: e glee Stuhl u. s.w.): in Zusam- 
mensetzungen: Gleeschochr f. Kleinzschocher. Gänseklein, Hasenklein heisst 
Gänseglee, Hasenglee. Für nun sagt man immer nu; V. — Bspr. der Weeze für 
Waizen; schee, auch schie, schiene f. schön; bei zeite; 'neifaUn, reigumm f. 
hineinfallen, hereinkommen; drei nei scblän f. dareinschlagen, Sdt.; eigeweecht, 
Eigebinge f. eingeweicht, Eingebind (Pathengeschenk). 

r. 

1. Ueber Esteration f. Restauration s. § 121, 1. 

2. Inmitten der Wörter fällt r aus bei Konsonantenhäufung, z. B. in Kar- § 122. 
zer. Quartier (Bsl.J, Quartal, Vorderhaus (alt) ; aus Garderobe, Guirlande, Schar- 
nier, Räucherkerzcnen, Parterre, Artillerie, Hortensie, Sekretair, martern, mar- 
schiren, exerziren, Cremortartari wird Gaderobe (so zu lesen auf einer Firma), 
Gerlande oder Galande (s. § 28), Schenier, Rauch ergätzchen, Paderre, Atollerie, 
Attens'che (§ 117), Sekedär oder Seckldär, mattern (auch malkern), maschiren, 
exeziren, Gremedadderi; Sdt. Man sagt richtiff der Akkord, aber verackodiren. 

Die ursprüngliche Form Burgemeister (Meister der Burg, ausgesprochen 
Borg^meester, mhd. burgermeister) hat noch immer das üebergewicht über deai 
„Bürgermeister". (Goethes Faust: „Nein, er gefällt mir nicht der neue Burge- 
meister".) Maurer, umgelautet in Maurer, wird zusammengezogen in Mäur, 
Meir. — Bspr. unse Knechte sinn uf unsen Felde; L., V., ND. 

3. Am Ende wird r verschwiegen in meh f. mehr, nämeh f. noch mehr; 
e hat f. er hat, der Farre f. Pfarrer; Bspr.; — ferner in Plaisir; neben Faser, 
Fäserchen sagt man auch: Fase, Fäschen. 

8. 

Die Verbindung Sc oder Sz spricht man nur wie z: Scene, Scepter (wird § 123. 
auch Zepter geschrieben). 



22 § 124—127. 



III. Ausstossung ganzer Silben. 

§ 124. 1. Zu Anfang. Hin und her werden vor Vokalen zu n und r verkürzt, 

wie wohl auch in Schriftdeutsch: 'nunter, 'raus! — Oben hinaus und der 
Name Oben aus klingen beide ohin 'naus. — Mal f. einmal steht ebenfalls der 
Schrift nahe. — Die Grüsse „'fehl mich Ihn, 'schäm ster Diener, 'n Tag, 
'n Abend, 'n Morgen, 'Mahlzeit" grenzen schon mehr an die Ellipse. ~ 
Dessen wird abgekürzt zu s'n, z. B. ich habs'n. 

§125. 2. In Mitten längerer, unbequemer Wörter; man sagt z. B. arb'tn, 
Gaddr Strasse (so im „Galanten Leipzig,'* 1769), Schkeiz, Linkel, (so in 
„Baumgarten, Flora Lipsiensis,** 1790), Eanscher Steenweg f. arbeiten, Eatha- 
rinenstrasse, Schkeuditz, Lindenthal, Banstädter Stein weg; Borke r^schdorf ist 
sowol Burkersdorf als Burkhardsdorf; in Bspr. : die Wärt (Eg. Wort) f. Wahr- 
heit, Malst f. Mahlzeit. Borsdorf er Aepfel heissen borschter Eppel, es fUllt 
aber Niemandem ein zu sagen: der borschter Bahnhof f. der Borsdorfer. Für 
ordentlich sagt man orndlich, V.; — Köln: öhntlich; Ndr. Oe. ordla; Schi.: 
urnär f. ordinair; Sz. ortlich, Ornig f. Ordnung; engl.: ordinary vulgär ge- 
sprochen = onery; s. § 90. 

Natürlich betriftt solche Verkürzung bes. längere Fremdwörter, z. B. 
bremerando, MachoHi, Eonstorium, Eonstution, Remeration f. pränumerando, 
Mahagoni, Konsistorium, Konstitution, Eenumeration. Nickelsgerche f. Nikolai- 
kirche; s. dgg. § 148, 2. Sehr selten gelangt der Superintendent zu seiner 
vollen Entfaltung; das Volk sagt Supperdent, der feinere Mann Superindent 
(in einem Erlass der sächs. Regierung von 1540 heisst er: Superattendent) ; vgl. 
Operment f. auripigmentum, engl.: orpiment. 

§ 126. 3. Verkürz te Endungen: a. Die Endung en an Ztwt. bleibt vor mir und 
wir (= m'r) oft weg : — die gefall'm'r; das drink'm'r (trinken wir); den lass'm'r 
sitzen. Die Endung men schmilzt zu einem blossen m zusammen ; so : Säm , Exam, 
dieNam,_äm Tarnen), der Daum (mhd. doum), [So in dem Kinderreime: „Das is dr 
Daum, der scniddlt de Flaum.'*], dieFlamm, die Vornehm, die Muhm, zusammnehm, 
reim (= reimen, räumen, reioen), dreim (= träumen, treiben). Das Omen und 
oben lauten wie der Ohm. — Der Riemen heisst Riem, hat aber eine beson- 
dere Mehrheit: die Rieme; der Rahmen klingt Rahm (mhd. ram, also wie 
Rahm (Sahne) und wie Raben, § 82), Mehrzahl ist: die Rahm' oder Rahme. 
— Vgl. die Endung ben =in, § 82.; ebenso wird in Bohrer, Nagelbohrer u. s. w. 
das er verschluckt; — mhd. nagebor; der Stänker f. Stänkerer (s. W.-B.) — 
heesch, heisch f. heiser s. § 93. 

b. Einzelne Beispiele: schleesch f. schlesisch, secksch f. sächsisch, breisch 
f. preussisch, franseesch f. französisch (mhd. franzoisisch, franzoisch, franzois, 
franzisch). Die Böst, Eg., Närscht f. Bosheit, Närrischheit; Freindscht f. 
Freundschaft, Werkscht f. Werkstatt, Malst f. Mahlzeit, Hochz'ch f. Hochzeit, 
Heemde f. Heimat, Bardlmee f. Bartholomäus s. § 43^ 2 (wie Horaz, Properz 
u. dgl.). Das am Lilienstein in der sächsischen Schweiz liegende Dorf „Eben- 
heit", wird „d' Aehmt** genannt; ein Ort bei Roda in Thüringen „Hochstedt" wird 
dort „die Huscht** (kurz) ausgesprochen. — „üeber J4 Tage** klingt in Bspr. 
iw'r verz' Tage, genau wie engl, fortnight. 

§127. 4. Hieran Hessen sich eine Menge von Vornamen reihen, welche aus 
Zärtlichkeit oder Tändelei verkürzt oder verstümmelt werden. Wir begnügen 
uns mit einigen wenigen: Dine f. Albertine, Ernestine; Trine f. Katharine; 
Wine f. Alwine; Gustel f. August und Auguste; Boldchen f. Leopoldine; Deele 
f. Adele; Ede f. Eduard; Hede f. Hedwig; Lude f. Ludwig; Lus t. Julius; Mile 
f. Emilie; Male f. Amalie; Nande f. Ferdinand; Säle f. Rosalie; Liese und 
Wiesel f. Luise; Trudel, Traudel f. Gertraud. 



§ 128—132. 23 



E. Terlängerung der WSrter durch ZufQgung tob Buchstaben 

oder Silben. 

I. Zugesetzte Vokale. 

£s handelt sich hier hauptsächlich um die Laute e and i, welche aas Be- §12S. 
qaemlichkeit oder des Nachdruckes halher oder aas anderen Gründen an unge- 
höriger Stelle angebracht werden. Im Vorbeigehen sei erwähnt, dass o sich in 
dahero, hin furo, numehro noch einiger massen erhalten hat, wie in desto, 
dero. Ueber das fälschlich ausgesprochene u in Guido u. dgl^ s. § 50. 

1. e wird vom angesetzt, der Verstärkung halber, nur in eso f. so, wenn es § 129. 
allein steht; »das musst du ^so machen"; V. asu; dgg. „so gross, so gut u. s. w." 

2. Wo in Mitten der Wörter mehrere Konsonanten zusammentreffen, wird §130« 
entweder einer aus^estossen (s. § 122 — 125), oder es wird ein e als Bindemittel 
eingeschoben ; so: K^rel, Kärel, Citerone, Liwer^e (so auf einer Firma; im Mittel- 
alter: Liverey, Liberey, in Bondeaa). Eaperolichen , Besalm (Psalm, Bspr._ Ba- 
salm); das Sugenal f. Signal; — Bspr., der mhd. Form entsprechend: Krebes, 
Obest, Herbest, £g., V.; Erbosen. So verhalten sich auch die sdten Formen 
Gelück, geleich, Genade f. Gltick, gleich; V.; mhd. eelücke, gelich, genäde. In 
Zusammensetzungen, wo es ja oft auch im Schriftdeutsch steht (z. B. Bade- 
platz, Haltestelle): — innewendig (mhd.), Mittewoche, Schinnebein (mhd.) oder 
Schennebein, Stoppenadel, Leinewand, Strickenadel, Gewerbeschule, Malekasten, 
Fragezeichen, Tagewächter, Tagereise (dgg. im Eg.: Tokwachtr ; Töchräs'), Grosse- 
mutter, Grossemagd (aber nicht: Grosseknecbt, Grossevater); die Festestellung, 
Geradebiegung; (fiasemticke, Jungemagd. — er is reeneweg närrsch (reinweg =«» 
TöUig); eisekalt. 

3. Seltner tritt hier i als Bindemittel ein: Millich (mhd. milch u. milich), §131. 
Männichen, Hannichen, Aennichen, Pfännichen (ganz wie Pfennig), welliches f. 
welches (mhd. w@lch u. wälich); vgl. manch u. mannigfach; ähnlich: Strapazie, 
Depensie (Ausgabe), welche strapazche, depangsje klingen, skandaliös f. skandalös. 

Im Leipz. Tageblatt war MTünichsand*' (Tünchsand) zu verkaufen. 

4. Ans Ende der Wörter setzt man e nach Konsonanten, um einen sanfteren §132. 
Schluss ZQ erzielen, a) So bei wenigen Hauptwörtern: Der Soldate, die Musike, 

der Musikante, Husare, die Bahne, die Eisenbahne; eine Federkiele (f. derEiel); 
eine Haare, eine Eanariensiee, der Vorfahre, Elefante, Leoparde, Profete, 
Poete, Fritze, Präsiden te, Studente, Assistente, Gummandante, enne Hibbedeke 
(Hypothek), Stenograf e, der Gammerade (Eamrad); er kam ^egen Abende. 
Über dieses e macht sich schon der Abenteuerliche Simplicissimus (I, 8, 7) 
lustig, insbes. über Formen wie: der Herre, Narre, Knechte, die Ma^de. 

Ziemlich regelmässig tritt e an die sächlichen Sammelnamen mit Ge-, wie : 
das Gelenke, Geschenke, Geschichte, Gedärme, Geleite, Geläate, (jelärme, Ge- 
schirre, Gemüthe, Geschreie, Gewürze, Ungeschicke, — so zum Theil auch mhd. 
u. neu-schriftdeutsch. Wo es zwei Formen gibt oder gab, nehmen wir nur die 
auf e ausgehende, z. B. die Thüre, der Finke, die Quelle, der Geselle, das Bette, 
der Ochse, der Falke, das Hemde, der Herre, die Madame, der Narre, das Herze, 
der Husare, Ulane, der Christe ; das Kreuz (Figur u. s. w.) und das Kreuze (am 
Körper, in Beinkleidern). Wir unterscheiden stets: das Mensche und der 
Mensch. (Der Mensch hat im Dat. u. Acc. sowie in der Mehrheit: Menschen; 
das Mensche bleibt in der Einht. unverändert u. hat die Mehrht. Menscher; 
auch Schriftdeutsch; ND. de Minsch und dat Minsch.) Auch an Eigennamen 
wird das e angeflickt, aus Schwarz, Dietz, Götz, Schulz, Falk, wird Schwarze, 
Dietze u. s. w. Während es im übrigen Sachsen sieben Dörfer „Schönfeld** 
gibt, heisst das bei Leipzig liegende „Schönefeld*'. — 

Anmerkung. Sobald Herr vor Namen oder Titel tritt, heisst es nur Herr, 
nicht Herre: Herr Müller, der Herr Pastor; »der Herr von Erdmannsdorf** ist 
Eigenname, aber „der Herre von Erdmannsdorr* ist der Besitzer des Gutes oder 



24 § 132. 

ein Herr aus dem Orte. Ebenso: ich war bein Hofrathe, aber; bein Hofrath 
Müller. 

b) Bei den Eigenschaftswörtern herrscht ein Gebrauch, der sich zum 
Theil aus der älteren Sprache erklärt: man hängt das e an viele einsilbige 
Eigenschaftswörter, an andere selten. Man sagt: 

„Es ist böse, müde, weise, schöne, enge, zarte (mhd. böse, müede, wise^ 
schoene, enge — aber: zart), reine, meine, deine, seine, unsere, toUe, dicke» 
kühne, feile, feige, harte, nahe, ferne, süsse, stille, kühle, schwüle, leichte, träge, 
heile, feste, feuchte, helle, strenge; — es is recht schöne kühle heute; niche? 

Man setzt dieses e aber nicht an bei: es ist hübsch, gut, dumm, klug, jun^, 
alt, faul, fein, klein, matt, satt, roth, grün, blau, schwarz, weiss, weich, rund, 
fett, nett, scharf, schwer, schroff, breit, blass, fromm, klar, wahr,, lahm, leer^ 
reif, steif, stolz, tief, taub, voll, weit, zahm u. s. w. Unterscheide: er ist lang 
und: er ist lange, s. § 107. Das Alles soll seine sein. 

Bei mehrsilbigen Eigenschaftswörtern wird das e ganz selten angesetzt, 
wenn der Ton auf der Endsilbe ruht: er ist alleine, bequeme, gefüge (gefügig), 
recht gelenke, sogar: ich bin's ge wohne (gewohnt), aber nie: gewöhne f. gewöhnt; 
er macht sich gemeine; aber nicht bei lustig, langsam, albern, verstockt u. s. w. 

c) Bei den Adverbien, welche den Adjektiven bleich lauten, gilt dasselbe; 
bekanntlich ist im Mhd. das e charakteristisch für das Adverb uiid es hat sich 
bei uns in vielen Formen erhalten ; aber auch die Grundadverbien nehmen häufig 
das e an; z. B.: Geh sachte, er schreibt enge, aber dicke; geh heeme (alt f. 
heim); das lag mir ferne; 's wird balde Zeit; er hält feste, auch: er is schöne 
raus, dicke durch; sie is böse angekommen, er is schone widdr da; lauf ge- 
schwinde; wir sitzen recht enge; was willste denne (alt); er gommt zu ofie; 
der gömmt so leichte nich wieder; er stand dichte vor mir; Eg., es regnet sehre, 
er wäre heute sehre gerne drinne"; mit besonderem Nachdruck oder im Scherze: 
„es is Sie werklich sehre scheene**. — Recht bleibt als Adjektiv unverändert: 
„das ist recht'*; als Adverb nimmt es Flexionen an: eine rechte gute Madame; 
rechte schöne Bilder; ein rechter guter Mann, so auch wol: ein sehrer guter 
Rerre ; Brl. Ganz unvermeidlich ist das e an den als Bestimmung gebrauchten 
Participien: es ist gedrängte voll, gedrückte voll, gepfropfte voll, gerap- 
pelte voll (in einem Zimmer); das Fass war gehäufte voll, geschwepperte 
voll; in Th.: gekeilte voll, gepommerte voll. 

d) Den Zahlen 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 11, 12 wird das e angehängt, wenn 
sie allein stehen; „es ist um zweie (zweie noch bei Dichtern); halb dreie, er kam 
Punkte viere; wenn nur erst emal die elfe 'ran wäre; V. Da begreift sich der 
berühmte Rebus: 8 3 = achte Treue! Man sagt aber „zwee Mark, drei Herren 
u. s. w. — 7 heisst siem, Bspr. siem'ne, auch semm'ne (alleinstehend). 

e) An einsilbige Zeitwörter kommt das e selten: „Ich habe viel zu thune ; 
hier gab's was zu sehne*' ; Th. Die alten Formen „ich ritte, ich sähe** hört man 
noch mitunter. 

f) Mit Bewusstsein, um nachdrücklich zu reden, hängt man das e in ver- 
schiedenen Fällen an; z. B. unterscheidet man so: ich undiche, mich und miche, 
dich und diche, sich und siehe, was und wasse, doch und doche, denn und 
denne, d'ran und d'rane. — Man sagt: „es kam ganz nach un nache*', um 
eben das Langsame, Sanfte auszudrücken, ungefähr wie: „balde schlummerst 
du auch". 

g) Bei dieser grossen Vorliebe für das e ist es natürlich, dass es überall, 
wo es als Biegungslaut dient, gern beibehalten wird, also im Dativ. Da- 
durch wird dem Uebelstande abgeholfen, dass der Dativ weder am Artikel noch 
an einem Eigenschaftsworte zu erkennen ist, da man für dem nur 'n sagt, f. 
einem nur e, und das m des Dativ überall zu n abschleift. Man wird nie sagen : 
im Haus, im Nest, im Bett, im Loch, am Thor, nach Geld, sondern: „in Hause, 
in Neste, in Bette, in Loche, an Thore, nach Gelde; so auch: im (in) Aprille, 
im Märze, im Maie; ich sprach mit dem Fisikusse vom Spiritusse; zum Dee 
(Thee); beim Kaffee; in dem Etuie; von dem Echoe; von ä Gakedue (Kakadu); 
ich fuhr den Sack uff e Schubkarne; es stund am Grame (Graben); hast du mit 
Jemande d'rvon geredt? (Bspr.^ Ich bin noch bei Niemande gewesen; bei Nachtej 
er lud uns zu heut Abende ein; es steht auf dem Firmae; es liegt am Losch le 



§ 133—136. 25 



(oder am .Loschire — Lo^is); man Bclireibtes mit dem CeS, nicht mit dem Zette; 
de beeden Bee; mit demem ewigen Ohöe richtest du nischt aus; er war uf 
den ßiroS (Bureau); mit so e Filoue; im Niveaue; neben' Perronge (dem Perron); 
im Hotelie (aber nicht: im Hotelle de Prusse). So behandelt die Bspr. auch 
yiele Eigennamen: ich war bei Herrmanne, bei Koche, bei Schmidte, bei Albrechte. 

Ueber das e im Plural s. § 182, 1. 

II. Zugesetzte Konsonanten. 

a. Hauchlaute: 

h. 

h wird nur selten einem Worte vorgesetzt, bes. in Bspr.: h'rsaufen (neben: §133 
d'reaufn), Hedexe (Bsl. das Hendäxli), nadjje, hir Diener, Holane f. ersaufen, 
Eidechse, adieu, Ihr Diener, Ulan; so auch he, hä f. er; L., Y.; Holl. herinneren 
OB erinnern. VgL § 138. So ist heischen aus mhd. eiscon, eischen entstanden, 
wohl durch Einfluss von heissen. (ND. eschen, holl. eischen, schwed. äska, dän. 
aeske, engl, to ask). So bildet oie Bspr. ein Zeitwort „heizen'* für „ei ei 
machen*' (von Kinderliebkosungen). Vgl. auch ekel und heikel. — Manchmal 
wird h zwischen zwei Vokale eingeschoben, z. B. Michehele f. Michaeli. 

eh. 

1. Zwischen zwei Vokale eingeschoben (s^ § 30, 6.): Nabölichön f. Napoleon, § 134. 
Piokdrichol f. Vitriol; Bj^gelarichus, Baggelärichs, f. Baccalaureus ; die Viecher, 
Mehrheit von Vieh; rechel f. reell; sie scnriechen f. schrien. 

2. Nach einem Konsonanten vor der Endung eingeflickt: Wanzche, Balans'che, 
Pommeranzche, Spaz'ch (f. Spaz) ; Warzche (Ho. Wortje), Strawaz'che f. Strapaze, 
einmarchiniren f. mariniren; Bspr. Pappliche, Berchemidde f. Pappel, Pyramide; 
80 auch volgends, vulgends f. vollends. 

3. Zwiscnen zwei Wörter nur bei: mitch'r f. mit ihr; „ich bin mitch'er hin- 
gegangen.*' 

k oder g. 

1. In der Mitte eingeflickt: Fickdriol oder Fickdrichol, s. § 134, 1. §135. 

^ 2. Am Ende nach Vokalen angesetzt: der Flok f. Floh, HL; d^g. sagt man 
ich flök f. flog; der Schuk f. Schuh, davon: Schükelchen (vgl. das Zeitw. z ekeln 
von Zehe); das Geschüche f. Schuhwerk; schreik nich so! Freik dich! Gehk; 
duck's weck = thu es weg; er schrick; ich sak es; das seeke ich schon (f. sähe), 
P., KL, Eg., SchL_ In der Mehrheit heisst es dann: sie schrieken oder scnriechen, 
sie säken oder sachen; s. 134, 1; ND.: ik seeg, wi seegen. — Hinkbeere 
s. § 102. 

b. Lippenlaute. 
b, w. 

1. Das w wird zwischen zwei Vokalen eingeschoben, um deren Zusammen- § 136. 
stoss zu beseitigen: die Küwe f. Kühe (ahd. chuowi, mhd. Küewe, im „Strass- 
burger Eäthselbuch** v. 1505: eine Küw, die Kuwzunge, engl, cow), das Ktiwichen 
=» kleine Kuh; Menuwett, Etr.; Januwar, (in Po. auch: Fewerwari f. Februar), 
Aktuwar, Droddewarsch (Trottoirs), Kasewar, Jesuwite, Alowe od. Alewe — Aloe ; 
Luwwi f. Louis; Luwise, Lowise (Ktr.), Lawise (Bspr.) f. Luise, s. § 39. — Bspr.: 
die Ziwe f. Zehe. Vgl. noch mhd. ruowe, Reue, (in den „Hamborger Schoige- 
ßetzen" v. 1537: gerüwen f. gereuen) Kliwe, Kleie; Krawe, Krähe ;v kniewen, 
knieen u. s. w.; im „Strassb. Eäthselbuch**: unriebig «= unrüwig f. unruhig, 
Auwer f. Uhr. 



26 § 137—141. 

§ 137. 2. b am Ende nach m angesetzt: ich kamb, er nahmb, nimmb es, er schwumh 
f. schwamm; Hl. — In Wn.: das Lambl f. Lämmchen, engl, lamb, Eammbl f. 
Kamm, engl. comb. In alter Sprache: heromb, Beichthamb; mhd. tum, tnmb, 
tump, dumm, umb, ump, umbe, ümbe neben um; warumb, nimb, Wambs. — 
Bei Schandau hörte ich den Bötheiweih ,,das Büttelweib*^ nennen. — b od. p 
in der Mitte: der Stampel, deutet zugleich auf „der Stumpf (neben Stummel); 
mhd. Adj. stumbel. 

c. Zahn- und Zungen-Laute. 

d,t. 

§138. 1. d wird Wörtern mit der Vorsilbe er manchmal vorgesetzt: ich will 
dir was drzeelen (erzählen, seltner verzählen, wie in Str., Pf.); ich kann es kaum 
dVmachen (zu Stande bringen); er is hier d^rzogen; er kann se nich d'rsehen; 
er hat sich d^rhängt; die wär'n drfrieren; das kann m'r doch kaum d'rbeissen; 
d'rsoffen; d'rstechen. Efi^., Th., Schi. Hb., TL, Str., V.; vgl. § 133 u. s. Grimm 
II, 1011. Aehnlich erklärt sich das Versehen: „der Saal war zum Erbrechen 
voll f. „zum Brechen." — Aus dem Fürworte der zweiten Person, ihr, wird 
häufig „d'r" (Bsl. dir): macht, was d'r wollt, wenn d'r uf mich nich hört; d'r 
sidd nich bei Droste; s. § 190. 

§139. 2. d oder t treten oft in Mitten der Wörter vor Endungen (das Gegen- 
theil s. § 115. 2); z. B. r endlich f. reinlich, Btr. Eg; das Be^äbdniss, Erleb t- 
niss, die Döfae f. Taufe (mhd. toufät), Geheimderath , vordhm (oder vordhind, 
vorhint, vorhins, vorhins'cnen) f. vorhin; der jetzigte, der damaligte, der vorigte, 
das ihrigte, seltner der meinigte; eigends f. eigens; der nämlichte, der selbigte, 
derjenigte (mit besonderem l^achdruck) ; zweibeinigte Thiere; rusterig f. russig; 
das is noch theuerter; das war noch sehender (schöner); namentlich nach s und 
z: der Meist el, die Mauster, das Easterol, die Arztenei; Fud derasche f. Fourage; 

— Bspr.: Die Drustel f. Drossel; die Deistel f. Deichsel (§ 118), in die Höchde 
heben, Di. Auch der Desteldatör f. Destillateur. So entsteht Hinterblind 
aus Hühnerblind (s. d.) In der Sz: der einte oder andre; vgl. „anderthalb*'; 

— dän. erindre = erinnern. Ueber „die Dickde" u. dgl. s. § 157, 3.*) 

§140. 3. d oder t am Ende angesetzt: verbind (§ 139), mittend, sehend (V., Schi, 
schund), hemachend, d'rvond f. davon; das ist ganz eegendL cigend : ebend, s. § 19; 
überallt, anderscht f. anders, ScM. (mhd. änderst); der Kofifert (Btr.), der Bust, 
das Erzt, Eg., das Harzt, der Loft (der Flinte), die Leefte (des Hasen), Eg., 
mhd. louf u. louft; Goethe, Faust: „in jenen Schreckensläuften"; — zwart, rings- 
drum f. rings herum; verliebt nehmen f. vojlieb; bes. nach der Endung ig 
oder ich wird t angeflickt, der Teppicht oder Dewicht, lumpigt, fleckigt, dreckigt, 
länglicht, grünlicht. — Auf gleiche Weise ist entstanden : Memand, Jemand von 
Mann, Mond von mön, Mailand von Milane ; weitläuftig steht neben weitläufig; 

— s. noch st, § 142. 

S. 

§ 141. 1. Als Bindemittel wird s oft in Zusammensetzungen eingefügt: Zwirnsfaden, 

Zaunsköuig, Zaunspfahl, Nebensgeselle , Bh.; Blümchenskanee , seelensvergnügt, 
seelensgut (wie herzensgut), Schafskopp (wie Kalbskopf u. s. w.), Springsbrunnen, 
Gesundsbrunnen, meintswegen, Sparschbüchse, Hemdsärmel, die Stummsdiere f. 
Stubenthüre ; Schnörksel f. Schnörkel; so auch :auswärtsige Zeitungen ; s. noch 
die Wortbildungen mit s § 164. 

2. AngeflicKt wird s an einigen Wörtern: der Korks, der Korkszieher, kork- 
sen (f. stöpseln, zu lesen in der Hildburghauser Dorfzeitung), das Marks, die 
Bindsmarkspomade, vorhins (§ 139), hernachens u. s. w. Für statt wird immer 



*) Üeber die Form Lieb den sagt Niklas yon Wyle (1478): „Item vnd als die ftirsten 
unser landen bisher pflegen haben ain andern aseschryben vnd noch des mehren tails tunt, 
Twr lieb, heben yete etlich sohriber an flemisch dar far seschriben üwer liebde." (Holl. ist 
die Liebe = liefde.) 



§ 142 — 147. 27 

nur statts gesagt; Schi., Ob.-Oe.; (statts den Appel, statte mir, statts Gelde) ; 
8. noch § 164. 

3. An einige auf Eonsonanten endigende Bindewörter wird s angesetzt, 
aber nur, wenn du darauf folgt: Wenns du willst, so auch im ..Messing^' von 
KD.: wenns ich die Wahrheit sprechen soll; (aber nicht: wenns ich will, wenns 




sehen Gedichten: „Nns du todt bist"; vgl. engl, while, whilst, amid, amidst, 
among, amongst, again, against; franz. entre quatre-z-yenx; s. auch § 228. 

st wird in ähnlicher Weise angeflickt, namentlich an Partikeln, z. B. zwarst, § 142. 
auch zwart, aberst (ND.), schonst, auch schont; neulichst neben neulich, aber 
ganz besonders da neulichst, gewissermassen als Superlativ. 

seh wird_ manchen mit Scbmelzlauten beginnenden Wörtern vorgesetzt: so §143. 
sagt man: Masche und Schmasche (Bspr. Schmarsche) f. Masche, lawern und 
Bchlawem, wippen und schwippen, Lottich und Schlottich, loddrich und schlot- 
trich, nippemänpsch und schnippern äppsch, lecken und schlecken, Uhu u. Schuhu, 
lumpen und schlumpen, Wamse und Schwumse; hochdtsch.: ahnen u. schwanen, 
wanken und schwanken, wallen u. Schwall, weben u. schweben, Malz u. schmelzen 
{jiiiXSsiVf to melt); — Schwinjs^e, wing; schwingen, to winnow; schwabbeln, to 
wabble, schwach, weak; Schwiele, weal. 

d. Schmelzlaute. 

1 in der Mitte eingesetzt: die Plumpe (s. W.-B.), Etlipasche f. Equipage, §144. 
Flederwisch f. Federwisch (Anlehnung an flattern, wie in Fledermaus), ähnlich 
in Flittich (f. Fittig, mit Anlehnung an Flügel: 1) Vogelflügel, 2) ßockschoss); 
Schlampai) jer (Anlehnung an schlampen ■= schwelgen). — ßspr. : Sägelspäne f. 
Sägespäne; als Bindemittel in Erümelchen (wie 1 in Heidelbeere, Büchelchen, 
Bächelchen); ähnlich: schrumpeln f. schrumpfen; drängeln f. drängen, das Ge- 
drängele; umringein, wie umzingeln. — Am Ende angeflickt wird es immer in 
Scherbel (f. Scherbe), Blumenscnerbel (Blumentopf). 

m in Fremdwörtern eingesetzt: Bambuschen f. Babuschen, ND. Pampuschen; § 145. 
Barmemeter f. Barometer, Lumpine f. Lupine, amparte f. aparte, Noth am Beene 
f. Nota bene! Bermemidde f. Pyramide (bes. für eine Art künstlicher Christbäume). 

1. n in der Mitte, zur Verstärkung des Wortkörpers eingeflickt: eine Drune § 146. 
f. Truhe, sich munkiren f. moquiren (Mb. monkiren), kunjeniren f. kujoniren, 
runeeniren f. ruiniren; der Todte wurde zensirt f. secirt; Eonkarde, Eunkarde 

f. Kokarde, Zindadelle f. Citadelle, Sankristei f. Sakristei (mau denkt an Sankt), 
der Neffschandeller Käse (Brl.) f. Neufchateller; eine Jalusine f. Jalousie; ibrent- 
wegen, meinen tweeen, euren twegen; unterwegens (bei KoUenhagen); profenzeien, 
Mb. Importenirt f. importirt nach Aehnlichkeit von impertinent; spendiren f. 
spediren; Bundine f. Boutine (manchmal mit Bewusstsein gesagt: „Er hat viel 
Bundine, weil er sich viel in der Runde, um die Stadt, bewegt.) — In einigen 
Fremdwörtern steht en f. u: Debendat, Depentation, repentirlich f. Deputat, 
Deputation, reputirlich. — üeber die Einsetzung von en f. i s. § 29. 

Als Bindemittel dient n in: rosane, lilane Bänder f. rosa, lila; die Augen- 
braune, Mehrheit: Augenbraunen f. Augenbrauen, Sz., Todtenangst f. Todesangst. 

2. n am Ende angeflickt: etwan (daher etwanig); vor du, Sie und wir 
sagt man obb'n statt ob: „ich wollte sehen, obb'n Se wegessen hätten; obb*n 
mYn wohl kriegen** (ob wir ihn wohl bekommen); obb n de wes gehst! (ge- 
wöhnlicher „ob's de", § 141, 8.) ~ Das is zuviel, wass'n Sie da verzehren;. 
8. § 148. — Ganz vereinzelt steht^die sonderbare dritte Person schadd'n f. 
schadet: — das schadd'n nischt; du denkst wohl, das schadd'n? wobei nicht 
etwa an 'n für ihn zu denken ist. 

r ein- oder angesetzt: Scharlottenzwiefel f. Schalottenzwiebel (was aus allium § 147. 
scalonicum „verdeutscht" ist); Pastematen f. Pastinaken, Partaschier f. Passa- 



28 § 148-149. 

gier, obsternat f. obstinat, Kartun (polnische Form), kartbolisch, L., Earnalien- 
vogel (Ktr.), Karnaille, auch Kurnaille f. Kanaille, ND., degradiren f. dekatiren, 
auch wol f. dekretiren; das Loschier, das Loschierichen. — Für zuerst hört 
man oft zur Erst, wo dann erst substantivisch genommen ist, wie letzt in: zu 

fter Letzt! — „Mit Strumpf (st. Stumpf) und Stiel"; schon mhd. steht strumpf 
stumpf. 
Erhalten hat sich das alte r (von dar, engl, there) in dervor, dermit, der- 
gegen, derhinter, derbei, dervon, derzu u. s. w., wie im Dan., Schwed., Holl. — 

ni. Zugesetzte Silben. 

§ 148. 1. Vorgesetzte Silben. Vor Fremdwörter wird oft noch eine anheimelnde 
deutsche Vorsilbe gesetzt, z. B. verassekriren, versebastiren f. assekuriren, sub- 
hastiren; veralimentiren , verästimiren , ND., SD., veranimiren, veridealisiren, 
verdeffendiren (Ukermark, von defendre), verdemonstriren; Eg.; es verrentirt 
sich nicht. 

Besonders gern setzt man die Vorsilbe ge vor Partizipien von Fremd- 
wörtern: gebroschirt, gekartonnirt, gerebellirt, gekorrigirt, geraisonnirt, geinteres- 
sirt;, geamisirt, geexercirt, geduellirt, gedeklinirt, getoumirt, gemarschirt, her- 
gedeklamirt, vorgedemonstrirt, ein^emarchinirt f. marinirt, eingebalsamirt; das 
Bier hat recht gemussirt; es hat sich nich gerentirt, sogar: geverinteressirt; 
auch: sie haben sich geempört! 

2. Eingeflickte Silben. Für deswegen sagt man dessertwegen, des- 
sentwegen, desderwegen, desterwegen, desdewegen; ebenso: diesert- 
wegen, desserthalben, dessenthalben (wie meinetwegen); — speditiren 
f. spediren (von Spediteur); kosten spielig (erinnert an die Kosten) : d^r Ellen- 
bogen, auch Ellebogen; das Strumpenband, ND.; die Messenszeit t. Messzeit. 
Für Thomaskirchhof sagt man Domassrgerchhof, lässt aber Thomas in Thomas- 
kirche, Thomasgässchen unverlän^ert (s. das Gegentheil „Nickels&ferche, Gadder- 
Strasse in § 12M. — Bei Verkleinerungswörtern wird die Mehrheitsendung 
er vor die Nachsilbe ehen gesetzt: die Häuserchen, Männerchen, Kinderchen, 
Kl.; zum Theil Schriftdeutsch. — So unterscheidet man klar: die Eierchen (kleine 
Eier) und die Eichen (Bäume). Bspr. die vieligen Maikäfer f. vielen. 

3. Angeflickte Silben, a) an deutsche Wörter: sonsten, dorten, unter- 
wegens, s. § 146, 1, 2; deshalben, weshalben (V. worholm); ebenso: hemachens^ 
Bspr. hernahnste; vorhinschen (§ 139). — Zur Verstärkung setzt man ig oder 
icnt an, bes. an manche Adjektive und Partizipien: matti^, glattig, eine ver> 
dammtiche Geschichte, der verrücktiche Kerl, der verfluchtige Hund, eine infa- 
migte Lüge; Th.; ähnlich: die Benehmige oder Benehmigung f. das Benehmen; 
der Spazich oder Spaz'ch f. Spaz; die Pappliche f. Pappel. 

b) An Fremdwörter: Vicholiche f. Viole (Blume), bigottsch (bigott), ein 
miserabliger Kerl (BsL\ ein liberalscher Mann. 

c) Scherzhafter Weise sagt man : „Fisionomasche'* (gebildet aus Physiognomie 
und Visage), spazificiren, rettigen, warnigen (BsL, Eg.), kuhlhaftig, sofortio. 

F. Tersehiebnng des Tones. 

§149. 1* Mitunter bekommt ein Wort dadurch eine andere Gestalt, dass eine 
falsche Silbe betont, eine kurze verlängert, eine lange verkürzt wird; s. 
schon § 12, 13 und unter den einzelnen Vokalen. Beispiele: Bureau, Bazar, 
Cacao, Papa, Mama, Poppo bekommen den Ton auf der ersten Silbe: bidro,. 
bazer, gägau u. s. w. Kolibri wird zu gollibri; Pauline undEmilie werden, bes. 
beim kräftigen Bufen, auf der ersten Silbe betont. Die „Kompagnie^* wird 
richtig betont, bei Firmen aber, wie „Becker & Co." betont man aie erste Silbe 
von Kompagnie. Die Fremdwörter auf ik ziehen den Tonnach französischer 
Art auf die Endung hne Politik^, z. B. Botanik. Die Mechanik ist die Wissen- 
schaft, aber eine Mecnänik ist eine mechanische Vorrichtung an irgend Etwas. 



§ 150. 29 

— Anch die Wörter auf iker nehmen den Ton aufs i: Botaniker, Mechaniker, 
Logiker, Statistiker, Mathematiker. Elclnnsöl f. Ricinosöl. Ans Spital machen 
wir zwei Wörter: Spital ist das Krankenhaus, Snittel das Stift für Alte. — 
Altan und Altar werden nie am Ende betont; in Norwegen, Weihnachten 
hört man mitunter die zweite Silbe betonen, in allgemein die erste. Man 
spricht: Sedang häufiger als Sedän; in Grammatik wird bald die erste, bald 
die zweite, bald die letzte Silbe betont. 

9t. Umdeutsehang unTerstandener WSrter. 

(Volksetymologie.) 

1. Je weniger ein Deutscher mit dem Reichthume seiner Muttersprache ver- § 150, 
traut ist, desto mehr liebt er es, mit Fremdwörtern um sich zu werfen ; so nicht 
blos der „gebildete Hausknecht^^, dem „so ein bischen Französisch wunder- 
schön^' klingt, so auch der Zopfgelehrte, dem es noch als Wahrheit gilt: „Ein 
Wörtlein Latein ziert den Mann**, so auch so mancher Tagesschriftsteller und 
Zeitungsschreiber, dem das Fremdwort bequemer ist als das deutsche und dessen 
Kauderwelsch dann in der That den bedauemswerthen Leser zum Ankauf eines 
Fremdwörterbuches nöthigt. Am ersten ist noch der Ungebildete zu entschul- 
digen, der sich durch Verwendung von fremden Flicken einen Anstrich geben 
will*), sich dabei freilich auch oft genug bloss stellt, so dass die Misshandlnnj^, 
die er seiner Muttersprache gedankenlos anthut, sich an ihm selbst rächt. Wir 
hörten z. B. bei öifentlichen Sitzungen: „Wir wollen nicht blos zur Folio dienen; 
ich gehe nicht spezifisch auf die Sache ein (f. speziell); wir waren in cor- 
porus da: er hat es verbotene geschrieben (f. verbotenus).** Sehr häufig wird 
gesagt: Icn bin nicht so interessant f. interessirt, eigennützig; — es gehört 
nicht in diese Kategorie (gesprochen wie Cichorie). Man wird zuverlässig 
tausend Mal hören: egal, eschafnren, Etage, estemircn, Pläsir, amisiren, anmi- 
chiren (ennuyer), Logis, Etage, Entresol, partout, Kurasche, kuraschirt, Forsche, 
Krawall, Krakehl, Skandal, Krambol und dergleichen Zeag, ehe man ein Mal das 
deutsche Wort dafür vernimmt! 

Oft g^nug fühlt der Redende auch das Bedürfniss, das oft gehörte, oft nach- 
gesagte Wort seinem eigenen Verständniss näher zu bringen — er legt daher 
eine Deutung hinein, wie sie dem Kreise seines Wortreichthums eben entspricht; 
er lehnt das Unbekannte an das Bekannte an und erzeugt so eine neue Form, 
bei welcher er sich, wenigstens nach seiner Art, Etwas denken kann. Ein Mann 
im Eg., dem ich den Namen Ivcopodium nannte, erwiderte sehr geistes^gen- 
wärtig: „Na freilich, griechisch heisst lyc das Gewächs, o podium, am Boden 
'rum!" — Aehnliches nat ja die Schriftsprache mit einer ganzen Anzahl von 
Wortformen gethan; so Sündfluth satt Sintnuth (grosse, lange Fluth), Lewerstock 
oder Liebstöckel aus levisticum gebildet, was seinerseits wieder aus libysticum 
entstanden ist! Maulwurf statt Mullwurf (s. Melmte im W.-B.), so bei Schlitt- 
schuh (ahd. scritescuoh), Polier, Vielfrass, Friedhof; aus Moslemin werden Musel- 
manen u. Muselmänner, zu denen sich wohl noch die Muselweiber gesellen wer- 
den! (Diese „Anlehnung, Umbildung, Zurechtlegung, Umdeutung, ümdeutsch- 
ung'* hat K. G. Andresen kürzlich zum Gegenstande einer besonderen, höchst 
anziehenden Schrift gemacht: „Ueber deutsche Volksetymologie**, 2. Aufl., 
Heilbronn, Henninger). 



*) Bis vor wenigen Jahren war das Billardspiel mit fünf Bällen (Karoline) Mode, und 
dabei zählte man regelmässig französisch, etwa in folgender Art: „eng, de, dröa, gaddr, 
fläng, sies, sett, witt, ne£f, dies; — 14 hiess gardors, 21 yeng ün, 31 drang ün; 8 zu 28: dröa 
a wengwitt. Davon ging sogar die Bedensart ans „mit dem stehts garangsett (47)^', — er 
ist dem Untergange nahe I Bald nach Einführung des jetzigen Carambolagespiels hat das 
aufgehört. Ebenso sind einzelne Fremdwörter aus der Mode gekommen — die Mode ist ja 
das Einzige, was im solchen Dingen entscheidet. Madame, Mademoiselle z, B. sind 
zurückgetreten, ersteres wird bei Namen gar nicht mehr gesetzt, letzteres, in der Form von 
„Mamsell" nur für eine dienstliche Stellung verwendet, während der Monsieur (=Mn8je) 
noch weiter heruntergekommen ist. — Für Drognenhandlung kommt das längst im 
Volksmunde übliche, sonst aber verachtete, ,, Kräutergewölbe" jetzt zu Ehren. 



30 § 151. 

§151. 2. Einzelne Beispiele der Um deutschung aus unserer Gegend: Peteröl, 

auch Petroöl u. Petroleum, f. Petroleum (wie Petersilie von petroselinum) ; die 
Oellumination f. lUuminatioD ; spanischer (f. panischer) Schrecken (in vielen 
Gegenden): ungewandter Napolium (auch blauer Umwand) f. unguentum neapo- 
litanum; Ochsenkreuzpflaster, auch Bekrutenpflaster f. emplastrum oxycroceum; 
Archebussade f. Arquebusade; flüchtiges Element f. flüchtiges Liniment (hier 
muss das bekanntere Fremdwort für das unbekanntere eintreten); Rosemarie f. 
Rosmarin; Berne blank und Berne gries f. beurrö blanc und beurre gris; Eber- 
reis V. Abrotanum, s. W.-B.; Blankscheit f. planchette; die Bandomine f. Pan- 
tomime (wobei man an Miene denkt), Malast (an Last angelehnt) f. Molestia, 
mordsakriren und mordialsch, morzialisch, f. massakriren und martialisch; futtra- 
schiren f. fouragiren (so im Liede „Prinz Eugen*'); vermost f. famos; ein Brül- 
lade f. Prälat („schreien wie ein Brüllade"); Tränksoldat f. Trainsoldat (scherz- 
weise: „er dient beim schweren Getränk"); rattenkahl f. radikal; reenefiren, 
auch sogar reineflren ausgesprochen, steht f. renoviren und bedeutet rein machen; 
eine geruppte Idee (corrupte); bekannter Geschmack f. pikanter; respektive zu 
melden f. mit Respekt zu sagen; er that es nur privatum; das ist nicht st^lum; 
Stillenzium f. Silencium, stände Beene f. staute Pede, der Euhfist f. Bovist 
(auch Bufist, in L.: Bumfuss);. das Rundtheil f. Rundeel (holl. Rondeel), eingal 
f. egal, die Wolke schlagen f. Volte; ich hatte geene Magneten f. Moneten; ich 
habe es in der delikaten Essenhandlung gekauft; es passt mir nicht in meine 
Dibbeldabbeldur (f. Tabulatur, Eg. ; Erinnerung an die Meistersänger). Aus dem 
polnischen Wort pomäle (langsam, zögernd, Schi, pomale, L. pomalig) wird 
pomadig, f. poil de chövre (Zeug) sagt man „bald e Schäfer**, f. Godwie Castle 
(Roman): Gott, wie köstlich! Die Hochzeit von Cana wird zu einer Hochzeit 
von Cana an (weil das Land bekannter ist als das Städtchen). Die Bauern 
sagen: „das ist Pastorart** und meinen „er ist ein Bastard**! Die Hyazinthen 
verkürzt man in Zinken (Bsl. Zinggli). Irritiren wird sehr oft f. irre machen, 
beirren gebraucht, nicht blos von Landleuten, sondern z. B. auch in der Kreuz- 
zeitung, den Leipz. Nachrichten und in der Kölnischen Zeitung! Man sieht ge- 
schrieben und gedruckt „er gibt sich ein rechtes Er'* (f. air), und ein Leipziger 
Kaufmann, der jedenfalls von gleicher Schreibweise ausging, versicherte einst: 
„Mein löjähriger Sohn gibt sicn schon ein rechtes Ich**. — Vor langen Jahren 
hiess der Besitzer eines Gutes bei Leipzig A^ricola, — das Volk nannte ihn 
schlechtweg Krikelkrakel; ein Leipziger Grundstück heisst nach seinem ehe- 
maligen Besitzer Scipio „Schippchens Gut*' I Kinder nennen jeden Hund Bello, 
weil er bellt. — In engagiren hält man die erste Silbe für die Vorsilbe an, 
und spricht daher z. B.: „er scheint Niemanden anzugagiren**. — Der Unsitte, 
alle möglichen Fremdwörter oder selbst Wörter, die fremdartig ausschauen, 
gleichviel welches Stammes sie sind, nach französischer Art auszusprechen, fal- 
len verschiedene Opfer; man spricht z. B. Befsteck, Rossbef, Congför (statt 
Comfort); nong possumus; wer in_ ein er Apotheke „Goldkräm** verlangt, wird 
leichter verstanden, als wenn er Cold Cream fordert; bei richtiger Aussprache 
des englischen Wortes wird man wol gar von einem Naseweis „gorrischirt". 
Wir geben noch einige Beispiele, wie auch deutsche Wörter durch Missver- 
stana umgestaltet werden. — Für Hagebutten , Hagebuche sagt man Hahne- 
butten, Hahnebuche, Hambuche, weil das Wort Hag nicht mehr im Volke lebt. 
— Ans Kolkrabe wird fasslicher: Goldrabe. — Das Rothkehlchen verzärtelt 
man zu einem Rothkathchen und ruft es dann: Käthchen. Da der Rohr- 
sperling bei uns nicht mehr vorkommt, sagt man „er schimpft wie ein roher 
Sperling! „Pommer haben" (Glück im Spiele haben) wird umgestaltet in 
„Brummer nahen". — Das Wort Kai erkennt man nicht als deutscnes, franzö- 
sirt es zu Quai u. spricht: kä, ga, keh, geh; die Kaistrasse wird so einfach zu 
einer Gehstrasse! — Eine verkehrt gelehrte Umdeutung bietet der Name der 
Theklakirche(l Stunde nordöstlich von Leipzig); er ist verdorben aus Tegel n, 
einem ehemaligen Dorfe; in alten Urkunden heisst die Kirche „zur hohen Digen, 
auch Hohentigel** und im Volksmunde noch heut Tigelkirche. 



§ 152. 



31 



H. Sammlung besonders aufniliger Beispiele, 

zum Theil ans der Bauernsprache. 



Mundart. 

Abschkor't, abselfiren, 
Addannemie, Addensje, 
Addolleriste, Aehbern, agrade, 
Abmdeir, Alberts'n, Ang-gumft. 

Badrolle, Bangenätter, barbs, 
Bardelmee» Bärschibbe, Bardaschir, 
Basseldant» Basteraade, Beiatz, 
Beonicbe, Bdwel,B6]^<^liGinidde, Biddlink, 
Bidderzilche, blimmerant, ßorberr^de, 
Borster» Bosendur, BreidcbeD, 
brissiddcbenbeess, Buden'nicbe, Bnl- 
drichan, Bnllansje, bascbdewireD,Biwett. 

Dawledo, deir, Deistl, Dewicht, 
Donggiscbott, Dong ScbnaDg, Dowacb. 

Eebillet, efellcb, Effeg^cben, eikel, 
erbe, 

Fenk, Ferlebock, Feros, 
Ferscbe, Forscbt, firansdacb. 

Gabberolicben, Gaddegissn, 
Gadderstrasse, Gägau, Galande, 
Galcb, Galfünicben, 
Gandider» Gerbsgerae, er nmmt, 
Gorgemä, Goweld, Gremeoadderie, 
Gummerscb, gnnterber. 

Heemde, Heerscbe, beescb, Hemme- 
riddeD, biem, Hncbz'cb. 

lUent, IndeHdcben, ingönido, Inselt. 

Linke!, Lnmpine. 

Mäcböni, Margliewricb, Meier, 
Mertenzerncben, Mule, nrnnkiren. 

Nerm, Niggelsgercbe, Nilge. 

Orndlicb. 

Bänscber Stdnweg, raddenkabl, 
Kefermande, regummediren, resseniren, 
mngeniren. 

Salfete, Scbarscbebri, Scbenir, 
Schierscht, Scbismi, Sebaste, Sperr- 
fektif, sprangelweit, stäcbeniren, 
stiwied, storpeln, Stnmmsdiere. 

Ummesist. 

Yulgends = vult. 

Werkscht, Wermde, Wnk. 

Zwemerscb. 



Bicbtig. 

absurd, observiren, 
Anatomie, Hortensie, 
Artillerist, Erdbimen, aceurat, 
Abentener, Albrecbtsbain, Ankunft. 

Patrouille, Bayonnette, barfuss, 
Bartbolomäus, Pairscbübe, Passagier, 
passe-temps, Pastinake, Bajazzo, 
Päonie, Pöbel, Pyramide, Pökling, 
Petersilie, bleu mourant, Purpurrötbe, 
Borsdorfer, Positur, Bräutigam, 
brübsiedendbeiss, Päonie, Baldrian, 
Balance, bucbstabiren, Büifet. 

Table d'böte, tbeuer, Deicbsel, Teppicb, 
Don Quixote, Don Juan, Tabak. 

Epaulette, einföltig, Evangelium, eitel, 
ebrbar. 

Pfennig, Fernambuk, Fimiss, 
Pfirsicn, First, französisch. 

Kapriolen, Katecbismus, 
Eatbarinenstrasse, Kakao, Guirlande, 
Kalk, Kolopbonium, 
Konditor, Aürbisskeme, er kommt, 
Kurkumae, Kobold, Cremor tartari, 
Commerce, contraire. 

Heimat, Hirse, beiser, Hämorrboiden, 
hüben, Hochzeit. 

Inlet, IndiTiduum, incognito, ünscblitt. 

Lindenthal, Lupine. 

Mahagoni, Markkleeberg, Maurer, 
Martinshörnchen, Mulde, mokiren. 

Nerv, Nikolaikirche, Lilie. 

ordentlich. 

Banstädter Steinweg, radikal, 
Beprimande, rekommandiren , raison- 
niren, ruiniren. 

Serviette, serge de Brie, Scharnier, 
Schönerstädt, Jasmin, Subhastation, 
Perspectiv, sperrangelweit, stagniren, 
stupid, stolpern, Stubenthür. 

umsonst. 

vollends. 

Werkstatt, Wermuth, Wolkwitz. 

Zweenfurth. 



§152. 



32 § 153—154. 



Gleichlautende Wörter: 

§ 153. Daumen, Dauben^ Tauben (Vögel) = daum; aber die Tauben «« Nichthören- 
den sind die Dom (Doben), also = toben. — Dornen, Dorn und turnen = dorn. 

— Därme und Thürme = därme. — drüben, ^im) Trüben, (sie) trieben «= driem' ; 

— geben, gäben, kämen = g§m; morgen gem'r = morgen gehen wir od. käme 
er. — Geländer, Kalender = galender. Die Gelte, es gelte, es gellte, es gölte, 
die Kälte; — Gram, Kram, Graben, kramen = gram'. — Gröte ist = Gräte, 
Kröte, Grete. L6m >» Lehm, Löwen, da^g. leben = Idben, lähmen. — Rüben, 
rühmen, Riemen, sie rieben = riem\ Wirthin, Würden, würden, wird ihn = 
werden : — Die Wärdn wärd'n schon zu kriechen wissen (die Wirthin wird ihn 
kriegen), wenn er glei in Amt un Wärden- steht; dgg. heisst werden: wär'n. 

ihm, ihn, ihnen, den, denen klingen im Zusammenhang, wenn sie nicht be- 
tont sind SB 'n; dgg. lautet dehnen »= dähn. 

Zusammenziehungen im Satz: 

§154. Wemm'r*sch f. wenn wir es oder: wenn man es; hamms's f. haben sie es; 
hammer'sch f. haben wir es; habd'r'sch, Bspr. hadd'r'sch, f. habt ihr es; was'ch'r 
säte f. was ich ihr sagte; wennd'rsch'r no nich niewer geschickt habbt= wenn 
ihr es ihr noch nicht hinübergeschickt habt; wo simm'r'n ffewest «• wo sind 
wir denn gewesen? herrschd*s'n oh — hörst du es denn auch? wieviel is*n «* 
ist es denn? 



Zweiter Abschnitt. 
WSrterbildung. 

Vorbemerkung. 

1. Es ist zu anterscheiden zwischen feststehenden! allgemein gebräuch- 
lichen Wortformen — und nur mit diesen beschäftigen wir uns im Folgenden — 
und Augenblicksbildungen, welche der Sprechende je nach seinem Be- 
darfe für den Moment schafft, vielleicht im Scherze oder in kindlicher Sprech- 
weise („d^lend^'), oder auch, um seinen Worten mehr Nachdruck zu geben. 
Gar nicnt selten hört man z. B.: meine Sonntagsnachmittagsausgehewes^, ein 
Gevatterbittersträusschen (auffallend bunter Strauss); Jemand erzanlte von einer 
tiberspannten Engländerin, welche statt eines Schosshundes ein Schweinchen 
hielt, das sie täglich mit Mandelkleienseife wusch; er fuhr dann fort: ,,nu 
war eines schönen Morgens mein Mandelkleienseifenschweinchen fort- 
gelofen!" 

2. Den Stabreim wendet man bei der Zusammensetzung von Wörtern gern 
an: — Klapperkasten (Oavier); nippemeppisch, schnipnerschneppisch (s. W-B.); 
eine Schandschnauze, Wegwurf, Himmelhund (wie Höllenhund), Wauwau. Hau- 
hau, Schneeschip^er, Dummdussel, Fickfackerei , Gigak, Gakgans, Gigelgakel, 
Krikelkrakel, Strickstrumpf (s. W.-B.); Mengemus (Uebersetzune von ragoüt 
fin!). Auch in Redensarten tritt der Stabreim oft auf: — dumm und da- 
misch; Sack und Seele verspielen; da muss ene alte Wand wackeln; es wird 
mir ganz weech und wabblich; wer den Kerl kennt, koft'n nich; warme 
Weeche (Brezeln); er hat aUe Scham un Schande verloren; mit Ach und Krach 
durchs Examen kommen, s. § 242, 2. 

I. Hauptwörter. 

1. Mit der Endung e bildet man Hauptwörter (Abstrakta) von Eigen- §155. 
Schaftswörtern: eine angenehme Bittere (Bitterkeit), eine widerliche Süsse; 

die zum „Weissen** der Wände bestimmte Farbe heisst die Weisse, wenn sie 
auch nicht weiss ist; z. B. man muss Etwas in die Weisse thun; hier ist aber 
eine Finstere (Pinstemiss), Wn.; von der Hübsche wird man nicht satt 

i Schönheit); die Th eure der Lebensmittel (Theuerung); also so wie: Schwere, 
)icke, Härte, vgl. mhd. tiure, blinde, blöde, brüne, traege, trüebe f. Theuerung, 
Blindheit, Blödigkeit, braune Farbe u. s. w. Ausserdem s. § 18t. 

2. Desgleichen leitet man Hauptwörter auf e von Zeitwörtern ab: — §166. 
Er bat gar keine Fühle und keine Schäme (Gefühl, mhd. vüele, f., und 
Scham); er hat eine kräftige, eine helle Lache (die Art zu lachen); die 
Bieche ist gut, aber die Schmecke taugt nichts; so eine kräftige Niese 

(Art zu niesen) hat nicht Jeder: ich habe die Säge in die Schärfe (zum 
Schärfen) gegeben; er hatte keine Barme mit uns (kem Erbarmen; mhd. barme, 
barmde, erbarme, Barmherzigkeit) ; es setzt Dresche, Holze, Haue, Keile, 
Klopfe, Ledere (Prügel); die Sehe ist die Pupille, z. B. in der stehenden 

Albrecht Leipe. Mandart. ^ 



34 § 157—160. 

Bedensart „Patsch ins Oge, gerade in die Sehe" — richtig, scharf getroffen ; 
das Gethne, die Manieren, das Wesen, das Benehmen, die Bewegungen einer 
Person; die Speie f. Speichel; eine Fehle ist eine Fehlkarte; eine Todt- 
schiesse f. Flinte; das Eingebinde, Pathengeschenk ; „da kriegst eine 
Hinhorche, dass du wieder herhorchst** — eine derbe Ohrfeige; eine Hosen - 
hebe f. Hosenträger; die Putze, Material zum Patzen; daher: die Zahn- 

futze; dagegen bezeichnet: Messerputze ein Werkzeug, wie Licht putze; — die 
mpfe ^von impfen) f. Lymphe; em Bahnhofsinspektor nannte die zum Im- 
prägniren dienende Salzlösung kurzweg: die Imprägnirel — ,,Das ist eine 
grosse Blame für ihn/' er hat sich sehr biossgestellt, blamirt; sonst auch 
Blamasche, Blamirung. YgL im Schriftdeutschen: die Mache, eine Lache 
aufschlagen, die Lichtputze, die Anrichte , die Anh&lte, das Angebinde. Euno 
Fischer: „eine Schmetterlingsfange". — 

Aehnlich die Sammelwörter: Das Genecke, Gelache, Gebarme, Ge- 
streite, Gerenne »» Gelofe, Gefingere, das Dranrumgegreife, Ge- 
wette, Gesaufe, welche einen Tadel W0^n der häufigen Wiederholung der betref- 
fenden Handlung enthalten, also soviel wie: das unaufhörliche Necken, das ewige 
Lachen, Klagen, das fortwährende Bennen, das endlose Wetten, das unermüdlicne 
Saufen u. s. w.; mhd. gelach, gestrite, gerenne. Das Gedehne beim Beden, 
Gezerre (Zänkerei). 
§157. 3. Hauptworter mit der Endung de oder te statt des blossen e: die 
Längde, mhd. lengede, die Wärmde; ND., Eg., mhd. wermede; in Drucken 
des \1. Jahrh. findet sich noch: die Wärmbde, Krümbde; — die Döfde f. 
Taufe, mhd. tou^t, Eg. Taft; sprichwörtlich: „Hochz'ch un Deefde uf ee Ge* 
leefde (Lauferei VS sagt man, wenn der Hochzeit die Taufe allzuschnell folgt; 
— die Heemde f. Heimat (ganz wie: die Fremde von ahd. u. engl.: from, dän. : 
frem): V. — die Mährde (s. W.-B.); die Dickde f. Dicke (ist Eunstausdrück 
bei G^lockengiessern : das zwischen Kern und Mantel Befindliche); die Höchde, 
mhd. hceheoe f. Höhe; auf die Frei de gehen (freien), Th., ND. vgl. ostfries. : 
höegt (Höhe); engl.: length, height, breadth, warmth; holl.: lengte, hoogte, 
dikte, wärmte; dän.: längde, hoide; schwed. : längd, höjd. Yfi^l. die Formen: 
Zierde, Geberde, Gemälde, Freude, Börde, Würde, Beschwerde, Geschmeide, 
Gelübde, Gefährde (veraltet f. Gefahr), welche alle ebenso wie obige mhd., 
engl., schwed. u. dän. Beispiele dafür sprechen, jene Dialektwörter mit de, 
nicnt mit te zu schreiben, so auch Freide, während sich Freite festgesetzt hat. 
§ 158. 4. Hauptwörter auf er, meist abgekürzte Personenbezeichnungen, gebildet 
wie Kutscher, Gärtner u. s. w. : der Polizei er, der Eisenbahner, Oehster, 
Sortimenter, Sandgässer (Bewohner der ehemaligen, ziemlich verrufenen 
Sandgasse), Marställer (Marstallknecht), Schnaps er (Schnapstrinker); der 
Haupter oder Häupter (Anführer), der Geburtstäger (Jemand, der eben 
seinen Geburtstag hat); — ein Wackler, Eupfer, Zappler, Skat er; ein 
Dürrlender, s. W.-B^ ein Bückenmärker, der an Bückenmarkskrankheit 
leidet; ein gewaltiger Keiler, Holzer, Zuschmeisser, Einer, der derb zu- 
schlägt; — so auch der Exequier f. Exekutor. Der Schnauzer f. Schnauz- 
bart; der Abtreter (zum Schuhreiuigen); der Aufhenker (an Kleidern), der 
Brummer (Schmeissniege). 

Aehnlich sind manche Dialektformen auf el: — der Süffel, Tappel, Dä- 
mel, Dummdussel, Storzel, Knorzel, Schnippsei, Eg.; Zieropel, s. W.-B. 
§159. 5. Die Endungen ich, rieh bilden je nachJBedarf des Bedenden männliche 
Namen (wie in (jänserich, Fähnrich); ein Knabe, der (vor Zeiten) in derBaths- 
freischule als Ordner ein „Aemtchen'' zu verwalten hatte, hiess Aemterich; 
einen allzu beweglichen Burschen nennt man einen „alten Zappelich, '^ einen 
täppischen: Tappelich; einen Zughund, der sein Kummet abschütteln wollte, 
schalt sein Herr „du alter Schüttlich'*; ein „Dingrich'S Eg., ist ein unan- 
genehmer Mensch ; Stänkrich f. Störenfried ; der Lüderlich (vom Adjektiv) ; 
ein Dorkelich «« ein häu% Taumelnder ; ein Affenbuderich, Inhaber einer 
Affenbude; Sterlich, s. W.-B.: sterlen; Sabberich, s. sabbern, Datterich, 
8. dattern, u. a. m. 
^y^^. 6. I>2e EnAxLUg rieh gibt auch Abstrakta von Zeitwörtern: Einem einen 

jRennericb (Stosa) geben; einen Prelleiich kxiegeii (Prellschlag); einen 



§ 161— 166 a. 35 



S<chlenkericb geben (we^schlendern , to Jerk); der Fisch gab sich einen 
Schnellericb, schnellte sich durch einen Back in die Höhe (en^l.: a jerk) 

7. Die Endung ich oder icht bildet einige Sammelnamen (wie Eränterich, § 161. 
Böhricht): das Tan nicht (kleines Tannengehölz; Th.); Ellerich; — ähnlich 
auch: die Bescherige f. Bescherung; die Benehmige, die Benehmignng 

f. das Benehmen. 

Sammelnamen auf asehe, nach französ. Art: — Stellasche (auch ge^ 
druckt), Kledasche, Eg. 

8. Die Endung el wie die Vorsilbe jre (§ 156 E.) in Sammelwörtem bedeutet § 162^ 
oft etwas Schlechtes, Verächtliches: — Qu esterei, Dorbirerei, s. W.-B.; Eg.; 
Vagabunderei, ümhertr eiberei; die Back er ei ist ein schlechtes oder zu oft 
wi^erholtes Backen oder auch Packen (dgg. Bäckerei), ebenso: das ewi^e Ge- 
backe; die Esserei, die er angeschafft hatte, is alle yerdorben (die verschiedenen 
Esswaaren). Luderei, Alberei, Hohnipelei, Hänselei Inreiben (Unsinn,. 
Schabernack u. s. w.); Quergeleien machen (unnütze Belästigungen); Ramme- 
lei f. Prügelei; die Armeteif. Armuth, Aermlichkeit; dgg. ist das Armuth die 
Armen ; ebenso im Eg. — Den allgemeinen „Krach ** der 70. Jahre nannte man «die 
grosse ümschmeisserei.^' 

9. Die Endung ian bildet Personenbezeichuung in verächtlichem Sinne (viel- § 163. 
leicht aus Jahn entstanden, Schriftdeutsch: Dummrian, Grobian); so Ludrian, 
Schnudrian, Schludrian^ Lumprian; Stänkrian, Stottrian, Schmie- 
rian, Plumprian, Stolprian. Die deutschen Soldaten nannten 1871 den 
Mont Valerien bei Paris, weil seine Kanonen immer polterten: „Buldrian*S 
vielleicht auch im Gedanken daran, dass val^riane Baldrian heisst. 

10. Verächtlichen Sinn hat meist auch das an gewöhnliche Hauptwörter § 164. 
angesetzte s (s. § 141, 2): das Dings (verächtlich, Mehrheit: die Dingser), das 
Zeugs (Btr. Tugs). Manchmal verstärkt es den Sinn des Wortes: enen der- 
ben Drucks geben (P.P.); Einem einen Klapps, Schupps, Gunks, Treffs ver- 
setzen; Einem einen Schnips an die Nase ff eben (Nasenstüber); Fingerknipse; 
keinen Mucks sagen oder thun; der Stock hat einen Knicks gekriegt; er hat 
einen Knacks (s. d.) weg (seine Gesundheit ist bedenklich erschüUert); ein 
Hupps od. Hoppas von hüpfen; er hat keenen Merks (Gedächtniss) ; s. im 
W.-B.t Lapps, Schlapps, Hans Tapps;Bums, Plumps; Sums; Schwapps, 
Teebs, Happs, Lumps, Stamms, Fipps, Schlunks u. s. w.; vgl. Häcinel 

von hacken. 

11. Einzelne Bildungen: e angesetzt (s. § 132 u. 181): eine Haare, die §165. 
Alaune, eine Federkiele, die Wagentheere; so auch eine Brocke, bes. im 
Sinne von Stichelei: „Einem eine Brocke anhängen''. — n angesetzt: eine 
Lügen, Bsnr. — Die Wohligkeit (s. W.-B.) f. das Wohlbefinden; die Fixig- 
keit, Baschigkeit f. Schnelligkeit, Raschheit; die Närrsohheit für Narr- 
heit; die Volligkeit f. Fülle, (iedränffe in einem Saale u. s. w.; die Engig- 
keit (gebraucht Prof. Woldemar Wenck in: „Lose Blätter und leichte Waare")» 
auch die En^de f. die Enge; die Trübigkeit (vom Wetter); dieBüdigkeit 

f. Bohheit; die Neugierigkeit (Brem. Beiträge); Interessantigkeiten f. 
interessante Mittheilungen; die Vorspannige f. der Vorspann, Bspr. — Die 
Steckelitzche, s. W.-B, — Die weibliche Endung in, innen wird zu en oder 'n: 
Die Forsch den «-Fürsten, Fürstin, Fürstinnen; meine Freinden (Einheit und 
Mehrheit); anstatt Nachbarinnen sagt man lieber die Nachbar seh weihe r^ um 
es von Nachbarn zu unterscheiden, Bspr. — Das weibliche in -»'n setzt man im- 
mer auch an Eigennamen und Titel : Frau Wernern, die Schulzen, die Leidenandn, 
die Frau Professern; kommt der Name zum Titel, so nimmt ersterer das in: 
de Doctor Müllern. 

12. Als Hauptwort gebrauchte Eigenschaftswörter, a) das Neu- §166a 
trnm mit dem unbestimmten Artikel ein bedeutet eine Person, männlich oder 
weiblich: Es 'ist ein Krankes im Haus (Jemand); es liegt ein Todtes hier; 
wenn ein Junges stirbt, so klagt man noch mehr, als wenn^s ein Altes ist; 

es war kein Erwachsenes bei den Kleinen; wenn das doch Manches hätte 
(auch manches Arme); — Anzeige aus dem Tageblatt: „Verloren wurde ein 
Taschentuch; sollte es ein Ehrliches gefunden. Ii%^^^Tk^ ^q^\s^ %^^Hä^ 'C^C 
Ebenso: ein Beiehea, ein Grosses; das iat ^«ä N (ixti^Vm'^v^ K^ss^vöe^i 



36 § 166b. 

Barfossle: „zu einem Fremden wie ich, das Ihr nicht kennt**; vg^l. jemand Vor- 
nehmes. Bezüglich des Geschlechtes stimmt der Gehranch üherein mit „unser- 
eins, keines von euch'^ n. s. w. 

b) Einzelne Partizipien werden im Neutrum alsAbstrakta eigenthüm- 
lich gebraucht; z. B. „es ist 'was Erstaunte s'* f. Wunderliches, Erstaunliches; 
es la^ Gespienes vor dem Bette des Kranken (das Erhrochene); Gezanktes 
oder Ausjgezanktes, Aufgehündeltes kriegen (Schelte), HL, V.; im V.aucÄ: 
Aushob issenes kriegen; in F., B., L., Schi.: Ausgemachtes kriegen, in 
gleichem Sinne. 

13. Ahstrakte Hauptwörter werden mit dem betonten unhestimmten Ar- 
^kel wie Eigenschaftswörter angewandt: — eris eene Liebe un Gide; er 
is Sie immer ^lei eene Ungeduld; sie war eene Boost (Bosheit); sie war heide 
eene Gefälligkeit; sie sind eene Wuth (= eene Easche); du warscht je 
eene Närschneet na ganz toll); er war eeneFreede (hocherfreut); ich bm 
D'r eene Bache uf den Gerl (wüthend); von Leuten, die entzweit waren, 
heisst es: die sinn je Widder eene Liebe mit enander. Schw.: er is a Güte, 
a Brave, a Schnelle (sehr brav, schnell); hochd.: er ist die Güte selber; sie sind 
ein Herz und eine Seele u. s. w. 

Eigennamen als Gattungsnamen. 

§166b. 14. Einer ganzen Reihe von Taufnamen hat man bestimmte Deutung bei- 

gelegt, so dass sie gewissermassen zu Gattungsnamen geworden sind. Es sind 
meist solche, die unterm Volke sehr häufig vorkommen oder vorkamen, bei 
den Vornehmeren unsrer Gegend aber zufällig als altvaterisch gelten, wie: 
Gottlieb, Gottlob, Michel, Kaspar, Sabine, Beate, ebenso die Kose- 
formen: Fritze, Friede, Toffel, — Hanne, Trine, Lise, Suse, Micke. 
Andre, nicht so vulgäre Namen wie Adolf, Alfons, Alfred, Arthur, Edmund, Emil, 
Franz, Gustav, Max, Theodor, — Alwine, ßertha, Ida, Klara, Mathilde sind nie 
zu solcher Verwendung gelangt. In manchem Falle ma^ allerdings eine längst 
vergessene Veranlassung diesem Gebrauch zu Grunde liegen, in den meisten 
Fäuen ist wohl Zufall, manchmal der besondre Klang des Namens der (Irund 
zu seiner Deutung gewesen, — auf der Hand liegt der Zusammenhang nur bei 
vereinzelten Fällen; so stammt der „dumme Aujust,'' aus der Kunstreiter- 
bude von Benz, und „der Knabe Karl fängt an und wird fürchterlich'* ist aus 
Don Carlos verdreht. — Dass auch einzelne Familiennamen in gleicher Weise 
verwendet werden, zeigen die Artikel: Lehmann, Meier, Beimann, Mehlhom 
im W.-ß. 

15. Die allergewöhnlichsten Eufnamen wendet man als Kosenamen 
bes. Kindern gegenüber an, wenn man den wirklichen Namen nicht weiss; „mei 
Fritze, Steffen, Kleiner Peter, Häuschen, — meine Lotte, mei Lieschen" sind all- 
gemeine Anrede wie: mein Söhnchen oder Töchterchen, wie Hinz und Kunz 
(beinah auch Müller und Schulze) für Jedermann stehen, oder wie man 
etwa einen beliebigen Hund als Ami, Belle, Karo anspricht oder jede Katze 
Miez ruft, jeden Vogel: Matz, Mätzchen. Verschiedene Taufnamen braucht 
man auch als gemüthliche Scheltworte, so: Friede, Fritze, Gottlob, 
Hans,Pe;ter, Toffel, — Jule, Lise, Lotte. Dabei kommt es uns auch nicht 
darauf an, einen läppischen, „spieligen" oder einen weinerlichen Knaben eine 
Spielliese, eine Nählsuse, einen Schwätzer eine Mährlotte, einen Säufer eine 
SauQule zu nennen (franz. Jeannette f. einen schlafmützigen Mann). Man ver- 
gleicne damit den Sinn, welchen man mit: Jude, Russe, Kümmeltürke, 
preussisch werden, Schwabe, mit Kaffer, Hottentott u. dgl. verbindet. 

16. Manche dieser Namen tragen schon für sich allein einen gewissen 
Sinn; so bezeichnen ein Toffel, Hans, Peter, Stoffel einen Dummen, Bartel 
einen Schmutzigen, Micke eine widrige Person. Oft paart man auch zwei 
Namen: Hans-Jörge, Hans-Kaspar, Hammichel (f. Hans-Michel), Han- 
Toffel, — Annemarie, oder man setzt ein Wörtchen zur Bestätigung hinzu: 

ein reell ter Bartel, ein richtiger Gottlieb, ein wahrer Jeremias, ein 
S'eliöri^er HanajÖTge, ein echter Clemens ^s.k.Vimsö\i\m W.-B.^, Hang- 



§ 166b. 37 

jörpe von Bückmerschdorf, eine richtige Mieke, eine schöneBeate 
(steife Person). 

17. Die in der Schriftsprache als Gattungsnamen verwendeten geschichtlichen 
Namen drücken theils Bahm aus, wie Demosthenes, Cicero, der alte Fritze, theils 
Schmach, wie Judas, Nero, Xantippe, theils knüpfen sich an ihre Trager ge- 
wisse besondere Vorstellungen, wie an: Hiob, ürias, Krösus, Lukull; — unsere 
betreffenden Vornamen sind stets voll Tadel oder voll Spott und Hohn, aus- 
genommen die Kosenamen (s. oben 15). Am besten kommen diejenigen weg, 
welche geradezu als berufene Vertreter ihres Standes dastehen oaer Jemandes 
Liebhaberei bezeichnen. Johann gilt für jeden Hansknecht (s. W.-B. u. 
vgl. Jockey von Jock -= Jack, John, engl.); — auf: Bieke, Miene, Hanne, 
Cfhristel, B5se hört so ziemlich jedes Dienstmädchen (franz. Jeanneton f. 
Hausmädchen). Die im Herzogthum Altenburg sehr verbreiteten Melchior und 
Marie bezeicimen in der Form „Malcher und seine Mar je'* jeden Alten- 
burger Bauer und seine Frau, ungefähr so, wie frühere Dichter jeden biedern 
Landmann Jürge, Jochen, Jokel, Hans, Merten, Michel, Toffel, Veiten 
zu nennen pflegten. Engl, ist Jockey Spitzname der Schotten, wie Paddy der 
Iren, XJncle Sam und Brother Jonathan der Tankees, John BuU der Engländer. 
Aehnlich bezeichnen wir einen Juden einfach durch Levi, Moses TMauschel), Isaak, 
Itzi^. — Pferdejokel, Hundejokel, Taubenjokel, Vogelfritze, Vogel- 
tobies, Bosengottlob, Pfeifengottlieb, Büchermichel, Karniclel- 

Seter, Mädchenpeter, Katzenliese, Kaffeej nie erklären sich von selbst; 
er verrufene Louis ist aus Berlin bekannt. 

18. Bedenklicher steht es schon um jene Namen, welche als Bilder für ge- 
wisse Dinge oder Zustände dienen müssen: — mein alter Gottfried f. 
Kittel, Bock; Karline f. Schnapsflasche; er krichte Bens ufTn Jakob (Kopf); 
beider Sorte wollen wir bleiben, das ist der wahre Jakob fdas Richtige, Beste). 
Wenn Lottchen ein einsames Oertchen bezeichnet, so theut sie diese Ehre mit 
manch Hochgestelltem, mit dem Papst z.B. und dem Bürgermeister, auch 
das Oberhofgericht steht ihr zur Seite, und sie maj^ sich mit derschnell'n 
Katrine trösten (s. W.-B.)- Der Ziegenpeter ist eine Entzündung der Ohr- 
speicheldrüsen (s. jBock, „Buch vom gesunden und kranken Menschen^'). 

19. Eigenschaftswörter, vorgesetzte Bestimmungen u. dgL prägen 
vielen Taufnamen ein Brandmal auf, den Stempel der Kinderei, des lappischen, 
tändelnden, „spielenden** Wesens, — der Dummheit, des Ungeschickes, der ün- 
beholfenheit, des steifen Benehmens, des bäurischen, groben Verhaltens, der ün- 

Seschliffenheit, wie auch der Zimperlichkeit; — der I^ngsamkeit, SaumseÜgkeit, 
er Langweiligkeit, — des haltlosen, unentschlossenen Sarakters, der ünzuver- 
lässigkeit, — der Liederlichkeit, ünsauberkeit, — der Geschwätzigkeit, derNasch- 
haft&keit, der Neigung zu Diebereien, zum Trunk, der Frömmelei und was der- 

Sleicnen mehr ist. — Am schlimmsten unter allen wohl ergeht's dem Hans, 
er Liese und der Suse. Wie die klangvolle Singweise eines Tonmeisters zum 
Gassenhauer herabgezogen wird, so ist Johannes (vom hebräisch. Tehökhänän 
1— der Gottgesegnete) von dem beneideten Namen des Lieblingsjün^ers Jesu 
herabgesunken, selbst in der Schriftsprache, bis zur Bezeichung eines läp- 
pischen, täppischen, tölpelhaften Bauers ! Nicht nur, dass man den ersten besten 
Ilnsel oder Schwätzer einen Hans nennt, einen rechten Hans, einen dummen, 
albernen Hans, Hans Dumm, einen Hansjörge, Hansgörge von Bück- 
merschdorf, Hans Kaspar, Hammichel, Hantofiel, Hans Narr, 
Hans Tapps, Hans Tapps ins Mus (PP-re Tapps in de Grött d. h. in die 
Grütze), — es gibt auch einen Faselhans, Papel-, Schwafel-, Schwatz- 
u. Klatschhans, einen Mährhans, Spielhans, Trödelhans, Hans 
Liederlich, Hans Dampf, Hans in allen Gassen, Hans ohne Sorge, 
einen Allerweltshanswurst. Weitere schmeichelhafte Verschmelzungen mit 
dem armen Hans kann man bei Grimm IV, 2, 459 ff. seitenlang finden. Seit 
einer Beihe von Jahren kommt übrigens Hans sowohl als Johannes bei uns 
wieder zu Ehren, und aUzeit hat ein angehender Vater gern das „Häuschen 
im Keller'* hoch leben lassen (Jack in the low cellar). Die Schweizer kennen 
einen Hans Joggeli, der ein „chline Dieb^' ist, ihr Uanselim«» .^^«i^^.'^'^^'e:^ 
verchauft und's(Jält verspielt"; eine derbe, 'wolQi\\>de;\\Aft'©iWQLii«raÄ^^v^ '»^'^ \^^\»^ 



38 § 166b. 

Han8*^ Verfolgen wir das Schicksal des armen Hans weiter, wenn schon dais 
nicht in ganz engem Znsammenhange mit dieser Darstellung stehen mag. Auch 
bei manch anderem Volke spielt der Hans eine traurige Bolle. Die Englän- 
der nennen leden Matrosen schlechthin Jack, oder Jack-tar, Jack bedeutet aber 
auch einen 'Narren (bei Shakespeare), eine gemeine Dirne, den Stiefelknecht^ 
einen Holzbock, Sägebock; Jack by the hedge ist das aufdringliche Knoblauchs- 
kraut (Alliaria), Jack-a-lantem ein Irrwisch, Jack Adams Hans Narr, Jack-an- 
apes Maulaffe, Schlingel (Shakesp.), Jack-a-dandy Laffe, Jack-a-lent Pinsel, Jack 
at a pinch armer Pfarrer, Jack of all sides Achselträger, Jackass Esel (vier- n. 
zweibeiniger), Jack Friar ein Pfaffe, Jack Eetch der Henker, Jackpudding Hans- 
wurst, Jack Bake Hans Liederlich, Jacksauce (Shakesp.), Jack-spra^, Laffe, Naise- 
weis, Jackslave ein Lumpenkerl (Shakesp.), Jack-straw niedriger Knecht (MÜton), 
a bragging Jack Prahlhans; to play the Jack with one, hänseln; every Jack has 
his Jenny, jeder Hans hat seine Grete; — jacked up, angeführt. A countryJohn 
ist ein Bauerniokel, popr John der Stockfisch, Jonn-a-dreams (Hamlet, U) ein 
Traumfritze; J^ohony Baw ein dummdreister Bauertoffel, John-hold-my-st^f 
Schmarotzer; John ape Hansnarr; Apple- John arme Bitter (Speise); Johnny bum 
Esel u. s. w. — Holländisch: Jan^at Pinsel (genau so zusammengesetzt wie 
das engl. Johnny bum); denselben Sinn hat Janhen, in Janhagel ist Jan V9kM 
gleichfalls enthalten. — In welchem Gerüche Jean bei den Franzosen dt<^t, 
zeigt schon der Vers von Frau Deshouliöres : „Jean — que dire sur Jean? C-est 
un terrible nom Que jamais n'acc<;)^pagne une dpithete honndte!'< Veibindungen : 
Jean doucet süsses Herrchen; Jean mrine Hanswurst; Jean guetr^ Bauemv(^; 
Jean lapin od. janot Kaninchen; Jean lorgneur Maulaff ; Jean de la suie Essen- 
kehrer; Jean des vignes Hans Tapps; jean-bdte Hans Dampf; jeanfesse Hunds- 
fott; Jean- Jean Dummkopf; Jeannin Hahnrei, Simplex; Jeannot Gimpel. -^ 
Spanisch: Juan lanas Sohwachkopf; buen Juan Pinsel; Juan de Garona die 
Laus. — Portugiesisch: JoSo nujao Büpel; Joäo panäo Lumpenkerl; JoiTo 
Fernandez Proletarierkind; Joäo trapento Hans Liederlich. 

20. Die ^te Liese ist fast ebenso schlimm gefahren wie Hans: — „so 
eine Liese^* ist eine sehr unliebenswürdige Person; alle erdenklichen Schwächen 
und Mängel heften sich wie selbstverstänaiich gerade an diesen Namen, so selbst- 
verständlich, dass ein Mädchen, welches selbst Luise heisst, ohne Bectenken eine 
andere „Zierliese'* u. dgL titulirt! „Alte, dumme Liese, eklige, lanir^ 



weilige^ neunmalkluge, spielige Liese, Spielliese, Tändelliese, 

' liese, Plapper-, Papel-, Schwafel-, Schwatz-, Klatschliese, 

Platiderliese, Mähr- und Nählliese, Schreiliese, Beissliese, Naseb- 



Neckliese, 



liese, Fressliese, Saufliese, Leckerlieschen, Gokelliese, Matschlieae, 
Sabberliese, Thranliese, Zerrliese, Trödelliese, Zierlie^e, und — 
schlimmer! — sogar Schmierliese, Dreckliese, Lügenliese, Mause- 
liese" — welch ein Album! Trotz alle dem bleibt „Jungfer Lieschen'* 
(was jegliches Mägdlein bezeichnet) die einzig Auserlesene, der man zutraft, 
dass sie uns das Leben erheitern könnte; nur von ihr verlangt man: „Liese, 
mach^s süsse!** Und um alle Unbill in etwas wett zu machen, nennt man 
eine nette, zierliche, „adtette**, geschmackvoll gekleidete Gestalt: Schachtel- 
lieschen (seltner Schachtelhannchen), denkt aber freilich auch dabei gleich 
wieder an das Hinfällige eines solchen Wesens. 

21. Sehr nah steht der laese die Suse: auch sie wird bes. als „dumm, un- 
geschickt^ alt, spielig, tändelnd, trödelig, pumpelig, papelig, geschwätzig, klätsohig, 
nähüg'* hingestellt, man redet von Zappelsusen, DrecK- und Schmiersusen 
und nennt sogar eine männliche Wascnfrau eine Kusesuse, bes. in Ab. So 
erg^esst sich ein Füllhorn von Schmähung über einen bei uns ziemlich seltenen, 
weil ausser Gebrauch gekommenen Namen, ein deutlicher Beweis, dass diese 
Liebkosungen schon alten Datums sind. 

22. Bei den übrigen Namen können wir kürzer sein — immerhin bleiben 
Verleumdungen genug übrig! 

Andreas tritt als Kümmelandres auf, er liebt den Trunk. — Anton 

scheint es mit leeren Drohungen zu halten, denn ihm ruft man geringschätzig 

tn: ^^Anton, steck den Degen ein!'* Heiliger Anton! ein Ausruf der Ent- 

räßtnng, des StannenSf bei etwas Unerhörtem u. dgl. — Annamarieguguk! 



§ 166. b S9 



Neckrof gegenüber einer Anna oder Marie. — Der dnmi)ie Aajnst ist er- 
wähnt (Nr. 14); warum man ihn aber so oft ersucht, „er solle *mal *runter- 
kommen,*' werden die Berliner eher zu sagen wissen als wir. 

Bartel, der sonst überall „Most holt'S in P.F. aber einen besehrankten 
Kopf bezeichnet, ist bei uns ein Sehmutzfink, ein Dreckbartel, Schweine- 
bartel, S aubartel. In Schw. gilt die Appel (ApoUonia) bes. für eine schmutzige 
Person; in der Biedlin^er Gegend sagt man z. b.: Du Schmutzappel, die Botz- 
appel. — Eine Beate ist eine steife, förmliche, auch eine frömmelnde Person; 
älmlich, aber seltener braucht man: Brigitta,Sybille. 

Christel wird zum S che ps Christel (ScbL Schdpsechristel). — Ueber 
Clemens s. klämsen im W,-B, 

Dieterich ist entweder ein Hampedittrich (karakterlos, weibisch) oder 
ein Lappen dittrich (zerlumpt, armselig.) 

Elias bedeutet als Elies (sprich e'-Us) einen PinseL 

Ferdinand muss höflich Jemandes an&^ezweifelten „Verstand** in der Redens- 
art verschleiern: Du hast mehr Glück als Ferdinand. — Friede und 
Fritze sind unerfahrene, noch nicht gewitzte Herren, es gibt aber auch Klat sch- 
und Schwatz-, oder Kohl- und Gärfrieden, Elämsfrieden (s. klämsen), 
Matschfrieden, Naschfrieden, Schnapsfrieden, Stänkerfrieden, 
Thranfrieden (Schlafmützen), Mause- oder Eazfrieden. Der Unsaubere 
oder schlecht Schreibende ist ein Schmierfriede, verstärkt: Schmierfried« 
von der Post (Wagenschmierer); der Dumme heisst Friede von Mutschen; 
endlich: Gokelfritze, Windfritze (Aufschneider). 

Gottfried, Gottlieb, Gottlob sind sämmtlich Fritzens Vettern. Neben 
den alten, dummen Gottlob und den Schnapsffottlob stellt der Spott 
auch einen frommen Gottiob. — Grete dient schlechthin als Schimpftiame, 
weil es wie Kröte klingt. 

Hanne ist Klatsch- undMährhanne, Strampelhanne, Zappelhanne, 
aber auch Schachtelhannchen (Nr. 20). Fresshanne kuin auch einen 
Mann bezeichnen. Bei einem Schlag, Wurf, auch bei kräftigem Ausspielen einw 
Karte, beim Kegelschieben u. s. w. ruft man: Puff, Hanne! — „Hildebrand 
hat's Loch verbrannt hinterm Ofen an der Wand**. 

Jahn 8. § 163, 9. Der wahre Jakob ist der richt^e Mann (Nr. 18), aber 
ein richtiger Jakob gilt oft für einen Dummhut. — Jeremies ist ein .»Leim- 
sieder, ein unglücklicher Lohgerber, ein Jammerlappen**. — Jörge, Jürgen 
Jerche, Gerge (Georg), auch Hansgörge (von Bückmerschdorf) ist wie- 
derum ein Simplex. — Jule klatscht u. mährt, säuft wohl auch (Nr. 15). Ana- 
ruf beim Springen u. s. w.: Hopp, Jule. 

Karl wird sehr schonend behandelt; was man ihm hätte anthun können, 
ist in reichstem Masse auf seinen Zwillingsbruder, den Kerl, „abgeladen** wor- 
den. Dafür muss sieh Karlichen aber gefallen lassen mit einem ultramon- 
tanen C herumzulaufen, namentlich zeichnen hei uos fast alle Kaufleute, welche 
den echt deutschen Namen Karl führen, in sehr undeutscher Weise Carl. 
Wenn sie nur auch den Kerl zu einem Cerl machten! Im Mhd. ist Karl, 
Karle, auch Kerl, ein Mann, also „ein rechter, tüchtiger Kerl**; mhd. Kerlin ^» 
Karlchen. Li anderen Gegenden findet sich der richtige Karl häufi^^er als hier. 
(Ebenso lieben es bes. ältere Herren, Adolph und Budolphzu schreiben; sitam- 
men wahrscheinlich von den Grieben ab!) — Karlemann wird gemüthUch 
statt Karl gesagt, es meint einen gutmüthigen, auch einen drolligen Kameraden. 
Der Volksmund fordert ihn auf: „Karlejnann zieh Hosen an, steck* den 
blanken De^en an, lauf die lange Treppe *nan!" — Kaspar, auch Hanskaspar, 
meist für einen Possenreisser, nach der volksbeliebten Person des Puppenthea- 
ters. — „Seine Käthe**, seine Ehefrau oder Liebste. 

Von Lotte: Drecklotte, Klatschlotte, Sauflotte, Fresslotte, 
Spiellotte. — „Hau ihm, Lukas!" Ausruf. 

Mariane, wie Jule, im Ausruf: Hopp, Marjane. Man singt ihr auch 
nach: „Hopp, Marjane, Schlenkerbeen, gimmt de ^anze Nacht nich heem. 
Dranssen uf der Funkenborg danzt se de ^anze Nacht hmdorch, hat gedanzt un 
hat gesprungen mit den lust'gen Schusterjungen**. Ausserdem: Klatschmar- 
jane, Spielmarjane. Martin wird zu Metten, S^\^\xsi^\\.^\!k.—'^^^*Ce».^'w 



40 § 167. 

(selten als Yomame, häufiger als Familieiiname) wird geneckt: „Mathes, mach 
de Glesser heess!'* (£e KlÖsse.) Verkürzt giht er den Hemdenmatz, 
Stapelmatz, Stottermatz (s. Matz im W.-B.) — Von Michel haben wir: 
Hammichel, Dreck-, Klatsch-, Fress- und Sauf michel. — Eine Micke* 
ist ein anspruchsYolles, maliziöses, widerwärtiges Frauenzimmer. 

Peter, ein dummer, steifer Bursch; Spielarten: Klatsch-, Mähr-, Nähl-, 
Lätschpeter, Katzenpeter. 

Rebecca, nur in der Zusammensetzung: eine Zwiebelrebecke. 

Sabine ist der Micke verwandt, dummstolz, steif, zieri^, auch Eine, die 
recht ehrbar thut. -— Steffen: ein guter Kerl, oft etwas einföltig, oft auch 
„dummjjfiffig*'. Einer, der es hinter den Ohren hat. — Stoffel, ein „Plumprian^* 
— Sybille s. Beate. 

Toffel, Toffel, Def fei, Bauertoffel, ein ungeschlachter Kerl, Schoten- 
toffel: ein Üederlich, geschmacklos gekleideter Tölpel; Klos stof fei »- 
Mährtoffel. 

Ulrich (s. W.-B.) wird nur beim Katzenjammer angerufen. 

Wenzel, Name des Unters oder Buben in der Karte, verwirft sich zum 
Lausewenzel. 

23. Gewiss läuft bei diesem unfreundlichen Gebrauch von Taufnamen, des- 
sen Vielseitigkeit wir keineswegs erschöpft haben, viel Willkürliches unter; 
indess ist doch nicht jedem Belieben Thür und Thor geöffnet, es gehört viel- 
mehr ein gewisses Gefühl dazu, über solche Verwendung angemessen zu verfQgen. 
Ausgelacht würde Jeder, der etwa von einem ^Spielbartel^' reden wollte, oder 
von einem ,,Schweinehans , Katzenbernhard, Schwatzanton, einem Dreckelies, 
Saufgottfried, einer Mausebeate, einer steifen Julei*' Wer einen „heiligen Mathes, 
eine neilige Micke*' anriefe, würde sicher nach seiner Heimat befragt werden. 
Nur die aUergebräuchlichsten Namen, also z. B. Hans, Peter, Friede, Fritee, 
Toffel, — Liese, Suse geben sich zu allerlei beliebigen Neubildungen her, 
doch auch diese nicht unterschiedslos: Friede, Fritze, Liese sind gemüthlicher, 
sanfter, Toffel und Suse entschiedener, gröber, Hans und Peter stehen mitten 
inne; Fritze ist oft freundlich, wohlwollend. Gottlob immer gerinfi^schätzig. 
Will man z. B. Jemandem Etwas anhängen we^en seines BDnzems oder Schie- 
lens, seines trippelnden Ganges, des Schwatzens oder Schlürf ens beim Essen, wegen 
seines starken Appetites, seines unvorsichtigen Stolperns, Polterns, Schreiens, 
seines häufigen Hjnundherlaufens oder Herumtreibens, wegen seiner Neigung 
zum Necken, Kratzen, Klettern, Wackeln, Spucken, Kiezen — so wird man die 
betreffende ^Stimmung mit einem der eben angeführten gebräuchlichsten Namen 
verbinden, z. B. Blinzelf riede, Schielpeter, ScnieUiese (Schielsuse ist schärfer), 
Tfippelfritze, Tripnelliese, Schmatzpeter, Schlürftoffel, Schlürfsuse, Fresstoffel, 
Fressmichel, Fressnanne, Fressliese, Fresslotte, Storpelhans, Polter&iede, Schrei- 
Mtze, Schreiliese, Quäkneter, Questpeter, Quergelfritze, Quengelfriede, Banzpeter, 
Neckfritze, Neckpeter, Neckhans, Neckliese, Kratzfriede (Kratzmichel), Eletter- 
fritze, Höckerliese, Wackelhans, Spuckpeter, Klexfriede, Klexpeter u. dgl. 

24. Von einigen Namen hat man nun auch Zeitwörter und Eigens chafts- 
Wörter gebildet, wie Schriftdeutsch: hänseln, englisiren, verdeutschen, z. B. 
Einen abtoffeln, sich anvettermicheln (s. W.-B.); man hat ihn betobiest 
(in Th. ist Dowies und Hanndowies ein dummer Kerl); der lässt sich so leichte 
nich meiern, aber dasmal ist er doch der Gef ritzte (wie jacked up, engl.); 
kaspern, den Hanswurst spielen: ein steifpetriges Gethue; der Junge hat 
sich scheene eingebartelt (bescnmutzt). 

n. Verkleinerungswörter. 

g 167. 1. Die Diminutive haben bei uns immer die Endung eben, welche sich über- 
haupt auf einen Theil Norddeutschlands beschränkt, sonst aber überall durch 
lein (le, *1, ing und Ung) vertreten wird. In Sachsen ist eben nur in und bei 
Leipzig gäng und gäbe; in Würzen (drei Meilen östlich von Leipzig) herrscht 
bereits el vor und geht dann ostwärts bis Schlesien; ebenso ist im Erzgebirge 



§ 168. 41 

■ i I*. • 

und im Vogtland 1 gebräuchlicher. Wir haben el nur bei einzelnen Namen: 
Christel, Gustel, Tradel (Gertrud); selten hört man auch Mädel, Eingel, Ohr- 
rin^el. Für Vergissmeinnicht sagt man tändelnd ^^lümeleinVergissnicht- 
mem'* (bei Musäus: Blümelein Vereissmeinnicht). Dgg. tritt el als Binde- 
mittel ein (wie in Büchelchen, Bächelchen): das Schükelchen (von Schuh). 

2. Häufig wird bei Bildung von Verkleinerungswörtern der Umlaut nicht 
gesetzt; wir sagen: Hundchen (v^l. mhd. hundinne, Hündin), Pfundchen, Brod- 
ehen, Pfotchen; — Mutterchen 'ist viel gebräuchlicher als Mütterchen (vgl. 
Frauchen und Fräulein). 

3. In scherzender oder tändelnder Weise bildet man ganz drollige Ver- 
kleinerungswörter: das ist ein gutes Kaffee eben, ein famoses Bierchen, 
sich ein Bewerbchen machen; das war aber ein Wetterchen (schlimmes 
Wetter); ein G fingeichen machen; der Handwerker „erlaubt sich, sein Not- 
chen zu bringen^'; sehr kühn: Kochchen oder Kuchchen f. liebe Köchin; 
gib Achtchenl Ein hübsches Loschirichen; ein Loterielooschen; wir 
machten ein Ständerchen (blieben schwatzend ein wenig beieinander auf der 
Strasse stehen); ein Paar Zeilchen schreiben (sehr beUebte Redensart); das 
Stehuffchen, auch missverständlich Stehäff eben (ein kleiner Stehauf, Spiel- 
zeug). Ach Gottchen! Herr Jeechen (Herr Jee f. Jesus; s. W.-B.)- Als 
scherzhafter Gruss: „Ihr Dienerchen!" S. im W.-B.: Habcheo, Versehr- 
chen, Unthätchen, Hänschchen. 



ni. Zusammengesetzte Hanptwörter. 

1. Namentlich die Kindersprache hat eine Menge erklärender Zusammen- § 168. 
Setzungen; so: Motschekuh, Mähschaf, Miaukatze, Hauhauhund, Hot- 
topferd, Kikerihahn, Hulegans, Gakgans, die Putthinne, Putttaube, 
Piiepvogel, Piepematz, Sauhaksch (bes. als Schimpfwort wie Ferkel^ 
Kuschschweincnen, Gukelicht, Gukauge, Piepauge, Patschhana, 
Gackei, Mausedieb, Lügenmaul (f. Lügner, wie mhd. lüge-va;); £g., Viel- 
maul, Hippauf, Kauermätzchen. 

2. Die Volkssprache hat unter zahllosen anderen folgende bezeichnende 
Namen für Personen: Blauauge, Grauauge, Schlauauge, Glotzauge, Schielauge, 
Triefauee; Dicknase, Zottelkopf, Taub-ohr; Dürrbein, Schlenkerbein, Liebem, 
Grosstidpe, Linkstatsche; Mausefinger, Mausehaken; — Bemmelspeller, Hunde- 
kerl; Pnaumenschmeisser, Schla£;todt; Seelenverkäufer; Fresssack, Saumagen, 
Saufaus; Kümmeltürke, Trödelschuster; Himmelhund; der Bumloft f. Herum- 
treiber. — Zu genauerer Bezeichoung der Verwandtschaft bildet man: Vaters- 
bruder ssohn u. dgl. 

Weiter für Sachen: Hölzerbette, Hölzerpantoffel (Bettstelle, Holzpantoffel); 
Huckufidemahd od. Kuffdemahd f. Fliederblüthe; Messenszeit (die Zeit der Mes- 
sen; s. 148, 2). Die Wachsbleiche oder Wichsbleiche ist der Wachstuchbleich- 
platz ; daher heist ein Wacbstuchfabrikant im Scherze: Wichsier. 

Uebri^ns s. noch die Vorbemerkungen vor § 155. 

3. Falschgebildete Zusammensetzungen, die man sogar gedruckt findet: 
— Speisenkarte; diese Missgeburt erzeugte etwa 1848 em pfiffiger Buch- 
drucker, würdiger Genosse des verdienten Ballhom, und sie findet sich jetzt in 
der That häufiger als die richtige Form Speisekarte; als Grund führt man 
schlagfertig an, dass doch nicht blos eine Speise auf so einem Blatte steht!! 
T^otz dieser Schlauheit hat sich aber noch ifiemand zu „Weinekarten, Preise- 
couranten, Hütemachem" u. s. w. verstiegen; nur ein ,,Uhrenmacher^' hat sich 
einmal sehen lassen, der sich wohl auf „Uhrenfabrik, IJhrenlager'' berufen 
mochte. 

Die sprachwidrigen Formen: Bechnenbuch; Zeichnenlehrer sind auch 
nicht unerhört, obschon selbst Spielmarken die richtige Aufschrift „Bechenpfennig" 
tragen; sogar zum „Zeichnungslehrer" hat man es gebracht! 



42 § 169 — 171. 



IV. Eigenschaftswörter. 

§169. 1. Mit der Endung ir, seltner idit, lieh nnd iseh bildet man, meist ton 
Zeitwörtern, eine ^osse menge Eigenschaftswörter, die in der Schriftsprache 
zam TheU eine anaere Endung haben, zum gössen Tbeil aber gar nicht vor- 
banden sind; so: naschig f. naschhaft, fi:enaschig (m „Lumpenmüllers Lies« 
chen^' y. W. Heimburg: „die naschigen Sperunge^'); fahrig f. hastig (zufahrend); 
wählisch f. wählerisch; schämerig, verschämt; schnepperig £ schnippisch; 
streiflig f. gestreift; glänzi^ (Y.), wuthig oder wüthigf. glänzend u. s. w. 
(Leipz. Nachrichten: der wüthigste Sturmlauf); lügnig, ffigenicht f. lügen- 
haft, stutzerig f. stutzerhaft. Der Junge ist recht spielig oder auch spiele- 
rig, er liebt Spielereien; ein putziger Kerl «» drollig; ein zier ig es Mädchen 

— Zierpuppe: heulige Kinder, oft weinende; bellige, kläffi^e Hunde, solcl», 
die zuviel Dellen, kläffen; eine lärmige Strasse f. geräuschvolle; ein senge- 
r icher od. brennericher Geruch (P.P.: sangericnt); uninteressirlich f. 
uneigennützig; grossthuichte Leute (-» „grossbrotig*^ grossthuerisch); 
hätschelig für verhätschelt (a. auch schatschig, W.-B.); fressig f. gefrässig 
(Th. der fresseneEerl); Eg.:rrass'g; wie ahd. vilo-vra^c, mhd. vrae^c; wurm- 
fressig f. wurmstichig, Eg.; rachig auf Jemand sein, Jemandem Etwas nach- 
tragen; ein rutschiger, schusseliger, glitscheriger Weg, schlüpfriger 
Weg, auf welchem man leicht rutscht, ausgleitet (glitschig a. d. Ruhr). Eine 
dehn ige Sprache, schleppende, ziehende, die Worte übermässig dehnende. S. 
einbäilig, dobrig, flatterig, strakelig, winterig, stinkig, staatisch, 
plumpsch, übelnehmisch, versucherisch, angreifisch, anbängisch, 
anschlägisch, arbeitisch u. v. a. im W.-6. Klagt Jemand schon bei leid- 
licher Temperatur über Frost, so heisst es: „Ach, Sie frier iger Mann!" ge- 
wöhnlicher: frostig, frostern. Vgl. im Schriftdeutsch stinkig, was menr 
besagt als stinkend. Unter Dienstboten ist es sehr gewöhnlich, dass sie die 
Leu^, welche im ersten, zweiten, dritten Stock wohnen, als die eintreppi^^e, 
Eweitreppige, dreitreppige Herrschaft bezeichnen; die zweitreppige 
Köchin dient im zweiten Stock. — Es ist mir ^enirlich (v. gSnant). -*• Eine 
recht pläsirliche Gesellschaft (Köln : pläseerhch). 

Die Endung haft verlängert man gern zu haftig: — ene spasshaftche Ge- 
sdiichte, kuhlhiftges Wetter, ein stammhaftcher Bursche, ein boshaftcherM^sch; 
Eg. — Bigottiscfa, liberaliscb s. § 148 E. 

Von Eigennamen, bes. von Ortsnamen, bildet man häufig zwei Adjek- 
tive, z. B. Glauchauer und Glauchisch, Lindenauer und Lindenauiscb, 
Pegauer und Peg'sch, Altenburger und Altenburgisch (auch schrift* 
deutsch), Wahr'ner und Wahrn'sch, Tauch'sch und Taucher f. Tauchaer. 
(Ein Schulmädchen hielt eine Taucherglocke für eine Glocke aus Tauefaal) Die 
Form auf er gilt für anständiger, die andere hat so etwas Verächtliches an sich, 
namentlich als Hauptwort gebraucht : die P^*schen Schuster, die Zwick'schen. 

— Ebenso leitet man von einigen andern Eigennamen Adjektive ab: — die 
Bosefithider od. Bosenthäler Wiesen (Baumgarten, Flora Lips.), die Funkenbur- 
ger Häuser (die zu dem Grundstücke „grosse Funkenbur^*' gehören). 

§170. 2. Einige Partizipien braucht man in eigenthümhcher Form als Adjek- 
tive; so: eine neuwaschene Jacke, frischwaschene Strümpfe, weiss- 
waschene Kleider; daher scherzweise „ weiss waschene Jumfem" £ Ehrenjung- 
ürauen in weissen Kleidern. Hausschlachtene Wurst (wie hausbacknes 
Brot). Ein altfressen er Mensch für ein altbärtiger, mürrischer u. s.w.; ein 
dreckfressener Kerl ein schmutzig geiziger (s. § 160); eine neumelkene 
Kuh, Th., Eg.: neumalk; mhd. mölch, milchgebend. Essende Waaren f. Ess- 
waaren stehen schon in der Leipz. Trinkstubenordnung von 1621. —- Während, 
Weizen s. im W.-B. 

§17t. 3. Manche Adverbien, welche kein Eigenschaftswort haben, auch sogar 

' blosse Determinativa, brauchen wir ohne Weiteres als solches: — ein zu er 

Wagen (ND. en toigen Wagen); die zue Thüre, die zuen Fenster; früher war 

der Wald hier viel zuer (mehr geschlossen); eine zuene Tulpe; ein entzweies 



§ 172 — 176. 43 

Glas, die entzweien Stiefeln, Eg., ND.: den intweii|^en Pott; ein sehrerWind; 
hier gibt's rechten Knöterich; da wirst rechtes Qeld haben (ironisch),! — ich 
habe lanter znsammene Blnmen (anentfaltete) j ein extra es Gericht (wie: 
apurtes); ein öfter Besach, sein za oftes Fragen; ich kriege beide keenen rich- 
tigen warmen Foss; er hatte einen halwegen Platz (leidlichen); ein dar eher 
Käse (s. W.-B.). So gibt man auch den Adverbien vor Adjektiven Endnn- 
gen: ein rechtet gater Mensch, ein ganzer ehrlicher Mann; ein ansserordent- 
lidier grosser Gefalle; einen angehen er n grossen Kerl; es machte mir ange^ 
heuern vielen Spass; Brl.; Köln: et es 'n ganzen andre Mann. S. noch § 187. 

— Mitnnter setzen wir anch die Endang ig an solche Adverbien, z. B. die rüek- 
w&rtsige nnd seitw&rtsige Bewegang; der rückwärtsige Sitz; die hinter- 
rücksieen Stäben (nach hinten gelegenen}; so aach aaswärtsig f. aoswärtig 
(s. W.-B.); das vorhinnige Spiel ist nocn za berappen. Vgl.: the now king, 
the then bishop a. s. w., die an Gelenkigkeit noch dahinter zarflckbleiben. 

4. Einzelne Bildangen von Adjektiven bietet noch das W.-B.; s. z. B. 
zeitlich, sapperlotscht, gespräche, gedesche, gefüge, massig, ver* 
führeriscfa, Paar. 

Ueber die Verlängernngen wie „verdammtig, bigottsch, die vie- 
ligen'' s. § 148, 3. 

V. Umstandswörter. 

1. Aas etlichen Partizipien macht man ein Adverb durch Ansetzang vons: §172. 

— liegends kann ich nicht gut trinken — > im Liegen; er ist stehends ein- 
gesehluen (alt: stendlings, ständUngs); ich masste die Arbeit knieends ver- 
richten; ich mnss nmgehends antworten; er verdient das Geld schlafe nds; 
das l^mt" ich spielende; mein Bock geht reissends weg (Wortspiel, wenn 
er entzwei geht); ich will verlorene einmal mit hingehen (anfragen, nach- 
sehen u. 8. w.), d. h. die Mühe wird aber wohl verloren sein; gebildet wie: 
Unversdiens. 

2. Die sehr beliebten Adverben hinne, haassen. hanten f. hier innetti §173. 
hier aussen, hier unten werden oft darch vorgesetztes hier verstärkt, weil man 

den Sinn des Buchstabens h nicht mehr versteht: hier haussen, hier hinne, hier 
hunten; auch hier hoben (neben dem blossen hoben «» hier oben). 

3. Ifit den Redensarten „es ist mir . . oder: es ist mir zu Mathe*' §174. 
(z. B. es ist mir komisch, sonderbar zu Math) verbinde! man verschiedene, 




legt, wohl zu unterscheiden von: es ist mir lächerlich. 

4. Sogar von manchen Umstandswörtern werden Verkleinerungsformen §175. 
gebildet. Er war vorhins'chen da und ging sachtchen wieder fort (ND. 
sachting); sie rückte ganz successivchen heraus damit; hast du sonstcnen 
noch was? Er nahm*sganz behut suchen (behutsam); so besonders, wenn man 
mit Kindern „dahlt": Steh 'mal ganz alleinichen! Das ist hübschchen, 
schönechen; auch zam Hunde: Na, mach schönichen; Brl. schönigen —ja 
wohl; gleiche Tändelformen im ND.: fixing f. üc, wassing, Adjessing f. was, 
adieu. 

Ueber Verlängerungen wie „ebend, hernachend, hernachens" s. §140 f., 
vetgangen, verwichen s. W.-B. 

VI. Zeitwörter. 

1. Von schriftdeutschen Zeitwörtern werden oft mehrere Nebenformen §176. 
(dureh Ablaut, durch Einsetzung eines Konsonanten, durch die Endang ein u. s.w.) 

fsluldet, welche Schattirungen des Sinnes andeuten; hüpfen wird huppen, 
ippen ausgesprochen; daneben sagt man auch hoppen und huppen (kräf- 
tiger als hüpfen); hippeln, hoppeln, huppeln bedeutet kleine, oft wieder- 



44 § 177—178. 

holte Sprünge, hoppsen, stärkere; hapeln, humpeln ist das mühselige, un- 

feschickte Gehen; schwed.: hoppa, dän.: hoppe, holl. : huppelen «» hüpfen. Neben 
inken steht noch hicksen, neben summen: sumsen; femer: schwitzen und 
schweissen; spenden und spendiren; rücken: rucken, ruckein; streifen: 
streifein und striffeln; drängen: drängeln, drangsalen, drangsaliren; 
benennen: benamen, benamsen, beniemen, benienisen; jauchzen: juch- 
zen, jüksen, jauzen, gauxen; zu knacken und knicken: knacksen und 
knicksen; zu kneten: knetschen, knetschen, knietschen, knutschen; 

— Für träufeln sagt man tröpfeln^ tröppeln, trophein, tropf en, tropf en, 
troppen, tröppen, und wenn die Tropfen klein sind: trippen; wenn sie 
klein sind, aber schnell und häufig fallen: trippeln, was auch von schnellen, 
kleinen Schritten gesagt wird. — Weben tappen: teppeln, tappeln, tippen, 
tippeln; drucken unddrucksen, mucken und m u ck s e n (auch Schriftdeutsch), 
vgl. auch schnapi^en und schnippen, schnippeln, schnipp sen* schneiden, 
schnitze n,8chnitzeln;sch wabbeln, schwapp ern;kräbelnuuc[ kribbeln; 
knarren und knirschen, schrumpfen und schrumpeln, schnaufen und schnüf- 
feln: pimpeln, pumpein; stampfen, strampeln; s. überall das W.-B. 

üeber warnigen, rettigen s. § 148, 8 c. 
§ 177. 2. üeber die Dialektverben mit den Vorsilben: ab, an, auf, aus, be, durch, 
ein, ent, er, her, hin, los, mit, nach, nieder, um, unter, ver, yor, wegen, zer, 
zusammen s. die Zusammensetzungen im W.-B. Ausserdem bilden wir yon be- 
liebigen Wörtern, bes. Hauptwörtern, für das augenblickliche Bedürfiiiss Zeit- 
wörter mit gewissen Vorsilben, namentlich mit be-, ver- und aus-, und er- 
zielen so stets eine ausdrucksvolle Kürze. 

be- bildet Zeitwörter, die man mit „ich will dich . . ^* oder „ich werde 
euch . . .** verbindet, um ein Verbot einzuschärfen, so wie: ich will dich 
(schiessen, schimpfen, lügen) lehren. Hans macht sich z. B. unbefugt mit demi 
Aalender, dem Thermometer zu schaffen; dann heisst es: „Warte, ich will dich 
bekalendern; ich werde dich gleich be therm ometern/' Oder wenn er sich 
mit seinem Blaserohr, seiner Knallbüchse „unnütz" macht: .,ich will dich bald 
beblaserohren, beknallbüchsen/* Er soll nicht mehr klimpern, ein ander 
Mal nicht radiren: — „ich werde dich beklimpern, beradiren.'' Er will 
Chokolade haben, oder Klavier spielen, die Mutter weist ihn aber kurz ab: „ich 
will dich gleich beschokoladen, beklaffiren.'^ Darin liegt zugleich eine 
Drohung für den Fall der Wiederholung der Unart oder des Verlangens. — 
Einem Kaufmanne hatte man den Spitznamen B umfidel beigelegt; er drohte 
mit Verklagen: „da werden sie Siescnon bebumfideln.** Ein Gymnasiallehrer 
wurde beim Diktiren häufig mit: Wie war'sch? von seinen Quintanern unter- 
brochen; ungeduldig rief er: „ich werde euch gleich bewiewar sehen !^< — 
Wer fälschlich nach Gulden statt nach Mark rechnen wollte, würde belehrt wer- 
den: „ich will Sie begulden." —Wen man spöttisch Doktor, Magister, Pastor, 
Leutenant nennt, oder wen man einen Quacksalber, Schwindler, Hanswurst schilt, 
erwidert: „ich will Sie schon bedoktern, bemagistern, bebastern, be- 
leidenamden, be^wagsalwcrn, beschwindlern, behanswursten. — 

Ter- bildet Zeitwörter vom Namen einer Sache, welche das Mittel zum 
Vernichten, Verderben, Verschwenden, Verbrauchen u. s. w. bezeichnet. So: 
„Er hat sein ganzes Geld verstaatet, verschampanchert, verbildert, 
verfiakert, verhallt, verinserirt, verluftballongt, verstroussbergt, 
verpragduxert, — er hat die ganze rothe Tinte verkorrigirt'^ d. h. sein 
Geld für Staat, Bälle, Anzeigen u. s. w. ausgegeben, an verunglückten Unter- 
nehmungen verloren, die Tinte verbraucht, vgl. vertanzen, verspielen, vertrin- 
ken, verkümmeln u. s. w. — Der Förster hat den ganzen Weg verpflanzt 
d. h. durch neue Anpflanzung versperrt, also wie: verriegeln, verrammeln. — 
Da kannste viel Zeit verdeklamiren, ehr de Der 'was begreifen thut; — wie 
verwjsten, verspekuliren, Tinte verklexen, Papier verschreiben. 

Ahnliche Bildungen: Es hat die ganzen Zwiebeln ^rausgeregnet f. 
blosseelegt, aus dem Boden gespült, wie: herausgewaschen, nur das gleich die 
bewirkende Ursache mitgenannt ist, wie in: herausbohren, durchmeisem u. s. w. 

— Die Wiese war scheene zeriaaulwurft (wie zertreten, zerstampft). 

'/rA 3, aas- gibt Partazipien, welche, verbunden mit „es hat sich . . .*' an- 



§ 179—180. 45 

geben, das Etwas aas, yorbeii Dicht mehr vorhanden ist; z. B. Nu hat sich*B 
ansgekirmst, ansgetanzt, ansgeschnapst, ausgeschampanchert, ans- 

Seheedelbeert (weil die genannte Sache oder das nöthige Geld zu Ende ist). 
I Buem hat sicn*s nun anch ans^ekrenzert. Es hat sich ansgebfirge- 
meistert (er ist es nicht mehr). Es natte sich ansgenachtigallt (sie sangen 
nicht mehr). Er ist alt geworaen, da hat sich's ausgestntzert. Es hat sich 
aasgefahren (wenn der Wagen zerbrochen oder verkaaft ist). Es hat. sich 
aosgebräatigamt (weil er getraat ist). Es hat sich aasgefräaleint (weil sie ver- 
heiratet ist). — £ine Fran Schubert, die man irrig noch mit ihrem Mädchen- 
namen Meyer nannte, versetzte: Es hat sich ausgemeyert, jetzt wird ge- 
schnbert. Vgl. austrauern u. s. w. 

4. IMe blosse Endung von Ortsnamen dient als reflexives Zeitwort, wenn § 179. 
man de^. Namens selbst sich nicht entsinnt: — „Ich weiss nicht, ob es Gasch- 

idtz war oder Baschwitz, aber — es itzte sich; ja, ja, itzen that sich's. Er 
ist entweder von Seehausen oder von Sellerhausen, hausen thut sich's. Im 
Yogtlande grünen sich die Dörfer alle d. h. es endigen sehr viele auf -grün. 

5. Einzelne intransitive Zeitwörter werden zu reflexiven umgestaltet: §180. 
— Hier fängt sich mein Feld an; die Krankheit fiangte sich mit Bauchknei- 
pen an; das Buch fangt sich recht hübsch an; dorten, wo sich die vielL?en 
raj[)peln anfaneen (wo ihre lange Beihe beginnt). Sich anfangen in Wn., 

bei Claudius, Enebel, Lichtwer, Gruber in den AnmerkunjB^en zu Wieland. — 
Die Jungen turnen sich, sie ballen sich, ringen sich, kahnen sich, 
schlafen sich aus. Er klagt sich immer (hat ewig über Unwohlsein zu 
klagen). Es (er) j)asst sich gut dazu (Brl.). Das Gewitter hat sich lange 
*r umgezogen, wie: sich herumtreiben. Sie blieb sich dabei ganz ^leicn- 
^tig. — Bspr.: sich vor Jemanden grüssen f. ihn grüssen. — Sich mit 
Einem herumstreiten, herumdisputiren. Ich treffe mich dort mit 
euch. Aehnlicher Pleonasmus: Siezankensich mit einander (Zeitschrift „Cor- 
nelia'*). — Ein Leipziger zeigte einer Fremden die bei Nacht beleuchtete Uhr 
des Johannisthurmes und sagte : ,.Sähn Se, Heemse, das is Sie de Spiddelgerche 
(Hospitalkirche), un die Uhr, die brennt sich alleene an un lös cnt sich och 
selber aus. 

6. Zu einem selbsterzeugten unpersönlichen reflexiven Zeitworte 
greift man auch, um Etwas zurückzuweisen. Wenn uns Jemand „anborgen*^ 
will, erwidern wir wohl: „Es borest sich was, ich haw* alleene nischt*^ Auf 
die Ermahnung: „Mache fix!'* wird enl^egnet: „i ja doch; es fixt sich was*'. 
Ein Hausknecht, dem man seine erklecklichen Trinkgelder vorhielt, versetzte: „Ae, 
es trinkgeldt sich was zusammen'^ Eine äusserst bescheidene Magd wies die 
Anrede „Fräulein** so ab: »Es freileint sich was, Stiwwln wichsen muss'ch". 

7. Schliesslich sei erwähnt, dass, wie an andern Orten, auch bei uns die Um- 
schreibungen von Zeitwörtern in vielen Fällen im Yolksmunde sind, 
z. B. lieb haben (lieben ist zu vornehm), todt machen oder todt schla- 
gen (tödten gehört nur in die Bücher), aufmachen, zumachen (öffnen und 
schliessen sind geziert), sich vollmachen, sich schmutzig machen f. be- 
schmutzen; s. machen. 



Dritter Absclmitt. 
Wortbiegung. 

I. Das Hauptwort. 

§181. I. Hauptwörter, welche im Geschlecht, zum Theil auch in der 
Endung, vom Schriftdeutsch abweichen: 

Die Abscheu, die Alaune, das Armuth (Eg.» s. W.-B.) — die Backe 
(alt) und der Backen, der und das Bast, der und das Barometer, die Brocke 
(mhd. brocke, m.) — der und das Compromiss — der Datum, das Dotter, 
der und die Duft, die Dunst (s. W.-B.) -- der Examen (ND., Bsl.) — die 
und das Firma, der und die Flur f. Hausflur, die Funke — der Gas, der 
lind die Gedanke (s. W.-B.), der Gedrang f. Gedränge, das Geschwister, 
kollektiv, der und das Gift — eine Haare (Th., Eg.), die Harke f. Rechen 
(P.P.), der und die Hirse, — die und das Interesse — das Kahn (selten), die 
Kiele, eine Federkiele, der und das Knaul (Y.) f. Knäuel, ein Knie und 
eine Kniee, s. § 182, 3; — der und das Lohn, wie Gehalt. — das Mard f. 
Marder, der und die Mark, der und das Meter, der Mittwoch, gewöhnlicher: 
die Mittewoche — der und das Siegellack, der und das Solo, der Spann 
(Schuhmacherausdruck) und die Spanne, der und das Stock t Stockwerk — 
der und das Thermometer, der und das Thorweg, der und das Tornis- 
ter — der und das Vortheil — die Wagentheere, aber: der Theer, der 
und das Wechsel, der Wohlgefallen, der Zepter (N.) 

Anmerkung. Das Bast ist der Pflanzenstofl, der Bast ,4ö8t sich mir von 
den Händen". Der Datum bedeutet einen Monatstag, das Datum eine ge- 
schichtliche Einzelheit. — Der Examen, in der Schule; ein Student macht den 
oder das Examen. — Die Firma bezeichnet sowohl ein Handelshaus f ich reise 
für die Firma N.N.) als das Aushängeschild, das Firma nur das Schild; man 
spaltet also ein Wort in zwei, so wie man aus la carri^re die Karriere (Lauf- 
bahn) und der Karrier (des Pferdes) bUdet. — Gift, männlich bei Goethe: 
„Ich habe selbst den Gin an Tausende gegeben*': weiblich bei Martin Opitz: 
„die süsse Giffc der Eitelkeit*^ — Interesse, weiblich im Sinne von Theilnahme, 
z. B. aus persönlicher Interesse. — Die Mark ist ziemlich allgemein, doch hört 
man nicht selten: einen halben Mark, anderthalben Mark; kommt von alter 
Gewöhnune^, denn fast alle Münzen waren sonst männlich: der Thaler, Groschen, 
Pfennig, Heller: Grot, Schilling; Gulden, Florin, Kreuzer; Dukaten, Louisdor; 
Dollar, Penny, Frank, Sou, Centime, Kappen ; Rubel, Beal, Piaster, Skudo; Aus- 
nahmen: die Krone, Guinee, Zechine, Unze, Drachme. — Meter, Barometer, 
Thermometer schwanken zwischen der und das, Gentimeter, bald Zendi- 
meder, bald Sangtim^dr gesprochen, ist fast immer männlich: — einen halben 
Gentimeter. — DerSolo im Kartenspiel: ein grüner, haushoher, siebentrümpfiger 
^ Solo; das Solo bei Musik und Gesaug: ein schönes Geigensolo, das zweite Solo 



§ 182. 47 

ÖBgta. — Dbb Yortheil (bei Lather), bes. in der BedeiiBart: das Vortl wahr- 
sfibBieii f. den günstiffen Aagenblick benutzen; das Yortl bei einer Arbeit war- 
kriegen t die gtiebiekte Haadhabnng, den Kunstgriff. — Der Wechsel hat £e 
wirdhnlieh t a Bedentnngen des Wortes, also: Abwechslung, Versohreibung; das 
Wechsel ist nur die Möglichkeit, zu wechseln, das Weclweln; i. B. Nimmzwee 
Hosen mit uf de 'Reese, dass de 's Wechsel hast; £g. 

II. Bildung der Mehrheit. §182. 

1. Auf e: — die Spaze, Priuze, Vagabunde, Kukuke, Uhue, die Kakadue 

gich Eukuks, OhuSy Kakadus) u. s. w.; — die Kieme, von der Einheit: der 
em; die Käme und die Namen; die Gräme (Gräben) yon der Einheit: der 
Gram; s. § 82; dieDäume von der Daum. — Die Exame von der Ezam, auch 
durch einander: die E]|amen, Examens, Examina; in einer öffenüichen 
Sitzung hörte ich: „Es ist heute Examina in der Elabse!" Die Fasse, auch 
die Fast f. Fässer, in Küfersprache. 

Die Wörter auf «s endet der Volksround auf nsse in der Mehrheit: die 
Omnibusse. Fidebnsse, Optikusse, Schwachmatikusse, Diakonusse, Aktuariusse, 
Emeritusse; die Musik usse, daneben auch: Musiker (gebildet), Musici (gelehrt), 
Musicis (verkehrt), am beliebtesten bleiben aber die Musikanten. 

Buchstabennam_en nehmen in der Mehrheit sowol e als s: die kleinen 
IS, ein Paar is, die kae, kas; die beiden e, e, g, I, s, t klingen wie Zehe, Ehe. 
gebe, Elle, Esse, Theee. Von s und x bildet man natürlich keine Mehrheit 
auf 8. 

Die SeeS ist die Mehrheit von der See, die See*n von die See. 

2. Auf B: — die Stiefeln, Pantoffeln; Eg. (Bogumil Goltz schreibt 
stets: die Ziegeln). — 

3. Auf en: — die Stacheten, der Gasthof „Zum drei Schwanen'^ Von 
der Einheit: eine Eniee ist die Mehrheit: die Knieen. 

Stück hat einen fünffachen Plural: gewöhnlich: die Stücke, daneben 
die Stücken — von der Einheit: das Stücke, ahd.: stucchi, mhd.: stück und 
stücke, dän.: stykke, schwed.r stycke — seltner: die Stücker, dann — in bes. 
Verwendung — die Stück und die Stücks (auszusprechen: schtigg, scbtigge, 
schtig^er, schtix). Oft unterscheidet man wie folgt: Stücke f. menrere Guize 
(pi^es), Stücken, auch Stücker, far Bruchtheile (morceaux). Goldstücke, 
Silber-, Eopfer-, Zink-, Mark-. Thaler, Zweipfennigstücke sind gepr^^te Münzen, 
der Sing, davon ist: Goldstück, Markstück u. s. w.; — Goldstücken, Silber-, 
Kupfer-, Zink-, Mark-, Thaler-, Pfennigstücken sind das Eine : rohe Klumpen, un- 
bearbeitete Brocken des Metalls, das Andre : die Theile einer zerbrochenen Münze, 
und im Sing, würde man sagen: e Stücke Silber, e Stücke von enner Mark. 
Schiefer-, Baum-, Holzstücke sind regelmässige, zur Bearbeitung zugerichtete 
Abschnitte — Sing. Holzstück u. s. w.; — Schiefer-, Baum- Holzstücken sind 
die Trümmer einer Scbieferplatte , eines zerstückelten, nicht blos zerstückten 
Baumes, gehacktes Brennholz, Schnitzel, Splitter u. s. w., — Sin^. ein Holz- 
stücke u. s. w. — Kompositionen sind z. B. Geigen-, Flöten-, Klavierstücke; 
Geigen-, Flöten- Klavierstücken wären die üeberreste eines verunglückten 
Ins&umentes. — Zu einer Telegrafenleitung braucht man viele Drahtstücke; 
wird eines davon kleingeschnitten, so bleiben nur Draht stücken übrifi^, von denen 
sich Jeder ä Stigge mitnehmen kann. — Aktenstücke sind Urkunden, die 
Stücke einer Zeitschrift ihre einzelnen Nummern, die Stücken beider sind zer- 
riss^e Makulatur. — Mantel, Bock, Hut sind Kleidungsstücke, Kleidungs- 
stücken aber die Lumpen, Fetzen einer verbrannten, vermoderten Kleidung 
u. s. w. — Altarstücke, Deckenstücke, Fruchtstücke sind Gemälde, 
Altarstücken Trümmer eines zerfallenen Altars, Deckenstücken die Frag- 
mente einer eingestürzten Zimmerdecke oder auch die Lappen einer ausgedienten 
Tischdecke, und Fruchtstücken Schnitze von Aepfeln, Apfelsinen u. s. w. 
Tuchstücke, Leinwandstücke, ganze Stücke Spitzen enthalten ein be- 
stimmtes Mass von Ellen, Metern, Yards, — Tach-, Lemwond- Spitzenstücken 
sind abgeschnittene Theile, auch Hadern davon. — Der Katechismus enthält die 
Hauptstücke. Schlägt man auf einen grossen Spiegel los, so geht er in 
StüCKC (nicht in Stücken!), die Stücken liegen drum rum; der weise Haus- 
vater kann dann die grössten davon, die Hauptstücken, noch zu kleineren 



48 § 182. 

Spiegeln verwenden. Wer an verschiedenen Orten Weinberge hat, besitzt Wein- 
berg sstücke, theilt er einen davon in einzelne Abtheilnngen, so sind das die 
Weinbergsstücken. Mit gleicher ünterscheidnng steht Stücken aach oft 
im Schriffcdeatsch. — ^«Grosse Stücke auf Einen halten" hört man häufiger 
als: grosse Stücken, was bei Yamhagen von Ense zu lesen ist. 

Hänfig braucht man Stücke und Stücken ohne Unterschied; so: 
Grundstücke und Grundstücken, Bruchstücke und Bruchstücken, sogar: Thaler- 
stücken f. die Münze (Lpz. Intellig.-Blatt). Bei manchen Wörtern, welche den 
Begriff einer Zerstückelung von selbst ausschliessen« sagt man nur Stücke; 
so: Bubenstücke, Erbiäücke, Familien-, Früh-, Lese-, Meisterstücke, Monti- 
rungs-, Mund-, Muster-, Satz-, Schelm-, Theater-, Wagstücke; Schillers^ Lessings 
Stücke. — Jemand hat vier Kühe verloren; er seufzt: „Es waren vier schöne 
Stücke^'. Will man aber Semmeln, Eier, Früchte, Gigarren, Krebse, Klösse u. 
dgl. wegen ihrer besonderen Grösse preisen, so heisst es: ,,das sind tüchige, 
scnöne, derbe, gehörige Stücken"; der Sing, ist dann wieder: das Stücke, 
z. B.: „Es war Sie e Stigge wie meine Faust; ein dichtiges Stiege von einem 
Weibsen, ein derbes Weibsstigge. Dem Toffel seine Finger, das sin Sie Stücken 
wie die Samengorken". 

Das unveränderte Stück als Mehrheit steht nach Zahlen, wie in der 
Schrift: hundert Stück Schafe, Stühle. Dafßr braucht man mitunter Stücks: 



— „Wir kricbten beide e Ballen Duch mit 20 Stiggj wir verkofen die enzeln 

jäm aw'r nur ganze Stigg ab; Stigge von so e bar Ehlen 
is nich. Das eene Stigg is uns verbrennt, da liefen de Stigmen; sin lauder 



Stix weiter, m'r gäm 



lumpiche Stiggerchen". Vier Stück Brot smd Laibe, vier Stücke oder 
Stücken Brot smd Abschnitte; sind es nun „omtliche Keile, geheerige Runksen", 
dann sind es „hübsche Stücken". 

Stücker hat den Sinn wie Stücken und gehört mehr der Bspr. an: 
Steinstücker, Holzstücker, die Stücker von einem alten Tische; ä bar rammas- 
sirte Weibsstücker. Davon auch: stückerweise f. stückweise. 

4. Auf s : — die Kerls, die Herrens, die Bräutigams, die Jun^ens, die Ku- 
kuks (auch: Kukuke), Ofens, Schwagers, bes. sem bei Wörtern, die sonst Ein- 
heit und Mehrheit nicht unterscheiden: — die Dreiers, Thalers, Län^chens, 
Damens, Mädchens, Kinderchens, Fräuleins (im Faust: „Fräuleins alle Höflich- 
keit erweist;" ND.: Frölens). 

s dient bes. auch bei Fremdwörtern^ — die Notas, die beiden Klaras, 
Annas, Firmas, — auch Firmen, Firma, Firmae, Firmäen; die Examinas (§182, 1); 
die Billards (auch Billard's geschrieben, neben die Billard, Billarde); die Muse- 
ums, Datums, die Meubels, auch Möbeln, die Doktersch, Pastersch, Offiziers, 
Majors, Professors. 

Dieses Mehrheitszeichen s setzt man an Familiennamen^ wenn von 
der gesammten Familie oder dem Haushalte dieEede ist: Werners sin mit Wolfs 
verreist (auch hochdeutsch); ich ^ehe morgen bei Bonorands oder Kintschis 
(Kaffehäuser). Daher auch schlechthin: „Wir waren zu Besuche bei Doktersch", 
in der Familie eines als bekannt angenommenen Doktors; ND. 

5. Auf er statt des schriftdeutscnen e: Die Aexter, Bälger, Bangenet- 
ter, auch Bangenette, Bangenetts ; die Biester, Dinger, bes. im verächtlichen 
Sinne, also als Mehrheit von das Dings (s. § 164); Flecker (davon: 
fieckerweise f. stellenweise), Gebeter, Gedärmer, Gelenker, daher: eine 
Gelenkerpuppe; die Geschäft er d. h. die Geschäftsräume, Läden; dgg.: die 
Geschäfte f. Geschäftsabschlüsse: — „Sonntags haben die meisten Geschäfter 
zu, weil doch nicht viel Geschäfte gemacht werden"; die Geschmäcker, die 
Gewölber (Wn., Brem. Beitrg.) oder Gewölfer, die Halm er, auch Halme, 
die Hälser, die Klösser, Gleeser ^gX die Klötzer, Kränzer, die Lich- 
ter f. Lichte (s. W.-B., daher auch Licnterfabrikant. B.), dieOerter, auch 
Orte, die Pflöcker (klingt wie Flecker), Präsenter (Bressender), die Reste 
beim Rechnen, die Rest er von Tuch, Seide, Tapeten u. s. w.; — Scheiter (so 
bei Immermann; davon: Scheiterhaufen); die Steiner: die Stöcker, Hl., clie 
Stücker, Sträusser (HL); die Viecher (Wn.), die Zelter f. Zelte. 

6. Mit Umlaut: Aerme f. Arme (Hss., Bsl., bei Lessing, Rückert, Hippel; 
daher: „die Arme bat beede Aerme gebrochen)-, die Däume, s. Nr. 1; die 



§ 183—185. 49 



Gehälter, Brl.; Hä.lme, Nr. 5, Bsl.; die Kam er ade, männl. und weiblich, 
also auch f&r: Genossinnen; selten: die Name, Bsl.; die Prinzipale. 

Mit Unilant und auch ohne Umlaut bUden wir die Mehrheit von: Alko- 
ven, Boden, Faden, Graben, Kasten, Kragen, Laden, Lager, Was- 
ser u. s. w. 

7. Mehrheit gleich Einheit bes. in Bspr.: die Nagel, die Beet, die 
Schaf, die Fass; s. Nr. 1. 

Anmerkung. Ueber die Mehrheit: Männerchen, Häuserchen u. s. w. 
s. § 148, 2; über die Freinden u. s. w. § 165 E; über Küwe s. 136. 

Deklination der Hauptwörter. 

Ueber die Kasusendungen bemerken wir nur, dass das s des starken Genitiv § 183. 
oft an ungebürlicher Stelle anc^esetzt wird; so: des Bebens, Finkens, Bärens, des 
E[irtens, des Gesellens, des Ochsens, des Herms; fremder Leutens Kind; 
vgl. § 224. Indess ist der Genitiv überhaupt wenig im Gebrauch; s. § 216 
u. 223 ff. — Von der Vorliebe für das e des Dativ Singular haben wir schon 
gesprochen (§ 132 g). 

Die Abwandlung von der Mensch und das Mensch s. § 132 a. — Was 
die Eigennamen betrifft, so gibt ihnen die alltägliche Sprache auch gern 
Kasusendungen; man hält es aber für feiner, das mcht zu thun. DerDifQekt 
sagt stets „ich traf Karin, Otton, Ferdinanden, Lehmannen, Schmidten, 
ich gabs Üaran, Theklan, Marien, ich sah Herr Schmidtn. ^ie Bspr. unter- 
scheidet hier sogar den Dativ vom Accusativ: Ich war bei Koche; aas ist für 
Kochen; ich gabs Wilhelme, ich traf Wilhelmen. — Vermischung der 
Fälle: — Ein Kind wollte von seinem grösseren Bruder getragen sein; der aber 
erwiderte: „Ei, war* ich dich tragen, du grossen Jungen!** 

II. Die Artikel. 

1. Die Formen des bestimmten Artikels werden so verkürzt: der ss dr, § 184. 
die »- de, des »» *s, dem und den «» 'n, oder, wenn es deutlich ausgesprochen 
werden soll: in; der Genitiv des, wenn er vorkommt, lautet dann ebenfalls 's. 

Die vollen Formen der, die, das, den dienen nur als Fürwörter. Beispiele: 
dr Esel, de Ziege un's Färd; *s neie Haus ; ich geb's 'n Vetter oder *n Kindern; 
hast'n Garden gesehen? Hast'n 'n Wein geholt (hast du denn den Wein); er 
kam's Nachts; es war kalt 's Morgens (mhd. smorgens, was sich an der Ruhr 
als: schmorges wiederfindet); 's mcbbarsch Haus; bist'n 's Deifels? (bist du 
denn des Teufels?). Er legte sich vorsch Haus; das is fersch Weib; das Haus 
is untersch Dach (fertig gedeckt); se war vor d'r Stunde hier (?or einer 
Stunde, also wie: vorm Jahre). Ein „Scharwerksmeier" schrieb auf seine Rech- 
nung: „in Ofen gekehrt.'^ — Die Unterscheid on^ von dem und den wird dem 
Leipziger ziemlich schwer; es wird ihm zwar nie einftdlen, nach Berliner Art 
zu sa^en „mit die Frau, es liegt ins Pult'S wohl aber „mit den Stiefel, es 
liegt in'n Ofen oder in Ofen, uff 'n Pflaster** u. s. w. Wo sich indess das e des 
Dativ anbringen lässt, wird es gern gesetzt: ich gebe es den Manne, in den 
Weine, von den Biere. Umgekehrt wird „zum"' für die leider fehlende Zusam- 
mensetzung zun (mhd. zen) gebraucht, der Kürze halber; an einem Hause stand 
viele Jahre lang der Name „Zum drei Rosen*' und in Dresden „Zum drei 
Palm zweigen". So auch im Horaz v. Böhme. 

2. Die Formen des unbestimmten Artikels: ein »» e, ä; eine »» eene, §185. 
enne; einer *» enner, seltner 'n'r; eines »« ennes, enes; einem und einen » 

e, ä; die vollen Formen: een, eene, eens, eenen sind Zahl- und Fürwort. 
Beispiele: e Herre, enne Gasse, mit enner Feder; vor 'ur Stunde; von e Buche, 
durcn e Garden; — e Mann sahk an e Hause e Wagen mit e Fähre (Pferde); 
Eener von euch kam doch mit enner Dame: hier lassen se Eenen gar nicn gehen ; 
enne Frau gab'n (ihm) Eene hinter de Leffel; der G^tl b^^^xAsJS. "^^\s^ 's.^'^'ö^* 
er geht mit Een' um wie mit e Hunde; wenn Eietft^^tfx'^^VÄ ^\ioa»%'ä^^*»5s».^ 

Älbreebt, Leipz. Handart ^ 



50 §. 186—189. 



datVsch (thut er es) nich mehr wie gerne, s. noch ,|Eene'' im W.-B. Die 
Bchriftmäsfiigen Formen ein, einen werden im Affekt gebraucht, nm der Sache 
mehr Nachdruck zu geben: ,)Ne, so ein dämliches Gerede; den will ich aber 
einen Brief schreiben^' (d. h. einen entschiedenen, groben u. s. w.). 

in. Eigenschaftswörter und Umstandswörter. 

§ 186. 1. Voll nach einem Hauptworte wird fast immer zu voller, wenn die 
Sache darauf folgt, welche den Eaum füllt: — Ein Baum vollerAepfel, eine 
Stube voller Menschen; die Scheune ist voller Mäuse; er hatte die Tasse halb 
voller Gulden; die ganze Hand war voller Blut (besudelt); dgg.: ich hatte 
nur eine Handvoll Leute um mich. Im Eg. gebraucht man vuller auch ohne 
darauf folgendes Hauptwort: — der Tup is vullr — (Topf ist voll). — lieber 
die angesetzte Endung e s. § 132; die Formen von hoch und zäh § 69; die 
substantivisch jg^esetzten Eigenschaftswörter § 166. 
§ 187. 2. In der Steigerung wird mitunter der Umlaut abweichend vom Schrift- 
deutschen gesetzt: — rascher, schmäler, blanker, töller (bei Luther), 
krümmer; der geradeste Weg; Eg.; Sz.: TöUer, wöhler f. voller, wohler. 

Mehr bildeten den Superlativ: die mehrsten (so mhd., auch bei Musäus, 
Goethe, Voss, Rückertu. s. w._), inBror.: diemesten, auch me&ten; daher: 
mehrschtendels, mestendels, mestendels f. meistens. Von gern bildet 
man: gerner, am gernsten f. lieber; BsL, mhd. allerg€rnest; von sehr in 
Bspr. setter, das setter sehte, am setterschten; im Eg.: sern^, semst; 
z. B. ich kann noch setter rennen (schneller, stärker); der Strunk, das war 
mei Setterschtes noch lange nich; — von leid: du thust mir noch leider 
als dein Bruder. Ueber höcher s. § 69, theuerter § 139. 
§188. 3. Von einzig hat man zur Bezeichnung noch grösserer (!) Ausschliesslich- 
keit nicht nur die Zusammensetzungen allereinzi^, auss ereinzig, sondern 
auch, wo das immer noch nicht hinreicht, die Supermtive: der einzigste (ND.; 
so in Bekanntmachungen der Hambui^er Gerichte), der aussereinzi^ste, 
all er einzigste (ähnlich in Wf. der alleinigste). So: „das wäre mein einzig- 
ster Wunsch; der einzigste Tag, wo ich mich losmachen konnte d. h. es ging 
schlechterdings an keinem anderen; mein aussereinzigstes Vergnügen ist das 
Theater; mein allereinziger oder allereinzigster Freund". — So steigert man auch 
einzeln zu: noch einzelner d. h. noch mehr zerlegt. Ein Herr verlangte 
vom Kellner „fr e Mark enzelnes Geld;" er bekam lauter Zehn^fenniger, 
wünschte aber noch kleinere Münzen; sprach daher: „Hamm Se's nich noch 
einzelner?*^ 

4. Uebrigens verwendet man immer den Superlativ statt des von der 
strengen Bee;el gebotenen Komparativs, wo nur von zwei Dingen die Bede 
ist; z. B.: Meine Gommode hat zwee Gasten, imoberschten haw ich Babiere, 
im unterschten Wäsche; 

Die flektirten Adverbien s. § 171. 

IV. Die Zahlwörter. 

§189. 1. Bei Angabe der Stunde werden nach Präpositionen dieZi^l^n oft dekli- 
nirt: — Er kam nach vderen, ich vor vieren, ihr zwischen fünfen und Sech- 
sen; es ist schon über viere; von elfen bis nach zwölfen. Nach gegen 
folgt dann der Dativ: Gegen einsen war er hier; sie ging gegen dreien hin 
(v^. § 215). Nach um setzt man e oder ävor die Zahl: er kam um e viere, 
auch: um en ührner viere d. h. nicht pünktlich Um vi^, sondern gegen 
vier Uhr; vgl. „ein Stücker zehne'^ § 227. — üeber-das angesetzte e s. §132 d, 
über das verkürzte oder weggelassene und § HO E. 

2. Tausend ist eine Axt Adj. i. S. v. „gross, selten, unerhört, was unter 
tausend Fällen einmal vorkommt^*: — Wir waren alle spazieren, un es war nur 
e taasenäea Glücke dass meine Mutter zu Hause war, wie der Klapperstorch 



§ 190—192. 51 



V. Fürwörter. 



1. FersoDenwörter. 



1. Diese vielgebrauchten Wörter werden natürlich stark verkürzt, wie §190. 
die Artikel, aber nur, sobald sie tonlos sind; sollen sie betont werden, so 
klingen sie wie im Hochdeutschen; ich und mich werden dann sogar durch das 
bekannte e verlängert: — Wer soll dasj^ethan haben? iche?I na, iche nich 
(sondern ganz gewiss ein Andrer). „Bufemich^S heisst: ungerufen komme ich 
nicht; dgg«: rur miche: — ruf keinen Andern, als gerade mich. Wenn man 
unpersönlichen Zeitwörtern einen Nachdruck geben will, sagt man das f. 

es: das schneit aber! das regnet emall das geht sich schlecht nier; das gibt 
efbal Nüsse bei uns ([sehr viel): — „hier zieht's' ' ist viel schwächer, als das un- 
willige: das zieht hier (vom Luftzug); vgl. im W.-B. da, 3 und § 191, 3. — 

Formen: ich -» 'ch; du -= de; er — 'r, Bspr. auch e, he; sie « se; es « 's; 
man « m'r; wir » mir, m'r, aber betont mir, Schw. me; ihr »- 'r, auch 
d*r; mir » m*r (mhd.), betont aber mir; dir » d'r; dich » d*eh ; sich » s*eh; 
eueli in Bspr. — ieli, *eh, s. § 64; ihm, ihn, ihnen » 'n, wie der Artikel den 
und dem; ihrer -» Vr. Für die Genitive unser, euer sagt man, wenn sie^a 
einmal vorkommen: unserer, eurer, doch nicht in: Vater unser, was richtig 
nach dem Schriftdeutschen gesprochen wird. Alles dies auch in Th., £g., z. Th. 
in Schi. u. s. w. — üeber die Verwechselung von Sie und Ihnen s. § 230, 2. 

