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Full text of "Die lieder der Wiedertäufer;"

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Die 

Lieder der Wiedertäufer 

Ein Beitrag zur deatschen und niederländischen 
Litteratnr- nnd Kirchengeschichte yon 

Dr. Rudolf Wolkan 

Privatdozenten an der Uuivci'sität in Wien und 
Scriptor an <ler rniversitäts-Bibliotliek. 



Mit Unteistiitzuug der Gesellschaft zur 
Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst 
und Litteratur in Böhmen. 




Berlin W 36. 

B. Behr's Verlag 
1903. 



C^ (f- ö 2. r. y 




/ AT 1 






Vorrede. 

Die Wiedertäufer, frühzeitig durch grausame Verfolgung 
gezwungen, sich vor der Öffentlichkeit zu verbergen, waren schon 
den Zeitgenossen in ein gewisses mystisches Dämmerlicht gerückt. 
Man betrachtete sie als Feinde Christi wie als Gegner des Staates 
und der gesellschaftlichen Ordnung und schöpfte aus dieser 
Auffassung das Recht, mit aller Strenge gegen sie zu verfahren. 
Die Grundgedanken ihrer Lehre aber wurden entweder nicht 
erkannt oder mit Absicht missdeutet; vielfach hielt man es für 
das bequemste, sie als politische Gegner aufzufassen und der 
Staatsgewalt zu überantworten; bei dem Todesurteil, das über sie 
ausgesprochen wurde, kam der kircMiche Standpunkt nicht zu kurz. 

Fast ganz unbekannt blieben den Zeitgenossen die geist- 
lichen Lieder der Täufer. Selbst ein Mann, «wie Christoph 
Erhard, der nach seiner eigenen Angabe*)» sechs Jahre als 
Pfarrer und Dechant in Nikolsburg mitten unter den Huterern 
gelebt, hat recht unklare Begriffe von ihren Liedern. Er weiss 
von ihnen nur zu berichten'), dass ^sie einen grossen mechtigen 
hauffen -etlicher hundert geschribner Lieder'' besitzen und lässt 
sich von einem Geistlichen aus, Tirol folgendes über das Lied 
auf Pürchners Tod: Singen wollen wir vnserm Gott (vgl. unten 
S. 235) schreiben: „Es ist mir verschiner zeit ein Lidlein zu- 



*) In der Vorrede zu seiner Schrift: Gründliche kurtz verfaste 
Historia. Von Münsterischen Widertauffern: vnd wie die Hutterischen 
Brüder so auch billich Widertauffer genent werden, im Löblichen 
Marggrafftbumb Märhern, deren vber die sibentzehen tausent sein 
sollen, gedachten Münsterischen in vielen, änhlich, gleichförmig vnd 
mit zustimmet sein. Durch Christoffen Erhard Theologum, auß der 
Fürstlichen Graffschafffc Tyrol, von Hall geborn. Gedruckt zu München, 
bej Adam Berg. Anno M. D. LXXXVIlü. 

*) A. a. 0. Bl. 32. 



II Vorrede. 

kommen, so die M&rherischen Widertanffer, die sie Huetterische 
Brüder nennen, sollen (wie es dann jhr Stylus) gemacht haben, 
in welchem sie meidung tun, jres losen, faulen, vnd von jhnen 
auBgesandten Fischers, mit Namen Andree Buchner, seines Handt- 
wercks ein Ziegler, der auß jhr Fftrstl. Durchl. etc. Ertzhertzogen 
Ferdinandi etc. vnsers genedigisten Landtsfürsten vnd Herrn, Landen, 
sonderlichen dero Fürstlichen Grafschaffi; Tjrol vil Menschen, Leut 
vnd Ynderthanen, räuberischer, stiller vnd haimischer weiB, zuuer- 
führen vnnd in Märhern zubringen, sich vermessener that etlich 
mal vnderstanden, wie schon zuuor, auch von jhme albereit, laut 
seiner vergicht, auBsag vnd bekanntnuB beschehen. Weiln nun 
gedachter Andree Buchner nach Key serlichen vnnd Fürstlichen 
Befelch vnnd Mandaten, wie dann auff solche auffrhürische, 
dückische Personen gehört, gestrafft vnd in Vintschgau, hoch- 
gemelter E^rstl. Graf schafft Tyrol vom Leben zum Todt ist gericht 
worden: wolten, wie ich auB dem liderlichen, erstunckenem vnd 
erdichten Lied vernimb, die Huetterischen Tauffer jn gern für einen 
Märtyrer auffwerffen, . . . dann deBwegen sie das Lugenlied hierauff 
geschickt vnd dasselbig im Land abermals außzubraitten vnder- 
standen^. Mit Gründen, deren geringe Stichhaltigkeit von selbst 
einleuchtet, wendet er sich (Bl.* 34) gegen die Liederdichtung der 
Huterer: „Ist doch seltzam, weil der Huetterischen Tauffer Religion 
allein die rechte sein solt, wie sie fürgeben, daß sie jhre ver- 
senckte vnnd geprennte, jhre gestockte vnnd geplÖckte vermeinte 
Märtyrer allzeit in ein Liedlein setzen, welches weder von heiligen 
Aposteln noch andern heiligen Cbnstlichen Gatholischen vnnd 
Römischen rechten Märtyrern nit beschehen; dann was ist ein 
Lied? nach der Teut sehen art zureden ein liederliches, vergebens 
vnd vnnützes fabel ding oder gedieht, daher dann die Lieder- 
dichter alle Fabel, erlogne vnnd schendtliche Bulschafften, Narren- 
th&ding in die Lieder bringen, dern man auff allen Dorffm&rckten 
offt viel hundert fail hat . . . Vnd ist zuuermercken, daß sie gar 
vil auff solche Lieder halten; wer ein wenig lesen kan, der muß 
gewiß ein gantz Büchlein vol haben, darumben derselben souil; 
dise gebrauchen sie vil mehr, als etwan eines Euangely oder 
Catechismi Büchlein, ja setzens demselben vor, das wol schein, 
daß sie kein Euangeli Buch noch Catechismum haben, wie ich 
dann meines theils dero keins nit gesehen, aber Liederbüchel 
voll auff'. Erhard nimmt an (Bl. 38»), dass die WiodertÄufer 
eigene Liederdichter haben, die sofort mit ihrer Dichtung bei 



Vorrede. III 

der Hand seien, wenn einer der Brüder gefangen genommen werde 
und begründet seine Behauptung damit, dass viele der gefangenen 
Hnterer weder lesen noch schreiben könnten; dass zur Entstehung 
und Verbreitung eines Liedes beide Künste nicht notwendig sind, 
stellt er ausser Betracht. 

Auch Christoph Andreas Fischer, der in seinem „Tauben- 
kobel" *), vielfach auf Erhard zurückgreift, bringt über die Lieder 
der Brüder wenig neues. Er spricht nur (S. 91) von der unge- 
heuren Seltenheit ihrer Bücher, die zu erhalten „einer wol seltzame 
finde erdencken'^ muss und stellt die irrige Behauptung auf, dass 
sie die Psalmen Davids gar nicht kennen (S. 47): ^Obschon 
Dauid hat befohlen den Herrn zuloben mit gesang vnd 
allerley Instrumenten; ob schon Paulus hat vermanet den Herrn 
zuloben in Lobges&ngern, ob schon die gantze Christenheit je vnd 
allzeit hat Psalmen vnd andere Gottseelige Lieder in der Kirchen 
hat [!] gesungen, so verwerffen doch die Widertauflter solche Ges&nger 
vnd singen lieber von jhren halßst&rrigen Spießgesellen, die &ndt- 
weder seyn gehenckt oder ertrenckt oder verbrent worden, Liedlein 
inn gar bulerischen Gesängen thonen, warumb? Dann sie klingen 
woP*). Näher lässt er sich auf die Töne der Huterischen Lieder 
in seiner ^Antwort auff die Widerlegung Clauß Breütel, . . . 
Brück an der Teya 1604'* Bl. E 11» ein, wo er sagt: „Clauß Fel- 
binger ein Widertauffer rühmet sich in der rechenschafft die er 
gethan hat zu Landshut in Bayern Anno 1560, daß er sey in einer 
gemein, in welcher man eins vmbs ander singet. Was singt jhr 
aber? Merck auff, Clauß. Von ewern halsstarrigen Brüdern die 
entweder seind gehenckt oder verbrent oder ertrenckt worden, 
habt jhr Liedlein gedichtet, welche jhr in den Thonen gar Bulerisch 
vnd vnzüchtiger Liedlein singet. Als zum Exempel, das Gesang 
vom Hansel Schmidt, singet jhr im Thon deß Graffen von Kom, 
oder deß Hilbrandts. Das ander im Thon, Ein Blümlein auff der 



^) Der Hutterischen Widertauffer Taubenkobel: in welchem all 
jhr Wust, Mist, Kot vnnd Vnflat etc. werden erzählet. Auch des grossen 
Taubers des Jacob Hutters Leben. Ingolstadt 1607. 

*) Fast gleichlautend S. 79: „Kein Catechismus oder Evangeli 
Buch wirt bey jhnen gefunden. Die Psalmen Davids gebrauchen sie 
nicht, sondern singen andere erdichte Liedlein, inn bulerischen gesängern 
thon^D, von jhren falschen Aposteln, die &ntweder von wegen jrer 
halßstärrigkeit sein gehenckt vnd getrenckt oder geseugt vnd verbrent 
worden". 



IV Vorrede. 

Heyden. Des dritte im Thon, Der Wächter auff der Zinnen. Das 
vierdte im Thon, Deß Frewleins von Britannien. Vom Caspar 
Tauber ein Gesang in deß Hildebrandts Thon: Von deinen Brüdern 
zu Wien enthaupt ein Gesang im Thon, Ich stund an einem 
Morgen: Item von andern, zwey andere Lieder, eines im Thon, 
Es wohnet Lieb bey Liebe. Das ander, Ach Lieb mit leyd: Vnd 
dergleichen: Seind das nicht ehrbare Lieder? seind das nicht 
züchtige Gesenger? Diese seind ein anzeigung das euch solche 
wol bekannt seind, also das jhr auch nach dieser Gesenger 
Thonen andere singet. Vnd damit das man nicht mercke, das 
jhr gar zu Fleischlich seyt, so behaltet jhr solche Thonen in 
ewern Geistlichen (besser geistlosen) Gesengen, damit das jhr 
euch ewer geilheit allezeit erinnert''. 

Vollkommen wertlos sind die Angaben Ottes in seinen 
^ Annales Anabaptistici . . . Basileae 1672''; was in ihnen richtig 
ist, beruht auf Fischer und Erhard, alles andere ist falsch; so 
wenn er S. 233 zum Jahre 1615 die Anmerkung macht: 
„Cirea hoc tempus , prout ex cantilena de Job. Landis 
part. 2. p. 355 patet, editus est Hutterianorum Über, cui tit. 
Außbundt, das ist, etliche schöne geistliche Lieder, wie die in 
der Gefencknus zu Passaw in dem Schloß von Schweitzer-Brüdern, 
vnd von andern rechtgläubigen Christen hin vnd har gedieht 
worden. Inter alios his annumerant lohannem Huss"; es lag ihm 
eine spätere Ausgabe des Außbundes vor, wohl die von 1622, 
von der er zu diesem Jahre (S. 245) bemerkt: „Der Schweitzer- 
Brüdern in der Gef&ngnuß zu Passaw Liederbuch wird getruckt". 

Das 18. Jahrhundert hat sich um die Lieder der Täufer 
nicht gekümmert, aber auch das 19. hat wenig getan, die Lücken 
unserer Kenntnis auf diesem Gebiete auszufüllen. Unter den 
Forschern, die sich mit der Geschichte des Kirchenliedes be- 
schäftigten, hat allein Koch^) richtigere Anschauungen gehabt, in- 
dem er das Gesangbuch der Mennoniten von dem Außbund schied, 
wenn er auch letzteren nicht in seiner Eigenart erkannte. Wacker- 
nagel aber, der in seinen ^Liedern der niederländischen Eefor- 
mierten" (S. XIV) eine Untersuchung ihrer Beziehungen zu den 
Liedern der deutschen Täufer zwar versprach, aber nicht ausführte, 
hat in seinem sonst mustergiltigen Werke über das Kirchenlied 



*) Geschichte des Kircheolieds und KircheDgesangs . . . von 
Eduard Emil Koch. Bd. 2», S. 143—5, 420—1. 



Vorrede. V 

(Bd. 5, S. 677) die Lieder der Meunoniten und der Schweizer 
wieder unterschiedslos nebeneinander gestellt, ja letztere von 
den ersteren abhängig gemacht und so die durch Koch angebahnte 
Erkenntnis aufs neue verdunkelt, was in der Folge wohl auch 
Goedeke bewog, in seinem Grundrisz 2*, 240 ff. die Lieder auf 
Märtyrer der Reformationszeit ohne weitere Scheidung einfach 
chronologisch zu verzeichnen. So kam es auch, dass selbst hjm- 
nologische Arbeiten auf diesem Gebiete einer eingehenden Unter- 
suchung sich entzogen. Weber fertigt in seiner „Geschichte des 
Kirchengesangs in der reformierten Schweiz^ (1876) die Lieder 
der Wiedertäufer als Privatliedersammlungen der Sekten kurz ab 
(S. 135 — 7), kennt übrigens den Ausbund nur in der Ausgabe vom 
J. 1622 und bezeichnet beispielsweise die mit H. B. bezeichneten 
Lieder der „Gesänge^ als vermutliches Eigentum des Hans Büchel; 
Odinga meint in seinem Büchlein: „Das deutsche Kirchenlied der 
Schweiz" (Frauenfeld 1889) S. 86: „Aus diesen Liedern (des 
„Ausbunds'^) diejenigen herauszusuchen, welche unbestreitbar 
schweizerisch sind, ist eine schwierige und unnütze Arbeit; man 
wird sich an denen begnügen müssen, deren Verfasser mit Namen 
genannt sind und auf die Schweiz hinweisen", und Eembert, 
der in seinem Buche: «Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich" 
freilich das Hauptgewicht auf die historische Forschung legt, 
konnte (S. 485) die mit M. S. bezeichneten Lieder, bei denen 
Wackemagel auf Michael Sattler geraten hatte, für Eigentum des 
Mathias Servaes erklären. Nur Beck hat sich in seinem Werke: 
„Die Geschichtsbücher der Wiedertäufer" genauer mit den Liedern 
der Huterer beschäftigt, blieb aber bei kurzen Andeutungen stehen 
und verzichtete auf jeden Beweis für seine Aufstellungen; aber 
das Verdienst bleibt ihm, zum erstenmale auf Michael Schneider 
und Hans Petz als Liederdichter der Huterer hingewiesen zu 
haben. 

So konnte meine Arbeit, bei der mir der reichhaltige Nachlass 
Becks leider nicht zugänglich war, sich auf keine Vorarbeit 
stützen und musste von Grund aus einen neuen Bau aufführen. 
Aber der mühsame und langwierige Weg lohnte die Anstrengung; 
es gelang, die Hauptsekten der Täufer nach ihren dogmatischen 
Anschauungen genau voneinander zu scheiden, was bisher nie 
versucht worden war und vielleicht auch Theologen interessieren 
wird; es gelang infolgedessen auch eine scharfe Trennung der 
Liederdichtung der Mennoniten, Schweizer und Huterer, und der 



\. 



II Vorrede. 

kommen, so die M&rherischen Widertaiiffer, die sie Huetterische 
Brüder nennen, sollen (wie es dann jhr Stylus) gemacht haben, 
in welchem sie meidung tun, jres losen, faulen, vnd von jhnen 
außgesandten Fischers, mit Namen Andree Buchner, seines Handt- 
wercks ein Ziegler, der auß jhr Fürstl. Durchl. etc. Ertzhertzogen 
Ferdinandi etc. vnsers genedigisten Landtsfürsten vnd Herrn, Landen, 
sonderlichen dero Fürstlichen Grafschafft Tyrol vil Menschen, Lent 
vnd Vnderthanen, räuberischer, stiller vnd haimischer weiß, zuuer- 
führen vnnd in Märhern zubringen, sich veimessener that etlich 
mal vnderstanden, wie schon zuuor, auch von jhme albereit, laut 
seiner vergicht, außsag vnd bekanntnuß beschehen. Weiln nun 
gedachter Andree Buchner nach Keyserlichen vnnd Fürstlichen 
Befelch vnnd Mandaten, wie dann auff solche auffrhürische, 
dückische Personen gehört, gestrafft vnd in Vintschgau, hoch- 
gemelter Fürstl. Grafschafft Tyrol vom Leben zum Todt ist gericht 
worden: wolten, wie ich auß dem liderlichen, erstunckenem vnd 
erdichten Lied vernimb, die Huetterischen Tauffer jn gern für einen 
Märtyrer auffwerffen, . . . dann deßwegen sie das Lugenlied hieranff 
geschickt vnd dasselbig im Land abermals auBzubraitten vnder- 
standen^. Mit Gründen, deren geringe Stichhaltigkeit von selbst 
einleuchtet, wendet er sich (BL* 34) gegen die Liederdichtung der 
Huterer: „Ist doch seltzam, weil der Huetterischen Tauffer Religion 
allein die rechte sein solt, wie sie fürgeben, daß sie jhre ver- 
senckte vnnd geprennte, jhre gestockte vnnd geplöckte vermeinte 
Märtyrer allzeit in ein Liedlein setzen, welches weder von heiligen 
Aposteln noch andern heiligen Christlichen Catholischen vnnd 
Römischen rechten Märtyrern nit beschehen; dann was ist ein 
Lied? nach der Teutschen art zureden ein liederliches, vergebens 
vnd vnnützes fabel ding oder gedieht, daher dann die Lieder- 
dichter alle Fabel, erlogne vnnd schendtliche Bulschafften, Narren- 
th&ding in die Lieder bringen, dern man auff allen Dorffm&rckten 
offt viel hundert fail hat . . . Vnd ist zuuermercken, daß sie gar 
vil auff solche Lieder halten; wer ein wenig lesen kan, der muß 
gewiß ein gantz Büchlein vol haben, darumben derselben souil; 
dise gebrauchen sie vil mehr, als etwan eines Euangely oder 
Catechismi Büchlein, ja setzens demselben vor, das wol schein, 
daß sie kein Euangeli Buch noch Catechismum haben, wie ich 
dann meines theils dero keins nit gesehen, aber Liederbüchel 
voll aaff\ Erhard nimmt an (Bl. 38»), dass die Wicdertftufer 
eigene Liederdichter haben, die sofort mit ihrer Dichtung bei 



Vorrede. III 

der Hand seien, wenn einer der Brüder gefangen genommen werde 
und begründet seine Behauptung damit, dass viele der gefangenen 
Huterer weder lesen noch schreiben könnten; dass zur Entstehung 
und Verbreitung eines Liedes beide Künste nicht notwendig sind, 
stellt er ausser Betracht. 

Auch Christoph Andreas Fischer, der in seinem „Tauben- 
kobel" *), vielfach auf Erhard zurückgreift, bringt über die Lieder 
der Brüder wenig neues. Er spricht nur (S. 91) von der unge- 
heuren Seltenheit ihrer Bücher, die zu erhalten ^einer wol seltzame 
finde erdencken^ muss und stellt die irrige Behauptung auf, dass 
sie die Psalmen Davids gar nicht kennen (S. 47): ,,Obschon 
Dauid hat befohlen den Herrn zuloben mit gesang vnd 
allerley Instrumenten; ob schon Paulus hat vermanet den Herrn 
zuloben in Lobgesängern, ob schon die gantze Christenheit je vnd 
allzeit hat Psalmen vnd andere Gottseelige Lieder in der Kirchen 
hat [!] gesungen, so verwerflfen doch die Widertauffer solche Gesänger 
vnd singen lieber von jhren halßst4rrigen Spießgesellen, die kndt- 
weder seyn gehenckt oder ertrenckt oder verbrent worden, Liedlein 
inn gar bulerischen Ges&ngen thonen, warumb? Dann sie klingen 
wol^'). Näher lässt er sich auf die Töne der Huterischen Lieder 
in seiner „Antwort auff die Widerlegung Clauß Breütel, . . . 
Brück an der Teya 1604« Bl. E 11» ein, wo er sagt: „Clauß Fel- 
binger ein Widertauffer rühmet sich in der rechenschafft die er 
gethan hat zu Landshut in Bayern Anno 1560, daß er sey in einer 
gemein, in welcher man eins vmbs ander singet. Was singt jhr 
aber? Merck auff, Clauß. Von ewern halsstarrigen Brüdern die 
entweder seind gehenckt oder verbrent oder ertrenckt worden, 
habt jhr Liedlein gedichtet, welche jhr in den Thonen gar Bulerisch 
vnd vnzüchtiger Liedlein singet. Als zum Exempel, das Gesang 
vom Hansel Schmidt, singet jhr im Thon deß Graffen von Rom, 
oder deß Hilbrandts. Das ander im Thon, Ein Blümlein auff der 



*) Der Hutterischen Widertauffer Taubenkobel: in welchem all 
jhr Wust, Mist, Kot vnnd Vnflat etc. werden erzählet. Auch des grossen 
Taubers des Jacob Hutters Leben. Ingolstadt 1607. 

*) Fast gleichlautend S. 79: „Kein Catechismus oder Evangeli 
Blich wirt bey jhnen gefunden. Die Psalmen Davids gebrauchen sie 
nicht, sondern singen andere erdichte Liedlein, inn bulerischen ges&ngern 
thonen, von jhren falschen Aposteln, die Entweder von wegen jrer 
halßstärrigkeit sein gehenckt vnd getrenckt oder gesengt vnd verbrent 
worden". 



IV Vorrede. 

ITeyden. Des dritte im Thon, Der Wächter auff der Zinnen. Das 
vierdte im Thon, Deß Frewleins von Britannien. Vom Caspar 
Tauber ein Gesang in deß Hildebrandts Thon: Von deinen Brüdern 
zu Wien enthaupt ein Gesang im Thon, Ich stund an einem 
Morgen: Item von andern, zwey andere Lieder, eines im Thon, 
Es wohnet Lieb bey Liebe. Das ander, Ach Lieb mit leyd: Vnd 
dergleichen: Seind das nicht ehrbare Lieder? seind das nicht 
züchtige Gesenger? Diese seind ein anzeigung das euch solche 
wol bekannt seind, also das jhr auch nach dieser Gesenger 
Thonen andere singet. Vnd damit das man nicht mercke, das 
jhr gar zu Fleischlich seyt, so behaltet jhr solche Thonen in 
ewern Geistlichen (besser geistlosen) Gesengen, damit das jhr 
euch ewer geilheit allezeit erinnert''. 

Vollkommen wertlos sind die Angaben Ottes in seinen 
„Annales Anabaptistici . . . Basileae 1672''; was in ihnen richtig 
ist, beruht auf Fischer und Erhard, alles andere ist falsch; so 
wenn er S. 233 zum Jahre 1615 die Anmerkung macht: 
„Cirea hoc tempus , prout ex cantilena de Joh. Landis 
part. 2. p. 355 patet, editus est Hutterianorum liber, cui tit. 
Außbundt, das ist, etliche schöne geistliche Lieder, wie die in 
der Gefencknus zu Passaw in dem Schloß von Schweitzer-Brüdern, 
vnd von andern rechtgläubigen Christen hin vnd har gedieht 
worden. Inter alios his anuumerant lohannem Huss"; es lag ihm 
eine spätere Ausgabe des Außbundes vor, wohl die von 1622, 
von der er zu diesem Jahre (S. 245) bemerkt: »Der Schweitzer- 
Brüdern in der Gef&ngnuB zu Passaw Liederbuch wird getruckt". 

Das 18. Jahrhundert hat sich um die Lieder der Täufer 
nicht gekümmert, aber auch das 19. hat wenig getan, die Lücken 
unserer Kenntnis auf diesem Gebiete auszufüllen. Unter den 
Forschern, die sich mit der Geschichte des Kirchenliedes be- 
schäftigten, hat allein Koch^) richtigere Anschauungen gehabt, in- 
dem er das Gesangbuch der Mennoniten von dem Außbund schied, 
wenn er auch letzteren nicht in seiner Eigenart erkannte. Wacker- 
nagel aber, der in seinen »Liedern der niederländischen Refor- 
mierten" (S. XIV) eine Untersuchung ihrer Beziehungen zu den 
Liedern der deutschen Täufer zwar versprach, aber nicht ausführte, 
hat in seinem sonst mustergiltigen Werke über das Kirchenlied 

^) Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs . . . von 
Kduard Emil Koch. ßd. 2«, S. 143—5, 420—1. 



Vorrede. V 

(Bd. 5, S. 677) die Lieder der Mennoniten und der Schweizer 
wieder unterschiedslos nebeneinander gestellt, ja letztere von 
den ersteren abhängig gemacht und so die durch Koch angebahnte 
Erkenntnis aufs neue verdunkelt, was in der Folge wohl auch 
Goedeke bewog, in seinem Grundrisz 2*, 240 ff. die Lieder auf 
Märtyrer der Eeformationszeit ohne weitere Scheidung einfach 
chronologisch zu verzeichnen. So kam es auch, dass selbst hym- 
nologische Arbeiten auf diesem Gebiete einer eingehenden Unter- 
suchung sich entzogen. Weber fertigt in seiner „Geschichte des 
Kirchengesangs in der reformierten Schweiz" (1876) die Lieder 
der Wiedertäufer als Privatliedersammlungen der Sekten kurz ab 
(S. 135 — 7), kennt übrigens den Ausbund nur in der Ausgabe vom 
J. 1622 und bezeichnet beispielsweise die mit H. B. bezeichneten 
Lieder der „Gesänge" als vermutliches Eigentum des Hans Büchel; 
Odinga meint in seinem Büchlein: „Das deutsche Kirchenlied der 
Schweiz" (Frauenfeld 1889) S. 86: „Aus diesen Liedern (des 
„Ausbunds") diejenigen herauszusuchen, welche unbestreitbar 
schweizerisch sind, ist eine schwierige und unnütze Arbeit; man 
wird sich an denen begnügen müssen, deren Verfasser mit Namen 
genannt sind und auf die Schweiz hinweisen", und Eembert, 
der in seinem Buche: „Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich" 
freilich das Hauptgewicht auf die historische Forschung legt, 
konnte (S. 485) die mit M. S. bezeichneten Lieder, bei denen 
Wackemagel auf Michael Sattler geraten hatte, für Eigentum des 
Mathias Servaes erklären. Nur Beck hat sich in seinem Werke: 
„Die Geschichtsbücher der Wiedertäufer" genauer mit den Liedern 
der Huterer beschäftigt, blieb aber bei kurzen Andeutungen stehen 
und verzichtete auf jeden Beweis für seine Aufstellungen; aber 
das Verdienst bleibt ihm, zum erstenmale auf Michael Schneider 
und Hans Petz als Liederdichter der Huterer hingewiesen zu 
haben. 

So konnte meine Arbeit, bei der mir der reichhaltige Nachlass 
Becks leider nicht zugänglich war, sich auf keine Vorarbeit 
stützen und musste von Grund aus einen neuen Bau auffuhren. 
Aber der mühsame und langwierige Weg lohnte die Anstrengung; 
es gelang, die Hauptsekten der Täufer nach ihren dogmatischen 
Anschauungen genau voneinander zu scheiden, was bisher nie 
versucht worden war und vielleicht auch Theologen interessieren 
wird; es gelang infolgedessen auch eine scharfe Trennung der 
Liederdichtuug der Mennoniten, Schweizer und Huterer, und der 



IV Vorrede. 

ITeyden. Des dritte im Thon, Der Wächter auff der Zinnen. Das 
vierdte im Thon, Deß Frewleins von Britannien. Vom Caspar 
Tauber ein Gesang in deß Hildebrandts Thon: Von deinen Brüdern 
zu Wien enthaupt ein Gesang im Thon, Ich stund an einem 
Morgen: Item von andern, zwey andere Lieder, eines im Thon, 
Es wohnet Lieb bey Liebe. Das ander, Ach Lieb mit leyd: Vnd 
dergleichen: Seind das nicht ehrbare Lieder? seind das nicht 
züchtige Gesenger? Diese seind ein anzeigung das euch solche 
wol bekannt seind, also das jhr auch nach dieser Gesenger 
Thonen andere singet. Vnd damit das man nicht mercke, das 
jhr gar zu Fleischlich seyt, so behaltet jhr solche Thonen in 
ewem Geistlichen (besser geistlosen) Gesengen, damit das jhr 
euch ewer geilheit allezeit erinnert". 

Vollkommen wertlos sind die Angaben Ottes in seinen 
„Annales Anabaptistici . . . Basileae 1672"; was in ihnen richtig 
ist, beruht auf Fischer und Erhard, alles andere ist falsch; so 
wenn er S. 233 zum Jahre 1615 die Anmerkung macht: 
„Cirea hoc tempus , prout ex cantilena de Job. Landis 
part. 2. p. 355 patet, editus est Hutterianorum liber, cui tit. 
Außbundt, das ist, etliche schöne geistliche Lieder, wie die in 
der Gefencknus zu Passaw in dem Schloß von Schweitzer-Brüdern, 
vnd von andern rechtgläubigen Christen hin vnd har gedieht 
worden. Inter alios his annumerant lohannem Huss"; es lag ihm 
eine spätere Ausgabe des Außbundes vor, wohl die von 1622, 
von der er zu diesem Jahre (S. 245) bemerkt: „Der Schweitzer- 
Brüdern in der Gef&ngnuß zu Passaw Liederbuch wird getruckt". 

Das 18. Jahrhundert hat sich um die Lieder der Täufer 
nicht gekümmert, aber auch das 19. hat wenig getan, die Lücken 
unserer Kenntnis auf diesem Gebiete auszufüllen. Unter den 
Forschern, die sich mit der Geschichte des Kirchenliedes be- 
schäftigten, hat allein Koch*) richtigere Anschauungen gehabt, in- 
dem er das Gesangbuch der Mennoniten von dem Außbund schied, 
wenn er auch letzteren nicht in seiner Eigenart erkannte. Wacker- 
nagel aber, der in seinen „Liedern der niederländischen Refor- 
mierten" (S. XIV) eine Untersuchung ihrer Beziehungen zu den 
Liedern der deutschen Täufer zwar versprach, aber nicht ausführte, 
hat in seinem sonst mustergiltigen Werke über das Kirchenlied 

Geschichte des Kirchenlieds und Kircheogesangs . . . von 
Kduard Emil Koch. ßd. 2», S. 143—5, 420—1. 



Vorrede. V 

(Bd. 5, S. 677) die Lieder der Mennoniten und der Schweizer 
wieder unterschiedslos nebeneinander gestellt, ja letztere von 
den ersteren abhängig gemacht und so die durch Koch angebahnte 
Erkenntnis aufs neue verdunkelt, was in der Folge wohl auch 
Goedeke bewog, in seinem Grundrisz ?', 240 ff. die Lieder auf 
Märtyrer der Eeformationszeit ohne weitere Scheidung einfach 
chronologisch zu verzeichnen. So kam es auch, dass selbst hym- 
nologische Arbeiten auf diesem Gebiete einer eingehenden Unter- 
suchung sich entzogen. Weber fertigt in seiner „Geschichte des 
Kirchengesangs in der reformierten Schweiz^ (1876) die Lieder 
der Wiedertäufer als Privatliedersammlungen der Sekten kurz ab 
(S. 135 — 7), kennt übrigens den Ausbund nur in der Ausgabe vom 
J. 1622 und bezeichnet beispielsweise die mit H. B. bezeichneten 
Lieder der „Gesänge" als vermutliches Eigentum des Hans Büchel; 
Odinga meint in seinem Büchlein: „Das deutsche Kirchenlied der 
Schweiz" (Frauenfeld 1889) S. 86: „Aus diesen Liedern (des 
„Ausbunds") diejenigen herauszusuchen, welche unbestreitbar 
schweizerisch sind, ist eine schwierige und unnütze Arbeit; man 
wird sich an denen begnügen müssen, deren Verfasser mit Namen 
genannt sind und auf die Schweiz hinweisen", und Rembert, 
der in seinem Buche: ^Die Wiedertäufer im Herzogtum Jülich" 
freilich das Hauptgewicht auf die historische Forschung legt, 
konnte (S. 485) die mit M. S. bezeichneten Lieder, bei denen 
Wackemagel auf Michael Sattler geraten hatte, für Eigentum des 
Mathias Servaes erklären. Nur Beck hat sich in seinem Werke: 
„Die Geschichtsbücher der Wiedertäufer" genauer mit den Liedern 
der Huterer beschäftigt, blieb aber bei kurzen Andeutungen stehen 
und verzichtete auf jeden Beweis für seine Aufstellungen; aber 
das Verdienst bleibt ihm, zum erstenmale auf Michael Schneider 
und Hans Petz als Liederdichter der Huterer hingewiesen zu 
haben. 

So konnte meine Arbeit, bei der mir der reichhaltige Nachlass 
Becks leider nicht zugänglich war, sich auf keine Vorarbeit 
stützen und musste von Grund aus einen neuen Bau aufführen. 
Aber der mühsame und langwierige Weg lohnte die Anstrengung; 
es gelang, die Hauptsekten der Täufer nach ihren dogmatischen 
Anschauungen genau voneinander zu scheiden, was bisher nie 
versucht worden war und vielleicht auch Theologen interessieren 
wird; es gelang infolgedessen auch eine scharfe Trennung der 
Liederdichtuug der Mennoniten, Schweizer und Huterer, und der 



VI VoiTede. 

Nachweis, dass die Lieder der beiden ersten Gruppen zum Teile 
auf niederländische Originale zurückgehen^); zugleich wird zum 
erstenmale die reiche Liederdichtung der Huterer in ihrem ganzen 
Umfange dargestellt. In der Entwicklung dieser mehr äusseren 
Schicksale der täuferischen Liederdichtung sehe ich den Hauptwert 
meiner Arbeit. 

In unserer Zeit, die mit so grosser Vorliebe den Spuren 
der Volksdichtung in allen Gauen Deutschlands nachgeht, darf 
eine Arbeit, wie die vorliegende, vielleicht auf eine freundlichere 
Aufnahme hoffen, als sie sonst hymnologischen Untersuchungen 
gemeinhin zuteil wird. In viel höherem Masse als die Kirchen- 
lieder der Protestanten und Katholiken können die Lieder der 
Wiedertäufer den Anspruch erheben, als echte Volksdichtungen 
betrachtet zu werden. In den untersten Schichten des Volkes 
entstanden, — wie oft machte man den Wiedertäufern den Mangel 
an Bildung zum Vorwurf und folgerte daraus ungerechterweise 
ihre Bildungsfeindlichkeit überhaupt^) — in enger Anlehnung an 
das Volkslied erwachsen, wie dieses zum grössten Teile mündlich 
fortgepflanzt, teilen sie auch darin das Schicksal des Volksliedes, 
im Laufe der Zeit Änderungen unterworfen zu sein und zersungen 
zu werden. Der Art und Weise nachzugehen, wie solches geschah, 
diesen Vorgang zu dem ähnlichen im weltlichen Volkslied in 
Vergleich zu setzen und damit auch die innere Geschichte dieser 
Dichtungen in ein helles Licht zu setzen, lag gleichfalls ur- 
sprünglich in meiner Absicht und ich meine, die Darstellung 
hätte zu den lehrreichsten Kapiteln dieses Buches gehört; aber 
ich musste es ausschalten, weil einerseits fast alle Lieder der 
Huterer, die wegen ihrer ausschliesslich handschriftlichen Über- 
lieferung und dadurch bedingten allmählichen Umgestaltung für 
eine Entwicklungsgeschichte in erster Linie in Betracht kommen, 



*) Die Schritt von F. C. Wieder: De schriftunurlycke Liedekens. 
De liederen der nederlandsche hervormden tot op het jaar 1666. 
Inhoudbeschrijving en bibliographie. 'ä-Gravenhage, Martinus Nijhoff, 
1900 warde mir erst nach Vollendung meiner Arbeit bekannt, hätte 
sie aber nicht beeinflussen können. 

*) Über das Schulwesen der Huterer, die Bedeutung Peter Walpots 
als Reorganisator auf diesem Gebiete und seine Schulordnung vom J. 
1578 vgl. D'Elvert: Geschichte der Studien-, Schul- und Erziehungs- 
anstalten in Mähren und Österreichisch-Schlesien, S. 465—80 und Mit- 
teilungen des Vereins für deutsche Erziehungsgeschichte 1901 S. 1 12—27. 



Vorrede. VII 

noch angedruckt sind und weil andererseits meine Arbeit dann 
zu mehr als dem doppelten Umfange angeschwollen und so wahr- 
scheinlich gleichfalls ungedruckt geblieben wäre; es ist für eine 
spätere Zeit und Arbeit vorbehalten. — 

Der „Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, 
Kunst und Literatur in Böhmen^, deren Unterstützung die Druck- 
legung meiner Arbeit ermöglichte, gebührt auch an dieser Stelle 
mein wärmster Dank. 

Wien, am Pfingstfeste 1903. 

RudoU Wolkan. 



Inhalt. 



Vorrede S. I 

I. Anftuge „ 1 

II. Die ältesten Lieder der Täufer „ 8 

III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder „ 26 

IV. Niederländische Lieder „ 57 

V. Menoonitische Lieder in Deutschland ^ 90 

VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder , 118 

VII. Die Lieder der fluterer „ 166 

Verzeichnis der täuferiscben Liederdichter „ 261 

Verzeichnis der im Buche erwähnten niederländischen Lieder „ 263 

Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer . . „ 266 



« 



Verzeichnis der Abkürzungen. 

A = Außbiind. 

Archiv = Archiv für österreichische Geschichte. 

BGB = Beck: Die Geschichte - Bücher der Wiedertäufer in 

Österreich- Ungarn (Pontes rerum Austriacarum 2. Ab- 
teilung. 43. Band.) Wien 1883. 
BT = Braght: Het bloedig Tooneelder Doop-gesinde en weere- 

loese christenen, die omhet getnygenisse Jesu . . . geleden 

hebben. T Amsterdam. 1685. 
Jahrbuch = Jahrbuch d. Gesellschaft für die Geschichte des 

Protestantismus in Österreich. 
L. = Liliencron: Mitteilungen ans dem Gebiete der öffentlichen 

Meinung in Deutschland. München, 1875. 
WKL = Wackernagel: Das doutsche Kirchenlied. 5 Bände. 

Leipzig 1864—77. 



L AnfSnge. 

Mit dem Namen „Wiedertäufer" ist man gewohnt, alle die 
ungezählten Tausende von Gläubigen zu bezeichnen, die im 16. 
Jahrhundert abseits der drei grossen anerkannten Staatskirchen, 
der katholischen, protestantischen und reformierten, ihre eigenen 
Wege zu Gott suchen wollten und fanden; weil deren auffälligster 
äusserer Unterschied von diesen in der grundsätzlichen Ablehnung 
der Kindertaufe bestand, die in unmittelbarem Widerspruche mit 
den Worten des neuen Testamentes (Mark. 16, 16; Matth. 28, 19) 
sei und weil ihre ersten Anhänger infolgedessen zum zweiten 
Male einer Taufe sich unterzogen. Die Gegner der Kindertaufe 
haben den Namen „Wiedertäufer" selbst allezeit abgelehnt; sie 
nannten sich „christliche Brüder" und ihre Gemeinde eine „christ- 
liche Brüderschaft", „christliche" oder „apostolische Gemeinde" 
und „Gemeinde Christi", und lebten der Überzeugung, dass erst 
die Taufe der Erwachsenen die eigentliche und wahre, von Christus 
geforderte Taufe sei, der die Unterweisung in der Lehre gemäss 
den Worten der Schrift vorausgegangen sein müsse, eine an dem 
unmündigen Kinde vollzogene Taufhandlung somit keinen Wert 
haben könne. 

Auch wir behalten im folgenden den Ausdruck „Wieder- 
täufer" als den eingebürgerten und seiner Kürze wegen bei, aber 
betonen gleich im vorhinein, dass wir uns recht wohl der Tatsache 
bewusst sind, dass die Wiedertäufer keine einheitliche Glaubens- 
genossenschaft bildeten, sondern in wichtigen Lehren des Glaubens 
wie der Lebensführung voneinander abstanden, ja oft schroff sich 
entgegentraten. Ja wir werden diesen Unterschieden genauer, als 
es gemeinhin geschieht, nachgehen müssen, weil gerade sie auch 
die religiöse Dichtung der Wiedertäufer stark beeinflussten. Wir 
haben es hier nur mit der gemässigten Richtung unter den Wieder- 
täufern zu tun, mit den weltflüchtigen, weltfremden, stillen 

Wölk an, Lieder der Wiedertäufer. 1 



2 I. Anfänge. 

Wiedertäufern, die wieder in 3 grosse Gruppen sich scheiden, die 
„Schweizer Brüder*', die „Huterer*' oder „mährischen Brüder" und 
die „Mennoniten". Auch ihre religiösen Dichtungen sind im all- 
gemeinen scharf voneinander getrennt, ohwohl im einzelnen 
mancher Austausch des geistigen Eigentums, sofern er dogmatisch 
ohne Belang war, stattfand, ähnlich wie wir dies hei protestantischen 
Liedern finden, die oft genug in katholische Gesangbücher 
übergingen. 

Die Ideen, für welche die Wiedertäufer freudig und mit 
bewundernswertem Mute ihr Leben Hessen, waren nicht ganz neu 
und nicht ganz ihr Eigentum. Sie hatten gewiss recht, wenn sie 
in späterer Zeit darauf hinwiesen, dass ihre Anschauungen zum 
Teil bereits im Mittelalter nachweisbar seien; gewiss war die Taufe 
der Kinder schon längst und mehr als einmal angegriffen worden 
und waren Zweifel darüber aufgetaucht, ob im Altarssakramente 
wirklich Leib und Blut Christi vorhanden seien*); auch die Forde- 
rung, die heilige Schrift müsse die alleinige Grundlage des christ- 
lichen Lebens sein, hatten schon die für die Wiedertäufer in 
mancher Hinsicht vorbildlichen Mystiker aufgestellt, und so waren 
fast alle Grundsätze, die sie vertraten, im Laufe der Jahrhunderte 
innerhalb der katholischen Kirche gelegentlich aufgetaucht, ja 
hatten sich umso stärker und mahnender geltend gemacht, je 
mehr die Kenntnis der heiligen Schrift auch in den tieferen 
Volksschichten zunahm, je zahlreicher die Übersetzungen wurden, 
welche die Bibel auch dem Verständnis und dem naiven Urteile 
der theologisch Nichtgebildeten zugänglich machten. Als Karl IV. 

• • • ■ 

im Jahre 1369, um dem überhandnehmen von Übersetzungen der 
heiligen Schrift ins Deutsche, die wir seit dem 13. Jahrhunderte 
verfolgen können, zu steuern, das Verbot für alle Laien erliess, 
Bücher über die heilige Schrift in deutscher Sprache zu ge- 
brauchen'), mochte ihn das Bewusstsein leiten, welch zwei- 
schneidiges Schwert die heilige Schrift in den Händen der Laien 
werden und wie mannigfaltige Zweifel sie in einfachen Gemütern 
hervorrufen könne. Aber sein Gebot; verhallte wirkungslos. Zu 
stark war die Sehnsucht auch in dem Herzen des Bürgers und 

*j Vgl. über solche Zweifel iui Gebiete vou Trier wäbrend des 
13. Jhs. Rembert: Die Wiedertäufer i. Herzogthum Jülich, S. 18 An- 
merkg. — Bekannt sind die ßerengarischen Streitigkeiten des 11. Jha. 
betreffs der Transsubstantiationslehre. 

*j Morheim: De Beghardis S. 273. 



I. Anfänge. 3 

Bauern erwacht, unmittelbar aus dem reinen Brunnen der heiligen 
Schrift Glaubensstärke und Lebenstrost sich schöpfen zu können, 
als dass dieser Drang für die Dauer niederzuhalten gewesen wäre. 

So hatten die Wiedertäufer also Recht mit ihrer Behauptung, 
ihre Lehren und Forderungen seien schon lange vor der Eefor- 
mation aufgetaucht; aber unrichtig ist es trotzdem, sie als unmittel- 
bare Nachfolger jener alten Religionsparteien zu bezeichnen, weil 
jeder bewusste Zusammenhang mit ihnen fehlt. Auch verweisen 
die ältesten theoretischen Schriften der Wiedertäufer nirgends 
auf ihn; die Ähnlichkeit, die tatsächlich zwischen ihren An- 
schauungen und denen älterer Reformparteien besteht, ist erst 
viel später erkannt und aufgedeckt worden und die wissenschaft- 
liche Forschung hat sie bestätigt. Ein viel engerer Zusammen- 
hang besteht beispielsweise zwischen den Lehren der Waldenser 
und der böhmischen Brüder und doch haben diese auf das ent- 
schiedenste sich gegen jede Vermischung mit den Waidensem 
ausgesprochen. 

Die gegen die Kindertaufe gerichtete Bewegung setzt fast 
gleichzeitig an zwei Punkten ein, in der Schweiz und in Sachsen 
und Thüringen. Obwohl die Führer auf beiden Seiten anfänglich 
Fühlung miteinander suchen, scheiden sich die Parteien doch in 
kurzem schroff von einander. Beide Parteien haben zwar das 
Bestreben, gestützt auf das Evangelium eine Gemeinde der Heiligen 
auf Erden zu gründen; aber wenn sie auch in erster Linie einen 
rein kirchlichen Charakter tragen sollte, so lagen in dieser Idee 
doch schon so viele Keime, die auf eine Umordnung auch der 
überkommenen Formen des gesellschaftlichen Lebens deuteten, 
dass sie von vornherein dem heftigsten Widerstände der staat- 
lichen Obrigkeiten begegnen musste, die im Verein mit den 
Staatskirchen die unbedingte Vernichtung der „neuen Sekte** im 
Interesse der Selbsterhaltung forderten. In der Durchführung der 
Idee einer Gemeinde Gottes schieden sich aber die Schweizer 
bald von ihren Genossen in Mitteldeutschland. Sind es bei den 
Schweizern sozialistische Gedanken, die nach Gestaltung ringen 
und später in der Gütergemeinschaft der huterischen Brüder in 
Mähren wenigstens zum Teil ihre Erfüllung finden, während ein 
anderer Teil ihrer Ziele unter dem Zwange der bestehenden Ver- 
hältnisse auf seine Verwirklichung verzichten musste, so tragen 
die Ziele der mitteldeutschen Wiedertäufer, die sie, mit dem 
Schwerte Gideons umgürtet, zu erreichen strebten, von allem 

1* 



4 I. Anfange. 

Anfang ein anarchistisches Gepräge; alles Bestehende sollte um- 
gestürzt werden und au seine Stelle ein phantastisches Keich 
unbegrenzten Glückes treten. Das blutige Drama von Münster 
machte diesen Phantastereien und ihren Urhebern wohl bald ein 
Ende; aber die Furcht der Obrigkeiten vor einem gewalttätigen 
Ausbruch des Volkswillens war geblieben und übertrug sich auf 
die stillen Wiedertäufer. 

Nie haben diese einen Zusammenhang mit den Schwärmern 
von Münster zugegeben und in allen Prozessakten, in allen ihren 
Bekenntnisschriften finden sich laute Proteste gegen eine Ver- 
mengung mit den Urhebern der Münsterschen Greuel^). Aber die 
staatlichen Gewalten betrachteten solchen Protest nur als billige 
Ausflucht, als Ausdruck feiger Furcht und gingen mit schonungs- 
loser Strenge gegen Wiedertäufer jeder Richtung vor, unterstützt 
und bestärkt in ihrer Erbarmungslosigkeit durch die Aussprüche 
eines Luther, Melanchthoii und Zwingli, die in den Wiedertäufern 
nur Sendlinge des Teufels erblickten, die mit Feuer und Schwert 
auszurotten ein gottgefälliges Werk sei. 

Die religiöse Dichtung der fanatischen Wiedertäufer ist weder 
inhaltlich noch formell von Belang gewesen und hat auch für die 
Folgezeit keine Bedeutung erlangt; die stillen Wiedertäufer haben 
sie grundsätzlich nicht beachtet. Deren Lieder dagegen haben 
die Jahrhunderte hindurch das Denken und Fühlen der Gemeinden 
beherrscht und ihr Einfluss ist zum Teile auch heute noch un- 
gebrochen. 



*) Noch 1589 schreibt Erhard in seiner Historia von Münsterischen 
Widertauffern S. 10 »: „Es thut den Hutterischen Brüdern ja hefftig wehe, 
wann man jhnen von Miinsterischen Brüdern sagt oder was fürwirlFt: 
Erbittern auch so hoch darüber vnd entschuldigen sich dermassen, nicht 
änderst, Als wann man vber einen vom Teufel beseßnen Menschen das 
heilig Creutzzeichen im rechten Glauben macht. Ja so vbel seynd sie 
darmit zu frieden, daß sie die jenige Teufelsbrüder heissen vnd schelten, 
vnd daß sie durchauU kein gemeinschaift mit jhnen haben wollen, oder 
jhnen in ain oder andern Weg einstimmen." — In ihrer Bekenntnisschrift 
vom J. 1545 erklärten die Hutorer: „Das wir aber von vielen den 
Mflnsterischen vergleicht vnd irer Art bescholten werden, ist allen 
Menschen, die vns kenuon, wissentlich, dass keiner der münsterischen 
Art weniger an sich habe, dann wir, die wir derselbigen weiss aufts 
allerhöchst hassen, vnd bezeugen, das es ein Werk aus dem teuffei sey." 
(BUB 170—1). 



I. An^Dge. 5 

Aber es ist die Entwicklung der geistlichen Dichtung der 
Wiedertäufer aufs engste verknüpft mit der Geschichte ihrer 
Glaubensgenossenschaft, so zwar, dass ein grosser Teil dieser 
Dichtungen nichts anderes ist als die Leidensgeschichte des 
Täufertums und seiner Bekenner in ergreifende, wenn auch oft 
ungelenke Verse gefasst, während ein anderer Teil dieser Lieder 
den dogmatischen Gehalt der täuferischen Lehren umschliesst; 
damit sind die beiden Hauptrichtungen dieser Dichtung gekenn- 
zeichnet. Die Verfasser sind zumeist massgebende Männer ihrer 
Gemeinden, deren Wort im Liede an weitreichender Bedeutung 
nur gewinnt. 

Die Schweizer Brüder als die älteste Gruppe der stillen 
Wiedertäufer, erheben zuerst ihre Stimme im Lied; bald folgen, 
entsprechend der Verbreitung des Täufertums nach Mähren, die 
mährischen Brüder mit eigenen Liedern, die aber mit denen der 
Schweizer zu gemeinsamem Gut solange verschmolzen bleiben, 
als die Entwickelung der beiden Gruppen gleiche Wege hält, 
mit den wachsenden dogmatischen Unterschieden der beiden 
wächst auch die Sonderung ihres Liederschatzes, wobei der der 
mährischen Brüder dauernd auf mündliche und handschriftliche 
Weiterverbreitung und auf Oesterreich beschränkt bleibt. Die 
Lieder der Schweizer Brüder ziehen mit diesen selbst nach Hessen, 
der Rheinpfalz und dem Niederrhein, treffen hier auf die Lieder der 
letzten Gruppe, der Mennoniten, und werden durch sie, die zum 
grossen Teile holländisch abgefasst sind, beeinflusst, indem sie 
holländische Märtyrerlieder in Übersetzungen zu ihrem geistigen 
Eigentum machen, während andererseits eine Reihe ihrer eigenen 
Lieder in den Liederschatz der Mennoniten übergeht. Erst um 
das Jahr 1570 scheiden sich die beiden Parteien dadurch schärfer 
in ihren Dichtungen, dass sie dieselben dem Druck übergeben, der 
die Vermischung des beiderseitigen Eigentums erschwert. Am 
wenigsten selbständigen Gehalt besitzen die Lieder der deutschen 
Mennoniten, die entweder von den Schweizern entlehnen oder auf 
Übersetzungen niederländischer Originale sich beschränken; am 
reichsten der Zahl nach, am originellsten auch durch die Art 
ihrer Überlieferung sind die der mährischen Brüder; die Mitte 
halten die Schweizer. Das ist in wenigen Zügen die Entwicke- 
lung der Lieder der Wiedertäufer. 

Der Jänner des J. 1525 ist der Geburtsmonat der Täufer- 
gemeinden. Aus dem Gegensatze zu Zwingli und indirekt zu 



6 I. Anfänge. 

Luther erwuchs der neue Glaube. Luther und Zwingli hatten ein 
Haus niedergebrochen, aber kein anderes an seine Stelle gesetzt, 
dem Papst den Krug aus der Hand geschlagen, aber die Scherben 
selbst darin behalten, sagen die Geschichtsbücher der mährischen 
prüder^) und fügen hinzu, so ist es mit ihnen nicht anders ge- 
wesen, als ob man einen alten Kessel flickt, da das Loch nur 
ärger wird. Conrad Grebl, Wilhelm Reublin, Felix Manz, Georg 
Blaurock und Balthasar Hubmaier sind die ei*sten bedeutsamen 
Namen, die uns in der Geschichte der Täufer entgegentreten*). 
Schon seit dem J. 1523 hatte es an Missvergnügten nicht gefehlt, 
die radikaler als Zwingli nicht auf halbem Wege stehen bleiben 
wollten und gestützt auf die Bibel eine Reihe von Forderungen 
erhoben, denen Zwingli seine Zustimmung versagte. Sie wenden 
sich gegen Zins und Wucher, gegen Zehnten und geistliche 
Pfründen, gegen die Macht der Obrigkeit und die Gewalt des 
Schwertes; der Christen Leben sei Geduld und Liebe, Demut und 
Leiden. Von Carlstadt nehmen sie die Lehre auf, das Abendmahl 
sei nur bildlich zu nehmen, Fleisch und Blut seien im Brot und 
Wein nicht wirklich vorhanden^). Aus den Evangelien ziehen sie 
den Grundsatz , dass Lehre und der aus ihr geschöpfte Glaube der 
Taufe vorangehen müsse, dass daher erst den Erwachsenen die 
Taufe giltig gespendet werden könne. Mit der Taufe, die Jörg 



') BGB 12 Anmerkg. 13. 

*^) Das „Glaubensbekenntnis der wafi'eniosen Christen" (Mennoniten) 
vom J. 1692 lässt (S. 7ö) die Geschichte der Sekte beginnen mit „Luther. 
Zwingli, Conrad Gröbl, Felix Manz, Hubmair, Mich. Sattler, Georg Blau- 
rock, Leonhard Eeyser, Oecolampadius, Melanchthon, Job. Calvin, Sebastian 
Castelli und andere mehr in Hoch-Teutschlandt und nebenst ihnen Menno 
Simons und Dieterich Philips und dergleichen mehr in Niederland. " 

^) ErasmuR schreibt am 10. Dez. 1524 über Carlstadt: Carolstadius 
hie fuit, sed clam; edidit sex libellos germanice scriptos, in quibus docet, 
in Eucharistia nihil esse praeter siguum corporis et sanguinis domiui; 
und am 3. Oktober lö2ö: Carolstadius quum hie clanculum latitaret, 
sparsit libellos germanice scriptos, quibus contendit, in eucharistia nihil 
esse praeter panem et vinum. Huius sententiam Zwinglius iam editis 
aliquot libellis confirmavit (Opera 1703, III. 894). Bekannt ist, dass 
Erasmus selbst in den Paraphrasen zu I Korinther 10 und 11 das Abend- 
mahl bloss als Erinneruugs-, Hundes- und Gemeinschaftsfeier auffasst. 
wie ihn denn auch Melanchthon in seinem Briefe an Camerarius vom 
26. Juli 1529 direkt als Urheber des Abendmablstreites bezeichnet. 



I. Anfänge. 7 

Blaurock sich von Conrad Grebl erbittet, ist die Gründung der 
neuen Glaubensgenossenschaft vollzogen. 

Kasch erhebt sich staatliche und kirchliche Gewalt gegen 
sie; aber rascher ist ihre Verbreitung; grösser als die Macht der 
Obrigkeit ist die Glaubensstärke der neu Getauften. In der 
Schweiz sucht man sie zu vernichten, aber schon im selben Jahre 
1525 finden wir Wiedertäufer in Westphalen^), und Mähren eröffnet 
sich ihnen als das gelobte Land, wo sie unter dem Schutze des 
Adels lange Zeit ungestört sich entwickeln können. Hoch gebildete 
Männer wie Hans Denck und Ludwig Hätzer treten in ihre Reihen ; 
in Tirol erscheinen sie 1526, dehnen sich nach Baiern aus, wo 
Augsburg ihr Mittelpunkt wird, und an den Rhein, und finden in 
Strassburg eine Zufliichtstätte, wo sie auch in Tagen der Gefahr 
unbehelligt bleiben. 

Räumliche Trennung und irrtümliche Auffassung einzelner 
Grundlehren der neuen Genossenschaft hatten den Zusammentritt 
einer Synode zur Folge, die am 24. Februar 1527 zu Schieitheim 
(Schlatten) am Randen, im Gebiete von Schaffhausen, zusammen- 
trat und über 7 Artikel sich einte, die wir als die erste amtliche 
Bekenntnisschrift der neuen Gemeinde betrachten können ') und 
die eine Zeitlang zur allgemeinen Richtschnur wurden. Sie er- 
klärten: 1) dass die Kinder von der Taufe ausgeschlossen seien; 
2) dass der Bann in 3 Graden gegen sündenfällige Gemeinde- 
mitglieder ausgeübt werden solle: 3) dass das Abendmahl eine 
Gedächtnisfeier an das Leiden Christi sei; 4) dass sich die Ge- 
meinde absondere nicht nur von allem Bösen, das der Teufel in 
die Welt gepflanzt habe, sondern auch von allen päpstlichen und 
gegenpäpstlichen Greueln; 5) dass in jeder Gemeinde ein Hirt 
sein solle zur Verrichtung aller geistlicher Obliegenheiten, den 
die Gemeinde zu erhalten habe; 6) dass das Schwert ein Mittel 
der ausserhalb der Gemeinde stehenden weltlichen Obrigkeit sei, 
um den Bösen zu strafen, den Guten zu schützen, dass aber, da 
die Gemeinde selbst .nur die Strafe des Bannes kenne, keines 
ihrer Mitglieder der weltlichen Obrigkeit angehören dürfe und 
7) dass alles Schwören verboten sei. 



^) Ott, Annales anabaptistici, S. 35. 
. ^) Vgl. ßaur: Zu Zwingiis Elenchus (Zeitschrift f. Kirch engesch. 
10. 840). 



8 n. Die ältesjben Lieder der Täufer 

II. Die ältesten Lieder der Täufer. 

Zugleich mit den ersten Verfolgungen der Wiedertäufer 
erhebt sich ihre religiöse Dichtung. Betend und singend treten 
die Märtyrer ihren letzten Weg an, oft haben sie selbst im Kerker 
ihre Leidensgeschichte in Verse gebracht oder ein Lied als Aus- 
druck ihrer Sehnsucht nach dem Himmel und ihrer Liebe zu Gott 
gedichtet, als letzten Gruss an ihre Gemeinde, die ihn als teures 
Vermächtnis schätzt und hütet. Oder es haben Gemeindegenossen 
die Märtyrer auf ihrem Todesgange begleitet und zum Gedächtnis 
an sie ihr Leiden und Sterben gesungen, historische Lieder also, 
die ergreifend und erhebend bei aller Schlichtheit des Ausdrucks 
eine kennzeichnende Eigenschaft der täuferischen Dichtung sind. 

Die Lieder der Schweizer Brüder im 16. Jh. sind in einem 
Gesangbuch vereinigt, dessen Geschichte wir später zu verfolgen 
haben werden; hier muss vorweggenommen werden, dass es den 
Titel: „Außbund Etlicher schöner Christlicher Geseng". . . führt 
und dass die älteste bisher bekannte Ausgabe, nach der wir auch 
zitieren, aus dem J. 1588 stammt; es enthält zugleich die ältesten 
Lieder der Täufer überhaupt. 

Das älteste Lied, das die Täufer kennen, stammt nach An- 
gabe des Außbunds *) S. 221 von Hans Koch und Lenhart 
Meister (WKL 3, 515), die 1524 zu Augsburg hingerichtet wurden. 
Es waren nicht Täufer im eigentlichen Sinne des Wortes, auch 
wird der beiden in den Geschichtsbüchern der Wiedertäufer, die 
gerade die Persönlichkeiten der ersten Jahre ausführlich behandeln, 
nirgends Erwähnung getan; so dürfte die Behauptung Mehrnings 
in seiner Baptismi Historie, das ist HeilÜge Tauff Historia, Dort- 
mund 1646 (S.748), sie seien Waldenser gewesen, manches für 
sich haben. 

Vernichtende Schläge treffen das Täufertum im J. 1527; 
eine Reihe der bedeutendsten Brüder werden hingerichtet. Als 
der erste unter ihnen wird Felix Manz, als ein „Hauptsächer" 
am 5. Jänner 1527 *) in Zürich zum Wassertode verurteilt. Als 
Verbrechen wird ihm nach seinem eigenen Bekenntnis zugerechnet, 
dass er mit anderen, die dem Worte und Christo nachfolgen wollten, 
sich durch die Wiedertaufe vereinen und so eine eigene, selbst- 

^) Ich zitiere den Außbund in der Folge als A. 
») Nicht 1526, wio A und BT 3 behaupten; vgl. Egli: Züricher 
Wiedertäufer, S. 61. 



U. Die ältesten Lieder der Täufer. 9 

gewachsene Sekte zurüsten wollte und dass er die Obrigkeit und 
die Todesstrafe wie auch andere Strafen verworfen habe. Er ist 
der Verfasser des Liedes: Mit lust so wil ich singen (A40, WKL 
3, 514, Cod. Vindob. 14554 Bl. 291), das Gottes Liebe und Gerech- 
tigkeit preist und die falschen Propheten und Heuchler dieser. Welt 
dazu in Gegensatz stellt; bei Christo will er bleiben, der seine 
Not kennt. 

Auch von Georg Wagner, der am 8. Febr. 1527 zu München 
lebendig verbrannt wurde*), besitzen wir ein Lied: Den Vatter 
wolln wir loben (A 200, WKL 3, 516), ein Preislied Gottes, den 
er um Stärke bittet, dass er in seinem schweren Kampfe nicht 
unterliege, verbunden mit einer Aufforderung an seine Brüder, 
wach zu sein, um die Stunde des Heils nicht zu versäumen. In 
seiner Schlichtheit gehört es mit zu den Perlen tä uteri scher Dichtung 
und hat wohl auch deshalb Aufnahme in einem Gesangbuch der 
mährischen Brüder gefunden (Cod. Bud. Ab. 16, Bl. 295a— 6). Den 
Verlauf seines Prozesses und seinen Todesgäng schildert das Lied: 
Wer Christo jetzt wil folgen nach (A 59, WKL 3, 517), das eben- 
falls in Mähren bekannt wurde (Codd. Bud. Ab 11, Bl. 136; Ab 16, 
Bl. 296»— 8 Gran IH 200 Bl. 395). Es eröffnet die lange Reihe 
jener historischen Lieder, deren wir oben gedachten. 

Von Michael Sattler, der am 21. Mai 1527 zu Rotten- 
burg am Neckar verbrannt wurde'*), einem der edelsten Männer 
unter den Täufern, den selbst die Strassburger Reformatoren einen 
„lieben Freund Gottes" nannten'^), soll, wie A 46 behauptet, das 
Lied: Als Christus mit seinr waren lehr (WKL 3, 405) herrühren. 
Aber das Lied findet sich zuerst im M. Weisses Gesangbuch der 
böhmischen Brüder von 1531 (WKL 3,404) und da wir keinen 
Anhaltspunkt dafür besitzen, dass Weisse auch fremdes Gut in sein 
Werk aufgenommen habe, dürfen wir wohl an der Autorschaft 
Weisses festhalten. Ein anderes Lied: Mit lust vnd freud wil ich 
Gott lobsingen, das sich im 2. Teile von A S. 69 mit den Buch- 
staben M. S. gezeichnet vorfindet, schreibt WKL 3, 520 ihm 
gleichfalls zu, doch mit der Bemerkung, „ohne alle Sicherheit" 



') BGB 22. BT 4. Sein Ende erzählt ein gleichzeitiges, öfters 
neu aufgelegtes Flugblatt (Goedeke II», 243, No. 10). Vgl. auch G. 
Müller: Zur Gesch. des Wiedertäufers Georg Wagner i. Beiträge z. 
bayr. Eirchengesch. II. 

«) BGB 26. BT 6—9. 

^j Keller: Ein Apostel der Wiedertäufer, S. 11. 



10 I^- I^io ältesten Lieder der Täufer. 

und „grossenteils nur aus dem Grunde, um eine weitere Unter- 
suchung anzuregen". Dieses Lied und alle anderen mit M. S. 
bezeichneten Lieder im 2. Teile von A sind aber ebensowenig 
sein Eigentum, wie das des Mathias Cervaes, den Rembert: Wieder- 
täufer i. Jülich S. 405 als den Verfasser dieser Lieder annehmen 
möchte, wie wir weiter unten nachweisen werden. Nur ein Lied, 
das die letzten Augenblicke seines Lebens uns schildert, hat sich 
erhalten, aber seltsamer Weise nur in niederländischer Sprache 
und in dem mennonitischen Gesangbuche „Het Offer des Heeren". 
Voraus geht in Prosa eine Darstellung seines Prozesses, die 9 Ar- 
tikel, die ihm vorgehalten wurden und seine Verantwortung, die 
dann BT wörtlich herüber genommen hat, die wir aber auch als 
Einzeldruck kennen^). Die deutsche Vorlage ist: Ayn newes 
wunderbarlichs geschieht von Michel Sattler zu Rottenburg am 
Neckar, sampt andern 9 mannen, seiner lere vnd glaubens halben 
verbrannt vnd 10 weybern ertrenckt. Anno 1527 (Goedeke II*, 243 
No. 11 aus HB 535). Das 11 strophige Lied führt den Titel: „Een 
Liedeken, ghemaeckt wt de Belij dinge van Michiel Satler, Nae de 
wijse: In Oostlant willen wy varen, ofte: O radt van anontueren.** 
Anfang: Als men schreef vijftien hondert 
Ende seuentwintich jaer. 
Unsicher ist es, ob das Lied: Wir dancken Gott von Hertzen 
(WKL 3, 540), das den Gedanken ausspricht, dass nur Leiden 
und Pein den Weg zum Himmelreich öffnen, wirklich wie A 204 an- 
nimmt, dem Jörg Steinmetzer, der 1530 zu Pfortzheim enthauptet 
wurde, zugehört oder wie zwei Gesangbücher der Huterer über- 
einstimmend berichten'), dem Carius (Eucharius) Binder, einem 
Tischler aus Koburg, der am 25. Oktober 1527 verbrannt wurde. 
Früh war es bereits durch Einzeldrucke verbreitet (Goedeke II', 



') Broederlicke vereeninge van sommighe kinderen Gods aengaende 
seuen Articulen. Item eenen Sendbrief van Michiel Satler aen een 
Ghemeente Gods, met corte, doch warachtich bewyss, hoe dat hy zijn 
leere tot Rottenburch aen den Necker met zijnen bloode betuycht heeft. 
Ghednict an. 1560. o. ; eine 2. Ausgabe erschien 1565. Beide in der 
Bibliothek der Vereenigde doopsgezinde Gemeento zu Amaterdam. — 
über Sattler vgl. vor allem Veesenraeyer im kirclienchistorischen Ai'chiv 
1826, S. 458—78 und die dort angeführten Quellen; StäJin: Wirtem- 
berg. Geschichte 4,319—22 und G. Bossert: Die Täuforbewogung in der 
Herrschaft Hohenberg (Blätter f. wirtemb. Kirchengeech. 1889—92). 

2) Nach BGB 67 Anmkg. 



II. Die ältesten Lieder der Täufer. H 

241, aas HB 1115), verbunden mit dem Liede Leonhard Schie- 
mers: Wir bitten dich, ewiger Gott (A 189, WKL 3, 523). Schiemer 
(nicht Schöner, wie er irrtümlich in A genannt wird), ursprünglich 
Bai-füssermöncb, erfreute sich unter den Wiedertäufern eines grossen 
Ansehens; er wurde am 14. Jänner 1528 als ^Anfänger und Prin- 
cipal-Ursach** der neuen Lehre zu Rottenburg enthauptet (BGB 60, 
BT 13, Archiv 78, 454 ff.). Schiemer hatte, als er zu den Täufern 
tibergetreten war, das Schnei derhand werk gelernt und praktisch 
ausgeübt. In der Zunft, aber auch im Gesänge und im Leiden 
wurde sein Genosse Johannes Leopold, der am 25. April 1528 
zu Augsburg enthauptet wurde (BGB 37) und das Lied gedichtet 
hat: Mein Gott dich wil ich loben (A 218, wo der Verfasser nach 
seinem Handwerk Liepolt Schneider genannt wird, WKL 3, 534), 
das er wohl, wie aus dem Inhalt hervorgeht, in seinen letzten 
Stunden schrieb, nachdem ihm bereits sein Todesurteil verkündet 
worden war. In Gottes Hand befiehlt er Geist und Seele und 
fleht um Stärke, sieghaft in Gott zu werden. 

Das Jahr 1528 raubte den Täufern auch einen ihrer be- 
deutendsten Vertreter, Balthasar Hubmaier*). Am 10. März 
wurde er, dessen dogmatische Werke die Grundlage für alle 
späteren Bekenntnisschriften der Täufer wurden und selbst in 
den Niederlanden weite Verbreitung fanden (Rembert S. 33), in 
Wien verbrannt. Er ist der Verfasser des Liedes: 
Freidt euch, freidt euch zu dieser Zeit 
in werden Christen alle 
18 Str. Gedr. WKL 3, 164 nach einem Einzeldruck, der 
bereits 1537 niederd. erscheint; oft in den Gesangbüchern 
der Huterer: Gran III 155 Bl. 63«; III 200 Bl. 366; 
Pressb. 244 Bl. 27«; meine Hs. Bl. 330. 
Da das Lied in den Drucken anonym überliefert wurde, fand 
es auch Aufnahme in das Valentin Bapstsche Gesangbuch von 
1545 (II No. 37); in dem Nürnberger Gesangbuche von 1599 
wurde es Erasmus Alberus zugeschrieben. In den „Außbund" 
wurde es nicht aufgenommen. 

Auch Hans Schlaffer, der am 3. Februar 1528 (A hat 
unrichtig 1527) zu Schwaz im Innthal enthauptet wurde (BGB 
61 — 3, BT 15, Archiv 78, 461 ff.), war wie Schiemer ursprünglich 
katholischer Geistlicher, zog, als er zum Täufertum sich gewendet 
hatte, mit vielen Glaubensgenossen nach Mähren und war in Wort 

^) Über ihn vgl. Loserth: Balthasar Hubmaier. 



12 II. Die ältesten Lieder der Täufer. 

und Schrift bemüht, für seine Überzeugung zu wirken. ^Von dem 
Hanss Schlaffer sindt zwej Lieder, die er gemacht, in der Gemain" 
bezeugen die Chroniken (BGB 63) und beweisen damit, dass seine 
Lieder bei den mährischen wie den Schweizer Brüdern in Ansehen 
standen. Das eine dieser Lieder: Vngnadt beger ich nicht von 
dir begegnet uns zuerst in einem offenen Blatt in Folio (WKL 
3, 535), dann in den Bergreihen von 1551 als No. Vit und mit 
vielen Abweichungen in A 193. Das zweite: Herr Vater, mein 
ewiger gott, hilff mir armen auß dieser not, sein Schwanengesang, 
ist uns nur in einem Gesangbuche der mährischen Brüder erhalten 
(Pressb. 203 Bl. 375; Akrostich: Hanns Schlaffer). 

In das J. 1528 fällt auch das Lied: Was wolln wir aber 
singen (A 158, WKL 3, 467), das den Martertod von 12 Täufern, 
9 Brüdern und 3 Schwestern besingt, die zu Brück a. d. Mur hin- 
gerichtet wurden; es war Schweizern und Mährern gemeinsam*). 

Auch das Jahr 1529 forderte eine Reihe der bedeutendsten 
Führer unter den Täufern, die zugleich als Liederdichter sich 
Anerkennung schufen, als Opfer. Unter ihnen ist unstreitig der 
bedeutendste Ludwig Hätzer, der am 4. Februar 1529 zu Kon- 
stanz enthauptet wurde (BGB 34, BT 23). Die Chroniken nennen 
ihn einen hochgelehrten Mann, der er in der Tat war; Beweis 
dessen seine gemeinsam mit Hans Denck unternommene Über- 
setzung der Propheten aus dem hebräischen Urtexte, die vielfach 
der schweizerischen wie der Lutherischen Verdeutschung der 
Propheten zugrunde liegt-) und rasch Verbreitung in Oberdeutsch- 
land fand. Auch als Liederdichter ist er hervorragend. Die 
Chroniken sprechen von 4 Liedern, die er gemacht (BGB 34); 
3 davon hat WKL 3,536—8 abgedruckt: 

1. Solt du bey got dein wonung han. Ks findet sich zuerst in 
einem offenen Bl. in Folio um 1529 und bestand vielleicht ursprünglich 
nur aus 6 Strophen, da diese den Xamen Sophia ergeben ; aufgenom- 
men wurde es in das Augsburger Gesangb. von 1530, das Magdeburger 
von 1540, dieXürnbergerBergreihen von 1551, das Züricher Gesangb. 
1570 und das Basler 1581 ; dagegen findet es sich nur einmal in 
einem Gesangb. der mähr. Brüder (Cod. III 300 zu Gran Bl. 368*). 

*) Nach der Grazer Hs., in der das Lied den Anfang hat: Nun 
weit jhr hftren singen godr. Jahrb. 1896 8. 189 tt'. 

») Keller: E. Apostel der Wiedertäufer, JS. 211. — Cber Hätzer 
vgl. Herzogs Realoncyclopädio f. Protestant. Theologie ^ 7, 325,9 und die 
dort ver/.üichneto Literatur. 



II. Die ältesten Lieder der Täufer. 13 

2. Erzürn dich nit o frommer Gott. Zuerst im Strassburger 
Gesangb. 1530, im Anhang zum Augsburger 1531, im St. Galler 
1533, in den Nürnberger Bergreihen 1547 N. 25 und in den beiden 
Auflagen des mennonitischen Gesangbuchs Bl. 161 u. 165, wäh- 
rend es sich weder bei den Schweizer noch den mährischen 
Brüdern findet. In St. Gallen ist es bis 1627 nachweisbar. 

3. Gedult solt han auf Gottes Ban. Im Salmingerschen Ge- 
sangb. 1537, dem Job. Zwickschen 1540 und im Züricher 1570, 
auch von den mährischen Brüdern aufgenommen (nach BGB 33 
in dem jetzt verschollenen Cod. C. — W. 1565 i. Gran). 

Ein 4. Lied: Will, sinn vnd gmüet rieht auf zu Gott. Findet 
sich handschriftlich in 2 Gesangbüchern der mährischen Brüder 
(Cod. Pressbg. 212 Bl. 185 u. 232; vgl. BGB 33). 

Das 2. der angeführten Lieder schliesst mit dem Spruche: 
Got erlöß die gfangen. Den gleichen Spruch weist Hätzers 
Schrift: Von den Evangelischen Zechen vnd von der Christen red 
auss heiliger geschrifft 1525 *) sowie seine Schrift vom Nachtmahl 
und seine Übersetzung des Propheten Maleachi *) auf; aber auch 
das Lied: Lüg, herr, wie schwach ist mein gemüt, das WKL 3, 
545 aus einem offenen Blatt o. J. abdruckt, hat den gleichen 
Spruch am Ende und wir dürften es deshalb schon als Hätzers 
Eigentum in Anspruch nehmen; schauen wir aber schärfer hin, so 
finden wir, dass die zwei ersten Buchstaben der 6 Strophen zu- 
sammengefasst den Namen des Verfassers ergeben •''). Dieses Lied 
findet sich auch in einem Einzeldruck von 1537, verbunden mit 
einem andern, das gleichfalls den Spruch Hätzers trägt und somit 
ihm zuzuschreiben ist; es ist das Lied: Ach gott, erhör myn 
seufftzen gross.*) 

Und noch ein 7. Lied dürfen wir ihm vielleicht auf Grund 
des obigen Spruches zuschreiben; es steht im mennonitischen 
Gesangbüchlein Bl. 136* mit dem Anfange: Ach frölich last vns 
heben ahn. Das aus 24 Strophen bestehende Lied zerfällt augen- 
scheinlich in 2 Teile, deren erster ein Loblied Gottes und Christi 
ist und mit der 17. Strophe endet: 



^) Keller: D. Reforniation ii. die älteren Reformparteien , S. 367 
Aninkg. 3. 

*) Goedeke II ^ 244 No. 18. 

^) Die bei Odinga: D. deutsche Kirchenlied d. Schweiz S. 90 ab- 
gedruckte Schlussstrophe halte ich für späteren Zusatz. 

*) Gedruckt bei Odinga, S. 124. 



14 n. Die ältesten Lieder der Täufer. 

Gott nun sende vns den hilligen Geist, 

Der aller Christen tröster heist. 

Das wir dich recht thun bitten 

Das du vns erhelst auff rechter ban 

O Gott, erlöse die gefangen. 
Mit dieser Zeile hat gewiss das echte Lied geendet; die 
folgenden 7 Strophen, die Gott um Stärke für die Gefangenen 
anflehen und die Bitte an die Gemeinde enthalten, sich der Armen, 
der Witwen und Waisen anzunehmen, sind deutlich als späterer Zu- 
satz zu erkennen. Aber der Auniahme, Hätzer sei der Verfasser auch 
dieses Liedes, steht die bisherige Ansicht gegenüber, er sei Antitri- 
nitarier gewesen, wie sein ungedrucktes und jetzt verlorenes Büchlein 
von Christo dartue. Darnach habe er gelehrt*), Gott Vater allein 
sei der höchste Gott, Christus aber ihm nicht gleich, sondern viel 
geringer, auch nicht von der nämlichen Natur. Ebensowenig seien 
in einem Gott drei Personen; denn Gott sei weder eine Person, 
noch eine Essenz, noch etwas von dem, was man ihm sonst beilege. 
Beck *) und Keller ') bezweifeln die Richtigkeit dieser Behauptung, 
die letzterer wie andere Anschuldigungen als Verläumdung seiner 
Feinde betrachtet. Das genannte Lied würde sie entkräften; doch 
ist ein letztes Wort über seine dogmatischen Ansichten heute noch 
nicht möglich. Auffallend bleibt es immerhin, dass von den hier 
nachgewiesenen Liedern keines von den Schweizer Brüdern auf- 
genommen wurde und auch bei den andern Wiedertäufern seine 
Lieder nur ganz vereinzelt auftauchen; vielleicht hängt diese Tat- 
sache mit der Auffassung Braghts zusammen, der ihn als Waldenser 
betrachtet und nur flüchtig erwähnt. 

Auch Jörg Blaurock, einer der Begründer der ersten 
schweizerischen Täufergemeinden und Schöpfer der Wiedertaufe 
schied im J. 1529 aus dem Leben; er wurde am 6. September zu 
Clausen verbrannt (BGB 79-81, BT 21-3). Von ihm sind 
2 Lieder bekannt: Gott führt ein recht gericht (A 34, WKL 3, 
512) und Herr Gott, dich wil ich loben (A 185, WKL 3, 513), von 
denen begreiflicherweise keines unter den Mährern Aufnahme fand. 
Dasselbe gilt von Hans Hut, der 1529 zu Augsburg nach 
schweren Foltern starb (BGB 34); nur selten findet sich eines 



*) Vgl. Winter: Gesch d. bairiscb. Wiedertäufer S. 59 nach Sardiua: 
Bibliotbeca Antitrinitariorum. 
») BGB 33. Anmkg. 3. 



"; Keller: D. Reformation, S. 433, Anmkg. 1. 



n. Die ältesten Lieder der Täufer. 15 

seiner Lieder in einem mährischen Gesangbuche; so die ^Danck- 
sagiing, die wir bei des Herren Abentmal der Gedechtnuss singen" 
(BGB 35); sie beginnt mit den Worten (Gran III 200, Bl. 162): 
Wir daucksagen dir, herr Gott der Ehren, und wird von WKL 
3, 507 nach dem Salmingerschen Gesangbuche dem Thomas Münzer 
zugeschrieben, was gewiss unrichtig ist, da das Lied sonst nicht von 
den stillen Wiedertäufern wäre gebraucht worden, bei denen es 
noch um 1650 gesungen wurde (BGB 649, Anmkg. 2). Aber schon 

1526 wird es „ein schön altes Dancklied vom Abendmahl Christi" 
genannt*), so dass es von Hut wohl nur tiberarbeitet worden ist. 
Dass Hut „auch sonst noch ein oder zwey lieder" gemacht habe, 
erzählen uns die Chroniken (BGB 35). Eines davon hat A 48 
(WKL 3, 508): Alinechtiger Herre Gott (auch im Pressb. Cod. 
236, Bl 173 a und Pressb. 232, Bl. 297), zwei andere druckt WKL 
3, 509 und 510/1 ab: 

1. Last vns von hertzen singen all, als dessen Verfasser 
das Salmingersche Gesangbuch von 1537 Hut bezeichnet; auch 
das Strassburger Gesangbuch von 1537, wie das Zwicksche von 
1540 kennen das Lied, während es in Gesangbüchern der Wieder- 
täufer ebensowenig vorkommt wie 

2. Herre Gott in deynem reych, eine Paraphrase des 
8. Psalms Davids, die sich zuerst im Nürnberger Enchiridion von 

1527 und mit mannigfachen Veränderungen in „Form vnd Ordnung 
Gaystlicher Gesang vnd Psalmen" Augsburg 1529 findet; der 
Umstand, dasz das Salmingersche Gesangbuch 1537 über das 
Lied die Buchstaben H. H. setzt, veranlasste Wackernagel, es 
dem Hans Hut zuzuschreiben. Eine Sicherheit lässt sich dabei 
nicht gewinnen. 

Noch gehören zwei Lieder in das Jahr 1529, eins, das 
Vigil Plattner, der zu Schärding in Baiern enthauptet wurde, 
verfasst hat, worin er „Gott in der warheit Zeuguuss gibt" 
(BGB 33), das sich aber bis jetzt noch nicht hat nachweisen 
lassen und ein Lied von Anna Malerin und Ursula Ochsen- 
treiberin, die zu Hall im Inn ertränkt wurden (BGB 90); es 
findet sich nur in mährischen Gesangbüchern: Cod. Vindob. 14554 
Bl. 98 und Cod. Pressbg. 236 Bl. 24 und lautet: 



•) Zeitschrift f. KircheDgesch. 12, 472. 



16 IL Die ältesten Lieder der Täufer. 

1. An vnser Frauen tag das geschacb 

da Christus seine schäfflen zusamen hat bracht, 
I : er versamlet sie halt : | 
zu Milß woll in dem griennen walt. 

2. Da kam der wolff gelanffen dar 

vnd zersträt die schaffien wol in das thaL 
I : sie loffen gar halt : | 
vnd schrüen zu gott all mit gewalt. 

3. Es kam ir hirt gegangen dar, 

der in daz wort gottes verkindigt klar, 
N I : er leret sie schon : | 

gott geb im jmer vnd ewig den lohn. 

4. Nun wolt ir wißen, was da geschacb V 
Das heillig Euangelion verkindigt klar 

I : mit gottes geist : | 
wie Christus seine junger auffm berg hat gspeist. 

5. So wel wirs gott von himel klagen, 
das man s wort gottes gar wil veriagen 

I : in aller weit : | 
s wort gottes kauffen wir nimer vmbs gelt. 

6. Vnd so wirs nimer vmbs gelt wein kauffen, 
so mießen wir von weib vndt künden lauffen, 

I : nun merckhent gar eben : | 
so wir den Pfaffen kein gelt wein geben. 

7. Das euangeli ligt ietz an dem tag, 
ist minich vnd pfaffen ein große klag, 

I : ein grosse pein : | 
sie megen nimer groß herren sein. 

8. Vnd das wolt gott nit lenger haben, 
die warhait in alle weit außtragen, 

] : das dunckt sie nit guet : | 
sie scheren die schüfflen vndt saugen das bluet. 

9. Vnd so sie nimer weiter kinen, 

so thuen sie gar der vill der lugen finden, 
I : die tauff sey falsch : | 
die Christus sein lieben Jungern beualch. 



IL Die ältesten Lieder der Täufer. 17 

10. Nun merckhent, was habens erdicht, 
die künder tauff vmbs gelt auff ghricht, 
I : es daucht sie guet : | 
drumb vergießens vill vnschuldigs bluet. Amen. 

Im Jahre 1530 wurde Georg Grünwald ^), ein Schuster 
aus Kitzbüchl, zu Kufstein verbrannt. Die Chroniken sagen von 
ihm: ,, Dieser Grünwaldt hat das alt Lied, so vast in allen landten 
bekannt ist, „Kombt her zu mir, spricht Gottes Sohn", neu ge- 
sungen vnd gedichtet" (BGB 104), was wohl nur so zu verstehen 
ist, dass er es umgearbeitet und für die besonderen Zwecke der 
Wiedertäufer hergerichtet habe. Das Lied, das in die meisten 
protestantischen und reformierten Gesangbücher überging, ist oft 
bald Hans Witz Stadt von Wertheim, bald Jörg Berkenmeyer aus 
Ulm zugeschrieben worden. Es findet sich zuerst in einem Einzel- 
drucke von 1530, aus dem es WKL 3,166 abdruckt; die beiden 
Zusatzstrophen zweier Nürnberger und eines Zwickauer Drucks 
gehören nicht ursprünglich zum Liede und deuten vielmehr wie 
die Keime: gesagt: das, groß: spot beweisen, auf ndd. Ursprung. 
A hat das Lied nicht, doch findet es sich im mennonitischen 
Gesangbüchlein Bl. 146» mit einigen Abänderungen und in zahl- 
reichen Handschriften der huterischen Brüder: Cod. Vind. 14554 
Bl. 99; Gran HI 200 Bl. 170«; Gran HI 155 Bl 67 u, Pressburg 
Cod. 236 Bl. 163. 

In Schwäbisch Gmündt wurde 1531 Märten Maler nebst 
sechs andern Brüdern enthauptet. Märten, über dessen Leben 
wir weiter nicht unterrichtet sind, verfasste nach den Chroniken 
(BGB 38) drei Lieder, zwei davon lassen sich nachweisen. Das 

« 
*) Kopp macht im ASNS 107, 1—32 den Versuch, unaeren Wieder- 
täufer mit dem Verfasser einiger volkstümlicher Lieder, der sich einigemal 
gleichfalls Grünwald uennt, zu identifizieren, ein Versuch, der mir voll- 
kommen misslungen scheint; der Vf. des tief frommen Liedes zugleich 
auch Dichter von Liedern, als deren besonderes Kennzeichen der Hang 
zur Zweideutigkeit hervorgehoben wird! Ebenso unrichtig ist die all- 
gemeine Betrachtung über die Wiedertäufer auf S. 30, die sich kühn 
über alle Ergebnisse der modernen Forschung auf diesem Gebiete 
hinwegsetzt und die stillen Wiedertäufer auf eine Stafe stellt mit den 
Stürmern von Münster, aus ihren Reihen die gefährlichsten Volks- 
aufwiegler hervorgehen lässt und ihnen „einen grossen Teil der Schuld 
an den blutigen Aufständen und sonstigen furchtbaren Greueln, von 
denen Deutschland lange Zeit durchtobt und zerfleischt wurde", zumisst. 

Wölk an, Lieder der Wiedertäufer. 2 



18 



IL Die ältesten Lieder der Täufer. 



erste dieser Lieder, bisher ungedruckt, findet sich in den Gesang- 
büchern der mährischen Brüder Cod. Budap. Ab. 16 BL 284, Pressb. 
203 BL 285 und Jahrb. 13, 52 und wird aus dem ersten hier mitgeteilt: 
Diß Volgendt Lied hat der Brueder Marthan Maller gemacht, 
ist demnach im 1531. Jar zu schwäbischen gmindt selb sibender 
vmb der warhait willen enthaupt worden. Ins Tollner Melodey etc. 



1. Mit freiden wil ich singen, 
loben den höchsten gott, 
das es vor im thuet klingen, 
hilfiBt mir aus aller Not. 
Dann so die haiden toben, 
steet er mir dapffer bey, 
darumb wil ich in loben, 
sein Eer schwebt ewig oben, 
macht mich von inen frey. 

2. Ich wil in auch erheben, 
wie er mier hat gethan. 

Er füert mich aus der hellen, 
bhielt mich beim leben schon, 
ließ meinen fueß nit wanckhen, 
beim leben bhielt er mich, 
als ich zur grueben sanckhe. 
Darumb wil ich im danckhen 
jmer vnd ewigclich. 

3. Den abendt werdt das wainen, 
doch nur ein äugen plickh. 
Den Morgen hebtsichsrüemen, 
so er das Leben erquickht. 
Darumb sollen dt lob singen 
ir heiligen all geleich, 
opffer des lobs darbringen, 
das es vor im thuet klingen 
in seiner herrlichkait. 

4. Dem herren ich danckh sage 
von gantzem hertzen mein, 
sein thaten fürher trage, 
freyer vnd fröUich seyn. 
Mein feindt, die sindt gefallen 



angsichts vor äugen mein. 
Darumb sing ich mit schallen, 
dich lob ich ob in allen, 
es sindt die würckhung dein, 

5. Preissent mit mir den Herren, 
erhöcht in alle sandt. 

Die sich haben bekeeret, 
werden auch nit zu schandt. 
Darumb wil ich all stunde 
riemen in meiner seel, 
ich habs mich vnder wunden, 
zloben mit meinem mundte 
den grossen Gott Israel. 

6. Jauchzend vor gott, ir lande, 
lobsingend seinem nam, 
machend sein ruem bekandte, 
kindt aus sein wunder allsam. 
Er wir dt sein feindt zertretten 
mit seiner grossen macht, 

all landt solln in anbeeten, 
frölich. für in zetretten, 
rüemen sein wunder that. 

7. Darumb wil ich im singen, 
sein giet werd ewigclich, 
auch mit dem mund verkind- 

tigen 
den glauben für vnd für. 
Er hat gemacht ein bundte 
dem auserweltem Volckh, 
des lob ich in all stundte 
mit hertzen vnd mit munde, 
der ewig weren soll. 



IL Die ältesten Lieder der Täufer. 



19 



8. Kombt her vnd last vns singen 
dem herren mit ruem vnd 

danckh, 
auch für sein angsicht bringen 
danckhsagung vnd lob gsang 
Yongrundtdes hertzens raine, 
vorm allerhöchsten gott, 
das es erschallet feine, 
den er thuet könig seine, 
er macht die Götter zuspot. 

9. Last vns nun den anbeeten, 
der vns erschaffen hat, 
auff knieen für in tretten, 
den er ist vnsser gott, 

wir die schaaff seiner waide. 
Verhert die Hertzen nit, 
last euch kein triebsall 

schaiden 
kindts aus vnder den haiden, 
sein gnadt teilt er euch mit. 

10. Singend dem herren mit 

schalle, 
ir völckher vnd alle landt, 
lobsingend im auch alle, 
macht seinen Nam bekandt 
vndern haiden mit lobe, 
erzelt die wunder sein, 
ob schon die völckher toben, 
so ist doch gott zu loben 
vnd nit der götzen schein. 

11. Bringt, ir gschlechter der 

erden, 
starckhE er dem herren schier, 
er will anbeetet werden 
in klaidung heilliger zier, 
den er thuet könig seine, 
sagts den völckhern behendt, 
das sie in forchten allaine, 



den herrn aller herrn gmaine, 
sein herschung hat kain Endt. 

12. Ir diener, lobt den herren, 
preiß gebt im alle zeit, 
auch seinem Nam die Eere 
biß in die ewigkeit. 

Von dem auffgang der Sonnen 
bis zu dem nidergang 
sollen in loben all zungen, 
die alten vnd die jungen. 
Sein güet nimer vergadt. 

13. Danckht dem freindtlichen 

herren, 
des güet ewig bestat, 
lobt gott ob allen göttern, 
in seiner Mayestat. 
Dem herren aller herren 
sagt danckh vmb sein genadt, 
sein güet thuet ewig wereii, 
wunder thut er auff Erden 
sein güet nimer vergadt. 

14. Verlaß sich kainer auff'Fürsten, 
noch auff die menschen kindt ; 
zur erdt sie werden müessen, 
ir geist fart hin geschwindt. 
Darumb mein seel soll loben, 
weil ich beim leben bin, 
Gott im himel da oben 
vmb alle seine gaaben. 
Wol den, die traun auff in. 

15. Er Wirt Jerusalem bauen, 
darumb so lobet in, 

vnd wirt zusamen klauben 
all die Verstössen sindt, 
wirt haillen alle hertzen, 
die letzt zerbrochen sindt, 

verbinden Iren schmertzen, 

2* 



20 



II. Die ältesten Lieder der Täufer. 



so lobet in von hertzen 
mit freidenreicher stim. 

16. Lobt ir himel den herren, 
erhöhet seinen Nam, 

vnd alles himlisch beere, 
die Engel in seim thron, 
desgleichen Sonn vnd Monne, 
die Rechter loben in, 
der himlen himel schone, 
die wasser ob dem throne 
loben den herren mit. 

17. Auch gebt im lob auff erden 
allein in ainigkait, 

ir könig vnd ir herren, 
fürsten vnd alle leit, 
ir Alten vnd ir Jungen 
lobet den Namen sein, 
den, obschon alle Zungen 
auff erdt zusamen sungen, 
so wer dein lob zu klaln. 

18. Ir tollen vnd ir groben, 
sin dt ir so faul vnd miett, 
wellet ir den nit loben 
ein mall des herren güet, 
welcher vns hat gegeben 
den leib vnd auch die Seel, 
die speise vns zum leben. 
Wie kindt ir wider streben 
dem herm Gott Israel? 

19. Ir kluegen vnd ir weissen, 
die ihr in hoch erkendt, 
thuent auch den herren 

preißen 
lobet in bis ans Endt, 



lobsinget im mit schalle 
all stund vnd augenplickh, 
den tag zu taussent malle, 
so last euch gott nit fallen 
in der gottlossen strickh. 

20. Lobt gott in seiner heilligkait^ 
in seiner vest vnd sterckhe 
vnd auch in seiner herrligkait, 
sein gwalt vnd wunder- 

werckhe. 
D pusaunen lasset klingen, 
psalter vnd harpffen guet, 
was leben hat soll singen, 
jauchtzen vnd vor gott 

springen, 
in im seit wolgemueth. 

21. Wir sind die armen schäfflen 
allhie auff disser Erdt, 

die du vns hast berueifen, 
zu deinem son bekert. 
Den do. wir waren kranckhe, 
schick&t vnns dein liebes kindt, 
darumb wir im on wanckhen, 
on vnderlaß solln danckhen, 
das er die sindt hin nimbt. 

22. So wir haben schon laide, 
ein stindlen fieren klag, 
so wirt vns gott erfrejen 
wol an dem grossen tag, 
erretten von dem zwange, 
trauren vnnd hertzen laidt. 
Wir einander vmb fangen, 
gott riemen mit lob gsangen 
für alles grosBes Laidt. 

Amen. 



Das 2. Lied Malers ist wol das mit dem Anfange: Anß 
tiefer Noth schreyn wir zu dir (Jahrb. 13, 44, Cod. Vind. 14554 
Bl. 97), das mit einigen Änderungen auch in A 327 mit der Be- 



II. Die ältesten Lieder der Täuefr. 21 

merkung steht: „DiB Lied haben die Siben Brüder im Qefengnnß 
zu Gmünd gemacht, jeder ein gesetz,^ so dass Märten also nur 
eine Strophe zugehören würde. Dass Brüder im Geftingnis gemein- 
sam Lieder dichteten, ist eine Erscheinung, der wir noch oft 
begegnen werden. 

Diese Hinrichtung von sieben Brüdern muss allgemeines 
Entsetzen hervorgerufen haben. Peter Riedemann, den wir 
noch kennen lernen werden, schildert die letzten Stunden der 
Brüder in dem Liede: Kürtzlich hab ich vorgnommen (A 118), 
das auch im mennonitischen Gesangbüchlein Bl. 169a sieht; die 
mährischen Gesangbücher (Cod. Gran III, 200 Bl. 366 und III, 
155 Bl. 85a, Pressbg. 203 Bl. 75a, 236 Bl. 212, sowie Jhrb. 13, 46) 
haben einen etwas abweichenden Anfang: Kürtzlich hab ich mich 
bsunnen. Ein anderer unbekannter Verfasser hat gleichfalls das 
Ereignis in einem Liede von 47 Strophen besungen, das sich im 
Cod. 512 Bl. 73—9 des Brünner Landesarchivs findet; es hat den 
Anfang: Aus hertzlichen muet vnd euffer kann ich nit vnder Ion. 

Trotzdem, wie wir gesehen haben, das Vorgehen der Obrig- 
keiten allerwärts gegen die Täufer an Energie und Grausamkeit 
kaum seinesgleichen fand und allmälig der Boden von ganz 
Deutschland mit dem Blute der Märtyrer sich zu röten begann'), 
waren es gerade die Jahre 1528 und 29, die das Täufertum über 
ganz Deutschland und die Niederlande verbreiteten. Die Zeit 
der Christenverfolgungen war in Deutschland angebrochen; allein 
je mehr die Täufer wilden Tieren gleich gehetzt wurden, um so 
weiter drangen sie in Deutschland vor und der heldenmütige 
Untergang der Märtyrer, die Lieder singend und freudigen Blicks 
den Tod erwarteten*), wirkte als eine gewaltige, berauschende 

*j In Tirol und Görz waren bis zum Jahre 1531 bereits 1000 
Täufer hingerichtet, zu Ensisheim, dem Sitz der vorderösterreichischen 
Regierung 600; Herzog Wilhelm von Baiern erliess den Befehl: Wer 
widerruft, wird geköpft, wer nicht widerruft, verbrannt. (Cornelius: 
Öesch. d. Münsterischen Aufruhrs 2, 57). 

*) Einer der heftigsten Gegner der Täufer, der Wiener Bischof 
Job. Faber bestätigt in seinem Buch „Von Aydschwören", „das die 
widertaufFer oder gartenbrüder also frölich vnd getrost die pein des 
todes leiden : Sie tantzen vnd springen in das fewer, sehent das glitzend 
Schwert mit vnerschrockem hertzen, reden vnd predigen dem volck niit 
lachendem mundt, sie singen Psalmen vnd andere gesang, biß in die seel 
außgeet, sterben mit fre&den, als weren sie bey einer frölichen gesell- 
schafft, bleyben starck, getrost vnnd stanndhafftig biß in todt . . . Vnd 



22 II- Di© ältesten Lieder der Täufer. 

Saggestion wie einst in den Zeiten der römisclien Imperatoren 
und führte ungezählte Scharen die gleichen Wege. 

Vor allem wurde Mähren das gelobte Land der Wieder- 
täufer. Hier fanden sie, unterstützt von einem grossen Teile der 
Landherren, gastfreie Aufnahme und volle Freiheit für ihre 
religiösen Anschauungen. Aber da gleich die ersten Jahre des 
Täufertums von heftigen Anfeindungen begleitet gewesen waren, 
so hatten die Täufer keine Zeit gefunden, ihre dogmatischen An- 
sichten zu einem festgefügten System auszubauen, und dieser 
Mangel an innerer Einheit machte sich bald fühlbar. Es war 
fast unausbleiblich, dass beinahe jede grössere Gemeinde in, 
wenn auch geringfügigen Einzelheiten von der andern sich unter- 
schied, und dass namentlich in Mähren, wo die Gemeinden oft 
hart aneinander grenzten, Spaltungen sich ergaben, die die Ent- 
wicklung des Täufertums auf das äusserste gefährdeten. 

