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TKANSFERREU 



HARVARD COLLEGE 
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I THE ClfT OF 

j CHARLES HALL GBANDGENT 

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TRANSFEREED 
TO THE UBRARY OF 



LQirellJIejnprial 



S^ 



Die Lieder 



Peires von Auvergne 



kritisch herausgegeben 



mit Einleitung, Uebersetzung, Kommentar und Glossar 



von 



Rudolf Zenker, 

a. o. Prof. an der Universität Rostock. 



Erlangen. 

VERLAG VON FR. JUNGE. 

1900. 



rTrm;^' 



3hiPr 






HARVARD COLLERE LIBRARY 

GIFT OF 

CHARLES HALL GRANDGENT 

JANUARY 14, 1933 



TRANSFFRRFD TO 
LOWriL i>]LiV;OSIAL LIBRARY 

MAR 3 1933 



K. b. Hof- und Univ.-ßnchdruckerei von Fr. Junge (Jnnge & Sohn) in Erlangen. 



Meiner lieben Mutter. 



Vorwort. 



Dante, der bekanntlich mit der provenzalischen Litteratur wohl 
vertraut war, bemerkt in seiner Schrift ,^Ueber die Volkssprache^ an- 
lässlich eines Vergleiches zwischen den drei romanischen Idiomen, 
welche er unterscheidet — dem Französischen, Provenzalischen und 
Italienischen — : die provenzalische Sprache könne sich rühmen, dass 
in ihr als der „vollkommensten und süssesten" Autoren, die sich der 
Volkssprache bedienten, zuerst gedichtet hätten, „wie z. B. Peire 
von Auvergne und andere ältere Gelehrte"^). 

Der Grund für diese Erwähnung Peires als Vertreters der ältesten 
südfranzösischen Lyrik wird zu erblicken sein in der Angabe der 
provenzalischen Lebensnachricht, Peire habe bis zum Auftreten Gui- 
rauts von Bornelh als der hervorragendste Trobador gegolten; da 
nun in den Handschriften aus damaliger Zeit auf die Biographie des 
Dichters seine Lieder unmittelbar zu folgen pflegen, so ist wohl nicht 
zu bezweifeln, dass Dante Peires Gedichte auch gelesen hatte, und 
diese Thatsache, zusammengenommen mit dem Alter des Dichters — 
er blühte vermutlich etwa seit der Mitte des 12. Jahrhunderts — sowie 
der hohen Wertschätzung, welche ihm nach dem eben citierten Zeugnis 
der provenzalischen Biographie bei Lebzeiten zu teil wurde, dürfte 
wohl geeignet sein, für seine Gedichte von vornherein ein besonderes 
Interesse rege zu machen; dass sie vom ästhetischen Gesichtspunkte 
aus der Mehrzahl nach nicht eben hoch eingeschätzt werden können 
und die moderne litterarische Kritik keineswegs in der Lage ist, jenes 



1) De vülgari eloquentia^ ed. P. Rajna, Florenz 1897, I, c. X, 3: Pro se 
vero argumentatur alia [lingua]^ scilicet oc^ quod vulgares eloquentes in ea 
primitus poetati sunt^ tamquam in perfectiori dulciorique loquela^ ut puta 
Petrus de Alvernia et alii antiquiores doctores. 



II Vorwort. 

zeitgenössische Urteil zu unterschreiben^ mag im übrigen hier gleich 
ansdrttcklich bemerkt werden. 

Wenn ich es nun wage^ mit nachstehender, bereits vor mehr denn 
vier Jahren angekündigter Ausgabe seiner Lieder an die Öffentlichkeit 
zu treten, so thue ich es durchaus in dem Bewusstsein, nur etwas in 
mancher Beziehung recht Unvollkommenes bieten zu können. Es ist 
mir trotz angestrengten Bemühens in vielen Fällen nicht gelungen, 
den Sinn der Texte, welche ich publiziere, zu enträtseln, und in zahl- 
reichen anderen Fällen mache ich mich gefasst, dass die von mir 
vorgeschlagene Auslegung sich als eine irrige erweisen werde. Dieses 
Geständnis wird indes, denke ich, diejenigen nicht allzu sehr über- 
raschen, denen bekannt ist, dass Feire der sogenannten „dunklen 
Manier^, dem „trobar clm^ huldigte, also Dunkelheit des Ausdrucks 
geradezu anstrebte, und dass er selbst von seinen Versen erklärt — 
in der Meinung, etwas Rühmliches von ihnen auszusagen — : „es ver- 
stehe sie beinahe kein Mensch'': 

qu*a penas nulhs om los enten^). 

Denn wenn er sich mit letzterer, in einem Gedichte humoristischen 
Inhalts begegnender Aeusserung natürlich auch einer argen Ueber- 
treibung schuldig macht, so geht aus ihr doch jedenfalls so viel hervor, 
dass das Verständnis von Peires Liedern schon den Zeitgenossen 
Schwierigkeiten bereitete. Da darf ja wohl der moderne Herausgeber 
auf Zubilligung mildernder Umstände rechnen, wenn er sich zu der 
Erklärung genötigt sieht, auch ihm sei darin manches dunkel geblieben, 
und wenn er mit seiner Auslegung bisweilen fehl geht. Trotzdem 
wäre es vielleicht möglich gewesen, in manchen Fällen Befriedigenderes 
zu liefern, hätte ich mich noch länger mit diesen Texten befassen 
und mählig weiteren Stoff für ihre Interpretation herbeischaffen 
wollen. Aber eben dazu fehlte mir die Neigung gänzlich. Es 
war mir im Grunde nur darum zu thun, eine einmal unternommene 



1) Xn 84. Marcabron, Peires Vorbild, bemerkt sogar einmal, er selbst 
würde bisweilen in Verlegenheit sein, wenn er über den Sinn 
seiner «dunklen Worte** Aufklärung geben sollte, und er halte den 
für einen weisen Mann, der su erraten imstande sei, was jedes Wort besagen 
wolle (37, St I, Archiv 33, 340): 

Per savil Unc ses doptansa 

cel qui de tnon chant devina 

80 que chascus motz deelina^ 

8% cum la razos despleia; 

gtt'teu mezeia sui en erransa 

d*e8clarzir paraula escura! 



Vorwort. III 

Sache loszuwerden und die Arme frei zu bekommen für Arbeiten, 
die mir augenblicklich mehr am Herzen liegen als die volle Er-. 
Schliessung von Texten, deren Verständnis und Benutzbarkeit ich nun 
immerhin um ein gutes Stück gefördert zu haben glaube. Ich be- 
kenne, nachdem der kritische Text bereits im ersten Entwurf fertig 
gestellt worden war, noch ernstlich in Erwägung gezogen zu haben, 
ob ich nicht überhaupt besser thue, die mühsame und unendlich zeit- 
raubende Arbeit abzubrechen. Texte zu konstituieren und in allen 
Einzelheiten zu erklären, die vom Dichter absichtlich dunkel gehalten 
worden sind, und bei denen überdies häufig mit der Möglichkeit ge- 
rechnet werden muss, dass sie, schon von den ersten Abschreibern 
nicht verstanden, unheilbar korrumpiert und in der vorliegenden 
Fassung überhaupt nicht mehr verstehbar sind, das ist wahrlich eine 
Aufgabe, die auch eine ausdauernde Philologengeduld auf eine harte 
Probe zu stellen geeignet ist. Wenn ich mich gleichwohl entschloss, 
das einmal Begonnene fortzusetzen und zu vollenden, so waren für 
mich wesentlich zwei Erwägungen massgebend : zunächst der begreif- 
liche Wunsch, die viele Zeit, die ich bereits auf die JSollationierung 
der Handschriften, die Zusammenstellung und Sichtung der Varianten 
und die Ermittelung der Handschriftenstammbäume verwendet hatte, 
nicht gänzlich nutzlos vergeudet zu haben; sodann aber die Ueber- 
zeugung, dass auch eine nicht in jeder Beziehung durchaus ab- 
schliessende Ausgabe provenzalischer Texte allein schon um der Publi- 
kation des gesamten handschriftlichen Materiales willen eine Förderung 
der nur allzu langsam fortschreitenden provenzalischen Studien be- 
deute und bei der geringen Anzahl der vorhandenen kritischen Edi- 
tionen willkommen geheissen zu werden verdiene.. Und so habe ich 
die Arbeit denn zu Ende geführt, aber — in knappster Form und 
unter Beschränkung auf das Notwendigste, 

Das handschriftliche Material habe ich mir, soweit es nicht schon 
gedruckt vorlag, mit geringen Ausnahmen selbst beschafft. Die Hand- 
schriften von Paris habe ich verglichen gelegentlich meines letzten 
Aufenthaltes daselbst im Frühjahr 1892, die von Mailand, Modena, 
Florenz und Rom anlässlich eines Studienaufenthalts in Italien in 
den Jahren 1895/96. Nur die Varianten der damals noch ungedruckten 
ehemaligen Cheltenhamer, jetzigen Berliner Handschrift N^ besorgte 
mir freundlichst Herr Prof. Dr. 0. Schultz -Gor a, die Kollation des 
estensischen Codex zu Gr. 112, 2, die ich entweder seinerzeit zu 
nehmen vergass oder verloren habe, Herr Prof. Dr. M. F ried wagn er ; 
beiden Herren möchte ich auch an dieser Stelle für ihre freund- 
liche Bemühung meinen verbindlichsten Dank aussprechen. 



IV Vorwort. 

Was die Reihenfolge der Lieder betrifft^ so bin ich nach dem 
gleichen Prinzip verfahren^ wie in meiner Ausgabe des Folqnet von 
Romans. Zunächst sind sie auf Grund ihres Inhalts nach Kategorien 
geordnet. Unter I stelle ich zusammen die Minnelieder sowie alle 
Lieder, welche auf das gleiche Thema irgendwie Bezug nehmen, unter 
n die Sirventese politischen, persönlichen, satirischen und morali- 
sierenden Inhaltes, unter III die geistlichen Gedichte. No. UI ist 
seinem wesentlichen Inhalte nach unzweifelhaft ein Sirventes und wäre 
als solches unter II einzureihen gewesen; da aber derSchluss lebhaft 
an I und 11 anklingt, somit wohl die gleiche Beziehung hat, das Lied 
also aus dem Kreise der Sirventese heraustritt und, wie es scheint, 
chronologisch mit I und II zusammengehört, so habe ich es unter I 
eingereiht und mit jenen beiden anderen Liedern zusammengestellt. 

Die so getroffene Anordnung ist nun, was Kategorie I in ihrem 
Verhältnis zu III und auch was Kategorie 11^ mit Ausnahme vielleicht 
von no. XIII, in ihrem Verhältnis zu III betrifft, zugleich eine chrono- 
logische, denn sowohl die unter I als die unter II vereinigten Lieder, 
eventuell mit der genannten Ausnahme, sind unzweifelhaft älteren 
Ursprungs als die unter III stehenden. Dagegen lässt sich über das 
chronologische Verhältnis der Mehrzahl der Lieder von Kategorie I 
zu denen von Kategorie II gar nichts aussagen. 

Innerhalb der einzelnen Kategorien wurde nun wieder eine chrono- 
logische Ordnung angestrebt, die freilich teilweise nur eine rein 
hypothetische sein konnte. Die Reihenfolge von I— VII gründet sich 
teils auf die Annahme, dass alle diese Gedichte die gleiche Beziehung 
haben, was aber eine blosse Möglichkeit bleibt, teils ist sie, in Er- 
mangelung jedes Anhaltspunktes, eine ganz willkürliche; VIII folgt, 
weil es andere Beziehung haben muss, IX, die Romanze, als einziges 
Beispiel dieser Gattung, macht den Beschluss. 

No. X, XI, XII, XIV sind sicher oder — XII in seinem Ver- 
hältnis zu XIV — aller Wahrscheinlichkeit nach chronologisch geordnet; 
dagegen musste XIII, das sich gar nicht datieren lässt, wieder ziem- 
lich willkürlich eingereiht werden auf Grund der Vermutung, dass es 
aus des Dichters späterer Lebenszeit, doch, nicht seiner letzten stamme. 

Was endlich Kategorie III anlangt, so ist XV sehr wahrscheinlich 
älter als XVI— XIX, diese vier Lieder aber, weil zu genauerer 
Datierung keinen Anhalt bietend, mussten wieder ohne festes Prinzip 
geordnet werden. 

Die unechten Lieder, d. h. diejenigen, die einzelne Handschriften 
fälschlich oder doch mutmasslich fälschlich Peire von Auvergne zu- 
schreiben, lasse ich als Anhang folgen. Wenn ich auch prinzipiell 



Vorwort. V 

natürlich P. Meyer beistimme, der Romania 10, 267 erklärt, unecbte 
Gedichte hätten, sobald sie als solche erwiesen seien, in den Ausgaben 
der Trobadors nichts zu thun, so glaube ich doch, man wird vom prak- 
tischen Standpunkt aus ebenso sehr Appel recht geben müssen, der 
Peire Rogier S. III meint, bis zu dem Zeitpunkte, wo solche Gedichte 
in Publikationen der Trobadors, denen sie angehören, erscheinen 
würden — einem für manche wohl noch recht fernen Zeitpunkt — , 
werde ihre vorläufige Mitteilung vielen willkommen sein, und der 
dann die Frage aufwirft, wo wohl Gedichte, deren Verfasser sich 
überhaupt nicht ermitteln lässt — wie im vorliegenden Anhange 
Gr. 112, 2; 323, 22; 175, \ (hier wenigstens nicht mit Sicherheit) — 
einmal ihren Platz finden sollten. Dass Gedichte, deren Unechtheit 
nicht ausser Zweifel ist, wie die Tenzone Gr. 323, 4, Aufnahme finden 
mussten, versteht sich von selbst. 

Auch hinsichtlich der Orthographie bin ich ebenso verfahren wie 
in meiner Ausgabe des Folquet von Romaus: ich lege C zu Grunde 
und gebe, wo dieses nicht zur Verfügung steht, die Handschrift an, 
der ich folge. Uniformiert wurden nur die dort S. VII verzeichneten 
Schreibungen. 

Aus einer Durchsicht der Reime ergab sich, dass, wo die Hand- 
schriften Verstösse gegen die Flexionsregel aufweisen, sich fast 
überall die regelmässigen Formen einführen lassen; eine Ausnahme 
scheinen nur VII 7: Li sordeior e*il savais (für savai) und XIII 47: 
Sera ben pros om malvatz lec (für lecs) zu bilden. Indessen Hesse sich 
an ersterer Stelle zur Not doch Lo sordeier e'il savais lesen, und 
XIII ist nur in der einen, oft inkorrekten Handschrift C aufbewahrt, 
so dass auch hier fehlerhafte Ueberlieferung vorliegen könnte. Somit 
sind Verstösse des Dichters gegen die Deklinationsregel nicht ge- 
sichert, in jedem Falle begegnen sie nur ganz vereinzelt, und ich 
glaubte denn unter diesen Umständen kein Bedenken tragen zu sollen, 
da, wo die Handschriften die unregelmässigen Formen bieten, die 
regelmässigen herzustellen. 

Den echten Liedern habe ich eine möglichst wortgetreue Ueber- 
Setzung beigegeben, einmal, um über meine Auffassung nirgends einen 
Zweifel zu lassen und es der Kritik zu ermöglichen, mich da, wo 
ich unrichtig verstanden habe, eines besseren zu belehren; sodann, 
weil ich es im Interesse eines vergleichenden Betriebes der mittel- 
alterlichen Litteraturgeschichte für dringend wünschenswert halte, 
dass provenzalische Textausgaben auch Germanisten und Romanisten, 
welche sich mit dem Provenzalischen nicht eingehender befasst haben, 
leicht zugänglich seien; bei der grossen Schwierigkeit der proven- 



VI Vorwort. 

zalisclieii Sprache dürften aber Ausgaben von Texten, deren Ver- 
ständnis nicht durch eine beigefügte Uebersetzung erleichtert ist, be- 
sonders wenn es sich um Gedichte im „dunklen'' Stile handelt, kaum 
darauf rechnen können, ausserhalb des engeren Kreises der Proven- 
zalisten Beachtung und Verwertung zu finden. 

Da Feire zu den ältesten uns bekannten provenzalischen Troba- 
dors gehört, so hätte es nahe gelegen, etwas weiter auszuholen 
und, wie Suchier in seinem Artikel über Marcabrun, Jahrb. 
14, 300 ff., gethan, auch ein Wort über die Anfänge der provenza- 
lischen Lyrik zu sagen. Wenn ich davon Umgang nahm, so geschah 
es wieder aus einem doppelten Grunde: einmal glaube ich, dass alle 
diesbezüglichen Erörterungen sich so lange auf schwankendem Grunde 
bewegen, als nicht die ältesten Dichter in zuverlässigen, kritischen 
Ausgaben vorliegen; sodann aber bin ich der Ansicht — ich kann 
nicht umhin, es einmal auszusprechen — , dass bei einer Untersuchung 
über den Ursprung der provenzalischen Lyrik die Frage nicht un- 
erörtert gelassen werden darf, ob nicht zwischen der ältesten pro- 
venzalischen Lyrik und der schon im 10. und 11. Jahrhundert in voller 
Blüte befindlichen spanisch-arabischen Lyrik irgend welche Beziehungen 
bestehen ^). Da mir nun die arabischen Quellen völlig verschlossen sind 
— das populär geschriebene Werk des Grafen von Schack genügt 
als Basis für wissenschaftliche Untersuchungen natürlich nicht — , 
so glaubte ich die ganze Frage als ein noli me längere betrachten zu 
sollen. An den Ursprung der provenzalischen Lyrik aus einer auto- 
chthonen „Volkspoesie" glaube ich nicht. Es gibt gar nichts Unvolks- 
mässigeres als die Grandseigneurlyrik des ältesten bekannten Trobadors, 
des Grafen Wilhelm IX. von Poitiers, und die moralisierende, in 
dunklen Metaphern und schweren Reimen sich bewegende Poesie von 
Peires von Auvergne unmittelbarem Vorgänger Marcabrun. 

Ich verzeichne zum Schluss die Stellen, an denen bisher über 
Peire von Auvergne vornehmlich gehandelt wurde: 

Nostradamus S. 162*, Uebersetzung desselben von Crescimbeni, 
Rom 1722, S. 121; Millot, Bist. litt, des troub., Paris 1774, II, 15; Barbieri, 
DelV origine della poesia rimata^ pubbl. da Tiraboschi, Modena 1790, S. 34, 
95, 179; Eist, litt, de la France 25, 114 (Victor le Clerc); Fauriel, Bist, 
de la poisie prov, II, 9; Diez, Leben und Werke \ S. 60—66; Restori, Lett. 
prov. S. 64. 

Rostock, im April 1900. Rudolf Zenker. 

1) Einen gewissen culturollen Einfiuss Spaniens auf Frankreich nimmt an 
Marcabrun (erste Hälfte 12. Jh.), wenn er Gr. 293, 39, Str. III meint, „der Baum 
der Sittenlosigkeit habe sich von jenseits der Pyrenäen bis nach Frank- 
reich und Poitou ausgedehnt**. 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

EinleituDg« 

Peires litterarischer Nachlass 1 

Peires Leben 16 

Peires Lieder ♦ . . . 40 

Metrisches 66 

Reihenfolge der Gedichte in den Handschriften 78 

Texte. 

Die provenzalische Lebensnachricht 79 

Lieder. 

L Liebeslieder und Verwandtes 81 

II. Sirventese politischen, persönlichen, satirischen und morali- 
sierenden Inhalts 107 

III. Geistliche Lieder 121 

Anhang: Unechte Gedichte. 

Gr. 323, 4. Tenzone zwischen „Peire" und Bernart von Ventadorn, 

mutmasslich unecht 139 

Gr. 323, 5. Moralisierendes Sirventes; Verfasser Bernart von 

Venzac 141 

Gr. 323, 6. Moralisierendes Sirventes; Verfasser Bemart von 

Venzac ....'. 144 

Gr. 323, 22. Krenzlied von unbekanntem Verfasser 147 

Gr. 112, 2. Canzone; Verfasser noch nicht ermittelt 149 



VIII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Gr. 17Ö, 1. Geistliches Lied (Gebet); Verfasser Arnaut Gatalan? 

(oder Geneys?) 152 

Uebersetzung 155 

Anmerkungen 176 

Tabelle der Reime i 221 

Glossar 231 

Verzeichnis der Namen 264 

Alphabetisches Verzeichnis der Gedichte 266 



Verzeichnis der benutzten Litteratur. 



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A. Thomas, seit 1889. 

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A. Restori, Letteratura provenzale, Mailand 1891 (Manuali Hoeplt). 

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F. W. Schirrmacher, Geschichte von Spanien, IV, Gotha 1881. 

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R. Zenker, Die provenzälische Tenzone, Halle 1888. 

— „ — Die Gedichte des Folquet von Bomans, Halle 1896 {Born. Bibl. XII). 



Einleitung. 



Peires litterarischer Naehlass. 

Bevor über Peires Leben gehandelt werden kann, gilt es zunächst, 
den Umfang seiner dichterischen Hinterlassenschaft festzustellen und 
bei denjenigen Liedern, gegen deren Echtheit sich Bedenken erheben, 
die Authenticität der handschriftlichen Attribntion zu prüfen; bilden 
doch eben die Lieder des Dichters neben der knappen provenzalischen 
Biographie unsere Hauptquelle für die Kenntnis seiner Lebensschicksale. 

Unter den vierundzwanzig Stücken, welche Bartsch im Orundriss, 
Verz. 323 dem Peire d'Alvernhe zuschreibt, sind nur vier, bei denen 
die Handschriften bezüglich der Attribution auseinandergehen. Es 
nennen nämlich als Verfasser für 

Gr. 323, 1 : Abans queül blanc poi sian vert A B D E I K N N* T so- 
wie das Register von C Peire d'Alvernhe, D® Peire 
Rogier, CQRa Guiraut de Bornelh; 
4: Amics Bemartz de Ventadom E GL Peire (L: en Peire) 
schlechthin ^) und B. d. V., A D I K in der Ueberschrift 
Peirol, im Texte aber gleichfalls Peire, W in der Ueber- 
schrift Peire Vidal, im Texte — das eine Mal, wo der 
Name hier vorkommt — Perrot; 
5: Bela m'es la flors d'aiguilen ABDEIKNN^ Peire d'Al- 
vernhe, C Marcabrun, Register von C und R Bernart 
Marti; 
6 : Bei m'es dous chans per la faja A D E I K N Peire d'Alv., 
C Bemart de Venzac. 



1 ) Nicht, wie mnn nach Bartsch annehmen muss, Peire d'Alvernhe. 

Zenker, Peire von Auvergne. 1 



2 R. Zenker 

Welche Handschriften sind hier jeweils im Rechte ? 

Was zunächst Gr. 323, 1 betrifiFt, so hat dieses Lied schon Gröber, 
Bom. Stud. II (1875—77), 385 auf Grund des Filiationsverhältnisses der 
Handschriften dem Peire abgesprochen und dejn Guiraut von Bornelh 
zugeteilt. Wie Gröber nämlich nachweist, gehen sämtliche Hand- 
schriften, welche die Attribution Peire d'Alvernhe bieten, auf eine ge- 
meinsame Quelle zurück, die wiederum auf einer Vorlage beruht, aus 
welcher auch Q und a geschöpft haben und diese Vorlage hat ihrer- 
seiti» die Quelle von G R benutzt; da nun Q a und C R übereinstimmend 
die Attribution Guiraut de Bornelh aufweisen, so ist es klar, dass 
diese die ursprüngliche sein muss und die Attribution Peire d'Alvernhe 
nur einen in der gemeinsamen Quelle der betreffenden Handschriften 
entstandenen Fehler darstellt. Was D®, das Florilegio des Ferrari be- 
trifft, so gehört dies, wie Gröber a. a. 0. S. 625 zeigt, gleichfalls zur 
Gruppe ABD etc. und die abweichende Attribution Peire Rogier 
erklärt sich vermutlich aus dem Umstände, dass in D® die Ge- 
dichte des Peire Rogier denen des Peire d^Alvernhe unmittelbar 
vorausgehen. 

Diese, auf die allgemeinen Beziehungen der Handschriften sich 

stützende Argumentation Gröbers wird vollkommen bestätigt durch 

einen dem fraglichen Gedicht selbst zu entnehmenden Grund, durch 

ein Moment metrischer Art. Das Schema des Liedes ist nämlich das 

folgende: 

8a 7b' 8c 7d' 8e 8f 8e. 

Es läuft also auf 6 Reimen. Von den uns erhaltenen Liedern, 
welche dem Peire von Auvergue mit ziemlicher Sicherheit zuge- 
schrieben werden dürfen, weist nun aber keines mehr als 5 ver- 
schiedene Reime auf. Dagegen finden sich 6 und mehr Reime sehr 
häufig bei Guiraut von Bornelh. Von den uns erhaltenen 80 Gedichten 
des letzteren (vgl. Kolsen, Guiraut von Bornelh S. 14) haben nicht 
weniger als 18 genau 6 Reime und über 6 Reime begegnen in 25 
Liedern. Ausserdem findet sich genau die gleiche Reimfolge a b c d e f 
bei Guiraut viermal, nämlich Gr. 242, 10 (Schema: a b' c de f d d), 
25 (a b c d e f c c), 29 (a b c d e f g h h) und 63 (a b c d e' f f g g 
h g h i g h). Die Autorschaft Guirauts für Gr. 323, 1 darf somit als 
vollkommen gesichert gelten. 

Die Tenzone Gr. 323, 4 sodann wird, wie wir sahen, in keiner 
der Handschriften, die sie überliefern, dem Peire d^Alvernhe zuge- 
teilt; wenn Bartsch sie unter dessen Gedichte einreiht, so liegt ent- 
weder ein Versehen oder eine blosse Vermutung seinerseits vor. Wenn 
deshalb Gröber a. a. 0. S. 440 meint, dafür, dass der Fehler auf der 



Peire von Auvergne 3 

Seite von A D I K liege — also für Peire d^Alvernhes Autorschaft — 
spreche die Verwandtschaft dieser Handschriften und die Unerv^eislich- 
keit eines Zusammenhanges zwischen der Quelle des betreffenden 
Teiles von L (f. 14—99), E und dem ersten Teile von G (f. 1—100), 
so fällt diese Argumentation zunächst nur gegen die Autorschaft 
Peirols und für die eines gewissen Peire, nicht aber für die Peire 
d'Aivernhes ins Gewicht. Das Gleiche gilt von meinen Aus- 
führungen Provenzalische Tenzone, Leipzig 1888, S. 83, wo ich auf 
Grund inhaltlicher, zum Teil wörtlicher Uebereinstimmung zwischen 
der Tenzone und Bernarts Liede Bels Monruels, alcel que*s pari devos 
{M. W, I, 18) erstere in die Zeit kurz vor 1153 glaubte setzen und 
somit dem Peirol ab-, dem Peire d'Alvernhe aber zusprechen zu können, 
insofern jener nach Diezens, von Chabaneau, Blogr.des Troub.^App. 
im wesentlichen acceptierter Datierung erst 1180—1225 (Chab.: 1120) — 
nach Jeanroy,^nw.dMil//d/ 11, 21 sogar erst seit ca. 1185^) — dichterisch 
thätig gewesen ist 2). Peirols Autorschaft dürfte in der That jetzt über- 
haupt nicht mehr in Betracht kommen, nachdem sich herausgestellt hat, 
dass auch die Handschriften, welche ihn in der Ueberschrift als Inter- 
lokutor nennen, im Texte selbst ausschliesslich ^Peire^ haben. Ob nun 
dieser Peire identisch ist mit Peire von Auvergne, das wird unent- 
schieden bleiben müssen. Inhalt, Sprache und Metrum des Gedichtes 
bieten, soweit ich sehe, keinerlei Anhaltspunkte, um die Frage zu 
entscheiden. Bei der ausserordentlichen Häufigkeit des Namens und 
der grossen Zahl der uns bekannten Trobadors, die ihn getragen 
haben, müssten offenbar, wenn wir das Gedicht gerade für Peire von 
Auvergne in Anspruch nehmen wollten, besondere Gründe für seine 
Autorschaft beigebracht werden; solche vermochte ich aber nicht aus- 
findig zu machen — und gegen dieselbe könnte vielleicht angeführt 
werden, dass Peire von Auvergne sonst an Tenzonen nicht beteiligt 
erscheint und dass die Ausdrucksweise in den dem „Peire^ zugehörigen 



1) Peirols ältestes datierbares Gedicht, Gr. 366,29, stammt aus den Jahren 
1189—90, vgl. Jeanroy a. a. 0. S. 20. 

2) Die Richtigkeit obiger Datierung der Tenzone scheint mir jetzt durch- 
aus zweifelhaft, insofern sie steht und fällt mit H. Bischoffs Datierung des 
Bemartschen Liedes Gr. 70, 19: Estat ai cum hom esperdutz, Biogr. des Troüb, 
Bernart v. Vent S. 53, welche sehr der Nachprüfung bedarf, wie denn auch 
Jeanroy a. a. 0. S. 15 die von Bischoff aufgestellte Chronologie der Werke 
Bernarts als „rien moins qu'assuree^ bezeichnet und es für wahrscheinlich er- 
klärt, dass die in Rede steheude Tenzone vielmehr aus Bernarts späterer Lebens- 
zeit stammt. 

1* 



4 H. Zenker 

Strophen^ wie mir scheint, in keiner Weise an die des ersteren erinnert; 
immerhin wäre seine Autorschaft möglich, ich halte sie aber für wenig 
wahrscheinlich. 

Es empfiehlt sich, vor Gr. 323, 5 nunmehr 323, 6 zu besprechen. 
Dieses Gedicht wird, wie bemerkt, gegenüber A D E I K N, welche 
Peire d'Alvernhe als Verfasser nennen, von C dem Bernart deVenzac 
zugeteilt. Die Lieder des letzteren stehen in Cin folgender Reihenfolge: 

1. Ivems vai el temps tenebros. 

2. Pos vei lo temps fer frevoluc. 

3. Lanquan cor la dotissa bia. 

4. (= Gr. 323, 6) Bei m*es dous chans per la faja. 

5. Bei ivies quan s'azomhral treilla. 

6. Lo pair^ el filh el sant espiritaL 

3 wird in A, 5 in A I K d dem Marcabrun zugeschrieben, beide 
stehen in A unmittelbar nacheinander unter Marcabruns Gedichten. 
Suchier, Der Troubadour Marcabrun, Jahrb. 14 (N. F. II), 137 meint 
nun, für no, 4 scheine ihm die Autorschaft Peires hinreichend bezeugt 
— sechs Handschriften gegen eine! — und er folgert hieraus, dass 
auch 3 und 5 nicht, wie C will, von Bernart von Venzac herrühren, 
sondern von Marcabrun, denn das Schicksal von 3 und 5 könne nicht 
von dem von 4 getrennt werden, d. h. wenn A I K C gegenüber bei 4 
im Rechte seien, so müsse angenommen werden, dass auch bei 3 und 5 
die Attribution von A, bezw. von A I K d, richtig, die von C falsch sei. 
Diese Schlussfolgerung ist indessen nicht stichhaltig. Alle jene sechs 
Handschriften, A D E I K N, gehen, wie Gröber a. a. 0. seitdem nach- 
gewiesen (vgl. S. 2), auf die gleiche Quelle zurück. Die Zahl der Attri- 
butionen ist also in diesem Falle gänzlich irrelevant und das Zeugnis 
der einen Handschrift C steht dem der übrigen sechs gleichwertig gegen- 
über. Sodann spricht bei 3 (Gr. 293,27) gegen die Urheberschaft 
Marcabruns, also für die Richtigkeit der von C gebotenen Attribution 
ein von Suchier nicht beachtetes sprachliches Moment, nämlich der 
durch den Reim gesicherte Schwund des intervokalischen s nach i. 
In dem Gedichte werden im Reim gebunden: 

bia {bisa) : via (via) : chastia (castigat) : fia (ßdaf) : guia (wtsa) : 
paria (* paria) : embria (* imbrlgat). 

Nun ist Bernarts Heimatsort Venzac, wie Chabaneau, Biogr., App. 
annimmt, jedenfalls identisch mit dem Orte gleichen Namens in 
der Rouergue, D6p. Aveyron, und eben hier begegnet die in Rede 
stehende Lauterscheinung. Ich finde in dem Livre de r^pervier, 
p. p. L. Constans, Montpellier u. Paris 1882 {SocietS pour Vl&tude des 
langues romanes 11), welches in reinem Rouergatisch geschriebene Ur- 



Peire von Auvergne 5 

künden ans der Mitte des 14. Jahrhunderts enthält, die Formen mayo 
{maiso) p. 31, Z. 34, p. 153, Z. 289 \i.'6,\gleya, gleia{gleisd)p. 144, Z. 10, 
p. 163, Z. 2 u. ö. F. Mistral, Tresor dou Felibrige s. v. biso bezeichnet 
die Form bijoy für gemeinprovenzalisch bisoy ausdrücklich als rouer- 
gatisch und J. Aimeric, Le dialecte rouergat, Zs. f. rom. Phil, 3,341 
führt als Beispiele für den Schwund des intervokalischen 8 im 
modernen Patois an die Formen biasso (bisaccia)^ comiö {camisia), 
cerieio (ceraesia), priü (fr. prison). 

Demgegenüber scheidet Marcabrun im Reim streng zwischen ia 
und isa: er bindet: 

Gr. 293, 10 (Jahrb. 14, 158) : sofria : Maria : sia : sia. 

11 (M, 6, 221): conquiza : biza : assiza : reviza : briza : 
viza (pt. pf.) : deviza : Piza : camiza : guiza : guiza : 
camiza. 
18 {Archiv 33, 336): brisa : guisa : aprisa : devisa. 

24 {Archiv 33, 334) : mia : crezia : seria : volia : bauzia. 

25 {M, G. 506) : atnia : traslia : matinia (Hds. matinada) : 

companhia : fia : via : dia : fellonia : Elia : vestia 

(pt. pf.) : atnia ifraia : folhia : embria. 
28 (Appel, Inedita S. 191): conquiza : guiza : assiza : entre- 

miza : empriza : enquiza : viza. 
30 (Bartsch, Chrest. * 51 ) : pia : via : companhia :paria : bestia 

sia : folia : parelharia : estia : bailia, 
44 {Archiv 33, 341) : fia : cuiailria (sie) : tricharia : lia : 

bestia : entendia : putaria : bocharia. 
Danach darf es wohl als so gut wie gewiss betrachtet werden, 
dass 293, 27 nicht von Marcabrun, sondern von Bernart von Venzac 
herrührt. Hat nun aber hier, bei no. 3 der obigen Reihe, C die 
richtige Attribution und ist A im Irrtum, so werden wir, im umge- 
kehrten Sinne wie Suchier argumentierend, urteilen, dass das Gleiche 
gelten werde bezüglich no. 4 und 5, dass also Gr. 323, 6 aller Wahr- 
scheinlichkeit nach nicht, wie ADEIKN angeben, von Peire von Auvergne, 
sondern von Bernart von Venzac verfasst ist. Eben dafür kann ich 
nun auch noch einen inhaltlichen Grund ins Feld führen. In zweien 
nämlich von den vier Gedichteo, welche wir dem Bernart mit ziem- 
licher Sicherheit zuschreiben dürfen, Gr. 71, 1—3 und dem eben be- 
sprochenen, Gr. 293, 27, fordert der Dichter zum Schluss den Adressaten, 
einen Grafen Hugo — wahrscheinlich Hugo II. von Rhodez, 1156—95, 
vgl. Suchier a. a. 0. S. 281 — auf, den „Vers" zu verbessern, Worte, 
die ihm etwa nicht gefallen sollten, motz /als, aus dem Texte zu ent- 
fernen : 



6 R. Zenker 

Gr. 71, 1 (Appel, Inedifa S. 52), V. 50— 53: 

Del vers es prop la fenizos; 

prec que-l mot fals en sian ras 

pel comte n'Uc en qui es dos; 

und Gr. 71, 3 (ib. S. 54), V.57— 60: 

Lo vers reeipia*! coms Uc 

en sa cort ab sa companha; 

e se'ya mot que no'y tanha, 

mova lo*n, e prec que lo'y gens. 

Zwar nicht eine entsprechende Bitte, wohl aber eine Erwähnung 
der fals motz, die möglicherweise in dem Liede enthalten sein könnten 
(genau verstehe ich die betreffende Stelle nicht: der Sinn scheint zu 
sein, dass er sich wundern würde, wenn ein „falsches Wort" in dem 
Gedicht enthalten wäre), findet sich auch in einem dritten Gedichte 
Bemarts, 293, 27 (Jf. G, 804), hier aber nicht am Schluss, sondern in 
der ersten Strophe: 

Lanquan cor la doussa bia 

e*l gens terminis m'aonda, 

vuoill que mos chans no s^esconda 

et auia'l om loing e pres; 

e teing m' a gran meravilla 

si que chantar en [ren?] confes, 

si nuills fals motz i roilla. 

Mit genau der gleichen Aufforderung wie 71, 1 und 3 schliesst 
nun auch Gr. 323, 6, welches an einen weder bei Peire von Auvergne 
noch bei Bernart sonst erwähnten Vizgrafen Isnart gerichtet ist, und 
wie in 71, 1 und 293, 27 werden die fals motz erwähnt, V. 50-59: 

Lo vers vas la fin s'atraia 

e*lh mot sion entendut 

per n'Jsart cui dieus aiut, 

quez el ama en autum; 

se*i a mot que no s'eschaia, 

volh que Ten mova, si'l plai, 

e que non li tenha nee. 

Lo vescoms que gran ben aia 

vuelh que lo'm melhur, si'l plai, 

lo vers, si fals motz lo soc. 

Dagegen findet sich eine ähnliche Aufforderung bei Peire von 
Auvergne nirgends. 

Und so sind wir denn, denke ich, berechtigt, fttr das Lied Gr, 323, 6: 
Bei m^es dous chans per la faja die Attribution der Handschriften 



Peire von Auvergne 7 

ADEIKN zu verwerfen und es mit C dem Bernart von Venzac zu- 
zuweisen. 

Gr. 323, 5, das wir vorhin überschlugen, wird, wie bemerkt, dem 
Peire d'Alvernhe zugeschrieben in ABDEIKNN*. Da nun eben diese 
Handschriften 323,1, ADEIKN aber ausserdem, wie eben gezeigt, 
323, 6, unserem Dichter fälschlich zuteilen, so ist ihr Zeugnis offenbar 
auch, was 323, 5 angeht, von vornherein in hohem Grade verdächtig. 
In der That lassen sich denn auch eine Reihe positiver Gründe dafttr 
geltend machen, dass die genannten Handschriften hier gleichfalls irren, 
nicht minder freilich diesmal C, wo Marcabrun, sowie das Register von 
C und R, wo Bernart Marti als Verfasser genannt wird, und dass 
323, 5 ebenso wie 323, 6 vielmehr von Bernart von Venzac herrührt. 
Die Gründe sind die folgenden: 

1. Der Schluss des Gedichtes lautet (Jf. G, 1317): 

Str. VIII. Aissi vai lo vers definen 

et ieu, que no*l puesc far lonjor; 
que*l mals mi ten ab lo türmen, 
qne m'a mes an tan gran languor 
qu' ieu no sni drutz ni no m'en fenh 
ni nuls jois d'amor no m'esjau. 

Non er mais drutz ni drutz no*s fenh 
l'ospitars, ni jois non Pesjau. 

Dieser Schluss erinnert aufs lebhafteste an den von Gr. 293, 27, 
für welches Gedicht soeben die Autorschaft Bernarts von Venzac, wie 
ich denke, so ziemlich zur Gewissheit erhoben wurde, indem nämlich 
der Dichter auch hier in der letzten Strophe ausdrücklich hervorhebt, 
dass sein Lied nun zu Ende gehe und dann der Krankheit Erwähnung 
thut, die ihn quält: 

Str. VII. Vas la fenida s'embria 

lo vers, s'es qui'l chant ni4 gronda, 

ditz c'amors es desironda, 

que tost fai son par confes; 

qand ve a la sofrachilla, 

tals compains Testai de pres 

per que sovens s'estendilla. 

Lo mal que sovens m'estrilla 
non agra ia, si*m crezes; 
tort aura sMll m'en corilla. 

Die ausdrückliche Angabe, dass der Vers nun zu Ende gehe, 
findet sich ausserdem noch in zweien von den fünf Liedern des Bernart 
von Venzac, nämlich in den oben schon citierten Schlussstrophen von 
Gr. 71, 1 und 326, 6, dagegen nie bei Marcabrun und Bernart Marti und 



8 R. Zenker 

nnr einmal bei Peire v. Auvergne, X, 36, hier aber wiederum in 
etwas abweichender Fassung: Bemart sagt: Das Ende des Verses 
ist nahe, oder: Der Vers geht zn Ende, oder: Er bewegt sich auf das 
Ende zu — die gleiche Wendung haben wir in dem vorliegenden Ge- 
dichte — , dagegen Peire: Sänger, ich beendige Euch den Vers. 

2. Wie 6r. 323, 5 in der Tomada in der letzten Zeile die Schluss- 
zeile der letzten vollen Strophe in geringer Modifikation wiederholt 
wird, vgl. oben unter 1 {Ni nuls jois (Tamor no m^esjau ,.. ni jois non 
re8jau\ ebenso bei Bernart 71, 1: 

• . totz los vensa e ' Is trebalh 

qae*l camps per el sia retengutz. 

Seguros ses espaventalh 

vuelh fassam d'elhs tal esparpalh 

qua sia'l camps per nos retengutz; 

und desgleichen Bernart 3 {Choix IV, 433), Str. IV : 

Ans ab gran gaug nos men en la sn'alba. 

Belh'estela d'Orien, dieu vos sal. 

Tug preguem dieu que nos don bon ostal 

en paradis, on es clars jorns et alba. 

3. Die Worte gruec und vermelhy Z. 6: 

£ son de flors cubert li renh, 
gruec e vermelh e vert e blau 

begegnen bei P. d'A. in seinen zahlreichen Landsehaftsbildern nicht, 
dagegen, gleichfalls verbunden, bei Bernart, 293, 12 {Archiv 33, 338), Z, 6 : 

E son li prat groc e vermeil. 

4. Der gleiche bittere, weltschmerzliche Ton, der in 323, 5 
herrscht, ist charakteristisch fftr die Lieder Bernarts; wir finden bei 
ihm dieselben Klagen über die Verderbtheit der Zeit, über Habgier 
und Geiz, über die Ehemänner, die anderen ihre Frauen abspenstig 
machen und die eigenen streng behüten, desgleichen die in dem Liede 
ausgesprochene Anschauung, dass durch buhlerischen Verkehr eine 
schlechte, von niedrigen Trieben beherrschte Nachkommenschaft erzeugt 
werde. Vgl.] Bemart von Venzac Gr. 71, 1 Str. VI und VII (Appel, 
Ined.S.bO): 

Propchan si vai lo jorns iros, 
qne*l mons es treballatz e las, 
ples d'enjan, fals e envejos, 
e digz e fagz toniatz atras .... 



Peire von Auvergne 9 

Meyns an fe Tenfant que-ls pairos, 
tant quant a mais en .VI. d'an as, 
e tu, segles qu'iest reire nos, 
ja non venhas, si aissi vas ....') 

Vgl. sodann besonders zu Str. II — V unseres Gedichtes Bernart v. V. 3, 
Str. VI (a. a. 0. S. 54) : 

Maritz drutz, qu'autruy con bezuc 

dal sieu, fai lo trieu d'Espanha, 

et es li'n avols mesolanha, 
si per un colp ne pren trezens; 
qu'e luy suefre e snfrens 

si nos n'irays; 
ben sembla, que pels antruys bays 

fassa dels sieas eys sufrensa. 

und zu Str. VI ebenda Str. III: 

No'm pnesc pessar on sol m^aluc, 

que ves totas partz vey fanha, 

Dl conosc que bes remanha 
qui'l ditz entre malvaisas gens; 
quar de peccat creys lur semens 

e fan lur fays: 
l'ns pren boscx e plas, e quer mays, 

que nueg e jorn no s'alcnsa. 

sowie auch Gr. 293, 27 Str. VI {M. O. 804) : 

Aquest pareills fai paria 

don nais semensa no monda . . 

Peire von Auvergne äussert sich in no.XIlI allerdings auch in bitteren 
Worten über die Schlechtigkeit der Zeit, aber seine Klagen sind 
weniger speziell gehalten als die des Verfassers von 323, 5: sie be- 
treffen den Niedergang des pretz im allgemeinen, das Gebaren der 
puta gens fradelha^ der malvatz, der fals e fatz filhs cP avols paires] 
besonders finden sich bei ihm irgendwelche Aeusserungen, die Str. II— V 
entsprächen, nicht. Von Bernart Marti haben wir zwei Schmähgedichte, 
Gr. 63, 2 {M. G, 755) und 7 (A p p e 1 , Inedita S. 32), welche aber beide 



1) „Nahe ist der jüngste Tag, denn die Welt ist gequält und müde, 
voll von Trug, Falschheit und Habgier, in Worten und Thaten im Niedergange 
. . . Weniger Glauben haben die Kinder als die Väter, in dem Masse, als 
6 mehr ist als ein As; und du, Zeit [oder: Welt], die du in unserem Rücken 
harrst, mögest du nimmer kommen, wenn du's also treibst!" Eigentümlich trübe, 
pessimistische Klänge in dieser „Frühzeit** provenzalischer Lyrik, die die 
landläufige Vorstellung sich derartigen Empfindungen kaum zugänglich zu 
denken pflegt. 



10 R. Zenker 

ganz anderen Inhaltes sind: in dem crsteren schilt er auf die ver- 
logenen Spielleate^ die fttr ihre Lügen reichlichen Lohn einheimaen, 
vgl, Str. IH: 

Seih qui plus gent aap mentir 

es ben segnrs de garnir 

d'escarlat ab vert vestir 

et esperos ab sotlar; 

mai lor vey deniers offrir 

que a negun del antar. 

und Gr. 63, 7 führt den Gedanken aus, dass in der Welt nur der etwas 
gelte, der es verstehe. Schätze anzuhäufen, und dass er, der diese 
Fähigkeit nicht besitze, als armer Teufel missachtet werde; vgl. V. 5: 

trobat m'an nesci e fadelh, 
qnar no sai aver aiustar. 
V.25: 

Greu er nulhs hom aperceubutz 
qui non a mas se a mandar; 
si's savis, er per folh tengutz, 
8i*n aver ncl ve hom poiar . . . 

Nur gegen Marcabruns Autorschaft kann das in Rede stehende 
Moment nicht ins Feld geführt werden, da sich bei ihm allerdings 
ganz ähnliche Aeusserungen finden, z. B. Gr. 293, 5 Str. V {M. 6. 307) : 

Tals cuid' esser ben gardaire 
de la Boa e de Tautrui laire . ., 

ferner 11, Str. V u. VI (itf. G. 221). 

5. Str. VII (ev. VII und VIII) mit ihrer religiösen Färbung findet 
ihre Entsprechung in Bernarts v. V. schöner geistlicher Alba Gr. 71, 2: 
Lo pair' el filh el sant esperital (Choix IV, 432), deren Scbluss oben 
unter 2 schon citiert wurde. Wie Maria hier angeredet wird als 
BeW estela (TOrien, so in 323, 5 V. 27 als Sancta Maria d'Orien. 

6. Das Metrum: a b a b c d, 8-Silbner, coblas tmissonanSy stimmt 
zu der Annahme von Bernarts v. V. Autorschaft, indem es mit dem 
von Gr. 71, 1, abgesehen von der hier statthabenden Verdoppelung 
von c, identisch ist: a b a b c c d, 8-Silbner, coblas unissonans, und 
auch 71, 2 sich von ihm nur unterscheidet durch die Verwendung des 
lO-Silbners, durch Verdoppelung von c und dadurch, dass b hier weiblich ist. 

Ich denke, diese Gründe genügen, um die Autorschaft Bernarts 
von Venzac für Gr. 323, 5 so ziemlich zu sichern, wenn auch keine 
Handschrift ihn als Verfasser nennt Die Entstehung der falschen 
Attributionen Bernart Marti und Marcabrun dürfte unschwer zu er- 
klären sein : das Gedicht wird im Original nur Bernart überschrieben 



Peire von Auvergne 11 

gewesen sein, ein Kopist machte daraus den ihm bekannten Namen 
Bernart Marti^ und dieser Name, marti bemart, oder vielleicht mit 
Abkürzung marti bern. geschrieben, wurde zu marcabrun verlesen. 
Wodurch die Attribution Peire d'Alvernhe veranlasst wurde, mag 
dahingestellt bleiben. 

Soviel über die von Bartsch Peire zugeteilten Gedichte, bei denen 
die Handschriften differieren. 

Unter den Namen anderer Trobadors hat Bartsch folgende, in ein- 
zelnen Handschriften gleichfalls ihm zugeschriebene Lieder rubriziert: 
Gr. 112 Cercamon 2: Ges per lo freit temps nom irais\ D» I K 
nennen Cercamon, L Bernart de Ventadorn, N N^ Gaucelm 
Faidit, S Peire Vidal, nur E Peire d'Alvergna; 
175 Geneys lo joglar 1 : Deus veraiSj a vos mi ren; C Geneys Li., 

M Arnaut Catalan, nur Reg. von C Peire d'Alvergne; 
338 Peire de Corbiac 1: Domna dels angels regina, CD»IKR 

Peire de C, nur b Peire d'Alv.; 
375 Pons de Capdoill 21 : Si totz los gaugz eis bes\ ACD^IK 
M T a b a Pons d. C, in L anonym, nur R Peire d'Alv. ^) 
Es ist klar, dass in den beiden letzteren Fällen die Autorschaft 
Peires von Auvergne im Hinblick auf die Zahl der abweichenden 
Attributionen in Handschriften verschiedener Herkunft überhaupt nicht 
in Frage kommt. Anders steht es mit 112, 2 und 175, 1. Denn, was 
zunächst 112, 2 betrifft, so ist, da D I K aus der gleichen Quelle 
stammen, die Autorschaft Cercamons, dem Bartsch das Lied zuschreibt, 
nicht besser bezeugt als die der anderen Dichter. Schon L. Römer, 
Volkstüml. Dichtungsarten der altprov. Lyrik S. 58 hat die Verfasser- 
frage für dieses Lied kurz erörtert. Wenn er indes meint, die Verse 
in Str. II: 

Quan hom segle no vi meillor, 
sitot s'en fan maint blasmador 

sprächen mit ihrer optimistischen Lebensauffassung gegen Peire von 
Auvergne, der selbst ein blasmador war, so ist sein Bedenken nicht 
gerechtfertigt, denn wir haben von Peire ein einziges moralisierendes 
Schmähgedicht, no. XIII, und dieses dürfte aus seiner späteren Lebens- 
zeit stammen. Peires Autorschaft ist aber in der That aus einem 
metrischen Grunde wenig wahrscheinlich. Das Gedicht läuft nämlich, 
wie das oben besprochene Guirauts von Bornelh, auf 6 Reimen, während 



1) Dass R nicht, wie Bartsch angibt, Pons de Capdoill, sondern Peire 
d'Alvemhe hat, bemerkt schon Gröber, Born. Stud, II, 390. 



12 R. Zenker 

Peire^ wie gesagt, in den Gedichten^ die ihm ziemlich sieher angehören 
nie mehr als 5 Reime verwendet; das Schema ist: 

8a 8b 8b 7c' 8a 7c' 8d 8e 7f. 

Welchem von den Dichtern, die die übrigen Handschriften nennen, 
das Lied gehört, ob dem Cercamon, Bernart von Ventadorn, Gaacelm 
Faidit oder Peire Vidal^ braucht hier nicht entschieden zu werden; 
Bartsch, Peire Vidal S. XCIII, spricht es diesem Dichter ab und 
Römer a.a.O. ist geneigt^ es dem Gaucelm Faidit zuzuschreiben, 
der ähnliche Formen verwandt habe und auf den auch der zarte^ 
schwärmerische Charakter des Liedes wohl passe. 

Was 175; 1 anlangt, so ist handschriftlich die Autorschaft des 
Geneys und die des Arnaut Gatalan nicht besser bezeugt als die 
Peires von Auvergne. Auch liegt weder von Seiten des Inhalts noch 
des Metrums ein Bedenken gegen seine Urheberschaft vor^ da das 
Gedicht sich ganz in dem Gedankenkreise von Peires religiösen Liedern 
bewegt und ähnliche Reimfolgen bei ihm öfters begegnen. Wohl aber 
spricht entschieden gegen ihn ein sprachliches Moment: es erscheint 
nämlich V. 7 -ia < -ita^ via < vita^ im Reim gebunden mit 'iß < -ia, 
Mariüy mia u.s.w. Nun begegnet allerdings der Reim -ia sonst bei 
Peire nicht — eben dieser Umstand könnte in anderer Hinsicht Zweifel 
an seiner Autorschaft erwecken, da die Vermutung nahe liegt; er 
habe den Reim als zu gewöhnlich absichtlich gemieden, — aber wir 
wissen, dass im Dialekte der Basse-Auvergne, aus der Peire stammt, 
intervokalisches t als d erhalten bleibt, vgl. E. Philip on, Les parlersdu 
Forez cis-ligSrien, Romania 22, 13 und A. Dauzat, ^tudes linguistiques 
sur la Basse-Auvergne; phonitique historique du patois de Vinzelles 
{Pay-de-Döme)^ Paris 1897 (BibL de la fac, des lettres^ Univ, de Paris), 
S. 18. So bindet denn auch Peirol, der wie Peire aus der Gegend 
von Clermont — aus der Nähe von Rochefort-Montagne, vgl. Ch ab an e au, 
Biogr. S. 58 — gebürtig ist und der den Reim ia ziemlich häufig ver- 
wendet, 4a < 4ta mit anderem ta niemals. Wir dürfen deshalb in 
Anbetracht dieses dialektischen Zuges Gr. 175, 1 dem Peire absprechen. 
Andrerseits ist nun bekanntlich gerade im üatalanischen intervokalisches t 
geschwunden, und Arnaut Catalan, dem M das Gedicht zuschreibt, reimt 
denn auch Gr. 27,6: Lanquan vinc en Lombardia {M, G. 986) -ia < -ita 
mit gewöhnlichem -ia, nämlich Str. IV falhia für falhida. Dadurch 
wird seine Autorschaft für das in Rede stehende Gedicht einiger- 
massen wahrscheinlich, wenn es auch inhaltlich mit den wenigen uns 
überlieferten Liedern die-es Dichters — 4 Minneliedern ^) — keinerlei 



1) Gr. 27,5 ist zu streichen *, es ist dies nichts als Str. II und III von 27, 2. 



Peire von Auvergne 13 

Verwandtschaft zeigt nnd eine sichere Entscheidung sich schon deshalb 
nicht treffen lässt, weil uns von Geneys sonst gar nichts erhalten ist ^). 

Die falsche Attribution Peire d'Alvernhe dürfte sich erklären als 
Folge einer Verwechslung des Gedichtes mit Peire von Auvergne no. XVIII, 
dessen erste Zeile ja ähnlich lautet: DieuSj vera vida,, verais — 175, 1 : 
Diem verais, a vos mi ren. 

Damit wäre die Attributionsfrage erledigt für alle diejenigen 
Lieder, welche in den Handschriften teils Peire, teils anderen^ Dichtern 
zugeschrieben werden. Wie steht es nun aber mit jenen Stücken, bei 
denen eine Attributionsdiflferenz vielleicht nur deshalb nicht vorliegt, 
weil sie nicht vorliegen kann, weil nämlich die betreffenden Gedichte 
nur von einer Handschrift überliefert werden? Sind wir berechtigt, 
sie ohne weiteres als Peires Eigentum zu betrachten? Offenbar nicht; 
in Ansehung der Thatsache, dass die Handschriften eben bisweilen 
fehlerhafte Attributionen aufweisen, sind Zweifel an der Autorschaft 
des Dichters zulässig. Trotzdem werden wir nun prinzipiell nicht 
umhin können, das Zeugnis der Handschriften in allen den Fällen 
gelten zu lassen, wo sich aus Inhalt und Form der betreffenden 
Stücke positive Bedenken gegen die Urheberschaft Peires von Auvergne 
nicht ergeben, vornehmlich dann, wenn die fragliche Handschrift 
sich in ihren Attributionen, soweit sie letzteren betreffen, sonst als zu- 
verlässig erweist. Denn die Fälle, in denen die Handschriften irren, 
sind doch verhältnismässig selten gegenüber der grossen Zahl von 
Fällen, wo ihre Angaben zutreffen, und es ist mithin die Annahme, 
eine Handschrift biete in einem einzelnen Falle eine verkehrte Attribution, 
bei weitem weniger wahrscheinlich als die gegenteilige. 

Nur in einer Handschrift erhalten sind uns nun folgende Gedichte: 
Gr. 323, 9: Bei rn^es qu'eu fass^ ueimais un vers C. 
10: Be'm es plazen C. 
19: La foilV e'l flors e'l fruitz madurs C. 
20: Vairs clars e-l chans dels auzels C. 
22: Lo seigner que formet lo tro E. 



1) V. Lowinsky, Zum geistl. Kunstlied in der altprov. Litt, S. 183 glaubt, 
das Gedicht dem Amaut absprechen zu sollen, weil die ihm sicher gehörenden 
Stücke vermuten Hessen, dass er in Beimkünsteleien seine Stärke suchte, 
wogegen das vorliegende Gebet durch Schlichtheit in Bau und Inhalt gekenn- 
zeichnet sei. Bei der geringen Zahl der von Amaut uns erhaltenen Lieder 
besitzt aber dieses Argument wenig Beweiskraft. Das oben geltend gemachte 
sprachliche Moment hat L. nicht beachtet. 



14 R. Zenker 

Was nun die vier erstgenaimten Gedichte betrifft, so haben sich 
uns bei den vorausgehenden Untersuchungen die Attributionen von C, 
soweit sie Peire von Auv. betreffen, als durchaus zuverlässig erwiesen. 
Während andere Handschriften gewisse Gedichte dem Peire fälschlich 
zuschreiben, thut C dies nicht. 323, 1 wird von C richtig dem Guiraut 
de Bornelh, 323,6 von ihm allein richtig dem Bernart de Venzac zu- 
geteilt und bei 323, 5 partizipiert es wenigstens nicht an dem Irrtum 
derjenigen Handschriften, welche das Gedicht Peire zuschreiben, und 
die allerdings gleichfalls unrichtige Attribution Marcabrun, die C 
bietet, erklärt sich, wie wir sahen, vermutlich einfach aus einer Ver- 
lesung der Attribution in der Vorlage, welche ihrerseits auf einem 
Missverständnis der ursprünglichen Attribution beruht, so dass also 
auch hier C auf eine korrekte Quelle zurtickgeht. Somit haben wir 
Grund, von vornherein den Attributionen von C, soweit sie Peire von 
Auvergne betreffen, Vertrauen entgegen zu bringen, und dürfen es denn 
von diesem Gesichtspunkt aus als wahrscheinlich betrachten, dass jene 
vier nur in C stehenden Lieder in der That von ihm herrühren. Fassen 
wir nun die Gedichte selbst ins Auge, so spricht einerseits weder von 
Seite ihres Inhalts noch ihrer Form irgend etwas gegen Peires Autor- 
schaft, andrerseits erinnern sie in Gedanken, Stil und Ausdrucksweise 
entschieden mehrfach an dessen echte Gedichte. 9 (XIII), 10 (XIV), 
und 19 (II) sind im „dunklen" Stil gehalten wie die Mehrzahl von Peires 
Gedichten, 9 und 19 bieten AUitterationen wie gleichfalls viele seiner 
Lieder, besonders XVill, vgl. den Abschnitt „Metrisches". Das Selbstlob 
des Dichters in der Tornada von 9 und Str. VII von 19 erinnert an die 
zahlreichen entsprechenden Aeusserungen Peires, die Bemerkung in 
20 (I) V. 7, er wolle einen Vers dichten mit neuer Weise: 

qn'un vers non clus cuelha 
tal que sos sia novelhs 

an die Verse 4 — 7 in no. V: 

cum si chantes d'aital gniza 
qu'autrui chantar non ressembles; 
qu'anc chans no fo Valens ni bos 
que ressembles antrui ehansos 

und die Mahnung in der Tornada von 20: 

Lo vers chant, qiii*l sabra, ses brais 
an die entsprechende in no. IV V. 6—8: 

qu'ieu non volh, avols chantaire, 
cel qui tot chant desfaissona, 
mon douz sonet torn- en bram. 



Peire von Auvergne 15 

Somit liegt irgend ein Grund, Peires Autorschaft für die in Rede 
stehenden Gedichte zu bezweifeln, nicht vor. 

Anders verhält es sich nun mit 323, 22, welches allein in E über- 
liefert ist. Da diese Handschrift, wie sich aus den obigen Nachweisen 
ergiebt, verschiedene Gedichte dem Peire fälschlich attribuiert (Gr. 323, 1 ; 
5; 6; 112, 2), so ist ihr Zeugnis offenbar von vornherein verdächtig. 
Direkt gegen Peires Autorschaft streitet nun in der That sowohl ein 
chronologisches als ein sprachliches Bedenken. Das Gedicht, ein 
Kreuzlied, ist nämlich, wie Diez, Leben u, Werke^ S. 62 zeigt, 
entweder im J. 1214 oder kurz vorher entstanden. Nun stammt das 
älteste datierbare Gedicht Peires. wie wir sehen werden, aus dem 
J. 1158, und aus seinem Inhalt ergiebt sich, dass der Dichter damals 
bereits seit einiger Zeit seiner Kunst oblag; wir dürfen mithin den 
Beginn seiner Dichterlaufbahn nicht später als um 1155 ansetzen. 
Nehmen wir an, er sei zu diesem Zeitpunkt auch nur etwa zwanzig 
Jahre alt gewesen, so müsste er im J. 1214 bereits nahe an achtzig 
gewesen sein. Scheint die Annahme nun schon höchst bedenklich, 
er sei in so hohem Alter noch dichterisch thätig gewesen, so darf 
es vollends wohl direkt als ausgeschlossen betrachtet werden, dass 
er damals noch die von dem Verfasser unseres Liedes kundgegebene 
Absicht gehabt haben sollte, sich den Strapazen einer Kreuzfahrt zu 
unterziehen; denn nur so kann es doch verstanden werden, wenn dieser in 
der ersten Pluralis zum Zuge auffordert, vgl. V. Ulf.: „Der Herr 
fordert uns auf, ihm auf dem geraden Wege zu folgen"; V. 17: „Uns 
alle ruft er"; V. 44: „Lasst uns alle ziehen, da Gott uns mahnt." 

Dazu kommt, wie gesagt, ein sprachliches Moment. Auch der 
Verfasser dieses Liedes bindet nämlich -ia < -Ha mit -ia < ia : esana 
{* exquiritat): via: dia etc., ein Zug, der, wie wir oben sahen, dem 
Heimatsdialekte Peires fremd ist. 

Wir dürfen also 323, 22 Peire mit ziemlicher Bestimmtheit ab- 
sprechen. 

Damit wäre denn die Attributionsfrage für sämtliche in Betracht 
kommende Stücke erledigt: das Ergebnis unserer Untersuchung ist, 
dass von den vierundzwanzig Gedichten, welche Bartsch im Grundriss 
unter Peires Namen verzeichnet, vier, nämlich Gr. 323, 1, 5, 6 und 22, 
ihm bestimmt abgesprochen werden müssen, dass bei einem, derTenzone4, 
wenigstens ein ausreichender Grund, gerade ihn als den Interlokutor 
zu betrachten, nicht vorliegt, und dass von den in einzelnen Hand- 
schriften ihm zugeteilten Liedern, die Bartsch unter den Namen anderer 
Dichter rubriziert, keines von ihm herrührt. Peires litterarische Hinter- 
lassenschaft belauft sich somit auf neunzehn Gedichte. 



16 R. Zenker 

Fttr den Orandriss ergeben sich aas dem Gesagten folgende 
Korrektaren; es sind einzureihen: 

Gr. 293, 12 und 27 unter Bernart de Venzac, Gr. 71. 
323, 1 unter Guiraut de fiomelh, Gr. 242. 

323, 4 unter Peire, Gr. 322 (bis auf weiteres). 

323, 5 und 6 unter Bemart de Venzac, Gr. 71. 
323, 22 unter die Anonyma, Gr. 461 (eventuell unter einen 

anderen Peire). 



Peires Leben. 

Von den Lebensschicksalen unseres Dichters haben wir nur 
äusserst spärliche Kunde. „Peire von Anvergne, so berichtet die 
provenzalische Biographie, stammte aus dem Bistum Clermont. Er 
war ein kluger Mann und wohl unterrichtet, der Sohn eines Bürgers. 
Er war schön und von gefälligem Wesen und dichtete gut und sang 
gut. Er war der erste hervorragende Trobador, der jenseits des Ge- 
birges war, und er erfand die besten Weisen, die je erfunden wurden, 
und dichtete den Vers, welcher besagt: 

An den kurzen Tagen und den langen Abenden. 

üanzonen dichtete er nicht, denn kein Gedicht wurde damals 

„Canzone^ genannt, alles hiess „Vers"; später aber dichtete Herr 

Guiraut von Boruelh die erste Canzone, die je gedichtet wurde. Sehr 

geehrt und geschätzt war er bei allen edlen Baronen, die damals 

lebten, und bei allen edlen Damen; und er galt fttr den besten Trobador 

in der Welt, bis Guiraut von Bornelh kam. Sehr rühmte er sich in 

seinen Liedern und tadelte die anderen Trobadors, wie er denn von 

sich sagt: 

Peire von Auvergne hat solche Stimme, 

dass er hoch und tief singt, 

und seine Weisen sind süss und gefallig; 

darum ist er der Meister von allen, 

nur sollte er sich in seinen Versen ein wenig klarer ausdrücken, 

denn beinahe kein Mensch versteht sie. 

Lange Zeit lebte er in der Welt in der Gesellschaft der Treflflichen, 
nach dem, was mir der Delphin von Auvergne sagte, der zu seiner 
Zeit geboren wurde, und dann that er Busse und starb.^ ^ 



1) Jehan de Nostradamus, Les vies des plus ceUhres et anciens poetes 
provensaux, Lyon 1575, S. 162—64 äussert sich über Peire folgendermassen: „Pierre 



Peire von Anverg^e 17 

Verfasser dieser Lebensnachricht ist, wie Chabanean, Biogr. des 
Troub. S. 4 gezeigt bat, aller Wahrscheinlichkeit nach Uc von San Circ 



d'Aulaergne, somömö le vieux (selon le Monge des Isles d'Or) fut Als d'an 
bourgeois de Clermont, homme moult prudet, beau, et gracieox, et de gräde 
literatare, et liberte de parier, et le premier qui chanta les vers Prouensaux en 
8on pays, fut glorieuz et gräd mespriseur des oennres et des (Buuriers et in- 
nenteurs d'icelles. sa poäsie estoit profonde, et de grande granite : se vint retirer 
en Pronence, oü il fat amooreux de Ciarette des Baulx gentilfemme du pays, 
fiUe de seigneurs de Berre, qn'estoit belle et vertueuse, a la louange de laquelle 
feist de moult helles chansons, ausquelles Iny mesmes meist le chant, et les 
chanta en sa presence, 11 auoit pris tel credit, et autorite sur les dames, qu'apres 
anoir chant6 et recitö ses chansons en leur presence, il receuoit an bayser 
d'une senle de la compagnie qui plus lui estoit agreable. et le plnssouuent 
s'adressoit a la dame de Berre, comme a la plns belle et plus gracieose. il a 
faict nne chanson a la louange de tons les poötes de son temps, a l'imitatlon 
de laquelle le Monge de Mötmaionr a faict la sienne tonte an contraire, en la 
conpple jfinale d'icelle il ne s'oblie pas disant que sa voix surpassoit tontes 
Celles de son temps et qne depuis quMl a est6 amonrenx en Pronence sa po^sie 
a surpass^ tons les poStes du pays. A Textremit^ de ses iours voua sa vieillesse 
en nn monastere de Clermont en Anuergne, ou 11 se retira (ainsi que le Monge 
des Isles d'Or, et saint Gezari Pont escript) et y trespassa enuyron le mesme 
teps que dessns. quelques aonees anant sa mort auoit faict an Syruetez contre 
les Sicili^s du massacre qu'ils feiret des Frangois qn'estoyent k Naples pour 
Charles premier du nom : il a faict quelques chäsons spirituelles, d'entre les- 
quelles une a la vierge Marie mere de Dien qui se cömece. 

Domna dels Angels Begina, 
Esperansa dels crezens. 

A rimitation de laquelle Petrarque en a faict une semblable. 11 a faict 
aussi an traictö intital6 Loa contract del Cors e de l'Arma en rithme 
Prouensalle, qu'est un fort bean discours, quMl laissa imparfaict, et depuis fat 
acheuö doctemet et Continus le subiect par Ricard Arquier de Lambesc. le dit 
Petrarque en son triomphe d'amour dict auoir veu ce poete au reng des nos 
autres poStes Prouensaux au 4. chapitre. Le Monge de Montmaiour dict que 
depuis qu'il fut amoureux d'une Bagasse de Prouence il ne chanta iamais rien 
qui vallust.** 

Die Stelle wurde besprochen von Bartsch, Die Qtiellen von J. d.^,,JaAr&. 13, 55 
und 141. Sie beruht teilweise auf der oben mitgeteilten provenzalischen Bio- 
graphie. Die Mönche des Isles d^Or und von S. Cezari sind eine Erfindung 
von N., wie Bartsch a. a. 0. S. 18 gezeigt hat. Der zweite der beiden ist ent- 
standen aus dem Trobador Uc von S. Circ, der ja in der That, wie oben bemerkt, 
vermutlich der Verfasser der Biographie ist, die N. offenbar zitieren will. Der 
Mönch von Montmaiour ist identisch mit dem Mönch von Montaudon. Den Bei- 
namen ^le vieux** hat N. wohl nicht, wie Bartsch meint, aus der Lebensnachricht 
geschöpft, die Peire als den ersten bedeutenden Trobador bezeichne — B. hat 

Zenker, Peire Yon AuYergne. ^ 



18 K. Zenker 

(etwa 1200—1256); der sich ansdrttcklicb nennt als Verfasser der Bio- 
graphie Bernarts von Ventadorn') und Savarics von Mauleon') und der 
thatsächlieh mit dem Delphin von Auvergne, Robert I. (1169 — 1234)^ 
auf dessen Zeugnis sich der Verfasser der Biographie am Schlüsse be- 
ruft; in nahen Beziehungen gestanden hat'). Wir dürfen wohl an- 



hier offenbar den Text von Hds. £ vor Aufcen •— sondern ans Petrarca, der 
ihn „tl veechio^ nennt, vgl. S. 62. Die Angabe, Peire habe als der erste in 
seiner Heimat provenzalische Verse gesungen, beruht auf einem Missverst&ndnis 
der Biographie; die weitere, seine Poesie sei „tief und schwer** gewesen, 
offenbar auf den eigenen Worten Peires in der in der Biographie ja zitierten 
letzten Strophe der Satire no. XII, wo er von der Dunkelheit seiner Lieder 
spricht. Dass P. eine Ciarette von Baux oder von Berre geliebt habe, ist sonst 
nirgends überliefert und gewiss, wie Bartsch annimmt, eine Erfindung des N., 
ebenso, dass er sich in der Provence aufgehalten habe. Aus seiner Satire auf 
die zeitgenössischen Trobadors macht N. ein Lobgedicht, er kannte sie also 
offenbar nicht. Dass P. sich in ein Kloster zu Clermont zurückgezogen habe, 
wird eine blosse Vermutung sein; dass er ein Sirventes über die siziliauische 
Vesper gedichtet habe, ist natürlich unmöglich. Das Marienlied Damna etc., 
Gr. 338, 1 wird allerdings in b dem P. zugeschrieben, rührt aber vielmehr von 
Peire de Gorbiac her. Ein provenzalisches Gedicht über den Streit der Seele 
mit dem Leichnam ist in einer Hds. der Bibl. nat., f. fr. 14 973 überliefert, es stammt 
aber nach Ghabaneau, Biogr. S. 184 — der Rev. d. l. rom. 1887, 139 eine 
Ausgabe angekündigt hat — aus dem 14. Jh., kann also Peire nicht zum Ver- 
fasser haben; doch wäre es trotzdem möglich, dass Peure ein anderes solches 
Gedicht, das uns verloren gegangen ist, verfasst hätte, die Annahme würde 
zu der in seinen geistlichen Liedern zu Tage tretenden Sinnesrichtung wohl 
stimmen; ebenso wohl kann aber auch hier, wie in so vielen anderen Fällen, ein 
Missverständnis oder eine willkürliche Behauptung des N. vorliegen. Die Be- 
rufung am Schlüsse auf einen angeblichen Ausspruch des Mönchs von Montaudon 
über Peire beruht auf einer Verwechslung des letzteren mit Peirol von 
Auvergne, von dem Str. V in der Satire des Mönchs, welche N. im Auge hat, 
handelt. 

1) Ghabaneau S. IL 

2) Ib. S. 48. 

3) Biographie des Uc von S. Girc, bei G h a b an e a u S. 51 : J^* Z coms de Rodes 
e'l vescoms de Torena 8i*l leveren moU a la joglaria com las tensoa e com las 
coblas qü'el feiren com Zm, e-l bons Balfins d^Älvemhe. P. Meyer, Bo- 
mania 6, 119 n. 2 macht darauf aufmerksam, dass sich die Angabe, vers sei 
ehedem Bezeichnung für alle Arten von Liedern gewesen, beinahe mit den gleichen 
Worten wie in der Biographie Peires in der Marcabruns fin4e und schliesst 
daraus, dass beide den gleichen Verfasser haben. Dann würde also, falls obige 
Annahme richtig ist, auch die Biographie Marcabruns dem Uc von S. Girc zuzu- 
schreiben sein. 



Peire von Auvergne 19 

nehmen; dass nicht nur die letzte Notiz, fttr die Uc die Autorität des 
Delphins anruft, sondern überhaupt die Angaben der Lebensnachricht, 
so weit sie nicht die Lieder Peires selbst betreffen, auf diesen Ge- 
währsmann zurückgehen, und dürfen sie mithin, weil von einem Lands- 
mann und Zeitgenossen des Dichters — wenn auch einem wesentlich 
jüngeren Zeitgenossen — herrührend^ im ganzen als zuverlässig be- 
trachten. Die Behauptung freilich, Peire sei ,,der erste guteTrobador 
gewesen, der jenseits des Gebirges, d. i. der Pyrenäen, also in Spanien 
war", ist falsch, denn schon der etwas ältere Marcabrun hat sich bald 
nach 1137 in Spanien aufgehalten, vgl. den Artikel von P. Meyer, 
MarccUnun, Bamania 6, 123. Im übrigen sind die Angaben der Bio- 
graphie herzlich mager.: wenn wir die allgemeinen Redensarten und 
das, was der Verfasser aus Peires Liedern selbst entnehmen konnte 
und entnommen hat, in Abzug bringen, so bleibt nur wenig; offenbar 
hat auch der Delphin von dem alten Sänger nur ganz unbestimmte 
Kunde besessen. 

Weitere, die provenzaliscbe Lebensnachricht ergänzende Daten 
liefern uns nun einmal ein gegen Peire gerichtetes Schmähgedicht 
eines zeitgenössischen Trobadors, des Bernart Marti, und dann vor 
allem Peires eigene Lieder, welche letztere freilich nicht entfernt die 
Ausbeute wie die manches jüngeren Dichters, etwa Peire Vidals, 
Raimbauts von Vaqneiras, Sordels u. a. m. gewähren. 

Peire äussert sich in dem Liede no. Hl dahin, er sei der erste, 
der einen „vollkommenen Vers" gedichtet habe : 

qu'anc tro per me no fo faitz vers entiers . . . ., 

auch rühmt er sonst n^ehrfacl) in selbstbewussten Worten seine Kunst; 
in seiner bekannten Satire auf die zeitgenössischen Trobadors, no. XII, 
nennt er sich in der letzten Strophe sogar „den Meister von ihnen allen^: 
pero maiestres es [sc. Peire dAlvernhe] de totz. 

Dieses stark aufgetragene Selbstlob veranlasst nun Bernart Marti 
— Bemart Marti, „der Maler" (lo pintor), nennt er sich Gr. 63, 5 V. 38 
(Appel, Ined. S. 28) — , Peire in einem Liede, Gr. 63, 6: D'entier vers 
far ieu non pes (a. a. 0. S. 29) heftig anzugreifen und ihm wegen seines 
sündhaften Hochmutes die Leviten zu lesen, indem er dabei mit dem 
von Peire gebrauchten Ausdruck ^entier^, eigentlich: „ganz", spielt. 
Das Gedicht scheint auch no. XII vorauszusetzen, da in dem Schluss 
der letzten Strophe wohl eine Bezugnahme auf die eben mitgeteilte 
Aeusserung Peires in der letzten Strophe der Satire zu erblicken ist; 
ich glaube, es seines biographischen Interesses wegen hier gleich 
vollständig mitteilen zu sollen: 

2* 



20 R* Zenker 

I. Einen „ganzen" Vers za dichten — beginnt Bemart — beab- 
sichtige ich nicht und auch zerbrochene will ich nicht machen; und 
doch dichte ich allezeit im Jahre einen oder zwei Verse, and so yiel 
ich ihrer auch setze (compomere), sie sind weder ganz noch zerbrochen. 

II. Das werde ich nicht glauben, dass ein Vers roll Eitelkeit, 
ans dem Sttnde nnd Torheit entspringt, mit Recht als ein ganzer Vers 

bezeichnet wird [V. 12 ist wegen der Lttcke V. 11 nnver- 

ständlich]. 

in. Und wie sollte es wohl möglich sein, dass etwas, das nicht 
ganz ist nnd es auch nie war — nnr ein Tor könnte das glanben — 
dass ein Lied, das von Nichtigkeiten handelt, sich ein ganzes Lied 
nennte? Weder ganz noch zerbrochen ist es. 

IV. Töricht nnd einfältig zeigt sich, wer einen Vers niedrigen In- 
haltes dichtet; ein solcher ist weit entfernt, ganz oder zerbrochen zu 

Hds. 326; gedr. Appel, Ined. 8. 29. 

I. D'entier yers far ieu non pes 
ni ges de fragz non faria; 
e si fatz vers tota via 
en Tan nn o dos o tres, 
et OD plus sion asses ^ 

entier ni frag no so mia. 

IL Aisso non creyrey ieu gas 
que lunhs yers de leujaria, 
don creys peccatz e follia, 
per dreg nom entier agues ^^ 



qn'entier denant no*n faria. 

in. E so qnez entier non es 
ni anc no fo, cum poiria 
(fols hom Ieu so cujaria) ^^ 

que chans nom entier prezes 
qu'om de vanetat fezes? 
entiers n! fragz non seria. 

IV. Foudat fai e nescies 

qui yers fai de truandia; ^ 

pess'a qu'entier ni fragz sla; 
que chanso ni sirventes 



2 frag -^ 8 lunh — 11 fehlt ^ 16 o. nulfas entrebezes; die Emendation 
rührt yon Appel her. 



Peire von Auvergne 21 

Bein; denn Canzone und Sirventes, Estribot und Arlotes sind (dann) 
nidits als Eitelkeit 

V. Derjenige; der Fabeln erzählt — eine Fabel ist schon ganz 
Nichtigkeit — sage mir, wie sollte der sich nicht täuschen, wenn er 
glaubte, ganz and heil zu bleiben? Es ist nicht möglich, denn sein 
falscher Sinn hält ihn, den Törichten, fest in seiner Torheit. 

VI. Und als Peire (Pey) vonAuvergne Canonikns wurde, 
wariim versprach er sich da Gott ganz, wenn er sich 
später wieder zerbrechen wollte? Denn er wurde ein 
törichter Joglar und dadurch entäusserte er sich seines 
ganzen Wertes. 

VII. Denkt er denn, dass Gesang ttber solch eitle Dinge Gott 
nicht missfällt? Aber wie könnte ihm wohl Schlechtes gefallen? 
Nein, es gefällt ihm nicht, denn, wenn es ihm gefiele, dann hätte das 
Schlechte so viel gewonnen, dass es mit dem Guten eine Teilung zu 
gleichen Teilen treffen würde. 



ni'stribot ni arlotes 

non es mas quan licharria. 

V. Seih qni faulas di (faul' es ^^ 

enteiramen lecharia), 
di, quem no B^enganaria, 
qn'entiers e sals remazes? 
non pot, qne sa falsa fes 
lo ten fat en s'aurania. ^ 

VI. £ quan canorgnes si mes 
Pey d'Alvernh' en canongia, 
a dieu per que*B prometia 
entiers, que pueys si fraysses? 
qnar si feys fols ioglares, ^^ 

per que rentier pretz cambia. 

VU. £ cuja*s qn'a dieu non pes 
chans d'aital ufanaria? 
e doncx quo mals 11 plairia? 
mas no*l play, que, si*l plagues, ^ 

tant auria'l mals conques 
qu'ab ben egal partiria. 



25 d.] ni-, die £mendation hier und V. 27 von A. — 27 Si — ten- 
ganaria — 33 dieus. 



22 ^' Zenker 

VIII. Wenn Sünde mit Gnade gleichbedeutend wäre, dann wttrde 
Lttge als Wahrheit erscheinen, und wenn einer in seinem Benife als 
Joglar lügt, so ist dämm das Lügen doch nicht gut; folglich ist es 
vom Uebel und es ist durchaus verächtlich und gemein. 

IX. Törichtes Selbstlob ist bäurisch und viel Sichrtthmen Bauern- 
art, und törichtes Lügen ist Betrug, und ein Mann, der sich mit Worten 
brüstet, ist gemeiner als ein Bauer, auf Bomanisch und auf Latein 
[wörtlich: nach der Geistlichkeit d. h. nach der Sprache der Geist- 
lichen]. 

X. Und der erscheint nicht als höfisch gebildet, der sich selbst 
rühmt und verherrlicht ; denn Gott selbst verkündigt uns : wer sich zu 
sehr erhöht, der wird um so tiefer erniedrigt, und derjenige wird 
emporgehoben, der sich entsprechend demütigt. 

XI. Das besagt, dass der Mensch sich selbst erkennen sollte, und 
wer darauf Acht haben würde, der wttrde sich gewiss nicht zu sehr 

YIII. Si peccatz era merces, 
meBSonia vertatz parria; 
e qui en sa iöglaria ^ 

ment, e mentir non es bes; 
donc 68 mala, e non es res 
mas despieigz e vilania. 

IX. Fols vanars es pagezes, 

e grans laus es pagezia, so 

e fols mentirs es bauzia, 
et hom de dir ufanes 
es plus vilas qne pages 
segon romans e oleroia. 

X. E seih HO par ges cortes ^ 

qui's lauza ni*s glorifia, 
quar eys diens nos anuncia: 
qui trop s'yBsaussa, mais es 
bayssan, e seih levatz es 
qui segon so s'umilia. ^ 

XI. So dis, qu'om si conognes, 
e qui aisso gardaria, 



58 mens es; so druckt auch A. und bemerkt dazu: „„ist um so Geringeres, 
wenn er sich erniedrigt** oder ist mais für mens einzusetzen?" Da es sich doch 
einfach um Wiedergabe des Bibelspruches Marc. 9,35 handelt: „So Jemand will 
der Erste sein, der soll der Letzte sein vor allen**, so scheint mir tnais allein 
möglich*, vielleicht stand in der Vorlage meys, wie oben V^7 creyrey. 



Peire von Auvergne 23 

loben; denn ttbermässiges Lob ist Torheit; nnd es wird zur Genüge 
offenbar, ob einer tttehtig ist, er selbst aber möge es ja niebt aus- 
sprechen. 

XIL Genug weiss und wohl unterrichtet ist; wer das thut, was 
wohl ansteht; und es entspricht mehr der feinen Sitte, wenn sein 
Buhm durch andere durch die Länder getragen wird als durch ihn 
selbst; denn dem Volke erscheint es [letzteres] als ein Zeichen niedriger 
Gesinnung. 

Xm. Neue Töne zu erfinden ist eine schöne Meisterschaft und 
wer schöne Worte bindet und verknüpft, der befleissigt sich einer 
schönen Kunst; aber keiner sollte behaupten, dass er in ihr allen 
überlegen sei. 

XIV. Rasch ist einer auf dem falschen Wege, wenn er mehr sagt 
als er sagen sollte. 

ia no's sobrelauzaria, 
qua sobre-lans foUes es; 
e pareys be, si pros es, 
ia el mezeis non o dia. 



65 



XII. Pro sap e ben es apres 
qni so fay que ben estia; 
et es mager cortesia 

que SOS laus es pels paes 70 

per autmy que per el mes, 
qu'al pobol par vilania. 

XIII. De far sos novelhs e fres 
80 es bella maestria; 

e qui belhs motz lassa e lia, 75 
de belh' art s'es entremes ; 
mas non cove q'us disses 
que de totz n'a senhoria. 

XIV. £a panc d'ora es hom mespres, 
quan ditz mais que non denria. ^o 



64 follesc. 



Wir erfahren hier also, — was anderweitig nicht bezeugt ist — 
dass Peire, bevor er Joglar wurde, dem geistlichen Stande angehört 
hatte. Diese Nachricht stimmt gut zu der Angabe der provenzalischen 
Biographie, er sei „Jew letratz^ gewesen, während er sich die in sei- 
nen späteren geistlichen Liedern hervortretende Vertrautheit mit der 
biblischen Geschichte auch erst in seinem Alter, nachdem er ins 



24 R. Zenker 

Kloster zurückgekehrt war, erworben haben könnte. Dass (Geistliche 
die Kutte an den Nagel hingen, um sich der Dichtkunst zu widmen 
und als fahrende Sänger durch die Lande zu zieheui war ja damals 
in Sttdfrankreich nichts Seltenes: Peire Bogier, Peire Gardenal, Ai- 
meric von Belenoi, Gui von Uisel, Uc Brunet, Gausbert von Poicibot 
sind, wie Peire, ursprünglich Geistliche gewesen*). 

Sehen wir nun des weiteren, was wir aus Peires eigenen Liedern 
für die Feststellung seiner Lebenszeit und seiner Lebensschicksale zu 
gewinnen vermögen. 

Peires ältestes datierbares Gedicht ist das Sirventes no. X : Bei 
m^es quan la roza floris. Hier wird in Str. II und III ein nicht mit 
Namen genannter „Könige angeredet und der Tod des „Kaisers'' be- 
klagt, der vielen Leuten, fehle ; der Dichter bedauert die Fortschritte der 
Sarazenen und fordert den König auf, ihnen mutig entgegenzutreten; 
erst werde er Labadol (?) erobern und wenn er bis nach Marokko 
ziehe, werde man seine Thaten in Liedern besingen. Dieses Gedicht 
muss im Sommer d. J. 1158 entstanden sein. Mit dem „Kaiser'' ist 
nämlich, wie bereits Milä, Trov.en Esp. S.81 bemerkt hat, AlfonsVIL 
von Gastilien (1126-^57) gemeint, welcher im J. 1135 den Kaisertitel 
angenommen hatte, und in dem „König" erblickt Mil&, wie ich glaube, 
auch mit Recht, dessen Sohn Sancho III. von Gastilien (geb. um 1130, 
reg. 1157—58). Alfons starb nun am 26. August 1157; da wir aber 
in der ersten Strophe des Gedichtes hören, „die Rose bltthe", und „die 
schöne Jahreszeit sei im Fortschreiten", so kann es nicht vor dem 
Sommer des folgenden Jahres entstanden sein. Andererseits ist es 
aber auch nicht wahrscheinlich, dass es jttngeren Ursprungs sei ; denn 
einmal klingt die Klage um den verstorbenen Kaiser doch ganz so, 
als ob seit seinem Tode erst kurze Zeit verflossen wäre, und dann pas- 
sen eben die in dem Gedichte enthaltenen Anspielungen gerade auf 
die Regierung SanchosIII., welcher bereits am 31. August 1158 starb; 
aus diesen Anspielungen ergibt sich nämlich erstens, dass die Sara- 
zenen, als das Gedicht entstand, Erfolge zu verzeichnen gehabt haben 
mttssen, und zweitens, dass der „König" sich zum Kriege gegen sie 
anschickte. Beides trifft zu fttr den Sommer 1158. Alfons VII. war 
gestorben auf dem Rückwege von einem nnglttcklichen Feldzuge gegen 
die Mauren, den er unternommen hatte, um das von ihnen bedrängte 
Almeria zu retten ^). Als die Mauren von seinem Tode Kunde erhielten, 



1) Vgl Appel, Peire Bogier S. 5. 

2) Vgl. F. W. S c h i r r m a c h e r , Geschichte van Spanien IV, Gotha 18B1, S. 168. 



Peire von Auvergne 25 

rüsteten sie ein gewaltiges Heer aus nnd rttckten gegen Calatrava vor^ 
das Hanptbollwerk der castilischen Hauptstadt Toledo. Zu seiner Ver- 
teidigung stiftete Sancho im Januar 1158 den ersten spanisehen Bitter- 
orden, den Orden von Calatrava, und verlieh demselben den Ort ur- 
kundlich auf ewige Zeiten. Bei der allgemeinen Begeisterung, die in 
Toledo faerrsehtei sah sich der Abt Baimund bald an der Spitze eines 
Heeres von 20000 Mann, vor dem nun die sarazenische Streitmacht 
den Bttckzug antrat^). Am 23. Mai d. J. schlössen Sancho und sein 
Bruder Fernando II. von Leon (1157—1187) zu Sahagun ein Schutz- 
und Trutzbttndnis, demzufolge nicht nur Portugal erobert werden sollte, 
sondern auch das ganze, den Ungläubigen zu entreissende Land be- 
reits unter die Brttder geteilt wurde: Fernando sollte von Niebla bis 
Lissabon, Sancho über alles Land ostwärts davon herrschen. Eben- 
damals unternahm die castilische Stadt Avila einen Streifzug gegen 
die Sarazenen und brachte ihnen unter den Mauern Sevillas eine blu- 
tige Niederlage bei'). Sancho selbst kam freilich nicht mehr dazu, 
seine kriegerischen Pläne zu verwirklichen, denn bereits wenige Mo- 
nate später, am 31. August 1158, folgte er seiner ihm kurz vorher 
entrissenen Gemahlin Bianca im Tode nach. 

Aus dem Gesagten geht hervor, dass Sanchos Lage im Frühjahr 
und Sommer d. J. 1158 ganz den in unserem Gedichte enthaltenen 
Andeutungen entspricht: Offensive der Sarazenen auf der einen, weit- 
aussehende Pläne zu ihrer Bekämpfung auf der anderen Seite. Wir 
dttrfen Sancho also in der That mit dem von Peire angeredeten 
ffVeis^ identifizieren und das Gedicht muss danach entstanden sein in 
der Zeit vom Frtthjahr bis zum 31. August 1158. Welcher Ort mit 
Labadol (oder PAbadol?) Y. 19 gemeint ist, vermochte ich nicht zu 
eruieren'), doch erlaube ich mir die Vermutung, dass der Name ent- 
stellt ist aus Badajoz oder Badalioz — südlich von Alcantara an der 
Guadiana — , welches in der That wenige Jahre später, 1168, den 
Mauren entrissen wurde*). 

Sancho ist nun im April 1158 in Tordesillas, am 23. Mai d. J. in 
Sahagun, am 13. Juli in Segovia, am 30. Juli in Toledo nachweis- 
bar*) und er stirbt ebenda. In diesen Gegenden dttrfen wir uns also 



1) Schirrmacher a. a.0. S. 177. — A. Nunez de Gastro, Cronica delos 
senores Beyea de Castüla, Madrid 1665, S. 33 ff. 

2) Schirrmacher a. a. 0. S. 176. 

3) MilÄs Konjektur Varestol ist schon deshalb abzulehnen, weil die nach- 
herige Erwähnung Marokkos keinen Zweifel lässt, dass Labadol Ortsname ist. 

4) Vgl. Spruner-Menke, Handatlas Bl. 16. 

5) Nufiez de Castro a. a. 0. S, 81, 32, 



26 R- Zenker 

Peire an seinem Hofe weilend denken. Vielleicht war es Sanchos be- 
rühmte Freigebigkeit — jener mächtige Magnet aller fahrenden Spiel- 
lente — , die auch ihn angezogen hatte, vielleicht aber auch rein 
menschliche Sympathie für den trefiTlichen Fürsten oder die Hoffnung; 
unter seinen Fahnen kriegerische Thaten im Kampfe gegen die Un- 
gläubigen zu verrichten. Zu Sanchos Charakteristik möge hier der 
begeisterte Hymnus dienen^ den ihm der Erzbischof von Toledo ;singt^): 
;,Dieser König Sancho war so edel und so gut, dass man ihn das Vor- 
bild der Edelleute nannte. Und so viel Tugenden wohnten in ihm^ dass 
man ihn den Vater der Armen hiess, den Freund der Geistlichen, den 
Beschützer der Witwen^ den Vormund der Waisen und den gerechten 
Richter der Völker. Alle Welt liebte ihn und täglich strebte er von 
Tugend zu Tugend und vom Guten zum Besseren^ und er liebte Rein- 
heit und bemühte sich stetS; seine Gaben so zu verteilen, dass der 
Beschenkte dadurch gefördert und gebessert wurde, und keine gute 
Eigenschaft mochte man an einem Sterblichen finden, die man nicht 
am König Sancho gefunden hätte; tapfer war er in der Waffenführung, 
kühn gegen seine Feinde, freigebig gegen alle und gerecht, voll Liebe 
zu seinem Bruder, voll Ergebenheit gegen die Kirchen und fromm 
gegen Gott.^ Nuffez de Castro meint, es habe kaum eine Kirche oder 
ein Kloster gegeben, das von ihm nicht irgend ein Privilegium er- 
halten hättet 

Peires Klage um Alfons Tod macht ganz den Eindruck, als habe 
er vorher schon an dessen Hofe geweilt; doch lassen die Worte des 
Dichters einen sicheren Schluss nicht zu. 

Das nächste chronologisch fixierbare Lied Peires zeigt ihn uns 
wieder in Beziehung zu einem spanischen Fürsten, nämlich zu dem 
Grafen Raimund Berengar IV. von Barcelona (1130—62). Es ist das 
Sirventes no. XI: Belh nfes qui a son bon sen. Der Dichter spricht 
hier in Str. UI die Erwartung aus, von „diesem Grafen von Barce- 
lona^, an dessen Hof er kürzlich gekommen, ein hübsches Geschenk 
zu erhalten, welches i h m Nutzen und dem Grafen Ehre bringen werde: 

Per que d'est comte aten 

de BarsaloQ un den gen, 

que pro'm fassa e Ini onransa*, 

e cre, si del dar no dntz, 

qn'en sa cort on sui vengntz 

es fams e vera mermansa. 



1) Roderich von Toledo in CoUccion de documentos ineditos para la 
historia de Espana t 105, Madrid 1893, S. 437, 

2) a. a. 0. S. 31. 




