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DIE 



ÄLTESTEN DENKMÄLER 



DER 

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BÖHMISCHEN SPRACHE : 

LIBUSA'S GERICHT, EVANGELIUM JOHANNIS/ 

DER LEITMERITZER STIFTUNGSBRIEF, 

GLOSSEN DER MATER VERBOftUM, 



KRITISCH BELEUCHTET 



VON 

PAUIi JOSEPH SAFAlftiK, 

DOCT. DER PHIL., ORD. MITGL. DBR KON. BÖHM. GB8ELLSCUAFT DER WISSENSCHAFTEN, BHRBNMiTGL. DBB GES. DBS VATER- 
LÄNDISCHEN MUSEUMS IN BÖHMEN, DBR KON. AKAD. DER WISS. IN BERLIN UND MEHR. AND. GBl/. GBa CORa MITGLIED, 

UND 

FRAIVZ PAIiACKlf, 

STÄNDISCHEM HISTORIOGRAPBEN DBB KÖNIGREICHS BÖHMEN, ORD. MITGL. UND 8BCRBTÄR DBR KÖN. BÖHM. GESELLSCHAFT 

DBR WISSENSCHAFTEN, WIRKENDEM MITGL. DBR GES. DBS VATERL. MUSEUMS IN BÖHMBN, COBRESP. MITGL. DER UÖS. 

UNGRISCBEN GELEHRTEN GES. IN PESTH, DBR KÖN. BAIRISCHEN AKADEMIE DER WISS. IN MÜNCHEN, DBR SCHLESISCllEN 

GES. FÜR VATBRL CULTUR IN BRESLAU, DBR OBBRLAUSITZISCHBN GBS. DBR WISS. IN GÖRLITZ u a. «r. 



JHDIV FAC-Smilifi:'«. 



(Aas 4m AbhaadloDicen der kAnigL bflhmiadieB G«MUaob*ft 4er WlfMMcliafl#n.) 



r H ^ et 1 s 4 o. 

IN COMMISSION BBl KRONBBBGBR UND RIWNAC. 



1 






JUL 12 1920' 



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Dnuk ■■< Ptfiw ron Goua«b Umm MIib«. 



INHALT. 



EINLEITUNG. 

t 1. Vorwort, 

$. S. Uebenichl der Xltesten Denkmitler. 

LIBUSA'S GERICHT. FRAGMENT. 

$. 3. BeschreiboDg der Handschrift. Maasse and Zahlen. , 

$. 4. Ablfisnog der Schrift. 

$« 5. Das Pefgament» 

$. 6. Die Tinte. 

(. 7. Die Schrift. 

$. 8. Die rotheo Zeichen. 

^ 9. Das Fao-simile. 

J. 10. Bestimmung des Alters der Handsclirifi. 

$. 11. Der Text des Gedichu. 

$. 12. WortTsneichniss. 

$. 13. Orthographie. 

$• 14* Grammatische Formen. 

§. 15. Wtiidignng des Gedichte und Sacherklfiningen* 

EVANGELIUM JOHANNIS. FRAGMENT. 

$. 16. Pergament, Tinte, Schrift und Alter. 

$. 17. Text des Fragments. 

C. 18. Wortverseicbniss. 

$. 19. Orthographie. 

^. 20. Grammatische Formen. 

$.21. Beschaffenheit ^er hShmischen Interlinear- Version. 

5. 22- Schhissbemeikungen. 

GESCHICHTE DER BEIDEN FRAGMENTE. 

$. 23. Bekanntwerden und Schicksale der Fragmente. 
$• 24. Würdigung der Einwürfe. 

DER LEITMERITZER STIFTUNGSBRIEF. 

J. 25. Alter, Inhalt und höhmische LeiM^ 

GLOSSEN DER MATER VERBORUM. 

J 26. Beschreibung der Handschrift. 
(. 27. Veneichniss der Glossen. 



1 



EINLEITUNG. 



§• 1. Vorwort. 

Üto Ut ift den letsten Jahren mehr&ch und .dringend der Wunsch, ge^usserft worden» 
ältesten' Denkmäler der böhmisehenSpradhe .nad Literatur, welche bis jetzt Tcreinzelt 
dieils in böhmischen Zeitschriften, theils in den nältesten Yocabularien« (1833) erschienen 
sind, möchten in einer kritisch beglaubigten und mit den nöthigen Commmitaren und 
Nachweisungen Tersehenen Ausgabe einem grösseren Kreise von Gelehrten 2ttgänglich 
gemacht werden, als derjenige ist, in welchem jene Zeitschriften und Yocabularien, ihrer 
Bestimmung und der Natur der Sache nach, Eingang finden konnten. 

Dieser Wunsch wurde nicht wenig gesteigert und immer neu angeregt durch die 
unglQcklicherweise gleich bei dem ersten Bekanntwerden einiger dieser Denkmäler aus* 
gebrochene und seitdem von einer gewissen Seite her mit planmässiger Sorgfalt unterhaltene 
Meinung8fTers>chiedenheit über ihr Alter und ihren Ursprung; er gewann in Bezug auf uns 
eine andere, gewichtvolle Bedeutung, besonders von der Zeit an, als wir durch den 
Gang unserer literarischen Arbeiten in die unabweisUche Nothwendigkeit versetzt wurden, 
von diesen Denkmälern in historischer und linguistischer Hinsicht denjenigen. Gebrauch 
2U machen, den uns unsere Ekwicht und unsere Ueberzeuguiig als den einzig richtigen 
dictirt haben. Von da an hielten wir es ftr Pflicht, durch Besorgung einer correcten» 
den Anforderungen der strengsten Kritik gewftgenden Ausgabe dieser unschätzbaren Denk- 
mäler unserer Muttersprache dem gerechten Wunsche des dabei betheiligten Publiouros 
zu genügen, und die 6r finde, warum wir ; denselben in unsern anderweitigen Werken 
eine so grosse Wichtigkeit beilegten, umständlicher auseinander zu setzen. 

Dero zu Folge fassten wir bereits gegen Ende des J* 1884 den Entschluss, unsere 
ältesten Sprachdenkmäler, sowohl die gedruckten, als die bis jetzt unedirten, und zwar 



6 DcnkmäUr der böhmischen Sprache. 

vom Ende des IX bis zum Schlüsse des XIII Jahrb. vollständige hingegen von da an bis 
zur Mitte des XIV Jahrb. nur in verständiger Auswahl ^ nach und nach mit yereinten 
Kräften und in einer dem jetzigen Standpuncte der paläographischen und linguistischen 
Wissenschaften entsprechenden Bearbeitung herauszugeben, den Anfang aber mit den 
jetzt erscheinenden vier Stücken zu machen. Der vorläufige Plan zu unserer Arbeit wurde 
gleich damals entworfen; allein dringende Berufs- und Pflichtarbeiten, wiederholte, längere 
Reisen und Hindernisse anderer Art Hessen uns mehrere Jahre hindurch nicht Hand an 
eine Arbeit legen, welche, unserer Verabredung gemäss, von uns beiden gleichzeitig und 
im Einverständniss ausgeführt werden sollte. Erst in den letztverflossenen drei Winter- 
monaten (Dec. 1839, Jan. und Feb. 1840) ward es uns vergönnt, zur Ausführung unseres 
Vorsatzes zu schreiten und unsere Arbeit rasch der Vollendung entgegen zu führen. 

Indem wir dieselbe mit allen ihren Mängeln und Gebrechen dem theilnehmenden 
Publicum vorlegen, glauben wir einiges Anrecht auf dessen Nachsicht und Billigkeit zu 
haben. Wir können allen unseren Lesern die Versicherung geben, dass keine Art von 
Hoß'nung oder Eitelkeit, kein Anspruch auf Gewicht, Ansehen oder Unfehlbarkeit, sondern 
nur ein Gefühl der heiligsten Pflicht, über deren Natur wir uns hier weiter zu erklären 
nicht berufen fiihlen, uns mit widerstrebendem Herzen (nolenti animo volentes) zu einer 
so mühsamen, ganz ausserhalb der Bahn, auf der uns gegenwärtig Beruf und Neigung 
fiisthalten, liegenden und dabei besonderer Umstände wegen äusserst \uaangenehmen, ja 
peinlichen Arbeit getrieben hat. Wir verwahren uns daher auf das feierlichste gegen jede 
lieblose Zumuthung, als hätten wir, durch die Art der Erledigung unserer Aufgabe« Je* 
mandes Verdienst und Ruhm schmälern oder Jemandes Absichten verdächtigen wollen, 
möge derselbe diesseits oder jenseits des Grabes, auf des Freundes oder Feindes Seite 
wandeln; und sollte dennoch wider unsere Erwartung Jemand durch das Gesagte oder 
Nichtgesagte gerechterweise sich verletzt fühlen, so erklären wir im voraus unser Be- 
dauern, und sind zur Abbitte bereit Dem Volke, dem wir angehören, zu wahren, was 
ihm gebührt, und was hochzuachten es. so gut, wie jedes andere das Seinige, nicht nur 
berechtigt, sondern auch verpflichtet ist, so lange dem Vater der Völker gefallen wird 
es bestehen zu lassen, und dies in einer dem Interesse der Wissenschaft und Humanität, 
die über den Völkern stehen, dienlichen Weise zu thun, war unser einziger Zweck: 
Rücksichten auf Menschengunst und Menschenftu*cht konnten und durften uns dabei 
nicht leiten. 

Da alles hier Niedergeschriebene von uns zuerst mündlich besprochen wurde, 
und eine vollkommene Einhelligkeit der Ansichten, Meinungen und Ueberzeugungen zwi- 
schen uns stattfand, so halten wir eine genaue Angabe dessen, was in der vorliegenden 
Schrift von der Hand des einen, was von der des andern Mitarbeiters ist, in Bezug auf 
die Sache selbst — und an diese, nicht an die Personen bitten wir den Leser sich zu 
halten — für durchaus überflüssig. 

Wir wissen recht wohl, dass unsere Arbeit, als ein menschliches Werk, von 
Mängeln und Versehen, die zum Theil durch wiederholte Sichtung und Umarbeitung 



Emleüunff. f 

Terfaütet werden konnten « nicht frei ist: allein wir zogen es nach reiflicher^ Ueberlegung 
vor« dieselbe in der Art und Weise« wie sie vorliegt« der Oeflentlichkeit zu übergeben, 
als durch längeres Hinhalten ihre Erscheinung ungewiss zu machen. Wohlwollende 
Zurechtweisungen und die Wissenschaft fördernde Berichtigungen werden wir mit Dank 
entgegennehmen und bei der beabsichtigten weiteren Fortsetzung unserer Denkmäler ge* 
wissenhaft benutzen; muthwilligen Angriffen« boshaften Verunglimpfungen und unredlichen 
Verdächtigungen« die nur ihre Urheber bezeichnen« sind wir entschlossen fortan« wie 
bis jetzt« stillschweigende Verachtung und den Trost eines ruhigen Gewissens entgegen 
zu setzen. — 

Animo imperabit sapiens« stultus serviet. 

$. 2. Uehersicht der ältesten Denkmäler. 

Bevor wir zum Einzelnen schreiten« schien es nöthig« besonders für den mit der 
Specialgeschichte der ältesten böhmischen Literatur minder vertrauten Leser« eine kurze 
Uebersicht unserer ältesten Sprach- und Literatur -Denkmäler vorauszuschicken« zumal 
wir im Verfolge unserer Arbeit oft genöthigt sind« Belege aus denselben anzuführen« und 
wir das Alter einiger derselben« nach wiederholter schärferer Prüfung« anders glaubten 
bestimmen zu müssen« als bis jetzt gewöhnlich angesionimen wurde. Diejenigen« die wir 
nicht haben selbst eingehen können« Atr^m. Alter folglich noch in der Zukunft genauer 
zu ermitteln ist« jind mit einem Sternchen* bezeichnet. Wir bemerken ausdrücklich« das$ 
wir hier bloss Originalien anfiihren« somit alle jene Denkmäler ausgeschlossen haben« die 
zwar« ihrem Ursprünge nach« ebenfalls in diese Periode gehören« sich jedoch nur in 
^äterjen Abschriften erhalten haben« z. B. das Lied des h. Adalbert« erhalten in einer 
Handschrift vom J. 1397« das Lied vom heil. Wenzel u. a. m. 

IX — X Jahrhundert. 

2. BvamgeUumm JbhammiM. 

XI — XII Jahrhundert. 

<• JBölunische Wörter« meist Eigennamen« bei iateimiseheH AtuuBUsMem. 

Herausgegeben mG. Dobners Monum. histor. Boem.« Pr. 1764-^86. 4to« 6 Bde.« imd 
in Pdzets und Dobrcwskij'^s Scriptores rerum Bohemicarum« Pragae 1783 — 84. 8vo« 2 Bde. • 

4L. Dieselben in la^eimiMChen Vrißunden von 884 bis 1300. 

Die echten Origitialurliundea beginnen in Böhmen und Mähren erst um den An- 
fang des XII Jahrb.« doch haben sich einige ältere in vortrefiflichen Abschriften« z. B. in 
Monse's Fragmenten« erhalten. Ein handschriftliches böhmisches Diplomatmum« zur 
Herausgabe vorbereitet« befindet sich bei F. Palacky; ein mährisches erschien in Druck 
von Hrn. A, Bocek: Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae. Olomucii 1836 — 39. 8vo, 



8 DtnknUder der böhmischen Sprache, 

2 Bde. (Reicht bis zum J. 1240 und wird fortgesetzt) Beide Saaunlungen waren uns 
während der Arbeit bei der Hand. 
S. Dieselben in dem IPoMaaiicer und OpaMowicer Nekroli^gUmm. 

Das erste > jetzt in Stockholm« wurde von Dobrowskif excerpirt und der Erlrag 
in Dess. Gesch. der böhmischen Sprache, 2 A. 1818. 8. S. 91 — 103 mitgetheill;.; das 
zweite steht abgedruckt bei Dobner Monnm. histor. Bd. lll. S. 9 — 16. 

XIII Jahrhundert. 

0. €Hossen der JUater FerAortsüt. Vom J. 1202. 
JT. €H^Msen der ClewmentiniMChem MamiUen. 

In einem lateinischen Codex aus dem XU Jahrb. ^ 243 Blh in A., in der Cleroen- 
tinischen oder königl. Uniyersitätsbibl. in Prag» von F. Palacky unlängst entdeckt» zwar 
an Zahl unergie^big» doch des Alters wegen be achtens werth. 

S« MAed an Wy/iegrad. 

Ein Pergamentblalt in 4. , im Museum. Gedruckt in Dobrowsky's Gesch. der böhm, 
Lit., S. 109 — 111, und in Jf\ Hankas und fF. A. Swobodas Königinhofer Handschrift» 
Pr. 1829. 8. S. 204. 

9. jmtmeUed M£»m*g U^enzeU M. 