Schon im Jahre 1527 zeigten sich solche Reibungen, die 
allerdings zuerst nur lokaler und persönlicher Art waren. 
Der Kürschner Gabriel Ascherham hatte Täufer aus Schlesien 
nach Mähren geführt; ihm gesellte sich bald Philipp Plener, 
Blauärmel genannt, zu, der Täufer aus Württemberg und Schwaben 
nach Rossitz brachte. Gabriel trat ihm die Leitung der Gemeinde 
ab, suchte sie aber wieder zu erlangen, als er sah, dass Philipp 
nicht nach seinen Ansichten vorgehe. Die beiden Gemeinden 
trennten sich schliesslich und bildeten als Gabrieler und Phillpper 
zwei gesonderte „Völckher" ^). Tiefer greifend war ein Streit, der 
sich schon 1526 erhoben hatte und wichtige soziale Fragen der Ge* 
meinden betraf. Damals war Hans Hut nach Nikolsburg gekommen 
und hatte eine Versammlung der Ältesten der Gemeinde, unter 
denen sich auch der neu erwählte Hans Spitlmair befand, ein- 
berufen, um zu beraten, ob die Täufer das Schwert tragen und 
brauchen dürften und ob man verpflichtet wäre, Kriegssteuer zu 
entrichten. Die Versammlung ging, ohne eins geworden zu sein, 
auseinander. Aber Herr Leonhart von Lichtenstein, der für das 



ehe sie ain artickel widerrÄfften, sie litten ehe noch hundert tödt, zu 
dem hleyben sie also trntzig auff jrem fürnemen, das sie auch tnitzea 
aller pein vnd marter." Aber er erklärt ihre Todesfreudigkeit als den 
Ausfluss des Teufels in ihnen, da selbst Christus in seinem Leiden ge- 
weint habe. 

*) Ober die Anf&nge der Gabrieliter vgl. besonders Loserth im 
Archiv 81, 140 ff. 



II. Die ältesten Lieder der Täufer. 23 

Schwert gewesen war, grollte Hans Hut wegen seiner gegen- 
teiligen Ansicht und Hess ihn gefangen setzen. Hut aher entrann 
der Haft. 

Zu diesen Fragen gesellte sich eine andere, ja die wichtigste 
fast im Leben der Wiedertäufer, nämlich die der „Gemeinr 
Schaft^, des Kommunismus der Brüder. Die Anregung dazu hatte 
Hubmaier gegeben, doch trug seine Anschauung noch nicht die 
schi*off ausgeprägte Form der späteren Zeit. 1526 erklärt er in 
seinem „Gesprech": „Ich hab ye vnd all weg also geredet von 
der Gemeinschaft der guter, das ye ain mensch auff den andern 
ein aufPseben haben soll, damit der hungrig gespeyst, der durstig 
getrenckt, der nacket beklaydt werde. Dan wir seyent ya nit Herrn 
vnser Güter, sunder Schaffner vnd außtailer. Es ist gewißlich 
kainer, der da sag, das man dem andern das sein neraen solle 
vnd gemain machen, sondern vil ee den rockh zu dem mantel 
lassen.« (BGB 72 Anmkg.). 

Um nun in dieser Frage, aber auch in der vom Schwert 
und der Steuer zu einer Klarheit zu kommen, wurde abermals 
eine Besprechung der Altesten angeordnet. Wieder vertrat Hans 
Hut seine Ansicht, dem Christen gezieme das Schwert nicht und 
hatte Jakob Wiedemann, der damals aus Osterreich nach Mähren 
gekommen war, und Philipp Jäger auf seiner Seite; aber trotzdem 
vermochte er abermals nicht die Gegner, an deren Spitze Spitlmair 
stand, zu seiner Ansicht zu bekehren, und so verlief auch diese 
Versammlung ohne Ergebnis. 

Die Folge davon war eine tiefgehende Spaltung innerhalb 
der mährischen Gemeinden. Jakob Wiedemann und Philipp Jäger, 
die für die Gemeinschaft, aber gegen das Schwert und die Kriegs- 
steuer waren, trennten sich von der Nikolsburgcr Gemeinde und 
zogen nach Austerlitz, wo die Herren von Kaunitz, namentlich 
der reformfreundliche Ulrich von Kaunitz sie bereitwillig auf- 
nahmen; beide Gemeinden erhielten ihre Spitznamen; die Mit- 
glieder der einen nannte man die Schwertler, die der andern, 
weil sie den Christen nur einen Stab, aber kein Schwert zuer- 
kannten, die Stäbler. 

Die Ansicht von der Gemeinsamkeit der Güter verbreitete 
sich rasch unter den Wiedertäufern in Mähren und schied sie 
namentlich später scharf von den Schweizern. In Oberösterreich, 
wo nach der Sprengung der durch Hans Hut begründeten Steyrer 
Gemeinde, die inLinz zum Mittelpunkt für die Täufer wurde, neben der 



24 II« ^^^ ältesten Lieder der Täufer. 

aber zahlreiche andere Gemeinden, so in Wels, Enns, Ried, Gall- 
nenkirchen, Grein,. Gmunden, Lambach, Manthansen, Schärding, 
Vöklabruck, im Hausruck, Püchl und an mehreren anderen Orten des 
Attergaus sich auftaten (BGB 88 Anmkg.)« war Wolfgang Brandhuber 
der Führer und auch er hielt es mit einem wahren christlichen 
Leben für unvereinbar, Kaufmannschaft und Wucher zu treiben, 
Rache zu üben und in den Krieg zu ziehen. Doch verlangt er 
Gehorsam gegenüber der Obrigkeit in allen Dingen, die nicht 
wider Gott sind. Bezüglich der Gütergemeinschaft sagt er^): „In 
der Gemeinde soll nicht ein Jeder selbst Haushälter und Seckel- 
meister sein, sondern der Armen und Reichen Vermögen soll aus- 
teilen der, so von der Gemeinde dazu verordnet oder erwählt ist. 
Alle Dinge sollen so zum Preise Gottes dienen, man soll sie 
gemein machen, so Gott Ort und Statt gibt, es vergönnt und 
zulässt.^ Und ähnlich äussert sich der oberösterreichische Täufer 
Ambrosius Spittelmayr'): «Ein rechter, wahrhaftiger Christ soll 
auf dem ganzen Erdreich nicht soviel haben, als worauf er mit 
einem Fuss mag stehen. Das heisst aber nicht, dass er keine 
Herberge haben soll und im Walde schlafen, dass er keinen Acker 
oder keine Wiese sein eigen nennen und nicht arbeiten soll, sondern 
allein, dass er nicht glaube, das, was er habe, dürfe er nur für 
sich brauchen, und dass er spreche, das Haus ist mein, der Acker 
ist mein, der Pfennig ist mein. Er muss vielmehr glauben, sein 
Besitztum sei das aller seiner Brüder.^ 

Wir können hier die Geschichte des Täufertums in Deutsch- 
land nicht im einzelnen verfolgen, nur bemerken wollen wir, 
dass es in Baiern, Württemberg und der Pfalz in ähnlicher 
Weise sich entwickelte, wie in Osterreich, dass auch hier die 
schärfste Verfolgung nichts fruchtete. Der Pfalzgraf Ludwig liess 
im Jahre 1529 allein 350 Personen hinrichten und trotzdem sah 
sich sein Henker, der Burggraf von Alzey, zu dem Ausrufe ge- 
nötigt: „Was soll ich thuen, je mehr ich richten und tödten lasse, 
je mehr werden ihrer.^ (BGB 31). 

Nur am Niederrhein nahm das Täufertum zum Teil eine 
andere Richtung als in Mittel- und Oberdeutschland. Dort war 
im Jahre 1530 Melchior Hofraann, ein Kürschner aus Hall in 
Schwaben, der ursprünglich Lutheraner, dann Zwinglianer ge- 
wesen war, und den prophetischer Drang bis weit nach Norden, 

') Nicoladoni: Johannes Bünderlin, 51. 
•) A. a. 0. 8. 53. 



U. Die ältesten Lieder der Täufer. 25 

nach Riga und Stockholm geführt hatte, in Strasshurg zu den 
Wiedertäufern übergetreten, und hatte bald die Strassburger Täufer, 
die bisher treu an den Züricher Anschauungen festgehalten hatten, 
für seine eigenen abweichenden Anschauungen gewonnen. Von 
den mährischen Täufern unterschied er sich dadurch, dass er sich 
in Gehorsam gegen die Obrigkeit für den Gebrauch der Waffen 
entschied und den Eidschwur, den jene unbedingt verdammten, 
ausnahmsweise für zulässig erklärte. Der wesentlichste Unter-' 
schied aber zwischen ihm und den Schweizern und Mährern 
bestand in seiner Ansicht, Christus habe sein Fleisch nicht von 
Maria angenommen, sondern das Wort selbst ohne Mitwirkung der 
menschlichen Natur sei Fleisch geworden '), eine Ansicht, die von 
da ab dauernd die niederdeutschen Täufer von den Schweizern 
und Mährem schied, indem sie in Niederdeutschland und Holland 
massgebend wurde. So wurde Hofmann der Stifter der nach 
seinem Vornamen benannten Melchioriten. 

Doch kehren wir wieder zu den mährischen Täufern zurück, 
die inzwischen ungemein an Zahl zugenommen hatten, da sie aus 
allen Teilen Deutschlands, aus der Schweiz und Tirol und Ober- 
österreich, aus Schwaben, Hessen, Baiem und Schlesien dauernd 
Zuzüge erhielten. Doch auch an Keibungen fehlte es in Mähren 
nicht. Wieder begannen sie in Ansterlitz, wo die Zahl der Brüder 
so gross geworden war, dass sie in 3 Teile gesondert wurden, 
deren jeder seinen eigenen Diener des Wortes Gottes hatte. Doch 
die Lehre unter ihnen war ungleich; einzelne Vorsteher liessen 
sich Übergriffe zu schulden kommen, die aus Tirol Zugewanderten 
beklagten sich, dass hier ^die leer nit so tröstlich vnd erbaulich 
sei, wie in der Grafschaft." Besonders war Wilhelm Räbl sehr 
eigenwillig und begann die Schrift auszulegen, ohne dass ihm das 
Lehramt wäre anvertraut worden. Infolge der so entstandenen 
Spannung zwischen den Führern Jakob Wiedemann einerseits und 
Wilhelm Bäbl, dem sich Jörg Zaunring anschloss, andererseits 
trennte sich die Gemeinde. Die Anhänger Käbls zogen nach 
Auspitz. Beide Streitteile aber sandten Boten nach Tirol um 
Schiedspruch zwischen ihnen, worauf Jakob Hüter und Sigmund 
Schtitzinger gegen Räbl, der sich auch sonst manches hatte zu 
schulden kommen lassen, erkannten. Getadelt aber wurden vor 
allem die Austerlitzer, namentlich wegen grosser „fleischlicher 

^) Oomelius 2, 94; Gerbert: D. Strassburger Sektenbewegung, 
S. 169. 



26 n. Die Lieder der ältesten Täufer. 

Freiheit*', die besonders Adam Schlögl in die Gemeinde einge- 
pflanzt hatte. An die Spitze der Anspitzer Gemeinde trat jetzt 
Georg Zaunring, der aber, weil er mit seiner ehebrecherischen 
Frau weiter vereint blieb, bald aus der Gemeinde ausgeschlossen 
werden musste, sodass diese eine Zeit lang ohne Führer blieb, 
bis 1531 Sigmund Schützinger an seine Stelle trat. Bald 
darauf kam durch Vermittlung Jakob Huters eine Wieder- 
vereinigung der Gabrieler und Philipper mit der Gemeinde 
Schützingers zustande. Im Jahre 1533 zog Jakob Hater 
dauernd nach Mähren, sah sich aber gezwungen, den Schützinger 
Und einige andere ihres Eigennutzes wegen aus der Gemeinde 
auszuschliessen ; aber auch mit Philipp Blauärmel und Gabriel 
Ascherham kam es zu neuerlichen Zwistigkeiten, die schliesslich 
dazu führten, dass Huter eine neue Gemeinde stiftete, die nach 
ihm den Namen die huterische bekam und zu deren Ansichten 
sich nach und nach auch alle übrigen Gemeinden in Osterreich, 
bekannten^), deren wichtigste in sozialer Hinsicht waren: Das 
Verbot der Annahme eines obrigkeitlichen Amtes, des Eides, des 
Waffentragens und des persönlichen Eigentums. 

Mit der Gründung der huterischen Gemeinde wird der Name 
„Schweizer Brüder" aus einem ursprünglich allgemeinen zu einer 
gewissermassen amtlichen Bezeichnung der konservativen Gemeinden 
unter den Täufern, die im Gegensatze zu den fortschrittlichen 
Huterern an den Bestimmungen der Schlattner Artikel festhalten. 

III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brfider. 

Als die ältesten Lieder, welche die Schweizer Brüder als 
ihr Eigentum in Anspruch nahmen, von denen aber einige trotzdem 
auch unter den Huterern und Mennoniten Aufnahme und Ver- 
breitung fanden, haben wir jene Lieder zu betrachten, die im 
2. Teile von A unter folgendem besonderen Titel, mit eigener 
Seitenzählung und eigenem Register, damit sich scharf vom 1. Teile 
abhebend, vereinigt sind: 

ETLICHE SEHR SCHONE i ©^riftlic^c ©cfcngc, mic bic- 
felbiqen 5U | ^offatn^ t)on ben ©c^mei^erbrübern^ in ber | ®efengnu§ 

^) Auch die Täufer in Tirol schlössen sich den Huterern an; 1566 
gesteht Jörg Püchler bei seinem Verhör: „Si sein khain sect, sonder 
Cristen des Huetterischen glaubens, von Jacoben Uuetter her (Ammann: 
Die Widertäufer in Tirol, S. 121) 



in. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 27 

im®d^{og^ burc^ (Sottet | gnab gebtd^t mb gefungen | morben. [| Psalm. 
139. II T)ic ©tollen ^aben m ir ftticf gelegt, ba^ | garn ^aben ftc mir 
mit ®e^Ien aufgefpannen, | $nb ba xtS) ge^en foU^ ^oben fie mir 
fallen ju* | gcrüftet. ©nrumb fptcd) id) jum <^errcn: J)u | bift mein 
©Ott. II [Vignette] Ann. M.D.LXXXIII. 

Die Lieder dieser Sammlung sind zum Teil anonym, zum Teil 
nur mit den Anfangsbuchstaben ihrer Verfasser überliefert, was 
die wenigen, die sich überhaupt mit diesen Gesängen beschäftigt 
haben, zu den seltsamsten Vermutungen und gewagtesten Be- 
hauptungen veranlasst hat, die wir hier vorausschicken müssen, 
bevor wir uns selbst einer genauen Untersuchung zuwenden. Der 
Umstand, dass zwölf Lieder die Buchstaben H. B. tragen — ein 
dreizehntes zeichnet H. B. und M. S. — führte WKL 5, 721 zu 
der Annahme, es seien diese Lieder Eigentum Hans Bücheis, von 
dem der 1. Teil von A mehrere Lieder enthält. Dass dieser Irrtum 
möglich war, erklärt sich wohl daraus, dass Wackernagel auch von 
Büchel nichts mehr kannte als den Namen, dass er zwischen dem 
1. und 2. Teile von A nicht unterschied und die Entstehung beider 
Teile in derselben Zeit suchte. Noch ratloser war man den Buch- 
staben M. S. gegenüber. WKL 3, S. 459 und 5, S. 766 dachte 
an Michael Sattler, der doch nicht im Kerker zu Passau gefangen 
gehalten. worden war; Rembert S. 485 an Mathias Cervaes (Servaes), 
der 1565 zu Köln hingerichtet wurde; aber er ist nie nach Bayern 
gekommen, und seine zwei uns bekannten Lieder, auf die wir noch zu 
sprechen kommen, schliessen nach Inhält und Form die Möglichkeit aus, 
dass er der Verfasser der elf in A * mit M. S. gezeichneten Lieder sei. 

Eine Klarheit lässt sich nur gewinnen, wenn wir nachweisen 
können, wann in Passau eine grössere Zahl von Täufern längere 
Zeit gefangen lag. Glücklicherweise sind uns die Passauer Akten 
im Münchner Reichsarchiv erhalten und gestatten uns so die 
Lösung des Rätsels'). 

Nicht alle Täufer in Mähren hatten sich der Huterischen 
Gemeinde angeschlossen; viele Mitglieder, namentlich der Anspitzer 
Gemeinde, zogen es vor, in ihre alten Heimsitze zurückzukehren. 
Dazu kam, dass im Frühjahr 1535 auch in Mähren die Verfolgung 
der Wiedertäufer begann, da der Landtag nach langem Zaudern 

Ich benütze die Gelegenheit, um auch an dieser Stelle der 
Direktion des königl. bayr. allgemeinen Reichsarchivs für die liebens- 
würdige Zusendung dieser Akten meinen verbindlichsten Dank aus- 
zusprechen 



28 ^^^' ^i^ ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

lind über wiederholtes Drängen des Königs Ferdinand sich ent> 
schloss, den Wiedertäufern aufzusagen, die zu Georgi das Land 
räumen sollten. Unter den ersten, welche des Königs Befehl 
erfüllten, war die Grundherrin von Auspitz, die Äbtissin des Königs- 
klosters zu Brunn. Da vorauszusehen war, dass die aus Mähren 
auswandernden Täufer, um nach dem Westen zurückzugelangen, 
aus dem sie gekommen waren, ihren Zug durch Bajem nehmen 
würden, erliess der Administrator des Passauer Bistums Ernst 
schon am 22. April das Verbot, irgend einen mährischen Wieder- 
täufer zu beherbergen, weiter zu befördern oder mit ihm Handel 
und Gemeinschaft zu pflegen; besonders die Grenzsteige sollten 
scharf überwacht werden. Schon Ende Juli wird uns die Gefangen- 
nahme einiger Täufer gemeldet. Am 14. August 1535 geben die 
Herzöge Wilhelm und Ludwig einen verschärften Erlass an den 
Pfleger von Hals, Albrecht Buchler, keinen Wiedertäufer durch- 
zulassen, sondern vielmehr alle gefänglich einzuziehen, um die 
Bewohner Bajeiiis vor der Gefahr einer Ansteckung mit der 
tänferischen Sekte zu bewahren. Die strengen Massregeln waren 
begreiflich von Erfolg begleitet. Am 23. August 1535 melden die 
Räte und der Hofmarschall in Passau dem Fürsten, dass am letzten 
Pfingsttag (19. Mai) der Richter am ^Yltzstath^ bei Passau 15 Per- 
sonen, 7 Männer, 5 Weiber und 3 Kinder „so sich für derlaj 
widei*taufferisch personnen öffentlich ausgeben haben*', gefangen 
genommen und in das Schloss Oberhaus geführt habe. Am Freitag 
wurden sie vom Marschall im Beisein des Landrichters und Gerichts- 
schreibers verhört und ihr Bekenntnis aufgenommen. Es wurden 
ihnen dabei 12 Fragen vorgelegt, von denen zwei ganz deutlich 
die Furcht der Behörde vor den Wiedertäufern verraten, die man 
fast ausschliesslich als politische Aufrührer betrachtete. Die 9. Frage 
lautet : „Was Jr fumemen seye, wann sy nue mit grosser antzall 
zusamen khomen, ob nit z wuschen Jneu angeschlagen, wann sj 
so starckh wurden, sich der Oberkhaiten wie zu Munster beschehen, 
zuwidersetzen.'* Die 11. Frage: „Ob nit etlich aus Jr Sect den 
Tuerckhen zuezogen.** Aus den Bekenntnissen der einzelnen heben 
wir nur das wichtigste hervor: Hans Hafifner von Riblingen bei 
Schwäbisch Hall war seit zwei Jahren Täufer und durch Adam 
Scblögl in Auspitz getauft worden, von wo er vor 6 Wochen durch 
den König vertrieben worden war. (Er war also ein Philipper.) 
Mit denen von Münster, sagt er aus, hätten sie „khain khundschafft 
gehabt, wann derselben von Munster seyen nit Jrer Secten oder 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer ßnider. 29 

thuns. Denn dieselben geen mit fechteu vinb, tragen Schwerter, 
welches sj nit thun, sonnder halten den ßelichen standt/^ Georg 
Lang, von einem Hof zu Atzers weilen zwischen Franken und Schwaben, 
war zu Donauwörth von Adam Stock getauft worden. Dittrich 
von Heilbronn hatte in seiner Heimat von einem Vorsteher namens 
Andree die Taufe erhalten; in Mähren seien bei 4 — 5000 Tftufer 
in drei Herrschaften. Hans Hoffmann von Waidenburg bei Schwäbisch 
Hall wurde von Schlögl in Auspitz getauft. Hans Hultzhoder von 
Kupferzell von Adam Schlögl in Donauwörth getauft. Hans von 
Eiblingen, der mit seiner Frau gefangen wurde, habe ein Kind 
mit sich, das aber nicht sein eigenes sei, sondern ihm von der 
„frundschafft*' zugegeben wurde. Hanns von Atzersweilen, mit 
Weib und Kind gefangen, war von Philipp Plener zu Anspitz, 
seine Frau Anialia von Adam Schlögl zu Donauwörth getauft 
worden. Eva, des Georg Lang Hausfrau, von Philipp Plener in 
Auspitz getauft. Angela (im Protokoll steht Anglea), die Frau des 
Hans von Riblingen, gleichfalls von Philipp in Auspitz getauft, 
hat ein Dirndle Barbara bei sich, das ihr zugegeben wurde. 
Kunegunde, die Frau Dittrichs von Heilbronn und Katharina, die 
Frau des Hans Haffner von Biblingen waren beide zu Donauwörth von 
Adam Schlögl getauft worden, die letztere hat einen 10jährigen Knaben 
Michl bei sich, der ihr zugegeben wurde. Alle waren also Philipper. 
Da der Hofmarschall und seine Räte befürchteten, die gütliche 
Befragung der Wiedertäufer habe noch nicht die volle Wahrheit 
ergeben, entschlossen sie sich zu peinlicher Befragung der Ge- 
fangenen, wobei Hans Haffner gestand, „wie ainer, der Michel 
Schneider genanndt, auch hergepracht worden, der ain vorsteer 
sein soll. Aber zu Auspitz [sei er] kain Vorsteer gewest, sondern 
erst ainer werden muessen^. 

Am „Phinztag nach Exaltationis s. crucis^ (14. Sept.) 1535 
wurden 14 andere mährische Wiedertäufer in Oberhaus „gütlich 
besprochen^; die meisten sagten aus, der mitgefangene Michael 
Schneider sei ihr Vorsteher. Die Gefangenen waren: Bernhard 
Schroter aus Gibichen in Württemberg, zu Paurbach von Andre 
von Neiss getauft, den man zu Neuenburg an der Donau mit dem 
Schwert gerichtet; seine Frau Anna, von Hans von Bibrach ge- 
tauft; ihr Vorsteher in Auspitz war Philipp Plener; in dem Haus- 
haben, darin sie gewohnt, seien an 200 Täufer gewesen. Hans 
von Schluechtern in der Pfalz wurde von einem Schweizer Märten 
Wagner in der Nähe von Basel getauft, seine Frau Margreth 



30 m. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

von Hans von Bibrach getauft, der im Gefängnis gestorben sei. 
Michael Schwister von Seytam bei Speyer von Hans von Schwaizen 
bei Heibronn getauft. Konrad von Sitlins, aus Neuenstadt bei 
Heilbronn, von einem Schweizer, namens Julias, getauft. Georg 
von Ottnis, „ein Bub von 15 Jahren^. Barbara, die Hausfrau des 
Konrad von Sitlins, von Philipp Plener in Auspitz getauft. Margreth, 
eine Wittib von Heilbronn, vor 5 Jahren getauft von einem „g^e- 
nannt Hannss, so gestorben, aber davor zu ainem Schelmen worden 
vnd der Warhait abgestanden". Ursula, des Valentin von Sternen- 
fels Hausfrau, von Andreas von Neiss getauft. Barbara eine Wittib 
aus Prosl, in ihrer Heimat von Philipp getauft. Apollonia, des David 
von Innern Rusen Hausfrau, von Adam Schlögl getauft. Barbara, 
eine Dirn von 10 Jahren, wurde „kindh^it halben nicht bespracht. 
Am selben Tage wurde eine neue Schar von 20 Wieder- 
täufern aus Mähren einem Verhör unterzogen. Unter ihnen geben 
7 an, Michael Schneider sei ihr Vorsteher. Ihre Namen waren: 
Michel Khumbauf von Prussl ^), von Philipp (Plener) von Strass- 
burg getauft. Hans Peckh von Greding bei Eichstätt, von Blasy 
Khumbauf getauft; er war schon früher einmal zu Eggenburg 
gefangen, wurde aber freigelassen, jedoch mit 20 anderen durch die 
Backen gebrannt. Oswald von Augensperg (?) am Kocher, von Ad. 
Schlögl getauft. Hans Fuchs von Prussl durch Philipp Plener zu 
Augsburg getauft. Hans Steuber von Durlaeh, in seiner Heimat 
von Konrad Lemlin getauft. Bernhard Schneider, „ain junger 
Gesell" von Frisingen bei Laubingen, zu Neckar Weichingen ge- 
tauft. Jakob, „so sich liegst von Weil genennt, darumb er alda 
ain zeit lang gewont, sonst vmb Vlm anhaimss". Hans Ruemmich 
von Marbach, von Blasy zu Auspitz getauft. Gertraut Treytl, des 
Michel Schneiders Hausfrau, vor 3 Jahren von „ainem genannt 
Julius, ain schneyder" zu Prussl getauft. Apollonia von Prussl, 
von Philipp getauft. Barbara, der Apollonia Tochter, von Blasy 
getauft. Anna von Durlach, des Hans Steuber Hausfrau, von 
Hansen Kellner zu Haidlitzen bei Prussl getauft. Margreth, des 
Jakob von Weil Hausfrau, im Dorf Eyssen von Blasy getauft. 
Elisabeth, des Hans Peckh Hausfrau, von Jobst getauft. Judith, 
des Hans Ruemmich Hausfrau, von Wolf von Gritznis, der zu 
Bretten am Rheinstrom gerichtet wurde, getauft. Anna von Khund- 
lins, eine junge Frau, von Ad. Schlögl getauft. Anna von Peyrtl, 
eine junge Frau, von Philipp Plener zu Auspitz getauft. Ursula 

*) Prussl dialecktisch für Bruchsal. 



III. Die 'ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 31 

von Kuntzensee am Kocher, Yon Blasy in Auspitz getauft. Anna 
von Kurzpach, von Philipp getauft. Anna, des Michel von Prussl 
Hausfrau, von Konrad zu Paubech getauft. Auch diese Täufer 
waren alle Philipper. 

Dass alle diese Wiedertäufer auch peinlich befragt wurden, 
unterliegt wohl keinem Zweifel, wenn sich auch nur die Aussage 
Bernhard Schneiders erhalten hat, der am 18. September unter 
der Folter bekannte, dass er vor 2 Jahren in die Sekte eingetreten 
und dann bald nach Auspitz gezogen sei, wo er bis jetzt gewohnt 
habe. Vorsteher daselbst seien Philipp (Plener) von Strassburg, 
Blasy Khumauf von Prussl (gewiss Blasius Kuhn von Bruchsal bei 
BGB 71) und Adam Schlögl von Nürnberg; von ihnen sei er ^in 
das landt geschickt worden.^ Ais Vorsteher bezeichnet auch er 
den Michael Schneider, „derselb sey aber derzeit sy vnnten zu 
Auspitz gewonnt, khainer gewest, sonndern erst als sy dasselben 
wegziehen wollen, zu einem gemacht worden, sonnderlichen durch 
den philipp von Strasburg." Sie haben ^kain bleiblich ort,** sondern 
ziehen dorthin, „wo sy gott hin belayt, an ortt da man sy arbeytten 
vnd vnnterkhomen lasse". Mit denen von Münster hätten sie keine 
Gemeinschaft, seien auch keine Gegner der Obrigkeit, „so mit 
Gott ist" ; nur der Obrigkeit, die wider Gott ist, gehorche er nicht, 
wolle ihr aber auch nicht widerstreiten, sondern die Rache darüber 
Gott befehlen. Zu Auspitz haben sie in 3 Häusern gewohnt, 
darinnen 3 — 400 Personen, jung und alt, gewesen, zudem sei auch 
sonst noch eine Hofstatt zu Auspitz gewesen, doch wisse er nicht 
mit wie viel Personen, deren Vorsteher Jakob Hueter sei. 

Und noch sind wir mit der Aufzählung der Gefangenen nicht 
zu Ende. Am 25. September 1535 berichtet der Hofmarschall dem 
Fürsten Ernst als Administrator des Stiftes Passau, dass der Richter 
von Wegschaid am Tage zuvor abermals 5 Wiedertäufer gefangen 
genommen habe. „Vnd wann aber dieselben nit von Auspitz, davon 
die, so hievor in fannckhnus ligen, sonnder von Eger, Dorfbach 
vnd Hertzogburg alher khomen sindt, auch vnseres erachtens 
durch göttliche vnnderweisung ee dann die anndeni widergepracht 
werden mochten, haben wir sy besonnder gelegt, vnnd sind des 
iumemens, auff negstkhommenden Montag die gierten mit bevelh, 
das sy die wider zu cristlichem glauben zupringen allen muglichen 
vleys fernemen sollen, zu verordnen." Die Gefangenen waren: 
Hanns Petz von Eger, ein Tuchmacher; er sei vor 5 Jahren ober- 
halb Wörth in Bayern von Jörg Haffner wiedergetauft worden, sei 



32 III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

zwischen Jacobi und Bartholomaei (25. Juli bis 24. August) nach 
Auspitz gezogen, um das Leben der Täufer dort kennen zu ler- 
nen und habe jetzt wieder zurück nach Eger wollen. „Wann er 
möcht betzeugt werden mit schrifften, das er jrret vnd jme ain 
pesser weg angezaigt mit grund, weite er der warhait nit wider- 
streytten, bisher aber nit erfai*en bessers wegs zu der saligkhait." 
Peter Stumpheter von Schirtnig (?) sagt, er sei zu Urban in 
Mähren von einem gewissen Ulrich getauft worden, der sein Vor- 
steher war. Matheus von Dorffau bei Herzogburg wurde von An- 
di*eas Vischer getauft und war ein halbes Jahr in Znaim, wo ca. 
50 Wiedertäufer unter dem Vorsteher Hans Kellermann lebten; 
^item zu Auspitz seyen etlich jrer sect, jnen widerwertig in et- 
lichen articln gewest, wisse aber nit in was articln, dann er sey 
vast ainfalltig vud vbl beredt." Anna, seine Hausfrau, von Georg 
in Staufenstein, 4 Meilen hinter Bamberg getauft, ist später mit 
vielen Genossen bis nach Krems und dann nach Znaim gekommen, 
wo sie sich mit Arbeit in Weingärten erhalten habe. Margreth, 
Tochter des Regensburger Bürgers, Weinzierls und Maurers Lien- 
hard Scheyer, erklärt, sie sei nur durch Zufall mit diesen Wieder- 
täufern in Znaim zusammengekommen, als sie von Austerlitz zu- 
rück in die Heimat wollte, „seye auch nit fumemens sich in diese 
Sect zu verwickhlen." 

Das also sind die Passauer Gefangenen^), unter denen wir 
die Dichter der Gesänge zu suchen haben. Suchen wh" jetzt eine 
Erkläning, zuerst der Buchstaben H. B., so leiten uns die Chro- 
niken der Wiedertäufer auf die Spur. Dort heisst es (BGB 132) 
^Im 1537 Jar ist der Bruder Hans Petz, ein Euangelischer leerer 
vnd Diener, mit etlichen Christglaubigen personen zu Passau an 
der Thonaw, vmb der göttl. warheit willen, (eine guete Zeit) ge- 
fangen gelegen. Da ist er vnd andere (die ii*en glauben vnd die 
warhait bekannt haben,) in der gefenknus im Herrn entschlafien 
(nach grosser Beständigkeit vnd redlichkait.). Das hat man mit 
iren liedern (deren der Hans Petz vil in seinen Banden gedichtet 
hat) zu bezeugen.** 

Wir wissen also, dass Hans Petz in Passau Lieder dichtete. 
Dass er aber wirklich der Dichter der in den „Gesängen** mit 
HB. bezeichneten Lieder sei, ergibt sich mit voller Sicherheit aus 
den handschriftlichen Gesangbücliern der mährisclien Brüder, die 

*) Eine kurze Notiz bei Winter: Geschichte d. bayr. Wiedertäufer, 
S. 35 besagt, dass die meisten im Kerker ihren Tod fanden. 



111. Die ^Utesten Lieder der Schweizer Brüder. 3$ 

einige seiner Lieder aufgezeichnet haben. Im. Kodex Abl6 der 
Budapester Universitäts-Bibliothek steht auf Bl. 319* — 23 das lied: 
.Nun wolt ich gerne singen, das sich auch in den , Gesängen S. 133 
findet und Bl. 323—4* das Lied: Gelobt sey Gott im höchsten 
thron (= Gesänge S. 287) und über beiden die Überschrift: Hanns 
Petz. Auch die Handschrift üngers hat auf Bl. 270 (Jahrb. 13, 
48) das 1. Lied mit der Überschrift: „Ein schöns Liedt von Hans 
Pezen gemacht." Ist somit Hans Petz als Dichter eines der mit 
H. B. bezeichneten lieder ei-wiesen (das 2. Lied überliefern die 
Gesänge namenlos), so ist wohl mit Fug, zumal bei Berücksich- 
tigung jener Angaben der Chroniken, anzunehmen, Hans Petz habe 
auch alle übrigen Tnit H. B. gezeichneten Lieder verfasst. Es 
sind die folgenden zwölf der Gesänge^): 

1) S. 172: Christus das Lamm auflF Erden kam (WKL 5, 
1043; Pressbg. 212 Bl. 120; 236 Bl. 54). 

2) S. 191: Christus der HeiT ist gangen (WKL 5, 1054; 
Jahrb. 13, 46; Gran III 155 Bl. 69*). 

3) S. 287: Gelobt sey Gott im höchsten thron (Bud. Ab 16 
Bl. 323-4*; Gran III 125 Bl. 22a; Gran III 155 Bl. 
273; Gran III 200 Bl. 176; Pressbg. 203 Bl. 282»; 232 
Bl. 159»; Jahrb. 13, 51). 

4) S. 159: Gott Zebaoth, der war vnd ist (WKL 5, 1041/2; 
Pressbg. 236 Bl. 51). 

5) S. 200: Herr Gott Vatter im Himmelreich (WKL 5, 1055). 

6) S. 209: HeiT Gott Vatter, von dii- allein (WKL 5, 1056). 

7) S. 3: Herr Gott Vatter, zu dii- ich schrey (WKL 5, 1048). 

8) S. 143: Ihr Christen gmein, die jhr seid rein (WKL 5, 
1052; Gran III 200 Bl. 24; meine Handschrift Bl. 153— 
65; Budap. Ab 16 Bl. 193—8; Pressbg. 203 Bl. 175; 236 
Bl. 39). 

9) S. 182: Merckt auff, jhr Völcker gmeine (WKL 5, 1053; 
Pressbg. 236 Bl. 57»). 

10) S. 48: Merckt auff mit fleiß, ein Himmelspeiß (WKL 5, 
1049; Pressbg. 212 Bl. 87; 236 Bl. 46). 



^) Der dem 17. Jahrh. angehörende Cod. Pressbg. 236 bezeichnet 
auch noch folgende 4 Lieder mit den Buchstaben H. F.: Bl. 40: Ein 
Liedlein will ich singen (17 Str.); Bl. 41»: Grelobt sey got der herre, 
der da wonet im liecht (13 Str.); Bl. 42 »: menschenkind, vernimm 
mich wol, ein Bhricht wil ich dir geben (15 Str.): Bl. 44»: Für Got den 
Herren wol wir gan vnd in den geist anbetten thuen (14 Str.). 

Wölk an, Lieder der Wiedertfiufer. 3 



34 11^ ^6 ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

11) S. 133: Nun wolt ich gerne singen (WKL 5, 1040; Gran 
III 155 Bl. 362, Gran III 200 Bl. 164; Budap. Ab 16 Bl. 
320—3; Pressbg. 236 Bl. 48*; Jahrb. 13, 48; meine Hand- 
schrift Bl. 189—96*). 

12) 8, 131: Vnser Vatter im Himmelreich (WKL 5, 1051; 
Pressbg. 236 Bl. 45*). 

In seinen Liedern zeigt sich uns Hans Petz oder wie wir 
vielleicht richtiger zu schreiben haben, Betz, trotz seines ehrsamen 
Handwerks als ein theologisch tüchtig gebildeter Mann. Seine 
Kunst des Dichtens hat sich wie bei allen Dichtem der Täufer 
an dem weltlichen Liederschatze des Volkes gebildet, aus dessen 
breiten Schichten er ja selbst stammt. Gern kündigt er in den 
einleitenden Worten den weiteren Inhalt seines Liedes an; es ist 
das Vorspiel; dann ergeht er sich breit und nicht ohne sich zu 
wiederholen, — auch solche Wiederholung ist kennzeichnend 
für die Mehrheit der täuferischen Lieder — in der Darstellung 
seines Themas. Aber die Breite ei-müdet und der Dichter scheint 
sich selbst solcher Wirkung bewusst; denn fortwährend versucht 
er die Aufmerksamkeit durch Flickwörter wie merck, merck auff 
mit fleiß, vemim, vemim mich wol, rege zu halten; zugleich um- 
schreibt er gern jedes Verbum mit tun, was ungemein eintönig 
wu'kt. Beispiele dafür bieten namentlich die Lieder 7, 8 und 10. 

Während viele läeder der Täufer am Schlüsse nach Art der 
Volkslieder Andeutungen über ihre Verfasser geben, hält Betz 
sich von dieser Art, seine Persönlichkeit zu betonen, frei und 
schliesst zumeist mit einem Hinweis auf Gott. Seine theologische 
Bildung zeigt sich darin, dass er mit Vorliebe jene Anschauungen 
darlegt, welche die Täufer, die Gemeinde Gottes, von den andern, 
den Kindern des Antichrists, den Pilatusknechten sondern. Von 
Gott dem König, will er singen, sein Reich und Regiment will er 
erläutern. So schildert er — und er hält sich gern an das Evan- 
gelium des Johannes — das Himmelreich, das denen gegeben 
wird, die mit Christo ihr Kreuz in dieser Welt tragen. Darum lasst 
uns dulden und Gott um Kraft bitten, dass wir in Christo, seinem 
Sohne, unseren Lauf vollenden (S. 182). Er paraphrasiert das 
Vaterunser (S. 131), besingt die Dreieinigkeit und vergleicht sie 
mit der Sonne ; wie sie dreifache Wirkung hat in Licht und Strahl 
und Wärme, und doch mu* eine ist, sf) auch Gott; denn als Chri- 
stus auf die Welt kam, geschah das nur der Menschheit nach, die 
er angenommen hatte, aber er bliel) dabei Gott (S. 3). Christi 






III. Die ältesten Liedef der Schweizer Briider. 35 

Leiden, durch das Adams Schuld und Gottes Zorn gesühnt worden 
ist, gibt ihm Gelegenheit auf die Bedeutung der Taufe und der 
Gemeinde Christi hinzuweisen (S. 182); die Erläuterung der Berg- 
predigt verbindet er mit einem nachdrücklichen Hinweis, dass wir 
nur durch Gottes Gnade und nicht aus einem Verdienst der Werke 
Gottes Ruh erlangen können (S. 191). Ein längeres Lied — auch 
die Länge der meisten Lieder ist ein auffallendes Kennzeichen der 
Täuferdichtung — ist der Erörterung des Abendmahls gewidmet 
{S. 48). Als die Stunde gekommen war, dass Christus leiden 
sollte, teilte er seinen Jüngern Brot und Wein aus als Gedächtnis 
an seinen Tod, wie das bereits im alten Testament durch das 
Osterlamm angedeutet war. Aber es ist ein Unterschied zwischen 
dem alten und dem neuen Testament; das alte ist nur figürlich 
gemeint und findet seine Vollendung erst im neuen. Chiistus ist 
ein Gnadenthron geworden für alle, die an ihn glauben und in ihm 
geboren werden; das aber ist die christliche Gemeinde, die Gottes 
Gnade empfangen hat, denn er hat sie durchs Wasserbad neu 
geboren. Aber des Herren Kelch ist jetzt l..eiden genannt. Wohl 
möchte der Dichter sich gerne freuen, da Gott uns Glaube, Liebe 
und Hoffnung gegeben hat (S. 143); aber er muss klagen, da die 
Täufer keinen Ort haben, wo man sie in Gottes Wort Hesse ; denn 
alle empören sich wider sie. Doch ist es besser, in der Menschen 
Hand zu fallen, als von Gott zu lassen (S. 201). überall zeigt 
sich der Widerchrist, vor dem der Dichter warnt (S. 159). Dann 
klagt Betz sich selbst seiner Sünden an; doch ob ihn Sünde und 
Tod und Hölle umgab, Gottes Rat habe ihn gesucht und zum 
Leben gebracht; Gott hörte sein Schreien, half ihm vom Tode und 
nahm ihn auf zu seinem Kinde (S. 209). Gern möchte er singen 
und fröhlich sein, aber die Harfe ist ihm gebrochen und gibt keinen 
guten Klang; denn seines Leidens ist viel geworden. Wenn er 
in Freuden leben will, kommt Ti'übsal darein; wenn er gleich gern 
mutig wäre, kann doch Gott allein ihm Freude geben; wenn er 
auch nach Trost sich sehnt, kann er doch Gott nicht dazu zwingen, 
der allein alles in seiner Gewalt habe. Darum vdW er auf seine 
Zeit warten. Anfechtung diingt auf ihn herein, viele Gedanken 
beschweren ihm das Gewissen: Herr bewahre es mir vor des 
Teufels List, umgib mich mit Ki'aft wde Samson, denn ich bin 
umfangen mit einem gebrechlichen Leib; erhöre meine Klage, dass 
ich nicht zum Spotte werde. 

Was die mit M. S. bezeichneten Lieder anlangt, so können 

3* 



36 in. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

wir ihren Verfasser nicht mit solcher Bestimmtheit nachweisen, 
wie dies bei Hans Betz der Fall ist. Aber wenn wir bedenken, 
dass eine grosse Zahl der Passauer Gefangenen Michel Schneider 
als ihren mitgefangenen Vorsteher bezeichnen, so dürfen wir wohl 
in ihm den Verfasser dieser Lieder erkennen, eine Ansicht, die 
dadurch wohl gestützt werden kann, dass ein Lied (S. 57) in. 
den Anfangsbuchstaben seiner zwei ersten Strophen den Namen 
Michel enthält. T^eider sind die Akten über seinen Prozess nicht 
erhalten und auch die Chroniken der mährischen Brüder schweigen 
über ihn, wohl wegen seiner prononzierten Stellung als Vor- 
steher eines Teiles der ihnen feindlichen Philipper. Das mag es 
auch begründen, dass von seinen Liedern nur wenige bei den 
Huterem Aufnahme fanden, während von den Liedern des Hans 
Betz viele sich unter ihnen verbreiteten. Die „Gesänge** ent- 
halten folgende Lieder, die seinen Namenszug tragen: 

1) S. 87: Es hett ein Man zween Knaben (WKL 5, 1062; 
Budap. Ab 16 Bl. 203—6 mit der Überschrift: Passaner 
Liedt; Gran III 155 Bl. 203; Gran III 200 Bl. 128*, Brunn 
512 Bl. 116-9; Jahrb. 13, 44 Bl. 49). 

2) S. 72: HeiT Gott in deinem Reiche (WKL 5, 1061). 

3) S. 17: Herr Gott Vatter in deinem thron (WKL 5, 1059). 

4) S. 103: Ihr Christen rein alsampt gemein (WKL 5, 1065). 

5) S. 108: Mein muth vnd sinn steht mu- dahin (WKL 5, 1064). 

6) S. 122: Merckt auffjhr Christen allgemein (WKL 5, 1063; 
Pressbg. 203 Bl. 189). 

7) S. 13: Merckt auff jhr Völcker allgemein. 

8) S. 57: Mich verlangt zu allen Zeiten (WKL 5, 1060; 
Pressbg. 232 Bl. 242). 

9) S. 69: Mit lust vnd freud wil ich Gott lob singen (WKL 
3, 520). 

10) S. 20: Herre Gott in deinem thron (WKL 5, 1057). 

11) S. 76: Wolauff, wolauff du Gotts gemein (WKL 5, 1058). 

Michel Schneider ist innerlicher, gemütstiefer als Betz. 
Dogmatische Fragen liegen ihm fem; nur das Nachtmahl des Herrn 
berührt er in seinen Liedern. Die „Nachfolge Christi** hat auf 
ihn sichtbar grossen Einfluss ausgeübt; Gelassenheit erfüllt seine 
Seele, ruhig will er dulden und leiden, selbst in der letzten Stunde 
gedenkt er seiner Feinde, um Gott für sie zu bitten; denn die 
höchste aller Tugenden ist ihm die Liebe. 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 37 

Auch er warnt vor dem Antichrist, von dem schon Pauhis 
geschrieben; ilim ist die katholische Kirche der Antichrist, der 
alles verkehrt habe, der verlange, dass man faste und viele Tage 
feiere, ja der zum Teil die Ehe verbiete. Sein Haar hat der Anti- 
christgeschoren, er behauptet Sünden vergeben zu können und glaubt, 
in Brot und Wein sei Christus mit Fleisch und Blut vorhanden. 
Aber das ist Betrug; denn Christus ist beim Vater im Himmel 
und kann nicht gegessen werden. Der Widerchrist hat seinen 
Gott in eine Monstranz eingeschlossen; kommt ein Dieb und stiehlt 
sie, kann sein Gott sich nicht wehren. Der Widerchrist behauptet, 
dass ein neugeborenes Kind verloren sei, weil es die Sünde von 
Adam ererbt habe und will es deshalb von seiner Sünde rein waschen. 
O Welt, glaube ihm nicht, bekehre dich zu Gfoü dem Herrn, steh 
ab von der Sünde; dir ist vorgelegt Fluch und auch Segen; wendest 
du Gott dich zu, wird er dich wie ein Vater empfangen; bleibst 
du beim Antichrist, musst du emg mit ihm leiden (S. 108). Dann, 
wendet der Dichter eindringlicher sich den Menschen zu: Wollt 
ihr selig werden, so müsst ihr von Sünden lassen und Christo 
nachfolgen; wer mit ihm erben will, muss auf Erden viel Leid 
tragen, wie Christus; und wer mit ihm stirbt, \\drd mit ihm ewige 
Freude im Himmel erben (S. 15). Es gleicht der Mensch dem 
verlorenen Sohne, auch der Mensch ist: nicht bei Gott geblieben, 
sein Erbteil hat er verscherzt, aus dem Himmel ward er so ver- 
trieben und kam auf die Erde. Aber Gott gibt ihm aus Gnade 
und Barmherzigkeit seine Huld; der Mensch aber soll Leid und 
Schiherz über seine Missetat tragen und nach Gottes Willen leben 
(S. 97). Der Dichter singt Gott ein Loblied, Gott hat ihn aus 
Gnade gewählt und unter seine Kinder gerechnet; daiomi will er 
ihm sein Leben lang danksagen. An sich selbst richtet er die 
Frage: Was soll ich Gott für diese Guttat geben? Ich habe nichts. 
Eichte mein Herz zu deinem Lobe, damit ich Dh- ewig danke. Du 
hast uns aufgenommen in deine Gemeinde, darum bitten wir, mach 
uns heilig und rein, lass uns Dir befohlen sein (S. 69). Christus, 
der Herr, wird bald kommen, darum rüste ein jeder seine Ampel 
mit Ol, um zu Christi Abendmahl Zutritt zu erlangen (S. 122). 
Gott hat seinen Sohn für unsere Sünden in den Tod gegeben und 
uns verziehen; deshalb sollen yni uns bereiten ihn zu empfangen. 
Sei fest, nift der Dichter dem Menschen zu, wenn auch der 
Widerchiist dich hart umdrängt; Christus \>drd dich zu seinen 
Freuden führen. Aber zuvor musst du Leid erdulden, womit 



3g III. T>VB ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

Christus dich erproben will. Bleibst du bei seinem Wort, so wird 
Gott alles Leid von dir nehmen, Lass Dir, o Heri*, deine Kinder 
befohlen sein, in diesen Zeiten des Jammers verkürz© die Tä^e, 
lass das Elend rasch kommen, nimm deine Gemeinde auf in dein 
Beich und erfülle sie ewiglich mit deiner Kraft (S. 76). Verlasa 
uns nicht in diesem Jammertal, die wir überall verfolgt werden. 
Niemand will Dein göttliches Wort hören, stärke uns in aller 
Marter, lindre alles Übel und lass uns den Sieg gewinnen. Sende 
uns den hl. Geist, dass er uns in Deiner Wahi'heit fülire und leite ; 
richte in uns zu dein Lob und lass deine Kraft obsiegen (S. 72). 
Wir sind bereit. Dir unser Opfer zu bringen; für unsere Feinde 
bitten wir Dich, Du mögest ihre Sünden ihnen verzeihen. Tue 
ihnen das Herz auf, dass sie den wahren Glauben erkennen, um 
dessentwillen wir jetzt sterben und den wir mit unserem Blute 
bekennen (S. 17). Gib uns wahre Liebe zu Dir und zu unserem 
Nächsten. Was ausserhalb der Liebe geschieht, gefällt Gott nicht; 
denn Gott selbst ist die Liebe. Wer die wahre Liebe hat, kann 
nicht irren. Die Liebe ist das grösste Gebot, sie bleibt in Ewig- 
keit, wenn alle Dinge aufhören. Glaube und HolBfnung wird ver- 
schwinden, die Liebe nur wü*d ewig bestehen im Keiche Gottes (S. 20). 

Der Notiz über Hans Betz geht in den Chroniken (BGB 
132) eine andere voran: „Anno 1537 ist der Br. Bernhard 
Schneider, der das Lidt O Herr Gott! mein Not thu ich dir 
klagen gemacht hat, zu Passaw in der gefenkhnus mit fridlichen 
Hertzen im Herrn entschlaflPen**. Es ist dies jener junge Gesell, 
von dessen peinlichem Verhör wir oben gehört haben. Sein Lied 
steht in den „Gesängen** S. 230 anonym, aber die huterischen 
Gesangbücher: Bud. Ab 16 Bl. 286-7, Vindob 14654 Bl. 90—2, 
Gran HI 216 Bl. 70, Pressbg. 236 Bl. 38, Jahrb. 13, 45 nennen 
übereinstimmend mit ihren Chroniken seinen Namen ^J. In bildlicher 
Weise scliildert der Dichter den schweren Weg, den Christas 
gegangen und dem auch wir folgen müssen. Schlangen liegen auf 
ilim, Wölfe und Bären und Hunde lauem auf beiden Seiten, Domen 
.und Disteln reissen uns Löcher in den Leib. Er führt zu einem 
breiten und tiefen Wasser, darüber nur ein schmaler Steg führt, 
sodass jeder verloren ist, der schwach ist im Haupte. An dem 
Wasser liegt ein steiler Berg, den Avir erklimmen müssen, um zu 



') Nur Cod. PreBsbg. 203 Bl. 55 nennt Schefmann (Huoter) aus^ 
drucklich als Verfasser. 



III. Die Sltesten Lieder der Schweizer Brüder. ^ 

einem engen Tor zu gelangen. Hilf uns HeiT dui-ch diese enge 
Pforte; ist sie doch so klein, dass wir Haut und Haare davor lassen 
müssen. Fassen wir den Ausdrack „von neuem gesungen" richtig 
auf, dann hat Bernhard Schneider nur ein älteres Lied umgeai*- 
beitet; später hat dann wieder Christoph Scheffinann Schneiders 
Lied „neu gesungen*', das heisst eigentlich dem wenig veränderten 
Liede zwei neue Strophen hinzugesetzt. Schneider ist weiter auch 
mit beteiligt an einem Liede von 14 Strophen mit dem Anfange: 
Mit freuden woUn wir singen (S. 98), dessen letzte Strophe sein 
Namenszeichen Ber. S. trägt; sie lautet: 

Kein mensch sol vns bewegen In einer Gfengnuß schwer, 

Von disem Altar schon. In ihrem grossen zwange 

Der Brüder sind viertzehen, Gab jhn Gott diß Gesänge, 

Die das beschlossen hon. Ihm sej allein die ehr. 

Di£ lied hond sie gesungen 

Aus diesen Zeilen geht hervor, dass das Lied ein gemein- 
sames Produkt von 14 Gefangenen ist; tatsächlich stehen über 
jeder einzelnen Strophe die Anfangsbuchstaben ihres Verfassers. 
Trägt die erste die Buchstaben H. B., so dürfen wir sie wohl ohne 
Bedenken Hans Betz zuweisen. Die 11. Strophe, mit H. Haff, 
gezeichnet, gehört gewiss Hans Hafiher zu; die 3. Strophe könnte 
man nach den Buchstaben P. S. Peter Stumpheter zuweisen; 
bedenklicher ist schon die 10. Strophe mit den Zeichen IL H., 
die Hans Ho£[mann ebenso wie Hans Hultzhoder bedeuten können; 
die anderen Strophen endlich tragen Buchstaben, die aus den von 
uns oben mitgeteilten Namen nicht zu entziffern sind, offenbar 
waren also neben den oben genannten auch noch andere Wiedertäufer 
in Passau gefangen. Auffallend ist, dass die Buchstaben M. S., 
Michel Schneiders fehlen; denn das Lied: Ihr Christen rein alsampt 
gemein (S. 103) trägt an seinem Kopfe die Buchstaben M. S. und 
H. B., gibt sich dadurch als gemeinsames Gut des Michel Schneider 
und Hans Betz zu erkennen, und beweist, dass beide in einem 
Kerker vereinigt waren. War bei der Abfassung des obigen Liedes 
Schneider in einem anderen Kerker oder wurden die Gefangenen 
öfters in verschiedene Kerker verteilt? Das gemeinsame Lied 
wendet sich an die Gemeinde, die bereits den Harnisch angelegt, 
um die Krone des Himmelreichs sich zu ei-werben, also an die 
Gefangenen, mit der Aufforderung, in diesem Kampfe nicht zu 
weichen, Gott das Wort zu halten und ihm das Opfer zu 
bringen. 



40 III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

Das Lied: In Gottes Namen hebn wir an (S. 282), das auch 
in Ungers Handschrift (Jahrb. 13, 46) sich findet, schreiben Cod. 
Pressbg. 203 Bl. 283» und 236 Bl. 167 dem 1540 zu Schwatz im 
Inntal gerichteten Hans Zimerauer zu, der nach den Chroniken 
allerdings mehrere Lieder gedichtet hat. Ist die Behauptung richtig, 
dann müsste es ihm gelungen sein, sich auf u'gend eine Weise der 
schweren Passauer Haft zu entziehen. 

Von den 51 Liedern der ^Gesänge" ist eigentlich nur ein 
einziges Lied auch über die Kreise der Täufer hinausgedrungen. 
Es ist das Lied: Wach aüff, wach auff, o menschen Kind (S. 258). 
Es findet sich nicht nur in zahh-eichen Gesangbüchern der mäh- 
rischen Brüder: Pressbg. 203 Bl. 303», Gran HI 155 Bl. 210, 
Gran HI 200 Bl. 166, Budap. Ab 7 Bl. 69 (hier bereits als: „altes 
Lied" bezeichnet) Jahrb. 13, 49, sondern auch in Einzeldrucken. 
Einen vom J. 1550 Nürnberg, Friedrich Gutknecht nennt Wacker- 
nagel in seiner Bibliographie No. 684 und druckt ihn dann KXi 
3, 1280 ab, einen anderen Druck o. J. Augspurg, Valentin Schöningk 
verzeichnet HB 1124. 

Und doch ist die Mehrzahl dieser Lieder von ergreifender 
Wh'kung. Fast alle sind sie auf einen gleichen, tiefen Ton gestimmt ; 
eintönig fast könnte man sie nennen, wenn nicht gerade darin ihre 
höchste Wirkung läge. Das ist die Stille vor dem Tode, die 
Ahnung der Grabesruhe; das ist die Ruhe des Meeres, das nach 
dem Sturme der Opfer wartet, die auf schwankem Brett vergebens 
ihr Leben zu fristen verhofft. 

Der Ton, den die beiden Stimmführer im Schloss zu Passau 
■angeschlagen, hallt zurück aus den Liedern der anderen Brüder; 
es ist das Lied vom Leide. Gottergebenheit, felsenfestes Vertrauen 
auf den HeiTU, unerschütterliches Bewusstsein, den rechten Weg 
zu wandeln, der zwar schwer und leidensvoll, aber von Christus 
vorgezeichnet ist, und sicher der ewigen Heimat zuführt, kenn- 
zeichnet diese Lieder. Manche haben mystische Anklänge, aber 
im allgemeinen bleiben sie alle auf dem gleichen Wege. Paulus 
und Johannes sind die beiden Apostel, auf die sie am liebsten 
verweisen. 

Zu Gott steht all ihr Sinnen. Spricht doch Gott selbst, wer 
mir nicht dienen will, hat keine Gnade bei mir. Deshalb soll ein 



*) Gewiss 1570 und nicht wie die Chroniken sagen 1670 (BGB 
524), wie wir weiter unten sehen werden. 



in. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 41 

jedBr fromm sein und sich bekehren. Ich will eine Gemeinde 
haben, sagt Gott, die meinen Willen tut; ich habe die bösen Engel 
mit Ketten gebunden, ich habe die Stindflut geschickt, kein Sünder 
mag bestehen in der Gemeinde der Gerechten. Datum bessert 
euer Leben; Christus ist jetzt sanft und linde und lässt euch sein 
Wort Verkünden, dass ihr es glaubet und darnach euch taufen 
lasset (S. 59). Mit Fleiss und Ernst aber muss man zur VoU- 
konmienheit dringen, um Gott wohl zu gefallen. Der Dichter fleht 
zu Gott: Verleih uns in deinem Wort zu leben und deinen Bund 
zu halten,' und wendet sich an die Brüder: Alle, die ihr hoffet, 
Gottes Eeich zu erlangen, müsset des Fleisches halben gar sterben, 
damit ihr erneuert werdet. Wollen wir Chiisto gleich werden, so 
müssen wir alle Stunde einander lieben. Diese Bitte tragen wir 
vor dich, o höchster Hen', versage sie uns nicht in unserer Not, 
lass die liebe Eingang finden in unsere Herzen (S. 267). Gott 
will ict loben, heisst es in einem anderen Liede, der uns durch 
Christum von ewigen Schmerzen befreit hat. Seht Christi grosse 
Liebe an; durch ihn sind wir gesund geworden, die Sünde hat er 
uns vergeben und verheisst uns die ewige Seligkeit. Darum lasst 
uns Christum bekennen, wenn es auch Leib und Gut kostet; ist 
doch das Leid, das uns hier ei-wartet, nicht zu vergleichen der 
ewigen Herrlichkeit, die uns bereitet ist (S. 275). Und ist doch 
der Herr derselbe, der Israel aus der Hand des Pharao errettet 
hat. Auch uns ist er Stärke und Hilfe, der rechte Kriegsmann. 
Auch seiner kleinen Gemeinde wird er durch das Meer mit seiner 
Güte helfen; das Elend seiner Kinder wird er anschauen, die in 
grossen Schmerzen gefangen liegen, seine gewaltige Hand wird er 
ihnen reichen und sie vor dem Feinde erretten (S. 381). 

Aber sind wir auch neu geboren durch Gottes Güte, gekrönt 
wird niemand vor der Zeit; wer die Krone erringen will, der schaue, 
dass er redlich mit Christo bis ans Ende streite. Wie Christus 
selbst gelitten hat, als er am Kreuze hängen musste, also ergeht 
es jetzt den Frommen (S. 287). Die Wahrheit hasst man jetzt 
und flieht Gottes Wort. Wie kommt es, dass die Ungerechtigkeit 
jetzt so überhand genommen hat, wie kommt es, dass alle Welt 
voll Falschheit ist und der Fromme durchs Schwert umkommt? 
Oft spricht, einer von Wiedertäufern, und versteht doch wenig da- 
von. Der Fromme ist nach Gottes Wort getauft, deshalb wird er 
jetzt ermordet. Der gottlose Haufe aber, der gebraucht die Wider- 
taufe, denn er tauft wider Gottes Wort (S. 313). Wer jetzt Gottes 



42 III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

Wort hÄlt, der ist aller Welt ein Spott und leidet grosse Pein. 
Darum, o Mensch, schau, wer du bist, bewahre deine Seele und 
steh ab vom Übel. Mache dich auf die schmale Bahn, die zu 
Christo führt, und harre aus bis zum Ende, dann wird alles gut 
werden (S. 313). Wer Christi Jünger sein will, muss alles ablegen, 
zeitlich Gut und Weib und Kind und seinen eigenen Leib mus6 
er Christo ergeben (S. 282) ; wer mit ihm leben will, muss mit ihm 
sterben (S. 223). Aber es ist nur eine kleine Zeit, dass wir auf 
Erden im W^einberge Christi zu arbeiten haben: 

Die dieses Lied gesungen han, Gnad, fried, freud vnd barm- 
Die seyn in disem Weinberg herzigkeit, 

schon, Sig, vberwindung allezeit 

Den last hands auff sich Wünschen sie allen frommen. 

gnommen. 
Und ähnlich schliesst ein anderes Lied (S. 241): 
Das Lied ist worden gsungen Vnserm Gott wolln wir singen 

Zu Passaw in dem Schlossz. Vnd allzeit preisen thun, 

Daselbst hond wir gerungen Die Seyten lassen klingen, 

Mit Creutz vnd trübsal groß. Lobt vnsem König schon. 

In der Qual ihres Herzens und ihres Leibes finden die Brüder 
Trost imd Erhebung in den Psalmen, von denen sie einige über- 
setzen; es ist dies der 34. (S. 326), 35. (S. 332), 50. (S. 38), 64. 
(S. 15), 86. (S. 342), 126. (S. 19), 130. (S. 345) und 133. Psalm 

• * 

(S. 17). Angstlich halten sie sich dabei an den Wortlaut der 
Originale und manche Härte des Ausdrucks, die hier befremdet, 
ist darauf zurückzuführen. 

Das sind die Lieder, die die Gefangenen im Schlosse zu 
Passau gedichtet. Sie sind der Stamm der täuferischen Dichtung 
in Deutschland, speziell der Schweizer Brüder und müssen ihren 
Weg aus dem Kerker hinaus zu den Gemeinden ebenso gefunden 
haben wie die zahlreichen Episteln und Erbauungsschriften anderer 
Täufer, die zum grossen Teile im Kerker verfasst wurden, Wahr- 
sdieinlich sind sie schon frühe gedruckt worden und haben so 
noch weitere Verbreitung gefunden; denn es ist kennzeichnend, 
dass die 2. Auflage des mennoni tischen Gesangbuchs, die wir bald 
nach 1570 zu setzen haben, in ihrem Anhang mehi-ere unserer 
Lieder aufnimmt, die zum Teile einen besseren Text bieten als 
der ist, den uns der erste bekannte Druck des Ausbunds von 1683 
liefert. Das kann darauf beruhen, dass dem mennonitischen 6e- 
sangbuche ältere Einzeldrucke vorlagen, vielleicht aber auch die 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 43. 

erste Auflage des Ausbunds, die wir heute wenigstens als verloren 
zu betrachten haben, wie später dargetan wird. 

Von den Liedern der Gesänge sind nui* wenige in die Ge- 
sangbücher der Huterer eingedrungen; ausser den bereits erwähnten 
Liedern des Hans Betz und Michel Schneider nur die folgenden: 

1) S. 234: Fi-euwt euch jr Christen alle (Gran III 215 Bl. 
261—6; mein Manuskript Bl. 261—6). Seit 1622 erscheint 
das lied nicht mehr in den Drucken von A. 

2) 8. 291: Hilff Gott, daß ich mög smgen (Vindob. 14654 
Bl. 382—5; Pressbg. 194 Bl. 254; 203 BL 19*; mein 
Manuskr. Bl. 310-6). 

3) S. 326: Ich wil loben den Herren (Gran 111 215 Bl. 104). 

4) S. 302: Ihr Kinder Gottes alle (Gran III 216 Bl. 84»). 

5) S. 98: Mit freuden wolln wir singen (Gran IH 200 Bl. 
360; Gran III 155 Bl. 190»). 

6) S. 346: O Herr nit stoltz ist mein hertz doch (Gran IIL 
215 Bl. 34*). 

7) 8. 217: Wacht auff jhr Bi-üder werde (Vmdob. 14564 
Bl. 345—7; Gran III 215 Bl. 60; Brtinn 512 Bl. 119—22; 
Pressbg. 203 Bl. 329; 244 Bl. 161; Jahrb, 13,45). 

8) S. 313: Wo kompt das her, o Jesu Christ (Gran III 
215 Bl. 92*). 

Der Grund für diese Erscheinung liegt in dem allmählich 
immer stärker hervortretenden Gegensatze zwischen den mährischen 
Wiedertäufern und den Schweizer Brüdern, von denen die ersteren 
den Grundsatz von der Gütergemeinschaft mit aller Hartnäckigkeit 
verfochten, die letzteren ihn ebenso energisch ablehnten. Diese 
Trennung in den Anschauungen über das äussere Leben und Ver- 
halten der Gemeindemitglieder wirkte je länger je mehr auch auf 
die Liederdichtung ein, so dass sich bald mährische und schwei- 
zerische Wiedertäufer, welch letztere mit ihrer zunehmenden Ver- 
breitung ausserhalb ihrer ursprünglichen Heimsitze zumeist nur 
als oberdeutsche bezeichnet werden, auch in ihren Liedern ab- 
sonderten, wozu freilich jetzt auch die räumliche Trennung der 
Gemeinden wesentlich beitrug. Das zwingt auch uns, die Ent- 
wicklung der beiden Richtungen von nun ab getrennt zu verfolgen. 
Wir werden dabei die Beobachtung machen, dass die oberdeutschen 
Wiedertäufer, je mehr sie sich längs des Rheins gegen die 
Niederlande zu ausbreiten, in immer engere Beziehungen zu den 
Mennoniten treten, ohne aber dabei sich selbst aufzugeben; doch 



44 m« I^iö ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

ist die Folge davon, dass sie ihre Lieder mit ihnen austauschen, 
in ähnlicher Weise, \\de dies fi*üher zwischen ihnen und den 
Huterem geschehen war. Bald auch tritt uns bei den oberdeutschen 
Täufern die erste, man möchte sagen, amtliche Sammlung von 
Liedern' entgegen und diese Kodifizierung bedingt zugleich ein 
fast vollkommenes Erlöschen ihrer Liederdichtung, wähi*eiid die 
huterischen Täufer, an keinen Liederkanon gebunden,, ihre Dich- 
tung immer weiter und selbständiger ausbauten und bis in die 
letzten Jahre ihres Bestehens in unablässiger Folge eine Reihe 
von Dichtungen erstehen sahen, die nicht nur del* Zahl nach die 
der oberdeutschen um ein bedeutendes überragten. — 

Doch wenden wir uns zunächst zu den oberdeutschen Täufern 
zurück. Auf der Provinzialsynode zu Straösburg, ,die vom 3. bis 
14. Juni 1533 stattfand*), verblich der Euhm Melchior Hofmanns. 
Er wurde gefangen gesetzt, und blieb bis zu seinem Tode, der 
anfangs 1543 erfolgt sein mag, in Haft. Aber damit war nicht 
zugleich auch seine Lehre vernichtet; die Zahl seiner Anhänger 
wuchs im Gegenteile von Tag zu Tag, sie gewannen bald auch 
in Münster die Oberhand und führten die bekannten blutigen 
Ereignisse dort, herbei. In den Niederlanden und der Rheinprovinz 
waren alle Wiedertäufer Melchioriten und nur in Hessen kämpften 
sie mit Huterem und Schweizern um die OberheiTSchaft. Hessen 
war nach dem verhängnisvollen Ausgange der Tragödie in Münster 
und infolge der Milde seines Landgrafen eine Zeit lang der Zu- 
fluchtsort der Wiedertäufer. Ein Edikt des Landgrafen vom J. 
1537 vermengt, wie es so oft auch andei-wärts geschah, die 
melchioritischen Anschauungen mit den huterischen, wenn es sich 
gegen diejenigen wendet, welche die Lehre vom Fleische Christi, 
die Behauptung, dass eine nach der Taufe begangene Sünde keine 
Verzeihung zu erwarten habe, und die Gütergemeinschaft ver- 
teidigen*). Denn nur die beiden ersten Anschauungen sind mel- 
chioritisch, die letztere spezifisch huterisch. Aber das Edikt zeigt, 
dass beide Parteien in Hessen Verbreitung fanden. Von Seiten 
der Huterer wurde alles getan, um die hessischen Wiedertäufer, 
unter denen sich übrigens, wie die Chroniken dartun, auch zahl- 
reiche Schweizer befanden, zu ihren Ansichten zu bekehren. Jahr 
für Jahr fast treffen wir hier neue Missionäre der Huterer, als 
deren bedeutendste wh* noch später Peter Riedemann und Hans 

') Gerber! : Strassburger Sektenbewegung, S. 162. 
») Reiubert: Wiedertäufer i. Jülich, S. 452. 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 45 

Kaiffer, genannt Schmidt, kennen lernen werden und häufig auch 
treffen wir ganze Schwärme hessischer Täufer auf ihi'em Wege 
nach. Mähi'en; 1544 wird ein solcher Zug in Nürnberg aufgegriffen^). 
Aber auch die Melchioriten waren eifrig am Werk, ihre Sache zu 
fordern und fanden in Peter Tasch und Leonhard Fälber kühne 
und energische Wortführer, die Hofmanns Lehren in Hessen stark 
in Aufiiahme brachten. 

Neben diesen beiden Sekten waren aber auch noch, wie 
bereits erwähnt, die Schweizer Brüder in der Eheinpfalz, in 
Württemberg, bei Kreuznach und um Strassburg durch zahlreiche 
Gemeinden vertreten, und begannen sogar um 1539 eine Zeit lang 
die Melchioriten im Strassburger Gebiet zu überflügeln*). Auch 
gegen sie sandten die Huterer ihre Missionäre aus, und da sie in 
dogmatischer Hinsicht verhältnismässig nur wenig von den Huterem 
abwichen, hören wir denn hier auch am häufigsten von Uber- 
ti'itten zu diesen. So trat 1543 Hans Klopffer von Feuerbach, in 
Würtemberg zu den Huterem über und begründete seinen Schritt 
damit, dass die Schweizer „1) die recht Christliche gemainschafft 
verlassen, darnach sie denn Gott verlassen, dass sie auss einem 
vnrechten in das ander komen seyn, 2) dass sie blutsteuer geben 
vnd helffen damit zum krieg vnd bluetvergiessen, 3) dass ihre 
ältesten oder leerer an iren ämptem gezweiffeit, haben den dienst 
verlassen vnd sein davon gelaufen, darnach sich selbst wiedervmb 
angestellt, damit auss dem werck des HeiTen ein gespött trieben, 
4) Haben sie einen grewel erdicht, auss des fleisches anschickung 
dass sie zugeben haben, dass alle sünd zwischen brüedem vnd 
brtiedem sol hingelegt werden, — es sey ehebrechen, dieberey 
vnd was dergleichen ist, mit welchem sie vnraine geister vnd vn- 
raine hertzen vnder sich gesammlet vnd irer sünden sich theil- 
haftig vnd gemain gemacht haben"'). 

Aber den Melchioriten erwuchs fast zur selben Zeit, 
als Hofmann ins Gefängnis wanderte, eine ungeahnte Stärkung 
durch Simons Menno. Schon seit 1531 den melchioritischen An- 
sichten huldigend, trat er ganz in ihre Reihen, als er sich 1536 von 
der katholischen Kirche lossagte. Die rastlose Tätigkeit, die er 
seit dieser Zeit entwickelte, hatte zur Folge, dass wenigstens eine 
Zeit lang die Melchioriten, die unter einander mannigfach in ihren 

^) Archiv f. österr. Gesch. 81, 160. 
») Rembert: A. a. 0. S. 495. 
») BGB. S. 153-4. 



46 m* ^16 ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

Anschaunngen abwichen, als eine festgeschlossene Partei be- 
trachtet werden konnten^). Um das J. 1544 war Menno im Erzstift 
Köln ungemein rege tätig; freilich war hier selbst der Erzbischof 
Hermann von Wied der neuen Lehre nicht abgeneigt. Als dieser 
aber 1546 seiner Würde enthoben wurde, sah auch Menno sich 
gezwungen, aus Köln sich in das Holsteinische zu flüchten*). 
Menno verstand es, wie gesagt, die ruhigen Parteien der Wieder- 
täufer an sich zu ziehen und sie von seinen Ansichten zu über- 
zeugen. In seiner Lehre steht er ganz auf den Schultern Melchior 
Hofmanns, dessen Dogma, dass Christus durch einen besonderen 
Schöpfungsakt aus dem Worte Fleisch geworden, ohne dass er 
etwas von Mariens menschlicher Natur erhalten hätte, er zu seinem 
eigenen machte. Besonderes Gewicht legte er auf die Verschärfung 
der Gemeindezucht und die Ausübung des Bannes seitens der Ge- 
meinde. Seinem ernsten, würdevollen Wesen, das sich gleich 
fernhielt von dem Fanatismus der Münsterischen, die auch er auf 
das entschiedenste verdammte, wie von den unfruchtbaren 
Schwärmereien Hofmanns, war es zu danken, dass sich schon um 
die Mitte des 16. Jhs. fast der ganze NiedeiTliein ihm anschloss, 
und dass auch in der Rheinpfalz und in Hessen die Zahl seiner 
Anhänger ständig wuchs. Ihn beseelte der Gedanke, alle Wieder- 
täufer, mit Einschluss der Schweizer und der Huterer zu einer 
einzigen grossen Partei zu vereinigen, ein (iredanke, der schon 
auf den durch David Joris einbei-ufenen Versammlungen der 
Täufer zu Bocholt (1536j und Greven (1538; zum Ausdrucke ge- 
kommen war, ohne dass er damals zu einem Ergebnisse geftlhrt 
hätte ^). Menno versuchte das gleiche auf den grossen Wieder- 
täuferN'ersammlungen, die er in den Jahren 1555 und 1556 nach 
Strassburg berief. Fünfzig Vertreter von Gemeinden aus allen 
Gegenden Deutschlands, Oesterreichs und der Niederlande waren 
seinem Rufe gefolgt. Aber gerade die Inkamationslehre Hofmanns 
und Mennos war der Grund, dass alle Vereinigungsversuche 
scheiterten; man kam 1555 nur überein, die Lehre vom Fleische 
Christi als Adiaphoron zu betrachten. «Auch wollen ^ir-. heisst 
es in dem Vertrage der zu Stras.^burg versammelten Brüder und 



*) Rembert a. a. 0. S. 413. 

*) Cramer: Het leven endo verrigtingen van Menno Simons S. 184. 
■) Keller : Westdeutsche Zeitschft. I. 429— G8. Zeitschft. f. histor. 
TheoloRie 33, 1-166. 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 47 

Altesten wegen der Frage über die Herkunft Christi*), „von nun 
an unterlassen darüber zu reden, wie und auf welche Weise 
Christus Mensch geworden sei, statt dessen aber mit treuer Er- 
mahnung zu solchen sprechen, welche neben dieser Schriftstelle 
noch von etwas anderem sprechen." 

So geeignet diese Versammlungen, in denen die Parteien 
alle Rücksicht gegen einander walten Hessen, gewesen wären, die 
Wiedertäufer zu einer grossen Einheit zusammenzuführen, schei- 
terten sie doch, da auch in einer Reihe anderer Punkte eine Einig- 
keit nicht zu erzielen war, und gerade diese, obwohl nicht dogma- 
tischer Natur, doch wesentlich die Lebensführung der Parteien be- 
einflussten. Zu der Gütergemeinschaft der Huterer konnten sich 
weder Schweizer, noch Melchioriten und Mennoniten bequemen; 
die strenge AuflPassung des Bannes und der Kirchenzucht wieder 
fand nicht nur bei den Huterem sondern selbst unter vielen Men- 
noniten lebhaften Widerspruch. 

Menno starb im J. 1559; aber auch nach seinem Tode wur- 
den die Bestrebungen, die Wiedertäufer zu einigen, fest im Auge 
behalten. Leider fehlte es an einem grossen organisatorischen 
Talente, an einem wh-klich hervorragenden und theologisch gebil- 
deten Manne, der die verschiedenen Gnippen zur Einheit hätte 
verschmelzen können. Die Parteien verhandelten jetzt oft einzeln 
unter einander, was zur Folge hatte, dass für einen Augenblick 
bald die eine, bald die andere die Mehrheit für sich hatte und 
die Zahl ihrer Anhänger durch fahnenflüchtige Gegner veimehrte. 
So verhandelten 1556 die Schweizer Brüder in der Rheinpfalz mit 
den Huterem*), deren Vertreter Hans Schmidt (Raiffer) war, 
wegen der Erbsünde und anderer Artikel, und traten dann in 
ganzen Scharen zu den Huterern über, zu denen sie nach 
Mähren zogen. Auch 1557 hatte Raiffer den grossen Erfolg, einen 
der Altesten der Schweizer, namens Hans Arbeiter, zu den An- 
sichten der Huterer zu bekehren "j. Zehn Jahre später hören wir 
von neuem Verhandlungen z^^dsclien Schweiz era und Huterern, 



^) Brons : Ursprung, Entwicklung u. Schicksale der Taufgesinnten 
oder Mennoniten, S. 95; vgl. Bembert a. a. 0. 498. 

'j BGB 225 ff. Die Darstellung der Chroniken ist nicht ganz 
richtig. Der Artikel über die Erbsünde kam in Strassburg nicht zur 
Behandlung; die in Frage stehende Verhandlung der Schweizer und 
Huterer fand erst nach der Strassburger Synode statt. 

«) BGB 229. 



48 in. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

an deren Spitze damals Peter Walpot, genannt Scherer, stand. 
Die Schweizer sandten 7 Artikel nach Mähren, in der Absicht, 
mit ihren Gegnern „göttlichen Frieden vnd wahre Sicherheit zu 
suchen" ; aber die Antwort Walpots war ungemein scharf und ab- 
lehnend. Er wu'ft ihnen „menschliches Wissen, vermessene Kühn- 
heit, eigene, angemasste Sicherheit und hitziges Lästern und Tadeln 
wider die Huterische Gemeinde und ihre christliche Ordnung" vor, 
und antwortet ihnen überhaupt nur in der Hoffnung, dass nicht 
alle unter den Schweizern solche Ansichten hegten wie die Ver- 
fasser der Artikel*). Dass unter solchen Verhältnissen eine Eini- 
gung der Brüder ferner stand, denn je, wird begreiflich. 

In gleicher Weise wie die Huterer suchten auch die Men- 
noniten durch Missionäre und Wanderprediger neue Anhänger sich 
zu gewinnen. Wenn sie sich dabei zunächst an die Schweizer 
wandten, so erklärt sich dies schon daraus, dass die Schweizer 
durch die geographische Lage ihrer Wohnsitze das Mittel- und 
Verbindungsglied zwischen Mennoniten und Hutereni bildeten, was 
sich übrigens auch in ihren Lehransichten ausprägt, die von beiden 
gegnerischen Parteien beeinflusst erscheinen, ebenso wie in ihrer 
Liedersammlung, die sowohl spezifisch mennonitische wie ausge- 
sprochen huterische Lieder sich aneignet. So erklärt es sich auch, 
dass der bedeutendste Lehrer, den die Schweizer Brüder aufzu- 
weisen haben, Thomas von Imbroich, nach seinem Handwerk 
Drucker genannt, in seinen Schriften Ansichten ausspricht, die ihn 
als Schüler Hofmanns kennzeichnen und ihn den Mennoniten nahe 
rücken, trotzdem er sich ausdrücklich einen Schweizer Bmder 
nennt'). Thomas, der im J. 1533 im Dorfe Imgenbroich bei 
Aachen geboren war, hat nur ein Alter von 25 Jahren eiTeicht; 
am 5. März 1558 wui-de er in Köln hingerichtet. Trotzdem haben 
seine Schriften, seine „Bekanntnus", die er aus dem Gefängnisse 
an die Obrigkeit und die Schoppen von Köln richtete, und seine 
7 Sendbriefe, die auch in rein mennonitische AVerke übergingen, 
auch lange noch nach seinem Tode weitgehende Bedeutung be- 
halten. Im J. 1562 klagt der refoi-miei-te Prediger Engelbert Fa- 
britius in einem Briefe an Bullinger, dass die Schrift des Thomas 
Imbroich in den Himmel gehoben werde und in den Händen aller 

') Archiv f. österr. Geschichte 81, 172. 

») Rembert a. a. 0. 461. Seine Briefe bei BT 196—200. Auch 
BGB 234 wird er als „Schweizer Bruder ** bezeichnet; ebenso von Hans 
Raiffer in einem Briefe an seine Frau vom 9 März 1558. 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 49 

sei^); im Frankenthaler Clespräche von 1571 bezeugen die Schwei- 
zer Brüder, dass sie sich in ihren Anschauungen eins fühlen mit 
den Bekenntnissen des Thomas-) und noch 1692, also nacli mehr 
denn 100 Jahren sieht sich der Magistrat von Bern gezwungen, 
gegen die Verbreitung seiner Konfession einzuschreiten"). 

Von fast ebenso grosser Bedeutung für Köln und den Bhein 
bis in die Niederlande hinab war der Mennonit Mathias Cervaes, 
der durch VeiTat mit 56 seiner Gläubigen gefangen und am 30. 
Juni 1565 in Köln hingerichtet wurde. Er war um 1536 zu Otten- 
heim geboren, seinem Berufe nach Leinweber, hatte es aber rasch 
zu Ansehen und Bedeutung unter den Brüdern zu bringen ge- 
wusst, so dass er zu den „Prinzipallehrem" der Mennonit en gehörte 
und namentlich in Gladbach, Dülcken und Süchteln als Autorität 
galt. Wir besitzen von ihm 11 Briefe, die er aus dem Kerker 
geschrieben hat*). Daraus und aus dem Protokoll des Franken- 
thaler Gesprächs geht hervor, was bisher zu wenig beachtet wurde, 
dass er Mennonit war, trotzdem er sich an mehreren Stellen sei- 
ner Briefe mit Thomas Imbroich einverstanden erklärt und auf ihn 
sich bezieht. Für seine mennonitische Gesinnung spricht vor allem 
der Umstand, dass er im 1. an Heinrich Kruft gerichteten Briefe 
davon spricht, dass ihm der ^Handel im Oberland'" sehr am Her- 
zen liege, mit welchem Ausdrucke er die Beziehungen der Men- 
noniten zu den Schweizer Brüdern meint. Im 4. Briefe zeigt er 
sich als erbitterter Gegner der Huterer, vor deren Lastei*n und 
Lehrern er wanit*). Auch seine Inkamationslehre, Gott habe 
Christus nach der Menschheit in Maria verjüngt*), ist wie die 
reformierten Geistlichen im Frankenthaler Gespräche erkannten, 
nichts anderes als die Hofmann-Mennosche Lehre, in verdeckten 
Worten umschrieben, über die sich denn auch die Schweizer Brüder 
gemäss den Bestimmungen der Strassburger Synode von 1555 nicht 



') A. a. 0. 463. 

«) ProtokoU S. 239. 

^) Müller: Geschichte d. Bernischen Taufgesinnten S. 104. 

*) Gedruckt bei BT 327—44. Vgl. Doopsgez Bijdragen 1868, 46ff. 
und Hoog: De martelaeren der Hervorming S. 109. 

*) BT 337: Laet de Hutterschen lästeren, hoe en wat sy willen, 
ik segge God beware my daer voor, namelijk voor hat drijven der Lee- 
raers: En ik sta in mijn herte los van harent wegen, in aVt gene dat 
ik met haer gehandelt hebbe. 

«) Protokoll S. 193. 

Wolkan, Lieder der WiedertSufer. 4 



50 III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

klarer aussprechen wollten. Besonders wichtig für seine Kichtimg 
ist es aber, dass er, wie die Reformierten in Frankenthal rügten, 
in seinem Vermahnbriefe gar gefährlich vom hl. Geist schreibe 
und behaupte, dass der hl. Geist nicht Gott sei und es nur zwei 
göttliche Personen gebe, eine Ansicht, die übrigens nicht menno- 
nitisch ist und uns Cervaes auf Sonderwegen zeigt. Ausdrücklich 
erklärten bei dieser Gelegenheit die Schw^eizer Brüder, sie wüssten 
nichts von ihm, hätten auch fräher nichts von ihm gewusst und 
könnten „sich nicht darauß richten^)." Auch in der Frage, ob 
wir bei der Auferstehung unser jetziges Fleisch und Blut behalten 
würden, weicht Cervaes insofern von den Schweizern ab, als er 
in seinem 7. Briefe ausdrücklich erklärt, „Fleisch vnd Blut mag 
das Reich Gottes nit erben, das verweßlich kan nit erben das 
vnverweßlich", während die Schweizer der Ansicht huldigten, unser 
jetziges Fleisch werde auferstehen, aber diese Ansicht doch wieder 
durch die Bemerkung einschränkten, wie viel aber oder wie wenig 
(Tott von diesem Fleische dazu nehmen würde, mit welcherlei 
TiCibe wir kommen werden, wie gross oder wie klein oder was 
Kleider wir haben würden, das müsse man Gott überlassen'). 

Wir sehen hier das Schwanken verschiedener Richtungen. 
Klarheit in die Ansichten gebracht und scharfe Unterschiede 
zwischen den Lehnn einungen der drei grossen Pai-teien unter den 
Wiedertäufern aufgedeckt zu haben, ist erst das Verdienst des 
Frankenthaler Gesprächs, das Pfalzgraf Fi*iedrich im J. 1571 an- 
ordnete und zu dem er allen Wiedertäufern, welcher Richtung sie 
auch angehörten, freies Geleit zusicherte, damit sie vor den re- 
formierten Geistlichen seines Landes ihre Anschauungen vortrügen 
und mit ihnen sich besprächen; er hoffte so eine Einigung zwischen 
den Reformierten und Wiedertäufern zustande zu bringen. 

Das Gespräch war nicht der erste Versuch, die Wiedeiläu- 
fer der Staatskirche zu gewinnen. Schon 1557 hatte Pfalzgraf 
Otto Heinrich ein solches in Pfedersheim abhalten lassen; doch 
beklagten sich die Wiedertäufer, dass von ihnen damals Dinge 
gedruckt worden seien, daran „sie nie gedacht hätten, geschweige 
davon geredet haben sollton**. Um solchen nachträglichen Vorwürfen 
zu entgehen, wurde jetzt angeordnet, dass den Wiedertäufern Tag 
für Tag das Protokoll des Gespräches übergeben werden solle, 

') A. a. 0. löl. 
») A. a. 0. 678. 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 51 

damit sie es durchlesen und etwaige Unrichtigkeiten abstellen 
könnten. 

Fünfzehn Wiedertäufer nahmen an dem Gespräche teil; ihre 
Namen waren: Diebold Winter, RaufF Bisch, Hans Büchel, Anstadt 
Habermann, Peter Scherer, Peter Walther von Schlettstadt, Jost 
Meyer, Feiox Frederer, Hans Sattler, Claus Simmierer, Hans Kan^ 
nich, Philipps Jöszlin, Hans Greicker, Peter Hutt und Leonhart 
Summer. Drei darunter, Peter Walpot, genannt Scherer, Peter 
Hutt und Leonhart Summer sind uns aus den (Chroniken als Hu- 
terer bekannt, doch beteiligten sie sich nicht aktiv am Gespräch 
und haben sich den reformierten Geistlichen gegenüber vielleicht 
gar nicht als Abgesandte der mährischen Biiider bekannt, da 
während des Gesprächs wiederholt und eben deshalb doppelt auf- 
fällig das Fehlen der Huterer von den Reformierten festgestellt 
wird. Auch Mennoniten haben sich gewiss unter den 15 Täufern 
befunden, doch ist es mir nicht gelungen, sie im einzelnen nach- 
zuweisen. Die Hauptmasse der Wiedertäufer aber bildeten die 
Schweizer Brüder, als deren Sprecher im Anfang Hans Büchel, 
später namentlich Rauff und Rannich auftreten. Ihnen gegen 
über standen die Reformierten mit Petrus Dathenus an der 
Spitze*). Das Gespräch, das vom 28. Mai bis 19. Juni 1571 dau- 
erte*), ist dadurch wie gesagt von grosser Wichtigkeit, weil es bis 
ins einzelne gehend, die Anschauungen der Schweizer darlegt und 
zugleich jene Punkte angibt, in denen sie sich von den Mennoni- 
ten sowohl wie von den Huterem unterschieden. Dreizehn Streit- 
fragen wurden den Wiedertäufern zur Beantwortung vorgelegt, da- 
runter die 8., „ob der Bann vnd vnglaube die Ehe scheiden" mit 
besonderer Rücksicht auf die Mennoniten, die 9. Frage, „ob die 
Christen eigne Güter kauffen vnd besitzen m6gen ohn Verletzung 
(Christlicher liebe" mit Beziehung auf die Huterer, doch wichen 
beide Parteien der Beantwortung dieser Fragen aus, so dass auch 
hier nur die Antworten der Schweizer vorliegen. Der Gegensatz 
derselben zu Huterern und zu Mennoniten kommt mitunter in den 



*) Über ihn vgl. H. Q. Janssen: Petrus Üathonus und H. terHaai-: 
P. Dathenus Dissertation. 

'j Der Druck des Gesprächs hat den Titel: ProtocoU, Das ist alle 
handlung des Gesprechs zu Franckenthal mit denen so man Wider- 
t&uifer nennet, Auff den 28. May angefangen vnd den 19. Junii dieses 
1571. jars geendet. Ich benutzte die 2. Auflage von 1573 (Dresden. 
KrL Bibliothek, Concil. 762). 

4* 



52 HL Die ältesten Lieder der Schweizer Bruder. 

Streitfragen recht scharf zum Ausdruck. Wo die Refonnierten 
die Huterische Bekenntnisschrift Peter Riedemanns ins Treffen 
führen, wie bei der Erbsünde, wehren die Schweizer solches Ar- 
gument ab mit dem Hinweis, ^auff die Rechenschafft der Hut- 
terischen wissen wir nit sonderlich zu antworten'' (S. 234); auch 
bei Erörterung der Frage der Gütergemeinschaft sagen die Schwei- 
zer mit Nachdruck : „Wir wollen die Hütterischen hierinn nit ver- 
antworten, haben auch jr fürnemen, daß es der schrifft gemeß 
sey, nit erkennt" (S. 613). Interessant ist es dabei zu beobachten, 
wie die Huterer der Schwierigkeit entgingen, diese Frage vor 
ihren Gegnern besprechen zu müssen. Dathenus hatte ausdrück- 
lich bei deren Ansetzung die Bemerkung gemacht: „Der Artickel 
ist gesetzt worden von wegen einer andeim Secten, die auch wider- 
tauffen, vnd dise gemeinschafft der Güter hart treiben, vnd allen 
eigenthumb als ein schwere Sund hefftig schelten vnd verdammen. 
So deren etliche hie weren, seind wir bereit, mit jlmen auch dise* 
l^unctens halben zu handien, dieweil sie eben so woU zu disen 
gcspr&ch als andere beruffen sind" und Wenzel. Zuleger, einer 
der Vorsitzenden im Gespräch forderte noch einmal mit den Wor- 
ten zur Erörterung der Frage auf: „Wo jemandt vndem hauffen 
ist, der disen Artickel will anfechten, der laß sich hören". Da 
erhob sich Peter Walpot, der damalige Führer der Huterer, mit 
den Worten: „Wir wissen vnder vns niemandt!" Die Huterer woll- 
ten also lediglich als Zuhörer, nicht als Mitbeteiligte an dem Ge- 
spräch erscheinen. 

Der Gegensatz der Schweizer zu den Mennoniten tritt nament- 
lich bei der Frage über die Menschwerdung Chiisti deutlich zu tage. 
Ausdrücklich wenden sich die Schweizer dagegen, dass man ihre 
Anschauungen mit denen eines Menno identifiziere: „Sagen auch, 
des Menno Simonis schrifften halben, daß wir kein antwort darauff 
zu geben wissen, dieweil er mit vns nit einig ist, auch nie gewesen 
ist" (S. 191). Aus dieser Ablehnung nach links und nach rechts, 
andererseits aus der wiederholten Zustimmung zu den Lehren des 
Schweizer Bruders Thomas Imbroich, geht erst hervor, dass in 
dem Frankenthaler Gespräch die Hauptredner zugleich Wortftlhrer 
der Schweizer Brüder waren, obwohl dieser Name selbst nirgends 
gebraucht wird und die Reformierten ihre Gegner immer nur mit 
dem allgemeinen Namen „Wiedertäufer" anreden. Die Meinungs- 
Verschiedenheiten zwischen den Schweizern und den beiden andern 
Riehtungen dos Täufertums heben die Reformierten besonders gerne 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 53 

hervor, um damit die Unrichtigrkeit der täuteriachen Lehren über- 
haupt dai'zutim. Dathenus, der V(»rsitzende des Gesprächs, betont 
ausdrücklich: ^HierauB erscheindt, daß ir die bekanntnuB des 
glaubens deren, so man im Xiderland WidertÄuflPer nennt, oder 
Mennoniten, vnd die sich vmb ire gefaste meinung teglich erwür- 
gen lassen, straffet vnd venvei-ffet" (S. 191) und: „Belangend die 
bekantnuB der Hfttrischen, wollen wirs darbey bleiben lassen, Vnd 
ob sie gleichwol auch WideilÄuffer seind, so erscheint doch, daß 
sie vnd jhr inn disem Artickel (von der Erbsünde) einander stracks 
zuwider seind, vnd daß einer des andern bekantnuß mit der 
that verdammet*' (S. 237). Auch das Vorwort des Protokolls, 
worin sich die refonnierte (ireistlichkeit an alle Wiedertäufer wen- 
det, sucht die Meinungsverschiedenheiten unter den Täufern gegen 
sie auszubeuten: „Dieweil aber", heisst es hier, „Gott von Anfang 
nicht ohne Volck vnd Gemeinde vnd der ewige König Jhesus 
Chidstus nit ohne Königreich gewesen ist, vnd aber ewre versam- 
lung erst jhren anfang im Jar 1522 gehabt. Folgt, daß jhr inn 
der warheit die Kirch vnd Volck Gottes nit sein könt. Zu dem, 
wann man euch gleich den Tittel vnd namen der Kirchen geben 
wollte, Vnd jhr aber inn so vil Secten zertheilt vnd zerspalten 
seyd. Wer solte doch vnder euch die Kirche sein? Dann daß jr 
die Kirch sein soltet, werden die Hutterischen, die euch als Vn- 
christen verbannen, nicht gestehen. Die Mennoniter vil weniger, 
deren etliche (dann sie auch vnder sich vilf altig zertheilt sind) 
auch die -v^ddertauffen, so von euch getaufft worden seind. So 
man den Titel der Kirchen den Huterischen geben wolt, das 
werdet jhr vnd die Mennoniten nit leiden. Gleicher gestalt werdet 
jhr vnd die Hutterischen nit zugeben, daß die Mennoniter die 
Kirche Christi seyen. Ich geschweig jtzt aller andern Secten, die 
alle widertauffen, deren ein jede die Kirch Christi sein will." 

Es waren, wie erwähnt, dreizehn Fragen, deren Erörterung 
den Inhalt des Frankenthaler Gesprächs bildete. Die Kefonnierten 
hatten ihren besten Theologen, Dathenus, einen hochgebildeten 
Mann zum Vorsitzenden gewählt, der die Wiedertäufer durch eine 
Menge von Kreuz- und Querfragen in die äusserste Verlegenheit 
brachte, was um so leichter war, als die Täufer keinen einzigen 
Redner aufzuweisen hatten, der dem Dathenus auch nur entfernt 
verglichen werden konnte. Die 1. Frage handelte von der hl, 
Schrift, ^ob die schrifft des alten Testaments den Christen sovil 
gelte als des Newen, Das ist: ob die Lehr von hauptstftcken 



54 ni. Pie ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

Christiichs glaubens vnd wandels so wol Auß dem Alten Testament 
könne vnd muß hewisen werden, als auß dem Newen^, worauf 
die Brüder antworteten, dass ihnen das neue Testament mehr sei 
denn das alte ; doch wollten sie damit das alte durchaus nicht ver- 
werfen, sondern in seiner Würde bleiben lassen als ein Ding, das 
zu seinem Ende abgelaufen (S. 21). Die 2. Frage, ^ob der Vatter, 
Sohn vnd heilige Geist sein das einig Göttlich wesen, doch in drey 
Personen vnderschieden'', wurde von den Brüdern bejaht. Die 
3. Frage, „ob Christus das Wesen seines Fleisches aus der sub- 
stantz des Fleisches der Jungfrawen Marie oder anderßwo ange- 
nommen habe'', die mit Bezug auf die Lehre Hoftnanns gestellt 
worden war, wurde von den Brüdern ausweichend beantwortet. Sie 
bekaimten zwar, dass Christus vom hl. Geist empfangen und aus 
der Jungfrau Maria geboren sei (S. 158), fügten jedoch hinzu: 
„Wir wissen aber nit eigentlich . zu sagen. Was oder wie vil er von 
der Jungfrawen Maria angenommen, die weil die gebmi; vnnatür- 
lich ist vnd auch sein fleisch die Verwesung nit gesehen hat. Das 
wir aber darumb sagen wolten, daß Christus wie ein wasser durch 
ein Kohr passiert, gestehen wir nif (S. 184). Die 4. Frage, „ob 
die Kinder in der Erbsünd empfangen vnnd geboren werden vmid 
derowegen von Natur Kinder des zoms vnd des ewigen tods 
schuldig sind", verneinten die Brüder, indem sie bekannten, „daß 
wir diser zeit die Kinder der Erbsünd, so \il die Sund anlangt, 
zur verdamnuß nichts wissen zu beschuldigen" (S. 221). „Alle 
menschen müssen vm ihrer eignen missethat vnd nit durch Adams 
vngeliorsam sterben" (S. 241). ^Wir bekennen, daß die Kinder, 
die jetzt geboren werden, der Erbsünd geledigt" (S. 270). Damit 
traten die Schweizer in Gegensatz zu den MennonitenM 
und Huterern*)} es ist ihre wichtigste Lehre, die sie gleich- 

^) Menno Symons Opera omnia theologica, Amsterd. 1681 S. 461 : 
Gelyck van Adam ende Eva van der helscher slange zijn gebeten, ver- 
giftiget, sonderlijcker aert geworden, en den eeawigen doodt moesten 
gestorven hebben, soo haer Godt niet wederomme door Christum in 
genade hadde aengenomen, also worden wy ook alle die van hären zade 
voort kernen, sonderlijcker aert van haer gebooren. van der slange ver- 
giftiget, tot den quaeden geneyget, en alsoo nyt eygen aengeborender 
natiieren Hinderen der Hellen, des Dayvels. en des eeuwigen Doods, 
ende mögen daer van niet verlost worden, het en zy den dat wy Christum 
Jesum den eenigen ende eeuwigen middel der genaden door een waer- 
achtigh ende ongeveynsde geioove aennemen. 

') Uiedemann : Keclienschaft unserer Religion (Neudruck in Calvarys 



III. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 55 

zeitig von beiden Parteien trennt. Die Erörterung der 5. 
Frage, „ob die glaubigen im Alten Testament mit den glaubigen 
im Xewen Testament eine gemein vnd Volck Gottes sindt**, 
gestaltete sieh durch die vielen Kreuzfragen des Vorsitzenden, die 
oft vom eigentlichen Thema weit abschweiften, ziemlich vei-wickelt. 
Die Wideiiüufer bekannten, „daß wir mit jhnen eine Seligkeit 
erlangen werden. Doch daß jene durchs (lesetz, wir aber durch 
die Freyheit des Evangelii gereg:iert werden'^ und „daß die 
glaubigen im alten Testament so -nach dem Glauben gestorben 
vnd die Verheissimg schon nit empfangen haben. Sonder sie von 
ferne gesehen, gleichwol durch jren Glauben inn der warhait die 
Vergebung der Sünden vnnd die ewige Seligkeit erlangt haben'^. 
Verquickt wnrde mit diesem Artikel die Frage, ob ein Christ ein 
obrigkeitliches Amt führen dürfe; was die Brüder verneinten. 
-Denn'', fragten sie, „die weil die Obrigkeit Weltliche Sachen 
regieren, vndt den bößen mit dem Schwerdt straffen muß, wie 
kann da einer zweien Herren zugleich dienen^? (S. 12 j. Dass aber 
ihre Gegner aus ihrer Frage schlössen, dass die Obrigkeit in ihrem 
Amte dem Teufel diene, habe nie einer von ihnen gedacht. «Dann 
jhr habt oft von vns gehört, wenn sie jhrem Ampte mit Fleiss 
nachkomme, dass wir sie für eine Dienerin Gottes halten, die einem 
jeden ilach Gerechtigkeit lohnen werde*. Der 6. Artikel betraf 
die Frage, „ob der volkommen gehorsam Jesu Christi durch den 
waren glauben gefasset, die einige vnd allein genügsame bezalung 
vnser Sünden vnd Vrsache vnser ewigen Seligkeit sey, Oder aber, 
ob wir zum theil durch den glauben an Christum auß gnaden, 
zumtheil aber durchs Creutz vnd gute Werck selig werden". In 
der Antwort, dass die Ursache unserer Seligkeit der vollkommene 
Gehorsam Jesu Christi sei, Avaren die Reformierten eins mit den 
Schweizer Brüdern. In der 7. Frao:e. «ob das Avesen dieses fleisches 
am Jüngsten tage aufferstehen Oder aber ein anderes von Gott 
geschaffen werde*, wichen die Ansichten zum Teil ab. Während 
die Reformierten auf dem Standpunkte verharrten, das Wesen und 
die Substanz dieses unseres jetzigen Fleisches werde auferstehen, 
gaben die Schweizer zwar zu, dass wh* mit demselben Köi-per auf- 
erstehen würden, fügten aber bei, dieser sterbliche Leib müsse 



Mitthlgn. a. d. Antiquariat I 291): Nun so bekennen wh\ Das alle 
menschen keinen (denn den einigen Christum) aussgenommen eine sün- 
dige art von Adam haben die sy von jm erben. 