Beispiele: *ch habb*s'n g[egäm (ich habe es ihm oder ihnen gegeben); de 
hast's'r no nich geschrie^m (es ihr nocn nicht geschrieben) ; m'r gann d'r sagen, 
was m'r will (man kann dir sagen, was man will); m'r hat m'r zu wenig ge- 
geben; woll' m'r das leiden (§ 104)? hadd'r'sch (« hat er es); nimb d'ch in 
Acht! Habbd'r ich (sprich: habarich » habt ihr euch) widder emal gezankt? m'r 
hamm 'n nich (wir haben ihn nicht); ihr sidd'r'r siem (ihr seid ihrer sieben): 
er hadds'ch unsrer angenomm; hamse's'n (haben sie es ihm oder ihnen) geschickt r 
nimste's'r » nimmst du es ihr; gibstes'n » gibst du es ihm, gibst du sie 
ihnen u. s. w. 

2. Für den Plural der zweiten Person, ihr, sagt die Bspr. d'r, bes. zu Anfang 
des Satzes und nach manchen Bindewörtern: — D'r sidd nich recht bei Tröste, 
wenn d'r das duht; wenn d'r könnt; ob d'r wollt; weil d'r nischt habt; wo 
d'r'sch anrührt! V., Th., vgl. § 141, 3. Dagegen bleibt der Dativ ihr unver- 
ändert, oder er wird zu *r verkürzt, und das jBe sitz wort lautet richtig ihr, 
in Bspr. ähr; der Dialekt hat also für diese eine Schriftform vier verschiedene: 
ihr, 'r, d'r, ähr, z. B.: Ich geb ^r ihr Buch; wennd'r'r ihr Geld schickt (wenn 
ihr ihr ihr). 

3. Die Einheit und die Mehrheit sie wird durch das kräftigere hinzeigende § 191. 
die ersetzt: Wo is denn de Mutter? Die kommt eben; sinn deGinder da? Die 

sinn hinne; vgl. „das zieht*^ in § 190. 

4. Anstatt „einer von" setzt man eins hinter den Nominativ des Für- 
wortes: — Wenn ihr eens hinkommt; wenn wir nu eens zu ihm gingen; wenn 
die sich eens 'neinmengen (eines von ihnen). 

5. Das reflexive Zeitwort im Infinitiv bekommt — in Bspr. •— sich, auch §192. 
WO' uns stehen sollte: — Wir sitzen zusammen, um sich zu unterhalten; wir 
venprachen einander, sich dort zu versammeln; Sz.; Simplicissimus, im Eg. 
ganz regelmässig bei jeder Form des Verb: Wir wollen sich hersetzen u. s. w.; 

vgl. G opfert, Mundart des Sachs. Erzgeb., S. 75; s. noch § 180. 

6. Zur Bezeichnung des reciproken Verhältnisses braucht man einander 
nehst dem persönlichen Fürwort (nach französischer Art: ils se donnent 
Tun ä l'autre): — sie geben sich einander schene Diddel, sie lern' sich 
dorch einandr besser gennen, wenn se alle an een' Dische sitzen; die duhn 
sich under enander Nischt; wir zerren uns einander herum; ihr zankt 
euch scheene mit einander; gebt euch doch einander lieber gleich Schellen; 
sie lieben sich einander; auch: sie bereden 8l<ili mit ^\TiVö.\^^\ -^ra.^^- 
schworen uns zusammen u. dgl. 



52 § 193—194. 



2. Besitzwörter. 

§193. a) Formen. Für mein, dein, sein sagt man m ei, dei, sei, — nicht 
aber für meine, deine, seine, wie es in Süddentschland geschieht. Meinem und 
meinen sind >» mein: — Ich ^ehe mit mein^ Bmder; ich habe dein^ Stock nich. 
— Der meinige, deinige, seinige n. s. w. sind nicht gebräuchlich; man sagt 
stets ;,meiner, deiner, seiner" (Pf.)) was jedoch Halbgebildete for unrichtig hal- 
ten! vgl. 193 c. Für „die Meinigen" im Sinne von „meine Familie'*, sagt 
man „meine Leite," vulgär: „meine Blase, Bagage, Bande, mei Volk". 

b) Gebrauch. Dass für ihr, namentlich wenn es etwas entfernt von dem 
betreffenden Hauptwort steht, gern sein genommen wird, darf wohl nicht dem 
Dialekt angerechnet werden; folgende Beispiele haben wir wenigstens in öffent- 
lichen Vorträgen Gelehrter gehört: „Die Sache ist vollständig und in jeder 
Beziehung in seiner Ordnung; — die kleine Stadt Dessau gab der Judenheit 
seinen Mendelssohn". Im Leipz. Tagblatt empfahl „die Yereinsbrauerei seine 
Lokalitäten'*. 

Ein, wir möchten sagen, gemüthlicher Gebrauch, liegt (ähnlich wie 
dem Dativus familiaris, § 231) folgenden Ausdrucken zu Grunde: Die Suppe hat 
ihre gehörige Hitze; das Wasser hat heute seine 20 Grad; Anton trinkt im- 
mer seine drei Deppchen. — Sehr ungemüthlich ist dagegen mein, mit 
ei^enthümlichem, gedehntem Tone^ wo es ein höhnisches Bedauern ausdrücken 
soll; es steht dann bei einem Vornamen: „Na, mei Fritze!" d. h. dir wird's 
schlecht gehen; „ei, meine Mine!** d. h. warte nur, wenn das die Mutter sieht 
u. s. w. — Ebenso mit kräftiger Betonung und gewaltigem Nachdruck: „Junge, 
lauf mir nur noch emal uf de Gasse — aber deine Haue!** 

c) Die gewöhnliche Sprache sagt ganz richtig: „das Buch ist mein, dein, 
sein;" Halbgebildete halten dies für falsch (vgl. 193 a) und wagen nur zu 
sprechen: „es ist mir, dir, ihm". Andemseits sagt die Volkssprache aber frei- 
hch, im übergrossen Streben nach Deutlichkeit, auch: „es gehört meine, 
deine, seine, unsre, eure** u. s. w., was Friedrich Bauer (Grammatik der 
deutschen Sprache) nicht gjanz verwirft; ND.: das Buch hört mir. 

d) die Besitzwörter sein und ihr, hinter den Dativ eines Hauptwortes 
gesetzt, müssen den zu gelehrt klingenden Genitiv — eines Besitzers, einer Be- 
sitzerin — vertreten: „mein' Vater sei Haus, meiner Mutter ihr Hut; meine 
Stube ist grösser als mein' Bruder seine;" s. § 223; Grimm II, 968 oben. 

e) Absolut stehen die Besitzwörter für: meine Frau, sein Sohn, seine Toch- 
ter u. s. w., namentlich in Bspr.: — Das ist dem Pastor Seiner, dem Bich- 
ter Seine; ich ging mit Meiner zu Tanze; so ND.: Burmesters Sin (des 
Bürgermeisters Sohn); s. § 241. 

3. Hinzeigende Fürwörter. 

§194. a) Dies er und jener werden äusserst selten angewendet; man sagt lieber 
„der Mann hier, das Haus da, der Hund dort (Bspr.: der Ochse seit). 
Ungebildete wenden ^dieser** gern als ein „feines** Wort für ein persönliches 
Pronomen an, oder wo sie meinen: der schon Genannte, Bewusste, Betreffende; 
z. B.: „Da steht eine Frau, diese ist wohl deine Mutter r ich wanderte mit zwei 
Gesellen, diese waren Schneider**. In gleicher Weise bevorzugt man die Ver- 
bindungen ,,auf dieses, nach diesen*' (anstatt: darauf, nachher): — Seine 
Tochter starb, und auf dieses zog er fort von hier; — ebenso diesernalb,die- 
serwegen. — Mit Betonung stent dieser im Ausruf für etwas Unangenehmes : 
„nee, diese Hitze, dieser Staub**. — Häufige Redensart „hol' dien Dieser 
und Jener'*. — S. noch derjenige im W.-B. — Das für ein Adverb gebraucht: 
A spricht: „Ich dachte, du bliebst nich dort** ; B erwidert: „Das bleib ich 
auch nicht". 

b) Der erstere und der letztere werden in gezierter Sprache oft für 
der erste und der letzte gebraucht. 

c) Zur Verstärkung setzt man hinter ein Hauptwort der, die, das. „Der 
Mann, der ging hin; das Kind, das sprach; das Haus, das er gekauft hatte, das 



§ 195—198. 53 



brannte ab; nun müssen aber die ßaiitmtemehmer — die müssen viel Geld 
haben; den Manne, den gab ich Nischt; man denkt: ,,was den Mann betrifpf;, 
dem geb ich Nichts^ S So anch: „die vom Gerichte dranssen, haben denn da 
die Witwen och was, wenn de Männer sterben («> bekommen die Witwen der 
Gerichtsbeamten Pension)? Vgl. die verstärkende Nachsetznng des persöiüichen 
Fürwortes: „Die Tugend, sie ist kein leerer Schall^'; „the night it was dark 
and the wind it was hi^h^^ So schon ahd., oft bei Goethe. S. § 195; Grimm 
U, 96S f. y^l. anch die verstärkten Ansrafe: ich £sel, ich! du Bange, du! Sie 
Luderchen, Sie! der Gauner, der! die Klatsche, die! das Kamel, das! 

4. Bückbezügliche Fürworter. 

a) Welcher Yrird fast immer durch der, die, das vertreten, dieses aber §195. 
im Nominativ sehr gern durch angehängtes de (da) verstärkt: Der Herre, der 

de kam; die Weiber, die de da standen; nicht aber: der Herr, den de man 
sucht, und nur sehr selten: der Mann, dem de das Haus gehört; das Buch, das 
de meine Brüder haben. So £v. Joh. 12, 13: Gelobt sei, der da kommt. 

Ebenso nach wer und wo: — Wer de Geld hat, kann *rein; das eenzge 
Haus in der ganzen Strasse, wo de keene Kneipe drinne is; Sdt. 

b) Was anstatt welches nach sächlichen Hauptwörtern: Das Geld, was 
er verlor; das Blatt, was dorten liegt; die Hauptsache, was ich esse, is 
Abends; £g.; auch: das Thier, was de da rennt! der Sprosser und der Kar- 
niichenvogel, was de de schönsten Singvegel sin. — Was für deijenijge, wel- 
cher, was oetrifft: Der Vetter Isganz gut, aber was sie is, die is ^eizi^ (seine 
Frau); was derMeester is, der arbeit nichhier; was deGinder sein, die sinn 
alle todt; was seine verheirathete Tochter ist, die wohnt in Halle (—diejenige 
seiner Töchter, welche u. s. w.); die Burg im Schützenhause, was dieBuine is 
(ich meine nämlich die bekannte Buine); so bei Btr.; s. noch was im W.-B. 

c) Statt eines Belativsatzes wendet man lieber einen Schaltsatz an: 

— Die Tochter war in Noth, und da kam nun der Alte zu mir — den kenn* 
ich schon lange — und verlangte Geld. 

5. Fragende Fürwörter. 

Was wird nach allen Verhältnisswörtern angewendet: zu was, mit §196a, 
was, von'was, an was, in was, um was, währenddie Verbindungen wozu, 
womit, wofür u. s. w., wenig gebraucht werden; z. B. durch was is er denn 
was geworden? — Was für ein wird meist getrennt. „Was is denn das für 
e Haus? Was is denn das heute hier wieder emal für e Krakehl?" vgl. § 238. — 
Wess für welches besteht noch in der Beden sart: Wess Zeichens ist er? = 
welches (bewerbe hat er; ebenso: wess Standes; wess Wegs seid'r gegangen? 

6. Unbestimmte Fürwörter. 

Die Form alles wird oft mit der Mehrheit eines Hauptwortes verbunden: §196b. 

— Die Cigarren sin alles keene ^ten ; die Häuser sin alles Kasernen ; alles die 
Bestaurationen heissen jetzt Kafes; s. alle und alles im W.-B. u. vgl. § 237. 

Etwas verkürzt man stets zu was, s. dieses im W.-B. 



VI. Hilfszeitwörter. 

Haben heisst häm, nachlässiger hamm, Bspr. hann. Ich habe =» ich §197. 
hawe, wir haben -» mer hamm (St., B.); ihr hatt f. ihr habt und ihr hattet; 
Bspr. ich hotte oder hutte. Bl. Gehabt «» gehatt, mhd. gehät; Eg.: kdt, Zu- 
sammenziehung von gebot. 

Sein =» sinn, mhd. sin; er is; m'r sinn, mhd. sin; se sinn, ihr seid §198. 



54 § 199—204. 



oder sidd, mhd. sit; Yornelimer anch: wir sein, sie sein; ScbL, E)g., Rh., 
](ü. n. s. w. In einer Generalversammlung von Mtionären der Leipsog-Dresde- 
ner Eisenbahn sagte ein Leipziger Bürger laut stenografischer Niederschrift: 
„Mir alle hier, die de mir hier beisammen sein, mir sein e^ewiss überzei:^, 
da SS de unser Direktoriaro alles Yertranen verdient''. — Sind wir, seid ihr«» 
simm'r, seid'r oder sidd'r. — Für gewesen hört man anch die alte Form 
gewest; P., Schw., Eg., L., Wn.; hol!.: geweest. — Der Imperativ heisst nach 
alter Art: bis; bis so gut, engl, be so good; bis nich so dumm; Eg.; — Köln: 
bess; Sdt.: bis n. bis. 

Mitunter werden die Hilfszeitwörter haben und sein vertauscht: — Ich 
habe ihm begegnet (wie: ihn getroffen; so bei Goethe, Schiller, Heine). S^e 
hatte fast verzweifelt. Er hat gereist, z. B. für das ^us N. & Comp., 
ist beiEaufleuten beliebt. Ich habe geritten, geklettert, geschusselt, — 
aber: ich bin lange auf dem Eise *rumgeschusselt. — Ich oin viel mit ihm 
verkehrt; wir sind da übernachtet. Der Blitz ist in das Haus einge- 
schlagen (wie: gefahren). Ich bin an ihn angerennt, wie: ich bin an ihn 
angestossen. 
§ 199. Werden = warn (sprich währn). Präsens: ich wäre, du wärscht, er 
ward, m*r warn, ihr wärt, se warn; — Imperf. ich werde, Bspr.: ich 
wurre. Auch eine Mehrheit von „ich ward" wird von Landleuten gebild!et : wir 
warden, siewarden. Für „worden*^ im Passiv sagt man manchmal „ge- 
worden:" — Das ist lange bezahlt geworden. 
§200. Dürfen =■ derfen: ich derf, cui derfst. er derf, wir derfen, ihr derft, 
sie derfen; Eg.; — in gezierter Sprache: ich dürf, er dürf, wir darfen; — 
ich dorfte f. durfte; — ich dörfte, ich derfte f. dürfte; gedorft u. s. w. 
Rl. — 

Können BS genn^ ich gennte f. könnte; Bspr. ich gunte f. konnte. — 

Sollen: Bspr. ich sali, ich sallte. 

Wollen: Bspr. ich wuUte, gewullt; mhd. wullen, wellen. 
§201. Die Partizipien: gekonnt, gewollt, gesollt, gedurft, gemocht, 

febraucht, gelassen, gemusst stehen auch neben Infinitiven: er hat nicht 
ommen gemocht, aber er hat kommen gemusst; das hättest du nicht zu 
thun gebraucht; ihr habt mich nicht gehen gelassen; wir haben das Bier 
stehn gelassen; nach dem Eg. zu und in Th.: er hat gehen musst; er hatte 
fahren wollt. Dgg. hörten wir von einem hiesigen Schulmanne die entgegen- 
gesetzte Konfusion: „Ich habe die verschiedenen Uebertretungen suchen her- 
aus zu bekommen; der eine Schüler hat sogar suchen, Geld zu erpressen''. 
§ 202. Thun wird nicht selten als überflüssiges Hilfszeitwort gebraucht (nach eng- 
' lischer Art): Thut er denn mitspielen? Er that nich schreiben; manchmal so- 
gar doppelt: Wenn ich hier naussteigen thun thue, thu ich nuntersterzen ; V. 



Vn. Zeitwörter. 

Schwache Konjugation. 

^203. 1. Die Zeitwörter, welche die Endung nen nach einem Konsonanten haben 
(z. B. regnen, begeben, zeichnen, rechnen, welche rSgen, begdgen, zachen, 
rechen ausgesprochen werden, s. § 121, 2), setzen statt der Endungen net, nete 
immer ent, eiite:er zeichent, zeichente, gezeichent; es regent, regente, 
geregen t;errechent, rechente, gerechent; sie be^e^ente uns. Sie nehmen 
also statt des Biegungs-e das Bildungs-e wieder an, wie im Hochdeutschen: er 
lächelt, sammelt, hämmert; dsgl. in ND. So wird auch athmen konjugirt: er 
athent, ich athente, geathent; auch: ich athne, wir athen. Oft hört und sieht 
m^n auch den entgegengesetzten Fehler: Zeichnenlehrer, Bechnenheft. 

J 204. ?. Die Bequemlichkeit und der Verkürzungstrieb machen sich in ausgedehn- 
ter T;nd folgenchtiger Weise bei den Zeitwörtern auf — den, — teil, — then 
geltend; deren Formen werden so zusammengezogen, dass immer nur ein d 
oder t gehört wird, und gleichzeitig wird die betreffende Silbe kurz, so wie bei 



§ 205—206. 55 



treten: tritt, reiten: ritt. Ebenso im Ef^., so auch schon mhd. warte, Ueite, 
bäte und batte als Imperfekte. Man vgl. die englischen Formen it costs, it cost, 
he hnrts, he hnrt, n. s. w. ; die gleiche Yei^ürznng findet sich auch im Schwe- 
dischen bei Zeitwörtern anf-ta und -da: heta, Imi^rfekt: hette oder het, hiefis; 
sprida: spred, verbreitete; dän. und holländ. ähnlich. 

Beispiele: 

Waten: Präs. ich wate, du wattst, er watt, wir waten, ihr watt; —Im- 
perfekt: ich wätte, du wattst, er (ihr) watt; — gewatt und gewaden; «bebso 
gehen braten: es brätt, es bratte, gebratt und gebraden; — rathen: er ratt, 
er ratte (->> rieth); gerathen, heirathen. 

Schaden: es scbatt, es schatte, es hat geschatt; so baden, laden; über 
gelatt und geladen s. 207 e. 

Beten: ich bete, du bättst, er bätt: er hätte, gebätt: ebenso: kndten, br€- 




schneidet. Bspr.; s. § 59; treten wird stark konjugirt, wie Schriftdeutsch. 

Miethen: du mittst, er mitt; — er mitte (miethete); gemitt. Ebenso 
nieten, schmieden; auch: es sidd f. siedet; er bott, gebotten, in Bspr. f. bot ge- 
boten ; du bietest und du bittest klingen gleich : du bittst. 

Bluten: es blutt, er blutte, geblutt; ebenso: vermuthen, sputen; rosten, 
mästen, misten, fasten, husten, achten, trachten; fürchten: Präs. er ferefat, 
Imperfekt er ferchte oder forchte (Uhland: Der wackre Schwabe forcfat sich nit). 
— Antworten: er antwort, er antworte, geantwort; sie antworten ist also 
Gegenwart und Vergangenheit. In gleicher weise werden landen, ernten, wen- 
den, senden gebildet: er wend' sich, er wennde sich; der Umlaut a bei wenden 
und senden ist ungebräuchlich; s. § 205. 

3. Kennen, nennen, rennen, brennen, nehmen den Umlaut a nicht §205. 
an (s. 204 E.): ich kennte, sie nennten, wir rennten, sie brennten, er hat mich 
gekennt, genennt, benennt (neben: beniemt), er ist gerennt, es hat gebrennt; — 

bei Bammler: gebrennet; mhd. braute und brennete, gebraut und gebrennet; 
hoU. ^ekend; scnott. kend; so auch: meine Bekennten f. Bekannten; Eg. — 
Umgekehrt lautet man ab: es schmeckte «« es seh mackte (Bspr.); Sdt.; ander- 
wäiTs auch: es schmak, es schmok. 

4. Manche Zeitwörter der starken Konjugation werden im Dialekt schwach §206. 
konjugirt (wie in engl. Dialekt: I seed, he comed, we telied f. saw, came, told); 

so: er befehlt; er fechtet, sie fechteten, sie flechtet, er scheltet, ich leihte, er 
scherte, er speite, es gleitete, es gedeihte. 

Anfangen: er fangte an, aber auch stark, s. § 210. 

Hauen (mhd. houwen): er haute (bei Voss), er hat gebaut; bei Hl.: er 
hob f. hieb; heisst hauen Heu machen, heuen (mhd. höuwen), so bildet es die 
Vergangenheit schwach: — sie hauten, das Partiz. aber stark: die Wiese ist 
gehauen (gemäht). 

Scheinen: die Sonne scheinte, der Mond hat gescheint; seltener. 

Weisen: ich weiste f. wies; man hat ihm die Wege geweist (bei Lo^au), 
daher: „das hat seine geweisten Schubsäcke'' d. h. seine gewissen, bestimm-- 
ten Gründe; Eg.; „geweiste Gründe"; auch Schriftdeutsch. 

Bufen: ich rufte neben ich rief; er hat mich geruft, auch gerufen. 

Backen: er backte f. buk, aber nur: er hat gebacken; ist im hol!., dän., 
schwed. auch regelmässig geworden. 

Biegen: Bspr. beegen; ich beege, ich beegte, es hat sich gebeegt. 

Ueber gewest s. § 198; gebatt, gebratt u. s. w. § 204. Von [salzen bil- 
det man gesalzen, seltner: gesalzt. Von falten gefaltet, seltner: gefalten; Ton 
spalten gespaltet, — gestalten aber dient als Adjektiv: er hat Uolz gespalt 
(auch gespelit); der Tisch ist gespalten. '— Von lauten, welches für läuten 

gebraucht wird, sagt man: es laut, s. § 204; es hat gelauten; Bspr. es titt f. 
lutet; es hat gelitten; Eg. -— Bspr.: gewisst f. gewusst, wie mhd. 



56 § 207—209. 



Im Scherz bildet man Formen wie: genossen f. geniest, der Ungebildete 
yerwechselt aber auch beide; ferner: gemorkenf. gemerkt, ^ewunschen (Sz.)« 
blamoren (Brl.)» gewnnken (Eg., Sz., ist alt;), geschonken (nolL), gebrnngen, 
vnlgäres engl, brong f. brongnt. — Ausserdem s. noch § 148, 1. 
§207. 5. a) Die Zeitwörter: verderben, löschen, schmelzen, qnellen, 
schwellen haben ihre Doppelformen (stark f. Intransitiv und schwach f. Tran- 
sitiv) eingebüst; man sagt: Das böse Beispiel verdirbt gute Sitten; die Milch 
verdirbt; das verdarb Alles (ist auch scnriftdentsch geworden; s. noch § 208). 
— Er löscht das Licht ans, es löscht von selbst ans; es löschte aus, es ist 
ausgelöscht, verlöscht; er hat es ausgelöscht; — er schmilzt das Blei; der 
Sclmee schmilzt; ich schmolz das Blei; es zerschmolz leichte; man hat es ein- 

teschmolzen; die Gerste wird gequollen (f. gequellt); die Hand schwellt an, 
ie Füsse schwellten mir an. — Hangen und hängen werden überall ver- 
mischt, wie auch in der Schriftsprache sehr oft: — Ich hing das Bild auf; es 
hing oder han^ (Bspr. hung) an der Wand; er hat sich gehangen; es hat dort 
gehangen; ich habe den Rock an den Nagel gehängt oder genang[en. 

b) Bei erschrecken ist im Präsens der Unterschied auch verwischt: Du 
erschreckst darüber, er erschreckt davor, wie: du erschreckst mich, er er- 
schreckt uns. Dagegen bleibt im ImperfeJd; und Partizip der Unterschied ge- 
wahrt: — Ich erschrak darüber, er erschreckte mich; ich habe euch wohl er- 
schreckt? Ich bin erschrocken (Magdeburg: ich habe mich erschrocken). 

c) nichtig beachtet wird die Unterscheidung bei: schleifen, weichen, 
wiegen, bescheren; z. B.: Er schliff das Messer; er schleifte den Bock ander 
Erde herum. Er weechte die Bräzeln ins Bier; er wich mir aus. Wir haben 
Wäsche gebleicht; das Zeug ist ganz verblichen. Ich wiegte das Kind; Bieke 
wiegte den Kohl; ich wog den Ballen. Wir bescherten uns zum Geburtstage 
(der Lifinitiv heisst beschlren); er hat sich den ganzen Bart bescheren (Infini- 
tiv bescheren). 

d) Bei stecken machen wir zwischen er steckt und er stickt denselben 
Unterschied, welcher im Schriftdeutschen nur in der Vergangenheit zwischen 
steckte und stak vorhanden ist: Er steckt den Schlüssel an; der Schlüssel 
stickt. Wo stickt denn nur der Junge? ND. Der steckt es ihm gehörig (liest 
ihm den Text). Der Infinitiv heisst auch sticken (Frankf. a/MO: — Wo er nur 
sticken mak? aber: wo soll ich^s denn hinstecken; so unterscheiden wir auch 
senken und sinken u. dgl. — In der Provinz Sachsen s^ man dgg.: Er stach 
es in die Tasche; wo hast du gestochen? Auch mhd. ist stachen <=» stecken. 

e) Laden hat zwei Partizipien: er hatHolz geladt ist das einfache Per- 
fekt im Sinne von: er hat das Holz auf den Wagen geschafft; dagegen heisst: 
,er hat Holz geladen, ** seine Ladung, Fracht besteht aus Holz; «er hat 
(schwer) geladen,** ist betrunken. 

Starke Konjugation. 

§208. Imperfekt mit o statt des schriftdeutschen a: Ich befohl, begonn, 
besonn mich, gewonn, golt, holf, es ronn (geronn), ich scholt, ich sponn, 
schwemm, stohl, storb, verdorb, worf; Eg.; der Vokal des Imperfekt stimmt 
dann also mit dem des Partizips überein: befohlen, begonnen, besonnen u. s.w. 
Viele dieser Dialektformen entsprechen den alten deutschen Formen, goth. 
halp, Plural hulpum; ahd. half, hulfum^s; mhd. half, hülfen. Msmche 
davon dienen jetzt noch zur Bildung des Kon j unkt ives: Ich be[fÖhle, es 
begönne, er gewönne, es hülfe (deutlicher als hälfe), er stöhle, ich 
stürbe, er würfe. Gleiches gilt von den Formen der folgenden §§. — In 
Bspr. auch: ich begunn, auch begunnte, ich besunn mich, icn gewunn, hulf, 
spunn, schwumm oder schwumb, geschwummen (alt), sturb, verdurb. Ho 11.: 
begon, zon, won, gold, schold, spon, zwom; engl: begun, won, holp (vulgär), spun, 
swum, stole; schwed.: halp, Plur. hulpe; ran, runno; stal, stulo; van, vunno; 
sam, summo (schwimme^; span, spunno. — Von stossen gibt es neben ich 
stiess auch noch: ich stoss undich stosste. 

§209. Imperfekt mit a statt a, ablautend von I, vor nd, nr, nk: Ich bund, 
drung, fund, es gelung, er gung (Bspr.), hung (Bspr.), klang, ich 



§ 210—214. 57 



ruDg, ich schlnng) scbwüDd, schwnng, snng, sank, sprung, stund, 
stnnk, trnnk, verschwand, wund, zwang. — Hol!.: ich bond, dronc^, 
Yond, klong, wrong, zong, zonk, sprong, verstond, stonk, dronk, verzwond, wond, 
dwong; — engl.: boand, foand, rang, wrang a. s. w.; schwed.: band, Plar. 
bando; fann, fanno; sprang, sprango; stank, stanko; drack, dracko; förswann, 
förswnnno; tvang, tvango. 

Imperfekt mit a f. I, von a abgelautet: Bspr.: ich blas ^engL I blew), §210. 
es fang an, er fal; Eg.; selten: ich jag f. jagte; die Partizipien sind wie 
hochdeutsch: geblasen, gejagt u. s. w. Von anfangen bildet man auch 
schwache Formen: er fangte an, es hat ange fangt; auch einen Konjunktiv: 
es fän^e an. Ho IL: ik ving und vong »« ich fing; schwed.: foll von falla, 
fallen; n oll.: ik joeg und jagde von jagen; dän.: jo^ von juger. 

Imperfekt mit u f. i, von e abgelautet: Gehen, Bspr. ich gung; ost- §211. 
friesl.; im Y.: ich geng, ich gang, ich gong, ich gung. Den Konjunktiv: es 
gange wohl, hört man auch von „Gebildeten*' sehr oft, sogar in öffentlichen 
Keden, bei Schulprüfungen u. s. w. Die Bspr. bildet übrigens auch das Präsens: 
es gieht: ebenso von stehen: er stiebt, auch: er stitt. 

Stehen: ich stund; holl.: stond; dän. und schwed.: stod.; engl.: stood; 
— s. gehen. 

Hängen: es hang, Bspr. hung; hell.: hong; schwed. und dän.: hang. 



Imperfekt mit o f. i, f, Bspr. §212. 

Beissen: ich beess f. biss; a. d. Buhr: he beet; holl.: beet: schwed.: bet; 
dän.: bed (in diesen drei Sprachen ist diese Art des Ablauts näufiger als im 
Deutschen; im Holl. hat hier der Infinitiv überall den Laut ij, z. B. bijten, 
blijven, zwijgen; engl, bäte f. bit, veraltet. 

Bleiben: Imperf: ich bleeb, hieb; se bieben, a. d. Euhr; ostfries.: blev; 
holl.: bleef; schwed.: blef; dän.: blev. 

Bleichen: es bleech anstatt es verbleichte. 

Blitzen: es bleez f. blitzte; selten. 

Greifen: ichgreef f. griff; ostfries. und holl.: greep; schwed.: grep; dän.: 
greb (mhd.: greif, reip, schreib f. griff, rieb, schrieb). 

Heissen: er heess, selten, f. hiess; schwed.: hette, dän.: hed; das Par- 
tizip gehiessen hört man selbst von Professoren; Eg., Th., auch in YolksUe- 
dem gebraucht. 

Kneipen: ich kneep anstatt knipp; holl.: neep; schwed.: knep, nöp; 
dän.: kneo. 

Schreiben: er schreb f. schrieb; s. greifen, oben. 

Schreien: ich schrak, auch schrick; geschriechen; Eg.; schwed.: skrek; 
dän.: skreg. 

Schweigen: ich schweeg; a. d. Euhr; holl.: zweeg. 

Einzelnes. Kommen hat sehr verschiedene Formen: ich gomme, gumme; §213. 
du gommst, gummst, gömmst, gimmst (ND. u. Eg. kümmst); er gommt, 
gummt, gömmt, gimmt (idmmt in Schi., Köln^ ; die Formen mit o sind aie ge- 
wöhnlichsten in der Stadt, die mit a und i liebt der Bauer, die mit (lute 
Form), Leute, die sich zieren; letztere sagen auch mit Vorliebe „ er frä^ oder 
freegt". Dieselben Formen in Bö.', B., Y.; in B. hier und da noch quimmen, 
Köln: quomen f. kommen (ahd. quimu, er quam). Das Imperfekt heisst: ich 
gam, ich gamp; der Konjunktiv dazu: ich geeme. — Fechten und flechten 
s. § 206, fürchten § 204. 

Bspr.: von thun es dit — thut, das dite f. that; — von loofen »« lau- 
fen: ich loff, geloffen; Bsl.; — von saufen: er suff f. soff. 

Vm. Verhältnisswörter. 

Bei bezeichnet die Buhe, und regiert dann den Dativ, wie im Schriftdeat- §214. 
sehen: — bleib bei mir; es drückt aber auch Bewegung aus und regiert dann 



58 § 215—219. 



den Accnsativ; es nimmt also beide Kasus, gerade so wie bochdentach: in, 
an, anf, binfcer, vor, zwischen n. s. w. — Komm ä bischen bei mich; ich kam 
bei die Herren zu stehen; geh nich bei die Färe (komm den Pferden nicht zn 
nahe); ND.: bi; — anch das ahd. bi regiert Dat. n. Accus. Köln: ,»8Ütz 
dich her bei mi<m^'; — Luther: „Saulus versuchte, sich bei die Jünger zu 
machen''; „tritt bei dein Brandopfer"; ,,da traten bei sie zween Männer". — 
vgl. zu Hause im W.-B. 

§215. Gegen im Sinne von „verglichen mit oder neben*' wird oft mitDativ 
verbunden: — gegen mir ist der gar nischt; aber: er ist immer gegen mich; 
Lu!ther: ich achte es Alles für Schaden gegen der Erlranntniss; audi: er wird 
gegen allen seinen Brüdern wohnen; Goethe: mein Blut darf sich gegen dem 
Eurigen nicht schämen; so auch bei ühland, Lichtwer u. s. w.; s. § 169. 

§216. Die Präpositionen, welche hochdeutsch den Genitiv regieren, werden 
mit dem Dativ, seltner mit dem Accusativ verbunden, soweit sie überhairait 

febraucht werden, denn geffen den Genitiv hat man eine Abnei^n^ (s. § 223 ff). 
bes. bei: wegen, halber, statt: — Er kam wegen dir in Ungelegen- 
holten; wegen mir (meinetwegen) kannst du es thun; noch lieber sagt man: vor 
mir f. meinetwegen; hingehen will ich schon, dem albern Kerle aber nicht 
wegen (aus dem Munde eines Fabrikanten^; wem seintwegen thut ihr denn 
das? Th. — Wegen was kam er denn bei Dich? Ebenso schreiben Kaufleute: 
weg en Mangel Z ahlung! — Dem seinethalbeu geht^s noch fort. Den ihrent- 
hiJber warten wir nich, aber 'n Gelde halber. „Einem starken Schnupfen 
halber konnte mein Sohn die Schule nicht besuchen". In Sz.: unterhalb dem 
Bahnhofe. — Statts Geld gab er mir Waare. — Da wir nun gern Sie für 
Ihnen setzen, sagen wir auch: ,^wegen Sie hab ich keine Angst!" Indess sind 
auch die Formen „meinethalben, deinethalben*' u. s. w. in Gebrauch; auch sagt 
man „schandehalber, ehrenhalber'*. — Bei Anwendung des Genitiv verirrt sich 
mitunter das s: — Ich ging's Vergnügen wegen s hin; Ehren halber seh; den 
Gelde halbersch haben sie sich gezankt. — Wegen mit Dativ findet sich bei 
den verschiedensten Schriftstellern; bei Freytag in der „Verlorenen Hand- 
schrift*' drei Mal; ferner in der Jobsiade, bei Castelli, Lessing, Heine, Gutzkow, 
Schiller; sogar Genitiv und Dativ neben einander bei Goethe: „Wegen der 
Furien und dem Gespenst*'. 

Wegen mit dem Dativ gestattet auch ganz hübsche Verkürzungen der 
Bede: Wegen dir Esel (deinetwegen, du Esel), wegen euch Dummhüten; bei 
der Anrede Sie geht es aber nicht, und wir sagen: Wegen Ihnen, Sie fauler 
Mensch. 

§217. Zwischen wird meist doppelt gesetzt, auch von Gelehrten bei öffentlichen 
Reden: Zwischen der Pleisse und zwischen dem Walde; Sz. — Bei Freytag „die 
Brüder vom deutschen Hause'*, S. 3 : „Zwischen dem Hofe von Ing^ersleben und 
zwischen der Hofburg.** So auch: Der Unterschied von jetzt und von früher, 

§218. Vor und für sind gleich: — Er thuts fr mich, er stellt sich v*r mich hin; 
so in Musäus' Märchen: ,,es ekelt ihm für der losen Speise; Furcht für den 
Sarazenen; davor bin ich Mutter*'. Vgl. fürlieb und vorlieb nehmen, denen 
der Leipziger noch zugesellt „verliebt nehmen". — vor eher er nich oezahlt, 
kriegt er Nichts (bevor). 

§219. Einzelnes: Auf bildet einige besondere Bedensarten: — Er spielt auf 
Teufelhole (sehr verwegen); sie arbeiten auf Mord (sehr angestrengt, Inder 
Form wie „aufs Gerathewohl**). — Der Eene studirt uff'n Pastor, der , An- 
dre uff'n Advegaten. — Er wohnt auf dem Markt, auf dem Fleischerplatze, 
statt am. — Sie ist Braut mit ihm (Schw.; so schreibt auch Gerstäcker); er 
liess sich mit seiner Frau scheiden; er ist böse mit mir; — er ist der Vater, 
Pathe zu dem Kind (god- father to the child); er sagte sar nicht adieu von 
mir (er verabschiedete sich nicht von mir). — So e Scha§opp von e Jungen 1 
(= em so dummer Bursch.) — Er kricht*s mit der Angst (er bekommt Angst, 
s. kriegen im W.-B.); auch: er hat's mit der Angst (ist ängstlich). 

Wenn ein Wort von zwe iPräi)ositionen abhängig ist, setzt man es offc^nur 
einmal, wenn gleich zwei verschiedene Kasus erforderlich wären: — mit 
oder ohne Fell; mit oder ohne Eier. 



I 



§ 220—221. 59 



IX. Bindewörter. 

Eigenthümlicher Gebrauch. Gegen die strenge Begelder Grammatik § 220. 
steht wie fast immer für als sowohl von der Zeit, wie nacn einem Kompa- 
latiT: Wie ich ausging, regnete es; er ist grösser wie ich, noch lieber: 
,,gr588er als wie ich'^; v., Eg.; so bei den besten Schriftstellern und nnab- 
äoderlif^ in allen BrL Zeitungen. — Die Karte sitzt verkehrt, als wie de 
denkst (ganz anders als — ). — Wie in bes. Sinne: „das redst da wie schlecht*' 
d. h« g^en deine üeberzengnng. 

Da (seltener: denn) beginnt gern den Nachsatz: Weun's regnet, dableiben 
wir heim; ehr das'za Ende gommt, da dauert das lange; wenn der redt, da 
bin ich stille; weil er nich kam, da wurde ich böse; ebenso im Schwed. — 
Femer steht da überflüssig nach Bestimmungen, die den Satz anfangen, also 
ungefähr einem Vordersätze gleichkommen: — Yorigte Woche, dd war er hier; 
für so e Spiel, da lieber gar Nischt (Adv. und £onj. mischen sich hier: vgl. 
das Terstarkende Adv. da nach Belativen, § 195). Da ist überhaupt die Lieb- 
lingskonjanktion; ein Knabe sa^te: „Da verlor Eener fünf Groschen, da guckte 
ich hin, da g^zte was, da Ion ich hin, da lagen sie da.** Das erste Adverb 
da heisst hier „es geschah, trug sich zu**; so pflegen auch Märchen und Ge- 
schichten zu begmnen: Da war emal e Mann f. es war; vgl. en^l. there is, 
was u. s. w.** Seltener wird nu so gebraucht: Nu, nu's schneit, is es gleich 
milder (jetzt da); warum geht*s denn uu. nu ich dir helfe? 

und statt eines Infinitiv mit zu, welcher viel zu gelehrt erscheinen würde 
(so auch oft in Hochdeutsch): — Sei so gut und gib mir das; bis nich so dumm 
und gehe hin (du wärst dumm, wenn du ningingst) ; nu fung's an un schneite; 
jetzt fängt's an un werd (es beginnt zu werden, sich zu gestalten u. s. w.); 
er fangte an un lachte; untersteek dich und nimm das (untersteh dich, das zu 
nehmen); er wagde sich's un gletterde iw'r'sch Stächet. 

der weile l während (im Sinne von: stattdessen, tandis que): Ich dachte, 
er wäre fort, derweile ist der noch hier, 

ehe, etwas konfus gesetzt: Ich will das machen, ehe es zu lange dauert 
(damit nicht). 

So f. wenn erhalten in: „so Gott will**. 

Bis f. dass: — er gann's nich erwarten, bis er sei Geld kricht. 

Ob f. wenn: — mich wundert nur, ob der Zug schon da ist (soll heissen: 
es würde mich wundern, wenn der Zag schon angekommen wäre). 

Ueberflüssige Bindewörter. — Dass, vor dem ersten Nebensatze § 221. 
weggelassen, wird doch vor dem zweiten eingeflickt, nach engl. Art: — 
Sie dachte, wir wären schon lange fort, und dass wir gar nicht wiederkämen. 
Er sagte, es würde schon richtig sein, und dass er's gar nicht erst nachrechnen 
wollte. — Dass steht gern nach anderen Bindewörtern: — Er kann es nicht 
versprechen, indem dass er schon etwas andersch vorhat (indem dass gilt 
im Volke für „feiner** als das blosse indem; so auch bei Btr.). Je mehr dass 
er trinkt, je mehr dass er Durst kriegt; seitdem dass ich das Fieber gehatt 
hadde; wahrend dass ich noch so dastand; obschon dass der Omnibus 
ganz voll war; ich möchte sehen, wieviel Pfund dass er |^ekauft hat; ich 
weiss nicht, wielange dass er dableiben will; wissen Sie, wieweit dass das 
ist? wie dumm dass du redst! — Es kommt darauf an, was für einen Einband 
dass die Bücher kriegen; — statts dass die Laterne, dass die so steht, stund 
sie so 'rum; — er hat geglaubt, wunderwieviel dass er kriegt; ne, die 
vielen Schulen, dass es hier gibt! — der Mann, in dessen Hause dass er wohnt. 
Meine Tanten blieben nich lange da un da dacht'ch: da willste wenigstens dass 
de etliche Partien mit'n machst. — An unsern Schulen flanzen se jetzt iwerald 
(überall) Waldbeeme; na, wer das emal erlebt und dass die gpross wer'n, da 
werd's scheene. 

Dass dient auch als Stellvertreter einer vorhergehenden KQn^gskl\a.^^ ^ää 
man nicht wiederholen wiU (ganz wie das iiMiiÄsvaScÄ ^€^\ — x\^\sö. ^xVws^- 



60 § 222. 

men sollte und dass ich nicht zu Hanse bin; weil da gestohlen hast und dass 
du ooch noch lügst, soUste tüchtige Prügel kriegen. — Endlich dient dass 
anch zu Yermeidnn^ des minder ^efügi^enlnfinitiTs: — Das is enne scheene 
Stelle, die mnss ich sehen, dass ich (sie) kriege. — Hier is e Gnopp los, den 
mnss ich sehen, dass ich wieder feste mache; — das Fährd mnss ich machen, 
dass ich los wäre (ich mnss mich beeilen, es losznwerden). 

denn weil: — Das Essen hält sich nicht, denn weil Petersilie daran ist 
(ans dem Grnnde, dass); ebenso ND.: wil dat. 

je desto: — Je ehr de gehst, je desto schneller biste dort. Eine Obstfrau 
soll gesagt haben: „Je deste oohmflecktiohter (banmfleckiger) dass de de Flanm* 
sin, je deste besser dassen se schmecken'^ 

nm damit: — Ich kaufe es nur, um damit ich von allen Arten habe; er 
schrieb ihm, nm damit er nicht etwa kommen sollte. 

üeber als wie s. § 220; so anch: „Es schmeckt so ähnlich als wie 
Mnschgade'' (fast wie Muskate). 

Ferner: Ich erwarte Briefe, alleene abr's gommen geene; so auch: in- 
dess aber, jedoch aber. 
§222. Weggelassen wird um zu nach gehen wie bei: ich gehe baden, betteln u. s.w. 
— sie gingen Holzholen; ich ging nach dem Feuer sehen; Schi. 



Vierter Abschnitt- 



Zur Satzlehre. 



A. €^ebranch der Easus. 

I. Genitiv. 

1. Der Genitiv ist, wie schon mehrfach erwähnt, fast ganz erloschen, §223. 
8OW0I bei Hauptwörtern als bei Fürwörtein. Ausdrücke wie „meines Vaters 
Haus, der Preis meiner Uhr, sie erbarmten sich seiner, ich war dessen über- 
drüssig'^ gelten für gelehrte Ziererei; man ersetzt den Genitiv, wie in Schi., B., 

Eg. u. vielen anderen Gegenden durch einen anderen Kasus, z. B. bei den 
Präpositionen, s. § 216, durch Besitzwörter, § 193 d, durch ein Yerhält- 
nisswort, bes. durch von, durch besondere Wendungen u. s. w. 

Beispiele mit Zeitwörtern: — Bühme dich was Bessers. Was be- 
schuldigt er mich? Ich bin mir das nicht bewusst. Man wird es ganz ent- 
wöhnt (wie; gewöhnt). Wie kannst Du Dir das erdreisten? Das kann er 
versichert sein. Dies war er überzeugt. Ich kann mir den Schlaf kaum 
erwehren ^wie: abhalten). Sie konnte sich das Lachen nicht enthalten. 
Was ich getiian habe, da schäm* ich mich gar nicht. Das hatt' ich mir nicht 
versehen. Ich kann mich noch darauf (daran) entsinnen« Das besinne 
ich mich genau. Den Mann erinnere icn mich noch. Ich hatte ganz daran 
(darauf) vergessen. Wir erbarmten uns über den Braten (d. h. assen 
ihn eifrigst, vielleicht auch heimlich auf). Ein Gastwirth schloss seine Einla- 
dung im Tageblatt also: „Einem zahlreichen Besuche halt sich versichert H. M/ 

— Bei Eigenschaftswörtern: — Ich bin ihn habhaft geworden. Ich wurde 
ihn ansichtig. Ich bin es überdrüsse, satt, müde. Das ist der fähig! — 
So Etwas ist den Eltern nicht würdig. Dieser Zustand war dem jetzigen 
Leipzig nicht mehr würdig. (Letztere beiden Sätze flössen von einem Katheder!) 

— Bei Hauptwörtern: — der Bau von dem Hause; die Liebe von den Kin- 
dern; der Griff von (an) dem Stock; eine Tante von mir (franz.: une tante ä moi.) 

2. Am häufigsten kommt die Umschreibung des Genitiv vor, welcher, einen 
Besitz ausdrückt; s. § 193 d. — So: Der Mann, von dem ich die Kinder in 
Pension habe. Meiner Mutter ihr Haus und meinem Onkel selns (wie franz.: 
une maison ä moi). Dort kommt dem Förster Seiner ^f. des Försters Sohn). Das 
ist dem seine Sache. Der ihre Eltern kenn ich. Wir suchen nach Meyem sei- 
nen Hute. Ich setze meinen Namen nicht unter den zweien Leuten ihren. 
,J)em Einen sein Tod ist den Andern sei Brot.*' „Man muss das Seine zu- 
sammennehmen und wo möglich andern Leuten ihrs mit!*' — Das Pronomen 
hinter dem Genitiv findet sich bei den besten Schriftstellern, bei Lessing, 
Bürger, Wieland, Jean Paul, Geliert, Schiller , Goethe, B. Auerbach; z. B. bei 
Goethe: ,,Wenn Dein Herz nicht grösser ist als Andrer ihrs. — Euere Al- 
ceste mag gut sein, .... des Euripides seine habe ich doch ganz ausge- 



62 § 224—228. 



hört'*. J. Paul: ,,Ich nahm mit heisserHand Carlsons seine''. Vgl. engl.: 
Bill Stnmp's his mark, — Pickwick. 
§224. 2* Ernalten hat sich der Genitiv in verschiedenen Fällen, unter An- 
' derem gerade auch znr Angabe eines Besitzes, besonders an Eigennamen, 
Verwandtschaftsbezeichnungen, Titeln und an persdnlicnen Bezeich- 
nungen, welche den Namen gleich geachtet und daher ohne Artikel gebraucht 
werden; dann aber schickt man den Genitiv immer dem Haujjtworte voraus: 

— Das ist Winter's Gut; ich gehe durch Meier's Hof; er war in Pastor's Garten; 
uf Farrer'sch Felde; in Nachbar's Hause; der Gärtner is Brudersch Sohn mit 
ihm; Mutters Bruder. Alles Dies aber mehr in Bspr.; in der Stadt sagt man 
lieber : Im Pastor seinen Garten, Winters ihr Gut u. s. w. Und dem Landmanne, 
der eben gesagt hat: Pfarrers Hund, Schulmeisters £uh, föllt es gar 
nicht ein zu sagen: unser s Pfarrers Garten, des Schulmeisters Wohnung u. dgl. 
Allgemein i^ebräuchlich sind u.A. folgende Redensarten: Fremder Leuten s 
(auch fremder Leute) Brot essen; in reicher Leuten s Dienste; in ander Leutens 
Hause; ander Leutens Geld; fremder Menschens Sachen; „er ist armer Leutens 
Ochse, er hat nur ein Horn'^; hier liegt noch Jemand s Geld; ich habe Nie- 
mands Hut genommen; er reitet auf Schusters Kappen; man möchte des 
Kukuks werden: Bsl.; bist du denn ganz und gar des Teufels! was zum 
Theil auch schrirtdeutsch ist. — Aehnlicn: Ich bin ein Hundsfott meines Na- 
mens, wenn's nich wahr is (=» Schänder meines Namens); „Es ist wahrhaf- 
tigen Gott es nicht so'' hört man neben „wahrhaftigen Gotte;" vgl. noch § 228. 
Auch in Wortzusammensetzungen ist der Genitiv noch in Aller Munde: 

— Vergissmeinnicht , Gedenkemein; auch: Kalbsleder, Stubensthüre, 
Schwerenothskerl. 

§225. 3. Sehr gebräuchlich ist der Genitiv als Zeitangabe, wie in der Schrift: 

— Morgens. Mittag, Abends, Nachts, Sonntags, Feiertags, *s Jahrsch eemal. 
Ebenso aucn: den Hut trage ich nur der Woche, nicht Sonntags; ich habe so- 
gar der Nacht keine Buhe; — Bspr.: Gestern Abends war er da, aber nicht: 
morgen Abends, auch nicht heute Abends, wofür: hinte Abend oder hint Abende 

fesagt wird. Jakobi zog er aus (elliptisch); ähnlich wird sogar gebildet: zu 
'almari. 

Als Ortsbezeichnung ist der Genitiv selten; ein Mann im DorfeLösnifi* 
antwortete mir auf die Frage, auf welchem von zwei Wegen man in die Stadt 
käme: „beederwegs'^ (adverbial; mhd. beider wege ^ auf beiden Seiten). 

§226. 4. Zur Angabe eines T heiles wird besonders der Genitiv der persön- 
lichen Fürwörter gebrauch^: — Wir sind unserer sieben; ihr seid ihrer acht; 
es sin'r'r viel; wieviel seid'r'r (seid ihr ihrer) denn? de Eppel sin nich deier, 
's gibbt'r'r hei'r viel; Ihrer wird sogar überflüssig hinzugesetzt: m'r sin'r 
unser viere; oder auch: m'r sin'r ihre viere; es sein'rer ihrer viele; Th., F., Hb., 
Eg., a. d. Kuhr. 

Die Formen: dessen und derer, verkürzt zu Vn und Vr stehen zu Ver- 
tretung eines vorhergehenden oder eines selbstverständlichen, leicht zu ergän- 
zenden Hauptwortes, auch eines ganzen Gedankens: — Er hat kein Moos, aber 
ich habs'n genug (j'en ai asset). Du machst e ewigen Eohl, mer ham s'n nu 
balde satt. Wenn du's Maul nich hältst, ganst'r'r noch mehr besehn (kannst 
du ihrer, nämlich der Prügel, noch mehr bekommen). Th., F., Hb. 

§227. 5. Zu Angabe einer ungefähren Zahl, eines Masses, Gewichtes^ 
Preises, einer Zeit hängt man er an Hauptwörter: — Es gost e Dalerer fünfe 
(kostet ungeföhr 5 Thaler); e Guldener zehne; es sin e Hunderder dreie; ä Stücker 
etliche; ä Zoller sechse; e Lother neine; ein Meilner siem (7); e Lachs von e 
ffnnder sechse; an Ellner neine; e Schocker zwelfe; von den Gaffee dnznk ich 
so e Dassener viere (4 bis 5 Tassen); er war e Maler dreie hier (etwa drei Mal); 
e Tager achde; e Wocher siem (7); e Stundner viere; e Monater zweS; e Jahrer 
elfe; es konnte um en Ulärer viere sinn; — es waren e Manner sechzehn, die 
ausgehoben wurden; so bei Voss, Prutz, H. Kleist, Gutzkow. Eg., Bsl. — Dir 
Dalemer, Jahmer, Pundner (Pfund), Fautner (Fuss), Stückeme. 

§ 228. 6. Endlich sind noch stehende Bedensarten mit dem Genitiv zu erwähnen : 
sich seiner Haut wehren (hochdeutsch) j sich keiner Arbeit scheuen; er 
ist seines Handwerks ein Schneider; viel Wesens von Etwas machen, viel 



§ 229—230. 63 



Aufhebens, viel Geredes, gross Badens, wenig Federlesens, viel Rüh- 
mens, Lebens machen* P.P.; und die Ausdrücke der Kinder spracne: Pferds 
spielen, Haschens, Versteckens, Bänbersch, Schnlens, Doktersch 
spielen; anch wohl: wir machen PferdB, Ränbersch; BsL: Benberlis mache; 
Tgl. § 224 und das „wess*^ in § 196 a. 

7. Da der Genitiv dem Volke nicht recht R^läufig ist, so wird er natürlich § 229. 
auch leicht in konfuser Weise verwendet; so schreibt ein „Original-Weinberioht" 
im Lpz. Tageblatte: „Die Vegetation hat den übertriebenen &fürohtungen der 
erfrorenen Weins tdcke (!) ein Ende gemacht.** — Vgl. auch die verdrehten 
Formen in §216, wie: Vergnügen wegens, Ehren halbersch. Femer die 
V^bindungen: aus Spasses halber, aus Unversehens, mit Namen» Müller, § 242. 

Eine missbräuch liehe Anwendung desGenitivs, welche man selbst von Ge- 
bildeten oft genug hört, ist: „ich habe mich dessen unterzogen (nach Ana- 
logie von unterfangen); so in P. Lindau's „Gegenwart**: wenn ich mich dieses 
Auftrags unterzöge. 



II. Dativ. 

1. Wo die Dative und Accusative ,,d em, den** durch nachlässige Aussprache § 230. 
zusammenschmelzen, fallt es dem Leipziger schwer, sie zu unterscheiden; er 
wird sagen: „mit den sehe ich nicht um*' ansatt „mit dem oder denen"; „gibs^n** 
kann heissen ,gib es ihm oder ihnen**. Dagegen wird „die, das'* äusserst selten 
mit „der, den** verwechselt, weil die gewöhnlichste Aussprache sie ausein- 
ander hält. Man unterscheidet stets „der Frau und die Frau, die Weiber und 
den Weibern, das Haus und dem Hause, die Häuser und den Häusern**; bei 
diesen Formen kommen Irrthümer nur bei Eingewanderten vor, bes. bei Nord- 
deutschen und deren Kindern. Diese Zugezogenen brauchen indess gar nicht 
weit her zu sein, die betreffende Verwechslung ist schon in Halle a. S. zu Hause. 

Bei „lassen^* hat sich die früher allgemein übliche Verbindung mit dem 
Dativ erhalten, sobald zwei Objekte dazukommen; also nach französischer Art 
^s. Herrig, Archiv 27, 233). Man sagt zwar nie nach Berliner Weise : „lass mir 
jehen*', wol aber „lass mir das Bild besehen; lass deiner Mutter Nichts merken**. 

Einzelne Zeitwörter verbindet auch der Leipzipfer gern mit dem Dativf 
sa: ärgern, angehen, dauern, heissen, auch sich trauen, wenn noch 
ein Aceusativ dabei steht: — Den Leuten ärgerte es allen gewaltig; das geht 
dir gar nichts an: ich traute mir das nich zu thun; er dauerte uns allen; wer 
hat dir hingehen heissen? (Wie: wer hat dir das geheissen?) Umgekehrt wird 
widerstreiten ^em mit dem Aceusativ verbunden: „Das will ich nicht 
widerstreiten" (wie bestreiten, widerlegen), sagte ein Landtagsabgeordneter. 
Aehnlich: ,4ch habe da« vorbeugen wollen*'. Bei kleiden, versichern, 
kosten (von Geld) streitet der Eine h^tig für den Dativ, der Andere für den 
Aceusativ als allem richtig; Zweierlei darf nicht erlaubt sein! vermeinen die 
Engherzigen. 

2) Wahrend mir und mich, dir und dich, ihr und sie fast immer rich- 
tiff: gebraucht werden, ist die Vertauschung von Sie und Ihnen bei den Unge- 
budeten fast Begel. Dieser Fehler und der (Gebrauch von sein für sind ver- 
raüien bei uns geradezu den Standpunkt der sprachlichen Bildung, zugleich 
alwr auch der Ungezwungenheit eines Menschen. Wenn die Leute sich nicht 
zierra, sondern natürlich reden, sagen sie nie sein, sondern immer sin für 
sein und sind; sie wenden dann aucn die Form Ihnen nie an, sondern setzen 
durchweg Sie: — ich habe Sie ja gar nischt gedahn. Sobald aber der Lauf- 
bux8ehe oder das Eindermädchen den „Sonntagsstaat^* anhaben, wollen sie auch 
ihrer Sprache ein vornehmes Mäntelchen umhängen, und nun beginnt die Menge* 
rei. Sein gut geradezu und in jedem Falle für gebildeter als sind, und dass 
Ihnen höflicher ist als Sie, diese Anstandsregel wurde mir 1830 in Leipzig 
eingeimpft und vor kurzem hörte ich sie aus dem Munde einer Schweizerin an 
der. Gotthardstrasse. Die Köchin sagt zu ihrer „Kameradin": Wo sin se denn 
gewesen-, ich hawe se 1a ewig nich gesehen? ich wollte Sie immer *was sagen ;**^ 
den Augenblick darauf aber spiicht dieselbe zu einem fremden Herrn: „Sein 



64 § 231—233. 



Sie schon lan^e hier? Ich habe Ihnen noch nicht gesehen *'; und wenn er sie 
neckt, wehrt sie ab: y,Nein, über Ihnen aber auch!'' — 

Diese Verwechselang von Sie und Ihnen tritt indess nur bei der Anrede 
ein, nicht bei der dritten Person: „Wo sin denn de Kinder; ich habe se vor- 
hin gesehen; ich hab'n (ihnen) doch ihr Brot geffeben^^ Die gleiche Verwechselung 
findet man in Bö., L., £g., Sz. u. s. w. Am Kbein ist Ihne f&r Dativ und Accu- 
sativ fast ausschliesslich im Gebrauch. In dem 1781 hier erschienen „Spazier- 
gang im Euchengarten*^ steht: ,,Ich wünsche Sie sehr sanft zu ruhen". 

l. 3. Sehr beliebt ist in gemüthlicher oder nachdrücklicher Bede der Dativus 
familiaris von Fürwörtern erster und zweiter Person, der vertrauliche Dativ, 
welcher dem Angeredeten das Erzählte recht nahe bringen, ihn zur regeren 
Theilnahme, zur Zustimmung u. s. w. veranlassen will: — Damals war dir 
aber eine ekelige Kälte, un Gohlen hadd'n m'r d'r och nich; hier is d'rsch 
scheene heess; das war euch eine Komödie; dem hab ich Sie aber eine Schelle 
gegeben, hernach bin ich Sie aber sehre ausgekratzt; mei Finger war dir aber 
emal geschwollen; geh mir nich in den Garten. — „Ich kann dir jetzt nicht" 
ist viel milder, sanfter, als: ich kann jetzt nicht. Ebenso in ND., Bö. und 
anderwärts. 

l, 4. Einzelnes: Das is wahrhaftigen Gotte stark, vielleicht: wahrhaftig 
in (-s bei) Gott? Sinn: das ist eine starke Lüge^ freche Zumuthung, Unver- 
schämtheit u. s. w., vgl. „es ist warrlichen (auch: werrlichen) Gott wahr;" 
s. auch § 224 E.; — Uff der letzt kam's noch zu Streit (wie „zu guter Letzt;'* 
8. letzt im W.-B.) — Geh mir aus der Wege, du stehst mir in der Lichte; 
s. Weg und Licht, 4_im W.-B. — Gescheit dem Dinge (=* du handelst ganz 
recht). Es wird mir omächtch f. ohnmächti|^, me: es wird mir schlimm, übel; 
Dat. u. Acc. gleich gebräuchlich: ich rühr dritte Klasse (auch: dritter); 
ebenso: ich gehe zweite Bangloge; er sass ersten Bang. — S. noch § 223, 1. 



B. Gfe1i>rauch der Zeitwortsformen. 

5. 1. Verwechselung von Einheit und Mehrheit der Personen: Es geben 
' viele Leute dort (f. es gibt, wie: es sind, wohnen, leben, weil man nicht fühlt, 
dass bei ^eben der Accusativ steht). — Es sind drei Jahre her (aus der Bede 
eines Beichsta^sabgeordneten und ebenso buchstäblich aus den Abschiedsworten 
einer Schauspielerin im „Tageblatt'O; ^^^ denkt an: vergangen, verstrichen 
u. s. w. 

2. Die Zeitformen werden meist sehr richtig gebraucht, namentlich er- 
zählen wir nicht im Imperfekt, wie der Schlesier, wenn wir nicht dabei ge- 
wesen sind, setzen auch nicht das Perfekt für das Imperfekt, wie es in Oe. 
und B. geschieht bes. aber in der Sz., wo das Imperfekt überhaupt unge- 
bräuchlich ist. — Nach als wenn setzt man manchmal die Gegenwart 
statt der einfachen Vergangenheit: Es war mir gerade, als wenn das Wasser 
läuft (f. liefe). 

3. Eine besonders deutliche Form für die Vorvergangenheit bildet man 
durch Häufung der Partizipien gehabt, gewesen nach einem andern Partizip der 
Vergangenheit; z. B. ich natt' es schon geschrieben gehabt, aber es taufte 
nichts; ich habe das Buch lange verloren s^ehabt, jetzt hab' ich's wieder; ich 
habe schon einmal davon gehört gehabt (d. n. es war mir aber wieder aus dem 
Gedächtniss gekommen, jetzt fällt mir's wieder ein, weil ich aufs neue davon 
höre). Sie waren schon dort untergekommen gewesen, waren aber wieder 
fortgegangen. Das Fleisch ist schon gestern abgeschnitten gewesen un hinge- 
stellt gewesen, un nu kriegen mir'sch. „Als er hingekonmien ist, ist das Feuer 
schon gelöscht gewesen^' würde im Imperfekt heissen : „als er hinkam, war das 
Feuer schon gelöscht gewesen**. So auch in Schw., bei Lessing, Gutzkow, Spiel- 
hagen u. A. 

4. Dass aktives wie passives Partizip in Wort und Schrift falsch ge- 
braucht wird, ist nicht Folge des Dialektes; so in: die mich aufs neue getrof- 
fene Wahl; ein sich verborgen gehaltener Aüonymus; die sich täglich mehr 



§ 234—238. 65 



kund gegebene Beliebtheit dieser Aktien (Leipz. Tageblatt); der mir begeg- 
nete Herr febeuda); das nns betroffene Unglück. Aehnliche Yerwimmg: 
„Die Herren Mnsiker werden ersacht, um Angabe ihrer Adresse und des spie- 
lenden oder blasenden Instruments"; also blasen f. ertönen, ^e in: 
„Was blasen die Trompeten?^* — „Die in Händen haltende Axt; die bereits 
besitzenden Bücher; die jetzt noch innehabende Wohnung;'* vergl. „der 
betreffende Mann". S. gelernt im W.-B. 

üeber die Yerwechsfung von sein und haben s. § 197 E. 



C. Wortfolge im Satze. 

1. Von der regelrechten Stellung weichen namentlich die Adverbien ab, §234. 
welche oft ans Ende des Satzes gestellt werden, als ob man sich erst nachträg- 
lich darauf besonne: — Kommt er denn her heute? Nimm das Buch weg hier. 

Sie können's ja lassen sonst (wenn es Dmen nicht recht gelegen ist, wenn Sie 
nicht Lust haben u. s. w.). War er denn dort vorgestern? Wird er denn da 
sin morgen? 

2. Bei einer Anzahl Bestimmungsworter tritt in der Regel verkehrte 
Stellung ein, so bes. bei ganz, zu, sehr, noch, auch bei doch, bloss, nur, 
einmal, wenigstens, genug, wie, so u. s. w.: — Das ist ganz 'was 
Neues; ganz ein junger Mann (quite a young man); ganz aus einem einfachen 
Grunde (Goethe:'^ Wenn ganz was Unerwartetes begegnet^O- ^^^ ^^ zu was 
Dummes; zu eine dumme Geschichte; Wn.; sehr ein ordentlicher Mensch; 
Sz.; er hat noch einen grösseren Garten f. einen noch grösseren; — das ist 
die erste Frage, die wir doch an ihn thun müssen für: das ist doch die erste 
Frage. — Ich sa^e es, um blos unparteiisch zu sein (f. blos-um); — ich habe 
blos gedacht, die Hälfte wäre sein (blos die Hälfte). Von da oben sieht der 
Mensch wie nur ä Bingdchen (nur wie ein Pünktchen aus). Um nur dem 
Manne ein Vergnügen zu machen (nur um). Warte, bis sie wenigstens mit- 
kommt (»= warte wenigstens); du hast ja ein grosses Maul genug (a great 
mouth enouffh). Das wollen ja wir auch. Aehnliche Verkenrungen: 
Wemm'r nadirlich sei Geld nich gricht, gamm'r och nich bezahln (wenn man 
sein Geld nicht bekommt, kann man natürlich ^ freilich). Wenn allemal der 
Vorhang aufgeht (alle Mal, jedes Mal wenn). Wenn er allemal dahin s^mmt, is 
es schon zu späte. Kannst du dich denn emal besinnen, wie das Bild auf der 
Ausstellung war (als das Bild einmal). Und wer wanrscheinlich zuerst 
kommt, gricht den besten Platz (bekommt wahrscheinlich). Ach, du meinst den 
Mann, der wohl gestern da war (du meinst wohl); wie der dumm ist (wie 
dumm); ich dachte nicht, dass er so furchtbar ein reicher Mann geworden 
wäre. Das is doch, als wären wir gerade in Deader (es ist doch gerade — ). 
Da brauchen wir erst gar nich danach zu fragen (gar nicht erst). 

3. Der unbestimmte Artikel wird bei so immer nachgesetzt: so e schönes §235. 
Wetter, so enne lange Latte. 

4. Eigenschaftswörter werden beim Schimpfen und Fluchen, mehre- §236. 
ren Nachdruckes halber, hinter das Hauptwort gesetzt, gleichsam als nachträs^- 
liche Zugabe. — Du Esel, dummer; so eHund verdammter; wo willstau 

hin, Mensch, verrückter? B. 

5. Alle wird bald zu weit hinter, bald zu weit vor gesetzt: — Den Leu- §237. 
ten scheint das Bier allen nich zu schmecken; — aus Denen wird allen 
nischt. Solche Dinge kommen alle vor (sind nicht unerhört); sprich allen mit 

den Leuten; — es uegt in deren Sinne allen; den Menschen muss m'r allen 
reden lassen, für: alle diese Leute; den Herren muss m'r allen Eecht geben. 
— Das (oder dessen) ist er alles fähig; ich schrieb ihr mehrere Briefe, auf 
welche sie alle nich antworte. 

6. Wieviel, wievielmal, wunderwieviel u. dgl. werden aus einander §238. 
gerissen wie „was für ein'*, § 196: — Wie der viel essen kann. Wer weiss, 
wieviel sie mal schon sind erwähnt worden! Er hat Wunder gedacht, 

Albiecht, Leipz. Mundart. ^ 



6i6 § 2J»— 241. 



wieviel er erbt, auch: er hat Wunder gedacht, dass er wer weiss Wie- 
viel erbt. 

§239. 7. In ähnlicher Weise reisst man trennbare Vorsilben zusammenge- 
setzter Zeitwörter los: — Wenn es an zu schneien fängt; wenn wir an 
wollen fangen; er fängt sich wieder recht hübsch an zu erholen; Po.; Wenn 
sie ihn an sehen kommen; was er tms zu hat kommen lassen; aus Missver- 
stand sogar: gagiren Sie doch die Blaue an (engagiren Sie doch die Dame im 
blauen fieide). 

§240. 8. In längeren Nebensätzen zieht man ^ern das Hilfszeitwort vor oder 
stellt es um: — Wenn du willst dich sehen lassen; wenn Sie wollen was 
Gutes haben; wenn du die einmal solltest hören reden; es ist eben nicht 
Eecht, dass du hast Nichts gesagt; der, welcher mit diesen sich wird einlas- 
sen; es geschah, weil Nichts entbehrt konnte werden; wenn er die Briefe alle 
mit wird bringen; ich glaube, dass er dort wird sein; ich will mich nicht 
lassen zu Tode quälen; dahat er können lange warten. — Die freilich schon 
sehr alte, verdrente Stellung des Subjekts nach und ist weit weniger 
im Dialekt zu Hause als im schlechten Stile der Gerichte und Zeitungen, wo 
sie sich eben jetzt immer mehr breit macht — in jeglicher Zeituns^snummer! 
— so dass sie sich wohl noch lange halten wird: — Das Haus ist auf 21,000 M. 

fewurdigt, und soll es am 27. Oktober versteigert werden; Weizen ist nicht 
esonders gerathen, und gibt es dessen weniger als im Vorjahre, — also wird 
und wie auch verbunden. 

9. Einzelne Verwirrungen: Der alte Schneide r*s kläffige Hund bellt in 
ene fort (der alte kläffige Hund der Familie Schneider). Da hätten se gar nich 
gehn zu brauchen. Es verhält sich so, dass wir nicht als Kebeller brauchen zu 
bezeichnet werden (ein Volksredner); das brauchen m'r sich nich zu gefallen 
zu gelassen! (verheddert) ebenso: er hat mich versuchen lächerlich zu 
macnen. Er hat an mich stets eine grosse Anhänglichkeit gehabt. Hastu 
schon emal ene Kingelnatter sehen ä Frosch verschlingen? — Anschlagzettel: 
„Verbotener Weg für Kinderwagen". — Das ist eme Frage, die ich nicht 
weiss, wie ich sie beantworten soll. Die Leute, die de da wareo, da hatte kei- 
ner das Luftschiff gesehen. 



D. Weglassang von Wörtern im Satze. 

§241. 1. HaujptwÖrter, die sich aus dem Zusammenhange von selbst ergeben, 
werden häufig unterdrückt; eiuEand, das man nach seinem Alter fragt, er- 
wiedert: „ich bin achte" (I am eight); bei Preisangaben wird die zweite 
Münzsorte nicht genannt: Es kost' 2 Thaler 10; 4 Mark 50; 3 Gulden 30. Glei- 
ches ist in anderen Sprachen üblich. Unsere , Holzhauern" pflegten sogar beim 
Preise einer Klafter die Worte „einen Thaler" wegzulassen und — bequem ge- 
nug — nur die Groschen zu nennen: ,Ich verkaufe es für 11 Groschen" hiess 
für „1 Thaler 11 Groschen*'; ganz ebenso sagt man ja von einem Pferde „es 
misst 2, 3 Zoll", wo die Angabe der Fuss als selbstverständlich unterbleibt. — 
Ein Mann sagt von seiner Frau: „Meine ist zu Halle"; so lässt Freytag im 
Marcus König (S. 74) die Frau des Polizeidieners reden. Desgleichen spricht 
ein Dieoer: „Meiner ist verreist" (mein Herr), s. § 193 E. Bei den französisch 
benannten Gasthäusern wird „hotel** regelmässig weggelassen : — Er wohnt im 
Russie; der Kellner aus'n Polonche (hötel dePoIoffne); der Portier von ßavibre; 
wir gehen ins Prusse. Aehnlich : Eme Flasche Colocne (eau de — ). Ein Bauer 
sagt von seinem Nachbar: Ja, der hat sechse aus dem Hofe genen (nämlich 
Prerde; s. Hof im W.-B.). Wir assen warme weeche (Brezeln). Geh weg oder 
ich geh Dir Eine; er haute ihm Eene hinein (Ohrfeige u. s. w.): das is so Eene 
(Dirne). Sich Eenen kofen, sich Eens andudeln ; sich eene ins Gesichte stecken. 
(Zigarre, Pfeife); ^b mir emal so wie enne Schale (so etwas Aehnliches), ein 
Glas Bai ri seh, eme Flasche Mosel, eine Havanna, und in unzähligen andern 
Fällen der Volkssprache aller Orte. 



§ 242. 67 

2. Artikel, Fürwort, Eigenschaftswort weggelassen: — Ich will erst 
sehen, wie Hase läuft; bei eenz*cherHaare war's rantergefallen; ähnlich in 
der Anschrift: „Eingang zum Garten und Kegelbahn**; — das is gerade so 
einer, wie den ich gestern hatte; ich bin ganz einverstanden, was Sie sagen; 
ich wünsche (Ihnen), wohl zu speisen^ wohl zu ruhen; er gimmt auf die 
Woche wieder (näcnste). Ebenso: er will erst aufs Jahr bezamen. — Er wird 
nich wieder (nämlich gesund), sagt man von einem Kranken, an dessen Her- 
stellung man zweifelt; „es ist mir, es wäre noch Einer da (so, als ob). — Sie 
ist als Wirthschafterin (an gestellt, im Dienst); darauf braucht nicht etwa zu 
folgen „bei ihm** oder agl. Bei dem Regen gestern war ich dir ganz durch 
(durchnässt); s. durch im W.-B, — Weglassung von Adverbien: — Du bleibst 
hier? Gehe ich! (Dann fi;ehe ich). Er hat gegeben, — bist du vorne (somit). — 
Er wohnt drei Treppen (hoch wird fast nie dazugesetzt) ; daher der doppelsinnige 
Anschlag: „Das Billard ist eine Treppe" (im ersten Stock). 

3. Zeitwörter weggelassen: — Von nier bin ich nach Weissenfeis (ge- 
gangen, gefahren); er ist aufs Feld, in den Wald, nachDräsen (wie engl. I was 
to a ball); um viere war Niemand heeme, da bin ich hemachens noch emal 
hin un ham 'n getroffen; eh*r ich in de Gerche bin, hab ich erst meine Madame 
angehost. — So besonders bei Ausrufen , welche die Auftnerksamkeit auf Etwas 
lenk:en sollen: Den dicken Zopp, den Die hat! (schau) ach, den scheenen Regen- 
schirm; ei, den fi^rossen Strauss, den du hast. — 

4. Ganze Satztheile fehlen in Redensarten wie folgende: — Er lernt 
Kaufmann, nich Schneider; das Kissen is gewiss nich billig, denn schon die 
rothe Wolle (ergänze: macht das, ist theuer); dass er ja oder nee sagte, aber 
Gott bewahre (ich wollte nur); — ich habe einen Hut zu Sonntags und einen 
zu der Woche; den neuen setze ich in die Kirche auf, den alten ins Geschäft 
(wenn ich . . . .gehe); ich muss in die Küche, ich habe eben das Essen über (es 
steht über dem Feuer; BsL: *a Aessen op ha). Zu Jemand, der um Feuer für 
die Zigarre bittet, pflegt man zu sagen: „I ja, rauchen und kein Feuerzeug 
haben**. — Auf die Frage „wie geht's V** erwidert man bei Wohlbefinden nur „ich 
danke**; das „gut** versteht sich von selbst; wollte man einmal entgegnen „ich 
danke, es geht schlecht**, würde man ausgelacht. 



E. üeberflfisslge Worte. 

(Pleonasmen.) 

1. Der Ungebildete, auch schon der nur im Ausdruck nicht recht Bewan- §242. 
derte, sagt gern Alles doppelt; er glaubt, sonst nicht deutlich genu^ 
verstanden zu werden oder seinen Worten nicht den gehörigen Nachdruck 
zu geben. So liebt man überall in deutschen Landen die mehrfachen Vernei- 
nungen, schickt den Verkleinerungswörtern noch klein vorher, verstärkt 
ein Wort durch ein sinnverwandtes, setzt auch ein und dasselbe zweimal u. s. w. 
Z. B.: Es hat mir Niemand Nischt zu sa^en; er hatte niemals kein Geld; 
sie können's nich thun, ohne dass es die Leute nich merken. — „Was haste 
nu hier eegendlich zugeschnitten, Fritze? das is geene Jacke un geene Weste 
un ge gar nischt**. So auch: er hat's verboten, dass ich nich hingehen 
soll, — ich warne Jedermann, meiner Frau Nichts zu borgen, ich schere 
mich den Teufel nich drum. Es steht da hoben (» dort, hier oben; Sz., am 
Neckar). Warte nur ein ganz kleines Augenblick eben, ich habe nur ein 
kljeines Geschäftchen hier. Das ist eine grosse Hauptsache (einer der 
wichtigsten Punkte). Sie kamen alle zwei beide; sie haben sich zusammen 
beredt; ihr habt euch wohl zusammen gegen den armen Oberlausnitzer yer- 
schworen? (§ 192, 6). Sie wollen sich aus einander separiren; eins der best- 
renommirtesten Geschäfter; komm mal her hierl In's Blaue drein nein 
schwatzen, ins Gelag drein 'nein reden, drein 'nein hauen; da reden wir nich 
dervon; da sind wir eben drüber; morgen, da kann ich nich gomm'; bei hel- 
len lichten Tage (ND.: bi helligen Dag); das ist der reine, pure, helle, 



68 § 242. 

blanke Schwindel; ich habe satt nnd genng; kohlpechrabenschwarz; fix und 
fertig; flink, hurtig und geschwinde; nimm den Zwem zweedoppelt; 
er gibt doppelt und dreifach (f&r: reichlich); er gibt druff und drein 
(ebenso); es sein *rer ihrer viere; er hat allerleihand Bücher (mhd, 
keiner leie hendlin not, keinerlei Noth). „Geh loof marsch, mach, daiss du 
fortgimmst!'' (in einem Athem ausgesprochen). Sie bringen den Todten ge- 
bracht; es wird mir ganz schlimm und übel; grade eben ietzt alleweile 
kam er; es ist alleinigst nur bei uns zu haben; der aller einzigste, s. 
§188; ich kann mir das sehr gut begreifen (wie: yorstellen) ; er nahm sich 
ene Priese; ich wünsche mir gern ein solches Buch; das liebe ich gern; 
er geht lahm un hinkt ooch; das kriegen wir schon zu erfahren (oder zu wis- 
sen); muss mir's denn jedesmal un allemal so gehen?! den Wein zieh ich 
vor jeden andern vor. — „Diese Nacht hat es Eis gefroren* will sagen: es 
hat nicht nur gereift, das Wasser ist nicht nur „gehwert*^ sondern der Frost 
hat wirkliches, derbes Eis gebildet. Er ist reicher, als man gar nicht denkt, 
nach französ. Art: il est plus riche qu*on ne croit. 

So die Zusammensetzungen: zusammenaddiren , die Unterziehjacke, die 
Unterziehhose, ein Depotlager, ein Schaltuch. Der Mausedieb (s. W.-B.); 
scherzhaft: ich spiele Eichel-Eckern. S. auch noch die überflüssigen Be- 
sitz Wörter, § 223, 2, die verdoppelten Bindewörter, § 221, die verdoppel- 
ten Yerhältnisswörter, § 217, die Verstärkung der rückbezüglicnen 
Fürwörter § 195, die Anwendung der hinzeigenden § 194 c, des Zeitwortes 
„thun'* § 202. Das W.-B. gibt noch vielerlei Beispiele von Pleonasmen, welche 
unserem Dialekte spezieller angehören als Manches von dem hier Erwähnten. — 
Dass „aus dem tiefen Grunde des schaffenden Sprachlebens'' genug derartige 
Erscheinungen zu Ti^e treten, zeigt Rudolf Hildebrand in seinem für die 
weitesten Kreise der Gebildeten fesselnden und anregenden Buche: Vom deut- 
schen Sprachunterricht in der Schule u. s. w., S. 125 ff. Er führt u. A. 
an: die Examenprüfungen, die mögliche Eventualität, eine Ver- 
öffentlichung publiziren; ostentativ zur Schau tragen, decorativ 
schmücken, deiensive Abwehr, die persönliche Individualität und 
die individuelle Persönlichkeit, die numerisch geringe Anzahl, eine 
falsche Illusion, ein akustisch verschiedener Laut, das treibende 
Agens, die ganze Integrität, das Grundprinzip — lauter Wunderblumen 
aus dem Garten von Zeitungsschreibern und — Philologen, entsprossen dem 
Streben nach „klarer, deutlicher Verständlichkeif*. 

Es ist ganz dem Geiste der Volkssprache angemessen, dass die Gesellen 
in Angely's „Fest der Handwerker" den Kameraden, welcher geziert fragt: „hat 
Keiner Schwamm?" keiner Erwiderung würdigen, er fragt zum zweiten Male 
„hat Keiner keinen Schwamm'S aber Alles stumm bleibt, wie zuvor, und als er 
das dritte Mal endlich sagt: „Hat denn keener keenen Schwamm nich?" drückt 
ein Anderer seine Verwunderung aus, „warum er denn nicht gleich ordentlich 
deutsch geredet habe." Ziererei dagegen ist meist der Grund zu Häufangen 
wie: das haben wir stets immer so gemacht; es ist immer gewöhnlich 
80 gehalten worden; er war immer gewöhnt, zeitig zu Bette zu gehn; das 
haben wir bereits schon erledigt; ich liebe gern, spazieren zu gehn; ich 
habe nur blos noch zwei Thaler. Es ist einzig und alleine bloss seine 
Dummheit dran schuld. Auch Gebildetere verfallen aus Ziererei, aus übertrie- 
bener Zartheit, aus Zimperlichkeit in solche Fehler; da hört man allgemein 
sagen: „erlauben Sie, dass ich das nehmen darf; ich habe ihn veranlasst, 
hierher gehen zu wollen;" ein Advokat, der überhaupt den Redeschwulst sehr 
liebte, brachte es eines Abends im „Städtischen Vereine" zu der schönen Phrase: 
„die Sache ist nicht ohne ünwichtigkeit." 

2. Auch dem Beim oder dem Stabreim zu Liebe wendet man manche 
Pleonasmen an, wie das Schriftdeutsch es auch thut: — Wie: Biegen und 
schmiegen, weit und breit, frank und frei, null und nichtig, Schimpf und Schande, 
verbindet man: Habchen und Babchen, schieben und Schergen, knistern 
und knastern, zittern und bewern, krlweln und wiweln, kriweln und 
kraweln, einem allen Tort und Dampf anthun, de- und wehmüthig, dumm 
un damisch, dumm und duHen, schipperscheckig, schlumpern und 



§ 243. 69 

schlottern, mit den Aennen schlendern nnd schlenkern. Vgl. die 2. Yor- 
hemerkung vor § 155. 

3. Ein anderer Gmnd, ans welchem Pleonasmen hervorgehen, ist der Mangel §248. 
an Yerständniss eines Wortes oder einer Form; daher sagen die Lente: 
ans Spasses halber, anch: znm Spasse halber (Vermischung zweier Wen- 
dungen); zum wenigstens; vor meinswefi^en; ans unversehens; ein Mann mit 
Namens Schulze; hier hinne, hier hunten, hier haussen; ,,8elten verUess Je- 
mand das Lokal, ohne nicht wenigstens einen Gegenstand gekauft zu haben*' 
(Leipz. Tagebl.); sie fingen keinen Morien an, ohne nicht erst zu beten; sie 
kriegens für umsonst (Schi, for sunsxe); er verkauft nur im en ^os; er ist 
auf lebenslang angestellt; die sich im Hinterhause des Nachbars befindlichen 
Fenster (so ort in den Tageblättern]; das sich auf die Geschichte bezügliche 
Material (aus dem Vortrage eines Dr. ph.); sie ist wohl gewiss zehn Jahre 
alt (f. ich glaube wohl); im verhaltniss massig ist es noch ganz leidlich ; meines 
Erachtens nach; er fand ihn immer mehr stumpfer (letäere beiden JBeispiele 
rühren von Professoren her); so ist es nicht, au contraire, im Gegentheil! 
er wohnt unten parterre. Bei Zöblitz is Sie de Eisenbahn in lauter Serpen- 
tinschlangen erbaut ^gemeint sind Serpentinen, Schlangenlinien, der Zöb- 
litzer Serpentin ist aoer bekannter). Er geht mir nicht von abhanden 
(weicht mir nicht von der Seite). Eme der best erhalten sten Kirchen ^Otto 
Moser, Wanderbuch). Es kostet fast ungefähr gegen 100 Thaler. In emem 
«Fremdenführer durch Weimar" ist buchstäblich die scharfbestimmte An- 
gabe zu lesen, dass ein Stift ,wohl gegen circa 260 Schülerinnen'' zählt! 



WÖRTERBUCH 



DER 



LEIPZIGER MUNDART. 



A. 



A, Bspr., in der Stadt ft oder i, f. ver- 
schiedene Formen des unbestimmten 
Artikels; s. Qramm. §. 185. 

Ae, 1. Ansmf f. i, ei, ach, oh etc., je 
nach dem Tone, in welchem es ge- 
sprochen wird; kann kurz u. lang, 
fragend, verwundernd, zornig, bos- 
hart, gleichgiltig klingen; 2. ft f. er 
in Bspr.; ä gimmt f. er kommt; 
Th.; 8. noch an. 

Ab f. ob. 

Abbatzen s. Batz, abmucken. 

Abbeeren, Beeren abklauben, dann auch 
andre Früchte vom Stiel lösen; s. 
Grimm. 

Abblatten, einzelne Blatter (von Kräu- 
tern) zu Futter etc. abnenmen; £g. 

Abblitzen s. abfallen, 2. 3.; Brl. 

Abbaden, die Verkaufsbuden (auf Märk- 
ten, Messen) abbrechen, gebildet nach 
Aehnlichkeit von : abprotzen, abtakeln ; 
daher: Abbudetag, letzter Tag einer 
Messe; Gegentheil: aufbuden. 

AM, der, verschleiernd f. Abtritt; BsL: 
der Abc. 

Abends s. §. 225. 

Aber (spr. awer, äwr), 1. zur Verstär- 
kung m Ausrufen, wie: nein aber, 
nu aber, aber nein! welche je 
nach Betonung das Verschiedenste 
heissen; 2. äwr f. oder: Du awr ich; 
,,Bast awr Don (Thon), meine gute 
Gechn 1'' (Köchin^ rufen gewisse Markt- 
händler ; umgekenrt steht oder,oddr, 
addr f. aber; B., P., Schi.; so steht 
mhd. ader f. aber u. f. oder. 

A4beme, Mehrh. Albern, f. Erdbirne 
(s. d.), Kartoffel; L., auch bei Hl., 
wo man die Erdbeeren Erb^m nennt. 

Abesehern, sich, durch Arbeit, Laufen 
etc. ermüden, ausser Athem kommen; 
eigentlich: sich in Staub und Asche 
abarbeiten (Grimm) ; L., Schw., Wn.; in 
ND. afextern, afbaspem; s. es ehern, 
abrackern, abmarachen. 

Abfahren, 1. sterben; bei Jean Paul, 
Goethe u. A.; mhd. hinvart f. Tod; 



dafür auch: abkutschiren, ab- 
rutschen, absegeln; 2. im Wort- 
wechsel unterliegen; s. abblitzen, 
abfallenj Jemanden abfahren las- 
sen, schnippisch, hohnisch abweisen; 
Goethe. 

Abfallen, 1. in einer Prüfimg nicht be- 
stehen, durchfallen ; 2. im Wortwechsel 
den Kurzem ziehen, wie abfahren, 
2.; 8. sich Etwas verweigert sehen; 
auch abblitzen; Etr. afblucken ; bes. 
häufig: Einen abfallen lassen, ihn 
abweisen; Brl.; 4. das Mittrinken bei 
einer Zecherei aufe^eben, weil man 
vollständig genue hat. 

Abfassen, 1. verharten; 2. Jemand bei 
einem Vergehen ertappen, z. B. beim 
„Schwänzen** der Schule; daher: 3. 
einem Zecher, der sein bereits ange- 
trunkenes Deckelglas offen lässt, es 
zur Strafe austrinken (studentisch). 

Abflnrem, eigentlich an den Fingern 
abzahlen; so bei Voss; — „Das Cann 
man sich am Hintern abfingern** (oder: 
abklavieren), für: das ist selbst- 
verständlich, leichtbegreiflicb; Sz.: am 
Fidela abfingern. 

Abfressen, — ich kann den Badischen 
Nichts abfressen, keinen besonderen 
Geschmack daran finden. 

Abfuhren, s. abmucken; ad absurdum 
führen; 2. im Studentenzweikampf: 
den Gegner durch einen genügenden 
Hieb zum Abtreten bewegen. 

Abrehen, 1. sich zufrieden geben; Geh 
a t) ! S3 jetzt hast Du genug, bekommst 
Nichts mehr; 2. ausgehen (vom Feuer 
gebraucht). 

Abnalten, 1. ein Kind abhalten, im 
Freien, es so halten, dass es ein Be- 
dürfhiss verrichten kann; 2. „das 
halt ich nicht ab**, f. aushalten, 
ertragen. 

Abhanden, — „Einem nicht von ab- 
handen gehen,*' ihm nicht von der 
Seite weichen, immer auf dem Halse 
Üegen; Th. 



74 



Abhänging — Abtreten 



Abhängig f. abschüssig, von einem Wege ; 
von „Abhang;" Wieland, Goethe. 

Abhueken, fortgehen, besonders be- 
schämt davon gehen; 1. abhappen, 
absocken, abtrappen, abwa- 
ckeln, absegeln, abstiefeln, 
abschieben, abziehen; Etr. 

Abhuppen wie abhncken; auch: un- 
bescheidene Ansprüche aufgeben. 

Abkatern, eigentlich von Katzen, dann 
auch bildlich: sich durch geschlecht- 
liche Ausschweifang erschöpfen; „der 
Kerl ist ganz abgekatert.^' 

Abkippen (eine Gänsefeder), bezeich- 
nete den scharfen Querschnitt, der 
dem Schnabel eine gerade Spitze 

Sab; kippen verwandt mit kappen, 
[uppe. 

Abklavieren s. abfingern. 

Abklopfen (eine Strasse, ein Dorf etc.), 
Haus für Haus betteln gehen. 

AbknapjMsen, am Lohne, Preise Etwas 
abkneipen, kleinlich abziehen; ge- 
wöhnlicher: abzwacken; Hl. P.; s. 
abknippsen. 

Abknippsen, abkneipen, besonders mit 
einem leichten Geräusch, z. B. die 

' Fingernägel mit der Schere in klei- 
nen, wiederholten Schnitten; ver- 
stärkt: abknappsen, s. d. 

Abkratzen, fortgehen, wie „sich dr ti- 
cken;'' s. auskratzen. P. 

Abkutsehiren» sterben; s. abfahren. 

Abladen auf Jemanden, die Schuld auf 
ihn wälzen; „es wird allemal auf mich 
abgeladen." 

Ablaufen lassen s. abmucken; Brl. 

Ablegen 5 1. (heimlich, unehelich) ge- 
bären; s. Grimm; 2. elliptisch: „Legen 
Sie doch ab!'' nämlich Hut, Mantel, 
Stock etc. 3. „Sie legt recht ab" 
(nämlich die Schönheit), sie altert; 
Hl.; auch: sie nimmt an Fülle ab; 
4. Jemandem ablegen, ihm Un- 
recht geben (bei Raben er); Sudt.; 
Gegentheil: ihm beilegen. 

Abloekem, abluckern, f. ablocken, ab- 
schwindeln, bes. Geld od. Geheimnisse. 

Ablaxen wie ablockern; P. auch: 
„abluchern;" Brl., Hb.; von lugen, 
wie beluchsen. 

Abmachen» Jemanden, ihm Staub u. dgl. 
von den Kleidern klopfen, bürsten 
etc.; „mach mich einmal ein bischen 
ab!'^ s. vollmachen. 

Abmaräehen, sich abarbeiten bis zur 
Erschöpfung; „ich bio ganz abma- 
racht;" H., P., Ew.: abrachmenen; 
Nd. marachen, schwer, geräuschvoll 
arbeiten : he maracht de Husdör apen 



(rammelt die Hausthür ein); Hb. 
omaracks; kommt wie abmergeln, 
ausmergeln wohl von Mark; vgl. 
abrackern. 

Abmerceln s. mergeln (GrimmV 

AbmorKsen s. morksen; Brl.; Ktr. 

Abmucken» 1. eine Anmassun^ zurück- 
weisen; ebenso: abtrumpfen, ab- 
laufen lassen, abfahren, ab- 
t off ein. Der Sieger spricht dann 
wohl: „abgemuckt, auf den Zopf 
gespuckt;*' Rtr. afineiem; Wn. an- 
schnalzen; 2. Überhaupt: ausschelten. 

Abnehmen, photographiren; daher: sich 
abnehmen lassen. 

Abrackern, sich, sich mit Arbeit pla- 
gen, abschinden; vergl. ab es ehern, 
B., J., Pf., P. — Tieck; — Sudt.: 
sich rackern. 

Abrindig, 1. vom Brote: abgebacken, 
so dass zwischen Binde und Krume 
eine Lücke ist; Schw.: geschupfts 
Brot; das Brot ist der Dahn; 2. sich 
abrindig sitzen, Gefühl, als wäfe 
durch langes Sitzen das Fleisch von 
den Knochen gelöst; 3. abrindijg 
werden, sich vor Aerger, Langew^iß 
etc. nicht mehr lassen können; HL 

Abrumpeln, abwaschen, abscheuern, 
„sich oieLabusche abrumpeln ,'' das Ge- 
sicht waschen, bes. mit dem Wasch- 
lappen. 

Abrunksen s. abmucken, 2. 

Abrutschen, sterben, s. abfahren. 

Abschieben wie abhucken. P. 

Abschkort f. absurd; Bspr. 

Abschrecken s. schrecken. 

Absei^eln, sterben; Bsl., P., Wn. (Di. 
afseilen »» einschlafen); s. abfahren. 

Abselviren f. observiren, beobachten; 
s. Gramm. § 108. 

Absocken s. abhucken. Th. 

Abspannen, entfremden; abwendig 
machen (Luther, Lessing); vom ahd.: 
spanan — > locken, Stamm zu „ab- 
spänstig'*; ebenso ausspannen. 

Abspeisen, Einen, ihm auf dem 
Krankenlager das Abendmahl reichen. 
Hl.; ebenso: berichten. 

Abstiefeln wie abhucken. 

Abstinken wie abfallen, 2. 3, aber 
gröber; Brl. 

Abstossen, 1. eine Schuld abzahlen; 
2. s. stossen. 

Abtoffeln, 1. ausschelten wie einen •Tof- 
fel;'' s.abbatzen; 2. s. abmucKen. 

Abtrappen wie abhucken. 

Abtreten, „sie tritt es recht ab,'' ziert 
sich im Gange, geht recht abge- 
messen zimperlich. 



Abtreter — Ale 



75 



Abtreter, Biet, Eisen, Strohmatte zum 
Beinigen des Schubwerks vor derThür. 

AbtrampfeH s. abmncken. 

Ab and ein Walzer (ansgesprochen : 
abtinnewalzer) , damit ist die Sache 
aus! Damit Punktum! Basta! s. ab 
Seefe. 

Abwaekeln, 1. wie ab hucken; 2. 
durchprügeln; s. wackeln, ab- 
wichsen. 

Abwälien, mit Etwas abkochen; „eine 
Suppe mit Eiern abgewällt.'* Mb. 

Abwarten, Thee trinken! 1. jubele 
nicht zu früh; warte das Ende ab; 
P. P.; 2. da kannst Du lange warten; 
S.Kuchen, Quarkspitzen, Dreck- 
chen u. s. w. 

Abweichen, das, Durchfall, Laxiren; 
Wn., ND.; s. Grimm. 

Abwiehsen, durchprügeln; P.; Tieck; 
8. abwackeln, 2. 

Abwinken, Einem, Jemanden durch 
einen Wink bedeuten, dass er Etwas 
unterlassen soll, z. B. den Kellner, 
dass er nicht wiedergeben soll. 

Abziehen, 1. wie ab hucken; 2. aus 
dem Dienste gehen (vom Gesinde); 
Goethe; Gegentheil: anziehen, Brl. 
uffziehen. 

Aeeise, „es geht wie auf der Ac- 
eise", wo lebhafter Verkehr, Be- 
such ist. 

Aeh! 1. s. ä; 2. ach verflucht, ganz 
harmlos f.: ach, so ist es? oder: 
nun wird mir's klar, ach, da hast 
du Recht, oder: das hab* ich ganz 
vergessen; 3. ach Herrje! Ausruf 
des Bedauerns. 

Aehel, die Mehrheit: Acheln, die 
Grannen der Gräser, besonders des 
Getreides; (Voss); ebenso Spal- 
ze; SD.: Achel, Hächel — Stroh- 
abfall ; bei Schubart » Flachsabfall. 

Acheln, essen, hebr.; bei Fischart. 

Achsmutter, die, hoher Hut (Schlosser- 
ausdruck); s. Angst röhre. 

Achtchen geben f. Achtung geben; 
auch Achtchen passen statt auf- 
passen; Sudt.: Achtung possa. 

Achtzehnpfenniffferkel, das, scherz- 
haft: kleines, dürres Schwein. 

Acker; eine weitläufige Verwandtschaft 
bezeichnet man: „wir sind verwandt, 
aber nur von sieben (od. von tau- 
send) Aeckern äKloss;*MnSchw. in 
sieben Suppen ä Schnittele; Eg. aus 
sieben Suppen a Schnippsei 'raus. 

Ackern, schreiben (viel und mühsamV 

Adamsj^rebs (Adamskröbs bei Grimm), 
s. Griebs. 



Addallerie, AddoUerie f. Artillerie ; Btr. 

Addannemie, verdreht aus Anatomie; 
dsgl. in Königsberg: Autonomie. 

Adder 9 aber. Bspr.; Pf., Schi.; in N. 
odder «, aber. 

Affe, 1. sich einen Affen kaufen, 
sich betrinken; 2. seinen Affen 
füttern, essen; 3. ich denke, der 
Affe kratzt (laust) mich, ich 
hielt es für ein besonderes Glück; s. 
Häschen. 

Affekate, f. Advokat; Bspr.; Schw. 
Avikat. 

Affenschande, 1. entsetzliche Schmach; 
„eine wahre Affenschande,*' auch etwas 
sehr Dummes, Abgeschmacktes, Ge- 
meines; 2. Affenschande (oder 
Schafmist) mit Jemand treiben, 
ihn übertrieben hänseln, zum Mi- 
rakel machen, Schindluder 
spielen; s. Zschochersch. 

Affenschwanz, Geck, läppischer Mensch, 
8. Alpschwanz ; bei JJutner f. Affenspiel. 

AfprSde, 1. accurat; Sudt.: akrat; 2. 
für eben, lust, grade; „er kam agrade, 
wie es schlug." 

Aeh, das. Koth, ünrath; auch Ausruf 
des Ekels, Abscheues; BsL; „äh oder 
äx! foi äx! das ist Aeh!" ruft man 
Kindern zu, um sie vom Berühren 
einer unsauber n Sache abzuhalten. 
Daher „Aeh machen", zu Stuhle 
liehen. E., J., P., NS.; in Hb. öcks; 
m Ab. A e k e f. Exkremente ; sonst auch : 
Aa (Goethe: das ist ein ä-Geschmack). 

Ahnde, es thut mir ahnde (nach), ich 
sehne mich; „dem wird*s schon ahnde 
thun, wenn er 'naus unter de Leide 
muss," er wird sich wieder heim 
wünschen; Ab., Hb., Pf., Wb., Sbg.; 
in B. And «» Schmerz ; bei H. Sachs, 
Fischart, dann bei Uhland, B. Auer- 
bach; V. mhd. ande, schmerzlich; s. 
Grimm. 

Akazie gilt nicht nur f. Kugelakazie, 
sondern auch f. Schotendorn (Eobinie, 
Pseudoakazie). Vgl. Flieder, Tanne, 
Korn. 

Albern, l.Adv., „wie albern", sehr 
stark, übertrieben, nicht nur „lachen 
wie albern", sondern auch rennen, 
fahren, einheizen, suchen u. s. w.; so 
auch „wie dumm, wie närrsch, 
wie kleeunärrsch, wie verrückt, 
wie nicht recht gescheit, wie 
verdreht, wie toll; s. bös; 2. als 
Zeitwt. „er albert immer," treibt 
Narretheien u. s. w. V.; Einen ver- 
albern, zum besten haben. 

Ale, Aler, f. Alte, Alter, s. Alte. 



76 



Alen — Alte 



Älen» aalen, herumaalea, (selten) trag 
herumlnngem , im Geschäft der Ar- 
beit aus dem Wege gehen, sich darnm 
hemmwlnden (wie ein Aal?). 

Alex 5 (liebkosende) Abkürzung für 
Alexander. 

Alle» 1. ),Es ist alle^S es ist aus, 
vorüber (vom Theater, Stunde, Kon- 
zert u. s. w.); »das Bier ist alle", 
es ist keines mehr da; so auch Schrift- 
deutsch, s. Grimm; jetzt wird es in 
der Schrift vermieden. „Er is reene 
alle*' =s erschöpft; ,,eswird alle mit 
mir'S ich sterbe bald. SD.: das 
Theater ist gar -« aus; „die Dum- 
men werden nicht alle" f. Dumme 
finden sich immer. Sz., NS., Bö. Ganz 
so das amerikanische: all any more 
not anv more. Vgl. Judith, 12, 3: 



es ist auf »B aufgezehrt; 



1» 



bis 



wir endlich alle seyn", Inschrift des 
Dresdner Todtentanzes, 16. J.-H. 2. 
„Er ist alle geworden" f. fortge- 
gangen, auch im Sinne von abfallen, 
4. 3. „Alles war dort. Alles sagt, es 
ist so", f. Jedermann. Aehnlich: 4. 
„und Alles^S zum Schluss einer 
Aufzählung för: u. s. w., alles Mög- 
liche; „in der Dierbude sein Affen, 
Schlangen, Bären — un Alles"; ,,den 
Bömen in der Allee hamse gute Erde 
gegäm (gegeben) un Alles" (uäml. 
alles Mögliche für ihr Gedeihen ge- 

. than). „Der Bursche is ehrlich, fleissig 
un Alles (er hat alle guten Eigen- 
schaften); 5. „Alles so was" f. alles 
derartige: — ich |^ebe auf Alles so 
was nicht viel; ich will gerne auf 
Alles so was verzichten; s. Gramm. 
§.237; 6. nachgesetzt == viel: „gucke 
nur, die Leute alle!" 7. „von 
Allem was und von Eeenem 
nischt" (haben oder wissen), nichts 
Rechtes. S. noch Alles. 

AUeemenscher f. Dirnen. Auch „Neu- 
kirchhofsmamsells" oder „Eine 
aus dem Gässchen," nach ihrem 
Wohnorte. 

Alleine» das weiss ich alleene, f.: das 
weiss ich schon selbst (ohne fremde 
Hilfe); „ich werde mich schon von 
alleene hüten;" — „der Finger ist 
von alleene böse geworden," ohne er- 
sichtliche Veranlassung; „die Blumen 
wachsen von alleene," wild, ohne 
Aussaat und Pilege; Schi. 

Allemal, in jedem Fall, sicherlich; „so 
gut wie dein Rock ist meiner alle- 
mal; bis nach Eidritsch (Eutritzsch, 
Dorf) komm'r allemal. — Gehst du 



mit? — Na, allemal;" — „allemal 
macht die Katze e Buckel" *» das 
versteht sich; P.P. 

Alle Neune! (Ausruf des Kegeljungen) 
ruft man, wenn Jemand ein Glas 
oder der^L geräuschvoll zerbricht; 
wie pardauz u. dergl. 

Allerlei, das, Leipziger Allerlei, 
LiebÜngsspeise aus Spatel, Blumen- 
kohl, Schoten, Möhren, Kohlrabi, jun- 
gen Bohnen, Klöschen, Krebsnasen 
u. s. w. 

AUerleihand, allerlei, P.; z. B.: aller- 
leehand Geschichten; Waaren von 
allerleehand; s. § 242. 

Alles als Adverb f. immer, regelmässig 
(wie mhd.): „ich gehe alles ins 
Schützenhaus; ich lese die Zeitungen 
alles aufm Kaffehause." 

AUeweile, viel beliebter als jetzt 
(Brl., Hl., Seh., Pf., in Th.: aUewü). 
„Jetzt" braucht man, wo es heisst 
„zur Zeit," alle weile aber bedeutet 
„in diesem Augenblick, jetzt eben;" 
so bei Geliert, Lessing. 

Allgemein, manchmal f. gemein, ge- 
wöhnlich, ordinär; auch als Gregen- 
satz zu anständig, gebildet, vomenm. 

AUoh! frisch, munter! fort! von allons 
oder Hallo. P. 

Alpsehwanz wie Affenschwanz; Btr. : 
Alf, alberner Mensch. 

Als, 1. f. wie, z. B. eben so gross als 
ich; 2. als wie, f. als oder f. nde; 
z. B. grösser, als wie Du; er diente 
lieber als Kellner, als wie als Hans- 
knecht; 8. Grimm: als; Gramm. §. 
220; vgl. wie; 3. „als wie ich?" 
f. „soll ich gemeint sein?" 

Alt f. hässlich, garstig, alltäglich; P.; 
z. B. der alte, dumme Ofen (er ist 
vielleicht ganz neu); die alte Katze 
(kann aber jung sein); „die alten 
Jungen," „die alten Flegel," sagen 
die Mädchen, wenn jene nicht mit 
ihnen spielen wollen; „die alte Seefei" 
jammert ein Kind, dem beim Waschen 
Seife ins Auge kommt; Bspr.: ^nimb 
doch nich die alen grossen GäoM- 
blumen; es is beide so alt nass; ^e 
alte Singstunde; es is so alt weit 
bis uffn Marcht; der Kerl is so aH 
lang." Di.: old. S. noch Alte. 

Altbärtig f. altklug; s. altfressen, 1 

Alte, der. 1. Vater, Gatte, IC^iter 
(Bspr.: der Ahle); die Alte, Matter, 
Frau, Meisterin u. s. w. Br., Di. der 
Ole, die Olsch. Im Skatspiel haM 
„der Alte" der Eichelunter, im Sehaf- 
kopf u. s. w. der Eichelober. 2. Den 



Altfressen — Angströhre 



77 



Alten vom Nest fliegen lassen, 
flachen; der „Alte'* mag der Teufel 
sein, wie engl, old Nick, the old gen- 
tleman. 

Altfressen, 1. anf Kleinigkeiten interes- 
sirt, geizig; 2. von Kindern : althärtig, 
altklug, unnatürlich ernst u. s. w.; 
eigenmch: Yom Alter zerfressen; s. 
Grimm; schott. auld farrent. 

Altvernefft wie altfressen. 

Altweibersommer s.Weibersommer. 

Amen, „das ist wie Amen in der 
Kirch e,^^ sicher, zuverlässig, unaus- 
, bleiblich; abgemacht. 

Ami, Hundename; daher „fidel wie 
Ami," sehr lustig; bes. wenn Jemand 
sich schnell von seinem Schmerz erholt. 

Ampeln s. angeln. 

Amtmann nennt man aus Höflichkeit 
jeden Pächter eines grösseren Guts, 
. wie jeden „Studirten" und Barbier: 
Doktor. 

An, 1. Das Verhältnisswort heisst an, 
die Vorsilbe aber an^ z. B. annehmen, 
fahre mich nicht so an! sie klammem 
sich alle an^n an »» an ihn an. 2. „es 
ist nicht an d^m'^ höflich f. es ist 
nicht wahr. 

Anbären s. baren. 

Anbei für daneben, nebenbei, z. B. : „ich 
habe es so anbei mit weg gearbeitet;'^ 
wie: beian, beiher. 

Anbohren, Einen, für: ein Ansinnen, 
eine Zumuthung an Einen stellen, 
bes.: ein Darlehen verlangen. 

Anbrennen, Gemüse: geröstetes Mehl 
(welches die Anbrenne heisst) daran 
thun, z. B. an grüne Bohnen; „eine 
angebrannte Suppe*' besteht aus 
solchem Mehl und Wasser; auch „ein- 
gebrannte Suppe". 

Andippen, leise berühren, s. dippen. 

Andonnern, sich, übertrieben putzen; 
s. aufdonnern. 

Andreehseln, 1. Jemandem Etwas an- 
drechseln, ihm Etwas auf schlaue 
Weise anhaben, ihm einen Possen 
spielen; 2. Einer Eins andrech- 
seln, sie zur Mutter machen. 

Andadeln, sich Einen (oder Eins) an- 
dudeln, betrinken; Brl. 

Aneeken, beim Kegeln: die Kugel den 
Band der Bahn berühren lassen; Wn.: 
anwandeln. 

Anewende, die, das Ende des Ackers, 
wo beim Pflügen umgewendet wird; 
£g.; auch das Vor ende; Di.: die 
Varwenn; mhd. anwende, Grenze, 
Acker; Bsl. 's Anthaut, auch: A'wang 
(f. A— wand). 



Anfangen, 1. ohne weiteres für: „Streit 
beginnen;^' Kinder besonders sagen: 
„er hat mit mir angefangen; er will 
mit mir anfan^en'^ 2. ,^un fän^'s 
an und wird'', es entwickelt sich; 
Schi. 3. sich anfangen für anfangen; 
z. B. es fung sich ein Streit an; s. 
Gramm § 180 und beginnen, 1. 

Anfarzen, Verstärkung von anfahren; 
s. anfauzen, anlappen, anran- 
zen, anrazen, anschnarchen, an- 
schnauzen, anschnorzen. 

Anfauzen, Einen heftig anfahren (vom 
Fauchen, Fauzen, Pfauzen der Katze); 
8. anfarzen. 

Anfliegen, 1. angesteckt werden, bes. 
von galanten Krankheiten; 2. im Spiel: 
einen schlechten Skat finden, also so- 
viel wie „reinfallen;" vgl. anlaufen. 
3. wie aofallen 1. 

Anfuhren; Kinder jubeln, wenn sie 
Jemand überlistet haben: „ange- 
führt, mit Butter geschmiert!^^ 

Anp^eben, 1. vorschlagen, anordnen (wie 
den Ton angeben, Angaben zu Etwas 
machen). Wenn die Unterhaltung in 
einer Gesellschaft stockt, will der oder 
jener 'was angäm; 2. beginnen; „er 
weess vor Angst (vor lieber Langer- 
weile) nich, was er angäm soll." 

Anffefragte, der, heisst im kaufm. Kau- 
derwelsch eine Person, über welche 
man um Auskunft gebeten hat. 

Angehen, „die ^eht mich garnisch t 
an," sie ist nicht mit mir verwandt; 
Eg. 

Angeln, begierig, hastig, wiederholt 
nach Etwas greifen, es zu erhaschen 
suchen; „das Kind angelt nach der 
Puppe;^* seltner sa^ man ankern u. 
am p e In ; letzteres ist ND. in gleichem 
Sinne, bedeutet aber zunächst: mit 
Armen und Beinen zappeln (daher 
Hampelmann, Ziehpuppe). 

Angeraaeht, ein wenig betrunken; Brl., 
gebräuchlicher ist: angerissen. 

Angerissen s. angeraucht. 

Angreiflseh ist eine Sache, die leicht 
zum Zugreifen, Naschen verlockt, wie 
Geld, Kuchen u.s.w.; inPP. greepisch. 

Angst, Hitze, Pochen, Schmerz in einer 
Wunde oder Entzündung; „ich habe 
rechte Angst in dem bösen Finger;" 
Bspr.: „er hat's mit der Angst", hat 
Fieber und dgl.; auch Kopfangst, 
Zahnangst; Y. 

AngstrOhre, auch Angstrohr, für: 
hoher Hut; Brl.; — ND.: Angstci- 
linner; vgl. Achsmutter, Sibi, 
Cylinder, Dohle, Hoppdohle, 



78 



Anhalte — Anstellung 



Schweppdohle, Esse, Feueresse, 
Stnrmiass. Von allen Kleidungs- 
stücken haben der hohe Hut und der 
Frack (s. Klinke), die meisten Ekel- 
namen; ND. heisst der Hut auch die 
Almosenkiepe; in BrI. Dunstkiepe. 

Anhalte, die, eine Stange an der Mauer 
längs der Treppen, welche zum An- 
halten dient; s. Gramm. § 156. 

AnhftMen, ein Haus, Gut u. s. w., es 
zur Zwangsversteigerung bringen ; von 
dem Anheften der Bekanntmachung 
amGerichtsbret, in der Schenke u.s.w. 
hergenommen. 

Anhftngiseh sein, überall hängen blei- 
ben und sich so die Kleider zerreissen ; 
8. Schackeflitt'cb. 

Anhosen für ankleiden; auch Frauen 
sagen es von sich; s. anhübschen, 
anthun; in Schw., wo Häs die Klei- 
der bedeutet: anhäsen. 

Anhübsehen, 1. sich zierlich ankleiden, 
s'enjoliver, s'endimancher ; to titivate; 
2 . ankleiden überhaupt, wie anhosen. 

Ankern, nach Etwas, s. angeln; P. 

Ankratz; ein Mädchen „hat viel An- 
kratz", wenn sie viel Freier, ein Krä- 
mer, wenn er viel Zulauf hat. Drsd. 

Anlappen wie anfauzen; Hl. gleich- 
sam einen Lappen an den Kopf wer- 
fen oder: wie einen Laps behandeln. 

Anlauf: recht am Anloof, gleich 
am ersten Anloofe wohnen, an 
einer sehr belebten Stelle des Orts; 
s. dgg. Katze 4, Bettelmanns 
Umkehr. 

Anlaufen, 1. sich eine Zurechtweisung 
zuziehen; 2. bei Spielen: schlechten 
Skat U.S.W, finden; vgl. anfliegen 2. 

Anlernen, 1. Einen, Um in einer Fer- 
tigkeit unterweisen ; auch zulernen; 
einen Hund, Vogel und dgl. dressiren ; 
2. Einem Etwas anlernen, es ihm 
beibringen; „der Arbeiter bekommt 
es in vierzehn Tagen angelernt''. 

Annageln, einen Stich im Spiele, heisst : 
ihn so sicher nehmen, dass der Nach- 
mann nicht überstechen kann; auch 
„festemachen''. 

Anniesen wie anfauzen. 

Anputzen s. patzen. 

Anranzen wie anfauzen; von Band «= 
Mund? oder für: anran^sen, also: 
Einen wie eine Bange behandeln? 
Brl., Bsl. 

Anränehern, betrügen, z. B. „der hat 
mich scheene angereechert!** 

Anrazen wie anfauzen; vgl. Baz. 

Anreissen; das Schriftdeutsche: anreis- 
sen (z. B. „ein Fass, einen Thaler an- 



reissen) wird auch in weiteren Ver- 
bindungen gebraucht, z.B. ein Gericht 
bei Tische anreissen »= zuerst davon 
nehmen. Als auf einem Dorftanzboden 
zwei ganze Bänke mit Tänzerinnen, 
aber nur 2 Tänzer vorhanden waren, 
sagte der eine zum andern : „Beiss du 
die Bank an, ich will die andere an- 
reissen !" 

Anriehte, die, der Tisch in der Küche, 
auf welchem Speisen angerichtet wer- 
den; s. Gramm. § 156; Schw., mhd. 
anrihte. 

Anrähren; „nich rühran!^* ich rühre 
keine Hand (wenn nicht erst gewisse 
Bedingungen erfüllt worden sind 
u. s. w.) ; „ich hiess ihn mitspielen, er 
aw'r nich rühran". P. 

Ansäuseln, sich, für betrinken; ange- 
säuselt wie angerissen. 

Ansehiss , bei Studentenzweikampf: 
Verwundung; s. abführen, 2. 

Ansehlagen, Kinderspiel mit Bechen- 
pfennis^en, die man von einer Mauer 
abprallen lässt; nur im Frühjahr be- 
tiieben (wie das Einhullern). Hl., 
in F.: apschmeissen. 

Ansehiftgiseh; „er ist ein anschlä- 
gischer Kopf" (auch mit dem höh- 
nischen Zusätze : „wenn er die Treppe 
hinunterfällt, verfehlt er keine Stufe ,) 
versteht Anschläge zu machen, Pläne 
durchzuführen; Btr. ; minder gebräuch- 
lich sind: anschlägig, anschläg- 
lich; ND.: „er hat einen verschlafe- 
nen Kopf, wenn er die Treppe hin- 
unterfällt". 

Ansehmieren , sich, 1. einschmeicheln 
(in aufdringlicher Weise); 2. Jemand 
anschmieren für betrügen; Brl.; 3. 
Eine anschmieren wie andreehseln2. 

Anschnallen, sich Eine, f.: zu seiner 
„Liebsten" wählen. 

Ansehnarehen wie anfauzen. 

Anschnauzen s. anfauzen; Sohw.; 
vgl. schnauzen; Bspr.: „Uegrob- 
sen". 

Ansehnorzen wie anfauzen. 

Anspänner, ein kleiner Bauer, welcher 
nur ein Pferd hat; vgl. Hof; Th. 

Ansnrung, der, feiner Gesichtsans- 
scma^:; vgl. mhd. sprunc, das Hervor- 
spriessen. 

Anständig f. sehr, stark a. s. w.; z« B.: 
es regnet anständig; eine anständige 
Kälte; er ist anständig grob, dumm 
u. s. w. vgl. böse, scheene. 

Anstellung; „er hat eine Anstellnng 
mit dem -— Bücken an der Wand**» 
spöttisch: er hat Nichts zu thnn. 



Anstreichen — Aeschem 



79 



AnstreiehcD, Einem Etwas, für: ihn be- 
strafen. „Ich will es ihm schon an- 
streicben^S ich werde ihn schon daran 
zn verhindern wissen; inBsl. i*-striche, 
wie eintränken. 

Anthun wie anhübschen. (Fanst : In 
Sammet nnd in Seide war er nun an- 
gethan.) 

Antvogel, der, Bspr. Ente; bei Fisch- 
art, Voss; B.; Ente ist ahd. annt, lat. 
anas, anatis. 

AnTettermieheln, anvettern, sich, 
wie: sich anschmieren ; Brl.; — Rtr.: 
sich anmicheln. 

AnwerdeD, loswerden, an den Mann 
bringen, z.B. Geld, Waaren, eine Toch- 
ter u. s. w.; Verschmelzung von an- 
bringen und mhd. äne «» ohne (man 
kann da schon Geld ohne werden ^ 
los werden). 

AnzieheD, 1. einen Dienst antreten; s. 
abziehen;; 2. übrigens ist anziehen, 
sich anziehen, weit beliebter als (sich) 
ankleiden. 

Anzwei, anzwee, inzwee f. entzwei; 
F.; Sudt.: azwee; ahd. in zuei, mhd. 
enzwei; engl.: to break in two. 

Aparte thun, sich nicht mit Jedermann 
gemein machen, zurückhaltend sein; 
„sich recht ambarde halten**. 

AepfelD, vom Pferde, f. misten (von 
Pferdeapfel, Bossapfel, bei Lessing, 
Heine); mdh. ist Kossapfel ros-vige 
(Feige). 

Ap^eldegose f. Aprikose; s. Appelde- 
sine; beiden werden mit einem Apfel 
verglichen. 

Appeldesine f. Apfelsine, wohl: Apfel 
vonSina (=China); s. Appeldegose. 

Appelliren, sich erbrechen, besonders 
von Betrunkenen; abgekürzt aus der 
Eedensart : sich ans Appellationsgericht 
in Speier wenden. 

Arbeitsch f. arbeitsam ; s. das gebräuch- 
lichere^ a r L ., 1 ^s e n . 

Arbeitsene Leute (von arbeitsam) nennt 
man bes. Taglohner u. a. Leute, die 
„auf Arbeit gehen'', wenn sie auch 
nicht besonders arbeitsam sind. 

Arehebassade, die, f. Arquebusade, 
Wundwasser. 

Aergern; „ich werde mich nicht 
ärgern;*' fällt mir nicht ein, das zu 
tbun, denn es könnte mir Aer^er be- 
reiten. In kühnem Bild: „es wird sich 
nicht ärgern und beide schon thauen ! * * 
Mitunter steht ärgern mit Dativ: 
„den ärgert's allen («> denen). 

Arm; — armer Kerl! oder armes 
Thierl sagt man in mitleidigem Tone 



(wie : du kannst mir leid thun), wenn 
Jemand alte Anekdoten und dergl. als 
neu auftischt oder sich „gross auf- 
spielen** will. 

Aerme, Mehrheit von: der Arm, s. 
Gramm. § 182, 6. 

Armetei, die, Armuth ; „im Erzgebirge 
ist rechte Armetei"; mhd. ermede, 
ermde; U. Sachs: Armutei; Fischart: 
Armedei; S. Frank: Armathei; J.Paul, 
Auerbach u. A. : Armuthei ; s. A r m u t h. 

Armuth, 1. das, die armen Leute 
(Lessin^, Nathan IV, 3); dgg. sagt 
man f. die Armuth: Armetei, s. d. ; 
Eg.j 2. die Armuth, der geringe 
Besitz: — ich habe mei bischen Ar- 
muth hingegeben ; er hat seine ganze 
Armuth vollends verloren; ebenso mhd. 
armuot. 

Arseh wird, als pöbelhaft, vermieden 
und meist durch Bobö oder Pö'pö er- 
setzt; minder bedenklich ist man mit 
manchen Zusammensetzungen , wie : 
Eaularsch, Arschpauker, Klug- 
arsch; im Aerger nennt auch eine 
Mutter ihr weinerliches Eind einen 
„Heularsch**, was auch Goethe an- 
wendet; 8. Quälarsch. 

AersehÜDrs, mit dem Hintern voran; 
„er wurae ärscblin^s zur Thüre naus 
geschmissen**; auch im Faust II, 2.; 
überhaupt: verkehrt. 

Arsehmarter, die, unnütze, unbegrün- 
dete Angst. 

ArsehpaoKer, Spitzname für Schul- 
meister, wie fesseur; s. pauken; — 
P.: Hosenpauker. 

Art* 1. „das ist keine Art** d. h. 
nicht das rechte Benehmen. 2. „es 
hat keine Art**, es ist nicht passend. 
Wn.; — „Es hat keine rechte Art zum 
Schneien**, es sieht nicht so recht aus, 
als wollte es schneien. Etr.: So het 
*t Ort ; Aehnliches auch Schriftdeutsch. 

Artliefa, sonderbar, eigenartig, wunder- 
lich, es soll aber nicht beleidigen; 
z. B.: „bis nur nicht so artlich;** V., 
Wn., Eg., L.; SchL: atlich; vgL 
komisch, kurios. 

Aseh, Mehrh. Aesche, f. Napf, bes. für 
einengrossen. Hl., Schi.; D.: die Sett 
(von setzen). Bei Goethe: Blumen- 
äsche; mhd. asch;daher Aschkuchen 
wie Scherbeikuchen. 

Asehenrathe, Fichtenzwei^ zum Asche- 
abkehren (am Aschermittwoch), das 
den Kindern mit Pfannkuchen gelohnt 
wird. 

Aesehern, eschern, s. abeschern, 
eschbern. 



80 



Ast — Aufsingen 



Ast» Höker, Bnckel; s. Eriegskasse; 
sich einen Ast lachen, unbändig, 
sieh „bncklig^Machen; anch schrift- 
deutsch. 

Aetsch! ruft; man frohlockend, schaden- 
froh, auch gutmüthig, wenn man Je- 
mand auszischt, ihm „Bübchen 
schabt'% weil ihm Etwas misslingt, 
z.B. wenn Einer den Andern mit einem 
Schlage oder Wurfe nicht trifft, einen 
Ball beim Billard nicht macht u. s. w. ; 
bei Wieland; E., F., J., NS., Pi In P. 
hat man davon: ätschen »> unserm 
hitschen. Vgl.Dreckchen, hitsch! 

Attensie f. Hortensie (Blume). 

Auf (sprich uff, auch in den Zusammen- 
setzungen, wie drauf, hinauf); 1. für 
offen; z. B. die Thür steht auf (bei 
Holtei]; wir haben Alles auf, Thür 
und Fenster stehen offen; Sonntags 
hat er nicht auf, sein Verkauf ist 
geschlossen; umgekehrt sagt man in 
KD.: „Mach das Fenster offen"; 2. 
„der is blos auf sich*S nämlich: 
bedacht, sieht nur auf seinen Yor- 
theil, eigennützig; Etr.: nah sik sin; 
3. „der Kranke ist auf,*' ausser Bett; 
in Th.: er ist offen; 4. „auf die 
Woche", nächste Woche; „aufs 
Jahr**, übers Jahr. — Viele Zusam- 
mensetzungen mit auf sind unter 
den betr. Stammwörtern angegeben. 

Aufbahren^ einen Todten im Sarge auf 
die Bahre setzen u. s. w.; GeUert, Mu- 
säus, Eückert; mhd. baren. 

Aufbegehren f. begehren; B., Wb., 
BsL; Schiller, Auerbach. 

Aufbrummen, z. B.: Einem einen 
dummen Jungen aufbrummen, für 
schimpfen; bei B. Auerbach. 

Aufbuden, Buden aufbauen, Gegensatz: 
äbbuden, s. d. 

Aufbumbsen, wie „hereinfallen,** 
ins Unglück stürzen; bes. bei Karten- 
spiel; Stm. anpumpsen; s. bums; 
Wn. anbrummen ; 

Aufbündeln, übermässig aufladen; 
„dem wird alles Mögliche aufgebün- 
delt'*, zur Last gelegt, zugeschoben; 
vgl. abladen und aufgebündelt. 

Aufdonnern , übertrieben aufputzen ; 
Brl., Bsl.; Immermann; — Rtr.: up- 
vnolen,uüfidumen;auch:andonnern. 

Aufdrieseln^aufdröseln (von drehen), 
einen Faden, etwas Gestricktes in 
seine Fasern auflösen; Eg.; Goethe: 
aufdröseln. 

Aufführen; sich unhöflich aufführen, für 
auslassen (von Blähungen). 

Aufgabeln, uffgäweln, ausstöbem, 



ergattem,aufkreiben, ausfindig machen ; 
Ab., Eg., Schw., Bsl.; b. Tieck. 

Aufnttern, ergattern, listig, mühsam 
auispüren; aucnausgattern, ergat- 
tern; Th. ; Vgl. Regel, Enhlaer Mund- 
art, S. 188 unter gätter. 

Aufgebündelt (oder Aufgebündeltes) 
kriegen, ausgescholten werden; s. 
Gramm. § 166a. 

Aufgehen, im Spiel, einen Stich nehmen, 
ihn nicht vorüberlassen; „ich fing uff, 
äwr du gingst iwr** (stachst nöher). 

Aufgekratzt, heiter, guter Laune, auf- 
geräumt, gut au&elegt. 

Aufhasseln, das Feld mit der Egge 
auflockern; Bspr. 

Aufhenker, der, Henkel (von Band, 
Schnure u. s. w.) an einem Bocke, 
Mantel; s. Gramm. § 158. 

Aufhüpfen (uffhippen), aufhnppen; 
„man soll ihm gleich aufhüpfen'', 
schnell und willig oedienen, ihm auf- 
warten; Luther; L.: Er denkt, man 
soU ihm gleich aufplatzen. 

Aufknippefn f. aufknüpfen, s. k n i p p e 1 n. 

Aufläder, der, Mann, der sich mit 
kunstgerechtem Beladen von Frachi- 
wagen beschäftigte: durch die Eisen- 
bahnen fast ausgestorben. 

Auflegen, sich, in Streit einlassen; 
„lege dich nur nicht mit Jedem auf'. 

Aufliefen, arbeitslos, dienstlos sein, 
auf der faulen Haut liefen, bes. von 
Frauenzimmern (Pf.: aufliegen f. Schul- 
den haben). 

Aufmucken, seinem Unwillen Ausdruck 
geben, murren; Brl.; s. mucken. 

Aufmutzen, einem Etwas, einen Fehler 
aufstechen; V.,Th., Schw.; alt: mut- 
zen für anklagen, beschuldigen; s. 
Grimm: aufmutzen. 

Aufpaeken, Einen, auch: Einem; aus- 
zanken, Vorwürfe machen; wie: auf- 
schütteln, vermöbeln, die Wahr- 
heit zeigen, ausfenstern u. s. w. 

Aufpäppeln, ein Kind ohne Mutterbrust, 
mit Kuhmilch, Brei u.s.w. aufziehen; 
s. Pappe ; auch von Thieren gesagt. BrL; 
mhd. pepelen, füttern, zärtlich pflegen. 

AufpOpeln wie aufpäppeln. 

Aufsacken s. sacken. 

Aufsagen, ohne allen Zusatz: den Dienst 
oder die Miethe kündigen; wie den 
Gehorsam, die Freundschaft aufsagen: 
— ich habe meinem Wirthe für Ostern 
aufgesagt; der Diener hat seiner Ma- 
dam aufgesagt. 

Aufsehfltteln, Einen, ausschelten; s. 
aufpacken. 

Aufsingen, Jemand ausfindig machen, 



Aufiapielen — Atismei*geln 



81 



ihn zn Etwas bewegen ; Wn. Einen nm 
Etwas ansingen. 

Aufspielen, sich, sich hervordrängen, 
grosse Ansprüche machen, wie „sich 
e Fleck machen, sich thnn. 

Aafspitteln, Einem Etwas, anfschwat- 
zen, ihn darch Zureden bewegen. Et- 
was zu nehmen (eine Ware, Wohnung, 
falsches Geld, eine Frau). 

Aafsteekea, etwas Begonnenes, ein 
Unternehmen, Gesch&Ä wieder auf- 
geben; Bsl. 

Aufstreifeln, uffstr^feln, uflistriffelii, 
. die Aermel oder die Beinkleider empor- 
streifen, „er stand in uffgestriffelten 
Hemdsärmeln da;" s. striffeln. 

Aufthanen^ aus Schweigen, Einsilbig- 
keit in Gesprächigkeit übergehen, ge- 
müthlich werden. 

Aaftrainpfen, Einem, seine Behauptun- 
gen oder Vorwürfe jlurch noch stärkere 
tiberbieten; P. 

Aufwaschen, es ist ein Aufwaschen, es 
kann Mehreres auf einmal gethan wer- 
den (zwei Fliegen mit Einer Klappe 
todtschlagen) ; Hippel. 

Aufwecken, intransitiv für aufwachen ; 
,.ich weckte von alleene uf'*. 

Aufzug, geschmackloser, auffälliger An- 
zug; „die macht e scheenen A/^ 

Aa|^e, 1. „vor sichtlichen Ogen**, 
dicht vor meinen (sehenden) Augen 
(that der Unverschämte es); Etr. 2. 
,.Wa3 schadet dem Kurfürsten ein 
Auge," für: „das ist eine Kleinig- 
keit für dich u. s. w.;'* Eedensart aus 
Kur-Sachsen. 3. „auf seinen t4A. 
sitzen bleiben," bei einer Meinung 
hartnäckig beharren; Eg. „dar bleibt 
uff sen ochzn Agn stihn**; 4. sich die 
A. aus dem Kopfe guken, ange- 
strengt sehen, suchen; 5. Einem die 
O^en auswischen <« ihm Eins aus- 
wischen. Etwas anhängen; ihn über- 
vortheilen P.P., Eg.; wer sich davor 
hüten will, muss die Ogen in de 
Hand nehm; PP.; 6. s. Blind. 

Aeuglein, scherzweise f. eichein, beim 
Kai-tenspiel; s. eicheleckern. 

Aus, auf Etwas aus sein (auch aus- 
sen sein^, es im Sinne haben; „ach 
so, du redst von Wernern, un ich bin 
in eene weg uft' Müllern aus". 

Ausditsehen, aastitschen, Etw. lang 
und breit auseinandersetzen, es breit- 
spurig behandeln. 

Aasfedern s. Feder. 

Ausfenstern für aus schelten, s. auf- 
packen; Lessing. 

AusflOhen, im Spiel, oder sonst. Einem 

Albreoht, Leips. Mundart. 



alles Geld abnehmen, ebenso: aus- 
mästen, aussäckeln, ausneh- 
men, ausschälen, lausen; inWn. 
Einen ablausen. 

Ausfressen, Etwas verschulden, Etwas 
begehen ; bes. im Partizip, z. B. „was 
hadd'r denn nu widdr ausgefressen ?" 

Ausfuhren, entwenden, bes. einem guten 
Freunde eine Kleinigkeit mitnehmen, 
so halb scherzweise; Wn. 

Ausgang, ein Ort, den man häufig be- 
sucht; „das Bosenthal ist mein ein- 
ziger (gewöhnlicher) Ausgang**. 

Ansgattern, s. aufgattern; Lessing, 
Nathan I, 5. 

Ausrehen, „mein Traum, meine Ahnung 
geht aus," erfüllt sich ; Wn. ; bei Blu- 
mauer, (jroethe. 

Ausgeknaupelt, elend, schwindsüch- 
tig aussehend; ausgeknaupeltes 
Kirschkuchengesichte, gemeines 
Schimpfwort für einen Menschen mit 
dürftigem, verhungertem Gesicht; s. 
knaupeln. 

Ausgelernte, der, junger Gesell, so- 
lange er noch bei seinem Lehrmeister 
arbeitet; N. 

Ausgezanktes kriegen für ausgezankt 
werden, s. Zank; (iramm. § 166a, 12. 

Ausbauen, reden, sich auslassen, aus- 
drücken, ausholen; „die wären ganz 
andersch aushauen", eine andere 
Sprache mit ihm führen. 

Aushitschen s. hit sehen; Di. ut- 
eken; Ob. — Oe. aushienzen. 

Anskehricht, der, Kehricht; „das findt 
sich im Auskehricht", es erledigt sich 
zuletzt von selbst: Hb.: „im Kehricht 
werd sich's fenne". 

AuskniStschen, ausknietschen, aus- 
drücken, auspressen. P., Schi. ; bildlich 
„eine Sache ausk.*S weitläufig aus- 
spinnen; s. kn et sehen. 

Auskrabbeln, ein Kartenspiel: wer eine 
vorher bestimmte Karte aufhebt, ver- 
liert. 

Auskratzen, ausreissen, entfliehen; 
Brl.; beiDroysenu.A.:s. abkratzen. 

Anskuddeln, ein Kleid u. s. w. ober- 
flächlich auswaschen, s. Ku ddein. 

Anslätschen, eheliche Untreue begehen. 

Auslätschen, 1. geschwätzig über Et- 
was verhandeln; 2. etwas Anvertrau- 
tes weiter klatschen; s. Latsch. 

Auslauten s. Messe 4. 

Ausmachen, 1 . Kartoifeln, sie aus dem 
Boden nehmen; 2. Hülsenfrüchte, aus 
den Schalen nehmen. 

Ausmästen wie ausflöhen. 

Ausmergeln s. mergeln; Wn. 



82 



Ausmietlieii — Babbelätschke 



Aasmiethen , 1. Jemanden, ihn durch 
Höhergebot der Miethe aus seiner 
Wohnung vertreiben; 2. Jemandem 
einen Dienstboten ausm., durch 
höheren Lohn abwendig machen, s. 
ausspannen. 

An snehmen. Einen, 1. wie ausflöhen. 
2. alle Trümpfe abfordern. 

Aaspacken, seine ganze Weisheit über 
Etwas zum besten gehen Tähnlich: aus- 
knitschen); dann durcn anhaltendes 
Schelten allen verhaltenen Groll von 
sich geben. P. 

Aaspackewoche s. Messe, 2. 

Ausrieehen, mit Geruch erfüllen : — die 
Hyazinthen riechen die ganze Stube aus. 

Aassäckeln wie aus flöhen, s. 
säckeln; Wn. 

Aasschälen, 1. auskleiden. 2. wie 
aus flöhen, auch berauben. 

Aassehnitter, der, Ausschnittwaaren- 
händler, Kaufmann, der Stoffe nach 
der Elle (im Ausschnitt) verkauft; 
mhd. ist: ^ewant oder tuoch sniden, 
es nach der Elle verkaufen, aus- 
schneiden. 

Aussen, 1. steht öfters f. aus; s. d.; 
„das bleibt nicht aussen;*' 2. auf 
Etwas aussen sein, es im Sinne 
haben: ich war auf etwas Andres 
a.; du redst von meinem Bruder, du 
bist aber wohl auf meinen Vetter aus- 
sen; Bsl. i bin jez an imme g'si, 
hatte ihn im Sinn. 

Ansser, 1. aus: ich bin ganz ausser der 
Uebung; 2. ausser nur, ausgenom- 
men : „es war Niemand da, ausser nur 
der Küster", wie engl, but; 3. aus- 
s[er dass für ausgenommen dass: 
ich bin es ganz gerne zufrieden, aus- 
ser dass es e bischen theuer ist; 4. 
ausser dem Hause für: in fremden 
Wohnungen; es wird angekündigt, 
dass Jemand ausser dem Hause' wäscht, 
schneidert, tapezirt, Sprach- oder 
Musik-Unterricnt ertheilt; 5. ausser 

- Marktta^s,adv., d. h. Montags, Mitt- 
wochs, Freitags, wo kein Wochenmarkt 
gehalten wird. 



Aassereinzig f. nur eins; „Ich habe 
nur ein ausser einziges Buch*'; ND.: 
„das ist mein einzigster Trost**. 

Aasspann, der, auch : die Ausspannung, 
Gasthof niederen Banges mit Stallun- 
gen, in welchem bes. Fuhrleute, Boten 
u. s. w. verkehren. 

Aasspannen wie abspannen; z. B. 
Jemandem einen Kunden, Diener aus- 
spannen; vgl. ausmiethen. 

Anster, die, Schleimauswurf; sehr ge- 
mein. 

Aasthan, Jemanden im Buche aus- 
thun, vormerken, dass er bezahlt hat, 
also seine Schuld streichen. 

Aastopfen, einen Blumenstock aus sei- 
nem „ScherbeP^ ins freie Land setzen; 
versetzt man ihn in einen andern, 
grössern Asch, so wird er „uinge- 
topft**. Das Umgekehrte, die Ver- 
setzung einer ini Boden gewachsenen 
Pflanze in einen Blumentopf, heisst 
„einsetzen". 

Aastraaer, graue Tracht, zu Ende der 
Trauer um einen Todten. „Um Dich 
ist ausgetrauert" f.: nach Dir 
kräht kein Hahn. 

Aasversehämt, stärker als unver- 
schämt, es ist mit seinem Schamgefühl 
ganz aus; Eg.; — ND.: er hat sich 
utschoamt. 

Aaswaehsen, „es ist zum A.*', zum 
Verzweifeln, zum Teufelholen. 

Aaswärtsig für auswärtig; „aus warzige 
Zeitungen;" auch für auswärts: 
„hübsch auswärzig gehen", die Füsse 
auswärts setzen. 

Aaswisehen, JemandemEins, ihm einen 
Schlag versetzen, einen Streich spie- 
len; s. Auge, 5. 

Aaweh, das; im Auweh sitzen, in 
Noth sein; jüd. : Dalles. 

Aaweih geschrien! f. Auweh! Den 
Juden nachgeäfft. 

Aex s. äh. 

Azen, scherzweise f. essen, zu essen 

feben; im V. „fräzen**, Jemanden gut 
ewirthen; erinnert an Azung, äzen 
und fressen zugleich. 



B. 

Siehe auch P und Gramm. § 66. 



Bäbbäh f. Exkremente (Kindersprache); 
Verstärkung von : Aeh; daher: Bäb- 
hähmachen oder bäb bähen. E. 

Babbel, der, dummer Mensch; s. ba- 
peln, Baps. 



Babbelätschke, Popelätsehke, Bab- 
belätsche, die. Verschlag an der 
Decke einer Tischlerwerkstatt zum 
Aufbewahren des Nutzholzes; Eg.: 
Bawlätsch, Gerüst, Aufbau von Ge- 



Babchen — Bank 



83 



genständen; Schi.: Boblatsch, Schaa- 
gerüst; Wo. Baweladscheo , erhöhte 
Zwischen abtheilnng in einem Zimmer; 
Ktidiger bezeichnet Popelätsche (Ge- 
stell, Gerüst) als wendischen Ur- 
sprangs, yon poliza «= Schüsselbret; 
s. noch Bummellätschche. 

BSbehen s. Habchen. 

Babusch, der, eine Art Hausschuh; 
soll ans dem Oriente stammen. 

Bachömer, der, f. Schwein überhaupt, 
bes. mit Adjektiven: ein tüchtiger 
Bachömer u. dgl. ; eigentlich eines aus 
dem Bakonyer Walde (Ungarn). 

Bachülke, der, ungeschlachter, wilder, 
unbändiger Mensch, 

Backe, die, gebräuchlicher als der 
Backen. 

Backe, Becke, (mhd.) Mehrht. die 
Becken, f. Bäcker; Wn., Eg.; in 
Wagners Meistersingern „der Beck," 
wie in Sz.; „beim Becken!" für 
weit gefehlt! s. Kuchen, abwar- 
ten, Dreck. Als Name kommt vor: 
Beck, von der Becke, van der Becke 
(snrich Vänderbecke). 

Backen, bildlich f.: anfangen zu ge- 
frieren, bes. auf Weg und Steg; 
„hinte beckt's," heut Nacht tritt 
Prost ein. 

Backenbirnmännchen, sehr „verhuzel- 
tes" dürftiges Männchen. 

Bäcker junge ; ist imGebäck ein grösseres 
Luftloch, so sagt man: „da hat der 
B. dringestecken;" vgl. Hemd, 2. 

Bäckerknecht, Beckenknecht, im Ge- 
bäck ein Klümpchen trocken geblie- 
benes Mehl; vgl. Hemd, 2. 

Backofen, einen Backofen machen, 
die Beine auf die Brust gezogen im 
Bette liegen; Ho.: 'n Hennenhus bu'n 
(= bauen). 

Bäddeln, in Schlamm, Staub, Erde 
wühlen; die Hühner z. B. baddeln 
sich gern in den Sand; Ho.; Etwas 
verbaddeln, in Sand, Erde, unter 
Wäsche, Papieren u. s. w. vergraben; 
to paddle; s. buttein, 2. 

Bademntter für Hebamme; alt; Sudt.: 
Bädeäle («= Badealte). 

Bade warm, Tadel eines Getränks, das 
frisch sein sollte, wie Weisswein, Bier; 
auch: „hier is es wie imBadestüb- 
chen," übertrieben eingeheizt. 

Bäffern s. bläffen. 

Bagage, die, 1. Gepäck, le bagage; 
dann überhaupt: Habseligkeiten, Lum- 
penkram; 2. Gesindel, gemeines Volk, 
man denkt an Pack; also wohl Pack- 
asche wie Kledasche. 



BSh! für: fehlgeschossen; überhaupt 
Verhöhnung bei Misslingen, wie 
ätschl 

Bahn, die, das „Blatt" (die Breite) 
eines Stoffes für Prauenkleider. Pf., J. 
(Wand er: „drum schnitt man eine 
Bahn heraus"). 

Bahngeld, 1. Zahlung für Benutzung 
der Eisbahn; 2. B. zahlen, auf der 
Eisbahn fallen (Verhöhnung). 

Bahre, das Flüsschen „Parthe"; s. 
Gramm. 8 83. 

Bai'-äs, Bai atz, der, Hanswurst, Bajaz- 
zo; BsL; ostfriep. Peiatz; vom franz. 
Saillasse; it. bajaccia, Possen. 
bieren, 1. barbieren (der Bai wie r); 
s. Gramm. § 108; 2. betrügen; auch 
„über den Löffel baloieren;" 
PP. 

Bale f. bald; Bspr.; Bl.: ball; Rh.: 
boU; V.: balle. 

Balg, der, seltner das, Schimpfwort 
(mhd. balc), j. Eind, bes. ein unge- 
zogenes; 2. unangenehme Person, bes. 
Frauenzimmer. 

Balgen, Etwas grob anfassen, z. B. 
Einen 'rumbalgen; die Kisten vom 
Wagen herunterbalgen, Fässer aus 
dem Keller herausbalgen; s. ba- 
talljen. 

Balletspuz f. Ballettänzerin, s. Spuz. 

BambeiDeine f. Beine (Kindersprache), 
s. bammeln. 

Bamben, schmausen, in Saus und Braus 
leben, bes. wenn es im Stillen ge- 
schieht; Hl.; — Schw. bampfen, mit 
vollen Backen kauen, übermässig 
essen ; engl, to pamper, reichlich füt- 
tern; s. schlampampen. 

Bammeln, schlaff herunterhängen; auch 
baumeln; Schi., Rtr.; — sich bam- 
meln, sich baumeln, sich auf- 
b ummein, sich aufhängen; Hb. 
und Hss.: bampeln, s. Grimm. 

Bange, „es ist recht bange," f. 
schwül, gewitterschwer. 

Bangenett (Bang-e-nett) f. Bayonnett; 
s. Gramm. § 182, 5. 

Bank, 1. zur Bank hauen, nieder- 
schmettern (gleichsam zur Schlacht*' 
bank führen); auch wie: abführen; 
2. die Bank scheuern, sagt man 
von Damen, welche beim Tanz wieder- 
holt sitzen bleiben; Hb.: se hott bloe 
Zwern fahl; Di.: se hett Block seteu 
(festsitzen, wie ein Block); faire ta- 
pisserie; sortir bredouille du bal; s. 
Mauerblümchen, schimmeln; 
Petersilie pflücken, Peitersillan 
pflücken (Rtr.). 



84 



Bankblei — Basteln 



Bankblei, ein Höker, in Folge ange- 
strengter Arbeit entstanden (Scblos- 
serausdruck). 