Ein Pergamentblatt in 8« im Museum. Enthält auch das Lied: Jelen. Gedruckt 
in Hankas Starob. Sklad. Y. 220—222» dann bei HafJca und Swoboda S. 206— 208« VgL 
Jungmann bist. lit. ces-.str. 15. 

10. Giossen des JüuseuMM » Psatiers. 

In einem lateinischen Codex aus dem Ende des XII Jahrb. auf Pergament in 4. 
im Museum. Herausgegeben von ^. Hanka in: Yetustiss. Yocabulariä Latino - Bohemica» 
Pragae 1833. 8. S. 234—258. 

±1. MHe Xämigimhofer Bandsehrtft. Um 1280-1290. 

Zwölf Pergamentblätter in 8. im Museum. Herausgegeben von JF» Hanka. Vv. 
1819, 12., 1829. 8. (im Yerein mit äT. A. Swoboda) und 1836. 12. 

£9. JDer SkOhenkrHtmer (böhm. Mastiökäf). 

Sechs PergameniblStter im Museum» in 8. Gedruckt in fF. Hankas Starob. Skia- 
danie. Y Bdch. S. 198 ff. 

XIV Jahrhundert. 

Die Denkmäler dieses Jahrhunderts werden zahlreicher; wir beschränken uns 
daher auf eine Auswahl der vorzüglichsten. 

18. MHe epischen Vragm^ente. 

Kin ganzes und zwei halbe Pergamentblätter in kl. Fol. im Museum. Herausge« 
gehen von fF. Hanka in Gas. öesk. Mus. 1829. Heft lll. S. 56 if. 



' EMeUmig. 9 

14. IHe X»tHg1ngrUiafer Handschrift. 

Ehemals im Besitze Dobrowsky's^ jetzt in der Fürst- Lobkowicischen Biblo H6 
Blätter Perg. in 12,, aus dem ersten Viertel des XIY Jahrhunderts* Enthalt Yermischte, 
meist ascetische Gedichte und Aufsätze, wovon die meisten gedruckt sind in ^. Hankas 
Starob. Skladanie, Prag 1817—23. o Bdchen, 12. 

15. Mker W^tiemberger PsaUer. 

Ein lateinischer Codex auf Pergament, in der Bibl. des Seminariulns za Witten- 
berg, 283 Ml. in kl» 8«, aus dem ersten Viertel des XIV Jahrb., mit einer böhmischen 
Interlinear - Version. 

Iß. MMer CiewmenttniMehe PsaÜer. 

Ein Pergamentcodex in der Clementinischeu oder kön. Universitätsbibliothek, 
147 BU. in 4. Excerpte daraus in Ff^. Hankas Vocabul. S. 209 -^ 234. Vgl. Dobrtiuskf S. 1 17. 

In diese Zeit gehören auch vier unvollständige Pergamentblätter aus einem Psalter 
in kl. 8., jetzt im Museum. Die obigen Glossen (Nro. 10) und der Text dieses Bruch- 
Stücks stimmen mit dem Text des Wittenberger Psalters wörtlich überein, während die 
Uebersetzungen der drei ganzen Psalter Nro. 15, 16 und 22 sehr von einander abweichen. 

t.W. MMe jUea:mMdrets. 

Zwei Pergamentblätter in 4. aus einer, und melirere Pergamentstreifchen in 4.* 
aus einer andern Handschrift im Museum. Herausgegeben von F, Palacky in Gas. öes. 
Mus. 1828. H. III. S* 84 fiF. und von fF. Hanka eb. H. IV. S. 109 ff. 

MS. "^ Ijegende Ton den zwötf Aposietn. 

Ein Pergamentblatt in der kais. Hofbibl. zu Wien, von Debrowsky in die Mitte 
des XIII Jahrb. gesetzt und herausg. in Gesch. d. b. Lit. S. 103 ff. Da dieselbe jedoch 
in (ganz eigenthümUcher) Orthographie und Sprache vollkommen mit der obigen 
Alexandreis übereinstimmt, so sind wir genöthigt, sie einstweilen hieher zu stellen. 

19. JDer sogenannte natewnil. (Zw. 1282—1314.) 

Nur ein Bruchstück, zwei Pergamentblätter in 4., von einer Hs. aus der ersten 
Hälfte des XIV Jahrb. hat sich erhalten, jetzt im Museum; die übrigen Hss. sind zwar 
vollständig, reichen aber nicht über den Anfang des XV Jahrb. hinauf. Gedruckt 1620 
und 1786. Eine gute Ausgabe dieses besonders für die alte Sprache wichtigen Werkes 
fehlt bis auf den heutigen Tag. 

20. Mfas IPassianaMe Ina JOLusenn^ 

Ein starker Pergamentcodex in 4« im Museum. Excerpte daraus mitgetheilr in 
W. Hanka's: Vocabularia S. 258 ff. Ebendaselbst befindet sich ein anderer jüngerer 
Codex auf Pergament vom J. 1379. 

21. "^MMe Sfann» und VesttagsevangeUen. 

In der kais. Hofbibl. zu Wien in 4. Nr. 3130. Vgl. Dobrowsky S. 18b — 186. 



10 BifUeüung. 

22. *I^er PsaUer der MfamüehnAe. 

Ein Pergamentband in 4. in der Bibl. der Prager Domkirche. Vgl. Dobrmuskys 
Lit. Mag. von Böhmen St 3. S. 72. 

28. MMas höhtmische Mimndrecht oder ttadoslaw's Buch. Um 1356. 

Im ersten Quatern der kön. böhmischen Hoflehentafel« auf Papier in Fol. Vgl. 
Gasop. desk. Museum 1835. H. lY. S. 413 ff.» wo ein Abschnitt daraus» mitgetheilt Von 
F. Palackjf, abgedruckt steht. Nach dieser und andern Hss. wurde der Text der böh- 
mischen Rechte adjustirt» den Hr. A. Kucharski in s. Pomniki Pravodavstra Sloyianskiego» 
Yarä. 1838. 8.» leider sehr incon*ect» abdrucken Hess. 

jf4« Siitny's ehrUtUeher Vnterrieht. Um 1375. 

Auf Perg. in Fol. in der kön. Univ. Bibl. Einzelnes daraus in Tomsas Veränd. 
der böhm. Sprache» Pr. 1805. 8. S. 85 ff. und» von F, Palacky mitgetheilt» in Casop. öes. 
Mus. 1838. H. L S. 3 ff. Reicht zwar» wie das Landrecht Nr. 23» über die von uns ab- 
gesteckten Gränzen hinaus » enthält jedoch in Bezug auf die Sprache viel Alterthümliches. 

Der Bohcmarius, ein lateinisch -böhmisches Wörterbuch in Hexametern» den man» 
seiner Nachschrift gemäss» ins Jahr 1309 zu setzen pflegt» gehört der Schrift nach gewiss 
nicht in diese Periode» sondern wahrscheinlich ins Jahr 1409. Man vergleiche nur das 
Von Hm. Hanka in Vetustiss. Vocabularia daraus mitgetheilte Fac-simile. 

Ueber die meisten der hier namhaft gemachten Denkmäler und Handschriften 
findet man genauere bibliographische und sonstige Angaben in Dobrowsky's Gesch. der 
älteren böhm. Literatur» 2 A. Prag 1818. 8,» und in Jongmanns Histor. literat. ceske» 
w Praze 1825. 8.» wohin ym den Leser erforderlichen Falles verweisen. 



LIBU8A8 GERICHT. 



FRAGMENT. 



2* 



13 



UBV^A'S GERICHT. 



g. 3. Beschreibung der Handschrift. Maasse und Zahlen. 

llie Handschrift von LibuSa's Gericht besteht aus zwei gleichen Stücken Per- 
gament« die» in der Mitte geheftet, zusammen vier Blätter oder acht Schriftseiten in Octay 
bilden; es ist einDuernion aus einem Buche« dessen ganzer einstiger Umfang unbekannt ist. 

Die Höhe der einzelnen Octavblätter beträgt 71 Linien alten Pariser Maasses, die 
des letzten Blattes 71 1 Lim Die Breite war ursprünglich allenthalben zu 54 Linien: da 
aber der. Rand der ersten zwei Blätter weggeschnitten ist, so sind dieselben nur noch 
46 Linien breit. 

Die Höhe der acht Schriftcolumnen wechselt zwischen 59 bis 61 Linien; die 
Breite zwischen 39 bis 42 Lin. Auf den ersten zwei Blättern sind, durch das ungleiche 
WegsT^hneiden des Randes , die Columnen um 1 bis 1 1 Linien oben breiter als unten 
geworden. 

Jede Golumne enthält 16 Zeilen Schrift, nur die fänfte zählt 17 Zeilen; daher 
sind in dem ganzen Duernion (16X7 = 112-f-n=) 129 Zeilen beschrieben« Die Zeilen 
sind durch gezogene Linien von einander getrennt; die Höhe derselben wechselt zwi- 
schen 3 bis 4 Par. Linien. 

Da jede Zeile im Durchschnitte zu 20 — 21 Buchstaben fasst, so nimmt jeder 
Buchstabe in der Breite im Durchschnitte 2 Linien ein; die Höhe der inneren Zeilen oder 
der nicht auslaufenden Buchstaben ist im Durofaschaitte gleichfalls 2 Linien. 

S. 4. Ablösung der Schrifl. 

Col. l. 

ZeU« 

1 ufacotfueicelediuoieuod' 

2 mufepafufenirubiftroiaiu 

3 mre liglau a celed in ad etiufe 

4 tufbofiemuiednouläduu 

b ladicufizrodauiberucekip 

6 leznedleufnemizlauniho 

7 dihodifcmetminehiuladic 

8 amiuftahucmetelefi^ialadi 



14 



DmknUUfT der bdhmisehen Sprache* Läbusa^s GerichL 



9 

1 
2 

3 
4 
5 
6 



7 
8 
9 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
32 



kipohualihupudupozaconu 

A iuletauocemutifiuod 
•^^ucemutifiuoduftre 
bropenuzatelutarozu 
laiareburafefipaufituc 
ufiranebaoplacaufig^la 
uigorzelenihuiplacau 
fizlatopefcuglinucac 

CoL 2. 
obihiazuodinemutilak 
egdifeuaditarodnab 
ratrirodnabratriode 
diniotneuaditafecru 
tomezufobuLutihrud 
ofnaotauecriueDaota^e 
^->iriuezlatonornefta 
^^glauhrabernaradb 
uzehladneobabratriob 
aclenouicarodaftara 
tetuipopelouaienfe|) 
defplekifcehouimiufer 
elirneulafti^rtrireki|t 
letefedrufnauiaftouic 
a|ilete^ototauicriuife 
denaokencerozlofito 

CoL 3. 



33 ulubufineotnezlatefedle 

34 Sedleotnefueteuifegrad 



S- *' ^i»^mg der Schrift. IS 

35 ebeduieinaricaiemutno 

36 cdifezlifeieiurodnafeft 

37 rarodnafeftrauLubufi 

38 neduorefjificneziiuutr 

39 wy^ifeg^radenapo^uuu 

40 ^ ftauiti|iuduipogna 

41 tibratriieiaobaifuditi/. 

42 imapozaconucafecnefn* 

43 Yifiuitiporiipozutozlau 

44 otlubice beleid efefudub 

45 rauiniunepolutoborfdo 

46 brozlaufcahlemcaidefe 

47 orliculabepiepor atibor 

48 otgorcreconofiidefetr 

CoL 4. 

49 utpogubifanlutuporadou 

50 anotcamenamoftapoJaro 

51 firotbreduletorecnihpo 

52 ftreziborotfazauiLadni 

53 pofamorodfemfeftrebro 

54 nofDepoufecmetilehiiula 

55 dikiipohrudofipoStaglau 

56 bratrirozuademaoded 

57 iniotne/.Cdafefnehule 

58 fiiuladikiuuifegrade^c 

59 niftupirozeniadlefuego 

60 ftupicnefnaubeleftuu 

61 cirizeftuplüaftolotenu 



i§ DemkmäUr JUr hAmiidum, Sfrmdu. LAmids Gtridu. 



62 ^g^zlaonefnemc.. 

63 '^ueueglafDedeoeui 

64 aceDeaefcbamaitzoaia 

CcL S« 

65 uiedneiroderkif^udodat 

66 neoutoreiMeccriudica 

67 raiuci4>tiaiinaplamen|l 

68 udozuefteni(p)odnimaza 
i>9 aiocudnauodapocecn 

70 efnafotnazlataftol* 

71 Moicmetelefiiuladikife 

72 bratromarozrefitellu 

73 duiafeuaditafeodedini 

74 odediniotnemezurob' 

75 pozaconuuecofiznihb 

76 goubudetaimobauied 

77 noulafticiferozd elitär 

78 ounumeruAiDoicmetel 

79 efiiuladikirozreritemo 

80 ieuipouedibudeteliuu' 

81 fporozumu nebudetel 

Cd. i. 

82 uuafporozumuuftauite 

83 imanouinalezKibifmerilro 

84 zuadenabratri/.clanehiif 

85 elefiiuladik(ii)pocehutiho.% 

86 gouoritigouorititihome 

87 zufobuihualitiuipouedi 



$. 4. Ablesung der Stkriß. 1 1 

Ktfle 

88 ieie/.uftaLutoborfdobroz 

89 laurcahlemcaieretacozlo 

90 uogouoritizlaunacnefn 

91 ofotDazlataftolauipoue 

92 dituoierozminehomfeb 

93 e^g^laripönarodufueniuire 

94 brafteglafideuefudnerbe 

95 rafteieuofudiezuateidaf 

96 teielehom^uolatiurtarad 

97 ouanotcamenamoftaiefe 



Cd. 7. 

98 glaficiflemiigledatiiuecinuji 

99 uolatiunarodunarodcrozu 

100 zenunafnernfborenobaro 

101 dnabratriclenouicaroda 

102 ftaratetuipopelouaienfe 

103 pridezplekircehouimiufe 

104 fefirneulaftirpftrirekifme 

105 ritafetacoodedinibudet 

106 aimobauiednoulalti-üftan 

107 uhrudofototauicriuizlecf 

108 eiemuroziipoutrobetraf 

109 ehufelutortuufiudimah 

110 nurucu/.Zarueiarimturem 

111 gorepteücefficnimfezmia.*. 

112 unorigoremuremimfelena 

113 ulademmfoiiiaftimufem 



t 



• 



18 Denkmäler der böhmüehen Sprache. LJbnsas Gericki. 

CoL 8. 

114 zapodobnopreuencudedi 

115 nudatipa::uftalubufafot 

116 nazlataftolauececmet 

117 elefiiuladikizlifeftezd 

118 epoganeQiemoiefudtefa 

119 mipozaconu^uduunebud 

120 uuamfuditifuadiuoltem 

121 ufamezufoburounaRibi 

122 uladluampofelezudeuce 

123 rucanauiculadezlaba.*. 