56 in. Die ältesten Lieder der Schweizer Brüder. 

verwesen und in einen klarüizierten Leib verwandelt werden. Den 
8. Artikel, „ob der Bann oder Vnglaub die Ehe scheiden", beant- 
worteten die Brüder dahin, dass nur Hurerei die Ehe zu trennen 
vermöge. Die 9. Frage, „ob die Christen eigene Güter kauffen 
vnd besitzen mögen ohn Verletzung christlicher Liebe" bejahten 
die Schweizer im Gegensatz zu den Huterem, doch mit der Ein- 
schränkung, sofern der Besitz nicht misbraucht und der Uberfluss 
allzeit der Armen Mangel zu gute käme. Die 10. Frage von d«r 
Obrigkeit war der Hauptsache nach bereits bei der 5. erledigt 
worden, die 11. Frage, ob dem Christen zugelassen sei, recht- 
mässige Eide beim Namen Gottes zu tun, das ist Gott zum Zeugen 
der Wahrheit aufzurufen, wurde nur flüchtig gestreift, ohne ein 
besonderes Ergebnis zu liefern; die 12. Frage, ob der Christen 
Kinder getauft werden sollten, verneinten die Wiedertäufer mit der 
Begründung, dass die Taufe nur jenen, die sie mit gutem Gewissen 
durch den Glauben annehmen, zu erteilen sei, und in der 13. Frage, 
ob das Abendmahl Christi ein blosses und leeres Kennzeichen und 
eine Venaiahnung zur Geduld und Liebe, oder aber eine kräftige 
Versiegelung der seligen Gemeinschaft sei, welche alle Gläubigen 
mit f 'hristo zum ewigen Leben haben, stimmten die Wiedertäufer 
der Erklärung der Refonnierten bei, dass das heilige Abendmahl 
des Herrn eine sichtbare äussere Zeremonie und Uberzeugfing sei. 
in welcher durch das Essen des gebrochenen Brotes und das 



Trinken des Weins nach C^hristi Befehl nicht allein ein Wieder- 
gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu (/hristi geschehe, sondern 
auch die Lehre vom Leiden nnd Sterben ('hristi und der Nutzen 
desselben erklärt werde. 

Im Frankenthaler (iespräch war auch des Gesangbuchs der 
Brüder Env ähnung getan worden. Dathenus sagte: „Dann in dem 
auBbund. oder geistlichem Liederbuch seind gar vil gefahrlicher 
reden, da durch die einfei tigen auff dem wohn vnd Opinion von 
der gerechtmachung der Werck leichtlich kÖndten gefülu-et werden. 
Deren man jhnen darnach etlich wirdt lesen lassen vnd anzeigen- 
(S. 575). Vorgelesen wurden diese Lieder zwar trotz des Ver- 
sprechens nicht, wir linden sie deshalb auch nicht im Protokoll; 
aber zweierlei wird doch durch diese Bemerkung des Datlienu« 
klar: 1) dass der Ausbund, dessen erste bisher bekannte Aus*- 
gabe vom J. 1583 datiert, bereits im .1. 1571 vorhanden ge- 
wesen sein muss und dass er 2) nicht als allgemeines Gesang- 
buch der Widertäufer bezeichnet werden darf, sondern ganz speziell 



IV. Niederländische Lieder. 57 

ein Gesangbuch der Schweizer Brüder ist. Sein Inhalt 
aber ist so mannigfaltig und er hängt zum Teil so innig mit der 
niederländischen Liederdichtung zusammen, dass Mir, um sein 
Werden zu verstehen, etwas weiter zurückgreifen und auf die 
niederländische Dichtung näher eingehen müssen. 



lY. NiederUndlscho Lieder. 

Die geistliche Liederdichtung in den Niederlanden war 
während des Mittelalters nicht weniger rege gewesen, als in 
Deutschland; ihre Blüte hatte sie im 15. Jh. en*eicht*). Einige 
Sammlungen aus der ersten Hälfte des 16. Jhs. haben uns einen 
ansehnlichen Teil dieser Lieder bewahrt, die durch ihre naive, 
innige Frömmigkeit wohltuend von jenen des 16. Jhs. sich abheben, 
die nm* allzuoft aus äusseren Veranlassungen heraus geschrieben 
wurden, und ohne eine innere Anteilnahme des Verfassers zu 
verraten. Sie sind zumeist Erzeugnisse der Rhetoriker, deren 
geringe Kunstbegabung sie beweisen. Wie in Deutachland 
werden diese katholischen Lieder auch in den Niederlanden zu- 
nehmend geschraubter, gefallen sich in der Häufung von Reimen 
und in der Verwendung der gewagtesten Versmasse, wozu sich 
allmählig, so recht der Ausdi'uck prahlender (Tolehrsamkeit, die 
^'orliebe für Fremdwörter gesellt. 

Dir Inhalt unterscheidet sie nicht von den gleichzeitigen 
deutschen katholischen Liedern ; Schilderungen des Himmels, Lob- 
gesänge auf Maria, Klage- und Bittlieder finden sich liier wie dort, 
und wie in Deutschland treten sie auch hier mit der Absicht auf, 
die weltlichen Lieder des Volkes zu verdrängen und zu ersetzen*). 



*) KalfP: Geschiedenis der nederl. Letterkunde in de 16. eeuw T, 121. 

*j Vgl. die Vorrede zum Denoot ende Profitelyck Boecxken in der 
Ausgabe Scheurleers S.ö: Aenmerekende die brooscheyt ende crancheytder 
menscheliker natueren, doer die welcke menich ionc mensche wt lichter 
occasien coemt tot valle der nonden, daer hi dicwils in blijft tot in sijn 
oude dagen, oft totten eynde sijns leuens, sonder hem wt gheheelder 
herten tot God te keeren: so vinde ic onder veel ander dingen die deu 
mensche tot boosheyt ende sonden trecken, dat Sonderlinge periculoes 
ende hinderlijc sijn, veel ontamelike, oneersame weerlike liedekens ende 
refereynen, die dagelijcz inde banden van den iongen lieden stjn ende 
heel ghemeyn: also dat hen nauwelijc daer af en wachten personen die 
wat wesen willen in een gbeestelijc lenen dwelc te beclagen is. 



58 ^V. lifiederläüdischO' Ijie(lei:. 

Im Jahre 1540 begegnen wir den ersten Übersetzungen von 
PsalmliedeiTi, die Willem van Zuylen van Xyevelt besorgte*», 
auch sie dazu bestimmt, anstelle der -weltlichen Lieder zu treten, 
weshalb ihre Melodieen die der bekanntesten Volkslieder sind. 
Ihi* dichterischer Wert, ist bescheiden, doch ist die Sprache ziemlich 
rein, wenn gleich die gebräuchlichen Fremdwörter nicht fehlen*). 
Aber üben-aschend ist die begeisterte Aufnahme, die diese Über- 
setzungen finden 5 in einem Jahre werden sechs Auflagen notwendi«- 
und selbst in reformierten Gemeinden bürgert das Buch sich ein, 
bis es hier 1566 durch die Übersetzung Jan Utenhoves und 
die gleichzeitige des Petrus Datheuus, den vnr bereits kennen, 
verdrängt wurde, der die Psalmen nach dem Französischen des 
(Uemens Marot bearbeitete und dessen Werk trotz seiner unsäg- 
lichen Nüchternheit sich bis zum Schlüsse des 18. Jahrhunderts 
im offiziellen (Tcbrauche der reformierten Gemeinden im Norden 
der Niederlande erhielt. 

Die «Souterliedekens" bilden, obzwar sie liir den Gebrauch 
der Katholiken bestimmt waren, doch den Übergang zum refor- 
mierten Gemeindegesang, denn die Anhänger der neuen Lehre 
sahen in der Bibel allein die Grundlage eines christlichen Lebens 
und fühlten sich lun so mehr zu den Psalmliedern hingezogen, 
als sie in der Sprache des Volkes geschrieben waren. Mit dem 
ersten P^indringen des Protestantismus in den Niederlanden, der 
hier aber l)ald durch den Calvinismus abgelöst wu*d, dem wiederum 
der Boden durch die Wiedertaufe streitig gemacht wird, erhält die 
geistliche Liederdiclitüng ganz neue Keime und Anregungen. 
Frühzeitig machen sie sich geltend. Als Vorläufer treten Spott- 
lieder gegen die katholische Kirche und Geistlichkeit auf den 
IMan, die weithhi, wenn auch wahrscheinlich nur handschriftlich 
Verbreitiuig finden und zum gi-össten Teil uns verloren gegangen 
sind. Aber bald wird der Ton ernster,, würdiger. Die Zeit der 
blutigen Verfolgungen beginnt auch in den Niederlanden, und 
damit eine unabsehbare Folge von Märtyrerliedern, welche den 
heldenhaften Tod der Bekenner der neuen Lehre besingen. Der 
erste, der diese Lieder sannnelt und mit eigenen und Liedern 
seiner PVeiinde herausgibt, ist der bekannte Täufer David Joris^i, 

'j Vgl. Scheurleev: De Souteriiedekens. Leiden 1898 

'-) JoDckbloet: Geschiedenis der Nederlandscbe Letterkunde 2, &39. 

^) Er hatte auch in Hessen Anhänger, die „Davider'". 



IV: Niederläpdische Lieder. 59 

dessen Liedt-Boecxken *) eine Reihe von Märtyrerliedem aus den 
Jahren 1529 — 36 enthält. Bei 4 dieser Lieder werden uns 'die 
Verfasser genannt, eins ist von Jacob Symonsz, der 1533 zu 
Telft hingerichtet wurde, zwei aus den Jahren 1531 und 1532 von 
Michael Janssen, das vierte von Anneken N., wahrscheinlich 
Anneken Jans von Rotterdam, die 1539 den Mäi-tyrertod erlitt. 
Der ekstatisch-mystischen Frönijnigkeit des Propheten entsprechend 
ist der Inhalt der Lieder oft ein mystisch-apokalyptischer; sie 
weisen auf die Verfolgungen hin, denen die Frommen in diesem 
Leben ausgesetzt sind, und spornen sie an, Feuer und Wasser zu 
trotzen, Leiden und Unterdrückung in Geduld zu tragen, da die 
Trübsal bald in Freude sich wandeln werde; dazu treten heftige 
Angriffe auf die katholische Kirche und ihre Lehre. Aber mitten 
hinein in diese Lieder des Leides und der Trauer klingt ein Ton, 
der uns überrascht, weil wir ihn in gleichzeitigen deutschen Liedern 
vergeblich suchen würden, der begeisterte Ausdruck grossdeutscher 
Gr©sinnung. 

Mit diesen Liedern sind wir bereits mitten in der Lieder- 
dichtung der Täufer. Je gi*ausamer deren Verfolgung wurde, je 
mehr ihrer den Tod durch Henkershand fanden, desto rascher 
wuchs die Zahl derer, die in gleicher Begeisterung und Todes- 
verachtung an ihre Stelle traten, desto zahlreicher auch wurden 
die Lieder der täuferischen Gemeinden, die über ganz Holland 
sich ausdehnten. 

Von besonderer Wichtigkeit für die Geschichte der täuferischen 
Dichtung in den Niederlanden ist eine Sammlung, die zuerst im 
Jahre 1562/3, wahrscheinlich bei Nicol. Biestkens in Emden, er- 
schien. Sie besteht aus 2 Teilen, deren erster den Titel führt ■^): 

Dit Boeck | wort genaemt: Het off'er des Heeren, | om het 
inhout van sommighe opgeof- | ferde kinderen Gods: de welcke 
voort- I ghebracht hebben wt den goeden schat | haers herten, 
Belydingen, Sendtbrie- | uen en Testamenten, de welcke sy met | den 



*) Een Geestelijck Liedt-Boeexken, inholdende veel scboone sin- 
rijcke Christlijcke Liedekens: Ooek troostlijcke Nieuwe- Jaren, Glaech 
unde Lof-Sangen ter Eeren Godes, Deur D. J. (vgl. Scheltema: Nederl. 
Liederen uit vroegeren tijd S. 343 No. 150). 

•) Vgl. Doedes: Nieuwe bibliographisch-historische ontdekkingen, 
Utrecht, 1876, 63 — 72. — Studien en bijdragen op't-gebied der historische 
theologie, door Moll en de Hoop Scheifer 4,, 2337. Doopsgezinde 
bijdragen door De Hoop-Scheffer, 1870, 45—89. 



60 IV« Niederländische Lieder. 

monde beleden, ende metten bloede | bezeghelt hebben, Tot troosi 
ende ver- | sterckinge der slachschaepkens Christi | die totter doot 
gbeschiet zijn, Tot loof, | prijs ende eere des geens, diet al | in 
allen vermach, wiens macht duert vä eewic- | heyt tot eewic- ' hejrt, 
A I men . . . Am Ende: Ghedruce (!) int Jaer. | M. ccccc. LXII. 

Dieser erste Teil enthält, wie schon der Titel ergiebt, 
namentlich Briefe gefangener Biiider an ihre Venvandten und 
ihre Gemeinden, die dann später in alle grösseren Sammlungen 
von Märtyinergeschichten, namentlich in Braghts Bloedig Toonell 
tibergingen. 

Wichtiger für uns ist der 2. Teil mit dem Titel: Een 
Liedt- I boecxken, tracterende | van den Offer des Heeren, int 
welcke | oude ende nieuwe Liedekens wt ver- | scheyden copyen 
vergadert zijn, om by | het Offerboeck gheuoecht te worden | want 
het van eender materyen ruert, | als van veiTaden, vanghen ende 
doo- I den aenghaende der Slachschaepkens | Christi, die de stemme 
haers Herders | Jesu Christi getrouwelyck ghe- | hoorsaem zijn 
gheweest | totter doodt | toe . . . (Am Ende): Ghedruet int 
Jaer. | M. ccccc. LXIH. 

Dieser 2. Teil enthält folgende 25 Lieder, die mit Aus- 
nahme des ersten, das die Leiden Christi besingt, von den Martern 
und dem Tode mennonitischer Gläubigen handelt, die in den 
Jahren 1546 — 61 in den Niederlanden hingerichtet worden waren: 

1. En Liedeken vant' Lyden Christi. Xa de wyse: Crux 
fidelis inter omnes. 

Van t'bitter lyden Christi ootmoedich 
Ouervloedich, Schriftner verhaelt. 
30 Str. 

2. Van Frans van Boolsweert (1545 in Leeuwarden verbrann 
BT 7tj. Na de wyse: Mijn siele mach geen troost ontfaen. 

Verhuecht v Godskinder alletijt 

En wilt nv veriolyson. 

19 Str. Boolsweert war selbst Dichter; er verfasste das 

Lied: y^Wel hem die in Gods vreese staet (Veelder- 

hande liedekens 1569 S. 320, 1582 S. 340; gedr. bei 

Wackernagel: Lieder d.niederländ. Reformierten, No. 22). 

3. Van twe Joffrouwen van Beckom. Na de wyse : De Mey 
staet nu in zynen tijt. 

Droefbevt wil ick nv laten staen 
En sinj^hon met verblvden. 



IV. Niederländische Lieder. gl 

29 Str. Lied auf Maria, die Schwester, und Ursula, die 
Frau des Johann von Beckum, die 1544 zu Delden 
verbrannt wurden (BT 65); sie waren Anhänger des 
D. Joris. Andere Lieder auf sie werden wir später 
kennen lernen. 

4. Van Goris, Wouter, Grietken ende Naenken ende daer 
na Katherijn. Na de wyse: O Sion wilt v vergaren. 

Doemen vijftienhondert schreue 
Daer toe eenenvijftich Jaer. 
24 Str. Die 5 Täufer wurden 1551 in Gent verbrannt 
(BT 106). 

5* Van Jan, Pluen ende Peter (in späteren Ausgaben: Van 
3 Vrienden) Nae de wyse: De Mey staet nu in zynen tijt. 

Je sal met vruechden singen een liet 
Wilt V daer in veriolysen. 
23 Str. Die Namen der Verurteilten, die 1551 zu Ant- 
werpen hingerichtet wurden, (BT 99) sind nicht sicher 
zu stellen. 

6. Van Mariken ende Anneken ende Henric Dircsz, Dirc 
Jansz ende Adriaen Cornelisz. Na de wyse: O Sion wilt v vergaren. 

Ick mach wel droeflyck singen 
In desen tijt van noot. 

22 Str. Adriaen Cornelisz, der mit den. anderen Täufern 
1552 zu Leiden verbrannt wurde, werden wir später 
noch als Helden eines zweiten Liedes kennen lernen; 
ebenso das Lied, das er selbst verfasst hat. 

7. Van Dauid ende Leuyna (1544 zu Gent verbrannt; BT 
160). Nae de wyse: O heer al inder eewicheyt. 

Ghy Christen altesamen 
Bereyt v totten strijt. 
18 Str. Ein anderes Lied auf die beiden: Och Heere 
ic moet v claghen, — Ontfanct mijn reden soet in 
Het tweede liedeboeck 1583, 325 u. Wackernagel a a, 
O Nro. 58. 

8. Van Gielis ende Lijsbet (1551 in Gent verbrannt; BT 
105). Na de wyse: Te Munster staet een steenen. 

Alsmen screef vijftienhondert iaer 
En eenenvdjftich daer toe voorwaer. 
14 Str. 



62 IV". Niederländische Lieder. 

9. Van Joos Verbeeck (1561 in Antwerpen verbrannt; BT 
283). Na de wyse: O Sion wilt v vergaren. 

O Godt ick moet v clagen 
Mijns hertzen droeuich leyt. 
29 Str. Aus: Een niew Liedenboeck 1562 gedr. Wacker- 
nagel a. a. O. Nro. 61. 

10. Van Willem Cleemiaecker (1560 zu Antwerpen ertränkt; 
BT 275). Nae de wyse: Rosina hoe ist met v gesteh. 

Een nieuwe Liet, vaet dit bediet 
Tantwei-pen geschiet. 
13 Str. 

11. Van een vroom Christen, te Vueren onthooft fBT 158) 
Na de wyse: Met eenen droeuen sanghe. 

In bitterheyt der sielen 
Clage ick dit iammer groot. 
10 Str. 

12. Van Jan Jansz Brant (1559 in Haag ertränkt; BT 243). 
Na de wyse: Mijn Godt waer sal ick. 

Hoort vrienden ic schenck v een liet 
Weest hier in niet verslegen. 
13 Str. Auch in Het tweede Liedeboeck 1583 Bl. 360«. 

13. Van een ionge maecht Janneken (1557 in Antwerpen 
ertänkt). Na de wyse: Ick roep v O Hemelsche Vader aen. 

Verhuecht verblijt groot ende cleyn 
Die hier nv trueren. 
20 Str. 

14. Van twaelf vrienden (1559 zu Gent hingerichtet; BT 
246). Na de wyse: Het sweert is wt der scheyden. 

Ick moet een liedt beghinnen 
Dat sal ick gaen heft'en aen. 
18 Str. (vgl. unten S. 71 No. 5). 

15. Van Goris [I^eerse ]ende Joachim [Ooms, genannt Janssens] 
(1560 zu Antwei-pen ertränkt; BT 275). Nae de wyse: O Heere. 
ghy staet altijt in mynen sinne. 

() Heere God eewich Vader verheuen 
Tot V clage ick al mynen noot. 
27 Str. 

16. Van 72 (^hristenen binnen Antwerpen gedoot tuschen t 
Jaer 55 ende 60. Na de wijse: Adieu reyn Bloemken. 



IV. Niederländische Lieder. 63 

Aenhoort God hemelsche Vader 
0ns clagen in deser tijt. 
25 Str. 

17. Van Goyuaert, Gielis, Mariken ende Anneken (1550 
[1551?] zu Lierre verbrannt). Xa de wyse: O Rat van auontueren. 

Als men screef duyst vijf hondert 

En daer toe noch vijftich Jaer. 
37 Str. Das Lied, dessen Verfasser Hans van Overdam 
ist, dem wir noch begegnen werden, auch bei Wacker- 
nagel a. a. O., No. 55. 

18. Van Willem, Maryken, Dieuwercken ende Mariken Jans 
(1550 zu Leyden gerichtet; BT 97). Na de wyse: Op v betrou 
ick, Heere. 

Eylaes ick mach wel suchten 
Dat nv buert so groot ellent 
9 Str. Verfasser ist Adrien Cornelisz, der 1552 in der- 
selben Stadt den Todt erlitt. Gedr. Wackem. No. 98. 

19. Van ses vroupersonen binnen Antwerpen ghedoot, vier 
verdi'oncken ende twee onthooft int Jaer 1559. Na de wyse: 
Syon wilt v vergaren. 

Babels Raets mandamenten 
Worden aldus volbracht. 
25 Str. 

20. Van Jorian [Simonsz] en Clement [Dirksz] (1557 zu 
Haarlem verbrannt; BT 178). Na de wyse: Tis nv schier al 
vervult ons Broeders ghetal. 

Hoort vrienden al hier in dit aertsche dal 

Maect nv een bly gheschal. 
12 Str. Das Lied wird Bouwen Lubbertsz zugeschrieben. 
Joriaen Simonsz hat selbst ein Lied gedichtet (Veelderh. 
Liedekens 1582, Blatt 127»): 

Hoort doch nu al te samen 

Die te Haerlem binnen wont. 

Ein drittes Lied: 

Hoert toe, ghy Christen scharen 

Jck sal V singhen een liet 
bei Wackera. No. 59. 

21. Van Calleken Strinx (1561 zu Ypern verbrannt; BT 299) 
Na de wyse: Jesabels Priesters zijn op gestaen. 



64 I^- Niederländische Lieder. 

Alsmen schreef duyst vijf hondei-t eenentsestich Jaer 
den veertienden Oegst gebuerdet openbaer. 
14 Str. 

22. Een Liedt van Vrage ende Antwoort dwelcke Peter van 
Weruick (so alst seijnt) gemaeckt heeft. Xa de wyse: In doot» 
geweit lach ick. 

Een eewige vruecht die niet en vergaet 
Comt my altijts te vooren. 

33 Str. Wackern. No. 99. 

23. Van ßommige vrienden boe si gbeuangen worden tot 
Jper, int iaer 1561. 

Geroert ben ick van binnen 
AI om te maken bekent. 
26 Str. Wackern. No. 65. 

24. Van Jacques [d'Auchy] (1559 in Leeuwarden erti*änkt,i. 
Na de wyse: Het daget wt den Oosten. 

Och siet hoe di*oeue dingen 
Ick V hier verteilen sal. 

34 Str. Wackern. No. 100. Jacques ist selbst der Vf. ; 
ein 2. Lied von ihm: Ghy borgers Jerusalems ansiet 
in Het tweede Liedeboeck Bl. 142. Ein Lied auf 
seinen Tod von K. van Man der in dessen Gulden harpe. 
Haarlem 1627, Bl. 548: Tot Leeuwaerden op eenen dag. 

25. Van Jan Schut (1561 zu Vreden verbrannt; BT 287). 
Na de wyse: Ick danck v lieue beere. 

Heer God ick mach wel clagen 
Met suchten so menichfalt. 
32 Str. Wackern. No. 66; vgl. No. 67 das Lied auf 
seinen Tod. 
Das Buch erlebte rasch neue Auflagen; solche kennen wir 
aus den Jahren 1566, 1567, 1570 (Wackemagel S. 177), 1678 
(zwei Auflagen, die eine wahrscheinlich bei Goswin Goebens in 
Emden [Wackemagel S. 184], die andere bei Nie. Biestkens in 
Amsterdam gedruckt), 1580, 1590, 1591, 1595 und 1599 (in meinem 
Besitz). Die Ausgaben von 1566 und 1567 sind im wesentlichen 
der ersten Auflage gleich, die Ausgabe von 1570 dagegen i«t 
vielfach vermehrt, insofern als nun auch in diesem ersten Teil 
eine Reihe von Liedern — im ganzen 29 — Aufnahme fanden, 
die sich an die Briefe der Märtyrer anschUessen. Wir müssen 
auch hier sämtliche Lieder aufführen: 



IV. Niederländische Lieder. g5 

1. Een Liedeken ghemaeckt wt de belij dinge Stephani, Na 
de wyse: Van den eersten Psalm, Oft het was een Clerecken 
het ginck ter scholen. 

De duister werelt mach niet verdragen 
Het clare licht G-odes woort en wet. 

18 Str. 

2. Een Liedeken, ghemaeckt wt de Belij dinge van Michiel 
Satler, Nae de wyse: In Oostlant willen wy varen, ofte: radt 
van avontueren (vgl. oben S. 10). 

Alsmen schreue vijftienhondert 
Ende seuentwintich Jaer. 

11 Str. 

3. Een Liedeken van Anneken van Rotterdam (1539 in 
Rotterdam ertänkt; BT 48). Na de wyse van den 48. Psalm. 
Ofte geen meerder vreucht ter werelt en is. 

Een groote vruecht ist int gemeyn 
Dat douders hare kinder cleyn. 

14 Str. 

4. Een Liedeken van Jan Claesz ende Bestevaer (1544 in 
Amsterdam enthauptet; BT 66). Na de wyse van den achtsten 
Psalm. Ofte, het waren twee gespeelkens ghoet. 

Het waren twee gebroeders goet 
Seer lieffelijck van zeden. 

20 Str. 

5. Een Liedeken van Elisabeth (1549 zu Leeuwarden er- 
tränkt; BT 81). Na de wyse van den 2. Psalm. Ofte, Roosken 
root, seer wijt ontloken. 

Twas een maechdeken van teder leden 
Elisabeth dat was hären naem. 

21 Str. 

6. Een Liedeken van Hans van Ouerdamme (1550 zu Gent 
verbrannt; BT 89). Nae de wyse van den 26. Psalm: Ofte, Ick 
weet een vrouken amoreus. 

Ick weet, die Goedes woort bekent 
Dat hy ter werelt moet lijden. 

15 Str. 

Wölk an, Lieder der Wiedertäufer. Ö 



Ö6 IV. Niederländisehe Lieder. 

7. Een Liedeken van Hans Kees coper (1550 in Gent ver- 
brannt; BT 94). Na de wyee van den 29. Psalm. Ofte, Grenade 
ende vrede. 

O Heer v wil ick loven 
Ghy die v liedekens al. 

9 Str. 

8. Een Liedeken van Jeronimus Segerszoon, ende zijn 
huysvrou Lijsken Diericx (1551 in Antwei'pen verbrannt; BT 107). 
Na de wyse: O Syon wilt v vergaren. 

God de Heere is gbetrouwc 

Hy troost de zijne vroech en spaey. 

13 Str. 

9. Een Liedeken van Jan, Peter, Pluen. (Vgl o. S. 61 No. 5). 

Tot lof des vaders, soons, heyligen geest 
O Christen wilt met ons beghinnen. 

12 Str. 

10. Een Liedeken van Peter van Weruick (1552 in Gent 
verbrannt; BT 145). Na de wyse: Wy willen de Mey ontfanghen. 

Groot zijn des Heeren erachten 
Jnden Hemel, en op Aerde. 

9 Str. 

11. Een Liedeken van Adi'iaen Conieliszoon (1552 in Leiden 
verbrannt; BT 133), nae de wyse van den 106. Psalm: ofte, 
Gbepeyns, ghepeyns. 

Danet Godt, en wilt zijn lof verbreyden 
Wiens wercken zijn by ons openbaer. 

8 Str. 

12. Een Liedeken van Jooskint (1553 in Gent verbrannt; 
BT 150). Na de wyse: De Mey staet nv in zynen tijt. 

De meeste vniecht coemt door Godts woort 
Waer door de Christen verquicken. 

13 Str. 

13. Een Liedeken van Cvlaes de Praet (1556 in Gent ver- 
brannt; Bl 167). Na de wyse: Een nieuwe Liedt wy heffen aen. 

De Werk op die Christen verstoort 
Vangen, dooden aen menieh oort. 
19 Str. 



rV. Niederländische Lieder. g7 

14. £en Liedeken van Joriaen Simonsxoon < 1557 xu Haarlem 
verbrannt ; BT 178 » Na de wyse : Sorge gbv moet bezijden staen. 

O Vaders wilt ghy eenen schat 
V kinderen nalaten. 

17 Str. 

15. Een Liedeken van Jacques (Dosie oder d'Aucby, 1559 
zu Leeuwarden ertränkt; BT 212). Na de wyse van den xliiij 
Psalm: Ofte. De Vogelkens in der muyten. 

Seer wonderlijek O Heere. 
Sijn ▼ wercken vermaert. 
12 Str. 

16. Een Liedeken van Claesken (1559 au Leeuwarden er- 
tränkt; BT 236j. Xa de wyse, En Liedeken met vreuchden goet. 

Een Liedeken met vmechden goet 
Verbalen wy met sangen. 
7 Str. 

17. Een Liedeken van Adriaen Pan (1559 zu Antweri)en 
enthauptet; BT 245). Na de wyse. Als de winter gaet van henen. 

Daystemis gaet van henen 
Wanneer dat licht coemt aen. 
11 Str. 

18. Een Liedeken van Hans de Vette (1559 in Gent verbrannt; 
BT 246) na de wyse: O Heere, ghy staet altijt in mijnen sinne. 

Hebt goeden moet, o broeders van weerden 
Want onsen Godt sterc ende goedertier. 
16 Str. 

19. Een Liedekens van Hans van der Maes (1559 au 
Wameton gerichtet; BT 259). Na de wyse, van den xli. Psalm. 
Oft: Tyrannich werck vol archs ghedronghen. 

Tyrannich werck spoortmen nv alle weghen 
Waer ghy ter werelt wilt keeren oft gaen. 
11 Str. 

20. Een Liedeken van Lenaert Plouier (1560 zu Antwerpen 
ertränkt; BT 270). Nae de wyse: Wel hem die in Goods vreese staet. 

Dtestament van Lenaert Plouier 
Aen zijne kinders goedertier. 

18 Str. 

21. Een Liedeken van Gielis Bemaerts (1659 zu Antwerpen 
enthauptet; BT 250). Na de wyse: Van den 103. Psalm. Ofte 

Languer me fault. 

5* 



68 I^« Niederländische Lieder. 

Gebenedijt G-od in des himels pleyn 
Verbreyt zijn wercken goet. 
7 Str. 

22. Een Liedeken von Jan Geertszoon (1564 in Haag ver- 
brannt; BT 317). Na de wyse: Wilt gby wesen een oorlochs man. 

Tis een periculose tijt 
Die goede Heer moet ons bewaren. 
18 Str. 

23. Een Liedeken van Mayken Boosers (1564 in Tomniai 
verbrannt; BT 302). Na de wyse: Het daget in den Oosten. 

Die op den Heer betrouwen 
En quaraen noyt ter schandt. 
16 Str. 

24. Een Liedeken van Weynken Claes (1527 zu Haag ver- 
brannt; BT 11). Na de wyse: Het was een Joden dochter. 

De Heer moet zijn ghepresen 
Van zijn goedertierenbeyt. 
14 Str. 

25. Een Liedeken van Eelken, ende Fije (1549 in Leeu- 
warden enthauptet; BT 84). Nae de wyse van den 55. Psalm. 
Oft Mijn Liefken siet my oeuel an. 

Nae V belooft, O goede Heer, 
Wilt troost van bouen senden. 
11 Str. 

26. Een Liedeken van Peter Metselaer (1553 zu Leeuwarden 
erwürgt; BT 159). Na de wyse, van den Ixxv. Psal. ofte, Troeren 
moet ick nacht ende dach. 

Kermen is ter werlt en geclach 
Druck coemt van alle zijden. 
10 Str. 

27. Een Liedeken van Willem droochscheerder (1557 zu 
Antwerpen verbrannt; BT 184 j. Na de >vyse: Ghy die Christiuu 
hebt aengedaen. 

Christen Broeders weest nu verblijt, 
Nae dien ghy doch geroopen zijt. 

7 Str. 

28. Een Liedeken van M. Gielis Matthijszoon (1564 zu 
Middelburg enthauptet; BT 506). Nadewyse: Rosina hoe is v gestalt. 

Mijn iock is soet, mijn last is licht 
Sprack den Herder der schapen. 

8 Str. 



IV. Niederländische Lieder. 69 

29. Een Liedeken van Clement Henrickszoon (1569 zu 
Amsterdam verbrannt; BT 493), na de wyse: Te Munster staet 
een steenen huys. 

So wie op den St een Christus bout 
Diens timmering mach blijuen. 
14 Str. 
Die späteren Ausgaben sind nur wenig vermehrt; die Amster- 
damer Ausgabe von 1578 hat nur 1 Lied mehr: Van twee vrome 
Christenen [Jan Hendricksen van Swertewale und Märten Jansen 
Korendrager] (1572 zu Delft verbrannt; BT 607): 

Verhoort ons droenich claghen, 
O Heer, in desen noot. 
Die Emdener Ausgabe von 1578 hat drei neue Lieder: 

1. Van Hendrijk Verstralen (1571 zu Rijpermonde hin- 
gerichtet; BT 542): 

O Heere Godt van grooter machte 
Niemant en is doch ws gelijck. 

2. Van XLI Christenen binnen gent gedoot tusschen tiaer 
LXH ende LXIX: 

Alsmen schreef duyst vijf hondert Jaer 
Ende twee en tsestich mede, 

3. Van Gerrit Comeliszoon (1571 zu Amsterdam verbrannt; 
BT 541): 

Alsmen duysent vijfhondert heeft gheschreuen 

En eenentseuentich Jaer. 
Wir mussten bei der Inhaltsangabe dieses Liederbuches weit- 
läufiger sein, weil wir seinen Liedern noch öfters begegnen werden. 
Die Sammlung umfasst nicht ausschliesslich Täufer, wohl aber 
alle Märtyrer, welche für ihre von der Lehre der katholischen 

• * 

Kirche abweichende Überzeugung den Tod in den Niederlanden 
erlitten haben. Bemerkenswert ist, dass seit 1570 der Ton von 
Volksliedern für die Märtyrerlieder bevorzugt wird. 

^Het Offer des Heeren'' war nicht das einzige Gesangbuch 
der Täufer; schon am 28. Mai 1560 war ein solches erschienen, 
das aber bis heute verloren ist, und das schon am 19. Februar 1561 
eine 2., uns gleichfalls verlorene und 1562 eine 3. vermehrte Auf- 
lage erlebte^); eine 4. abennals erweiterte Auflage liess der Verleger 
Nicolaes Biestkens im Jahre 1583 erscheinen. In dieser Auflage 



*) Wackernagel: Lieder der niederiänd. Reformierten No. 17. 



70 I^- Niederländische Liedar. 

umfasst das Gesangbuch 294 Lieder gegen 257 der 3. Auflage. 
Da uns allein die 4. Auflage zugänglich war, beziehen sich unsere 
Angaben nur auf diese*). 

Das Gesangbuch führt den Titel: ^ct tmecbe | ßicbcboccf, 
tä I öele biucrfdöc 8icbefen§, gl^e* | maect tot bcn ouben enbe nieumcn 
Zt^ta* I ntente, SSSaer af fomntig^e ecrtijtiS in ^rudE | jijn tDtg^c* 
gacn, enbc fontmige no^t in | S)ruc! göetoceft I)c66cnbc, | bacr bl) 
g^cuoed^t. | [Holzschnitt]. SotSlmftclrcbam \ S^SlicotacöSSicflfcnStjan 
©tcft, in bc enge | fferdEftegl^e, in be Silic onber ht boornen, | Änno 
5W. S). e3EJ3E$^33. (Am Ende:) (S^ebrucft enbe boletinbt 6^ 
tßicoIaeS | SicfttcnS öan 3Mcfl (roooncnbe opt aSotcr in bc Selic onbcv 
be boornen) | bcn ncgcnflen ^ulij. ?lnno | 51». ®. CHS^^^. 

Den wichtigsten Inhalt bilden Lieder von und auf Märtyrer 
ihrer Überzeugung. Nur selten nennen sich die Verfasser oder 
lassen sich sonst sicherstellen. So ist das Lied: Eylaes ick macht 
wel suchten (Bl. 115*) das unsbereits aus dem „Off*er des Heeren" (vgl. 
o. S. 63 No. 18) bekannt ist, von Adrien Cornelisz. Das Lied: O 
God, ghy zijt mijn helper fijn (B1.358) stammt von Soetken vanden 
Ho Ute, die am 27. Xov. 1560 zu Gent gerichtet wurde '^). Der 
Mennonit Joos Verbeck schrieb das uns gleichfalls bereits be- 
kannte Lied (Bl. 372 ») : O God, ick moet v claghen (s. o. S. 62 No. 9) ; 
Geraert Sierijns nennt sich in der Schlusszeile als Verfasser 
des Liedes: Mijn beer, mijn god, mijn vader groot van machten 
(Bl. 30*); Willem Seghers verfasste mit Henrick Simons das 
Lied: Wy clagent v Heer, ons doch verhoort (Bl. 36). Als Ver- 
fasserin des Liedes: Aensiet o Heer onsen strijt groot (Bl 69*) 
nennt sich im Akrostich Antonette Lievens^) und gleichfalls 
akrostichisch verrät sich Joest Jacops als Verfasser des Liedes : 
Jubileert met vruechden te samen (Bl. 78). In der Schlusszeile 
nennt sich Dirck Jans als Dichter von: Waket doch op met 
grooten vlijt (Bl. 117) und Broeder Jaques in dem Ijiede: 
Ghy Borgers Jerusalems aensiet (Bl. 142). 

') A. a. 0. Nro. 44.- Berlin, Kgl. Bibliothek En 3630. 

'0 Ein Einzeldruck dieses Liedes mit dem Namen der Verfasserin 
vom Jahre 1579 auf der Stadtbibliothek Hamburg (Oct. X. 140). — Een 
Testament gemaeckt by Soetken van den Honte. Groningen, A. Jansens 
1636 und Hoorn, M. Gerbrantz, 1641 in der Bibliothek der Doopsgezinde 
gemeente Amsterdam (De Qoop-Scheffer: Catalogus 2, 13). 

^) Ein Jan Lievensz wurde im August 1550 zu Antwerpen ver- 
brannt. 



IV. Niederrändische Lieder. 71 

Die Schlusszeile wird überhaupt, ganz im Anschluss an das 
weltliche Volkslied, gern dazu benutzt, wenigstens allgemeine 
Andeutungen über den Verfasser zu geben. So sagt der Dichter 
des Liedes: Hoort toe ghy Borgers van Rotterdam (Bl. 118): 

Die dit Liedeken heeft ghedicht 

AI totten prijse des Heeren, 

Dat daer yemant door worde gesticht 

Dat waer wel zijn begheeren. 

Te Rotterdam al binnen der ste 

Te Delfs, Hauen en t Schiedam me 

En in alle plaetsen bezijden 

Dan soude hy hem seer verblijden. 

Die Mehrzahl der Lieder bleibt anonym, was namentlich von 
den zahlreichen Liedern auf Märtyrer gilt. Folgende Lieder be- 
ziehen sich auf bestimmte Märtyrer: 

1. Een nieuwe Liedt heb ick ghedicht (Bl. 89) auf das 
Martyrium der 1553 zu Leeuwarden ertränkten Berentge 
und Tys (BT 150). 

2. Och Heere ick moet v claghen (Bl. 325) auf den Tod 
des David van der Leyen oder Verleyen (verbrannt 
14. Februar 1554). 

3. Hoort toe ghy Christen scharen (Bl. 91, gedruckt auch 
bei Wackernagel No. 59; vgl. oben S. 63 No. 20) enthält die 
Leidensgeschichte des Clement Dirksz und des Joriaen 
Simonsz, die auch noch in drei andern Liedern besungen 
wurde, deren eines Joriaen Simonsz selbst, der sich 
flüchten konnte, verfasste. 

4. Verhuecht, verblijt groot ende cleyn (Bl. 340* und in 
allen Ausgaben von Het OflEer des Heeren; vgl. oben 
S. 62 No. 13) auf Janneken. 

5. Ick moet een Liet beginnen (Bl. 112 und in allen Aus- 
gaben von 0. d. H.; vgl. oben S. 62 No. 14) auf den Tod 
des Anthonis von Gent und seiner 11 Genossen. 

6. Babels raets mandamenten (Bl. 353) vgl. oben S. 63 No. 19. 

7. Hoort vrienden, ick schenck v een liedt (Bl. 360*) auf 
Jan Janszen Brant (29. Nov. 1559 zu Haag ertränkt; 
vgl. oben S. 62 No. 12). 

8. Een nieeuwe liet, vaet dit bediet (Bl. 315 u. in O. d. H, ; 
vgl. oben S. 62 No. 10). 



72 IV. Niederländische Lieder« 

9. Heere God, eeuwich Vader verheuen (Bl. 292» und O. 
d. H.); vgl. o. S. 62 No. 15. 

10. Gheroert ben ic van binnen (Bl. 191) auf die Gefangen- 
schaft von Maeyken Kocx und ihrer Genossen, 1561 zu 
Ypres verbrannt; vgl. o. S. 64 No. 23. 

11. Lieue broeders ick groet v met sanghen Bl. 335*) auf 
die Gefangenschaft des Bastiaen de Pottere und seiner 
Genossen, 1562 zu Antwerpen gerichtet (BT 289). 

12. Aenhoort Godt Hemelsche Vader (Bl. 333) auf den Tod 
von 72 Brüdern, die in den Jahren 1555 — 60 hingerichtet 
wurden; vgl. o. S. 63 No. 16. 

13. Broeders en Susters al gheraeyn (Bl. 352) auf den Tod 
des Jacob Lowijs und Joris van Meesch, gestorben ca. 1570 
in Gent (BT 506). 

14. Wy hebben groot verlanghen (Bl. 25*), ein lied von 
Brüdern, die zu Gent gefangen lagen. 

15. Hoort toe ghy menschen een nieu liet (Bl. 346*) auf 
das Martyrium mehrerer Brüder in Rotterdam. 

Zu diesen historischen Liedern, die uns mit Entsetzen er- 
füllen ob der erbarmungslosen Grausamkeit, mit der man in den 
Niederlanden, ebenso wie in Deutschland die täuferische Bewegung 
verfolgte, gesellt sich eine endlose Fülle von Liedern, welche 
Worte des neuen Testaments in Verse bringen, von Klagen, 
Bitt- und Lobgesängen an Gott. Dichterisch bedeuten nur wenige 
etwas wie das schöne: Ghepeyns, ghepeyns, hoe ligdy my aldns 
en quelt (Bl. 29), aber sie ergreifen doch durch tiefe Frömmigkeit 
und ein Gottvertrauen, das nichts zu erschüttern vermag. Eigent- 
liche Glaubenslieder, die speziell mennonitische Glaubenssätze 
enthalten würden, finden sich nur wenige; so Bl. 6, wo die 
mennonitische Inkamationslehre in den Worten zum Ausdruck 
kommt: 

Want twoort is God, en om ons beraden 

Is vleesch gheworden, in s werelts pleyn 

Duer s heylichs C^eest cracht en niet s menschen macht 

Hier wel opacht 

In Maria nae Schrifts bediet. 

Wie in deutschen Täuferliedem wird auch hier das Gleichnis 
von den zwölf törichten Jungfrauen behandelt (Bl. 5), wird von 



IV. Niederländische Lieder. 73 

dem schmalen Weg und der engen Pforte (Bl. 3) gesprochen, die 
znm Himmel führen und darauf hingewiesen, dass, wer in Christo 
gottselig leben wolle, auf Erden verfolgt sein müsse (Bl. 18)» 
Öfters wird über die trostlosen Zustünde in Holland geklagt und 
wie die Gerechten an allen Orten leiden müssen (Bl. 114). Ge- 
legentlich finden sich Ausfälle auf die katholische Kirche und auf 
Luther (besonders Bl. 345^); gegen die Rhetoriker, die zumeist 
auf der Seite der Katholiken standen, wird wiederholt Stellung 
genommen (Bl. 205*, 337»). Einigemal werden Psalmen in Lied- 
form gebracht, so der 25. (Bl. 45), 37. (B1.43), 92. (Bl. 202») und 
137. Psalm (Bl. 39); dreimal wird das Vaterunser paraphrasiert 
(Bl. 25, 120, 229). 

Interessant ist die Bildung der Anfangs- und Schlussstrophe 
der Lieder, die sich ganz an den Stil des Volksliedes anlehnt. 
Wie hier sieht sich der Dichter einer lauschenden Menge gegen- 
über, an die er seinen Gesang richtet: 

Ontfaenckt een nieu liedeken soet 

Maechdeken ionck van iaren (Bl. 235*) 
oder: 

Och Broeders wtuercoren 

Een Liet heb ick bedacht (Bl. 16). 
Gern wird gebeten, zuzuhören: 

Hoort Broeders int ghemeyne 

Ick schenck v een nieu Liet. 

De dichte is seer cleyne, 

Maer Christus dat niet aensiet (BL 40) 
und daran schliesst sich sofort eine kurze Inhaltsangabe des Liedes: 

Hoort toe vrienden, waer ghy zijt, 

Blijft by Christum, onsen Heere (Bl. 11) 



oder: 



Hoort, ghy menschen al te samen. 
Die ter Werelt zijt seer groot 
Wanneer sult ghy v schämen 
Dat ghy Gods woort van v stoot (Bl. 12) 



oder: 



Hoort toe al die den Heere vresen 
Ende v tot hemwaert hebt bekeert 
Laet ons behouden dat Christelijcke wesen (Bl. 14»). 
Der Dichter fühlt sich gewissermassen unter einem inneren 
Zwange, der ihn zur Dichtung treibt: 



74 IV- Niederländische Lieder. 

Ick moet een Liet beginnen 

Van eenen strijt seer fei (Bl. 21) 
oder: 

Ick sal V gaen singhen een nieuwe Liet fBl. 51) 
und er fordert die Brüder auf, mit ihm einzustimmen: 

Lact ons den Heere louen 

Ghy Christen al ghemeyn (Bl. 41) 
oder wendet sich mahnend an die ausserhalb der Gemeinde stehen- 
den Christen: 

Ghetrouwe borgers en borgerinnen 

Van Corterijcke bekent 

Wilt V seluen eens wel besinnen 

Hoe deerlijck ghy zijt yerblent (Bl. 207) 
oder: 

Hoert toe ghy Borgers van Rotterdam, 

Wilt doch uweu crommen ganc mijden 

En gaet niet meer dus cruepel en lam 

Hincken ouer twee zijden 

Staet doch eens vromelijck op uwe been (Bl. 118). 
Die furchtbaren Verfolgungen machen es begreiflich, dass 
der Sänger nur Trübes melden kann; aber während deutsche 
Wiedertäufer trotz allem oft den Mut finden, „mit Freuden" zu 
singen, finden wir hier kein einziges Lied, das einer freudigen 
Stimmung Ausdruck zu geben hätte; wir hören nur beständig: 

Een truerich droeuich leyt (Bl. 125) 
oder: Droefheyt heeft my omuanghen (Bl. 363} 
oder: Met eenen droeuen sanghe 

Sing ick een droeuich Liet (Bl. b2). 
Nur vereinzelt begegnen Lieder, die mit einerXatarschilderung 
einleiten: 

De lustelijcke Mey is nu in zijnen tijt 

Met zijnen groenen bladen (Bl. 55) 
oder: 

Lustelijcke Mey, hoe schoon staet ghy ontlokeii 

Alle bloemkens ontspruyten van uwer craclit (Bl. 8*t. 
Auch der Schluss der Lieder ist zumeist echt volkstümlich. 
Der Dichter teilt hier gern näheres mit über sich und seine Ver- 
hältnisse : 

Die dit Liedeken eerst stelde, 

Die was in banden tot Ghent, 



oder: 



IV. Niederländische Lieder. 75 

Sijn vleesch hem dickwils quelde, 
T cruys was hem wel bekent. 
Broeders, ick bid v al ghemeen 
De gheaanghenen wilt ghedencken 
Als ieden tsamen een (Bl. 88*) 

Die dit Liedeken heeft ghestelt, 

Van blinde Leyders 'was hy ghequelt, 

Te Ghent in banden ghesonghen 

Wt liefden daer toe ghedronghen (Bl. 99*) 



oder 



Die dit Liedeken eerst stelde, 

Die worde also seer benijt, 

Sijn bloetvrienden hem quelden, 

Om dat hy voor de Waerheyt strijt (Bl. 13*). 
Ein anderer klagt: 

Die dit Liedeken dichte 

Die was van zijn vleesch ghequelt 

Sijn hert was hem niet lichte (Bl. 84*) 
oder er ist frohen Mutes ob des guten Kampfes, den er kämpft: 

Die dit Liedeken dichten 

Die^ heeft gh ebenen an, 

Om met dat Sweert te vichten 

Des Gheests, so veel liy can, 

De Heer is zijn Hooftman (Bl. 21*). 
Andere Dichter beschliessen ihr Lied mit einem Wunsche 
für ihre IVIitmensehen : 

Die dit Liedeken eerstraael dichte. 

Sijn wensch is (dat weet de Heer) 

Dat hy een yeghelijck so mocht stiebten 

Dat sy van boosheyt keerden weer, 

En oprechte boet bewesen 

Also de Schriftuer leert 

Van t quaet tot t goet bekeert 

In een nieu wandelinghe verresen (Bl. 8*) 



oder: 



Die dit Liedeken heeft ghedicht. 

Die wenscht nu al te samen 

Die blint zijn te crijghen t ghesicht 

Daer na Gods woort niet schämen (Bl. 10). 



76 IV. Niederländische Lieder. 

Er bittet für sich und die andern: 

Die dit Liedeken eerstmael heeft ontdaen, 
Bidt Godt, om in de Waerheyt te bestaen, 
Hy doet oock vor v des ghelijcken 
En laet ons in de waerheyt altijt voortgaen 
Sonder verflouwen oft beswijcken (Bl. 21). 
Am häufigsten sind Schlüsse, wie die folgenden: 
Die dit Liedeken heeft ghe dicht, 
Hy dede dat wt liefden groot (Bl. 11*) 
oder : 

Die ons dit Liedeken erstmael sanek 
Sijn ionghe herte hem daer toe dranck 
wt liefden groot (Bl. 25»). 
Ein anderes Gesangbuch der Taufgesinnten führt den Titel: 
Ucelber* | ^anbe 2itbttm^, g^c* | maect tot bcn Ouben efi 5Bieu* | men 
S^eftamcntc, bie öoorttjbö in ©rurf | jijn mtg^cgaen^ cnbc jiin in 
orbcninge | öanbcn 91. 35. S. 6t)bcn anbc* | rcn g^euoedfjt. | (Drei 
rote Kleeblättchen.) Soloff. 3. b. 16. | € Secrt cnbc öcrmacnt mal* 
canbcrcn mct | 5ßfalmcn, cnbc Soffangcn, cnbc mct ®cc» \ ftetijcfe 
Sicbcfcnd inbcr gl^cnabcn^ | cnbc fing^ct bcn f)S(S9{(S | in utoer 
()crtcn. II 9(poca. 19. a. 5. | C Sooft onfcn ®obt ade 2tj[n fncd^tcn^ | cnbe 
bic ^cm örccfcn, 6ct)bc | clct|n cnbc groot. II $fal. 150. a. 6. | C *l 
mat abcm l^ccft, louc bcn f)ccrc. I S^cbrucft int Qacr onfc« | 4)(5(5* 

rcn 15691). 

Das Liederbuch enthält 289 Lieder und rühmt sich selbst 
als ^een perfect ende volcomen Liedeboec^. In der Beschluss- 
rede weist der Herausgeber auf andere Liederbücher hin, die 
diesem vorausgegangen und bei der andauernden Verfolgung, denen 
auch die Gesangbücher der Täufer ausgesetzt waren, ist es leicht 
begreiflich, dass uns manches derselben verloren gegangen ist*). 

Die Vorrede, die wir hier vollständig abdrucken, weil wir 

sie später in anderem Zusammenhange wieder brauchen werden, 

hat folgenden Wortlaut: 

Totten Sänger. 

*) Wackernagel: Lieder d. niederländ. Reformierten Nr. 34; eine 
Wackern. unbekannte Ausgabe von 1577, 18° mit 301 Liedern ver- 
zeichnet Mone: Übersicht der niederländ. Volkslitteratur. S. 163 u. 191. 

') Dass dabei, wie Wackernagel a. a. 0. 29 vermutet, an die 
zwischen 1560—9 erschienenen reformierten und lutherischen Gesang- 
bücher gedacht werden könne, erscheint uns bei dem ausgesprochen 
täuferischen Charakter dieses Liederbuches ausgeschlossen. 



IV. Niederländische Lieder. 77 

Hier hebt ghy, lieue Sangher, sommighe Liedekens, die tot 
Gods eere ende lof ghemaeckt, ende bj den anderen vergaedert 
zijn, soo siet wel toe, dat ghy se oock totten prijs Godts gebruyct, 
niet in jdelheyt, oft om den menschen te behagen, maer gelijck 
de kinderen van Israel, doense God vander hant Pharaonis verlost 
hadde, doen hebben sy den Heere geloeft, ende groot gemaect, 
ende seyden: Je wil den Heere singen, want hy heeft heerlijcken 
gedaen, Ros ende Waghen heeft hy om geworpen jnde Zee. Ende 
als ons de HEEre oock verlost heeft wt het ghewelt des Duyuels, 
ende wy in Christum recht geloouen, so moeghen wy dan oock 
wel singen, louen ende dancken den Heere van zijne groote 
weldaden die hy ons bewesen heeft, alsser gheschreuen staet: 
Singt louelijck, ende loeft den Here in alle zijne wercken, prijst 
zijnen Naem heerlijck, danct ende loeft hem met sänge. Als 
Paulus oock verhaelt: Daerom soo laet ons nu door hem offeren 
die ofierhande des lofs Gode altijt, dat is die vrucht der lippen, 
der gener die zijnen Naem bekennen. Noch seydt Paulus: 
Spreeckt met malcanderen van Psalmen ende Lofsangen ende 
gheestelijcke Liedekens, singet ende speelt den Heere in uwer 
herten. Alsoo ist den Heere aengenaem, alst wt een gelouuich 
herte coemt, maer anders niet. Want daer staet geschreuen: 
Den lof en is niet schoon in des sondaers mont, want hy en is 
vanden Heere niet gesonden. Dus elck sie wel toe, ende neme 
hemseluen waer, op dat hy mach op den berch Sions singen, Dat 
nieuwe Liedt met alle wtuercoren Godts, ende met haer mach 
verblijden van eewicheyt tot eewicheyt, Amen. 

Mit dem vorhin besprochenen Gesangbuche hat unsere Samm- 
lung nicht ein Lied gemeinsam, ein Beweis für die unendliche 
Liederfülle, welche die Jahre der Verfolgung hervorriefen; dazu 
kommt noch, dass in demselben Jahre 1569 neben dieser in Octav- 
format erschienenen Sammlung von Veelderhande Liedekens noch 
eine zweite Sammlung unter gleichem Titel in Sedezformat erschien*), 
die wieder 121 durchaus neue Lieder zählt und dass uns ausser- 
dem eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Liedern vollkommen 
verloren ist. Um das Jahr 1570 hat die Liederdichtung der nieder- 
ländischen Wiedertäufer ihren Höhepunkt erreicht. In dem Jahr- 
zehnt von 1560 — 70 erscheinen ihre bedeutendsten Liederbücher 



^) Wackernagel, Lieder d. niederl. Reformierten No. 35. Die 
Sanuulung konnte ich leider nicht benutzen. 



78 IV". Niederländische Lieder. 

und parallel damit schreitet, wie wir sehen werden, auch die Ent- 
wicklung der Gesangbücher der deutschen Wiedertäufer. 

Unser Gesangbuch hat 5 Märtjrerlieder, die auch im 2. 
Teile des Offer des Heeren erscheinen und vermutlich von unseren 
Liedekens diesem Gesangbuche entnommen sind. Ich setze sie voran: 

1. Bl. 12: Als men schreef duyst vijf hondert 

auf den Tod von Goyuaert, Gielis, Mariken und Anneken, 
Vgl. oben S. 63 No. 17. 

2. Bl. 62: Een eewige vruecht die niet en vergaet 

Vgl. o. S. 64 No. 22. 

3. Bl. 121: Hoort vrienden al, hier in dit aerdsche dal 

Vgl. 0. S. 63 Nr. 20. 

4. Bl. 145: In bitterheyt der sielen 

Vgl. o. S. 62 Nr. 11. 

5. Bl. 261: O Herre God, ick mach wel clagen 

Vgl. o. S. 64 Nr. 25^) 
Das Lied hat der Märtyrer selbst, ein Niederdeutscher, der 
1561 zu Verden in Westfalen mit dem Schwerte gerichtet wurde 
(B T 287) gedichtet'); er nennt sich in der Schlussstrophe: 

Die dit Liedeken heeft ghedichtet 

Jan Sehnt was hy ghenaemt 

Om zijnen naesten te stiebten 

Wt de geuanckenis heeft hijt gesant, 

Datmen op Gods woort sal betrouwen 

In allen tijt der noot, 

Op gheenen menschen bouwen 

Hy gheeft dat leuen voor de doot. 



') Das Lied: Een nienwe liet, vaet dit bediet hat nur diese erste 
Zeile gleich mit 0. d. H. Bl. 21, berührt sich aber inhaltlich gar nicht 
mit ihm. 

') BT 287 erzählt: Daer op is hy van dese Tyrannen verwesen, 
en hebben hem met bet swaerd gericht. Maer de voomaemsten Richter 
die dit vonnis gestreken hadde, weynig dagen na*t ombrengen van Jan 
Sehnt, voor by het lichaem rijdonde, heeft spots wijse geroepen: Sehnt 
singt ons nn een liedeken. Alsoo hy Sehnt in sijn dmk vrolijk van 
gemoed is geweest, en vele in de gevangenis, en ter dood gaende gesongen 
heeft. Waer over de Richter een beroering krijgende, noyt weder en 
sprak^ maer kortelijk gester ven is. Het welke als een wraek en straffe 
Gods over hem by vele geeckt geworden is. 



IV. Niederländische Lieder. 79 

Auch andere Lieder nennen in der Schlussstropbe ihren 
Verfasser; so Bl. 137, wo aber die Scblussstrophe augenscheinlich 
späterer Zusatz ist: 

Dits is eerstmael gesongen 

Van Joriaen en Clement hoort, 

Den strijt zijn sy ontsprongen 

Sy storuen al om Gods Woort. 

Sjr spraken met blijschap ontbeureest: 

Heer, in v banden beueel wy ons geest 

En hebben heel onbesweken 

Haer halsen wtgesteken. 

Das Lied stammt also von den beiden Märtyrern Joriaen 
Simonsz und Clement Dirksz. Letzterer ist auch noch an einem 
anderen Liede beteiligt, dessen Schlussstrophe (Bi. 125) lautet: 
Clement en een biet Mary 
Joris, die dit eerst sanck 
En hebben niet ghedaen contrary 
Sijt gewaerschout, neemtet in danck^). 
Andere Beispiele sind: 
BL 166: 

Die dit Liet heeft vo ortgebracht 
Een yder moet het wel hooren 
Had hy gestorueu also onbedacht 
Hansken Martens had geweest verloren. 
BL 194: 

Joos van der Hauen die schenct v dit liet 
Wt liefden bediet 
Daer hy laeh in swaer verdriet. 
BL 221: 

Frans van Boels weert '^) de sanc dit Liet 
In zijn geuanckenis ist geschiet. 
De Keyser deed hem lijden 
Med God sal hy hem verblijden. 

Auch im Akrostich nennen sich einige Verfasser. So er- 
geben die Anfangsworte des Liedes: Ghy Broeders al tesamen 
(BL 104*) den Namen des Gisbert Dircusoen: das Lied: Ick 
ben seer bedroeft int herte mijn (Bl. 142) nennt Joest Jacopssoen 

^) Mary Joris starb 1557 im Gefängnis zu Haarlem (BT 179). 
') Zu Leeuwarden 1646 yerbrannt. BT 71. 



80 IV Niederländische Lieder. 

im Akrostich*), dem vielleicht auch das unmittelbar darauffolgende 
Lied: In druck lijden eu groot torment (Bl. 143 '^) angehört, 
dessen 5 Strophen den Namen Joest enthalten. Ein Jacop 
Heinrich ergibt sich als Verfasser des Liedes: Ick roepe tot v 
wt dieper noot (Bl. 162*), und er ist wol auch der Verfasser des 
Liedes: Ick moet eens gaen verteilen (Bl. 168), dessen gestörtes 
Akrostich ^ Jacop Weinrccs** verrät, dass das Lied schon längere 
Zeit in Umlauf war. Ob auch andere Akrosticha, wie Marri 
Tiene in dem Liede: Met menschelijcke tongen niet (Bl. 200) 
und Machiel Deunk im Liede: Mijn siele verhuecht haer in den 
beer (Bl. 201*) als gestört zu betrachten sind, könnte nur genauere 
Lokalforschung sicherstellen; in BT werden ihre Namen unter den 
Täufern, die den Tod erlitten, nicht genannt. 

Weit seltener als bei dem früher besprochenen Gesangbuche 
finden sich hier die volkstümlichen Anfänge, die sieh an die Hörer 
mit der Bitte um Aufmerksamkeit wenden; doch fehlen sie nicht 
ganz; die Lieder wenden sich an die Allgemeinheit: 

Hoor toe ghy Christen algemeyn, 

Een liet wt Godes woorden reyn 

Dat wil ick brengen in gesangen, 

Daer na staet mijn verlangen (Bl. 128) 
oder: 

Aenhoort een liet, ghy Adams zaet (Bl. 7*) 
oder an die Brüder: 

Aenhoort uwen roep altsamen 

Lieue Broeders en Susters geraeyn (Bl. 11) 
und: 

Een goet nieu Liet heb ick bedacht, 

O Broeders altesamen 

Dat laet ons singen met eendracht 

Tot prijs van Gods Name (Bl. 59). 
An die Bewohner von Haarlem wendet sich das Lied: 

Hoort toch nu altesamen 

Die te Haarlem binnen woont (Bl. 123*) 
Gern tritt das Lied gleich in medias res ein: 

Een nieuwe Liet, wilt hooren 

Wat te Rotterdam is geschiet (Bl. 68) 



*) Allerdings musa dabei der Anfang der vorletzten Strophe: Sgt 
endrachtich in Kendrachtich sijt umgestellt werden. 



IV. Niederländische Lieder. 81 

und nennt gleichsam zur Beglaubigung gleich das Jahr der Be- 
gebenheit, ähnlich den „Zeitungen '^r 

In den Jare vijftliien hondert 
En achtenvijftich ciaer (Bl 163«). 
Weit häufiger zeigt der Schluss der Lieder echt volks- 
tümliche Fassung. Dass sich hier die Verfasser mit Vorliebe 
nennen, wurde bereits betont. Ist dies nicht der Fall, wird doch 
gern ein Hinweis auf den Ort der Abfassung gegeben: 
Die dit Liedeken heeft gestelt, 
Hy was in banden inet banden 
In grooter geweit, tot Enchuysen vermelt, 
Om des Heeren woort was hj gequelt, 
Met veel papisten hoort was hy discoort 
Dit is V vertelt (Bl. 47; 
oder : 

Die dit Liet heeft gesongen, 
Den strijt is hy ontsprongen, 
God die heeft liem verhoort. 
Te Gendt voor groot en cleyne 
Heeft hy betuycht de waerheyt reyne 
En sterft om Gods woort (Bl. 67). 
Wie in deutschen Liedern sind auch hier öfters mehrere 
Brüder Verfasser eines Liedes: 

Maer die dit Liedeken eerstmael stelden, 
Sy conuerteerden in hären sin 
En veel vyanden haer daghelijcx quelden, 
Godt seynde haer altijts zijn gracie in. 
Auch das 8 strophige Lied: O Heer Almachtich Vader goet 
(Bl. 278*) ist von zwei Verfassern; in der 7. Strophe heisst es: 
Een Man ende Wijf hebben dit gemaect. 
Gern deutet der Verfasser in der Schlussstrophe auf seinen 
seelischen Zustand hin: 

Die dit Liedeken heeft gestelt, 

Wilt hem beurijen van de heische scharen 

Dat hy van den boasen niet en worde gequelt (Bl. 9). 

Die dit Liedeken heeft gedieht, 

Begheert, dat God zijri hert verlicht, 

Dat hy hem mach aencleüen, 

Op dat hy zijri naesten sticht 

En God den prijs mach geuen (Bl. 54»). 

Wolkan, Lieder der Wiedertäufer. 6 



82 IV. Niederländische Lieder, 

Die dit Liedeken dichte, 

Hy was noch ongheleert. 

O God, wilt hem loch stichten, 

Dat V lof mach worden vermeert. 

O Heer, helpt hem toch strijden, 

Tot in het ent, in dit ellent 

Wilt hem met vruechdcn verblijden (Bl. 167*). 

Die dit Liedeken heeft ghemaeckt, 
Gods vrient wil hy wesen, 
Vleesch, Duyuel, Werelt hy heel versaeckt, 
Om God voortaen to vreesen (Bl. 220*). 

Die dit Liedeken heeft gesteh 
Ende eerstmael ginck dichten, 
Wort van zijn vleesch seere gequelt. 
Den Gheest doetet oock geweit, 
Sijn lust ter neder velt, 
O Heer door v verlichten (Bl. 178*). 

Mit besonderer Vorliebe kehrt der Hinweis auf den alten 
Adam wieder: 

De dit liedeken heeft gesteh, 
Metten ouden Adam was hy gequelt, 
Bitt voor hem tallen tijden (Bl. 28*). 

Die ons dit Liedeken heeft ghestelt, 
Ter eeren Gods gesongen, 
Van den ouden Adam was hy gequelt, 
Haer toe soo seer gedrongen. 
Bidt Godt, dat de liefde in hem ontfenct, 
Dat hy hem met Babel niet en vermenct, 
So mach hy mede comen in s Hemels tent (Bl. 196). 

Die dit Liedeken dichte 
Ende ook gesongen heeft, 
Gode, wilt hem verlichten 
Den ouden Adam hem noch aencleeft. 
O Heere Godt, mijn sonden vergeeft 
En wiltse niet gedincken, 
Gliy zijt een Heer daert al voor beeft (Bl. 129*). 



IV. Niederländische Lieder. g3 

Am häufigsten aber wenden sich die Verfasser am Schlüsse 
an ihre Brüder, um sie zu ermahnen, auf dem erkannten Wege 
zu bleiben, und sie zu trösten wegen der Leiden, die sie zu er- 
dulden haben: 

Die dit Li et eerst heeft voort gebracht, 
En dedet niet om rommen, 
Hy bidt elcken te houden wacht 
Met alder cracht, 
Dat si int heisch verdoemen niet encomen (Bl. 86*). 

De ons dit Liedeken heeft gesteh, 
Sijn hert tot zijnen Broeders helt, 
Wt liefden wast, dat hijt dede 
De Heere gheue hem eewich vrede (Bl. 128*). 

Die ons dit Liet eerst stelde 

Wt liefden dat hijt de, * 

Sijn hert tot zijn Broeders beide 

Hy wenscht haer des Heeren vre (Bl. 269). 

O Broeders, wilt ons gedencken 

Altijt in V gebet, 

Dat sy ons niet en crencken. 

Die staen na ons belet. 

Wy groeten v met sangen 

Wy geuangen int gemeyn, 

Wy h ebben seer groot verlangen 

Om te zijn ints Hemels pleyn (BL 134»). 

Vriendekens fijn, 

Jck groet v alle hier mede, 

Bidt doch voor mijn 

All in den geest (Bl. 27). 

Zweimal finden sich Schlussstrophen, die Beziehungen zur 

Natur zeigen: 

Lof sy den Heer der Heeren, 

Den winter is vergaen. 

De waerheyt is in eeren. 

De Meytijt coemt nu aen, 

T ghelooue groeyt, de Liefde bloeyt. 

Gheeft lof, prijs en eer 

6* 



84 IV« Niederländische Lieder. 

Soo sult ghy wel behaghen 

V Bniydegom Godt en Heer (Bl. 238). 

De nacht is wech, nu schijnt den dach 

Godt is alleen, die ons nu troosten mach (Bl. 84). 
Dass das Gesangbuch ein mennonitisches ist, geht aus einigen 
Märtyrerliedern hervor, die das Glaubensbekenntnis der Verurteilten 
enthalten. Hier kommt vor allem die Inkarnationslehre inbetracht. 
In dem Liede: Een eewighe Vruecht, die niet en vorgaet heisst 
es Bl. 63: 

Doen vraechden sy, oft Christus dat Lam 

Van Adam niet vieesch en wäre. 

Ick seyde, dat hy van bouen quam, 

Van zijnen Hemelschen Vare. 



Waer Christus van Adams natuer 
So en waer hy niet rein en puer, 
Hy soude oock aerde zijn geworden, 
So Godt selue seyt ciaer: 
Ghy zijt aerde en sult hier naer 
In aerde verkeert worden. 



* * 

Ahnlich heisst es im Liede: Hoort doch nu altesamen 
(Bl. 124a): 

Om dat wy oock gelouuen, 

Dat Christus reen ende puer 

AI vanden Hemel hier boueu 

Ende niet van Adams natuer. 
Noch deutlicher ist das Lied von Job. Schut, darin es Bl. 
261» heisst: 

Doen deden sy my vragen 

Met vele woorden goet, 

Oft Christus niet enware 

Van Maria vieesch en bloet. 

Ick enheb sulcx niet gelesen. 

Heb ick voor haer bekent. 

Hoe sou hy vander aerden wesen, 

Die Godt den vader heeft neder ghesent? 

In einem andern Liede (Bl. 214) wird die mennonitische 
Auffassung vom Abendmahle deutlich ausgesprochen: 



IV. Niederländische Lieder. 85 

Dit Auontmael van Broot en wijne 

Is een ghenieten geestelijck 

Des Lichaems en Bloets Christi deuijne 

Als ghemeynschap keestelijck, 

Voreent in een Lijf te zijne 

Dits Christi mitten feestelijck. 
Das Lied: 0ns ghelouue staet vast op Godes ghebodt (Bl. 
235) enthält eine Paraphrase des „Glaubens^ im mennonitischen 
Sinne; auch Bann (Bl. 124») und Taufe (Bl. 261) werden in men- 
nonitischer Auffassung besungen. 

Die Märtyrerlieder bilden einen beträchtlichen Bestandteil 
des Buches und geben ihm sein charakteristisches Gepräge; sie 
erzählen in fast typischer Weise die Leidensgeschichte der Brüder, 
ihre Gefangenuehmung, ihr Glaubensbekenntnis im Verhör \md 
den Gang zum Schaffet (vgl. Bl. 7», 70, 161, 168», 261, 299» und 
die früher näher besprochenen Lieder). 

Eine systematische Anordnung der Lieder findet sich hier 
ebensowenig wie in einem anderen Gesangbuche der Wiedertäufer. 
Hier speciell sind die Lieder alphabetisch nach dem Anfangsworte 
der 1. Strophe an einander gereiht, eine bunte, ungeordnete Fülle. 
Neben den Märtyrerliedern enthält das Gesangbuch eine 
grosse Menge von Liedern, die Ermahnungen an die Brüder 
richten, treu und standhaft im Glauben zu bleiben, oder an 
andere Christen ausserhalb der Gemeinde, den Weg des Heiles 
zu betreten, einmal (Bl. 198) sogar auch Een Liedeken, om met 
tween le singen, die gelouuighe ende die Ongelouuighe, also eine 
Art Duett. Daneben gehen viele Lobgedichte an Gott, deren In- 
halt gewöhnlich schon die erste Zeile kennzeichnet; aber so tief 
auch die Glaubensfreudigkeit ist, die Empfindung wird sehr stark, 
dadurch beeinträchtigt, dass in den Liedern fast nur Bibelworte^ 
und bei der Menge der Lieder gleiches Inhalts fast immer die« 
selben Worte paraphrasiert werden, die gewissenhaft nach Kapitel 
und Vers am Rand zitiert sind. So wird man das Gefühl der 
^Eintönigkeit nicht los und hat das Bewusstsein, dass bei aller 
Stärke im Leiden doch auch die stumpfe Gewissheit, einem un- 
entrinnbaren Schicksale verfallen zu sein, bestimmend auf das 
Handeln der Brüder gewirkt habe. Nur selten spricht aus einem 
Liede eine stärkere Individualität, wie in dem schönen: Entstraft 
my niet o Heere (Bl. 66), das zugleich durch seine Innigkeit ge- 
fangen nimmt. Dabei leiden viele Lieder an einer unerträglichen 



86 IV. Niederländische Lieder. 

Länge *) und bauen die Strophen nach Art der Bhetoriker oft ge- 
künstelt und mit einer unangenehm vordrängenden Reimtib erfülle, 
die gern zu Fremdwörtern') ihre Zuflucht nimmt. Ein Refrain er- 
scheint nur in zwei Liedern (Bl. 48 und 113). 

Wiederholt werden die traurigen Zeitverhältnisse und der Druck 
geschildert, unter dem die Brüder zu leiden haben (Bl. 18*^); doch 
künden manche Anzeichen auch, dass der Abfall von Babel be- 
ginne. Liegt Babel erst in Todes Nöten, so wird Gottes Volk 
triumphieren und Babel mit dem scharfen Schwerte des Geistes 
töten (Bl. 38). Dann werden die Verfolger, die jetzt Gottes Volk 
zum Tode führen, ihre Missetat bekennen und in grosser Not aus- 
rufen: Ihr Berge, bedecket uns vor dem Antlitz des Herren (Bl. 
43). Sagt doch, ihr Verfolger, ruft ein Dichter (Bl. 126*), was 
haben wir euch getan, dass ihr hingehet uns zu fangen, zu würgen 
und zu brennen? Was wir tun, tun wir allein um der Wahrheit 
willen und weil wir bei Christus stehn. Wie habt ihr die Macht, 
uns von ihm zu trennen? Und ein anderer klagt (Bl. 268): Als 
wir nach dem Willen der Welt handelten, da liess man uns gar 
wohl handeln; aber da wir nun von ihren Wegen treten, wollen 
sie uns nicht mehr leiden und hassen uns. Wir müssen geprüft 
werden, wie Gold im Feuer, heisst es (Bl. 49), aber die Hoffnung 
versüsst uns die Pein; wir wissen, daß Gott in Druck und Not 
sein Volk nicht verlässt. 

Öfters wird das Gleichnis vom Baum behandelt, der aus- 
gehauen wird, da er keine Früchte bringt, vom Arbeiter, der in 
zwölfter Stunde in den Weinberg kommt, und von den 7 Selig- 
keiten; das beliebteste Thema aber ist, wie in den Liedern der 
deutschen Wiedertäufer, die Liebe, die der Grundzug des christ- 
lichen Lebens sei"^). Andere Lieder warnen vor fleischlicher Ge- 

1) Das Lied: Singt dem Heere een nieuwe liet (Bl. 285») hat 
46 Strophen. 

*) Bl. 66: Oft dit bedacht dees nacy 

Tis nu een tijt van gracy, 

Maer na desen eylacy 

£n sal daer zijn geen ander 

Noch oock geen ezcusacy 

Verstaet dees informaey 

De boose generaey 

Sal lijden met oialcander. 
*l Hebt malcaDder lief, dat is het principael, 

Want liefde moet wesen van v dat fondament (Bl. 42). 



IV. Niederländische Lieder. 87 

sinnuDg (Bl. 8) und bitten die Brüder, sich vom alten Adam zu 
befreien, der stets gegen den Geist streite (Bl. 28). In vielen 
Liedern klagen die Brüder selbst sich an, wie sie einst ein lockeres 
Leben geführt und dem Teufel und allen Lüsten der Welt er- 
geben waren ^); erst spüt hätten sie dann den Weg des Heils ein- 
geschlagen und Gott um seine Gnade gebeten; aber wer bittet, 
dem wird gegeben, und wer klopft, dem wird aufgetan. Zu Gott 
:flebt der Dichter: Gib uns Weisheit, regiere unsere Zunge und 
unseren Mund, damit wir Dir folgen (Bi. 37). Den Brüdern aber 
ruft ein anderer zu: Nehmt die Zeit wahr, die letzte Stunde ist 
gekommen, werdet nicht matt noch wandelbar (Bl. 19^). In diese 
Stimmung passt dann trefflich ein Lied mit der Schilderung des 
jüngsten Tages (Bl. 111). 

Überraschend ist ein Lied von der Verkündigung Mariae 
(Bl. 80^), das in der gesamten Liederdichtung der Wiedertäufer 
vereinzelt dasteht, was aus ihrer Stellung zur Lehre von der 
Menschwerdung Christi leicht zu erklären ist: um so zahlreicher 
sind natürlich die Lieder, die von Christo handeln. Er ruft alle 
zu sich, die müde und beladen sind, um sie zu erquicken (Bl. 21^) : 
sein Joch ist süss, seine Last nicht schwer (Bl. 116*^) ; seine Wege 
müssen wir wandeln und das Leiden tragen wie er, denn wir 
werden hier verfolgt, um dort fröhlich zu sein (Bl. 20*). Pnser 
Leben müssen wir bessern. Dazu gehört der Kampf; wollt ihr 
Krieger sein, heisst es in einem Liede (Bl. 314*), Kämpfer und 
Ißitter des Herren, so lasst uns die Waffen nehmen; streiten und 
fechten müsst ihr lernen. Denn es gilt nicht nur einen Kampf 
^egen unser fleisch, auch gegen den Hochmut der Welt müssen 
wir alle kämpfen; gegen Kaiser, Könige und Fürsten, gegen alle, 
die die Finsternis regieren, muss unser Kampf gerichtet sein bis 
in den Tod. Solche Aufforderung, Christi Kämpfer zu werden, 



') Dat Beest met seuen hoofdea 
Heb ick ghebeden aen, 
Sijn laeghens ick geloofde . . . 
Jck had tot een Yoorbeelde 
Baals dienaers tot eea hooft (Bl. 222). 

Venus ghedient 
Heb ick vry sonder niincken 
Mosijcke, Rhetorijcke onaruchtbaer 
Tiichtueerdicb uolgende naer (Bl. 24). 



88 IV. Niederländische Lieder. 

kannte aber in einfältigen Gemütern und bei den Feinden der 
ßrüder leicht als Aufreizung zum Kampfe gegen die Obrigkeit 
betrachtet werden. 

Interessant ist es, einen Blick auf die bei den Wiedertäufern 
gebräuchlichen Melodien zu werfen. Noten finden sich in keinem 
der mir bekannten Gesangbücher der Brüder, sondern überall nur 
die Angabe des Tones, der nur in Ausnahmefällen mangelt. Dann 
lautet die Überschrift gewöhnlich kurz: Een ander Liet und deutet 
darauf hin, daß die beiden neben einander stehenden Lieder ur- 
sprünglich als fliegendes Blatt erschienen waren und von da aus 
ihren Weg in das Gesangbuch fanden. Die weltlichen Töne über- 
wiegen die geistlichen; von letzteren finden sich insgesamt 103, 
von ersteren 185 Töne *). Interessanter sind die weltlichen. Acht- 
mal werden französische Melodien als bekannt vorausgesetzt, was 
darauf hinweist, dass das Gesangbuch in Südholland entstand oder 
dafür bestimmt war: 

1. Damour my plaint (Bl. 9). 

2. Aupres de vous (Bl. lO). 

3. Moy et mon compaignon 

Vng iour par fantasie (Bl. 47). 

4. Cest ongue duere paetie (Bl. 100). 

5. Dou vient cela (Bl. 143»). 

6. Vous perde temps (Bl. 216). 

7. Je my mon cueur (Bl. 223). 

8. II me souffit de tous mes maulx (Bl. 322*). 

Die weltlichen Töne zeigen, wie weit verbreitet und beliebt 
die Lieder waren, die das Antwerpener Liederbuch vom J. 1544') 
in sich vereint; in 36 Fällen werden 20 Töne dieser Lieder ver- 
wendet®); die Melodie des Liedes: Ick arm schaep aen de groen 



^) Das Verhältnis der geistlichen zu den weltlichen Tönen wird 
noch ungünstiger, wenn man den Tönen geistlicher Lieder genauer nach- 
geht, wobei sich herausstellt, daß oft ein Lied auf den Ton eines anderen 
im Gesangbuch befindlichen Liedes verweist und man bei diesem schließ- 
lich wieder auf ein weltliches Lied verwiesen wird. Da dieser Fall vier- 
zehnmal sich ereignet (bei den Liedern Bl. 22a, 33a, 40a, 101, 121, 144», 
162, 168», 233», 272, 280, 296», 304, 319), so ergibt sich eigentlich ein 
Verhältnis von 89 geistlichen zu 149 weltlichen Tönen. 

') Herausgegeben von Hoffmann von Fallersleben im XL Teil der 
Horae Belgieae. 

3) Die Töne der Xo. 3 (zweimal), 9, 27 (zweimal), 28, 46 (zwei- 



IV. Niederländische Lieder. 89 

heyde, die siebenmal verwendet wird, sowie des: Rijck godt, wie 
sal ick claghen, die fünfmal benutzt erscheint, gehörte wohl zu 
den beliebtesten Tönen. Da viele derselben^) auch bereits in den 
Souterlledekens von 1540 Verwendung fanden'), so erkennt man 
daraus einerseits die grosse Verbreitung dieser Lieder, andererseits 
das richtige Verständnis für das Volkslied, das den Compilator 
des Antwerpener Liederbuchs leitete. Man sieht aber auch, wenn 
man unser Liederbuch mit dem früher besprochenen vergleicht, 
dass der Gebrauch von Tönen älterer geistlicher Lieder abnimmt 
und die weltlichen Töne an Verbreitung gewinnen. Wie viele 
ältere Lieder, die wir nur aus den hier angeführten Tönen kennen, 
uns verloren gegangen sind, kann man aus der Zusammenstellung 
bei Mone: Übersicht der niederländischen Volkslitteratur S. 207 
—14, 221—2, 224-6, 231—6 ersehen. 

Betrachten wir die hier verwendeten geistlichen Töne, so 
fallt uns zunächst auf, dass im Verhältnis zu der beträchtlichen 
Zahl von Melodien lateinischer Lieder im Gesangbuch von 1562^) 
hier nur einmal der Ton eines lateinischen Liedes herangezogen 
wird, Bl. 213*: Op tantum ergo sacramentum. Im übrigen, ver- 
weist oft ein Lied auf den Ton eines anderen im Gesangbuch 
enthaltenen Liedes und dieses wieder auf den Ton des ersten 
zurück, woraus vielleicht zu schliessen, dass wenigstens einzelne 
dieser Lieder ihre eigene weitverbreitete Melodie besassen; einigemal 
wird auf Psalmen (den 20., 44. und 150.) hingewiesen, was das 
I^indringen der Marot-Bezaschen Psalmlieder bezeugt; mehreremal^) 



mal), 73 (zweimal), 79, 93 (siebenmal), 97, 98, 100 (zweimal)^ 101, 115: 
125, 139 (fünfmal), 153, 170, 172, 173 (zweimal) 201. 

n Die No. 3, 28, 45, 73, 79, 93, 97, 101, 115, 139, 153. 
') Es besteht aber ein wesentlicher Unterschied zwischen den Ab- 
sichten der Souterliedekens und unseres Gesangbuchs. Denn sind jene 
dazu bestimmt, die weltlichen Lieder zu verdrängen, so liegt solche. 
Absicht dem Herausgeber des mennonitischen Gesangbuches vollkommen, 
fern; er griff zu den Tönen der Volkslieder, weil diese ihm und den 
Benüizern des Gesangbuchs am nächsten lagen. 

^) Vgl. die Aufzählung bei Wackernagel S. 16. 
*) Och Godt van Hetnel siet daer in (Bl. 99). 
Wt dieper noot scbrey ick tot dy (Bl. 162«). 
Nun freut euch lieben Christen gfemeyn (Bl. 200). 
Weer God niet met ons in deser tijt (Bl. 206;. 
Mach ick ongeluck niet wiederstan (Bl. 230). 



90 V- Mennonitisch? Lieder in Deutschland. 

werden die Melodien deutscher lutherischer Lieder benützt, deren 
Kenntnis durch die Übersetzung der in Frankfurt und Nürnberg 
gebräuchlichen lutherischen Lieder vom J. 1567*) befördert worden 
sein mag. 



T. Hennonitische Lieder in Deutschland. 

Mit diesen Gesangbüchern nun steht in engster Berührung 
das erste Gesangbuch der Wiedertäufer, das uns auf deutschem 
Gebiete begegnet. Es führt den Titel: 

Sin fd^on gc* | fangbüc^lcin Oeiftlid^cr ßicbcic 5u[q* | mcn ge* 
trogen, Slufe bem Sitten mnb 5Ren?en Sleftament, J)urd^ fromme 
©^ri» I ften önb lieb^aSer ®otte<8, tneld^ev ^ie | für etlid^e getnirft 
feinb getnefen, | aber nod^ oiet barjü get^on, | tnefd^e nie in trud 
Qufe* I gangen feinbt. || [Zierleiste.] ^n »eld^en oud^ ein red^t leben 
t)nb I funbament beS redeten S^riftlid)en | glaubeni^ gelert »irbt. i 
Colossem. 3. || Se^renb onb ermonenbt eud^ felbft mit | gefangen önb 
lobgefangen t)nb ®eift* | lid;cn Seiberen [!] in ber gnabt, t)nb | fmgenb 
bem Ferren in | engerem ^ertjen. || [Zwei Zierleisten]. 

8^ 234 Blätter, o. O. u. J., 133 Lieder'j (Berlin, Kgl. 
Bibliothek, Eh 2910). 

Wie aus dem Titel schon ersichtlich, ist das Gesangbuch die 
vermehrte Auflage eines früheren, das bisher noch nicht zum 
Vorschein gekommen ist. Diese Vermehrung wird im Text auch 
äusserlich kenntlich gemacht; Bl 203^^ steht die Bemerkung: 
„Etliche newe Lieder, so voi-hin nicht hie bey gewesen vnd jetz 
durch fr^me Christen darzu gethan^. Es sind im ganzen elf 
Lieder, so dass die erste Auflage also 122 Lieder gezählt hat. 
Da eines der neu hinzugekommenen Lieder die Leidensgeschichte 
des 1569 hingerichteten Arent von Essen und seiner Genossen 
erzählt, fällt die vermehrte Auflage nach diesem Termin. Die 
erste Auflage dagegen fällt nicht vor 1565, da Bl. 188* sich das Lied 
findet: Mit Angst vnd noth rftifich dich an, das nach dem Akrostich 
dem Mathias (^ervaes zugehört, der es wie die Schlussworte sagen, 



*) Vgl. Wackernagel: Lieder d. niederländisch. Reformierten No. 26. 

*) Vgl. Koch: Geschichte des Kirchenlieds 2^ 420, der sich in 
dieser Frage besser orientiert zeigt, als WKL 5, 677, dessen Aus- 
führungen beirren. 



y. Mennonitische Lieder in Deutschland. 91 

im Geföngnis gedichtet hatte; Cervaes aber wurde 1565 in Köln 
gefangen genommen und daselbst am 30. Juni hingerichtet*). 

Zwischen 1565 und 1569 also muss die erste Auf- 
lage des Gesangbuchs erschienen sein, die ohne weitere 
Durchsicht des Textes in die zweite Auflage überging» so dass 
uns auch diese einen genauen Einblick in das Entstehen der ersten 
Auflage gewährt. Diese aber ging auf eine Handschrift zurück, 
deren Schreiber die Lieder nach dem Gehöre niederschrieb, was 
aus folgenden Erwägungen hervorgeht. Bl. 108 findet sich das 
Lied: Wach auff, wach auff, o Menschenkind, das uns auch bereits 
aus den „Gesängen** des Ausbunds S. 258 (vgl. oben S. 40) bekannt 
ist; hier heisst es in Str. 4, 5: 

Vnd sind dennoch nicht worden schwach, 
Biß sie zu ruh sein kommen. 
In unserem Gesangbuch aber heisst es: 

Die Nacht seint sie nicht worden schwach, 
Biß sie zur rhu sein kommen. 
Noch deutlicher zeigt es sich, wie der Schreiber der Vorlage 
falsch gehört, in dem Liede: Ach Herr, du allerhöchster Gott 
(Bl. 88»), das WKL 4, 277 nach dem Drucke in den Geistlichen 
Liedern, Frankfurt a. O. 1561, somit nach älterer Vorlage mitteilt; 
dieses Lied also ist nicht täuferischen Ursprungs. In Str. 
8, 2 steht hier: 

Schau alle reich, auch Babilon, 
wo seind sie doch hinkommen. 
Unser Gesangbuch liest: 

Schaw an alle Kriege, auch Babilon, 
Schaw, wo seind sie hin gekommen. 
Ferner Str. 9, 6: 

Pharao ists auch geschehen 
wofür unser Gesangbuch sagt 

Vorhin ist es auch gesehen 
und Str. 12, 4: 

O du Gottloses Sodome 
während im Gesangbuch steht: 

O du Gottlose Saturne. 



^) Vgl. oben S. 49; auf dieses Lied bezieht sich wohl Cervaes in seinem 
7. aus dem Kerker geschriebenen Briefe, worin es heisst: „Een Liedeken 
hebbe ik gemaekt, dat au hebbe ik niet myt lichtveerdigheyd gedaen, alsoo 
wilde ik ook dat het gesongen worde, niet my mar Gode tot prijs" (ßT342). 



92 V- Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Die zweite Auflage hat wie erwähnt, diese Fehler ruhig mit 
hertibergenommen. Sie zeichnet sich durch eine erschreckende 
Unzahl von Di*uckfehlern aus, was wohl darauf hindeutet, dass sie 
nur heimlich und nur mit Schwierigkeiten gedruckt werden konnte. 
Dass es überdies auch der Herausgeber an Sorgfalt fehlen liess, 
zeig1> der Umstand, dass unter den neu hinzugekommenen Liedern 
das Lied: Mensch, bedenck die kurtze Zeit (Bl. 213) steht, das 
wir bereits auf Bl. 201, also schon in der ersten Auflage finden. 
Ein anderes Beispiel zeigt die Flüchtigkeit des Herausgebers noch 
deutlicher. Zu den neu aufgenommenen Liedern gehört Bl. 216* 
das Lied: Herre Gott in deinem thron, das sich bereits in den 
Gesängen des Ausbunds Bl. 20 (WKL 5, 1057) findet; dort lauten 
die Str. 17 und 18 folgendermassen : 

Wer seinn Bruder nit lieben kan, Welcher nun Gott wil lieben 
den er bey jhm thut haben, thun, 

wie wolt er dan Gott lieben Johannes spricht, merckt eben, 

thun Der heb an seinem Bruder an 

im Himmel hoch dort oben? vnd laß f&r jn das leben. 

Grössere liebe niemand hat Gleich wie sich Christus geben 

dan der da lat^J f&r vns in todt [hat 

das leben sein auß lieb vnd gnad 

vor seine freundt, mit seinem todt 

als Christus selbst thut sagen. vns hat vom todt geholffen. 

Bei der Abschrift der Vorlage nun glitt des flüchtigen 
Schreibers Blick von der 3. Zeile der 17. Strophe in die 1. Zeile 
der 18., so dass es jetzt im Druck ganz unverständlich heisst (Bl. 218/: 

Wer sein brüder nit lieben kan, 

den ehr bey jm thut haben, 

wie wolt er dan Gott lieben thun? 

Joannes spricht, merckt eben, 

der heb an seinen bruder an etc. 
Erst die 3. Auflage unseres Gesangbuchs, auf die wir später 
zu sprechen kommen, wurde auf diesen Irrtum aufmerksam und 
suchte ihn, aber ohne Kenntnis des Originals zu verbessern, indem 
sie schrieb (Bl. 217): 

Wer die Liebe auffrecht will han, 

Johannes spricht, merckt eben, 

Der heb an seinem Bruder ahn*j. 



') Der Text hat; leßt. 

^) WKL ö, 1024 teilt aus unserem Gesangbuch das Lied: «0 lieber 
Vatter wie bist so guf* mit und gibt dort Str. 25 in einer unverst&nd- 



V. Mennonitische Lieder in Deatschland. 93 

Schon aus den angezogenen Liedern geht hervor, dass das 
Gesangbuch nicht ausschliesslich Originelles bietet; eine grössere 
Zahl von Liedern lässt sich aus älteren Quellen belegen und zwar: 

1. Von deinetwegen bin ich hie (Bl. 54) nach einem Drucke 
von Georg Wacbter in Nürnberg, worin sich der Verfasser 
mit den Anfangsbuchstaben L. B. bezeichnet, gediTickt 
bei WKL 3, 885. Unser Lied stimmt mit ihm in den 
ersten vier Strophen wörtlich überein; wo aber im Einzel- 
druck vom Garten des Paradieses gesprochen wird, ändert 
das Gesangbuch und gibt im allgemeinen der Sehnsucht 
nach Gott Ausdruck; dem Drucke nähert es sich erst 
wieder in der letzten Zeile. 

2. Merckt aufif jr Christen all geleich (Bl. 72) findet sich 
bereits im Nürnberger Enchiridion von 1527 (WKL 3, 601). 

3. Wir wollen singen schone w6rt (Bl. 80) steht bereits in 
„Schöner geistlicher Lieder Zwey . . ." Marburg 1555 
(WKL 3, 1281) wo es 49 Str. zählt; unser Gesangbuch 
lässt die 13. und 24. Str. weg, bricht mit der 38. ab und 
fügt als 39. eine neue Schlussstrophe hinzu. 

4. Gott Vatter in Himmels Trone (Bl. 82) von H, Schmidt; 
aus dem Salmingerschen Gesangbuch von 1537 gedruckt 
WKL 3, 962. 

5. Wiltu bey Got dein wonung han (Bl. 85*) von L. Hätzer; 
nach einem offenen Blatt von 1529 gedruckt WKL 3, 536, 
Unser Gesangbuch schliesst sich enger an das Magde- 
burger Gesangbudi von 1540 an, mit dem es den Anfang 
der 1. Str., der ursprünglich „Solt du" lautete, gemeinsam 
hat; auch fehlt ihm wie dem Magdeburger Gesangbuch 
die 8. Str., aber auch die 9. Str., für die es zwei neue 
einführt. 

6. Gütiger Gott in ewigkeit (Bl. 87), das Türkenlied von 
Wenzeslaus Liiick, nach einem Nürnberger Druck von 
Jobst Gutknecht bei WKL 3, 614; doch setzt unser Druck 



liehen Fassung, die aus der Zusammenziehung zweier Strophen hervor- 
ging und sich angeblich in unserem Gesangbuch finden soll; erst die 8. 
Auflage habe die ursprünglichen zwei Strophen wieder hergestellt. Das 
wäre allerdings ein weiterer Beleg für die Flüchtigkeit der Herausgeber; 
aber leider liegt diesmal die Flüchtigkeit bei Wackernagel und beide 
Auflagen unseres Gesangbuchs haben die richtigen zwei Strophen. 



94 ^* Mennonitische Lieder in Deutschland. 

an Stelle des Türken allgemeine Ausdrücke, wie „der 
Feindt« (Str. 4, 5). 

7. Ach Herr du aller höchster Gott (Bl. 88*) aus den Frank- 
furter Geistlichen Liedern 1561 bei WKL 4, 277. 

8. Ach Gott von Himelreiche (Bl. 90) von Andreas Gruber. 
Das Lied steht bereits in den Nürnberger Bergreihen von 
1531 (Bergreihen hgg. v. John Meier Nro. 1) und im selben 
Jahre niederdeutsch im Eostocker Gesangbuch (WKL 3» 
822). Unserem Druck fehlt die 4. und 13. (letzte) Str., 
wofür er eine neue Schlussstr. einführt; ausserdem hat er 
noch viele andere Änderungen, das Akrostich ist voll* 
kommen verwischt. 

9. Wer das reich Gottes erben will (Bl. 94), eine Bearbeitung 
des Jacobsliedes (WKL 3, 583), die nur unwesentlich vom 
Original abweicht, der aber die (19.) Schlusstrophe fehlt. 

10. Wach auff, wach auif, O Menschen kindt (Bl. 108) nach 
einem Einzeldruck von Friedrich Gutknecht in Nürnberg 
bei WKL 3, 1280. 

11. Ach Gott wem sol ichs klagen (Bl. 124) ist bereits aus 
der Valent. Holischen Liederhandschrift von 1525 (WKL 
3, 549) als Marienlied bekannt; in unserem Druck ist 
überall Jesus an die Stelle von Maria gesetzt. 

12. Wacht auff, meines hertzen schöne (Bl. 143) von Hans 
Sachs (WKL 3, 168). 

13. Kompt her zu mir spricht Gotes son (Bl. 146 '^) von 
(reorg Grüenwald, schon aus einem Druck von 1530 
bekannt (WKL 3, 166) und auch sonst häufig gedruckt; 
unser Gesangbuch folgt der Fassung, die das Lied im 
Salmin gerschen Gesangbuch von 1537 hat (WKL 3, 168). 

14. O Gott verleyh mir dein gnad (Bl. 148) von Johannes 
Sanfdorfer, nach einem Druck von Jobst Gutknecht in 
Nürnberg bei WKL 3, 199, auch im Val. Schumannschen 
Gesangbach von 1539. 

15. Wo Gott der Herr nit bey vns helt (Bl. 160), eine Be- 
arbeitung des 124. Psalms von Justus Jonas (WKL 3, 62). 

Die folgenden 10 Lieder sind aus den Gesftngen der Schweizer 
Brüder entnommen: 

1. Merck auff jr Volcker all gemein (Bl. 71) = G 13. Beide 
Texte stimmen bis auf geringe Dialektunterschiede mit 
einander überein. 



V. Mennonitische Lieder in Deutschland. 95 

2. O Here got mein not tu ich dir klagen (Bl. 73 ») = G 230; 
in unserem Druck ist die 5. Str. weggelassen. 

3. Wach auff, wach auff, O Menschen kindt (BL 108) = G 258; 
vgl. oben. 

4. Nun wolt ich gerne singen (Bl. 128) = G 133. 

5. Here Gott groß ist die noth (Bl. 140) = G 79. 

6. O Here Gott in deinem thron (Bl. 216«^) = G 20. 

7. Gott Zebaoth, der war vnd ist (Bl. 218») = G 159. Das 
Lied ist interessant, weil es zeigt, dass der Abdruck in 
G. fehlerhaft ist und in seiner 7. Str. zwei Strophen 
zusammenzog; unser Gesangbuch, das einen fehlerlosen 
Druck vor sich hatte, bietet folgenden Text: 

Str. 7. All do der Mensch in sünden lag 
vnnd viel der plag 
darwider nit möcht streben, 
bis Gott der Herr sein gut erzeig, 
sich zu im neigt, 
thet jm verheissung geben, 
zur Schlangen sprach: 
Das durch dich geschach. 
Ich jm gebot, 
bey pein des tods, 
noch hat ers vbertretten. 

Str. 8. Darnmb du seist vor allem viech 
verfluchet hie 

vnd wil auch feindschafft setzen, 
das zwischen dir vnd auch dem weib 
das also sey, 
er sich an dir ergetze. 
Der selbig som 
soll knirschen thon 
der Schlangen haubt. 
Wer mir gelaubt, 
wil ich in mein reich setzen. 