Peire von Auvergne 2T 

Daraus folgt zunächst, wie schon Diez, Leben u. Werke^ S.61 
gezeigt hat, dass das Lied vor dem 6. August 1162 entstanden sein 
muss; denn ^die Grafen von Barcelona nannten sich seit dem be- 
merkten Zeitpunkte (1162) Könige von Aragon und es wäre gegen 
Brauch und Schicklichkeit gewesen, ihnen den geringeren Titel bei- 
zulegen. In diesem Grafen von Barcelona, au dessen Hof unser Trou- 
badour eine Zeit lang gelebt haben muss, erkennen wir ohne Mühe 
fiaimund Berengar IV. [f 6. August 1162], der durch seine Verbindung 
mit Petronella, der Erbin von Aragon [regiert seit 1137] dieses Reich 
an sieh gebracht hatte, wiewohl er den Königstitel nicht führen wollte. 
Da er sich als Vormund seines Neffen, des Grafen von Provence, 
häufig in diesem Lande aufhielt, so hatten die Troubadours Gelegen- 
heit, seine Milde in Anspruch zu nehmen, ohne ihn in Spanien auf- 
suchen zu mttssen, und dort scheint es auch gewesen zu sein, wo 
Peire von Auvergne mit ihm in Bertthrung trat." Diese letztere Ver- 
mutung ist allem Anschein nach nicht zutreffend. Es lässt sich näm- 
lich eine noch genauere Datierung des vorliegenden Gedichtes gewin- 
nen aus Str. V und VI, welche Diez offenbar nicht gekannt hat, da 
er a. a. O. nur die drei ersten Strophen zum Abdruck bringt. Der 
Dichter bemerkt dort, „dem Grafen drohe von da, wo die Sonne 
leuchtet^, eine Gefahr und er werde den Kürzeren ziehen, wenn 
Frankreich nicht einen Vergleich zustande bringe; er liege im 
Streit mit einem tapferen Jüngling, der so seine Lanze zu führen 
wisse, dass er vor diesen „geschwänzten^ Engländern und vor seinem 
„Niesen^ keine Furcht hege. Hiermit kann nur gemeint sein der 
Feldzug, den Heinrich II. von England im Bunde mit Baimund Be- 
rengar von Barcelona und verschiedenen anderen Grossen im J. 1159 
gegen den damals 25-jährigen Raimund V. von Toulouse (geb. 1134) 
unternahm ^). Heinrich II. erhob nämlich als Gemahl der Eleonore 
von Poitou Ansprüche auf die Grafschaft Toulouse, und als diese durch 
Raimund V. entschiedene Zurückweisung erfuhren, beschloss er, sein 
angebliches Recht mit den Waffen geltend zu machen. Er erklärte 
Raimund den Krieg und ging Anfang des J. 1159 auf einer Zusam- 
menkunft zu Blaye a. d. Gironde ein Bündnis ein mit Raimund Be- 
rengar von Barcelona; der letztere war schon seit einer Reihe von 
Jahren') mit dem Grafen von Toulouse verfeindet und hatte sich be- 



1) Vgl. für das Folgende De Vic et Vaissete, Htstoire ginirale de 
Languedoc JF, Toulouse 1841, S. 171 ff. n. 315 ff. — E. A. Schmidt, Cfeschichie 
von Frankreich I, Hamburg 1835, S. 389. -^Robertus de Monte, Croniea 
ad a. 1159, nach cod. Beg. Sueciae 322, bei Bonqnet XIII, 301f. 

2) Sicher seit 1153, s. Vaissete IV, 159. 



28 R« Zenker 

reits am 20. August 1158 zu Montpellier mit dem Yizgrafen Raimund 
Trencavel von Böziers, vermutlich auch mit Ermengarde von Karbonne 
und Wilhelm von Montpellier zum Kriege gegen ihn zusammengethan. 
Heinrich und Raimund Berengar beschlossen, ihre beiderseitigen Heere 
zu vereinigen und zur Festigung des Bündnisses wurde bestimmt, dass 
Heinrichs Sohn Richard, der spätere Richard Löwenherz, dereinst das 
Herzogtum Guyenne erhalten und Berengara; die Tochter des Grafen 
von Barcelona, heiraten sollte. Heinrich kehrte zunächst nach Eng- 
land zurück, setzte aber gegen Mitfasten d. J. mit seinen Grossen nach 
dem Festlande über, um die Feindseligkeiten zu eröffnen. Ludwig VIL 
von Frankreich, durch seine Schwester Konstanze Schwager Rai- 
munds V., suchte zwischen beiden Parteien zu vermitteln^ Er hatte zu 
dem Zwecke mit Heinrich bei Tours eine Zusammenkunft, die aber 
resultatlos verlief. Nunmehr entbot letzterer ffir Ende Juni seine ge- 
sammte Streitmacht nach Poitiers. Eine zweite Begegnung, die er 
Anfang Juni zu Hilliricort mit Ludwig hatte, ftthrte gleichfalls zu 
keiner Einigung, da Heinrich auf seine Ansprüche nicht Verzicht lei- 
sten wollte, und ebenso blieb eine dritte Begegnung der beiden Für- 
sten gegen Ende des Monats fruchtlos. Ludwig begab sich nun selbst 
nach Toulouse und setzte die Stadt in Verteidigungszustand, Heinrich 
aber rückte gegen Süden vor, verwüstete das Land und eroberte eine 
Anzahl dem Grafen von Toulouse gehöriger Schlösser, darunter das 
Schloss Verdun, nördlich von Toulouse an der Garonne und das Schloss 
Gastelnau d'Estretefonds nordwestlich von Toulouse, wo er einige Zeit 
lagerte. Aus einer Urkunde vom 11. Juli 1159 geht hervor, dass Rai- 
mund Berengar damals noch jenseits der Pyrenäen weilte, zugleich 
aber, dass er sich anschickte, die Heerfahrt nach dem Norden anzu- 
treten. Er stiess Anfang August zu Heinrich, der nunmehr die Stadt 
einschloss, aus Rücksicht auf Ludwig aber von einer Bestürmung ab- 
sah ^) und Ende September unverrichteter Sache wieder abzog, einen 
Teil seiner Truppen als Besatzung der eroberten Castelle zurück- 
lassend. 



1) Dass Heinrich Toulouse selbst zwar eingeschlossen, nicht aber, wie die 
Eist gSn, de Langued. a. a. 0. S. 173 u. 317 will, bestürmt hat, sagt mit klaren 
Worten Gotfrid von Vigeois, bei Bouquet XII, 439: „Änglorum Bex 
Henricus tunc maonmo cum exercüu obsedii Tolosam,.,'*^ dann aber: „Bex Ängla- 
mm urbem nolebat appetere bellOf ob reverentiam Ludotnci*^. Ebenso Wilhelm 
von Newburgh, BonqnetXllljlOb: „, .civitatem oppugnare distulit..'^. Ich 
sehe keinen Grund, diese Angabe zu bezweifeln. Rob. de Monte I.e. leugnet 
l^ogsiv die Thatsache der Einschliessung. 



Peire von Auvergne 29 

Die Erwähnung der Engländer als Verbündeter RaimnndS; der 
HinweiB aaf das jagendliehe Alter des Gegners und die von Frank- 
reich vielleicht zu gewärtigende Vermittelang lassen wohl keinen 
Zweifel, dass no. XI sich eben auf diese Fehde bezieht. Dann ist 
das Gedicht also entstanden nach dem Vertrag von Blaye, der, wie 
wir sahen, Anfang 1159 abgeschlossen wnrde, aber vor dem Beginn 
der eigentlichen Belagerung; da der Dichter ja noch mit der MögUch- 
keit eines durch Frankreich herbeizuführenden Ausgleichs rechnet und 
die gebrauchten Wendungen auch zeigen^ dass das Gedicht in einiger 
Entfernung von Toulouse entstanden sein mnss; es ist also in jedem 
Falle verfasst vor Anfang August d. J. Was bedeuten nun aber die 
Worte V.28: „Euch droht eine Gefahr von dort, wo die Sonne leuchtet"? 
Ich wttsste damit keinen anderen Sinn zu verbinden als: „aus dem 
Süden", „dort im Süden". Ist diese Auffassung richtig — was mir 
freilich recht zweifelhaft bleibt, aber ich sehe keine plausiblere — 
dann müsdte das Gedicht entstanden sein, unmittelbar nachdem oder 
bevor Kaimund Berengar seine Truppen mit denen Heinrichs ver- 
einigt hatte und es wäre anzunehmen, dass diese Vereinigung nörd- 
lich von Toulouse erfolgt sei — was ja in Anbetracht der Tbatsache, 
dass Heinrich dort längere Zeit lagerte, keinerlei Bedenken hat ^). 

Ob Peire bereits im Gefolge des Grafen von Barcelona von Spa- 
nien nach Frankreich gekommen war — er könnte sich nach Sanchos 
Tod an dessen Hof begeben haben — , oder ob er Raimund Berengar 
erst in Frankreich aufgesucht hat, muss unentschieden bleiben; aus 
den Worten „sa cort on sui vengutz^ braucht m. E. nicht geschlossen 
zu werden, dass er eben erst eingetroffen war. 

Aus Peires Bemerkung, er wolle sein Wissen verfuhren, welches 



1) leb habe auch die Möglichkeit erwogen, dass das Lied gar nicht auf 
die Belagerung von Toulouse, sondern vielmehr auf R. Berengars Fehde mit 
Hugo von Baux im J. 1162 zu beziehen sei, wegen deren ich verweise auf 
W. Bernhardi, EmradlU,, Leipzig 1883, 422ff. und vor allem auf Beuche, 
HiaU chronöl. de Provence, Aixl665, II, 122 ft. Hugo und seine Brüder erhoben 
Anspruch auf die Grafschaft Provence gegen Raimund Berengars unmündigen 
Neffen Raimund Berengar HL von Provence. Das Wappen der Baux war ein 
grosser Stern mit 16 Zacken, welcher füglich auch als Sonne aufgefasst werden 
kann, s. die Abbildung bei Bouche a. a. 0. S. 875. Der Ausdruck: „dort wo 
die Sonne leuchtet** könnte dann als eine Anspielung auf das Wappen des 
Gegners gedeutet werden. Indessen scheint mir diese Beziehung schon deshalb 
ausgeschlossen, weil ich aus einer Urkunde bei Bouche a. a. 0. S. 117 ent- 
nehme, dass Hugo bereits 1143 erwachsen war; da konnte er unmöglich noch 
1162 als fjovencel*^ bezeichnet werden. 



30 R- Zenker 

gewachsen sei {lo saber que'mtCes cregtUz\ ergiebt sich^ dass er da- 
mals kein vollständiger Neuling in der Dichtkunst mehr war und wir 
dürfen daraufhin den Beginn seiner Dichterlaufbahn schwerlich später 
als um 1155 ansetzen — wie bereits Diez gethan; auch lässt die Be- 
zeichnung des damals 25-jährigen Grafen von Toulouse als Jwencel^ 
schliessen, dass Peire selbst zum mindesten nicht jttnger war. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach an den gleichen Kaimund Berengar 
von Barcelona und an dessen Neffen Raimund Berengar III. von Pro- 
vence ist; wie schon Diez a. a. 0. S. 61 annimmt, no. IV : Ab fina Jcüa 
comensa gerichtet. Der Dichter erklärt nämlich in der letzten Strophe 
des LiedeS; eines Minneliedes, er sende den „Yers^ an die Grafen in 
der Provence und „hier nach Narbonne''. Raimund Berengar weilte als 
Vormund Raimund Berengars m. (geb. frühestens 1136) seit dem im 
J. 1144 erfolgten Tode von dessen Vater, Raimund Berengar II.; 
wiederholt in der Provence; da er die Erbansprttche seines Neffen auf 
die Grafschaft gegen Raimund von Baux, und; nach dessen Tode im 
J. 1150; gegen Raimunds Witwe und ihre Söhne zu verteidigen hatte, — 
wann zum erstenmale in Gemeinschaft seines NeffeU; weiss ich nicht 
zu sagen; sicher im J. 1162; wo die Fehde mit der Niederlage Hugos 
von Baux ihren Abschluss fand. Eine genauere Datierung unseres 
Liedes wird aus diesem Grunde und in Folge des Mangels speziellerer 
Angäben nicht möglich seiu; nur so viel lässt sich sageU; dass es 
entstanden sein muss vor dem August des J. 1162; da R. Berengar IV. 
am 6. dieses Monats bei Genua starb. 

In dem Adressaten zu Narbonne; an den Peire dasselbe Lied 
sendet; vermutet Diez wohl wieder mit Recht die ^grosse Dichter- 
freundin ; die von Peire Regier so hoch gefeierte Ermengarde" *) 
(1143—1192; t 1197); welche zu Raimund Berengar von Barcelona in 
nahen Beziehungen stand, ihn 1148 mit ihren Truppen bei der Erobe- 
rung Tortosas unterstützte^) und sich; wie wir sahen, 1158 vermutlich 
mit ihm gegen Raimund von Toulouse verbündete. DarauS; dass Peire 
das Lied schickt „sai a Narbona^ ergiebt sich; dass er sich damals 
nicht weit von dieser Stadt aufhielt. 

Peires Hauptgönner ist nun aber gerade Raimund Berengars und 
Ermengardes Gegner; der Graf Raimund V.' von Toulouse gewesen. 
Das erfahren wir aus dem Liede no. XV: Oent es, mentr^om tCa lezer, 
in welchem Peire der Welt und ihrer Freuden Valet sagt und erklärt; 
von nun ab nur noch seinem Seelenheile leben zu wollen. Das Ge- 



1) Vgl. Appely Peire Rogier S. 5 f. 

2) Art de verifier les dates III, 101. 



Peire von Auvergne 31 

dicht bietet zu einer genaueren Datierung keinerlei Handhabe^ nur 
im allgemeinen lässt sich sagen^ dass es aus Peires späterer Lebens- 
zeit, der Zeit seiner penedensa stammen muss. In no. YIIl redet er 
Amors an mit den Worten: „Liebe^ wohlgesinnt solltet ihr mir sein, 
da kein anderer als der gerechte Bichter mich von Euch scheiden 
konnte; denn durch Euch wurde ich bereichert, erhöht und 
gefördert und durch den Herrn von Beaucaire." Dieser 
Herr von Beaucairc; den Peire hier bei seinem Abschied vom Welt- 
leben als denjenigen bezeichnet, dem er das Meiste zu verdanken 
habe, ist kein anderer als der Graf von Toulouse; Beaucaire war 
einer der Hanptorte der Grafschaft Toulouse und diente, neben Ar- 
gence, den Trobadors vielfach zur Bezeichnung des ganzen Gebietes, 
vgl. de Lollis, Sordello diOoito S. 253 n.22 und 258 n. 21. Der Hof 
von Toulouse war der reichste und mächtigste in ganz Sttdfrankreich; 
schon Marcabrnn, dessen datierbare Lieder in die Jahre 1135—48 
fallen, hat ihn besucht, und am Hofe Kaimunds Y. haben eine Anzahl 
der berühmtesten Trobadors geweilt: Bernart von Ventadorn, Peire 
Bogier, Peire Baimon, Peire Vidal, Folqnet von Marseille^), denen sich 
nun also auf Grund des vorliegenden Liedes auch Peire von Auvergne 
anreiht. Wenn Peire in dem oben besprochenen, an Baimund Be- 
rengar IV. gerichteten Liede no. XI Str. II bemerkt: „wer an zwei 
Orten guter Freund sei [nach der Lesart von GB], dem erwachse 
daraus leicht grosse Freude,'' so liegt es, meine ich, nahe, unter dem 
zweiten Orte eben den Hof von Toulouse, gegen das Berengar damals 
Krieg führte, zu verstehen, wie denn Peires Charakteristik des jungen 
Grafen von lebhafter Sympathie fUr denselben Zeugnis ablegt. Irgend 
welche weitere Nachrichten über Peires Beziehungen zu Baimund V. 
haben wir nicht, keines seiner Lieder ist dem Grafen gewidmet, auch 
wird er sonst nirgends erwähnt. 

Ein fester terminus ad quem lässt sich wieder ansetzen ffir no.XH 
und no. VI. 

No. XII, Peires berühmte Satire auf die zeitgenössischen Tro- 
badors, muss, wie schon Appel, Peire Regier S. 10 gezeigt hat, vor 
1173 entstanden sein, da der in Str. IX als lebend erwähnte Baim- 
bant offenbar identisch ist mit Baimbaut von Orange und dieser im 
genannten Jahre starb, vgl. die Anm. zu V. 55. Viel jünger freilich mttsste das 
Gedicht sein, falls die Strophen auf Eble von Saignas d. i. von Uisel, 
Str. XI, und auf Peire Bermon, Str. VIII, als ursprünglich zu betrachten 



1) Vgl. P. Meyer, Lea trouhadoura ä la cour des comtea de Taulouee, in 
Hist, gin» de Languedoc, nouv. öd. YII (1879) S. 441. 



32 R* Zenker 

wären; denn Eble von Uisel ist von 0. Schultz, Zs.f.rom.PkU, 12, 
541 noch zu den Jahren 1228 and 1233 nachgewiesen and Peire Bre- 
men war ein Zeitgenosse Sordels, mit dem er am 1240 seinen be- 
kannten Liederstreit ftlhrte. Die fragliehen Strophen stellen sich aber 
als jüngere Interpolationen dar, ebenso wie Str, Vm in ADIEN'y 
welche aus der Satire des Mönchs von Montaudon stammt, and wie 
mehrere der in a überlieferten Strophen^). Der temUnus ad quem 
1173 ist also festzuhalten. Andrerseits scheint es aber, als ob das 
Gedicht auch nicht sehr viel weiter hinaufgerttckt werden dürfe. Die 
dichterische Thätigkeit des an zweiter Stelle darin genannten Gairaat 
von Bornelh wird nämlich von Diez, L. ti. W} S. 110, dem sich Cha- 
banean, App. anschhesst, gesetzt in die Zeit von 1175—1220. Ihr 
Beginn ist mit 1175; wie schon Sachier, Jahrb. 14, 305 sah, and wie 
sich eben aas Gairauts Erwähnung in vorliegender Satire ergibt, zu 
spät, wir können sagen: viel zu spät angesetzt. Da aber die Grenze 
nach unten mit ca. 1220 richtig angenommen zu sein scheint — ein 
Ued Goirauts ist sicher erst nach 1217 entstanden, vgl. DiezS.113 — 
so darf der Beginn seiner Dichterlaufbahn keinenfalls über ca. 1160 
binaufgeschoben werden. Nun musste Guiraut sicher schon eine ganze 
Reihe von Jahren thätig gewesen sein, bevor er sich einen solchen 
Namen gemacht hatte, dass Peire sich veranlasst sehen konnte, ihn 
in seiner Satire gleich an zweiter Stelle aufzuführen. Somit werden 
wir als Entstehnngszeit von no. XII das Ende der sechziger Jahre oder 
den Anfang der siebziger vor 1173 anzunehmen haben. 

Das Gedicht wurde der Tornada zufolge verfasst zu Pulvert, 
worin der Ort dieses Namens im Däp. der Aude, ca. 30 km. süd- 
westlich Limoux, in den Ausläufern der Pyrenäen zu erkennen ist, 
nicht Pulvert im Däp. Vaucluse bei Apt, da nichts darauf hinweist, 
dass Peire sich auch jenseits der Rhone, in der Provence, aufgehalten 
hat. Das Schloss von Pulvert, Däp. Aude, wurde von Simon v. Mont- 
fort 1210 zerstört, vgl. Bescherelle, Grand dict. de gSogr, univ. 

In no. VI Str. VIII bemerkt der Dichter, die Gunst seiner Herrin 
sei ihm mehr wert als wenn „König Ludwig ihm Frankreich gäbe^. 
Da Ludwig VII. 1180 starb, muss das Gedicht vor diesem Datum ent- 
standen sein. 

Alle übrigen Lieder Peires lassen nur eine relative, keine abso- 
lute chronologische Fixierung zu. Mithin sind seine datierbaren 
Lieder alle entstanden innerhalb der Jahre 1158—1180. 



1) Vgl. die Anmerkungen zu den beiden Strophen. 



Peire von Auvergne 33 

Da Peire in do. XIV und XV von der Liebe und dem weltlichen 
Leben Abschied nimmt (XIV 31: Qiiarreire temps Ai amat nemps, 
E vuelh Wien atrazach laissar] XV 15: QWel segF ai fag man 
plazer^Tanqü'ensuidetroppeccaire; Et ar' agrada'm ri estraire\ 
nnd in XV erklärt, künftighin nur auf sein Seelenheil bedacht sein 
zu v^ollen — vermutlich ist auch XIV 40 flF. in diesem Sinne zu 
deuten — , so sind wir zu der Annahme berechtigt, dass alle jene 
Lieder, in denen von Minneangelegenheiten die Rede ist; vor no.XIV 
und XV, vor der Zeit seiner „penedensa^ entstanden sind, die Lieder 
geistlichen Inhalts aber während dieser Zeit, und da die Biographie 
angibt, er habe im höheren Alter „Busse gethan" — nachdem er 
„lange in der Welt gelebt hatte" — und auch der Hinweis auf seinen 
Tod no. XIV 46 die Vermutung nahe legt, das Lied stamme erst aus 
seiner späteren Lebenszeit, so dürfen wir schliessen, dass alle Ge- 
dichte der ersterwähnten Art seinen Jugend- und Mannesjahren, die 
geistlichen Lieder hingegen seinem Alter angehören. Dass auch die 
Satire, no. XII, noch aus der Zeit seines fröhlichen Weltlebens stammt, 
kann im Hinblick auf den heiteren, ja übermütigen Charakter dieses 
Liedes keinem Zweifel unterliegen ; wir bekommen damit als terminus 
a quo für seine „Bekehrung" das Ende der sechziger Jahre, da das in 
Bede stehende Gedicht, wie wir sahen, nicht wohl früher entstanden 
sein kann. No. XIII dürfte der pessimistische Ton, der in dem Liede 
herrscht, jedenfalls seinen späteren Lebensjahren zuweisen. 

Von Peires Liebesliedem konnten wir nun eines, no. IV, ansetzen 
vor dem 9. Aug. 1162, ein anderes, no. VI, umgrenzen mit den Jahren 
1137 — 1180; sein ältestes datierbares Lied, no. X, wurde verfasst 1158, 
no. XI, welches schon nicht mehr aus der ersten Zeit seiner dich- 
terischen Thätigkeit stammt, 1159, no. XII nicht lange vor 1173; wir 
wissen ferner, dass er etwas jünger war als Marcabrun, dessen da- 
tierbare Lieder alle den Jahren 1135—48 angehören. Danach gehen 
wir wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, dass Peires weltliche Lieder 
in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren entstanden sind. Be- 
züglich der geistlichen Lieder lässt sich nur so viel sagen, dass sie 
nach dem Ende der sechziger Jahre, vielleicht eine lange Reihe von 
Jahren später, entstanden sein müssen; sie mögen den siebziger oder 
achtziger Jahren angehören. 

Für die Bestimmung von Peires Lebenszeit wie für seine Lebens- 
schicksale würden nun noch von Wichtigkeit sein einige hier zu be- 
sprechiende Urkunden, in denen ein Peire von Auvergne genannt wird, 
wenn wir diesen mit unserem Dichter identifizieren dürften. 

Zenker, Peiro von Anvergne. ^ 



34 R. Zenker 

Bartsch hat in der 2. Auflage von Diez, L. u. W. S. 60, Anm. 1 
daranf aufmerksam gemacht; dass ein Petrus deAlvernia^ dessen Iden- 
tität mit dem Dichter freilich nicht zu erweisen sei, urkundlich — als 
Zeuge — 1148 erscheine Rev. d, l. rom, 5 (1874), 78, und ich füge 
hinzu, dass ein Petrm d^Älveriffue, der sicher der nämliche ist, ebenda, 
wiederum als Zeuge, zum gleichen Jahre S. 47 erwähnt wird. Beide 
Urkunden sind ausgestellt zu Montpellier; in der ersteren, vom März 
d. J., schwört ein gewisser Wilhelm Vedias dem Wilhelm von Omellaz, 
ihm das Schloss Cornon nicht schädigen zu wollen; in der anderen 
leistet Peire Montferrier, Sohn der Agnes, dem Wilhelm VII. von Mont- 
pellier, dem Sohne Sibyllens, den gleichen Schwur bezüglich des 
Schlosses Montferrier. Dürfen wir in diesem Petrus de Alvemia, bzw. 
dJAlvengue unseren Dichter erkennen? Ich halte es für einigermassen 
wahrscheinlich aus folgenden Gründen: 

1. Die Zeit stimmt vollkommen, da Peire, wie wir sahen, seine 
dichterische Laufbahn eine Reihe von Jahren vor 1159 begonnen haben 
muss; er kann sehr wohl schon 1148 erwachsen gewesen sein und 
als Zeuge fungiert haben. 

2. Wir wissen, dass Peire sich in der Nähe von Narbonne, also 
gar nicht weit von Montpellier, aufgehalten hat. 

3. Wilhelm VI. sowohl als sein Sohn Wilhelm VII. von Mont- 
pellier (1149—72) standen in nahen Beziehungen zu Kaimund Be- 
rengar IV. von Barcelona, an dessen Hof, wie wir sahen, Peire sich 
aufgehalten hat: gemeinsam mit Raimund Berengar unterstützte Wil- 
helm VI. Kaiser Alfons bei der Belagerung von Almeria, welches am 
17. Okt. 1147 den Sarazenen entrissen wurde, und im folgenden Jahre 
half er Raimund bei der Eroberung Tortosas am 31. Dez. 1148, mit 
welcher Stadt er von diesem schon 1136 belehnt worden war^); beide 
Male hatte er seinen Sohn Wilhelm bei sich. Letzterer wiederum war, 
wie wir sahen, 1159 mit Raimund Berengar gegen den Grafen von 
Toulouse verbündet. 

Die Vermutung scheint mir unter diesen Umständen recht nahe 
liegend, der in den obigen Urkunden genannte Peire von Auvergne 
sei wirklich identisch mit unserem Dichter; es würde sich dann, da 
wir aus Peires Liedern erfahren, dass er gegen die Sarazenen ge- 
kämpft hat, die weitere Vermutung darbieten, er habe vielleicht im 
Gefolge Wilhelms von Montpellier eben an der Eroberung Almerias 
oder an der Tortosas teilgenommen. Immerhin muss die Identität 
der beiden Peire in Anbetracht der ausserordentlichen Häufigkeit des 



1) Vgl. Bist, gen, de Languedoc IV, 122 f. Art de vir, les dates III, 109. 



\^jAäßLlir- 



Peire von Auvergne 35 

Namens natürlich zweifelhaft bleiben, wie denn ein mit unserem 
Dichter sicher nicht identischer Peire von Auvergne thatsächlich in 
einer sofort zu besprechenden dritten Urkunde erscheint. 

Auf einen zum J. 1155 im heiligen Lande urkundlich bezeugten 
Petrus de Alvernla hat hingewiesen 0. Schultz, Zs, f. rom.Pkt'L 10, 
595. Die betreffende Urkunde, datiert vom 11. Febr. gen. J., ist 
gedruckt im Cartulaire de VSglise du Saint SSpulcre de Jerusalem 
p. p. E. de Roziferes, Paris 1849, no. 131: eine Anzahl Bürger der 
„Mahumerie^, meist, wie es scheint, Provenzalen, Catalanen und Fran- 
zosen, schwören dem Konvent des heiligen Grabes unverbrüchliche 
Treue. Gleich als vierter wird genannt ein Petrus de Alvernia, aber — 
weiter unten erscheint ein zweiter Petrus de 'Alvemial Gewiss ist es 
nicht ausgeschlossen, dass einer der beiden identisch ist mit dem 
Dichter, aber es bleibt eine blosse Möglichkeit, denn eben das 
Auftreten einer zweiten Persönlichkeit gleichen Namens beweist ja 
am besten, dass auf den Zusatz de Alvernia gar kein Gewicht gelegt 
werden kann, und gegen die Identität spricht, dass sich in Peires Liedern 
keinerlei Anspielung auf eine Fahrt nach dem heiligen Land findet und 
auch die provenzalische Biographie einer solchen nicht Erwähnung thut. 

Dies sind die einzigen mir bekannten urkundlichen Erwähnungen 
eines Peire von Auvergne ; weitere urkundliche Forschungen habe ich 
nicht angestellt, da, auch wenn sie von Erfolg gekrönt gewesen wären, 
es ja doch immer völlig ungewiss hätte bleiben müssen, ob es sich 
wirklich um unseren Dichter handelt. 

Ich kehre nun zu Peires Liedern zurück; was wir aus ihnen, 
abgesehen von den schon erwähnten Punkten, sonst noch über seine 
Lebensschicksale erfahren, ist herzlich wenig und beschränkt sich auf 
sehr allgemeine und sehr unbestimmte Andeutungen. 

Aus seinen Minneliedern ergiebt sich, dass er eine Zeit lang einer 
Dame gehuldigt und um ihre Gunst geworben hat. Es erhebt sich 
die Frage: Sind alle diese Lieder dem gleichen Verhältnisse ent- 
sprungen oder gelten sie verschiedenen Frauen? Da, wie wir sehen 
werden, no. VIII, wo der Dichter sich über eine Treulose beklagt, 
jedenfalls nicht die gleiche Beziehung hat, wie no. VII, so könnte 
wohl das letztere der Fall sein. Da er aber weder Namen nennt noch 
auch sich eines Verstecknamens bedient, so lässt es sich nicht ent- 
scheiden. Immerhin möchte ich glauben, dass in Anbetracht ihrer 
nahen inhaltlichen Verwandtschaft jedenfalls no. IV, V und VI auf 
das gleiche Verhältnis zu beziehen sind und ungefähr aus der gleichen 
Zeit stammen: Der Dichter liebt, so hören wir, eine Frau, deren An- 

3* 



36 H. Zenker 

blick sein Herz mit Freude erfüllt, empfindet aber sebmerzlieb ihre 
Zurückhaltung; bisher war all sein treues Dieuen erfolglos. Indes, 
schon dadurch, dass sie seine Werbungen nur duldet, fühlt er sich 
beglückt; die Liebe zu ihr macht ihn reich. Und er hofft auch, dass 
seine Wünsche noch einmal Erhörung finden werden; darum wird er 
trotz allem ausharren und sich keiner anderen zuwenden. 

Dies im wesentlichen der, freilich, wie man sieht, ganz konven- 
tionelle Gedankengang der drei in Rede stehenden Lieder. Ist die 
Annahme, dass sie die gleiche Beziehung haben, zutreffend, so müssen 
sie entstanden sein entweder, wie no. IV, vor oder doch nicht lange 
nach dem 9. Aug. 116?, üeber die Persönlichkeit der Dame erfahren 
wir nichts weiter, als dass sie, nach no. IV, in der Nähe von Narbonne 
weilte, woselbst der Dichter sich bei ihr aufhielt (er sendet das Lied 
y^sai a Narbona^ und bemerkt: ^et eu trob sai quim retenha^). 

Es muss dahingestellt bleiben, ob vielleicht schon I— III dem 
gleichen Verhältnis ihre Entstehung verdanken ; sie wären dann etwas 
früher anzusetzen als IV — VI, da sich in ihnen Klagen über vergebliches 
Werben noch nicht finden. In allen drei Liedern — in in ausschliesslich 
in der letzten Strophe und der Tornada — ist nur in sehr allgemeinen 
Ausdrücken die Rede von einer Liebe, die ihn beglücke, ihn heiter 
stimme und zum Gesang begeistere^). Der frische, optimistische Ton 



1) V. Lowinsky, Zum geistl, Kunstliede in der altprov. Litt. S. 204 meint, 
I und II seien „dem Gegensatz zwischen der Liebe zur Welt und der gött- 
lichen Liebe gewidmet''. Dass von einer neuen irdischen Leidenschaft in II 
nicht die Rede sein könne, zeigten die Schlussworte des Gedichtes, wo der Dichter 
für die ihm verliehene Gabe, Grossen wie Kleinen in der Kunst, ohne erlogenen 
Gegenstand zu dichten, tiberlegen zu sein, bei demjenigen sich bedanke, von 
dem sie ihm verliehen sei. Dies könne kein anderer als Gott selber sein. 
S. 169 meint er, diese Lieder stünden „am Anfang der Entwicklungsreihe, die um 
die Mitte des 13. Jh. zum geistlichen Minnelied führen werde* ; er will sie nach 
XV ansetzen, wo „von einer frommen Umwertung der ritterlich-romantischen 
Liebesbegriffe noch nicht die Rede sei**. — Lowinskys Auffassung scheint mir 
nicht haltbar. Das einzige Argument, das er für dieselbe anführt, beruht auf 
einem Missverständnis: nicht bei Gott bedankt sich der Dichter, sondern bei 
Amors, vgl. die Anm. zu II 64. Nirgends findet sich in den beiden Liedern auch 
nur eine Spur der behaupteten geistlichen Tendenz, vielmehr tragen sie ein 
rein weltliches Gepräge*, der Ton, der in ihnen herrscht, steht in schroffem 
Gegensatz zu dem Tone in Peires geistlichen Liedern. I schliesst mit den 
Worten: „Den Vers singe, wer ihn gelernt haben wird, ohne Misstöne da, wo 
es mir sehr erwünscht wäre, vor der, deren Hände ich küsse." Was sollte das 
wohl heissen, wenn es sich im Gedichte, wie Lowinsky will, um Gottesminne 
handelte ! 



Peire von Auvergne 37 

dieser Lieder dürfte dafür sprechen, dass sie der Jugend des Dichters 
entstammen. Freilich hat er nach II 47 immerhin schon irgend 
welche üblen Erfahrungen mit „falscher Freundschaft" gemacht. 

Vielleicht darf an IV— VI angeschlossen werden no. VII. Der 
Dichter klagt hier über unerwiderte Liebe; wir hören, dass er „das 
Land, wo er aufgewachsen ist", und in dem, wie sich aus dem Zu- 
sammenhang ergiebt, die Hartherzige weilt, verlassen hat und im Be- 
griffe steht, in den Krieg zu ziehen — welchen Krieg, das erfahren 
wir nicht. Im Hinblick auf den Wankelmut der Frauen äussert er 
die Befürchtung, in seiner Abwesenheit „verraten" zu werden : y^que 
mit vetz i sui falhitz^. Ob unter der y^terra on fui noiritz^^ seine 
engere Heimat, die Auvergne, oder vielleicht die weitere, Frankreich 
im Gegensatz etwa zu Spanien, zu verstehen ist, wird sich nicht ent- 
scheiden lassen, doch halte ich das erstere für wahrscheinlicher. 

Eine andere Beziehung als no. VII muss no. VIII haben. Der 
Dichter erklärt hier, er habe wegen des Verrats der Geliebten ein 
„freundliches Land", „wo Liebe ihn erobert hatte", verlassen, er be- 
dauert, dass er sich um ihretwillen von einem ihm lieben Kreise — 
einer „j^ews qu'es corteza e conha^ — habe trennen müssen und ver- 
sichert, die Falsche werde ihn im Leben nicht wiedersehen. Den Aus- 
drücken „a/ dessebrar del pats^j „a partir Wave de la terra conha^ zu- 
folge hat er dem Lande eben erst den Rücken gekehrt. Die Be- 
ziehung des Liedes auf das gleiche Verhältnis wie no. VII ist durch 
den Inhalt offenbar ausgeschlossen. Ueber die Persönlichkeit der 
Dame sowohl als darüber, welches das „freundliche Land", die 
„freundlichen Leute" waren, von denen er sich trennen musste, bleiben 
wir auch hier völlig im Dunkeln; ebensowenig vermag ich über den 
in der Tomada angeredeten, bei Peire sonst nicht begegnenden „Herrn 
Estrieu^ irgend welche Auskunft zu geben. 

Auf ein glückliches Liebesverhältnis muss, wie es scheint, no. IX, 
die Romanze, bezogen werden, wofern sie — wie doch wohl anzunehmen 
ist — wirklich eine reale Grundlage hat. Wir erfahren hier, dass 
eine Dame, an die der Dichter als Liebesboten die Nachtigall sendet, 
sich ihm bei seinem Abschiede freundlich erwiesen hat und dass er 
die Hoffnung hegt, ihre Gunst zu gewinnen. Die Antwort der Dame, 
die er sich von seinem gefiederten Boten überbringen lässt, ist wohl 
so zu verstehen, dass er in dieser Form der Geliebten zu wissen 
thun will, wie sie, wenn es nach seinen Wünschen ginge, gegen ihn 
gesinnt sein müsste. 

Aus einigen Stellen seiner Lieder erfahren wir, dass Peire nicht 
nur dichterischen, sondern auch kriegerischen Lorbeeren nachgestrebt 



38 R* Zenker 

hat: no. VII wurde, wie wir schon sahen, V. 21 znfolge verfasst, als 
er im Begriffe stand in den Krieg zu ziehen, und in no. HI 23 f. be- 
merkt er mit einem kühnen Bilde, seine dichterischen Leistungen, 
wörtlich: seine „vollkommenen Sprttche {ditz complitzY besiegten 
seine Kriegsthaten {fatz guerriers), die vor ihm ein Geschrei erhöben, 
weil er sich an ihnen nicht genügen lasse. Dass er gegen die Sara- 
zenen, jedenfalls in Spanien, gekämpft hat, darf gefolgert werden 
aus VIII 17 f.: Anc non anei tans camis Ves Francs ni ves Sarrazis 
On mielhs fos detnandatz Jais etc., während es sich bei dem ves Francs 
auch nur um einen Aufenthalt im Lande der Franken, in Nordfrank- 
reich, handeln könnte. 

Aus Peires geistlichen Liedern lässt sich für unsere Kenntnis 
seiner Lebensumstände weiter nichts entnehmen, als dass er, wie auch 
die provenzalische Biographie berichtet, in höheren Jahren dem Welt- 
leben ganz entsagte, sich, gewiss in einem Kloster, ausschliesslich 
religiösen Betrachtungen ergeben und in deren Dienst auch seine 
Muse gestellt hat. 

Und damit wäre denn erschöpft, was sich aus den verschiedenen, 
spärlich fliessenden Quellen an biographischem Material gewinnen 
lässt. Die Ergebnisse mögen zum Schluss hier in Kürze zusammen- 
gefasst werden: 

Peire von Auvergne, wie er sich V 50, XII 79 und XV 66 selbst 
nennt, — VI 54 nennt er sich ,,d^Alvernhe^ schlechthin — war 
der Sohn eines Bürgers in der Diözese Clermont. Von Haus aus 
Geistlicher, vertauschte er diesen Beruf später, aller Wahrscheinlich- 
keit nach noch in jungen Jahren, mit dem des Jogiars. Als solcher 
hat er ein Wanderleben geführt, über dessen einzelne Stationen wir 
nur ganz ungenau unterrichtet sind. Vielleicht darf er schon identi- 
fiziert werden mit einem Peire von Auvergne, der 1148 zu Montpellier 
urkundlich erscheint. Sicher ist, dass er sich längere Zeit an dem 
glänzenden Hofe von Toulouse aufgehalten hat — den Grafen Raimund V. 
(geb. 1134, reg. 1148 — 1194) bezeichnet er einmal als seinen Haupt- 
gönner, als denjenigen, der ihn „bereichert, erhöht und gefördert" 
habe — , wir wissen ferner, dass er im Frühjahr oder Sommer 1158 
am Hofe Sanchos von Castilien (1157— 58) war, und dürfen vermuten, 
dass er vorher schon am Hofe von dessen Vater, Alfons VII. von Castilien 
(1126 — 1157), geweilt hat; im Sommer 1159 hat er Raimund Berengai:^IV. 
von Barcelona (1130—1162) aufgesucht, zur Zeit als dieser als Ver- 
bündeter Heinrichs II. von England gegen Toulouse zu Felde zog; 
vor dem 9. Aug. 1162 hat er sich einmal in der Nähe von Narbonne 



Peire von Auvergne 39 

aufgehalten und nicht lange vor 1173 war er einmal zu Pulvert im 
D6p. Ande. Dass er auch dem Hof der berühmten' Dichterfreundin 
Ermengarde von Narbonne (1143—1192) nicht ferngeblieben ist, unter- 
liegt wohl keinem Zweifel und aus VIII 18 darf vielleicht ein Aufent- 
halt in Nordfrankreich gefolgert werden. Er war hervorragend musi- 
kalisch begabt: sein Gesang wird gerühmt und seine Melodien galten 
lange als die besten, die je gefunden wurden. Aus einzelnen An- 
deutungen in seinen Liedern ist zu entnehmen, dass er nicht nur den 
Kttnsten des Friedens oblag, sondern auch das Schwert zu führen 
verstand: er hat gegen die Sarazenen gekämpft, aller Wahrscheinlich- 
keit nach in Spanien, vielleicht unter den Fahnen Alfons VII. oder 
Raimund Berengars IV. von Barcelona. Schon durch seine Kriegsthaten 
glaubte^ er zu solchem Ansehen gelangt zu sein, dass er den dich- 
terischen Lorbeer wohl hätte entbehren können ; doch stellte er selbst 
seine dichterischen Leistungen höher als seine kriegerischen (III 23 f.). 

Gering scheinen seine Erfolge auf den Pfaden des Frauendienstes 
gewesen zu sein; darauf lassen seine Klage VII 33: .,es sei ihm schon 
durch die Stunde seiner Geburt bestimmt worden, dass er nie in 
Frieden lieben solle", und seine ebenda V. 42 ff. sich findenden, ganz 
in Marcabrunschem Geiste gehaltenen sarkastischen Aeusserungen über 
die Frauen schliessen, nicht minder die Bemerkung XIV 34 ff. Frei- 
lich bleibt zu bedenken, dass es sich auch um vorübergehende Stim- 
mungen handeln könnte. Welchen Frauen Peires Huldigungen gegolten 
haben, wissen wir nicht, da er in seinen Liedern keine Namen nennt 
und seine sonstigen Angaben ganz unbestimmt und unklar gehalten 
sind. Was wir erfahren, ist im wesentlichen dies: Er hat in „dem 
Lande, in dem er aufgewachsen war" — der Auvergne? oder Süd- 
frankreich überhaupt? — einer Dame gehuldigt, hat aber dann das 
Land verlassen, um Kriegsdienste zu thun; er hat eine Zeit lang, vor 
1162, vielleicht auch noch nachher, eine Dame in der Nähe von Nar- 
bonne geliebt — sie könnte mit der ersteren möglicherweise identisch 
sein — ; er hat um einer anderen willen, von der er sich verraten 
glaubte, einem „freundlichen Lande" und „freundlichen Leuten" —zu 
welcher Zeit? welchem Lande? welchen Leuten? lässt sich nicht er- 
mitteln — den Kücken gekehrt. Alles Weitere entzieht sich unserer 
Kenntnis. 

Der provenzalischen Biographie zufolge hat unser Dichter „lange 
in der Welt gelebt" und ist an den Höfen ein gern gesehener Gast 
gewesen. Im Alter „that er Busse", d. h. jedenfalls — die Fassung 
der Biographie in R sagt es ausdrücklich ~ : er trat, wie so viele seiner 
Kunstgenossen, in ein Kloster. Eine Anzahl geistlicher Lieder, die offenbar 



40 R- Zenker 

alle aus dieser Zeit stammen; zeigen ihn nns ganz in religiöse Be- 
trachtungen versenkt. Wann er gestorben ist, wissen wir nicht. Seine 
Blüte werden wir nach den obigen Ermittelungen ttber die Entstehungs- 
zeit seiner Lieder mit den Jahren 1150—1180 umgrenzen dürfen. 



Peires Lieder. 

Eine Würdigung von Peires Lyrik, soweit sie Minnelyrik ist, hat 
neuerdings versucht A. Pätzold, Die individuellen Eigentümlichkeiten 
einiger hervorragender Trobadors im Minneliede, Marburg 1897 {Ausg, 
u. Abh. H. XCV), S. 50 — 57. Seine Darlegungen leiden aber unter dem 
Uebelstande, dass sie nicht auf einem kritisch gesichteten Material 
fussen: Pätzold hält Gr. 323, 5 und 6 für echt und benutzt beide Ge- 
dichte ausgiebig für seine Charakteristik Peires, während ich S. 3 ff. 
gezeigt zu haben glaube, dass dieselben vielmehr von Bernart von 
Venzac herrühren; so sind einige falsche Züge in das Bild geraten, 
das Pätzold uns zeichnet'). Auch hat er die Texte nicht immer richtig 
verstanden und seine Behauptungen sind teilweise anfechtbar^). 

Peires geistliche Lieder wurden analysiert und besprochen von 
V. Lowinsky, Zum geistlichen Kunstliede in der altprov. Litt bis zur 
Gründung des Consistori del Oai saher, Zs. /. franz. Spr, u. Litt. 20 
(1898), 163 ff. passim; von L.s bezüglichen Ausführungen gilt das 
Gleiche wie von der Arbeit Pätzolds: auch sie bedürfen, weil einer 
gesicherten kritischen Basis ermangelnd, mehrfach der Korrektur*). 

Die Handschriften überliefern uns von Peire von Auvergne im 
ganzen neunzehn Lieder. Von diesen sind als Minnelieder im eigent- 
lichen Sinne nur vier zu bezeichnen, II, IV— VI, indem sie Huldigungen 



1) Es tritt hier eben wieder recht deutlich zu Tage, dass kritische Aus- 
gaben der Trobadors für die provenzalischen Studien ein dringendes Bedürfnis 
sind; ohne sie schweben alle weiter ausgreifenden, sich nicht auf die wenigen 
vorhandenen kritischen Editionen beschränkenden Forschungen mehr oder weniger 
in der Luft. 

2) Eine rechte Flüchtigkeit ist es, wenn P. einmal, S. 55, ein angeblich 
von Peire gebrauchtes Bild erwähnt, wahrend er in der zugehörigen Anm. 3 auf 
derselben Seite die Emendation von Appel billigt, welche eben dieses Bild 
entfernt! 

3) Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dass bei Lowinsky für „Folquet 
von Marseille" überall „Folquet von Romans" einzusetzen ist; von 
ersterem besitzen wir geistliche Lieder überhaupt nicht, vgl. meinen Aufsatz 
Zs.f. rom, Fhih 21, 335, dem P. Meyer, Romania 26,585 zugestimmt bat. 



Peire von Auvergne 41 

fttr eine nicht genannte Dame enthalten, eines, lyrisch-epischen Cha- 
rakters, IX, gehört zu jener Gattung von Gedichten, die man als Ro- 
manzen zu bezeichnen pflegt, ist aber seiner Tendenz nach wohl ein 
Minnelied in Form einer Romanze, zwei, I und III, schlagen das 
gleiche Thema an in der letzten Strophe und der Tornada, handeln 
aber im übrigen von anderen Dingen: I philosophiert über die Not- 
wendigkeit von jöis, mit dem sens und reconoissensa verbunden sein 
müsse, III ist rein persönlichen Inhaltes, ein Selbstlob des Dichters; 
VII hat zum Gegenstand bittere Klagen über eine Unnahbare und 
heftige Schmähungen auf die Frauen überhaupt, VIII stellt sich dar 
als eine scharfe Absage an eine treulose, bis dahin umworbene Schöne. 

Die übrigen elf Lieder sind Sirventese: X und XI haben teils 
politischen, teils persönlichen, XII hat satirischen, XIII rein morali- 
sierenden, XIV teils moralisierenden, teils persönlichen Inhalt; fünf 
Lieder, XV— XIX, behandeln geistliche Themata. 

Von Peires Liebesliedern bemerkt Diez, L. ti. TT.^S. 62, sie ver- 
rieten „Geschicklichkeit in Form und Darstellung, Erlebnisse aber und 
Empfindungen würde man vergebens in ihnen suchen", und ähnlich 
urteilt Fauriel, HisLd, L iioisie provAly 12: „ew vain chercherait-on 
dans ses chants une ombre d'individualiU; toutyest genital et abstrait, 
tout y est effort et recherche pour donner un peu plus de solennite et 
d^inergie aux formules convenues de Vamour chevaleresque,^ Wir werden 
diesem Urteil nur zustimmen können. Peires Minnelieder tragen in 
der That ein durchaus konventionelles Gepräge ; sie sind ganz abstrakt 
gehalten, bewegen sich in den allgemeinsten Ausdrücken und sprechen 
nur Gedanken aus, die in der provenzalischen Lyrik unzählige Male 
wiederkehren. Die Dame, der des Dichters Huldigungen gelten, ist 
ein schattenhaftes Wesen ohne Namen, ohne Persönlichkeit, ohne In- 
dividualität; charakteristisch ist es, dass sie in der Regel einfach mit 
dem Abstraktum ,^ainors^^ bezeichnet wird, welches so einerseits die 
Bedeutung von ^domna^ gewinnt, andrerseits aber doch an vielen 
Stellen seinen rein abstrakten Sinn bewahrt. 

Eine Analyse des Inhalts der in Betracht kommenden Gedichte 
wird dem Gesagten zur Bestätigung dienen. 

II sowie I und III, letzte Strophe und Tornada, sprechen in sehr 
unbestimmten Ausdrücken von einer Neigung, die den Dichter zum 
Gesänge begeistert, und von der Freude, mit der sie sein Herz erfüllt; 
IV— VI zeigen ihn uns als schmachtenden, VII und VHI als verbitterten 
und enttäuschten Liebhaber. Er liebt, so hören wir, eine Frau, der 
verständiger Sinn {senatz sens) und Schönheit eignen II 27; sie {amors) 
hat ihm die Gabe verliehen, Worte und Weisen zu finden und es 



42 R. Zenker 

allen anderen zuvorzuthuu, darum will er sich der Geberin dankbar 
erweisen, indem er immer vollkommeneres leistet II Str. IV u.VII. Falsche 
Freundschaft hat ihm schon Aerger verursacht II 47, Liebe war ihm 
freundlich, hat ihm aber dann gelogen I 41,43; wer „weltliche Freude" 
{joi mundo) schon zu fassen glaubt, dem entgleitet sie I 37; aber jetzt 
hofft er eine Liebe zu finden, die ohne Falsch ist I 46, durch treue 
Freundschaft fühlt er sich geläutert II 49. Die lieblichste Freude er- 
füllt ihn, die je auf Erden erschienen II 21 ; er ist in freudiges Sinnen 
versunken, so dass er Guten wie Schlechten wohl will III 35. Liebe 
erquickt am vollkommensten den, der sich ihr überlässt ohne Ver- 
stellung, finstere Miene und ohne wankelmütigen Sinn ; die Freude, die 
sie gewährt, übertrifft alle anderen Freuden I Str. V. Mögen andere 
meineidig handeln gegen Liebe, er wird sich ihr treu beweisen, und 
frohe Hoffnung hegen II Str. VI ; er fühlt sich reich in froher Hoffnung 
III 37. Natürlich fehlen auch die übelwollenden Menschen (omesiros) 
und zungenfertigen Verläumder (lauzengiers lengutz) nicht II 25. 

Etwas anders geartet ist die Situation in IV— VI: Er liebt 
das schönste Weib, das es je in Adams Geschlecht gab, soweit der 
Himmel regnet und donnert IV 46, Bildung (ensenhamens) und Schön- 
heit zieren sie VI 47, durch sie lebt Freude auf, von ihr nimmt Treff- 
lichkeit (valers) ihren Ursprung VI 24, durch sie wächst und veredelt 
sich aller Wert {pretz) IV 43 ; er freut sich, dass sie vielen Leuten 
gefällt VI 43. Heitere Miene zeigt sie ihm und freundlich spricht sie 
mit ihm, aber mehr gewährt sie nicht IV 17 ff., 10. Schon lange dient 
er ihr und hat doch nur die Last davon V 22 ; er weiss nicht, wie er 
sich benehmen soll VI 22, und zittert, wenn er vor ihr steht VI 25; er 
wagt nicht, ihr seine Neigung zu gestehen, weil er fürchtet, alles zu 
verderben; fasst er sich ja einmal ein Herz, so sagt er sich gleich 
wieder : lass es lieber bleiben VI 27. Sie thut Unrecht, dass sie so 
zurückhaltend ist, IV 25, 34, V Str. V, sie hält ihn in allzu schweren 
Fesseln IV 32 ; und doch ist er ihr schon dafür dankbar, dass sie seine 
Werbungen duldet V 24, IV 23. Ihr blosser Anblick macht ihn reich VII 
40 ff.; selbst die Last, die er zu tragen hat, gilt ihm mehr als wenn man 
ihm Pisa schenkte V 24, die Liebe zu ihr ist ihm mehr wert als 
König der Schotten und Walliser zu sein VI 20, mehr als wenn ihm 
König Ludwig Frankreich schenkte VI 51. So wird er denn trotz allem 
ausharren und denen nicht folgen, die ihm raten, sich einer anderen 
zuzuwenden; er wird die Hoffnung nicht aufgeben, denn wer nur Ge- 
duld hat, der kommt in der Welt wohl noch ans Ziel IV 11, 39, 44, 
V 50, VI 38, 50. Ein Mann ohne Frauendienst ist nicht mehr wert als 
eine schöne taube Aehre VI 54. 



Peire von Auvergne 43 

Es sind; wie man siebte ganz die gewöhnlichen Gemeinplätze der 
Trobadorlyrik. No. VI seheint von allen Liedern Peires den meisten Erfolg 
gehabt zu haben, da es in der provenzalischen Biographie als allgemein 
bekannt zitiert wird, und auch in der grössten Zahl von Handschriften, 
nicht weniger als zwölfen, tiberliefert ist. Der Grund hieflir wird zu 
erblicken sein einerseits eben in der konventionellen, höfisch-korrekten 
Haltung des Gedichts, andrerseits in der kunstvollen Behandlung der 
Form : den schweren Reimen des Abgesanges {ics, eis) und der gewählten 
metaphorischen Ausdrucksweise. 

Wir heutzutage werden freilich anders urteilen. Vom ästhetischen 
Gesichtspunkt aus werden wir bei weitem den ersten Rang unter 
Peires dichterischen Erzeugnissen vielmehr der nun zu besprechenden 
lieblichen Romanze no. IX einräumen, wie denn sowohl Bartsch als 
Appel von seinen Gedichten ausser dem Rtigeliede auf die zeit- 
genössischen Trobadors, no. XII, allein dieses in ihre Chrestomathie 
aufgenommen haben. Nachdem Diez, L.u. W? S. 63 von dem Stücke 
bereits eine Analyse gegeben hat, glaube ich nichts besseres thun zu 
können als letztere mit einigen mir wünschenswert scheinenden oder 
notwendigen Modifikationen hier wiederzugeben: 

Der Dichter beauftragt die Nachtigall, sich zu seiner Freundin zu 
schwingen, ihr seine Lage zu schildern und zu erkunden, wie es ihr 
ergehe. Das muntere Vöglein fliegt davon und forscht mit klugem 
Blick umher, bis es die Dame findet. Sobald es ihre Schönheit 
schimmern sieht, beginnt es seinen süssen Gesang, mit dem es den 
Abend zu begrtissen pflegt; plötzlich verstummt es und sinnt nach, 
wie es sein Anliegen am schicklichsten vorbringe. Es erzählt von der 
Treue und Ergebenheit des Liebenden, wie er sein ganzes Hoffen auf 
Liebe gegründet habe und wie sehr es sich freuen wtirde, ihm gute 
Botschaft heimbringen zu können. Nun bricht die Dame in weh- 
mütige Klagen aus ; sie wirft dem Freunde vor, er habe sich zu rasch 
von ihr entfernt, sie zu plötzlich verlassen; hätte sie das ahnen können, 
so würde sie ihm mehr Freundlichkeit erzeigt haben; dies müsse sie 
jetzt beklagen. Im Traume erscheine er ihr und dann sei sie ganz 
glücklich, bis er ihr beim Erwachen entschwinde. Stets sei er ihr 
lieb gewesen, sie möchte ihn nicht mit dem Reichsten und Mächtigsten 
vertauschen, fest sei ihr Gedanke auf ihn gerichtet, nichts, weder 
Sturm noch Eis, weder Frost noch Hitze, könne sie darin unter- 
brechen. Aechte Liebe — fährt sie fort — hat etwas mit achtem 
Golde gemein : sie gewinnt an Güte, wenn man sie mit Güte behandelt. — 
Süsser Vogel — sagt sie am Schluss — flieg in seine Wohnung, sobald 
der Morgen graut, und erzähle ihm treulich, wie sehr ich ihm ergeben 



44 R- Zenker 

bin. „Rasch ist das Vöglein heimgekehrt, wohl unterrichtet, beredt 
erzählend von glücklich bestandenem Abenteuer.'' 

Dieses Lied, das sich aus zwei Teilen von je sechs Strophen zu- 
sammensetzt, darf den wahrhaft klassischen Erzeugnissen der proven- 
zalischen Litteratur beigerechnet werden. Gedanken und Ausdruck 
sind von höchster Zartheit und durch das Ganze geht jener Hauch 
weichen, schwärmerischen Empfindens, der für so viele Produkte der 
provenzalischen wie auch der ältesten französischen Lyrik charakte- 
ristisch ist und in dem vielleicht ein Erbteil germanischen Gemütes er- 
blickt werden darf. 

Welch feiner, anmutiger Zug, wie das Vöglein in seinem Gesänge 
plötzlich verstummt und nun im Stillen seine kleine ßede präpariert, 
mit sich zu Rate geht, wie es der Dame recht schicklich seine Bot- 
schaft ausrichten soll, ihr erzählen, „was sie anzuhören geruhen wird^ ! 

Freilich ist weder die metrische Form in der Hauptsache Peires 
Eigentum noch auch das Motiv und die Form der Darstellung; das 
ganze Gedicht ist nämlich einem Liede des Marcabrun nachgeahmt, 
an welches es sich sogar so eng anschliesst, dass es nur als eine 
Variation desselben betrachtet werden kann^), — • freilich eine 
Variation, die m. E. das Original übertrifft: als Vorbild hat gedient 
Marcabruns Staarenlied, Gr. 293, 2b Estomelf coill ta volada (BsLrtsGh, 
Leseb. S. 55) ; das ergiebt sich schon aus der nahen Uebereinstimmung 
der metrischen Form: das Marcabrunsche Gedicht zerfällt, wie das 
Peires, in zwei Hälften, die nur, statt wie bei diesem je sechs, je sieben 
Strophen umfassen, es zeigt gleichfalls Mischung von Sieben-, Fttnf- 
und Drei-Silbnern und, wie bei Peire, beginnt jede Strophe mit vier 
Sieben-Silbnern, an die sich dann die kürzeren Verse anschliessen, 
vgl. den Kommentar. Dass nicht etwa das umgekehrte Verhältnis 
vorliegt und nicht Marcabrun den Peire nachgeahmt hat, das darf mit 
Bestimmtheit geschlossen werden aus dem Umstände, dass jener der 
ältere von beiden ist und Peire sich in einem anderen Liede, no. X 38, 
ausdrücklich auf ihn als sein Vorbild beruft. 

Der Inhalt des Marcabrunschen Liedes ist in Kürze dieser: 

Der Dichter sendet einen Staaren an seine Freundin, deren Schön- 
heit gerühmt, deren Leichtfertigkeit aber in den bittersten Ausdrücken 
gegeisselt wird: sie sei so flatterhaft, heisst es, und so voller Trug, 
dass die Kinder auf der Strasse Spottlieder über sie sängen; der 



1) Das läsBt Pätzold ganz ausser Acht, wenn er S. 32 bemerkt: nl^i^se 
Beseelung und Vernunftbegabung der Nachtigall [durch Peire] verrät ein grosses 
Geschick, wahren Geschmack und feine Natnrbeobachtung.*' 



•' >■- 



Peire von Aavergne 



45 



müsse von einer guten Fee begabt sein, dem sie ihre Liebe gewähre, 
tausend Freunde habe sie und von tausend Herren sei sie die Geliebte ; 
trotzdem trägt der Dichter kein Bedenken^ sie durch seinen gefiederten 
Boten um ein Stelldichein ersuchen zu lassen. Der Staar lässt sich 
vor dem Hause des Mädchens auf einem bltthenden Zweige nieder und 
hebt an zu singen, bis es seine Stimme vernimmt, die Tbttre öffnet 
und zu ihm herantritt, um sich nach seinem Begehr zu erkundigen. 
Nun richtet er seine Botschaft aus; er erhält von der Schönen den Auf- 
trag, seinem Herrn zu melden, sie habe ihren tausend Freunden den 
Laufpass gegeben und werde am nächsten Morgen unter einer Fichte 
im Garten seiner harren. 

Der äussere Bahmeu ist also bei Marcabrnn genau der gleiche wie 
bei Peire; doch sind die einzelnen Abschnitte bei beiden mit sehr 
verschiedener Ausführlichkeit behandelt. Ihr Verhältnis mag folgende 
Nebeneinanderstellung veranschaulichen : 



Es umfasst 

der Auftrag des Dich- 
ters: 
der erzählende Ab- 



bei Marcabrun 



Teil 1 Str. I— VII u. Torn. 



bei Peire 



Teil 1 Str. I u. II 1-4. 



schnitt: 


n 


2 „ I u. II 1- 


-7 




ff 


1 


ff 


115 10 u. III. 


die Rede des Staaren, 


















bezw. der Nachtigall : 
die Erzählung: 


ff 


2 . III 
fehlt 






ff 
ff 


1 
2 


ff 

ff 


IV-VI. 

I 1-4 (1—2 
nur Reca- 
pitulation 
von II 5— 


die Antwort des Mäd- 
















10 u. 111). 


chens oder der Frau: 


ff 


2 „ IV- VI 






ff 


2 


ff 


I 5 10, II 


die Erzählung: 

der Bericht des Vogels : 


ff 

ff 


2 r, VII 1-2 
2 „ VII 3-11 


u. 


Torn. 


ff 


2 n 

fehlt. 


V,VI 1—4. 
VI 5-10. 



Dagegen ist nun der Charakter des Ganzen bei beiden Dichtern 
ein grundverschiedener: bei Marcabrun unverhttUte Sinnlichkeit und 
eine rttcksichtslose Derbheit des Ausdruckes, welche bei diesem Weiber- 
hasser den Gedanken nahe legt, es handle sich in Wahrheit um eine 
Satire auf die Frauen, bei Peire der Ton echter Empfindung ver- 
bunden mit höfischer Korrektheit der Sprache. Peire hat das von 
Marcabrun entlehnte Motiv innerlich umgebildet, gewissermassen in 
eine höhere Sphäre gehoben. Wir werden deshalb nicht anstehen, 
vom ästhetischen Gesichtspunkte aus seinem Liede den Vorzug zu 
geben vor dem Marcabruns, mit dem es im übrigen die Eleganz der 



46 R. Zenker 

metrischen Form und die vollendete Ennst der Darstellung gemein 
hat. Das Verdienst der Originalität freilich ist ganz auf Marcabruns 
Seite; doch bleibt zu bedenken^ dass auch er sich möglicherweise 
schon an ein uns nicht erhaltenes älteres Vorbild angelehnt haben 
könnte *). 

No. VII und VIII, auf deren misogyne Tendenz wohl Marcabrun 
nicht ohne Einfluss gewesen ist, wurden wegen der in ihnen ent- 
haltenen, freilich sehr unbestimmten und unklaren biographischen 
Daten bereits S. 37 analysiert; es kann auf das dort Gesagte verwiesen 
werden, zu weiteren Bemerkungen geben die Lieder keinen Anlass. 

Von Peires Sirventesen behandelt no. X, in analoger Weise wie 
die SirventescanzoneU; unvermittelt zwei ganz verschiedene Themata: 
Str. II und III sind politischen, IV und V persönlichen und morali- 
sierenden Inhalts. Eben diese eigentttmliche Komposition des Liedes 
wird Peire im Auge haben, wenn er sich V. 38 auf Marcabrun beruft, 
der „in gleicher Weise gedichtet habe", vgl. den Kommentar. Aus der 
Bemerkung: „alle hielten den Vers für töricht, die seine Natur nicht 
konnten u. s.w." dürfte zu folgern sein, dass eine solche unkünstlerische 
Verkoppelung' heterogener Themata in ein und demselben Gedichte 
damals noch etwas ungewöhnliches war^). Wer mit dem in Str. IV 



1) Ausser dem Staaren Marcabruns und der Nachtigall Peires begegnen in 
der provenzalischen Poesie als Liebesboten noch der Papagei, in der Novelle des 
Arnaut von Carcasses (Bartsch, OÄre*^. * Sp. 259 — 66), sowie die Schwalbe, in 
einem anonymen Liede Gr. 461, 28 : Arondeta, de ton chantar m^atr {Archiv 34, 377), 
welches in rein dramatischer Form ein Zwiegespräch schildert zwischen dem 
Dichter und dem von der Liebenden an ihn gesandten Vogel*, vgl. L. Römer, 
Volkstüml. Dichtungsarten d. altprov. Lyrik S. 64, Anm. 10. 

2) Ich möchte doch darauf hinweisen, dass die gleiche Erscheinung auch 
in der spanisch -arabischen Poesie begegnet. Der Graf vpn Schack, Poesie u, 
Kunst d. Araber in Spanien u, Sicilien^ Stuttgart 1877, I, 211 bemerkt, nachdem 
er von der grossen Mannigfaltigkeit des Inhalts arabischer Gedichte gesprochen : 
„Nicht selten macht sich solche Verschiedenartigkeit sogar in dem nämlichen 
Gedichte bemerkbar, insofern dasselbe in mehrere Teile zerfällt 
deren jeder mit fast selbständigem Inhalt für sich besteht oder 
doch nur lose an den andern gefügt ist/ Er führt dann als Beispiel 
eine berühmte Kasside an, in der der Dichter zuerst seine ferne Geliebte be- 
singt und dann „ohne vermittelnden üebergang" seine Vaterstadt Cordova 
preist und die Absicht ausspricht, dieselbe nie zu verlassen. Es ist mir nicht 
bekannt, dass eine derartige seltsame Kompositionsweise in irgend einer anderen 
Litteratur nachgewiesen wäre. Da Marcabrun in Spanien verweilt hat, so wird man 
die Frage aufwerfen dürfen, ob bei dem Provenzalen nicht eine Nach- 
ahmung arabischer Rnnstübung vorliegt. 



^ -«-i 



Peire von Auvergne 47 

geschmähten „Sohne einer gemeinen Kreatur", der „die Freude der 
Welt vernichtet", gemeint ist, wird sich nicht ermitteln lassen. 

No. XI ist gerichtet an den Grafen Baimund Berengar IV. von 
Barcelona, der zur Freigebigkeit gemahnt und dann auf den ihm be- 
vorstehenden Krieg mit dem Grafen von Toulouse hingewiesen wird, 
vgl. S. 26. Das Gedicht stellt sich also seinem ersten Teile nach zu 
jener Klasse von Sirventesen, für die später die Bezeichnung sirventes 
joglaresc^) begegnet. 

Das fttr uns wichtigste von allen Gedichten Peires ist no. XII, 
sein berühmtes Bttgelied auf die zeitgenössischen Trobadors, welches 
bekanntlich dem Mönch von Montaudon für das seinige formell und 
inhaltlich als Vorbild gedient bat. Es entstand, wie wir am Schlüsse 
belehrt werden, zu Puivert — jedenfalls der Ort dieses Namens in 
den nördlichen Ausläufern der Pyrenäen, vgl. S. 32 — in lustiger Ge- 
sellschaft — so dürfte doch wohl Jogan rizen zu verstehen sein — 
beim Klange der Sackpfeifen. Danach ist das Ganze wohl mehr als 
Scherz aufzufassen, das Produkt einer übermtttigen Laune, wie denn 
der Spott des Dichters sich nicht sowohl gegen die litterarischen, als 
vielmehr ausschliesslich gegen die gesanglichen Leistungen und gewisse 
persönliche Fehler und Schwächen seiner Kunstgenossen richtet. Nur 
vom Singen, von der Art des Vortrages, ist ja auch gleich in der 
ersten Strophe die Bede, wo die zu Verspottenden mit Hirten ver- 
glichen werden, die nicht hoch und tief zu unterscheiden wissen, d.h. 
roh, kunstlos singen. Das Gedicht ist uns übrigens nicht völlig intakt er- 
halten: Str. VIII und XI sind sicher, Str. VII ist wenigstens meines 
Dafürhaltens interpoliert, offenbar deshalb, weil die in diesen 
Strophen ursprünglich behandelten Dichter später in Vergessenheit 
geraten waren. Im ganzen werden in den 14 Strophen des Gedichtes 
12 Trobadors abgekanzelt, jeder in einer besonderen Strophe; von 
diesen kommen aber, als von Peire selbst verspottet, nach dem eben 
Gesagten nur 9 für uns in Betracht; die in den unechten Strophen 
genannten werde ich im folgenden zwar mit aufführen, aber in Klammern 
setzen. 

Das Prinzip der Anordnung scheint das zu sein, dass die be- 
rühmteren, Peire Bogier, Guiraut von Bornelh, Bernart von Ventadorn, 
den Beigen eröffnen, die weniger bekannten nachfolgen. Gegenstand 
des Spottes ist, wie gesagt, lediglich der gesangliche Vortrag und die 
Persönlichkeit der Dichter. Wegen ihres schlechten Gesanges, der als 



1) Vgl. über diese meine Ausgabe des Folquet von Romans, Halle 1896, 
S. 35 ff. 



48 ^- Zenker 

matt, kläglich oder ranh bezeichnet und mit dem einer alten Wasser- 
trägerin oder eines kranken Pilgerleins oder eines Finken verglichen 
wird, erfahren Tadel Guiraut von Bornelh, der „Limousiner von Briva", 
Guilhem von Bibas [vielleicht auch Eble von Saignas, der Text — st 
tot se canta de coiden — ist nicht klar]. Dem an erster Stelle ge- 
nannten Peire Bogier — einem Landsmann Peires — wird vorgehalten, 
er hätte besser gethan, Mönch zu bleiben; wenigstens ist so, als An- 
spielung auf seinen früheren geistlichen Beruf, das ttber ihn Gesagte 
offenbar zu verstehen, vgl. die Anm. Dem Guiraut von Bornelh wird 
— ausser seinem Gesänge — seine hagere Gestalt zum Vorwurf ge- 
macht, Bernart von Ventadorn seine niedrige Abstammung, dem Limou- 
siner von Briva und Bernart von Saissac ihr Hang zur Bettelei, dem 
Baimbaut von Orange sein Dichterhochmut, Guossalbo Bolttz, der, wie 
es scheint. Bitter war, sein unritterlicher Sinn, dem „alten Lombarden" 
Cossezen sein schlechtes Provenzalisch und sein Mangel an Mut 
[Grimoart Gasmar, in welchem Namen ich eine Entstellung aus Guilhem 
Ademar erblicken zu sollen glaube, wird getadelt, weil er, der von 
Haus aus Bitter sei, es nicht unter seiner Würde erachte, als Joglar 
umherzuziehen; Peire Bermon wird vorgerückt sein würdeloses Ver- 
halten gegen den Grafen von Toulouse, von dem er Geschenke ange- 
nommen habe (? der Text ist nicht völlig klar, vgl. Anm.), sowie auch 
sein weibisches, unmännliches Gebaren, Eble von Saignas (=: von 
Uisel) sein Unglück in der Liebe, seine Händelsucht und seine Be- 
dürftigkeit], Sich selbst behandelt Peire in der letzten Strophe: er 
rühmt seine in hohen und tiefen Lagen gleich vorzügliche Stimme 
sowie den Wohllaut seiner Melodien und nennt sich den Meister von 
allen ; wenn er scheinbar tadelnd bemerkt, er tbäte gut, „seine Worte 
etwas aufzuhellen", so ist auch dies in Wirklichkeit nur ein weiteres 
Selbstlob, da Peire in der sog. „dunkelen Dichtweise", dem „trobarcltcs^, 
wie so viele andere Trobadors, die höchste Bethätigung dichterischen 
Könnens erblickte, vgl. no. HL Dass Peire die Trobadors, über welche 
er sich lustig macht, alle persönlich gekannt habe, braucht nicht an- 
genommen zu werden; denn einmal konnte er über diesen oder jenen 
doch auch vom Hörensagen unterrichtet sein, und dann scheint die 
Bemerkung, der Vers sei entstanden „unter Scherzen und Lachen bei 
den Sackpfeifen", d.h. doch wohl: in einem fröhlichen Kreise, den 
Gedanken nahe zu legen, es sei vielleicht die eine oder andere Strophe 
oder doch der Stoff zu derselben von anwesenden Kunstgenossen bei- 
gesteuert worden. Es darf deshalb auch aus solchen Zügen, welche 
persönliche Berührung mit dem Verspotteten zur notwendigen Voraus- 
setzung haben, noch nicht geschlossen werden, dass Peire selbst den be- 



Peire von Auvergne 49 

treffenden gekannt habe; immerhin wird in Anbetracht des Wanderlebens; 
welches unser Dichter führte, wenigstens in der Mehrzahl der Fälle per- 
sönliche Bekanntschaft als wahrscheinlich angenommen werden dürfen. 

Üb Peire unter den Provenzalen der erste gewesen ist, der in 
dieser Weise poetische Kritik geübt hat; müssen wir dahingestellt 
sein lassen. Dass uns ein älteres derartiges Spottgedicht nicht er- 
halten ist; vermag natürlich gar nichts zu beweisen; da die Existenz 
einer reich entwickelten provenzalischen Lyrik schon in vorlitterarischer 
Zeit ja wohl von niemandem bezweifelt wird und uns auch von Peires 
unmittelbaren Vorläufern; den ältesten Trobadors, von denen die Hand- 
schriften uns Gedichte aufbewahrt haben, sicher vieles verloren ge- 
gangen ist. In Anbetracht der Thatsache dass Peire in drei Liedern, 
no. IX, X und XIV, eingestandener- oder nachweisbarermassen (vgl. 
den Komm.) den Marcabrun nachgeahmt hat, ist die Vermutung zu- 
lässig, er lehne sich vielleicht auch in seinem Bügeliede an irgend ein 
älteres Vorbild an — freilich wohl nicht gerade von Marcabrun; denn 
wenn dieser ein solches Lied verfasst hätte, so wäre es uns wohl 
schwerlich verloren gegangen. 

Wie schon S. 19 bemerkt, möchte ich in den Worten: y^Mas non 
cove qtthis disses Que de totz fCa senhoria^ in Bernart Martis, gegen 
Peire gerichtetem Schmäbgedichte, welches S. 20 — 23 im Original und in 
der Uebersetzung mitgeteilt wurde; beinahe eine Anspielung erblicken 
auf das Selbstlob Peires in der letzten Strophe der Satire : Pero es 
maiestres de totz. Sollte diese Annahme zatreffen, so scheint mir der 
Gedanke naheliegend, Bernarts Schmählied sei, obgleich es zunächst 
auf ein anderes Lied PeireS; no. III, Bezug nimmt, doch veranlasst 
durch die TrobadorsatirC; es sei im Grunde zu betrachten als Antwort 
auf Peires, gegen eine Reihe der hervorragendsten Trobadors gerichteten 
Angriff; Bemart Marti habe sich gewissermassen zum Sprachorgane 
der durch Peire beleidigten Kunstgenossen gemacht; vielleicht ist es 
kein Zufall, dass Bernarts Gedicht beinahe genau die gleiche Länge 
hat wie das Rügelied: 13 Strophen mit Tornada gegenüber den 14 
Strophen mit Tornada des letzteren. Da uns mehrere Strophen der 
ursprünglichen Fassung der Satire nicht erhalten sind, so ist es gar 
nicht ausgeschlossen, dass auch er sich unter den von Peire verspotteten 
Dichtem befunden hatte. 

Vorstehende Vermutung muss natürlich eine reine Hypothese 
bleiben, die ich nur mit aller Reserve ausgesprochen haben möchte; 
denn beweisen lässt es sich natürlich nicht; dass jene Worte in Bernarts 
Lied wirklich die angenommene Beziehung haben; sie könnten auch 
ausschliesslich durch no. III veranlasst sein. 

Zenker, Peire von Auvergne. 4 



50 B* Zenket 

Da die Satire doch gewiss von vornherein auf weitere Kreise 
berechnet war, so dürfen wir es als wahrscheinlich ansehen^ dass die 
in ihr aufgeführten Dichter sämtlich bereits einen gewissen Namen 
hatten ; wenn uns nun trotzdem von vieren der in den echten Strophen 
behandelten neun Trobadors^ nämlich von Guilhem von Bibas, Bemart 
von SayssaC; Guossalbo BoYtz und dem Lombarden Cossezen gar nichts 
erhalten ist und wir auch von einem fünften, dem „Limousiner von 
Briva" nur seine Anteilstrophen an einer Tenzone besitzen (Gr. 286, 1), 
so beweist das wieder schlagend, wie viel uns besonders von der älteren 
provenzalischen Lyrik verloren gegangen ist. 

Das Sirventes no. Xin ist ein Schmähgedicht rein moralisierenden 
Inhalts, welches lebhaft an ähnliche Stücke des Marcabrun^) — der 
Peire auch hier wohl als Vorbild gedient hat — und des Bernart von 
Venzac erinnert. Der Dichter klagt über den Niedergang von Wert 
{yretz) und Trefflichkeit {proeza) und schilt in den heftigsten Aus- 
drücken über die „gemeinen, nichtsnutzigen Leute [una puta gens 
fradelhay, die „bösen, verkehrten, falschen, thörichten Söhne gemeiner 
Väter", die „schlechten trübseligen, diese missratene Zucht, verworfene 
Knechte, geboren von gemeinen Müttern", welche nach seiner Ansicht 
die Schuld an der allgemeinen Verderbnis tragen. Er ist schon ganz 
heiser vom Schelten, hören wir, und doch fruchtet es ihm nicht eine 
Maulbeere. — Das Gedicht, das nur in einer Handschrift, gewiss mehr- 
fach fehlerhaft, überliefert wird, zeigt schwere Beime und dunklen 
Stil und ist mir grossenteils unverständlich geblieben. 

No. XIV ist teils allgemein moralisierend, teils persönlich gehalten: 
der Dichter erörtert zunächst einen allgemeinen Satz der Lebensklug- 
heit und macht dann die Nutzanwendung auf sich selbst. Der Mensch, 
heisst es, solle nichts unternehmen, was über seine Kräfte geht; er 
thue besser, sich mit wenigem zu begnügen, als grossen Dingen nach- 
zustreben, die sich ihm dann doch als unerreichbar erweisen. Aus der 
Bemerkung: Qu!arreire temps Ai amat nemps, E vuelh nüen atrazach 
laissar scheint hervorzugehen, dass Peire dabei in erster Linie frucht- 
losen Minnedienst meint, dem er nun in Zukunft entsagen will. Das 
Gedicht ist offenbar anlässlich seines Abschiedes vom Weltleben ge- 
schrieben, wie denn unter dem „Freunde" und „demjenigen, dem er 
sich ergeben will", Gott, unter dem „geschützten Ort {abrief, dem er 
sich zuzuwenden gedenkt, das Kloster zu verstehen sein dürfte. Für 
das Lied hat formell Marcabrun 16 als Vorbild gedient, von dem es 
auch inhaltlich beeinflusst scheint, vgl. den Kommentar. 



1) Vgl. über Marcabrnns moralisierende Lieder Snchier, Jahrh, 14, 273 ff. 



Peire von Autergne 51 

Jedenfalls ziemlich gleichzeitig mit diesem Sirventese ist entstanden 
das erste der geistlichen Lieder, no. XV, in dem Peire nun mit klaren 
Worten, aber ohne jede Bitterkeit, die Absicht kund thut, der „Welt" 
den Rücken zu kehren, und der ^cortez' Amor de bon aire^, die ihn be- 
reichert, erhöht und gefördert habe, Valet sagt; künftig will er nur 
noch auf sein Seelenheil bedacht sein. Aus dem ruhig heiteren Tone 
des Liedes scheint hervorzugehen, dass es nicht irgend welche be- 
sonderen schmerzlichen Enttäuschungen waren, die den Dichter den 
Entschluss fassen Hessen, sich in die Stille der Klostermauern — von 
denen er einst aasgegangen war — zurückzuziehen, sondern allein 
der Wunsch, nach einem ganz den irdischen Dingen zugewandten 
Leben Einkehr bei sich selbst zu halten und durch geistliche Uebungen 
und Betrachtungen sich auf ein Gott wohlgefälliges Ende vorzu- 
bereiten. 

Mit no. XV, soweit es sich in allgemeinen Reflexionen ergeht, 
sind inhaltlich eng verwandt no. XVI und XVIL „Rasch tritt der 
Tod den Menschen an" ist das Thema, das alle drei Lieder in ziem- 
lich nüchterner, verstandesmässiger Weise variieren ; das Gleiche könnte 
eben so gut in Prosa gesagt sein: 

Wir alle, meint der Dichter, sind früher oder später dem Tode 
verfallen, auch der reichste und mächtigste entgeht ihm nicht XVI 45, 
XVII 19; unser Leben währet eine kurze Zeit XVII 69, und keiner 
weiss, wie bald vielleicht sein Stündlein schlagen wird: plötzlich 
kann der Tod an uns herantreten, dann werden wir vielleicht keine 
Zeit mehr haben, das Versäumte nachzuholen und uns mit dem 
Himmel auszusöhnen XVI 32, 47, XVII 29; wer weiss, dass ihm ein 
Hinterhalt droht (d.i. der Tod), der ist auf seiner Hut XV 5. Wenn 
einer bei Zeiten in sich geht, so wird ihm das von Gott höher ange- 
rechnet als wenn er die Reue bis zum letzten Moment verschiebt XV 40. 
Darum sei jeder darauf bedacht, sich auf ein seliges Ende vorzu- 
bereiten, ehe es zu spät ist XV 1, Str. VII, XVII 27. Jeder kann Gott 
suchen XV 36; hat uns doch Gott reiche Gnadenmittel geschenkt, die 
es uns ermöglichen, die ewige Seligkeit zu erwerben; töricht handelt, 
wer sich ihrer nicht fleissig bedient XVI Str. IV, V ; XVII 25. Die 
Freude dieser Welt ist eitel und alle irdische Habe wird in der 
Stunde des Todes für uns wertlos, es sei denn, dass wir von ihr einen 
Gott wohlgefälligen Gebrauch machen XV 34, XVI 25, XVII 45, 65. 
Wer sein Herz an Irdisches hängt, dessen Seele leidet Schaden XVII 13, 39. 
Wären wir nur so eifrig im Guten, wie wir es im Schlechten sind, 
dann würde uns das Himmelreich gewiss sein XVII 35; nichts traurigeres 

als wenn ein Mensch in irdischen Dingen glänzt, mit Gott aber sich 

4* 



52 R. Zenker 

nicht zu vertragen weiss XVII 41. Einst, am Tage des jüngsten Ge- 
richtes, werden wir alle zu zittern haben, dann werden die Guten 
frohlocken und die Bösen klagen XVII Str. VIII. Lasst uns beten, 
dass uns Gott vor der Hölle bewahre und in sein Paradies, in die 
Gemeinschaft seiner Heiligen aufnehme, Tom. von XVI u. XVII. 

Dies im wesentlichen der Gedankengang der drei in Rede stehenden 
Lieder, der sich, wie man sieht, auf eine Reihe geistlicher Gemein- 
plätze reduziert. 

Ein Bussgebet von nicht weniger als dreizehn Strophen ist no. XVIII : 
Nachdem der Dichter ein Schuldbekenntnis abgelegt hat, fleht er Gott 
an um Kraft, dass er den weltlichen Freuden entsage, und um einen 
gnädigen Richterspruch dereinst ani jüngsten Tage. Es folgt dann 
eine lange, sechs Strophen umfassende Aufzählung göttlicher Wunder- 
thaten, besonders wunderbarer Errettungen aus Not und Gefahr, welche 
den Dichter hoffen lassen, Gott werde auch ihm seine Gnade nicht 
versagen und ihn vor dem ewigen Verderben bewahren^). Erwähnt 
werden die drei Männer im Feuerofen (ßidrac, Misac, Abdenago\ 
Daniel in der Löwengrube, Jonas' Errettung aus dem Bauche des 
Walfisches, die heiligen drei Könige, die vor den Nachstellungen des 
Herodes bewahrt wurden, Snsannas Beschützung vor den falschen 
Zeugen, die Speisung der Fünftausend, die Auferweckung des Lazarus, 
die Heilung des Knechtes des Hauptmannes (Centurios), die Hochzeit 
von Kana, das sprechende Lukasbild; ferner die Erschaffung der 
Welt, die Vernichtung Pharaos, die Speisung der Kinder Israöl in der 



1) Wenn Lowinsky, Zum geistl. KunstUede S. 211 meint, der Sinn der 
epischen Einmischung sei, dass die Heilsgeschichte als „die Offenbarung der 
Gnade gegenüber dem Gesetze dem Sünder Ansprach auf Erlösung erwirkt 
habe und als Schutz gegen Gottes Strenge herbeigerufen werde*^, und wenn er 
„den Faden durch das bunte Gewirr" der aufgezählten biblischen Episoden 
darin zu finden glaubt, dass „das ganze alte Testament von altchristlichen 
Zeiten her dem Mittelalter teils Allegorie, teils Weissagung der neuen Offen- 
barung war, und insbesondere die Befreiung aus Aegypten durch die Sendung 
Mosis [von dieser ist gar nicht die Rede, es liegt ein Missverständnis vor, s. Anm.] 
ständig als Symbol der Befreiung der Menschheit. von Satanas durch Christi 
Kommen verherrlicht wurde", so ist diese Auffassung eine irrige. Nicht um 
die Heilsgeschichte als solche, als Offenbarung der göttlichen Gnade, und die 
Erlösung handelt es sich, sondern um einzelne Beispiele gnädig-hülfreichen 
Eingreifens Gottes, durch die, als durch Präcedenz fälle, der Dichter sich zu der 
Hoffnung berechtigt glaubt, Gott werde in der ihm drohenden Gefahr, nämlich 
beim jüngsten Gericht, auch ihm sich gnädig erweisen; von einer Auffassung 
des alten Testamentes als Allegorie und Weissagung des neuen ist durchaus 
nicht die Rede. 



Peire von Auvergne 53 

Wüste, die Aufrichtung der Sehlange durch Moses ^), die Befreiung 
Petri aus dem Kerker, die Flucht nach Aegypten und der Besuch im 
Tempel. Ein Preis der göttlichen Dreieinigkeit und die Bitte um Auf- 
nahme unter die Auserwählten am jüngsten Tage machen den Beschluss. 

No. XIX endlich ist ein Lob-Hymnus auf den dreieinigen Gott, 
„Emanuel, den König des Himmels und der Erde, der dreifach ist 
und doch einer und Sohn und heiliger Geist und in beiden vollkommener 
Vater". Gedacht wird der Schöpfung, der Menschwerdung Gottes, der 
Kreuzigung; der Auferstehung, der Erscheinung im Kreise der Jünger, 
der Himmelfahrt und der Ausgiessung des heiligen Geistes; auch hier 
schliesst der Dichter mit einem Ausblick auf den jüngsten Tag, an 
dem alle ihren Spruch empfangen werden: „Zu dem bete ich, der 
droben ist und mein Herz und meine Seele befehle ich ihm an". 

Der erste Teil des Liedes giebt, wie Lowinsky a. a. 0. S. 216 
bemerkt, den Inhalt vieler hymni in trinitatem wieder, die Ereignisse 
zwischen Passion und Ausgiessung des heiligen Geistes bildeten das 
Thema der Oster- und Pfingstgesänge. 

Werfen wir nun nach dieser Uebersicht des Inhalts seiner Lyrik 
noch einen Blick auf die poetische Technik unseres Dichters, so tritt uns 
zunächst entgegen die verhältnismässige Häufigkeit des Natureinganges. 

Naturschilderungen als Liedeingänge finden sich dreimal schon 
bei dem ältesten Trobador, dem Grafen Wilhelm IX. von Poitiers (in 
1,6,11)*), sehr häufig dann bei Marcabrun, in achtzehn Liedern, und 
zwar ist es zehnmal der Frühling, einmal der Sommer, dreimal der 
Herbst und viermal der Winter, der geschildert wird^). Von Peires 
Liedern nun beginnen sieben mit einem Naturbilde : I V XIII nehmen 
auf den Frühling, II VII X auf den Sommer Bezug, VI schildert den 
Herbst. Von den vier eigentlichen Minneliedern zeigen diesen Eingang 
drei: II V VII, ferner erscheint er in dem dem Minneliede nahestehenden 
no. I, wohingegen ihn von den fünf geistlichen Liedern keines aufweist. 

Die Züge, aus denen sich Peires Naturschilderungen zusammen- 
setzen, sind die gewöhnlichen: 

1) Lowinsky, a. a. 0. S. 212, dem nur der Text von B und der Ray- 
nouardsche Druck vorlagen, meint fälschlich, es handle sich um die Schlange 
im Paradiese und die Gesetzgebung Mosis. 

2) Vgl. P ä t z o 1 d , Indiv, Eigent S. 12 ; in 6 : Farai chansoneta nueva ( A p p e 1 , 
ehrest. S. 52) beschränkt das Naturbild sich freilich auf die kurze Bemerkung: 
er wolle dichten, „bevor es stürmt, friert und regnet". 

3) Vgl. Suc hier, JaÄrft. 14, 290; er giebt die Zahl auf zwanzig, die der 
Frühlingslieder auf zwölf an, da er 12 und 27, für welche oben S.4f. die Autor- 
schaft ßernarts von Venzac nachgewiesen wurde, mitrechnet« 



54 R. Zenker 

Im FrlUiÜDg wird die Lnft klar, der Gesang der Vögel ertönt 
wieder, Blüte nnd Blatt sprossen an den Zweigen, das Gras beginnt 
zu keimen 11—4, XIII 2, 5; die Lerche schwingt sich empor^ dahin; 
von wo der Sonnenstrahl herabsteigt, um sich dann niederzusenken 
auf das vom Windhauche bewegte Laub V 8—14; die böse Jahreszeit, 
wo es regnete und hagelte, ist vorbei XIII 3. Im Sommer sprossen 
Blume und Blatt, die Früchte werden reif, die Vögel singen, die Sonne 
scheint hell II 1—6, der Häher schreit VIII, die Nachtigall singt süss 
bei Nacht in den Gärten und Hecken, die Rose blüht X 1, 5. Im 
Herbste aber, wenn die Tage kurz sind und die Abende lang, trübt 
sich die Luft, die Eichen verlieren ihre Blätter und vor dem Frost 
und der Kälte flüchten Nachtigall, Drossel, Häher und Specht VI 1—7. 

Meist erscheint die Natur als der den Dichter zu poetischer Thätig- 
keit antreibende Faktor. Der Gedanke ist entweder: der Frühling, 
die fröhliche Jahreszeit, veranlasst auch mich, fröhlich zu sein und zu 
singen I, II; oder: in der Natur blüht und sprosst es, darum soll 
auch mein Herz blühen und Knospen treiben, d.h.: darum will auch 
ich mich produktiv zeigen XIII; oder: die Nachtigall singt, so will 
auch ich singen X. In den übrigen Fällen werden nur durch die 
Natur die in dem Liede dargelegten Empfindungen und Reflexionen 
angeregt: in VI treibt die Freudlosigkeit der Herbstlandschaft den 
Dichter, in seinem Innern Ersatz zu suchen, indem er freudig der 
amor loindan gedenkt, in V klagt er, dass der Frühling ihm nicht, 
wie andern, Liebeswonne gewähre und beschwert sich dann über die 
Sprödigkeit seiner Dame; in VII bildet der Hinweis auf den Frühling 
den Ausgangspunkt für Schmähungen auf die Geliebte und die Frauen 
überhaupt; denn, so folgert der Dichter: im Frühling, der Zeit der 
jugendlichen Fröhlichkeit, soll man sich von falscher Liebe los- 
sagen. 

Pätzold, a. a. 0. S. 51 meint, Peire „trage der Vorliebe seiner 
Hörer für einen anmutigen Natnreingang zu sehr Rechnung und offen- 
bare dabei wenig rechtes künstlerisches Taktgefühl" : „dem Dichter ist 
es bei derartigen Eingängen doch darum zu thun (bald bewusst, bald, 
unbewusst), die Hörer im Geiste in eine Umgebung zu versetzen, die 
mit der in dem Liede jeweilig zum Ausdruck kommenden Stimmung 
in Ein- oder Missklang steht, um dadurch letztere wirksam in den 
Vordergrund zu bringen. Auf diesem Naturbilde malt er, wie auf 
einem Hintergrunde, seine eigene Leidenschaft auf, bald über die 

Gunst der Geliebten jubelnd, bald ihre Härte bitter beklagend 

Das Natnrbild wird da am reinsten und unmittelbarsten sein, wo 
es mit der jeweiligen Stimmung des Liedes harmoniert; zu glücklicher 



Peire von Auvergne 55 

Liebe passt ein Frühlings- oder ein Somraerbild, zu unglücklieber 
ein Herbst- oder ein Winterbild. Diese direkte Harmonie finden wir 
nirgends bei Peire". P. meint, „dieser Mangel an einer organischen 
Ideeuverbindung^) zwischen dem Natureingang und dem übrigen Inhalt 
der Gedichte zeige sich bei Peire so fühlbar und verbreitet, dass er 
für ein ästhetisches Urteil über ihn massgebend sein müsse''. 

Zunächst rühren zwei von den Liedern, in denen Pätzold Harmonie 
zwischen dem Naturbilde und der in dem Liede zum Ausdruck ge- 
brachten Stimmung vermisst, Gr. 323, 5 und 6, gar nicht von Peire, 
sondern von Bernart von Venzac her, wie ich S. 4 ff. gezeigt zu haben 
glaube. Sodann ist nicht zuzugeben, dass das Sommerbild im Eingang 
von 19= n „sich wunderlich ausnehme"; vielmehr ist der von Pätzold 
geforderte Zusammenhang hier ja durchaus vorhanden, indem das Lied 
uns den Dichter von freudigen Gefühlen bewegt zeigt: Qu! ab lo plus 
gent joi vau segurs Qu'anc entre nos 8al fos aparegutz ! ; ebensowenig 
fehlt er in 15 = VI: Harmonie allerdings besteht hier nicht, wohl 
aber Disharmonie: der Dichter setzt seine Empfindungen zu der un- 
freundlichen Winterlandschaft in Kontrast; Pätzold bemerkt ja aber 
doch selbst, dass es dem Dichter auch darum zu thun sein könne, den 
Missklang zwischen seiner Stimmung und der umgebenden Natur aus- 
zudrücken. Somit bleiben als Belege für die in Rede stehende Erscheinung 
nur 7=:X, 9 = XnP) und 17=Vn. In diesen ist allerdings von einem Zu- 
sammenhang zwischen dem Naturbilde und dem Inhalt des Liedes, wie ihn 
P. verlangt; nicht die Rede; aber selbst wenn darin vom ästhetischen Ge- 
sichtspunkte aus ein Fehler zu erblicken sein sollte, so wäre es doch Un- 
recht, Peire deswegen zu tadeln und ihm „Mangel an künstlerischem 
Taktgefühl" vorzuwerfen; er tritt nämlich auch hier nur in die Fussstapfen 
MarcabrunS; der, wie unten gezeigt werden wird, sein Vorbild war, und bei 
dem sehr oft eine derartige engere Beziehung zwischen der geschilderten 
Jahreszeit und dem Thema des Liedes nicht besteht. So sind Marca- 
brun 2, 11, 42 ihrem Inhalte nach Schmählieder, beginnen aber trotz- 
dem mit einer Schilderung des Frühlings; in der ersten Strophe von 
VII hat Peire sogar Marcabrun 42 offenbar direkt vorgeschwebt, vgl. die 
Anm. Ebensowenig findet sich in sechs Liedern des Bernart von Venzac, 
eines Zeitgenossen Peires (vgl. Jahrb. 14, 281), Gr. 1\, 1 und 3, 293, 12 
und 27, sowie 323, 5 und 6, eine derartige Harmonie zwischen Naturbild 
und Inhalt. Peire folgt also einfach einem schon bestehenden Brauche. 



1) Der Ausdruck ist schief : an einer „organischen Ideenverbindung" fehlt 
es, wie oben gezeigt, bei Peire nirgends. 

2) 9 wird von Pätzold nicht erwähnt, wohl weil er die Echtheit dieses 
nur in einer Hds. überlieferten Gedichtes als zweifelhaft ansieht. 