Banse, Banze, die, der neben der 
Tenne befindliche (grössere) Kaum 
der Scheune, in welchem die Garben 
anj^espeichert werden, bis sie zum 
Ausdreschen gelangen; Schi.; Hb.; s. 
Grimm; der Bansen ist dagegen 
der erste Magen der Wiederkäuer, in 
welchem das yerschluckteGras gleich- 
sam auf- oder ein^ebanzt wird. 

Bansen, banzen, v., die Getreidegarben 
in die ,,Banze^* bringen und daselbst 
aufschichten. Wird übrigens auch im 
weiteren Sinne gebraucht, namentlich 
als auf- oder einpanzen, von Heu, 
gehacktem Holze, Beissig u. s.w., wenn 
man es in Haufen aufschichtet. 

Bapeln, albern schwatzen, auch: ge- 
müthlich plaudern; A., Hl., Eg., Hb., 
K., J., Wb., BsL; engl, to babble; 
Bw. heisst pappein: stammeln; davon: 
Bapelhans, -liese, -suse, -fritze; die 
Bapelei, das Gebapel; s. bap- 
pern. 

Bappern, Verstärkung von bapeln, 
schnell, viel schwatzen und bebbem'; 
Sdt.: pappem; s. Grimm; davon: 
Papp er ich, Schwätzer. 

Baps, der, dummer Mensch; wie Flaps. 

Bär, 1. verstärkende Vorsetzung, z. B. 
Bärenkälte, bärenmässi^e Hitze; so 
auch: schwitzen wie ein Bär; vgl. 
Hund, Sau, Heide; 2. hat man 
Jemand ausführlich berichtet (bes. 
einen neugierigen Frager), so schliesst 
man: „Na, nu weesste Alles, blos das 
vom schwarzen Bare noch nichl*' 
fragt er nun, was das sei, so heisst 
es: „der hat ein schwarzes Loch, 
weil er adelig ist!" 

Bärbes, barwes, bärbs, barfass; Sdt. 
borss; £g. borbsch; Höh. barbas; 
scherzweise : er leeft in barbsen Aer- 
men, mit barfussigen Kopfe; barbes 
bis an Hals, ganz nackt; PP.; 
barbes un e Degen, auch: barbs 
un e Strohhut, von Widerspruch 
im Auftreten, im Anzug, halb bettel- 
haft, halb prahlerisch (shabby-gen- 
teel); Ulm: im Bareit (Barett) un 
barfuss. 

Barbs s. barbes. 

Bärbsbeenig (bärbeenig) wie bar- 
bes, Schi. 

Barbuz f. Barbier. 

Barchent reissen, schnarchen (dem 
Laute nachahmend). 

Bardanz s. bauz; L., P. 



Baremeter, Barremeder, Barmeme- 
der, der, f. Barometer; s. Gramm. 
§ 145. 

Bären, ungeberdig, unwillig reden; 
„bare doch nur nicht immer so!" 
auch: Einen an hären; ist der 
Stamm zu Gebahren, Geberde; vgL 
anfauzen. ND.; in Sbg.: bferen =« 
schreien, lärmen. 

Bärenkälte, starker Frost, s. Bär. 

Bftrlatsch, der, plumper, weicher Haus- 
schuh, bes. von Filz; s. Grimm; auf 
Bärlatschen gehen, für: sanft, 
behutsam auftreten; daher beim Spiel : 
nicht keck fordern, sondern vorsichtig 
abwarten; s. Dörfer. 

Bftrioeh, „so finster, wie in einem 
ßärloche,** sehr düster. 

Bärmedickel, der, Perpendikel; V.das 
Baraberdeckl; D. der Parmtik. 

Uarmen, klagen, kläglich thun, beson- 
ders auch ohne Noth; also erbärm- 
lich thun, das Erbarmen wach 
rufen; „de Koofleide uff der Messe 
barmen immer und ewig;*' mhd. 
barmen f. sich erbarmen und Mit- 
leid erregen; barme, Barmherzig- 
keit; auch „keine Barme haben** 
st. Erbarmen; V.; davon bärmein, 
oft klagen, lamentiren. 

Bartel, schmutziger Mensch, eines der 
Lieblingswörter keifender Kinderwär- 
terinnen; 8. Gramm. § 166 b; in PP. 
ist B. ein beschränkter Mensch, in 
Ab. eine Mütze. 

Bärthelmee, Bartholomäus, s. Mat- 
thäus. 

Bartkratzer (bei Ohamisso), auch Bart- 
Schaber, wie Barbuz; sdt. Büssel- 
schaber. 

Bassekel, Possekel, der, grosser eiser- 
ner Hammer der Zimmerleute u. s. w.; 
Kaltschmidt , Gesammtwörterb. der 
dtschu. Spr., gibt: Possekel, schwerer 
Schmiedehammer; Sachs, franz. -dtsch. 
Wörterbuch, übersetzt marteau a de- 
vant: Posseckel, Vorschlaghammer; 
davon (?): 'nunterbossekeln «» 
purzeln, stürzen. — Possögel, Ei- 
genname. 

Bast, das, Oberhaut der Hände; sich 
das Bast von den Händen ringen, 
arbeiten, graben, waschen u. s. w.; 
s. Grimm, Bast, 2. 

Baste, die, der grüne Ober (Schafkopf- 
spiel); Hb. 

Basteln, allerlei kleine Handarbeiten 
vornehmen, namentlich aus Liebha- 
berei; G. Freytag in „Marcus König," 
S. 97: ich muss mir*s zurecht basteln; 



Bataille — Beffchen 



85 



Pf., Schw., Eg.; davon hemmbästeln, 
Bastelei; B.: postein, pästeln; Sbg.: 
passern. 

Bataille, die Battalcbe, steht schlecht- 
hin für die Völkerschlacht von 1813. 
„Er ist seit der B. hier; zur Zeit 
der B." 

Batalljen, auch bat tallern, ange- 
strengt, einem Widerstand entgegen 
arbeiten, sich mit Etwas heramschla- 

fen, es fortschaffen; „m'r missn de 
.erdebblsäcke in'n Keller b., er 
hat sich mit Kisten und Kasten 
herumgebaddalcht*'; von batailler; 
jrgl. trawalchen, balgen, 

Batsehen wie bapeln; Schw.; in Tb. 
auch pätschig, als Adj. 

Batten, flecken, vorwärts gehen, Gewinn 
abwerfen; bes. „es batt nicht", wie; 
es fluscht nicht; Pf., N., Ha., BsL; 
„te baten ende te fromen" = zu Nutz 
und Frommen (Flandrische Reimkr., 
1209), „alle Hölpe batt", es hilft Alles 
wirthschaften; am Niederrhein; s. 
Grimm batten. 

Batz, der, Verweis, wie Wischer. Da- 
her abbat zen, in spitzem, herbem 
Tone zurechtweisen. 

Bat zig, patzig, protzig, spitz, herb, kurz 
angebunden, schneidend in Worten 
und Wesen; J., Pf., Brl., Schw., Hb. ; 
— Rtr.: patzig = verwegen, stolz; s. 
Grimm. 

Bauchkneipen, das, beliebter als Leib- 
schmerzen, Leibschneiden u. s. w. 

Bauer, 1. allgemeine Bezeichnung^ für 
jeden Landbewohner; einer der Korn, 
Bolz, Sand, Torf, Kohlen zu Markte 
führt ist: Korn-, Holz-, Sand-, 
Torf-, Kohlenbauer; fährt er den 
Inhalt der Senkgruben ab: Mist- 
bauer; bringt er Butter: Butter- 
milch sbauer; fährt er mit Horn- 
vieh: Küh- oder Ochsenbauer; 2. 
„das kann mir der Bauer selber 
sagen, da braucht er seinen 
Ocnsen nicht zu schicken^S sagt 
man, um eiue unziemliche Antwort 
„abzutrumpfen**. 3. Aehnlich weist man 
zudringliche Frager ab: „So fragt 
man die Bauern aus!** 4. ,, das hat 
er beim B. im Fenster gefunden", 
angeblich gefunden, aber eigentlich — 
gestohlen. 

Bauerflinte, „er schiesst mit der Bauer- 
flinte**, er spricht sehr deutlich, fällt 
mit der Thür ins Haus. 

Bauerjungen, „ich gehe hin und 
wenn's B. regnet** (auch „Bettel- 
jungen*') für: sehr stark; Rtr.: Es 



regnet Bununskülen (Hinterbacken); 
Bö. „es regnet Schindelnägel;** and 
if it rain dogs and cats. 

Bauerluder, ein flegelhafter oder be- 
trügerischer Bauer. 

Bauermandel, die, 16 Stück statt 15 
auf die Mandel (Eier, Früchte u.s.w.). 

Bauerrettig für ungeschliffner Mensch, 
Tölpel; s. Rettig. 

Bauerwezel, der, Ziegenpeter, an- 
gin a parotidea; Krankheit. 

Baumeln, 1. wie bammeln; 2. hin- 

' und her gehen wie ein PendeL 

Baumwolle in den Ohren haben, 
schwer hören, Schw.; ebenso: Dreck 
in den Ohren haben, dicke 
Strümpfe anhaben. 

Bauz! 1. Ausruf, wenn Etwas fällt, ver- 
stärkt: blauz; plauz; bardauz; da- 
von: hinbauzen, derb fallen; ver- 
stärkt: plauzen; 2. bauz machen 
wie Buz machen. 

Bebbern, bewern, stark beben, bes. in 
der Verbindung zittern und be- 
wern; in ND., Eg., Sbg., Sz.; R.: 
bibbern == frieren. Brl.: vor Freude 
bibbern = zittern. Rw. bibbern = 
frieren. 

Bebohmölen, sich; (von Baumöl) vor 
allzugrosser Angst oder Freude , vor 
Lachen ausser sich sein, eigentlich: 
sich dabei bepissen (P.: sich beölen); 
„du kriegst Keile, dass de dich be- 
bohmelst;** „na, bebohmöle dich nur 
nicht gar!** = sei nicht ausgelassen 
lustig; Th.; ,,es ist zum Beb." zum 
Todtiachen, sich einen Buckel zu 
lachen; s. bekegeln. 

Bedeftenil, im Scherz f. bedeutend; 
D.: defti, derb, tüchtig. 

BedenfaLen, das, f. Nachsinnen, Simu- 
liren: — Sie stehen ja recht im B., 
in Gedanken versunken. 

Bedinnung f. Bedingung. 

Bedippeln, bedflppeln, 1. mit Dip- 
peln versehen; s. d.; 2. betrügen; in 
Schw. dippel = blöd, dumm ; 3. sich 
b., betrinken. 

Bedudeln, betrinken; Hb.; s. an du- 
deln. 

Beduseln, sich, ein weni^ betrinken, s. 
Dusel; davon bildete Ühland scherz- 
weise: bediaduselt; Schi.: bedüseln; &. 
Grimm: bedusseln. 

Beest, das, Bestie, seltner Biest; Di. 

Beffchen, Bäffchen, 1. weisser Hals- 
kragen, sogenannte Vatermörder (auch 
Kreditläppchen). 2. derselbe^ 
nebst daran hängenden Zipfeln, bei 
Geistlichen; S., Hl. — Rtr.: Böffken; 



86 



Befohl — Belfern 



Grimm I, 1250; Immermann; anch 
Butterb emmchen. 

Befohl, ich, f. befahl; s. Gramm. § 208. 

Begebenheit; „eine B. yon Etwas 
ma ebenes eine Sache aufbauschen, 
viel Aufhebens davon machen; Eg. 

Begehren f. auffahren; ,,er begehrt 
seiner wie nicht gescheit!** Auch: 
aufbegehren. Heilbronn. 

Begen f. beugen, biegen; s. Gramm. 
§ 206. 

Beginnen, 1. „es beginnt sich^S f. 
fän^t an; s. anfangen, 3; — 2. „er 
beginnt seiner**, er fängt ungebärdig 
an zu schreien, toben (nur in der 3. 
Person üblich); „er hat sich gefähr- 
lich, er thut Wunder wie; er 
begehrt schrecklich auf. 

Begonn f. begann, Gramm. § 208. 

Begriffsstutzig, schwer von Begriffen, 
schwer lernend. Brl. 

Begrobsen, grob behandeln, s. an- 
fauzen. 

Begann f. begann ; s. Gramm. § 208. 

Behämmeln, sieb, Schuhe, Stiefel, Bein- 
kleider, .Böcke unten schmutzig 
machen. Der dadurch entstehende 
Schmutzrand an Frauenkleidem heisst 
im Hz. und Mb. „Hammel," in Lpz. 
„Den gel". 

Behumsen, behumpsen, bevortheilen, 
betrügen; wie beschummeln; ND. 

Behuts'chen f.beiiutsam; Gramm. § 175. 

Bei mit Accusativ f. zuj s. Gramm. 
§ 214; — bei an s. beiher. 

Beibs, der, Beifuss, Bspr. ; in Th. Bie- 
wis, Biebs, Bäbs; mhd. biböz. 

Beide, die, s. Starbeide. 

Beiern, eine Eirchenglocke mit dem 
Klöppel anschlagen; Bspr., ND., PP. 

Beift*aa, Gehilfin der Hebamme; auch 
Wickel fr au (vom Wickel des 
Kindes). 

Beiher, auch b e i an, nebenbei, nebenher, 
als Nebensache ; „d a s Geschäft kann er 
beiher mit versehen;** Jägeransdruck: 
beiherziehen= einen jtingerenLeithun d 
neben einem älteren nebenher mit ab- 
richten; s. anbei. Etr.: bian, biher. 

Bein, 1. f. Fuss, z. B. „er hat mich uff's 
Been getreten", was bildlich be- 
deutet: ist mir zu nah getreten; in 
andern bildlichen Ausdrücken bleibt 
man aber bei Fuss: auf gespanntem 
Fusse, auf grossem Fusse, unter den 
Fuss geben u. s. w. ; Zimperliche ver- 
meiden Bein (wie Engländerinnen leg) 
und nennen es Fuss! 2. das eigent- 
liche Bein, vom Fusse bis zum Knie; 
3. f. Schenkel, welcher auch das dicke 



B. (Dickbein) heisst; mhd. diech, 
diech-schänkel; Sz. die Dicke f. Lende 
(auch in den Nibelungen) ; Redensart: 
„ne, was das Kind für dicke 
Beene hat", f.: wie überklug, nase- 
weis du bist u. s. w. 4. Bein ist auch 
Schenkel, Bein und Fuss zusammen. 
5. „Er ist heute mit dem linken 
Beine zuerst aufgestanden*', stellt 
sich verkehrt, täppisch an. 6. „Uff 
eenen Beene gamm'r (kann man) 
nich lofen", scherzhafte Nöthigung 
zum Trinken eines zweiten Glases. 
7. Etwas ans Bein binden, einbüs- 
sen, verloren geben; PP.; 8. „ich habe 
mit keinemBeine drangedacht," 
es durchaus vergessen. 

Beisskorb, mit dem B. herum- 
laufen, mit einem Tuch ums Gesicht, 
wegen Zahnschmerz u. s. w. 

Bekannt^ ]. verkehrt verbunden: „ich 
war bei einem bekannten Bauer" d. h. 
einer, mit dem ich bekannt bin, nicht 
etwa ein allgemein bekannter; „ich 
habe einen bekannten Uhrmacher", 
für: ich bin mit einem Uhrmacher be- 
kannt, oder: mein Uhrmacher ist 
ein näherer Bekannter, nicht blosser 
Geschäftsfreund von mir; s. bekennt; 
2. f. pikant; „der Wein hat so ä be- 
gannten Geschmack". 

Bekegeln, sich, auch bekekeln, vor 
Freude ausser sich sein; „es is reene 
zum B.", zum Todtlachen, Schwarz- 
werden vor Aerger u. s. w.; s. kekeln. 

Bekennt f. bekannt; Wn.; ich bin hier 
nicht bekennt; ich habe kene Bekennte 
(Bekannten) hier; Gramm. § 205. 

Bekleeken, bekleekern, (verwandt mit 
Klecks) mit einigen Tropfen (Wein, 
Suppe u. s. w.) begiessen: s. kl ecken. 

Bekneipen, sich, 1. betrinken. 2. Einen 
b., ihn besuchen; s. Kneipe. 

Bekflmmeln, sich, betrinken. 

Belämmern, 1. anführen, betrügen; 
Brl., PP.; — holL: belemmeren, be- 
schweren, hindern, hemmen; 2. „die 
Sache ist belämmert," verfehlt, 
falsch, schlecht, unbrauchbar; 3. „ein 
belämmerter Kerl", ein unprak- 
tischer Mensch, dem Nichts gelingt. 

Belaufen = beloofen; „ich muss Alles 
alleene b.", alle Wege, Einkäufe, Be- 
stellungen besorgen. 

Belfern, zanken, polternd keifen; da- 
von: das Gebelfer; wiederbelfern 
= sich vermauliren; Th.; B.: pel- 
fern; Hb. gelfer; — von bellen? von 
balafrer?? oder von a palaver, Ge- 
schwätz? s. Titus 2, 9: widerbellen. 



Beluchsen — Besen 



87 



Beluehsen, belngsen, beluxen, betrügen. 
Scb., H., Wn.; 9. abluxen. 

Bemachen, sich verunreinigen, be- 
kacken; ebenso: ,,8icb (ganz) voll- 
machen**. 

Bemme, Bämme, die/ ein Schnitt Brot: 
eine trockne Bemme, eine Salzbemme 
^ur mit Salz bestreut), Pettbemme, 
Butterbemme, Käsebemme, Honig- 
Sirupsbemme, Pflaumenmus-, Quark-, 
Wurstbemme, ja sogar eine Ferns- 
bemme (mit heissem Firnissh also 
weiter als Grimm angibt; Hl., ND.: 
Bamme, Pumme; Köln: Butteräram- 
chen; Rtr. Botting; Meining.: Wache; 
Sz.Bräutli. 

Bemogeln, bemokeln, betrügen ; Sbg. ; 
8. mogeln. 

Bemuttern, mütterlich pflegen, Jeman- 
des Mutter spielen. 

Benehmige, die, Pensionat f. Kinder. 
Br.: im Scherze f. das Benehmen, so 
aucn „die Benehmigung;" Gramm. 
§ 161. 

Beniemen, beniemsen f. benennen ;Eg. 

Benne, die, Bordell; a pen = Pferch; 
Ew. Gasthof; s. Grimm. 

Benuffelt, wie belemmert. 

Beoh f. Dummhut; „ä richtiges Beoh*'. 

Beramseln, bezahlen, wohl von berap- 
pen; s. d. 

Berappen, 1. einer Mauer den Bewurf, 
Putz geben; 2. bezahlen, von der 
Schweizermünze: Happen, zuerst in 
Freiburg i. B. geprägt, mit einem 
Vogelkopfe (Raben) versehen; Bsl.; — 
scherzweise: sofortio Berappio; 
berappen ist bei uns jünger, als 
blechen; s.beramseln, berohren. 

Berblie, Berbelie, Berreblie, das, 
Regenschirm, parapluie. 

Beresseniren» Jemanden oder Etwas, 
tadeln, . bereden, heruntersetzen, 
„schlecht machen**; s. resseniren. 

Berg heisst in unserer Ebene schon 
jede Erhöhung von einigen Fuss; so 
der Kickerlingsberg an der 
Pleisse, der Thonberg im Osten; 
Sperlinffsber^ hiess das sonst um 
einige ZoS ansteigende Ende der Uni- 
versitätsstrasse nach der Promenade 
zu; das neue Theater steht auf dem 
ehemaligen Schneckenberg; ein im 
Park am Museum aufgefahrenes Hügel- 
chen nannte man sofort Musenberg, 
der Volkswitz aber Promenade n- 
warzel — »,Berg is meine, Dreck 
is deine!" rufen Kinder bei einem 
Spiele, wo die eine Hälfte einen um 
einige Spannen höhern Standpunkt 



eingenommen hat, von welchem die 
andere Hälfte sie herabzuziehen sucht. 

Bergleute s. Messmusik. 

Bergmännehen, „daliegt ein Berg- 
männchen (auch: ein Musik ante) 
begraben, will ein Semmelchen 
haben,'* sa^ man, wenn Jemand 
über einen Stein u. s. w. stolpert; PP. 

Berichten, einen . Kranken , ihm das 
Abendmahl reichen; Bspr., wie ab- 
speisen. P., Sbg.; Luther. 

Berlieke, Berlocke! die Zauberworte, 
durch welche der Teufel im Kasper- 
theater zum Erscheinen und Ver- 
schwinden gezwungen wird; so im 
„Puppenspiel vom Dr. Faust;" Kladde- 
radatsch schreibt: Berlicko, Berlocko! 

Berliner, 1. Ein richtiger Berliner, 
ein echtes berliner Kind, für einen 
Geschäftsmann, welcher übertriebene 
Anpreisungen (Reklame) liebt u. s. w. 2. 
Berliner Scnwindel für Schwin- 
del im Handel überhaupt, besonders 
bei übertriebenen Versprechungen, 3. 
Berliner Wind für Windbeutelei 
(Deutsche AUg. Zeitung); s. Preussen. 

Berlock, das, für breloque, allerlei An- 
hängsel an der Uhrkette; ist Schrift- 
deutsch geworden; auch schwedisch. 

Berohren, bezahlen; s. beramseln, 
berappen; berohren und berap- 

Een sind beide vom Maurerhandwerk 
ergenommen. 

Bescheissen, betrügen; Pf, E., Wb., 
B., mhd. beschi^en; holL: be- 
schieten; im Harze sagt man dafür 
zarter „Jemanden bestuhlgän^elnl'' 
„ein beschissener Kerl" ist ein be- 
trügerischerMensch, also passive Form 
in aktivem Sinne, wie hochdtsch: ver- 
logen, verschwiegen, lat. tacitus u. s. w. 
Dagegen würde man z. B. von be- 
humsen, beschummeln, beluxen, 
das pass. Partizip nicht im aktiven 
Sinne brauchen, sondern dafür eher 
ein Eigenschaftswort bilden, wie „be- 
schummlich, behuraserig". 

Beschicken, das Vieh, ihm Futter und 
Streu geben; V. 

Beschiss, der, Betrug; mhd. beschi^. 

Beschummeln, betrügen. K., Pf., B., 
Brl., Hb. 

Beschuppen, betrügen. R. (Wortspiel: 
Die Fische sind bei der Schöpfung 
bevortheilt worden, denn sie sind b e- 
schuppt.) Rw. schuppen f. stehlen. 

Besehen, bekommen; „Du kannst Nichts 
besehen; einen Verweis besehen". 

Besen, 1. Magd, 2. Schimpfwort für 
Frauenzimmer überhaupt ; Damen 



88 



Besessen — Biermährde 



nannten wir als Studenten ganz wohl- 
meinend: Florbesen; 3. eine zn 
grosse Flamme des Lichtes. 

Besessen, ,,lesen, schreiben, rennen wie 
besessen," sehr eifrig u. s. w.; s. al- 
bern, böse. 

Besonn, ich, ichbesnnn (mich), f. be- 
sann; s. Gramm. § 208. 

Besteck, mildes Schimpfwort, z. B. ein 
schönes Besteck von einem Kerle! 
Könnte wohl vom hess. Gesticke her- 
kommen (schmähende Bezeichnung 
einer Frauensperson), s. Vilmar 125. 

Bei, das, der Betrag, welchen man für 
ein verlorenes Spiel als Einsatz zum 
neuen zahlen muss; dann als Adjek- 
tiv „er ist bet*S hat keinen Stich er- 
halten; dafür auch „Labet", s. dies. 
Vielleicht hat sich hier das alte „Bete, 
Bethe" = Steuer mit dem französi- 
schen la bete verschmolzen. 

Beten, 1. „du hast beide frih 'sBetn 
vergessen," wenn Jemand eineThür 
nicht recht zumachen kann; 2. beten 
gehen, auf dem Lande : in den Kon- 
tirmandenunterricht gehen ; Btr. : taum 
Beden gähn. 

Bethlehem, nach Bethlehem gehen, 
scherzweise: zu Bett gehen; in Seh w. 
ge Bettlezhause gau; vgl. Feder- 
hausen. 

Bethaiich, 1. geschickt in einer Arbeit; 
2. dienstfertig, willig. Jemand zur 
Hand zu gehen; Eg. 

Bethun, „sich gar nicht b. können**, 
z. B. in einem neuen, engen Bocke, in 
einem überfüllten Wagen an der freien 
Bewegung gehindert sein; Eg. 

Betöbiesen (von Tobias), betrügen, in 
ND. f. belehren, zureden; § 166 b, E. 

Betöppert, verblüfft, bestürzt, V.; be- 
tippert; Th. gedöffelt = gerührt, er- 
freut. 

Betteljunffe s. Bauerjange. 

Bettelmadame ist keine Bettelfrau 
(Bettlerin), sondern eine Frau, die sich 
über ihren Stand und ihre Mittel her- 
ausputzt („aufdonnert'*); ähnlich: 
Bettelstaat f. unechter Schmuck 
u. s. w. 

Bettelmannssappe, eine Suppe von 
Bier (mit Eiern), in welchem man die 
im Haushalt aufgesammelten harten 
Brodrindeu gekocht hat. 

Bettelmanns Umkehr, das Ende der 
Stadt; s. Gigak. 

Bettelmasik s. Messmusik. 

Betteln, Kinderwort, anhaltend, immer 

wieder bitten ; „wenn ich meine Mut- 

ter recht bettele, lässt sie mich schon 



nunter (d. h. auf die Strasse)*^ Bibftfh 
so drangsalen, brankeln. 

Bettelsack, „nu wird Leben im B«^S 
pöbelhaft für: jetzt wird's lebhaft. 

Bettenseecher , ]. Hirtentäschchen 
(bursa pastoris). Kindermädchen 
sagen zu den Kleinen, welche diese 
Pflanze pflücken wollen: „greif das 
nicht an, sonst bullst Du ins Bett!'* 
2. dastehen wie ein B. = wie ein be- 
gossener Pudel. 

Bettstelle, in der Bettstelle liegen, 
für: seine Schlafstelle bei Jemand 
haben. 

Bettzieche s. Zieche. 

Bettzipfel, ,,er schnappt nach dem B.**, 
ist schläfrig. 

Betze, die, (eigtl. Hündin, im Gegensatz 
zuEette) 1. Klätscher, Klätscherin; 
Ab.; in NS. Tiffe, Täwe; 2. auch f. 
Dirne; Th.; davon hetzen für klat- 
schen, angeben, verrathen; Brl. 

Beatel , — wer Etwas darin sucht, an- 

feblich immer recht billig gekauft zu 
aben, schliesslich wohl selbst daran 
glaubt, der „lügt sich in den B.** 

Bewerbchen, sich ein B. machen, einen 
Vorwand suchen, um in Jemandes 
Nähe zu gelangen. 

Bewern s. bebbern. 

Bibelhasar, Geistlicher, der mit gar 
zu viel biblischen Sprüchen um sich 
wirft. 

Bibi, der, hoher Herrenhut; in Brl. häss- 
licher Frauenhut; s. Angstrohr. 

Bickling s. Bittling. 

Biegelampe, die, schwankender (beras- 
ter) Moorboden, dann auch die Eis- 
decke einer Lache, eines Baches, wenn 
sie anfängt, sich zu erweichen und 
unter dem Gewicht der Daraufstehen- 
den sich elastisch zu bewegen. 

Bienenstock, den Bienenstock 
schneiden, die Abtrittgrube räu- 
men; ebenso: Honig schneiden. 

Bier, — Das gute Bier ist alle, 
sagt man von Kindern, die eben noch 
ganz artig waren, nun aber plötzlich 
unleidlich werden, nicht mehr gut 
thun wollen. 

Bierfisch, das mit eingeschenkte Pech 
im Bier. 

Bierhobel, der, Wischlappen in einer 
Bierstube; Schw. 

Biermährde, die, I.Bier mit geriebenem 
und klein geschnittenem Brode u.s.w. ; 
s. Mährde; 2. „er steht (sitzt) da, 
(so steif) wie eneB.", recht pathe- 
tisch, mit lächerlich würdigem An- 
stände. Hl. 



Bierreise — Bittling 



89 



ßiorreise maehen, yod einer Schenk- 

. statte zur andern ziehen, um die ver- 
schiedenen Biere zu probiren. 

Bierspiitze, Ausflug aufs Land zu ge- 
selligem Zwecke, besonders zur ,,Bier- 
vertflgung**. 

Bierzeichen, Orden; s. Hundezei- 
chen, Knopfloch, Piepvogel, 
Spuckfleck, Schmetterling. 

Biesaeken, piesaekeD, peinigen, belä- 
stigen, langweilen; Brl., Ktr.; ND. 
auch f. kneipen; Rw. knebeln. 

Biese, die, Bspr. f. Binse, juncus; ND.; 
auch Bimsen (Baumgarten, Flora 
Lips.); Gramm. § 121. 

Biest wie Beest. 

Biez, der, die dem Säugling zum Trin- 
ken rbiezen) gereichte Brust; Eg. 

Bigottiseh, bigott*sch, bigott, fröm- 
melnd; s. Gramm. § 148, 3. 

Bild, verächtlich für Mädchen, Frau; 
bes. „das grosse Bild; das dumme 
Bild!'' Komisch wirkt daher auf uns 
„das theure B." im Ritter Toggen- 
burg: — mhd. bilde, Gestalt: mannes 
bilde, wibes bilde, Mannsbild, Weibs- 
büd. 

Bimmel, die, Schelle, Klingel, kleine 
Glocke; Hl. ; bimmeln, läuten, bes. 
mit der kleineren Glocke, während die 
grössere „bummelt" (Bsj)r.) ; das mehr- 
stimmige Geläut sagt : bimbambum; 
die grosse Glocke: b um bäum; Rtr.; 
Bimmelei, Gebimmel, Geläut. 

Bimpeln, pimpeln, immer kränkeln 
oder krank thun; davon bimplig, 
Bimpelfritze u. s. w. 

Bims, das, Geld; s. Kies, Moos, Rad, 
Rothbuchnes, Silbermorgen, 
Neukrüpel, Spiesse, Nieten, 
Boscher. 

Binde, — Einen hinter die Binde 
giessen für trinken, sich betrinken. 

Binderieli, der, Kinderwort für Bind- 
faden. 

Bindfaden, ineenenB. fort (schwat- 
zen, regnen u. s. w.), ununterbrochen, 
fortwährend; = in eene weg, egal 
fort. 

Binne, die, das hintere, scharfe, der zum 
Klopfen dienenden Platte entgegenge- 
setzte Ende des Schuhmacherhammers; 
in Hss. ist Pinne ein eiserner Schuh- 
nagel, mit kurzer Spitze und rundem 
Kopf, den unsere Schuhmacher Pari- 
ser nennen. 

Birkenliänselien, Ruthe aus Birkenreis 
zur Züchtigung der Kinder. 

Birne, „Nimm deine sieben gebacknen 
(oder auch nur: deine backen) 



Bern'n und geh" =» nimm deine 
armselige Habe; Schi.; E.: hak und 
beer. Ktr.: Packeneelken ; ND. de 
ganze sähen Backbeeren. Ebenso: 
„sein Habchen und Babchen, das 
Hoppheh, seine sieben Sachen**. 

Birne blank, verdorben aus beurre blanc, 
Butterbirne , so dass die Aussprache 
„Berne blank'* eigentlich dem ur- 
sprünglichen noch näher steht; eben- 
so: Berne Gries f. beurr^ gris. 

Bis f. sei; s. Gramm. § 198. 

Bisehen, 1. wenig; HL, M.; Zeh.: ä Bit- 
zeli; dgg. in Schi. u. L.: Brünkel, 
Brinkel, z. B. Brodbrünkel, Brosamen 
u. s. w. ; „warf e bischen, hier ist e bis- 
chen Dinte**. „Das schmeckt nicht e 
bischen gut** heisst: ^ar nicht gut; 
dagegen: „das schmeckt nicht wenig 
gut** «« sehr gut. 2. „Ihr enziges 
Bischen**, ihr einziges Kind, auch: 
ihr ganzer kleiner Besitz. 

Biselien (bi-schen), das Kind bischen 
oder einbischen, es durch Wiegen 
auf den Armen und leises Singen ein 
schläfern. Das Kind selbst heisst 
„Bischekind", SD.: Fatschenkind. 

Biselipern, flüstern; Ab., E^., Hb., £., 
auch fischpern, wispern; Di.: pisseln; 
engl, tu whisper. 

Bissein, wissein, erpicht sein, vor Un- 
geduld zappeln ; hastig, ängstlich her- 
umhantiren; Schw. bisern, rennen; 
Eg.: bisen, von Rindern, wild umher- 
laufen (mhd. bisen); s. Grimm: biesen; 
davon bisselig, wisselig. 

Bissen, „mir schmeckt ke kleener B.*' 
(also nur ein grosser), ich habe sehr 
guten Appetit. 

Bisslieli, „er ist ein alter Bisslich**, 
ein Pedant, Kleinigkeitskrämer; s. 
wisslich und bissein. 

Bitseliel, der, Bitscheichen, das, für 
Büschel; „er hat m'r ä ganzes Bit- 
schel Haare ausgeruppt**. 

Bitte, „Einer aus der siebenten 
Bitte'S schlimmer Mensch, von dem 
man erlöst zu werden wünscht, wie 
von dem Uebel in der 7. Bitte des 
Vaterunsers; PP. 

Bittere, die, f. Bitterkeit; s. Granmi. 
§ 155. 

Bittere der, „er hat den Bittern**, ist 
aufgebracht, erbittert; „wenn ich den 
Ken sehe, habe ich gleich den Bit- 
tern**, es vergeht mir Se gute Laune ; 
verstärkt „einen Gallebittern 
kriegen**. 

Bittling, seltener BlctVvo.^, ^*^3«&s.%n 



90 



Bitzeln — Blinzentiegel 



engl, pickle; so: Pickelhäring = 
Hanswurst. Neuerdings bieten die 
Herumträger allerdings Beeklinge 
aus, weil sie gar zu oft verhöhnt wor- 
den sind, bes. von Messfremden; die 
Strassenausrufer aber beharren bei der 
durchdringenderen Form Bittlinge; 
vgl. wichsen und Wachs; s. noch 
Bückling. 

Bitzeln, unnütz zerschneiden, schnip- 
peln, besonders: zerbitzeln, ver- 
bitzeln, an Etwas herumbitzeln, 
z. B, an einem Bleistift. Oe., Pf., E., 
Eg.; Sohl, verpützeln; vgl. das eng- 
lische bit, Stückchen, Bissen; Zürich: 
ä Bitzeli = ein bischen. 

Bläff! Ausruf, wenn Etwas geräuschvoll 
fällt und dergl. „Bleff, ging's ent- 
zwei;" s. bläffen alle neune. 

Blaffen, beim Taoakrauchen stark 
dampfen (eigentlich bellen), vergl. 
paffen, platzen, bläffen. 

Blaffen, bläffe rn, schiessen, werfen; 
auch bäffern, Ab.; pifeffern, 
blätzen; s. bläff. 

Blälisehaf, Kinderwort für Schaf; auch 
Schimpfwort; zärtlicher: Bählämm- 
chen; s. Vilmar unter bläen, was in 
Hss. vom Blöken der Schafe gebraucht 
wird. 

Blamoren f. blamirt, im Schefze; s. 
Gramm. § 205. 

Blank, 1. bloss; „im blanken Hemde, 
mit blankem Hintern herumlaufen;" 
auch „blank und bloss", alliterirend; 
2. überschwemmt; „die Wiesen stehen 
blank«. Hl. 

Blase für Familie, Gesellschaft, EHike; 
„Müller war mit seiner ganzen Blase 
da; ene ganze Blase von jungen Bur- 
schen;" auch eine loser zusammen- 
haltende Studentenverbindung heisst 
Blase. 

Blasen, 1. Ich will dir was blasen 
= was Du willst, thue ich nicht; 
vergl. malen; 2. höflich für: Blähun- 
gen gehen lassen; 3. den Marsch bl., 
auszanken. 4. „Blas* mir den Stoob 
(Staub) weg, den Dreck lass mir lie- 
gen**, sagt man, wenn Jemand über 
seine Mittel hinaus will, zu grosse 
Ansprüche macht u. s. w. 

Blatt, 1. „das Blatt (Blättchen) 
schoss mir**, ich merkte plötzlich 
Lunte; s. Grimm U, 75; 2. „em Blatt 
oder ein Scheit Holz!*' ruft man 
dem Spieler zu, wenn er mit Ausspie- 
len zögert. 
. Blätzen für weifen, wie bläffen. 
Blau, albern, leichtgläubig, ungefähr 



wie: grün; „so blau sind wir nicht;" 
„na, so blau!'* Brl.; s. Pomeranze. 

Blaustrumpf, Klätscher, Angeber, 
Leuteverhetzer; s. Betze. 

Blecli, 1. Musik von Blechinstrumenten; 

2. Blech schwatzen für schlecht, 
dumm reden; Bsl.; vgl. Messing; 

3. ein altes Blech, altes Weib; vgl. 
Spannblech. 

Bleehdeekel, Bleehmfltze, eine Mütze 
von blankem Wachstuch. 

Bleelien, bezahlen; Brl., Wn., Köln, 
Schw. ; s. berappen. 

Blechschädel, „ich habe einen gehöri- 
gen Blechschädel" für „der Kopf ist 
mir eingenommen, er brummt mir'*, 
besonders bei Katzenjammer; vergl. 
Brummkäfer; Di.: Blihot (= Blei- 
hut). 

Blechschere, Spitzname des Fracks; 
Dresden; auch in Griechenland heisst 
er die Schere; s. Klinke. 

Blei, der, Abkürzung für Bleistift; Brl. 

Bleiben, elliptisch: in einem Dienste 
verbleiben, der bereits gekündigt war; 
„unsre Bieke bleibt wieder;" Hb. 

Bleisack, 1. eine Bleikugel zum „Ein- 
hullern** (Kinder wort) ; 2. schwerer 
Mensch, bes. von Tragkindern; ähn- 
lich Plumpsack. 

Blemme, die. Klinge eines Messers, 
Säbels; s. Blempe, 1; hoU. lemmer. 

Blempe, Blembe, die, 1. Degenklinge; 
s. blemme; Brl.; 2. dünner Kaf^e, 
blaue Milch; — schlechtes Bier. — 
Ew. Plempe f. Bier. N.: Plempelbier, 
schlechtes Bier; PP. plumpem, plöm- 
pern, Bier mischen. 

Blick, einen falschen Blick haben, 
höflich f. schielen; Wn. 

Blimmerant, eine Schattirung von blau; 
auch blimmerantblau; von bleu-mou- 
rant, s. Grimm. „Es wird mir ganz 
blimmerant (vor den Augen)** «ängst- 
lich, unheimlich, es schwindelt mir. 
Hb., Brl.: blümerant. 

Blind, einem Blinden ein Auge 
austreten: unversehens in ein Häuf- 
lein Koth treten, das im We^e liegt. 

Blinzen, 1. bei Spielen, z. B. beim Ver- 
stecken, die Augen schliessen; 2. 
bei B 1 in dekuh, Hahnschlagen u. s.w.: 
verstohlen neben der Binde wegsehen, 
blinzeln. 

Blinzentiegel, Schimpfwort, ein Schie- 
lender oder Einer, der mit den Augen 
blinzelt. Wahrscheinlich Verwechse- 
lung von blinzeln und den Plin- 
sen, welche im Tiegel gebacken 
weideu. 



Blitzblau — Bom'sches 



91 



BUtzblau, blau vor Kälte (Hände, Nase 
IL B. w.); 8* kitzeblaa. 

Blicken, brüllen, von Kindern, Betrun- 
kenen n. 8. w.; „er ist so dumm, 
das 8 er blökt^S ^^^o wie ein Schaf. 

Blflhen, „die Lampe (das Licht) blüh t^S 
wenn sich eine glühende Schnupne 
bildet; sie bedeutet, dass man Geld 
bekommt; s. Böwer, Bäspel. 

Biflmehenkaffee, Kaifee, der so dünn 
iflt (von 7 Bohnen 14 Tassen, wie 
man anch in PP. sagt), dass man die 
auf dem Grunde der Tasse gemalten 
Blumen erkennen kann ; solcher gilt als 
Wahrzeichen der „Kaffeesachsen ;** Brl. 

Blus, ich, f. ich blies ; Br., Hl. ; s. Gramm. 
§ 210. 

Bluten, ]. bezahlen; 2. beim Trinken 
blutet Einer, wenn ihm das Getränk 
am Kinn herunterläuft. 

Bluth, die, kollektiv f. sämmtliche 
Blüthen, auch: die Blüthezeit; „die 
Gerschböme (^Kirschbäume) stchn in 
voller Bluth; in die Bombluth machen 
(gehen); Drsd.; — Fr.: in die Blüh 
gehen. 

Bluthe, Jemandem eine Blüthe 
stechen, eine Zurechtweisung geben, 
eine Blosse an ihm aufdecken. 

Boeky 1. Der Bock stösst mich «== 
ich bekomme den Schlucken; so: er 
lachte, heulte, dass ihn der Bock 
stiess; 2. „Kind, wenn Du zum But- 
terbrod auch noch Käse essen willst, 
so stösst Dich der Bock", es be- 
kommt dir nicht; El. 3. Bock, Spitz- 
name des Schneiders, auch Schnei- 
derbock; 4. hoTs der Bock f. der 
Teufel; 5. Einem einen Bock stel- 
len, sich ihn auf den Bücken treten 
lassen, während man auf Händen und 
Füssen steht. 

Boekfell, B o c k s f e 11 , als Schimpfwort, 
bes. für widrige Frauenzimmer; in 
PP. f. Dummkopf; mhd. hüt. Haut, 
als Schimpfwort, bes. gegen Frauen. 

Boekleiter, die, eine Doppelleiter, zum 
Aufstellen, wo sie nicnt angelehnt 
werden kann. 

Boheie, die, Kinderwort für Bett; s. 
Boie. 

Bohmbluty die, Baumblüthe und deren 
Zeit; s. Bluth, gehen l. 

Bohne, 1. nicht die Bohne (von Et- 
was verstehen, glauben u. s. w.), nicht 
das Geringste; so mhd. hone f. etwas 
Werthloses; s. Grimm II, 225; wie: 
nicht die blasse Idee» Laus, Spur. 
2. Einem eine Bohne stecken: 
a) wie Blüthe stechen, b) ihm 



einen schmerzenden Drack ins Genick 
versetzen. 

Bohnen, die Dielen mit Wachs, Fimiss 
u. s. w. tränken. 

Bohnenlied» Das geht übers Boh- 
nenlied, das ist doch zu toll, zu 
bunt, übertrieben ; Seh w. ; s. Grimm II, 
226. Alte Redensart: Einem das Boh- 
nenlied singen^', ihm sagen, dass er 
sich entfernen soll, weil man seiner 
nicht mehr bedarf; solche Lieder 
schlössen ihre Strophen mit: „Nu gang 
mir aus den Bohnen;** Wackemagel, 
II, 25 — 28; s. noch Puppen. 

Bohnenstange, langer, dünner Mensch; 
Brl.; gewöhnlicher: Hopfenstange, 
Latte. 

Bohnenstroh, „Grob wie Bohnenstroh'^ 
auch: „saubohnenstrohgrob oder 
saugrob,** Th., Pf., Schw., Sz.;in 
Sudt.: lasterbändig grob. Saubohne 
ist die Lupine. 

Bohr, der, f. Bohrer; so auch Nagel- 
bohr. 

Boie, die, Wiege. Davon: boien, wie- 
gen. Englisch tobuoy, flott erhalten 
TAnkerboje); s. Boheie. 

Boiken, in Etwas (mit dem Finger) 
bohren, stochern; „bolke nicht in der 
Nase, im Ohre!*' dgg. ist bölken 
schreien, brüllen; ND. 

Bolkrig s. holkrig; von poltern? 

Bell, pelzig, holzig, schwammig, saftlos, 
von Retti^en, Kadieschen u. s. w. In 
Hb.: pelzig, pilzig; P., L.: foos; holl. 
voos = schwammig; in Wn.: pamstig. 
In Di. „holl und boU** von etwas 
Lockerem, Hohlem, was dicht, fest sein 
sollte; „de holl un boU Kirchenstol", 
der morsche Kirchenstuhl; davon er- 
böllen: „ich habe mir die Hände er- 
bellt", sie sind vom Froste, von der- 
bem Zuschlagen angetreten, sind wie 
bolle. 

Bolleis, das, dünne Eisrinde über einer 
Luftblase; s. holl. 

B$m&hle s. bumähle, Pomade. 

Bombe, „da muss doch gleich die 
Bombe platz en^S da muss der Teu- 
fel hineinschlagen! 

Bombenrest, sehr fest; Ob,-Oe.: bum- 
fest (baumfest), boanfest(boan==Bein, 
Knochen), bimfest. 

Boppen wie paffen. 

Borgen sagt man stets auch für leihen, 
welches nur in den Zusammensetzgn : 
Leihhaus, Leihbibliothek und dgl. ge- 
braucht wird. 

Born*sehes (nämlicla. 1»\5«., <^^\x»sifc^^ 



92 



Borster — Bratsch 



spiel mit dem Namen der Stadt Borna 
unweit' Lpz.; „ich trinke ein Glas 
Bomsches;'' ancb Born allein f. 
Trinkwasser; Ab.; Born, Mehrheit: 
die Borne, ist viel gebräuchlicher 
als Brannen; indess sagt man: 
Springsbrunn. 

Börster, ausgesprochen Börschter, für 
Borsdorfer (nämlich Aepfel); ebenso 
in Bl. ; Borsteräpfel bei Musäus. 

Borstif^y barsch, gereizt, ärgerlich; PP.: 
barstig wie einEaulbarsch, wiebatzig; 
wer stets borstig ist, heisst ene 
Kratzbürste. 

B((s, 1. ziemlich allgemein f. krank, ver- 
letzt : — ein böser Finger, Fuss, Kopf, 
böse Augen (entzündete); 2. f. sehr, 
stark, angestrengt : — böse arbeiten, 
laufen, brennen, sich placken; es is 
beide bese galt (in Bsl. sogar: mein- 
eidig kalt!); B., Eg.; vgl.: albern, 
anständig, besessen, ehrlich, 
furchtbar, grausam, närrisch, 
rasend, toll. schmählich, 
schrecklich. Am Hohenstaufen 
sagte man mir: „da hoben können Sie 
arg weit seben". Auch sehr, mhd. 
sdr, bedeutet ursprünglich „verletzt, 
verwundet*^ wie versehren noch zeigt. 
Schott, ist ill = schwierig. 

Boseher, der, Groschen; „keinen 
Boscher haben;" Ew. ist Bauschet, 
Boschet, Bohisch = Pfennig. 

Bosel, Kugel, bes. Kegelkugel; wie mhd. 
bo^-kugel, a bowl; selten davon auf 
dem Lande: boseln, kegeln; V., Di.; 
bei Musäus; mhd. bö^en. 

Bossekel s. Bas s ekel. 

BÖst, die, ]. Bosheit; „er war eene 
Best = wüthend; s. Gramm. § 126 b; 
Eg., El.; 2. Aerger, Wuth; ein Kind 
nimmt z. B. einige Schläge ruhig hin, 
fängt aber hinterher plötzlich an zu 
schreien; das „hat sich erst uff de 
Bost besunn»n!" Etr. ; daher: e rech- 
ter Bosthämmel, boshafter Mensch; 
Eg.: Busthamml. 

Bötisch, „bot 'seh laufen^^, so schnell, 
wie ein Eilbote; Hl. um Botenlohn 
laufen; vgl. Bürstenbinder, Chai- 
senträger, Perrückenmacher. 

Böttclierwoelie s. Messe, 3. 

Brägen, Bregen, der, Gehirn; hier 
wenig gebräuchlich; davon Brägen- 
wurst; j,Einem Eins auf den B. 
geben", eme Kopfnuss geben. ND.; 
Engl, brain. 

Bräkeln, p räkeln, etwas schon Ge- 

Jkoehte8 oder Gebratenes in Butter 

oder Fett aufbraten, schmoren, Üe., 



Schw. ; L. : prägein ; Wn. bräkeln, ge- 
lind kochen ; Bsl. der Brägel, Gemisch 
von verschiedenem Fleisch, das mit 
einander gebraten wird. 

Brämasseln für prahlen; wieb rasseln 
und flunkern; von Bramarbas? dän. 
bramme, prahlen. 

Brämen, 1. er darf nicht brämen: nicht 
aufmucksen. Pf. : verbräme Dich nicht, 
für: rühre dich nicht. 2. „der Schuh 
u. s. w. brämt noch nicht,*' macht 
noch keine Miene, entzwei zu gehen ; 
„die Schraube brämt gar nicht", rührt 
sich nicht, trotz aller Mühe. 

Brand, „auf den Brand betteln 
gehen", Unterstützung heischen un- 
ter Berufung auf erlittenen Feuer- 
schaden, wozu früher die Stadtbehör- 
den besondere Bescheinigungen aus- 
stellten. Durch Verwechslung mit 
einem ehemaligen Leipz. Vorwerke 
„das Brand" sagt man auch: „aufs 
Brand betteln gehen ;'^ den Brand in 
der Sächsischen Schweiz nennen wir 
auch: das Brand. 

Brandlader, Schimpfwort. 

Brane, die, eine Baumreihe als Begren- 
zung einer Wiese u. s. w., dann auch 
der Waldessaum. 

Brankeln, prankeln, durch unabläs- 
siges Bitten bestürmen, bes. Kinder- 
wort; Eg.; s. drangsalen, betteln; 
Etr.: gungeln. 

Brasch, der, Lärm, hastiges, polterndes 
Wesen; ND.; Hb.: Präsch; br aa- 
schen, vielBraasch machen, wie 
brassein; s. Drasch. 

Brassein, aufschneiden, grossthun, 
prunken ; vergl. brämasseln. Davon: 
brasselig, auch grossbrasselig. (Schi, 
heisst Breslau „Grussbrassel*'.) Hl.: 
brasch en f. prahlen; Hb. bräsch; 
NS. : prampiren; Brl. bratschig f. 
prahlerisch. 

Braten, 1. „ich will dir was braten", 
wie: blasen, husten u. s. w. PP., Brl.; 
2. „du kannst mir e Storch braten", 
du kannst mir den Buckel hinauflau- 
fen; 3. „da brate mirEener e Storch*V 
da hört Alles auf; s. B ebnen lied. 

Bratenrock, — weste, feine Kleidung, 
Sonntagsrock; engl. roast-meat 
clothes. 

Brätseh machen, brät sehen, unge- 
schickt, schwerfällig, weitschweifig, 
breit reden ; Eg. ; mhd. braten, plau- 
dern, engl, to prate, prattle; Schw., 
J.:bratschig, dick, breit, wie unser: 
b r ei tf latschig; Brl. bratschig f. 
grosaspieeherisch. 



Bratwurst — Brocke! 



93 



Snitwiirst, falsche, ist eiu gebrate- 
nes Fleischgemenge, aber ohne Darm- 
hüUe. 

Braaehea» 1. f. gebrauchen; 2. medizi- 
niren ; ,,er fühlt sich nicht wohl, wenn 
er nicht immerfort was brancht'*. 

BraiihaaSy „wo ein Brauh. steht, 
steht kein Backhauses wer viel 
Bier trinkt, braucht nicht yiel zu 
essen. Bl. 

Braanbier, eine Art schwarzbraunes 
Bier; davon: „er sieht wie Braunbier 
und Spucke*S hat eine fahle Gesichts- 
farbe. 

Brausehe, feiner: Brause, die, An- 
schwellung der Haut nach e. Stoss, 
SchlMr,_Fall u. s. w.; PP. Brüsch, 
NS. !Brus; engl, bruise; mhd. brüsche, 
mit Blut unterlaufene Beule. 

Brause, die, Sieb am Ausguss einer 
Giesskanne u. s. w. 

Braut, — „es ist eine Braut im 
Hause!'* Ausruf, wenn zuföUig in 
einem Zimmer drei Lichter brennen ; in 
PP. heisst es schon bei zwei Lichtern : 
„der Pracher (Bettler) hat Hochzeit*'. 

Brautftider, geschmückter Wa^en mit 
Ausstattung an Hausgeräth; £., Sudt. 
(auch: ßrautkrom). 

Brautführer, der unyerheiratheteMann, 
der den Bräutigam bei der Trauung 
zum Altar führt; s. Brautjungfer. 

Brautiunii^fer, Mädchen, yon welcher 
die Braut bei der Trauung zum Altar 
geführt wird. Wn.: Kranzeljungfer; 
8. Brautführer. 

Brechen, sich erbrechen; „er musste 
danach brechen oder sich brechen; 
ebenso mhd. 

Breddülche, die, Noth, Verlegenheit; 
«4n de Breddülche gommen^S in die 
Tinte gerathen, §tre dans la br^- 
douille; Sbg. 

Bree, Prä, das, Vorrang; „er hat das 
Bree, er will das Bree alleene ham** 
e» er will die erste Geige spielen; 
wohl vom lateiu. prae. 

Breit, sich breitmachen, anmassend 
sein, prahlen. B. Ebenso: dicke thun. 

Breitflatsehig, breit, dick, ungeschlacht, 
plump von Gestalt, Gesicht, Füssen. 
J., auch bratschig. — Schi.: breet- 
platschig. 

Breitspur] ff, weitschweifig im Eeden. 

Bremeranoo, verdorben aus pränume- 
rando. 

Bremse, 1. grosse, brennende Hitze, 
Schwüle, HL; wie Dems'che; von 
brennen?2. „eine Bremse stecken' 
eine Ohrfeige u. s. w. geben. 



BreBuea (ich brennte, gebrennt, s. 
Gramm. § 205): 1. für rösten, z. B. 
Kaffee brennen, Mehl brennen; s. 
anbrennen; 2. „es brennt!** rufen 
Kinderheim Spiele, wenn der Suchende 
dem versteckten Gegenstande nahe 
kommt; s. Hering. 

Brenz, der, das in einem Topfe durch 
Anbrennen Angesetzte. 

Brenzlieh riechen, nach Verbranntem, 
Versengtem. Eg.: brinslich, branslch; 
Bsl. bränze, bränzele, Ztwtr. dazu. 

Breseh, ein bresches Feuer ■= hell und 
schnell brennend; mhd. resch, schnell, 
lebhaft; s. breschen. 

Bresehen, hetzen, jagen, „ich bin in 
der ganzen Stadt 'rumgebrescht; 
bresche nicht so (= übereflen) ;** Einen 
fortbreschen für fortjagen, in Trab 
setzen, herumbreschen; Schi., V., 
Eg. ; Hl. braschen f. lärmen. ND. pre- 
scnen = auseinander stieben. 

Bresewedel, der, Grossmaul, Auf- 
schneider; er „b ras seit". 

Breten, ermöglichen, zu Stande, fertig 
bringen; „der werds schone breten; 
ich kann es nicht breeten (bereiten?), 
ich breete es nicht.** L., Schi. Die 
Vergangenheit heisst: ich brette, ich 
hawe's gebrett. — In Di. bereeten, 
ausrichten (prahlerisch); engl.: ready 
= fertig; im Eg. auch! ich brät*s 
nicht fertig. 

ßretsdumm, sehr albern, auch: „er hat 
e Bret vor'n Koppe," PP. (wie Zug- 
ochsen) oder: „er ist noch nicht in der 
Zschocherschen Mühle gewesen" 
(da wird Einem nemlich das Bret 
abgenommen); vgl. stockdumm, 
stibied, Hackeklotz, Heupferd, 
Heuochse, Hornochse, Doppel- 
ochse, Brummochse. 

Briezel, Priezel, der, 1. verächtlich: 
der ganze Kram; „nimm nur gleich 
den ganzen Briezel'*, Alles, was da 
ist, den ganzen „Kremi)el", s. d. 
2. „mach nicht so e Briezel", viel 
Umstände, Redensarten. 

Brille, Abtrittsbrille, die Oeffnung des 
Abtrittes und der Deckel dazu; fiüher 
war der Sitz oft für Zwei eingerichtet! 

Brinii^eii, Jemanden, 1. begleiten, bes. 
nach Hause; der Vetter „bringt** 
seine Base im Finstem heim, er 
brachte mich e bischen; 2. „sie brin- 
gen ihn gebracht**, statt geführt, 
sie geleiten, tragen ihn. 

Broekei, das, Kinderwort für das Ein- 
gebrockte (K.w<i\v«^^ ^«asssskj^^ ^^öät^V 



94 



Brocke — Bucht 



Brocke, die, der Brocken, besonders 
bildlich ,,Einem eine Brocke hin- 
werfen, anhängen**, eine Stichel- 
rede, wie „Stachelbeere'*. 

Bröckeln, „es bröckelt", es schneit 
nicht dicht, sondern nur brockenweise. 

Brocken, beim Spiel, viel An^en in den 
Stich des Mitspielers werfen; auch 
einbrocken; Brockkarte, zum 
Einwerfen geeignete. 

Brod, 1. „Dir ist dein Brod ge- 
backen", du entgehst der Strafe 
nicht; „dem ist das letzte B. ge- 
backen**, er ist dem Tode verfallen; 
2. „es fliegt 'raus wie schimm- 
lig Brod**, wenn Jemand sehr schnell, 
hastig redet. 

Broddeln, 1. das Wallen, Brausen und 
Dampfen des siedenden Wassers (engl. 
to bubble), wobei Brodem p= 
Broddel) aufsteigt; Di. blubbern; 
V.:_ der Brasen; 2. brodeln oder 
brüdeln, _in der Köche arbeiten, 
„herumbrüdeln**; dann auch Et- 
was zusammenpfuschen, eine Arbeit 
zusammenschmieren. 

Brodladen für Mund ; z. B. „halt den 
Brodladen I** bei Musäus : Brodpforte ; 
s. Fresse, Gusche; in Tir.: das 
Vaterunserloch ! 

Brodplatz, s. Platz. 

Brodschrank; wenn Jemand, anschei- 
nend ohne Grund, über Unwohlsein 
klagt, so sagt man: „biste krank? 
Mit der Nase im B.** 

hrodtagf „Heu.te is Brodtag!" ru- 
fen Kinder, fassen einen Kameraden 
am Kragen und geben ihm mit dem 
Knie einen Stoss (Brod tag genannt) 
an das Gesäss. Bei gleichem Muth- 
willen heisst es in der L.: ,.Hier 
schickt Dir meine Mutter a Bock- 
käse!** 

Brömmeln, murren, keifen ; Iterativ von 
brummen. Hl. 

Brach, „in de Brüche gehen**, ent- 
zwei gehen, Schäden leiden, zerbre- 
chen, verderben, wie Seidenstoff, wel- 
cher leicht „bricht**, wenn er immer 
in dieselben Falten gelegt wird; s. 
Wicken, Flöten gehn. 

Brüdern, sich zur Betheiligung an Et- 
was drängen, wo es ^ar nicht ge- 
wünscht wird; man weist es mit den 
Worten zurück: „Ach was, hier gibt's 
nischt zu brudern!** 

Brflhsiddchenheess , sehr heiss (wie 
siedende Brühe). Sudt.: brühsiede- 
heesa, lE,g,: brisidehäss; s. Grimm: 

brähsJedendbeias. 



Brummeisen für mürrische, brummige 
Person, besonders Frau; schon alter 
Ausdruck; vgl. brömmeln. 

Brummen für &^efangensitzen:„ermuss 
4 Wochen brummen; daher: der 
Brummstall f. Gefängniss. 

Brummer, der, seltener: die Brumsel, 
eine brummende Schmeissfliege; Btr.: 
Brummer. 

Brflmmcrchen, man lässt Kinder ein 
Brümmercben schlagen, indem 
man ihre Unterlippe durch schnelles 
Berühren mit dem Finger bewegt, 
dass sie einen schnurrenden Ton her- 
vorbringt. 

Brummkäfer wie Blechschädel, be- 
deutet aber einen sanfteren Grad. 

Brummochse, eigentlich Zuchtstier, f. 
Dummkopf; s. Heuochse, Horn- 
ochse. 

Brunnenkresse, „Dir wird die Brun- 
nenkresse aus dem — Halse 
wachsen**, sagt man zu starken 
Wassertrinkern. 

Brunzen für harnen. 

Brustkrank, „er ist brustkrank l** sagt 
man und deutet dazu auf die Stirn, 
um zu sagen: „er ist dumm**; s. Leh- 
mann und Schnupfen. 

Bub, Bup, Pup, sanfte Blähung, Hz., 
K., H. Davon hupen, die Bupe = 
Buploch; „die Bupe versohlen 
od. dengeln** = abprügeln. 

Bubbelätsche s. Babbelätschke. 

Bubbern, buwern, bowern, 1. Ver- 
stärkung von b ebbern, beben, wan- 
ken; das ganze Haus bubbert, wenn 
Wagen vorbeifahren. „Das Loch bub- 
bert ihm vor Ungeduld**. Ab. ; — Lm- 
mermanu: „das Herz im Leibe Pop- 
per t ihm**. 2. dumpfes, fernes, mit- 
unter etwas verstärktes Geräusch, wie 
vom Donner u. s. w. 

Buben, als Zeitwort, nur in der Ver- 
bindung: huren und buben, aus- 
schweifen; Schw. 

Buch dervierKönige,eineSpielkarte. 

Bflchse, 1. Schimpfwort für Mädchen, 
Frau; besonders: „dumme Büchse, 
alte Büchse**; 2. „Alle aus einer B. 
schmieren**, gleichmässig (schlecht) 
behandeln, wie „über einen Kanun 
scheren**; 3. er muss in die Büchse 
blasen, einen Beitrag zahlen; be- 
deutet in Schw. bestechen. 

Bflehsenmacher, Büchsenschäfter, 
ein Vater, der viele Töchter, aber 
keine Söhne hat, vgl. Büchse, 1. 

Buchstaben s. fünf. 

Bucht, die, t. enges^ elendes Bett; sich 



Buckel — Bums 



95 



in die Bacht hanen, zu Bett gehn; 
Nd. to Pag gähn; 2. schlechte, enge, 
liederliche, schmutzife Wohnung, ein 
jywahres Loch''; nocn kräftiger „eine 
Saabacht''. Sbg. Bocht, das Lager, 
bes. der Schweine; schott. bucht, 
Pferch der Schafe; Rw. Buchte f. 
Hütte. 

Baekelf Rücken, aber weit gebräuch- 
licher; £., Sz.; ein B. voll Prügel, 
eine Tracht; „du kannst mir den B. 
nufflofen*', verächtliche Abweisung, 
wie „du kannst mir gewogen blei- 
ben*'; buckeln, eine Last auf dem 
Bücken tragen; Alles £inem auf- 
buckeln, viel zumuthen; s. noch: 
allemal. 

Baekellnskl, Spottname für einen Bucke- 
ligen; auch: Buckele mini, nach 
Piccolomini gebildet. 

Baeklli^y „sich bucklig lachen", un- 
bändig lachen, s. Ast. 

Bflekling, Bicklin^, s.Bittling; D.: 
der Buckel; mhd. bücking. 

Bude, die, 1. Wohnung, Studentenaus- 
druck, dann bes. auch f. Schneider- 
werkstelle; „Einem auf die Bude 
steigen*', besuchen; s. Kneipe, 
bekneipen; auch ausschelten, kora- 
miren; 2. unter die Buden gehen, 
bezieht sich nur auf die Schau- und 
Trinkbuden, nicht auf die Kaufbuden; 
man kommt „von unter den Buden" 
(from among; wie: de chez moi). 
3. ,,Dir wird's schon noch in die 
Bude schneien", es werden aller- 
hand Widerwärtigkeiten kommen. 

Bad^nnige für Päonie, paeonia offici- 
nalis. 

Bflffeln für arbeiten; auch ochsen, 
es ein; franz. bücher; engl, to fag. 

Büfist, eine Pilzart, bovista; auch Kuh- 
fist. 

Bflgelhoeh; „es ging biegelhoch her", 
man schmauste, zechte gewaltig. 

Bflhnen; „unter denBühnen"heissen 
gewisse, meist kleine Yerkaufsläden 
im £rdgeschoss des Rathhauses; von 
Bühne, alt für Galerie u. s. w. 

Büldrfjän, der, Baldrian, Valeriana of- 
ficinalis; 1871 nannten die deutschen 
Soldaten den Mont Yalärien wegen 
seinesKanonendonnersBuldrian(den 
Polterer). 

Balken == bolken. 

Hallangs'che, feiner: Bollangsie, ver- 
dorben aus balance, Gleichgewicht. 

Balle, volksbeliebt für Flasche; z. B. 
Schnapsbulle, Oelbulle (von ampulla); 
Schi. Pulle. In ND. ist Buddel ge- 



bräuchlicher, bei uns selten ; — „ene 
ale Bulle, Sauf bulle" >= Säuferin; 
— ,;Nu is deB. awr vull", jetztgeht mir 
die Geduld aus; stärker: „da muss 
(doch glei) dieB. platzen", da hört 
Alles aaf. (Hier vielleicht Bulle miss- 
verständlich für Bombe = Bumbe?) 
Rl. „do blätz de Nath"; s. noch: 
Butter, Wand. 

Balle, auch Bullae, die, Kinderwort f. 
Urin;_Hz. Davon: bullen, bullden, 
bulle machen, harnen. Th, InOber- 
bessen wolle machen. 

Ballern, das polternde Geräusch in 
einem Ofen, grossen Kochtopfe u. s.w. 
In Di. überhaupt für hohl klingen. 

Bam, bamm! Bezeichnung des tiefen 
Tones, z. B. der Trommel, Kanone. 
Bums! ruft man beim Falle, beson- 
ders weicher Körper, wie einer Menge 
Schnee; s. dieses; daher: Bumbum 
Bumbaum, bumsen, bumpern; 
ähnl. bubbern. 

Bamäle, auch bomäle, für bequem, 
pomadig; ,,ganz bumäle hingehen". 
Pf.: bomaila = sacht; Wien: bumali; 
pomäle, slavisch für bequem, allmäh- 
lich; s. Pomade. 

Bambaam, die, 1. grosse, tieftönende 
Glocke; s. Bimmel u. Bumbum; 2. 
Name, s. Bums, 2. 

Bambern, anbumbern, z.B. an eine 
Thür, dumpf dröhnend schlagen, wer- 
fen, fallen. Davon: das Gebum- 
bere, die Bumberei. Oe. — s. bul- 
lern ; nbd. pumpern, pochen, hämmern 

Bambüm, die, Trommel (Kmderwort); 
vgl.: das Tamtam u. Bumbaum. 

Bammel, 1. die, Qoaste; 2. der B., 
Hauptw. V. bummeln, „einen B. ma- 
chen" f. bummeln. 

Bammelh artig, übereilt, überstürzt; — 
komm nur nicht so bummelhord'ch 
gerennt; auch hummelhurtig. 

Bammellätsehehe, die, etwas schlaff 
Herabhangendes (von bummeln) ; 
spöttisch für übertriebenen Kopfputz, 
Kleiderschleppen u. s.w., vgl.Babbe- 
lätschke. 

Bammeln, 1. wie bammeln, baumeln. 
2. umherschlendern, flaniren; in Oe.: 
schlankein, schlenkeln, D.: dangein; 
diese Bedeutung kam bei uns etwa 
1840 auf, zuerst unter Studenten; da- 
von: verbummeln, 1. (v. neutr.)zum 
Bummler werden; „e verbummeltes 
Subjekt" ; 2. Etwas durch Bummelei 
versäumen (wie: verduseln); Geld 
V., beim Bummeln ausgeben. 



96 



Bund — Butterbemme 



erl (beim Hinfallen eines Kindes z.B.) 
Bnms, ging die Flinte los! 2. der 
Bums, Bamps, stärkrer Bnb; da- 
von: bumsen, schott. pump; daher 
mag eine fabelhafte, sehr unartige 
Person: .,Bumbaum" in Gassenjun- 
^enverschen benannt sein. 3. Bordell; 
m Brl. Bumskeller = schlechte Kneipe. 

Bund, ich, f. band; s. Gramm. § 209. 

Bunnigel, der, Schimpfwort, boshaftes 
Geschöpf. Ebenso: Nickel, Hor- 
nickel. 

Bunte Wäsehe. ist solche, die nicht 
weiss ist, wenn sie auch nur eine 
Farbe hat; „ein weis Shuntes Kleid** 
hat auf weissem Grunde wenige far- 
bige Streifen, Blumen u. s. w. 

Bflrgerliche Nahrung hiess sonst ein 
Vätualiengeschäft, Handel mit Grütz- 
waaren, Käse, sauren Gurken u. s. w. ; 
jeder Leipziger Magister soll das Recht 
gehabt haben, solch ein Geschäft zu 
betreiben. 

Bflrgermeister, Borgemeester, s. 
Gramm. § 122; im Scherz für Ab- 
tritt: „zum Burgemeister gehen**; s. 
Drathmühle, Goldmühle, Papst, 
Oberhofgericht, Lottchen; engl, 
cant: house of commons. 

Bflrgerstube; die kleine Bürger- 
st übe, Name für ein grosses, gemein- 
sames Arrestzimmer im StocKhause; 
wer dort mit „eingesteckt" wird, sagt: 
„ich bin Bürger geworden**. 

Bflrsten, eilig, hastig gehen; wie 
schrammen; s. Bürstenbinder. 

Bflrstenbindor, 1. laufen wie ein 
Bürstenbinder, s. bürsten; ND. 
laufen wie ein Besenbinder ; 2. trin- 
ken, saufen wie einB., viel trin- 
ken; Wn., El., soll durch spielende 
Verwechslung von Bursch, Burscht, 
Gelage, und Bürste entstanden 
sein ; in PP. : fressen wie ein Bürsten- 
binder und saufen wie ein Leichen- 
bitter; franz. gris conmie trois ba- 
layeurs. 

Burzelfest, das, albern f. Geburtstag. 

BuschdewTren f. buchstabiren; s. 
Gramm. § 118. 

Baschelig (von buschig), struppig, ver- 
worren, vom Haar; daher: Buschel- 
haare, Buschelkopf, Bezeichnung 
der jetzigen affenpinschermässigen 
Hinterkopffrisuren (1868). 

Bus'chen, rus'chen, feine, kurze, wol- 
lige Härchen, wie: Flaum; wohl ver- 
wandt mit Posen; so heissen die Kätz- 
cben einiger Weidenarten vor der 
Blütbe, nachher erat werden es Kätz- 



chen; ebenso der Blüthenstopf vom 
Ackerklee; Hl.; daher: Buschen- 
thee; busig «= mit Buschen bedeckt. 

Bussel, Buss^ehen, !£[indchen, bes. be- 
hend umherlaufende; Th.; (von pu- 
sillus?) solche sind „recht busse- 
lig;** busselig ist auch, wer gern 
busselt, s. d. — Bussel, beliebter 
Name kleinerer Hunde. 

Busseln, herumbusseln, 1. bald da, bald 
dort sein: s. Bussel: to hüstle; 2. 
allerlei kleine Hausarbeiten machen, 
ähnlich wie basteln. ND.: pusseln; 
Di.: pusseln ; in Wn. basseln, passein, 
Eg. bosseln, arbeiten. 

Bflssen, eine Krankheit (z. B. die Böse) 
durch,, Besprechen**, d,urch Sympathie 
heben; V., wo dafür auch „sünnen'* 
und „verthun** gesagt wird. 

Bnsskugeln, Klösse, weil sie bes. häufig 
an Busstagen gegessen werden (wenig 
gebraucht). 

Büttel f. Flasche, wie Bulle. Di., Bri. 

Buttein, buddeln, 1. mit den Fingern 
in die Erde bohren, ähnlich wie bad- 
deln; ein Samenkorn aus der Erde 
herausbuddeln, um zu sehen, ob 
es noch nicht keimt! Brl., Rtr.; vgl. 
hess. Aschenputtel f. Aschenbrödel ; 2. 
seltner: umnerkriechen, von einepi 
Kindchen, das man auch „gleenes 
Buddelchen** nennt; 3. das Bier 
buttelt, es schäumt und „kulkst;*^ 
J.: böttele; Di. blubbern; schott. bul- 
ler; s. Bulle. 

Butten, nicht gedeihen, dahinsiechen, 
bes. von Pflanzen, auch von Thieren, 
Menschen. Schw., Schi. Davon: ver- 
hütten, dahinsiechen, verkümmern; 
„wemm'r (wenn man) nich ausn 
Loche (Zimmer) gimmtj, verbutt m'r 
vulgends (vollends);** B.) Hl., Th.; von 
engl, bud, Knospe? s. verwimmern. 

Butter, 1. „es geht wie Butter**, 
oder „wie geschmiert** für: es geht 
flott, z. B. das Hersagen einer Auf- 

fabe; daher auch: „es ist butt er- 
eicht;** 2. „da fällt m'r glei de 
B. von Brode*', vergeht mir alle 
Lust; 3. „da wird keine (braune) 
B. dran gethan*', es werden keine 
grossen Umstände gemacht. 
Butterbemme, die, 1. s. Bemme; 2. 
die Butterbemmchen =» Bäff- 
chen;3.Butterbemmen schlagen 
oder schmeissen, einen Scherben 
oder flachen Stein so auf das Wasser 
werfen, dass er ein oder mehrere Male 
abprallt und weiterhüpft; Schi.: eine 
\ Bn.ttexa(i\m\Uft ÄcXvmlexftn*, PP,: But- 



Butterleicht — Chor 



97 



terbrod werfen; L.: Batterweckel ; 
Brl. Butterbrod ; Westpr. Batterchen ; 
Ab. Schieben tzchen ; Scbw.: das 
Bäoerlein lösen, nnsern Herrgott ver- 
losen, die liebe Fraa lösen; Wasser- 
tancher machen, plattein ; bei Fisch- 
urt: das Plättlies; £g. Schififchen 
werfen ; Oe. flächein, jangferln ; an d. 
Saale: eine (einbeinige, zwei-, drei- 
beinige) Jungfer schmeissen; Manschen 
oder Glitscher werfen ; Westf. schlit- 
achem; Hannov. Jungfern schiessen; 
H. Pütjen sroieten (d. h. Küchlein 
schmeissen) ; Sz Bräutli machen, bem- 
meln; Sbg. Brokt föhren (die Braut 
f&hreo); en^l. to make shippings, to 
play at dncK and drake; schott. skiff; 
iranz. faire des ricochets; altgriech. 
Epos trakis mos. 

Batterleieht s. Butter. 

BattermÜeh — „es ist klar wie 
Buttermilch^^ sehr klar; ND.; ge- 
wöhnlicher: „wie Tinte, wieEloss- 
brühe*'. 

Battern — „de Stiewl h.*\ sie „schlap- 
pen^^ beim Gehen hörbar ab, weil sie 
im Quartier zu weit sind ; ebenso : j ä r k- 
sen, von dem dabei entstehenden 
knarrenden Laute. 

Batz, Putz, der: 1. Büttel, Polizei- 
diener und dgl.; in einer Lpzgr. Ur- 
kunde von 1349 heissen die Schuh- 
flicker „Altputzer", wohl weil sie nur 
Altes ausputzen (s. putzen) durften; 



2. Einem einen Butz spielen, Scha- 
bernack, Possen; ND. Putzen driwen 
(Possen treiben); 3. Verweis: einen 
Butz besehen oder bekommen (s. 
Putzer); dies wohl von putzen, wie 
man sagt: £inen abputzen f. aus- 
schelten, ihm die Nase putzen. 

Batzemann, Buzemann, der, Ge- 
spenst, Vogelscheuche; mhd. butze, 
Poltergeist, SchreckbUd; Tb., Hb., 
Hss. ; m Hb. auch : Böz, Bözmo, Bop- 
poo; Bsl.: Buzimummel, Fasnechts- 
Duz; in D. Bnsemann; PP. Busebaar; 
N.-S. Buhmann; H., Aachen: Bumann; 
Sz. Bubi; Rl. Bözdänk; in Pf. Boz f. 
Vogelscheuche; Schw. Buzegrale f. 
Knecht Ruprecht; schott. human; s. 
Popelmann. 

Bttwett, das, f. Büfifet; vielleicht Ver- 
wechslung von la buvette. Schenke, 
Trinkstübchen, mit le buffet 

Buxen (Mehrheit), Hosen. Rtr. J.; — 
Di.: die Büx (Einheit). 

Buxtehade. „Nach Buxtehude" oder: 
„nach Buxtehude auf den Feder- 
markt^' sagt man auf die unbefugte 
Frage, wohin man gehe; s. Trips- 
d rille. 

Baz, der, 1. ein für sein Alter klein ge- 
bliebenes Kind; Schw^, Th.; 2. Buz 
machen oder sich buzen: sich zum 
Schlafen legen ; Kindersprache ; daher : 
das Buzebettchen, liebkosend für 
Bett; s. bauz, 2. 



C. 

s. K und Z. 



Caetus, Wortspiel: ein Häufchen Ex- 
kremente; s.Blind,Nachtwächter. 

Cantateversammlanic» schlechthin die 
Hauptversammlung der Mitglieder des 
deutschen Buchhändlerverbandes, wel- 
che am Sonntag Cantate in der ßuch- 
händlerbörse stattfindet. Eine Sorte 
fünfundsechziger Wein, der einmal 
bei dem Festessen nach dieser Ver- 
sammlung sehr beliebt ward , behielt 
lange den Namen Cantatewein. 

€eee> mein Name ist aus! ruft ein 
Kind, wenn es beim Haschenspielen 
eine Pause machen will (vielleicht von 
cessez?). Wenn es wieder mitspielt, 
ruft es „Mein Name geht (wieder) 
an!" 

Älbreebtf Leipz. Mnndut 



Chaisenträger (sprich Scheesendrägr) ; 
1. er läuft (tritt auf) wie ein Ch., 
sehr derb mit grossen Schritten; 2. 
er hat eine Cb.-Natur, ist sehr kräftig. 

Chausseekrfttzer, spöttisch f. Ohaussee- 
wärter. 

Christ, mein heiliger Christ = mein 
Weihnachtsgeschenk, Th. ; ebenso : es 
is mei Weihnachten; Fr., Hss., 
Rh.: mei Cbristkengchen (Christ- 
kindchen); Rtr. Kind-Jes. 

Christel ist Abkürzung für Christian 
und Christiane. 

Chor, das, 1. (Corps*?) eine Anzahl Leute, 
in einem spöttischen oder lachenden 
Tone ge%fikg;t\ tärXiä. ^^\s. ^a»^3«sss5Si.- 
cheWialX., «u\i«t ^^lOcw \C\Oq.\» Xi'JÄ^öössö.- 



98 



Cichorie — Daddern 



pfend, wie es ^^Pack oder Bande'' ist; 
ähnlich wie Sippschaft, Klike, engl, 
a set; z. B. „da sitzt e ganzes Chor 
Eindermädchen; auf den Basen trieb 
sich e Gor Hunde *rum** «= lästig 
viele; „ihr böses Chor**, ihr tobenden 
Buben; „verdrehtes Kor", ungeschickte, 
tölpische Leute; „ä schönes Kor" «= 
saubere Leute, Brl. „nette Jungens"; 
„ä schauerliches Kor'S eine bunte, 
widrig e Gesellschaft ; ein närrisches 
Chor, sonderbare, komische Leute. 
2. „wenn mei Mann 'n Goffer backt, 
mussAUes zu Gore lofen", Alle müs- 
sen mit Hand anlegen, Dienste leisten; 
Bond. : Einen zu Chor treiben = kurz 
halten. 

Ciehorie, scherzhaft für Cigarre. 

Clemenz s. klämsen. 

College hat das biedere Kamerad fast 
ganz verdrängt; jeder Kutscher, Haus- 
knecht , Packträger , Holzhauer, 
Schleussenräumer spricht von seinen 



„CoUegen"; bei den wackeren Mau- 
rern und Zimmerern hat sich aber 
Kamerad erhalten, und sie vermerk- 
ten es einem deutschen Beichstags- 
abgeordneten im Jahre 1869 übel, dass 
er in einer Versammlung derselben 
die Anrede „meine Herren Collegen'' 
gebrauchte. 

Colo|^ne, abgekürzt f. Eau de Cologne 
„hier riechVs nach C." 

Condactear nennt man den Omni- 
busschaffner, der Eisenbahnschaffner 
behält den ehrlichen deutschen 
Namen. 

Content (spr. kontkn^) sein mit Jemand, 
in gutem Einvemenmen stehen; bes. 
„nicht recht c. mit einander sein*^ 

Contrahasehe, eine Forderung zum 
Zweikampf; Studentenausdrnck. 

Cylinder, hober Hut, s. Angstrohr. 

Cyper, gestreifte Katze; man unter- 
scheidet Graucyper und Both- 
cyper. 



siehe auch T. 



Da, 1. beginnt gern den Nachsatz an- 
statt so; s. Gramm. § 220; 2. da 
einleitend f. es: da sin emal viel 
Menschen üffn Marchde (there are); 
da war emal e Mann; 3. da zur Ver- 
stärkung in Belativsätzen s. Gramm. 
§ 195; 4. da, oder da! als ellipti- 
scher Zuruf für: siehe da; — da, 
das wird glei 'runterpurzeln! Ebenso 
da, um Jemand aufmerksam zu 
machen, dass er zugreifen soll: — 
da, haste was; franz. tiens, voilä; 
ferner f. „da haben wir*s," z. B. da, 
nu regnet's! da, nu is's Glas anzwee! 

Dabbke, die, eine praktischere Jacke 
(Sz. Tschöppli) als der Frack, mit 
etwas kürzeren Schössen ; ist bes. für 
jüngere Kellner, grössere oder feinere 
tragen Fräcke. 

Dach, Einem aufs D. steigen, zu- 
rechtweisen, koramiren; sonst auch: 
Einem auf den Buckel, Pelz, das 
Fell, die Jacke steigen; PP.: Einem 
recht zu Dache gehen, ihm auf den 
Leib rücken; s. Damm. 

Daehseheisser, der, Sperling. 
Däehse\, der, auch: Deckel, Dachs- 

hnnd, daher: kTummbeinigei Mensch. 
I^geAt, der, Docht; Brl; bei GöcMngk, 



Goetz, Lessing, Thümmel; mhd.: 
däht, tächt; s. Grimm II, 668. 

Dächte, ich dächte gar! wie „äh!*' 
oder „lieber gar!" (drei echte 
Sachsen!) für: Gott behüte! ich 
dachte, was mich bisse! Dummes 
Zeug! das wäre noch schöner! ND. : 
ei wo! ach wo! 

Dachtel, Tachtel, die, Schlag mit der 
flachen Hand an den Kopf; allg. 
bekannt; soll von dactylus, Finger, 
herkommen; davon: Einen ab d ach- 
teln; seltner: eine Wachtel; s. Dn- 
sel,Horn8'che,Damsel, Bremse, 
Patsch, Schwalbe, Fake, Hin- 
horche. 

Däehtelmächtel, das, 1. unerlaubter 
Kunstgriff; 2. mit Jemand sein Däeh- 
telmächtel haben, heimliches Ein- 
verständniss. 

Dadderich, der, 1. dummer Schwätzer; 
s. daddern (holländisch: dodderig, 
schläfrig, betäubt); „e richt^Bauer- 
d a d d r 1 ch'* ; 2. Schwätzerei; „gössen 
Dadderich hermachen;'' 3. den Datt- 
rich haben, Zittern, Krampfinden 
Händen, wie frühmorgens beiTriokem. 

Daddern, dattem, albern schwatzen. 
BbV.*, mM.\«A>föt^ii,^\v^^tii^u. todem, 



Daderbei — Daus 



99 



nndentlich reden; s. Grimm: dadern; 
bei Geiler von Eaisersberg: tadern; 
ND. u. Schw.: dottem « stottern; 
8. datscben. 

Daderbei fär dabei; ebenso daderfür; 
dadermit, dadervon, dadran, 
dadraus, dadrüber, für dafür, 
damit, davon, daran, daraus, darüber; 
z. B. ndadorvon reden mir gar nich, 
denn dadraus machen m'r uns nischt, 
m'r wüssten och nischt dadermit an- 
zufangen **. Alles dies auch in Schi.; 
dadran, dadraus, dadrüber bei 
Goethe; s. der und da, 3. 

Dalen, 1. plaudern, schwätzen über- 
haupt; H. Sachs, Wieland, Goethe; 
2. die Aussprache und besonders die 
Bedeweise kleiner Kinder, welche 
noch nicht richtig sprechen können. 
Dänisch: tale, engl.: to talk; auch: 
dalt sehen, im V. dallätschen; s. 
dätschen und talken. 

Dalfen^ Handwerksburschenausdruck f. 
betteln, fechten; Bw. dalfenen, dal- 
fern; s. schmal machen. 

Dämel, der, Dummkopf, Träumer; 
davon: Dämelfritze; dämeln, 
herumdämeln, träumerisch umher- 
wanken; Hb.; s. die folgenden. 

Dämelack 9 Dämelsack, Verstärkung 
von Dämel; Btr.; PP.: Dämelsack. 

Dämelich, dämlich wie damisch 1.; 
Th.p P., B., ßrl., bei Btr.; boshafter 
Weise spricht man (sogar in Lokal- 
possen) von einem „dämlichen Ge- 
schlechter' (Damen) im Gegensatz 
zu dem „herrlichen!'' 

Damisch, 1. schwindelig, drehend im 
Kopfe; Pf., Th.; „Mutterkorn und 
andre Waare , die im Kopfe damisch 
macht,'' Uhland; schott. deromisk, 
durch einen Schlag betäuben ; 2. dumm 
(bei Musäus), auch gehäuft: dumm 
und damisch; Y.; Eg., Oe. damisch; 
ist alt; 3. sehr gross und stark: „ein 
damischer, damisch langer Kerl;" Eg. 

Damm, 1. er ist auf dem Damme, 
befindet sich wohl, sein Geschäft 
geht gut; Brl.; s. Strumpf, 1, 
Zeug; 2. stets auf dem Damme 
sein, achtsam, thätig, aufs Geschäft 
achtend; 3. Einem auf dem Dam- 
me sein, überwachen, beobachten; 
ebenso: ihm auf dem Dache sein. 

Dammich y 1. Abkürzung für „Gott 
verdamme mich;'* 2. als Hauptwort: 
z. B. einen Dammich loslassen, 
fluchen, wettern, toben; „er Hess 
eenen Dammich un eenen Strammich 
(Gott straf mich) nach'n andern los.^^ 



Dammichbrader, abgekürzt: ä Dam- 
mich (s. d.), Einer, der gern flucht; 
früher war es geradezu gleichbe- 
deutend mit „Schütze** (Truppengat- 
tung); auch heut sagen böse Zungen 
den Sachsen noch nach, es werde 
auf ihren Exerzierplätzen mehr ge- 
flucht, als irgendwo ! In Deutz am Bh. 
heissen die Kohlenarbeitör aus dem 
Bahrthal die „Gottverdammis/* 

Dammichseite, die ; „er hat die Mütze 
auf der Dammichseite," er hat sie 
schief, keck, vorwogen auf. 

Dampf, 1. D. vor Jemand haben, Angst, 
Furcht,Bespekt;2. Einem allen Tort 
und Dampf anthun, wie „ge- 
branntes Herzeleid anthun;** 
„den Dampf anthun** bei Lessing. 

Damsel wie Dachtel, daher „Je- 
mandem Eine hineindamseln.** 

Das f. es, s. Gramm. § 190, 1. 

Dass f. wenn und andere Bindewörter, 
s. Gramm. § 221. 

Dassderhalben, auch: dasserthal- 
ben, deshalb; Sudt.: dastholb; vgl. 
dessertwegen. 

Datschen, fehlerhaft aussprechen wie 
kleine Kinder, wenn sie manchen 
Bachstaben noch nicht sagen können; 
s. dalen; A. dalschenj P.: tülschen; 
Hb. däätschen; Eg.: dotschen; Schw. 
dätschen, viel schwätzen; Schi.: 
tälschen; Appenzell: datscheln; s. 
^daddern. 

Datschen, tatschen (von Tatze), mit 
gelinden Schlägen necken; dagegen 
datscheln, sanft schlagen, lieb- 
kosend u. s. w.; „du dätschelst nur 
so,*^ sagt man zu einem Kinde, das 
sich — aus Furcht vor dem Beiben, 
der Seife u. s. w. — nur zaghaft, nicht 
„ordentlich" wäscht; davon: Ge- 
tätsche. Getätschele, Dätsche- 
lei; s. Grimm. 

Datum ist männlich: „ich muss den 
heutigen Datum schreiben ;^^ s. Gramm. 
§ 181. 

Dauerlaafsmedaille war spöttische 
Bezeichnung eines Ordens, weil er 
bei Gelegenheit des Bückwärtsavan- 
cirens verliehen worden sein sollte. 

Däamlini^, der, Ueberzug von Leder 
oder Zeug über einen verwundeten 
Daumen; s. Grimm; ebenso: Finger- 
ling, Pingerdute. 

Daus, 1. es stimmt aufs Daus »» 
ganz genau; 2. er schreibt, antwortet, 
passt auf wie ein Daus, aus^e- 
zeicbnet*, HV.-, 1&ä^j5ä\ '^s^iss.^ ^^^ 's». 



100 



Däz — Derjenige 



Däz, der, Kopf; Brl., ND.; „de werscht 
gleich Eens ufiTn Däz besehen/* Etwas 
abbekommen; — von denken? 

Däzeiiy der, Antheil an Etwas; vom 
Decem der Geistlichen; dann Über- 
haupt ein Stück: „Gib mir e Däzen 
von Deiner Bemme." V.: Dsa, 

D^akel, der, das Diachylon, eine Salbe. 

Deeimalbraeh , „ich trete dir glei e 
Decimalbruch," scherzhafte Drohung; 
dagegen in EI. : ich drät d'r an Bruch 
bi an Kotzen (wie ein Tragkorb)! 

Deekel, 1. für Hut, Mütze; davon: 
deckein, zum Grosse den Hut ab- 
nehmen; vgl. ziehen, 2.— 2.Deckel, 
Dackel, Dachshund; Btr. Teckel. 

Degen, einen lächerlichen, theils man- 
gelhaften, theils übertriebenen Auf- 
putz verhöhnt man mit den Worten : 
„Nack'g un e Degen, barbs (barfass) 
un e Strohhut!" s. bar bes. 

Dehniff sprechen, singen, die Wörter 
zu lang dehnen, schläfrig reden; 
ND. talkig; Sz. ein Träner. 

Deistel für Deichsel; Hb. Destel; Btr. 
Distel. 

Deiwel für Teufel, s. d. und Deixel; 

Btr. Deuwei. 
Deixel, Verschleierung f. Teufel; auch 

Teikert; Schi., SD. Taixel, Teuxel; 

Sudt. Teiker, Teitschel; Di. Densen; 

Th. Daitschr; Btr.: der Den tsching I 

Holst.: Deuster; s. Grimm unter 

Deixel. 

Beiz machen für schlafen; Kinder- 
sprache; Eg.; davon: Deizebett- 
chen, deizen; Eg.; — Di.: die Dei 
und Deidei, Kiuderwiege; s. buz. 

Delle, eine, jede Vertiefung, eine Scharte 
(K.), eine Senkung des Weges (Pf.), 
des Feldes u. s. w.; mhd. teile, 
Schlucht; verwandt mit: Thal, Teller; 
engl, dale, dell; SL: dele = Tiefe; 
daher der Ortsname: Dohlen. 

De L. M^ diese Buchstaben wurden in 
einem Geschäft laut ausgerufen, wenn 
ein Verkäufer den andern vor einem 
Diebe warnen wollte; man deutete sie: 
„Das Luder maust!^^ In einem 
andern Laden pflegte man bei gleicher 
Gelegenheit zu rufen: zwei auf 
zehn! halte beide Augen auf seine 
zehn Finger. 

D^meleh, zänkischer Auftritt (ddm§l^); 
Brl.; ein rechtes D^roeleh, viel 
Lärm; Btr. Demolei «= Schlägerei. 

Demse, Dems'che, die, wie Bremse, 
// dem 8 ig, schwUil. Ab., Hl; von 

JDampf, dumpf? 



Denflfel, Schmutzrand anFrauenkleidem ; 
Ab.; s. Grimm; davon sich beden- 

fein, wie behämmeln; in Schw. 
er Klapf. 
Dengeln, die Sense dengeln, darch 
Hämmern U.S.W, schärfen, s. Grimm; 
mhd. tengelen «» klopfen , hämmern; 

— Schw., Sz.: tangein und tängeln: 
die Bauern sagen auch: „dem will 
ich die ßupe dengeln," den Hintern 
abprügeln; vgl. Bub. 

Denkzettel, „Einem einen Denk- 
zettel anhängen,^* sich für Etwas 
rächen, es strafen; s. Grimm. 

Denn für dann; sonst (bis 18. J. -H.) 
schrieb man so; sogar: alsdenn, 
8. Grimm. 

Denn waram für weil: „ich gehe nicht 
hin, denn warum — dort finde ich 
doch kein Vergnügen." Selten, in Brl. 
häufiger. 

Denn weil, gehäuft, s. Gramm. § 221. 

Deppentat, das, f. Deputat, s. Gramm. 
§ 146: der gebührende AntheU; wie 
Tappen. 

1. D^r, in Zusammensetzungen für dar: 
auch wo jetzt nur noch da steht, 
z. B. dermit, d'rvund oder dervon = 
davon, derbei, dVfor = dafür und 
davor, d'rheem, d'rhinter, d'rmit, 
d'rnäm = daneben, dr'widder = da- 
wider; dernieder; Schi., Sudt derbein 
f. dabei ; D. : dervan ; vgl. daderbei. 

2. DÖr, d'r f. ihr; s. Gramm. § 190, 2. 
Derb f. sehr (wie derb schlagen) : derb 

arbeiten, laufen, schreien; s. böse. 

Deren thalben, derentwegen f. des- 
halb, deswegen; s. dessertwegen, 
Btr.; vgl. Grimm. 

Derheeme, 1. daheim, V., Schi.; 2. 
„Du bist nicht recht derheeme" 
für: nicht recht gescheit; s. Dinte, 2. 

Derjenige für der Betreffende, so dass 
der bestimmende Satz als selbstver- 
ständlich weggelassen wird; z. B. 
„Ein Armband ist verloren worden, 
und wird Derjenige gebeten, es 
abzugeben;" — „ein junger Mensch 
sucht Stelle als Schreiber und werden 
diejenigen Herrn Principale ersucht, 
sicn an Herrn N. zu wenden; ~ 

— sie wollen blos Diejenigen sein 
und dabei über Alles herrschen." 
Ebenso steht der Betreffende: „es 
ist eine goldene Uhr gestohlen wor- 
den und verspricht der Betreffende 
eine gute Belohnung u. s. w.;" ähn- 
lich: „Es sind viele Leute brotlos 

feworden, und ein Betreffender 
at gesagt . . .** (einer von ihnen). 



Dermäng, d'rmank — Difteln 



101 



Dermäng. d'rmaDk, dartiDter gemengt, 
dazwiscneD; M., IsD.; engl, among. 

Dermit s. daderbei. 

Derohalb f. deshalb; veraltet. 

Derrwenzig, sehr dürr; von dürr und 
Wanst; „so e derrwensti^es Zeter- 
luder !*' 8. Grimm : dürrwänstig ; D ti r r - 
lender. 

Derweile, unterdessen; so in Ublands 
„Sieben Zechbrüdern;'* Sudt.; in Th., 
BsL: d'rwil; Eg.: d'rwelle; bei 
Hl. sagt man sogar: „Warte 'weile!'* 
vgl. while, während. — Im Sinne von : 
,,es kommt nemlich daher/* von et- 
was Unerwartetem : „ich weiss gar nich, 
wie ich immer wieder nass werde, 
der weile regnet's durchs Dach!** 

Despektirlieh, Gegensatz zu respekt- 
voll, also: verächtlich. 

Dessen s. 'sen; Gramm. § 226. 

Dessentiren für desertiren; der Des- 
sentör. 

Dessentwegen, desserwegen, des- 
sert wegen, deswegen; auch dass er- 
wägen, desterwegen; Ab., Naum- 
burg ; Rtr. ; — Sudt. : dastwoagen ; vgl. 
daderbei, diesertwegen, dass- 
derhalben, derohalben u. s. w. 

Desserthalben, auch desserhalben, 
dessenthaloen, wie dessent- 
wegen u. s. w.; Schi.: destbalb. 

Dest, der, fettiger Schmutz, besonders 
an Hüten und Bockkragen ; Oe., Hl.; 
ist nach Eüdiger slawisch; s. aber 
Grimm: Dest, 5.; vgl. Jux. 

Destilliren, distilliren steht in einem 
sehr weiten Sinne etwa für das, was 
der Apotheker d ig e r 1 r e n nennt : setzt 
man Kalmus, nigwer, Nelken mit 
Spiritus in einer Glasflasche wochen- 
lang in die Sonne und lässt es 
ziehen, so ist es „distillirt;** so nennt 
man auch jede einfache Branntwein- 
handlun^, jedes Geschäft, welches 
den bereits fertigen Sprit zu Schnaps 
verarbeitet, eine Destillation. 

Deate» die, nur in der Eedensart 
„Einem eine Deute geben,*' einen 
Wink, eine Andeutung, einen Hin- 
weis, eine „Directive." 

Deatseher Boden, „ich komme auf 
deutschen Boden**: sagt 1. Jemand, 
der seine Schubsohlen durchgelaufen 
bat; 2. der Tischler, wenn er beim 
Poliren dnrch das abgescheuerte Four- 
nier aufs Grondholz gelangt. 

Deut scher Kftse, einfacher Euhbäse, 
als Gegentheil von Schweizerkäse, 
Altenburger, Limburger, Ziegen-, 
Harz-Käse u. s. w. 



Dewieh, Dewieht für Teppich. 

Diek, 1. Meine Dicke! vertrauliche 
Anrede an Mä^^de u. s. w.; ebenso 
„Dicker** als Name eines Bekannten, 
wie „Alter**, beides ohne Bücksicht auf 
Körperumfang und Jahre; Ab. 2. Ich 
hab' es dicke für: satt, überdrüssig; 
„er werds schon d. kriegen**; 3. Er 
hat es dicke (faustdicke, knippel- 
dicke) hinter den Ohren, er ist 
hinterlistig, heuchlerisch u. s. w. 4. 
Er thut (sich") dicke, spielt den 
Beleben, Vornehmen, Gelehrten; Pf., 
ßrl., W.; davon: der Dickthuer, dick- 
thuerig. 5. Er hat den dicksten 
(auch : den dicksten Dreck in oder hin- 
ter den Ohren), er ist überklug. 6. Er 
hat dicke Ohren (Au.) oder: erbat 
dicke Strümpfe an, er ist hart« 
hörig oder stellt sich doch so. 7. Sie 
sind dicke Freunde, sehr vertraut; 
Th. — (D.: hUd Wark;) schott. thick 
f. vertraut. S. dicke für sehr, stark; 
„ich bin dicke durch, dicke 'raus**, wie 
„scheene 'raus!** „Er sitzt dicke im 
Gelde'*. Auch: ich hab es dicke 
satt; vgl. 1. 

Diekde f. Dicke; „ 2 Zoll Dickde;^* s. 
Gramm. § 157. 

Dickkopf, reicher Mann, s. dick, 4. 

Dicknisehel, der, Dickkopf, hartnäckiger 
Mensch; s. Nischel. 

Dienen, Jemandem gehörig dienen, 
ihn abmucken. 

Dienst, Einem auf den D. passen 
(lauern^, scharf überwachen , Versehen 
unnachsichtlich rügen, wie: Einem auf 
dem Dache sein. 

Dierengeln, auch dierengeln, Je- 
mana quäen, plagen, ganz wie bie- 
s a k e n ; wahrscheinlich von Thürangel : 
Einen zwischen Thür und Angel klem- 
men, in die Enge treiben, a. Einen 
thtirangeln; Pf, V., W. thürängelu, 
auch nur: angeln; Hb. dür ängel. 

Dierieht, toll (von Hunden) ; jedenfalls 
verdorben aus thöricht ; wie: „toll und 
thöricht handeln;** Sudt. thierig für 
thöricht und unwillig; s. jedoch d le- 
ren bei Grimm. 

Diese, die, Zelle in Hum meines tem; es 
sind entweder Honigdiesen oder Brut- 
diesen. 

Dieser, „hol' dich Dieser und Jener** 
= der Teufel; s. Gramm. § 194. 

Dieserhalb f. desshalb; Gramm. § 194. 

Diesertwegen für deswegen; vgl. d es- 
se rwe gen u. s. w. Gramm. § 194. 

Difteln, 1. m^%xa\!Ä'\\,^'^.^^'^*>>-N^^ 



102 



DiUe — Dorf 



ersinnen. Einer der gern Etwas er- 
diftelt, überall nach Gründen späht, 
heisst einDiftler (so heisst im Bw. 
der Advokat!), einDiftelfritze, Dif- 
telschuster.Bei Joh . Scher r : Qualen- 
austiftelung, Vorliegende Samm- 
lung wird man ,,80 enne rechte, 
richtige Diftelei" nennen! 2. Stu- 
dentenausdruck: mit Einem difteln 
für: eine pikante, gereizte Unterhal- 
tung, wie auf Schrauben, führen, bes. 
um zu einer „Contrahäsche" zu ge- 
langen; s. Grimm: difteln. 

Dille, auch Dülle, Tille, Tülle, die 
Metall-Hülse am Leuchter, worin die 
Kerze steckt; mhd. tüUe, Köhre; s. 
Grimm. 

Ding, 1. hat in der Mehrheit: Dinger, 
bes. im wegwerfenden Sinne, wie 
Schriftdeutsch: „ihr armen Dinger". 
2. auch wie Dings, 2; 3. bes. für 
Zimmer, Haus, Stadt, Ort: — ich war 
noch nicht zum Dinge (Hause) naus, 
da ging der Erakehl schon an ; Einen 
zum D. naus schmeissen, zur 
Thüre hinaus u. s. w. ; 4. „ich due e 
Ding und ....", ich getraue mich, 
ich beginne Etwas; Rtr.: sin Ding' 
dauhn, seine Pflicht thun. 

Dingrieh, auchDinkerich, wie Dings, 
3; dann bes. für einen unangenehmen 
Menschen; Eg. 

DiB^S, das, Mehrheit: die Dingser, 1. 
Dmg. 2. der D., verächtlich für der 
Mann, Bursche u. s. w.; 3. statt eines 
Wortes, Namens, dessen man sich 
nicht gleich erinnert: wo ist denn der 
Dings her? — Aus Dings da drüben 
in Preussen; in Bsl. der Ding und 
weibl. die Dingene; so französ. le 
machin von la machine; s. Grimm: 
Dings. 

Dingskirchen (ausgesprochen: Dings- 
gerchen} wie Dings, 3; s. Grimm. 

Dinte (seit wenigen Jahren fängt man 
auch bei uns an, Tinte zu schrei- 
ben); 1. das ist klar wie Dinte, 
scherzweise: ganz klar; auch: klar 
wie Klosshrühe, wie Schnaps. 2. 
du hast wohl Dinte gesoffen, 
du bist nicht recht gescheit; PP., 
Schw.; 8. derheeme. 

Dippel, Dippelchen ist das Pünktchen 
und dergl., welches durch „andin- 
pen, hindippen", verursacht wird; 
orL; — Schw. Tünfel; davon: dipp- 
1 i g , punktirt ; Buhla : stäpfiich ; in Di. 
der Tippel = Spitze. 

Dippeln, 1. mitDippeln versehen; 2. 
ein Stickmuster abzeichnen; das 



Musterblatt selbst, das durch lauter 
Pünktchen die Stickereistiche angibt, 
heisst Dippelblatt. 

Dippen, tippen, 1 . für leise mit einem 
Finger oder Stecken anrühren; Th., 
Brl., ND. — Tippen=Dreikart, wobei 
das Aufdippen auf den Tisch bedeutet, 
dass man „mitgehf", nicht passt. Da- 
her andippen. 2. Einen dippen 
oder d u p p e n f. abmucken ; von t u p- 
fen (Goethe), tupfen; getüpfelt «« ge- 
dippelt. In Di. = flüchtig eintau- 
chen; to dip. 

Diskeriren, aischkeriren, von discourir, 
sich unterhalten. Sudt.: tischkeri- 
ren. Scherzweise: „wir wollen e bis- 
chen von diskeriren reden". 

Dispatat, Disbedat, der, f. Zwist, 
Zank. 

Distelmesser für Soldatensäbel; auch 
Käsemesser (le coupe-choux). 

Ditsehen, eintauchen, z. B. den Kuchen 
in den Kaffee, die Feder in die Tinte ; 
daher: eintitschen, ND. instippen ; 
Etwas aufditschen; ausditschen, 
bildlich f. Etwas zu gründlich und 
langweilig erörtern; Etwas ausbaden; 
so auch: In die Ditsche kommen, 
in Verlegenheit, Bedrängniss; — Die 
Ditsche, die triefende Flüssigkeit, 
bes. die Sauce zu Klössen und dgl.; 
Hl. Th., auch Dütsche, V.: Getätsche. 
Ab. auch Dunke f. Compot; Munke 
f. Muss. 

Ditte, die, Mutterbrust (Kinderwort); 
mhd. tute, tutte, tüttel, Di. Titte, 
Engl, teat. Franz. teton u. s. w. 

Dobrig, auch dubricht, seltner: 
d u m m^li c h, dumpf, moderig riechend. 
Ab.: döbrig; davon: verdowern = ver- 
modern. Eg.: towich, tuwrich == 
schwül. 

Dolile, 1. Hut, s. Angströhre; 2. 
Dirne. 

Dolle, die, eine grosse, wulstige, ge- 
bauschte Locke, Haartour; davon: 
d ollen, kräuseln, in Falten pressen, 
z. B. den Besatz der Unterröcke. 

Donner wache, „er ist (steht) auf der 
Donnerwache", erwartet seine Geliebte 
auf der Strasse , im Hausflur u. dgl. 

Doppeloelise, sehr dummer Mensch. 

Dorr, 1. steht ganz überflüssig in der 
Redensart : „es ist noch zeitig im D. ;''*• 
2. über die Dörfer gehen, beim 
Kartenspiel, dasselbe wie auf Bär- 
latschen gehen; namentlich nicht 
Trumpf, sondern Däuser spielen; 3. 
umsD. 'rumfahren, mit derKirche 
ums D. gehen, einen Umweg machen. 



Dorl — Dreckiger 



103 



Dorl, der, Tanzknopf; P. ; auch Forle; 
B. Grimm: dorlen. 

Dorre, die, Darre; ^vit der D. liegen**, 
Mangel leiden: vgl. knappdorren. 

Dorstig (sprich aorscht'g) für Donners- 
tag. („Dnrstie*' klingt genau ebenso). 

Döttend, doadend, dottig wie 
dutt'g. 

Drängeln f är drängen ; in einer Volks- 
menge entsteht 6 e drängele, Drän- 
gelei. Ab., Brl., P-; s. Gedrang. 

Dran|[salen, drangsaliren, durch 
lästiee Bitten zu Etwas drängen; 
wie brankeln, betteln; s. Gnmm 
II, 1340; ist hier sehr alt, von Jer. 
Gotthelf in der Schrift angewendet. 

Draseh, der, 1. angestrengte, übereilte 
Arbeit, Ab.; HL: Dräseo; (nicht blos 
=» Getratsch, wie Grimm angibt) da- 
her: dräschen, sich abdräschen 
wieab äs ehern, aber noch kräftiger; 
„dräschenicht so", sei nicht so hastig; 
abgedräscht für erschöpft. 2. 
Begenguss. Davon: draschen, 
dreeschen, treeschen; Ab. Von 
einem Douchebad sagte ein Leipziger: 
„da leeft d'r d'r Dreesch glei so iw'rn 
Gopp** (über den Kopf). 

Drathmflhle für Abtritt; s. Gold- 
mühle, Bürgermeister, Labora- 
torium, Oberhofgericht. 

Dratseheln, eine Dachtraufe dratschelt, 
wenn das Wasser in Stössen, mit 
Lärm herabfällt ;verwandtmitDrasch, 
2; vgl. scharLen. 

Drätsehen, trätsehen, drätsehen, 

schwatzen; davon: das Gedrätsch, 
Ab., Hl. ; in Wn. Tritschtratsch ; in d. 
Pf. tratschen f. klatschen, verrathen; 
tratschen ist treten, s. Tratsche; 
also wohl drätsehen = breittreten? 

Dreehe, vornehmer: drei che, trocken; 
mhd. trocken u. trucken ; trückene, Tro- 
ckenheit; Schw., PP., Schi, und K. : 
treug, treuge (Jesaias 19, 6); NS., Di.: 
drög; Zeh.: droch; engl, dry; holl. 
droog; Zeitw.: drechen, dreichen: 
„beide dreechend's recht fix;'* die 
Leipz. Marktordnung v 1726 erwähnt: 

fetreugtes Obst; — D reche platz, 
'rockenplatz; im ., Spaziergang nach 
Gohlis", 1781:Treugeplatz. 

Dreek, 1. beliebtester Eraftausdruck f. 
Eoth, Schmutz u. s. w.; daher sagt 
man wohl, wenn es gar zu kothig ist: 
„das ist kein Schmutz mehr, das ist 
Dreck;'* bei Schmutzwetter mussman 
„denD. messen;** 2. „Er hat noch 
Dreck Überlei,** er will sich noch 



rechtfertigen, nachdem er etwas recht 
Dummes begangen. 3. Dreck in 
den Ohren haben, schwer hören, 
wie „dicke Ohren** haben; s. Strumpf, 
2; PP.: Hülsen auf den Ohren haben. 
— 4. Dr. in den Pfoten haben, un- 
geschickt Alles aus den Händen ver- 
lieren; 5. „Dnverstehst 'n Dreck, 
kannst Debber warn TTöpfer werden)", 
bist naseweis, überklug; Augsb.; 6. 
„aus *n Drecke raus loben'S 
übermässig herausstreichen; 7. sich 
um jeden D. kümmern**, um jede 
Kleinigkeit; 8. „er hat D. ara Ste- 
cken**, Bsl., er ist sich eines Fehl- 
tritts u. s. w. bewusst, hat „Werg am 
Hocken;'^ 9. „es is mit e Dreck 
versiegelt**, verächtlich f.: Bac^a- 
tell, elender Bettel u. s. w.; ND.: 
dat is raet Schitt besiegelt ; bei Fisch- 
art: „Es ist mit Drecke verriegelt und 
faulem Wachse besiegelt;** 10. er 
steht da, wie ^s Kind beim Drecke, 
ist bei einem Unfall rath- und hilf- 
los, unbeholfen u. s. w.; Schw. 

Dreekbartel, Dreckbatze, Dreck- 
fritze, Dreckhanne, Dreckjule, 
Dreckliese,Dreckmichel, Dreck- 
peter, Drecksuse, Schimpfwörter 
für schmatzige Leute, gleichviel ob 
sie wirklich einen der angegebenen 
Eigennamen führen; Gramm. § 166 b. 

Dreekehen! Ausruf für „fehlgeschos- 
sen*', z. B. wenn Jemand Einen 
werfen will und nicht trifft, auch: 
Dreck, mei Herzchen! — s. ä (ätsch), 
Bäh, Essig, Kuchen, Pech, 
Quarkspitzen. 

Dreeken, träcken, für ziehen, auch 
f. schleppen, ertragen; von tragen; 
Köln, L., ND.; mhd. trieben; holl. 
trekken, schwed. draga, engl, to dravir, 
ziehen. 

Dreekerei, 1. Unsauberkeit, Unrath, 
wie Schweinerei; 2. das Eeinigen; 
s. dreckern. 

Dreekern, reinigen, fegen, scheuern 
u. s. w., wie raupern; bildlich: 
„was hast du hier herumzudre- 
ckern?'* dich unbefugt , lästig einzu- 
mengen; dieDr eckerei »Säuberung. 

Dreekfressen, als Eigenschaftswort, ge- 
bildet wie altfressen; ein „dreck- 
fressener Kerl** oder „Dreckfres- 
ser**, ein schmutzig geiziger Mensch. 

Dreeklg, 1. dreckigerKerl, dr. Junge, 
grüner Bursche; 2. geizig; s. Dreck- 
fresser. 3. es geht ihm dr., übel; 
dggn.: er geht dreckig, trägt 
Bomnutzige Wäsche, Kleider. 



104 



Dreckinspektor — Dadeldicke 



Dreckinspektor, Marstallanfseher; s. 
Dreckkärrner. 

Dreckkäfer, der, Käfer, der in Unrath, 
Mist lebt, Mistschröter; auch als 
Schimpfwort. 

Dreckkärrner, der, Marstallknecht, der 
den Kehricht ans den Strassen auf 
„Dreckkarren** abfährt. 

Dreckkröte, die, 1. ein Frosch, der 
dnrch sein Geschrei schlechtes, 
schmutziges Wetter anzeigt. 2. 
Schimpfwort. 

Dreckloch, 1. eine schmutzige Stelle, 
Stube u. s. w. 2. „Der Wind kommt, 
bläst aus dem Dreckloche*', vom West- 
wind, weil dieser Regen und somit 
Schmutz bringt. 

Dreckschleuder, sein Maul geht wie 
eine Dreckschleuder, sehr geläufig; 
Th., Eg., Schi. ; s. Grimm. In der Pf. 
nennt man Einen, der Alles unüber- 
legt heraussagt: „schnabelschnell**. 
Vergl. kodderig, Gänseloch. 

Dreckschwalbe, 1. schmutziger Mensch, 
2. bes. Spottname für Maurer; Rh., Hb. 

Dreckschwein, sehr schmutziger 
Mensch. 

Drecktreter, derbe, feste, dichte Stie- 
feln; s. Grimm. 

Drece s. dreche. 

Drehe, die, 1. Wirbel, Strudel in einem 
Fluss; im Walde: ein Holzweg, der 
sich so dreht, dass er zum .^fang 
zurückführt: Ha.: der Kehrwieder (am 
Hafen); 2. In der D. *rum (liegt es, 
wohnt er), in dieser Gegend, da herum, 
thereabouts ; so auch : „es war den 4. 
März oder um die D. 'rum; P.; in der 
D. war der Preis", ungefähr von die- 
sem Betrage; s. Pflege. 

Drehkopf, der, verdrehter Mensch; er 

, hat die Drehe, die Schöpsdrehe; eine 
heitere Kegelgesellschan; nennt sich 
„die Drehköpfe". 

Drei eh s. dreche. 

Dreidoppelt f. dreifach, z. B. den Faden 
dr. nehmen (nicht etwa sechsfach); 
Brl. 

Dreier, der, Dreipfennigstück (^sonst) ; s. 
Zweier, Vierling, Dreiling; „für 
einen Dreier dreimal um den 
Leib herum** bezeichnet schlechten 
billigen Tabak, weil er früher nach 
der Elle verkauft wurde. 

Dreierstriek, „Nerven haben wie 
die Dreierstricke (oder: wieHanf- 
stricke)**, sehr unempfindlich sein. 

Dreierstüekchen, das, kleines Weizen- 

^ebäok f, Kinder oder zum Thee; aus 

Jrfefferkucbenteich bäckt man auch 



Pfennigstücke zum Anhängen an 
den Christbaum; ähnlich geoildet: 
Dreierbrot, Dreierlicht. 

Dreiling, der, schwarzes Dreierbrot; s. 
Schuster; da^gn. war ein Vierling 
eine Yierpfennigmünze. 

Dreimaster, ein dreieckiger Hut, wie 
ihn Offizier mitunter noch tragen ; Di. 
Dremast; auch bei Gutzkow; wird 
auch: die Lampe genannt; tSte de 
hareng. 

Dresche, Prügel; davon dreschen; A» 

Dreschen, 1. prügeln, s. Dresche. 
2. spielen: „einen Skat, Schafkopf 
dreschen;*^ dagegen „Billard keilen**. 

Dreschen, stark regnen; Y., Eg., Brl., 
Th. ; in PP. ist treuschen = sprit- 
zen; holl. druischen, rauschen, s. 
Drasch, 2. 

Dreschflegel we^! Zuruf, wenn Jemand 
den Kopf auf die Hand und den Ell- 
bogen auf den Tisch stützt; vgl. 
Mecklenburg. 

Drieseln s. aufdrieseln; auch dris- 
sein, drosseln. 

Driezen wie biesaken, „annijiren 
(ennuyiren)**, bes. Jemand durch bos- 
hafte Anspielungen ärgern, necken; 
Rtr. : triezen ; Schw., Fr., Brl. treezen ; 
ahd. drio^an, unmuthig sein, mhd. 
driezen, drängen. 

Drinne, 1. dr. sein, Schneider sein, im 
Spiel ; Gegentheil :heraus8ein, ans 
dem Schneider sein ; 2. es ist (liegt) 

farnich drinne, ist ^anz unmöglich 
ppel, der, Truppe, Ineine Menge. 

Drippeln s. trippeln. 

Drücken, 1. im Spiele: weglegen; „er 
hat die grüne Zehne gedrückt;** 2. sich 
d., fortgehen, bes. heimlich; vgl. sich 
ziehen, sich schieben. 

Drucksen, 1. beim Sprechen, schwer- 
fällig reden und die Kehle dabei zu* 
sammendrücken; s. Grimm; 2. 
beim Handel: den Preis herunter- 
drücken wollen, durch Zureden u. s.w. ; 
das thut der Druckser; er ist 
drucksig, druckserig (in Di.: 
dränig). 

Dubiös, wie dusselig; „es ist mir ganz 
dubiös im Kopfe*'. 

Ducken, Jemanden, wie abmucken, 
duppen, dippen. 

Dndelaei, das (eigentlich: schlechter 
Gesang, s. Grimm), Kleinigkeit, Pap- 
penstiel; „10 Thaler ist ein Dudeldei 
für mich! er hat die Uhr fer e 
Dudeldei verkloppt.** 

Dudeldicke für schwer betrunken oder 
übersatt. 



Dudeln — Dussel 



105 



Daddn, trinken; Schw.; gewöhnlicher: 

andadeln, s. d. 
Daft» 1. ist männlich und weiblich 

i schon alt), Gramm. § 181: z. B. der 
Unmendnft; dagegen 2. die Duft, 
der Dnnst; „hier ist aber eine Duft/' 
schlechte Lnft, warm; HL; mhd. 
toft, Dunst, Nebel; 3. der Duft, 
Schnaps. 

Daften, gelind schwitzen, besonders von 
Kranken. 

Dalksen, prügeln; Einen abdulksen. 

Damm, 1. wird durch allerhand Bei- 
sätze verstärkt, z. B. er ist so dumm, 
dass er blökt, so dumm wie ä Schwein, 
wie Schoppen (Schefflem) sei Schwein, 
dreimal ttbers Kreuze dumm; dümmer 
als die Polizei erlaubt; dümmer als 
dumm, blitz du mm, homochsen- 
dumm, 8. Doppelochse; 2. bei einem 
nicht recht erwünschten Stiche im 
Kartenspiel sagt man: „das sind 12 
(15, 7) Dumme^^ (je nach der Zahl 
der Au^en); 3. laufen wie dumm, 
sehr schnell; s. albern, böse. 

Dammdassel, der, dummer und schläf- 
riger Mensch; s. Dussel. 

Damme» der, 1. der Betrogne; 2. der 
Verlierer im Spiel (wie : la böte), höf- 
licher der Wohlthäter genannt. 

Dammeniren, 1. (dominiren) über 
Andre herrschen, das grosse Wort 
führen; 2. ^ross thun, viel aufgehen 
lassen; s. dicke, 4. 

Dammhat, der, Dummkopf (der unterm 
Hute dumm ist), Hl. 

Dammlaek, der, dummer Mensch, mehr 
^emüthlich gebraucht; Dämelack 
ist viel schäifer; Lack alleinstehend 
erklärt Fulda in seinem Idiotikon: 
„dummer Mensch," ohne Angabe der 
Gegend; in Oe. ist Lackl = unbe- 
holfner Mensch, in Wf. Lacks ein 
langer, ungeschlachter Kerl. 

Dummlieh s. dobrig. 

Dammöhrig, albern; „d. Bursche; 
d. Messer ;** das Plattd. hat auch 
den Gegensatz: uhrig oder helluhrig, 
aufmerksam, wissbegierig. 

Dummsdorf, er ist von Dummsdorf, 
ist dumm. 

Dammthun, 1. ärgerlich sein, maulen; 
wie tückschen; V.: dummen; 2. 
wie dummeniren, 2. 

Dunner in die Toppe ! Aasruf = Don- 
nerwetter ! Dafür auch :Dunnernoch 
emal, oder: Dunner noch 'nein! 
Gott's dunner! 

Dannerlitzchen wie Dunnerwetz- 
chen. 



Dunnerseh- (Donners-), in Zusammen- 
setzungen, wie „Dunnerscl^erl*, L 
verwünscht. 

Dunnerwetzehen, verschleiert für Don- 
nerwetter; wie Sapperm ent. Jemi- 
ne, Potztausend statt Sakrament, 
Jesus, Gottstausend. 

Dunst, 1. ist weiblich: die Dunst (auf 
feuchten Wiesen u. s. w.), HL; aber: 
blauen Dunst hermachen; 2. so wie 
Duft, 2. 

Da^pen, Jemand, wie ab mucken; s. 
dippen, ducken. 

Durch, „der Käse ist ^anz durch, ** 
völlig mürbe, es ist em „rechter 
durcher Käse;** s. Gramm. § 171. 

Durchaus für bestimmt; „er hat mir*s 
durchaus versprochen.** 

Durchbrennen, sich entfernen, durch- 
gehen, ohne zu bezahlen, besonders 
ans einem Gasthause; davon: der 
Durchbrenner = Durchgeher. 

DurchfVessen, sich, mühselig ernähren; 
so bei Stieler und Schuppius. 

Durchgang, der, seltener Durchhaus, 
Gebäude, das einen Durchgang hat; 
Schott, througang. 

Durehledern, prügeln; s. ledern. 

Durchmarsch nahen, Diarrhoe; PP. 

Durch würgen, 1. sich durchdrängen, 
bei Goethe; 2. wie durchfressen. 

Ddrrlender, Derrländer, schmächtiger 
Mensch fvon Lende), seltner: Der- 
wisch; Eg.; s. Grimm u. vgl. derr- 
wenzig. 

Daso für sanft, angenehm, langsam, 
z. B. eine duse Musik, ein duser 
Weg, recht duse auftreten; es geht 
ganz duse weg = es geht unver- 
merkt, sanft hin ; seltner dusemauj^; 
Schw.; Etr.; mhd. tü^e, still, sanit; 
franz. doux. 

1. Dusel, der, 1. Halbschlaf, auch ge- 
linde Trunkenheit, wie „Tb ran;** Hb., 
Di., BsL, Pf., Schw.; davon: duselig, 
Sudt. tusseli^, Di. düsi, düssi, düseli, 
düsseli, däsi, däsig; engl, dizzy, s. 
Grimm; ferner: die Duselei, Sudt. 
Tusselei; duseln, Di. (auch drusen) ; 
etwas verduseln, durch Nachlässig- 
keit versäumen, verlieren, wie ver- 
bummeln, vertrödeln; in Ulm: 
verdirlemitzeln; 2. glücklicher Zufall, 
Glück (das im Dusel kommt), wie 
Schwein. 

2. Dusel, die, wie Dachtel, s. Grimm; 
davon: Einen abduseln; Schw., Bsl. 

Dussel, der, Einer, der ewig im Dusel 
ist, ein Duselkopf; Pf..» J.\ W3Ä.\i. 



106 



Duster — Eene 



thier; davon: dasselig; Etr.idüsen, 
düsig *» scbwindüg. 

Däster(mit langem a auch mhd.) ist be- 
liebter als d&ster; so „ini Dastern/* 
in der Dämmerung, Dankelbeit; leuch- 
tet ein Licht schlecht, so sagt man: 
„Mei Lämpchen brennt so duster, 
hier wohnt e armer Schuster!" 

Dasswit, sogleich, geschwind (von tont 
de suite); s. Schwiete, 1. 

Ddtchenkrämer, der nur sehr kleine 
Geschäfte (dütchenweise) macht ; P f e f - 
ferkrämer, Pfefferdütler, He- 
ringskrämer, epicier. 

Dato, die, dütenförmiger Verband eines 
bösen Fingers; Bspr.: Deute, auch 



für Düte; s. Däumlin 



Datt'g, dumm, vcrblüift, betäubt; Tb., 



, betäi 



« 



£g., auch „dumm und dutten; 
andere Formen: dodden, doddent, 
dottg, duddent; entspricht dem 
„konstemirt;" ND. däsig, schott.: 
dottied, daiz'd; PP. bedutt, vom 
Schreck betäubt; Di. dutti; vergl. 
Dadderich; betöppert. * 

Datzen, mit dem Kopf an Etwas stossen ; 
„er ist mit dem Koppe an die Wand 
gedutzt;'* Schw.; mit Einem zu- 
sammendutzen, wenn sich z. I'. 
zwei gleichzeitig bücken, um Etwas 
aufzuheben, und dabei mit den Eöpfeii 
„zusammen rennen/^ Einderspiel: 
man stösst die Stirnen sanft zusam- 
men und sagt lachend: „Hammel, 
Hammel, Dutzkopf!^* s. Grimm. 



E. 

siehe auch ä. 



E, das, f. Ei, Bspr.; Mehrheit: Eer. 

e oder ä, s. ein; Gramm. § 185. 2. er, 
wie hä; „e gimmt = er kommt*'; 
Gramm. § 190. 

Eben, spr. eem, nur in: eben voll, d. h. 
zumUeberlaufen voll; dgg. klingt es 
wie ä b'n in : ebner Weg, er kam eben 
u. s. w.j s. ebend u. Gramm. § 19. 

Ebenda spr.: ähmd (Schi, em), für eben. 
s. Gramm. § 19. 1. „ahm!" oder „nu 
ähmd!" bedeutet sehr vielerlei Zu- 
stimmungen; sagt man z.B. „ach, 
es regnet ja", so heisst „ahmt:" ia, 
das ist traurig, aber wahr! Auf die 
Bemerkung: „Er sollte so grosse Aus- 
gaben nicht machen", heisst es: „Ganz 
meine Meinung!" „Da hast Du sehr 
Becht !" lieber eine Dame, die sich dies 
Stichwort sehr angewöhnt, sagte ein 
Herr zu deren Schwester: Ida ist sonst 
allerliebst, wenn sie nur nicht immer 
sagte „nu ahm!" — „Nu ahm!" war 
die Erwiederung der Schwester! Sz.: 
ebbe! 2. für ebenfalls, auch: „das kann 
ich eben" (betont). 

Eberreis, Pflanze, verdolmetscht aus 
Abrotanum; in andern Gegenden: 
Ebenreis, Eberitze, Eberraute, Aber- 
raute, Haberraute, Eberruthe. 

Ebillet (die erste Silbe betont), Epau- 
lette; Mehrheit: Ebillets. 

Eekehen, Theil einer Semmel, dann all- 
gemein <= Stückchen: ein £. Kuchen; 
ff eh ein Eckeben mit; V.; Goethe: 

muf ihnen eine Ecke entgegen. 



Eeke; „er ist um die Ecke", 1. todt; 
2. verloren, bes. im Spiele, auch ban- 
kerott; s. hin^ futsch, pleite. 

Eeki|[^, ausser sich; „er ist ganz eckig 
vor Freude; er war vor Aerger eckig; 
er is ganz eckig darauf", versessen, be- 
gierig; J.: eggelich; s. bebohm- 
ölen, Häuschen, bekegeln. 

Ede, Abkürzung für Eduard. _ 

Ede, Eigenschaftswort: ede, ete, zärt- 
lich, überfein, geziert, spröd; Brl.; 
„80 ete, wie ene Jumfer"; Wd. öt, von 
abweisendem Benehmen; verstärkt: 
edebedete; Büd.; Nd.: ernsthaft!^ un 
etepatete; man möchte an: ethisch- 
pathetisch denken! 

Edel steht in der Verbindung „edel, 
gut und ganz", für unversehrt, 
wohl erhalten, z. B. von einem Bocke, 
Hemde; s. tausendgut. 

Eebaek, der, weisses Gebäck, nur ein- 
mal gebacken; Gegensatz von Zwie- 
back; Gramm. § 56. 

Eefällig, einfältig; Bspr.; Gramm. § 56. 

Eene, 1. Zahl oder betonter Artikel 
«= eine, einem u. s. w.; s. Gramm. 
§ 185; s. auch enne; 2. in eene 
fort, in eene weg (lachen, trinken 
u. s. w.) = in Einem fort. Ab.; Eg.; 
s. egal 2, Bindfaden; 3. „eene 
deeneDintenfass, geh in die Schul' 
un lerne was", Kinderreim; ebenso: 
4. „eene deene Entenschnabel, 
wenn ich dich im Himmel habe, 
leW ioVi d\i ein Beinchen aus, mache 



Eespnz — Eingehen 



107 



mir ein Pfeifchen draus; pfeif ich 
aUe Morgen, hören's idle Storchen; 
geht die Mühle klipp, klapp; geh, du 
futer Pfeffersack*'; dient zum „Ans- 
zahlen** bei Beginn eines Spieles. 

Eespaz, Einspänner (das man Eespenner 
ausspricht); s. Spnz. 

Effenreliehen, Bspr., für Evangelium; 
die Leipziger, auch Prediger auf der 
Kanzel, sagen: efang-gelium , efaug- 
gelisch I 

Egal, 1. viel beliebter als „gleich, einer- 
lei**; Zieräffchen sprechen: „es ist mir 
eingal!** 2. fortwährend, unaufhör- 
lich, usque; es schneit egal fort; 
er setzt sich egal (immer wieder) hier- 
her; wo steckt denn der e.?, von 
Einem, der oft hinter einander fehlt. 
^g'l vgl- Bindfaden; eene, 2; über 
die Aussprache s. Gramm. § 24. 

Egliseh6, das, missverständlich filr Ne- 
glige ; „er ist im E.**; vergl. Gramm. 
§ 121. 1. 

Ehegestern, wenig üblich f. vorgestern ; 
L.; Schott, hieryestreen. 

Ehekrflppel, Ehegreepel f. Ehe- 
mann; Tb. 

Ehemann, ein kaltes Gericht aus Schin- 
ken, Sardellen, Kapern, Pfeffern, Gur- 
kenschnitten (wenig bekannt). 

Eher, eh'r för ehe (engl, ere); hier hat 
sich das r erhalten, wie in erst; vgl. 
da und dar, hie und hier, wo und 
worin u. s. w.; „nimm's weg, eh'r er 
kommt;" Sudt.: ebb; s. noch vor eh'r, 
wenn eh'r, erst 1. 

Ehestandskarrete f. Kinderwagen. 

Ehle f. Elle; „er hat eine Ehle ver- 
schluckt** sagt man von einem un- 
gelenken Menschen; s. Ladestock. 

Ehrlieh, „er hat sich ehrlich abgequält, 
was Ehrliches zusammen gearbeitet**, 
gehöriff, tüchtig; daher Wortspiel: 
„er nänrt sich ehrlich*^ = isst stark; 
vgL albern, böse. 

Eieheleekern, eecheleckern für 
Eicheln oder Eckern in der Karte, 
wieAeuglein;vgl. grinsen, Hosen, 
SchelUümpchen; übrigens ist auch 
sonst Ecker viel gebräuchlicher als 
Eichel. 

fiiehhörnehen, „er glaubt, der Teufel 
ist ein Eichhörnchen*', so dumm ist 
er. Kl. 

Efei machen, liebkosend streicheln. 
K, bei Ktr.; Hb. gib mir ein Eiei; s. 
eien; Bsl. ä-ä mache, äli mache. 

Eien, wie eiei machen; Btr., Eg., 
BrL; holl. aaijen. 

Eier, ^,das hat seine Eier'* => Beden- 



ken, Schattenseiten, Gefahren, Schwie- 
rigkeiten; s. Kraut. 

Eigen, oigend, 1. für eigen thümlich, 
sonderbar; „es ist doch eigen**; 2. f. 
genau, bestimmt, „das weess ich ganz 
eegen;**s. grundeigen. 3. Das Um- 
standswort schreibt man eigends 
(wie eilends, Abends). 

Eikel für eitel, nämlich im Sinne von 
„lauter, Nichts weiter. Nichts da- 
zu, ** z. B. „eikel Brod essen; er isst 
die Wurst eikel**. Th. : eitel Brod. V. : 
eckel; dggn. sagen wir: eitle Leute: 
Gramm. § 89. 

Eilenbarg (Städtchen, unweit von Leip- 
zig); „er ist nicht von Eilonburg*', 
er eilt nicht gern, ist saumselig. 

Eilwagen^ ein Polizeikarren zum Fort- 
schaffen von Betrunkenen, Wider- 
spenstigen u. s. w., auch: Stengels 
!^ inderwagen genannt, zu Euren 
eines frühem Polizeidirektors Stengel. 

Ein 8. eene; — ein steht in gezierter 
Sprache in manchen Zusammensetzun- 
gen für in, z. B. einwendig, ein- 
liegend (einbegriffen); s. egal. 

Einander s. Gramm. § 192 E.; 1. aus- 
gesprochen: enander, Bspr.: enan^er, 
nacn Verhältnisswörter auch : 'nanaer ; 
z.B. unternander; hinternander- 
weg (= ohne Unterbrechung); 2. die 
beiden h a b e n ' s mit enander** 
(„haben** betont), sie halten vertraut 
zusammen; Sz.; dgg. „sie hamm's mit 
enander** (letztes Wort betont), sie be- 
sitzen es gemeinschaftlich. 

Einbällig, ee bällig ist ein Paar Stiefel 
oder Schuhe, deren jeder nur für den 
einen Fass past; kann man sie belie- 
big an den rechten oder linken Fuss 
ziehen, so sind sie zweibällig; Eg. 

Einbinden, 1. dem Patbchen ein Geld- 
geschenk machen (welches in den 
durch Seiden band zusammengehalte- 
nen Pathenbrief kommt). Wer zu 
Gevatter geladen wird und nicht gern 
einbindet, sagt: „ich gehöre zum (an- 
geblichen) Verein gegen das Einbin- 
den**. Das Pathengeschenk selbst 
heisst „Eingebinde**; Eg.; Ulm: 
Eingestrick; 2. beim Spiele, wie 
brocken, schmieren. 

Einbrocken s. brocken. 

Einbadeln, einpacken, das Geschäft auf- 
geben; wohl von Bude, also ähnlich 
dem abbuden. 

Einerlei, „er ist (thut) recht eener- 
lee'*, theiln ahmlos, still, kalt, abge- 
schmackt; s. ede. 



108 Einhäkeln — Ende 



es ist mir nicht glaublich, will mir; „die eintreppige Köchin** n. s.w.; so 



anch: „die Zweitreppigen (Dreitrep- 
pigen u. 8. w.) sind ausgezogen**, die 
Bewobuer des zweiten u. s. w. Stocks. 
Einweichen, 1. betrunken machen; 2. 



nicht in den KopiT N. 
Einhäkeln, Jemandem den Arm reichen, 

um sich führen zu lassen; Ho.: in- 

baken. 

Einkacheln, einheizen (vom Kachel- betrügen; s. einseifen. 

ofen). Ein wendig s. ein; Eh., Nied.-Oe. 

Einläuten s. Messej^4. Einwickeln, verhaften; wie einspin- 

Einmal, 1. „nur emal** f. ohne Auf- nen; s. Wickel. 

hören, ohne Unterbrechung; „beide Eisen, 1. ins alte Eisen kommen, 

regnets nur emal** (= den ganze Tag); altern, ins „alte Register** kommen. 

„sie isst den ganzen Tag blos emal;** 2. ein Eisen verlieren s. Hufeisen; 

2. für sicherlich: — ,,nu geh ich in jjD. 

ganzen Leben nich widder aus, das Eiserne Vorhänge, Gitter an Gefang- 

is aber eemal wahr;** Sinn: das will nissfenstern 

ich ein für alle Mal gesagt haben Eisewig, Bspr., Ysop, hyssopus officina- 

Binmännisch,^ einmenschig oder ^ Wohlriechendes (Gartengewächs, 

einschläfrig ist ein Bett für eine ^^^^^ die Bauerweiber sehr für ihre 




iur zwüi. /iwci»uui«*iixB, ^nci- gcEwer ZU befriedig( 

mannisch. ger Mensch**, widerwärtig, ekelhaft; 

Einmummeln, übertrieben in Kleider, 3. e. werden, bös, erzürnt, wie: 

Shawls u. s. w. hüllen, Brl., Pf., Ho. falsch; es ist mir eklig zu Muthe; 

Schiller: einmummen; s. Pöpel. bei Arnim; 4. = recht sehr, stark, 

Einpacken, 1. den Widerspruch oder also so wie böse: „es kost' ekliges 
Anspruch aufgeben; „packe Du nur Moos; das Wasser ist eklig gross; ich 
ein»*, schweig! — Hergenommen von habe mich e. gebrennt;** ßtr. 
einem Hausirer, dem man Nichts mehr Eklipasche f. Equipage; Gramm. § 144. 
abkauft, so dass er die ausgekramten Elf, „das hält von elfen bis um zwölfe**, 
Waarenzusammenpackt;2. „siepackt igt ohne alle Dauer; Hb.; noch deut- 
recht ein**, altert u. s. w., wie ab- ijcber in PF., wo der gemeine Mann 
lege n, 3. Hl. um 11 zu Mittag isst : „das hält (oder : 

Einpauker s. Pauker. dauert) von elf bis zu Mittag**, also 

Eins, Jemand; „es ist E. im Garten**. Hl. gar nicht. 

Einsacken s. sacken; Hb.; Bsl. i -sacke, iliitzig, einzeln; einelitzigerMensch, 

Einsaaen, stark beschmutzen; s. Sau; iiiiverheirathet,Pr.:einlitscher Mensch; 

in Fr. emschweinsen. dgg. Wn.: oanschichtig;ein elitziger 

Einseifen, 1. beim Spiel: Einem viel Handschuh, zu dem der andere 

abnehmen; 2. betrügen. 3. betrunken fehlt; Ab., Eg.; holl. eenlijk; ND. lut, 

machen; s. einweichen. lütk. — Schw.: einzieht; s. Grimm: 

Einspeechen, eine Beihilfe gewähren; einlützig; mhd. einlützec. 

„wemmer immer so ä baar Näbichen EUboiren, „dazu gehört Kopf, Genie 

(Groschen) anbei zusammenschräpelt und Ellbogen**, d. h. Ueberlegung 

(zusammenscharrt), das hilft alles mit (Nachsinnende pflegen sich auf den 

einsp.;** in die Speichen greifen, oder Ellbogen zu stützen), 

einspeichern? s. hatten. Ellengedeliwe für Jelängerjelieber, 

Einspinnen, verhaften ; Btr. : inspunnen ; Geisblatt ; Bspr. 

mettre au violon, ä Tombre. Ellenreiter, Ausschnitthändler. 

Einsp nnden s. das gebräuchlichere Eltern, nicht von schlechten El- 

einspinnen. tern, d. h. gut, kräftig, ist z. B. ein 

Einthonen, Fettflecke mit Thon be- Wein, eine Ohrfeige, ein Bausch; s. 

streichen, um sie zu beseitigen. Langeweile, Stroh, Tombak, 

Eintränken, es Einem, für nachdrück- Pappe. 



lieh verbieten, verweisen; s. Grimm. 

Eintreiben, in die Enge, ins Bockshorn 

treiben; „mer muss sich nur nich glei 

e/ntr. lassen;'* 8. Grimm, 

Eintreppif^, im ersten Stock wohnend ; 



Ende, „na, das ist vor seinem Ende**, 
wenn er Etwas so Unerhörtes thut 
(bes. ordentlich, freigebig oder gut- 
müthig ist), so stirbt er gewiss bald. 
In gleichem ^mue fragt man auch: 



Enne — Escbbem 



109 



„Haste denne deiDesdemant schone 
gemacht?" 
EtSäe» 1. für ^eine" als Artikel, dage- 

fen heisst die Zahl „ene;** Gramm. § 
85. 2. enne verdorben aas dem Flick- 
wort denn (französisch donc); z. B. 
„wo steckt er enne; wer enne, wa- 
rum enne, wie enne?'* 3. dies wird 
auch zu >n verkürzt, z. B. was will 
er 'n? „was wollt ihr denn?** 
klingt wie: was wolltVn? wie so 'n 
f. wie sodenn? — was denn? ist 
kräftiger als: was'n? Das Binde- 
wort „denn'' bleibt stets unver- 
kürzt. 

Engel, 1. holder E. aus der Holz- 
hammer, spöttisch für eine Magd u. 
dgl.; in Augsb. bedeutet es den Teu- 
fd. 2. s. Polizeidiener, 1; — 3. die 
En^el singen (pfeifen) hören, 
heftig43n Schmerz empfinden. 

Eni^gkeit» die, für Gedrängtheit, Eng- 
sitzen u. 8. w.; Gramm, g 165. 

Ewlisehes Gewdrz, Sammelname f. 
^mmt, Muskat, Pfeffer u. s. w. 

EBgroswoehe s. Messe. 2. 

Emmer, auch Em er, f. Eimer. 

Entenstaodrich, veralteter Spottname 
für Student. 

Entleiben, sich, harnen. 

Entzwei (sprich: inzwei, bäurisch: an- 
zwee), 1. entzweigehen, bankerott 
werden, ein Spiel verlieren; 2. ent- 
zwei nimmt Endungen an, wie ein 
echtes Eigenschaftswort: „ein ent- 
zweier Stuhl, die anzween Stieweln;" 
seltner: „enzweeig;"* s. Gramm. §171. 

-er als Anhängsel, s. Gramm. § 158, 4. 

Erbe (erwe), ehrbar, sittsam, zimper- 
lich; „sie dut recht Jrwe;" L.: erber; 
8. Grimm: erber. 

Erbellen, erböllen, halb erfrieren; bes. 
von der Hand; s. bell; Ab.; mhd. 
verbellen, so beschädigen, dass Ge- 
schwulst entsteht. 

Erbsen, 1. „der Teufel hat Erbsen 
auf ihm gedroschen, '' sagt man 
von einem Pockennarbigen; Rl. 2. 
„Es ist drei Viertel auf kalte 
Erbsen; wenn^s schlägt, schlägt's 
Manschettenermel;" erwidert man 
scherzhaft auf die Frage: welch' 
Zeit ist es? die erste Hälffce auch 
in Bsl. 

ErbsEette oder Erbsenkette, eine Kette 
einfachster Art für Uhren u. s. w. ; 
8. dagegen Panzerkette. 

Erdapßl, Kartoffel, Y. ; s. Erdbirne 
und Aeberne. 

Erdbime (spr.: Erdbeme, Erbeme, 



Aeberne), Kartoffel; s. Erdapfel, 
Aeberne; desgl. im Eg., auch: 
Grumbiere «» Grundbimen, was auch 
Schw. ist. 

Erfahren ist gleichbedeutend mithören; 
daher: „das habe ich gestern zum 
ersten Mal erfahren!*^ Schi., ND. 

Ergattern s. aufgattern. 

Erlernen f. lehren; Anzeige: „Jungen 
Mädchen wird das Putzmachen er- 
lernt;" s. lernen. 

Ermaehen, ich kann es nich ermachen 
(d'rmachn), trotz gutem Willen und 
Anstrengung nicht erzwingen, durch- 
setzen, aosAhren; den Weg bis dahin 
d'rmach ich in enner Stunde; Eg.; 
s. breeten, erwürgen. 

'errer, Abkürzung f. ihrer, deren; s. 
Gramm. § 226. 

Erriechen, Etwas oder Jemanden nicht 
erriechen können, unausstehlich 
finden. 

1. Erst, 1. f. eher: „das wusst' ich 
erst," ehe ich fragte, ehe ich es er- 
fuhr, im voraus u. s. w.; umgekehrt 
steht manchmal eher f. erst: „es is 
noch nicht Mittag, es is eher elfe;" 
2. erst recht, scharfe Bejahung, 
einem Zweifel gegenüber, wie: aller- 
dings, ja, doch; man entgegnet 
z. B. auf die Frage: „Du gehst wol 
nich mit zu Balle?** — „Erst recht** 
(oder: allemal, oder: feste, oder: un obl 
oder: jo). — Was verboten ist, thun 
sie erst recht (gerade deswegen). 

2. Erst. Erste, die, als Hauptwort in 
adver oialen Verbindungen, wie: in 
der Erste (sprich: ehrschte oder 
ärschte); zu guter Erseht, an- 
fangs, zuerst; ND. in de Irst; s. 
Grimm HI, 1004 u. vgl. das Gegen- 
theil: die Letzt. 

Erstaunt, 1. Adv., sehr, erstaunlich: 
— es ist erstaunt kalt; sie war ganz 
erstaunt reich: 2. es is doch was 
Erstauntes f. Erstaunliches, Gross- 
artiges; s. Gramm. § 166 a. 

Erwürgen, eine anstrengende, müh- 
selige Arbeit zu Stande bringen; s. 
ermachen. 

Esehafllren, viel beliebter als: sich 
erhitzen (4chauffer). 

Esehbern, Etwas bastig, übereilt, ohne 
die nöthige Bube thun, besonders wie 
Kinder. „Eschbere nur nicht so!" 
sagt man zu „fahrigen (esch- 
brigen)" Kindern. Daher: sich 
abeschbern; Schi., V.: extern; 
NS. äspern = quälen; s. eache^p.^ 



110 



Escher — Packeln 



Escher f. Eschel, blaue Farbe, blässer 
als Neublaa; wurde sonst zum Bläuen 
der Wäsche gebraucht. 

Esehcrn, äsehem, fast wie esch- 
bern; bei eschbern ist die Haupt- 
sache das Hastige (man kann 
auch beim Spiel ,,eschDern'*) , bei 
e Sehern das Anstrengende, bei 
draschen das Ermattende; sich 
ereschern, durch Hast sich er- 
hitzen; Ab., Eg., V. 

Esel, K „Du musst wohl einen Esel 
zu Grabe läuten?*' fragt man ein 
Kind, wenn es im Sitzen mit den 
Beinen schlenkert; Grimm: den Esel 
läuten; L., Wn.: Hunde ausläuten; 
2. „der Esel fährt heraus," wenn 
man graues Haar bekommt (Wn.: 
„er wird stichlhSri"). 

Eseln, arbeiten, wie büffeln, ochsen; 
s. Grimm. 

Eselswiese, Spottname für die letzten 
Spalten der Anzeigen im „Leipziger 
Tageblatt," auf denen Witz und Be- 
hagen, Satire und Albernheit (meist 
anonym) ihre literarischen Privatbe- 
dürfnisse gegen Erlegung der Druck- 
kosten befriedigen. 