In G lautet Str. 7 folgendermassen : 

Alda der mensch in Sünden lag, 
Vnd vil der plag 

Dar wider nicht mocht streben. 



96 V. Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Biß Gott der Herr sein gut erzeygt, 
Sich zu jhm neigt, 

Thet jhm verheissung geben: 
Deß weibes Sam sol knirschen thun 

Der Schlangen haupt. Wer mir gelaubt, 
Sol ewiglichen leben. 

8. Christus das Lamb (Bl. 222») = G 172. 

9. Mitt lust vnd freuden will ich Got lob singen (Bl. 226) 
= G 69. 

10. Wolauff, wolauff du Gottes gemein (Bl. 227) = G 76. 
Unserem Gesangbuch fehlt die 9. Str., die aber in der 
3. Auflage wieder erscheint, ein Beweis für deren sorg- 
fältige Kedaktion. 

Gleich hier möchte ich bemerken, dass unser Gesangbuch 
Bl. 208* in dem Liede: »Ein liedt von einem jungen knaben^ den 
Märtyrertod eines gewissen, 1557 zu Kom verbrannten Algerius 
besingt, dem auch Hans Büchel im Ausbund S. 179 ein Lied 
widmet, das wesentlich besser als das unseres Gesangbuches ist, so 
dass aus diesem Umstände darauf geschlossen werden könnte, dass 
der Ausbund bei Herausgabe der zweiten Auflage noch nicht er- 
schienen war, weil dann wohl das schlechtere Lied dem besseren 
den Platz geräumt hätte; die 3. Auflage Hess das Lied an seinem 
Platze, da es an dem Bestände des Gesangbuchs nirgends änderte. 

Unser besonderes Interesse aber erweckt das Gesangbuch 
durch sein Verhältnis zu den Veelderhande Liedekens. Schon die 
Vorrede erweist sich als eine fast wörtliche Übersetzung der oben 
(S. 77) mitgeteilten Vorrede des niederländischen mennonitischen 
(fesangbuchs. Sie lautet:^) 

Zu dem Christlichen Leser oder Senger. 

HJe hastu. Christlicher Leser oder Senger, etliche lieder, 
welche zu Gottes lob vnnd ehr gemacht vnd zusamen getragen 
sein dt durch etliche schöler des Euangelij. So thun wir einem 
jeden ernstlich ermanen, das ers nit zum argen verstehen wolle, 
das die löbliche Psalmen vnd andere schöne Geistliche lieder 
auBgelassen seint. Iß nit darumb geschehen, als ob man dieselben 
damit verachte oder verwerffe (dann was gut ist, soll man nit ver- 
werften) Sonder vmb des geringsten kostens willen, vnd würde sich 
sonst auch in ein grosses vngeschicktes opus oder buch verlauften 
haben. So sehe nun ein yeder zu, das er die Lieder zum lob 

») Nach der 3. Auttage gedruckt bei WKL L S. 843. 



V. Mennonitiscbe Lieder in Deutschland. 97 

vnd preiß Gottes gebrauche vnd nit mit leichtfertigkeit, Sonder 
wie die Jsraeliten, als sie Gott von der handt Pharaonis erret hat, 
haben sie den Herren gelobt vnd groß gemacht vnd gesprochen: 
Jch will den Herren singen, dann er hat herrlich gehandelt, Roß 
vnd wagen hat er vmbgesttirtzt ins Meer. Dieweil vnns auch nun 
der Herr errettet hatt auß dem gewalt des TeufFels mit seinem 
blütjSo ists jebillich, das wir jhm von gantzem hertzen da für dancken 
vnd loben, wie dan geschriben stehet: Singet vnd psalliert dem 
Herrn in ewrem hertzen vnd saget danck allzeit für jederman Got 
vnd dem Vatter, in dem namen vnsers Herren Jesu Christi. Wie 
auch der Weißman spricht: Blühend wie ein Rosengarten, singet 
ein lobgesang, lobet Gott vber alle seine wercken, gebet dem 
Herren herligkeit vnnd ehr, verjahendt sein lob mit ewren lefftzen. 
Darumb soll ein jeder Christ, so er geistliche Lieder oder Psalmen 
singet, allzeit mehr mit dem hertzen dann mit dem mundt singen, 
auff das de [!J wort, so gesungen werden, auch mit begirden des 
hertzens auff genommen werden. Dann so man den Herren lobt 
mit dem mundt vnd nit mit dem hertzen, der lob ist jm nicht angenem. 
Dann das lob ist nit schön auß des schalcks mundt dann es geht 
nicht auß vom Herren. Aber ein jeder Christ sol sich beiieissen, 
das er hie also lere singen, auff das er auch das newe Liedt mit 
allen ausserwelten möcht leren, das die hundert vnd vierunuiertzig 
tausent gelehmt haben für den stül Gottes. Herzu helff vns Gott 
derVatter durch Jhesum Christum vnsem Herren vnd Heylandt, 
Amen. 

Die Abhängigkeit beschränkt sich natürlich nicht auf die 
Vorrede allein; auch eine Anzahl von Liedern ist aus den Veelder- 
hande Liedekens übersetzt: 

1. Wacht auff, wacht auff, es ist mehr dan zeit (Bl. 11*) = Waect 
op, waect op, tis meer dan tijt (V. L. Bl. 316*). Die Über- 
setzung ist wörtlich, nur die Strophenfolge des Originals 
geändert; in unserem Gesangbuch folgen die Strophen 
1-4, 6, 10. 7—9, 5, 11—14. 

2. Ich arm schaflein an grüner heideu (Bl. 17) = Ick arm 
schaep aen de groen heyde (V.L. Bl. 154, auch bei Wacker- 
nagel: Lieder d. niederländ. Reformierten No. 30). 

3. Gelobet sey Gott der Herre (Bl. 119) = Ghelooft sy Godt 
de Heere (V. L Bl. 83;. Eine» der seltenen Lieder mit 
einem Refrain, der im Original lautet: Den nacht js wech, 
nu schijnt den dach, Godt js alleen, die ons tro 

W o I k a n , Lieder der Wiedertäufer. 7 



98 V. Mennonitische Lieder in Deutschland. 

mach, in der Übersetzung: Die nacht ist dahln^ nu scheint 
der tag, Gott ist allein, der vns trost geben mag. 

4. Ich ruff dich O Himmelscher Vatter an (Bl. 120) = Ick 
roep V, O Hemelsche Vader, aen (V.L. Bl. 147). 

5. Wol dem der in Gottes forchten steht (Bl. 122) = Wel 
hem de in Gods vreese staet (V. L. Bl. 320); doch fehlt 
der Übersetzung die Schlussstrophe: 

Frans van Boelsweert de sanc dit Liet 

« 

In zijn geuanckenis ist geschiet, 
De Keyser deed hem lijden, 
Met God sal hy hem verblijden. 

6. Ach Gott ich mag wol trawren (Bl. 134*j = Ick heb 
droefheyt vemomen (V. L. Bl. 161*). Doch hat sich das 
Lied in der Übersetzung manche Ausschmückung gefallen 
lassen müssen, die dem Original fremd war. Es enthält 
die Martergeschichte der Schwestern von Beckum; im 
Original heisst es: 

Men vraechde haer sonder cesseren 
Naet Papen Sacrament. 
Wy houden vant Nachtmael ons Heren, 
Hoe vraecht ghy also bleut? 

Diese wenigen Zeilen werden in der Übersetzung folgender- 
weise zerdehnt: 

Man thet sie weiter fragen, 

Was sie hielten vom Sacrament. 

Wir halten vom Nachtmal vnsers Herren 

Wie das steht jm Testament. 

Christus hat selber das brot gebrochen 
Vnd schenckt vns seinen wein, 

Dabey sollen wir gedencken 

Seines leidens vnd bittern pein. 

Christus der hat gesprochen: 
Ich bin das ewig gut. 
Dabey wollen wir bleiben 
Vnd bezeugens mit vnserm blüt. 

7) Mein Seel nu lobt den Herren (Bl. 155) — Mijn siele 
loef den Heere (V. L. Bl. 196«). Der Übersetzung fehlt 
die 11. Strophe des Originals. 



V. Mcnnonitische Lieder in Deutschland. 99 

8) Ach Gott ich muß dir klagen (Bl. 164) 3- O Heer God 
ick mach wel clagen (V. L. Bl. 261). Die Übersetzung ist 
wörtlich. Da aber das Lied von Job. Schütz (Jan Sehnt) 
verfasst wurde, (vgl. S. 64) der darin sein Verhör be- 
schreibt, so dürfte das Lied wohl ursprünglich nieder- 
deutsch abgefasst worden sein; dass es nicht hochdeutsch 
war, ergeben Keime wie Str. 5,7 todt: gross {= doot : 
groot); 6,6 todt: vergoss {^= doot : vergoot) und Wen- 
dungen wie die folgenden: 

Str. 1, 7 Vnd werdt gedrewet mit dem Todt 
= Worden ghedreycht metter doot. 

Str. 5» 3 Ich hab zu in gesprochen: 
Das dient mir nicht gahan, 
Das ich Gottes wort soll verleugnen. 
= Ich hebbe tot haer ghesproken: 
Dat en dient my niet ghedaen 
Dat ick Godts woort sou verlaten. 

In dem Liede: Ich sag adde, wir zwe wir müssen scheiden 
(Bl. 26) entspricht nur die erste Strophe der ersten des Liedes: 
Ick seg adieu, vlecsch bloet wy moeten scheyden (Bl. 175*). Da 
aber das deutsche Lied trotzdem sich deutlich als die Über- 
setzung eines niederländischen zu erkennen gibt*), so ist hier 
«in unbekanntes niederländisches Original vorauszusetzen. 

Auch das Lied: Woldt jr hören, was ist gesehen (Bl. 177), 
das die Leidensgeschichte Thomas Druckers von Imbroich besingt, 
ist aus dem Niederländischen übersetzt. Das Original fand ich 
in einen Sammelbande der Hamburger Stadtbibliothek (O. A. X, 140) 
mit dem Anfang: Wilt ghy hooren watter is geschiet. Sein Ver- 
fasser war Mennonit und nimmt infolgedessen in der Frage der 
Erbsünde einen anderen Standpunkt ein als der Schweizer Bruder 
Thomas, beweist aber zugleich, wie nahe sich damals bereits 
Schweizer und Mennoniten standen. 

Wir wenden uns nun zu den Liedern, die wir aus andern 
Quellen nicht belegen können und suchen uns zunächst Klarheit 
über ihre Verfasser zu verschaffen. Das Lied des Johann 
Schütz hat uns nach Westphalen gewiesen, das Lied auf Thomas 



^) Die Bemerkung WKL 5,1010, der Text des deutschen Liedes 
entstamme dem holländischen Liede Nr. 29 seiner Lieder der niederl. 

Reformierten, ist unrichtig. 

7* 



100 V. Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Drucker weist wohl in die Nähe von Köln; Drucker starb 1557, 
Schütz 1561. Einige akrostichische Lieder geben uns weitere 
Fingerzeige. 

Das Lied: Genad vnd Fried vom Herren (Bl 101») ergibt 
akrostichisch den Namen Gerhart Siebenacker von Sittart. 
Der Verfasser lässt sich als Märtyrer nicht nachweisen. Sittart 
aber, ein Ort bei Mastricht, ist bekannt als ein Mittelpunkt der 
Wiedertäufer; im Düsseldorfer Staatsarchive befinden sich unter 
Aktenfaszikeln über Wiedertäufer auch solche aus Sittart*); 1550 
wurde daselbst Remken Ramakers verbrannt (BT 98).*) 

Das Lied: Von Hertzen muß ich singen (Bl. 103*), da» 
auf das vorige Lied folgt, und wie aus der Bezeichnung «Ein 
ander Liedt" ohne Angabe des Tones hervorgeht, mit dem ersten 
ursprünglich in einem Einzeldrucke verbunden war, enthält 
im Akrostich den Namen: Veitin Langenbakh vun der 
Neuwenstat. Neustadt, ein kleiner Ort bei Sittart, an der Grenze 
von Deutschland und den Niederlanden, ist gleichfalls aus der 
Geschichte des Täufertums bekannt^). Bl. 192 bringt sicher auch 
nach einem Einzeldruck „Newer Geistlicher Lieder zwoy. Das 
erste im thon, Auß teifPer nott, etc. Das ander, Im thon, Sie 
sagt, ich solt sie trawen, es würd mich nit gerawen." Das erste 
der beiden Lieder: Herre Gott ich muß nun klagen dir, verbirgt 
akrostichisch den Namen Henrich von Kruft, das zweite: Ich 
weiß ein Junckfraw reine den Namen Joannes Nelis. Diesen 
kann ich nicht nachweisen; Heinrich von Kruft aber findet sich 
nochmals akrostichisch in dem Liede: Hinweg ist mir genommen 
(Bl. 198j, das ihn genauer bezeichnet als: Heinrich von Krnflt 
leerer. Das Lied besingt den Tod des Mathias Cervaes; beide 
sind uns durch ihre Tätigkeit in und um Köln bekannt. 
C-ervaes nennt sich akrostichisch in dem Liede: Mit angst in 
noth rüflT ich dich an (Bl. 188 »): Mathes Cervas von Kottenem. 
Das Lied: Hort zu jhr Christen alle (Bl. 203») nennt Heinrich 
Koenen von Breidtbach und Conradus Koch, welch letzterer 
1565 zu Houf im Fürstentume Berg enthauptet wurde (BT 325) 
als Verfasser. Das Lied: Herr Gott dich sollen loben (BL 195*) 



*) Rembert: Wiedertäufer in Jülich, S. 520. 

') Marie von Montjoie, die Rembert a. a. 0. 8. 421 in Sittart 
sterben laut, wurde nach BT 131 in Montjoie ertr&nkt. 
■) Rembert a. a. 0. S. 77 Anmkg. 1 und B. 339. 



V. Mennonitische Lieder in Deutschland. 101 

er^bt im Akrostich den Namen Heinrich Oitwiler, der uns 
unbekannt ist; zwei Lieder enthalten gestörte Akrosticha. Ob 
dies auch von dem Liede gilt: O Sünder alt wie manigfalt (Bl. 
12*), das auf ein niederländisches Original hinweist, und dessen 
Strophen anfange „Odibusd** ergeben, will ich dahin gestellt sein 
lassen, sicherer ist dies wohl in dem gleichfalls nur übersetzten 
Liede: Mensch bedenck die kurtze zeit (Bl. 201 u. 213), dessen 
rudimentäres Akrostich jetzt „Otdo Jaenedwode" lautet und von 
dem ursprünglich niederländischen Liede: Aenhördt fruude Ersame 
(BL 229) mit den Akrostichen: „Aerdd Vrsel Neulkken Trüncksn", 
die auf die Hauptpersonen des Liedes Aerent, Ursel, Neelken 
und Tringen gehen, während der Rest des Akrostichs unver- 
ständlich bleibt. 

Schliesslich können wir noch ein Lied einem bestimmten 
Verfasser zuweisen; das Lied: Kurtzlich hab ich mich besunnen 
(BL 166) stammt von dem Huterer Peter Riedemann und 
findet sich auch im Ausbund; in unserem Gesangbuch aber ist 
der Text sehr oft bis zur Unkenntlichkeit verderbt. 

Aus dem Gesagten ergeben sich mannigfache Beziehungen 
unseres Gesangbuchs zu niederländischen Liedern und einige 
Verfasser von Liedern führen uns hart an die Grenze der Nieder- 
lande. Hier werden wir dann auch die Heimat unserer Sammlung 
zu suchen haben. Hierher weisen auch die andern Märtyrerlieder 
unseres Gesangbuches, so 

1) Ach frölich wil ich singen (Bl. 138*) auf den Tod der 
1552 ertränkten Marie von Montjoie (vgl. oben). 

2) Merckt auff jhr Völcker vberall (BL 180) mit der Leidens- 
geschichte des Peter Kremer und Gotthart von Nonnen- 
berg, die 1558 zu Winneck enthauptet wurden (BT 207). 

3) Zu singen wil ich heben an (Bl. 182'*), das Lied Wilhelms 
von Keppel auf seine und des Jörg Friesen (Ladenmacher) 
Gefangennahme und des letzteren Ertränkung zu Köln 
1562 (BT 295). Jörg Friese war selbst auch Dichter; 
von ihm stammt das Lied: Ich verkündt euch niewe 
mare (BL 185»). 

Neben den Liedern, die wir oben direkt als Übersetzungen 
niederländischer Originale nachweisen konnten, enthält aber unser 
Gesangbuch noch eine grosse Zahl anderer Lieder, die deutlich 
als Übersetzungen zu erkennen sind, wie aus den Reimen und 
zahlreichen aas dem Niederländischen herübergenommenen Wörtern 



102 



V. Mennonitische Lieder in Deutschland. 



und Wendungen hervorgeht; ja es lässt sich behaupten, dass der 
grössere Teil des Liederbuchs auf niederländische Lieder zurück- 
führt. Ausser den früher genannten deutschen Liedern enthält 
das Gesangbuch nur folgende 16 Lieder, die als deutsche Originale 
anzusprechen sind: 

1) Ir menschen kindt merckt all geleich (Bl. 5*). 

2) O lieber Vatter wie bist so gut (B\. 91*). 

3) Frölich last vns singen (Bl. 97»). 

4) Der sich mit arbeit gern erneret (B\. 112j. 

5) Der tregt vergebens den namen Christ (Bl. 123). 

6) Wie vns die heillig schrifft vermelt (Bl. 125). 

7) Ach frölich wil ich singen (Bl. 138»). 

8) Merckt auff was wil ich singen (Bl. 149). 

9) So merckendt auff jv Christen Leüt (Bl. 157). 

10) Erzürn dich nicht, O frommer Christ (Bl. 161). 

11) Kurtzlich hab ich mich besunnen (Bl. 166). 

12) Wo soll ich hin, wo soll ich her (Bl. 171). 

13) Ich verkündt euch niewe mare (Bl. 185»). 

14) Ich weiß ein Junckfraw reine (Bl. 193»). 

15) Hen- Gott dich sollen loben (Bl. 195»). 

16) Hinweg ist mir genommen (Bl. 198). 

Was nun den Inhalt dieser Lieder anlangt, so würde schon 
der Hinweis auf die bisher genannten Lieder genügen, um es als 
ein Gesangbuch der Wiedertäufer zu kennzeichnen. Wenn ver- 
einzelt auch Lieder von Nichttäufern, ja selbst von überzeugungs- 
fcHten Protestanten hier Aufnahme gefunden haben, so ändert 
dies nichts an dem täuferischen Charakter des Gesangbuchs, um 
so weniger, als wir auch in katholischen und protestantischen Ge- 
sangbüchern häufig Lieder von Gegnern aufgenommen finden. Es 
genügte, wenn nur der allgemeine Inhalt den kirchlichen und 
namentlich dogmatischen Anschauungen der Herausgeber nicht 
widersprach, die ihre Lieder häufig aus zweiter oder dritter Hand 
übernahmen und deren Verfasser zumeist nicht kannten. 

Aber wir dürfen bei unserem Gesangbuch weitergehen und 
es direkt als das erste mennonitische Gesangbuch in 
Deutschland bezeichnen. Dafür spricht die Übersetzung der 
Vorrede der mennonitischen Veelderhande Liedekens, die den- 
selben entnommenen Lieder, die zahlreichen anderen Lieder, die 
auf niederländische, d. h. in diesem Falle mennonitische Originale 
zurückweisen, das liied von Mathias Cervaes. den Führer der 



V. Mennonitische Lieder in Deutsckland. 108 

Mennoniten in Köln, die mennonitische Bearbeitung des Liedes 
auf den Schweizer Bruder Thomas Drucker, das Lied „Wacht 
auff jr Völcker alle** (Bl. 168), das die mennonitische Lehre vom 
Bann enthält und besonders noch das Lied des Johann Schütz, 
in dessen Bekenntnis, wie wir oben bereits am Original gesehen 
haben, die mennonitische Inkamationslehre ganz klar ausgesprochen 
ist; die Stelle lautet hier in der Übersetzung (Bl. 165): 

Do theten sie mich fragen 

Mit vielen worten guth, 

Ob Christus auch nit were 

Von Maria fleisch vnd blut. 

Des hab ich nie gelesen, 

Hab ich vor jn bekant, 

Wie soll der von erden wesen, 

Den Gott der Vatter hat gesandt? 

Aber das Gesangbuch enhält doch mehr Sitten- als Glaubens- 
lehren der Wiedertäufer. In Christo fromm zu werden, es mit 
der wahren Kirche zu halten und dem hl. Geist* Gehorsam zu 
leisten, ist der kurze Inhalt des christlichen Wesens, sagt ein 
Lied (Bl. 97). Nur die Frage der Taufe wird von verschiedenen 
Dichtem ausführlicher erörtert, immer mit Hinweis auf die in 
Frage kommenden Kapitel der Evangelien, die als Belegstellen 
den Text am Bande begleiten. Für die Tauffrage entscheidend 
ist Matthaeus 28, 19 und Marcus 16, 16, wo die Lehre der Taufe 
vorangeht, die Kindertaufe also ausgeschlossen wird. Ausdrücklich 
heisst es Bl. 170: 

Die Kinder tauff ist kommen 
Auß falschem sündt vnd list, 
Darmit die weit vnd jr gesindt 
Ist getaufft vnd abgewaschen, 
Wie rein man sie jetzundt findt 

und Konrad Koch nennt sie (Bl. 207) „des Bapst grewel", von 
der er nichts halten könne. Die Taufe bedeutet den Tod des 
Fleisches, die Wiedergeburt aus dem Geiste (Bl. 117 und 137) 
und der Schweizer Bruder Thomas Drucker verlangt ausdrücklich 
(Bl. 179) 

Wer nach Gottes wordt getaufft sol sein. 

Der muß gelaubig wesen, 
indem er hinzufügt: 



104 ^' Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Es ist ein Badt der widergeburt, 

Ein bundt eines guten gewissen, 

Ein vernewerung des heiligen Geists, 

Daruon kein kinder wissen. 

Es wascht die sünd nit ab im fleisch, 

Die wir von Adam erben. 

Wer den tauff recht entfangen sol, 

Der muß der sünden absterben. 
Diese letzten Worte, die von der Erbsünde handeln, zeigen, 
wie schon früher erwähnt, dass der Verfasser dieses Liedes kein 
Schweizer Bruder war, da diese die Erbsünde läugneten, wogegen 
die Mennoniten an ihr festhielten und von ihr singen (Bl. 62*) * 
Das ist der arth der slangen Darumb seindt wir geboren 

Von anbegin der zeit, Wol nach der erster geburt 

Den Adam hat empfangen, Vnnd bleiben alle verloren 

Das leben wart er queit. Bisz anff die wider geburt. 

Auch in der Abendmahlsfrage sprechen die Dichter sich 
klar aus; sie nennen die Lehre der katholischen Kirche, dass man 
Fleisch und Blut Christi im Brot und Wein gemessen könne, die 
des Widerchrists, eine „erdichtete Lüge'' (Bl. 221); mit Lucas 22 
betrachten die Schwestern von Beckum das Abendmahl nur als 
ein Gedächtnis seines Leidens und seiner bitteren Pein (Bl. 135) 
und mit ihnen stimmt Job. Schütz überein (Bl. 164*), der übrigens 
auch der einzige Dichter ist, der sich über die Frage der Ehe 
ausspricht, indem er unter Berufung auf Matth. 19 die Ehe als 
Lehre Christi anerkennt, die nur im Falle eines Ehebruchs löslich 
ist (Bl. 165*). Auch was er von der Obrigkeit halte, wurde Schütz 
befragt, und antwortete, sie sei von Gott verordnet, die Frommen 
zu beschirmen, die Mutwilligen zu strafen und den Frieden in 
ihrem Lande zu erhalten; mit ihm stimmt der unbekannte Ver- 
fasser eines Liedes überein, der auf Römer 13 verweist (Bl. 25»). 
Gegen den Schwur wendet sich, wenn auch nur in kurzen Worten, 
Veitin Langenbach (Bl. 104). 

Das ist alles, was wir unserem Gesangbuche über die Glaubens- 
leliren der Mennoniten entnehmen können; viel deutlicher und 
klarer sprechen aus ihm die Sittenlehrer der Täufer zu uns, und 
in ihnen vor allem liegt der Kernpunkt des Buches, das erbauend« 
läuternd und erhebend auf die Brüder einwirken will. 

Als die höchste aller Tugenden, und das klingt in unge- 
zählten Liedern immer wieder durch, gilt den Brüdern die Liebe; 



I 



V. Mennonitisclie Lieder in Deutschland. 105 

sie steht ihnen selbst höher als der Glaube; denn, heisst es in 
einem Liede (Bl. 35^): 

Der glaub on lieb ist ein falscher schein, 

Er müfs mit der that beweisen sein 

Vnd nicht mit schonen worten. 

Er t6dt das fleisch vnd sterckt den Geist, 

Difs vermeldt der Christen orden. 
Sie ist das Siegel und Band der Christen in allen Landen, ein 
gutes Schloss der Brüder, darin sie erhalten bleiben trotz allen 
Feinden; wer nicht wandelt in der Liebe, dessen Tun ist verloren 
(61. 70). Ausdrücklich wird Liebe auch gegen die verlangt, die 
ausserhalb der Gemeinde stehen, damit der Gegner zu schänden 
werde (Bl. 30*). Aber die Welt ist arm an Liebe, die doch ewig 
währen sollte; es gebricht ihr an Frieden und Einigkeit; Richten 
und Urteilen, Hader und Zank ist in Übung, davon die Liebe 
krank ist (Bl. 212). Und doch sind alle Gebote des Herren in 
Liebe verfasst; aber niemand kann Gott lieben, wenn er seinen 
Bruder hasst; die Liebe besteht nicht in Worten, sondern in Taten. 
Sie tröstet den Nächsten, wenn er in Not ist (Bl. 39), sie trägt 
seine Last, Eigenliebe ist ihr fremd, denn wer die ewige Liebe 
erkiesen will, muss die Eigenliebe aufgeben (Bl. 47*). Nur wer 
die Liebe hat, ist von Gott geboren, denn Gott selbst ist die 
Liebe; die Liebe aber bleibt in Ewigkeit, wenn alle Dinge enden 
(Bl. 217*). 

Durch viererlei Dinge gelangt man in das ewige Leben: 
durch Glaube, Hoffnung, Liebe und Geduld (Bl. 29 und 68). Aber 
nur der Glaube gilt vor dem Herrn, der kräftig ist durch die 
Liebe (Bl. 61), nicht ein Glaube, wie die Welt ihn jetzt übt. Er 
setzt Vertrauen auf Gott voraus (Bl. 23) und die Zuversicht, dass 
Gott immerdar unser Trost bleibe und die Krone denen bereite, 
die den Tod nicht scheuen. Alle Dinge, auch den Tod über- 
windet Geduld (Bl. 70*), sie ist die rechte Kunst, eine Wehr in 
jedem Streit; Wasser, Schwert und Fener können ihr nichts 
anhaben. 

Wie der Vogel zum Fliegen, so ist der Mensch zur Arbeit 
geboren; die Schrift weist uns auf das Beispiel der Ameise hin, 
von der wir lernen können; müssig gehn ist übel getan (Bl. 112*). 
Allzeit sei rechttun des Menschen Streben; er soll nicht vorschnell 
sein im Urteil und seine Zunge in guter Hut halten (Bl. 34); 
stiller Mund und reine Hand dienet wol in allen Landen (Bl. 111). 



106 ^' Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Aber zu allem, was der Mensch tut, braucht er die Kraft Grottes; 
ohne sie schwindet der Mensch hin, wie die Blume welkt, wenn 
sie gepflückt ist (Bl. 130»). 

Vielfach brechen die Lieder in Klagen aus, welch unge- 
rechten Verfolgungen die Brüder ausgesetzt seien. Die man jetzt 
Wiedertäufer schmäht, als seien sie abgefallen von Gott und hätten 
sich zu Belial gekehrt, begehren doch von Herzen nichts anderes 
als mit der Tat zu bewähren, was Gott geboten hat (Bl. 166»). 
Man nennt uns Ketzer, ruft ein Dichter aus, weil wir für die 
Wahrheit streiten; ^ber wir kämpfen nicht mit Waffen und Ge- 
wehr, nicht mit doppelter falscher Ehre, noch mit dem zeitlichen 
Reiche, sondern allein mit dem Wort Gottes (Bl. 26). Dann er- 
mahnen sich die Brüder sterben zu lernen; das Fleisch muss ver- 
derben, und Christo nachfolgen, aber der Kampf währt nur kurze 
Zeit. Bloss ist der Mensch in die Welt gekommen, bloss muss 
er auch von ihr scheiden (Bl. 89*). Der Sünder klagt, dass er 
so lange Zeit dahin gelebt habe, in Sünden hart gebunden, und 
bittet Gott, ihm seinen schwachen Glauben allzeit zu mehren und 
den glühenden Docht nicht auszulöschen, damit er Gottes Herrlich- 
keit gemessen möge (Bl. 68*). 

So viele gibt es, die lieber der Menschen Lehre folgen 
wollen, als dem Wort Gottes und seinem Gesetze ; sie hören nicht 
die Frommen, die ihnen sagen, wie sie leben sollen, sondern leben, 
wie ihre Eltern es getan, nach ihrem eigenen Gutdünken (Bl. 3»); 
sie streiten wider Gottes Wort und nennen sich Christen, obwohl 
einer den andern zu Tode schlägt (Bl. 27) Dächte der Kaiser 
daran, dass die Obrigkeit von Gott bestellt sei, die Gerechten zu 
schirmen, er hätte den Brüdern kein Leid getan (Bl. 27*); so aber 
hält er und die Fürsten die schnöde Hure von Babylon in grossen 
Ehren (Bl. 64*) und hebt sich in allen deutschen Landen grosse 
Not mit Kauben und Brennen, mit Blut und mit Mord (Bl. 88*); 
der Antichrist wütet mit seinen Gesellen, der Christen Blut sn 
vergiessen; Leib und Gut müssen sie verlieren und ihre kleinen 
Kinder verlassen; man tötet und verbrennt sie, die ohne Schuld 
sind (Bl. 64*). Die Welt ist arg, viel loser als sie scheint; der 
Teufel, das Fleisch und die arge Welt kämpfen wider die 
Christen, um die Seelen zu verschlingen (Bl. 41); die Weit ist 
betrogen, das Volk ganz verführt, Uneinigkeit ist im Lande, 
Unzucht hat die Oberhand ; der Hass ist übrig geblieben, aber die 
Liebe ist verachtet und die, so die Sünde gern meiden möchten, 



V. Mennonitische Lieder in Deutßchland. 107 

jagt man aus dem Lande (Bl. 206). So sind viele zum Tode 
wund, die gekrönte Bestie hat sie gebissen (Bl. 50). An die 
Eichter wendet sich die Bitte, den Gerechten nicht zum Tode zu 
verurteilen, ohne zu hören, ob er auch übles getan habe (Bl. 25). 
Aber die Bitte fruchtet nichts; Diebe und Mörder verdammt man 
mit Wissen des ganzen Landes, die Frommen nur mordet man 
heimlich (Bl. 208*). Die Dichter warnen die Städte und Land- 
schaften Deutschlands vor Gottes Gericht, das Blut Abels und 
aller Christen werde über sie kommen (Bl. 78) und speziell Köln 
wird mit den Worten apostrophiert (Bl. 185): 

O Collen, Collen an dem Rein, 
Wenn wilt ein mal satt werden 
Des blüts der Hilligen Gottes rein, 
Die von dir getödtet werden? 

In den kräftigsten Ausdrücken wenden sich die Lieder gegen 
den Papst und die katholische Kirche; sie ist der Widerchrist, 
die schnöde Hure von Babylon, die zu schänden werden muss 
(Bl. 64*); der Papst lässt durch den Drachen'), den Kaiser, mit 
seinen Mandaten die Christen ermorden, um sie so zu zwingen, 
die Wahrheit zu verlassen (Bl. 251). Die katholische Kirche ist 
dem Glauben nicht zugetan; sie verbietet ihren Priestern ein Ehe- 
weib zu nehmen, eine Speise, die doch Gott geschaffen hat; dafür aber 
haben die GeistUchen das Haus voll Huren (Bl. 125*) ; den rechten 
Weg haben sie verlassen, Geld und Gut ziehen sie an sich, ein 
leckerlich Leben ist ihre Arbeit. Auch die Protestanten werden 
als Papisten bezeichnet; beide die alten und die neuen brauchen 
des Herren Brot und Wein aus Unverstand zu einer Abgötterei 
(Bl. 171). 

Dass in vielen Liedern der gleiche Gegenstand behandelt 
wird, ist nicht auffallend; befremdender wirkt die Wiederholung 
desselben Gedankens, der sich aber oft aus Benutzung derselben 
Bibelstelle erklärt. So stimmt (Bl. 11*): 

Der einen Thürn auffbauwen wil. 
Der mufs sich wol besinnen, 
Vnd vberslan den kosten wol. 
Ehe er des darff beginnen 
mit Bl. 15* überein, wo es heisst: 



^) In der 2. Auflage Bl. 25* steht der Druckfehler „durch den 
Kach mit seinen Mandaten"; die 3. Auflage Bl. 26* bat richtig „Trach". 



108 ^- Mennoaitische Lieder in Deutschland. 

Wer einen Thume bawen wil 
Der vberschlag die Kost, 
Ob er das möcht aufsfüren. 
nnd mit Bl. 23: 

Ach jamer vber jamer, 
Das man doch hinne gehet 
Vnd begint etwas zu hawen, 
Ehe man recht vberschlehet 
Ali solche grosse vnkosten. 
Der Stelle liegt natürlich Lucas 14, 28 zu Grunde. 

Die Anfänge vieler Lieder schliessen sich bekannten Volks 
liedem an; so Bl. 13: Ich stund an einem Morgen; Bl. 14: Ach 
mensch was hat dir der Herr misthan weist bei der Angabe des 
Tons auf ein Lied: „Ach Megdelin was hat dir der docken etc." 
hin; BL 21: Ach lieb mit leidt wie bistu mir so bereit auf das 
ebenso beginnende Lied (Böhme-IGrk No. 1444); Bl. 26: Ich sag 
ade wir zwey wir müssen scheyden setzt in der Angabe des 
Tons ein Volkslied mit gleichem Anfange als bekannt voraus; 
Bl. 53: Nach frombkait mein hertz verlangt, schliesst sich dem 
Liede: Nach grüner färb mein hertz verlangt, an (Böhme-Erk 
No. 502); Bl. 54: Von deinetwegen bin ich hie an das bekannte 
Lied (Böhme Erk No.461); Bl. 99»: Wie lieblich hat sich gesellet 
Mein hertz nach Gottes wort lehnt sich an ein ebenso beginnendes 
Lied an, dessen Ton es benützt. 

Auch das Wächterlied hat hier seine Vertreter, abgesehen 
von dem Liede des Hans Sachs: Wach auff, meines hertzen schöne 
(Bl. 143): 

Wacht auff, wacht auff, es ist mehr dan Zeit (Bl. 11»). 

Wacht aaff, O Gott von Himmel (Bl. 77). 

Wach auff, wach auff, O Mensch enkindt (Bl. 108). 

Wacht auff, jr Völcker alle (Bl. 1G8). 

Besonders aber in den Schlusszeilen vieler Lieder verrät 
sich ihr volkstümlicher Ursprung mit fast stereotyper Wendung, 
die die Aufmerksamkeit vom Liede auf seinen Verfasser lenken will: 

Difs Liedtlein ist gedichtet (Bl. 11). 

Der vns difs Liedt erst dichtet (Bl. 14). 

Der vns difs Liedtlin hat gedieht (Bl. 15, 46» und 128). 

Der vns difs new Liedt erst hub an (Bl. 20 und 30). 

Der vns difs Liedlein hat gemacht (Bl. 38»). 

Der vns difs Liedlein dichtet (Bl. 55 und 90). 



V. Mennositische Lieder in Deutschland. 109 

Der vns difs new Liedt erstmal sang (Bl. 60*). 

Der difs Liedlein hat gesungen (Bl. 64). 

Der difs Liedlin hat gedichtet (Bl. 101). 

Der vns difs Liedlein erst hub an (Bl. 138*). 

Der difs Liedlein hat gemacht (Bl. 229). 

Häufiger als gemeinhin in den Gesangbüchern der Pro- 
testanten und Katholiken finden sich hier dialogisch durch- 
geführte Lieder; so Bl. 5*: Jr menschen kindt merckt all 
geleich; ein Dialog zwischen Christus und seiner Braut, der Brüder- 
kirche^ Bl. 31: O Herr thu auff mein hertz vnd sin, ein Dialog 
zwischen Meister und Schüler; Bl. 144: Heb auff dein creutz mein 
auff erkoren, ein Dialog zwischen Christus und einem Täufer; 
Bl. 214*: Dochter Sion, ich wolt dich gern sprechen, abermals ein 
Dialog zwischen Christus und seiner Braut. 

Auch Lieder nach dem ABC finden sich hier, wie bei den 
Protestanten : 

1. All, die jhr durstendt, spricht Gott der Herr (Bl. 1). 

2. Ach Herr, du aller höchster Gott (Bl, 88*), jedoch nur 
bis zum Buchstaben O reichend. 

3. Alles was Got lert, laß dir lieb sin (Bl. 113). 
Dreimal finden sich auch Lieder mit einem Hefrain: 

1. Nach frombkeit mein hertz verlangt (Bl. 53) mit dem 
Refrain : 

Bifs an das Ende mein. 

2. Die zeit von wenig jaren (Bl. 67) mit dem Refrain: 

Eine kleine zeit. 

Es sol nicht ewig dawren 
der sich ähnlich auch in den Veelderhande Liedekens 
Bl. 48 findet: 

Hier int aertsche pleyn, 

Ten sal niet eewich dueren. 

3. Hort, lehrt, verstaht yr menschen kint (Bl. 153*) mit dem 
Refrain : 

Gib vns genadt, 

Das wir von dir nicht yrre gähn. 
Auch die Töne, die zu den Liedern angemerkt werden, 
zsei^en das Überwiegen des volkstümlichen Elements; wir zählen 
nachstehende 45 weltliche Töne: 
Ach lieb mit leidt (Bl. 21). 
Ach Megdelin was hat dir der docken (Bl. 14). 



110 ^' Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Der kuckuck hat sich todt gefallen (Bl. 111»). 

Der spilman aufs der Wirtenburg (Bl. 18). 

Der Wechter der bliefs an den tag (Bl. 30 und 36»). 

Es geht ein frischer Sommer daher (Bl. 72 und 91»). 

Es reit ein Reuther durch den walt (Bl, 47, 48 und 66). 

Es soldt ein Megdlein frft auffstahn (Bl. 59»). 

Es wonet lieb bey liebe (Bl. 149). 

Ewer hertz dunckt mich ein taubhauß sein (Bl. 133). 

Frölich wollen wir singen wol hetit zu diser frist (Bl. 43). 

Ich habs gestelt so weit ins feit (Bl. 11»). 

Ich habs gewagt gantz vnuerzagt (Bl. 132»). 

Ich hat ein stetigen bülen (Bl. 92). 

Ich had mich vnderwunden (Bl. 172»). 

Ich hört ein Magdlein singen mit eim so lieblichen gelaut 

(Bl. 198). 
Ich mag wöll seftfftzen vnd klagen (Bl. 20). 
Ich sach den Herrn von Falckenstein (Bl. 182»). 
Ich sag Ade wir zwe wir müssen scheyden (Bl. 26 und 40»). 
Ich schweig vnd mag gedencken (Bl. 1(X)»). 
Ich stund an einem morgen (Bl. 13). 
Ich wil mich selber trösten (Bl. 90). 
Im Meyen wenn alle Vögel singen (Bl. 30», 35, 68). 
Nach grüner färben mein hertz verlangt (Bl. 53). 
winter kalt wie mannigfalt (Bl. 12). 
Sie sagt, ich solt sie trawen, es würd mich nit gerawen 

(Bl. 193»). 
Vngnad beger ich nit von dir (Bl. 227). 
Von deinetwegen bin ich hie (Bl, 29, 54, 77). 
Von Liebten kompt groß liebe (Bl. 26»). 
Vor yennem waldt da hört ich (Bl. 73»). 
Wacht auff meines hertzen schöne (Bl. 143). 
Wer ich ein wilder Falcken so wolt ich fliegen (Bl. 28). 
Wie ist die Welt also falsch (Bl. 64). 
Wie lieblich hat sich gesellet (Bl. 99»). 
Wilt jhr hören ein newes liedt, Was zu Münster ist gescLiet 

(Bl. 113). 
Wo soll ich hin, wo soll ich her, Wo soll ich mich hinkehren 

(Bl. 171). 
Zu Costentz was ein Kauffman (Bl. 213»). 
Im thon vom Bentzenawer (Bl. 62»). 



V. Mennonitische Lieder in Deutschland. Hl 

Vom Danheusser (Bl. 60). 

Im thon Hertzog Ernst (Bl. 157). 

Im Hillebrantz thon (Bl. 128, 133»). 

Im thon vom Graffen von Rom (Bl. 185*). 

Wie man das knaben liedt singt (Bl. 100», 208»). 

Wie man singet die schlacht vor Pauia (Bl. 136»). 

Von einem Ritter aufs Stenrmarck (Bl. 68»). 

Diesen weltlichen Tönen stehen 40 geistliche gegenüber, bei 
denen die, wenn auch nur vereinzelt dastehende Anziehung des 
Fange lingua überrascht; sie sind: 

Ach Gott ich mag wohl trawren (Bl. 138*). 

Ach Gott wie lang vergistu mein (Bl. 58*). 

Allein zu dir Herr Jesu Christ (Bl. 153*). 

Alles was Gott lehrt (Bl. 213*). 

An wasserflussen Babilon (Bl. 95*, 180). 

Auß teiffer noth (Bl. 192). 

Der das elendt bawen wil (Bl. 94). 
' Der ewiger Gott ein starcker Rath (Bl. 45). 

Der thörecht spricht (Bl. 180). 

Durch Adams fall (Bl. 126*, 177, 214*, 222*). 

Ein feste bürg ist vnser Gott (Bl. 75, 188*, 216*). 

Erzürn dich nit o frommer Christ (Bl. 140, 222*). 

Es ist das Heil vns kommen her von gnadt vnd lauter 
gftte (Bl. 50*). 

Es spricht der vnweisen (Bl. 71). 

Gequetzt bin ich von hinnen (Bl. 119). 

Gnadt friedt von dem Herren (Bl 41*, 208*). 

Herr Christ der einig Gottes Son (Bl. 20*). 

Herr Gott mein noth thu ich dir klagen (Bl. 226). 

Hilff Gott das mir gelinge (Bl. 26*, 51*, 56, 166, 167*). 

Hilff Gott wie geht das jmmer zu (Bl. 87). 

Ich arm Schäflein an grüner beiden (Bl. 17). 

Ich danck dir lieber Herre (Bl. 14*, 22*, 164). 

Ich ruff zu dir, Herr Jesu Christ (Bl. 115). 

Ich wil mich gan erhöhen, verbleiden meinen muth (Bl. 66*) 

Kompt her zu mir (Bl. 88*, 108). 

Last vns frölich singen wol heut zu dieser frist (Bl. 91*) 

Mag ich vnglück nit widerstan (Bl. 148, 218*). 

Mein sinn seint mir durchzogen (Bl. 16). 

Nu hüi-t mit fleiß vnd mercket auff (Bl. 215). 



112 V. Menuonitische Lieder in Deutschland. 

Gott verleyh mir dein gen ad (Bl. 218*). 

Herre Gott begnade mich (Bl. 122). 

O Menschen bessert ewer leben (Bl. 78, 203«). 

Fange lingua (Bl. 82). 

Eeicher Gott wem sol ichs klagen (Bl. 124). 

Vatter vnser im Himelreich (Bl. 31, 33» 123, 173»). 

Wach atiff mein Seel (Bl. 226). 

Wacht auff jr Christen alle (Bl. 38*). 

Wer Gott nicht mit vns diese zeit (Bl. 19, 57, 87). 

Wol dem der in Gottes förchten stehet (Bl. 228). 

Wolt jr hören ein newes gedieht von vnserm Herr (Bl. 5*, 
65, 79, 80). 

Dieser 2. Auflage des mennonitischen Gesangbuchs folgte 
eine 3. in etwas grösserem Format und unter dem Titel: 

(Siit fd^on ge | fangbüii^Icin, Darinn | begriffen werben t)\tUx> 
^anbt I fd^öner ©eifltid^er Sieber oufe | bem alten önb 9?e»cn 
S:eftantent, ] burdö fromme (S^riften ju*fammen gejogcn. || 3n welchem 
audö ein red^t Ic*» | 6cn bnb gunbament beß redeten | ß^fflid^en 
®Iauben§ ge* | le^rt mirbt. || ^[e^o öon ne»cm roiberumb öbcrfc^en, | 
a^n Dielen ort^engebeffert^ önbmit | etlid^en nemen Siebern | ucrme^ret2C. 
I Colossem 3. | Se^renbt ünb öermanenbt euc^ felbft mit | gefangen 
önb lobgefangen ünb ®eift* | lid^en Siebern in ber gnabt, ünb | ftngenbt 
bem Ferren in emc* | rem ^er^en.^) 

Das Gesangbuch unterscheidet sich von der früheren Auflage 
vorteilhaft dadurch, dass es eine Menge von Druckfehlem in 
jenem verbessert, wenn es auch trotzdem nicht ganz fehlerfrei 
ist. Vermehrt ist es von Bl. 236* ab um 7 Lieder, von denen 6 
die Anfangsbuchstaben L. K. tragen. £s umfasst 243 Blätter + 
3 Bl. Register. 

Das Büchlein ist ohne Angabe der Jahreszahl and des 
Druckortes erschienen ; Hejrse setzte es nach einer Bemeikang in 
seinem Exemplar zwischen 1570—80; WKL I, 485 verlegt es in 
die Jahre 1570 — 1583, da er annahm, der Ausband von 1583 
habe aus diesem Buche geschöpft und er dessen 2. Auflage da- 
mals noch nicht kannte;') im 5. Bande seines Werkes, S. 677 
setzt er es bereits ^um 1570^. Koch schliesst sich in seiner 



>} Berlin, KglBibliotbek Eh 2911 einst in HeyseeBesitEC WKL 1,484.) 
') WKL 1, 843 druckt die Vorrede ab; die Notiz zu dem Titel 
Ulm 1670- ist wohl nur ein Druckfehler für «Ulm 1570.- 



V. Mennonitische Lieder in Deutschland. 113 

Geschichte des Kirchenliedes 11*, 420 Wackernagels anfänglicher 
Anschaanng an, indem er ohne weitere Begründung erklärt, es sei 
„wahrscheinlich in dem Zeitraum 1570—1583^ erschienen. Diese 
Annahme ist unrichtig und willkürlich. Weder Wackeruagel noch 
Koch haben die mit L. K. bezeichneten neuen Lieder der 3. Auflage 
näher betrachtet und gerade sie sind der Schlüssel zu der Frage 
nach dem Erscheinungsjahre des Gesangsbuchs. Und doch hätte 
Wackemagel auf die Spur des Verfassers dieser Lieder kommen 
können durch ein Gesangbuch, das er selbst in seinen Liedern 
der niederländisclien Reformierten als No. 50 beschreibt und das 
den Titel führt: 

aSeelbcr^anDe | ©d^riftucv* | lijcfe 9?ieumc Siebe* | ten§, 85er* 
maningcn, See* | ringen, gebeben, enbe Soffangen, | 'Die fomntig^e 
certiitg bt) paxtxitn in Drurf ] mt gegacn, enbe nb meberom t'famen 
bt) een | üergabert, met nod) üete bic no^t gebruct | en maren, nö op 
bie Öetteren Danben | ä, 6, c. enbe in een orbentlicf 9?e* | gifter bt) 
ntalcanberen öer* | gabert. Door | L. K. | SSol^erbcnbe otjcrminbtmen. 
I ©otlo. 3 b. 16. I Seert enbe uermaent malcanbcre met ^fal- | men 
enbe Sojfangen, enbe met geeftclicfe | Siebefen^S inber g^enaben, Singt 
enbe I fpeelt bzn ^eere in ömer Herten. | ^fal 47. a.8 | Soffinget (ofte 
))falliert) ®ob met t>erftäbe. || c ®cbruct t'SStrecf^t, bt) m^ 9?et)nbcr 
353^' I ncf§. II 3lnno 3». 2). Xe^^S. j 

Der Herausgeber dieses Gesangbuches L. K. ist derselbe, 
^er auch die neuen Lieder unseres Gesangbuchs verfasst hat. Er 
hiess Lenaert Klock') und scheint ein Deutscher gewesen zu 
«ein, da wir ihm zuerst als Lehrer auf kölnischem Gebiete begegnen. 
Wir hören von ihm in den Streitigkeiten unter den Mennoniten, 
welche die Täufer in Flamen, Friesen, Waterländer und Hoch- 
deutsche teilten. Die letzteren versammelten sich unter seiner 
Leitung 1591 in Köln und stellten einige Artikel als eine Art 
Bekenntoisschrift auf, die unter den Xamen ^Concept von Köln" 
allgemein bekannt sind. Als eine Versöhnung zwischen den 
einzelnen Parteien zustande gekommen war, finden wir Lenaert 
1613 zu Amsterdam, wo er mit Hans Matthysz, Jan Schellingwoun 
und Anne Annes sich von den andern wieder trennte, besonders 
wegen des Bannes der ^Aussenehe", d. h. der Strafe für eine 



^) Vgl. Th. J. Arnold: Hat groote Liede-Boeck van L(enaert) 
C(lock), Haag 1874; Blaupot ten Gate: Geschiedenis der Doopsgezinden 
1, 321—3; A. J. van der Aa: Biographisch wordenbock 3, 476. 

Wolkan, Lieder der Wiedertäufer. o 



114 V« Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Ehe, di« ausserhalb der Kirchen genossen Schaft geschlossen wurd«, 
worin die Hochdeutschen strenger als die Flamländer sein wollten. 

Seine Liedersammlung hat trotz ihres geringen dichterischen 
Wertes doch grossen Anklang gefunden und mehrere Auflagen 
erlebt; die vollständigste ist die vom J. 1625 mit 435 Liedern, 
deren hervorstechendste Eigentümlichkeit darin besteht, dass fast 
alle Lieder ein Akrostichon enthalten, das den Namen von Per- 
sonen oder Gemeinden birgt, an die diese Lieder ursprünglich 
gerichtet waren; nicht weniger als 398 Namen werden uns so 
genannt, die für Lokalforscher einen nicht unbedeutenden Wert 
besitzen und uns einen Einblick in die mannigfachen Beziehungen 
gewähren, die der Verfasser unterhielt. 

In dieser Sammlung nun finden wir für 4 der 7 neuen 
Lieder unseres deutschen Gesangbuchs die Originale; die neuen 
Lieder, um welche die 3. Auflage vermehrt ist, sind: 

1) Dich wollen wir O Gott bereit (Bl. 257^). 

2) O Gott Vater wir loben dich (Bl. 238'). 

3) Herr Gott wir loben dich (Bl. 239). 

4) Mit danckbarkeit laßt uns den Herren loben (Bl. 240) 

5) Gott Vater in ewigkeit (Bl. 240*). 

6) O Gott wir loben den nahmen dein (Bl. 241). 

7) Dieweil die tzeit vorhanden ist (Bl. 242). 

Ihnen entsprechen folgende Lieder des Klockschea Ge- 
sangbuches: 

1) V willen wy Godt bereyt (Bl. 501). 

4) Met danckbaerheydt laet ons den Heere Ionen (Bl. 387). 

5) Godt Vaeder in eeuwicheydt (Bl. 435). 
7) Dewyl die Tijdt vorhanden is (Bl. 115). 

Daraus folgt, dass die 3. Auflage unseres Gesangbuches 
nicht in die Jahre 1570—83 fallen kann, sondern beträchtlich 
später zu setzen ist. Freilich dürfen wir nicht an dem Jahre 1593 
festhalten, in welchem Klocks Liederbuch erschien; denn der 
Verfasser gesteht selbst in der Vorrede, dass viele seiner Lieder 
„by Partyen" im Druck ausgegangen seien ^) und dass er nur jetzt 
die einzeln gedruckten, um ungedruckte vermehrt, zu einem Lieder* 
buche vereinigt habe. Aber er mag nicht alle seine Lieder eines 



') Die älteste bekannte Sammlung seiner Lieder : 24 schriftaerlicke 
liedekens stammt aus dem Jahre 1589. (Biograph. Woordenboek door 
Frederiks en van den Branden S. 160). 



V. Mennonitiache Lieder in Deutschland. 115 

Neudrucks für wert geachtet haben, und unter den so zurück- 
gesetzten waren wohl auch die 3 Lieder, deren Originale wir jetzt 
vermissen. Vielleicht war für ihre Ausschliessung der Umstand 
mit massgebend, dass alle drei als Loblieder so ziemlich den 
gleichen Inhalt haben, wie es andererseits bezeichnend ist, dass 
die 3. Auflage unseres Gesangbuches nur solche Lieder von Klock 
auswählte, die kein Akrostichon enthielten und die vielleicht Rlock 
gerade deshalb geringer schätzte, da er mit einem gewissen G-e- 
fühl der Befriedigung in der Vorrede darauf hinweist, dass er 
^dese Liedekens meest op de Letteren der Namen, aen de welcken 
sy gedieht ende gesonden zijn, gesteh" habe. Wie dem aber auch 
immer sei, allzufrüh und vor das Jahr 1589 haben wir die Einzel- 
drucke seiner Lieder nicht zu setzen, vor das Jahr 1589 fällt 
somit auch nicht die 3. Auflage unseres Gesangbuches; wir ver- 
legen es in die Jahre 1589 — 93. 

So gering wie gesagt die dichterische Bedeutung der Lieder 
Klocks ist, so wirkten sie doch länger als ein Jahrhundert nach; 
noch im Jahre 1691 finden wir 7 seiner Lieder im Gebrauche der 
Gemeinden. Aus diesem Jahre stammt das, später auch von den 
Schweizern gebrauchte ^Glaubensbekenntnis der waffenlosen 
Christen"^), dessen Vorrede aus Dordrecht den 21. April 1632 
datiert ist, und bezeugt, dass das Glaubensbekenntnis schon mehrere 
Auflagen hinter sich hatte; 1658 war es zu Rotterdam bei Franciscus 
von Hochstraten in niederländischer Sprache gedruckt worden, und 
war auch in französischer Übersetzung erschienen; der Wunsch 
von Glaubensgenossen in Deutschland war die Ursache der deutschen 
Übersetzung. Dieses Glaubensbekenntnis, das in aller Kürze noch 
einmal eine Geschichte der Täufer gibt, die mit der Zeit eines 



^) Eine Ausgabe von 1664, die ich nicht einsah, war in Heyses 
Besitz (HB. No. 1239). — Der genaue Titel der obigen Ausgabe laatet: 
aOrifiat^c I ®lauBcng» | S(5Ä(g3'i59iS@ | 2)cr Söaffcnlofcn, unb fArncl^m- 
lieb I in hm 5Ricbcr(&nbcrn (unter bcm naötncn I bcr SKennoniftcn) w)o§l« 
Bcfanntcn ©firipen; | 2Sic and) \ ©tlidic (SBrifttid^c ©cBäfttc eben ber- 
fclbcn I @IauBenö*befenncr: | SBoBct gefAgt ficBen ®ctftlid^c 2oB- unb 
nnbcrc | ®cf&ngc, auS einer anjal^l oon 400 eine« ®oü^ \ fecUgen Sel^rcrö 
felbigcr SefentnüS gebogen, | unb 5ur probe anfter gcfteüct; | Sll§ and) nod) 
ein Slnl^ang jum unroiberfprcc^lic^en beroeife, ba^ gcmcitc ©laubcnS-befenner 
pd) im Seben | unb fiepten. Diel anbcrS bcfinben, aU man biö anfter, | burt^ 
unfunbcoon i^nen urteilen roollen. | T. T. V. S. | 3n «iaW@2:®:TlS)2iaR, | «et 
^ünüd) §erman&. im S^^r 1691. | (Berlin, kgl. Bibl. Co 5042). 

8* 



X16 ^' Mennonitische Lieder in Deutschland. 

Konrad Gröbel, Felix Manz, Georg Blaarock und ihrer Genossen 
beginnt, also keinerlei Zusammenhang mit mittelalterlichen Glaubens- 
genossenschaften annimmt, und die wesentlichsten Dogmen der 
Mennoniten, ihre Stellung zur Menschwerdung Christi^), ihre An- 
sichten über Obrigkeit'), Schwert**) und Eid*) betont, spricht sich 
anch ausführlich über die Gesänge der Brüder aus. Noch oder 
vielmehr wieder werden die Psalmen des Dathenus, wie sie bei 
den Reformierten im Gebrauch seien, j,vor und nach der Predigt 
und sonsten nach gelegenheit^ gesungen. Aber bezeichnender 
noch ist die allgemeine Annäherung an die protestantische Kirche, 
die wir später auch bei den Huterern nachweisen werden, durch 
die Worte ausgedrückt : „Es werden auch (nebenst anderen mehr) 
bey vielen der unserigen, so Hochteutsch reden oder verstehen, 
lesen und singen können, die Schrift-massigen Lieder, Bitt- und 

') Über die Menschwerdung Christi heisst es S. 7: „So glauben 
und bekennen wir, daß . . . dieser Messias in die Welt, ja ins Fleisch 
kommen, geoffenbahret und das Wort selbst Fleisch und Mensch worden 
ist, und daß er in der Jungfrawen Maria ist empfangen . . . Was aber 
anlanget, wie und auff was Weise dieser würdiger leib bereitet, und wio 
das Wort Fleisch und er selbst Mensch geworden ist, darinn sind wir 
vergnüget mit der erklärung, welche die heilige Evangelisten in ihrer 
beschreibung davon gethan und nach gelassen haben.'' (Conform mit dem 
Beschlüsse der Strassburger Synode). 

') S. 22: So bekennen, glauben und gestehen wir auch, daß Gott 
die Macht und die Obrigkeit geordinieret hat und zur straffe ilbcr das hf*ne 
gestelt und zu beschützen das Gute und ferner die Wolt zu regieren, 
Landt und Städte zusampt ihre ünterthanen in guter Policey und Ordnung 
zu unterhalten, und daß wir daher dieselbe nicht sollen verachten noch 
lästeren oder widerstehen, sondern daß wir sie als eine Dienerinn Gottod 
erkennen, ehren, unterthänig und gehorsam, ja zu allen guten werckoii 
bereit seyn müssen, insonderheit im selben, so Gottes Wort, Willen und 
Gebott nicht widerstritten ist, und ihr auch getrewlich Zoll, Accise und 
Schätzung zu bezahlen und was ihr zugehöret zugeben gehalten und 
schuldig seyn. 

^) S. 23: Was die Rache angehet, dem Feinde mit dem Schwert 
zu widerstehen, davon glauben und bekennen wir, daß der Herr Christu< 
seinen Jüngern und Nachfolgern alle Rache und wiederrache untersagt 
und verboten hat. 

*) S. 24: Was das Eydschweren betrifft, davon glauben und be- 
kennen wir, daß der Herr Christus auch den seinen dasselbe untersaget 
und verboten hat, daß man auff keinerly Weise müge schweren, sondern 
daß Ja, Ja und Nein, Nein müsse seyn. 



V. Mennonitipche Lieder in Deutschland. 117 

Lob-gesänge Lutheri viel gesungen, weil wir n&hmlich nichts ver- 
werffen oder gering achten wollen, daß wir verstehen können 
Gottes Worte gemäss zu seyn, es sey von welchen oder welcberley 
C^hristen dasselbe geschrieben oder geredet wird; weil es nns 
gleich gilt, wer etwas hat, das warhaftig, recht und löblich ist, 
wan wir nur teil daran haben; und mehr an der Ehre und gunst 
Gottes, dann an der ehre und gunst der menschen gelegen ist.^ 
Eine solche Ansicht wäre hundert Jahre früher, wo die verschiedenen 
Richtungen der Täufer so scharf von einander auch in ihren 
Liedern sich schieden, unmöglich gewesen. 

Dann wendet sich das Glaubensbekenntnis zu den hier allein 
aufgenommenen 7 Liedern, „welche weil sie unser Liebhaber und 
treuhertziger Lehrer, Leonard Klock, in der Niederländischen 
Sprache gereimet, und aus mehr den vierhundert seiner nützlichen 
und zur erbauung dienende Liedern, Ermahn-, Bitt- und Lob- 
ges&ngen durch einen Liebhaber aus der Niederländischen Sprache 
in Hochteutsch zu einer Probe übergesetzt slnd.^ Ausdrücklich 
wird um Entschuldigung gebeten, falls die Lieder, „was die artigkeit 
des reimes oder die volkomenheit des sinnes oder geschicklichkeit 
und flüssigkeit der Bede betrift^, nicht fehlerlos seien, „dieweil 
dasselbe selten seinen ersten glantz und zierraht behält, was man 
aus einer Sprache in die andere übersetzet^. 

Wir haben es also hier mit einer ganz neuen Übersetzung 
von Liedern Klocks zu tun, die offenbar die frühere gar nicht 
kennt, weil sie ihrer so gar nicht Erwähnung tut. Die hier über 
setzten 7 Lieder Klocks sind folgende: 

1. Gott almächtig, Vatter fein (S. 45-8) \ Vor der Predigt 

2. Gott, Vatter, Herr, wir loben dich(S. 48 — 9) j zu singen. 

3. Gott Vatter in ewigkeit (S. 50—2), nach der Predigt. 

4. Ein Scheidlied: 

Lebt friedsam, sprach Christus der Herr (S. 52 — 6). 

5. Ein Scheide-Lied: 

Weil nun die Zeit vorhanden ist S. (57 — 9j. 

6. Ein Vermahnung-Lied : 

Mit eim zugeneigten Gemüt (S. 60 — 4). 

7. Noch ein Vermahnungs-Liedt : 

Macht euch bereit zusamen (S. 64 — 8). 

Nur das 3. und 5. dieser Lieder sind uns aus dem frülieren 
Gesangbuche der Mennoniten bekannt, alle übrigen neu; aber 



118 ^^' I^iö späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

auch die uns bekannten haben ein neues Gewand bekommen, die 
Übersetzung ist leichter, flüssiger und tut der Sprache nirgends 
Gewalt an, trotzdem sie sich streng an das Original hält. 



YI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Der Ausbund. 

Als das in gewisser Hinsicht amtlich beglaubigte Gesang- 
buch der Schweizer Brüder haben wir die, von uns schon wieder- 
holt genannnte Sammlung von Liedern zu betrachten, die in dem 
ältesten uns erreichbaren Drucke*) den Titel führt*): 

9lu66unb I (Stlid)cr fd^öner | S^riftlidöer ®cfcng, toic bic | in 
bcr QJefcngnufe ju ^affam im | ©d^Ioji^ öon ben Sd^mei^ern, Dnb | auc^ 
öon anbcrn red^tgUubtgen | S^riflen ^in önb ^er ge* | bic^t »orbcn. ; 
Stilen Dnb jeben ßl^riften, | meldtet iReligion jtc aud^ feljen, unparteilich 
önb faft nü^lid^ | ^u bvand^en. || (Vignette). Ann. M. D. LXXXHI. 

8**., 3 unpag. Blätter mit der Vorrede, 432 Seiten. 80 Lieder. 
Darauf folgen als 2. Teil, mit selbständigem Titel und neuer Seiten- 
zählung die uns bereits bekannten ^Gesenge" (vgl. oben S. 26 ff.). 

Die nächste Ausgabe, die wir kennen, stammt aus dem 
Jahre 1622 «). 

aiufe 33unbt I 35a§ ift: | Sttltd^c fdjönc | ei^riftcnli^c Öicbev, 
mie I bic in bcr ©cf&ndEnufe jU ^affato | in bcm ©d^Iofe öon bcn 
®d)tt)ci|5er* | br&bercn önb öön anbeten red)tgt&u* | bigen S^riften 



') Ob das Buch, das die Yaticana in Rom (I. 1538} unter dem 
Titel: Ein außbundt, | Schöner geist- | lieber Lieder, auß dem AI- | ten 
vnd Newen Testament zu samen | getragen, zu trost den Christgleubigen, 
mit I nothwendigen Coueordantzen . . . o. 0. u. J. Lieder der Täufer 
enthält, kann ich von hieraus nicht entscheiden. 

O In meinem Besitze: Vgl. WB. 976; WKL 1,528-30, Das im 
Dresdener Exemplar zwischen beide Teile eingebundene Register yom 
Jahre 1584, dessen Titel W. verzeichnet, deutet auf einen Versuch hin, 
beide Teile unter einem Titel zu vereinen, ein Versuch, der aber, wie 
die folgenden Ausgaben zeigen, sich nicht bewährte. Goedeke U* 241 
stellt diesen Titel seiner Beschreibung voran, wohl in der Annahme, die 
1583 getrennt erscheinenden Teile hätten früher ein Ganzes gebildet; 
das dem nicht so, erhellt aus meiner Untersuchung. 

») Berlin, kgl, Bibliothek (Eh 3682), 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 119 

l^in ünb Ijex gc* | bid^t lüorben. || 3lHcn önb jeben ©Triften mclc^cr 
Sic* ! ligion fie fc^en Dinjarte^ifd^ | üaft nu^üd^. || (Vignette). 

Grösseres 8° Format, 6 Bl. Vorrede, 455 Seiten. Der 2. Teil 
mit dem selbständigen Titel: 

Stlid^c fel^r fd^önc Sc^ri^ljftlid^e ®cfänge, tvlc bicfelbigen 
ju I ^affaiü, uon ben ®d)mei§cr6rftbcrn, in | ber ©ef&ngnfe [!] im 
@^(o6, burd^ (äotteö | gnab gebid^t önb gcfungeit | morbcn. | (Eichel), 
^falm. 139. | !Die ©tollen I^a6en mir ftrid gelegt, baS | garn ^aben 
fie mir mit ®et)ten auffgef^Jön« | ncn, tmb ba id^ ge^n folt | ^aben 
pe mir i^aU \ ten jugcrftftct 35arumb fpred^ id^ jum ^ex* \ ren: ©u 
bift mein (Sott. (Vignette). Ann. M. DC. XXH. 

370 Seiten + 3 Blätter Register, Auffallend sind die vielen 
Druckfehler der Vorrede, wodurch der Text an einigen Stellen 
geradezu unverständlich wird: 1583: noch eines Menschen gab, 
1622: nach e. M. gang. — 1583: nit ein Erbschaft auß dem fleisch, 
1622: nicht e. schaff a. d. f. — 1583: der biß ans End der weit, 
1622: ob er b. a. E. d. w. — 1583: Darum erkennt die Kirch 
Christi kein ander gericht, 1622: D. e. d. K. Ch, ein a. g. — 
Der Text der Lieder ist dagegen ungemein sorgfältig behandelt 
und schliesst sich auch in der Orthographie genau der Ausgabe 
von 1583 an. Der 1. Teil hat keine Zusätze; dem 2. fehlt das 
Lied: Frewt euch jr Christen alle, Die jr feyt neuw geborn der 
A^usgabe von 1583 (S. 234), das auch in den späteren Ausgaben 
nicht erscheint, ohne dass der Grund hiefür im Liede selbst zu 
suchen wäre; dafür finden sich 3 neue Lieder: 

1. Gott Vater wir loben dich 

Vnd deine gute preisen. 4 Str. 

2. Ich hab ein schön new Liedt gemacht 

Vnd mich geflissen tag vnd nacht. 46 Str. auf den 
Tod des Hans Landyss, 1614 zu Zürich hingerichtet. 

3. Mein frölich hertz das Treibt mich an zu singen 

Wenn ich denck an die grosse frewdt. 10 Str. 
Die nächste Ausgabe^) ist undatiert, zieht zum erstenmale 
beide Teile in ein Ganzes zusammen und scheint, wie aus den 
Auslassungen und Nachträgen hervorgehen könnte, in Eile gedruckt; 
ihr Titel lautet: 

«ufe Sunbt I 'Dag ift: | gtlti^e fc^öne | S^riftenlidtje Sieber, 
lüie I bic in ber ©efängnufe ju ^affatt) | in bem ©d^tofe t)on ben 

^) Im Besitze des Herrn Antiquars L. Bosenthal in München, dem 
ich für die Zusendung dieser Ausgabe zu Dank verpflichtet bin. 



120 VI« J^i® späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

@4tocifeer> | 6t&bcren unb t)on anbeten tcd^tt^Iäu« | bigen S^riftcn ^in 
unbl^erge' | bidfjtkporbenH^Uen unb {eben S^riften/ meldtet 9ie^ | (igion 
fic {et)cn unpartet)ifd^ | baft nu^lid^. || (Vignette). 

. Format gleich dem der letzten Ausgabe, 716 Seiten, 2 Bl. 
Register. Ins Register nicht aufgenommen, aber doch tatsächlich 
vorhanden (S. 426) ist das Lied: Wann der Herr die Gföngnuft 
Zion. Am Schluss ein selbständig paginierter Anhang von 24 
Seiten ohne neues Titelblatt, die Bogen neu gezählt A — C, der 
folgende Lieder enthält, die auch schon in den früheren Ausgaben 
stehen, aber hier vielleicht in der Eile des Drucks Übersehen und 
erst nachträglich in diesem Anhang zusammengestellt wurden: 

1) Merckt auff ein Sach und die ist wahr. 

2) Herr Gott Vatter zu dir ich schrey. 

3) Wo kompt es her, o Jesu Christ. 

4) Ich hab ein schönes Lied gemacht. 

Letzteres Lied ist das eine der 1622 neu hinzugekommenen 
3 Lieder; die anderen stehen bereits im Hauptwerk. 

Auch die folgende Ausgabe ist undatiert; sie hat den Titel'): 

?(uB ©unbt I 1)05 ift: | Qttüäje fd)6ne | e^riftenlidöc 8i€bcr,»ie 
bie I in ber Oef&ngnufe ju ^affatt) in | bcm ©c^Io^ t^on ben 
@d6tt3ci^er*8rü* | beren önb bon anbeten vedjtgl&ubigen | (E^riftcn 
^in ünb f|er gebid)t | morben. || ^üen ünb jcben S^riflen roelrfjcr | 
Sieügion fie fet)en nnpartetjifd^ | Daft nu^Iid). || (Vignette). 

707 Seiten, 2 Blätter Register. Dem Register fehlt- Ich 
hab ein schön new Lied gemacht, obwohl das Lied im Text vor- 
kommt (S. 696). Diese Ausgabe hat denselben Anhang, wie die 
vorhergehende, ab nicht mehr mit neuer Seitenzählung. Zum 
erstenmal erscheint hier das Lied: Muß es nun sein gescheiden. 
Diese und die vorige Ausgabe gehören den Typen nach noch in 
das 17. Jahrhundert. 

^Etwa aus dem Ende des 17. Jhs.** stammt eine Aasgabe 
des ^Außbund^, die im Besitze von Karl Biltz war (vgl. dessen 
„Neuer deutscher Bücherschatz" S. 76). Inwieweit sie von den 
bekannten Ausgaben abweicht, lässt sich aus der Beschreibung 
von Biltz nicht erkennen. Sie befand sich früher im Besitze des 



1) In meinem Besitze. Das Exemplar zeigt die Spuren langjährigen 
Gebrauchs; auf dem V^orsetzblatt steht die später durchgestricheDe Be- 
merkung: Diß Buch gehört Madlena Holi zu Herefingen; auf der Bflek- 
leite des Vorderdeckels: Gott allein die ehr. Im Jahr 1739. Diß buch 
gehört mier Hanß Narßiger. 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 121 

Antiquars A. Cohn in Berlin, der sie in seinem 164. Eaitalog als Nro. 
235 beschreibt; hiernach zählt sie 5 unpaginierte Blfttter und 480 
Seiten. (Dass beide Beschreibungen dasselbe Exemplar betre£Pen, 
geht aus dem Umstände hervor, dass beide die Anmerkung 
machen: „Titelbl. und p. 261/2 handschriftlich ergänzt.") 
Dem 18. Jh gehört die folgende Ausgabe an*): 
«ufe g3unbt, I ^a« ift: | (Sttlid^e fc^öne | e^riftcnlid^c ßicbcr, 
mie I Die in 5er ©cf&ngnufe ju ^affam | in bcm ©d^lof; oon bcn 
©ci^ttjcifecr* I Srftbercn unb öon anbevii red^tgl&u» | bigcn Sänften 
l)iu unb ^er | flcbidjt tt)ürben. || SlQen nnh {eben S^riften mcld^cr 
Sieligion | [xt fet)en unpart^e^ifc^ Uaft | nufelid). || (Vignette). 

5 Bl. Vorrede, 796 Seiten, 3 Bl. Register. Auf dem Schluss- 
deckel des originellen Einbandes die Jahreszahl 1782 in erhabener 
Arbeit auf einem Blechschilde; dem entsprechend auf dem Vor- 
deckel die Initialen A. K. Neu aufgenommen sind die Lieder: 

1) Lebt friedsam, spricht Christus der Herr, 

2) Weil nun die Zeit vorhanden ist. 

3) Mit einem zugeneigten Gemüth. 

Diese Ausgabe ist die letzte, die Veränderungen aufweist; 
ihr folgt, wenn die Mitteilung Goedekes (Grundriss 11^ 241) stich- 
haltig ist, eine Ausgabe o. 0. u. J. (Basel, ca. 1800). Im 19. 
«Xhe. erschienen noch zwei Ausgaben des ^Außbund^, die eine 
1809®), die andere 1838 in Basel, beide inhaltlich und auch den 
Typen nach einander gleich; ihr Titel lautet: 

?luB 95unbt, | baö ift: | cttid^c fd^önc | S^riftenlit^e Sicbcr, | 
tpic bic in ber ®ef&ngnu6 | ju | ^affau in bem ©c^Iofe | öon ben j 
®d^»ciicr*Srübern j unb anbcrn redjtgläubigen S^riften ^in unb j 
^er gcbic^tct toorbcn. || 3lIIen unb jcbcn ©Triften metd^er SWcIigion j 
fic fct)en, un^)artl)et)ifci^, uaft nu^Iid^. II ^afel, bc^ ®cbrübcrn t>on 
gWcdicI, 1809. 



•) Berlin Kgl. Bibliothek (Eh 3684) aus dem Besitze von Karl 
Blitz, der sie in seinem „Neuen deutschen Bücherschatz'' S. 76 verzeichnet. 

*) Wernigerode, Fürstl. Stolbergische Bibliothek aus Ph. Wacker- 
uagels Nachlass. Nicht unerwähnt will ich lassen, dass auch in Amerika 
Auflagen des Ausbund erschienen; 2 Ausgaben aus den Jahren 1742 
und 1785, die bei Sauer in Germantown erschienen, besitzt die Bibliothek 
der taufgesinnten Gemeinde zu Amsterdam. (Vgl. Katalog II 26). Ger- 
mantown wurde 1683 durch einige Familien der Mennonitengomeinde zu 
Krefeld gegründet. (Brons S. 221). 

'j In meinem Besitz. 



122 VI* I^iö späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Die Ausgabe von 1838 hat nur die Änderung: 
Safer, be^ ^af. |)cinrid& bon aWec^el, 1838. 
4 Bl Vorrede, 3 Bl. Register, 672 Seiten. 

Es ist nicht unmöglich, dass neben diesen Ausgaben des 
Ausbundes (A.) auch noch andere vorhanden gewesen; aber sie 
würden das Ergebnis der vorstehenden einfachen Aufzählung 
nicht ändern, das Ergebnis, dass die Lieder der Schweizer Brüder 
sich die Jahrhunderte hindurch von ihrem ersten Auftreten bis in 
unsere Tage lebendig erhalten haben. 

Die älteste uns bekannte Ausgabe von A stammt aus dem 
Jahre 1583, aber wir haben bereits früher darauf hingewiesen, 
das A bereits 1571 vorhanden war (vgl. S. 56). Auch die in 
A vorhandenen Märtyrerlieder führen uns auf diese Zeit; das 
jüngste dieser Lieder besingt den Tod des Schulmeisters Arent 
von Essen, seiner Frau Ursula, einer alten Frau, namens Neeltgen 
und ihrer Tochter Trijntgen (S. 165), die am 24. Jänner 1570 
hingerichtet wurden (BT 505; 503 wird das Jahr 1569 genannt). 
Da das Frankenthaler Gespräch am 28. Mai 1571 begann, liegt 
also die Vollendung von A. zwischen dem 24. Jänner 1570 und 
dem Mai des folgenden Jahres. 

A kennt im Gegensatze zu den protestantischen Gesang- 
büchern und denen der böhmischen Brüder, zu w^elch letzteren A, 
wie wir sehen werden, doch in gewissen Beziehungen stand, eine 
Scheidung des Inhalts nach Gruppen nicht, stimmt also darin mit 
den niederländischen und deutschen Gesangbüchern der Täufer 
tiberein. Dogmatische und Märtyrerlieder, die seinen Hauptinhalt 
ausmachen, wechseln bunt mit einander und selbst bei den letzteren, 
die gewissenhaft das Todesjahr in der Überschrift vermerken, ja 
es oft im Text selbst bringen, ist eine Ordnung nach der Zeit- 
folge zwar versucht, aber nicht durchgeführt; es erweckt den 
Eindruck, als sei ein Liederbuch, das nach und nach durch 
Sammlung verschieden überlieferter Lieder und mehr zufällig ent- 
standen war, rasch dem Drucke übergeben worden. 

Nicht alle Lieder von A sind ausschliessliches Eigentum 
der Schweizer; viele lassen sich vielmehr aus früheren Quellen 
nachweisen. 

Das älteste der entlehnten Lieder ist das des Othmar 
Kot (S. 315). 

Mensch wiltu nimmer traurig sein. 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 123 

Es findet sich bereits in Valentin HoUs Liederhandschrift 
(WKL 3, 830), hier freilich als katholisches Lied, wie der Inhalt 
im allgemeinen und besonders die Schlussstrophe bezeugt, die 
Christi Erbarmen um seiner Mutter willen erfleht. Durch Ver- 
änderung der unpassenden Stellen, Auslassung der 7., Umstellung 
der 4. und 5. und durch eine neue Schlnssstrophe sind die 
Veränderungen des Liedes in A gekennzeichnet, das zuerst den 
Verfassernamen durch den Zusatz „von S. Gallen'' lokalisiert, 
aber durch den weiteren „im jar 32 gedichf an der Richtigkeit 
dieser Heimatbestimmung des Verfassers zweifeln lässt. 

Auch das Lied des Wiedertäufers Hans Schlaffer') 
(t 1528, BGB 61): 

Vngnadt beger ich nit von dir (S. 193). 
ist schon früh gedruckt worden. Nach einem fliegenden Blatt 
(WB 258) o. 0. u. J. bei WKL 3, 535. (Die am Ende des 
Drucks stehende Zahl 1527 gibt gewiss nicht, wie W. annimmt, 
das Druckjahr an, sondern das um 1 Jahr zu früh angesetzte 
Todesjahr Schlaffers, dessen Namen wir erst aus A kennen lernen, 
wo sich gleichfalls 1527 als Jahr seines Todes angegeben findet. 
Doch dürfen wir den Druck nicht allzuspät ansetzen, da das Lied 
bereits in den Bergreihen von 1551 No. 7 vorkommt, aus denen 
es Hermann Vespasius für sein Gesaugbuch von 1571 übernahm. 

Eünf Liedern des A begegnen wir bereits in Mich. Weisses 
Gesangbuch der böhmischen Brüder von 1531*), aus dem sie ihren 
Wegauchin zahlreiche protestantische Gesangbücher gefunden haben, 
wie ich im einzelnen nachwies. Da die Lieder des Brüder- Gesang- 
buchs ihrer überwiegenden Mehrheit nach Eigentum Weisses sind, 
so ergibt sich schon daraus, dass A sich im Irrtum befindet, 
wenn er die Lieder anderen Verfassern zuschreibt. Die Lieder 
sind die folgenden: 

1) Als Christus mit seinr waren lehr 
Versamlet het ein kleines beer (S. 46) 
hier Michael Statler (so für Sattler) zugeschrieben. Es steht in 
Weisses Gesangbuch Bl. M. XH (WKL 3, 405), wo es trochäisches 



^) Vgl. über ihn: Archiv f. österr. Gesch. 78,461; Keller: D. Refor- 
mation S; 427; Keller: StaupitzS. 226; Nicoiadoni S. 298. Die Chroniken 
kennen ihn als Verfasser zweier Lieder; sein 2. Lied: Herr Vater, mein 
ewiger Gott, nennt BGB 64. 

*) Vgl. Wolkan: D. Kirchenlied d. böhmisch. Brüder im 16. Jhe. 



124 VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Versmass zeigt, während es in A entschieden jambisches Ge- 
präge trägt. 

2) Du glaubigs hertz, so benedey 

Vnd gib lob deinem Herren (S. 409) 
mit der Überschrift: Ein ander schön geistlich Lied, hat ein 
Edel Jungfraw, Walpurg von Bappenheim gemacht*). Bei Weisse 
Bl. G VII (WKL 3, 333 u. 34). 

3) Jesus Christus Gottes Sohn 

Mit seiner leiblichen Person (S. 216). 
Das Lied wird in A. Johann Hus zugeschrieben, ist aber wie die 
andern Weisses Eigentum; in seinem Gesangbuche steht es Bl. 
Vb, aber mit dem Anfang: ALs jhesus christus gotes son (WKL 
3, 317 u. 18). 

4) Gott Schöpffer Heilger Geist 
Zu lob vnd preiß dir allermeist (S. 274), 

hier dem sonst ganz unbekannten Christof Bifel zugeschrieben, bei 
Weisse Bl. F VIb (WKL 3, 319 u. 20). 

5) Jesu, der du sehlig machst 
Die boßfertige hertzen (S. 407). 

Lorentz Kingmacher zu Augsburg wird als Verfasser genannt; 
bei Weisse Bl. L IX (WKL 3, 385 u. 86). Dass dieses Lied 
Weisse zugehört, geht schon daraus hervor, dass es Str. 5 die 
nur Weisse angehörige und später von den böhmischen Brüdern 
selbst verworfene Anschauung über das Abendmahl in den Worten 
ausspricht: 

Hielff, das wir auch jus glauben s krafft 

deinen segen erlangen, 

Inn recht geistlicher junckfrauschafft 

dein fleisch vnd blut entpfangen 

Testaments weiß, 

sehr nütze speiß 

zum jnerlichen leben, 

was im A. entsprechend den Lehren der Brüder in folgender 
Weise umgeändert wurde: 



') Walburg Marscfaalk von Pappenbeim zu Kaldeo, eine Wieder- 
täuferin und Freundin des Pilgram Marbeck, stimmt 16&0 nicht mit 
Caspar Schwenckfeld (Schulder: Zur Literatur der Schwenekfeldiaefaen 
Liederdichter, S. 22). 



VI. Die späteren Lieder dor Schweizer Brüder. 125 

Hilff da mir, Herr, in glanbens krafPL 

deinen Segen erlangen 

Vnd in heiliger gemeinschafft 

dein Brot vnd dranck entpfangen. 

Mit dancksagung, 
Versicherung 
dem innerlichen leben. 

Auch das den A. einleitende Lied Sebastian Francks, der 
hier aber nicht als Verfasser genannt wird: 

Ob gleich die Harff ist gut vnd scharff 
DaB sie inn obren klinget, 

ist aus Drucken lange vor A. bekannt. Es findet sich in 3 
Fassungen: 1. als 17 strophiges Lied in einem Einzeldruck vom 
Jahre 1537 (WKL 3, 963) und im selben Jahre in Salmingers 
Gesangbuche; 2. 1538 in dem „New gesang psalter* mit Ab- 
änderungen der Anfangsworte in 4 Strophen und Veränderung der 
ursprünglichen Strophenfolge in 1, 2, 7, 5, 6, 13, 12, 8, 14, 16, 
10, 11, 9, 4, 17, 15, 3, wodurch sich das Akrostich: Sebastianus 
Franck ergab (WKL 3, 964), eine Änderung, die vielleicht noch 
auf Franck selbst zurückgeht und 3. in der Fassung, die das Lied 
im A. hat, wo das Lied gleichfalls vielfach geändert wurde und 
abermals eine andere Strophenfolge einhält; die Strophen ent- 
sprechen jetzt folgenden des 1. Drucks: 1, 2, 7, 6, 8, 16, 10, 11, 
9, 4, 17, 15, 3; die 6. Strophe im A. ist neu, die Strophen 5, 12, 
13, 14 des 1. Drucks fehlen. Ob diese Fassung hier zum ersten- 
mal erscheint, oder ihr ein früherer Druck vorangeht, lässt sich 
nicht ermitteln. Jedenfalls ist ihr das Akrostichon vollkommen 
fremd. 

Zu den schon vor dem A. bekannten Liedern gehören endlich 
noch die folgenden: 

Ach Gott verleih mir dein gen ad 

Daß ich die groffe wunderthat (S. 290) 

das WBX 3, 966 nach einem Einzeldruck des Augsburger Buch- 
druckers Melchior Ramminger vom Jahre 1539 mitteilt, der Hans 
Regel*) als Verfasser nennt; die wiederholten Auflagen des Liedes 
(Goedeke II* 259) zeigen seine Beliebtheit. 



') Über ihn vgl. Radlkofer i. d. Zeitschrift d. histor. Vereins f. 
. Schwaben 24 (1897) 1—23. 



126 VI Diö späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Ewiger Vatter im Himmelreich, 

Der du regierest ewiglich (S. 277) 
ist ein Lied Adam Reissners (f 1563), des Freundes Caspar 
Schwenckfelds, und stammt aus den dreissiger Jahren des 16. 
Jahrhunderts. WKL 3, 193 teilt es aus einem undatierten Nürn- 
berger Druck von Georg Wächter mit. Der älteste datierte Druck, 
in dem ich das Lied nachweisen kann, ist der 2. Teil der Berg- 
reihen, Nürnberg 1547, wo es als Nr. 20 steht. 

All, die jr jetzundt leidet 

Verfolgung, trübsal vnd schmach (S. 283) 

das oft gedruckte Lied Wolf Gernolds, der wohl kein Wieder- 
täufer war und um 1540 schon gestorben sein dürfte. Nach einem 
undatierten Drucke : Nürnberg, Christoff Gutknecht steht das Lied 
bei WKL 3, 891. Andere Ausgaben bei WB 570-4; ein Druck: 
Strassburg bey Hans Trenssen 1544 und ein späterer Augsburg, 
Matheus Franck, ca. 1570 im Serapeum 30, 80; ferner in den 100 
Christi. HauBgeseng 1569, Nr. 7 (WB 908) und Basel, Samuel 
Apiarius, 1590 (Serapeum 19, 250). 

Hertzlich tut mich erfrewen 

Die liebe Sommerzeit (S. 339) 
ist Eigentum Johann Walthers; nach einem Wittenberger Druck 
von 1552 bei WKL 3, 219; im A. fehlt die 20. Strophe, die 25. 
(Schluss-) Strophe ist umgearbeitet; das anschliessende Lied: 
Frölich pfleg ich zu singen (S. 347) wird als des „Dichters zugab* 
bezeichnet. 

C briste mein Herr, ich bin gantz ferr 

Von deiner lieb gescheyden (S. 330) 

gehört nur insofern hieher, als es die 1. und 2. Strophe des Liedes 
von Caspar Huober (WKL 3, 989), das aus einem fliegenden 
Blatte von 1540 bekannt ist, benutzt. 

Eine Gruppe von 11 Liedern lässt sich als aus dem 
Niederländischen übersetzt nachweisen. Es sind Lieder 
holländischer Märtyrer, die in dem mennonitischen Gesangbuche 
Uet offer des Heeren (vgl. oben S. 59ff.) enthalten sind. 

Da mit Ausnahme des Liedes von den Schwestern von 
Beckum, das bei seiner nachweisbar weiten Verbreitung dem oder 
den Herausgebern des A. auch aus einer anderen Quelle zu- 
geflossen sein konnte, alle entlehnten Lieder dem ersten Teile des 
(). d. H. entstammen, der erst 1570 mit Liedern versehen wurde» 



VI. Die sp'äteren Lieder der Schweizer Brüder. 127 

so liegt auch darin schon der Beweis, dass der „Ausband nicht 
vor das Jahr 1570 fallen kann. 

Die entlehnten Lieder sind folgende: 

1. S. 55: Ein tröstlich Lied von fünff frommen, zu Anttorff 

auff einen tag verbrendt. Im Thon, Wo sol ich 
mich hinkehren, ich armes etc. 
Anfang: Zu lob Gott Vatter, Sohne 

Vnd auch dem heiigen Geist. 13 Str. 8 zeilig. 
Das Original steht im 0. d. H. 1570 Bl. 89 (vgl. o. S- 
66 No. 9): 

Tot lof des vaders, soons, heyligen geest 
Christen wilt met ons beghinnen. 

2. S. 65: Deise nachfolgende geschieht hat sich im jar 1550. 

zu Gendt vnd Löuen begeben, Vnnd geht im Thon, 
All die jhr jetzundt leidt Verfolgung vnd trübsal. 
Oder wie der Bentzenhawer. 
Anfang: O Herr, dich wil ich loben, 

Der du deinn glidern all. 13 Str. 8 zeilig. 

Auf den Tod des Jannin Buefkijn, genannt Hans Kees- 
Kooper, aus Verwick, verbrannt 1550 zu Gent (BT 94); 0. d. 
H. 1570 Bl. 47; (vgl. o. S. 66 No. 7): 

Heer v wil ick louen 

Ghy die v liedeken sal. 9 Str. 8 zeilig. 

3. S. 69: Ein schöne Histori von einer Jungfrawen, Im 

Thon, Wol dem, der in Gottes forchten steht: Oder, 
Christ der du bist der helle tag, etc. 

Anfang: Ein Mägdelein von glidern zart 

Lieblich, schön vnd von guter art. 38 Str. 
4 zeilig. 

Auf ein Mädchen, namens Elisabeth, am 27. März 1549 in 
Leeuwarden ertränkt (BT 81) O. d. H. 1570 Bl. 28; (vgl. o. S. 
65 No. 5): 

Twas een maechdeken van teder leden 
Elisabeth dat was hären naem. 21 Str. 4 zeilig. 

4. S. 76: Ein ander Lied von einem der wirt Jost genant 

zu Cortrick verbraudt, Ann. 1553. Geht in Jörg 
Wagners Thon. 

Anfang: Die beste freud auß Gottes wort 

Herkompt vnd füllet alle ort. 20 Str. 5 zeilig. 



128 VI. Die sp&teren Lieder der Schweizer Brüder. 

Der Märtyrer hiess Joos Kind (BT 150) ; O. d. H. 1570 Bl. 121 : 
De meeste vruecht coemt door Godts woort 
Waer door de Christen verquicken. 13 Str. 8 zeilig. 

5. S. 81: DiB hemachgetrückte Marterlied, ist von Hansen 

von Ambsterdam, welcher mit vil andern verraten, 
gefangen vnd vmbracht worden Vnd geht im 
Thon, Rosia (!) färb war dein gestalt. Oder, Der 
Vnfali reit mich gantz etc. sehr tröstlich zu singen. 
Anfang: Ich weiß, wer Gottes wort bekendt, 

Daß der sich vil muß leiden. 21 Str. 8 zeilig. 

Auf Hans van Overdam, gestorben 1550 zu Gent (BT 89). 
O. d. H. 1570 Bl. 43; (vgl. o. S. 65 No. 6): 

Ick weet, die Goedes woort bekent, 

Dat hy ter werelt moet lijden. 15 Str. 9 zeilig. 

6. S. 88: Ein ander Marterlied von einem alten mann von 

87 jaren, vnd einem jungen, welche die warheit 
zu Amsterdam bezeugt. Wirdt gesungen wie man 
vom König Lasca singt, Oder Es giengen zwo 
Gespilen gut, Oder, Es gieng ein Fr&wlein mit 
dem kriig. 
Anfang: Es waren auch zween Brüder gut 

Johan Claß einer hiese. 27 Str. 4 zeilig. 

Auf den Tod des Mennoniten „Jan Claesz en noch een oud 
man, genaemt Lucas Lambertsz van Beveren, anders Bestevaer" 
enthauptet am 19. Jäner 1544 (BT 66ff). 0. d. H. 1570 Bl. 24; 
(vgl. o. S. 65 No. 4): 

Het waren twee gebroeders goet 

Seer lieffelijck van zeden. 20 Str. 4 zeilig. 

7. S. 93: Ein ander schön lied vnd wunderwirdige geschieht 

von zweyen Weibsbildern, bey welchen Gottes liebe 
über alle ding stärcker dan der todt gewesen. Geht 
in der Toi er Melodey, zu Delden im Nider- 
land geschehen. Oder wie man den K6ni^ 
in Vngern singt. 
Anfang: Trawren wil ich stehn lassen 

Vnd singen mit begir. 43 Str. 9 zeili;^. 
Lied auf die Joristinnen Maria von Beckum und Ursula, die 
Frau des Bruders Jan, verbrannt zu Delden, 13. November 1544 
(BT 65). O. d. H. 1563 Bl. 8; (vgl. o. S. 60 No. 3): 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 129 

Droefheyt wil ick nu laten staen 

En singhen met verblyden. 29 Str. 8 zeilig. 

Auf den Tod der beiden Fraaen wurden mehrere Lieder 
gedichtet; ausser dem vorstehenden die niederländischen: Ick heb 
droefheyt vemomen (Veelderhande Liedekens 1582 Bl. 166) und: 
Het licht van d Evangelieleer von B. W. A. F. bon Sloet tot 
Oldhuis (Overysselsche Almanak 1837) und die beiden deutschen: 
^Allhie will ich vbersummen" und „Nun lasst vns frölich heben 
an", beide gedruckt bei Rabe: Historien Der Heyligen Ausser- 
wölten Gottes Zeugen ... 3. Teil 1555, der dazu folgende Be- 
merkung macht: „Von diesen zweyen Gottseeligen Junckfrawen 
vnd lieben Schwestern . . . Seind im vergangnen M. D. vnd XLV. 
Jar ein Spruch vnd Lied auBgangen, welche ich zu trost vnd 
eriunerung dem Junckfreüwlichen stand, hiemach hab setzen 
-wollen, Bitt aber vnnd vermane, wa jemandts in disen oder andern 
Hystorien, weytleüfftigem vnd gewissem vnterricht hat mir den 
«eibigen mit zutheylen, oder selbs durch den Truck lassen auß- 
gehen." Das 2. Lied ist mehrfach in Nürnberg und Zürich ge- 
<lruckt worden (vgl. Maltzahn: Bücherschatz 1, 750 — 2). 

8) S. 108: Ein ander Marterlied von einem weib sampt 

jrem Sohn, welche zu Roterdam jhren Abscheid 
gethan. Geht im Thon, Kompt her zu mir 
spricht Gottes Sohn, etc. 

Anfang: Ein grosse freud ist in gemein. 

Wo man die liebe kinder klein. 22 Str. 6 zeilig. 

Auf die Joristin Anneken von Rotterdam (Anneken Jans). 
O. d. H. 1570, Bl. 16; vgl. o. S. 65 No. 3: 

Een groote vruecht ist int gemeyn 

Dat douders hare kinder cleyn. 14 Str. 6 zeilig. 

9) S. 114: Ein ander Marterlied, von einem genandt Peter, 

zu Gendt verbrandt, Ann. 1552. Geht im 
thon wie der Bentzenhawer. Oder, All die jr 
ietzt leidt Verfolgung vnd etc. Oder, Hinweg ist 
mir genommen etc. 

Anfang: Groß find die werck deß Heeren 

Im Himmel vnd auff erdt. 13 Str. 8 zeilig. 

Auf Peter von Olmen oder von Werwyk. O. d. H. 1570 Bl. 
94; vgl. 0. S. 66 No. 10: 

Wolkan, Lieder der Wiedertäufer. 9 



130 VI« ^i® späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Groot zijti des Heeren erachten 

In Hemel en op Aerde. 9 Str. 8 zeilig. 

10) S. 238: Ein ander Liedt von Adrian vnd Gonielis zu 

Leyden in Niderland gericht, Ann. 1552. Za 
singen im Thon, wie der Ritter auB Steyr- 
marck, etxj. 
Anfang: Danckt Gott in seinem höchsten thron. 

Durch Christum seinen lieben Sohn. 8 Str. 13 seilig. 
Auf den Martertod von Adriaen Cornelisz, Hendrik Dirkss, 
Dirk Jansz, Mariken und Anneken. 0. d. H. 1570 Bl. 109; vgl. 
o. S. 66 No, 11: 

Danct Godt, en wilt zijn lof verbreyden 

Wiens wercken zijn by ons openbaer. 8 Str. 10 zeilig. 

11) S. 241: Ein ander Lied, von Jörg Simons, im Nider- 

landt gericht, Ann. 1557. Im Thon, Von deinet 
wegen bin ich. 
Anfang: Merckt anff, jr Völcker alle, 

Was ich euch sagen wil. 16 Str. 8 zeilig. 
Auf den Tod des Joriaen Simonsz. 0. d. H. 1570, Bl. 141; 
vgl. o. S. 67 No. 14: 

O Vaders wilt ghy eenen schat 
V kinderen nalaten. 17 Str. 4 zeilig. 
Wir haben es in diesen Liedern jedoch nicht so sehr mit 
Übersetzungen als mit freien Übertragungen aus dem Niederlän- 
dischen zu tun, deren Urheber es sich nicht nehmen liess, gelegent- 
lich die Lieder durch eigene Zusätze zu erweitern, so dass viele 
Lieder im Deutschen strophenreicher sind als im Original. Diese 
Zutaten, und das ist charakteristisch, bestehen nicht in der Aus- 
malung einzelner Situationen, sondern gehen gerade auf das 
wesentliche, indem sie die Aussagen der einzelnen Märtyrer schärfer 
fassen und ausführlicher erzählen. Nun läge ja allerdings die 
Möglichkeit vor, dass der Übersetzer neben den Liedern auch die 
Bekenntnisschriften seiner Helden zurate gezogen habe; da aber 
die ausfuhrlichen deutschen Lieder gerade zu diesen gar keine 
Beziehungen haben, so liegt die Vermutung nahe, dass der l'ber- 
setzer mit Absicht diese Lieder, in welchen die Märtyrer fast 
regelmässig ihre Glaubensansichten aussprechen, und die so 
trotz ihres historischen Gewandes zu dogmatischen Liedern ge- 
worden sind, benatzt habe, um seinen eigenen Anschaanngen oder 
denen der von ihm vertretenen Glaubensrichtnng getoatterett Ans- 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 131 

drack zu leihen und ihnen, die aus dem Munde todbereiter Glaubens- 
belden kamen, eine höhere Weihe zu geben. Ist dies der Fall, 
und konnte er das in einem für die Gesamtheit berechneten Ge- 
sangbuche tun, so müssen wir auch annehmen, dass er dazu in 
irgend einer Weise berechtigt worden war und werden den Über- 
setzer in der nächsten Nähe des Heraasgebers zu suchen haben, 
wenn nicht der Übersetzer dieser niederländischen Lieder und 
der Herausgeber des A. dieselbe Person ist. Ein Beispiel vor 
Allem mag uns zeigen, wie frei der Übersetzer mit den Bekennt- 
nissen der Märtyrer verflSLfart. Im 7. liede von den Schwestern 
von Beckum heist es im Originaltexte von ihrem Bekenntnis über 
das Abendmahl^): 

H7 vraechde, oft sy int Sacrament 

Oock eten God geheele. 

Hoe meucht ghy vragen doch so bleut? 

Vant Auontmael houden wy vele. 

God en wil hebben geen gelijck 

Op Aerden noch in hemelrijck. 

Ick beut, ick beut, anders geen meere, 

Spreeckt hy door des Propheten leere. 

Oock vinden wy beschreuen fijn, 

Hoe Christus heeft na gelaten 

Tot gedenck zijns doots broot ende wijn, 

Dat hy gaf zijn Vleesch tot onser baten. 

So vaeck wy willen breken dit broot, 

Süllen wy spreken van zynen doot 

So ons tuycht Paulus leere. 

Tot dat coemt Christus, de heere. 

Wie ganz anders lautet diese kurze Erklärung, die lediglich 
besagt, Brot und Wein habe uns Christus zum Gedächtnis seines 
Todes hinterlassen, gegenüber dem weit ausholenden Bericht 
des A. (S. 99 ff.): 

19. Auch Christum essen gare? 

Ein ander frag auch wäre, Darauff habens faekendt: 

Ob sie im Sacrament Wir können Gott nit essen. 