56 R. Zenker 

Aber abgesehen davon ist Fätzolds Auffassung des Natureinganges, 
in dem naeh ihm ein in bewusster künstlerischer Absicht verwandtes 
Mittel dichterischer Darstellung zu erblicken wäre; kaum zutreffend. 
Anitschkow, Litbl. f. gertn.u.rom. Phil. 1898, Sp. 69 hat mit Recht 
getadelt, dass Pätzold hier dem historischen Gesichtspunkt keine Be- 
achtung schenke: A. Jeanroy, Orig. de la poSste lyr. en France, Paris 
1889, S.390, G. Pari s, Jowrwa/ desSat?anfe 1892, S. 424, Bielschowsky, 
Gesch. d, deutsch. Dorfpoesie im XIIL Jh., Berlin 1891, S. 13 leiten den 
Natureiogang her aus den alten Frtthlingsliedern: G. Paris sieht in 
ihm „une formule consfzcrie par les chansons de mai^, Bielschowsky 
hält diese Eingänge für „mehr oder minder umgeformte, uralte Frühlings- 
hymnen". Andrerseits hat W. Wilmanns, Leben u. Dichten Walthers 
v.d. Vogelweide, Bonn 1882, S. 171 darauf hingewiesen, dass der Sommer 
ftir die damalige Menschheit in anderer Weise als für uns heutzutage 
die Saison schlechthin war. „Im Winter sassen die Leute einsam auf 
ihren einsamen Höfen, der Sommer ftihrte sie zusammen und dann 
erschien in der fröhlichen Gesellschaft der Sänger, um nach den leiden 
Wintertagen zu Lust und Freude zu mahnen. Es war also natürlich, 
wenn er seinen Vortrag mit dem Hinweis auf die alles erlösende 
Jahreszeit begann.^ 

Ich muss davon absehen, die interessante, aber nicht so leichter 
Hand zu entscheidende Frage nach dem Ursprung des Natureinganges 
hier zu untersuchen, welche m. E. nur im Zusammenhang mit der 
Frage nach dem Ursprung der provenzalischen Lyrik überhaupt einer 
definitiven Lösung zugeführt werden kann. Ich erlaube mir denn auch 
kein Urteil darüber, ob die ersterwähnte Auffassung oder die von 
Wilmanns die grössere Wahrscheinlichkeit für sich hat, ich bemerke 
nur, dass mir letztere als die einfachere und rationellere erscheint. In 
einem wie im anderen Falle ist nun aber das Natnrbild von vorn- 
herein gegeben und also nicht, wie Pätzold will, nur ein Ausdrucks- 
mittel für die Empfindung des Dichters. Das hindert allerdings nicht, 
dass auch bei Ableitung des Natureinganges aus den alten Frtthlings- 
liedern ursprünglich Harmonie, bezw. bewusste Eontrastierung der Em- 
pfindungen mit der geschilderten Jahreszeit angenommen und also in 
dem abweichenden Verfahren Marcabruns, Peires u. a. eine Verirrung 
erblickt werden müsste. Dagegen brauchte bei der Wilmannsschen 
Auffassung eine solche Beziehung anfangs überhaupt nicht vorhanden 
gewesen zu sein : der Gedanke war dann einfach : es ist Frühling, die 
Zeit der Geselligkeit und Feste, darum will ich meinem Berufe nach- 
gehen und meine Kunst vor den Leuten zeigen, indem ich ein Lied 
singe — gleichgiltig, welchen Inhalts. In diesem Falle dürfte also 



Peire von Auvergne 57 

ein Mangel an künstlerischem Takte vom historischen Gesichtspunkte 
ans jenen Dichtern^ welche es unterlassen, den Inhalt ihrer Lieder zu 
der geschilderten Jahreszeit in Beziehung zu setzen, welche etwa ein 
Sirventes politischen oder moralisierenden Inhalts mit einer Frühlings- 
Schilderung einleiten, in keiner Weise gemacht werden, wenn auch 
selbstverständlich zuzugeben ist, dass für uns, für die Frühlings- oder 
Sommerszeit und dichterische Produktivität in keinem Kausalnexus 
mehr stehen, die Natureingänge in Liedern der genannten Art sich 
recht sonderbar ausnehmen. 

Indessen, wie gesagt, ich lasse die Herkunft des Natureinganges 
dahingestellt. Mag es sich damit verhalten, wie ihm wolle, jedenfalls 
darf Peire wegen der Art und Weise seiner Verwendung ein Vorwurf 
nicht gemacht werden, da er auch in diesem Punkte nur den Marcabrun 
nachgeahmt hat. 

Was nun Peires poetischen Stil betrifft, so rühmt Fauriel II, 12 an 
ihm die Kühnheit und den Reichtum des bildlichen Ausdruckes: ^^Hm- 
sieurs de ses püces abondent en mitaphores que Von serait tentS de 
croire Schappies au gSnie arabe^ ; er biete in der neueren europäischen 
Litteratur die ersten Beispiele einer j^diction artisfique^, einer ,^diction 
visant ä un effet propre, ä un effet distinct du sentiment ou de Vidie 
qu^elle exprime^. Als Belege für die ^hardiesse Orientale^ seiner Bilder 
führt er an XIII 5 — 8, I 6 und II 6, letztere Stelle nach der hand- 
schriftlichen Lesart, wo aber die angebliche kühne Metapher durch 
die Appelsche Emendation beseitigt wird. Pätzold stimmt Fauriel zu, 
wenn er meint, Peire „entfalte wahre Originalität und Selbständig- 
keit nirgends auffälliger und glänzender als in seinen Bildern und 
Vergleichen, die sich in grosser, zuweilen etwas massloser Fülle durch 
seine Lieder verstreut fänden^; die zum Belege hiefÜr von P. zitierten 
Beispiele sind freilich zum Teil unechten Liedern entnommen. 

Wie weit Fauriels Vergleich mit der arabischen Poesie zutrifft, 
vermag ich nicht zu beurteilen, da ich von dieser nur eine unzureichende, 
hauptsächlich aus des Grafen von Schack, Poesie und Kunst der 
Araber in Spanien und Sicilien^^ Stuttgart 1877, geschöpfte Kenntuiss 
besitze. Richtig aber ist ohne Frage, dass Peire von der Metapher 
einen sehr ausgiebigen Gebrauch macht und die verwandten Bilder 
sich bisweilen durch Originalität und Kühnheit auszeichnen; er 
sieht offenbar im metaphorischen Ausdruck ein Hauptmittel der 
poetischen Technik und strebt ihn in bewusster Absicht an. Wenn 
er sich immer wieder seiner allen anderen überlegenen Kunst rühmt 
und sich auf die Schwerverständlichkeit seiner Gedichte etwas be- 
sonderes zu gute thut, so bat er dabei ohne Frage in erster Linie seine 



58 K. Zenker 

zahlreichen Metaphern im Auge. Gerade jenes Lied, dnreh das er, wie 
er sagt, den Beweis liefern will, dass niemand vor ihm einen wirklich 
vollkommenen Vers {vers entier) gedichtet habe, no. III, ist ganz an- 
gefüllt mit eigenartigen, seltsamen Bildern. Hier findet sich V. 23 f. 
jene schon erwähnte kühne Personifikation seiner dichterischen nnd 
seiner kriegerischen Thaten, die als im Streite miteinander liegend 
gedacht werden: „seine vollkommenen Sprüche, meint der Dichter, be- 
siegten seine kriegerischen Thaten, die vor ihm Anklage erhöben, dass 
er sich nicht an ihnen genügen lasse^^ Ebenda V.7 drückt er den 
Gedanken, dass er die Wünsche des Publikums zu befriedigen ver- 
stehe, aus, indem er sich vergleicht mit einem, der Brod und Messer 
in der Hand hält, um die Leute zu füttern; seine Worte bezeichnet 
er als Boten, ib. V. 17 ; wäre sein Sang nicht so vorzüglich, so würde 
das Korn (d. i. der Erfolg) sich nicht einstellen, das in reicher Fülle 
da ist, V. 30; freudiges Sinnen nennt er „eine süsse Aehre, die ihm 
wächst«, V. 35; er „sitzt und steht in Freude«, V.38. 

Aus Peires übrigen Liedern mögen folgende Metaphern und Ver- 
gleiche hier angeführt werden: Er will einen Vers „pflücken« I 6. Er 
ist den Grossen und Kleinen überlegen, wie Gold und Azur auf den 
Schildern heller leuchten als Kieselsteine II 61 ff. Es ziemt sich nicht, 
dass er sich so hoch gürte, d. h. nach einem so hohen Ziele strebe IV 20- 
Er liebt nicht „nach gascognischer Art«, d. h. — vermutlich — : er ist nicht 
wankelmütig IV 55. Ein neuer Gesang „summt ihm im Mund« V 16. 
Sein Wissen (d.i. seine Kunst) keimt und sprosst infolge einer neuen 
Freude, die ihm Früchte und Blüten trägt VI 3. Der Dame Schutz 
sind Bildung und Schönheit, Minnedienst, der sich über ihr ausdehnt 
und wächst, voll von Süssigkeit, grün und weiss wie Schnee VI 47. 
Er fühlt sich zu allen Thaten grün und weiss und braun und blond 
d. i. jugendfrisch VIII 36. Rasch fällt weiss auf braun wie die Blüte 
vom Baume, d.h. die Jugend entschwindet rasch 1X^55. Der Vers 
bleibt da, wo Schwerter auf Schildern für den Frevel Rache nehmen 
werden, d. h. er schliesst mit dem Hinweis auf eine bevorstehende Fehde 
XI 37. Seine Kunstgenossen sind Hirten, die, wenn sie singen, zwischen 
hoch und tief nicht zu unterscheiden wissen XII 51. Was sich ihm in 
der Brust rührt, soll draussen blühen und sprossen XIII 7. Die 
Schlechten sind „eine unglückselige Schüssel« XIII 37. In seinen 
Versen „rostet kein falsches Wort«, d. h. giebt es nichts zu bessern 
Xni 51. Wer Dinge unternimmt, die über seine Kräfte gehen, wird 
verglichen mit einem, der so weit springt, dass er nicht mehr zurück- 
kommen kann XIV 10; oder mit einem, der, ohne die erforderliche 
Geschicklichkeit zu besitzen, eine Last im Laufe auf dem Munde 



Peire von Anvergne 59 

tragen will XIV 16. Wer rechtzeitig Busse thut, handelt wie ein 
Streiter, der zuschlägt, ehe er selbst getroffen wurde XVI 40. Wer 
seine Gaben nicht nutzt, gleicht einem Garten^ in dem die Bäume 
nicht Blatt noch Knospe tragen XVI 17. Die Sterbestunde ist der 
Moment; wo für den Mund das Ende kommt und der Priester den 
Weihwedel schwingt XVI 27; wo dem Menschen nicht Onkel noch 
Vetter noch der Arzt mit seinem Syrup hilft XVI 34 Gott wird ver- 
glichen mit einem Lehnsherrn, gegen den der Lehnsmann selbst dann 
noch karg ist, wenn er ihm von seinen edelsten und besten Früchten 
den Zehenten entrichtet XVII 54. Der jüngste Tag ist „die letzte 
Bedrängnis" XVUI 32. Gott ist „Gipfel, Zweig, Wurzel und Lenker alles 
dessen, was ist^ XVUI 82. 

Sehr häufig begegnet bei Peire, wie in der provenzalischen Lyrik 
überhaupt, die Personifikation von Abstrakten, besonders die von 
amors^ welches vielfach geradezu im Sinne des nur ganz vereinzelt 
vorkommenden domna gebraucht wird, so I 41, 47 ff.; II 30 ff., 51; 
IV 9 ff.; V 15 ff. U.S.W. Personifiziert erscheinen femer: Freude Oow, 
gaug) I 25, 34 ff.; IV 27, 51, Freundschaft {amhtatz) II 48; Hoffnung 
{sospeisos) II 55; die Welt (segles) IV 13; Demut (umilitatz) V 19; 
Jugendsinn {"lovens) YIl 3; die Jahreszeit (^^iwps) XIII 3; Wert (prete), 
von dem es heisst, er sei „stumm, taub und schieläugig" geworden Xni 9, 
u. a. m., in den geistlichen Liedern der Tod, der als ein Feind bezeichnet 
wird, der im Hinterhalt liegt XV 6, der den Menschen verwundet XVI 41, 
mit dem auch Grafen, Herzöge, Könige und Marquis nicht kämpfen 
können XVII 45, als ein Bogenschütze, gegen den man sich im letzten 
Moment, wenn er schon gegen einen anläuft, schwer mehr zu decken 
vermag XVII 29. 

Es ist schliesslich noch eines charakteristischen Zuges in Peires 
Lyrik Erwähnung zu thun, der im Vorbeigehen schon wiederholt zur 
Sprache kam, nämlich seiner Neigung zu stark aufgetragenem Selbst- 
lob : in einer ganzen Reihe seiner Lieder rühmt Peire die Trefflichkeit 
seiner dichterischen und musikalischen Leistungen. Fast ausschliess- 
lich diesem Thema gewidmet ist, wie wir sahen, no. III, in welchem 
Liede er eben darthun will, dass vor ihm niemand einen wirklich voll- 
kommenen Vers gedichtet habe : er versteht in der alten und der neuen 
Manier zu dichten V. 1, er weiss das Publikum zu befriedigen V. 7, 
er ist sich bewusst, dass er das Beste leistet, was geleistet wird und 
je geleistet wurde V. 26, u.s.w. Aus seinen anderen Liedern sind 
hier folgende Aeusserungen anzuführen: Er stellt sich in Gegensatz 
zu solchen Leuten, denen Wissenschaft (sciensa) und Friede (patz) 



60 R* Zenker 

fehlt II 18. Amors hat ihm die Gabe verliehen, Melodien und Verse 
von dauerndem Wert {mentaugutz) zu finden II 35. Er ist bis nach 
Tyrus den Grossen und Kleinen von den Wissenden überlegen in der 
Kunst, ohne törichte Erfindungen zu dichten II Str. VII. Sein Vers 
bindet schöne Worte im Reime, nichts an ihm ist fehlerhaft^ es ist 
ein ,,süsses Liedchen" IV Str. I. Er will seinen trefflichen Verstand 
an trefflichem Hofe zeigen ; er ist gekommen, um sein Wissen, welches 
zugenommen hat (d. i. : seine Kunstfertigkeit), in Auswahl vorzuführen 
XI 1, 7. Seine Stimme ist für hohe und tiefe Lagen gleich geeignet, 
seine Melodien sind süss und gefällig; er ist darum der Meister von 
allen; seine Verse sind so dunkel, dass sie beinahe niemand versteht 
(letzteres ist, wie wir schon sahen, in den Augen des Dichters nicht 
ein Tadel, sondern ein Lob) XII Str. XIV. Je weitere Verbreitung 
seine Verse finden, um so mehr Beifall wird ihnen; kein falsches 
rostiges Wort kommt darin vor XIII Tom. Er hat kühnen Sinn 
und Klugheit XIV 39, Verstand ib. 44, XV 9; man möge beurteilen, ob 
sein Wissen (sabers) lauter oder mit unedlem Stoff vermischt sei 
XV 12. Wer einen guten Vers hören will, der möge auf den seinigen 
lauschen; wenn er wohl auf Melodie und Worte achtet, so wird er zugeben 
müssen, dass er nirgends je bessere Rede vernommen hat XVI Str. I. 

Dieses selbstgefällige, grosssprecherische Gebahren trug Peire, 
wie wir schon oben sahen — vgl S. 19 und 49 — scharfen Tadel 
von Seiten eines weniger bekannten Kunstgenossen, Bernart Martis, 
„des Malers", ein. Das Gedicht, in welchem Bernart unter unmittel- 
barer Bezugnahme auf no. III und vielleicht auch auf no. XII 
seinem Grolle Luft macht, wurde S. 20—23 mitgeteilt: Lieder eitlen, 
weltlichen Inhaltes {vers de leujaria, de vanetat, de truandia\ meint 
Bernart, Lieder, welche Fabeln — d. h., m. E., dichterische Erfindungen, 
wie etwa no. IX — zum Gegenstand hätten, dürften nicht als „voll- 
kommene Lieder (vers entierY bezeichnet werden. Denn an leicht- 
fertigem Wesen habe Gott kein Wohlgefallen und Lügen seien allemal 
vom Uebel. Auch sei übertriebenes Selbstlob unfein und bäurisch. 
Wenn einer wirklich Tüchtiges leiste, so werde das schon ohnedem 
nicht verborgen bleiben ; er selbst möge sich ja hüten, es auszusprechen ; 
es sei besser, dass eines Mannes Ruhm durch andere als durch ihn 
selbst in den Landen verbreitet werde. 

Im übrigen scheint Bernart Peires Bedeutung als Dichter und 
Komponist keineswegs in Zweifel ziehen zu wollen; denn wenn er 
bemerkt, „wer neue Melodien erfinde, der übe ja in der That eine 
schöne Fertigkeit, und wer schöne Worte binde und verknüpfe, der 
befleissige sich einer schönen Kunst*^, so scheint darin doch das Zu- 



Peire von Auvergne 61 

geständnis zu liegeD; dass Peire diese Fertigkeit^ diese Knnst in her- 
vorrageDdem Masse besitze. 

So berechtigt nun auch des trefflichen Bernart Warnungen vor 
eitler Selbstberäucherung sind, so muss doch andrerseits zu unseres 
Dichters Entschuldigung bemerkt werden, dass er auch in diesem 
Punkte offenbar nur einer schon bestehenden Mode huldigte, freilich 
in übertriebener Weise. Wie es scheint, gehörte es nämlich bei den 
ältesten provenzalischen Trobadors gewissermassen zum guten Tone, 
ein stolzes Selbstbewusstsein zur Schau zu tragen, mit seinen geistigen 
Fähigkeiten, seinem Wissen, seinen Kttnsten und Fertigkeiten zu re- 
nommieren. Bekanntlich haben wir schon von dem ältesten Trobador, 
dem Grafen Wilhelm IX. von Poitou, ein Lied, Gr. 183, 2: Ben voill que 
sapchon U pluzor (Bartsch, Chrest* Sp, 27\ dessen ausschliesslichen 
Inhalt ein massloses Selbstlob bildet: gleich als erstes rühmt er hier, 
dass er in der Kunst des Versemachens allen überlegen sei („er trage 
die Blume dieses Handwerkes") und erklärt, ganz wie Peire in no.III, 
eben das vorliegende Gedicht solle von der Richtigkeit dieser seiner 
Behauptung Zeugnis ablegen. Desgleichen prahlt Marcabrun in dem 
Liede Gr. 293, 16 : D^aisso lau den (Bartsch, Leseb. S. 54) mit seinen 
hervorragenden Geistesgaben, allerdings ohne speziell seines dichterischen 
Talentes zu gedenken ; eben das letztere rühmt er aber in 33 : Lo vers 
comens qan vei del fau {M. G, 798), Str. II, wo er bemerkt, „er trage 
von echter Dichtergabe Feuerstein, Zunder und Stahl". Auch Peires 
Zeitgenosse ßaimbaut von Orange (f 1173) renommiert oft mit seiner 
poetischen Meisterschaft, so wenn er Gr. 389, 15: Ar quan s'emblol 
foill del fraisse {M. 6.362) erklärt: „seit Adam vom Apfel ass, habe 
es keinen Dichter gegeben, dessen Kunst gegen die seinige nur eine 
Rübe wert sei, wie sehr er auch schreien möge", vgl. Pätzold S. 17, 
wo weitere Stellen verzeichnet sind; Peire selbst tadelt den Raimbaut 
eben wegen dieses seines Poetenhochmutes in seiner Satire no. Xli 
Str. X. 

Somit steht unser Dichter in der fraglichen Beziehung augenschein- 
lich unter dem Einflüsse eines damals herrschenden Brauches. 

Dass Peire sich nun in der That durch den Beifall, der ihm von 
den Zeitgenossen wurde, zu einem starken Selbstgefühl berechtigt 
glauben konnte, daran ist nicht zu zweifeln. Zunächst bemerkt, wie 
wir schon hörten, der provenzalische Biograph — vermutlieh Uc von 
San Circ, vgl. S. 17 — ausdrücklich, er habe als der vorzüglichste 
Trobador der Welt gegolten, bis Guiraut von Bomeih kam, er habe 
die besten Melodien gefunden, die es je gegeben, und es ist nicht an- 
zunehmen, dass dieses Urteil sich etwa nur auf Peires eigene Aussage 



62 B* Zenker 

in der letzten Strophe seiner Satire^ die der Biograph ja allerdings 
zitiert; stützen sollte. Wenn es sodann ebenda heisst, er sei der Ver 
fasser des Liedes: Dejosta'ls breiis jorns e'ls loncs sers — no. VI — 
so folgt daraus, dass letzteres noch zur Zeit des Biographen allgemein 
bekannt war und sieh besonderer Wertschätzung erfreute. Weiter 
kann Peires Bemerkung no. III 28 ff., „er fahle sich; was seinen Gesang 
angehe^ vollkommen sicher gegen Verläumduogen, da andernfalls das 
Korn sich nicht einstellen würde, das reichlich da sei^'^ doch wohl 
nur SO; wie wir es schon oben auffassten^ nämlich als Berufung auf 
den thatsächlichen Erfolg seiner Lieder, verstanden werden. Wenn er 
es femer wagen konnte, sich in seiner Satire zum Kritiker der zeit- 
genössischen Trobadors aufzuwerfen und sogar gegen die ersten unter 
ihnen, einen Guiraut von Bornelh, Bernart von Ventadorn, Peire 
Regier u. a. die Pfeile seines Spottes zu richten, so hat ein solches 
Unterfangen doch wohl zur Voraussetzung, dass er selbst bereits in 
weiteren Kreisen ein gewisses Benommee genoss. Endlich lässt sich, 
wie wir sahen, sogar in dem gegen ihn gerichteten Schmähliede des 
Bernart Marti eine Anerkennung seiner Leistungen zwischen den 
Zeilen lesen. 

Dieses Urteil der Zeitgenossen über Peire, einmal in der proven- 
zalischen Lebensnachricht festgelegt, wurde dann auch für die späteren 
massgebend; denn offenbar chronologisch-ästhetische Rücksichten 
walten ob, wenn einige Handschriften, ABIK, seine Lieder an die 
Spitze stellen,^) und eben die provenzalische Biographie wird im Auge 
haben Dante, wenn er De vulg, eloqu. I, c. X, 3 Peire als Vertreter 
der ältesten stidfranzösischen Lyrik namhaft macht, vgl. Vorwort S. I. 
Sicher die Biographie schwebt vor Petrarca, wenn er Trionfo 
d^amore IV, Terz. 16 zusammen mit andern berühmten Provenzalen 
auch Peire von Auvergne unmittelbar neben Guiraut von Bornelh auf- 
treten lässt: 

Terz. 13 e poi v'era un drappello 

Di portamenti, e di volgari strani. 
„ 14. Fra tntti il primo Amaldo Daniello 



„ 16. EM vecchio Pier d'Alvernia con Giraldo. 

Die Bezeichnung des Dichters als „des alten^, die dann Nostra- 
damus wiederholt (vgl. S. 17), gründet sich offenbar auf die Angabe 



1) Vgl. Gröber, Eom, StudAl, 460. Ausser Peire haben den Vortritt in 
den Handschriften nur noch Marcabrun (chronologischer Gesichtspunkt) sowie 
Guiraut von Bornelh und Folquet von Marseille (ästhetischer Gesichtspunkt). 



. '«A 



Peire von Auvergne 63 

der Biographie, Peire habe „lange Zeit in der Welt gelebt", also ein 
hohes Alter erreicht. 

Wie werden nun wir uns zu diesem von den nachfolgenden 
Generationen übernommenen zeitgenössischen Urteil stellen? Werden 
wir in der Lage sein, es zu bestätigen oder werden wir ihm zu wider- 
sprechen haben? 

Hier bleibt zunächst zu bedenken, dass die ganze musikalische 
Seite von Peires Thätigkeit für uns überhaupt nicht in Betracht kommt. 
Zwar haben uns die Handschriften zu einigen seiner Lieder die Me- 
lodien aufbewahrt, aber gesetzt auch, dass letztere uns wirklich korrekt 
erhalten sein sollten, — was nach den Bemerkungen von Appel be- 
treffend die Ueberlieferung der Trobadormelodien in den Abhandlungen^ 
Prof. Tobler gewidmet, Halle 1895, 54 Anm. 4 keineswegs als von vorn- 
herein feststehend betrachtet werden kann, — so sind wir doch über 
die Trobadormusik viel zu mangelhaft unterrichtet, als dass es möglich 
sein dürfte, über das grössere oder geringere Verdienst von Peires Lieder- 
Rompositionen ein Urteil abzugeben ; jedenfalls muss ich, der ich über 
keinerlei musikgeschichtliche Kenntnisse verfüge, von einer Würdigung 
dieser Seite seiner Thätigkeit von vornherein absehen. Gerade als 
Komponist wird aber Peire in der provenzalischen Biographie besonders 
gerühmt und er selbst spricht wiederholt von der Anmut seiner Weisen, 
der sich niemand verschliessen könne (IV 8, XII 81, XVII 5). Da- 
nach beruhte das Ansehen, in dem er bei den Zeitgenossen stand, un- 
zweifelhaft zu einem sehr wesentlichen Teile auf seinen musikalischen 
Leistungen, ja, es scheint nicht ausgeschlossen, dass diese es geradezu 
in erster Linie waren, welche das Urteil über ihn bestimmt haben. 
Sollte dem so sein und er eben in seiner Eigenschaft als Lieder- 
Komponist als „der beste Trobador vor Guiraut von Bornelh" ge- 
golten haben, so liegt kein Grund vor, die Berechtigung dieses Urteils 
zu bezweifeln. Sollte es sich hingegen vornehmlich oder doch in 
gleichem Masse auf seine poetischen Leistungen gründen, so werden 
wir es nicht als zutreffend erachten können. Peire hat als Dichter 
durchaus kein Anrecht auf die ihm in der provenzalischen Lebensnach- 
richt zuerkannte Stelle; er kann sich an Bedeutung weder mit Marcabrun 
noch mit Bernart von Ventadorn messen: jener ist ihm überlegen 
durch seine Originalität und grösseren Gedankenreichtum, dieser durch 
die Wärme der Empfindung und die Unmittelbarkeit und klassische 
Schönheit des Ausdruckes, die ihn zu einem der grössten Lyriker 
aller Zeiten stempeln. Peires Minnelieder bewegen sich, wie wir 
sahen, ganz in dem herkömmlichen Geleise und entbehren eines 



64 R. Zenker 

kräftigen, persönlichen Aecentes; seine geistliehen Lieder, weitschweifig 
und schwerfällig im Ausdruck, behandeln Gemeinplätze der lateinischen 
und Yolkssprachlichen geistlichen Lyrik der Zeit; beide, Minnelieder 
und geistliche Lieder, tragen durchweg ein nüchternes, verstandes- 
mässiges Gepräge und das gleiche gilt von den Sirventesen persön- 
lichen, politischen oder allgemein moralisierenden Inhaltes. Ausge- 
nommen kann von diesem Urteil allein die anmutige Bomanze no. IX 
werden, welche sich zwar ziemlich eng an das Marcabrunsche Vorbild 
anschliesst, aber doch das Motiv mit Glück modifiziert und zur Genüge 
darthut, dass Peire vorzügliches zu leisten im Stande war, wofern er 
nur der falschen Manier des dunklen Stiles entsagte. Hervorragendes 
litterarhistorisches Interesse besitzt sein vielbesprochenes Rügelied auf 
die zeitgenössischen Trobadors, no. XII, hier bethätigt er auch vielleicht 
wirkliche Originalität — wenigstens ist uns ein älteres derartiges 
Gedicht, welches er nachgeahmt haben könnte, nicht aufbewahrt —, aber 
einen höheren litterarischen Wert wird man dieser satirisch-kritischen 
Revue mit ihren derben Invektiven gewiss nicht beimessen wollen. 

Kann somit, wenn wir den heutigen ästhetischen Massstab an- 
legen, unser Urteil über Peire nicht eben günstig lauten, so ist der 
Grund hieftir doch nicht sowohl in einem bei ihm zu konstatierenden 
Mangel an poetischer Begabung als vielmehr hauptsächlich darin zu 
erblicken, dass er sich von dem Wesen der Poesie einen falschen Begriff 
gebildet hatte. Wir erkennen das mit voller Deutlichkeit aus dem 
Sirventese no. III, in dem er ja ein Meisterstück seiner Kunst liefern 
will; was dieses Gedicht auszeichnet, das sind nicht etwa Eigen- 
schaften, die wir heutzutage an einem lyrischen Gedicht vor allem 
schätzen: Kraft der Empfindung, Unmittelbarkeit des Ausdruckes, 
Schönheit und Schwung der Sprache u. dgl. m., sondern allein die 
Künstlichkeit der Form — 10-Silbner mit viermal sich wiederholendem 
Gäsurreim — und besonders die Verwendung ungewöhnlicher, selt- 
samer Metaphern. Hierin also erblickt Peire die Haupterfordernisse 
eines guten Gedichtes und es ist klar, dass eine solche Vorstellung 
von den Aufgaben der Poesie der freien Entfaltung seines dichterischen 
Genius nur abträglich sein konnte. Fast durchweg ist denn auch 
Peires Bestreben offenbar gerichtet einerseits auf eine kunstvolle Be- 
handlung der metrischen Form — sei es, dass er eine künstliche 
Strophenform wählt wie in I, II, III, sei es, dass er schwere Reime 
verwendet wie in IV, VI, XHI, oder mit einem Refrainworte spielt 
wie in VIII, oder von der AUitteration ausgiebigen Gebrauch macht, 
wie in so vielen seiner Gedichte, vgl. den Abschnitt „Metrisches" — , 
andrerseits aber und in erster Linie befleissigt er sich einer gewählten, 



Peire von Auvergne 05 

metaphorischeD Ansdrucksweise ; eben die eigenartigen Metaphern sind 
es ja, welche das Verständnis seiner Gedichte so oft erschweren und, 
wo noch Textverderbnis hinzukommt^ bisweilen völlig unmöglich machen. 
So sehr nun eine derartige Künstelei dem wahren Wesen der Poesie wider- 
strebt; so ist doch nicht zu leugnen, dass die ausgiebige Verwendung der 
Metapher seinem Ausdruck etwas Frisches, Plastisches verleiht und die 
gebrauchten Bilder bisweilen wirklich dichterisch angeschaut sind. 

Fragen wir nun: Wie kommt Peire zu dieser verkehrten Vor- 
stellung vom Wesen der Dichtkunst? so lautet die Antwort: Er hat sie 
von Marcabrun entlehnt. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, dass 
der etwas ältere Marcabrun Peires direktes Vorbild war, dem er nach- 
eiferte, dass Marcabrun von ihm in Sachen der Poesie als Autorität 
betrachtet wurde. In dem Sirventes no. X 38 beruft Peire sich wegen 
der Form [semblansa) dieses Liedes, d.h., wie wir sahen, jedenfalls 
der Kompositionsweise, der unvermittelten Nebeneinanderstellung zweier 
heterogener Themata, ausdrücklich auf den Vorgang Marcabruns, der 
ebenso gedichtet habe. No. IX ist formell und inhaltlich Marcabruns 
Staarenlied nachgebildet. No. XIV entlehnt die Form oflFenbar von 
Marcabrun 16 — nur bezüglich des Reimes b scheint eingewirkt zu haben 
das gleichgebaute, an Marcabruns Adresse gerichtete Gedicht Aldrics 
Gr. 293, 10, das wiederum vornehmlich wegen des ersteren zugehöriger 
Antwort Peire gegenwärtig gewesen sein dürfte -— und der Grund- 
gedanke von no. XIV ist aus Str. II eben jenes Marcabrunschen Liedes 
entnommen, vgl. den Kommentar. Auch konnten bei Peire in den An- 
merkungen verschiedentlich Reminiszenzen ans Marcabrun nachgewiesen 
werden. Ganz im Stile von Marcabruns moralisierenden Schmäh- 
gedichten ist gehalten no. XIII. Wie Peire befleissigt sich auch Mar- 
cabrun bereits der „dunklen" Manier, er verwendet schwere Reime 
und macht einen ausgiebigen Gebrauch von ungewöhnlichen Metaphern 
und Bildern. Diez, L.u. W,^ S. 47 bemerkt von seinen Liedern, sie 
seien „dergestalt mit Schwierigkeiten überladen, dass wir kaum den 
vierten Teil derselben rein verstünden", und auch Suchier, Jahrb. 
14, 289 meint, das Dunkle überwiege für ihn in den meisten Gedichten 
Marcabruns und nur eine kleine Zahl davon sei ihm ganz verständlich. 

Danach scheint es offenkundig, dass Peire den Marcabrun direkt 
nachgeahmt hat, dass dessen Lieder ihm wohl vertraut waren und bei 
seinem eigenen Schaffen als Muster vorschwebten. Seine Fehler sind 
die Fehler Marcabruns; wenn er im dunklen Stile dichtet, so thut er 
es, weil Marcabrun, der dem trobar clus^) huldigte, ihm als Autorität gilt. 

1) Die Litteratur über diese künstlich-gelehrte Richtung der provenzalischen 
Poesie verzeichnet Kolsen, Guiraut von Bomelh S. 41. 

Zenkeri Peire von Auvergne. ^ 



■■»> A *. j^ri ■ 



66 ^ Zenker 

Freilich, erreicht hat Peire sein Vorbild im übrigen m. E. nicht. 
Marcabruns Lieder machen mir, soweit ich sie in den bis jetzt von 
ihnen gegebenen mangelhaften Abdrücken nach einzelnen Handschriften 
überhaupt verstehe, durchaus den Eindruck einer grösseren Mannig- 
faltigkeit, eines grösseren Gedankenreichtums, einer blühenderen Phan- 
tasie als die Gedichte Peires, eine stärkere poetische Ader scheint mir 
in ihnen zu pulsieren; er ist ohne Frage der genialere von beiden und 
vielleicht formulieren wir ihr Verhältnis nicht unzutreffend, wenn 
wir sagen, Marcabrun sei das wegweisende Genie, Peire das letzterem 
nachstrebende Talent. 

Ob Peire auch die persönliche Bekanntschaft des ihm zeitlich 
nahestehenden Marcabrun gemacht hat, wissen wir nicht, doch darf 
es vermutet werden, da Marcabrun am Hofe Alfons' VH. von Castilien 
weilte und, wie wir S. 26 sahen, Grund vorhanden ist zu der Annahme, 
auch Peire habe schon dessen Hof besucht, wie er denn sicher nicht 
lange nach Alfons' Tode sich bei seinem Sohn und Nachfolger Sancho 
aufgebalten hat. 

Die für die Beurteilung von Peires gesamter Lyrik so wichtige 
Thatsache, dass er in die Fussstapfen Marcabruns tritt, kennzeichnet 
nun zugleich den Platz, der ihm in der Geschichte der provenzalischen 
Litteratur anzuweisen ist. Das Verhältnis der beiden wird noch deut- 
licher hervortreten, wenn erst einmal Marcabruns Gedichte in einer 
lesbaren kritischen Ausgabe vereinigt vorliegen werden; mit dem 
Wunsche, dass eine solche nicht mehr allzulange auf sich warten 
lassen möge, will ich diese Studie über Peires Lyrik beschliessen. 



Metrisches. 

Obgleich die metrischen Schemata in den Anmerkungen zu den 
einzelnen Liedern mitgeteilt sind, stelle ich sie doch zur Erleichte- 
rung der Uebersicht hier nochmals tabellarisch zusammen; ich bediene 
mich dabei folgender Abkürzungen: St. = Strophe, T. = Tornada, 
c, u. = coblas unisonans, durchgehende Reime ; wenn nur einige der 
Reime durch alle Strophen hindurchgehen, andere von Strophe zu 
Strophe oder von zwei zu zwei Strophen wechseln, so bezeichne ich 
die ersteren mit r. u. = rim unisonan, die letzteren mit r. s. = rim 
Singular^ bezw. r. d. = rim doble. Wo die nachfolgenden Verse die 
gleiche Silbenzahl haben, wiederhole ich die Ziffer nicht. 



Peire von Auvergne 



67 



II. 

7 St. ; c. u. 



I. 

5 St., 1 T.; a b r. s., 
c d r. M. 

7 a 
5 b' 
7 a 
5 b' 
7 a 
5 b' 

7 a 
5 V 

8 c 
c 
d 
d 



IV. V. 

7 St.; CM. 7 St., 1 T.; cm. 



7 a' 
b' 
&' 



d' 
b' 
e 

VIII. 

6 St., 1 T. ; c. M. 

7 a 

a 

b 

b 
3 c 
7 d' 

c 

d' 



8 a 
b 
b 

7 C 

8 d 
e 
e 

IX.i »• « 

Je 6 St. ; c M. 



III. 
6 St., 1 T.; a b d r. «., 



8 



1} 



4 c + 6 d (= 10-Silbner 

mit Binnenreim 
nach der 4.) 

4 c + 6 d 
4 c + 6 d 
4 c + 6 d 



VI. VII. 

7 St., 2 T. ; c. w. 8 St., 1 T. ; 

a r. d., b r. ti, 

7 a 
a 
a 
a 
b 
b 




X. 



XL 



6 St.; C.W. 6 St., 1 T.; c. u. 



8 a 

7 b' 

c' 

b' 

d 

e 



7 a 
a 
b 
c 
c 
b' 



5* 



B8 &• Zenker 

XII. XIII. XIV. XV. 

14 St., IT.; 6 St., IT.; 8 St.; 9 St., 1 T.; c. w. 

a r. s., h r,u. a b d r. d,, c r. w, a c r. 5., b r. u. 

8a 8 a) 4a 7a 






a b') a b' 

b a ) 7 b b' 



b') 



a b') 4 c a 

a 7 c'J c c 

b df 7 b c 

dl b' 



I 



7 c 

XVI. XVII. XVIII. XIX. 

7 St., 1 T.; c. w. 9 St., 1 T.; c.u. 13 St., 1 T.; 9 St., 1 T.; 

a b r. 5., c r. w. c, capcaudadas 

8a 8a) 7a 7a Reim- 

b b) a a binduDg: 

a b ) b b St. I II III 

a) a c a b d 

d cj b c b d f 

c d( b c c e g 

e c l 8 c b u. s. f. 

d; 

Die Zahl der Strophen beträgt: 
5: I; 6: III VIII IXi^-« X XI XIII; 7: II IV V VI XVI; 8: VII 
XIV; 9: XV XVII XIX; 13: XVIII; 14: XII. 
Die Verszahl der Strophen: 
6: m VII XI XII XIV; 7: V VI X XV XVI XVIII XIX; 8: IV 
VIII Xm XVH; 10: II IX; 12: I. 

Von den Vers arten begegnen: 
3-Silbner, männlich: VIII IX; 4-Silbner, männlich: II III XIV; 
5- Silbner, weiblich: I IX; 6-Silbner, männlich: II; 7-Silbner, männlich: 
I IV VII VIII IX X XI XIV XV XVIII XIX (11-mal); 7-Silbner, 
weiblich: IV V VIII IX X XI XIII XV (8-mal); 8.Silbner, männlich: 
I n III V VI X XII XIII XVI XVII (lO-mal); 10-Silbner, männlich: 
III (Binnenreim nach der 4.) VI. 

Nahezu die Hälfte der nns erhaltenen Gedichte — acht — besteht 
aus nur einer Versart; es haben nämlich ausschliesslich: 

männliche 7-Silbner VII XIX ; männliche und weibliche 7-Silbner 
gemischt IV XI XV; männliche 8.Silbner XII XVI XVII. 



Peire von Anvergne 69 

SoD8t erscheinen gemischt: 

8-Silbner^ männlich oder weiblich, and T-Silbner, desgleichen: 
V X XIII XVIII ; 

männliche 8-, 7- und weibliche 5-Silbner: I; 

männliche 8- und 10-Silbner: III VI; 

männliche 8-; 6- und 4-Silbner: II; 

männliche and weibliche 7-Silbner, weibliche 5- and männliche 
S-Silbner: IX; 

männliche and weibliche 7-Silbner and männliche 3-Silbner : VIII; 

männliche 7- and 4-Silbner: XIV. 
Aas dieser Statistik ergiebt sich, dass Peires Lieder am häufigsten 
6 oder 7 Strophen, die Strophen 7 oder 6 Verse, die Verse 7 oder 8 
Silben umfassen ; dass von den Kombinationen der verschiedenen Vers- 
arten am häufigsten begegnet die von 8- und 7-Silbnern, dass er den 
9-, 11- und 12-Silbner nicht angewandt hat und die kürzeren Verse 
von 3—6 Silben nur in Verbindung mit 7- oder 8-Silbnern, den 
10-Silbner nur in Verbindung mit dem 8-Silbner. 

Der 10-Silbner hat die Gäsur stets nach der betonten vierten, was 
in in schon durch den Binnenreim bedingt ist; nur einmal, VI 54, 
begegnet Cäsur nach tonloser vierter, also sog. lyrische Gäsur: que 
d'Alvemhe manda qyiom ses dompneis . . . 

Was die Reimbindung der Strophen anlangt, so sind solche mit 
durchgehenden Beimen, coblas imisonans, die Regel: von den 19 Ge- 
dichten zeigen nicht weniger als 12 diese Form. Verknüpfung sämtlicher 
Strophen durch nur einen oder zwei von mehreren Reimen, während 
die übrigen wechseln, findet sich in I VII XII XHI XIV XVIH, und zwar 
wechseln die nicht durchgehenden Reime, bezw. der Reim, in I XII XIV 
XVIII von Strophe zu Strophe, in VII und XIII dagegen nur von 
zwei zu zwei Strophen. Coblas Singulars — Wechsel sämtlicher Reime 
von Strophe zu Strophe — finden sich nicht. In XIX sind die 
Strophen in der Weise gebunden, dass der Reim des letzten Verses 
jeder Strophe den des ersten Verses der folgenden Strophe bildet, 
während die anderen Reime wechseln. Der Fall, dass einer oder 
mehrere Reime nicht innerhalb der Strophe, sondern erst in der 
nächsten gebunden werden, findet sich mehrmals: Körner sind in X 
und XVI die Reime d und e, in XVIII der Reim c. 

Reiche Reime sind bei Peire verhältnismässig selten und 
haben sich da, wo sie auftreten, offenbar ungesucht eingestellt, was 
auch von den wenigen sog. leoninischen Reimen gilt, Reimen, bei 
denen der Gleichklang mit dem der Tonsilbe vorangehenden Vokal 
beginnt. Eine Aufzählung dieser Reime wäre somit zwecklos. 



70 R. Zenker 

Beimkünsteleien, wie sie von manchen der späteren Trobadors 
so fleissig kultiviert wurden, finden sich bei Peire nur ganz vereinzelt. 
Refrainreim ist in VIII, Z. 6 jeder Strophe conha {cognita). 

Was Appel, P. Regier &, 24: „verwandten Reim" nennt, die 
Aufeinanderfolge von Reimendungen, „deren betontes Element gleich 
ist, von denen aber eine durch eine angefügte tonlose Endung er- 
weitert ist", liegt vor zweimal in no. I: -elhs -elha Str. I, -ans -ensa 
Str. III. Homonyme Reime sind: marritz (sbst, part.) VII 48, 49; 
sen (vb., sbst.) XIV 19, 44; escout (vb., sbst.) XVI 2, 44. 

Wiederholung der nämlichen Wörter in gleicher Bedeutung 
im Reime ausserhalb der Tornada, wo die Wiederholung ja allgemein 
geübt wurde, findet sich mehrfach, und wenn auch in einigen dieser 
Fälle die Ueberlieferung eine fehlerhafte sein mag, so scheint es doch, 
als ob das nicht überall angenommen werden könnte und der Dichter 
sich gelegentlich in der That eine solche Freiheit erlaubt hätte: es 
kehren im Reim wieder: enamoratz (o. pl.) II 20, 60; trobar VII 37, 46; 
queren (part. pr.) XII 51, GQ] jauzens XVIII 7(n. s.), 91 (o. pl.); voler 
XV 4 (sbst.), 50 (inf.); mendics (n. s.) VI 19, 40; estout (adj.) XVI 
16, 30; sm XIX 47, 62. 

Von einem prinzipiellen Verbot des Hiatus wusste die proven- 
zalische Metrik bekanntlich nichts. Peire gestattet sich ihn denn auch 
nicht selten, selbst dann, wenn die gleichen Vokale zusammentreffen, 
wie; aporta alegrier I 10; tengua a dreit ib. 22; /a am IV 24; bona 
atendensa IV 11 ; cre en II 14 u. ö. Auf eine Sammlung aller Beispiele 
von Hiat glaube ich verzichten zu können, da aus ihnen doch weiter 
nichts zu entnehmen sein würde als dass Peire in dem fraglichen 
Punkte genau ebenso verfährt wie alle seine Kunstgenossen. 

Eine sehr bemerkenswerte formale Eigentümlichkeit von Peires 
Gedichten ist der ausgedehnte, bisweilen geradezu verschwenderische 
Gebrauch, den er von dem Kunstmittel der Allitteration macht, und 
zwar handelt es sich weniger um die bekannte stabreimende Ver- 
knüpfung coordinierter Begriffe, als vielmehr um jene freiere Form 
der Allitteration, welche Worte der verschiedensten Art in einem oder 
mehreren Versen durch gleichen Anlaut bindet. 

Ich verzeichne zunächst die zum Teil schon formelhaften Beispiele 
der Allitteration coordinierter Begriffe: 

a. Substantiva: 
La flors fresc' e'l fuelha I 2; dans e destorbiers 15; lo fuelhs e'l flors e*l 
fmgs madurs II 1; de mais en mielhs 10; de Mauri e Miro (?) III 15; li sordeior 

1) Beispiele von Refrainreimen bei anderen Trobadors verzeichnet 
Stimming, Bertran de Born^ S. 102. 



Peire von Auvergne 71 

e'l savais VII 7^ lo mielhs e*l menhs VII 8; blancs en bai IX ^ 56; joc e joi 
IX' 24', la flors e'l fuelha XIII 2; de tort en travers XIII 11; sen e saber e 
sentir XVII 51; fam ni freg 24, 25; la terra e*l tro 57; manna e mel 62; per 
serpen serpens 63; rams e razitz 82; los blancs e*ls brus XIX 65. 

b. Adjektiva: 

Janzens jojos II 15; francs eferms 54; manens o mendics VI 19; corteza 
e conha VIII 22; blancs e brus e bais 36; vestirsvertz ni vars XII 40; engres, 
envers, estraii XIII 33; fals e fol filh — felo — fait 34, 35; feble fat ris XVI 11; 
cor ferm franc XVIII 16; clars e clus XIX 48; forz e ferms 55. 

c. Verba: 

S^aproch' e s'aferma I 38; viu e verdeya 54; nasc ni nais 60; qui qu'en 
frima ni*n fragel III 19; m'abelis e m'es bei 31;-brot* e bruelh' V 16; branc' 
e bruelh VI 3; que*m fruech' e*m floris 4; puesc — ponha VIII 8; enriquitz, 
essausatz e enantitz XV 54, 55; prec — plane XVIII 18; 

d. Adverbia: 

Defors e dedins XII 32; desobre e desotz 80; defors — dins XIII 7, 8; 
d'amon desotz XVI 12. 

Wo es sich um AUitteration nicht coordinierter Glieder handelt, 
ist es oft ganz unmöglich zu entscheiden^ ob wirklich beabsichtigter 
Gleichklang oder vielleicht nur Zufall vorliegt; wenn ich deshalb nun 
im folgenden die Stellen anführe, wo ich glaubC; AUitteration annehmen 
zu dürfen^ so möchte ich doch ausdrücklich bemerkt haben, dass nach 
meinem eigenen Dafürhalten oft auch der Zufall im Spiele sein kann; 
andrerseits mag freilich gelegentlich auch da, wo ich nicht wage, sie 
anzunehmen, AUitteration vom Dichter beabsichtigt gewesen sein. Bis- 
weilen bleibt es in Fällen, wo sicher AUitteration vorliegt, doch zweifel- 
haft, wie weit dieselbe sich erstreckt, ob gewisse, den gleichen Anlaut 
aufweisende, aber entfernter stehende Worte noch als allitterierend zu 
betrachten sind oder nicht. 

Bei der grossen Häufigkeit der Erscheinung muss ich davon ab- 
sehen, die Verse mit allitterierenden Worten vollständig zu zitieren, 
und mich darauf beschränken, die letzteren herauszuheben. Dabei 
verzeichne ich die oben bereits angeführten allitterierenden Ver- 
bindungen nur dann wiederholt, wenn noch andere, nicht coordinierte 
Worte durch AUitteration mit ihnen verknüpft sind. Nach dem ge- 
sagten enthält die Sammlung natürlich manches hypothetische, doch 
dürfte in der Mehrzahl der Fälle ein Zweifel, dass der Gleichklang 
ein beabsichtigter ist, nicht bestehen können. 

Bisweilen allitterieren auch inlautende Konsonanten, auch dann, 
wenn es sich nicht um Komposita handelt, deren erster Bestandteil 
ein bei der AUitteration nicht zu berücksichtigendes präpositiouales 
oder adverbiales Präfix ist, oder doch das betreffende Wort als ein 



72 B- Zenker 

solches Kompositam nicht mehr empfanden wird. So kann es nicht 
zweifelhaft sein, dass in V 46: e si'n sabia esser auciza das s in esser, 
XVIII 30: lo cor mHntr* en tremol das trm intra allitterieren sollten. 
Dass diese Ausdehnung des GleichklaDges auf das Innere der Worte 
sich auch sonst im Provenzalischen häufig findet, hat schon Appel, 
P. Rogier S. 23 bemerkt. 

Ich gehe nun die Lieder der Reihe nach auf die in ihnen nach- 
weisbaren AUitterationen durch. 

I. Flors freso' — fuelha 2; brondelhs — bruelha 3; clus cuelha 6; sos 

sia 7-, chant — chanten — chans 8; aporta alegrier 10; son 

segle — seguon sazo 11, 12. I. 
Qu'ira — cossiriers 13-, que cum — encombriers — cobezeza 17; 

atressi — totz 19 ; doncs — de — dezirier — dreit — semdier 21. II. 
Dels dos 25; sens — reconoissensa 25, 26; s*om s'es — seguens -— 

se — aiselh sos — ses 29—32; cum del can cui cazec del cais 

la cams, quan etc. 35, 36. in. 
Perque, qni 37; qne quan creis mais merma 40; m*o menta dema 43; 

sai — serc 46; biais — bon' 47, 48. IV. 

Str. V, in der es von AUitterationen geradezu wimmelt, möchte ich voll- 
ständig hersetzen: 

Que*l sieus jois i^ensetz e^au 

selhui qni'l s'autreja 
acnes fenh e semblant brau 

e ses Tair' enTeja^ 
qn'ades a quasqunn jomaa 

sai tIu e Terdeja 
sa Talors ab Ter lonc lau, 
cni totz pretz sopleja; 
que cum resplan roz' en rozier 
^ensetz d'autra flor de verlier 
sobra »obre totz jois sos jais 
del maior gaug qn'anc nasc ni nais. 

Sabra — ses 61; mot mi — mas 62. VI. 

II. Per plas — per 4; ven — voluntatz 8. I. 

Gaug grans 12; genh ginhos 12; jauzens joios — jauzens — gens 

15—17; eu — encens — enamoratz 19, 20. II. 
Gent joi 21; dan digz durs 24; lauzengiers lengutz 26; senatz sens 27; 

amor amatz 30. III. 
De que cove que 34; mot melhurs — motz — mentangutz — mai 

manens 34—37; part pert 38; viatz — covinens 38, 39; dels dos 

40. IV. 
Mas — mi 41 ; que cobeitos sui sobr' 42, 43 ; esqnivar contra 44 ; fals 

tafiirs 44; trop tens — tenens 47—49; fes fals 48; fina afinatz 50. V. 



Peire von Auvergne 73 

Quais qa'an contr' 51 ; qae*m condntz 53; sospeisos — sieas — sapiens 
sui — eine cens 56—59; mai ipeihuratz 58. VI. 

Que cum — eontr' 61, 62; Taurs — Fazurs — alberos 61; sobre'ls 
escutz — Surs — sobriers — esciens — ses — sui 63—70; det do 64; 
fenhs fatz 68; don — datz 70. VII. 

III. Sobre — sen — sabens — eil — so 1 — 3. L 
Platz apanar 8. II. 

Deu de dir 14; mot — messatgiers — met — maiso 17, 18. III. 

Trobars tan 20 (?). IV. 

Sen sertas — enseguras — sobriers 27, 28. V. 

Joi — joyens.32; m'an amie ueimais li mal 36. VI. 

Aissi'm sent — sospeiso 37. VII. 

IV. Chans — ehantaire — ehant 5 — 7. I. 

Ditz — dona 10; segles — se — segon — sempres — asazona 13—15. IL 

Sol — sona — sofre 23, 24. III. 

Mout — mi — temensa 25; mout mostra mal* 28; tenha — tant — 

traire — tant — ten 29—32; sei sui 31. IV. 
Pechat — penedensa — perdona — per — perdon — prenha — per- 

dutz — desperaire, per — esperansa — pel 33—40. V. 
Per — pretz — paue 43, 44; sostenha, tant — tant — trona — tal 

45—48. VI. 
Trob — retenba, tal 53, 54; dompna don 54. VII. 

V. Cbantarai — ehant — ehantar — ehantes — ehantar — ehans — 

chansos 1—7. I. 
Bei — bais — branda'l biza — bona — bees 10—13. II. 
A — amor — amors 15, 16. III. 
Mas — mi — mas — meteis — maior 22—25; Piza — plagues — 

pes 25, 26. IV. 
Pretz — pauea — puesea — pres — pros 39—42. VI. 
Sol sia — s'esmer 43; si'n sabia esser aueiza — sapehatz, s'ieu — 

saupra — sos — s'ilh 46-49; far — feira — fos 48, 49 (?). VIL 

VI. Dejosta — joms 1 ; blane* — brunezis — branc e bruelh 2, 3; frueeh* — 

floris — fuelh 4, 5; loindan — levars — lui ses lieis 9—11 ; gaug — 

guerpis 12. II. 
Vei — Ters 15; eals que — qu'ien — qu'en — qu'esser — Eseotz 

19, 20. III. 
Qu'una — eonquis 23; prenda'l — plus — pens 28. IV. 
Devis, desque — dompna — de — de 30—32. V. 
Qu'ane — eoartz — qu'ieu — alques, aqui 40, 41. VI. 
Pretz poders 45; sos — sobresenhoris — ensenhamens 46, 47; domp- 

neis d'amor — de doussor 48, 49. VII. 
Qu'ieu — quan — ' eonquis 50, 51. VIII. 
VII. Adones — amor — als — acropitz 4—6. I. 

Str. II zeigt eine lieber fülle von Allitterationen und möge wieder ganz 
hier stehen: 



74 B. Zenker 

Li sordeior e*il savais 

n'an lo mielhs e*l menhs del fais, 

panc so prezon qui's n'irais*, 

amarai, mas non puesc mais, 

qne de tal amor soi guitz 

don sai qae serai trahitz. 

Estat, en — estar 13, 14; pero — puesc 15. IIT. 

Segur — sagrament •— serai — sui 21—24. IV. 

Am — autre — aisso — am — amatz 26—28. V. 

Puec — patz — platz 34, 35. VI. 

Cavalguar — qui — cnida — qu'aissi co — clau — que — camiairitz 

43—47. VIII. 
VIII. AI — avPamors — aprendetz — alegr* 1—4; puesc — ponha 8. I. 
Fui fis 9; tort — trais — terra — trais — tric 11—16. IL 
Anc — anei 17; mielhs — demandatz — amatz 19, 20; mal m'es — 

m'en 24. III. 
Amor — ara — amer* ieu 25-27; mia — m'eschazes — mentir — 

messonha 30—32. IV. 
Ueimais m'esbaudis — amars m'enamarzis 33, 34; sent — assais 35; 

paor — perir 39; lai — li — lonha 40. V. 
Ar' an — aissi — abelhis 41, 42; lieis — lais 43. VI. 
Joi jauzir 50. VII, 
IX.* Rossinhol — repaire 1(?); m'iras ma 2(?). L 
Essai — esglai — ensenha 18—20. II. 
Volc — vostre — vengues 32, 33. IV. 
Plag — prenha 50. V. 
Fagz fai 59. VI. 
IX.» Bon' — bos — ben — bontatge — bontat 41—44. V. 
X. Senh sentnra 10; fai fraitura 13. IL 
Premiers penretz 19. III. 
Cors — cura 34. V. 

Trobet d'altretal — tengon — tug 39, 40 ; no — natura — no • ili — nais. VI 
XI. Belh — bon — bona — bes 1 — 3 ; mestiers — mentaugutz, mais — 

comensansa 4—6. I. 
Doncs — dei — demostrar — detriansa — dos — drutz 7-- 11 ; locs — 

Ieu Ten — alegransa 11, 12. IL 
Del dar — dutz 16. III. 
Ans — aitals afars 22, 23. IV. 
Es — esforsar — encombriers 25 — 27; sai — solelh — seretz deceu- 

butz, s'acortz 28—30. V. 
Espazas — escutz 38. VII. 
XII. Ghantarai — chantan — chantar 1—3. I. 
Mer mal 7; candeliers — candel' 11, 12. IL 

Segonz — sembl' — sec — solelh — son 13—15 ; cantar — cans 15, 16. III^ 
Bemartz — Bornelh — bon — alborn 19—22; manal— maire — amas- 

sava l'issermen 22—24. IV. 



Peire von Auvergne 75 

Quartz — qu'es — queren tis que — qu*en — quan — canta*l mes- 
quis, qu*a 25—30; pauc pietatz — pren 30. V. 

Ribas — raucamen — retins 31—34. VI. 

Vestirs vertz ni vars 40; sem — ß'en seran cen 41, 42. VII. 

Porta penden 48. VIII. 

Mestier — mas — menutz 50, 51 (?); pueis — prezei 52. IX. 

Trobar trop — torne 56, 57; per — pretz — pipantz 59. X. 

Lai — Joga 66. XI. 

Fai — formitz — fen — fo feritz — fon — fugen 67—72. XII. 

Et elh eis — espaven 75; motz marabotz 77. XIII. 

Peire — plazen — pero — pauc — penas — Puoichvert 79—86; de- 
sobre — desotz — sei so son 80, 81. XIV, XV. 

Fo faltz — enflabotz 85. XV. 

XIII. Fasß' — flors — fnelha 1, 2; renoveliia — renovel 5, 6; flurisc' — 

defors 7. I. 
Enredatz — retz 30 ; escantir — setz — rascizelha 31, 32 . IV. 
Fals e fat filh — felo — fait 34, 35; sebene — serf fesignat 35, 36; 

escudelba — enueja — endec 37—39. V. 

XIV. Sap — segle 9; tan trassalh — atras tomar 11, 12. II. 
Parras — pnegz plas 28, 29. V. 

Arreire — ai amat — atrazach — aura — a amat — avia d'amar 

31—36. VI. 
Ardit — amic — abric — a cui — autreyar 39—42. VII. 
Mal m*en — mon — ma — ma mort 43—46. VIII. 

XV. Miraire de mo mielhs 23, 24 (?); sordeis — saber — sens 24—26 (?). IV. 
Si-n sabia - sai 29, 30 (?). V. 

XVI. Cui — cosselh — escout — aquest qu'aras comens — que — cors 1—4; 
dira — ditz 6-7. I. 
Az — au, ans — agradar — albir 8—10. II. 
TequiB — traitor — tug 20, 21. III. 
Donaria doas 26 (?). IV. 
Triguar trop 49. VII. 
Poiria — preguem — potz — paradis 51—54. VIII. 

XVII. Puesc pauc — parlar — paucs — plus — apar — pus — parier — per — 

pöble 1—8; sai issernir 2; res restari' 3; sen si 6; dir adreg 7. I. 
Don die — den — deu devenir 9, 10; cossi — quals — que — cossir 9—11 ; 

s^om soll; ten — tenebror 13 ; esgart glotl4; cor cossenten 15. II. 
Puesc pro — per — pren 17, 18; que quan que 19; pel pas — pas- 

sar 20; flairor — feror 21, 23; als anzens — a — aquo 23, 24. III. 
De desgequir d'aisso de — degran 26, 27; qu'ieu — que — contra '1 

cor — cobri — arquier — que — colp — quar 29—32. IV. 
Mon messongier 38; can — cam caitiv' 39; esperit — en encom- 

brier 40. V. 
Puesc per peior 41; dezanador — desrefugent 45, 46; ren — respost 

47, 48. VI. 



76 R. Zenker 

Dieus — denha donar 49; ten — d'antrni terrier 54(?). VIL 

Escar — es clar 57; mostrara* 1 martir 58 ; sostenc — totz — tremblar 60; 

jorn — jutjamen 61; dolor — deveziran dui semdier 63, 64. VIII. 
Co — cascus — quan 65, 66; pot paue 65; pnesca profichar — pluzor 

68, 69; clerc — cavalier 70; tan tost torn* 71. IX. 
Dieus — donssor — don 73, 74; sna — siam sei — resplandor — sieu 

sanh son 73—76. X. 

XVIII. Diens — dreitz 1, 2 ; vera vida, verais 1 ; vius vistz 5 ; sorsetz — 
laissetz tristz 6. I. 
Falhi fals 8; digz dars 10; fols faitz enfemals 11; estranhs atnrs — 

tals talens tafurs 12, 13. n. 
Fesi — form franc 15, 16; prec —- plane, per 18, 19; fon fizels 19; 

tortz trops 20; sia sofrens 21. III. 
Sen si savis sai 22; que — conquerre 23; nulh — ni — ni — non — ni 

23, 24; fain — freg 24, 25; vostra vertutz, cui clam 26; don' — 

dezam 27; joi — giquens 28. IV. 
Fai falhir ves vos 29; qne'l cors 30; intr'en tremol 30; si-m ser- 

vatz 31; tro — trebol 32; far(?) fraitz 33; no-m n'er 34; senher — 

si — sobrevens 34, 35. V. 
Estorsetz Sidrac 36; flama — Misac 37 (?); Daniel dinz del (lac)39; 

tres reis contra Ero — entre'ls 41, 42. VI. 
Senher sobras 43; peis — pas 44; Lazer suscites 45; qu*era — qua- 

tredias 46; so serf sal Centnrios 48; mon mains turmens 49. VII. 
Vi — covit50, 51; meravilbs moutz 52; parlet per 55; vos. — voutz 55 ; 

rics reis resplandens 56. VIII. 
Terra O'l tro — tot 57, 58; sol senh — sol e*l cel 59; cofondetz 

Farao — filhs 60, 61; per serpen serpens 63. IX. 
C*als — requies, quan — que 64, 65; Tissausses lai 66; destrics de- 

strenhens 70. X. 
La lor plebs — lai 71, 72; on — Orebs 72; en Egipte, so sabem 75; 

venguetz — vostres 77. XL 
Pair' — personas 79; quant qu'es 83; siatz — si*us 84. XII. 
Jutjar — jorn 88; doutz dieus 89; esquius — qu'ieu clars 89, 90; reis» 

regum 90; gausitz (o.pl.) gauzens (n. s.) 91. XIII. 
Senher — ses — sostenens — senh 92—94. XIV. 

XIX. Divers ditz 8; totz — trinitatz 9; ses sustantia 10. U. 
Volc venir 15; dessemblatz semblans 18. III. 
Descrezutz — decreis 27, 28. IV. 

Celh — sufrlr — desotz — sobre sos — sortz 32—35, V. 
Pueg — peiro 45. VII. 
Fos forz e ferms 55. VIII. 
Per — per — pres passio — perdonet 57—59. IX. 

Aus dieser Zusammenstellung ergiebt sich, dass Peire in seinen 
sämtlichen Liedern^ ausser vielleicht in XV; den Stabreim 
in bewusster Weise als Kunstmittel verwendet hat; die 



Peire von Auvergne 77 

ÄDsicht W. Rieses^ Alliterierender Gleichklang in der franz, Sprache 
alter u. neuer Zeit, Diss. von Halle 1888, S. 23, man werde „weder im 
Französischen noch in einer der anderen romanischen Sprachen die 
Alliteration jemals als ein Element der Verskunst systematisch ver- 
wendet finden", ist mithin nicht zutreffend. 

Beispiele für Verwendung der Allitteration bei anderen Trobadors 
finden sich bei Bartsch, Peire Vidal S. LXXXV; Stimming, Jaufre 
BudelS.S2 und Bertran de Born^ S.236, Anm. zu 4, 12; Napolski, 
Ponz de Capduoill S. 42; Appel, Peire Bogier S. 22; M.Sachse, 
Heber d. Leben u. d. Lieder d. Trouh, Wilhelm IX., Graf v. Poitou^ Diss. 
von Leipzig 1882, S. 52 ; S e 1 b ach , D, Streitgedicht in der altp'ov. Lyrik, 
Marburg 1886, S. 99 (Allitteration in Tenzonen); Riese a.a.O. S. 20. 
Doch handelt es sich meist nur um vereinzelte allitterierende Ver- 
bindungen von coordinierten Gliedern oder von Substantiv und Adjektiv, 
Substantiv und Verbum, Adverb und Adjektiv; ein so ausgedehnter 
Gebrauch der Allitteration, wie wir ihn bei Peire von Auvergne finden, 
ist, wenn wir von einem Liede Guilhem Ademars (s. u.) und dem pa- 
rodistischen Liede Peire Cardenals Gr. 335, 7 : Ar mi posc eu lauzar 
d'amor (Bartsch, Chrest^ Sp. 174) absehen, meines Wissens bis jetzt bei 
keinem provenzalischen Trobador nachgewiesen worden, — was freilich 
mit darin seinen Grund haben mag, dass man dieser Form der Allitte- 
ration bis jetzt wenig Beachtung geschenkt zu haben scheint. Dass 
sie schon bei dem ältesten Trobador, Wilhelm von Poitou, begegnet, 
ergiebt sich aus den von Sachse a. a. 0. angeführten Beispielen. Dass 
in dem Gedichte Guilhem Ademars Gr. 202, 4 und ebenso in Z. 1 und 2 
des einen Liedes des Arnaut von Brancaleo die Allitteration genau 
durchgeführt ist und sehr stark auftritt in einem Gedichte des Ponz 
Fahre von Uzes (Gr. 376, 2), bemerkt Stengel in Gröbers Grund- 
riss II, 61, wo er von der Allitteration im Romanischen in Kürze 
handelt und auch die Litteratur verzeichnet. 

Es ist schliesslich ein Wort zu sagen über die Anga,be der pro- 
venzalischen Lebensnachricht, Peire habe „keine Ganzone gedichtet, 
denn kein Lied sei damals ,Canzone' genapnt worden,^ alles habe 
,Vers' geheissen". In der That bezeichnet Peire selbst seine Lieder 
fast stets als vers, so I 61, III 4, IV 2 u. ö., vgl. (^^s Gflossar unter 
vers] nur einmal, V 2, 6, 7, finden sich die Ausdrücke ckans, ckansos, 
welche sich aber auch nur auf die Melodie bezieben können.; Was 
den Unterschied zwischen vers und chanso betrifit, so stimme ich 
Lowinsky vollkommen bei, welcher Zum geistl. Xunstliede S. 247 
m. E. überzeugend darthut, dass er einfach ein historischer ist: vers 



78 



R. Zenker 



war ursprünglich die Bezeichnung für jedes Gedicht in strophischer 
Form; chanso hiess die Melodie; später nannte man chanso speziell 
das in kunstvollerer Form sich bewegende^ mit reicher gegliederter 
Melodie versehene Liebeslied. Wenn also die Biographie behauptet; 
Peire habe keine „Canzone^ gedichtet, so will das nur besagen^ dass 
man damals diesen Ausdruck als terminus für eine bestimmte Gattung 
von Gedichten noch nicht kannte. Thatsächlich unterscheidet sich 
no. II formell und inhaltlich in keiner Weise von den Gedichten, die 
man später als Canzonen bezeichnete. 



Reihenfolge der Gedichte in den Handschriften, 

Ich fiilire in dieser Liste die Lieder nur dann an, wenn sie in der be- 
trefifenden Hds. wirklich dem Peire von Auvergne oder einem Peire schlechthin 
attribuiert werden, nicht aber, wenn sie unter dem Namen eines anderen Dichters 
rubriziert sind. Der Fall, dass Lieder mit abweichender Attribution, für die 
Peires Autorschaft in Frage kommt, denen Peires unmittelbar vorausgehen 
oder folgen, begegnet nicht. 

Die unechten, bezw. mutmasslich unechten Lieder bezeichne ich mit den 
Nummern des Grundrisses. Die Punkte vor einer Nummer zeigen an, dass das 
betreffende Gedicht sich an einer späteren Stelle der Hds. findet. Die Hdss* 
sind nach Grappen zusammengestellt. 

323,5 
VII 

323,1 
IV 

323,6. 



A 


B 


D 


IK 


N* 


E 


T 


V 


c 


R 


a 


323,5 


323,5 


IV 


323,1 


323,1 


m 


XI 


V 


VI 


xvin 


XVI 


VII 


vn 


323,1 


XVIII 


VI 


323,5 


XVI 


VI 


VIII 


XTX 


XV 


323,1 


323,1 


323,5 


VI 


323,5 


VI 


V 


III 


V 


XVII 


XVII 


IV 


IV 


vn 


323,5 


• 
• 


IV 


XV 


XVI 


XTTT 


xn 


XII 


323,6 


XVIII 


323,6 


vn 


XII 


323,6 


X 


XV 


II 


VI 


xvin 


VI 


VI 


VI 


IV 




VII 


IX^ 


IX* 


vn 


XV 




• 

• 

: 




• 

• 
• 


323,6 




323,1 


323,1 


IX ^ 


XIV 


XI 




XII 




XII 


• 
• 

XII 




V 
XV 

XI 

IX 1 

IX* 

XVI 

112,2 

Vlil 

323, 22 

X 

• 

• 
• 

323,4 


VI 




I 

XVI 
XTX 

xvn 

XV 
XI 

xvni 

XII 


V 

: 

. 

xVi 

375, 21 





1) Konnte nicht benutzt werden. 



Die proyenzalische Lebensnachricht. 

HdBS. A 9, B 33, E 189, I 11, K 1, N« 19, R 3. Gedr. Mahn, 
Biogr. 4 (B); Choix V, 291; Pam. occ. 135; M. W. I, 89; Studj dt fil, 
rom. 3, 1 (A) ; ib. 3, 671 (B); Archiv 102, 193 (N«); kritisch nach B E I R 
bei P. Meyer, Becueil I, 98; Ghabaneau S. 53. 

Orthographie nach A. 

Peire d'Alvernhe si fo de l'evesquat de Glarmon. Savis om fo 

e ben letratz, e fo filhs d^an borges. Bels et avinens fo de la 

persona, et trobet ben e cantet ben. E fo lo primiers bons trobaire 

qae fo outra roon et aquel que fetz los melhors sons de vers qae 

5 anc fosson faich e*! vers qae ditz: 

Dejosta'ls breus jorns e'ls loncs sers. 

Ganson non fetz neguna, qae non era adoncs negas chantars apel- 

latz cansos, mas vers; roas paois en Gairaatz de Bornelh fetz la 

primieira canson qae anc fos faita. Mont fo onratz e grasitz per 

10 totz los Valens barons qae adoncs eran e per totas las Valens 

dompnas. Et era tengatz per lo melhor trobador del mon, tro qae 



4. outra monj njensefts des Gebirges** d. i. der Pyrenäen, in Spanien. In 
gleichem Sinne braucht Marcabrun outra' Is portz, Jenseits der Gebirgspässe", 
Gr. 293, 39, Str. HI (M. TT. I, 57) : . . Que lai, d' outra • U portz, es passatz (sc. 
Valbre) En Fransa, et en Peitau vengutz; in Spanien weilend, bezeichnet er 
mit dem Ansdruck Frankreich, Gr. 293, 22 Str. IV (M. W. I, 48): Als Ämoravis 
fai conort Per las poestatz d^ outra' l port, und ebenda Str. II: Contra'U portz 
faillon li baro. 

1 fo feMt B — f o vor e fehlt N* — 4 outra m.] el mö E — que fos en 
aquel tems otrals mon B — los m. s.] li m. s. IKN*, lo m. so E — 4—6 que 
anc bis sers fehU R — 5 fos faitz E — 6 es 1, s. N* — lonc AB — nach 
sers: qan (qaant N*) la bianca (blanc N*) aura brunezis BEN* — 7 negona 
fehlt EIKN* — 8 vers] us IKN* — mas pueis bis faita fehlt AB — puois 
feMt E — m. p. e.] quen IKN* — fetz bis faita] nomnet canso R — 9 E f o 
moat honratz e grazatz p. t. 1. v. homes e per los v. b. A. — p. 1. 1. v. homes e 
p. 1. 1. V. dompnas que adoncs eran B — 10 eron E — 1. bonas d. A — valens 
fehlt £ — 11 d. m. en aqueila sazon entro qu. A B — tro] entro I. 



80 B. Zenker 

yenc Guirautz de Bornelh. Mout se lauzava en sos chantars e blas- 
mava los antres trobadors, si qa'el dis de si: 

Peire d'Alvernhe a tal votz 
15 qae chanta desobr' e desotz 

e sei so son dous e plazen; 
e pois es maestre de totz, 
ab qn'nn panc esclarzis sos motz, 
qu'a penas nulls om los enten. 

20 LoDgamen estet et visquet el mon con la bona geD; segon 
qae*m dis lo Dalfins d'Alyernhe; que nasquet en son temps, e 
paois el fetz penedensa e mori. 



21. lo Dalfins d^Alvernhe, que nasquet en son temps. Die Lesart yon E I K N' 
ist unmöglich, da der Delphin, Robert L, 1169—1234 regierte, Peire aber späte- 
stens ca. 1135 geboren sein kann; die Lesart von AB, welcher Ghabaneau, 
Biogr, den Vorzug giebt, weil eine gänzlich überflüssige Angabe enthaltend — 
dass Peire aus der Anvergne stammt, haben wir ja schon gehört — sicher 
gleichfalls unursprünglich; dagegen passt die von R vollkommen und war in 
Anbetracht der Thatsacbei dass ABEIEN* aus einer Quelle geflossen 
sind, das Zeugnis von R ihnen also gleichwertig gegenübersteht, ohne weiteres 
in den Text aufzunehmen. 

21 — 22. e puois et fe^ penedensa e mori. In Anbetracht des Filiations- 
verhältnisses der Handschriften könnte auch hier die Lesart von R ursprünglich 
sein; der Sinn der andern, in den Text aufgenommenen Lesart ist sicher der 
gleiche. 



12 laisava N* — 13 nach de si: en una copla dun sirventes quel fetz I K — 
14r- 19 Reihenfolge der Verse in AB: 1 2 5 3 4, 6 fehlt — 15 Quel B — 16 E il 
son sunt dontz e p. AB — 18 esclaris IKN* — 20 al m. IKN* — con] ab 
AB, fehlt E — que*m] quen IKN* — 21 q. n.e,s. t.] en cui temps (e. cal 
tems E) el nasquet E IKN*, en cui terra el nasquet AB — 21, 22 e p.& el f. p., 
möri fehlt B — e m«] e lai feufc A^ e moril et aqni son dels sieus vers E ~ 
e pueys donet se en orde et aqui muri R. 



f 



b 



Lieder. 



Zenker, Peire yon Amyergne. 



82 H. Zenker 



Emendationen sind durch Kursivdruck ansgezeichnet, der sich aber 
auf die nicht handschriftlich überlieferten Buchstaben beschränkt. Besteht die 
Korrektur nur in der Weglassung überlieferter Buchstaben, so ist sie durch den 
Druck nicht kenntlich gemacht. 

Worte, die sich als korrumpiert erweisen, ohne dass Abhülfe zu schaffen 
war, sind in runde Klammern eingeschlossen. 

Die Begründung für die das Filiationsverhältnis der Handschriften sche- 
matisch darstellenden Stammbäume unter dem Texte gebe ich der Kürze halber 
in Formeln. Ist z. B. das Schema : 



i 



a 
I 



I 1 

£ D I 

so besagt y: 9, 16, 17: die Gruppe y, die Zusammengehörigkeit 4er Hdss. £ D I, 
ergiebt sich aus den diesen Hdss. gemeinsamen Fehlern V. 9, 16, 17; y — D: 20 
sagt aus: der Fehler Y. 20 ist gemein den Hdss. der Gruppe y ausser D, 
letzteres hat somit, wenn es nicht selbständig das Ursprüngliche wiederfinden 
konnte, eine zweite Quelle benutzt, welche den betreffenden Fehler nicht aufwies. 
Verwertet sind für die Feststellung des Filiations Verhältnisses nur offen- 
kundige Fehler. Wo die Auffassung einer Lesart als einer fehlerhaften be- 
sonderer Erläuterung bedarf, wird letztere in den Anmerkungen gegeben. 



Peire von Auvergne 83 



L 
Liebeslieder und Verwandtes. 

I. 

Gr, 323, 20, 

(Vgl. S. 36.) 

Hds. C 180. Gedr. Appel, Ined. S. 208. 

I. L'airs clars e'l chans dels auzelhs, 

la flors fresc' e * 1 fuelha 
que s'espan per los brondelhs 

e Perba que bruelha 
mi mostra d'esser isnelhs 5 

qu'un vers non-clus cuelha, 
tal que sos sia novelhs, 
que'l'chant qui ja*s vuelha; 
per qu^ara chanten cavalier 

que chans aporta alegrier, 10 

e pert de son segle lo mais 
qai segon sazo non es gais. 

II. Qn'ira ni grans cossiriers 

non obra boneza, 
qa'ans es dans e destorbiers, 15 

non obra proeza; 
qae, cum totz mals encombriers 

mon de cobezeza, 
atressi sortz totz faitz niers 

d^embronquar, qui'l veza. 20 

Doncs qui de gaug a dezirier^ 
tenga a dreit so semdier 
e rira e Tavol parven lais 
als roalvatz malfachors savais. 

L I. 1 e • 1] e — 2 fresca e la f. Hds, w. -4. — 4 El vertz herba b. Hds, u, A, — 
20 Don bron quar — 24 m. mal sers s. 

6* 



g4 R. Zenker 

III. Mas dels dos jois a ops : sens 25 

e recoDoissensa; 
e Tus es abaissamens 

6 Tautre creissensa. 
E s'om s^es lo roon seguenS; 

vir se on mais l'agensa^ 30 

qu'aiselh sos faitz es grazens 
qu'es ses repentensa; 
qa'aitals es de gaug ufanier, 
qui'lh sec e defug Pautr' entier, 
r cum del can cni cazec del cais 1 35 

{ la carns, quan Tombra el' aigaa*I trais. 

IV. Perque qui del joi munda 

s'apropeh' e s'a/erma 
si: „era'l terras", non Fa, 

que, quan creis mais, merma; 40 

quar; s'amors fo*m bona ja, 

qui no*m pliu ni*m ferma 
que no m'o menta dema^ 
don Tamars s'azerma 
fors cum volva descordierP 45 

ieu no sai; e serc e quier 
l^amor on non a ren biais, 
on ma bon^ esperansa*m pais. 

V. Que • 1 sieus jois gensetz esjau 

selhui qui-1 s'autreja 50 

senes fenh' e semblant brau 

e ses väir' enveja, 
qu'ades a quasqun jornau 

sai viu e verdeja 
sa valors ab ver lonc lau, 55 

cui totz pretz sopleja; 
que, cum resplan roz' en rozier 
gensetz d'autra flor de vergier, 
sobra sobre totz jois sos jais 
del maior gaug qu'anc nasc ni nais. 60 

VI. Lo vers chant qui*l sabra ses brais, 
on mot roi platz, de qui roas bais. 

III. 25 a] es. 

IV. 38 ssaserma - 41 fon — ■ 46 serc] sent. 



Peire von Auvergne 85 

n. 

Gr. 323, 19. 

(Vgl. S. 36.) 

Hds. C 179. Gedr. Appel, Ined. S. 205. 

I. Lo fuelhs e'l flors e*l frugz madurs, 

quan es sazos, 
m^es jois e gaugz m^adutZ; 
el retiDS per plas e per murs 

dels auzelhos 5 

e'l solelhs que relutz^ 

qu'entendemens 
mi Yen e volnntatz 

d'esser sabens 
de mais en mieihs assatz« 10 

II. Quar ses gaug grans sabers ni purs 

ni genhs ginhos 
non er ant elegutz; 
per que ie*m cre en cent aogurs 

jauzens jojos 15 

e jauzens luantengntz 

contra tals gens 
cui falb sciensa e patZ; 

en vi, encens 
sobre'ls enamoratz, 20 

III. Qu'ab lo plus gent joi van segurs 

qu'anc entre nos 
sai fos aparegutZ; 
e no mi tenra dan digz durs 

d'omes iros 25 

ni lauzengiers lengntz; 

quel senatz sens 
no*s camja nil beutatz 

don sui jauzens, 
de bon' amor amatz. 30 



II. I. 2 er — 6 £1 rossinhois qnel ram r. 

II. 12 gienh — 14 Qaiem cre e. c. a. Hds. u, A, 

III. 24 tenran — 27 qu. assenatz s. 



86 R. Zenker 

IV. E sembla*m ben als ditz escurs 

et ep razos . 
de dir ses motz romputz; 
de qne cove que mot melhurs 

tu^ cai det sos 35 

e motz far mentaugutz; 

qae'l mal manens 
d'autrui part pert yiatz 

bos covinens, 
pus HO i reo dels dos gratz. 40 

V. Mas de mi non auja raneurS; 

qne eobeitos 
sai Qohre' Is autres drutz 
d'esquivar contra fals tafurs 

e d'amoros 45 

esser e ben volgutz; 

quar si trop tens 
mi fes fals' amistatZ; 

ja*m sent tenens 
de fina afinatz. 50 

VI. E quals qu^an eontr* amor perjurs, 

ieu serai bos 
ves Pamor que*m condutz, 
e francs e ferms en mos aturs, 

e*l sospeissos 55 

er en los sieus ajutz; 

don sapiens 
sui e mai melhuratz 

d'autres sine cens 
d'amor enamoratz. 60 

VII. Que cum Paurs resplan e Tazurs 

contr' alberos 
.... sobre'ls escutz, 
mi det do; tro lai ont es Surs; 

quieu sobriers fos 65 

als grans et als menutz 



i^— — *■ 



V. 43 sobrautres — 50 finas. 

VII. 61 en lazurs Hd8,u,Ä, — 62 central berros Hds.u.A* 



Peire von Auvergne 87 

dels esciens 
de trobar ses fenhs fatz; 

don sui grazens 
a cela don m'es datz, 70 

III. 
Gr. 323, 24. 

(Vgl. S. 36 u. 58 f.) 
Hdss. E 44, V 78. Gedr. M. 0. 1023; Archiv 36, 424 (beide Male nach V). 

Orthographie nach E. 

I. Sobre'l vielh trobar e'l novel 

vuelh mostrar mon sen als sabens, 
qu^entendon be eil que a venir so 
qu'anc tro per me no fo faitz vers entiers; 
e qui non cre qu'eu sia vertadiers, 5 

auja dese con estaa a razo. 

IL Qu'ieu tenh Tus e'l pan e*l coutel 

de quem platz apanar las gens; 
que d'est mestier s'an levat capairo 
ses acordier que no's rompa'l semdiers; 10 
qu'ieu die (dese) e mostr' eis faitz no(vers) 
qu'a fol parlier ten om lui e'l sermo. 

III. Qu'a un tenen ses mot borrel 
den de dir esser avinens; 

car qui trassalb de Mauri e Miro, 15 

entre'l mieg falh, si nos pren als ladriers, 
com del trebalh quecs motz fas messatgiers; 
qu'en divina/A met l'auzir de maiso. 

IV. E qui qu'en frima ni*n fragel, 

pus qu'es mos trobars tan valens, 20 

Vn. 70 Ad aquelh Hds, u. A, 
III. I. In E ist die Initiale mit einem Teil der Strophe ausgeschnitten; es fehlt: 
. . . el no . . . ostra . . . sabe . . be . . . so . . . mi n . . . rs e . . . no c . . . 
vert. a. d. c. es 3 c. qu. a v.] aquels cavenir E — 4 trop E — me] mi V. 

II. 7 cantel E — 8 plas E — gentz E V — 9 Que daquest san leuat en- 
pairon E — 10 acordlers V, acordar E — 11 Qu, die que ner si mostro f. n. u. E. 

III. 13 Da u. V — Cazun tenen sen moc borrel E — boreil V — 15 tras al 
de manrmen miran E — 16 ladreis E — 17 queix mot V — quieis motz fatz treza- 
giers E — 18 diuinar V, deuinar E — 18 damaion E, 

IV. 20 que E — valentz E V. 



88 R. Zenker 



iea son (iratz) e die qu'ieu soi prlmiers 
de ditz eomplitz vensen mos fatz gaerrierSi 
quem levon critz que ieu no m'en tenh pro. 

V. Doncs com qu'il sion d'un tropel 25 

menten tot gent er per las dens: 
ie*m sen sertas del mielhs qa'es e que fo, 
ensegnra^ de mon chant a sobriers 
vas los bauzas^ e sai que dic^ qa'estiers 
no yengra'l gras, don a trop en sazo. 30 

VI. Quar er m^abelis e m'es bei 

qa*el miea joi s'enant la jovens; 
e s'ieu ren dio que Inr an enyiro, 
aissi m^en gic, qu'uns gaugz mi creis dobliers 
d'un dous espic qu'es jojos consiriers; 35 

don m'an amic ueimais li mal e*il bo. 

VII. D^aisi'm sent ric per bona sospeiso^ 
qa'en joi m'asic e m'estaa volentierS; 
et ab joi pic e gang mos deziriers 
et ab joi pic e gang vuelh dieus lo'm do. 40 

IV. 

Gr. 323, 2. 

(Vgl. S. 30 u. 42.) 

Hdss. A 10, B 34, D 1, E 46, I 12, K 26, N 256. Gedr. M. G. 2 (B); 

Studj di fiL rom. 3, 4 ( A). N konnte ich nicht benatzen. 

Orthographie nach A. 

I. Ab fina joia comensa 

lo vers qui bels motz assona 

e de ren noi a falhensa, 

mas no m'es bon que Taprenha 

rv. 22 Quieu E — que s. p. E — 23 uezen V — - 24 Quem leuon crim 
canc no fon vertadiers Que eu metex no men pusc tener pro V — crim E. 

V. 25 D. cans V — sia V — 26 dentz E V — 27 Quiem E V — setras V — 
m. que aqui fon E — 28 esegurat V, enseguratz E — e sobriers E — 29 bai- 
sans E — d. estiers E — 30 uengual E — gratz V, grat E — g. be matrop ab s. V. 

VI und VIT nur in E. VI 33 die] aic — 34 giec. 

VII 37 ricx. 

IV. Schema 8, nächste Seite, 
I. 3 non D E I E. 



Peire von Auvergne 



89 



tals cui mos chans no covenha; 5 

qn'ieu non yuolh^ avols cbantaire^ 
cel qui tot cbant desfaissona^ 
mon doaz sonet torji'en bram. 
IL D'amor ai la sovinensa 

e*Is bels ditz, ren plus nom dona^ 10 

mas per bona atendensa 

esper qa'alcns jois m'en venba; 

1 segles vol qu'om se captenba 

segon qu'el pot sempres faire, 

qa'en brea temps plas asazona, 15 

qa'a pro d'aisso don ac fam. 

III. Bei semblan n'ai en parvensa, 

qne gen m'acnolb e'm razona, * 

mas del plus no'm fai cossensa 

ni's tanh que tant aut me cenha 20 

ni tant rics jois m^endevenba, 

on coven us emperaire; 

pro fai car sol gen mi sona 

ni car sofre qu'ieu la am. 



Seh 


ema: 




1 






r 

1 




] 


1 






] 

ründun^ 


3 


l ] 


1 

a 
1 


1 
Beg 


) I K 



x: 25, 31, 35. 
y: 9, 16, 17, 44. 
a: 13, 38. 
I. 5 t. q D, tal que E — 6 avol E -— 7 que A E I K — dessasoina D 
dessazona E. 

n. 9 aic D E I K — 10 non D — 13 El s. D I K, Seigles E — si c. E I K — 
14 que p. D — 15 Ca b. B, Gab bru (briu) I K — 16 Cap (Gab E) pro daco 
DEIK. 

III. 17 naic DEIK — 18 Qui IK — ressona B — 20 Ni t. DEIK — 
queu (quieu) D E K — mi c. A K — 21 mesdeuenha E, me deueig^a A, mi de- 
ueingna D — 23 Prom A — 24 lam E. 



90 R. Zenker 

IV. Moat fai ves mi gran temensa; 25 

car tan pauc si abandona; 
jois qu^enaisi trop bistensa 
mont mostra mal' entressenha ; 
si cum li plaira mi tenha^ 
quo tant no'm fai gran mal traire 30 
— sei Stti que no Tencaisona — 
tant no*ro ten en greu liam. 

V. Ses pecbat fis penedensa 

et es tortz/ qni no'm perdona, 

et iea fatz long' entendensa 35 

per tal perdon que no'm denha; 

assatz cuig que mal m^en prenba, 

que perdatz es desperaire^ 

per qa'ai esperansa bona: 

pel vostre don mi reclam, 40 

VI. Ben es fis de gran valensa 
mos corS; s^aqnest m'abarona 
per cui totz pretz creis e gensa; 
e sap pauc qui so m'ensenha 
que ja nulh' antra 'm sostenha; 45 

tant bella filha de maire 
ni tant cum cels plou ni trona 
non ac tal el linh d'Azam. 

VII. Als comtes mand en Proensa 

lo vers e sai a Narbona, 50 

lai on pren jois mantenensa 
segond aquelz per cui renha; 



IV. 25 mi fai granda t. A B — faic D — statt ves mi in D Basur — 27 
trop fehlt B — trob b. I K — 28 mal sentresseigna A — 30 Qui I K — non 
f. D — 31 Sei ior D, Gel ioi E, ses so A B — 32 nö D — bicam D, bram E, 

V. 34 que AD — non p. D — 35 fauc BE, fas DIE — longa aten- 
densa AB — 36 nö D — 38 desesperaire DIK — 40 nostre ADE — Per 
uostridons E. 

VI. 42 aquest (aqest) A B D E I E — 43 nais e g. D E 1 E — - 44 so m.] lan 
e. D, la m. E 1 E — 45 ia fehlte antra men s. D E I E — 48 lignhatge d. E. 

VII. 49 man D E I E — 51 pren] gran D — 52 Segon a. B E. 



Peire von Auvergne 



91 



et ieu trob sai qnim retenha, 
tal dompna don sni amairO; 
non ges a la lei gascona^ 
segon las nostras amam. 



55 



V. 

Gr. 323,12. 

(Vgl. S. 35.) 

Hdss. C 179, E 48, R 6, T 150, V 78 1). Gedr. M. O. 231 (C); Archiv 

36, 423 (V). 

I. Gbantarai, pus vei qu'a far m'er, 

d'uD chant nou qne'm gronh dins lo cais; 
chaotar^ m'a tengnt en pantais, 
coDsi chantes d'aital guiza 
qa'aatrni chantar non ressembles; 5 

qn'anc chans no fon valens ni bos 
qae ressembles antrni cbansos. 

YII. 53 fehlt in E — 56 Mas segon que nos a. B — camam E, aman D, 
ama I. 



V. Schema: 





I 



I 

X 



r 

c 



i 



1 

Z 
I 



1 

R 



r 

E 



I 

T 



Begründang: 

X— C: 39. X — R: 27. 

y: 16, 26. 

z: 9, 22, 39, 43. 

C hat neben y eine Quelle des Typus V (39, 51) benutzt 
I. 2 ün eh. C — chantar qu. — que R — grondis lo c. R T — 3 Que eh. 
m. t. pantais C — Cha carma t. R — inetengut T — 4 Consieu T, Com seu V — 
5 — 7 Quel meu chant non resembles autruis chanzos Y, Quautrui chantar dö fo 
ualens ni bos Que resembles autras chansos E — 5 chantar] chantan C, chan 
(cant) RT — 6 f. fort fis n. b. C — Qu. cause n. T — 7 autrus R, antra T. 



1) Bartschens Angabe, dass das Gedicht auch in a stehe, beruht, wie 
Grüzmacher, Archiv 36, 427 bemerkt hat, auf einem Versehen. 



92 B. Zenker 

II. Beih m'es quan Talauza se fer 
en Fair, per on dissen lo rais, 
e monta, tro lis bei qnes bais 10 

sobre'l fuelh qne brandal biza; 
el doas temps qu'anc bona nasques 
entruebre'Is becs dels aazelhoS; 
don retin lar cbans sas e jos. 

III. Qui a doncs amor e l'enquier, 15 

et amors brot' e bruelh' e nais, 
e qd Fes umils e verais^ 

en brea d'ora la conquiza; 
qa'umilitatz la vens ades 
e helhs semblans ab jent respos^ 20 

qa'estiers non es om poderos. 

.IV. Mas de mi, las, qu'enaisil ser 
e re non ai mas qnan lo fais! 
Aiso meteis m'es lo grans jaiS; 

maier que qui'm dava Piza; 25 

e s'a lieis plagues qa'a sos pes 
vengaes aclis de ginolhos 
e*m disses an mot amoros! 

V. Amors, saber volgra com er 

de nos doS; si*as plazia, aeimais, 30 

IL 8 lalauzas sofer C E — 9 Per lairs on T, Per laieron E, En layre dö R, 
En lau p. 0. V — 10 Es m. t. ql play qs b. R — tro ce les b. T — 1. bon C — 

11 fehlt in V — Sus el f. que branca b. C — branle briza E, brai la brisa T — 

12 t. que b. C ~ 13 Entrubis b. E, Etrobels b. T — 14 D. lur votz retin C, 
D, r. lo eh. R, D. retinton lur cant T — D. r. lurs sos & es ieyos V. 

III. 15 Adoncs qui amor et e. C — ama et e. R, a amors & le. T, amor 
e leugier V — 16 bruelha mays C, bruelha nays R — 17 ni v. ER — 18 en 
pauc d. C — 19 uenc T — 20 am g. T — bels semblans R — e gens r. C — 
21 Qu'estiers] See est E, Q neys R, Que mains T, Que cest Y. 

IV. 22 Mays R — M. d. m. 1.] Alias d. m. C — las] lar T — qu'e. s.] e 
doncx cum er C, quen (qem T) aisi ler E T, q nays yer R — 23 Que res C, E 
res R — quan fehlt R, car T — 24 Daquelh eys mi don tan g. i. C — an 
Stelle von meteis ist in R Baum für ein Wort gelassen — 25 maior E R T — 
donaua E, daria V — 26 Mas sil plazia C — Sil p. q R — 27 aclis] ues Heys C, 
uas lieis E T — Me preses de ginolos V — 28 Hieu dissera un dich a. C, Eli d. 
motz a. E, Ql d. mos ditz a. R, El diseis un mutz a. T. 

V. 29 quon C — 30 De uos V — dos fehlt V, dus T — sieus p. R — 
plagues C. 



Peire von Auvergne 93 

qne per re engraissar no*in lais, 

mas car no sai ma deviza; 
e podetz aver cor engres 
ves mi, qu'ieu non Faurai ves vos, 
tro que'l cors rest de Tarma blos? 35 

VI. Ab sol qu'enaissi no m^esfer, 
noD reblan gelos ni sayais; 
que ja nulh dan^ si be*s n'iraiS; 
no'l pretz una pauca briza; 
m'en paesca tener luenh ni pres, 40 

sia lausengiers o gilos, 
sol qu'ela*m sia a mos pros. 

VIl. Sol sia que mos cors s'esmer, 
qne ves antra part non biais; 
qu'un'amor ad autr'enqnier plaiS; 45 

si*n sabia esser anciza; 
e sapchatZ; s'ieu tant non TameS; 
ja non saupra far vers ni sos 
ni non o feira, s'ilh no fos. 