124 uftaratiborotg^orcreco 

125 nofiiefetacozlouog;ou 

126 oritinehualnonamune* 

127 cehifcati|iuduunarfiud 

128 apozaconufuatuiufe 

129 prinefehuotcinafiufefe 

g. 6. Das Pergament. 

Das Pergament dieser Handschrift hat ein eigenthümliches« beinahe isabellfalbes» 
schmutziges Ansehen. Letzterer Umstand rührt zum Tbeil von der ersten unvollkom- 
menen Bearbeitung j zum Theii auch Ton den Zuföllen und der Behandlung her» denen 
es im Ablaufe der Zeiten ausgesetzt gewesen. 

Dem gewöhnlichen römischen Pergamente ist es wenig ähnlich; die feine Glätte 
desselben geht ihm gänzlich ab ; nur auf CoL 5 oben (doch nicht auch auf der Gegen» 
Seite Col. 6) erscheint eine glattere Stelle, als im übrigen Manuscript. Daher ist es zwar 
überall stark und fest, aber doch auch sehr ungleichartig gearbeitet Die Oberfläche ist 
nicht nur ungleich rauh, sondern auch mitunter schwammig und lederartig; die Substanz 
in Bezug auf Dimension meist viel dicker als gewöhnlich und die Fasern gröber: doch 
erscheinen auch dünnere Stellen, namentlich im ersten und letzten Blatte, die gegen 
das Licht gehalten, an eine starke und rohe Schabung des Pergaments glauben lassen. 
Ein dünner Streif, der sich längs den Linien 11 und 12 hinzieht, könnte auch von einer 



J. 5. PergamerU. $. 6. TifUe. 19 

Rasur beim Schreiben herrühren. Gleichwohl ist nirgends auch die leiseste Spur iu 
finden , dass hier ein Codex rescriptus sey ; und die Yerhältnissmässig besser gehaltenen 
mittleren Blätter > so wie der ganze Habitus der Membran und der Tinte, widersprechen 
bis zur Evidenz dieser von einigen Nichtkennern bei oberflächlicher Ansicht geäusserten 
Yermuthung. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass das Pergament im Laufe der Zeiten verschie- 
denen Einwirkungen der Elemente ausgesetzt gewesen, dass es namentlich zu wieder- 
holten Malen durch Feuchte und Nässe gelitten. Dafür spricht schon sein Zustand in den 
Mittelbügen, wo die einst begonnene und wieder gestörte Fäulniss nicht zu verkennen 
ist; daför bürgt noch mehr die besondere Wirkung der Tinte auf das Pergament, von 
welcher weiter unten die Rede seyn wird. 

Die Einbüge am unteren Rande der Columnen, die Durchstiche in denselben, und 
die Einschnitte, zumal in den ersten zwei Blättern, machen es klar und unzweifelhaft, 
dass beide Stücke Pergament einst beim Einbände eines Buches von 100 Par. Linien 
Höhe und 7t Lin. Breite zu sogenannten Vorsetzblättern gedient haben. Da beide Stücke 
Pergament im Duernion, wenn ausgebreitet, 108 Lin. lang und 71 Lin. breit waren : so 
schnitt der Buchbinder den oberen Rand (:=8Lin.) an beiden etwas ungleich weg; wes- 
halb die ersten zwei Blätter ohne Rand erscheinen. Glücklicherweise ging der Schnitt 
nicht weiter, als eben der weisse Rand reichte; nur auf Col. 3 sind (Zeile 40, 43, 46) 
einige Buchstaben davon erreicht woi^den, jedoch ohne wesentlich zu leiden. Man sieht, 
wir haben die Erhaltung dieser Handschrift nur dem Missbrauch zu danken, den einst 
ein Buchbinder damit getrieben; wie es bei vielen der schätzbarsten literarischen Frag- 
mente überhaupt der Fall ist. 

Kleine Löcher durch Wurmfrass sieht man auf erster Seite, Zeile 4 und 15, 
femer in den unteren Einbügen; ein grösseres, durch Beschädigung, in den Zeilen 68 
und 85. 

Ausser den Spuren solcher Einwirkungen, und der natürlichen ächten, durch 
kein Kunstmittel hervorzubringenden Patina des Alterthums, die sich bei jeder Art von 
Prüfung bewährt, trägt das Pergament zugleich in dem Schmutze, der sich vielfach daran 
gelegt, auch zum Theil in die rauhe Oberfläche eingesogen und mit den Fasern ver- 
bunden hat, Merkmale der bedauerlichen Nichtachtung, womit es in den Jahren 1818 
— 1835 behandelt wurde. Die erste und die letzte Seite des Manuscripts mussten 
diesfalls am meisten leiden, weil das Ganze erst im J. 1836 durch entsprechenden Ein- 
band und Deckel geschützt worden ist 

$. 6. Die Tinte. 

Das wichtigste Moment bei Würdigung dieser Handschrift ist die ganz eigenthüm- 

liche Beschaffenheit der Tinten oder färbenden Stoffe. Bei keiner Handacfarift und in 

keiner Urkunde , die wir in den Archiven und BSiliotheken der dsterreichiacben 

3» 



90 Denimälei' der bö'htiuseken Sprache, Libttsms Gericht. 

so wie in Dei^tschlaod und Italien überhaupt, bis jetzt zu sehen bei^wuen^ ja vielleicht 
nicht im ganzen Gebiete der Paläographie« gibt es iiir das Ensemble dieser Erscheinong 
ein adäquates« YoUkcanmen entsprechendes Beispiel» obgleich die einzelnen Momente aller- 
dings insgesamnit auch anderswo nachzuweisen sind« Um so umständlicher und genauer 
wollen wir bei deren Angabe zu Werke gehen. 

Dreierlei färbende Stoffe finden wir bei dem Manuseript in Anwendung: 1) eigent- 
liciie J'inU bei Aufzeichnung des Textes ; 2) Zinneber und 3) Mennig bei Verzierung 
einzelner Buchstaben und bei Eintragung besonderer Zeichen in den Text. 

Die ganze Tinte ist« ihrer materiellen und wägbaren Substanz nach« von dem 
Manuscripte verschwunden , und nicht ein Atom davon ist auf der Oberfläche des Perga- 
ments geblieben; was man von ihr sieht« ist nichts als der blosse Eindruck« die Wirkung 
die einst der Tintenstoff auf das Pergament hervorgebracht« die feine Flüssigkeit« die 
dasselbe eingesogen und absorbirt hat« von der es aufs innigste durchdrungen und mo* 
dificirt ist« ohne dass irgend etwas mehr von der Tintenmasse auf demselben aufläge. 
Mit andern Worten : es ist auf dem Pergamente kein Agglomerat oder Niederschlag von 
Tintenstaub mehr vorhanden« den man« wie bei alten Schriften gewöhnlich« ablösen« 
wegradiren oder wegwischen könnte : sondern was von der Tinte übrig geblieben» ist 
dasjenige« was in die Substanz des Pergaments eingedrungen ist« was sich mit ihr che- 
misch verbunden« und die Fasern mit der Tintenfarbe durch und durch imprägnirt hat. 

Diese Farbe ist nun weder schwarz« noch braun« wie gewöhnlich bei alten Schriften» 
sondern im ganzen Manuscripte gleichförmig gr&n^ und das Ganze hat den Anschein, als 
wäre es nicht mit Tinte, sondern ursprünglich schon mit einer grünen Farbe geschrieben. 

Angewandte Beagentien haben jedoch den Beweis geliefert« dass die Schrift nicht 
mit vegetabilischer grüner Farbe (wie von Einigen behauptet wurde]« sondern mit wirk- 
Ucher und zwar mit Eisentinte geschrieben worden ist. Denn erstens tupften wir im Jahre 
1835 auf CoL 4. Zeile 49 die Buchstaben ogubi mit einem in Galläpfelsäure getränkten 
Schwamm ganz schwach an : und in wenig Tagen verwandelte sich diese Stelle ins 
Braune« in^prägnirte jedoch seitdem das ganze Pergament daselbst mit gleicher (schwarz*) 
brauner Farbe. Später (im Dec. 1839) reagirte der der literarischen Welt durch seine 
mikroskopischen Untersuchungen rühmlichst bekannte Gustos des vaterländischen Mu- 
seums« Herr Aug. Corda,, mit blausauren K allen darauf: die vorhin grüne Stelle wurde 
zwar nicht rein blau^ wohl aber blauviolett« und im Trocknen blutroth. Wir haben den 
auch der Mikrochemie vorzüglich kundigen Hrn. Cerda gebeten» seihe diesfäUigen Beob- 
achtungen in einem eigenen Aufsatze mitzutheilen « den wir dem gelehrten Publicum 
unten vorlegen. 

Das Becept zu dieser jedenfalls eigenthümlichen Tintenbereitung dürfen wir kaum 
hoffen « jemals in einer alten Aufzeichnung zu finden. Denn obgleich es auch in andern 
Manuseripten nicht sehen vorkömmt« dass einzehie Stellen darin« vorzüglich welche lange 
der Nässe ausgesetzt gewesen« grün werden: so reicht doch diese bekannte Erscheinung 
nicht zur Aufklärung des vorliegenden FaUes hin. Wir 'kennen nur ein einziges Beispiel 



$. 6. Die TmU. 91 

YoUkomaen gleicher grüner Tinte : dies ist das Fragment cyrillischer Schrift« das wir in 
dem bekannten Martyrologium Romanum des Slafkes Aaigern in MUliren, einem Codex des 
IX Jahrhunderts, am 14 August 1837 entdeckt haben« und später vielleicht in einem 
eigenen Aufsatze ausführlich besprechen werden. Als wir jene merkwürdigen Zeilen zum . 
ersten Mal genauer untersuchten « fanden wir nur noch auf einigen Buchstaben die ur- 
sprünglich aufgelegte Tintensubstanz als eine feine trockene Cruste von brauner Farbe; 
diese Cruste löste sich aber schon bei der leisesten Berührung ab« und unter ihr kam 
jene grüne Farbe zum Vorschein« die wir sowohl bei unserem in Rede stehenden böh- 
mischen Manuscript« als bei jenem slawisch- cyrillischen Fragment als eigenthümlich 
bezeichneten. * Dies erklärt die bis dahin dunkeln Worte des unbekannten Finders und 
Einsenders in seiner unten näher anzuführenden Zuschrift« dass »die Schwärze« als er 
den Staub vom Manuscripte mit feuchtem Schwämme abwischte « sich nachher ins Grüne 
Terwandelte.a Er hat« wie nicht zu zweifeln« die locker anliegende braune Tintencruste 
weggewischt« und so blieben denn hier« wie in jenen cyrillischen Zeilen von Rai- 
gem« nur matte grüne Spuren der ehemaligen Buchstaben zurück. 

Eine andere Eigenthümlichkeit der Tinte besteht darin« dass sie allenthalben um 
die Buchstaben Zonen oder Höfe bildete« die je nach der örtlichen Beschaffenheit und 
Dicke des Pergaments« bald stärker« bald schwächer« oft (wie Col. 4 und 5) kaum 
merklich erscheinen« Am stärksten ist die Höfebildung da« wo das Pergament am dünnsten 
ist« wie Zeile 11 und 12« dann Zeile 14 bis 16« wo auch die Schrif): der Gegenseite 
sichtbar durchschlägt. Durch dieses und das Ineinanderfliessen der Höfe erscheint das 
Pergament an manchen Stellen wie mit grüner Farbe gesättigt« und das Auge bedarf einer 
scharfen Lupe und günstiger Beleuchtung« um die ursprüngliche Gestalt der Buchstaben 
sicher wahrzunehmen. Diese Höfebildung« die mit dem Fliessen der Tinte beim Schreiben 
nicht zu verwechseln ist« gibt den sichersten Beweis für die einst durch Nässe herbei 
geführte und wieder gestörte Fäulniss des Pergaments« noch bevor es vom Buchbinder 
gebraucht wurde. Wir haben erst im J. 1838 noch in einem böhmischen Archive die Er- 
fahrung gemacht« dass bei halbverfaulten und wieder getrockneten Urkunden die früher 
kaum mehr sichtbare Tinte« nachdem man das Pergament unterklebt hatte« gleich darauf 
anfing ähnliche, jedoch schwarze Höfe um sich zu bilden« wie wir sie bei unserer Hand- 
schrift wahrnehmen. Freilich kam es dabei auf die gleiche Beschaffenheit des Pergaments 
und der Tinte zunächst an; denn nicht bei allen Urkunden ereignete sich derselbe Fall« 
sondern nur bei einigen« deren Pergament« gleich dem in Frage stehenden« dünn« rauh 
imd schwammig war. Ob übrigens diese Wirkung in beiden Fällen nicht zunächst dem 
in Verbindung gebrachten Buchbinderleim zuzuschreiben sei « mögen Chemiker ent- 
scheiden. 

Ueber die Beschaffenheit der zum Illuminiren der Schrift gebrauchten rothen Stoffe 
verweisen wir auf die erschöpfende Ehirstellung in dem Briefe des Herrn Custos Corda, 
den wir hier beifugen. Wichtig ftir die paläographische Erklärung des Manuscripts ist 
seine Entdeckung« dass die Zinnoberverzierungen gleichzeitig mit der Schrift: sind« die 



9S DenimäUr der böhnusehen Sprache. Libusa't Gericht. 

Menaigzeichen dagegen einer viel jüngeren, vielleichl um Jahrhunderte spSteren Restaura- 
tion angehören. Wir lassen seinen Brief hier folgen. 

Euer fF'ehlgeboren! 

Das m& vorgelegte Manuscripi^ s,Libusd's Gerichi'* habe uh hürmü die Ehre dankbar 
zurückzustellen, und das Wenige , so sich hat ermitteln lassen, mitzutheüen. 

Das Pergament ist sehr roh gearbeitet; wie dessen höchst ungleiche Dicke, die deutlichen 
Spuren paralleler, hellerer Streifung des Streicheisens , und einzelne dünne Stellen des zweiten, 
dritten und vierten Blattes, nebst der ungleichen Glätte beweisen* Im ersten Blatte findet sich 
nach oben zu ebenfaUs eine solche verdünnte (ursprÜTiglich dünner geschabte) Stelle, welche sehr 
wohl von der radvrten Stelle an der grossen Initiale A zu unterscheiden ist. Diese letztere 
Ferdünnun^ beginnt in der Initiale und läuft den Zeilen 11 und 12 parallel, und ist gewiss 
einer ursprünglichen Correctur des Scriptors zuzuschreiben. Für diese letztere Behauptung sprühen : 

1. dass man gar keine Spuren einer früheren Schrift mehr wahrnimmt, welche sichtbar 
sein müssten, wenn diese neuere Schrift später und mit anderer Tinte geschrieben worden wäre; 

2. die Farbe der Schrift der zwölften und früheren Zeile ist mit jener der andern Zeilen 
der ganzen Seite vollkommen gleich ; 

3. sind die einzelnen Buchstaben jenen der darüber und darunter ligenden Zeilen vollkom* 
men gleich , und gleich stark. 