Ich zitiere hier nach der Ausgabe des 0. d. H. vom Jahre 
1599, die in meinem Besitz ist; da die Lieder nur orthographisch in 
den späteren Ausgaben geändert wurden, durfte auch diese späte Aus- 
gabe ohne weiteres dem Vergleiche zugrunde gelegt werden. 

9* 



132 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 



Er ist ins Himmels thron, 
Wir sind nit so vermessen, 
DaB wir sein göttlich wesen 

Solten vor ein spott hon. 

20. 
Als ob wir Gott selbst haben 

In vnserm eygnen gwalt, 
Bichten nach dem Buchstaben, 

Obs schon Gott nit gefalt 
Vnd wider sein wort fichtet. 

Noch muß es anders sein. 
Vil ding man darzu dichtet, 
Wie vns Christus berichtet, 

So ist is nur ein schein. 

21. 
S. Paulus nennts ein Brote, 

Christus ein Testament, 
Damit deß Herren Todte 

Von vns werde bekendt, 
Durch dise ding eingraben 

In unsers Hertzen grund 
Mit geistlichen Buchstaben, 
DaB wir den leib schon haben 

Durch den glauben all stundt. 

22. 

Es ist ein geistlich speisen 
Vnd ein geistlich geschrifft, 



Die vns thut vnder weisen 
Vnd vnser Hertzen trifft. 

Gleich wie ein testamente 
Allein zeugt von dem gut, 

Das dem Erben emente 

Darzu er dan bekendte 
Vnd jm benügen thut. 

23. 
Ob er schon noch thut warten 

Auff das versprochen gut, 
Thut er nach glaubens arte 

Vnd hat einn guten mnth. 
Als hett ers schon entpfangen. 

So wol freut jn die gab. 
Er wartet mit verlangen, 
BiB die zeit ist vergangen, 

DaB auffhöret der Glaub. 

24. 

Aber die liebe bleibet 

Vnd herschet auch allein. 
Die Hoffnung auch vertreibet. 

So jetzt kompt überein 
Mit den geistlichen kr&fften, 

So stets vns wohnen bey 
Vnd vns zusammen hefften 
In geistlichen geschefften, 

Auff daß es ein leib sey. 



Ich habe dies Beispiel gewählt, weil es bezeichnend ist für 
die Art des Übersetzers, seine eigene Anschauung auf ein fremdes 
Lied zu übertragen. Denn eine Bekenntnisschrift von Marie von 
Beckum, au die der Übersetzer sich hätte anlehnen können, be- 
sitzen wir nicht. Braght, der in seinem Werke alles zusammen- 
trägt, was ihm erreichbar war, schildert uns die Tatsachen, wie 
fast bei allen Märtyrern, von denen wir Lieder besitzen, genau 
im Anschluss an das niedurländische Lied, w^enn er berichtet 
(BT 66): Hy (der „Commissaris uyt het Hof vau Borgongien^) 
vraegde ook of sy geloofden, dat Christus geheel in^t Sacrament 
was? H welck fy voor een blinde vrage van hem hielden, en seyden: 
God wil geen gelijkenis noch afbeelding hebben in Hemel noch 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 133 

op AerdeD, want hy sejt door den Propheet: Ik ben't, ik ben't, 
en niemand anders. Maer van het Avontmael vinden wy dat het 
Christas nagelaten heeft, tot gedachtenis sijns doods, met Brood 
en Wijn; soo dikwils als wj't gebruyken, sollen wy sijn dood 
Terkondigen tot dat hy komt, etc.^ Anch das 2. niederländische 
Lied: „Ick heeb droefheyt vemomen", das uns die Veelderhande 
liedekens 1569 (Bl. 162) überliefern, konnte dem Übersetzer nicht 
Quelle für seine Zutat sein; denn dort heisst es kurz: 
Men vraechde haer sonder cesseren 
Naet Papen Sacrament. 
„Wy houden vant Nachtmael ons Heren, 
Hoe vraecht ghy also bleut.* 
£benso wenig auch die beiden deutschen Gedichte, die 
stellenweise wörtlich übereinstimmen; im Spruche heisst es: 

Wir glauben keiner Menschen lehr, 
Wir glauben Christo vnd seim wort. 
Das ist auch vnser höchster hört, 
Dadurch er eingesetzet hott 

Sein Testament vor seinem todt, 
Sein zarten leyb im brot so klein, 

Seyn Heyliges Blut in klarem wein, 
Für ynser Sund vnd missethat, 
Welches er vns befolhen hat, 
Zu essen vnd zu trincken feyn 

Zu seim ged&chtnuB also reyn, 
Jm rechten glauben alle stund 
Zu Vergebung all vnser sünd, 
Vnnd sollen vns allzeyt üben 

Mit wohlthat auß rechter lieben 
Gegen den nechsten also schon, 
Wie Christus an vns hat gethon. 
Und ebenso im Liede, Strophe 7: 

Wir glauben an Christo vnd seim Wort 

Vnnd seinem Testamente, 

Welche er uns hat gelassen dort 

Vor seinem letzten ende. 

Sein zarten leyb im brot so klein 

Hat er vns da gegeben. 

Sein heyiges Blut im klaren wein 

Für vnser sünd gar eben, 

Wann wir das vest gelauben. 



134 VI- I^iö späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Der Uber&etzer hatte also das, was er Marie von Beckum im 
Liede vom Abendmahl sagen lässt, nicht aus einer Vorlage, 
sondern legte der Märtyrin seine eigenen Anschauungen in den 
Mund; sie stimmen mit denen des Huterers Peter Kiedemann 
überein, dessen ^EechenschafFt vnserer Keligion,^ die 1565 in 2. 
Auflage erschien, in der Abendmahlsfrage den Ansichten der 
Schweizer konform ist und nähern sich den Anschauungen der re- 
formierten Kirche, wie denn auch die Wiedertäufer im Franken- 
thaler Gespräch vom J. 1571 sich in diesem Punkte mit den 
Reformierten einverstanden erklärten^). 

Seine dogmatischen Anschauungen sucht der Übersetzer 
überhaupt gern in die Leidensgeschichten zu verflechten; so spricht 
er in Nr. 2 Str. 7 und 8 ausführlich vom Abendmahl, während 
das Original (Bl. 45) sich ganz kurz hält und auch in Nr. 3 ist 
Str. 11 und 12 (A 72) Zusatz des Uberarbeiters. Ebenso ist im 
selben Liede Str. 5, die vom Schwören handelt, sein Eigentum 
und Str. 19 — 21, worin der Übersetzer seine Ansicht über die 
Vergebung der Sünden klarlegt. Andere Erweiterungen sind von 
geringerer Tragweite, so wenn das Lied Nr. 7 in seiner 2. Strophe 
ein Lob des weiblichen Geschlechtes enthält oder wenn in Nr. 8 
der Ruf der Märtyrer zu Gott „Wanneer wreeckt ghy v dienaers 
bloede (O. d. H. 17) in 3 Strophen breit ausgeführt wird (Bl. 110). 
Selten wird Belangloses weiter ausgeführt wie im Liede Nr. 4, 
dessen erster Satz: „De meeste vruecht coemt door Godts woort** 
zu einer ganzen Strophe zerdehnt wird (Bl. 76*): 

Die beste freud auß Gottes wort 

Herkompt vnd füllet alle ort, 
Hochteutsch vnd Niederlanden: 

Wer sich dem recht ergeben hat, 
Der wird erfrewt in banden. 
Solche Zerdehnung schadet dem Gesamteindrucke; die 
scharfen Umrisse des Originals zerfliessen in der WortftQle der 
Übersetzung. Auch den Schluss der Lieder ändert der Uberarbeiter 
manchmal, aber der Text des Originals ist fast immer poetischer. 
Wie kräftig klingt die letzte Strophe des 6. Liedes (0. d. H. 24): 

Ter doot zijn se beyde gheleyt 

Den Ouden met den jonghen, 

De Waerheyt hebben sy verbreyt. 

Waecht op, looft God met tongen 

») Vgl. Protokoll S. 761 u. ff. 



VI, Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 136 

im Vergleich zu der Übersetzung (Bl. 92): 

Allso erlangten sie die krön, 
Der alte mit dem jungen. 
Gott preisen alle Engel schon, 
Alle geschlecht ynd Zungen. 
Aber im Ganzen hat der Übersetzer seine mitunter schwie- 
rige Aufgabe doch gut zu lösen verstanden und nur einmal wird 
er unverständlich, im 8. Liede, wo in den ersten 4 Strophei) ge- 
sagt wird, wie die Apostel und Märtyrer den Kelch des Leidens 
gleich Christo getrunken hätten und denselben Pfad wie er ge- 
wandelt seien. Die Ö. Strophe setzt dann fort (Bl. 109)-' 

Dieselben vnder dem Altar, 
Welcher auch ist ein gi-osse schar, 

In Apocalypsi geschriben, 
Wie sie ertödet vnd ermört 
V^nd hingerichtet mit dem Sohwei*dt, 
Vorfolget vnd vertriben. 
Erst das Original (Bl. 17) macht die Stelle verständlich: 
Sy ghingen ooek door desen padt 
De dooden, die daer liggen plat 
Onder d'Altaers behoede, 
Die roepeu en seggen: O Heer, 
Du warachdige God, wanneer 
Wreeckt ghy v dienaers bloede? 
Selten greift der Übersetzer zu einer Verkürzung des Ori- 
ginals, die sich aber nie auf Wesentliches erstreckt; sie erscheint 
gern am Anfang oder zum Schlüsse des Liedes, wohl mit der 
Absicht, Nebensächliches zurück zu drängen, um für das dogma- 
tisch bedeutsame freieren Kaum zu behalten; mitunter wirkt er 
dadm'ch hesser als durch wörtliche Übersetzung, so in der Schluss- 
etrophe des 4. Liedes (Bl. 80): 

Alls man zalt fünfftzenhundert jar 
Vnd drey vnd fünfftzig offenbar 

Hat Jost seinn Geist auffgeben, 
An einem Pfal verbrennen ist. 
Gott geb jm ewigs leben, 
in dey das Original viel weitläuftiger berichtet (Bl. 103): 

En als duysent vijfhondei't jaer 
Drienvijftich wert geschreuen, 
Stont Joes aen een staeck openbaer 



136 VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Daer hy geeynt lieeft zijn leuen. 

Hy heeft den strijt vroom wt gevoert 

Als een stout Camper onberoert. 

Broeders, wandelt so met lusten, 

Dat ghy met Gods vrient meucht rüsten. 
Aber auch wörtliche Übersetzung findet sich oft und gut 
durchgeführt, ein Beweis, dass der Übersetzer nicht vielleicht aus 
Reimnot zu Abänderungen griff; dass sie fast nur am Anfang der 
Lieder (so in Nr. 2) oder am Schlüsse (Nr. 3) sich zeigt, also 
dort, wo äusserliche und unwichtige Umstände geschildert werden, 
ist ein Beweis mehr für die Überlegung, mit der der Übersetzer 
diese niederländischen Märtyrerlieder für seine Gemeinde zu- 
richtete. 

Elf weitere Lieder sind dem A. mit der 2. und 3. Auflage des 
mennonitischen „Gesangbüchleins" (vgl. oben S. 90) gemeinsam: 

1) Bl. 27 : So mercket auff ir Christenleut = GB 157. 

2) Bl. 118: Kürtzlich hab ich vorgnommen =MB 166. 

3) Bl. 123: Merckt auff jhi- Völker überall = GB 180. 

4) Bl. 130: Zu singen wil ich heben an = GB 182». 

5) Bl. 138: Wolt jhi- hören was ist geschehen = GB 177. 

6) Bl. 146: Hinweg ist mir genommen = GB 198. 

7) Bl. 154: Ach frölig wü ich singen = GB 139. 

8) Bl. 165: Nun hört jhr Freundt ehrsamen = GB 229. 

9) Bl. 226: Mitt angst vnd not ruff ich dich an = GB 189. 

10) Bl. 301 : O Gott Vater ins Himmels thron = GB 82. 

11) Bl. 357: Das wort der warheit Jesu Christ = GB 96. 
Man könnte meinen, sie seien dem Gesangbtichlein direkt 

entlehnt. Dem ist aber nicht so. Der grössere Teil dieser lieder 
sind Übersetzungen aus dem Niederländischen. Wir haben bereits 
bemerkt, dass die Übersetzungen des GB durch die Beibehaltung^ 
einzelner niederländischer Wörter deutlich das fremde Original 
erkennen lassen und hinzugefügt, dass diese Ausgabe durch eine 
Menge von Druckfehlern von Flüchtigkeit bei der Drucklegung' 
zeuge. Das beweisen auch die übersetzten Lieder, besonders die, 
welche der 2. Auflage neu beigegeben wurden; sie haben zum 
Teil soviel Niederländisches bewahi*t, dass sie kaum mehr als 
Übersetzungen betrachtet werden können. Solche Lieder konnten 
in ein Gesangbuch, das den Schweizer Brüdern dienen sollte, 
nicht aufgenommen werden; es war daher notwendig, dass der 
Herausgeber des A. auf die Originale zurückgri£P und die Lieder 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 137 

neu übersetzte. Ein besonders kennzeichnendes Beispiel bietet 
uns das letzte Lied des GB: Aenhördt frunde Ersame (Bl. 229), 
das den Tod des Ai'ent von Essen betrauert; hier heisst es Str. 5,2: 
Bey malckanderen fro, was A 167 richtig übersetzt: Alle zusammen 
fro, und ähnlich Str. 30,1: üpt schauodt quam er bleyde, wo A 175 
verdeutscht: Auff den plan steig er frölich. Die 7. Strophe lautet 
im GB für hochdeutsche Leser fast unverständlich: 

Rasch sunder lang zu beithen, 

Anmerck jr böse vff satt, 

Gingen sie Vrsel leiden 

Vpt dinckhauB als ergabt, 

Vmb das sie nicht en wolden 

Innen consenteren das qwatt, 

Man sie dar sehr benanden 

Mitt drein opstinaelt. 
Der A. sucht Bl. 167 nach Möglichkeit zu verbessern: 

Schnei ohne langes beyten, 

Anseht jr böß Vorstil, 

Sie theten Vrseln leyten 

Auffs Dinghauß mit vnwil. 

Darumb, daß sie nicht wolte 

Verwilligen das böß 

Drewten sie jhr on schulde 

Der pein vnd marter groß. 
Freilich ganz hat auch die Übersetzung des A. das Original 
nicht zu verwischen vermocht, wie schon aus dieser Strophe her- 
vorgeht; andere Belege sind hierfür der Reim stoltz: Aruolt 
(Str. 3,6/8), der Ausdruck principal (Str. 12,8), speit (Str. 14,4 und 
16,5), genüchte (Str. 17,3), present (Str. 23,6) und verbleyten 
(Str. 34,1). 

Auch andere Lieder zeigen wesentliche Abweichungen des 
Textes im A. von dem des GB. Die 2. Strophe des Liedes auf 
Marie von Monjoie lautet im GB 138*: 

Wie yetzt ist auffenbare, 

Wie vns die schrifft vermeldt. 

Das alle Gerechten müssen liden 

In dieser gantzen Welt. 
Der A. 154 sucht den Reim herzustellen und übersetzt: 

Jetzt thut sich offenbaren 
In aller weite weit. 



198 ^I- ^*6 späteren Lioder der Schweizer Brüder. 

Das gachribQn ward vor jaren, 
Der fromm wirt außgereut. 
Ebenso Strophe 11; GB: 

Sie hat im nicht verwilliget, 

Sie bleib bey Christum allein 

Vmb seins wordts willen zu leiden 

Vnd geben das Leben dahin, 
wofür A. wieder unter Berücksichtigung des Keimes setzt: 

Sie antwort jhm bescheyden, 
Ich bleib bey Christo allein, 

Seins worts wegen zu leiden. 
Wag ich das leben mein. 
Ahnliche Abweichungen zeigt das Lied auf Thomas Drucker 
(S. 138); wie hier der Name des Bürgermeisters Leißkirchen als 
nebensächlich weggefallen ist, so in dem Liede des Mathias 
Cervaes (S. 146) der Name des Thurmes (Beienthurm), in dem 
der Verfasser gefangen gehalten wurde. 

Aber auch dort, wo die Texte nicht so wesentlich von ein- 
ander abweichen, macht sich im A. überall eine bessernde Hand 
bemerkbar. Sie zeigt sich zunächst ganz äusserlich in Verbesseruug 
der ungemein zahlreichen, den Sinn oft stöi*enden Druckfehler 
und Auslassungen des GB, in der konsequenten Durchführung 
von war statt was im Innern der Zeile und in dem Bestreben, 
den Gedanken möglichst klar zum Ausdruck zu bringen. Das 
zeigt sich in Umstellungen wie ^So hat ein end genommen** 
(A 153, Str. 21,1) für „Ein endt hat so genommen« (GB 200»); 
„Gott thet auß gnaden sehen« (A 119, Str. 2,1) für „Thet Gott 
auß gnaden sehen« (GB 166); „Dauon wolt ich nicht weichen*^ 
(A 130, Str. 3,4) für „Daruon ich nicht mocht weichen« (GB 182 •): 
und in Änderungen des Ausdi'ucks, wie: „So mcrcket nun noch 
mehr vorbaß« (A 28, Str. 3,2) für „S. m. mich n. v.« (GB 157*); 
„Gar j&merlich er sie ermort« (A 27, Str. 1,11) für „G. yammer- 
liche sie e.« (GB 157); „am hellen tag« (A 131, Str. 6,1) för 
„bey leichtem t « (GB 183); »Zur ersten straff, so man jn thet, 
Solt man die zung abschneiden« (A 30, Str. 7,2) für „Die erste 
straff, die man in thet. Die zungen solt abschneiden« (GB 158*); 
„Sprach das gottsförchtig weib« (A 33, Str. 12,13) für „Sprach 
sie dasselbig weib« (GB 159»); »Ein schwere straff vud grosse 
pein" (A 33, Str. 14,5) für »Din grosse straff vnd schwäre pein«^ 
(GB 160). 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 139 

Doppelte Negation wird zu vermeiden gesucht: ^Kein boB- 
heit war jm je zu viel" (A 27, Str. 1,12) für ^K. b. was i. nit z. 
V.« (GB 157); „Kein Jüd dasselbig aß« (A 28, Str. 3,13) für ^K. 
J. dasselb nit a.« (GB 157»). 

Für temporales in wird zu bevorzugt: Gleich zu derselben 
stundt (A 29, Str. 3, 13) für G. inn d. s. (GB 158); zu einer 
stundten (A 30, Str. 7, 10) für in e. stunde (GB 158»). Ebenso 
vor statt vmb: Vor Gottes Eer zu sterben, auch vor seine Gebott 
vnd gsatz (A 32, Str. 12,3/4). 

Besonders auffallend ist der Sinn für den Khjthmus, den 
viele Änderungen bezeugen, hel•^'orge rufen aus dem Bestreben, 
den Wortaccent mit dem Versaccent in Übereinstimmung zu 
setzen und betonte Wörter, die im GB in der Senkung standen, 
in die Hebung zu bringen: 

1. GB 157, Str. 2,7: Ein frommer Jud vnter jn was 
A. 27: E. f. J. darunder w. 

2. GB 157», Str. 4,3: Also thet er jn sagen. 
A. 28: Thet ihnen also s. 

3. GB 158, Str. 5,1: Als er redt diese scharpffe wort 
A. 29: A. e. nun r. diß s. w. 

4. GB 166, Str. 1,5: Wie jetzt alle Welt toben thut 
A. 119: W. alle Welt j. t. t. 

Das GB scheut vor überlangen Zeilen nicht zurück; der A 
beobachtet genau die Silbenzahl in 68ilbigen Zeilen: 

GB 166, Str. 2,4: Wir waren alltzusamen blind 
A 119: W. w alle b. 

GB. 166 Str. 3,7: Sie füren einen falschen schein. 

A. 119: S. f. falschen seh. 
in 7 silbigen Zeilen: 

GB. 157 Str. 1,6: Wers kan mache selber nachlesen 

A. 27: Wie ich das hab gelesen. 

GB. 157» Str. 3,3: Wie es wey ter ist ergangen 

A. 28: W. e. ist weiter gangen. 

GB. 158» Str. 8,10: Iren spot mit im zutreiben 

A. 31: Den s. m. i. z, 

GB. 166» Str. 6,1: Die doch von hertzen begeren 

A. 120: D. d, mit ernst b. 

GB. 180» Str. 4,3: Von dem gesatz der warheit ab zu stan 

A. 125: V. seinem wort mit weiten stöhn. 



140 VI. Die spätelren Lieder der Schweizer Brüder. 

in Ssilbigen Zeilen: 

GB. 157» Str. 2,11: Darumb der König erzürnet hardt 

A. 28: D. d. E. zörnet h. 

GB. 166» Str. 5,5: Als weren sie abgefallen gar 

A. 120: A. werens a. all. 

GB. 180 Str. 2,1: Wie es nun ergangen ist 

A. 124: W. e. dann schon e. i. 

GB. 184 Str. 23,3: Ach Herr gib dus jn recht zuuerstan 

A. 134: Herr gib dus jnn r. z. 

Andere Änderungen ergaben sich als notwendig zur Herstellung 
des vom GB. oft vernachlässigten Reims: 

GB. 157 Str. 1,13: Als jr noch hören werdt (rermordt) 

A. 27: A. j. werdt hören fort. 

GB. 157» Str. 3,7: Der König sie bezwingen wolt (: gebott) 

A. 28: D. K. auff sie trang mit not. 

GB. 157» Str. 4,4: Wer schweyne fleisch nit essen wölt (stett) 

A. 28: W. Schweinen f. n. e. thet. 

GB. 166 Str. 1,1: Kurtzlich hab ich mich besunnen (:mimdt) 

A. 118: Kürzlich h. i. vorgenommen (: frommen). 

GB. li66 Str. 4,2: Das es Gott recht daucht sein (: schreibt) 

A. 119: Als e. G. r. d. s. (:fein). 

GB. 184» Str. 3,6: erhalten: volherden. 

A. 136: erhalten: vngespalten. 

Wir wenden uns nun zu den Liedern, für die der A. die 
erste Quelle ist. Es kennzeichnet den A. das Bestreben, mög^ 
liehst viele Lieder aus der ältesten Zeit der Täufer zu sammeln, 
diese gewissermassen auch durch Lieder zu beurkunden. Die 
meisten der hier vorhandenen älteren Dichter lassen sich in den 
Geschichtsbüchern der mährischen Gemeinden nachweisen; finden 
wir dann aber auch Lieder von Verfassern, von denen die Haterer 
schweigen, so liegt die Annahme nahe, dass diese Dichter 
Schweizer Brüder waren und deshalb in Vergessenheit gerieten, 
weil die Schweizer nicht wie die Huterer die Geschichte ihrer 
Gemeinschaft in Chroniken niederlegten. Da wir die in die 
Anfangsjahre der Wiedertäufer fallenden Lieder bereits firiiber 
besprochen haben (S. 8 ff.), genügt hier eine allgemeine chrono- 
logische Übersicht über die in den A. aufgenommenen Lieder: 
1. S. 221: Ach Gott Vatter im höchsten thron 
Schaw ietzund an 

(W£X 3,515) von Haus Koch und Lenhart 
Meister (f 1524). 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 14X 

2. S. 40: Mit Inst so wil ich singen 

Mein hertz frewt sich in Gott 
von Felix Mantz (f 1527). 

3. S. 200: Den Vatter wolln wir loben 

Der vns erlöset hat 
(WKL 3,516 auch i. Cod Budap. Ab 16 Bl. 
295*— 6) von Jörg Wagner (f 1527). 

4. S. 59: Wer Christo jetzt wil folgen nach 

Muß achten nicht der Weite schmach 
(WKL 3,517) von Jörg Wagner. 

5. S. 34: Gott führt ein recht gericht 

Vnd niemand mags jhm brechen 

(WKL 3,512) von Jörg Blaurock (f 1529). 

6. S. 185: Herr Gott dich wil ich loben 

Von jetzt biß an mein end 

(WKL 3,513) Jörg Blaurocks Sterbelied. 

7. S. 189: Wir bitten dich ewiger Gott 

Neig zu vns deine obren 

(WKL 3,523) von Leonhard Schiemer 
(t 1528). 

8. S, 158: Was wolln wir aber singen 

AUhie zu diser frist 

(WKL 3,525) anonymes „Marterlied von zwölff 
personen, auff einen tag zu Brück an der 
Mawren gericht (1528). 

9. S. 48: Almechtiger Herre Gott, 

Wie gar lieblich sind deine Gebott 

(WKL 3,508). Von Hans Hut (f 1529). 

10. S. 163: Ach Gott von Himelreiche 

Nim deiner Schäflein wahr 
(WKL 5,1072). Anonymes „Marterlied von 18 
personen, auff einen tag zu Saltzbur^ verbrendt^ 

11. S. 234: Nun heben wir an in nöten 

Zu schreien zu vnserm Gott 
(WKL 5,1068), von Henslein v. Stotzingen 
(t 1528). 

12. S. 218: Mein Gott dich wil ich loben 

In meiner letzten stund 
(WKL 3,534) von Liepolt Schneider (t 1528). 



142 VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

13. S. 211: Kom Gott Vatter von Himmelen 

Mit der krafft deines Geists 
(WKL 3,518) von Hans Langmantel (f 1529). 
Das Lied wird im Cod. Bud. Ab 16 Bl. 250 
Peter Kiedemann zugeschrieben. 

14. S. 204: Wir dancken Gott von Hertzen 

Der v&tterlichen trew. 

(WKL 3,540), von Jörg Steinmetz (f 1530) 
nach anderen von Eucharius Binder. 

15. S. 327: Aus tieffer not schrey ich zu dir 

Ach Gott erhör mein rüiFen 

(WKL 3,541). Ein Lied, das „Siben Brüder 
im Gefengnuß zu Gmünd gemacht** haben (1531). 

16. S. 198: Merckt auff vnd nempt zu hertzen 

Wie Gott wil suchen heim 

(WKL 5,107) von Bruder Märten aus Vil- 
garden und asper Schuster (f 1538). Auch 
in den Huterischen Gesangbüchern: Budap. 
Ab. 1 Bl. 38; Pressb. 232 Bl. 176; 236 Bl. 18*. 
Fünf Lieder stammen von Hans Büchel: 

1. S. 179: Als man zalt tausent fünfhundert jar 

Siben vnd füntzig eben. 
(WKL 5,1045). 

2. S. 51: Ambrosius klärlich beschrieb 

Ein gschicht von C brist enlicher lieb. 
(WKL 5,1044). 

3. S. 253: Ein gfare zeit vor nie erhört 

Seit Gott erschuff Himmel vnd erd. 
(WKL 5,1046). 

4. S. 246: Es begab sich auff eine zeite 

Als ich vertriben war. 
(WKL 5,1050). 

5. S. 392: Herr starcker Gott ins Himmels thron 

Ich bit dich durch dein lieben Sohn. 
(WKL 5,1047). 
Hans Büchel ist uns bereits bekannt; er war einer der 
Führer der Schweizer Brüder beim Frankenthaler Gespräch und 
nichts läge näher, als in ihm den Herausgeber des A. sn ver- 
muten. Das aber ist nicht der Fall. Dagegen spricht vor allem 
das letzte Gedicht, das ursprünglich seinen Namen im Akrosticboa 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 143 

enthielt. Dieses Akrostichon ist aber hier zum Teil verwischt; 
die Anfangsbuchstaben der Strophen ergehen nur noch: 

HANS BIKNEL SCDDWMACHER. 

Da das Lied durch die Überschrift „Hans Eichel" als sein 
Eigentum bezeugt ist, lautete das Akrostich gewiss „Hans Bichel 
Schuemacher*. Die Störung des Akrostichs zeigt, dass das JJed 
schon längere Zeit im Gemeindegebrauch sich befand und so zer- 
sungen wurde; wäre Büchel der Herausgeber des A. von 1583, 
so hätte er jedenfalls für die Aufnahme der richtigen Fassung 
seines Liedes Sorge getragen. Wir wissen von seinem Leben so 
viel wie nichts; vielleicht war er 1563 schon tot und das Lied 
ist möglicherweise eine Zugabe des A. von 1583, die der ersten 
Auflage noch fremd war. Er konnte also immerhin der ersten 
Ausgabe des A. nahe gestanden haben, was bei seiner hervor- 
ragenden Stellung innerhalb der Brüdergemeinde viel Wahrschein- 
liches für sich hat; Sicherheit liese %ich über diese Frage 
erst erreichen, wenn diese erste Ausgabe des A. wieder ge- 
funden würde. 

Nur dass er der Ausgabe von 1583 fem stand, ist sicher. 
Wir haben schon oben gesehen, welch sorgsame Hand die Lieder 
verbesserte, welche der A. mit dem GB. gemeinsam hat, wie dort 
zb. die doppelte Negation vermieden wird; in Bücheis 5 Liedern 
£ndet sie sich dreimal: 

Hab ich kein mangel nichte S. 181, Str. 7,8. 

Kein mensch nimmermer S. 260, Str. 14,4. 

Kein frieden hett ich nimmermehr S. 394, Str. 7,5. 

Bei der geringen Zahl der unter seinem Namen gehenden 
Lieder ist es schwer, hervorstechende Eigentümlichkeiten seines 
Stiles zu nennen; immerhin findet sich einzelnes. Dazu gehört 
die Vorliebe für die Umschreibung mit thun, die sich in dem 
ersten Liede 14 mal (einmal sogar: thet verbrennen thun S. 180, 
Str. 6,3), 12 mal im 3., 8 mal im 4., 7 mal im 5., aber nur ein- 
mal im 2. Liede findet. Kennzeichnend ist weiter die Häufung 
Tinverbun dener Substanti va : 

Gw^alt, fewr, wasser oder schwert S. 181, Str. 9,3. 

Geist, Engel pur, kein Creatnr S. 181, Str. 9,5. 

Medicin, kunst, meisterschaft S. 183, Str. 13,1- 

Wolff, Lewen, Beren S. 183, Str. 15,2. 

König, PArsten, Herren S. 253, Str. 1,8. 

Bapst, Luther, ander Secten vil S. 254, Str. 3,3. 



144 ^I* ^^6 späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Lewen, Beren, wilde Schwein S. 255, Str. 3,11. 

Geistliche frucht, Keb, sanffien muth S. 258, Str. 11,7, 

pur, lauter, keusch vnd rein S. 259, Str. 12,7. 

geitz, spilen, fressen, sauffen, Hoffart, Ehbruch, Abgötterey, 
Mord, kriegen, liegen, triegen S. 261 Str. 15,113. 
Ziemlich häufig findet sich die Allitteration, ohne doch auf- 
fallend zu werden: 

sünd vnd schand S. 52, Str. 4,2. 

geist vnd gäbe S. 182, Str. 10,8. 

leib oder leben S. 184, Str. 16,8. 

grim vnd gram S. 249, Sti\ 14,2. 

sünd vnd schulte S. 252, Str. 28,3. 

erzittern vnd verzagen S. 261, Str. 16,3. 

gut vnd gelte S. 393, Str. 4,3. 

frid vnd frewd S. 397, Str. 21,5. 

gebraten vnd geschunden S. 181, Str. 6,6. 

gebunden vnd gefangen S. 182, Str. 11,2. 
ebenso die Nebeneinanderstellung von Synonymen: 

spott vnd Schmach S. 52, Str. 3,2. 

kundt vnd offenbar S. 179, Str. 1,3. 

trug vnd listen S. 179, Str. 1,8. 

freud vnd wohn S. 180, Str. 4,7. — S. 181, Str. 7,3. 

verkehrt, blind vnd verhert S. 184, Str. 18,5. 

nacket vnd bloß S. 185, Str. 19,1. — S. 248, Str. 11,5. 

ewiglich vnd jmmer S. 252, Str. 27,3. 

grund vnd fundament S. 260, Str. 14,11. 

jmmer vnd ewiglich S. 262, Str. 18,13. 
Auch die Wiederholung der Praeposition : 

mit listen vnd mit trangen S. 182, Str. 11,4. 

mit spiessen vnd mit Stangen S. 249, Str. 13,3. 

mit hawen vnd mit stechen S. 394, Str. 7,6. 
bietet nichts Auffalliges. 

Zwei seiner Lieder sind Märtyrerlieder, die andern ent- 
halten Klagen über die Zeit und die Verfolgungen, denen die 
Wiedertäufer ausgesetzt sind. Hier wird der Dichter persönlich; 
er wendet sich gegen das Wormser Edikt von 1557, das jeden, 
der gegen die katholische Kirche lehren würde, zum Tode ver- 
dämmt; auch das Schwert verurteilt er und wendet sich gegen den 
Papst, dessen Urteil durch des Teufels Trug und List gefällt werde ; 
er erzählt von den Bemühungen der Kirche, ihn an sich zu fesseln 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Bruder. 145 

und zur Kückkehr in ihre Mitte zu bewegen; er aber will stand- 
haft bleiben und in der Trübsal der Hoffnung auf Christum leben. 

Vier Lieder sind von Christof Baumann, von denen jedoch 
nur eines gleich in der Überschrift seinen Namen trägt: Wo sol 
ich mich hin kehren (S. 412) WKL. 5, 1106. Das 2. Lied: Christe, 
thu dich erbarmen (S. 417) WKL b, 1108 gibt uns akrostichisch 
seinen Namen und den Ort seiner Gefangenschaft: Christ (Str. 1] 
of (2) Bau (3) man (4) gefangen (5) zu (6) Landzhuet (7—16) 
ähnlich das Lied: Christe, freundtlicher Ritter (S. 423) WKL 3, 527 
Christ (1) Pau (2) man (3) gefangen (4) zu (5) Gottes (6) Preiß (7) 
auch das letzte Lied des A: Creutz, Verfolgung vnd trftbsal (S. 429) 
WKL 5, 1107, das, wenn man den Anfang der 2. Strophe: »Wir 
haben hie^ in »Hie haben wir^ umstellt, in den Anfangsbuch- 
staben der Strophen den Namen »Christof** ergibt, dürfen wir 
wohl als sein Eigentum betrachten; und wir könnten aus dem 
Umstände, dass eines seiner Lieder den A. beschliesst, vielleicht 
die Annahme wagen, dass er an der Herausgabe des A. beteiligt 
war, wenn wir irgend etwas Bestimmtes über sein Leben wüssten. 
Das erste seiner Lieder überträgt ein weltliches Volkslied ins 
geistliche, das letzte zeigt deutliche Anlehnung an Luther (Str. 7). Der 
Grundzug seiner Dichtungen ist die Hoffnungsfreudigkeit. Gott 
wird ihm helfen, ihn hat er sich auserkoren; er klagt sich an, 
dass er früher der Sünden Knecht gewesen; jetzt aber, da er sich 
bekehrt, werde er von allen verschmäht; Armut ist sein Keichtum, 
Kreuz und Trübsal seine Freude, Bande und Gefängnis sein Kleid; 
das ist die Hoffarbe des ewigen Gottes. Überall hat er nur Feinde ; 
sie vergönnen ihm nicht die Brosamen vom Tisch, das Wasser 
aus dem Brunnen, nicht einmal den Sonnenschein. Er muss sich 
verkriechen wie ein Mäuslein; wie einem Hirsch stellt man ihm 
Netze. Aber er hofft auf Christus, der ihn von aller Marter und Pein 
erlösen wird; er ist der Hauptmann im Streit, um den sich die 
Gläubigen gewappnet scharen müssen. Am Tage des Gerichts 
aber werden die zu der Hechten Gottes stehn, die hier auf Erden 
von allen verschmäht werden; ihre Gegner aber werden zur 
ewigen Verdammnis eingehen. Doch der Dichter freut sich nicht 
der Rache; er bittet Gott, er möge den Feinden vergeben und 
seine Brüder z\im gelobten Lande führen. 

Baumann muss, trotzdem die Zahl seiner Lieder so gering 
ist, doch zu den trefflichsten Dichtern der Schweizer Brüder ge- 
rechnet werden. Er hältsich von den vielen Gemeinplätzen zahlreicher 

Wölk an, Lieder der Wiedertäufer. 10 



146 ^I« Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

anderer seiner dichtenden Mitbrüder fast vollkommen fern oder 
weiss ihnen durch treffende Wendungen eine ganz persönliche 
Färbung zu verleihen; er handhabt alle Mittel der dichterischen 
Ausdrucksweise ; nicht nur die gewöhnlichen der Häufung von 
Synonymen und des Gebrauchs der Asyndeta, sondern vor allem 
auch die viel seltener verwendeten der Antithese, des Vergleichs 
und der Personifikation. 

Sechs Lieder sind von Verfassern, die uns kaum anders als 
durch ihre Namen bekannt sind: 

1. S. 234: Nun heben wir an in nöten 

Zu schreien, zu vnserm Gott. 

vonHenslein v.Stotzingen(WKLö,1068); er 
wurde 1528 in Elsass Zabern verbrannt (BT 17). 

2. S. 268: Eins mals spaciert ich hin vnd her 

In meinen alten tagen 

von Henßlein von Bilach (WKL 3, 533). 

3. S. 271: Herre Gott in meiner Noth, 

Kläo'lich ich zu dir rüffe 

von Martin Dürr zu Augsburg verfasst 
(WKL 5, 1101). 

4. S. 308: Durch gnad so wil ich singen 

In Gottes forcht heben an 

von Hans Straub, der sich in der vorletzten 
Str. einen alten Mann nennt (WKL 5, 1103). 

5. S. 313: Die lieb ist kalt jetzt in der Welt 

Ihr weder jung noch alt nachstelt 

von Liepolt Schornschlager (WKL3, 519). 

6. S. 318: Herre Gott von Himmelreich, 

Merck auff vnd sich die Worte 

von Hans Schmidt und Jörg von Ingen- 
heim (WKL 5, 1070), gestorben 1558 (BT 208). 
Zehn Lieder sind anonym überliefert (S. 9, 263, 296, 323, 
330, 350, 397, 403 u. 426); sie mögen wohl lange in Übung ge- 
wesen sein, während ihre Verfasser in Vergessenheit gerieten. 
Aus ihrem Inhalte lässt sich nichts erschliessen, was ein Licht aof 
ihre Verfasser werfen könnte; nur das Lied: Der glaub beschützt 
mich gantz vnd gar (S. 323) ist durch A. Blaurers Lied: Der vnfal 
reydt mich gantz vnd gar beeinflusst. 

Die Hauptgedanken, denen wir in den Gesangbüchern der 
Mennoniten begegneten, treffen wir auch in dem Gesangbuche der 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. I47 

Schweizer Brüder. Wie jene entbehrt auch der A. jede syste- 
matische Anordnung. Märtyrerlieder beginnen das Gesangbuch 
ohne streng eingehaltene, wenn auch sichtlich angestrebte Zeit- 
folge, und wechseln ab mit erbaulichen und moralischen Liedern; 
doch ist die Zahl der ausgesprochen dogmatischen. Lieder hier 
grösser als bei den Mennoniten. Die Lehre von der Kinder- 
taufe wird, abgesehen von dem aus dem Gesangbuche der Menno- 
niten uns bereits bekannten Liede auf Thomas Drucker (S. 138) 
in einem eigenen Liede „vom Kindtauff^ (Merck auff ein sach vnd 
die ist war, S. 296) ausführlich behandelt, wobei sich der Ver- 
fasser auf Marc. 16, 16, Matth. 28,19, Act. 2, 38; 8, 12; 10, 13; 
19 bezieht. Es wendet sich gegen die Welt, die alles verkehre 
und den Kindern, die noch nicht in der Lehre unterwiesen sind, 
die Taufe erteile, was Abgötterei sei. Das Hauptgewicht werde 
auf das Wasser gelegt und damit Christi Versöhnung verleugnet, 
die allein die Sünde wegnehme. Busse und Glaube müsse der 
Taufe vorangehen, was ein Kind nicht zu leisten vermöge, da es 
Gottes Lehre und Predigt nicht verstehe. Luther habe im Büchlein 
von der Obrigkeit gesagt, alles was Gott haben wolle, habe er 
auch ausdrücklich geboten; in der Schrift aber sei nirgends die 
Rede von der Taufe der Kinder. Am Schluss wendet sich der 
Verfasser an alle Gelehrten, Christi wahrer Lehre fortan nicht 
widerstehen zu wollen. 

Auch die Abendmahlslehre wird eingehend dargestellt. 
Jörg Wagner bekennt, dass Christi Sakrament ein Zeichen sei für 
seinen für uns hingegebenen Leib (S. 61), Hans Käskäufer wehrt 
die Frage, ob Christas im Sakrament zugegen sei mit der Antwort 
ab, man könne Gott nicht wie Brot und leibhaftig wie eine Speise 
essen (S. 67), Elisabeth von Lewaarden nennt es ein „Zeugnuß 
vnd geschrifft, die das ewige Erb antrifft" (S. 71), die Schwestera 
von Beckum sprechen von einer geistigen Speise und einer geistigen 
Schrift, die uns unterweise wie ein Testament (S. lOOj und Hans 
Schmidt steht in seinem „Lied vom Brotbrechen** (S. 301) gleich- 
falls ganz auf dem Standpunkte einer symbolischen Auslegung des 
Sakramentes. 

Gegen den Eidschwur wendet sich die eben erwähnte 
Clisabeth mit der Bemerkung, sie wolle nur ja oder nein ant- 
worten, aber die Wahrheit damit sagen; wer seinen Nächsten be- 
trügen wolle, dem sei auch ein Meineid nicht zu viel (S. 70). 

Gegen das Schwert derEache, das jetzt die Obrigkeit 

10* 



148 ^^' ^^® späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

überall gebrauche, während sie vom Schwert des Greistes nichts 
wisse, kehrt sich das Lied: Vom Vnterscbejdt der beyden 
Schwerdter (S. 350) in einem Dialog zwischen Gott and einem 
frommen Jüngling. Gott hat das Schwert nur zur Rache gegen 
die gegeben, welche übel leben, nicht aber zum Schutze des 
christlichen Glaubens, da er unwilligen Dienst nicht begehre. 

Die mennonitische Inkamationslehre bekämpft Sigmund yon 
Bosch in dem Liede: „Fr61ich so wil ich singen^, indem er aus- 
drücklich sagt (S. 390): 

Wer Christum nit im fleisch bekendt 
Von Dauids geschlecht vnd arte, 
Der ist furwar verblendt. 
Das Lied ist um so wichtiger, weil es das einzige ist, aus dem 
der Gegensatz gegen die Mennoniten klar hervorgeht. 

Den Gedanken, dass der letzte Tag herannahe, teilen die 
Schweizer Brüder (S. 375, 430) mit allen andern religiösen Parteien. 
Nicht im Abendmahl sei Christus gegenwärtig, meint Jörg Wagner, 
da er sich nicht zwingen lasse auf die Erde zu kommen; erst am 
jüngsten Tage werde er erscheinen, sein Gericht mit Frommen 
und Bösen zu halten (S. 161); von der künftigen Herrlichkeit der 
Gerechten, der einzigen Hoffnung der Täufer in ihren Leiden, 
singt H. Walter ein Lied (S. 339). 

Glaube und Liebe sind auch den Schweizer Brüdern die 
höchsten Tugenden; aber über dem Glauben steht auch ihnen 
die Liebe: 

Gott ist die lieb, die lieb ist Gott, 
Hilfft spat vnd früh auß aller nott. 
Wer mag vns von dir scheyden? 
singt Liepolt Schornschlager (S. 314) und nennt die Liebe des 
Gesetzes Ende. 

Von der Pflicht der Nächten liebe singt Hans Straub in 
seinem Liede von der Bruderschafl^ vnd Ordnung Christi (S, 306). 
Den Nächsten sollen wir lieben wie uns selbst und allzeit ihm 
Gutes beweisen. Sieht man ihn sündigen, dann spreche man 
mit ihm unter vier Augen und sei zufrieden, wenn er daraofliin 
sich bessert ; tut er es nicht, dann teile man die Sache noch einem 
zweiten Bruder mit und verhandle wieder mit ihm und erst, wenn 
er auch dann nicht hört, gehe man an die Gemeinde; höre er 
auch diese nicht, sondre man sich von ihm ab und behandle ihn 
wie einen Heiden. 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 149 

Andere Lieder zeigen, in welch echt christlichem Sinne die 
Brüder die liebe auffassten, und wie sie sie auch dem Feinde gegen- 
über betätigt sehen wollten; solche Lieder widerlegen am besten 
die von den Gegnern der Wiedertäufer so gern wiederholten An- 
schuldigungen, dass die Wiedertäufer sich nur von der schnödesten 
Eigensucht in allen ihren Handlungen treiben li essen. Christoph 
Baumann klagt, wie ihn die Gegner quälten und folterten, damit 
er von seinem Glauben lasse; aber kein Ruf nach Kache, nicht 
einmal ein herbes Wort drängt sich über seine Lippen; im Gegen- 
teil, er bittet Gott, er möge ihnen ihre Sünde verzeihen (S. 417) 
und ähnlich ist die Bitte eines anderen Liedes (S. 335): O Gott, 
rechne es ihnen nicht zum Tode an, was sie an uns tun; denn sie 
sind ganz unwissend nnd verblendet in allen Dingen. Hans Büchel 
nennt die Peindesliebe geradezu den Grund und das Fundament, 
daran ein Freund des Herren erkannt werden könne (S. 260). 

Die Brüder sehen das ungerechte Urteil der Welt, das sie 
zum Tode bringt und warnen daher jeden, ^schnei vnd gech" ein 
Urteil zu ftillen (S. 331) oder einen Menschen ohne Verhör zu 
verurteilen. (S. 259). In Christo müsse man sich erspiegeln, jedes 
Geschöpf auf Erden muss sich Christo ganz ergeben und Leib 
und Leben ihm aufopfern (S. 278). Christus ist der Hauptmann; 
bei dem Fähnlein, das uns verkündet ist, muss man ausharren; 
um Sieg und Triumph zu erringen, muss man auf Erden mit 
ihm sterben, Trübsal und Leid tragen (S. 424). Auf Christum 
vertrauend, schauen die Brüder getrost allem Kommenden entgegen. 
Dass der Christ verfolgt werden müsse, klingt aus zahlreichen 
Liedern der Brüder wieder, die nur im Leiden die wahre Nach- 
folge Christi erkennen^). Wer Gottes Reich und Gaben erben 
will, der muss hier Trübsal und Verfolgung leiden, heisst es in 
einem Liede (S. 348); das aber soll ihn trösten, dass all das nur 
eine kleine Zeit daure. 

Aber der Leiden, denen die kleine Herde Christi ausgesetzt 
ist, sind viel; man wirft sie in den Kerker, man stösst, bindet, 
schlägt und reckt sie (S. 418), die doch mit Ernst begehren, was 
Gott geboten hat. Xicht halsstarrig bestehen sie bei ihrer Lehre; 



*) Die Idee der Nachfolger Christi, die zuerst in dem „Büchlein 

von der Nachfolge Christi" auftritt, wird nach Zwinglis Zeugnis schon 

von den ersten Täufern aufgenommen, von Melchior Hofmann und 
Menno gepredigt. (Rembert, S. 13). 



150 VI« ^^i© späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

käme jemand, der Christum besser kennte, gern möchten sie ihn 
bitten, sie auf Grund der hl. Schrift zu belehren (S. 342). Die 
ganze Menschheit suchen die Brüder aus langem Schlaf zu 
erwecken; denn die Welt kennt Chnstum nicht und steckt in 
Unglauben; die Menschen sehen nur auf das Jrdische mit Wucher, 
Raub und Mord (S. 398). Dazu treten an allen Orten falsche 
Lehrer auf, der Satan herrscht ungeheuer (S. 401), ein Zeichen, 
dass der Tag des Gerichtes nahe. 

Der volkstümliche Zug, der in den Anfangs- und Schluss- 
zeilen der mennonitischen Lieder so häufig zum Ausdruck kommt, 
findet sich bei den Schweizern viel seltener, wenn er auch nicht 
ganz fehlt. Die Anfangszeile wendet sich gern an die Gemeinde 
mit der Bitte um Gehör ^), meldet das Lied an und macht so den 
Gegensatz zwischen Sänger und Zuhörern geltend. Es sind keine 
eigentlichen Gemeindelieder wie die der evangelischen Kirche; 
das Ich des Verfassers tritt in den Vordergrund; seine persön- 
lichen Erlebnisse, seine Kämpfe und Leiden, sein Streben, ein 
christliches Leben zu führen, sprechen sich im Liede aus, das 
häufig erst in der letzten Strophe sich an die Gemeinde wendet, 
und dann einen allgemeinen Ton anschlägt; oder aber, der Ver- 
fasser beginnt mit einer für die Gemeinde berechneten Wendung, 
um gleich darauf vollständig subjektiv zu werden. Aber gerade 
das starke Hervortreten des subjektiven Charakters gibt den Liedern 
der Brüder einen viel intimeren Reiz, der den Liedern der evange- 
lischen Kirche so häufig mangelt und sie trocken und eintönig 
macht. 

Nur die historischen Lieder der Brüder sind zumeist ohne 
dichterischen Gehalt und tragen ein gewisses typisches Gepräge. 
Die Gefangennahme wird erzählt mit genauer Angabe des Jahres 
und der Ortlichkeit, der Verlauf des Verhörs uns berichtet, die 
Todesart geschildert und an all das zum Schlüsse die Mahnung 
geknüpft, Christo und dem Glauben treu bleiben zu wollen. So 
wirken denn diese Lieder meist wie Prosa, wie sie denn auch 



^) Nun hört mir zu in meinem Gedicht (S. 397). 
So mercket auf, ihr Christenleut (S. 27). 
Mit lust so wil ich singen (S. 41, 426). 
Zu siogen wil ich heben an (S. 130). 
Frolig so will ich singen 
Mit lust ein tageweiß (S. 384). 



VI. Die Bpäteren Lieder der Schweizer Brüder. 151 

wirklich in niederländische Prosa übertragen, eine wichtige Quelle 
für Braghts Bloedig Toonel wurden. 

Oft beginnt der Sänger mit dem eigentlichen Inhalt seines 
Liedes gleich in der ersten Strophe (S. 51, 69, 138, 179) oder nach 
einer Einleitung von zwei Zeilen (S. 81, 152, 158); mitunter 
erweitert sich diese zu einer Strophe (S. 59, 65, 76), zu zwei 
Strophen (S. 114, 124, 130, 154, 166), ja dehnt sich selbst zu 5 
(S. 164), 7 (S. 120) und 8 (S. 149) Strophen aus. So lang aber 
ist die Einleitung nur in den historischen Liedern; in Dank-, Bitt-, 
Lob- und Klageliedern wird der kommende Inhalt gewöhnlich 
gleich in den ersten zwei Zeilen angekündigt. 

Selten ragt der eigentliche Inhalt des Liedes bis in die 
Schlussstrophe (S. 114, 123, 146). Diese fasst entweder den Inhalt 
des Liedes zusammen, um mit einem kurzen Hinweis auf Gott oder 
Christus zu schliessen (S. 76, 81, 92, 108, 162) oder ist doxologisch 
(S. 11, 48, 51, 157) oder enthält Andeutungen über den Verfasser 
(S. 318, 357), der sich aber nur selten hier nennt. 

Die Melodien sind fast zur Hälfte geistlichen Liedern 
entnommen; 26 geistlichen Melodien*) stehen 30 welt- 



») All die jr jetzundt leidet (S. 65, 114, 146, 163, 165, 200, 204, 
339), der beliebteste Ton. 
An Wasserflüssen Babylon rS. 123, 268, 357, 429). 
Aus tiefer not (S. 327, 409). 
Christe der du bist tag vnd licht (S. 46). 
Christus der du bist der helle tag (S. 69, 216). 
Der thorecht spricht (S. 123). 
Durch Adams Fall (S. 138). 
Ein feste Burg (S. 226, 312). 
Erhalt vns herr (S. 296). 

Erzßm dich nicht, o frommer Christ (S. 271). 
Es ist das Heyl vns kommen her <S. 1). 
Ewiger Vatter im flimelreich (S. 258, 290, 397). 
Herr Christ, der einig Gottes Sohn (S. 234). 
Jacobs Ton (S. 48). 

In dich hab ich gehoffet Herr (S. 208, 401). 
Jörg Wagners Melodey (S. 51, 76, 333). 
Kompt her zu mir (S. 108, 392). 
Lieber vatter wie bist (S. 48). 
Lobet Gott jhr fromme Christen (S. 283). 
Mag ich vnglÄck nit widerstan (S. 221). 
Maria zart (S. 407). 



152 VI- ^Äö späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

liehe ^) gegenüber. Die geistlichen Melodien sind fast ausschliesslicb 
Liedern der protestantischen Kirche entlehnt; auffallend ist der 
Gebranch der Melodie des Fange liugua. Drei Töne scheinen 
Eigentum der Wiedertäufer zu sein» Jörg Wagners Melodej, und 
die Töne zum Liede Wolf Gernolds: All, die jr jetzundt leidet 
undHätzers: Erzörn dich nicht. Dass die Töne mit den Jahren 
wechselten, sehen wir aus der Angabe des Tones : Wilhelmus von 
Nassawen, das in der 1. Auflage des A. noch nicht stehen konnte. 



Nun welche hie jr hoffnung gar (S. 189). 

Fange lingua (S 301). 

Wie man die 7 wort singb [Da Jesus an dem Kreuze stund] 

(S. 48, 333). 
Wol dem der in Gottes forchten steht (S. 69, 216, 274, 296). 
*) Acb Gott ich mag wol trawren (S. 154). 
Bentzenbawers Ton ^S. 65, 114, 200). 
Danühausers Ton (S. 34). 

Der vnfall reit mich gantz vnd gar (S. 81, 179, 316, 323). 
Eins morgens fr&h vor tage (S. 246, 350). 
Entlaubet ist der walde (S. 163, 165, 204). 
Es gieng ein frawlein mit dem Krug (S. 88, 130). 
Es glengen zwo gespielen gut (S. 88). 
Es wohnet lieb bei liebe (S. 218). 
Es wolt gut Jäger jagen (S. 154). 
Fräulein von Brittania (S. 376). 
Hertzlich thut mich erfrewen (S. 339). 
Hertzog Ernst Ton (S. 27, 277). 
Hinweg ist mir genommen (S. 114, 339). 
Hört zu, so wil ich heben an (S. 363). 
Jahr weiß (S. 363). 

Ich sach den Herrn von Falckenstein (S. 130). 
Ich stund an einem morgen (S. 40, 118, 163, 308). 
König Lasca (S. 88, 93). 
Ritter auß Steyermark (S. 238). 
Rosinfarb war dein gestait (S. 81). 
Tagweiß (S. 158, 185, 211, 218, 384, 426). 
Toler Melodey (S. 93, 193, 423). 
Vngnad beger ich nit von dir (S. 193). 
Von deinetwegen bin ich hier (S. 241). 
Was wird es doch des wunders noch (S. 330). 
Wilhelmus von Nassawen (S. 165). 
Wie wol ich jetzt gantz eilend bin (S. 69, 333). 
Wo sol ich mich hinkehren (S. 55, 412). 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 153 

da es zuerst im Geuseliedtboeck von 1581 erscheint; aber es 
zeigt, wie rasch das Lied auch in Deutschland bekannt geworden 
sein rouss. 

Noch ein Wort über die Vorrede. Sie spricht davon, das» 
die Lieder, ^auß bitt guthertziger Icut^ zusammengetragen wurden 
und setzt fort: ^Vnd wiewol sie nit einerley Religion, ist doch 
hierin einem jeden, nach seiner Eeligion sein gedieht vngeschmecht 
gelassen, der ho£Pnung, es werde die SchMein Christi niemand 
durch Lieder oder anders auß seines Vatters hand reissen." Der 
Satz kann verschieden gedeutet werden, dass die Leute, auf deren 
Bitte die Lieder zusammengetragen wurden, „nit einerley Religion* 
waren (also vielleicht Mennoniten und Schweizer) oder dass die 
Lieder selbst „nit einerley Religion*' zugehören. Das Endergebnis 
bleibt wohl das gleiche, dass nämlich in dem Buche sich Lieder 
finden, die spezifisch mennonitisch sind, während die Hauptmasse 
der Lieder den Schweizer Brüdern angehört. Vielleicht fällt die 
erste Ausgabe des A. in die Zeit, wo ein engerer Anschluss von 
Mennoniten und Schweizer Brüdern angestrebt wurde, ein Bestreben, 
das am klarsten in Köln zu erkennen ist, wo lange Zeit beide 
Sekten friedlich, ja geradezu freundschaftlich mit einander ver- 
kehrten. So könnte also recht gut Köln der Entstehungs- und 
Druckort unseres Gesangbuches sein. Jedenfalls aber lag er in 
einer Gegend, wo Mennoniten und Schweizer Brüder sich berührten 
und beeinflussten, in der Xähe zugleich der Grenze zwischen 
Ober- und Niederdeutschland. 

Da der A. das offizielie Gesangbuch der Schweizer Brüder 
blieb, so erklärt es sich, dass er von den Gegnern auf das heftigste 
angefeindet wurde und heute zu den seltensten Büchern unserer 
Litteratur gehört; noch am Ende des 17. Jhs. stossen wir auf 
Verfügungen der Schweizerischen Behörden, die sich gegen den A. 
richten'). 



') Müller, E. Geschichte d. Bernischen Taufgesinnten S. 104: 
Verfügung der protestantisch. Obrigkeit in Bern, 30. Sept. 1692: In 
unseren Landen werden Widertäufferische Bücher ausgestreuet, Peines 
genannt der außbund, ein anderes confessio Thomas von Imbroich und 
ein drittes der Täufferen in Holland Glaubensbekanntnuß, wodurch der 
gemeine Maun beschwärt und verführt werden kann. So werden auch 
von hin- und herstreichenden Bücher- und Liederträgern Lieder auf den 
Märkten gesungen und verkauft, die zum Nachteil und Verringerung der 
Ständengereicfaen, welchem allem aus guter Vorsorg vordieUnsern, damit sie 



154 VI- I^iö späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Neben dem A. gab es zweifellos noch eine Menge von 
Liedern der Brüder, die in Einzeldrucken weite Verbreitung 
fanden. Dieser Art ist das „schön geistlich Lied von Hans 
Haslibacher aus der Herrschaft Sumiswald in der Schweiz, zu 
Haslibach, welcher den 20. Tag Weinmonat im J. 1571 von dem 
Leben zum Tod ist hingerichtet worden"*); auch die Märtyrer- 
lieder, die Müller'*) mitteilt, wie die Märtyrergeschichten, die 
Braght von Schweizer Brüdern des 17. Jhs. erzählt, weisen auf 
die Fortdauer solcher Dichtungen hin. Eine scheinbar uns ver- 
lorene Sammlung von Liedern der Schweizer Brüder lag auch 
dem Herausgeber der „Mtinsterischen Geschichten, Sagen und 
Legenden'', Münster 1825 vor, der hier S. 279 ein elfstrophiges 
Lied: 

O lieber Vater und Herzog mild 
Sei uns ein Hülf und starker Schild 
abdruckt, das uns sonst nirgends begegnet®). 

Die Güte des Pfarrers in Langnau, E. Müller, dem wir die 
treffliche „Geschichte der Bernischen Täufer" verdanken, und 

nicht mit irriger Lehr angesteckt werden, und zu Abstellung des 
unanstendigen Liedersingens, wir nicht länger zusehen können und 
derowegen verordnet, daß wo dergleichen widertäufferiache Bücher und 
Lieder angetroffen würden, dieselben denen trägem und händlern ab- 
genommen und abgeschaffet, auch das Liedersingen auf den 
Märkten hinderhalten werden solle." — Noch 1711 wird A. in der 
Schweiz benutzt. A. a. 0. 327. 

*) Abgedruckt: Feuilleton des Berner „Bund", Dec. 1882; 
vgl. Odinga: D. deutsche Kirchenlied d. Schweiz, S. 96. Es ist jeden- 
falls in zahlreichen Einzeldrucken vorhanden gewesen; aus einem solchen 
fand es auch Aufnahme in das später zu erwähnende Handbuchlein 1867, 
S. 65—70. Über Haslibacher vgl. Müller: Gesch. d. Bemischen 
Täufer, S. 77. 

2) Müller, a. a. 0. S. 123: Das Dürsrüttilied von 1659 oder 1699 
(Anfang: Herr umb dein Gnad ruff ich dich an). — S. 305: Herr, 
wir thun dich bitten. — S. 305: Ein Hertzens-Weh mir überkam. — 
S. 347: Die Oberkeit thut schicken (aus dem J. 1691). 

"j Ausserdem werden a. a. 0. noch folgende Lieder abgedruckt: 
S. 281 Wolauf du Gottes Gemein (nur Str. 1, 4, 6, 10, 11 des Abdrucks 
bei WKL 5, 1058); Ach Gott ich mag wol trauern (WKL 5, 1074, doch 
fehlt die 20. Str.); Ich sag Ade, wir zwei (nur Str. 1, 3, 6, 7, des 
Abdrucks bei WKL 5, 1011); Ach Gott, ich muss dir klagen. Es ist 
schwer zu sagen, ob die Auslassungen einer Wilikuhr des Herausgebers 
'/nziischroiben sind oder bereits in seiner Vorlage vorhanden waren. 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 155 

des Vorstandes der dortigen Gemeinde, Herrn Kipfer, gibt mir 
die Möglichkeit, wenigstens einzelnes aus dem Liederschatze der 
Schweizer Brüder aus späterer Zeit mitzuteilen. Da diese 
Lieder ursprünglich nur in Einzeldrucken verbreitet wurden, so ist 
uns zweifellos der grössere Teil verloren gegangen. 

Die uns erhaltenen Lieder bestätigen vor allem die That- 
sache, dass die Gegensätze,, die noch auf dem Frankenthaler 
Gespräch Mennoniten und Schweizer Brüder getrennt hatten, 
geschwunden waren und dass die Schweizer allmählich und fast 
unbewusst zu den mennonitischen Anschauungen sich bekannten, 
wie sie das von uns besprochene Glaubensbekenntnis der waffen- 
losen Christen (vgl. S. 115) enthält. Schon zu Anfang des 
17. Jhs. finden wir einen erweiterten Neudruck dieses Bekennt- 
nisses im Gebrauche der Schweizer Brüder im Emmentale; damit 
halten die Lieder Leönh. Klocks ihren Einzug auch in die Schweiz. 
Beigebunden ist unserem Exemplar eine titellose Schrift, worin 
„aus Gottes Wort" gelehrt wird, „wie man das weltliche und 
geistliche Eegiment, ein jedes mit seiner Ordnung unterscheiden 
soll,** mit einem Li«de als. Anhang „von den gläubigen Christen, 
und ihrem Zustand und Marter, die sie haben gelitten,^ das wohl 
noch aus dem > 16. Jh. stammt und in 16 Strophen eine Übersicht 
über die Verfolgungen der Täufer in Deutschland, namentlich in 
Württemberg und Holland gibt. ^) 

Eine andere mennonitische Schrift aus der Schweiz führt 
den Titel: 

„(Sin I ®cnb*95rieff, | famt einem fd^önen Oebätt unb geiftlid^en 
Sieb, I SBorbek) nod^ etlid^e anbete | ß^riftlid^e ®cbätt, in öielcn | Stn* 
ligen unb 9?öt^en ju | gcbraud^en. | 3Bie aud) etliche geiftlid^e Sieber. | 
Oebrucft im 3^^^, S)a maJirc 93u6 | öonnöt^en mar. | 

Der Sendbrief stammt ,,von einem Liebhaber Gottes Worts 
geschrieben an seine Haußgenossen und Mit-Glieder, welcher den 
8ten Tag Weinmonat im 1715 ten Jahr ist um seines Glaubens 
willen gefangen und hernach gen Bern in die Gefangenschaft 
geführt worden." Das beigegebene Lied des unbekannten Verfassers : 

Ein geistlich Lied. In der Weis: schöner May, was 
machst so lang. 

Anfang: Ein Liedlein will ich fahen an 
Wohl hier an diesem Ort 



^) Anfang: Als man zehlt fünfzehen 

Hundert und siebenzehen Jahr. 



156 ^^' ^^^ späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

sagt in 27 Strophen und in der herkömmlichen durch Bibelzitate 
am Kande bekräftigten Weise, dass der Verfasser seinem Glauben 
getreu bleiben wolle und seine Hoffnung auf den Herren setze. 
Interessant sind die im Anhange mitgeteilten 5 Lieder, weil sie 
in ihrer Zusammenstellung deutlich die Verschmelzung der 
Schweizer mit den Mennoniten zeigen. Zwei dieser Lieder sind 
von Klock und uns bereits bekannt: 

1. Lebt fridsam, sprach Christus der Herr. 

2. Weil nun die Zeit vorhanden ist. 
Ein drittes: Muss es nun sein gescheiden 

stammt aus dem Ausbund (vgl. oben S. 120); alle drei Lieder 
sind unverändert aud ihren Vorlagen herübergenommen. 

Die restlichen zwei Lieder sind neu; das erste hat den 
Titel: 

Ein new geistlich Lied, Im Thon, Wann ich thät sinnen und 
trachten, Oder Kurtzlich vor wenig Tagen. 
Anfang: Ein Liedlein möcht ich singen 

Wann ichs könt fahen an. 31 Str. 
Es ist ein Preislied auf die Wiederkunft des Herren mit der 
Mahnung, sich würdig auf ihn vorzubereiten. Das 2. Lied: Ein 
Christliches Vermahnungs-Lied zur Nachfolgung JESU Christi^ 
als dem Innhalt aller Gottseligen Übungen, 

Anfang: Mir nach, spricht Christus unser Herr^ 
Mir nach, ihr Christen alle 
führt in 7 Strophen weiter aus, was der Titel kurz besagt. 

In das Ende des 17. und den Anfang des 18. Jhs. fallen 
Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Schweiz erTäufergemeinden 
über die Art und Weise, wie der Bann zu handhaben sei, die eine 
Spaltung der Gemeinden in die Anhänger des strengeren Jakob 
Ammann und des milderen Hans Keist zur Folge hatten, die auch 
noch heute nicht überwunden ist. Hans Reist versuchte sich anch 
als Dichter in dem 46 strophigen Liede: 

Es ist ein Wunder schöne Gaab 
und auch ein grüne Saate, 
das trotz grosser Mängel an Form und Inhalt noch heute im 
Gebrauche der Brüder im Emmentale ist. Viel wertvoller ist ein 
anderes, durch seine 100 Strophen allerdings stark überladenes 
Lied unter dem Titel: 

ein fdjön ncuc§ | ©ciftlic^cö Sieb, | ba« | $crlc.»&umti gc- 
nanbt: | ®erid;tet nad) bem £ite( bed ^o^en | Siebd Sotomond/ unb 



VI. Die Bpäteren Lieder der Schweizer Brüder. 157 

gegrAnbct | auf öen %d\tn, bcr ©öangclifd^en | 933a^r[)cit unb magren 
d^riftlic^en | ßonfcfrion. | buxdS) A. S | 3u fingen rt)ie bofe gülbene 
21, 35, S. I 3!)a§ ^immclrcid^ ift glcid^ einem ffauffmann, ber gule 
$erle fud^tc | fo er bann ein föftlid^eö ^crlc gefun* | btn bat, ge^t 
er l)in mit greuben, öerfaufft atleö maS er ^at, unb fauft baffelbig, 
Tlatüj. I am 13 ßa^j. I (Sebructt im ^a^r 1767. | 

Anfang: Was wollen wir singen und heben an 
Zu Ehren dem himmlischen Bräutigam. 

Aus dem 18. Jh. kann Ich eine Sammlung von Liedern der 
Schweizer Brüder anführen, die in meinem Besitz sich befindet. 
Die darin befindlichen Lieder gehen in das 17., zum Teil noch in 
das 16. Jh, zurück. Sie führt den Titel: 

3tt)anjig neue | geifttic^e | Sieber, | 35aS @r[te: | Son einem 
!DrudEer (äefettcn | Xf)oma& öon ^[mbroid; genant; | welcher ju Söttn 
am 9?et)n um ber ffla^r^eit | mitten entftaupt morben %l^ man 
je^lt I 1558. ber jünfften Sag im | 5I»er^. | 3m S^on als man fingt: 
35urd6 abamS gatt, ic. \ Cucä 21. | ßö mcrben gefd^e^en groffe (Srb* 
bibcm ^in uiib | mieber ^eftilen^, tfieure 3ßit unb ©d^recfen, | aud^ 
merben groffe Qzxd^tn t)om ^immel ge* | fd)eöen. 3l6er öor biefem 
atten merben fie bie | ^&nb an eud^ legen, unb verfolgen, unb mer* | bm 
eud^ überantmorten in i^re ©deuten unb | ©efängniffen, unb für 
Sönige unb gtirften | gießen, um meines 9?amenS mitten. | ^ebr, 
12. I aWein ®o^n, ad)t niiftt gering, bie B^^^iflung | beS ^ßrren unb 
lafe nid^t ab, menn bu öon | i^m geflrafft mirft, bann meldten ber 
^@rr lieb ^at, ben ftrafft er. || SlufS neue ©ebrudft Anno 1758. II 

Der Titel ist insofeme nicht ganz richtig, als die Sammlung 
thatsächlich nur folgende 19 Lieder enthält: 

1. Wolt ihr hören was ist geschehen 
Im 57 sieben und fünfzigsten Jahre. 

25 Str. Das bekannte Lied auf Thomas (WKL 5, 1086). 

2. So merckend auf und sind unverdrossen 
der Feigenbaum thut fürher sprossen. 

39 Str. 

Diese beiden Lieder waren gewiss als Einzeldruck er- 
schienen; am Schlüsse des 2. steht: Ende. Gott allein die Ehr. 
Die nächste Seite ist leer. Auf der folgenden der Untertitel: 
„Etliche schöne geistliche Lieder'': 

3. Hinweg ist mir genommen 
mein Freud in dieser Zeit. 



158 VI- ^16 späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

64 Str. 

4. Ein Liedlein wil ich heben an, 
O Herr, zu seinen Ehren. 

39 Str. 

5. Ein Liedlein will ich singen, 
Herr, zu deinem Preiß. 

37 Str. 

6. Ein Liedlein wil ich heben an, 
wils neulich bringen auf die Bahn. 

22 Str. 

7. Frölich so will ich singen 
aus Christlicher Pflicht. 

41 Str. 

8. Gott Vatter Himmels und der Erden, 
du wohnest im höchsten Thron. 

17 Str. 

9. Wach auf, wach auf, Mensche, 
stand auf vom Schlaf der Sund. 

38 Str. 

10. Ich ruff'e dich, Herr, jetzt an, 
ohn dein HAlff* ich nichts vermag. 

44 Str. 

11. Herr, wir thun dich preisen 
mit Hertz, Sinn und Mund. 

91 Str. 

12. Mein Hertz möcht mir zerspalten, 
wann ich gedenk daran. 

40 Str. 

13. Gott, ob allen dingen 
von deinem Wort zu singen. 

26 Str. 

14. Nun will bringen auf die Bahn, 
was ich mir fürgenommen han. 

31 Str. 

15. Frölich So wil ich singen 
dem höchsten Schöpfer mein. 

23 Str. 

16. Nun mercket auf zu dieser Frist, 
wie Christus in Gleichnuß spricht. 

50 Str. 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 159 

17. Welcher das Elend bauen wil, 
sein Seel bewahren vor der H611. 

19 Str. (WKL 3, 587 nach einem Augsbiirger Druck von 
ca. 1539). 

18. Welcher das Elend bauen wil, 

der mach sich auf und ziehe dahin. 
19 Str. (WKL 3, 582 nach einem Nürnberger Druck von 
ca. 1525). 

19. Welcher das Elend bauen wil, 

der mach sich auf und rüst sich bald. 
6 St. (WKL 3, 585 nach einem Züricher Druck von 1541). 
Verfasser: Job. Zimmermann. 
Auf diese Lieder folgt noch ein 

Anfang. | !Crek) | {cf;öne neue | ®ciftl. öieber, | !Ca3 Srftc. | Die 
©ciftltd^e S)am, ober | ^oc^jeit^Öicb. | @ln fc^öne 35am tno^nt t)ic | auf 
(ärb, 2C. I ©a^ Slnber. | öicbfter ©manuci ©erjog bcr | grommcn, 
20. I 2)aö 2)rittc. | S)q§ 8e6en mir ericibet i[t, jc. II ©cbructt im ^aljr 
e^rifti 1699. || 

Von diesen Liedern gehören ausser dem Liede auf Thoma» 
v. Imbroich die drei Bearbeitungen des alten Jacobsliedes noch 
dem 16. Jh. an; das 2. Lied findet sich in mehreren Lieder« 
büchem der Huterer aus dem 17. Jhe. (Cod. Vind. 14554 Bl. 363; 
Brunn 512 Bl. 136; meine Handschrift Bl. 339; üngers Hand- 
schrift i. Jahrb. 13, 43); das 11. Lied nennt in der Schlussstrophe 
das Jahr 1670, das 9. trägt am Ende die Jahreszahl 1673; im 
10. Liede singt der Verfasser: 

Mein Lehr und Glouben den ich han 
hat Christus bracht vom Himmel herab 
vor sechzehen hundert Jahre. 
Die meisten Lieder stammen, wie die Sprachforraen deutlich 
erkennen lassen, aus der Schweiz ; in die Gegend von SchafFhausen 
weist uns das 15. Lied, dessen 23. Strophe lautet: 
Der uns diß Lied hat dichtet 
deß foll sich niemand irren lahn, 
er wolt wol es war vermitten, 
was er hat wider GOtt gethan, 
zu Stein am Rhein ist er bekannt, 
sein Hertz in Freuden springet 
nach dem ewigen Vatterland. 
Das 11. Lied bespricht in 91 Strophen die Verfolgungen,^ 



160 VI. Die spateren Lieder der Schweizer Brüder. 

denen die Brüder im J. 1670 ausgesetzt waren; obzwar ein Ort 
nicht genannt wird, scheint diese Verfolgung doch in der Schweiz 
stattgefunden zu haben: 4 Brüder wurden mit Ruten geschlagen, 
etliche gefangen gehalten, 6 Brüder auf Galeeren geschmiedet; 
besonders „Finzäntz thät Abel husen". Im 8. Liede bezeichnet 
sich Str. 16 der Verfasser als ein Mitglied der Gemeinde in 
Langnau: 

Ein Langnower thäts zerst sprächen 
diß Lied durch Gottes Gnad. 

Inhaltlich schliessen sich diese Lieder ganz denen des 16. 
Jhs. an, ohne etwas Neues zu bieten. Dieselben Klagen und 
Bitten, dieselben Moralansichten, dieselben Vergleiche mit Christo 
als Bräutigam und der Gemeinde als Braut und Redensarten wie 
die vom schmalen Steg und der engen Pforte, denen vdr dort 
begegneten. Stärker zum Ausdruck gebracht erscheint nur die 
Schilderung der Qualen, welche diejenigen am Tage des Gerichts 
zu gewärtigen haben, welche hier die Brüder verfolgen; fast 
möchte man sagen, es klinge eine gewisse Schadenfreude hin- 
durch, die dadurch nur verschärft wird, dass auch die Fi'euden, 
welche die Brüder dereinst erwarten, wohlgefällig und mit sicht- 
licher Vorliebe ausgemalt werden. 

Neue Gedanken finden wir keine, wie ja überhaupt die 
Geschichte der täuferischen Dogmen keine Entwicklung aufweist; 
aber auf Schritt und Tritt finden sich auch, ein Zeichen des Still- 
standes und damit des Rückschrittes, Anlehnungen an die Lieder 
des 16. Jhs. und manches Lied macht in der Art, wie es aus 
Erinnerungen an alte Lieder zusammengesetzt ist, fast einen 
mosaikartigen Eindi-uck; namentlich die Lieder von Siegmund v. 
Bosch und Hans Büchel sind reichlich benutzt '). Auch Anlehnun- 
gen an das Volkslied fehlen nicht*). So machen die Lieder einen 



\) So hat das 10. Lied in den ersten 5 Strophen Hans Bflchels 
Lied: Herr starcker Gott im Himmelsthron teilweise wörtlich benützt. 

') Die 35. Strophe des 12. Liedes: 

In meines geliebten Garten 
ist Freud und Kurtzweil viel, 
die Engel thun sein warten; 
der Theil darinnen haben wil, 
mnss sich hier lassen zieren 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. Jßl 

stark epigonenhaften Eindruck, der durch ihre Redseligkeit, die 
sich in ungezählten Strophen ausspricht, nur verstärkt wird. 

Auch foröiell unterscheiden sich diese Lieder nicht von 
denen des 16. Jhs.; der Anfang hat noch die stereotype Ein- 
leitung und kündigt in der ersten Strophe gleich den ganzen 
Inhalt an*) und ebenso wendet die Schlussstrophe gern die Auf- 
merksamkeit vom Liede auf seinen Verfasser*). Die Töne gehören 
gleichfalls zumeist dem 16. Jh. an und sind teils geistlich, teils 
weltlich. Einige Lieder bleiben ohne Angabe des Tons, bei 
anderen sind mehi*ere Töne, zumeist ein geistlicher und ein welt- 
licher angegeben. Unter den wenigen neuen Tönen weist der 
zum 9. Liede angegebene Ton des Wilhalm Thel im Zusammen- 
hange mit dem früher Gesagten auf die Schweiz als Heimat 
der Lieder. 

Das 2. Lied des Anhangs ist kein Täuferlied, sondern Eigen- 
tum des AhasverusF ritsch, in dessen ^Himmels-Lust und Welt- 
Unlust" es 1670 zum erstenmal erschien; es fällt durch seine 
überschwänglich süsse Sprache auch ganz aus der einfachen, 
kernigen Ausdrucksweise der Brüderlieder heraus. 

Aus dem 19. Jahrhundert besitzen wir, abgesehen von den 
erneuten Auflagen des A., als letzten Sprossen der Reihe von 
Dichtungen der Schweizer Brüder ein Büchlein mit dem Titel: 

Rleincö | ^anb^^Süd^Icin, | barinnen | SWorgcn* unb Slbenb» 
flcbctc, I tüic and) | jur Sauf unb Sommunion unb öcrfd^icbenc ©c*» 
bete enthalten fmb. | 'äU Sln^ang mehrere | 9Bärtt)rer* unb anbere 
eieber. i 9?eue «uflage. | Siel, | 35ru(f bon 2. ^eer-Setrij:. | 1867. | 

Es enthält 19 Lieder nebst einigen „Verschen und Reimen.'' 

und ablegen sein tödtliches Kleid, 
denn wird der König mit ihm führen 
in diese grosse Freud, die also ist bereit, 
benutzt offenbar das bekannte Volkslied „Von deinetwegen bin ich hier" 
(Goedeke-Tittmann Liederbuch S. 67). 

^) Vgl. die Anfänge des 4., 6 , 6., 7. und 14. Liedes. 
*) Der uns die Schul hat neu gesungen (2. Lied, Str. 37). 
Ich hab auch dieses Lied gemacht (4. Lied, Str. 39). 
Hiemit will ichs beschliesseu, was ich gedichtet han (7. Lied, 

Schlussstr.) 
Der das Lied hat gemacht (12. Lied, 39.. Str.) 
Der dieses Liedlein zusammen stellt (4. Lied, Schlussstr.) 
Hiemit hat dieses Lied ein End (16. Lied, 49. Str.) 

Wölk an, Lieder der Wiedertäufer. ^^ 



y 



162 ^ ^^^ späteren Lieder der Schweizer Brüder. 

Die Auswahl ist nicht glücklich; manches Platte findet sich hier, 
vorzügliches fehlt; es scheint nur zusammengefasst, was in einer 
bestimmten Gemeinde verbreitet oder was dem Herausgeber durch 
Zufall bekannt war. Lieder kommen vor, die noch dem 16. Jh. 
angehören, aber auch solche, die erst aus dem 19. Jh. stammen, 
selbst ein katholisches Lied hat Auftiahme gefunden. Um der Voll- 
ständigkeit willen gebe ich auch das Verzeichnis der Lieder 
dieses Handbüchleins: 

1. S. 47: Es ist eine wunderschöne Gab 

und auch eine grüne Saate 

ist das Lied, das im Anhang zu Hans Reista 
„Gebätt«« steht (vgl. oben S. 156). 

2. S. 53: In Gottes Namen will ich anfahn 

er woir mich leiten zu allen Zeiten. 

8 Str. Aus dem 16. Jh., stark zersungen. 
Ton: Weiss mir ein reicher edler Herr. 

3. S. 54: Der bitter Tod bin ich genannt 

in aller Welt ganz wohl bekannt. 

31 Str. Aus dem 16. Jh. Ton: Wie der 
geistlich Hauptmann. 

4. S. 60: Ein neu Lied aus einer Historie gezogen. Wie 

drey Christen ans der Türkei, von Thesallonicha 
nach Ungarn, und Deutschland sind gesandt 
worden, zu erfahren, ob noch ihres Glaubens in 
den Ländern wäre, dessen sie Gott Lob, noch ge- 
funden haben. Im Ton: Es gieng ein Fräulein 
mit dem Krug etc. 

O Herr! thu auf die Lefzen mein, 
dass ich fein klar mög singen. 
36 Str. Aus dem 16. Jh. Das Lied ist 
gegen die „Huterischen* gerichtet, die aber 
der Herausgeber in Unkenntnis der Tatsachen 
zu „Lutherischen*' verbösert hat. Über den 
Vorgang selbst, der wohl in das Ende der 
30er Jahre fällt (nicht 1534 wie BGB 212 
Amerkg. meint) vgl. BT 400. 

5. S. 65: Ein schön geistlich Lied von Hans Haslibacher, 

aus der Herrschaft Sumiswald, in der Schweiz zu 
Haslebach. Welcher den 20. Tag Weinmonat im 
Jahi'e 1571 von dem Leben zum Tod ist hinge- 



VI. Die späteren Lieder der Schweizer Brüder. 163 

richtet worden. Zu der Melodie: Warum betrübst 
du dich mein Herz etc. 

Was werd wir aber heben an 
zu singen von einem alten Mann. 
32 Str. Über Haslibacher vgl. Müller: 
Bemische Täufer, S. 77. 

6. S. 70: Heiraths-Lied. 

Gnad', Fried' und reichen Segen, 
alles Guts zu Seel* und Leib. 
6 Str. Aus dem 16. Jh. 

7. S. 72 : Ein Trost-Lied. In der Melodie : An Wasserflüssen 

Babylon. 

Herr Gott Vater in*s Himmels-Thron, 

ich ruf zu dir von Herzen. 
12 Str. Aus dem 16. Jh. Dialog zwischen 
Gott und Kind, stark zersungen. 

■8. S. 76: Ein schön geistlich Lied gestellt und gemacht von 
CT. In der Melodie : Wer Ohren hat zu hören. 
Ist jemand guter Dingen 
ohn' Schmerz und ohne Leid, 
21 Str. Aus dem 16. Jh.; die 6. Str. wendet 
sich gegen das weltliche Lied, ^dieweil es 
keinen Nutzen bringt, es führt nur ab von 
Zucht, bringt keine gute Frucht.'' 

"9. S. 81: Glaubens-Lied. Melodie: Gott! du frommer 
Gott! etc. 

Versuchet euch doch selbst, 
ob ihr im Glauben stehet. 
12 Str. Aus dem 17./8. Jh. 

10. S. 84: Ein Anders. 

Es ist nicht schwer, ein Christ zu sein 
und nach dem Sinn des reinen Geistes leben. 
11 Str. Aus dem 18. Jh. 

11. S. 86. 

Demuth ist die schönste Tugend, 
aller Christen Ruhm und Ehr. 

8 Str. Aus dem 18. Jh. Melodie: Alle 

Menschen müssen etc. 

12. S. 88: Ein Anders. Melodie: Gott, du frommer Gott etc. 

11* 



164 ^I- Diö späteren liieder der Schweizer Brüder. 

' ! Ist denn die Liebe gar 

aus dieser Welt verschwunden. 

10 Str. 18. Jh. 

13. S. 91: Sterbenslied. In seiner eigenen Melodie. 

Bedenke, Mensch,- das Ende, 
bedenke deinen Tod. 
6 Str. 18./9. Jh. 

14. S. 92: Ein Anders. In seiner eigenen Melodie. 

• Wohl dem, der stets an*s Ende denkt, 

der wird ganz sicher leben. 
. : 7 Str. 19. Jh. 

15. S. 94: Ein Anders. 

^ ' Mein Herz sei zufrieden, betrübe dich nicht, 

gedenk, dass zum Besten dir alles geschieht. 

6 Str. 18./9. Jh. 

16. S. 95: Ein Anders. 

Ach, wie kurz ist unser Leben, 
lieber Siensch, betracht es wohl. 

11 Str. 18./9. Jh. 

17. S. 97: Thomas von Kempis Nächfolge Christi. In der 

Melodie des 42. Psalms. 

Denket doch, ihr Menschenkinder, 
an den letzten Todestag. 
29 Str. 18./9. Jh. 

« 

18. S. 104: Lobgesang. Melodie: Meinen Jesu lass ich nicht. 

Grosser Gott, wir loben dich! 
Herr, wir preisen deine Stärke! 

12 Str. 18./9. Jh. 

19. S. 107: Abschiedslied. 

Lebt friedsam, sprach Christus der Herr 
zu seinen Auserkorenen. 

7 Str. Das Lied Klocks, hier jedoch wesent- 
lich verändert. Nur die Str. 1, 3, 5, 6, 9 
sind vom alten Liede beibehalten, die andern 
Str. sind neu. 



VII. Die Lieder der Huterer. JßS 

VII. Die Lieder der Huterer. 

Konnten wir die Lieder der Mennoniten und der Schweizer 
Biiider an der Hand von gedruckten Gesangbüchern einer Be- 
trachtung unterziehen, so sind wir bei einer Darstellung der 
Liederdichtung der mährischen Brüder oder wie sie sich selbst 
kurz nannten, der Huterer, ausschliesslich auf handschriftliches 
Material angewiesen, da nur eine verschwindend kleine Zahl ihrer 
Lieder, dadurch, dass sie über die Kreise der Huterer hinausdrang, 
gedruckt wurde. 

Ich lasse zunächst die Beschreibung der Handschriften folgen, 
die diesem Teile meiner Arbeit zugrunde liegen: 

1. Cod. 163 der Bibliothek des Pressburger Domkapitels, 
8^ Papier. Vollständig, 620 Blätter. Auf dem letzten 
steht: „Sewastianus Klemseer manum proprium scribere [!] 
Im 15 Wk 81 Jar. Eingebundten zw aussterlitz petter 
Tmer Im frueling diß 15 Jar 82^*. Auf Bl. 4: „Hernach 
volgen Etlich Tractat vnnd geschrifften auch lieder So 
von etlichen Gott geleerten Liebhabern der G6tlichen 
warheit vnnd diennem Auch nachvolgem Christi der 
Rechten Heiligen Apostolischen Khirchen gemacht Durch 
Den Geist Gottes vnnd solcher Leer mit Irem Bluet 
bezeuget habenn. 15 Wk 81. Jar.** Die Lieder beginnen 
auf Bl. 448. Auf dem Vorsetzblatt des Vorderdeckels: 
„Dariuss Koller schneidter zue geherig Anno Domino [!] 
1674.* Eine jüngere Handschrift notiert: „Jvan Pen*- 
hanzer". Bl. 3: „Steffann Dorschmer Sestl**. 

2. Cod. 212 der Bibliothek des Pressburger Domkapitels. 
8*. Papier. Vollständig, 417 Bl. Das Buch wurde in den 
Jahren 1594 und 1595 geschrieben, beide Jahreszahlen 
kommen wiederholt vor. Am Vorderdeckel: „Dißes 
bieohell gehertt den Josepff höner wers im gibt der ist 
im lib wers im nimbt, der ist ein dieb''. Bl. 1: „Zipora 
Haslin 1630". BL 1*: Dises bichell gehertt dem Joseph 
nemtter Ich hab es von meinem vater bekumen 1738 ist 
mir mein vatter im herni enndtschlaffenn." 

3. Cod. Aug. 87, 3 der herzoglichen Bibliothek in Wolfen- 
büttel, 16 ^ Papier, 16. Jh. [?]^) 235 Bl. Beschrieben von 



^) Die Gründe, die L. anführt, dass die Hs. dem 16. Jhe. ange- 
höre, sind nicht überzeugend. Ich setze sie in den Anfang des 17. Jhs. 



166 ^^^^' ^^® Lieder der Huterer. 

Liliencron: Mitteilungen aus dem Gebiete der öffentliclien 
Meinung in Deutschland während der 2. Hälfte des 
16. Jhs. III. (Aus den Abhandlungen der k. bayr. Akad. 
der Wissensch. HI. Gl. 13 Bd. 1. Abt.) München 1875 
(Gitiert L.). 

4. God. 236 der Bibliothek des Pressburges Domkapitels. 
8°. Papier, nach der Eintragung auf Bl. 72 vom J. 1630. 
Am Anfang unvollständig. 279 Bl. Am Anfang und am 
Ende der Hs. steht: „Dißes biechel gehert den hainich hom. 

5. God. III 155 der Bibliothek des Graner Domkapitels, 
16^. Papier, vom J. 1637. 408 Blätter, 66 Tieder. Auf 
Bl. 407: „Anno 1637 den 9. Aprilis hat der G asper 
Eglauch Schuester diß lieder buech in des andreäsch B. 
Witzgers Haus aus geschribenn, Sabotisch. 

6. God. 232 der Bibliothek des Pressburger Domkapitels, 
8°. Papier, vom J. 1640, Anfang und Ende unvollständig. 
Bl. 4*: Johannes schel bin ich genant, mein leben stat 
in gotes handt. Bl. 128*: Johanes scheller 1640. 

7. God. Ab 16 der Budapester Universitäts - Bibliothek. 
4*. Papier, aus d. J. 1643; 419 Blätter in Lederband mit 
Schliessen. Auf der Innenseite des Vorderdeckels steht: 
Hainrich Martterauer, darunter Katrine Langin. Die 
Sammlung mit 101 Liedern führt den Titel: 

Gsanng bueuch : D arinnen Vill vnd mancherley schöne 
Trostreiche ertrachtungen, Leeren, vermanungen, lob- 
gsang vnd glaubens Bekandnusen, von villen liebhabem 
gottes getichtet, vnd aus villen geschichten vnd Historien 
der Heiligen schrifft zu samen getragen, Alen fromen 
gotliebhab enden Sehr nutzlichen zu singen vnd zu leszen. 
Gedenckend an euere vorgenger, die euch dz wort gotes 
gesagt habend, der selben ausgang L*es wandeis schauend 
an, vnd volgendt Irem glauben. Anno 1643« 
Auf Bl. 1* Hastu Lust vnd freid zu singen 

laß dem herm zu lobe klingen 

aus deines hei*tzens begier. 

Den ruem meid für vnd für, 

wolust dient nit gott zu preisen, 

sunder dich der andacht zu fieissen, 

das ist dir dan vor got ein Eer. 

Saitenspil gilt wenig saligs mer. 



VII. Die Lieder der Huterer. 167 

Christus hat sich damit nie hören Ion, 

sunder die wainenten salig preisen thon. 

Wenn du aber wilt hie frölich sein, 

magstu singen vnd psalieren fein, 

Gott zu lob vnd dancksagung. 

Denn wirstu selig vnd fr um 

vnd ist die göttlich lieb schon. 

Das gilt vor gott im Hirn eis thron. 
In einer Umrahmung: Bis in Tod streit fir die 
Warheit so wird Gott fir dich streiten. Es folgen einige 
Stellen namentlich aus der Apostelgeschichte; darunter: 
Annele Lachneidn. 

8. Cod. m 200 der Graner Capitelsbibliothek. 16». Papier, 
aus dem J. 1650 (nach einer Bemerkung auf Bl. 89), 412 
Blätter; unvollständig, stark abgenützt, mit vielen Lese- 
spuren. Origineller Einband, schwarzes Leder, 8 eiserne 
Buckel, einstens Schliessen. Auf dem Vorsetzblatte: 
„Dises biechell gehert der mariell wetzstainin zu Sabatisch 
in briedterhoff, wers ir nimbt, der ist ein dieb, wers ir 
gibt, der ist gar schein, ob er sey ein her oder kneclit, ^ 
ist in der galgen eben recht. ^ Es enthält 90 Lieder. 

9. Handschrift in meinem eigenen Besitz. 8^ Papier, aus 
dem J. 1650; 356 Blätter. Die Handschrift mit 45 Liedern 
ist unter den mir bekannten die einzige, die tadellos er- 
halten ist. Lederband mit Schliessen und Buckeln, am 
Vorderdeckel oben die Jahreszahl 1651, unten A. B. Sie 
führt den Titel: Lieder Biechl darin schöne Alts vnd 
Neuen Testament Auch vnsrer Brieder welche vmb der 
warheit willen ritterlich glitten, gsangsweiß verfast, gott 
dem herren zum lob, allen Fromen zum Trost vnd hail 
zu singen. 1650 Adam Bien. Der Schreiber hat das 
Buch für seine Frau Judith niedergeschrieben, und zwar, 
wie eine Bemerkung am Schlüsse mitteilt, „zu Freystat 
im 1650 von 10 Junij biß auff 6. Jully^^^J. 



*) Auf dem Vorsatzblatt der Handschrift stehen eine Reihe von 
Familiennotizen, die ich hier wegen ihrer anmutenden Schlichtheit wieder- 
gebe: Anno 1650 den 16. Februari hab ich mein weib ludit zur Ehe 
genommen, meines alters im 22ig8ten iar vnd sie im 20ig8ten. got 
verleih sein segen. Anno 1651 den 18. Febr. ist mir der erst Sohn von 
ir geboren, ward genent Josua an eim sambstag frue vmb 4 ohr zu 



168 yn. Die Lieder der Huterer. 

10. Cod. 244 der Bibliothek des Pressbui'ger Domkapitels 
32 \ Papier, vollständig 179 Blätter. Das Buch fällt nicht 
vor das J. 1653, auf welches sich ein Lied bezieht, aber 
wohl auch nicht viel später. 

11. Cod. 14554 der Wiener HofbibUothek, 4^ Papier, 388 Bl. 
Bl. 1» die Bemerkung: „Anno 1655 Jar den 5. Merz ist 
dieses Buch bey dem Melcher Hipscher Schuelmeister 
ausgeschrieben worden in der Schuel zu Sabatisch**. 91 
Lieder, beschrieben von Ferd. Men5ik: Über ein Wieder- 
täufergesangbuch (Sitzungsberichte der Kgl. böhmisch. 
Gesellsch. d. Wissenschaften. Classe f. Philosophie, Ge- 
schichte und Philologie 1896 No. XI). 

12. Cod. 203 der Bibliothek des Pressburger Domkapitelä. 
4^ Papier, am Anfa.ng und Ende unvollständig, Bl. 3 — 531. 
Auf Bl. 356*: „Dißes Erste tail hab Ich Matiesl Schmeltz 
Beim Dauidt Rost in der schuel zu Keßels torf geschriben. 
85 lieder. 1662." 

13. Cod. 194 der Bibliothek des Pressburger Domkapitels. 
4^, Papier, 17. Jh., am Anfang und Ende unvollständig, 
Bl. 7 — 355. Auf der Innenseite des Vorsetzblattes: 
„Dißes biechell ge [!] den hairich hörn wers in nimbt der 

; ist ein dieb wers in gibt der ist in lieb.^ Wiederholt 

am letzten Blatt mit der Jahreszahl 1740. 



•abatisch, sein planet © vnd Q im Zaichen ÄÄÄäÄa Ao. 1652 den 15. Julj 
ist der ander sehn geboren, aber am- 7. Juli wider ein End gnomen. 
Ao. 1653 den 12. S.bris zu abent vmb 6 ohr an eim mittwoch ist mir 
der drit Son geboren, genent Johanes im letzten 4tel des }) vnd 
zaichen a; sein Planet Q zu eberaw. Ao. 1664 den 5. Februari Abents 
ymb 7 ohr wirt mir der Vierte söhn, genent Jaecob, im ersten Virtl des 
Monszaichen des (j vnd planeten des Qj., an eim erchtag zwischen 7 
vnd achte. Ao. 1696 ist mein 1. Judit von diser weit verschiden den 
2. febr. Ao. 1657 den 8. marzj in der nacht zwischen 11 vnd 12 ist 
mein lieber vater zu wexentorf mit Tod abgangen vnd den 10. zu 
Eberaw begraben worden, got gebe im vnd vns nach seim wiln das 
Ewige leben amen. — Josua bien so 1651 geboren, starb in Lokey in 
ober vngern im 1677 jars. — Ao. 1698 den )5. Mai n. m. zwischen 6 
ynd 7 vhr starbe vnser lieber Vatter Adam Bien Selber — Ano . 1701 
den 15. Jänner zwischen 6 vnd 7 Vhr ist mein lieber herr fadter mit 
eim seligen End von dieser weit abgeschietten vndt sellig in tott eot- 
schlaffen. Johanes Bien. 



VII. Die Lieder der fluterer. 169 

14. Ungers Handschrift, 8", Papier, 17. Jh. 462 Blätter, von 
denen die ersten 15 verloren gegangen sind; 76 Lieder. 
Beschrieben von Th. Unger: Über eine Wiedertäufer- 
handschrift des 17. Jhs. (Jahrbuch d. Gesellsch. f. d. 
Gesch. d. Protestantismus i. Oesterreich XIII, 41 — 53, 
81—91, 136—54; XV, 23—35, 187-98; XVII, 64-71, 
187—204; XVIII, 90—110; XX, 193-208). 

15. Cod. 512 des mährischen Landesarchivs in Brunn; 4^ 
Papier, 17. Jh., 360 Blätter. Stark beschädigt; der Titel 
fehlt und der Anfang des 1. Liedes, ebenso das Ende 
der Handschrift; in der Mitte fehlen Bl. 55—64, Bl. 217 
und die Hälfte der Blätter bis 222. 59 Lieder. 

16. Cod. Ab 1 der Universitäts-Bibliothek in Budapest. 

17. Cod. Ab 7 der Universitäts-Bibliothek in Budapest. 8^ 
Papier, 17. Jh. 220 Blätter. Der Anfang und das Ende 
fehlen. 11 Lieder bis Bl. 161; der Rest der Handschrift 
enthält Briefe Huttere aus den Jahren 1535 und 36. 

18. Cod. Ab 11 der Universitäts-Bibliothek Budapest. 8°, 
Papier, 17. Jh. 233 Blätter. Die Handschrift hat von 
Feuchte so gelitten, dass die Blätter oft bis zur Hälfte 
fehlen. Den Anfang bilden Geschichten aus dem alten 
Testamente, von Bl. 124 beginnen die 18 Lieder. 

19. Cod. m, 196 der Capitelbibliothek in Gran. 8^ Papier. 
Auf dem letzten Blatte die Notiz: Mariele Wetzstainin 
zuegehörig 1719. 26 Lieder, stark zerlesen wie die 
meisten Wiedertäufergesangbücher. 

20. Cod. Ab 2 der Universitäts-Bibliothek in Budapest. 16*. 
Papier, 17. Jh. Am Schlüsse unvollständig; 11 Lieder 
bis Bl. 257. 

21. Cod m, 125 der Capitelbibliothek in Gran. 8^ Papier, 
auf dem letzten, 255. Blatt die Bemerkung: Anno 1756 
geschrieben Zachariaß Walther und verfertigt den 19. Fe- 
bruary. 31 Lieder. 

; : Unzugänglich blieb mh- die Beck unbekannt gebliebene 
Handschrift No. 122 des Batthyaneums in Karlsbm'g in Sieben- 
bürgen. Verloren scheinen die von Beck noch gekannten Codices 
Gran C. W. 1565 (BGB 33) und Cod. Walch (BGB 57). 

Über die Verfasser der Lieder sind ^-ir verhältnismässig gut 
untemchtet, dui-ch die Handschriften sowohl, die uns zum Teil 
die 'Namen der Verfasser aufbewahrteil, wie durch die Geschichts- 



170 VII. Die Lieder der Haterer. 

bticher der Huterer, die uns zugleich für viele Lieder auch das 
Entstehungsjahr angeben; so sind wir in den Stand gesetzt, die 
Entwicklung der Liederdichtung bei den mährischen Brüdern 
chronologisch zu verfolgen. 