VIII. Peire d'Alvernhe Ter cofes 50 

tan de servir e d'orazos, 
tro que li'n venha guizardos. 

V. 31 Quieu C -- Qe pros e. T — res R — 32 Car ieu n. C — la d. E — 
33 E fehlt V — 34 me R — 35 cor R V — del cor b. T. 

VI. fehlt in C. 36 Ab sol] Am sol R, Acel V — que (quen E) aizo nö 
(non E) es fer V E, qe i la iso nosufre T, qilh ayso nom sofer R — 37 sembla 
g. V — gelois ni saluais T — 38 Per qe n. T — si bem n. R, si ben i. T •— 
39 Lo pretz duna E, Lo ual duna R, Lo preis a una T — 40 Ni menpuscha 
nj 1. n. p. V — 41 Sian R — e g. T — 42 qlan R, quela E — sia m. p. V — 
mon pros T. 

VIL 43 Sol que s. qu. E, Sol que sia T, E seria que C — ses iners V, 
sufer (sofer) ET — Car a mö cor nö es ges fer R — 44 Ves Heys enquerre 
nom biays C, Q ia uas antra nos b. R — Caues a. T — nos b. E, nö bias V — 
45 antra qu. C, antra enquer V — 46 Si s. E — aussis R — Sin sabi ebria 
eser, freier Baum für ein Wort T — 47 sapcha C — Esi eu t. V — Be sap- 
chas R — non a. E — 48 Ta non E — sabria TV — far fehlt E — motz n. 
s. C — 49 Ni no co f. C, E no co f. E, E nol f. T, Ni no f. R — sels T — 
fera ers s. R. 

VIII. 50 lur T, yet V — 51 servis R, semi T — tan bis e fehlt V — e de 
razos C, e de laazors E, & de lansor T, deuers laus bos R — 52 Tro qela uenh 
gasardos T — Jen v. E V — gardadors V. 



94 



R. Zenker 



VI. 
Gr. 323, 15. 

(Vgl. S. 32, 35 u. 42.) 

Hdss. A 10, B 37, C 178, D 2, E 45, I 11, K 1, N » 19, R 6, T 154, 
X (nur Str. I— III und VII) 86; in X anonym. Gedr. Parn. occ. 136 j 
M. W. I, 93 ; M. G. 1321 (B) ; Archiv 36, 424 (V) ; StudJ difil. rom, 3, 7 ( A) ; 
Monaci, Testi ant. prov. 43 (nach Parw. occ. mit Besserungen aus A); 

Archiv 102, 194 (N*). 

I. De josta'Is breus joms eis loncs sers, 

quan la blanc' aura brunezis, 
vueih que branc e bruelb mos sabers 
d'un nou joi que ' m fruech' e • m floris ; 



VI. Schema: 



r 

A 



1 



1 
i 



a 



X 



1 

B 



) 



E 



1 

7 



D 



1 

ö 

1 



E 

_L 



N 



r 

j 



1 

K 



r 

V 

J_ 



r 

c 



1 

K 



Begründung: 

x: 11, 20, 22, 51, 54. 

y—C: 12 (als enics für los enics). 

a: 40, 44. 

ßi 17, 28, 31, 35, 38, 44. 

y; 43. y-N*: 40. 

d: 28, 47. 

C: 15, 48. C— C: 12 (yrals enics R, Ire as anis X), 14 (q zelR,kacel 

X für quadreit). 
rji Str. III als IV; 20, 21, 31, 33—35, 36, 40, 50, 51, 52. 

Straphenfolge in C:l II VII III VI IV V IX VUI ; in E nur Str. III 

und IV umgestellt. 

I. 1 D. giostal breus girn es lonc s. T, De loste as bries jors as Ions 

seirs X — 2 laura blanca R — Que X — 3 bruoill e branc A B, bram q bruoill D, 

bran e que br. E — 4 Don B — mou iois D — Don mo ioi me fr. e. fl. E, Don 

mos ioys me fr. e. fl. R, D. nue i. qui &. e fl. X. 



Peire von Auvergne 95 

car del doutz fuelh vei clarzir los garrics, 5 
per que's retrai entre las neus eis freis 
lo rossinhols e'l tortz e*l gais e'l pics. 

II. Contr'aisso m^agrada'l parers 

d'amor lonbdan* e devezis 

quar pauc val levars**!!! jazers 10 

a lui ses lieis cui es aclis; 
qu'amors vol gaug e guerpis los enics, 
e qui s'esjau a Tora qa'es destreis, 
bcm par qu'a dreit li vol esser amics. 

III. leu vei e crei e sai qu'es vers 15 

qu^amors engraiss' e magrezis 

Tun ab trichar, Pautr' ab plazers 

e Tun ab plor e l'aatr' ab ris; 
lo cals qae's vol n'es manens o mendics, 
per qu'ieu n'am mais so qa^en ai qn'esser reis 20 

assatz non-re d'Escotz ni de Galics. 

— y 

I. 5 Pub deys lo fuelh C, Pas dels uertz fuelhs R, Por dil d. f. X — dels 
douz fuoills N * — ueill c. I K — clarzitz R — lo iarriz X, 1. iarics (iarrics) I K, 
1. carrics D — 6 P, qeis A B, Per qua X, Pretz ce T — estray R — entrels 
CDois (enueis E I K) e. (el D) f. A B D E I K T, entraux as nois as froiz X — 
7 rossinhol C — eis toritz I K, eis t. T, & torz X — eis iais pics DIE, in D 
von anderer Hand el einkorrigiert — e. gay R, & iais X — & piz X. 

II. 8 Contraissio I, Contra so T, Contreceu X — magez a parer X — p.] 
plazers R — 9 Damors R T — lötana D, lödäs I K, lugnada T — de ueisin X — 

10 Ca IK, Que X — Q. p. lo levar nil i. C — levars] colcar R — iazer X — 

11 Mi ual s. 1. c. Biiy i aclis C — A cui s. lui DE, A ci s. lui T, A cel s. 1. A B, 
A Heys s. Iny R, A lom senz li X — ses lei IKN* — ql e a. R, a kest en- 
clin X — 12 vol] uuetX — grupis C, gurpis DEK, grepis T, gurpir N*, creys 
yr R, grant ire X — als e. D E I K N* R T, as anis X — 13 E ci esgau T — 
descrois T, destreiz X, dreis D — 14 Ben E I K N«X, be R — qu'adreit] de 
sout C, q zel R, ka cel X — li] en X — vol] deu C, uolri R. 

III. steht in C R als Str. IV. 15 Qieu AB, Ben C R X — vei] o sai X — 
e c. e s.] e sai e cre D E R T, e crei X — qil est uer X — 16 Camor E — ez 
emagris C — 17 Luns DIKN*T — am tristz e R, detrie a X — a. p.] a. dir 
uers C, a loizer X — 18 E luns D T, Uns C, Celui X — plors C — e fehlt 
BDEN« — Tautr'] autres C, cel X — 19 in R nach 20. Lo quäl CDEIKX, 
E sei R — qeis A B, qel X — ert manät eu medis X — 20 in R vor 19. Mas 
(Mays) i. CR, Per ce T, Per ken X — n\] nSi X — qeu nai D IKN*, so 
cienai T — rics A B — 21 A. ni reis A B, Se noguez ren X, Que fos senher C, 
Senher sordo R — descoitz D, desscoz I K, de stoiz N *, desotz E, deiscotz T, 
descoz X, dels guascs R — ni] e C, o R — dels g. R — galles T. 



9g B. Zenker 

IV. Ges ieu no sai los capteners, 

mas sofre, qa'una m'a conqnis 
don revia jois e nais yalerS; 
tals qae denaut Ii*m trassalbis; 25 

quar no m'enquier de dir, m'en ven destrics, 
tan tem qae*l mielhs lais e prendal sordeis; 
on plus n'ai cor, mi pens: car non t'en gicsP 

V. A! car si fos dels mieus volers 

lo sieus rics coratges devis, 30 

desque ina dompna'm toi poders 
de so de qu'ieu plus Tai requis! 
Mas no'il sai dir lausengas ni prezics, 
mas melbor cor Tai trop que non pareis; 
Stella no'l sap, morrai m'en totz antics. 35 

VI. Tant m'es doutz e fis sos vezers 

pel joi quem n'es al cor assis 
e sobre tot lo bons espers 
qu'ieu n'ai, per que m'en enriquis; 



IV. in R ah Str. III, in C VI. 22 Des A, Mas C D E I K N* R T — ieu] 
res C — los] lor A B D, quals C B —.23 Mi suefre C, Me sofri R — 24 On C R, 
Dom D — reuieu R, reuio T — iais A B, ioy R, gioios T — ualors T — 25 Si C 
Tal R — li-m] mi C, li B — 26, 27 Quar bis lais fehlt D — 26 Ca I K, Gab B — 
non e. C, e qre R — d. dj del dig R, de Heys C, fehlt A — ni nen destricx C — 
27 e, digal sordey B — 28 Per que mon cor ine ditz C — mi pres T — n. tem 
grics IKN*, nom (nö D) tem gics DT. 

V. in C als Str. Vü. 29 se C — del mieu B — 30 Los AB — fis C, 
bos B — coratie B — deuins T — 31 Deque D I K N • T, Don C, Lay ö B — 
domna T — t. teme B, t. totz temers C — 32 Es aco per q pns baudis B, D. s. 
don ieu p. mesbaudis C — 33—36 sind in C B mit 39 — 41 vertauscM: C: Quanc 
tan no fuj uolpils ni enicx Sol que nanes a Heys quaqui mezeiys Nom sanbes 
far de gran paupreira ricx*, B: Cät no fuy uolpils ni nom camgis So q sembles 
alques quieu aqnieys No saupes far de grä paubretat rics — 33 Tant lay bon 
cor e mais q. n. p. C — Mais T, May B — 34 tro T, mot B, fehlt D E — 
pairis T — 35 Que silh 0, Doncs si B — m. m.] morra Ieu B — me E, mi C — 
t.] SOS B, fehlt T — amios DIKN*T. 

VI. in C als Str.Y. 36 f. e d. N«T — d. e gens CB — son u. T — 
37 El ioys (ioi) CB — q mes B — 38 totz DIKN«, tutz T — Cades brota 
1. b. e. B — 39 Que ieu C — p. quie D, p. quieu EIKN* T, p; quem C — 
m. e. ] nesbaudis C — enrequisi T — Que nays & e q mels baudis B. 



Peire von Auvergne 97 

qa^anc tant no fni mais coartz ni mendicS; 40 
ab qa4eu la vis alqaes, aqni mezeis 
no-m saubes far de gran paubretat rics. 

VII. So es gaugz e jois e plazers 

qne a moutas gens abelhis, 
e SOS pretz mont' a grans poders 45 

808 jois sobresenhoris; 
qu'ensenhameDS e beutatz Fes abricS; 
dompneis d^amor, qu'en lieis s'espan e ereis, 
plens de doussor, vertz e blanes, cum es nies; 

VIIL Per qu'ieu mi pens: ja no fen desrazics, 50 

qnan mi eonquis en luec ont ilh me seis 
pluS; que se'm des Fransa lo reis Lolcs. 

IX. En aquest vers sapchan vilan, Audrics, 
que d'Alvernhe manda qu'om ses dompneis 
no val ren plus que bels malvatz espics. 55 

VI. 40 Cät R — i, fehlt R — m. c. n. m.] c. ne tan m., nach coartz Basur von 
etwa drei Buchstdheny auch tan auf Basur D, c. neus n. m. E, c. reis neus m, I K T, 
c. nieus endlos N', uolpils ni enicx G, uolpils ni nom camgis R — 41 Sei que 
nanes a Heys quaqui m. C, So q sembles alques qieu aquieys R — a mi me- 
seis N * — 42 Nö A D I K, No R, Non T — paupreira C. 

VII. m C als Str. III. 43 E est es R — mes C — ioys e iays C, iois e 
gaug — gang IKN*, gauc T — Leu es praz e ioi e saber X — 44 Qui DEI 
KN*T — Q. a.] Per qua C, E q R, En qei X — mouta DIKN»T, manhta C, 
mainta E, manta R, malte X — gent GER, gen X — a.] sobediz X — 45 son 
A B E — pres E — monten C — E el praz tortre en gran poder X — 46 Don 
C — ioi N* — sobrasegnors T — Gar maus i. s. R -— Que toz altes iois segno- 
ris X — 47 Quin seignamz IKN*, Qui esenhamens R, kensengnalmez X — 
bontatz R — abriz X — 48 Dompnes A, Damneis T, Dom pueis E, Dun ram C, 
Dura R, Dun rai X — liey R — q. 1.] en qei X — 49 Plen E I K N * — dou- 
sors T ■— uert e blanc X — com e n. D, come niz X, com & n, T, com n. E — 
E fara tro quieu sia blanconitz R. 

VIIL in C nach IX. 50 me I K T, fehlt D — P. quieut cosselh C, P. quien 
cossir R — des mies, am Bande uel raics N* — 51 Quar mais c. CR — con- 
ques D E I K T — e. 1.] aqui CR — o. i. m. s.] o. y. mi seys C, on il meseis 
(mezeis E) DEIKN*T, ö i. mateys R, omne zais AB — 52 sim E — Que 
sim fes do de f. lodoicx C, Que sim dones fräsal rey lodoycs R. 

IX. 53 sapcha ADEIKN'T, sapchal C — uilans ABDEIKN'T, 
ioglars C — andrics BN', nandricx C, ardis T — E est u. sabra son pes uiolar 
arorits R — 54 Qi DIKN*, Quel C, Qs R — mande A B, e dis R, ditz C — 
s.] senes C, fehlt R — doneis T — 55 Nö pot ualer pl. que ses gra lespicx C, 
N. u. niens pus ql bei fau senticx R. 

Zenker, Peire von Auvergne, • 



98 



R. Zenker 



VII 

Gr. 323, 17. 

(Vgl. S. 37.) 

Hdss. A 9, B 34, C 179, D 1, E 47, 1 12, K 2, N 255. Gedr. Choix III, 
327; M. W. I, 92; M. G. 1318 (B); Studj difil.rom.^ 3,3 (A). 

I. En estiu, quan cridal jais 
e reviu per mieg los plais 
jovens ab la flor qne nais, 
adoncs es razos qa*om lais 
fals'amor eoganairitz 5 

als volpilbos acropitz. 

II. Li sordeior eil savais 

n'an lo mielbs e'I menbs del fais, 
paac so prezoD; qai*s nirais; 
amarai, mas non puesc mais, 10 

que de tal amor sai guitz 
doD sai qne serai trabitz. 



VII. Schema: 



X 



r 

A 



1 
B 



i 



c 



1 

a 
I 



E 



D 



I 

ß 



r 

I 



1 



I 

K 



Begründung : 

X : wahrscheinlich in Anbetracht des sonstigen Zusammengehens von A B 

und wegen 12, 20. 
y— E: 13. 

a + A: 14, a — yi 6. 
ß: 2, 26, 31. 
A und y oder A und E haben zweite Quelle benutzt. 

I. 2 miei AEIK — plaissatz DTK — 4 es ben dregz C — 6 Ab v. CD 
I K — uolpillons B, uolpils E — acropitz] acrapitz I K, e al (als) descausitz D E. 

II. 7 Los sordeyors C — eis C, el I K — 8 Nant A B, Nauu E — 9 sa 
preson D — 10 mas] pus C — 11 Qui IK — 12 qieu s. AB. 



Peire von Auvergne 99 

III. Pres ai estat en caslar 
ab so que noi aus estar, 

e pero non paesc mudar 15 

de mos enemics nol gar; 
ja non serai assalhitZ; 
qu'en auta roca es bastitz. 

IV. Si'l portiers me vol jarar 

qu'antre non i lais intrar, 20 

segar poirai guerreiar; 
mas al sagrament passar 
tem que serai escarnitz, 
que mil vetz i sui falhitz. 

V. Lai sui plevitz e juratz, 25 

quMeu non am vas autre latZ; 
mas d'aisso es grans pechatz 
qu'ieu am e no sui amatz; 
totz temps ai fag plaitz e ditz 
per qu'ieu sui gen acuilhitz. 30 

VI. A domnidieu quier solatz 
per qu'ieu sia enamoratZ; 
qu'en aital ora fui natz 
qu'anc non puec amar en patz^ 
e platz me quar sui issitz 35 

de la terra on fui noiritz. 

VII. Amor mi lais dieus trobar 
on ja no*m puesea fiar, 

IIT. 13 Per pres ai en C — e. un c. CDIK — 14 qieu n. A — intrar 
A D E I K -— 15 Empero C, E per so D E — nom p. C -— 16 nom g. C, noill 
g. D E — 17, 18 Quen auta r. e. b. E ia non er a. C — 17 noi I K — escariQ D — 
18 Qin IK — roques bastnz D. 

IV. 19 mi D E I K — p. volgues i. C — 20 Quautruy C — no mi A B — 
21 Segurs AB — porrai A B, pogra C — 22 Pus a. s. afar C — 23 Fes mi 
esser e. C — seran A -— 24 en sui B — mils (milz) ues (uez) D I K — Que ^ 
Cent en ue hom f. C. 

V. fehlt C. 26 an D K, fehlt I — 27 proatz E. 

VI. 31 A fehlt D E I K — dompnidieu A, domidieu E, domerdieu D I K — 
Adoncs dey querre solatz C — 32 De que sia mais prezatz G — sui e. I, si 
e. D K — 33 Quar en tal o. C — 34 Quan C — 35 mi A — 35, 36 Totz teps 
ai faitz plaitz aunitz Don mi tenc per auolitz C. 

VII. 37 Amiam 1. C — 38 fizar C. 



100 K. Zenker 

e quant iea la tenrai car, 

il pens de mi enganar; 40 

qu'adoncs mi ten per garitz, 

qnan mi ment tot quan me ditz. 

Yin. Assatz a a cavalgar 

qai la cnida antra trobar^ 

qu^aissi co'l cels clau la mar, 45 

noD pot om gaire trobar 

que non sion camiairitz 

vas drutz e vas lor marritz. 

IX. Totz temps deu esser marritz 

qui d'aital amor es guitz. 50 

VIII. 
Gr. 323, 3. 

(Vgl. S. 37.) 
Hdss. C 178, E 51. Gedr. M. G. 203 (C). 

I. AI dessebrar del paYs 
on m'avi' amors conquis 
aprendetZ; si no*as es fais, 
so don m'alegr' e m'iraiS; 

on que'm vir; 5 

mas tan cum sni ab gent conba, 
nom dei per ira marrir 
qu'on mais puesC; apres no'm ponha. 

IL Mas vers un'amor fd fis, 

tro qu'a lieis plac que*m giquis, 10 

e qnar al siea tort mi trais 



VII. 39 Quar on plus 1. C — tenra D —40 Que p. C — 41 Adoncx C, Cades 
DEIK — mel — 42 de quan que ditz C — tot fehlt D, von anderer Hand 
einkorrigiert de. 

VIII. 43 a que e. C — Befehlt AB IE — 44 Qu. antra la vol sercar C — 
la cui a. I K — 45 Quen tan c. C — com c. D E I K — 46 una t. C — 47 n. 
sia C — 48 ves d. o ves m. C. 

IX. fehlt A B D I K. 49 anar m. E — 50 Daital amor so! gu. E. 
VIII. I. 8 mais] plus E — apres] ades E — non C. 

' II. 9 vers] uas E — soi f. E — 12 fehlt in C und E. 



Peire von Auvergne IQl 

ab ben dir; 
quar de donssa terra conha 
mi trais cm fetz dessalhir; 15 

mas, quan que tric, Ter vergonha. 

III. Anc non anei tans camis 
ves Francs ni ves Sarrazis 
OD mielbs fos demandatz jais 

ni plus amatz pretz verais 20 

ab servir; 
el gens qu'es corteza e conha, 
silh quem veiran tart venir, 
tan mal m'es qui m'en deslonha. 

IV. Si Tamor don fui vezis, 25 
dont ara m'esfredezis, 

amer' ieu plus que Roais, 
e si nom fos per fols brais 

trassalhir, 
et a la mia doussa conba 30 

si m'eschazes a mentir, 
vos agratz d'aital messonha. 

V. D'esser ueimais m'esbaudis, 
pus amars m'enamarzis; 
qu'ara'm sent de totz assais 35 

yertz e blancs e brus e bais, 

e m'albir 
e die vos d^amor nems conha 
qu'en paor es de perir, 
lai on li es ops que lonha. 40 

VI. Er an ses cors e*l fals ris 
tot aissi cum Fabelhis; 
qu'ieu mi gurp de lieis em lais 
e mi no veira jamais. 



IL 13 Ben fazen et a. b. d. C — 14 dousana E — 16 que] queill E. 

III. 17 aniey C — 20 pretz amatz E — 23 selhs C — 24 ta m. C. 

IV. 27 ameraus p. E — 28 fos] forsa E — 30 Doussa & a 1. m. c. E — 
31 mesca esamentir E, meschai e ses m. C. 

V. 33 Dezer E — 34 amar C — 38 comia E -- 39 Que paors C — 40 11 es] 
noles E. 

VI. 41 Ar am ses cor e f. r. C — eis E, e C — 42 ais C — 43 grup C. 



102 R. Zenker 

A partir 45 

m'ave de la terra conha; 
si no'in fos per ques n*azir, 
mes mi fora en la canonha. 

VII. Senher n'Estrieu, qui s'aconha 

de trop nman joi jauzir^ 50 

mal fai; qui non lo calonha. 

IX. 

Gr. 323,23. 

(Vgl.S.43flF.) 

Hdss. E 49, T 42 (nur IX i), V 80 (B vor A). Gedr. Parti, occ, 138; 
M. TT. I, 89; Bartsch, Leseb. S. 60 (E); Archiv 36, 425 (V); kritisch 
nach ET Bartsch, ChresL* Sf.ll, nach allen Handschriften Appel, 

ehrest S. 97. 

Orthographie nach E. 

IX.^ I. Rossinhol, el seu repaire 
m'iras ma domna vezer, 
e digas li'l men afaire 
et ilh diga't del seu ver, 

e man sai 5 

com l'estai, 
mas de mi'l sovenha, 
que ges lai 
per nul plai 
ab si no't retenha, 10 

VI. 47 per eis sis nair E ■— 48 mi] men E. 

VII. 49 nestreup E — 50 t. aman E — 51 iauuir E — f. som noloi c. E. 

IX. Schema : o 

I 



I 

X 

I— "— 1 

ET V 

Begründang : 

x: 17, 21, 29; 32 können TV unabhängig geändert haben. 
Strophenfolge in V IX ^ : I II IV V III VI. 
I. 1 en son E T — 2 iras V — 3 d. del m. V, digalel m. T — afar T — 
te son uoler T — uoler V — 5 Quem E — 6 F fehlt V — 7 met s. V. 



Peire von Auvergne 103 

II. Qu'ades no'm tornes retraire 
son Star e son captener; 
qa'iea non ai paren ni fraire 
don tant o vuelha saber. " 

Ar s'en vai 15 

l'auzels gai 
dreit vas on ilh renha, 
ab essai 
ses esglai; 
tro qu'en trob l'ensenha. 20 

III. Quan Tanzeletz de bon aire 
vi sa beutat aparer, 

doiis cant comenset a braire^ 
si com sol far contra •! ser; 

pois se tai, 25 

que non brai, 
mas de lei s'engenha, 
co'l retrai 
ses pantai 
so qu'ilh aazir denha. 30 

IV. „ Cel que * us es fizels amaire, 
volc qu'eu en vostre poder 
vengues sai esser cantaire, 
per so que US fos a plazer; 

e sabrai; 35 

quan veirai, 
per qu'er Tentresenha; 

queil dirai; 

si ren sai, 
per qu'el lai s'en fenha. 40 



IL 11 Que tost E — non t. V — 12 Son estar s. c. E — Sestar V — 
13 p.] amic E — 14 De cui t. u. s. V — 16 Lauzel E T V — lai V — 17 illi V — 
Ab gaug on que uenha E T — 19 pantai V — 20 E trobet V — T fehlt E. 

III. in V nach Str, V. 21 Tan quan E — lauzels ET, lauzelet V — 
23 Doncs c. e comenza b. V — faire T — 25 E pueis par E, Puixs sapai V — 
27 senginha E — 29 Son p. E T. 

IV. 31 verais E, lial T — 32 Vol T V - el u. E — 36 irai V — 37 F. 
qeral entresejna V — 37, 38 fehlen T — 37 De uos cor quem uenha E — 38 Li 
dirai V - 40 1.] plat T. 



104 B. Zenker 



V. E Sil port per ques n'esclaire, 
gran gaug en devetz aver, 
qu'anc om no nasquet de maire, 
tan de beus posca voler; 

ie'm n'irai 45 

e'm mourai 
ab joi, on que • m venha ; — 

no farai, 

quar non ai 
dig quäl plag en prenha. 50 

VI. D'aissom farai plaidejaire: 
qai'n amor a son esper^ 
no*s deuria tardar gaire, 
tan com Tamors n'a lezer; 

que tost cai ^ 55 

blancs en bai, 
com flors sobre lenha; 

e val mal 

qui'ls fagz fai, 
ans qu'als lan destrenha." 60 



IX.2 I. Ben a tengut dreg viatge 
Tauzels lai on el tramls, 
et il envia'm messatge 
segon que de ml formis: 

„Molt mi platZ; 5 

so sapchatZ; 
vostra parladura; 
et aujatz; 
que*il digatz 
so don mi pren cura. 10 

II. Fort mi pot esser salvatge 
quar s'es lonhatz mos amiS; 

V. 41 pert V — 42 podetz E — 43 h.] nuils V — 45 Quiem V — 46 E 
maurai T — 45, 46 Eu mourai Et irai E — 47 gaug E T — que E T. 

VI. 51 D'aisso serai E T — 52 Quen a. E T — bon e. V — 53 triguar E T — 
54 quan ET- 55 Qui V — 56 Btai.c E T — 57 sobre fehlt E — Coma f. en 
1. T — 59 Quil fag E T — 60 Ab com lan (len T) d. E T. 

IX.* fehlt T. I 2 Lauzel E V — 4 m. f.] mis iauzis E. 
n. 12 amicx E. 



Peire von Auvergne 105 

qu'anc joi de negun linbatgo 
DO vi que tan m^abelis; 

trop viatz 15 

fo'l comjatz, 
mas sleu fos segara; 
mais bontatz 
n'agr^ assatZ; 
per que n'ai rancura. 20 

III. Qae tan Tarn de bon coratge; 
qu^ades, si entredorinis, 

ab lui ai en gnidonatge 
Joe e joi e gaug e ris; 

e*l solatz 25 

qn'ai em patz 
no sap creatura, 
tan quan jatz 
e mos bratz^ 
tro ques trasfigura. 30 

IV. Tostemps mi fo d'agradatge, 
pos lo vi et ans quel vis, 

e ges de plns ric linbatge 
no vuelh autr' aver conquis; 

mos cuidatz 35 

es bos fatz; 
nom pot far tortnra 
vens ni glatz 
ni estatz 
ni cautz ni freidura. 40 

V. Bon' amors a an nzatge 

co'l bos aars, quan ben es fis, 
que s'esmera de bontatge, 
qui ab bontat li servis; 

e crezatz 45 

qu'amistatz 

IL 13 Can V - iois E — 17 sim V — 20 queü E. 

III. 21 Queralam V — 22 Cades soi entrendormitz (entredormitz) EV — 
23 Et ab lui a. g. E, A. 1. e e. gidonatje V — 24 gaug e ioi E — 25 E s. E V. 

IV. 33 franc V — 36 Eis V — 38 Ni gelatz V — 40 caut E. 

V. 41 Ben V — 42 aur V — es ben f. V. 



106 R. Zenker 



cascan jorn melhura; 

melbnratz 

et amatz 
es cui jois s'aura. 50 

VI. Dons auzelS; vas son estatge 
m'iretZ; quan venrai matis, 
e digatz Pen dreg lengatge 
de quäl guiza l'obedis." 

Abrivatz 55 

n'es tomatz, 
trop per gran mesura, 
doctrinatz; 
emparlatz 
de bon' aventura. 60 



V. 50 Escur i. V — aora E, a iura V. 

VI. 51 auzel V - en E — 52 Iras E — 53 linhatje E. 



Peire von Auvergne 107 



n. 

Sirventese politischen, persönlichen, satirischen und 

moralisierenden Inhalts. 

X. 

Gr. 323,7. 

(Vgl. S. 24 flf.) 

Hdss. E 52, T 152. Gedr. Choix IV, 121; M. W. I, 98; Milä S. 83; 
nach beiden Hdss. kritisch Suchier, Jahrb. 14, 282. 

Orthographie nach E. 

I. Bei m'es, quan la roza floris 
el gens terminis s'enansa, 
fass' un vers a m'aventura 
don mos cors es en balansa 
pel dous chan del rossinhol, 5 

qn'ang chantar la nneit escura 
per los vergiers e pels plais. 

IL Reis, per Crist! ja nos falh \o ris, 
quar Masmut nos fan sobransa; 
coms ni dux non senh sentura 10 

mielhs de vos feira de lansa. 
Per Temperador me dol, 
qu'a moutas gens fai fraitura; 
tals en plora qne n'a jais. 

III. Vostre coratges s'esclarzis, 15 

quar n'avetz bon' esperansa ; 
sobre pagans, gen tafura, 
cavalgatz senes duptansa; 

X. I. 3 Fas E T — 4 em belansa T — 5 Pels T — 6 nuot T — 7 uer- 
durs E — Pels v. e p. plana T. 

II. crestians faillitz E, cristians fallis T — Masmutz E, mas taug T — 
faun E — 13 Car T. 

III. 17 gens E. 



30 



108 R. Zenker 

Premiers penretz Labadol; 

e si anatz a dreitura 20 

tro a Marroc, feiran lais. 

IV. Sei quel joi del setgle delis 

vei que son pretz dezenansa; 

fils es d'avol criatura, 

que fai avol demostransa, 25 

e per tan non baisal col, 

quar gitatz es a noncura: 

estai mais entre'ls savais. 

V. Per mi non die, tan m'abelis, 
quan vei molt gran alegransa. 
Amors vol, quan longias dura, 
e non pot aver fizansa^ 
sii carnal amar non vol; 
quar vei que cors non a cura 
mas de senhor que engrais. ^^ 

VI. Chantador, lo vers vos fenis; 
aprendetz la comensansa! 
Marcabrus per gran dreitura 
trobet d'altretal semblansa, 
e tengon lo tug per fol ^^ 

qui no conois sa natura 
e no ill membre per que ' s nais. 

XI. 
Gr. 323, 8. 

(Vgl. S. 26 ff.) 
Hdss. C 182, E 49, R 6, T 149. Gedr. M. ö. 222 (C) ; Str. I-III 

Diez, L.U.W}, S. 61 (E). 

I. Belh m'es qui a son bon sen 
qu'en bona cort lo prezen, 

III. 19 penres E, prenetg T — 20 ab E — 21 ficran E — Dretg a mon 
roc faran 1. T. 

IV. 25 Per ce fai auol mostransa T — 26 Ni p. t. nom abasal c. T — 28 etrals T . 

V. 31 Amars T — calonjas E — 32 No pot hom a. f. T — 33 Gel E, 
Si T — armar E, arma T. 

VI. 36 Chantadors ET — 39 bis 42 in E ausgeschnitten bis auf die Buch- 
stäben: . . . gon to tug ... ill mem — 40 tengola tut T. 

XI. Schema s. nächste Seite. 

I. 2 Qu' fehlt T — la pr. T. 



Peire von Auvergne 



109 



qu'us bes ab antre s'enansa 
e rics mestiers conogntz, 
lai OD pus es mentaugutz 
val mais qu'a la comensansa. 

II. Doncs aissim dei far parven 
ieu que veno novellamen 
demostrar en detriansa 
lo saber quem n'es cregutz; 
quar qui vas dos locs es drutz^ 
Ieu Pen sort grauz alegransa. 

III. Per que d'aquest comt' aten 
de Barsalon' un don gen 

que prom fassa e lui onransa; 
e cre, si del dar no dutz, 
qu'en sa cort on sui vengutz 
es fams e vera mermansa. 

IV. De baron m'es avinen 
qu'a vergonbos pessamen; 
tals conois que romansa: 
ans que s'en Ieu mager brutz^ 
aitals afars trop saubutz 

non es grans mas per semblansa. 



10 



15 



20 



Schema : 








1 










I""' 








1 






X 








y 






1 








1 








"*^ 


1"" 




"*^ 


C 




R 




E 




T 



Begründang : 
x: 31. 
y: 5, 7, 12, 20. 

I. 4 conegutz E — 5 mantengutz E, mantegut T — 6 mais v. C. 

II. 7 aissi d. E T — 8 En qu. T — 9 E mostrar E R — e. d.] en dreit . . . 
Raum für einige Buchstaben T — 10 cem es c. T — Quez n. R — 11 Qu. qu. 
uenc dous luec desdus E, Qu. qu. nos dos locs lesdutz T — es dutz R — 
12 lin R — sors ET — gran CER. 

III. 13 Per tal ET — dest comte aten CR — 14 barsalona E, 
bargelon T — barsalonam d. R — 15 Que T — pro tanh selhuy o. C — f. lur 
0. E — pro fay seluy o. R — soffransa T — 16 cel dar T — crezi ded. C — 
clutz E R — 18 E fam T. 

IV. 19 baros T — 20 Ca v. R, Ab v. C, Cun v. E, Cui v. T — 21 Tal E T — 
on C — CO r. E — r.] senansa T — 22 Ieu mais rebrutz R — 23 Caitals E, 
Caital T. 



110 R. Zenker 

V. Ära US es ops, e non len, 25 

esforsar contra joven, 
qu'as encombriers vos sobransa 
de sai; on lo solelh lutz^ 
en que seretz deceubutz, 
s'acortz noi ven deves Fransa. 30 

VI. Qu'ab un jovencel valen 
avetz lai guerr' e conten, 
tal que fier si de sa lansa 
que d'aquelhs Engles coütz 
ni dels vostres esternutz 35 

non a paor ni doptansa. 

VII. Lai es lo vers remazutz, 
on espazas sobr' escutz 
penran del forfag venjansa. 

XII. 
Gr. 323, 11. 

(Vgl. S. 31 u. 47.) 

Hdss. A 214, C 183, D 198, I 195, K 181, N^ 28, R 6, a 127, b 1 
(nur Str. XIV). Gedr. Choix IV, 297; M. W. I, 94; Studj di fil rom. 
3,661 (A); Archiv 102, 209 (N«); kritisch Bartsch, Leseb. S. 76; ders. 
ehrest,^ Sp. 79 (beide Male nach C I R) ; Paralleldruck der Texte der 
Handschriftengruppen (CR, A D I N^ und der Hds. a durch A pp el, Zs, 
f. rom. Phil. 14, 162 ; Wiederabdruck des Appelschen kritischen Textes 
der Gruppe ADIN^ — mit gelegentlichen Emendationen — von Cre- 
scini, Manualetto prov. S. 20; kritisch nach allen Handschriften ausser 
K Appel, ehrest. S, 117. 

Str. VI (Ouillem de Elbas) steht nach der Ueberlieferung von 
A C D I K L auch in der Satire des Mönchs von Montaudon (Gr. 305, 16) 
als Str. XVI (in R behandelt die betreffende Strophe gleichfalls 
Guillem d. R., hier aber ist statt Ziffer 5—15 eingeführt und zu diesem 
Behuf die ganze Strophe umgearbeitet), kritisch herausgegeben von 

V. 25 Garaus E — 26 c. sun uent T — 27 Quecx e. C — 28 De lay R — 
D. 8. dous on s. 1. E — 30 Si a cort no u. C, Sa cort no u. R. 

VI. 31 un ioue e ualen CR — 32 A. ab lui gerra & c. T — - la guerrel 
c. R — 34 daicel T, daicels E — 35 del uostre estormentz T. 

VII. 37 romansutz T — 38 0ns patz a sobre scutz T — 39 Penraun E, 
penra T. 



Peire von Auvergne 



111 



0. Kleiü; Die Dichtungen des Mönchs von Montaudon, Marburg 1885 
{Ausg.u, Abh.N^), 29; ich führe nach der Ausgabe von Klein auch 
die Varianten dieser Fassung an und bezeichne sie mit ,^Mont.^, 

Str. IV wird vollständig citiert in der provenzalischen Biographie 
Bernarts von Ventadorn in N^ 21 (gedr. Chabaneau S. 11; Archiv 
102, 198), Str. XIV in der Biographie Peires selbst; ich bezeichne 
die betreffenden Lesarten im ersteren Falle mit „Biogr. N*", im 
letzteren mit j^Biogr,^. 

Ich behalte die Orthographie Appels bei. 

I. Chantarai d'aqueetz trobadors 
que chantan de manhtas colors 



XII. Schema : 



r 

X 

I 



o 

I 



1 

y 
I 



1 

a 



ö 



1 

ß 
± 



y 
I 



D 



N 



r 

I 



1 

K 



C 



R 



a 



Begründung : 

oS 0»: Str. VII, VIII. 

x: Str. VIII (^. Daniel für P. Bermon), 52, 67, 76, 77. 

X — D: 55 (D hat zweite Quelle benutzt). 

a: 24, 27, 37, 39, 41, 49, 64, 83. 

a — N*: 36, (N* ändert selbständig oder benutzt Quelle des Typus 

Mont.)^ 
ß: ist für vorliegendes Gedicht nicht zu erschliessen, darf aber ange- 
setzt werden im Hinblick auf das Schema von VI. 
y: 3 (?), 16, 85, 86. y — R: 7, 8, 10, 11 (R kann selbständig die 

korrekten Formen wieder eingeführt haben). 
d: 6, 16, 26, 31, 37, 70, 71, 75, 76. 
Appel, Zs,/. rom. Phil. 14, 167 meint, die Ueberlieferung von a stehe der 
der Gruppen ADIEN* und CR selbständig gegenüber, in welchem Falle also 
C R + a das Original ergeben würden. Die oben unter y verzeichneten, C R 



I. 1 daquest C, daquist R, daqeis a — 2 tropas a. 



112 K. Zenker 



e'l piejer cuida dir mont gen; 
mas a chantar lor er alhorS; 



und a gemeinsamen Fehler beweisen aber, dass dem nicht so ist und dass 
vielmehr a mit CR eine Gruppe bildet. Warum die Gründe, welche A. anführt 
gegen die Annahme, Str. VJ^I habe a in der Fassung von C R vorgelegen, mir 
nicht ausreichend scheinen, habe ich Zs. 16, 439 ff. dargelegt. Andrerseits ist 
nun freilich auch meine ebenda geäusserte Ansicht, der Text von a sei aus 
den Gruppen x und S zusammengewürfelt, im Hinblick auf die obigen Ergebnisse 
nicht zutreffend: x und a gemeinsame Fehler lassen sich nicht nachweisen, es 
liegt deshalb auch kein Grund vor, Benutzung von x durch a anzunehmen. 
Unter diesen Umständen bedarf meine a. a. 0. S. 442 dargelegte, von Appel, 
Zs, 20, 389 richtig interpretierte Auffassung von dem Zustandekommen der 
Textüberlieferung von a einer Modifikation. Dem Interpolator der Plus-Strophen 
in a kann das Gedicht nicht in der Fassung von x, welche bezüglich Str. VIII = o^ 
gewesen sein mag, vorgelegen haben. Denn da y die Peire-Bremon-Strophe 
enthielt, diese aber erst gegen 1240 interpoliert worden sein kann, da ferner S, 
also auch y die Plus-Strophen von a noch nicht enthielt und doch eine der- 
selben, die auf Folquet, die aller Wahrscheinlichkeit nach mit den andern zu- 
gleich in den Text gelangte, vor 1199 entstanden sein muss, indem es in ihr 
heisst, Folquet dichte weltliche Lieder, derselbe aber schon im genannten Jahre 
ins Kloster ging, so muss a jedenfalls die Folquet-Strophe, vermutlich also 
auch die übrigen, aus einer anderen Handschrift eines uns nicht erhaltenen 
Typus entlehnt haben — eine Annahme, welche durchaus nichts bedenkliches 
hat. Der uns vorliegende Text der Handschriften könnte danach folgender- 
massen zu stände gekommen sein : In o^ waren Str. VU und VIII ausgefallen ; 
o* füllte die Lücke aus durch zwei Strophen, die er der Satire des Mönchs von 
Montaudon entnahm, einmal die Guilhem-Ademar-Str., dessen Namen, g. aymars 
geschrieben, er zu gaumars verlas (so, bezw. gaumas^ nicht gausmars, haben 
alle Hdss. ausser C a); zur Erreichung der nötigen Silbenzahl schob er den Vornamen 
grimoartz ein, auch gab er der Strophe eine etwas veränderte Fassung, indem 
er doch den Reim ars und die Reimworte joglars und pars beibehielt (analog 
ist in der Satire des Mönchs von Montaudon die Guilhem-de-Bibas- Strophe aus 
Peires Satire, die in ACDIKL unverändert herübergenommen ist, in R in 
abweichender Fassung interpoliert, s. Klein S. 29); die zweite fehlende Str. 
ersetzte o' durch die A.-Daniel-Str. des Mönchs, an der er nicht änderte. Diese 
Textgestalt ging in x über; y hingegen bemerkte die Identität der Str. VIII in 
0* und der Satire des Mönchs und ersetzte sie durch eine ueugedichtete Str. 
aufPeire Bremon, d machte — aus welchem Grunde, muss dahingestellt bleiben — 
aus dem grimoartz gaumars einen elias gaumars (wenn wir nicht an- 
nehmen wollen, dass grimoartz erst in x eingeschoben wurde und a grimoartz 
aus der benutzten zweiten Quelle entlehnt hat), a verlas peire hermon se zu 
peire de monzo und entnahm aus einer Hds. eines uns nicht erhaltenen Typus 
einige Plus-Strophen auf jüngere Dichter. 

I 3 sordeyor CR — d. m.] d. CR, o d, a — 4 Et atrobar es a. 



Peire von Auvergne 113 

qu'entremetre n'aug . C . pastors 5 

qu'us no sap que * s monta o * s dissen. 

IL D'aisso mer mal Peire Rogiers, 
per que n'er encolpatz premiers, 
quar chanta d'amor a prezen; 
e valgra li mais us sautiers 10 

en la gleir'oz ns candeliers 
portar ab gran canderarden. 

III. E'l segonz: Guirautz de Bornelh, 
que sembr odre sec al solelh 

ab son cantar magre dolen^ 15 

qu'es cans de vielba portaselh; 
e si's vezia en espelh^ 
DOS prezaria un aguilen. 

IV. E'l ters: Bernartz de Ventadorn, 

qn'es menres de Bornel an dorn; 20 

en son paire ac uon sirven 

per trair' ab arc manal d'alborn, 

e sa maire calfaya*l forn 

et amassava l'issermen. 

V. El quartz de Briva-1 Lemozis, 25 

US joglars qa'es pus querentis 
que sia tro qu'en Benaven; 



I. 5 Quentrametren (»m D) uei ADIK N* — cen fehlt D, gent K -- 
6 qes pueg ni dessent a — monton (montot) dizeo CR — ous d. D. 

IL 7 regier Ca — 8 qeis A D I N*, so a — prämier Ca — 9 chantet C R — 

10 E coaengral mielhs C R, E ualriail m. a — un sautier C a, un sautiers D — 

11 Dinz la gleia ab a — Et en la gl. us R '— un candelier C a — 12 Tener 
A D I N *, On portes a. 

III. 13 Lautre es a — 14 sembla drap C — Que par loira a — a s. D I 
K a — 15 Que C — m. c. C R — 16 Que (Quo) canta vielhas (vielha) C R, Qe 
chanto ueillas a ■— 17 Qe sie miraua ADIN* — 18 agolen C. 

IV. 19 del a — 20 den b. C R, dun b. Biogr. N * ~ en d. a — 21 Mas en 
s. p. CR — ai mout bei s. a — 22 Qe portaua des arc dalbom Biogr, N* — 
ar I, dart R — 23 escaldaual A, scaudaual Biogr, N *, escalfaual DIN* — 24 le 
sermen DIEN' — El gars amassaual sierment a, El paire dusia les sermen 
Biogr. N*. 

V. AI N* — don ugo lemozis a— 26 i. (ioglaretz C) pus prezentis CR — 
27 tro en C — beniuen A, bonauen DIKN*, beneuen R — Non a tal tro a 
bnauent a. 

Zenker, Peire von Auvergne. o 



114 R. Zenker 

e semblaria us pelegris 

malantes, quan cantal mesqniS; 

qu'a pauc pietatz no m'en pren. 30 

VI. En Guillems de Ribas lo quins, 
qu'es malvatz defors e dedins 
e ditz totz SOS vers raucamen; 
per qae es avols sos retins, 
qn'atrestan sen faria us pins, 35 

e Tuelh semblan de vout d'argen. 

VII. El seizes Grimoartz Gausmars, 
qu'es cavayers e vai joglars, 
e fai mal qui loi cossen 

nil dona vestirs vertz ni vars; 40 

que tals er adobatz sem pars, 
qu'enjoglarit s'en seran cen. 

VIII. E Peire Bermon se baisset, 

pus quel coms de Tolozal det 

V. 28 US fehlt C — cui aiatz fos p. a — 30 Gab D I K N •, A a. 

VI. 31 E A — briues CR — Guillenz (Guillems Moni,) de ribas es lo q. 
a u, Moni, A I E, G. d. r. lo quinzins (quinzens D) Moni, G D, G. d. r. es lo 
quinzins Moni, L — 32 deforas e dins A, defors e dinz K — Moni.; Qiie es 
malvaz defors e dins A D L, Que es m. fors e dedinz I K — 33 v.] chans G R — 
E chanta (chantan L) s. v. r. Moni, ACDIKL — 34 P. quieu non pretz res 
s. r. G, E non e ges bos sos latins a, Et es be frevols s. r. Moni. A G D I K L — 
35 se*n] en Moni. AGDL, fehlt iJf. IK — chins GRa — 36 E dels huelhs 
sembla u. d. G R — E luelh] Sei uoill (oill) N « u. Moni A G D I K L - s. d. v. 
d.] s. (semblom G, sembla L) esser dargen N * u. Moni. G D I K L — uot la- 
rien D, not clarion I, u. clarie K. 

VII. 37 AI N* — seies D I K N* — grimoartz] nelias CR— gaumars ADR, 
gaumas I K N * — El . VI . es gramoart gausmar a — 38 e fais A, es fai 
DIN* — ioglar a —- 39 qe o c. a — - E perda (perga D, prega IKN*) dieu 
qui lo c. A D I K N * — 40 vestir vert ni var a -— bels ni cars G R — 
41 Qer A — es I — semprars D I K N *, som par a — Qaitan nalrials agnes 
ars CR — 42 se'n] ne a -— seran] son ia GR. 

Vni lautet tn A D I K N * : 

Ab narnaut (arnaut D N *, amautz I) daniel (daniels I) son set 

canc (Oanc A) nuilla ren ben non chantet 

e fai US motz com nols enten 

canc pois per soberna nadet 

ni la lebre ab lo bou (buo D N*) casset 

non ualc sos chans (S. c. n. u. DIN* un aignilen. 
43 Ab . p . demonzo so VII a — 44 tolosau dec a. 



Peire von Auvergne 115 

qn'anc no soanet d^avinen; 45 

per que fon cortes qui*l raubet, 
e f e mal quar nol talhet 
aquo que om porta penden. 

IX. E Toches: Bernartz de Sayssac, 

que anc un bon mestier non ac 50 

mas d^anar menutz dos queren; 
et anc pueis no'l prezei un brac, 
pus an Bertran de Cardalhac 
ques un vielh mantelh suzolen. 

X. El noves es en Raimbautz, 55 

ques fai de son trobar trop bauz; 
mas ieu lo torne a nien, 
qu'el non es alegres ni cautz; 
per so pretz aitan los pipautz 
que van las almornas queren. 60 

XL En Ebles de Sagnal dezes, 
a cui anc d'amor non veno bes, 
si tot se cauta de coiden; 
US vilanetz enflatz plages, 



VIII. 45 Chantä nn sonet auinen a — 46 E cel a — ql raubec a — 47 E 
mat o fes a — trenqet a — 48 Aqel pe qe p. penden t a. 

IX. 49 Loites es A, Li huich es DIKN* — saychac R, saesac I, sesac 
DKN* — 50 Canc un sol b. ADIKN*, Quanc negun b. C, Can degun b. R — 
51 M. qae uai m. C R — dos] de a — 52 Qaanc (Que C) despueys CR — pre- 
zem A D N *, prezen I K — 53 a • n] den a — 54 Prez a — Queri un m. C — 
mantel uiel D. 

X in a als Str, XII, Reim — aut. Str. X lautet in a: 

E lai de marseillan folqet 

qe chanta de fotre folet 

per una busta [oder bntta] cui säten 

ca plus ample con dun cabes 

e forail meils pesqes ab ret 

en mar can nö la mouolo uent. 
55 E lo n. AIKN* — onzes a — en fehlt A — rambautz DKN* — 
56 de] per CR — trop de s. trobar b. a — 57 torn D— a]eADIKN* — 
E non es mia aulnent a — 58 Que CR — Dome qe a gran pez e aiit a — 
59 lo D — pipatz I K — Et eu pr. trop mais 1. p. (ribautz R) C R — 59, 60 E 
sen geraua ni a faut En negun non a iauziment a. 

XI fehlt in a, dafür Str. XII. 62 ben damor non pres C R — - 63 toiden 
A I K, toinden N * — 64 piaiges K D N *, plaigues I — Vilanetz es e fals pages CR. 

8* 



116 R. Zenker 

qua dizon qua per dos poges 65 

lai sa loga e sai sa ven. 

XII. E Tonzes Guossalbo Roitz^ 

qua 8 fai da son trobar formitz, 

per qu'an cavallairia * s fen; 

et anc per lui non fo feritz 70 

bos colpS; tant ben no fon garnitz, 

si doncB DO'l trobet en fugen. 

XIII. Ei dozes es us vielhs Lombartz^ 
qae clama sos vezis coartz^ 

et elh eis sent del espaven; 75 

pero ns sonetz fai galhartz 
ab motz marabotz e bastartz; 
e lai aper om Cossezen. 

XIV. Peire d'AIvernhe a tal votz 

qua canta desobre e desotz 80 



XI. 65 E ditz hom C, E dis nom R — pogues K — 66 Sai .... lai C R. 

XII. in a als Str, XI. 67 El dezes a — gonzalgo DIKN* — rotz IK, 
naiz N* — E lo. es gonzal goritz A -— 68 que-s] qeis A — de] per CR — 
tr.] chant trop ADIKN* — f. trop de son trobar f . a — 69 Per qel DIKN*, 
En cui a, Tan quo CR — cauallariais A, caualairias a, caaalaria i D I K N * — 
feing A D I a — 70, 71 Et anc no fon tan ben garnitz Que per elh fos dos 
(dols R) colps feritz CR, Et anc bos colps non fo feritz Per lui tarn be no fo 
g. a — 72 Si nom lac trobat en f. a. 

XIII. in a als Str. XIV; Str. XIII lautet in a: 

El dotzes US clergatz peirols 

ab cara maigra secs musols 

e can uol chantar ua tossent 

caissi nes esclarzitz lo sols 

ca totz uos en penria dols 

tan fa lag son captenement. 
73 tretz es a — petitz CR, ueilletz D, ueilles N* — qb fehlt allen Hdss, — 
74 Capela a — s.v.] si souen C, souen si R — 75 elh fehlt IK — e, s.] eis- 
son A — Et (Mas C) elh es daquelh eys paruen CR, E laisal del esserni- 
ment a — 76 Per so s. IK, Per qua s. CR — us fehlt ADIKN* — g.] mout 
g. ADIKN*, gualiartz C, goliartz R, galliartz a — 77 ma.] maire (uaires A, 
matre D, magres N *) moinz ADIKN*, maribotz a, amaribol C, amaribotz R 7- 
et fehlt CR — b.] grimartz a — 78 apellon D I K N * — casseden A, cosseden 
D I K N *, cosseren R — Et apelal hom consezent a. 

XIV. in a als Str. XVII, als Str. XIV in a Str, XIII, darauf als Str. XV u. XVI : 

En g. fai ditz fai chanzos 
de sidöz no potetz pelos 



Peire von Auvergne 117 

e sei so son dous e plazen; 
pero majestres es de totz, 
ab qn'un pauc esclarzis sos motz, 
qu'a penas nulhs om los enten. 

XV. Lo vers fo faitz als enflabotz 85 

a Puoich-vert tot jogan rizen. 



XIII. 

Gr. 323, 9. 

(Vgl. S. 50.) 

Hds. C 179. Gedr. M. 6?. 223. 

I. Belh m'es qu'ieu fass' ueimais un vers, 

pns la flors e*l fnelha brota 
e*l belh temps nos a del lag ters 

que gief e plou e degota; 

e pns l'aura renovelha, 
bes tanh que renovel mos cors, 
si que flurisca e bruelh defors 

aisso que dins mi gragella. 



e ditz qe si de rel desment 
ni la pot tener en escos 
qe tantas dara dels dos 
cazes a mal pos plus non prent. 

El . XV . es p. vidals 
gabaires messongiers e fals 
e no 1 qeiratz gota de sen 
per so a pres . C . colps le pals 
q amic noi ac nuils corals 
de lai sa foudatz nö dizent. 

79—84 Beihenfolge der Verse in Biogr, AB: 79, 80, 83, 81, 82; 84 fehlt — 
80 desobre] desus A — Q. non chanta sus ni d. D I K N * — Que canta cum 
granolh em potz CRa — 81 E lauzas mout (trop CR) a tota gen ADIKN* 
CRa — 82 Per so IK — E pois es m. Biogr, ABEIKN*Rb — es fehlt 
IK — 83 Ab un p. Da — sclarzis DIN*, esclaris K, eclazis R, qesclarzis a — 
84 A pena I K — n.] luns R — om negun mentent a — 85, 86 fehlen C R a — 
fo fehlt N * — enflabes K. 

XIII. I. 2 e la f. — 8 q. dedins m. 



118 R. Zenker 

II. Ai pretz, quon iest mutz, sortz e guers, 

proeza, cossius vei rota 10 

e menar de tort en travers! 

Quar seih qui'S pot vos sabota; 

qu'una puta gens fradelba 
que tir' e ban' e pren a mors 
vos a confundat e destors, 15 

que US afolha eus descapdelba. 

IIL Greu m'es qu'estiers sera trop paucs 

lo pretz d'aquest segle aora, 
et ieu sui del castiar raucs, 

e no*m val ges una mora; 20 

qu'usquecs a facha gonelha 
corta resciza de mal vetz 
et a*I fait taut estreit cabetz 

que ja res uon lai espelha. 

IV. S'als malvatz no fos tan grans gaucs, 25 

avoleza ja no fora, 
et es aitSLUt ubertz lo traucs 

que sobre rocas laora 

cui jai lo cors e*l martelha; 
qu'aissi'lh ten enredatz lo retz 30 

Don lur pot escantir lo setz 

ni'l erims; tan los rascizelba. 

V. Aquest engres^ envers, estrait 

fals e fat filh d'avols paires, 
^$^^J^^^9J}^x jsebencL maLiait, 35 

ser resignat d'avols maires, 

malauros' escudelba, 
volpilhos, blau d'enueja, sec, 
fan quasGUs que a endec^ 

don nais e bruelha pustelba. 40 

VI. Aram tuelb ueimais de lur plait 
dels forlinhatz d'avols aires, 



IL 10 E proeza. 

III. 20 no mi v. 

IV. 27 esse tant — 29 Seih cui (+ 1). 

V. 33 estraitz — 34 fatz filhs — 35 felos embroncs sebencs m. faitz — 
36 sers resignatz. 



Peire von Auvergne 119 

mas qai proeza vol^ agait 

cum pros es e non tric guaires; 

que si s'esforsa es revelha, 45 

atretan tost, s'anc esser dec^ 
sera ben pros om malvatz lec^ 

si DO fos d'avol uzelba. 

VIL On plus om mos vers favelba, 

fe que vos deg, mais plazon ilb, 50 

e noi a mot fals que i rovilb 
desobre dolat d'astelba. 

XIV. 

Gr. 323, 10. 

(Vgl. S. 33 u. 50.) 

Hds. C 180. Gedr. M. G. 226. 

I. Be m'es plazen 

e cossezen 
qui s'aizina de cbantar 

ab motz alquus 

serratz e clus 5 

que om tem ja de vergonbar. 

II. Van cbai em bas 

qui per compas 
00 sap lo segle demenar; 

aquelb i falb 10 

que tan trassalb 
que non puesca atras toroar. 

IIL Ben es auras 

totz crestias 
qu'el mezeis si vol encombrar 15 

ni sobrel cais 
leva tal fais 
que corren nol puesca portar. 

IV. Qu'ieu cug e sen 

mon escien — 20 



VI. 46 si anc (4- 1). 

VIT. 50 q. V.] queus — elh — 51 rovelh. 
XIV. I. 6 Quem. 



120 ß. Zenker 

ien vuelh vos a totz casüar — 

per trop captens 

val om mot mens 
en ten om plus vilh son afar. 

V. Mai am an ort 25 

serrat e fort 
on om no'm pnesca ren emblar 

qne cent parras 

BUS en pnegz plas 
qn'autre las tenba ez ien las gar. ^q 

VI. Qu'arreire temps 

ai amat nemps^ 
e vnelh m'en atrazach laissar; 

non anra grat 

qui m'a amat 35 

m en cor m'avia d'amar. 

VII. Qu'ieu ai un cor 

et an demor 
et un ardit et nn pessar 

et nn amic 40 

et nn abric 
et a cni me vuelh autrejar. 

VIII. Si mal m'en pren, 

per eis mon sen 
eng a ma vida folleiar; 45 

apres ma mort 

nom fass'om tort 
d'aquo qu'ieu ai ad oblidar. 

VUI. 47 no f. 



Peire von Auvergne 



121 



m. 

GeistKche Lieder. 

XV. 

Gr. 323, 18. 

(Vgl. S. 33 u. 51.) 

Hdss. C 181, E 48, R 6, T 151, V 79, a 126. Gedr. Atti della Reale 

Accademia dei Lincei 1890, ser. IV, rendic, VI, sem. II, 45 (von Cre- 

scini, V); krit. nach allen Hdss. ausser V Appel, Ined. S. 201. 

Die Orthographie Appels wurde beibehalten. 

I. Gent es, mentr'om n'a lezer, 
s'enans de son mielhs a faire, 
que, quan s'aizin a*l cnidaire, 
tal or'es larcs del voler, 
e qui enans es avertitz 5 

que Pagaitz li sia issitz, 
non es ges del tot muzaire. 



XV. Schema : 



r 

c 



r 





I 



r 

X 

J_ 



a 



1 

R 



r 



I 

Y 
1 



1 

E 



a 



Begründung : 

X ist aus vorliegendem Gedicht nicht zu erschliesscn, darf aber ange- 
nommen werden im Hinblick auf das sonstige Zusammengehen von a mit G R 
in Stücken, die in E T V nicht erhalten sind, vgl. das Schema von XI, XVII. 

a: 45. a — E: 26 (die Strophe fehlt E), 34, 56 (E hat zweite Quelle 

benutzt). 
/? : 1, 3, 9, 14 etc. 
y: 67. 
I. 1 entrom C, entre hom R — va a — 2 Senatz V, Siaus E — so 
meil a — a fehlt E — 3 Qes cal a — quan] cascus E — sazina R T, sazi- 
nal V — cridaire C R, cujare V — 4 o. e] a rei R — de C R V — 5 Qui e. nes 
auengutz T — 6 lagait T — li fehlt ORT V — isutz T, saillitz V — 7 Nos E. 



122 B. Zenker 

II. CoDtr^aiso deu aparer 
en cui sens es albergaire, 
que sciensa no pretz gaire, 10 

s'als ops non la vei valer; 
doDCs ar er de mi sentitz 
lo sabers don sui techitz, 
8'er fis mesclatz de vaire. 

III. Qa'el segP ai fag mon plazer 15 
tan qu'en sui de trop peccaire; 

et ar agradam n'estraire, 

pus dieus prom n'a dat lezer; 

qu'esser pot om descaazitz, 

e non es ops n'an delitz 20 

per oltracujat vejaire. 

IV. Pois dieus som laissa vezer 
en que puese esser miraire 

de mo mielbs e'l sordeis raire: 

on om plus a de saber, 25 

on mager sens l'es quesitz, 

et aquelh par mais falbitz 

qu'a SOS ops n'es enganaire. 

V. Mas si*n sabia dieus mover, 

be sai, for' encar confraire 30 

IL 8 Contra so CT — 9 es sens T — ab elhs guaire C R — 10 fehlt R — 
11 Sa luecs a, Sa lops V — ue R — parer a — 12 ar] on a — es R — se- 
mitz T, seguitz V — 13 Del saber V — saber ET— tenquitz R, requitz C T a, 
geqiiitz V — 14 Si es C, Rer T — Cor fiza, Setz totz f . R — o fehlt C R, 
e T — mesclat CR— ab a. 

IIL fehlt T. 15 Qual C, Eal R — fort E — mans plasers R — 16 queu V — 
17 Et agramen ad e. C, Et agram nat a e. R, Et aram nagrat e. V — 18 a E — 
19 Pot hom esser d. a — descauzit E — 20 les C, mes E a — op V — 21 iut- 
gaire a. 

IV. fehlt E. 22 Vers CR — dieu T — ma 1. T, mo 1. V — 23 eleu T — 
pusca R — musaire T — 24 Del V — el sordeiaire V, e sordeyaire CR, o 
sordegiaire T — 25 Et hon hom pl. na s. V, De mon dan ab bon saber CR — 
26 maior T — li es T — chauzitz C R, causitg T — 27 Caquel V — aiql T — 
menhs CR, mejns V, meis T, plus a — 28 es CR — engegnaire T. 

V. 29 M. sira salua d. m. V, Mas si ieu en saubes lo ver a, Si dieus o 
volgues vezer CR — mover] ver E T — 30 Be ceriam quar c. E — fora capei- 
ayre C, fora car comprayre R, foran car compraire V, foram car compaire T, 
fort enquers c. a« 



Peire von Auvergne 123 

de joven et enquistaire, 

sil ric, cui degra cazer 

en grat, fan vis esbauditz; 

mas si'l fals segP es mestitz 

quel fait son paue contra 1 braire. 35 

VI. E mentr' usquecs pot querer 
lui qu'es vers reis e salvaire, 
totz es endreg si bauzaire, 
pns met e nonchaler; 

que mager gratz n'es cobitz 40 

qui fer ses colps que feritz; 
d'aitan sui ben esperaire. 

VII. So feira plus a temer, 

per qu'ieu sui meravelhaire, 

qu'om non es dieu regardaire, 45 

tro qu'es tan prosmatz al ser 

quel jornals Tes escurzitz; 

e s'adoncs nol ven complitz, 

non cug que ja pueis s'esclaire. 

VIIL Amors, beus degra doler, 50 

si negus autr' enginhaire 
mas lo dreituriers jutjaire 
de vos me pogues mover, 
que per vos er* enriquitz, 
essausatz et enantitz 55 

e pel senhor de Belcaire. 

V. 31 conquistaire E — 32 Ses a — ricx C R V — ris E T a — qe a — es- 
chazer C, csclarsir R — 33 grau CR — fanh ni e. C, fag es e. R, saics e. a — 
34 Nias E — fol R, fatg T — s. e.] gelos C R T — mentitz C R — 35 faitz C, fai R. 

VI. 36 E fehlt a — mentre secx C, mentre quecx R — Mentre chascus a — 
potz C — 37 ueray R, uer T — r.] dieus a — 38 fehlt V — Mout a — Po- 
deros paire de bon aire T — 39 Plus T — non cal re T — 40 roagers C V a — 
grat T — 41 ser E a — ques CR — 42 s.] lui R — bon V — esproaire a. 

VII. 43 No C R, Pero T — fera C R, fara T - 44 Perque s. C R V a — 
45 lieu r. V — Que hom non e. r. CERT —46 queus T — 47 iomal CRV — 
enionhitz C R, escorgitz T — 48 sa donc V — no ve a, nol nem V — 49 Nom 
c. V — q. p. sen esciaire a — nesclaire V. 

VIIL in E nach IX. 50 ben T, bem C R E V a — degratz C R T E — voler C R 
T E V — 51 degun C R, degus V ~ autremguanaire a — 52 dreiturier C R V — 
53 fehlt T — M. p. d. v. m. E — me] iam a — 54 Perque CR — es C R — 55 Et 
salvatz a, Eschausatz E, EsalzatQ T — 56 per samor CRT — del C. 



124 B. Zenker 



IX. Mas so non pot remaner; 
cortez' amors de bon aire^ 
don mi lais esser amaire; 
tan m'agrad' er a tener 60 

lai on vol sanhs esperitz; 
e mas el mezeis m'es guitz; 
no ' US pes s'ab vos non repaire. 

X. Qu'ien sai^ tan ricx governaire 

no'm denhes en guit aver — 65 

Peire d'Alvernhe so ditz — 
no de ' ns for* enquer partitz 
ni per autr' amor camjaire. 



XVI. 
323, 13. 

(Vgl. S. 33 u. 51.) 

Hdss. C 180, E 50, R 48, T 149, V 78, a 125, b 5 (nur Str. I). Gedr. 

M. Ö.232 (C); Archiv 36, 424 (V). 

I. Cui bon vers agrad'a anzir, 
de mi cosselh ben que Tescoat, 
aqnest qu'aras comens a dir; 
que pos li er sos cors assis 
en ben entendre'ls sos e'Is motz, 5 

IX. 58 Sertas CR— - 59 Donox CR — desser R— 60 nagra de retener C, 
magradaria t. R, magrat or a t. T, magrada a t. V, magradai lai t. a — 61 On 
vol lo a — ual C T, uay R — sant R — 62 E pos a, Ueimais C R T E — 
me g. R T — 63 cab R, saub T, sa a — nom C, me R. 

X. fehlt V. 64 en s. tal g. a — ric C E R — 65 Quem C, Vos R, Non T — 
denhet C R, deighes T — Qez el vol a — on T — cuit T, grat E — tener E — 
66 Peirö a — sos R — 67 d.] dons E, dieus T a, men C R — fors ET — enqrs T, 
anqners a ~ 68 Mas dautramor suy amaire CR. 

XVI. Schema 8, nächste Seite. 

I. 1 Qui E R T V — bos R a — agrad auzir C E R b, agrad a dauzir T, 
agrada a. au. V — 2 aoonselh a, laconseill V — lescoutz E, lescose a — 
3 Aquel R, Aicest T — quera a b, queras R, cara V — o. a. d.] mausires 
dir T — 4 p. sos cors li er C, p. sos cors i er E — pos] plus T — Que mos 
11 er sen cors V — 4, 5 Qui pus sos cors ier asos eis moutz (. . ssis bis en- 
tendre fehlt) R — 5 Per b. c, En E, Deu b. b, Em b. a, Eu b. V — entendrel 
son e. m. E V, entendre lo sons el mutz T, entendre sos e motz C R. 



Peire von Auvergne 



125 



ja non dira que anc auzis 
melhors ditz trobatz laenh ni prop. 

II. Ges ben no fai az escarnir 

qui PaU; ans deu agradar mout^ 
si tot d'oatracujat albir 
ab lar nesci feble fat ris 
tornon so qu^es d'amon desotz; 
e'l be vezem qne s'enantis 
e resquerns resta de galop. 



10 



XVI. Schema: 





J_ 



r 

X 

I 

x^ 

I 



r 

a 



r 

ß 
1 



1 

Y 



I I r 

C R T 

Begründung: 

xx^ 



I 

E 



a 



Lücke V. 51, 52 (die Lücke umfasste in x offenbar cel bis potz; 
y ergänzte die Lücke V. 51 selbständig, liess sie aber V. 52 be- 
stehen [= üeberlieferiing von a T E], ß änderte des Reimes wegen 
die Ergänzung von y, beliess aber gleichfalls die Lücke V. 52 
[= Ueberlieferung von R], C ergänzte selbständig V. 52). 
x^ — ß: 25, 39 (ß schöpft 25 aus zweiter Quelle, 39 C ebenso, R ändert 

selbständig), 51. 
a — E: 29 (E ändert selbständig.) . 
ß: 47, 50, 51; Strophenfolge, s.u. 
y: 40. 
Aus V. 21 ist eine Gruppe.TVa nicht zu erschliessen : ß und E haben 
auf Grund der benutzten zweiten Quelle emendiert, können übrigens das Ur- 
sprüngliche auch selbständig wiedergefunden haben. 

Reihenfolge der Strophen in R: I II III IV VI V VII VIII; ebenso in C, 
nur fehlt hier III. 

I. 6 Gia nadira T, Non cug digua C, Non cug que diga R — quel Vb, 
qes a — 7 Miglior T — ditz] motz CR-— trobar R a. 

IL 8 De b. CERTa — o f. T — nö ay R — e descamir T, ae. RV, 
ad e. a — 9 ans d.] nis dieu T — escoutar m. C — agradir T — 10 d'outr.] 
dautracujat V, loutracujat CEa, lotracudat R, lotracugiat T — dalbir R — 
11 n. fol e fat ris E, nesis fehles faitz r. T — A lor si feble, Eaum für einige 
Worte R — 12 Toms s. R — ques de mal deuis T — desotz] de ios a — 13 E. 
b. V.] Mas lo ben vens C, El ben uezon E, Q los bos vens R, El ben nesen T, 
Et bes vezem a — 14 E lesquern E T V, Et e. a, Lesquem R — galobs R. 



126 B. Zenker 



III. E per tal fai sen bon gequir, 15 
quant esquerns ni coratge estout^ 

si broilhet no sai vim florir; 

e par d'avol respeit jardis, 

qaan vei qae la cima iiil brotz 

non gieta fuelha ni tequis, 20 

e li traitor neisson tag clop. 

IV. Era's vuelh alre devezir: 
qai d'aver sai a gran comout 
ben s'en denria far servir; 

qu'en un mueg de marabotis 25 

non donaria doas notz, 
pus a la boca venral fis 
nil prestre secodra IMsop. 

V. A qaec deuria sovenir 

qae non agues coratge estoat 30 

del be don nos devem jauzir, 
qo'en petit d'ora es om conqais, 
e cant ven als derriers sanglotZ; 



IIL fehlt in C. 15 Pueis p. R — per fehlt a — fas e bo sufrir R, son 
ben g. T, sen bon sofrir a, bon fehlt V — 16 Quanc TV — Qsquern R — e 
c. C — estoutz E, estaut R, ostolt a — 17 Ni b. E — broiller E, bruillert T, 
broillet a, bruillet V, Si broilhet /cäZ^ in li, aber Platz frei gelassen — uei f . R — 
non fai un florir T — 18 p d. T — respenh R, respeg a — iardis] raitz T — 
19 Pos hora ue R — ve a — la fehlt R — ni R, nils E — 20 fuelha] frucha 
R V a — f. ans t V — techis E, ten quis T, requis a ~ ni bis clop fehlt in R, 
Baum ist freigelassen — 21 & lun traidor T, El intrador V a — nes son t. c. V, 
nö son t. c. T. 

IV. 22 Aras C, Raus R, Eraus a — al res CT — deuisar T — 23 Que C, 
Qe T, Quei E — sai a fehlt R, Platz frei — ba grans comoutz E, un gran te- 
muoe T — comolt a — 24 Ben si d. T — 25 un m.] mil mueitz E, mil mues T, 
mil muegz a, (que) nimniuj V — morabetis V — 26 Nous V — 27 Quant E, 
Car T — ellas boccha T — bochail a — v. la f. R, ueral f. T, venrais fiz a — 
28 ni T — pestre T V, pestres R, preire E, preires C — escodra R — lizops R. 

V. in R als Str. VI. 29 A queo] Per que C, Per quens R, Pqo T, A totz E, 
Aquet V — degra quec souenir C, dauria s. R — 30 coratgestoutz E, c. es- 
tolt a, c. tont V, coratges . . . out, dazwischen Basur von mehreren Buchstaben, T — 
Que nulh hora nos (nons) agues tout (toutz) CR — 31 Del ben on ETa — 
yos a — Lo gaug don esperam iauzir C R — 32 Qu. p. d.] Qen un petit C, 
Per an petit R, Quen pauc dora V, Qen oraizon a — ha o. c. E, fossom con- 
qis a — 33 c.] can TV, pus CRE — al derier sanglotz (sanglot a) TVa. 



Peire von Auvergne 127 

non li val oncles ni cozis 

ni metges ab son issarop. 35 

VI. Ben deuria pessar morir 

qui dregz uelbs guarda sus'lo vout 

cossi dieas per nos a gaerir 

receup mort, e pus mort aucis 

selhui que per nos veno en crotz; 40 

tag morrem, qu'avers nons gueris 

negun al temps plus que fes Jop. 

VII. Mout son intrat en lonc cossir 
eil qui son al derrier escout^ 

qu'a la mort nos pot escrimir 45 

coms ni ducs ni reis ni marquis 
e s'enanz nos nedeia totz 
que la mortz li serre lo vis, 
ben si pot, sis vol, trigar trop. 

VIII. Tot jorn vos poiria legir ; 50 
mas preguem cel qu'es caps e fis 

quens garde del enfernal potz 



V. 34 Noi val gaire o. n. c. R — uezis T — 35 eyarop V, eiserop E, 
essirop T, issirop a. 

VI. in C als Str, IV, in R Str. V. 36 Doncx R — pessan m. C — 37 uelhs] 
noglt T — sus el V. C — 38 Cosis V — a fehlt T — 39 pus] mos V — mortz 
(mort T) laucis E T a, an mort R — 40 Cel q. T — nos V — venc] mori E, 
morut T — 41 morte V — non g. E V a, no nos g. T — T. m. q us nö gueris R — 
42 Negus R T V — el t T V — t. al pus R — puoi q fo gop T — top V. 

VII. in C als Str, VI. 43 Molt E, Be V — De ques meton C R — 44 m R 
ausgefallen — Cil] Celui E, Selhs (Cels) C V, Tug eil a — qui son] ques mj V — als 
derriers olotz E, al derier sanglot T, el d. e. V, al dereir clop a — 45 no R — 
sap e. C R — egremir V — 46 ni vor reis fehlt E — ni reis ni ducs a — reys 
^i coms ni ducx n. m. CR — marauis V ~ 47 E fehlt a — sinans E — nedeia] 
denega V — E so . . . nos dei a totz, zmschen so und nos Lücke, T, E qui 
nes ue denant si totz C, E qi nos ue dezanatz . . .freier Baum, R — 48 sarre E — 
Ans que C — serrel vis C — Q mortz erat lo uis R — 49 si T, sis fehlt R — 
triguar] cargiar T, iugar V, tarzar a. 

VIII. in C als Str, VII. 50 Tutz giorn T, Totz iorns V — De que sabria 
pron 1. C, Da qi sabria pro . . ., Lücke, R — vos fehlt a — 51 cap V -— Mas 
dieu (dieus) prec per (q) sas (sa) grans mercis CR, Mas dien preguem (pre- 
gon) per sa dousor E T, M. preguem dieu p. s. d. a — 52 Si de peccador essau 
uotz C, fehlt E T a, S. d. peccadors, Platz für ein Wort, uoutz R, 



128 ^ Zenker 

e que * ns met' el sien paradis 
lai on mes Isac e Jacop. 

XVII. 
Gr. 323, 14. '^^ 
(Vgl, S. 33 u. 51.)^" 
Hdss. C 181, R 5, a 126. Gedr. M. G. 238 (C). 

'^ .^ I. De dieu non puesc pauc ben parlar 

ni mout no'us en sai issernir, 
^ quar gran res restari' a dir 

el pancs es plus que non apar; 

mas pus ilh m^abriv' en valor 5 

al belh sen si cnma parier, 

ben tanh dir adreg per s'amor 

so qu'al sien pöble a mestier. 

II. Don die cossi den esgarar 

quals es ni que deu devenir, 10 

e s'om so meti' en cossir, 

ja res nos deuria prezar; 

mas los uelbs ten en tenebror 

e l'esgart' glot en desirier 

el cors cossenten la folhor 15 

guida Tarma a mal destorbier. 



VIII. 53 Quens (cen T) meta E T V — al s. T — Quem condugua em 
paradis C, Ql nos cöduga al p. R — 54 Lai fMt R a — On conduys C — mes] 
mos T, me a issaac a. 

In E und R folgt als zweite Tomada: 
E: E mentres sals nis ue chauzir R: Y. 1, 2 wie in E, nur sas/ür sals. 

aurial mestier que saizis V. 3—5: 

de gloria es lonhes dels portz gloria noi es del • . . {Baum für 

don eis lo sembels el trais zwei Worte) 

que plumals fols erefolop. 5 dö eis los sembel estran 

q planhas fols e renolops. 5 

XVII. I. 1 nous R — paube R — ben fehlt a — 2 motz C, mot R — esse- 
mir R, deuezir a — 3 Qe a — res fehlt R — r. e restaiia d. a — 4 pauc C — 
er pus R, el p. a — 5 E pos ilh manteno valor a — 6 com p. R— Degra sen 
senz contra parer a — 8 na m. a. 

II. 9 cossis R -— com si degra gardar a — 10 quo C — 11 E si se mena 
cossir a — 12 Ja megz no sabria pzar a — 13 M. luelh belh tcno t. C, M. luelh 
bels tenon tenebros R, M. los oils te en t. a — 14 En lesgart gloto d. a — 
esgar R — glotö d. R, glot de d. C — 15 cor CR ^ felora — 16 a fehlt CR. 



Peire von Auvergne 129 

III. De que^m pnesc pro meravilhar 
cam per se non pren om albir; 
que, quan quel triC; Ter a murir 

e pel pas ansessor passar; 20 

et en tan estranha flairor 
reverton li pus bobansier 
qu'als aazens i a gran feror, 
mas uei oblidon aquo dMer. 

IV. Mout es grieu e fort et amar 25 
als trespassans de desgiqair 

d'aisso de que's degran aizir, 

ans que'ns sobrevengues afar; 

qu'ieu sai que tart, si contra *! cor, 

no • s cobri om ben del arquier 30 

que del colp senta la vigor, 

quar mout val garda de primier. 

V. Per qu'es fort grieu a castiar 
qui trop ama son dan chauzir; 
mas qui 'S volgues tant enantir 35 

vas ben cum contra mal obrar, 
ja no perderal renh aussor 
pel joi d^aquest mon messongier; 
quan la cam caitiv' a sabor, 
resperit;5 pren en encombrier. 40 

VI. E que 'US puesc per pejor contar 
d'omc; Sil vei ben resplandir 
de ren qu'el segl' aj' a formir, 
mas ab dieu no's sap acordar; 

III. 18 Can per si nö pren en a. a — 20 pels p. ancessors a — 22 Re- 
uertir lo plus b. a, revertis quis p. b. C R — 23 Co nanzem a g. f. a — 24 May 
hney soblido amdier R, M. ven soblido dacordier a. 

IV. 25 grieus e fortz C — Qester e fo fort a. a — 26 del desgequir R — 
AI temps passam del gurpir a — 27 Daqo deqes degrom a. a — 28 qeil s. a — 
29 s. catat se contra cor a — 30 Qi nes cobrans be de larqier — 32 mout] 
trop R, fehlt C. 

V. 33 Mas grieus es hom a c. a — 34 Qe mais a. a ~ 35 Car ses v. a — 
36 Val b. c. central m. o. a — 39 Ca 1. c. caytiua sabandö R, De qel caius c« 
s. a — Qua C — 40 Los p pren mal enc. R, Don los perpren gran enc. C. 

VI. 41 £n q. a — pejor] melhor CR — 42 Homo seu voll ver espandir a — 
43 qn. se sapcha f. R, qauja el segle issir a — 44 Pos a deu a — n. unella 
cordar R. 

Zenkeri Peire Ton AuTergne. «^ 



130 R. Zenker 

et tot Tals es dezanador 45 

e desrefugent e eorsier, 
per qu'om ren a son creator, 
pus mor, dels faitz respost entier. 

VII. E pns diens noa,dfiD ha donar: 

vezer, entendre et auzir 50 

e__ sen e sabe r e sentir 

e tanta riqueza ad nzar, 

be'ns degr'esser sovenidor 

quar qni ten fieu d'antrni terrier, 

del pns ric e del frug melhor 55 

D'es escas al don a sobrier. 

VIII. Per qu'er escur so qu'ar es clar 
lai on diens mostrara'l martir 
qn'elh sostenc per dos a gaerir^ 
on nos sera totz a tremblar, 60 

lo Jörn del joatjamflJi-inajor, 
on non anra ren d'afanier; 
qu'ab gran jol et ab gran dolor 
se deveziran dni semdier. 

IX. A ! CO * s pot pauc quasens fiar 65 

en qnan sai laissa al transir, 
si'lh eis no so sap devezir 
tan gen que's puesca profichar; 
e tan breu vid' an li pluzor, 
vilan e clerc e cavalier, 70 



VI. 45 Q las es tot d. a — 46 desrefugen C — Et es tesor gent e c. a — 
47 Per ö r. R — res C — Et hom den a — 48 del fag R — Dels fals poa mort 
respond reDtier a. 

VII. 49 nous a — 50 V. et e. a — 51 E parlar e sen e 8. a — 52 riqueza 
durar C, re q ad u. R — - E de t. r, usar a — 53 Beus C — Bes deu e* a — 
54 Que R — Gar fort te qe dautrui tener a — 55 Deue rics a •— d. pus 
frug R — 56 N, fehlt C R — al don] a dieu a. 

VIII. 57 so quer C — 58 mostral m. a — 59 Conseten p nos a suflfrir a — 
60 Deqens auenra 1. 1. a — 61 AI i. a — maior fehlt R — 63 et ab no pauc 
plor a — 64 A devezir a d. s. C R, Et on sesebran d. s. a. 

IX. 65 Aquos C, E cos a — 66 lay 1. C — laissa] lansa CR — En can 
qe sai laissar t a — 67 nosso s. C — se s. d. a — 68 qil pogues prosecbar a — 
69 Qe a — 70 Vilas CR — e clerc] e clergae a, robercs C, rebec R. 



Peire von Auvergne 131 

e tan tost torn' en amargor 
lo joi^ d'aqnest segle lengier. 

X. Mas dieus per la saa doussor 
nos don cum siam sei obrier, 
que'ns acuelha en resplandor 
on li sieu sanh son eretier. 75 

XVHL 

Gr. 323; 16. 

(Vgl. S. 33 u. 52.) 

Hdss. B 36, C 182, D 153, I 11, K 1, R 5, a 130. Gedr. Choix IV, 
423; M. TT. I, 100; M. G. 1320 (B); Studj dl fil. rom. 3, 672 (B). 

I. Dieus, Vera vida, verais 

e dreitz entre clers e lais 
e nomnatz salvaire Cristz 
en latin e sobre ebrais 

e natz e pneis mortz vius vistz 5 

e sorsetz, don laissetz tristz 
aqaels qne pneis fezes jauzens. 



IX. 71 Qe a — arnaror a — 72 ioi C R a. 

X. 73 May R — p. sa granda d. a — 74 do R, dorn a — qe s. tal 0. a — 
siei R — 75 Quelh nos ouelha C R — en sa r. a — 76 Don a — sanhs (sans) 
CR — e. amen a. 

a hat zwischen VIII und IX noch folgende zwei Strophen : 
IX. On chascuns se degra a senhar X. E com lo blanc el vert el var 
et esser soen en sospir ses teges far del megs seruir 

com dieas se d^net humanar don noil platz alcus bos ufrir 

e qe pres p los sieus saluar p aqcl cui ner apenan 

e can pauc porto tug del lor e totz tenis reumra dolor 

segnen tre lo sanglot derier tot so qel segles dalegrier 

car mout mes destreita sabor car auer vos nostre segnior 

qe no laisso lauer parer ni qan qers no ual an diner. 

cos qe trop sen fai parsonier. 
XVIII. Schema s, nächste Seite. 

I. 1 vide V. a — D. uers uida e uerays R — 2 Adreich R, Dedreg a — 
E fehlt C — e.G.] endreig c. BDRa — clers] clergues C, crelcs D, et es- 
clers R — 3 E nö naz D, E non anz a, Et hom natz B, Hom nomnatz R — 
saluant crist a — crist G R a — 4 sobra baitz a, en ebrays C — 5 e p.] ce 
p. a — vistz] iustjB I, vist C R a— Natz ni eua mortz e pueys uieu uist R — 
E sorz est DIK, E sors lay R, Ressorsitz C — ö laysi estritz R — trist C, 
crist a — 7 Aysels R, Selhs C — fezetz BDa, fezest IK. 

9* 



432 



R. Zenker 



II. Senher reis, ien falhi fals, 

dont es issitz tan grans mals 
en cossir et en digz dnrs 
et en fols faitz infernals 
ab brondils d'estranhs aturs, 
et en tals talens tafors 
mi'us ren colpables penedens. 

III. De tot so qn'ien fesi anc, 

e si non äi cor ferm franc 
de dir si cum agra ops, 
prec a vos al cal mi*n plane, 
per cni tan fon fizels Jops, 
que non gardetz mos torts trops, 
mas gratiam sia sofrens. 

lY. Qu'ien no'm sen si savis sai 

que puesca conquerre lai 



10 



15 



20 



Schema : 



o 

1 



X 

_L 



a 

1 



i 



a 



B 



1 

ß 
J_ 



D 



r 

I 



X — C: 54 (der Vers fehlt C). 

y — D: 63 (D benutzt zweite Quelle). 



i 



1 
K 



C R 

Begründung : 

x: 48, 59. 

y: 29, 66. 

y: 67, 68, 69, 71. 

ß: 6, 10, 28. 41. 

IL 8 reis] rics a, uers CR — falhi] falh R — fals] fols a — 9 Dont issit 

danz e granz mals a — - 10 cossirs C — En consirs (consir K) diz et (et fehlt I K) 

en dnrs D I K -— Ab cozens ditz et ab durs B — 11 fatz fals i. R — en fers fagz 

enfernals a ~ 12 Ab rodils a — brondills B D, brossitz C — & e ponch fi gra 

folor R — 13 tals] tans C a, trops R — 14 Mi ren R, Mius ten a, Quem ren C. 

III. 15 D fehlt I — Per quant quien (ieu R) mescabes (mescabiei R) 
anc CR — 16 Si tot R, Sien C — ferm cor e franc C — ferm e franc BD — 
17 so que magra B D I K R — 18 Prec a sei R, Vos prec precs B D I K — a cni 
m, BC, cui^ a — me R a — 19 fizels fon CR — p. c. son tan f. iob a — 20 Qu! 
D I K — - Q nö esgar m. 1. 1. R — 21 Sa g. R — ufrens R. 

IV. 22 no s. a — no suy C, no say R — Q. n. s. ö sya say R — saui- 
zai a ~ 23 Qui D I K — c. 1.] yeu conquerir lay R, conqerer sai a. 



Peire von Auvergne 133 

lo renh on nnlh sei ni fam 
ni freg non a ni esmai^ 25 

si'll vostra vertutz cui dam 
ncm don'esfortz qu'ien dezam 
lo joi d'aqnest segle giquens, 

V. Que'm fai falhir ves vos sol, 

per que'l cor» m'intr'en tremol, 30 

e si'm servatz mos forfaitz 
tro lai al derrier trebol 
qa'enans no*ls m'ajatz far fraitz, 
senber^ ges bos nom n'er plaitz^ 
si dones merces no'us sobrevenS; 35 

VI. De vos qu'estorsetz Sidrac 

d'ardent flama e Misac 
essems et Abdenago 
e Daniel dinz del lac 

e Jonas ab utero 40 

e*ls tres reis contra Ero 
e Snzanna entrels fals guirens, 

VIL E pasqnes; senher sobras, 

tanz de dos peis e eine paS; 

e'l Lazer suscites vos, 45 



IV. 24 Lor D — nulh] mil a, hom B D I K — Lo regne 5 freg n. f. R — 

25 Ni set noy a n. e. K, Non han ni freig n. e. a, Ni chaut ni freig non a roai C — 

26 cui] qieu B — 27 Nö d. Da — esf.] poder R — cum (con, com) d. BD 
I K — 28 los iois B a — dest s. C — segle] les D, ques I K. 

V. 29 Quim D I K {Initiale Q fehlt I), Quea R — fant B D I K, sa a — 
30 qlz c. a — cor R — metren t. a — 31 fortz faigz a — 32 Troi B C D — 
derrier] estranh C — trebol] tribol C, tremol DIK, cremol B, tremol od, Cro- 
mol R — 33 Qabanz a — nos m, I K, nol m. R — maniatz R — 34 nö er ges 
bos plaitz C, no mes res mos p. R — nes p. B D I K — 35 doncs fehU B D I 
Ka — nol 8. B, nols s. DIK, noi a. 

VI. 86 Ab V. C, Senher R -- questorsest DIK, questorses C — 37 De 
la f. C, Darden la f. D I K, Dardre la f. R, Dardenta f . a — midrac C, mi- 
rac B — 38 £ semp et a. D, £ sempret a. I K, £t ab elz a. B, Dardre & a C -- 
40 On era ab lo leo C, £ conas del buoto R — ab u.] del peisso a — 41 £. 
t. reys ricx (rics reis DIK) contrhero CDIK — 42 entre'ls] dels C — fals 
es R — garenz a. 

VII. in C als Str, X. 43 paguetz B, paguest DIK, poguest a — senher] 
ta sols R — 44 Maus C, Tanz fehlt B R — e de c. p. B C R — 45 E R — sus- 
cites] ressorzis C — nos a. 



134 R. Zenker 

qu'era ja quatredias; 
de V08 ac per bei respos 
so serf sal Centurios 
e gites del mon mains turmens. 

VIII. E fezetz de Taiga vi 50 

al covit d'Archetricli 
e d'autres meravilbs montz^ 
don om carnals non sap fi; 
ni no'us en mostretz estontz 
e parlet per vos lo vontz 55 

de Lnca, rics reis resplandens. 

IX. E fesetz la terra e-1 tro 

et tot qnant es ni anc fo 
d'un sol seinh e'l sol e*l cel 
e cofondetz Farao 60 

e detz als filbs dlsraSl 
lach e bresca, manna e mel, 
e dampnes per serpen serpens; 

X. Qu'als vostres fon requies, 

quan vos plac que Moises 65 

Pissausses lai el dezert, 



VII. 46 Quira D — quatredians BB, quatnduas C, qatreduanz a, catre 
doas D, catreduas IK — 47 E d. v. B — pel b, a — & ac per so gent re- 
spos C, Car llc se fiet e uos R — 48 So s. salu B, Lo sers sai C, So sers sals 
DIE, S. ser san a, & al sert saut R — centurios] lo c. B, sonturios D, sen- 
turiüs 1 K R — 49 gitest D I K, girest a — E traisses motz greus t. C, Tolgues 
de mort maus greus t. R. 

Vm. in C ah Str, VII. 50 E si f. B — fezest D I K a — 51 A las nos- 
sas d. B, En la cort d. C — darcheteclin B, arqteolin DIE, darchetrecli R, 
architiclin a — 52 dautras merauillas B, d. miracles 0, d. miratlus a — 53 s. 
la f. B — sin a — 54 fehlt C — Ni uos nous e. B — mostrest D I E — N, nos 
nentremetö totz R, Ni no mentremer estoltz a — 55 E par totz iorns per u. 1. 
u. B — 56 Del D — luchas B D I E — rics fehlt C. 

IX. in C ah Str, VIII. 57 creetz C, formes R, fezest I E a — 58 ni anc] 
e cät R — 59 D. s. legnel sus e. c. a, Lo sol eis signes del cel C, E fes Signa 
e sol e cel R — cöfondest D I E a — 61 dest I E a — dirrahel R — 62 ebresque 
m. D IE, esbreche a, e frescha B — man D I E a — 63 danprenest B, daprenest IE, 
dampnest Da — ab s. CR. 

X. in C ah Str. IX. 64 Als C, Tals I E, Qils a — Cal uostre B — 
son B, fos a — 65 vos] no D — 66 Lencauses B, En causest DIE, Yssausses R, 
Esauzetz a, Tssia C. 



Peire von Auvergne 135 

e solsetz las mas eis pes^ 
qnand ns angels l'ac espert, 
sanh Peire el fezes cert 
dels vostres destrics destrenhens. 70 

XI. Ens queziron la lor plebs 

tro lai OD es mont Orebs 
ancien dinz Betbleem, 
qoaD vos en fugi Jozeps 

en Egipte; so sabem, 75 

e poeis en Ibernsalem 
vengues entre'ls vostres parens. 

XII. A Nazare reis Jhesns, 

pair'en tres personas ns 
e filhs e sainz esperitz^ 80 

ador en trinitat sns 
qu'etz eims e rams e razitz 
e dieas e de quant qn'es guitz^ 
siatz me^ si'QS platz, defendens. 

XIII. E sai obra ab bon talan 85 

mi detz a far entretan, 
qne; quan venretz en las nins 
jutjar lo segle el jorn gran, 
dontz dieus, no'm siatz esqnins 

X. 67 El R, Eis a — solsest DIK, liuretz C, lieures R — 68 Denant 
langel que respert (q ra espert) CR — 69 Sainz peires eil fes cobrec B, E s. 
P. f. c. C, Sainz p. eis fes cobrert (cebret I, cebrert K) D I K, E sant p. fezel 
sert R, S. p. e len fetz cert a — - 70 v. destrics destric destreignens B — De 
nostres digz plus (ditz pus) crezens C R — v. d. destra a. 

XI. Sir, XI u. XII 8ind in R umgestellt. 71 E uos G, Can uos R, Quius 
D I K a — queziren D I K, qrlrü R, qui. seront B, queric C — 1. 1. p.] lo durs 
plebs C, li trip R •— 72 En delay part mo oreb R — 73 Ausi en I K, Ancien a, 
Danrien R, Pueys anzim -— dedins bealem C, on besleem R — belleem D I K, 
betbelem a — 74 Que C» £ R — nos es fugi a -— 75 so crezem R a — 77 Yen- 
guest DIK -— entre*ls] als 0, demest R, entre a •— vostre a. 

XII. 78 De B — nazareth B a — Payre t. p. R — 81 A. e t. D I K — 
Uos prec & onitatz sus G, Et humilitat el cel sus R — t. us B — 82 Qu. caps 
e Sims e r. G — Quist DIK^Ec. R— -Qe sain era us & aditz a — 
83 £ dieus de tot quant es g. G — 84 Quem siatz s. G, Nom siatz s. a — Uos 
prec quem sias d, R. 

XIIL 85 Qe s. obrar e b. t. a -- e b. t. D I K a — 86 des e far D I K — a 
far] dar a — 87 Qui D I K — las nius] la ins D I K, sa ins B — 88 segles a — 
elfehU DIKa. 



136 K. Zenker 

e qn'ieQ; clars reis, regom pius 90 

m'en an ab los gausitz gaozens. 

XIV. E senher, nom oblidetz gens, 

qne ses vos non sni sostenens 
e senh m'en vostres noms crezens: 
In nomine patris et filii et Spiritus sancti Amen. 95 

XIX. 

323, 21. 

(Vgl. S. 33 u. 53.) 

Hdss. C 181, R 5. Gedr. M. G. 1022 (R). 