4. Man ersieht dennoch deutlich, dass diese Stelle in der Richtung der zwölften und drei* 
zehnten Zeile, vorzüglich in der Mitte derselben, rauh war, und dass die Buchstaben während 
des Schreibens bereits einen Hof bildeten. Dieser sehr blassgrüne Hof ist hier am stärksten 
ausgesprochen, und oft verßiessen diese Höfe der Striche eines einzelnen Buchstabens, oder zweier 
benachbarter Buclistahen völlig. An allen anderen Stellen des Manascripts findet diese Hofbildang 
um die einzelnen Striche der Tintenschrift wohl auch, aber viel beschränkter , statt* 

5. An dieser ursprünglich radirten Stelle scheinen auch die Buchstaben der Schrift der 
Rückseite ß.) durch. 

Auf welche Art das Pergament bearbeitet wurde, ist nicht zu ermitteln ; jedoch scheint 
es nie glatt gewesen zu sein, sondern stets viel rauher, als römische und italienische Manuscripte 
sich zeigen; auch gröber als die des Mittelalters. Es besitzt heute noch viel Federkraft und 
JElasticität. 

Waj die Tinte betrifft, so kann ich dieselbe nur fSur eine Eisentinte erklären, wie 
die rückgebliebenen Spuren derselben mit Reagentien unbezweifelt darthun. Welcher Art aber 
diese Eisentinte war, ist unenträtliselbßr , denn es ist nicht möglich, nachzuweisen, ob es eine mit 
Eisenvitriol und Galläpfeln, oder mittelst Eisenbeitze und einer Rindenabkcchung bereitete war, da 
die eigentliche Tinte durch das Abwischen verschwunden ist, und nur die so denkwürdige grüne 
Ferbindung von Eisen mit der Pergamentfaser zurückgelassen hat. Wir kennen jetzt keine solche 
grüne Eisenverbindung mit thierischem Leime, oder einem andern thierischen Stoffe, jedoch ist die 
Chemie organischer Verbindungen der Art zu neu, um auf solche Fragen, wie die vorliegende. 



$. 6. Die TmU. SS 

aniworien zu können, und das MaierüU zur Untersuchung nichi wchl verwendbear. lieber du 
Bemerkung : „dose die Tinie ursprünglich schwarz war, und bei dem Abputzen staubariig abfi.el" 
können wohl noch neuere Erfahrungen zu Hufe gezogen werden; auch glaube ich, dass durch 
die vielen Schicksale, so die beiden Bläiter erliUen, es möglich wäre, dass der Moder und die 
dabei sich bildenden Säuren und chemischen Vorgänge überhaupt, elas Bindemittel oder den 
Leim, so der Tinte zugesetzt war, aufgelöst, weggeßihrt, umgeändert oder auch völlig zerstört 
hätten, wie wir es auch jetzt noch an unseren mit Gummi oder Gallerte bereiteten Tinten durch 
Sauem und FauUn^ oder durch Schimmelbädung erfahren. Dass hierbei die stark au/gesetzte 
Tinte einen Theä ihres Eisens in Osyde verwandeln und endlich völlig ausscheiden musste, liegt 
klar am Tage, und dieser wurde mit den übrigen organischen Stoffen , welche die braune Farbe 
der Schrift verursachten, als das Manuscripl gefunden wurde, bei dem oft erwähnten „Säubern*^ 
als Staub abgewischt, da sie ihres Leimes oder Bindemittels beraubt waren und oberflächlich lagen* 

/n Bezug der Illumination der Buchstaben müssen wir bemerken, dass solche mit zwei 
Farben und zu zwei verschiedenen Zeiträumen statt gefunden hat, und bei sehr genauer Unter" 
suchung könnte man versucht werden, drei verschiedene Verzierungen anzunehmen. 

Die frühere Colorirung fand mit Zinnober, die spätere mit Mennig statt. 

Die kleineren in den Zeilen befindlichen Initialen scheinen die erste und ursprüngliche 
Verzierung des Manuscripts gewesen zu sein , und sie allein sind ohne Tinte eingeschrieben. 
Ihnen ähnlich und gleich alt sind die kleinen Strichverzierungefi , welche an der rechten Seite 
einzelne BuchstabentheiU begleiten, aber bereits über die Tinte oder an sie guchrieben sind. 
Beide Verzierungen sind, wie das Auge und chemische Beagentten lehren, Zinnober, 

Die vier grossen hutialen A, C, V, D, auf Seite 1 -• 4 sind theilweise mit Tinte 
vorgezeichnet und dann colorirt. A und C (Seite 1 und2J sind bloss mit Tintenumrissen vor* 
gezeichnet gewesen, und der Colorist hat den Hohlraum mit 2^innober ausgefüllt, wobei er eben 
nicht sorgfältig zu Werke ging, wie A (Seite \) zeigt , wo er über die Vorzeichnung hinaus 
Farbe auflegte, während bei C (Seite 2) der durch die Tintenzeichnung umschriebene Baum 
wicht völlig erßUlt wurde. Bei beiden Buchstaben hat er seine Talente und Schönheitssinn durch 
haekenfifrmige Arabesken und Punkte, oder vielmehr flecken, geltend gemacht» 

Das V auf Seüe 3 ist so gut mit Zinnober und dann abermals mit Mennig gedeckt, 
dass man nichu über Vorzeichnung mit Tinte sieht, ausser an der äussersten Spitze des rechten 
Theiles des Buchstaben, nach oben* 

Das D auf Seite 4 war nicht bloss eUs Rahmen vorgeschrieben» sondern völlig geschwärzt, 
wie unsere neuere Schrift, utid der Colorist hat es später ganz mit Zinnober gedeckt. 

Alle mit Zinnober gemachten Verzierungen zeichnen sich durch dünnes Aufsetzen, Matte, 
und die eigenth&mliche Zinnoberfarbe aas. Sie sind matt, weil sie sehr wenig Leim mehr be^ 
sitzen, und liegen stets unter der viel späteren Mennig ^ Verzierung. 

Dass die Mennig - Verzierung viel späterer Zeit angehört, beweist 

1 . ihr Glanz , welcher von dem noch vorhandenen Bindungsmittel herrührt, während dieses 
im Zinneber und der Tinte zerstört wurde; 

2. dass sie sowohl auf die schwarze als auch auf die zümcberrothe Schrift aufgesetzt ist; 



S4 Denkmäler der böhnuteilen Spraeke^ Libasas Gericht, 

3* dass die damä gemachien Zeichen einen andern Ckaraeier besiizenj und 
4. deus sie endlich zmr Resiaaraiien der beschädigten älteren Zinnober • Verzierangen verwendet 
wurde, wie vcrz&glich die grossen vier Initialen, und aasnehmend deutlich C, Seite % und V, 
Seüe Z, zeigen* Bei erster em (C) sieht man erstens den Tintenrahmen, auf welchem sich noch Spuren 
ven der ersten Zinnober ^ Verzierung ßnden; auch sind die beiden oben und unten im Buchstaben 
befindlichen grossen Punkte nach Innen zu mä Zinnober gemacht, and seheinen ursprünglich 
keine Punkte, sondern Ringe oder mondßfrm^e Striche, wie der in der Mitte des C befindliche, 
gewesen zu seit, mit welchem sie gleiche Farbe und Glanzlosigkeit besäzen. Der spätere Colorist 
ßsUle den dicken Strich des C und diese beiden Punkte mit sehr dünnem aber stark geleimten 
Mennig, welcher heute durchscheinend ist und stark glänzt. 

Mit derselben Farbe sind jene sonderbaren Zeichen oder Noten m den Linien and auf 
der schwarzen Schrift geschrieben, wie ihre Fkrbe und ihr Glanz zeigen. Auch die verzierte^ 
Stelle, Zeile 62, ist mit derselben Farbe geschrieben und glänzt ebenfalls noch, obgleich sich 
daselbst sehr schwache ^uren von Zinnobercolerit eUs Basislinie zeigen. Aber auch hier 
zeigt die mikroskopische Untersuchung deutlich, dass die Mennigschrift über der Zinnober • Ver^ 
zierung liegt, 

m 

Auf der vorletzten Seite, Zeile 111« und auf der letzten Seite seheinen die Zeichen später 
abermals resteaxrirt worden zu sein, denn die Farbe hat weniger Glanz und einen andern Ton 
und Chor acter, als die Mennigzeichen anderer Seiten, und erscheint dem Auge eines geübten 
Coloristen jünger; jedoch iässt sich solches nicht mit Geivissheit behaupten. 

Schliesslich muss ich noch erinnern, dass aUe altem Manuscriple den grösstcn Thed ihrer 
Tinte durch Zerstörung des Leimes verloreti haben, und dass nur die in die Substanz und zwi- 
schen die Fasern des Pergamentes (und Papieres) gedrungene Tinte rückgeblieben ist, während 
der aufgelcLgerte und die schöne Schwärze des Buchstaben erzeugende Theil derselben ebenfalls 
abstäubt, wie man an allen schlecht eonservirSen Manuscripten des zwölften und dreizehnten 
Jahrhunderts, ja selbst noch des vierzehnten und ßmf zehnten sieht, in welchen man bald Stellen 
auffindet, wo ein Thed der oberflächlich aufgesetzten Tinte noch vorhanden, und oft sehr leicht 
abkratzbar und ablösbar ist. 

Allerdings erseheint die in jenen Schriften auf dem Pergament rückbleibende, mit dessen 
Fasern verbundene Tinte bräunlieh, röthlich oder isabellgelb, und nicht grün, wie hier, aber 
alle mir bekannten Manuscripte der Art scheinen nicht denselben schädlichen Einflüssen exponirt 
gewesen zu sein, wie das vorliegende. Auch hängt diese Färbung wohl mit dem Fettgehaä des 
Pergaments, dessen Bereitung, und der dazu verbrauchten Stoffe, der Tinte und ihrer Ingre- 
dienzen und Bindemittel innigst zusammen, und kann hier hauptsächlich wegen Mangel an zu 
untersuchendem oder untersuchungs/ähigem Materiale nicht wohl ermittelt werden. 

Dieses ist, hochgeehrter Herr/ das fF'enige, so ich dem so interessanten Gegenstand bei' 
fugen kann, und ich hoffe, dass es, wenn eauh nicht genügend, doch nicht werthlos sei. 

Prag den 2. Januar 1840. 

3iä Hochachtung Ar ergebenster 

CORDA. 



$. 7. Die SekrifL f S 

Ein zweites Schreibea Hrn. Corda's über denselben Gegenstand folgt weiter un- 
ten im §• 24. 

$. ?. mt Schriß, 

m 

Die Schrift ist auf allen Columnen mit Horizontal - und Perpendicularlinien ein- 
gefasst^ obgleich die Zeilen häufig ungerade fordaufen und manchmal (wie Z.'45) sogar 
über die Linien hinausschweifen. Diese Linien sind nicht mit dem Griffel^ sondern 
durchaus mit derselben Tinte gezogen» mit welcher der Text geschrieben wurde. 

Dreierlei Sckr^lclassen finden wir in dem Manuscripte : von der Majuskel sind sowohl 
Capital' als C/n^^'a/buchstaben Torhanden; Ton der Minuskel nur die gerade, eigentlich 
sogenannte Minuskel ; die Cursiv fehlt gänzlich. Ausser den Buchstaben, der Schrift kom- 
men aber auch noch besondere mit Mennig aufgetragene buchstabenähnliche Zeichen Yor. 
Rubriken gibt es keine. 

Reine Capilalen erscheinen nur zwei im ganzen Fragmente : es sind die grossen 
C (Col. 2) und D (Col. 4); als Capitalen, mit Hinneigung zur Vhcialtorm, müssen wir 
die gleichfalls grossen A (Col. 1) und y (GoL 3) bezeichnen. Diese vier Buchstaben 
sind mit rother Farbe aufgetragen und mit Schnörkeln verziert, welche lezteren jedoch 
ihre Form nicht ändern. Da sie zwar alle zu Anfange der Zeilen und Worte, die 17, F, D, 
aber inmitten der Sätze vorkommen, so haben sie keine andere Bestinunung, als die 
Schrift, nach der Ansicht jener Zeit, zu zieren. 

Die vorkommenden Uncicdbuchstaben sind von zweifacher Art; die einen, wie L 
Zeile 21, 37, 52, 88, S Zeile 34, 55, M 66, 11, K 83, 121 , T 43, / 50, C, 57, Z HO, 
sind Anfangsbuchstaben einzelner Worte, mit Zinnoberfarbe geschrieben, dabei fast alle 
mit aufgelegten Mennigzeichen bedeckt und dadurch in ihrer Gestalt alterirt: die anderen, 
wie MtN,E,T, mit Tinte geschrieben, vertreten durch das ganze Fragment die Stelle der 
Minuskeln, denen sie allenthalben beigemischt sind. Wegen dieser starken Beimischung 
von Uncialen letzterer Art muss diese ganze Handschrift im Allgemeinen noch zur Gat- 
tung der Halbuncialschriften gerechnet werden. 

Die Uncialen der zweiten Art und die Minuskeln sind im Durchschnitte 2 Par. 
Linien hoch und breit, rund, voll und sehr dick aufgetragen, so dass bereits sämmtliche 
Tinte abgesprungen und weggewischt ist (S- ^)- Scharfe Ecken sind nirgends sichtbar, 
vielmehr sind alle Büge stumpf, oft leicht und geßilUg geschwungen. Die Buchstaben 
haben ein richtiges Ebenmaass unter einander, trotz der Mischung der Uncialen. Der 
Schreiber, der dabei wohl des Schreibrohrs, nicht eines Federkiels sich bediente, hatte 
eine geübte, sichere und feste Hand. Die einzelnen Buchstaben erhieltel^ unter dem 
eilenden Rohr stets dieselbe Grundform, denselben individuellen Character« aber^ wie 
die Blätter eines Baumes, mit immer wechselnden leichten Variationen, die nur bei 
schärferer Prüfung bemerkbar werden. Auch ist kein Schwanken der Hand auf den 
ersten, kein Fortschritt auf den letzten Seiten sichtbar, vielmehr bewährt sich die voll* 

4 



S6 Denkmäler der böhmischen Sprache. Libasa'e Gerichi. 

kommen gleiche Haltung in der ersten wie in der letzten Zeile des Manuscripts. Da- 
gegen sind Fehler durch Auslassen und Ueberspringen einzelner Buchstaben nicht selten; 
meistens werden diese dann über der Zeile nachgetragen (Z. 1» 32, 31, 42, 70, 74, 75, 
80, 93, 115, 118, u. 126). Ob auch die Weglassung der Yocale, Zeile 43 in zutozlau 
statt zuatozlau, Z. 64 in uitzouim statt uitezouim, und Z. 75-76 in bgou statt bogou der 
Nachlässigkeit, oder aber der Absicht des Schreibers zuzuschreiben ist, wollen wir 
nicht entscheiden. Bemerkenswerth ist es, dass auch Ditmar von Merseburg (bei Pertz 
Mon« y, 816) Zutibure anstatt Zuatibor schrieb; und bg, bga, für bog, boga, ist vielleicht 
eine Abbreviatur, wie im Evang. Johannis (s. %, 16). 