Ihre Anfänge haben wir bereits bis zu dem Zeitpunkte ver- 
folgt, wo innerhalb der Gemeinde die Spaltung zwischen Philippem 
und Gabrielen! eintrat und die huterische Sekte in Mähren sich 
«eibständig machte. Ihr schlössen sich bald auch die Brüder in 

• • 

Osterreich, Tirol und Steiennark an; engere Beziehungen suchte 
man mit den Täufern in Hessen und am Ehein anzuknüpfen, 
wohin Jahr für Jahr Missionäre aus Mähren gesandt wurden. 
Viele der bedeutendsten Führer der Huterer haben sich dort zu- 
erst bewähren können. Der Verfolgung vom J. 1535 war Jakob 
Huter, der Begründer der Gemeinde, zum Opfer gefallen; ihm 
folgte in ihrer Leitung Hans Amon bis znm Jahre 1542. Lange 
noch dauerten die Verfolgungen an, viele Biiider fanden in den 
Tod für ihre Überzeugung und haben uns Lieder hinterlassen, 
worin sie ihr Ausdruck verliehen. So soll Daniel Kropff*), der 
1534 zu Graz mit zwei Brüdern enthauptet wurde, nach den 
Chroniken (BGB 115) nebst Schriften „vom Tauff vnd andern 
Punkten" auch 4 „christliche Lieder" gedichtet haben, die uns 
jedoch unter einem Xamen nicht überliefert sind. Der Schul- 
meister Hieronymus Käls aus Kufstein, der 1536 zugleich mit 
den als Sendboten der Mährer nach Tirol gesandten Brüdern 
Michl Seiffensieder aus Wallern in Böhmen (gemeinhin Mich! 
Böhem genannt) und Hans Obe recker von Affers aus dem 
Etschtal in Wien gefangen genommen wurde, dichtete im Kerker 
„tröstliche Lieder" (BGB 128), von denen uns drei erhalten sind: 

1. Ich freu mich dein, o vater mein, 

in meinem Ellendt itzt vorhanden, ob ich gleich schon 
9 Str. Pressb. 236 Bl. 13. Akrostich: IeiH)nimus. 

2. Ich reu vnd klag den ganzen tag 
das ellendt vnd den schmertzen. 

9 Str. Pressb. 203 Bl. 173^ 212 Bl. 191»; 232 Bl. 245; 236 
Bl. 11». Akrostich: leronimus. 

3. Ich will dich, Herre vnd mein Gott, 
loben, du bist ewig her 

9 Str. Pressb. 203 Bl. 491; 236 Bl. 10. Akrostich: leronimus. 



*) über ihn vgl. Loserth: Wiedertäufer in Steiermark (Mitteilungen 
d. histor. Vereins für Steiermark 1894, 118—45). 



VII. Die Lieder der Huterer. 171 

Der 1537 zu Imbst im Oberinntal zugleich mit seinem Brader 
enthauptete Basti Glaser (BGB 132) ist der Verfasser der 
Lieder: 

1. Hen* Gott in deinem höchsten thron, 
du weist vns armen nit verlon 

15 Str. Vindob. 14554 Bl. 92; Pressb. 236 Bl. 13^ Klagen 
über die Zeit. 

2. O Herr Gott, wend mir meinen Schmerzen 
vnd den ich trag in meinen Hertzen. 

23 Str. Vindob. 14554 Bl. 93; Pressb. 236 Bl. 15. 

Im J. 1538 wurde Offerus Griesinger aus Fraudorf in 
Baiem, der eine grosse Zahl von Brüdern aus Tirol nach Mähren 
geführt hatte, in Brixen verbrannt (BGB 137). Ich fand von ihm 
drei Lieder*): 

1. Merckh auff, merckh auff, o fromer Crist, 
Wie yetzt in letzten Zeiten 

11 Str. Pressb. 236 Bl. 5. 

2. JÜerckt auff, ir Kinder Gottes rain, 
ir seit von der heiligenn gmain 

7 Str. Pi-essb. 212 Bl. 212». 

3. Herre Got im Himels thron, 
leit deinen Knecht auf rechte ban 

4 Str. Pressb. 212 Bl. 166^ 232 Bl. 37; 236 Bl. 6. 
In der Schlussstrophe nennt sich der Dichter: 

Der vns das liedlen hat gemacht, 

in einen tum hat ers betracht, 

Oflrus ist er genennet. 

In das gleiche Jahr fallt der Tod der Brüder Märten aus 
Villgi'aten (Vilgarden) und Caspar Schuster von Schöneck, auf 
die das Lied: 

Merckht auf vnd nemt zu hertzen 
gedichtet wurde, das wir bereits aus A (S. 198; vgl. oben S. 142) 
kennen und der Tod des Leonhardus Lochmeyer, der ursprüng- 
lich katholischer Priester gewesen war, 1528 aber sich zur Ge- 
meinde nach Mähren gewandt hatte; er wurde 1538 im Oberinntal 



BGB 137 sagt, dass in den Pressb. Codd. 212, 219, 232 und 
236, sowie im Cod. Walch in Gran 6 Lieder von ihm enthalten seien: 
Cod. Walch scheint iu Verlust geraten; die Codd. 219 und 232 in 
Pressburg enthalten nichts von ihm. 



172 VII. Die Lieder der Huterer. 

gefangen genommen und im Oktober, wenige Tage nach dem Tode 
Griesingers hingerichtet (BGB 137). Die zwei Lieder, die sich 
von ihm erhalten haben, zeugen mehr von seiner festen Über- 
zeugung als von seiner Begabung als Dichter: 

1, Lobt Gott, den herrn, ir frummen Kindt, 
die ir seit von seim heilign gsindt 

10 Str. Gran III 200 Bl. 370^ Pressb. 236 Bl. 8. Aki-ostich: 
Leonhardus. 

2. Verlass mich nit, o Herr, mein Gott, 
wend du mir meinen Schmertzen. 

10 Str. Pressb. 236 Bl. 7. Das Lied muss ursprünglich mit 
L begonnen haben, da die Strophen 2 — 10 das Akrostich .eonhardus 
enthalten. 

Auch Hans Donner aus Wels, der 1538 mit Hans Seidl 

von Murau zu St. Veit gefangen genommen und mit dem Schwert 

gerichtet wurde (BGB 141), ist uns bezeugt als Verfasser des Liedes: 

Ich dauckh dir, lieber Herr, mein Gott, - 

in diser not, daraus du mir kanst helffen. 

8 Str. Pressb. 236 Bl. 16». 

Trotz aller Bedrängnisse wuchs die Zahl der mährischen 
Brüder beständig und veranlasste sie zur Gründung neuer „Haus- 
haben**. Selbst der Überfall von Steinabrunn, bei dem an 150 
Personen gefangen und auf das Schloss Falkenstein gebracht 
wurden, brach ihren Mut nicht. In drei Liedern ist das Andenken 
an dieses Ereignis festgehalten worden ; vor allem in einem Liede, 
das die Gefangenen auf Falkenstein selbst dichteten, indem jeder 
eine oder zwei Strophen schrieb, die er mit seinem Namen 
zeichnete. Das Lied ist uns nur im Pressb. Cod. 194 Bl. 250 
enthalten und führt den Titel: Ein Liedt Von den zwainczig 
Briedem auf Falckhenstein. Im thon: Erzim dich nit, o fromer 
Christ: 

Gott Vatter von Himelreich, 
ich thue dich fleissig bitten. 
29 Str. 

Die beiden andern Lieder stammen von Leonhardt Roth und 
Antoni Erdforter (s. u.). 

Im Jahre 1540 wurde Hans -Z im er au er zu Schwatz im 
Jnntal hingerichtet, der Verfasser des Liedes (vgl. oben- S. 40): 
In Gottes Namen heb wir an, 
er woll vns hilflf vnd beystandt than. 



VII. Die Lieder der Huterer. 173 

25 Str. Pressb. 203 Bl. 283»; 236 Bl. 167. 
Djas Jahr darauf starb der Bruder Leonhard Roth zu 
Schäckowitz in Mähren, der zwei Lieder hinterliess: 

1. Ach Gott im höchsten Reiche, 
du starker schirm vnd schild. 

Cod. C. 1565 W. in Gran nach BGB 147. 

2. Herr Gott Vater vom Himmelreich, 
wir bitten dich gemein. 

25 Str. Das sogenannte Steinabrunner Lied. Akrostich: 

Hinzug der Gefangen. Budap. Ab ,11 Bl. 164*; 

Cod. C. 1565 W. Gran nach BGB 147; Pressb. 203 

Bl. 308 a. 

Im Jahre 1541 starb auch Antoni Erdforter'). Er 

stammte aus Kärnten und war ein kämpf froh es Gemüt* das an 

dem endlichen Sieg seines Glaubens nicht verzweifelte. In dieser 

Hoffnung endet er sein Lied*), das den Steinabrunner Überfall 

besingt, mit den "Worten: 

Darumb wöln wir hoffen auff gott 
vnd kempffen mit vertrauen; 
im augenblickh die gotloss roth 
wiert gott der herr zerhauen 
vnd seinen kindlin helffen schon, 
die in in nötten rüeffen an 
vnnd loben seinen nammen. 
Lob, eer vnd preiss mit höchstem fleiss, 
der vnns auff dissen weg hat g weist, . . 
wer gott recht liebt, Sprech amen. 
Beck nennt ihn den besten Liederdichter unter den Brüdern, 
was allerdings auf einer Überschätzung beruht. Wir kennen 
ausser dem noch drei andere Lieder von ihm : 

Susanna war in engsten gi*oß, 
mit schmertz vnd laid vmbgeben. 
(Budap. Ab 16 Bl. 289—90; Pressb. 203 Bl. 181*; 232 Bl. 
288*). Das Lied, vielleicht für seine Frau gedichtet, da es 



M Vgl. Becks Aufsatz im Archiv d. histor. Ver. für Kärnten 1867 S. 
') Es beginnt mit den Worten : 

Von Trübsal, Schmerzen, Elend gross 

vnd von dem Creutz des Herren. 
15 Siy. .Gedr. L. 141. Budap. Ab 7 Bl. 65»; Pressb. 212 Bl. 27»; 
■232 Bl. 327 a. 



174 VII. Die Lieder der Huterer. 

akrostichisch den Namen Sibilla birgt, behandelt die Geschichte 
der Susanna mit Hinweis auf Bethseba, Isabel und Judith. Seine 
beiden anderen Lieder seien liier aus Cod. Budap. Ab 16 mitgeteilt: 
(Bl. 288—9). Das Erste liedt. Im thon. Ich armes Madien 
klag mich sehr*). 

. 1. Ich armes Brüederlein klag mich seer, 
wo sol ich mich hin wenden, 
das man so wenig frimbkait mer 
auff erden ietz thuet finden. 
Ach Gott, wo find ich meines gleich, 
wo hie aufF disser erden? 
Wan ichs bedenckh, sterben vnd endt, 
^ mein hertz in grosses trauren senckh 
vnd kan nit fröllich werden. 

2. Verlassen, ellendt, gantz vnwerth 
bin ich in allen landen, 

darzue schabab, ein karach der erdt, 
ein schawspiel auch mit schänden. 
Bey aller weit bin ich veracht, 
von weih, kindt, gsindt vnd freindten, 
mein hauß genoß rieht mir geschoß, 
ich armer Man mueß binden stan, 
verlassen von meinen bekandten. 

3. Man jagt mich hin, man jagt mich her, 
mueß all winckhel aus schlieffen, 
verbirg mich hin, verbirg mich her 

in berg, klufflt, grueben tieffe; 

bey wilten thüren in dem waldt 

kan mir kein platz gedejen, 

man suecht so lang mit spieß vnd stang, 

mit hunden hetz stellt man mir netz, 

biß sie mich doch erschleichen. 

4. Äfein bester freindt mein gröster feindt, 
die liebst in meiner schoße, 

all weeg seindt mir durch sie verzeindt, 



') Das Lied findet sich ausserdem in Gran III 155 Bl. 21>; lU 
200 BL 108; Pressb. 232 Bl. 16U; 236 Bl. 90; Budap. Ab 11 BL 152*. 



VII. Die Lieder der Huterer. 175 

in regen, wind vnd blosse, 

in stautachs (!) strauss gleich wie ein mauss 

mueß ich mich schlieffent duckhen. 

Gantz still schweig ich, kein wort nit »prich, 

funden sie mich, da schlach, da stich, 

mueß bieten her mein Buckhen. 

5. Das war mir als gantz ring vnd leicht, 
mein höchste freidt auff erden, 

das mir von wegen frimbkait gedeicht 
vnd vmb der warhait werde. 
Allein das mein gott wird geschendt, 
geschmecht, gelestert gschwindte, 
das klag ich gott. Mein gröste not 
ist das allein, Gott wigt man klain. 
du gotloß gesinde. 

6. Ach wee vnd ach vnd imer wee, 
den, die wonen auf erden; 

kein trew, kein lieb, kein glauben mer, 

kein frommen findt man mere. 

Der best ist wie ein doren scharfF 

in aller weit gemaine. 

Darumb will ich nun gsellen mich 

zum fromen gsindt, wo ich sie findt, 

weih, kindt las ich allaine. 

7. Bein fromen ist mein freidt vnd lust, 
die gott förchten vnd lieben. 

Weib, kindt, hauß, gsindt, weltlicher wuest, 

dein teil hab mit den diebeu. 

Far hin, far hin, weltlicher pracht, 

du vnflat gee dein Strassen. 

Ich zeuch daruon zum fromen man, 

dein taill wirt gleich im feurigen Teich 

nach deim schlemen vnd prassen. 

8. Mein gott, mein gott, sey du mein trost, 
das bit ich dich von hertzen, 

die gotloß roth last mir kein rast, 
wendt du mir meinen schmertzen. 



176 VII 1^16 Lieder der Huterer. 

Du sprichst zu mir: Ich bin bey dir 

alltag biß an das ende, 

dein haar sein zeit, nit waißloß solt 

gelaßen sein. Herre mein, 

das freidt mich in meim hertzen. 

9. Der vns das new gesungen hat, 
der hats zum tail erfaren; 
bey dem ers best vertrauen hat, 
wer er schier gar erfroren, 
Man gondt im nur des khüe stabs nit, 
da er möcht herberg haben. 
Nur aus, nur aus, bleib nit im hauss; 
in regen, windt vnd finster blindt, 
daruon so muest er traben. 

10. Des danckt er gott im himels thron, 
sagt im hoch Lob vnd preise. 
Gib im zu dulten schmach vnd schandt, 
durch enge portten reisen. 
Der schmale weeg vnnd Enge steeg, 
Veruolgung, Creitz, triebsalle, 
freidt ietzundt recht des bilgerams knecht, 
Herr, gib, dass er des wirdig werd. 
Lobt gott ir heilligen alle. Amen. 

(Bl. 346—7»). Ein Anders Liedt Im thon: wol auff guet 
gsell von hinen '). 

1. Wol auf, wol auf von hinen mit schlangen vns begegnet, 
in kämpf, ir. brieder werd. mit bolwerckh vnd harten 
Den streit wel wir gewinen gschoß. 
in hämisch, schilt vnd Schwert, Mit vngestiem her praussen 
mit dem wir wol geristet sindt groß trackhen mit menschen 
alle in gottes gnadt, thandt, 
dauon paulus geschriben wer im Etwas last granßen, 

[findt] der hat gar kein bestandt. 

zunEphesern amfünften Orth. 

3. AVer dapffer drein thuet 

2. Die feindt band vns belegert schlagen 
in irem vortail groß, mit dem geistlichen schwerdt 



') Auch im ßudap. Cod. Ab 1 Bl. 112. 



VII. Die Lieder der Huterer. 



177 



vnd thuets inMandlich sagen: 
Ir Nattergezicht nun hört, 
es ist der hauff der pfaffen 
gleichwie der Rauber roth, 
ir Armhondt gnueg zu schaffen 
zu mördten vnschuldigs bluet. 

4. Allschalckhait sie verbringen, 
grausam ding insherrenhauss. 
Mit schreiben vnd mit singen 
kan maus nit sprechen auss. 
Hat vber band genomen 
irlugvndgotsLösterunggross, 
sie mördten ietz die fromen, 
schindens fleisch von bainen 

bloss. 

Ö. Mit vortail sie sich risten 
zu morden die seelen hin. 
Auf, auf, ir lieben Christen, 
gewapnet mit Christi sin, 
dapffer wein wir drein schlagen 
den Trackhen hauffen glat, 
wens vnsser haut hin tragen, 
so handt wirs veldt behabt. 

6. Wir wellen nit erschreckhen 
ob disen hauffen gmain, 

ob taussent spieß herreckhen 
wider ein glidlain klain. 
Gschütz, pulluer, feurig 

schlangen, 
graben tietf vnd scharffe 

Schwert, 
wens vns damit anlangen, 
hondt sie sich selbs ermördt. 

7. Ob sich wider vns auffBaumen 
Sahst, könig, allfiirsten gleich, 
als beer der weit her kamen 
vnd das gantz hellisch reich, 

Wolkan, Lieder der WiedertSufer. 



soln vns kain haar verrenckhen, 
weil wir den hauptman handt, 
ob sie vns gleich auf henckhen, 
so bsten sie doch mit schandt. 

8. Weil wir vns den begeben 
in disen großen streyt, 
wagen wir Leib vnd Leben, 
es gee hoch, tieff oder seicht. 
Das höer wein wir erlegen, 
wie grausam es sich stelt, 
gedult sey euer degen, 

der kämpf got wol gefeit. 

9. Jetzt staen wir inderordnung, 
der hauptmann vorn am spitz, 
vom feindt nembt an kein 

Warnung, 
ist doch eitl tödlichs gschütz. 
Ein yeder fromer Brueder 
keckh bey dem andern stan, 
kam wir aufs mör zumRuetter, 
noch bring wir die beit daruon. 

10. Die stundt ist gleich letzt 

komen 
zu kempffen, doch nit vmbs 

gelt, 
hiemit wir vrlab nemen 
von diser gantz en weit. 
Grott gsegn euch Bräeder vnd 

Schwestern, 
Gott gsegn euch weib vnd 

kindt, 
die liebsten vnd die besten 
freindtgottes wir worden sindt. 

11. Verzeihen vnd vergeben 
auch vnsem Feinden gar, 
die vns rauben das leben. 
Ir G Otts feindt nembt eben war, 

12 



178 VII- J^^e Lieder der Huterer. 

die Christum jetzundtmördten kein feindt kan vns mer fahen 

in seinen glidern trew, wir ziehen ins sicher landt. 

wir wollen frölich sterben, Den geist thuen wir beuelhen 

schaut, dass euch nit gerew. vatter in deine hendt, 

groß lob wir du* verjehen, 

12. Die Cron wein wir empfahen, Amen, biß an das endt. 
dainimb wir gstriten handt, 

Verloren gegangen sind uns die Lieder Georg Libichs^ 
die er 1544 im Gefängnis zu Fellenburg bei Innsbruck gedichtet 
hatte (BGB 155 u. 157), während das Lied der Ursula Helriglin^), 
die erst 17 Jahre alt, 1538 in St. Petersburg in Tirol „härtlich 
verstrickt'' gehalten und erst 1543 begnadigt wui'de, vom Cod. 
Vind. 14554 Bl. 100 und von den beiden Pressburger Cod. 194 BL 
212 und 236 Bl. 26 ausdrücklich als ihr Eigentum bezeichnet, vom A. 
S. 208 dem Annelein von Freiberg zugeschrieben wird, eine An- 
sicht, die durch nichts sich erhärten lässt, um so weniger, als die 
Geschichtsbücher der Huterer (BGB 157) ausdrücklich von einem 
Liede reden, das sie gemacht habe und das in der Gemeinde noch 
vorhanden sei. 

Als im Jahre 1542 Hans Amon, der Vorsteher der Huterer 
starb'), folgte ihm Leonhard Lanzenstil, ein Seiler, in der 
Führung der Gemeinde, die sich, trotz der sie immer drohender 
umgebenden Gefahren, unausgesetzt weiter ausbreitete und in den 
Jahren 1545 und 1546 zur Anlage einer grösseren Zahl von Haus- 
haben schritt. Auch einige Schweizer Brüder, die sich noch in 
Mähren erhalten hatten, traten zu den Huterern über, was die 
Chroniken mit einem gewissen Stolze verzeichnen. Sie selbst 
zwar berechneten die Zahl ihrer Anhänger im Jahre 1545 mit 
2000, die auf ungeföhr 21 Orte verteilt seien, was jedoch gewiss 
mit Absicht zu niedi-ig gegiiflfen ist, da diese Angabe sich in dem 
Proteste befindet, den sie in diesem Jahre an die mährischen 
Stände richteten, um den ihnen di'ohenden Ausweisungsbefehl nicht 
zur Ausführung kommen zu lassen. Dieser Befehl sollte aller- 
dings vorerst nur jene Brüder treffen, die in Gemeinschaften lebten» 



*) Anfang: Ewiger Vatter von Himelreich 

Ich ruff zu dir gar inniglich. 
*J Auch er dichtete zwei Lieder: 

1. Der ewig Grott, der mächtig, hat 
sich geben zu erkennen. 
32 Str. Gran III 200 Bl. 344». 



VII. Die Lieder der Huterer. 179 

da man dort, wo sie in grösseren Mengen nach ihren kommunistischen 
Grundsätzen hausten, politische Umtriebe ähnlich denen zu Münster 
befürchtete. Aber K. Ferdinand drang unnachsichtlich auf dauernde 
und gänzliche Vertreibung der Täufer aus seinen Landen und ihm 
mussten schliesslich die mährischen Landstände, die die Brüder 
wegen ihres Gewerbfleisses und der hohen, ihnen aufgezwungenen 
Steuern schätzten, nachgeben und so brach seit 1545 für die Brüder 
eine harte Zeit an, in welcher sie, wilden Tieren gleich, von einem 
Gut zum andern gejagt wurden, bis sie schliesslich nach Ungarn 
zogen, von wo sie jedoch schon 1549, als der erste Eifer in der 
Verfolgung etwas nachgelassen hatte, wieder in Schalten zui'ück- 
kehrten. Zwar war die Folge davon eine Wiederholung jener 
Ausweisbefehle, die aber diesmal nicht mehr so scharf gehandhabt 
wurden wie vordem, so dass immer noch genug Brüder im Lande 
blieben, die 1553 wieder an die Gründung neuer Haushaben gehen 
konnten. 

Der Tod vieler Dichter fällt in diese Zeit der Verfolgung. 
Oswald Glait, der 1545 in der Donau ertränkt wurde (BGB 
160) dichtete das Lied: Es redet Gott mit Mose*), das in seine 
Flühzeit fallen muss, da er, der ursprünglich geistlichen Standes 
gewesen, erst 1525 zu den Brüdern übertrat; ein 2. Lied: O Sun 
David, erhör mein Bitt, wird als tonangebend für andere 
Lieder der Wiedertäufer bezeichnet'^). Auch der 1546 mit drei 
Brüdern zu Wien gefangene und enthauptete Hans Staudach 
hat nach Angabe der Chroniken (BGB 167) mit seinen Mit- 
gefangenen Lieder gedichtet. 

Drei seiner Lieder verzeichnet der Pressburger Codex 236 
unter seinem Namen: 

1. Bl. 27: HilfP Gott, dass mir gelinge, 
du edler schepfPer mein. 

2. ihr hertzlieben Brüder mein 
ein gfärlicb zeit thut es ietz sein. 
10 Str. Pressb. 232 BJ. 41a, 236 BL 217. 
^) Gedruckt bei WKL 3, 524 nach einem Einzeldrucke von 1530. 
*) BGB 160; Rembert 221 schreibt ihm ohne Angabe von Gründen 
auch das Lied: Wacht auff ihr Völcker alle (WKL 3, 427) zu. Auf 
seinen Tod verfasste ein Unbekannter das Lied: 

Ilt Jungen vnd ir Alten 
nun hörent das Gedicht. 
12 Str. Grau III 125 Bl. 224a; III 155 Bl. 366a; Pressb. 203 
Bl. 77. ^2* 



180 VII- 1^16 Lieder der Huterer. 

18 Str. Nicht zu verwechseln mit dem Liede 
Heinrich Müllers (WKL 3,112), mit dem es 
gleichen Anfang hat und von dem es abhängt. 

2. Bl. 28*: Ich frei mich dein, o vatter mein, 

im eilend, ietzt vorhanden, 
hab trostes muet. 
3 Str. 

3. Bl. 29: Christus rain, du bist allain 

ain ros an allen doren. 
6 Str. 

Verloren gegangen sind die Lieder, die Hans Gurzheim 
und Wolf S aller auf Staudach gedichtet haben. Wolf Sailer, der 
1550 in Mähren starb, gehört zu den fruchtbarsten Dichtem der 
Brüder. Die Geschichtsbücher rühmen von ihm, der seines 
Zeichens ein Tischler war, er habe viel heilsame Lehren mitge- 
teilt, die Psalmen gesangweis gestellt und „sunst vil schöne Lob- 
gesang vnd tröstliche Lieder" gemacht. Seine Psalmenübersetzimg 
ist uns im Cod. III, 199 der Graner Bibliothek erhalten. Sie 
ist hart und ungelenk und nicht frei von Verständnisfehlern, be- 
sonders dort, wo es sich um hebräische Namen handelt; er hält 
sich streng an den Bibeltext und wo er sich Zutaten gestattet, 
sind es armselige Flickwörter, die ihm den Reim herstellen müssen. 
Es kommt ihm offenbar gar nicht der Gedanke, in die Worte der 
Bibel seine eigenen Gefühle hineinzulegen und sein persönliches 
Empfinden auszusprechen, obwohl er doch gerade in dieser Hin- 
sieht vorzügliche Vorbilder hatte. So wii'kt seine Übersetzung 
eimüdend, die Poesie der Bibel hat er zur trockensten Prosa in 
Versen umgewandelt. Auch der Umstand, dass auch nicht ein 
einziges seiner Psalmlieder in andere Handschriften überging, zeigt 
wohl, wie geringen Anklang seine Übersetzung gefunden hat, 
trotzdem er selbst sie für den Gemeindegesang bestimmte. Ge- 
treulich gibt er zu jedem Psalm den Ton an; die geistlichen 
Melodien überwiegen bei ihm, doch auch der weltlichen finden 
sich genug und darunter manche, die wenig zu dem Inhalte passen 
wollen. Fast scheint es, er habe selbst auch einen Ton geschaffen; 
der 34. und 51. Psalm soll in seiner „eigenen Melodey** gesungen 
werden; auch Daniel Kropffs Melodey, die zum 97. Psalm ange- 
zogen wird, scheint spezifisch täuferisch zu sein. 

Neben diesen Psalmenliedem werden in den Handschriften 
noch folgende Lieder als sein Eigentum bezeichnet: 



VII. Die Lieder der Huterer. 181 

1. Ein schön Liedt durch den lieben Binieder wolffgang 
Sailer gemacht. 1550. Jar. gezogen aus dem 4. buech 
Esdree aus dem 16. Cap. Im Thon: Aus tieffer not 
schrey wir zu dir. 

Anfang: Ach wee vnd ach dir babilon 
Vnd Asia desgleichen. 
37 Str. — Cod. Gran III 200, Bl. 338»; Budap. 
Ab 16, Bl. 43»; Pressb. 203 Bl. 484; 244 Bl. 88». 

2. Ein schön Liedt aus dem 4, Buech Estre das 3. Cap. 
Im Thon: Aus hertzen wehe klagt sich ein helt. 

Aus hartem weh ich zu dir fleh, 
Du schöpffer aller dingen. 

24 Str. — Meine Handschrift, Bl. 252». 

3. Ein schön Liedt Im thon. Ewiger Herr vnd starckher 
Gott. Wolff Säler. 

Bewar vns, o du starckher Gott, 
Swing dich herab, Herr Sebiath. 

15 Str. — Pressb. 203 Bl. 307; 212 Bl. 66»; 232 

Bl. 253». 

4. Ein anders Liedt im thon, mein fleiß vnd mie. Wolff 
Säler. 

Clar, glantz vnd hell 

der warhait liecht. 

6 Str. Pressb. 203 Bl. 306». Das Akrostich gibt: 
Caspar Miliar, dem das Lied vielleicht gewidmet ist. 

5. Das lobgesang der Kinder Israels. Im Thon: Freidt 
euch, freit euch in disser zeit. Exod. 15. 

Da Gott der Herre Sebaoth 
durch sein hertzlichs Erbarmen. 

15 Str. — Budap. Ab 16 Bl. 89; Pressb. 203 Bl. 

461»; 212 Bl. 68». 

6. Ein Liedt vom Lobgesang Ezechie des Königs Jude. 
Da er kranck vnd wider gesundt worden war. Esaia 
XXXVIII. Im thon: Es wolt gut Jäger jagen. 

Ich gedacht, ich miest hinfahren 

im besten alter mein. 

17 Str. Budap. Ab 16 Bl. 206; Ungers Hs. Bl. 
435 mit dem Tone: Mueter, liebe Mueter oder 
Ewiger Vatter jm Himel; meine Hs. Bl. 103. 



iy2 ^11- ^iö Lieder der Huterer. 

7. Das 6. vndt 7. Capitel: Der Machabeer Gsangsweisse 
jn de8 Herzogen Ernstes thon zu singen. 

Merckht aufF, ir kinder Gottes rain, 

die ir seit in seiner gmain. 

Jalirb. 13,47, Vindob. 14554 Bl. 27 mit 2lStr.; Budap. 
Ab 11 Bl. 124, Ab 16 Bl. 164; Gran m 155 Bl. 369, 
III 200 Bl. 38 mit 22 Str. ; Pressburg 203 Bl. 424 
und meine Hs. Bl, 241 mit 23 Str. 

8. Ein Liedt von dem alten vndt jungen Tobias. In des 
Bruder Veiten Thon zu singen. 

Nun hört vnd mercket eben 
zu singen fach ich an. 

129 Str. Ungers Hs. Bl. 57; Vindob. 14554 

Bl. 106; Gran III 200, Bl. 312; Budap. Ab 11, Bl. 

122; alle 3 Codd. mit 130 Strophen; Pressb. 194 

Bl. 275; 203 Bl. 335 mit 136 Str. 

9. Ein Sehens Liedt in des Hillebrands Thon zu singen. 
Baruch 6. 

O Israel merck eben 
vnd fass ins Herz hinein. 

34 Str. — Budap. Ab 16, Bl. 132; Vindob. 14554, 

Bl. 119. 

10. Ein schön Liedt in behmischer Melodey zu singen. 

Vatter Gott, mein Hielff vnd sterckh, 
mein angst, not, meinen triebsal merckh. 

18 Str. — Ungers Hs. Bl. 278»; Vindob. 14554, 

Bl. 123; Pressb. 212 Bl. 65. 

11. Geschieht Abraham vnd Isaac. Im Thon: Ich stund an 
einem Morgen. 

Rieht mich nicht in deim Grimmen, 
O Gott vnd SchöpfFer mein. 

27 Str. — Budap Ab 16, Bl. 22 und 136; Pressb. 

203 Bl. 332. 

12. Ein ander Liedt. Gezogen aus dem 3. Buech der 
Machabeer. Im thon: Es sind doch sälig alle die. 

Zu hohem Preis vnd Gottes eer 

Hab ich hertzlich s verlangen seer. 

47 Str. — Budap. Ab 16, Bl. 168; Ungers Hs., 
Bl. 313; Vindob. 14554, Bl. 31; Gran III 200 BK 
43; Pressb. 203 Bl. 294»; 212 Bl. 92*. In allen 
Handschriften mit der Überschrift: Ellephanten. 



VII. Die Lieder der Huterer. 183 

13. Ein anders Liedt. Aus dem dritten buech Esdras. Im 
trtiten vnd füerten Capitel. In des Schillers Melodey zu 
singen. 

Zu singen wil ich heben an, 
Was vns Esdras der frome Man. 
29 Str. — Budap. Ab 16, Bl. 409. 

14. Ein Anders Liedt. Im thon: Mein seel erheb den 
HeiTen mein. Sap. 13. 

Zwingt mich vnbill im hertzen mein, 
Der gantz gottlosen weite. 

36 Str. — Budap. Ab 16, Bl. 47, Pressb. 203 Bl. 137. 

Auch diese Lieder, bei denen diehäufige Benützung der apokry- 
phen Bücher des alten Testaments auffällt, haben keinerlei Reiz. 
Obwohl der Dichter sich hier zwar etwas freier bewegt und nicht so 
sehr am Wortlaut der Originale hängt, wie in den gereimten 
Psalmen, vermag er doch mit aller Frömmigkeit weder zu fesseln 
noch zu erheben. Endlose Variationen oft gehörter aber besser 
vorgetragener Klagen, Anlehnungen an ältere Muster zeigen das 
Unvermögen des Verfassers, sich von der Gewöhnlichkeit zu be- 
freien und eigenen Gedanken zum Ausdruck zu verhelfen. Gern 
fügt er den Dichtungen einen doxologischen Schluss bei, ohne 
doch hier, wo er doch eigenes gibt, aus dem überlieferten Geleise 
herauszutreten. Als Probe seines geringen Könnens gebe ich die 
6 letzten Strophen seines unter No. 2 verzeichneten Liedes: 

19. Darumb bedenckts ir fromen kind, 
was gnaad vns widerfaren, 

die ir dem herren ergeben sind, 
kein fleiß last vns nit sparen, 
lob, Eer vnd Preiß singt alle zeit 
vmb Euer beruefung willen 
dem höchsten got on widerstreit, 
der vns hat gnad mit solcher freid, 
kein forcht last euch nit stillen. 

20. Kein triebsal, schmertzen oder not, 
ia auch des Todes schmertzen 

last euch verfyeren von Eurem got, 
volgt im von gantz en hertzen, 
bemiet euch recht auf seinem weeg, 
got seelig, fromb zu bleiben, 



134 VII. Die Lieder der Huterer. 

im selber kainer nichts zue leg, 
gotes gnad alzeit hoch erweeg, 
wirt im recht Sicherung geben. 

21. Last euch kein versuechung machen mat, 
in kämpf euch steif zu stellen, 

der allen den zu banden stat, 
die Christo volgen wollen. 
Das himelbrot in solcher not 
wirt Euch zu staten kompen, 
in Gedult verhaii; on alen spot, 
der velß mit waser völig stat, 
ein sicherer Trost der fromen. 

22. Vnd muret nit in vngedult 
nach Israelis weiße, 

damit euch nit in gleicher schuld 
Euer gewißen beiße, 
das nachmals sein genad vnd gunst 
von euch sich thue abschaiden, 
last solche lieb nit sein vmb sonst 
vnd faßet wol aus hertzen brunst, 
last euch Niemand nit leiden. 

23. Verharet steiff in Eurem bruef, 
in Christo vest gegrindet, 
vormessenheit ye nichts guets schueff, 
hat vns Trauren verkindet, 

vnd bleibet fein in ainfalt vest. 
last euch nichts hoch einschwätzen, 
nach ander gnad euch nit vmb secht, 
al frembte stim gentzlich verschmecht, 
fir Irthumb thuet es schätzen. 

24. Lob, eer vnd preiß in deinem reich 
sei dir von vns gegeben, 

got, vater vnser, Christo gleich, 
der warhait geist daraeben. 
Hertzliebster vater vnd treuer got 
du bherscher alcr dingen. 



VII. Die Lieder der Huterer. 185 

laß vns nit sincken in keiner not, 
bewar vns vorm ewigen Todt, 
so wöl wir dier lobsingen. 

Dass Sailer sich an ältere Vorlagen hielt und überall fast 
sklavisch von ihnen abhängig blieb, geht, wie gesagt, im letzten 
Grunde auf sein dichterisches Unvermögen zurück. Und trotz- 
dem wurde er durch seine Bearbeitung biblischer Geschichten 
vorbildlich für andere, so dass die Liederdichtung der Huterer 
fast alle Geschichten des alten Testaments in Verse gebracht hat 
und in dieser Hinsicht wenigstens auch der evangelischen Kirche 
nicht nachsteht. Von Georg Bruckmaier haben wir einen 
Jonas (vgl. später), von Christoph Scheffmann die Geschieht 
Josephs in 3 langen Abteilungen (vgl. später), von Christel 
Schmidt eine Judith, von Caspar Braitmichel eine Rebecca. 
Von ungenannten Dichtern besitzen wir Lieder auf Abraham 
und Isaak, Adam, Daniel, Deborah, Esther, Gideon, 
Goliath, Jephta, Job, die 3 Jünglinge im Feuerofen, 
Lazarus, die Makabäer, Moses, die Schöpfung, Sodoma 
und Gomorra, Susanna, den verlorenen Sohn und die 
Zerstörung Jerusalems. 

Nicht nur an Fruchtbarkeit, sondern weit mehr noch an 
Bedeutung wird Sailler von Peter Riedemann überragt, den 
Gehilfen Lanzenstils in der Leitung der Gemeinde. Er ist der 
bedeutendste Liederdichter unter den Huterern, wie er zugleich 
ihr grösster Theolog ist, dem die Gemeinde ihr dogmatisches 
Lehrsystem, die „Rechenschafft des Glaubens** verdankt. Um 
das Jahr 1506 zu Hirschberg in Schlesien geboren, tritt er schon 
in jungen Jahren zu den Täufern über und ist als Diener des 
Wortes tätig; 1529 wird er in Gmünden gefangen und bleibt 
hier länger als drei Jahre in Haft; seit dieser Zeit führt er auch 
den Namen Peter von Gmunden. Dann wendet er sich zu den 
Brüdern nach Mähren, geht von hier nach Fi*anken, wird in Nürnberg 
gefangen und wiederum mehr als 4 Jahre in Haft behalten, kehrt 
nach Mähren zurück und eilt nach kurzer Zeit abermals als 
Missionär nach Hessen. Dorthin war der Anabaptismus nament- 
lich durch Melchior Ring') gebracht worden, der hier, wo eine 



') Über das bedeutsame Leben und Wirken dieses Mannes sind 
wir noch immer recht im Unklareu. Er predigte (vgl. Hochhuth: 
Protestant. Sectengesch. i. Hessen in Zeitschrift f. histor. Theologie 



186 VII. Die Lieder der Huterer. 

ähnliche lieligionsfreiheit wie in Mähren herrschte, mit grosser 
Tatkraft für seine Überzeugung eintrat und durch seinen Kampf 
gegen die Lehre von der Erbsünde namentlich unter den Schweizer 
Brüdern grossen Erfolg hatte, die sich ganz seinen Ansichten 
anschlössen. 

Nach Hessen zog also auch Kiedemann und auch er hatte 
sich bald grosser Erfolge zu erfreuen. «Die Gemeinde in Hessen 
mehrt sich täglich" schreibt er an seine Glaubensbrüder und von 
anderer Seite wird uns bestätigt, dass fast alle Wiedertäufer, die 
aus Hessen ins Ausland zogen, nach Mähren gegangen seien ^). 
Bald wurde Kiedemann aber auch hier verhaftet und schmachtete 
18 Monate lang teils in Wolkersdorf, teils in Marburg im Kerker. 
Es scheint, dass er in Hessen unter anderem Nam^ auftrat, eine 
Vorsicht, die wir täuferische Missionäre öfters anwenden sehen, 
und sich Peter Lose nannte. Denn wir lesen wenigstens, dass 
ein Peter Lose von Gmünden in Wolkersdorf mit anderen Wieder- 
täufern verhaftet und dann ins Gefiingnis nach Marburg gebracht 
wurde ^) und hören, dass Bucer mit den Gefangenen ein Gespräch 
abgehalten habe, darunter auch mit Peter Lose: jjDer hat dem 
Bucer also lose vnd leichtfertige Antworten gegeben, dass die 
Zuhörer deß zum höchsten gelacht und ist derhalben, weil er 
so höhnisch und verächtlich geantwortet, mit ihm nichts sonder- 
liches geredet worden"'). Freilich verlegen unsere Quellen diese 
Gefangennahme ins Jahr 1538, während die allerdings nicht immer 
verlässlichen Chroniken Kiedemann erst 1540 gefangen nehmen 
lassen. Nach seiner Rückkehr in die Gefangenschaft widmete 
sich Kiedemann dauernd den Angelegenheiten der Gemeinde nnd 
schrieb seine „Rechenschafft", deren erste, uns unbekannte Aus- 
gabe wohl noch vor das Jahr 1545 fällt*); die 2. Auflage wurde 



1858, S. 543): 1. Die Erbsünde von Adam verdammt Niemanden, bis 
80 lang der Mensch zur Vernunft komme und in die Sünde willig. 

2. Er läugnet, dass die Kinder um der Erbsünde willen sterben sollen. 

3. Die Kinder seien vor der Vernunft und ehe sie in die Sünde willigen, 
weder recht, noch ungerecht, weder selig noch unselig, sondern brächten 
von der Geburt guten und bösen Samen mit feich. 

•) Zeitschrift f. histor. Theologie 1859, 233. 
^) A. a. 0. 1858, 611. 
«) A. a. 0. 1858, 644. 

*) Schon im J. 1545 legen die Huterer ihre „Rechenschafft*' vor 
(BGB 169 u. f.). Der 23 Jahre lang gefangen gehaltene Johannes Beir 



VII. Die Lieder der Huterer. 187 

1565 durch Philipp Vollandt gedruckt*), erschien aber erst nach 
Kiedemanns Tode, der am 1. Dezember 1556 zu Protzka in 
Ungarn starb (BGB 206). Die Chroniken sagen von ihm: „Er 
war reich an allen gottlichen gehaimbnussen vnd Erkantnussen 
vnd floss von im heraul^, wie ein wasserquel, der überläufft vnd 
hetten alle seelen freudt, die ihn höreten." 

Seine politische und theologische Bedeutung hier näher zu er- 
örtern, würde uns zu weit fuhren; nur im Vorübergehen sei 
gesagt, dass fast alle politischen Schriften, die von der Gemeinde aus- 
gingen, aus seiner Feder stammten, so namentlich der Sendbrief 
der Gemeinde an die mährischen Stände vom Jahre 1545, und 
dass er in seiner „Eechen schafft^ sich ganz als Schüler Hubmaiers 
zeigt, dessen Schriften er genau kennt. In ihr, die alle Lehr- 
ansichten der Huterer bis ins einzelne genau begründet und aus- 
schliesslich auf Bibelstellen sich aufbaut, befindet sich auch ein . 
Abschnitt „Vom Singen", den wir hier mitteilen, weil er den be- 
deutendsten Kirchenlieddichter der Brüder kennzeichnet: 

Vom Singen. 

PAulus sagt*: Singend vnd psalierend dem herren in Ewrem Eph. sb, 
hertzen mit psalmen, lobgesengen, vnd geistlichen liedem, in ^^^^' ^^' 
der gnad. Darumb sagen wir, das geistliche Lieder zu singen 
gut, dar zu auch angenem sy vor Gott, so sy rechter weise vnd 
art, das ist, mit rechtem aufimercken in der forcht Gottes vnd 
durch das anregen des geist Christi gesungen werden. 

Denn darumb werden sy geistliche lieder genennet*, das sie 2. Pet. u. 
durch den geist gottes oder durch sein anregen gestellet, 
herfür gebracht vnd gemacht sein, vnd das sy auch den 
menschen zur gottseligkeit reitzen vnd bewegen. Derhalben 
wie sie durch das anregen oder angeben des geistes Christi 
gestellet vnd gemacht seind, so müssen sy auch durch des 
selben geists anregen gesungen werden, soll es anders rechter 
weise vnd art geschehen vnd dem menschen nutzlich sein. 

Wo aber das nit geschieht vnd der mensch nur aus fleisch- 
lichen lust oder vmb des wolklingens willen singet oder was 



von Lichtenfels bestätigt 15^7 seinen Brüdern den Empfang einer 
„Rechenschaft vnserer Religion, leer vnd glaubens" (BGB 29 Anmerkg.) 
*) Neudruck in Calvarys Mitteilungen aus d. Antiquariat I 1870, 
254-417. 



188 VII. Die Lieder der Huterer. 

er solches dorann suchet, der verkeret sy in fleischliche vnd 
weltliche vnd singet nit geistliche sondern hüchstahische lieder. 
Dergleichen auch, der es vmb des klangs willen gern höret, 
der höret sy nu büchstabisch vnd nit geistlich, daramb auch 
by jm one frucht, vnd weil es vnrechtör weise gebraucht, ge- 
Psa. 50b. sungen vnd gehöret wirt*, so sündiget der so es thüt hart wider 
got, weil er sein woi't, das jm zum heil vnd reitzung zu der 
gotseligkeit geben war, zum lust des fleisches füret vnd zur 
Sünde brauchet. Also wirt es jm in schaden verkehret vnd 
wiewol es an jm selber geistlich ist, so ist es doch dem selben 
menschen letzt nit mer ein geistlich sonder ein weltlich lied, 
denn es nit geistlich gesungen wirt. 

Der es aber geistlich singet, der trachtet vnd dencket einem 
ietzlichen wort dorinnen auff das fleissigest nach, wie weit vnd 
2. Tim. 5b. wohin OS reiche, warumb es dohin gesetzet sey*, vnd wie es 
jm zur besserung diene. Der es nun also handlet, der singet 
dem Herrn zum preiss, jm selbs vnd auch andern zur besserung 
vnd reitzung in die frumbkait. Also ist es wol gelungen, 
sonst aber vergeben. Auch gestatten wir nit vnter vns, das 
andere denn geistliche lieder gesungen werden." 

Von diesem Standpunkt aus muss man Kiedemanns Lieder 
betrachten, um ihnen gerecht werden zu können. Doch zuvor 
wollen wir seine Lieder verzeichnen und einige von ihnen, die alle 
ungednickt sind, als Probe mitteilen. Die meisten enthält der 
Codex Budap. Ab. 16 Bl. 240— 83 » unter dem Titel: Hernach 
voigen Etlich scheue tröstliche Lieder Peter Kidemanns, die Er 
in seiner gefenckhnus vnd änderst wo in seiner auifenthalt ge- 
macht hat. Allen fromen seer tröstlich zu singen. 

1. Das Erste Liedt Im thon Kombt her zu mier, spricht 
Gottes Son. 

Ach Gott in deinem höchsten thron 
weist du dich jetzt erbanuen thuen. 

6 Str. Pressb. 232 Bl. 319». 

2. Das Ander Liedt Im Thon: Ach Gott wie geet es imer zue. 

Bey got ist vil hail vnde gunst, 
krafft, sterckh, sig, vberwinden. 

7 Str. Pressb. 232 Bl. 320*. ' 

3. Das dritte Liedt. petter Ridemands. im thon pange lingua. 
In Hessen gemacht. 



VII. Die Lieder der Huterer. 



189 



Danckh, Eer vnd preiß sey gott dem Herren, 
der vns zu seines namens Eeren. 
9 Str. Gran III 200 Bl. 15»; Pressb, 232 Bl. 309 ^ 

4. Das vierdt Liedt. Im thon: Jesus Christus vnsser heil- 
landt. zu Gmunden gemacht. 

Es ist der heiT, vnser haillandt, 
der von vns den zom Gottes wandt. 
22 Str. Pressb. 232 Bl. 324*. 

5. Das fänifte Liedt. Im thon: ein Bliemlein auff der haiden. 
zu Gmimden gemacht. 

Fröllich so wil ich singen, 
den vatter preisen than. 

17 Str. Gran IH 200 Bl. 244; Vindob. 14554 Bl. 262; 
Budap. Ab. 1 Bl. 155; Pressb. 194 Bl. 71; 203 Bl. 127; 232 
Bl. 306». 

6. Das Sechste Liedt. Im Thon: Wonigelich schon ist dein 
gestalt. zu Gmtinden gemacht. 

Gar herrlich schön ist dein gestalt, 
Herr himels vnd der Erden. 
9 Str. Gran IH 200 Bl. 68»; Budap. Ab. 2 Bl. 220; Pressb. 
232 Bl. 316. 

7. Das sibent Liedt. Im Thon: Du vatter aller güete. in 
Hessen gemacht. 

1. Hört wellen ein Liedtlen sin- 3. Der die selb wil erkenen, 



gen 
vnd das von hertzen gier, 
Gott helffs mit lust verbringen 
zu seines Namens Eer, 
das wir ietzt fürher bringen 
die recht heilligen dingen, 
die hertzen zu raitzen mit. 



der merckh aufs herren wort, 
recht wolleu wir sie euch 

nennen, 
die Lieb ist selber gott, 
wie vns Johannes schreibet, 
welcher darinnen bleibet, 
der ist im eingesetzt. 



2. So wellen wir ftir vns nemen, 
das wir firs beste han, 
göttlicher lieb nit Schemen, 
die erst recht schauen an. 
Sie ist der rechte kerne, 
leicht wie der morgen steme 
ins finster scheinen tuet. 



4. In dem wirt auch gott leben, 
der sie bewaren wirt, 
vnd halt ein Newes leben 
in im an lieben wirt, 
in nach seiner art richten, 
das hinfür änderst nichte 
bey im einwurtzlen wirt. 



190 



VII. Die Lieder der Hnterer. 



5. Gleichwie ein feuer brinet, 
frist, was nahet darzue, 
wens vberhandt gewinet, 

so wirt auch die lieb thuen. 
Was nit ist irer Arte, 
das nahet nit zu gotte, 
wirt halt von im verzert. 

6. Den er ist angegeben 
dem fleisch ein feuers flam, 
draufF last uns merckhen eben, 
wie es geschach etwan 
nach den fleischlichen lüsten 
Israel in der wüsten, 

do sich gott hören ließ. 

7. Eer schein im in ein feuer 
vnd auch Mose im pusch, 
daran beten sie scheyen, 
das macht, des fleisches Lust 
mueß da werden verzeret, 
so der mensch zu im kerett, 
bekombt ein ander gstalt. 

8. Wie sich im Mose zaiget, 
do er vom berge gieng, 
ein klarhält zu vns naiget, 
die hinfiir die fleischling 
nit recht mögen anschauen, 
den in thuet darob grauen, 
ist in nur menschen strickh. 

9. Wer aber sfeuer leidet, 
ich main die göttlich lieb, 
das in im u* werckh treibet, 
vnd ir Art bey im ieb, 
dem wirt klar sein gesiebte, 
wie vns paullus berichtet: 
Im herren ist klarhält. 

10. Der mag alsden erkenen, 
was des heiTen werckh ist, 



weil durch des feuers brennen 
fleisches vil verzeret wirt 
vnd gantz von im vertriben 
wirt wandlen in der liebe, 
welche Gott selber ist. 

11. Die wirt dem glauben helffen, 
dan on sie ist der nichts, 
wie paullus thuet entwerffen 
mit solchem wort bericht: 
Wen ich schon glauben hette, 
damit ich berg versetzte, 
wer doch nichts on die lieb. 

12. Wen aber in eim flechten 
der glauben vnd die lieb, 
so wirt beweiset rechte 

die volckh des glaubens hie 
mit recht christlichen fpchten, 
den die lieb thuet sich richten 
zu halten gottes will. 

13. Daran hats iren luste, 
raitzt auch den menschen 

darzue, 
das er nichts anders sunste 
im hertz erwöUen thue, 
den gott suech zu gefallen 
dai'nach sich keren zu Allen 
die gott ergeben sindt. 

14. Den durch die lieb zu dienen, 
das recht christlicher art, 
nach rechter Christi Ionen, 
der vnser vorbildt war, 
von Himel vns gesendet, 
sich baldt zu der Lieb wendet 
an vns bewisen hat. 

15. Das wir auch also handien, 
im volgen rechter maß 

in rechter Liebe wandlen 



VII. Die Lieder der Huterer. 



191 



beweisen die ye baß, 
aus rechter hertzens giere, 
das mit eill balt vnd scliiere 
die zeit ist vor der tbier. 

16. Weil sich der feindt tbiiet 

regen 
mit seinem gschwinden lüst, 
wil vns all nider legen 
sein grausam an schlag ist, 
darumb zu aller friste 
solt euch wider in rüsten 
mit lieb vnd glaubens kraift. 

17. Auf das die in euch brinne, 
der glaub auch leichten thue 
vnd stetz den sig gewine, 
im streit obligen thue, 

den die Liebe vnde glauben 
ist eine feuerine Mauer 
vmb die in Gott bestan. 

18. Ob schon der hellen porten 
mit dem tödtlichen gschoß 
vnd vil des feindes poten 
mit iren weren bloß 

sich darwider thuen stellen^ 
so wirt sie gott balt feilen, 
der die Rinckh mawer ist. 

19. Drumb merck der lieben arte, 
was sie für weise hat, 
daran solt halten harte 

will haben vnser gott. 
Ist vns darumb geschriben, 
das wir vns sollen yeben 
vnd stets in Eeren han. 

20. Wie wol groß ist die liebe, 
leeret doch nidrigkait, 
darin soUn Mar vns yeben 
vnd leben alle zeit, 



was sie in vns beweiset, 
auff das gott werd gepreiset, 
in vns alzeitt erhöcht. 

21. Je ringer wier vns halten, 
ye mer erhöch wir in, 

das thuet vns die lieb schaffen, 
das wh' auch gleich wie in 
sein kindt mit trewen eeren, 
den das thuen wir dem herren, 
der bey im wonung hat. 

22. So thuet sich die lieb zaigen 
in vns an gottes kindt, 
thuet sich zur lanckhmuet 

naigen, 
ist freindlich vnd gelindt, 
eiffert nit mit verbunst (!) 
hat auch kain murren sonst e 
vnd wider beiset nit. 

23. Die thuet sich nit auff blassen 
vnd ist nit vngeschickht, 
thuet die vnzucht verlassen, 
sich mit kain vnrecht flickht, 

nach aignen nutz nicht trachtet, 
alles bitter verachtet 
vnd was zum zorae fiert. 

24. Thuet nichts zum argen 

messen, 
hat kain lust zum vnbill, 
sonder thuet mer vergessen 
alle des fleisches will. 
Was nit gibt gottes geiste, 
scheicht sie am aller maisten, 
hat an der warhait lust. 

25. Deren sich hertzlich freyet, 
dai'umb spart sie kain fleiß, 
biß yedennan betreuet 
nach vnsers vatters weiß, 



192 ^11- ^iö Lieder der Huterer. 

der vns mit sein guet fillet, das ist das hail der seellen, 

so die lieb sieh nit stillet, Jesus Christ, gottes Sun. 

beweisen u^e art. Welcher fast an im haltet, 

sein hertz von im nit spaltet, 

26. Sy thuet alles veitragen ^^^ ^^^^ ^^ ^^^^ ^^^^ 

vnd legts im besten aus, 

darzue sich guet Vertrauens 28. So last vns darauff merckhen 

vnd hofft ins herren hauß, im hertz bewaren wol, 

werdt sich kainvnrecht finden, durch in im glauben sterckhen 

den gott fiert seine kinde auff das wir all zumall 

gleich wol auff rechter ban. mit im den sig erlangen, 

die verhaißung entpfahen 

27. So Wirt sie nimmer fällen ^^^^ j^ ^^jg^ clai-hait. Amen, 
fleist sich des mittels schon, 

8. Das Achte Liedt. Im Thon: Kombt her zu mir sagt 
Gottes son. Zu gmunden gemacht. 

In Gottes Reich sind freiden vill, 
vnbegreifflich menschlichen sin. 
13 Str. 

9. Das Neinde liedt. Im thon Ein Milner ist gesessen zu 
Bassel an dem Rein. Zu Gmunden gemacbt. 

Komb, gott vater von himel, 
mit der krafft deines geists. 
16 Str. Im A. 211 (WKL 3,518) wird das Lied Hans Lang- 
mantel zugeschrieben. 

10. Das zehendt Liedt. Ins perners thon aus dem XXXII. 
capitl Deuteronomij gezogen in hessen gemacht. 

Losend jr Himel, das ich red, 
merck auch darauff, du gantze erdt. 
18 Str. 

11. Das Ailffte Liedt. Vom leiden, sterben Jesu Christi' 
vnsers haillands. im thon: Mensch mit mir klag oder maria zart. 
In hessen gemacht. 

Merckt was ich sag, 
groß ding geschaeh. 
58 Str. In meiner Hs. Bl. 165—88; Budap. Ab 2 Bl. 166; 
Pressb. 163 Bl 521«; 232 Bl. 219. 

12. Das zwelffte Liedt. In des pentzenawers thon, zu 
schäckowitz gemacht. (Hier folgt das Lied nach meiner Hs. 
Bl. 217—23)1): 

') Auch im Cod. Pressb. 212 Bl. 225» 



VII. Die Lieder der Huterer. 



193 



1. Nun wolt ich geren singen 
vnd das von hertzen mein, 
Got geh mirs zu verbringen 
zu lob dem Namen sein. 
Sein Giet wil ich erzellen, 
die er an vns hat thon, 
sein wunder werck veryehen 
mit begier das heben an. 

2. Anfangs hat er bescbafeu 
den himel vnd die erd 

vnd hat auch werden laßen 
alles, was darin schwebt, 
hat damit wölen anzaigen 
sein sterck vnd große macht, 
den durch sein wort her naiget 
der Tag nach dunckler nacht. 

3. In irem lauif die Sone 
vmb get des himels kraiß, 
die steren vnd auch der Mone 
gehorchen seinem ghaiß, 
nichts widerstrebt seim worte, 
mueß alles fir sich gähn, 
erscheinen an seim orte 

zu Ehren seinem Nam. 

4. Damit thuet er beweißen 
das nit ist Seines gleich, 
vnd thuet sich selber preißen, 
mit seinen gaben reich, 

die er von himel sendet 
durch Christum seinen söhn, 
indem sich der zorn endet, 
erbarmung nahet schon. 

5. Daruon wil ich ietzt singen 
vnd frölich zaigen an, 

von hertzen gier fier bringen 
wie er vns hat fir an 
zn seinem volck erwelet 

Wolkan, Lieder der Wiedertäufer. 



aus aller weit gemain 
vnd seine Kind gez eilet, 
von [im] sind gmachet rain. 

6. Vor lengst hat er verhaißen 
durch sein Propheten recht 
vnd im son vns thuen laisten 
sein gsatz, geschriben schlecht 
in die taflen des hertzen 
durch den geist seiner trew, 
damit er vns an schertzen 
macht im gewißen new. 

7. Sein wortthet ervol strecken, 
wie er verhaißen hat, 

vnd vns vom schlaf auf- 
wecken 
da vns beherscht der tod, 
Heß sein wort halt her fließen 
in Eine raine magt, 
thets da mit fleisch vmb- 

schließen, 
ein kind geboren wart. 

8. Da[s] thet in kraft er ^achßen 
nach Seim ewigen rad 

vnd des vatern werck schafen 
zu dem es gsendet ward, 
den vater zu verkleren, 
dem menschen kund zu thuen 
sein ewig macht vnd ehre 
vnd seine warhait schon. 

9. Nach dem nun das vollendet 
vnd er mit seinem tod 

vns den zorn abgewendet 
vnd vberwunden hat 
die sind, teifel vnd weite 
vnd vns gemachet frei, 
ist er wider erstanden 
vnd gieng zum vater ein. 

13 



194 



Vn. Die Lieder der fluterer. 



10. Doch hat er vor angeben 
sein Jungem algeleich, 
•das in im sei das l^ben, 
der weeg zu seinem reich, 
welcher darein wil komen 
Tnd mit gott fride han, 

der mueß in kurtzer Sumen 
hie sein wort nemen an. 

11. Darumb schickt er sie bhende, 
sprach: Oeet in alle weit 
biß an der erden ende, 
mein wunder that erzelt, 
das Evangeli saget 

alen menschen gemain, 
mein rad in heil fir traget 
▼nd mischt kein anders drein. 

12. Damit solt ir sie leeren, 
dies aber nemen an 

vnd sich zu mir bekeren, 
die solt ir taufen schon 
zu Vergebung der sinden, 
die sie vor haben than, 
das sie bei mir gnad finden 
vnd ewige freid empfahn. 

13. Dan wer dem wort nit glaubet 
vnd sich drein geben thuet, 
wirt des lebens beraubet, 
falt in ewige gluet; 

sein tail den muß er haben 
in dem feurigen teicht, 
hin mit den sindem traben 
von dem ewigen reich. 

14. Dinimb, wer gemain wil haben 
mit got vnd seinem söhn, 
der mueß im selb absagen 
vnd alie seinem thon, 

den alten menschen töden 



mit alle seiner gier 
vnder Christum in nöten 
vnd das halt, schnei vnd schier. 

15. So ist vns fier gehalten 
der Tauf, mich recht versteet, 
das der mensch vnzerspalten 
in bund gotes ein geet, 
sich im gantz thuet ergeben 
mit leib vnd leben sein, 
sein wort bewar gar eben 
vnd leb von hertsen rain. 

16. Der halb wirt er genenet 
eines gueten gwißens bund. 
da der mensch got erkenet 
vnd wirt zur selben stund 
gar recht wieder geboren 
durch waßer vnd den geist, 
von got zum kind erkoren, 
der im sein treue laist. 

17. Alle mit got verainet 

wirt der mensch eingebracht 
in Christi gmainschaft raine 
vnd seiner art gemacht, 
seins sins vnd gantzen lebens 
der vnbekleglich ist, 
sonst ist alles vergebens, 
wie schön 's ansehen ist. 

18. Drumb, wer su got wil komen. 
sols also heben an, 

die sind, die er begangen 
hat, sol er wol verstan 
vnd an den selben tragen 
ein rechten vnlvst Bwar. 
feindschaft dar wider haben 
yud die veriattett gar. 

19. Damadi sich got begehen 



Vn. Die Lieder der Huterer. 



195 



zum dienst der warhait sein, 
ein gantz heilliges leben 
darin sich geben fem, 
das von im fir her scheine 
■des heiTen werck vnd that 
vnd von hertzen alleine 
sein lust darinen hat. 

20. So wirt er den gemachet 
vnd got dem hen-en rain, 
fruchtbar in allen Sachen, 
die im gefellig sein, 

wie ein bäum, der gepflantzet 
ist an dem waßer ström, 
da die warhait her glantzet 
zu ehren seinen nam. 

21. Darin yebt euch, ir fromen, 
eeret den herren schon, 
sein gnad ist euch zue komen, 
von seinem himelsthron, 

ihr habt den weeg ergriffen, 
der euch zum leben tragt, 
seit nur darin geflißen 
vnd wandlet vnuerzagt. 

22. Die zeit ist kui-tz vnd klaine, 
die stund lauft halt dahin, 



sehent auf in alleine 
vnd festnet euren syn, 
das euch kein triebsal 

schweche 
in den fir nemen guet, 
auf das euch nit abbreche 
der feind mit seim betrug. 

23. Drumb wachet auf mit eyle, 
be weißet euren fleiß, 
brauchent nit langer weille, 
einer die lieb beweiß 

an dem andern mit giere. 
Der her ist auf der bau, 
Wirt euch ansprechen schiere 
mit im fieren daruon 

24. Zu dem erb aller fromen, 
das er beraitet hat, 

drein wm'd ir mit im komen 
vnd leben one spot, 
mit ewig wun vnd freiden 
dasselb in preißen thuen. 
Von im wirt euch nichts 

schaiden, 
das ist der frommen lohn. 

Amen. 



13. Das Drey Zehende Liedt. In deß herzog Emsts thon 
zu singen. In Hesen gemacht. 

1. O Herr, des thron im himel ist, 

der du gott in ewigkeit bist, 

alls hast du in dein henden. 

Dein weißhait welstu geben mir, 

mein hertz mit kunst berichten schier 

vnd mir deinen geist senden, 

der meinen mund berichten thue 

mit deinem gsatz vnd werte, 

das ich dein lob verkünden thue 

Äuff erdt an allen orten, 

13* 



196 VII. Die Lieder der Huterer. 

vnd dich, du Edler schöpffer mein, 

mög aller weit bezeugen 

zu lob dem gi'osen namen dein. 

2. Du bist der Herre vnd kainer mei\ 
Darumb gehört dir alle Eehr 

im himel vnd auff erdten. 

Die du durch deine grosse macht 

aus nichten hast herfüer gebracht,. 

wie sie gesehen werden, 

die Sonn vnd Mon, des himele her,. 

die Stern mit irem scheine, 

die zaigen an dein grosse Eehr 

wol nach dem willen deine, 

darzue die Erdt mit irer zier, 

die sich fruchtbar erzaiget, 

das kombt nun her allain von dier. 

3. Der vogl sich im lufFt erschwingt 
mit dem gesang, das er vns singt, 
zaigt dich sein schöpffer werde. 
Er singt, das in dem walt erschall, 
dein werckh das sieht man vberall, 
das nit vergessen werde 

das woii; vnd der gehorsam dein, 

den du herr hast beuolhen 

den menschen, ein werckh der finger dei» 

vnd irae das nit verböllen, 

das er sich halt des willen dein, 

so er den nit verlasset, 

sol er bey dir sein vnuersagt. 

4. All Creatur, wo die nur ist, 

des vns ein klar herrlich leer ist, 
dein ghorsam vns vorschreibet, 
es sey im himel, wasser, erdt 
oder wo es in dem lufft schwebt 
in dein gehorsam bleibet. 
Das Meer mit seinen wellen groß 
dein wort nit vbergehet, 
darzue der Leviathan groß^ 



VIL Die Lieder der Huterer. 197 

-des macht in wasser stehet, 
vnd was sich darin regen thuet 
auff deinen beuelch harret, 
auf das es in verbringen thuet. 

5. Kain Creattur feilet deins worts, 
der mensch, der die erkandtnus hat, 
aus deiner gnadt erlanget, 
das er bewar den ghorsam dein, 
verlast \inllig den schöpffer sein, 
so er der sind an hanget, 
verleust also das götlich bildt, 
nach dem er ist erschaffen, 
erzimt damit dich, vatter milt, 
vnd liebt, das er solt hassen 
vnd treibt also das wider spill, 
so doch kain Creature 
sonst vbergangen hat das zill. 

«6. O Herr, das thuet mich krenckhen seer, 
das gar vergeßen ist dein Eehr 
bey allen menschen kinder, 
das sie nicht recht wissen von dir 
vnd wie das vieh sin dt worden schier 
in Sünden gar. geschwinde. 
Die nimbt bey in gantz vberhandt, 
ein bluet schnldt riert die ander, 
neidt \Tid zanckh ist im gantz en landt, 
ein volckh wider das ander^ 
des fridens ist vergessen gar, 
wer sich zu dir wil keren, 
den verachtet die gottlos schar. 

7. Noch bistu reich von gutthat groß, 
dein erbennbt werd on vnder loß, 
hat minermer kein ende. 
Der du nit wilt der sinder todt, 
darumb verkindst in deine .wort, 
das sie sich zu dir wenden, 
leemen, wie. all Creatur hat 
^ich deiner Ordnung halten, 



198 VII. Die Lieder der Huterer. 

sich auch begeben deinem wort, 
das hertz von dir nit spalten, 
auf das sie als die kinder dein 
sich deines willens halten, 
wiltii ir gott vnd vatter sein. 

8. Wer ietz nit mag erkennen dich, 

der nem dein herrlich werckh für sichv 

das dein handt hat gestellet, 

welches ist so ein herrlich zier, 

wie wol doch gar nichts gegen dir, 

den es alles verfeilet, 

nach deinem wort sein ende hat, 

du aber, hen', wirst bleiben. 

Wer auf dein wort sein merckhen hat^ 

wie du das selb thuest treiben, 

dem zeigstu dann dein gestalt, 

wie vns Paullus thut schreiben, 

do wii*t gesehen dein gewalt. 

9. Wer den selben erkenet recht 
vnd sein glider dir gibet schlecht 
zu waifen deinem werckhe 

in dem willen, gleich wie du hast 

zuuor berait der Sonnen glast 

mit allen deinen werckhen, 

den mensch zu deiner Eeren zier, 

daruon er ist abtretten, 

dein werckh verbringen mit begier 

wie er dich hat gebetten, 

in widerfüeren in dein bildt, 

das er do wardt erfunden 

dohin du in, hen*, hast gestellt. 

10. Der todt behen'scht die menschen all 
vnd hat sie bracht in schweren fall, 
dauon sie nit geneßen, 
biß Christus kombt mit seinem reich,. 
in im anfacht za wonen gleich, 
als wir in der gschrifft lesen. 
Sonst ist kain hatl aaff erden nit 



VII. Die Lieder der Hnterer. 199 

der mensch mueB ewig sterben, 
wo er nit kert seinen ^eB tritt 
zu Jesu Christ den herren 
vnd in im glauben nimet aufi^ 
das er werdt neu geboren, 
verfiegt der gottes kinder haaff. 

ll.Darumb, o mensch, hör wer du bist, 
ker dich halt, schnell, mit eil zu Christ, 
der dir kan hail erwerben, 
vnd bleib an im vest vnuerzagt, 
das dich der feindt nicht von im jagt, 
füer ein ewiges sterben, 
den er ist die genaden thür, 
die vns zum vatter bringet, 
da stehend alle heiligen füer» 
die im ewig lob singen. 
Herr, hilff vns mit freiden hin, 
das wir dich mit den fromen 
stets loben mit fridlicber stim. Amen. 

14. Das Vierzehende Liedt. Im Thon: nun wellen wirs aber 
heben an. In Hessen gemacht. (Das Akrostich ergibt den Namen: 
Peter Hidemann). 

Preisent mit mir den herren, 
der wunder zaichen thuet. 
12 Str. Pressb. 232 Bl. 300 mit 16 Str, unvl gestörtem 
Akrostich: Petev Ridema . . . 

15. Das Fünffzehendte Liedt. Im Thon: Wil, sin vnd gemiet 
rieht auff zu Gott. 

Quit^ ledig, loß hat vns gemacht 
Christus von todt, des teiffela macht. 
9 Str. Gran III 200 Bl. 389 »; Pressb. 203 Bl. 350; 232 
BL 298» mit der JahressiOil: 1556. 

16. Das Sechtsehendte liedt Im Thon: Frölich so wil ich 
singen. In Hessen gemacht. 

Recht last vns auff gott trauen, 
auff sein heil achten wol. 
26 Str. Gran lU 200 Bl. 397. 

17. Das Sibenzehendt Liedt im thon: Ich frey mich dein, 
O Vatter mein. In Hessen gemacht. 



200 yil. Die Lieder der Hute^er. 

Sehr lieblich ist dein wonuhg, herr, 
irs gleich ist nit nahend vnd feer. 
16 Str. 

18. Das Achtzehendt Liedt. Im Thon: Eem werdt auff Erdt. 
Zu schäckowitz gemacht. 

Trost inich vnd sich, du vatter mein, 
wie fein ich iezund zil. 
9 Str. Pressb. 232 Bl. 243*. 

19. Das XIX. Liedt. Im Thon. Kombt her zu mir, spricht 
Gottes söhn, oder der weite pracht erschröckhet mich. Zu Niem- 
berg gemacht*). 

1. Vom Vatter ist vns geben an 
ein laufFen auff der rechten ban, 
nit nach menschlicher weise. 

Er hat beräit das leben guet, 
durch Christum vns anbieten thut, 
dem jaget nach mit fleisse. 

2. Wer auff der Strassen wandlen wil, 
mit Christo ergreiffen das zill, 
götliche lieb muß haben, 

mit glauben wol gerüstet sein, 
welcher aber wandlet im schein, 
der laufft zur selten abe. . 

3. Der gl eisner ist bei gott verschmecht, 
nichts götlichs in seim hertzen tregt, 
hat nur betrug darinen. 

Sich selb verfiiert vnd au der vill, 
wer auf den schein nur bawen will. 
Glaub mueß die werckh verbringen. 

4. In glauben kein mensch gott gefeit, 
wie vns Paulus ein zeuckhnus stelt, 
thuts den Ebreern schreiben. 
Noch ist göttliche lieb das best, 

das sich kains andern dunckhen lest, 
es mueß bey ein äiider bleiben. 



Auch im Pressb. Cod Bl. 232 BJ. 312». 



VII. Die Lieder der Huterer. 201 

5. Wen ains gebricht, hats ander nit, 
die lieb verlast den glauben nit, . 
sie thuet das gsacz erfillen. 
Sonst ist der glaub erlegen todt, 
wie die lieb nit ir wirckhung hat. 
Es haist, tlme gottes willen. 

6. Der herr vei'fluecht den leeren bäum, 
dunckht mich sey war vnd nit ein träum. 
Er will gewißlich haben 

ein fruchtbars schoß am weinstockh guet, 
welchs aber nit fnicht tragen thuet 
das schneidt der vater abe. 

7. Drumb schaw, das hertz sei recht gestalt 
vnd merckh, wie es gott wol gefeit, 

^dlt anders nit verderben. 
Beweiß mit trew den glauben dein^ 
göttliche lieb laß mayster sein, 
so wirst das leben erben. 

8. Das ist also der weeg zum reich, 
der mitlen ban gar oben gleich. 
Laß dich kain anders leeren. 

In Christo findstu alles hail, 

das sei, kindlen, dein bester taill, 

von ietzundt immer mere. Amen 

20. Das XX. Liedt von der Zerstörung Jeinisalem. Im thon: 
Ich stuendt an einen Morgen. Zu schäckowitz gemacht. 

Wellen von der Zerstönmg singen, 
die Josephus beschreibt. 

65 Str. Ein wenig bedeutendes Gedicht, aber ziemlich 
verbreitet: Biünn 512 Bl. 237—43; Gran m 
155 Bl. 38 ff; Jahrb. 13, 47; Pressb. 194 Bl. 147; 
203 Bl. 124; 212 Bl. 205«. 

21. Das XXI. Liedt. Im Thon. Ewiger vatter im Himel- 
reich. In Hessen gemacht. Dan. 3. Captl. 

Zu Babel was ein könig reich, 
auff Erdt was an macht nit sein gleich. 
15 Str. Auch Gran HI 200 Bl. 122^ Budap. Ab 2 Bl. 
202; Pressb. 212 Bl. 225. 



202 



VII. Die Lieder der Huterer. 



Zu diesen im Budapester Cod. Ab 16 entbaltenen Liedern 
Kidemanns kommen aus anderen Quellen noch folgende. 

22. Gran III 200, Bl. 358» u. Jahrb. XIII, 58: Ein Lied 
Petter Rideman, zu Gmunden gemacht. Im thon: Martinus ist nit 
gesebwigen. Ich gebe das Lied na«h der ersten Quelle: 



1. Der weeg, warhait vnd leben 
das ist gottliche woii;, 
welcher dai'nach thuet streben, 
ergi*eifft des himels port. 

2. Den lieb, hoffiiung vnd glauben 
ist vns sicher firwar 

ein velß vnd ehrine Mauer, 
die Niemand zerstören thar. 

3. Die port der hellen tieffe 
zu Schanden werden mueß, 
ob sie sich daran ließe 
mit des teuffels geschoß. 

4. Die mauer thuet vmb geben 
das hauß gottes allain; 

ich main aber, merckh eben, 
die kinder gottes fein. 

5. Die ir hertz domit zieren, 
behaltens keisch vnd rain, 
sich auch in der lieb yeben, 
zu halten den willen sein. 

6. Den die lieb thuet sich naigen 
zu dem, der got gefeit, 
den menschen hie zu eigen 
gott dem vatter zuestelt. 

7. Gottes werckb thuet sie 

wirckhen, 
durch sig auch lebend wirt 
der glaub, der sonst ist todte 
vor gottes ange sieht. 

8. Nichts ist der liebe gleiche, 
den sie gott selber ist, 



drumb wir sy billich preisen, 
die vnser helffer ist 

9. Auch kan die lieb nit liegen, 
was sy redt, das ist war, 
den sie kan nit betriegen, 
ist vns gantz offenbar. 

10. Sy thuet sich nit groß achten, 
kein falschait in ir hat, 

nit nach redt noch verachtet, 
treibt aus Niemandts den spott. 

11. Jederman thuet sie dienen, 
ir art sie fiBr sich treibt, 
freindlicb, sanfft vnd gelinde 
ist sy zu aller zeit. 

12. Ob der warbeit sich frevet, 
darin ir kurtz weil treibt, 
für der lugen sich scheyet 
vnd der vnghrechtigkait. 

13. Wer lieb bat, kan nit ireii 
von weeg der warhait guet, 
sein hertz mag nit verwiren 
die falsche leer vnd trug. 

14. Den wer gy thuet ergreiffen, 
in dem Grott wonen wil, 
durch die krafft seines geistes 
er in bewahren wil. 

15. Das er beim mitl bleibe, 
welches Gott selber ist, 
sich nit lasß weitter treiben, 
den er von Gott glemt ist. 



VII. Die Lieder der Huterer. 



203 



16. Thuet im hertzen besehen 
seins nächsten nutz vnd hail, 
das er kain anstoß gebe 
dem schwachen brneder sein. 

17. Vevwürun^ der gewissen 
die lieb nit tragen mag, 
den sy ist selbs gewissen, 
das sy anderer schwachhait 

ti'ag. 



18. Darumb ein liechtwirtgiienet, 
ins dunckl scheinen tliuet, 
den dnrch sy wirt erkennet, 
was vor gott ist recht vnd guet. 

19. Dem solt mit flelB nach 

streben, 
darin auch wandlen guet, 
das ir das ewig leben 
mit Christo erben thuet. 

Amen. 



23. Cod. Gran III 200 Bl. 70; Budap. Ab 2 Bl. ^08; 
Pressb. 232 Bl. 295: Ein ander Liedt. Im thon: sun Dawidt 
erhör mein bit. Zu gmunden gemacht. 



1. Gott mich ernert, 
Trutz der mirs wert, 
auff in so will ich tränen. 
Er ist mein scbilt 
vnd helffer milt 
mein grundt, darauf ich baue. 
Auf in hoff ich, 
darumb er mich 
nit last zu schänden werden. 
Hecht mir zuhandt 
sein sighafft handt, 
last sein hilff obmir schweben. 



3. Den ich nit mag 
all meine tag 

dein lob gnuegsam verkinden, 
das dn nrich hast 
aus gnaden bracht 
zum hauffen deiner kinder, 
die alle zeit 
in wohn vnd freidt 
vnder deinem sehnte sitzen, 
mich auch bewar 
in deiner schar, 
dein lob in mir erhitze. 



2. O Gott, mein krafft, 
meins geistes safft, 
der du mich kanst erquickhen, 
meins hertzen s liecht 
mich dir verpflicht, 
früe ich mich zu dir schicke. 
Fir mich hinan 
auff deiner ban, 
das ich in deim haiiß wonne, 
mein leben lang 
dir sage danckh 
vnd deinen namen lobe. 



4. In Rainigkait 
mein hertz berait, 
mit deinem geist schon ziere, 
gib lust vnd lieb 
das ich mich yeb, 
in deinen gsatz volfiere 
das leben mein 
vnd ich onög sein, 
wo diu Ewig thuest bleiben. 
ISgan iiertz nach dir 
hat groß begier, 
vmb hüff ich sn dir «dhreye. 



204 



VII. Die Lieder der Haterer. 



5. Wie mag es sein, 
- Vatter mein, ' 

das du dein kind verlassest? 

Ich glaub vnd waiß 

dein grossen fleiß, 

damit du ob mir wachest, 

in aller uoth, 

ja auch in todt 

thuestu von mir nit weichen, 

in feuers strauß, 

Schwert, wasser sauß 

wirtstu mir gedult raichen. 

6. Biß du mein schütz, 
darumb ich trutz 
spreche zu aller weite 
vnd frag nit hoch, 
was mir darnach 
zuesteen wirt manigfalte, 
das ich allain 

mit deiner gmain 

hej dir b'n eingeschriben. 

Was ligt daran? 

Von jeder man . 

ich ietzundt werdt vmbtriben. 

7. Ich nit nächlaß! 
Herr, hilff mir baß, 

dein willen wil ich halten, 

den stieß vnd leicht 

ist er allzeit 

vnd thuet meinhertz gefallen, 

weil du allein, 

gott, vatter mein 



das werck in mir thuest 

würckheu, 
darzue ich dir 
mich gantz er^b, 
dasgschech in mir dein willen. 

8. Wilst mich nun, Herr, 
vmbbringen gar, 

will ichs von dir annemen, 

mein guet vnd leib,' 

ja geist vnd leih 

sey alles dir ergeben. 

Ich stee vor dir, 

all mein begier 

nach deiner gnadt thuet 

streben, 
ich glaub deim wort, 
das nach dem todt 
du mir das reich wölst geben. 

9. Mir ist es guet, 
erfreidt mein mueth, 

was du mit mirthuest machen. 
Dein trew ist groß, 
darauff ich hoff, 
du thuests zum besten 

schaffen. 

Darumb ich hab 

glaub, hoffiinng zwar, 

mit dir mich zu erfreyen. 

In deinem reich, 

Herr, ewigcleich 

werd ich bey dir beleiben. 



24. Budap. Ab 2, Bl. 216»: Ein schöns Lied im ton: Mar- 
tinus ist ein klueger man. P[eter] Rpdemann]. 

Welcher cristo nachuolgen will 
vnd ergreiffen das himlisch zill 
11 Str. Pressb. 232 Bl. 314. 
26. Budap. Ab 2, Bl. 223: Ein Liedt im thon: Vngnad beger 
ich nitt von dier. P[eter] Rpdemann], 



VII. Die Lieder der Huterer. 205 

Gott der herr ist mein schilt vnd sterckh 
darzue mein burckh, darauff ich mich verlasse. 
5 Str. Pressb. 232 Bl. 318. 
Zwei Lieder Eidemanns enthält der Ausbund: 

26. S. 5: Der Christlich Glaub, gesangsweiß gemacht, wirt 
auff vilerley Melody gesungen. 

Wir glauben all an einen Gott 

Vnd lieben ihn von Hertzen. 
Auch in Gran III 200, Bl. 163; Liliencron, S. 131. Über den Text 
vgl. Zeitschrift f. Kirchengesch. 12, 491. Über Kideraann als Ver- 
fasser des Liedes BGB 231 und 649. 

27. S 118: Ein ander Marterlied, von siben Brüdern, auff 
einen tag zu Gmünd in Schwabenland bezeugt, Ann. 1529. Jm 
Thon, Jch stund an einem morgen, etc. 

Kftrtzlich hab ich vorgnommen 
Auß meines hertzen grund 
17 Str. Auch im „Gesangbüchlein** S. 169; Liliencron, S. 135; 
Ungers Hs. Bl. 274 mit dem Anfg. : Kürtzlich hab ich [mich] besunen ; 
Gran ni 200, Bl. 366; Gran III 155, Bl. 85 *; Pressb. 203 Bl. 75; 
2.36 Bl. 212; die Handschriften mit manchen Abweichungen vom 
Text des A; über Ridemann als Verfasser vgl. BGB 38. 

Vielleicht dürfen ihm auch noch folgende 2 Lieder zugeschrieben 
werden, welche die Handschriften namenlos überliefern, die aber 
ganz seine Art aufweisen: 

28. Lobgesang Maria. Luc. am 1. Im thon: Merck auff, merck 
auff, frommer Christ. In Hessen gemacht. 

Mein Seel, erheb den Herren mein, 

Thue in alzeit grosmachen. 
11 Str. Budap. Ab 16 Bl. 316; Vindob. 14554 Bl. 89»; meine Hs., 
Bl. 207, Pressb. 163 Bl. 469; nicht zu verwechseln mit dem Liede 
Pollios (WKL 3, 561). 

29. Ein anders schöns Lied ins Hilebrands Thon. In Hessen 
gemacht. 

Anfg.: Mein hertz sol fürher bringen 
15 Str. Budap. Ab 11, Bl. 172, an vielen Stellen unleserlich. 

Eidemanns Lieder sind kennzeichnend und bedeutungsvoll 
für die Folgezeit. So wie er haben nach ihm unzählige unter den 
Brüdern gesungen; er war ihr Führer und Meister, und seine Lieder 
mögen weithin sich verbreitet haben. Sie sind zum grossen Teile 
im Kerker entstanden, in Gmünd zuerst und in Hessen, und von 



206 



VII. Die Lieder der Huter er 



liier aus zogen sie ihre weiten Kreise durch die Gemeinden der 
Täufer. Eigenes Leid besingt er und. fremdes, dogmatische und 
moralische Lieder hat er verfasst, ein Lob Marias und die Leidens- 
geschichte Christi gesungen. Er berührt die Zeitverhältnisse und 
klagt über Deutschlands Verfall, weil Wucher, Zwietracht und 
Hurerei hier herrschen. Unter den Tugenden preist er zuhöchst 
die Liebe. Das sind Dinge ^ wie sie in der Dichtung der Brüder 
immer wiederkehren. Aber was diesen Liedern bei mancher Üd- 
gelenkigkeit der Form, die freilich zum Teil auch der schlechten 
Überliieferung durch junge Handschriften zuzuschreiben ist^ docL 
einen hohen Wert verleiht, ist der Reiz der Persönlichkeit end 
des Chai'akters, die sich in ihnen aussprechen. So sind Pie Zeug- 
nisse eines festen, in Leid und Trübsal erprobten Mannes. 

Ridemann ist einer der wenigen Missionäre unter den Brüdern, 
die eines natürlichen Todes starben. Gerade zu seiner Zeit war 
der durch Missionäre vermittelte Verkehr der Huterer mit den 
anderen Sekten der Wiedertäufer ungemein rege und weit aus- 
gebreitet. Nach Ungarn, nach Bayern, Tirol, Vorarlberg und Salz- 
burg, in die Schweiz, nach Württemberg und an den Rhein, nach 
Schlesien, Polen und in die Slovakei zogen die Brüder in dem 
Bestreben, möglichst viele Anhänger ihrer Lehre zu werben. Wir 
besitzen einen Beriebt über die Art und Weise, wie die Sendboten 
vor ihrem Auszuge von der Gemeinde Abschied nahmen*). Das 
Lied, das dabei gesungen wurde, hat uns der Graner Codex HI 155, 
Bl. 353 aufbewahrt; es ist eins der ergi*eifendsten, das wir von 
den Huterern besitzen und lautet; 

Ein Neues Liedt gesteh auf den sin, wen Brieder ins Landt 
ziehen. Im Hornung, ins schlemmers thon zu singen, im 1568 Jahr. 



1. Ein liedt wollen wir singen 
vnd fir her bringen thon, 
gott geh, das vns gelinge, 
das wir in loben schon 
alzeit mit vnsenn mundt, 
denvölckhem thuen zukundt, 
seine wunder werckk vnd 

thaten 
riemen zu aller stundt. 



2. Von got ist vns gesendet 
das hail durch Jesum Christ, 
sein radt durch in voUeDdet 
auff erden komen ist, 
hat erlöst das menschlich 

geacblecht; 
die an nemen sein bricht 
vnd volgen seiner leere, 
wirt er verlsasen nicht 



») Vgl. Archiv f. Österreich. Gerohichte 81, 228. 



VII. Die Lieder der Huterer. 



207 



3. Wie Chi'istus wardt gesendet 
von gott, dem vatter sein, 
also hat ers bekenet, 

das er sein Junger gmain 
bat gesendt vnd beuolcben, 
^ das Euangelion 
den yölckbem zuuerkinden, 
das sy erkenen tbuen. 

4. Noch tbuet Gott also senden 
in disser letzten zeit, 

die völckher abzuwenden 

von all irer boßhait 

vnd den menschen thuen 

brichten, 
das sy all zum gericht 
vor gott miessen er scheinen, 
kain ausredt wirthelffen nicht. 

5. Rechenschafft miessen sy 

geben, 
was sy gehandlet han 
allzeit in disem leben, 
von allen ihren thon 
an roanichen ort, 
von ainem yetlichen vnnutzen 

wort. 
O Gott, bis vns zu betrachten 
durch dein heilliges wort. 

6. Das wirs fassen zu hertzen 
vnd wol bedencken thuen, 
dan es gilt hie kein schertzen, 
sonder das leben schon. 
Bewar, o gott, in vns dein 

bundt, 
das wir zu aller stundt 
vDUts geschwätz ver meiden 
alzeit mit vnserm mundt. 

7. Gott, so thue vns sterckhen, 



das wir es mögen thon, 
alzeit treulich auf merckhen, 
zu suechenn dein eer vnd 

ruem 
vnd den menschen zaigen an, 
von sinden ab zu stan, 
das sie die bueß thuen 

wirckhen, 
es wirt in sonst gar vbel gan. 

8. Niemandt darff andersthoffen, 
dan wies vor äugen ist, 
wen gott die menschen hat 

wollen straffen, 
so hat er zu der frißt 
dy völckher gwamt vnd 

gleeret. 
So sich nit haben bekeret, 
hat er dy straff volfieret 
vnd hat sy gar verderbt. 

9. Noch sendet gott sein leere, 
last den völckhern zaigen an, 
das sy sich thuen bekeren, 
ab sindern vnd aus gan 
von Babel, diser weit gemein, 
all iren sinden vnrein, 

sich gott vonhertzenbegeben, 
ainig werden mit seiner gmain. 

10. Wir habens auch erkenet, 
das ist die letzte zeit. 
Es nachent sich gegen dem 

ende, 
drumb soUn wir sein berait, 
vnsem fleiß treulich wenden 

an 
mit Christo samlen thuen 
seine auserwelten alle, 
wie er hat beuolchen schon. 



208 



VJI. Die Lieder der Huterer. 



11. Christus thuet selber sagen 
vnd hat es vns erzelt, 

das wir in dissen tagen 

in nit haben erweit. 

Er spricht: Ich hab euch 

erwelet 
ynd darzue gnomen an, 
das ir frucht soUent tragen, 
die ewig bleibt beston. 

12. Wirwellenseinwenigerzellen 
anstat der brieder werdt, 
die hin vnd wider ziechen 
im ellendt hie auff erdt, 
darzue fir gesechen sein 
von gott in seiner gmain 
zu tragen edlen samen, 

die fricht zu samlen ein. 

13. Weil es nun ist erkenet 
nachs Herren rat vnd sin, 
das wir werden gesendet 
von euch zu ziehen hin, 
vnder die völckher werden 

gsandt 
weit vnd ferre in die landt, 
das gottes wort vnd wilen 
den menschen werdt bekandt. 

14. So ist vnser begeeren 
vnd biten auch gar schon, 
das ir wolt got den herren 
fier vns anrieffen thuen 
vnd biten zu aller zeit, 

das er vns wol behieten vor 

laidt 
vnd vns mit seinem geiste 
tröst, das wir werden erfreidt. 

15. Vrlab wir von euch nemen, 
lieben geschwistrigt mein, 



euch mit den Armen des 

hertzen 
umbfachen in der lieb Christy 

rain, 
wir gsegnen euch nach Treuen 

sin 
all fromen, auch weib vnd 

kindt, 
von euch miessen wir scheiden, 
ob hie kains das ander mer 

findt. 

16. Got gsegne dich, du hauß des 

Herren, 
gott tröst dich alle zeit, 
dan dich zu solchen eeren 
hat erweit vnd selbs berait. 
Gsegne dich gott im friden 

Christy rain 
die gantz heillig gemein, 
got thue dich treu erhalten 
zu eeren dem namen sein. 

17. Gott weist, wirt es geschehen, 
o lieben geschwistrigt mein, 
das wir euch mer thuen 

sechenn 
wol hie auf diser erdt 
vnd vns mit euch erfreyen 

thuen 
in dissem leben schon. 
Thue vns treu fromb erhalten, 
o gott, im himels thron. 

18. Ist es dan für gesechen 
vnd solt geschehen ye, 
das wir in disem leben 
euch nit mer schauen bie, 
so tröst vns gott zu aller «eit, 
das wir nach disem laidt 



VII. Die Lieder der Huterer. 



209 



mit freiden ein ander schauen 
bis in die ewigkait. 

19. Im reich ewiger freidenn, 
darauf wir warten thon. 

Da wirt vns Ni em andt schaiden 
noch rauben die ewig Cron, 
80 wir ans endt verharren thon 
in eim seiligen leben schon. 
O Gott, hilff vns das zil 

erlangen 
durch Jesnm Christum deinen 

lieben son. 

20. Amen, das thuet geschechen, 
gott weiß erstaten thon, 
das ir in disem leben 

im m echten sein ein eer vnd 

ruem, 
ein trost aller kindlein sein, 
der gantz heilllgen gmain. 
Seit Gott von Hertz en 

beuolchen, 
er wöl al zeit mit euch sein. 

21. Gott wöl euch laitenvndfieren, 
hertz lieben brieder wert. 



er mach euch waxen vnd 

nierenn 
vnd fruchtbar auf diser erdt. 
Gott gesegne euch wie Manna 
vnd sprach, das euer werden vil 
vnd jm das lob werdt geben 
mit freiden sig bis in ewigkeit. 

22. Es sey dir, o Gott, beuolchen, 
der du als hast berait, 

du wolst vns schier haimhollen 
aus diser geferligkait. 
Komb vns zu hilff, dein kindlen 

zart, 
auf das wir rechter art" 
den Jordan mögen durchwaten, 
sey mit vns auf der fart. 

23. Wie vns dein wort thuet sagen 
vnd wir haben erkent, 

das du bei vns all tage 
wilt sein bis an das endt. 
Du hast dem fromen berait et 

die freidt. 
P^-eiß dir all zeit, 
gelobt seydeinheilligernamen 
durch Christum in ewigkait. 

Amen. 



Unter den Missionären, die in dieser Zeit den Tod für ihren 
Olaubenfanden, nennen wir hier nur diejenigen, deren Ende in Liedern 
gefeiert wurde, so Hans Blietl, der 1545 zu Kied in Baiem 
lebendig verbrannt wurde (BGB 161)^) und Hans Pürchner, 1555 
zu Schlanders mit dem Schwert gerichtet (BGB 204j^). Xur mit 



*) Auf ihn das Lied: Aus eifer der göttlichen Ehr — ir glaubigen 
vnd fromeD, gedruckt nach Ungers Hs. Jahrbuch 13, 82; auch im Cod. 
Vindob. 14554, Bl. 170; meine Hs., Bl. 13; Brunn 512, Bl. 178; Gran 
m 200, Bl. 136; Gran IH 155, Bl. 27; Gran lU 125, Bl. 227; Budap. 
Ab 16, Bl. 382 und die Pressburger Codd. 194 Bl. 301 und 203 Bl. 182a. 

•) Zwei Lieder auf ihn; das eine, von Sigmund Hos au er be- 
ginnt mit den Worten; Fröhlich wollen wir singen — jetzund in Gottes 

Wolkan, Lieder der Wiedertäufer. 14 



210 VII« I^iö Lieder der unterer. 

Mühe entgiug Hans Kräl einem ähnlichen Schicksal; er wurde 
1557 im Pustertal gefangen genommen und blieb zwei Jahre in 
Haft, aus der ihn die Trunkenheit eines Schergen, der ihn auf 
die Galeere bringen sollte, befreite (BGB 248). Die Leiden seiner 
Gefangenschaft beschreibt er selbst in dem Liede: 

Hörent, ihr allerliebsten mein, 
die ihr seid in gottes gemein. 
(45 Str. Gedruckt bei Liliencron 158 und Jahrb. 17, 90 mit dem 
Akrostichon: Hans Kräl Gefangknuslied wie im Got beigestanden. 
Das Lied auch im Cod. Vindob. 14554 BI. 214 ; Budap. Ab 16 
Bl. 360; Brunn 512 Bl. 47; mein Ms. Bl. 25; Gran IH 200 Bl. 
74; Gran III 155 Bl. 236; Gran III 125 Bl. 1 und in den Press- 
burger Codd. 163 Bl. 448; 194 Bl. 125; 203 Bl. 87 und 232 Bl. 131). 
Trauriger war das Schicksal zweier Brüder, die 1558 durch 
Verrat in Aachen gefangen genommen wurden. Heinrich Adam, 
sein Schwager Hans Welck und Hans (Hänsl) Raiffer, nach 
seinem Handwerk auch Schmidt genannt^). Sie wurden im 
J, 1558 zuerst erwürgt und dann verbrannt; sechs Schwestern, 
die mitgefangen worden waren, liess man ziehen, nachdem man 
sie mit Kuten gepeitscht hatte (BGB 230). Adam dichtete die 
Lieder : 

1. Herr Gott, thue vns be waren 
heilig in Jesu Christ. 
54 Str. Vindob. 14554 Bl. 293; Budap. Ab 16 Bl. 227; 
Brunn 512 Bl. 303; Gran HI 155 Bl. 263; HI 200 Bl. 
286; Pressb. 194 Bl. 307 *; 203 Bl. 287. Das Lied enthält 
in seinen ersten 42 Strophen das Akrostich: Heinrich Adam 
meiner eelichen Schwester Marien; die andern 12 Strophen 
sind späterer Zusatz. 



Nam. 44 Str. Im Cod. Vindob. 14554, BL 101; Budap. Ab 16, Bl. 233; 
Gran III 200, Bl. 95; Liliencron, S. 154; Pressburg Cod. 203, Bl.165.- 
Das 2. Lied von Claus Felbinger beginnt: Mit freiden wellen wir 
singen, wie wirs beschlossen han; nach Ungers Hs. gedruckt Jahrbach 
17, 193; auch im Cod. Vindob. 14554, Bl. 208; Budap. Ab 16, Bl. 236; 
Gran lü 200, Bl. 101; Gran III 155, Bl. 309; Pressb. 194, Bl. 326; 
236, Bl. 175. 

^) Über seine hervorragende Bedeutung als Missionär vgl. na- 
mentlich Zeitschrift f. histor. Theologie 30, 267 ff.; Hansen: Wieder- 
täufer in Aachen, S. 16 und Rembert S. 491. Im Februar 1555 schickt 
er dem Bentmeister zu Nidda sein Glaubensbekenntnis zu. 



VII. Die Lieder der Huterer. 211 

2. Herr gott, hilff deinen Eindien 
in triebsall, angst vnd not. 

12 Str. Pressb. 236 Bl. 209», Akrostich: Hainrich Adam. 
Ein unbekannter Dichter verfasste auf ihn das Lied: 

Fröhlich so will ich heben an, 
Gottes wunder erz eilen than 

in 105 Strophen (Cod. Vindob. 14554 Bl. 132; Brunn 512, Bl. 64; 
Gran Hl 196, Bl. 15 ; einige Hss. tiberliefern das Lied mit 76 Str., 
indem Str. 62 — 91 weggelassen ist; so Budap. Ab 16 Bl. 211; 
Budap. Ab 7 Bl. 46; Gran m 200 Bl. 256; Gran III 155 Bl. 100; 
Pressb. 194 Bl. 162 ; 203 Bl. 388 ; gedruckt sind die ersten 60 
Strophen bei Hansen: Wiedertäufer in Aachen, S. 30 — 8.), Das 
Lied wurde oft Hänsl Eaiffer selbst zugeschrieben, wohl nur aus 
dem Grunde, weil Kaiffer tatsächlich Dichter war und die Chro- 
niken von ^vil hultseligen vnd geistlichen Liedern**, die er „aus 
anregen des heiligen geistes gestellt^ zu berichten wissen (BGB 
233). Erhalten sind uns folgende Lieder von ihm: 

1. Bewar mich Herr, o Vatter mein, 
dir hab ich mich ergeben. 

7 Str. mit dem Akrostich: Batseba. Gran KI 200 Bl. 
396«; Gran KI 155 Bl. 149; Pressb. 232 Bl. 43. 

2. Freuend euch, ir frommen gottes schon, 
31 Str. Gran IH 155 Bl. 161. 

3. Frölich so well wir singen 
Von der lieb gottes schon. 

30 Str. Gran HI 155 Bl. 156; Pressb. 203 Bl. 420; 
Jahrb. 13,53. 

4. Gott, sein gnad vnd barmherzigkeit, 
der sey mit euch zu aller zeit. 

17 Str. Budap. Ab 16 Bl. 216 und Gran IH 155 Bl. 150; 
Pressb. 203 Bl. 400. 

5. Gross irrthumb ist verbanden 
in teitsch vnd wälschen landt 

112 Str. Ungers Hs., Bl. 17; Vindob. 14554 Bl. 152; 
Brunn 512 Bl. 167; Budap. Ab 16 Bl. 307; Gran III 
200 Bl. 265; Gran III 155 Bl. 124; Pressb. 194 Bl. 32; 
212 Bl. 2; 232 Bl. 63. 

14* 



212 



Vn. Die Lieder der Huterer. 



6.') 

1. Herr, du erfreist von hertzen 
dein Yolckh in triebsal groß, 
darin man vns vil schmertzen 
zne fiegt on vnderlaß. 

So gibstu vns gedulte 
vnd dein göttliche hulde, 
1a sterckhst vns imer l^aß. 

2. Als recht ein fromer vatter 
tregstu, Bterr, sorg für vns, 
^as wir nit wider geraten 
in d weit vnd dein vngunst. 
Das ist der weit ein schmert- 
zen, 

•drumb feindt sie vns von 

hertzen, 
das dn, herr, liebest vns. 

3. Nun, weit, dii wilt nit leiden, 
gotts wort verkinden Ion, 
dest mer wellen wirs treiben, 
weil es gott liebet schon. 
Sein wort reden vnd singen, 
nichts soll vns daruon bringen, 
weil wir das leben han. 