I. Lauzatz sia Emanuel, 
lo reis de terr'e de cel, 
qu'es trinus et unitatz 
e filhs e sant esperitz 

e cascus paire complitz, 5 

si qu'us noms es e us guitz 
e dieus e oms apelatz, 

II. En divers ditz assemblatz 
totz e una trinitatz, 

ses sustantia partir; 10 

qu'aisi tenc Fun per major, 
quom Tautre non die menor, 
mas un sol dieu ieu azor 
e'l prec que'm denh' eissauzir, 

XIII. 90 regom p. D I K, doutz e p. B — E qü c. regom p. I — gausitz /eÄW a. 
Jn CR lautet die Strophe i 

Quan uos uenretz en las nins (e. 1. mens B) 
uers paire nominatins (nomina tieus R) 
intiar lo segle las gens (1. s. eis iorns R) 
uers dieus nom siatz esquius (esqnieus R) 
reys cars regnans e plazens (e q car rey regnan pieiis R) 
nos faitz ab grazitz iauzens (menä ab los grazitz grazens R). 
XIV fehlt K R. E fehlt B C — 93 Quieu C, Qui D I — sostens C — 
zwischen 93 und 94 in : Uers dieus pair omnipotens Si cum nos eis conoyssens — 
94 Mi senh el v. C — Esegnemen vostre n. c. a — mel v. B, 
XIX. I. 1 Lauzat R — manuel R — 2 rei CR — 5 paire compl.] es partanitz R -^ 
6 Sieus n. R. 

IL 9 en] e CR — uni t. R — 10 Senes s. C — substansa R — 12 Nom 
1, R — 13 Mas que us sol dieus azor 0. 



Peire von Auvergne 137 

III. Selui qu'el mon volc venir 15 
per nostres peccatz delir 

e per que * 1 . III . elemen 

agro dessemblatz semblaDS; 

qu'alre Doi era estans 

mais dieus qa'e« paeis e denanS; 20 

qa^anc non ac comensameD; 

IV. Ni ja fin en negun sen 
non anra, que'I resplanden 
de prim destinet; a/iceis 

qn^el fetz sobr^esenr la Intz, 25 

quar tan ferma's sa vertntz 
qa'esser non pot descrezutz 
ni ren pus aver decreis 

V. En lai qne det si meteis, 

per qnel mals premiera s'esteis; 30 

qu'era mot grans descouortz 

qnar seih qa'anc no fes peceat 

veno sufrir nmanitat 

e mort desotz Föns Filat 

e sobre sos vestirs sortz. 35 

VI. Mais jamais non Ter faitz tortz 
ni'l senhorejara mortZ; 
lai qu'al ters jorn sors del vas, 
aissi com era promes, 

per qu'el qnels d'ifern mespres^ 40 

qiiant als dissipols cree fes 
e parec a sant Tomas. 

VII. Fneis non sai estet tan bas 
que de la val Jozafas 

d'un pneg desobre nn peiro 45 

no montes el cel e pus; 
pueis veno Ponzen jorn de sns 

III. 17 qaels CK— elemens C B — 18 dissibratz semblans R — es] 
e CR — 21 comensamens R. 

IV. 22 sens R — 23 resplandens R — 24 ab sey G, am sei R — - 25 Quelh 
fezes B. 6. lutz C — 26 ta C — fermays la v. C. 

V. 30 mal premier R, premiers mal 0. 

VI. 36 non er fatz R — 40 pels 0—41 eres R — 42 aparec R. 

VII. 43 £ pueys R — 44 ualh — 46 Nomtes e. c. G — 47 E p. R. 



138 R. Zenker 

vitz soptans e clars e eins 
als sieus dins una maizo. 

VIII. Per aver melhor razo 50 

ab bona entensio 
lur laisset ses ocaizo 
lo sarU esperit sa juSy 
don cascus discipolos 

fos forz e fenns sos estrns, 55 

com dien benedictio. 

IX. Aqnelh cre ieu per cd so, 
qne per nos pres passio 
e perdonet al lairo 

e qa'es trinitatz e us, 60 

seih que la maire Jbesus 
cosselhet en la crotz sns 
e qn'es a venir el tro, 

X. Pos lo segle er confos, 

per JQtjar los blancs eis brus; 65 

aquel prec ieu qne es sns 
e moD cor e m'annal do. 

VII. 48 E V. R — lust sobran e C — 49 AI s. R. 

VIII. befehlt beiden Hdss., ist Conjektur, vgl, Änm, — 55 fort R — ferm C — 
56 Si cü dieus es dons e bo Lur det benedictio C, Com dieus apres lascensio 
Lur det benedictio R. 

IX. 57 per que C. 

X. 66 qne esus CR ~ cors C. 



Peire von Auvergne 139 



Anhangs. 
Unechte Gedichte. 

Gr. 323, 4. 

Tenzone zwischen „Peire** und Bemart von Ventadom, mutmasslich unecht, 

vgl. S.2flF. 

Hdss. A 177, D 143, E 212, G 100, I 155, K 141, L 51, W 190 (nur 
Str. I und II); in G ohne Ueberschrift, in L einem en Peire^ in E einem 
Peire schlechthin und B. d, V. zugeschrieben ; A D I E haben in der 
Ueberschrift Peirol^ im Texte aber Pelrey W in der Ueberschrift Peire 
Vidal, im Texte (nur Str. II) Perrot. Gedr. Choix IV, 5; M. TT. I, 102; 

Galvani, Oss. 76. 

Orthographie nach A. 

L Amics Bernartz del Ventadorn, 
com vos podetz de chant sofrir, 
quand aissi auzetz esbaudir 
lo rossinholet nuoich e jorn? 
Auzatz lo joi que demena: 5 

tota nuoich chanta sotz la flor, 
mielhs s'enten que vos en amor. 

IL Peire, lo dormir e'l sojorn 
am mais que*l rossinhol auzir, 
ni ja tant no'm sabriaz dir 10 

que mais en la folhia torn; 
dieu lau, fors sui de cadena 

323, 4. Zur Aufstellung eines Handschriftenschemas bieten die Varianten 
kein ausreichendes Material ; doch zeigen V. 22, 23, dass sie sämtlich aus einer 
bereits fehlerhaften Quelle geflossen sind. 

L 1 Bemard G L, bematz I K, bertran E — de A W — 2 Cum A — del L — 
chantar E — 5 Au lo ioin demenon E — 6 muoit G — chantan E — sor I K G, 
gur W — 7 Mais W. 

IL In E ist ein grosses Stück von Str. II, Ilf , IV bis Z, 4 ausgeschnitten ; 
es ist nur vorTMnden: Peire lo dorm • . . nhol auzir ni • . . nais en la folia . . 
de cadena euo . . mazut en la . . . . Bernart gr . . , or nos sap . • lerque ma . . . 
mala eiois a . , . bes ses dolor . . plor. Peire si fos . . . dos ans ho tr . . . no 
foron preg 

8 Perrot W — e. s.] a seior W — 9 quer r. L — mais] miauz W — 
10 nom fehlt I K — Ne iamalz tant sauriez d. — 11 Queu D G K L — a 1. 
f. W — la fehU L — 12 for D G L W, ßors I. 



140 B. Zenker 



e V08 e taich Tautre amador 
etz remasut en la follor. 

III. Bernartz^ greu er pros ni cortes 15 
qni ab amor no * 8 aap tener; 

ni ja tant no'us fara doler 

que mais no ^alha qn'antre bes; 

quar si fai mal, puois abena; 

greu a hom gran be sens dolor; 20 

mas ades venz lo jois lo plor. 

IV. Peire, si fos dos ans o tres 
lo segles faitz al mien plazer, 
de dompnas vos die en lo ver 

non foron mais pregadas geS; 25 

anz sostengrant tant greu pena 
qn'elas nos feiran tant d'onor 
qn'anz nos preieron qoe nos lor. 

Y. Bemartz, so non es d'avinen 

qne dompnas preion, anz cove 30 

qn'om las pree e lor clam merce^ 

et es plus fols mon eseien 

qne cel qni semen'en arena 

qni las blasma ni lor yalor 

e mon de mal ensenhador. 35 

VI. Peire^ mout ai lo eor dolen, 
qaand d'una falsa me sove 
qne m'a mort e non sai per que, 
quar en l'amava finamen; 



IL 13 t V.] li altre W — 14 remasutz D G I K L. 

Iir. 15 und 16 umgestellt in ADIKL — 16 nois A — 17 nos sabra 
d, G — 18 nous A — 19 Sil A — E qui mal a p. a. G — 20 granz G — 21 ades 
fehlt A, toz teps G. 

IV. 22, 23 P. s. f. al mieu plazer L. s. f. dos an so tres ADEGIKL •— 
25 Non foron per nos p. g. A, K. forät (foron IK) pregadas per nos (E?) Gl 
K L — 26 tont] a GL — gran p. D IK — 27 nos A — feiron (feron D) AD 
I K — 28 pregnera D G L, pregam I, pregan K, pregnaran L« 

V. 29 non fehlt L — - n. e. d.'] es desavinen AIK — 30 pregon E, pre- 
guen D I K, pregnö G, prec en L — a. c] ansz scoue L — - 32 fol GL — 
33 semna en larena G L, s. e. larena E, semena a. A — 34 blasmas I K ~ 
35 del EIK. 

VL fem IK, 38 Qui L - 39 Mas car V. f. ADL* 



Peire von Auvergne 141 

faich ai longa carantena 40 

e sai; si la fezes lonhor, 
ades la trobera pejor. 

VII. Bernartz^ foudatz vos amena^ 
car aissi vos partetz d'amor 
per CQi a om pretz e valor. 45 

VIII. Peire, qui ama, desena, 

car las trichairitz entre lor 
ant tont joi e pretz et amor. 



Gr. 323,5. 

Moralisierendes Sirventes; Verfasser Bernart von Venzac, vgl. S. 7 (F. 

Hdss. A 9, B 33, C 175, D 1, E 45, I 11, K 1, N 254, N« 19, R 29. 

Gedr. Choix IV, 295; M. W. I, 96; M. ö. 1317 (B); Stitdj di fil. rom. 

3, 2 (A); Archiv 102, 195 (N*). In C dem Marcahmn, im Register 

von C und in R dem Bernart (R: B.) Marti zugeschrieben. 

I. Belha m'es la iiors d'agnilen, 
qnant ang del fin joi la donssor 
qae fan ranzelb novelhamen 
pel temps qn'es tomatz en verdor 
e son de flors cnbert li renb, 5 

gruec e vermelh e vert e blau. 

II. De molheratz no m'es pas gen 
ques fassen drut ni amador, 
qu'ab las autruis van aprenden 
engienh ab que gardon las lor; 10 

mas seih per cni om las destrenh 
port' al braguier la contraclau. 

VI. 40 carentena E G L — 41 f. lo iorn D — 42 trobaria E, trobaua A. 

VII. 43 foldal G. 

Vni. 46 q. ben a. A D K — 48 amorj ualor ADE. 
328, 5. Schema s, nächste Seite, 

I. 1 daiguilen A B, dangoilen D — 2 dels dos chans 1. d. R — 3 fant A B — 
4 tomat C — 6 som D — flör E — cubret D — 11 ram ABDEIKN* — E 
son li ram c. de penh R — 6 Groc ABDIEN* — e blanc e b. R. 

II. 7 Bels m. R •— ges no mes gen G — 8 Qeis AB — Qnis fasan DE» 
Qui fassan I — 9 los a. D E N* — autrui A B, autrui ns E, autras R — rä R — 
aprenen ADEIKN% apreze R — 10 Engienhs G, Abgenh R — co mielbs g. 
labor R — 11 etil AB — per que G ~ la d. D — 11, 12 E sela que la fam 
destrenh Manugal pan q no labau R. 



142 



R. Zenker 



III. Yilas cortes ieis de son sen 
e molherat dompneiador 
e Tazes camiet eissamen; 
qoan vi*l lebrier ab son senhor; 
mas ieu no cre pros dompna denh 
far drut molherat gelos brau. 

lY. Molherat fan captenemen 
del envezit enganador: 
Pantrui gran gasta e despen 
el sien met en Inec Salvador; 



15 



20 



Schema : 



o 



X 

_L 



r 

A 



1 

B E 



i 



i 



D 



1 

d 

I 



I 

s 

I 



N 



I 

I 



I 

K 



I 

C 



I 

R 



Begründung: 
x: 5, 



a: 20, 36. 

ß: 15, 16, 28. j9 — I: 20(1 kann selbständig das ursprüngliche wieder- 
gefunden haben). 
ß—d: 16, 26. 
y: 17, 85, 48. 
d: 16. 
y: 15, 16. 
Strophenfolge in R: I II V VI IV III VIII IX. 

III. in R als Str. VI. 13 iers D — 15 Ellas (E las E) sis camion e. D E 
IKN*, E lazes quan brama e. C, Elas ne braydis e. R — El ases A, El a 
ses B — 16 Com fai lebriers C, Com fal lebrier R, Com lo lebriers DE, Qan 
lo lebriers IKN* — a s. s. R — 17 Per qieu nö cug R — pro DIKN* — 
18 Fals molherat pere son lau R — gillos D, giles A I K. 

IV. in R al8 Str, V. 19 Molheratz R — fant A B, faun E — 20 De C — 
D. enneiat AB, D. enuezat DEKN*, D. veziat C, De verinat R — 21 Que 
1. CR — gran] pan C, blat R — gaste despe R — 22ten DEIKN* — 
el 1. R. 



Peire von Auvergne 143 

mas seih a cni grans fams en prenh 
maDJa lo pan qne non Fabau. 

V. Maritz qoe marit fai sufren 25 

den tastar d'atretal sabor; 
que car den comprar, qni car ven, 
6*1 gelos met li gardador, 
pueis li laissa sa molher prenh 
d^nn girbando, filh de girbau. 30 

VI. D'aqui naisson li recrezen 

qu'as non ama pretz ni valor; 

a! com an abaissat joven 

e tornat en tan gran error! 

eist tenon l'aver el destrenh, 35 

el fei e'l gars son naturan. 

VII. Saneta Maria d'Orien, 

guiza'l rei e Pemperador 

e faitz lor far ab la lor gen 

lo seryizi nostre senhor^ 40 

qu'ill Türe conoscan l'entressenh 

qne diens mori per nos carnau. 

VIII. Aissi vai lo vers definen 

et ien qne no*l puesc far lonjor; 

qnel mals mi ten ab lo türmen, 45 

IV. 23 cels D, sill E -- 23, 24 Est oö cre com Bö cö legeh Sil brayer 
no a cötra clau R — 24 Manial p. D E K — noill a. A B. 

V. in R als Str, III. 25 m.] maint N * — vay s. C — 26 D. ben gostar 
daytal s. R — de tal s. D E — 27 Qu! D I K, Car A — E deo c. c. B — 28 E 
ill D E — gilos D I K — meten g. D E I K N' — 28, 29 Car lo sieu metens g. 
Lan fag sa molher dun filh prenh R -— 30 dun girbant R. 

VI. in R als Str. IV. 32 Que nö amS K — 33 Ai C — cum C — ant B, 
aun E — Enans fan abaissar i. R — 34 El segle tornar e e. R — 35 Sill t. 
1. E, C. ten 1. D I K K*, Sest ama 1. C, Qst serra 1. R — en d. E, e lestrenh C — 
36 fol E - Li f. N*, Eill fol E, Li fals AB, Li folh C, Lo filh R, e.g. 8. n.] 
son garson n. DE, de garizö n. R — g. s.] garson D£IKN^ 

YU. fehlt R. 37 en 0. C — 38 Gnisals (Guizels B) reis ABIKN> — 
41 Quelh C — conoscon CE — 42 Qui DIK, On AB — moric A, mon B, 
morit E — p. n. m. I K N * — Q. d. pres per nos mort c. C. 

VIU. in R ah Str. VII. 43 Assi D, Aissius B, Aissis N * — va D, uauc 
AB — Lo uers uay uas lo fenimen R — 44 Bos es e nol puesc far honor R — 
45 Quil DIKN* — elot. CI KN*, en greu t D E — Qnel pena qnieu trac el 
tonnen R. 



144 H. Zenker 

qua m'a mes en tan g^an langor 
qn'ieu no sni drotz ni no m'en fenh 
ni nnls jois d'amor no m'esjan. 

IX. Non er mais drotz ni dratz no's fenh 

Tospitars ni jois non Pesjan. 50 

Gr. 323, 6. 

Moralisierendes Sirventes; Verfasser Bernart von Vensae, vgl. S. 4ff. 

Hdss. A 10, C 259, D 2, E 46, 1 12, K 2, N 256; in allen diesen Hdss. 
ausser in C dem Peire d^Alvemhe^ nur in C und im Register von C 
dem Bernart de Venzac zugeschrieben. Gedr. M. G, 280 (N); Studj 

di fil. roin. 3, 6 (A). 

I. Belh m'es dous cbans per la faja 
que fan Pauzelbet menut, 
don refrimon li batot 
per la beutat del frescum, 

e quecs ab sa par s'asaja 5 

e chanton, per qu'ieu m'assai 
d'un vers faire, se noi pec. 

II. Quecs pes e ponha com aja 
so qoe vol et a volgut; 
volh e folh reconogut 10 

VIII. 46 Qui DEIKN* — Mo toi q ten e gran langor R — 47 Quez 
ieu (Quiz i. IK, Pero R) n. son d. ni m. f. DIKN*R — ni d. nom f. C — 
48 ioi A — nuill ioi IK N* — nuill ior D — Ni per ioi damor n. m. R. 
£ hat zwischen VIII und IX folgende Strophe: 

Dieus, qne nasques a Betlehen, 
tu los capdela e'ls acor, 
qne per lo nostre salvamen 
prezes en cros mort et dolor; 
vers diens, vers om, vai m*acoren, 
trinus unns n'aor e*n lau. 
IX fehlt A B DIKN*. 55 es E — nom f . C — Jes no son d. n. d. nom 
f. R — 56 Lospitar E — Lo peniers C — Ni per ioy damor no mesiau R. 
323, 6. Schema s. nächste Seite. 

I. 1. Belbs C, Bels E — lo cbans A C — faiha D I K — 2 fant A, faun E — 
3 Dom D — refrinhö E — retentissol b. C — 4 la fehlt N — 5 sessaya C — 
6 per fehlt N — per qu D I K — messay C E — 7 ses nuill pec D E. 

II. 8 ponha e pessa C — polgne A — cum C, con N — 9 que vol] 
quez a C — 10 Voill e foill A, Voll e foil D I K, Vueill e fueill E, Vol e f. N, 
Voler folh C. 



Peire von Auvergne 



145 



fai del pe jusc^ al rassum ; 
lui qa'a volontat qa'es gaja 
yiatz TafoUa e'l dechai 
orgolhs que d'aut bas cazec. 

III. Et adoncs ira veraja 

creis lui que s'apelha drut; 
e seih que l'a fag cornut 
al donat morsel querrum 
que restranglC; ans quel traja; 



15 



Schema : 



r 

X 



a 



ß 
J_ 



r 

7 
I 



D 



r 

I 



I 

ö 

1 



1 

K 



E 



N 



C 



Begründung : 

X läset sich aus dem Yorliegenden Texte nicht erschliessen, insofern 
A gemeinsame Fehler mit a nicht aufweist, da aber A sonst 
regelmässig mit D 1 K E N geht, auch V. 39 in der Orthographie 
zu a — E stimmt, so darf angenommen werden, dass es auch hier 
aus der gleichen Quelle mit a geschöpft hat. 

a: 25, 36. a — E: 35 (E benutzt zweite Quelle), 46 (E ändert selb- 
ständig). 

ß\ 12 (in /? fehlt ^at'a, D ergänzt, E benutzt Quelle des Typus D), 58. 
/? + C: 33. /? — 5: 7, 11, 12, 13, 17, 55 (E schöpft aus Quelle des 
Typus D). 

y: 31, 33, 38, 49. 

II. 11 pel niscal D, pel iustal E, peuis cal IK, pelos quel C — rasum AD, 
razum C E, rasim I K — 12 Lui que voluntatz nesgaya C — gaia] ueraia D E, 
fehlt IK — 13 Vas D, Mas I, Uias KN — la fola C, la foilla D, la fueilla E, 
la foli I K N — 14 Erguelh C, orgoill N. 

III. 15 E. a. planli e sesmaya C — ueraiha K ~ 16 Aisseih quis s. d. C — 
drutz E — 17 qui C — Es qu. 1. D, Ues qu. 1. E — 18 A donat D E K, La 
d. A — querum A C, que rom E — 19 Qui D I K — lestrangla C. 

Zenker, Peire von Anvergne. 1^ 



146 R. Zenker 

e mespresa Ten om sai 20 

e lai non cal qua jai pec. 

IV. Si ben de premier si taja 
renemicSy tot er sanbut 
quant fai far a rescondut; 

e volv dous en amarum, 25 

don nais amistatz Bavaja, 
que fai tornar an gen bai 
de boca en agnt bec. 

V. Seih que mais a plus s'esmaja 

e pero tost recrezut 30 

a Taver qu'a conquezut, 

dont elh non a reu ma*l fum; 

e'n sia iratz o*l plaja, 

la menre partz Ten eschai^ 

qnar elh eis no*s n'apanec. 35 

VI. Quan se volv aquesta raja, 
mortz que fai de parlier mnt; 
se'l bens a'l forfag vencut, 
lonhada s'es del ferrnm 

Tarnia que del enferm braja, 40 

quar endreg lui non s'en vai 
lai ont ancse mal estec. 

VII. Ges pueis de mal no s'esglaja, 
quel mielhs de ben s'a tolgnt; 

III. 20 1. hom A C, leno D I, 1. nom K, 1, non N, lei non E — 21 nom 
c. I — non cuig A — ia p. D. 

IV. 22 taiha N — sataia E — 23 Lenemic N, Lenamicx C — t. ot s. D — 
24 Quan f. afar r. C — lensc. N — 25 uols C, uolz A, uol D E 1 K N — donc C, 
dolz D — amar un N — 26 amistat EIN — 27 doutz bai A. 

V. 29 sesmai D — 30 Empero C, E per 80 D E — 31 quan D I K — con- 
querut A C — 32 re mas fum C — nö ate I — 33 On C D E I K — oil A — 
paiha D I K — 34 la meitre pat (part) I K — 35 nois A — non a. D — apa- 
rec DIKN. 

VI. 36 Tant CN — se uol DEIKN, sai tolh C — aquestaiha D — 
37 Motz A, Moriz N — del p. C — 38 Sil b. A E - becs D. bels I K — Se 
ben sai C — 39 Loingnada ADIKN -- sec IK — fum D — 40 Larma quen- 
ferns crida e braya C — 41 Qand (Cant, Ca) A N I — rent dreg N — sen 
fehlt N — 42 anc se alle Hdss. — mals C. 

VII. 43 Despiegz C, Gespois D, G.puois IK, Despueis EN — delm. E — 
44 Quil DEIK, Que CN. 



Peire von Anvergne 147 

quant al dreg semdier perdut; 45 

ben es qui cel pel e plum 

don a coita e sofraja; 

quar folia peza mai 

qui* II balansa el dreg bayec. 

VIII. Lo vers vas la fin s'atraja 50 

e*Ih mot sion entendut 
per nlsart, cai diens aint, 
qnez el ama en autam; 
se i a mot que no s'eschaja, 
volh que Ten mova, si-1 plai, 55 

e que non li tenha nee. 

IX. Lo yeseoms que gran ben aja 
Yuelh que lo'm melhur^ si'l plai, 
lo verS; si fals motz lo see. 

Gr. 323, 22. 

Ereuzlied von unbekanntem Verfasser, vgl. S. 15. 

Hds. E 52. Gedr. Choix IV, 115; M. W. I, 99. 

I. Lo senher que formet lo tro 
e tot quan terr' e mar perpren 
e venc pel nostre salvamen 
recebre mort e passio 

e, quan vit que sa gen perdia, 5 

en resors de mort al ters dia 
et en ienfern n'anet dece 
per nos salvar, vera merce, — 

II. Aisi com nos det gueriso 

en liuret son cors a türmen, 10 

nos quer qu'el dezeretamen 

VII. 46 que A — qu. c. p. e pl.] qui p. en pL C, qui del pel el pl. D, 
quil pel el pl. E, qui del pel e pl. I K, qui del bei el pl. N — 47 Dom D -— 
ac uita A, ac uiutat N, a uiutat C — 48 Qu. pezal f. m. C — 49 Quel C N — 
balans DN, balanz K, blanz I — badec DIK. 

VIII. 50 se traia D — 51 Sil m. A — E. dig C — 52 nizam C E — 53 Qe 
cel A, Quiz el D I K — arma N — Quelh ama pretz & altnm C — 55 Ion m. 
C — plaia D E — 56 noi len t. A — loy t. C — uec N. 

IX. 57 qui C — 58 len m. D EIK, lo m N — V. quel meillure A — 
59 Los . . . los . . A. 

10* 



148 ^- Zenker 



que Ii faan Sarrazi felo 

lo segam tng la dreita via; 

que la votz del cel nos escria: 

„Sortz e mort venetz a merce!^ 15 

e no la vol qai no m'en cre. 

III. Totz nos apela a razo, 
qaar 8on aspre Ii falbimen^ 
e pot nos sorzer veramen 

sei que peri'l rei Farao; 20 

segam lo, com ditz la clersia^ 

e poira'l dir senes fadia 

qui morra: „Tu morist per me, 

vers dieas, et ieu soi mortz per te.^ 

IV. E qui viura, ses falhizo 25 
er cazatz d'onrat pretz yalen^ 

et er salvatz plus salvamen 

que Jonas qu'eisit del peiso, 

qu'era peritz pel tort qu'ayia. 

A, senhor^ laisem la folia 30 

e segam dieu que vol; qui'l cre^ 

menar peccador a merce. 

V. AI rei Felip et an Oto 
et al rei Joan eisamen 

laus que fasson acordamen 35 

entr'els e segon lo perdo, 
e servon a sancta Maria^ 
don SOS fils pert la senhoria 
de Suria del comte de 
Sur tro al renhe d'Egipte. 40 

VI. Las poestatz e'l ric baro 

e'ill pros cavalier e'il sirven, 

e auri'obs Tafortimen, — 

anem tug que dieus nos somo; 

quar si negus i remania, 45 

enferns era sa companbia; 

cel que dieu laisa e'n enfern te^ 

en enfern aura la merce. 



323, 22. II. 12 que ill f. 

IV, 30 AI 8. - 31 val — 32 mena. 



Peire von Auvergne 149 

VII. Ueimais parran li ric eill pro 

eis coratjos ab ardimen 50 

al be ferir de mantenen^ 

aras parran li adreg e'ill pro; 

qne'ls bos armatz somo e tria 

nostre senher, cui non oblia, 

e laissals malyatz d'avol fe, 55 

eis pros vol menar a meree. 

VIII. Lo chans tenra deves Suria 
el erotz on diens nos rezemia 
e'l Saint sepnlcre e'l loc on ve 

a cobrar qui volra merce. 60 

IX. Profeta, vai, e te ta via 

vas Magna, on pretz nos desvia, 
al senhor qui lo gard' e * 1 te 
plus qne no faan juzieu lar fe. 



Gr. 112; 2. 

CaDzone; Verfasser noch nicht ermittelt, vgl. S. 11. 

Hdss. D 196, E 51, I 133, K 112, L 18, N 110, S 21; nur in E dem 
Peire cPAlvernhe, in D I K dem Cercamofiy in L dem Bernart de Ven- 
tadorn^ in N dem Gaucelm Faidlt und in S dem Peire Vidal zuge- 
schrieben. Gedr. M. G. 249 (S), 371 (I); Bartsch, P. Vidal S. 132 (S); 
Delius 14 (S); Jahrb. 1,93. In E nur Str. I-IV, VI, in S I-IV, in 

L I-VI; Str. VII nur in DIK. 

Orthographie nach I. 

I. Ges per lo freit temps no m'irais, 
anz l'am tan cum fatz la calor, 
qu'atressi posc aver d^amor 

en ivern bon' escharida, 
com lanquan verdeion li plais, 5 

e n^aten bon esjauzida, 
s^a lei platz que mos ditz acuolh; 

VII. 53 Quel — 55 E laisa los m. — 58 E la c — 59 on e. 

112, 2. Schema 8. nächste Seite, 

I. 1 temps f. I, t fert K, fret D — 2 t. qua L — lo c. L — 3 autressi 

5 — E anestä L — 4 b. e.] e bona escharmi L — 5 Col temps quant D I K — 

6 Quieu n. L — bons D — escharida L — 7 S*a] Pos E S — lieis E, leis S. 



150 



R. Zenker 



qne per antra mais no B'esjau 
mos cors ni a benanansa. 

II. Guidatz vos doncs qu'ieu sia gais 
per folba ses par ni per flor^ 
ni plus iratz, si*l freitz vens cor 

ni qnan vei gent acropida, 
qne amon tan com dura mais 

e fan adoncs esbragida^ 
pnois descbazon, quan descbai'I folh^ 
eill fin remanon eill yassau 

cni fin amistatz enansa. 

III. Pero pro n'i a de savais, 

qu^anc bom segle non vi melbor^ 
si tot s'en fan maint blasmador; 

e cel qne bon pretz oblida 
senbia fols qne Tantrui abais, 
et es razos descbauzida 



10 



15 



20 



Schema : 



D 



o 
I 



X 

1 



a 
1 



r 



ß 



i 

K 



y 
I 



E 



S 



Begründung: 

x: 8. X— S: 36 (E oder S hat zweite Quelle benutzt). 
a : Lücke Str. II, 32, 36. 

y: 16, 30 (melhor schon V. 20 im Reime); Str. V und VII fehlen, in S 
auch VI, welche in E wohl aus zweiter Quelle ergänzt ist. 

I. 8 mais fehlt D E I K S — s'e.] sausia E — 9 Mon cor D E 1 K, mos 
cors L — ni fehlt K — a b.] ma b. E K L. 

II. fehlt D I K. 10 Cuidas E, Aujasz L, E cuidatz S — doncs fehlt S — 
qu'ieu] qho L — 11 sius p. L — folha feJilt E — 12 fresch u. L — 13 No 
mais cö g. L — atropida E, acorpida L — 15 Enfra un iorn esbruida E — a. 
e.] lor e. S — esbaudida L — 16 E d. E S — decazon E, dechaon S — q. chai 
lo foill S, q. par 1. fueill E — 17 Ell . . eil S - E fis L — 18 amistat E L S. 

III. 19 Per so trop ma d. s. I K — pro] trops D — n'ia] ma S — d. s.] 
dessavais L — 20 Quaic al s. L — 21 Se tot L S — se f, L — 23 Semblam 
E S — fol E I K S — Tau.] autrui L — 24 razon D E — er. S. 



Peire von Auvergne 151 

qa'om veial pel en l'autrui olh 25 

et el sieu no conois lo trau 

per la foudat quel sobransa. 

IV. Tanl es mos jois fis e verais 

e grans qa'anc hom no Tac major, 

quar de dompnas am la gensor, 30 

qae m'es tant fort abellida; 
e s'il vol^ si m'am o s'en lais, 

qu'ieu Tamara! a ma vida, 
e s'ela no vol, ieu m'o volh, 
qae d'aitan pois tener la claU; 35 

si plus non ai d'abondansa. 

V. Tut jorn perpren em creis e'm nais 
nns rams de joi plens de donssor^ 
que m'a partit d'ir' e de plor 

em chapdela si em gnida 40 

qa*en als no sojorn ni engrais 

ni ai m'amor establida; 
e qui qn'en parle ni'm janglolh^ 
US no sap via ni esclau 

ni on mos cors plus balansa. 45 

VI. Ges aquella foudat nom pais, 
anz n'am mais lo pro que Tonor 
e eelar qu'o sapchon plusor, 

que fols es qui jangF e erida 
de dompna ni s'en fenh trop gais, 50 

e tenc Tonor per delida 
e mou de folia e d^orgolb 



III. 27 foldaz S. 

IV. 28 mon E L S — 29 gran E S — non ac E S — la m. D — 30 Que 
D I K — meillor E S — 31 enbelida E — 32 Qual uoilla mam o so lais D I K — 
Sella uol simam o si lais L — sil lais S — 34 Sil noca se uol eu me (mo D) 
uoill D I K, Qar si no uoU jeu no uoill L — 35 teni D I K S — d'a.] daizo S — 
36 Si pl.] Si (Se D) per lui D I K, Sieu per liei E, Seu plus S, Se p. L. 

V. fehlt E S. 37 Totz L — porpren L — e c. o n. L — 38 Un ram j)le 
de joi e de douchor L — iois I K — 39 parti L — 40 e sim g. L — en g, D — 
41 nom L — 43 ni jangoill L, nin j. D — 44 Hö — s. ui a mesclau I K — 45 o 
mon cor L. 

VI. fehlt in S. 46 Et E - aquesta foldat L — 47 A. am L — 48 qu'oj 
so E — E c. quel saber plusor L — 51 lamor L. 



152 R- Zenker 



a cel qa^en yol blasme ni lau 

ne bruicb de fol ques bobansa. 

VII. Bella domna, nous si'esmais 55 

car no ve de vostr' amador; 
qu'eu sui cbai ses cor trichador; 

que ja non farai falhida 
ver yo8| on qn'eu m'an ni m'apais; 

qa'autr' amors m'es ayelida, 60 

e sai totz vostres si com snolh^ 
e si tot nous vei ni nous au, 

ades n'ai al cor membransa. 



Gr. 175, 1. 
Geistliches Lied (Gebet); Verfasser Arnaut Catalan? (oder Geneys?), vgl. S. 12. 

Hdss. C 360, M 187; in C dem Geneys lo joglars^ in M dem Arnaut 
Catalan, nur im Register von C dem Peire cCAlvergne zugeschrieben. 

Gedr. M. G, 988 (M); Mild S. 346 (M). 

I. Dieus yerais, a vos mi ren, 
que de la verge fos natz 
e per nos en crotz levatz, 
vos clam merce humilmen 

quem perdonetz los mortals 5 

falhimens eis venials 
qu'ai faz en tota ma via; 
dieuS; filhs de sancta Maria, 
Jesu Cristz, on gaug s'espan, 
segon vostre merce gran 10 

non gardetz la colpa mia. 

II. Senher, ab cor peneden 
vos dam merce dels pecatz 

VI. 53 Qu! uol b. n. 1. E, Qin uol hauer lau L — 54 Ni bruit E, Ni brau L — 
qi b. L — 59 qe m. D — 62 tot fehlt DIK. 

VII. fehlt in E L S. 

175,1. I. in C ist die Initiale mit einigen BucTistaben der ersten Strophe 
ausgeschnitten] es fehlen: Di . . . . m . . . v . . p . . [le] v..m.. — lov. C — 
2 uergen M — fostz M — 7 Qieu fais eis iorns en m. u. M — 9 crist C — 
10 Per la V. C — 11 Noy C. 

II. 13 quier m. C. 



Peire von Auvergne I53 

qa'ai faitz ni digz ni pensatz, 

desqu'ieu vinc a Daissemen; 15 

qa'ien ai estat deslials 

vas vos en est segle fals; 

per so, dieus, mercens querria, 

e vos, maire de dien pia, 

pregatz ne lo vostr' efan, 20 

que'us comandet a JohaD, 

quan sus en la crotz pendia 

III. Senher, qae sus el türmen 
fos de la lansa nafratz, 

si qa'en issi pe'Is costatz 25 

sancs e aiga eissamen, 

per que vostre pobFes sals 

si quel priaeeps ifernals 

no a poder com solia, 

Yostra passios me sia 30 

defendens que no m'engan 

Tenemics, quem vai temptan, 

antics qu'es ples de feunia. 

IV. Senher, qu'el sanh monimen 

fon lo vostre cors pausatz 35 

e per los juzieus gardatz 

lo sanh sepulcre garnen, 

fazen el vas lur senhals, 

e voS; reis celestials, 

ressuscitetz al tertz dia, 40 

la vostr^ eternal paria 

prec quem defenda de dan, 

de mort subtana gardan 

mon cors e de vilania. 



II. 14 Qieu ai fach uistz n. p. M — 15 Depus u. C — 18 Per que C — 
perdons q. C — 20 en M — 21 Qius liuret a san i. M. 

in. 23 que] quan C — 24 Fon lo uostre cors n. M — 25 Si fehlt C — 
26 ei.] ueiramen M — 27 Don totz lo pobles e. s. C — pobler s. M — 28 S. 
que le princ enfernals M — 29 Noy al p. que s. C — 30 mi s. M — 31 men- 
chan M — 33 Enic e p. d. bau^ia M. 

IV. 34 qes el m. M — 35 le v. M — 36 E fö dels iuzieus g. C — 37 Lo 
Sans sepulcres g. M — 38 E fazian 1. s. C — lurs s. M — 41 L. uostra terna p. C. 



154 R. Zenker 



V. Reina del firmamen; 45 

la Yostra verginitatz, 
per qa'es totz lo mons salvaiZ; 
mi gar Tarma el cor el sen 
em do qn^en viva lejals 

em defenda de totz mals^ 50 

qu'iea non fassa ni non dia 
re, 8i a dieu non plazia, 
e lais mi de ben far tan 
qae, qnan morrai, Tarmas n'an 
en la vostra companhia. 55 

VI. Senher; dels bes temporals 
me donatz tan qae sivals 
trop sofrachos non estia^ 
qnar ab aitan pro aaria; 

e prendetz en grat mon chan 60 

qu'ieu pro fi de bon talan 
a la yostra senhoria; 



V. 45 Regina M — 46 Li u. M — 47 Mi gart qieu non sia temptatz C — 
le m. M — 48 Per lange! per cus sien C — 49 que u. C — 61 E no f. ren ni 
dia C — 52 Si donex a d. C — 53 £ me 1. f. d. b. t. C — 54 larma n. M. 

VI. 56 del M C — 57 donas M — tans q. sauals C — 58 Jamais frachuros 
no sia — 59 nauria C — 60 prendes M — sest eh. C — 61 fehlt C. 



Peire von Auvergne 155 



Uebersetznng. 
I. 

I. Die klare Luft und der Vogelgesang, die junge Blüte und das 
Blatt, die an den Zweigen spriessen, und das Gras, welches keimt, 
mahnen mich, dass ich mich beeile, einen nicht dunklen Vers zu pflücken, 
einen Vers, dessen Weise neu sei, damit ihn singe, wer will; denn 
jetzt singen die Ritter, Gesang bringe Freude, und es verliert die 
beste Zeit seines Lebens, wer nicht, wie es die schöne Jahreszeit 
fordert, fröhlich ist. 

IL Denn üble Laune und viel trübes Sinnen wirkt nichts Gutes, 
sondern schädigt und stört, schafft nicht tüchtige That ; denn wie alles 
Uebel aus Habgier entspringt, so entsteht jede schwarze That daraus, 
dass man verdriesslichen Sinn hegt; darum gehe, wer nach Freude 
begehrt, den geraden Weg und lasse die üble Laune und die böse 
Miene den schlechten niederträchtigen Uebelthätern. 

in. Aber zwei Dinge braucht Freude: Verstand und Selbst- 
erkenntnis; diese bedeutet Erniedrigung und jener Erhöhung; und wenn 
einer dem weltlichen Leben sich ergiebt, wende er sich dahin, wo es 
ihm zusagt; denn von seinen Handlungen findet diejenige Beifall, die 
keine Reue zur Folge hat; denn mancher prahlt mit Freude, dem sie 
nachgeht, und den andern flieht sie gänzlich, yje es dem Hunde ging^ 
de m das Fleisch au s dem Munde fiel; als der Schatten im Wasser 
ih n betrog . 

IV. Darum: wenn einer weltlicher Lust sich nähert und sich so 
sagt: „Gleich wirst du sie haben", so hat er isie darum noch nicht, 
denn wenn sie am nächsten scheint, ist sie am fernsten; denn, wenn 
Liebe mir einmal günstig war, man mir aber nicht verbürgt, dass sie 
mir morgen nicht lügt, wozu dient dann das Lieben als dazu, Zwie- 
tracht herbeizuführen ? (?) Ich weiss es nicht und ich suche und erstrebe 
eine Liebe, die ohne Falschheit ist, da, wo ich zuversichtliche Hoff- 
nung hege. 

V. Denn ihre Freude erquickt lieblicher den, der sich ihr hin- 
giebt ohne Verstellung und finstere Miene und ohne Wankelmut ; denn 
stets jeglichen Tag lebt und grünt hier ihre Trefflichkeit mit wahrem 
dauerndem Ruhme, der aller Wert sich neigt; denn wie die Rose am 



156 B- Zenker 

Rosenstock lieblicher leuchtet als jede andere Blume des Gartens, so 
tibertriflft alle anderen Freuden ihre Freude durch die höchste Lust, 
die es je gegeben hat und noch giebt. 

VI. Den Vers singe, wer ihn inne hat, ohne Misstöne da, wo es 
mir willkommen ist, vor der, deren Hand ich küsse. 



IL 

I. Das Blatt und die Blüte und die reife Frucht schafft mir, wenn 
die (schöne) Jahreszeit da ist, Freude und bringt mir Lust, und der 
Gesang der Vögel in den Feldern und um die Mauern, und die Sonne, 
welche leuchtet, dergestalt, dass mir das Verlangen und der Wunsch 
sich regt, verständig zu sein mehr und mehr. 

II. Denn ohne Freude wird reiches, lauteres Wissen und kluger 
Sinn nicht hoch geschätzt werden ; darum glaube ich mich auf hundert 
Anzeichen hin fröhlich und heiter und in Fröhlichkeit erhalten gegen- 
über solchen Leuten, denen, wie ich sah. Wissen und Frieden fehlt, 
(und) die den Liebenden übel gesinnt sind. 

III. Denn sicher gehe ich, erfüllt von der lieblichsten Freude, die 
je hienieden unter uns erschien, und nicht wird mir schaden unfreund- 
liche Rede von übelwollenden Leuten und zungenfertigen Verleumdern ; 
denn der verständige Sinn ändert sich nicht noch auch die Schönheit, 
deren ich mich erfreue, geliebt von treuer Liebe. 

IV. Und es dünkt mich gut, in dunklen Ausdrücken und in 
Sprüchen zu reden ohne gebrochene Worte; in dieser Hinsicht musst 
du dich sehr vervollkommnen, dem sie die Gabe verlieh, Töne und 
Lieder zu finden , die man im Gedächtnis bewahrt; denn auch der 
reichste verliert schnell das Wohlwollen von selten anderer, wenn er 
für die ihm gewordenen Gaben nicht Dank abstattet. 

V. Aber über mich will ich keinen Tadel hören, denn bestrebt 
bin ich mehr als die anderen Liebenden, mich fern zu halten von den 
falschen Gesellen und verliebt zu sein und wohlgelitten; denn wenn 
allzuviel Zwist mir falsche Freundschaft verursachte, so fühle ich mich 
jetzt, da ich mich an eine lautere halte, geläutert. 

VI. Und mögen andere gegen Liebe meineidig sein, ich werde 
treu sein der Liebe, die mich führt, und edel und fest in meinem 
Handeln; und die Hoffnung wird ihr Beistand leisten ; deshalb bin ich 
wissend und mehr gebessert als wohl fünfhundert andere Liebhaber. 

VII. Denn wie das Gold und der Azurstein glänzen gegenüber 
Kalksteinen .... auf den Schilden, so verlieh sie mir die Gabe, dass 
ich bis dahin, wo Tyrus liegt, überlegen wäre den Grossen und den 



Peire von Auvergne 157 

KleineD unter den Wissenden im Dichten ohne thörichte Erfindungen ; 
dafür biu ich dankbar derjenigen, von der es mir gegeben wurde. 

III. 

I. In der alten und neuen Dichtweise will ich meinen Verstand 
den Wissenden zeigen, damit das kommende Geschlecht wohl inne 
werde, dass vor mir kein vollkommener Vers gedichtet wurde; und 
wer nicht glaubt, dass ich die Wahrheit spreche, höre nunmehr, wie 
es mit meiner Redegabe bestellt ist. 

II. Denn ich habe die Erfahrung und das Brot und das Messer, 
mit dem es mir beliebt, die Leute zu füttern; 

denn fUr einen thörichten Schwätzer hält man ihn mit seiner Rede. 

III. Denn jederzeit muss er ohne ein niedriges Wort gefällig 
reden (?); denn wer von Mauri (?) nach Miro (?) springt, kommt in 
der Mitte zu Fall, wenn sich nicht an den Seiten hält, 

IV. Und wer darüber auch Unruhe zeigen und mich tadeln mag, da 

mein Dichten so trefflich ist und ich behaupte, dass ich der 

erste bin in vollendeten Sprüchen, die meine Eriegsthaten besiegen, 
welche (letzteren) mir Vorwürfe machen, dass ich mir an ihnen nicht 
genügen lasse. 

V. Darum, wie sehr sie auch samt und sonders leise zwischen den 
Zähnen lügen mögen, ich fühle mich versichert, dass ich das Beste 
leiste, was je geleistet wurde und noch geleistet wird, sicher in vollstem 
Masse hinsichtlich meines Gesanges gegen die Lügner, und ich weiss, 
was ich sage, denn ohnedem würde das Korn sich nicht einstellen, 
das zur rechten Zeit in reicher Fülle da ist. 

VI. Denn jetzt gefällt es mir und ist es mir angenehm, dass 
durch meine Freude der Jugendsinn Förderung erfahre ; und wenn ich 
irgend etwas sage . . . , so lasse ich es jetzt, denn eine doppelte 
Freude erblüht mir aus einer süssen Ähre, die fröhliches Sinnen ist, 
weshalb mich in Zukunft die Schlechten und Guten zum Freunde haben. 

VII. So fühle ich mich reich in froher Hoffnung, denn in Freude 
sitze und weile ich gerne und mit Freude .... und mit Freude 
wünsche ich, dass Gott es mir gebe. 

IV. 

I. Mit lauterer Freude beginnt der Vers, der schöne Worte im 
Reime bindet, und nichts ist an ihm fehlerhaft; aber ich wünsche nicht, 
dass ihn einer erlerne, dem mein Sang nicht zusagt; denn, unfähiger 
Säuger, ich will nicht, dass ihn einer vortrage von denen, die jeden Ge- 
sang verunstalten, einer, der mein süsses Liedchen in ein Geschrei verkehrt. 



158 R. Zenker 

II. An Liebe habe ich noch die Erinnerung und schöne Worte 
giebt sie mir, sonst nichts ; aber ich hoffe^ dass ich durch treues Aus- 
harren noch Freude von ihr erlange; die Welt will, dass man sich 
dementsprechend verhalte; was sie sogleich zu leisten vermag; denn 
binnen kurzem bereitet sie mehr zU; so dass sie dann genug hat von 
dem, nach dem sie Hunger empfand. 

III. Freundliche Miene bezeugt sie mir äusserlich^ denn freund- 
lich empfängt sie mich und spricht mit mir, aber mehr gewährt sie 
mir nicht; und es ziemt sich auch nicht, dass ich mich so hoch gürte 
und dass so reiche Freude mir zu teil werde da, wo ein Kaiser an 
seinem Platze wäre; genug thut sie, dass sie nur freundlich mit mir 
redet und duldet, dass ich sie liebe. 

IV. Gar grosse Furchtsamkeit beweist sie gegen mich, dass sie so 
zurückhaltend ist; Freude, welche in solcher Weise allzu lange zögert, 
zeigt gar schlechtes Abzeichen; wie es ihr gefällt, möge sie mich 
halten, wenn sie mich nur nicht so schwer dulden lässt — ich will 
ihr damit nicht einen Vorwurf machen — , wenn sie mich nur nicht 
in so schweren Fesseln hält. 

V. Ohne gesündigt zu haben, that ich Busse, und es ist unrecht, 
dass sie mir nicht Absolution erteilt; lange schon werbe ich um die 
Absolution, die sie mir nicht gewährt; gar sehr, denke ich, werde ich 
darunter zu leiden haben; denn verloren ist, wer verzweifelt, darum 
hege ich gute Hoffnung: um Euer Geschenk bitte ich. 

VI. Edel und hoher Trefflichkeit voll bin ich, wenn diejenige 
mich adelt, durch die aller Wert erblüht und sich vervollkommnet; 
der ist auf falschem Wege, der mich mahnt, ich soll einer anderen 
dienen: ein so schönes Weib hat es, soweit der Himmel regnen lässt 
und donnert, im Geschlechte Adams noch nicht gegeben. 

VII. An die Grafen in der Provence und hierher nach Narbonne 
sende ich den Vers, dahin, wo Freude gepflegt wird durch die, ver- 
möge deren sie herrscht; und ich habe hier eine Frau gefunden, die 
mich festhält und deren Liebhaber ich bin; nicht nach gascognischem 
Brauch, nach unserm eigenen lieben wir. 



V. 

I. Ich werde, da ich sehe, dass ich es thun muss, einen neuen 
Sang anstimmen, der mir im Munde summt; wegen des Singens bin 
ich in Unruhe gewesen, wie ich es anfinge, so zu singen, dass mein 
Sang dem anderer nicht gliche; denn nie war ein Lied trefflich noch 
gut, das den Liedern anderer glich. 



Peire von Anvergne 159 

II. Wohl gefällt es mir, wenn die Lerche sich aufschwingt in 
die Luft, von wo der Strahl herabkommt, und emporsteigt, bis es ihr 
gefallt, sich niederzusenken auf das Laub, welches der Windhauch 
schüttelt, und wenn die süsse Jahreszeit — süss, wie nur je eine 
wurde — die Schnäbel der Vögel öflfnet, so dass ihr Gesang hoch und 
tief erschallt. 

III. Wenn einer dann Liebe hegt und um sie wirbt, dann keimt 
und sprosst und wächst Liebe, und wer demütig und wahrhaftig 
gegen sie ist, der hat sie in kurzer Zeit erobert; denn Demut besiegt 
sie sofort und heitere Miene mit freundlicher Rede; denn in keiner 
andern Weise erlangt der Mensch Macht. 

IV. Aber über mich wehe ! der ich ihr so diene und nichts davon 
habe als die Last! Doch schon das ist mir höchste Freude, mehr als 
wenn mir einer Pisa schenkte. 0, wenn es ihr gefiele, dass ich auf 
den Enieen zu ihren Füssen kommen dürfte und sie mir ein liebevolles 
Wort sagte! 

V. Liebe, wissen möchte ich, wenn es Euch beliebte, wie es in 
Zukunft mit uns beiden werden wird; denn nur darum werde ich 
meines Lebens nicht froh, weil ich meine Bestimmung nicht kenne; 
und könnt Ihr feindlichen Sinn hegen gegen mich, der ich ihn nicht 
gegen Euch hegen werde, bis die Seele sich vom Leibe trennt? 

VI. Wenn sie mich nur nicht so von sich scheucht, fürchte ich weder 
eifersüchtige noch schlechte Menschen ; denn fttrwahr, keinen Schaden, 
den ich erleide, achte ich auch nur eiifljüftchen wert, wenn sie auch 
darüber zürnt; sie möge mich nah oder fern halten, es mögen Ver- 
läumder oder Eifersüchtige da sein, wenn sie mir nur wohl will. (?) 

VII. Wenn nur mein Herz sich läutert, dass es sich nicht nach 
anderer Seite neigt; denn eine Liebe sucht mit der andern Streit, 
wenn sie auch wüsste, dass es ihr Tod sein kann; und wisset, wenn 
ich sie nicht so sehr liebte, so wäre ich nicht fähig, Lieder und Melo- 
dieen zu erfinden und ich würde es nicht thun, wenn sie nicht wäre. 

VIII. Peire von Auvergne wird ihr ergeben sein, sowohl durch 
Dienen als durch Bitten, bis ihm Lohn dafür zu teil wird. 

VL 

I. An den kurzen Tagen und den langen Abenden, wenn die 
helle Luft sich trübt, will ich, dass mein Wissen sprosse und wachse 
infolge einer neuen Freude, die mir Früchte und Blüten trägt; denn 
die Wälder sehe ich ihre süssen Blätter verlieren, weshalb bei dem 
Schnee und dem Frost Nachtigall, Drossel, Häher und Specht flüchten. 



160 H. Zenker 

IL Demgegenüber behagt mir das Erscheinen ferner Liebe und 
ich erkläre, dass dem Manne Aufstehen und Niederlegen wenig taugt 
ohne sie, der sein Herz geneigt ist; denn Liebe will Freudigkeit und 
meidet die Verdrossenen, und wer heiter ist zu der Stunde, wo er 
sich in Bedrängnis befindet, der will, so scheint es mir, mit Recht ihr 
Freund sein. 

IlL Ich sehe und glaube und weiss, dass es wabr ist, dass Liebe fett 
und mager macht, den einen durch Trug und den andern durch 
Freundlichkeit, den einen mit Thränen und den andern mit Lachen; 
je nachdem es ihr beliebt, macht sie den einen reich und den andern 
zum Bettler; darum will ich bei weitem lieber das besitzen, was ich 
durch sie habe, als König sein der Schotten und der Walliser. 

IV. Nicht weiss ich, wie ich mich verhalten soll, aber doch harre 
ich aus, denn eine hat mich erobert, durch die Freude wieder auflebt 
und von der Trefflichkeit entspringt, in dem Masse, dass ich, wenn 
ich ihr gegenfiberstehe, zittere; weil sie mich nicht auffordert, zu 
sprechen, bin ich in Sorge; so sehr fürchte ich, ich möchte das Gute 
fahren lassen und das Schlechte nehmen; in dem Augenblick, in dem 
ich am meisten Lust dazu habe, denke ich bei mir : warum lässt du's 
nicht ? 

V. würde doch ihr edler Sinn meine Wünsche erraten, da 
meine Herrin mir die Kraft nimmt zu dem, was ich am meisten von 
ihr verlange (?); aber ich weiss ihr nicht Schmeicheleien und schöne 
Redensarten zu sagen, und d(Ah bin ich ihr weit mehr zugethan als 
sichtbar wird; wenn sie es nicht erfährt, so werde ich darüber ganz 
alt sterben. 

VI. So süss und lieblich ist mir ihr Anblick infolge der Freude, die 
ich darüber im Herzen empfinde, und vor allem die frohe Hoffnung, 
die ich hege und durch die ich mich bereichert fühle, dass ich nie 
so elend und so arm war, dass sie nicht, sobald ich sie nur ein wenig 
sah, verstanden hätte, in demselben Augenblick meine bittere Armut 
in Reichtum zu verwandeln. 

VII. Das ist mir Freude und Lust und Wonne, dass sie vielen 
Leuten gefällt, und ihr Wert steigt auf zu grosser Macht und ihre 
Freude herrscht über alle ; denn Bildung und Schönheit sind ihr Schirm 
und Schutz, Minnedienst, der in ihr sich entfaltet und wächst, voll von 
Süssigkeit, grün und weiss wie Schnee. 

VIIL Darum denke ich mir: reisse dich nicht von ihr los, nach- 
dem sie mir an dem Ort, an den sie mich stellte, mehr eroberte, als 
wenn mir König Ludwig Frankreich geschenkt hätte. 



Peire von Auvergne 161 

IX. Durch diesen Vers mögen die Ungebildeten erfahren, Audric, 
dass von Auvergne ihnen sagen lässt, ein Mann ohne Frauendienst 
sei nicht mehr wert als eine schöne taube Aehre. 

VII. 

I. Im Sommer, wenn der Häher schreit und allenthalben auf den 
Gefilden mit der Blüte, die spriesst, Jugend wieder auflebt, dann ge- 
bührt es sich, dass man falsche trügerische Liebe den elenden Tröpfen 
überlasse. 

II. Die Schlechtesten und die Nichtswürdigen haben das Beste 
davon und am wenigsten von der Last; wenig achten sie es, wenn 
einer darüber zürnt; ich werde lieben, da ich nicht anders kann, denn 
ich hege eine Liebe, von der ich weiss, dass sie mich verraten wird. 

III. Gefangen bin ich gewesen in einem Schlosse, ohne dass ich 
wagte, dort zu verweilen, und trotzdem kann ich nicht umhin, es vor 
meinen Feinden zu bewahren; sicher werde ich nicht angegriflfen 
werden, denn auf hohem Felsen ist es erbaut. 

IV. Wenn der Thürhüter mir schwören will, dass er keinem 
andern den Eintritt gestattet, werde ich ruhig in den Krieg ziehen 
können ; aber wenn er den Eid bricht, werde ich, fürchte ich, betrogen 
werden, denn schon tausendmal habe ich darin Unglück gehabt. 

V. Dort habe ich mich verpflichtet und durch Eide gebunden, 
denn ich liebe nicht anderweitig, aber das ist grosses Elend, dass ich 
liebe und nicht wiedergeliebt werde ; allezeit habe ich verhandelt und 
geredet, damit (?) ich freundlich aufgenommen werde. 

VI. Gott den Herrn bitte ich um Freude, damit ich geliebt 
werde (?); denn zu solcher Stunde wurde ich geboren, dass ich nie in 
Ruhe lieben konnte; und ich freue mich, dass ich das Land verlassen 
habe, wo ich aufgewachsen bin. 

VII. Eine Liebe lasse Gott mich finden, auf die ich mich nicht 
verlassen kann, und wenn ich sie lieb und wert halte, möge sie darauf 
sinnen, mich zu betrügen ; denn dann halte ich mich für geheilt, wenn 
jedes Wort, das sie zu mir spricht, eine Lüge ist. 

VIII. Weit hat zu reiten, wer sie anders zu finden gedenkt ; denn 
soweit der Himmel das Meer umschliesst, kann man keine Frauen 
finden, die nicht wankelmütig wären gegen ihre Liebhaber und gegen 
ihre Gatten. 

IX. Allezeit muss traurig sein, wer eine solche Liebe hegt. 

vin. 

I. Beim Abschied von dem Lande, in dem Liebe mich erobert 
hatte, vernehmt, wenn es Euch nicht lästig ist, worüber ich mich 

Zenker ) Peire von Auvergne. ^*' 



162 R. Zenker 

freue und worüber ich mich ärgere, wohin ich mich auch wende; 
aber solange ich bei freundlichen Leuten bin, darf ich nicht Missmnt 
äussern, damit ich mich nicht da, wo ich am meisten vermag, hinter- 
drein steche (?). 

IL Aber einer Liebe war ich treu, bis es ihr gefiel, mich zu ver- 
lassen, und weil sie ungerechterweise mich verriet 

mit schönen Worten; denn aus süssem freundlichem Lande vertrieb 
sie mich und liess sie mich herabsteigen; aber mag es auch noch 
lange dauern, es wird ihr zur Schmach gereichen. 

IIL Auf welchen Strassen immer ich auch schon gegen Franken 
und Sarazenen zog, nie fand ich einen Ort, wo besser Freude gepflegt 
worden wäre und wahre Trefflichkeit mehr geehrt durch Dienen ; und 
gar ärgerlich bin ich über diejenige, die mich entfernt von den Leuten, 
die höfisch sind und freundlich und die mich gar spät zurückkehren 
sehen werden. 

IV. Wenn ich die Liebe, der ich nahe war und gegen die ich 
jetzt kalt werde, mehr lieben würde als Edessa, und wenn es mir 
nicht darum zu thun wäre, törichtes Gerede zu vermeiden, und wenn 
es mir ziemen würde, meine freundliche Holde zu belügen, dann 
würdet Ihr solche Lüge zu hören bekommen (?). 

V. Jetzt freue ich mich, da Lieben mir Bitterkeit gewinnt; denn 
jetzt fühle ich mich zu allen Unternehmungen grün und weiss und 
braun und blond; und ich denke bei mir und sage Euch, dass allzu 
(oder: sogar?) freundliche Liebe in Furcht schwebt, zu Grunde zu 
gehen, da, wo sie sich entfernen muss. 

VI. Jetzt gehe sie mit ihrem falschen Lachen dahin, wo es 
ihr beliebt; denn ich sage mich von ihr los und verlasse sie und sie 
wird mich nie mehr sehen; trennen muss ich mich von dem freund- 
lichen Lande — wäre es mir nicht darum zu thun, sie zu erzürnen, 
so wäre ich ins Kloster gegangen. 

VII. Herr Estrieu, wenn einer danach strebt, menschliche Freude 
allzusehr zu gemessen, so thut der unrecht, der ihn nicht tadelt. 

IX. 

IX^. I. „Nachtigall, in ihrer Wohnung wirst Du meine Herrin 
aufsuchen und Du sollst ihr erzählen, wie es mit mir steht, und sie 
möge Dir wahrhaft von sich berichten, und sie möge hierher Kunde 
senden, wie es ihr ergeht, doch möge sie meiner eingedenk sein, dass 
sie Dich unter keiner Bedingung dort bei sich zurückbehalte, 

II. So dass Du nicht sofort zurückkehrtest, um mir über ihr 
Thun und Treiben Bericht zu erstatten; denn ich habe nicht Ver- 



Peire von Auvergne 163 

wandten noch Bruder, von dem ich dies so lebhaft zu wissen wünschte." 
Nun fliegt der muntere Vogel davon, gerade dahin, wo sie weilt, mit 
frischem Mut; ohne Furcht, bis er ihr Abzeichen findet. 

III. Als das wackere Vöglein ihre Schönheit erblickte, da be- 
gann es einen süssen Gesang anzustimmen, so wie es gegen Abend 
zu thun pflegt ; dann verstummt es, singt nicht mehr, sondern überlegt 
sich, wie es ihr erzählen soll ohne Unruhe das, was sie anzuhören 
geruht. 

IV. „Derjenige, der Euer getreuer Liebhaber ist, sandte mich 
hierher in Euer Besitztum, damit ich vor Euch meinen Gesang an- 
stimme, zu Eurem Vergnügen; und ich werde, wenn ich es sehen 
werde (?), wissen, welches das Zeichen sein soll; wenn ich etwas 
weiss, werde ich es ihm sagen, damit er sich dort damit decke. 

V. Und wenn ich ihm eine Botschaft bringe, die geeignet ist, 
ihn aufzuheitern, dann dürft Ihr Euch darüber herzlich freuen; denn 
es giebt keinen Menschen, der Euch so wohlgesinnt wäre wie er; 
ich werde davon fliegen und mit Freude mich regen, wohin ich auch 
komme, — nein doch, ich werde das nicht thun, denn noch habe ich 
nicht gesagt, wie ich urteile. 

VI. So will ich plaidieren: Wer seine Hoffnung auf Liebe setzt, 
sollte nicht lange säumen, so lange Liebe Zeit hat; denn schnell 
fällt weiss auf blond, wie die Blüte am Baum, und es ist besser, 
wenn eine handelt, bevor ein anderer sie dazu zwingt.^ 

IX ^ I. Geraden Weges ist der Vogel dahin geflogen, wohin ich 
ihn sandte, und sie schickt mir Botschaft entsprechend dem, was er 
von mir ausrichtet (?) : „Gar sehr gefällt mir, wisst, Eure Rede, und hört 
zu, damit Ihr ihm sagt, was mir am Herzen liegt. 

II. Recht schmerzlich ist es mir, dass mein Freund sich entfernt 
hat, denn nie hat mir etwas anderes, was es auch sein mochte, so 
viel Freude bereitet; allzu rasch kam der Abschied, aber wenn ich 
dessen sicher gewesen wäre, hätte ich ihm noch mehr Freundlichkeit 
erwiesen; deshalb bin ich darüber bekümmert. 

III. Denn so liebe ich ihn mit treuer Gesinnung, dass ich, sobald 
ich halb im Schlafe bin, mit ihm zur Gesellschaft habe SpieKund 
Freude und Lust und Lachen; und das Vergnügen, das ich im Stillen 
habe, kennt kein lebendes Wesen, so lange er in meinen Armen ruht, 
bis er sich verwandelt. 

IV. Allezeit fand ich an ihm Gefallen, seitdem ich ihn sah und 
bevor ich ihn noch sah, und ich wünschte mir nicht einen andern von 
vornehmerer Herkunft erobert zu haben; mein Sinn ist wohlgethan; 

11* 



164 ti' Zenker 

nicht vermag mir wehe zu thun Wind noch Frost noch Sommer noch 
Hitze noch Kälte. 

V. Mit gmter Liebe geht es wie mit dem gnten Golde^ wenn es 
recht rein ist, welches sich läutert und an Güte zunimmt; wenn man 
es mit Güte behandelt; und glaubet; dass Freundschaft jeglichen 
Tag sich veredelt; veredelt und geliebt ist, wem Freude verheissen 
wird. 

VI. Süsser Vogel; nach seinem Aufenthaltsort wirst Du eilen 
wenn der Morgen kommt; und erzähle ihm getreulich; wie ich ihm; 
ergeben bin." Gar schnell ist er zurückgekehrt; wohl unterrichtet; 
beredt erzählend von glücklichem Abenteuer. 

X. 

I. Wohl gefällt es mir; wenn die Rose blüht und die liebliche 
Jahreszeit fortschreitet; einen Vers zu dichten aufs Geratewohl; der 
mir im Kopfe liegt, um des süssen Gesanges der Nachtigall willen, 
die ich singen höre in der dunklen Nacht in den Gärten und in den 
Feldern. 

IL König; bei Christus!; das Lachen vergeht unS; weil die 
Muhamedaner uns ihren Uebermut fühlen lassen; kein Graf und kein 
Herzog umgürtet sich mit dem Gürtel; der besser als Ihr die Lanze 
zu führen verstünde. Um den Kaiser traure ich, der vielen Leuten 
fehlt; mancher weint darüber; der Freude darüber empfindet. 

III. Euer Sinn erhellt sich, weil Ihr frohe Hoffnung hegt; gegen 
die HeideU; das schurkische Volk, reitet ohne Furcht; zuerst werdet 
Ihr Labadol (?) nehmen; und wenn Ihr geraden Weges bis nach Marokko 
zieht, wird man Lieder auf Euch dichten. 

IV. Ich sehe, dass der; der die Freude der Welt vernichtet, sich 
selbst herabwürdigt. Er ist der Sohn einer gemeinen Person und 
zeigt selbst gemeines Benehmen; aber obgleich man sich nicht um 
ihn kümmert; beugt er doch nicht den Nacken; in Zukunft hat er 
seinen Platz unter den Niederträchtigen. 

V. Ich spreche nicht von mir aus (P); so gefilllt es mir; wenn 
ich recht grosse Fröhlichkeit sehe. Liebe verlangt, wenn sie lange 
dauert; und sie verdient kein Vertrauen, wenn sie die sinnliche Liebe 
nicht verlangt (?). Denn ich sehC; dass der Leib sich um nichts 
kümmert; als darum, dass der Herr fett werde (P). 

VI. Sänger, ich beendige Euch den Vers; lernet den Anfang. 
Marcabrun mit gutem Rechte dichtete in gleicher Weise und es halten 
ihn alle fllr närrisch; die seine Natur nicht kennen und nicht wissen, 
warum er gedichtet wird. 



Peire von Auvergne 165 

XI. 

I. Wohl gefällt es mir, dass einer, der seinen guten Verstand 
hat, ihn an gutem Hofe zeige ; denn e i n Gutes fördert das andere und 
wenn edles Thun bekannt wird, gilt es da, wo am meisten von ihm 
geredet wird, mehr als am Anfang. 

II. Darum denn muss ich mich zeigen, der ich neuerdings (hierher) 
kam, um in guter Auswahl mein Wissen vorzuführen, das gewachsen 
ist ; denn wer an zwei Orten guter Freund ist, dem entspringt daraus 
leicht grosse Freude. 

III. Darum erwarte ich von diesem Grafen von Barcelona ein 
schönes Geschenk, welches mir Nutzen und ihm Ehre bringen möge, 
und wenn er im Schenken nicht vorangeht, so muss ich glauben, dass 
an seinem Hof Hunger und wahrer Mangel herrscht. 

lY. Es ist mir lieb, wenn ein Baron schamhaften Sinn hegt; 
mancher weiss es, der in romanischer Spraclm dichtet: bevor es 
grösseres Aufsehen erregt, ist solches Treiben, auch wenn es iweit 
bekannt ist, nur dem Scheine nach gross (?). 

V. Jetzt müsst Ihr, und nicht nur ein wenig. Eure Kräfte zusammen 
nehmen gegen Jugend; denn eine Bedrängnis kommt über Euch von 
da, wo die Sonne leuchtet, in der Ihr unterliegen werdet, wenn nicht 
von Frankreich ein Ausgleich herbeigeführt wird. 

VI. Denn mit einem tapferen Jüngling habt Ihr dort Krieg und 
Streit, mit einem, der solche Stösse mit seiner Lanze austeilt, dass 
er vor diesen geschwänzten Engländern und vor Eurem Niesen nicht 
Furcht noch Angst kennt. 

VII. Da schliesst der Vers, wo Schwerter über Schildern für 
die Missethat Rache nehmen werden. 

XII. 

I. Ich will singen von jenen Trobadors, die in mancherlei Weisen 
singen, und der unfähigste glaubt noch gut zu reden; aber sie werden 
anderswo singen müssen^, denn ich höre wohl hundert Hirten sich 
damit abgeben, von denen nicht einer weiss, was hohe und was tiefe 
Töne sind. 

IL In dieser Hinsicht fehlt Peire ßogier, weswegen er zuerst 
gescholten werden soll; denn er singt öflfentlich von Liebe und es 
würde ihm besser ziemen, in der Kirche Psalter oder Leuchter mit 
grossen brennenden Kerzen zu tragen. 

III. Der zweite ist Guiraut von Bornelh, der einem von der 
Sonne ausgetrockneten Schlauche gleicht mit seinem mageren, klag- 



166 ^' Zenker 

liehen Gesang; es ist der Gesang einer alten Wasserträgerin^ und 
wenn er sich im Spiegel sähe, würde er sich nicht eine Hagebutte 
wert achten. 

IV. Und der dritte: Bernart von Ventadorn, der noch um 
eine Handbreit kleiner ist als Bomelh ; sein Vater war ein Knecht, der 
gut mit dem Ebenholzbogen schoss, und seine Mutter heizte den Ofen 
und sammelte Reisig. 

V. Der vierte ist der Limousiner von Briva, ein Joglar, 
bettelhafter als irgend ein anderer von hier bis nach Benevent; man 
möchte den Tropf fllr einen kranken Pilger halten, wenn er singt, 
so dass ich beinahe Mitleid mit ihm fühle. 

VI. Herr Guilhem von Kibas ist der fünfte; er taugt nichts 
weder von aussen noch von innen und alle seine Verse klingen rauh; 
darum ist sein Gesinge erbärmlich, denn ebenso gut wttrde es ein 
Fink machen und soine Augen sehen aus wie die eines silbernen 
Heiligenbildes. 

VII. Und der sechste ist Grimoart Gausmar (Guilhem 
Ademar?), der Ritter ist und doch als Joglar umherzieht, und un- 
recht thut, wer damit einverstanden ist und ihm grüne und bunt- 
farbige Kleider schenkt; denn so unvergleichlich wird er noch aus- 
gerüstet werden, dass infolge dessen wohl hundert werden Jogiars 
werden wollen. 

VIII. Und Peire Bermon erniedrigte sich, als der Graf von Tou- 
louse ihm gab, was er nie in geziemender Weise zurückwies; darum 
handelte der löblich, der ihn beraubte, und unrecht that er nur daran, 
dass er ihn nicht auch entmannte. 

IX. Der achte ist Bernart von Sayssac, der nie eine rechte 
andere Beschäftigung hatte als umherzuziehen und kleine Gaben zu 
erbetteln; und ich habe ihn nicht einen Deut mehr wert geachtet, 
seitdem er Herrn Bertran von Cardalhac um einen alten übelriechenden 
Mantel anbettelte. 

X. Der neunte ist Herr Raimbaut, der sich auf sein Dichten 
zu viel einbildet; aber ich mache ihn zu nichte, denn er ist nicht 
frisch noch warm; darum schätze ich ihn nicht höher als die Dudel- 
sackpfeifer, die herumgehen und Almosen erbetteln. 

XI. Herr Eble von Saignas ist der zehnte, der in der Liebe 
nie Glück hatte, obgleich er singt, als ob er Zahnweh hätte (?) ; ein 
gemeiner aufgeblasener Händelsucher, der, wie man sagt, für zwei 
Heller sich hier vermietet und dort verkauft. 

XII. Der elfte ist Guossalbo RoYtz, Versieh auf sein Dichten 
viel zu gute thut, weshalb er, wenn es gilt, Ritterschaft zu zeigen, 



Peire von Auvergne 167 

sich drückt; und noch nie war er so gut gerüstet, dass er einen 
guten Hieb gethan hätte, es müsste denn sein, dass er ihm auf der 
Flucht gelungen wäre. 

XIII. Der zwölfte ist ein alter Lombarde, der seine Nachbarn 
feige nennt, und er selbst ist von Angst erfüllt; dennoch dichtet er 
tapfere Lieder mit Maraboten- und Bastard- Worten und man nennt 
ihn Gossezen. 

XIV. Peire von Auvergne hat eine solche Stimme, dass er 
hoch und tief singt, und seine Weisen sind süss und gefällig; 
darum ist er der Meister von allen, wenn er nur seine Worte ein 
wenig klarer fassen wollte, denn beinahe niemand versteht sie. 

XV. Der Vers wurde gedichtet beim Klange der Sackpfeifen zu 
Puivert unter Scherzen und Lachen. 



xm. 

L Wohl gefällt es mir, nunmehr einen Vers zu dichten, da Blüte 
und Blatt sprosst und die schöne Jahreszeit uns befreit hat von der 
schlechten, welche hageln und regnen und herabtropfen lässt; und da 
die Luft sich verjüngt, ziemt es sich wohl, dass auch mein Herz sich 
verjünge, so dass draussen blühen und keimen möge, was sich mir 
im Innern regt. 

IL Wehe, Wert, wie bist du stumm, taub und schieläugig; Treflf- 
lichkeit, wie sehe ich dich zerstört und kreuz und quer umhergezerrt; 
wer kann, misshandelt dich, denn ein schmutziges, verworfenes Ge- 
schlecht, welches zerrt und verfolgt und beisst, hat dich zu Grunde 
gerichtet und vertrieben; es vernichtet dich und beraubt dich der 
Führung. 

HL Unerfreulich ist es mir, dass ohnedem der Wert dieser 
heutigen Welt allzu gering sein wird, und ich bin heiser vom Schelten, 
und doch fruchtet es mir nicht eine Maulbeere; denn alle tragen sie 
kurz geschnittenen Rock von schlechter Art und haben das Kopfstück 
so eng gemacht, dass dort nichts hervorkommt (?). 

IV. Wenn die Schlechten nicht so grosse Freude daran hätten, 
so würde Gemeinheit nicht existieren ; und das Loch ist soweit geöffnet, 

dass auf Felsen arbeitet ; denn so hält ihn 

das Netz umsponnen, dass sich sein Durst nicht stillen lässt noch das 
Verbrechen, so hat es in ihm Wurzel gefasst (P). 

V. Diese bösen, verkehrten, falschen und thörichten Söhne ge- 
meiner Väter, diese schlimmen Trübseligen, missgeschaflfene verworfene 
Knechte gemeiner Mütter, eine unglückselige Schüssel, feige, blau von 



168 ^' Zenker 

Habgier, dürr, alle thun sie, was verkehrt ist, wodurch Geschwttre 
entstehen und wachsen. 

VI. Von jetzt ab will ich nichts mehr mit ihnen zu thun haben, 
mit den Entarteten von gemeinem Wesen; aber wer nach Trefflichkeit 
verlangt^ der achte darauf, dass er trefflich sei und zögere nicht; denn 
wenn einer sich anstrengt und aufwacht, wird ebenso schnell, wenn es 
je sein sollte, tüchtig sein ein schlechter gemeiner Mensch, würde er 
nicht schlechte Gewohnheiten haben. 

Vn. Je mehr man meine Verse recitiert, um so mehr, meiner 
Treu, gefallen sie, und es ist in ihnen kein falsches rostiges Wort, 
oben geglättet und von Splittern befreit (?). 

XIV. 

I. Wohl gefällt es mir und dünkt es mich angemessen, dass, wer 
sich anschickt zu singen, es thue mit verschlossenen und dunklen 
Worten, die man zu verunstalten sich scheut. 

II. Haltlos sinkt in die Tiefe, wer in massvoller Weise die Welt 
nicht zu nehmen versteht; derjenige verfehlt sein Ziel, der so weit 
springt, dass er nicht umkehren kann. 

III. Wohl ist thöricht jeder Christ, der sich selbst belastet und 
auf den Mund eine solche Last hebt, dass er sie im Laufe nicht tragen 
kann. 

IV. Denn ich glaube und meine — ich will Euch alle zurecht- 
weisen — : meines Wissens verliert der Mensch dadurch, dass er zu viel 
unternimmt und seine Sache wird dadurch geschädigt. 

V. Lieber ist mir ein Garten, verschlossen und wohl geschützt, 
aus dem man mir nichts stehlen kann, als hundert Grundstücke dort 
oben auf freien Höhen, die einem andern gehören und die ich nur sehe. 

VI. In vergangener Zeit habe ich zu viel geliebt und ich will 
es nun gänzlich lassen; nicht wird Dank ernten, die mich geliebt hat 
oder Neigung hatte, mich zu lieben. 

VII. Denn ich habe ein Herz und ein Heim und habe kühnen 
Sinn und scharfen Geist und einen Freund und einen wohlgeschtitzten 
Ort und einen, dem ich mich ergeben will. 

VIII. Wenn mir Uebles daraus erwächst, dann ist es, glaube ich, 
eben mein Verstand, durch den ich in meinem Leben Thorheit be- 
gehe; nach meinem Tode mache man mir nicht das zum Vorwurf, 
was ich zu vergessen wünsche. 

XV. 

I. Schön ist 'es, wenn der Mensch, so lange er Müsse hat, sich 
bestrebt, sein Bestes zu leisten, denn wenn der Uebermütige seine Be- 



Peire von Auvergne 169 

qnemlichkeit hat, dann ist er manchmal mit dem Wollen freigebig, 
und wer vorher benachrichtigt ist, dass ihm ein Ueberfall bevorsteht, 
der ist ganz und gar nicht säumig. 

II. Demgegenüber muss sich zeigen der, in dem Verstand wohnt; 
denn Wissen schätze ich kaum, wenn ich nicht sehe, dass es im Not- 
falle verwertet wird; darum wird man jetzt hören, ob das Wissen, 
mit dem ich ausgerüstet bin, lauter ist oder vermischt mit unedlem 
Stoflf. 

III. Denn in der Welt habe ich meine Lust gehabt, dermassen, 
dass ich in dieser Beziehung mich nur allzu schuldig fühle, und nun 
beliebt es mir, ihr den Rücken zu kehren, da Gott mir hinreichend 
Müsse gewährt hat; denn ein Mensch kann missachtet sein und es 
ist deswegen doch nicht nötig, dass er verloren gehe infolge über- 
mütigen Sinnes. 

IV. Da Gott mich das sehen lässt, worin ich wie im Spiegel 
mein Bestes erkennen kann, so dass ich das Schlechte abzuthun ver- 
mag: je mehr Wissen einer hat, um so mehr Verstand wird von ihm 
gefordert, und derjenige handelt am verkehrtesten, der, wo es ihm 
selbst Not thut, damit zurückhält. 

V. Aber wenn Gott es wollte (P), so wäre ich, das weiss ich wohl, 
noch Genosse von Jugend und Werber, wenn die Vornehmen, denen 
es zum Danke geschieht, fröhliche Gesichter machen (?); aber diese falsche 
Welt ist eitel, denn ihre Thaten sind gering gegenüber den prahlerischen 
Worten. 

VI. Und wenn jeder ihn suchen kann, der wahrer König und 
Heiland ist, betrügt jeder sich selbst, wenn er es unterlässt, dies zu 
thun ; denn grösserer Dank wird dem zu teil, der zuschlägt, bevor ihn 
ein Hieb getroffen hat, als dem, der erst schlägt, nachdem er selbst 
getroffen wurde: darum lebe ich in bester Hoffnung. 

VII. Das müsste man mehr fürchten; darum wundere ich mich, 
dass der Mensch nicht an Gott denkt, bis er dem Abend so nahe ist, 
dass der Tag sich in Dunkel hüllt ; und wenn er ihm dann nicht voll- 
kommen klar erscheint, so glaube ich nicht, dass er sich ihm noch 
später aufhellen wird. 

VUI. Liebe, wohlgesinnt solltet Ihr mir sein, da kein Anderer 
als der gerechte Richter mich von Euch losreissen konnte; denn durch 
Euch wurde ich bereichert, erhöht und gefördert und durch den Herrn 
von Beaucaire. 

IX. Aber es kann nicht anders sein, freundliche Liebe; deshalb 
höre ich auf Liebhaber zu sein, so sehr gefällt es mir jetzt, mich dahin 
zu begeben, wohin es der heilige Geist wünscht; und da er selbst 



170 R. Zenker 

mein Ftthrer ist; so mögt Ihr mir es nicht ttbel nehmen, wenn ich 
nicht zu Euch zurückkehre. 

X. Denn ich weiss, würde nicht ein so hoher Leiter gemhen, 
mich zu führen — Peire von Auvergne sagt das —, so hätte ich mich 
noch nicht von Euch getrennt und wäre nicht unbeständig um einer 
anderen Liebe willen. 

XVL 

L Wem es gefällt, einen guten Vers anzuhören, dem rate ich 
wohl; dass er ihn von mir vernehme^ den, welchen ich jetzt vorzutragen 
beginne; denn wenn er seine Gedanken darauf richtet; die Töne und 
die Worte recht zu verstehen, dann wird er zugeben, dass er nie 
weder nah noch fern besser gefundene Worte vernommen hat, 

IL Nicht wohl thut, ihn zu verspotten, wer ihn hört, vielmehr 
muss er sehr gefallen, obgleich sie vermessenen Sinnes mit ihrem 
dummen, schwächlichen, einfältigen Spott das, was oben ist, nach unten 
kehren; und wir sehen, dass das Gute vorwärts eilt und der Spott 
bleibt im Galopp. 

III. Und darum benimmt es den gesunden Verstand 

. . . ., wenn wir den Wald hier nicht blühen sahen; und der Garten 
zeigt böses Säumen, wenn ich sehe, dass Knospe und Schössling nicht 
Blatt und Blüte hervortreibt, und die Verräter werden alle lahm ge- 
boren. 

IV. Jetzt will ich Euch von etwas anderem sprechen: Wer hie- 
nieden Vermögen in grosser Fülle hat, der sollte sich wohl damit be- 
dienen lassen; denn fllr einen ScbeflFel voll Maravedis würde er nicht 
zwei Nüsse geben, wenn für den Mund das Ende kommen und der 
Priester seinen Weihwedel schwingen wird. 

V. Jeder sollte eingedenk sein, dass er nicht thörichten Sinn 
hege hinsichtlich des Guten, das wir gemessen sollen ; denn rasch ist 
es um den Menschen geschehen und wenn er in den letzten Zügen 
liegt, hilft ihm nicht Onkel noch Vetter noch der Arzt mit seinem 
Syrup. 

VI. Wohl sollte an den Tod denken, wer mit klaren Augen auf 
das Kruzifix blickt und sieht, wie Gott, um uns zu retten, den Tod 
erlitt und dann derjenige den Tod tödtete, der um unseretwillen ans 
Kreuz geschlagen wurde; alle werden wir sterben, denn Reichtum 
schützt, wenn die Zeit da ist, uns alle so wenig wie Hiob. 

VII. Gar lange müssen die in Sorge schweben, denen der letzte 
Ueberfall droht; denn mit dem Tod kann nicht kämpfen Graf noch 
Herzog noch König noch Marquis ; und wenn er sich nicht ganz reinigt. 



Peire von Auvergne 171 

bevor der Tod ihm den Mund schliesst; dann mag er, wenn es so sein 
Wille ist, wohl zu lange zögern. 

VIII. Den ganzen Tag ttber könnte ich Euch vortragen; doch 
bitten wir den, der der Anfang und das Ende ist; dass er uns vor 
dem Schlünde der Hölle bewahre und uns in sein Paradis führe, wo- 
hin er Isak und Jakob setzte. 



XVII. 

I. Von Gott kann ich nicht nur wenig reden und auch viel kann 
ich Euch nicht auslesen, denn eine Fttlle bliebe immer noch zu sagen 
und schon das Wenige ist mehr als es den Ansehein hat; aber da er 
mich in TreflTlichkeit fördert mit freundlichem Sinn wie einen Ge- 
nossen, so ziemt es sich wohl, dass ich aus Liebe zu ihm in richtiger 
Weise sage, was seinem Volke not thut. 

U. Darum sage ich, dass er bedenken soll, was er ist und was 
er werden soll; und wenn der Mensch das in Erwägung ziehen würde, 
so könnte er sich gar nichts wert achten; aber seine Augen sind in 
Finsternis befangen und seine begehrlichen Blicke im Verlangen und 
das Herz, das der Thorheit zustimmt, führt die Seele in schlimmes 
Verderben. 

UI. Darum kann ich mich nicht genug wundern, warum der 
Mensch nicht über sich nachdenkt; denn, wie lange es sich auch ver- 
zögern mag, er muss einmal sterben und den Weg, den seine Vor- 
fahren gegangen sind, beschreiten; und so sonderbaren Geruch strömt 
einst aus auch wer jetzt am prunkendsten auftritt, dass die, welche es 
hören, grosses Grauen darüber empfinden; aber heute vergessen sie 
das, was sie gestern vernommen haben. 

IV. Gar schwer und hart und bitter ist es denen, die hinüber 
gehen, das zu verlassen, dessen sie sich hätten bedienen sollen, bevor 
diese Stunde sie überkam; denn ich weiss, dass im letzten Augenblick, 
wenn er gegen einen anläuft, man sich nicht gut vor dem Bogen- 
schützen zu decken vermag, so dass man die Kraft seines Schusses 
nicht zu spüren bekäme; denn gar nützlich ist es, wenn man sich 
von Anfang an deckt. 

V. Darum ist herbe zu tadeln, wer allzu sehr auf seinen eigenen 
Schaden bedacht ist; wer aber in guten Werken ebenso rührig sein 
wollte, wie er es in schlechten ist, der würde nicht das Himmelreich 
verlieren um der Lust dieser trügerischen Welt willen ; wenn für einen 
das böse Fleisch Wohlgeschmack hat, dann nimmt der Geist dadurch 
Schaden. 



172 R- Zenker 

VI. Und was kann ich Euch Schlimmeres erzählen als wenn ich 
Euch spreche von einem Menschen; den ich glänzen sehe in Dingen, 
die er in der Welt zu vollbringen hat, aber mit Gott weiss er sich 
nicht ztt vertragen; und doch ist alles andere hinfällig nnd vergäng- 
lich nnd flttchtig; denn der Mensch hat, wenn er stirbt, seinem Schöpfer 
ftir seine Thaten vollkommene Rechenschaft abzulegen. 

YII. Und da Gott geruht, uns Gesicht, Auffassungsgabe und Gehör 
und Verstand und Wissen und Geftihl zu geben und so grossen Reich- 
tum zur Nutzniessung, sollten wir wohl eingedenk sein^ dass, wer von 
einem andern ein Lehen inne hat, seinem Herrn gegenüber, auch 
wenn er ihm von den edelsten und besten Frttchten giebt; noch in 
hohem Grade karg ist. 

VIII. Denn dunkel wird sein, was jetzt hell ist, dort, wo Gott 
sein Leiden zeigen wird, das er erduldete, um uns zu retten, wo wir 
alle werden zittern mttssen am Tage des jüngsten Gerichtes; da wird 
es keine Eitelkeit geben, denn mit grosser Freude und mit grossem 
Schmerz werden sich zwei Wege trennen. 

IX. Oh, wie wenig kann ein jeder sich verlassen auf alles, was 
er hier beim Hinübergehen zurttcklässt, wenn er selbst es nicht so 
wohl zu verteilen weiss, dass es ihm nützen kann; und ein so 
kurzes Leben haben die meisten, Bauern und Geistliche und Ritter, 
und so schnell verwandelt sich in Bitterkeit die Lust dieser leicht- 
fertigen Welt. 

X. Aber Gott gebe in seiner Milde, dass wir seine Arbeiter seien, 
damit er uns im Glänze empfange dort, wo seine Heiligen ihr Erbe 
finden. 

xvm. 

I. Gott, wahres Leben, wahrhaftig und gerecht unter Geistlichen 
und Laien und Erlöser Christus genannt auf Latein und Hebräisch, nnd 
geboren und dann nach dem Tode lebendig gesehen und aufgefahren 
seid Ihr, weshalb Ihr traurig zurückliesst diejenigen, die Ihr dann 
froh machtet. 

II. Herr König, ich habe gefehlt, woraus so grosses Unheil ent- 
sprungen ist, in Gedanken und in harten Worten und in thörichten^ 
höllischen Thaten .... mit verkehrten Bestrebungen und so manchen 
verwerflichen Neigungen habe ich Schuld auf mich geladen und reu- 
mütig gebe ich mich in Eure Hand. 

III. Wegen alles dessen, was ich je verschuldete — wenn ich 
auch nicht das Herz habe, so zu reden, wie es nötig wäre — bitte 
ich Euch, vor dem ich mich deswegen anklage, dem Hieb so treu 



Peire von Auvergüe 173 

war^ dass ihr meine allzu zahlreichen Verfehlungen nicht ansehet^ 
sondern dass Gnade mir beistehen möge. 

IV. Denn ich ftthle mich hienieden nicht so weise^ dass ich 
drttben das Reich gewinnen könnte^ wo es keinen Durst und Hunger 
und keine Kälte und keine Not giebt^ wenn Eure Eraft^ die ich an- 
rufe^ mir nicht die Stärke giebt^ dass ich mich abwende von der 
Freude dieser Welt und sie verlasse, 

V. Die mich allein gegen Euch fehlen lässt, weshalb mein Herz 
zu zittern beginnt; und wenn Ihr meine Missethaten mir aufbewahrt 
bis zu jener letzten Stunde der Not und mir sie nicht vorher vernichtet 
habt, Herr, dann wird infolge dessen mein Urteil nicht gnädig aus- 
fallen, wenn denn nicht Gnade Euch bezwingt, 

VI. Durch Euch, der Ihr Sidrac befreitet aus gltthenden Flammen 
und zugleich Misac und Äbdenago und Daniel aus der Löwengrube 
und Jonas aus dem Leibe des Fisches und die drei Könige vor 
Herodes beschütztet und Susanna unter den falschen Zeugen; 

VII. Und Ihr speistet, erhabener Herr, so viele mit zwei Fischen 
und fünf Broten und Lazarus erwecktet Ihr, der schon vier Tage im 
Grabe ruhte; durch Euch wurde infolge Eurer schönen Antwort der 
Knecht Centurios geheilt, und Ihr schafftet aus der Welt mancherlei 
Leiden, 

VIII. Und verwandeltet das Wasser in Wein beim Gastmahl des 
Archetricli und vollbrachtet viele andere Wunder, deren der sterbliche 
Mensch kein Ende weiss, und Ihr zeigtet deshalb keinen Uebermut; 
und durch Euch sprach das Bild des Lukas, mächtiger, glänzender 
König, 

IX. Und Ihr schuft die Erde und das Himmelsgewölbe und 
alles, was ist und je war durch einen blossen Wink und die Sonne 
am Himmel und vernichtetet Pharao und gabt den Kindern Israel 
Milch und Honigwaben, Manna und Honig und Ihr vernichtetet durch 
eine Schlange die Schlangen; 

X. Denn die Eurigen fanden Ruhe, als es Euch beliebte, dass 
Moses sie dort in der Wüste erhöhte; und Ihr löstet Hände und Fttsse 
Sanct Peter, als ein Engel ihn geweckt hatte, und gabt ihm Gewiss- 
heit, indem Ihr Eure Heimsuchungen über ihn kommen liesst. 

XI. Und es suchte Euch ihr Volk bis 4sum Berg Horeb, in 
Betlehem mordend, als Euch Joseph, das wissen wir, nach Aegypten 
flüchtete, und dann kamt Ihr nach Jerusalem mit Euren Eltern. 

XII. König zu Nazaret (?), Jesus, Vater, in drei Personen einer, 
und Sohn und heiliger Geist, Euch bete ich droben an in der Drei- 
einigkeit, der Ihr Gipfel und Zweig und Wurzel seid und Gott und 



174 R. Zenker 

Leiter alles desseD; was ist — seid mein Besehirmer^ wenn es Eneh 
gefönt. 

Xin. Und hienieden lasst mich inzwischen Werke mit gntem 
Willen vollbringen^ damit Ihr mich, wenn Ihr in den Wolken kommen 
werdet, die Welt am jüngsten Tage zu richten, süsser Gott, nicht 
Euren Zorn fühlen lasst nnd ich, lichter König, frömmster der Könige, 
davon ziehe frohlockend mit den Fröhlichen. 

XIV. Und vergesst mich nicht, o Herr, denn ohne Euch vermag 
ich nicht zu bestehen und ich bekreuze mich, an Eure Namen glaubend: 
in nomine patris et filii et Spiritus sancti Amen, 

XIX. 

I. Gelobt sei Emanuel, der König des Himmels und der Erden, 
der dreifach und doch einer ist, Sohn und heiliger Geist und jeder 
vollkommener Vater, dergestalt, dass er ein Name ist und ein Führer 
und Gott und Mensch genannt wird, 

IT. In verschiedenen Worten vereinigt, ganz in einer Dreiheit, 
ohne dass die Substanz sich trennen Hesse; denn wenn ich den einen 
für grösser halte, so nenne ich darum den andern nicht kleiner, 
sondern einen einzigen Gott bete ich an und ich flehe zu ihm, dass 
er mich erhören möge, 

III. Er, der in die Welt zu kommen sich entschloss, um unsere 
Sünden zu tilgen, und durch den die vier Elemente geschieden wurden, 
denn nichts anderes war vorhanden als Gott, der war und sein wird, 
denn nie hatte er einen Anfang, 

IV. Und auch ein Ende wird er in keinem Sinne haben, denn 
der Strahlende bestimmte es im Anfange, bevor er über der Finsternis 
das Licht schuf; denn so stark ist seine Kraft, dass man an ihn 
glauben muss und dass nichts untergehen kann 

V. In ihm, der sich selbst opferte, wodurch die erste Sünde ge- 
löscht wurde; und es war grosses Leid, dass der, der nie gesündigt 
hat, herabkam, menschliches Schicksal zu erdulden und den Tod unter 
Pontius Pilatus und das Loswerfen über seine Kleider. 

VI. Aber nie wird ihm ein Leid geschehen können und der Tod 
wird ihn nicht überwinden, ihn, der am dritten Tage aus dem Grabe 
auferstand, wie es verheissen war, wodurch er die in der Hölle betrog, 
als der Glaube der Jünger gestärkt wurde und er Sanct Thomas 
erschien. 

VII. Dann weilte er hier unten in der Tiefe nicht so, dass er 
nicht im Thale Jozafas von einem Steine auf einem Hügel aus in den 
Himmel aufgefahren wäre, und dann, als er den elften Tag von oben 



Peire von Auvergne 175 

herabkam^ wurde er plötzlich deutlich in verschlossenem Raum in 
einem Hause von den Seinigen gesehen. 

VIII. Um ihre ßedegabe zu erhöhen, liess er ihnen in guter Ab- 
sicht sicherlich hienieden seinen heiligen Geist zurück, damit durch 
ihn jeder Jünger stark und sein Mut fest sei, als den Segen Gottes (?). 

IX. An den glaube ich, durch den ich bin, der um unsretwillen 
das Leiden auf sich nahm und dem Räuber verzieh und der Dreibeit 
und doch einer ist, an den, welcher die Mutter Jesu am Kreuze droben 
beriet und der am Himmel erscheinen wird, 

X. Wenn die Welt untergehen wird, um die Weissen und die 
Schwarzen zu richten; zu dem flehe ich, der oben wohnt und mein Herz 
und meine Seele befehle ich ihm an. 



176 R. Zenker 



Anmerkungen. 



I. 