Unter den einzelnen Buchstaben kommen, neben den Halbuncialen M, iV, E, T, 
vorzüglich zu bemerken:^, r, s, und z, wegen ihrer eigenthümlichen Gestalt. 

Die Minuskel g, mit einem flachen Bogen anstatt des Kopfes, und einer gleich- 
falls offenen Beugung unter der Linie, erinnert zunächst an die altsächsische Schrift, 
worin sie vorherrscht, und weiter an die altrömische Cursiv, aus welcher sie ohne Zwei- 
fel geflossen ist. [f^gl' bei Mabillon tab. I, Nouveau trait^ de diplom. pl. 57). Die 
sächsische Schrift ist (nach Hrn. Pertz, Monum. Germ. I, 112) von dem heil. Bonifaz und 
seinen Schülern in Mainz, Fulda, Hersfeld und Würzburg verbreitet worden, erhielt sich 
aber nicht lange in Deutschland. Das offene g kömmt auch in andern fi'anzösischen und 
deutschen Handschriften des VHI und IX Jahrhunderts vor; z. B. im Codex Nro. 617 der 
Königin Christina, in der vaticanischen Bibliothek, woraus Pertz (Mon. I, tab. 5) eine Probe 
mittheilt, die überhaupt mit unserer Handschrift mehrere Yergleichungspunkte bietet; der 
Codex ist aus der ersten Hälfte des IX Jahrhunderts. 

Die Minuskel r ist darin eigenthümlich , dass ihr Schaft nicht unten links gebo- 
gen spitzig ausläuft, sondern im Gegentheile innerhalb der Linie sich hält und eine 
stumpfe Biegung rechts, meist mit einem kleinen Drucke, darstellt Der Schaft des i und 
p zeigt dieselbe Form, ausser dass letzterer unter die Linie ausläuft; auch die beiden 
Schenkel des u zeigen dieselbe Bildung. 

Noch eigenthümlicher ist die Minuskel if (Q, die allenthalben einen hohen flachen 
Bogen bildet, so dass sie nur als ein erhöhtes und in der Biegung verflachtes C er- 
scheint. Das obere Ende ist stumpf herabgebogen; das Häckchen an der Aussenseite 
des Bogens fehlt gänzlich, und der Buchstabe ist mit einem Zuge von oben nach unten 
gebildet, dalier unten ein Druck des Rohrs wahrzunehmen ist. Diese, zunächst an das 
cyrillische Slowo erinnernde Form des f, wiederholt sich später nur noch in der 
Königinhofer Handschrift. Sonst haben wir sie noch in keiner lateinischen Schrift des 
Mittelalters geftinden. 

Die 'Form des Buchstaben z, dessen obere und untere Linie nicht horizontal, 
wie bei der Capitalschrift, sondern geschwungen, und letztere bis unter die Linie ge- 
bogen ist, kömmt in Deutschland selten vor (z. B. im obigen Codex der Königin Christine 
Nr. 617), bildet abei* in allen altböhmischen Schriften, wo das z so häufig gebraucht 
wird, die Regel. ^^ 



§• !• Die Schrift. %. 8* Die reihen Zeichen. Ulf 

Bei t ist zu bemerken« dass die obere flache Bogenlinie in der Mitte« wo sie den 
Schaft berührt« meist eingedrückt« und oft wie gebrochen erscheint. Bei den Uncialen 
m und n sind die Knöpfe an den Extremitäten eigenthümlich. Das a kömmt niemals 

oflFen vor. 

Abbreviaturen gibt es im ganzen Manuscripte nur wenige« und zwar nur die mit^ 
combinirten: 1^ (pro) Z. 9« 39« 40, 43« 65, 61, 12, 115, 119, 127; ^ (pro) Z. 38, 58, 
96, 98, und ^ {pre, prC) 27, 29, 31, 98« 104. Erstere zwei hat die Handschrift mit dem 
ganzen Schriftwesen des Mittelalters gemein ; die letzte (üß) ist ihr in dieser Bedeutung 
eigenthümlich, und wiederholt sich später nur noch in der Königinhofer Handschrift; 
denn in der lateinischen Schrift müsste sie für per und par gelesen werden. In der 
böhmischen Sprache sind die Sylben per und par wahre Seltenheiten; daher wird csl be- 
greiflich, warum man jener Abbreviatur darin eine andere Bedeutung anwies. Die Königin- 
hofer Handschrift schreibt zwar einmal „^lami** für ,«perlami'% abet auch „rßueliku, |^ne- 
suce, ^llrpiechom, rßide, rßzech'* für preueliku, prinesuce, pretrpiechom, prüde, prizech 
u« s. w., wobei sie sich nicht dadurch beirren lässt, dass sie, der Aussprache ihrer Zeit 
gemäss, schon prse, prsi hätte schreiben sollen. Somit weist diese Eigenheit bei ihr auf 
einen in Böhmen schon zu der Zeit« als es in der Sprache noch kein ^ (rs) gab, verbrei- 
teten und von Alters her überlieferten Gebrauch hin. 

Es ist im ganzen Manuscripte noch keine IVennung der Worte sichtbar, kondem 
alle Buchstaben des ganzen Textes sind so an einander geschrieben, dass auch an keine 
regelmässige Theilung der Sylben zu Ende der Zeilen Bedacht genommen wurde. Der 
Schreiber setzte so viele Buchstaben in eine Zeile, als eben darauf Platz fanden, un- 
bekümmert um den Zusammenhang der Sylben und Worte. Am auffallendsten ist dies z. B. 
in dem Worte tmt, dessen erste zwei Buchstaben tr die dritte Columne schliessen, die 
letzten ut aber die vierte anfangen; so ist auch caco zwischen der ersten und zweiten 
Seite (cac-o) getheilt u. s. w., der Theilungen in den Zeilen wie p-lezne, k-egdi, b-ratri 
u. dgl. nicht zu gedenken. 

Dagegen kommen dreierlei Interpuncliünszeichen vor. Am häufigsten sind drei 
Puncte (.'.), entweder rein, wie Z. 41, oder vom Illuminator verziert, wie Z. 57, 78, 84, 
85, 88, 110, 111, 123; ein einzigesmal, Z. 115, sind es vier Puncte (::), welche der 
Illuminator mit einem Kreuz schmückte. Seltener ist ein Punct, oben in der Linie ge- 
schrieben (*] , Z. 4, 8, 9, 106 ; letzterer scheint vorzüglich die Bestimmung gehabt zu 
haben, die Buchstaben i und u von einander zu trennen« Uebrigens sind die Inter- 
punctionen zwar nicht ganz ohne Sinn, aber doch ohne Regel und Methode angebracht, 
da sie oft da fehlen, wo der Sinn am meisten sie heischte, und wieder (wie Z. 41, 85) 
dort stehen, wo sie unnötbig waren und daher nur zur Verzierung dienen sollten« 

$. 8. Die rothen Zeichen. 

Es ist bei niuminirung des Manuscripts zweierlei Rothstoff tmd in verschiedenen 
Zeiträumen gebraucht worden: Zinnober nämlich und Jfefin^. Beide Stoffe lassen sich 

4* 



28 Denkmäler der böknuschen Sprache* lAusd4 GerichL 

schon bei dem blossen Anblick« an ihrer dunkleren und lichteren Röthe» unterscheiden. 
Bewaffiiet man aber das Auge» selbst nur mit der einfachen Lupe, so springt der Unter* 
schied um so bestimmter in die Augen. 

Hm. CordcCs mikroskopische Untersuchungen« die wir oben %. 6 mittheilten« geben 
hierüber interessante Aufschlüsse« die wir hier kurz wiederholen müssen. 

Mit Zinnober sind ursprünglich sämmtliche Capitalen und Uncialen geschrieben; 
von derselben Farbe sind auch die Randverzierungen der Minuskeln« die auf der rechten 
Seite der Buchstaben und ihrer einzelnen Schenkel u. s. w. Torkommen« wie in alten 
Handschriften gewöhnlich; endlich die Verzierung der Interpunctionszeichen. Da Schrei- 
ber und Illuminatoren oder Rubricatoren verschiedene Personen zu seyn pflegten« so 
war es nothwendig« dass Ersterer dem Letzteren die zu illuminirenden Capitalen und 
Uncialen Torzeichnete oder wenigstens andeutete; und da diese wesentlich zum Texte 
gehören« so kann diese Illuminirung mit Zinnober nicht viel später statt gefunden haben« 
als die Schrift selbst zu Stande kam. 

Viel später aber« und wie Hr» Ccrda behauptet, yielleicht um Jahrhunderte später« 
fand eine Revision und Retouchirung der Handschrift mit Mennig Statt. Ihr nächster 
Zweck war das Eintragen einiger eigenih&mlichen SüeUhen in die Schrift« und die Restau- 
rirung einiger früher mit Zinnober illuminirt gewesenen Capital- und Uncialbuchstaben. 

Jene eigenthümlichen Mennigzeichen« ursprünglich Uncialbuchstaben von seltener 
Form« sind folgende: 

1) 2) 3) 4) 5) 6) 7) 8) 9) 10) 11) 



1) P., Zeile 1 (rerwischt). 9 (dreimal). 13 t.. 22. 38, 71 (verwischt im M). 72Yerw.. 

78. 106, 120, 126 verw. 

2) y.. Z. 22. 47. 50 (im J). 55 (jm S). 61. 96. 98. 121 (im K). 

3) N., Z. 3 Terw.. 18. 44. 103. 

4) E.. Z. 4. 28. 58. 59, 74. 76, 85. 93. 101. 118. 

5) F«« Z. 26* • 

6) J.« Z. 7 verw.« 29 verw.« 36« 40« 43 im V« 49« 68« 88 über dem L« 113« 115. 

7) Q.« Z. 19, 21« 37 im L, 41« 52 im L« 66 im U[« 80« 83 im K« 91« 100. 

8) O.« Z. 12 verw.« 25« 43 im V, 46, 111, 116. 

9) C, Z. 8 verw.« 89, 91« 95« 108« 124. 

10) S., Z. 31, 34 im S, 53, 110 verw. im Z. 

11) A.« Z. 35. 

12) Unkenntliche« verwischte Zeichen: 22, 64« 81* 

Aach von den obigen Buchstaben sind viele schon so verwischt, dass ihre ur- 
sprüngliche Figur nor mit bewaffiietem Auge zu erkennen ist 



$• 8. Du rciim Zeichen. %. 9. Das FaC'Sknfie. 9^9 

Was sollen nun diese sonderbaren Zeichen? Sind sie ein blosser ZnfaU« das 
Spiel eines müssigen Illuminators? Obgleich sie scheinbar regellos hingeworfen sind« so 
kehren sie doch in der gleichen bestimmten Form und an bestimmten Orten (z. B. in 
den Uncialen) zu oft wieder» als dass man dies annehmen dürfte. Einen Zweck haben 
sie offenbar: aber welchen ? 

Die Paläographie ist in Bezug auf die Urkundenschrift des Mittelalters seit Pape- 
broch und Mabillon wohl yielseitig bearbeitet worden: nicht so in Bezug auf Bücher« 

* 

Schrift, die in den bisherigen Systemen immer nur beiläufig berücksichtigt wurde» ob- 
gleich deren gründliche Kenntniss nicht minder wichtig und nothwendig ist. Nur Wal- 
ther's treffliches Lexicon diplomaticum gibt uns einen Fingerzeig, da wir dort auf Tab. 
XXym unter den »ClaTes medii canticorum aevia Zeichen finden, die den unsrigen ziem* 
lieh ähnlich sehen, z. B. ein Zeichen vocis alue dem obigen jS*, ein Zeichen Tocis mediae 
dem F, ein anderes dem J vergleichbar. 

Ziehen wir dabei in Erwägung, dass wir ein Gedicht Tor uns haben, das, im 
altslawischen heroischen Versmaass geschrieben, zum singenden Vortrag, wie er bei den 
Serben noch heutzutage bei demselben Versmaass gewöhnlich ist, bestimmt war ; bemerken 
wir die Häufung der Zeichen am Schlüsse des ersten Fragments (Zeile 9, im Worte zaconu), 
die nicht ohne Bedeutung seyn kann; femer, dass dieselben alle mit rothen Uncialen 
geschriebenen Buchstaben (mit einziger Ausnahme des C auf Zeile 57) bedecken, daher 
an solchen Stellen vorzugsweise angebracht sind, die schon der erste Schreiber des 
Textes ausgezeichnet haben wollte : nehmen wir dies alles zusammen, so bleibt uns wenig 
Zweifel übrig, dass wir hier eigenthümliche, bisher unbekannte oder unbeachtete Vertrags^ 
zeichen oder Noien vor uns haben, denen gemäss der Sänger oder Declamator bei dem 
Vortrage dieser Stellen seine Stimme zu verstärken, zu dämpfen, höher oder tiefer zu 
tragen hatte , u. dgl. 

Es ist sehr zu wünschen, dass solche Foriragezeichen, wenn sie irgendwo in alten 
Gedichten westeuropäischer Völker vorkommen, wahrgenommen, verglichen und nach 
ihrer Bedeutung erklärt werden möchten. Wir haben dergleichen noch in keinem alten 
Codex geftmden, und müssen uns daher begnügen, andere Forscher auf diesen Gegen« 
stand wenigstens aufinerksam zu machen« 

Die Zeile 62 schliesst ein regelloses Gekritzel mit Zinnober und Mennig, das 
anscheinend keinen anderen Zweck hat, als den Raum zu bedecken und auszuftillen. Da 
jedoch an dieser Stelle ein viersylbiges Zeitwort im Texte fehlt, das den Vers beginnen 
sollte, so ist ein solches mit diesem Gekritzel vielleicht absichtlich bedeckt worden* 
Doch ist auch mit bewaffnetem Auge nichts davon wahrzunehmen, und Reagentien war» 
den bis jetzt nicht versucht, um die daselbst etwa noch vorhandene Schrift zn heben« 

§. 9. Das Fac-simile. 