Esö, ässö, Verstärkung von so; Bspr.: 
ässu; Rh., Eg.; in Sudt.: asu für 
ebenso. 

1. Esse, die, 1. hoher Hut, Cy linder; 
PP. Schornstein; engl, chimney-pot; 
N.Amer. stove-pipe; franz. tuyau 
de poile; s. Angströhre; 2. in 
die Esse (oder Feueresse) schrei- 
ben, eine Schuld als uneinbringlich 
löschen; FP. in den Schornstein 
schreiben. 

2. Ess6, das, in seinem Ess^ sein = 
in seinem Elemente sein, sich recht 
Wohlbefinden; erklären Manche von 
dem lateinischen esse, Andre von 
Stre ä son aise. 



Essende Waaren für Esswaaren; s. 
Gramm. § 170. 

Essig, „es ist Essig," es ist miss- 
ratnen (wohl: es ist Essig geworden 
anstatt Wein oder Bier). „Essig, mein 
Herzchen'^ ruft man ganz so wie 
ätsch, Kuchen, Pech. 

Essigmann, der, hinterste Kegel in der 
Mittelreihe. 

Esteration für Restauration; vergl. 
Eglische. 

Estimiren, estemlrn, gebräuchlicher 
als werthschätzen ; „er wird von sei- 
nen Freunden oder Vorgesetzten sehr 
geestimirt.'^ Besonders sagt man von 
Kindern: sie estimiren ihr Spielzeu^f, 
ihre Kleider gar nicht, wenn sie sie 
nicht gut halten; auch „vereste- 
miren," 

Ewig (ausgesprochen: ewV, in der L. 
ebg), sehr lange; „er bleibt ewig 
(und drei Tage); sie kommt ewig 
nich widdr; er ist ewig nicht hier 
gewesen; wie ewig biste denne? f. 
wo bleibst du so lange? Aehnlich: 
die ewigen Kartoffeln, die bei 
jeder Mahlzeit wiederkehrenden. — 
„Ewig und sei Tage nich,'* 
für: nimmer mehr; „er hat schon 
ewig und sei Tage Nichts von sich 
hören lassen." „Die ewige Braut" 
nennt man eine Verlobte, deren Ver- 
mählung lan^e warten lässt. 

Ex, aus, vorbei. (Latein.) „Damit ist es 
ex!** ursprünglich Studentenwort.. 

Examen ist männlich, besonders wenn 
man von einer Schulprüfung spricht, 
ein Student etc. macht aber auch 
manchmal das Exam; s. Gramm. § 
181. 182. • 

Exequier^ der, f. Executor; § 158. 

Extern wie eschbern; auch f. necken, 
vexiren; Eg., Meiningen, Wetterau, 
Aachen. 



F. 

s. auch V. 



Faeli, „ich kann damit nicht zu Fache 
kommen,^* es nicht zustande brin- 
gen, nicht „breten," mich nicht 
„hinein fitzen." 

Faekeball, Spielball für Kinder; s. 

facken; mit Jemandem Facke- 

ball spielen^ zum Besten haben; 

Ä Seblndlnder apielen, Affen- 



schande treiben, Zschochersch 
machen. 
Fackeln, zögern; „was fackeiste denn 
ewig?'* bes.: nicht fackeln oder 
nicnt lange fackeln, 1. nicht un- 
schlüssig zaudern; 2. keinen Spass 
verstehen; „nicht vogtländern** 
hat heide Bedeutungen auch; s. Grimm. 



Facken — Fechten 



111 



Faeken» 1. werfen, z. B. einen Ball; 
„zufacken;'* Th.fän; einen Betrank- 
nen zum „Binge nans facken;" s. 
Grimm; 2. das gegenseitige Zuwerfen 
nnd Auffangen eines Balles, dieser 
heisst Fäckeball (nicht aber der 
jetzige grosse Gumroiball). 

Fadenfferade ist ein Mensch, der ohne 
Bücknalt seine Meinung frei heraus- 
sagt. 

Fagott, 1. durchtriebener, liederlicher 
Mensch; 2. „das falscbe Fagott 
blasen/' einen hörbaren Wind gehen 
lassen. 

Fahne, Fähnehcn (Goethe), für Frauen- 
kleid. 

Fähtee. 1. das Fahr ee, in der Kinder- 
spracne Alles, was zum Fahren dient, 
em Wägelchen, ein Körbchen, ein 
Bretchen an einem Faden u. s. w.; 
2. die Fahree, die Beihe, Fahrt; 
„enne scheue Fahree in Both,'' 4, 5, 
6 rothe Blätter im Spiele ;s.Peitscbe, 
Flöte. 

Fahriff, unstät, hastig; bei Goethe, 
Tieck; s. eschbern. Wer „fahriges 
Wesen" hat, heisst „eine Fahr- 
maus." (Arabisch ist Fahr »= Maus.) 

Fahrmaus s. fahrig. 

JPahrt, die, 1. Tracht Wasser, zwei 
Eimer; s. Fuhre; 2. muthwilliger 
Streich (Brl.); wer deren gern macht, 
ist ein Fahrtenluder; erinnert an 
die „fahrenden Schüler, Bitter;" 3. 
Einem eine Fahrt hinein- 
machen, Hindernisse bereiten, wie: 
Dazwischenfahren, in die Parade fah- 
ren; s. Queue; Fahree, 2. 

Fahrt enlnder s. Fahrt, 2. 

Fake, die,_ gelindere Ohrfeige oder 
Dnsel; faken; die Katze „fakV^ den 
Hund; Böhm.: Facka. 

Falle, die, 1. Bett; sich in die 
Falle hauen, zu Bett gehen; s. 
Lampe, Bethlehem; 2. öfientliches 
Haus, s. Benno. 

Falsch, 1 . böse, ärgerlich, wie eklich; 
ND.; 2. falscher Betrüger, im 
Scherz für Betrüger; wenn Jemand 
zuviel zahlen will, beschuldigt man 
ihn, er wolle falschen Betrug 
machen; 3. eine fälsche Bohne, 
beim Kaffee, eine Bohne von widri- 
gem, öligem Geschmack; sie gibt dem 
Getränk einen „Schwanz." 

Familienscene nennt man es, wenn drei 
Wenzel beim Skat in einen Stich 
fallen; man sagt dann auch: „So 
ist's recht, sie fressen miteinander 
besser." 



Familien Wetterdach, -schirm, sehr 
grosser Regenschirm. 

Fangknehen für Pfannkuchen, ein Ge- 
bäck in der Fastenzeit. 

Fangte für fing; es fangte an zu regnen ; 
auch fung; s. Gramm. § 210. 

Fape, eine ; die im Ganzen abgezofifene 
Schale junger Aeste i besonders Weide), 
welche ein Eöhrchen bildet, an einem 
Ende dünn Keschabt und zusammen- 
gedrückt; bläst man hinein, so gibt 
es einen Zungenton wie ,fäp;** dann 
auch ähnliche Blasinstrumente von 
Rohr, Hundeblumenschaft u. s. w.; 
Plattd.: Purten,Puphup, Sluxer; Hb.: 
Hoppe; 2. bildHch: Tabakspfeife, Ci- 
garre; wie Pipe. 

Farbe, die, Färberei; in die Farbe 
tragen; er hat enne Farbe; Th. 

Farin, der, Abkürzung für Farinzucker, 
Krümelzucker. 

Färlebock, Femambuckholz; Bspr. 

Farns, Färnz, verkürzt von Fimiss, 
daher Wortspiel mit: Holofemes = 
hole Firniss. 

Farre s. Pfarre. 

Fasernackig, auch splitterfaser- 
nackch, ganz nackend; Sbg.: fuosel- 
nackig; Schw.: fasennaekt. 

Fass, „er hat Fässer gefressen und 
die Reefen nicht verdauen können,** 
sagt man von einem Windhunde, über- 
trug es auch auf Krinolinenträge- 
rinnen. 

Fassen, erhalten; Soldaten „fassen** 
Brod, Löhnung u. s. w. 

Faste, die, f. Fastenzeit, alt; s. Grimm. 

Fauchen, pfaatzen, der eigenthümliche 
Laut der Katzen, Hamster, wenn sie 
im Zorn heftig hauchen; Tb., Hss.: 
pfuchen; franz. feuler, s. Grimm. 

Fauchtler, der, Prahler, Windbeutel; 
vielleicht Einer, der die Fuchtel 
gehörig, als Spiegelfechter, schwingt? 

Faustdicke, sehr, stark, z. B.: „ich 
hab es ihm faustdicke gesteckt (ihn 

froh angelassen); er hat's faustdick 
inter den Ohren;*' vgl. dick, 8, 
knippeldicke; s. Grimm. 

Faxe, die, Grimasse, Fratze, Possen, 
bes. mit komischen Bewegungen; 
Spass, lustiger Streich; wer sie liebt, 
ist ein Faxenmacher, Faxen- 
luder. A., PP., B., E., Pf., F.; im 
Ww.: Faats; ND. Fiifax (s. fick- 
facken), Isld.: Ginfaxi; — facetiae? 
s. Grimm; vgl. Fahrt. 

Febrar, Fewerar statt Februar; s. 
Gramm. § 110. 



112 



Feder — Fickfacken 



werksbur sehen; s. dalfen, schmal 
machen; s. Grimm III, 13S8; davon 
Fechtbruder. 

Feder, Federn heissen die Späne, mit 
denen die zwischen den Dielen ent- 
standenen Lücken aasgefüllt (= aus- 
gefedert) werden. 

Fcäerhausen, das Bett; „nach Feder- 
hansen gehen /^ alt; s. Bethlehem, 
Falle, Lampe. 

Federvieh, scherzhaft f. die Schrift- 
steller; ähnlich; Federfuchser, 
verächtlich f. Lohnschreiber, auch f. 
Schriftsteller. 

Fehle, die, eine Farbe, die man in 
seiner Karte nicht hat, Fehlfarbe, 
Benonce. 

Fehl mich, Abkürzung f. ich. empfehle 
mich ; Kinder sagen sogar :fehmlich- 
ihn; s. Gramm. § 124. 

Feiertage; bis etwa 1835 hatte in 
Sachsen jedes der drei hohen Feste 
drei Feiertage, nicht nur zwei; der 
Name „dritter Feiertag" ist da- 
her für den Dienstag nach Ostern 
und Pfingsten, sowie auch zu Weih- 
nachten geblieben, man zählt auch 
wohl einmal bis zu einem vierten 
Feiertage. 

Feirig, arbeitslos, von Handwerkern, 
s. Grimm. 

Feise, die. Zimmerchen, bes. für den 
wachhabenden Knappen in der Mühle. 
Hl.; mhd. phise; vgl. Schmidt- 
Phi seideck; s. Kaffete. 

Feiteln, Wind machen, aufschneiden; 
häufiger „Einem Etwas vorfeiteln." 

Feixen für kichern; das Gefeixe; bei 
Gerstäcker u. A. 

Feldwebel, der, für Hausfrau, sofern 
sie das Kommando führt; ebenso: 
Wachtmeister, auch Platzkom- 
mandant, Platzmajor u. s. w. 

Fenster, das schmeisst ihm keine 
Fenster ein, ist nicht ohne Vortheil 
für ihn. 

Fenstern, l.hinausfenstern, hinaus- 
werfen, wenn auch nicht gerade durchs 
Fenster; 2. ausfenstern, ausschel- 
ten; B. wegfenstern, Sbg. fängstern, 
fängtern; Pr. feistem; eigentlich wol: 
den vor dem Fenster stehenden Lieb- 
haber fortschicken. 

Ferleiix, iirleiix, drollig -flink, zap- 

X peUg, wie fahrig; auch: der Ferle- 
m; ß. ferzeln; ähnlich „Hirzefirz" 
in PP. 

Fernen, sie femt recht, sieht nur von 
weitem hübsch aus; s. Grimm. In 

Scbw.: sie färelet, wie die Stadt- 



jungfern; in Bsl. ganz so: wittein 
(von weit). 

Fertig, bildlich: l. sehr ermüdet* 2. 
betrunken; 3. bankerott; s. alle, 
futsch, pleite u. s. w. 

Ferzeln, hin und her fahren, wie ein 
Fe rief ix. 

Feseh, verkürzt aus fashionable = mo- 
disch, fein u. 8. w.; „e fescher Kerl" 
= tüchtig, anständig im Aeussem. 

Feste f. senr, recht sehr, sicherlich; 
„wir kommen feste! Der arbeitet 
feste" (wie: fest schlafen). „Feste 
drauf !^^ oder auch: feste uf die 
Weste! vgl. dicke, böse. 

Feste maelien wie annageln, beim 
Kartenspielen. 

Fetsehen, schlagen; „Einem Eine 
'nein f et sehen," einen Hieb ver- 
setzen; vgl. fetzen, bei Grimm. 

Fett, 1. „Lecke Fett" wie Dreck- 
chen! 2. „Du sollst Dei Fett schone 
kriegen," für Schelte, Verweis; 
ebenso: Er hat sein Fett weg 
(Bogumil Goltz), il a eu son fait. 

Fettnäpfehen, „bei Jemandem ins 
Fettnäpfchen treten," es mit 
ihm verderben. 

Fetzehen, eigentlich kleiner Fetzen, 
Lumpen; ein Fetzchen, wie: ein 
bischen: — komm nur ein Fetzchen 
mit, du krigst och e Fetzchen Kuchen; 
s. Hippen. 

Feueresse, 1. hoher Hut; s. Angst- 
rohr; 2. „in die Feueresse schrei- 
ben" s. Esse, 2. 

Feuern, schleudern, werfen; „Einem 
eine Flasche an den Kopf feuern, 
die Fenster *neinfeuern ;" vom Schies- 
sen hergenommen. 

Feuerrüpel, Essenkehrer; eine lustige 
mit scharfem Besen satirisch le- 
gende, manchen „Rüpel loslassende" 
Gesellschaft nannte sich „Feuer- 
rüpelbrigade" (in den sechziger 
Jahren). 

ff; Einer aus dem ff (z, B. ein Hiob), 
vorzüglich gut, kräftig, derb, wie: 
„gepfeffert, aus dem Salze" 
u. s. w.; von der Abkürzung ff. für 
superfein, oder von der Bezeichnung 
ff. = fortissimo in der Musik? 

Fichte, 1. s. Tanne; 2. in die Fich- 
ten gehen, verlieren, auch verloren 
^eheu, wie durchbrennen, durch 
die Lappen gehen. 

Ficke, die, Tasche: Westenficke, 
Rockficke; s. Grimm. 

Fiekerment! Ausruf wie sapper ment. 
Fiektaeken,^ o^^^i^i tY^vbQu, unbeständig 



Fiddeline — Fix 



113 



hemmschweifen etc.; davon: Fick- 
facker, könnte einen Taschenspie- 
ler bedeuten, da Ficke •* Tasche 
ist; Fickfackerei, fickfackerig; 
«chwed. fickfack, Blendwerk: schott. 
fykefacks, allerlei Launen; holL fik- 
fokker, Tändler, T^edieb; PP. ein 
rechter Ficküacker, Kankeschmied. 

£|jideUne, die, Geige; verschmolzen 
AUS fidein und Violine; seltner: 
'Figgelinc; ähnlich: Fiddelbo gen. 

Fidaz, „kein Fiduz zu was haben/' 
kein rechtes Vertrauen. Rtr. 

Fieder s. Fuder. 

Fi€&e, Abkürzung von Sophie; Th. 

Fleyen f. piepen; auch Jagerausdruek 
:von Rehen, s. Grimm. 

Eietoeheii, einen schwachen, schrillen 
Laut geben, schärfer als quietschen. 

FUz f. Hut. 

Finger, lange oder krumme Finger 
I machen, stehlen. 

Hagerksipae s. Katzenpfötchen. 

WingerUng s. Däumling; in HL: 
Puppe. 

C^keimäraeheii, ungebührlich kleine 
Gläser oder Tassen. 

BlBSeUg, ^finslif , klein, schnörkelig, 
!Z. >B. von der Handschrift; fichw. 
füselig, Bsl. finserlig; von Arbeiten, 
welche scharfe Augen und zarte Fin- 
ger fordern, z. B. an Uhren, Maschi- 
nen; wohl von fein, oder von N.S. 
finzeln, mühsam arbeiten (s. knau- 
peln, 3); bei ßtr. ist Finzel »-" Fetzen, 
Schnitzel; vgl. k lins er klein. 

Fipperling, der, Verkleinerung von 
Fips; s. fippern. 

Fi|>perii, 1. unstät umherfahren, bes. 
im Sitzen; 2. begierig nach Etwas 
verlangen; wie bubbern; „dasLoch 
fijfpert ihm,** er brennt vor Begier. 
Grimm: fippern »= zittern, von vibrare. 

Fips» der, em Knirps; F.; Schneider- 
lip 8 , Spottname für Schneider. Davon 
fipp eng, fipsig, unansehnlich, zu 
klein ; in diesem ICocke siehst du recht 
fipsig aus, d. h. dürftig; Brl., Btr. 

Firiia, das u. die, s. Gramm. § 182, 4; 
1. Aushängeschild; 2. „dadruff hat 
er geene Forma,** es liegt nicht in 
seinem Wesen, z. B. witzig, wohlthä- 
tig, gefällig zu sein; ähnlich: „den 
Artikel führ' ich nich.** 

Fispem, fisehbern s. bischpern. 

FisBimatenten , -motentehen, -mu- 
tenten, nur in der Mehrheit ge- 
bräuchlich, bedeutet ungefähr: Aus- 
flüchte, umstände, Zeremonien, faule 
Redensarten, Sperrenzien; „mache 

Albreobtf Leipz. Afandart. 



nur keine Fissimatenten.*' Holtei 
legt es seinen/Berlinern in den Mund 
J.: Fisimatentschen; Bh., ND., WL; 
Aachen: Fittematentchen; Sz. Fispe- 
rementli f. Umstände; am Bh. luid 
an der Ruhr ist Kunkelfuscm dasselbe. 
Ffst, der, 1. leise. Blähung; Hz..Sohw.; 
2. Mädchenfist, ein Knaoe, der 

fem mit Mädchen spi^t; umge- 
ehrt heiaeNi Mädchen, welche Kna- 
bengeseUschaft vorziehen: Jnikgen- 
fiste. 

Fitsehefoale Heringe stinken! wenn 
Kinder ein Taschentuch oder dergl. 
versteckt haben, geben sie mit diesem 
Ausruf kund, dass das Suchen danach 
beginnen kann; kommt der Suohende 
dem Versteck nahe, so wird gerufen: 
es brennt, brennt sehre (in BsL 
warm, heissl de verbrennschl). 

Fitseheln, hin und herreiben, abnlidi 
wie fummeln; daher in Schw. f. tän- 
delndes Arbeiten; durchfitscheln, 
durch solches Reiben durchscheuem « 
z. B. die Rockaufschläge durch vieki^ 
Schreiben; £g.; eine Fitschel » 
Zwickmühle (beim Mühlenspiel). 

Fitsohenmadennass, fitscnenass, 
nass bis auf die Haut, wie kuddel- 
madennass; Hb.,Th.,£.: pfutsche- 
nass, fitschinass, pfütschenoss, pfutsch- 
jenass; Oe.: pratschnass, patsche- 
nass, waschlnass, waschleichendienass ; 
Schw. pfatschnass^ pflatschnass; eben- 
faJls verstärkend ist vitschen im mhd. 
vitschen-brün, braun. 

Fitsehepfeil, Pfeil (und Bogen, Fliti- 
bogen) für Kinder; Hl., Wn.: Hb.: 
Pfütschapfeil ; P.: Flitschepfeil (von 
FUtsch « Pfeü; vgl. Flittich t 
Fittig); bei Rückert. 

Fitz, der, verwirrter Knäuel, Bindfaden 
u. dergl.; verstärkt: Fitzfatz, 
wie Mischmasch, fickfacken, 
ritzratz! Hl.; ,4ch kann mich nich 
hineinfitzen,** hineinfinden; „er 
kann sich nich raus (ausm Hamfe) 
fitzen,*' nicht klar werden; ver- 
fitzen f. verwirren; eine Fitznase 
machen, die Nase in Falten ziehen. 
Weisse nennt eine naserümpfende 
Person: eine Fitznase; mhd. vitze. 
eine Anzahl verbundner Fäden; sie 
sind bevitzt, umwickelt; auch das zu- 
sammenhaltende Band um ein Bünd- 
'chen Garn heisst vitze. 

Fix, schnell; 1. geschwind, hurtig, 
schnell werden seltner gesagt^ &U 

„fix, f^ü^, T«b^<^*^ %\A\».\ ^'^^«VN *^ 



114 



Fixigkeit — Flennen 



Fache geschickt nnd behend ist, z. B. 
ein fixer Buchhalter, Verkäufer, Schnei- 
der; 3. fix und fertig, beliebte 
Häufung f. ffanz vollendet; K., Pf. 

Fixigkeit f. Schnelligkeit (von fix). 

Fixspinner, Einer, der sehr geschäftig, 
eiSig, eilfertig thut, aber Nichts vor 
sich bringt. 

Flaeliskröte, die, Kind mit flachs- 
blondem Haar; Etr. Flasskopp. 

Fladen, 1. breiter Quarkkuchen, bes. 
Osterfladen; Luther: „Wir essen und 
wir leben wohl im rechten Oster- 
fladen; der alte Sauerteig nicht 
soll sein bei dem Wort der Gnaden ;'* 
ahd. ylado, mhd. vlade; s. Grimm; 
2. übertragen: Kuhfladen, Exkremente 
der Kuh; A.; Th.; in P.: Kuhplader; 
ND. Kohpladder; 3. wie Auster; s. 
noch Flatsch. 

Fladusen, Schmeicheleien (auch bei Hol- 
te!), vom französischen flatteuse; d^g. 
ist ND. Flattuse, BrL Fladrusche, 
eine Frauenhaube (Rtr., Stromtid). 

Flämiseli, gross, stark, wie damisch; 
„ein flämischer Kerl;" Brl.; seltner: 
flämig; s. Grimm. 

Flamme, die, Schatz, Geliebte, Geliebter; 
engl, my flame. 

Flappe, aie, pöbelhaft f. Mund: „Halt 
dieFlapne;" ßrL, ND., Rtr., Di.: die 
Fliep, aicke, hängende Unterlippe; 
dän.: Flab, das (hängende) Maul; s. 
Grimm. 

Flaps, der Tölpel, Maulaffe; s. Grimm. 

Flärpe wie Flappe. 

Flatseli, Flatsenen, der, Verstärkung 
von Fladen; „er goss mir einen gan- 
zen Flatschen Dinte aufs Buch;'' 
Brl.; davon breitflatschig (Schw. 
pflötschig), sich hinflätschen; es 
erinnert zugleich an platt, Quatsch, 
Matsch, ünflath; s. Grimm: Flatsch, 
Flatsche, flatschen. 

Flätselien, fletsehen, sich ungeschliffen 
setzen; sich hinflätschen; Eg.; s. 
Flatsch, Fläz; Grimm III, 1770, 
fletschen 2. 

Flatterig, von Bösen, Salat, Kraut, 
wenn die Blätter nicht gut schliessen, 
sich flatternd ausbreiten; s. flattericht 
bei Grimm; vgl. Flattermohn, -rose; 
ND.braschig; die ähnliche Eigenschaft 
an Büschen heisst strakelig; s. d. 

Flattuse s. Fladuse. 

Flaa, 1. es ist mir flau im Magen, 

etwas übel. K.; 2. Das Geschäft 

ffeht Mn, auch: „es flaut," lang- 

sam; Brl; 8. Grimm. 
tausch, der, ein Büschel, ein Flocken 



Wolle, Haare^r Adelung) u.s. w. Davon : 
FlauschrocK. In Ab. ist Flausch 
Schimpfwort, wie: Schlingel. 

Fläz, Flez, der, Lümmel, Schlingel; sich 
hin fläzen, sich flegelhaft setzen. 
Th. , P., Rtr.; s. flatschen; mhd. 
vletzen, ausbreiten. 

Fleehte, die, 1. viereckiger, grosser 
Korb aus ungeschälten Zweigen, zum 
Fortschaffen von Gemüs; 2. ein Ge- 
flecht ders. Art, das man wie Vorsetz- 
breter an die Seiten eines Leiterwagens 
lehnt, wo es eine Wand bildet. Die 
Flechte. an Bäumen, Steinen u. s. w. 
nennen wir Moos; vgl. Korn, Tanne. 

Fleck, 1. er macht sich einen Fleck, 
bildet sich Etwas ein; s. Grimm HL, 
1741; vgl. mausig; „mache Dir kei- 
nen Fleck !*' heisst auch: „Du irrst 
dich gewaltig;** 2. saure Flecke, 
sauer gekochte Kaidaunen (Dresdener 
Leibgericht); Wn., V.; s. Kuddeln, 
Pipen; 3. Absatz am Schuh oder 
Stiefel; daher: beflecken, die Ab- 
sätze emeaem; 4. der zu einer Weste, 
Mütze u. s. w. erforderliche Stoftj Eg. 

Fleei^en, es fleckt (mit einer Arbeit), 
es geht vom Flecke, vorwärts; mhd. 
vlScken, fördern; auch bei Schiller 
u. A.; s. fluschen. 

Fleekweise, auch flecker weise, 
stellenweise, hier und da, mitunter; 
E^.; am Neckar: stückerweise in 
gleichem Sinne. 

Fledern, drauf losfledem, hastig schrei- 
ben, dreschen, fahren, laufen u. s. w.; 
zerfledern, zerreissen; mhd. vl€- 
dern, flattern; daher: Fledermaus (in 
Ostengland: flittermouse; so bei Ben 
Jenson). 

Flederwisch, Bspr.: Fledderwisch; 
der Gansflügel, zum Abfegen ge- 
braucht; wohl Verschmelzung von 
Feder und fledern, s. d.; Goethe: 
„Heraus mit Euerm Flederwisch!" 

Fleischer, „der Fleischer guckt 
heraus!** verhöhnender Zuruf, wenn 
das Knie oder der Ellbogen durch 
zerrissene Kleidung herausschaut; s. 
Hemd, Weissbierzeichen. 

FlelsehergaM, ein unangenehmer, ver- 
geblicher Weg; bei Lessing, Pfeffel 
u. A.; in Th. Metzgergang; in An. 
nennt man eine ungern erwiesene 
Gefälligkeit „ Metzgergeschäft. *^ 

Flennen, den Mund verziehen, daher 
1. weinen; B., Brl., Th., Schi., Schw., 
Wn. u. s. w.; Ob.-Oe.: flehna; N.: 
pflanna; 2. albern lachen, wie feixen, 

Ab.-, B. "PiUTlBG^. 



Flettche — Frack 



115 



Flettehe, die, Bspr., ein geflüjBfeltes 
Thier, bes. Insekt, Fliege; s. F litt ig. 

Flieder and HoUnnder werden, wie 
in vielen Gegenden, verwechselt; in 
Lpz. ist Flieder sambucns nigra (so 
auch bei Grimm), Strauch mit gelb- 
lich weissen, etwas scharf riechenden 
Doldentranben , welche als Thee die- 
nen; seine glänzend schwarzrothen 
Beeren heissen Schibicke, in Hl. 
Schiebchen, anch Schntschkemns (von 
sambucns?), am Hz. Eeilken. An an- 
deren Orten heisst er (schwarzer) 
HoUnnder, Holder, Kesker. Hoh- 
lander oder Hollander dagegen 
nennen wir die syringa valgaris; seine 
bläulich rothen, lila oder weissen, wohl- 
riechenden Bispen heissen Huck uff - 
demad, Eufdemad, bei Dresden 
Huckuffdemehn (-« Mädchen), s. 
Grimm, IV, 2, 1859; Ha. Cirene; 
schwed. fläder. Vom Holze der sam- 
bucns machen die Knaben Knall- 
büchsen und sagen, nicht dass sie 
von Flieder sind, sondern von Hol- 
1 u n d e r ! In der Altm. heissen sowohl 
sambucns als syringa: Flirra; dän. 
hyld; holl. vlier. 

Fliessholz statt Flossholz, geflösstes 
Holz. 

Fliesswasser, das aus Flüssen ge- 
schöpfte Wasser, im Gegensatze zu 
„Brunnenwasser.* ' 

Flinlcereheii, das, eine Art Flitter 
(Flitter chen, von flattern), glänzende, 
runde Metallscheibchen zur Verzierung 
von Puppen- und Maskenkleidem; vom 
veralteten „flickern, flinkem" »» glän- 
zen; to flicker »» fackeln; alt: Flinder, 
8. Grimm; Schw. Flandern; wohl auch 
verwandt mit flunkern? 

Flinteusteine, billige, viereckige Zucker- 
plätzchen von Mömren- oder Aniszucker 
u. s. w. 

Flittehen, 1. wie Flittig; 2. „sie hat 
ihr ganzes Flittchen Hailoh an,'* 
ihr sämmtliches bischen Staat, Flitter- 
staat. ;; 

Flittig, der, Bockschoss; Th., £^.; 
in fissn. der Schlippen; von Fittig 
rund Flügel?); in Th. Fittich stets 
rnr Flügel, auch Bockschoss; vgl. 
Schlaffittcben. 

Florbesen s. Besen. 

Flöte, bildlich, bei Kartenspielen: eine 
schöne Flöte in Both haben d. h. 
sehr viel; s. Fahree, Peitsche. 

Flöten rehen, 1. verloren gehen (wie 
der verhallende Laut der Flöte)*, l^d.« 



PP., Pf.; Btr. flauten gähn; 2. banke- 
rott werden, sterben. 
Flötnse, Fledase, flute douce, flaute 
dolce, Dolzflöte der Orgel, f. Flöte 
überhaupt. 

Flacht, bildlich: „nun diese Arbeit 
fertig ist, hab ich doch ein bischen 
Flucht,'* kann freier über meine Zeit 
verfügen, bin nicht so gedrängt; Eg. 

Flunkern, prahlen, wie bramasseln; 
davon: flunkerig; eigentlich: fun- 
keln, wohl auch mit dem unechten, 
aber sehr glitzernden „Flinker- 
chen*' verwandt; s. d. 

Flunsch, Flantsch, der, verzogenes, 
dickes, finsteres, mürrisches Gesicht, 
mit herabgezogenen Mundwinkeln ; 
mhd. vlans; L., Schi., Th., ND., im 
V. auch Dunsch, Hb. Pluhnsche, 
Dünschel; poln. flämsch; flunschig, 
aufgedunsen u. s. w.; s. flennen. 

Flaschen, flatschen, wie flecken; 
die preussische Landwehr soll 1813 
bei Leipzig schliesslich, statt zu 
schiessen, mit dem Kolben darein- 

geschlagen und gesagt haben: „dat 
uscht better!" Schi., ND. auch flät- 

schen; Di. flaschen; eigentlich: einen 

Flusch oder Flausch bilden d. h. 

einen schon ansehnlichen Knäuel; Wn. 

es schlaont. 
Focke, die, auch der Pocken: eine 

Flocke, Stück, Klumpen; bes. eine 

Pocke Butter u. s. w.; wohl von 

Flocke. 
Fol f. pfui! 

Forehte, ich, auch furchte, s. Gramm. 
§ 204. 

Forle, die, wie Dorl. 

Formos, auch vermost, von funos, 
für prächtig, grossartig, herrlich. 

Fersen, forscher Kerl, rüstig, kraf- 
tig, muthi^, unternehmend, entschie- 
den: Brl., noU., s. Forsche. 

Forsene, die, viel beliebter als Kraft; 
bildlich bei Kartenspiel: die besten 
Blätter, s. forsch. 

Forst, der, First eines Gebäudes; daher 
Forschtziegel,Forschtenziegel. 

Fort, in eene fort, auch: in Einem 
fort « fortwährend; s. egal, Bind- 
faden. 

Forzfl^locke» 1. kurzer, die Schenkel 
nicnt recht bedeckender Bock; den 
seit 1867 modischen kurzen Herren- 
rock nannte man in Paris: pet-en-Fair; 
2. Einer, der sich häufig „Luft macht. *' 

Fra f. Frau; ^. Gx«:mxs^. % VL, 
\?Ta^, ,,««k \«Ä. «^^ «asssQ.^^^0^ 



Prallen — Ftlhren 



machen lasBen," ist gater Hoff- 
DQQg; Schw., H. Hafeisen, 

Frahon, Bapr. f. tragen; aach „ftreegen;" 
ßramm. % 116. 

FranoU f. t^lanellj Gramm. § 98. 

Pr&nzbrot, eine feinere Art ffeicen- 
senimel, Milchbrötchen. 

Frfiiue, AbkttTznng von Franiieka. 

Pranzosrabrod , eine Art Dreisrbrod 
ans Sebwarzmehl. 

PnasOsiseti sich drOefeen, sich 
pfeblen, franzesohen Abaobied 
nehmen, heimlich, 'ohne Grass fort- 
gehen. 

Fretd«, Freit«, „er^geht affde-Frsid«," 
auf die Brautwerbung; I{L;s. Gramm. 
§ 157. 

PreimKuror-Clgtirre, Wortspiel: ein 
so schlechtes Kraut, dasa es nur 
'Maurer im Freien taiiehen dfii^nl 

Fret«ii B. Fröleo. 

Fresse, die, pöbelhaft f.'Mnnd, Gesiebt, 
Hssn,, L., N.. BrI., 8ehl., Ob., Pf.; 
Th.,Schw., PP., Rh.;— ND.: Präte; 
Pf., E., Schw., Bl. auch; das Gefräss; 
Oe. PrOssn, auch das QMes; Ww. 
Gefräs; s. Beppe, Brodladen, 
Schnute, Flappe, Labbe, Ba- 

Fressen, das ist ein gefundenes 
Freasen, eine sehr willkommene 
Sache, die man sich bessei gar nicht 
wünscht; B.: „eine genähte Wiese." 

Fressen, grob, aber anch gemüthlich 
gesagt f. essen, bes. stark oder gierig, 
Ihiensch essen; Tb.; ebenso: sanfen 
f. trinken. Die gröberen Aoedrücke 
braucht man anch im Unwillen: „das 
Fleisch ist nicht zum Fressen," guiz 
nngeniessbar; mattes Bier ist „nich 
sn trinken," sanres „nich za sanfen." 

Fres^wratter, Gast beim Kindtaufs- 
schmanae, welcher nicht Fathe des 
Eindes ist, nicht „Gevatter gestanden" 
hat; B. Trollgast. 

FresstaiAen, der, gefrässiger hlensch; 
H. FresBsack n. ^1, Manaehaken. 

Fressig, jgefr&asig; Eg.; Gramm, g 169. 

Fresssacfc wie Fresshaken, B., E.; 
B. Sack, 3. 

Frenndsehaft, auch Freindscbt, Ver- 
wandtschaft; Schw., Eg., Wn., Etr.; 
ebenso mbd. vrinntschaft; Pründ- 
schop, Di. 

Frenndsehafts-Clgarro, eine schlechte 
Sorte, wie man „guten Freunden" 
anbietet, die sich auf das „Cigarren- 



Prlede> ab Qemeinname, s. Gramm. 



. Freimaui 



der sie Gotmied (Book) noch lange 

frisch." 

Frilze wie Friede; fttr den alten 
Fritzen, vei^eblich, swecklos, nn- 
niitz: „4ie Lampe brennt für den 
alten Fritaen , du arbdteat fttr den 
alten Fritzen;" travailler peur le roi 
I dePrnaso; Einen fritzen, anführen, 
betrügen; s. Gramm. § 160 b. 

FrOlen, I^elen, das, nd. Fonn von 
Fräulein , bedeutet aber bei uns nur 
ein adeliges Fräulein; so „das 
Präie" in Anertiaeli'B Vefele. 

Froseb, 1. „das hnppt nichfott, 
es is je kee Prosen," dieSaobe 
eilt niolit; 2. man sieht keinen 
Fraseh in dem Biere, so tvObe ist 
es; 'i. „lecke dn FrOsche," wie lecke 
Fett 

Froschgteke, die, schlechtes Messer, 
Säbel n. B. w., wie Kneif, Distel- 
meeser; Hb. ProschgieAerr Bsl. 
cbratte-Btächer (EiStenstecbcr). 

Frostern, frostig, wer leicht ftiert; 
eng!, frosty; franz. frileui; g 169. 

Fuchsi, Louisd'or. 

Fuchsdreck, bes. in der Bedensart: 
.,<las ist doch kein Puchsdreok,'' loiÄie 
Kleinigkeit. 

Fucbüen, ärgern, verdriessen ; esfuohst 
mich eklig, aoch; ich fuchse mieb; 
BrI., B., E., L., Oe., Pf.; dafflr in P.: 
{icken| davon: fnchsig^ erzftint, 
Ärgerlich; anch; fuchs wild, Eg.; 
fuciistenfelswild, auch: fnebtig, 
Niod.-Oe. 

Fuithsis s. fuchsen. 

Fuchtel, die, Herumtreiberin, lieder- 
liches Frauenzimmer. 

Fuder, das. f. Puder; Bspr.; „er siebt 
e I'ieder Hei (Heu) fr enne Pelzmütze 
aa" (so betrunken ist er). 

Fiifl'z'g, fafTz'D, f. fünfzig, fünfzehn; 
neuerdings wird — als vornehmer — 
fünfzig, fünfzehn Mode. 

Fnhl, ich, Bspr., f. ich fiel; Hl.; s. 
Gramm. § 210. 

Ffthle. die^ Gefühl, Empfindung: „au, 
kneipe nich so, da denkst wol, m*! 
hat gar keene POhle;" s. t^amm. 
§ 156. 

Fuhre, die, 1. vom Wasser: eine Tracht 
(Si'hw. Trachede), zwei Eimer; s. 
Fahrt; 2. Bapr. f. Furche; Bsl. 

Fahren, ein LiebesverhlUtnisa unter- 
halten; „üe {thi«a sich schon jabre- 



Fuhrwerken — Gabsen 



117 



lai^; sie führt sich mit ihm; Schw. 
£ine führen; s. gehen, 2; halten. 

Fuhrwerken, 1. das Geschäft eines 
Fuhrmanns, Earrners treiben ; 2. fort- 
schaffen; ,,er hat die Gohlen vom 
Wagen in den Geller gefnhrwercht; 
ich habe mich mit den Bücherkisten 
herumgefahrwercht; er ist hinaos- 
gefuhrwercht worden** »« an die Lnft 
gesetzt. 

Fnmmeliiy an Etwas heramfnmmeln, 
daran hin nnd her fahren; ,,den 
Tschako fummeln" f. putzen; Hb.; 
unnütz, unverständig, zwecklos daran 
arbeiten ; Btr. ; Di. : funsseln; schwed. 
fumla; engl, to fumble, betasten; in 
Th. ist fummeln auch zupfen. 

Fumpnase, Famvelnase, Kinderwort 
tHr Nase, ähnlich wie Fitznase; 
nach Bernd: Fumfnase, an Stumpf 
und verf um feien (s. d.) erinnernd, 
{Jso eine verpfuschte Nase, sowie 
deren Träger. 

Fund, ich, f. fand; Pf.; s. Gramm. 
§ 200. 

FAnf, 1. «ich werde dir mit fünf in die 
Zehne ^ffidiren," Wortspiel: mit den 
fünf Fingern in die Zähne schlagen: 
s. Fünfthalerschein; 2. die fünf 
Buchstaben, die Zahl der Zeichen 
in dem populären Worte für Gresäss; 
im Plattdeutschen steht s für seh, 
daher sagt man in Ho. nur: „setze 
Dich auf Deine drei Buchstaben;*' 
3. „Du hast f ü n f Th al er verdient, geh 
aufs Bathhaus und lass dir sie aus- 
zahlen,** ruft man Einem zu, der 
beim Treppenhin aufgehen fällt. 

Fünfthalersehein, Einem einen F. ins 
Gesicht schmeissen, ihm eine 
Schelle geben (von den fünf Fingern); 
s. fünf, 1. 



Fünfzehn ist eine Lieblingszahl, wie 
drei, sieben, neun, zehn, hundert, 
tausend: das Essen ist schon fuffzn 
mtil ufge wärmt; er bleibt auf seinen 
fuffzen Au^en sitzen = beharrt bei 
seiner Ansicht; wohl vom Würfelspiel 
hergenommeu. 

FOnfzinkige Gabel, Hand, wenn man 
sie statt Gabel anwendet. 

Fung, ich, f. fing; HL; s. Gramm. § 200. 

Funke, ist weiblich: eine helle Funke; 
s. Gramm. § 181. 

Funsei, Funzel,** die, schlechte, kleine 
Lamije; Ab., Brl., Th., Schi., — Hb. 
u. Friesl, Funze; eine Thranfunzel, 
Oelfunzel. 

Fuppern, „es fuppert mir vor'n Ogen,** 
es zittert, flimmert , schwirrt; s. 
fippern u. bubbern. 

Furehtbar f. sehr, s. bös; „Gleeser 
(KlÖsseJ esse ich furchtbar gerne; 
er ist furchtbar nett.** 

Furehte s. forchte. 

Fuss gebrauchen Zieräffchen als wohl- 
anständiger für Bein; s. d.; sie 
stossen sich immer an den Fuss, 
wenn es auch das Knie trifft oder 
den Schenkel. Dagegen sagt der ge- 
meine Mann fast nie Fuss, sondern 
stets Been: er hat mich uffs Been 
getreten; will er den Fuss vom Bein 
unterscheiden, so nennt er ihn die 
Enoche oder Talpe. 

Futseh, verloren, entzwei, bankerott, 
todt; Brl., Pf., J.; böhmisch: fuö; 
s. alle, pleite u. s. w. 

Futsehel, mtseheln s. fitschein. 

Futterkasten, Tabaksdose, s. Nasen- 
futter. 

Futtern, zanken, keifen u. s. w.; „er 
hat scheene gefuttert;* Schw. 

Futtieh, Futteh, der. schlechtes In- 
strument. 



s. auch K und J. 



G, „er spricht mit dem je^**, er spricht 
üa g im Anlaut wie j, s. Gramm. § 72. 

Gabeln, in Bspr.: gawln, Heu, Dünger 
u. s. w. mit der Gabel aufladen; vgl. 
aufgabeln. 

Gabsen, ^äbsen,gäpsen, auchgieb- 
sen, jiepsen, mühsam, heftig, 
schnell athmen, keuchen, schnauben, 
schnieben; gabsen, gäpsen bezeich- 



nen mehr das hastige Schwappen nach 
Luft, giebsen das langsamere, hidb 
erstickte Athemschöpfen; mhd. giwen, 
g@wen, das Maul aufsperren, gähnen; 
engl, to gasp, gape; vgl. jappen=» 
Ltirt schnappen; ,er gäpst wie e Jagd- 
hund; der aicke Kerl giebst wie eue 
genudelte ^mä*^' ^-a., — ^Om«. -^es!^ 



118 



Gackei — Gamischt 



Gäekei, Einderwort für Ei; Seh. die 
Gackei; N. Gackelä; Sehw. Gackele; 
Bl. Gäckäkchen. 

Gaekern, schwatzen; wie bappern 
XL. s. w. 

Gaeks s. Gicks. 

Gärau f. Kakao; Wn. Gaugau. 

GaKe, die, 1. ein Bläschen an der Lippe. 
Wer eine G. hat, hat »Griefen ge- 
nascht;" Hb.; 2. ein zu lang aufge- 
schossnes Mädchen, eine , Hopfen- 
stange;^ selten. 

Gakel, die, Kleinigkeit, etwas unbedeu- 
tendes, Bagatelle; s. gakelig. 

Gakeliff, 1. geschmacklos bunt, scheckig; 
E., Pf., Hb., Schw.; mhd. ffickelvßch; 
2. bedenklich: eine g. Geschichte, ein 
g. Geschäft; das ist nicht g., gar 
nicht übel, z.' B. vom Weine. 

Gaken wie gackern, aber seltener, 
bes* von Gänsen; davon: ene Gak- 
gans, der Gikgak; bildlich: albern 
reden; daher: Gakaffe,Gakelhans; 
E., Pf., Schi., P.; holL: gagelen = 
schnattern. 

Gäken, 1. sneien; Th. keke; Hb. göck; 
2. mit widerwärtig hoher, gellender 
(gäkiger) Stimme reden; vgl. 
gackern, gäkig; Jesais 28, 7: koken 
= schwatzen. 

Gäkenest, das iüngste Kind einer Fami- 
lie, Nesthäkchen. 

Gäkig, 1. gäkige Stimme, quäkend, 
s. gäken, 2. — 2. gäkig aussehen, 
ein spitzes, hohles Gesicnt haben. 

Gäkseh, der, Kinderwort f. Narrethei, 
Albernheit. • 

Galande, verderbt für Guirlande; auch 
Gärlände, a garland. 

Galänder für Geländer; Kalender klingt 
ebenso. 

Gallasehe, die, auch Gallos che, 
Gallesche, Prügel. Daher: durch- 
gallaschen. Holtei sagt : „soll viel- 
leicht an die Strenge des General 
G alias erinnern". 

Galleppern f. gallopiren. 

Gamasehenknopfe, grosse Graupen. 

Gamfen, stehlen; Ew.; — Pf.: ganfen. 
Rw.: Chanef = Dieb; s. kazen. 

Gänse haben das Pflaster wegge- 
fressen, weggeschnattert, sagt man, 
wenn die Pflasterung mangelhaft; ist. 
Gänseblume, verschiedene grössere und 
kleinere Wiesenblumen, unter andern 
das Masslieb, Chrysantnemum leucan- 
themum; Gränseblümchen, wildes 
Tansendscbön, Bellis, 
Mäusedreck, „Einen über den Gänse- 



dreck führen", anführen; „leimen, 
belämmem". Schi. 

Gänseklee, Gänseklein, s. Klee. 

Gänselatseh, der, Pfote der Gans; bild- 
lich für eine zu grosse Hand. 

Gänseioeh, „sein Maul ^eht wie ein 
Gänseloch^S auch „wie em Entenloch'' 
oder „wie eine Dreckschleuder'^ wie 
ene Windmühle, oder „er hat eine 
koddrige Schnauze", Brl.; Di.: de 
Mund geit as ein Lammstert (i=» Läm- 
merschwanz) : er schnattert gewaltig. 

Gänsemarseh, „G. machen, im G. 
gehen", wenn mehrere Personen ein- 
zeln dicht hinter einander hergehen. 

Gänsesehwarz, das, Gänseblut, sauer 
zugerichtet, zu Klössen u. s. w.; an- 
derswo: Schwarzsaures. 

Gänsewein, scherzweise '^ Trinkwas- 
ser; s. Bornsches. 

Ganz, 1. steht in der Mehrheit regel- 
mässig für alle; die ganzen Leute 
sind fort, sie haben die ganzen Flaschen 
mit genommen (nicht etwa im Gegen- 
satz zu den zerbrochenen 1) ; 2. Etwas 
^anz machen, im Scherz, für zer- 
brechen (Brl.); 3. auf die Ganzen 
gehen, im Kartenspiel, alle Stiche 
machen wollen; 4. iiber die Stellung 
von ganz s. Gramm. § 234, 2. 

Ganzbeinig, unversehrt, mit heiler 
Haut; z.B. ganzbeinig^ davon kommen 
(Bein im Sinne von Knochen, wie in 
Gebein, Elfenbein, beinern u. s. w.). 

Gäppsen s. gabsen. 

Gar, noch gebräuchlicher: na gar, nu 
gar, i ^ar, ä gar, oder: lieber 
gar, icn dächte gar, vollends 
gar! Ab.! Lieblingsausrufe, s. 
„ dächt e^'; gar steht hier in dem 
Sinne, wie in: „er ist doch nicht am 
Ende gar todt!" „Wie schien mir's 
schwarz, und schwärzt's noch gar" 
(Faust). 

Gare, die, 1. die Gare kriegen. Einem 
die Gare geben für: den Garaus 
machen, zu Grunde richten; beim 
Regen „kriegt so e Fähnchen (E^eid) 
leichte die Gare"; s. Hilfe; 2. s. 
Kahre. 

Gären, schwatzen, V., Th. (garen); ein 
alter Gärich, Gärfriede, (Jär- 
luder, Schwätzer; s. Kohl; Eg.: 
Gerd, lästiges Geschwätz oder Bitten, 
ähnlich wie unser: Prankelei. 

Garlande s. Galande. 

Garniseht, i. der, unbedeutender 
Mensch, Lump; 2. das Garniseht, 
Kleinigkeit, "B^.g^A.^W^. 



Gas, Hettener Gas, ist mfinnlich: der 
schlechte Gas; s. Qramm, § ISl. 

CiftSSeheB , Abkttrznng des Namens 
jj'leiBsen-GäsBchen'', in welchem 
äffeatlicbe Eänger aind; daher „Eine 
ans dem Gfesclieii" für Dirne. 

Gasse ^t für kleiner aia Strasae; 
Hl. ; wir haben (oder hatten) z. B. die 
verwirrenden UnterBchiede: Wind- 
mühlen ^asae nsd Windmüblenstrasse; 
HalleBChe Straase and HaUesehes 
GäSBchen, Bahnhof straaae nnd Bahn- 
hofgäBBchen! In andern Städten ist 
der Unterschied gerade umgekehrt. 

Gast, Jemanden za Gaste laden, 
ihm jene Einladung aussprechen, 
welche Götz von Bemchingen (im 3. 
Akte) dem Hanptmann sendet j PP.; 
daher heisst eine solche Höflichkeit 
auch „eine populäre Gastladungj" 
vgl. Gevatter, gewogen und andre 
VetfeinemugeD. 

G&tlich, iätlichi sichgätlich thun, 
für gütlich thnn; es säimeckt gätlich, 
für gut; Fr., Ho., Hsb.; in Ah.gätlieh 
^ ersprieaslich ; Th..* ziemlich gross, 
gerade recht; ND. ein gatlicbes Stück, 
ein tUchtigea; vielleicht t. mbd. gete- 
lich, passend. 

Cuttern s. anfgattern; 

Gankseu s. jauien. 

GauiierD, äusseistbedäcbtig, berechnend 
und iDtereasirt spielen; Bw. Gaune, 
Karte; gannen, Karte spielen. 

Gaotseheii, anf einem schwanken Brete , 
oder Balken schankeln, etwa wie wip- 1 
pen; Schw. 

GeAoa, 1. Jemandem Eine geben oder 
abgeben, einen Hieb versetzen; 2. | 
verkaufen, abgeben; „nie geben , 
Sie die Elle? was gebt ihr die Ep-' 
pel?" Rl. , 

Gebern f- geifern, wie sabbern; da- i 
TOQj Geberlätzchen. 

Gebraseb, das, Ton bräschen; Bl.: 
Gebiass, 

Gebrennt fOr gehrannt; Wn.: es bat 
brennd, s. Gramm. § 205. 

Geburt, „daB iat ene schwere G.", 
ein Spiel (Earten), das nicht leicht zu 
spielen ist. 

GSehen s. jechen; L. 

GedAcbtniss. Schatten, dGiftige Per- 
son; „es ist unrein G. von einem 
Kindchen", schwächlich. Hl.; s. Ge- 
danke, 2. 

Gedanke ist weiblich; so bei Leasing; 1 
„daran ist keine Gedanke", nicht da- 
ran zu denken; mit keiner Gedanke 
ist mir es eingefallen (gar nicht); er l 



• schlechtes 



bat keine Gedan 
GedächtnisB; Etr. 
eine Gedanke (auch: so ein Ge- 
danke) von einer Frau", sie ist sehr 
schwächlich, dflrftig, klein; wie Ge- 
dächtniss; — Gedankenkasten, 
im Scherze f. Kopf, Verstand; engl. 
knowledge-boi, üdea-pot. 

Gedesehe sein oder werden, klein zu- 
geben, sich bescheiden, gälemSthift, 
kleinlant zeigen; E^.; — L. getäsui; 
Bl.: gedäsen; vielleicht von mhd. ge- 
dagen, znm Schweigen bringen. 

Gedrang, der, 1. das Drängen: der G. 
an der Thüre war arg; 2. das Ge- 
dränge: er läuft in den dicksten O. 
hinein; s. Gramm, g 181, 

Gedr^fle s. drängeln. 

Gedrfttseh, Getratsche, Gedrätscbe, 
weitschweifiges Geschwätz; s. diät- 
sohen. Hl. 

Geduld, 1. das Bans liegt (die Blnmen 
stehen) recht in der Geduld, gesch&tct 
gegen Wind und Wetter, wie schan- 
rig; ich stehe hier in der G., sieber 
vor Drängen, StoBsen; Hl.; 2.s. Saner- 
kraat. 

GefUhrlleh, 1. von Menschen: unange- 
nehm, widrig, bes. auch: anspracne- 
voll oder beständig klagend, „nQrgelnd, 
quengelnd;" dann von Sachen: unge- 
nügend, schlecht; „e geffihrl. TiBcE'" 
nnpraktisoh; „ene g. Photographie", 
hässlich; „ene g. Küche", eng, unbe- 
quem; 2. da hast dich g., thust g., 
stellst dich g. an; ~> du übertreibst 
die Wichtigkeit der Sachejdie Beeoig- 
nisB, den Schmerz, den Widerwillen, 
die Ziererei a. b. w.; auch — ' emat- 
licb; „es war ihm mit seiner Arbeit 
nicht g. Ernst", V. Scheffel; bei Btr. 
ist g. — stark, gewaltig, ebenso bei 
Olandius; „War einst ein Biese Goli- 
ath, gar ein geßhrlich Mann". — 
üeber Jemand, der anmassend, hoch- 
trabend, za groBsaitig auftritt, macht 
man Bich mit den Worten Instig: 's 
is gefährlichl" ■^ es ist Nichts da- 
hinter; davon: die Gefährlichkeit, 
f. schwere Leistung, starke Znmnthang, 
Anstrengung; „das bischen Schnee- 
Bchippen, dae is doch keene G." 

Gefalle, der, 1. ist beliebter als dei 
Gefallen; 2. zu G. oder za Gefalln 
f.wegen; „ich gehe nur der Sonne za 
G.", die Sonne zu geniessen; „dem 
Sonntage za G., der Hochzeit zn G., 
zog er den Frack an;" „dem Biert 



120 



Gefölle — Geliwern 



Holz geht man ,,den Schneeglöckchen 
zu Ö.'S was diesen schwerlicn ein be- 
sonderer G. ist. Erinnert auch an: 
das Gefallen, welches man an den ge- 
nannten Sachen findet. Hl. -^ Einem 
zn G. gehen, ihm anflanem, nach- 
schleichen, bespioniren. 

Gefftlle, ),er hat ein ^ntes G. (sein 
Vater war wohl Müller?)" trinkt rasch 
und viel; s. Stiefel, Zug. 

Gefftlliff, missverständlich für fällig; 
„der Wechsel ist heute gefallig". 

Gef^rle, lebhaft, beweglich, „fahrig", 
z. B. von einem flinken Hahn ; s. f e r- 
zeln, Ferlefix. 

Gefrftss» das, Bspr.: Gefriesse, 1. Ess- 
bares; 2. Mund; s. Fresse. 

Gefroren reden, albern; vgl. Blech, 
Messing, geschwollen. 

Gefllge, Adj. statt des in der Schrift 
gebräuchlicheren gefügig; mhd. vüege, 
angemessen, passend; maiLsagt es von 
Stoffen und von Personen; Eg.; s. 
gespräche. 

Gefülltes, eine Art Eierspeise. 

Gehaben, sich, s. haben, 2; Schw. 

Gehann f. Johann, s. d. 

G^hemde, in Zusammensetzungen für ge- 
heim, z. B. der gehemde Kath; von 
dem alten: geheimbde; vgl. Euer 
Liebden, § 130. 

Gehen, 1. gehe mir nicht in meinen 
Schrank; in den Tischkasten darf 
Niemand ^ehen; dass Du mir nicht 
an meine Papiere, über den Kuchen 

gehst, für: nicht anrühren, nicht in 
Itwas suchen, sich damit zu schaffen 
machen; so auch: „geh mit der Band 
we^, mit dem Kopfe aus dem Lichte ;'* 
s. in. 2. Mit Einem oder Einer 
gehen, ein Liebesverhältniss haben; 
„die gehen schon lange mit einander'*, 
vgl. halten, führen;3. Kinder sagen 
auch: „mit dem gehe ich nicht*' (oder: 
rede ich nicht), d. h. ich mag nicht 
mit ihm umgehen; 4. für einhergehen, 
sich kleiden; „er geht sehr ärmlich, 
schäbig, dreckig; sie geht schwarz, 
staziös, sehre scneene; wenn er aus- 
fährt, geht er stets in Uniform". 
5. als Hiffszeitwort i. S. v. lassen: das 
Brod geht schon zu essen; die 
Schrift geht nicht zu lesen; das Glas 
geht gar nicht reine (zu machen); Ygh 
verloren ^ehen. 

Gehobene »timmong, Znstand eines 
„Angesäuselten;" s. d. 

Gehören, mit Besitzwörtem mein, dein, 
jy<9//7 ff. 8. w. F6Tbanden: s. Gramm. 

§ I93b. 



Gehre, Göhre, die, fauch Jehre ge- 

E rochen) schräger Zuschnitt eines 
smdes, Kleides, wodurch es „geh- 
rig" = oben eng und unten weiter 
wird; daher „Geh renkleid er**, wie 
sie 1866 Mode wurden; Hesekiel 16, 8 : 
„da breitete ich meinen Geren über 
dich;" mhd. g^r, Schoss, Saum; engl, 
göre; schott. gair, göre; J. Gier, Giere, 
was auch ein spitzzulaufendes Grund- 
stück bedeutet, v^e engl. göre. 

Geigen, Jemand, wie ab mucken. Einen 
heemgeigen, ebenso; auch: Einem 
die Wahrheit geigen «« ihm die 
Leviten lesen; es ihm „stecken". 

Gekennt f. gekannt; s. Gramm. § 205; 
ebenso: bekennt f. bekannt, seine 
Bekennten. 

Gekrabel, das, 1. gelindes Kitzeln, 
Krabbeln; 2. Herumkrabbeln für her- 
umkriechen, besonders von Kindern, 
Ameisen u. s. w. 3. Auch das, was 
herumkrabbelt; winzige Fische und 
dergl. heissen kleines Gekrab- 
b e 1. Hängt wohl auch mit „Krabbe, 
krabbeln" zusammen; s. diese. 

Geläuten f. geläutet; s. Gramm. § 206 
und lauten. 

Glichen, gelchend, auch: jelchen, 
für schnell, unversehens. L.: gälche; 
wohl von jählings. 

Geld, 1. Das kostet ein paar Groschen 
klein Geld d. h. eine ansehnliche 
Summe; 2. ,,schon wieder Geld, was 
die Frau nicht weiss!" Ausruf, wenn 
der Mann Geld einnimmt; PP. 

Geleefde, das, Bspr. f. Geloofe, fast 
nur in dem § 157 angegebenen Sprich- 
worte gebräuchlich; mhd. geloufe, 
Auflauf, geloufte, Mitläufer. 

Gelenke, das, f. Gelenk; Mehrheit die 
Gelenker; daher Gelenkerpuppe; 
„das Gelenke nicht rauskriegen**, beim 
umlenken eines Fahrzeuges nicnt die 
rechte Wendung nehmen; bildlich: 
Etwas nicht anzufassen verstehen; s. 
Kahre. 

Gelenkerpappe s. Gelenke. 

Gelernt, ein gelernter Tischler 
u. s. w., Tischler von Profession, s. 
Gramm. § 233, 4; auch für dressirt, 
abgerichtet: „gelernte Hunde, Affen, 
Gamaliienveegel u. s. w.;** vgl. im 
Schriftdtsch. : gereist, beredt, beritten, 
geschworen u. s.w.; lat. juratus, con- 
sideratus; franz. jurä, bien montd; 
engl.: experienoed, leamed u. s. w.; s. 
ausgelernt. 

Geliw^m, sich mit einer schwachen 
Decke aberziehen wie heisses Fett 



Geloofe — G^scheche 121 



beim' Abkühlen, Erstarren, ein Teich näheren Weg; „das ist der genauste 

bei gelindem Froste; mhd. liberen, Weg; der genauste Preis*' -»» äns- 

^erinnen; Aachen: belivere; schott. serste. 

lapper; Ha. überschrien »» geliwert; Oenennt f. genannt, Wn.; s. Gramm. 205. 

Di. schraneln, äwerschraneln. Geniesse^ der, f. Genosse; bes. „H&^- 
Geloofö, Lanferei; „dass das Geloofe geniesse;*' Bspr. 

nicht immer is", dass man nicht Genseh, der, I.Gänserich; aach: Gen- 

oft um einer Sache willen sich zu be- schert; Wn.: Gananser; ND. Gant; 

mühen braucht; z. ß.: „Nimm die 2. schlechtes, abgenutztes Messer, wie: 

Wege ä bischen zusammen, dass das Schensch. 

G. nich immer ist; — kaufe gleich Genniig', gebräuchlicher als genug; auch 

ein ^^zcs Loth Schnupftabak, hole bei flopstock; Th. 

^lei für e Fenk (Pfennig) Fäffr, dass Gepfeffert für theuer; auch gesalzen. 

das G. uffhört!" s. Geleefde, be- Gepf^offt, „es ist Alles gepfropfte voll'', 

laufen. übervoll, so dass Einer auf den An- 

Geistern, husten, besonders mit Aus- dem gepfropft ist; s. gerappelt. 

wurf verbunden. Sdt.: kilstem; s. Geprassel, das, schlechter, alter, wacke- 

Qualstern. liger Hausrath, (der bei Erschütterun- 

Gelumpe, das, 1. Kleidung; 2. Lumpen-^ gen leicht prasselt); wie Gerumpel; 

pack, lumpige Kerle; 3. das ist een ähnlich in Schw. : „ein alter Kracher^ 

G. »» einerlei; wie: eene Schmiere, f. wackliger Stuhl. 

Wichse u. s. w. Gerade Geld, 1. Thaler ohne Anhang 
Gelang, es, f. gelang; s. Gramm. §209. yon Groschen; 2. bes. im Marktver- 
Geiungen, hübsch, nett, erfreulich, kehr — 1 Thlr.: „heute kost deBut- 

tüchtig, sowohl im Ernste als ironisch, ter gerade Geld^'. 



namentlich von Personen; ein Komi- Gerappelte (gerippelte) voll, ge- 
ker, der seine Rolle gelungen durch- drängt, übervoll, von Zimmern, Pfit- 
führt, ist „em gelungener Kerl;'* eme zen u. s. w., z. B. bei Volksfesten, so 
„aufgedonnerte" Dame „siehtge- voll, dass man sich nicht „rippeln" 
lungen" (aus); ein „gelungenes Wet- tannj y.. s. gepfropft, 

ter", sehr schön oder sehr unange- Gereisse, „er hat das Gereisse," man 
nehm. reisst sich um ihn; im Scherz: mein 

Gemachte, das, Genitalien; mhd.; eben- Rock hat das Gereisse, oder: er geht 
so: Geschäft. reissend weg, wenn er stark entzwei 

Gemätsehel, Gemätschle, das, s. g^i^t 

^nwÄi«^ ^.hWhf^?rfi^^.!!J? öerennt f. gerannt; s. Gramm. § 205. 

stete^^sen GSschr ^ «^™^ ^-1^^^^*' „im April regents gerne 

«-?«li« cl^S ^T TnVi;«^ «amni« einmal; die Nägel biegen sich g. um; 
Gemein, „sich mit Jemand geinem die Aepfel faulen gemt" es wird aucl^ 

machen**, sich mit ihm einlassen, bes. «esteifffirt- am ir ernsten am Heb- 

auf vertrauUche Weise; einen herab- ften!^®i |^ l^^'^s^en, am üeb- 

lassenden vornehmen Mann nennen ß^-gte er wächst wie die reife 

die Bauern „e rechten gemeenen ^^^le, „er wacnst wie aie reiie 
Ttl^r^Z 1^\^1^ J.i^A^\uiAXiZ ^^ Gerste**, «= wenig oder gar nicht 
Herrn;" seltner niedertrachtig, wie mehr, Alters halberf ND.jfP.: mit 

Gemeindeoehse, Gemeeneochse, 1. ^lUJaf''' ^'''*^ ''"' ^'^ ^^*^ 

Zuchtstier, Brummochse; 2. Sehimpf- ^ wacnsen. 

wort; 3. „er denkt, der Gemeinde- Geruft f. gerufen; s. Gramm. § 206. 

ochse ist sein Pathe** (vergl. Gerappt, verdorben aus corrupt; „eme 

„Hund, 5), er macht grosse An- ^ &er^PP*«I^f f.;" vgl. bekannt. 

Sprüche, ist anmassend. Gesalzen, bildlich wie gepfeffert 

Gemerken, im Scherz für gemerkt. Brl.; Gesang, Emen mit Gesang holen, 

Gramm. § 206. ^"^. ™^^ Schelten und Schlagen be- 

Gempel, der, Gärtnerausdruck f. eine gleiten. 

einfache Blume, die gefüllt sein sollte. Geschäft, Mehrheit: die Geschäfter, 
G^nAsst f. gemusst, Bspr. Gramm. §182; s. auch Gemächt; BsL 

Gemüthe, sich Etwas zu G. führen Gesdieehe, das, Schreckbild, Scheusal, 

(oder ziehen), aneignen, bes. listig widriger Mensch; Eg., Ab.; von 

oder mit fraglicher Berechtigung. HI. scheechenf. 8chexifi\L^^\ \sv &)^.\ «^ 
Genau, „hier g e h n m'r genauer*', den scheec^t ^ . «v^^'-» "ö^^. 'feÄÄR^ft. 



122 



Gescheit — Gezanktes 



schensslich; Wn. schiech f. hässlich; 
vgl. Besteck. 

Geseheit, 1. f. gut, tauglich; „er hat 
keene gescheiten Stiefeln mehr; der 
Bemboom trägt nischt Gescheites; es 
ist nischt Gescheites zu essen da;" 
2. gescheit dem Dinge! f. so ist 
es recht angefangen. 

Gesehiehte . • . 1. Angelegenheit, Sache, 
Verwickelung; „i<^h kam mit in die 
Geschichte ; Jeder weiss von meiner 
Geschichte" (meinem Vergehen). 2. 
„Mach keine Geschichten^* wie: 
Fissimatenten; s. auch Sache. 3. 
„un Geschichten,** und so weiter: 
„da machen se e grossen Schmaus un 
G— n;** 4. „sie hat ihre Ge— e**, 
Katamenien. 

Gesehippert wie schipp er ig. 

Gesehirr^ ,4ns Geschirr gehen**, 
sich tüchtig an die Arbeit machen; 
wohl vom Pferde hergenommen. Th. ; 
ebenso ins Zeug gehen. 

Gesehlinke, Geschlenkere, das, 
Lunge und Leber eines Kalbes u. s.w.; 
L., Hb., P.; vgl. Klee, Kleinod. 

Gesehmiert, es geht, er liest, wie ge- 
schmiert, s. Butter. 

Gesehmolzeii f. geschmelzt; s. 
Gramm. § 207. 

Gesehonken, geschunken f. ge- 
schenkt, s. Gramm. § 206. 

Gesehüehe, das, Schuhwerk, Stiefel, 
Schuhe, Pantoffeln; s. Schuck. 

GesehwäBperte voll s. schwapp er n. 

Gesehwolien, 1. ein geschwollener 
Kerl, aufgeblasen, prahlerisch, vgl. 
a swell = „aufgedonnerter**, über 
seinen Stand gekleideter Mensch; 2. 
„rede (spiele) nur nicht so ge- 
schwollen**, albern; s. gefroren, 
Messing, Blech. 

Gesetzehen, „sie hat ein G. geweint'*, 
sie hat ihrem Herzen durch etliche 
Thränen Luft gemacht, sich aber bald 
wieder beruhigt. Das „Gesätz** war 
ein Theil des Liedes bei den Meister- 
sängern. 

Gesiente, 1. sich eine insG. stecken 
foder in die Physiognomie), eine 
Cigarre oder Pfeife anzünden, PP.; 2. 
dummes G., Schimpfwort, dummer 
Mensch. 

Gespräche f. gesprächig (auszusprechen : 
gespreeche); mhd. gespraeche, beredt; 
Bsl. 

Gestecken für gesteckt, s. Gramm. § 207. 

firasnmse, das, f. Geschwätz, von sum- 

sen, senwatzen. 
ßethae, das, das Benehmen, die Ge- 



berden, Bewegungen Jemandes; dann 
auch Ziererei, übertriebene Aufmerk- 
samkeit g^en Jemand: — so e Ge- 
thue, e rechtes Gethue, s. thun. 

Getränk, „er steht bein schweren G.", 
scherzweise anstatt „schweren Train;** 
Btr.; dann: er trinkt gern, „steht hoch 
in der Tranksteuer**. 

Gevatter, 1. G. stehen, eigentlich: 
Pathenstelle vertreten; bildlich: als 
Pfand versetzt sein, auch: beim 
Onkel, bei der Tante, beim Vetter 
sein; chez ma tante; at my uncle's; 
2. zu Gevatter bitten, an Jemand 
eine „populäre Gastladung*' ergehen 
lassen; s. Gast; ebenso: bleiben 
Sie mir gewogen, oder: erhalten 
Sie mir Ihr Wohlwollen; 3. „er 
träumt von Gevattern**, hat al- 
berne Einfälle, Hoffnungen u. s. w. ; 
in PP. : „er träumt von der Johannis- 
nacht**. 

Gewaden oder gewatt, f. gewatet s. 
Gramm. § 204. 

Gewalt, „es wird mit Gewalt warm** 
«» plötzlich, schnell und stark. 

Gewest f. gewesen; hell. — Sudt.: 
gewast; Gramm. § 198. 

GewTft, pfiffig, schlau; wohl von ge- 
wiegt; oder von dem franz. vif ? s. 
wlf; ähnlich: gewürfelt. 

Gewiss, „nichts Gewisses weiss 
man nicht**, stehende scherzhafte 
Redensart für „man weiss es nicht 
sicher**. 

Gewogen, er kann mir gewogen bleiben, 
verächtlich wie Gevatter, 2, PP.; 
s. Buckel, Gast. 

Gewohne, Adj., neben gewohnt und ge- 
wöhnt; Brl.; dgg. ist verwöhnt nur 
"»verweent; s. ^efüge; man sagt: 
ich bin es gewohne oder gewölmt, 
aber nur: „daran bin ich gewöhnt** 
(nicht gewohnt oder gewöhne). 

Gewölfe, Gewölbe (Mehrheit Gewelfer); 
begreift nicht eben einen gewölbten 
Raum, wie in V., Eg., ND. u, s. w., 
sondern einen Kaufmannsladen über- 
haupt ohne Rücksicht auf die Bauart, 
jedoch im Erdgeschoss; im 1. oder 2. 
Stock heisst es: Lager, Lokal, Ge- 
schäft u. s. w. 

Gewonn, gewunn, ich, f. gewann, s. 
Gramm. § 208. 

Gewunken für gewinkt; s. Gramm. §206. 

Gewfirfelt, geworfelt, wie gewift. 
Tb.; in Wn. an adrahter Mensch (vom 
Drechsler abgedreht). 

Gezanktes kriegen, ausgescholten wer- 
den; 8. Gramm. § 166. 



Gicks — Gokellampe 



123 



Gieks» der, 1. ein Fehlstoss beim Bil- 
lard; daher: kicksen; mhd. gigzen; 
auch das Yenehlen and Fallenlassen 
des Balles beim Ballspiel; 2. weder 
Gicks noch Gacks yerstehen, gar 
Nichts wissen. J., Hb. ; Bw. Gigges- 
gagges, albernes Geschwätz. 

Giebiff, stark, ^oss: ,,ein giebiger 
Kerl;" im V. : kieb'ge Beden f. Stiche- 
leien; Büdiger schreibt kiewig, leitet 
es aber anf ergiebig znrttck. In einem 
Bericht an den Züricher Bath (1628) 
wird ein Wiedertäufer als „der Sekte 
sehr anhänsng und vor allen Anderen 
kybig nnd hartnäcUg*' bezeichnet; 
St 11 der, Gesch. der Kirchgemeinde 
Bäretswil, S. 78; S. 80 erklärt der- 
selbe „den Kyb*' als Halsstarrigkeit; 
Seiler (Basler Mundart): chib, leiden- 
schaftlicher Eifer, Zorn ; chibig, grol- 
lend n. s. w. Schw. kiebi^ f. dauer- 
haft; im Bw. f. vierschrötig. 

Giebrig, gieprig anf od. nach Etwas, 
begierig; Brl.^ s. giepern. 

Giebsen oder giepsen, s. gabsen. 

Gi^gäk, der, 1. e. Gans; 2. d. abge- 
legenste Ende einer Stadt, eines Dorfs: 
„er wohnt am G.;*^ s. Bettelmanns 
Umkehr. 

Giek, Ausruf, wenn man Jemand (be- 
sonders Kinder) mit dem Finger 
schnell berührt, um ihn zu erschrecken; 
daher: gieken, gieksen, stechen; 
Bh., E§., Schw.; s. Froschgieke. 

Gieke» die, 1. Werkzeug zum Stechen; 
so: Froschgieke (Schi. Froschgieger) 
für Säbel; 2. in der Zusammensetzung 
Kohlengieke für Kohlentopf; Di.: 
Eiek. 

Giekebaseh, Spottname für irgend ein 
drolliges Frauenzimmer. 

Gieken, kieken, 1. sehen, gucken; 
schott. keek; 2. stechen: z.- B. einen 
todt kieken; Pf., J., Schi., Th.; s. 
Giek, Gieke. 

Gieker, 1. einen Gieker auf Etwas 
haben, es auf Etwas absehen, begie- 
rig Etwas ersehnen; s. gieken; — 
2. einen G. auf Jemand haben, 
eine „Pike^' auf ihn haben, ihm Et- 
was nachtragen. 

Giepem» jiebem, wie gieren; Adj. 
gieprig; Brl. 

Gieren nach Etwas, es gierig wünschen ; 
to yearn; vgl. giepern, lungern, 
rainschen. 

Gift, 1. ist mitunter männlich, § 181. 
2. f. Branntwein; daher: Gifthütte, 
Giftbude, Destillation. 

Giften, ärgern, reizen; sich giiteü «= 



sich erbosen; Brl., Oe. Gift zahn, 
Giftkröte, satirische, bissige Leute. 

Giftmischer, Ekelname für Apotheker, 
wie „Neunundneunzifi^er". 

Gimmt, er, er kommt; s. kimmt. 

Ginnen für gönnen; auch verginnen. 
N.; Gramm. § 45. 

Glaser, 1. „He, Glaser, meine 
Scheiben!'^ Zuruf, wenn Jemand 
etwas Zerbrechliches antappt oder es 
zertrfimmert; ähnlich in Schw.; 2. 
dein Vater war kein Glaser'^ 
Tauch mit dem Zusätze: sonst hätte er 
air eine Scheibe in den Bücken ge- 
macht), geh mir aus dem Lichte, du 
bist nicht durchsichtig. 

Glatt, abgemacht, erledigt; die Sache 
ist glatt, wir sind glatt; eine 
glatte Bechnune »» unbeanstan- 
det; glattes Geld für eine gerade 
Summe. 

Glattig, glatt *g, rein, sauber, hübsch, 
nett; „ä glatt'ges Mächen^S nettes 
Mädchen ; ä,,glattges Eckchen,'^ der- 
bes Stück Weg. 

Glauben, dran glauben müssen, 
1. sterben; 2. einbüssen; ,,mit meinen 
100 Thlm. werde ich wohl dran glau- 
ben müssen", s. gleewen. 

Gleewen, Bspr. f. glauben ; „das gleew 
ich;'' vor etwa 50 Jahren sa£[te man 
noch „glee'ch'* »» glaube ich, als 
Flickwort, wie halter, man; s. mee, 
meeg; s. § 52. 

Glei für gleich, Sdt.; 1. f. gerade, just, 
eben erst; „ich hatte gl. Geld einge- 
nommen ; er war gl. gekommen, wie 
ich 'n sahk". „Gleich hatt' ich Aep- 
fel in den Ficken^', Bamler. 2. f. ziem- 
lich, fast, ähnlich: „es is glei so Eener 
wie . . . 

Gliessen, glänzen, gleisseu; mhd. gli^en 
und glitzen; H.; Di. glinzen; Sudt. 
gb'sse reden, gleissnerisch sprechen; 
s. glitzern. 

Giiftehen s. Kluft 

Glitselienass, so durchnässt, dass alles 
trieft und glitscht; Tir.: watschelnass; 
vgl. glitscherig, fitschenmaden- 
nass. 

Glitselierig für schlüpferig, von gleiten, 

flitschen; E., J.: glitschig; Btr. gli- 
^S't ^S^' glitschenass. 
Glotzen, die, Augen; Schw.; Einen an- 
glotzen, anstieren; auch Schrift- 
deutsch; mhd. glotzen. 
Gnergeln, gnirgeln, wie nörgeln. 
Gokeliampe, eine Lampe zum Umher- 
gehen in Haufi^ ¥Äs?sä xi., ^. ^-.n"^. 



124 



Gokeln — Gott 



Gökelni mit Licht oder Feuer spielen. 
A*, Hl., Schi.; von: gaukeln; „tiberall 
r n m go k e 1 n", mit Licht umhergehen ; 
mhd. gogelen, hin und her gaukeln. 

Gold, 1. Lass dich in Gold fassen! 
wegwerfende Kedensart; „lass dir die 
Finger vergolden", wenn Jemand 
Etwas schlecht gemacht, z. B. schlechte 
Karten gegeben hat; 2. ich lasse 
Dich in Gold fassen, ich will Dich 
reich belohnen. 

Goldmflhle, wie Drahtmühle; mhd. 

Soltgreber f. Grubenränmer. 
t, alte Form f. galt; D.: goU; da- 
von: es gölte; s. Gramm. §208. 

Gondeln, die, ungeschickte, grosse Ftisse ; 
B. Gänselatsch, Talpe, Knoche. 

GOrge, besonders: dummer Görge, dum- 
mer Mensch. Gramm. § 166 b. 

Gopgeln, Jemand den Hals zuschnüren, 
ergorgeln (von Gurgel); auch für 
gurgeln »» den Schlund ausspülen. 

Gosehe s. Gusche; Bsl. 

Gosenbruder, Liebhaber der Gose, 
einer Art Weissbier. 

Gott^ 1. „vorG. und nachG. bitten", 
dringend flehen ; 2. Gott soll mich! 
Abkürzung für: Gott soll mich leben 
lassen u. s. w.; 3. die Bedensart: 
„als wie Gott der Herr" heisst: 
„um auszudrücken , anzudeuten" 
u. s. w.; z. B.: „Er winkte mir, als wie 
Gott der Herr: Geh nur hin", =» als 
ob er sagen wollte u. s. w. „Er schob 
mir einen Zehnthalerschein hin, als 
wie Gott der Herr: es ist ja da!" =» 
um zu verstehen zu geben, dass er 
viel Geld habe; so bei Nestroy: „Er 
streckte die Arme nach ihr aus, zei^e 
nach oben auf einen Stern — Gotig- 
keit — „dort werden wir vereinigt;*' 
genau so in Schw.: Gott versprich, 
Gott mer sprich, Gott wohl sprich, und 
in Fr.: Gottmusskeit. 4. „Gott sei's 
getrommelt und gepfiffen" = 
das pfeifen die Spatzen vom Dache, 
es ist weltbekannt; es ist leider so; 
5. „wie G. den Schaden besah*', zu 
guter Letzt, bei genauer Prüfung, 
stellte sich der Nachtheil, das Uebel 
heraus; 6. „er lässt den lieben Gott 
einen frommen Mann sein", küm- 
mert sich um Nichts; Eg., PP. 

Gottehen, Ausruf » Gott, Btr.: Got- 
ting; 8. Gramm. § 167. 

Gottesaekerbelle , (ausgesprochen : 
Gotzackerbelle) schlimmer Husten, 
Anzeichen, dass Jemand dem Got- 
Yer (Friedbof) nahe steht; Hb. : 
of der Gottsackerpföffe. 




Gottesrabe s. das Gut; Y. 

GottesKühehen, Gottesgiwichen, 
das, Marienkäfer, cocoinella septem- 
punctata; auch zu Gutschegi- 
wichen entstellt ; Hl. : Herrcx)ttsküh- 
chen; Sz. Herrgottskühli; Eialeben: 
Mötschekiwichen; Sbg.: Herr Gott 
Usken (Oechslein); Fr.: Herrgotts- 
kälbchen, Herrgottsmoggele, Sonnen- 
kuh; Tir.: Sonnenwendkäfer; Th.: 
Mariechen ; in anderen Gegenden auch : 
Sonnenkälbchen, Marienkalbchen^ 
Frauenkühlein, Gottesschäflein, Ma- 
rienhuhn, (Jnsres Herren Huhn, Herr- 
gottsmückl, JohannisvÖglein; — in 
NS. Johanniswurm, was bei uns den 
leuchtenden Johanniskäfer (lampyris) 
bedeutet. 

Gottes Wort, 1. „von G. W. lässt 
sich viel reden", diese Sache lässt 
sich von sehr verschiedenen Seiten 
auffassen; Hb., PP., ND. Sprichwort: 
„Von Gottes Wort ist viel zu reden, 
aber wenig zu halten;" 2. Gottes 
Wort vom Lande, Landpastor; 3. 
das reine Gottes Wort, reiner 
Kornbranntwein; PP. 

Gott6wi^, verwünscht, z. B. der gott- 
ewige Kerl, das gottewige Fass (noch 
ziemlich neu). 

Gottfried, 1 . als Gemeinname, s. Gramm. 
§ 166 b. 2. Bock, „mein alter Gott- 
fried". 

Gottheillos f. sehr, tüchtig; „er war 

f ottheillos bekneipt und Kriegte gott* 
eillose Keile". 

Gottiieb als Gemeinname: „da kommt 
die Nachbarin mit ihrem Gottlieb", 
für Ehemann oder Bräutigam, s. 
Gramm. § 166 b. ■— Mit dem Verfall 
der frommen Namen hänj^ der Spott- 
reim zusammen: „Gottiieb, Crotuob, 
Gottleberecht, du bist mein' Vater sei 
Stiefelknecht**. 

Gottlob s. Gramm. § 166 b. 

Gottlose» sich gottlose maxshen, 
von Kindern, wenn sie die Wäsche 
verunreinigen; Bspr.; selten; dafür in 
Ab.: „ei, wie hastDu Dich erzogen!" 
in Bsl. wüest mache. 

Gott*s Kreuz, wie sehneit's* Ausruf 
für: das wäre schön! nicht übel! was 
sind das für Geschichten u. s. w. 

Gott's tausend drückt nicht nur pos- 
sirliches Erstaunen aus, wie Potz 
tausend meistens, sondern auch 
ernsteren Unwillen. 

Gott Strahl ans, Gottstrahlexl Ver- 
schleierung für: Gott siarafe mich! 
auch: (^ottBti&hlewetter, Ab.; 



Gott — Grind 



125 



vgl. die engl. Verlifillangeii: darn it, 
dasli it, yon d~d t damn. 

Gott-Stravpaeh, ebenso; £g. 

Gottstranpelhanne, ebenso. 

Gottstreehe, ebenso. 

GottYateniy sieb, 1. ein Vateiwiser 
beten, bes. vor dem zn Bett gehen; 2. 
„da kannst dich Gottvatern, du 
werscht scheene Geile besehen/ ;l>ete 
nur nmd mach dich gefasst auf eine 
tüchtige Tracht Prügel. 

Gott Ter! Eigentlich Abkümmg für 
Gott verdamve mich oder dgl.; als 
Finch "wird es ausgesprochen: Gott 
vdrr, als blosser Ansraf der Ueber- 
raschong» Frende, wie Ei! Herre! 
u. s. w., sprechen es Knaben aas 
i,Gottv'r!** 

GottTMrdaBzig, ebenso für «Gott ver- 
damm* mich.** 

G«ttverd6! Gottverdea! aach Gott 
verd^ an dalde mich (mit Be- 
'daplikation wie «verdiledammen* im 
E.), ebenso. 

GottvMrdex! ebenso; Rh. 

Gottverdimian! ebenso; dieser Aasrof 
ward 1868 in einem Steckbrief als 
„besonderes Kennzeichen*^ eines De- 
•flerteors angegeben! 

G#tt Twdopple mieh! Gott ver- 
dopple mei Traktement! ND., 
ebenso; Bsl. Gott verdopple mer der 
Wachelohn. 

GottTerressen, Name eines sehr übel- 
schmeckenden Kräaterthees, gegen 
Zahnschmerz gebraaoht. 

Gottyertannewaldf wie oben. 

Gottvoll, prächtiff, herrlich; eine gott- 
volle Landschan;, Masik; aach spöt- 
tisch: ein gottvoller Kerl. 

Grabeloeh f. Grab: — Da wirst Zeit 
^enag ins Grabeloch kommen; hier 
ist's so still wie im Grrabeloch. 

Gräme ist die Mehrheit za „der Gram*' 
d. h. Graben; s. Gramm. § 182, 6 a. 
§82. 

Gransen, granzen, grinsen, weinen; 
daher: Granslise, Granssase 
a. 8. w.; — Hl. gransen; s. grin- 
sen, greinen. 

Grapsen, gräpsehen, grapschen, 
hastig wegraffen: Eg.; Btr. — grap- 
sen aach stehlen; rf.; Hb. krapps; 
be^rapschen, tölpiscb anfassen, be- 
greifen, wie betalpen; to grasp; 
s. gripsen. 

-Gr&tlg^ anwillig, mürrisch, erzürnt; 

Hl.; m Aa. grätiscb. In Ulm heisst 

„krähen*' verdriessen nnd davon kräh- 

'tig; ND. kretli, verdriesslich; Bi.: 



kräht! » keck, übermüthig, heraas- 
fordernd; PP. grätzig wie ein Kaal- 
barsch. 
Gratsehen, gratseheln, grätseheln, 

angeschickt gehen, F., J.; grät- 
schein (mhd. eriten), die Beine 
spreizen, „grätschen*' beim Tarnen; 
Hl., Th. — Hesekiel 16, 25: greten. 

Granel, Graul, der, f. das Granen; 
„da ffommt (geht) mich ^ei der 
Graael an,** es ist mir znwider; P. 
davon: sich graalen, fürchte«, 
gianen; NS. graseln; aach: es.granlt 
nur (davor); Brl. 

Graupen, „grosse Graapen im 
Kopfe haben**, grosse Plane and 
Hoffnnngen hegen; ND. grosse Gh»p- 
pen; missverstandlioh: grosse Baa- 
pen im Kopfe haben, s. Baapen 
n. B-osine, Grütze. 

Grebs s. Griebs; Ab. 

Greinen, 1. weinen; Wf., PP., iTh., V., 
SchL; s.^Tansen; 2. lächeln, grinsen, 
iB.; überhaapt: den Mnnd verziehen, 
also wie flennen; Di.; in Wn. «« 
aasschelten; Ndr.-Oe. greina, zanken. 

GremM&dd^ri verdorben aas ci«nor 
tartari. 

Grete, verächtlich für Mädchen, 'Fran, 
auch: Griete; Gramm. § 166 b. 

Griekeln, an Allem mäkeln; wohl von 
kritteln? Ein ewiger Tadler heisst 
„Grickelkopf**, er ist grickeli?; 
Sbg.; Hb. knckelich; Bh. krittlicn; 
„grickelköpf ig, grickel- 
köpp'sch**, eigensinnig , laanisch, 
wählerisch, nie zaMeden. 

Griebs, Greebs, Gröbs, der, 1. das 
Kemgehäas von Aepfeln, Birnen; Th. 
Grebest; Schi. Grribseh, in anderen 
Gegenden: der Batzen; 2. davon: 
der Adamsgrebs, der hervorragende 
Theil am Halse (englisch: Adam's 
apple); 3. daher: Einen am Grlbse 
(öribsche) fassen, ihn anpacken, 
besonders am Halse; Bsl.; Wn.: bei 
der Kraase kriegen. 

Griefe, die, 1. was beim Aaslassen von 
Fett als kleiner, festerer, ßocMger 
Fleischtheil zarückbleibt; Eg., m>.: 
ia Schw. (wo Griff Bindsnierenfett 
bedeatet): Grübe, Grab, Greab; Wf. 
Greven; mhd. griebe; — davon: 
Speckgriefen, Schweins-, Schöps- 
griefen; s. noch Gake; 2. kleiner, 
anansehnlicher Mensch; 3. maliziöse 
Person: s. Malise, Priese. 

Grimms'g, Yerstärkang von grimmig; 
mhd. grimsLc^ ^Nüt\y^'DL^. 



126 



Grinsen — Gruseln 



muiu au" ueiBsii 

^anz einfach „^rü 

Onpps» einen oeii 

Di: bi'n Kripps k 



T., Th., Bsl.: ebenso mhd. grint u. 
schorf. 

Grinsen, 1. weinen; daher Grins- 
michel, Grinsebüchse, Eg.; s. 
gransen; 2. lachen D.: grinen; s. 

. greinen. DerStamm dazu istgrienen, 
welches in Wf. lachen, in H. weinen 
bedeutet. 3. weinerlich reden, über 
Kleinigkeiten wehklagen; auch grin- 
sein; 4. „Grinse mich mit Sanft- 
mut h an^' heisst bei Kartenspielem 
' " rrün sticht**! 

>eim Gripps nehmen, 
Kripps kregen, wie Griebs, 
3; s. Kanthaken, Karthause, 
grippsen. 

Gnppsen, stehlen; Hb., Pf.; mhd. 
gnpsen, ND. gripen = greifen; 
Schott, grip, engl, to gripe: schott. 
grips, das Festhalten (beim„Gripse''); 
s. grapsen, in Wn. rapsen f. stehlen. 

Orisslien, von Speisen (Suppe, Fett, 
Birnen), die gleichsam feine Kömchen 
(Gries) spüren lassen; Hb. kriselig; 
krisp eng bedeutet einen stärkeren 
Grad. 

Grob singen, tief; Gegentheil: fein 
singen; Bspr. — 

Grob, das, das Ludergrob, auch: 
Grobzeug, ungeschliffenes Volk; im 
Hz. heisst das vieh: Kropj: dgg. ist 
Plattd. Kroppzeug ««kleine dicke Mäd- 
chen mit einer ünterkehle (von Kropf). 

Grobdern, grob dorren, darben, um 
zusparen; wohl von Kropf und dürr? 
Vgl. Dorre u.knappdern, knapp- 
dorren. 

GrObs s. Griebs; Hl. 

Grölen, kr ölen, grelen, lärmend 
singen, grell schreien: das Gegröle; 
Brl., Th., Hb., Hss., Fr. u. s. w.: ND. 
grälen, auch jölen ; vgl. : lören, 
Hosea 7, 14. 

Grosehen, 1. f. Geld überhaupt (wie 
schwed. penningar =» Pfennige); „Gro- 
schens muss der Mensch haben*'; 2. 
,4ch bitte Sie um 4 gute G.**, um 
Alles in der Welt. 

Gross, 1. der ^r. Bruder, die gr. 
Schwester sind die älteren, wenn 
auch der Länge nach kleineren 
Geschwister; 2. nicht f^ross nach 
Einem fragen, sich nicht viel aus 
ihm machen. 3. „das is das Grosse 
nich**, das hat nicht viel zu sa^en, 
auch „das is das Häufige nich; 
es is nich schlimm"; 4. „er hat 
es gross vor^S will hoch hinaus, 
etwas Grosses thun; s. Graupen, 

Rosinen, 



Grossbrod, der, Grossthuer, Auf- 
schneider, wie Grossmo^el; Hl. 
grossbrodig = hochnäsig, über- 
müthig , wie grossmoglig, gross- 
stieflig. 

Gross-Mogel (von Gross-Mogul), an- 
spruchsvoller Mensch; vgl. gross- 
brasselig; davon: grossmoglig. 

Grossmüthig, grossprahlerisch, hoch- 
müthig, Bs^r.; Fr.; — gewöhnlicher: 
grossbrotig. 

Grossmatter; um eine grosse Menge 
zu bezeichnen sagt man, mit Wieder- 
holung des vorhergehenden Haupt- 
wortes: „und ... 's Grossemutter;" 
z. B. in der Küche standen Deppohen 
(Töpfchen) und Deppchens Grosse- 
mutter umher; die Mädchen haben 
Läppchen und Läppchens Grossmutter 
da hängen, Mützen u. Mützens Gr." 
ähnlich: tout le monde et son p^re. 

Grosssehnanzig, grossmäuli^, s. g r o s s - 
stieflig, grossmoglig, brasselig 
u. s. w. 

Grossstieflig, grossmäulig, anspruchs- 
voll, wie grossmoglig. 

GrAn, 1. unerfahren, leicht zu täuschen; 
besond. „e griner Junge"; wohl vom 

frünen Holz, das noch nicht zum 
erarbeiten taugt; engl.: green, 
greenhorn; 2. grünes Fleisch = 
rohes; 3. grüne Waare, allerlei 
grünes Gemüs; die Händlerin mit 
solchem heisst die Grünefrau; 4. 
„er ist mir nicht grün", nicht ge- 
wogen, abgeneigt; 5. „Grün und 
gelb und jämmerlich, [sich Q» 
sieh) mich an und friss mich nichj", 
ruft man, um Abscheu über eme 
scheckige Farbenzusammenstellung 
auszudrücken; 6. „er bricht es gar 
zu grün ab", er tritt keck, unver- 
schämt auf. 

Grandeigen, Verstärkung desümstands- 
Wortes eigen, s. d. = ganz genau, 
von Grund aus: das kenne ichgrund- 
eegen; s. grundgütig. 

Grandeis, „das Loch geht ihm mit 
G.*S er hat grosse Angst; PP. 

Grandffütifls sehr gütig, fast nur in 
in der Verbindung: grundgütiger 
Gott, grundgütiger Himmel ; s. g r n n d- 
eigen. 

Grflnesappe, Suppe von Körbel mit ein 
wen^ Spinat und Zwiebel. 

Graseui, grauen, grausen, mit Neben- 
begriff des Frösteln; mir (seltener 
mich) gruselt's schon f. mir bangt,, 
schaudert, mich überläuft's, ich be- 
komme Gäa^ehaat (Grimm'is Märchen 



Grütze 



Haare 



127 



„von Einem, der das Gmseln lernen 
wollte). 

Grütze, 1. Verstand, Hirn: „er hat 
keine Grütze im Kopf". Pf, , Seh. 2. 
„er hat grosse G. im Kopfe", bildet 
sich viel ein; s. Graupen, Rosinen. 

Guke, die, ein Tnch, das Bauermädchen 
um den Kopf binden, so dass es 
Haar, Ohr und einen Theil des Ge- 
sichts bedeckt, welches eben nur noch 
heraus gukt; im Nacken hängt ein 
Zipfel herab. 

Gukelieht, Kinderwort f. Licht: N.-D. 

Gulaseb, eine stark gewürzte Fleisch- 
speise; slavisch oder ungarisch. 

Guikem, das Geräusch beim Einschen- 
ken aus einer Flasche; Th.; Schw.: 
goltem; s. kulksen; — „es gulkert 
mir im Leibe 'rum", ähnliches Ge- 
räusch in den Eingeweiden. 

Gums, dicker Brei, namentlich Boden- 
satz der Tinte; seltener Gungs. NS.: 
Pamps ; vgl. Stams. (Aaelleicht 
verwandt mit dem slavischen Worte 
für Sauerkraut : K o m s t , oder compo- 
situm ?). In B. Gumps, Kumps, Kumpes, 
Kumpost; in Aachen: Kompes. 

Gniir f. ging; s. Gramm. § 209. 

GurEe, sich eine Gurke heraus- 
nehmen, sich Freiheiten erlauben. 
Schi. 

Garkenbandel, da hört der Gurken- 
handel auf, da hört Alles auf, so 
weit darf der Spass nicht gehen; s. 
Bohnenlied. 

Gurkenmaier^ Pfuscher, Stümper in 
der Malerei. 

Gurkensalat, „was versteht der 
Bauer vom Gurkensalat" =« 
was nützt der Kuh Muskate; El. 
Neuerdings sagt man auch: „das ist 
Caviar fürs Volk" = man muss 
die Perlen nicht vor die Säue werfen. 
(Shakespeare, Hamlet: It was caviare 
to the general.) 

Garkeiizeit, auch: saure Gurken- 



zeit, die stille Zeit, wo es wenig 
Arbeit gibt (saison morte), z. B. bei 
den Schneidern im Sommer. 

Gasehe, die, pöbelhaft f. Mund, Maul, 
von Menschen, Hunden u. s. w. : Halt 
deine G.; er hat eine lose Gusche; 
K., Th., Eg., Schw.: — PP. Gusch; 
E. u. B. Goschen; Wn. Guschn, 
Goschen, Göschl; in El. für Mund 
ohne üble Meinung oder Eohheit, wie 
in Sz. all^mein Mul; s. Fresse, 
Gefräss, Kachen, Labbe, Brot- 
laden, Schnute. 

Gasehmaehen» kuschen (von coucher), 
sich ducken, Alles schafmässig er- 
dulden. E. 

Gustel f. August und Augusta. wie 
Christel f. Gnristian und Chrisiiane; 
Etr.: Gust «= August. 

Gut, 1. „sein Se so gut!" ironisch 
für „das verbitte ich mir". Brl.; 2. 

fut und gerne *» sehr wohl; „das 
ann gut u. g. seine 10 Thlr. kosten; 
— eine Stunde weit is es gut u. g." 
(derbe Stunde.) 
Gut, „das liebe Gut", ein Stückchen 
Brod, das eben in Gefahr ist, ver- 

Seudet, verdorben zu werden; „geh 
och nicht so leichtsinnig mit dem 

lieben Gute um, vermoscne es nicht 

so" ; seltener „die liebe G o t te s g a b e ;" 

s. lieb. 
Gatdeuehten, einen angenehmen Kitzel 

und d^l. hervor bringen. 
Güte, „du meine G.!" « lieber Gott; 

wie engl, goodness! 
Gutmaeher, Einer, der stets auf vor- 

theilhafte Geschäfte sinnt; s. Wohl- 

thuer. 
Gutmeinen, liebkosen; wie ei -ei 

machen: man fordert Kinder auf, 

„es mit aem Vetter gut zu meinen" 

(ihm die Wangen zu streicheln). 
Gatmuhmif , sSlzugutmüthig; davon: 

Gutmuhmigkeit, bonhomie. 



H. 



Hä, he, 1. unhöfliche Fra^form statt: 
wie? B. hans? 2. bäuensch für er; 
„hä will nich"; dafür auch nur e 
oder ä (he, die erste Hälffce vom 
Stamme herr, wie he, engl., während 
er die zweite Hälfte ist) ; Gramm. § 190. 

Haarbeutei haben, betrunken sein*, 



B., E., Pf., Oe., Eh.; Wf. harbül; — 
auch Schriftdeutsch. 
Haare, eine, weiblich: „er hat eine 
H. darin gefunden; bei einer H. 
schmiss er um!" E^. die Hör, als 
Einzahl; s. Gramm. % 1%\\ Qäxsssssn.^ 



;ias 



Haarig — Halb 



flaarigiBtsrb, nagehener, anigezeiduiet. ! 
„h. TK6lte, b. Nebel, i. Kerl;" s. 
Grimio: Laarig. 

BK*rwB«k8, iaa, '^e Sehnen im Bind- 
fleiseli; Schw.; in Th. Sehliemen ; I 
mbd. li&r-w^s: s. Grimm. ' 

HabbMic, habb'g.'happig, habgierig, 
derAUeH wagnappen (d. i. weg- 
eehnappen) will; a. babbern n. 
kabbern. Di: happi. 

Habberkaste« b. Haberkasten. 

Habbem, znaammen Beharren, gierig 
erwerben: daTon habberig n. i. w-; 
Tgl. kabbern. 

Häbehen, Verkleineraog reo: die Habe; 
nnr in der Yerbindnng:. „das ganze 
H. Q- Babcben", alle Habaeligkeiten, 
das ganze, geringe Vermögen; ,^er 
.«erlor an den Aktien sei ganzes H. 
Q4B."; leimend wie ao Tiele Bedens- 
.arteii; b. Grimm n. vgl. Näbicben. 

flab^, aatgesproohen: bäm and häm, 
BBpr.:hän;l.,;da8 will was haben", 
„das wird noch Manohea haben wol- 
len",. M&he kosten. Pf., Oe.; 1. eich 
haben, aioh nngeberdig anstellen, 
anfbransen a. a. w., Th.; s. gehaben; 
BerUi. Auerbach: sein Gehaben f. Be- 
nehmen, wie.to b€ihave; mhd. haben 
f. sich betraten; 3. „es bat sieh 
was", es ist bald gesKt, doch nicht 
■0 bald gethan; es stehen Bedenken 
entgegen, Ton denen Da Nichts ahnst; 
H.Eier; 4. a.was. 5. er riss ans (ich 
schrieb dranf los], was haste, was 
kannste, so eilig als möglich; 6. 
haste (nicta) gesehen (\tg er auf 
der Nase, oder ging's fort n. s. v.] 
plötzlich, nnTersehens; FP. 

fiiiberkiisteii.Uäberaack, habeieri^r 
MeBBCfa, B. habbem, haboeng; 
Sack, 5. 

Habit (spr. Hawlt), das, Kock, ganzer 
Anzog, bes. für Kinder; a, Grimm. 

BabnJ, der, habeieriger Mensch ; „e 
richtger H." -»iiabberig. 

Haeke, die, Ferse an Fcss and Stmrapf ; 
Grimm, IV, 2, 100. 

Hackeklotz, Hackestock, eehr dnm- 
mer Mensch. 

Haeke-Hack, Hack nnd Mack, der, 
gemischte Gesellschaft, wie: Eietbi 
und Rethi; im V. f. Terwormes Zeug; 
DL; Hb.: Hackel nn Backel; PF. 
Hack nnd Pack, s. Grimm. 

Backen, 1. Einen hacken, bevorthei- 
Jeo, betrBgea; wie bemogeln n. a. 

2- „die Milch backt (bückßit) sich". 



den sind; HL 
Bäcker, Hecker, dar, f. .HSckerling, 

Häcksel. 
Hackemhen, <das, Zahn, Küderwott; 

V., Pf., Hob.; Hb. Haokel. 
Uaekach , anoh: Sanhacksch, 

Schwoinebaoksoh, 1. onsanberer 



amMnsammJ 
BchiiDpiwort'~ <liäderlicher -Mnsoh. 
Ilareri|ue>llcr, Spitzname fBi Banera, 
weil sie manclünal den Hafer beim 

Verkauf iioas machen, damit er 
schwerer wiegt 

Bahn, „dich aoll doch gleich deriH. 
backen", Drohang,jElndem gegen- 
über, wiei dioh'soll der groBse.Ennd 
beisaen ; PF. 

Bahn- f. Hag, Hain, in Zasammen- 
Setzungen, a.' Hahnebntten, habne- 
büchen; so wird es anebinBigenamen 
gesprochen; das Dorf Hain bei 'Bi)1jia 
beisst „Halme hei 'Bede^*' Xnanfhain 
^^Koauthahn; Groasenhain'^QFoasen- 
hahnpii andern wie 'n, z.B. Albrechts- 
hain = ülberta'n. 

HahoebiilkOD, die obersten Balken im 
Dache, am First (nächtlicher Lieb- 
iJDgssltz des Hahnes), zoaammenge- 
baltcii vun den Hahnebändern; 
hoUänd. Iiunebalk, mhd. han-boam. 

Hahaebampel , der, haltloser Henscb; 
B. Hampcdittrioh. 

BahnebOefaen, bambBchen, groaa, 
stark, grab; „ein b. Kerl", grosa n. 
stark gebaut; „eine h. E&Ite", Hz.; 
von Hainbuche, Hagebuche. 

Bahncbutte, Hambatte, die, Habne- 
bnzcboD, das, H^bntte; von Hahn 
= Hag u. Butte, Knospe,^ engl, hnd, 
franz. boutoa; seltner die Hahne- 
bipe (Kinderspraohe). 

Hahnenschrei, „der Tag hat um einen 
Hahnensch. zugenommen", f. unmerk- 
lich; in PP. ebenso, aber auch: „nm 
einen Hahnen schritt". 

B&keln; zwei Personen fassen jede mit 
einem Finger eineK'ezel nnd zeirüssen 
sie so, um in sehen, wer das grösste 
Stück bekommt: das heisst bitkeln, 
auch ziehen, jahrmarkten; ND. 

Balb, I. „ein balbea Viertel, ein 



Halbabend — Hängen 



129 



halbes Viertelchen'* für Vs bei 
altem Mass und Gewicht, von der 
Elle sagt man: ein halbes Viertel, 
dagegen ist ein „halbes Viertelchen** 

nnr: Vs ^^^^^ix ^^^S^- «»anderthalb 
Viertelstunde Wegs"; 2. „halb und 
halbes Schnaps, halb doppelter, halb 
einfacher; im V. heisst der Schnaps: 
Halberich; engl, half and half (Ale 
und Forter); 3. er ist halb sieben, 
ist betrunken^ ND.: halbig söben. 

Halbabend (spnch Halwamd), Vesper- 
zeit; V.; H.brod, Vesperbrod. SD.: 
die Jausen. 

Halbgewalkt, nur halb fertig, nicht 
recht durchgeführt, also ähnlich wie 
halbschürig; „ein halbgewalktes 
Uebereinkommen, eine halbg. Arbeit**. 

Halbschflrig, unentschieden, unsicher, 
unzuverlässig; „ein h. Charakter; h. 
Licht (wie an Nebel tagen); h. Liberale'* ; 
vgl. halbgewalkt. 

Halle, „stoss mich nicht, ich bin von 
Halle", scherzhafte Drohung; in 
Th. „stoss mich nicht, ich bin von 
Mäning (Meiningen)**. 

Hallore, der, eigentlich ein Arbeiter in 
den Salinen zu Halle, dann für einen 
wilden, unbändigen Menschen; Sprich- 
wort: „In Halle gibt*8 Hallenser, 
Halloren und Halunken." 

Haipart! (halbe Part) Zuruf, um von 
Jemandem, der eben einen Fund auf- 
hebt, einen Antheil zu fordern; s. 
Part. 

Hals, 1. „er hat sie am H. wie das 
kalte Fieber**, er kann sie nicht 
wieder los werden; 2. „es will mir 
nich zu Halse**, behagt, schmeckt 
niÄt; s. Kopf,. 2; — 3. „es hängt 
mir zum H heraus**, ist mir zu- 
wider geworden. 

Halsabschneider, Wucherer; auch: 
Kopfabschneider, Eravatten- 
fabrikant. 

Haltefest f. Häscher, Polizeidiener 
u. s. w., wird zu dem Reime erwei- 
tert „Herr, halt ihn fest bei Rock und 
West***. 

Halten, 1. „sie hält sich nach ihm**, 
sie achtet auf die Wünsche ihres Ge- 
liebten, geht nicht ohne ihn zu Tanze 
u. s. w. HL; s. gehen, 2; 2. „ich 
weiss nicht, wie ich halte**, woran 
ich bin, wie ich mich verhalten soll; 
3. es lässtsich halten, ist mittel- 
mässig; 4. er hält sich Eine, hat 
eine Maitresse; vgl. entretenir. 

Haiwege für halbweg, einig^rmassen, 
leidlich; Rh halwä; HL, Th. — in 

Albreobt, Leips, Mandart. 



SchL, Fr., V.: halbig, holbig; in Lpz. 
auch Adj : ein halweger Preis, ein hal- 
weges Unterkommen. 

Hamf f. Hanf, Gramm. § 104; 1. er 
kommt nicht aus dem H., redet 
verworren »"weitschweifig ; kommt nicht 
zu klarer Einsicht u. s. w., s. klossen, 
verheddern, 2, Fitz. 

Hämflich s. hänflich. 

Hammel, unsauberer Mensch; auch 
Schmutzhammel; vgl. sich be- 
hämmeln. 

Hammel, 1. f. Hammel; Rl. HämeL 2. 
H. dutz, s. dutzen. 

Hammiebel, Zusammenziehung von 
Hansmichel, s. Hans. 

Hampedittrieh, unbedeutender, einföl- 
tiger Mensch; erinnert an Hampel- 
mann; Pf.: Hambes; am Rh. Scham- 
bes V. Jean Baptiste; s. hampeln, 
Hahnebampei;Gramm. § 166b. 

Hampelmann, mannähnliche Puppe, 
bes. f. Knaben; Eberh. erklärt Harn pe 
B» grober Kerl; s. das vorige und das 
folgende. 

Hampeln, unsicher, schwankend gehen, 
aus Furcht, das Gleichgewicht zu ver- 
lieren; s. humpeln; ampeln ist ND. : 
mit Händen und Beinen zappeln; s. 
angeln. 

Hamstern, gierig essen; P.: hamsen. 

Hand, 1. Hand vom Sacke, der Hafer 
ist verkauft! 2. Hand von der But- 
ter, Zurufe, um unwillkommnes Zu- 
greifen abzuwehren; ähnlich in PP. 

Handlangsbeflissener , Handlangs- 
diener, Handlungsgehilfe s. Mann. 

Händschchcn s. Hänschchen. 

Hänflich, hämflich, derb, plump, grob; 
„er wird gleich h.**, fällt stark aus; 
HL, E^.; von Hämfel, Hämfelchen, 
eine Hand voll, welches z. B. in Fr., 
E., V., Th. üblich ist; s. Grimm — 
(nach Rüdiger von Hanf, weil er 
gröber ist, als Flachs!) 

Hang, ich, auch: hung, f. hing; s. 
Gramm. § 207, 209. 

Hängen, v. n. 1. mit einer Schuld län- 

fere Zeit im Rückstande sein, wie in 
f.! aufliegen; vielleicht von der auf- 
gehängten Schuldnertafel herge- 
nommen; Studenten hängen mit 
einander, wenn sie sich gefordert, 
die Sache aber noch nicht ausgemacht 
haben, also so, wie anhängige Pro- 
zesse; 2. „hier hängt er**, scherz- 
hafter, auch unwilliger Ausruf f. „hier 
bin ich**, wenn nach Jema.x!Ld %<^4s»:^ 



130 



Hans — Haue 



Hans als Gemeinname f. eiuen dämmen 
Menschen, einen Tölpel n. s. w. ; eben- 
so seine zahlreichen Znsammenset- 
zangen; s. Gramm. § 166 b. 

Uftnscheheii, Händschchen, Hand- 
schab; Bsl. der Häntsche; Kl. n. J.: 
Hänsch; Pf.: Händsching; Di. n. Mb : 
der Hänsch f die Hänschen; ND.: 
Hansken (ebenso: Holsken f. Holz- 
schuhe, ND.}; dän. u. schwed. 
Handske; scnon mhd. häntsche, 
hansche, hentsche neben hantschuoch. 

Häns'ehen im Keller, Bezeichnung 
eines bald zu erwartenden Erben, man 
trinkt z. B. aufsein Gedeihen: „H. im 
Keller soll leben !'* Jack in the ceÜar. 
Birkenhänschen f. Buthe zur Züch- 
tigung. 

Uans Dampf, wer alles hastig und un- 
geschickt betreibt; E., Oe., Pf. Auch 
H. (D.) in allen Gassen. 

Hanswurst, „roth und blau, wie 
Hanswursts Frau!" verhöhnender 
Zuruf bei geschmacklos bunter Klei- 
dung. 

Hapeln, ungeschickt gehen, so dass es 
nicht „fleckt", sondern „hapert;'* bes. 
„über die grosse Zehe h.** = ein- 
wärts gehen, „wie die Gänse**. 

Hapern, unnersönl. Zeitw., stocken; Pf., 
K., F.; Pr.: es hapert sich; hapern 
ist auch Schriftdeutsch, s. Grimm. 

Häppehen^ 1. Verkleinerung von „Hap- 
pen", ein Bissen; „das sinn doch 
keine Portionen, das sinn blossKoste- 
häppchen;" dann auch wie: ein bis- 
chen, z. B. „mach e Häppchen Platz, 
wart e H." Ab.; s. Häppe. 

Hftppe, die, Häppchen, auchHippel- 
cnen, 1. Zicklein; bes. als Kufwort; 
HL, Hb.; — NS.: Zibbe, Nibbe; bei 
Musäus : Hipplein ; 2. Spottname f. ein 
Frauenzimmer, wie Zicke, Zippe. 
Pf. Häpperl. 

Happen, der, grosser Bissen, auch 
Happs: er schluckte den Kloss uff 
eenen Happs 'nein; bei Bog. Goltz; 
Brl., ND., Hn. Der Hippen ist ein 
bescheideneres Stück; Di.: ha^pen, 
gierig zubeissen, schnappen; xantw, 
ich schlinge, würge. 

Happig, 1. gierig, wie hab her ig; Brl.^ 
ND., 2. stark: „eine happige 
Kälte;" auch „beide is doch nich so 
happ'ch" (neml. kalt); — der Hap- 
p i ch bei Geiler v. Keisersberg (f 1510) 
I. Habicht. 
Marke, die, der Harken, DL; „ich will 

d/r zeigen (weisen), was eine H. 
ist^^, zurechtweisen, ablaufen lassen; 



Geld im Spiele abnehmen. PP., Ho.; 
der Rechen ist ganz ungebräuch- 
lich; Zeitw. harken, zusammen- 
harken u. s. w. 

Harseh, hart, herbe, vom Geschmack, 
auch von der Haut der Hände u, s. w. 
dän. harsk, schwed. härsk; s. Grimm. 

Hart« altbacken, aber nur von solchem 
Geoäck, das bloss frisch schmackhaft 
ist; also, z. B. h. Semmeln, Kuchen, 
aber man sagt: altbacknes ßrod; 
hartes Br od ist wirklich hart ge- 
wordnes. 

Hartleibig, geizig. Pf. 

Hartsetae, Adverb, hart daneben, dicht 
dabei; Bspr.; „ich fuhr hartsch am 
Prellstein vorbei". 

Häs*ehen, „Ich denke, es hat mich ein 
H. geleckt", wie Affe, 3; s. Grimm, 
IV, 2, 528. 

Haschens spielen, einander im Laufe 
haschen ; Ul. : Hasche spielen, Hasche- 
mann machen; NS.: kriegen. 

Hftschhaseh! Zuruf, um kleine Kinder 
zum Haschen aufzumuntern; s. Ha- 
schens; vgL dem Laute nach jouer 
ä cache-cache. 

Hase, der, die Schrotleiter am Roll- 
wagen; s. Grimm, IV, 2, 530; s. Häs- 
chen. 

Haspeln,h ä s p e 1 n, (von Haspel«^ Winde) 
sich herausziehen ; „ich haspelte mich 
aus dem Graben, Bette; — er haspelt 
sich immer wieder auf**, übersteht 
öfters Krankheitsanfälle; s. werden. 

Hassard, „ein hassarder Mensch*^ = 
roh, vorwogen, frech; in Th. u. Hb. 
der Hassart «= Neid, Hass; englisch: 
hatred; s. Grimm IV^ 2, 524. 

Hasseln, sich hastig bewegen; tfar in 
den zwanziger Jahren gebräuchlich; 
s. aufhasseln. 

Hat seh, in^stzgn.: „er is e kleener 
Mutter hat seh**, verhätschelt. 

Hätsclien> hätschen, schleifend, 
schlürfend gehen; Hb., Wn.; ähnlich: 
latschen, seltner: schätschen; s. 
Grimm: hätschen. 

Hatt'r*seb, zusammengezogen f. hat er 
es, hatte er es, habt ihr es; s. Gramm. 
§ 154; „na, da hatt'r'sch", da habt 
ihr die Bescherung! vgL seit* er' seh. 

Haue, die, Prügel; „du kriegst schon 
deine Haue, tüchtige Haue!** die 
Strafe ist dir sicher; „es setzt Haue 
fürs Vaterland**, gewaltige Prügel; 
Eg.; ebenso Dresche, Keile, s. 
Gramm. § 156; s. ferner: Wichse, 
Schmiere, Warmes, Holze» 
Kinm. 



Hauen — Heimlich 



131 



Hauen, 1. schneiden, Heu machen; ,,auf 
der Wiese wird gehauen;" in diesem 
Sinne ist die Vergangenht. nur „ich 
haute'*, nicht ich hieb; Gramm. §206; 
2. sich ins Bette (in die Falle) 
hauen, schlafen gehen; sich hin- 
hauen, legen; PP, 

Haufen, „er hat's mit Haufen", er 
hat Geld in Haufen; „es kommt mit 
Haufen", reichlich; er sitzt da wie e 
Häufchen Unglück, gedrückt, ge- 
duckt, de- und wehmüthig; PP.: hei 
huckt wie en Hupke Onnglöck. 

Uäuii§^e, das; „es ist das Häufige 
nicht, es wird das Häufige auch 
nicht sein*', es hat nicht viel auf 
sich, nicht viel zu sagen; s. Haufen, 
gross. 

Hauhau, der, Hund; Einderwort; auch 
der Hauhauhund. 

Häupter, der, Oberhaupt, Hauptmann. 
Bei Rtr. im schlimmen Sinne, wie: 
Anstifter. 

Hauptmann, „er muss vor Haupt- 
manns Quartier," sich vor irgend 
einem Vorgesetzten verantworten. 

Haus, 1. altes Haus, alter Freund; 
bei Studentenverbindung: ehemaliges 
Mitglied. 2. „das H. ist eingefal- 
len", sagt man bei einer Niederkunft ; 
dafür in PP. : der Backofen ist einge- 
fallen; 3. zu Hause s. zu, 1. 

Häus*ehen, 1. vorzugsweise für einen ab- 
seits errichteten Abtritt. B. , E., J., 
L., HL, Schw., PP., Schi. 2. aus dem 
Häuschen sein, überlustig, ausge- 
lassen; Etr.: ut dat Huschen kamen. 

Hausgeniesse s. Geniesse. 

Haussen, Verkürzung f.: hier aussen, 
trotzdem sagt man auch gehäuft : h i e r 
haussen; mhd. hü^en, vgl. hinne. 
Gegensatz zu darin. 

Hausunke, Frau, die immer zu Hause 
steckt, Stubennockerin. 

Haut; es ist aus heiler Haut ent- 
standen, ohne bemerkbare Veranlas- 
sung, von selbst; bildlich: „er fing 
ganz aus heiler Haut davon an", be- 
gann ganz unerwartet, ohne alle Ver- 
anlassung, ohne Einleitung darüber 
zu sprechen; Hb. 

He, Bauer! Ausruf, wie hopsa! wenn 
Zwei zusammenstosseu. 

Hebe, die, ein Fischnetz an einer Stange, 
an Mühlwehren gebräuchlich. 

Uebekorb, länglicher, viereckiger Korb 
mit Henkeln an zwei Seiten ; HL, NS. 

Hechtsuppe, „es zieht wie H.", es 
bläst schneidender Wind; BrL; „der 
Stock zieht an wie H.", PP. 



Hecke, die, 1. einBrtitbauer der Vögel 
(Vogelhecke, Eanarienhecke); 
2. ihre Jungen; 3. bildlich eine Menge : 
eine ganze H. Kinder; s. Hetze. 

Heckern, höckern, 1. klettern; Ein- 
derwort (von hocken); Th., Dd.; 2. 
wie hacken, 2. 

Hede, 1. Abkürzung für Hedwig; vgl. 
Ede; 2. „die Hede" f. das Dorf 
Propsthaida bei Lpz., „er ist aus der 
Hede;" im Eg. spricht man Schön- 
heida aus: Schiehähd. 

Hedexe, Eidexe; s. Gramm. § 133; 
Schw. Heggäs. 

H6e, nicht wahr; „aber gestern war's 
hübsch in der Schenke, hee, Fritze, 
hee?" vgL RL häin? Mü. häns (f. wie), 
s. hene? 

Heed, das, Salat-, Eohl-, Erautkopf; 
engl, head; feinere Hausfrauen 
sagen: ein Erautheid; ND., Th., 
Fr., SchL (Hot u. Het); im V. Häd 
auch vom Eopf des Menschen, wie in 
unsrer Bspr.: zu Heeden *= zu 
Häupten, z. B. des Bettes. 

Heescb s. hesch. 

Hefen, auf den Hefen sitzenbleiben, 
nicht gedeihen, kein Glück haben; 
vom Backen hergenommen. 

Heftelmachen, „das geht wie's Hef- 
tel mache n*S sehr schnell. Schw. 

Heftelmacher, „aufpassen. Acht- 
chen geben, spannen wie ein H.^*, 
scharf Achtung geben. Oe., Th., Eh.y 
BsL; in Schw. „wie a Hechelmacher". 

Heidelerche, „singen wie eine H.", sehr 
schön; oft ironisch. 

Heiden, in vielen Zusammensetzungen 
= viel, stark, gross, beträchtlich ; 
z. B. Heidenskandal, Heidenteebs, H.- 
Spektakel, H.-Erakeel, H.-Lärm, H.- 
Schmera, H.-Angst, ein H.-Geld oder 
heidenmässiges Geld, heiden- 
mässig dumm, heidengrob: ein 
Heidenkerl, irgendwie auffälliger, 
grosser, interessanter, widriger 
Mensch; s. Luder, Zeter, Hund. 

Heie, „in die H. gehen", s. Boheie. 

Heiligr, zuverlässig, sicher; „darauf 
kannst du dich heilig verlassen! 
der liegt h. noch im Neste!" Wn.; bes. 
wenn man Jemandem droht. 

Heimgehen, 1. sterben; „er wird wohl 
bald heimgehen;" 2. verlieren, beim 
Eartenspiel; wie *r umgehen. 

Heimlich, 1. „Es ist recht heimlich 
kalt", scharf kalt bei Windstille; 
HL; auch; atUV^^^W^I.. .^^«®Ä-Vi.\a.- 






132 



Peimtreiber — Herre 






Heuchler, Einer, der es „hintern 
Ohren" hat. 

Ueimlreiber, Heemtreiber, 1. ein 
grosser, starker, unheimlicher Gesell ; 
2. ein wuchtiger Knittel. 

Heiraspeln, scherzhaft f. heiraten. 

Heiseh s. heesch. 

Heizen > bäurische Verstärkung von 
eien, „Jemand recht heizen", ab- 
schmatzen u. s. w. Hl.. Eg., Böhme*s 
Horaz: „die Jungfern geheien oft 
die Junggesellen"; in T.: haitschen. 

Hele, hele, Kätzchen, sagt man be- 
sänftigend zu einem Kinde, das sich 
weh gethan ; dabei bläst man auf die 
schmerzende Stelle oder streichelt sie; 
von heil; s. Haut. 

Hell, 1. schlau (heller Kopf), bes.: „er 
is m'r zu helle", lässt sich von mir 
nicht übertölpeln; „mir Sachsen sein 
Sie helle", oft ironisch; 2. wirklich, 
echt, rein u. s. w. : „der Wein is der 
helle blanke Essig; er sah aus, wie 
der helle Teufel", 

Heller, „Er muss seine drei Heller 
überall dazugeben", überall hinein- 
reden, sich einmischen; s. Semf, 
hineinhängen. 

Uelmerchen, Feldkamille, Matricaria 
chamomilla; davon: H-thee; Meissen: 
Hermel, Harmel. 

Hemd, 1. abweisende Erwiderung auf 
die lästige Frage, wo Jemand sei: 
„im Hemde!" Hb.; 2. wird bei Kin- 
dern durch zerrissene Hosen das Hemd 
sichtbar, so rufen andere: „das 
Hemde guckt zum Hosen 'raus, 
der Bursche macht sich gar Nischt 
draus!" man nennt's auch das Weiss- 
bierzeichen; vgl. Fleischer; 3. 
„der Milchfrau ihr Hemde", 
^ie Haut auf gekochter Milch. 

Hemde, die, Heimat; Gramm. § 126, 157. 
Sdt. Hemt. 

Hemdenmatz, der, nur mit dem Hemde 
bekleidetes Kind; s. Matz, Nack- 
frosch; in Schw. Hemdehätteler, 
_Hemdschütz. 

He'ne, die Verneinung vonhee; nur nach 
verneinenden Sätzen, = nicht wahr, 
so ist es nicht ? „Du gehst nicht hin, 
hene V" = nicht wahr, du gehst nicht; 
you do not go; do you, though? 

Hengst, üppiger, namentlich geiler 
Mensch; bes. in Zusammensetzungen, 
wie Mädchenhengst; den Schuh- 
macher schimpft man: Pechhengst; 
s. AsigQgQn Pomadenhengst. 

^eaAelkorb, nur: Korb mit einem bogen- 

^rmigen, oben querüber gehenden, 



nicht an der Seite befindlichen Hen- 
kel; in Rl.: Fölwes; ebenso ist.es mit 
Henkeltopf; s. dgg. Hebekorb. 

Henkeltopf s. Henkelkorb. 

Henkeltdpfchen tragen; von 2 Per- 
sonen fasst jede ein Kindchen unter 
dem einen Arme und trägt es so ein 
Stückchen; dies heisst H. tragen. Th. 
Fligänschchen mach (Fliegegänschen). 

Henkersmahlzeit, jede letzte Mahlzeit 
an einem Orte, den zu verlassen man 
im Begriffe steht. 

Her gilt bei Zieräffchen in Zusammen- 
ziehungen für „feiner", als hin; sie 
sagen: „Ich gehe in den W^d herein," 
wenn sie noch weit vom Walde weg 
sind; sie springen von dem Rande 
„in einen Graben herein", sie 
reden vom Heruntergehen, wenn 
sie im 5. Stock sind, und wenn sie 
auf der Strasse Jemanden treffen, 
nöthigen sie ihn, „ein Minutchen mit 
herauf zu kommen;" sie heissen 
Jemanden aus demselben Zimmer 
„heraus gehen", in welchem sie 
selbst sitzen ; sie ziehen von Lpz. aus 
an die türkische Grenze heran und 
berufen sich darauf, dass „'naus, 'nun- 
ter, 'nauf u. s. w. doch gar zu „ge- 
mein klängen", viel schlechter als 
'raus, 'runter u. s. w.! In Brl., Po. 
u. s. w. ist's noch schlimmer damit; 
der ungebildetste Leipziger aber, so- 
bald er natürlich spricht, macht 
diesen Fehler durchaus nicht. 

Heraus sein, beim Spiele: 1. aus dem 
Schneider (oder Matsch); 2. mit 
Gewinn aufhören (also: wieder aus 
dem Verluste sein) ; verstärkt „scheue 
'raus! dicke 'raus;" Gegentheil: 
'reinfallen. 

Hereinfallen, sich anführen lassen; 
Brl.; engl, tobe taken in, franz. don- 
ner dedans; s. her; Leim, Zopf. 

Herense s. Hören. 

Hering, 1. schmächtiger Mensch; er 
hat einen Herings bauch; 2. „sie 
hat H. gegessen", ein Zopf hängt 
ihr herunter. 

Heringsseele, 1. Krämergeist; 2. s. 
Se^e, 2. 

Hernachens, hernächer, her- 
nachend, Bspr.: hernanste, her- 
nän, für hernach; Schi : hernacherten, 
Pf.: dernochend; s. Grimm, IV, 2, 1117. 

Herre, 1. Ausruf f. Gott, wie Lord, 
Seigneur; gedankenlos gebraucht £. 
„ei, ach", um üeberraschung, Freude, 
einen hohen Grad u. s. w. auszu- 
drucken*. — B-., A«Ä lehnet aber; H., 



Herrenwinker — Hiez 



133 



hier gibt's aber Schneeglöckchen; Th. 
Die Beziehung auf Gott ist so ver- 
gessen, dass man auch als Ausruf 
braucht: 2. Meine Herr'n! (mit dem 
Tone auf meine) selbst unter Kin- 
dern oder Frauen: „Na, meine H., das 
wird was Schönes geben; m. H.l die 
Kälte!" Aehnlich das schottische 
hegh sirs; 3. Weess der Herre, 
eine schwache Betheuerung, während 
„weess Gott" ernster gemeint ist; 
A: „der Korb ist aber niederträchtig 
schwer;* B: „Na, weess der Herre" 
«.gewiss! 4. Einen Herre werden, 
bezwingen, bewältigen; ich kann die 
Flasche, den Kloss nicht mehr Herre 
werden, auch : ich bringen nicht Herre, 
kann es nicht austrinken, aufessen. 
Ueber die Formen Herr und Herre 
s. Gramm. § 132. 

Herren Winker, der, hiess (1845) eine 
Art Dam CD strohhat, mit sehr breitem, 
schwankendem Bande. 

Herrjee, Herrjes, Herr Jemersch, 
verdorben aus Herr Jesus: s. je- 
mersch; ach herrjee! = das thut 
mir leid! u. s. w. 

Herrsehde f. hörst du? wird oft einer 
Ermahnung u. dgl. zugefügt, anstatt: 
verstehst du? vergiss nicht! z. B. 
„herrsehde, geh mir nich ans Wasser; 
nimmb's ja in Acht, herrsehde?" s. 
Jjramm. § 92. 

Hersche, 1. schlechte Aussprache f. 
Hirse ; 2. „eine Magd u. s. w. n e r s c h e 
heissen", sie in der 3. Person der 
Einheit anreden, z. B.: Rike, laufe sie 
emal auf den Nickelser Gerchhof und 
hole sie Zwiefeln;* ist seit 1830—40 
fast ganz abgekommen; wohl von 
„höre sie;" vgl. hörense heissen, 

Herstellen, Einen gehörig herstel- 
len, wie schlechtmachen, her- 
unterreissen, abmöbeln, ab- 
batzen u. s. w. 

Herumgehen, ein Spiel verlieren; man 
„wird 'r um geh rächt", dann „ist 
man 'rum" oder „hin" oder „um die 
Ecke", „futsch". 

Herumkommen, geschäftsmässiger Aus- 
druck f. wieder vorsprechen; auch vor- 
kommen, wo der Andere gar nicht 
hinten wohnt, sowie man bei „herum- 
kommen*' an keine Ecke denkt. 

fieramstftndern , bald da, bald dort 
stehen und Maulaffen feil halten. 

Herumträgfer, „Er hat es bei einem 
Herumträger gelernt", sagt man, 
wenn Jemand Etwas nicht gut kann, 
z. B. Karte spielen, Bechnen. 



Herunterkommen^ bildl. „die Fenster 
woUn heute gar nicht 'runterk.", ab- 
thauen. 

Heruntermaeli^n, herunterputzen, 
herunterreissen, ausschelten; Ab. 

Herze haben, viel beliebter, als: Muth 
haben, wie: Kurasche. 

Herzeleid, Einem alles gebrannte 

Herzeleid anthun, jede Unbill, 

Kränkung; Btr.: „all't mägliche 

J)rannteHartleed;" s. Dampf, Schur. 

Heseh, Di., heiser; vornehmer ausge- 
sprochen: „heisch (Rtr.), heischer;" — 
„er hat e heeschen Hals;" s. Gramm. 
§93. 

Hetze, die, Menge; „eine ganze H. Veil- 
chen, Nüsse, Bücher, Menschen", a 
host; s. Hecke, 3; Wulst. 

Heu, 1. er hat Geld wie Heu (nur dass 
es nicht so lang ist); 2. er hat sein 
H. 'rein = sein Schäfchen ins 
Trockne. 

Heuboden, höchster Platz im Theater; 
s. Paradies. 

Heuböm, Heuochse, Heunferd, 
Schimpfwörter == dummer Mensch; 
s. Hornochse. 

Heuleiter, „der hört mit Heulettem", 
ist schwerhörig; s. Grimm IV, 2, 128S. 

Heulif (spr. heilig), zum Weinen ge- 
neigt; auch Heulsuse, Heulfritze, 
Heularsch, wie Ningellise. 

Hie f. hier ist in Bspr. gebräuchlicher, 
als in der Schrift, theüs für sich al- 
lein, besonders aber in den Zusam- 
mensetzungen: hiehausen, hien ein, 
hieniwer, auch hienewer = hier 
hinüber; hienum =• hier hinum; 
hienunger = hier hinunter. 

Hieb, 1. einen H. thun, einmal trin- 
ken; Hz.; vgl. Hippen; 2. einen 
Hieb haben, angetrunken sein. 

Hiefrig, frostig, auch elend, dürftig, 
erbärmlich, schlecht genährt; Eg.; im 
Meissnischen; s. zusammenhiwern 
u. vgl. spiebrig; Grimm: hiefrig; 
von mhd. hiefe, Hagebuttenstrauch? 

Hide, hiele! Lockruf f. jüngere Gänse ; 
s. Hule. 

Hienewer, hienunger s. hie. 

Hier wird überflüssig gesetzt, z. B 
„Komm' mal her hier! Hau' mal her 
hier!" Es ist herausfordernd, hier- 
her nicht. „Dahier", wie das ver- 
altete „allhier;" im V. auch dort- 
hier. 

Hiez, Lockruf für die Katze, die daher 
auch die Hiez e heisst; verwandt mit 
Hinz? (^\fc ^\^%^ 1. ^V^'fe.'^i 'S 



134 



Hilfe — Hirschhorn 



Hilfe, „von den Eegen kriechte mei Hut 
die H.," wurde verdorben; „das war 
vollends die letzte H.", der Garaus; 
s. Gare. 

Uimmel, den H. für eine Bassgeige 
ansehen, schwer betrunken sein. 

Himmelhund, alliterirende Verwün- 
schung, (wie Höllenhund), verdammter 
Kerl. Th.; Himmel als Verstärkung, 
wie in: Himmeldonnerwetter, 
Himmelelement. 

Himmeln« 1. vor Entzücken, Schwärme- 
rei u. s. w. ausser sich sein; 2. die 
Augen verdrehen; 3. sterben; K., Pf., 
Th., Hz., Schw.; s. abfahren; mhd. 
himelen, in den Himmel auf nehmen. 

Himmelsehlfissehen, auch Himmel- 
schlösschen, das, Schlüsselblume, 
Primula veris; „sie schliesst den mil- 
den Frühlingshimmel auf", Brentano ; 
schon mhd. ist himel-slü^^el Name 
einer Feldblume. 

UineinMngen, 1. „ermuss sei Maul 
(seine Gusche, Labbe) überall 
hineinhängen", sich in Alles men- 

fen; vgl. Heller, Semf. 2. „Hänge 
ie Nase nicht so hinein!" sagt 
man, wenn Jemand tölpisch an Etwas 
riecht, z. B. die Nase einer Schüssel 
zu sehr nähert. 

Hineiniangen, Einem Eine h., ihm 
eine Schelle oder dgl. geben. 

Hineinleuchten (in Etwas), beim Essen 
gehörig zusprechen; schöne, derb, 
tüchtig hineinl., Eg., Th. 

Hineinpulvern, viel Geld auf Etwas 
verwenden, bes. unüberlegt, z. B. in 
einen Bau; dann wie einbrocken. 

Hinhauen, derb hinfallen; s. h in 1er- 
chen. 

Hinhorehe, die; ,,ich gebe dir eine H., 
dass du wieder nerhorchst", eine tüch- 
tige Ohrfeige (Dusel, Dachtel, 
Damsel u. s. w.) 

Hinkbeere f. Himbeere; s. Gramm. 
§ 102 ; engl, bind berry. 

Hinlerehen, beim Gehen hinfallen, eine 
„Lerche scbiessen;^' ebenso: hin- 
hauen, hinplauzen,hinschlagen, 
hinschmeissen. 

Hinne, Zusammenziehung von: hier in- 
nen, mhd. hinne, hinnen; Gegensatz 
zu draussen; „bleib hinne*S in der 
Stube; s. h aussen. 

Hinne, auch Hiene, die Henne; ND.; 
auf Verwechselung mit dem vorher- 
gehenden Worte beruht das Wortspiel: 
„beide ess^n m'r Gardoffeln, Gans u. 

JEUnne^^ (ganz und im Zimmei); am 

-Ä'A, wo man baaa f. beisa sagt, hat 



man den ähnlichen Scherz „Kartoffeln, 
Has und Gans". 

Hinplauzen wie hinlerchen. 

Hinsehlagen, derb hinfallen, wie: hin- 
lerchen; Pf 

Hinschmeissen f. hinwerfen; s. 
schmeissen; auch: derb hinfallen, 
stürzen; Th.; wie hinlerchen. 

Hinsein, erschöpft, ermattet; beim 
Spiele „'mm sein;" beim Trinken 
soviel wie „abfallen;" auch f. banke- 
rott. 

Hinte, Adv., heut Nacht, diesen Abend; 
Ab., HL, Zeh., Schi.; in Ruhla ist 
häint = vorige Nacht ; ebenso bei P. 
Gerhard: heunt, bei Lichtwer: hinte, 
bei Goethe: hint Nacht; in L. nach- 
ten, was bei uns selten ist; mhd. 
hient, hinaht, hinte f. heut Nacht 
und gestern Nacht; schott. hinder 
night, gestern Abend; s. Grimm: 
heint. 

Hinten 'nunter failen (od. rutschen), 
zu kurz, unter den Schlitten kommen ; 
s. abfallen. 

iiinterbeine, ,,aufdieH. treten, sich 
auf die H. stellen" ein Versprechen 
zurücknehmen, Ausflüchte suchen; 
PP.; bei Goethe, Kotzebae; Pf.: zu- 
rückhufen. 

Hinterblind s. Hühnerblind. 

Hinterrfieksig, nach hinten heraus ge- 
legen; die hinterrücksigen Stuben; 
Gramm. § 171. 

Hieb, der, Essenkehrer, nach seinem 
Kufen, wenn er zur Esse herausschaut: 
„Hie ob!" 

Hip]>auf, Hippuff, der, (Hüpfauf) Brust- 
bein der Gans, zu einem aufhüpfenden 
Spielzeug hergerichtet, Hl.; in B. 
Hupfhain zl, Hupferhänsl; engl, skip- 
Jack; in Amerika: Johnny Jumper, 
Johnny jump up; s. Jungemag a. 

Hippelehen s. Häppe. 

Hippeln, hippen, für hüpfen; Btr.; 
auch hoppeln, huppen, huppeln. 

Hlpj^en, der. Bissen; s. Happen; „ein 
Hipp eben" ein wenig, ein Bis- 
chen, wie ein Häppchen; „Bücke 
doch ein Hippchen näher!" . 

Hipperlin^, der, verkümmerte Gänse- 
feder, mit weicher, schlecht ausge- 
bildeter Spule und verwachsener 
j Fahne ; sie werden beim FederschHes- 
sen als untauglich beiseite gelegt 
und wie Pfänder ausgelöst. 

Hirschhorn, Abkürzung für: Hirsch- 
horngeist, eine aus Hirschhorn be- 
reitete Flüssigkeit, welche früher als 
Arznei, "bea. «Süw t^mcö. Eleckausmachen 



Hirsemus — Hopp 



135 



benutzt wurde; jetzt durch Salmiak- 
geist ersetzt. 
Hirsemus, „er is gerührt wie H e r s c h e- 
ius", (auch wie Aeppelmus) spöt- 



m 



tisch: über Kleinigkt. sehr gerührt; 
Wortspiel mit dem Umrühren beim 
Kochen; ganz ähnl.: ,,making the 
Ghristmas pudding is a stirring 
scene". 

Hitschen, aushitschen, Bübchen 

schaben; man spricht dabei hitsch, 

hitsch!" == ätsch! 
Hiwel s. Hü bei. 
Hixen, hicksen, hinken; Tb.; erinnert 

an unser Hacke, B.: Hacksen «« 

Ferse- (am Fnss). 

Hobel: — ,4u kannst mir den Hobel 
ausblasen^S höhnische Abweisung, 
wie „gewogen bleiben;" s. d.; Schw. 

Hoben f. hier oben; er bleibt hoben; 
auch mit da: „da hoben ist es kalt;'* 
Bspr. ; Sz., am Neckar u. s. w. 

Hoenbeinig, anspruchsvoll, anmassend, 
„h. auftreten;" s. grossstieflig; 
ähnlich „er steigt daher, wie der Hahn 
uffn Mist". Bei Rtr. sind „hochbeinf 
Johren" theure Jahre. 

Höehde, die, für Höhe; Di.; auch für 
höh sagt man durchweg hoch: ein 
hoches Haus, höchere Berge; E., ND., 
Wb.; s. Gramm. § 157 u. 69. 

Hoehz*|t^, die,Hochzeit;Bauem: Huchzg; 
El. : Hözch; Sudt.: Hnxt; Schw.: Hau- 
zich; Gramm. § 126; „er macht H. 
un Teefde ^Taufe) uf ee Geleefde 
(d. h. mit einem Male)", sagt man, 
wenn die beiden Ereignisse zu schnell 
auf einander folgen ; „die Hochz'g von 
Kanaan" anstatt von Cana. 

Hof, der, Bspr. : Hoff, steht schlechthin 
für Edelhof, Rittergut; „er drischt 
uff'n Hofe;" dann auch f. Bauerngut: 
„er hat 6 Päre aus'n Hofe gehen", 
er besitzt 6 Pferde. 

Hoffentlieh steht mitunter f. wahr- 
scheinlich, also possirlicher Weise oft 
von Sachen, die man durchaus nicht 
erhofft; „ich habe mir einen Husten 
geholt und hoffentlich auch einen ge- 
hörigen Schnupfen". 

Hoftrauer wie Landestrauer. 

Hohle, die, auch: Holle, f. Hohlweg, 
Bspr.; holl. holle weg. 

Hohnipeln, hänseln, verhöhnen; davon 
die Hohnipelei. Eff.; Th. hohn- 
eckern ; in B. holhippeln f. schmähen. 

Hol, 1. Zuruf statt he oder hui (wie f oi 
== pfui). 2. „sei nur nicht so hoi", 
hastig, täppisch zufahrend. 



Höke, der und die Heeke (aber auch: 
die Hecken, gleichsam Hökin), f. Höker 
und Hökerin; Mehrheit: die Höken; 
mhd. hocke, hocker. 

Holff. half, auch hulf; Gramm. § 208. 

Holkrif, holkricht, horplig, für hol- 
prig, uneben, von Wegen; auch: hol- 
krig und bolkrig oder holker- 
boltrig; ein Holker, Unebenheit, 
gewöhnlicher: Horkel, s. d.; zu die- 
ser Verdrehung von I u. r vgl. stor- 
peln, in P. u. NL.: hulstrig, u. hol- 
terte polterte. Grimm: horklicht 
(Lessing). 

Holle s. Hohle. 

Hölliseb, sehr, stark, ungemein: „er hat 
sich hellisch verrechnet; eine hellische 
Kälte; ein hellisch grosser Kerl ;" Rtr. j 
8. böse. 

HoUunder s. Flieder. 

Holtertepolterte> holderdebolder- 
de, holterpolter; HL; hullerdebul- 
1er, NS.; Rtr.: Hulterdipulter; PP. es 
ging holl über boll; PP. holl u. boU 
f. durch einander, engl, heiter skel- 
ter; schwed.: huller om buller. 

Holz, beim Kegeln, sämmtliche noch 
stehende Kegel; „es ist noch viel H. 
übrig;" ein Querholz, ein Kegel, 
querüber vor einem andern liegend. 

Uolzbock, 1. „ein Kerl wie ein H.", 
steif, unbeholfen, störrisch, verstockt; 
Schw. 2. „Einen behandeln wie 
einen H.", wie einen gefühllosen 
Menschen, wie ein Stück Holz; mhd. 
holz-boc, grober, ungelenker Mensch. 

Holze, die, Prügel; holzen, prügeln; 
Holzerei; s. Haue. 

HOlzerbette, die hölzerne Bettstelle; 
Hl; ebenso Span bette. 

Hdlzerstuhl f. hölzerner Stuhl ohne 
Polster. HL; so bildet man auch: 
Hölzerpantoffel. 

Holzkammer, „Holder Engel aus 
derHolzkamme r", scherzhafte alli- 
terirende Anrede an Mägde u. dgl. 

Honi§^ schneiden, eine Senkgrube 

den Bienenstock 



räumen; wie 
schneiden". 



>» 



Honorig, anständig, nobel im Auftreten, 
freigeoig; bes.: sich h. machen, be- 
weisen, auffuhren ; Sz. ; „das ist nicht 
honorig", not fair. 

Hopfenstanij^e, langer, schmächtiger 
Mensch; wie: Bohnenstange, Klet- 
terstange, Latte; BrL, Hb.; in 
Wn.: Fahnenstange. 

Hopp! Ausruf 1. zum Springen (hoi^Q^a 



136 



Hoppas — Hottopferd 



daher: hoppa mach es, springeo, 
Kinderspracne; in der M. : hottan 
machen *» tanzen; s. Hopp dich. 2. 
wenn man an Etwas od. an Jeman- 
den anstösst oder fallt, wie „he 
Bauer!'' lOndern ruft man da auch zu : 
„HoppMarjäne!" s. Gramm. § 166b. 

Hoppas, der, Fehlsprang, Zusammen- 
stoss zweier Personen, s. hopp, 2|; 
daher auch: einen H. machen, Ver- 
sehen begehen; „Es wird noch man- 
chen H. setzen", Streitigkeiten, Miss- 
helligkeiten. P., Hb., s. Grimm; in 
Schw. ist Hoppas ein zweirädiger Ein- 
spänner. 

Hoppdieh, huppdch! Ausruf beim 
Springen, wie hoppa! s. wuppdich. 

Hopp-Dohle, die, hoher Hut; s. Angst- 
röhre, Dohle. 

Hoppeln, hupp ein, 1. hüpfen, wie hip- 
peln; s. hoppen; 2. schlecht reiten, 
so dass man auf dem Gaule hin und 
her schwankt; Seh., Schw.; vgl. hot- 
tein; in Schw. heisst der Frosch 
Höppezink; s. Huppelkrab. 

1. Hoppen, springen, hüpfen; hoppeln, 
hopsen bedeuten mehr ein wieder- 
holtes Hüpfen; mhd. hüpfen, hupfen, 
hopfen, hoppen; schwed. hoppa, dän. 
hoppe, hoU. huppelen; s. Gramm. § 176. 

3. Hoppen, der, Hopfen. . 

Hopp-nee, das, der ganze Eram, die 
Siebensachen, Trödel, Gesindel; 
Hb. Hopphele; ßtr.: Hopphei; aach 
das Hopp-hehchen (Weisse, kom. 
Op., n, 220); s. Hurrlehee, Bir- 
nen, Habchen, Flittchen-hallo. 

Hopps ^ehen, verloren gehen. „Er ist 
h.**, hm, todt; wie futsch u. s. w.; 
Schw. 

Hflpsen s. hoppen; FP.; der Hopser, 
enemals ein Hüpftanz. 