Schema: 7a 5b' 7a 5b' 7a 5V 7a 5b' II 8c 8c 8d 8cl. 



y ^ » ^ * 



5 Strophen, 1 Tornada; a b wechseln von Strophe zu Strophe, c d gehen 
durch. Unikum. 

2. Der Vers hat nach der Lesart der Hds., welche Appel bestehen lässt, 
eine Silbe zu viel. 

4. Der Text beruht auf Konjektur* 

12. segon sazo „ der Jahreszeit entsprechend^ d.h. der schönen Jahreszeit 
entsprechend. Die deutschen Dichter brauchen in gleichem prägnantem Sinne 
diu zUy so Dietmar von Eist, 33, 15: AM nü humet uns diu zit, der kleinen 
vogeline sanc. »1^61^ Sommer war nicht bloss die schöne Zeit, die liebe Zeit, 
die wonnige Zeit, er war die Zeit schlechthin, d.h. die Saison;*' vgl. W. 
Wilmanns, Leben u, Dichten Walthers v, d. Vogelweide^ Bonn 1882, S. 171. 

20. d^emhronquar qui'l veza, vezar, tr., = „etwas zur Gewohnheit machen, 
sich an etwas gewöhnen**, so Auz. cass, 849, wo mit Monaci zu lesen ist „De- 
quel loire aura vezaf*, vgl. Levy, Suppl, Lex. s. v. avezar; desgleichen in der 
altprovenzalischen Version der Disticha Catonis, ed. R. Tob 1er, Berlin 1897 
V. 428: Trap fa tneils Vamhaisat, On plus Vauras vezat; es ist also gleich- 
bedeutend mit avezar, wofür Ray n., Lex. s. v. vezar anführt aus Gr. 448, 1, Str. 6: 
leu ai lo mestier avezat d'amor. Auch npr. vesa wird von Mistral mit avesa 
gleichgesetzt. 

22. Der Vers hat eine Silbe zu wenig. 

24. Die Emendation rührt von Appel her. 

25 — 32. Der Gedankenzusammenhang in diesen Versen ist mir nicht 
recht klar. 

33 ff. Ich verstehe : „Mancher prahlt mit Freude, d. h. ist reich an Freude, 
dem sie nachläuft {qui'lh = cui elh), und einen andern flieht sie gänzlich etc.** 
Vgl. unser deutsches Sprüchwort: „den Seinen giebt's der Herr im Schlaf**, des- 
gleichen den 84. Spruch des Santob de Carrion (14. Jh.): 

ünos vi con locura 

alcangar gran pravecho, 

otros por su cordura 

perder todo su fecho 

und den indischen Satz: „Zu dem einen kommt das Glück, auch wenn er ohne 

sich zu rühren dasitzt; ein anderer arbeitet sich ab und erlangt doch nicht, 



Peire von Auvergne 177 

was er nicht erhalten soll" (Böhtlingk, Ind. Spr. 11, 6); s. L. Stein, Untersuch, 
üb. die Proverbios morales von Santob de Carrion, Berlin 1900, S. 53. 

38. s^aferma für hdsl. saserma. Die Wiederholung des gleichen Reimwortes 
in derselben Strophe ist in der That, wie A. bemerkt, wenig wahrscheinlich; 
ich habe deshalb seine Konjektur in den Text aufgenommen. 

39. si =z sie, „folgendermassen". 

terras:=z tenras] doch ist die Stelle, wie schon A. bemerkt, unsicher. 

41 ff. Ich adoptiere faute de mieux A.s Deutung der Stelle: ,,ffdenn, wenn 
Liebe (mir, lies fo'm) einmal günstig war, wenn mir nicht einer verbürgt, dass 
sie es mir nicht morgen zu nichte mache, wozu bereitet sich dann das Lieben, 
ausser dass es Zwietracht herbeiführe ?** Ist dies die richtige Uebersetzung, so 
steht don 44 für interrogatives de que.^ Da indes Y. 45, 46 eine Silbe zu wenig 
haben, auch C, die einzige Hds., sonst sehr oft fehlerhafte Ueberliefernng bietet, 
und allein in dieser Strophe die Pause bei der Diesis zwischen V. 44 und 45 
nicht innegehalten wird, so ist doch der Verdacht sehr gross, dass weitergehende 
Textverderbnis vorliege. ' 

46 ff. „Ich suche die Liebe, an der kein Falsch ist, da wo meine gute 
Hoffnung mich nährt**, d. h. ich suche sie bei der, von der ich für mich das 
Beste erhoffen zu dürfen glaube. 

52. ses vair^ enveja ist „unbeständige Neigung, Wankelmuf. Es liegt vor 
der bei den Trobadors so häufige Vergleich des Herzens mit dem Golde, welches 
fis, esmers ist, wenn es lauter, vaire dagegen, wenn es mit fremdem, unedlem 
Stoff gemischt ist : das cor fis ist beständig, das cor vaire unbeständig. 

55. ab ver lonc lau „mit echtem langandauerndem Ruhme**, d. h.: sie wird 
mit Recht und lange gepriesen. 



II. 

Schema: 8a 4b 6c 8a 4b 6c || 4d 6e 4d 6e. 



-» t^ » 



7 Strophen, coblas unisonans, Unikum. 

6. Der Vers hat in der Hds. zwei Silben zu viel ; die in den Text aufgenommene 
Emendation, die alle Wahrscheinlichkeit für sich hat, rührt von Appel her. 
12. genh ginhos. Gignos sens findet sich auch bei Marcabmn 16, Str. III 

{Stu4j 3, 75). 

14. Der Vers hat nach der handschriftlichen Lesung, welche A. bestehen 
lässt, zwei Silben zu wenig. 

19. encens sobre ' Is enamoratz. A, bemerkt, encens gehöre zu gens, äussert 
sich aber nicht über die Bedeutung, die er dem Worte beilegt; ist zu verstehen: 
„entzündet d. i. feindlich gegen**? 

24. tenra, A. behält das handschriftliche tenran bei, das er tenra-n abteilt. 

26. Zen^u^igr „zungenfertig**, in gleicher Bedeutung auch noch npr.,s. Mistral, 
lengu. 

27. senatz für assenatz der Hds. — eine Silbe zu viel — wurde von A. 
vorgeschlagen. 

Zenker, Peire von Amvergne. *^ 



178 ß» Zenker 

33. 868 motz romputz ^ohne zerbrochene Worte" (A. vermutet sos für ses), 
Rayn., Lex, s. v. rompre citiert die Stelle und übersetzt: „de dire8an8 mots entre- 
coupe8.'^ Ich verstehe unter motz romputz solche, deren Endung vom Dichter 
des Reimes wegen willkürlich abgeändert ist ; ihre Endung ist ihnen gleichsam 
„abgebrochen" und durch eine andere ersetzt. Solche dem Reime zu Liebe vor- 
genommene Modifikationen der Wortendung finden sich bekanntlich bisweilen 
bei den Trobadors, vgl. Stimming, B. von Bom\ Anm. zu 3,8, S. 150. 

34 ff. De que cove etc. Der Dichter redet sich selbst an; Subjekt zu det 
ist amor8 Y. 30, der Sinn also: amors verdankt er seine Inspiration, sie hat 
ihm die Gabe verliehen, Verse und Töne zu finden, die beifällig aufgenommen 
werden*, darum muss er sich bemühen, sein Bestes zu leisten, denn wer für 
empfangene Geschenke sich nicht dankbar erweist, der büsst das Wohlwollen 
des Gebers ein. Die bos cov%nen8 bestehen eben darin, dass er ist de bon^ amor amatz, 

43. In der Hds. eine Silbe zu wenig; 8obre'l8 schlug A. vor. 

50. fina für fina8 schlägt schon A. vor. 

54. aturs, Levy, Supph-Wrtb., der die Stelle s. v. citiert, bemerkt, dass 
hier atur j^attachemenf^ bedeute, wie Rayn. übersetzt, scheine ihm nicht un- 
möglich, aber nicht sicher, denn es könne auch die Bedeutung „Bestreben, Be- 
mühen** vorliegen, in der das Wort sich sonst öfters findet. Ich sehe durchaus 
keinen Grund, an unserer Stelle eine andere Bedeutung anzunehmen als eben diese 
letztere, durch Levys Citate hinreichend gesicherte. Die Verbindung atur und 
ferm begegnet auch M. G, 1213, 1 : S*ieu tan be non ameSy De cor, abferm atur .... 

55 f. „Und die Hoffnung wird unter ihren Hülfen sein", d.h.: „einer der 
Gründe, die mich veranlassen, auszuharren, ist die Hoffnung, die ich hege"? 

61. en Vazur8f wie A. mit der Hds. liest, würde gegen die Deklinations- 
regel Verstössen. 

62. contr^ alberos. Appel druckt contra' l berros und versieht berros, das 
er untibersetzt lässt, im Glossar mit einem Fragezeichen. Levy, berros, citiert 
die Stelle nach A., bemerkt aber, sie sei ihm ebenso unverständlich geblieben 
wie diesem. „Sollte vielleicht et Vazurs Contrabarros zu ändern sein? Ich 
kann contrabarros allerdings sonst nicht belegen." Meine Emendation wird, 
denke ich, einleuchten. Ein apr. albero ist zu erschliessen aus npr. aubesoun, 
nCaillou de quartz opaque, blanc, arrondi^ qu* entrainent les rivieres qui mennent 
des Cevennes*^, Mistral s.v.; aubesoun geht zurück auf aüberoun, denn die it. 
Form ist alberese „bestimmte Art Kalkstein, aus dem bes. die Mühlsteine ge- 
macht werden", Rigutihi-Bulle, It.-deutsch. Wörterb., Leipzig 1896. Godefroy 
citiert alber au aus Cotgrave: „a very hard white free-stone that resembles the 
Albassan,"" Den letztern definiert er s.v. albazahan: „probablement, selon M. 
de Labor de, les parties blanches du lapis veine. Boquefort difinit albassan, 
pierre blanche et dure^ espece de pierre ä chaux, dont on peut faire du mortier.** 
Somit handelt es sich offenbar überall um die gleiche Steinart und die prov. 
it. fr. Form sind verschiedene Ableitungen von dem gleichen Stamme : *alberonem, 
^alberensem, *dlberellum, üeber das Etymon des Stammes vermag ich keine 
Auskunft zu geben; im Hinblick auf das anlautende al vermute ich arabischen 
Ursprung, wie er doch sicher für albassan anzunehmen ist. Es ist demnach zu 
übersetzen: „Wie das Gold und der Azurstein leuchten gegenüber Kalk- 



Peire von Auvergne 179 

steinen u. s. w.** : der alber o wird als ein minderwertiger Stein von unscheinbarem 
Aussehen gegenübergestellt dem Edelmetall und dem Edelstein. Für die Emen- 
dation kann noch geltend gemacht werden, dass wir so ein drittes Assonanz- 
wort zu aurs und azurs erhalten. 

63. sobre'ls escutz ist offenbar mit resplan zu verbinden, und es sind ge- 
meint mit Gold und Azursteinen geschmückte Schilde ; Gold und Blau erscheinen 
auch auf den Wappen der Zeit häufig vereinigt. 

64 ff. Als Subjekt zu det betrachtet Lowinsky, Zum geistl, KunstUede etc. 
S. 205 ein zu ergänzendes „dieus'^f auf den dann also auch aquelh Y. 70, wie er 
mit der Hds. und Appel liest, zu beziehen wäre; er folgert daraus, dass 
es sich in diesem Liede, wie auch in dem vorangehenden, no. I, gar nicht um 
irdische Minne, sondern um Gottesminne handle, und rechnet die beiden 
Stücke jener Gruppe von Liedern zu, die „dem Gegensatz zwischen der Liebe 
zur Welt und der göttlichen Liebe gewidmet ist". Aber Lowinskys Auf- 
fassung ist eine missverständliche. Subjekt zu det ist keineswegs „Gott", sondern 
personifiziertes amors, welches aus der vorausgehenden Strophe, zunächst aus 
der letzten Zeile, Y. 60, zu ergänzen ist. Dort sagt der Dichter, er wolle nicht 
meineidig sein gegen amors, amors führe ihn, die Hoffnung, die er hege, werde 
amors unterstützen; wenn er nun erklärt, amors habe ihm die Gabe verliehen, 
dass er allen, Grossen und Kleinen, überlegen sei, so ist das ja genau der 
gleiche Gedanke, den wir schon Y. 35 ff. hatten und den wir auch ausgesprochen 
finden in no. Y, 47 : E sapchatZy sHeu tant non Vames (sc. amor = la dotnna). Ja 
non saupra far vers ni sos, Ni non o feira, sHlh no fos. Somit ist Y. 70, da 
itquüh, wie man für aquelh der Hds. lesen könnte, als Obliquusform des 
Fem. m. W. nicht vorkommt, ad aquelh zu ändern in a cela, für welche Emen- 
dation auch spricht, dass wir so eine neue «-, bzw. ^«-Assonanz erhalten : von 
den übrigen 9 Yersen der Strophe weisen nicht weniger als 7 solche «-Assonanzen 
auf. Damit entfällt jeder Grund zu der Annahme, dass unser Lied und no. I 
sich nicht um irdische Liebe, sondern um die Liebe zu Gott drehen. 

Surs ist Tyrus, nicht Syrien, wie Pätzold, Indiv, Eigent.S.bS meint. 

III. 

Schema: 8a 8b 10c 10 d 10 d 10c ; nach der 4. Silbe Y. 3— 6 jeder Strophe 

Binnenreim, der von Strophe zu Strophe wechselt. 
6 Strophen, 1 Tornada, cöblas unisonans, Unikum. 

Der Binnenreim, der von den Kopisten und auch von Mahn und Grütz- 
macher in ihren Drucken nicht beachtet wurde, zeigt, dass an dieser Stelle 
der Text verschiedentlich verderbt ist, und, der Uebereinstimmung der beiden 
Handschriften zufolge, es schon in der gemeinsamen Quelle von E und Y war; 
er ermöglicht es zugleich, an einigen Stellen das Ursprüngliche wieder zu 
gewinnen: Y. 10, 18, 24, 30; dagegen weiss ich Y. 11 und 22 auch mit Hülfe 
des Reimkriteriums nicht Remedur zu schaffen. 

Es besteht nun gewiss ein hoher Grad von Wahrscheinlichkeit, dass nicht 
nur an den sieben Stellen, wo wir durch den Binnenreim zufällig in der Lage 
sind, es nachzuweisen, sondern auch an einer ganzen Reihe anderer Stellen des 

12* 



180 R. Zenker 

in der danklen Manier abgefassten Gedichtes Textverderbnis vorliegt. In An- 
betracht dieses Umstandes sowie in Anbetracht der Erwägung, dass die Er- 
klärung des Dichters in der ersten Strophe, mit diesem Opus eine besondere 
Probe seiner Meisterschaft liefern zu wollen, bei seiner Auffassung von der 
Dichtkunst jedenfalls nichts anderes besagen soll als, er wolle sich möglichst 
dunkel und schwerverständlich ausdrücken, glaubte ich mit gutem Gewissen 
darauf Verzicht leisten zu dürfen, dem Texte, so wie er vorliegt, überall irgend 
einen Sinn abzuringen: ich nehme an, dass da, wo ich den Text nicht verstehe, 
derselbe entweder korrumpiert ist, oder aber der Dichter eben nicht verstanden 
sein wollte, oder vielleicht auch beide Möglichkeiten zugleich zu statuieren sind. 

1. Sobre'l vielh trohar e'l novel. Söbre = „in Form von", wie XVIII, 4 
söbre ehrais, auf hebräisch, in hebräischer Sprache. Wodurch sich die „neue 
Dichtweise'' von der „alten'' unterscheidet, weiss ich nicht zu sagen, doch 
liegt die Vermutung wohl nahe, es sei mit dem trobar novel die dunkle Manier 
im Gegensatz zur natürlichen, leicht verständlichen Ausdrucksweise gemeint. 

7. US fasse ich im Sinne von „Gewohnheit, üebung". Der Dichter ver- 
gleicht seine Gedichte mit einer Speise, welche er unter die Leute austeilt: er 
hat das Brot und das Brotmesser in Händen, um die Leute zu füttern, und be- 
sitzt die dazu erforderliche Uebung. 

9 — 11 verstehe ich nicht; dese und vers V. 11 sind nach Ausweis der 
Reime verderbt. Levy s. v. capairon oitiert V. 7—10 und fragt, was sie 
bedeuten. 

13 ff. Diese ganze Strophe haltß ich für unheilbar koiTumpiert, Ray n. II, 237 
citiert V, 13 in der Form: „Ä un tenen s^en moc borrel*^ und übersetzt: „sur- 
le-champ il s^en imut hagarre*^^ was keinen Sinn giebt. Levy B.y,borrel be- 
merkt : „Rayn.'s Deutung scheint mir durch den Zusammenhang vollständig aus- 
geschlossen, doch vermag ich auch die gewiss verderbt überlieferte Stelle nicht 
zu erklären. Ist vielleicht tener borrel zusammen zu halten mit dem Str. 2 aich 
findenden se levar capairo? Rayn. verzeichnet II, 240 borrel „bourrelet", 
Bartsch deutet an derselben Stelle (Bartsch, £««e6. 142, 9) „Reif um den 
Kopf". Welches ist die genaue Bedeutung?" Der Sinn von V. 13, 14 scheint 
sein zu müssen, es sollte keiner etwas unternehmen, was über seine Kräfte 
geht; denn V. 15,16 enthalten offenbar den gleichen Gedanken wie XIV, Str. II: 
Van chai em bas Qui per compas No sap lo segle demenar; Jquelh i falh 
Que tan trassalh Que non puesca atras tornar: wer zu weit springen 
will, der handelt verkehrt und schadet sich nur. Sollte borrel nicht vielleicht 
Ableitung sein von lat. burra^ zottiges Gewand, pl. burrae^ läppisches Zeug, 
Possen, wovon span. borra, „Scheerwolle, sinnlose Worte, dummes Geschmiere", 
also borrel = „läppisch", ses mot borrel = „ohne ein läppisches Wort, ohne 
läppische Worte zu gebrauchen"? Vgl. Körting, Lat-rom, Wörterb. s. v. burra. 

15. de mauri e miro V, de maurmen {maurin en ?) miran E sind wohl ver- 
derbt, mir jedenfalls unverständlich -, die Worte scheinen eine grosse Entfernung 
bezeichnen zu müssen. Mit V. 17, 18 vermag ich gar keinen Sinn zu verbinden. 

19. e qui qu^en frima ni'n fragel, Rayn. III, 400,1 setzt an frimar, 
yjronder, critiquer^y mit diesem einzigen Belege. Aber frima moss wegen 
/ra^eZ von /ra^eZar Conj. sein. Ich schliesse mich der Ansicht Toblers an, 



Peire von Auvergne 181 

der nach Sternbeck, Unricht. Wortauf st S. 64 in frima 3. s. conj. von fremir 
sieht, und verstehe: „Unruhe zeigen, erregt sein", Fragelar = afr. flaeler fasse 
ich in dem für dieses von Godefroy verschiedentlich belegten Sinn von ^etre 
tourmente, etre agite, s^agiter"^ („Zc euer U flaele*^y „Za vie sant qui el cors li 
flaeW), Ich übersetze also: „Wer darüber auch Unruhe zeigt und sich darüber 
erregt". Sternbeck a. a. 0. möchte statt fraget — gragel einführen: „rewwcr, 
agiter, imouvoir'\ Rayn. III, 492. 

22 — 24. Peire will, wenn ich ihn recht verstehe, sagen, dass seine voll- 
kommenen dichterischen Leistungen seine Kriegsthaten noch übertreffen, sie 
gleichsam besiegen, und die letzteren vor ihm „ein Geschrei erheben", sich be- 
klagen, dass er sich an ihnen nicht genügen lasse, d. h. also, dass er nicht zu- 
frieden sei mit seinen kriegerischen Lorbeeren, sondern ihnen auch noch die 
dichterischen hinzufügen wolle. 

27. D. h. : er hält sich versichert, dass seine Leistungen alles Dagewesene 
und alles Vorhandene übertreffen. Ich nehme an, dass qu' in der gemeinsamen 
Quelle fälschlich eingeführt wurde, und betrachte den Vers als Nachsatz zu 25, 26. 

29, 30. „Denn sonst würde das Korn sich nicht einstellen, das zur rechten 
Zeit in Fülle vorhanden ist"; der Sinn ist m. E.: die Frucht, welche meine 
Arbeit trägt, d. i. der Beifall, der meinen Gedichten so reichlich zu teil wird, 
ist ein Beweis für ihre Vortrefflichkeit. 

33. Was heisst: que lur an enviro? 

36. D. h.: die Fr6ude stimmt ihn mild, nachsichtig auch gegen die Schlechten. 

39, 40 sind jedenfalls wieder verderbt, die Wiederholung des gleichen 
Reimwortes in. zwei aufeinander folgenden Versen ist nicht wahrscheinlich; mit 
pic weiss ich überhaupt nichts anzufangen. 

IV. 

Schema: 7 a' 7 b' 7 a' 7 c' 7 c' 7 d' 7 b' 7 e. 
7 Strophen, coblas unisonans, Unikum. 

13 ff. Ich verstehe: Man muss in der Welt mit dem zufrieden sein, was 
man jeweils erreichen kann; wenn man nur geduldig wartet, so wird einem mit 
der Zeit das Gewünschte schon noch zu teil. 

23. gen sonar, „freundlich anreden", gebraucht auch Peire Vidal 37, V. 21: 

Bonos per quem sona tan gen ni m*acölhf 
pos pro no'm te de so don plus mi dolh. 

33. Der Vergleich des Minnedienstes mit einer Bussübung, der erst die Er- 
teilung der Absolution ein Ziel setzt, findet sich bekanntlich bei den Trobadors 
häufig. Ganz ähnlich sagt Peire Vidal 13, V. 10: 

Ses peccat pris penedensa 
e ses tort fait quis perdo, 

84. qui = siom, d.h. wenn sie mir nicht verzeiht. 

35. AB haben atendensay welches aber zu verwerfen ist, da es schon in 
der vorangehenden Strophe als Reimwort begegnet. 
38. que bezieht sich auf V. 35. 



182 R- Zenker 

44,45. Die Lesart von DEIK wird sich folgendermassen erklären: Das 
80 des Originals verlas der Kopist von y zu ta, der nun das gleich in der 
nächsten Zeile begegnende ia entfernte, indem er autram in antra men änderte; 
ia wurde dann entweder in einer zwischen y und Ea anzusetzenden Kopie zu 
la verlesen, oder das i von ia glich in y schon so sehr einem l, dass die 
Schreiber von E und a beide unabhängig von einander la lasen; ich habe im 
Hinblick auf die letztere Möglichkeit von der Ansetzung einer Zwischenstufe 
zwischen y und Ea abgesehen. 

48. el linhd*Aeam, Ebenso Wilhelm von Poitiers 6,34: Qu^anc no cug 
que'n nasques semble En semblan del gran link n^Adam, Vielleicht ist bei 
Peire Reminiszenz anzunehmen. 

55. Worin das amar a la lei gascona besteht, vermag ich mit Bestimmtheit 
so wenig zu sagen wie Suchier, Jahrb. 14,281; doch scheint sich aus dem Zu- 
sammenhang zu ergeben, dass die unbeständige Liebe gemeint ist. 

Schema: 8a8b8b7c' 8d8e8e. 

7 Strophen, 1 Tornada, cöblas unisonans. Unikum, nur die gleiche Reim- 
stellung hat Berenguier von Palazol 8. 

4 — 7. Einen vers . , . Tal que sos sia novelhs wünscht Peire auch I 7 zu 
dichten. — V ist von resembles V. 5 auf resembles V. 7 übergesprungen, E von 
cJiantar V. 5 auf chans V. 6. 

20. Ich fasse belh semblant als Pluralis. 

21. D. h. : nur wer sich so verhält, wird mit Erfolg werben. 

22. Aehnlich sagt schon Cercalmon 4 (Archiv 34, 435) : Las quHeu d^amor 
non ai conquis Mas can (hs. tan) lo trebaill e Vafan. Dass diese Stelle Peire 
direkt vorgeschwebt hat, möchte ich daraus schliessen, dass auch in der un- 
mittelbar vorhergehenden — strophenschliessenden — Zeile ein identisches Bild 
begegnet: Peire: Qü'estiers non es om poderos\ Cercalmon: QuHeu anch no 
Vagui [sc. amor\ en poder, 

28. e*m disses. Ich folge V, fasse also disses als parallelstehend mit 
plagues) doch gäbe wohl auch die Lesart von x — e*l — einen passenden Sinn: 
disses stünde dann gleich dem vengues, 

31. Es liegt die oft begegnende Anschauung zu Grunde, dass glückliche 
Liebe, seelische Ruhe, das engraissar zur Folge hat, vgl. VI 16. 

36. enaissi ist Konjektur für en aiso oder il (ilh) aiso der Hdss. Da alle 
HdsB. aiso haben, so müsste der Fehler bereits in ihrer gemeinsamen Quelle ge- 
standen haben. 

37 verstehe ich nicht ; reblandir heisst Jemandem schmeicheln, ihn mit Auf- 
merksamkeit, Ehrfurcht behandeln" (vgl. Godefroys. v.;Appel, GhresUj Gloss.) , 
was nicht passt; man erwartet ein Verbum des Fürchtens. Nun hat V non 
sembla; ich vermute deshalb: non tem ia oder teu, wage aber nicht, die Kon- 
jektur in den Text zu setzen. 

38. si be*s nHrais ist mir nicht klar: „wenn sie mir auch deshalb zürnt**, 
nämlich, „dass ich mich durch keine Unannehmlichkeit abschrecken lasse", 
steht offenbar im Widerspruch zu V. 42; gelos als Subjekt zu betrachten, geht 



Peire von Auvergne J83 

doch wohl kaum an. Wollte man aber mit R si he • m nHrais lesen — E könnte 
V benutzt haben — so würde das wieder mit V. 39 nicht stimmen. 

43. Söl sia que 7nos cors s'esmery „wenn mein Herz sich nur läutert", d. h. 
wenn es nur lernt, sich aller anderen Gedanken zu entschlagen. Arnaut 
Daniel XIV 31 sagt: Tant es e lieis mos cors esmers Que s* antra* n voil ni'n 
deing^ donc si' eu secs, wo Canello im G\ob9, esmers fälschlich deutet = eo;- 
mersus „con Ves-rinforzativo che hassiin escalfar espaventar e sim."^ =: „immer- 
so"" \ es ist vielmehr Verbaladjektiv zu esmerar = fis, in der bekannten, vom 
Golde entnommenen metaphorischen Bedeutung; vgl. Anm. zu 1,52. 

VI. 

Schema: 8a8b 8a8b|| 10 c 10 d 10 c . 

7 Strophen, 2 Tornaden, cohlas unisonans, lieber die Form handelt Maus 
S. 28, freilich nicht mit der nötigen Exaktheit. Gleiche Form weisen auf Peire 
Cardenals Sirventes Gr. 335, 20 sowie,, abgesehen davon, dass hier c weiblich 
ist, Bort del rei d'Arago Gr. 103, 3 und Rostanh Berenguier Gr. 427, 1, die beiden 
letzteren Stücke zwei zusammengehörige Coblen, nicht aber zeigt diese Form, 
wie Maus angiebt, Bertran von Born ec2. Stimming* 4, welches nur gleiche 
Reihenfolge, aber V. 5 und 7 Achtsilbner und V. 6 einen Viersilbner hat, des- 
gleichen nicht Marcabrun Gr. 293, 39, das ganz aus Achtsilbnem besteht. Das 
noch ungedruckte Lied Marcabrun 34, das nach Maus auch die gleiche Form 
hat, ist mir nicht zugänglich, es wird aber wohl ebenfalls im Metrum differieren. 
Dass Peires von Auvergne Gedicht dem des Peire Cardenal als Vorbild gedient 
hat, ergiebt sich aus der Uebereinstimmung in den Reimen. Wenn als Reim d 
für eis bei Peire v. Auv. bei P. Cardenal etz erscheint {deschausitz V. 6 bei 
letzterem beruht natürlich auf fehlerhafter Ueberlieferung), so liegt hier nur 
eine scheinbare Abweichung vor, da für sämmtliche in etz reimende Wörter 
Nebenformen auf eis existieren, die Einführung des Reimes etz also einem 
Kopisten zuzuschreiben ist. Maus macht darauf aufmerksam, dass fünfzehn von 
den Reimworten Peires v. Auv. bei Peire Cardenal wiederkehren. 

Dass Peire v. Auv. die Reimfolge Marcabrun entlehnt hat, wäre möglich, 
doch ist bei der Einfachheit des Schemas die Annahme keineswegs notwendig. 
Dagegen ist Entlehnung, sei es von dem einen, sei es von dem andern Peire, 
im Hinblick auf die nahezu vollständige Uebereinstimmung in der Form (doch 
nicht in den Reimen) allerdings wahrscheinlich bei dem Coblenwechsel des Bort 
nnd R. Berenguiers. 

5. clarzir braucht in gleichem Sinne A. Daniel, ed, Canello, 1X3: 

L^aura amara 
fals hruoills brancutz 
clarzir .... 

Canello, Anm., meint, der Anfang von Peires vorliegendem Gedicht habe 
das Thema für das Lied Arnauts abgegeben. 

8. „Demgegenüber", d. h. : gegenüber der Freudlosigkeit der herbstlichen Natur. 

11. a lui ses lieis, „Ihm** d. i. dem Manne ; X hat in der That a lom, welches aber 
durch die Uebereinstimmung der übrigen Handschriften als unursprünglich er- 
wiesen wird. 



184 R. Zraker 

13. Der Sinn scheint mir zu sein: Wenn einer selbst in der Bedrängnis 
noch heitern Sinn bewahrt, so ist das ein Zeichen, dass Liebe in ihm wohnt. 

16 ff. plazers und ris beziehen sieb auf engraissa, trichar und plar auf 
magrezts, 

19. Subjekt zu vol ist amors, 

20. Mit dem König der Schotten und Walliser ist gemeint der König von 
England, damals Heinrich II. 

22. Die Lesart von AB steht der der sämtlichen Handschriften gleich- 
berechtigt gegenüber, vgl. den Stammbaum: ich nehme an, dass Des aus Ges 
verlesen wurde. Der Sinn ist m. E.: Ich bin zwar in höfischer Sitte wenig 
erfahren, aber trotzdem harre ich aus etc. 

26. Es ist mir sehr zweifelhaft, ob hier die Ueberlieferung korrekt ist*, 
man erwartet vielmehr: ^weil ich nicht den Mut habe, zu sprechen, etc.**. 

27. Er fürchtet, abgewiesen zu werden, 

31. Der Sinn muss sein: Weil sie mir den Mut nimmt, sie anzureden; wie 
sich derselbe aber mit Y. 32 verbinden lässt, sehe ich nicht, denn so de quHeu 
plus Vai requis heisst doch: „das, um was ich sie am meisten gebeten habe.** 

35. morrai ni'en totz anttcs. Es scheint die Vorstellung zu Grunde zu 
liegen, dass aussichtslose Liebe rasch altern mache, und also verstanden werden 
zu müssen: „Ich werde infolge davon rasch altem und sterben.** 

39. Ich beziehe per que auf tant im Sinne von que: „so dass ich dadurch 
bereichert werde'*, und fasse que ¥.40^ denn; man könnte aber auch nach 
enriquis Komma setzen und erst V. 40 als Konsekutivsatz fassen. 

40. coartz kann hier offenbar dem Zusammenhang nach nicht „feige**, 
sondern nur „elend** bedeuten. 

49. vertz e hlancs cum es nies. Diese Stelle hat Stössel, Bilder u. Vergl. 
d. altprov, Lyr, S. 50 vollkommen miss verstanden, wenn er meint, der Dichter 
sage hier, „die Liebe zu seiner Dame werde sich so lange in seinem Herzen 
ausbreiten, bis er weiss wie Schnee wäre.** Vielmehr wird der dompneis d*amor 
verglichen mit einem über der Dame sich ausbreitenden grün und weissem 
Baume, d. h. einem Baume mit grünen Blättern und weissen Blüten. 

50. ja no fen desrazics, „Se desrazigar** heisst „sich losreissen, lossagen 
von**. Bayn. s. V. citiert aus Guiraut von Bornelh Gr. 242, 59: Cum seih desamat 
amans Que de jai se desraziga, 

53—55. Ich verstehe: „Durch diesen Vers sollen die Bäurischen (Unge- 
bildeten, vilan) erfahren, dass ein Mann ohne Frauendienst nichts wert ist.** 
Sapchan für sapcha steht allerdings nur in B und vilan vollends ist Konjektur, 
die Handschriften haben vilans^ R uiolar^ G ioglars; wollte man aber bei der 
handschriftlichen Lesart sapcha vilans bleiben, so müsste letzteres doch mit 
Audrics verbunden und verstanden werden: Durch diesen Vers möge der 
bäurische Aldric erfahren-, in diesem Falle aber müsste der bestimmte Artikel 
stehen, den nur G hat, welches bekanntlich vielfach willkürlich ändert und 
kein Vertrauen verdient. Ich halte es deshalb für wahrscheinlicher, dass sehon 
in der gemeinsamen Quelle unserer Handschriften die ursprüngliche Lesart sapchan 
vilan in sapcha vilans geändert war, indem man vilan fälschlich mit Audrics 
verband. 



Peire von Auvergne 185 

Ein Aldric del Vüar (nach Chabaneau vermutlich Auvülars, arrond.de 
Moissac) wird genannt in 'der Biographie Marcabrnns, Chab., jB«o^. S. 9*, es 
wird von ihm berichtet, er habe den kleinen Marcabrun erziehen lassen, woraus 
Suchier, Ja^r5. 14, 148 folgert, dass er in den zwanziger Jahren des 12. Jh. 
bereits erwachsen war. Er ist jedenfalls identisch mit jenem seigner n^Audric, 
von dem uns ein Spottlied auf Marcabrun erhalten ist: Tot a estru^ auf welches 
letzterer im gleichen Versmasse mit dem Liede: Seigner n^Audrtc Gr. 293, 43 
antwortete (beide kritisch herausgegeben von Suchier a. a. 0. S. 145ff.). 
Suchi er a.a.O. meint, er sei wohl Joglar gewesen; dagegen spricht aber 
doch entschieden die Bezeichnung seigner ^ die ihm Marcabrun beilegt, sowie 
dessen Bemerkung, Audrio schelte auf die Jogiars: 

De lenguejar 
contra ioglar 
ez plfM afilaz que Mulcts. 

In beiden Gedichten geschieht Audrics Armut Erwähnung. 

Ist dieser nun identisch mit dem hier von Peire angeredeten Audric? 
Die Vermutung liegt nahe, ein chronologisches Bedenken dagegen besteht nicht, 
da das Lied ja jedenfalls aus Peires jüngeren Jahren stammt, doch wird sich 
eine sichere Entscheidung nicht treffen lassen. 

VII. 

Schema: 7a7a7a7a7b7b. 

8 Strophen, 1 Tornada, coblas döblasy aber b geht durch. Unikum, doch 
begegnet die gleiche Reimstellung mehrmals, vgl. Maus S. 97. 

1—6. Die Strophe erinnert lebhaft an die erste Strophe von Marcabrun 42 
{Studj 3,76), die Peire auch gewiss vorgeschwebt hat: 

Qan Vaura doussana hufa 

e'l gais desotz lo hrondel 

fai d^orguoill cogot e hufa 

e 8on ombriu li ramelf 

ladoncs deuria hom chausir 

veraV amor ses mentir, 

c^ab son amic non barailla, 
7. savais verstösst gegen die Flexionsregel; vielleicht ist aber trotz der 
Uebereiustimmung der Hdss. Xo sordejer e'l savais zu lesen. 
10. mos causal: „weil". 

13 ff. Der Sinn der ganzen Strophe ist mir unklar. V. 13, 14 glaube ich 
nur als Oxymoron fassen zu können: „Gefangen bin ich gewesen in einem 
Schlosse, ohne dass ich doch wagte, dort zu verweilen", d. h., des Bildes ent- 
kleidet: „ich habe geliebt, ohne Gegenliebe zu finden"*, dann weiter: „Trotzdem 
kann ich nicht umhin, es gegen meine Feinde zu verteidigen", d. h. : „ich wünsche 
trotzdem zu verhindern, dass sich andere der Dame nähern." Die beiden 
folgenden Verse verstehe ich nicht; serai für sera wird durch die handschrift- 
liche Ueberlieferung gefordert, könnte aber freilich auch einen schon in der ge- 
meinsamen Quelle vorhandenen Fehler darstellen. 



186 R. Zenker 

14. Gegen die Lesart von ADEIK: intrarf spricht, dass dieses Wort 
gleich in der nächsten Strophe, V. 20, wiederkehrt ; sind danach B C mit estar 
im Rechte, so ist anzunehmen, dass A eine Quelle des Typus a zu Rate ge- 
zogen hat. 

19 ff. Auch über den Sinn dieser Strophe bin ich mir nicht ganz im 
reinen: ist sie im eigentlichen Sinne oder bildlich zu fassen? Ich vermute das 
erstere und verstehe: Wenn der Thorwai*t (des Schlosses) mir schwören will, 
dass er in meiner Abwesenheit keinen andern einlässt, und wenn er seinen 
Schwur hält, dann kann ich ruhig sein; aber wennn er seinen Schwur bricht, 
dann fürchte ich, nach den Erfahrungen, die ich schon gemacht habe, dass sie 
anderen ihre Gunst schenken wird. 

30. Man erwartet sia: damit ich freundlich aufgenommen werde. 

31 ff. Ich verstehe auch hier den Text, so wie er vorliegt, nicht; in wie 

fern kann V. 33 f. V. 31 f. begründen? Ich vermute für enamoratz enamatz, 

wo dann alles in Ordnung ist: „ich bitte Gott, dass ich geliebt werden möge etc.". 

42 klingt an an Bernart Marti Gr, 63, 5 V. 12— 14 (Appel, Ined. S. 27): 

Mas era * m torvC en hauzia [sc. amors] 

tot quan ditz, 
per que'm tenc per avelitz. 
Es liegt wohl auf der einen oder anderen Seite Reminiszenz vor. 
45 ff. erinnern auch an Bernart Marti a. a. 0. V. 40 — 42 : 

Greu er amors ses putia 

camiairitz, 
tro que 'â–  l mons sia fenitz, 
qu^aissi co'l cels clau la mar. Aehnlich A. Daniel VII 17: 

Qu^en tant a randa 
cum mars terra garanda 
non a tant gen 

VIII. 

Schema: 7a7a7b7b3c7d'7c7d'. 
6 Strophen, 1 Tomada, cohlas unisonans; conha ist Refrainwort. Die 
gleiche Form findet sich nicht wieder, doch weichen Peire Bremon 10 (Ar- 
chiv 34, 178) und die bei M. G. 191 als Str. III von Pujol 1 gedruckte Cobla 
mit Tornada nur darin ab, dass a weiblich, d männlich und der Dreisilbner 
durch einen Siebensilbner ersetzt ist. Dass unser Gedicht dem P. Bremon als 
Vorbild gedient hat, wird dadurch wahrscheinlich, dass Reim c: ir hier wie 
dort der gleiche ist. Pujol 1, III stimmt mit P. Bermon 10 auch in den Reimen 
überein: doch rührt jene Strophe nicht von Pujol her und ist, wie die Ver- 
schiedenheit des Versmasses und der Inhalt darthun, von Mahn fälschlich als 
Str. III des Coblenwechsels, den Pujol 1, I, II darstellen, abgedruckt; sie ist 
als anonym überliefert zu betrachten. 

6 — 8. Ist der Sinn: So lange ich noch in dem Kreise bin, der mir wohl 
will, darf ich keine Verdriesslichkeit zeigen, damit ich mir nicht bei denen 
welche am meisten von mir halten {on mais puesc\ schade? 

13 ist durch die vorausgehende Lücke unverständlich. 



Peire von Auvergne 187 

18. Aus diesem Verse darf doch wohl geschlossen werden, dass Peire 
gegen die Sarazenen gekämpft hat, während es sich bei den Zügen „zu den 
Franken** auch um einen friedlichen Aufenthalt in Nordfrankreich handeln kann. 

19. on mielhs etc., d. h. besser als in der doussa terra canha. 

23. „Diejenigen, welche mich spät wiederkehren sehen werden**, d. h. nie- 
mals: der Dichter spricht die Absicht aus, dem „freundlichen Lande** für immer 
fern bleiben zu wollen. 

25 ff. Diese Strophe ist mir unverständlich geblieben. 
27. Boais ist Edessa. lieber den Brauch der Trobadors, ihre Wertschätzung 
einer Sache durch den Vergleich ihres Besitzes mit dem eines grossen Reiches 
oder einer mächtigen Stadt auszudrücken s. Stimming, B, de Born ^ Anm, 
zu 9, 22. Peire v. Auv. selbst braucht so noch Pisa V 25 und VI 52. 

33. Mit JD^esser, das ich aus C in den Text aufgenommen habe, lässt sich, 
wie mir scheint, kein befriedigender Sinn verbinden; es wird Desse zu lesen 
sein, das ich, wäre mir seinerzeit diese Emendation schon beigefallen, auch 
eingesetzt haben würde; also: „Sofort, oder: allezeit von jetzt ab freue ich mich**. 
38. nems „allzu** scheint mir keinen passenden Sinn zu ergeben; ist viel- 
leicht neis zu lesen: „sogar eine freundliche Liebe ist in Gefahr, zu verderben, 
wenn sie sich entfernen muss**? 

41 ff. Vielleicht schwebte Peire bei dieser Strophe die im Ausdruck teil- 
weise an sie erinnernde Strophe Marcabruns Gr. 293, 7, III (M. G, 334) vor: 

Per amor sueill esser guais, 
mos non cerai iamais ( — 1), 
&una nCenguanet cm trau, 
per que m^en gurp e m* en lai8\ 
ben es cargatz de fol fais 
qui d'amor es en pantais; 
senher deus, quan mala nais 
qui d^aitaVfoudat se paisl 
49. Wer mit diesem „Herrn Estrieu'* gemeint ist, weiss ich nicht zu sagen. 
s^aconha, Rayn. führt als einzigen Beleg für s^aconhar die vorliegende 
Stelle an und übersetzt es mit „s^affectionner'^. 

IX. 

Schema: 7a' 7b 7a' 7b II 3c 3c 5d' 3c 3c 5d'. 



Zwei Teile von je 6 Strophen, cohlas unisonans, doch haben 1 und 2 ihre 
Reime für sich. Unikum. Als Vorbild hat, wie für den Inhalt, so auch formell, 
gedient Marcabrun 25: Estornel, coill ta völada (Bartsch, Leseb, S. 55), welches 
gleichfalls Mischung von Sieben-, Fünf- und Dreisilbnern zeigt ; das Schema ist 
bei Marcabrun: 

7 a' 7 a' 7 a' 7 b' 3c3c3c 3c8c3c5b'. Zwei Teile von je 7 Strophen 



mit einer Tornada, in beiden Teilen cohlas unisonans, 

IX ^ 4. ver fasst Appel, Chrest., Gloss. s.v. als „(wahres) Sein'*, ver- 
steht also: „sie erzähle Dir von ihrem wahren Sein**. Ich fasse ver vielmehr 



188 R. Zenker 

im Sinne von ,,Wahrheit" und ergänze zu del sieu: affaires also: „Sic erzahlo 
Dir Wahrheit über ihr Thun**. 

16. gai ist gewiss als Adverb zu fassen (Appel, Gloss.: „av,**?). Th. 
Loos, Nominalflexion im Prov,^ Marburg 1883 {Ausg. u. Abh. H. XVI), S. 18 
will mit y lai lesen ; dagegen spricht aber, dass dieses schon V. 8 im Reime 
verwandt ist. 

29. pantai für paniais: auslautendes s fallt im Prov. bekanntlich bisweilen 
ab, vgl .Erdmannsdörffer, Beimwörterbuch S. 1 2. 

35 ff. irai V. 36 in Y ist zu verwerfen, da es gleich in der nächsten Strophe, 
y. 45, wieder im Reime begegnet; damit ist aber nicht gesagt, dass veirai, 
welches ET haben, die richtige Lesart sei, da beide Handschriften aus der 
gleichen Quelle geflossen sind. y. 37 lautet in V Per qeral entresejna^ in E De 
U08 cor quem uenha — welche Fassung Bartsch, dem y noch nicht vorlag, 
in den Text aufnimmt — , er fehlt nebst y. 38 in T, y. 38 lautet in y Li dirai ; 
die im Text gegebene Fassung von y. 37 ist Konjektur von Appel, der im 
Glossar entresenha übersetzt mit „Anzeichen, Anschein*^, und nach brieflicher 
Mitteilung an L e v y , der s. v. entresenha die ganze Strophe citiert, y. 35 — 37 
versteht: „Wenn ich sehen werde, werde ich wissen, wofür das Anzeichen ist/* 
Levy bemerkt nur, es sei in Anbetracht des Auseinandergehens der Hand- 
schriften doch fraglich, ob Appels Text das Richtige treffe, y. 38 liest Appel 
mit y Li dirai, wozu Schultz-Gora, Zs,f,rom, Phih 21, 141 anmerkt, es sei 
bedenklich, dass die Zeile mit einem tonlosen Pronomen beginne; ich habe aus 
diesem Grunde die Lesart von £ in den Text aufgenommen. Fenher y. 40 
übersetzt A. im Gloss.: „ sich bemühen um (oder: ablassen von?)*'. 

Appels Erklärung ist mir nicht recht verständlich. Im Hinblick auf die 
Diskrepanz der Handschriften halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass y. 36, 37 
verderbt sind, vielleicht so stark, dass es ganz unmöglich ist, durch Konjektur 
die ursprüngliche Lesart zu gewinnen; uenha in E ist schon deshalb unwahr- 
scheinlich, weil das Wort in der nächsten Strophe im Reime wiederkehrt. Ge- 
setzt aber die Fassung, welche A. dem y. 37 giebt, treffe das Richtige, was 
recht wohl sein könnte, sollte dann mit entresenha nicht ein zwischen beiden 
zu verabredendes Zeichen, etwa ein yersteckname, gemeint sein, mit Hilfe 
dessen es ihm ermöglicht würde, den Gegenstand seiner Neigung geheim zu 
halten ? Allerdings würde dazu veirai Y, 36 schlecht passen, man könnte aber 
daran denken, dafür verrai zu lesen und dann übersetzen: „ich werde wissen, 
wenn ich kommen d. h. wieder zu ihm kommen werde, welches das Zeichen sein 
soll; denn ich werde es ihm sagen, wenn ich etwas weiss, damit er sich dort 
mit Hilfe desselben verstelle." 

55. „Schnell fällt Weiss auf Braun'* d. h. : die braunen Haare werden rasch 
weiss. 

59. qui'ls fagz fai. Im Prov. häufig begegnende etymologische Figur, vgl. 
0. Schultz, Briefe des Trob. Baimb, de Vaqu, S.61, Anm. 46, der hier einige 
seltenere etymologische Figuren zusammenstellt. 

IX*. 4. segon que de mi formis. Appel fragt, ob vielleicht qued a mi 
formis zu lesen sei. Das wäre wohl möglich, aber auch die überlieferte Lesart, 



Peire von Auvergne 189 

an der zu ändern die Uebereinstimmung der beiden Handschriften immerhin 
bedenklich macht, lässt sich doch gut rechtfertigen: sie sendet mir Botschaft 
entsprechend dem, d. h. in Beantwortung dessen, was er (der Vogel) von mir 
(an sie) ausrichtete. 

12. amis für amics wird von den Grammatikern getadelt, begegnet aber 
bei den besten Dichtern verschiedenster Zeit und Herkunft, vgl. Er dm au ns- 
dörffer, Beimwörterbuch S. 10. 

22. Bartsch liest: Grades lai entr^ on dormis Et ab lui ai guidonatge; 
Appel, wie schon Rayn. : Cae^e^ soi entredormitz Et ab lui ai guidonatge, 
wirft aber im Yariantenapparat die Frage auf, ob nicht zu bessern sei : Grades, 
si entredormiSf . . . und erklärt nach brieflicher Mitteilung an Levy, s. v. entre- 
dormir: „dass ich sogleich, wenn ich zwischen Wachen und Sdilafen bin, mit 
ihm Geleitschaft (= Gesellschaft) habe''. Levy bemerkt, dass Rayn.'s Lesung 
und seine Deutung: i^que je suis toujours revanV^ %c\ion deswegen nicht möglich 
sei, weil die Dame redet, also entredormida stehen müsste. Die Konjektur von 
A. trifft gewiss das richtige, und ich habe sie denn auch in den Text auf- 
genommen; V. 23 aber gebe ich auf Grund der Ueberlieferung beider Hand- 
schriften eine andere Fassung: die Dame erklärt, dass sie von dem Geliebten 
zu träumen pflege: „so wie ich nur halb eingeschlafen bin, habe ich mit ihm 
zusammen als Geleit Scherz und Freude und Lust und Lachen,*' d.h.: er er- 
scheint mir sofort im Traum und dann sind Scherz etc. unsere Begleiter-, joc, 
joi etc. sind personifiziert. 

30. troquc's trasfigura ,.bis er sich verwandelt", d.h. verschwindet, indem 
sie erwacht. 

32. ans que'l vis lässt sich doch nur so verstehen, dass sie, bevor sie seine 
persönliche Bekanntschaft machte, von ihm gehört hatte. 

37 — 40. Dieser Gedanke gehört bekanntlich zu den Gemeinplätzen der 
Trobadorlyrik. 

44, qui = si om, 

52. quan venra'l matis. Die Scene spielt also abends oder bei Nacht. 

X. 

Schema: 8 a 7 b' 7c' 7 b' 7 d 7 c' 7 e. 
6 Strophen, coblas unisonans. Unikum. 

3 wird citiert von Rayn. III, 490, der übersetzt: „d mon aventure {risquey\ 
8. Die Emendation des Verses rührt her von Suchier a.a.O. Der Ausruf 
per Grist begegnet häufig. 

14. Worauf sich diese Bemerkung bezieht, weiss ich nicht. 

15. Pus mos coratges s'esclarzis Per seih joy dont ieu suy jauzens . . . 
beginnt Marcabruu 40 (M. W, I, 54). 

16. n' beziehe ich auf V. 9. 

22. Wer der in dieser Strophe Gescholtene ist, der „die Freude der Welt 
zu nichte macht**, wird dahingestellt bleiben müssen. An M arcabnm, wie Diez, 
L,u. TF.*S. 43 will, kann nicht gedacht werden, da -—worauf schon Suchier 
a. a. 0. S. 282 hinwies — dieser ja in der letzten Strophe lobend erwähnt wird. 
Vielleicht ist Bernart von Venzac gemeint, der heftige Schmähgedichte ganz 



190 R. Zenker 

in der Art der Marcabranschen aaf die zeitgenössische Gesellschaft verfasst 

hat, vgl. S. 8. 

27. non-cura begegnet auch bei Marcabrun 28, V. 27 (Appel, Ined, S, 192): 

. . non-cura S^es entre nos entremiza; gietar a non-cura bei demselben 9, Str. V 

(M. W. I, 53) : 

Qui per aver per{t) vergonK e mezura 

egief honor e valor a non-cura .... 

29 ff. Die ganze Strophe ist mir grösstenteils unverständlich. Welches 
ist der Zusammenhang zwischen Y. 29, 30 und dem Folgenden ? Völ fasse ich 
vermutungsweise intr. im Sinne von „begehren**, vermag es aber anderweitig in 
dieser Funktion nicht nachzuweisen. Suchier druckt V. 31 mit E: Amors vol 
calonjasj dura • . , was dann zu übersetzen wäre: „Liebe verlangt Verleum- 
dungen (ist solchen ausgesetzt), harrt aus . . . ", doch scheint mir diese Auf- 
fassung sehr gezwungen, die asyndetische Anfügung von dura recht hart und 
letzteres auch hier nicht am Platze. Y. 34, 35 sind mir ganz dunkel. 

36. Eine solche Aufforderung an die chantadory das Lied auswendig zu 
lernen, begegnet auch bei Jaufre Rudel IV in der letzten Strophe (S t i m m i n g S. 50): 

Adoncs vuelh mos chans st* auzitz, 
et aprendetz Zo, cTiantador. 

Angeredet werden die chantador auch bei Bemart Marti 5, V. 9 (Ap p el, 

Ined. S. 27) : 

Ma pari ai en la folia^ 

chantador^ 

quar ane fui proatz d'amor. 

38» Suchier a. a. 0. S. 282 bezieht Peires Angabe, Marcabrun habe in 
gleicher Weise gedichtet, auf das Versmass und bemerkt, unter dessen er- 
haltenen Gedichten stimme keines in der Form mit Bei m^es quan la roza floHs 
überein. D i e z , L,u, TF.* S. 43 nimmt an, es sei auch in V. 40-— 42 von Marcabrun 
die Rede: Peire, meint er, sage hier: „wer die Herkunft desselben nicht kenne, 
der müsse ihn für einen Narren halten. Der Dichter scheint also die Meinung 
ausdrücken zu wollen, dass der Sohn einer Dirne nicht anders als schlecht von 
Liebe reden könne.** Ich glaube, dass weder die Auffassung von Suchier 
noch die von Diez haltbar ist. Unter der semhlansa^ in der P. dichtet, ist 
m. E. nicht die metrisx^e Form zu verstehen, sondern die innere Form, näm- 
lich die ganz eigentümliche Art, wie Peire in ein und demselben Gedichte 
völlig heterogene Themata behandelt, von einem Thema unvermittelt zum andern 
überspringt. In Str. II und III wendet der Dichter sich an den König, rühmt 
seine Tapferkeit und feuert ihn zum Kriege gegen die Mauren an — in Str. lY 
und Y schilt er auf einmal, ohne jeden Zusammenhang mit dem Vorausgehenden, 
auf eine Persönlichkeit, welche „die Freude der Welt zerstört**, und philosophiert 
über die Liebe. Ein solches Zusammenkoppeln zweier ganz heterogener Themata 
in demselben Liede ist später bekanntlich charakteristisch für die Sirventes- 
Ganzone, in der ein Teil der Strophen Ganzoneninhalt hat, das Lob der Dame 
singt, die anderen Strophen hingegen nach Art des Sirventeses einen politischen, 
moralischen oder religiösen Gegenstand behandeln. Zu Peires Zeit nun war 
dieses seltsame Verfahren offenbar noch etwas Ungewohntes, und er rechtfertigt 



Peire von Auvergne 191 

sich mit der Berufung auf das Beispiel Marcabruns, der schon in gleicher 
Weise gedichtet habe. In der That besitzen wir von Marcabrun ein Lied dieser 
Art, welches Peire wohl im Auge haben könnte, nämlich Gr. 293, 9 : Aujatz de 
chan com enans* e meillura (M. W, I, 53) : hier handeln Str. I — VI von der Zu- 
nahme der malvestat und dem Niedergange der proeza, Str. VII—IX hingegen 
preisen, ohne Vermittelung mit dem Vorhergehenden, den Grafen von Poitou 
— Wilhelm VIII. — , den Grafen Alfons von Toulouse — Alfons-Jourdan 
(1112—48) — und den König Alfons von Leon — Alfons VIU.^. DafUr, dass 
eben dieses Lied Peire vorschwebte, könnte man vielleicht noch anführen, dass 
V. 15 bei Peire die Anrede an den König Sancho: Vostre coratges ^esclarzis 
erinnert an Marcabrun V. 25 : Coms de Peiteus, vostre pretz s'asegura. Doch 
wäre es auch wohl möglich, dass Peire sich auf ein uns nicht erhaltenes Ge- 
dicht Marcabruns beriefe. 

Im folgenden beziehe ich nun 2o nicht, wie Diez, auf Marcabrun, sondern 
eben auf den vers: „alle halten ihn für närrisch — eben wegen der Verquickung 
von so ganz verschiedenen Dingen — , die nicht sein Wesen kennen und nicht 
wissen, warum er entsteht.*' Worin nun nach Peires Auffassung die „NaturS 
des Verses besteht, die geeignet sein soll, seine eigentümliche Komposition 
verständlich zu machen, und was nach ihm der tiefere Grund dieser Kompo- 
sitionsweise ist — so verstehe ich das „per que's nais^^ — , das vermag ich 
freilich nicht zu sagen; um es beurteilen zn können, wäre wohl eine genauere 
Kenntnis der Poetik dieser alten Trobadors nötig als wir besitzen. Vgl. noch 
S. 46, Anm. 2. 

XL 

Schema: 7a7a7b'7c7c7b'. 
6 Strophen, 1 Tornarda, cohlas unisonans. Unikum. 

3. ,,Ein Gutes wird durch das andere gefördert*', d. h. ein kunstgeübter 
Dichter und ein kunstsinniger Hof fördern sich gegenseitig. 

4—6. Ich verstehe: Eine glänzende fürstliche Hofhaltung (eig.: edles Thun, 
ric8 mestiers) gewinnt dadurch, dass man von ihr spricht. Der Ausdruck ist 
freilich sehr gewunden und ungeschickt: conogutz und mentaugutz besagen 
dasselbe, schliessen sich also eigentlich gegenseitig aus (mit mantengutz in E T 
weiss ich nichts anzufangen); es wäre zu erwarten entweder: rics mestiers 
conogutz val mais etc., oder rics mestiers lai on pus es mentaugutz val mais etc. ; 
„qu^a la comenssansa*^ meint: „mehr als vorher, ehe man von ihm sprach". 

11. „Wer an zwei Orten Freund ist", d.h., wer an zwei verschiedenen 
Höfen als guter Freund verkehrt; in dem zweiten Hofe vermute ich den Hof 
des Grafen von Toulouse, vgl. Einl. S. 31. 

14. Der Graf von Barcelona ist Raimund Berengar IV. (1130—62). 

16. „Wenn er im Geben nicht führt, vorangeht'S d. i. anderen ein gutes 



1) Vgl. P. Meyer, Romania 6, 125 ff.; das Gedicht ist nach ihm vor 1135 
entstanden und somit das älteste unter den datierbaren Stücken Marcabruns. 



192 R. Zenker 

Beispiel giebt. Eine ähnliche Warnung vor Kargheit richtet auch Marcabrun 
Gr. 293, 9 an die Adresse des Grafen Alfons von Toulouse : 

STctquest vCAnfos fai contenensa pura 

ni envas mi fai semblan de frachura^ 

sai vas Leon en sai un de hon aire^ 

franc de sazo, cortes e larc donaire, 
19 ff. Die Deutung dieser Strophe ist mir sehr zweifelhaft. Ich übersetze, 
bezw. verstehe vermutungsweise: ,,£s gefällt mir wohl, wenn ein Baron scham- 
haften Sinn hegt, d. h., wenn er sich scheut, sich dem Vorwurf der Kargheit 
auszusetzen ; mancher, der in romanischer Sprache dichtet, d. h. mancher von 
Hof zu Hof ziehende fahrende Sänger, weiss (hat Gelegenheit zu erfahren), 
dass solches Thnn und Treiben (eines grossen Herrn d. i. der Glanz seiner Hof- 
haltung), wenn es auch schon weithin bekannt ist (?), doch nur dem Scheine 
nach wahrhaft gross ist, solange nicht noch mehr Aufhebens davon gemacht wird.'' 
26. contra joven, d. i. gegen den damals 25-jährigen Grafen Raimund V. 
von Toulouse. 

28. Vgl. S. 29. 

34. Engles coütz „geschwänzte Engländer", ein häufiger Spottname der 
Engländer, vgl. Ducange, caudattM, Godefroy, Dicty coe (aber coütz ^=:^ *C0' 
dütus). Etienne de Bourbon, ed, Lecoy de La Marche p. 234, bemerkt: 
^^Änglici erubescunt caudati vocari" und Jacob von Vitry, Hist. Occ. c. 7 : 
tfPro diversitate regionum tnutuo dissidentes . . . opprobria impudenter profere- 
bantf Anglicoa potatores et caudatos affirmantes (Citat bei Ducange)« Dnc. 
vermutet als ursprüngliche Bedeutung „feige", unter Verweis auf fr. couard 
it. codardOf (prov. coart) und auf die Stelle bei Mathaeus Paris ad a. 1250. 
„0 timidorum Caudatorum formidolositas, quam beatus^ quam mundus praesens 
foret exercitus, si a caudis purgaretur et caudatis*^ (mit Beziehung auf die 
Engländer im Heere, Worte eines Grafen Kobert). P. Meyer, i2omanui 21, 51, 
anlässlich des Vorkommens des Ausdruckes in der Ballade contre les Anglais 
vom J. 1429 {Englois couez), verwirft indes Ducanges Erklärung und 
bezeichnet die folgende als die richtige: „Dans la Ugende de saint Äugustin, 
apötre de VÄngleterre, il est dit que les habttants du JDorset insulthrent ce saint 
en attachant des queues de poissons ä ses vetements, Le saint les maudit et 
depuis lors les Anglais sont caudati {Act. Sanct., mai VI 388 [so, nicht 391, wie 
M. angiebt]. Les ,yprqprietates Anglorum'\ texte latin du XIII^ s,, p, p. Wright, 
Beliqu, ant, H 230 fönt peser ce chdtiment sur les seuls habitants de Bochester**, 
Sollten wir es aber in jener um 1080 verfassten Vita Augustins von Gocelin 
nicht vielmehr mit einer nachträglich zur Erklärung des Ausdrucks erfundenen 
Geschichte zu thun haben? Ich will nicht behaupten, dass Ducanges 
Erklärung gerade die richtige sei ; sie scheint mir aber im Hinblick auf cotuird 
durchaus möglich. Ein zweites provenzalisches Beispiel ist mir nicht bekannt, 
Ray n. und Levy verzeichnen das Wort nicht. 

35. esternutz f Verbalsubstantivum zu estemudar, niesen, wird, insofern 
man dem Niesen ominöse Bedeutung beilegte, in übertragenem Sinne gebraucht 
= Vermögen, Macht, Leistungsfähigkeit; Godefroy s. v. estemu: „apeu prhs 
comme on dit voUe, dans le sens d^itat, Situation*^; gebräuchlich besonders in 



Peire von Auvergne 193 

der Verbindung homme de haut esternu, de grant esternu, so: Je ne vis jamais 
komme de si haült esternu (Louis XI, Nouv. XXIX Jacob); Vous estes de hault 
esternus (Act, des aposU, vol. I, fo 133 «, cd. 1537) •, beide Beispiele citiert bei 
Godefroy. Homme de grant esternue aas Eustache Descbamps citiert bei La 
Curne de Sainte Palaye, Dict,B,Y, esternue. Von Peire offenbar mit 
ironischem Beigeschmack gebraucht. 

37. Lai es lo vers remasutz etc. Ich verstehe : Der Vers schliesst damit, 
dass er von der Kache handelt u. s. w. 



XII. 

Schema: 8a 8a 8b 8a 8a 8b. 

14 Strophen, 1 Tornada*, a wechselt von Strophe zu Strophe, b geht durch. 

Gleiche Form haben der Mönch von Montaudon ee^. Klein 1: Pois Peire 
d*Alvernhe a chantat, bekanntlich Peires Satire nachgeahmt, von der auch der 
durchgehende Reim b, en, entlehnt ist, sowie Marcabrnn 15 (M. TT. I, 51) : Corte- 
zamens vuelh comensar, ein Sirventes moralisierenden Inhalts, wo aber auch a 
durchgeht, und derselbe 22 (M. W, I, 48): Emperaire, per mi mezeis. Wir dürfen 
annehmen, dass für Peire Marcabrun 22 als Vorbild gedient hat. 

5. Wenn Peire seine Berufsgenossen mit Hirten vergleicht, so will er 
damit offenbar ihren Gesang als kunstlos und roh kennzeichnen. 

7. Peire Bogiers. P. Kogiers Gedichte sind kritisch herausgegeben von 
C. Appel, Bas Lehen und die Lieder des Trobadors Peire Rogier, Berlin 1882. 
A. setzt ihn S. 12 in das dritte Viertel des 12. Jahrhunderts; von seinen Liedern 
lassen sich nur zwei datieren, von denen das eine vor 1173, das andere vor 1177 
entstanden sein moss. Seine Huldigungen galten Ermengarde von Narbonne, 
der Tochter Aimerics IL, die 1143—1192 regierte und zwischen 1114 und 1129 
geboren war. Peire Rogier war ein Landsmann Peires von Auvergne und, wie 
dieser, Geistlicher, bevor er sich als Trobador bethätigte; Peires Spott V. 10—12 
ist, wie auch Appel S. 4 annimmt, gewiss zu verstehen als Anspielung auf 
seinen früheren Beruf: Peire meint, er hätte besser gethan, er wäre Geistlicher 
geblieben. 

10 ff. Appel, ehrest, druckt nach Ca un sautier, uncandelier, und dem- 
entsprechend V. 7, 8 Bogier, premier, Levy, Literaturbl, 1898, no. 4, 5 macht 
darauf aufinerksam, dass Bogier und premier dann die Fiexionsregel verletzen : 
„Die Plur, us sautiers und us candeliers mögen nicht ganz gewöhnlich erscheinen, 
scheinen mir aber kein Hindernis, das meiner Ansicht nach durch die Hdss. 
gesicherte, von der Grammatik verlangte -iers einzuführen.^ Ich hatte aus 
eben dem grammatischen Grunde, den Levy geltend macht — die handschrift- 
liche Ueberlieferung entscheidet nicht, da R selbständig geändert haben wird — 
die «-Formen in meinen Text eingeführt, bevor ich von Levys Besprechung 
Kenntnis erhielt. 

13. Diese Strophe ist von Nostradamns S. 176 benutzt Doch bemerkt 
Bartsch, Jahrb, 13,11 mit Recht, es dürfe daraus nicht geschlossen werden, 
dass unsere Satire N. vorgelegen habe, da die Strophe in die Satire des Mönchs 

Zenker, Peire von Amvergne. lo 



194 R. Zenker 

von Montaudon, die N. sicher kannte, interpoliert gewesen sein könne, wie um- 
gekehrt die 8. Str. der Satire des Mönchs in die Peires Aufnahme gefunden 
habe (vgl. Anm. 43), und wie, füge ich hinzu, auch die 6. Str. von Peires Satire 
{Gruilhem de Eibas) sich in einigen Handschriften (A C D I K L) der anderen 
findet, vgl. Anm. 31. üeber Guiraut von Bomelh vgl. A. Kolsen, (r. v. JB., 
Berlin 1894 (Berlin, Beitr. 'z, germ. u. rom. Phil. VI). Der Beginn seiner dichte- 
rischen Thätigkeit wurde, wie schon Suchier, JahrbMi^ 305 bemerkte, von 
Diez, dem Chabaneau, App, folgt, mit 1175 zu spät angesetzt. Aber auch 
Kolsen a. a. 0. S. 24 dürfte ihn noch zu weit heraufrücken, wenn er Guiraut seit 
etwa 1165 thätig sein lässt. Peires Satire entstand vor 1173; dass nun Guiraut 
in dem kurzen Zeitraum von 7 — 8 Jahren zu solcher Berühmtheit gelangt sein 
sollte, dass Peire sich veranlasst sehen konnte, ihn in seinem Gedichte gleich 
an zweiter Stelle, noch vor dem wesentlich älteren Bernart von Ventadorn, 
aufzuführen, das ist schwer zu glauben. Die Argumentation, auf welche Kolsen 
jene Datierung gründet, erweist sich denn auch nicht als stichhaltig. Guirauts 
Worte Gr. 242, 5, Str. II : E pero ben a mais d'un an Qu'om me pregava qu^ieu 
cantes (M. TF". I, 189) beziehen sich keineswegs, wie Kolsen will, auf den Be- 
ginn seiner Dichterlaufbahn und beweisen nicht, dass jenes Gedicht etwas über 
ein Jahr darnach entstanden ist, vielmehr liegt jener bei den Trobadors so oft 
bezeugte Fall vor, dass der Dichter eine Zeit lang in Unthätigkeit verharrt hat 
und von anderen aufgefordert wurde, sich von neuem der Poesie zuzuwenden. 
In eben dieser Situation zeigt uns die Tenzone Gr. 323, 4 den Bemart von 
Ventadorn, Gr. 70, 32 den Peirol. Also erst ein Jahr, nachdem Guiraut auf- 
gefordert worden war, sich von neuem dem Gesänge zuzuwenden, ist jenes 
Lied entstanden. Damit aber wird K Olsens obige Datierung des Beginnes seiner 
dichterischen Laufbahn hinfällig. 

Eine kritische Ausgabe der Gedichte Guirauts hat K. in Vorbereitung. 

17 f. Aus diesen Versen scheint hervorzugehen, dass Guiraut von der Natur 
etwas stiefmütterlich behandelt worden war. 

19. Bernart von Ventadorns dichterische Thätigkeit wird von Chabaneau, 
App. mit den Jahren 1145 — 95 umgrenzt, nach Suchier, Jahrb. 14, 123 fiel 
ihr Beginn nicht vor 1148. Die provenzalische Biographie (Chabaneau S. 10) 
bezeichnet ihn als Sohn eines Schlossknechtes, der den Backofen zu heizen 
hatte : Hom fo de paubra generatio, filhs d^un sirven del castel que era formers 
qu'escaudava lo forn a coser lo pa. Die Angabe der anderen, nur in N * 21 er- 
haltenen Lebensnachricht (Chab. S. 11), er sei gewesen ,Jll8 d?un sirven ed^una 
forneyeira^, beruht offenbar ausschliesslich auf der vorliegenden Strophe, auf 
die der Biograph sich beruft mit den Worten: „ si con dis Peire d'Alvergne de 
lui . . .** und die er dann vollständig ciiiert. — Von Bernarts Liedern bemerkt 
Suchier a. a. 0. mit Recht, „sie verdienten den schönsten Erzeugnissen der 
Lyrik aller Zeiten und Völker an die Seite gestellt zu werden**. Vgl. Über ihn 
jetzt auch Pätzold, Indiv, Eigentüml. S. 2S, 

24. Appel fragt CÄre^*. S. 117 im Variantenapparat, ob vielleicht die 
Lesart von a: El gars amassaual sierment in den Text aufzunehmen sei; von 
Seiten des Inhalts stünde gewiss nichts im Wege, aber das Filiations Verhältnis 
der Handschriften spricht gegen sie. 



Peire von Auvergne 195 

25. Dieser Lemosiner von Briva (Brive a. d. Corröze) ist sehr wahrschein- 
lich identisch mit jenem Lemosin, von dem wir eine Tenzone mit Bernart von 
Ventadom besitzen, Gr. 286 {Choix IV, 7); seine persönlichen Beziehungen zu 
Bernart werden der Grund sein, dass Peire ihn unmittelbar nach diesem nennt. 
Aus der Tenzone ist etwas näheres über ihn nicht zu entnehmen. 

31. Diese Strophe auf Guilhem de Ribas ist in A C D I K L als Str. XVI in 
die Satire des Mönchs von Montaudon interpoliert; R hat dafiir die folgende 
ganz verschiedene Strophe auf denselben: 

Gilhems de Ribas lo XV 

qu^es de totz fatz menutz apres 

e canta volontiers non jen 

e percassas fort sil valgues 

c'anc nulh tems nol vim hei arnes 

ans vieu ses grat e paubramen, 

M allein bietet eine, vielleicht die ursprüngliche Lesart darstellende 
Strophe auf einen gewissen Peire Laroqa. 

lieber Guilhem de Ribas ist uns sonst nichts bekannt; Mila S. 434 hält 
ihn für einen Gatalanen, da ihm ein Ribas ausser den beiden Orten dieses 
Namens in Gatalonien — südwestlich von Barcelona und in den Pyrenäen — 
nicht bekannt sei; doch vermutet Chabaneau, Äpp, darin frageweise Ribes, 
Dep. Ardöchei Arr. Largentiöre. 

35. pins, Bartsch und Appel drucken chins mit CRa, der erstere 
übersetzt im Glossar „Hund**, der letztere lässt das Wort nnübersetzt, versieht 
es mit Fragezeichen und bemerkt in Klammer : „Var. jptn«; vgl. nprov. quinsoun 
neben pinsoun?'* Grescini, Manualetto S. 21 druckt pins, führt das Wort 
aber im Glossar nicht auf. Levy, Supph-Wrtb.s.Y, chins citiert die Stelle und 
bemerkt, wohl auf Grund brieflich erhaltener Auskunft, Appel halte Rayn.'s 
Deutung „chien'^ für unrichtig, da das Wort hier festes n habe: »Wie wäre dann 
zu deuten? — Es bliebe dann bei R. als einziger Beleg für chin „Hund'' Crir, 
de Boss, 1457 (Par. Hs.); ein weiteres Beispiel findet sich Blandin de Com. 783 
(JEtom, 2, 182) : Fer so che chins non lo mangesson Ho aotres besties che vengesson. 
Ferner Bevue 1, 107Z. lOu. 13; Ludus S.Jacobi 222 {idedinsy 

Dafür, dsLas pins die ursprüngliche Lesart ist, spricht die von Appel 
nicht berücksichtigte, nach V. 36 von ADIKN*, wie es scheint, unabhängige 
Ueberlieferung unserer Strophe in der Satire des Mönchs von Montaudon, deren 
Handschriften sämtlich pins haben. Pins, „Fink'' = lat. pincio (belegt bei 
Papias, s. Ducange s.v.) ist zwar, so weit ich sehe, bis jetzt anderweitig 
nicht nachgewiesen, stellt aber den zu postulierenden, lantgesetzlichen Nom. 
dar zu dem Akk. fi.pinson, npioy, pinsoun (Honorat, Dict.prov, frang, 1847), 
chinsoun, quinsoun (ib. u. Mistral), it. pincione, sp. pinzon, pinehon =pincionem. 
Appels Vermutung, dass in chins in G Ra nur eine Nebenform zu erblicken sei zu 
pins, entsprechend nprov. quinsoun neben pinsoun, pinsan (und quinsard neben 
pinsar, s. Mistral, pinsan), ist sicher zutreffend; nur rr jp»n« kann es zu fassen 
sein in dem letzten der von Levy verzeichneten Beispiele Lud, S, Jacobi 222 
(Bartsch, Chrest,*' Sp. 414, 37) : He ieu restaray aysi dedins Solleta coma los chins ? 

13* 



196 ^' Zenker 

Da dedins festes n hat, so spricht gegen die Deutung = „cÄtcw**, welche 
Bartsch im Glossar auch hier dem Worte giebt, offenbar das gleiche Be- 
denken, welches A. gegen diese Auffassung an unserer Stelle geltend macht. 
„Einsam wie ein Hund" wäre nun offenbar auch ein sonderbarer Vergleich; 
„einsam wie ein Fink** ist dagegen vollkommen verständlich, denn der Edel- 
oder Buchfink, an den zunächst gedacht wird, wenn vom Finken, pinson, schlecht- 
hin die Rede ist (s. S a c h s - V i 1 1 a 1 1 e , Dict. s. v.), heisst in der Zoologie 
Fringilla coelehs, vgl. Brehm, Thierlehen, 2. Aufl. Leipzig 1879, II, 294 (die 
Bezeichnung rührt, soweit ich sehe, daher, dass Männchen und Weibchen zeit- 
weise getrennt leben; beide Geschlechter wandern getrennt, die Männchen 
treffen im Frühjahr einen halben Monat früher ein als die Weibchen: , Jedes 
Männchen sucht den alten Wohnplatz wieder auf und harrt sehnsüchtig der 
Gattin", Brehm S. 295. C. Linn6, Systema naturae, Holmiae 1758, I, S. 179 
bemerkt zu fring, coelebs: „femina sola migrat per Belgium in Italiam^^) 

Wenn nun hier der Gesang des Finken als minderwertig, als rauh und 
misstönend betrachtet wird, so trifft das allerdings, wie es scheint, bezüglich des 
eben genannten Buchfinken nicht zu („früher schätzte man vorzüglich schlagende 
Finken überaus hoch und bezahlte sie mit fast fabelhaften Summen'S Brehm 
S. 296), wohl aber bei anderen Finkenarten, so bei dem mit dem Buchfink ver- 
einigt vorkommenden Bergfink, dessen Gesang Brehm S. 297 bezeichnet als 
ein „erbärmliches Gezirpe ohne Wohlklang, Regel und Ordnung, eigentlich 
nichts weiter, als eine willkürliche Zusammenfügung verschiedener Laute'S beim 
Steinfinken, dessen Gesang „kurz, rauh, hart und unangenehm stark" ist, ib. 
S. 299, vor allem aber beim Sperling, der ja zur Gattung der Finken gehört; diese 
Arten mag denn der Dichter an vorliegender Stelle wohl im Auge gehabt haben. 

36. e Vuelh semhlan de vout d^argen, vout, af. voU, vout = vultus, eig. 
„Gesicht", dann „Bildnis, Porträt", — wie schon im Lateinischen — auch in ganzer 
Figur, sowohl gemalt als plastisch, speziell das Bildnis Christi am Kreuz, 
Kruzifix; das berühmte VoUo santo zu Lucca ist ein Kruzifix aus Cedemholz, 
vgl. Godefroy s. v. voU und Ducange, vultus. Also: „Seine Augen scheinen 
[wenn er singt] die einer Figur aus Silber", d. h. : er verdreht beim Singen der- 
massen die Augen, dass man nur das Weisse in ihnen sieht! — StÖssel, 
Bilder u. Vergl, d. apr, Lyr, S. 48 hat den Vergleich nicht verstanden. 

37. Ueber diese und die folgende Strophe habe ich ausführlich gehandelt 
Prov. Tenzone S. 34 ff., ferner Zs.f, rom. Phil. 13, 294ff. ; 16, 444-, vgl. dazu Ap pel. 
Lim. 1889, Sp. 109, Zs. 14, 160 und 20, 389. 

AD lesen GrimoarU Gaumars, IKN* Grimoartz Gaumas, a Ghramoart 
Gausmar, C n^Eilias Gausmars und R n^Elias Gaumars, Von einem Dichter 
Namens Grimoart oder Elias Gaumar oder Gausmar haben wir sonst keinerlei 
Kunde. Allerdings nennt sich in dem Liede Gr. 190 (Stimming, Jaufre 
Budel S. 57) in der letzten Strophe ein en Grimoartz als Verfasser, der mög- 
licherweise mit Grimoartz Gaumar identisch sein könnte. Indes halte ich es 
aus den a.a.O. dargelegten und von 0. Schultz, Zs,f,rom. Phil, 12,540 noch 
vermehrten Gründen für wahrscheinlicher, dass Grimoartz und Elia^ Gaumar 
bezw. Gausmar nur beruhen auf einer Verlesung des ursprünglichen Namens 
Guilhem Ademar oder Aimar (wird 3- und 2-silbig gebraucht), und dass die vor- 



Peire von Auvergne 197 

liegende Strophe auf Grund der entsprechenden, Guühem Ademar betreffenden 
Strophe der Satire des Mönchs von Montaudon fabriziert und in unser Gedicht 
interpoliert wurde. Ich muss darauf verzichten, die Gründe für diese Annahme 
hier im einzelnen darzulegen, da mir nichts anderes übrig bleiben würde als 
meine ganze Argumentation Prov. Tenz, S. 34 — 38 sowie die an den genannten 
Stellen gegebenen Nachträge wörtlich zum Abdrucke zu bringen. Ich be- 
schränke mich darauf, folgende Punkte nochmals hervorzuheben, wobei ich 
Peires Satire als S I, die des Mönchs von Montaudon als S II bezeichne: 

a. Die nächste Strophe, VIII, ist in ADIKN* wörtlich aus S II inter- 
poliert, wo sie gleichfalls an achter Stelle steht (Arnaut-Daniel-Strophe), und 
die Strophe, welche CRa hier bieten, ist, wie unten gezeigt werden wird, 
gleichfalls interpoliert. 

b. Str. VII in S n lautet (Klein S. 25): 

El seises Guillems Ädemars, 
qu^anc no fo plus malvatz joglars, 
et a pres maint veill vesiimen; 
e fai de ial loc sos chantars 
don non es sols ab trenta pars, 
e vei • l ades paubr* e sufren. 

Die Strophe stimmt also mit der unsrigen inhaltlich in bemerkenswerter 
Weise überein und hat nicht nur den Reim, sondern auch die Reimwörter joglars 
und pars mit ihr gemein. Dass die Gleichheit des Reimes und zweier Reim- 
wörter der beiden, die gleiche Nummer tragenden Strophen in S I und S 11 
eine zufallige sein sollte, kann ich nicht glauben; welchen Grund nun der 
Mönch von Montaudon gehabt haben sollte, — wie Appel, Zs. 14, 168 an- 
nimmt — allein für diese Strophe den Reim von der entsprechenden Strophe 
in S I zu entlehnen, während er ihn sonst überall selbständig wählt, das wäre 
durchaus nicht einzusehen (allein Str. XI — Eble de Saignas — zeigt noch 
gleichen Reim in beiden Gedichten, hier aber findet dieser Reim seine Er- 
klärung durch die im Reim stehende Zahl 10: dezes, und überdies ist, wie 
unten gezeigt werden wird, die betreflFende Str. in S I gleichfalls interpoliert, 
so dass auch hier Entlehnung aus S II von selten des Interpolators vorliegen 
kann). Nehmen wir dagegen nun an, Str. VII sei bei Peire interpoliert und 
nur eine Variation der entsprechenden Strophe in S II, so ist jene üeberein- 
stimmung völlig verständlich. 

c. Die proveuzalische Biographie Guilhem Ademars, Chabaneau, Biogr. 
S. 63, berichtet von dem Dichter eben das, was dem in der vorliegenden 
Strophe behandelten Elias oder Grimoart Gaumar vorgeworfen wird: dass er 
nämlich ursprünglich Ritter war und dann Joglar wurde: Et non poc mantener 
cavalaria e fetz se joglars. 

d. Die in den Hdss. überlieferten Namen Grimoart und Elias Gaumar, 
hezw, Gausmar erklären sich unschwer in folgender Weise : Ein Schreiber hatte 
guilhem aymars (Nebenform von Ademar, Azemar) abgekürzt zu g, (gewöhn- 
liche Abkürzung von Guilhem) aymars, ein zweiter las dies zusammen zu gaumars; 
nun ergänzten entweder zwei Kopisten die fehlende SilbBuzahl, indem der 



198 R. Zenker 

eine den Vornamen grimoart, der andere den Vornamen elias einschob — da 
auch a gramoart hat, so müssten wir dann allerdings annehmen, dass dieses 
hier aus jener zweiten Quelle, aus der es vermutlich seine Plusstrophen ent- 
lehnt hat (vgl. S. 112) und die dem Typus x verwandt gewesen sein kann, 
geschöpft habe — oder aber: der Kopist der gemeinsamen Quelle unserer Hdss. 
ergänzte grimoart vor gaumar^ und erst der Schreiber der Vorlage von CK 
machte daraus aus irgend einem Grunde elias, Uebrigens ist die Frage, wie 
die Namen grimoart und elias in den Text gekommen sind, von sekundärer 
Bedeutung; das Wesentliche scheint mir die Thatsache, dass ein abgekürztes 
g, aymars leicht ein gaumar ergeben konnte. 

Ich möchte schliesslich noch auf einen Punkt hinweisen, der bisher keine 
Beachtung gefunden hat: Nostradamus nämlich giebt den Inhalt der Guilhem- 
Ademar-Strophe in S II S. 46 folgendermassen wieder: Guilhem Ädhemar ne 
fut jamais vieux [soll offenbar bon heissen, wie auch Crescimbeni, Rom 1722, 
S. 28 übersetzt: buono söldato] soldat ne bon poete ne comique, ains quHl estoit 
vieux e pauvre, et quHl avoit emprunte mains vieux vestimens, se faisant ouyr 
qu^estoient siens, et quHl n^est pas moins vanteur que Feire Vidal, autre poete 
ProvensaV^ Davon nun, dass G. Ademar „Soldat" gewesen sei — was nur 
die üebersetzung von prov. cavalier sein kann — steht in der fraglichen 
Strophe absolut nichts, es kommen auch keine Wendungen vor, welche etwa 
missverständlich so ausgelegt werden könnten. Wohl aber wird Ademar als 
ehemaliger cavalier, wie wir sahen, bezeichnet in der provenzalischen Biographie 
und ebenso wird cavayer genannt der in der Gaumar-Strophe in S I behandelte 
Dichter. Es liegt deshalb, scheint mir, die Vermutung nahe, die G.-Ademar- 
Strophe habe Nostradamus vorgelegen in einer von der uns erhaltenen ab- 
weichenden Fassung, welche auch bezüglich des in Rede stehenden Punktes 
mit der Gaumar-Strophe übereinstimmte. Offenbar würde dadurch die Wahr- 
scheinlichkeit erhöht, dass letztere, wie ich annehme, auf jener beruht, und dass 
eben von G. Ademar ursprünglich in ihr die Rede war. Natürlich möchte ich 
in Anbetracht des äusserst schwankenden Grundes, auf dem wir uns hier be- 
wegen, diesem Argumente keinerlei eigentliche Beweiskraft beimessen. 

Von Guilhem Ademar sind uns 12 lyrische Gedichte erhalten und vielleicht 
eine Tenzone mit Eble von Ussel, Gr. 218, 1, wenn anders meine a. a. 0. geäusserte 
Vermutung zutreffend ist, dass der in den Handschriften als Interlokutor ge- 
nannte Guillem Gasmar identisch ist mit dem nur in a genannten Guillem 
Ademar, wogegen allerdings Appel, Z«. 14, 168 nicht ganz unbegründete Be- 
denken geltend gemacht hat. 

41. sem pars, „So ohnegleichen wurde er ausgestattet", d. h. so unver- 
gleichlich gutj ses par in diesem Sinne begegnet nicht selten, so bei Sordel 
21, 46: Lei don sui hont sens par\ 22,55: E quar am de bon pretz ses par\ 
Peire Vidal, 13,59: 

E pos deus vos fetz ses par 

eus det mi per servidor, 

servirai vos de lauzor 

e d^alSf quant o poirai far, 

bels BainierSy car etz ses par. 



Peire von Auvergne 199 

43. Vgl. Anm. 37. Die Strophe, welche A D I K N * hier bieten, ist inter- 
poliert aus der Satire des Mönchs von Montaudon; der Name Peire Bermon 
steht nur in CR, a hat dafür P. de Monzo^ welche Lesart Appel, Chrest. S. 118, 
und, ihm folgend, Crescini, Manualetto S. 22 in den Text aufnehmen, und 
Appel, Z«. 14, 167 und 20,390 verteidigt. Dafür aber, dass vielmehr Peire 
Bermon die richtige Lesart und P. de Monzo in a erst aus ihr verderbt ist, 
sprechen die folgenden Gründe: 

a. Von einem Trobador Namens Peire de Monzo haben wir sonst keinerlei 
Kunde. 

b. Die Vorwürfe, die in der Strophe dem in ihr behandelten Dichter ge- 
machtwerden, passen, wie ichZs. 16, 438 gezeigt habe, in der vollkommensten Weise 
auf den uns wohlbekannten Trobador Peire Bremen Bicas Novas, von dem 
uns 21 Stücke erhalten sind. „Drei Züge in der Charakteristik des Dichters, 
sage ich a. a. 0., passen auf P. B. Bicas Novas: 1. Wenn von Bremen in der 
Satire ausgesagt wird, er habe vom Grafen von Toulouse Geschenke empfangen, 
so muss er doch wohl in nahen Beziehungen zu demselben gestanden sein, sich 
in seiner Umgebung befunden haben. Hinsichtlich des P. Bremen B, N, aber 
geht aus Sordels Vorwurf — in dem Sirventes Gr. 437, 20, de Lollis VII — , 
der Graf von Toulouse habe ihn nach Marseille zurückgeschickt, unzweifelhaft 
hervor, dass er sich zu einer gewissen Zeit am Hofe des Grafen aufgehalten hat. 

2. Der Vorwurf, Bremen habe sich durch Annahme von Geschenken erniedrigt, 
stimmt zu dem von Sordel in dem gleichen Sirventes gegen Bremen B. N. er- 
hobenen Vorwurf, er nehme, ohne zu geben, er nehme Gnadengeschenke 
an, cfr. Str. III : 

Ben a gran tort car m'appella joglar, 

c'ab autre vau et autre ven ab me^ 

e don ses penre, et el pren ses donar, 

qu^e 8on cors met tot quant pren per merce; 

mas eu non pren ren don anta nCeschaia^ 

ans met ma renda e non voill guierdon . . . 

3. Der Schluss der Strophe wird aufs beste illustriert durch den von Sordel 
ebenda dem Bremen gemachten Vorwurf, er sei ein weibischer Patron, 
ein eitler Geck, nur darauf bedacht, sich zu putzen und in kostbare Ge- 
wänder zu kleiden. Es heisst Str. IV: 

Car sol se sap peingner et affaichar 
e car se feing tot jorn no sah de que, 
e quant se pot coser e remirar, 
cre que'i's n'azaut tota domna de se . , , 

Str. V: En luec d^ausherc fai camis aredar 
e per caval vol ahlan palafre 
et en loc d'elm fai capairon freisar 
e per escut pren mantel el rete .... 



(C 



Ich füge zu 3 noch bei aus dem gleichfalls gegen Bremen gerichteten 
Sirventes Sordels Gr. 437, 34, de Lollis VUI, Str. IH: 



200 ß. Zenker 

Hueymais, pus ven la patz e*l gai tempa de pascor, 
si deuria mostrar ah garlanda de fior; 
mos tan co fon la guerra^ tan U fai gran paor, 
non lo viron ab armas aiey enemic major . . . 

und ebenda Str. IV: 

Ära ' l veyrem parer, fenhen et afachan, 

anar d'artelh a pe e pujar eatruhan^ 

e 8on gran cors malvate fenhen e rem'iran, 

portar camiz' ah aur que - 1 molher cos tot Van . . . 

Dass in den drei ersten^ nicht ganz klaren Zeilen der auf Peire Bremon 
bezüglichen Strophe der Satire mit den Worten: „P. B. erniedrigte sich, indem 
der Graf von Toulouse ihm gab [= er von ihm annahm], was er nie in gebührender 
Weise zurückwies'', auf Geschenke Bezug genommen wird, die er vom Grafen 
von Toulouse empfangen hatte — wie ich a. a. 0. vermutete — , ist auch die An- 
sicht von Schultz-Gora, Archiv dS,i3d „üeher den Liederstreit ztcischen 
Sordel und Peire Bremon*^^ nur meint Sch.-G. — der mir hinsichtlich der Iden- 
tifizierung P. Bremens in der Satire mit P. Br. Eicas Novas beistimmt — es 
werde speziell von minderwertigen Geschenken die Bede sein, die der Graf 
P. Bremon anbot, um ihn zu verhöhnen; dass er solche annahm, nicht 
dass er Geschenke an sich entgegennahm, würde ihm dann also in der Satire 
zum Vorwurf gemacht. Gewiss ist diese Auffassung auch möglich, uud wenn 
sie richtig sein sollte, würden wir damit einen weiteren Grund für die Iden- 
tifikation des P. Bremon der Satire mit P. Bremon E, N, haben, indem dann 
in letzterer ausgesprochen wäre, dass der Dichter vom Grafen von Toulouse 
schlecht behandelt worden war; von P. Bremon E. N, aber wissen wir, wieder 
aus dem ersterwähnten Sirventes Sordels, de Lollis VII, dass der Graf von 
Toulouse ihn von seinem Hofe verjagt hatte, weil er seinem Herrn die Treue 
brach : 

Str. VI: Gen Va sauhut lo Valens coms onrar 
de Tolosa, si co'i's taing ni* s cove, 
c*a Marseilla Va faich azaut tornar, 
per que laisset son seignor e sa fe . , . 

und auch in dem anderen Sirventes, de Lollis VIII, V. 11 bemerkt Sordel, 
der Graf von Toulouse — dieser ist gemeint, vgl. Sch.-G. a. a. 0. S. 138 — 
wolle nichts von Bremon wissen: 

Et Vautre coms no'l vol, quar sap qui es ni qiuils. 

Weitere Gründe, welche für die ürsprünglichkeit der Lesung Peire Bermon 
und gegen Peire de Monzo sprechen, sind: 

c. Der Text der Strophe in a ist, was Zeile 1—3 angeht, gänzlich sinnlos; 
denn was soll das wohl heissen: „Mit Peire von Monzo sind es sieben, weil 
der Graf von Toulouse ihm singend ein hübsches Lied gab, oder: 
schenkte?" Die Erklärungen, welche Crescini, Zs. 18,271 und 539 vor- 
schlägt, sind nicht annehmbar („/Z conte di Tolosa, un hei dt, fece sentire una 
sua poesia a Pietro di Monzone; e questi, anzi che mostrargliene grado, rubö 
al conte, Pröbahilmente Pietro era un giullare, e il conte, con la liheralitä usata 



Peire von Auvergne 201 

da^ trovatori verso i giullarij gli cantö ed apprese certe sue rime eto.'^; oder: 
,,Con Pietro d. M, sono sette, poi che il conte di Tolosa gli die, gli regalb, can- 
tando (eglij Pietro) urC arietta graziosa : e ben fb quel tale, che gli ruhö {ciö che 
il conte aveva dato, il guiderdone del canto)J^ 

d. Die Lesart p, de monzo in a erklärt sich leicht als Verlesung aus 
p. bermon se (baisset), indem ber, vielleicht mit Sigle b'' geschrieben, zu de, 
mon se zu monso, monzo wurde. Eine solche Verlesung liegt in a sicher 
vor bei dem Namen eines anderen Trobadors, des „de Briva'l Lemozis^ V. 25, 
wo a allein gegen alle anderen Handschriften don ugo lemozis hat. Diese That- 
sache erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es sich eben auch in unserem Falle 
um ein Schreibversehen handelt; vgl. Zs. 16, 443. 

Alle diese Gründe scheinen mir keinen Zweifel daran zu lassen, dass die Hand- 
schriften C K mit der Lesung Peire Bermon gegenüber a das Ursprüngliche bieten, 
und dass der hier genannte Dichter identisch ist mit P. Bremon Bicas Novas, 
wie das auch Schultz-Gora, J^rc^tv 93, 140 annimmt. Bremon B» N, war nun 
aber ein Zeitgenosse Sordels, seinen Liederstreit mit diesem setzen sowohl 
Sch.-G. a.a.O. als de Lollis, Sordello d. (7. S. 49 ins Jahr 1240. Folglich 
muss die auf ihn bezügliche Strophe in unserer vor 1173 ent- 
standenen Satire interpoliert sein, eine Annahme, welche keinerlei 
Bedenken hat, da ja die Str. VHI, wie wir sahen, in einer Reihe von Hand- 
schriften nachweislich einen späteren Einschub darstellt, und auch die Satire 
des Mönchs von Montaudon Interpolationen aufweist, vgl. Klein S. 29. 

49. Von diesem Trobador haben wir sonst keinerlei Nachricht; doch 
könnte er vielleicht identisch sein mit dem Bertran de Saissac, welchen das 
Register von C als den Verfasser des von Bartsch dem Marcabrun zu- 
geschriebenen Liedes Gr. 293, 15 nennt. 

53. Appel, Peire Bogier S. 10 macht darauf aufmerksam, dass ein Bertran 
de Cardalhac in der Geschichte zum J. 1176 erscheint (Vaissete III, 3.40); 
da die Zeit stimmt, so liegt die Vermutung in der That nahe, dass er mit dem 
von Peire erwähnten identisch sei. 

55. Appel a. a. 0. S. 10 hat diesen en Baimbautz sicher richtig identifiziert 
mit Baimbaut von Orange (reg. 1150—73). Er bemerkt, es weise auf einen all- 
bekannten Dichter hin, dass Peire einen weiteren Namen beizufügen unnötig 
fand. Baimbaut von Vaqueiras könne nicht in Betracht kommen, da er erst 
am Schlüsse des Jahrhunderts blühte; es bleibe somit nur Raimbaut von 
Orange, auf den das, was Peire hier über den Dichterhochmut des Betreffenden 
sage, in der That sehr gut passe ; A. verweist besonders auf 15, Str. V (M. G. 362), 
wo R. von sich sagt: 

E ja trobaire nos laisse, 
qu'anc, pus Adams manget del pom, 
no val d^un, qui quels] s'en bruja, 
lo sieus tröhars una raha 
contra' l mieu, que m^a encrebut. 