Das dieser Abhandlung beiliegende Fac-simile des ganzen Fragments wurde schon 
im J. 1636 von dem Lithographen Hrn. Hennig in Prag nach dem Original selbst ver« 



80 Dmhfiäler der böhmischen Spracht, Libusm's Gericht. 

fertigt., Einige Andeutungen über dessen Verhältniss zum Original scheinen nothwendig, 
um Missverständnissen vorzubeugen* 

Aus der bisherigen Schilderung der so eigenthümlichen Stoffe« des Pergaments« 
der Tinte und der Farben« welche das Manuscript darbietet» so wie der nicht minder 
eigenthümlichen Veränderungen« welche die Zeit und besondere Elementareinflüsse darin 
bewirkt haben« ist die Schlussfolge an sich einleuchtend« dass die vollkommene Nach- 
bildung des in Rede stehenden Fragments « wo nicht unmöglich « doch äusserst schwierig« 
mühsam und kostspielig werden muss. So lange Liepmanns Farbendruck ein Geheimniss 
des Erfinders ist« müsste der nachbildende Künstler jedes einzelne Exemplar mit dem 
Pinsel sorgfältig nachzeichnen« um die ungleiche Färbung des Pergaments durch Schmutz 
und durch das Uöfebilden und Durchschlagen der Tinte nur einigermassen treu darzu- 
stellen« Und wie schwer wäre es auch da nicht« einige halbverblichenen« in ihren Zonen 
gleichsam versghwimmenden Buchstaben « so wie die halbverwischten Mennigzeichen « die 
nur ein bewaffnetes Auge deutlich wahrnehmen kann« in derselben Abstufung der Klar- 
heit oder Unklarheit wiederzugeben? 

Nach den Mitteln« die uns zu Gebote standen« hatten wir die Wahl« entweder 
nur ein kleines Stück des Ganzen nach allen Zufälligkeiten der Farben und des Schmutzes 
mögUchst treu nachbilden zu lassen« oder mit Hinweglassung alles bloss Zufälligen« und 
alleiniger Berücksichtigung dessen« was wesentlich ist (nämlich die Form und Stellung 
der Buchstaben)« das ganze Fragment anschaulich zu machen. Wir wählten unbedenk- 
lich das Letztere« weil es der wissenschaftlichen Würdigung des Ganzen besser zusagt. 
Auch den Abdruck mit grüner Farbe mussten wir diesem Grundsatze zu Folge verwerfen« 
da auch diese darin nur zufällig« nicht wesentlich ist; ein solcher erschien uns als etwas 
Halbes« als eine mit dem wissenschaftlichen Ernste unverträgliche Affeetation und Spielerei. 

Alle im Original roth illuminirten Stellen« Buchstaben« Striche und Zeichen sind 
im Fac-simile« unausgefüllt« bloss in punctirten Contouren angedeutet. 

Noch eine Bemerkung dürfen wir nicht unterdrücken« weil sie etwas WesentUches 
betrifft. Die Schrift ist nämlich im Original« wie wir bereits oben gesagt« durchaus rund 
und voll« überall fest und doch sanft gebogen« nirgends gebrochen« eckig oder fractur- 
massig« so wie auch nirgends ängstlich gefleisselt« sondern in kräftigen Zügen leicht und 
sicher hingegossen. Man erkennt in ihr den geübten Schreiber« der da forteilt« und 
doch in seiner Art schön und deutlich zeichnet Der Lithograph hat diesen Charakter 
der Schrift nicht sogleich erkannt« und nach der Gewohnheit aller Schreibmeister unserer 
Zeit« in die Biegungen oft etwas Gebrochenes und der Fracturschrift Aehnliches gelegt, 
was nicht im Originale lag« und bei der fleissigsten Revision der Steintafel dennoch nicht 
mehr ganz entfernt werden konnte. Namentlich gilt diese Bemerkung von dem O« des* 
sen innere Biegung im Original niemals« häufig aber im Fac-simile« gebrochen und 
eckig erscheint 

Da solchergestalt das Original in diesem Fac-simile nicht allseitig und voll- 
kommen wiedergegebea werden konnte« so muss jede genauere paläographisch - kritische 



$. 10. Besiimmung des Aliers der Handschrift. 31 

Würdigung des Ganzen nur nach jenem, nicht nach diesem, angestellt werden; was sich 
übrigens bei jeder gründlichen wissenschaftlichen Leistung yon selbst yersteht. 

S. 10. Bestimmung des Alters der Handschrift. 

Wenn die Bestimmung des Alters einer Handschrift nach paläographischen Kenn* 
zeichen auch dort ihre besonderen Schwierigkeiten hat, wo an (zum Theil datirten) 
Schriftproben und Denkmälern kein Mangel ist: so muss sie da noch ungleich schwie- 
riger werden, wo der zu bestimmende Gegenstand einzig und beispiellos dasteht, und 
überdies durch besondere Eigenthümlichkeiten ausgezeichnet ist. 

Wir haben vor uns das älteste Denkmal böhmischer Schrift, deren Weise von 
der im abendländischen Europa üblich gewesenen in manchen Puncten abweicht. Wir 
bemerken, dass einige dieser Abweichungen sich in den meisten späteren böhmischen 
Schriftproben wiederholen, und daher nicht der Laune oder den Einfallen einzelner 
Schreiber^ sondern einem durch Jahrhunderte überlieferten Gebrauch zuzuschreiben 
sind. Wir sehen uns dadurch genöthigt, eine eigenthümliche böhmische Schreibschule an* 
zunehmen, die sich schon in der frühesten Zeit gebildet und Jahrhunderte lang neben 
der gleichfalls im Lande üblichen lateinischen erhalten hat. 

Unter den Kennzeichen dieser altböhmischen Schreibschule lassen folgende sich 
besonders herrorheben : 1) das schon oben besprochene Abkürzungszeichen ^ ftir pre 
und pri', 2) die Abkürzungen „ e®" und „e^** für den Genitiv ehe und den Dativ emu'y 
3) die oben gleichfalls schon berührte Form des ^ (f); 4) die Minuskel e, die der Un- 
cialform gleich, noch im XIII Jahrhunderte immer offen, mit zierlich geschwungener 
oder hochaufgestülpter Zunge geschrieben wurde ; 5) die fast immer verbundenen Buch- 
staben pc, bo^ dc\ 6) die bis zu Ende des XIII Jahrhunderts fortdauernde Unregel- 
mässigkeit in der Trennung und Theilung der Worte. Diese Trennung ist gewöhnlich 
gruppenhaft, d. i. kurze Worte werden den längeren gewöhnlich vorn oder hinten an» 
gehängt, oder auch untereinander verbunden. Die Theilung der einzelnen Worte ist 
rein mechanisch, und es werden so viele Buchstaben auf die Zeile gesetzt, als eben 
darauf Platz finden; daher es häufig geschieht, dass ein Buchstaben eines Wortes auf 
einer, die übrigen alle auf der andern Zeile geschrieben sind. 

Diese Kennzeichen kommen nicht in allen Schriften der Böhmen aus der ältesten 
Periode vor, sondern nur in den rein nationalen, in den Denkmälern der böhmischen 
Sprache. Den lateinischen in Böhmen geschriebenen Urkunden und Büchern sind sie 
fremd, und selbst auch denjenigen böhmischen, worin das Böhmische mit dem Latein 
vermischt erscheint, wie z. B. in dem Fragmept des Evangeliums Johannis, in der Mater 
Verborum, in den Glossen zu den Hopailien u. s, w, Diese lezteren richten sich nach 
dem allgemeine!^ Schri(tgebrauch des Zeitalters. 

Es entsteht nun die Frage ; wai^n begann die eigenthümliche böhmische Schreib- 
schule ? wie bildete sie sich aus ? und in welchem Verhältnisse stand sie zur allgemeinen 



3S Denkmäler der bShmuchen Sprache, Libasai Glicht* 

Schreibweise und zu deren Veränderungen im Mittelalter ? — Dass diese Frage» bei der 
geringen Anzahl der vorhandenen Schriftdenkmäler* nicht genügend zu beantworten ist, 
sieht jeder Kundige ein. Gleichwohl ist es unzweifelhaft, das» die einmal Yorhandene 
nationale Schreibweise eben so wenig unabhängig entstehen, als sich dem Einflüsse der 
im allgemeinen Schriftwesen des Mittelalters yorgefallenen Veränderungen in die Länge 
hat entziehen können. -«* Diese Andeutungen dürfen genügen, um den Vk^erth, so wie 
die besonderen Schwierigkeiten der Induction in diesem Falle bemerkbar zu machen. 

üVir haben bereits im Jahre 1834 unsere Ansicht dahin geäussert'), dass unser 
in Frage stehendes Fragment, wo nicht vor Ende des IX, doch gewiss in der ersten 
Hälfte des Xten Jahrhunderts geschrieben worden sey. Dieses Urtheil war damals zu- 
nächst auf den Gesammteindruck begründet, den die Schrift auf uns gemacht hat ; und 
auch jetzt, nach jahrelangen Beobachtungen und Studien darüber, nachdem wir zumal 
so Tiele paläographischen Schätze Italiens wiederholt gesehen, fühlen wir uns in der 
Ansicht bestärkt, dass das Fragment von Libusa's Gericht keinem späteren Zeitalter« 
als dem Ende des IX oder der ersten Hälfte du X Jahrhunderts, angehören kann. Wir 
werden unsere Gründe anftduren, und zwar zuerst die negativen. 

Dass Ton dem Xllten, Xlllten oder einem späteren Jahrhunderte bei diesem 
Fragmente gar nicht die Rede seyn könne ^), sieht jeder Kundige bei dem ersten Blick 
ein. Die nicht mehr so seltenen böhmischen Handschriften dieser Zeit tragen ins- 
gesammt einen ganz verschiedenen Character. 

Einen negativen Beweis für das Alter nach oben hinauf gibt schon der Inhalt des 
Gedichtes ; denn es besingt eine Begebenheit, die nach grundhältiger historischer Gombi- 
nation im ersten Viertel des Vlllten Jahrhunderts sich ereignete. Ob aber das Gedicht 
selbst bald nach der Begebenheit, oder erst um Jahrhunderte später« verfasst wor« 
den sei, lässt sich aus dem Inhalte nicht bestimmen. 

Einen weiteren Ausschliessungsgrund nach oben gibt der Umstand, dass die 
Slawen vor ihrer Bekehrung zum Christenüiume, die in Böhmen erst kurz vor der 
Mitte des IX Jahrhunderts begann, wohl slawische Runen, nicht aber lateinisch • römische 
Schriftzüge gekannt und gebraucht haben. Dies ist an sich nicht zu bezweiieln, wenn 
es auch von dem bulgarischen Mönch Chrabr, einem alten und gewichtigen Zeugen*), 
nicht ausdrücklich behauptet worden wäre. Aber dieser Chrabr bezeugt auch , dass die 
christianisirten Slawen, vor Erfindung und Verbreitung der cyrillischen Buchstaben, sich 
bereits römiacher und griechischer Schrift für ihre Sprache bedienten« 



>} S. Casopis Ceskeho Museum, 1834, Heft IV, Seite 465. 

') Wenn Schönemann in seiner Diplomatik (I, 515) behauptet , mit Tinte gesogene Linien teigten* sich erst 

im Xm Jahrhunderte, so gehört dieser Satc an den eben so unwesentlichen als nicht stichhaltigen in 

seinem sonst so schfilsbaren Systeme. 
Abgedruckt in KofuL KtdtgdowU: Joana Exarch Botgankij, Motkan 18t4, foL pag. 189*19S VgL 

onten $. 13. 



$. tO. Bestimmung des Alters der Handschrift. 33 

Die srriptio continua, und die starke Beimischung; von Uncialbuchstaben in den 
Worten, nötbigen uns« auch das Xlte Jahrhundert auszuschliessen. Jene gänzliche Ab- 
wesenheit jeder Trennung der "Worte« und die vielen Uncialen inmitten der Worte« sind 
dieser Handschrift unter allen böhmischen ausschliesslich eigen« und sprechen entscheidend 
för ihr höchstes Alter. In Deutschland« Frankreich und Italien war die Trennung der 
Worte schon seit den Zeiten Karls des Grossen allgemein üblich« obgleich noch nicht 
regelmässig; und auch die Uncialbuchstaben yerlieren sich daselbst seitdem aus der 
gemeinen Bücherschrift« mit nur seltenen und geringen Ausnahmen. 

Wenn wir nun dabei das Bruchstück des Eyangeliums Johannis in Erwägung 
ziehen,« dessen Schrift für das Xte Jahrhundert spricht« und doch nach allen Kennzeichen 
jünger ist« als die des in Rede stehenden Gedichts« während der Typus der Sprache in bei- 
den Fragmenten beinahe derselbe ist: so nöthigen uns schon diese negativen Gründe« das 
Fragment von Libusa's Gerichte« wo nicht in die letzte Hälfte des IX« doch gewiss in 
die erste des Xten Jahrhunderts zu setzen. 

Innere positive Gründe sprechen für dasselbe Resultat. Namentlich sind die 
Sprachformen in beiden Fragmenten so eigenthümlich und tragen Spuren eines so fernen 
Alterthums« dass Jeder« der ihre Bedeutung aufzufassen im Standeist« die Ueberzeugung 
gewinnen muss : es liegen Jahrhunderte zwischen der Sprache dieser Fragmente und 
z. B. jener der Königinhofer Handschrift. Die spätere Analyse wird dies deutlicher 
machen. Der Umstand, dass hier noch kein h und ^« sondern überall nur g und r 
vorkömmt« hat dabei nur secundäres Gewicht; denn das g wurde in der böhmischen 
Sprache erst in der zweiten Hälfte des Xllten Jahrhunderts durch 'A verdrängt« und das r 
erschien erst in den Sprachdenkmälern des XIII Jahrhunderts. 

Auch darauf wollen wir kein besonderes Gewicht legen« dass der Gesang von 
LibuSa's Gericht noch in heidnischem Geiste verfasst ist Solcher heidnischer Gesänge hat 
uns auch die Königinhofer Handschrift zwei aufbewahrt« aus deren Analyse klar hervorgehen 
würde« dass sie wirklich aus viel älteren Sammlungen abgeschrieben worden sind« da sowohl 
die Schreibart als die Sprachformen darin ein viel höheres Alter verrathen« als alle übrigen 
StUcke derselben Handschrift;. Aber daraus folgt noch keineswegs^ dass diese Gesänge 
selbst aus der heidnischen Zeit überliefert worden wären. Denn derselbe poetische Sinn 
und Geist« dereinem Christen gestattete « an heidnischen Gesängen Gefallen zu finden and 
sie durch neue Copien fortzupflanzen« kann ihn auch nicht gehindert haben« ein Gedicht 
im heidnischen Sinne zu verfassen« so oft er einen Gegenstand zu besingen hatte« der der 
heidnischen Vorzeit angehörte. Indessen« wenn dieser Umstand auch keine entscheidende 
Beweiskraft besitzt« so behält er doch immer« neben den obigen Gründen« seine Bedeutung. 

Die Mennigzeichen« die wir oben einzeln angegeben haben« mögen« nach Herrn 
Corda's Behauptung« immerhin erst etwa im XII Jahrhundert hinzugeschrieben worden 
seyn. Wenigstens sind uns Uncialbuchstaben von solcher Form in Handschriften aus dieser 
Zeit vorgekommen. 

5 



34 



Denkmäler der bShnuschen Sprache. Ubusas Gericht. 



§. 11. Der Text des Gedichts. 