Horbel, die, eine derbe „Dachtel.** Hb., 
Fr. 

Hörense, 1. Zuruf j Haupterkennungs- 
zeichen des Leipzigers, womit er fast 
jede Anrede beginnt, wie der Berliner 
mit: Sagen Sie mal! engl, ungefähr I 
say; z. B.: „H., wissen Sie nicht, wo 
die Waldstrasse ist?" Antwort.: „Ne, 
h., sehen Sie, das weess ich Sie och 
nich". In Ab. sagt man zu einer 
Botenfrau z. B. „heersche he, meine 
Gute, willSe m'r das holen?" 2. Jeman- 
den h. nennen, Sie (statt du) zu Je- 
mandem sagen; bildlich „Etwas 
hören Se nennen oder zu dem 
I>2nge h. sagen," behutsam damit 
umgeben, z. B. mit einei Uhr. 
^orkel, der, JrleJaeÜDebenheitimWege^ 



bes. von festgeballtem Eis, Schnee, 
Schlamm; daher: horklig; s. holk- 
rig; auch: horklig und borklig, 
oder: holkrig und bolkrig; Hb.: 
horschelig. 

Horls'ehe, Horlske, Horns*che, die, 
Kornelius-Kirsche, Frucht des Horn- 
strauches (Gornus); HL; s. Herlitz e 
bei Grimm; heisst auch Dürlitze. 

Hörn, „der grosse H." = Januar, 
mhd. hörn; der kleine Hörn = 
Februar (Hornung); „der kleine H. 
macht sei Stückchen^S ist noch sehr 
kalt. Hl., Th. 

Horniekel, Schimpfwort, bes. gegen 
Frauen, wie Bunnigel; s. Grimm. 

Hornochse, Schimpfwort, kräftiger, als: 
Ochse; Eg.; ebenso: Brummochse, 
Donpelochse, Heuochse, e Rind- 
vieh von en Ochsen u. s. w. 

Horns'ehe, die, 1. Hornisse; 2. wie Hor- 
bel; 3. wie Horls'che. 

Hose^ die, Holzgefäss f. Schmelzbutter; 
aus NS. , wo Hose auch für andere 
Gefässe gebraucht wird; s. Grimm, 
IV, 2, 1840 unten. 

Hosen, 1. Einem die H. anmessen 
oder straff ziehen, durchprügeln; 
2. die H. umwenden, zu Stuhle 
gehen; 3. rothe H. putzen den 
Mann! (s. Grimm, IV, 2, 1838 unten) 
rufen Spieler aus, für: Roth ist 
Trumpf; vgl. Eicheleckern, grin- 
sen, Schelllürapchen. 

Hosenhebe, die, der Hosenträger; Hl. 

Uosenlatz, Hosenstall, Hosenklappe 
zum Oeffnen, jetzt ausser Mode, durch 
den Schlitz ersetzt; s. Latz. 

Hosenleder, zach wie H., sehr zähe, 
von Fleisch, Kuchen u. s. w. 

Hosenpaaker wie Arsch pauker; 
seltener. 

Hosentrompeter« Feigling, ewig be- 
denklicher, ängstlicher. Mensch, dem 
das Herz leicht in die Hosen ^Ut; 
Rtr. : Bangbüx (d. h. Angsthose). 

1. Hotte^ ich, oder hutte, Bspr. f. hatte ; 
s. Gramm. § 197. 

2. Hotte, hutte, links, bei Fuhrleuten; 
Eg. ; „der Eine zieht hutte, der Andere 
schwutte", sie können sich nicht ver- 
ständigen; PP. : hott und schwodder| 
Rtr.: hül un hott; s. wist und bei 
Grimm: hott. 

Hottein, schlecht, langsam fahren oder, 
reiten; vgl. hoppeln, 2. 

Hottopferd, Kinderwort für Pferd; E., 
Schi.: Hottel; Di.: Hüttjeperd; Rtr.: 
Hottepirken; vom Zuruf der Fuhr- 
leute*. \ioW. «s^mh, geh; s. Grimm. 



Hübel — Hund 



137 



HAbel, Hiwl, der, f. HtSgel; auch von 
ErhöhuDgeD auf der Haut; selten; 
häufig im Eg., B. u. s. w.; in Sz. 
Hühh. In Tir.: Kofel. Der von eini- 
gen Hügeln gekrönte obere Theil der 
„Hohen Kies" bei Schneeberg im E^. 
heisst die „g'hübelte Ries;" mhd. 
hübel, hubel. 

Hfibseh, er ist hübsch mit mir, sie 
sind recht hübsch gegen einander, 
f. freundlich, wohlwollend, verträglich; 
Eg. 

Hack uf de iUad, der, gewöhnlich ab- 
gekürzt : K u f d e m a d, Drsdn : Huckuff- 
demehn; ,,Huck auf die Magd'< in 
ßaumgarten, Flora Lips., 1790; s. 
Flieder. 

Hucke, Hocke, 1. Pack, das man auf 
dem Rücken trägt oder „aufhuckt;" 
2. Jeder hat seine H. (oder sein 
Hückchen), seine Last, Noth; 3. 
einem dieH. voll lügen, sehr be- 
lügen; ND.: de Jacke ruU leege; 4. 
die H. vollhauen, durchprügeln; 
Th.; 5. sich die H. voll saufen, 
schwer betrinken. 

Hucken für hocken ; Jemanden hucken, 
ihn auf dem Rücken forttragen; ein 
Kindchen „huckesalze tragen, 
huckesalze mitihm machen", es 
auf dem Rücken tragen. Bürger: 
Huckepack tragen; s. Hucke; so 
auch: aufhucken, z. B. den Bergern 
neue Steuern aufhucken (aufhalsen). 

Huf, der, harte Haut an den Händen 
infolge schwerer Arbeit; „ich hawwe 
rechten Huf an'n Händen;" s. Grimm: 
Huf, 6. 

Hufeisen, 1 . ein Stiefeleisen, mit welchem 
der Absatz beschlagen ist; Di.; 2. sie 
hat ein H. verloren, ist zu Fall 
gekommen ; Schw. ; Bsl. es hett es Ise 
apg'reunt. 

Hfinner, ich kenne seine ganzen Hüh- 
ner und Gänse, alle seine Ange- 
legenheiten, sein Hauswesen, seinen 
Verkehr u. s. w. 

Htthneraag[en, Einem auf die H. tre- 
ten, beleidigen, fast wie: ins Fett- 
näpfchen treten, es bei Einem ver- 
scnütten. 

Hfihn^blind, das, auch Hinterblind, 
(Gramm. § 189) Waldblume, Pulmo- 
naria; die Hühner sollen davon 
blind werden ! Ein andres Hühner- 
blind verzeichnet Grimm. 

flulCy Lockruf für Gänse, Hl«; seltner: 
husche; Eg.: wule; Hb. hussel; die 
Gans heisst daher die Hnle, Hz.: 
HuUe; Rtr. Wiele; s. Hiele. 



Hulerans, Kinderwort, wie Hule. 
Hulf f. half; Bspr. ; Pf. ; s. Gramm. §209. 

Hummel, „er hat Hummeln 



im 



Loche'*, kann nicht ruhig sitzen. E.: 
Blitzloch. 

Hummelhurtiff, schnell, überstürzt, 
Hals über Aopf; „gommt nich so 
hummelhurtig oie Drebbe Van", auch 
bummelhortig; die letztere Hä]fte 
vielleicht von mhd. hurt, Stoss, An- 
prall (engl. hurt). 

Humpeln, unbeholfen gehen; Ab., ND.; 
— PP.: hempeln ; D.: schumpeln; vgl. 
hapeln u. nampeln, u. dagegen: 
hippeln,hoppen, hoppeln. Sprüche 
Salom. 26, 10: Hümpler « unge- 
schickter Arbeiter, Pfuscher. 

Hund, 1. mit allen Hunden ge- 
hetzt, durchtrieben; 2. bekannt 
wie ein bunter Hund, stadtbe- 
kannt; ND.; in Schi.: bekannt wie e 
böses Gröschl; 3. Hunde führen 
bis Bautzen, sehr ins Hintertrefien 
kommen, Einbusse erleiden u. s. w.; 
4. Hunde flöhen, langweilige, ver- 
gebliche, unerträgliche Arbeit thun, 
bes. in der Redensart: „das gommt 
glei nach'n Hundeflöhen"; Hl.: Esel 
kämmen; 5. Erthut, als wäre der 

f rosse H. sein Pathe, er prahlt, 
eansprucht grosse Rücksichten u. s. w. 
Hl. Aehnlich: big dog, oder big dog 
with a brass collar = der Vornehmste; 
c*est le fils de la poule blanche; s. 
Gemeindeochse, 3; 6. wenn man 
kein Geld in der Tasche hat, so „pis- 
sen einen die Hunde an"; 7. „er 
wehrt sich, ehe der Hund 
b eis st", kommt mit einer Vorklage, 
entschuldigt sich vorzeitig; 8. wenn 
Jemand zu spät einsieht, dass er Et- 
was hätte ausführen können, wenn 
er nur Dies oder Jenes gethan hätte, 
so spricht man: „Ja, wenn der H.** 
(nämlich : sich nicht umgesehen hätte, 
so hätte er den Hasen gekriegt!); 9. 
Hund ist Schimpfwort; so aucn: e 
Hund fer e Groschen = Lump; in 
PP. : er sieht aus, wie ein Groschen- 
ferkel; schott. a penny-dog; in vielen 
Zusammensetzungen : sehr schlecht, 
z.B. H. Wetter, H.kälte, H.soff, H.lärm, 
hundsmiserabel; sind die Hunds- * 
tage sehr unfreundlich, so sagt man, 
es seien eher Hundetage. Einen 
H. schimpft man: H. von einem H., 
Hundeluder u. s. w. Bildlich: kein 
H. = sehr gut, nicht zn. ^^\aÄ?ciK^\ 

Z. B. ,A^T >N«öi V^\<iS^\ <5Ä. '^►^SÄä^iRX 



138 



Hundchen — Hutschen 



Sonnenuntergang) ist kein H.**; vgl. 

Fuchsdreck, Stroh, Eltern. 
Handeben für Hündchen, s. Gramm. 

§ 167, 2. 
Mundeblume, weitverbreiteter Name 

des Löwenzahnes, Leontodon Taraxa- 

cum. Ostfriesl.; F. 
Handelader s. Hnnd, 9; auch als 

Schimpfwort überhaupt, wie Luder 

und verschiedene Zusammensetzungen 

davon. 

Handesehnauze, „ich habe mich zur 
Hundeschnauze nach dem Kerle 
gefragt, ich finde ihn aber nicht", 
von vielem vergeblichen Erkundigen. 

Handesappe, scherzweise für eine Suppe 
von Wasser, Schwarzbrod, Butter, 
Pfeffer und Salz. 

Handezeiehen, Spottname für eine nie- 
dere Medaille, die zu einem Orden 
gehört; s. Bierzeichen, Spuck- 
fleck, Knopfloch, Schmetter- 
ling,_Dau erlauf smedaille. 

Handsloden 9 die, Schelte, Vorwürfe; 
„er krichte gehörige H.*S wird miss- 
verständlich zu „Hundsnoten", so 
m PP. 

Hang, ich, für hing; Hl.; s. Gramm. 

§ 207. 209. 
Hangerleiden, „er sieht (aus), wie H. 

mein Gemüthe" (auch mit dem 

Zusatz: „ach, wenn geht das Fressen 

an?"), wie ein Hungerleider; ND.; vgl. 

Leiden. 
Hanten, Zusammenziehung von hier 

unten; wie hinne für hier innen, 

hüben f. diesseits. 

Hanzen, 1. „Jemanden aush., her- 
unterh.'S ausschelten; daher könn- 
ten die „Hundsloden" (Hunzloden) 
stammen; s. huzen; 2. „Etwas 
verh.", verunstalten, verballhornen. 

Happen, springen; hupp ein, umher- 
hüpf en;vgl.hippeln, hopp en, hop- 
peln; z.B. ein Frosch hupnt; Kin- 
aer hoppen od. huppen üoer einen 
Stein; Lämmer hipp ein; der Hund 
hupnelt am Herrn in die Höhe; 
man nopst, hupst über eine Pfütze, 
einen Stein; Brl.; — eine Huppel- 
krah f. eine Krähe. HoU. hobbelen 
und huppelen «= hüpfen. 

Hareins, das, eine Art Ballspiel, fast 
vergessen; vielleicht mit dem eng- 
lischen hurly und hurling verwandt; 
oder mit mhd. hüren. Kauern, was 
man allerdings dabei that (um Löcher 
in dem Erdboden herum). 
J^urrJebee, das, reräcbtUch: Gepäck, 



Eigen thum, s. Hopphee, „nimm nur 
gleich dein ganzes H. mit^^ 

Hartig ist wenig gebräuchlich, dafür 
lieber flink u. s. w. (b. fix); doch sagt 
man gern: „H. una geschwinde**; s. 
d. nächste. 

Hartig und geschwinde, der Volks- 
name für Linimentum volatile, auch 
„flüchtiges Element" genannt. 

l.Hascli,der, 1. vorübergehender Regen- 
guss, wie „Uebergängelchen"; 2. 
„nur auf den H." zu Jemand kom- 
men, auf einiffe Minuten. 

3. Hascli, liuseh, sagt man zu kleinen 
Kindern, wenn mau ihnen das Hemd 
^nzieht. 

Hüselie! Lockruf für Gänse; sie heissen 
auchHuschegänse; inSchi.: Wusel; 
s. Hule. 

Aüseliclien, Hüschelchen, das; „ein H. 
in den Ofen machen", kleines Feuer: 
wie Schauerchen. 

Hüselieln, sich, sich zusammenducken, 
den Kopf einziehen. Arme und Beine 
dicht an den Körper anschmiegen, 
der Wärme halber; to nestle. 

Hasten, „ich will dir was husten", 
ich gehe nicht auf deine Absicht ein, 
es wird Nichts daraus; V., PP.; Rtr.: 
Jemanden wat prusten; s. malen, 
pfeifen, niesen, blasen, 2 a. s. w. 

Hat, 1. er hat den H. schief auf 
(dem Ohr), ist betrunken; 2. Einem 
den Hut antreiben, wie ablau- 
fen lassen, Einen zurechtweisen; ist 
bereits wieder aus der Mode. 

Hatselielie, die, kleines, behendes Kind, 
ungefähr, was man in Baiern ein üm- 
und-um nennt; E.: Hutscherle; wohl 
von hutschen = rutschen (Ulm); in 
Dresden ist Hutschke == Kröte; in 
Hi. dient Ütsche (Frosch) als halbes 
Schimpfwort; Schmellr.: Hutzke; Schi. 
Hätsche; s. dgg. Purzel. 

Hfltsche, Hitsche, die, 1. Fussbänk- 
chen, Fussschemei; Mittel- u. Nie- 
derdtsch.; von der Hitsche kom- 
men, abgesetzt werden (depossedirt), 
den Abschied bekommen; 2. die Kä so- 
hl ts che, einfachster Handschlitten 
ohne Lehne, in Duderstadt Kurbut- 
ten genannt. Engl, a hutch =» Trog, 
Kasten, dem die umgestürzte höl- 
zerne Hitsche sehr ähnelt; im Dia- 
lekt (Kentucky?) ist a hutch auch ein 
kleiner Karren. 

Hatseiien, unstät, ruckweise hin und 
herfahren; „auf dem Eise, der Erde 
'rumhutschen ; V. hotschen f. wiegen. 
(Eigenixame: Hutachenreuter). 



Hutschnure — Itze 



139 



Hutschnüre; „das geht mir über die 
HutschDure^S ist mir zu stark, un- 
begreiflich; s. Bohnenlied. 

Hattiff , H 1 t'c h, 1 . d e r, ungeschliffener 
Kerl; L.; 2. das {der)Huttig, Pöbel; 

• vgl. Rl, : Huttel = Lumpen ; engl, to 
buddle. 

Hazel, die, meist in Mehrzahl: Hu- 
zeln, t. schlechtes Backobst; mhd. 
hutzel, getrocknete Birne, Huzel bei 
Baumgarten, Flora Lips., f. Holzbirne; 
Bsl. Huzelbire, ausgetrocknete Birne; 
Sd. Häzeln; — eine Hozzel, einge- 
schrumpfte Person ; daher 2. verkrtip- 



peltes Backwerk, Semmeln u. s. w.; 
Tb., Schw. ; Huzelbecke, schlechter 
Bäcker; solche Waare beisst auch ein 
Erepel (Krüppel); man spricht, sie 
sei in der Pudelmütze gebacken 
anstatt im Backofen, und sagt den 
Leipz. Bäckern nach, dass sie in die- 
ser Art Gebäck Erkleckliches leisten I 
Huzen, verspotten, aufziehen; Einen 
aush.; inFr.,Pf.,B.,Hss., Rh.,Sz., Rw. 
uzen; Th. uiz; in Sbg.: uzeln; dage- 
gen ist im Eg.: bei Jemanden huzen 
gehn = besuchen. 



I. 



Idee, „keine Idee! nicht die blasse 
Idee!*' nicht im geringsten; s. Bohne. 

Ihnen und Sie s. Gramm. § 230, 2. 

lilent s. In de lt. 

Ilse, „du stehst da wie Ilse**, albern, 
unbeholfen, steif, verblüift; im übrigen 
ist der Name Ilse bei uns ganz unge- 
bräuchlich, Else ist seit Marlitt's 
Goldelse beliebte Abkürzung für 
Elisabeth geworden. 

Uzen, schielen; „unter dem Hute her- 
vorilzen"; wenig gebräuchlich. 

Immer, 1. immer ä mal, nicht allzu 
selten, mitunter; „das gimmt immer 
ä mal vor; es regnet immer emal"; 
Wn.; 2. immer stets (stets wird 
betont) für jederzeit, „das ist immer 
stets so gewesen"; auch: „er kömmt 
gewöhnlich immer jeden Abend**; 
s. Gramm. § 242. 

Impfe, die, f. Lymphe, von impfen; 
Gramm. § 156. 

In, 1. f. nach, um zu . . . .; wir „gehen 
(oder machen) in die Veilchen, Schnee- 

flöckchen, Maiblümchen, Erdbeeren, 
[aselnüsse" etc. (d. h. in den Wald, 
sie zu suchen); ebenso geht man „in 
die frische Milch, in die Gose (Bierart)**; 
man „fährt in die Kohlen**, d. h. 
zu einem Lager, um Kohlen zu holen ; 
HL; s. Gefallen und § 241; 2. 
in mit einer Ordnungszahl bedeutet 
seit: „ich sehe schon ins vierzehnte 
Jahr Nichts** = es geht ins 14. Jahr, 
dass ich blind bin. 
Indelt, Indlet, das, Bettüberzug, f. 
Inlet =» Einlass; vgl. das engl, inlet. 



Individuum, spr. Indiffidchen, nur 
verächtlich, für Person, Kerl. 

Inselt, das, ünschlitt, Talg; P., Th., 
Schi.; in K.: Insel; J.: Oemsel; Oe. 
Inslet; Aachen: Oenzel; Wn. Inschlitt; 
vom alten Worte Sei = Salbe; also 
was zum Einsalben dient; vgl. Schmer 
und schmieren; davon Inseitlich t. 

Inseltlieht, 1. s. Inselt; scherzweise: 
„Giess mir erst ein Bisschen Oel 
aufs Inseltlieht, dass'ich besser 
sehen kann**, im „Puppenspiel vom 
Dr. Paust**. 2. „Er hängt in dem 
Rocke, wie einl. im Tragkorbe**, 
füllt ihn bei weitem nicht aus; s. 
Löffelholz. 

Inster, das, Kalbsgekröse; Schl^. Th.; 
J. Oenster (lat. intestina); s. Grimm. 

Interesse, die, s. Gramm. % 181. 

Inwendig (auch einwendig): 1. in- 
wendig einheizen, sich durch 
warme oder geistige Getränke er- 
wärmen; 2. „er hat's inwendig wie 
die Ziege das Fett", man merkt ihm 
nicht an, wie kluger ist; auch ironisch ; 
PP. hei hofft et önnerlich wie de 
hölterne Bock den Talg. — 

Inzwei s. an zwei. 

Is nieh f. das ist nicht der Fall; es 
ist nicht vorhanden ; z. B.: Sie wollen 
Geld? — Is nich! — Einheizen is 
nich =» es wird nicht eingeheizt. 

Italiener, jeder beliebige Südfrucht- 
händler; auch: italienischer 
Waarenhändler. 

Itze, Bspr. f. jetzt, V.; alt». vItä. 



140 Ja — Jiepen 



J. 

Ja wird je nach seinem Sinne sehrver- Jälnings f. jählings; gewöhnlicher: 

schieden ausgesprochen; 1. als ein- gelcnen. 

fache Bejahung klingt es ja, häuerisch Jammerlappen, der, 1. Taschentnch 

mit einem geringen Anklänge von o; (als Thränentnch) ; Di: Swölapp d. h. 

es istaher noch nicht jo mit reinem nassgeweintes Tnch; 2. ein weiner- 

o; jö bedeutet ein verstärktes „ja licher, weibischer Mensch; vgl. 

wohl, ja, doch, allerdings", im Wider- Schmachtlappen, Lappenditt- 

spruch gegen eine vorhergehende rieh, lappig, schlapp etc. 

Verneinung, mhd. j6, Joch, wie latei- Janken, 1. v. Hunden: vor Schmerz 

nisch imo, französisch si, si fait, eng- aufschreien; Di.; s. quellen, jauxenj 

hschnay, schwedisch jo (neben ja 2. selten: nach Etwas gelüsten, sich 

und dem noch ausdrucksyoUeren lu); sehnen; PP.: jankem; gebräuchlicher 

z. B.: „regnet es?" „Ja". „Ach, es jgt ahnde thun, reinschen. 

regnet ja gar nicht." „Jo!" d. h. Jannewar f. Januar. 

freiHch, es regnet wohl. 2. ja, mit Jappen, nach Luft schnappen, schwer 

kurzem, klarem a, heisst: „das mochte athmen; „er kann nicht mehr jappen" 

schon AUes sein, wenn nur nicht (auch gapsen, giebsen, engl, to gasp) 

das oder jenes Bedenkwi entgegen- er hat keinen Athem mehr. J., H., 

stünde;" z.B.: „der Vortheil ist sicher nD. jappen ^ gähnen; französ. 

auf seiner Seite." — „Ja, wenn er japper, schnappen, 

ihn nur zu benützen verstände." 3. als i„^^^^ o.»i>«.x«uk«i,^« „« x«v»4.i:«i,^« 

Flickwort lautet es ja: „ich habe dir's J»»' '"JX^^Ä tJ^^«^^*^ K«' 

iä schon gesagt;" „was woUt ihr "«t-.«»* haltloser Mensch, bes. 

inn, da L |h ja." 4. ja wohl! jaÄ"e»ÄtÄ ' " ^*^^*"- 

srvrtri. /as ts «»«-t' -s^,,g-\-' ^-^t '■ 

«x^«, TTA^ »All vKJu.^ ±. ytmj ^x »'"'*> lauchzen: Sdt.; auch: vor Schmerz 

'•t!' Ä«^^' "**' ^P gewonnen." i ^^^ aufschreien; Eg. ; K. jaubsen. 

„ja womi Jf^^ ekelhafte Schmiere, die sich in 

Ja s. ja, 3. Geräthen, Maschinen, Tabakpfeifen 

Jaen f. iah u. jahungs: — die Kalte ansetzt, 

ist recht lach gekommen ; bei Luther; ,:r^i.„_ •- v, /n • \ tr j.~ i_ 

s. Grimm : Tgl. zach f. zähe. Jechen, jachen Gnmm), Verstärkung 

Jaehteni, Verftärkung v. jagen (Neu- J?^ ^"^Z'.l'^'i ,.?"'"'?'• *\'* '^"'^ 
toum, dgg. ist .jeden" transitiv); Garten j.;" Ab., ScM.; vgl. jachtern; 

die Kinäfr i. im Hofe herum, Th! tliw ntn"« ff«, J/'^fnf f.^* 

s. Grimm: j*^achern (so in PP.), vgl. l?f.«^:„^*°V..?T« riht tJilT 

jackern unter „schicken.« £"Ä\'^f Äv r'i.?f*'°' ^'^•'° '^^ 

Jacke, es ist J. wie Hose = einerlei; lil^S^?! T-. if-^ m-\ * ..- ». 4. 

P., Schi.; ebenso: „gehüpft wie ge- Jedenfalls , musbrauchhch f. „hoohst- 

SDrnn?en Wurst ml Schale- Maus wahrscheinlich"; wenn Jemand ver- 

me Kter" «?"<'''*= *"'» ^^^^^ jedenfalls, darf 

Jahn wird Gemeinname in Zusammen- man gar nicht so sicher daraufrechnen; 

Setzungen wie „Dummrian, Lü- er meint, ich komme, wenn nicht 

drian.Plumprian;- Grobian."? «" P"/, besonderer Fall eintritt"; 

Gramm. 8 166 b. , \e]- hoffentlich. 

Jahr und Tar, sehr lange; „ich hab Jelehen s. gelchen, 

es seit J. u. T. nich gesehn; das Jemersch, Verstümmelung von Jesus, 

bringst Da in J. n. T. nicht zu »ich jemine, Herrje etc. 

Bande." Th. Jentag, neulich; „er war j. hier;" Hl.; 

Jähr«n, „es jährt sich jetzt wieder", wie Tantre jour, the other day; öfters 



es ist der Jahrestag von Etwas, z.B. v. 
Jemandes Tode, Abreise, einem Brande. 
JalmDarkten s. häkeln. 
JaAob, scherzweise f, Kopf; „er schlug 
j:Ad auf den J," Gramm, § 166 b. 



bedeutet „an genndage^* bestimm- 
ter: vorgestern; Bspr. 

Jeremies (die erste Silbe betont) als 

Gattungsname, s. Gramm. § 166 b. 
Jiepen, ^lepem^ a. ^«bb^eu, giepern. 



Jo — Kacheln 



141 



Jo für ja, doch! si fait! ß., £., s. ja, 1, 
^Grimm: jo. 

Johann, der, 1. Hansknecht , Gramm. 
§ 166 b; 2. mein J., mein Diener; 
dagegen hiess der Eöni^ von Sachsen: 
Johann, Johann oder Gehann. 

Johannistag, „solang wie der Ge- 
hannestag'', sehr lang, weil es einer 
der längsten Tage im Jahre ist; „seine 
Bede war so lang wie der Johannistag ;*' 
vgl. Messe, 1. 

J ök, J ö X , J n X , Scherz ; von jocus ; Pf., 
W., Bsl. 

Jokel, 1. Abkürzung v. Joachim »> 
Jochen; 2. verächtlich für Bursche, 
Eerl; Wb. dammer Mensch; s. Gramm. 
§ 166 b. 

Jone, Joppe, die, blusenähnlicher Bock 
L Turner, Schützen etc., noch ziemlich 
neues Wort bei uns; P.; dagegen ist 
eineJupe, ein Jüpchen ein Jäckchen 
für kleme Kinder; Juppe — falten- 
reicher Weiberrock, Sz., wo auijh; 
Tschöppli, Jacke mit verlängerten 
Schössen, s. Dabbke. 

Jubeljahr, er kommt alle Jubeljahr 
(emal), sehr selten. 

Jaehzen s. jauxen, mh. iüchezen; 
Tb., Sz. , Ndr.-Oe. — m Schw. 
pfuchsen (vor Schmerz); Btr.: Jüchen; 
verwandt mit juchhe. 

Jadenseele f. Jude, wie „es war keine 
Menschenseele da;" „er ist drauf er- 
picht wie der Teufel auf eine arme 
Judenseele;" ND. 

Jale als Gattungsname s. Gramm. § 166 b. 

Janx werden, geboren werden, zur 
Yyelt kommen; „im August war ge- 
rade unser Fritze jung geworden;" 
ebenso Bsl.: er isch im Ängste werte; 
— Btr.; bildlich: „so was wird nicht 
wieder jung", ereignet- sich sobald 
nicht wieder; wie „so was lebet nicht". 

Jungte, „der dumme J. von Meissen", 
sprichwörtlich für einen Dummen 



überhaupt; „das ist ja der dumme J. 
v. M."* ebenso „das dumme Kind 
vom Neumarchte". 

Jungefrau, Anrede, bes. Anruf der 
Marktweiber an Einkäuferinnen; be- 
deutet nicht: Jungfrau, sondern eine 
junge, verheirathete Frau; s. Grimm; 
vgl. Jungem agd; scherzend: „J., is 
se nicht de ahle Müllern?" 

Jangemagd, die (Genit. der Jungemagd, 
Mehrht. die Jungemägde, Dat. den 
Jungemägden; das e mag so einge- 
schoben sein wie in: Grossemutter, 
Leinewand etc.); 1. ein Dienstmädchen 
zu feinerer Hausarbeit, ein Mittelding 
zwischen Kammerjnngfer u. Magd; 
ist sie ins „alte Begister" gekommen, 
oder ist sie „abgezogen", dann ist es 
„unsere alte J." Hl. 2) das Brustbein 
der Gans; wie Hipp auf. 

Janrenfist, der, ein Mädchen, das 
lieoer mit Knaben verkehrt u. spielt 
als mit Mädchen; Schw.Bubenfitzlerin, 
Bubemaitli; umgekehrt heisst ein 
Knabe, der Mädchengesellschaft vor- 
zieht: Mädchenfist. 

Jungferbiezehen, eine Art zierlicher 
Aepfel. 

Jungfern, „Leipziger Jungfern" f. 
Möhren , Mohrrüben, als Gemüse ; daher 
dreht man es scherzweise um „Leip- 
ziger Jungfern, die Möhren!" 

Jastement (auszusprechen , wie es ge- 
schrieben steht, nicht franz.), eben, 
gerade, just 

JAterbocK, „das Mädel ist aus J., 
das Hemd ist länger als der 
Bock", ruft man, wenn Einer Hemd 
oder Unterrock unterm Kleid hervor- 
guckt; Schw.: das Magniücat ist länger 
als die Vesner. 

Jax, 1. 8. Jok; 2. Schmutz, wie Dest; 
Brl.; davon: bejuxen f. beschmutzen, 
seltener für betrügen; P., Eg. 



K. 

s. auch G und €. 



KäbSehe, die, kleines Gewölbe, schlech- 
tes Zimmer, Butike, Btr.; Di.:Karbüs': 
B. Grimm, V, 6. 

Kabbeln, k ä w e In, sich zanken, streiten ; 
ND . ; Brl.; davon : K a w e 1 e i ; gewöhn- 
licher kampeln. 

Kabbem (käwVn), gierig zusammen- 



scharren , kleinlich sparen , wie 
h a b b e r n ; davon: kabberig = 
habberig; Btr. giprig («= gierig); 
verkäwern, verkramen, argwöhnisch 
verstecken; ^ag; mhd. koberen, er- 
langew, CÄm^Ti«\i.^^"wsiss^'^>Ä. 



142 



Käfer — Kant-haken 



der Ofenk a c h e 1 ; bildlich : Einem ein- 
kacheln, einheizen, ihm die Hölle heiss 
machen, auch : in Verlegenheit bringen. 

Käfer f. Mädchen ; „ein netter^ hübscher 
Käfer." 

Kaffe (spr. Göffee wie lat. coffea, engl, 
ooffee); „dabei kannst du dir noch 
einen Kaffee kochen*', sagt man 
von einer geringen Menge oder einem 
ganz kleinen Stöckeben Holz u. s. w.; 
ähnlich: „der alte Tisch gibt noch 
Kaffeeholz". 

Kaffeklatseh, der, Kaffegesellschaft. 

Kafielätseh, der, 1. dünner Kaffe; 2. 
Geschwätz, wie es in Kaffegesell- 
8chaftenTorkommt;s.Kaffeklat8ch. 

Kaffemtlhle, wenn Jemand beim Karten- 
spiel nach der falschen Seite hin ab- 
heben lässt oder gibt, so ruft man: 
„Anders 'rum geht die Kaffemühle!" 

Raffesaehse^ Spottname der Sachsen 
wegen ihrer Liebe znm Kaffe, die 
sich bes. bei den armen Erzgebirgern 
findet, deren Hauptnahrung Kartoffeln 
u. sogenannter Kaffe sind; auch Kar- 
toffelsachsen, Suppensachsen. 

Kaffeseh wester, Mann oder Frau, die 
gern Kaffe trinken. 

Raffet e,Gaffe de, die, (Grimm :KaTete) 
Zimmerchen, Kabinet, bes. Verkaufs- 
stübchen der Bäcker; vgl. Käfter; 
auch ein bes. Verschlag in grossen 
Bauerstuben, für Privatunterredungen 
u. s. w.; 8. Feise. 

Räfig, Eigenschaftswort, angenehm ; wie 
gätlich, aber viel seltener. 

Räfter, das, enges Zimmer, bes. Ge- 
fängniss; bei Goethe; Th., V., P., 
Bö.; s. Grimm; von Käfig, was in 
Bern dafür gebräuchl. ist; mhd. kevje; 
lat. cavea. 

Kahm, Kahn, der, haariger Schimmel 
auf Wein, Essig u. s. w.; davon: 
kahmig, kahnig; Wn., Schw.. PP. : 
Kahm, Kahn, Kohn, Kuhn, Kauhn, 
Kiehm; mhd. kam, kän; kämic, känic; 
hoU. Kaam; s. Grimm. 

RahneD, sich, im Kahne fahren, wie 
gondeln, schiffen. 

Rahre^ die, Wendung beim Fahren 

(Reiten, Tanzen u. s. w.); SD.; in Di. : 

oie Kehr (wie Umkehr); ut de Kehr, 

aus der Richtung, vom Wege ab ; „die 

K. 'rauskriegen", beim Umlenken 

richtig abmessen; s. Grimm: Kahr; 

mhd. kören u. kären, umwenden; vgl. 

Gelenke. 

Ridannen, die, f. Kaidaunen; Hb.; Th.: 

^JSallanen; s, K nadeln. 

fßi»iutwaseher% gemein f. Leichen- 



frau; 1876 ward „Heimbürgin" einzu- 
fuhren versucht, zunächst wohl aus 
Dresden. . >i#^S^^ 

Rälbern, 1. ausg^elassen lustig sein, 
auch: das Kälbchen austreiben; 
Schw.; 2. speien, auch: ein Kalb ab- 
setzen. K. ; Grimm, V, 57. 

Ralbfleiseh, „er ist noch K.", noch un- 
erfahren, albern; wie grün. 

Kalender machen, Pläne schmieden, 
Grillen fangen, seinen Gedanken nach- 
hängen; PP. 

Kalfaktern, herum jagen, beim Spiele, 
bes. herumk, wie jachtern; B. kal- 
faktern = müssig gehen, Pflaster 
treten ; selten braucht man Kalfakter 
f. Ohrenbläser, Zwischenträger, wie in 
B., Sbg.; in Tir. bedeutet es einen 
schmutzigen Menschen. 

KaD^sehleppen, fortschleppen, bes. 
arretiren, beim CoUet fassen, colleter ; 
vgl. Wickel, Schlaffittchen. 

Kalmen, im Halbschlummer liegen, bei 
Fieber u. s. w.; engl, calm, ruhig; s. 
Grimm. 

Kampel, der, närrischer Kerl, vneKuri; 
dagegen bedeutet es in B. einen 
Schlaukopf; Grimm, V, 137. 

Kampeln, sich, zanken, wie nadern; 
s. kabbeln; davon: Kam^pelei; s. 
Grimm, V, 138. 

Kanalienvogel, Karnalichenvogel, 
1. Kanarienvogel; 2. ehemals: Brief- 
träger, wegen üirer gelben Röcke. 

Kanker, Ganker, der, 1. gebräuchlicher 
als Spinne, Hl.; auch Spinnekan- 
ker, Th., Ab.; bei Goethe, Voss, Im- 
mermann, Hebel; s. Grimm; von Can- 
cer, lat.; 2. Spinnwebe. 3. Einem 
einen K. kauen, Schabernack spielen, 
eigentlich: durch einen K. vergiften. 

Kanone, 1. „besoffen wie eine Kanone", 
schwer betrunken; s. Radehacke, 
Spritze. 2. „es ist unter derK", 
unter der Kritik; dieser Begriff wird 
gesteigert : „unter dem Nachtwäch- 
ter, unter dem Hunde, unter dem 
Ludert 

Kante, ein paar Thaler (ein paar Gre- 
ten) auf die hohe Kante stellen 
od. legen, als Erspamiss beiseite brin- 
gen; l^D. up de bog Kant stecken; 
s. Strumpf. 

Kant-haken, der; „Einen beim K. fas- 
sen, kriegen, herholen", ihn am Ge- 
nick, an der Brust packen, PP.; Kant- 
haken ist ein eiserner Haken, mittels 
dessen die Aufläder Fässer, Ballen 
U.S. w. an der Kante fassen und heben; 
s. Gximm. 



Kanzel — Kaschpemat 



143 



Kanzel; Einen, ein Paar von der E. 
werfen, schmeissen, vom kirch- 
lichen Aufgebot; Hb.; ND.: vun de 
Eanssel hendalsmeten ; so auch: von 
der Kanzel fliegen, springen, 
aufgeboten werden. 

1 . Kapern,auf die neugierigeEinderfrage : 
„was essen wir heute?" ist die ab- 
weisende Erwiderung: „Kapern mit 
langen Schwänzen" od. „eingemachte 
Kellerstufen*', od. „Kienasen" (Käh- 
naseu) od. „geschmulten (geschmorten) 
Storch". 

2. Kapern, listig und flink stehlen; bes.: 
wegkapern. Ff.; s. kazen. 

Kapores, zu Grunde gerichtet, vernich- 
tet, verloren ; Rw. : kapores gehen ; 
bei Bürger, J. Paul; s. pleite, ka- 
putt, futsch, entzwei, hin. 

Kappe, die, 1. üeberzug über Polster- 
stühle, Sofas; Hb.; 2. Kapsel (in SD. 
Mütze überhaupt); 3. „ich nehm 's 
off meine K.", auf meine Bechnung, 
Gefahr, Verantwortung; 4. kurzes 
Kinderkleid; so für Knaben, die noch 
keine Hosen tragen; daher: „er lief 
nach in der Kappe herum", war noch 
sehr jung. Grimm, V, 189; 5. „es wird 
Kappen setzen", Streit, scharfe Er- 
örterung. 

Kapperoliehen, Kapprijolichen f. 
Capriolen. 

Kappfenster, niedriges Fensterchen, 
gewöhnlich nach oben rund, bes. auf 
Dachböden; ist es ohne Glas, nur mit 
Laden oder Klappe, so heisst es Kapp- 
loch (Lucame chaperonn^e, lucame 
ä capucine); von kappen «« ver- 
schneiden, couper? 

Kapphahn, 1. f. Kapaun, mhd. kap-han'; 
2. f. Kampfhahn: „sie fahren drauf 
los, stürzen drüber her, sie gerathen 
an einander, wie die Kapphähne", 
sehr gierig, heftig. 

Kapriziren, sich auf Etwas, auf Etwas 
bestehen, „sich darauf klemmen, 
steifen;" von caprice. 

Kapsel, das, Hausmütze ohne Schild, 
!0,ppchen; s. Kappe. 

Kapuniren s. kaputt. 

Kaputt, sehr beliebt für entzwei; k. 
machen, k. gehen (dies auch für bank- 
rott werden, wie kapores, entzwei 
gehen), Pf., ND., PP.; vom franz. 
capot; davon: kapuniren, verder- 
ben, entzwei machen, vernichten; Btr. 

Karausehe, die, scherzweise f. Krause, 
Damen-Kragen. 

Karfunkel, „es glänzt wie K. vorm 
Ofenloch e", spöttisch von unechten 



Schmucksachen u. s. w.; wegen der 
Aehnlichkeit von Karfunkel mit fun- 
keln; die Form Karfunkel statt Kar- 
bunkel ahmt daher den Zusammen- 
hang von carbunculus und carbo sehr 
geschickt nach. Pf., Wb. 

Karlemann, liebkosend f. Karl; s. 
Gramm. § 166 b. 

Karline, Brantweinflasche, am Hz. „das 
Stundenglas" genannt! s. Gramm. 
§ 166 b. 

Karmesinvergnflfft,sehr heiter, „iidel". 

Karniekel, das, Kaninchen, (cuniculus, 
mhd. küniclin) Brl., L., Rtr.: Kamin- 
ken; „das Karn. sein", zurückge- 
setzt, unterdrückt, ähnl. wie : Aschen- 
brödel; s. Kuhhäs'chen. 

Karnutsehehe, die, gemüthliche Form 
von Kanaille (?; s. Grimm: Kornut); 
z. B. zu wilden Kindern gesagt: 
„Warte, du kleine K.!" 

Karrete, die, verächtlich für Wagen, 
Kutsche, Karre; Bond, hat Karrete u. 
Kurete «= carrosse; — 1a charrette. 
In Schi. u. Sudt. ist Korrete — 
Staatswagen; mittelalterliches Latein : 
careta ; ital. : carretta ; span. u. portug. : 
carreta. 

Karten, Zeitwort, Karte spielen; „woll' 
m'r e bischen karten?" davon: aus- 
karten »= ausspielen; verk arten 
«= verspielen. Th. 

Karthorseh f. katholisch, „es ist zum 
k. werden", zum Verzweifeln, wie: 
zum Teufelholen; PP.; s. preusch 
(preussisch). 

Kartoffel, 1. in Uniform, mit der 
Schale, Pellkartoffeln, potatoes in their 
jackets; 2. s. hinne; 3. Taschenuhr, 
wie Zwiebel; 4. die Kartoffeln 
abgiessen, pöbelhaft f. pissen. 

Kartoffelsaehse s. Kaffes ach se. 

Kartun f. Kattun; Bö. u. Poln.: Kartun. 

Kascheuren, Jemanden, schmeicheln, 
zuvorkommend behandeln; vom franz. 
cajoler; Bh., Btr. 

Kasehpern, 1. umhertollen, wie jach- 
tern. Hl.; 2. wie kascheliren; daher: 
Einem Etwas abkaschpern, ab- 
schmeicheln, es erkapern; 3. emsig, 
geheimnissvoll, verliebt plaudern; Bw. 
im (Jefängniss heimlich verkehren; Oe. 
kauschen u. plauschen = heimlich 
reden; s. Grimm unter Kasper. Einen 
bekaschpern, betrügerisch über- 
reden, belügen, täuschen; Bw.; s. be- 
luxen. 






Kasehpernat^auf^e)Ä\.%.OQ;fc, ^:;:^^^^^!^^%' 



144 



Käse — Eaularsch 



Fosener Idiotikon, von desperat ab- 
leiten möchte; Grimm, V, 259 oben. 

Rase, 1. da haben wir den Käse, 
die traurige Bescheruns^; daher: in 
dieE. fallen, Unglück haben, wie: 
'reinfallen; 2. einen Käse wen- 
den, ein Kindj das sich ganz nieder- 
beugt und die Arme zwischen den 
Beinen durchsteckt, an den Händen 
fassen und schnell umstürzen, aus 
Scherz; 3.„dreiKäsehoch^\ sehr klein; 
auch „der Dreikäsehoch" f. Knirps. 

Käsehitsehe s. Hütsche; V. 

Käsekäalchen, das, ein Lieblingsgebäck 
der Dresdener; sprichwörtlich: ach, 
ich unglückliches Gäsegeilchen; den 
Stamm dazu s. Kaule. 

Räsemesser, Seitengewehr, Degen; 
auch Käsekike; Btr.: Kesmetz; s. 
Distelmesser. 

Käsemutter, Frau, welche Käse fertigt 

oder verkauft. 
RäseDäpfchen, eine nach der Form 

ihrer Früchte benannte Pflanze, malva 

rotundifolia. 
Käseweiss, von der Gesichtsfarbe, viel 

beliebter, als: kreide weiss; Wn.: käs- 

weiss. 
Raspar als Gattungsname, s. Gramm. 

§ 166 b. 

Kästchen, „es is wie ä K/S recht nett, 
sauber, ordentlich ; z. B. ein Gärtchen, 
Zimmer, gutgepflegter Grabhügel; 
auch „wie ä Schmuckkästchen". 

Rasten, 1. Schule, bes. Gymnasium; 
2. Gefängniss, bes. bei Soldaten; 3. 
Bordell. 

Kastenkarre,die, Schubkarren mit einem 
Kasten; auch Badeberge. Bade- 
welle. Hl.: Kummkarre, Hohlkarre. 

Rasteroi, das, f. Kasseroi; Kasterol- 
husare f. Köchin, wie Küchen- 
dragoner. 

Kateehissen, sprich Gaddegissen, Kate- 
chismus; vgl. Beimedissen. 

Rater, 1. Katarrh; 2. Katzenjammer 
vgl. avoir un chat dans la gor^e. 

Katharine,die schnell e,Durchfafl;PP. 
Pf. Katharine, B. : 's laufende Katerle 
oder Kattel; auch sonst sehr üblich 
engl. Jenny-go-nimble: s. Gramm. 
§ 166 b. 

Ratholiseh s. kartholisch. 

Rätsehen, beim Kauen schmatzen u. s. w. , 
wie die Katze thut; Eg., Bsl. 

Ratterstrasse, Gatterstrasse, Abkür- 
^an^/ürKathannenatrsiSse (wie Käthe) ; 
fFeiz, Verbessertes Leipzig (1728) n. 

das Galante Leipz. (1768) schreiben: 



Oatherstrasse; s. auch: Musikal 
Bibliothek, Leipz. 1736, I, 63. 
Ratze, 1. „er ist der Katze^^ ver- 
loren; 2. „allemal macht die 
Katze einen Buckel", das ver- 
steht sich von selbst; es ist allerdings 
so; 3. „dem trägt die K. den 
Magen nicht fort*', er ist sehr ge- 
sättigt; 4. „ich wohne wie eine weg- 
gesetzte K.", sehr abgelegen, vom 
Verkehr abgeschnitten; Kl.: „ich hür 
net lüt, net düt", höre nicht läuten 
und nicht duten == den Hirten bla- 
sen; s. Gigak u. dgg. Anlauf. 5. 
„Guck du der K. ins Loch!" ruft 
man, wenn ein zudringlicher Etwas 
unbefugt ansehen will. 

Ratzenkopf, eine Art Winterbime, bes. 
zum Kochen; Hb. 

RatzenpfStehen, 1. eine Pflanze (An- 
tennaria); 2. Schläge mit dem Stock 
oder Lineal auf die zusammengepress- 
ten Fingerspitzen, auch Finger- 
knipse; F., W., E.; Sz.: Tätzeln (Tat- 
zen) kriegen. 

Ratzenwäsehe,oberflächlichesWaschen, 
namentlich, wenn sich Jemand mit 
Speichel reinigt, vgl. Studenten- 
wichse. 

Käuerchen, Kauermätzchen, das; 
ein K. machen, sich hinkauern; K. 
fahren, gekauert auf dem Eise hin- 
gleiten. 

Kauf, der, „das is nich Jedermanns 
Koof S es ist nur für besondre Lieb- 
haber; „er is nich Jedermanns Goof", 
nicht Jeder geht gern mit ihm um, 
seiner Eigenheiten halber. 

Raufen , 1. sich Einen (einen Affen) 
kaufen, sich betrinken; PP.; 2. sich 
Jemanden k., ihn zurechtweisen, 
ausschelten u. s. w., wie ab to ff ein 
undähnliche; 3. was ich mir davor 
kofe! geringschätzig, etwa: das will 
nicht viel sagen; es ist das Grosse 
nicht; diese Bedensart kam ungefähr 
1860 von Brl. zu uns und überfll hin, 
s. Haufen, Schade, schlimm. 

Kaufmann f. Käufer, Abnehmer; „so- 
bald er nur den Laden aufmacht, ist 
auch schon alles voll Kaufleute bei 
ihm; er kann zu seinem Gute keinen 
Kaufmann finden;" ebenso mhd. 

Kanlarseh, der, Hühner ohne Schwanz, 
gekappte Hühner oder Hähne, Kapau- 
nen u. s. w.; von Kaule, Ku^el, 
wegen des abgerundeten Hintertheils, 
Eg., Hl.; vgl. Kaule, Kaulbarsch, 



Kaule — Kesselflicker 



145 



Kaule, die, Engel; mhd. küle neben 
kugele; Bö.; poln. knla; in PP. Käul- 
chen f. Klösschen; vgl. Käsekänl- 
chen; daher Knllerkaule, daher 
im £g. die Zeitw. kaulen, kaalern, 
wie unser: kullern. Das Dorf Gross- 
Kugel, zwischen Leipzig und Halle, 
nennen die Umwohner: Kau bei; in 
Urkunden von 1400 findet sich dafür : 
Kübel und für das Nachbardorf Klein- 
kugel : Klein Kublitz, Wenigen Kaub- 
litz. 

Kaulpadde, die, statt Kaulquappe, der 

i'unge, noch unentwickelte Frosch; 
i^adde ist ND. f. Frosch, Kröte. 
Kaum, „da . . .kaum nicht'* heisst: 
Wenn es so ist, so hat es den Vor- 

theil, dass ; z. B. A sagt: 

,,Unser Onkel wohnt jetzt nicht mehr 
in Wien, sondern in Meissen'S B er- 
widert: „Na, da haben wir kaum 
nicht mehr so weit zu ihm*'. A: 
„Die Sonne scheint'^ B: „Da brauchen 
wir kaum nicht so zu frieren". A: 
„Das Buch ist schon gebunden*'. B: 
„Da brauche ich es kaum nicht auf- 
zuschneiden". A : ,.Die Tage nehmen 
zu'*. B : „Da kost's kaum nicht so viel 
Oel;" s. Grimm, V, 359. 

Kaupeln, verbotenen Tauschhandel trei- 
ben (unter Kindern); dann: allerlei 



Bänke; £g.. Hl.; Kaupelei, Kaup- 

" ppeln? in Th. 
kolzen, Schw. kaudern; ND. schutern. 



1er; verwandt mit kuppeln? in 



Kauseher, missverständlich f. koscher, 

s. d. 
Kauter, kanter! Nachahmung der 

Stimme von Truthähnen, Putern. 

Käuzen, sich, Verstärkung von kauern, 
sich zusammenducken, hocken wie ein 
Kauz. 

Kazen, stehlen, s. ausführen, aus- 
spannen, lange (od. krumme) 
Finger machen, gamfen, grap- 
schen, gripsen, kapern, klem- 
men, krallen, mausen, mitgehen 
heissen, ripsen, schiessen, sti- 
biezen (strafen), striezen u. s.w.; 
den allgemeinsten Sinn hat das ge- 
bräuchlichste Wort: mausen. 

Kei^el für Kind, bes. ein kleiner K, 
wie in „Kind und Kegel;" s. Grimm 
V, 589. Hier lautet das g wie j, 
aber in kegeln, Kegel bude u. s. w. 
wie das g in gut, s. Grimm, Y, 391 
oben. 

Kegelbude, Kegelburz, s. Kekel- 
bude, Kekelburz. 

Kehraus, der, Schlnsstanz bei einem 

Albreebtf Leipz. Mundart. 



Feste; Friese's Wörterbuch zu Btr. 
erklärt Kihrut: ein Tanz, in welchem 
beim Schluss von Hochzeiten und 
Erntefesten die Gäste mit Besen, 
Feuerschaufeln u. s. w. aus dem 
Hause getrieben werden; s. Grimm. 

Kehreule, die, (spr. Gehreile) grosser 
Besen, kugelförmig, an einer lauften 
Stange, zum Abfegen von Wänden, 
Decken, Schränken u. s. w., Th.; — 
L.: Eule, ND. Ul, Ule; im Hz. „ab- 
ulen" für abkehren; in PP. Kranse- 
nickel; V. u. Hl. Kankerkopf. 

Keil, ein schöner K. Brot, grosses 
Stück; 8. Runksen. 

Keile, die, Prügel, wie Holze; Hl., 
Brl., Ew.; (von Keil?) davon: keilen; 
1. prügeln; davon: Keilerei; 2. Bil- 
lard keilen, eifrig spielen; s. dre- 
schen; 3. kaufen; 4. für eine Gesell- 
schaft, Verbindung u. s. w. anwerben, 
bes. Stadentenausdruck. 

Kekelbude, etwas schlecht Angehäuf- 
tes, das leicht zusammenstürzt, um- 
k ekelt, wie ein Holzstoss, ein Stoss 
Geschirr u. s. w. 

Kekelburz, Gegelborz, der, das 
Ueberschlagen (Purzeln) des Körpers, 
wie eines Kegels (?); einen K. schla- 
gen; in Da.: Heisterkopf schiessen; 
NS. Kopfheister u. Heisterkopp schei- 
ten (auch Kranzheister), in Di. beides. 
Schw.: Burzelstengel mache, burzel- 
stengele; s. Purzelbaum; Rh.: die 
Tummelleut schlage. Th. Koppsgei- 
kel. In PP. heissen die Seiltänzer 
Kökier; davon könnte Kekel kommen, 
was auch die Aussprache besser er- 
klärt, als die Ableitung von Kegel, 
s. d. 

Kekeln, g ekeln, wanken, auch fallen, 
purzeln, wie ein Kegel; aufgehäufte 
Bücher fangen leicht an zu k., sie k. 
um; sich überk., einen Kekelburz 
sctilagen. Hl. ; dagegen heisst kegeln 
(« gejeln) Kegel schieben. 

Kellerstufen, eingemachte, s. Ka- 
pern. 

Ich kennte, gekennt, s. Gramm. § 205; 
m«'ine Bekennten f. Bekannten. 

Kepeln, kippeln, s. Kippe. 

Kerl, „er ist dem närrschen Kerl sei 
Bruder*S er ist auch ein ziemlich 
sonderbarer Kauz, närrischer Kerl. 

Kesselflicker, unzuverlässiger, gemei- 
ner Mensch; daher: Kesselflicker- 
bande, K.xqVV\ 'e^.\^9Ä'eÄsK^'ötÄ««- 



146 



Kesselwurst — Kladerig 



Kesselwursty eine ganz frische Brat- 
wurst, die aber nur gekocht ist. 

Kettely die, eine kurze Kette zum Ver- 
schluss einer Tbüre; auch an Schür- 
zen, Mänteln u. s. w.; davon zuket- 
teln. 

Kettenhand, heulenwieein K., laut 

weinen. 
Kiekerihahn, 1. Haushahn; 2. lange, 

spitze Zuckerdüte; Bspr. 

Kiekerlinff, der, 1. s. Hipperling. 2. 
Kickerlingsberg, eine kleine An- 
höhe an der Pleisse. 

Kiekern f. Mchem. Pf., auch kittern; 
Oe.: kuddern; Hz.: nickem. 

Kien, das ist der reene Kien, das 
ist der echte Schwindel; es ist aus- 
gesucht schlecht u. s. w.; so in Brl., 
wo Kien = Schnaps ist. 

Kienasen^ 1. s. Kiipern; 2. auch sonst 
weicht man unberufenen Fragen, was 
das oder jenes sei, mit der Bemerkung 
aus: „Es sind K.!" 

Kies, das, Geld (aber der Kies« Kie- 
sel u. s. w.); Brl., Bw.; man sagt 
auch: „Wenn Baeselsteine Geld wären 
und Fluchen keine Sünde, so könnte 
man das schon machen^'. 

Kimmehen, die, Läuse; Bw., jüdisch; 

nur in der Mehrheit gebräuchlich. 
Kimmt, gimmt, f. er kommt; dagegen 

heisst inr kommt: ihr gommt oder 

gummt; s. Gramm. § 213. 

Kind, das dumme Kind vom Neu- 
markte, sprichwörtlich, für einen 
Dummen überhaupt, wie „der dumme 
Junge von Meissen;'* soll auf ein 
Kind Bezug haben, das am „neuen 
Neumarkt** (jetzt Neumarkt) aus dem 
Fenster stürzte; s. noch Dreck. 

Kindermnhme, die „Leipziger Zeitung;" 
ähnlich nannte man andere hiesige 
Blätter den „Schweinsknöchelchen- 
moniteur** und „die Klatsche**. 

Kindermatter, Hebamme; in Hb.: 
Ammefra; die jetzige Magazineasse 
(am ehemaligen Magazin, welches 
auch „Kornhaus** hiess, weil kein 
Korn darin war) war früher von so 
viel Hebammen bewohnt, dass man 
sie Kindermuttergässchen 
nannte; officiell hiess die Gasse aber 
„Stadtpfeifergässchen** nach den 
früher ebenfalls dort angesiedelten 
Musikern. 

Kinkerlitzchen, Kleinigkeiten, quisqui- 

liae; Th., Schi., Brl. u. s. w., s. Grimm. 

Kippehen, das. Gl beben, Obertasse, 



ND. Köppken; la coupe, a cup; dän. 
u. hoU. Kop, schw. Kopp; von Kopf; 
vgl. Kippe und Kuppe. 

Kippe, die, der Band u. s. w.; er steht 
auf der Kippe, ist in Gefahr, seine 
Stellung zu verlieren, zu sterben 
u. s. w.; (D. op de Wipp stän; 
Ygl. „Kipper und Wipper** im 7jähr. 
Kriege). Davon: 1. kippen, z. B. ein 
Fass kippen, damit der Best heraus- 
läuft; Leinwand u. s. w. wird um- 
§ekippt oder umgebockt d. h. zum 
äumen gefaltet. 2. keepeln, kop- 
peln oder kipp ein, wiederholt neigen, 
z. ß. mit dem Stuhle kippeln; Brl., 
Eg.; was leicht kippt, ist kipplich; 
s. noch: abkippen; Grimm, V, 



oben. 



782 



Kirche, wenn ein Saal nicht von Leu- 
ten gefüllt, ein Glas nicht vollge- 
schenkt, ein Kleid allzu weit ist und 
dg]., so spricht man beschönigend: 
„die Kirche ist auch nicht allemal 
voll**. 

Kirehenreehnung, „es stimmt, wie 
eine K., 3 mal 9 ist 7;" ironisch. 

Kireh s. Kür eh. 

Kittchen, Küttchen, das, Gefängniss, 
s. kutten; Ew. ist Kitte, Kittchen =» 
Haft, Zuchthaus. 

Kitzegrau ist die Wäsche, bes. in der 
Sprache der Waschweiber, wenn sie 
nicht hübsch weiss ausgefallen ist; 
das Gegentheil ist schlossweiss; 
Eg.; s. kitzegrün; Grimm, V, 883. 

Kitzegrfln, lebhaft grün, saftgrün, wie 

i'unges Gemüse; Grimm, V, 870 hat 
:itzeblau; Kaltschmidt, Gesammt- 
Wörterbuch, sagt: kitzblau, kitz- 
grau, SD. = blau vor Frost; Mes- 
grau, eisgrau, und kitzbraun := hetz- 
oder hitzbraun; s. kitzegrau; das 
„kitz** enthält einen Tadel. 

Kium (Geschlecht unbekannt), Prügel; 
„es setzt K. um den ganzen Kopp 
'rum ! * * K i u m als Name in den Man- 
nerfeindinnen von Bod. Benedix. 

Kiwichen, das, kleine Kuh; daher 
Gotteskiwichen (Marienkäfer). Die 
Kiwe «= Kühe. 

Klabastem, 1. langsam, nachlässig, ver- 
drossen gehen, wie: zotteln; P.; 
d^g. bei Btr.: wild davon jagen; 2. 
Emen durchklabastern, prügeln, 
L., Th., Hssn., Schi.; „es setzt Kla- 
bastere**, Schläge; ND.; s. Grimm; 
in Th. klabastem » klopfen. 

Kladerig, itladderig, nicht recht in 



Klagen — Klecken 



147 



Ordnung; eine k. Geschichte, nicht 
recht klar, nicht fair; Brl. In H. ist 
klattern verwirren, in Ha. kladerig ■=» 
albern, kladrigt = schmutzig, wie 
ND. kladderig; das ND. Kladde = 
Schmiere, Schmutz, gab das kauf- 
männische: die Kladde = Schmier- 
buch (dän.: Kladdebog, holl. Klad- 
boek), Stratze. — Wieland im „Fischer 
u. Geist**: Das nähme wohl gar ein 
klatrigs Ende. Holl.: kladderig, 
schwd.: kladdig = beschmiert. 
Klagen wird reflexiv gebraucht: „er 
klagt sich über die Brust", also wie 
beklagen; Gramm. § 180; Hb.; so auch 
mhd. 

1. Klamm, der, Krampf in der Hand oder 
wenn Arm, Fuss „eingeschlafen" ist; 
Gefühl, als wenn sie eingeklemmt 
wären ; also verwandt mit Beklemmung, 
beklommen; mhd. klam, Krampf, 
Klemme; davon: klämsen; s. das 
Adj.klamm;ND. verklamen, vor Frost 
erstarren. 

2, Klamm, vom Geldumsatz, kärglich, 
knapp; ,,das Steuergeld ist klamm", 
geht spärlich ein; in Pf. heisst eine 
verdien stlose^ geldarme Zeit eine 
klemmeZeit (Stamm zu klemmen) ; 
mhd. klam, zu wenig; s. der Klamm. 

Klämsen, langsam sein, nicht aus dem 
Hanfe (Thrane) kommen ; „er klämst 
ewig mit den paar Zeilen**, schreibt 
langsam; kann wohl mit kleben zu- 
sammenhängen, was ja klähm, gl6m 
ausgesprochen wird. Ein saumseliger^ 
an Allem kleben bleibender Mensch 
heisst ein „rechter Kiemen z", ebenso 
Einer, der gern im Wirthshause kle- 
ben bleibt. D. klänen = weitschwei- 
fig reden; s. der Klamm u. klamm, 
sowie Gramm. § 166 b. 

Klappe, die K. zumachen, Feier- 
abend machen, Schicht machen, bes. 
von Kneipen gesagt; in einem Scherz- 
gedicht auf den Herbst: „Trinkhallen 
und Monatsrosen, sie machen die Kl. 



zu". 

Klappen, 1. gut zusammenstimmen, 
bes. bei Musik. Pf.; 2. Einen k, auf 
einem Vergehen ertappen. 

Klapperderre, dürr wie ein Skelett, 
dass die Knochen klappern möchten, 
wie „Freund Klapperbein;" s. pras- 
seldürre, Dürrlender. 

Klapperkasten, Spottname des Kla- 
viers, auch: Klimperkasten; Di.: 
Eummelkasten. Ejnder sagen „Klap- 
perstun de" f. Klavierstunde. 



Klappern, von Geschäften, langsam, still, 
nicht schwunghaft gehen; „Es klappert 
nur so;" „es klappert immer e bischen**, 
geht so leidlich; „es geht klappe- 
rig," schwach, wohl vom Klappern, 
Klimpern des Goldes oder dem lang- 
samen Klappern einer Mühle; s. kle- 
cken 3. Aehnlich: Kläpperschul- 
den, gewöhnlicher: Läpperschul- 
den; solch ein schwaches Geschäft 
heisst ein Klapp erkram. 

Klapps« der, 1. gelinder Schlag; Einem 
einen K. geben; Brl.; 2. einen K. 
haben, nicnt recht beiVerstande sein, 
gleichsam, als ob das Hirn durch 
einen Klapps erschüttert worden wäre; 
vgl. engl, he has acrack in the noddle. 
— Ztw. klapp sen, auf die Finger 
u. s. w. schlagen. 

Klar, 1. gestossen, genulvert:' kl. Zucker, 
M. Kohlen (zerbröckelte, Staubkohlen 
u. s. w.) ; kl. Holz — klein ^espaltnes, 
Th. ; auch : klares Geld f. kleine Münze ; 
daher: einen Thaler klar machen 
f. wechseln; sogar: es regnet klar, 
fein; kurz und klar schlagen; Bond, 
gibt: klarer Zwirn, klares Leinen = 
fein; so heisst es fachmässig: klar- 
speisiger Bleiglanz (f. feinkörnig), 
auch : klarfödige Seide: die feine weisse 
Wäsche heisst „das Klare;** ^Bspr. 
klare Schrift, kleiner Druck; 
Grimm, V, 989; 2. klar wie Kloss- 
brühe, Klosssuppe, sehr einleuch- 
tend, deutlich; s. Dinte, Schnaps. 

Klatsche, die, Kinderspielzeug, ein ge- 
faltetes Papier, das bei einem Ruck 
mit einem Knall aus einander fährt. 

Klatschen, einen klatschenden Ton bei 
der Bewegung geben; „de Steweln 
klatschen an den Beenen", wenn Was- 
ser eingedrungen ist; „mei Eock, mei 
Hemde klatschte nur so am Leibe", 
war pudelnass von Regen, Schweiss 
u. s. w. 

Klavierchen, die, nur in der Mehrheit, 
Pinger, Hände, blos in einigen Redens- 
arten: „an die K. frieren; ich war' 
d'r was uf de Glaffirichen gäm" (näm- 
lich: einen Schlag). 

Kleben, 1. „scheene (tüchtig) auf- 
kleben", auch: aufklitschen, fett 
mit Butter u. s. w. schmieren; 2. kle- 
ben bleiben, nicht fortkommen, 
lange verweüen, bes. auf der Kneipe ; 
v^l. Pech, 2; wer gern so klebt, 
wird ein Klemenz genannt; s. 
klämsen. 

Kleeken, kleckern, 1. klecksweise träu- 

10* 



148 



Kledasche — Klitsch 



fein: „er kleckt von Schweesse «» 
triert; er ist klecknass; der Schaam 
kleckert den Pferden vom Manl;^' s. 
beklecken; „es kleokert^S vom 
StnUgang, wenn er sich dem Durch- 
falle nähert; 8.3; 2. kleoken, aus- 
reichen; reichlichen Ertrag, Verdienst 
fewäbren; ,,20% Dividende, na, das 
leckt!" Schw., V., Wn.; mhd.; Stamm 
zu erklecklich; vgl. flecken, flu- 
schen; 3. dagegen ist kleckern, 
einen schwachen (klecksweisenj Ver- 
dienst abwerfen; „Es kleckert blos, 
aber es fluscht nicht; ihr kommt ja 
• recht gekleckert", vereinzelt statt zu- 
sammen; in PP. ist verkleckern, ver- 
schwenden, verzetteln; s. noch klap- 
pern. 

Kledasche, die, Eleiduns^; Ktr., Di.; mit 
franz. Endung; Bog. Goltz: Kleidasche ; 
vgl. Stellasche. 

Klee, das, oder das Klein, die Theile 
des Hasen, der Gans (Hasenklee, 
Gänseklee, anderwärts: Gänse^e- 
kröse, Gänsegeschneide, Gänsepfener, 
Gänseschwarz), welche nicht mit ge- 
braten, sondern gekocht werden, wie 
Hals, Kopf, Ma^en, Herz, Latschen 
oder Läufe; in einer Dresdner Markt- 
ordnung von 1462: ein Kälberk 1 e i n o d ; 
in manchen Gegenden heisst überhaupt 
das Kleine vom Fleische: Kleinod; 
Grimm, V, 1123; in Th. (Roda) heisst 
ein Blumengärtchen der „Kleenigs- 
garten". 

KleeDemntter» scherzweise f. Gattin; 
,,meine Gleenemuddr hat Gaffee je- 
gocht; — was macht denn Ihre K." 

Kleid wird, als selbstverständlich, weg- 

Selassen nach einem Eigenschaftswort 
er Farbe: „Ich ziehe mei Bosaes an 
und du dei Grünes; sie hatte zu Weih- 
nachten ein Schwarzseidenes ge- 
kricht;" — „sie t heilen sich in 
meine Kleider", gewinnen mir alles 
Geld ab; wie: ausmästen; — 
scherzw.: „es liegt mir in Kleedern" 
(in den Gliedern). 

Klein, das, s. Klee. 

Klein machen, 1. wechseln, z. B. einen 
Thaler ; „den Gulden wollen wir schon 
kleen kriegen!" vgl. klar; 2. ver- 
thun; „sein ganzes Vermögen kl. 
machen;" 3. klein kriegen, ver- 
stehen, etwas Schweres begreifen; 4. 
„kl. zugeben", sich fügen; vom 
Kartens])iel entnommen. 

Kleinnärrisch (spr. gleenärrsch), etwas 
albern, übergeschnappt, nicht recht 



gescheit; ^,er schwatzt, spielt, läuft, 
arbeitet wie k." 

Kleinod» Gesammtname für „Inster, 
KaldauneUj Lunge, Leber, Kopf' von 
Schlachtthieren , laut Leipz. Markt- 
ordnung V. 1726; jetzt ungebräuchlich; 
s. Klee. 

Klemmen, 1. Etwas entwenden; Brl.; 

s. kazen; 2. sich auf Etwas k., wie 

kapriziren, steifen. 
Kletterstange, langer, schmächtiger 

Mensch, wie Hopfenstange, Gigak. 

Klimpern, „klimpert's nicht, so 
klappert's doch" sagt man beim 
Anstossen mit tonlosen Gläsern, z. B. 
Bierseideln. 

Klinge, eine gute Klinge schla- 
gen: 1. gut fechten; 2. Etwas gut 
verstehen, z. B. das Spielen, bes. aber 
das Zechen. 

Klinke, 1. die Klinke (Drücker am 
Thürschloss) in die Hand nehmen, 
sich verabschieden, fortgehen; 2. 
Spottname für den Frack, wie Blech- 
schere, Quadrillenschwenker, 
Schniepel, Schwalbenschwanz, 
Spargelstecher, französ. sifflet, 
queue de moineau, queue de morue; 
vgl. die Namen des Hutes unter 
Angströhre. 

Klinse, Klinze, die, Riss, schmaler 
Spalt, bes. in ausgetrocknetem Holze; 
Bückert hat es in einem Gedicht 
angewendet. Bildlich „die Kl. uff- 
duhn" = die Augen öffnen. Im 
Hochwald in der L. gibt es durch- 
brochene Felsen, welche den Nonnen 
zur Ausschau gedient haben sollen, 
„N n n e n k 1 u n s e n" genannt. Elimse, 
Schw. Klunse, Klumse, beide auch 
mhd.; Oe., B., HL; auch Krinse, Hl. 
Verwandt mit klaffen, Kluft, to deave. 

Klinserklein, glinzergleen, in ?anz 
kleine Brocken zertheilt, zermalmt; 
da Klinse «= Spalt ist, so deutet es 
auf kleingespalten ; in Luxemburg ist 
„klinzig" das Verkleinerungswort von 
klein, wie unser finselicn von fein; 
Köln: klitzeklein; Hb.: klipperkläh; 
vgl. klimberklein (Hss., Th.) bei 
Regel, S. 217. — L. klenutschker ■=» 
sehr klein; s. Grimm: klinzig. 

Klipper, Klempner, Hl.; Gramm. § 86. 

Klitsch, der, (Bond.: der Klitscher) 
klatschender Schlag mit der flachen 
Hand, bes. aufs blosse Gesäss; Hb.; 
Ab., HL, Eg.; klitschen, auchMör- 
tel, Schlamm u. s. w. anwerfen; ein 



Klobig — Knarzen 



149 



solcher Wurf ist „ein Klitsch", was 
bildl. für Fleischklösschen eintritt; 
Klitsch backen, s. Klunsch; 
klitschen, bildl. f. betrügen (selten); 
„ich bin geklitscht'S gemeiert, 
belämmert, übelangekommen, da- 
her: Klitsch er oder Klitsch- 
meier, schlechter Maurer (davon 
könnte der frühere Name: Klit- 
schergässchen kommen); aasklit- 
schen, durchprügeln. 

Klobig, ungeschlacht, klotzig, stark; 
„klooige Äälte, ein k. Haufen Geld, k. 
Kerl", von: der Kloben — Scheit, 
Klotz. 

Kloppe» die, 1. Prügel; 2. Einen in der 
K. nahen, über ihn herziehen, ihn 
hänseln, bearbeiten (wie der Schuh- 
macher das Leder durch Klopfen); 
Th.; s. Zerre, Mache, 3. 

Kloppen, 1. f. zerklopfen, zerkleinem; 
Bruchsteine werden zu Chausseeknack 
geklopft; 2. prügeln; durchk.; 3. kau- 
fen; wie keilen;daher: verkloppen, 
verkaufen; in Oe. durchklopfen f. 
durchbringen, verschwenden. 

Kloss, Mehrheit Klösser; Bspr. Glies- 

ser; s. Gramm. § 182, 5. 
Klossbrflhe, Klosssuppe, s. klar, 2. 

Klössen, 1. langsam sein beim Arbeiten, 
Ankleiden u. s. w. „es dauert ewig 
ehe er ausklosst" (fertig wird). 2. 
langsam, weitschweifig und unklar 
reden, s. Hamf; wer es thut, ist ein 
Klossfriede,Klos8michel,Kloss- 
toffel; iuTh. istKlosstopf Einer, 
der anhaltend (klebend) über der Ar- 
beit zu Hause sitzt. 

Rlosstoffel s. klossen. 

Kluft, die, ein dürftiges Kleid, bes. 
Klüftchen, Gliftchen; Brl., P.; 
E.: Klüftel; Schi.: Kluftel, Klofft; Oe.: 
Glüfterl; s. Grimm V, 1267 unten; 
Rw. ist Kluft, Klifft, Klüftling, Kleid; 
Klüfterei, Kleidung; Klufterkapelle, 
Kleiderschrank; umkluften, veäluf- 
ten, um-, verkleiden; s. noch Sohlif- 
terchen. 

Klu^arseh, Einer, der Alles besser 
wissen will,Klügling, Naseweis, super- 
klug; „so e neunmal Kluger;" auch 
Klugscheisser (Hb.), s. dies bei 
Grimm. 

Klflmprig, mit Klümpchen, wie eine 
schlecht gekochte Suppe, aufgelöster 
Gummi; Staub, Mehl „klump er t 
sich" beim feucht werden. 

Klnng^, es, f. klang; s, Gramm. § 209. 



Rlonkery der, nicht nur von ausgefranz- 
ten, herabhängenden Fetzen an Klei- 
dern und dgl., sondern auch f. Klum- 
pen von Koth, Mehl (s. klümprig) 
u. dgl.; davon: sich bekl unkern; 
s. Grimm. 

Klanseh, der (seltner: Klitsch), 
schweres, klossi^es, nicht recht ans- 
gegohrenes, schhffiges Gebäck; Wn.: 
aer Talken; davon: klunschig, 
Dresd.: klantschig, Schi.: klitschig; 
Etr.: klunzig, klitschig; PP. : klützig, 
plützig; — klunt sehen, schlecht 
backen. 

Knabbern, kuewern,an Etwas nagen ; 
wie eine Maus, oder ^ ein Eichhorn; 
Brl., Pf; davon: knäwrig, immer 
zum Essen von Kleinigkeiten genei^ ; 
s. knaben und knabbern bei 
Grimm. 

Knaeks, der, f. Knick, Sprung, Riss 
u. 8. w. an einem Glase, Tische, Stuhle 
u. s. w.; dann auch von Menschen: 
„er hat einen Knacks gekrie^, sich 
einen K. geholt", dauernden Schaden; 
schlechthin: „Er hat den K.", ein 
unheilbares üebel, das ihn zu grösse- 
ren Anstrengungen unfähig macht, 
bes. von Brustkranken ; über die Form 
s. Gramm. § 164; ein solcher Mann 
heisst dann auch: ein alter Knacks. 
Ein Kinderspiel, bei dem ein Knabe 
sich unbeholfen, lahm, buckelig u. s. w. 
stellt, führt den Namen „Vater- 
knacks"; ähnlich Old Nag in einem 
en^l. Spiele. 

KnaUen, durchprügeln; „es setzt 
Knalle**,Prügel;wie Dreschen, s.w. 

Knallhfltte, die, leicht gebautes, wacke- 
liges HJaus, welches förchten lässt, 
dass es bald einmal mit einem Knall 
zusammenbricht; N.; s. Luft bu de, 
Laterne. (Dagegen Grimm unter 
knallen, 3 d.) 

Knallsehote« die, Ohrfeige; s. Dach- 
tel, Damsel, Dusel u. s. w. 

Knapp, kaum; „k. war ich heem, da 
fangte*s an, zu regen". Etr., Di.; so: 
eine knappe Stunde, etwa 50—55 
Minuten; in Tir.: eine geringe, leichte 
Stunde. 

Knappdörren, knappdern, Mangel 
leiaen; von knapp und dürr; s. Dorre 
und grobdern. 

Knarpeln, das knarrende, prasselnde 
Geräusch beim Kauen, Schneiden ; ähn- 
lich knarpsen; von Knorpel: „Laut 
hört man es knarveln'*, im Liede von 
„Josef Brehm". 

Knarzen, Mittellaut zwischen knarren 



150 



Knaul — Knoche 



und knirschen; z. B. von quietschen- 
den Stiefeln. 

Knaal, der und das, f. das Knäuel, 
Hl., Gramm. § 181; sich zusammen- 
knaulen, sich hallen, wie ein Igel. 

Knaupeln, 1. einen Knoten mühsam 
aufknüpfen; 2. an Etwas knaupeln, 
z. B. an einer Semmel, mit den Fin- 
gern ahbröckeln; so: die Eosinen 
aus dem Kuchen knaupeln, Schi, 
P., Pf.; Eg.; s. ausgeknaupelt; 3. 
„da hat man zu knaupeln", das ist 
eine schwere Aufgabe; NS.: finzeln; 
eine knaupelige Arbeit, Knau- 
jjelei, mühselig, viel Achtsamkeit er- 
fordernd; s. Grimm, V, 1371. 

Knautel, Knäutel, Gneidel, das, 1. 
ein tüchtiges Stück (Brot u. s. w.); 
2. eine knotige, verhärtete Geschwulst; 
Geschwür, Blüthe im Gesicht, ge- 
schwollene Drüse u. s. w. ; Th., Schw.; 
s. Grimm. 

Knebel, der, meist in <ierMehrh.: die 
Knebel, auch Knie bei (N.) das mitt- 
lere Fingergelenk und sein Knöchel; 
„Einen uf de Knebel schmeissen," auf 
die Hände schlagen. 

Kneif, Kneift, der, schlechtes, kurzes 
Messer; B., Hss., Hz.; in Th.: Knif 
(rahd.), Knift; Schi.: Knificker (Grimm, 
V, 1428 oben); a knife, le canif; s. 
Schusterkneif. 

Kneipe, die, 1. jedes Gasthaus, bes. aber 
Eestauration, s. Grimm; auch: Bier- 
kneipe, Weinkneipe, Schnaps- 
kneipe, Spielknei^e; 2.Wohnung; 
„Einem auf die Kneipe (oder Bude) 
steiffen" oder „ihn beKneipen," 
besucnen, wie umstossen. 

Kneitel s. Knautel. 

Kneller, der, schlechter Tabak, wie 
Stötteriko; Pf., J., K., Hb.; knel- 
lern, schlechtes Kraut rauchen. 

Knepse, die, Sammelbüchse für Einzah- 
lungen, wie beim Kegeln, aach Pinke; 
in die Knepse blasen, seinen Bei- 
trag leisten; die Knepse *r umgehen 
lassen, einsammeln. 

Knutschen, kneetschen^ l^nietsehen, 
knutschen, knuschen, knautschen, 
1. durch Zusammendrücken zerkneten, 
zerknittern, z. B. Papier, Kleider; Brl. 
knautschen ; Th. knutsche; Schw. knau- 
zen, knozen, knötschen; im Eg. knut- 
schen u. knautschen = tölpisch be- 
tasten, ebenso knötschen i. d. Pf.; 
mhd. zerknitschen , zerdrücken, zer- 
quetschen; 2. knetschen, knät- 
schen, beim Kauen schmatzen; BsL; 
s. kätschen; 3. sich hinein knet- 



schen, zwischen Andere auf einen 
engen Platz drängen; 4. sich knet- 
schen, ärgern, wie fuchsen, gif- 
ten; Wb.:verknauzen(s. verknusen). 

Knickebein, der, Likör mit einem 
Eidotter versetzt. 

Knicks! 1. Ausruf, wenn Etwas knickt, 
z. B. ein Zweiglein, ein Kohr; davon: 
knicksen für knicken; „der Wind 
knickste die Dolpen (Tulpen) um ;" vgl. 
knacks; 2. es hat einen Knicks 
gekriegt, einen Bruch; davon: knick- 
sen, brechen, s. Gramm. § 164. 

Kniee, eine, Mehrh.: die Knieen; „die 
eine Kniee thut mir weh;" Gramm. 
§ 182; s. Loch. 

Kniefixig, mit gebogenen Knien gehend; 
vgl. Kniefix bei Grimm. 

Kniefflssliff, kniefiesselig, höchst'gril- 
lig, kleinlich, an Allem mäkelnd: s. 
Grimm, V, 1428, Zeile 9; vgl. tri bu- 
lierig. 

Knieschtlssig wie kni^fixig. 

Knietschen wie knetschen; Eg., 
Schw.; in der Sz. heisst es aber bre- 
chen, wie unser knicksen. 

Knietschig^ geizig, schmierig, kleinlich, 
interessirt, bes. im Spiele; Brl., Th.; 
im übrigen Sachsen sagt man für 
geizig auch: knickfickrig, mit Be- 
zug auf die Ficke = Tasche. 

Kniffelig, 1. eine „kniffelige Arbeit, 
Sache, Geschichte," will fein, mit 
Kniffen augefasst sein, man muss 
drüber knif fein (= knaupeln); 2. 
„etwas Kniffeliges zu essen," appe- 
titlich Gebratenes, Gepräkeltes u. s.w.; 
s. Grimm, V, 1515. 

1. Knill, der, Knitter; knillen, knül- 
len, Di.; zer knillen, zerknittern, in 
einen Knaul zusammendrücken, vne 
knetschen. 

2. Knili, betrunken; die „Knillität.** 
Knipse, auch Fingerknipse, wie 

Katzenpfötchen; in Schw.: Döble; 
plattd. knipsen, mit den Fingern 
schnellen; Grimm, V, 1438. 

Knitschel, der und das, ein dichtes 
Büschel, das wie ein Knoten sitzt; 
„ein ganzes Knitschel Haare, Nüsse, 
Raupen"; Hl., P.; in Schw. : Kluppert. 

Knitten, l^netten, beim Stricken, Ma- 
schen mit der verkehrten Seite nach 
aussen (musterartig) machen. Hl. In 
NS. ist es = stricken, to knit; ver- 
wandt mit Knoten. 

Knoblauch nennt man, auch offiziell, 
den in unseren Waldungen wuchern- 
den Bärlauch, allium ursinum. 

Knoche, die, 1. Hand; 2. häufiger: Fuss, 



Knöcheln — Knuxen 151 



Bein, Schi.; s. Grimm, Y, 1457; 3. Knorzen, knarzen, angestrengt arbei- 

Knochen als Schimpfwort; 4. mit ten; BsL; s. Grimm, 

deinen Knochen schmeisse ich Knote, der, früher nur studentisch für: 

nochBernenvomBome, dich hoffe Handwerker ; jetzt allgemein f. : roher, 

ich lange zu überleben ; 5. ich dresche ungehobelter Bursch; davon: kno- 

dich, dass du sollst deine Knochen tiges Benehmen; Grimm, V, 1507 

zusammenlesen Fun in Schnupp- unten. 

tuche heeme tragen]! Drohung Knuckern, knacksen, 1. stammeln; 

Rnöelieln, Fangspiel mit fünf kleinen ^g drucksen; auch: murren, immer 

Steinen (Kinder) ;j!irp. Knulls^iel ; s. unzufrieden sein; in diesem Sinn „ein 

"^ - ^^ ^ Kn^uckerich;" 2. knausern; Knu- 



jstemen (iunaerj; jnu. Anuiispi 
Grimm, V, 1453 (Datschelspiel). 
ndchen, kneeheln, bis au& Bin 



Knochen, kneeheln, bis aufeBlutpei- cker, Knicker; knuckerig. 
nigen, wie schinden, bisacken; Knudeln, zusammenknudeln, wie 
mit den harten, spitzen Knöcheln knutschen 

KnAiiiAii /IaJ ir«»ii/»v» ,-^/xco«« i,«^i Jungen führten wir kurze Hirschhör- 

Menge; s. knollig. ' nannten sie: Knufferte!^ 

Knollil, derb,stark,|rob; .ein knolliger ^"i^^?!^ '*?;'^;;.fff^^'.iTh^ J'.%«r.V 
Kerl linSchw.: ein Knolfenk);" knol- ^^^^t^i,^*""^^'^' ^''^'^' ''^''^^• 
lig kalt, theuer, Brl.; - D.V knulli; ^^^^PP^^.'^' ^^ , ^^ , , 
wie klobig; Grimm: knollicht. Knappe, die, Stockknopf, Thurmknopf 

KndpeU der, Knoten, verknotete (Kuppel) u. s. w.; s. Kuppe; ND.: 
Schleife;s.knüppeln;GrimmV,1470. ^^r Knuppen, der Knoten, wovon: 

Knopf, Rnopp, 1. verächtlich f&r „ Knüppel == Knotenstock. 
Mensch; närrischer K., grober K.,Wn.; Knüppeldicke, sehr, stark, viel: hier 
2. Kneppe, Gneppchen haben, hängen die Nüsse k.; ich habe es k. 
viel Geld, PP.; wie Moos, Bims, satt f. gehörig überdrüssig; er hat es 
Kies; 3. „das mach Een^n weiss, der k. (oder faustdicke) hintern Ohren; 
geene Gneppe uffn Rocke hat**, i^^ ^*^s ^^^ ^' gesteckt (ihm ge- 
einem sehr Dummen. hörig die Wahrheit gesagt); es war 

Knöpfchen, wees Knöppchen, ver- ^' voll im Saale, wie gerappelte 
schieiert f. weiss Gott; ebenso weess voll; ich bin k. f. übersatt. 
Kohle. Knappelly, plump, kurz und dick, von 

Knopfloch, er hat was ins Knopf- Händen; vgl. knuffig, knollig, 
loch erekriegt, nämlich einenOrden; ^kurzmupplig. , , ^ , , ^ 

vgl. Bierzeichen, Hundezeichen, Knüppeln, knippeln, derb, fest knü- 
Piepvogel, Spuckfleck. P^en, knebeln; BsL; hat m verschied- 

Knoppplitte, die. Metallplatte eines nen Gegenden vielfache Formen; auf- 
Knopfes, knippeln, einen schwer lösbaren 

Knorpel, der, Branntwein; am Nord- (verknippelten) Knoten lösen; s. 
rhein: Knorfel; s. Wurzel, Gift, Knöpel; im Eg. ist der Knippel 
Schluck. der Knoten in emer Peitsche. 

Knörrchen, Kn^rriehen, das, eine Knüschen, bes. zerknus eben s. knet- 
ganze Menge, ein Haufen; „ä hübsches sehen; Grimm, Y, 1526. 
K. Brennholz, ä tüchtiges K. Aeppel;'' Knasperig, scharf gebacken, gebraten, 
von Knorren, als etwas Massiges; so dass es beim Kauen knistert (knnp- 
Grimm, V, 1486 unten. pert, in BsL: es chroset), wie Zwie- 

Knorz, (Mehrheit Knörzer) Knorzel, oack u. s. w.; Di.: kross, krosp; s. 
der, kurzes, im Boden stecken geblie- reesch; ND.: knuspern => knabbern, 
benes Stammende; von Knorren; Di. benagen u. s.w.; Grimm: knupperig 
u. dän.: Knast; das Feuerholz daraus u^ knusperig. _ 
ist knorzig, knorzelig (knorrig); Knutschen s. knetschen. 
Eg.: Knorz, Baumstumpf; Th.: Knorz, Knatzen wie knorzen. E., Oe.: knöt- 
Knuerz, Knuirz, knorriges Holz, ver- zen, immerfort zu Hause sitzen, 
krüppelter Ast od. Mensch; s. Grimm: Knnxen, 1. wie knorzen; 2. wie knu- 
Knorz. ckern, 1; auch: knuxen und druck- 



152 



Köchin — Kopfabschneider 



sen, nicht mit der Sprache heraus- 
gehen. 

KdehiD, allgemeiner Name einer Magd^ 
wenn sie auch vom Kochen gar Nichts 
versteht, nur Kindermädchen oder 
dß\. ist; Verkleinerungswort dazu: 
fuchchen. 

Koehstfleke, Einen (od. Etwas) in K. 
hauen, kurz und klein schlagen, 
tödten; vgl. in die Pfanne hauen. 

Kodderig, mundfertig; bes.: eine k. 
Schnauze haben, loses, bösesMaul; 
Brl.; vgl. Dreckschleuder. In Da. 
^eisst k.: zerlumpt. 

Köfmieh, der, scherzw. f. Kaufmann. 

Kohl, der, 1. lange Umschweife, Ab- 
schweifungen, Weitschwei%keiten im 
Reden; viel Aufheben um Etwas; wie 
Merretti^; wer zu kohlen liebt, 
ist ein Kohler oder Kohlfritze; 
Hebräisch: kol = Stimme, Gerücht; 
s. gären; 2. „Das ist ein K.**, eine 
Aufschneiderei, lügenhaftes Ge- 
schwätz; R.; in Pl heisst Kohl: 
Spass, im Rw. lügenhafte Erzählung, 
blauer Dunst. 

Kohle s. Knöpfchen. 

Kohlengieke s. Gieke. 

Kohlrflben (eine Art Kohlrabi); „er 
versteht keene K.*S hat langsame 
Auffassung, keinen Sinn für Anspie- 
lungen, ist überhaupt schwer von Be- 
griffen; Brl.; s. Verstehstemich. 

Kolas:, der, Schmeichler, Liebesdiener; 
xoXa^; davon: ko laxen, schmeicheln, 
schmarotzen. 

KökOD, 1. geräuschvoll husten, sich 
räuspern; 2. speien; s. kotzen, was 
stärKer ist. 

Kolbe, die, Kopf; bes. in der Redens- 
art „Einem die K. lausen*' 1. den Kopf 
waschen, ausschelten; 2. Geld ab- 
nehmen im Spiel u. s. w.; s. Grimm, 
V, 1608. 

Holbig s. kulbig. 

Koleer, Kolär, s. Kulleer. 

Kollern ist vornehm für kullern, rol- 
len wie eine Kugel; PP.; daher eine 
Kullerkaule, von Kaule, s. d. 
(oder blos: die Kuller) Kullerrad; 
verkullern — fortrollen und ver- 
loren gehen. 

KoUett, 1. Einem beim K. fassen, 
ihn packen; s. kalleeschleppen; 
2. „Einem aufs K. steigen" wie: 
„aufs Dach stei|^en;'' von collet; 
PP.: Einem das Kaleet ausdämmem. 

Komiseh, 1. „sei nur nicht so ko- 
misch'S so sonderbar, wunderlich; 
s. artlich; 2.„er kommt mir heute 



recht komisch vor** er hat etwas 
Ungewöhnliches, Eigenthümlicbes in 
seinem Benehmen, was aber durchaus 
nicht komisch, pos sirlich zu sein 
braucht, vielmehr auf ernste Krank- 
heit u. 8. w. bezogen werden kann. 

KommoD : — Die Konjugation s. Gramm. 
§ 213; 1. das Partizip bei kommen 
(wie : er kommt gegangen) wird nicht 
nur von Zeitwörtern der Bewegung 
gebraucht: „er kommt gesungen, ge- 
gessen, gekaut" für singend u. s. w. ; 
„sie kamen geführt" =» einander 
führend; 2. du kommst mir schon 
wieder in mei Dorf (nachButter- 
milch), du wirst mich schon wieder 
einmal brauchen, dann werde ich mich 
rächen; 3. du kommst mir schon 
noch, beim Kartenspiel: du wirst 
meine Farbe schon noch spielen; 4. 
er kommt immer so (mit entspre- 
chender Geberde begleitet), er macht's 
immer so; 5. „da kam er", da sagte 
er; wie: „Er kam mir kurz, grob;" 
ebenso: il fit f. il dit. 

Komm^rseh, (lumm^rseh, der, lebhaf- 
ter Verkehr, bes. aber Lärm, den man 
gern mit fremdartigen Ausdrücken be- 
zeichnet; so Spektakel, Alarm, 
Krakehl, Skandal. 

Rommun, gemein, pöbelhaft, Studen- 
tenausdruck. 

Kompliment^ 1. „ein Kompliment 1**, 
rurt man Einem zu, der Etwas tölpisch 
thut; fragt er, „von wem?" so ist 
die Antwort: „von Herrn Unge- 
schickt, er kommt gleich selber;" 
2. Komplimente melden, einander 
mit höhnischen Reden traktiren; s. 
Redensarten, Malice. 

Kdnigstour, Billardspiel unter 3 Per- 
sonen; s. Quatretour. 

RÖDuen, „Die kann es' oder «Die 
kann was**, f. sie kann hexen; 
Bspr.; V. 

Kopf, 1. er hat e dicken Kopp, sitzt 
mit 'n dicken Koppe da, etwas Miss- 
Inngnes macht ihm Sorgen; 2. es 
will mir nich zu Koppe, in den 
Sinn; 3. auf das Verlangen „gib das 
her!'* erwidert man grob: „uffn Kopp* 
(nämlich: kannst du was kriegen); ^ 
Einem auf den K. spucken, ihn ver- 
ächtlich über die Achsel ansehen, bei- 
seite schieben. 

Koiifabsehneider, 1. war 1830—40 der 
allgemeine Name für Taschenspieler, 
weil sie u. A. eine Enthauptung vor- 
nahmen; 2. Wucherer, wie Halsab- 
schneider, Kravattenfabrikant. 



Kopfschuster — Kratzbürste 153 

Kopfsehaster ^ scherzweise f. Hut- Schriftdeutsch bei Freytag, Ebers 

macher; Brl.; Di.: Koppschoster. (Königstochter); kr akehlig, 1. von 

Kopfstflek, Schlag an den Kopf, wie Leuten, die Krakehl suchen; 2. gc- 

Dusel u. s. w. räuschvoll, von einer Strasse, Woh- 

Korakter, Kurakte r, f. Charakter. ^^^^ u. s. w. 

Korks f. Kork, bes. für Stöpsel; kork- Krakel, der, 1. ästiger, trockener Baum- 

sen, 1. stöpseln; 2. bildbch: schlecht stamm zur Aufhsäime der Krähen (s. 

arbeiten (wie m o rk s e n), auch schlecht Kräh) vor einer Krähenhütte ; selten. 

spielen, bes. Billard. 2. s. krakeln. 

Korn, das, 1. jede Sorte Getreide, KrSk^ln, schlecht, unleserlich schreiben; 

wie corn; vgl. Tanne; 2. allgemein die Züge heissen: Krakel, Krakel- 

f. Koggen; jedoch sagt man nicht beene (Krähenfüsse) oder Krikel- 

,,Kornbrot", sondern Roggenbrot; 3. krakel. 

der Korn ist Kornbranntwein. Kralle» pöbelhaftes Bild f. Hand und f. 

Koseher, „die Sache ist nicht recht Fuss, wie Knoche, Talpe u. s. w. 

koscher (auch: kauscher)'S scheint Krallen, stehlen, (in seine Krallen 

mir bedenklich, sie hat ein Aber U.S. w.; nehmen) s. kazen. 

vom Hebräischen; weit verbreitet. Rram, der. Alles zusammen, der ganze 

Kotzen, sneien, sich erbrechen; Pf., Plunder; „der ganze K. is nischt 

Schw., Oe., J.; im Simplicissimus; werth", die sämmtliche Habe, sein 

verstärkt: kotzen wie ein Kalber- ganzes Gerede u. s. w.; Ha., Schw. 

hund;auGhmit Wortspiel: Kotzebue Kramböl, der, f. Lärm, v. caramboler; 

rufen; ebenso m PP : an Kotzebue ßsl.: Grampol schlo, arg lärmen. 

schreiben; daher: es ist mir kotzerig Rramen, kramern, 1. in Kisten und 

(zu Muthe); s. koken, verkotzen, Kasten herumstöbern, sich aUerhand 

P^V*^*^' T ^^ 4*^'. ^®* ,?®° ^ zu schaffen machen; Brl, Schw.; 

husten, wofür es bei uns selten ge- 2, mitEinemkramen, heimlichen 

Krabbe, bildlich f. flinkes Kmd; Grimm, Kramer war nach der früherenGewerbe- 

,r vP!^*. , . , . ^..i. T^. n Verfassung in Leipzig ein DetaillisL 

Krabbeln, 1. kriechen, wie Käfer, Kmder; Kaufmann dagegen ein Grossist; 

Dl.; von Krabbe == Krehs, s. Ge- also Kramer nicht mit Krämer zu 

krabbel; 2. er krabbelt noch, verwechseln. 

lebt noch; er hat sich wieder auf- ir,«^^« j.^ ' j^^ tt«c.,x^« 

gekrabbelt, von der Krankheit er- K'amP«' .^^e, der Haspen. 

lolt; «.haspeln; 3. krauen, kitzeln ; ^^'*'»P^ L^ffL^'" Lt^''^^^^ *" 

Rtr.; daher bildlich: sich krabbeln uri^X^' ^Z \ K^JllT^.,^ mtl. 

sich gekrabbelt fühlen, sich ge- '^'J'"^^; ^^hd S SchÄ 

schme^helt fühlen, wk »das 7st dS^h'' uÄ^KrÄtu 

Kräehzen, kräcksen, heiser, schlecht ^^^"/'.^'".rvf /^f Ä^'^it^i''"' 

reden: auch stöhnen, ächien; Th. ^I^Tv.^"^ doch die K kriegtest« « 

kreekse; „er hat uns Vielerlei vorge- urlllfJVr!^''Y^^^^^^ 

krackst" ^unbeholfen vorgeschwatzt. '^'M®"' ^"^ Tww ^T^^v?« ^w 

Kracke, schlechtes Pferd, ^e Mähre, Än^SJ JSÄiT F^nT« 

bes. „eine alte Kracke"; Th., ND.;' fi^Ä^ÄÄ^f ^if '^^^ 

in D.: das Krack. ^P Cigarren Kranken, sie lüm 

Krab, die, f. Krähe; ahd. u. mhd.; abschnurren. 

Hildebrand gibt in seiner Vorlesung Kräpyelchen, das, em „Knusperiges, 

„UeberGrimms Wörterb.", S. 8* gegen knewriges" Schmalzgebäck zur Mess- 

30 ahd. u. mhd.Pormen dieses Wortes! zeit; Hl., Schi.: Krappel; Oe. Krapfen; 

s. auch Grimm, V, 1965. Sudt.: Krohe; „ NS. Eädergebacknes. 

ND.: Krei, Krachhe ; engl.: crow; s. Kräppiseh s. kreppen. 

Huppelkrah Kratz, der, eme kleine Kratzwunde; s» 

Krakehl, der, Lärm, Zank, wie Snek- Krell, Kritzel. 

takel, davon: krakehlen, Kra- Kratzbeeren f. Brombeeren, 

kehler. P., ND., Oe., Hb., Köln; — Kratzbürste, die, scharfer Beurtheiler, 

BsL: Gragöhl; in B., F., Pf.: grakählen „borstiger", ärgerlicher , reizbarer 

— Händel suchen; Sudt.: krakeln; Mensch, bes. ein Ideiner; PP.; Btr.: 

auch dän., schwed., holL: Krakel; kratzböstig. 



154 



Kratzen — Kriegen 



Kratzen, sich gekratzt fühlen, wie 
krabbeln, 3. 

Rrätzgart cn , G emüsegarten , selten ; 
Gekrätz, Gartengemüs» bes. aber 
Gemüs im freien Felde ; Grimm, V, 2080. 

Krause, die, Schaum auf dem Bier; s. 
Sahlleiste, Tresse, Mätzchen. 

Kraut, 1. der (das) macht das Kraut 
och noch nich fett", seine Bethei- 
ligung gibt nicht den Ausschlag, ge- 
nügt nicht; in Köln: den Kohl fett 
machen; 2. das müsste doch mit 
Kräutern zugeh]en, nicht mit 
rechten Dingen; wohl von Zauber- 
kräutem hergenommen. 

Krauter, der, 1 . Kerl, Mensch überhaupt ; 
2. Meister, im Munde der Arbeiter; 
im Bw. Spinnmeister; 3. alter Mann, 
geringschätzig gesagt; Bsl.; s. Grimm. 

Kräuterieh, das, Sammelname für das 
Kraut von Kartoffeln, Möhren u. s. w. ; 
Th., P.; — Schi. Krauterig. 

Krauthacke, 1. alte K., liebkosende 
Anrede, wie: altes Haus; 2. kleine 
Kr., scherzend f. einen kleinen Men- 
schen; s. Krutsch. 

Kravatteufabrikant wie Halsab- 
schneider, Kopfabschneider. 

Krawall, der, Lärm, Geräusch; davon: 
Krawaller, krawallen; s. Grimm. 

Krebsen wie klossen. 

Kreditläppchen, Halskragen, s. Bäff- 
chen. 

Krei'n f. kriegen, bekommen; Bspr. 

Kreisel, der, eine Art kleine Hänge- 
lampe, Hl.; in Th. Griesel. 

Krell, der, 1. das Krallen der Katze; 
„sie versetzte dem Hunde einen derben 
Kr."; 2. die Verletzung dadurch; mhd. 
kral, der Kratz; daher: krellen; zer- 
kr eilen; — die Katze hat ihm die 
Hände zerkrellt. 

Krempel, Krämpel, der, die ganze 
Habseligkeit, eine unangenehme Sache ; 
„da ist der ganze K; ein schöner K.; 
Brl.: ich habe den K. dicke (satt);" 
s. Briezel; in Köln Krämpel für 
Getös, mhd. grempler, Kleinhändler, 
Trödler s. Kram. 

KrepänffS, Krepanze, die Schwernoth 
(selten); von crepare; s. Krepp ee. 

Krepee machen, sterben, krepiren. 

Kreppen, kränken, ärsfem, „es grepnt 
mich;" auch: sich krepijen, wohl 
von Kropf, wenigstens heisst es im 
E.: kröpfen. — Dafür seltner: kreppi- 
ren; Btr.: krapiren; von crepare = 
creYBT*^ kreppisch, mürrisch, wider- 
Jmarig, übelnehmisch, b atzig, protzig 



u. 8. w.; V.: kräppsch; Th.: kruppsch, 
grüpsch. 
Kresenen, krieschen,_krietschen, 

1. f. kreischen; 2. kreschen, krö- 
schen, fettes Fleisch ausschmelzen, 
auslassen; au skr.; auch: in Butter 
braten; so:gekreschteSemmel;Hl. 

Kreuz, 1. „am Kreuze liegen" , in Noth 
ein ; 2. Kreuz in Zusammensetzungen 
zur Verstärkung wie Heiden, z. B. 
kreuzdumm (s. dumm), kreuzvemucht, 
kreuzfidel, kreuzverrückt, wie „kreuz- 
brav" im Hochdeutsch; so: Kreuz- 
millionenhimmeldonnerwettr noch 
emal! im Eg.: „a Milliunes Dunner- 
wettr, a romisch gaflochtnes Dunner- 
wettr." — Noch stärker: „er is drei 
Mal übers Kreuze dumm." 

Kreuzbruder hiess sonst der Ecken- 
steher, der neuzeitliche Pack trag er 
oder Dienstmann, von seinem 
Standort an der Kreuzung der Strassen ; 
in Brl. : Sonnenbruder; in Drsd.: Schieb- 
böcker (d. h. Schubkärrner). 

Kreuze, das, ist das Ende des Kückens; 
dagegen: „er schlug ein Kreuz." 

Kreuzkäfer; „laufen wie die Kreuz- 
käfer", wie eine Art Laufkäfer, die in 
Gesellschaft leben und bei Störungen 
nach allen Richtungen — kreuz und 
q[uer — aus und durcheinanderlaufen. 

Kribbeln, kriweln; 1. prickeln, jucken; 
der Bauch, eine Priese k. in der 
Nase; die Hand k. vor Kälte; man 
bekommt das K. unter die Nägel 
(bei starkem Frost), auch : es kribbelt 
mich = es juckt mich (die Haut); 
DL; bei Musäus: Kribbelkrankheit; 

2. Verstärkung v. kriechen (to creep), 
besond. in der Verbindung: es k r ibb e It 
undwibbelt Alles, z.B. von Spazier- 
gängern; wimmeln wie ein Ameisen- 
haufen; Di; PP., s. wibbeln, wie- 
beln, krabbeln. 

Krlehel, der, Schimpfwort, wie Nickel; 
selten; mhd. kriegel, störrisch. 

Kriegen, 1. steht vorzugsweise, fast 
ausschuesslich f. das vornehme: be- 
kommen; z. B. satt k., Besuch k., 
das Fieber k., einen Dieb k. (einfangen) ; 
ich kriege mein Buch gebunden (wie 
engl.: Iget my book bound); dukrichsts 
schon noch zu wissen, zu erfahren; 
m'r kriegn geholfen = es wird uns 

feholfen ; du werscht de Nase gebutzt 
r.; sogar: „ich krieg's uff'n Halse 
felassen!" — „er hat's erlangt ge- 
riegt von der Bolizei", Erlaubniss 
erhalten; Ramler: „Für Daphnen 
kriegt er den Lorbeer nur;" auch 



Kriegskasse — Kuh 



155 



mhd. krigen, bekommen; 2. es mit 
Etwas kriegen, stark an Etwas 
leiden, es eifrig betreiben n. s. w. ; 
„er kriegts mit aer^ngst", bekommt 
grosse Furcht; ,,nff emal kricht' er'sch 
mit dem Lofen", er begann gewaltig 
auszuschreiten; "derStadtratb kriecht's 
letzt mit den Bänken^S ^^ Isast plötz- 
lich viele neue Bänke an den Spazier- 
gängen setzen. 

Kriegskasse, „er bat die (grosse oder 
gleene) Griechsgasse", einen (grossen 
oder kleinen) Höcker; s. Ast; ND.: 
er hat einen grossen Hitzpickel auf 
dem Kücken ; von einer verwachsenen 
Pfarrerstochter: sie trägt ihres Vaters 
Kanzel mit herum. 

Krieschen, krietschen, wie: kre- 
scben; Hb., schw.: skrika, dän.: 
skriege = schreien; s. quitschen. 

Krikelkrakel s. krakeln. 

KrimmiDatstflckehen , sehr kleine 
Stückchen, wie: klinserklein; in K. 
schlagen, kurz und klein schlagen, 
zerschmettern. Oschatz: zermerscnen 
= morsch entzwei machen. 

Krisperig^ ziemlich wie knusperig, 
aber auch von Fett und dgl., bes. Gänse- 
fett, wenn es, in der Kälte kristallisirt, 
zwischen den Zähnen angenehm 
knirscht; Eg.: kreisprch =« kraus; 
mhd. krisp, krispel, kraus; krisper, 
kräuseln; s. grisslich. 

Kritzel, der, 1. leichter Riss, Eitz auf 
einer glatten Fläche, wie ihn z. B. 
Sand auf Politur, Glas, Elfenbein 
hervorbringt; verstärkt ist es „Kratz", 
s. d.; hochdeutsch: „kritzelig, 
kritzeln" u. s. w.; 2. ein dünner, un- 
leserlicher Schriftzu^ ; „er macht lauter 
Kritzel"; s. finselig, krakeln. 

Krfwätseh, der, Knirps, wie Krutsch. 

Kroliig. groll ig, herb, kratzig, widrig 
v<m Geschmack, bei manchen Speisen 
und Getränken; z. B. „wilde** Kar- 
toffeln, d. h. eine grobe Art, die 
zu Schweinefutter bestimmt sind, 
schmecken krollig. 

Krone, „seine K.**, verächtlich für seine 
Geliebte. 

Kröpel, 1. Krüpijel; wird man wegen 
zu warmer Kleidung verspottet, so 
erwidert man: „Besser im Winter e 
Pöpel, als im Sommer e Gröpel.** 
Hl. ; 2. missrathenes Obst, missgestaltes 
Gebäck, wie Huzel; davon: 

Kröpelei, ein winkliges Gebäude; 
schlechte Treppen, auch elende Arbeit; 
s. kröpeln. 

Kröpelfahre, die, schlecht, schief ge- 



ladenes Fuder; überhaupt etwas Miss- 
rathenes, z. B. eine schlecht auf- 
steigende Kakete. Hz. 

Kröpeln,krepeln,gräpeln,herumkr., • 
allerlei kleine Arbeit verrichten; sich 
so hinkr Opeln, sich mühselig hin- 
schleppen, sowohl in Bezug auf Geld, 
als Gesundheit; Schi.: gräpeln. 

Kröpelstuhl, Grossvaterstuhl. 

Kröte, 1. als Schimpfwort: kleiner, un- 
bedeutender, aber giftiger Mensch 
(auch Giftkröte); Ho.; auch als 
Wortspiel f. Grete, welches gleich 
lautet; 2. „e paar Kröten**, wenig 
an Geld u. s. w.; „er hat seine paar 
Kr. volgends untern Buden verläppert**, 
vielleicht vonGrote; Rtr.; beim Karten- 
spiel „e paar Kröten**, die wenigen 
Trümpfe, die Einer hat. 

Krttmelehen, das, für Krümchen; von 
krümeln. 

Kruinmbueklig (gehen, sitzen), mit 
gekrümmtem Rücken; wie katzen- 
bucklig. 

Krumm liegen, Noth leiden, in Schul- 
den stecken; s. knappdorren. 

KrumpelD. durch DrücKen zerknittern, 
wie knillen, knetschen; E., Pf., 
auch zusammenkr., zerkr. 

KrungseD, kmnkseD, ächzen, stöhnen; 
„K. ist die halbe Arbeit ; K. ist seine 
Hauptarbeit;*' Tb., Altmark; Bsl. 
grumse; Zeh. grochse; s. Grimm. 

Krutsch, der, Knirps , wie Kriwatsch; 
Oe.: Grietsch, Kritsch; könnte von 
mhd. krüt, Kraut, kommen; vgl. 
Krauthacke. 

Kuehehen s. Köchin. 

Kuchen! wie Dreckchen! 

Kttchendragoner, der, Küchenmagd, 
Köchin; auch Kaster olhusare. 

Kuddelmadennass wie fit seh en- 
madennass. 

Kuddelmuddel, das, Wirrwarr, Misch- 
masch, buntes Durcheinander; ND. 

1. Kuddelu, die, Kaidaunen ; mhd. kutel; 
Schi., Schw., Sz., H.; s. Kaiannen. 
In manchen Orten heisst der Schlacht- 
hof: Kuddelhof; vgl. auskuddeln; 
sich die Kuddeln voll fressen; s. 
Grimm: Kuttelfleck; kutteln bei 
Fischart, Pestalozzi, Schiller. 

2. Kuddeln, oberflächlich waschen (Zeug 
u. s. w.); auskuddeln. 

Kuftemädf. HoUunder; s. Flieder; Hl. 

Kugeln, sich, wälzen ; sich vor Freuden 
k., wie eckig, aus dem Häuschen. 

Kuh, 1. die K. mit dem Kalbe hei- 
raten. Eine ehelichen, die \s<Ä55jika. 
(^\oii cvoiem k?öÄÄ\^T^) ^«b^j^^Äs^^^i VsÄ^ 



156 



Kuhfist — Kuri 



sieht auf Familie bat; 2. „was nützt 
der Kuh Maskate [sie frisst ja 
Haberstroh]; Schw., PP.; s. Gurken- 
salat; 3. „er weiss soviel davon, 
wie die Kuh vom Sonntag"; PP.; 
8. Ochse; Schw.: was weisch die Kuh 
vom Sonntag*, man gibt ihr ja kein 
weiss Hemd; in Bsl.: Er verstoht 
so fill derfo as e Ohne fonnere Müsch- 
gSdnuss. 
Knhfist, Verdeutlichung aus Bovist, 
Bufist. 

Kuhfüss, Flinte; s. Schiessprügel. 

Kuhhäs'eheD, das. Kaninchen, wen es 
oft im Kuhstall lebt; Wn.: Kühnigel- 
has; s. Karnickel. 

Kuhhaut, ,,es geht auf keine K.", 
was er Alles erzählt, lügt, verspricht, 
schuldet u. s. w. PP.: dat öss nich 
op e Bolleleder zu schriewe. 

KünhorD, dummer Mensch, wie Horn- 
ochse. 

Kuhlhaftig, scherzweise f. kühl, 

RflhDasen s. Kienasen. 

Knhsehluek , unanständig grosser 
Schluck; vgl. Schusterpriese. 

Kuhsehwof, Mägdetanz; Th .; s. S c h w f. 

Rflhwe f. Kühe; s. Gramm. § 136. 

KnjeniroD , kunjeniren, ärgern, 
Schabernacken, von Kujon. Brl. 

Kujon, der, Hallunke, Schurke, Schelm ; 
in einem Spottliede auf Napoleon 
hiess es 1813: „Bonaparte, du Kujon, 
läufst von der Insel Elba davon"; 
vom franz. couillon, Memme, Dumm- 
kopf. 

Kulhig, ungeschickt, zu breit zugespitzt; 
wohl von Kolbe; „gulbige Nase"; 
Wuttke, Entsteh, d. Schrift, I. S. 610 
u. ö. schreibt: kulpig: s. Grimm: 
kulpicht. 

Kulke, die, f. Kolik; Bspr. 

Kniken, kulkern, kulksen, das Ge- 
räusch beim Einschenken aus einer 
Flasche, das Gluckgluck, le glougou; 
Hb.: ^olkern; dän.: Kulk «» Kehle, 
Schluck. Auch: „es kulkert mir im 
Magen", von dem Poltern in den 
Eingeweiden; in PP.: kurrein, kurdeln; 
s. Grimm: kolken, kulken; aktiv: 
„er kulxt drei Deppchen 'nunter". 

Knileer» die, auch K olle er (couleur), 
die Gesellschaft, der Anhang, Umgang 
Jemandes. „Den seine K. gefällt mir 
nicht; er geht mit einer schönen K. 
um; er kam mit seiner ganzen K.** 
s. Blase; ein Handwerker säet von 
einem andern: „das ist Kulleer", 
d, h, er ist meines Standea, 



Kullern, Kullerkaule, s. kollern. 

Hl., Hss., Th., Schi. 
Knistern, auch kilstern, 1. wie qual- 

stern; Eg., B.; 2. für husten; PP. 

kölstern; s. kotzen. 

Rumhafel, kumpawl, capabel, fähig. 

Kflmmel f. Kümmelbranntwein, wie der 
— Korn f. Komschnaps; kümmeln, 
trinken , saufen , schnapsen ; v e r - 
kümmeln, vertrinken u. s. w.; Hb. 
verkiemel. 

Ktlmmelapotheke, die, Kneipe; L.; 
auch Name einer kleinen Scheidce im 
Dorfe Eutritzsch bei Lpz. 

Kflmmelttlrke. Gimmelderke, scherz- 
hafter, gelinder Spottname, bes. für 
Leute, die bramaroasiren, sich auf- 
spielen wollen; „e Kerl, wie e K."! 

Rumpen, der, grosse Schüssel, Tasse 
u, s. w.; J., K.; s. Grimm: Kump. 

Kungs, der, Puff; davon: kunksen, 
kungsen; s. knuffen; Eg.; L.; 
Gramm. § 164. 

Runterh^r. von contraire, zuwider; „es 
geht mir neide awer och Alles k.", un- 

f lücklich; „0 kunträr in Gegen- 
eele", doppelt f. „im Gegentheil, 

dagegen". 
Rflppehen s. Kipp eben. 
Kuppe, die, Spitze eines Fingers, Nagels ; 

verwandt mit Koppel, Kopf, EAppe 

u. s. w.; s. Knuppe. 
Kuranzen, abkanzeln, ad coram nehmen. 

B., E., Pf., J., F., H., Hb., Oe., W.; 

in Schw. f. plagen; PP. karanzen, 

derb durchprügeln; s. Grimm. 

Ruräsehe, die, viel beliebter als Muth ; 
bes. bedeutet es Muth, Verwegenheit 
der Gefahr gegenüber, so eine Art 
von Hundemuth ; Holtei lässt einen 
Pfarrer daher sehr bezeichnend sagen : 
„Ich bin ein Sohn des Friedens, der 
braucht keine ^ Kurasche, der braucht 
nur^Muth." Ebenso: kuraschirt, 
kuraschös==muthig, tapfer; s. Herze. 

Rflreh, Gireh, das, dicker Mannsrock, bes. 
„mei altes Gireh ;^ wenig gebräuchlich; 
mhd. kürsen, Pelzrock, der Stamm zu 
Kürschner; poln. kireja; in Sbg.kirsen, 
Frauenpelz; s. Grimm: Küren. 

Rnrfflrst. 1. das ist ein Bagatell (eine 
Bagatelle) für einen K., das will für 
einen so reichen Mann nicht viel 
sagen; auch spöttisch; 2. s. Aue^e. 

Run, der, närrischer Kerl; sonderbarer 
Kauz, Ab.; Th. auch: närrscher 
Kuri; von küren, also Einer, der selt- 
sam, launisch wählt, jeder Grille 
folgt (holl. : kuur « Grille); s. Grimm, 



Eurschneider — Landpomeranze 



157 



y, 2802 Ende; davon: kurios, karr e- 

i'oB, korrjos, 1. sonderbar (Schi.: 
arrejos); 2. nen^erig nateinisch). 

Knrsehneider, derJSiner oieEnr macht, 
schneidet. 6rl. ; s. Süssholz- 
raspler. 

Karz, 1. das Fleisch ist recht k., 
mürb, nicht „langfadeni^:** dgg. die 
Butter ist k., bröcklich; 2. £urz 
gehen, kurze Kleider tragen, wie 
Mädchen bis zur Konfirmation, Mägde 
bei der Arbeit u. s. w.; 3. Einen kurz 
und lang heissen, ihm allen Schimpf 
und Schande anthun; Hb. 

Karzmapplich, kurz und dick; abge- 
stumpit, z. B. eine Nase, ein Finger; 
s. muppselig, knuppelig. 

Käsch, kusch! Lockruffür das Schwein; 
diesesheisst:Kuschschweinichen, 
Kuschchen (Kinderwort); in Aachen: 
Kusch. 

Kasehen, sich still verhalten; Schw., 
Schi., Rtr.; von coucher; „er muss 



kuschen", darf nicht mucken; auch 
„unterkuschen'S sich fugen; aU- 
gemein als Hundezuruf: „kusch dich!^^ 

Käsen, gemüthl. plaudern, auch über- 
haupt geschwätzig reden; in Ab.: 
eine Kusesuse f. Schwätzer u. 
Schwätzerin; von kosen. 

Katsehersehnaps , Kutsch er wein 
(letzterer auch abgekürzt : K u t s c h e r), 
geringe Sorten, wie sie in der „Kutscher- 
stube" gereicht werden. 

Katten, Arrest haben (von Schülern); 
davon das Küttchen, Kittchen, 
s. d.; ,4nimer zu Hause kutten*', 
nicht ausgehen; s. Hausunke, 
knurzen. 

Katz! kutz! ruft man Kinderchen zu, 
wenn ihnen der Husten Beschwerden 
macht, od. wenn sie sich verschluckt, 
verkutzt haben, wenn ihnen Etwas 
in die „unrechte Kehle'' gekommen 
ist; man klopft ihnen dabei sanft den 
Rücken; Wn. 



L. 



Labbe, Läwe, die, Mund; Brl.; ND. 
Lawei ; auch dieLabüsche (labouche); 
daher: labbern oder labern, auch 
schlabbern, schwatzen; E^.; viel- 
leicht auch läppern; s. noch läpp. 

Labet^ im Spiele: labet werden, 1. sein, 
verlieren; bildlich: matt, hinföllig, 
erschöpft; El.; B., Sbg.^ von la bßte; 
beim Stiele auch nur:T)et, s. d.; Rtr.: 
beet,beit. In: Spaziergang im Kuchen- 
garten, 1781; auch im Crambambuli- 
liede : Hat mich das Spiel labet gemacht. 

Laboratoriam, scherzhaft f. Abtritt; 
auch Laweratorich*n ausgesprochen; 
vgLOberhofgericht, Goldmühle, 
Drahtmühle, Bürgermeister. 

Lackiren, täuschen, betrügen; feiner 
als anschmieren; Brl. 

Lade, „er hat die Lade, geht mit 
der Lade", ist Schneider (s. d.) 
im Spiel. 

Laden, er hat geladen, schwer ge- 
laden, ist betrunken ; s.Gramm.§207. 

Ladestock, er hat einen Ladestock 
(oder eine Elle) verschluckt, hält 
sich zu steif; PP. 

Lädiren, verletzen ; Kinder sagen es von 
Schmetterlingen, Käfern u. s. w. ; Brl. 

Lage, schlechtweg =» gute Geschätta- 



lage; in neuen abgelegenen Stadt- 
theilen „is geene Lage", die dortigen 
Häuser „ham geene Lage;" s. Mess- 
lage. 

Lage, Läehe, die, f. Lake v. Gurken, 
Heringen u. s. w.; s. Gramm. § 78. 

Lahmeck, der, spöttisch, ein Lahmer; 
seltner: Hinko; scherzweise: er geht 
lahm un hinkt och. 

Lahn, etwas feucht, von der Wäsche, 
wie sie zum Rollen oder Plätten sein 
muss; s. noch lehn. 

Lamj^e, die, 1. Hut, bes. der frühere, 
dreieckige, s. Dreimaster; 2. Bett; 
„sich in d. L. hauen'', schlafen gehn; 
wird nach Jemand gefragt, der schon 
zu Bett ist, so heisst^s: „der liegt 
in der Lampe (und guckt zur DiUe 
raus);" s. Falle, Sose; 3. „Einen 
auf die Lampe giessen", trinken, 
bes. Branntwein. 

Landestraaer haben, schwarze, un- 
saubere Fingernägel! s. Hoftrauer, 
Waschfrau. 

Landkramer hiess zur Zeit des Innungs- 
zwanges ein Händler mit Ausschnitt- 
waaren, welcher nur an Markttagen 
in Lpzg. feilhalten durfte. 



158 



Lang — Laterne 



LfUkf f. entlang; ,,geh nnr immer lang 
(hin)", geh voraus, gerade aus; den 
Wald lang leeft de JBleisse (Pleisse, 
ein Flüsschen). 

L&ngde f. Länge, wie Dickde, Höchde; 
NB.; s. Gramm. § 157. 

Lange f. hinlänglich, immerhin noch, 
voUauf; „1 Thlr. ist 1. genug; du bist 

1. schöne; das ist lange gut"; auch 
gehäuft „das ist 1. hoch genug"; 
Schriftdtsch. : „nochlange nie h t(so)". 

Längelang, die, der ganzen Länge nach; 
„er fiel der Längelang hin, lag der 
Längelang da''; auch als Umstands- 
wort: „da hängt der Rock län^elank"; 
Ho.: lingelang. Bei Btr. ist hngelank 
= entlang. 

Langen, 1. Etwas 1., reichen, zugeben; 
Hl., ND.; b. Luther u. Wieland; daher 
Handlanger; engl. Dial.: „lang it me 
hither;" 2. für zulangen, ausreichen: 
es langt nicht; 3. Einem Eine 1., 
hineinl., eine Ohrfeige geben. 

Langeweile, 1. für die L., zum Zeit- 
vertreib; auch vergeblich, unentgelt- 
lich; „das ist für die L." (vergebens/; 
„für die L. kann ich es nicht thun" 
(umsonst); 2. die Ohrfeige war 
nicht für die L., stark; s. Eltern, 
Pappe, Stroh. 

Langsterrlieh, hoch aufgeschossen, wie 
eine „Latte, Bohnenstange; 
Hopfenstange'', von Menschen; 
eigentlich wie ein langer Sterl, s. 
sterlen. 

Langzerrig, sehr in die Länge gedehnt, 
gleichsam langgezerrt; „ene ale 1. 
Satze". 

Läpp, läppe, schlaff herabhängend, 
auch : s c h 1 a p p ; Hl. : le^jpe ; Kopfsalat 
wird läppe, wenn er einige Stunden 
im Essig gestanden; Balsaminen, wenn 
sie trocken stehen; ein Seidenhut, 
wenn er nass wird. Davon vielleicht: 
die Labbe, der Mund mit herunter- 
hängender Unterlippe, wie bei 
dummen Menschen. 

l«Lappen, der, 1. durch dieL. gehen, 
ausreissen, PP.; wie durchbrennen; 

2. Einen mit dem nassen Lappen 
'naushauen, schimpflich fortjagen; 

3. s. anlappen. 

S. Lappen, ztw., so trinken, wie Hunde 
u. dgl. es thun. Etwas auflecken ; Sz.; 
mhd. läppen, laffen, schlürfen; engl, 
to lap, schott. laip; s. läppern. 

Lappendietrich, Lappländer, abge- 
rissen an Kleidern. 

Läppern, 1. langsam trinken, etwa nach 
Art der Hunde; Eg., K, Pf., W., Th.; 



in PP.: löbbern, lübbem f. nippen; s. 
läppen; daher zusammenläppern, 
sicn nach und nach vermehren, Eg., 
L ä p p e r s c h u 1 d e n, eine Menge kleiner 
Schuldbeträge; verläppern, dasGreld 
unmerklich ausgeben; Sbg.: verlappen 
f. vernaschen ; 2. nach Etwas läppern, 
Appetit nach Etwas haben („du fängst 
schon an, die Lippen abzulecken"), sehn- 
lich verlangen; wie lungern; von 
Labbe oderLippe? P.: labbern; Rtr.: 
lickmünnen. 

Lappig wie lumpig (von Lappen); 
wer 2 Groschen gibt, wo man einen 
Thaler erwarten könnte, „macht sicli 
lappig, er ist ein lappiger Kerl" ; „eine 
lappige Geschichte", bei der es sich 
um eine Knauserei handelt; eine 
Lapperei = Lappalie; auch dän., 
schwed., hoU. 

Lapps, der, läppischer, alberner Mensch; 
8. läpp, Schlapps; Gramm. § 164. 

LappsacK, schlaffer, haltloser, unzuver- 
lässiger Mensch; s. läpp, Schlapp- 
sack. 

Läppsch, der, 1. läppischer Mensch; 
2. kindischer Scherz; L. machen, 
treiben; ein dummer L.; davon 
läppschen (Spaziergang im Kuchen- 
garten, 1781.) 

1. Lasche, die, 1. Grind, Schorf, bes. 
ein länglicher; 2. an Hausschuhen 
für Männer: eine kleine Verlängerung 
des oberen Vordertheils auf derSpanne. 

2. Lasehe, die, (früher) das Draufgeld 
bei Ooursunterschieden ; von: agio 
sammt dem Artikel 1'; Rtr.; ND.:Lage. 

Läse, die, hoher, bauchiger, irdener 
Krug mit Henkel und „Schneppe". Hl. 

Lassen, 1. mit dem Dativ, s. Gramm. 
§ 230; 2. „das lässt nicht«', es 
ziemt sich nicht, ebenso „es lässt ihr 
gut", steht ihr wohl an; DL: dat lett 
ehr; 3. „sich nicht 1. können", 
vor Unbehagen, Schmerz, Hitze ganz 
ausser sich („ganz anzwee") sein. 

Laster, auch altes Laster, Schimpf- 
wort f. Mensch, Kerl, Weib; N., 
Schw., Sz. ; unter Freunden auch lieb- 
kosend ! mhd. laster-balc, Schandbalg. 

Lästerlich, übertrieben arg ; „lästerliche 
Prügel"; s. lästern. 

Lästern, bes. zerlästern, durch muth- 
willige oder rohe Behandlung ver- 
derben, zerreissen u. s. w. 

Laterne, die, Haus mit allzuviel Fenstern, 
das sehr luftig^ ist; ein solches an der 
Ecke des Theaterplatzes ward im 
Volksmunde ausschliesslich die L. ge- 
nannt; s. Luftbude, Knallhütte. 



Laternenpfahl — Lauten 



159 



Laternenpfahl, mit demL. winken, 
allzu deutliche Winke geben; auch 
,,mit dem Zaunspfahle winken'^; 
ND.; in Schi, mit der Hulzaxt. 

1. Latsch, der, 1. schlechter Schuh, 
Pantoifel; Seh., R.;_Ew.: Lasche == 
Schuh; davon: Latschtaube, 
Trommeltaube, mit Latschen (Feder- 
büscheln) an den Füssen; wer einen 
latschigen (schleppenden) Gang hat, 
heisst : Lätschpeter, Latsch- 
taubert; „er ist auf Latschen", 
heruntergekommen, so dass er keinen 
anständigen Schuh mehr hat; lat- 
schen, schlürfend gehen, langsam: 
„da gimmt er gelatscht**, zögernd 
einher (wie „die Fliege in der Butter- 
milch**); V., Brl.; lätschbeenig, 
vom Gan^e; „geh du deinen 1. Gang*, 
oder, „deinen schiefbeenigtenLatscn**, 
trolle dich; s. Bärlatsch; — 2. 
(schlechter) Kaffe; auch: Kaffe- 
latsch; s. Latsch. 

S« Latsch, der, 1. schlechtes, dünnes, 
naattes Getränk; 2. Geschwätz; davon 
latschen, Gelätsch; Kaffelätsch, 
wieKlatsch; Lätschpeter, Schwätzer. 

1. Latsch (langes ä) geben, schiefgehen, 
verunglücken. Sudt.: lotschen; der 
Zeisig-Gesang wird gedeutet „ätsch, 
meinem Herrn seine Sache geht latsch I'^ 

3. Latsch, weichlich von Geschmack, 
auch: latschig, latschig; s. 
Latsch, 1; „es ist mir so latsch 
im Munde; Sz., Oe.: latschet; Schi., 
Pf.: latschig, latschig; davon: sich 
den Magen verlätscnen (ä kurz). 

Latte, eine, langer, dünner Mensch, wie 
Hopfenstange, Kletterstange; 
„er läuft mit der L.'*, dumm, wie 
ein Stier mit dem Bret vor dem feopfe 
(doch ist „bretsdumm** noch stär- 
ker); bes. auch von blinder Liebe. 

Latz, der, 1. Weste (Bspr.), bes. Brust- 
latz, L.; 2. Brusttucn der Weiber; s. 
noch: Hosenlatz. 

Laaberhfitten, (Bond.) nur Name der 
grünen Zelte, welche die Juden am 
Laubhüttenfeste errichten; da dies oft 
in die Michaelismesse fällt, so wurden 
in den Höfen grösserer Häuser L a u- 
weritten gebaut, bes. am „Juden- 
brühl**, dem Theil des Brühls zwi- 
schen Kitterstrasse und Hallscher 
Strasse. 

Lauern ist gebräuchlicher, sds warten; 
drückt zugleich das Langweülge, 



es 



Peinigende des Wartens aus; daher 
nannte ein Landmann, dem nach sie- 
ben Jahren vergeblichen Lauems end- 



lich doch wenigstens eine Tochter ge- 
boren wurde, diese Laura; „wir 
lauern jeden Augenblick auf ihn**, er- 
warten seine Ankunft jede Minute. 
«Warte eiumal'S halt inne (mit Gehen, 
Lesen u. s. w.), bis etwas Andres er- 
ledigt ist ; wir lauern auf Jemanden, 
den wir ungeduldig erwarten; gehen 
wir dann zusammen und er bleibt 
stehen, so warten wir, bis er nach- 
kommt; bleibt er allzulange, so war- 
ten wir nicht mehr. 

Laufen, sie lofen druff, ernähren 
sich davon (z. B. vom Wecnselreiten) ; 
8. reisen; er versteht druf zu 
lofen, kennt alle Schliche, versteht 
den „Rummel**. 

Laufgesch winde , die, wie schnelle 
Katharine; PP.: er hat den Ge- 
schwin dm achhurtig, auch: den Gräu- 
lichmachlos I 

Laune, die,l. Krankheit junger Hunde; 
2. wiederkehrender Anfall eines alten 
Krankheitszustandes; „er hat wieder 
einmal seine alte L.**, die Gicht 
z. B. hat ihn frisch gepackt; Y. 

Laus, 1. s. Bohne; 2. „die Laus läuft 
ihm über den Buckel**, über die 
Leber; 3. an dem Bocke haft't keene 
L., so abgeschabt ist er. 

Läuschchen^ „ein Läuschchen in 



fv 



den Ofen machen**, ein wenig ein- 
heizen; s. Huschchen, Schauer- 
chen. 

Lauschen, ein wenig schlafen, schlum- 
mern, bes. früh nach dem Erwachen ; 
Di.: luren. 

Lausejunge, Lausemädchen, Schimpf- 
wörter, bes. unter Kindern. 

Lauseknicker, Verstärkung von Kni- 
cker, Filz. 

Lausen^ 1. wie ausmästen, aus- 
flöhen, Wn.; 2. s. Kolbe;3. s. Affe. 

Lausepauker, wer Läuse hat, wie 
Lausbube; in Wn.: ein armseliger 
Kerl. 

Lauseschnssel, die, (s. Schussel) 
Hinterkopf abwärts vom Wirbel ; letz- 
teren nennt die kopfsäubernde Mutter 
den „Tanzboden;** in Sz.: Lause- 
grube, die Vertiefung im Hinterhaupt. 

Lansewenzel, Schimpfwort. 

Lauten f. läuten; „die Glocken lauten; 
es wird gelauten (Halle: gelitten);" 
der 1870r. Haushaltplan der Stadt 
Leipz. kennt auch einen „Lautege- 
hilfen**. Das Ein- und Auslauten, 
B. Messe, 4; davon: das Gelaute, die 
L a u t e r e i ; V. ; s. noch. z\lä«»\s^\s^^^- 



160 



Leben — Leier 



Leben, mit einander, d. h. in wilder 
Ehe. 

Leberenzehens Kind, so dumm, so 
lang wie L. K.; Rtr. 

LMer, das, (bäuerisch: Lädder) Haut; 
daher 1. „Einem aufs Leder 
knien'S ihm stark zusetzen, korami- 
ren; s. Bude; 2. Einem aufs Leder 
steigen, das Leder gerben, durch- 
prügeln; s. auch Letter. 

1. LMern, ungemüthlich , langweilig; 
».lederner Kerl, lederne Geschichte"; 
dgg. eine ledderne Schütze; s. 
Gramm. § 7. 

2. LMern, leddern, prügeln, bes. aus- 
ledern, durchl., losl.. zunächst mit 
einem Lederriemen; Schw.; dagegen: 
ein Buch zerledern, durch vielen 
Gebrauch zerreissen. 

Leefde, Leefder, die, Läufe, Beine des 
Hasen; Einheit: der Loft. 

Legen, „hinte hats ä geheerigen 
Schnee gelegt," es ist viel Schnee 
bei ruhieer Luft gefallen; war aber 
Wind dabei, so „hats ä derben Schnee 
geworfen, runtergeschmissen". 

Lende, die, freier, meist hügliger Platz 
bei Dörfern, zur Obstnutzung einge- 
richtet; z. B. die Eirschlehde; in SD. 
die Leite (mhd.: lite) = Bergabhang; 
Eg.: leit in Zusammensetzung = em 
(bewaldeter) Abhang, z. B. die Sum- 
merleit in Annaberg; die Morgenleithe 
und das Dorf Waschleithe bei Schwar- 
zenberg; bei Berneck in Fr. heissen 
verschiedene Höhen: Kirchleithe, 
Mühlleithe, Badleithe, Eisenleithe; in 
B.: Sommer- und Winterleithe. 

Lehmann, 1. „das sieht L.," das be- 
greift ein Dummer; 2. „L. ist brust- 
krank'*, wird gesagt, indem man 
nach dem Kopfe deutet, f. er ist al- 
bern; 3. „das kann L. sei Kut- 
scher", es ist so leicht, dass Jeder 
es thun kann, bes. beim Spiele, wenn 
Jemand eine „ochsige" Karte hat; s. 
Stünz; in PP.: Dat kann ook Danne- 
bargs Hans; 4. die alte Lehman- 
nen, irgend eine Frau; „es macht 
sich mit der alten L.", die Sache 
macht sich. 

Lehn an gehen, von einem Weg, der 
etwas steigt; Hl.; vgl: die Berglehne; 
iuND. heissen Lahnen kleine Dämme 
zum Verhindern der Wegschwemm ung 
des von der Flut herbeigeführten 
Sandes; s. noch lähn. 

Leib, „er weiss seinem Leibe keinen 

Ba th mehr**, er weiss sich nicht mehr 

2ra helfen; auch wo vom Leibe gar 



nicht die Rede ist; Leib steht hier 
für das Ich, wie in dem alten Verse 
„Herr, vergib die Missethat, die min 
Lip begangen hat;" ähnlich: meine 
Wenigkeit, meine Person, euer Gnaden, 
seine Majestät. Genau so steht in 
altfranz. Gedichten „mon corps" f. je ; 
engl. : myself = my seif, my very seif. 

Leicne, 1 . Leichenbegängniss, Leichen- 
zug, Begräbniss; ,,dort kommt eine 
grosse Leiche; es muss eine vornehme 
L. sein; eine armselige Leiche;" Wn.: 
Laichd; mhd.: lieh f. Begräbniss; eben- 
so Bsl.; ähnlich: da gimmt ene 
Hochz'g (= Hochzeitszug); 2. sinn- 
los Betrunkener, den Bausch aus- 
schlafend; „wir hatten viel Leichen 
beim Schmause;" die zur Aufnahme 
solcher Personen wohlmeinend und 
fürsichtig, auch nicht vergeblich ein- 
gerichteten, sägespängefütterten Ge- 
mächer beim Leipziger Turnfest 1863 
Messen daher Leicnenkammern. 

Leichenkutsche, Kutsche, in welcher 
vorn der Sarg eingestellt wird, dahin- 
ter sind Personensitze; dagegen ist 
der Leichenwagen (kostspieliger, 
vornehmer) ein niedrigeres Geföhrt, 
das nur den Sarg aufnimmt. Die für 
die Leidtragenden bestimmten, der 
Leiche folgenden Wagen heissen Nach- 
fahrekutschen. 

Leichenrede, die Bemerkungen, Erläu- 
terungen, Ausstellungen, welche unter 
Kartenspielen! nach Ende eines Spiels 
gemacht zu werden pflegen. 

Leiehenweg, der für die Leichenbestat- 
tung gewöhnliche Weg, meist an 
einer Kirche vorüber. 

Leiehenzettel, die wöchentliche Tod- 
tenliste; sie gab an, wer „in" jeder 
Strasse, „an" jedem Platz begraben 
worden! 

Leid, 1. bildet die Steigerung leider: 
„Sie duds leid, aber mir duds noch 
viel leider;" es is m'r umso leider, 
weil — u. s. w.; 2. du kannst mir 
leid thun, du jammerst mich. 

Leiden, er sieht wie das Leiden 
Christi, erbärmlich aussehen; s. 
Hungerleiden. 

Leidenamt == Leutenant. 

Leider, 1. in der Verbindung „leider 
wenig, leider schlimm" für „sehr 
wenig, so wenig, dass es mir leid 
thut;" 2. „leider Gottes" verstärkt 
für: leider! ist wohl aus „Leiden Got- 
tes" verdorben. 

Leier, die. Winde j Kurbel (wie am 
LeieikasteiiV, a.leieTn, 3. 



Leiermann — Lieb 



Leiermann, 1. „er freut sieb wie ein 
L.", recht sehr, herzlich; a. TSpferj 
SchneekSnigi 2. „verwegen wie 
ein L.", spanisch tod einem verzag- 
teo Bramarbaa; „nenn er anffingt, 
— hört er glei widdr off!" 

Leien, l. langaam drehen (eine Snr- 
bel n. s. w., b. Leier); das Gind leiert 
die Goffemihle; 2. mit der Winde anf- 
ziehen: „die Eisten, Ballen, wär'n 
nlTn Boden nuff geleiert;" daher; 
langsam fahren ; „der Bnamebmg 
leiert nur so;" 3. j^die Hähne lei- 
ern, es wird bald Regen setzen*, sie 
krähen wiederholt, gedehnt; 4. „dei 
Kleine loiert reont, er ist recht 
leirig", weineilioh, mürrisch. 

Leim, f. Tänsoliang (eine Leimrnthe); 
,anf den Leim gehen', sich tän- 
Bohen lassen; b. Zopf, hereinfallen; 
2. ,aDf dem Leime sitzen blei- 
ben", sich ani einer Verlegenheit 
nicht heransholfen können. 

Leimen, betrügen; s. Leim; engl.: to 
gum; Schi,: übra Gänsdreckl flihm; 
RI, ; ofi'n Gansdräck oder Katzendrack ; 
oarotter quelqu'un. 

Leimsleder, l.wernnentschiedenz^ert, 
langaam handelt; 2. wer kein (flück 
hat, „auf dem Leime sitzen bleibt". 

Leimti^el , Spottname des Tischlers 
(„Zwirn, Leim, Knieriemen", im „Lum- 
paoi Vagabnndna"). 



Gramm. § 27; — 2. „an der L. ge- 
traut werden", b. Schnb, 3. 

Leirig s. leiern. 

Lelt, er, f. liegt; Bspr., anch leet, 
läht; Sudt.; mhd. lln f. Itgen; 
Gramm. § 27. 

Lereiie, eineL. schiesBen oderhin- 
leTchen,'nnnter]., hineinl., faUen, 
bes. köpf aber. 

Lernen, 1. mit Weglasanng von als: 
-er lernt Glaser, Schneider", das 
Handwerk, a. § 241, 4; 2. „das (Frie- 
ren u. s.w.) lernt sich schon', man 
musB sich wohl daran gewöhnen; 
Schw.; 3. ea lernt regen, schneien, 
der Schlitten wird bald gehen lernen ; 
einem Kranken „lernt Alles wehthon", 
mit einem Genesenden „lernts hesser 
gehen;" bezeichnet den Anfang; 4. für 
lehren; so sind schon mhd. Mren nnd 
IBrnen oft gleich; — wer hat dir das 
gelernt? Der Meister lernt den Bar- 
schen ^ hat ihn in der Lehre; Silt., 
Sz.; Btr.: libren f. lehren n. lernen, 
und sich beleraen ^ sich nnterncU- 

Albrsebt, Leipi. Mundart. 



Letter, Ledder, die, f. Leiter; Di., Btr.; 
Lotterleute Bind Verfeitiger von 
Leitern, Baumpfählen u. b. w.; a, dgg. 

Letzt, Adv,, f. letzthin, neulich; „letzt 

war e Feir in dr BeiBfrasae;" Schw. 
Letzt, die, als Hauptwort: das Ende; 

in den adverbialen Verbindungen: anf 
die Letzt, zur Letzt, zu guter Letzt; 
Eg., Th., Btr.: in dr L., np de L.; 
HO erklärt sich: zu allerletzt; das 
Gegentheila.unterErat.Veroaleken, 
Orüiogr. Wörterb., S. 79, sagt: „die 
Letze ■» die den Scheidenden zum 
Abschied gegebene Ergetzlichkeit; da- 
her; zu guter Letze' (ähnlich: paar la 
bonne bonche, von dem bis zuletzt 
aufbewahrten Leokerbiasen). Als dieae 
Bedeutung aohwand, ward ea umge- 
wandelt; „za gater letzt:" in dieaem 
Sinne schreibt z. B. Tode in seiner 
„Dan. Gramm." 1792, noch „za guter 

Letzte, der; du hast den Letzten 
(nämlich Schlag), Neckerei von Kin- 
dern beim Abschiednehmen. 

Lente, schlechthin !. Dienstleute; da- 
von Lentestube, Dienerzimmer, Ge- 
aindestube. 

Llberat'sch f. liberal; Gramm, g 148,3. 

Lleiit, 1. Lichter ist die einzige Mehr- 
heit ven Licht; Lichte kennt man 
nicht; in B. steht auf Firmen: „Lich- 
terfabrikant ;" vgl. Elösser, n. s. 
Gramm, g 1S2, 5; 2. L, nennt man auch 
die lästigen Zuschauer um einen Spiel- 
tisch; 3. L. ziehen, schnitTeln, statt 
sich zu schneuzen ; wird ea gar zu 
arg, Bo sagt man: das Eind hat ein 
Licht (oder einen Seifensieder) 
an derNase; P.; in Ff.: ea hat Lich- 
ter feil; s. Nase; 4. „du stehst mir 
in d e r Lichte, geh aus der Lichte", 
wie: aus der Wege; das mbd. Subst. 
liebte, Tag, Helle, ist weibiioh. 

Lieb, ans Ehrfarcht vor die Namen bei^ 
lig gehaltener Dinge gesetzt: — die 
liebe Sonne, die lieben Feier- 
tage, die liebe Kirche; dann auch 
halb spöttisch , wo man einen kräf- 
tigen Tadel nicht geradezu auszu- 
sprechen wagt: das liebe Wetter 
hat Alles in Grund un Boden 'nein- 
geschlagen; das liebe Bischen Eb- 



\ ac^AecU» KÄÄXCÄ&'ua^**' 



vv 



162 



Liebe — Los 



ber Sonntag!*' ein verregneter n. s. w. ; 

8. noch: Gottesgabe, Gut. 
Liebe» „ans Liebe, du Luder (oder: 

du Hund)'', Zuruf, wenn man Einem 

einen Puff gibt u. dgl. 
Lieber gar s. gar; ae, 1. 
Liedern» lAdem s. ludern. 
Liefern, geliefert sein; 1. verloren; 

„wer sich Dem anvertraut, der ist 

geliefert;" BsL; 2. schwer betrunken; 

BsL 

Liese, als Gemeinname s. Gramm. 166 b. 

Limmeln s. lümmeln, 2; vgl. liedern 
und ludern. 

LinäTe s. Ninive. 

Linke! f. Lindenthal, Dorf; das Linkler 
Hölzchen; Baumgarten, Flora Lips. 

Linkstatsene, die, Jemand, der Imks 
ist; dann überhaupt far ungeschickt ; 
8. Tatsche. 

Lins'elieii, ein, ein Wenig; wie ein Bis- 
chen. 

Linsen, sehen; herlinsen, hergaffen; 
Bw. lensen, lunsen; Linzer, Augen. 

Lippe,Einen auf dieLippen nehmen, 
trinken, bes. Branntwein. 

Lithaner, der, Mensch von kleiner, kur- 
zer Gestalt, wie die Lithauer Pferde. 

Llwern s. geliwern. 

Lob, Zea^iss ; Mägde sagen z. B. „ich 
habe em schlechtes Lob bei meiner 
Madam gekriegt;" die Herrschaft 
geht nach dem Lobe, erkundigt 
sich bei dem früheren Herrn nach 
dem Verhalten eines Dienstboten. 