Vgl. wegen anderer Stellen ähnlichen Inhalts Pätzold, Indiv. Eigentüml, 
S. 17. Daraus ergiebt sich denn, dass die Satire, da Baimbaut als noch lebend 
erwähnt wird, vor 1173 entstanden sein muss. 



202 R. Zenker 

61. Ich halte diese Strophe, ebenso wie VII und VIII, für interpoliert 
Ich glaube nämlich Prov, Tenzone S. 38 — 41 mit ausreichenden Gründen dar- 
gethan zu haben, dass Eble von Saignes, der uns sonst nur als Interlokutor in 
einer Tenzone mit Guillem Gasmar (oder Guillem Ademar?) Gr. 218, 1 bekannt 
ist, identifiziert werden muss mit Eble von Ussel, der als Unterredner auftritt 
in vier Tenzonen mit seinem Vetter Gui, und dem, wie ich gleichfalls a. a. 0. 
nachgewiesen habe, auch die Tenzone Gr. 127 zwischen Eble und Joan Lag zu- 
zuschreiben ist. Die Schilderung, welche Eble von Saignes in der genannten 
Tenzone {Archiv 32,416) von sich selbst entwirft, entspricht genau der, welche 
in der vorliegenden Strophe der Satire von ihm gegeben wird: zu dem „a cui 
anc d^amor non venc bes** hier stimmt Ebles Erklärung in der Tenzone, Str. III : 

Guületn Gasmar, anc per amor 
no traiz hom peiz de ma javen 
cum ai faiz e faiz , 

zu dem Vorwurf in der Satire: 

que dizon que per dos poges 
lai se Joga e sai se ven 

Ebles Geständnis in der Tenzone, dass er tief in Schulden stecke, und 
seine bewegliche Schilderung der Leiden, die er durch die ihm immer auf den 
Fersen sitzenden Gläubiger zu erdulden habe; vgl. Str. III: 

. . non es hom peiz traia 

com cel c^om dis chascus : paia ! 

Str. IV: Guillem Gasmar, qan li deptor 
me van apres toz jorn seguen, 
Vus m^en tira, Vautre me pren^ 
e m^apelon baratador, 
eu volgr* esser morg ses parlar . . . 

Wohl begreiflich, dass der Arme in solchen Nöten sich „für zwei Heller 
dem ersten besten verkaufte^! Genau in dem gleichen Lichte erscheint nun 
Eble von Ussel in seinen Tenzonen. In der Tenzone Gr. 194, 16 (M. G, 530) 
wird er von Gui angeredet mit den Worten: „N'Eble, pos endeptatz . . .** 
„Herr Eble, da Ihr verschuldet seid ...**; Gr. 129,3, Str. U (Seibach, Streit- 
gedicht S. 121) muss er sich von Gui wegen seiner Fragestellung den Vorwurf 
gefallen lassen: 

N*Eble, cum hom recrezenz 

cui amors non abelis 

partez .... 

und Gr. 129, 2 (Seibach S. 103) erwidert ihm jener auf seine burleske Frage- 
stellung, ob er, Gui, vorziehe 

capa de pers un mes denant avenz 
e granz osas afaitadas ab ros 
tro a calenda maia 
tot Vestiu dona eortesa e gaia 



Peire von Auvergne 203 

in Str. II: , , de domna no cuidez qü^eu m^estraia 
e la capa lais a vos cui cove 
e'ül domna sai que no'us faria re. 

Dazu kommt der eigenartig burleske Ton, welcher der Tenzone des Eble 
von Saignes mit Guillem Gasmar und den Tenzonen des Eble von Ussel mit 
Gui gemein ist. Zu diesen bereits Frov, Tenzone S. 38 ff. von mir für die 
Identität Ebles von Saignes mit Eble von Ussel geltend gemachten Gründen 
tritt nun auf Grund des jetzt vorliegenden kritischen Textes der Satire der 
weitere, dass Eble v. S. in ihr als plagesj als „Händelsncher** {us vilanetz 
enflatz plages) bezeichnet wird, wofür der mir seinerzeit allein zur Verfügung 
stehende Druck bei Bartsch, Chrest* Sp. 82 pages, „Bauer**, (so nur CR) 
hat. Die Bezeichnung „Händelsucher, Querulant** passt offenbar ganz vortrefflich 
eben auf Eble von Ussel, indem derselbe uns ausschliesslich als Inter- 
lokutor in Tenzonen, in Streitgedichten, bekannt ist und von seinem 
Vetter Gui wegen seiner derben Witzeleien über Minne und Minnedienst, über 
die „fin drut*^, scharfen Tadel erfahrt, vgl. die oben citierte Stelle aus Gr. 129, 3 
sowie Gr. 129, 2, Str. II (Seibach S. 104): 

N^ Ebles, ges eu no son cum vosy 

que-m teigna dan freichs ni ploia ni venz, 

que fin* amors m^en deffent e jovenz . . . 

Ich meine, dass nach alledem ein Zweifel an der Identität der beiden 
Dichter kaum mehr möglich ist. Wir hören in der provenzalischen Biographie 
der Ussels, Chabaneau, Biogr. S. 40, dass sie ausser dem Schlosse Ussel „noch 
viele andere besassen.** Nun Hegt Saignes nur ca. 25 km südwestlich von Ussel; 
wir dürfen also annehmen, dass es ein dem Eble von Ussel gehöriges Schloss 
war, nach dem er sich benannte. 

Eble von Ussel ist nun aber von Schultz-Gora, Zs» 12,541 noch zu den 
Jahren 1228 und 1233 nachgewiesen. Folglich mnss die vorliegende 
Strophe, ebenso wie es meiner Ansicht nach die auf Peire 
Bremen ist, interpoliert sein. 

Die Identität des Eble von Saignes mit dem von Ussel wurde bestritten 
von Appel, Zs, /. rom. Phil, 14, 168 und Poisies provengales inidites^ 
tiries des mss, d' Halte, Paris u. Leipzig 1898, S. 6 ; vgl. aber meine Entgegnung, 
Zs. 16, 445. 

Q3,coiden. Bartsch, CÄrcs*., Gloss. bemerkt: „coque-dentem, Zahnweh (?)**, 
Appel, ehrest, Gloss. beschränkt sich darauf, Bartschens Uebersetzung zu 
eitleren, ebenso Levy, ßfupph-Wrtb, s. v. Ich weiss auch keinen Rat und 
halte das Wort für verderbt, wie denn auch Appel es im Glossar mit einem 

Fragezeichen versieht. 

64. enflatz „aufgeblasen** ist hier jedenfalls, wie auch Levy, enflar für 

wahrscheinlich hält, nicht im eigentlichen Sinne: „dick**, sondern übertragen 
= „hochmütig** zu fassen. 

65. poges, afr. pougeois od. pougeoise = podiensem, „Münze von Puy** •, „pou^ 
geso, maio pougeso, pougeoise, inaille du Puy, petite monnaie que faisaient battre 
les iveques de cette ville au temps de saint Louis. Elle etait la moitie d^une 



204 R. Zenker 

öböle et le quart d^un denier ou cCun toulausain*^ , Mistral, pouges] of. Gode- 
froy, pougeoise; Le Blanc, Tratte hist, des monnoyes de France, Amsterdam 
1692, S. 172. 

67. Guossalbo oder Gonzalgo Roitz ist uns anderweitig nicht bekannt. 
Mila S. 434 vermutet im Hinblick auf den Vornamen und anf die Endung 
-itz, die castilianischem -ez entspreche, dass er Castilier gewesen sei (nicht: 
Aragonese, wie Chabanean, App. unter Gonzalgo Rozit angiebt). 

68. formitz, Afr. forn.% übersetzt Godefroy s. v. fornir mit „robuste, fort, 
grandy considirabW* ; es erscheint in den citierten Beispielen meist mit grant 
verbunden : „g^os et grant et fumis^, „merveülous et furnis^, ngi^ant e forni e 
lonc** etc. 

69. Appel liest mit CR: Tan que cavallairia's fen, sieht in fen die 3. s. 
von fendre und erklärt Gloss. s. v.; „rfl. in Stücke gehen?" Bartsch druckt 
ehrest.^: Tan que cavalaria^n fen und scheint nach dem Gloss. („spalten, bersten, 
zergehen**) ebenso zu verstehen wie A. Der Ausdruck: „sein Ritterthum spaltet 
sich, geht in Stücke*' wäre aber doch recht sonderbar; diese Empfindung 
scheint, dem beigesetzten Fragezeichen nach, auch A. zu haben. Die Ueberein- 
stimmung von AD I mit a spricht für fen = feing = fingit, 3. s. von fenher; 
fen = fenh ist belegt Boethins V. 131, und Reime von -en <Crtngo, -ingit mit 
-en = -ent kommen vor, so P. Duran Gr. 339, 1 V. 9 (Appel, Ined, S. 231) 
ensen {Hnstgno) : soven (subtnde) u. s. w.; Gaucelm Faidit Gr. 167, 1, Str. II cwpen 
{impingit) : pren {prehendit) u. s. w. Se feindre findet sich afr. häufig in der 
prägnanten Bedeutung: „sich des Dreinschlagens enthalten, Mangel an 
Mut zeigen", wie wir sagen: „sich drücken", so: 

„De bien ferir pas ne se feinent (Wace, Bou), 

Des que Belins cria s^ensagne, 

B nH a un sol qui se fagne (id., Brut), 
Et U tornois commence, vCi a nul qui se faigne (Audefroi li Bastars). 
Vgl. Godefroy s. v. faindre. Ich verstehe demnach: „Er ist auf sein Dichten 
eingebildet, weshalb er in Sachen des Rittertums, d. h., wenn es gilt, als Ritter 
zu handeln, sich drückt", d. h.: über seine Dichterei ist ihm der Rittersinn ab- 
handen gekommen; dazu passt dann sehr gut das Folgende. 

70. Ich verstehe: Seine Ausrüstung ist eine so elende, dass er noch gar 
nicht imstande war, kräftige Hiebe auszuteilen. 

73. Dieser alte Lombarde Cossezen — wohl Beiname, vgl. Levy, Suppl,- 
Wrtb,, cosezen — ist sonst gänzlich unbekannt. 

77. ab motz marabotz e bastartz. Die Hdss. haben für marabotz : maribotz, 
amaribot, amaribotz, uaires moinz, matre moinz, maire moinz, magres moinz. Das 
sonderbar aussehende Wort hat bisher eine befriedigende Deutung nicht gefunden. 
Rayn., Lex.ll,ßS liest: Ab motz amaribotz bastartz und übersetzt: y^avec des 
mots aigres bdtards'^\ ebenso wie Rayn. liest Bartsch, CÄrc5*.*Sp.82, der im 
Glossar als Bedeutung verzeichnet ,,amer, bitter, verletzend". Dagegen bemerkt 
Sternbeck, Unricht. Wortauf st, S. 73, amaribot sei eine unmögliche Bildung, 
da es im Provenzalischen kein Suffix 'ibot gebe, auch biete die R.'sche Ueber- 
setzung keinen guten Sinn, da bittere Worte einem Feigling, wie der „Lom- 
barde" einer sein solle, nicht anständen. Tobler (nach Sternbeck) schlägt 



Peire von Auvergne 205 

Aenderung in — sonst nicht belegtes — amaridous vor = nfr. aigredoux, 
bittersüss, wogegen Levy, Suppl.-Wrtb. b. v. amaridous einwendet, die von 
Appel, Zs. 14,166 mitgeteilten Lesarten der anderen Handschriften Hessen es 
ihm nicht wahrscheinlich erscheinen, dass dies das Ursprüngliche sei. C r e s c i n i, 
der im Manual, vaires moinz druckt, schlägt Zs, 18, 271 vor, magres mois zu 
lesen und übersetzt „con versi spai-uti^flosci bastardi^^, App el endlich, ehrest^ S. 118, 
druckt maribotz e bastartz und versieht im Glossar das Wort mit einem Frage- 
zeichen, ohne eine Bedeutung anzugeben. 

Meine in den Text aufgenommene Konjektur marahotz dürfte evident sein. 
Sie genügt sowohl der handschriftlichen Ueberlieferung als dem Sinne: die 
Uebereinstimmung der beiden Hauptgruppen der Hdss. zeigt, dass im Original 
in der ersten Silbe gestanden haben muss ma und ein r (x hatte vermutlich, 
wegen der Formen mit^V, tr, gr, marrahotz), in der letzten Silbe ein o; was 
sodann die Bedeutung betrifft, so ist darüber folgendes zu bemerken: 

Ich sehe in maräbotz das nämliche Wort, welches Godefroy belegt in 
den durch Suffix vertausch ung sich erklärenden Formen Marrabais, marrabeis^ 
tnarabois, marrabetf marabet und erklärt: ,Juif cache, marrany particuUere- 
ment en Espagne^'. Die neupr. Form ist marabaut, als deren Bedeutung 
Mistral s. v. angiebt „Maräboutj pretre mähomitan^^, und übertragen 
yfiarbarey inhumain^^. Littr6, Dict bezeichnet marabout als veraltet und 
erläutert: ,,terme de la religion musulmane. Homme qui se consacre ä la pra- 
tique et ä Venseignement de la vie religieuse^^ und „^^. et pop.: Homme laid^ 
mal bdti^^. Das Etymon ist portugiesisch marabuto — s. Darmesteter u. 
Hatzfeld, Dict. s.v. — welches wieder zurückgeht auf arab. marbüt d.i. 
„gebunden^^, „Name einer mnhammedanischen Sekte im nordwestlichen Afrika, 
welche zu grosser politischer Bedeutung gelangte und die Dynastie der Almora- 
viden [seit 1068] gründete; später bei den Berbern Bezeichnung einer ge- 
heiligten, ihr Leben in asketischer Beschaulichkeit zubringenden Persönlichkeits 
Meyer, Conversationslexikon i%^^y wo auf Kinn, Marabouts et Khouan^ Algier 
1884, verwiesen wird. Die Bedeutung, welche Godefroy a.a.O. seinen, aus 
dem 15. u. 16. Jh. stammenden Beispielen beilegt — in denen nur die falschlich 
als Suffix gefasste Endung -ot mit den Suffixen -eis und -et vertauscht ist — 
giebt an C. Oudin, Dict, f rang,- espagnol 1660: marrabais, marrano; marrane^ 
in Frankreich noch im 18. Jh. gebräuchlich, bedeutete nach Godefroy s.v., der 
eine grosse Zahl Belegstellen anführt, ,juif converti^ et mal converti. Cetait une 
insulte qui s^adressait particulilrement aux gens soupgonnes d^avoir eu des ancetres 
juifs ou musulmanSf et un sobriquet que les Frangais et hs Italiens^ au XVI^ et 
au XVII^ s,, donnaient souvent aux Espagnoh^^ ; ebenso Littr^ s.v. und E. de 
Terreros, Dicc, cast, 1787 : Marrano^ llamaron tambien los Espanolespor desprecio 
ä los Moros, y lo llaman aun ä los Judius . ." ; vgl. auch D i e z , Et, Lex, S. 467 marrano. 

Maraboten oder Marabeten, Marabenser nannte man also zum Christentum be- 
kehrte spanische Juden oder Mohamedaner, die in dem Verdacht standen, innerlich 
noch ihrem alten Glauben anzuhängen. An der vorliegenden Stelle sind nun 
die Worte, wie das bastartz zeigt, personifiziert, motz maräbotz sind mithin 
Worte, welche Maraboten sind, die Eigenschaft von Maraboten 
haben, d.h. Worte, die weder christlich noch jüdisch oder muhammcdanisch, d. h., in 



206 B. Zenker 

übertragenem Sinne: weder provenzalisch noch ausländisch, lombardisch sind, 
„provenzalische Worte im Mnnde des Lombarden'^ wie Appel, 
Gloss. die motz bastartz sicher richtig definiert; marabot und hastart sind ver- 
schiedenen Sphären entnommene Metaphern für den gleichen 
Begriff, unser: „nicht Fisch noch Fleisch". 

Das ist m. E. des Rätsels Lösung. 

79. Peire d'Alvernhe, Ich gebe die V. 80, 81 in der Fassung, in der sie 
sämmtliche Handschriften der provenzalischen Biographie bieten, trotz der ab- 
weichenden Lesung sämtlicher Handschriften der Satire (ansgenommene A be- 
züglich y. 80); Bartsch, Chrest, und Appel, Chrest, folgen dagegen der 
Ueberlieferung von CRa, lesen also V. 80, 81: 

que canta cum granölh em potz 
e lauza'8 mout a tota gen. 

Wenn nun auch gewiss die Annahme ganz unbedenklich scheint, Peire 
habe sich hier in scherzhafter Stimmung selbst zum besten gehabt, so sprechen 
doch m. £. in Anbetracht der handschriftlichen Ueberlieferuug folgende Er- 
wägungen gegen die fragliche Lesart. Einmal ist es nämlich sicher weniger 
wahrscheinlich, dass ein späterer Kopist einen von Peire gegen sich selbst 
ausgesprochenen Tadel in ein Lob verkehrt haben sollte, als dass er umgekehrt 
ein Selbstlob durch einen Tadel ersetzt habe. Sodann müsste, angenommen, 
es habe die Lesart von C R a in o gestanden, V. 80 entweder x die Version 
von CRa ersetzt haben durch die Worte che chanta desus e dezotz, welche A 
unverändert übernahm, a aber in que non chanta sus ni desotz verdrehte — 
oder aber es müsste x an die Stelle der Lesart von CRa die letzteren Worte, 
die Lesart von a, gesetzt haben, welche dann A zu Gunsten Peires veränderte. 
Jene erstere Annahme ist nun sehr künstlich, da dann erst x einen Tadel in 
ein Lob, und dann a wieder dieses Lob in einen Tadel — anderen Inhalts — 
verwandelt hätte ; die zweite Annahme aber scheint bedenklich, weil nicht ein- 
zusehen wäre, welchen Grund x gehabt haben sollte, die in o Y. 80 vorhandene 
spöttische Bemerkung über Peire durch einen noch dazu viel weniger drastischen 
Tadel anderer Art zu ersetzen, — wohingegen keinerlei Schwierigkeiten vor- 
handen sind, wenn wir annehmen, die Lesart der Biographie habe in o ge- 
standen, o^ habe V. 81 diejenige Fassung gegeben, in der ihn sämtliche Hand- 
schriften der Satire bieten, y habe Y. 80 in die Yersion von CRa umgeändert, 
X und von ihm A habe den Text von o^ ohne Korrektur Übernommen, a ihn aber 
zu der Lesart von DIKN* verdreht. Auch die Gegenüberstellung yqh sus — de- 
sotz in a statt desus -^ desotz in A scheint mir dafür zu sprechen, dass letztere 
Yersion die ursprünglichere ist. 

Dass der Text der Strophe, den die Biographie giebt, der ursprünglichere 
ist, nimmt auch Diez, L,u, TT.' S. 66 an, der freilich das handschriftliche 
Material noch nicht zur Verfügung hatte. 

85. als enflabotz. Einziges Beispiel dieses Wortes; Levy s. v. bemerkt 
dazu: „Ray n. fälschlich ,^afn2)6aM''. Chabaneau, Rev.SlyGlS: „als enflabotz^ 
doit signifier „au son des musettes^, On satt que la musette^ Instrument essen- 
tiellement auvergnat, a pour organe prindpal une outre (bot) enflie de vent. 
Enflabot est unsubstantif composi, du mime genre que cornavi, bufaiiso et 



Peire von Auvergne 207 

autreSf qui abondent chez Marcabrun,^ Vgl. auch Chabaneau, 22ev. 40, 581 zu 
3395. Ihm folgt Crescini, Man.prov,, GIoss.: „aZ suono delle comamuse, delle 
pive^. Dagegen Appel, Chrest,^ Gloss. „(der den Schlauch [Bauch] schwellen 
macht) Schlemmer?** Auch Bartsch, CÄrc^if., GIoss. „Schlemmer." " Mir scheint 
die Deutung Chabaneaus vollkommen einleuchtend und hier allein passend. 
86. Puoichvert jedenfalls = Puivert im Dep. Aude, vgl. S. 32. 

XIII. 

Schema: 8a 7b' 8a 7 b' || 7c|8d 8d7c^ % 

6 Strophen, 1 Toruada, coblas doblaa, abgesehen von c', welches durchgeht. 
Unikum, doch findet sich die gleiche Beimstellung sehr häufig. 

4. degota. Bayn. citiert nur dies eine Beispiel. 

8. gragelhar kann nicht „remuer'* heissen, wie Bayn. will, der die Stelle 
citiert und dessen Angabe noch meiner Uebersetzung S. 167 zu Grunde liegt, 
vgl. Raimbaut v. Vaqu. Gr. 392, 14, V.51 (Appel, Ined. S.270): 

E'n Föns fo ses iustaire^ 

qui que'n gragely 
de Monlaur, o que-n laire. 
Es ist = *gracellare für gr aciliare, gackern, s. Georges; Diez und 
Körting verzeichnen das Wort nicht. Also etwa: „das, was mir im Innern 
tönt"^ ähnlich spricht Peire V 2 von dem ^^chant nou qui'm gronh dins lo cais^^. 

9. guers „schielend", it. guercio, cat. guerxo^ v. germ. dwerh; bei Rayn. nur 
diese Stelle citiert. 

12. sabota, Rayn. citiert die Stelle und übersetzt sabotar mit „secouer, 
agiter^, Mistral B.Y.sabouti^ „secouer^ ebranler, cahoter^^; fr, sabot ist „Holz- 
schuh** und „Kreisel**, «afto^er „kreiseln**, Godefroy s.v.: „secouer, heurter^^ ; 
die ursprüngliche Bedeutung scheint demnach: „wie einen Kreisel umdrehen, 
umtreiben**, dann „hin- und herstossen, quälen'*. 

13. fradelh „ruchlos**, von ahd. freidiy abtrünnig, verwegen. 
15. destors von destorser {distor quere), verdrehen. 

iß. descapdelha, Rayn. s.v.: „ravir un chef, priver^^ ; citiert aus dem 
Gedichte auf den Tod König Roberts von Neapel: 

Bei senher Dieus! ben m'as descapdelhat 
de bon senhor, 
17 ff. Ich verstehe : „Betrüblich ist es mir, dass andernfalls, d. h., mit Be- 
ziehung auf das Folgende : wenn ich nicht schelte, der Wert dieser jetzigen Zeit 
allzu sehr sinken wird, und doch bin ich schon heiser vom Schelten, und es fruchtet 
mir nicht eine Maulbeere.** lieber die Erfolglosigkeit seiner Sittenpredigten be- 
klagt sich mit ähnlicher Wendung auch Marcabrun 37, Str. VIII (Studj 3,88): 

Sermonars ni predicansa 
No'm väl un ou de gaillina. 
21 — 24 verstehe ich nicht. 

cabetz, Rayn. verzeichnet cabes „chevet^^, Levy s. v. übersetzt „Hals- 
öffnnng, Kragen**, citiert ausser der vorliegenden Stelle noch ans Baurel u, 
Beton : Vene a Daurel e pres lo pel cabes (Gloss. f,tHe*% und verweist auf cabet, 



208 K. Zenker 

wo er, anlässlich des einen Beleges in der interpolierten Strophe auf Folquet 
von Marseille, s.o. S. 115, bemerkt: „Die Hds. hat cabes. Oder ist überall -etz 
einzusetzen?** Mistral cabesy cabet (Var), chdbei (lim.) etc. ^^chevet, traversin; 
grand panier que Von porte sur le dos etc." Appel möchte in cdbetz ändern 
und „Oeffnung, durch die der Kopf gesteckt wird," deuten". 

24. espelir ^^ faire iclore^* Bayn. 

27. es aitant für esse tant ist Konjektur. 

27—32 ist mir wieder unverständlich^ rascizelhar wird von Rayn. nicht 
verzeichnet und ist mir auch sonst nirgends begegnet. 

33. envers „verkehrt" ist Gegensatz zu dretz, vgl. Severi de Girona Gr. 434, 11, 
Str. ni: . . dels fis fay fals e dels dretz envers; estrait verbinde ich mit d'avols 
paires : ^abstammend als falsche und thörichte Söhne von schlechten Vätern". — 
Die von der Hds. gebotenen Formen mit s Verstössen gegen die Deklinations- 
regel und werden auch durch agait V. 43 als unursprünglich erwiesen. 

35. emhronc eigentl. „geneigt, gebeugt", dann„ verdriesslich", vgl. Le vy s. v.; 
Mistral, emhrounc „refrogne, morose^ maussade,*^ 

sebenc, bei Bayn. nicht verzeichnet, ist mir unbekannt. 

37. escudelha^ fr. ecuelUy „Schüssel", hier wohl „Gericht". 

39. fan quascus que a endec. Rayn. s. v. dec citiert ausser dem vor- 
liegenden Beispiel für endec noch eines aus den Äuz. cass, 2166 : e son d^auzels 
trop mals endecx und giebt als Bedeutung an „tare, difaut*^, während Le vy s. v. 
endec hier deuten möchte: „sie sind ein arges Uebel, eine schlimme Krankheit 
der Vögel"; unsere Stelle übersetzt Rayn.: „lawvre ecuelle . . . ilsfont chacun, 
qui a difaut'\ wozu Levy bemerkt: „das ist doch ohne Sinn. Dem Verse 
fehlt eine Silbe, was die Deutung erschwert ; mir bleibt die Stelle unklar." Da 
der Vers eben um eine Silbe zu kurz ist, wird er unheilbar verderbt sein, und 
es dürfte nutzlos sein, sich über demselben den Kopf zu zerbrechen. 

44. Man erwartet: „cum pros sia^*. — Man könnte auch daran denken, zu 
lesen : „c'um (= om) pros e«", „er achte darauf, dass man tüchtig sei . • .'*. 

45—48. Ist der Sinn: „Ein schlechter, gemeiner Mensch wird, d.i. würde, 
wenn er sich nur anstrengt und aufwacht (von seinem geistigen Schlummer), 
eben so schnell (wie ein anderer) tüchtig werden, wenn je ein Mensch es wurde, 
wäre ihm nicht die schlechte Gewohnheit hinderlich"? 

47. lec verstösst gegen die Deklinationsregel, ich sehe aber nicht, wie 
Abhülfe geschaffen werden könnte. 

51. ,,Und es steht darin kein falsches Wort, welches rostete", d. h. kein 
unschönes Wort, welches als störend empfunden würde. 

52. Mit diesem Verse weiss ich nichts Rechtes anzufangen und vermute, dass 
er irgendwie verderbt ist : desobre dolat d^astelha würde heissen : „oben (an der 
Oberfläche) abgehobelt von Splittern", d. i. durch Bearbeitung, Glättung der Ober- 
fläche von Splittern (also auch vom Roste) befreit. Dieser Gedanke würde als 
Prädikat zu mosversgui passen: „es kommt in ihnen kein falsches, rostiges Wort 
vor, vielmehr sind sie abgeglättet, von Unebenheiten befreit", aber ich sehe 
bei dem vorliegenden Wortlaut keine Möglichkeit, eine solche Beziehung her- 
zustellen, und wüsste auch keine plausible Emendation vorzuschlagen. V. 51 etwa 
als Parenthese zu fassen und 52 als Apposition zu ilhf dürfte doch kaum angehen. 



R. Zenker 209 

XIV. 

Schema: 4a 4a 8b 4c 4c 8b. 

8 Strophen, a und c wechseln von Strophe zu Strophe, b geht durch. 

lieber diese Strophenform handeln S u c h i e r , Jahrb. 14, 144 und Maus 
S. 68 ff. Sie begegnet noch Marcabrun 16 : D^aisso lau deu (Bartsch, Leseb, S. 54), 
id. 20: D^un estrun (Jakrb, 14, 144; von Bartsch im Verz. dem Marcabrun ver- 
sehentlich zugeschrieben, rührt vielmehr von Audric de Vilar her, vgl. Suchier 
a.a.O.)) id. 43: Seigti'en Alric (ib. S. 147; ist Antwort Marcabruns auf 20), 
Peire Cardenal 42: Fredicator (M. 6^.941); in einem religiösen Gedichte {Bihl. 
de VEc, d, eh. 1860, S.484, V. 11--31 und 47—73); ferner im Ensenhamen des 
Guiraut von Cabreira (Bartsch, Benkm. S. 88) und des Guiraut von Calanson 
(ib. S.94). Die übrigen Gedichte, welche Maus a.a.O. noch anführt, können 
nicht in Betracht kommen, da sie nur in der Reimfolge, nicht im Metrum überein- 
stimmen. Als Vorbild dürfte für Peire v. Auv. in erster Linie Marcabrun 16 
gedient haben, daneben scheint aber auch das Gedicht des Aldric von Einfluss 
gewesen zu sein : Marc. 16 ist Peires Gedicht inhaltlich nahe verwandt, insofern 
hier der Dichter sich, wie auch Peire thut, über sich selbst äussert — er rühmt 
seine geistigen Fähigkeiten wie Peire V. 39 — und ausserdem gewisse Klugheits- 
regeln aufstellt; die in Str. III gegebene Lehre ist geradezu identisch mit der, 
welche den Hauptinhalt des Peireschen Liedes ausmacht: 

C'assatz es lag, 

sHntraU en plag 
dort no sahetz a lutz issir^ 

e non es ho 

qui-nquer razo 
e no la sap hen defenir; 

ausserdem scheint Str. V beeinflusst durch Str. VIU des Marcabrunschen Liedes, 
vgl. Anm. zu V. 25 ; mit dem Gedichte des Aldric aber hat das Peires den 
Reim b: ar gemein: 

Peires Gedicht wiederum wurde dann vermutlich von Peire Cardenal nach- 
geahmt, da dieser gleichfalls für b den Reim ar verwendet, und sein Gedicht, 
wie das P.'s v. Auv., Lehren der Lebensweisheit enthält. Dass P. v. Auv., nicht 
Aldric von P. Cardenal nachgeahmt wurde, ist auch aus dem Grunde wahr- 
scheinlich, weil letzterer auch die Form eines anderen Liedes von unserem 
Dichter entlehnt hat, vgl. S. 183. In Anbetracht der Thatsache, dass zwei von 
den Gedichten dieser Form, die beiden Ensenhamens, die Künste aufzählen, die 
ein Joglar verstehen solle, dass in D^aisso lau deu Marcabrun die Künste her- 
zählt, in denen er selbst gewandt ist, und dass auch die Gedichte Aldrics und 
P. Cardenal s solchen aufzählenden Charakter tragen, äussert Suchier die mir 
recht ansprechend scheinende Vermutung, es sei Regel gewesen, „dass der 
Joglar, ehe er seine Vorträge und Kunststücke begann, in dieser Form seine 
Zuhörer wissen Hess, in welchen Künsten er bewandert war und von welchen 
Stoffen seine Lieder handelten''. 

3. qui = si om. 

Zenker, Peire von Aavergne. ^^ 



210 R. Zenker 

6. vergonhar „schänden", d.i. verunstalten, verändern: Peirewill die Worte 
so künstlich stellen und so dunkle, schwerverständliche Ausdrücke wählen, 
dass die Jogiars darauf angewiesen sein werden, seine Gedichte Wort für Wort 
auswendig zu lernen und darauf verzichten müssen, sie ungenau und willkürlich 
wiederzugeben. Auch Marcabrun rühmt sich, dass er die Kunst besitze, seine 
Verse so zu gestalten, dass „kein anderer Mensch ihm ein Wort aus denselben 
entfernen könne«, Gr. 293,9 (M. W. 1,53), Str.I: 

Äujatz de chan com enans' e meillura, 

e MarcäbruSf segon s^entensa pura, 

aap la razo e'l vers lassar e faire 

8% que autr*om no V en pot un mot traire. 

8. compas eig. „Zirkel", dann „Mass", auch „gleicher Schrittes per compas 

„in massvoller, gleichmässiger Weise*'; Godefroy, Dtc^. s. v. : „a compas, par 

compas, loCj tres regülürement, avec arty exactement, ä poinf*-^ vgl. auch Diez, 

compasso, Jehan de Condä bei Bartsch u. Horning, Langue et 2tY<«/r., Paris 

1887, Sp. 662, 33 : 

aucun en (sc. des jacobins) vivent par compas, 

ce tieng je hien, 

Sans harat et sans mal engten, 

9. lo segle demenar „die Welt führen, lenken", d.i. sich mit der Welt 
abfinden. 

10—12. Vgl. III, 15. Der Gedanke ist wohl der gleiche wie Str. III und 
IV: derjenige handelt verkehrt, der sich sein Ziel zu hoch steckt, der Dinge 
unternimmt, welche seine Kräfte übersteigen. 

16. Das Bild ist offenbar vom Joglar genommen, zu dessen Künsten wohl 
auch gehörte, schwere Gegenstände mit dem Munde zu tragen; A. Schulz, 
Höf, Leben* I, 569 ist ein Jongleur abgebildet, der eine Lanze auf der Nase 
balanciert. 

22. captens. Da die ursprüngliche Bedeutung von captener ist „das Haupt 
tragen, Haltung haben*', so fasse ich trop captens im Sinne von: „das Haupt 
zu hoch tragen, sich zu sehr in die Brust werfen.** 

25. Das deutsche und franz. Sprichwort: „Ein Sperling in der Hand ist 

besser als eine Taube auf dem Dache**, welches ähnlich auch im Prov. begegnet, 

vgl. Zs, /. rom. Phil. 16, 450 Anm. Ausserdem hat Peire gewiss Marcabrun 16, VIII 

vorgeschwebt ; 

Mos alos es 

en tal deves 
res mas ieu no s'en pot jauzir; 

aissi es claus 

de pes navaus 
que nuls no lo'm pot envazir. 

28. parras, s. f., „ererbtes Grundstück, kleiner Garten**, vgl. Mistral, 
paran: ,, Petit jardin qui est derriere une maison, endlos entouri de murs, en 
Languedoc . . . ; pre ou champ de premihre valeur situi prls de la maison, en 
Rouergue . . .**. M. führt als mlat. Formen paranus, parana, parrana an. 



Peire von Auvergne 211 

37—42. Ich vermute, dass der Dichter hier seinen Entschluss, ins Kloster 
zu gehen, anküudigt; mit dem „geschützten Orte (abric)*^ wird eben letzteres, 
mit dem Freunde Gott gemeint sein. 

43 — 48. Ich verstehe: „Wenn dieser Schritt, den ich zu thun gedenke, 
ein verkehrter sein sollte, so handle ich verkehrt, thöricht, eben in dem Streben, 
verständig zu handeln.** In welchem Zusammenhang damit der folgende Ge- 
danke steht: „Nach meinem Tode tadele man mich nicht wegen dessen, was 
ich zu vergessen wünsche'*, ist mir allerdings nicht recht klar. 



XV. 

Schema: 7a7b'7b'7a7c7c 7V. 
9 Strophen, 1 Tomada, coblas unisonans. Unikum. 

2 — 7. Ich folge in der Textkonstitution Appel. Lbyj a, v. cridador 
citiert die Strophe und bemerkt dazu: „Bayn., der nur Z. 3 anführt, citiert 
dieselbe Zeile nochmals II, 430 s. v. cuiaire und liest hier can s^aizinal cugiaire. 
Er deutet II, 430 „quand le presomptueux se donne Vair avantageux'^ , was 
gewiss verkehrt ist, und II, 516 „quand la sentinelle s^apprite*^, was keinen 
Sinn giebt. Appel deutet cujairey „der etwas zu thun gedenkt, aber mit der 
Ausführung säumt**, und übersetzt die Stelle folgendermassen: „denn wenn der 
Plänemacher seine Müsse hat, ist er freigebig mit dem Wollen, aber der, der 
weiss, dass Gefahr im Verzuge ist, ist kein Säumer." Ich verstehe die Stelle 
nicht. Jedenfalls ist cridador „sentinelle'* unsicher'*. — Dafür, dass cuidaire in der 
That die richtige Lesart ist, spricht die Uebereinstimmung der Hdss. T E a 
mit V; nur heisst cuidaire nicht, wie Appel meint, „der Plänemacher**, 
sondern, wie aus den bei Godefroys. v. cuideor verzeichneten Beispielen 
hervorgeht, und derselbe auch richtig angiebt, ,,presomptueux^'y „der Uebermütige, 
Selbstgefällige, derjenige, der von seiner eigenen Person eine zu hohe Meinung 
hegt** = oUracujat (vgl. V. 21 !), afr. outrecuidanty wie cuiderie ^^prSsomption^^y 
se cuidier „avoir de la presomption^\ vgl. Godefroy zu diesen Worten, der 
bemerkt, dass cuide noch in einigen Patois die Bedeutung ^^presomptueux^^ 
besitzt. Im übrigen scheint mir die von Appel vorgeschlagene Deutung durchaus 
plausibel; der Sinn der Stelle ist dann also: „Wenn der Uebermütige seine 
Müsse hat, dann ist er manchmal freigebig mit dem Wollen (nämlich, sein Bestes 
zu thun, aber es bleibt bei dem Wollen!); aber wer vorher benachrichtigt ist, 
dass ihm ein Ueberfall bevorsteht, der ist kein Säumer (eben wieder: de son 
tnielhs a fairey^ Mit dem agaitZy dem Hinterhalt, ist gemeint der Tod, von 
dem der Mensch weiss, dass er ihm nicht entgehen kann; darum soll er recht- 
zeitig mit seinem Pfunde wuchern, bevor es zu spät ist, und es nicht machen 
wie der Uebermütige, der nicht übers Wollen hinauskommt. 

8. „Demgegenüber**, d. h.: im Gegensatz zu der Handlungsweise des cuidaire, 

8—11. „Stelle dein Licht nicht unter den Scheffel!" — bekanntlich ein 
bei den mittelalterlichen Autoren unendlich oft wiederholter Gedanke. 

13. techir^ it. tecchirCf afr. tehir (= got. theihan) „gedeihen, zunehmen, Fort- 
schritte machen'*; Appel bemerkt, besser bezeugt sei zwslt requitz, aber es sei 

14* 



212 R. Zenker 

wahrscheinlicher, dass das leicht verständliche riquir an Stelle des seltenen 
techir getreten sei, als umgekehrt. 

22 — 24. Die Deutung dieser Strophe ist mir sehr zweifelhaft. Ich fasse 
vermutungsweise V. 25flf. als Nachsatz zu V. 22— 24 und verstehe: „Da Gott 
mir das zeigt, worin ich wie in einem Spiegel mein Bestes erblicken und mit 
Hülfe dessen ich das Schlechte abthun kann: (so sage ich) je mehr Wissen ein 
Mensch hat, um so mehr Verstand wird von ihm verlangt, und der fehlt am 
meisten, der da, wo es ihm not thut, ihn zurückhält." Das saher besteht eben 
in der durch das vezer gewonnenen Erkenntnis; der Dichter will also sagen: 
„Da Gott mich erkennen lässt, was zu meinem wahren Besten dient, so verlangt 
er auch, dass ich diese Erkenntnis nutzbringend verwerte und ihr gemäss 
handle." Appel setzt hinter V. 25 Fragezeichen, betrachtet also V. 26 als 
Antwort darauf: ich vermag aber bei dieser Auffassung keinen Sinn in den 
Text zu bringen; dass on — on bedeutet „je — desto**, dürfte doch kaum 
zweifelhaft sein. 

29. A. druckt: Mas si'n sabi^ a dieus^ ver! und merkt an: „Dies die Les- 
art der besten Hds. E und von T, das sonst mit C R zusammengeht; — „wenn Gott 
daher Gefallen käme {saber = saber bOj wie „schmecken" = „gut schmecken"), 
wahrlich . . ."? kaum annehmbar; saber ist in solcher Verwendung wenig 
wahrscheinlich und auch ver macht Schwierigkeiten. Ich weiss keinen Rat. 
Die Lesart von CR ist einfach, aber sicher nicht ursprünglich. Uebrigens ist 
die Strophe hier schwerlich an richtiger Stelle. Eher scheint sie nach Str. 7 
oder auch nach 3 stehen zu sollen." 

Die von A. frageweise vorgeschlagene, aber von ihm selbst bezweifelte 
Auslegung scheint mir in jedem Falle unmöglich. Doch weiss ich mit dem 
Verse auch nichts anzufangen ; offenbar ist er in allen Hdss. korrumpiert. Das 
^alua in V, das leicht aus sabia verlesen werden konnte, macht wahrscheinlich, 
dass letzteres schon in o stand, femer ist aus mover in V, lo ver in a für o 
over zu erschliessen ; wie ist der Vers aber im übrigen zu gestalten? In der 
im Text stehenden Fassung hat er eine Silbe zu viel. Der Sinn muss der sein, 
den auch CR mit ihrer allerdings gewiss nicht ursprünglichen Fassung hinein- 
legen: „Wenn Gott es so haben wollte" oder : „Wenn Gott es nicht anders haben 
wollte". Lowinsky , Zumgeistl, Kunstliede S. 171 Anm. 41 schlägt vor, zu lesen : 
Mas si'n sahja dieus lo ver: „Aber Gott möge doch die Wahrheit hierüber 
erfahren"; das geht jedoch nicht an, da dann zu V. 30 ja der unentbehrliche 
Vordersatz fehlt. 

30flf. Ich übersetze: „Ich würde auch jetzt noch Genosse von Jugendsinn 
sein und Werber, wenn die vornehmen Leute, denen zum Danke es geschieht, 
fröhliche Gesichter machen, aber die falsche Welt ist so schlecht, dass ihre 
Handlungen gering sind gegenüber dem Geschrei", d. h. also : „Ich würde auch 
noch fernerhin, — wie ich bisher gethan — wenn die Vornehmen vergnügt sein 
wollen, meine Kunst ausüben und an dem fröhlichen Treiben teilnehmen; aber 
(ich verzichte darauf, denn) die Lust der Welt ist eitel, und all diese lärmende 
Fröhlichkeit (Jbraire) innerlich hohl (thatlos, dient nicht unserem wahren Nutzen)." 
Appel setzt hinter enqutstaire Punkt und druckt V. 32 sil, nimmt es also als 
Demonstrativum; auch diese Auffassung wäre allerdings wohl möglich, es wäre 



Peire von Auvergne 213 

dann m. E. zu deuten: „Diese reichen Leute, denen zum Dank es geschähe 
(wenn ich noch confraire etc. wäre), eind fröhlich und guter Dinge, aber (sie 
thun Unrecht daran, denn) die Welt ist eitel etc." 

34. mas si'l fals segV es mestitz. Vgl. Marcabrun 19, Str. V: Per qucl 
segles deven mestitz, 

40 f. „Grösseren Dank erntet, wer zuschlägt, bevor der Gegner zugeschlagen 
hat, als wer wartet, bis er selbst getroffen wurde," d. h. : Wenn einer bei Zeiten 
in sich geht, so wird ihm das höher angerechnet, als wenn er wartet, bis sein 
letztes Sttindlein geschlagen hat (der Schlag des Todes ihn getroffen hat). 

43. „Die Menschen hätten Grund, das mehr zu fürchten", nämlich das o metre 
a nonchaler, 

45. A. druckt: que hom non es reguardaire, merkt aber an, vielleicht sei 
deu aus Hds. a vor reguardaire aufzunehmen. Dass diese Vermutung in der 
That zutrifft, ergiebt sich aus der Uebereinstimmung von a und V {lieu)^ welch 
letzteres A. noch nicht zugänglich war; der Ausfall von dieu ist danach ein 
in a entstandener Fehler. 

48 f. Ich verstehe: „Wenn dem Menschen der Abend nicht hell anbricht, 
dann glaube ich nicht, dass er sich ihm noch nachträglich {pueis, nachdem die 
Dunkelheit bereits begonnen hat) aufklärt", d. h.: Wer nicht rechtzeitig in 
sich geht (so dass es für ihn eine Dunkelheit am Abend seines Lebens über- 
haupt nicht giebt), dem wird es auch nichts helfen, wenn er noch in der letzten 
Minute (wenn die Dunkelheit hereingebrochen ist) mit Gott seinen Frieden 
machen will; die Reue kommt dann zu spät. 

50. A. druckt: -d., he"m degratz voler und übersetzt: „wohl solltest du 
mich (besitzen) wollen", bemerkt aber: „Hds. a hat degra doler, dann würde 
man aber eher schreiben müssen: he *us degra doler, und das würde gut passen." 
Ich vermag mit A.s Deutung keinen Sinn zu verbinden und halte die Lesart 
he-m degratz voler für unmöglich. Lowinsky, Zum geistl, KunsÜiede S. 171 
Anm. 42 liest mit a: hem degra doler. — Die Uebereinstimmung von V und a 
spricht für degra, andrerseits könnte die Uebereinstimmung von V und den 
übrigen Handschriften für voler zu sprechen scheinen*, indes, da das Gedicht 
in V so stark verlöscht ist, dass Grützmacher, Archiv 36,425, es für un- 
leserlich erklärte, ist die Vermutung zulässig, dass V in der That doler hat, 
wie a, und nur eine Verlesung Crescinis vorliegt; sollte dem aber auch nicht 
so sein — und die Annahme ist gewiss etwas gewagt — , so wäre es doch 
recht wohl möglich, dass zwei Kopisten unabhängig von einander ein doler in 
voler verlasen, indem ihnen vielleicht die häufige Wendung y,be voler ad alc, 
einem wohlwollen", vorschwebte. Ich glaube deshalb, wie A. vorschlägt, be'us 
degra doler als die ursprüngliche Lesart betrachten zu dürfen: „Liebe, wohl 
hättet Ihr Grund, gekränkt zu sein, wenn ein anderer Werkmeister als der ge- 
rechte Richter imstande wäre, mich von Euch zu trennen; denn Ihr seid es, 
durch die ich bereichert wurde, etc.", d. h.: „Ihr hättet Grund, mir Vorwürfe 
zu machen, nämlich wegen Undankbarkeit, wäre es nicht Gott selbst, der mich 
veranlasst, Euch den Rücken zu kehren'*; diese Auslegung scheint mir auch in 
V. 63: no'tis pes s^ab vos non repaire, eine Stütze zu finden. Enginhaire ist 
der Ingenieur, der Techniker, Maschinist; Gott wird also hier in einer ohne 



214 R. Zenker 

Frage recht geschmackloBen Weise verglichen mit einem Ingenieur, der mit 
seinen Maschinen einen schweren Gegenstand von einem Ort zum andern schafft. 

56. Der senhor de ßelcaire ist Graf Baimund V. von Toulouse, vgl. S. 31. 

62. Ans dem Handschriftenschema ergiebt sich, dass im Original e mais 
gestanden haben muss, woraus a e pos, a uei mais gemacht hat. A. : huey mais, 

64 — 68. Appel druckt V. 67: no, dieus, for^ enquer partitz und übersetzt 
V. 65: „Wollte mich nicht so edler Leiter in Führung haben . .", betrachtet 
also V. 64, 65 als Vorder-, 67, 68 als Nachsatz, bemerkt indes „die üebcr- 
lieferung der Tornada sei derart, dass er nicht vermeine, einen sehr zuverlässigen 
Text davon gegeben zu haben". Was zunächst V. 67 angeht, so wird die Les- 
art von CR durch das Filiationsverhältnis als unursprünglich erwiesen; sodann 
macht das dons in E ein deus für y wahrscheinlich, da jenes leichter aus deus 
als aus dtett€ verlesen werden konnte. Ich halte nun deus für die ursprüng- 
liche Lesart und fasse es = de vos, da partitz doch notwendig die Angabe 
fordert, von wem denn Trennung stattgefunden hat, und mir ein Ausruf dieusly 
wie A. ihn annimmt, hier recht hart vorkommt; im übrigen stimme ich der 
Auffassung A.s zu und tibersetze also: „Wenn mich nicht so ein edler Leiter 
in Führung haben wollte . . ., so hätte ich mich noch nicht von Euch ge- 
trennt etc." 

XVI. 

Schema: 8a8b8a8c8d8c8e. 
7 Strophen, 1 Tornada, coblas unisonansy d und e sind Körner. Unikum. 

10. loutracujat ist als ein in x oder y entstandener Fehler zu betrachten, 
da die Personifikation des Abstraktums albir^ besonders im Plural, sich doch 
sehr hart machen würde; B hat das empfunden und ändert deshalb in Voutra- 
cudat d^albir. Subjekt des Satzes sind „sie'S d. i. die Menschen. 

13, 14. Ich verstehe: „Wir sehen, wie das Gute rasche Fortschritte macht, 
aber trotzdem werden die Spötter nicht müde, es zu verfolgen." 

15,16 sind mir unverständlich; 16 ist sicher verderbt, schon deshalb, weil 
coratge estout V. 30 wiederkehrt. 

18 ff. Der Sinn ist: „Wer Fähigkeiten besitzt, der soll sie nicht brach 
liegen lassen, sondern zu seinem und der anderen Nutzen verwenden.'* 

21. „Die Verräter werden alle lahm geboren." Der Lahme kann sich nicht 
oder nur langsam vom Flecke bewegen. Ich verstehe deshalb: „Wer nicht von 
der Stelle kommt, nicht fortschreitet, nichts leistet, der ist von schlechter Art, 
wie der Lahme, der sich nicht vorwärts bewegen kann, oft ein Verräter, ein 
ruchloser Mensch ist.'* Die letztere seltsame Vorstellung erklärt sich wohl aus 
der übertragenen Bedeutung von „hinken", die ich für provenzalisches clopchar 
zwar nicht nachweisen kann, die aber Godefroy für afr. clochier verzeichnet: 
ffiiaisery user de finesse^^ ; vgl. unser „schleichen". 

23. Die Stelle wird von Levy als einziges Beispiel für comout mit der 
Bedeutung „Fülle" citiert. — Ich nehme an, dass auch diese Strophe wie die 
folgende bildlich gemeint ist: Wie derjenige, welcher irdische Güter besitzt 
und sich ihrer erfreuen will, gut thut, damit nicht bis zu seinem letzten Stünd- 
lein zu warten, wo alle Schätze keinen Wert mehr für ihn haben, so möge der 



Peire von Auvergne 215 

Mensch bei Zeiten auf sein Seelenheil bedacht sein und die Mittel, welche Gott 
ihm zu dessen Erreißhang darbietet, nach Kräften nutzen. 

25. In V wird wohl auch stehen un mueg oder muey und von Grtitz- 
m a c h e r nur nicht richtig gelesen sein. Vermutlich liegt hier eine Reminiszenz 
vor an eine Stelle bei Marcabrun 22, Str. VII (MiU S. 81): 

E cel qui plus Vama acuülir (sc. Vaver)^ 
can venra dl derrier hadaill, 
e mil marcs non daria un ailly 
si lor fara la mortz pudir. 

37. vout hier „Kruzifix" vgl. Anm. zu XII, 36. 

39. Das sinnlose pus mortz laucis in aET stellt einen in x oder y ent- 
standenen Fehler dar. 

42. al temps „im entscheidenden Momentes ^* i* ^^ der Todesstunde. 
44. escoutf nfr. ecoute, ^^action de faire le guet^\ Hinterhalt ; der Tod wird 
als ein im Hinterhalt liegender Feind gedacht. Die Stelle wird bei Rayn. s. v. 
citiert. 

45 f. Mit gleichem Bilde sagt Folquet von Romans IX 37 ff.: 

NoY^ i a frevol ni fort 
que tan sapcha d^escremir 
qyCa la mort pueaca gandir, 

XVII. 

Schema: 8a 8b 8b 8a 8c8d 8c8d. 

9 Strophen, 1 Tornada, cohlas unisonans. Gleiche Form, aber nicht gleiche 
Reime haben Ricart de Tarascon 1 : Ab tan de sen cum deus m^a dat (M. G, 134) 
und Guiraut Riquier 48: Caritatz et amors e fes (M. W. IV, 38), bei dem überdies 
die dritte Silbe der ersten Zeile jeder Strophe den Binnenreim b aufweist. 
Nachahmung Peires braucht in Anbetracht der Einfachheit der Form bei keinem 
von beiden angenommen zu werden. 

1—4. Der Sinn ist : „Wenn ich von Gott gut reden will, so kann ich nicht 
wenig sagen, denn auch das Wenige ist schon viel; ich bin aber ebensowenig 
imstande, viel von ihm zu sagen, denn auch das Viele ist verhältnismässig, 
im Vergleich zu dem, was noch zu sagen bliebe, wenig." 

2. issernir^ eissernir = * excerntre, „unterscheiden, auslesen, darlegen, aus- 
einandersetzen, it. scernire*^, 

19. Ich fasse que = „denn**; man könnte aber auch das Semikolon V. 18 
streichen und den Satz als abhängig von alhir nehmen: „dass er nicht daran 
denkt, dass er sterben muss.'' 

21. flairor. Es ist der Verwesungsgeruch gemeint. 

29. si contra' l cor, Subjekt ist arquier. 

39 f. Can für ca, qua in RC ist Konjektur; ich verstehe: „Wenn das böse 
Fleisch Wohlgeschmack hat (für den Menschen), so nimmt der Geist dadurch 
Schaden." Man könnte auch für can cui lesen : „Wenn sie für einen etc." 

54. Ich nehme terrier in dem Sinne, den es nach Mistral s.v. terrie noch 
jetzt in Limousin hat: j^terroir*', „Grund und Boden", also: „Wer ein Lehen 



216 K, Zenker 

inne hat von dem Grund und Boden eines anderen/* Terrier heisst sonst auch 
,,Laudesherr'' und autrut als Obl. des adjektivischen Pronomens ist belegt, vgl. 
Appel, Chrest.y Gloss. autre; aber „ein Lehen von einem anderen Landes- 
herrn'' ist doch sinnlos. 

55 f. Der Sinn ist: Auch wenn er die besten Früchte seinem Herfh als 
Zehenten entrichtet, thut er damit nur wenig, ist er karg. 

58 f. Es handelt sich um den Glauben, dass die zum jüngsten Gericht Ver- 
sammelten Christus am Kreuze erblicken werden, vgl. Folquet v. Romans X 33: 

Ailas caitiu! com grieus er la dölors 
e que direm^ quan serem ajostat 
en camp fiorit, on veirem clavellat 
dieu en la crotz per totz nos peccadors . . . 

Vgl. dazu Appel, Literaturbl, ISdQt Sp. 167. 

64. se deveziran ist Konjektur, auf die die Lesart von a hinführt. „Unter 
grosser Freude und unter grossen Sehmerzen werden sich zwei Wege trennen", 
d. h. : werden die Anwesenden zwei verschiedene Wege einschlagen. 

65. „Alle Schätze, die der Mensch bei seinem Tode bienieden zurücklässt, 
helfen ihm nichts, wenn er sie nicht so zu verteilen weiss, dass ihm aus ihnen 
Nutzen erwächst", d.h., wenn er sie nicht in einer Gott wohlgefälligen Weise 
zu guten Werken verwendet. 

70. vilan e clerc e cavalier. Auf diesen Vers in der verderbten Fassung von 
C, die ihm allein vorlag, gründet Schultz-Gora in seiner Abhandlung „Zum 
üebergange von Eigennamen in Appellativa'^f Zs, /. rom, Phil. 18, 134 die An- 
nahme eines Appellativums rohere, als dessen Etymon er den Eigennamen 
Eohert betrachtet und das er im Sinn von „gewöhnlicher Mensch" oder „Bauer" 
fasst. Indessen ist, wie aus den Variauten hervorgeht, roheres in C ebenso wie 
rehec in R nichts als eine Verlesung von e clerc; dass dieses die ursprüngliche 
Lesart ist, kann im Hinblick auf die Zusammenstellung mit vilan und cavalier 
keinem Zweifel unterliegen. Auch die Erklärung der falschen Lesung bietet 
keinerlei Schwierigkeit: c wurde zu r, c zu o (bezw. e), l zu h verlesen, alles 
Verlesungen, die in der Schrift des 12. und 13. Jahrhunderts sehr nahe lagen. 

XVIII. 

Schema: 7a7a7b7a7b7b8c. 
13 Strophen, 1 Tornada^ cohlas Singulars, nur c geht durch. Unikum. 

12. hrondils. Ich weiss mit diesem Worte nichts anzufangen; pr. hrondtll, 
hrondely npr. broundiho, broundilho bedeutet „Zweiglein", was hier keinen Sinn 
giebt. Rayn. s. v. hrondelh citiert die Stelle und übersetzt: „avec assemhlage 
d'etranges atours^', gewiss unrichtig; Levy führt das Wort nicht auf. Vielleicht 
liegt Verderbnis vor. 

aturs „Streben, Bestrebung", vgl. Levy s.v., der übrigens die vorliegende 
Stelle nicht citiert. Der Ausdruck estranh atur findet sich auch bei Marcabrun 13, 
Str. VI (Archiv 33, 341), wo die Rede ist von der „amistat d^estrain atur, Falsa 
del lignatge Ca'im, Que met los sieus a mal ahur*^. 



Peire von Anvergne 217 

15. Das Handschriftenscliema erweist die Lesart von C R als unursprünglich. 
Vielleicht war die seltene 1. Pf. fesi der Grund der Aenderung. 

16. Ich verstehe: ,,Wenn ich auch nicht den Mut habe, alle meine Ver- 
schuldung so offen und rückhaltlos einzugestehen, wie ich sollte." 

30. tremol, noch npr., s. Mistral s.v. tremoulis (mit der speziellen Be- 
deutung „Erdbeben**), Verbalsubstantiv zu tremolaVy Nebenform von tremblar^ 
wird von Diez und Körting nicht verzeichnet. 

31. Es liegt die Vorstellung zu Grunde, dass die Sünden der Menschen im 
Himmel bis zum jüngsten Tage aufbewahrt werden, vgl. Folquet von Romans VIII 15 : 

e 80 qu'aurem de toH e de peccat 
tröbarem tot al jorn del jutjamen. 

32. treboly npr. trebouly afr. trihol^ Verbalsubstantiv zu trebolar^ „Verwirrung, 
Aufregung, Not"; tribouz (pl.) de cest siede, triboül de cors e d'anneSf trihol del 
siecle in den bei Godefroy s. v. citierten Beispielen; y hat offenbar unter 
dem Einflüsse des tremol V. 30 für trebol tremol eingeführt, B dieses zu cremol 
verlesen, wenn wirklich in der Hds. so steht und nicht doch vielleicht tremol^ 
wie denn in R beide Lesungen möglich sind. Für R ist entweder eine zweite 
Quelle des Typus y anzunehmen, oder — was recht wohl denkbar ist — der 
Schreiber wurde unabhängig von y durch das vorausgehende tremol beeinflusst. 

36. Sidrach, Misach, Ahdenago sind die Namen der drei Männer im Feuer- 
ofen, Daniel III, 12. 

39. Zac, pr. und afr., wie schon lat. lacus^ auch „Grube", wird speziell 
häufig von Daniels Löwengrube gebraucht, vgl. Rayn. und Godefroy s. v,, so 
schon lat. la(M8 leonum, vgl. Georges s. v. 

40. ah utero ist natürlich Latinismus; der Ausdruck findet sich übrigens 
in der Vulgata nicht, die venter gebraucht. 

41. eis treis reis contra Ero, Gemeint sind die drei Könige aus dem 
Morgenlande, Ero = Herodes; dass letzterer ihnen nachgestellt habe, sagt das 
Ev. Matthaei nicht, es heisst II, 16 nur : Tunc Herodes videns, quoniam illusus 
esset a Magis, iratus est valde, et mittens occidit omnes pueros etc., dagegen 
findet sich die betreffende Angabe im Evangelium des Fseudo-Matthaeus c. XVII 
(Tischendorf, Evangelia apocrypha, Leipzig 1876, S. 84): Videns autem 
Herodes rex quod illusus esset a magiSy inflammatum est cor ejus^ et misit per 
omnes vias volens capere eos et interficere. Quos cum penitus invenire non po- 
tuissetf misit in Bethleem et occidit omnes infantes etc. 

42. Susanna entre ' Is /als guirens. Nach der apokryphen Geschichte der 
Susanna im Buche Daniel wurde diese, die Frau des reichen Juden Joakim zu 
Babylon, von zwei israelitischen Aeltesten, die sich vergeblich bemüht hatten, 
sie zu verführen, aus Rache des Ehebruchs angeklagt und infolge falschen 
Zeugnisses zum Tode verurteilt, aber durch die Weisheit und Prophetengabe 
des jungen Daniel gerettet-, vgl. Herzog, Eealencykl, /. prot, Theol. u. Kirche^ 
3. Aufl. V. A. Hauck, Leipzig 1896, I, 639. 

43. Centurios, Die biblische Erzählung vom Hauptmann und seinem Knecht, 
Ev. Matth. 8, 5 ff. In dem centurio der Vulgata sah man bekanntlich fälschlich 
einen Eigennamen. 



218 K. Zenker 

51. al covit Ärchetricli. Gemeint ist die Hochzeit von Kana: wie centurio, 
so fasste man archetricUnus {Ev, Joh, 2,8: Et dicit eis Jesus: Haurite nunc, et 
ferte archetricUno) als Eigennamen und zwar als den des Gastgebers, so dass 
man nun von einem „Gastmahl des Archetriclinus'' sprach. 

.'Vö f. lo voutz de Luca, Mittelalterlicher Legende zufolge wäre der Evangelist 
Lukas Maler gewesen *, er sollte ein Bildnis der Madonna mit dem Kinde — das 
offenbar hier gemeint ist — sowie auch der hervorragendsten Apostel nach dem 
Leben gemalt haben; so schon im 10. Jh. Simeon Metaphrastes, Vita Lucae 
c. 6; Nicophorus Callistns, ^t^t. eccL II, c. 43 (Migne, Patröl. gr. 145,875: 
Fertur is quoque primus Christi et quae [atque?] item principum apostolorum 
effigiem pingendi arte adumbrasse: unde in omnem deinde häbitabilem orbem 
tarn venerandum et pretiosum opus est illatum). Solche „Lukasbilder** werden 
noch jetzt zu Rom, Bologna und anderen Orten verehrt, vgl. Wetzer u. 
Weite, Kirchenlexikon, 2. Aufl., Freib. i. Br. 1893, VIII, 183 (wo die Vermutung 
geäussert wird, die Sage sei dadurch veranlasst, dass Lukas „uns in seinem 
Evangelium ein so schönes Bild der Mutter Gottes und der Kindbeits- 
geschichte gezeichnet habe** [V])*, Herzog, Eealenc. unter Lukas; Meyer, 
Konversationslex, 1896 ib. Auf welches Mirakel Peire Bezug nimmt, weiss ich 
nicht zu sagen. 

59. e'l sol el cel. Dass sol hier „Erdboden** bedeute, ist, da die Erde 
schon V. 57 erwähnt wurde, wenig wahrscheinlich ; ich fasse es vielmehr als 
„Sonne*' und sehe in dem folgenden el: en lo: „die Sonne am Himmel**. 

63. e dampnetz per serpen serpens, Lowinsky S. 212, dem freilich nur 
der Raynouardsche Druck und B vorlagen, vermutet frageweise : c dampnetz per 
sert serpens und meint, es sei von der Schlange im Paradiese die Rede. Es 
handelt sich aber natürlich um die feurigen Schlangen in der Wüste und die 
von Moses aufgerichtete heilkräftige eherne Schlange, Moses 4, c. 21, 6 ff. 

64. „Die Eurigen fanden Ruhe**, d. h. sie wurden vom Schlangenbiss geheilt. 
66. Vissauses sc. lo serpen, 

68. Die Befreiung Petris aus dem Gefängnis, Apostelgesch. 12, 7. 

69. sanh Peire = a s. P. 

e' l fezes cert etG, Ist zu übersetzen: „Ihr machtet ihn gewiss (stärktet 
seinen Glauben), indem Ihr ihm mit Euren Heimsuchungen zu, setztet?** In 
der Version von CR hat der Vers eine Silbe zu wenig. 

71. plebs ist natürlich Latinismus^ lor sc. der Juden. 

74. en fogi. So ist nach Sternbeck, Unricht, Wortauf st. S. 37f. zu 
schreiben und enfugir bei Rayn. III, 406, 1, no. 9 zu streichen, 

78 ff. „König zu Nazareth**, oder „Zu Nazareth, König Jesus . . ., bete ich 
(Euch) in der Dreieinigkeit droben an** scheint keinen rechten Sinn zu geben. 
Ist zu verstehen: „Euch, der Ihr zu Nazareth lebtet, .bete ich dort (im Geiste) 
an** ? De Nazareth in B, das auch mit dem vorausgehenden vengues verbunden 
werden könnte: „Ihr kamt von Nazareth nach Jerusalem**, würde gut passen, 
dürfte aber durch die Uebereinstimmung der übrigen Handschriften aus- 
geschlossen sein. 

90. regum pitis, Latinismus ; regum rex findet sich bei Marcabrun im Verse, 
9, Str. IX {Choix IV, 305): Sei qu'es e fo regom recx e salvaire. 



Peire von Auvergne 219 

XIX. 

Schema: 7a7a7b7c7c7c7b; Str. VIII und IX ist b = a, das Schema 

also hier: a a a b b b a. 

9 Strophen, 1 Tomada; cöblas capcaudadas. Unikum. 

Das Gedicht ist teilweise übersetzt von Löwin sky, a. a. 0. S. 215. 

1. Emanuely wie Lowinsky bemerkt, nach Esatas 7, 14: Ecce virgo in 
utero concipiet, et pariet filium, et vocdbis nomen ejus Emmanuel, 

3. trtnus, Latinismus. 

17 f. Wörtlich: „Durch den die vier Elemente verschiedenartiges Aussehen 
gewannen", d. i.: von einander geschieden wurden. 

26. Lowinsky übersetzt: „Von Anfang her hat er bei sich beschlossen, 
das Licht über die Finsternis zu setzen", bleibt also bei der überlieferten Les- 
art ah sey oder am sei; aber decreia, meteis, esteis fordern einen Beim auf -eis, 
und da ergiebt sich denn, meine ich, die von mir in den Text aufgenommene 
Konjektur anceis von selbst. Ich fasse dann quel V. 23 nicht wie Lowinsky 
als Demonstrativum, da in diesem Falle das Asyndeton V. 24 doch sehr hart 
ist, sondern =: que'l und beziehe destinet aufs Vorhergehende: „Und er wird in 
keinem Sinn ein Ende nehmen, denn der Glänzende bestimmte es (so), bevor 
er über der Dunkelheit das Licht schuf." 

26—28. Lowinskys Uebersetzung : „so fest ist seine Stärke, dass sie nicht 
vermindert werden, keinen Abbruch erleiden kann" ist unzutreffend*, descrezutz 
bezieht sich natürlich nicht auf sa vertutz, sondern auf resplandens, da es 
sonst doch descrezuda heissen müsste, es ist auch nicht part. pf. von descreisser, 
„vermindern", welches descregutz lautet, sondern von descrezer, „nicht glauben 
an jd."-, Subjekt zu pot aver decreis ist wiederum nicht sa vertutz, sondern ren 
und die Interpunktion hinter decreis ist zu streichen, also: „so fest ist seine 
Stärke, dass man nicht unterlassen kann, an ihn zu glauben, und dass in Zukunft 
nichts Abbruch erleiden kann in ihm (d. i. nichts, das in ihm ist, niemand, der 
an seinen Namen glaubt), der sich selbst opferte etc." 

decreis. Rayn. citiert diese Stelle als einzigen Beleg, auch Levy bringt 
kein weiteres Beispiel bei. 

29 ff. Die Konstruktion ist in dieser Strophe in hohem Grade unbehülflich 
und schleppend. 

46. e pu^ „und weiter", d.i. höher, zu Gott, der also über dem Himmel 
gedacht wäre? Vielleicht ist aber der Text auch verderbt und e pus nicht die 
ursprüngliche Lesart. Oder ist pus = dann, pueis == nachdem, zu vitz ein fo 
zu ergänzen und zu übersetzen: „dann, nachdem er gekommen war etc., wurde 
er gesehen . . ." ? 

47. Den Dichter hat hier offenbar sein Gedächtnis getäuscht, indem er 
versehentlich die zweite Erscheinung Christi im Kreise der Jünger nach, statt 
vor der Himmelfahrt ansetzt und die Thomas gewordene Erscheinung fälschlich 
von jener unterscheidet. Denn da er V. 43 und 47 mit pueis fortfährt, so ist 
doch anzunehmen, dass er die chronologische Folge einzuhalten beabsichtigt. 
Lowinsky S. 216, Anm. 272 bemerkt, Christi zweite Erscheinung werde hier 
auf den elften Tag gesetzt, während Ev. Joh. 20, 26 vom achten die Rede sei — 



220 R- Zenker 

keineswegs: Pcire meint offenbar den elften Tag nach der Kreuzigung, und eben 
an diesem fand nach Jcih, 20,26 die zweite Erscheinung statt, nämlich acht 
Tage nach der ersten, welche am Tage der Auferstehung selbst, also am dritten 
Tage erfolgte. 

55 ist nach Ausweis des falschen Reimes -o für zu forderndes -us und 

m 

des diphthongischen Gebrauchs von -io in ascensio gegenüber benedictio V. 56 
fehlerhaft überliefert. Lowinsky S. 215, Anm. 272 nimmt nach V. 52 Lücke 
an und schlägt vor zu lesen: 

Per aver melhor razo, 

Ab bona entmsio 

Lur laysset ses occayzo 

Lo sieu sant espiritus, 

Don cascus discipulus 

Fos fortz e ferms — so^s estrus — 

Per sa benedictio, 

L.'s Ergänzung der mutmasslichen Lücke von V. 54 scheint mir von selten 
des Inhalts recht glücklich, doch erregt die Form e6;2}m^u« Bedenken, da spiritus 
zu erwarten wäre, wie das alte prov. Glaubensbekenntnis, Zs. f. rom. Phil. 10, 156, 
V. 86, auf welches L. verweist, auch hat. Ich lese deshalb mit leichter Modi- 
fikation der L.schen Konjektur: lo sant e^perit sa jus: „er Hess ihnen hie- 
nieden den heiligen Geist^, was sowohl von selten des Inhalts als der Form 
vollkommen entspricht. In welchem Sinne L. „so's estrus^^ als Zwischensatz 
fasst, weiss ich nicht, da er es weder übersetzt, noch eine Bemerkung darüber 
hat; es ist natürlich vielmehr Subjekt zu ferms und sos = sutis: „damit durch 
ihn jeder Jünger stark und sein Mut fest sei*^ V. 56 ergiebt sich aus der 
Uebeieinstimmung von und B, dass in der gemeinsamen Vorlage jedenfalls 
com dieus gestanden haben muss; ich konjiziere deshalb als ursprüngliche 
Lesart: com dieu (Gen.) benedictio, Apposition zu sant esperit: er Hess ihnen 
den heiligen Geist als den Segen Gottes. 



Peire von Auvergne 221 



Tabelle der Reime, 

Ich verzeichne die Nummer des Gedichtes, dem eine Reihe von Beim Wörtern 
entnommen ist, nur bei dem ersten derselben; findet sich eines dieser Reim- 
wörter an einer oder mehreren anderen Stellen, so füge ich den Verweis gleich bei, 
die nachfolgenden Versziffem beziehen sich dann aber wieder auf die an erster 
Stelle stehende Gedichtnummer. Die Reimreihen der einzelnen Gedichte sind 
durch Gedankenstriche von einander getrennt. 

Worte, die durch den Reim als korrumpiert erwiesen werden, sind nicht 
aufgenommen. 

a. 
munda I 37; a 39; ja 41; dema (adv.) 43. 

ac. 

Sayssac XII 49; ac 50; brac 52; Cardalhac 53; — Sidrac XVIII 36; 

Misac 37; lac 39. 

ai. 

sai (adv.) IX^ 5, XVIII 22; estai(3.8.) 6; lai (adv.) 8, XVIII 23 

plai (sbst.) 9; vai 15; gai 16; essai 18; esglai 19; tai 25; brai 26 

retrai 28; pantai 29; sabrai 35; veirai (?) 36; dirai 38; sai (l.s.) 39 

irai 45; mourai 46; farai 48; ai 49; cai (3.8.) 55; bai (adj.) 56; mai 

(adv.) 58; fai 59; - esmai XVIII, 25. 

aire. 

chantaire IV 6, IX» 33; faire 14, XV 2; emperaire 22, traire 30 

desperaire 38; amaire 54, IX ^ 31, XV 59; — repaire (sbst.) IX ^ 1 

(l.s.) XV 63; afaire 3; retraire 11; fraire 13; aire 21,XV58; braire 23 

XV 36; esclaire(3. cj.) 41, XV 49; raaire 43; plaidejaire 51 ; gaire 53 

XV 10; — cuidaire XV, 3; muzaire 7; albergaire 9; vaire 14; peccaire 16 

estraire 17; vejaire 21 ; miraire 23 ; raire 24; enganaire 28; confraire 30 

enquistaire 31 ; sai vaire 37; bauzaire 38; esperaire 42; meravelhaire 43 

regardaire 45; enginhaire 51; jutjaire 52; Belcaire 56; governaire 64 

camjaire 68. 

aires. 

paires XIII 34; maires 36; aires 42; gaires 44. 



222 R. Zenker 

ais. 
mais I n, VII 10; gais 12; lais (3.cj.) 23, VII 4, (1. i.)VIir, 43, 
{Lied) X 21, (laYcos) XVIII 2; savais 24, VII 7, X28; cais 35, V 2, 
XIV 16; trais (3. pf.) 36, VIII 11; biais (adj.) 47, (1. i.) V 44; 
pais (3. i.) 48; jais 59, V 24, VII 1, X 14; nais (3. i.) 60, V 16, 
VII 3; brai8 61, VIII 28; baisibasio) 62, (*bassiet) VIO, (adj.)VIII36; 
pantais V 3; rais 9; verais 17, VIII 20, XVIII 1; fais (sbst.) 23, 
VII 8, VIII 3, XIV 17; plais (sbst.) 45, VII 2, X7; irais VII 9, VIII4; 
Roais VIII27 ; assais 35 ; jamais 44; engrais (3. cj.) X 35 ; ebrais XVIII 4. 

ait. 
estrait XIII 33; fait 35; plait 41 ; agait 43. 

aitz. 
forfaitz XVIII 31; fraitz (?) 33; plaitz 34. 

als. 
fals XVm 8; mals 9; infernals 11. , 

alh. 

trassalh (3. i.) III 15, XIV 11; falh (3. i.) 16, XIV 10; trebalh 

(sbst.) 17; divinalh 18. 

am. 

bram (sbst.) IV 8; fam (sbst.) 19, XVIII 24; am (1. i.) 24; 

liam 32; reclam (1. i.) 40; Azam 48; amam 56; clam (1. i.) 

XVIII 26; dezam (l.cj.) 27. 

aD. 

talan XVIII 85; entretan 86; gran 88. 

anc. 
anc XVin 15; franc 16; plane 18. 

ans. 
semblans XIX 18; estans 19; denans 20. 

ansa. 
enansa X 2, XI 3 ; balansa (sbst.) 4 ; sobransa (sbst.) 9, (vb.)XI 27 
lansa 11, XI 34; esperansa 16; dnptansa 18, XI 36; dezenansa 23 
demostransa 25 ; alegransa 30, XI 12 ; fizansa 32 ; comensansa 57, XI 6 
semblansa 39, XI 24; detriansa XI 9; onransa 15; mermansa 18 
romaDsa 21; Fransa 30; venjansa 39. 

/ ar. 

caslar VII 13; estar 14; mndar 15; gar (1. i. von garnir) 16, 
(1. cj. von gardar) XIV 30; jurar 19; intrar 20; guerrejar 21 
passar 22; trobar 37, 46; fiar 38, XVII 65; car (adj.) 39; enganar 40 
cavalgar 43; sercar 44; mar 45; — cbantar XIV 3; vergonhar 6 
demenar 9; tornar 12; encombrar 15; portarl8; castiar21, XVII 33 



Peire von Auvergne 223 

afar24, XVII28; emblar27; laissar 33; amar(vb.)36, (adj.) XVn25; 

pessar 39; autrejar 42; follejar 45; oblidar 48; — parlar XVII 1; 

apar 4; esgarar 9; prezar 12; meravilhar 17; passar 20; obrar 36; 

coütar 41; acordar 44; donar 49; iizar 52; dar 57; tremblar60; pro- 

ficbar 68. 

ars. 

Gausmars (AimarsPj XII 37; joglars 38; vars 40; pars 41. 

artz. 
Lombartz XII 73; coartz 74; galhartz 76; bastartz 77. 

as. 

bas XIV 7, XIX 43; compas 8; vas (sbst.) XIX 38; Tomas 42; 

Jozafas 44. 

as. 

sertas III 27; ensegnras 28; bauzas 29; gras 30; — auras (adj.) 

XIV 13; crestias 14; parras 28; plas 29; — sobras XVIII 43; pas 

(panes) 44; quatredias 46. 

at. 

grat XIV 34; amat 35; — peccat XIX 32; umamtat33; Pilat34. 

atge. 

viatge IX^l; messatge 3; salvatge 11; linhatge 13; coratge 21; 

guidonatge 23; agradatge 31; linhatge 33; uzatge 41; bontatge 43; 

estatge 51; lengatge 53. 

atz. 

voluntatz II 8; assatz 10; patz 18, VII 34, 1X^36; enamoratz 20, 

60, VII 32; leutatz 28; amatz 30, VII 28, IX« 49; viatz 38; gratz40 

amistatz 48, 1X2 46; afinatzöO; melhuratz 58, 1X^48; fatz (sbst.) 68 

(pt. pf.) 1X^36; datz (pt. pf.) 70; — juratz VII 25; latz (sbst.) 26 

pechatz 27; natz 33; — platz 1X^5; sapchatz 6; aujatz 8; digatz 9 

solatz25; jatz(3. s.)28; bratz29; cuidatz (sbst.) 35 ; glatz 38 ; estatz 39 

crezatz 45; abrivatz 55; tornatz 56; doctrinatz 58; emparlatz 59; — 

nnitatz XIX 3; apelatz 7, assemblatz 8, trioitatz 9. 

au. 
esjau I 49; brau 51; jornau 53; lau (sbst.) 55. 

aucs. 
paucs XIII 17; raucs 19; gaucs 25; traucs 27. 

autz. 
Raimbautz XII 55; bauz 56; cautz 58; pipautz 59. 

e. 
be III 3; me 4; cre 5; dese 6. 

ebs. 
plebs XVIII 71; Orebs 72; Jozeps 74. 



224 B. Zenker 

ec. 
sec XIII 38; endec (?) 39; dec 46; lec 47. 

eja. 

autreja I 50; enveja 52; verdeja 54; sopleja 56. 

eis. 
freis VI 6; destreis 13; reis 20; sordeis 27; parreis (3. s.) 34; 
mezeis 41, XIX 29; creis (3.8.) 48; seis (3. pf.) 51; dompneis 54. 

el. 

c 

cel XVIII 59, XIX 2; Israel 61; mel 62; — Emanuel XIX 1; — 
novel III 1; coutel 7; borrel 13; fragel 19; tropel 25; bei 31. 

elb. 
Bornelh XII 13; solelh 14; portaselh 16; espelh 17. 

elha. 

c 

renovelha XIII 5 ; gragelha 8 ; fradelha 13 ; capdelha 16; gonelha 21 ; 
espelha 24; martelha 19; rascizelha 32; escudelha 37; pustelha 40'; 
revelha 45; nzelha 48; favelha 49; astelha 52. 

eis. 

c 

anzelhs I 1 ; brondelhs 3 ; isnelhs 5 ; novelhs 7. 

em. 
Bethleem XVIII 73; sabem 75; Jerusalem 76. 

emps. 

temps XIV 31; nemps 32. 

en. 

sen (sbst.) XI 1, XIV 44, (l.i.) 19; prezen (3.cj.) 2, (adv.) XII 9 
parven 7; novellamen; aten (1. i.) 13; gen (adj.) 14, (adv.) XII 3 
avinen 19, XII 45; pessamen 20; len (adv.) 25; joven 26; valen 31 
conten (sbst.) 32; — dissen (3.i.) XII 6; arden 12; dolen 15; agailen 18 
sirven21 ; issermen 24; Benaven27 ; pren (3.i.) 30, XIV 43; raucamen 33 
argen 36; cossen (3.i.) 39; cen 42; penden48; queren 51, 60; suzolen 54 
nien 57; coiden(?)63; ven (3.1.) 66; fen (3.i.)69; fugen 72; espaven 
(sbst.) 75; Cossezen 78; plazen 81, XIV 1; enten 84; rizen 86; — 
cossezen XIV 2; eseißn 20. 

enba. 

aprenha IV 4; covenha 5; venha 12, IX ^ 47; captenha 13; senba 
(1. cj.)20; endevenha 22; entresenha 28, IX ^ 37; tenha29; denha 36 
IX 1 30; prenha 37, IX ^ 50 ; ensenha (3. i.) 44, (sbst.) IX ^ 20 ; sostenha 45; 
renha 52, IX ^ 17; retenha 53, IX MO; — sovenba IX M; engenha 
(3. i.) 27; fenha 40; lenha 57; destrenha 60. 



Peire von Auvergne 225 

ens. 
sensI25, XIX, 22, II 27; abaissameiis27; seguen8 29; grazensSl, 
II 69; — entendemens II 7; sabens 9, III 2; gens (sbst.) 17, III 8, 
(neg.) XVIII 92; encens (pt. pf.) 19; jauzens 29, XVIII 7, 91; 
manens 37; covinens 39; tens (sbst.) 47; tenens 49; sapiens 57; cens 
(nuiTi.)49: esciens 67; — avinens III 14; Valens 20; dens 26; jovens32; 
— captens XIV 22; mens (adv.) 23; — penedens XVIII 14; sofren8 21; 
giquens 28; sobrevens 35; guirens 42; turmens 49; resplandens 56, 
XIX 23; serpens 63; destrenbens (?) 70; parens 77; defendens 84; 
sostenens 93; crezens 94; — elemens XIX 17; comensamens 21. 

ensa. 
reconoissensa I 26; creissensa 28; agensa 30; repentensa 32; — 
comensa IV 1; falhensa 3; sovinensa 9; atendensa 11; parvensa 17; 
cossensa 19; temensa 25; bistensa 27; penedensa 33; entendensa 35; 
valensa 41; gensa 43; Proensa 49; mantenensa 51. 

er (3. ft.) V 1, 29; fer (3. i.) 8; enquer (3. i.) 15; ser (l.i.) 22; 
esfer (3. i.) 36; esmer (3. cj.) 43. 

er. 

vezer IX * 2, XV 22 ; ver (verum) 4 ; saber 14, XV 25 ; captener 12 

poder 32; plazer 34, XV 15; aver 42, XV 65; voler 44, XV 4, 50 

esper (sbst.) 52; lezer 54, XV 1 ; — aparer XV 8; valer 11 ; mover (?)29 

cazer 32; querer 36; chaler 39; temer 43; ser (sbst) 46; mover 53 

remaner 57; tener 60. 

erma 

aferma I 38; merma 40; ferma 42; azerma 44. 

ers. 
vers (versum) XIII 1; ters (pt. pf.) 3; guers 9; travers 11. 

ers. 
sers (serös) VI 1; sabers 3; parersS; jazers 10; vers (verus)15; 
plazers 17; capteners 22; valers 24; volers 29; poders31; vezers 36; 
espers (sbst.) '38; plazers 43; poders 45. 

ert. 
dezert XVIII 66; espert 68; cert 69. 

es. 

c 

resembles V 5; nasques 12; ades 19; pes (pedes) 26, XVIII 67; 
engre8 33; pres40; ames47; cofes50; — requies XVIII 64; MoYsesöö. 

es. 
dezes XII 61; bes 62; plages 64; poges 65; — promes XIX 39; 
mespres 40; fes 41. 

Zenker^ Peire von Auvergne. ^'^ 



226 R- Zenker 

baisset XII 43; det 44; raubet 46; talhet 47. 

etz. 
vetz 22; cabetz 23; retz 30; setz 31. 

eza. 
boneza I 14; proeza 16; cobezeza 18; veza 20. 

1. 
vi (sbst.) XVIII 50; Archetricli 51; fi (sbst.) 53. 

ic. 
die m 33; gic (1. i.) 34; espic 35; amic 36, XIV 40; ric 37; 
asic 38; pic 39, ? 40; - abric XIV 41. 

ics. 
garrics VI 5; pics 7; enics 12; amics 14; mendics 19,40; 
Galics 21; destrics 26; gics (2. i.) 28; prezics 33; antics 35; rics 42; 
abrics 47; nies 49; desrazics 50; Loies 52; Audrics 53; espics 55. 

ifr. 
cavalierI9,XVn70;alegrierlO; dezirier21, XVII 14; semdier22, 
XVII 64; ufanier 33, XVII 62; entier 34, XVII 48; deßcordier 45; 
quier 46; rozier 57; vergier 58; — parier XVII 6; mestier 8, III 9; 
destorbier 16; bobansier 22; ier 24; arquier 30; primier 32; messon- 
gier 38; encombrier 40; corsier 46; entier 48; terrier 54; sobrier 56; 
leugier 72; obrier 74; eretier 76; — aeordier III 10; parlier 12. 

igrs. 

cossiriers 1 13, III 35 ; destorbiers 15 ; eueombriers 17 ; niers 19 ; — 

entiersIII 4; vertadier8 5; semdierslO; (vers 11); ladriers 16; messat- 

giers 17; primiers 22^ XII 8; guerriers 23; sobriers 28; estiers 29; 

dobliers 34; volentiers 38 ; deziriers39; — RogiersXII 7; sautiers 10; 

candeliers 11. 

üb. 

ilh XIII 50; rovilh 51. 

ins. 

quins XII 31; dedins 32; retins 34; pins 35. 

ir. 
vir (1. cj.) VIII 5; dir 13, XVII 3; marrir 7; dessalhir 15; 
servir 21, XVI 24; venir 23, XIX 15; trassalhir 29; mentir 31; albir 
(1. i.) 37, (sbst.) XVI 16, XVII 18; perir 39; partiv 45 XIX 10; 
azir (3. cj.) 47; jauzir 50, XVI 31 ; — auzir XVI 1, XVII 50; 
escarnir 8; gequir 15, XVII 26; florir 17; devezir 22, XVII 67; sovenir 
XVI 29; morir 36, XVII 19; guerir 38, XVII 59; cossir (sbst.) 43, 
XVII 11; escrimir 45 ; legir 50 ; — issemir X VII 2 ; devenirlO; aizir27; 



Peire von Auvergne 227 

chanzir 34; enantir 35; resplandir42; formir 42; sentiröl; martiröS; 
transir 66; — delir XIX 16, 

is. 

brunezis VI 2; floris 4, X 1; devezis (l.i.)9; VIII 25; aclis 11; 
magrezis (3. i.) 16; ris (sbst.) 18, VIII 41, 1X2 24, X 8, XVI 11; con- 
quis 23, VIII 2, 1X^34, XVI 32; tressalhis 25; devis 30; requis 32; 
assis 37, XVI 4; enriquis (1. i.)39; abelhis (3. i.) 44, Vffl 42, IX^ 14, 
X 29; sobresenboris (3. i ) 46; — pais VIII 1; fis (adj.) 9, IX^ 42, 
(sbst.) XVI 27, 51; giquis 10; camis 17; Sarrazis 18; esfredezis 26; 
esbaudis 33; enamarzis 34; — tramis (1. pf.) IX ^ 2, formis (3. i.) 4; 
amis 12; endormis (1. i.) 22; vis (1. i. pf.) 32, (sbst.) XV 48; servis 
(3. i.) 44; matis 52; obedis (l.i.) 54; — esclarzis(3.i.) X 15; delis (3.i.) 22; 
fenis (1. i.) 36; — auzis (audisset) XVI 6, (*aucldit) 39; enantis (3.i.) 13; 
jardis 18; tequis (3. i.) 20; marabotis 25; cozis 34; gueris (3. i.)41; mar- 
quis 46; paradis 53; — Lemozis XII 25; querentis 26; pelegris 38; 
mesquis 29. 

istz. 

Cristz XVIII 3; vistz 5; tristz 6; 

itz. 
complitz III 23, IX 5, XV 48; critz 24; — enganairitz VII 5; 
acropitz6; guitzll, XV 62, XVIII 83, XIX 6; trahitz 12; assalbitzl7; 
bastitz 18; escarnitz 23; falhitz 24, XV 27; ditz (sbst.) 29, (3. i.) 42, 
XV 66; acuilhitz 30; issitz 35, XV 6; noiritz 36; garitz 41; marritz; 
— Koitz XII 67; formitz 68; feritz 70; garnitz 71; - avertitz XV 5; 
teqnitz 13; descauzitz 19; delitz 20; quesitz 26 ; esbanditz 33; mestitz 34; 
cobitz40; feritz 41; escurzitz47; enriquitz 54; enantitzöö; esperitz 61, 
XVIII 80, IX 4; partitz 67 ; — razitz XVIII 82. 

ins. 
nius XVIII 87 ; esquius 89 ; pius 90. 

iza. 
guiza V 4; biza 11; conquiza 18; Piza 25; deviza 32; briza 39; 
auciza 46. 



so (3. pl) III 3, (1. s.) XIX 57 ; razo 6, XIX 50; capairo 9 ; sermo 12; 
Miro (?) 15; maiso 18, XIX 49; pro 24; fo 27, XVIII 58; sazo 30; 
enviro 33; bo 36; sospeiso 37; do (3. cj.) 40, (1. i.) XIX 67; — 
tro XVIII 57, XIX 63; Farao 60; — Abdenago XVIII 38; utero 40; 
Ero 41; — peiro XIX 45; entensio 51; oeaizo 52; benedictio 56; 
passio 58; lairo 59. 

15* 



228 R. Zenker 

Ol. 
rossinhol X 5; dol (1. i.) 12; Labadol (?) 19; col 26; vol 33; fol 40; 
— sol (adj.) XVIII 29; tremol (sbst.) 30; trebol (sbst.) 32. 

gna. 
assoDa lY 2; desfaissona 7; dona 10; asazooa 15; razona 18; 
80Da23; abandona 26; eDcai80Da31; perdoDa34; bona 39; abarona 42; 
trona 47; Narbona 56; Gascona 55. 

onha. 
conha VIII 6, 14, 22 u. ö.; ponba 8; vergonha 16; deslonha 24; 
messoDha 32; locha (3. i.) 40; canonha 48; calonba 51. 

op. 

prop XVI 7; galop 14; clop 21; isop 28; issirop 35; Jop 42; 

trop 49; Jacop 54. 

ops. 

ops XVIII 17; Jops 19; trops 20. 

or. 

valorXVII5; amor 7; tenebrorl3; folhorl5; flairor21; feror23; 
cor (3. i.) 29; vigorSl; aussor 37; sabor39; dezanador45; creator47; 
sovenidor 53; melhor 55; major 61, XIX 11; dolor 63; pluzor 69; 
amargor 71; doussor 73; resplandor 75; — menor XIX 12; azor (1. i.) 13. 

9r. 
cor XIV 37; demor (sbst.) 38. 

9ra. 
aora XIII 18; mora (sbst.) 20; fora 26; laora 38. 

orn. 
Ventdom XIII 19; dorn 20; alborn 22; forn 23. 

ors. 
cors XIII 6; defors 7; mors (morsus) 14; destors 15. 

9rs. 
trobadors XII 1; colors 2; alhors 4; pastors 5. 

ort. 
ort XIV 25; fort 26; mort 46; tort 47. 

ortz. 
desconortz XIX 31; sortz (sbst.) 35; tortz (sbst.) 36; mortz 37. 

QS. 

sazos II 2; auzelhos 5, V 13; ginhos 12; jojosl5; nos22; iros25; 
razos 32; sos (sbst.) 35, V 48; cobeitos 42; amoros 45, V28; bos52, 
V 6; sospeissos 55; alberos 62; fos (1. cj.) 65, (3. i.) V 49; — chansos V 7; 
JOS 14; respos20, XVIII 47; poderos21; ginolhos27; vos 34, XVIII 45; 
blos35; gilos41; pros 42; orazos 51; guizardos 52; —Centurios XVIII 48, 



Peire von Äuvergne 229 

ota. 
brota XIII 2; degota 40; rota 10; sabota 12. 

otz. 

votz XII 79; desotzSO; XVI 12; totz 82, XVI 47; motz 83, XVI 5; 

enflabotz 85; — brotz XVI 19; notz 26; sanglotz 33; crotz 40; potz 

(sbst.) 52. 

out. 

escout (3. cj,)XVI 2; mout9; estout (? adj.) 46; comout (sbst) 23; 

estout (adj.) 30; vout 37; escout (sbst.) 44. 

outz. 
moutz XVIII 52; estoutz (adj.) 54; voutz 55. 

uelha. 
fuelha I 3; bruelha 4; cuelha 6; vuelha 8. 

ura. 

parladura IX* 7; cura 10; segura 17; rancura 20; creatura 27 

trasfigura 36; tortura37; freidura40; melhura47; atira50; mesura57 

aventura 60, X 3; — escura X 6; sentura 10; fraitura 13; tafura 17 

dreitura 20, 38; criatura 24; noncura 27; dura (3. i.) 31; cura 34 

natura 41. 

urs. 

madurs II 1; murs 4; purs 11; augurs 14; segurs 21; durs 24, 

XVIII 10; escurs 31; melhurs (2. cj.) 34; rancurs 41; tafurs 44, 

XVIII 13; perjurs 51; aturs 54, XVIII 12; azurs 61; Surs 64. 

US. 

alcus XIV 4; clus 5, XIX 48; - sus XVIII 81, XIX 47, 62, 66; 

Jhesu8 78, XIX 61; U8 79, XIX 60; pusXIX 46;yws53; discipulus 54 ; 

estrus 55; brus 65. 

utz. 

adutz II 3; relutz 6; elegutz 13; mantengutz 16; aparegutz 23; 

tengutz 26; romputz 33; mentaugutz 36, XI 5; drutz 43, XI 11; vol- 

gutz 46; condutz 53; ajutz56; escutz63, XI 38; menutz66; — cono- 

gutz XI 4; cregutz 10; dutz 16; vengutz 17; brutz 22; saubutz 23; 

lutz (lücet) 28; deceubutz 29; cotitz 34; esternutz 35; — lutz (lücem) 

XIX 25; vertutz 26; descrezutz 27. 



Glossar. 



i 



Das Fehlen des beweglichen ;* bezeichne ich nach dem Vorgange von 
Appel, ehrest, Gloss. durch einen Circumflex über dem vorausgehenden Vokal. 



A. 

A präp. 

a interj. VI 29. 

ab präp. mit, hei (Begleitung) XI* 10, IX* 23; (hegleitender Umstand) IV 1, 

IX 1 18, 47, IX * 44, XVIII 12, XIX 51 ; durch, vermittelst VIII 21 ; zu 

— hin (repairar ab alc.) XV 63; = lat, ab, von, aus XVIII 40; ab que 

wofern VI 41, XII 83. 
abaissamen s. m, Erniedrigung I 27. 
abandonar v, rfl. sich hingehen IV 26. 
abaronar v, tr, zum Baron erhehen, adeln IV 42. 
abelhir v. intr. gefallen III 31, VI 44, IX» 14, X 29. 
abrics s. m. Schutz, Schirm VI 47; geschützter Ort XIV 41. 
abrivar v. tr, heschleunigen, in rasche Bewegung setzen, fördern XVII 5 ; abrivatz 

schnell IX* 55. 
acli adj, gehuckt V 27; geneigt, zugethan VI 11. 
aconhar v» rfl, trachten nach (de) VIII 49. 

acordar v, rfl, sich in Uehereinstimmung hringen, vertragen mit (ab) XVII 44. 
acordier? s. m. üehereinJcunft III 10. 
acort s, m, Vermittelung, Ausgleich XI 30. 
acropit a43. gemein VII 6. 

aculhir v, tr, aufnehmen, empfangen IV 18, VII 30, XVII 75. 
ades adv. sofort V 19, IX* 22; immer I 53. 
adobar v, tr, ausrüsten, ausstatten XII 41. 
adoncs adv, dann VII 4, 41; XV 48. 
adorar s, azorar. 

adreg adv, in der richtigen Weise XVII 7. 
afaire, — ar s, m, Angelegenheit IX* 3, XIV 24, XVII 28; Benehmen, Verfahren 

XI 23. 
afermar? v, rß. sich versichert halten I 38. 
afinar v, tr, läutern II 50. 
afolhar v, tr, zu Grunde richten XIII 16. 
agensar v, intr, gefallen I 30. 
agradar v, intr, gefallen VI 8, XVI 9 ; mit inf XV 17 ; mit a und inf XV 60, 

XVI 1. 
agradatge s. m, Annehmlichkeit IX* 31. 
agaitar v, intr, auf der Hut sein, auf etw, achten XIII 43. 
agait s, m. Hinterhalt XV 6. 
aguilen s, m, Hagehutte XU 18. 
ai interj, XIII 9. 