Wir lassen nun den Text des Fragments folgen» und zwar, zur grösseren Bequem* 
lichkeit der Leser» verschieden orthographirt und mit einer doppelten Uebersetzung ver- 
sehen. Voran stellen wir den Text» wie er im Original geschrieben steht» jedoch in Verse 
getheilt; ihm zur Seite die cyrillische Abschrift» mit möglichster Wahrung der altböhmi- 
schen Aussprache und sorgfaltiger Verhütung jeder noch so geringfügigen Metadialektisi- 
rung. Hierauf folgt das Gedicht neuböbmisch orthographirt mit einer wörtlichen latei- 
nischen Interlinear - Version. Endlich dasselbe mit einer zur Seite gefügten metrischen 
deutschen Uebersetzung» die wir der Güte des Hm. Prof. ff^. A. Swobeda verdanken. 



ufac ot fuei celedi uoieuodi : 
mufe pafuy feni rubi ftroia: 
i umre li glaua celedina, 
deti ufe tu fboHem u iedno uladu, 
uladicu fi z roda uiberucCy 
ki plezne die u fnemi zlauoi hodi, 
hodi f cmetmi, f lehi, uladicami. 

uftabu cmete, leß i uladiki, 
pobualihu praudu po zaconu. 

ai uletauo, ce mutifi uodu ? 
ce mulili uodu flrebropenu ? 
za te luta rozulaiafe bura, 
fefipaufi.tucu Iira neba, 
oplacauli glaui gor zelenih, 
uiplacauü zlatopefcu glinu? 
cäco bih iaz uodi nemutila, 
kegdi fe uadita rodna bratri, 
rodna bratri o dedini otne P 
uadita (e cruto mezu fobu 
Luti hrudof na otaue eriue, 
Da otaue Criue zlatonofne, 
Itaglau hraber na radbuze hladne, 
oba bratri, oba clenouicay 
roda ftara tetui popeloua, 



nUS cyt^Uiseher WJmschreibung. 

BCMK OT CB6H VeAI€AH BOICBOAH. 
IJOY?KI€ ndlUOY> 2KeNbl pOVBbl CTpOtÜ- 
H OyMpe AH TAdBd V6AI€AHNd» 
A'bTH BCI€ TOy CB0;RI€M B ICANO BAdAOy» 
5 BAdAblKOy CH ^ pOAd BblBepOYL|e» 

Kbl nAb:;NI€ AAie B CNICMbI CAdBNbl XOAH» 
XOAH C KUef MH» C A^Xbl» BAdAbIKdUH. 

BCTdXOy KUerie» A-ÜCH H BAdAbIKbl» 

noxBdAHxoy npdBAoy no ^^dKONoy. . 

^^ dH BAbTdBO» V6 MOyTHUIH BOAOy? 

V6 MoyTHuiH BOAoy cTpeßpon-BNoy ? 

^d TIC AlOTd po:;BAdMUI6 BoypM» 

cecbindBiuH Toyvoy lUHpd Nesd» 

OnAdKdBlUH PAdBbl Top :i;cAeNbix» 

15 BbinAdKdBUiH :;;AdTonisCKoy rAHNoy? 

KdKO BblX Mi^ BOAbI NGUOyi^HAd» 
KerAbI Cl€ BdAHTd pOANd BpdTpbl» 
pOANd BpdTpbl O A'tsAHNbl OTN€ ? 

BdAHTd ci€ KpoyTo Me:;oY COBOy» 

20 AlOTbl XpOyAOUl Nd pTdB-li KpHBtS» 
Nd OTdB-B KpHB-b ^^AdTONOCN-Ü, 
CTIdPAdB XpdSep Nd pdABOy:;-!} XAdAN-B, 
OBd BpdTpbl» OBd KAGNOBHgd» 
pOA^ CTdpd TeTBbI nOHGAOBd» 



1 



$.11. Der Text da Gedichts. 



3S 



ien fe ftde f pleki f cehouimi 
u fe fe üme ulafti ^f tri reki. 

ipletefe drufna ulaftouica, 
ipletefe ot otaui criai, 
fede na okence rozlofito 
u lubufine otne zlate fedle, 
Sedle otne fuete uifegrade, 
beduie i naricaie mutno. 
cdi fe zlife ieiu rodua feftra, 
rodna feAra u Lubufine duore, 
f^fi cneznu utr Vifegrade 
na pofiuu uftauiti fiadu, 
i pognati bratri ieia oba, 
i fucliti ima po zaconu. 

cafe cnefna vif^uiti pofli 
po zutozlau ot lubice bele, 
ide fe fu dubrauini une, 
po lutobor f dobrozlaofca hlemca, 
ide fe orlicu labe pie, 
po ratibor ot gor creconofi, 
ide fe trut pogul^i fan lutu, 
po radouan ot camena mofta, 
po Jarofir ot bred uletorecnih, 
po ftrezibor ot fazaui Ladni, 
po famorod fe mfe Arebronofne, 
po ufe cmetiy lehi i uladiki, 
i po hrudof i po Staglau bratri 
rozuadema o dedini otne. 

Cda fe fnehu lefi i uladiki 

u uifegrade 

4)cm Aupi rozenia die fuego: 
Aupi cnefna u beleltuuci rize, 
Aupi na Aol oten u zlaune (neme: 

due ueglalhe deue 



^ l€N -2Ke npHAe C nAbKbl C VeXOBbIMH 

B Cl€-2ne TRHpNe SAdCTH np-BC TpH ptiKbl- 

npHAGTISUie ApOy^Nd BAdCTOBHqa, 
npHAeTülUe ot OTdBbI KpHBbI» 

c-bAC Nd OKCNge po;;ao»hto 

^ B AlOBOyiUHN-B OTNfS :;Ad'Mi CtSAA'B» 
CISAA-B OTN-b CBICT^ BblUierpdAt», 

B-bAoyic H NdpHgdie moytno. 
KAbi ce cAbiuie t€io poANd cecTpd» 

pOANd CeCTpd B AlOBOYlUHN-to ABOp^, 

35 cnpocH KNi€?RNOY ovrp' BbiuierpdA'B 
Nd nonpdBoy oycTdBHTH npdBAoy» 

H norNdTH BpdTpbl I€l3l OBd, 
H COyAHTH HMd HO ^^dKONOy« 

KdTRG KNI€2RNd BblHpdBHTH HOCAbl 
40 nO CBdTOCAdB OT AlOBHqG BtsAG, 
HAG-TKe COy AOyBpdBHNbl oyNB, 
nO AlOTOBOp C AOBpOCAdBCKd XAbMt|d, 

HAe-sK6 opAHgoy Adse nHie, 

nO pdTHBOp OT rOp KpbKONOUlH« 

4« HAe - me TpoyT noroyBH cdN' AiOToy, 

nO pdAOBdN OT KdUeNd UOCTd» 

nO MpOMHp OT BpbA BAbTOp-bVNblX, 

nO CTpe^^HBOp OT Cd^^dBbl AdANbl« 

CO cduopOA ce ij»e cTpeepONOCNe, 

50 nO BCie KUeTH, A-BXbl H BAdAbIKbl, 

H nO XpOYAOUl H nO CTIdPAdB BpdTpbl ^ 
pOl^BdAICMd O A'BAHNbl OTNe* 

KA^ Cl€ CNieXOy A-BCH H OAdAbIKbl 

B BbimerpdA'B 

M npoKNH cToynH po^^eNM AAte cBero : 
CToynH KNie^KNd b B-teAecTBoyqH pH^^is, 

CTOynH Nd CTOA OTeN B CAdBN-B CNIGM'»: 
AB-B B'BrAdCN'B AlftB-B 

5* 



»6 



Denkmäler der böhmischen Sprache. LibuSas Gericht. 



«0 



66 



7« 



uiucene uefcbam uitzouim: 
u iednei fu defki |iudodatne, 
u utorei Mec criudi caraiuci, 
^liu ima plamen fiudozueflen, 
i pod nima suatocudna uoda. 

poce cnefna f otna zlata ftola: 
Moi cmete, lefi i uladiki! 
fe bratroma rozrefite f^udu, 
ia fe uadita fe o dedini, 
o dedini otne mezu fobu. 
po zaconu uecofiznih bg^ou 
budeta im oba u iednoulalU, 
ci fe rozdelita rounu meni. 
moi cmete, lefi i uladiki! 
rozrefite moie uipouedi, 
budete li u uaf po rozumu: 
nebudete 1 u uaf po rozumu» ?& 

ullauite ima noui nalez, 
Ki bi fmerU rozuadena bratri. 

clanehu fe lefi iuLadik(iy 
i) pocehu tiho gouoriti, 
g^ouoriti tiho mezu fobu, 
i bualiti uipouedi ieie« 

ufta Lutobor f dobrozlaufca hlemca, 
ie fe taco zlouo g^ouoriti: 
zlauna cnefno f otoa zlata ftola ! 
uipouedi tuoie rozmiflehom, 
feber glafi po narodu fuemu. 

i febrafte glafi deue fudne, 
(berafte ie u ofudie zuate, 
i dafte ie lehom ^»uolatL 

ufta radouan ot camena mofta» 90 
ie fe glafi ciflem rpgledati, 
i uecinu ^luolati u uarod. 



80 



86 



BMOYVeN-b B1IUIVB4M BHTI€^OBblM: 
Oy ICAN6H COy A6CKbl npasAOÄ^TNe, 

Oy BTOpeH UeV KpHBAbI KdpdfOgH« 

npoTHB HMd nAdueN* npdBAo;;BiiCT€H, 

H nOA NHMd CBdTOL|OyANd BOAd- 

nOVie KNI€2RNd C OTNd T,\dVd CTOAdt 
MOH KU6TIC, A-teCH H BAdAbIKbl ! 

ce BpdTpoud po^^p-buiHTe npdBAoy« 

lÜ-jRe BdAHTd Cl€ O At^AHNbl. 

o At^AHNbi OTNe ue^^oy cosoy. 
no :^dKONoy B-isKomH^^Nbix bopob 

BOyAeTd HM OBd B l€ANO BAdCTH, 

VH ct€ po:^'BAHTd poBNoy M-bpoy* 

UOH KUeTIC^ A1>CH H BAdAbIKbl I 
pOS^p-temHTe UOIC BbinOB-ISAH, 

BoyAeris ah oy Bdc no po:;oyuoy: 
NGBoyACT^ A' oy Bdc no po^^oyuoy» 

OyCTdBHTe HMd NOBbI NdAC^^ 
Kbl Bbl CMIspHA pOi^BdAICNd BpdTpbl* 
KAdN-lsXOy Cl€ A-bCH H BAdAbIKbl, 

H noviexoy thxo tobophth, 
roBOpHTH thxo Mei^oy coBoy, 

H XBdAHTH BbinOB-BAH !€!€• 

BCTd AlOTOBOp C AOBpOCAdBCKd XAbML|d, 
l€ Cl€ TdKO CAOBO POBOpHTH: 
CAdBNd KNICffCNO C OTNd ^i^AdTd CTOAd! 
BbinOB-üAH TBOie pO:;MblCA-l3XOM. 

ceBcp TAdCbi no NdpoAoy cBeMoy. 

H CCBpdCT^ TAdCbl A'BBl» COyAN^, 
CBiepdCT^ l€ OY OCOyAI€ CBdTe, 
H A^CT^ l€ A-toXOM npOBOAdTH* 

BCTd pdAOBdN OT KdM€Nd MOCTd, 
le Cl€ PAdCbl VHCAeM np-BPAICAdTH, 
H BieVHNOy npOBOAdTH B NdpOA* 



] 



$. tl. Der Text des Geduhts. 



«7 



OBd pOANd BpdTpbl KA6NOBHL|d^ 

96pOAd CTdpd TeTBbI nonGAOBd« 

l€N-2Re npHA6 C HAbKbl C VGXOBblMH 
B CI€-;R6 ;RHpN6 BAdCTH np^C TpH p-teKbl, 
CUlipHTd Cl€ TdKO O At^AHNbl, 
BOYA6Td HM OBd B l€ANO BAdCTH- 

100 BCTdNOY XpOYAOUl OT OTdBbI KpHBbI, 
JKAbV CIC I6MOY pO^^AH nO OYTpOB-te, 

TpdcexoY cie aiotoctio bch oyah, 
udXHOY pOYKOY» :i;dpBe Mpbiu TOYpeu: 



uoarod c rozuzenu na fnem (boren: B NdpoAKpOi;coY%eNiONdCNi€U CBopen : 

oba rodna bratri clenouica, 

roda Ilara tetui popeloua, 

ien fe pride z pleki f cehouimi 

u fe fe (ime ulalti jgti tri reki, 

fmerita fe taco o dedini, 

budeta im oba u iedno ulaiti. 

üftanu hrudof ot otaui criui, 
zlec fe iemu rozli po utrobe, 
trafehu fe lutoftu ufi udi, 
niahnu rucu, Zarue iarim turem: 

göre ptencem, c nim fe zmia unori, losrope nTeNueu» k NHU-me :;uHt2i BNOpH, 
göre mufem, im fe (ena ulade! 
mufu ulafti mufem zapodobno: 
preuencu dedinu dati fia« 

ufta lubufa f otna zlata ftola, 
uece: cmete, led i uladiki! 
zlifefte zde poganenie moie: 
fudte fami po zaconu |iudU| 
u nebudu uam fuditi fuadi. 
uolte mufa mezu fobu rouna, 
Ki bi uladl uam po felezu . • • 
deuce ruca na ui c ulade zlaba. 

ufta ratibor ot gor creconofi. 



rope MOY?KeiJ, HM-?Re 2K6Nd BAdA€l 
MOY^OY BAdCTH UOY?K6U ^dnOAOBNO- 
npbBCNqOY a-bahmoy AdTH npdBAd- 

BCTd AlOBOYUId C OTNd :;AdTd CTOAd» 
BeL|6: KMBTIC, A'bCH H BAdAbIKbl! 

iiocAbiuiecTe CAe nordNicNie uoic. 
coYA^re cdUH no :;dKONOY npdBAOY» 

OY NeBOYAOY BdU COYAHTH CBdAbl. 
BOA'TC MOYSKd ue2;OY COBOY pOBNd« 
Kbl Bbl BAdAA BdU HO ^KCA-Bi^OY • • • 
u^AliBVe pOYKd Nd Bbl K BAdAIS CAdBd. 
BCTd pdTHBOp OT TOp KpbKONOUlH« 



ie fe taco zlouo gouoriti: 



l€ Cl€ TdKO CAOBO TOBOpHTH : 

nehualno uam unemceh ifcati f^udu: NCXBdANO Ndu BN-^uq^XHCKdT^npdBAOY: 
u naf fiuda, po zaconu fuatu, oy Ndc npdBAd no :;;dKONOY CBdTOY« 

iu fe prinefebu otci nafi uoio-3Ke npHNCcexoY OTqn NduiH 

u fe fe • • • • 



B ci€-^e • 



• • • 



!t. Mfer Tea^ nemMnrthograpIkhrt nUM iateimUeher MMerUneoT' V^erstmm. 