4. So der feind trutz thuet trei- 

ben, 
vns von einander legt, 
soll vnser hertz doch bleiben 
in Lieb gantz vnbewegt. 
Kein angst sol vns nit scheiden 
von gott in keinem leiden, 
was sich auff erdt zuetregt. 

5. Lieb, glauben vns behalten, 
warhait vnd hoffnung schon, 
das wir nit thaen erkalten, 



steifif in dem triebsal bstan 
vnd wartten mit verlangen, 
wanviui gott füfirt von danen 
durch Christum, seinen son. 

6. Bechtgiaeaenmacht derherre 
mit seiner lieben zucht, 
das wir zu im begeren, 
suchen hey im zueflucht. 
Aber die weit verkeret 
gottes wort vnd sein leere, 
ir selbs zum ewigen flnech. 

7. Also thuet sich nun frejen 
die weit on vnderlaß. 

In den woUusten bleiben 
Jung, alt, klain vnde groß. 
Nur die wir thuen vermeiden 
all sündt vnd laster schejhen, 
haben kain rue fitrbaß. 

8. Ist vns gleich wie einhirschen, 
den man abjagen thuet, 
dem nach wasser thuet 

dürsten, 
hat weder Eueh noch mnet. 
Man jagt vns hin vnd here, 
nach dir dürstet vns seere, 
trenckh vns, oHerr, halthuet 

9. Faren handt vns vmbgeben, 
ein groß kriegsheer zu hand. 
Gott wirt sie all erlegen, 
darzue machen zue schandt 
vnd vns geben gedulte, 
das wir in seiner hulde 
ziehen ins globte landt. 

10. Friden wir hie nit hane, 



') Budap. Ab 16 Bl. 222; Gran UI 155 Bl. 110»; Pressb. 194 Bl. 
171; 203 Bl. 397; 232 Bl, 53. 



VII. Die Lieder der Huterer. 



213 



das zaigt vns Christus an, 
doch werdt vns Gott beystane, 
ans seiner gnadt nit lan, 
daher vns dan kombt freide. 
In allen ynssern leiden 
gott vns bewaren kan. 

11. Er wil vns nit verlassen, 
in Wasser, feuer, schwerdt. 
Mit gedult sol wir doch fassen, 
vnser seelen er begeert. 
Gott, erlöß dein gfangnen, 



füer vns schier hin von danen,, 
das dein nam preiset wert. 

12. Keclit vatter vnd dem sone,. 
heilligen geist so trej, 
thuen wir beuelhen schone 
hertz, seel vnd geist dabey. 
Mit freidt den 6chmertzen 

linde, 
das wir vns zsämenfinden 
bey dir im Ewgen Eei6h. 

Amen. 



Aus Biidap. Ab 16 Bl. 222; Gran m 155 Blatt 110. 
Akrostich: Hans Raiffer. 

7. Herr Gott in deinem reiche, 

Vater im Himmelsthron. 
67 Str. Budap. Ab 7 Bl. 35; Vindob. 14554 Bl. 124; 
Brtinn 512 Bl. 199; Gran HI 200 Bl. 246*; Ilt 155 
Bl. 89; III 125 Bl. 89; Pressb. 194 Bl. 154*; 203, 
Bl. 380. Akrostich : „Hansl, Heinrich, M. Tilman, Hans 
Werner sambt vnsem lieben Schwestern thuen euch zu 
wissen, wie es vns geht in dem Herren. 

1. Her, ich bit dich mit grosser 

gier, 
du welest mir 

Barmhertzigkait thuen geben 
in disser meiner grossen not. 
Wardt auf den todt, 
den du mir last für legen. 
Herr, mich sterckh 
vnd auff mich merckh, 
das ich steiff bleib, 
mich nichts abtreib 
in disser not 
biß in den todt. 
Mich vnd dein volckh erfrey. 



ein Eer deim grossen namen 

sey. 

2. Groß lieb hästu an mier 

gethan. 
Du hast mich schon 
gar hart ietz thuen ein 

schliessen 
wol in die hendt der feindtcn 

mein, 
die dir gram 86in, 
haben kain götlich g wissen, 
nur trachten thun 
weil sie mich han. 



') Jahrb. 13,52; Vindob. 14554, Bl. 146; Budap. Ab 16, Bl. 220; 
Brunn 512, Bl. 208; Gran III 155, BLllö»; PresÄb. 203, Bl. 412». 



214 



VII. Die Lieder der Huterer. 



wi« sie mit mir 
aus neidts gebüer 
wellen vmb gan, 
mich tödten lan, 
darumben das ich han 
inen die warhait zeiget an. 

3. Nun steet es, Herr, alles bey 

dier, 
wie du mit mir 
handlest nach deinem willen. 
Doch sich mein gmiet ent- 

sezet seer, 
dir klag ichs, herr, 
thue mir mein kumer stillen. 
Trost vnd sterckh mich, 
das ich mandlich 
auff diser ban 
für dein wort stan, 
mein leben haß,^ 
den leib verlaß, 
nachmals wirstu mir schon 
ein newen legen an. 

4. So kan ich dapffer wagen dran, 
als was ich han, 

mein aigen leib vnd leben, 
weil du mir hast gethan zu 

kundt 
durch Christus mundt, 
welcher da spricht gar eben : 
Wer gottes reich 
wil erben gleich, 
mueB nemen ein 
triebsal vnd pein, 
vnd dich darbey 
bekenen frej, 
den wiltu auch gar schon 
vor dein Englen bekenen thon. 

5. Auch wiltu in belonen hoch, 



an legen doch 
den Neuen leib gar klare, 
im aufif sezen die Eeren Cron. 
Freldt soll er han 
in dein reich Imer dare. 
Darumb ich, herr, 
thue ringen seer, 
o gott, gib mir 
kra£Bt vnd begier, 
was ich dich bit, 
versag mir nit, 
mein hertz all augenblickh, 
o herr, durch deinen geist 

erquickh. 

6. Dan ich findt sonst kein krafit 

in mier, 
das klag ich dier. 
In meinem gantzen leben 
on dich ich nichts volbringen 

kan, 
nur Schwachheit han, 
angst, forcht des todts dar- 
neben. 
Daher mein gmiet 
vnd mein gebliet 
vol traurens ist 
zu disser frist, 
das ich nit kan 
erlangen than, 
das dein freidt alle zeit 
bey mier möcht sein on 

widerstreit 

7. Doch bistu der Herre berait, 
waist rechte zeit, 

in angst« leiden vnd sterben 
dein hilff vnd trost zu senden 

fein. 
herre mein, 



VII. Die Lieder der Huterer. 



215 



kindt ich nur das erwerben 

aus deiner huldt, 

das ich in gedult 

on forcht der pein 

vnd feinde mein 

möcht warten than 

in freiden schon, 

frölich vor yeder man 

ganz vnuerzagt in leiden gan. 

8. Darumb hilff mir zu allerzeit 
in meinem laidt, 

gedult thue mir anlegen, 
glauben schreib mir inshertze 

mein, 
auch den geist dein, 
göttliche lieb darneben, 
das ich so frey 
ganz.mandlich sey, 
im glauben stan 
vnd hoffiiung han, 
das du gar schier 
werst helffen mir, 
das ich on vnderlaß 
thue hoflPen mit verlangen groß. 

9. Dan du allain, herr, gewaltig 

bist, 
Last Jesum Christ 
vom tod gwaltig außgfieret, 
des gleichen auch vil frome 

schon. 
Wirst es noch than, 
als dir gar woU gebieret, 
das du in not, 
o herre gott, 
in pein vnd quäl 
gleich vber all 
bey mir wölst sein, 
so wirt dau fein 



dein volckh dich loben schon, 
das du mir hast dein hilff 

gethan. 

10. Sohoffich nun allain auff dich, 
halt nichts auff mich 

in meinem ganzen leben, 
dan ich einer bluemen gleich 

bin, 
die welckht dahin, 
kan mir selbst kain krafft 

geben. 
Doch wirstu mir, 
das glaub ich dir, 
dapffer bey stan, 
mich nit verlan 
in feuer vnd pein, 
wie das mag sein, 
dan ich, o herr, bin dein, 
schleuß mich wol indeinhertz 

hinein. 

11. So freids mich nun, o herr, 

mein gott, 
in disser nott 
du hast in mir für gnomen 
vnd kanst es auch ausfäeren 

fein 
nach willen dein, 
als vor best than den fromen, 
damit dein Eer 
verkündet werdt, 
dein volckh auch schon 
freidt daraus han 
vnd ich dein reich 
erwürbe gleich 
mit allen fromen bhrait 
bey dir biß in die ewigkait. 

12. Welche dir nun vertra' 
vnd dich lieb han, 



216 



VII. Die Lieder der Huterer. 



kinen dir nicLts versagen. 

Was du inen für legest schon, 

nemen sie an, 

thuens alls willig tragen. 

Aus lieb allzeit 

sind sie berait, 

was dein wil ist 

zu aller frist, 

freidt oder pein 

nemen sie ein 

vnd loben dich mit lust 

vmbals,dasdaingebenthuest. 

13. So will ich mich einschliessen 

than 
in liebe schon 
aus allen meinen krefften, 
das ich allain 
gott lieben kan, 
als nemen an 

vnd mich an in thuen hefften 
vnd wartten fein 
in trieb sal mein, 
wen kombt die zeit, 
das er mich freidt 
vnd iiert mich aus 
den Toden haus 
zu seinen freiden schon 
vnd nimmermer daruon. 

14. O Herr, es steet in deiner 

handt 
ja alles sandt, 
darzue mein ganzes leben. 
Wiltu mich iezt hinnemen 

noch, 
hasts bschloßen doch, 
wil ich mich drein ergeben. 
Kans aber sein, 
das ich die gmain 
mög schawen an, 



in tempel gan, 
so wil ich dich 
gar inigclich 
mit allen fromen fein 
loben von gantzen hertzen 

mein. 

15. Beuilch mich, herr, in deine 

hendt, 
mein schmertzen wendt, 
darzue meinen triebsalle. 
Laß mich von dir kains todtes 

macht, 
gottlosen pracht 
abschaiden vber alle. 
Gee mit mir fein 
in den kampff ein 
gar krefftiglich, 
das ich nämlich 
meg nemen ein 
leiden vnd pein, 
das ich vor menigclich 
dein nam bekenne Eitterlicb. 

16. Der diß liedt new gesun^n 

hat, 
z Aach in der stat 
ist er gefangen glegen. 
Als er gar offt gefodert wardt, 
gemarttert hart, 
mecfat in doch nichts bewegen. 
Muest also sein, 
das er allain 
in gfenckhnus lag, 
wart alle tag, 
was zuelast gott 
der gottlosen roth. 
Da hat er das gemacht 
in seiner gi*ossennot betracht 

Amen. 



VII. Die Lieder der Huterer. 



217 



9. Ein Anders. Im Thon: 
H[änsel] Sch[midt]. 

1. Herr, sieh von deinem himels 

thron, 
wie mich die menschen 
schmähen thuen, 
drumb, das ichin, o herre gott, 
verkindigen thue deine woii;, 
so thuen sie mich 
ein ketz er schelten freffentlich. 

2. Auff mich sie gantz ergrimet 

sein, 
legen mir an marter vnd pein, 
des todes zaichen mueß ich 

han, 
mit gebundnen henden durch 

die stat gan 
vnd bschlossen sich, 
mit feuer zuuerbrennen mich. 

3. Nun thuen sie weiter schmähen 

ser 
gottes gebott, sein werckh 

vnd leer, 
den kopff schitlen sie vber 

mich, 
halten mich gar verächten lieh 
vnd sagen frey, 
das ich von gott nit gsendet 

sey. 

4. Solch schmähen leid ich 

wiliglich 
vmb deiner warhait sicherlich, 
nur das sie dich, o herr mein 

gott, 
dein wort vnd werckh als fir 

ein spott 
thuen halten frey 
vnd sagen, das esjrthumb sey. 



Ich steh herr in engsten schwer. 

6. Laß dich sehen, o herr, mein 

gott, 
mach meine feindt alle zu 

spott, 
das sie nit stäts sagen zu mir: 
Wo ist dein gott, das er helff 

dir, 
weil du auch hast 
von im geriembt on vnderloß. 

6. So laß in mir, mein gott vnd 

herr, 
nit vndergeen dein wort vnd 

leer, 
mach in mir groß den namen 

dein, 
das ich mich frey vnd auch 

dein gmain, 
vnd wir dich dan 
aus gantzem hertzen loben 

schon. 

7. Christe, du warer gottes söhn,, 
dein geist vnd wort, das gib 

mir schon, 
das ich dich mag bekennen 

frey 
vor den menschen an allen 

schey, 
nit schamrot werdt, 
hilff mir sigen auff disser erdt. 

8. Herr, gib mir ein beständigs. 

hertz, 
das ich nicht denckhe hinder- 

Werts, 
forcht vnd schreckhen thue 
weit von mir, 



218 



VIT. Die Lieder der Huterer. 



zu dir gib mir bertzlich be- 

gier, 
dein liebe frey, 
das mich von dir nichts schai- 

den sey. 

9. Mein hertz rieht mir in bimel 

hoch, 
wens mich zumTodt hiniieren 

doch, 
ich dan dein freidt meg schauen 

an, 
beständig vber winden kan 



dunckht micli mein hauß trost- 

loß vnd lär. 

11. Dich aus lieb vnd grosser gier 
als den such, das du helffest 

mir, 
so du dich dan, herr, wendest 

vmb, 
schafft, das mir Ti-ost \Tid 

gnadt zuekomb, 
er frey ich mich, 
vnd bin getrost gantz sicher- 
lich. 



Sündt, Todt vnd weit, 

dirs leben geben, wies dir ge- ^2. Herr, bleib nun stÄts in mei- 
nem hauB, 
Christus, geh du nit roer 

herauB, 
weil michdiefeindt vm bringet 

han, 
dein band mich wol beläten 

kan 
vnd fieren frey, 
das ich bey dir ewiglich sey. 

Amen endt 



feit. 

10. Ich find aber, o Herr, in mir 
kein krafft, ich habs allein 

von dii*, 
dein gang kan ich nit spehen 

aus. 
Wen du dich stelst, als gestu 

aus, 
erschrickh ich seer, 



Aus Brttnn 512 Bl. 207; Vindob. 14554 El. 142; Gran IH 155 
Bl. 112; Pressb. 194 Bl. 172; 203 Bl. 398»; 232 Bl. 55. Akrostich: 
Hansl Schmidh. 

10. Ein anders Liedt von der rechten waren gemeinschafit 
Christi, im thon: der wachter auff der Zinen. 

Mein Eiffer thuet mich dringen, 

Gott, gib mir die krafft. 
35 Str. üngers Hs., Bl. 182», Brunn 512 Bl. 190; 
Vindob. 14554 Bl. 163»; Budap. Ab 16 Bl. 207; Gran 
III 200 Bl. 280; Gran HI 155 BL 142; Pressb. 163 
Bl. 536; 194 Bl. 27; 203 Bl. 404; 212 Bl. 269. 

11. Ein anders Liedt im Thon: Ein Bluemlein auf der Haiden. 

Mein Gott, ich thue dich bitten 

ietz vnd zu aller stund. 
23 Str. Vindob. 14554 Bl. 149; Gran III 155 Bl. 119»; 
Pressb. 194 Bl. 70; 232 Bl. 9». 



VIL Die Lieder der Huterer. 



219 



12. Ein anders Liedt in der anfechtung Melodey zu singen 
[von anderer Hand] oder es het ein man zwen knaben. 



1. Merckht auff, ir Völckher 

gleiche, 
in dißer letzten stundt, 
ir seit arm oder reiche, 
was wir euch thuen zu kundt, 
warumb vnß gott der herre, 
bieher hat senden thon 
mit seinem wort vnd leere 
durch seinen geist so schon. 

2. Gescfaach aus der vrsach eben, 
das euch gott lieben wolt, 
ließ euch durch vns angeben, 
wie ir hie leben solt, 

sein willen vnd geböte 
zu halten alle zeit, 
so wolt er euch aus note 
helffen in ewigkait. 

3. So habt irs nun verachtet 
vnd nit genumen an, 
gottes wort nit betrachtet, 
sonder es faren loh. 
Wolent in Sünden bleiben 
in einem falschen schein, 
Thuet abgeterey treiben, 
die gott ein greiel sein. 

4. Die euch der Herr thet senden, 
habt ir verachten than, 
verfolgt an allen enden, 
gfenckhlich gnumen an, 
auff das auf euch thue komen 
aller gerechten bluet 

von Abel an des fromen 
bis auff den letzten guet. 

5. Aach, thue zu hertzen nemen, 
was du hast gfangen an, 



du wirst es noch erkennen, 
was du an vns hast than, 
dissen last nimermere 
wirstu bringen von dir, 
du thuest den vor dem herren 
bueß mit großer begier. 

6. Hast gfangen zwelff personen 
zum grosen schaden dein, 
schrecklich wirt es dir gane 
vnd dir gar schwerlich sein, 
den also sagt der Herre 
wol zu den menschen schon: 
Die in gefenckhnus fieren, 
mießen ins gfenckhnus gan. 

7. Gott mit flammenden feure 
wirt an dem Jüngsten tag 
komen gantz vngeheure 
dem gottloßen zur Plag, 
die beckh wirt er zumale 
b scheiden in emg pein, 
fleren sein schäfflen alle 
ins paradeiß hinein. 

8. Da werden sie mit wone 
in einem schennen klaid 
hell leichten wie die sonne 
in grosser herrligkait, 

in hohen eren schweben 
mit irem Preidigam, 
vil freidt wirdt er in geben 
ein vuuerwelchte Cron. 

9. Ja da wirt allen fromen 
ergetzt ir hertzenlaid, 

ir schmertzen hin genumen 

in alle ewigkait, 

werden aus hertzen gründe 



220 



VII. Die Lieder der Huterer. 



vor freiden lachen schon, 
die gottloßen all stunde 
mießen groß trauren han. 

10. Solches wellet bedenckhen, 
weils ist der gnaden zeit, 
von Sünden euch thuen 

lenckhen, 
auff das ir seit berät, 
wen der Pusaunen schalle 
zum ghi'icht rüefft ieder man. 
Darurab euch richtet alle, 
weil wir euchs gsaget han. 

11. Hiemit wel wirs beschliesen 
vnd gott beuohlen than, 

Aus Brunn 512 Bl. 152, 
Bl. 141. — Gran III 155 Bl. 108; Pressb. 194 Bl. 169; 203 
Bl. 415; 232 Bl. 57. 

13. Ein anders Liedt, In des Hillebrands Thon zu singen. 



die werden es genießen, 
die dem wort glaubet han 
vnd sich darein befleißen 
mit allen frommen gmain 
eins hertzens vnd gewißens 
nach Jesu Christo rain. 

12. Das liedt haben gemachet 
zu Aach wol in der stat 
zwen schmit, habens be- 
trachtet, 
die man da gfangen hat, 
Truegen vill laidt im hertzen 
woll vmb die fromb gemain 
Tnd liten gern den schmertzen, 
das solten bei ir sein. Amen. 

verglichen mit Vindob. 14554 



1. O edler gott vnd herre, 
vmb deiner warhait rain, 
das sich dein reich thet meren 
mit fromen kindelein, 

bin ich geen Aach her komen 
nach deinem willen schon, 
zum trost mir vnd den fromen 
vnd dies begeeren than. 

2. Wie ich het für genommen 
vnd dacht im hertzen mein, 
die zeit die wirt halt komen,* 
das ich zur gottes gmain 
wirt ziehen vnd mich freyen 
mit allen fromen rain, 

die du mir thest verleyhen 
vnd vor versamlet sein. 

3. Hertzlichwasmeinbegeeren 
von gantzem hertzen mein. 



nun hat mich der feindt here 
vnd die geschwistrigt mein 
gebunden vnd gefangen 
vnd hindert vns daran, 
das wir vnsser verlangen 
nit zu erstatten han. 

4. Geren wolten wir laiden 
viel triebsal, schmach vnd 

pein 

an vnsem aignen leibe, 
das wir nur möchten sein 
wol bey den fromen schone 
vnd sie anschauen thnen, 
götliche freidt vnd wone 
mit inen nemen an. 

5. Wolten gar hertzlich geren 
jetzt vnd zn aller seit, 
wen es dein wil, o heire. 



I 

k 



VII. Die Lieder der Huterer. 



221 



hat kinen sein berait, 
deinen tempel za schawen, 
dein heillige gemain, 
vns darin zu erfreyen 
in den genaden dein. 

C. Ich nimb mir gleich zu muete 
vnd die geschwistrigt mein, 
der her maints vns nur guete 
vnd auch seiner geroain, 
noch thuet vns die lieb treiben, 
last vns kain rast noch nie, 
miessen den kumer leiden, 
wie man in imer thue. 

7. Vnd sein also gefangen, 
gleich all tag warten than, 
wohins mit vns will langen 
vnd wo vns Gott wil han, 
es sey in seinem reiche 

in rueh beim fromen fein 
oder auff erden reiche 
bey der hcilligen gmain. 

8. Meine mit mir gefangen 
Brieder vnd Schwestern schon, 
der streit an vns thuet langen, 
das wir hie miessen stan 
alltag in gfar des lebens 
zuebringen disse zeit, 
doch wirt vns der herr geben 
den Sig in dissem streit. 

9. Brüeder in iren banden 
sein gantz getröstet fein 
was in stießet zu banden 
nemen sie willig ein, 

das mir vil trost thuet geben 
vnd mich hertzlich erfreidt, 
Darumb sei got gar eben 
preiB, Euem zu aller zeit. 



10. Schwesteren auch des 

gleichen 
fridlich vfid fröUich sein, 
gott sie in himelreiche 
all sterckhet in gemain, 
hat vns aus grosser liebe 
vnd aus barmhertzigkait 
dreymal zusamen gfiieret, 
in triebsal vns erfreydt 

11. Euer lieb vnd götlichs leben 
vnd wäre gmainschafft schon, 
die euch von got ist geben 
wardt in auch kundtgethon. 
Das haben sie mit freiden 
von got genomen an, 
darumb in allen leiden 
wirt vns gott nit verlan. 

12. Lieb vnd hei*tzlich begire 
beten wir zu der gmain. 

Gott, fier du vns schiere 
wol zu den kindlen dein, 
die sich in warer liebe, 
gmainschaffi; vnd ainigkeit 
hie allezeit thuen yeben 
wol zu der selligkeit. 

13. Frieden wir euch entbieten, 
seit griest in liebe rain, 

0, Gott wel euch behieten, 
sein gantz heillige gmain. 
Von euch wir vrlab nemen 
in warer Ainigkait, 
dan wir nit möchten komen 
zu euch in diser zeit. 

14. Vnd das mit grosem laide. 
Doch trösten wir vns schon, 
wen vns got thuet schaiden 
vnd füert ins himels thron, 



222 



VII. Die Lieder der Huterer. 



dan werden wir in Ireiden 
euch mögen schauen an 
vnd wird vns nichts mer 

schaiden 
hat gott verhaißen schon. 

15. Ainigkait, frid vnd freide 
wirt vns gott schenckhen ein, 
ergözzen vnsers laide 

wol in dem reiche sein. 
Herr, hilff vns das erlangen, 
beut vns dein trewe handt, 
für vns deine gefangen 
halt ins verhaißen landt. 

16. Sehen laß vns dein freidte 
vndt hilff vns nemen ein 



in alier angst vnd laide 
thu du, herr, bey vns sein 
vnd hilff uns vber winden 
alle marter vnd pein, 
thue vns vbel linden 
wol durch den geiste dein. 

17. Amen, das also gange 
vatter im himels thron, 
allen fromen diß gsange 
zum trost gesungen han, 
auff das sie mögen hören, 
wies vns in gottes zucht 
alhie gett in dem herren, 
der ist vnsser zueflucht. 

Amen. 



Aus Budap. Ab 16 Bl. 218 und Vindob. 14554 Bl. 141, — 
Pressb. 203 Bl. 417^; 232 Bl. 59. Akrostich: wie hertzlich geren 
wolten ich vnd meine Brtieder, Schwesteren euer Lieb, Friden vnd 
Ainigkait sehen, Amen. 

14. Gott, du allerhöchster Herr, 
im Himel vnd auff Erden. 

29 Str. Gran m 155, Bl. 182. 

15. Ein ander Liedt in der tagweiß oder der wachter auf 
der zinnen. 



1. Wir komen, Herr, zu diere 
in vnser grosser angst 
vnd rieffen mit begiere: 
Der du vns helffen kanst, 
Du siehst, wie man vns neidet, 
haßen vnd schmähen thuet, 
gib vns mit lust vnd freiden 
solches gedultig zu leiden 
vmb deiner warhait guet. 

2. Du bist allein der herre, 
der ober gwalt ist dein, 
all ding nahet vnd ferre 



mueß dir gehorsam sein. 
Du thuest vnruig machen 
das mör, die gottloß roth, 
nimbst war der frefler Sachen, 
thuest ireshochmuetts lachen, 
bringst sie darin in spot. 

3. Sie haben jetzt in banden 
zwelff christliche person, 
die sie mit freffels banden 
gwaltig han dastet an, 
wellen die selben schlachten 
vnd denckhen nit daran. 



VII. Die Lieder der Huterer. 



223 



das du darauf tbuest achten, 
guts für die seinen trachten, 
mit in bist vomen dran. 

4. Ob sie gleich vil versuechen, 
drotzen vnd droen seer, 
verlestem vnd verfluechen, 
radtschlagen hin vnd her, 
wies mit vns wollen faren, 
so bistu doch der man, 

der ietz wie auch vor iaren 
der gantz gottlosen scharen 
iren mueth nemen kan. 

5. O Herr, schaw, wie auff erden 
dein volckh letzt wird vor- 

schmecht; 
die new geboren werden 
vnd vor dir leben recht, 
schreit man als ketzer ane, 
redt in als vbels nach, 
der teiffel in in wone, 
wie es auch zuuorane 
dir selbs von Juden gschach. 

6. Vnsser handt wir aus 

streckhen, 
biegen die knie vor dir, 
laB dich, o herr, erweckhen, 
Komb vns zu hilffe schier, 
laß dein gunst ob vns walten 
in allen vngemach, 
thue vns in glauben bhalten, 
die lieb laß nit erkalten, 
so wirt guet vnsser sach. 

7. Hilffjdaswirvnseinschliessen, 
herr, in der gnaden dein 
vnd vnsser hertz vnd gwissen 
darin versperen fein, 

im geist vnd warheit biten 



wol nach dem willen dein, 
nach gantz kindlichen sitten 
daz gmiet vor dir aus schitten^ 
das dir mög gfellig sein. 

8. Gib vns, Herr, mit gedulte 
dein zucht zu tragen fein, 
vnd auch dein lieb vnd hulde 
zu erkenen darbei, 

durch gee du vnser gwissen 
mach vns heillig vnd rein, 
dein lieb thue in vns güessen, 
deintrost laß vns herflüessen, 
starckh im glauben zu sein. 

9. Herr, thue vns nit einfüeren 
in groß anfechtung schwer, 
laß vns kain angst berieren, 
die das gwißen verseer; 
thue du selbsdem feind weeren, 
daß er kain zue drit hab, 
mit schänden vnd vneeren 
von vns sich mieße keren, 
vns nichts mög gwinen ab. 

10. Hilff vns yemer zu leben 
in warer glassenhaitt, 
trost, hoffnungthue vns geben, 
mit warhait vns beklaidt, 
ghrechtigkait,lieb vnd glauben 
leg vns zum hämisch an, 
das wir starckh im vertrawen 
auff dich, herr, sindt gebawen, 
das vns nichts fällen kan. 

11. Vnd also steiif beleiben 
Bey dir, o herre gott, 

vns nichts lassen abtreiben, 
kein todt, angst oder not, 
Forchtthue von vns auffgeben 
vnd leg vns dein krafft bey, 



224 



VII. Die Lieder der Huterer. 



das wir manlich im leben 
durch alleTriebsal schweben, 
erhalten werden frey. 

12. Durch dein geist vnssern 

munde, 
o Christ, du gottes son, 
wöllst öffnen zu der stunde, 
wens wirt von nötten thuen, 
das dein krafft offenbare 
an vns werdt gsehen schon, 
ja das die gotloss schare 
verstumen mieß doch gare 
vnd mit schänden bestan. 

13. Gib vns wol zu betrachten, 
o herr, dein götlich wort, 
dasselbig teuer zu achten 
als vnssern höchsten hört, 
das wir alzeit im hertzen 
vnsseren munde han, 

auff das wir nit mit schert zen 
den leichtferttigen hertzen 
on frucht sagen darvon. 

14. Wir bitten dich auch alle, 
herr, aus hertzens gier, 
gib, das bey vns kein malle 
das saltz sein raiß verlier, 
hilff du vns ernst beweißen 
an der gotlossen weit, 

jr das vnrecht verweißen, 
dein nam dardurchzupreißen, 
wo es dir wol gefeit. 

15. Das wir gar mit entsetzen 
die fleisch menschen hirmit, 
die nur den leib verletzen 
vnd weitters haben nit, 

das wir vns dein nit Schemen, 
mit lust riemen von dir, 



dein warhait frey bekennen, 
thuetmanvns den leib nemen, 
gib vns ein andern schon. 

16. Herr, hilfF vns, das wir ringen 
nach deim götlichen wort, 
mit freiden einzudringen 
wol durch die enge port, 
obwol das fleisch zu malle 
hart kombt in dise prob, 

so gib doch in dem falle 
das der geist vber alle 
tröstlich mög sigen ob. 

17. Vnd hilff vns die purt tragen, 
das joch mach ring vnd leicht, 
damit wir nit verzagen 

ob schon dem fleisch zue 

streich, 
sey mit vns auff der Strassen, 
in engsten stee vns bey, 
thue vns mit deiner handt 

faßen 
vnd nimer daraus lassen, 
wie groß das leiden sey. 

18. Weil du, o Christ, auff erden 
vn schuldig glidten hast, 
sols vns nit besser werden, 
billich wir auch den last 
deines creitzes hie tragen, 
in ghorsam einher gan, 
allen dingen ab sagen, 
hilffs vns nur dapffer wagen, 
so setz wir alles dran. 

19. Das opffer hilff vns legen 
nach deinem willen guet, 
tbue vns im geist anregen 
vnd sterck vns vnssern mueth, 
thue dir gefellig machen 



VII. Die Lieder der Huterer. 



225 



vnser leib, seel vnd geist, 
damit in allen Sachen 
dein namen in vns schwachen 
gheilligt werd vnd gepreist. 

20. Vnser tägliche schulde 
vergib vns auch, o herr, 
bhalt vns in deiner hulde, 
dein geist vnd s wort vns leer, 
das wir nit weiter richten 
dan du vns zeigest an, 

aus vns selbs nit erdichten, 
sonder nach deinen bhrichte 
allzeit steiff einher gan. 

21. Gib vns auch zu erkenen 
die rechten hierten dein 
vnd die sich fälschlich neuen, 
wellen auch brüeder sein, 
thuen schaaffs klaider an 

tragen, 
sindt reiasendt wölff allain, 
suechen on alles zagen 
deine schäfflein gemain. 

22. Wenig seind ietzund zware 
der frömen hierten treu, 
die dein götlich wort klare 
reden on allen schey. 

Herr, thue viel aus senden 
wol in die emdte dein, 
die da an allen enden 
dein wort treulich aus spenden, 
dein volck versamlen fein. 

23.Wol8t aber diser zeite 

deim wort krafft legen bey, 
das es dem herren weite 
vmb sich ein greiffen sey, 
gib, das die menschen eben 
daranff merckhen mit fleiß. 

Wölk an, Lieder der Wiedertäufer. 



auff das es frucht zum leben 
hundert feltig thue geben 
zu deinem lob vnd preiß. 

24. Vnd dier also dein scheuren 
mit frucht gefillet werdt, 

o herr, thue selbs anfeuren 
die menschen auff der erdt, 
dan ietzundt offenbare 
in aller weit gemain 
der götlich eiffer zware 
erloschen ist doch gare, 
dir seis geklagt allein. 

25. O Herr, thue gnadt beweisen 
den, die recht gmietet sindt, 
die hungerigen zu speißen 
vnd, die im hertzen blindt, 
erleicht mit deinem worte 
vnd für die gfangnen auß 
wol von des todes porte, 
dem verdämlichen orte, 
bring sie zu deinem haus. 

26. Auch ist vnser begeeren, 
du weist vns, herr,dein werckh, 
das du deim namen zu eeren 
durch deines geistes sterckh 
hast gwirckht in vns biß here, 
be waren lautter rein 

vnd gib, das wir yemere 
darin firschreitten seere 
dir zu deim preiß allain. 

27. Sterck vns in dir, o herre, 
nimb hin forcht, angst vnd laidt, 
treib vns von zagheit feere, 
wen vns wirt der beschaidt, 
das wir hie sollen enden, 
den kampff des todts bestan, 
so thue vns dein trost senden, 

15 



226 



VII. Die Ltedei* ^elr Huterer. 



das. wir tns frölich wenden 
auä diser welt'Äu gän. '. 

28. Wachend thue vns behalten 
vn^ niechter alle, stuijdt, 
die lieb laß nit vörkiJteJi , 

■ in vnssers hevtsi^n grunzt. 
. O, gib vns, imit gedulte 
auf dich zu warten fein,' 
das wir oa alle schulde 
in deiner gnadt vnd hulde 
alzeit geuestnet sein. 

29. Mit trost thue reichlich fiUen 
vns, die wir gfangen sein, 
vnd schickh üach deinem 

willen 
das eins deih andern fein 
mit schreiben vnd entbletten 
oder mit gsanges Klang 
^rfrey sein hertz vnd gmiete, 
in deiner gnadt vnd güete 
. wirt vns die weil nit lang. 

30. Das wir ein ander sterckhen 
in vnse* grossen not, 

herr,- thue selbs auf vns 

merekben, 
speiß vns mit himel brot 
vnd thue vns auch ein 

schenckhen 
den kelch des hailß so guet, 
mit deinem geist vns trenckhen 
dein krafft in vns ein senckhen, 
so! werdt wir wol gemueth. 

31. Das wir auch halt zu band 3 
den kelch des leidens zwar, 
creiz, triebsal, schmach vnd 

schände, 
pein, marttcr, todtes gfar 



fröllicli yndwillig^chmecUien 
als liebe . kindlen dein^ 
bn alle forcht vnd schröbkhen 
' die glider-fi*ey dar streckhen 
biß in den todt hinein. 

32. Das hilff, vns in :deim namen, 
.0 Christ, du gotteg^ son, 

. ' bit wir dich alle tarnen, 
wirst* des vil lobens -han, 
vad auch die fromen alle, 

. . wen sie hörert daruon, 
werden erfreidt zu malle, 
das du vn^ .den triebsalle 
hast geben zu vber stan. 

33. Vertrauen dir der maßea 
vnd boffen!gantz vnd gar, 
das du VDS nit werst lassen 

' verruckheu nur ein haar, 
on deiner willen guete, 
, der soll den fürgang han, 
in wasser, schwert vndgluette 
halt vnns iii deiner huette 
als dein Aug apffel schon. 

34. Beut, vns dein treue bände, 
herr gott, aus deinem thron, 
wir sindt dir doch bekandte, 
das wir kain kra£Ft nit han. 
Nimb du dich vnsser ane 
wol in der grösten not, 
schau, wie es vns thuet gane, 
streitt für. vns auff der bane» 
erret, o herre gott. 

• * 

35. Hilff vns aus disser stundte, 
darin vns. ist so bang, 

.-thue vns dein krafft siukundte» 
verzeuch vns die nit lang, 
hilff vns halt zu dem orte» 



yiL Die Lieder der Haterer. 227 

, darnach wir streben sein. " vpd wir bey dir dan sein, 

Es ist, o herr, die porte tag vnde nacht lobsingen 

gantz eng nach deinem worte, in deinem tempel schon, 

hilff vns durch die hinein. . ja, das es thuet erklingen 

vnd fröllich einher springen 

36. Da« wir die cron erlangen, ^j^ dir, o gottes söhn, 
die ewig eeren zier, 

diewohnvndfreidt empfangen 38. Das wölstu, herr, erstatten 

in deinem reich bej dir, zu lob deim namen groß, 

den weissen stain erwerben, laß vnserp wünsch geratten, 

den newen namen dein, die wir sindt deiner gnoß, 

ja, das wir als er erben, der geist vnd die praut sagen, 

hilff, das wir geern sterben kombt halt, herr Jesu Christ, 

trew biß in den todt sein. zu dir wir freide haben, 

halt vns der herr wirt sagen 

37. Vnseren nam ein schreibe ^^^^^ ^^^^^er zu der frist. 
ins buech des lebens dein, Amenn. 
das er drin ewig bleibe 

« 

Budap. Ab 16 Bl. 233. — Gran HI 155 Bl. 172. 

Baiffers Lyrik betv^egt sich in demselben Geleise, wie alle 
Dichtung der Brüder, fast ohne persönliche Note. Es sind die 
gleichen Klagen, die uns schon so oft entgegen getönt, über die 
Sündhaftigkeit der Welt und die Feinde, von denen er allerorten 
umgeben ist. Unmittelbar wendet er sich an .die Stadt Aachen, 
die eine schwere Last auf sich genommen, in dem sie die Brüder 
so grausam verfolge: Den Frommen ist ein saurer Wein, Trübsal 
und Leiden b«scbiedeh ; aber der Dichter vertraut auf Gott, ohne 
den er nichts sei; wenn Gott sich stellt, als ginge er aus, er- 
schrickt er, und sein Haus erscheint ihm trostlos und leer. Ohne 
Gott vermag er nichts zu vollbringen, da er eine Blume sei, die 
dahinwelkt. Gott ist ihm der Mann, der den gottlosen Scharen 
den Mut nehmen kann. Mit Gott haben die Froihmen einen Bund 
geschlossen, den er einem Fingerringe vergleicht, den der Herr 
immer mehr vergolden möge. Der Dichter bittet Gott, er möge 
seinen Namen gross in ihm machen. Wohl ist er bereit, den 
Tod zu erleiden; aber mit Christus bittet er, es möge der Kelch 
des Leidens an ihm vorübergehen, so es Gottes Wille sei; doch 
fleht er in Ahnung der' Todespein zn Gott um Kraft und Stärke 
in der letzten, schwersten Stunde und sehnt sich, aus Kam^f und 
Not zu Gottes Rqlie zu kommen.' Seinen Feinden' verzeiht ter; 

15* 



228 ^^^' ^16 Lieder der Huterer. 

denn auch ihm ist die Liebe das höchste Gebot, das uns Gott 
gegeböti; wer sie hat, der hat Gott. 

Mit Eidemann und Raiffer haben wir den Höhepunkt der 
Huterischen Liederdichtnng erreicht. Die Dichter, die nach beiden 
kommen, sind zwar nicht gering an Zahl, wohl aber an Bedeutung. 

Zwei Jahre nach Haiffers Tode starben drei Liederdichter 
der huterischen Brüder den Märtyrertod; am 13. Juni 1560 wurde 
Stachius Kotter zu Innsbruck enthauptet (BGB 225) und gleich- 
zeitig mit ihm Hans Mändl lebendig verbrannt. Kotter, ein 
^gemeiner Bruder* ist der Verfasser zweier Lieder: 

1) Mein Gott vnd Herr, 
dir sei viel ehr. 

25 Str. Gran IH 125, Bl. 35*; Pressb. 232 Bl. 84*. 

2) Sterck vns, o Gott, 
in dieser not. 

17 Str. GranHI 125 Bl. 39; meine Hs. Bl. 213; Pressb. 203 
Bl. 251*; 232 Bl. 12*; nur die ersten 13 Str. sind Eigentum Kotters, 
die andern späterer Zusatz. Aki*ostich: Stachius Koter. 

Bedeutender war sein Leidensgenosse Mändl, ein „evange- 
lischer Diener, welcher vil vnd offk in die landt gesandt worden ist 
zum werkh des Hennen** (BGB 222). Gebürtig aus Gufidaun in 
Tirol war er 1537 durch Griesinger in die Gemeinde aufgenommen 
worden, wurde aber schon das Jahr darauf gefangen und blieb 
ein halbes Jahr in Haft. Er entfloh, wurde 1544 abermals gefangen, 
entkam nach einem halben Jahre wieder, wurde 1548 aufs neue 
gefangen, entkam aber nach Mähren, bis er 1560 in Bayern auf- 
gegriffen und zum Tode geführt wurde (BT 276, Archiv 79,190). 
Er schrieb vier Lieder: 

1) Dein Wunsch vnd gab empfangen hab. 
6 Str. Pressburg 232 Bl. 356. 

2) Gott in deinem Himmels Thron 
gib mir herfierzubringen. 

13 Str. Pressburg 203 Bl. 495». 

3) Gott Vater in deinem Keich. 
28 Str. Pressburg 203 Bl. 498. 

4) O Vater mein, ein Kindlein dein 
thut hertzlich zu dir rieffen. 

18 Str. Gran HI 200 Bl. 173; Pressbg. 203 Bl. 493. 

Am 19. Juli desselben Jahres wurde Claus Felbinger. 
seit 1558 im Dienste des Evangeliums, seines Zeichens ein Schlosser, 



VIL Die Lieder der Huterer. 229 

der aber ein so tüchtiges theologisches Wissen besass, dass selbst 
der ihn verhörende Geistliche darüber erstaunte, zu Landshut ent- 
hauptet (BGB 236). Das Lied: 

Mit Lust vnd freidt 
zu disser zeitt. 
5 Str. Budap. Ab 16 Bl. 299, Pressb. 203 Bl. 171; 232 Bl. 81». 
verrät wenig Gewandtheit im Ausdrucke. — Ein 2. Lied auf den 
Tod Pürchners : Mit freiden wollen wir singen, wurde bereits früher 
(S. 210) erwähnt*). 

Für die Huterer in Mähren begann bald nach den geschilder- 
ten Verhältnissen eine Zeit der Euhe, die sie selbst als die ^goldene 
Zeit** bezeichneten und die ungefähr bis zum Jahre 1592 i'eicht. 
Daraus erklärt sich die seltene Tatsache, dass in dieser Zeit einige 
Liederdichter eines natürlichen Todes starben. Zu ihnen gehört 
Mathes Legeder, der 1542 in Sterz ing gefangen lag, aber frei- 
kam und 1552 zu Pergen in Mähren starb (BGB 197). Vielleicht 
im Gefängnis hat er gemeinsam mit Christel Lissner, den wir 
sonst nicht nachweisen können, die folgenden Lieder gedichtet: 
Disse zway Liedter sein gemacht von den lieben Brueder 
Christeil lißner vnd Mattes Legedter, das erst im Thon, Kombt her 
zu mir spricht Gottes Son. 

Nun hertt, was ich euch singen will, 
die frommen miessen leiden vill. 
24 Str. Pressb. 203 Bl. 35 1». Klagen über die Zeit. 
Das ander Liedt von Christel lißner, In thon, Nun wolt ich 
hören singen oder ich stundt an einen morgen. 

Nun hert, ich wil euch singen, 
wie es vor äugen ist. 
22 Str. a. a. O. Bl. 354*. Gleichfalls Klagen. 
Hieher gehört auch Sigmund Hosaue r, der 1564 zu Kostl 
in Mähren starb (BGB 208), der Verfasser von zwei Liedern: 

1. Fröhlich wollen wir singen. 
Auf den Tod des Hans Pürchner; vgl. oben S. 209. 



') BGB 236 schreibt, dass sich in den Codd. 163 und 203 zu 
Pressburg 3 Lieder von ihm finden. — Otte Annales Anabaptisci sagt 
S. 135 zum J. 1560: Hoc anno Claus Felbinger Anabaptista conscribit 
Apologiam suam, quam inscribit: Rechenschafft des Glaubens, die Claus 
Felbinger dem Herren zu Landshut, mit sampt seinen mitgpfangenen 
Bruderen geben vnd zugestellt hat. Sie findet sich in den Pressburger 
Hss. 163, 219, 221 in Gran und in Olmütz. 



230 •V'll. Die Lieder der Huterer. 

2. Mein sinn dahin stet alle zeit. 
Cod. Walch Gran (BGB 208). 
Im J. 1568 starb zu Wasstitz Hansel Zwinger, nach 
seinem Handwerk auch Gärier genannt (BGB 253). Er ist der 
Verfasser des Liedes: 

Wollen singen zu dieser frist, 
wie es im 66. Jar ergangen ist. 
das in drei Abteilungen zu 50, 50 und 59 Strophen die Leidens- 
geschichte des Haus Arbeiter und Heinrich Schuster erzählt, die 
am 18. Juli 1566 zu Heinbach im Bistum Speyer gefangen ge- 
nommen worden waren, aber nach sieben Monaten ihre Freiheit 
wieder erlangten. 

Im J. 1570 starb Christoph Scheffmann, dessen Tod 
die Geschichtsbücher der Huterer irrtümlich erst im J. 1670 melden 
(BGB 524). Er ist der Verfasser mehrerer Lieder: 

1. Ach Gott, was soll ich singen, 
mein harpfen wil nit klingen. 

35 Str. Gedr. Jahrbuch 1894, 187; Vindob. 14554 Bl. 203; 
Budap. Ab 16 Bl. 305; meine Hs. BL 234: Pressburg 
203 Bl. 323. 

2. Herr Gott Vatter, laß mir gelingen, 
daß ich mit gsang mög firher bringen. 

Die Geschichte Josephs in 3 Abteilungen zu 57, 58, 
59 Str. aus dem J. 1562. Budap. Ab 16 Bl. 30; Ab 7 
BL 78; Brunn 512 Bl. 313, 

3. Nun hörent gottes wunder vil, 
darvon ich ietzund singen will. 

63 Str. Jahrbuch 13, 47; Budap. Ab 2 Bl. 134; Gran 
HI 200 Bl. 294; Pressb. 203 Bl. 57; 232 BL 177. Die 
Geschichte Josephs in kürzerer Bearbeitung. 

4. O reicher Gott im Himelsthron, 

wir, deine kindt, bitten dich alle sambt gar schon. 

Vom J. 1567. 56 Str. Jahrbuch 13, 53; Vindob. 14554 
BL 186; Brunn 512 Bl. 211; Budap. Ab 16 BL 330; 
Ab 11 BL 226; Gran III 125 Bl. 242; HI 200 BL 17: 
meine Hs. Bl. 1; Pressburg 194 BL 100, 203 BL 49; 
232 Bl. 851. Geschichte der 12 AposteL 



VII. Die Lieder der Huterer. 23^1 

5. Trost, frid vnd freud im gwisäei),' ■ 
sig, vber Windung frei. ^ 

13 Str. 'Budäp. Ab 7 Bl. 75. . . ; 

1573 starb zu Austerlitz tUaspar Breitmichdl, seines 
"Zeichens* ein Schneider und häufig auch so genannt ^(BGB 261), 
einer der ältesten Diener des Wortes untör den Hutererfi. Er 
schrieb 2 Lieder: 

1. Christliche Artt, Eifer vnd trieb 
liegt mir jetzt an, das ich aus lieb 

30 Str. Vindob. 14554 Bl. 16; Jahrbuob 1892 S. 40; 
Budäp. Ab 16 Bl. 25; Brunn 512 Bi. 18; Gran lll 200 
Bl. 31. Akrostichon: Casper Breitmichel- Katharina nit 
aus leichtfertigkait gemacht Den Inhalt bildet die Ge- 
schichte der Rebecca. 

2. O Heri- Gott von Himelreich, 

von kraft vnd sterck ist nit deins gleich. 
53> Str. Vindob. 14554 BL- 303 ; GrAn in 200 Bl. 350. 
Ein Trostlied in den Leiden dieser Welt. 
Auch Peter Walpot, ein Scherer, der Führer der Huterer, 
den wir bereits als Teilnehmer am Frankenthaler Gespräch ke^nnen 
gelernt haben, und der 1578 zu Priwitz in Mähren starb (BGB 271), 
was als Liederdichter tätig. Erhalten hat sich von ihm das Lied: 
Bedenckh vnd lenckh dein gmiet dahin vnd» sin. 

11 Str. L. 131; Gran III 200 Bl. 395. Akrostich: Peter 
Walpot. 
Hart war das Los des Liederdichters Paul Glock, der 
19 Jahre lang zu Hohenwittling in Württemberg gefangen ge- 
kalten wurde, bis er 1576 mit zwei anderen Brüdern, Matthias 
Binder, einem Schneider und Veit Grünberger, einem Uhrmacher, 
freigelassen wurde (BGB 269). Während seiner Gefangenschaft 
schrieb Glock, der 1585 zu Schäkowitz starb (BGB 291) eine 
grössere Zahl von Liedern, von denen ich folgende kenne: 

l.-Ein Liedt durch den brueder Paul Glockh ao. 1567. 
Ein Liedlein wil ich singen 
von falsch geistlichen gmein. 

31 Str. Pressb. 232 Bl. 204. Über seihe Gefangenschaft. 
2.- Das Lied gemacht Durch den Brueder Paul Glock vnd 

seinen Mitgefangnen brueder Adam In Irer Gefenckhnuss auff hohen 
Wittling im wirtenberger Landt, Anno 1563. Inn des Schillers 
Ton. 



232 V^I- J^iö Lioder der Huterer 

Ewiger Herr in deinem Reich, 

hülfF VHS, deinen Kindlen geleicfa. 
52 Str. Pressb. 163 Bl. 496. Lied über die Glaubens- 
grundsätze der Brüder. 

3. Das Lied vom Paul Glock samb sein mitgfangen in jrer 
gefencknus gemacht im 1563 Jar Im ton, Da man das Creutz am 
himel sach. 

Gott lialtet steiff, was er verspricht, 
sein volckh er allzeit zu ihm weist. 
47 Str. Pressb. 212 Bl. 82. 

4. Ein annders Lied Im thon, Es sind doch Seelig alle die. 
P[aul] G[lock]. 

Merckht auff, Ir gottes heufflein klain, 
die wir ye stendt im ghorsamb sein. 

30 Str. Pressb. 163 Bl. 509 Dogmatischen Inhalts an 

seine Gemeinde gerichtet; aus dem Kerker: Str. 28; 

Nun liegen wir im Lutherthumb — gfangen vmbs Euan- 

gelium. 

5. Ein schons Lied, welchs paul glock in seiner gfencknns 
gmacht hat, Im Thon, kompt her zu mir spricht gottes son. 

O herre got in Deinem Thron 

dich zloben wil ich nit ablon. 
28 Str. Meine Hs. Bl. 280». Persönlichen Inhalts, über 
seine Weltflucht. 

6. Ein Liedt von vnserm lieben Brueder Paul Glockh, ia 
seiner gefenckhnuss auff Hohen wittling gemacht Im 1576 Jar. Im 
thon. Es wolt guet Jäger jagen. 

Preißen wil ich den herren 

weil ich das leben hau. 
37 Str. Gran III 200 Bl. 390»; Pressb. 203 BL 326»; 
Akrostich: Paul Glock auf Witling gfangen vm Gotes 
Wort. 

7. Ein anders Liedt Im thon kombt her zu mir spricht 
Gottes Sun 1565 Jar P(aul) G(lock): 

So kan ich doch nit vnderlan 
des herren güet zu loben schon. 
39 Str. Pressb. 163 Bl. 516^ Nach Str. 2 im siebenten 
Jahr seiner Haft geschrieben. Str. 11: 
Pabst, Luther Ist die Muerter fein, 
die pfaflen sind das töchterlein 



Vn. Die Lieder der Huterer. 233 

den ^aldt hand sie empfangen 
in 8ündt, lästern geben sy recht, 
den fürsten, herren, allem geschlecbt, 
die friimen nemens gfangen. 
8. Ein scLön Liedt Vonn Vnssern Lieben Brueder Jungen 
Paulen 1566 gemacht. 

Von Gottes eer vndt wunder mer 
wil ich ein liedlein singen. 
7 Str. Pressb. 203 Bl. 488*; 232 Bl. 237». 
Auch Matthias Binder, der während der letzten zwei 
Jahre Glocks Mitgefangener war (BGB 264), und 1593 starb, 
(BGB 319) hat sich als Dichter betätigt; er ist der Verfasser von : 
Ein schön Liedt von Paul Glockh vnd raathias binder gesteh 
irer erledigung 1577 im thon, es ist das hail vnß komen her. 

So wellen wir jetzt heben an, 
Gottes wunder erzelen thuen. 
12 Str. Pressb. 203 Bl. 361 «; 212 Bl. 209». 
Auf die Gefangenschaft dieser Brüder ist das Lied: 
Merckh auff, du wahr Christliche Gmain, 
den Herren wollen wir loben than. 
gedichtet (gedr. L. 175), das sich grosser Beliebtheit erfreute, wie 
aus seinem häufigen Vorkommen in Handschriften zu schliessen 
ist; es findet sich Vindob. 14554 Bl. 318; Budap. Ab 7 Bl. 23; 
Brtinn 512 Bl. 79; Gran HI 125 Bl. 200; Gran HI 200 Bl. 205; 
Pressburg 163 Bl. 471; 203 Bl. 363. Akrostich: Mathias Binder, 
Paul Glock, Veit Vrmacher .... (vgl. Steiff: Geschichtl. Lieder 
Württembergs S. 409). 

Unbedeutend ist ein Lied des Wenisch Kellner, der 1578 
in den Dienst des Evangeliums gewählt wurde und 1593 in Lewar 
in Ungarn starb (BGB 319): 

Wacht au£r, ir kinder gottes all, 
vnd singet im mit frölichem schall. 
20 Str. Gran III 155 Bl. 83; Gran III 200 Bl. 387; 
Pressb. 244 Bl. 38» 
Ziemlich häufig begegnen wir jetzt wieder den Liedern un- 
genannter Verfasser auf Brüder, die in Deutschland den Märtyrer- 
tod erlitten hatten. So das Lied auf den 1571 enthaupteten und 
dann verbrannten Weber Hans Missel (BGB 258): 
Merckht auf, ihr gliebten Brüder mein, 
ihr fromme alle sampt gemein. 



234 VII. Die Lieder der Hüterer. 

39 Str. Gedr. L. 169 und Jahrbuch 1894, 193; Vindob. 
14554 ßl. 225; Brühn 512 Bl. 83; Gran III 155 Bl. 258; 
Gran III 200 Bl. 117; Pi^ssb. 163 Bl. 487; 194 Bl. 89; 
232 Bl. 88«; 236 Bl. 78; meine Hs. Bl. 301. Das Lied 
ist in zwei Redaktionen erhalten, einer kürzeren (bei L.) und 
einer längeren, die nach Str. 35 zehn neue Strophen 
einschiebt. (Vgl. SteifF: Geschichtl. Lieder Württembergs, 
S. 404). 
Auf den 1571 zu Schärding hingerichteten Wolf Binder 
(BGB 257) geht das Lied: ■ — 

Ach Gott, wir thun dir klagen, 
wies geet in diesen tagen. 
30 Str. Gedr. L. 167; Vindob. 14554 Bl. 223; Budap. 
Ab 16 Bl. 328; Ab 11 Bl. 197; Brunn 512 Bl. 264; 
Gran III 125 B1.43; Gran III 155 Bl. 295; Gran III 200 
Bl. 89; Pressb. 163 Bl. 492; 194 Bl. 86*; 203 Bl. 81«; 
236 Bl. 104. 
Auf den Tod des 1574 zu Roth holz in Tirol enthaupteten 
Hans Plattner (BGB 260) wurde das Lied gedichtet: 
Hört zu, was wir euch singen thon, 
ir gottes hausgenossen. 
43 Str. Gedi*. L. 172 und Jahrb. 16,105; Vindob. 14554 
Bl. 230; Budap. Ab 11 Bl. 214; Gran III 125 Bl. 195; 
III 155 Bl. 47; III 200 Bl. 197; meine Hs Bl. 51; 
Pressb. 194B1. 93; 203 Bl. 84; 232 Bl. 155. Akrostich: 
Hans Blatner aus Passeir, ein Schneider. 
Dem Andenken der 1582 in Baden • ertränkten Heinrich 
Summer und Jakob Mandel (BGB 231) galten 2 Lieder: 

Ein Liedt von zwayen Bruedern Hainrich Sumer und Jacob 
Mandel, die man zu Baden im Schweitzerland gericht hat. In 
des Königs Laseis Thon zu singen. 

Merckht auf, ir gliebten Gottes kindt, 
die ir hie im Jammertal sindt. 
42 Str. Gedr. Jahrb. 1896, 64: Vindob. 14554 Bl. 233; 
Brunn 512 Bl. 300; Gran HI 155 Bl. 252; HI 200 
Bl. 85; Budap. Ab 11 Bl. 219; Ab 16 Bl. 370; Pressb. 
194 Bl. 96; 203 Bl. 103; 232 Bl. 46; 236 Bl. 97a-. 
Das Ander liedt vom hainrich Sumer vnnd Jacob Mandel. 
Im thon Von deinendt Wegen Bin Ich hie Oder in des hülebrand 
thon auch in des Brueder Veiten thon zu singen. 



VII. Die Lieder der Huterer. 236 

' Wir habn lust, Ein liedt zu singen, 

kinens nit vnderlon. 
38 Str. Pressb. 236 Bl. 129. 
Auf den Tod des 1583 zu Rankweil in Tirol enthaupteten 
Führers der Huterer in Tirol, Melchior Platzer (BGB 283) 
wurde das Lied verfasst: 

Hörent jhr Kinder Gottes rein, 
was wir euch wellen singen. 
r ■ 28 Str. Gedr. Jahrb. 20,200; Vindöb, 14554 Bl. 236; 

Brunn 51Ö felV 267; Budap. Ab 11 Bt. 233; Gran in 
125 Bl. 25; Gran ni 155 Bl. 287; Preäsb. 194B1.313a; 
203 Bl. 107; 232 Bl. 103; 236 Bl. 112. 
Dem 1584 zu Schlaiiders enthaupteten Andreas Pürchner 
(BGB 289) gilt das Lied: 

Singen wollen wir vnserm Gott, 
der den froinen in irer not. 
36 Str. Gedr. Jahrbuch 20, 193; Vindob. 14554 Bl. 239; 
Brunn 512 Bl. 186; Budap. Ab 16 Bl. 324; Gran III 155 
Bl. 74; Gran III 200 Bl. 110; meine Hs. Bl. 43; Press 
bürg 194 Bl. 318; 203 Bl. 112»; 232 Bl. 94». 
Zum Gedächtnis an den 1585 in Burghausen enthaupteten 
Bruder Leonhart Sumerauer (BGB 293) verfasste man das Lied: 

Himmlischer Gott vnd Herre, 
laß dichs erbarmen schier. 
44 Str. Gedr. Jahrbuch 13,144; Vindob. 14554 Bl. 253; 
Brunn 512 Bl. 140; Budap. Ab 16 Bl. 367; Gran III 
155 Bl. 278; Pressb. 194 Bl. 270; 203 Bl. 117. 
Auf Michel Fischer, der 1587 zu Ingolstadt enthauptet 
wurde (BGB 299) bezieht sich das Lied: 

Mich ursacht euch zu singen, 
wie Gott zu dieser zeit. 
13 Str. Vindob. 14554 Bl. 261; Brunn 512 Bl. 148; 
Budap. Ab 16 Bl. 345; Gran III 155 Bl. 276; Gran III 
200 Bl. 115; Pressburg 203 Bl. 125; 236 Bl. 190. 
Akrostich: Michel Vischer Lied. 
Der Erinnerung an Leonhart Polzinger, der 1591 zu 
Ilba (Julbach bei Braunau in Baiern) gerichtet wurde (BGB 305) 
galt das Lied: 

Lasst vns von gantzer vnser seel 
lobsingen dem Gott Israel. 



236 VII. Die Lieder der Huterer. 

20 Str. Vindob. 14554 Bl. 264; Gran III 200 Bl. 201; 

Pressb. 203 Bl. 130; 232 Bl. 303. Akrosticb: Leonbart 

Boltzinger. 

Auf den Tod des 1591 zu Silgen (Silian) im Pustertal ent- 

baupteten Jörg Wenger und Jakob Platzer (BGB 308) ver- 

fasste man das Lied: 

Ir liebhaber der Warbeit guet, 
lasts eucb erzellen mit freyen muet. 
30 Str. Vindob. 14654 Bl. 266; Gran III 155 Bl. 318; 
Gran UI 200 Bl. 184; Pressburg 203 Bl. 131» u. 531. 
Dem 1592 zu Freiburg in Baiern enthaupteten Tbomas 
Han (BGB 316) sind zwei Gedicbte gewidmet: 

1. Thuet beren, was ich singen will 
den fromen zu trost vnd zu muete. 
38 Str. Vindob. 14554 Bl. 269; Gran IH 155 Bl. 36; 
Gran III 200 Bl. 187; meine Hs. Bl. 268; Pressburg 194 
Bl. 267; 203 Bl. 520. Die ersten Strophen enthalten 
das Akrosticb: Thaman Han. 
Das 2. Lied gilt zugleich auch der Erinnerung an Mattbaeus 
Mair, der im gleichen Jahre zu Baden hingerichtet wurde 
(BGB 317): 

Trost, fridt vnd freudt, 
standhafftigkait im Herren. 
20 Str. Vindob. 14554 Bl. 274; Bmnn 512 Bl. 227; 
Gran III 155 Bl. 43; Gran III 200 Bl. 194; Gran III 
125 Bl. 49; Pressburg 203 Bl. 134. Akrosticb: Thoman 
Haan, Mateus Mair. 
Aus dem Jahre 1605 stammt ein Lied auf den Tod des 
Hans JPolzinger und des Max Eder, die zu Ried enthauptet 
und dann verbrannt wurden (BGB 351): 

Hört, hört vnd merckt ir Gottes kindt, 
die ir liebhaber Gottes sind. 
20 Str. Vindob. 14554 Bl. 284; Brunn 512 Bl. 235; 
Gran III 155 Bl. 358; Gran III 200 Bl. 203. 
Das letzte Lied auf huteriscbe Märtyrer, von dem wir 
Kenntnis haben, gilt zwei Opfern des J. 1618; Jost Wilhelm 
und Christine Brünerin wurden bald nach einander in Bregen z 
hingerichtet (BGB 368); diesem Ereignis gilt das Lied: 

Von Gott vnd seines geistes sterck, 
wie er im glauben fiert sein werck. 



VII. Die Lieder der Huterer. 237 

24 Str. Meine Hs. Bl. 69; Brunn 512 Bl. 125; Gran III 
125 Bl. 15; Vindob. 14554 Bl. 286; Pressb. 203 Bl. 44; 
236 Bl. 58. 

Neben diesen Liedern auf Märtyrer fallen in die letzten 
Jahre des 16. Jhs. noch einige Lieder, die von Brüdern zumeist 
im Geföngnis gedichtet wurden. Die Reihe eröffnet Hans 
Zuckenhammer, ein Schmied, der im J. 1579 mit Wolf Rauffer, 
einem Schneider, zu Tipmanning gefangen genommen wurde, dann 
freikam, 1584 abermals nach Baiern ging und 1598 hochbetagt in 
Protzka starb (BGB 328). Wir besitzen drei Lieder von ihm: 

1. Hörent, ein lobgsang vnserm Gott 
wollen wir singen von seiner gnadt. 

27 Str. Brunn 512 Bl. 235; Budap. Ab 7 Bl. 20; Ab 11 
Bl. 209; Ab 16 Bl. 377; Gran III 155 Bl. 80; Gran III 
200 Bl. 235; UI 125 Bl. 31; meine Hs. Bl. 88: Pressb. 
163 Bl. 483; 194 Bl. 119; 203 Bl. 100; 236 Bl. 123. 
Akrostich: Hans Zuckenhamer, Wolf Schneider. 

2. Wol dem, der lust zum wimet hat, 
zu fieren in die heillig statt. 

59 Str. Vindob. 14554 Bl. 371; Brunn 512 Bl. 89; Gran 
III 200 Bl. 237; Pressb. 194 Bl. 33». Das Akrostich 
ist gestört; deutlich erkennbar nur noch: Hanns Zukkien- 
li[a]mmer aus l[i]eb gm acht ... 
Auf die Befreiung der beiden Brüder aus dem Gefängnisse 
dichtete Zuckenhammer das Lied: 

3. Ir außerweiten Gottes kind, 
hört, was wir euch thuen singen. 

30 Str. Gedr. Jahrbuch 13,136; Vindob. 14554 Bl. 278 
Brunn 512 Bl. 229; Budap. Ab 7 Bl. 14; Ab 11 Bl. 202 
Ab 16 Bl. 374; Gran III 155 Bl. 299; meine Hs. Bl. 79 
Pressb. 163 Bl. 478; 194 Bl. 121 *; 203 Bl. 96. 
Auch Zuckenhammers Leidensgenosse Wolf Rauffer ver- 
suchte sich als Dichter; er schrieb das Lied: 

Weil ich so arm und elend bin, 
halt ich sterben flir mein gwinn. 

25 Str. Vindob. 14554 Bl. 258; Jahrbuch 13,48; BrÜnn 
512 Bl. 146; Pressburg 194 Bl. 262; 203 Bl. 122^ 
244 Bl. 102. Akrostich: Wolf Rauffer vnd sein gfert. 

Rauffer hatte nicht allzulang auf den Tod zu warten; 1585 
wurde er mit zwei anderen Brtidern, Jörg Bruckmaier, einem 



238 ^^' ^i® Lieder der Huterer. 

Hafner, und Hans Aichner in der Nähe von Ried gefangen ge- 
nommen und bald nach der Hinrichtung Sumerauers (vgl. S. 235) 
zu Burghausen enthauptet (BGB 293). Bruckmaier hat mehrere 
Lieder verfasst ^) : 

1. Gott, du gewaltiger Herre, . • 

in deiner mayestat. 
79 Str. Vindob. 14554 Bl. 242; Jahrbuch 13,47; Brunn 
512 BL 153; Budap. Ab. 1.6 BL 335; Gran HI 155 
BL 217; Pressburg 194 BL 16*; 203 BL 26. Das Lied 
war ursprünglich akrostichisch abgefasst; doch ist das 
Akrostich in den vorliegenden Gesangbüchern nur noch 
stellenweise zu erkennen, am besten im Brünner und 
Budapester Codex, wo das Lied 105 Strophen zählt. 

2. Herr, ich bitt dich aus Hertzen gmieth, 
gib mir zu verbringen das liedt. 

33 Str. Brunn 512 BL 287. Das Lied, das die Geschichte 

• • • 

Jeroboams erzählt, gibt von Str. 24 ab das Akrostich: 
Bruckhmair. 

3. Mein frölich Hertz vnd auch gemieth 
verursacht mich, von gottes güet. 

22 Str. Vindob. 14554 Bl. 333; Brunn 512 BL 273; 
meine Hs. Bl. 321. Überschrift: „Jonasliedt.*^ 
4) Ein Lied, das Bruckmaier ^dem Sigismund Philer (Bühler) 
zu ainer letz ins Schweitzer landt zum abschaidt gemacht^: 

Den hohen Gott zu eeren, 
der dich hat auserkoren. 
19 Str. Gran HI 200 Bl. 221. 
Den Tod durch das Schwert erlitt 1588 auch der Bruder 
Peter Sämer (BGB 301), der Verfasser des Liedes: 

Frölich so will ich singen, 
loben den höchsten gott. 
18 Str. Vindob. 14554 Bl. 262; Budap. Ab 1 Bl. 155; 
Gran III 200 BL 244; Pressb. 194 BL 71; 203 BL 127; 
232 BL 306». 
Michel Hasel, ein Weber, wurde 1588 zu Hohen wittling 
in Württemberg gefangen genommen und starb nach vierjähriger 
Gefangenschaft im Kerker (BGB 316), wo er sich als Dichter be- 
tätigte; wir haben von ihm zwei Liedert ^ 



^) BGB 294 will noch andere Lieder Bruckmaiers kennen. 



VII. Dio Lieder der Huterer. 239 

1. Merckht auf, ir frommen Gottes kindt, 
auch die eins treuen Hertzens sindt. 
22 Str. Vindob. 14554 Bl. 216; Brunn 512 Bl. 262; 
. Gran III 200 Bl. 181; Pressburg 203 Bl. 482. Akrostich: 
Michel Hasel. 

2. O edler Gott ynd höchster hört, 
der du mich hast angnomen. 
Pressburg 203 BL 480. 

Auf die verhältnismässige Höhe, cvelche die Lieder der 
Huterer im 16. Jhe. erklommen hatten, folgte ein rasches Sinken 
im 17. Jh. Trugen daiu einerseits die Drangsale bei, denen die 
Brüder unaufhörlich ausgesetzt blieben, die Plünderungen der 
Mähren durchstreifenden Kriegsscbaren^), die es namentlich auf die 
als reich ausgeschrieenen und zugleich als vOgelfrei betrachteten 
Brüder abgesehen hatten, die Wirrnisse des drei ssigj ährigen 
Krieges und die Bedrängung seitens dei* Obrigkeit, - welche die 
Brüder mehr als je zur Auswanderung besonders nach Ungarn 
und Siebenbürgen zwang, so lässt sich doch andererseits nicht 
verkennen, dass auch in den Gemeinden selbst sich Spuren einer 
allmählichen Auflösung zeigten. Auch die Gesangbücher weisen 
ganz deutlich auf solchen Verfall hin Im 16. Jh. finden wir aus- 
schliesslich die eigenen Lieder der Huterer im Gebräuche der 
Gemeinden; im 17. Jhe. treffen wir in den Gesangbüchern häufig 
auch protestantische Lieder und diese Übung nimmt mit den Jahren 
augenfällig zu. Man sieht, die Huterer treten aus ihrer bisher 
streng gewahrten Abgeschlossenheit heraus in nähere Beziehungen 
zu den sie namentlich in Ungarn umgebenden Protestanten, lernen 
von ihnen protestantische Lieder kennen und nehmen sie ohne 



') Vgl, das aus dem J. 1605 stamme ade „Liedt von dem erschreck- 
lichen Einfall der Hangern, Türckhen vnd Tattern, in diß landMärherrn^ 
Oesterreich vnd Steyermarckht" : 

Kun. hörent zae all in gemein, 
bäidiB jung, alt, groß vnd auch klein. 
• 169 Str. Budap. Ab 16 BL 887; Pressburg 194 Bl. 237. 
und die sogenannten „Botschkaylieder'' (BGB 349 Anmkg.): ■ 

' 1) Gott, gib mir zu betrachten | wie du von anfang her. 
66 Str. Pressburg 203 Bl. 239. ' 
2) Herr Gott Vater imHimelreich | sieh an den großen kampff vnd streit. 
69 Str. Pressbiirg 203 Bl. 248*; 194 Bl. 247. 



240 VII- I^iö Lieder der fluterer. 

weiteres in ihre Gesangbücher auf; selbst katholische Lieder fehlen 
nicht ganz. 

Deutlich zeigt sich uns dieser Vorgang im Graner Liederbach 
m 200, der bis zum Bl. 381 nur huterische Lieder enthält. Aber 
unter den auf den folgenden Blättern eingetragenen Psalmliedem 
üudet sich der 103. Psalm in der Fassung von Job. Grammau 
(WKL 3,968), der 137. von Wolfgang Dachstein (WKL 3,135), 
der 139. von H. Vogtherr (WKL 3,560). Und auch sonst finden 
sich fremde Eindringlinge; so Bl. 401 das katholische Lied: 

Da Jesus an dem Creitze stund (WKL 5,1394)^ 
der Morgengesang Kolroses (WKL 4,114): 

Ich danck dir, lieber Herre, 
und das Lied Ringwaldts (WKL 5,1527): 

Merck auf, du junger Jüngling zart. 

Noch deutlicher begegnen uns die Spuren des Eindringens 
protestantischer Lieder in dem im 17. Jhe. geschriebenen Graner 
Codex m 196. Er enthält (Bl. 12*) den 31. Psalm in der Fassung 
Adam Keusners (WKL 3,170), das bekannte Lied Georg Neamarks: 
Wer nur den höchsten Gott lässt walten (Bl. 14&), das Lied Josna 
Stegmanns: Frisch auff, mein Seel, in noth (Bl. 57), das dem Joh. 
Mathesius fälschlich zugeschriebene Lied: Aus meines hertzens 
gründe (Bl. 61), das Abendlied Joh. Kist's: Werde munter, mein 
gemüete (BL 62), das „geistlich Liedlein'' Spangenbergs (Bl. 66): 
Am dritten Tag ein Hochzeit was (WKL 4,245), das Lied des 
Erasmus Alberus (Bl. 70): Ein Engel schon aus Gottes thron 
(WKL 3,104) und das Lied eines unbekannten Verfassers (Bl. 71«): 
Wie mirs Gott schickht, so nim ichs an (WKL 3,1201). 

Unter den Dichtern des 17. Jhs. wird Josef Hauser, der 
am 3. September 1616 zu Pribitz in Mähren starb, als ein ge- 
lehrter Mann gerühmt, der in der hebräischen, griechischen, latei- 
nischen, ja selbst der französischen Sprache wol erfahren war 
(BGB 337). Von seinen Liedern ist nur ein Abschiedslied erhalten: 

Jetzt ist die zeit beykommen, 
daß es mueß gschaiden sein. 

12 Str. Budap. Ab 16 BL 403; Ab 1 Bl. 155; Jahrb. 13,50. 
Akrostich: Joseph Hauser. 

Im J. 1630 starb der langjährige Schreiber der Gemeinde 
Hauptrecht Zapf (BGB 437), der 5 Lieder verfasste: 

1. Hörent, ihr Gliebten alle, 
die ir gott ergeben sein. 



VII. Die Lieder der Huterer» 241 

20 Str. Budap. Ab 16 Bl.' 404; Jahrb. 13,50. Pressb. 194 
Bl. 258^ 203 Bl. 18; 232 Bl. 51. Akrostich : Hauptrecht Zapf vrlab z. 

2. Ich klage dir, o Here, 

mein ellent vnd mein große not. 

10 Str. Pressb. 232 Bl. 40^ 236 Bl. 21*. 

3. In gottes namen heb ich an, 

was vns der her hat giiets gethan. 
6 Str. Pressb. 236 Bl. 24. 

4. Merckht auff den grossen Kummer 
in allen landen weit. 

12 Str. Pressb. 236 Bl. 26». 

5. So will ich heben ane 
zue gottes lob vnd preiß. 

16 Str. Pressb. 236 Bl. 22. 

Wohl in dieselbe Zeit fällt der Tod des BurckhartBraiten- 
stainer, eines Bruders, der 1608 in den Dienst des Evangeliums 
gewählt worden war (BGB 355), von dem wir aber sonst keine 
Nachrichten haben: er schrieb das Lied: 

Billich heb ich zu singen an, 
dan ich hertzlich verlangen han. 
23 Str. Meine Hs. Bl. 119. Akrostich: Burckhardt Braiten- 
stainer g. 

Noch weniger wissen wir von Zacharias Hellriegl, von 
dem uns nur der Pressb. Codex 203 Bl. 17 berichtet: „Hie nach 
volgen 5 Lieder, welche der Zachaies Hellrigll, Ein Schreiber zu 
Neumillen geweßen, gemacht hatt 1624. Das Erste Liedt: In thon 
des freillein von brittanien oder der Braut Christy weis. 
Ellendt hat mich getrofen 
in dißem jamertall. 
52 Str. Klagen über die Zeit. 

Das Andter Liedt: In thon: Merckh auff, du wäre Christliche 
gmaine. 

Erheb mein Seel den Herren mein, 
frey dich in der macht vnd sterckh sein. 
36 Str. Bl. 223. Zeitklagen. 

Das Dritte Liedt. Ein Dancksag des morgens. Im thon: 
Weill ich so arm vnd eilend bin. 

Die Morgenredte bricht herfir 

vnd mueß die nacht den tag mitt gier. 

11 Str. Bl. 237. 

Wolkan, Lieder der Wiedertäufer. 16 



242 VII' ^^i® Lieder der Huterer. 

Das Vierte Liedt. In thon, Wie obgemelt oder des Jerg 
Wagner Mellodey: Ein dancksagang des abentts. 
Es ist vmb die Vesper Zeitt 
vnd hat sich der Tag geneigt. 
13 Str. Bl. 228». 

Das Finffte Liedt. Von leben der fromen vnd betrachtung 
des Todts, in thonn des Tollners Melodey oder das Lob Lieds weiB. 

Herr Gott, Vatter von bimell, 
du edler schepIFer mein. 
18 Str. Bl. 230. 

Im J. 1631 starb der Vorsteher der Gemeinde in Sabatiscli, 
Valten Winter (BGB 439), der Verfasser des Liedes: 

Von Gottes Lieb vnd fiirsorg viel 
ich dießmal größlich riemen will. 
12 Str. Biidap. Ab 16 Bl. 405; Jahrb. 13,50; Gran HI 155 
Bl. 234; m 196 Bl. 59; Pressb. 194 Bl. 257; 203 Bl. 322; 232 
Bl. 202; 244 Bl. 141». Akrostich: Valtin Winter. 

Vollständig im Unklaren sind wir über die folgenden «wei 
Dichter, deren Lieder nur einmal in den Gesangbüchern vorkommen. 
Der Cod. Pressb. 244 enthält auf Bl. 59* ein Lied, dessen Ende 
fehlt, mit der Überschrift: 

Ein Andters schönes Liedt Im thon wie man den Hillebranth 
singt Oder von Hertzen wollen wir singen oder wie man den 
Wilhelm däll thuet singen. Dieses Liedt hat der Melcher Mertz 
von Mentzingen auß Bärn in der Grafschaft Lantzbaerg gemacht. 
Im 1653 Jars. 

Wacht auff ir fromen Christen 
vnd greiffets dapffer an. 
Das Lied könnte möglicherweise einem Schweizer Bruder 
angehören, obwohl in dieser Zeit Lieder von Schweizern bei den 
Huterern nie Aufnahme fanden. 

Der Pressburger Codex 203 Bl. 168 hat ein Lied mit der 
Aufschrift : 

Ein Hechtes traurigs Liedte von Johanes wäbl^) abschaidt, 
den 2. mertz 1661 Jar, lewär. In Thon: Ach Gott, wem sol ichs 
klagen. Es seindt sonst nocb zwey weiß zu singen auff das liedt, 
auch geht deß semer liedt weiß darauff zu singen. 



M BGB 499: Anno 1661, den 2. Merz: Br. Johannes Wäbls Ab- 
schaidt vnd letztes endt zu Lewär. 



VII. Die Lieder der Huterer. 243 

In meinen letzten endte 

rueff ich, o Herr, zu dir. 
14 Str. Das Lied bandelt nicht, wie der Titel vermuten 
Hesse, von Waibl, sondern ist von ihm selbst verfasst. Akrosticb: 
Johanes Waibl wh. 

Einer der letzten Dichter der Huterer, zugleich in später 
Zeit einer der bedeutendsten Führer der Gemeinde war Andreas 
Ehrenpreiss, ein Württemberger, der 23 Jahre lang das Amt 
eines Bischofs versah und durch die Sammlung und Erneuerung 
der Handwerkerordnungen nach Kräften dem Verfalle der Gemeinde 
entgegenzuarbeiten suchte. Neben zahlreichen Prosaschriften hinter- 
Hess er bei seinem Tode im J. 1662 (BGB 502) die beiden Lieder: 

1. Aus freudt vnd grosser liebe 
fang ich zu singen an 

30 Str. Budap. Ab 16 Bl. 406; Pressburg 203 Bl. 212». 
Akrostich: Andreas Ehrenpreis aus Wirtenbergh. 

2. Ein Lobgesang, das sing ich nun 
dem hohen Gott zu ehren. 

107 Str. Vindob. 14554 Bl. 71; Pressburg 194 Bl. 57. 

Der letzte Dichter der Huterer, von dem uns Kunde ist, 
gehört bereits dem 18. Jhe. an; 1725 schrieb Andreas Cillicb 
^Ein neues trauriges Lied von der Vervolgung, so sich zu Gros- 
schitzen hat begeben^ im thon: Endlaubet ist der walt zu singen: 

Mein geist lasst mich nit ruen 
gewisslich zu aller stundt. 
79 Str. Gekürzt abgedruckt bei BGB 566. 



Die Gesamtzahl der uns erhaltenen historischen Lieder dürfte 
sich auf 300 — 350 belaufen; dass ausserdem noch viele andere 
verloren gegangen sind, ist um so wahrscheinlicher, als diese 
Lieder ursprünglich nur durch mündliche Überlieferung sich er- 
hielten und ihre schriftliche Fixierung erst verhältnismässig spät 
begann. 

Bestimmt sind alle Lieder für den Gemeindegesang. Riede- 
mann spricht, wie wir gesehen haben, ausführlich vom Gesänge 
religiöser Lieder, der, wie aus dem Zusammenhange hervorgeht, 
nur als Gemeindegesang gedacht sein kann; die Lieder selbst 
wenden sich gleichfalls unmittelbar an die Gemeinde; Hasel bittet 

16* 



244 ^I» ^^^ Lieder der Huterer, 

Gott, er möge das Lied, das er gedichtet, seiner Gemeinde zu- 
kommen lassen, 

das auch singen die fromen 

in deim heiligen Tempel schon, 

in deiner kirchen vnd gemein 

zu ehren deinen namen, (Brunn 512 Bl. 264.) 

Unserem modernen Gefühl will es freilich unfassbar er- 
scheinen, wie die Märtyrerlieder gesungen werden konnten, die 
mit der schärfsten Realistik, welche allerdings die Wirklichkeit 
noch lange nicht erreicht, alle Einzelnheiten der Leiden solcher 
Unglücklichen vorführen; man höre nur, was z. B. Hans Kräl von 
seinen Leiden berichtet (L 161): 

Kain vnderschaidt het ich nit mer 
wen es tag oder nacht hie wer, 
ich wist es nit auff erden 
in diser bösen finstern keich, 
die nacht aber merckht ich nur gleich, 
wen es kieler thet werden, • 
den bei tag war es in dem loch 
so dunstig ynd warmdempfig doch, 
es faulten an meinem leibe 
meine klaider gleich alle gar, 
das ich nunmehr vast nackhend war 
vnd mier nicht Vber bliebe. 

Nur gleich het ich ein grobe deckh^ 
wicklets auff mich auff alle eckh, 
doch thet ichs auf gott wagen; 
die pfaidt am leib zerfault mir schon^ 
kain faden het ich mer daruon, 
on nur allein den kragen, 
den henckhet ich hin an die maur, 
so gross war mein ellendt vnd traur,. 
allain gott war mein schätze; 
die son hab ich gsehen kein trit 
in anderthalben jaren nit, 
das war des feindes tratze. 

Vnd ich kundts nimer leiden wol,. 
das ich am tag vnd lufft sein soll: 



Vn. Die Lieder der Huterer. 246 

wen sie mich hinaus brachten 

vnd mich wolten verhören lang, 

so thet mir lufft vnd liecht seer bang; 

da war nun das mein trachten 

wider im finstern thurn also, 

wen ich drein kam, war ich so fro, 

das ellendt war mein aigen; 

aber ich lits vmb gottes wil, 

seiner gedult gab er mir vil, 

thet mir beistandt erzaigen. 

Solchen gestanckh ich auch bekam 
von der feulung, die ich einnam 
in diser finstem keichen, 
niemandt kundt bei mir bleiben stan; 
wen sie mich für gefodert han, 
muestens wol hindan weichen; 
ich sass vor in in meiner deckh, 
die ich vmb mich wicklet alweg; 
wen mich beten gesehen 
die fromen aus der gotes gmain, 
wie manches hertz het miessen wain! 
ich liess alles geschehen. 

Lag also in dem tieffen thurn, 
der war voll vnziffer vnd wirm, 
die machten mir vil graussen, 
also das ich vmb irentwill 
erstlichen muest mein haubt verhiln 
ein lange zeit durch ausse, 
bis das sies doch gewohnet sein; 
sie frassen mir das essen mein, 
wen sie es han geschmeckhet, 
vnd so ichs nit verzert gar baldt, 
so kundt es mir nit bleiben halt, 
wens gleich in busen steckhet. 

Ich het aber zum vortail das, 
das mir kain mal nicht übrig was, 
ich wer den kranckh gewesen; 
man kestigt mich mit hunger wol. 



246 ^11- ^iö Lieder der Huterer. 

auff das ich nur gnueg leiden soll, 

bis mich gott thet erlösen. 

Der wurmen vnd vnzifers hauff 

die theten mir mein trinckhgschir auff 

vnd wasser mit mir zochen, 

bis ich ein schwären stain bekam, 

den hab ich auffs geschirr legen than, 

thet mich so an in rechen. 

Der Einzelgesang war natürlich nicht ausgeschlossen und 
wird vermutlich bei einem neuen Liede die Regel gewesen sein; 
der Dichter trug sein Lied der Gemeinde vor, wie der Volks- 
sänger sein Werk der lauschenden Menge; die Eingänge zahl- 
reicher Lieder weisen auf solche Übung hin. Namentlich die 
Missionäre mögen den Vortrag von Liedern oft benützt haben, 
um ihren Worten stärkeren Nachdruck zu verleihen; ein direktes 
Zeugnis hierfür haben wir in dem Liede auf Hans Missel, worin 
es heisst, dass er den zu Bekehrenden geistliche Lieder vorgesungen 
habe (L. 169 Str. 9). 

In ihren Liedern gaben die Brüder das beste, was sie be- 
sassen; ihre Glaubensstärke, ihre Hoffnungsfreudigkeit, ihr Gott- 
vertrauen bekundet sich in ihnen auf das schönste; der ergreifendste 
Teil ihrer Lehre, die Liebe auch gegen ihre Feinde und Mörder, 
leuchtet siegreich aus ihnen hervor und straft die Anschuldigungen 
der Gegner, als seien die Brüder Menschen, die nur Hass gegen 
die Obrigkeit und Andersgläubige predigen, Lügen. Wenn aber 
diese Lieder nicht auch in der Form die Höhe ihres Inhalts er- 
reichen, so trägt daran die geringe Bildung der Dichter, die meist 
dem Handwerkerstand angehörten, die grösste Schuld. Ihrer Un- 
voUkommenheit in dieser Hinsicht waren sich die Brüder übrigens 
bewusst und gestanden sie offen: 

Ich hab vil dext dahinden glan, 

dan es ist schwär zu tichten 

sagt ein Dichter (Gran IH 155 Bl. 62) und der Verfasser des 
Liedes auf Hans Bltitels Tod meint (Jahrb. 13, 82): 

Es gilt hirinnen nicht der Klang, 
sonder des Geists verlangen. 

Sehr selten nennen die Verfasser ihren Namen unmittelbar 
in der Schlussstrophe, wie dies das Volkslied, aus dem ihre Dichtung 
doch entsprang, gern tut; um so häufiger ist bei ihnen das Akrostichon, 



^ 



VII. Die Lieder der Huterer. 247 

das übrigens auch dem Volksliede und dem protestantiscben 
Kirchenliede nicht fremd ist, für die Dichtung der Huterer aber 
als ganz charakteristisch bezeichnet werden muss. Es ist oft in 
ganz überraschender Weise versteckt, um vor dem Auge des flüch- 
tigen Lesers unerkannt zu bleiben; als besonders künstliches Bei* 
spiel führe ich das Lied: 

Christliche Arth n^it meinem mundt 

heb ich ietz an zu diser stundt 
aus dem Budapester Codex Ab 7 an, das in seinen 50 Strophen 
folgendes Akrostich birgt: Die Anfangsbuchstaben der ersten 19 
Strophen ergeben den Namen des Dichters Caspar Schindlb erger; 
in den folgenden wird das erste Wort der Strophe ganz oder zum 
Teil benützt, um das Akrostichon zu bilden: 20 Von 21 Muest 
22 au]ch 23 auß 24 der 25 Steijff 26 erjrettet 27 march 28 sein 
29 er 30 erlichjen 31 enjtlich 32 Sch]au 33 wisst]en 34er 35 Vrsjach 
36 v]nd 37 la]st 38 Schuljd 39 minjdert 40 von 41 Kon]ten 42 z]u 
43 aus 44 der 45 Schlejcht 46 singjen 47 zu 48 Gottes 49 Eer 
50 gemacht. 

Das Vorhandensein solcher Akrosticha war oft nur den 
Zeitgenossen bewusst; schon dem 17. Jh. war es zum Teil un- 
bekannt, und das allmähliche Zersingen der Lieder, das hier wie bei 
den Volksliedern stattfand, förderte seine Zerstörung in ungleich 
stärkerem Masse, als es bei den gleich anfänglich gedruckten 
protestantischen Liedern der Fall ist. Das Akrostich gibt uns 
zugleich ein Mittel an die Hand, die ursprüngliche Länge eines 
Liedes festzustellen; da nämlich bei den Huterern die Gewohnheit 
sich ausbildete, namentlich den Märtyrerliedern noch einige Strophen 
erbaulichen oder doxologischen Inhalts anzuschliessen, so sind diese 
durch den Mangel des Akrostich s leicht als spätere Zutat zu er- 
kennen. 

Diese Vorliebe für die Verlängerung der Lieder ist gleich- 
falls ganz bezeichnend für die religiöse Dichtung der Huterer, 
deren Lieder, bloss nach ihrer Länge beurteilt, jedenfalls den 
ersten Rang unter allen religiösen Dichtungen einnehmen würden. 
Es ergibt sich aber die ungewöhnliche Länge zumeist auch aus 
dem Inhalte; die Märtyrerlieder sind eigentlich historische Lieder, 
die genaue Darlegung jedes einzelnen Falles stellte grössere An- 
forderungen an den Dichter, der die Gelegenheit benützt, im 
Anschluss an die dargestellte Begebenheit seine Brüder zur Festig- 
keit zu ermahnen. 



248 V^I- J^^ö Lieder der Huterer. 

Aber nur ein, wenn auch ansehnlicher Teil der huterischen 
religiösen Dichtung besteht aus Märtyrerliedern; Lieder allgemeinen 
Inhalts bilden den andern. Auf die Lieder aus dem alten und 
neuen Testamente wurde bereits hingewiesen (S. 185) ; den Schwestern 
der Gemeinde werden mit Vorliebe Frauen wie Sarah, Miriam, 
Deborah, Esther, Judith und Susanna als Vorbilder hingestellt, 
die Brüder werden auf Männer wie Hiob, die Makkabäer und die 
Jünglinge im Feuerofen gewiesen. Andere Lieder preisen die 
Wunderwerke Gottes, Raiffer singt von der wahren Gemeinschaft 
Christi, vom christlichen Glauben und der Taufe, Eiedemann vom 
Abendmahl, Peter Binder wendet sich gegen die guten Werke und 
sagt, „Gott vergibt wol vmb Christi wil vnd nit vmb guetter 
werckhen viP, aber im allgemeinen tritt, wie bereits Liliencron 
124 bemerkt hat, das dogmatische Element aufiPallend stark In den 
Hintergrund. Von den allgemeinen Liedern gehören manche zu 
den besten Dichtungen der Huterer. 

Aber sie sind doch nicht typisch, weil ähnliche Gedanken, 
wie sie hier ausgesprochen werden, sich auch bei Protestanten und 
Katholiken wieder finden. Anspruch hierauf haben eigentlich nur 
die Märtyrerlieder, die in ihrer fast unabsehbaren, ein volles Jahr- 
hundert umfassenden Reihe ein entsetzliches Bild religiösen Wahn- 
sinns vor uns aufrollen, ein Ruhmestitel sind für die bis zum Tode 
ihrer Überzeugung treuen Brüder, ein Schandfleck für die gesamte 
katholische und protestantische Welt jener Zeit. 

Unendlich sind die Klagen der Brüder über die zunehmende 
sittliche Verrohung ihrer Zeitgenossen. Singen und sagen, predigen 
und lesen helfe nicht viel gegen die Sündhaftigkeit der Welt; 

Wucher, Zwietracht und Hurerei sind die ärgsten Übel, an denen 

. . 

sie krankt. Überall findet man hur Tücke; die Menschen stellen 
sich gut ins Gesicht, aber hinterrücks verraten sie die Brüder. 
Erdforter klagt, keine Treue, keine Liebe, keinen Glauben und 
keinen Frommen finde man mehr auf Erden und das Lied auf 
Binders Tod (L. 167) stimmt in diese Klage mit ein: 

Wer sünd, laster vnd schal ckheit treibt, 

in fressen vnd in sauffen leidt, 

in fluechen vnd gott sehenden, 

in hoflPart, stoltz vnd vbermuet 

thuet all bosheit vollenden, 

der ist der weit ein gueter christ. 



TU. Die Lieder der Huterer. 24g 

Daraus erktüre sich aucfa die grosse Verfolgung d<ir nach 
Gerechtigkeit streh enden Brdder: 

Wer ietzt gottselig lehen will, 

Platz hatt er in der Welt iiit viil, 

verfolget mueß er werden, 

man nimbt im halt sein haah viid guet, 

man vergeust das i'DScbuldig blnet 

ietzundt anff diser erden (Vindob. UöM DI. »2 Str. H). 
Ein anderes Lind klagt (Jahrb. 15, 189): 

Des Gueta werdens beraubet bie, 

aus iren Häussern stost man sie 

mit weih vnd kleinen künden, 

kain bleibend Ort haben sie fort, 

biß sie das kinfftig finden. 
Caspar Schneider sagt in seinem Liede (Gran III 200 Bl, 550j : 

Anff erdt wir nindert kain platz nit haben 

gleich wie die Eill vnd auch nachtraben, 

die sich auch schmiegen, biß die nacht thnt hertraben. 
Ein Ungenannter wendet sich an die Verfolger fHudsp. Ab 
16 Bl. 163J: 

Haist das Christo nacbvolgen, 

Kend irs für Christi leer, 

das man die tädten solle, 

die geben trew vnd eer, 

die da recht snecben gottes pmiü 

Tod liehen in von bertzen 

nach ires vattera weiß':* 
Ein anderer warnt sie. ihr Tun weiter (•tTtztmKixtm; denn: 

Die in gefenckfanus fiernn, 

mietteD ins gffrnckhnn^ gan. 
und wie die Schweizer Briidf^r an Aach<^n nn'l K'^tn w.h 
wenden, damit die beiden Stüdte der Vi-.rfolx'ins- Kinbalt tin, «" 
verwarnen die Hattmr die Stadt W'it-n Mahrbneh I.7, fi»!,: 
Wien, dn ha.-^t anf dich gftlRKr ein t^i^t. 

Der Fr'.mmen vÜ prmftrdet b^'t 

Bei Tag vn^it an.-.h b«j Na/^bt.p 

Von wc^f-n G'.crfti W'.rt, tr, sj^iftt, 

Das selb h<*rzli'-,h b«TM'-hi<t, 



260 VII. Die Lieder der Huterer. 

Ir Bluet, das scLreyet für vnd für, 
Groß Vnglückli steet dir vor der Thür, 
Dein gwalt wirt dir nit helffen, 
Du wirst nocli Gott den Jamer clagen 
Mit wainen, scbreyen vnd Zeencläffen. 

Dan Gott wirts Bluet seiner Heillwerdt 
An dir rechen hie auff Erdt 
Vndt deinen Mitgenossen, 
Wie ers Jerussalem hat gethan, 
Wirt dirs auch nit nachlassen. 

Wirst du dich nit bekeren halt 
Von deinen Fröffel vndt Gewalt, 
Der Straff wirstu nit entweichen, 
Ja Pein vndt Qual ist dir berait 
In den feurigen Teichen. 

Die Brüder sind sich ganz ihrer göttlichen Sendung bewusst ; 
Gott will durch sie den Völkern anzeigen, wie sie hier leben 
sollen; denn nur wenn sie seine Gebote erfüllen, sei er bereit^ 
ihnen in der Ewigkeit zu helfen (Brunn 512 Bl. 162). Dieses 
Bewusstsein ist der Quell ihrer Hoffnungsfreudigkeit. Caspar 
Schneider spricht es aus (Gran III 200 Bl. 351): 

Ob wir gleich ietz in wälden vmb schlieffen 

in bergen, stain, klufften, gruben tieffen, 

in lechern der Erdt, obgleich vnsere Augen trieffen, 

ob wir schon vnser bluet verrören, 

wirt Gott vnser laidt in freidt verkeren. 

Märten Maler weiss, dass Gott die Herzen, die jetzt zer- 
brochen sind, heilen werde und wendet sich an ihn (Vindob. 14554 
Bl. 97): 

Erfill vns deines geistes voll, 

das bit wir dich von hertzen, 

das wir ans endt megen bestan 

vnd dapffer in das leiden gan 

vnd forchten nit die schmertzen. 

Die Lieder wirken um so tiefer und ergreifender^ weil sie 
nicht nur gut gesetzte Redensarten sind; wenn die Brüder von 
dem Gedanken an die Nähe des Todes ergriffen sind, so wissen 



VII. Die Lieder der Huterer. 251 

sie, dass er ilmen schon in der nächsten Stunde mit all der tausend- 
fachen Qual und Pein der Folter beschieden sein kann. Dass sie 
alle bereit waren, ihren Worten auch die Tat folgen zu lassen 
und für ihren Glauben den Tod wie Christus zu leiden, erhebt 
ihre Lieder weit über die von Dichtern, die vielleicht daheim am 
traulichen Herd dem Gedanken an den Tod Ausdruck gaben. 

Und wieder wie bei Mennoniten und Schweizern so auch 
hier der typische Grundzug ihrer Lehre, die allumfassende Liebe. 
Wohl kennen die Brüder einen Gegensatz zwischen sich und ihren 
Feinden und nennen sich mit Vorliebe neugeboren, die rechte 
Gemeinde, die auserwählten Kinder, die Liebhaber Gottes, die 
heilige Gemeinde des Herrn, das auserwählte Volk, und ihre 
Gegner Pilatusknaben, Herodesknechte und das pharisäische Ge- 
schlecht; aber sie begnügen sich damit, gilt doch auch den Feinden 
ihre Liebe. Die Liebe, heisst es in einem Liede, ist eine Feuer- 
mauer um die Gläubigen und ein Ungenannter rühmt von ihr 
(Budap. Ab 11 Bl. 155): 

Nichts edlers dan sie wardt, 
leicht in der not, 
starckh wie der Todt. 

Ähnlich sagt Eaiffer (Budap. Ab 16 Bl. 247): 

Die Liebe ist der rechte Kerne, 
leicht wie der morgen sterne 
im finstern scheinen thuet. 
Die Liebe ist der Seelen Speise; ohne sie, sagt Raiffer hat auch 
der Glaube kein Fug und ist eitel vor Gott und ähnlich Riede- 
mann, der Glaube werde erst durch die Liebe lebendig; ohne sie 
bleibe er todt vor Gottes Angesicht. 

Den Glauben, dass das Ende der Welt nahe sei, teilen die 
Brüder mit Protestanten und Katholiken. Für sie hat der Ge- 
danke nur Tröstliches; denn da wird ihr Herzeleid ergötzt, ihre 
Schmerzen in alle Ewigkeit ihnen genommen und sie werden vor 
Freuden lachen. In der naivsten Weise malen sich die Brüder 
die Freuden des Jenseits aus; sie, die Ärmsten auf Erden, die im 
Gefangnisse hungern, sehnen sich nach reich besetzter Tafel. 
Caspar Schneider hofft (Gran HI 200 Bl. 350), Gott werde 

In das best geben ztrincken vnd zessen, 

der gottlosen wirt gott nit vergessen, 

den kelch des zorns aus trinckhen vnd dscherben fressen. 



262 VII- I^iö Lieder der Huterer. 

Dan Gott wirt mit der weit nit scbertzen, 
ir Freidt wirt kert in Ewigen schmertzen, 
aber der fromen laidt verschwindt, des freid euch von bertzen. 

Und Ebrenpreis scbildert die Freuden des Himmels (Budap. 
Ab 16 Bl. 407). 

Rain vnd Neu wirt gott macben 
alles so wonigclicb, 
vor scbönbeit wirts gar lacben 
vnd alles freyen sieb, 
von goldt vnd Edel gstaine 
all durcb wirt sein gescbmuckbt 
wirt vil mal scbönner seine 
als Jerusalem gemaine, 
die Ewig freidt berruckbt. 

Eine scböne stat wirt seine, 
die vns beraubet ist, 
da nit der tempel allaine 
mit goldt geziert zur frist, 
sonder all gassen gare 
werden sein lautter goldt, 
durcbleichtig, bell vnd klare, 
des gleicben nie nit wäre, 
das man sieb wundem solt. 