Locli, 1. Gesäss; ^ilt nicht für ganz 
„ordinär;" Hl.; Emem das Loch ver- 
sohlen, durchprügeln ; Pf. ; im Eg. : as 
Loch basuhln; s. Hummel; 2. sau- 
fen wie ein L., stark trinken; 3. 
Einem ein Loch in den Bauch 
reden, durch langes Geschwätz pei- 
nigen ; Schw. : „Einem ein Loch in den 
Kopf schwätzen;" 4. „er lässt sich 
eher e Loch ins Knie bohren" 
(ehe er das thut, einen Groschen her- 
gibt u. s. w.), es wird schwer halten, 
unmöglich sein; in Hb. ist Knieburer 
= Geizbalz; in Schw.: er lässt sich 
eher ein Loch ins Ohr stechen; s. 
verrecken; 5. er freut sich e 
Loch in Ermel, ist entzückt; PP.; 
6. er macht ein L. auf und das an- 
dere zu, macht neue Schulden zu 
Deckung der alten ; in Schw. Brücken 
machen- engl.: he borrows from Peter 
to pay Paul. 

Loebbeitel, der, XocAmeissel; jedenfalls 
von beissen, to bite, mhdr. bei^el. 



Stichel; also nicht Beatel; s. Stemm- 
beitel. 

Loeker maelien, eine Hypothek, ein 
Kapital, f. kündigen. 

Loden, die, lange, wirre Haare. Schi, 
Sudt.; — Eg.: Ludein. 

Lodern, loddern, herumlodern,, 
auch: herumludern, sich herum- 
treiben; davon lo ddrig, gemein, 
liederlich, verbummelt, verlottert, ein 
Lotterbube (Apostelgesch. 17, 18); 
P.; in ND. u. PP. ist lodderig = 
lose, nicht fest anschliessend, und von 
Personen schmutzig, nachlässig, wie 
unser schnudlig; holl. lodder, lod- 
derig, unzüchtig; s. Lottich. 

Löffel, 1. ,ich hab' es dicke, wie mit 
Löffeln gefressen", bin es sehr 
überdrüssig; 2. „du hast die Weisheit 
mit Löffeln gefressen (und die Dumm- 
heit mit Scheffeln gemessen)", sagt 
man zu „Neunmalklugen;" 3. f. Ohr; 
Einem Eins hinter die L. geben, 
ohrfeigen; 4. „er scheint die Löffel 
am Hintern zu haben", hört schwer; 
S.Baumwolle, Strümpfe, Dreck. 

Löffelgarde, Spitzname f. eine schlechte 
Truppe, Gesellschaft, deren Haupt- 
waffe der Löffel ist. 

Löffelliolz : es (das Kleid u. s. w.) hängt 
an ihm 'rum, wie Löffelholz am 
Galgen, es sitzt schlecht; Eg.: dar 
hangt dron, wie der Leffel om Galgen. 

Loligerber^ 1. reden, spielen wie 
ein L., schlecht; 2. er sitzt da, wie 
e betrübter L.; betrübt wie e L., 
niedergeschlagen. 

Loko, (recht) in Loko sein, sich Wohl- 
befinden, körperlich und finanziell; s. 
Damm, Platz, Strumpf, Zeug. 

Ldrb^rn, Schaf mist; s. Nor bei. 

Lork, der, „seinen Lork mit Einem 
haben", ihn foppen, zum besten haben; 
s. Schafmist, Schund, Zscho- 
cher. 

Lorke, die, schlechtes Getränk, bes. 
Kaffee; BsL, Bure; anderwärts ist 
Lorke = Tresterwein. 

Los, 1. was ist denn hier los? Was 
gibts, was ist vorgefallen? „Es ist 
weiter Nichts los", nichts Beson- 
dres hat sich ereignet; Bsl.; 2. „hier 
ist noch Etwas los", in diesem 
Wirthshaus ist noch Leben; BsL; mit 
bes. Betonung: „Na, hier ist was los", 
es ist eine Spielkneipe oder ein öffent- 
liches Haus; 3. „da ist Nichts los", 
das ist nicht der Fall; 4. „es ist 
nicht viel los mit ihm", es steht 
nicht bea. gui m\\. *iVasi mmQtx^\a<ihÄt 



Loschir — Lmnpensucber 



163 



Beziehung oder in Geldverhältnissen ; 

5. ,,er hat was los'S etwas Tüchtiges 

gelernt; Bsl. 
Losehir f. Logis; beliebter als: Woh- 

nnng; der Dativ davon heisst: dem 

Loschi, Loschi-ei Loschire; Mehrheit: 

die Loschis, Loschie, Loschire. 
Lose Gasehe, loses Maul haben, 

eine scharfe Zange; loses Geld, 

falsches. 

Loseisen, Etwas mühselig auswirken, 
herauspressen, wie Schulden, Dar- 
lehen; Jemanden loseisen, aus 
der Verlegenheit helfen. 

Losgehen mit Einem, ein Duell aus- 
fechten. 

Lotsen, zureichen, zulangen, herbei- 
schaffen; „die Eisten vom Wagen 1., 
einen Ballen die Treppe hinunter 1.;'* 
Musäus; s. batalljen. 

Lotte als Gattungsname, s. Gramm. 
§ 166 b. 

Lottieh, der, grosser Lümmel; s. S chlo t- 

tich und lodern. 
Loais, Begleiter, Schützer einer Dirne ; 

Brl.; s. Gramm. § 166b; in Wien: 

Stritzi; an apple-squire. 

Luder, 1. nicht nur Aas (stinken wie 
L.; pfui L.!), sondern auch das ge- 
sunde Fleisch am lebenden Körper, 
als gute Ernährung bezeichnend; wer 
durch Krankheit abgefallen ist, hat 
„gar gee L. nicht mehr uffn Leibe" ; 
2. Schimpfwort gegen Personen, 
Thiere und Sachen: „das Luder von 
einem Messer, Buche" u. s. w.; so sagt 
man in Bsl. Chaib (d. h. Aas); ver- 
stärkt auch: die Hundeludersch, 
Saul., Schweinel., Schindl., und 
— mit besonderer Schattirung — 
Mausel., Lügenl., Naschl., Sehn- 
st er 1. u. s. w.; daher in Zusammen- 
setzungen f. sehr schlecht, verwünscht: 
ludergrob, ludergemein, Luderwetter, 
die Luderfliegen; 3. Liebkosung, wie 
Aas in Brl., gutmüthig, hätschelnd 
(wie Thierchen) oder List, Schlau- 
heit, Geschick u. s. w. anerkennend; 
„Sie sind ja ein L. im Schiessen, Kegeln, 
Geigen u. s. w." «= Meister, ein Tau- 
sendsasa, ein Sapperloter; so auch: 
gutes L., Luderchen, Luderkerl; 
ebenso in N. — Goethe nennt die 
Emilia Galotti „ein kleines Luder- 
chen". Dann auch gleichgiltig für 
„Mensch, Person** überhaupt, wenn 
man von Befreundeten spricht; blei- 
ben z.B. die Stammgäste eines Abends 
aus, 80 sagt der einzelne Anwesende 



„na, beide is je gee L. da;" s. Katze; 
mhd. luoderaere, Weichling, Schlem- 
mer; 4. „es ist unter dem L.", 
unter der Kritik; s. Kanone. 

Laderbeen, das, liebkosend, rühmend, 
wie Luder, 3. 

Laderei treiben, Narrenspossen trei- 
ben; wie Alberei; Eg. 

Ladergrob, das, s. Grob. 

Ladermamsell, auch: ein Luder von 
einer Mamsell, ein tüchtiger Kerl, 
Schlaukopf u. s. w.; s. Luder, 3. 

Ladern, sehr liederlich leben (im Ge- 
danken hieran schreibt man auch gern 
lüderlich); mhd. luodern; zieimich 
wieloddern; liedern ist nicht ganz 
so schlimm; davon: Ludrian und 
Liedrian. 

Laderos infamias, schlechte Zigarren; 
8. Stinkadores, Stötteriko. 

Laftbade, ein zu leicht, zu luf^ und 
wacklig gebautes Haus; s. fnall- 
hütte, Laterne. 

LAfte, „das Spiel ist in (den) Lüften 
gewonnen, verloren", sehr leicht, 
sicher. 

Lfigen, eine, f. Lüge; in den Brem. 
Beiträgen; s. Gramm. § 181. 

Lfigenmaal f. Lü^er, Eg. 

1. Lahmig, der, Bummler, wie Lulei. 

3. Lahmig, trübe, wie Flusswasser bei 
Anschwellung; von Lehm, lehmig? 
Engl, gloom «= trübe; Hesek. 32, 2: 
du machst seine Ströme glum. 

Lakas s. Gramm. 166 b. 

Lakrezchen, der, verdickter, schwarzer 
Süssholzsaft, von liquiritia = glycyr.- 
rhiza. 

Lalei, der, Bummler, Kneipgenie; Brl.; 
davon: luleien, sich liederlich umher- 
treiben ; verluleien, Zeit, Geld todt- 
schlagen; am Hz. ist „Lulei" schlan- 
ker, grüner Jüngling. 

Lalleen, harnen; £inderwort; auchjul- 
lee (luUu) machen, vgl. bulleen. 

Lammein, 1. brennen, bes. von Feuers- 
brunst; „es hat wieder einmal gelüm- 
melt;" 2. herumlummeln , herumlun- 
gern, müssiggehen (von Lümmel?); 
ist schlimmer als: bummeln; HL; 
ebenso: limmeln. 

Lampän^ch^n, Lumpen, dann verächt- 
lich für Kleidungsstücke ; s. H o p p h e e. 

Lampe, die, neben der Lump, der 
Lumpe und der Lumpen, ein Fetzen 
Zeug; s. Lumpanichen u. Lumps. 

Lampensacher, Leute, welche aus dem 
Strassenkehricht Papier und andere 
noch zml '^«t^^tNiJa&TÄÄ \!>\sssj^ ^nsswkä- 



164 



Lurapine — Madam 



Lumpine, die, f. Lupine. 

Lamps, der, 1 . Lump, ehrloser Mensch ; 
2. liebkosend: Eerlchen; 3. Name des 
Schellensolo als des niedrigsten im 
Skat; s. Schelllümpchen. 

Langem nach Etwas, sich sehnen, wie 
läppern; Etr., auch janken;D.:len- 
gen; to long. Herumlungern, müs- 
siggehen, sich herumtreiben, um Et' 
was zu erschnappen; to lounge; s. 
lümmeln. 

Luribam, der, liederlicher Kerl, 
„Schwuchtler"; im Hz. == Schlin- 
gel; im Eg.: ein Musje Lorium. 



Lüseh, der, liederliches» unsauberes 
Frauenzimmer; davon luschig. Tb., 
Schw., Fr. 

Lusehe, die, Frauenzimmer, das nicht 
auf ihr Aeusseres hält; sie „geht 
luschig;" davon: verlüschen, durch 
Liederlichkeit verderben, verwahr- 
losen. 

Luss, Abkürzung f. Julius. 

Lutschen, saugen; Schi., £.; davon: 
Lutsch beutel, Kinderzulp; eine 
Lutsche, wer gern behaglich nippt, 
trinkt, bes. „BTaf felutsche"; vgl. 
nutschen, nulpen. 



M. 



Mache, die, 1. T^earbeitung, Form einer 
Sache = the make; Th.; 2. Fett, an 
Gemüse gethan; Hl.; L.: Mäxel; 3. 
„Einen in die M. nehmen, ihn in 
der M. haben", bereden, schlecht- 
machen; ebenso: in der Kloppe oder 
Zerre haben; PP.; s. nochMage. 

Machen, wohl das vielsinnigste aller 
Zeitwörter, wie franz. faire, engl, to 
make, lat. facere; transitiv: 1. schaf- 
fen, fertigen, besorgen, überhaupt 
Etwas zur Herstellung, Ausbesserung, 
Anordnung einer Sache thun; so auch 
schriftdeutech häufig: — Kaffee, Suppe, 
Eier, Salat, Braten machen ; zerrisseue 

• Kleider, zerbrochnes Geschirr wieder 
m.; die Stube machen, sie malen oder 
tapezieren, auch: sie reinigen, auf- 
räumen u. s. w.; die Haare machen; 
eine Decke auf den Tisch machen, aus- 
breiten, befestigen u. s. w.; Zucker, 
Holz m. f. klein machen (Holz- 
macher f. Holzhauer); den Teil, 
Faust, das Gretchen machen f. dar- 
stellen; so von den Kinderspielen: 
Haschens, Versteckens, Käubers m.; 
der Kranke kann Nichts m. (hat kei- 
nen Stuhl); bes. in Kindersprache (ins 
Bett m. u. s. w.); — Einen gehörig 
machen, ausschelten, auch zu Grunde 
richten; „nun bin ich gemacht", rui- 
nirt, bankerott u. s. w.; — intran- 
sitiv: 2. die Zeit verbringen, 
zögern : er macht zu lange ; er macht 
ewig, ehe er fortkommt; mache fix, 
dass du hinkommst f. beeile dich; nu 
maob aber, äasa du was machst f. geh 

endlich an deine Arbeit; er macht zu 



schnell f. übereilt sich; der macht 
nicht mehr lange, wird bald sterben ; 
3. als mildernder oder drängender Zu- 
satz beim Imperativ: „mache, er- 
zähle mir's; mache, halt still;" wie do, 
engl.; 4. gehen, laufen, bes. in 
Kinderspr.: ich machte in den Keller; 
er m. die Treppe 'nunter und zum 
Dinge 'naus; ich mache mich (setze) 
hieher, bei de junge Frau. In einer 
Zeitung der Sz. war zu lesen: „Er 
machte von der Badeanstalt um 6 Uhr 
ab" (schwamm). Dann steht machen 
allgemein f. reisen: wo machst'n de 
Feirdage hin ? heute m. wir nach Drä- 
sen, morgen m. wir wieder retour; 
ich bin Sie schon e bar mal hinge- 
macht; wenn macht'r'n (er denn) 
fort? Im übrigen Sachsen sagt man 
dafür werden: ich were morgen na 
Kamz (Chemnitz); dunnemals wurd 
ich gerade na Laibzeh ; s. noch gehen. 
Die Zusammensetzungen mit 
machen zieht man anderen Zeitwör- 
tern gleichen Sinnes vor, da letztere 
zu gewählt erscheinen; so: auf- und 
zum., an-, los-, ein-, voll-, ab-, 
mit-, ummachen (föllen); er- 
machen u. s. w.; s. § 180, 7. 

Macher y Leiter eines Unternehmens 
(faiseur); EL: Meder; mhd. macher, 
Schöpfer; engl, maker. 

Mächöni f. Mahagoni. 

Mädäbrich, der, Geschwätz. 

Madam, „meine Madam" heisst im 
Munde von Dienenden die Frau vom 
Hause (in B.: meine Frau); dafür 
steht auch elliptisch nur ^^meine**, 



Mädchenfist — Mann 



165 



z. B.: „Meine is beide uffn Balle;" s. 
Gramin. § 198 e. Madam ist bei Un- 
gebildeten aucb beliebter als Frau, 
Dame: „eine grosse M., die reiche M." 

31ädcheniist» der, s. Jungenfist; El.: 
Mäjenfie8ter;Schw.: MädlefüselerrSz. : 
Maidlifützli. 

Madera, Schnaps, bes. Nordhänser; s. 
Knorpel, Wurzel, Gift, Schluck, 
Wuppdich u. s. w. 

Madig,är^erlich, verdriesslich, unwirsch ; 
s. grätig, borstig. 

Mage, Make, die, Lust, Geneigtheit; 
„er hat keine Mage", mag nicht, s. 
Schneide. 

Mahlzeit! 1. Abkürzung für den Zuruf: 
Gesegnete Mahlzeit; 2. es wird sonst 
au^h „Mahlzt** ausgesprochen; Sudt.: 
Mohlzt; V.: Molscht; vgl. Hochz'g, 
Hemde; 3. da haben wir die proste 
Mahlzeit (von prosit), die Besche- 
rung, das ünglücK. 

Mährde, die, 1. Kaltschale von Bier, 
Milch u. s. w.; mhd. möräte, ra6rt, 
flüssige Speise von Wein und Brot; 
Schi.; Eg.: Mahrd, Mahrde; s. Gramm. 
§ 157; „er bat mir eine schöne Mährde 
eingerührt*', wie „eine Suppe einge- 
brockt*', mich in Verlegenheit ge- 
bracht, bes. durch Klatsch, Hetzerei 
u. s. w.; 2. Gewäsch, Kohl; mhd. 
maere, Kunde, Eede (davon Mähr- 
chen); eine Mährde machen, 
schwatzen, wie mähren. 

Mähren, ]. (v. mhd. mgrn, einweichen, 
umrühren, mischen) unter einan- 
der rühren, in Unordnung bringen, 
durchwühlen, z. B. Friere; im Gelde 
'rummähren; N., Hl., Th.; Sdt.: 
mahre; NS.: markein; anmähren, 
betasten : — die goldne Kette is blos 
blind von Anmährn; daher: Mährde, 
1. — 2. unklar, weitschweifig, ver- 
worren reden und dabei Alles unter 
einander mischen (wie 1); V., Ulm; 
mhd. maere, Kunde, Bericht; maeren, 
bekanntmachen; davon: Mährde, 2; 
Adj. mähr ig, von Personen, Erzählun- 
gen u. s. w.; Mährfritze, Mähr- 
michel, Mährpeter, Mährlise, 
Mährsuse (in Ab.: Kusesuse, von 
kosen, schwatzen). An mähren denkt 
man wohl auch, wenn man ein Ge- 
mähre „Meerrettig" nennt; s. d. 

Male, die, bedeutet nur junge Birken, 
die zu Pfingsten als schmuck der 
Wohnung aiSTgestellt werden, allen- 
falls auch ihre abgeschnittenen Zweige 
(Pfingstmaien)» nicht aber grüne 
Festzweige im Allgemein^; Oe.*. dei 



Maie, das Maien; mhd. meie. 3. Mos. 
23, 40. 

Maikäfer, 1. so nannte man die Theil- 
nehmer an der Revolution zu Dresden 
im Mai 1S49; 2. „er hat ä paar M. 
unter der Nase", die sehr klein 
gehaltenen Hälften des Schnurrbartes. 

Maikätzehen, 1 . sehr sanfter Mensch ; 
2. Zuruf von Kindern, wenn sie am 
ersten Mai Jemand angeführt haben, 
also wie ,, April-Narr" am ersten 
April; 3. die Blüthenkätzchen der 
Bäume. 

Mal f. einmal, wie in Versen; indess 
ist emäl gebräuchlicher. 

Mäläst, die, grosse Last, Beschwerde; 
wohl molestia u. Last verschmolzen; 
„mit den Gerle haw' ich m'r *ne 
richtge M. gemacht" = eine Ruthe 
aufgebunden; BsL: Maläste, Moläste. 

Malen, „ich will dir 'was m.; du kannst 
dir was m. lassen'*, ich thue es nicht; 
wie blasen, 1; husten; s. Männ- 
chen. 

Malheur s. Mal leer. 

Mallse, l.eineM., boshafter, malitiöser 
Mensch, bes. von Frauenzimmern ; vgL 
Massette; 2. „Mausen aufbrum- 
men", f. sagen; „sie pumpen ein- 
ander schöne M. auf den Nabel, od. 
auf den Bauch;** s. Komplimente, 
Redensarten. 

Malkern, malgern, malchern, auch 
maddern, f. martern, vielleicht ver- 
schmolzen aus martern und maltraiter; 
Mb. malkern, mattein; herummal- 
chern, Kinder, Yö^el, Hunde, Katzen 
u. dgl. plump liebkosen, drücken 
u. s. w.; Eg., L.; in PP.: morcheln, 
was an weigern erinnert. 

Malleer, das, (malheur) beliebter als: 
Unglück u. s. w.; verstärkt, komisch: 
Malleer de Gack! „'s is e wahres 
M. mit den Gerle" = er ist unver- 
besserlich (faul, trunksüchtig, töl- 
pisch u. s. w.); davon: malleericht, 
unglücklich, bes. beim Spiele; ,es 
malleert mir jedes Mal; es hat mir 
schon ofte malleert (oder gemalleert).** 

Mank machen» mengen, Verwirrung an- 
richten; „mang** = zwischen, ND., 
BrL; „Mank säen**, Wicken, Schoten 
u. 8. w. gemengt, zu Viehfutter; auch 
Wickfutter genannt; mhd. gemanc, 
Gemenge. 

Mann, „junger Mann,** seit einigen 
Jahren f. Kommis, bes. im Munde des 
Prinzipals; die Kommis selbst nann- 
ten sich et^ra. U^ \.^^<S ^^'SW^^'^^^'%«- 



166 



Männchen -* Massiv 



diener**, nachher „Handlunffsge- 
hilfen", welches jetzt die Markthel- 
fer beanspruchen, während der,j unge 
Mann" und der Lehrling nur noch 
als ,,Kaufmann'^ kurzweg zeichnen. 

Mftnncheii, 1. Männchen machen, 
Bedenklichkeiten erheben; Pf., ge- 
wöhnlicher: Mätzchen machen; s. 
Mäuse machen; 2. ,,und wenn du 
mir Männchen malst", thu, was du 
willst, bitte noch so sehr (es geschieht 
unter keiner Bedingung). 

Mannsen, das, 1. Mann, Th., Eg.; in 
den Sdt.: a Mannyulk; 2. kollektiv: 
die Männer; „das Mannsen ist vorne- 
weg gefahren, das 'Weibsen kommt 
nach;** verkürzt aus mhd. (in) mannes 
namen == männlichen Geschlechts; 
Sbg.: Mannsnum und Mauzen ^Mann- 
sen; aach Mannsbild (N.), s. Bild; 
in Hb. : die Männerleut. 

Mannsstrumpf, der, missverständlich 
f. Monstrum (legt Holtei seiner 
Pflegemutter in den Mund). 

Mansch, der, Mantsch, Gemenge, bes. 
von Flüssigkeiten, auch Eonfasion; 
manschen, mit den Händen im 
Wasser herumplätschern; ver mant- 
sch en, es verschütten u. s. w.; ND., 
BrL, Th., Eg., Schi.; verwandt mit 
Matsch; gemantschtes Bier, ver- 
fälschtes; im Eg.: Mantsch «» Stras- 
senkoth. 

Manschettenärmel s. Erbsen. 

Manschetten haben, Furcht haben; 
wie More, Damnf. 

Mantillenstengel, der, Spitzname eines 
Mädchens, das in Modegeschäften zum 
Anprobiren der Mäntel, Mantillen, 
Schals dient. 

Marbel, der, klarer Abfall, z. B. beim 
Zuckerschlagen; wohl von märbe d. h. 
mürbe; s. Matsch, 1; „das Pflaster 
merbelt sich ab**, durch Gehen, 
Fahren u. s. w.; „zermermeln", bei 
Schandau, f. verwittern ; ein Fels bei 
Hernskretschen : der Mermelstein; in 
Oschatz: zermerschen (von morsch) f. 
zertrümmern. 

Mareht f. Markt; „sie geht uffnM., 
aber nich in de Ecken'*, von einer 
Scheuerfrau, welche den Schmutz in 
den Winkeln liegen lässt. 

Marehtkorb, der Korb, in welchem 
Hausfrauen, Mägde u. s. w. die Markt- 
einkäufe heimtragen ; es ist ein mittel- 
f rosser „Henkelkor b", ganz verschie- 
en von Tragkorb und Hebekorb. 

Marehttaf a. aus b er, 5. 
^iard, Mart, das, Bspr., f, der Marder; 



Th.; schwd.: Mard, dän.: Maar; da- 
von: m ardig, von Menschen, bissig 
wie ein Marder. 

Märjäne f. Marianne; s. Hopp und 
Gramm. § 166 b. 

Marks, der und das, f. das Mark; 
„Rinds mar ks;** „er hat (richtiges) 
M. in Knochen'*, ist kräftig. Gramm. 
§ 164. 

Marode, ermattet, abgespannt; Pf., Wn., 
auch dänisch; — „ich bin müde, matt 
und marode**, auch mit dem Beisatz: 
„faul und kommode**. Das franz. ma- 
raud leitet Diez von male ruptus ab, 
Mahn von moratus; portug. maroto, 
liederlicher Herumtreiber; span. mal- 
roto, liederlich, zerlumpt. Im Sim- 

?licissimus, I, 4, 13 wird es auf die 
'ruppe des Herrn von Merode zurück- 
geführt; — Ztw. marodiren (span. 
marodear) u. der Marodeur sind all- 
gemein gebräuchlich. 

Marotte, die, ein absonderliches 
Steckenpferd, mit hartnäckiger Lieb- 
haberei gepflegt, die an eine fixe Idee 
frenzt; Schriftdeutsch. 
rten, Merten, als Gattungsname, s. 
Gramm. § 166 b. 

Märtenshörnchen (Märten-zemchen ge- 
sprochen), Martinshömchen, ein huf- 
eisenförmiges Gebäck, das man um 
Martini Kindern gab ; durch die neu- 
modischen „Eeformationsbrodchen" 
verdrängt. 

Marterehrist, spöttisch f. Materialist, 
Dütchenkrämer, wegen seiner langen 
Tagearbeit. 

Mä-sehäfchen, Schaf; wie Blähschaf, 
Motschekuh, Kuschschwein, 
Hulegans u. s. w.; § 168, 1. 

Maschine, „eine rechte (ferchterliche) 
M.**, eine sehr starke, dicke Person. 

Maschkope, die, schlechte Kopfbedeck- 
ung f. Frauen; selten. 

Mässeller, die, f. Massholder; mhd. ma^- 
al-ter = Feldahom, Acer campestre. 

Massern, kneifen, „räsonniren**, albern 
schwatzen; wie „quasseln**. 

Massette, die, oder: eine massetti^e 
Person, ist malitiös, aber ohne Fein- 
heit, sie spricht mit unverhehlter, 
beissender Niederträchtigkeit u. Ge- 
meinheit. 

Massig bildet beliebige Zusammenset- 
zungen mit Hauptwörtern meist in 
übelem Sinne: beiden massig , hunde- 
mässig, teufelsmässig, ludermässig 
u. s. w.; Eg. 

Massiv, von Personen: derb, rücksichts- 
los, gio\)', Wt\. 



Mäste — Maus 



167 



Mäste s. Meste. 

Matador, männlich u. weiblich, der 
höchste Trumpf beim Kartenspiel; 
,,ich hatte nur eine M,**; manchmal 
nennt man die Matadore auch Men- 
scher. 

Mat^Dg, der, eine Art Mantel. Etr.: 
Manteng, vielleicht vom franz. man- 
teau. 

Materie, die, Eiter; E., B., J., Oe., Pf. 
u. s. w.; the matter. 

Mäthes als Gattungsname s. Gramm. 
§ 166 b u. Matthäus. 

Matsch^ der, 1. Gemisch, Wirrwarr, wie 
Manisch; der Abfall von Brennholz, 
Kohlen u. s. w., auch Gemätschel 
(H. Heine, bildl.); s. Marbel; 2. 
Strassenkoth; „Matschwetter^, 
Eegen, Schnee, Thauwetter; Brl.; Th.; 
bildl.: verwirrte Erzählung: ,,er macht 
e schönen M.", mengt Alles unter ein- 
ander; eine verwickelte, widrige An- 
gelegenheit: „da* bin ich in e guten 
M. ^erathen;^' 3. Kunstausdruck bei 
Kartenspiel und Kegeln ; etwa == glän- 
zender Sieg des Emen und schimpf- 
liche Niederlage des Anderen ; daher: 
Einen matsch machen, matsch 
werden, Wn.; engl, a match =» Ge- 
schäft, Partie u. s. w.; s. Schneider. 

Mätseheln (ä kurz), Etwas langsam 
durchschneiden, durchsäbeln, das 
Widerstand leistet, wie nasses Holz, 
der Hals eines Thieres oder Menschen ; 
verwandt mit metzeln; s. Matsch, 1. 

Matte f. Motte; Gramm. § 31. 

Mattem f. martern, s. malkern. 

Matthäus, sprichwörtlich: „es istMat- 
the an Letzten mit ihm'% (im letzten 
Kapitel des Evangelisten) = es geht 
aui die Neige, er ist dem Tode nahe 
u. s. w.; Hb.; vgl. Barthelmee, 
Mathes. 

Matthias, Maddeis; der Matthiastag 
(24. FebrO gilt als Witterungswende- 
punkt; „Maddeis bricht's Eis; find er 
keens, so macht er eens*^ 

Mattig, matt'ch, Verstärkung von matt; 
Bspr. 

Matz, 1. kleiner Mensch, bes. in Zstzgn. 
wie: Schlawermatz f. Schwätzer, Stot- 
termatz. Hemdenmatz, in Chemnitz: 
Hemdenflittch (vgl. Flittich) f. ein 
Kind, das nur mit dem Hemd beklei- 
det ist; so in Th., bes. Saumatz f. 
Schmutzbartel; 2. „ich will Matz 
heessen, wenn's nich so is^S Be- 
theurung; Matz, Hans Matz 

glathes, Matthias) diente frühem 
ichtern oft als Name, wie Veiten, 



Hans, Michel, dann bes. für einen al- 
bernen Bauer, wie TöflFel, Hammichel 
u. s. w.; Gramm. § 166 b; daher: „es 
war nischt mit Matzen*', idle Be- 
mühungen waren vergeblich; 3. ein 
kleiner Vogel; s. Mätzchen, bes. 
Starmatz, Piepematz; Brl., Hz.; 
4. Quark, auch: Quarchmatz; V.: 
Steif matz; davon: ene Matzbemme, 
Matzkuchen, in Bspr. 

Mätzehen, 1. Vögelchen, s. Matz, 3; 
2. das Kind hat M., Ungeziefer; 3. M. 
machen, sich bäumen, von Pferden; 
bildlich: Schwierigkeiten erheben, wie 
Mäuse macheUj Männchen 
machen, auf die Hinterbeine tre- 
ten; s. noch Kauermätzchen. 

Maaerblfimehen^ die (längs der Wand) 
beim Tanze sitzen bleibenden Damen; 
s. Bank, schimmeln, Petersilie. 

Mauke, die, 1. altes, oft wiederkehren- 
des Uebel (eigentlich eine Pferde- 
krankheit); „er nat seine Mauke "*, wie: 
Laune; 2. üble Laune; in Ulm: mick- 
mauken f. murren. 

Maul, 1. viel gebräuchlicher als Mund, 
ebenso in Sz.; z. B.: das Maul in 
Alles hineinhängen, es über Alles 
aufreisseu; aufsperren; ihm das M. 
verbieten «= schweigen heissen; Ei- 
nem nach dem Maule reden ; der Wein 
zieht Einem das Maul bis hinter die 
Ohren! s. Labbe, Schnute, Bachen, 
Fresse u. s. w.; 2. „Einem das 
Maul aufsperren", einleitende Er- 
öffnungen machen, die hernach zu 
Nichts führen; ihm im Allgemeinen 
von einer Sache reden ; .hätte ich ge- 
wusst, dass ich beide selber Geld 
kriege, da hätt ich der Tante nicht 
erst 's Maul uffgesperrf* d. h. um 
Vorschuss angegangen; 3. „Einem das 
Maul vergönnen'S um Etwas an- 
gehen, bitten, wo es weiter Nichts 
bedarf, als das Verlangen auszuspre- 
chen; 4. „sich das M. verbrennen^ 
sich durch unberufene Einmischung 
Unannehmlichkeiten zuziehen ; ähnlich : 
sich die Finger verbrennen; 5. Einem 
übers M. fahren, grob, unverschämt 
erwidern; 6. sich das Maul bis hin- 
ter die Ohren reden, erfolglos viel 
sagen. 

Maus, 1. „keine M. war da**, gar Nie- 
mand; vgl. „mit Mann und Maus;*" 
s. Katze; 2.aussehn, wie ene gebädte 
Maus, sehr durchnässt; wie: begos- 
sener Hund, Pudel; 3. Mäuse 
machen, Schwierigkeiten erheben ; 
4. Mäw.^^ %^\i•7^Vc^'L^X!k.^^K^!3c^»sa^:»s|^ 



168 



Mauschelle — Meiern 



Dinge vornehmen; Hl.; 5. ,,da b eis st 
die Maus keinen Faden'', das steht 
unabänderlich fest ; Schw., Bl. ; 6. „er 
hat zu thun, wie die Maua in'n 
Sechswoch en", thut sehr geschäftig ; 
im V. sagjt man: er hat zu thun, wie 
der Leipziger Stadtrath, im Eg.: wie 
der Leipziger Todtengräber; in PP.: 
er hat von sieben Gänsen Wurst zu 
machen. 

Mauschelie f. Maulschelle; davon: 
mauschelliren. 

Mausedieb, Maasehaken s. mausen. 

Mäusegedärm, eine Pflanze, alsine me- 
dia; Hss. 

Mausen, das gebräuchlichste Wort f. 
stehlen; Bsl.; daher: Mausedieb, 
Mausekatze, Mausehaken (vgl. 
Fresshaken); s. kazen. Der guten 
Stadt Zwenkau unweit Lpz. hat man 
den Spitznamen Mausezwenke ge- 
geben; warum? Vgl. Pantoffel- 
freetsch. — „Er sieht (aus), als 
önnt' er's Mausen nich lassen", 
spitzbübisch. 

Häusern, bildlich: sich herausmau- 
st er n, in Folge guten Verdienstes 
u. s. w. sich besser nähren, kleiden, 
ansehnlicher auftreten. 

üausetodt, auch mausedreckeltodt, 
ganz todt; Eg.; engl, stone-dead, wie: 
steintodt bei Gryphius; das Maus soll 
von mors, Tod, kommen, mhd. mort 
sa=Tod; holl. gibt es mors-dood; vgl. 
mordsakriren. 

Mausiff, nur in der Redensart: „sich m. 
m a ch e n'', anspruchsvoll auftreten ; 
etwa: sich herausputzen, wie Vögel 
nach der Mauser? — s. Fleck. E., 
B., Oe., Schw., Pf. u. s. w. 

üautehe^ Maudje, Mauzche, 
Maukehe, Mauschke, Mauke, 
M uz che, die, ein Versteck ^auf dem 
Heuboden, im Stalle u. dgl., wo Kin- 
der ihre geheimen Schätze an Obst 
verwahren , bes. um es reif oder teig 
werden zu lassen; in L. Tegenest; 
SD.: der Mutäch, Mutich, Mutis, 
heimlicher Schatz, Vorrath. 

Mftxe, liebkosend f. Max. 

Mee, auch mech, Bauerflickwort wie 
„halter, man, fei;" es deutet an, dass 
man sich auf die Aussage eines Drit- 
ten beruft; z. B. „du bist mee dort 
fewesen, er ist mech todt" (dicitur); 
ommt jedoch wohl vonmeen ich = 
meine ich; s. gleewen. 

Meerlinsen, Merrlinsen, Teiehlinsen, 
LemnB minor; Hl. 
Meerrettig a. Merrettig, 



Meeseldräthig, meesteldräthig, sehr 
ärgerlich, unwirsch; Ab., Eg., Brl.: 
mösseldrähtig ; aus der Weberei ent- 
lehnt, eigentlich : schlecht gesponnen, 
geringelt. 

Meff, „er sagte nicht meff*S keinen 
Mux, keinen Laut; il ne soufTla mot. 

MehU'ässehen , eine Art Weissdom 
(Crataegus oxyacantha) und dessen 
Früchte. Hl.; in Schi. Mehldorn. 

Mehlhorn, ein wegen seiner Weisheit 
sprichwörtlich gewordener Mann: „das 
ist ein ander Korn, sagte Mehlhorn, 
und Mehlhorn war ein gescheiter Kerl, 
der konnte ein GerstenKorn von einem 
Mausedreck unterscheiden". 

Mehlthan, Miehithan, Krankheit von 
Getreide und andern Pflanzen in Folge 
eines mehlartigen Pilzes (Erysiphe), 
den man vielleicht f. Milben hielt, 
da er diesen zur Nahrung dient; vgl. 
m i e h 1 i g. Vernaleken, Orthograph. 
Wörterbuch, Seite 86: der Melthau 
(e kurz), statt Milthau. Mel ist von 
„das Mehl" ganz verschieden, es ist 
das mhd. miltou, dessen erste Silbe 
noch nicht aufgeklärt ist." In Megen- 
berg's Buch der Natur, 1350, steht 
miltaw, und er erklärt: e? ist geheimen 
von milwen; s. Gramm. § 21. 

Mehr, „es schmeckt nach mehr", es 
mundet; genau so engl. : it tastes mor- 
ish. 

Mehrstens, auch merrschtns; mhd. 
merste; mestens, mestens, das 
mehrste, ist beliebter als meistens 
u. s. w.; davon: merrschtendeels 
f. meisten theils, meistens; man sagt 
auch: meestlich f. meist; „bei uns 
machen se's merschtendels alle 
so", fast alle. 

Meier, 1. Maurer; Hl.; Sdt: Moir; s. 
scharwerchen u. Putzmeier; da- 
her: meiern f. mauern; 2. der ent- 
setzlioh häufige Name Meier, Meyer 
u. 'S. w. gilt oft für irgend eine be- 
liebige Person, die man eben nicht 
nennen will oder kann, fast wie: 
Dingskirchen; so in Zusammen- 
setzungen wie: Kirchmeier, Einer 
der die Kirche sehr fleissig besucht; 
Spielmeier, Schlaumeier, der 
schöne Meier (f. Stutzer); er beisst 
den feinen M. heraus; Heulmeier, 
Windm., Schwafelm.; Nieten- 
meier, Spitzname f. einen Lotterie- 
kollekteur; Gramm. § 166 b. 

Meieran f. Majoran; ND.; Gramm. § 76. 
Meiem» anführen, betrügen, „ich bin 



Mein — Messe 



169 



der Gemeierte**, wie: der Dumme; 
V.; 8. Meier, fritzen. 
Mein s. Gramm. § 193. 

Melntwegen, meintswegen, „da hast 
de m. recht", ich habe Nichts da- 
wider; „nu woU m'r m. sagen", ge- 
setzt den Fall, angenommen; das 
wirkliche schriftdeutsche Wort mei- 
netwegen wird meist ersetzt durch 
v'r mir, s. vor; auch: v'rmeins- 
wegen; Brl. 

Meissen s. Junge. 

Meistel, Mestel f. Meissel. 

Meklenbarger Wappen nennt man das 
unanständige Autstützen des Kopfes 
auf beide Arme; man setzt hinzu : „es 
fehlt nur noch der Eing durch die 
Nase" (wie beim Ochsen im Meklen- 
burger Wappen); Brl.; s. Dresch- 
flegel. 

Melken f. Milch geben; „die weisse Euh 
melkt gut;'* s. Neumelke. 

Melmte^ die, weiches, staubiges Erd- 
reich; s. Mulm. 

Mengeliren^ vermengen (vielleicht von 
mengen und meler); „die Gesellschaft 
ist recht mengelirt", gemischt; „man 
muss sich nicnt in jeden Quark ver- 
mengeliren", (seltner: vermelli- 
ren) mischen. 

Menscher s. Matador. 

Mensehern, mit liederlichen Mädchen 
verkehren; „den Menschern nachlau- 
fen;" von das Mensche. 

Menschheit f. Menschenmenge; „Herre, 
da war euch aber eine M.! ne, diese 
M.!** — » que de monde! Brl. 

Mej^pe, die, 1. Mops; 2. verhöhnend 
wie ätsch, Kuchen, Dreckchen; 
Ab.; auch Meppchen! Pfui Meppe, 
pfui Teufel. 

Mer oder m% 1. mir; 2. man; 3. wir; 
Gramm. § 190 u. 104 b; in Oe. gilt 
für alle drei: ma. 

Merci! vertraulich dankend für einen 
kleinen Dienst; die bekannte , säch- 
sische Höflichkeit'' hat beim Danken 
eine ganze Stufenleiter von Ausdrü- 
cken; setzt uns der Kellner das „Depp- 
chen" vor, so sagen wir „schön!" 
Bringt er diensteifrig Feuer für die 
Zigarre: „Merci!" Bringt er einer 
Dame eine „Hitsche", "danke!" Trägt 
er uns die vergessene Dose nach: 
„ich danke Ihnen, danke sehr." 
lOnder dürfen nicht nur kahl sagen : 
„ich danke" sondern „danke schene!" 
Natürlich braucht man unter Ver- 
hältnissen auch „sehf dankbar, sehi 



verbunden", sogar „sehr verob- 
ligirt". 

Mergeln, betasten, zerknittern, zerreiben 
u. s. w., ähnlich weigern; auchzer- 
mergeln, z. B. ein Eosenblatt, ein 
Kassenbillet zwischen den Fingern zu- 
sammenquetschen; H1.,NS. markein; 
Oschatz : zermerschen Verstärkung 
von mähren; „abgemergelt, aus- 
gemergelt" ist ein Mensch ohne Saffc 
und Kraft, entkräftet bis aufs Mark; 
dies wohl von Mergel. 

Merken, ,wenn de was merkst!" 
•= da hast du recht; richtig bemerkt! 
z. B. „das hat dir wohl viel Mühe 
gekost?" „Na, wenn Sie was merken"; 
s. noch gemorken. 

Merks haben, Gedächtnisse „einen 

futen M. haben ; gar kee (keenen) M. 
aben" ; von merken «= behalten; 
Eg., Schw. 

Merrettig, weitschweifiges Geschwätz; 
„mache nur nicht so eM.;" wohl wegen 
des ähnlichen Klanges mit mähren, 
s. d.; bei Aristoph. ti xapöa/ull^eiq? 
Daher „Merrettig -Toffel;" auch 
ruft man Einem auf eine dumme 
Aeusserung zu „Bäh Toffel Mer- 
rettig!" 

Messe, l. die Hauptmessen, Oster- oder 
Jubilatemesse und Michaelismesse, 
dauern eigentlich nur eine Woche, 
sie werden aber bis zu 4 Wochen 
hinaus verlängert; daher das Sprich- 
wort „es dauert keine Leipziger 
Messe mehr" = nicht mehr allzu- 
lange; vgl. Johannistag. Diese 
4 Wochen hindurch gilt „Messfrei- 
heit" im weiteren Sinne, die Freiheit, 
auch während des Sonntagsgottes- 
dienstes Geschäfte zu treiben, Arbeiten 
zu verrichten u. s. w., was dann auch 
auf Verrichtungen ausgedehnt wird, 
die mit der Messe durchaus Nichts 
zu schaffen haben. 2. Die Vorwoche 
oder Auspackwocheist thatsächlich 
die Hauptwoche, in welcher bei weitem 
die meisten Grossogeschäfte gemacht 
werden; sie heisst daher Engros- 
woche. 3. Die nächste heisst die 
Böttcherwoche; in dieser hatten 
früher die fremden Böttcher u. s. w. 
das Becht, feilzubieten ; mit ihr enden 
die grösseren Geschäfte und der eigent- 
liche Jahrmarktskram beginnt. 4. Der 
auf diese folgende Sonntag ist der 
eigentliche erste Messsonntag, an 
welchem das Landvolk in die Stadt 
strömt; an diesem erat fti:feV^ ^aa» 



170 



Messfrei — Mir 



qnent anf eioem in der Universitäts- 
buchdruckerei hergestellten Wand- 
kalender zu lesen); daher das Eäthsel: 
„Was fänfft an, wenns alle ist?" 
Die nun Mgende dritte Woche, ist 
die M e s s w c h e. In dieser herrschte 
sonst ,,Messfreiheit^' im engeren 
Sinne, d. h. es konnte Niemand wegen 
Zahlungsverbindlichkeit belangt oder 
gar festgenommen werden; alle faulen 
Schuldner, Pleitegegan^enen , Leute, 
die sich mit ihren Gläubigern setzen 
wollten, bewegten sich nach Belieben 
in der Stadt, verliessen sie aber auf 
das Pünktlichste kurz vor dem „Aus- 
laut en*\ welches am nächsten Sonn- 
tag stattfindet. 5. Der Donnerstag 
darauf ist der Zahltag und von 
diesem heisst die ganze (vierte und 
letzte) Woche die Zahl wo che. — 
6. „auf dem Bücken zur Messe 
gehen*, sterben; mag von der kirch- 
lichen Messe herkommen, wird aber 
stets mit Bezug auf unsere Messen 

fesagt; 7. „Einem eine Messe 
aufen", ein Messgeschenk; in klei- 
Orten sagt man: „Snem einen Jahr- 
markt kaufen;" s. Weihnachten; 
die Dienstboten „kriegen 'was zur 
Messe", ebenso wie zu Weihnachten. 

Messf^ei ist ein Zimmer oder Geschäfts- 
lokal, das in der Messe nicht geräumt 
zu werden braucht, sondern für das 
ganze Jahr gemiethet ist. 

Messft*eiheit s. Messe, 1 u. 4. 

Messf^emder, ein, weiblich: eine Mess- 
fremde, Messbesucher (Flügel, Eng- 
lisch-deutsches Wörterbuch); s. Mess- 
prügel. 

Messingern 9 wie ledern, langweilig, 
unbeholfen ; „ein messingerner Kerl". 

MessiDg reden, albern; wie Blech, 
geschwollen u. s. w.; wahrschein- 
lich hergenommen von dem ND. Mis- 
sing od. Messing, aJs dessen Haupt- 
vertreter der wackre Onkel Bräsig be- 
kannt ist. 

Messiage» diejenigen Stadttheile, in 
welchen sich der Hauptverkehr der 
Messe entwickelt, „liegen in guter 
Messlage;" s. Lage. 

Messmarkthelfer, Markthelfer, der nur 
während der Messe im Geschäft aus- 
hüft. 

Messmusik war die öffentliche Buhe- 
störung, welche allerhand fremden 
Subjekten (Messmusikanten, 
früher auch Bergleute geheissen) 
während der Engros- und der Bött- 
cher-Wocbe der Messen gestattet 



wurde, sobald sie allerlei Blech- und 
andere Listrumente zu misshandeln 
verstanden; auch Bettelmusik ge- 
nannt, weil für den verursachten Ohren- 
zwang eine freiwillige Zwangsstener 
zusammengetrieben ward ; nur zu die- 
sem Zwecke führten die Leute ein 
Notenblatt bei sich. 

Messprflgel, Spitzname für unange- 
nehme, ungezogene Messbesucher; 
ähnliches Bud in Wn.: Bauerknittel 
f. Lümmel. 

Messwoche s. Messe, 4. 

Meste, die, grösseres Gefass von Holz 
(für die Küche), kleineres von Glas, 
Metall u. s. w. (fär den Tisch), bes. 
zu Salz (so mhd. mäste), Salzmeste, 
aber auch zu Mehl; verwandt mit 
Mass, Metze; Hb.; S tarm es te, Brüt- 
kasten für Stare; eine Schmier- 
meste, schmutziger Mensch. 

Metasehiren, mjssverständlich f. m€na- 

fer, feiner: meneschiren = zurück- 
alten d, sparsam, anspruchslos auf- 
treten; „metaschire dich nur ä Bis- 
chen". 

Miaukatze, Kinderwort. 

Miehel, Gemeinname wie Hans; bes.: 
Quatschmichel, unklarer Schwät- 
zer; s. Gramm. § 166 b; „da gannste 
warten, bis M. dutt", bis der Nacht- 
wächter bläst d. h. sehr lause. 

Miehele f. Michaelis; „zu Michele'S 
ebenso: „zu Johanne; ebenso ist das 
a ausgestossen in Mit^hel und in 
dessen fremdsprachigen Formen; s. 
Gramm. § 43. 

Miehlig statt milbig, von Mehl, Mehl- 
waaren, Käse, die durch Lisekteneier 
oder Larven verdorben sind; s. Mehl- 
thau. 

Mieriff, kleinlich, knauserig, bes. im 
Spiele, fast schmierig; BrI. 

Mies^ übel, schlimm; „eine miese Ge- 
schichte; es steht mies (faul) mit ihm;" 
Brl.; engl.: amiss; in Bw. ist mies 
= hässlich ; vgl. kladerig. 

Miethsmann, gebräuchlicher als Ab- 
miether. 

Miez, Lockruf für die Katze; ND.: 
Mies; daher: die Mieze »> Mieze- 
katze; Hz.; s. Hiez, Puss. 

Mike, t. Abkürzung von Mariechen; 2. 
als Gattungsname s. Gramm. § 166 b. 

Milehner, Adj., von Heringen, ein männ- 
licher; der weibliche heisst ein roge- 
ner; beides wird auch als Hauptw. 
gebraucht. 

Muehsappe, bartloser Jüngling. 

Mir, mir, mer, m*r, f. wir; § 



190. 



Mirakel — Montag 



171 



Mirakel, Einen zum Mirakel machen, 
S.Affen schände, Schund, Schind- 
lader, Zschochersch. 

Mist, — „Der wird nicht lange Mist 
machen", er wird sich in seinem (neu- 
be^ündeten) Geschäfte nicht lange 
halten können. 

Mistbreetergesell, Bauernknecht, der 
Mist auf den Feldern ausbreiten hilft; 
Btr. : Elutenpedder «» Erdklosstreter. 

Mistfinke, schmutziger Mensch. 

Mistladen, wenn «^mand bei Tische 
etwas Unsauberes erwähnt, so sagt 
man: „na, zum Mistladen passt's 
freilich nicht, aber beim Essen 
kann man schon davon reden !*' 

Mit, 1. wird gern zu mitsammt (Bsl.), 
mit zamst verstärkt; 2. f. von m der 
Redensart: „er lässt sich mit seiner 
Frau scheiden**. HL; vgl. to part 
with; Gramm. § 219. 

Mitgeiien lieissen, stehlen; Hb.; s. 
kazen. 

Mitmaelieiiy 1. wie: mitthun; 2. sich 
prostituiren ; davon: eine Mit- 
macher'n. 

Mitsammen, Bspr., f. mit einander, zu- 
sammen. 

Mitsammt, mitsammst, mit- 
zammstj Verstärkung f. mit; Schi., 
Wn.; „mitsammst'u Scherme wordn 
m'r dicht'ch dorch**, trotz des Schir- 
mes ganz durchnässt. 

Mittelmuff, Spottname f. schlechten 
Pflaumenkuchen mit nicht recht weis- 
sem Teig, von „Mittelmehl;** Beim: 
„fer ä Dreier Mittelmuff, anderthalbe 
Pflaume druff". Eine Partei, welche 
eine Art juste milieu bilden wollte, 
nannte der Volkswitz „die Mittelmuff- 
partei" (1868). 

Mittelwege, Aav., in der Mitte entlang; 
midway; V. 

Mitthan, theilnehmen, zunächst (Kin- 
der) Spielausdruck; 2 Spieler laden 
einen Mann wohl ein: „machen Sie 
oder th an Sie ein Bischen mit;** dann 
scherzweise : „ich mache (thue) nicht 
mehr mit«, ich ziehe mich von meinem 
Geschäft u. s. w. zurück. 

MSbel, eine, Dirne; jetzt zieml. aus der 
Mode. 

Möbeln, vermöbeln, ausschelten; auch 
abmöbeln; wie aushunzen. 

MSglieh; „wo möglich", f. wahr- 
scneinlich, gar; „das sitzt im Kehl- 
kopfe und wo möglich noch tiefer;** in 
Anzeigen liest man: „gesucht wird eine 
Wirthschaffcerin, womöglich Witwe**, 



soll heissen, ann wünschenswerthesten . 
wäre eine Witwe; s. hoffentlich. 
Möglielikeit, 1. ich habe gearbeitet 
(getrunken, geschrieben) nach der 
Möglichkeit = soviel, sogut wie 
mö^ich; 2. „'s ist doch die Mög- 
lichkeit!** man sollte es nicht für 
möglich, glaublich halten; es über- 
trifft alle Erwartung. 

Mokeln, mogeln, betrügen, auch be- 
mokelu, bes. beim Spiele. Schw., 
Brl., ND.; s. muscheln. 

Mokem, zanken, in den Bart brummen; 
von mucken oder sich mokiren; da- 
von: mokerig, erzürnt, ungehalten, 
brummig; seltner im S. v. nicht recht 
in Ordnung, übel bestellt: „damit is 
es mokrig**. 

Molkendieb, Name mehrerer Schmet- 
terlinge, bes. des Kohlweisslings und 
eines Abendfalters (Pappelschwärmer) ; 
bei Rückert; Eg., L.; — Th.: Molken- 
stafel «= Kohl weissling; Schi.: Mulke- 
dieb; Hss.: Milchdieb; Mk.: Molken- 
töiwer; PP.: Molken töfer; süderl.: 
Smandlecker; s. Bernd, Posener Idio- 
tikon. 

Mollig, 1. weich, bequem (moUis), Da., 
Brl.; 2. gemüthlich, warm, komfor- 
tabel, von einem Zimmer, Sofa u. s. w. ; 
eine mollige Hitze, übertriebene; 
— in Schw. ist mollig = fleischig. 

Molam, ein wenig betrunken; wie an- 
gesäuselt. 

Moment wird ausgesprochen: der Mo- 
mäng oder Mumäng, der Augenblick; 
diesen Momang war er hier «» so 
eben erst; dagegen lautet es Mombnt 
im Sinn von Gesichtspunkt, That- 
sache u. s. w. 

Mond, „seine Uhr geht nach dem 
Monde** ^^^ falsch; s. Stadtgraben. 

Mondsehaeks s. Schacks. 

Mondseliein, scherzhaft f. Platte, 
Glatze ; „gar lieblich ist der Monden- 
schein, nur darf er auf dem Kopf 
nicht seini** 

Moneten, scherzweise f. Geld; latein. 

Monsiear s. Mus sie. 

Montag, „guter M.** heisst der erste 
Montag nach den Haupt-Messen, wo 
man sich nach der Messanstrengung 
wieder einmal gütlich thut; auch 
schlechthin „Messmontag** ge- 
nannt; die Messsonntage dgg. lal- 
len in die Messe. Im V. ist guter 
Sonntag der Emtefestsonntag, 
guter Montag der darauffolgende 
Tag, ^«t TiQ<^ \i\^TSc ^«Bi'wäöl^ ^^c«^. 



Moorkeckrich — MttflcHen 



• Hoorkeokrieh, Bcberzweise f. Frosch, 
der im Moor keGkeck schreit. 

Moos, 1. f. jede Art von Moos und von 
Flechten; also wie Korn f. jedes Ge- 
treide, Tanne f, jedes Nadelholz; 
Flechte ist unbekannt, ausser als 
Bezeichnung der Krankheit; 2. bild- 
lich f. Geld; wohl überall gebräuch- 
lich; Bw. 

Mops, 1. der Letzt« in einer Klasse 
(Schüieransdruck); 2. ein kleiner Kerl, 
Stöpsel ;3. Mopsehaben, reich sein ; 
4. B. mopsen. 

Mopsen , sich , sieb langweiten oder 
ärgern; anch „ich amüsire mich wie 
der Mops im Tischkast«n;" PP.; je 
m'embete. 

Hord, 1. „das ist der reene Mord", 
sagt man, um den höchsten Grad zu 
bezeichnen, z. 6. von einem schlech- 
ten Branntwein, allzu scharfem Senf; 
aach =' es ist nicht auezuhalten (vor 
Hitze, Langweile u. s. w.); daher in 
Zusammensetznngen , wie : ra o r d s - 
dumm, mordsmässige Kälte, Mord- 
spektakel; Bsl.; s. Kien;„esBChniec)<t 
wie M. und Todtschlag", abscheu- 
licb; 2. Mord heisst anch der Zu- 
sammenlaaf aller Arten Schnaps un- 
ter dem siebartigen Bleche, auf wel- 
chem die Flaschen gefüllt werden. 

Hordeselu, ermorden, massakriren; 
mhd, mort-ai, Streitaxt. 

Hordhäuser, scherzhaft fSr schlechten, 
angeblichen Nordhänser, Fusel; vgl. 
Bachenreisser, Zahnpntze. 

Mordsakriren f. massakriren; B.Gramm. 
§ 150. 

More, Änget, Ehrfurcht (mores); Bw.; 
„sie hat keine rechte More vor ihm, 
ich will ihr aber Mores lehren;" im 
Schera: Moritz lehren; ND. 

Horkcln, norksen, ungeschickt ab- 
schneiden: „am Brode 'rnmmerkeln ;" 
Hb.; s. norkeln. 

Horksen , murksen t 1. ungeschickt 
schlingen, würgen; 2. erwürgen; da- 

nngefähr wie mokern, aber kräf- 
tiger: mit murrender Stimme „resse- 
niren;" 4. ungeschickt zussmmenar- 
heiten, so dass das Ansehen der Arbeit 
dabei leidet; davon: eine Mnrkserei, 
schlechtes Arbeiten und schlechtes 



man denkt dabei an Mord {wie ia 
mordsdumm, mordskalt, Mordskerl) 
nnd an martialisch. Th. 
Höseh, Abfall von Futter n. a. w.; 
Mosch machen oder moschen, vor- 



der mit dem Brüte, mit Früchten, die 
sie anbeissen und wegwerfen, nm an- 
dre zu erhalten ; dies ist in Sz. 
g'achände; ungeschickte Schneider 
moBcben mit dem Stoffe, schlechte 
Einsctaenker mit dem Weine, Ver- 
schwender mit dem Gelde, — sie ver- 
moschen. Hl. 
lUotsche, die, Kub ; sie heisst aneb 
Motschekuh; Hl.; in B. Motschen, 
Motscbel ; Schi. Mosche; Eg., L. : 
Mötsche f. Kalb; Eg, Mntsch, Mnz, 
kosend f. Kuh; Hb. Mokel, Kuh; 
Moschel, Kalb, auch Kuh; Schw. 
Mokel, Kuh; Motsoh, Eah und State; 
Th. Mais, Möus ; wendisch : Met- 
schecka; sogar in der franzüs. Se. 
modze, Färse; — fiöaxot; s. Mnh, 

Mottenklopfer, Scherzname f. Efirsoh- 

Hottenkopf, Grillenfänger, Saaertopf, 
Mnrrkopf; eigensinaiger Mensch. 

MOveben, Dirne, femme entretenne 
(eigentlich eine Art Tauben). 



Bai.; 



' hat : 






L NS. ■ 



abm 



;eln 



bei Grimm a. Tgl. kork 
MSrsehel, Meersehel f. Mörser (zum 
StosBm). HL, Schi. 
Morxiallseh f. gross, gewaltig, stark; 



Launen , Eigenheiten , unangenehme 
Eigenschaften. 

Z. Hneken, 1. murren, widersprechen; 
„er darf nicht mucken, nicht mnck- 
sen, nicht aufmucken, keinen 
Mnok oder Mucks thun;" Br!.; Eg., 
Sz.; 2. „die Zähne mucken oder 
mnckern", beginnen zu schmerzen. 

lUneker, jeder kirchlidi Gesinnte; da- 
von: mnckerig nnd mnckerisch. 

Mucks, muekscn a. mucken; Ab., Fr., 
K., Pf.^Schw., ND., Brl., Wn., Th.; 
Bsl.: muche, muie. 

Haek'seh, übelnehmisch , verdriesslich, 
bös, tückisch; „ein rechter M.", Saner- 
topf, Dickkopf, Trotzkopf; Et., Brl.; 
in Oe. derMnck; Bsl. der Muli; Btr. 
mucksch =^ maulend, grollend; bei 
nns: mnckBchthnn-^mnokBalien 
(Eg.) nnd mnlkschen, wiemnffen. 
Hon. mocken. 

Hllffiefaen, das, kurzer, manachettenar- 
liger HaniacimV», ohae Pinger oder 



Maff — Unzion 



mit kurzen FiDeem, von Pelz oder 
Wolle. E.1 Mtffle. 
Muff, Mnffel, der, Murrko_pf. PI. K.; 
davon: maffelig, märnRch, maf- 
fen, scbmoUen; a, noch rauchBcb, 
muffig u.vg!, to muffle, faire lamone. 
Hoffen, faulig riechen, wie angegange- 
nes Fleisch, also haut goät haben; 
B., Th., J., Rw.; davon: ratiffig, I 
wofür aneb manchmal maftelig 
gesagt wird, diea aber mehr im Sinne 
■ von ttunipf, moderig. 
Hnh, die, Kinderwort f. Enh; Bai. Mob, 

Mucheli. 

Maben, das, Brammen der Kühe. 

Hahle, die, f. Mnlde; es gieast wie mit j 

Mublen, regnet sehr stark (in N. : es 

rognt als woi mit Schäffern g'nchütt't; | 

in Bai.: regne, wie wemra'r's mit, 

ChQbele obenabe echiittedi); den Flosa 

Mnlde nennt aber Jeder richtig. i 

Hnfalsfein, die grosse weisse Kraase 

der Prediger in nnsrer Gegend. 
Hnlkschen s. Muck'ach. ! 

Uuln, der, zerbiQckeltea , vermodertes, 
Holz und dgl.i davon; mulmig; a. | 
Helmte; Mulm {mhd. gemülle) be- 
deutet daa Zermobtene. Mehlige; hoU. 
ist mul ~. Tortataub; Schw. u. SD.: 
mull— Stauberde; däu.: Muld. engl: 
monld — lockere Gartenerde; Brt.: 
Hall ^ Kehricht; engl, mal lock; von 
diesem Stamme (lat. mollis) kommt 
Maulwurf statt MnllwnrtCND.), der 
Mull (mbd. muh — Staub, Erde) aaf- 
wirft; B. Mntbwolf. (holl. mol; 
Schw. mullwad; dän.muldwarp; engl, 
mole; ND. Moll.) 
Hulpsich s. mupselich. 
Mummeln s. einmummeln. 
Mampeln, langsam, unbeholfen kauen, 
wie zahnlose Leute; Fr., E., J., in B. : 
muffeln, mumfeln; Schw. mumpfeln 
(wohl von Mnndvol!. wie Hämpfel 
V. Hand voll); Aachen: moSeln; engl, 
to marap;echott. mamp, moap; engl, 
to mumlile, andentlich reden. 
Mnaklren, sich, f. mokireu; Btr. mon- 

Hnpsellf, mopsartls', z. B. ein mnps- 
liges Geeicht; Ab., auch mulpaig; s. 
anch: kurzmupplig, 

Hnrkspn b. morksen. 

Hoscliboke, die. Alles mit einander, 
der ganze Kram; wenn Kinderchen 
sich entblöasen, ruft man: „deck zu, 
m'r sieht de ganze M."; plattd.: 
Moschpok, verächtlich >= Quark; Bw. 
Mischpoche, Familie, Diebesgesell- 
scbaft. 



Hosehela, betrügen beim Earten- 
miscben, Geben n. s. w. In 8. heim- 
lich verkehren; — s. mokeln. 

Musiken, Haalke machen = mnaizircB; 

Huster, Schimpfwort: faules, widriges 

Frauenzimmer; Schw. 

HussJ^ der, 1. Knabe, Bursche, ancb 
spöttiach f. unreifer Hensch über- 
haupt; „ich hatte meinen Masjee mit 
(Sohn);" 2. der Sühn, .junge Herr*, 
in der Familie, von 13—16 Jahren; 
Dienstboten sagen: „anser Hossjee 
will ö schon rochen;" 3. meiMuss- 
jee,derBetretFende, in RedeStehende, 
ohne Bückeicht anf sein Alter; ND.; 
„der alte Schneider berappt ewig nich, 
nu war' ich aber meinen Mnsjee (^ 
ihn) verklagen;" 4. vor Namen, als 
spöttischer Titel, wird ea Mussje aas- 
gosurochen: „Mussje Nante, Mnssje 
Miller" Q. ». w.; ND. wird ausmon- 
sieur: Musch, Mnsche, Mascha. 

Musslerehe, die, kleines, schreiendes 
Kind. E.: Musskrappe. 

Huthweir, Bspr. — Maulwurf; L., 
SchL; Eg.: Muthworf; V.: Mahdworf; 
im „Strassburger Bätbselbnch" von 
1505; Mulwelff,Maulwelff;mhd, moit- 
werf,mulwclf u.s.w.;ND.; Mullworm; 



Mutter, „meine 1 



Matz, der, 1. abgenutztes, verstümmel- 
tes Werkzeug, ein ahgebrochenea Mes- 
ser, kurze Pfeife, ein „Sicbelmntz!" 
dgg. ist ein Schenach ein worth- 
losea, eine Nnache ein stumpfes Hes- 
aer; 2, kurzer Mensch, Eniips; davon: 
vermntzen, Etwas dnrch Ungeschick 
verstümmeln; in Hohenlenben (RenseO 
gibt es eine „Mutzgaase;" — s. ant- 



MOtzehen, I. „das Bier hat ein M. auf", 
viel Schaum; s. Krause, Sahl- 
leiate; 7. da sitzt's, hat M. anfl 
ironisch: Du denkst, ea ist da, es ist 
aber nicht wahr. 

HOtzc, Einem Etwas anf die Mütze 
geben, schelten oder achlagen. 

H utzk DD f, Schimpfwort für einen nörge- 
ligen Menschen. 

Muzlon, „sich (eine) M. machen" (Ho- 
tion), viel gebrauchUaltai «la .S*- 



174 



'n — Nase 



N. 



'■, 1. f. den, eineD, ihn, ihm, ihnen (NB. 
aber ja nicht etwa f. Ihnen!); s. 
Gramm. § 184. 190; 2. f. denn; „was 
woUt'r'n (ihr denn); was häms'n 
(haben sie denn)? Th. „was gäm'r'n?" 
-» was geben wir denn, od^r: was 
geben wir ihn[i, ihnen, auch: was geben 
wir ihm denn? allerdings mit feinem 
Unterschied des Tones gesprochen. 

Na, 1. f. nach; Bspr. „na Dräsen*^ 
rDresden); s. Namittag«; 2. selten 
mr noch, z. B. na nich f. noch nicht; 
Bspr.: na me =» noch mehr; s. no. 

Nabel, „es wird mer warm nm Nabel 
mm", von dem behaglichen Gefühl, 
wenn man, erkältet, etwas Warmes, 
bes. ein geistiges Getränk genossen 
hat. 

Näbigen, die (nur Mehrheit), wenig 
Gela, „er hat seine paar Näbigen 
verloren, zugesetzt", seine ganze ge- 
ringe Habe; s. Nieten. 

Naehfahrekatsehe s. Leichen- 
kntsche. 

Naehharken, bildlich f. durchsehen, 
revidiren. 

Naehreiten, eine Arbeit nachholen, die 
man versäumt hat; bes. bei Studen- 
ten, wenn sie eine Vorlesung „ge- 
schwänzt" haben. 

Nacht; „freie Nacht machen^S die 
Nacht durch schwärmen, seltener: 
durcharbeiten; auch nur frei 
machen. 

Nächten, auch nachten Abends, f. 

festern Abend; Bspr.; Ab.; Str., Bsl., 
eh., L., Schi., NS.; s. hinte. 

Naehtkönig, Senkgrubenräumer; ge- 
wöhnlicher: Schundkönig. 

Nachtlampen, scherzhaft für Leute, die 
bis in die Nacht hinein aufsitzen, bes. 
im Wirthshause. 

Nachtmütze, auf eine unziemliche 
Frage (z. B.: was hast du in der 
Tasche) erwidert man „i, eine alte 
N.;" s. Kienasen. 

Naehträgiseh, Beleidigungen nach- 
tragend, nicht vergessend, um sich 
gelegentlich zu rächen. Etr.: nah- 
oräg^sch. 

Nachtschlafend, nur in: „bei nacht- 
schlafender Zeit", meist im Scherz; 
ND.: Nachtslapentied. 
NäebtwäehteTf 1. „das ia je undern 

-A^'^ '^ unter der Kritik; s. Kanone, 



Luder, Stünz; 2. Bezeichnung ffii 
ein Häufchen Exkremente; Bsl. Wäch- 
ter; fr. une sentinelle; s. Auge, 
Oactus. 

Nackft*osch, zum Baden u. s. w. aus- 
gekleidetes Kind; Eg., Th., Sohl., vgl. 
Hemdenmatz. 

Nackig, nackicht (Bond.), f. nackend; 
Sbg., Bsl.; Zeh.: nacktig. 

Nadern, anhaltend mit Jemandem zan- 
kea, immer Etwas auszusetzen haben; 
fast wie nörgeln. 

Nählen, in wemerlichem (nähligem) 
oder keifendem Tone zanken; Btr.; in 
Eg. u. Di. f. zögern, zaudern; Sbg.: 
nolen, Nolsuse; daher „Nählliese, 
Nählsuse". 

Nahne, auchnahnst, nahnste, Bspr., 
f. nachher, hernach. 

Nähspaz, der, Nähmädchen; s. Spnz. 

Name s. Gece. 

Name, Mehrheit von Name, s. Gramm. 
182. 

Nämittage, noch bäuerischer „Na- 
mitt'ge", Nachmittag; Di.: nam'dag, 
namiddg; Sdt.: Nomittigs. 

Nante, Nande, f. Ferdinand; ziemlich 
allgemein ; Nantchen auch f. Ferdi- 
nande. 

Napoleon, „umgewandten Napoli- 
on"* nennt man das unguentum neapo- 
litanum; Gramm. § 151. 

Narr, „ich gucke (horche) wie e Narre", 
ganz erstaunt. 

Narr 'seh, 1. sonderbar, eigenthümlich, 
neckisch (bizarre); Hb.; 2. „wie 
närrsch" = sehr, s. albern; daher 
ironisch: ,4 ja, wie narr seh" «« 
durchaus nicht; ebenso; 3. „ich bin 
ganznärrscb druff*, ganz erpicht; 
auch ironisch: ich mag es gar nicht; 
— 8. noch kleinnärrisch; 4. „i ja,, 
recht närrschl** Ausruf: aas 
müsste sonderbar zugehn, wenn das 
wahr wäre (was Jemand behauptet). 

Närrsehen, ausgelassen toben, Unfug 
treiben, auch übermässig eilen; s. 
tollen. 

Närrschheit f. Narrheit, Verrücktheit, 
Albernheit; „ich bin eene Närrsch't" 
=wüthend, erbost; Gramm. §166 a,13. 

Nase, 1. „Du hast eine Nase*S noch 
deutlicher „eine Botznase^ sagt man 
zu einem Kinde, wenn der Nasen- 



Nasenfatter — Nibbeln 



175 



68 „ein Licht*' hat; 2. sich die Nase 
begiessen, betrinken, PP. 
lüasenfatter, Schnupftabak. Pf., Wü., 
Th. ; ebenso: Futterkasten für 
Tabaksdose. 
Nasenpopel, der, verhärteter Nasen- 
schleim; „das ist keinen N. werth'* 
gar nichts (wie : not a fig). 
Nasenqaetsehe, die, schlechter, niedri- 
ger Sarg; Ho. n. Btr.: Näsen- 
drücker; dgg. ist der Nasenquet- 
scher eine Art Lorgnette. 
Nass niedergehen s. niedergehen. 
Nation, verächtlich für Gelichter, Lum- 
pen: ene scheue N., wie^,schönes Volk, 
nette Kerle". 
1. Nätsehen wie nählen; Schi. 
S. Nätsehen, schmatzen, ähnlich wie 
knetscheo, kätschen (von Hun- 
den), Schi.; in L. bes. vom Weinen 
der Kinder. 
Natar, „die N. ist zu kurzes die Ge- 
stalt oder die Kräfte reichen nicht 
hin; so sagt man, wenn Jemand zu 
klein ist, um Etwas zu erreichen, zu 
wenig Geld hat, Etwas zu bestreiten, 
beim S^iel zu wenig Augen mitgibt, 
beim Singen den rechten Ton nicht 
treffen kann u._s. w. 
Ne, 1. nein; 2. ne? gedehnt und betont 
fragend «=- ists möglich? Was Sie 
sagen! Aehnlich: aber nein! 
NecK'seh wie närrisch. 
Nedder, Bspr. f. nieder; holl., dän., 
schwd. neder; engl, nether. Das 
Neddersticke, in den Kohlgärten 
bei Leipzig, ein etwas tiefer liegender 
Acker. 
Nehmen, kurzweg „ein Kind nehme n'^ 
es auf den Arm nehmen und es her- 
umtragen; die Kinder verlangen: 
nimm mich! s. Stän^el. 
Neidhammel, der, neidischer Mensch; 

Hb. 
Neidnagel, Nietnagel, der, an der 
Wurzel der Fingernägel sich lösende 
u. entzündende Haut (eigentlich: ein 
Nagel zum Vernieten); auch Schrift- 
deutsch; Hb. Neidhocke. 
Nein aber! s. aber, 1. 
N^ne (das verdoppelte „nein")» durch- 
aus nicht, Erwiderung' auf einen 
vorausgegangenen Einwand; z. B.: 
„gehört das deine?" — „Nel* — »Da 
derf mersch wohl nehmen?" — „Nene" 
(wenns auch nicht mein ist, so ge- 
statte ich doch nicht u. s. w.); s. 
nune. 
Nennte f. nannte; s. Gramm. § 205. 
JSergeln, n!^rgelB, i. halblaut u. mür- 



risch weinen, von Kindern. Ab.; 
Schi, (auch knörgeln); 2. undeutlich, 
brummend sprechen; L.: nirgeln; 3. 
bildlich: in Kleinlicher Weise tadeln: 
er hat immer was (an Allem) zu n. 

Nerm, der, f. Nerv, Bezeichnung der 
Schuhmacher für die Haarseite des 
Leders: die Fleischseite heisst das 
Aas; Gramm. § 87. 

Nest, das, Bett, sehr beliebt; die Vögel 
gehen zu Neste, der Mensch aber ins 
Nest; ßsl., Sdt. 

Nesthäkehen, das, jüngstes Kind einer 
Familie (Schriftdeutsch), auch Gake- 
nest; Brl. Nestgikel, Nestkieker; 
Schw. Nestkegele; Bsl. Nesthopper. 

Netto, missverständlich für circa; „der 
Saal fasst netto 100 Menschen''. 

Neue würze, die, Amomenkömer, Pi- 
ment. 

Neujahr; das hohe Neujahr oder 
Oberneujahr ist das Fest der Er- 
scheinung Christi, der Dreikönigstag, 
6. Jan., in Sachsen noch als Feiertag 
begangen. 

NeaKirehhofsmamsell , Dirne, nach 
einem Platze benannt, an welchem 
einige Bordells sich befinden (in Gros- 
lar: Patentjungfer); s.Gässchen. 

Neukrüpel f. Neugroschen; s. Silber- 
morgen. 

Neumarkt, „das dumme Kind (der 
dumme Junge) vom Neumarcht^e", 
s. Junge. 

Neumelke, die, erste Milch einer Kuh 
Dach dem Kalben; die Kuh ist eine 
„neuraelkene oderneumilchene". 
Eg.; in Bsl. neumelchig; s. melken. 

Neune, „eine dumme N.", albernes 
Frauenzimmer. 

Neunhäutifip, verdreht f. meineidig? 
„ein neunnäutiger Kerl", überhaupt: 
durchtriebner Bursche, Hallunke. 

Nennmal klug (auch mit dem Zusätze 
und 10 Mal dumm), überklug, 
dünkelhaft; Hb.: neugescheit; Rtr.: 
nägenklauk; E. : neunmal gescheit; 
dgg. in N., Heidlbg.: siebegescheit. 

Neunundnennziffer, Apotheker, weil 
er angeblich 99% Verdienst nimmt; Hb. 

Neusehieri^, scherzhaft f. neugierig; 
Di.: nieschieri; Sdt.: noischierig; ND.: 
die Nüscheer, nüscheerig. 

Nibbelehen, das, Lockruf für junge 
Ziegen u. Kaninchen (in NS. nur für 
Zicklein); s. nibbeln. 

Nibbeln, nippein, 1. nagen, bes. wie 
Kaninchen (s. Nib beleben); to 
nibble; 2. emsig attvikaw ^i.. ^^.^^^ 



176 



Nichts — Nochemal 



Lippen des fressenden Kaninchens; 3. 
„es nippelt", sagt der Angler, wenn 
ein Fisch anznbeissen beginnt, Lotte- 
riespieler, wenn eine der ihris^en nahe 
Nummer gezogen wird, Kinder beim 
„Einhullern" wenn sie — beinahe 
gewonnen hätten; vgl. auch nözeln. 

Nichts, „weisses Nichts", üeber- 
setzung von nihilum album, eine 
Augensalbe; daher: Nischt is gut 
für die O^en, aber nich für den 
Magen; übrigens s. nischt. 

Nidit (nich) wird in Vergleichungen 
eingeschoben : „er ist reicher, als man 
gar nicht glaubt" (qu'on ne croit); 
über die doppelten Verneinungen s. 
Gramm. § 242. 

Niehts-ehen, „ein goldenes N. in einem 
aübernen ßüchschen", (gar Nichts) 
verspricht man Kindern zu bescheren 
u. s. w.; auch: „ein silbernes N. und 
ein goldenes Wart-e-weilchen". 

Niekel, der, Schimpfwort, bes. gegen 
Frauenzimmer, wie Bunnigel; Pr. 

Nickels f. Nikolaus in den Zusammen- 
setzungen: Nickelskirche (sprich: 
Nigglsgerche), Nickelsstrasse, 
Nickelser Kirchhof; vgl. Tho- 
masser. 

Nieken, ein wenig schlafen; Ab. 

Niedergelieii, „es gehtnass nieder"", 
es regnet ganz fein, nebelartig; wie 
nieseln. Tu.; in NS.: es schmölt. 

Niedersitzen, „auf ein N. trinkt er 
drei Flaschen", ohne Unterbrechung; 
s. sitzen. 

Niederträelitig, 1. von Sachen ==» sehr 
unanffenehm: ein Regen, eine Ge- 
schichte, ein Berg (der schwer zu er- 
steigen ist); wie hunde-, verfluch- 
tig u. 8. w.; 2. im guten Sinne wen- 
det es die Bspr. mitunter noch an f. 
leutselig, herablassend: ein recht nie- 
derträchtiger Herre; Odenwald; Nie- 
der-Rh., Sbg. ; s. gemein. 

Niederziehtig, ungehörig, abscheulich; 
etwas schwächer als niederträchtig; 
genau wie: of low breeding; Bspr.; sel- 
tener nedderzichtig. 

Niemande, Dativ von Niemand, s. 
Gramm. § 132 g. 

Nieseln, sanft regnen, aber schon et- 
was mehr, als nass niedergehen; 
V., Oe.; BsL: nable, nible; in E., Pf. 
rieseln; Di. drusen; NS. schmolen; 
ßtr.: fisseln; Eg. siefern. 

Niesen, „ich will dir was n.", wie sonst 
husten, malen. Scherzhafter Zuruf: 
„Sie haben geniest^*, für Prosit 1 
Meten, Geld; „der hat N.« ist reich; 



„ich habe meine paar N. zu^esetzt^', 
das Wenige verloren, was ich hatte, 
s. Näbigen. 

Nilje, die, f. Lilie; Niljeneel =- Li- 
lienöl. 

Nimm, „er ist vom Stamme Nimm'S 
gibt nicht gern, nimmt lieber ; 2,Nimm" 
gilt als Name eines der Israel. Stämme, 
wie: Buben, Siroeon u. s. w. ; ND.: er 
ist nicht von Gibingen, sondern von 
Nehmingen; BsL: er isch fo Nämige, 
nit fo Gäbige. 

Ningeln, weinen, bes. in quiekendem 
Tone, winseln; Ab.: nengern; Sg.. 
ningem. 

Ninive, bei einem gewissen Mädohen- 
spiele singt man einen Vers: „Es 
kommt ein Mann aus Ninive, hräsavi^ 
valädium!" (auch: Ninäve, Eanäve); 
Hb. „da kommt der Herr von Non- 
navi**. 

Nippeln s. nibbeln. 

Nippernäpp'seh ist Einem, wenn ihm 
Alles zuwider ist, Nichts mundet, die 
Nerven gereizt sind u. s. w.; stärker 
als: übernächtisch (im Magen), 
nach durchwachter, durch schwärmter 
Nacht; Hl. : nippernächtig. 

Nipplieii, winzig, auch: kleinnipp- 
lich. 

Nlps, der, Mehrheit: Nipser, Samen- 
körner, bes. von Schoten, Bohnen, 
Aepfeln, Birnen; Ab., HL, in NS.: 
Pips. 

Nisclie, 1. sanft aufsteigend; der Weg 
geht nische an, wie „lehnan^S nische 
zu, sanft herunter; in Niederlössnitz 
b. Dresden gibts eine „Nische Gasse"; 
2. schief: „er logirt nisch nüber" =• 
schräg gegenüber. 

Nischel, der, Kopf. HL, V., Ab.; BsL; 
in J. ist Nüschel das Yorderhaar am 
Kopfe; daher: Dicknischel, diok- 
nischlig, Starrkopf; engl.: noddle 
= Hinterkopf. 

Nisclit f. nichts; 1. „N. isl" es ist 
Nichts damit, es ist nicht wahr; v^L 
is nich! 2. „ach, das is ^mir) 
nischt!" unwilliger Ausruf bei un- 
passenden Spässen, ungenügenden 
Antworten u. dgl.; s. nichts. 

NÖ f. noch, in einigen Verbindungen, 
bes. vor m und n, auch wohl na aus- 
gesprochen, z. B. : No nich, no mehr 
L noch nicht, noch mehr. DL, ND.; 
8. na, Namittage. 

Nochemal wird an Flüche und heftige 
Ausrufe angehängt : „Herre noch emal ! 
Dunner wettemochemal; Schwere Noth 
\i.\ \xQJdfy\A Ti.V^ ^«Jö^V -^^ IsAines 



Nonne — Nutzen 



177 



dieser Worte betont, sondern das Vor- 
hergehende, nnd das „nochemal'' ist 
nur so ein Nachzittem, Nachgrollen, 
eine Art Resonanz zu grösserem Nach- 
drucke. Ebenso hängt man nochn ein 
(wohl «= nochhinein) an: saperlot- 
nochnein ! pfuispinnenochnein ! 

Nonne, die, grosser, hohler Brnmm- 
kreiseL 

NOpel, seltner: Nuppel, der, Zulp, 
bildlich auch Zigarre. 

Vorbei, die, rundliche Exkremente (von 
Lorber, s. d.); bes. Schaf-N, Hunde- 
N; Th. der N.; Norbelblätter, 
Bspr., f. Lorberblätter. 

NorKeln, Brot ungeschickt, ungleich 
abschneiden; wenn man „am mote 
'rumnorkelt*, so ist es dann „ganz 
vernorkelt;" Eg. norxen, auch runk- 
sen, s. d. u. morksen. 

Noten, nach Noten arbeiten, Einen 
n. N. auszanken, prügeln, f. derb, 
tüchtig. 

Noth tnan, „es thut mir Noth* ich 
habe Drang zu Ausleerung; ebenso 
„nothwendig haben". 

Nözeln, deutscher Ausdruck der Kinder 
für karamboliren beim „Ein bul- 
lern". 

Nuddeln, schlecht, liederlich, ohne Ernst 
und Nachdruck arbeiten; an Etwas 
herumnuddeln; s. ruschein. Ab., 
in Pf. noddeln; — auch: schlecht, 
langsam fahren, wie zotteln. 

Nadeln, 1. mästen, von Gänsen gesa^, 
die mit „Nudeln" (gerollten, halb- 
gebackenen Teigstücken) gestopft 
werden; daher: „ich bin wie genudelt, 
nudel dicke", vollständig satt; 2. „er 
kann nicht mehr Nudeln sagen", so 
betrunken ist er; Schw.: „er kann net 
bapp sagen;" 3. halblautes, undeut- 
liches, schlechtesBeden (»= n u s c]i e 1 n), 
auch Singen oder stümperhaftes Spiel 
auf einem Instrument; davon: die 
Nudelei. 

19 adeltopf, „voll wie ein Nudeltopf", 
überfüllt; wie „gerappelte voll." 

Na eben s. eben. 

Na rar s. ga r. 

Nollen, 1. Kinder wort f. pissen; auch 
s<5hnullen; 2. von Null abgeleitet = 
den Zehner vollmachen; „er -hat schon 
fünf Mal genullt" = ist 50 Jahr 
alt. 

Nalp, der, Zulp; bildlich Zigarre; nul- 
pen, nutschen, saugen; s. nuppeln, 
nutschen, Nöpel. 



Na ne f. nun, das ist denn doch nicht 
der Fall; z. B. Sie gommen wohl 
bald wieder? — Nune (du magst das 
allerdings annehmen, aber — ). Das 
ist wohl sehr billig? — I, nu ne (be- 
wahre); s. neue. 

Nannuehen, das, gemüthlich f. Mütter- 
chen, kleine, dürftige, verkümmerte 
Frau. 

Nappe, die, eine unbestimmte Menge, 
z. B. eine schöne N. Bier; der An- 
theil an einer Forderung u. dgl. ; „ich 
kriegte 3 Thaler uff memo Nuppe ;" s. 
Tappe. 

Nuppel, der. Nuppelchen; 1. kleiner 
Mensch. Ab.; vgl. Nippelchen; 
schimpfend = naseweiser Balg; 2. s. 
Nöpel. 

Nnj»peln, saugen, bes. am Finger, vne 
Kinderchen; solche, die es thun, heis- 
sen Nuppler; s. Nulp. 

Nar, eigenthümlich gebraucht und ge- 
stellt; z. B.: „Ne, da waren nur ein 
paar Hunde da, die so hübsch mit 
einander spielten" =» ich will nu r das 
Eine sagen, was mir besonders Spass 
machte, nämlich dass die Hunde — . 
„Er konnte so schön erzählen, man 
hörte nur gern zu" = man verlangte 
nur, dass er weiter erzähle. 

Nüsehe, die, schlechtes Messer, Kneif. 
HL, wendisch: Norz; s. Mutz. 

Nuseheln, auch: nuscheln, nusseln, 
undeutlich sprechen, Eg.; wie: mau- 
scheln; vgl. nudeln. 

Nusseln wie nuscheln. 

Nassen, durchprügeln. Oe., Pf., Schw., 
B., Th.; Rtr.: nuschen, nüschen; — 
es setzt Nüsse, Prügel; Schw.; eine 
Kopfnuss; s. Nusssack. 

Nüssehen, winzig kleines Mädchen 
oder Weib ; Pf., W. 

Nusssack, „Einen zusammenhauen wie 
einen Nusssack, Dresche kriegen wie 
ein N."j tüchtig; Brl.; am Rheine thut 
man die geernteten Nüsse in einen 
Sack und schlägt auf diesem herum, 
dass die grünen Schalen sich lösen. 

Nutseh, der, Lutschbeutel f. Säuglinge; 
bildlich f. Zigarre; Hl.; V. (aucn zut- 
schen, zutschen); Eg.; Th. = Notsch; 
J.: nuckeln; s. Zulp; davon: nut- 
schen, saugen; Nutschkänn- 
chen, Nutschflasche. 

Nutzen, der, der abgesägte Theil eines 
Scheites; es wird in 2, 3, 4 Nutzen 
zersägt.^ 



Albreebtf Leipe, Mundart. 



VI 



178 



— OrndHch 



0. 



0, AbkürzuDg f. och = auch, bes. in- 
mitten des Satzes; „na gimmt der o 
noch ; das wissen m*r o schon ; er hat 
gene (keine); das zieht o na nich 
(das genügt auch noch nicht);" so bei 
Lörrach, v. ; Wn.: ah; Schi.: au. 

Ob, alsAnsruf, auch „undob!^^ soviel 
wie freilich, „erst recht;" Sinn: „wie 
kann man da noch fragen, ob es so 
ist!« 

Obben, mitunter f. ob ; „er fragt, ebben 
Se (ob Sie) schon gegessen ham; eb- 
ben m'r die treffen wäm;" nie aber: 
ebben ich, o. du, o. er; öfters wird 
obs, ab oder abs aus ob: „ab er 
wohlschrei'm wird; ich frage dich, obs 
fabs") du mitthust'S s. wenn und 
Gramm. § 141, 3. 

Oben 'nein, „heute lefts Enen oben 
'nein", nämlich in die Schuhe oder 
Stiefel, 80 stark regnet's. El. 

Oberhof|[;erieht, scherzhaft f. Abtritt; 
vgl. Papst, Drahtmühle u. s. w.; 
in Au.: Unsinnigen^ang. 

Oberländer Messen die Händler, welche 
Obst aus dem „Oberlande", aus der 
Meissen-Dresdner Gegend auf Kar- 
ren zu uns brachten; Lpz. liegt im 
„Niederlande". 

Oberstübchen, der Kopf; „es ist bei 
ihm im 0. nicht richtig; er hat 'was 
im 0." == betrunken. 

Oberwasser haben, die Oberhand ha- 
ben, oben auf sein. 

Obsen, „ich obse", sagt man beim Solo, 
um von einem Mitspieler zu erfragen, 
ob . . 

Oebster, Obsthändler; ganz wie fruitier; 
Gramna. § 158. 

Obsternat f. obstinat, eigensinnig ;Btr.: 
obsternatsch; Gramm. § 147. 

Ochse, 1. „was wees der Ochse vom 
Sonntag (Zusatz : er f risst alle Tage 
Heu)", er ist in dieser Beziehung ganz 
unwissend; in Schw.: „was woisst e 
Kuh, wanns Sonntag ist, man geit («» 

fibt) ihr ja koi weiss Hemmet"; in 
TD. auch : er weiss soviel davon als 
die Elräh vom Sonntag; 2. „er ist 
armer Leutens Ochse, er hat 
blos ee Hörn;" bedauernde od. höh- 
nische Bezeichnung f. Armuth; — s. 
noch Brammochae, Heuochse, 
Mornocbse, Doppelochse, Pferd. 



Ochsen, angestrengt arbeiten, wie büf- 
feln; Bsl. 

Oehsenfarz, „gerade wie ein 0.", ge- 
schmacklos gerade; ebenso: „gecadjazu 
wie ein 0.". 

Ochsenpantoffel, rohes Schimpfwort, 
wie Brummochse; Eg. „du Ochsen- 
pfutentoffel". 

Ochsi|^, sehr stark, gross, riesig: „eine 
ochsige Kälte, ochsiger Weg, ocnsige 
Karte;" vgl. Bär, Hund, Pferd, 
Sau, Schwein. 

Offen, 1. „offnes Geschäft", Ver- 
kaufsladen im Gegensatze zur blossen 
Niederlage, zum Comptoir u. s. w.; 
bes. von Detailgeschäften; 2. „der Pa- 
tient ist ganz offen", hat sich wund 
gelegen, angelegen. 

Ou, alsAdj., Gramm. § 171. 

Ohne, „es ist nicht ohne", nämlich 
nicht ohne Grund, es hat Etwas für 
sich; auch f. es ist nicht übeL nicht 
ohne Werth, Gehalt u. s. w.; B. 

Ohngeffthr (mhd. ä.ne gevaere d. b. 
ohne böses Vorhaben) und die fal- 
schen Formen: ohngeachtet, ohn- 
1 angst, im Munde alter Leute f. un- 
gefähr u. s. w. 

0£ren, „die 0. aufknöpfen, aufsper- 
ren", für aufmerksam zuhören. 

Ohrwürmchen: — er ist wie ein O., 
freundlich wie ein 0., sehr freundlich, 
gefällig, verbindlich, zuvorkommend, 
diensteifrig, wohl auch etwas krieche- 
risch; vgl. schampedäschchen; 
PP.; jedenfalls von den geschmeidi- 

Sen^ eifrigen Bewegungen des Oehr- 
ngs hergenommen. 

Ordinär, nicht nur gering, sondern auch 
gemein, niederträchtig, ungebildet: or- 
dinäres Betragen, ordinärer Mensch. 

Orgeln, leiernd reden oder singen: eine 
Predigt, eine Rolle herorgeln, ab- 
orgeln, herunterorgeln. 

Orgelpackt, das, sehr liederliches 6^ 
sindel. 

Orndlich, 1. für ordentlich, welches vor- 
nehmer ausgesprochen „ord engl ich*' 
lautet; Bö., Eg.; Schi.: umdlioh; 
Btr.: ornlich, Holst. : örnlich; 2. aiich 
wirklich, lebendig, nicht nachgemacht; 
„eine orndliche Uhr," nicht blosses 
Spielwerk; „ein o. Pferd", kein hölzer- 
nes*, „ic^ T(v&c^\i« \TL die orndliche 



Orsohester — Parabel 



179 



Schweiz, Dicht in die sächsische;" 
ND., Sdt.; 3. Als Adverb — wirklich, 
in der That, sehr; ,,er ist omdlich 
wüthend*S wo man*8 ear nicht erwar- 
ten sollte; Brl.; in Schi.: nmär; femer 
f. scharf, genau: „es ist gar keine 
omdliche Ordnung darin". Unter- 
schied je nach dem betonten Worte: 
„es is omdlich kalt'', in der That 
kalt, eher kalt, als warm; und: „es 
ist omdlich kalt", sehr kalt. 
OrMliester, heliebte Aussprache f. Or- 
chester, sogar im Munde von namhaf- 
ten Tonsetzem; Gramm. § 71. 



Orweni» urweni, geräuschvoll mit Ge- 
räthen, Geschirr u. s. w. umgehen; 
P.: urbem. 

Ostern wird als Sin^uL gebraucht: 0. 
ist heuer sehr zeit&; dagegen: weisse 
Ostem; ebenso Pfin|fsten; man 
denkt an: Fest, wie bei den französ. 
la St.- Jean, la Toussaint; — „ich gebe 
dir eine Dachtel, dass du denken 
sollst, Ostern und Pfingsten 
föllt uff eenen Tag**, eine gewaltige 
Ohrfeige. 



P. 

[s. B; unter P sind nur Wörter aufgeführt, deren Abstammung f verlangt.] 



Paar, im Sinne von „einige'* wird ad- 
jektivisch deklinirt, als ob „wenig" 
stünde: das ist Einer von den paa- 
ren, die noch da sind. 

Padde, die, kleine, dürftige, zurückge- 
bliebene Person; s. Eaulpadde. 

Paffen, l. den Tabaksdampf beim 
Bauchen hastig, stark von sich blasen; 
auch papsen, blaffen, platzen; 
der Paff «» whiff. „Er stiees drei 
Qualme schnell nach einander auf", 
B. Auerbach; 2. häufig und schlecht 
schiessen; s. bläffen. 

Pähnert, der, eine Art kleiner, back- 
schüsselförmiger Obst- oder Gemüse- 
korb, mit Bogenhenkel; le panier? 

Palmari, Abkürzung f. den Sonntag 
Palmarum, nach Aehnlichkeit anderer 
Kalendertage entstellt; so „zu J ohan- 
ni, Michaeli, Jacobi". 

Palmen nennt man manchmal die gegen 
Palmarum erscheinenden Weidenkätz- 
chen; engl.: palms. 

Panseh, Pantseh, der, verächtlich f. 
Magen, dann der Bauch, Unterleib, 
wie Wanst; „sich den Pansch voll- 
fressen ;** von Pansen, der erste Magen 
der Widerkäuer; en^L: paunch. 

Pantoffelgreetseh, Spitzname des Städt- 
chens Groitzsch, wo viele Pantoffeln 
(Babuschen) gefertigt werden; vgl. 
Äippelzörbig. 

Pantschen, wie plantschen und 
mantschen; Schi. 

Panzerkette, eine Kette mit stärkeren 
Gliedern als eine Erbskette. 

Pappe, die, 1. dicker Brei; BsL; Schw. 
rappele; Rieh. Wagner's Siegfried 



sa^: „mit Bappe back' ich kein 
Schwert;" davon: Pappenstiel, 
Holzlöffel zum Pappen a. h. Brei- 
essen (?); s. aufpäppeln; 2. bes. 
Schuhmacherkleister; 3. der Wein 
(das Gewitter, die Landschaft;) ist 
nicht von P., lobend f. kräftig, schön 
u. s. w., hier ist wohl Pappe «■ Gar- 
ten gemeint, die auch aus dickem Brei 
bereitet wird; s. Eltern, Lange- 
weile. 

Pftppe, Beppe, die, 1. weiche Masse, s. 
Pappe, 1; daher beppie, z.B. eine 
beppige Semmel, die nicht scharf ge- 
backen ist; 2. der Mund (der die 
„Pappe" verzehrt, also wie: Fresse, 
Brodladen), dann das Gesicht; ,Jialt 
die Peppe; Einem Eines in die B. 
langen'*, ohrfeigen; SchL, Th.: da- 
her pappen: —päppern, anhaltend 
schwatzen; Schw.; aas (^epäpper; 
s. bapeln. 

Pappelweiden, „ein pappelweidner 
Kerl", schlaff, kraft- und saftlos, ohne 
Mark, charakterlos ; Pappelweide 
(auch bei Bürger und Rammler) ist 
die Schwarzpappel, populus nigra; 
ihr Holz ist minder zäne, als das 
der Korbweide. 

Pappen, poppen, päppeln, Kinder- 
wort f. essen; s. Pappe, 1. 

Pappllehe, die. f. Pappä; Bspr. 

Papsen s. pafren. 1. Ab. 

Papst, Abtritt; vgl. Oberhofgericht, 
Bürgermeister; papsten, zu 
Stuhle gehen. 



180 



Paradies — Pauke 



Kragen, an der Kehle packen; vgl. 
GröDs, Karthanse, Kanthaken. 

Paradies» höchster Platz im Theater, 
le paradis; Brl.; häufiger der Topp, 
Henboden, auch wonl: Elyslum. 

Paraplaie, sprich B e r r eh li , auch B e r- 
bell, beliebter als Begenschirm; s. 
Parasol. 

Parasol, Barresol, das, Schirm, beson- 
ders Begenschirm (auch Be^enbar- 
resol), seltner f. Sonnenschirm; vgl. 
an umbrella «> Begenschirm; s. Pa- 
rapluie. 

Pare oder Bare, der Name des Flüss- 
chens Parthe, s. Gramm. § S3. 

Paris zeiffen, ein Kindchen mit flachen, 
an die Ohren gepressten Händen am 
Kopfe in die Hone heben ; in B. und 
£.: den Thurm zeigen; Bsl.: die Gros- 
mueter zage. 

Part, die, Mehrheit: die Parten, die 
verschiedenen Abtheilungen Mieths- 
bewohner: „in meinem Hause sind 
7 Parten", auch Parteien; Ob.-Oe.; 
in NS.: parten = theilen, vom latei- 
nischen (ob Parten s beim Kegeln 
damit zusammenhängt?); s. noch 
Haipart. 

Partaseliier f. Passagier, Bspr.; B.: 
Pataschör. 

Partie, „er nimmt ihm die P., seine 
P.*', nimmt Partie für ihn , tritt ihm 
die Brücke, hält ihm die Stange. 

Partikel, der; 1. Antheil an Etwas, s. 
Tappe, Depentat; 2. eine Menge, 
z. B, ein ganz P. Bücher, Holz; 3. f. 
Magen, Bauch; gebräuchlicher ist 
Wanst; „sich den P. gehörig voll- 
fressen." 

Partoat, spr.: bar du, f. durchaus, 
schlechterdings; „er wilFs partout 
durchsetzen; der Tisch will p. nicht 
feste stehen"; „das is partu ejal", 
ganz gleich; Schi.; aus Missverstand 
auch „es is Partie ejal." 

Passe, „zu P. kommen", passend, ge- 
legen sein, zustatten kommen. Di. = 
to Pass kamen. 

Passeldand, Posseltant, Pussel- 
tand, Pusseltans, der Zeitver- 
treib; von passer le temps, passe- 
temps; „ich mach es bloss zum r.", s. 
aucn busseln, basteln. 

Passen f. warten, das wenig gebraucht, 
auch noch durch lauern, s. d., ver- 
treten wird; „da kannst du lange 
passen." Wn., Schw. 

Pasternake, feiner: Basternate f. 

Pastinake, in BaumgarteBf Flora Lips. 

so^ar Balsternaken; Oe.; ND., wo 



auch : Palsternaten , Pinstemaken, 
Pfingstemakel. 

Pastete, spöttisch f. Ereigniss, widriges 
Zusammentreffen; „ene scheue P., eine 
böse P,; da hamm'r de P."; s. Be- 
scherige, Salat, Prostemahl- 
zeit. 

Pathe, die; 1. bedeutet sowohl den 
Tau&eu^en und die Taufzeugin, als 
das Kind, den Täufling, das Pathchenj 
2. Pathe stehen für Gevatter stehen. 
Btr.: Paden stahn; 3. „die Paden 
ham ihn geglett (= gekleidet)", er 
hat unerwarteter Weise sich einen 
neuen Anzug geschafft. 

Patron, der, nur im Übeln oder doch 
leichtfertigen Sinne, „ein sauberer, 
liederlicher, netter, schöner, lockerer 
P." (= Zeisig); ein lustiger P. == 
Spassvogel, Lebemann u. s. w. 

Patseh, der, gelinde Backpfeife; Fr., 
Hb., Schw.; davon patschen; dies 
bedeutet auch: a.) durch Schmutz, 
Wasser waden, dass es „klatscht"; 
P. panschen; ysI. manschen, 
Matsch; davon: herump., durchp., 
hineinp., aus Versehen in eine Pfütze, 
einen Kehrichthaufen treten; b.) es 
bezeichnet auch den Laut klatschen- 
den Wassers, Schlammes u. s. w.; 
„na, das goss aber scheene, 's patschte 
nur so!" Hl. „Patsch, Gevatterl" 
ruft man bei einem schallenden, klat- 
schenden Schlage u. s. w., z. B. bei 
einer tüchtigen Ohrfeige, oder wenn 
Jemand mit einem j,Schwapp" Wasser 
begossen wird, einen Teller fallen 
lässt und dgl. 

Patsehe, die; 1. die Hand, (davon also 
der Patsch, wohl auch verwandt mit 
„das Pätschel" = Handruder) auch: 
ratschhand, Patschchen, bes. von 
Kindern. Brl., E., S., J., Pf., Schi.; 
Wn.: Batscherl, Baschhand. Frisch 
leitet es vom ital. baciare ab, also = 
Kussbändchen; 2. Verlegenheit, un- 
angenehme Verwickelung, Unglück, 
bes. nach Klatscherei und bei kleineren 
Vergehen; „in die Patsche kommen; 
er sitzt in der P., er hat eine schöne 
P. angerichtet." Hl.; in NS. Pantsch, 
Pantsche; vgl. Patsch. 

Pätseliel, das, Handruder; pätscheln, 
damit rudern; schott.: paidle. 

Paake, die; 1. eine öffentliche Bede, 
Vortrag; „eine P. loslassen"; — 
„Einem eine P. halten" = ihm den 
Text lesen; davon: pauken, eine 
Rede halten, auch unterrichten; da- 
her \ievBaeii ^e\i\jX\Ä\Ä«t: Pauker; 



Faulino — Pfeffersack 



181 



„einpauken", £twas durch uner- 
müdetes Wiederholen einbläuen; Ein- 
pauker heissen Gelehrte, nvelche 
Studenten zum Examen vorbereiten; 

2. Prtigel, davon: durchpauken; 
Studenten „pauken" = duelliren 
sich; die Paukerei, Duell; Pau- 
kanten, Duellanten. 

Faulino, das, f. Paulinum, ein üniver- 
sitätsgebäude; diese Form steht für 
alle Kasus; „das P. is an alten Neu- 
marchte (früherer Name der Univer- 
sitätsstrasse); ich gehe durchs P., er 
wohnt im P.** 

Fax, der, beim Haschen der Kinder die 
Stelle, wo „es nicht gilt", wo neu- 
traler Boden ist; s. Gece. 

Fech, haben; l. Unglück haben; davon: 
pechös, unglüälich (bei Unter- 
nehmung, Spiel); 2. wie kleben; 

3. „Pech, mei Herzchen I" spöttischer 
Zuruf wie ätsch, Kuchen, Essig, 
Dreckchen u. s. w. 

Feehhengst, Schimpfname f. Schuh- 
macher, s. Hengst; Rtr.: Pick- 
hingst. 

Peehhatte; „bis in die P.'S sehr lange, 
unendlich weit, immer fort; „mit so 
einem verdammten Zündnadelgewetee, 
da schiessen sie bis in die P.; er 
spielt Eicheln bis in die P.; er schläft 
bis in die P."; s. Puppen, 1. 

Peitsehe; 1. „der hat ene scheue P." 
bei Kartenspiel, vier, fünf Karten 
einerFarbe; s.Pahree, 2.;— 2. „wenn 
du's besser weisst (oder kannst), so 
nimm du die P. und knalle", er- 
widert man, wenn ein „Neunmal- 
kluger" absprechend urtheilt, bes. 
einen Andern in der Eede unter- 
bricht; dafür in PP.: Kohn, rede du! 

Pelz; 1. Aepfel, seltner Birnen, bilden 
bei langem Liegen, bes. dicht unter 
der Schale, „Pelz", werden pelzig — 
schwammig; vgl. belle; 2. .Pelze 
kriegen, JPrügel bekommen; auch 
„was auf deuTelz kriegen." V. 

Pennanze, die, Geld; selten; gewöhn- 
licher Moos, Spiesse u. s.w.; Ver- 
schmelzung von penny, Pfennig, pence 
u. pecunia? 

Pepeln, aufpepeln, Kinder statt an 
der Brust mit Brei aufziehn; s. Pappe, 
1 u. pappen. 

Pepperlepepp! höhnischere Form für 
das in der Schrift vorkommende Pap- 
perlapapp; erinnert an: peppern, 
papperu, plappern. 

Pergemidde, tiärmemide f. Pyra- 



mide; Name einer Art künstlicher 
Weihnachtsbäumchen. 
Perle; 1. „er sitzt drin, wie die 
P. in der Krone", ein Herr zwischen 
mehrem Damen; 2. „es wird ihm 
keine Perle aus der Krone 
fallen", seiner Würde keinen Ab- 
bruch thun (er weigert sich aber aus 
falschem Ehrgefühl, es zu thun); 
höhnischer: „er ist nicht zu schön 
dazu." 
Perrüekenmaeli^r; „laufen wie ein 
P.", eilig rennen, wie ein Friseur von 
Haus zu Haus bei drängender Ar- 
beit; s. botisch, Bürstenbinder, 
Chaisenträger. 
Perseher, Perschi gr, f. Perser; so 
nennt man alle orientalischen Mess- 
besucher , Türken, Armenier u. s. w., 
sobald sie Fez und Pelz tragen; 
Gramm. § 97. 

Peter als Gemeinname, s. Gramm. 
§ 166 b. 

Peter Meffert! ärgerlich abweisende 
Erwiderung, wenn Jemand nach einem 
Namen frs^, der ihn Nichts angeht; 
„wer hat dich denn zu Tanze ge- 
führt?*' „Peter Meffert!" auch: Jeder 
Andere, nur der nicht, den du meinst; 
z. B. : „Hast du das gethan oder dein 
Bruder?" — Ae, Peter M. (auch mit 
dem Zusätze „in der Latemengasse, 
oder: in der goldnen Peterstrasse"). 
Er scheint mit dem Mr. Gheeks im 
englischen Cant verwandt zu sein. 

Petersilie (Bauemsprache Bitterzilche); 
1. P. pflücken s. Bank, 2; — 2. dem 
Kerl Kann man P. hinter die Ohren 
säen, so schmutzig ist er! 

P6trJS^öl f. Petroleum (auch: BedrSleum), 
knüpft sich besser an das bekannte 
„Gel" an. 

Petsehen, hörbar kauen, wie knet- 
schen, ketschen. 

Pfarre, Farre, der; 1. f. Pfarrer; mhd. 
pharre, m. ; 2. die, f. Pfarrhaus, mhd. 
pharre, f. 

Pfauzeii s. fauchen. 

Pfeffer und Salz, Name einer aus 
schwarz und weiss gemischten „spriss- 
lichen" Farbe — melirt; poivre et sei. 

Pfefferkaehen, eine Matratze (bes. von 
braunem Leder), namentlich in Ka- 
sernen, Geföngnissen u. s. w. 

Pfeffern, 1. werfen; 2. übertheuem, bes. 
^.gepfeffert" f. sehr theuer; „die 
Kechnung war gepfeffert u, gesalzen." 

Pfeffersaek, scherzhaftes Schimpfwort, 
„Du alter P.l" ^'^ ^Va.^^'^.'^w^^ 



182 'pfeM mich — Pinke 



„LeipzigerPfeffersäcke", wie man 1866 Pfui Spinne! s. Spinne. 

die Lnz. Eanfleute auswärts zu titu- Pffltzentitseher, unpraktiscli langer 

liren beliebte. üeberrock (Mode von 1838 n. 1878); 

^fehl mieh! s. fehl mich! von titschen. 

Pfeifen, 1. „auf Etwas pfeifen", Nichts Phjsionomie (gespr.: Fisjonemi!) f. 
darauf geben, es verachten; wurde Gesicht überhaupt; „sich eine in die 
1878 im Reichstage gebraucht! 2. Ph. stecken", eine Pfeife, Cigarre an- 
rieh will Dir 'was pf." wie husten, zünden; auch in Studentenhedem; s. 
niesen; 3. „Ei neu pf/', trinken, bes. Gesicht 

pÄÄU^se^Z/Eaauser. %»1"' !•'«•••■• g«™ ""* ^«^ ^««1'«»' 

"v!!Ä™*JZ; J?Sf^*1jt*> 1- Wek, „einen Piek (oder eine Pieke) 

wÄlaS^niT^^sfÄ' auf E?inen haben«, pikirt sein, ihm 

hau^t verachthch f. Klatecher. ^twas nachtragen; la pique. der Groll; 

PfeBiiiifstflcke(Penksticke) 8. Dreier- ßrl " s Gieker " »"H""» '^'" '''''"» 

Pferd; „mit Dem kann man ein 3. Piek, vorzüglich; „das Bier ist piek;" 

Ferd mausen", er ist der Mann gewohnlicher : piekfem, sauber, nett; 

zu kräftigen Unternehmungen, guten, „.■^^^•» ^;^* PS, i ?^°'/. .i. . »^ 

wie bösen; s. noch Hof. Piepe, die, 1. Tabakspfeife, wie: Fape, 

Pferdeäpfel f. Pferdekoth; das Pferd 2. seltner das Blasinstrument die 

„äppelt;** Eg.: Pfäreppek. P^ei^e; 3. Piepen, Rindspiepen, 

Pferdejokei, Eosshändler; s. Jokel. Kaidaunen; 4. es ist mir Piepe 

Pferdemässig (ausgesprochen: färe- (BrL),einerlei^ie: Wurst, Schnurz, 

mäss'g), übertrieben stark wie „stier- Schnuppe, Pomade, 

artig;" „eine pferdemässige Tour", Piepematz, Vögelchen, wie Matz; 

anstrengender Weg; „eine pf. Karte", ^i^Pe^^tzchen, büdlich f. Unge- 

sehr starkes Spiel; so auch: eine zieier, bes. KopHäuse. 

„Pferdekur", angreifendes Ver- Piepen, 1. weinerlich klagen: „es hilft 

fahren, wie es kaum ein Pferd aus- gee P.", mit allem Bitten, Wehklac^en, 

hält. Weigern, Sperren erreichst du Nichts; 

Pfiff, der, kleines Glas Branntwein; s. 2. kränkeln. 

P^^i f e n, 3. Piepig, 1 . von piepen : immer kränkelnd : 

Pfiffkopp, Pfiffikus. Brl., PP.; s. pimpeln; 2. zu klein, 

Pfingstochse; „geputzt wie einPf.", dürftig, winzig, kurz; „eine piepige 

übermassig, geschmacklos; PP. Jacke;" Brl. 

Pflanze, bes. „eine Leipziger, Berliner dsx^x«.! a,,«« ™:.> r««i.«««^ «««i . 

Pf.^ ächte Leipziger, berliner Kinder, "^'fn^GD 1 fehen ^''^*^^^' ^''ß^- 

mit all deren Fehlem und Vorzügen, ni^^^^^i^ i f«i," s^uk^i^^^ ir^s^i. 

Pflasterkasten, Spottname f. Milifär- 'Ät^MalfnÄeÄ a'Ä 

Pflaume, die, derber Mensch; „ein *Ä^'Ä""f 4f>.'"^^^^ 

hnbsches Pleimichen." <"4«°f; 'gl- Bierzeichen, Hnnde- 

Piionn.i>nG«hn.AiBGai- <»i«==o,. lo«»«, ZBichen, Spuckfleck, Knopf loch. 

ÄeTÄch ' ^ ' ^ ' "esaeken 8. fclesacken! 

Pflege f. Gebend, Viertel einer Stadt; '«^^J: ^^^j^fen^^^ *°uf'naSS 

„er wohnt in unserer Pf."; auch von genen, s. wicKen, z, aui naseweise 

Ser Zeit: „er war im Janiewar oder J^,^^.«°' ^^ J'??.^i TaI'^^1 

im Fewerar hier, genau weess ich's ^'„^•J^^'x.rP" "^ ^ Schwämme 

niche, aber in der Flege war'sch;** s. ^^^ sucnt r. 

Drehe. Pimpeln, oft ein wenig kränkeln; da- 

Pfloek; „einen Pf. zurückstecken", von: pimpelig; Brl. 

behutsamer auftreten, weniger An- Pink- der -Bank, wo steht der 

Sprüche machen, Nachsicht üben, ein Schrank, oben oder unten? nur 

Auge zudrücken; vom Pfluge? ^ diesem Reimchen gebräuchlich, mit 

Pfropfen;Enenufi'^nProppen setzen, welchem man Kinder rathen heisst, 
abfiihren, abtoffeln, ad absurdum ^ welcher Hand man Etwas ver- 
führen, abfallen lassen u. s. w.; auf borgen halte. 
dem P, sitzen, heruntergekommen, Pinke, die, Geldbüchse; Ab.; wie 

20 acblechten Verbältnissen sein; Brl. Knepse*, he&. heim Kegeln. 



Pinseln — Plmnpsack 



183 



Pinseln, jämmerlich wehklagen, winseln, 
,,er hat ewig was zn pmseln;'' wie 
qnängeln; die Pinselei, das Ge- 
pinsel; Eg., PP. 

Pips, der (Vogelkrankheit), jedes Un- 
wohlsein des Menschen ; mit bes. Be- 
tonnne: „Der hat den Pips", ist ge- 
föhrlicn, tödtlich krank. 

Pipser, die, nnr Mehrheit, Einheit: das 
Pipserchen, kleine, iömerförmige 
Dinge, beim Sticken, Gamiren n. s. w. 

Pirholer f. Pirol, OriolusGalbula; ander- 
wärts: der Vogelfiraus; bei Drsd. : Bier- 
enle. 

Pitterzilehe, Bittersilche, die, Bspr., 
f. Petersilie; s. d. 

Plaek, der, verstärkt ans PlageTFanst : 
Plackerei), viel Arbeit. Hj.; das 
Plackholz im Hanse ist Der, dem 
alle grobe Arbeit „aufgebnckelt" wird, 
ein männliches Aschenbrödel, a dmdge ; 
Zeitw. sich placken, Köln. 

Plane» die, Leinwandbedachung eines 
Lastwagens („Planwagen"), auch die 
ähnliche Auskleidung eines Getreide- 
oder Eapsfuders gegen Verstreuen der 
Körner; Hl.; Rtr. : Plan ; in Brl. ist die 
Mehrht.: Pläne; in Lpz.: die Blan*n. 
SD. : Blahne ; Schw.^ Blähe, Blähe ; B. : 
Blaue; Oe.: die Plache. 

Plansch, Plantsch, der, schlechtes Ge- 
tränk, bes. Bier; auch Kaffee- 
plantsch; Nässe auf den Wegen (Brl.) ; 
davon planschen, plantschen, 
planschern, plänschern, das 
Wasser, bes. beim Baden oder Rudern, 
durch Herumtappen, schnelles Regen in 
Bewegung bringen ; s. auch panschen. 

Pläsirlieh, belustigend, vergnüglich; 

Gramm. §169. 
Plast erd^o, vornehmer: Pflaster- 

depa, £ Place de repos, Name eines 

Grundstückes in Lpz. 

Platschen , 1 . heftig spritzen ; der Koth 
platscht an die Spritzleder, der Regen 
platscht aufs Dach; Pf.; to splash; 
schott. blashin, plash; 2. heftig, xm- 
geschickt in Wasser, Schmutz u. s. w. 
treten (so dass es „pl a t s c h t^^) ; seltner : 
der Platsch; BsL, meist Schwapps. 

Platte, die, Kopf; Rl. : Blatten. „Einem 
Etwas auf die P. geben, ihn aaf die 
P. dippen^S schlagen. 

Platten, gebräuchncher als plätten 
(von Wäsche); davon Plattfran *» 
rlätterin; Plattwäsche s. Rolle. 

Platz, der, grober Kuchen von Ro^en- 
mehl, auch: Brotplatz; ähnlich: Kai- 



toffelplatz, Speckplatz; Pf.: 
Blads; Hb.; Schw.: runder, flacher 
Knchen, davon: Plätzchen, Zucker- 
plätzchen, Bonbons. 

Platze, die, Prügel; „es setzt P.;" s. 
platzen. 

Platzen, 1. beim Rauchen, so wie 
paffen; 2. prügeln, auch plätzern; 
„Einem aufplatzen' S Prügel au&ählen; 
diese heissen daher auch Plätzerte, 
Hb. — 8. Bulle. 

Platzregen; „freik Dich, liebe Seele, 
es gimmt e Blatzregen !^' ruft ein 
Durstiger aus, wenn er das Glas an- 
setzt; dann überhaupt Ausruf, um 
etwas plötzlich Eintretendes anzu- 
sagen, z. B. eine Tracht Schläge. 

Plaaz, der, ein heftiger Knall bei einem 
Falle; „es geschah ein grosser P.;*' 
davon: plauzen; „er plauzte die 
Thür zu (stark zuwerfen); das plauzte 
nicht schlecht (krachte); sie plauzte 
hin (fiel heftig). Ab.; s. bauz. 

Plauze, die, 1. schlechtes Bett, 2. Brust- 
kasten; „es liegt mir auf der P.*', 
Erkältung beklemmt mir die Brust 
u. s. w. In Schi. u. PP. : Eingeweide 
(Luftröhre sammt Lunge, Leber xmd 
Herz von Thieren); 8. „es setzt 
Plauze", Prügel; hat R. Wagner 
in den Meistersingern angewendet. 

Pleite, 1 . pleite gehen oder werden, banke- 
rott werden, auch ein Spiel verlieren ; 
2. die P., der Bankerott, Untergang; 
allg. bekannt. 

Plempe s. Blempe. 

Plerpe, die, Gesicht, wie Flappe, 
Flarpe. 

Plinse, Plinze, die, eine eierkuchen- 
artige, dünne Mehlspeise. 

Plitte, wie Platte; Ab.; Knopfplitte, 
das Metallblatt eines Knopfes. 

Plotz, Platz, der, in der Redensart 
„auf den P.", gleich, sofort, auf der 
Stelle (Ha.: up Stede); ist der Stamm 
zu plötzlich; Schi. 

Plumpe, die, verstärkt aus Pumpe, 
Brunnen; Ab.; so im „Wanderbuch 
durch Sachsen von Schäfer u. Friede- 
mann; Dresden, 1879". 

Plumpen, 1. pumpen, s. Plumpe; 
2.hmplumpen, *runterplumpsen, plump 
fallen; Hb., Eg., Brl., Bsl.; schwed. 
plumpa; dän. plumpe; sehott. plump, 
stark regnen; davon: Plump rian, 
wie Tolpatsch; s. die folgenden. 

Plumps, Plums, der, ein Fall; Eg.; s. 
plumpen u. Bums; Gramm. § 164. 

Plumpsaek, der, 1. ungeschicktet^ 



Plmnp'soh — Porpe 



: zuBammengedrelite, mit Knoten Ter- 
sehene, zum Zascblt^en gebrauchte 
Taschentnch bei GeaeUBchaftsspielen; 
Hb., BbI. 

Plamp'sek, verstärkt f. plamp; ä 
plampscber Kerl; „ich erfnlir ee ranz 
plmnpscher Weise", dnrch einen plDni' 
pen Znfall; Gramm. % 146, 3. 

Plnstern, eich aofplaatern, von Htihnern 
und Tauben: das Gefieder stranben, 
sich Bafblasen; plattd.i Pluaterbacken 
^^ Paaapacken. 

Platz 8. Plotz. 

Poßnf , BuCng, der, Punkt, le point: — 
es stimmt nlTn Bneng (genau); es 
fehlt kee BaeoK (gar Nichts). 

PolAtsehen, bulatschen, unverständ- 
lich, viel schwatzen; „die Kinder p. 
m'r die Ohren voll; Der kann was ZQ- 
saiomon p.", grOBBCr Schwätzer; Btr.: 
pohlen; wohl von Polen, polnisch 
reden. V.; daUätachen; s. dalen. 

Poldchen, Leopold nnd Leopoldine. 

Polen, I. bIb Bezeichnung der Unord- 
nung: ,Es Bieht (aus) wie in Polen, 
ea iat eine pölsche Wirthachaft 
(in der Pamftie u. s. w,): PP.; Sdt: 
,3b sitt aus wie im pulachen Kriege;" 
2. „noch ist P. nicht verloren", 
ich gebe die Hoffnang noch nicht 
anf. — Daa Eigenachaftswort heiast: 
„bölach"; hiergehtsh. Aber Ecke; 
engl. : polisb; im bolschen Bogen 
{schätzen n. dgl.) f. in Bausch und 
B<%en. 

Polier, der, der oberste Geselle bei 
Mantern und Zimmerleateii , welcher 
die Arbeit anordnet, die Aufsicht 
führt; entstellt ans mhd, parlier, 
WortfBhrer. 

Polise, die, b. Polizeier. 

Politisch, pfiffig; Di. putsch. 

Polizei, j,der Kerl ist dümmer als die 
BoUezei erlaubt", unverantwortlich 
dumm; B. sündhaft. 

Polizeidiener, 1. wenn in der Unter- 
haltang einer Gesellachaft plötzlich 
eine Pause eintritt, so sagt man: „es 
geht ein P. durch die Stube", ander- 
wärts „ein Engel", waa bei uns nur 
Belesene kennen; in Mklnbg.t „es 
fliegt ein Leutenant dnrch die stabe;" 
2. „das Wetter ist so schlecht, dass 
man nicbtgem einenP. hinausschickt" 
(anderwärts „einen Hund"). 

Polizeier, Abkürzung f. Polizeidiener, 
PoKzeibeamter; auch; eine Polise; 
Qramm. § IM. 
Pfilulaeb — bolseb. s. Polen. 



Pomade, 1, „erbt eine richtigePornftde, 
ein pomadiger Kerl", sehr gleioh- 
giitig, bequem, langsam, &ul, nicht 
leicht erregt; in Jj. poroaüg, von 
acbles. pomSle, poln. pomaln — lang- 
sam, altnialioh; s. bumäle-, 2. „es 
ist mir ganz Pomade", gleichgU- 
tig,wieWurBt,achaappe,8chnorz, 
Piepe, egal 

Pomeranze, „\f ächst mir biet keine 
BuniuioTanEche?" fragt man, anter 
das Auge deutend, i. 8. v. „so dumm 
bin ich nicht;" Brl.; s. blau. 

Ponuner, der, 1. einfältiger Uenschj 2. 
dammea Glück, wie Schwein; auch 
Bnunni er gesprochen und durchMias- 
verätand in „Brummer" nrageformt. 

Pnnircn, Jejuanden freihalten, Etwas 
zum Besten i^ebon, wie setzen, 2; in- 
iltfs.s kann jiiiniien aach ein 8ach-0b- 
JL-kt habfri;„ichponireeFäsachen,enae 
Bolc;" bei setzen heiaat ea: „ich setie 
(lieb ui'f e Paar Debbohen u. s. w.;" 
München: Eiua aufwichsen, 

Popel, der, J. verhärteter Nasenaohleim; 
Hb., ,T., Hz.; El.; Babel, s. Nasenp. 
Sprichwort lieb: „der Kerl frisst Botz 
und Popel!'' (so geizig ist er) davon: 
jiopeln, da^ BetrefTende wegputaen; 
bildlich: an Etwas hernmp. — un- 
berufen, ungeschickt an Etwas sich 
zn scbafl'en machen, z. B. an einer 
Uhr; 2. winziger Mensch, wiePoipe; 
noch gröber .,eine Popelnase", ein 
naseweiser, verächtlicher Mensch; wie 
Botznaae, Botzjnnge. 

POpel, der, 1. wie Popel I und 2; 2. 
ein aus Vorsicht mit Kleidern Ueber- 
ladener; Th., er hat sich „eingepö- 
pelt;" s. einmummeln, seine Ent- 
schnldisnng unter: KröpeL Von der 
entstellenden Verhüllung, die Kinder 
schrecken kann, mag Popelmann 
kommen ; Kraatpopel (Vogel- 
achenche). 

Popeldt^ehche b. Babellätschke. 

Popeimnnn, Pöpelmaiin, 1. wie Popel 
1; 2, Vogelscheuche, Gesprast, Popanz, 
wie Butzemann. Tb., Hl.; in SchL 
f. Tod and Teufel; Hb. u. Schi. 'der 
Popel ; Schw, ; Poppele, Poppel — 
Teufel; f. noch Popel. 

POpoln s. anfpöpeln. 

" -ip&, der (niuht PBpi , 
-legenden^, daa Gesäss. 

Pojpposeheltel, der, Haarscheitel in der 
Mitte des Hinteikopfea. 

Poife, Fnrae, die, der Porps, der 
" " " " ' ""lOTwa, ^etkömmertes, anch 



ye, Fnrae, 

otpel, Wot 



Pörreh — Pritschen 



185 



naseweises Kind; Ton borbeln? s. 
Grimm, II, 238. 

Pörreh, der, eine Art Zwiebel, Allinm 
porrum; mhd. porre, Lauch; thepor- 
ret; le porreau oder poirean. 

Porzi^, grob, hitzig, kurz angebunden, 
batzig; ND.; in Au.: perzen, stolz 
thun; s. protzig. 

Pörzig, der, f. Teufel: selten. 

Posaanenenrely bausbäckiger Mensch. 

Posentar f. Positur; bes. „sich in P. 
setzen'*, ernste, feierliche, entschie- 
deneHaltung annehmen. Schi. ; Gramm. 
§ 29. 

Possekel s. Bassekel. 

Postgaul, Postpferd, Spottnamen für 
Postbeamter. 

Postmeistern, wer beim Spiel sein Daus 
aufspart, postmeistert, er macht 
einen Postmeister, auch er schnei- 
det (misslingt's, so hat er sich ge- 
schnitten!); „er schindet" mit dem 
Daus, um dem Gegner die Zehn 'raus- 
zuschinden. 

Posttag, ndn kommst einen?, zu spät*', 
ein wenig zu spät; moutarde apr^s 
diner. 

Potsehamber, der , Nachtgeschirr ; früher 
als „höflich" beliebt, jetzt verachtet. 

Prakljg f. prahlerisch, auch von grel- 
len, schreienden, auffallenden Farben, 
Stoffen. 

Praktiziren , heimlich wohin schaffen: 
Jemandem einen Schneeball in die 
Ficke p., Etwas weg p. (entwenden J, 
auf die Seite p.; BsL: z* wäg brackdi« 
ziere, listig zustandebringen. 

Prälat, „schreien wie ein Breilade, 
auch Brüllade", überlaut; s. 
Zahnbrecher. 

Präsentirteller, scherzhaft: die erste 
GaUerie im Theater; auch an andern 
öffentlichen Orten „sitzt man manch- 
mal auf dem Präsentirteller" = zur 
Schau, on fait tapisserie. 

Prasselderre, soviel wie klapperdürre; 
s. Dürrlender. 

Prellerieh, der, Prellschlag; Einem 
einen P. versetzen ; vgl. Bennerich, 
Schlenkerich; s. Gramm. § 159. 

Press steht ein Ball beim Billardsniel, 
wenn er die Bande (ziemlich) berührt; 
vom franz. presser? 

Preusse, 1. oft als Spitzname oder 
Schimpfwort; der gemeine Mann wirft 
mit Mausepreussen — im grollen- 
den Hinblick auf die Theilung Sachsens 
— {gerade so um sieb, wie gewisse ge- 
memebairische Zeitungen. Die 18 15 an 
Prenssen abgetretenen Sachsen — heut 



die eifrigsten Preussen — heissen 
Musspreussen. AmBh. ist Prüss 
Schimpfwort. Grossschnauzige 
Preussen, sehr gebräuchlich bei 
uns. In Finnland neisst eine Art 
Insekten, nordische Taranteln: Prus- 
saki. In Schw. nennt man die Scha- 
ben, welche wir Schwaben nennen: 
Preussen. Franz. bedeutet zwar prus- 
sien stramm, aber le prussien der 
Hintere, und mit les prussiens gibt 
man uns unsere „Franzosen" zurück! 
Schon vor 1870 sagte man im Loiret 
z. B. von einem herrlichen Braten: 
„En voilk un que les Prussiens n*au- 
ront pas." 2. „So geschwind, so 
scharf schiessen diePr. nicht", 
so ^eht es nicht, soweit sind wir noch 
nicht; Hb., PP.; s. preussisch. 

Preassiseh, 1. breisch sein, ange- 
bracht, ärgerlich; wie rackerig, 
wichsi^; — „da mechte m'r doch 
glei breisch wär*nl" es ist, um aus 
der Haut zu fahren; alte Redensart, 
nicht erst seit 1866; ebenso: *s is zum 
Katholisch werden; 2. der 
breische Wind, Prahlerei; s. Ber- 
liner; 3. das geht mit dem brei- 
schen Pfiffe, es muss besonders 
schlau, mit einem „Vorthel" angefasst 
werden. 4. Preussische Thaler 
nannte man alle Silberthaler im 
Gegensatz zu Papierthalem, gleichviel, 
woher sie stammten. 

Priester wird von protestantischen 
Geistlichen selten gesagt, aber ihre 
Amtswohnungen am Thomas- und 
Nikolaikirchhofe heissen immer noch 
die Priesterhäuser. 

Primehen y das, ein Stückchen Kau- 
tabak; „er primt", er kaut Tabak. 

Prise, „sie ist eine rechte P.", maliziö- 
ses Frauenzimmer; etwa Abkürzung 
von Kaprice, das ganz so für eine 
Person stände, wie „eine Malise;" 
s. d. u. Massette. 

Pritsehe, die, hartes Lager (in Chem- 
nitz: Bowerzche); wohl von der 
Pritsche hinten am Schlitten; ebenso: 
von derP. kommen (fallen), Stel- 
lung, Amt verlieren; s. Schlitten. 

Pritseheball, der, Ballspiel: der Ball 
wird auf ein Stück Holz, eine Dach- 
schindel und dgl. gelegt, die auf 
einem Pfahl u. s. w. schwebt, und 
durch einen Schlag mit einem Stocke 
in die Höhe getrieben; jetzt leider 
wenig geübt; s. Stern gikWr u. s. w. 
Hl. : JBallpritsche. 



186 



Privatdozentin — Pütt 



laufen lassen; • „er ist scheene ge- 
pritscht*^, zu kurz gekommen, in 
Nachtheil gerathen, geleimt; in Pf. 
= bankerott. 

PrivatdozentiM, Dirne, die eine Privat- 
Wohnung hat. 

Profentiren f. profitiren; Gramm. §29. 

Profitehen, das, Lichtknecht, Licht- 
sparer; Pf., Di. 

Promenaden warze, kleiner Hügel im 
Stadtparke hinter der ersten Bürger- 
schule. 

Promo viren, Studentenausdruck: bleibt 
imKonvikt an einem Tische ein Tisch- 
genosse aus, so kann einer der übri- 
gen dessen „Schinken promoviren*', 
aas bei seinem Gedeck liegende Bröt- 
chen mitnehmen. 

Prostemählzeit, 1. Ausruf, statt: Pro- 
sit die Mahlzeit; s. Mahlzeit; dann 
=*= wohl bekomm's, von allem Mög- 
lichen, von einem Geschäfte, beim 
Niesen (statt Prosit) u. s. w.; 2. „da 
ham m'r de Pr.; 'sis ene scheene 
Pr., das wäre eine theure P." (eine 
Reise z. B.), so wie: Bescherige, 
Pastete, Salat; ans Essen denkt 
man dabei nicht. 

Protzig wie b atzig, u. porzig; K. 

Padel, der, 1. Fehler, Verstoss; daher 
pudeln; 2. pfui Pudel =« pfui 
Teufel; auch: foi äx! 

Pudelmütze, oft als lächerliche Ver- 
gleich ung; wenn Jemand Alles durch 
einander men^t, zu viel an Etwas 
wendet, zu viel Feuerung in den Ofen 
wirft u. s. w., sagt man: „schmeiss 
doch die Pudelm. auch noch mit 
hinein;" s. auch Huzel, 2. 

1. Paff, der, Bordell; s. Bums. 

S. Paff Haane! Ausruf anstatt: par- 
dauz! 

Puffen, „dass es pufft'S sehr, stark; 
z. B. einheizen, schreiben, schreien, 
dass Alles pufft; Th. 

Puffjaeke, die, eigentlich ein (Berg- 
manns-) Kittel mit Puffen an den 
Ermein ; Eedensart : „zwischen Fell 
und Pufl^acke;" ND.: Piejäcke f. Un- 
terjacke. 

Puls, der, scherzhaft f. Kerl, Hans, 
Toffel; „na, Puls, was suchste denn?" 
zu einem Ejnde gesagt. 

Pulswärmer, der, kurzes Handmüffchen 
von Pelz oder Wolle; s. Müffchen. 

PolTerolireii machen, Schwierigkeiten 
erheben; selten; woher? 

Pump, pumpen, Borg, borgen, leihen, 
allgemein verbreitet. (Borgen oder 

pumpen gut stets auch f. leihen, 



was fast nie gesagt wird, obschon es 
sich in Leihhaus, Leihbibliothek n.8. w. 
erhält.) 

Pumpel, der, unbeholfener, langsamer 
Mensch; ähnlich: Tappel, Dussel; 
Schw.; davon :P.fritze, P.suse, P^ose; 
pumpelig (m'r werd alt nn bnm- 
olich), was auch zusammenge- 
schrumpft („schrumpelig") baden- 
tet, z. B. von Aepfeln; auch von nidit 
ausgebackenen (pumpelw eichen) 
Semmeln u. s. w.; s. Hnzel, 2.; da- 
von: pump ein, langsam, zöffemd 
Etwas thun, nicht vom Flecke Kom- 
men, trödeln; Etwas verp., dnreh 
Pumpelei Etwas versäumen, verges- 
sen; s. duseln. 

Pumphosen, übertrieben weite Bein- 
kleider, Pluderhosen. 

Pums, plumps! Ausruf bei einem dum- 
pfen Schall; „pums, lag er auf der 
Käse!" B., E. Auch als Hauptwort: 
es daht e gewaldigen Bumps! Gramm. 
§ 164; s. Bums. 

Punktum, streu Sand drnm! es 
ist entschieden aus, mach* keine Ein- 
reden mehr; füge dich! 

Pünseher, scherzhaft als Mehrheit von 
Punsch, Wortspiel mit Pinscher. 

1. Puppen, 1. „bis in die Puppen'S 
immerfort, unbegrenzt, ad innnitnm; 
s. Pechhütte; 2. „über die Pup- 
pe n^S zu weit, übertrieben, s. Bon- 
nenlied. 

S. Puppen, Zeitwort, sich mit der Puppe 
beschäftigen, sie bekleiden u. s. w. 

Puppenlust, grosse Lust, gewaltiiger 
Spass u. s. w.; in Hb.: Hexeinst. 

Pflppine, Bibbine, die, Püppchen; Kin- 
derwort. 

Purzel, Porzel, der, kleines, täppisehes» 
spassiges Kind, das leicht purzelt; s. 
dagegen: Hutschche; E.; in Oe.: 
Sterzel (von stürzen?). 

Purzelbaum, der, Borzelbom, wie 
Kekelburz; E. 

Purzeln, borzeln, fallen; weitver- 
breitet. 

Pussiren, den Hof machen; par distance 
p., liebäugeln, kokettiren; daher der 
russadör und die Pussade; BrL; 
von pousser. * 

Puss, puss! Lockruf f. Katzen, gewöhn- 
licher Hiez oder Miez; davon P use- 
katze, Pusemiezchen; engl.: puss 
=^ Katze, Hase. 

Puste, die, der Athem; BFl.,Di.; Btr.: 
Pust; davon: verpusten, verschnau- 
fen. Hieb 6, 26: ihr paustet Worte. 

Patt, puttl IiQ<sk.int für Hühner und 



Putz — Quarre 



187 



Tauben (ND. Pute f. Huhn); ND. tnck, 
tnck; jene Vögel heissen im Kinder- 
munde: Patthühner, Putttauben, 
Puttchen (Ha. Pütjen); letztres ist 
zugleich Liebkosungswort f. Kinder, 
bes. f. Mädchen; Schi.: Puttel; — ,,er 
musste Puttchen Puttchen 
sagen", pater peccavi sagen, klein 
beigeben. 

Patz, der, 1. Bewurf einer Mauer, Ab- 
putz: 2. Putz oder Butz, Büttel, Po- 
lizeidiener; ND., Bw. 

Patze, die, nicht nur eine Maschine 
zum Putzen (wie Messerputze, Lichtp.), 
sondern auch ein Stoff zum Putzen; 
80 braucht man Ziegelmehl, Bimstein 
u. s. w. „zur Putze;" schlechter 
Branntwein heisert „Zahnputze"; 
Gramm. § 156. 

Patzen, das einzige gebräuchliche Wort 
für schmücken, zieren, verschönern 
(welche der Dialekt als zu vornehm 



betrachtet). Man putzt nicht nur 
Messer, Thürschlösser, Fenster, Zähne 
und Nase, man putzt auch Kinder 
und sich selbst (heraus); man putzt 
den Ghristbaum an, ebenso Grabhügel 
(mit Blumen); Gemüse werden geputzt 
oder zugeputzt; alte Kleider wer- 
den wieder aufgeputzt; Häuser wer- 
den abgeputzt (getüncht, gemalt 
u. s. w.); so in Ndr.-Oe.: afbutzeo; 
s. noch verputzen. 

Patzer, der, Verweis, wie Wischer, 
Batz JJL. s. w.; N. 

Patzig, possirlich; „eine putzige 
Staude, ein p. Knopf ^S ein närri- 
scher, drolliger, sonderbarer Kerl; 
Brl., L.; InND. auch: putzlistig, putz- 
lustig. 

Putzmeier, Maurer, der Wände tüncht 
u. s. w.; in Pf.: Weissbinder; s. Putz, 
scharwerchen. 



Q. 



llaaMielig, fleischig, feist, weich (z. B. 
Hände), Brl.; Schwab b«li|^ ist noch 
stärker; Langbein nennt semen Pater 
Niklas: Quabbelbauch; an der 
Buhr: quatsohelig f. gehaltlos. 

Iluabbem, quackern, quackeln, 
quaddern (quaddeln in Th. und 
Hss.) bezeichnen den Laut des koehen- 
den, wallenden Wassers ;s.broddeln; 
auch „der Begen quaddert mir in den 
Schuhen herum", wie quatschen;„es 
quaddert scheue", regnet stark. 

Ilaaelceln, qaaekem, s. quabbern. 

Ilaaddern s. auabbern. 

Ilaadderieh, aer, 1. »er macht e ewi- 
gen Q. ", viel Geschwätz, s.Datterieh, 
Merrettig, Kohl, Qualm, Sems; 
2. „er is e richtger Q.", Schwätzer, 
Mährfriede u. s. w. 

Iluadriilensehwenker, der, Frack; s. 
Klinke. 

Ilaälarseh, zudringlicher Mensch, der 
mit anhaltenden Bitten quält. 

Ilaäle, die, 1. Bolltuch, bei Wäschrol- 
len; 2. Handtuch; Bspr.; V.; in L.: 
Handquäle; mhd. twehel, dwehele, 
twSle, zwSle. Tuch, Tischtuch u. s. w. 

Ilaftien, qu eilen, winseln, von Hunden 



u. dgl.; s. janken; Musäus: „der 
quellende Kater". 

Qualm machen, 1. blauen Dunst 
machen; 2. viel C^kschwätz machen. 
Di.; s. Quadderich. 

Qualmen, übermässig stark dampfen, 
paffen (beim Tabakrauchen); J. 

Qualster^ der, dicker, beim Husten 
sich lösender Schleim; Th.; NS.; in 
P.: Kulster; davon: qualstern, stark 
husten (Ober-Pf.: meistern) und aus- 
werfen; Eg.; s. kulstern. 

Quäng ein, quengeln, 1. ewig wehkla- 

fen, wie: pinseln; Schi., Brl.; 2. 
urch kleine Scherereien Etwas ver- 
zögern, z. B. die Abreise; davon: 
Quängelei; in einigen Gegenden: 
weibisch reden; dgg. bedeutet es in 
NS. müssiggehen. 

Q^uärgel, der, Quarkkäse; Bö.; mhd. 
twarc. 

Q^uarlcspitzen, wie Essig, Dreck- 
chen, Kuchen u.s. w. — gar Nichts; 
„er denkt, er hat's bei allen vier Zip- 
peln, aber — Qu.", weit gefehlt! Schi. 

Q^uarre, „er hat die Pfarre und die Q.", 
ein Geistlicher, der seines Amtsvor- 



Qoasaeln — Qnindeschi 



Mich die £arie oder die ZnTre. ND.; 
Ihrscht de Parre, denn de Qnane. 
Fulda erklärt Quarre durch mQT~ 
riBcbe« Kind oder Weib. 
lliMSselB, Bchwatzeni Brl., ND.; Qnas- 
lelei, der QnasBelie, das Ge- 
schwätz, wieQnazig; Sag.: qnuelii, 
im verständig, kindiacn reden; a. qnat- 

dnMlerf. Qnartier; g 122. 
^natretoiir, Bpricb Gäddrdnr, Billard- 
spiel anter 4 Pereoneo; 8. EönigB- 



scbes Zengi" Ab., Di.; Btr.: qnal 
suchdwatech; derQaatBch; 1. ue- 
Bchwätz, wie Mährte, Kohl; 2. ein 
„Schwapp" Wasser, der heftig ana- 
gegosBen wird; Hz,, Westf.; nach 
starkem Begen sagt man vom Wege 
„es 18 e achener Quatsch" (-= 
Patscb); davon qnatecbig, nasB, 
wie matschig; Hz.; inSohw. u. PP. 
ist Qnatsch: weicher Koth; in ND. 
Quart: Eoth ; mhd. quät and k5t; a. 

1. (tnätsehell«, ähnlich wie quabbe- 
lig, von EändeD, Armen, Waden 
n. B. w.; Schi., Th.; in PP.r Qnatsch 
[, ein wohlbeleibtes Pranemimmer. 

3, Qnatsefaelif , wie qnatscbig; da- 
von verqnätscheln, verhätscheln. 

(tnatseben, l. bonfns schwatzen; £g.; 
Brl.; scheint entstanden aua mhd. 
qngden, qaoden (Imperf. qnät), reden; 
vgl. engl, qaoth he; davon rQaat sc h- 
friede, Qnatschmichel; 2. stark 
ansgieasen; „es qnatscht nnr so vom 
Himmel", auch: „das Wasser qnatscht 
mir in den Stiefeln hemm"; dann 
dorchwaden: „wir quatschten Aber 
die Wiese, durch den Snmpf;" wie 
patschen, s. der Patsch, 
Quatsch, quabbern. 

Qiiatsefaff , quatschellc, gewöhnlicher 
sehatschig, verweicnlicht; in J.: 
qnätsche, kränkeln. 

ttnäzlgr, der, Geschwätz, wie Qnas- 
selig. 

ftnelleB s. quälen. 

ttuenffebi a. qaängeln. 



I Qaeruseh, TSlpel, der Einem in die 
Qaere kommt; davon: qnerärachig, 

I ungeschickt. 

Queren s. quergeln. 
duergeln, immer[qner}iniW^^stehai, 
hin und her lauen. Ab.; auch qne- 
ren; Eg. 
Querholz, Einem ein Q. hineinlegoi, 
wie Qaeue; wohl vom K^eln b^^ 
Dommen, s. Holz, Winkelboti. 
ftaerlen, sehwenielnd gehen; s. 

achwenieln, 2. 
ttaerleqaltseh, Spitzname des 8tidt- 
chens Eönigstem; natBrlich nidit 

I spezifisch Lpz. 

I Querschreiben, scherzhaft f. : einen 

' Wechsel acceptiren. 
QuerBber, „mein lieber Qoerftber", ge- 
mQthlich spöttisch fSr: mein lieber 
Naseweis u. dgl. 
ttnerzen, von ^üren, knarren. 
Questen, seltner: qnästern, ewig zur 

j ThürhiuaDs- und wiederhoreblanfoi; 
(sich bewegen wie einoQnaate?) HL; 

! V. (auch: quitschen); in PP. beuat ea 
perzeln; — in Th.: quaddeln ^ nn- 
ruhig umhergehen; s. quergeln. 
Qaetsehe« die, en^erBamn, enge Omwc, 
Stabe u. s. w.; in Zwickau n. PUueti 
Namen einer Beatanration, 

Quetseben, sich, fortgehen, s. schie- 
ben. 

^uene, „Jemandem ein Eweb bnifliii- 
legen", Hindemisse bereiten; L.; wdil 
vom Billard, wo es indess k5, kee 
oder gee gesprochen wird: Gramm. 
§ 50. Sbg. Qnene machen, Verdriesi- 
lichkeiten, Händel veranlassen, i. 
Qaerholz. 

Quletsehen , Verstärkung von qniken, 
einen gequetschten hoben Laut gebw; 
der Schieferstift, die ThQrangeL eine 
Mana qnietacfat; auch fOi krei- 
schen; s. krie sehen; davon: daiOs- 
qnietsche, die Qnietscheiei, eiM 
q-uietscfaige Stimme: Eg. 

QoJidescbl, QntndiMbl, ^koe wie 
Qnene and Qnerholz. Pima; „DD 
macht der mir wieder ein Q. hindn", 
stört meinen Plan; Sbg.: Quinten f. 
ÄUBÖflchte, Vorwände; vgl. ND.: 
qnantaweise, zum Sehein. 



Babiat — Bftmmel 



189 



E. 



Sabiat, beliebt far sehr aufgebracht; 
Tom Italien, rabbia «= Wuth; Titel 
einer Novelle v. P. Heyse: La Bab- 
biata. 