«g»! — gua s, f. Wasser I 36, XVIII 50. 
air s. m, Luft I 1, V 9. 

aire s. m. Geschlecht, Art IX* 21, XIII 42, XV 58. 
aiselli pron, dem, derjenige I 31. 



234 K* Zenker 

aissi adv. hier XI 7. 

aißsi adv. so; a. — com in demselben Masse — wie XIX 11; soweit — wie VII 45. 

aißso pron. dem. dasjenige, dies IV 16, VI 8, IX * 51, XVU 27. 

aital pron. adj, ein solcher V 4, XI 23; adv, so (vgl. Bericht.) I 33. 

aitan adv, ebenso sehr XII 59; d'ai. insofern, in diesem Sinne XV 42. 

aizt s, m. (?) Bequemlichkeit, Müsse XV 3. 

aiziDar v. rfl. sich anschicken zu (de) XIV 3. 

aizir v. rfl. sich einer Sache bedienen (de) XVII 27. 

ajut s. m. Hülfe II 56. 

alauza s. m. Lerche V 8. 

albergaire s. m., n. s. einer der wohnt, esser a. wohnen XV 9. 

alberö n. Art Kalk- oder Kieselstein II 62, vgl, Änm. 

albir s, m. Urteil, Sinn XVI 10; prendre a. per nachdenken über XVII 18, 

albirar v. rß. denken VIII 37. 

alborn s, m. Alpenebenholz XII 22. 

alcü pron. adj. irgend einer IV 12. 

alegransa s. f. Fröhlichkeit X 30, XI 12. 

alegrar v. rfl. sich freuen VIII 4. 

alegre adj. fröhlich XII 58. 

alegrier s. m, Fröhlichkeit I 10. 

alhors adv, anderswo XII 4. 

almoma s. f, Almosen XII 60. 

alques adv. etwas, ein wenig VI 41. 

alre pron. neutr. anderes XVI 22; XIX 19. 

al pron. adj. anderer IX* 60; neutr. anderes XVII 45. 

altretal pron. adj ebensolcher X 39. 

amaire s. m., n. s. Liebhaber IV 54, IX * 31, XV 59. 

amar v. tr, lieben II 30, IV 24, IX» 49. 

amar s. m, (?) Liebe X 33. 

amar adj. bitter XVII 25. 

amargor s. f, Bitterkeit XVII 71. 

amassar v, tr. anhäufen, sammeln XII 24. 

ami, — ic s. m. Freund, Geliebter VI 14, IX* 12, XIV 40. 

amistat s. f. Freundschaft II 48, IX* 46. 

amon adv. oben XVI 12. 

amor s. f. Liebe IV 9 ; VI 9, 12, 16 ; IX ^ 52. 

amoros adj. verliebt II 45; liebevoll V 28. 

anar v. intr. gehen, umher gehen II 21, XII 38, 51; a. deHtz zu Grunde gehen, 

verloren sein XV 20 ; rfl. s'en a. IX * 15 ; v. tr. begehen, beschreiten VIII 17. 
anc adv. jemals XVIII 15 ; anc no, anc — no niemals VIII 17, IX ^ 43, IX * 13, 

XII 50, XIX 21, 32; anc — no — mais niemals VI 40. 
anceis adv.?, a. que bevor XIX 24. 
angel s. m. Engel XVIII 68. 
ans adv. vielmehr I 15; sondern XVI 9; a. que bevor IX^ 60; IX* 32; XI 22; 

XVII 28. 
ansessor s. m. Vorfahr XVII 20. 
antic adj. alt VI 35. 
aora adv. jetzt XIII 18. 



Peire von Anvergne 235 

apanar r. tr. ernähren^ füttern Hl 8. 

aparer v, intr. erscheineriy sich zeigen II 23, IX ^ 22, XV 8; scheinen XVII 4. 

apelar v. tr, nennen XII 78, XIX 7. 

aportar v, tr. bringen 1 10. 

aprendre v. tr. lernen IV 4, X 37; erfahren, vernehmen VIII 3. 

apres adv. nachher VIII 8 (? Var. ades) 

apropchar v. rfl, sich nähern I 38. 

aquelh pron. dem. derjenige XVIII 7 ; XIX 57, 66. 

aquest pron. dem. derjenige IV 42, VI 53; XI 13, XVIII 28. 

aqui adv, hier VI 41. 

aquo pron. neutr. dasjenige XII 48, XIV 48, XVII 24. 

ara, -as, ar, era, er adv. jetzt DI 31, VIII 26, IX * 15, XI 25, XV 12, XVI 3, 22, 

XVII 57. 
arc s. m. Bogen XII 22. 
ardre v. intr. brennen XII 12, XVIII 37. 
ardit s. m. Mut, Kühnheit XIV 39. 
argen s, m. Silber XII 36. 
arma s. f. Seele V 35, XIX 67. 
arquier s. m. Bogenschütze XVII 30. 
arreire adj, vergangen XIV 31. 
asazonar v. tr, zubereiten IV 15. 
assai s, m, Unternehmen VIII 35. 
assalhir v. tr, angreifen VII 17. 
assatz adv. gar sehr II 10, IV 37, VI 21, VII 43; viel, zur Verstärkung des 

Komparativs IX* 19. 
assemblar v. tr, vereinigen XIX 8. 
assire v, intr. sich setzen XVI 4, VI 37; rfl, III 38. 
assonar v. tr. durch den Beim verbinden IV 2. 
astelha s, f Splitter XIII 52. 
atendensa s. f, Warten IV 11. 
atendre v, tr. erwarten XI 13. 
atras adv. zurück (tomar a.) XIV 12. 
atrazach adv, ohne weiteres, alsbald XTV 33. 
atressi adv, ebenso I 19. 
atrestar adv. ebenso XII 35. 
atur s, m, Bestrebung H 54, XVIII 12. 
andre v, tr. töten V 46, XVI 39; intr. XVIII 73. 
augur s. m, Vorbedeutung II 14. 
aura s. f. iMft VI 2, XIII 5. 
aürar v. tr. verheissen IX* 50. 
aurä <uy. verrückt XIV 13. 
aur s. m. Gold II 61, IX* 42. 
aussor a^. höher, renh a. Himmelreich XVII 37. 
aut adj, hoch VH 18, adv, II 13, IV 20. 
autre adj. anderer XVIII 52; subst. IX* 34, XIX 12; autmi subst. obl, V 5, 

XVn 54. 
autrejar v. rfl, sich hingeben, anbefehlen I 50, XIV 42. 
anzel s. m. Vogel I 1, IX M6, IX* 51. 



236 K. Zenker 

auzelet s, m, Vöglein ES* 21. 

auzelhö 8. w. Vogel II 5, V 13. 

auzir v. tr. hören X 6, XII 5, XVI 1, 9; intr. IH 6, IX* 8, XVH 23. 

auzir s. w. Hören, Gehör XVII 50. 

avenir v. intr.j li ave a er muss VIII 46. 

aventura 8. f. Abenteuer IX * 60 ; a m*aventura aufs Geratewohl hin X 3. 

aver v. tr. haben IV 9, 16, 17, 39, IX* 13, 42, IX* 34; impers, es giebt (en son 

paire ac bon sirven) XII 21 ; a ops es ist nötig XVIII 17 ; aver a far thun 

müssen XVII 43. 
aver s. m. Habe, Besitz ^ Vermögen XVI 23, 41. 
avertir t?. tr, benachrichtigen XV 5. 
avinen aäj, anmutig III 14; angenehm XI 19; d'a, in angemessener Weise 

XII 45. 
avoleza s. f. Gemeinheit, Niedrigkeit XIII 26. 
avol adj, gemein, elend, niedrig, schlecht IV 6, X 24, XII 34, XIII 36, XVI 18; 

unfreundlich, finster I 23 ; unfähig IV 6. 
azermar v. rfl, sich bereiten, anschicken zu (de) I 44. 
azirar v. rfh sich erzürnen VIII 47. 
azorar, adorar v, tr, anbeten XVIII 81; XIX 13. 
azur 8. m, Azur stein II 61. 

B. 

Bai adj. hellbraun, blond VIII 36, IX * 56. 

baisar v. tr. küssen 1 62. 

baissar v, tr. senken X 26 ; rfl. sich senken V 10 ; sich erniedrigen XII 43. 

balansa s. f. Schwanken, üngewissheit X 4. 

banir v. tr. verbannen XIII 14, 

baron s. m. Baratt XI 19. 

bas adj. niedrig XIX 43; em b. in die Tiefe XTV 7. 

bastart adj., motz b. Bastardworte („provenzalische Worte im Munde eines 
Lombarden^^, -^ppel) XII 77. 

bastir v. tr. erbauen VII 18. 

baut ac^. stolz, eingebildet XII 56. 

bauzä 5. m, Lügner III 29. 

bauzaire s. m., n, s. Betrüger XV 38. 

bec s, m. Schnabel V 13. 

belh adj. schön IV 2, 10; XVII 6; XVIII 47; freundlich IV 17; belh m*es es ist 
mir lieb, angenehm III 31, V 8, XI, XI 1, XIII 1. 

ben, b6 adv, wohl, gar sehr, durchaus VI 14, IX* 1, 42; XV 50; faire ben a c. 
inf. gut daran thun zu — XVI 8. 

ben, bö s. m. Gutes, Heil IX* 44, XII 62, XVI 13, 31; m'es ben es ist mir an- 
genehm IV 4. 

benedictio (lat.) Segen XIX 56. 

beutat s. f. Schönheit II 28; VI 47; IX 22. 

biais s. m. Schiefes I 47. 

biaissar v. intr. von dem geraden Wege abweichen V 44. 

bistensar v. intr. zögern IV 27, 



Peire von Auvergne 237 

biza s. /. Wind V 11. 

blanc adj. weiss, hell (von der Luft) VI 2, VIII 36; sbst. XIX 65. 

blanc s, m. Weisses IX ^ 56. 

blau adj. blau XIII 38. 

blos adj, entblösst, verlassen von V 35. 

bobansier a^. prahlerisch, prunkvoll XVII 22. 

boca 5. /. Mund XVI 27. 

bon adj, gut IV 11, 39, IX ^ 21, IX« 21, 41, 42; bona zur guten Stunde, zum 

Glück V 12; bon m'es es ist mir angenehm IV 4. 
boneza s. /. Gutes 1 14. 
bontatge s. m. Güte IX* 43. 
bontat s. f. Freundlichkeit IX* 18. 
borrel adj, gewöhnlich, niedrig ? III 13, vgl, Anm, 
braire v, tr. singen, anstimmen IX^ 23; intr, singen IX* 26; subst. Schreien, 

Lärm machen XV 35. 
brai s, m. Geschrei, Misston I 61; Gerede VIII 28. 
bram s, m. Geschrei, misstönender Gesang IV 8. 
brancar v, intr. Zweige ansetzen, sprossen VI 3. 
brandar v. tr, schütteln V 11. 
briza s, /. Windhauch V 39. 
bratz s, m. Arm IX* 29. 
brau adj, rauh I 51. 
bresca s, f, Honigwabe XVIII 62. 

breu adj, kurz IV 15, VI 1, XVII 69; en breu d'ora in kurzem V 18. 
brolhet s. m, Hain XVI 17. 
brondelh s, m. Zweig I 3. 
brondilfl s. m, ? XVIII 12. 
brotar v, intr, spriessen V 16, XIII 2. 
brot s. m. Zweig ? XVI 19. 

bruelhar v, intr, sprossen, spriessen I 4, V 16, VI 3, XIII 7, 40. 
brunezir v, intr, dunkel werden VI 2. 
brun adj, braun VIII 36; dunkel XIX 65. 
brut 8, m, Lärm XI 22. 

C. 

Cabetz s, m, „Öffnung im Kleid, durch die der Kopf gesteckt toird, Kragen?" 

Appel Xni 23, vgl, Anm, 
car adj, lieb, wert VII 39. 
cam s. f. Fleisch I 36, XVII 39. 
camal adj, körperlich, fleischlich XVIII 53, X 33. 
cascun pron, adj, jeder IX* 47, XIX 5, 54. 
caslar s, m. Schloss VII 13. 

castiar v, tr, zurechtweisen, tadeln XIII 19, XIV 21, XVII 33. 
cautz adj, warm XII 58. 
cautz s, m, Hitze IX* 40. 
cavallairia s, f. Bitterschaft XII 69. 
cavalgar v, intr, reiten VII 43. 



238 R. Zenker 

cavalier s. m. Bitter I 9, Xu 38, XVII 70. 

cazer v. intr, fällen I 35, IX* 55, XIV 7; cazer en ^rat angenehm sein XV 32. 

cel pron. dem, derjenige IV 7. 

cel s. m. Himmel IV 47, VII 45, XIX 2, 46. 

cenher, senher v, tr, umgürten X 10; rß, sich umgürten IV 20. 

cert acfj' gewiss XVIII 69. 

Cent, cen num, hundert 11 14, 59, XII 42, XIV 28. 

cha s, ca. 

cais s. m. Mund I 35, V 2, XIV 16. 

caitiu a4j' schlecht XVII 39. 

cal, quäl pron. interr. welcher IX* 50, IX* 54, XVII 10; pron. rel XVIII 18; 

lo cals que wer immer VI 19. 
calfar v. tr. heizen XII 23. 
calonhar v. tr. tadeln VIII 51. 
camjaire s. m., n. s. Wankelmütiger XV 68. 
camjairitz s. f. Wankelmütige VII 47. 
camjar v. rfl. sich ändern II 28. 
cami s. m. Weg^ Strasse VIII 17. 
can s. m. Hund I 35. 
candela s. f. Licht XII 12. 
candelier s, m. Leuchter XII 11. 

canonha s. f. Kanonikaty se metre en c. Mönch werden VIII 48. 
cant, chant, chan s. m. Gesang I 1, IV 5, V 14, IX 23, X 5, XII 16. 
cantaire, chantaire s. m., n. s. Sänger IV 6, IX* 33, X 36. 
cantar, chantar v. tr. singen I 8; intr. V 1, XII 1, 9; rfl. XII 63; sbst. XII 15. 
canson s. f. Lied V 7. 
cap s. m. Haupt, Anfang XVI 51. 
capairo s. m. Kappe, Kapuze III 9. 

captener s. m. Benehmen VI 22; Thun und Treiben IX* 12. 
captener v. rß. sich benehmen IV 13. 
captens s. m. Streben XTV 22. 
car, quar pari, denn, weil, dass IV 23, 26, VIII 11, IX* 49, IX* 12; interr. 

car no warum nicht VI 28; Wunsch einführend VI 29. 
cima s. /. Gipfel XVI 19. 
cim s. w. Gipfel XVm 82. 
eine num. fünf XVIII 44. 
elamar v. tr. nennen XII 74; anrufen XVIII 26. 
dar adj. hell, klar 1 1, XVU 57, XIX 48; glänzend XVIII 90. 
clarzir v. intr. licht werden VI 5. 
daure v. tr. einscMiessen VII 45. 
derc s. m. Geistlicher XVII 70, XVIII 2. 
clop adj. lahm XVI 21. 

eins adj. verschlossen XIX 48; dunkel, schwerverständlich I 6, XIV 5. 
CO s. com. 

coart adj. feige VI 40, XII 74. 
cobeitos adj. begierig (de) II 42. 
cobezeza s. f. Begierde I 18. 
cobir V. tr. austeilen XV 40. 



Peire von Auvergne 239 

cobrir v. rfL sich decken gegen (de) XVII 30. 

cofes adj. geständig V 50. 

coiden? (Bartsch: Zahnweh) XII 63. 

coinde, /. conha, a(^, freundlich VIII 6, 14, 22, 30, 38, 46. 

col s. m, Hals X 26. 

color s. m, Farbe, Art XII 2. 

colpable adj. schuldig XVIII 14. 

colp s, w. Hieb XII 71, XV 41. 

com, cum, cuma, quon conj, wie, als IV 29, IX 6, 57, IX ^ 42, XIX 12, XIV 9, 

XVII 6-, (beim Ausruf) XIII 9, XVII 65; tan c. VIII 6; c. que wie 
immer III 25; meravilhar c. = que XVII 17. 

comensar v. intr, beginnen IV 1, IX* 23, XVI 3. 

comensamen s, m. Anfang XIX 21. 

comensansa s. f. Anfang X 37, XI 6. 

comiat s. m. Abschied IX ^ 16. 

comout s. m. Fülle XVI 23. 

compas s. m. Mass, per c. mit Mass, massvoll, bedächtig XIV 8. 

complit adj, vollkommen III 23, XV 48, XIX 5. 

comte s. m. Graf IV 49, X 10, XI 13, XII 44, XVE 46. 

conduire v, tr» führen II 53. 

confraire s, m., n. s. Genosse XV 30. 

confondre, — fun — v, tr, vernichten, zerstören XIII 15, XVIII 52, XIX 64. 

conoisser v. tr, kennen X 41, XI 4. 

conquerre v. tr, erobern, gewinnen V 18, VI 23, 51, VIII 2, IX ^ 34, XVI 32, 

XVIII 23. 

contar v, tr, erzählen XVII 41. 

conten s, m. Streit XI 32. 

contra, präp, gegen, gegenüber, örtl, XVII 36; zeitl, IX* 24; feindl, II 17, VI 8, 

XI 26, XVIII 41. 
cor s. m. Herz X 4, XVI 4, XVIII 16, 30; Lust, Neigung aver c. de VI 28, 

aver en cor de far u. c. XIV 36. 
cors s. m, Leib V 35, XVII 15; mos cors = ieu IV 42, XIII 6, ses cors = ela 

VIII 41. 
coratge s. m, Herz, Gesinnung VI 30, IX* 21, X 15, XVI 16, 30. 
corre v, intr, laufen XIV 18, XVII 29. 
corsier adj, flüchtig, vergänglich XVII 46. 
cort adj, kurz XIII 22. 
cort s, m, Hof XI 2, 17. 

cortes adj, höfisch, artig VIII 22, XII 46, XV 58. 
cosselhar v, tr, beraten XIX 62; intr, raten XVI 2. 

cossentir v, tr, einwilligen, einverstanden sein mit, c. alc. re XII 39, XVII 15. 
cossezen afl[/. pari, zusagend XIV 2, vgl, Levy, Suppl,-Wrtb, cosezen. 
cossi conj, wie V 4, XVI 38; (beim Ausruf) XIII 10; dire c. = que XVII 9. 
cossir s, m. Denken, Gedanke XVIII 10; Sinnen, Sorge XVI 43; metre en c. 

nachdenken über XVII 11. 
cossirier s, m. Denken, Sinnen, Nachdenklichkeit I 13, III 35. 
coutel s. m. Messer III 7. 
coüt adj, geschwänzt XI 34, vgl, Anm, 



240 R- Zenker 

covenir v. intr, angemessen sein, sich ziemen y zusagen 11 34, lY 5, 22. 

coYinen s, m. Vertrag, Eintracht II 39. 

covit s. m, Gastmahl XVIII 51. 

cozl s. m. Vetter XVI 34. 

Creator s, m, Schöpfer XVII 47. 

creatura, cri— s, f. Geschöpft Wesen IX* 27, X 24. 

creire v. intr. glauben III 5, VI 15, IX* 45, XI 16, XVIII 94, XIX 57. 

creissensa s. /. Wachsen 1 28. 

creisser v. intr. wachsen I 40, VI 48, XI 10, XIX 41. 

crestiä s. m. Christ XTV 14. 

cridar v. intr. schreien VEI 1. 

crim s. m, Verbrechen XIII 32. 

crit s. m. Geschrei, levar critz a Geschrei erheben gegen, jd. Vorwürfe machen 

III 24. 
crotz s. f. Kreuz XVI 40, XIX 62. 

culhir V. tr. pflücken, übertr. verfassen, dichten (un vers) I 6. 
cuidar v. intr. glauben IV 37, XII 3, XIV 19. 
cuidaire s. m., n. s. der Übermütige, Selbstgefällige XV 3. 
cuidat s. m. Sinn IX* 35. 
cura s. f. Sorge IX * 10. 



D. 

Dampnar v. tr. verurteilen XVIII 63. 

dan s. m. Schaden, Nachteil 1 15, V 38, XVII 34 ; tener d. Schaden zufügen II 24. 

dar V. tr. geben, schenken II 64, 70, VI 52, XI 16, XVIII 86, XIX 29, 67. 

de präp. 

decebre v. tr. betrügen, zu Schaden bringen; esser deceuhutz, geschädigt werden, 

den kürzeren ziehen XI 29. 
decreis s. m. Abnahme, Verfall; aver decreis zu Grunde gehen XIX 28. 
dedins adv. innen XII 32. 
defendre v. tr. verteidigen XVIII 84. 
defors adv. aussen XII 62, XIII 7. 
defugir v. tr. fliehen I 34. 
degotar v. intr, herabtropfen XIII 4. 
dejosta präp. während VI 1. 
delir v. tr. vernichten X 22, XIX 16. 
demä adv. morgen I 43. 

demenar v. tr. führen, leiten, behandeln XTV 9. 
demor s. m. Aufenthaltsort, Heim XIV 38. 

demostransa s. f. Bezeugung, faire avol d. sich niedrig benehmen X 25. 
demostrar v. tr. zeigen, vorführen XI 9. 
denans adv. vorher XIX 20. 
deoant präp. vor, gegenüber VI 25. 

denhar v. intr. geruhen IX* 30, XV 65, XVII 49, XIX 14; tr. gewähren IV 36. 
den s. f. Zahn III 26. 
derrier adj. letzter XVI 33, 44, XVIII 32. 



Peire von Äuvergne 211 

deBcapdelhai v. tr. der Führung berauben XUI 16. 

descausir c. tr. missacliteu XV 19. 

desconort s. m. Leid, Kummer "JfTX 31. 

descordier s. m. Zwietracht I 45. 

deecreire v. tr. «ic/it glauben an XIX 27. 

deae (k-on-umpierl, wie lu bessern?) III 6. 

desfaissonar v. tr. verunstalten IV 7. 

desgequir v. tr. verlassen XVII 26. 

desirier s. m. Verlangen, Begierde I 21, III 39, XVII 14. 

desobre präp. auf XIX 45. 

desotz präp. unter 'XTX 34. 

doaperaire s. tn. der veriireifelt TV 38. 

desque conj nachdem, da VI 31. 

dewazicar -ß. rfl. sieh entwurzeln, losreitsett VI 50. 

dearefngent pari. adj. flüchtig, vergänglich XVII 46. 

deaaebrar v. intr. sich trennen, Abschied nehmen VTII 1. 

desaemblat part adj- unähnlich, ungleich XIX 18. 

destinar e. tr. bestimmen XIX 24. 

deBtorbier s. jb, Vericirrung, Terdruss, Not I 15, XVII 16. 

destorser o. ir. verdrehen XIII 15. 

destrenher e. tr. iedrängen IX' 60, XVIII 70. 

deslric s. m. M^ot, Leiden VI 26, XVIH 70. 

delir v. tr. vernichten, anat delitz verloren sein XV 20. 

demandar v. tr. fordern, begehren VIII 19. 

deslraihar v. tr. entfernen VIII 24. 

dessalhir v. intr herahsteigm VIII 15. 

detriansa s. f. Auslese XI 9. 

derenit v. intr. werden XVII 10, 

dever it. itdr. sollen, müssen IX' 42, 53, XI 7, XVII 10, 12, 27, 53. 

devee präp. von — her XI 30. 

dcvezir ir. ir austeilen XVII 67; auseinandersetien, erklären XVI 22; intr. aus- 
sagen, erMären VI 9; rß. sich trennen? XVTI 67. 

devl adj. erratend, ahnend VI 30. 

deviza s. f. Losung V 32. 

dezBmar v. tr. nickt lieben XVTII 27. 

dezanador adj. vorübergehend XVII 45. 

dezenansar v, tr. vermindern, herabsetzen X 23. 

dezert s. m. Wüste XVIII 66. 

dez6 num. Zehnter XII 61. 

dieu s. m. Gott XV 18, 45, XVI 38, XVII 1, XVIH 1, XIX 7, 20 u. ß. 

dira v. tr. u. intr. sprechen, sagen, erzählen, nennen, hersagen, recitieren VI 26, 
IX' 3, 4, 38, 50, IX' 9, XII 33, 65, XV 66, XVII 3, 9, XVIH 17, 
XIX 12. 

dis, -z adv. innen XIII 8; präp. in V 2, XVIH 73, XIX 49; dinz de 
XVUI 39. 

diaaendre v. intr. herabsteigen V Q; rfl. (von der Melodie) XII 6. 

discipidus (lat.) Schüler XIX 54. 

disupol «. m. Jünger XIX 41. 

Zanker, Pelra von AoTorgiiB. IG 



242 R. Zenker 

dit, dig 8. m. Wort, Rede II 24, IV 10, XVIII 10, XIX 8. 

divers adj. verschieden XIX 8. 

divinalh s. m. RätseU III 18. 

doblier ctc^j. doppelt III 34. 

doctrinar v, tr, unterweisen IX* 58. 

dolar V. tr. behauen, abhobeln III 52. 

doler V. tr. bekümmern XV 50; intr. traurig sein X 12; pari, adj, dolen kläg- 
lich Xn 15. 

dolor s. /. Schmerz XVII 63. 

domnidieu s. m, Gott der Herr VII 31. 

dompDa, domna $. /. Dame, Herrin IV 54, VI 31, IX* 2. 

dorapneis s. m, Frauendienst VI 48, 54. 

don s. m. Herr, Lehnsherr XVII 56. 

don s. m. Geschenk, Habe II 40, 64, IV 40, XI 14, XII 51. 

don, dont adv, woher, woraus, wodurch, weshalb, deshalb XV 59, XVII 9, 
XVIII 6, 9, XIX 54; = de que IV 16, IX* 10; = de qui IX* 14, 

donar v. tr. geben, schenken IV 10, XVII 49. 

doncs adv, also, deshalb I 21, III 25, XI 7, XV 12; si doncs no es müsste denn 
sein, dasst wofern nicht XII 72, XVIII 35; dann V 15. 

doptansa, duptansa s, f. Furcht X 18, XI 36. 

dorn s. m, Bezeichnung eines kleinen Masses, Handbreit XII 20. 

dos s. dui. 

dous, douz adj. süss IV 8, VI 5, IX* 23, IX* 51, X 5, XU 81, XVIII 89. 

doussor 8. w. Süssigkeit VI 49; Milde, Gnade XVII 73. 

dozö num. zwölfter XII 73. 

dreit s, m,, a dreit mit Becht VI 14. 

dreit, dreg at^j. gerade IX* 1, XVI 37; richtig IX* 53; gerecht XVIII 2; adv. 
geradenwegs IX* 17. 

dreitura s, f. Becht X 38 ; a dreitura in der richtigen Weise X 20. 

dreiturier adj. gerecht XV 52. 

drut s. w. Liebhaber, Freund II 43, VII 48, XI 11 . 

dui num. zwei XVII 64; dos obl. m. I 25, XI 11, XII 65, XVIII 44; doas /. 
XVI 26. 

duire v. intr, führen XI 16. 

dur adj. hart, unfreundlich II 24, XVIII 10. 

duc s. m. Herzog X 10, XVI 46. 



E, et, ez, cop, und. 

ebrais s. m. hebräische Sprache XVIII 4. 

eis pron. adj, selbst XII 75, XVII 67. 

eissauzir v. tr. erhören XIX 14. 

el = eu lo IX* 2. 

el = en lo IX* 1, XVIII 59. 

el, elh pron. pers. er IV 14, IX * 40, XIX 25 ; /. eUa VI 35. 

elegir v, tr., part. elegutz auserwählt II 13. 



Peire von Auvergne 243 

elemen s, m, Element XIX 17. 

emblar v, tr, stehlen XIV 27. 

embronc adj, gebeugt ^ traurig XIII 35. 

embroncar v. intr. traurig sein 1 20. 

emparlat adj, part. beredt IX* 59. 

emperaire s. m. Kaiser IV 22, X 12. 

en s. m. Herr XII 31, 53, 55, 61. 

en, em präp, in IV 15, 17, 32, IX ^ 32, IX ^ 23, 26, 53; nach XVIII 75. 

en pron, adv, davon, dadurch, darum =• de c. pron, pars, IV 12, 37, IX* 15, 
20, 40, 42. 

enaisi adv. so IV 27, V 22. 

enamarzir v. intr, bitter werden VIII 34. 

enamorat adj, part verliebt II 20, 60, VII 32. 

enans, — z adv. vorher XV 5, XVIII 33; e. que bevor XVI 47. 

enansar v. rfl. gefördert werden, fortschreiten X 2, XI 3; sich anstrengen, 
streben XV 2. 

enantir v, tr. fördern, vorwärts bringen XV 55; rfl. Fortschritte machen, ge- 
fördert werden III 32, XVI 13; s*e. vas u, contra streben nach XVII 35. 

encaisonar v, tr. tadeln IV 31. 

encar, enquer adv. noch XV 30, 67. 

encendre v. tr, entzünden II 20. 

encolpar v, tr, beschuldigen, anklagen XII 8. 

encombrar v. tr, belasten XIV 15. 

encombrier s. m. Verdruss, Not 1 17, XII 27 ; prendre e. Schaden leiden XVII 40. 

endec ? XIII 39. 

endevenir v, intr. zufallen, zu teil werden IV 21. 

endreg präp, gegen, gegenüber XV 38. 

enemic s, m. Feind VII 16. 

enfemal s, infernal. 

enflabot s, m. Sackpfeife XII 85, vgl, Anm. 

enflar v. tr., enflatz aufgeblasen (übertr.) XII 64. 

enganaire /., — airitz s, Betrüger XV 28; adj. betrügerisch VII 5. 

enganar v, tr, betrügen VII 40. 

engenhar v, rfl. sich überlegen IX* 27. 

enginhaire s, m, Ingenieur XV 51. 

engraissar v. tr. fett machen VI 16; v. intr. fett werden V 31, X 35. 

engres adj. zornig, feindlich V 33, XIII 33. 

enic adj, verdrossen VI 12. 

enjoglarir v. rfl, Joglar werden XII 42. 

enquerre v, tr, bitten, sich bewerben um V 15, VI 26. 

enquistaire s. m., w. s. Bewerber, Werber XV 31. 

enredar v, tr. im Netze einschliessen XIII 30. 

enriquir v, tr. bereichern XV 54; rfl. sich bereichern, sich bereichert fühlen 
VI 39. 

enseguran adj. sicher III 27. 

ensenha s. f. Zeichen, Abzeichen IX * 20. 

ensenhamen s. m. Bildung, Lebensart VI 47. 

ensenhar v, tr, lehren, anraten IV 44. 

16' 



244 R. Zenker 

entendemen s. m, Sinn, Sinnesrichtung, Neigung II 7. 

entendre 8, m, Fähigkeit des Auffassens, Verstehend XVII 50. 

entcDdre v. tr. verstehen, erkennen, anhören XII 84, XVI 5 ; v. intr, erkennen TU 3. 

entensid s, f. Absicht XIX 51. 

entier a^j. vollständig, vollkommen III 4, XVII 48; adv, gänzlich I 34. 

entre präp, unter, zwischen II 22, XVm 2, 42, 77. 

entremetre v. intr. sich abgeben mit (de) XII 5. 

entrendonnir v. intr, halb einschlafen IX* 22. 

entresenha s. /. Zeichen TV 28, IX ^ 37. 

entretan adv. inzwischen XVIII 86. 

entrubrir v, tr, öffnen V 13. 

enyeja s. f. Begierde, Verlangen I 52, XIII 38. 

envers adj, verkehrt XIII 33. 

enviar v, tr, senden IX* 3. 

envirö ? III 33. 

erba s. f. Gras I 4, 

eretier s, m. Erbe XVTE 76. 

esbaudir v, rfl, sich ergötzen, fröhlich sein VIII 33 ; esbauditz fröhlich XV 33. 

escantir v, tr, löschen XIII 31. 

escamir v. tr. verhöhnen XVI 8; betrügen VII 23. 

escas adj. karg XVII 56. 

esci'en s, m. Wissen, mon e. meines Wissens XIV 20. 

escien s. m, der einer Sache Kundige (de) II 67. 

esclairar v, rfl, klar werden XV 49 ; froh werden IX * 41. 

esclarzir v. tr, aufhellen, klar machen XII 83; rfl, sich aufhellen, klären X 15. 

escout s, m, Hinterhalt XVI 44. 

escoutar v, tr. hören, anhören XVI 2. 

escrimir v, rfl, fechten XVI 45. 

escudelha s, f, Schüssel XIII 37. 

escuT adj, dunkel U 31, X 6, XVII 57; subst XIX 25. 

escurzir v, tr, verdunkeln XV 47. 

escut s. m, Schild II 63, XI 38. 

esforsar v, intr, sich anstrengen, seine Kraft zusammennehmen XI 26; rfl, XIII 45. 

esfortz s. m, Kraft XVIII 27. 

esfredezir v, rfl, kalt werden gegenüber etw., sich entfremden von (de) VIEE 26. 

esgarar v, intr, achten auf XVII 9. 

esgart s, m. Blick XVII 14. 

esglai s, m, Schrecken IX ^ 19. 

esjauzir v, tr, erfreuen I 49 ; rfl, sich freuen VI 13. 

esmai s, m, Unruhe XVIII 25. 

esmerar v, rfl. sich läutern V 43, IX* 43. 

espandre v, rfl, sich entfalten I 3, VI 48. 

espaven s, m, Angst XII 75. 

espaza *. /. Schwert XI 38. 

espelh s, m, Spiegel XII 17. 

espelhir v, intr. hervorkommen XIII 24 

esper s, m. Hoffnung VI 38, IX ^ 52. 

esperaire s. m,, n. s, einer, der hofft XV 42. 



Peire von Auvergne 245 

esperansa s, f. Hoffnung IV 39, X 16. 

esperar v, intr, hoffen TV 12. 

esperir v, tr, aufwecken XVIII 68. 

esperit s, m, Geist XV 61, XVII 40, XVIII 80. 

espic 8, m, Ähre III 35, VI 55. 

esquem s, m, Spott XVI 14. 

esquiu a^. feindselig XVIII 89. 

esquivar v, intr, sich fernhalten von, vermeiden (contra) II 44. 

essai s. m. Bemühung, Eifer IX* 18. 

essausar v. tr, erhöhen XV 55. 

essems adv, zusammmen XVIII 38. 

esser v. shst, sein, existieren; li es a far, er muss thun V 1, XII 4, XVII 19, 

60; es a venir r= venia III 3. 
est pron, dem, dieser III 9. 
estar v, intr, bestehen, existieren XIX 19 ; stehen, sich aufhalten, verweilen VII 14, 

X 28; rfl, III 38; bestellt sein III 6; unpers,: m'estai mit adv., es steht 

um mich, es ergeht mir so und so IX* 6. 
estatge s. m. Aufenthaltsort IX* 51. 
estat s, m, Sommer IX* 39. 
estenher v, tr, auslöschen XIX 30. 
estemut s, m, das Niesen XI 35, vgl, Änm. 
estiers adv, auf andere Weise, ohnedem III 29, V 21, XIII 17. 
estiu s, m, Sommer VII 1. 
estorser v, tr, erretten XVIII 36. 
estout adj. stolz XVI 30, XVIH 54; ? XVI 16. 

estraire v, rfl. sich entziehen XV 17; estraitz abstammend von XIII 33. 
estranh adj. seltsam, verkehrt XVII 21, XVIII 12. 
estrü 8, m. Mut XIX 55. 
eu = ieu. 



F. 

Faire v. tr, thun, machen, bewirken, verfassen II 48, IV 14, 23, V 49, VII 29, 
IX* 48, 59, X 3, 21, XI 15, XVIII 86, XIX 32; herstellen, schaffen 
XVIII 50, 57, XIX 25; mit doppeltem Acc. XVIII 69; f. cosensa de ge- 
toahren IV 19 ; f. temensa furchtsam, ängstlich sein IV 25 ; f. entendensa 
Liebhaber sein IV 35; f. mit Acc. u. Inf bewirken, dass etwas geschieht, 
lassen IV 30, VIII 15, XVIII 29; rfl, absöl. oder mit prädikat, Nom. sich 
gebärden XII 35, 56, 68; intr. geeignet sein zu, fai a temer XV 43; bos 
fatz wohl beschaffen IX* 36. 

fais 8. m. Last V 23, VII 8, VIII 3, XIV 17. 

fait 8, m. That, Handlung, Thatsache I 19, II 68, III 23, IX* 59, XV 35, 
XVII 48, XVIII 11. 

falhensa s. f. Fehler IV 3. 

falhir V. intr. fehlen II 18, X 8, XIV 10, XVIII 8, 29; fehl gehen VII 24, XV 27. 

falfl adj. falsch, treulos VII 5, XIII 34, XVIII 8, 42. 

fam s. m. Hunger IV 16, XI 18, XVIII 24. 

fat a4j, thöricht II 68, XIII 34, XVE 11. 



246 K* Zenker 

favelhar v. tr. hersagen, recitieren XIII 49. 

fe 8, f. Treue f Glaube XIX 41, fe qua* us deg meiner Treu XIII 50. 

fehle adj. elend XVI 11. 

fel6 adj, schlecht XIII 35. 

fenh 8. m, Verstellung, Erdichtung I 51, II 68. 

fenher v. rfl. sich verstellen IX * 40. 

fenir r. tr, beendigen X 36, 

ferir V. tr, schlagen, stossen, treffen X 11, XI 33, XII 70, XV 41; rfl. sich 

aufschwingen V 8. 
fenn adj, fest, zuverlässig^ treu II 54, XVIII 16, XIX 26, 55. 
fennar v. intr, verbürgen 1 42. 
feror s, f, Schauder, Grausen XVII 23. 
fieu s, m, Lehen XVU 54. 
filh s. w. Sohn XIII 34, XVIII 80, XIX 4. 
filha s. /. Tochter IV 46. 

fiD, fi s. f, Ende XVI 27, 51, XVIII 53, XIX 22* 

fiD, fl adj, rein, lauter IV 1, IX* 42, XV 14; treu VEII 9; angenehm VI 36. 
fizansa s, /. Vertrauen X 32. 
fizar V. rfl, sich verlassen auf VII 38, XVII 65. 
fizel adj. treuIK.^ ^\, XVIH 19. 
flairor s, /. Geruch XVII 21. 
flama s. /. Flamme XVIH 37. 

flor s. f. Blume, Blüte I 2, 58, II 1, VII 3, IX ^ 57, XIII 2. 
florir V. intr, blühen VI 4, X 1, XIII 7, XVI 17. 
fol adj. thöricht III 12, VIII 28, X 40. 
folhor s, f. Thorheit XVII 15. 
follejar v, intr, Thorheiten begehen XIV 45. 
forfait, — fag s. m. Vergehen XI 39, XVIII 23. 
forlinhat adj, part, entartet XIII 42. 
fonnir v, tr, vollbringen XVII 43; eine Botschaft ausrichten IX* 4; formitz 

vollendet, se faire formitz de eingebildet sein auf etwas XII 68. 
fom s, m, Ofen XII 23. 
fors adv. ausser I 45. 

fort adj, stark, fest, hart XIV 26, XVII 25, XIX 55; adv, sehr IX Ml, XVII 33. 
fradelh adj, ruchlos XIII 13. 
fragelar v, intr. in Unruhe sein III 19, vgl, Anm. 
fraire s, m, Bruder IX ^ 13. 

fraitura s, f, Mangel, far fraitura mangeln, fehlen X 13. 
franc adj, freimütig II 54, XVIII 16. 
franher v, tr. zerbrechen, vernichten XVIII 33. 
f reidura s. f. Kälte IX * 40. 
freit s. m. Kälte VI 6, XVIII 25. 

fremir v. intr, zittern, Unruhe äussern, ungehalten sein III 19, vgl, Anm. 
fruchar v, intr. Früchte tragen VI 4. 
fruit, frug s, m, Frucht II 1, XVII 55. 
fuelh s, m, Blatt, Laub II 1, V 11, VI 5. 
fuelha s, f, Blatt, Laub 1 2, XIII 2, XVI 20. 
fugir V, tr, flüchten XVIII 74; intr. fliehen XII 72. 



Peire von Auvergne 247 



an. 

Gai aclj. fröhlich I 12, IX ^ 16. 

gai, jai s. m, Häher VI 7, VII 1- 

gaire adv.f no — g. nicht sehr, kaum VII 46, IX* 53, XV 10. 

galhart adj. mutig, keck XU 76. 

galop s. m. Galopp XVI 14. 

garda s. f. Wachsamkeit XVII 37. 

gardar v, tr, ansehen, beachten XVIII 20; intr. sehen XIV 30, XVI 37. 

garir, guerir v. tr. behüten, bewahren VII 16; retten XVI 38, XVII 59; 

heilen VII 41. 
garnir v, tr, ausrüsten XII 71. 
garric s, m. Wald VI 5. 
gasc6 adj. gascognisch IV 55. 

gaug s. m. Freude I 60, II 3, 11, III 34, 39, VI 12, IX * 42, IX* 24, XIII 25. 
gausitz adj, part, fröhlich XVIII 91. 
gelos s, m. Eifersüchtiger V 37. 
geD, gent adj, freundlich, hübsch II 21, 23, V 20, XI 14, XV 1 ; adv, freundlich, 

gut IV 18, XII 3, XVII 68. 
gen, gent s. f Leute VI 44, VIII 6. 
genh 8. m. Verstand, Sinn II 12. 
gensar v, intr, an Güte zunehmen IV 43. 
gensetz adv, freundlicher, besser I 49. 
ges, gens adv,, g. — no, no - g., non g. durchaus nicht IV 55, IX* 8, IX ^ 33, 

XVIII 92. 
gietar, gitar v, intr, herabwerfen, herabschütten XHI 4; hervorbringen XVI 20; 

entfernen XVIII 49 ; g. a noncura alc. sich um jd, 7iicht kümmern X 27. 
ginolhos adj., de g. auf den Knien V 27. 
gequir, giquir v, tr, verlassen VIII 10, XVI 15, XVIII 28; rfl, ablassen von (de) 

ni 34, VI 28. 
ginhos adj, klug II 12. 
glatz s, m, Frost IX* 38. 
gleira s. f. Kirche XII 11. 
glot adj. gierig XVII 14. 
gonelha s, f. Rock XIII 21. 
goveraaire s. m, Leiter XV 64. 

gragellar v, intr. gackern, krächzen XIII 8, vgl. Anm. 
gran adj. gross IV 25, 30, IX* 42, XVII 3, XVIII 9, XIX 31. 
grat s. m. Dank II 40, XIV 34, XV 40. 
gratia (lat.) Gnade XVIII 21. 
grazens part. adj. willkommen I 31 ; dankbar II 69. 
greu, grieu adj. schwer, drückend, beschwerlich IV 32, XIII 17, XVII 25, adv. 

sehr XVII 33. 
gronhir v. intr. summen V 2. 
guerir s, garir. 

guerpir v. tr, verlassen VI 12; rfl. (de) VIII 43. 
guerra s. f Krieg XI 32. 
guerrejar v. intr, in den Krieg ziehen VII 21. 



248 R. Zenker 

guerrier adj. kriegerisch III 23. 

guers adj. schielend XIII 9. 

guidar v, tr, führen XVII 16. 

guidonatge s. m, Geleit , Begleitung j aver en g. als Geleit haben IX* 23. 

guiren s. m, Bürge XVIII 42. 

guit s. m. Führer VII 11, 50, XV 62, XVIII 83, XIX 6. 

guit s, m, Führung, aver en g. XV 65. 

guiza s. /. Art und Weise V 4, IX* 54. 

guizardo s. m, Lohn V 52. 

I, J. 

I adv, dabei, darin, 

ja adv, fürwahr, schon XVI 6, XVIII 46, XIX 22. 

jai s. m. Freude I 59, V 24, VIII 19, X 14. 

Jamals adv, niemals XIX 36; no — j. nicht mehr VIII 44. 

jardi s. m, Garten XVI 18. 

jauzir, gauzir v. tr. gemessen VIII 50; rfl. sich einer Sache erfreuen XVI 31; 

part, adj, jauzens, g— , fröhlich II 15, 29, XVIII 7, 91. 
jazer v, intr, liegen XIII 29, IX* 28. 
jazer s, m. Niederlegen VI 10. 
ie'm =: ieu me IX ^ 45. 
ier adv, gestern XVII 24. 
ieu, eu pron, pers. ichk 
ilh, ill pron, pers er, 
infem s. m, Hölle XIX 40. 

infernal, enfemal adj. höllisch XVI 52, XVIII 11. 
intrar v. intr. eintreten VH 20, XVI 43, XVIII 22. 
Joe s, m. Spiel IX* 24. 
jogar V, intr, scherzen XII 86. 
joglar s. m, Joglar XII 26, 38. 

joi s, m. Freude IV 12, 21, 27, 51, IX ^ 47, IX* 13, 24, XVII 63, XVIII 28. 
joja s. f, Freude IV 1. 
jojos adj, fröhlich II 15, III 35. 

jom s. m. Tag IX* 47, XIX 38, 47; lo j. gran der jüngste Tag XVIII 88. 
jomal, —au Tag I 53, XV 47. 
Jos adv, unten V 14. 

joven s. f. Jugend, Jugendlichkeit, jugendlicher Sinn III 32, VII 3, XI 26, XV 31. 
jovencel s, m, Jüngling XI 31, 

ira s. f, Zorn, Ärger, Verdriesslichkeit I 13, VIII 7. 
iraisser v. rfl. zürnen V 38, VII 9, VIII 4. 
iratz (korrumpiert, wie zu bessern?) III 22. 
iros adj. verdriesslich II 25. 
isnelh adj, schnell, flink I 5. 
isop s. m. Weihwedel XVI 28. 
issaussar v. tr, erhöhen XVIII 66. 
issermen s. m, Beisig XII 24. 
issernir v, tr, darlegen XVII 2. 



Peire von Auvergne 249 

issir V. intr. herauskommen, verlassen VII 35, XV 6; entstehen XVIII 9. 

issirop s, m. Syrup XVI 35. 

jurar v. intr, schwören VII 19; juratz durch Eid gebunden VII 25. 

jutjaire s. w., n. s, Richter XV 52. 

jutjamen s, m, Gericht, j. major Weltgericht XVII 61. 

jutjar V. tr. richten XVIII 88, XIX 65. 



1ä. 

La art, f., pron. pers. f. 
lac s. m. Grube XVHI 39. 
lach «. m. Milch XVIII 62. 
ladrier s. m. Seite III 16. 

lai adv. dort, dorthin IX* 8, 40; IX« 2; XV 61; XVIII 72. 
lai s. m. Lied X 21. 
lairo s, m, Räuber XIX 59. 
lai s, m, Laie XVIII 2. 
lait adj. hässlich XIII 3. 

laissar v, tr. lassen, zurücklassen VI 27, XVII 66, XVIII 6, XIX 52; rfl, ab- 
lassen von VIII 43, XIV 33, XV 59. 
lansa s. f. Lanze XI 33. 
laorar v. intr. arbeiten XIII 2, 8. 
larc adj, freigebig XV 4. 
las interj, wehe V 22. 
latin s, m. Latein XVIII 4. 
latz s, m. Seite, Richtung VII 26. 
lausenga s. /. Schmeichelei VI 33. 
lausengier s. m. Verleumder V 41, II 26. 
lauzar v. tr. loben XIX 1. 
lec a43» gemein XIII 47. 
legir V, intr. vortragen XVI 50. 
lei pron. pers. sie, 
lei s. f. Gesetz, Brauch IV 55. 
len adv, langsam XI 25. 
lengatge s. m, Sprache IX^ 53. 
lengut adj. zungenfertig II 26. 
lenha s, f. Holz, Zweig IX* 57. 
leu adv. leicht, leichtlich XI 12. 
leugier adj. leicht, leichtfertig XVII 72. 

levar v. tr, heben XIV 17 ; erheben (1. critz) III 24; rfl. XI 22 ; sbst. Aufstehen VI 10. 
lezer s, m. Müsse XV 1, 18, IX* 54. 
linh s. m. Geschlecht IV 48. 

linhatge s. m. Geschlecht, Abkunft IX* 33; J.r* IX* 13. 
lo art,, pron,, pers. 
logar V. tr. vermieten XII 66. 
loindan adj. fern VI 9. 
lonc adj, lang VI 1, XVI 43. 
lonhar v, rfl. sich entfernen VIII 40; rfl. IX* 12. 



250 K. Zenker 

lor pron. pers. u. poss, 

luec, loc 8. w. Ort, Stelle VI 51, XI 11. 

luenh adv. fern V 40, XVI 7. 

luire V, intr. leuchten XI 28. 

lutz 8. /. Licht XIX 25. 

Madur adj, reif II 1. 

major, n. «. mager adj, grösser V 25, XI 22, XV 26, 40, XIX 11; jutjamen m. 
jüngstes Gericht XVII 61. 

magre adj. mager XII 15. 

magrezir v, tr, mager machen VI 16. 

mai = mais. 

majestre 8. m. Meister XII 82. 

main, manht acfj. mancher XII 2, XVIII 49. 

maire s. f. Mutter IX ^ 43, XII 23, XIX 61. 

mais, mai, mas adv. mehr II 37, VI 20, IX* 58; de m. en mielhs mehr und 
mehr II 10; in Zukunft X 28; conj, aber XIX 36; m. oder m. quan 
nach Neg.: ausser V 23, XIX 20; da XV 62. 

mä 8. f Hand I 62, XVHI 67. 

mais6, -z- s. /. XIX 49 5 ? III 18. 

mal adj, schlimm, schlecht III 36, IV 28, XVII 16. 

mal 8. m. Schlimmes, Übel, Unheil IV 37, XII 7, XVIII 9; tndre m. Elend aus- 
stehen IV 30; Sünde XIX 30; mal m'es es ist mir unlieb VIII 24. 

malaüros adj, unselig XIII 37. 

malaute aäj, krank XII 29. 

malfachor s, m, Ubelthäter I 24. 

maivat adj. schlecht VI 55, XII 32, XIII 25. 

mandar v. tr, senden IV 49; melden IX* 5; entbieten, sagen lassen VI 54. 

manal adj,, arc m. Handbogen XII 22. 

manen adj, reich II 37, VI 19. 

manna s, f, Manna XVIII 62. 

mantelh s, m, Mantel XII 54. 

mantenensa s, f, Pßege IV 51. 

mantener v, tr. erhalten II 16. 

mar s, f Meer VII 45. 

maraboti s, m. Maravedi, spanische Münze XVI 25. 

marabot adj, von Art eines Maraboten, d, i, eines nur äusserlich zum Christentum 
bekehrten Muhamedaners oder Juden; übertr, von der Spraclie: weder 
provenzalisch noch lombardisch XII 77, vgl. Änm, 

marquis s, m, Marquis XVI 46. 

marrir v, rfl, sich bekümmern VIII 7; marrit betrübt, bekümmert VII 49. 

marrit s, m, Gatte VII 48. 

martelhar v, tr, mit dem Hammer bearbeiten? XIII 29. 

martir s, m, Leiden XVII 58. 

maÜ s. m. Morgen IX* 52. 

mel s. m, Honig XVIII 62. 



Peire von Auvergne 251 

melhor adj. besser VI 34, XVI 7, XVH 55, XIX 50. 

melhurar v. tr, bessern II 58, IX* 48; intr. sich bessern II 34, IX* 47. 

membrar intr,, mi membra ich erinnere mich X 42. 

menar v, tr, führen, ziehen XIII 11. 

mendic adj. bettelhaftj arm VI 19, 40. 

menhs, mens s, tw., lo m. das Wenigste VII 8; adv, weniger XIV 23. 

menor, n. s, menre adj, kleiner, geringer XII 20, XIX 12. 

mentaure v, tr. im Gedächtniss bewahren II 36; erwähnen XI 5. 

mentir v. tr. lügen^ m. alc. re ad alcun I 43, VII 42; intr. III 26. 

mentre conj, während, wenn XV 1, 36. 

menut adj, klein XII 51; sbst, II 66. 

merayilh s. m, Wunder XVIII 52. 

meravilhaire s. m. einer, der sich wundert XV 44. 

meravilhar v. rfl. sich wundern XVII 17. 

merce s. f, Gnade XVIII 35. 

merir v. tr, verdienen, m. mal Schuld auf sich laden, schuldig sein XII 7. 

mermansa s. f, Mangel XI 18. 

mermar v, intr, sich vermindern, abnehmen I 40. 

mesclar v. tr, mischen XV 14. 

mesqni s, m. Elender XII 29. 

messatge s, m, Botschaft IX* 3. 

messongier adj. lügnerisch XVII 38. 

messonha s, f, Lüge VIII 32. 

mesprendre v, tr. betrügen XIX 40. 

mestier s, m, Beschäftigung, Gewerbe XII 50; Thun und Treiben XI 4; Be- 
dürfnis, a m. es ist nötig XVII 8. 

mestitz adj. von unedler Abkunft, nichtsnutzig XV 34. 

mesura s. f. Mass IX* 57. 

meteis, mezeis adj. pron. selbst XIV 15, XV 62, XIX 29; also m. eben dies, 
schon dies V 24; adv. aqui m. in eben dem Augenblick VI 41. 

metge s. m. Arzt XVI 35. 

metre v, tr. setzen, versetzen XVI 53 ; m. e nonchaler gleichgültig sein gegen XV 39. 

meu pron, pers, mein, 

mieg adj., per m. mit Acc. mitten in VII 2 ; s. m. Hälfte, Mitte, entre'l m. in 
der Mitte III 16. 

mielhs sbst., lo m. das Beste VI 27, VII 8, XV 2; adv, besser VIII 19, X 11. 

mil num. tausend VII 24. 

miraire s, m, einer, der sieht XV 23. 

molt, mout, mot, ac^, viel VI 44, XVII 2, XVIII 52; adv. sehr IV 25, 28; IX* 5. 

mon s, m. Welt I 29, XVEII 49, XIX 15. 

mont s, m. Berg XVHI 72. 

montar v, intr. aufsteigen, emporsteigen V 10, VI 45, XIX 46 ; rfl. {von der Melodie) XII 6. 

mora s. f, Maulbeere XIII 20. 

morir V, intr, sterben VI 35, XVI 41, XVII 19, XVIII 5. 

morir s, m. Sterben, Tod XVI 36. 

mors s, m. Biss XIII 14. 

mort s. /. Tod XVI 39, XIX 34, 37. 

mostrar v. tr, zeigen III 2, IV 28, XVII 58; rfl. XVIII 54; mahnen (de c. inf.) I 5. 



252 R. Zenker 

mot 8. tn. Wort IV 2, XII 77, 83. 

mover v. tr. bewegen ^ veranlassen XV 29?; entfernen XV 53; intr, entspringen 

aus (de) I 18; rfl, sich regen IX* 46. 
mudar v, intr,, no puesc m. ich kann nicht umhin VII 15. 
mueg 5. m, Scheffel XVI 25. 
mundä 8. m, weltlich I 37. 
mur 8. m, Mauer II 4. 
mut acij, stumm XIII 9. 
muzaire 8, m. Gaffer, Müssiggänger XV 7. 



Naisser v. inir. gehören werden, entstehen, entspringen I 60, V 12, 16, VII 3, 33, 

IX* 43, X 42, XVI 21, XVIII 5. 
natura s, m. Natur X 41. 
nedejar v, rfl, sich reinigen XVI 47. 
negun adj, pron. kein IX* 13, XV 51; sbst. XIX 22. 
nems, nemps adv, zu sehr VIII 38, XIV 32. 
nesci adj, einfältig XVI 11. 
neu 5. /. Schnee VI 6. 

ni cop, und nicht, noch, im verneinten Satze: und, 
nie 8, f, Schnee VI 49. 
nien sbst, neutr. Nichts XII 57. 
niu s, f Wolke XVIII 79. 
no, non adv, nicht, 
noirir v, tr, aufziehen VII 36. 
nomnar v, tr. nennen XVIII 3. 
nom s, m. Name XIX 6. 
nonchaler s. m. Nichtachtung XV 39. 
noncura 8. f, Nichtachtung X 27. 
notz 8, f Nuss XVI 26. 
nou adj, neu V 2, VI 4. 
novel, — Ih adj, neu I 7, III 1. 
novellamen adv. neuerdings, kürzlich XI 8. 
nov§ num, neunte XII 55. 
nueit s. f Nacht X 6. 
nulh adj, pron, kein IX* 9. 



pron, pers. es, 

0, oz cop. oder. XII 11. 

obedir v, intr. gehorchen IX* 54. 

obUdar v, tr. vergessen XIV 48, XVII 24, XVIII 92. 

obra s, f, Werk, Arbeit XVIII 85. 

obrar v, intr. arbeiten, thätig sein XVII 36; tr, vollbringen I 16. 

obrier 8, m. Arbeiter XVII 74. 



Peire von Auvergne 253 

ocaiz6 s, /. Schwierigkeit, ses o. ohne weiteres XIX 52. 

ochö num. achter XII 49. 

odre s, m, Schlauch XII 14. 

oltracujät, ou — , adj, übermütig, vermessen XV 21, XVI 10. 

om, ome, n. s, om, oms, s. m. Mensch II 25, XII 48, XVII 42, 47, XVIII 53, 

XIX 7 ; i)row. man IV 13. 
ombra s. /. Schatten I 36. 

on, ont adv. wo IV 22; wohin VI 51, IX ^ 2, XI 17; on que wohin auch IX* 47. 
on — on je — desto XV 25. 
oncle s, m, Onkel XVI 34. 
onransa s. f. Ehre XI 15. 
onzö num, elfter XII 67, XIX 47. 
ops s. m, Bedürfnis, Notwendigkeit, o. es XV 20, o. li es XI 25; aver o. nötig 

sein XVIII 17; aver o. de nötig haben I 25; als o. in der Not XV 11; 

a SOS 0. wo es ihm not thut XV 28. 
ora s. f Stunde, Zeit V 18, VI 13, VII 33, XVI 32. 
oraz6 s. f Gebet V 51. 
ort s. m, Garten XIV 25. 



P. 

Pagan s, m. Heide X 17. 

paire s. m. Vater XVIII 79, XIX 5. 

pais 5. m, Land VIII 1. 

paisser v, tr. ernähren 1 48, XVIII 43. 

pan s. m, Brot III 7. 

pantais s. m. Unruhe V 3, IX* 29. 

paor s. f Furcht VIII 39, XI 36. 

par adj, gleich XII 41. 

paradis s, m. Paradies XVI 53. 

pareisser v, intr, VI 34. 

paren s, m. Verwandter IX* 13, XVIII 77. 

parer v, intr. scheinen VI 14; erscheinen XIX 42. 

parer s. m. Erscheinen VI 8. 

parier s. m, Genosse, Freund XVII 6. 

parladura s, f Bede IX* 7. 

parlar v, intr. reden XVIII 55. 

parlier s. m. Schwätzer Hl 12. 

parrä s. f Grundstück, Garten XIV 28, vgl. Änm. 

part s. f Seite, d'autxui p. II 38. 

partir v. tr. trennen XIX 10; intr. sich trennen VIII 45, XV 67. 

parven adj. kenntlich, se faire p. sich zeigen XI 7. 

parven s. m. Erscheinung, Miene 1 23. 

parvensa s. m. Erscheinung IV 17. 

pas s. m. Weg, Pfad XVII 20. 

passar v. tr. überschreiten, beschreiten (per) XVII 20; übertreten, brechen (vom 

Eid) VII 22. 
passiö s. f, Leiden XIX 58. 



254 R. Zenker 

pastor s. m, Hirte XII 5. 

patz 8. /. Frieden, Buhe II 18, VII 34; en p. im Stillen IX* 26. 

paubretat s, /. Armut VI 42. 

pauc adi. wenig, gering V 39, XV 35; adv. IV 26, VI 10, XVII 65; sbsU 
Weniges XVII 1, un p. ein wenig; a pauc . . . no heinahe XII 30. 

pe 8. m, Fuss V 26, XVIII 67. 

peccaire 8. m., n. s, Sünder XV 16. 

peccat 8. m. Sünde, Unrecht IV 33, VII 27, XIX 16, 32. 

pejor n. 8., piejer adj» schlimmer XVII 41; lo p. der schlechteste XII 3. 

peir6 s. m, Steinplatte, Steinhank XIX 45. 

peis 8, m. Fisch XVIII 44. 

pelegrt 8. m. Pilger XII 28. 

pena s. f. Mühe, a penas nulhs kaum irgend einer XII 84. 

pendre v, intr, hängen XII 48. 

peneden o^*. reuig XVIII 14. 

penedensa s. f. Busse IV 33. 

pensamen, -ess- s, m, Gedanken, Empfinden XI 20. 

pensar, -ess- v. tr, bedenken, denken an {obj, morir) XVI 36; intr, denken (de) 
VII 40; rfl. VI 28, 50. 

pensar, -ss- s, m. Denken XIV 39. 

per präp. durch IV 11, IX ^ 37, 41, XIX 17, 30; wegen, um — willen IV 36, 
XVII 7, XVIII 19, XIX 58; tener p. halten für XIX 11; m. Inf.: um zu 
XIX 16, 50, 65; per que warum, weshalb IV 39, IX * 20, XIX 40, damit 
IX* 40; p. so que damit IX* 34; per tan no dennoch nicht X 26. 

perir v, intr, zu Grunde gehen VIII 39. 

perjur adj. meineidig II 51. 

pero adv, trotzdem VII 15; deshalb XII 82. 

persona s, f, Person XVIII 79. 

pesar v, intr, aufliegen, li p. XV 63. 

petit 8, m. Weniges, p. d*ora kurze Zeit XVI 32. 

pic 8, m. Specht VI 7. 

pic? III 39, 40. 

pietat 8, f, Mitleid XII 30. 

pins 8, m, Fink XII, vgl, Anm, 

pipaut 8, m, Bläser XII 59. 

pius (lat) fromm, heilig XVIII 90. 

plages 8, m, Händelsucher XII 64. 

plaidejaire s. m,, n, s. Anwalt IX* 51. 

plait, plai, plag s, m. Streit, Verhandlung vor Gericht XIII 41, XVIII 34; 
enquerre plais a Händel suchen mit V 45; Abmachung, per nulh p. unter 
keiner Bedingung IX* 9; Entschluss IX* 50; Unterhandlung VII 29. 

plais 8, m. Hecke, Zaun VII 2, X 7. 

plan adj, eben, offen XTV 29. 

plan 8, m. Ebene, Feld II 4. 

planhen v, rfl, sich beklagen (de) XVIII 18. 

plazen part, adj. angenehm XIV 1. 

plazer v, intr. gefallen I 62, IV 29, V 26, VIII 10, IX* 5, XIII 50, XVIII 65,84. 

plazer s. m. Gefallen, Vergnügen, Lust VI 17, 43, IX* 34, XV 15. 



Peire von Auvergne 255 

plö a^j. voll VI 49. 

plebs (lat) Volk XVIII 71. 

plevir V. tr, verbürgen I 42; plevit verpflichtet VII 25. 

plor s. m. Weinen VI 18. 

plorar v. intr, weinen X 14. 

ploure V. intr. regnen IV 47, XIII 4. 

plus adv. mehr IV 10, 15, IX * 33; shst lo plus IV 19. 

pluzor 8, m. pl. die meisten Menschen XVII 69. 

pöble s. m. Volk XVII 8. 

poder s. m. Besitztum IX* 32; Macht y Einfluss VI 45; Kraft VE 31. 

poder V. intr. können IV 14, VII 21, 34, IX* 44, IX^ 37, XV 53, XVII 1, 68, 

XVIII 23, XIX 27; non puesc mais ich kann nicht anders VII 10; Ver- 
anlassung haben IX ^ 11, XVII 17; rfl. XIII 12. 

poderos adj. mächtig ^ einflussreich V 21. 

poges s. m. Münze von Puy, Silbermünze geringen Wertes XII 65, vgl. Anm. 

ponher v. tr. stechen XIII 8. 

portar v. tr. tragen ^ bringen IX* 41, XII 12, XIV 18. 

portaselh s. f. Eimerträgerin, Wasserträgerin XII 16. 

portier s» m. Pförtner VII 19. 

potz s, »I. Schlund, Abgrund XVI 52. 

pregar v. tr. bitten XVIII 18, XIX 14, 66. 

premier, primier num. erster III 22, XII 8, XIX 30; premiers adv. zuerst X 19; 

de primier von vornherein XVII 32. 
prendre v, tr. nehmen, fassen, ergreifen VI 27, XII 30, XIII 14; auf sich nehmen 

XIX 58 j gefangen nehmen VII 13; p. venjansa Bache nehmen XI 39^ 
mal mi pren es ergeht mir schlecht IV 37, XIV 43; mi pren cjira de es 
liegt mir am Herzen IX ^ 10-, prendre encombrier Schaden nehmen XYII 40. 

pres adv. nahe V 40. 

prestre s, m. Priester XVI 28. 

pretz s. m. Wert, Tüchtigkeit IV 43, VI 45, VIII 20, X 23, XIII 9. 

prezar v, tr. wertschätzen, achten VII 9, XII 59, XVII 12. 

prezen adj., a p. öffentlich XII 9. 

prezentar v, tr. vorzeigen XI 2. 

prezic s. m. Fredigt, schöne Beden VI 33. 

prim s. m., de p. im Anfang XIX 24. 

pro adv. zur Genüge, sehr XV 18, XVII 17; s. m. Genügendes TV 16, 23; 

Nutzen V 42, XI 15. 
proeza s. f. Trefflichkeit I 16,^ XIII 10, 43. 
proüchar v. rfl. nützen XVII 68. 
prometre v. tr. versprechen XIX 39. 
prop adv. nahe XVI 7. 
pros ocö*. wacker, tüchtig XIII 44. 
prosmar v. intr. sich nähern XV 46. 
pueg s. m. Hügel XIV 29, XIX 45. 
pueis, pois, pus, pos adv. nachher, darauf, seitdem IX* 25, XII 52, XV 49, 

XVIII 5, 7, XIX 20, 28, 43, 46; conj. nachdem, seitdem IX* 32, XU 53, 

XIX 47; wenn XV 39, XVI 4, XVII 48, XIX 64; da Y 1, XV 18, 
XVII 5, 49; pus que da III 20. 



256 R. Zenker 

pur ac^J, rein II 11. 

pu8 = plus heim comp, u, superl, XII 26, XVII 22, 55. 

pustelha s. /. Geschwür XIII 40. 

put ae^'. schmutzig XIII 13. 

Quan, quant, quand conj. wenn, als IX* 36, IX* 52, XVIII 68, XIX 41. 
quant rel, pron. wieviel^ tot qu. XVIII 58 ; qu. que was auch immer XVIII 83 ] 

quan que wie sehr auch VIII 16; tan quan so lange als IX' 28. 
quart num, vierter XU 25. 

quatrediä adj. viertägig (der vier Tage im Grabe gelegen hat) XVIII 46. 
que pron. rel, welcher; interr. XVII 41. 

que conj. dass IV 24-, so dass IV 16, 30*, denn IV 6, 15, 18, IX* 13, 21. 
quec pron. adj. jeder III 17 (Hds. queix) ; sbst, XVI 29. 
querentis adj. bettlerisch XII 26. 
querer v. tr. bitten, erbitten VII 31, XII 51, 54, 60, XV 26, 36-, suchen I 46, 

xvni 71. 

qui pron. reh IV 34. 
quint num. fünfter XII 31. 

Rai s. m. Strahl V 9. 

raire v. tr. abschneiden, entfernen XV 24. 

ram s. m. Zweig XVIII 82. 

rancur s, m. Groll II 41. 

rancura s. m. Kummer IX* 20. 

rascizelhar v. intr, Wurzel fassen ? XIII 32. 

raubar v. tr. berauben XII 46. 

rauc adj, heiser XIII 19. 

raucamen adv. rauh, heiser, mit heiserer Stimme XII 33. 

razitz s. f. Wurzel XVIII 82. 

raz6 s. f. Eecht, Veranlassung VII 4; Bede, Bedegabe II 32, m 6, XIX 50. 

razonar v, intr, reden IV 18. 

reblandir v. tr,? schmeicheln V 37. 

recebre v, tr. empfangen, erdulden XVI 39. 

reclamar v. rfl, sich bewerben, bitten um (per) IV 40. 

reconoissensa s, f, Selbsterkenntnis I 26. 

regardaire s, m, einer, der sich um etwas kümmert XV 45. 

regum (lat. gen. pl.) XVIII 90. 

rei s, m. König X 8, XVIII 8, 41, XIX 2. 

reluire v. intr, leuchten II 6. 

remaner v. intr. bleiben, fortdauern XV 57 \ stehen bleiben, enden XI 37. 

reu s. f, Ding, Sache, irgend etwas IX* 39; reu no, non — ren nichts IV 3, 

10, VI 55. 
rendre v. tr. übergeben XVIII 14; r. respost Bechenschaft ablegen XVII 47; 

r. gratz Dank abstatten II 40. 



Peire von Auvergnö 257 

renh s. m. Beich XVIII 24, r. ausser Himmelreich XVII 37. 

renhar v, intr, herrschen IV 52; weilen IX 17. 

renovelhar v. intr, sich erneuern, verjüngen XIII 5. 

repairar v, intr, zurückkehren XV 63. 

repaire s. m, Wohnort IX ^ 1. 

repentensa s, f, Reue I 32. 

requerre v. tr, bitten VI 32. 

requies s, (lat,) Buhe XVIII 64. 

rescindre v, tr, abschneiden XIII 22. 

resignat adj, part, verworfen XIII 36. 

respeit s. m. Erwartung, Aussicht XVI 18. 

resplandir v, intr, glänzen I 57, II 61, XVII 42, XVIII 56. 

resplandor s. m, Glanz XVII 75. 

respos, respost s, m, Antwort V 20, XVII 48, XVIII 47. 

ressemblar v, intr, gleichen V 5. 

restar v, intr. übrig bleiben XVII 3 *, bleiben V 45, XVI 14. 

retener v. tr, festhalten IV 53 ; zurückbehalten IX * 10. 

retintir v, intr, erschallen V 14. 

retin s, w. Getön, Gesang II 4, XII 34. 

retraire v, tr. erzählen IX* 11, 28; rfl, sich zurückziehen^ flüchten VI 6. 

ret s, m. Netz XIII 30. 

revelhar v, rfl, erwachen XIII 45. 

revertir v, intr, zurückkehren XVII 22. 

reviure v, intr, wieder aufleben VI 24, VII 2. 

ric adj, reich VI 42; mächtig XVIII 56; edel, vornehm VI 30, IX * 33, XI 4, 

XVII 55; köstlich IV 21. 
riqueza s, f, Beichtum XVII 52. 
rire v, intr, lachen XII 86. 

ris s, m. Lachen, Gelächter VI 18, VIII 41, IX * 24, XVI 11. 
roca s, f, Felsen VII 18, XIII 28. 
romansar v, intr, in romanischer Sprache dichten XI 21. 
rompre v, tr, zerbrechen, verstümmeln 11 33, XIII 10; rfl, ? III 10. 
rossinhol s, m. Nachtigall VI 7, X 5, IX* 1. 
rovilhar v, intr, rosten XIII 51. 
roza s, f, Base I 57, X 1. 
rozier 8, m, Bosenstrauch 1 57. 

sahen adj, verständig 11 9; sbst. Unterrichteter, Kundiger III 2. 

saber v, tr, wissen V 29, 48, VI 15, 22, 42, 53, IX* 14, 35, 39, IX* 6, 27, 

XI 23, XII 6, XVII 67, XVIII 53. 
saber s, m. Wissen II 11, VI 3, XI 10, XV 13, XVII 51. 
sabor s, m. Geschmack, Wohlgeschmack XVII 39. 
sabotar v, tr, kreiseln, hin- und herstossen XIII 12, vgl, Anm. 
sagrament s, m. Eid VII 22. 

sai adv, hier, hienieden IX* 33, XVII 66, XVIII 85, XIX 43; hierher IX* 5. 
sal acij. wohlbehalten, gesund XVIII 48. 

Zenker, Peire von Auvergne. ±7 



258 ^- Zenker 

salvaire s. m., n. 8. Erlöser XV 37, XVIII 3. 

salvatge tuij, är gerlich j unlieb IX* 11. 

saxLglot «. m. Seufzer XVI 33. 

sanh, Saint, sant adj. heilig XV 61, XVHI 69, 80, XIX 42 ; sbst XVn 76. 

sapiens o^'. klug II 57. 

sautier 8. m, Psalter XII 10. 

savai adj. schlecht, gemein I 24, V 37, VII 7, X 28. 

savi a€^j. weise, klug XVIII 22. 

sazo 8. /. Zeit, Jahreszeit 1 12, II 2 *, rechte Zeit III 30. 

sdensa s. f. Wissen II 18, XV 10. 

se canj. wenn, 

sebenc 8. m, ? XIII 35. 

sec adj, trocken XII 14, XIII 38. 

secodre v, tr. schütteln XVI 28. 

segle s. m, Zeit I 11; Welt IV 13, X 22, XV 15, XVII 43, 72, XVIII 28, 

88, XIX 64. 
segon präp, gemäss, entsprechend IV 52, 56, IX* 4. 
segon num, zweiter XII 13. 
segre v. tr. folgen 1 29, 34. 

segur adj, sicher, versichert II 21, IX* 17; adv, VII 21. 
seizS num. sechzehnter XII 37. 

sei, seih pron, dem, derjenige IX ^ 31 *, ohh selhui, selui XVI 40. 
sem =: sens XII 41. 

semblan s, m. Aussehen, Erscheinung XIX 18; Miene 1 51, IV 17, V 20. 
semblansa s, f, Schein XI 24-, Weise X 39. 
semblar i;. intr, scheinen II 31, XII 14. 
semdier s, m. Fussweg I 22, III 10, XVII 64. 
sempres adv, jederzeit, jeweils TV 14. 

sen 8. m. Sinn, Verstand ID. 2, XI 1, XIV 44, XVI 15, XVII 6, 51. 
Senat adj» verständig II 27. 
senes = sens X 18. 

senhar v, rfl. sich bekreuzen XVIII 94. 
senhor s. m,, n. s, senher Herr XVIII 8, 34, XV 56. 
senhorejar v, tr, überwinden XIX 37. 
sens s, m. Sinn, Verstand, Einsicht I 25, XV 9, 26*, en negun sen in keinem 

Sinne, in keiner Weise XIX 22. 
sentir v, tr, spüren, fühlen XVII 31, XII 75, XIV 19; hören XV 12; rfl. III 37, 

xvni 22. 

sentir s, m, Empfinden XVII 51. 

sentura s, f. Gürtel X 10. 

ser 8, m. Abend VI 1, IX* 24, XV 46. 

sercar v, tr. suchen I 46. 

serf, ser s. m. Knecht XIII 36, XVIII 48. 

sermö s, m. Predigt, Bede III 12. 

serpen s, m. Schlange XVIII 63. 

serrar v. tr. verschliessen XIV 5, XVI 48. 

sertä adj, sicher III 27. 

servar v, tr. aufbewahren XVIII 31. 



Peire von Auvergne 259 

servir v. intr. dienen V 22, 51, VIII 21, IX* 44; tr, bedienen XVI 24. 

ses, senes, sem präp. ohne IV 33, IX ^ 29, XV 41, XIX 10, 52. 

set 8. m. Durst XVIII 24, 

sezer v, tr, setzen VI 51. 

81 adv. so IV 29 ; si com IX ^ 24, XVIII 17 •, si que XIX 6. 

si conj. wenn IX» 41, XVIII 16, 31; si tot obgleich XII 63, XVI 10; si be wenn 
auch V 38; si doncs no wenn nicht etwa XII 72. 

si pron» pers. sich. 

sieu, seu pron, poss. sein XVII 76. 

siiVen s, m, Diener XII 21. 

so pron, dem, dies, dasjenige IX* 30. 

s6 s. m. Tony Weise I 7, H 35, V 48, XVI 5. 

soanar v, tr. verachten XII 45. 

sobransa s. /. Übermut X 9. 

sobransar v, tr, hereinbrechen über, bedrängen XI 27. 

sobrar v. intr, hinausragen über, übertreffen (sobre) I 59. 

sobrä adj, erhaben XVIII 43. 

sobre präp, über, auf XIX 25, 35, IX » 57 ; über — hinaus II 43, s. tot vor 
allem VI 38; gegen (cavalgar s.) X 17; zur Bezeichnung der Form des 
Ausdrucks (s. ebrais, sobre*! vielh trobar) III 1, XVHI 4. 

sobresenhorir v. intr, die Oberherrschaft haben VI 46. 

sobrevenir v. tr. überkommen, überraschen XVII 28. 

sobrevenser v. tr. besiegen XVEII 35. 

sobrier adj, überlegen II 65; adv, a s. gar sehr III 28, XVII 56. 

sofrir v. tr. aufrecht halten XVIII 21; intr. ausharren VI 23; dulden IV 24. 

sol adj, allein, einzig XVIII 29, XIX 13; adv. nur IV 23; s., s. que wofern 
nur V 42, 43. 

sol s. m. Sonne XVIII 59. 

solatz s. m. Trost, Vergnügen VII 31, IX* 25. 

solelh s, m. Sonne II 6, XI 28, XII 14. 

soler V. intr, pflegen IX* 24. 

solver V. tr. lösen XVIII 67. 

sonar v. intr. sprechen (a) IV 23. 

sonet s. m. Lied IV 8, XII 76. 

son pron, poss. sein. 

soplejar v. intr. sich neigen (a) I 56. 

soptan adj. plötzlich XIX 48. 

sordeior adj. schlechter, lo s. VII 7. 

sordeis sbst, lo s. das Schlechtere VI 27, XV 24. 

sort adj. taub XIII 9. 

sort s, f. Los XIX 35. 

sorzer v. intr, auferstehen XIX 38; auffahren (gen Himmel) XVIII 6; ent- 
springen, erwachsen I 19, XI 12. 

sospeisö, -SS- s. f. Hoffnung II 55, III 37. 

sostenir v. tr. stützen, aufrechthalten IV 45; erdulden XVII 59; intr. sich auf- 
recht halten XVIII 93. 

sovenidor s, m. einer, der sich erinnert XVII 53. 

sovenir v. impers. sich erinnern IX* 7, XVI 29. 

17* 



260 K* Zenker 

sovinensa 8. /. Erinnerung IV 9. 

star s, m. Ergehen (st, e captener) IX* 12. 

sus adv. oben V 14, XIV 29, XVIII 81, XIX 62; de s. von oben herab XIX 47; 

präp. hinauf auf XVI 37. 
snscitar v, tr. auferioecken XVIII 45. 
suBtantia 8, f, Substanz XIX 10. 
suzolen adj, 8chweissig, schmierig XII 54. 

T. 

Tafur adj, verworfen, gemein, schlecht X 17, XVIII 13; sbst II 44. 

tal adj. solcher I 7, IV 36; mancher, tal ora manchmal XV 4; sbst, ein solcher, 
der IV 5; mancher X 14, XI 21, XVHI 13. 

talan, talen s, m. Sinn, Neigung, Lust XVIII 13, 85. 

talhar v, tr, abschneiden XII 47. 

tan, tant adj, so gross, so viel VIII 17, XVII 52; sbst, IX * 44, XVIII 44; per 
tan no trotzdem nicht X 26; adv, so, so sehr IV 20, 21, 26, 30, 32 
IX* 14, IX* 14, 21, X 29, XIV 16, XIX 34, 46; t. com so lange als 
VIII 6, IX* 54; t. quan so lange als IX* 28; t. — e sowohl — als 
auch V 51. 

tanher v, intr. sich ziemen XVII 7; rfl,, IV 20, XIII 6. 

tardar v. intr, zögern IX 53. 

tart adv, spät VIII 23, XVII 29. 

techir, tequir v. intr, wachsen XVI 20; übertr. Fortschritte machen XV 13. 

temer v. tr. fürchten VI 27, VII 23, XV 43; intr, sich fürchten XIV 6. 

temensa s. f. Furcht, Scheu IV 25. 

temps s, m, Zeit, Jahreszeit IV 15, VII 29, XIII 3, XIV 31; al t. im ent- 
scheidenden, kritischen Augenblick XVI 42. 

tenebror s. f. Finsternis XVII 13. 

tener v. tr, erhalten, bekommen I 39; inne haben XVII 54; halten XVII 13; den 

Weg einhalten t. dreg viatge IX* 1, lo semdier I 22; t. car wert halten 

VII 39; t. per halten für VII 41, X 40; behandeln IV 29; a un tenen? 

jederzeit III 13; intr, sich halten an (de) II 49; sich wohin begehen 

XV 60; se tener pro de sich an etwas genügen lassen III 24. 

tens s. m. Streit II 47. 

tequir s, techir. 

termini s, m, Jahreszeit X 2. 

terra s. f, Erde, Land VII 36, XIX 2. 

terrier s. m. Land XVII 54. 

ters www. der Dritte XII 19, XIX 38. 

terzer v. tr. abwischen, reinigen, befreien (de) XIII 3. 

tirar v. tr. ziehen, zerren XIII 14. 

tolre V, tr, nehmen VI 31; rfl. sich entziehen XIII 41. 

tomar v, tr. wenden, kehren XVI 12; verkehren, verwandeln IV 8; t. a nien zu 
nickte machen XII 57; int, sich verwandeln XVII 71; zurückkehren 
IX* 11; s'en t. zurückkehren IX* 56. 

tort s. m. Krummes, de t. en travers kreuz und quer XIII 11; Unrecht IV 34, 
Vm 11, XVIII 20, XIX 36. 



Peire ron Auvergne 261 

tort s. m, Drossel VI 7. 

tortura s. f. Pein IX* 37. 

tost adv. schnell IX ^ 55, XVII 71. 

tostemps adv. immer IX* 31. 

tot pron. adj, ganz, jeder IV 7 •, sbst jeder XV 38, alles XVIII 58. 

trahir t?. tr. verraten, betrügen I 36, VII 12, VIII 11. 

traire v, tr., t. mal Not leiden TV 30; intr, zielen XII 22. 

traitor s, m, Verräter XVI 21. 

trametre v, tr. senden IX* 2. 

transir s. m. Hinübergehen, Sterben XVII 66. 

trasügurar v. rfl. sich verioandeln IX* 30. 

trassalhir v. tr. überspringen, vermeiden VIII 29*, intr, hinüber springen, springen 

III 15, XIV 11; rfl. zittern VI 25. 
traue s. m. Loch XIII 27. 

travers s. m. Queres, de tort en t. kreuz und quer XIII 11. 
trebam s, m. ? III 17. 
trebol s. m. Not XVIII 32. 
tremblar v. intr. zittern XVII 60. 
tremol s, m. Zittern XVIII 30. 
tres num. drei XVIII 41, 79. 
trespassar v. intr. sterben XVII 26. 
trichar v, tr. betrügen VI 17. 

trigar v. intr. zögern VIII 16, XIII 44, XVI 49, XVII 19. 
trinitat s. f. Breieinigkeit XVIII 81, XIX 9, 60. 
trinus ßat.) dreifach XIX 3. 
trist adj. traurig XVIII 6. 
trö s. m. Himmel XVIII 57, XIX 63. 
tro adv., tro a bis nach, bis zu X 21, XVIII 32; präp. II 64, XVIII 72; tro 

conj. bis dass V 10; tro que adv. XII 27; tro que conj. bis dass V 35, 

VIII 10, IX ^ 20, IX* 30. 
trobar v. tr. finden, erfinden IX ^ 20, XII 72, XVI 7 ; intr. dichten II 68, X 39. 
trobar s. m. Dichten, Dichtweise III 1, 20, XII 56, 68. 
trobador s. m. Dichter XU 1. 
tronar v. intr. donnern TV 47. 
trop adj. zu viel XVIII 20; adv. zu sehr, sehr IV 27, IX* 15, 57, XVII 34; 

viel, beim Kompar. VI 34. 
tu pron. pers. du. 
türmen s. m. Leiden XVIII 49. 



V. 

Ubrir v. tr. öffnen XIII 27. 

uei adv. heute XVII 24. 

ueimais adv. nunmehr, von jetzt ab III 36, V 30, XIII 1, 41. 

uelh s. m. Äuge XII 36, XVI 37, XVII 13. 

ufanier a<^j. prahlerisch, prunkend 1 33, XVTE 62. 

uman adj. menschlich VIII 50. 

umanitat s. f. Menschlichkeit, menschliches Schicksal XIX 33. 



262 R- Zenker 

umil adj. demütig V 17. 
umilitat 8, f, Demut V 19. 
un num. u. art. ein XIX 49. 
unitat 8, f. Einheit XIX 3. 
US 8, m. Gewohnheit, Übung III 7. 
usquec 8, m, jeder XIII 21, XV 36. 
utero (lat. äbl, 8ing,) Leib XVIII 40. 
uzar V, tr, gebrauchen XVII 52. 
uzatge 8, m, Gebrauch IX* 41. 
uzelha 8. /. Gewohnheit XIII 48. 

T. 

Vair, vaire, var adj. ver 8chiedenf arbig , unbe8tändig 1 52, XII 40, XV 14. 

val 8. m. Thal XIX 44. 

Talen part adj, wertvoll III 20, V 6^ tapfer XI 31. 

valensa s. /. Wert TV 41. 

valer v. intr. wert sein, nützen VI 10, IX^ 58, XI 6, XU 10, XVI 34. 

valer s, m. Wert VI 24. 

valor 8. f. Tüchtigkeit I 55, XVII 5. 

van adj, kraftlos XTV 7. 

vas 8. m. Grab XIX 38. 

vas, ves, vers präp, nach — hin, gegen IV 25, V 34, VII 26, VIII 9, 18, 

IX ^ 17, IX* 51, XI 11, XVIII 29. 
vejaire 8. m, Sinn XV 21. 
vendre v, tr, verkaufen XII 66. 
venjansa 8, f, Bache XI 39. 
venir v. intr. kommen V 27, IX* 33, 47, IX* 52, XI 8, 17, 30, XVIII 77, 

87, XIX 15, 63; ankommen VIII 23; zu teil werden, erwachsen 

IV 12, XII 62. 
ven 8, w. Wind IX* 38. 
venzer v, tr, besiegen III 23, V 19. 

ver adj, wahr VI 15, XV 37, XVIII 1; sbst. Wahrheit, wahrer Zustand IX* 4. 
verai adj, wahrhaftig V 17, VIII 20, XVIII 1. 
verdejar v, intr, grünen I 54. 
vergier s, m, Garten I 58, X 7. 
vergonha s, f, Schmach VIII 16. 
vergonhar v, tr. Schmach anthun, verunstalten XIV 6. 
vergonhos adj. beschämt, schamhaft XI 20. 
vers 8, m. Vers, Lied, Gedicht I 61, III 4, IV 2, 50, V 48, VI 53, X 3, 36, 

XI 37, XII 33, 85, XIII 1, XVI 1. 
vert adj. grün VI 49, VIII 36, XII 40. 
vertadier adj. wahrhaft III 5. 
vertut s, f. Kraft XVIII 26, XIX 26. 
vestir s. m. Kleid XII 40, XIX 35. 
vetz 8. f. Mal VII 24. 
vetz 8, m. Art XIII 22. 
vezar v, tr. zur Gewohnheit machen 1 20, vgl, Anm, 



Peire von Auvergne 263 

vezer v. tr. sehen V 1, VI 5, 41, IX > 2, 22, 36, IX* 14, 32, XVI 17, 19, XVH 42; 

sbst. Sehen XVH 50, Anblick VI 36. 
vezi ac^j, nahe VIII 25; sbst Nachbar XII 74. 
vi s. m. Wein XVIII 50. 
viatge 8, tn, Beise, Weg IX* 1. 
viatz adj, schnell, rasch IX* 15; adv. II 38. 
vida s. f. Leben XIV 45, XVH 69, XVIII 1. 
vielh adj, alt XII 16, 54. 
vigor s. /. Kraft, Stärke XVH 31. 
vilan s. m. Bauer, Ungebildeter VI 53, XVII 70. 
vilanet ae^'. gewöhnlich, gemein XII 64. 
vilh a<ö. gemein, schlecht XIV 24. 
virar v, rfl. sich wenden 1 30, VIII 5. 
vis s. w. Gesicht XV 33, XVI 48. 
viu adj, lebend XVIII 5. 
viure v. intr, leben I 54. 
volentiers adv. gerne III 38. 
voler V, tr. wollen, haben wollen, wünschen I 8, IV 6, 13, V 29, VI 3, IX ^ 32, 

44, IX* 34, XIV 21, XVII 35; ben volgutz gern gesehen 11 46; intr. 

Verlangen hegen? VII 31; sbst. Wunsch VI 29. 
volpilhos adj. feige VII 6, XIII 38. 
voluntat s. f. Wille II 8. 
volvre V. tr, erregen I 45. 
vostre pron. poss, euer, 
votz s. f. Stimme XII 79. 
vout s. m. Bild, Heiligenbild, Kruzifix XII 36, XVI 37, XVIII 55, vgl. Anm. 

zu XII 36. 



Verzeichnis der Namen. 



A. 

Abdenago XVIII 38. 

Alverahe V 50, VI 54, XII 79, XV 66. 

ArchetricU XVIII 51. 

Aiidric VI 53. 

Azam IV 48. 

Barsalona Barcelona XI 14. 
Belcaire Beaucaire XV 56. 
Benaven Benevent XII 27. 
Bernartz de Sayssac XII 49. 
Bernartz de Ventadorn XII 19. 
Bethleem XVIH 73. 
B^tran de OaHlalhac XII 53. 
Bomelh, vielleicht Bourneix, Comm, 

Nantiat, Canton Lanouaille^ Arr. 

Nontron (Dordogne), vgl, Chab., 

App. S. 145, XII 20. 
Briva Brive('la'GaiUarde), Bep, Cor- 

reze XII 25. 

€. 

Cardalhac CardatllaCf Bep, Lot XII 53. 
Centurios XVIII 48. 
Cossezen XII 78. 
Crist X 8, XVIII 3. 



D. 



Daniel XVIII 39. 

Eble de SaDha XII 61. 
Egipte Aegypten XVIII 75. 
Emanuel XIX 1. 
Engles Engländer VIII 34. 
Ero Herodes XVUI 41. 
Escotz SchotU VI 21. 
Estrieu VIII 49. 



Francs VIII 18. 
Fransa VI 52, XI 30. 

Gaücs Walliser VI 21. 

Grimoartz Gausmars? XII 32, vgl. Anm. 

Guillems de Kibas XII 31. 

Guirautz de Bornelh XII 13. 

GuoBsalbo Roitz XII 67. 



Isac XVI 54. 
Israel XVIII 61. 



J. 



F. 



Farao XVIII 60. 



Jacop XVI 54. 

Jerusalem XVIII 76. 

Jhesus XVIII 78, XIX 61. 

Jonas XVIII 40. 

Jops Hiob XVI 42, XVIII 19. 

Jozafas XIX 44. 

Jozeps XVIII 74. 

Labadol ? X 19, vgl. Anm. 
Lazer Lazarus XVIII 45. 
Lemozis Limousiner XII 25. 
Loics Ludwig VI 48. 
Lombartz Lombarde XII 73. 
Lucas XVin 54. 

M. 

Marcabrun X 38. 
Marroc Marokko X 21. 
Masmut Muhammedaner X 9. 
Mauri? III 15. 
Miro? III 15. 
Misac XVIII 68. 

mr. 

Narbona IV 50. 

Nazare Nazareth XVIII 68. 



Peire von Auvergne. 



265 



Orebs Berg Horeb XVIII 72. 

F. 

Peire (St.) XVm 61. 

Peire d'Alvemhe V 50, XII 79, XV 66. 

Peire Bermon XII 43. 

Peire Eogier XII 7. 

Piza Pisa V 25. 

Pons Pilat Pontius Pilatus XIX 34. 

Proensa Provence IV 49. 

Puoichvert Puivertj Dep, Äude XII 86. 

Eaimbautz XII 55. 



Eibas Bibesy Dep. Ardeche, Arr. Largen- 

tihre? XII 31, vgl. Anm. 
Eoais Edessa VIII 27. 

Sagna Saignesy Dep. Cantäl, Arr. Mau- 

riac 3QI 61. 
Sarracis Sarazene VIII 18. 
Sayssac Saissac, Dep. Aude, Arr. Gar- 

cassone XII 49. 
Sidrac XVIII 36. 
Surs Tyrus II 64. 
Suzanna XVIII 42. 

T. 

Toloza Toulouse XII 44. 
Tomas (St.) XIX 42. 



Alphabetisches Verzeichnis der Gedichte. 



Bartsch, Qr. Nummer Seite 

1. Ab fina joja comensa 323, 2 IV 88 

2. AI desebrar del pais 3 VIII 100 

3. Bei m'es quan la roza floris «... 7 X 107 

4. Bei m'es qui a son bon sen 8 XI 108 

5. Bei m'es qu'ieu fass' ueimais iin vers 9 XIII 117 

6. Ke m'es plazen 10 XIV 119 

7. Chantarai d'aquestz trobadors 11 XII 111 

8. Chantarai, pos vei qu'a far m'er 12 V 91 

9. Cui bon vers agrad' a auzir 13 XVI 124 

10. De dieu non posc pauc ben parlar 14 XVII 128 

11. Dejosta'ls breus jorns eis loncs sers 15 VI 94 

12. Dens vera vida verais 16 XVIII 131 

13. En estiu quan crida*l jais 17 VII 98 

14. Gent es mentr'om n'a lezer 18 XV 121 

15. Lo fuelhs e*l flors e*l frugs madurs 19 II 85 

16. L'airs clars e*l chans dels auzels • 20 I 83 

17. Lauzatz sia Emanuel 21 XIX 130 

18. Rossinhol, en son repaire 23 IX 102 

19. Sobre-1 vielh trobar e-1 novel 24 III 87 



Berichtigungen und Nachträge. 

Seite 26, Zeile 6 v. u. 1. für d'est comte d'aquest comV, 
„26, »7 V. u. Barsalon'. 

„ 84, V. 33 ist das s von aitals wieder zu streichen. Die S. 155 und 176 gegebene Ueber- 
tetzung und Erklärung ist nicht zutreffend, da es dann vfaniers heissen müsste. Vielmehr : „Eben- 
so steht es mit prunkender Freude, welche ihm folgt — dem der ist lo mon seguens — und einen andern 
gänzlich flieht, wie mit dem Hunde u. s. w." Vgl. Appel, Ined, Einl. S. XXXII. 
Seite 116 Var. zu 77 für amaribol — amaribot C. 
„ 68 1. unter XIV für 7 b beidemalo 8b, streiche ib. Z. 8 v. u. XIV, füge es dagegen ein 
Z. 6 V. u. nach XIII. 

Seite 69, Z. 10 v. o. 1. für 7— : 8—. 

Anm. zu XIV 3: Der Vers hat eine Silbe zu wenig; vielleicht direkt für qui — 8t omf 



â– * 943' 



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