In der selben tbuet scbeinen 
gottes klarbait so bell, 
kain Sonn darff da nit seine, 
man sie nit dör£fen soll, 
kain tempel ist darinen, 
dan der almecbtig gott 
zum trost ist geben inen, 
kain freidt mag da zerrinnen, 
des gleicben nie erbort. 

Selbige stat bat gmaine 
zwelff tbor gantz beiTlicb scbon 
von lauttern Edlen gstaine 
von pärlen groß vnd klaine; 
da selbst werden ein gane 



VIL Die Lieder der Huterer. 253 

die treu gewesen sein, 

mit seiden angethane 

Schnee weiß, bell wie die Sonne, 

werden gleich den Englen fein. 

Auch wirt gott zu vns keeren 
ein ieden setzen auff, 
ein Cron, die nimer mere 
ver welcklien kan durchaus, 
ein goldtin King an steckhen 
der waren Lieb zum Pfandt 
mit lautter freidt bedeckben 
mit lieb vnd trost erweckhen, 
Balmen Eeiß in die handt. 

Vnd werden hören klingen 

die rechte saitten spil, 

die Mußig kunst wirt bringen 

in gott der freiden vill, 

die Engel werden singen, 

all heilligen gottes gleich, 

von himelischen dingen, 

lieblich zusamenstimen 

hoch in dem himelreich. 
Was die Form der Lieder anlangt, so sehen wir wie bei den 
Schweizern die innige Anlehnung an das Volkslied; schon in den 
Anfängen der Lieder tritt sie deutlich hervor. Der Dichterbittet 
um Gehör und Aufmerksamkeit*), er entschuldigt sich und seinen 
Gesang, den er nicht unterlassen kann'J, er gibt den Grund an, 

^) Einige Beispiele werden genügen: 

Höreut, ir allerliebsten mein. 

Hörent, ir kinder Gottes rain. 

Hört, hört vnd merckht, ir Gottes kindt. 

Hört, was wir euch thuen singen. 

Merckh auff, du war Christlich gemein. 

Merckht auff, ir lieben Brüder mein. 

Merckht aulf, ir fromen Gottes kindt 

Nun hörent jr hie diese gschicht. 

Nun merckhent heindt zu dißer frist. 
*) Aus hertzlichen muet vnd eiffer 

kan ich nicht vnderlon. 



254 ^11- ^1® Lieder der Huterer. 

warum er singe ^), bittet Gott um Beistand ftir seine Dichtung') 
oder kündigt gleich in den ersten Zeilen den Inhalt seines Liedes 
an^); auch die Form des alten Wächterliedes wird öfters 
benützt*). 

Der Schluss der Lieder behält gleichfalls gern die volks- 
tümliche Fassung bei. Eaiffer singt (Budap. Ab 16 El. 222): 

Der diß liedt new gesungen hat, 
zu Aach in der stat 
ist er gefangen glegen. 
Andere Brüder dichten zu Aachen ein Lied, das sie mit den 
Worten schliessen (Brunn 512 Bl. 153»): 

Das liedt haben gemachet 
zu Aach wol in der Stadt 
zwen Schmitt . . . 
Hasel schliesst sein Lied (Brunn 512 Bl. 263): 
Der vns das Liedlein hat gemacht, 
sein hertz hat jm vor freiden glacht, 
wie woll er schon ist glegen 
im gfenckhnus zwar 
ietzt voll drey Jar . . . 
Caspar Schneider sagt (Gran III 200 Bl. 355): 
Der vns das lied hat new gesungen, 
gottlicher mueth vnd eiffer hat in gedrungen . . . 
Öfters ist der Schluss doxologisch, so (Gran IIl 200 Bl. 232*; 
Herr Christ, leicht vns, du wares liccht, 
laß vns dein facklen brennen, 



^) Aas groser erbarmt vnd mitleidigkeit 

verlangt mich zu singen. 

Mich vrsacht euch zu singen 
wie gott zu dieser zeit. 
') Ach, Gott, verleih mir dein genad. 

') Ein neues liedt will ich euch veriehen, 

wie zu der richter zeiten ist geschehen. 

Mein seel soll riemen Qottes sterckh. 

Nun hört vnd merckht ein alte gschicht. 

Zue singen ateth al mein Beger 

von ein alten gschicht. 
*) Wach auff, wach auf, o Sion schnelL 

Wacht auff, ihr ßrüeder werte. 

Wacht auff, ir kinder Gottes all. 



VII. Die Lieder der Huterer. 265 

das wir im Unstern tappen nicht 
vnd dich im wort recht kennen, 
auf das wir geen den rechten weeg 
vnd nicht komen auff frembte steeg, 
die vns von dir ablaiden. 

Der Anschluss an das Volkslied zeigt sich auch darin, dass 
öfters Lieder mit den Anfangsworten damals bekannter Volkslieder 
beginnen; so die Lieder: 

Ich armes Brüderlein klag mich seer. 

Von deinetwegen bin ich hie. 

Weil ich so arm vnd ellent bin. 

WolaufF, gut gsell, von hinen. 

Zu singen steet mir mein begeer. 

Zum Teile liegt wohl auch hier, wie beim protestantischen 
und katholischen Kirchenliede, das Bestreben vor, die weltlichen 
Lieder durch geistlich veränderte zu verdrängen ; andernteils aber 
floss der volkstümliche Anfang den Dichtem aus dem Volke ganz 
von selbst in die Feder und stellte sich fast unbewusst ein. 

Als kennzeichnend für die Lieder der Huterer, und da wir 
diese Eigentümlichkeit auch bei Mennoniten und Schweizern 
treffen, für die Dichtung der Täufer im allgemeinen, möchte ich 
die überaus häufige Betonung des schmalen Weges und der engen 
Pforte bezeichnen, die zum Himmel führen. — Ecker singt 
(Gran HI 200 Bl. 355): 

Die thir ist eng, der weeg ist schmal, 
der einfiert in des lebens saal. 
Riedemann (Budap. Ab 2 Bl. 216): 

Enng ist die thür, schmall der weeg, 
der vns zu der sälligkait tregt. 
Basti Glaser (Vindob. 14554 Bl. 93»): 

Den schmalen weg durch die enge porten, 
den Christus selber gangen ist, 
es volg im nach ein ieder Christ. 
Bernhard Schneider (Vindob. 14554 Bl. 93): 
Geet den harten schmalen steig 
WoU durch die enge porten. 
Das Lied auf Gurzheims Tod (Jahrb. 15, 189): 
Den engen Steig geht ymer her, 
Bleibt auf der schmalen Baue. 



256 VII. Die Lieder der Huterer. 

Diese Wendung erscheint mir so charakteristisch, dass ich 
das ziemlich verhreitete katholische Lied: 

Das heil kömpt vns gewißlich her 
auß gnad vnd lauter gute, 

das Kehrein auch in seine Sammlung katholischer Kirchenlieder 
(III S. 552) aufgenommen hat und dessen 18. Strophe mit den 
Worten beginnt: 

Der Weg ist schmal, die Pfort ist eng 

für die Bearbeitung eines täuferischen Liedes halte, dem nnr 
Str. 25 und 26 durch die Betonung der Notwendigkeit guter Werke 
ein katholischea Gepräge gibt. 

Obwohl alle Lieder der Huterer, selbst die längsten Märtyrer- 
lieder, für den Gesang bestimmt sind, so sind doch unter den 
Brüdern fast keine Komponisten erstanden, auch hat sich bei 
ihnen nicht, wie bei den ihnen in vieler Hinsicht nahestehenden 
böhmischen Brüdern ein eigentümlicher Volksgesang entwickelt. 
Sehen wir von dem Tone Jörg Wagners ab, dessen Wirksamkeit 
in die Frühperiode des Täufertums fällt (vgl. S. 9) und dessen 
Ton wie von den Schweizern, so auch von den Huterem in 
mehreren Liedern festgehalten wurde, so haben wir unter den 
Huterern nur einen Bruder zu nennen, der als Finder eines neuen 
Tones anzusehen ist, Christoph Scheffmann. Da die hüte- 
rischen .Gesangbücher ebensowenig Melodien haben, wie die der 
andern Täufer, so können wir über seinen Ton kein näheres Urteil 
abgeben, und nur sagen, dass er bei dem Liede von den drei 
Jünglingen im Feuerofen (Budap. Ab 16 Bl. 184; Vindob. 14554 
Bl. 198; Gran III 200 Bl. 55) erwähnt wird. Unentschieden mass 
daher auch bleiben, ob Scheffinanns „neuer Ton", nach welchem 
sein Lied von den 12 Aposteln „0 reicher Gott im Himelsthron^ 
gesungen werden soll, wirklich neu ist oder sich mit dem ersten 
deckt. Einigemal wird erwähnt, dass ein Lied „in seiner aignen 
weiß'' zu singen sei, was auf einen neuen, nur den Huterern 
eigenen Ton schliessen lässt; das gilt von den Liedern: 

Ein neues Liedt will ich euch veriehen 
(Brunn 512 Bl. 43). 

Göttlicher lieb ich mich stets ieb 
(Budap. Ab 11 Bl. 155»). 

O Welt, merckh auff mit Deinem bracht 



VII. Die Lieder der Huter er. 257 

(Budap. Ab 16 Bl. 17»; Vindob. 14554 Bl. 192; 
Brunn 512 Bl. 213; meine Hs. Bl. 57 ohne Ton; 
Gran III 200 Bl. 213). 
Zerschmeltzen werden alle berg vnd tieffe tal 

(Gran HI 200 Bl. 210; meine Hs. Bl. 96 ohne Ton). 
Der Mangel an Kompositionstalenten, den diese geringen 
Proben selbständiger Tätigkeit auf musikalischem Gebiete deutlich 
vor Augen fuhren, halte die Folge, dass die Lieder der Huterer 
fremde Melodien entlehnten. Die Zahl der benützten Töne ist, 
trotzdem zu sehr vielen Liedern zwei Töne, gewöhnlich der eines 
geistlichen und der eines weltlichen Liedes genannt werden, ver- 
hältnismässig gering; aber die fremden Töne verwachsen allmählich 
so eng mit den neuen Liedern, dass in späterer Zeit nur mehr 
das huterische Lied mit seiner Anfangszeile als Ton zitiert wird. 
Der grössere Teil der entlehnten Töne gehört dem Volks- 
liede an; sie interessieren uns auch deshalb, weil sie uns zeigen, 
welche Volkslieder während des 16. Jhs. in Mähren bekannt waren, 
wobei allerdings nicht zu vergessen ist, dass die Huterer Mährens 
den verschiedensten Gegenden Deutschlands entstammten. 

Die Töne der gangbarsten, über ganz Deutschland ver- 
breiteten, Lieder werden ganz kurz zitiert als: 
Bentzenauer Ton 
Berner Ton 
Bremberger Ton 
Bruder Veiten Ton 
Das Freilein von Brittania 
Der Graf von Rom 
Herzog Emsts Ton 
Hillebrands Ton 
König Lassla 

Von eines Königs Tochter 
Wie man die schöne Magdallena singt 
Schlemmers Ton 
Tollner Melodei. 

Vom Kaiser, dem das hörn an der stirn ist gewachsen. 
Andere Töne verraten Bekanntschaft mit dem Meistergesang, 
der wie bekannt in Mähren sich vielfacher Pflege erfreute; hierher 
gehören: Der lange Wiesner Ton (Vindob. 14554 Bl. 230, im 
Graner Codex HI 200 Bl. 197 heisst er der lange Wiener Ton), 
des Römers gesaiig, der Ton des Bier [Birnjbaums (Gran HI 200 

Wolkan, Lieder der 'Wiedertfiufer. 17 



258 VII. Die Lieder der Huterer. 

Bl. 184), die Tagweiß, der späte Ton, die Prüefweis, Muskatbluts 
Ton, der rote Zwinger Ton, Schilhers Melodei, die Anfechtungs- 
melodei, des Hörßbiechners Ton (Brunn 512 Bl. 190) und des 
armen Bilgers Ton. Der Ton des Landgrafen von Hessen ist 
wohl durch Kiedemann, oder durch Schweizerbrüder aus Hessen, 
die sich zu den Huterem wandten, nach Mähren eingeführt worden. 
Die meisten Töne werden aber nach den Anfangszeilen ihrer 
Lieder zitiert; es sind zumeist bekannte Lieder: 

Ach Gott wem soll ichs klagen. 

Der Wechter auf der zinnen. 

Ehrn werdt auff erd. 

Ein Bliemlein auff der Haiden. 

Ein Milner ist gesessen zu Basel an dem Ehein. 

Entlaubet ist der walte. 

Es geet ein frischer sumer daher. 

Es ligt ein schlösslein in Osterreich. 

Es wohnet lieb bei liebe. 

Es wolt ein maidien wasser guet. 

Es wolt guet Jäger jagen. 

Ich armes Mädchen klag mich seer. 

Ich stuendt an einem Morgen. 

Jetzt schaiden bringt mir schwere pein. 

Kundschafft mit dir. 

Nach willen dein. 

Nun wollen wir aber heben an. 

Muetter, liebe Muetter. 

So wais ich ains, das mich erfreit. 

Vngnad beger ich nit von dir. 

Von deinetwegen bin ich hie. 

Wach auff, meins hertzens schöne. 

Weil ich so arm vnd eilend bin. 

Wolauf, gut gsell, von hinnen. 

Woniglich schon ist dein gestalt. 

Zwischen berg vnd tieffen tal. 
Aber auch Lieder, die sich in den uns bekannten Samm- 
lungen nicht finden und wohl weniger verbreitet waren, werden 
genannt: 

Es warb ein knab nach ritterlichen dingen. 

Es wolt ein Maitlein wandern. 

Gegen den tag hört man die Hanen krähen. 



VIL Die Lieder der Huterer. 259 

Gesang thut vns von einem apffel sagen. 

Ist mir ein roth goldt fingerlein gefallen auff meinen fueß. 

Nun sol ich dir den milstein wol in die wolcken treiben. 

Seltener sind die von Kirchenliedern entlehnten Töne. Die 
nächste Anleihe machten die Huterer bei den böhmischen Brüdeim, 
deren Töne aber nur ganz allgemein bezeichnet werden. So 
heisst es im Vindob. 14554 Bl. 205 zu dem Liede: Ach, Gott, 
was soll ich singen, „in einer Bickarten oder Bemischen Melodey". 
In einer „Pickhardenweiß** geht ferner das Lied: 

Ach Gott wir thuen dir klagen 

wies geht in diesen Tagen, 
in einer „Behemischen Melodey^ das Lied Sailers: 
Vater, Gott, mein hielff vnd sterckh, 
mein angst, not, mein triebsal merckh. 

Wieder einmal wird das Lied M. Weisses: 
Gelobt sey Gott im höchsten Thron 
als Ton zitiert. 

Auch von der katholischen Kirche entlehnte man, wenn- 
gleich nur selten. Riedemanns Lied: „Danckh, Eer vnd preiß 
sey gott dem Herren^ geht im Tone des Fange lingua, einmal 
wird der Ton: „Maria zart^, ein andermal „Marie Psalterweiß^ 
genannt. Begreiflicher erscheint uns die Entlehnung von St. 
Wolfgangs Ton (Böhme-Erk 3, 793), da dieser Heilige als der 
Patron der unschuldig Gefangenen galt. Alle übrigen Töne ge- 
hören dem Liederschatze der evangelischen Kirche an; es sind 
die folgenden: 

Ach, Gott, wie geht es immer zu. 
An wasserflüssen Babilon. 
Es ist das Heil vns kommen her. 
Es ist ein schafstal vnd ein hirt. 
Es sind doch sälig alle die. 
Ewiger Vatter von Himelreich. 
Freidt euch, freidt euch in diser zeit. 
Gelobet seistu, Jesus Christ. 
Herr Christ, ainiger Gottes Sohn. 
Hilff Gott, das mir gelinge. 
Ich gieng einmal spazieren. 
Jesus Christus, vnser heillandt. 
In dich hab ich gehofiPet, Herr. 

17* 



260 VII- I^ie Lieder der Huterer. 

In Gottes Namen heb wir an. 

Kombt her zu mir, spricht Gottes Sohn. 

Martinus ist ein kluger mann (die 2. Strophe des 
Eeformationsliedes : Es geht ein frischer Summer 
daher). 

Martinus ist nit geschwigen. 

Mein seel, erheb den Herren mein. 

Merckht auflf, ir Christen. 

Mit freiden will ich singen. 

Nun welche hie ir hoffnung gar. 

Vatter vnser im Hiraelreich. 

Warum betrübstu dich, mein hertz. 

Wenn mein stündlein verbanden ist. 

Wer Gott nicht mit vns. 

Wer hie das Elend bauen will. 

Nur wenige Lieder lassen sich nicht nachweisen: 

Am Freitag vor St. Ulrichs Tag, 

da man das Creitz am Himel sach. 

Gott ist guet dem Israel. 

Heilliger Ritter Sant Jörg, Rottmeister solltu sein. 

Ich steh, o Herr, in Ängsten sehr, 

Johannes mueß auß schreyen bueß. 

Mein Gott, sich von dem Himmels sahl. 

Nun dancket Gott von Hertzen. 

Wach auflP, mein hertz vnd psalter. 

Wie ist die Welt so toll. 



Verzeichnis 

der taaferlschen Liederdichter« 



Adam, Heinrich 210. 

Amon, Hans 178. 

Baumann, Christof 145-6, 149. 

Betz, Hanns 31-5, 39. 

Bilach, Henselein von 146. 

Binder, Carius 10. 

Binder, Matthias 233. 

Blaurock, Jörg 13. 

Boolsweert, Frans van 60, 79. 

Bosch, Siegmund von 148, 160. 

Braitenstainer, Burckhart 241. 

Braitmichel, Caspar 185, 231, 249, 
250, 252, 258. 

Bruckmaier, Jörg 185, 238. 

Biichel, Hans 27, 51, 142—5, 160. 

Cervaes, Matthias 10, 27, 49, 100, 
102. 

Cillich, Andreas 243. 

Comelisz, Adriaen 61, 70. 

Deunk, Machiel 80. 

Dircusoen, Gisbert 79. 

Dirksz, Clement 79. 

Donner, Hans 172. 

Drucker Thomas v. Imbroich, Tho- 
mas von. 

Dürr, Martin 146. 

Ehrenpreiss, Andreas 243, 252. 

Erdforter, Antoni 173—8, 248. 

Pelbinger, Claus 210, 228-9. 

Friese, Jörg 101. 

Gr'ärber, Hansel v. Zwinger Hansel. 



Gernot, Wolf 126, 152. 

Glait, Oswald 179. 

Glaser, Basti 171, 255. 

Glock, Paul 231—3. 

Griesinger, OiFerus 171. 

Grönwald, Georg 17. 

Gurzheim, Hans 180. 

Hasel, Michel 239, 244, 258. 

Hätzer, Ludwig 12— 3, 152. 

Hauser; Josef 240. 

Heinrich, Jacop 80. 

Hellriegl, Zacharias 241. 

Helriglin, Ursula 178. 

Hosauer, Sigmund 209, 229. 

Hubmai er, Balthasar 11. 

Hut, Hans 14—5. 

Jacops, Joest 70, 79. 

Jans, Anncken 59. 

Jans, Dirck 70. 

Janssen, Michael 59. 

Jaques 70. 

Imbroich, Thomas von 48 — 9, 51, 

Ingenheim, Jörg von 146. 

Jobs van der Hauen 79. 

Joris, David 58 — 9. 

Käls, Hieronymus 170. 

Kellner, Wenisch 233. 

Keppel, Wilhelm von 101. 

Klock, Lenaert 113-7, 155-6. 

Koch, Conrad 100, 103. 

Koch, Hans 8. 



262 



Verzeichnis der täuferischen Liederdichter. 



Koenen, Heinrich v. Breidtbach 100. 

Kotter, Stachius 228. 

Kräl, Hans 210, 244—5. 

Kropff, Daniel 170. 

Kruft, Heinrich von 100. 

Langenhach, Veiten 100, 104. 

Legeder, Mathes 229. 

Leopold, Johannes 11. 

Libich. Georg 178. 

Lievens, Antonette 70. 

Lissner, Christel 229. 

Lochmeyer, Leonhard 171. 

Lubbertsz, Bouwen 63. 

Maler, Märten 17—21, 260. 

Mändl, Hans 228. 

Manz, Felix 8—9. 

Martens, Hansken 79. 

Meister, Lenhart 8. 

Mertz, Melcher 242. 

Nelis, Joannes 100. 

Oitwiler, Heinrich 101. 

Overdam, Hans van 63, 65, 128. 

Petz, Hanns v. Betz, Hanns. 

Plattner, Vigil 15- 7. 

Pürchner, Hans 209-10. 

Kaiffer, Hans 47, 210, 211- 28, 248, 

251, 258. 
Rauffer, Wolf 238. 
Beist, Hans 156. 
Riedemann, Peter 21, 52, 101, 

185-206, 244, 248, 255, 259. 
Rogel, Hans 125. 
Roth, Leonhard 173. 
Sailer, Wolff 180-5. 
Sämer, Peter 238. 
Scheffmann, Christoph 39, 185, 230, 

256. 
Scherer, Peter v. Walpot, Peter. 
Schiemer, Leonhard 11. 



Schindl berger, Caspar 247. 

Schlaffer, Hans 11. 

Schmidt, Christel 185. 

Schmidt, Hans 146. 

Schmidt, Hansel v. Raiffer, Hane. 

Schneider, Bernhard 30—1, 38-9, 
255. 

Schneider, Caspar v. Braitmichel, 
Caspar. 

Schneider, Liepolt v. Leopold, Jo- 
hannes. . 

Schneider, Michael 29, 31, 36-9. 

Schormschleger, Liepolt 146, 148. 

Schut, Jan 78, 84, 99, 103, 104. 

Schütz, Johann v Schut, Jan. 

Seghers, Willem 70. 

Siebenacker, Gerhart 100. 

Sierijns, Geraert 70. 

Simons, Henrick 70. 

Simonsz, Joriaen 63, 79. 

Soetken van den Houte 70. 

Staudach, Hans 179—80. 

Stotzingen, Henslein v. 146. 

Straub, Hans 146, 148. 

Summer, Leonhart 51. 

Symonsz, Jacob 59. 

Steinmetzer, Jörg 10. 

Tiene, Marri 80. 

Veerbeck, Joes 62, 70. 

Wähl, Johann 243. 

Wagner, Jörg 9, 148. 

Walpot, Peter 48, 51, 52, 231. 

Walter, Hans 148. 

Winter, Valten 242. 

Zapff, Haaptrecht 241. 

Zimerauer, Hans 40. 

Zuckenhammer, Hans 237. 

Zwinger, Hansel 230. 



Verzeichnis 

der Im Bache erwShnten niederländischen Lieder. 



Aenhoort een liet, ghy Adams 

zaet 80. 
Aenhoort, Godt, Hemelsche Vader 

63, 72. 
Aenhoort uwen roep al tsamen 80. 
Aensiet, oHerr, onsen strijt grootTO. 
Als man duysent vijfhondert heeft 

gheschreuen 69. 
Als man screef duyst vijf hondart 

63, 69, 78. 
Als man schraef duyst vijf hondart 

aanantsastich Jaar 64. 
Als man schraef vijftien hondart 

10, 6ö. 
Als man schraef vijftianhondert 

iaer 61. 
Babels Baats mandamanten 63, 71. 
Broedars an susters al ghamayn 72. 
Christen Broeders weest nu ver- 

blijt 68. 
Danct Qodt en wilt zijn lof ver- 

breyden 66, 130. 
De daister warelt mach niet ver- 

dragen 65. 
De Heer moat zijn ghepresen 68. 
De Instelijcke Mey is nu in zijnen 

tijt 74. 
De meeste vruecht coemt door 

Godts woort 66, 128. 
De Werlt op die Christen var- 

stoort 06, 



Dewyl die Tijt vorhanden is 114, 
Die op den Heer betrouwen 68. 
Doemen vijffeienhondert schreue 61. 
Droefheyt heeft my omuangen 74. 
Droefheyt wil ick nu laten staen 

60, 129. 
Dtestamant van LenaertPloavier67. 
Duystemis gaet van henen 67. 
Een eewige vruecht die niet en 

vergaet 64, 78, 84. 
Een goet nieu Liet heb ick be- 
dacht 80. 
Een groote vruecht ist int gemeyn 

65, 129. 
Een Liedeken met vmechden goet 

67. 
Een nieuwe Liedt heb ick ghedicht 

71. 
Een nieuwe Liet, vaet dit bediet 

62, 71. 
Een nieuwe Liet, wilt hören 80. 
Een truerich droeuich leyt 74. 
Eylaas ick mach wal suchten 63, 70. 
Gabanedijt God in das himels 

playn 68. 
Garoert ben ick van binnen 64, 72, 
Ghelooft sy Godt de Heere 97. 
Ghepeins, ghepayns, hoe ligdy my 

aldus en quält 72. 
Ghatrouwe borgers en borgerinn«» 

74. 



264 Verzeichnis der im Bache erwähnten niederrändischen Lieder. 



Ghy Borgers Jerusalems aensiet 70. 
Ghy Broeders al te samen 79 
Ghy Christen altesamen 61. 
God de Heere is ghetrouwe 66. 
Groot zijn des Heeren erachten 66, 
Hebt goeden moet, o broeders van 

weerden 67. 
Het licht van d Evaugelieleer 129; 
Het waren twee gebroeders goet 

65, 128. 
Hoort Broeders int ghmeyne 73. 
Hoort doch nu al te samen 63, 80,84. 
Hoort, ghy menschen al te samen 73. 
Hoert toe al die den Heere vresen73. 
Hoert toe, ghy Borgers van Rotter- 
dam 74. 
Hoort toe, ghy Christen algemeyn 

80. 
Hoert toe, ghy Christen scharen 

63, 71. 
Hoert toe, ghy menschen, een nieuw 

Het 72. 
Hoert toe Tri enden, waer ghy «ijt73. 
Hoort vri enden al hier in dit 

aertsche dal 63, 78. 
Hoort vrienden, ic schenck v een 

liet 62, 71. 
Ick arm scbaep aen de groen heyde 

97. 
Ick ben seer bedroeft int herte 

mijn 79. 
Ick heb droefheyt vernomen 98, 

129, 133. 
Ick mach wel droefheyt singen 61. 
Ick moet een liedt beghinnen 62, 

71, 74. 
Ick moet eens gaen verteilen 80. 
Ick roepe tot v wt dieper noot 80. 
Ick roep v, Hemelscher Vader, 

aen 98. 
Ick sal met vruechden singen een 

liet 61. 
Ick sal V gaen singhen een nieuwe 

liet 74. 



Ick seg adieu, vleesch, bloet wy 

moeten seh ey den 99. 
Ick weet, die Goedes woort bekent 

65, 128. 
In bitterheyt der sielen 62, 78. 
In den Jare vijftien hondert 81. 
In druck, lijden en groot tormeot 

80. 
lubileert met vruechden te samen 

70. 
Kermen is ter werlt en geclack 68, 
Lieue broeders, ick groet v met 

sanghen 72. 
Met danckbaerheydt laet ons den 

Heere louen 114. 
Met eenen droeuigen sanghe 74. 
Met menschelijcke tongen niet 80. 
Mijn beer, mijn god, mijn vader 

groot van machten 70. 
Mijn iock ist soet, mijn last is 

liecht 68. 
Mijn siele loef den Heere 98. 
Mijn siele verhuecht haer in den 

beer 80. 
Nae V belooft, goede Heer 68 
Godt, ghy zijt mijn Hulper fijn 70. 
Godt, ick moet v clagen 62, 70. 
Godt Vaeder in eeuwicheydt 114. 
Heer, Almachtich Vader goet 81. 
Heer God ick mach wel klagen 

64, 78, 99. 
Heere God, eewich Vader ver- 

heuen 62, 72. 
Heere Godt van grooter machte 69. 
Heer, v wil ick loven 06, 127. 
Lustelijcke Mey, hoe schoon staet 

ghy ontloken 74. 
Vaders, wilt ghy eenen schat 

67, 130. 
Och Broeders wtuercoren 73. 
Och Heere, ic moet v claghen61, 71. 
Och siet hoe droeue dingen 64. 
Ons ghelouue staet vast op Godes 

ghebodt 85. 



Verzeichnis der im Buche erwähnten niederländischen Lieder. 265 



Ontfaenckt een nieu liedeken soet 

73. 
Seer wonderlijck, Heere 67. 
Singet dem Heere een nieuwe liet86. 
So wie op den Steen Christus bout69. 
Tis een periculose tijt 68. 
Tot lof des vaders, soons, heyligen 

geest 66, 127. 
Twas een maechdeken van teder 

leden 65, 127. 
Tyrannych werck spoortmen nv 

alle weghen 67. 
V willen wy, Godt, bereyt 114. 
Van t'bitter leyden Christi oot- 

moedich 60. 



Verheert ons droeuich claghen 69. 
Verhuecht, verblijt groot ende cleyn 

62, 71. 
Verhuecht v Godskinder alletijt 60. 
Waect op, waect op, tis meer dan 

tijt 97. 
Waket doch op met grooten vlijt 70. 
Wel hem, de in Goods vreese staet 

98. 
Wilt ghy hooren watter is geschiet 

99. 
Wy clagent, v Heer, ons doch 

verhoort 70. 
Wy hebben groot verlanghen 72. 



Verzeichnis 

aller Lieder der deatsehen WledertSafer. 

(Die Zi£Pern bezeichnen die Stelle, an der das Lied im Buche genannt 

ist. Gb. bedeutet das mennonitische Gesangbüchlein (S. 90 ff.), Gesenge 

den 2. Teil des Ausbund (S. 26). Die sonstigen Abkürzungen sind die 

im Buche verwendeten). 

Ach frölich last vns heben ahn 13. 

Ach frölich wil ich singen 101, 102, 136. 

Ach gott erhör myn seufftzen gross 13. 

Ach Gott ich mag wol trawren 98, 154. 

Ach Gott, ich muß dir klagen 99, 154. 

Ach Gott im höchsten Reiche 173. 

Ach Gott in deinem höchsten thron 188. 

Ach Gott Vatter im höchsten thron 8, 140. 

Ach Gott, verleih mir dein genad 125. 

Ach Gott von Himmelreiche 

durch Christum deinen Sohn 94. 
Ach Gott von Himmelreiche 

nim deiner Schäfiein wahr 141. 
Ach Gott, was soll ich singen 230. 
Ach Gott wem soll ichs klagen 94. 
Ach Gott wer kan verkinden 

dein grosse wunderwerckh. 

Budap. Ab 1 Bl. 72a. 
Ach Gott, wie gern ichs wissen wolt, 

wem ich auf erden trauen solt. 

Pressb. 232 Bl. 167a; 244 Bl. 10 Str. 
Ach Gott, wir thun dir klagen 234. 
Ach Herr, du allerhöchster Gott 91, 94, 109. 
Ach Herr, in meinen Zagen 

thue ich dich sprechen an. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 267 

Pressb. 232 Bl. 244a. Akrostich: Adam Lucz von Maming. 

17 Str. Überschrift: „Ein Liedt im thon, es taget vor dem 

hellen schein vnd leichtet vber alle. A. H.** 
Ach Herr, in triebsall wir jetz sten, 
wißen nit, was wir gimen. 

Pressb. 232 BI. 322a. 9 Str. Überschrift: Ein Begeren getlicher 

hilff. In der not^ in thon Aus tieffer nott schrey ich zu dir. 
Ach hilf mich Leid vnd sehnlich Klag. 

Liliencron 131. 3 Str. 
Ach lieb mit leidt, wie bistu mir so bereit 108. 
Ach, lieben Brüeder, 
seit munder vnd weiß. 

Budap. Ab 1 Bl. 78. 
Ach mensch* was hat dir der Herr misthan 108. 
Ach wacht doch aufT, es ist mehr dann zeit, 
ir all, die Gottes wort bereidt. 

Geh.* 26; Gb.» 26. 
Ach wee vnd ach dir babilon 181. 
Ach wie kurz ist unser Leben 164. 
Adam, der gieng spazieren 
ins paradeiß. 

Pressb. 203 Bl. 273; Überschrift: Ein schön Liedt in der 

weiß: Ich gieng einmal spazieren ein weglein klein. Im 1563 

gemacht. A. B. Pressb. 232 Bl. 240; Gran HI 155 Bl. 1; 

Jahrb. 13,51. — 18 Str. 
Ade weit, du wolst mich gern bezwingen, 

du sollst mich nicht von Gottes liebe bringen. 

Gb.» 41; GB8 42. 
All, die jhr durstendt, spricht Gott, der Herr 109. 
All, die jhr jetzundt leidet 126, 152. 
AUein auf GK)tt setz dein Vertrawen, 
auff menschen hilff soltu nit bawn. 

Gran III 155 Bl. 24; Ul 200 Bl. 71a; Budap. Ab 1 Bl. 3; 

Pressbg. 203 Bl. 357; Jahrb. 13, 49; gedr. WKL 5, 516 nach 

dem Greifswalder Gesangbuch von 1597. Einzeldruck: Vier 

Schöne newe Lieder: Das Erste ist das G&lden ABC genannt. 

0. 0. u. J. (ca. 1640). 4 Bl. 8^ Nürnberg, Stadtbibl. (Sera- 

peum 30, 126). 
Alles was Gott lert, laß dir lieb sin 109. 
Allhie will ich vbersummen 129. 
Alß Adam jm Paradeiß verfüert. 

Jahrb. 13, 46. Von M. Weisse; gedr. WKL 3, 261. 
Als Christus mit seinr waren lehr 9, 123. 
Als Jesus geboren war. 



268 Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Jahrb. 13, 46. Das Lied von M. Weisse; gedr. WKL 
3, 277. 
Als man zehlt fönfzehen 155. 
Als man zalt tausent f&nfhundert jar 142. 
Als nun Elias der Prophet 
den Willen Gotts vollbrachte. 

Vind. 14554 Bl. 351 ; Pressb. 194 Bl. 209. — 6 Str. 
Also redt der warhafftig Gott, 
vnd thut verk&nden seine wort 

Gesenge 338; gedr. WKL 5, 1123. 
Am ersten soliu die forcht Gottes han 
so wirdt auß dir ein weiser man. 
Gh^ 24; Gb« 48. 
An vnser Frauen tag das geschach 16. 
Am Weg ein blinder Bettler sass, 
der war so blindt geboren. 

16 Str. Vindob. 14554 Bl. 349; Gran III 200 Bl. 232; Pressb. 
194 Bl. 205a; 244 Bl. 4. 
Ambrosius klärlich beschrieb 142. 
An Wasserfiüssen Babilon 

da sass'en wir mit Schmertzen. 

Wolfgang Dachsteins Bearbeitg. des 137. Psalms (WKL 3, 13oj. 
Gran UI 200 Bl. 383. 
Anhördt fründe Ersame 101, 136; (WKL 5 1098—9). 

vgl, auch: Nun hört. 
Auf dich vertrau ich, Herre, 
du bist mein zuuerlaß. 
Gb2 49; Gb» 50. 
Aus eifer der göttlichen Ehr 209. 
Auß einem betr&bten gemMe 
gedacht ich zu singen ein liedt. 
Gb« 9«; Gb» 12. 
Aus freudt vnd grosser liebe 243. 
Auß grosser Erbermde vnd Mitlaidigkeit 
verlangt mich zu singen in disser zeit. 

35 Str. Vindob. 14554 Bl. 338; Budap. Ab 16 Bl. 396; Brunn 
512 Bl. 107; Gran III 155 Bl. 340; Gran HI 200 Bl. 224; 
Pressb. 194 Bl. 195; 203 Bl. 314; Jahrb. 13, 43 gedruckt 15, 
S. 24fF. 
Aus hartem weh ich zu dir fleh 181, 183. 
Aus hertzlichen muet vnd euifer 21. 
Aus yemerlichen klagen 
so wil ich singen fort. 

Gb' 62a; Gb» 65. 



Verzeichüis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 269 

Auß tieffer uoth schrey ich zu dir 142. 
Aus tiefer Noth schreyn wir zu Dir 20. 
Bedenckh vnd leuckh dein gmiet dahin 231. 
Bedenke, Mensch, das Ende 164. 
Bey got ist vil hail vnde gunst 188. 
Bekert euch zu Gott dem Herren, 
acht das für groß gewin. 

Gb« öla; Gb« 53. 
Bewar mich, Herr, o Vatter mein 211. 
Bewar mich, Herr, vnd sei nit ferr 
von mir in meinen nötten. 

Budap. Ab 1 Bl. 150« 
Bewar vns^ o du starckher Gott 181. 
Billich heb ich zu singen an 241. 
Christe, freundtlicher Ritter 145. 
Christo, mein Herr, ich bin gantz ferr 126. 
Christe, thu dich erbarmen 145. 
Christliche Art, Eifer vnd trieb 231. 
Christliche Arth mit meinem mundt 247. 
Christliche lieb vnd aigenschafft. 

Budap. Ab 2 Bl. 185. 
Christus, das Lamm, auf Erden kam 33, 96. 
Christus, der Herr, ist gangen 33. 
Clar, glantz vnd hell 181. 
Creutz, Verfolgung vnd trübsal 145. 
Da Gott, der Herre Sebaoth 181. 

Da Jesus an dem Creitze stund 240. Pressb. 203 Bl. 360a; 244 Bl. 1. 
Da Jesus Christus, Gottes Sohn. 

Das Lied M. Weisses (WKL 3, 317) Gran HI 125 Bl. 58. 
Da ward der wahre Fels geschlagen, 

da Christus an das creitz ward genaglet. 

5 Str. Gran HI 200 Bl. 165; Pressb. 232 Bl. 45. — BGB 649: 

Das Lied wurde nach dem Genüsse des Kelches gesungen. 
Danckh, Eer vnd preiß sey gott dem Herren 189. 
Danckt Gott in seinem höchsten thron 130. L. 137 ; WKL 5, 1080. 
Darnach vber ein lange Zeit 
ein Krig sich wider reget. 

17 Str. Pressb. 194 Bl. 225: Die history Von der Belegerung 

der stat samaria vnd der grossen teuerung, so in samaria war. 

Im Thon: Aus tieffer not Melodei zu singen. 
Das alte Jahr vergangen ist, 

wir danckhen dir, Herr Jesu Christ. 

Pressb. 214 Bl. 70a. 
Das Leben mir erleidet ist 159. 



270 VerzeichDis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Das wort der warheit Jesu Christ 136. 
Dein Wunsch vnd gab empfangen hab 228. 
Demuth ist die schönste Tugend 163. 
Den herren wellen wir anrieffen, 
got loben alle zeit. 

6 Str. Pressb. 232 Bl. 44: Ein anders liedt imthon: Es wonet 

lieb bey liebe. J. S. 
Den hohen Gott zu eeren 238. 
Den Vatter wolln wir loben 9, 141. 
Denket doch, ihr Menschenkinder 164. 
Der bitter Tod bin ich genannt 162. 
Der Christum jetz wil volgen nach 9. 

Vgl.: Wer Christum. 
Der ewig Gott, der mächtig, hat L78. 
Der glaub beschützt mich gantz vnd gar 146. 
Der grimmig tod mit seinem pfeil 
thuet nach dem leben zihlen. 

19 Str. Budap. Ab 1 Bl. 53; Pressb. 232 Bl. 171; 236 ßl. 274; 
244 Bl. 145a. 

Der herr, der allmechtigest gott. 

11 Str. Gran 111 200 Bl 377»; Bearbeitg. des 50. Psalms. 

Der HeiT sitzt in Sein Himels Thron 
vnd sieht herab gar eben. 

42 Str. Pressb. 194 Bl. 30 ; 203 Bl. 436a; Gran HI 196 Bl. 5. Über- 
schrift: Ein anders Liedt von den Jingsten gericht. Im Thon: Es 
gieng ein freylen mit dem krueg oder wie man die arbeitt singt. 

Der jetzt Christum will volgen nach. 
Vgl. Wer Christum jetzt. 

Der Prüester Zachariaß. 

11 Str. Jahrb. 13, 52. Von Offrus Sebott. 

Der sich mit arbeit gern erneret 102. 

Der Sierer Anschlag Elissa 
seim König offenbaret. 

20 Str. Pressb. 194 Bl. 227a: Die History wie Elissa des 
sirischen Königs haimliche anschlage offen baret: vnd der 
König in wolt fahen lassen: er aber firt das ganze her in der 
feinde hend in samariam. Im thon: Aus tieffer not schrei 
ich zu dir. 

Der tregt vergebens den nameu Christ 102. 
Der weg, warhait vnd leben 202. 
Der weit vntraw ist mannigfalt, 

des bin ich jnnen worden. 
Gb.'^ 19; Gb.« 21. 
Der weltlich Pracht ei'schreckhet mich, 

das sie auffs ewig achtet nit. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 271 

29 Str. Budap. A.b. 16 Bl. 298; Brunn 512 Bl. 260; Vindob. 
14554 Bl. 167; Pressb. 194 Bl. 173; Gran I[I 200 BL 355. 

Der Winter kalt, rauh, ungestalt 
hat sich gewendt, kompt an ein endt. 

A. 263 (WKL 5' 1100); Vindob. 14554 Bl. 386. 

Dich wollen wir, Gott, bereit 114. 

Die beste freud auß Gottes wort 127. 

Die heilig. Gschrifift zeiget vns an, 
es wont im Lande vtz ein mann. 

50 Str. Vindob. 14554 Bl. 181; Budap. Ab 16 Bl. 175; Brunn 
512 Bl. 292; Pressb. 194 Bl. 213; 232 Bl. 112; Jahrb. 13, 45. 

Die lieb ist kalt jetzt in der Welt 146. 

Die Morgenredte bricht herfir 241. 

Die noth hat mich gedrungen 
zu singen ein Geistlich liedt. 

Gb.« 29; Gb.8 30 (WKL 5, 1012). 

Die Oberkeit thut schicken 154. 

Die weit hat mich bedrogen, 
mein hertz leidt so grosse pein. 
Gb.« 16; Gb.» 18. 

Diese gefehrliche Zeiten 

hand vns vil trawrens bracht. 

Geh,* 41a; Gb.» 43 (WKL 3. 532). 

Dieweil die tzeit vorhanden ist 114, 121, 156. 
Vgl. Weil nun. 

Die Weisheit des fleischs wirt hoch barümpt, 
wie wol sie viel zum tod verdampt. 

Gb.'* 30; Gb.8 30 (WKL 5, 1013). 

Die zeit von wenig jaren 109. 

Drey ding thue ich begeren, 
von Gott in höchsten thron. 

15 Str. Gran III 196 Bl. 31; Pressb. 244 Bl. 172*: Ein schönes 
Liedt füer Baissende. 

Du glaubigs hertz, so benedey 124 

Du Vater aller giete, 
ein Herr der ewigkeit. 

7 Str. Pressb 232 Bl. 311»: Ein bitlich gsang vmb getliche 
gnadt vnd hilff, Jesus Christ warer Gottes Sune. 

Durch gnad so wil ich singen 146. 

Ein Altes Sprichwort ist'gemelt, 
wie einer seine Eltern helt. 

14 Str. Pressb. 194 Bl 207a; 244 Bl. 10a Überschrift: Ein 
Liedt aus den alten geschichten erzogen, wie man vater vnd 
muedter in ehren halten 90I. Im thon. In dich hab ich ge- 
hoffet, herr. 



272 VerzeichDis aller Lieder der dentechen Wiedertäufer. 

Ein Bliemlein anf der Heiden, 
das mag wol Jesus sein. 

22 Str. Budap. Ab 16 Bl. 379; meine Hs. Bl. 334; öran IE 
155 Bl. 400; UI 200 Bl. 133; Hl 196 Bl. 29; Pressb. 212 Bl. 
179a; Jahrb. 13, 45. Vgl. WKL 3, 1315. 
Ein christlich Weib zu Sunem was, 
da Elissa durchzöge. 

15 Str. Vindob. 14554 Bl. 359; Pressb. 194 Bl. 223. 
Ein Engel schon auß Gottes Thron 
zu einer Junckfrau reine 

Das Lied v. Erasm. Alberus (WKL 3, 1042). Vindob. 14&64 
Bl. 387; meine Hs. Bl. 142; Gran HI 196 Bl. 70. 
Ein gfare zeit, vor nie erhört 142. 
Ein grosse freud ist in gemein 129. 
Ein gsang wil ich von einem Apfel sagen, 
Maria, das Edl reiß, thuet vns den Apfl hertragen. 
5 Str. Meine Hs. Bl. 93. 
Ein Hertzens-Weh mir überkam 154. 
Ein klarlich trawrich tr&blich gedieht 
von vnserm eitelen leben 

Gb.^ 126a; Gb.3 130. 
Ein Liedlein möcht ich singen 156. 
Ein Liedlein will ich dichten. 

von Alex. Hei dt, einem Seh wenckf eider (WKL 3, 779 u. 780; 
vgl. Goedeke IP 263 No. 54); Jahrb. 13, 44. 
Ein Liedlein will ich fahen an 155. 
Ein Liedlein will ich heben an, 
o Herr, zu deinen ehren 158. 
Ein Liedlein will ich heben an, 

wils neulich bringen auf die Bahn 158. 
Ein Liedlein wil ich singen 
das solt jhr wol verstohn. 

Gesenge 31 (WKL 5, 1111) Pressb. 212 Bl. 55: H. P. 
Ein Liedlein will ich singen 
mit kurtzen Worten gut. 

Gb.« 136; Gb.« 139. 
Ein Liedlein will ich singen 

Herr, zu deinem Preiß 158. 
Ein Liedlein wil ich singen 

von falsch geistlichen gmein 231. 
Ein liedt von einem jungen Knaben 96. 
Ein liedt wollen wir singen 206. 
Ein Lobgesang, das sing ich nun 243. 
Ein Mägdelein von glidern zart 127. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 273 

Ein newes Liedt will ich euch verjehen, 
wies zu der richter zeiten ist geschehen. 

35 Str. Vindob. 14654 Bl. 49; Budap. Ab 16 Bl. 98; Brunn 

512 Bl. 43. 
Ein schöne Dam wohnt hie auf Erd 159. 
Ein schöner Spiegel, der ist fein. 

31 Str. Vindob. 14554 Bl. 361; Budap Ab 1 Bl. 102; meine 

Hs. Bl. 317. 
Ein s&ider soll sich beklagen, 
sein s&nden im werden leidt. 

Gb.» 21a; Gb.^ 24. 
Ein Winter kalt auch vngestalt. 

Vgl. Der Winter. 
Ein Witfrau wirb ser hart getriben 
vnd von schult hern geplaget. 

8 Str. Pressb. 193 Bl. 222; 244 Bl. 46. Überschrift: Die 

Uistory von der Armen Witfrawen, welcher Elissa half, dass sie 

ire schuldiger bezahlen künde. 2 Reg. 4. Im Thon: Aus tiefer 

not schrey ich zu dir. Von Nie. flerman (WKL 3, 1400). 
Eins mals spaziert ich hin vnd her 146. 
Eins Morgens früh vor tage, 
Als ich erwachet war. 

A. 350 (WKL 5, 1104). 
Elissa redet mit dem weib, 
des Son er hat erwecket. 

5 Str. Pressb. 194 Bl. 226a; 244 Bl. 53. Überschrift: Die 

History von der Teuerung zu Samaria, welche siben Jar lang 

gewert hat vnd von der witfrauen, welcher son elissa von 

todt erweckht. Aus den 2. Reg. 8. cap. Im Thon : Aus tieffer 

not schrei ich zu dir. 
Eilendt hat mich getrofen 241. 
Erheb mein Seel den Herren mein 241. 
Erschienen ist der herrlich tag. 

Gran HI 125 Bl. 239a. Von Nie. Herman fWKL 3, 1374). 
Erzürn dich nit, o frommer Gott 13, 102, 152. 
Es begab sich auff eine zeite 142. 
Es gieng ein freuen mit dem krug 
zues heiligen Jacobs brunnen. 

Von Benedict Gleding (vgl. Goedeke II* 261, No. 47.) 18 Str. 

Pressb. 194 Bl. 202 a; 244 Bl. 108 a. 
Es giengen drey gespielen auß, 
zu dienen der heiligen braut. 

Gb.» 66; Gb.8 68 (WKL 5,1020). 
Es hett ein Man zween Kjiaben 36. 

Wölk an, Lieder der Wiedert&ofer. 18 



274 Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiederiaufer. 

Es hellet ein Mägtlein wasser guet. 

21 Str. Jahrb. 13, 46. 

Es ist der herr vnser haillandt 189. 

Es ist ein Wunder schöne Gaab 156, 162. 

Es ist gewißlich an der zeit, 

das Gottes Sohn wirdt komen. 

10 Str. Gran III 125 Bl. 56 a; Pressb. 244 öl. 148. 
Es ist nicht schwer, ein Ohrist zu sein 163. 
Es ist vmb die Vesper Zeitt 242. 
Es redet Gott mit Mose 179. 
Es seindt f&rwar gar böse zeiten, 

das landt kan Godts wort nit leiden. 

Gb.« 173 a; Gb.» 177 (WKL 5, 1037). 
Es stehet Gott auff, das seine feint 

alhie zerstrewet werden. 

Gb. » 58 a ; Gb. 8 60 ; 1601 von Cornel Becker benützt (WKL 5,596). 
Es trat zum Herren ein Jüngling hin, 

ach, gueter meister, merckh mein sinn. 

22 Str. Pressb. 232 Bl. 491; 236 Bl. 93a; Jahrb. 13, 48. 
Es war ein beriempter Hauptmann 

im sirien königr eiche. 

22 Str. Vindob. 14554 Bl. 362; Pressb. 194 Bl. 209: Vom 

Hauptman Naeman, welchen der prophet Elisa gesund machet. 
Es war einmal ein reicher Mann, 
mit samet vnd Seiten angetan. 

17 Str. Gran III 125 Bl. 122a; Pressb. 194 Bl. 260; 232 BL 123a. 

Von Nie. Her man (WKL 3, 206). 
Es waren auch zween Brüder gut 128. 
Ewiger Gott, gib hilff vnd rath, 
der alle ding erschaffen hat. 

5 Str. Pressb. 244 Bl. 138. 
Ewiger Gott, Herr Sebaoth, 
dein Lieb ist nit zw erzellen. 

5 Str. Pressb. 203 Bl. 172a; 232 BL 324a; vielleicht von 

Claus Felbinger. 
Ewiger Herr in deinem Reich 232. 
Ewiger Vatter im Himmelreich 126. 
Ewiger Vatter von Himelreich 178. 
Freuend euch, ir frommen gottes schon 211. 
Freid euch, freid euch zu dieser Zeit 11. 
Freuwt euch, jr Christen alle 43, 119. 
Frisch auff, mein Seel, in noth 240. 
Frölich last vns singen 102. 
Frölich pfleg ich zu singen, 
wann ich solch freud betracht. 



Verzeichoie aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 275 

A. 347. 

Frölich so well wir singen 

von der lieb gottes schon 211. 
Fröhlich so will ich heben an 211. 
Frölich so will ich singen 

aus christlicher pflicht 158. 
Frölich so wil ich singen 

dem höchsten Schöpfer mein 158. 
Fröllich so wil ich singen, 

den vatter preisen than 189. 
Frölich so will ich singen, 

loben den höchsten gott 238. 
Frölig so will ich siugen 

mit lust ein tageweiß 150. 
Fröhlich wollen wir singen 209. 
Für Gott den Herren wolln wir gohn 

Vnd jhn im geist anbetten thun. 

Gesenge 27 (WKL 5, 1110). 
Gar herrlich schön ist dein gestalt 189. 
Oedult solt hau 13. 
Gelobt sey Gott der Herre, 

der da wohnet im licht. 
Gesenge 37. 
Gelobet sey Gott der Herre 

gepresen zu aller zeit 97. 
Gelobt sey Gott im höchsten thron 33. 
Genad vnd Fried vom Herren 100. 
Gesang thut vds von einem apfell sagen, 

ein edels reiß hat vnß den apfell her tragen. 

Presab. 232 Bl. 331 (unvollständig) : Ein schön Liedt von einem 
apfell vnd von Leiden Christi. Im rotten zwinger theo zu singen. 
Gnad', Fried' vnd reichen Segen 163. 
Gott, der Herr ist mein schilt vnd sterckh 205. 
Gott, du gewaltiger Herre 238. 
Gott fÄhrt ein recht gericht 14, 141. 
Gott, gib mir zu betrachten 239. 
Gott grieß Euch Singer ulle, 

woll auff mit mir in Ring. 

7 Str. Pressb. 244 Bl. 43. 
Gott haltet steiff, was er verspricht 232. 
Gott ist ein Gott der Ordenung, 

er helt sitten vnd rechte. 
Gb.» 115; Gb.« 119. 
Gott mich ernert 203. 

18* 



276 Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Gott sey allein danckh, eer vnd preiß, 
der yns den rechten weg hat gweist. 
25 Str. Brunn 512 Bl. 312. 
Gott, sein gnad ynd barmherzigkeit 211. 
Gott, Vatter, Herr, wir loben dich 115. 
Gott Vater Bimmels vnd der Erden 158. 
Gott Vatter in sein hechsten Bath 
fir allem volckh auf erden. 

16 Str. Pressb. 194 Bl. 204: Ein Liedt von dem kranckhen, 
welcher acht vnd dreißig Jar bei dem teich Bethseda war ge- 
legen vnd der her Christus in gesundt machet. Johann. 5. 
Im Thon: Ach Gott von Himell sieh darein. 
Gott Vatter, Sohn, Heiliger Geist 
in deinem höchsten throne. 

A. 363 (WKL 5, 783); Budap. Ab 16 Bl. 198; meine Hs. 
Bl. 288; Jahrb. 13, 45. 
Gott Vatter von Himelreich 172. 
Gott Zebaoth, der war vnd ist 33, 95. 
Gottes Wort, das schein d so helle 
zu allen Gleubigen ein. 
Gb.* 79; Gb.» 82. 
Gottlicher lieb 
ich mich stets ieb. 

7 Str. Budap Ab 11 Bl. 155 a. 
Gots kind, wÖit das gedechtig wesen, 
was Christus hat vor vns gethan. 
Gb.'' 65; Gb.« 67. 
Gross irrthumb ist verbanden 211. 
Groß sind die werck deß Heeren 129. 
Groß vnbild thut mich zwingen 
wol hie in diser frist. 

Gesenge 248 (WKL 5, 1116). 
Grosser Gott, wir loben dich 164. 
Heb auff dein creutz, mein ausserkoren 109. 
Heb auff ewer Heupter jr frommen Christen 
vnd wolt euch nu verblijden. 
Gb.» 48; Gb.« 49. 
Heiliger Herre Sebaoth, 

du bist noch heut der selbig Gott. 

„Ein schönes Liedt von Mose'' in 3 Teilen zu 60, 72 und 
76 Str.; Vindob. 14554 Bl. 9; Budap. Ab 16 BL 76; Brunn 512 
Bl. 24; Pressb. 203 Bl. 440a; 212 Bl. 34. 
Herr, du erfreist von hertzen 212. 
Herr üott, der du erforschest mich. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 277 

Bearbeitg. des 139. Psalms von H. Vogtherr (WKL 3, 560). 
Gran III 200 Bl. 384; Pressb. 244 ßl. 17. 
Herr Gott, dich sollen loben 100, 102. 
Herr Gott, dich wil ich loben 14, 141. 
Herr Gott, hilff deinen Eindien 211. 
Herr Gott, ich muß nun klagen dir 100. 
Herr Gott in deinem höchsten thron 171 
Herr Gott in deinem Reiche, 

Vatter in Himmels Thron 

erhör yns gnedigliche 36. 
Herr Gott in deinem reiche 

Vater im Himelsthron 

wir deine kinder gleiche 213. 
Herr Gott, las mir gelingen, 

das ich mög heben an. 

20 Str. Pressb. 212 Bl. 74 a. 
Herr Gott, streit wider meine feind 

in meinen grossen nöten. 

Gesenge 332 (WKL 5, 1122). 
Herr Gott, thu mich erhören, 

eilend vnd arm bin ich. 

Gesenge 342 (WKL 6, 1125). 
Herr Gott, thue vns bewaren 210. 
Herr Gott, Vater im Himmel 

vgl. Herr Gott, Vater vom Himmelreich. 
Herr Gott, Vatter im Himmelreich, 

hör vnser klag, die wir zugleich. 

A. 333 (WKL 3, 526). ^ 

Herr Gott, Vater im Himelreich, 

sieh an den großen kampff vnd streit 239. 
Herr Gott, Vatter im Himmelreich, 

wir, deine kindt, klagen dir gleich 33. 
Herr Gott, Vatter, in deinem Thron, 

der du allein bist gwaltig. 

30 Str. Pressb. 194 Bl. 83 von KL. 
Herr Gott, Vatter in deinem thron, 

wir, deine liebe Kinder 36. 
Herr Gott Vater ins Himmels Thron 163. 
Herr Gott Vatter, laß mir gelingen 230. 
Herr Gott Vater vom Himmelreich 173. 
Herr Gott Vatter, von dir allein 33. 
Herr Gott Vatter von himell 242. 
Herr Gott Vatter, zu dir ich schrey 33, 120. 
Herr Gott, wir loben dich 114. 



278 Verzeichnis aller Lieder der dentschen Wiedertäufer. 

Herr, ich bit dich aus Hertzen gmieth 238. 
Herr, ich bit dich mit grosser gier 213. 
Herr Jesu Christe, starcker Gott, 
nun hilff vns letzt auli diser not. 

A 403 (WKL 5, 1106). 
Herr Jesu Christ, wahr Mensch vnd Gott, 
du littest Marter, Angst vnd Not. 

12 Str. Pressb. 244 Bl. 14*. Von P. Eber (WKL 5, 1593). 
Herr, sieh von deinem himels thron 217. 
Herr, starcker Gott ins Himmels thron 142, 160. 
Herr, umb dein Gnad ruff ich dich an 154. 
Herr Vater, mein ewiger gott 12. 
Hertz allerliebster vater mein, 

ich bit durch Christum, den son dein. 

Budap. Ab 1 Bl. 146». 
Hertzlich thut mich erfrewen 126. 
Hilff Gott, daß ich mög singen 43. 
Hilff Gott, dass mir gelinge, 

du edler schepffer mein 179. 
Hilff Gott, das mir gelinge 
in meinem leiden groß. 

Gb.« 27; Gb.» 28. 
Hilff Herr in dieser not, 
sieh an die schwere pein. 

16 Str. Pressb. 203 Bl. 355a. 
Rimlischer Gott, sieh an die not, 
mit der ich jetzt vmbgeben. 

6 Str. Pressb. 212 Bl. 64. 
Himmlischer Gott vnd Herre 235. 
Hiuweg ist mir genommen 100, 102, 136, 157. 
Hörent, ein lobgsang vnserm Gott 237. 
Hörent, ihr allerliebsten mein 210. 
Hörent, ihr Gliebten alle 240. 
Hörent, jhr Kinder Gottes rein 235. 
Hört, hört vnd merkt, ir Gottes kindt 236. 
Hort, lehrt, verstaht yr menschen kint 109. 
Hört, wellen ein Liedtlen singen 189. 
Hort zu, ich wil euch singen 
ein Geistlich neu Liedt. 

Gb.' 60a; Gb.« 64 (WKL 5, 1018). 
Hort zu, jhr Christen alle 100. 
Hört zu, was wir euch singen thon 234. 
Ich acht es für kein vbeltath, 
noch vor verkerte siune. 

Gh.* 57; Gb.« 59. 



Verzeiclims aller Lieder der deatschen Wiedertäufer. 279 

Ich arm schäflein an grüner beiden 97. 
Ich armes Brüederiein klag mich seer 174. 
Ich bin in allen woll zufrieden, 
befind mich ruhig vnd vergnigt. 

4 Str. Pressb. 244 Bl. 178. 
Ich bitt dich, herr gott vatter, 
laß mich dir bevolhen sein. 

10 Str. Pressb. 212 Bl. 33a von J. H. Akrostich: Jakob Lerch. 

* 

Ich bitt dich, Herr, zu disser Stundt, 
da weist mein hertz vnd meinen mundt. 

66 Str. Vindob. 14554 Bl. 198; Budap. Ab 16 Bl. 184; Gran 
m 200, Bl. 55; Pressb. 194 Bl. 112; 203 Bl. 198. Enthält 
„die Geschieht der dreyer Martter gsellen Sadrach, Mesach, 
Abodnegr, wie sie im feurigen offen vnur letzt sind erhalten 
worden sambt angehenckhten irem gebet vnd lobgesang''. 
Ich dacht in dieser letzter zeit 

auß liebe zA singen ein geistlich lied. 
Gb.^ 29 a; Gb.« 31. 
Ich danck dir, lieber Herre 240. 
Ich danck dir, lieber heiT, mein Gott 172. 
Ich frei mich dein, o vatter mein, 
im eilend, ietzt vorhanden, 
hab trostes muet 180. 
Ich freu mich dein, o vater mein, 
im ellendt, itzt vorhanden, 
ob ich gleich schon 170. 
Ich gedacht, ich miest hinfahren 181. 
Ich hab ein schön neu Lied gemacht 119, 120. 
Ich hab für mich genommen 
zu singen von Gottes wort. 
Gb.« 78; Gb.8 81. 
Ich hab mir fürgenomen 
zu einer stätigkeit. 

Gb.= 27; Gb.» 27 (WKL 5, 1011). 
Ich hab mir vorgesetzt, in allen dingen 

von gnadt, barmhertzigkeit vnd recht zu singen. 

8 Str. Gran III 200 Bl. 882; Bearbeitung des 101. Psalms. 
Ich habs gewagt gantz vnuerzagt 
auß Göttlicher lieb vnd treuen. 

Gb.2 133; Gb.3 136 (WKL 3, 531). 
Ich hett mir fürgenomen, 
das ich mit allem fleiß. 

10 Str. Gran III 196 Bl. 9a. Bearbeitung des 44. Psalms. 
Ich klage dir, o Here 241. 



280 Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Ich klag es Gott zu dieser frist 
das elendt jetzt auf Erden. 

Gb.* 118; Gb.« 121. 
Ich reu vnd klag den ganzen tag 170. 
Ich rieif zu dir, o Vater mein, 
laß du mich dir benolhen sein. 

8 Str. Pressb. 232 Bl. 10a. 
Ich ruff dicü, Himmelscher Vatter an 98. 
Ich ruffe dich, o Herr, jetzt an 158. 
Ich sag adde, wir zwe wir müssen scheiden 99, 108, 154. 
Ich schrey zu dir, o here got, 
der mir das leben geben hat. 

8 Str. Pressb. 232 Bl. 290. Akrostich: Judith Breitmichlin. 
Ich stund an einem Morgen 108. 
Ich stundt in laid ynd sorgen, 
darzu in kummers not. 

21 Str. Pressb. 236 Bl. 32 a. 
Ich verkündt euch niewe mare 101, 102. 
Ich weiß ein Junckfraw reine 100, 102. 
Ich weiß mir ein bliemlein ist hibsch vnd fein, 
das thut mir wolgefallen. 

8 Str. Pressb. 244 Bl. 112a. (WKL 5, 10 u. 11). 
Ich weiß, wer Gottes wort bekendt 128. 
Ich will dich Herre vnd mein Gott 170. 
Ich wil loben den Herren 43. 
Ich wil von gantzem Hertzen mein 
deß Herren werck verk&nden. 

Gesenge 241; Gran III 125 ßl. 78 a. 
Jesus Christus Gottes Sohn 124. 
Jetzt ist die zeit beykommen 240. 
Ihr außerweiten Gottes kind 237. 
Ihr Christen gmein, die jhr seid rein 33. 
Ihr Christen kindt, merckht alle gleich 
von Jeßu Christ, von himell Reich. 

50 Str. Pressb. 203 Bl. 207 a. 
Ihr Christen merckhendt mich gar schon, 
ein gschicht wil ich euch hören lan. 

11 Str. Budap. Ab 16 Bl. 157; Pressb. 203 Bl. 141a Enthält 

„die History von der Susana vnd wirt gesungen in Spetten Thon**. 
Ihr Christen rein, alsampt gemein 36. 
Ir Jungen vnd ir Alten 179. 
Ihr Kinder Gottes alle 43. 
Ir liebhaber der Warheit guet 236. 
Ir menschen kindt merckt all geleich 102, 109. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 281 

Im anfiemg hat Gott geschaffen 

den Himmel vnd die Welt. 
Ob.» 66; Gb.« 57. 
In dich hab ich gehoffet, herr, 

hilff, dAB ißh. nicht zu schänden wert. 

7 Str. Ad. Reusners Bearbeitg. des 31. Psalms (WKL 3, 170); 
Gran III 196 Bl. 12a. 

In Gottes gnad heben alle ding an, 

wer diese gnadt recht lehrt yerstan. 

Gb » 68; Gb.8 71 (WKL 5, 1006, 1007). 
In gottes namen heb ich an 241. 
In Gottes Namen hebn wir an 40. 
In Gottes Namen will ich anfahn 162. 
In Gottes Reich sind freiden vill 192. 
In meinen letzten endte 243. 
Ist denn die Liebe gar 164. 
Ist jemand guter Dingen 163. ' 
Kein besser freudt auff erden nicht ist 

dem der von hertzen yn friden ist. 

Gb.» 145; Gb.» 149 (WKL 3, 1029). 
Keinen hat Gott verlassen, 

der ihm verdraut allzeit. 

8 Str. Pressb. 244 Bl. 175. (WKL 5, 417). 
Kom, Gott Vatter von Himmelen 142, 192. 

Komb, lieber Herr Jesu, 
komb behende. 

10 ötr. Gran HI 196 Bl. 3. 
Kombt her zu mir, ir lieben kindt, 

die ir doch noch in vnschuld sindt. 
12 Str. Pressb. 244 Bl. 35. 
Kompt her zu mir, spricht Gottes son 17, 94. 
Königlich guett bist du, o Gott, 

den frumen hie on schertzen. 

11 Str. Pressb. 203 Bl. 161». 
Kürtzlich hab ich mich besunnen. 

vgl. das folgende Lied: 
Kürtzlich hab ich vorgnommen 21, 101, 102, 136, 205. 
Lasst vns von gantzer vnser seel 235. 
Last vns von hertzen singen all 15. 

Lebt fridsam, sprach Christus, der Herr 117, 121, 156, 164. 
Liebster Emanuel, Hertzog der Frommen 159. 
Loben wollen wir den höchsten Gott, 
der groß wunder vnd zeichen thuet. 

14 Str. Pressb. 212 Bl. 219»; von A. B. 



282 Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Lohet Gott mit schalle 

von Hans Petz; nach BGB 133 im Cod. G. J. X. 13 i. Gran. 
Lobt Got den Herrn, ir frummen kindt 172. 
Losend jr Himel, das ich red 192. 
Lüg, herr, wie schwach ist mein gemüt 13. 
Macht euch bereit zusammen 117. 
Mag ich Vnglück nit widerstan. 

L. 132 (WKL 3, 156). 
Mein Eiffer thuet mich dringen 218. 
Mein frölich hertz das treibt mich an zu singen 
vnd liegt mir stäts in meinem mueth. 

55. Str. Vindob. 14554 Bl. 376; Jahrb. 13, 51; Pressb. 194 

Bl. 73. Die Geschichte Josephs von Benedikt Gl e ding 

(vgl. Goedeke W 262 No. 47 d. Ein Einzeldruck: „Der Geyst- 

lich Joseph. Die gantze flistory vnd geschieht, Wie er von 

seynen Brüderen verhafft vnd in Egipten verkaufft ward etc. 

In der wyss: Es warb ein knab nach Bitterlichen dingen zr. 

(Am Ende.) Benedicht Gletting. Getruckt zu Bern bei 

Vincentz im Hof.« o. J. ca. 1590. 8 Bl. 8« m. Titelholzschn. 

In Zürich, Stadtbibl. (Serapeum 19, 248). 
Mein frölich Hertz das treibt mich an zu singen, 

wenn ich denck an die grossen Freud 119. 
Mein frölich Hertz vnd auch gemieth 238. 
Mein geist lasst mich nit ruen 243. 
Mein Gott dich wil ich loben 11, 141. 
Mein Gott, ich thue dich bitten 

ietz vnd zu aller stund 218. 
Mein Gott, ich thu dich bitten 
von gantzem hertzen rein. 

10 Str. Gran IH 125 Bl. 42; HI 155 Bl. 62; Pressb. 194 

Bl. 70; 232 BL 9a; Jahrb. 13, 52. 
Mein Gott, sieh von dem Himel sal 
auif vns in dißen jamer tall. 

8 Str. Pressb. 232 Bl. 80; 244 BL 123 a. 
Mein Gott vnd Herr, dir sei viel ehr 228. 
Mein herr gott im himmels thron. 

57 Str. Gran III 155 Bl. 51: „Ein schöns Liedt von den zwelff 

Apostlen . . . Auß eusebius auffs kirtzest gezogen vnd im 

gesang verfast 1567." 
Mein hertz, das freyet sich in got 
vnd ist erhöcht im herren. 

12 Str. Meine Hs. Bl. 210: „Das Lobgsang der fromen Hanna 

1 Reg. 2 Cap.« 
Mein Hertz enzint, vor lieb es brinnt 
lieb ist mir angeboren. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 283 

11 Str. Meine Hs. Bl. 337: „Ein schön neulied in seiner aignen 

weiß." 
Mein Hertz möcht mir zerspalten 158. 
Mein Herz, sei zufrieden, betrübe dich nicht 164. 
Mein hertz sol fürher bringen 206. 
Mein hertz und auch mein gwisen 
versichert mir den mueth. 

22 Str. Pressb. 203 Bl. 464 von M. B. 
Mein höter vnd mein hirt ist gott der herre, 
drumb furcht ich nicht, das mir etwas gewerre. 

3 Str. Gran III 200 Bl. 372»; Bearbeitg. des 23. Psalms. 
Mein muth vnd sinn steht mir dahin 36. 
Mein Seel, erheb den Herren mein 205. 
Mein Seel, nu lobt den Herren 98. 
Mein Seel soll rühmen Gottes sterck, 
wie groß sindt Herr all deine werckh. 

83 Str. Budap. Ab. 16 Bl. 3: „Von den thaten vnd wunder- 

wercken Gottes." 
Mein sinn dahin stet alle zeit 230. 
Mein vnmuedt thut mich krenckhen. 

Gran HI 155 Bl. 408 ; unvollständig. 
Mensch, mit mir klag 
den ganzen tag. 

13 Str. Gran III 155 Bl. 395. 
Mensch, wiltu nimmer traurig sein 122. 
Merck auff, du junger Jüngling zart 240. 
Merckh auif, du wahr Christliche Gmain 233. 
Merck auff ein sach vnd die ist war 120. 
Merckh auff mein Gott, 
lass dir mein stim erklingen. 

9 Str. L. 132. Akrostich: Magdalena. 
Merckh auff, merckh auff, o f romer christ 171. 
Merckht auff den grossen Kummer 241. 
Merckht auf, jhr Christen all geleich 93. 
Merckt auff, jhr Christen allgemein 36. 
Merckht auff, ir frommen all mit fleiß 
was gotes geist wolt fir ein weiß. 

43 Str. Pressb. 232 Bl. 337; 236 Bl. 29a. Überschrift: Bla: 

Sehne: Ein Liedt, wie dawidt den GoUiat Vberwunden hat. 

Im thon der scheenen wortt. 
Merckt auf, ihr frommen Gottes kindt 239. 
Merckt auff, jhr gliebten Brüder mein 

Vgl. Merckt auff, jr lieben. 
Merckt auf ir gliebten Gottes kindt 234. 



284 Verzeiclmis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Merckht auff, Ir gottes heufflein klain 232. 
Merckht auff, ihr jung vnd alt, 

was ich euch thue bekandt. 

5 Str. L. 131; Pressb. 212 Bl. 215a; 236 Bl. 19. 
Merckht auff, ir kinder gottes rain 171. 
Merckht auff, ir Kindlein Gottes rain 182. 
Merckht auf, ir gliebten Brüder mein 234. 
Merckt auff, ir lieben Christenleit, 

die zeit ist schon verbanden. 

25 Str. Vindob. 14554 Bl. 348; Gran IH 165 Bl. 60. 
Merckt auff, ihr menschenkinder, 

vnd nempt zu hertzen wol. 
Gesenge 59. 
Merckt auflF, jr Völcker alle 130. 
Merckt auff jhr Völcker all gleich 

vnd tbüt euch nun bekeren. 
Gb.« 50a; Gb.» 52. 
Merckt auff, jhr Völcker allgemein 36, 94. 
Merckt auff, jhr Völcker gm eine 33. 
Merckt auff, ir Völckher gleiche 219. 
Merckt auff, jhr Völcker vberall 101, 136. 
Merckt auff mit flpiß, ein Himmelspeiß 33. 
Merckt auff vnd nempt zu hertzen 142, 171. 
Merckt auff, was ich wil singen 102. 
Merckt, was ich sag, groß ding geschach 192. 
Mich vrsacht euch zu singen 235. 
Mich verlangt zu allen zeiten 36. 
Mir nach, spricht Christus, unser Herr 156. 
Mit angst in not rüff ich dich an 100, 136. 
Mit danckbarkeit laßt vns den Herren loben 114. 
Mit druck mag man woU klagen, 

man fihlt in dieser zeit. 
Gb.« 23; Gb.« 23. 
Mit einem zugeneigten Gmüht 117, 121. 
Mit freuden woUn wir singen 39, 43. 
Mit frei den wil ich singen 18. 

Mit lust vnd freud wil ich Gott lobsingen 9, 36, 96. 
Mit Lust vnd freidt zu disser zeitt 229. 
Mit lust so wil ich singen 

ein schöne Tageweiß 150. 
Mit lust 80 wil ich singen, 

mein hertz frewt sich in Gott 9, 141. 
Muß es nun sein gescheiden 120, 146. 
Nach frombkait mein hertz verlangt 108, 109. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 285 

Nu heb ich an zu dieser frist, 

Gott wol, das mir gelinge. 
Gb.» 59*; Gb.» 61. 
Na hörent zue all in gemein 239. 
Nu höret mit fleiß vnd merckt vff, 

was jetzund ist der Welt lauff. 
Gb.« 46*; Gb.« 47. 
Nu hört vnd mercket eben 182. 
Nu hört^ was furmals ist geschiet, 

wie got, der herr, zu straffen pflicht. 
Gb.« 36 a; Gb.» 38. 
Nun heben wir an in nöten 141, 146. 
Nun hörent gottes wunder vil 230. 
Nun hörent ir hie diese geschieht, 

was yns der König Baech bericht. 

34 Str. Vindob. 14554 Bl. 20»; Budap. Ab. 16 ßl. 101; Brunn 
512 Bl. 243; Pressb. 194 Bl. 341; 203 Bl. 511 a; 232 Bl. 342; 
Jahrb. 1892 S. 127: „die Geschichte von dem erschröckhlichen 
Golliath vnd wie er von einem Jungen Knaben gef eilet vnd 
vmb bracht wardt." 
Nun herent zu, ir lieben, 
ir menschen kinder al. 

26 Str. Pressb. 194 Bl. 67 : Ein freiden gesang Von der gnaden- 
reichen erlösung des menschlichen geschlechts durch die gehurt 
vnssers herren Jesu Christi, Im thon, Frölich in allen eeren 
bin ich so manich stundt. 

Nun hert, ich wil euch singen 229. 
Nun hört, ich wil euch singen 

aus traurigklichem muet. 

Das Lied auf Kasp. Tauber (WKL 3,496); Pressb. 236 Bl. 105. 
Nun hört jhr Freundt ehrsamen 136. 

vgl. Aenhoordt. 
Nun hört mir zu in meinem Gedicht 150. 
Nun hört vnd merckht ein alt geschieht, 

was vns die heillig gschrifft bericht. 

61 Str. Vind. 14554 Bl. 44; Budap. Ab 16 Bl. 94; Brunn 512 
Bl. 38; Pressb. 194 Bl. 348; Jahrb. 13, 43; „die Geschichte 
Gideonis." 

Nun hertt, was ich euch singen will 229. 
Nun hört, was ich euch singen wil 
vor zeitten der frommen weiber. 

27 Str. Budap. Ab 16 Bl. 138; Gran III 155 Bl. 329. „von 
der Tugendt der frommen Weiber.** 



286 Verzeichnis aller Lieder der deatschen WiedeHäufer. 

Nun hört zu, jhr Christenleut, 
wie leib vnd seel mit einander streit. 

14 Str. Brunn 512 ßl. 271; meine Hs. Bl. 109;Pre88b. 212 BI. 
268»; 232 Bl. 120 a; Jahrb. 13, 51. Der geistliche Buxbaum 
(vgl. Öoedeke 2'^ 237 Nr. 32b.) 
Nun lasst vns frölich heben an 129. 
Nun mercke auff ein jederman, 
wie Gott der Herr versorgen kau. 
Gb.« 133; Gb.» 136. 
Nun mercket auf zu dieser Frist 158. 
Nun merckhent eben auif mit fleiß, 
was vns bat Christus für ein weiß. 
12 Str. Pressb. 212 Bl. 230. 
Nun merckhet, was ich singen will, 
von leid vnd grossen Schmerzen. 

68 Str. L. 144; Budap. Ab 7 Bl. 56 mit den Buchstaben des 
Verfassers: M. K.; Ab 11 Bl. 175»; Ab 2 Bl. 229»; Pressb. 
163 Bl. 457; 203 Bl. 253. 
Nun merckt das diß elendige zeit, 

wie sten der menschen gwisen so weit. 
Gb.« 33»; Gb.« 35. 
Nun merckht in Frummen alle gleich 
vnd hört mit lieb vnd luste. 

54 Str. Vindob. 14554 Bl. 52; Budap. Ab 11 Bl. 140; Gran 
III 125 Bl. 178; Presöb. 212 Bl 195; die Budap. und Press- 
burger Hss. nennen als Initialen des Verfassers W.S. Die 
„Histori Bester". 
Nun schlaff, mein liebes Kindelein, 
vnd thue deine eiglein zu. 

16 Str. Pressb. 203 Bl. 359: Wiegen Liedt Im thuen des golden 
ABC oder der weg, warhait vnd leben. 
Nun wellen wir aber singen 
iezund zu disser früsst. 

28 Str. Vindob. 14554 ßl. 306; Pressb. 203 Bl. 78 ; Jahrb. 1896. 
189; gedr. WKL 3, 467; über die im Liede geschilderten Vor- 
gänge BGB 68. 
Nun wellen wir weitter singen schon 
mit kurtzen vberlauffen thon. 

16 Str. Budap. Ab 16 Bl. 84; Brunn 512 Bl. 33; Pressb. 194 
Bl. 10; 212 Bl- 53; Geschichte Mosis, 3. Teü „von der Ersiim 
Geburt vnd Außzug Israels aus egipten". 
Nun wil Ich auch das dritte tail berieren, 

mit gottes hilff die gschicht zum endt aus fiteren. 

58 Str. Budap. Ab 16 Bl. 59; ßriiun 512 Bl. 342; Geschichte 
Josephs, 3. Teil. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 287 

Nun will ich bringen auf die Bahn 158. 
Kun. wolt ich gerne singen 

vnd darzu fröiich sein 34, 95. 
Nun wolt ich geren singen 

vnd das von hertzen mein 193. 
Nun weit jhr hören singen 12. 

Vgl. Was wolln wir aber singen. 
Almechtiger Herre Gott 15, 141. • 
O arme Welt du bist verbündt, 
kein fromn magst vmb dich haben. 
Gb.-^ 60a; Gb.3 62. 
Christus rain, du bist aliain 180. 
edler gott vnd herre 220. 
O edler Gott vnd höchster hört 239. 
Gott, alm&chtig Vatter fein 117. 
. Gott, du allerhöchster Herr 222. 
O Gott, du bist mein h&lifer fein, 
verlöß mich von der ewiger pein. 
Gb.2 228; Gb.' 231. 
O Gott, hilif mir auß nöthen, 
groß angst hat mich vmbfahn. 
Gb.« 133a; Gb.3 137. 
Gott ich thue dich bitten 
wol hie zu dieser stund. 

BGB 56 auf Thomas Herrmann, gest. 1527. 
O Gott in deinem Himmels Thron 228. 
O Gott ob allen Dingen 158. 
Gott, Schöpffer, Heiliger Geist 124. 
O Gott, Vater in deinem Reich 228. 
O Gott Vater in ewigkeit 114, 117. 
O Gott Vatter in Himmels Trone 93, 136. 
O Gott Vater, wir loben dich 114, 119. 
O Gott, verleyh mir dein gnad 94. 
O Gott, wir loben den nahmen dein 114. 
GÄtiger Gott in ewigkeit 93. 
O Her almechtiger vnd got, 

wie gar lieblich sLndt deine gebot. 
11 Str. Pressb. 232 Bl. 297. 
O Herr, des thron im himel ist 195. 
O Herr, dich wil ich loben 127. 
Herr Gott, hör vnser klag, 
stehe du vns bey am letzten tag. 

11 Str. Gedr. in Erhard: Von Münsterichen Wiedertäufern 
S. 34a unter dem Titel: Ein Liedl von der außschaffung vnnd 



288 Verzeichnis aller Lieder der dentschen Wiedertäufer. 

Verweisung der Huetterischen Brüder vnd Wiedertauffer aa6 
dem Mährerlandt, von jnen selbst gemacht, Anno 1&35; 
wiederholt im Notizenblatt der mähr. Gesell seh. 1859 S. 92. 
Herr gott vnd herre, 
vmb deiner warhait raiu. 

17 Str. Gran m 155 Bl. 114. v. edler gott vnd herre. 
Herr Gott, wend mir meinen Schmerzen 171. 
Here Gott, groß ist die noth 95. 
Herre Gott, hilff mir in deinem Namen 
mit deinem gwalt. 

Gesenge 15 (WKL 5, 1124). 
Herre Gott Im Himels thron 171. 
Herre Gott in deynem reych 15. 
herre got in Deinem Thron, 

dich zloben wil ich nit ablon 232. 
Herre Gott in deinem thron, 

du hast zum ersten geben 36, 92, 95. 
Herre Gott, in meiner not 146. 
Herr Gott! mein Not thu ich dir klagen 38, 95. 
Herre Gott vom Himmelreich, 
merck auff das grosse getummel. 
Gb.'-' 75; Gb.8 76. 
Herre Gott von Himmelreich, 

merck auff vnd sieh die note 146. 
Herr Gott von Hirn elr eich, 

von kraft vnd sterck ist nit deins gleich 231. 
Herr, ich f&hr ein grosse klag, 
ich hab gelebt so manchen tag. 

Gb.^ 68; Gb.» 70 (WKL 5, 1021). 
Herr, ich thun dir klagen 
elend vnd grosse noth. 

Gb.« 100; Gb.3 105 (WKL 5, 1026). 
.0 Herr, ich thu dir klagen 
groß leiden vnd vngefal. 

Gb.2 172a; Gb.8 176 (WKL 5, 1036). 
Herr, nit stoltz ist mein hertz doch 43. 
Herr! thu auf die Lefzen mein 162. 
Herr, thu auff mein hertz vnd sin 109. 
Herr, wir thun dich bitten 154. 
Herr, wir thun dich preisen 158. 
Jesu, der du selig machst 124. 
Jesu, liebes Herrlein mein, 
hilff mir wiegen mein kindelein. 

4 Str. Pressb. 203 Bl. 360. Von Joh. Mathesius (WKL 3, 1333). 



VerzeicliDis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 289 

ir hertzlieben Brüder mein 179. 
Israel, raerck eben 182. 
O lieber Vater, wie bist so gut 92, 102. 
lieber Vater vnd Herzog mild 154. 
lieber Vatter, wie bist so gut, 

das du das fleisch streichst mit der rut. 
ab2 91a; Gbs 94 (WKL 5, 1024). 
O mein Seel, lob den herren mein 
vnd als was ist in mire. 

9 Str. Pressb. 212 Bl. 177. 
Mensch, bedenck die kurtze Zeit 92, 101. 
Mensch, stee ab von deiner sünd, 
tracht zu erwerben, den du must sterben. 
26 Str. Vindob. 14664 Bl. 6. 

Menschen, nu bessert ewer leben, 
wolt von ewern sünden abstan. 

Gb.» 38a; ab.3 40 (WKL 5, 1015). 

Menschenkindt, vemim mich wol, 
einen bricht wil ich dir geben. 

Gesenge 42 (WKL 5, 1112). 
Mensch, wolstu gern selig sein, 
so thÄ dich Gott ergeben. 

Gb.* 64; Gb.« 66 (WKL 5, 1019). 

reicher Gott im Himelsthron 230. 
Sun David, erhör mein Bitt 179. 
SÄnder alt, wie manigfalt 101. 
Vatter Gott, mein Hielff vnd sterckh 182. 
Vater mein, ein Kindlein dein 228. 
Welt, merckh auf mit deinem stoltzen Pracht, 
Gott wird dich in seim zorn mit macht. 

45 Str. Vindob. 14554 Bl. 193; meine Hs. Bl. 57; Budap. Ab 16 
Bl. 179; Gran EI 200 Bl. 213 a; Brunn 512 Bl. 43; Pressb. 194 
Bl. 106; 203 Bl. 38; Jahrb. 13, 45. Überschrift: „Propheten- 
Lied. Von dem grossen oder letzten tag des Herren.** 

Ob gleich die Harff ist gut vnd scharff 125. 
Preißen wil ich den herren 232. 
Preisent mit mir den herren 199. 
Quit, ledig, loß hat vns gemacht 199. 
Recht last vns auff gott trauen 199. 
Regier mich, Herr, o treuer Hort, 
durch dein Geist vnd göttliches Wort. 
7 Str. Pressb. 244 ßl. 132. 
Rieht mich nicht in deim Grimmen 182. 

Wölk an, Lieder der Wiedertäufer 19 



290 Verzeichnis aller Lieder der deatschen Wiedertäufer. 

Schier in allen gschichten gschriben stath, 
wie man die Christen gmartert hat. 

A. 9. 
Sehr lieblich ist dein wonung, herr, 200. 
Sih, wie fein ists vnd lieblich schon, 
wo Brüder bey einander wohnn. 

Gesenge 17 (WKL 5, 1128). 
Singen wollen wir vnserm Gott 235. 
So Gott die räch hat gerochen, 
sein volck ans not erlöst. 

17 Str. Gran HI 200 Bl. 159a: „Das lob gesang Debora vnd 

Barackh nach eroberten Sig ... im 1569 Jar." 
So ir zu ruen komen seit, 
ir rurigen Israeller. 

26 Str. Budap. Ab 16 Bl. 91 a. ^Das Lobgesang Debora in 

Thon: JTach willen dein." 
So kan ich doch nit vnderlan 232. 
So merckendt auff, yr Christen Leut 102, 136, 150. 
So merckhend auff vnd sind vnverdrossen 157. 
So wollen wir aber singen thon 
ja von dem könig pharaon. 

72 Str. Brunn 512 Bl. 27; Budap. Ab 16 Bl. 80; Preseb. 212 

Bl. 43a. Geschichte Mose, 2. Teil. 
So wellen wir jetzt heben an 233. 
So wil Ichs aber heben an, 
singen in Gottes ehr. 

A. 376 (WKL 5, 784); meine Hs. Bl. 197. 
So will ich heben ane 241. 
Solt du bey got dein wonung han 12. 
Sterck vns, o Gott, in dieser not 228. 
Susanna war in engsten groß 173. 
Thuet heren, was ich singen will 236. 
Tochter Sion, ich wolt dich gern sprechen 109. 
Trawren wil ich stehn lassen 128. 
Trost, frid vnd freud im gwissen 231. 
Trost, fridt vnd freudt 

standhafftigkait im Herren 236. 
Trost mich vnd sieh, du vatter mein 200. 
Vnbillich haben gehandlet 
Die böß vnd gottloß rott. 

15 Str. Budap. Ab 11 Bl. 169: „Von irer erledigung. H. A.-; 

(vielleicht Hans Arbeiter). 
Vngnadt beger ich nicht von dir 12, 123. 
Vnser Vatter im Himmelreich 34. 



Verzeichnis aller Lieder der deutseben Wiedertäufer. 291 

Verlass mich nit, o herr, mein Grott 172. 
Versuchet euch doch selbst 163. 
Vom Vatter ist vns geben an 200. 
Von Christo wil ich singen 

vnd seiner herrligkeit. 

Gb.» 43: Gb.« 44 (WKL 5, 1016). 
Von deinetwegen bin ich hie 93, 108. 
Von Elissa, dem teuren Mann, 

wil ich anfachen zu singen. 

13 Str. Vindob. 14664 Bl. 367;Pres8b. 194 Bl. 220»; 244B1.42. 
Von Gott vnd seines geistes sterck 236. 
Von Gottes eer vndt wunder mer 233. 
Von Gottes krafft vnd wunderthat 

mein hertz vnd gmiet verlangen hat. 

67 Str. Vindob. 14664 Bl. 59; ßudap. Ab 16 Bl. 143; Gran 
m 125 Bl. 129; III 200 Bl. 143; Pressb. 203 Bl. 466; 212 
Bl. 234 mit 72 Str.; 232 Bl. 266; 236 Bl. 219; Jahrb. 13, 47. 
Geschichte Judiths. Der Budap. Codex und Pressb. 236 nennen 
Christel Schmidt als Verfasser. 

Von Gottes Lieb vnd fürsorg viel 242. 
Von Hertzen muß ich singen 100. 
Von Hertzen wil ich loben 
den allerhöchsten Gott. 

Gesenge 276 (WKL 6, 1118). 
Von Hertzen woUn wir singen 
in frid vnd einigkeit. 

Gesenge 267 (WKL 5, 1117). 
Von Joseph dem zichtigen Helt. 

31 Str. Vindob. 14564 Bl. 326. Einzeldruck: Die schöne 
Historia Von Joseph In ein Gesang verfasset. Im Thon: 
Kommt her zu mir spricht Gottes Sohn etc. Gedruckt in 
diesem Jahr. o. 0. u. J. (ca. 1670). 8 Bl. 8^ mit Titelholzschn. 
(Nürnberg, Stadtbibl.) Serapeum 30, 188. 

Von Trübsal, Schmerzen, Elend gross 178. 

Von wunderlichen Dingen, 
die sich zu Babilon zuetragen. 

34 Str. Meine Hs. Bl. 134; Brunn 512 Bl. 100; Pressb. 194 
Bl. 228. Oberschrift: Ein schönes Lied von der Frau Susana. 
Vor Zeiten ist gesessen 
zu Susan in dem schloss. 

84 Str. ßudap. Ab 16 Bl. 106; Pressb. 194 Bl. 293a; 203 
Bl. 65; Jahrb. 13, 47; „ein ander Liedt aus der gschicht Bester 
gezogen." 

19* 



292 Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Wach auff, du war christliche gmein. 

16 Str. Gran III 165 Bl. 323. 
Wach aaff, meines hertzen schöne 94, 108. 
Wach auff, wach auff, o Mensche 158. 

Wach an ff, wach auff, o menschen Kind 40, 91, 94, 96, 108. 
Wach auff, wach auff, o Sion, schnell, 
dein Haillaod ist vorhanden. 

38 Str. Vindob. 14554 ßl. 367. 
Wacht auff, jhr Br&der werde 43. 
Wacht auff, ir frommen Christen, 
gleich itzt zu diser zeit. 

10 Str. Pressburg 236 Bl. 9. 
Wacht auff, ir fromen Christen 
vnd greiffets dapffer an 242. 
Wacht auff, ir kinder gottes all 233. 
Wacht auff, jr V61cker alle 108, 179. 
Wacht auff, Gott von Himmel 108. 
Wacht auff, wacht auff, es ist mehr dan Zeit 97, 108. 
Wann ich des morgens früe auffstee, 
zu meinem gott vnd vatter flehe. 
27 Str. Fressb. 212 Bl. 72. 
Wan wirt dan vnßer auff bruch sein, 
wan werden wir komen in himel hinein. 

12 Str. Pressb. 203 Bl. 170: Das ist der geistliche auff bruch 
genanth. 
Warum betrübstu dich, mein Herz 
bekumerst dich vnd leidtest schmertz. 

Das Lied G. Oemlers (WKL 4, 190); Vindob. 14554 BL 324; 
Brunn 512 Bl. 272; Gran III 200 Bl. 393»; Pressb. 244 Bl. 
115; Jahrb. 13, 51. 
Was werd wir aber heben an 154, 163. 
Was wolln wir aber singen 12, 141. 

vgl.: Nun wolt ir hören singen. 
Was wolln wir singen vnd heben an 157. 
Weil ich so arm vnd elend bin 237. 
Weil Maria schwanger gieng. 

Das Lied Mich. Weisse 's (WKL 3, 263); Jahrb. 13, 46. 
Weil nun die zeit vorbanden ist 

vgl. Dieweil die zeit vorhanden ist. 
Weil wenig treu auff erden ist 
vnd alles steckt vol betrug vnd list. 
Budap. Ab. 1 Bl. 145. 
Welcher cristo nachuolgen will 204. 
Welcher das Elend bauen will 159. 



Verzeichnis aller Lieder der deatschen Wiedertäufer. 293 

Welcher vnder der hilffe wont 
vnd schntz des allerhöchsten. 

15 Str. Gran m 96 Bl. 11 Bearbeitung des 114. Psalms. 
Wenn der Herr die Gfencknuß Zion 120. 
Wenn mein Stindlein vorhanden ist. 

10 Str. Von Nie. Herman (WKL 3, 1414) Pressb. 244 Bl. 139 a. 
Wer Christo jetzt wil folgen nach 9, 141. 
Wer das reich Gottes erben will 94. 
Wer gern wolt sein ein weiser man, 
der thu sich gott ergeben. 

Gb.» 110 a; Gb.« 115 (WKL 5, 1029). 
Wer nur den höchsten Gott lässt walten 240. 
Wer zu dem ewigen leben wil gähn, 
der muß erst an gots gebotten bestan. 
Gb.« 35; Gb.» 36. 
Wie ist die Welt also falsch, 
das spürt man bey den zeiten. 

Gb.« 18; Gb.« 26 (WKL 5, 1009). 
Wie lieblich hat sich gesellet 108. 
Wie mirs Gott schickht. so nim ichs an 
gedultig will ichs leidten. 

10 Str. Gran III 196 Bl. 71a; (WKL 3, 1201). 
Wie nach einem Wasserquelle 
ein hirsch schreyet mit begier. 

7 Str. Lob wassers Bearbeitung des 42. Psalms (WKL 4, 1242); 
Gran III 200 Bl. 373. 
Wie sälig sind die insgemein, 
die nach der weit nit vmbsehn. 
Gb.2 20; Gb.» 22. 
Wie sehen leuchtet der morgenstern 

Pressb. 232 Bl. 165; 244B1.22. Von Ph. Nicolai (WKL 5, 394). 
Wie vns die heillig schrifft vermelt 102. 
Will sinn vnd gmüet rieht auf zu Gott 13. 
Wilt mir jemandt nachfolgen, 
spricht Christus, Gottes Sohn. 
Gb.» 14 a; Gb.8 17. 
Wiltu bey Got dein wonung han 93 
Wir bitten dich, ewiger Gott 11, 141. 
Wir Christen hie im Jamertal 
müssen vil leiden vberal. 

Aus einer Hs. in Privatbesitz gedruckt Serapeum 31, 376 n. 
ßembert: Wiedertäufer in Jülich, S. 619. 
Wir dancken Gott von Hertzen 10, 142. 
Wir dancksagen dir, herr Gott der Ehren 15. 



294 Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 

Wir glauben all an einen Gott 205. 
Wir habn lust, Ein liedt zu singen 235. 
Wir komen, Herr, zu diere 222. 
Wir müssen alle sterben, 

Mensch, das recht bedenckh. 

Budap. Ab. 1 Bl. 69. 
Wir wollen singen schone wört 93. 
Wo Gott der Herr nit bey vns helt 94. 
Wo kompt das her, o Jesu Christ 43, 120. 
WolaufP, wolauff, du Gotts gemein 36, 96, 154. 
Wollauff, wollauff, o Zion schnei, 
dein haillant ist verbanden. 

36 Str. Meine Hs. Bl. 100»; Jahrb. 13,46: „Das neue Jerusalem * 
Wol auf, wol auf von hinen 176. 
Wol dem, der in Gottes forchten steht 98. 
Wol dem, der lust zum wimet hat 237. 
Wol dem, der seinen wandel stelt 
nach gottes gsatz alleine. 

4 Str. Bearbeitung des 1. Psalms. Gran III 200 Bl. 371 ». 
Wohl dem, der stets an's Ende denkt 164. 
WoU Gott nachfolgen, allerliebste mein, 
wer Christi getraute Brandt will sein. 

Gb.« 236. 
Wollen singen zu dieser frist 230. 
Wellen von der Zerstörung singen 201. 
Woldt jr hören, was ist gesehen 99, 136, 157. 
Wo soll ich hin, wo soll ich her 102. 
Wo sol ich mich hinkehren 145. 
Zerschmeltzen mießen alle berg vnd tieffe Tal 
sampt stetten vnd schloßen mit großem schal. 

7 Str. Meine Hs. Bl. 96; Gran III 200 Bl. 210; Pressb. 194 

Bl. 190; 232 Bl. 5; 236 Bl. 205. „Von dem Ernstlichen gricht 

Gottes. " 
Zu Babel was ein Burger 
sogar ein reicher mann. 

39 Str. L. 132; Vindob. 14554 Bl. 176; Budap. Ab 16 Bl. 153; 

Ab 11 Bl. 130 mit den Anfangsbuchstaben des Verfassers: T. 

L. S. Gran lU 125 Bl. 109 e; Pressb. 212 Bl. 160; 232 Bl. 266. 

„Die historia Susana, 1539 verfasst, wie Str. 38 ergibt. 
Zu Babel was ein könig reich 201. 
Zu dir erheb ich, Herr, mein Seel, 
stell auf dich mein vertrauen. 

Gran III 196 Bl. 72a. Bearbeitung des 25. Psalms; Schlus« 

fehlt. 



Verzeichnis aller Lieder der deutschen Wiedertäufer. 295 

Zu dir ich mein hertz erhebe 
vnd herr mein fiofinung rieht. 

19 Str. Gran III 200 Bl. 374; Bearbeitung des 25. Psalms. 
Zu dir von hertzen gründe 
rieff ich aus tiefer noth. 

4 Str. Gran III 200 ßl. 383. Bearbeitung des 130. Psalms. 
Zu Gott allein ist mein trost gestelt 
mit meinem gemöth von hertzen. 
Gb.» 60 a; Gb.« 63. 
Zu Gott in dem himmel droben 
mein stimm ich hab erhoben. 

21 Str. Gran m 200 ßl. 379». Bearbeitung des 77. Psalms. 
Zu hohem lob vndt Ehren, 
der heilligen göttlichen Krafft. 

38 Str. Vindob. 14554 ßl. 319; ßudap. Ab 16 Bl. 9; meine 
Hs. Bl. 123; Pressb. 194 BL 232; Jahrb. 13, 44. Einzeldruck: 
Getruckt zu Zürych bey Rudolff Weyssenbach 1602. 8^ 8 Bl. 
mit Titelholzschnitt (Serapeum 1861, 267); das Lied ist unter- 
zeichnet: Gwer Ritter. Ein 2. Druck: Getruckt zu Bern, bey 
Jacob Stuber, Anno 1634. 8°. 8 Bl. mit Titelholzschnitt, unter- 
zeichnet: Gwehr Ritter (a. a. 0. 267). 
Zu hohem Preis vnd Gottes eer 182. 
Zu lob Gott Vatter, Sohne 127. 
Zu siugen hab ich keinen sin, 
vil lieber wolt ich weinen. 

23 Str. Pressb. 232 Bl. 164. 
Zu singen steet all mein Beger. 
von einer alten geschieht so wunderber. 

29 Str. Sudap. Ab 16 Bl. 14; Brunn 512 Bl. 10; Pressb. 203 
Bl. 501. „Die Geschieht Sodoma und Gomora: Wie Sie Gott 
auß gemacht hat." 
Zu singen steet mir mein begeer 
von ainer Königin wunderber. 

19 Str. Budap. Ab 16 Bl. 189; von B. S. 
Zu singen wil ich heben an 

deß Herren wunderthaten 101, 136, 150. 
Zu singen will ich heben an, 

was vns Esdras der frome Man 183. 
Zway ding o Herr bitt ich von dir, 
die welest du nit wegern mir. 

Das Lied P. Ebers (WKL 4, 8); meine Hs. Bl. 147. 
Zwingt mich vnbill im hertzen mein 183. 



Druck Ton Max Schmersow Torm. Zahn & Baendel, Kirchhain N.-L. 



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