Rabösekei Rappusehe, in die Rabasche 
werfen, Geld, Obst a. s. w. auswerfen, 
damit ein Haufen Kinder sich um das 
£rraf fe n balge; von rappen, 
rappschen und le grabuge (ital. gar- 
bngfio -■ Wirrwarr) ; B. m a ch en ; V. ; 
Bli.:in die Krappe! schmei88en;Hb.: 
ins Krappeins werfen; s.Hesek. 23, 46; 
Jerem. 15, 13. Alles untereinander- 
werfen; in die B. gehen, verloren 
gehen. 

RiMBlieB f. Mund in einzelnen Redens- 
arten; „halt den B.'S »jeiss den R. 
nicht so auf*' »> schrei nicht so; ist 
noch gröber als Maul, Gusche, 
Schnauze. 

Baekenpatzer, wie Rachenreisser; 
BtL; s. Zahnputze. 

Raehenreisser« schlechter, beissender 
Branntwein ; wie casse-poitrine, franz.; 
s. Bachenputzer, Zahnputzer, 
Zwirn. 

Raeker, der, durchtriebener, loser 
Mensch, halbes Schimpfwort; PP., Wn., 
Brl., Eg., B., Pf., J., Schw., Rtr. 

' u. s. w.; s. dagegen rackerig. 

Raekeri|[, erzürnt, wie preusch, 
wichsig, rabiat. Btr., V. 

Ra^eni, sich, s. abrackern. Ab., 
Sdt., £g., Oe., Schi.; Btr. racken. Bsl. 
raggere. Davon auch: hundsracker- 
müde. Das Idiotikon austriacum 
(Wien, 1824) sa^^: daher scheint das 
Wort Fiaker zu kommen, weil sie 
ihre Pferde zusammenrackern. 

Rad, das, 1. ein Thaler; Bw.: Batt; 2. 
„da möchte m^r doch glei ä B. schlan'S 
sich vor Ueberraschung, Zorn über- 
stürzen; auch: „da schla' der Deiwl 
e B.^S es ist zu toll; Bl. 

R&daa, der, Lärm, Getös, Geschrei 
u. 8. w.; „Badau machen^, lärmend 
Narrenspossen treiben u. s. w.; s. ra- 
saunen. 

RUdereken, das, ein Schaustück, das 
4 Zablpfenni^e werth ist ; s. S c h a u z- 
chen, Zeisig; Kinderwörter. 

Raddern, schneU, lärmend fahren (von 

. Bad); büdlich f. schnell laufen, schrei- 
ben u. s. w.; Eg., Ab.; ,,der Donner 
raddert'S prasselt. „Auf der Bahne 



sin zwee Ziege zusammgeraddert", 
zusammengestossen; vgl. to rattle. 
In Schandau ist Gerädder «» Grerölle. 
— Kinder: „ein Badderchen 
machen'^ f* rennen ; sie „schlagen ein 
Badderchen mit dem Schütten", 
wenden ihn durch einen nlötzlichen 
Bück ; dies heisst auch Trällerchen. 

Radeberge, die, Schubkarren mit einem 
Kasten, Kastenkarre; mhd. rade- 
ber, eine baere (Trage, Bahre} mit 
Bad; Ab., Hl.; auch Kadewelle. 

Radehaeke, Radekaue, die, eine grosse 
Hacke zum Auflockern des Bodens um 
die Bäume u. s. w.; ursprünglich Bode- 
haue (ausroden); bildhch „besoffen 
wie eine Badehacke'S sehr, sinn- 
los betrunken; s. Kanone, Spritze. 

Rädel, Bedel, Bödel, Beitel, der 
(auch das), das Baitelscheit, ein Stock 
am Pfluge, zum Beinigen der Pflug- 
schar; Bsl. der Baitel, kurze, dicEe 
Stange; rädeln, rodeln, zusammen- 
schnüren ^mit Hilfe eines Stockes 
u. s. w.); Hb. rätel; Bsl. raitle (rotu- 
lare?); „das Halstuch zusammen- 
rädeln^S zu eng binden. 

Radewelle, die, Schubkarren, wie 
Badeberge; von Bad und Welle 
«» Walze (wie in : Mühlwelle, wallen, 
wälzen u. s. w.; mhd. w6lle, Welle, 
Walze; en^l. wheel, Bad); Ab. 

RaflFlEakn, ein vorstehender Zahn, Ober- 
zahn. 

Rä^en, der. Bogen der Fische; Th. ; 
em Bagener oder Bogner (mhd.); 
Gegensatz: ein Milch euer; s. d. 

Rainseken s. reinschen. 

Raisonniren s. resseniren. 

Rakel, der, Flegel; Brl., Th., L., Pf., 
Btr.; — J.r Beekel (auch f. Grobian); 
NS.: Beeks; davon: räklig; sich 
räkeln, ungezogen dasitzen; E., D., 
J., Pf., Th., zum Theil auch Beckel. 

Rakseiiy sich ungeschliffen räuspern; 
Tonbild; ob verwandt mitND. raaken, 
mit dem Bechen zus. scharren? 

Ramassirt, energisch, entschieden; „ein 
ramassirter Kerl". 

Rftmmel, Remmel, der, knotiger Klotz, 
Baumstumpf; Hb., Schw. (auch Drä- 
mel, Knüttel); auch als Schimpfwort; 
Bemmelspeller, ein Klötzespalter, 
Holzhauer; s. spellev\.\ ><gt^^ '^^^ ^ 
RemmdsT^ft\i^i •, — ^"t \^ ^^^a. lÄsJvfö«^ 



190 



Bammeln — Räuber 



Eltern, sei Vater war e Kemmelspel- 
1er un seine Mutter e Bär**. 

Rammeln f. rammen; mhd. rammel, 
Bamme; bildlich: zusammen ram- 
meln, durch heftige Bewegungen zu- 
sammenrütteln u. s. w.; sich ram- 
meln, balgen, raufen. 

Ramsek, der,AusBchuBs, alte, verlegene, 
zurückgesetzte und dann billig ver- 
kaufte Waare; daher: ramschen, 
solche Waaren einkaufen. In Ha. 
auf Firmen: Bamschkeller. Aufkäufer 
solcher Waaren heissen Bamscher. 

Rand, l. „halt den B.", schweig; 2. 
„halt den B. wenn du Kuchen 
hast", lass es dir nicht entgehen; 3. 
„das versteht sich an^nKande'S 
ist selbstverständlich. 

Randaly der, Lärmen, Unfu^, wie Skan- 
dal, Erakehl, Spektakel, Bumor 
falle weit gebräucnlicher als das 
aeutsche Wort); Bsl.; ßtr.; davon 
randaliren, bei Studenten: Banda- 
lir fuchs; engl, (in Gloucester) : ran- 
dan, Lärmen, Aufruhr. 

Randefu machen (von rendez-vous), auf- 
räumen, Ordnung in einem Zimmer 
oder Schranke herstellen. 

Ranft, der, auch Bamft, das Bänft- 
chen, der Anschnitt und das Ende 
eines Brodes; B.; (mhd. ranft, ramft, 
Brotrinde, Band); SD.: der Scherze, 
der Eant; ND.: der Enust. 

Rankern, unruhig liegen oder sitzen : — 
„Junge, rankere doch nich so uffii 
Sofa ram, Du rankerscht^s jeganz ze- 
samm; den Stuhl haste och schon 
zerr ankert;" Ab., Eg.; stärker als 
das mhd. ranken, sich hin und her 
bewegen, strecken; ND. rangen; — 
Di. rangeln, sich im Liegen behaglich 
hin und her wenden (engl, to rankle, 
toben; däu.: rangle, rasseln). 

Ranzbesen, der, wer das „Banzen*' 
liebt, bes. von Kindern und erwach- 
senen Mädchen gesagt. 

1. Ranzen, der, Bauen; „sich den B. 
vollfressen;" B., E., Oe., Pf., Bsl., 
Eg.; mhd. raus; s. Partikel. 

S. Ranzen, sich (auf der Strasse u. s. w.) 
herumtreiben (aus der Jägersprache).'; 
Hb. ; mhd. ranzen, ungestüm springen ; 
s. Banzbesen. 

Rappen f. raffen; zusammenrappen, auf- 
rappen; sich aufrappeln, in die 
Höhe rappeln, von emem Liegenden, 
Schlafenden; er rappelt sich immer 
wieder auf, von einem Kranken : 
wieder emporkommen, sich aufraffen; 
Ä baapeln, vgl rappschen. 



Rappsehen, zusammenrappschen, 
Verstärkung von rappen -« raffen 
und verwandt mit grappschen; Eg., 
Pf.; Th.: raape, raapsche; s. Ba- 
busche. 

Raps; den Baps haben f. rappeln, v<m 
raptus. 

R&saunen, lärmen, polternd .rennen, 
„die Treppe *runterrasaunen ;** Ab.; 
von resonare; engL: to reeound? Mn- 
säus: er rasaunt im Hause äi^Tor; — 
Otto Kayser (Posen) im Gedicht 
„Hans Memling*' sagt: Vor Memling's 
Tafel steht und starrt und staunt (er), 
vergleicht, dozirt und faselt und ra- 
saunt (wohl : lärmend räsonniren) ; Wolf 
im „Battenfänger von Hameln:^' Und 
von früh bis spät rasaunte unver- 
drossen sie im Haus; auch bei Holtev. 
Das dazu gehörige Hauptw. ist wohl 
Badau; s. d. Li der Sz. ist aiasoM 
Schimpfwort f. ein wildes Mädchen. 

Räsehe, die, 1. Wuth, la rage; bes. ^in 
Basche sein, in B. kommen*'; ScdL; 
2. Uebersttirzung, Eile; „ich hab's'in 
aller B. vergessen**. 

Räseher, Gomparativ, statt rascher; 
also „ein rascher Gaul läuft räteher;^ 
Gramm. § 187; s. noch fix. 

Rasend, übertrieben f. sehr: „es hat 
rasend gefroren;" Eg., B.; s. bös. 

Rasenwftlzer, der, Herumtreiberia, 
Dirne. 

Raspel, der, wie Bäuber; Eg. 

Rasselbande, die, niedriges, lieder- 
liches Volk; ND. 

Raster, der, war ein bis etwa 1840 ge- 
brautes, dünnes Braunbier, wohl dn 
unebenbürtiger Nachkomme des Mene- 
burger Bastrum, das Luther lobt. 

Rathkauf, der, vortheilhafter Gelegen- 
heitskauf; Th. 

Raths'n »» rathsam, in einigen Bedens 
arten: — das isst sich recht raaen, 
lässt 8ich_ sparsam eintheilen; geh e 
bischen räzen d'rmit um, haush&lte- 
jisch; Hb; 

Ratsehe s. Baz. 

Ratte, die, 1. ein Spieler von Gewerbe; 
2. em vergeblicher Wurf beim Kegeln, 
der Nichts trifft; franz.: mon fusil 
a pris un rat, oder: il a rate, hat 
versagt; 3. es ist „für die Batte^S 
schlecht, unnütz; wie „für die 
Katze;" 4. „verliebt wie eine todte 
B.", bis über die Ohren; in PP.: ver- 
liebt wie ein Stint. 

Rattenkahl, missverständlich f. radikal. 

Räuber, Röwer, der, Schnuppe am 
1 Docht em^ lAchtea^ auch Bäspel; 



Bauch — Reisen 



191 



Hl. Kamm, Mb. Aesel, PP. Wolf; 
über die Aussprache s. Gramm. § 65. 

Raneli f. rauh; „eine rauche Stelle**, 
nicht etwa immer eine behaarte; „der 
Stein ist recht rauch'S uneben; mhd. 
rüch, haarig, rauh. 

Räneherkfttzehen "»Reieherp^ätzehen, 
Baucj^erkerze ; scherzweise für Exkre- 
mente, wie: Nachtwächter u. s. w. 

Raupen, Schnurrpfeifereien; „den Kopf 
Yoll Baupen haben, immer B los 
lassen, voll B. stecken^*. Hl.; ND. 
Bupen; s. Fahrten; Baupenluder, 
Baupenmacher, wie: Fahrten- 
luder. 

Raopern, aufräumen und reinigen; ver- 
wandt mit räuspern? 

Rawander; „auf den B. gehen' S bum- 
meln gehen, sich umhertreiben; wie 
ranzen; von wandern. 

Ra waschen , lärmen, jagen, bes. von 
Kindern, wie töbsen. P.: rabazen; 
franz.: ravager. 

Raweet, Rabet, das, Name eines 
Theiles von Volkmarsdorf bei Lpz. 

Rawins'ehen, Rewins'ehen^ das, f. 
Bapünzel, Yalerianella olitoria; Baum- 
garten, Flora Lips. : Bapunzchen; Bsl. : 
Kebkresse; Bewinschenschnei- 
der, Heiratsvermittler, Gelegenheits- 
jnacher; Bspr. 

Raz, der, Bitz, Biss ; razen, Bisse, Kritze 
machen, z. B. in Glas, Eis. Ab.; mhd. 
ratzen, kratzen; eine Baze, ein in 
einem Griffe angebrachtes Bädchen, 
mit welchem man neckend Jemand 
über den Bücken fährt, dass es razt. 
In Wn.: a Batschen, ein Bret mit 
Klapper, deren Lärmen (ratschen) in 
der Charwoche das Glockeugeläute 
ersetzte; a Charfreitagsratschen , ein 
geschwätziges, keifendes Weib; ver- 
_wandt mit rasseln, to rattle. 

Raze, razen, s. Baz. 

Rebbes, R^wes, der (jüdisch), Ij Ge- 
schäft, einen B. machen; Hb. Bawes; 
Bw. : Bewich, Gewinn; 2. Alles zu- 
sammen, der Best; „Nimm nur den 
eanzen B.;'* wie Briezel. 

Rebeller, händelsüchtiger, streitlustiger 
Mensch. 

Rebellisch: er macht das ganze Haus 
(Dorf, die ganze Stadt, Stube) re- 
bellisch, bringt es in Aufregung. 

Rebermande, die, auch Befermande, 
f. Beprimande; Einen reberman- 
diren, verr. »» abbatzen. 

1. Reeht, 1. „sich ins arme Becht 
spielen 'S als Unbemittelter An- 
sprüche auf Erlass von Gerichtskoaten 



machen; 2. „bei mir hast du 
Becht", da kommst du schön an, 
mir machst du das nicht weiss; mir 
kommen Sie nicht. 

S. Recht, Adverb; 1. ist viel beliebter 
als das vornehmere sehr; letzteres 
sagt man fast nur in der Verbin- 
dung „recht sehr;^' 2. recht nimmt 
übrigens die Geschlechtsendungen an : 
ein rechter guter Mann, rechtes 
schönes Wetter, rechte nette Leute! 
Sdt. ; vgl. : ,,Du hast ja rechtes Geld;'^ 
wie: bien de Tar^ent; eile est tonte 
grande; 3. — recht viel: hier gibt's 
rechte Nüsse; ich hatte rechte 
Schmerzen; Gramm. § 171. 

Redel s. Bädel. 

Redensarten; „einander mit B. be- 
schädigen 'S sich Grobheiten, Be- 
leidigungen sagen, s. Kompliment, 
2; Malise, 2. 

Reeseh, scharf gebacken, gebraten; B., 
Oe. (auch ress, rä^s); Fr., Schw., Bsl.; 
PP.: rösch; mhd. rosch, rösch, scharf, 
spröd, knisternd; s. knusperig. 

Reff; altes B, ScMmpfhame f. Frauen- 
zimmer; Fr., Hss., Pf., Th., Bsl. 

R^ar; „allen B. vor Einem haben", 
Furcht, Abscheu, Bespekt, regard. 

Regster; „sie kommt ins alte B", 
sie wird allgemach alt, bes. von 
Mädchen, welche das 30. Jahr über- 
schritten haben. 

Reibeisen, das, Schimfjfname f. eine 
zänkische Frau; Bsl. ribise. 

Reimann, nur in der Bedensart: „er 
hat den Kopf voll, wie Beimann 
die Mütze^S steckt in vielerlei 
Sorgen; — Weiteres unbekannt. 

Reimedissen, der, Bheumatismus; vgl. 
Kattechissen, 

Reinsehen, sehnlich, un^eberdig nach 
Etw. verlangen, bes. v. Kmdem gesagt; 
„deKleene reinscht nach ihrer Milch;*' 
£g.; mhd. reinisch, sinnlich erregt, 
brünstig; wie jiepern. lungern. 

Reisen, 1. reis! oder du sannst reisen, 
mach, dass du fortkommst, scher dich 
weg, Eg.; wie verduften, sich 
drücken; 2. auf Etwas reisen, sich 
förmlich, handwerksmässig drauf 
legen; „Der reist uffs Kartenspielen;^^ 
„auf die Anekdote reist Der schon 
10 Jahres erzählt sie unermüdlich 
immer wieder; „na, du mit deiner 
Schreiberei, da kannst de nich druff 
resen", dich nicht damit gross sehen 
lassen; „die Nachbarn resten druff, 
ihm die Hypotheken lucker zu machen^ 
damit ^-öä^ «t^^ ^^si^ ^«^siÄss^^^-^ 



192 



Eeisestiefel — Rippe 



sollte' ', sie betrieben es eifrig; s. 
laufen. 

Reisestief ei; ,,er hat die B. schon an'S 
ist dem Tode nahe; mit Bezug anf 
die schwellenden Beine Sterbender. 

Reisstenfely Mensch, der seine Kleider 
schnell abnutzt; PP.: ein Bietespliet. 

Reitpferd; „dem lieben Gott sei 
B.^ nennt man einen blitzdummen 
Kerl; la b^te du hon Dien. 

Rekommandiren Sie mieli! sagten 
Gecken zum Schneider, wenn er die 
Beinkleider so eng machen sollte, 
dass die etwa vorhandne Mnskalatnr 
sichtbar würde; Bspr. „regnmraedim*', 
f. empfehlen. 

Rekrutenbring erin, scherzhaft für Heb- 
amme; Wn. sogar: Krebsenfangerin ! 

Rempeln, beim Begegnen absichtlich 
an Jemand anstossen, ihn anr.; da- 
von: Bempelei. 

Rendlieli f. reinlich; Btr.; Bendlich- 
geet B» Beinlichkeit; anch ,,ein rend- 
fiches Geschäft", anständig, fair. 

Reneiiren, vornehmer: reinefiren 
(von renoviren), f. reinigen, säubern! 

Renne, die, f. Binne; „Dachrenne, 
Wasserr.;" im Hz. gibt es eine 
„Steinerne Benno" unweit Wer- 
nigerode. 

Rennen, 1. für rinnen; „der Wein rennt 
vom Tische ; der Schirm rennt (trieft) 
noch;*^ 2. sich rennen, sich stossen; 
„ich habe mich au der Kante gerennt'^ 

Rennerieli, der, ein derb an Jemand 
anrennender Stoss; Gramm. § 159. 

Rennte f. rannte; s. Gramm. § 205. 

Rennthier, scherzweise f. Bentier. 

Repntirlieh, reppedierlich, anstän- 
dig, solid, im Aeussern auf Beputa- 
tion haltend; „er sieht recht r.", ist 
sauber, anständig gekleidet; BsL; 
Gegentheil: ruppig. 

'Rer, s. errer. 

Respektive, missverständlich f. mit 
Bespekt; „er hat, respektive zu 
sagen, sich übergeben". 

Ressel Viren, gebräuchlicher als sich 
entschliessen; „er war kurz ressel- 
virt;" ebenso ist „resolut" für ent- 
schlossen, beherzt, sehr beliebt; vom 
lateinischen oder vielmehr engl.-franz. 

Resseniren ; Einwendungen , Ausstel- 
lungen, Widerspruch erheben, murren ; 
V. raisonniren; s. noch: beresso- 
niren. 

Retir^, sich retir^-cache halten, 

schweigsam sein, im Hinterhalt lauern, 

keinen Antbeil an einem Gespräch 

nehmen. 



Rette, die, männlicher Hund; HL; an 
derswo Biet (Bude?). Büdiger sagt, 
in Hl. bedeute Bette die Hündin; s. 
Betze. 

Rettiff, 1. scharfer Hieb, „es setzt 
Bettche;" 2. Flegel, namentlich: 
Bauerrettig. 

Rettigen, scherzweise f. retten.^ 

R^wes s. Bebbes. 

Rewins'elien s. Bawins*chen. 

Rezept; „er hat das B. (zur Arbeit) 

verlorenes ist arbeitscheu, Bummler. 
Rliebarber, der, f. Bhabarber, in Lpz. 

rebbarwer, in Bspr. rebarwer; über 

die Berechtigung des ersten e s. 

Gramm. § 12. — Brem. Beiträge: „er 

holt Bhebarbara'*. 
Rieliten f. hinrichten; der Mörder wurde 

mit der Gillchedine (Guillotine) ge- 

richt; Wn. 

Rielitif f. tüchtig: „ein richtiger Kerl, 
Unsinn, Hitze, Matsch;" dann „ganz 
so wie", z. B. : „es ist richtiger Mai" 
(bei Wärme mitten im Winter) ; „was 
de richt'gn Leibz'cher sein, die bleiben 
ewig jung;'* „es ist nicht das Bichtige", 
es ist nicht ganz in Ordnung, es hat 
einen Haken; Pf. 

Rieb, das, 1. „blos so aufs Bieb'S 
nur für einen Augenblick, den man 
den Geschäften raubt, vorsprechen 
u. s. w.; 2. uffs Bieb! widersprechen- 
der Zuruf, wie: fällt ihm gar nicht 
ein, denkt nicht dran, Quarkspitzen 1 

Riebiseli, riewiseli, rauh, scheuernd, 
reibend, bes. von Wolle; dann von 
der Haut, wenn sie durch Jucken, 
Kratzen rauh geworden ist; Bspr. 

Rieelier, der, Nase; Schl.,Th.,PP.; einen 
guten Biecher haben, wie: eine feine 
Käse. 

Riefe, eine, ein Streifen; Semmeln in 
Biefen schneiden ; davon „gerieft;*' ein 
Steingutuntersetzer hat Kiefen d. h. 
erhabene Streifen. 

Riepel, Rflpel, der, 1. ungeschliffener 
Mensch, Pf.; in B.: schwarzer Mensch, 
auch Marktschreierhanswurst; Oe. 
vierschrötiger Bursche; 2. Essenkehrer, 
s. Feuerrüpel; 3. loser. Streich; 
„einen B. machen oder loslassen^S 

Riester, der, Seitenfleck an Schuh- 
werk; Bsl., E., F.; in NS.: Beister. 

Rindspiepe. Bindskaldaunen; s. Piepe; 
auch als Schimpfwort. 

Rindvielizeuff 9 dumme Menschen; SchL 
Ringsdrum \, rings (da) herum. * 
Rippe; 1. „aus den Bippen kann 
ich mii'Ä ii\<iht «chneiden'S es 



Rippeln — Rührstück 



iat mir offenbar nnmöglich, das Geld 
n. B. w. ZQ Bchaffen; 2. „darch die 
Kippen schwitzen", dnrchbringen, 
Terprassen. ! 

Bi|»pelii, sieb, sicli rühren; „er darf 
sich nicht rippeln", niclit die eeriogste , 
Bewegung machen, auch bildl., viel 
„nicht mnckacDi" — „ich hab' ihn, 
(temahnt, aber er rippelt sich nicht:" I 
E^., Ab., Pf., Th.; Yon riben, mhd., 
reifaen, sich drehen; auch; aicii rap- 
peln, was plattd. bedentet; eich an- 
strengen fortzukommen. 

Ripsen, stehlen, wie grlpeen, bazen 

Uss«) 1. Fossen, Schwäiibe (wie Poasen- 
reisser); ßl.; 2. PrQgel, Hiebe; Uh., 
M.; Hb.: Hess. 

Ritsehratseb ! Ausruf beim heftigen 
Zerreissen, bes. von Stoffen , klang- 
nacbahmend; Hz. 

Ritt, 1. eine einzelne Partie beim 
Spiele; „wer den ersten R. gewinnt, 
wird zaletzt e BettelJcind ;" 2. „auf 
einen Ritt", aaf einmal, ohne Unter- 
brechung, wie „aaf einen Nieder- 
sitz;" Th., vgl. in Rl. und im Eg.: 
alle Riet, jedesmal; 3, Ritt! beim 



) viel V 



atsch. 



Kltter, I. im „Krankenhanse" Spiti 
oune Derer, welche eine „galante" 
Krankheit haben; 2. arme R. („in 
Elendsfett gebacken"), Zwieback, 
in Wein geweicht vind in Butter ge- 
backen. 

Ritt ersp an chen, Bspr, Ritterspora, 
Blnme, Delpbiniiim. 

Roben, nnr beim Kartensjüel f. rauben, 
welches sonst richtig ausgesprochen 
wird; vgl. Räuber. 

Roek; „es ist R. nie Hose," einerlei, 
gehüpft wie gesprungen, Wurst wie 
Schale. 

RoHen, als Adj., z. B.-roggenes Mehl, 

Kogner s. Ragen. 

RShmasser; „er bleibt weg (rer- 
liert sich) wie R", nnverhoift, plätz- 
lich; Böhrwasser hiess das Wasset 
der früheren, häufigen StöTongen aus- 
gesetzten Wasserleitung ; es ergoss 
sich in „Böhrtröge;" jetzt sagt man 
Wasserleitungswasser. 

Rolle, die, anoh Drohrolle, W&sch- 
rolle, Maschine zum Glätten dei 
Wasche: in SD.: Mandel, Mange, 
Mangel; davon : Bollholz, Roll- 
tnch = Qnäle; rollen; Koll- 
wäsche, gröbre Wäsche, die nur ge- 

Albreobt, leipj, Mnndut. 



Rom; wenn Messer u. dgl. nicht schnei- 
den, so sagt man: sie sind so strämpf, 
dasB man darauf nach Rom reiten 
kann. 

RosemariS f. Rosmarin; Gramm. § 160. 

Rosentbal (Name einer Stadtwaldnng); 
„so alt wie das B.", sehr alt. 

Rosine; „grosse Rosinen im Eopfe 
haben", weitaussetaende, grossartige 
Pläne, Absiebten, Eiubildiingeo haben; 
s. Granpen, Grötze. 

ROssehen, Brannschweigische Münzen 
(2'/j und 5 Silbergro sehen) welche ein 
Boss als Wappen hatten. 

Bothbachnes f. Eupfergeld. 

Bothkfttbchen f. ßothkehlchen; „B.- 
waden, R.-tieine," dürre Beine; wie: 
Sperlingswaden; Tir.: Zwieflröbr, 

Bolbspon, Rothspun, der, Bothwein; 
Brl. 

Rotz, „Rotz und Wasser heulen", 
pübelhafte Redensart f. heftig weinen ; 
auch: ,cr heilt grosse und kleene 
(Blasen)." 

Rotzhohel, der, pöbelhaft f. Tascbeu- 

RotzIOffel, Rotznase, naseweiser 
Mensch; Hb.; weitverbreitet. 

ROner, Reewer s. Bäuher. 

Kaefeeln, rütteln, von rücken abgelei- 
tet ;Bsl,: riggle; e. achuckelu; aneh: 
ruckeln und schuckeln, wie rüt- 
teln und schütteln. 

Rflcbcn, 1. „auf dem R. znr Hesse 

gehien", sterben; 2. „er kann mir den 
. "nauflaufen", verächtlich, wie 
„gewogen bleiben;" s. Gevatter. 
RaekseD, von Tauben, bes. von der Holz- 
taube : girren ; Bsl. : rngge ; Sbg. : 
Rnckestauber, Zeitw, rnekesen; engl, 
roü!;, Krähe. 
Rndderefaen s. Rädderchen. 
Kfldigkeit f. Rädheit, Roheit. 
i Rüffel, der, Verweis; wieBatz; davon: 
I rüffeln (vom Flachs riffeln); Brl. 
Rühren, 1. das Obst ist vom Pic 
gerührt. 

nicht, es anzurühren; ferner: , 

faule Tbier steht da nnd nicht rühr 
an", regt keine Hand; „alle bestürm- 
ten ihn mit Bitten, aber — nicht rühr 
an", er blieb angerührt, regte sich 
nicht; 3. s. Hirsemns. 
Rübrsttteb, das, ein altes M5bel, das 
sich längere Zeit in der Familie er- 
halten hat, an welchea ».Mi. ■röVi'eo.^Ä 



t, liat gelitten; 2. ,,nicht 
n", Ausmf -= untersteh dich 



IM 



Rülps — Sabbern 



RAips, der, 1. hörbares Aufstossen; 
davon: rülpsen (anderswo ruppen, 
ruppsen, röppsen); 2. Grobian. 

Rnmmel« der, gemischte Menge; Blu- 
menzwieben werden im B. verkauft 
d. h. ohne Namensbezeichnnng; „den 
R. V e r s t e h e n", alle Pfiffe und Kniffe 
kennen, wissen, „wie's gemacht wird;" 
B., Sohw., Hb.. E., Pf., C, J. 

Rumpeln, 1. reiben, scheuern; „Einem 
die Labusche (Mund) abrumpeln'^ 
flüchtig waschen; 2. polternd fahren, 
wie auf holprigem Wege. („Da kam 
ein Hund herausgerumpelt", Flügge's 
Lesebuch, Hannover). 

Rund, „das ist mir zu r.", zu schwierig, 
zu bunt. B., E., Pf. 

Rundeel, das, runde Anlage mit Rasen, 
Blumen u. s. w. in einem Garten; 
man sagt gern Rundeil; mhd. rundel, 
Kreis. 

Rung, ich, f. rang; s. Gramm. § 209. 

Rungeniren, f. ruiniren, viel beliebter 
als zerstören, zerbrechen, entzwei 
machen u. s. w.; „es muss Alles ver- 
rungenirt wer*n", das ganze Geld muss 
verjubelt werden. 

Rungs, Runks, der, Flegel, Tölpel; 
Ab., V., NS., Eg.; ein Solcher 
„muss noch uff de Runxmühle'*, um 

fehobelt, geschliffen, polirt zu werden; 
avon: „sich hinr.;" „Einen ausr., 
runterr.", ausschelten. 

Runken, Runksen, der, derbes Stück 
Brot, wie Keil; Eg., Th., Hz., ND.; 
— Hb. Ronke; Schw., Pf. Ranke; Oe. 
Rienken; Steierm. Ranzen. 

Runkunkel, das und die, altes, häss- 
liches Weib. B., E., Pf., Oe., Schw., 
J., ND. 

RApel s. Riepel. 

Ruppig, rupp'g, 1. unanständig, ge- 
mein; BrL; „ein r. Junge", grüner 
Bursche; iuBsl. f. anmassend, wider- 
setzlich; „recht r. aussehen", her- 
untergekommen, bes. von Kleidern, 
so, als wenn man gerupft wäre; 
Gegcntheil: reputirlich; 2. knause- 



rig; davon: Ruppsack; Drsdn.; im 
V.: Ruppi^el. 

Rusehelig, Rusehelkopf s. ruscheln. 

Ruseheln, oberflächlich, liederlich ar- 
beiten; „nur so drüberhin r..;" ähm- 
lich wie nuddeln, fummeln; wer 
es thut, ist ein Ruschelpeter; da- 
von: ruschelig, Ruschelei; 
ruschlig auch vom Haare: wirr, 
struppig, ungeglättet, daher: Rusehel- 
kopf; Etwas verruscheln, durch 
Uebereilung an eine falsche Stelle 
bringen , verlegen , „verkrame n", 
verlieren; er hat mir meine Papiere 
alle durch einander geruschelt; 
in PP. ist ruschein (von rauschen) 
ein wenig Geräusch machen, ver- 
ruschelu in Unordnung bringen, 
z. B. : das Kopfzeug ist mir ganz ver- 
ruschelt. 

Russe, 1. ein wahrer R, abgehärteter, 
gesunder Mensch; un Russe; 2. e R. 
machen oder loslassen, wie Fahr- 
_ten, lose Streiche, Risse. 

Rust f. Russ; rüstig f. russig; Gramm. 
§ 140. 

Russbuttenjungen, Spitzname des 
früheren Schützenregiments wegen der 
dunkeln Uniform; dagegen hiess die 
Linie, die ihr weisses Lederzeug mit 
Putzstein behandeln musste: „die 
Thonmänner;" s. Sandlat scher. 

Rutsehen, scherzweise f. fahren, bes. 
mit Bahn; „wir rutschen nach Drä- 
sen". Pf.; seltener „einen Rutsch 
machen" f. Ausflug; daher wünscht 
man „glücklichen Rutsch" f. glück- 
liche Reise; PP. 

Rutsehig, glatt, schlüpferig; es geht 
sich heut r. oder rutscherig; ein 
rutschiger Weg. 

Rütteln, als Reflexivzeitwort: „er rüttelt 
sich", Bewegungen machen, sich 
schütteln, z. 6. um aus dem Schlafe 
zu kommen. Vom Butzemann sagt 
das Kinderlied: „er rüttelt sich, er 
schüttelt sich", s. rippeln. 



S. 



Sabbern^^sawern, l. geifern, den Spei- 
chel (Säwer, mhd. seif er) aus dem 
Man de ßieasen lassen; kleine Kinder 
besawern sieb, man bindet ihnen 



daher ein Sawerlätzchen (Geber- 
lätzchen) vor; BrL; PP.; — Wn. 
safern; Th. seiwere; Hz., ND. säweln, 
seiwem*, 3. &«et\)^x\i\ 1, schwatzen, 



Säbeln — Salvete 



195 



schwafeln; PP.; holl. sabberen, klat- 
schen, besudeln; der Sabberich, 
Schwätzer, wie Datterich; vgl. engl, 
n. ND. sap, Saft. 

Sftbeln, 1. hastig, ungeschickt schnei- 
den; Etwas lossäbeln, 'runtersäbeln. 
Pf.; 2. hastig laufen; drauf los sä- 
beln; wie wetzen (dggn.: Säbel- 
beene «» krumme Beine). 

Sabine, als Gattungsname s. Gramm. 
§ 166 b. 

Saehe, „er macht viel Sache, rechte 
Sachets er erhebt grosse Bedenklich- 
keiten, macht viel umstände, auch: 
grossen Aufwand. „Mach nur keene 
Sache, nicht so eine Sache", nicht so- 
viel Aufheben; s. Geschichte. 
Sachen, das beliebteste Wort für 
Kleider; nur Frauenröcke nennt man 
Kleider und zwar nur die volle „Bobe", 
welche von Kopf bis Fuss reicht; der 
„Rock" bedeckt nur den Unterkörper, 
oben schliessen sich Jäckchen, eine 
„Tallche" (Taille) oder ein Mieder an. 
Wortspiel: „das sinn Sachen, m*r 
gann se aw'r nich anziehn; das sinn 
S., aw'r geene Gleeder;" — seine 
Siebensache n^eringe Habe, Eigen- 
thum; Schi.; in Hb. : „er packt sä sie- 
ben Vertel Tuch auf;" in d. Pf. «= 
Kleinigkeiten; Faust: „zum Willkomm 
tappt Hir dann nach allen Sieben- 
sacnen;" s. sieben. 

Saehse, „halt S.!" gemüthlicher Aus- 
ruf für: halt! — Redensart: mir 
Sachsen sein helle! oft genug iro- 
nisch gegen uns gewendet. 

Saehtehen, sacht; sachtchen gehen; A.; 
ND. sachting; sachten; &.: muth- 
sachtchen f. gemüthlich langsam; s. 
Gramm. § 175. 

Saek, 1. Sackgasse; „er wohnt im Sacke 
uff*n Thomassergerchhofe;" 2. Sack 
und Seele, das ganze Vermögen; 
„er verspielt S. und S.; Sack und 
Seele verschreiben", s. Seelenver- 
schreiber;3. in Zusammensetzungen, 
von Personen, s. Fresssack, Ha- 
bersack; mhd. sac, als Schimpfwort; 
PP. 

Säekeln, Spielgewinn u. s. w. einste- 
ckeuy „ad saccum führen". 

Saeken, 1. fassen, packen; z.B. Einen 
ansacken, bei den Ohren sacken, zu 
sacken kriegen, davon: aufsacken, 
aufladen, wie einen Sack, „aufhucken;" 
einsacken, überhaupt in irgend 
einen Behälter packen, zusammenraf- 
fen; auch von Flüssigkeiten: „ich 
hawe de Milch in e Dopp gesackt V 



aussacken u. s. w.; HL; 2. sicii 
sacken, bauschen, Falten werfen, 
von Kleidern; Pf., PP. 

Sackerherrieh, saekerlot, Yerhullong 
von Sakrament, kräftiger als sapper- 
ment; s. sackerment. 

Saekerment, nicht eben Fluch, nur 
Ausruf; 1. ei S.! bezeichnet Verwun- 
drung, Erstaunen, Ueberraschunfi^, 2. 
na S., nu S., Ungeduld, Unmuth, 3. 
Himmels., Tausends., Zorn, Wuth; 



gebräuchlicher als Sackerlot, Sau- 
perlot; davon:einsackermentsch- 
ter Kerl, wie der Sapperlot. 

Saekgrob, sehr grob, auch: grob wie 
Sackleinewand: saugrob, grob 
wie Bohnenstroh, u. s. w. 

Saekstrippe, die; wohl eigentlich eine 
Strippe, Oese an einem Mehlsacke u. 
dgl.; „besoffen wie eine Sack- 
strippe", schwer, hochgradig; s. 
Radehaue. 

Saftige Reden (Geschichten), Zoten; 
PP. 

Sagen, wenn Jemanden ein Unglück, 
z. B. ein TodesfaU in der Familie, be- 
troffen hat, so fragen Frauenzimmer 
regelmässig: „Was sagt er denn?" 
um zu hören, wie er sich geberdet, 
benimmt, anstellt. 

SaMleiste, die, Schaum auf dem Biere, 
wie Krause, Tresse, Mützchen. 

Sahnensehnittehen, das, ein feines 
Weizengebäck, besonders zu Festzei- 
ten, aui dem Lande. 

Saite, „immer auf einer S. geigen", 
ewig dasselbe Lied leiern. 

Salat, „da habbt'r 'n S. ; er hat e schee- 
nen S. angericht", ganz wieBesche- 
jige, Pastete, Prostemahlzeit. 

Säleier f. Sooleier; es sind aber meist 
nur hartgesottne Eier. 

Salm, der, langweiliges Geschwätz, viel 
Umstände; wie Kohl, Madabrich; 
BrL, Rtr.; wohl von Psalm, der mhd. 

Ssalme u. salm heisst. 
onkolile, jede gute böhmische 
Braunkohle. 

Salvelatwurst f. Servelatwurst, s. 
Gramm. § 108. 

Salvete für Serviette, ND., Rl.; ent- 
spricht ganz richtig dem Italienischen 
salvietta; es wäre also erst zu unter- 
suchen, ob Italien oder Frankreich 
das Urvaterland der Servietten ist, 
ehe man uns auslacht; J. H. Voss 
legt einem Landmädchen das Wort 
„Salvetten" in den Mund; L., Schw.; 
Rtr.: Salwjett; vgl. Salve le.t'^^x.'%A.\ 



196 



SaJz — Sannickel 



Salz, ein Hieb aus dem Salze «ein 
srepfefferter, derber Hieb, einer aus 
dem ff.; PP.; vgl. gesalzen. 

Salzmeste« die; s. Meste. (In der L. 
heisst Salzmeste: eine Brantfabrerin.) 

Samft für sanft; s. Gramm. § 103, 2. 

Sftmig ist eine Brühe, welche dnrch 
Znsatz von Eiern und dgl. mehr Kon- 
sistenz erhalten bat. J., NS.; in Da. 
sagt man dafür „bindig," anderswo 
aacb seimig, also wobWyon Seim, 
wie in „Honigseim" („die Biene zieht 
Seim ans Elee'S Rammler). 

Sandbauer f.Sandfnbrmann; s. Bauer. 

SaDdf^ässer, Bewohner der„Sandgasse'' 
(jetzt Ulrich sgasse), welche — früher 
— im Bufe der Roheit standen; 
Gramm. § 158. 

SaDdlatscher, der, 1. Spottname, den 
die Reiterei den Fusssoldaten gibt ; s. 
Russbutteniungen; 2. beim „Prit- 
scbeball", (Schlagball) ein Ball, so 

geschlagen, dass er nahe überm Boden 
infliegt; Gegensatz: Stern giekler; 
s. noch: Schuster. 
Sandmann; „derSandmann kommt", 
sagt man, wenn Kinder schläfrig wer- 
den; Brl., Aachen; — B.: „das Pech- 
männele kommt". 
Sankt Stieh, im Volksmunde Name 
des ehemaligen Georgenhauses (Ver- 
sorgUDgs- und Arbeitsanstalt), über 
dessen Thore eine Steiubauerei den 
Ritter Georg zeigte. Daher: Nach 
Sankt Stich kommen, dort unter- 
gebracht werden. 
Sappe, die, Fusstapfe, bes. auf frisch- 
gescheuerten Dielen; s. Tappe. 
Sappen, derb auftreten (mhd.) nnd 
schmutzige Spuren der Schritte hin- 
terlassen, welche auch Sappen heis- 
sen (in Brl.: Tappen, s. d., in Bran- 
denbg. : Trappen); dann überhaupt: 
gehen. 
Sapperlot, weniger gebräuchlich als 
Sackerment, s. d.; davon: sapper- 
lotscht, verwünscht, pfiffig, unter- 
nehmend; Eg.; Rtr.: sapperlotsch ; 
auch sackerlot, sackerlotscht. 
Sapperment, weniger gebräuchlich 
als Sackerment; Adj. sapper- 
mentscht wie sapperlotscht; Eg. 
Satt, genug; „er hat Geld satt", wie 
sattsam ; auch „satt und genug". Ab. 
Satz, der, s. setzen, 2. 
San, 1. Klex, Schmutzfleck; 2. Glück, 
„Dusel" im Spiel; auch: Sauglück, 
Saudor'kel, Schwein; 3. Einen an- 
fahren, wie die San den Bettel- 
sack, wie: anschuauzen, 4. In 



Zusammensetzungen bedeutet San: 
sehr schlecht, wie Hund; so: Sau- 
kohlen, Saubengel, Sauwetter, Sau- 
kälte; dggn. überhaupt nur verstär- 
kend in: saugrob, sautheaer, 
sauwohl ^ äusserst wohl („als wie 
500 Säuen"); Schw.: sauerwoh). 

Saubande, schmutziges, liederliches, 
widriges Gesindel. 

Saubartel, der, Schmutzbartel, s. Bar- 
te 1; Schi.: Saubartel. 

Saubneht s. Bucht, 2. 

Sauee, „noch in der Sauce sein, 'mm- 
laufen", ungewaschen, im Neglig^; 
„noch in der Sauce liegen*', im 
Bette. 

1. Sauer, der, Sauerteig. 

2, Sauer, „lass dir's sauer kochen", 
sagt man, wenn Jemand Etwas ängst- 
lich hütet, es nicht hergeben, zeigen, 
nicht für den gebotenen Preis abtre- 
ten will u. s. w. 

Sauerkraut, „Geduld überwindet 
S.!" Sprichwort f. Geduld besiegt 
jede Schwierigkeit; Hb.: „Geduld 
überwendt den Scbnitzkluss". 

Sauerlumpe, die, Einderwort f. Sauer- 
ampfer. 

Saufaus, der, 1. Säufer; 2. gieriger 
Trinker. 

Saufen s. fressen. 

Sangloeke, mit der Sauglocke läu- 
ten, Zoten erzählen; wie hackschen; 
B. ; Wn. ; in Schw. : jetzt muss ma da 
Saukübl hola. 

Saugrob, saubohnenstrohgrob, sehr 
grob; s. Bohnenstroh; dggn. in 
Schw.: dumm wie Saubohnenstroh; 
Saubohne ist die Lupine. 

Sanhaekseh, der, wie Saubartel, bes. 
für einen Menschen, der Wohlgefal- 
len am Schmutze findet; Ab. 

Sauhund, niederträchtiger oder unsau- 
berer Kerl. 

Sauigel wie Sauhund u. s. w. 

Saukerl, schmutziger, liederlicher, wi- 
driger Mensch. 

Sanleder, das, Schimpfname f. ein bos- 
haftes, liederliches Weib; Eg. ; wie 
Saumensch. 

Sauinder, das, Schimpfwort f. schma- 
tzige, auch f. niederträchtige Menschen ; 
Wn. 

Saumagen, „er hat einen Saumagen'* 
oder „er ist ein Saumagen", ein Viel- 
frass, der Alles durch einander ver- 
schlingt; PP.; in Wn.: Saumagen 
Sausack f. Zotenreisser. 

Saumensch, das, wie Sauleder. 



Saupelz — Schäme 



197 



Saapelz, ebenso. 

Säurieh, 1. wie Sanhacksch; 2. einen 
grossen Säuricli machen, viel Ge- 
schwätz, „Kohl;" wie Ge säure. Wohl 
mit der Sauer (s. d.) verwandt, dann 
also ^enau wie: gären, Gärich. 

Sausaek, der, wie Saumagen. 

Sanstriek, der, sehr ungezogener, un- 
verschämter Junge; s. Sau und 
Strick. 

Sanzahn, der, eine ganz kurze Tabaks- 
pfeife, auch nur ,^ahn" (un brüle- 
ffueule). 

Sehabbes, Sabbath, scherzweise; da- 
von: Scbabbesdeckel f. Hut;Schw., 
Wn.; 8. Schiepel. 

Sehäbig, 1. abgeschabt, von Kleidern; 
Wn. schöwig; Etr.: schawwig; 2. von 
Menschen : kleinlich, schmutzig, inte- 
ressirt. ehrlos; 3. „ein schäbiger 
Rest," — eine kleine Neige Bier oder 
Wein im Glas; daher: „Einen schä- 
big machen", beim Buudtrinken den 
,,sdiäbigen Best" mit £iuem Schlucke 
ausleeren; dann muss der vorher- 
gehende Trinker ein frisches Glas 
zahlen. 

Sehachtel, besonders „alte Schach- 
tel", altes Weib; ebenso mhd. schab - 
tel; Titel eines Lustspiels von Putlitz; 
E., J., Schw., Pf., W.; ND.; am Rh.: 
alte Schatulle; S.Büchse. 

Sehaehtelhanne, Sehaehtellls'eheB« 
ein zierliches Mädchen, aber auch 
ein zerbrechliches Spielpüppchen, wie 
man sie beim „Scnacntelmanne*^ 
kauft; „ä Kerl wie Schachtellis'chen", 
gezierter, geschniegelter, „trauriger" 
Mensch; s. Gramm. § 166 b. 

Sehaehtelmaim, Holzwaarenhändler. 

Sehaekellitt'eh, der, eine leicht beweg- 
liche, flüchtige Person, die überall um- 
herschackt (s. schacken) und dabei 
leicht hängen bleibt, sich die Kleider 
zerreisst u. s. w. 

Sehaeken, 1. 'rum schacken, sich 
überall herumtreiben; Th., Hss., HL; 
2. schacken, schackern, beim Rei- 
ten auf dem Pferd stark herumwan- 
ken ; daher der Reim, wenn man Kin- 
der auf dem Knie reiten lässt: 
„schacke, schacke, Rillichen (?), wir 
reiten uflTu FtiUichen ;" oder : „schacke, 
schacke, Reiter, wenn er fällt, da leit 
er (Uegt er^;^' auch: „schacke, schacke, 
Reiterpfera, das Pferd ist keinen 
Dreier werth". In Pf. heisst schackern 
schnell reiten; in J., K. (schlecht) 
reiten; mhd. schocken, schaukeln, tan- 
zen; Rw. jackeln, reiten. 



Sehaeks, eine Art Haschen. Bei „Wa- 
genschacks" stehen Kinder auf 
einem Leiterwagen und das eine, auf 
dem Erdboden, sucht sie zu fassen» 
Aehnlich bei „Budenschacks", wo 
sie auf einem aufgestapelten Haufen 
von Marktbudenbretern herumhüpfen. 
Bei „Mondenschacks" sucht das 
Eine dem Andern auf den Kopf seines 
Schattens zu treten; an dunklen 
Abenden treibt man dafür bei Gas- 
licht „Laternenschacks". Viel- 
leicht heisst der Stamm: Sc hack und 
„Schacks** ist der Genitiv, wie in 
Haschens, Versteckens spielen. 

Sehäddel, Kopf, besonders Oberkopf. 
„Einem Eins auf den Sehäddel geben**. 

Sehade» 1. als Adj.: um den Mann is 
es sehre schade; es ist zu seh., dass 
er nicht da ist; die Cigarre is m'r zu 
schade, um se wegzuschmeissen; auch 
gesteigert: um meinen Rock is es 
noch seh ad er, als um Deinen Hat; 
Bsl. ;auch: es ist schade davor; 2. 
schade druff! f. ich mache mir 
nichts draus; ach, schade uff den Kerl, 
ich schere mich nicht um ihn; — 
schade wie ein Prädikat oder Aos- 
ruf gebraucht; — schaden, Zeitw., 
s. Gramm. § 204. 

Sehäfftern, seheftern, sehr geschäftig 
sein oder thun; Verstärlung von 
schaffen — to bustle about; Ab.; in 
PP.: scheffem, sich unbefugt in Etwas 
mengen. 

Sehafleder, ausreissen wie Schaf- 
leder, hurtig entfliehen; Wortspiel 
mit reissen, zerreissen. 

Sehafinist, 1. höherer Blödsinn, Ulk; 2. 
Schafmist mit E^em treiben, hän- 
seln; s. Zschochersch, Lork. 

Sehafsaek, Schimpfwort, noch verächt- 
licher als Scnafkopf, Schaf- 
zipfel u. s. w. 

Sehafsnase , Schimpfwort , wie Schaf- 
köpf. 

Sehafzippel, dummer Mensch; s. Zip- 

pel. 
Seoälehen, das, eine Tasse, besonders 

„ein Schälchen warmen Kaffee oder 

elliptisch: ä Schälchen Heessen"; 

V.: die Schälle. 

Sehald (jaloux) ist gebräuchlicher als 
eifersüchtig, bes. wo es sich nicht um 
Liebe handelt, sondern um allerlei 
Vortheile, also : neidisch. 

Sehäme. die, für Scham; „du hast gar 
keine Schäme nicht;" mhd. «AiV\ftx&^^.^ 



196 



Schampedäschchen — Scheene 



^schoam , ebenfalls Kollektivform ; 
davon: schämerig für verschämt. 
Sekanl'pedftseheheii, auch schampe- 
dä'scnchen ^schämpedätsch) sein, 
recht zutraulich, zuvorkommend, 
diensrtwilli&r , einschmeichelnd; in 
Schw.: Schambedasche ; von Jean 
Potage, Hanswurst. 
Sehamster für gehorsamster; beim 
Grussen: „schamster Diener !^^ auch 
nur „schamster!** Wn. 

Sehande, zu Schande (auch : zuschan- 
den) machen, kochen u. s. w., ent- 
zwei machen, zerkochen; sich zu 
Schande rennen, tanzen, arbeiten, sau- 
fen, sich dadurch zu Grunde richten; 
El.; s. schändiren. 

Sehftndiren. 1. oder schänden «s 
schelten, keifen; Pf., V., N. ; Etr.: 
schandiren; Di.: schantern; Aachen: 
verschängeliren ; 2. schandiren, 
verschändiren. Etwas schänden, 
verunstalten, verschneiden, z. B. einen 
Hund durch Verschneiden der Ohren, 
eine Bildsäule durch Abhacken der 
Nase u. s. w.; Hb.; ebenso: (ver-) 
schimpfiren; Wn. : verschandeln , 
durch unpassende Hinzufügung ent- 
stellen, verballhornen; Sz.: gschänden, 
verletzen, verwunden. 

Sahanzen, tüchtig arbeiten; Pf., Bsl.; 
Etwas erschanzen; Jemandem Et- 
was zuschanzen, verschaffen (heim- 
lich oder mit Unrecht). 

Seharben, schorben, Kraut oder 
Gurken mit dem „Scharb eisen" 
(Gurkenhobel) in Scheibchen oder 
Faden schneiden; mhd. scharben, 
Scherben, blättchenweise schneiden, 
schaben. 

Seharf, 1. er hat scharf, f. eilig, er 
ist sehr begierig; „ich habe s. auf 
ihn*5, es aui ihn abgesehen, scharfe 
Obacht; 2. ein scharfer Gast oder 
Kunde, ein genau Handelnder, Feil- 
schender. 

Seharmante, der und die, für Geliebte ; 
8. scharmiren. 

Seharmiren, den Hof machen, liebeln; 
Hl. : schamariren ; Th. sich verschame- 
riren; s. Scharmante, pussiren. 

8eharsehebrie , der, serge de Brie, 
ein Zeug. 

Sekarwerefaen, arbeiten, Eg., Ab.; Btr. : 
schorwarken; en^.: charwork, Tage- 
werk ; mhd. schar, eine der Reihe nach 
umgehende Frohnarbeit; auch schar- 
werc/ in Djsdn. sind Scharwerks- 
^ Meier Maarer, welche Ausbessern 
iÄRr Wobnxmgen, Setzen and Kehren 



der Oefen u. s. w. besorgen ; in Frei- 
berg gibt es auch Scharwerks- 
zimmerer. 
Sehassen, fortjagen, von chasser; Pf. 
Sehatsehen, 1. sich sehr empfindlich 
(gegen Schmerz, Kälte, Eegen) an- 
stefien; Hl.; davon: schatschig, 
schatscherig (seltener quätschelig) ; 
verwandt mit hätscheln; ein Kind 
verschatschern (verzärteln, ver- 
hätscheln); F.: quatschen, quatsehig; 
2. schlürfend gehen, wie hat sehen. 
Sehaabhut s. Schobhut. 
Sehauerehen, Sehäuerehen in den 
Ofen machen, ein weni^ einheizen; 
wie Huschchen; wie ein Schauer 
von Regen, Hagel, der auch schnell 
vorübergeht; engl, shower. 
Sehaale, die, Herumtreiberin, beson- 
ders: Gassenschaule, Lauf- 
schaule; nach Rüdiger ist in Hl.: 
schawellen «= herumlaufen. 
Sehaurij^, 1 , von Orten : geschützt ge- 
gen Windzug; eine solche Stelle heisst 
in Hb.: Schauer; in PP, ist Schur (— 
Schauer) ein Obdach, Wetterdach am 
Hause; Di.: Schur = Obdach, Schutz 
gegen Wind und Regen; schur'n, sol- 
chen Schutz gewähren; sich schüren, 
ihn aufsuchen; Strassb. Räthselb. v. 
1505: beschaweru = beschirmen; 
mhd. schüren, schützen, daher :schiur, 
schür, schür, Scheuer, Scheune; 2. 
von Menschen, Geschichten u. s. w. 
anstatt schauderhaft, schauerlich, er- 
bärmlich: ein schauriger Kerl, 
Lump u. s. w.; eine schaurige Ge- 
schieh t e, Schaudergeschichte ; schau- 
rige Witze, ein schauriges Spiel. 
Sehante, der, Narr ; Rw. 
Sehauzehen, das, Schaustück der San- 
der, das 2 oder mehr Rechenpfennige 
filt; z. B. ein Zwei-Schauzchen, Vier- 
ch. auch: Vier-Rudderchen; in 
Ab.: „Zatterich;*' s. Zeisig. 
Seheehen, 1. verscheuchen, forl^i^n; 
Hb.; s. gechen; 2. unpersönl. Zeitw., 
spuken; Bspr.; Eg. 
Seheene f. scnön ; Schi., Bö. ; Steigerung ; 
schenner (Bspr. sehender), der schön- 
ste; also zu unterscheiden: das is e 
scheener Hut, aw'r der da is noch 
schenner; Sdt.: schien, schinner; Tgl. 
rein. Der Sinn wechselt sehr: seheene 
Leide f. liebenswürdige Menschen; 
seh. Kälte, starke; ene seh. Leiche, 
stattliches Leichenbegängniss ; Bsl. ; 
auch von Geschmack und Geruch, 
trotz der Abstammung von „schei- 
nen:" dei "^ein ^Omä^^V^ ^wl., die 



Scheffeldrescher — Schielcbeii 



Blome riecht aebre scbeene; das Ge- 
geotheil iat: bäeslich scbmecken, rie- 
chen. Za Eindern eagt maD: Gib die 
Heb. Hand, die rechte, nicbt die 
linke; Bai.; iromBcb: iiie sein mir e 
Scbeener, nnzuTerläBBig n. a. w., i 
wie: joa axe a Hoe man. Du hast es i 
scbeene Terscbmiert; es giesBt (regnet) ' 
ganz ach.; eich acb. machen, sich i 
anpntzen, ae faire bean, it. farsi bel- 
le; — ich bin seh. 'raus, ohne Ver- 
last, sogar mit Vortheil daTon gekom- 
men; Gegeutheil; ieh bin drinne, 

Scheffeldrescher, „freaaen, nie ein 8." 
(aacli ycbeQDeDdrescher), atark 
easeo; PP.: freaaen wie ein Drescher, 

Seheibennareii , feinere, 4— 6-9itzige 
Hietbkutsche mit groasen Schlagfen- 

Sehelllflmpefaeii (aucb mit dem Zoaatz: 
EleineMädchen, groaae Strfimpcben), 
Scbellen in der Karte; a. nocb Lnmpa, 
2, und TKi-l^ioheleckern.Grinaen, 
S. Hoaen. , 

Sehenir, aoch: Schernier, das, f. 
Bcbarnier, cbaniiere. 

Sehenlrlfcb f. gönant; Rtr.; s. Gramm. 

§ m. 

S(Aeiik«ii, Jemandem (namentlich sei- 
ner Tänzerin) einmal schenken, 
einen Tnmk bieten; Bapr.; Schi. 

Sehenseb , der , acblecbtes Meaaer, 
Kneif; s. Genach, 

Sefaerb«!, I. Scherben; 2. Blamentopf. ' 
B.. Pf-, W.; 3. irdenea Geföes über- . 
hanpt; mhd. scherbe, Topf; daher 
„Scherbelkuchen", Aachknchen, 
der in einer irdenen, zackigen Form 

S 'lacken iat. Hl. (Eg., Drsdn. n. a. w.: 
be; Sndt.: BäbS.) 
S«b«rgeii, 1. schieben; L., V., Th., Haa., 
E., J. scbQrgen, wie mhd.: Schw. 
schirken , einen Karren n. dgl. schie- 
ben; Veratärknng Ton achören, a. 
achnrigeln,' ancli: schergen nnd 
acbieben, eifrig nach belfen ; ebenao : 
Schergen und ach üren;T.: aehür- 
senund würgen f. angeatrengt arbei- 
ten; — wegBohergen, mit dem 
Beaen zu Haufen kehren, z. B. Scber- 

SeherweBMl , der, Schmeichler, abor- 
eifrigei, dienstfertiger HenBch (B., 
J. , K.: Scbarwenzel, flatterhafter 
MeuBch) ; daToni um Jemanden herum 
Hcherwenzeln; Eg. 

S^encD, aicb ansgelassen scherzend 
benehmen, nur in der Bedensart ee- 
brincUich: „das Wetter wild Bic^ 



ändern, die Eälber acberzen", vtm 
nbermätbigen Eindera n. s. w.; mhd. 
acbarzen, schSrzen, springen; dgg. in 
L.: „das Gesinde scberzi", wechselt 
den Dienst, 
Schetter, der, allzu dünner, haltloser 
Stoff; Brandbg.; in Oe.: Schütter (in 
ND. Schotter, Kiessand); Adj. scbet- 
ter, achitter, in B. u. Üe.: dflnn, 
undicht, wie Iat. rarua; belNestroj: 
„Schan'n wir anf die Henachheit, wie 
acbütter aind da die wahrhaft acbdnen 
Handlungen ang'sHet" (dünn geaäetj; 
mhd. sohettar, feine Lemwand, Steif- 
leinen; Bchiter, dSiin, nicht dicht. 
Waa schetter vom Gewebe sagt, 
bezeichnet beim Fleische zadderig, 

Schenerrest, daa, der Tag, wo Laden, 
Komtoira u. a. w. gründlich gereinigt 
werden; daa Oeschaftapersonal bat 
dann meiatena Feiertag. 

SebeuneBdrescher a. Scheffeldre- 

Ucfaiebr, Feierabend, „na is awr 

Schicht;" Bua der Bergmannap räche; 



ichtE 

Sefaicfatsemmel, die, Zeilen- oder Keiben- 
Semme), im Gegensatz zur eigenthhm- 
lieben Leipziger Semmel; Hl. 

Schicker, betrunken; Schi.; Rw. 

Schleksel, 1. Jndenmädchen (aucb; 
Jndenachicksel) ; Hb.; 2. Dirne; Ob.; 
Bw,: Schickse, Schickaele, Mädchen. 

t^ehlcbbock, dBr,Schabkarren;Schieb- 
booker ■= Schabkämer. 

8cbi«ben, 1. (haatig) gehen; „wo 
schiebate hin?" = wohm gehst du 
so eilig? „Schieb' ab" = packe dicht 
daher 2. „aioh achiehen", fort- 
gehen, wie: sich drücken, aich 
ziehen; Bsl.; 3. die Scbneidergeeel- 
len „schieben", wenn sie tod der 
Werkstolle Arbeit mit nach Hanse 
nehmen, um sie über Nacht za ferti- 
gen. 

Soblebicke S.Flieder; in Baumgartena 
Flora Lips. 

Sekieduiter, der. sohetzhaft f. Unter- 
schied; Rtr.: Scheidunner. 

Scbief gewickelt aein, sich irren. 

Schiefer, Splitter; „sich einen Schiefer 
einziehen", sich einen Splitter in 
die Hunt atoaaen. Oe., B., Hb., A., 
Sbg. ; engl, shiver; mhd. scniver. 

Sefaielas, wie Schielewippe, aber 
ae] teuer. 

tiehleleken , das, «ina U<a^«.^ ^Sa^^ 



200 



Schielen — Schlabbern 



Sehielen für sehen, bes. wo Jemand 
nicht hingncken soll; s. linsen. 

Sehielewippe» ein Schielender; man 
höhnt sie durch den aus 4 Provinzia- 
lismen zusammengesetzten Einder- 
reim: „Schielewippe Gackei, 
Butterbemme Salei;" vgl. Eot.h- 
kopf. 

8chielig, ,,du sollst schielig werden, 
ehe du das kne^st (ehe ich das thue 
u. s. w.)", du soUst gewiss lange war- 
ten; wie: schwarz werden (vor Aer- 
eer u. s. w.) 

Scniopel, der, alter Hut; Brl.; in Th.: 
Schapel; Oe.: Schippel, eine schlechte 
Haube (von chapeau?), s. Schobhut. 

Sehiessen, stehlen; Brl.; s. kazen. 

Sehiessprüffel , der, Flinte, Gewehr; 
Rtr.: Scheitprügel; s. Kuhfuss; 
plattd. auch Schnappschinken. 

Seniffen, pissen; kam gegen 1840 auf; 
davon: Schiffoir, Pissoir; Schiff- 
prügel, Nachtgeschirr. 

Schilfern, die Haut schilfert sich ab, 
schuppt sich, stösst sich ab; schott. 
skelve. 

Schimmeln, 1 . beim Tanze sitzen blei- 
ben, s. Bank, 2; 2. graues Haar be- 
kommen, „schimmelig" werden; Rtr.; 
mhd. schimel-här, graues Haar; s. 
Esel. 

Schimpfen, „er lässt sich Doktor (Pro- 
fessor, Hofrath) schimpfen", er lehnt 
den ihm nicht gebürenden Titel nicht 
ab. 

Schimpfiren, verschimpfiren, wie 
schändiren; nach Andresen vom 
ital. sconfig^ere (franz. deconfire; 
engl, discomnt); Brl. 

Schindeldflrre, so dürre wie eine Dach- 
schindel, oder als ob das Fleisch ab- 
geschunden wäre; spindeldürre; s. 
Dürrlender. 

Schinden, 1. beim Verkauf: knausern, 
„es recht knapp machen", mit Mass 
oder Gewicht; bekommt man allzu- 
wenig für sein Geld, so ist es „e 
wahresSchinderlins^chen(s. Lins- 
chen); der Händler ist so unbarm- 
herzig wie ein Schinder, s. d.; engl, 
von einem Geizhals: he would skin a 
flint; 2. s. postmeistern. 

Schinder, ]. „dem Schinder die Keule 
abkaufen", einem knauserigen Händ- 
ler schlechte Waare theuer bezahlen ; 
s. schinden; 2. „ich gebe dir Eins 
(hinter die Ohren), dass du V2 Stunde 
vom Seh. träumst:" S.Backzähne. 

iSehinderknecht, Schimpfwort, ver- 
wünschter Kerl, Leuteschinder u.s.w. 



Schindlader» 1. Aas; 2. Schimpfwort; 
3. Schindluder mit Jemandem 
spielen, ihn allzuarg hänseln (Hz., 
HL); wie „Affenschande treiben, 
zum Mirakel machen ;" Hb. ; in Wn. : 
papirlen, steigen lassen. Prof. Wel- 
cker sagte im Vorparlamente von 
1848, man habe „mit dem Bandes- 
tage Schindluder gespielt". 

Schinlcen, 1 . ein (altes, dickes, fettiges) 
Buch; 2. Name eines kleinen Bo^en- 
brodes, wie es die Studenten im Kon- 
vikt (fi^emeinsamer Speisesaal) bei 
der Manlzeit bekommen (Konvikt- 
schinken.) 

Schippchen, Küchlein, chicken; vom 
Lockrufe: schipp! Hl.; in NS.: tick! 
tick! 

Schippe, die, 1. Schaufei; J., K., Brl.; 
Musäus: Schippe und Spaten; ND. 
Schuppe; mhd. schippe, schipfe; da- 
her: Kebrichtschippe, Kohlenschippe; 
(von schieben?) 2. eine S. machen, 
von Kindern: den Mund weinerlich, 
mürrisch verziehen; faire la mone; 
Schw.: a Pfändle mache; s. Flunsch; 
3. Einem die S. geben, ihn schnöd 
verabschieden, ihm den Laufpass ge- 
ben, z. B. Beamte, einen Liebhaber; 
er steht auf der S., sobald er nahe 
daran ist, die S. zukriegen; deut- 
licher bei Rtr. : uf de Wipp stahn. — 
Ztw. schippen, schaufeln; ein 
Schneeschipper. 

Schippenmann, Promenadenwärter, der 
mit der „Schippe" den Weg bessert, 
nebenbei die Anpflanzungen beauf- 
sichtigt u. s. w. „Der Schippenmann 
kommt", sagen Wärterinnen, besonders 
auf den Promenaden, um Kinder zu 
schrecken. 

Schipprig oder ffeschippert, in user- 
schiedenen Farben melirt; Eg.; in 
Schi.: punkrich; ist es übertrieben 
bunt, so heisst es: schipper- 
scheckig (von Schuppe?); s. spris- 
selig. 

Schlsmi für Jasmin, Philadelphus coro- 
narius; auch deutscher Jasmin 
oder Schäsmin. 

Schiss vor Etwas haben, Scheu, 
Furcht, Angst; BsL; wie More. 

Schiste Kapaste, (russisch «» reines 
Sauerkraut) verhöhnender Ausruf, 
wie: Dreckchen! 

Sclilabbern, schlawern, schwatzen, HL, 
Th.,Ab., Pf., davon:Schlawermanl, 
Schlawerfritze, Schlawersnse; 
schlawrig; „einen Schlawrich 
herma ebenes Geschwätz; wohl von 



Schlafbursche — Schlaudrig 



201 



Labbe, läwern, wie Schmasche 
f. Masche u. s. w. 

SchlalTbarsehe, Sehlaflierr, Inhaber 
einer Schlafstelle; s. d.; Ulm: 
Schlafgänger. 

Schlaffitehen, das; „Einen am (beim) 
Schlafittchen nehmen, fassen, krie- 
gen", ihn am Rock festhalten, ihn zur 
Verantwortung ziehen; Eg., Ab., Schi., 
Köln ; Rtr. : „bi de Slavitten (Slaütken] 
kregen;" vgl. Flittich; nach Berna 
von Schlagnttig oder von schlafif und 
fat, Kleid; in Hb.: der Schlaffittich, 
langer Kockschoss (schlaffer Fitti^V). 

Schlafstelle, die; wer ein Bett, nicht 
aber die ausschliessliche Benutzung 
des Zimmers gemiethet hat, „liegt in 
Schlafstelle", ist Schlafbursche 
oder Schlafherr. 

Schlar, 1. „seinen Schi, machen", 
vortheilhafte Geschäfte; s. Schnitt; 
vgl. le coup, beaucoup; 2. einen Schlag 
ins (kalte) Wasser thun, etwas Un- 
wirksames thun; in E., B., Pf. sagt 
man dafür „einen Bettelbuben in die 
Höllen werfen" (deren Schlund er 
doch nicht fällen kann). Aehnlich: 
„das is eneTroppe uf eheesseu Steen," 
Lnzg. 

Sehlafftodt, Sehlatodt, der, grosser, 
starker Mensch; „so e lanker Sehla- 
todt;" s. Pflaumenschmeisser. 

Sehlämmässel, der; 1. Plunder; „da 
ist der ganze Schlamassel;" Pf.:Schli- 
massel; jüd.:Schlemassel;2. viel Schla- 
massel machen, viel Geschwätz um 
Etwas machen; BL: Klamassen; in 
Wn.: Schlamessen machen, Kompli- 
mente; — Bw.: Schlamassel, Unrall, 
Unglück; so in Th. die Schlamasse, 
Verlegenheit, wie „die Patsche". 

Schlampampe, die, wie Schlampe, 1. 

Schlampampen, schwelgen; Pf., F.; 
aber im Hb. = Possen treiben; Wag- 
ner's Meistersinger: da gibt's Ge- 
schlamV und Geschlnmbfer; auch 
bei Friedr. Hofmann, Rattenfänger 
von Hameln. 

Schlampanjer, Champagner, bes. 
scherzweise; es mag dabei an 
Schlampe, schlampen gedacht 
sein. 

Schlampe, die, 1. schlechtes, dünnes 
Getränk oder Gericht, z. B. Bier, 
Kaffe, Suppe; wie Schlempe; 2. un- 
sauberes Frauenzimmer, s. Schlumpe; 
Brl^ Hss., Schi., B., Pf., Schw., Eg. ; 
in Hb. u. Sbg. : der Schlamp, lieder- 
licher Kerl ; Wn. : der Schlampen (Fe- 
tzen), Schiampel, Schlampet; ferner: 



schlambad, nachlässig, schlotterich; 
davon: den ganzen Tag herum- 
schlampen, nachlässig gekleidet 
gehen. 

Schlänirelii, sich, gemächlich gehen; 
„wir seh. uns ganz bumäle nach Lin- 
ke 1" (Dorf Lindenthal!). 

Schlappe, die, 1. Schleppe; 2. Schlep- 
penträgerin; daher aucn 3. schmutzi- 
ges, nachlässig gekleidetes Frauen- 
zimmer überhaupt; R.: Schlappsuisen 
(Schlapp-Suse) ; 8. schlappen. 

Schlappen, schlappern, 1. lang herab- 
hängen, schleppen; zu weite Stiefel 
oder Schuhe schlappen an den Füssen ; 
zu weite Röcke, Hosen schlappern am 
Leibe herum; von schlaff hängen; 
s. Schlappe, Schlappschuh, 
Schlappermilch; 2. watscheln. 

Schlapperment, verstärkt aus Sapper- 
ment, s. d. 

Schlappermilch, saure, halbgeronnene 
Milcn;sie ist „zusammengeschlap- 
pert oder zusammengefahren, 
zusammengefallen; anderwärts: 
Schlickermilch;schott.:lapper-milk 
von lapper, gerinnen; Sz. Schlippe- 
milch; fJS. Waddicke. 

Schlapps, ungebildeter, plumperMensch, 
Tölpel u. s. w., Th., Y.; ÄD. Slaps; 
8. Lapps, Tapps; Gramm. § 164. 

Schlappsack wie L a p p s a c k. 

Schlappschuhe, schlechte Pantoffeln, 
s. schlappen; BsL; in B., E., J., 
Pf., Hss.: Schlappen, Schluppen; R: 
Schleppen; Di.: Slarren; PP.: Schlor- 
ren; engl. : slippers. 

Schlappschwanz, der, unentschlossener, 
wankelmüthiger Mensch; von schlaff; 
man könnte an gewisse Affen, als 
Gegensatz, denken, die ihren Schwanz 
ganz energisch zum Greifen brauchen. 

Schlarfen, 1. schlürfen; 2. schleppend 
gehen, gleichsam mit den Füssen 
schlürfen; F.; s. Schleifbein. 

Schlau, sich schlau befinden, bei 
guter Gesundheit, in blühenden Ver- 
mögensumständen (in Folge seiner 
Schlauheit). Ein Schlauberger, 
Schlauhuber, Schlaumeier, 

Schlaumichel, Schlaukopf, be- 
sonders spöttisch; Brl. 

Schlaudern, 1. flüchtig, schlecht arbei- 
ten; B., Schi.; in Hss. faulenzen; 
daher: schlaudrig; 2. im Handel 
= schleudern, s. d. 

Schlaudrig, allzulocker, von Strickerei, 
Gewebe u. s.w.; in De. : schitter. In 
E. u. W. heisst schlaudrig: nachläs- 
sig ; s. s c h 1 a u d e r n ; plattd : slodderig 



202 



■ßchleclit — Schlummerkopf 



= schlotternd. Wuttke, Entstehung 
der Schrift, S. 579, sagt es von einer 
nachlässigen Schrift, vgl. zandrig. 

Schlecht, 1. „Er hat uns nicht 
schlecht augesehen, angefahren, be- 
trogen, mitgespielt" u. s. w., für sehr, 
tüchtig; s. böse; 2. „schlechte 
Krankheiten^^ sind die sog. galanten. 

Schlechte, das, oder: das Alte nennen 
Kinder das Konzept, brouillon. 

Schlecken, mit der Zunge schlürfen 
wie saufende Hunde; Schi.: schlickern. 

Schleierweis, sehr schön weiss; Eg.: 
schlerweiss; s. schlohweiss. 

Schleifbein (Schleefbeen) , Mensch mit 
schleifendem, „latschigem" Gange. 

Schleifkanne, die, hölzernes, ziemlich 
grosses, etwa 20 Seidel fassendes 
ijrefäss in Brauereien, aus welchem 
die Arbeiter trinken; bei Immer- 
mann; die Schlaufe, Schleife, ist der 
Henkel; mhd. sloufe = Oehr. 

Schlemihl, gemüthliches Scheltwort: e 
rechter S., Träumer, auch Schelm; Hb. 

SdUerape, die, schlechtes, dünnes Ge- 
tränk, besonders der Ablauf in Bren- 
nereien, der zu Schweinmast dient; 
s. Schlampe, Blerape, 2. 

Schlenker braten, „ich habe heute mei- 
nen Schlenkerbraten", sagen Dienst- 
boten am letzten Sonntag, bevor sie 
„abziehen", und den sie dann gründ- 
lich geniessen; Fr., Hss., Th.; erklärt 
sich aus dem schwäb. Ztw. schlenkern, 
den Dienst wechseln ; in Tir. : das Ge- 
sinde schlängelt; in L. : das Gesinde 
scherzt. Beim Schweinschlachten 
macht man in Th. für die Kinder be- 
sondere, kleine Würste, Schlenker- 
würstchen genannt. 

Sehlenkerich, der, seltner : der S c h 1 e n- 
ker, von schlenkern, ein heftiger 
Euck, um Etwas fortzuschleudern; 
V.;s. Schwenkerling, Eennerich, 
Prellerich. Gramm. § 159. 

Schlenkern, die Arme (im Gehen) 
schleudern; D.: slenkern, slunkem; 
mhd. slenker, Schleuder; Etwas weg- 
schlenkerin, es mit einem Bück 
(Schlenkerich) fortschleudern; F., 
J., Pf., E., V., Eg.; Apostelg. 28, 5: 
er schlenkerte das Thier ins Feuer; 
davon: Sehlenkerbein, s. Hopp! 
Im Eg. heisst der Perpendikel der 
Sächrschlenkr (v. Seiner = Uhr). 

Schlesing, die, Schlesien; Schi.; vgl. 
Stuggert; beide bes. im Munde von 
Hanawerksburschen. 

Sehleadermühle, die, Kinderspiel; es 
fassen sich Zwei, Eins rechts. Eins 



links gewendet, mit gestrecktem Arme 
an der rechten Hand und laufen im 
Kreis, wie eine Windmühle; e. Zitier* 
mühie. 

Schleudern, im Handel: Waaren^ Bü- 
cher zu jedem Preise (Schleuder- 
preis) hingeben, um nur zu Gelde zu 
kommen, auch schlaudern, schlu- 
dern. 

Schlickermilch wie Schlapper- 
milch. 

Schlicks, der, eine schleimige, zähe 
Masse, z. B. eine missrathene Suppe, 
welche „Faden zieht;*' mhd. slich, 
Schlamm, Schlick; Gramm. § 164. 

Schliere, die, wie Schlicks; davon: 
schlierig, wie sich z.B. Schnecken 
anfühlen. 

Schliesshaken , der, Nase (Schlosser- 
ausdruck). 

Schliff, der, 1. die nicht ausgebackene 
(speckige) Stelle im Brode, Kuchen; 
Schw.; diese sind schliffig; in Wn.: 
speckig; 2. Schliff backen, in einem 
Unternehmen scheitern; ganz so: „my 
cake is dough^S 

Schlifterchen, wohl von Schlippe, wie 
Gliftchen. 

Schlimm, „das ist nicht schlimm'', 
das will nicht viel sagen, hat nicht 
viel zu bedeuten; s. gefährlich. 

Schlippe, die, enger Baum zwischen 
Häusern, Zäunen, Felsen u. s. w., wo 
man eben noch durchschlüpfen 
kann. 

Schlitten, „unter den Seh. kommen'', 
in Nachtheil gerathen; s. Pritsche. 

Schlohweiss, rein weiss ; Schw. ; anstatt 
schlossweiss, weiss wie Schlössen ? 
ND. slohwit ; Sudt. schnieschlossweiss ; 
Ob.-Schl. schlohengelweiss; BsL, Eg. 
u. P. schlossweiss; dagegen B. (auda 
P.) schlorweiss, was — nach Scbmel- 
1er — mit Schlotter, saure Milch 
zusammenhängt, also: milchweiss; so- 
viel wie Schleie rweiss; mhd. sloier, 
sleier, Schleier. 

Schlottich, der, ungezogener Mensch, 
wie Lottich; Ab.; seltner: der 
Schloten. 

Schlottrig, nicht nur von Kleidern, 
welche zu weit sind, unregelmässige 
Falten werfen (schlapjjern), auch 
von Fleisch, welches nicht hübsch 
fest, sondern weichlich , faserig (zad- 
drig) ist; s. loddern. 

Schlack, der, Branntwein; Btr.; vgl. 
Hieb. 

Schludern s. schleudern; PP. 

Schiammerkopf, der, schläfriger 



Schlummerrolle — Schmiss 



203 



Mensch, wie Schlafmütze. Traum- 
bnch, Dassel u. s. w.; Brl. 
Sdilnmmerrolle» eine gepolsterte Bolle 
als Unterlage für den Nacken, anch 
Faullenzer genannt ; engl. : lounger. 
Sehlnnpe, die, ein nachlässig genei- 
detes, unsauberes Weib ; Brl.; davon: 
schlumpig; s. Schlappe, 
Schlampe, 2, schlumjsern. 

Sehlamper, der, schlecht sitzendes, zu 
weit herabhängendes, liederlich ge- 
tragenes Umschlagetuch u. dgl.; s. 
Schlampe. 

Sehlamperlied^ Sehamperlied, leicht- 
fertiges Volks- oder vielmehr Pöbel- 
Lied ; im £g. : Schamberlied, was auf 
„schandbar Lied" deutet; P. u. Sudt.: 
Schenscherlied = Volkslied; Kärnten: 
Plepperliadl. In Wagner's Meister- 
singern: da ^bt's Geschlamb* und 
Geschlumbter. — Uebrigens erin- 
nert Schumperlied auch an das 
Hb. : der Schömpfer, die Schömpfere, 
der (die) Geliebte, Schatz. 

Sehlampern, nachlässig umhergehen, 
wie eme „Schlumpe", schlendern; 
in Hb.: schlambambel, herumschlen- 
dern, schmarotzen; s. trodd ein, zot- 
teln. Im „Spaziergang nach Gohlis** 
(1781): Schlumperrock. 

Sehluiig, ich, f. schlang; passt besser 
zum Hauptw. der Schlunk, s. d. und 
Gramm. § 209. 

Schlank, der, f. Schlund; s. Gramm. 
§ 89. 

Sehlanks, der, Verstärkung für Schlin- 

Sel. 
maehtlappen, ein süssliches, 
schmachtendes Herrchen; Hb. 

Sehmadder, der, ziemlich wie Schmer- 
gel; 8. schmaddern. 

Henmaddeni, 1. flüchtig, schlecht 
schreiben; A.; „Narrenhände be- 
Bchmaddern Tisch und Wände;" £g.; 
2. eine Tabakspfeife schmaddert, 
wenn sie zu feucht geworden ist; s. 
Schmergel. 

Sehrnfthlieh , sehr; „es ist schmählich 
kalt, voÜ; du hast dich aber schmäh- 
lich geputzt!" s. böse; Brl.; so im 
„Zittauer Hungertuch" (1472). 

Sehmall für schmal; schmal machen, 
Handwerksburschenausdruck : auf 
Jahrmärkten oder am Zugange eines 
besuchten Vergnügungsortes f e c h t e n ; 
Bw.: aufn Schmal dörgen, auf Märk- 
ten betteln; s. dalfen, 

Sehmäsehe, verstärkt für Masche (man 
spricht: Masche, nicht Mische), s. 
Gramm. § 143. 



Sehmatz, der, derber Kuss. B., E., F., 
K., Oe.; engl.: smack. 

Sehmaaehen, schBiöeiien, stark Tabak 
rauchen; D. : smöken; s. dgg. Schmö- 
cher. 

Sehmeissen, viel beliebter als werfen, 
s. d.; Brl.; die Thür zuschmeissen; 
£twas zerschmeissen, zerbrechen; 
Jemand £twas vorschmeissen; 
auch „das Pferd schmeisst", 
schlägt aus; HL, Th.; s. hin sehmeis- 
sen^ verschmeissen. 

Sehmer, „das soll dir nicht zu Schm. 
gedeihen", wenig Nutzen bringen, 
übel bekommen, Drohung, bes. bei 
unrechtlichem Erwerbe. 

Sehmergel, der, schmutziger Saft in 
Tabakspfeifen; Schi., Eg.; Th.: 
Schmorgel; die Pfeifen seh mergeln, 
sie werden ganz verschmergelt, 
sie schmaddern dann. 

Sehmettern, vom Gesang der Vögel 
auf die Stimme des Menschen über- 
tragen : das Lied, den Toast hab' ich 
scheene 'rausgeschmettert; s. 
Schmetterling, 2. 

Sehmetterlingy 1. „es ist ihm ein 
Schmetterling angeflogen", er hat ei- 
nen Orden erhalten Ql v. Humboldt 
soll seine Orden seme „Schmetter- 
lingssammlung" genannt haben); s. 
Bierzeichen; 2. einen Schm. auf- 
schlagen, ein helles, schmetterndes 
Gelächter; s. schmettern. 

Schmiege, die, Zollstab des Zimmer- 
manns u. s. w. 

Sehmiere, die, 1. Prügel, daher: Einen 
abschmieren; Wn. ; 2. „eine 
schöne Schmiere", eine garstige 
Geschichte; Th.; „in die Schmiere 
kommen", in eine unangenehme 
Sache verwickelt werden; 3. „es ist 
eene Schmiere", einerlei! wie: eene 
Wichse. 

Sehmieren, l. Gebäck mit Butter, Fett, 
Pflaumenmus u.dgl. bestreichen ;Wn.; 
2. prügeln, besonders „ausschmie- 
ren;" s. Schmiere; 3. in einen Stich 
beim Spiele Augen einwerfen, wie 
brocken. 

Sehmiermeste, die, unsauberer Mensch; 
s. Meste; in Brl. Schmierfinke. 

Sehmiez, der, Striemen; mhd. smiz, 
Buthenstreich , smitze, Hieb; s. 
Schmitze. 

Schmirgel s. Schmer^el. 

Sehmiss, Puff, Stoss, Hieb ; bei Studen- 
ten auch die von einer Wunde zu- 
rückbleibende Narbe im Gesicht; 



204 



Schmitze — Schnepprig 



Schmisse besehen, Prügel be- 
kommen. 

Schmitze, Sehmieze, die, das feinere 
Stück am Ende einer Feitschenschnur; 
Hb.: Schmelze; trifft sie Einen ins 
Gesicht, so hinterlässt sie einen 
Schmiez; s. d. 

Sehmöeher, Sehmöker, der, (altes, 
yerräuchertes, angeschmaucht ans- 
sehendes) Buch; Brl.; s. Schinken, 
1; davon: schmöchern, schmö- 
kern, eifrig über Büchern liegen, bes. 
über Bomanen. 

Schmu machen, Schwenzelpfennige 
machen; vom Schneider: ein Stück 
Zeug („Schmufleckchen*') unterschla- 
gen; Brl.; seltner: Schmus, Schmul; 
jüdisch: Schmu = Gewinn. 

Sehmusen , schwatzen , vertraulich re- 
den; ßw. 

Schnabeliren, essen; Schi., Hz.; das 
Geld versöhn ab eliren, verzehren. 

Schnacken, reden, schwatzen; ND. 

Schnackisch, schnakisch, sonderbar, 
possirlich. 

Schnalle, auf die unnütze Frage: 
welch Zeit ist es? erwidert man: 
„drei Viertel über die Schnalle, wenn's 
schlägt, ist's alle;" in Zeh. „drei Vier- 
tel uf Bohnestäcke;" vgl. Erbsen, 2. 

Schnappen, es schnappt ab, es geht 
zum Ende; es hat geschnappt, es 
ist aus! bes. beim Spiele; abschnap- 
pen, kurzab aufhören Twohl von 
einem Schnapp schloss nergenom- 
men). 

Schnaps: — klar wie Schnaps; s. 

Dinte, 1, Klossbrühe. 
Schnapsen, 1. Branntwein (Schnaps) 

trinken; 2. Trunkenbold sein. 
Schnarpeln, der Laut, welchen das 

Durchschneiden von Knorpel u. dgl. 

^ibt; in Ab. „schrobeln**, an andern 

Orten: „knarveln". 
Schnarnsen s. schnorpsen, 1. 
Schnauoen, sich, f. schnauzen; vergl. 

Schnupftuch. 

Schnauzen, grob reden; anfahren^ an- 
schnauzen; Seh., Bsl. 

Schnauzer, der, Schnurrbart, s. 
Schnurre, Schnurrwichs; Gramm. 
§ 158. 

Schnedeln, Bäume ausschneiden, aus- 
putzen; von schneiden. 
Schneebällen« schneebällern, mit 

Schneeballen werfen; auch: sich seh. 
Schueesieber, langsamer, schläfriger, 
ungeschickter Mensch ; wie L e i m s i e- 
der. Th.: Schnabulier; s. Bulle. 



Schneffel, der, 1. klaffiger Hund; 2. 
naseweiser Mensch; auch S c h n i f f el. 

Sehneide, ich habe keine Schneide, 
keine Lust. Ff., Wn.; in BL: es hat 
mich kein Niet; vgl. Fiduz, Ma|^e. 

Schneiden, 1. sich, verrechnen, tau- 
schen; 2. wie postmeistern, schin- 
den. 

Schneider, 1. f. die langbeinige, spin- 
nenähnliche Wandmübe, phalangium; 
Di.: Weberknecht; 2. Schneider wer- 
den im Handel: den ganzen Tag Nichts 
lösen ; im Spiel : doppelt zahlen müs- 
sen; 3. „es gimmt e Schneider in 
Himmel", wenn zui^llig zwei Per- 
sonen gleichzeitig Dasselbe sagen; 4. 
laufen wie ein Seh., sehr schnell; 
5. essen wie ein Seh., sehr wenig; 
s. Schneiderkarpfen. 

Schneiderbock« Spitzname des Schnei- 
ders, wie Bock. 

Schneiderlips, wie Schneiderbock; 
s. Fips. 

Schneiaerkarpfen, Hering ; Anspielung 
auf die sprichwörtlich geringe Leistung 
der Schneider im Essen; BrL, ND.; 
in Hb. nennt man Brot mit Salz und 
Kümmel „Schneiderkaas;^^ s. Schnei- 
derschenke. 

Schneiderkourage, 1. wenig Muth; 2. 
Witzname der Krätze. 

Schneidermamsell, Mädchen, welches 
in Familien „schneidern geht^' d. h. 
Kleidungsstücke anfertigt; die nur 
Wäsche u. dgl. nähen, heissen Näh- 
mamsells, Weissnäherinuen, 
Nähspuze. 

Schneiderschenke nannte der Volks- 
witz den wegen seines angeblich vor- 
züglichen Wassers, bes. in- den vier- 
ziger Jahren, häufig von Spaziergan- 
gem besuchten Johannesbrunnen oder 
Bettelborn auf dem Augustusplatze. 

Schneilerchen, die grünen Samenkn5ll- 
chen der Kartoffel, weil sie an eine 
spitze Gerte gesteckt und toitee- 
schnellt werden, was in Drsdn. 
bumb allem heisst. 

Schneppe, die, 1. röhrenförmiger Aus- 
guss, Schnauze an Kaffeekannen, Krü- 
gen; Vornehm thuer sagen: die 
Schnepfe! D.: das Nipp; dann die 
Sehn, an Miedern, Schneppentaille 
u. s. w.: 2. Dirne; Bsl. 

Schnepprig, schnftpperig, naseweis, 
schnippisch; geschwätzig; Ff.; ver- 
wandt mit Schnabel, schnappen; in 
Ab. Schnapp-Büssel; in Wn. Schnabel; 
in Schw. Schneppe f. naseweises 
Frauenzimmer, das wir manchmal 



Sohnerksel — Schnnrren 



„Schnepper" nennen; Wo. jf'BChnap- 

Sig; Schw.: scbnftbelachneU. 
laerkselfarSchnarkel; davon: Ter- 
BCbaerkselt, mit ZieratlieD fiber~ 
laden. 
SehnlekerB, l. behaelich lachen; „der 
achntckert Dich schlecbt" (nicht we- 
nig)! 2. 8. schnippeln, 2. 
Sehnlegeln, sich, übertriebene Sorgfalt 
auf den Anzn^ verwenden; auch: „er 
ist immer geschnieifelt und ^e- 
bögelt." 
Setantepel, der, 1. Frack; Brl, Sbg., 
ND.; Würzb. : Schnippel ; von der 
v|Schneppe", in welche er ansläaft; s 
Klinke; 2. 3tntzer; dieser ist ein 
„schnipulöger" Eerl, 
Sehniffeln, das, unangenehmer Laot i 
beim Einziehen der Luft n, s. w, in 
die Nase; auch Ztwt. 
Sehnippcln, 1. schnitzen, besonders uu' 
nfltz an Etwas bemmachneiden; Schw.; 
daher: Panierscbnippelchen oder 
Schnipsel statt Schnitzel; ver- 
sehnippeln, durch Schnippeln ver- 
derben, veranstalten; ,,e Frack, das 
isSiennrblos everschnippelterlkick;" 
2. das Aufspringen der Fische im , 
Wasser, wie: achnickern; anch: i 
flink, bebend, geziert, behaglich, un- 1 
nütz hin- und herlaufen; davon: ein j 
Schnipplig'. der es that. 
8ehiiipperscbiiäp[iiseh ist Einem bei 
gelindem Katzenjammer oder anderer 
üebelkeit; bei Kinkel: verschnäppig; 
s. nippern&ppisch; Gramm, g 143. 
Sehilpplig, der, s. schnippeln. 
Sehnipps, der, 1. NasenstSber od. ähn- 
liche schnippende Berührung; s. 
sohnippsen; 2, kleiner Mensch; 
anch der Schnipplig, wie Fips. 
Sebnippsel. das, Schnitzel; s. schnip- 
peln, I. 
Sehalppsen, mit den Fingern einen 
kleinen Knall hervorbringen ; vergl, 
„ein Schnippchen schlagen;" s, 
Schnipps. ; 

1. Sohnltt, es, f. es schneidet; Hl.; s. ' 
Gramm, g 204. 

2. Sebnltt, seinen Schnitt machen. | 
gute Geschäfte machen; wohl vom I 
Schneiden des Getreides , Honigs 
o. s. w.; 8. Schlag, 2. 

Schnöd dcrlK« Redonsarten, spitze, 

heransf ardern de, beleidigende Beden; 

Brl.. Rtr. ; von ND. der Schnöder, SD. 

Schnuder ^— Rotz, the snot-, b. 

Schnndel. 
Sehnorps (Sebaarps), der, Sechsnnd- 



I sechzig (Kartenspiel); manchmal f. 

Gewinn überhaupt. 
Sebnarpsen , I. bezeichnet den dampf 
knirschenden Laut beim Zermalmen 
von scharf Gebackenem, beim Kauen 
der Kühe, Ziegen u. s, w.; dann: es- 
sen Oberhaupt; Eg., Th.; — ferner 
den scharfen, schnarrenden Ton beim 
Gehen auf hartem Schnee: „es is so 
galt, daas 's omdlich schnorpst;" 2. 
Schnorps spielen, s. d. 

I Schnorz, es ist mir ganz schnorz 
(achnun), einerlei; wie Schnnppei 
Schi.: es is m'r Kaff (was phittd. — 

; Spreaist). 

' Sdüadel, der, sichtbar werdender 
Nasenschleim, auch andere Unsauber- 
keiten, bes, wenn sie beim Essen vor- 
kommen; P.: Schnuder; e. schnod- 
derig; daher: schnuddlig, achmie- 
rig, unsauber; eine schnuddlige Kö- 
chin, schnuddlige Wirthschaft. 

Sehuttffel, der,Einer der Qberail heram- 
stankert, herumschnüffelt, Topfgoker 
u. s, w.; s. dggn.: Schneffel. 

8ehnullen,Schnulleh(3chnnllereh) 
machen, Kinderansdrücke f. harnen; 
. s. lulleen, bulleen. 

1. Sehoupfen, bei mir hast du ge- 
schnupft; 1. das machet du mich 
nicht gUubcu; ä d'autres! — 2. hei 
mir hast du es verdorben, verachöttet, 
mir komm nicht wieder! 

2. Schnopfen, er hat den Schnupfen 
(mit Hindeutung auf die Stiin), er 
ist dumm; vgl. brustkrank und 

Sehiiupftalräk, „er war wes wie 
Schnubdewäk'', Bchnellspurlos ver- 
schwunden; s. Schwenke, Röhr- 

Scbnuppe, es ist mir Schnuppe, 
gleiohgiltig; Brl.; s. Schnorz, Po- 
made. Wurst, Wichse. 

Schnur«, voii der Schnure zehren, 
nicht vom fortlaufenden Erwerb leben, 
sondern von seinen Erspamissen, vom 
Kapitale; Eg,; wohl von den an eine 
Schnur gereihten Münzen oder Klein- 
odien; rund, von der snuor verzern. 

SehnOron , Hbertheuern , prellen, be- 
sonders von Gastwirthen; B., Pf., J. 



a, Schnnrrwichs. 
Schnurren, i. betteln; Itw,; jädisch: 
schnorren, rtaher: Schnurrer, Schnor- 
rer; ND., Hb., Pf. u. H. W-; 2. Aus- 
druck der Studenten: sie schnurren 



206 



Sckaurrwiclis — Schriezen 



eine Vorlesung welche sie be- 
snchen, ohne den V ortragenden zu be- 
zahlen ; sie sehn, im Konyikt (Speise- 
saal), d. h. sie essen umsonst für 
einen Ausbleibenden. 
Schnarr wiehs, auch Schnurrer, der, 
Schnurrbart; s. Schnurre, Schnau- 
zer. 

Sehnate, von Schnauze, f. Mund, Maul; 
Eh.: Schnüs; D.: die Snut; auch dän^ 
holl., schwed., en^l. 

Sehobbat, Sebaabbut, schlechter, un- 
förmlich grosser Hut; soll mit Scho- 
ber zusammenhängen und Strohhut 
bedeuten, der im Sg. u. V. Schäbhut 
heisst; in Schw. Schaubhut; in Th. 
ist Schaubhut ein grosser Frauenstroh- 
hut; in Hl. Schofnut; die Schapel ist 
im Schwarzwald eine gewaltige Krone 
von Gold- und Silberaittern, Glasku- 
geln, Münzen u. s. w.; im V. ein 
Brautkranz; in Zeh. Schäppeli, Bän- 
der, in Blumenform geschlungen, als 
Schmuck der Landschönen bei Hoch- 
zeiten u. Taufen; mhd. schapel, Kranz 
als Kopfzier; — vgl. Schiepel, 
Schabbesdeckel. 

Sebocber s. Zschocher. 

Heboekscbwerenotb, 1. als Fluch; 2. 
„alle Sch/S allerlei Unangenehmes, 
Dummes, üebles; „Naboliion hatEeis- 
sen, Blasenleiden und alle Seh.; der 
kooft alle Seh. (allen Deiwel)", alles 
Mögliche; vgl. alle, 4. 

Scbofel, 1. gemein, schlecht, erbärm- 
lich; Schi., Hb.; 2. der Schofel, der 
Abschaum; jüdisch; davon auch: 
schofulös, Schofelinski u. s. w. 

Seholt, ich, für schalt; s. Gramm. §208. 

Scbon, wird oft kurz ausgesprochen, 
das gilt aber für schlecht; ebenso 
schonst, schont, welche „ausdrucks- 
voller" sind. 

Sebön s. scheen. 

Seboner, gehäkelte oder gestrickte 
Decke auf dem Sofa, zu dessen 
Schonung. 

Sebönheit« der, „das ist ja eben die 
Schönheit", das ist das Schöne, 
Drollige an der Sache. 

ScboBSt, sebont s. s c h o n : Schi, schund. 

Seböpsebristel, dummer Mensch ; Schi. 

Seborben s. scharben. 

8chors€b, der, 1. Schornstein, auch 
Scherst, Schorrsteen; 2. als Kell- 
nername f. George; kommt mehr u. 
mehr ab, ebenso Jean. 

Hebösscben, das, kleine Scheibe zum 
bequemeren Oeffnen in grösseren 



Fensterflügeln ; j etzt abgekomm en ; 
Hl. 

Sebosskelle, die, korbförmiger Fvlir- 
mannssitz an Frachtwagen u. s. w.; Ejg. 

Sebotenbüter, aussehen wie ein 
Schotenhüter, verwildert, abgeris- 
sen u. s. w. 

Schotentoffel» alberner und ungezoge- 
ner Mensch: bes. auch, wemi er unge- 
schickt gekleidet ist, wie eine in die 
Schoten gestellte Vogelscheuche ; s. 

' Toffel. 

Scbrftg, betrunken. 

Sebramme, die, Kitz in der Haut, eine 

Schmarre; Ob.-Oe. ; davon: sich 

schrammen. 
Sebrammen, 1 . s. S c h r a m m e ; 2. rennen, 

wie bürsten; auch ausreissen, Au&- 

druck der Kinder, bes. vom Entlaufen 

aus Schularrest. 

Sebräpeln, mühsam arbeiten, Etwas 
erschräpeln, zusammenschräpeln, 
mühsam verdienen. In Pf. ist solurap- 
pen = gierig sammeln; Btr. undD.: 
schrapen »» scharren, kratzen, raffen; 
in Hb.: schropel, mit dem Messer 
kratzen (an Rüben u. s. w.). 

Scbranbe, es ist eine Schraube bei 
ihm los (oder locker), er ist nicht 
recht gescheit. 

Sebreek, t. „das Glas hat einen Seh. 
gekriegt", einen schwachen Sprung; 
in Ab. : Schreck; mhd. schrick, Sprung; 
Biss; zerschricken, zerspringen; 2. „s 
is mit tausend Schrecken" »> erschreck- 
lich, erstaunlich; s. schrecklich; 
„Gott bewahre mich vor Schre- 
cken", in ähnl. Sinne. 

Sebrecken, eine heisse Flüssigkeit 
durch Eingiessen von Kaltem ausser 
Kochen oder zum Setzen bringen (z. ß. 
unfiltrirten Kaffee); Wn.; d^. heisst 
in Schw. verschrocken: em kaltes 
Zimmer (oder Wasser) ein wenig er- 
wärmen. 

Sebreeklieb für sehr stark; s. bös; 
„ich bin dir schrecklich gut;" auch 
als Adj. : „es waren schrecÜiche Men- 
schen da" = sehr viel; s. Schreck. 

Sebrek, ich, oder schrick, f. schrie; 
sie schreken oder schriken; s. 
Gramm. § 212, 134, 135. 

Sebreppen: — man schreijpt den jun- 
gen Weizen (schneidet inn mit. der 
Sichel), damit er bessere Aehren 
treibe; von schröpfen; Bsl.: d* Bäbe 
schräpfe, die Weinstöcke leicht hacken 
u. von Unkraut säubern. 

Sehriezen, in einem feinen Strahl her- 



Schrittschuh — Schussel 



2©7 



vorspritzen ; daher: Schriezbtichse, 
eine ganz kleine Einderspielspritze; 
Einen anschriezen, beschriezen, 
auch: strietzen. 

Schrittsehah für Schlittschuh; so bei 
Elopstock, Btr.; mhd. schrit-schaoch; 
Sehr, laufen gilt für vornehmer, als: 
„Schrittschuh fahren". 

Sehroten, stark essen; Scbweinefutter 
wird geschroten, grob gemahlen; 
mhd. schroten, schneiden, zerhauen; 
engl, to shred. 

Schrumpeln, zusammenschrumpfen ; 
davon schrumpelig, verschrum- 
peU, eingeschr. 

Scliruz, der, alles Werthlose, „Schund;" 
„lauter Schruz von Gesellschaft". 

Sehubb, der, 1. Stoss; Eg., Btr.: 
Schupps; mhd. schupf, Schwung; da- 
von schubben = durch Stösse fort- 
schieben ; ßtr. : schuwen ; 2. ein Trupp 
Leute, die sich stossweise vorwärts 
drängen; so: „Ich kam mit dem ersten 
Schub ins Theater", mit der ersten 
Abtheilung des Gedränges; 3. Wer 
sich nicht abgesondert trauen liess, 
sondern — wo es weniger kostete — 
mit einer ganze Menge, wie das vor 
Erlass des Civilgesetzes Montags früh 
zu geschehen pflegte, wurde „mit dem 
Schub getraut", auch: „mit dem gan- 
zen Korps", oder „an der Leine". 

Sehabben. schuppen, sehuppsen, 1. 
stossen, hastig schieben, bes. im Ge- 
dränge; bei Preytag im Freikorporal 
bei Markgraf Albrecht; Sz., Wn.: 
schupfen; Schi: schippen; 2. sich 
schuppen (von den Schuppen der 
Oberhaut), sich reiben, jucken, kra- 
tzen. 

Schubiak, der, schäbiger Kerl, Hal- 
lunke; J., K. 

Sehubriegel, bildlicher Ausdruck der 
Schlosser für ein Butterbrod. 

Sehubsaek, „Das hat seine gewei- 
sten Schubsäcke", seine guten 
Gründe; Eg.; s. Gramm. § 206. 

Schuck, Schuk, der, f. Schuh; P.; da- 
her das Schükelchen: vgl. Ge- 
schüche; s. Gramm. § 135. 

Sehuckeln, an Etwas rütteln; Brl.; in 
Hl.: zuckeln; engL: toshake, I shook. 

Sehuftir gehen, schäbig, armselig, 
schlecht gekleidet sein. 

Sehuhriegreln s. schurigeln. 

Sehuhwiäise, „er ist ein guter Kerl, 
er frisst keine Schuhwichse (Schuh- 
schmiere, Stiefelwichse, Fensterladen, 
auch : er „macht^^ keine Stiefelholzer) ;" 
ironisch: mit seiner Gutmüthi^eit ist 



es nicht weit her; er ist nur in man- 
cher Hinsicht gut, oder zu dumm, um 
nicht harmlos zu sein. 

SehAkelchen, Sehikelchen, kleiner 
Schuk «= Schuh; Btr.: Schäuking. 

Schuldenfresser, der, spöttisch: Hund 
unbemittelter Leute, welche besser 
thäten, keinen zu füttern. 

Schuldleute, die, Gläubiger, nicht etwa 
Schuldner; „dieSch.loofen ihm 's Haus 
ein ;" mhd. schuldener und schuldiger, 
sowohl Schuldner als Gläubiger. 

Schule, die halbe, kleine oder nie- 
dere Schule machen = pissen; die 
ganze, grosse oder hohe Schule 
machen = hofiren. 

Schullen wie schnullen; L., Eg.; 
Schulle, Harn. 

Schummeln f. das gebräuchlichere be- 
schummeln; BsI.: schummele. 

Schumperlied s. Schlumperlied; Hl. 

Schuna mit Einem treiben, stark 
hänseln; s. Affenschande, Lork, 
Schafmist, Zschochersch. 

Schundg^ube, Senkgrube; Schw.: 
Schwindgrube. 

Schundkönig, der, Senkgrubenräumer; 
„Schund" ist Auswurf, elendes Zeug 
überhaupt, bes. von allerlei Waaren; 
wie Schruz; in Wn. : Nachtkönig. 

Sehunkel, Schaukel, davon schun- 
keln; vgl. schu ekeln; bild. „er is 
Widder in der Seh.", betrunken, mit 
Bezug auf das Schwanken. 

Schupp, schuppen s. Schub b, schub- 
ben. 

1. Schur, der, absichtliche Kränkung, 
verletzende Verbotsübertretung; mhd. 
schuor, Schererei, Plage; „Jemandem 
einen Schur spielen, ihm Etwas 
zum Schure (oder Tort) thun, zum 
Schure leben;" Th., B.; in Wien: 
Schuar. 

!S. Schur, die; er hat die Schur, an- 
statt er ist du jour, auf Posten, Dienst. 

Schurigeln, plagen, quälen, chikaniren ; 
kommt — nach Andresen — nicht von 
Schuh und riegeln fwas man auf die 
Fesselung von Geiangenen bezog), 
sondern von schurgeln, schor- 
geln, was wieder von schurgen 
oder schurgen abgeleitet ist (bei uns 
Schergen, s. d.), einer Verstärkung 
von schürn, ahd. = heftig bewe- 
gen, reizen, antreiben. 

Sehuss, einen Seh. haben oder: an- 
geschossen sein, verliebt, ange- 
trunken, auch etwas verrückt; aus der 
Jägersprache. 

Sehnssel, seltner: Zuschel, die, kleine 



208 



Schusseln — Schwalbenschwanz 



schmale Eisbahn, Gleit-, Glitschbahn, 
auf Pfützen, dem Schnee u. s. w. ; in 
andern Gegenden: Schleife, Schleifze, 
Schurre, Glittbahn (Oe.), Schliffi (Ba- 
sel), Schhdder (Westpr.), Schlitter- 
bahn, Schorrbahn (x^D.), Glander 
(Hl.), Risel (Stm.), Kösch (Hb.), 
Kutsche, Rasche], Schinder; holl. : 
^lijdbaan, suUebaan; dän.: glidebane; 
m der Schussel sein, wanken, wie 
betrunken; — schusselig; 1. glatt, 
von Wegen; 2. taumelnd, angetrun- 
ken; s. schusseln. 

Seliasseln, seltner: zu schein, schu- 
schein (Hl.), auf dem Eise gleiten, 
ohne Schlittschuhe (zuscheln beisst 
in Th. schnelllaufen; zö sehen, zot- 
schen in Hb. schleifend rutschen); ein 
bezeichnendes hochdeutsches Wort 

. gibt es nicht, jede Gegend hat das 
mrige; V.: glännern, ruschein; E.; 
rutschen, rutschen, schlimern, klen- 
dern; Fr.: Schleimern; Hz., HL, Mb.: 
glandern, Hz.: schlickern; NS.: schlit- 
tern, schlitschen; Pf.: klennen; F.: 
hätscheln; L.: heisein, zescheln, Schin- 
dern, tschuUern, tschunnern, suUen; 
Schi.: tschintschern , tschindern, kä- 
scheln, käscheln; Eg.: tschindern, 
schenschem ; bei Drsd. : kladerietschen ; 
Luzern: schlifen; Bsl.: schliffe; Oe.: 
schlipfezen, schleifen, schurren, glit- 
schen; Braunschweig: schlickern, 
fliesecken; Koburg: züschern; Jüter- 
offk: schüttern; Th.: zeschen; NS.: 
sliaem; Sbg.: schwünzeln; Westf.: 
schlindern ; in Aachen, sehr nüchtern : 
Bahn schlagen ; PP. : schorren ; natür- 
lich meist mit Zischlaut und mit 1 
(das Gleitende) oder r (das Schurrende 
bei rauhem Eise oder grobem Schuh- 
werk); franz. : glisser; engl.: to slide; 
holl.: glijden, sullen. 

Schaster, l. für Schuhmacher, gilt aber 
für unhöflich; 2. Kaffee; „einen guten 
Schuster kochen ;" 3. Dreiling, ein 
ßoggengebäck, auch Schusterjunge, 
Seelenwürger, Schwellhupp- 
rich genannt; „ein gewichster 
Schuster", Dreiling mit Butter; in 
Brl. : Schusterjunge f. Salzkuchen; 4. 
spielen wie ein Seh., schlecht; s. 

. Lohgerber; 5. „ä hocher un ä 
weiter, ä Schuster un ä Schnei- 
der!** Ausruf, beim Ballschlagen, um 
den Fängern einen Ball anzusagen, 
der hoch und weit gehen soll: vgl. 
Sandlatscher und Sterngiekler. 

Sehusterkneif, Schimpfname für Schuh- 
macherlehrlinge; es wird ihnen auch 



zugerufen: „Schuster Kneif, dei Vater 
feift, deine Mutter winkt, dein — 
stinkt!** 

Schnstern, Etwas pfuscherhaft ausfuh- 
ren; bes.: zusammenschustern 
(ein Haus, Sopha, Buch u. s. w.). 

Sennsterprise, eine unbescheiden 

fresse, aus fremder Dose genommene 
rise. 

Schatte, die: — eine Schütte Stroh ist 
ein Bund langes Stroh; Seh., Hl., Bh, 

Schattern, etwas schwächer: schüt- 
tern, erdröhnen, erzittern, erschüt- 
tert werden. „Das ganze Hans schut- 
tert", wankt; s. schuckeln; ND.; 
auch bei Luther; Friedr. Hofmann, 
Rattenfänger von Hameln: Wenn der 
Tanzboden schottert und klingt. 

Schutz, der, Meister (im Munde der 
Arbeiter); Bsl.; wie Krauter. 

Schwahheln, wackeln, gleichsam hin 
und herwogen, von einem Schmerbauch 
u. dgl.; Di.: schülpen, schülpern; da- 
von schwabbelig; Hb.; auch so- 
viel wie: schwummerig; s. q.uab- 
belig u. schwabben. 

Schwahhen, 1. die Hin- und Herbe- 
wegung des Wassers, das an den 
Rand eines Gefässes (oder auch ans 
Ufer) anschlägt; Bsl.: schwapele; 2. 
heftig giessen ; „er schwabbte mir ei- 
nen Eimer Wasser übern Hals**, oder 
„er goss mir e Schwapp Wasser 
uffn Nischl**; „du hast e scheen'n 
Schwabbch gekocht**, zuviel Kaffee, 
zu dünnen; davon: schwabbeln, 
schwäppern. Aehnliche Formen in 
Brl., E., K., Pf.; anderswo auch 
schwatteln; verwandt mit dem Aus- 
ruf: schwapp! RI.: Schwapp = Schlag. 

Schwahe, der, für die Schabe (Insekt, 
Blatta); Oe. ; in „Schwaben** und in 
Russland nennt man sie „Preussen", 
in Tir.: „Russen!** 

Sehwade, Mundwerk; „eine gute Seh. 
haben** (la suade); auch Schwarte; 
A.; davon: schwadroniren, viel und 
geläufig schwatzen; der Schwadro- 
nör; mhd. swaderer, Schwätzer; das 
Geschwadronire, die Schwadro- 
nirerei; Sdt.: das Geschwuder. 

Schwafeln, gedankenlos reden; Eg., 
Ab.; in Wien: schwaibeln; Bsl. schwa- 
pele; Schwafelhans, Schwafel- 
iis e, Schwätzer; Bsl.: Schwapeli, 
Schwapelmaijer. 

Schwager, der, verlängert aus Schwär, 
Furunkel. 

Schwalbe, Ohrfeige; Hl. 

Schwalbenschwanz, Frack; Bsl., Sbg., 



Schwalch — Schwein 



209 



in N.Amer.: swallow-tail ; s. Klinke; 
in ND. ist Swälkenswanz Spottname 
des Eüstermantels. 
Schwaleh, der, eine grosse Masse Flüs- 
sigkeit, besonders von dünnem Bier, 
Kaffee u. s. w.; s. schwabben, 2; 
von Schwall, mhd. swalch, Flut, Woge 
^chUler: „dass die eiugepresste 
Flamme schlage zu dem Schwalch 

hinein")' 

Schwamm, der ganze Schwamm, Alles 
(verächtlich); „ich habe noch 8 Gro- 
schen, das is der ganze Schw.", wie 
Briezel, Quark u. s. w. 

Sehwammbei, der, f. Schwanenboi; s. 
Gramm. § 104 a. 

Schwämme, „er geht in die Schwämme 
und sucht Pilze", sagt man auf die 
unberufene Frage, wo Jemand sei. 

Sehwanen f. ahnen; Di.: swanen. 

Schwang: — für den Schwang hal- 
ten, die Gefethr abwenden, aufhalten; 
Eg.; ähnlich: „für den ßiss stehen". 

Schwansfedom bekommen, Etwas 
merken; s. schwanen. 

Schwanz, 1. der Kaffee hat einen 
Schwanz , unangenehmen Beige- 
schmack von einer „falschen Bohne;'* 
2. „nicht ein Schwanz", gar Nichts; 
„nicht einen Schw. hat er in der Schüs- 
sel gelassen" (wenn auch nicht eben 
Fische drin waren); „es is kee S. 
mehr da" = il n'en reste la queue 
d'une; 3. „einen Thaler, einen Brief 
auf den Schwanz schlagen", unter- 
schlagen ; verwandt mit Schwänze 1- 
pfennige? 

Schwänzeln, 1. geziert gehen; „sie 
schwänzelt, als wollte sie die Gasse 
kehren;" so Jes. 3, 16 von den Töch- 
tern Zions! 2. viel herumlaufen. 

Schwapp, der, s. schwabben; Eg.; 
auch Schwabs. 

Schwäppdohle, die, Cylinderhut, weil 
er leicht schweppt d. h. kippt; s. 
schwäppern und Dohle, Angst- 
röhre. 

Schwäp]iern, 1. schwanken, v. Flüssig- 
keiten in einem Gefäss; Eg.; 2. diese 
durch „Schwabben" zum Üeberlau- 
fen bringen. Etwas davon verschütten, 
verschwäppern (Di.; ND. auch 
Bchülpern); also weniger heftig als 
beim schwabben, s. d.; bei einem 
plötzlichen Ruck schwappt es über, 
beim Zittern schwäpperts; Wn. 
ausschwabazen ; — der „Bauch schwep- 
pert" einem Wohlbeleibten; ein Glas 
u. s. w. ist geschwäpperte voll, 
auch: geschwappelte voll, zum 

Albreeht, Leipz. Mundart. 



üeberlaufen; N. : geschwipperte voll; 
bei Aug. Konisch: es war bis oben 
schwippe voll (ein Fass); Schw.: ge- 
schwappelte, geschwippelte voll. 

Seh warte, 1. Scharteke, altes Buch; 
auch: Schwärt eke; vgl. Schinken; 
2. „arbeiten, prügeln u. s. w., das 8 
die Schwarte knackt", gehörig, 
tüchtig, comme il faut; mhd. swarte. 
Haut des Menschen; PP.; 3. s. 
Schwade. 

Schwartenworscht , die geringste 
Sorte Wurst; „Etwas in die Schwar- 
tenworscht hacken", es verächtlich 
wegwerfen. 

Schwarz, „das'.ist zum Schwarzwerden", 
vor Aerger; „du kannst warten (dich 
plagen u. s. w.), bis du schw. wirst", 
=« es ist vergeblich; s. schielig. 

Schwarze, der, 1. Essenkehrer; 2. 
Geistlicher, wie Schwarzkittel; 
ist allgemein; ein Lpz. Landtagsab- 
ffeordneter pflegte die ihm unlieben 
Geistlichen „die schwarz eBrlgade^^ 
zu nennen; 3. der Teufel. 

Schwarzkittel, der, Geistlicher; s. 
Schwarze. 

Schwarzsaare, das, das mit Blut und 
Essig zugerichtete Gänseklein (Gänse- 
schwarz) oder Hasenklein (Hasen- 
schwarz). 

Schwede: 1. alter Schwede, gemüth- 
liche, scherzende Anrede f. alter 
Bursche, alter Freund u. s. w.; Brl.; 
2. die Schweden kommenl ein 
noch Öfters im Scherze gebrauchter 
Ausruf, der auf eine nahende Gefahr 
aufmerksam macht { wahrscheinlich 
aus dem dreissigjährigen Kriege stam- 
mend; auch: „bett't Kinder, die Schw. 
kommen", macht euch auf Schlimmes 
^efasst; ähnlich in Hss. 

Schwedenkopf, Frauenkopf mit kurz 
abgeschnittenem Haar. 

Schweessen, schwitzen. 

Schwefelbande, Gesindel; Bsl.; auch 
Schriftdeutsch. 

Schweimel, Schwindel (Unwohlsein); 
mbi. sweimen, schweben, sweibeln, 
schwanken; davon: schweimeln; es 
wird mir schweimelig; Eg.: schwä- 
melig; L., Hz.: Schwimel; Rtr.: be- 
swimen — ohnmächtig werden; Be- 
swimniss, Ohnmacht; — my head 
swims. 

Sehwein, wie Sau, 1. 2; Schw. haben 
(Rtr.) «= Glück; ist gebräuchlicher als 
„ene Saue haben;" 1. die Redensart: 
„dumm wie e Schwein", tritt bes. 
in der eigenthümlichen Form auf: „so 

U 



210 



Schweinsknöchelchen — Schwnder 



dumm wie Schefflern (oderSchep- 
peD) sei Schwein;" 2. „bluten wie 
e S.", stark; Hb.: „wie ä San". Zusam- 
mensetzungen: Schweinebande, 
Schweinebartel, Wn.; Dreck- 
schwein, Schweinehacksch, 
Schweinebraten, Schweinehund, 
Schweinekerl, Schweineluder, 
Schweinemagen, das Schweine- 
mensch, Schweinepelz, 

Schweinepriester (für: Saukerl), 
S ch weine wirthschaft,8ch weine- 
z u c h t (grosse Unordnung, Liederlich- 
keit), Pl, Wn. u. 8. w.; s. Sau. 

Sehweinsknöehelehen (mit Glees- 
sern), Lieblingsabendessen der Leip- 
ziger; in Brl.: Eisbeine. 

Sehweiz, Name eines Stadtviertels 
(Ulrichsgasse und Nachbarschaft), das 
früher meist von Armen, auch von 
allerlei Gesindel bewohnt war; s. 
Sandgässer. Aehnlich in BrL: „das 
Vogtland". 

Sehwellenhapprieh, der, Dreiling, s. 
Schuster. 

Sehwemmen gehen, sich baden. 

Sebwengel, bes. Ladenschwengel, 
Ladendiener, Kommis; s. Schwonig. 

Schwenke» „weg wie Seh.,'' schnell und 
gänzlich verschwunden, wohl wie 
Schwenkwasser, das man schnell weg- 
schüttet. EL: fort wie uisgelassner 
Schmer; s. Schnupftabak. 

Sehwenkerling, ein Kuck, nicht so hef- 
tig und kurz abgebrochen wie ein 
Schlenkerich, mehr drehend 
(engl.: jerk). „Einem einen Schwen- 
kerüng ff eben;" von schwenken; man 
sagt auch: „Schwind erling;" vgL 
Gramm. § 159: Eennerichu. s. w. 

Sehwenzelenz, Ausruf der Ueberra- 
schung, des Zornes, f. schwere Noth; 
bes. potz oderGotts S.;s.Schwere- 
bret. 

Sehwerebret f. schwere Noth! s. 
Sehwenzelenz. 

Schwere flache, ebenso. 

Sehwerenoth, „es ist, um die Seh. 
zu kriegen!" Ausruf des Aergers, 
der Verzweiflung; s. Schock- 
schwerenoth. 

Sehwerenöther, 1. Schimpfwort, wie 
Schwerenothskerl; Pf.; 2. Kom- 
pliment: „das ist ein wahrer Schwere- 
nöther", durchtriebener Tausendsasa, 
guter Gesellschafter u. s. w.; Rtr.; 3. 
„den angenehmen (interessanten) 
Schwerenöther spielen", bes. von 
blasirten Salonmenscnen gesagt, sich 
einschmeicheln, den Galanten spielen, 



die Kur schneiden, „Süsseholz ras- 
peln". 

Senwiemel, der, 1. Schwindler; 2. ver- 
bummeltes Subjekt; schwiemeli^, 
Schwiemelei: herumschwie- 
meln; BrL; mhd. swimel, Schwindel, 
s Wimen, schwanken; s. SohweimeL 

Schwiepe» Seh wippe, die, eine 
schwanke Gerte; von wi^en (schnel- 
len); s. Gramm. § 143; H., m.: eine 
Schwepe; NS., D.: Swep, Swap -»= 
Peitsche; vgL engl.: sweep u. whip, 

Schwierigkeit, „nach der Schw.", 
z. B. nanen, rennen, trinken, f. sehr 
stark. 

Schwiete, die, 1. Beihenfolffe (la suite); 
z. B. immer in einer Schwiete (oder 
angschwitt » ensuite) fort; Rtr.: in 
eine Swit; s. Dusswitt; 2. eine 
Menge Leute: „er kam mit euer gan- 
zen S. angerückt;" 3. loser Streich, 
auch lustige Geschichte, Schnake; Th. : 
Schwidden; davon: Schwietier, 
auch Schwittjeh, Possenreiser, 
durchtriebener Serl, Bruder Luft, 
Bummler, loser Vogel, lockrer Zeisig, 
liederlicher Herumtreiber iL s. w. ; Bn. 

Schwinde, die, besonders in der Mehr- 
heit: die Schwinden, trockner Haut- 
ausschlag; V. 

Schwinderling s. Schwenkerling. 

Schwipps, einen Schwipps haben, 
etwas angetrunken sein; PP. 

Schwischen für zwischen, s. d.; Schi.: 
schwischper; vgl. seh witsch er n; 
Gramm. § 96. 

Schwitschern f. zwitschern; vgl, 
schwischen; Hl.; Gramm. § 96. 

Schwof, 1. Schweif; „sie hat e laugen 
S. hinter sich", viel (befolge; 2. Tanz; 
auch: Euhschwof, vom Mäffdetanz 
auf dem Lande; (Brl.: schwofen; L 
tanzen ; 2. sich herumtreiben, umher- 
schweifen); mhd. ist sweif nicht nur 
Schwanz, sondern auch schwingende 
Bewegung; sweifen, schwingen. 

Schwonig, auch Schwung, der, Laden- 
diener, auch Eommis überhaupt; v^. 
SchwengeL 

Seh Wachteln, locker leben; s. schwu- 
dern; auch gehäuft: schwudernu. 
schwuchteln. 

Schwudde, Fuhrmannsausdruck für 
links; Hl.; Schi.: schwaade; Sz.: zwu- 
der. — „Der Eine zieht hutte (rechts), 
der andere schwutte", sie handeln 
nicht einig; gewöhnlicher ist wiste. 

Schwnder, der, allerhand Ausschuss, 
unnützes schlechtes Zeug, Schofel, 
Schund; wie Schruz. 



Schwuderü — Selig 



211 



Seliwad«rii, wieschwuchteln; BrL; 
überall hernmschwudern, sieh in 
allerlei Kneipen hemmtreiben; dgg. b. 
„Geschwuaer" unter schwadtoni- 
ren. 

Sehwal für schwül; Pf.; „es ist mir 
schiml^Sban^e; daher: in Schwuli- 
bus sein, in Äengsten; ähnlich: knhl, 
knhlhaftig f. kühL . 

Sehwunm, er, auch schwumb, f. 
schwamm; ebenso: geschwummen; 
Bspr. ; 8. Gramm. § 20S. 

Sehwumbse, die, Prügel; durch- 
schwumsen; s. Wamse. 

Sekwummerig, übel (zum Erbrechen), 
wie bei Katzenjammer, Hunger; Ab. 

Seiiwaiid, ich, f. schwand, s. Gramm. 
§ 209. 

1. Schwangt 1. für den Schwung 
halten, s. Schwang; 2. s. Schwo- 
Big; Brl. 

2» Sdiwang, ich, f. schwang; s. Gramm. 
§ 209. 

Sehwnr» „es ist ihm kein Schwur an 
den — Leib gebacken^^ (man be^ 
zeichnet die Stelle wohl auch noch 
genauer), er schwört leichtsinnig. 

Se f. sie; „is se; sin se?" dgg. steht 
Sie für Ihnen; „ich habe Sie das 
Buch gegeben;" s. Gramm. § 190. 191. 
230, 2. 

Sebäste für Subhastation; „das Gut 
gimmt in die Sebaste, wird v ersebas- 
tirt", wie „es wird angehängt''. 

Seehs Dreier, 1. „es ist nicht 6 Dreier 
werth", werthlos; Brl.; 2. „er muss 
seine 6 Dreier (oder drei Heller) 
auch dazugeben^S überall hineinre- 
den; s. hineinhängen, Semf. 

Seehsknöppler, Seehsknepper, Poli- 
zei- oder Bathsdiener; von der Zahl 
der blanken Bockknöpfe. 

Seechemse, Seeh'-ftmse» die, Ameise, 
die sich durch Spritzen vertheidigt; 
L., £g.; s. d. folgde. 

Seeehen, pissen (von seihen); A., F., J., 
Pf., Brl., BsL; die Se echte, Harn; 
„noch in der S. liegen^S ganz ge- 
mein: im Bett; wie Sose; davon: 
verseecht, grünlichgelb, wie Grün 
durch Urin sich färbt. 

Seefe, „ab Seefei'* damit Basta! s. 
ab und e Walzer. 

Seeger, Seeher, Seiger, Seiher, der, 
Bspr.; die Uhr; s. schlenkern; E. 

Seeinngfer, Seejumfer, die, Libelle, 
Wasserjungfer (ein Insekt) ; PP. : Jung- 
fer, verflucnte Jungfer. 

Seele, 1. s. Sack; 2. das Bückenmark 
der Heringe, Herings seele; Bauern 



pflegen sie an die Decke zu „schlai- 
kern'^ und sie dert kleben bu laston. 

Seel^ikleistel'i aUz^dieker Brei, bes. 
Grütze. 

Seelenverk&nfer, ein Auswanderongi- 
agent. 

Seelenversehreiber, ein sehr scharf 
verklausulirter Wedisel; s. Sack. 

Seelenwilrger, Dreiling, s. Schuster, 
3. In B. u. Oe. heisst ein zopfformiges 
Weissbrod, das Kinder von ihren 
Pathen am Aller-Seelen-Tage bekom- 
men: Seelenzopf, Seelenweäen. 

Seffe, SeffcA, Abkürzune^ für Sophie. 

Sefl^9 der, Seifenschaum oeim Waschen. 

Sehe, die, die Puj>ille im Auge; mhd. 
sähe; „Patsch ins Oge, gradein 
die Sehe", der Schlag hat gesessen! 

Sehen, 1. Nu sehn Se *mal (an)! ist 
es nicht unerhört, seltsam/ Hätte 
man das erwartet? u. s. w.; 2. f. aus- 
sehen: es sieht gelb, schöne, häss- 
lich, reizend; so bei Luther, Geliert, 
Wieiand, auch noch in der Garten- 
laube, üeber Land und Meer u. s.w.; 
HL, V. Will man aber seine Ver- 
wunderung, seinen Tadel über Jeman- 
des schmutziges, liederUches Aussehen 
ausdrücken, so heisst es: „Nee, wie 
du aussiehst, du siehst prächtig 
aus'. 

Sehre, sehr; auch verdoppelt, z. B.: 
thuts weh? „Ei, sehre, sehrel*' Es 
nimmt auch Endungen an: „e sehrer 

futer £erl, e sehres braves Mädel;" 
teigerung: das ärgert mich noch seh- 
rer; s. auch: setter, recht; Gramm. 

§ 171. 
Seife s. Seefe. 
Seifensieder, 1. einen Seifensieder 

haben, wie „eine Nase haben*', s. 

Lichter, 3; 2. „es geht mir e S. uff", 

ein Licht, superlativisch. 
Seifenzäpfchen, das, ein Stückchen 

Seife, anstatt eines Elistirs verwendet 
Seil, ,,der tanzt m'ruffn Seele", ist 

zu Allem willfähris^, geht durchs Feuer 

für mich; s. aufhüpfen. 
Sein, 1. für sind; BL; s. Gramm. § 198; 

2. „das is, weil's regnet", es kommt 

daher, dass — ; =» c'est que, it is. 
Seitengebäude, altes, f. alter Bursche, 

alter Junge, alte Jungfer. 
Sekiren, ärgern, verdriessen; lat.secare, 

schneiden, schmerzen, quälen. 
Selber, elliptisch f. von selbst, ohne 

Anstrengung; ,,die Treppen steigen 

sich schlecht, abernunter gimmt m'r 

selber". 
Selig, betrunken; H. u. s. w. 

14* 



Seit — SkaUiren 



S«|t, dort; Bspr.i A., Hl., Schw., F.; 
adfc: salto; „seltdremne", Bapr., 
ein pEiBT Stunden von Lpz., für: dort> 
drüben. 

Seltsenes, etwas Seltenes; inhd. aSlt- 
saene, seltsam. | 

Senf f. Senfi NS.: Ssmg; „seinen Semf 
Qberall dazugeben", in Alles hineln- 
leden; a. Hellei, hineinhängen; 
Gramm. § 104. 

Seuinel, l. „das ist wie bein 
Backen die Semmel", bat festen 
Preis; 2. „es geht ab wie warme 
Semmeln", verkauft sichBcbnell; so: 
dem Beine Mädel ^ehn ab, wie warme 
Semmeln, verheiraten sich schnell 
Dach einander; PF. 

SeiDSi „viel S. um Etwas machen", 
fiele Umstände, viel Larmea, viel Ge- 
rede nm etwas ünbedentendes; s. 

'seit, 1' AbkQrzQDg fGr desBen; z. B, 
ich habs'n satt; er fand s'n ; es gibts'u 
ja genngl s. errer n. Gramm. § 226; 
2.^sammenziebDng von es ihm, sie 
ihm, ea ihnen, sie ihnen; z. B. ich 
gabs'n =- ich gab ea ihm oder üineD 



dass ihr so unTerachämt, so pfiffig 
seid); Qraram. % 190, 2. 

Sie, statt Ihnen, s. Se nnd Gramm. 
§ 190. 

Sieben dient als Lieblisgszahl rtlr: 
wenig, unbedeutend ; daner „nimm 
deine sieben Sachen glei mit; 
flechten Sie sich Ihre sieben Haare;" 
Bö.: ich habe deine sieben Zwetsch- 
ken zusammengepackt; — a. fnnf- 

Siegellaek, der, gebränchl icher als 
das, wie: der Lact; Gramm. § 181. 

Stelen, Bich, hernmwälien, besonders am 
Bodeo, im Bette; Sdt.;N8.: Stile, 
eine Lache inm Schwemmen der 
Schweine; Jägersprache: der Hirscli 
suhlt sich — badet. — Ulfllas; sileii, 

Siezea, Sie nennen, wie duzen, ihrzen; 

I L.: aienen; gewöunticher: Heernae 

SUbermorgen, soherzweise f. Silber- 

groBchea; Brl,; b. NeukrBpel. 
Simmellren, grübeln, nachsinnen; von 
I Bimnlare? Di„ Etr., BrL; in Wn.; 



Sett, aoch settel für seht, seht da! — 
sctte den Gerll settersch, da hat- 
tersch! = nun seht ihr ea, da habt 
ihr die Bescherung. 

Setter, Steigerung von^ aehr f. noch 
mehr; Bapr.: ,,hmte friert'a noch a," 
V.; im Eg. ; .,daa strengt noch aemer 

Setterschtc, das, das Aeuaserete in 
einer Leiatong; Superlativ von sehr 
— „Daa igt mein Setterachtea noch 
lange nicht", ich Icann es noch viel 
besser; Bspr,; Ab, u. s. w. 

Setzen, 1. es aetzt was, oder: was 
Warmea, aber nischt Gekochtea, 
•= es gibt Prügel; 2. Jemanden set- 
zen, ihn zechfreUialten; der Bezahlende 
{„Wohlthäter") eibt einen „Satz." 
s. poniren; mnd. eine setzen, sie 
aassteuemi 3. „er setzt Gäste", 
z. B, ein Braner, Destillateur, Wein- 
händler, Znckerbäcber, die nicht nur 
„tber die Strasse" verkaufen, son- 
dern in ihren eignen Lokalen bewir- 

Siehtlich s. Ange. 

eiiä'T = aeid ihr; „wo sidd'r'n her?" 
L ^ woher seid ihr denn? (nämlich: 



Slmmem für sommern, fietten der 

Sonne nnd der Sommerlnft aussetzen; 
sobött.; aimmer f. Sommer. 
Slnm'r = sind wir; b. m'rn. Gramm, 



ist ungeschickt, dumm; nimmdei 
Sinne zusammen; mhd. dieaihenBi 



die sieben freien RQnste. 

8. Sinn für sind und sein (Zeitwt.); das 
Pürw. sein heisst ,,sei"; s. Gramm. 
§ ISS' 

SimpsbenKel, 1. sösses Herrchen; wie 
SüsshoTzraspleT; 2. Eommis im 
Haterialladen , der u. A. auch Simp 
verkauft. 

Sitz, auf Einen Sitz (trinkt er 3 Fla- 
schen, macht er die Arbeit), ohne 
Unterbrechang, ohne aufzustehen; s. 
Ritt, Niederaitzen. 

Sitzen, 1. „der ffleb (Witz) sitzt", hat 
seinen Kann getroRen; 2. da sitzt'a 
Leiden, das ist der Gmnd des 
Uebels; 3. „da sitzt'a", anch: ,,da 
sitzt's, hat Mützchen auf", es fehlt 
(an Geld a. a, w.); Gl.: da setzen se 
un WBjten off dich. 

Slx, „mei Sii, meiner Sixen, mel 
Siichenl" Bspr., meiner Tren, wahr- 
haftig! Bürger: „Mein Siiehen, 
ea musa Euch was uigethan sein ;" ist 

Sbilllren, spr.: schkalliren, zanken. 



So — Sperrenzchen 



213 



schimpfen, verwandt mit schelten, to 
scold. 

So, 1. betont steht für: „ohne weiteres, 
ohnedies, ohne besondere Veranlas- 
sung, ohne etwas eigentlich dazu Ge- 
höriges;'' z. B.: „er ist anch so ge- 
kommen", (ohnehin, ohne Einladung, 
Mahnung); „er wäre so wie so zu 
Hause geblieben" (wenn's auch nicht 
geregnet hätte, wenn er nicht krank 
geworden wäre u. s. w.); »das thut er 
so schon'' (un^eheissen, ungedrängt 
u. s. w.); „ich ^nll das Brot so essen" 
(ohne JButter u. s. w.); „iss die Aepfel 
so" (A. h. so, wie sie sind, ungeschält, 
ungeKOcht); „zünde die Lampe gleich 
so an" (so, wie sie ist, ohne sie erst 
zu putzen); „lege die Kohlen gleich 
8 an'* (unzerschla^en); 2. „es is nu 
so, wie 's is", leidlicn, nicht beson- 
ders; „*s is nu so ene Sache", ein 
eigenthümliches Ding, schwer zu be- 
urtheilen u. s. w.; 3. so ä »« unge- 
fähr; „so ä 3 oder 4 Stunden, so en 
Ellner viere" = etwa 4 Ellen; 4. un 
so f. und dergleichen, und so weiter: 
„dort is immer voll und deier, un so;" 
5. f. sehr: „mich hungert so"; s. solch. 

Soeken, sockeln, Hazardspiele spielen; 
wie tempeln. 

Söffel s. Süffel. 

Soleh f. gross, bedeutend, stark; z. B. 
„ich habe solchen Hunger, solche 
Schmerzen, solches Unglück", s. so, 5, 
recht. 

Solo, der, s. Gramm. § 181. 

Sommerthierehen, das, 1. Schneeglöck- 
chen ; vielleicht „Thürchen des Som- 
mers?" 2. Marienkäfer, gewöhnlicher: 
Gotteskühchen. 

Sonnenstein (ein Schloss bei Pirna an 
der Elbe, zur Irrenanstalt eingerich- 
tetj: — „sie gehört auf den Sonnen- 
stein; er spielt ein Achtel in der 
äonnensteiner Lotterie", er ist etwas 
verdreht, nicht recht gescheit; will 
man einen stärkern Grad ausdrücken, 
so sa^ft man ,,er spielt drei Viertel 
oder sieben Achtel m u. s. w.;" vgl. 
Stötteritz. 

Sonntag: — wenn die Glocke schlägt, 
ruft man: „schlag zu, dass Sonntag 
wird!" Wenn eine Uhr vorgeht, 
sagt man: „die rennt, dass es Sonn- 
tag wird;" s. auch: Ochse. 

Sonntagsnaehmittapfsaasgehroek, 
scherzweise f. Sonntagsrock; hübscher 
bei Rtr. : de Sünndagsnahmiddagschen. 

Sortimenter, Abkürzung f. Sortiments- 



buchhändler; allg. üblich; Gramm. 
§ 158. 

Spalze» die, Granne (s. Achel); ander- 
wärts für die gespaltenen Hülsen 
des Getreides. 

Span, 1. über den Sp. bezahlen, 
übertrieben theuer; mnd. span. Ein- 
schnitt ins Kerbholz; 2. Späne 
machen, Bedenken, SchwierigKeiten 
erheben, Ausflüchte machen; mhd. 
spaenec, streitig; daher: widerspens- 
tig. 

Spanbett, das, ein Bett, mit unterge- 
spannten Bändern, Gurten; s. Höl- 
zerbette. 

Spaniseher Schrecken, missverständ- 
lich für panischer Schrecken. 

Spannblecn, das, für Geliebte, Braut 
(Schlosserausdruck). 

Spannen, gespannt horchen, lauschen; 
auch aufspannen; auf Etwas sp.; 
Wn., Bsl.; s. Heftelmacher. 

Spargelstecher, der, Frack; s. Klinke. 

Spass, „das ist nicht zum Spasse;" 
1. das ist ernstlich gemeint; 2. es ist 
unangenehm, auch : kräftig, derb, wie: 
nicht für die Langeweile, nicht 
von schlechten Eltern. 

Spät, es wird speede warn, da 
kannst du lange warten; es wird 
nicht geschehen; s. schwarz. 

Spaz'g für Spaz. 

Spazierhöizer, scherzhaft f. Beine; wie 

Unterthaneu. 
Speie, die, Speichel, Spucke; Eg.; mhd. 

spie neben speich, Speiche, speicheL 
Speieklig, 1. „es ist (wird) mir sp.^, 

zum Erbrechen übel; 2. sp. Kerls, 

eine sp. Geschichte, f. widerlich. 
Spoiler, der, Holzpflöckcnen zum Ver- 

schUessen einer Wurst; Di.:Spil; engl.: 

spül = Pflock. 

Spektakel, der, 1. Lärmen; 2. Spiegel 
(iin Scherz); 3. der (selten das) SpdE- 
takel, Aergerniss, Skandal. 

Spellen, spalten, Rammler: zerspellen; 
engl.: to spell; s. Bämmelspeller. 

Spendiren, 1. f. spenden, bes. snöt- 
tisch: „da missn mr schont nocn e 
baar Greden dranspendiren ;" davon: 
spendabel, freigebig; „die Spen- 
dirhosen anhaben" (ND.: dieopen- 
dirbüxen); 2. f. spediren, expediren, 
„wir müssen ihn zu Bette spendiren". 

Sperfektiv, verdreht aus Perspektiv. 

Sperlinffsbeine, Sperlingswaaen, wie 
Bothkäthchenbeine; Bsl. Spaze- 
bai. 

Sperrenzehen machen, sich sperren; 



2 14 



Sperrleiste — Sprisselig 



^ 



Brl.; ND.: Sperenzen und Spermang 
(Umschweife); P.: Spirenzeln. 

Hperrleiste, die, starker Querstab oben 
an einem Büstwagen. 

Hperrmaul, das, Manlaffe. 

SpieheUrMi^ Knabenspiel, jetzt fast 
vergessen; jeder Spieler hat einen et- 
wa 60 cm langen, 2 cm dicken, 
nnten zugespitzten Stock (der S p i c h e- 
Her) und treibt ihn mit einem Hiebe 
mögfiehst aufrecht in den weichen 
Boden; die Andern suchen ihn durch 
gleiches „Ein hauen" umzustürzen 
u. s. w. ; in Greiz : spickem ; in Schw. 
heisst das Spiel : Fuiemikel; altgriech. : 
mjvöaXiofioq^ vielleicht von spiculusa» 
Spitze^ Wurfs])ies8; v^L engl.: spike 
u. Speiche; Spicker heisst in manchen 
Gegenden ein spitzes Holz. 

SpicKe, die, Lavendel, LavandulaSjpica. 

8piekelirenfur spekuliren; Rtr. : spinke- 
liren. 

Spickzettel« Blättchen, mit AnmerkuiH 
gen zur Unterstützung des Gedacht* 
nisses, besonders bei Bednem, Schü- 
lern. 

Spiebrig, von Menschen: recht ma^er, 
dürftig aufgeschossen; das Mädchen 
ist recht sp.; was fr spiebri^e Aerme 
dass se hat! auch: spilberig. 

Spiegel» der, 1. die vom Nasenputzen 

flänzenden Aufschläge Jemandes; die 
'olksbosheit behauptet, die Soldaten 
hätten Knöpfe auf den Aufschlägen, 
um den Spiegel zu verhüten! 2. die 
in einem Kistchen oben aufgepackten, 
schöner gearbeiteten Zigarren. 

Spielerig, 1. aufs (Karten-) Spiel ver- 
sessen, wie ein „richtiger Spieler;" 2. 
Verstärkung f. spielig, welches als 
hochdeutsch gilt. 

SpieÜg, gern spielend, tändelnd; „eine 
spienge Katze;" Spühlig klingt 
natürlich ebenso. 

8]Hiesse, Geld; auch Spiessigkeiten; 
Ew.: Spiess, Sechspfennigstück. 

S|iiesser, Spiessbürger. 

Spiiiiie, „pfui Sp.!" wie pfui Teufel, 
äh, äx, pfui Spucke^ pfui Kukuk, 
pfui Geier; sämmtlich auch im £g. 

Spinnekanker, der, Netz der Spinne; 
auch die Spinne selbst; s. Kanker. 

Spintisireii, Etwas ausklügeln, „er- 
grübein, aasdifteln". 

Spitäl, das^ Krankenhaus; dagegen ist 
„der Spittel" ein Versorghaus aus 
2 Abtheilungen (der arme und der 
reiche Spittel) für mehr oder min- 
der arme Alte; davon: Spittelwei- 
ber (bei Hoffmann von F.). So unter- 



scheiden sich auch die mit den beiden 
Anstalten verbundenen Kirchen, die 
Jakobskirche hiess Spitälkirche, 
die Johanniskirche heisst Spittel- 
kirche. 
1. Spitz, „Etwas spitz kriegen'', 

f «wahren, bemerken, sich über Etwas 
lar werden; ND. 

3« Spitz, einen Spitz haben, eii^ 
wenijz angetrunken sein ; wie Schwips; 
P., Pf., Oe.; ebenso: „sich einen S. 
kaufen;" s. Affe und viele andre. 

Spitzbalg, Verstärkung des Schimpf- 
wortes Balg; ähnlich wie Spitzbnbe. 

Spitzbabe, ein geräucherter Sp., 
loser, durchtriebener Kerl; man deuKt 
nicht immer gerade an einen Dieb 
dabei. 

Spitzbubenfiider, das, eine Fuhre Holz, 
oben auf, zur Täuschung, festgepackt, 
nach unten — wo der Wagen spitz 
zuläuft, — recht „sperrig, strakelig", 
gespreizt, mit vielen Lücken. 

Spitzen, sich auf Etwas, zuversichtlich 
erwarten; Konstruktion wie bei 
„s'attendre ä — ". 

I^lint, der, Splitter; wie Schiefer. 

Splinterfosennackig, splitterfasen- 
nackicht, ganz naekt. 

Spok für Spuk; davon spoken; rech- 
ten Spok machen, viel Lärmen; 
seinen Spok mitEinem hab^ hän« 
sein; s. Affenschande. 

Sponn, ich, Bspr.: spunn, f. spann; s. 
Gramm. § 208. 

Spottlahm f. spathlahm ; ,4ch bin ganz 
sp.", vom Genen müde. 

Sprache f. Bede, Gespräch: — es ist 
die Sprache davon, dass eine neue 
Bahn gebaut werden soU; es war eben 
die Sprache davon; davon is gar geene 
Sprache »» das behauptet Niemand; 

Sprangelweit f. sperr-angelweit, offen- 
stehend, soweit es die Thürangeln 
nur irgend gestatten; Eg.; Schw.: 
mangelweit. 

SpraaKorb, der, eigentlich Spreukorb; 
dann ein grosser, offener ETorb über- 
haupt ; „einen ganzen Spraukorb voll," 
sehr viel. 

Sprechen f. behaupten, meinen, finden; 
„ich spreche, der Hund hat treue 
Augen; ich spreche, die Leute ham 
e eichenen Dilect, aw'r seheene 
klingt's;" man denkt dabei: „theilen 
Sie meine Meinung?" 

Spriss^ig ist ein Stoff, ein Fell, die 
Haut, wenn die Grundfarbe mit ganz 
feinen weissen, grauen, braunen, 



Spritze — Stande 



215 



röthlichen u. s. w. Pünktchen (Tüpf- 
chen, Dippelchen) besprengt, gleich- 
sam bespritzt ist; auch ^^gespris- 
seit" (Leipz. Tageblatt); s. scnip- 

Spritze, 1. Lustpartie, Ausflug, bes. zu 
Wa^en; davon „spritzen** — „eine 
Spntze machen'*; „wir spritzen mor- 
gen nach Grimme"; s. Bier spritze; 

2. „(ein Mann) bei der Spritze 
sein,** eine Bolle spielen, Etwas zu 
bedeuten haben; an die Feuerspritzen 
wurde nicht Jeder gestellt; 8. be- 
soiFen wie ene Spr., schwer be- 
trunken; s. Kanone, Badehacke. 

Spritzkaeben, der, eine Art bes. lock^ 
res Gebäck, zu dem der Teig in 
Butter eingespritzt wird. 

Sprflhteafel, em Häufchen angefeuch- 
tetes Schiesspulver, welches zur Be- 
lustigung angezündet wird; Schw.: 
Peuerteufel. 

Sprung, ich, f. sprang; s. Gramm. 
§ 209. 

Spaeke, die, Speichel; 1. „pfui 
Spucke,** wie pfui Spinne, s. 
Spinne; 2. „mit Geduld und Spucke 
fängtjman manche Mucke,** Sprich- 
wort. 

Spacken, 1. „wo man hinspuckt" 
(findet sich das oder jenes) — über- 
all; „wo mer in Leipzig hinspuckt, 
trifft m*r e Dokter;** 2. spucken wie 
ein Advokat, der den Prozess 
verloren hat, zu oft ausspucken; 

3. schelten, zanken, poltern. 
Spaekfleek, Orden; s. Bierzeichen 

u. s. w. 

Spüz, der ,^kleiner Mensch; dann Frauen- 
zimmer überhaupt ; davon : N äh s p u z , 
Nätherin; Balletspuz, Tänzerin; 
aber: Eespuz, Einspänner. 

Staat, 1. „es ist ein Staat, ein wahrer 
Staat, *^ es ist herrlich, prächt^; s. 
„staziös**; 2. „mit dir machen wir 
keinen [grossen] Staat,** nicht viel 
Umstände. 

Staat 'seh, aufgeputzt, Staat machend, 
wie staziös, aufgedonnert. 

Staehellnnze, die, Stachelbeere (Einder- 
wort); s. Stahllunze. 

Stadtgraben, „seine Uhr geht nach 
dem Stadtgraben,** falsch; s. Mond; 
aus der Festungszeit Leipzigs. 

Stadtmeisen Messen die sonstigen Leip- 
ziger Stadtsoldaten (bis 1830) wegen 
der Farbe ihrer Uniform; in München 
nannte man sie Maikäfer. 

Stadtsoldate, ein Baubkäfer in den 



Farben unserer früheren Stadtmiliz 
(Telephorus fuscus). 

Stadttrompeter, Neuigkeitskrämer, 
Stadtklatsche; Bsl.; in Pf.: Stadt- 
besen; s. Tageblatt. 

Staffeln, ankommende Fremde amBahm-' 
hof für ein Gasthaus anlocken, pressen; 
der betreffende Hausknecht oder Kell- 
ner ist „der Staffier** (gedruckt in 
Polizeiberichten des Leipz. Tageblatts, 
1868). 

Stahllanze, die, Einderwort für Stahl- 
feder; s. Stachellunze. 

Staken, die, Beine, bes. wenn sie, un- 
artig ausgestreckt, Jemanden belästi- 
gen. (Stake, in PP. u. Di. f. Holz- 
stange, verwandt mit Stock, Stecken, 
Stange, a stake » Pfsüil, Latte.) 
staken (Btr.), einherschreiten („wie 
der Hahn uff'n Mist"); s. stul» 
xen. Plattd.: Stake, eine ältliche, 
unbeholfen gehende Person; — sta- 
kein, herausstehen, hervorragen] s. 
strakeln. 

Stamfl, Stamps, der, zu dickes Mus, 
von stampfen? N.S.: Pamps; vgL 
Gums. 

Standäre, „ene ale lange Standare,*^ 
übergrosses, starkes Frauenzimmer, 
wie: Flügelmann; von Standarte; 
dagegen Sdt.: Schandar, verdorben 
aus Gensdarm (Btr.: Schänder). 

Stande Beene f. staute pede, stehen- 
den Fusses; s. strackte Beene. 

Ständer, der, 1. eine Aufzugschleusse, 
dxirch welche das Wasser eines Teichea 
abgelassen wird; 2. grosser, viereckiger, 
hölzerner Fischbehälter; 3. grosser, run- 
der, dreibeiniger, hölzerner Wasser- 
behälter mit Deckel, für Wasservorrath 
in der Küche ; mhd. : stände ; schott. : 
staund; ähnlich: an inkstand; Hl.r 
Stunz; NS.: Staune, Stande: 4.WasBer- 
posten in den Strassen, weiche, durch 
einen Druck geöffnet, Wasser aus der 
Wasserleitung ausströmen lassen; 5. 
s. Ständerchen. 

Ständerehen, ein St. machen, zum 
Plaudern auf der Strasse stehen blei- 
ben; Pf.: Ständerle; Oe.: Standerle; 
Schw.: Standerlinff; mhd. standener, 
stentner; s. Ständern. 

Ständern, herumständern, bald da 
bald dort herumstehen, bes. wo es 
stört; herumlungern, Ma|^laffen feil 
halten; von Stand. 

Stande! Bei einem Ballspiel gleichen 
Namens der Zuruf, auf welchen Alle 
festen Stand fassen müssen. 



216 



Stange — Stehlen 



Stange, die, 1. langes, hohes, schmales 
Bierglas; Brl.; 2. lange, schmächtige 
Person; PP.: Stake; s. Hopfen- 
stange, B.'ohnenstange, Kletter- 
stange, Latte. 

Stftngelehen, ein Eind aufsStängel- 
chen nehmen, auf den Arm; „fair 
nur nicht vom Stängelchen (wie 
ein Kind od. wie ein Vogel im Bauer);" 
Eg.: der Gung (Junge) will den ganzen 
Tag gestängelt sein (herumgetragen). 

Stänker, der, 1. für übelriechende Per- 
sonen und Dinge, bes. von schlechtem 
Tabak; Eg. mr einen Bock; mhd. 
steuke, übelriechender Athem; 2. s. 
stänkern. 

Stänkerich, der, 1. s. stänkern; 2. ein 
stinkender, schmutziger Mensch; auch 
Stinkerich; s. Stinke witz. 

Stankern, stänkern, unbefagt, aus 
Neugier, in Zimmern, Kasten u. s. w. 
herumsuchen; PP.; s. stänkern. 

Stänkern, Stänkerei anrichten, durch 
Klatschen und Aufhetzen Unfrieden 
stiften; eigentlich: mit einer Stange 
in Etwas herumrühren, wühlen; ver- 
wandt mit stochern; Eg., Schw., Hi., 
auch bei Nieritz; wer es gern thut, 
ist ein Stänker (Brl.) oder Stän- 
kerich, Stänkerfritze. 

Stapeln, scherzweise für gehen; bes. 
von Kindern; Stapelmatz, ein noch 
unsicher gehendes Kind; H. : stappeln; 
vgl. Fussstapfen, der Stapel, die Stufe, 
Hohenstaufen , die Staffel, to step; 
schott.: stap; tappen, Teppich u. s. w. 

Staps, der, Mann, Bursch, oes. ein un- 
gelenker. 

Star^ „Einem zureden, wie einem kran- 
ken Star", zudringlich, unverdros- 
sen zureden. 

Starbeide, die, Brütkasten für Stare; 
auch Starmeste; verwandt mit engl, 
to abide? ahd. bitan, verweilen? 

Starmeste, die, s. Star bei de und 
Meste. 

State, ruhig, langsam, bedächtig, aber 
ausdauernd, in „stetem^^ Gange; z. B. 
recht stäte gehen, fahren, ziehen ; L. ; 
daher das hochdeutsche Gegentheil: 
unstät (und stets) ; mhd. staete, fest, 
beständig. 

Stauch, der, die Stauche, Erschütte- 
rung, wenn man einen Fehltritt thut 
oder der Wagen derb stösst; von 
stauchen; 

Stande^ die, (kleiner) Mensch ; s. K n o p f. 

Stanpbesen, der, Schimpfwort, bes. für 
gemeine, widerwärtige Frauenzimmer, 
eiche „gestäupt" zu werden verdien- 



ten; davon das noch stärkere Staup- 
besenluder. 

Staupe, die, Anfall von Krankheit (a fit). 

Staziös, stattlich, prächtig, auch vom 
Wetter, Wein u. s. w.; Brl.; s. Staat; 
Btr.: staatsch. 

Stebbel, Stiefel; L., Rl.; davon st eb- 
bein, gehen; Btr.: stäweln. 

Stehern, stöbern; 1. stieben; 2. es 
stöbert draussen, vom Schneege- 
stöber; Eg.; 3. Einen stöbern oder 
fortstöbern, ihn vertreiben; vgl. 
stenzen; E., Oe.; Pf.: stiebem; 4. 
Etw. aufstöbern, ausfindig machen. 

Steehbeitel s. Lochbeitel. 

Steekelitzehe, die, eine Art Holzgatter 
aus kreuzweise eingesteckten ätäben 
zum Schutz eines Beetes, Ackers u. s. w. 

Stecken, 1. es Einem stecken, ihn zu- 
rechtweisen; ihm die Wahrheit „gei- 
gen**; 2. Einem Eine stecken, eine 
Ohrfeige geben; Ab., Wn.; 3. Einem 
Etwas stecken, heimlich benach- 
richtigen; HL, Wn.; gleichsam die 
schriftliche Nachricht zustecken. 

Steifen, als Gattungsname, s. Gramm. 
§. 166 b. 

Stehäffchen, Stehaufchen, Steh- 
uff, das, Spielzeug: Hollunderröhr- 
chen, an einem Ende mit Blei beschwert , 
so dass es sich von selbst aufrichtet; 
Stehmännchen; Da.: Puttermännchen; 
anderswo: Kö^elmännchen ; auch die 
Oaus böhm. Bauern oft mitgebrachten) 
Gläser, die sich von selbst aufrichten, 
heissen Steh auf. 

Stehen, 1. ,,es steht mir bis oben 
'ran 'S ich habe es gründlich satt, 
bis zum Ekel; 2. „es steht vor Dreck 
(Teste VS ist sehr schmutzig , so dass 
die Scnmutzkruste es aufrecht erhal- 
ten könnte: ähnlich wie: „das Mus 
ist so dick, aass der Löffel drin steht.^^ 

Stehlen ist an sich, als zu vornehm, 
wenig gebräuchlich ; dafür mehr denn 
ein Dutzend andere Wörter, die unter 
kazen zusammengestellt sind; 1. „ich 
habe meine Nase u. s. w. nicht ge- 
stohlen", Ausruf, wo zu ergänzen 
ist: bitte daher, sie glimpflich zu be- 
handeln ; „ich habe meine Beine nicht 
gestohlen", sagt ein Packträger, um 
anzudeuten, dass er den Gang nicht 
für zu geringe Bezahlung thun kann; 
in diesem Smne wendet man selten 
gemaust für gestohlen an und nie 
eins der sonst so beliebten Ersatz- 
wörter für stehlen; 2. „du kannst 
mir gestohlen werden'^ aus dem 
Verluste machte ich mir Nichts. 



Stehseidel — Stierartig 



217 



Stehseidel, das, Glas Bier, das man 
schnell im Stehen leert* in Wn. ist 
Steh wein guter, nach der Tafel im 
Stehen getninkener Wein. 

Steif, 1. sehr dick, z. B. Pflaumenmus; 
sehr kräffcig, z. B. Grog, Punsch; 2. 
,,er war ganz steif', ausser sich, vor 
Erstaunen, Schreck u. s. w.; s. storre. 

Steifbeinig, gezwungen, steif im Ton 
und Benehmen; „es geht hier sehr 
steifbeinig her". 

Steifen, sich auf Etwas, sich spitzen, 
beharren, sich kapriziren, wie klem- 
men, 2. 

Steifleinen, in Steifleinen stecken 
(„bis über die Ohren")» einen grossen, 
steifen Halskragen tragen; überhaupt: 
steif aufgeputzt sein; ein steiflei- 
nerner Kerl, wie steifbeinig. 

Steifjpeterich 9 unbeholfen, linkisch; 
zeremoniös, pedantisch. 

Steige» die, enger Eäfig für eine Gans; 
engl.: sty; dän.: sti; dagegen ist die 
Hühnersteige (Wn.) zunächst die 
Stiege zupi Hühnerstalle, dann auch 
dieser selbst; mhd. stige, Stall für 
Kleinvieh. 

Stellasehe, Stellage, die. Gestell; mit 
franz. Endung, wieK leeaasche; Bsl. : 
's Stellaschi, Gstellaschi. 

Stellmacher, gebräuchlicher als Wagner. 

Stemmbeitel, der, einMeisel; s. Loch- 
beitel. 

Stemmeisen, das, ein Meisel. 

Stempeln, Einen (Zeugen u. s. w.) durch 
Eingebungen zu einer Aussage be- 
stimmen. 

Stengelehen s. Stängelchen. 

Stengel's Kinderwagen s. Eil wagen. 

Stenzen, abweisen, „abtrumpfen'S 
fortjagen; Hb., Eg., V.; in Oe.: stem- 
pern, stampern; vgl. stebern, 2; 
agg. plattd.: stenzen »» mit Zureden 
plagen, einschüchtern ; in Th. : stönze, 
wenen (z. B. Obst von den Bäumen) ; 
s. sterlen. 

Steppehen, das, der Jüngste, Kleinste 
in einer Familie, Gesellschaft, Kom- 
pagnie. 

Sterbf^de, Sterbde, die, eine Seuche, 
bes. unter dem Vieh; Bspr.; mhd. 
sterbe, vihe-störbe. 

Sterbensmenseh, „es war kee Sterbens- 
mensch da,'' ^ar Niemand, wie ,,kein 
Sterbenswörtchen"; Di.: keen ötar- 
bensminsch. 

Sterlen, stirlen, in Etwas herumstören, 
umrühren u. s. w., z. B. im Kohlen- 
feuer ; die Bernen von den Bömen ster- 
len; in ein Wespennest sterlen; Eg., 



Ab., Th., auch steppem; to stir; 
ein Holz oder Eisen dazu ist der 
Sterl; ein langer Ster lieh, grosser, 
schmächtiger Mensch; s. Latte und 
langsterlich. 
Sterngielder, I.Astronom; in Böhmens 
Horaz: Sternen-Gücker; D.: Kiker -« 
Fernrohr; in Brl. irgend ein Sehglas; 
2. beim Ballspiele (Fritscheball) : ein 

ferad in die Höhe getriebener Ball; 
eisst auch „ein Uebersichtiger;" 
Gegentheil Sandlatscher, s. Schu- 
ster. 

SternhageldielLe , sternharelvoU, 
schwer betrunken; sternvoll in E., 
B., J., Pf., Schw. 

Stemirt, „er war ganz sternirt^' 
soll heissen konsternirt; auch in Wei- 
terführung des Missverständnisses „ein 
sternirter Kerl", wie bornirt. 

Stets s. immer. 

Stetfterz, das Dorf Stötteritz; die Be- 
wohner heissen aber Stetteritzer; s. 
Stötteriko. 

Stibiezen, auch stribiezen, stehlen; 
Brl., Hb., J., Bsl.; s. kazen. 

Stieb, 1. Bier, Wein hat einen Stich, 
ist säuerlich oder schal; 2. er hat 
einen Stich, ist etwas betranken, wie: 
Hieb, Schuss; 3. eine gelinde An- 
steigung des Fahrweges; in SD.: eine 
steile Anhöhe; 4. s. Sankt Stich. 

Stiehliubig, Spitzname eines Polizei- 
dieners; S.Halte fest, SanktStich. 

Stielten für stecken; s. Gramm. § 207. 

Stiebelf stiebein wie Stebbel, steb- 
beln. 

Stieben, gebräuchlicher als stäuben, 
bes. von feinem Staube, welcher leicht 
emporsteigt, z. B. in einer Mühle; 
daher: ausstieben, verstieben, 
zerstieben; s. stiebig. 

Stiebig für staubig. 

Stiefel, der, 1. Mehrheit: die Stiefeln, 
s. Gramm. § 182, 2; 2. „der schreibt 
(redet, spielt, arbeitet) einen sche- 
uen Stiefel", schlecht; Bsl.; 3. einen 
Stiefel vertragen können, einen 

futen Stiefel saufen, viel trinken 
önnen; s. Gefälle. Von „Stiefel" für 
Humpen, vgl. Schaeffels „Gaudea- 
mus"; man hat auch jetzt noch 
Vexirgläser in Stiefelform. 

Stiefvater, „er ist seinem Leibe 
kein Stiefvater", er pflegt seinen 
Leib, nährt sich gut. 

Stielseife 9 klar geschnittene Seife, 
welche gekocht und gequirlt wird, 
zur Wäsche. 

Stierartig, stiermässig, sehr, unge- 



218 



Stiesel — Strakeln 



beuer; z. B. stierarti^ dnxnm oder 
betrunken; sogar: stiernag elbe- 
soffenl 8. ochsig. 

Stiesel, der, sonderbarer, yerdrehter 
Mensch ; vielleicht von ),Stösser^S Einer, 
der Überali .^anrennt''; selten. 

Stift, der, Sohn, bes. der jüngste; B.: 
Stijftche. 

Stille iLalt, ohne Wind, aber empfind- 
lich, wie „heimlich kalt". 

Stillenzium! für Silentium. 

Stilum, „das ist nicht stilum'S anstatt 
styli, gebräuchlich, üblich; ähnlich: 
privatum für privatim. 

StinlLadöres, schlechte Zigarren; auch: 
Luderos Infamias Stinkadores Bauch- 
dusie! 

Stinkewitz, Kinderschimpfwort, sehr 
schmutziger Mensch ; verstärkt: Sau- 
stinkewitz. 

StinlLig, stärker als stinkend, von !^se, 
Luft, Zigarren, Zimmern u. s. w.; Bsl. 

Stiwied für stupid. 

Stöbern s. stöbern. 

Stoekamsel, die, Polizeidiener, weil er 
früher einen Stock führte. 

Stoekgemein, stoelLordinär, sehr ge- 
mein, wie stockdumm u. s. w. 

Stoekhelf ! scherzhafter Zuruf beimNie- 
sen, anstatt: Gott helf! 

Stoff, der, wird kurzweg für Bier, seltener 
für Wein ges£^^ ; „heute ist der Stoff 
pikfein;" Brl. 

Stoffel, wie Toffel; von Christoph; Th., 
Brl.; s. Gramm. § 166 b. 

Stohl, ich, f. ich stahl; s. Gramm. § 208. 

Stolprian, der, Tölpel, der über Alles 
stolpert; auch Stolperfritze; P. 

StopjDsloeh, das, Bspr., Opiumtinktur, 
weU sie den Stuhl verstopft. 

Stöpsel, der, kurzer, dicker Mensch, 
Pfropf; s. Mops. 

Stöpselgeld zahlen wir mit einigen 
Groschen als Entschädigung dem 
Wirthe, wenn wir (zu einem 
Schmause) unsern eignen Wein mit- 
bringen. 

Storb, ich, ich s t u r b , f. starb ; s. Gramm. 
§ 208. 

Storeh, 1. „du kannst mir einen Storch 
braten '^ (auch mit dem Zusätze: aber 
die Beene recht knusperig), verächt- 
licher Zuruf, wie „Gevatter, 2."; 
Brl.; 2. „geschmulter (geschmor- 
ter) Storch" wird ähnlich gesagt wie 
Eienasen. 

Storehen« 1. eifrig, bes. geheimnissvoll 
mit Jemand reden ; Hl. ; verwandt mit 
story, historia? 2. eifrig essen; er hat 



den ganzen Braten aufgestorcht, 
verzenrt. 

Storp^n, Verdrehung für stolpern; s. 
Gramm. § 98. 

Storre, starr und steif; ,.ich bin ganz 
storre vor Schreck"; Einaer „machen 
sich storre", wenn sie sich auf dem 
Arm widerstrebend aufrichten ; „storre 
dahergehen", in stolzer Haltung; Pf.: 
eine Storre, altes steifes Din^; ]^D.: 
storr, sturr »» steif, hartnäckig; stur 
SB hochaufgerichtet, stolz, stattlich; 
Stamm zu: störrig, störrisch; mhd. 
storren, starr sein, starren. 

Storren s. storre; „die Strümpfe stor- 
ren von Dreck ! die Hände storren mir 
vor Eälte;" s. stehen, 2. 

Storzel s. Sturz el. 

Stöss, ich, f. stiess; s. Gramm. § 208 E.; 

„sie stossen mich in die Ribben", gaben 

mir einen derben Wink. 
Stossen für gären; „das Bier stösst, 

abgestossenes Bier". 

Stötteriko, der. schlechter Tabak» wie 
beimDorfe Stöiteritz un weit Leipzig ge- 
baut wurde; s.Stötteritz, Luderos. 

Stötteritz, 1. „er ist reif für Statte- 
ritz" (Dorf mit Lrrenanstalt beiLpzg., 
v^l. Sonnenstein); 2. von schbcnten 
Zigarren sagt man : „Stötteritzer Deck- 
blatt, Thonb erger Umblatt u.Strassen- 
häuser Einlage", nach den Namen die- 
ser Nachbarorte Leipzigs, die sonst 
Tabak bauten. 

Stottermatz, der, stammelnder Mensch 
(gebraucht in der Cornelia, Zeitschrift 
von Dr. Pilz); s. Matz, 1, StapeU 
matz. 

Strabanzen, sich herumtreiben; vgL 
ranzen und rawandern. 

Sträbazehe» die, Streu, auf welche man 
sich buzen «a legen kann; selten. 

Straekte Beene» stracks (mit gestreck- 
ten Beinen ?) gehen ; s. S t an d e Be e n e. 

Strafen, stehlen, bes. wenn man aus 
Furcht vor Entdeckung nur einen Theü 
von Etwas nimmt, also wie benaschen; 
„es hat mir Jemand von euch Eindem 
meinen Honig (die Butter, den Zucker, 
Sirup u. s. w.) gestraft" — ist darüber 
gewesen; dann für stehlen im Allge- 
meinen; Enaben sagen: wir gehen 
Aepfel strafen ; von streifen, abstreifen V 

Strakeln, spreizen, z. B. die Beine 
aufs Sofa strakeln (vgl. Staken und 
to Stretch, tostraddle; schott. striddle, 
sperrbeinig gehen) ; Zweige, welche ge- 
spreizt wachsen, nennt man stra- 
kelig; s. flatterig. 



9trabvi;is -^ StttBz 



319 



SliaUias, 8tralex, StraBpAeh» s. unter 
Gott. 

Strampeln, die Beine heftig und sehn«!! 
bewegen, z.B. vor Ungeduld; yerstarkt 
aus trampeln ; £., E.» Pf., Seh., Schw. 
(auch strabeln); Btr.: stangehi: ein 
Mädchen, das nicht still sitzen kann, 
nennt man daher Strampelhanne; 
8. noch Gottstrami^elhamie. 

Strassesjuwelier, spöttisch für Stein- 
setzer. Pflasterer. 

Stp^felig, streifig. 

Streiüen, „es passt mir nicht in Stree- 
fen*S in den Kram, Plan. 

Streiner, wie Stromer, Herumtreiber. 

Streitlunnmel, der, streitsüchtiger 
Mensch. 

Streaselkaelien, eine Art Kuchen mit 
geröstetem Mehl bestreut; Schi 

Stribiezea s. stibiezen. 

Strieh, 1. Einen auf dem Striche 
haben, nicht leiden können; s. Zug; 

2. auf den Strich gehen, herum- 
streifen, von Dieben, I)imen u. s. w. 

Striek, der, Schimpfwort wie Bengel; 
BsL; versinkt: Sau strick. 

Striekstrnnipf ist nicht jeder beliebige 
gestrickte Strumpf, sondern nur einer, 
an dem man eben noch strickt; s. 
Gramm. § 154. 

Striezel, der, ein Gebäck (z. B. Mohn- 
striezel), aus Schi, eingerührt. 

Striezen 1. spritzen; Brl.,Schl.; 2. tteh- 
• len; 8. kazen, schriezen. 

Strtffeln für streifen, z. B. die Hemd- 
ärmel aufstriffeln bei der Arbdt; die 
Hosen in die Höhe oder h'rufstriffeln 
bei schmutzigem Wege. 

Strippe, die, Zugband an Stiefeln; ander- 
wärts nannte man die Stege an den 
Beinkleidern so; s. Sackstrippe. 

Strippen, betrügen; überhaupt aus- 
plündern; to Strip. 

Strofe, die, Strichregen; s. Husch; 
von streifen; selten. 

Stroli, 1. auf dem Stroh sein, herun- 
tergekommen; 2. Stroh und Lehm, 
Mischung von Sauerkraut und Erbsen ; 

3. „nich von Stroh", nicht übel, 
sehr schön, wie: „kee Hund"; „die 
Zigarre, der Wein, e Daler Dringgeld 
is nich von Stroh"; s. Eltern, 
Tombak^ Pappe. 

Strohsaeky in Ausrufen: o, du gerech- 
ter Strohsack, für: da hört doch 
Alles auf; BsL: e, du allmäehtiger 
Strausack. 

Stroleh, der, Herumtreiber; davon 
strolchen; E., Schi., Schw., Sz. 

Strubbelieh, siruwlteli, verworren (z. B. 



Haare); mhd. strüp, strübe, struppig; 
daher: Strubbelkopf; E., Pf., K, 
J., Schw., Sz.; Strubbelpeter galt 
als Spitzname eines gewissen Lpz. Ge- 
lehrten mit wirrem Haar; verwandt 
mit sträuben. Gestrüpp. 

Strumpf, 1. Einen auf den Strumpf 
bringen (helfen), unterstützen, aus- 
helfen; er ist auf dem Strumpfe, 
fesund; s. Damm, 1; 2. „er hat 
icke Strümpe an", hört heute 
schwer ; Sehw. : er hat doppelte Strümpe 
an; s. Baumwolle, Dreck, d; — 
3. mit Strump und Stiel essen, 
f.: mit Stumpf und Stiel (auch: 
Strunk und Stiel) ; so auch mhd. strumpf 
f. stumpf; 4. in den (aJten) Strumpf 
stecken, Ersparnisse verwahren; s. 
Kante. 

Strampfsohle, die, eine Art schwarzer 
Käsekuchen. 

Strunze, die, grosses, uneeschlifiEenes 
Frauenzimmer; Th.,Hz.; Wn.: Stranze; 
V. : Starze; Wf.: stronze = praiUen; 
Stranz, Vagabund. 

Siüek, 1. „arbeiten, schreiben, reiten, 
dass die Stücken drum 'rum flie- 
gen", sehr angestrengt; s. böse; 2. 
„von freien Stücken*' ist z. B. 
ein Finger böse geworden, d. h. er 
hat sich ohne bekannte Veranlassung 
entzündet r„aus heiler Haut") 
u. s. w.; Ad. 

Studentenfutter, Mandeln und Bosinen ; 
Wn.; in einem Gedicht von Braun 
V. BraunthaL 

Stttdentenklafter, ein geringfügiges 
Häufchen Holz. 

Studentenwiehse, Speichel, zum Blank- 
machen der Stiefel verwendet; vgl« 
Katzenwäsche. 

Studtehen war der abgekürzte Name 
eines bes. von Studenten besuditen 
Parthebades; jetzt Gothisches Bad. 

Stunert, Stuttgart; vgl. Schlesing. 

Stuixen, ungeschickt gehen; s. staken. 

Stummel, Stumpel, kurzer Ueberrest 
(Stamm von verstümmeln. Stumpf); 
mhd. stümbeln, verstümmeln; daher 
bes. ein abgenutzter Besen, das Ende 
einer Zigarre, dann eine kurze Pfeife, 
wie „Sau zahn"; E., K., J., Pf., Hz., 
Di., ND.; Wn.: Stümpel. 

Stnmsdorf (Ort bei Halle), „sie ist 
von Stumsdorf", getraut sich vor 
Blödigkeit nicht zu reden; man sagt 
auch: „von Dummsdorf"; s.Stünz. 

Stund, ich, f. stand; s. Gramm. § 209. 

Stunk, es, f. stank; s. Gramm. § 209. 

Stünz, ein Dorf bei Leipzig; „er ist 



220 



Sturb — Suttch 



von Stünz'S ein wenig dumm; s. 
Stumsdorf; „das kann der Stünzer 
Nachtwächter", nämlich so schlecht, 
oder: wenn es so leicht ist; s. Leh- 
mann, 4. 

Starb f. starb; Th., mhd.; s. Gramm. 
§ 208. 

Sturm, die einzelnen Absätze, in denen 
das „Lauten'', z. B. das „Abendlauten" 
stattfindet, heissen Sterme; Drsdn.: 
Pulse. 

Stürmer s. Stnrmfass, 2. 

Starmfass, 1. grosses Fass, in welchem 
bei Peuersgefahr Wasser zugeführt 
wurde; 2. bildl.: hoher Cjlinderhut; 
s. Angströhre. 

Starzel, Storzel, Sterzel, der, Baum- 
stumpf; Eg., Hb.; dann auch hervor- 
ragende Wurzeln, über die man leicht 
stürzen kann ; mhd. sturzel, Pflanzen- 
Strunk; die Bappsstorzel, die Stoppeln 
vom Rapps; BsL: Storze; s. Knorzel, 
Bammel. 

Stürzen, beschimpfen, Studentenaus- 
druck ; „Einem einen dummen Jungen 
stürzen"; s. tuschiren. 

Stuss, der, Scherz; wie Jux; Schw., 
Pf.; Rw. 

Sfiehti^, die Heilung hindernd; man 
soll eine Eiterblase mit einer Steck- 
nadel aufstechen, nicht mit einer 
Nähnadel, denn diese ist „süchtig!" 
Ab., Eg.; in J. heisst süchtig: an- 
steckend. 

Suddeln f. sudeln ; davon : es riecht s u d - 
delig, wie in unsauberen Küchen; 
der Suddel, schmieriges Frauen- 
zimmer; eine Suddelwirthschaft; 
vgl. schnuddelig. 

1. Suff, der, f. Soff, Trunk; BsL; s. 
süffig. 

3. Suff, ich, f. soff; s. Gramm. §213 E. 

Süffel, Söffel, der, Säufer; Schi. u. BsL: 
Süfflig; Pf.: Siffling. 

SüfUg sind Bier, Wein, wenn sie dem 
Gaumen sehr angenehm sind, „gut 
rutschen**, franz. avalable; BsL, 
Wn.; B. Suff. 

Suite s. Seh wie te. 

Sülze, die, eine Speise (Ealbsfüsse und 



Fleischschnitzel mit Kapern und an- 
derm Gewürz, als Gallerte); in andern 
Gegenden: Sülze; mhd. sulze, sülze, 
Sa^wasser, Brühe, gallertartige Spei- 
se; geziert sagt man: Sülzenwurst! 

Summsen, Verstärkung für summen; 
eine Sumse, Brummkäfer, Schmeiss- 
fliege u. d&^l. 

Sums» Sumsigy der, Geräusch, Lärmen, 
viel nutzlose Bederei; von summen, 
wie sumsen; s. Sems. 

Sünde ist Leberwurst! ruft ein Ben- 
gel, den man warnt, Böses zu begehen. 

Sfiidhaft f. sehr; sündhaft viel, s. 
theuer, s. wenig, sündendumm, auch: 
dumm wie die Sünde « dümmer als 
dieBoUezei erlobt; Wn. : sündentheuer. 

Sunff, ich, f. sang ; Pf. : s. Gramm. § 209. 

SunE, ich, f. sank; s. Gramm. § 209. 

Suppe, 1. grüne Suppe, Speise aus 
Körbel, Spinat u. s. w. ; 2. rothe 
Suppe, Nasenbluten; „ich gab ihm eine 
Horns'che, dass ihm die rothe Suppe 
dernach lief**; 3. „gelbe Suppe** ist 
der offiziöse Name des alljährlich am 
2. Januar stattfindenden Gastmahles 
der Stadträthe und Stadtverordneten, 
welches mit einer Erbsensuppe zu be- 
ginnen pflegt. 

Suppenselimldt, wer gern Suppe isst; 
auch: Suppensachse, wie Kartof- 
felsachse und Kaffeesachse. 

Supperdent f. Superintendent; davon: 
die S Upper den tur; Gramm. § 12ö. 

Suse» Gemeinname, s. Gramm. § 166 b. 

Susselieh riechen sa^t man von einem 
süsslichen Back- oder Bratendampfe. 

Süsse, die, für Süssigkeit, süsser Ge- 
schmack; „eine widerliche, unange- 
nehme Süsse**; s. Gramm. § 155. 

Süssholz raspeln, die Kur schneiden; 
Süsseholzraspler, süsslicher Eur- 
schneider 
bengeL 



Eispie 
i.,Sz.; 



Schneider; BrL, Sz.; auch wie Sirup s- 



Sutteh, auch sittch, f. solche, bes. in 
der Gegend von Halle und Schkeuditz; 
suttche Gläser, sittche Bänder, 
sötte dumme Hunde; engl. such; mhd. 
sulch, sülch neben solch, solch, so-lich, 
sus-lich. 



T. 

I. auch D. 



TsUedhote (spr. daw'ldo), d&a ti. d ie, 
„wir essen Dawlda; beim Dan Ido, am 
Dawldo"; auch „ein. Dawldoessen", 
im Gegensatz zu „Portio nenscliniana" 
odai ä la carto-speisen. 

Tardschnelder, Qeschäfteführer imGe- 
adi&ft einer ScbneidermeiBterawitwe. 

Toir. 1- mei Tage, sei Tage, nie- 
mab; „dn machtest mei Tage Niacbt 
orntlich; er bat sei Tage Niscbt ge- 
togt." Gretcben imFanst: „möcbte 
drnm mein' Tae' nicbt lieben!" a. 
ewig; 2. „daBucbstwobl den gestri- 
gen Tag?" fragt man, wenn Jemand 
gedankenloB balabier, bald daumber- 
BtSrt; 3, „er breont dem Tag die 
Äuc-en ans"j er läaet Morgens das 
Licnt cnnöthig lange brennen; Schw.; 
er brennt ein Loch in den Tag. 

Tageblatt f Name eines städtischen Blat- 
tes), bildlich ffir; Nenigteitsträger, 
Elätscher. 

Talken, konfns reden, schwatzen; tal- 
kig, albern, sohwatzbafti N.S.; engl.: 
tolalk; dän. ; tale ^= reden; s. dalen; 
mhd. tolken , erzählen ; der Talk, 
Tölpel; Schw. 

T&Ipe, die, Hand odej Fnsa, mit dem 
Nebenbegiiff desTölpischen; s.Tappe 
and Tatsche; davon talpen, grei- 
fen; betalpen, angeschickt betasten; 
derTalps = Tolpatsch; Ab..Hl.,Bsl,; 
Btr.; talpaen, talkaen; mhd. talpe, 
Tatae, Pfote. 

TJUapern, die Zeit Tcrtrödeln ; L.; Eg.: 
tampern; Di,: dammein. 

Tanne, Qemeinname für alles Nadelholz: 
Fichte, Kiefer, Taius, Tanne n. 



80 gilt uns Korn für alle Arten Ton 
Getreide, Moos aaoh f. Flechte n. s. w, ; 
ein schlauer ChristbaumhSndler kün- 
digte eine „grosse Ana wähl vonSilber- 
nnd Fiohtentannen" an. 
Tafi^et die, 1. Hand and Fnsa, wie 
Talpe; seltener; 3.M0B. 11, 27: „Alles, 
was anf Tappen geht unter den Thie- 
ren"; mhd. täpe, Pfote; 2. Tappe, 
Tappee, Fusespur auf dem IJoden, 
bes. auf frisch gescheuertem, anf Sand 
n. s. w., Hb.; 3. in d«r Hehrht.: „er 
soll schon seine Tappen kriegen," 



das Gebührende bekommen, eisen Yer- 

weis, Strafe, ancb Antheil an Etwas; 
wer z. B, beim Spiele, bei einer Erb- 
schaft ausgezahlt wird, „hat seine 
Tappen (seinen Partikel, seinen 
Deceni, seine Nappe) weg"; anch 
apBttiach : er bat seinen Verweia weg, 
er ist gehänselt worden u. s. w.j Sbg.: 
der Tapp er ^ Antheil. 

Tappel, der, wie Tappa; dayon: tap- 
pelig, stärker auch tappig; E., Pf., 
Schw.; in Scbl.: tapprig; N.: tappet. 

Tappeln, I. ffir tappen; 2. zufällig 
glücken; „es hat ihm getappelt" ^ 
er hat „Dusel, Torkel, Schwem, Pom- 
mer;" Gegensatz in Str.: sich vei- 
tappeln, fenlgreifen, von tappen. 
, Tippeln, schnelle, kleine Schntte ma- 
chen, wie ein Kind; E., Th., Schw.; 
in Pf.: auf den Zehen gehen; in Oe.: 
zappeln, zäpperln. 

Tappen, tappsen, von Tappe, stark, 
ungeschickt, täppisch, geräuBchvolI 
auftreten; Brl.; verstärkt: trappen, 
trappaen (von Trab): „er kämt an- 

Setrappsti" Kinderräthsel: „es geht 
ie Treppe nauf an trappst nicDf" 
(der Mond.) 
Tapps, der, täppischer Mensch. Di.; 
auch: Tappa ins Mns, Hana 



. „er klappt zn- 
sammen wie ein Taschenmesser", 
macht eine tiefe Verbeugung; 2. „er 
ist znthalich wie ein T.", das 
man zathan — < einklaupen kann. 

Tätsehe, die, Hand und Fnsa, wie 
Talpe (Tatze); davon: tatschen 
und tätscheln, letzteres bei Goethe; 
B,, Sz.i Sbg.: tätscheln; a. dätachen 
und Linkstatflche. 

Taubenhandel, „daa war' e (rechter) 
T.", ein ohne rechten Ernst abgeschlos- 
senes Geschäft, das stets wieder rück- 
gängig gemacht werden kann. 

Taasend, 1. „es ist ein tauaendea 
Glück", z, B. dass wir den Hans- 
schlüssel nicht vergessen haben, dass 
daa Feuer ao schnell gelöacht worden 
igt a. a. w.; nur in dieser Terbinduns: 
gebräuchlich (st. tansend&ch); vgl. 
„mein herztausiger Schatz" in alten 



222 



Tausendsasa — Thran 



Liedern: 2. der Bock (das Tuch u.s. w.) 
ist noch tausendgut, das Papier 
ist tausendgut für dich, völlig gut, 
genügend, von einer Sache, die ein 
Andrer eben nicht gut genug findet; 
Brandnbg. 

Tauseadsasa, Tausendsapperlot, 
Tausendsapperloter, tausend- 
sapperlotscnter £erl, pfiffiger, 
Terwünschter Bursche; s. Back er. 

Tansendseehsundzwanzig! Ausruf, 
halb komisch, halb unwillig; wie 
Gottstausend. 

Taxiren, Jemanden mustern, bes. seine 
Kleidung. 

Teebs, Tobs, der, Lärm; von toben; 
Ab., V., Eg.,L., Th.; teebsen,töb- 
sen, lärmend jubeln; DL: daben. 

Teig, deeg, (mhd. teic) Eigenschaftsw., 
mürbe, überreif, TonAepfeln, Birnen, 
Mispeln; Hl., Th., NS.: Sz. (auch 
tängg); Hb.: däk; in Schw.: doaget; 
„einen ganz teig machen, teig 
kriegen", zahm, mürbe, gefügig, 
lenksam, nachgiebig machen, durcn 
Zureden, Drohungen u. s. w.; BsL; s. 

fedesche; Freytag, Markus König, 
. 35, teig im Sinne Ton: nicht aus- 
f9backen, also Teig geblieben: „Mein 
etter, die teige Bürgermeistersem- 
mel". 

Teigaffe, Deegaffe, Spitzname f. Bä- 
cker; Bh.; Btr.: Deigap. 

TeilLert, der Teikertl verstümmelt f. 
der Teufel! s. Deixel. 

Tempel, eine Aufzeichnung der Karten- 
blätter, auf Papier oder den Tisch, 
zum Pharaospiel, welches „Tempel n" 
heisst; die Spieler: Tempelritter; 
s. Sockeln. 

Tetteretättä, die, Trompete; Kinder- 
wort; s. Zinneretättä. 

Teufel, 1. aller T., allerlei nicht 
Zusammengehöriges: „in die Kiste 
packt er allen T. zusamm;" s. Schock- 
schwerenoth; 2. statts Teufels 
dastehen, dabeisitzen u. s. w., wie 
eine Null; 3. „lüg du und der T.", 
unverschämt, stark; „da lauf du und 
der T.", du gehst mir zu geschwind; 
„spiel du und der T.", du spielst zu 
hastig, zu schlecht u. s. w.; 4. das 
dogt den Deifel nich, taugt s&r 
Nichts; mhd. den tiuvel, nicht das 
Geringste; s. Deibel. 

Teufelei, „das is eene Deibelei", Eines 
so schlimm wie das Andere, Wurst 
wie Schale; s. Wichse. 

Thäteh, der, viel Gerede, Aufheben; 

„mach nur nich bo e Th, drum rum;" 



s. Meerrettig; Sbg.: Tddig f. Streit, 
Zank; vom mhd. tegedinc »» teidinc, 
Gerichtstag, Verhandlung, Gerede? 

Tliee s. abwarten. 

TlieelLessel f. Dummkopf; PP., Brl.; 
vgl. franz.: bSte comme une cruche. 

Thier, Thiereben, 1. als Liebkosunr 
halb mit Erbarmen; bes. „das gute 
T., das arme T.;" HL; 2. „das arme 
Thier hat bei ihm geheckt^S er ist 
arm. 

Tliomasesel, früher Spitzname dar 
Schüler des Thomasgymnasiums; in 
der bei diesem gelegenen Thomas- 
mühle wurden bis etwa 1830^ viele 
Esel gehiJten. 

Tlioaasserkircliliof f. Thomaskirchhof, 
wie Nickelserkirchhof; dagegen 
sagt man : Thomaskirche, Thomasg&s- 
chen; in einer Handschrift von 1630: 
Thomassergäs sehen. 

Tlioninänner s. Bus sbutten jungen. 

Tlior.das, l.„umsThor gehen"(„Ma8- 
kulinum ums Neutrum!" setzt die 
Bosheit hinzu), einen Spaziergang in 
den Baumgängen rin^s um die innere 
Stadt machen; Weiz, Verbessertes 
Leipzig (1728): „ums Thor spazieren;" 
weil man früher wirklich um die 
Thore der inneren Stadt ging. Aehn- 
lich heisst der Ausgang von der Peter- 
strasse in die Promenade noch „Pe- 
tersbrücke", weil er früher über den 
Wallgraben führte; 2. er gudit's 
an, wie die Kuh das neue Thor 
(in Königsberg: das ^rüne Thor), er 
betrachtet es verwunaert. 

Thorwe{!^, 1. ist gewöhnlich sächlich: 
„ein eisernes Thorweg;" 2. „sie thei- 
len unter dem T.", von zwei Spielern 
die einander zu Gefallen spielen, am 
einen Dritten zu plündern. 

Tliorzettel, Liste der angekommenen 
Fremden, die im „Tageblatte" früher 
je nachdem Thore verzeichnet wurden, 
durch welches sie anlangten. 

Tliran, 1 . „er ist ewig im Thrane", im 
halben Dusel, schläfrig im Beden u. 
Thun; Brl.; 2. betrunken; — „er 
kommt nicht aus dem Thrane, kann 
sich nicht aus dem Thrane finden", 
sich nicht aufmuntern, zusammenraf- 
fen; auch von einem langweiligen 
Bedner; er ist ein Thranfritee; Btr.: 
Dränbartel; D.: dränig; Zeitw. dazu 
in Schw.: trähnsen. Ha. trühnsen; 3. 
„er leeft noch im Thr. 'rum", im 
Schmutz, ungewaschen, im NegBg^; 
8. Soae. 



Thräne — Tort 



223 



Thrftney Thränehen f. einige, ein paar 
Tropfen (Bier, Wein). 

Thun, 1. zur Verstärkung, be«. bei 
Frage und Verneinung, nach engl. 
Art: „was dust 'n (tnust du denn) 
schreiben? — Schreiben du ich eigent- 
lich nich; — die Nachtwächter daden 
duden, wie sie bei uns duden daden; 
— wenn ich hier uffs Dach steigen 
dun due, da due ich am Ende 'nun- 
ter borzeln; vergessen du ich's schon 
nich, aber so geschwind kann ich's 
nich machen;" Schi., Eg.; 2. „wir 
thun ein bischen^S spielen; daher: 
Thuste mit? „Ich thue nicht mehr 
mit", ich ziehe mich zurück Yon einem 
Geschäft u. s. w.; 3. sich benehmen, 
anstellen, geberden, Aufhebens von 
Etwas machen : — er that erschreck- 
lich, furchtbar (d. h. als ob sonst Et- 
was geschehen wäre) ; Sz. ; 4. elliptisch : 
„du kannst mir was thun," nämlich 
leid; 5. sich thun, sich zieren, an- 
spruchsvoll auftreten, wie „sich einen 
Fleck machen;" davon: das Gethue, 
Ziererei. 

Thürängeln s. Dier engein. 
Tiefblüthe, die, eine Art Aepfel. 
Tilde, Abkürzung für Mathilde und 

Klotilde. 
Tinto s. Dinte. 
Tiseher, Diseher f. Tischler; mhd., 

ND.; auch als Name nicht selten; 

Gramm. § 119. 
Titsehen s. ditschen. 

Töbies, Döwies f. Tobias; als Gattungs- 
name s. Gramm. § 166 b. 

T5bs, töbsen s. Teebs. 

Tod, 1. „der T. fährt mir übers 
Grab", bei plötzl. Frostschauer, der 
über Kücken (oder Rumpf) läuft, auch 
bei dem Zusammenschauern nach Er- 
k^tung vom Stillsitzen ;)PP.; 2. er „ist 
gut nach dem Tode zu schicken," 
er bleibt zu lan^e aus; B., J., PP.; 3. 
sich zu Tode laufen, arbeiten, sau- 
fen; scherzweise: sich zu Tode ster- 
ben; 4. „er sieht wie e Dot", leichen- 
blass, vor Schreck u. s. w. ; PP. : wie 
der Tod von Dirschau. 

Todt; „lass die Todten ruhen!" ruft 
man einem Spieler zu, der die dage- 
wesenen Stiche nachsehen will. 

Todtenweeker, der, Salmiakgeist. 

Töfde, die, (sprich Deefde) die Taufe; 
ND.: Dop, Taufe; dopen, taufen; 
Döfft, Taufe; s. Gramm. § 157. 

Teffel, Döffel, Deffel, als Gattungs- 
name, s. Gramm. § 166 b. 



Tollen, toben, ausgelassen sein; „tol- 
len und teebsen;" bei B. Auerbach 
auch im Hochdeutschen. 

Tolpatsch, der, Tölpel, der drauf los 
„patscht;" jedoch gibt man auch ei- 
nen Ungar. Ursprung an; davon: tol- 
patschig, tolpätschig; E», J., W.; 
in Wn.: Zolpel; schwed.: tölpaktig — 
tölpisch;in Schw. istdalle, dallpatsch 
^ läppisch. 

Tombaek, „das ist nicht vonDumback", 
nicht unecht, nicbt von schlechtem 
Stoffe, wie billige Uhren aus Tom- 
back; vgl. Stroh, 3; Eltern. 

Toobdhrig, schwer hörend; „er ist ein 
rechtes Toobohr", von taub; Ulm: 
tosöhrig. 

Töpfehen, 1. „Deppchen" etwa seit 1835 
fast ausschliesshch gebräuchlich f^r 
Seidel, Glas Bier *» un pot de bilre, 
de vin; 2. „das Deppchen hat 
Henkel gekriegt", sagt man, wenn 
Jemand die .£rme in die Seiten 
stemmt; franz.: faire le pot ä deux 
anses; 3. „du kannst mir Depp eben 
malen", alles Zureden, Versprechen 
u. s. w. hilft dir nichts; ebenso: 
Männchen malen. 

TSpfeme Waare, depperne Flaschen, 
f. thönern; Eg.; Kond.: bei Bogumil 
Goltz: töpferne Sparbücnsen; s. zer- 
töppern. 

Topp, der, oberster Platz im 'Theater; 
top, engl, und ND.: Spitze. 

T5pper, 1. „reden wie e T.", albern; 
2. „sich freuen wie ein T., der 
umgeschmissen hat," albern lachen, 
sich ausgelassen freuen, wie „aus 
dem Häuschen sein;" 3. s. 
Dreck, 5. 

Töpperlateiniseh, 1. Küchenlatein; 2. 

Alles, was Einem unverständlich ist. 
Torbiren, turbiren, peinigen, quälen, 

foppen; von lat. turbare; wie drang- 

salen, biesacken. 

Torkel, TariLel, der, l. Schwindel des 
Kopfes, unsicherer Gauff ; „ich kriegte 
den T., er ist im Torkel (betrunken) ;" 
torkeln, turkeln, daneben auch 
dolkern, wie storpeln neben stol- 
pern; Brl., ND., Fr., Schw., Pf.; in 
B., Oe.: dargeln; mhd. turc, Taumel, 
Sturz; selten: Einen betorkeln, 
taumeln machen (Wirkung des Trin- 
kens); Einen abtorkeln, durchprü- 
geln ; t o r k e 1 i g , schwankend (v. 
Gange), betrunken; 2. blindes Glück, 
wie Dusel, Schwein. 

Tort, der, «= Schur; Jemandem Etwas 



224 



Tracht — Trippsdrille 



zum T. thun, ihm allen Tort und 
Dampf anthnn. 

Tracht, die, f. die Trage, das Joch 
zum Wasserholen; NS.; Di.: die 
Dräch; auch die Last selber: eine T. 
Wasser. 

Trag^korb, Dra-gorb, grosser Korb zum 
Tragen auf dem Rücken, mit Trag- 
bändern; s. dagefi;en Hebekorb, 
Marktkorb, Henkelkorb. 

Trällerehen, das; ein T. schlagen, s. 
raddern. 

Trampel, der, ungeschlachter Mensch, 
schwerfälliges Frauenzimmer; Schw., 
Hl.; auch: Trampelthier; trampeln, 
schwer auftreten, wie tappsen, 
trappsen; Pf., Oe., — NS., Di., Sz. : 
trampen, trampsen. 

Trftppeln, ziemlich wie tappeln; man 
rühmt den Leipz. Damen von jeher 
einen zierlichen Schritt nach, einen 
Trippeltrappeltritt; so sagt 
schon Lady Montague in einem Briefe 
von 1716 über die „minaudi^res" Sach- 
sens: „they all affect a little soft lisp 
and a pretty pitty-pat step;" ein un- 

f alanter Schriftsteller des 18. Jahr- 
underts meint aber, der niedliche 
Gang sei Folge des — schlechten 
Pflasters ! 
Trappsen s. tappen; NS. 

Tratsehe, die, grosser, ungeschlachter 
Fuss,wieTalpe; erinnert anTat sehe 
und trappen; V.; Zeitwort: trat- 
schen; s. dagegen drätschen. 

Tranen, sich t. wird mit Dat. verbun- 
den, wenn noch ein Obj. dabei steht : 
— das trau' ich mir nicht, auch : das 
traust du dir nicht zu machen. 
"^raumbnch, bes. „altes Tr.I" träumeri- 
scher Mensch, Schlafmütze; ebenso 
Drömdoffel, Dromfritze; Schi.: 
Treemer. 

Trawälehen, sich müde laufen; in 
Schw. f. sich abarbeiten; travailler, 
to travel; Rtr.: ungeschickt, ange- 
strengt, Aufsehen erregend einher- 
gehen; s. bat all Jen. 

Treff, der, 1. schneller, scharfer, wohl- 

fezielter, treffender Hieb; „Einem e 
reff versetzen;" mhd. tröf, entschei- 
dender Streich; B., Schw., Hl., Rh: 
Dräf; Hb.: Traaf, Träfs; s. Treffs; 
2. „Treff is Trump!" ich wag's, 
vielleicht gelingt's 1 

Treffen, als reflex. Zeitw.: „ich treffe 
mich dort mit mein' Bruder", d. h. 
wir haben verabredet, uns dort zu 
begegnen. 



Trefi's, der, noch gebräuchlicher als 
Treff; s. d.; Gramm. § 164. 

Treiben, das (vom Jagdausdruck) „das 
ganze Treiben stürzt mit einem Male 
hier herein," die ganze Menschen- 
menge; er macht das ganze T. ver- 
rückt, stört Alles. 

Treppe, „ich wohne eine Treppe, zwei 
Treppen**, statt im ersten, zweiten 
Stock; B.: „über a Stiegen**, s. 
Gramm. § 241, 2. Kinder brauchen 
Treppe für Stufe: „vorn Hause sind 
3 Treppen; ich sprung 4 Treppen 
nunt'r;" Pf. 

Tresse, die, Bierschaum; wie Sahl- 
leiste. Mützchen. 

Tressurehen, das, eine kleine Etagere 
für Bücher oder Nippsachen; von tr^- 
sor; mhd. trSse, trise, trisol, trisor, 
tresor, Schatz, Schatzkammer. 

Treten, um Zanlung u. s. w. mahnen; 
s. Tritt. 

Tribnliren, drlweliren, durch oft wie- 
derholtes Bitten, Fördern drängen, 
beunruhigen, „dr angsalen"; B., E., 
Hb., J.; bei Luther; lat.: tribulare; 
franz.: troubler; engl, to trouble; 
Kinder, die es thun, sind „recht tri- 
bulirig**. 

Triefen als transit. Verb gebraucht, 
nur in der Redensart: mich schwitzt 
und trieft. 

Trillen, prügeln ; Au. ; daher der Name 
des Köhlers Triller beim Prinzen- 
raube. 

Trinken: ~ „hast du geredt, 
trink emal", erwidert man auf eine 
naseweise oder alberne Bemerkung. 

Trippel, der, kleiner Trupp (Menschen, 
Hünner , Insekten, Blumen u. s. w.) ; 
Di.: Drippel, Tropfen. 

Trippeln, (auch Schriftdeutsch) kleine 
Schritte machen, wie trappeln; engl. : 
to dribble, träufeln; daher: schwach 
regnen; Brl. : ein wenig „trippen;** 
auch dreppeln; Rtr.: drüppeln; 
schott.: dribble, Staubregen; s. nie- 
seln. 

Trippen, träufeln, stärker als tröp- 
peln, trippeln; „das Blut trippt 
nur so**, läuft heftig aus der Wunde; 
Rtr.: drüppen. 

Trippsdrille, sprichwörtlicher Orts- 
name bei Erwiderung auf unbefugte 
Fragen ; z. B. „wohin gehst du ? — nach 
T.**; auch mit Zusätzen: nach Tr. auf 
den Federmarkt, oder : nach T., wo die 
Pfütze über die Weide hängt; Hb.; es 
soll Triptis (in der dortigen Gegend 
T r i p p s oder Trille genannt) gemeint 



Tritt — Tut 



225 



seiu, ein altes Städtchen in Sachsen- 
Weimar, bei welchem allerdings ein 
Bach, „die Pfütze", in Röhren über 
den Fahrweg und über Bäume weg- 
geleitet wird. Wn. : geh nachT. =« geh 
znm Henker! Man sagt auch: „in 
Dribhsdrille, wo dieHunde mit dem 
— Schwänze bellen;" Gleiches 
sagt man in PF. von Aostnpöhnen n. 
von Zinten: — „in Zinten bellen die 
Hunde von hinten;" in Sz. „z' TMpps- 
trill, wo die Gans Hoorsäckl trage". 
In PP. hat man auch die BezeichnuDj^ : 
er ist ein Dreppsdrell, ein unbehol& 
ner, alberner, unvorsichtiger Mensch. 
Tritt, 1. Einem einen (gehnden) Tritt 

feben, ihn mahnen, s. treten; 2. im 
ritte sein, betrunken; s. SchunkeL 

Troddeln, laii^am gehen, wie zotteln, 
verwandt nut Trott; vgl. trödeln. 

Trödel, der, 1. Streit, Zank, Händel; 
„er filngt mit aller Welt T. an;" Sdt; 
2. Verzögerung, Aufenthalt; auch Trö- 
delei; s. trödeln. 

Trödelmaim, Trödelft*aa ^ Trödler, 
Trödlerin. 

Trödeln, zaudern; langsam handeln; 
HL; in Th.: druidel; SD.: trän- 
deln ; franz. : lambiner ; davon : t r ö d e- 
lig, Trödelfritze, Trödelmichel, T.- 
liese, T.hanne, T.suse; Trödelei. In 
E., Pf.: trandeb, Trandelmatz. 

Trollgast, Theilnehmer an einem Feste, 
Schmause» der eigentlich nicht gela- 
den war, zufällig dazukam u. s. w., 
bes. bei Hochzeiten, Taufen; s. Fress- 
gevatter; mhd. trolgast, ungelade- 
ner Gast und Spassmacher. 

TrSmel, der, Träumer. 

Trommel, „sie geht init der Tr.", ist 
guter Hoffnung; davon: „Einer eine 
Tr. anhängen". 

Treppe, die, f. der Tropfen; Drebbel- 
eben = Tröpfchen; mhd. tropfe, 
tröpfel; davon: treppen und tröp- 
peln, mhd. tropf ezen, träufeln , auch 
lein regnen; „wenns in Paris regent, 
drebbelt'fl in Leibzeh;" s. trippen, 
trippeln. 

Trost, 1. auch Tröster, bildlich f. 
Branntwein; 2. er ist nicht (recht) 
bei Tröste, bei Besinnung, Ver- 
stände; Ab.; PP.; sonst auch: er ist 
nicht recht derheeme, nicht recht 
bei Groschen; ND. 

Tröster, 1. s. Trost; 2. ein Buch, aus 
welchem man schöpft; 3. derber 
Stock, Knittel, auf den man sich ver- 
lässt. 

Trubel, der, Verwirrung, Lärmen und 

Albreoht, Leipz.Mundart. 



Hin- und Herwogen einer Menschen- 
menge; BrL, ßtr.; le trouble; bes. 
„Messtruwl". 

Trübsal blasen, in Noth sein, in „Au- 
weh" sein, arme Bitter backen; 
ähnlich, aber stärker „auf dem letz- 
ten Loche blasen oder pfeifen". 

Trudeln wie trödeln; HL, V.; daher: 
Trudelsuse, Trudelfritze, Trudel- 
schuster, saumseliger Mensch. 

Truhne, die, f. Trune. 

TruUe, die, 1. kleines, possirliches 
Mädchen; 2. albernes Frauenzimmer; 
L., Hb., Sbg.; auch Trullia, Tru- 
s chel 

Trullia s. Trulle. 

Trunk für trank, wie der Trunk und 
der Trank; s. Gramm. § 209. 

Trunsehel s. Truschel. 

Trusebel, Trunsehel, die, wie Trulle; 
Hb.; Schw., Fr., Pf., E. Drutschel, 
TrutscheL 

Truthahn, scherzweise f. Butterbrod 
und „deutscher" Käse. 

Tsehätsehig s. schatschig. 

Tsehuh! Ausruf, um Vieh fortzujagen. 

Tsehutsehen, wie nutschen, lut- 
schen; der Tschutsch, Zulp, wie 
Nöpel u. s. w. 

Tüeksehen, grollen, schmollen; von 
tückisch; wie dummthun. 

Tulpe, die, 1. kleines Bierglas, das 
einen Schnitt fasst; BrL; 2. Begen- 
schirm; Drsdn.; s. Wetterdach. 

Tümpel, Dimbl, der, seichte Pfütze; 
Schi.; inWn.: Dimbfl; mhd. ttimpfel, 
tiefe Stelle im Wasser. Eine Strasse 
in Wunsiedel heisst Herrentümpfel. 

Tunke, die, 1. Brühe zum Eintunken 
eines Bissens (mhd. tunken, tauchen) ; 
Schi.; man hat versucht, es auf 
Speisekarten für Sauce anzuwenden, 
z. B. Schwammerlingstunke f. 
Champignonsauce; s. Ditsche; 2. 
jede trübe Flüssigkeit, wegwerfend 
z. B. von Kaffee, Bier, Wein u. s. w.; 
Sdt. 

Turnen als refiektives Verb: „er turnt 
sich gern;" s. Gramm. § 180. 

Tundren, lärmend spielen, bes. von 
Kindern; dafür in Sdt.: spektakeln. 

Tusch, der, Beleidigung (Studentenaus- 
druck); Einen tuschiren, wie stür- 
zen. 

Tusche, Dusehe, die, Prügel; von 
douche oder toucher; B., Schw.; da- 
von tuschen. 

Tflt, der, Spitzname des ehemaligen, 
mit Blorn oder Pfeife versehenen 
Nachtwächters; von tuten. 

15 



226 



Tute — Umwerfen 



Täte, die, jedes Blasinstrument mit 
tiefem Ton, also Hörn, Trompete 
u. s. w.; man kann darauf (od. nin- 
ein) tuten; Eg.; mbd. tiuten, schal- 
len, blasen; Hb.: tut; scbott.: tout, 
Scball eines Hornes, einer Trompete. 



Tutemann, Tutemännehen, Glas 
Branntwein, wie Knorpel, Wurzel 
u. s.w.; scbott.: toutie, kleiner Sauf- 
aus, zu Kindern gesagt. 

Tuten 8. Tute. 



U. 



üeber, Etwas über haben, es zu ver- 
walten, zu vertreten haben, z. ß. ein 
Grundstück. 

üebelnehmisch, empfindlich, leicht ver- 
letzbar; auch von Sachen: so ene 
kleene Uhris sehre ü. ; ene ü. Farbe, 
leicht zu beschädigen. 

üeberdrüsse, iwerariese f. überdrüs- 
sig; Hl.; Bspr.: iwrdr^se. 

Uebereins, einerlei, gleichlautend, 

Sleichmässig, übereinstimmend; die 
[Ute sind alle ü., gleicher Form ; die 
Depeschen sind ü. 

Ueberg^änffelehen, das, Regenschauer; 
B.; s. Husch. 

Uebergeziehe, das, Bettwäsche, Ueber- 
zug, Kopfkissenzieche und Betttuch; 
statt der Mehrheit: die Uebergeziehe 
braucht man die umschreibende Form: 
„ich habe 3, 4, 6 Mal Uebergeziehe 
in die Wäsche gegeben". 

Ueberkomplet f. überzählig, überschies- 

^~ send ; vorräthig für den Nothfall, wie 
das fünfte (Reserve-) Rad am Wagen; 
ähnl. dem engl, spare. 

üeberlau fen, ein wenig erwärmt, von 
Zimmern, wo man nur ein „Schauer- 
chen** gemacht hat> s. überschla- 
gen. 

Ueberlei f. überflüssig, zuviel; „du bist 
hier ganz iberlee; ich habe noch eine 
überleie Gabel (iberlee Gafel)," von 
dem alten die Lei = Art, wie in 
allerlei, vielerlei u. s. w.; Hb.: über- 
länig. 

Uebersehldgen, lau (Wasser); Ab.; s. 
überlaufen. 

Uebersiehtig» 1. höflich für schielend; 
2. übersichtiger Ball, wie Stern- 
gikler, 2. 

Ueberwendlieh, 1. eine überwendliche 
Naht, nicht mit Hinterstichen, also 
haltloser; Pf.; Oe.: überwindling; 2. 
Etwas nur überwendlich machen, oben- 
hin^ oberflächlich; E. 



üebrig bleiben, wie sitzen (unverehe- 
licht) bleiben, von Mädchen; Wn. 

Uff f. auf; so auch in den Ableitungen, 
ruff, druff, nuff; mhd. üf, ouf. 

Ulk, der, Scherz, Spass, Ausgelassen- 
heit; allgemein verbreitet, sogar Name 
eines Witzblattes; „seinen Ulk mit 
Jemand haben", ihn zum besten ha- 
ben; s. Affenschande. 

Ulrieh; Sankt Ulrichen rufen, sich 
übergeben; J., Pf.; Au.: Urli 
schreien; Bsl.: im Ueli rüeife. Seiler, 
Basler Mundart, S. 291, sagt von St. 
Ulrich, dem deutschen Hauptheiligen, 
dass er Bischof v. Augsburg gewesen 
(t 973) und dass er selbst den Trunk 
segnete, der über Gebühr geschah, 
dagegen den Verächter eines solchen 
Ehrentrunkes als einen Frevler strafte; 
s. Gramm. § 166 b. 

Umboeken, Leinwand, Zeug u. s. w. 
falten, um es zu säumen; von um- 
biegen ? 

Umbringen, „er ist niojit umzubringen", 
(auch „nicht todt zu machen") ist 
im Spielen, Trinken, Arbeiten u. s. w. 
unverwüstlich. 

Umkuddeln, gänzlich umändern; s. 
kuddeln. 

Umsatteln: — „seine Frau sattelt 
jedes Mal um", sie bekommt Kna- 
ben und Mädchen in regelmässiger 
Abwechselung (was man in Ab. um- 
zichtig nennt, in Mb. umschichtig). 

Umsehmeissen s. umschütten. 

Umschütten, ein Spiel verlieren, s. ver- 
schütten; auch: bankerott machen; 
ebenso umsehmeissen, umwerfen. 

UmstandsMtze, Umstandskasten, 
Um Standspeter; 1. umständlicher, 
langsamer Mensch ; 2. Einer, der viel 
auf Aeusserlichkeiten hält. 

Umstossen, Einen, besuchen. 

Umtopfen s. austopfen. 

Umwerfen wie umschütten. 



ün — Vater 



227 



ün f. und; P.; s. Gramm. § 114, 3. 

Unberufen, wenn man Etwas (Jeman- 
den) lobt, aber fürchtet, es könne 
eine Aenderung zum Schlimmem ein- 
treten, so fügt man bei „es soll un- 
berufen (unbeschrieen) gesagt 
sein", oder „ich will es nicht be- 
schreien;" alte Frauen, die das Ge- 
deihen eines Kindes rühmen, sagen 
stets so Etwas oder wenigstens 
„Gott behüt's", schlagen wohl auch 
ein Kreuzlein dazu; vielleicht „graut 
ihnen vor der Götter Neide." V. 

Une, dune, Daas, ich oder du bist 
aus! Kinderreim zum Auszählen beim 
Spiele (etwa vom franz. un, deux oder 

far vom lat. unus, duo; man vgl. 
ax). 

Un^esehiekt, „Herr (von) Ungeschickt 
lässt grüssen!" ruft man Jemand 
zu, der etwas Ungeschicktes thut; 
Schw. 

Ungleich von Jemandem denken f. 
übel. 

Uniform, „Kartoffeln in Uniform" = in 
der Schale; in Preussen: Pellkartof- 
feln; s. Hinne, 2. 

Unmastern, nicht recht aufgelegt, un- 
lustig zu Allem, halb übel, unwohl 
u. s. w.; Immermann. 

Unntttz; sich unnütz machen, durch 
Sticheleien u. s. w. sich unliebsam 
machen. 

Unreeht wie unrichtig. 

Unreimisch, nicht recht bei Sinnen, 
halb übergeschnappt. 

Unrichtii^, „es ist ihr unrichtig gegan- 
gen", von verfrühter Niederkunft; Hb. : 
es is ugrode gange. 

Unsinn f. Tollheiten, Ausgelassenheit, 
Uebermuth; „wir machen's blos aus 
Unsinn, zum Unsinn". 

Unter, wird mit „gehen" verbunden, 
wo es sich um eine Eeihe von Ver- 
kaufständen u. dgl. handelt; so „geht 
man unter die Neugroschenbuden, 
unter die Töpfer, unter die Weissen- 



felser Schuster, unter die Juden, un- 
ter die Buden (d. h. ausschliess- 
lich unter die Trink- und Schaubuden, 
nicht in Verkaufsbuden.] 

Unterffütii^, nndergietich, unter- 
kütlich, untergödig, unter- 
köthig ist eine heimlich unter gutem 
Fleische oder unverletzter Haut ei- 
ternde Stelle, bes. am Pinger; Hb.: 
önnergüttig; Rtr.: kütig, unnerktitig; 
V. ; unterkühnig; M. : goader Finger f. 
böser, entzündeter. 

Unterbauen, unterschreiben, einen 
Brief, eine Schuldverschreibung, Peti- 
tion u. s. w. 

Untersehlupf, Untersehlipf, der, Ob- 
dach, eine Unterkunft, ein Ort, wo 
man unterschlüpfen kann; Bsl. ; so 
nannte der Volkswitz die 1869 er- 
richtete „Mägdeherberge" , den 
„Mägdeunterschlipf*. 

Untertnanen, Beine, Füsse; Wn.; s. 
Spazierhölzer. 

Unterweg^ens f. unterwegs; s. Gramm. 
§ 146; unterwegs lassen, bleiben 
lassen, unterlassen; K., J. 

Unterziehhose, Unterziehjaeke f. Un- 
terhose, Unterjacke. 

Unthätchen, „es istkeinUnthätchen 
daran", nicht der geringste Schaden. 
Makel, Fleck; Bsl.: Undeteli; Schw.: 
Unthädlein; N.: Unthäterlein; mhd 
untät, Missethat, Makel, auch untae> 
telin. Minnesänger: „Sie vst vor un- 
tdte wohl behust". Eine Mutter 
rühmte die Gesundheit ihres Kindes: 
„es is ooch gee U. an sein'n Leibe;" 
s. Versehrichen. 

Ueppig sein, sich üppis^ machen, 
übermüthig, obenauf; auch in Studen- 
tenliedern. 

Urlauber, ein auf Urlaub befindlicher 
Soldat; steht er noch in aktivem 
Dienste, so ist er dann „Königs- 
Urlauber". 

Urwern s. orwern; Schi. 



V. 



Vagabunderei, die, Herumtreiberei, 
Herumtreiberstreiche , Landstreicher- 
wesen. 

Vagiren, fachiren, hastig mit den 
Händen herumfahren, bes. beim Beden, 



wie ungebildete Leute pflegen; „Einem 
vor der Nase herumvagiren". 
Vater, „dein Vater war kein Glaser" 
(auch mit dem Zusatz: sonst hätte er 
dir eine Scheibe in den Kücken ge- 
lb* 



228 



Vaterknacks — Verfumfeien 



setzt), sagt man zu Jemandem, der 
sich Einem ins Licht stellt. 

Vaterknaeks s. Knacks. 

Vatermörder, der, kleiner Herrenhals- 
kragen mit steif hervorstehenden 
Spitzen, mit denen Jemand seinem 
Vater bei der Umarmung die Augen 
ausgestochen haben soll u. s. w. 

Ver- . . . ., viele mit dieser Vorsilbe 
beginnende Worter findet man unter 
den Stammwörtern; soverbitzeln unter 
bitzeln, verestimiren, verbummeln, 
verhütten, verduseln, unter estimi- 
ren, bummeln, butten, duseln. 

Ver für vor und für; „ver e Sechser 
Gimmel ver mein Vater;" ver mir = 
meinetwegen; Eg.; Etr.: för mi; da- 
gegen bleibt die betonte Vorsilbe vor 
unverkürzt. 

Veraddiren, sich, falsch addiren; wie: 
verrechnen. 

Veralbern, Jemanden durch alberne 
Reden verdreht, verwirrt machen; s. 
albern. 

Verässekriren, versichern gegen Feuer 
u. s. w., assekuriren. 

Verbamben, mit Saus und Braus durch- 
bringen; von bamben; s. verjuch- 
heien. 

Verbei f. vorbei, z. B. verbeigehn; 
vorüber ist ganz ungebräuchlich. 

Verbeten s. verbieten. 

Verbienen, Terbfihnen, hölzerne Ge- 
fasse, welche undicht (verlext) sind, 
lässt man verbienen, imWasser vorquel- 
len ; schott. : been ;Bsl. : deFass usbüne, 
sie mit siedendem Wasser ausbrühen, 
um ihnen den Geruch zu benehmen. 

VerMeten f. verbitten, bes. wenn 
es recht nachdrücklich sein soll; „das 
will ich mir doch verbieten" (auch: 
verbeten, wobei man denkt: das 
will ich mir verbeten haben); Sz.; s. 
Gramm. § 4. 

Verbluten, „er wird sich bald verblu- 
ten", die Kraft wird ihm bald aus- 
gehen, es wird ihm bald an Geld, an 
Trümpfen fehlen. 

Verbokrt, sonderbar, seltsam, verdreht; 
„ein verbohrtes Haus", närrischer 
Kerl, „eine verbohrte Geschichte", un- 
angenehme, verwickelte Sache (mhd. 
verborD, durchbohren). 

Verbresen^ verkrümeln ; von Brosamen ? 
s. iHvmöschen. 

Verhütten s. butten. 

Verbuttern, durch Ungeschick verlie- 
ren, verderben, z. B. ein Spiel; s. ver- 
wurzeln, verhollern. 

^erdammtig f. verdammt, verwünscht; 



„eine verdammtige Geschichte, Wirth- 
schaft" »» eine schöne Bescherung; 
Gramm. § 169. 

Verdattert, verblüfft, bestürzt; E.; Rl.: 
verdrott; s. dattern. 

Verdeffendiren, vertheidigen, bes. mit 
Worten; s. vermauliren; von dä- 
fendre; Uckerm., Rtr.; Gramm. § 177. 

Verdonnern, verdammen, verurtheilen; 
neueren, wohl süddeutschen Ursprungs. 

Verderb, verdarb, ich, für verdarb; 
Gramm. § 208. 

Verdreekern: was dem Staube u. s. w. 
lange ausgesetzt ist, verdreckert 
ganz und gar; dsgl. ein wasserscheuer 
Mensch. 

Verdross, einen (kleinen) Yerdruss 
haben, einen Höcker; ND., Pf., Brl.; 
in Oe., B.r er hat einen Verschmach; 
s. Kriegskasse. 

Verduften, leise, unbemerkt fortgehen, 
wie „alle werden, sich drücken". 

Verdummeniren, mit prahlerischen 
Ausgaben durchbringen, von dumme- 
niren, 2; s. verjuchheien. 

Verfahren, 1. Etwas ins falsche Gleis 
bringen, schlecht leiten; 2. sich v., so 
verwickeln, dass man nicht mehr zu- 
rück kann, bei Reden und Handlun- 
gen; ebenso sich vergoldpapieren, 
verplappern, verheddern. 

Verfangen, kleine Kinder, dem Winde 
entgegen getragen, verfangen sich 
leicht beim Athmen. 

Verfitzen s. Fitz. 

Verfliekt, verflixt, statt verflucht; Eg., 
Wn., Bsl. 

Verfliren, verfloren, Kinderwörter f. 
verlieren, verloren. 

Verflucht, 1. harmloser Ausruf der 
Ueberraschung; SD.; ähnlich 2. ver- 
flucht und zugebunden, komischer 
Ausruf; 3. pfiffig, gescheit, schlau; 
„ein verfluchter Kerl", ebenso ver- 
flixt, verwettert, verwünscht. 

Verflüchtig wie verflucht, 3; „eine ver- 
fluchtige Geschichte", widerwärtig ; 
Gramm. § 169. 

Verführen, anstellen, machen, in den 
Verbindungen: „einen Heidenkrakehl, 
Skandal, ein greuliches Geschrei, tol- 
len Lärm verführen, auch vollfüh- 
ren;" Schi. 

Verfumfeien, verderben, verhunzen, 
entstellen ; L., ND. ; E. : verpf umpfeien ; 
in J.: verfumfeien oder verbumfideln, 
das Geld vertändeln, bes. beim Tanze ; 
das Wort ist also nach den Tönen der 

9 Fidel gebildet; auch in KD. heisstes 
liederhch durchbringen. 



Vergallöppern — Vermarken 



229 



Vergallöppern, vergalopiren, durch 
üebereiluDg im Keden Etwas ver- 
rathen; Hb.; — auch durch einen 
Fehler ein Spiel verlieren ; in 8z. : sich 
verschnepfen. 

Vergangen» Adverb f. neulich; Pf., E., 
Scnw.; Eg.; s. v er wichen; „er war 
erst vergangen hier". 

Vergebens f. selbst, sogar; „vergebens 
das Hemd hat er hergeben müssen", 
alles Sträuben war vergeblich. 

Vergoldpapieren wie verfahren, 
vergallopiren, bes. sich in seinen 
Berechnungen tauschen; in SchL f. 
verplempern. 

Verhauen, 1. durchprügeln; 2. Geld 
verthun, s. verjuchheien; 3. ein 
Spiel verlieren, wie verschütten. 

Verneddern, sich, verwirren, bes. beim 
Beden; von Heede; 6rl.; vgl. Hamf, 
sich verfahren, verpläpjjern, 
vergoldpapieren; ND. verheiem. 

Verhollern, verhullern, 1. wie ver- 
heddern; 2. wie verschütten, 1. 

Verhunzen, verderben, s. verfum- 
feien, vermutzen, schändiren; 
— ist auch Schriftdeutsch; — Hb.: 
es sieht hunzig aus, übel, verdorben. 

Verjuchheien, mit lustigem Leben 
durchbringen; L.; in Oe.: durchklo- 
pfen; ebenso in Lpz.: verbamben, 
verdummeniren, verhauen, ver- 
juxen, verliedern, verludern, 
verluleien, vermöbeln, ver- 
nesen, verposementiren, ver- 
putzen, versemsen, versumsen, 
verwichsen, auch verläppern, 
verkrümeln, vertrödeln. 

Veriuxen, wie verjuchheien. 

Verfcälten f. erkälten, selten, in ND. 
gebräuchlicher ; eine Yerkältung 
(in Goethes Briefen an Zelter, HI, 69}. 

Verkaufen, „Eines mit dem Andern 
verkaufen", das Erster e zum Vor- 
wande brauchen; „er verkauft die 
Mutter mit der Tochter", er schneidet 
der Mutter die Cour, spekulirt aber 
auf die Tochter. 

Verkeilen, 1. Einem den Kopf ver- 
keilen, ihm etwas in den Kopf setzen, 
den Kopf verdrehen; mettre martel en 
tete; 2. verkaufen; s. keilen, 2; Wb.; 
s. verkloppen, vermöbeln. 

Verklamen, vor Kälte oder von lan- 

fem Sitzen, Stehen ungelenk werden; 
F.; DL; s. Klamm; mhd. verklam- 
men, einklemmen. 
Verkloppen, verkaufen; Brl.; s. klop- 
pen^ verkeilen, vermöbeln. 
Verklössen, in Verwirrung bringen. 



eine Erzählung entstellen; die Kar- 
ten verklössen, vergeben. 

Verknusen, leiden, sidi gefallen las- 
sen, ruhig hinnehmen; bes.: „ich 
kann (den Kerl, sein Benehmen) 
nicht verknusen; Ho., Mb., Schi.; 
plattd.: knusen — hinunterwürgen; 
Brl.: verknusen f. verstehen. 

Verkotzen, wenn Einem beim Essen 
Etwas in die „unrechte Kehle" kommt, 
so hat man sich verkotzt oder ver- 
kutzt, das im Verschlucken BegrifiEhe 
wird durch Husten emporgestossen; 
(in Hob.: verkomt); s. kotzen. 

Verlurümeln, 1. krümchenweise ver- 
lieren, s. Krümelchen; 2. sich ver- 
krümeln, nach nnd nach verloren 
gehen: das Geld verkrümelt sich bald; 
er hat sich unter der Menge ver- 
krümelt. 

Verkutzen s. verkotzen. 

Verläppern, nach und nach für allerlei 
Kleinigkeiten sein Geld ausgeben, 
seine Zeit an unwesentliche Dinge 
verlieren; Brl.; s. läppern und trö- 
deln; in ND.: verklentem. 

Verleicht f. vielleicht; Schi.: verleichte; 
Gramm. § 98. 

Verlesen sein, unrettbar verloren; wohl 
vom sonntäglichen Verlesen der Ver- 
storbenen durch den Prediger; BDI. 

Verlest, Terlecl^st, undicht, von Fäs- 
sern u. s. w.; Pf.i verlecht; Hb.: der- 
lächt;Oe.: zerlenx'nt;B.,Schw.: lechen, 
lechnen, verlechnen, derlechzen, und 
Sbg. : erlöchen«» vor Trockenheit Bisse 
bekommen, leck (in Brl. spack) wer- 
den; mhd. lachen, zerl@chen, zerlSch- 
zen; s. verbienen. 

Verlorens, Adv.; s. Gramm. § 172, 1. 

Verliedern, 1. liederlich werden; 2. 
durchbringen; etwas feiner als ver- 
ludern; Sdt.; 8. verjuchheien. 

Verludern, 1. in leichtsinnigster, lie- 
derlichster Weise verschwenden, stär- 
ker als verliedern, s. verjuch- 
heien; 2. Etwas ganz verludern 
lassen, verwildem, verfallen, ver^ 
derben lassen; z. B. einen Garten, 
ein Gasthaus; Brl. 

Verluleien wie verlumleien; s. Lu- 
lei. 

Verlumleien, wie verbummeln, Zeit, 
Geld leichtfertig todtschlagen ; s. 
verjuchheien. 

Vertuschen s. Lusche. 

Vermarken muss der Kellner das am 
Büffet Entnommene, wenn er es nicht 
mit baarem Gelde, sondern mit Mar- 
ken bezahlt, die ihm zugetheilt sind. 



230 



Vermatschen — Versimpeln 



Vermätsehen, 1. Flüssigkeiten unnütz 
verbrauchen; auch vermanschen; 
s. Matsch, manschen; 2. Alles 
verwirrt durch einander mengen, bes. 
beim Erzählen, Auseinandersetzen. 

Vermauliren, sich, wie verdeffendi- 
ren; ebenso: das Maul brauchen; 
Schi.: vermäulen. 

Vermeni^eliren 9 sich, mit Etwas be- 
fassen (vermengen); Rtr. 

Vermöbeln, 1. verkaufen, wie verkei- 
len, verkloppen; 2. durchbringen, 
verschwenden ; Eg. ; s. verjuchheien. 

Vermost, für famos; Gramm. § 150 f. 

Vermutzen s. Mutz, 2. 

Vernesen, feinerer Ausdruck für ver- 
möbeln, verwichsen; s. verjuch- 
heien; auch überhaupt aufzehren, ge- 
niessen, von Speisen. 

Verplappern, Terplftppern, durch ha- 
stiges fieden od. Handeln sich ver- 
rathen; von plappern; ähnlich: ver- 
fahren, verplempern. 

Verplempern, sich, 1. sich verirren, 
verwirren, verrechnen; sich unüber- 
legt in Etwas einlassen, so dass man 
es hinterher bereut; ähnlich: ver- 
gallopiren, verheddern; auch: 
sich durch eine unbedachte Aeusserung 
verrathen, z. B. bei einem Verhöre; 
wie verplappern; Brl., Wn.; bei 
Hagedorn ; 2. sich mit Einer verplem- 
pern, sich zu weit mit ihr einlassen; 
Pf.; Schi., wo man dafür auch ver- 
goldpapieren sagt;E^.: sie hat sich 
verplempert, ist zu Falle gekommen; 
in Hb. ist verplämpern «»verthun, 
verschleudern. 

Verposementiren, Geld nach und nach 
zusetzen; auch: durchbringen, wie: 
verjuchheien; Brl. 

Verpusten, wieder zu Athem kommen.; 
Dl.; s. Puste. 

Verputzen, aufessen; „er hat seinen 
ganzen Kuchen schon verputzt;" bild- 
lich : „Geld verputzen", leichtfertig aus- 
geben; Brl., Sz.; s. verjuchheien. 

Verquätseheln, verzagen, verzweifeln, 
vergehen, vor Angst, Kälte u. s. w.; 
s. quatschelig, verzwatscheln. 

Verrecken, „nicht ums Verrecken thu 
ich das!" um keinen Preis; s. Loch, 4. 

Verrungeniren wie rungeniren;Ktr.; 
Sz.: verruiniren. 

Vers, „da kann ich mir keenen Versch 
druffmachen", kann mir's nicht er- 
klären; .,da mach' Eener ä Versch 
druff!" das begreife Einer, es ist un- 
erhört! 

Versauen, 1. beschmutzen; 2. durch! 



Ungeschick verderben, z. B. ein Spiel; 
E., J., Hb.; auch versauigeln, ver- 
schweinigeln; s. verhauen, ver- 
bummeln, verduseln. 

Versehameriren, sich, verlieben, wie 
verschiessen (von charmiren = Cour 
schneiden?); V., Eg, 

Verschieden, „da hört Verschiedenes 
auf's f. da hört Alles auf, es ist zu 
toll; 8. Wand. 

Verschiessen, sich, verlieben; „er ist 
ganz und gar in sie verschossen ;" wie 
versehameriren. 

Verschimpiiren, Etwas durch Schmutz- 
flecke, durch Bemalen, Abschneiden, 
Anflicken oder sonst wie entstellen, 
verunzieren, verballhornen, ihm einen 
Schimpf anthun; s. schändiren; 
Ktr. : verschampfiren. 

Verschlaffen hat man auf irgend einen 
Körpertheil, wenn eine Erkältung sich 
irgend wohin gesetzt hat; bes. „ich 
hawe uff Lunge un Lewer verschla'n". 

Verschlnmpen, seine Kleider nachläs- 
sig behandeln; s. Schlumpe. 

Verschmeissen, verlegen, von Messern, 
Büchern, Briefen u. s. w. ; Brl. 

Verschmerffeln s. SchmergeL 

Verschnnpfen, verdriessen; „es hat ihn 
verschnupft", oder: „er hat es ver- 
schnupft", wie übel genommen. E., 
Hb., Th.; in EL: er ist verschnupft, 
ärgerlich, gekränkt. 

Verschütten, 1. ein Spiel verlieren, wie 
umschütten, verhauen; 2. es bei 
Jemand verschütten, Jemandes Gunst 
verlieren, es mit ihm verderben, ins 
Fettnäpfchen treten (bei Holtei im 
„Erich"); ähnl.: bei mir hat er's weg; 
bei mir hat er geschnupft. 

Versch weinig^eln s. versauen. 

Verschwnnd für verschwand; s. Gramm. 
§ 209. 

Versebastiren für subhastiren; s. Se- 
baste. 

Verseecht, hässlich grüngelb; s. 
Seeche. 

Versehrchen, „es ist kein Versehrchen 
daran gekommenes keine Beschädi- 
gung, es ist ganz unversehrt; mhd. 
ser, Körperschmerz; s. sehr u. ün- 
thätchen. 

Versemsen, verschwenden, mit lär- 
menden Vergnügungen todt schlagen ; 
auch versumsen; s. Sems, verjuch- 
heien. 

Versimpeln, Etwas durch Einfalt, Ge- 
dankenlosigkeit, wie ein Simplex (== 
Dummhut), versäumen, verlieren, ver- 
derben, herunterbringen. 



Versohlen — Viktriol 



231 



Versohlen, 1. belügen (carotter); 2. be- 
trügen, bes. beim Spiele; Pf.; 3. prü- 
geln; Brl.; s. ledern, Loch, 1. 

Verstaaten, Geld für Staat (Kleidung, 
Putz) verschwenden; gebildet wie: 
vertrinken. 

Verstand, 1. ,.den Wein wollen wir mit 
Verstände trmken, die Zigarren muss 
Euer mit Verstände rochen", mit 
Ueberlegung, um den Genuss recht zu 
würdigen; 2. Verständniss für Etwas, 
ürtheil; „für solche Musik habe ich 
keinen Verstand; er hat keinen Bier- 
verstand, Weinverstand." 

Verstandskasten, der, Kopf, Hirnschä- 
del; engl.: knowledge-box. 

Verstehste-mieh, der, Verstand; „hast 
du denn gar keinen Verstehstemich? 
der Mensch muss doch ein bischen 
Verstehstemich haben;" Schw.: „er 
hat keinen Verstostmi;" s. Kohl- 
rüben. 

Versneheriseh f. verführerisch; „eine 
rechte versucherische Karte", die zum 
Wagen verlockt; Gramm. § 169. 

Versumsen, verschwenden; auch ver- 
semsen; s. verjuchheien. 

Verthun, sich, zu einem Manne kom- 
men: „das Mädchen will sich gar 
nicht verthun." 

VertUgen, verzehren, bes. beim Trin- 
ken; wegsaufen. 

Vertrackt, verwünscht, wie verflixt; 
„eine vertrackte Schmiere", quälende 
Verlegenheit; vertrackte Gesich- 
ter, sonderbare. 

Vertrödeln, 1. durch Zögern, durch 
Nachlässigkeit u. s. w. Etwas ver- 
säumen, verlieren, s. trödeln; eben- 
so: verbummeln, verdusseln, 
verduseln; 2. mit Kleinigkeiten ver- 
schwenden, wie verläppern: „mit 
dem Arbeiten vertrödelt man blos die 
Zeit, und mit dem dummen Schulden- 
bezahlen verläppert man das ganze 
bischen Moos". 

Verarassen, veruhrassen, 1. ruiniren; 
2. durchbringen, bes. verkneipen; Ew.: 
vermachen, verschwenden. 

Verwandt mit Einem sein, ihm Etwas 
schulden; Hl., Hz. 

Y erwettert, verwünscht; „ein verwet- 
terter Kerl, verwettertes Mädchen, 
verwetterte Geschichte;" s. Wetter- 
hexe. 

Verwiehen, neulich, s. vergangen; 
altes Lied: „Als ich bin verwichen zu 
mein' Schatz geschlichen" u. s. w. 

Verwichsen, wie verjuchheien; Brl. 



Verwimmern (auch Terwammem), 

körperlich heruntergekommen, ver- 
kümmert; bes. „ein verwimmerter 
Kerl", heruntergekommener Mensch 
(reduzirtes Subjekt^; mhd. ist „wim- 
mer" ein knorriger Auswuchs an einem 
Baumstamme; s. butten. 

Verwegen f. verwegen, unternehmend 
im üoeln Sinne; „er hat verwohne 
Oogen, e rechtes verwegnes Gesiebte, 
80 e verwegnen Gerle mecht ich nich 
Nachts um zwelfe alleene begegen". 

Verwohnt sind Zimmer, welche durch 
längeren Gebrauch un wohnlich gewor- 
den sind, einer Wiederherstellung be- 
dürfen. 

Verwummern s. verwimmern. 

Verzählen f. erzählen ; Str. ; auch: d'r- 
zehlen; s. Gramm. § 138. 

Verzwickt, verwirrt, ärgerlich, ver- 
wickelt, sonderbar; „verzwickte Ge- 
schichten, Kerls, Streiche, Pratzen;" 
E.; eigentlich: mit Zwecken verkeilt; 
vgl. verbohrt, verkeilen. 

Verzwatscheln, verzagen, vergehen 



(vor Angst), verzweifeln, wie ver- 
quatsche In ; £. u. Pf . : verzwatzeln ; 
B., Hb., Schw.; Th.: zwapijeln; Bsl.: 
verzwatzeln, verzwarzeln; in Ulm f. 
zweifeln. 

Vetter bat sich nicht nur neben Cou- 
sin erhalten, während Base, Muhme, 
Oheim fast ganz durch Cousine, Tante, 
Onkel verdrängt sind, sondern steht 
auch in weiterem Sinne für Oheim 
(mhd. ebenso), ja selbst für jeden 
weitläufigen Verwandten, für den man 
die richtige Bezeichnung nicht weiss ; 
scherzweise gilt es überhaupt als An- 
rede f. jeden Befreundeten; „beim 
Vetter sein", verpfändet; chez ma 
tante; at my uncle's, at uncle Tom's; 
8. Gevatter stehen. 

Vetterstrasse, die V. gehen, ziehen, 
auf Beisen jeden Verwandten und 
Freund besuchen, um billig zu leben» 

Viehraeker, scherzhaft f. Fiaker. 

Vielmaul, das (Bspr. Vählmaul), Gross- 
maul, Grosssprecher, Naseweis; ein 
vielmäuliger Kerl. 

Viergrosehenbrod: — „man sieht kein 
V. liegen, so finster ist es". 

Vierling, der, ehemaliges Vierpfenni^- 
stück, s. dagegen Dreiling, was m 
Ha. allerdings einen Dreier bedeutete ; 
Eg.: Vierlingl, eine Viertelmetze. 

Viersclirötig, gross, stark, breitschul- 
terig. 

Viktiioi, der und das, f. Vitriol; 
Gramm. § 135. 



1 



232 



Vogelfritze — Wabbelig 



VogelMtze, Vogelliebhaber, Vogel- 
züchter, Vogelhändler; auch Vogel- 
towis; 8. Jokel. 

Vojreltowis, wie Vogelfritze; von 
Tobias. 

Togtländern^ nur mit Verneinung: 
„da wird nicht gevogtländert", 
gezaudert, ganz wie fackeln. Man 
sagt, die Vorländer Steinmetzen seien 
nicht regelrecht, wie andere, in Hüt- 
ten gebildet gewesen; der Meister 
habe ihnen daher oft ihre Eigenthüm- 
lichkeiten in der Arbeit mit jenen 
Worten verwiesen. 

Voll, schmutzig; „ich habe mich ganz 
voll gemacht, mache mich emal ab;" 
in PJr.: ich habe mir das Kleid ab- 
gerichtet; sich vollmachen, bes. 
von Kindern: sich bekacken, wie be- 
machen; s. abmachen. 

Toliniliren s. verführen; Sz. 

Toligends, valffends, vult, f. vol- 
lenüs; V.; in Th. folgdersch; J. vund; 
Bh. fottens; a. d. Buhr fötens; s. 
vult; Gramm. § 134, 2. 

ToUigkeit, die, das Gefülltsein, stark 
Besetztsein eines Saales u. s. w.; 
„nein aber, eine solche V. hätte ich 
mir nicht gedacht;" Gramm. § 165. 

VoUkommon, von Kleidern, Stiefeln 
u. s. w., recht weit u. beauem. 

Von oben» »von oben ist aas Wetter 
schöne, aber von unten nich", es 
regnet nicht, aber die Wege sind 
schmutzig. 

Voraus, wenn f* besonders wenn: 
„ich Komme gewiss, voraus, wenn's 
was zu lutschen gibt". 

Vorbeiehten statt vorbeugen; Ver- 
wechselung mit Beichte, weil böses 
Gewissen oft mit vorbeugenden Ent- 
schuldigungen auftritt. 

Vordhin, vorthin, auch yordhins- 
chen, f. vorhin; s. vorhinnige. 

Vor ehr, statt ehe, bevor; engl.: ere; 



„vor ehr er nicht berappt, kriegt er 
nischt." 

Vorende, das, s. Anewende. 

Vorfeiteln, Einem Etwas, vorprahlen, 
vorlügen. 

Vorhinni||f; vordhinnig, Adj., z. B. die 
vorhinnige Bemerkung. 

Vorkommen; „Sie köinnen wieder ein- 
mal mit vorkommen", „ein Gängrei- 
chen mit vorkommen", fi^elegentlich 
wieder einmal vorsprechen, nach- 
fragen u. s. w.; Hl. 

Vor mir, meinetwegen; s. ver. 

Vornehme reden, hochdeutsch, nicM 
Mundart sprechen; in B.: herriscii 
reden;y.; vornehmeBedensarten 
führen, in gleichem Sinne. 

Vorreiten, „icn muss ihm Etwas vor- 
reiten", beim Spiele: dem Gegner eine 
Zehn, ein Daus preisgeben, um zum 
Stechen zu nöthigen. 

Vorspann nehmen sagt man bei einer 
schlecht brennenden Zigarre; allein 
kann man*s nicht erziehen. 

Vorspuken; „es spukt vor'S von 
einer verfrühten Nachricht als Vor- 
bote des wirklichen, bald eintreten- 
den Ereignisses; z. B. wenn ein 
Schwerkranker todt gesagt wird; 
wenn blinder Feuerlärm entsteht, kurz 
nachher aber wirklich ein Brand aus- 
bricht, so hat jener Lärm schon vo r- 
fe spukt; entspricht also dem Worte, 
ass „grosse Ereignisse ihren Schat- 
ten vorauswerfen". 

Vortrags, der, Frauenbusen; s. Weste. 

Vorth^I, Vort'I, das, f. Vortheil; wie 
ürtel, Viertel, Drittel; daher: be- 
vorteln; Wn.; s. Gramm. § 181. 

Vorwoche s. Messe, 2. 

Vult, Bspr., f. vollends; s. vollgends; 
„na da vult!" «»nun, dann erst; im 
V. sogar: voUkst; dän.: fuld, voll, 
ganz; fuldendt, vollkommen. 



W. 



Wä, nachlässig fragend f. was; voll- 
mäuliger: wasse? beide aber nur 
alleinstehend, im vollen Satze erhalt 
sich was; s. d. 

Waare, ,,es sende Waare", scherzhaft 
auch „fressende Waare", f. Esswaare*, 
Gramm. § 170. 



Wabbeliflf, wäwlich, weichlich, übel, 
wie bei leerem Magen; von süssen, 
fetten Speisen wird Einem w.; PP., 
Brl., Btr. ^n Pf. : krabbelig im Magen) ; 
„es wird Einem ganz w. ums Herze", 
bedeutet dasselbe, aber auch spöt- 
tisch: man wird ganz gerührt. 



Wachsbleiche — Waschfrau 



233 



Wachsbleiche, auch Wiehsbleiche, f. 

Wachstachbleiche; Baumgarten , Flo- 
ra Lips. 

Wachsen: meine Karten (meine Aft'en) 
wachsen noch, ich habe noch nicht 
alle meine Blätter aufgehoben. 

Wachtel, Ohrfeige; J.; s. Dachtel. 

Wachtmeister, starker Tabakranch in 
einem Zimmer; auch ,,es is e Damp, 
wie in enner Wachstube, wie uff 
der Hauptwache". 

Wackeln, 1. prügeln; bes. ,4arch- 
wackeln"; J., Pf.; 2. „es is rüh- 
rend, wenn man daran — 
wackelt", spöttisches Wortspiel. 

Wagen, „Einem an den Wagen fahren", 
ihm zu nahe treten, ihn beleidigen, 
ins Fettnäpfchen treten; Ho.: ,,an den 
Leihwagen (d. h. Scheuerbürste, 
Schrubber) föhren". 

Wähliseh statt wählerisch, „heikel;" 
Gramm. § 169. 

Während hat sich als Adj. lebendig er- 
halten: „im währenden Kegen kam er; 
im währenden Laufen hob ers auf;" 
Immermann sagt: „in währender Er- 
zählung". 

Währgeld, der Selbstkostenpreis, die 
Herstellungskosten einer Waare; „fürs 
W. verkaufen;" vom mhd. wörgölt, 
Geldbusse für Tödtung oder schwere 
Schädigung eines w6r d. h. Mannes. 

Wahrheit, „Einem die W. geilen", 
die Leviten lesen a. s. w.; s. geigen. 

Wahrlich, warrlich, als Adj. in eini- 
gen Betheurungen, wie: warrlichen 
Gott; s. noch werrlich u. Gramm. 
§ 232. 

Waldheim, Städtchen an der Zschopau, 
mit Zuchthaus; daher: „wer Nichts 
wagt, kommt nicht nach Waldheim" 
(in PP. : wer zuviel wagt, kommt nach 
Tapiau — gleichfalls Name eines 
Strafortes). 

Walgern s. weigern; Sz. 

Waisen, schlagen, prügeln; vom Tuch- 
walken hergenommen; PP., Hb.; B.: 
walchen; die Walke =» Prügel, in 
Wagner's Meistersingern. 

Walze, „auf der W. sein", wandern; 
alter Handwerksburschenausdruck. 

Walzen, in grosser Menge herbeiströ- 
men: — Die Leute walzen ins Thea- 
ter; es walzt nur so; jetzt kommen 
sie aber gehörig gewaM. 

Wampe, die, dicker (Häng6-)Bauch bei 
.Eühen, Pferden, Menschen. E., E., 
Pf.; mhd. wambe, wampe, wamme, 
Bauch, Wanst; daher das Wams, 
Wamse u. s. w. 



Wamse, die, Prügel (das Wams aus- 
klopfen); davon: wamsen; Ab., B., 
V., Th., BsL, Schw., PP.; in E.: 
wamsten. 

Wand; „da muss (doch glei) ene ale 
Wand wackeln", da hört Alles auf, 
das ist unerhört; s. Bulle, Batter, 
2, Verschieden. 

Wann eher s. wenn eher. 
Wappig, 1. feist; 2. der Wappig, 
eine Wampe, Schmerbauch. 

Warden, Bspr. f. wurden, Fortsetzung 
von ich ward: „wir warden, sie war- 
den;" Gramm. § 199. 

Wärmde, die, 1. Wärme, s. Gramm. § 
157; 2. f. Wermuth (Pflanze). 

Warme weeehe! elliptisch für Brezeln, 
die mit diesen Worten ausgerufen 
wurden. 

Warmes, 1. „es is nischt Warmes 
beide", ziemlich kühl; 2. „es setzt was 
W., aber nischt Gekochtes", PrügeL 

Warnigen f. warnen (Troppau), scherz- 
weise, wie rettigen; Gramm. § 148, 
3 c. 

1. Was, unbestimmtes Fürwort: 1. f 
Etwas, wofür man im übrigen Sach- 
sen e'was, e'wos sagt: — „hole noch 
was Weinj nimm dir was, was de gerne 
mechtst; ich geb dir wasi Du werscht 
gleich was abkriegen (Schläge);" 
auch mit dem Plural: „ich möchte was 
Bücher (einige); geben Se mir was 
Gläser;" 2. als Ad v. f. ein wenig: — 
„schäm dich was ! der freut sich aw'r 
was (sehr);" 3. was .... ist, Um- 
schreibung für der, welcher, s. 
Gramm. § 195 b; 4. es hat sich 
was zu . . . (lachen, schämen u. s. w.), 
ironisch: es ist gar kein Grund dazu 
vorhanden; ähnlich: es fährt sich was, 
leeft sich was, bezahlt sich was 
u. s. w., wenn man es eben nicht 
kann; davon abgekürzt: es hatsich 
wasI wo sich das Zeitw. von selbst 
versteht; franz.: il n'y a pasdequoi; 
— 5. was haste, was kannste od. 
was haste, was leefste (»» läufst du) 
f. eilig, hastig: — er schrieb druf los, 
was haste, was kannste; nu kratzt er 
aw*r aus, was haste, was leefste; 
ebenso BL: bis giste, bäs haste (*» was 
gibst du, was hast du) und in Zeh. : 
was ^ist, was best; d^g. in Ho.: hast 
du nich, kannst du nichl 

S. Was, rückbezüglich, s. Gramm. § 195 

b; — fragend § 196 a. 
Wasehfrau, „er trauert um seine 



234 



Waschlappen — Weibsen 



W.", trägt schmutzige Wäsche; s. 
Landestrauer. 

Waschlappen, 1. Stück Zeug^ das, bes. 
eingeseift, zum Waschen dient; ohne 
denselben ist es „gar gee orntliches 
Waschen", sondern nur ein „Ge- 
tätsche;" 2. lappiger, haltloser, unzu- 
verlässiger Mensch. 

Was für ein s. Gramm. § 196 a. 

Wasse, s. wa. 

Wasser, „sie hat ans W. gebaut", 
ist zum Weinen geneigt. 

Wasserharty eigentlich: so hart, dass 
das Wasser nicht eindringen kann, 
also ganz wie water-proof; dann allg. 
f. veniärtet; Hb.; ein Weg ist was- 
serhart, wenn ein Platzregen die er- 
weichte Oberfläche weggespült und 
das Uebrige festgeschla^en hat. 

Wasserstadente, Studirender, der 
nichts Rechtes gelernt, nur „bis an 
den Hals" studirt hat. 

Wassersuppe» eine fette Unterkehle; 
Hl., Hb. 

Watsehel, der, Mensch mit watsche- 
Ugem Gange; er watschelt wie eine 
Gans; Pf.; in B.: zwappeln. 

Watsehen, aus waden und patschen 
verschmolzen, vereint so ziemlich die 
Begriffe beider. 

Wauwaa, der, Kinderwort f. Hund, 
wie: Hauhau; Bsl.; auch für Popanz; 
Hb., Bsl. 

Wöbein, 1. in schneller Bewegung sein, 
hin und her laufen (Th.), flott tan- 
zen; „der webelt was zusammen**, 
tanzt eifrig; ebenso: wiebeln; Th.; 
Bsl.: waible, in Geschäften eilig hin 
und her laufen, von weben, sich regen, 
wie: in Ihm leben, weben und sind 
wir; so in dem Kinderreim: „Fritze, 
Stieglitze, schlag's Mäuschen nicht 
todt, lass leben, lass weben, es frisst 
ja kein Brod*'; daher Feldwebel; 
2. „es webelt alles vor Hitze, es ist 
so heiss, dass es webelt" (in Hl. : dass 
es fächelt), sehr heiss, so dass die 
Wärme förmlich in der Luft zittert. 
(In Schi, heisst weebeln vor Schwäche 
wanken, schwanken.) Psalm 65, 9: 
Webern; mhd. wobeien, weibeln, hin 
und her schwanken, schweben; ver- 
wandt: wabelen, waberen, in Bewe- 
£ung sein (Eich. Wagner: wabernde 
ohe). 

Wechsel, der und das, s. Gramm. 
§ 181. 

Weddertseh, Weddrtseh, das Dorf 
Wiederitzsch; Baumgarten, Fl. Lips., 
1790, schreibt Wetteritsch. 



Wees'ehen. Betheuerung, t weiss Gott ; 
ebenso Weessknöppchen, Weess- 
kohle, seltner: Weess Zeppchen! 

Weess Rnöppchen s. Wees'chen. 

Weesskohle s. Wees'chen. 

Weg, 1. „ich bin ganz weg; auch oft: 
je suis wegl" ausser mir vor Erstau- 
nen; Brl.; 2. s. verschütten, 2. 

Wegbleiben , — von einem Kinde, dem 
vor lauter Schreien der Athem aus- 
zubleiben scheint, sagt man: es 
bleibt ganz weg; Eg!: ausblei'm. 

Weye^ „geh aus der Wege; du bist 
mir m der Wege; scher dich deiner 
Wege, ich gehe meiner Wege;" Rl.: 
uss der Wäjen; vgl. „du stehst mir 
in der Lichte;" s. Licht, 4. 

Weggehen, ausschliessl. gebraucht st. 
ausgehen; indess sagt man: der Aus- 
gang, nicht Weggang, was nur f. 
Abreise u. s. w. gilt. 

Weggerissen, „weiter 'nein ist's weg- 
gerissen", die Fortsetzung fehlt, das 
Uebrige weiss ich nicht, mag ich 
nicht sagen u. s. w. 

Wegknipsen, listig stehlen, wie strie- 
zen; s. kazen. 

Wegpatzen, wegschaffen, todtschiessen ; 
einen Läufer im Schach, einen Offi- 
zier im Felde wegputzen. 

Wegwurf, der, verächtlicher, nichts- 
nutziger, widriger Mensch; vgl. an 
outcast. 

Weiber, „alte Weiber", die Hülsen 
der Erbsen, welche beim Kochen ent- 
fernt werden. 

Weibersonuner, auch: Altweiber- 
sommer, Alterweibersommer, 
Marienfäden, Gespinnst verschiedener 
Arten Spinnen « (aestas volitans), in 
andern Gegenden: fliegender Sommer, 
Sommerfäden, Sommerflocken, Som- 
merweben, Mariengarn, unsrer lieben 
Frauen Sommer; Btr.: Metten; de 
flegen Sommer; Mädchensommer. Gal- 
lussommer (16. Oktober), Mattnäus- 
sommer (21. Septbr.); dän.: Marie- 
spind; schwed.: Marietrad; holL: Ma- 
nendraadjes; engl.: gossamer (v. 
God's summer); franz. ifils de lavierte ; 
ital.: filamenti della madouna; lat. 
auch fila divae virginis. 

Weibsen, das, von mhd. wibesname, 
eine Frau; auch als Sammelwort für 
die Frauen; „'s Weibsen rührt viel 
Stob uff mit ihren langen Gleedern;*' 
vgl. Mannsen; sonst auch: Weibs- 
bild (s. Bild), Weibsmensch; 
in Bsl. u. Zeh.: e Wiberfolch, Wips- 
bild, Wiberfölker; Appenzell: Wei- 



Weichlich — Werden 



235 



bermensch; in Sdt.: ä Frauvulk f. 
Frau (V. v. Scheffel im ,, Trompeter:" 
die Weibervölker für Frauen); Ho.: 
Fruensminsch ; Hb. : Weiberleut u. Eg. : 
Weisvölker f. Weiber; Rh.: Weiter 
f. Weiber. Der Bauer in Wf. nennt 
seine Frau: mein Frauensmen sehe, sie 
ihn: mein Mannsmensche ! auch hoU.: 
frouwmensch. 

Weichlieh wie latsch. 

WelhDaehten, der und das, f. Weih- 
nachtsgeschenke; „wie ist denn der 
Weihnachten bei dir ausgefallen?" 
wie heiliger Christ, in SD. auch 
„das Christkinde!;" „erbat e guten 
W. gemacht", im Geschäfte zur 
Weihnachtszeit viel verkauft. 

Weil, 1. für während (while): „weil ich 
noch so dastand, fangte es an zu 
regen;" Wn.; s. der weile; 2. für 
als, „weil ich hinkam, war er schon 
fort;" s. Gramm. § 220 f.; 3. „weil 
nur", eine verwirrte Verbindung = 
es möchte Alles sein, ich bin nur 
wegen des einen Punktes böse, dass 
. . . . ; z. B. nee, weil er nor so speete 
heemegimmt; 4. „denn weil", s. 
Gramm. § 221. 

Weise werden, inne werden, gewahren ; 
HL; Di.: wies warm; mhd. wise, klug, 
kundig. 

Weiste, ich, f. wies; s. Gramm. § 206. 

Weissbierzeiehen s. Hemd, 1. 

Weissbodniseh sind bunte Stoffe mit 
weissem Grunde. 

Weissbant s. bunt. 

Weisskopf, eine Flasche Champagner, 
wegen der Staniolkapsel ; Ab. 

Weissmaehen, Jemandem £twas, 1. 
vorlügen, aufbinden; 2. man darf es 
ihm nur einmal weissmaehen, man 
muss ihm nicht erst was weissmaehen, 
man muss nicht durch Zugeständnisse 
weitere Ansprüche erregen, den Glau- 
ben hervorrufen, als müsse es so sein ; 
an Etwas gewöhnen ; z. B. wenn man 
ein Eind umherträgt, sobald es 
schreit. 

Weizen, weezen, Adj., von Weizen, 
welcher Weize, Weezeheisst; mhd. 
weizin v. Subst. weize; — weizenes 
Brot, e weezner Deech (Teig); Sdt.; 
s. roggen. 

Welch s. Gramm. § 195. 

Weigern (walebern), 1. kneten, roUen; 
den Teig ausweigern (bei Brenta- 
no: auswälchern), mit dem Nudelholz 
flach, dünn rollen; Hb., Eg.; Wn.: 
weigern, wuzeln; Th. : wiUigere; Ho.: 
Woltern; Di.: wültern: BsL: wsJe; die 



dazu dienende Walze heisst in Ob.- 
Oe.: Walgerl, in B.: Nudelwelger, in 
Hb. u. V. : Welcher, Wälcher, Wulger, 
auch f. Boll- od. Manghölzer; Bsl.: 
Walholz ; das gewalzte Stück Teig in 
Hb.: der Welcher, Wulger; mhd. 
walgen, weigern, wälzen, rollen; 2. 
ein Kindchen weigern, herum- 
welchern, es (auf dem Bett, Tep- 
pich u. s. w.) kosend hin und her kol- 
lern. Altes Sprichwort: ,,Rund ist das 
Geld, walgert durch die ganze Welt ;" 
s. wergein, malkern. 

Wellerwand, eine Lehmwand. 

Welschlcolil, Pflanze, eine Art brassi- 
ca; anderswo: Wirsing. 

Welt, „komm zur Welt!" Zuruf an 
einen Zaudernden; — spiel aus! oder: 
komm zur Sache; mach keine lange 
Vorrede; ebenso: accouchez doncl »= 
heraus mit der Sprache! 

Wempe, die, nur in der Redensart: das 
is ene Wempe (ene betont), es ist ei- 
nerlei; s. Piepe, Schnuppe, 
Schnurz, Weste, Wichse, Wurst, 
Pomade. 

Wenrk, „e wengk" f. ein wenig, Bsnr. 
aucn ä wingk; Ab.: Winkchen; Scnl. 

Wenn, 1. wenn mir, wenn wir, 
wenn man, wird ausgesprochen 
wemmer, s. Gramm. § 104 a; für 
wenn du sagt man wennste: 
„wennste was merken duhst;" vgl. 
obs de unter „obben;" Gramm. § 141, 
2. — 2. Wenn steht stets für wann, 
welches nie gebraucht wird, während 
in SD. wann für wenn eintritt; vgl. 
denn für dann; „wenn gehts 'n fort? 
ich weess nich, wenn er widder- 
gimmt; von wenn ist die Zeitune;", 
von welchem Tage; s. noch wenn ehr. 

Wennebr, nachdrücklicher fragend für 
wann; Brl., Th.; in Dessau, Di.: wann 
ehr; Rtr.: wenn ihr; holl. : wannehr. 

Wenzel, der, 1. als Gattungsname in 
Zusammensetzungen, s. Gramm. § 166 
b; 2. der Unter, Bube in der Karte. 

Wer f. Jemand, irgendwer: „kam nicht 
wer?" „Ja, es ist wer da;" „hast du 
wen dort gesehen?" „du willst doch 
ooch wer sein" — Etwas gelten, für 
voll angesehen werden; Wn. 

Wereh f. Werk, aber nur in Zusammen- 
setzungen, wie: Handwerch, Fuhr- 
werch, Werchstelle, scharwerchen; s. 
Gramm. § 78. 

Werden, 1. „das wird zu einer Jacke, 
zu e paar Hosen, zu e Rocke", der 
Stoff ist dazu bestimmt, zugeschnit- 
ten; 2. „aus den Zweien wird noch 



236 Werfen — Wickel 



'was^S nämlich ein Ehepaar; 3. „der der Reinheit von Ostern an 8 Tage 

Kranke wird nicht wieder", näm- lang tragen; mhd. wester, wester- 

lich: gesund, hergestellt; anch: es hemde, westerkleit, wester-hnot «» 

wird nicht viel ans dem Patienten; Tanfkleid (velamen investiturae In- 

4. ,,i, wird*s nicht!" «» behüte, darch- strale); in SD. heisst dieTanfhandlong 

aas nicht, hofientl. nicht, wenn z.B. das Wester; das Glückshänbchen, 

Jemand sa^: es schneit wohl gar? mit welchem manche Kinder geboren 

oder: das Wasser läuft über; das Pferd werden, heisst „Westerhanbchen;" 

geht durch u. s. w. ; Gramm. § 199. von svaatsQOQy evastram, glückbrin- 

WerfcD, Impf, ich wo rf, seltner: wurf; gendes Gestirn? 

Gramm. §208; werfen ist überhaupt Wett sein, quitt sein; Etwas (namentl. 

wenig im Gebrauch (z. B. sich im etwas Böses, eine Beleidigung u. s.w.) 

Werfen üben), beliebter istschmeis- wett machen, vergelten. 

ii7^®''* I ^ • ^T 1, ^ V A ^' u Wetter, 1. um gut Wetter bitten, 

Wergel, der, eigentbch etwas hederlich um Nachsicht, Slilde; Hb.; Schw.: um 

Zusammengewürgtes, eme unge- gchö Weatter bitta; 2. er macht e 

schlachte Puppe und dgL; m Schw. Gesicht, wie drei Tage schlecht 

ist Wergel eine Masse Teig in Wal- Wetter, ein mürrisches, verdriess- 

zenform und das Nudelholz heisst üches Gesicht; BsL: wie drei Dag 

Wergelholz. Schimpfname für Kinder, Regenwetter. 

bes. Mädchen; Ab.; man behauptet, Wetterdach, spöttisch f. Regenschirm, 

dass ein Ab. Bauer, der drei Söhne bes. einen recht grossen, der auch 

und zwei Töchter hat, sage, er habe Pamilienschirm heisst; s. Tulpe. 

„3 Kinder und 2 Wergel;" s. wer- Wetterhexe, schlaues, durchtriebenes 

&®1^« Mädchen; s. verwettert. 

WergelD, unordentlich zusammenrollen Hetzen. 1. beim Gehen die Knöchel 

und zerknittern, z. B. em Taschen- ~ Mnander schleifen' daher die 

Än^f ^' .1r SX^n^'^ht nUTShÄtn!" m, h[ Wn.: 

wergein" z. B.en Hundchen, ihm Kniewetzer, Einer mit eng stehenden 

unangenehm zärtlich mitspielen ; s. jr - . n L}.npM ^pben (m Ab wem- 

Wergel. Weigern und wergeln, ^ l/' scnneiigenen (m ad. wem 

u^x • t ® "L 1 " "^*e^*"» sen). Wie sab ein. 

rÄtnl'?^ """^^ ""' stolpern wetMtein, der, ein beUehtes kleines, 

iir^.2.=li.* "^1- ".7 • X. t- kuchenartiges Gebäck, das die Um- 

WprÄ .^^'Ä^Tf^ß h"^ ^"' ^ol^« «»«««' Stadt gern ihren Kin- 

wSrt dfe', MÄrfsIriS GryUo- „d^met ''"^"^" ""*'""'" "^ 

Werrii'eh, auch warrlich. f. wahrlich, Wibbeln, wiweln s. kribbeln we- 

wahrhaftig ; Betheuer ung : werrlichen b e 1 n (wimmeln^ ; Eg. , B. ; Schi. : we- 

Gott! es ist werrlich wahr, auch: beln; Sz.:weibeln, ;^ Ansbach :wuweln; 

wahrhaftig wahr; B., Fr., Schw., Th., PP-- wibbeln, sich schnell bewegen; 

OS. ; Wn. : w&rli ; mhd. waerlich, wahr- ?• • wudeln. -Der Komwurm heisst 

haft; Gramm. § 232. ^I^^^'^I' ^^J^. Wieb el, engl.: weevü. 

Wesen, 1. „böses Wesen", FaUsucht, Wichs, der, Glanz, Putz, Parade, Stoat; 

Epilepsie; RL: bös Wärk; 2. „das hat ?ri» ND.: „sich m Wichs werfen, 

sei W." ist schwierig, bedenklich; s. den Sundagswix anhaben, sich 

Eier; 3. viel Wesen (oder Wesens) auf wichsen", herausputzen; Bsl.; 

von Etwas machen, viel Aufheben. s- aafdonnern. 

Wess f. welches; s. Gramm. § 196a. Wiehsbleiehe s. Wachsbleiche. 

Weste, 1. Frauenbusen, wie: Vortrag; Wichse, 1. Prügel; davon wichsen, 

2. „das is eene W.", einerlei; wie: durchwichsen; Brl., ND., B., E., 

eene Wempe; 3. „das is ene alte Pf., PP., Wn., Schi., Schw., Bsl.; 2. 

W,", altbekannte Sache, Geschichte, das is eene Wichse, einerlei, ü* 

alter Gebrauch. Wempe. 

Westerhemddien, Mäntelchen, das Wichsig, erzürnt, aufgebracht, 
bei der Taufe über das Kind ausge- Wiehsleinwand für Wachstuch; sie 
breitet und von den Pathen an den wird auf dem „Wichsplatze" ge- 
Zipfeln gehalten wird (in Tieck's Pe- macht; s. § 168, 2. 
trus Apone); früher war es ein weis- Wicltel, „Einen beim Wickel fassen, 
ses Kleid, das Täuflinge als Sinnbild kriegen, nehmen", festnehmen, arre- 



Wickelfrau — Wohligkeit 



237 



tiren, einwickeln; Brl.; s, Schi äff it- 
chen, EoUet. 

Wiekelfrau wie Beifran. 

Wickelkind, 1. Säa^lin^, der in aller- 
lei Hüllen eingewickelt ist; HL; 2. der 
wilde Ar OD, wegen AehnUchkeit der 
BlüthenhüUe mit einem solchen Kinde 
(arnm maculatum). 

Wicken, „in die Wicken gehen'', 
verloren gehen, zu Grnnde geh«n, 

• unterliegen; dgg. Rtr.: „in de Wicken 
gahn*^»» sich aus dem Staube machen ; 
mhd. bezeichnet wicke Etwas ohne 
Werth, wie lat. nux, ital. fico, engl, 
fig; s. Bohne, Pilz. 

Wide, die, eine schwache Weidenruthe 
zum Anbinden von Sträuchem, zum 
Flechten u. s. w.; B., Schw.; Rtr.: 
Weeden ; mhd. wide =« Weide, Plecht- 
reis; in Bsl. ist d' Wid ein aus einer 
Weidenruthe gedrehtes Band, dggn. 
d Wide, 's Widli, ein Weidenrüthchen , 
d' Wide auch: Weidenbaum. 

Widerstreiten, mit dem Accusativ; s. 
Gramm. § 230, 1 E. 

Wie, 1. für als nach Komparativen, allg. 
in ND., stehend in den Brl. Zeitungen ; 
sehr oft sagt man auch „als wie:'' 
ärmer als wie du; Rammler; 2. für 
als von der Zeit: „wie er noch lebte". 

Wiebeln, 1. wie webein, l;mhd. wi- 
belen, wimmeln; wiweln in K., Hss. «« 
hurtig umherlaufen ; B., PP. : wibbeln ; 
verwandt mit wippen; s. noch wib- 
beln; 2. zuwiebeln, zusammen- 
wiebeln, einen Riss mit Garn, Seide 
stopfen; eine Wiebelnaht machen; 
mhd. wifelen, stopfen. 

Wief, munter, geweckt, unternehmend, 
klug; Bsl.: win; von vif? s. gewieft. 

Wiener Tränkchen, ein gewisses Ab- 
führmittel. 

Wilbert, Wilwert f. Wildpret; Sdt.: 
Wüpert. 

Windbeutel, der, ein hohles Gebäck, 
auch mit Schlagsahne gefüllt. 

Windelweich y sehr weich , so weich, 
das man's wickeln kann (wie eine 
Windel); bes. Einen windelweich 
s c h 1 a g e n ; „er ist ganz windelweich^^, 
ganz gerührt, zerknirscht durch Zu- 
reden, Reue u. s. w. 

Winkeihölzer machen, Ausflüchte 
suchen; Hl.; Luther: allerlei Winkel- 
hölzer suchen; s. Querholz. 

Winkelsehule, verächtlich für Privat- 
schule; Brl.: Klippschule. 

Winterig f. wintermässig; „Sie sinn 
ja ganz winterig angezogen;** s. 
Gramm. § 169. 



Wippehen Jemandem vormachen, 
Vorspiegelungen, Flausen; Brl., Rtr. 

Wirrbandel, Werrbindel, eigentlich 
ein nicht glatt gepacktes Bund Stroh 
(Wirrstron), bildl.: ein liederlich ^e- 
kleidetes Frauenzimmer, wie eme 
Schlumpe. 

Wischer, der, Verweis; in B., Pf.; 
Wn.: Wisch; s. Batz. 

Wispern s. bischpern; Luther: wis- 
peln = flüstern. 

Wisselig, ausser sich vor Vergnügen, 
aufjgeregt vor Freude, aus dem Häus- 
chen; von Wissel — Wiesel, das 
sehr lebhaft ist? vgl. in Schw. wisp'le 
= verwirrt. 

Wissein s. bis sein. 

Wissen steht ausdrucksvoll für: aus 
eigner Anschauung kennen; „ach, die 
Schlacht (nämlich von 1S13), das 
weess ich noch!" d. h. die habe ich 
selbst mit erlebt. „Das alte 
Grimmische Thor wissen Sie wohl 
nich mehr? dasein Se zu jung" (kön- 
nen sich nicht erinnern, wie es aus- 
sah). 

Wiste! Zuruf der Fuhrleute = links; 
in Hl. u. anderwärts: schwudde; NS. 
tule; 8. hott! 

Witsdi, sonderbar, albern; „sei nur 
nicht so witsch", höflicher als dumm; 
Rw. : wittisch, einfältig. 

Wittfraa, Wittmann sind viel ge- 
bräuchlicher als Witwe, Witwer; Rtr.; 
mhd. witman, witvrouwe. 

Wo, 1. fragend mitunter für wie; „wo 
soll ich denn das wissen;" Rtr.; auch: 
wo 8 ? Brl., Ha. ; 2. für irgendwo, an 
einem gewissen Orte: „wir standen 
emal wo; ich fand ihn wo;" 3. relativ, 
selten, bes. um den Genitiv ^dessen, 
derenj zu umgehen : „die Familie, wo 
wir die Kinder im Hause haben; der 
Bauer, wo mir die Butter herkriegen" 
f. von welchem; „die Leinewand, wo 
du die Hemden dervon gemacht 
hast ; die Bücher , . wo du mir's Geld 
derzu gegeben hast;" Bsl. 

Wöchner nannte sonst der offizielle 
Kirchenzettel die Prediger, welche an 
der Reihe waren, die Trauungen und 
Taufen eine Woche lang zu besorgen. 

Wohin, „einmal wohin gehen", feinerer 
Ausdruck, nämlich: auf den Abtritt. 

Wohlgefallen, der, wie der Gefallen; 
Gramm. § 181. 

Wohligkeit, die, das behagliche Ge- 
fühl körperlichen Wohlbefindens ; Oe. ; 
„nach dem Bade kommt Einem do 
ene W." Gramm. § 165. 



238 



Wohlthäter — Wutschen 



Wohlthäter, 1. der einen „Satz" be- 
zahlt, der „Pouirende", Tamphytrion ; 
2. der Verlierende beim Spiel, wie der 
Dumme; „wer ist denn heute der 
WohlthäterV — heute bin ich der 
Dumme**. 

Wohlthan, billig einkaufen, namentl. 
gegen Ende des Marktes, bes. von 
Frauen gesagt, die man „Wohlthuer" 
nennt; s. Gutmacher. 

Wohlwollen, ironisch : — erhalten Sie 
mir Ihr W.", wie gewogen bleiben, 
s. Gevatter, 2. 

Wolf, Entzündung zwischen den Schen- 
keln ; „sich einen Wolf gehen, reiten". 

D.f E., xl, 

Wolke, die, missverständlich statt 
Volte; „die Wolke schlagen**. 

Wolkensehieber, grosser, starker 
Mensch; wie Pflaumenschmeis- 
ser; in B. heissen die grossen, drei- 
eckigen Hüte der Landleute: Wolken- 
schieber. 

Worf, wurf s. werfen. 

Worgen, würgen, würgen beim 
Schlingen; „hinterworgen, nun- 
terw..;** Immer mann; an Etwas zu 
worgen haben, davon zu leiden haben ; 
mhd. worgen, mühsam, bis zum Er- 
sticken schlucken. 

Works, das Werk, Buch; Studentenaus- 
druck. 

Wuchs: — wenn man einem Kinde 
von einer seltenen Speise u. s. w. ein 
wenig abgibt, um sein Verlangen zu 
stillen, sagt man dazu: „da hast du 
nur 'was, dass dir der Wuchs nicht 
vergeht;** Eg.: dass dir dr Görwoks 
(Jahrwuchs) nich abgeht. 

Wudeln, von Geschäften : einen erkleck- 
lichen Ertrag abwerfen; vgl. flu- 
schen; dagegen ist wudeln in P. = 
unserm wibbeln. 

Wunder, 1. „du wirst dein blaues 
Wunder sehen, erleben" u. s. w., 
etwas ganz Unerwartetes; blaues 
Wunder nannte man im 16. Jahrh. 
die schöne blaue Farbe, die aus dem 
früher verachteten Kobold (Kobalt) 
genommen ward; Rl.: bläwer Wonner, 



männlich; 2. „ich denke Wunder, 
was da 'rauskommen soll**, aber — 
es war nichts Eechtes; ganz wie: 

Wparturiunt montes. 
ulst, die, eine grosse Menge: — 
„beim Umgraben hamm'r ene Wulst 
Wörmr umgedeppert; *eine Wulst 
Schulden**. 

Wuppdich, 1. der, für Schnaps; 2. 
Wuppdich! fiel er hin, plötzlich, wie 
patsch! Pardauz! Brl.; in Pf. u. V. 
ist Wuppdich <= husch, geschwind; 
davon DÜden wir sogar: „die Wupp- 
dizität**, wie Elastizität u. s. w.; 
„er macht beim Dorn (Turnen) Alles 
mit euer gewissen W." Aehnlich ruft 
man beim Springen: hoppd'ch! 
DL: wuppen, wüppen, wippen f. 
schnellen; wupp di = hopsa! 

Wurf, der, l. 4 Stück Obst die mit 
einem Griff und Wurf abgezählt wer- 
den, bes. Kirschen u. Pflaumen; 4 
Würfe sind eine Mandel, Bauerman- 
del; 2. scherzhaft für ein Glas 
Branntwein; s. Wurzel u. s. w. 

Würfeln, Jemanden gewandt, gescheit, 
pfiffig machen; dann ist er ein ge- 
würfelter Kerl; wie gewieft; Th. 

Wurm, das, Kind; Brl. 

Wurmlöcher; Erbsen u. s. w. „setzen 
sich vor die Wurmlöcher", sind 
nahrhaft. 

Wurst, 1. es ist W. wie Schale, 
gehüpft wie gesprungen, einerlei; 2. 
es geht um die W., es handelt sich 
um die Entscheidung, bes. beim 
Spiele, wenn die entscheidende Partie 
kommt; 3. es ist mir W., einerlei; 
Brl.; BsL; s. Wempe; 4. das kannst 
du in die (Schwa|rten)wur8t 
hacken, es taugt nichts. 

Wursteln, worschteln, liederlich zu- 
sammenrollen, wie wergein. 

Wurzel, eine, Glas Schnaps; s. Wupp- 
dich. 

Wurzeln, durchprügeln. 

Wuseln, flink kriechen, von einem 
Kinde, das daher auch „derWusel" 
heisst; E. 

Wutschen, schlüpfen; ND.; vgl. 
huschen, Hutschche, futsch. 



Zach — Zellerie 



239 



z. 



Zaeh für zähe (Scheller), bes. „zach 
wie Hosenleder", von Fleisch, 
Kuchen u. s. w.; ND. : tag; Bsl. : zeech 
wie Häntscheleder ; bilcQich: ein za- 
cher Kerl, Geizhalz, auch: ein 
Zachäus. 

Zäeken s. zecken. 

Zaddrig ist Fleisch, wenn es sehr fase- 
rig ist, nicht die rechte Festigkeit 
hat, nicht recht „kurz" ist ; verwandt 
mit Zottel, der in Sbg. Zadder heisst ; 
bei Stoffen bezeichnet schetter 
dasselbe; s. dies u. schlaudrig. 

Zahltag, Zahlwoche s. Messe, 5. 

Zahn, 1. Pfeife, s. Sau zahn; 2. „die 
Zähne hoch heben*', langsam 
kauen, weil's nicht mundet; 3. „da- 
von kriegt m'r lange Zähne", un- 
behagliches Gefühl im Munde, wie 
von Saurem. 

Zahnlfleke, die, Spottname für Jemand 
der eine Zahnlücke hat; Wn.: Zahn- 
luckat; sowie: Krummbein, Langbein, 
Dicknase, Schmerbauch; s. § 168, 2. 

Zahnputzo, die, schlechter Branntwein; 
s. Putze und Rachenputzer. 

Zamst für sammt; „er kam mit zammst 
seinem Hunde". 

Zankoisen, zänkisches Weib. 

Zanke kriegen, auch: Gezanktes 
oder Ausgezanktes kriegen, ge- 
scholten werden; Gramm. § 166. 

1. Zanken, der, Ast, Zweig; mhd. der 
Zanke, Zacke, Spitze; vgl. Zinken; 
V.: Zailgen, entsprechend dem ND. 
Teilgen. 

Z. Zanken, Ztw., s. Gramm. § 180. 

Zannen, Jemandem höhnisch seine Bede- 
weise nachäffen; mhd. zannen, knur- 
ren, heulen; Eg.: „anzannen", die 
Zähne weisen; Ab.; auch auszannen. 
In Ob.-Oe. u. Schw. ist zannen, zäune, 
zahna, Bsl. u. Zeh.: zäune = weinen; 
vgl. flennen. 

Zarre, die, altes, keifendes, widriges 
Weib; s. Zerre und Quarre. 

Zätschen, beim Sprechen die Worte 
ziehen und zerren und zwischen den- 
selben Brummlaute (hem, 'm u. s. w.) 
hören lassen, wie manche Eedner, 
bes. gelehrte; P. 

Zauderer Messen in früherer Zeit die 
Lohnkutscher, welche eine sehr lang- 



same Personenbeförderung nach 
andern Orten, bes. nach Dresden, 
betrieben; vgl. das Wiener „Haude- 
rer." 

Zaaen, sich, sputen; bei Luther; K., 
Fr., J., Hb., Wn.; mhd. zouwen, zo- 
wen, zawen, eilen. 

Zaam, 1. wird öfters mit Zaun ver- 
wechselt; ebenso sagt man ein zäu- 
men für einzäunen; 2. „er weiss, wo 
die Zäume hängen", weiss Bescheid, 
wo Bartel Most holt; s. Bummel. 

Zaunbillet hat der gelöst, der ein 
Gartenkonzert ausserhalb des Lokals 
umsonst mit anhört: Brl. 

Zaunpfahl, Zaunspfahl, s. Later- 
nenpfahl. 

Zaansehneider, schlechter Gärtner. 

Zebeter-, Zeweter-, vor Hauptwörter 
gesetzt bedeutet etwa Zeter-; z. B. so 
e Zeweterjunge, die Zeweter- 
kjnder; gelinde Schelte, wie: saper- 
lotscht, Tausendsasa u. s. w. 

Zecken, zänkisch necken; in P.: einen 
leichten Schlag (Zeck) versetzen. 

Zehe, 1. über die grosse Z. hapeln, 
den Fuss beim Gehen einwärts se- 
tzen; 2. eine Zehe Meerettig, eine 
Wurzel. 

Zehkeln, auf die Zehen treten, um grös- 
ser zu sein; Hl., auch ziekeln; NS. 
zuckeln (?). 

Zeichen, 1. Stand; „er ist Kopfschu- 
ster seines Zeichens (Hutmacher);" s. 
wess; 2. „Zeichen rein!" ruft man, 
wenn man am Kartengeben ist und 
die Blätter zerstreut umher liegen 
oder noch von den Mitspielenaen 
festgehalten werden. 

Zelle; eine Zeile Schichtsemmel, 
eine an einander hängende Beihe 
solcher „Eck eben". 

Zeit, „Jemandem die Zeit (seltner: 
die Tageszeit) bieten", guten 
Morgen, guten Abend, gute Nacht 
sagen; Sz.; bei B. Auerbach; bei Btr.: 
de Dagstid beiden ; in Sz. : Einem die 
Zeit abnehmen (di Zitt abn6) f. den 
Gruss erwiedern. 

Zeitlich wird mit zeitig verwechselt; 
Eg.; Sz.; „komm hübsch zeitlich, 
oder: bei Zeite." 

Zellerie f. Sellerie; Baumgarten, Flora 
Lips.; s. Gramm. § 97. 



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Zellem — Zieropel 



Zellem, langsam geben oder reiten, 
schlendern; vom Passgange eines Zel- 
ters? 

Zeisig, der, Einderwort für Zahlpfen- 
nig, Rechenpfennig; s. Budderclien, 
Schauzchen. 

Zendrüm, Bspr., rings heran), längs 
herum; Schi.; Th.: zengstrum; s. 
zendst. 

Zendst, zenks, zenkst, nach jener 
Seite hin (die man dabei zeigt), bes. 
in der Verbindung zenksrum; BÄ., 
Th., Sz,; V., Schi.: Zentrum; gebildet 
wie längs. 

Zensiren f. seziren (einen Leichnam). 

Zerknallen, mit einem Knall zerber- 
sten, wie Gläser, Flaschen, Fässer 
u. s.w.; nihd. zerknallen. 

Zerknietschen s. knietschen. 

Verlästern, zerreissen, beschmutzen, 
ruiniren; Fr.; s. zerledern. 

Zerledern, zerreissen, s. ledern, zer- 
lästern. 

Zermatschen, zerquetschen, bes. von 
Obst; 8. zermerschen. 

Zermersehen, zerdrücken, zerquetschen, 
N. : zermieren ;Bs].: zermtirsen, mürsle ; 
mhd. zermürsen, zermüschen; s. zer- 
matschen. 

Zerre, die, -1. zänkische Frau, auch: 
Nählsuse; s. Zarre; 2. Einen in 
der Z. haben, über ihn herziehen, 
ihn beresseniren, in der Kloppe 
oder Mache haben. 

Zerren, zanken, er hat immer Etwas zu 
zerren, wie n ädern, nählen, quen- 
geln; sich mit Einem herumzerren, 
m längeren Zank, in Neckerei einlas- 
sen: K., E., J.; Rtr.: taren «« necken; 
mhd. zerren. 

Zertöppern, zerdeppern, zerbrechen, 
namentlich von Geschirr; Brl.; Th.: 
däpfern; s. topf er n. 

Zesek, Ausruf bei Billard und i^Ein- 
bullern" als Beschwörungsformel, 
die das Glück des Gegners vereiteln 
soll. 

Zdsern^ zähe, unnachgibig; Bspr.; sel- 
ten. 

Zeter in Zusammensetzungen «= «»ver- 
wettert, verflixt, infam;" Zeternexe, 
Zeterjunge, Zetermädchen; Hl. 

Zeag, das, 1. für Sachen überhaupt, 
bes. für etwas Unbekanntes: „was 
ist das für Zeug", es können Pflan- 
zen, Stoffe, Wörter, Geschwätz u. s. w. 
sein; „das Z. schmeckt nich dumm," 
von Etwas, das man noch nicht ge- 



nossen hatte; so: das Viehzeug, 
alle Arten von Vieh ; daher fragt man 
unwillig oder erstaunt: was für Zeug? 
f. was gibts? was sagst du? in diesem 
Sinne auch „das Zeugs;" Bspr. sogar 
dasZeuges, wie in Schl.;Rtr.: Tügs; 

2. ins Zeug gehen, sich ins Zeug 
legen, sich anstrengen; s. Ge- 
Bcnirr; 3. was das Zeugs hält, so- 
viel wie möglich arbeiten, essen, 
fahren; 4. auf dem Zeuge sein, 
sich wohl befinden; s. Damm, 
Strumpf; 5. sie hat „ihr Zeug," 
Katamenien. 

Zeweder s. Zebeter. 

Zibbern, zaudern, unschlüssig zögern. 

Zicke, die, 1. Ziege (wie Zicklein), bes. 
als Gegensatz zum Bock; 2. unange- 
nehme Frau, wie Zippe. 

Zieehe, die, Ueberzug, Kappe eines Kopf- 
kissens u. dgl.; Hl., Eg., Th., B., 
Schw., Bsl., SD.; auch Züge; mhd. 
zieehe; engl.: tick; schott.: tyken, also 
wohl Lautverschiebung aus thek, 
Ueberzug, Behälter, Scheide, ^^^jy. 

Ziege, „raus mit der Ziege (auf den 
Teichdamm)!" = spiel aus! s. Welt. 

Ziehe, die, Unterkommen für ein Kind 
in einer Familie ; einen Jungen in die 
Ziehe geben oder thun; daher Zieh- 
kinder, Ziehmutter. 

Ziehen, 1. ohne allen Zusatz: „er zieht," 
grüsst mit Hutabnehmen; 2. ebenso 
f. sich in die Länge ziehen; „der 
Weg zieht sich sehre; die Sache hat 
sich bis jetzt gezogen (hingezogen); 
er zieht immer un ewig" {-^ kränkelt) ; 

3. f. ausziehen, die Wohnung wech- 
seln: wir ziehen zu Michele; 4. er 
zieht von Jemandem, empfängt 
(mehr oder minder freiwillige) Unter- 
stützung; 5. wir wollen ziehen s. 
häkeln; 6. sich ziehen oder 
verz., fortgehen; wie sich drücken, 
verduften. 

Ziehzeit, die gewöhnl. Zeit des Woh- 
nungswechsels (1. Januar, April, Juli, 
Okt.). Wn.: Ausziehzeit; s. ziehen, 3. 

Zieren, sich, aflektirt thun, im Beneh- 
men oder Sprechen etwas Geziertes, 
Vornehmes u. s. w. annehmen ; Eg. ; 
das Schriftdeutsche Etwas zieren 
ist ganz ungebräuchlich, ebenso 
schmücken, dafür sagt man nur 
putzen, anputzen, s. d. 

Zieropel, der, von Mädchen gesagt, die 
wie eine Vogelscheuche aussehen, ge- 
wissermassen das Femininum zu Stru- 



Zietachen — Zu 



welpeter; in Hb.: zieropelsehwais (von 
Menschen). 

Zietsehen, anchzwietschen.bezeich- 
Det den ziehenden, hohen Laut man- 
cher Vögel, wie der Zeisige, Kanarien- 
Tögel; B. fietscheu. 

ZI», das, f5r der Zehner; beim Elemen- 
farreohemmterricht, ura die zwaozig, 
vierzig n. b, w. anter einen gleichlau- 
tenden Oberhegriff znBammenznfas- 

Zimmer ist wenig gebränchlich , zu 
Tomehni, man sagt lieber Stube, im 

: GastbauB jedoch nimmt man ein Zim- 
mer; man spricht stets Zimmer- 
kellner und Stubenmädchen, 
nicht umgekehrt; in Tir. aber gibt'E 
Zimmermädchen. 

Zlmmt mBchen, simmtig thun, sich 
zimmtig anstellen, züchtig, prüde, 
zeremoniÖB, geziert, übertrieben zärt- 
lich; wohl verwandt mit zimper- 
lich; L.: zimpe; Eg.: zimpft'ch ; Btr. : 
zipp; Schw, zmipem=zimperlichBein, 
auch zümpferlioh,zompfer; von Klein 
leitet diea von jüne^rlich ab; näher 
liegi: ziemen, also Jemand, der allzn- 
ängBtUch auf das hält, was siel i 
ziemt (mhd. zumft, zunft, Schicklich- 
keit, Würde, das Geziemende); davon: I 
eine rechte Zimmtfieke, Zimmt-, 

Zinke, die, anch der Zinken; 1. der 
Zahn einer Gabel, eines Kammes; ' 
„eine dreizinkige Hengabel;" „die ' 
fünfzinkige Gabel" — die Hand; 2. i 
bildlich: der Zinken, die (grosse, 1 
Btarke) Nase (in Schi. : die Zmke ^ 
Pnsszehe); 3. ,jEinem einen Zinken , 
stecken", einen Wink geben: Ktr.; 4. 
"" ' Zinkohen, f. Hyazinthe, 



. Schlen- 

Zlwl, die, f. Zwiebel; jedoch ist dies 
eigentlich nnr Bapr-, in der Stadt 
heisflffl „die Zwief eil" Th., Sz. ; ital: 
cipolla; bildlich: die Uhr, wie Kar- 
toffeL 



Zopf, 



; Bai: Zingf 



Rtr.: Zinte. 



ZinBerfttätm lanibildticher Ausruf für 
den Tod einer Trompete; diese selbst 
heisst eine Z., Ejnderaprache; B. 
Tetterettetä. 

Zins steht anBachliesalich fOr Miethe; 
Pf., Da.; eine Bari eben sgebür heisst 
„die Zinsen", noch gebränohlicher 
Interessen. 

Zippe, die, (keifendea) Frauenzimmer; 
Brl.; wohl nicht von dem Namen des 
Vogels, sondern von dem MS. Zibbe 
^^ Zicklein; bei Rtr. ist zipp ^ 
spröde, geziert; s. Zicke. 

Zippel, der, dummer Mensch; Ab., BaL; 
auch Schafzip^el. 

Zlppelzerbst, Spitznaiue der Stadt 
Zerbst Woher f 
Albieubt, L<Ip>. Uonaart. 



Sinem einen Zopf 

, ihm Etwas vorlügen (Brl.), 

auch: einen Verweis geben; 2. „anf 

den Zopf beissen," auf den Laim 

j gehen, „reinfallen;" 3. b. ab- 
mucken, 1. 

' Zottel, der, bildlich f. eine liederliche 

, Person. Hl. 

' Zotteln, langsam gehen, reiten, fahren, 
wie troddetn; ,,die Kinder zotteln 
immer hinter dem Vater her", bleiben 
zaudernd zurück; Brl.; Schi, zotteln; 
J.: zockeln; Ti.: scbatteln; „auf dem 
Pferde herumzotteln", schlecht reiten, 

I Zschoeher (Name zweier Dörfer bei 
Lpz,, GrosB- n. Klein-Z.); 1. s. brets' 

' dumm; 2. die Kinder machen 
zschochersch mit der Grossmut- 
ter f. hänaeln; 3. zschochersche 

I Brade, eine Ein reih nng, Salbe, deren 
Zusammensetzung ein Mann, Namens 
Brade, in Z. erlanden; ist in jeder 

I Apotheke bekannt. 
1. Zn, Verhältniaawort; l. wird zarBe- 

I Zeichnung der ßichtnng wenig ge- 
braucht, lieber durch bei ersetzt; a. 
dies; gerade in der verpönten Ver- 
bindung „zn Hanse geben" bat es 
sieb aber in den Mundarten von 
ganz Deutschland und der ächweiz 
erhalten; ebenso bei Bog. Gölte; auf 
dem Lande sagt man auch noch: 
„off heme zu", auf dem Wege nach 
Hause; Scbtj 2. ,,ein Rock zn Sonn- 
tags, zur Woche," b. § 225. 

3, ZQ als gradangebend (allzu) wird 
oft, bea. vor was, an falsche Stelle 

fesetzt: „er ist zu ein lieber Herr; 
as ist zu waaDnmmea;" man sagt 
auch „das ist zn schade", wie: j'ai 
tr^s-aoif, c'est tr^S'OUvrier; das ist 
iiun schon ganz Kind (zu kindisch), 
ganz Amerikaner, vgl. genug; §234. 

3. Zu ^ gescbloasen, wird höchst prak- 
tisch auch vor Hatiptwörter gesetzt 
und mit entsprechender Endnng 
verseben: „ein zuer Garten, eine zue 
Stube, ein zues Penater, die zuen 
Thtiren;" a. Gramm. § 171. 

4. Zä, steht als Vorsilbe anstatt zer 

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