Qnins 

1. Ysiak 

Viri 

2. Muiie 



paler 

Ot 

arant, 

pa^Uy 



suae 

svej 



familiae imperat : 

öeliedi vojevodi : 

feminae Testes paraot : 

2eny ruby ■ ' stroja: 



83 



Denkmäler der bSkmitdun Sprache. Libnsat Gericht. 



Et 
3. I 



si moritnr 

umre li 



Caput 

glava 



fiiinilias, 

6eliedina, 



re 

sbo2iem 



genie 

roda 



(in) 
V 



Liberi omnes tunc 

Dfeti vsie tu 

Vladjkam sibi es 

5. Vladyku si z 

Qai utüiutifl causa 

6. Ky pl'znie dlie 

Adit cum kmetonibui, cum 

7. Chodi s kmetmiy s 

Adsurrezerunt kmetODM, lecki et 

8. Vstachu kmetie, lisi i 

Sanxenmi jus tecundum 

9. Pochvalichu pravdu po 



V 



nnum 



jedno 

eligentes, 

vyberuce, 

comitia celebria 

sniemy slaTny 

lechisy 

l6chy, 

rladycae, 

vladyky, 

legem. 

zakoDiL 



potiuntur, 

vladu, 



adic 

chodi, 

▼ladycis. 

vladykami. 



10. 



11. 



12. 



13. 



En 

Ai 

Quid 

Cc 

An 

Za 



Vllava, 

Vrtavo, 

turbas 

inutiäi 

ta 

tie 



quid 



turbas 

muli^i 



aquam? 

vodu? 



aquam 

vodu 



saeva 

liuta 



15. 



16. 



17. 



18. 



19. 



20. 



Delnrbans 

SesypavSi 

Abluens 

Oplakaväi 

Eluens 

VyplakavSi 

. Qu! 

Kako bych 

Dum 

Kegdy 

Germani 

Rodna 



argentoapumeam ? 

strebrop^nu ? 

exasperavit procella, 

rozvlaja^e buria, 

kti coeli, 

äira neba, 

mooUum Tiridium, 

gor zelenych, 

anroarenoSQin limum? 

zlatopösku gÜDU ? 

ego aquam uon turbem, 

vody 



nimbof 
tUÖU 

capita 

glavy 



mvicem 

sie 

fratres 

bratry 



Litigant 

Yadita 

Perus 

Liuty 



sie 

Chrudossns 

ChrudoS 



jaz 

litigant 

vadita 

de 

o 

saere 

kruto 



ad 

na 



germam 

rodna 

agris 

dödiny 

inter 

mezu 

Otayam 

Otavfe 



nemutila, 

fratres, 

bratry 

patriis? 

otne? 

se 

sobu 

cunram, 

• krivö, 



$.11. Der lexl des Gedüktt. 



89 



21. 



22. 



23. 



24. 



25. 



26. 



27. 



28. 



29. 



30. 



31. 



32. 



33. 



34. 



3a. 



36. 



37. 



38. 



Ad 

Na 



OUTun 

0Uv6 



krivö 



StaglaTus 

Stiagiav 

Ambo fratrM» 

Oba bratry, 

Geole prisca 

Roda stara 



fortis 

chraber 



aiiri£nrun, 

zlatonosaö, 

ad Radbuaam 

na Radbuzö 



Qoi 

Jen-2e 

Id 

V 

Adrolavit 

PriletöSe 

Advolant 

Priletöäc 

Consedit 

Siede 



Clenidae, 

Rlenovica, 

Popelidae, 

Popelpva, 

oateryis cum 

pl'ky s 

hafce opimaf teitas tränt 

sie-2e 2ime ylasti pr6s 

hirandoy 

ylastoyicay 

ab OtaTa cnrra, 

ot Otavy krivy, 

in feoestella patnla 

na okence rozlo2ito 



ambo 

oba 

Tetraa 

Tetvy 

yenit cum 

pride s 

opimaa 

2ime 



socia 

dru2na 



gelidam» 

chladnfe) 



Cechiis 

Cechovymi 

tres amnea. 

tri rftky. 



In Liobaaaae 

y LiubuSinö 

Sede 



patria 

otni 



S£dl6 

Ejiilat 

Böduje 

Dum 

Kdy 

Germana 

Rodna 

RogaTit 

Sprosi 

In 

Na 



patria« fanota 

otnö, syietö 

et queritur 

i naricaje 



■ede» 

zlatö s6dl6y 

Acropoli, 

VySegradS, 

mocate. 

mutno. 



id audüt 

se slySe 

soror 

sestra 

dominam 

knie2nu 

cauBae diacrimen 

popravu 



germana 

rodna 



illorum 
in Linbnsaae 

y LiubuMnS 

intra Acropolim 

uU- Vyiegrad* 

ponere Judicium» 

ustayiti praydu. 



sovor, 

sestra*, 

aula^ 

dyor6, 



Et citare 

I pog;nati 

Et jus dicere 

I suditi 



Iratrea ejus amboa» 

bratry jeja oba, 

iHis aocundom legem. 

ima po zakonu. 



40 



Denkmäler der böhmischen Sfraehe. Libtuiae Geriehi. 



39. 



40. 



41. 



42. 



43. 



44. 



45. 



46. 



47. 



48. 



49. 



50. 



51. 



52. 



53. 



54. 



&5. 



56. 



Jabet 

Ka2e 

Ad 

Po 

Ubi 

Ide-2e 

Ad 

Po 

Ubi 

Ide-Ie 

Ad 

Po 

Ubi 

Ide-£e 



domioa 

knie^na 

SoaioftbiT«iii 

Svatoslav 

sunt 
SU 

Liatobonun 

Liutobor 

Orlidaio 

Orlicu 

RAlibonuD 

Ratibor 

Trat 

Trat 



Ad 

Po 

Ad 

Po 

Ad 

Po 

Ad 

Po 

Ad 

Po 



dimitli mntios 

vypraviti posly 

a Liobica alba» 

Ol Liubice bde, 

querceu javeoantia, 

dubraviny une, 

de I>olbfosla¥io 

s Dobroslavska 

Albia haarig 

Labe pije» 

de nootibus Sndetis, 

Ol gor Kr'konoÄi, 

daUvii h/dran feiam, 

pogubi san' liutu^ 

dt Sasoo Ponte, 

ot Kamena Mosta, 

de montibna nndiflais, 

Ot br'd rrtoröönych, 

Sntaiva limpidai 

Sazavy 

Miaa 



chl'mcay 



RadoTaouni 

Radovan 

Jarotirum 

Jaroi^ir 

Strestboram 

Strezibor ot Sazavy ladny, 

Samorodum de Miaa argeiitifera, 

Samorod se M2e strebronosne, 

omnes kmecones, lecboa et Thdycaa, 

vsie kmetiy Idchy i vladyky, 

Et ad Cbnidostam et ad Stagkyuin fratre^i, 

I po ChrudoS i po Stiag)av bratry 

Litiganten de >gns patriia. 

Rozvadiema o d^diny otne. 

Dum coDTeneraiit kchi et Tladycae 

Kda sie sniechu l^si i vladyky 

In Acropoli .... 

V VySegradft .... 

Qailibet ae coadstit seemdom natiTttateni snam r 

Prokni s^üipi rozenia dtie svego: 

Adscendit domina in aBte candente P^Ua, 

Stupi knieina v bölestvUGi rizd, 



$.11. Der Text du GediehU. 



41 



Adscendit itt «ölium patrinm in c«lebii 

57. Stupi na stol oten v dlavng 

dnae sagsictt -mgittes, 

58 dvö y^glasn^ (terö 

EdocUe scientias jadiciales : 

59. Vyuöeng v£§£bam vitiezovym: 

Ad alieram sunt tabniae legislatoria«. 



comitio: 

sniemö : 



60. 


U jednej su ° desky 


pravdodatne, 


61. 


Ad •Iteram entit 

U vtorej med" 


injurias 

krivdy 


ulciseens, 

karajuciy 


62. 


Exadreno Alis ignis juri* ntmtins, 

ProtiT ima plamen' pravdozy^sten, 


63.. 


• 

Et 8ub Ulis sancte pnrgads aqua« 

• 

I pod nima svatocudna voda. 


64. 


Occipit domiiia de 

Po6ie knie2na s 


pätria 

otna 


anreo solio t 

zlata Stola : 


65. 


Mei kmetones, lechi 

Moji kmetie, l6si 


et 

• 

1 


yladycael 

vladyky ! 


66. 


En firalribus deceroite 

Se bratroma rozrö^ite 


jus, 

pravdu, 


67. 


Qui litigant 

Ja-2e vadita sie 


de 

o 


dediny. 


68. 


De agris patriis 

d*diny otne 


inter 

mezu 


se. 

forbu. 


69. 


Secundum kgem aetetnam yirentluBi 

Po zakona y^koSiznych 


deomm 

bogov 


70. 


Sani iflis ambo 

Budeta im oba 


in 
V 


nnum potitni, 

jedno vlasti. 


71. 


Am inler se dirident 

Ci sie rozdilita 


roynu 


portionf» 

i m6ni« 


72. 


Mei kaietonesy lecthi 

Moji kmetie, Ifesi 


et 

• 

1 


yladjeael 

yladyky t 


73. 


Deceroite aäea - edicta, 

Rozrö^itd moje irypoTßdi, 




74. 


Si erant apad tos 

Budetö li u yas 


ad 

po 


«entern 3 

rozumu: 



6 



4« 



Denkmäler der böhtnüchen Sprache. Libuia'i Gerichl. 



Si non erunt 

75. Nebudet6-r 

Statuile 

76. Ustavite 

Quae 

77. Ky by 

Adclinarunt. 

78. Klaniechu 

£t occeperunt 

79 I pociechu 



apad TOS ad mentem» 

u vas po rozumu, 

Ulis DOTam sententiam, 

ima noyy nalez, 

conciliet litigantes fratres. 

sm^ril rozvadiena bratry. 

sc leehi et yladjcae, 

sie l6si i yladyky, 

submiss« coUoqui, 

ticho govoritiy 



Colloqui 

80. Govoriti 

Et 

81. I 



submisse inter 

ticho mezu 

comprobare edicta 

chvaliti vypovßdi 

EzAurrexit Liutoborus de 

82. Vsta Liutobor 

Occipit tale 

83. Je sie tako 



sc, 

sobuy 



Inclyta 

84. Slavna 



domina 

knie2nO 



Edicta tua 

85. Vypovödi tvoje 

Collige suffngia 

86. Seber glasy po 

Et legeruDt snffragia 

87. I sebrastö glasy 



ejus. 
DobrosIsTio 

s Dobroslavska 

dictum eflari : 

slovo govoriti . 

do patrio aureo 

s otxia zlata 

perpendtmus i 

rozmysliechom : 

per populmn tanm. 

narodu 



moQte, 

chrmca, 



solio I 

Stola 1 



Colligebant 

88. Sbieraste 



ea 

je 



m 
U 



Tirgines 

dSvö 

nroam 

osudie 



syemiu 

judicialeSy 

sudnä, 

sanctam, 

svate, 



89. 



Et 

I 



dedenint 

dastö 



Ezsurrexit 

90. Vsta 



ea 

je 

RadoTanus 

Radovan 



lechis 

löchom 



Occipit 

91. Je sie 

Et majoriutem 

92. I yieöinu 



pronralganda. 

proTolati. 

de Sa&eo Ponte, 

ot Kamena Mosta, 

snffragia namero dispicere, 

glasy 6islem prögliedati, 

proTocare in populuniy 

proYolati v narod, 



$.11. Her TtM du Gedichu. 



48 



In popuhim ad jndicandum 

93 V narod k rozsuzeniu 



in 



comitinm 



•94. 



95. 



96. 



97. 



98. 



99. 



100. 



101. 



102. 



103. 



104. 



105. 



106. 



107. 



na ' SDiem 



colleclnm : 

sboren : 



Ambo 

Oba 

Genie 

Roda 

Qni 

Jen - 2e 



_ • 

semiftni 

rodna 

prisca 

stara 



Tenit 

pride 



In hasce 

V sie - 2e 

OnTenietis 

Smerita sie 



opimas 

Sirne 



Cechiis 

Cechovymi 

tres amnes, 

tri rfeky, 



Estis 

Budeta 

Exsnrrexit 

Vstanu 

Bilis 

2^6 



IUI 

tako 

illo ambo 

im oba 

Chrudossins 

Chrudoä 

Uli 

sie jerau 



fratres Rlenidae, 

bratry Rlenovica^ 

TetTae Popelidae^ 

Tetvy Popelova, 

com caieryis cnm 

s pl'ky S 

terras Irans 

ylasti pr6s 

de patrimonio, 

o dödiny, 

in nnum potituri. 

V jedno TlastJ. 

de Otaya cnnra, 

ot OtaTy krivy, 

penfbndebatnr per "viaoera, 

rozli po utrobö, 



Tremebant 

Trasechu sie 



Qaassavit 

Machnu 

Vae 

Gore 

Vae 

Gore 

Viro 

Mu£u 



mannnii 



rukUy 

pullia, 

ptencem, 

▼iiiB, 

mujtemy 

imperare 

vlasti 



fbrore omnea artna, 

liutostiu vsi udiy 

fremebat Talidi (instar) tauri : 

zarve jarym turero : 

ad qnos vipera penetrat, 

k nim-2e zmija vDori^ 



qoibos 

im-2e 

Tiris 

mu£em 



€nnina 

2ena 



imperat ! 

ylade ! 



Primogenito Patrimonium dare 

Pr'yencu dSdinu dati 



consentanemn : 

zapodobno : 

jus (est). 

pravda« 



Exsuxrezit 

108. Vsta 



109. 



HO. 



Inquit ; 

Vece : 

AudistiS 

SlySeste 



Unbussa 

LiubuSa 

kmetones, 

kmetie^ 

hie 

zde 



patrio 

otna 



d« 

s 

lechi et 

l^si i 

contumeliam 

pog^anienie 



aureo 

zlata 

▼ladjcae! 

vladyky ! 

meam: 

moje: 



solio, 

Stola, 



6* 



44 





Denkmäler dtr M 


imücken 


Sjin'^che. * 


Lämsas Gerichi» 


111. 


Sud'te 


• • 
ipü 

sami 


j«xU 

po 


Icgam 

zakonu 


pravdui 


112. 


Jam non 

U nebudu 


Tobis 

Tarn 


dijodicabo 

fiuditi 


liut. 

STady. 


iia. 


Eligite 

Vol'te 


• 

TiriMA 

muia 


inter tos 

mezu sobu 


aaqualem, 

rovna. 


114. 


Qui 

Ky by 


imperet 

vladl 


▼obia 

Tarn 


po 


leiTO • • 

ielözu . • 


US. 


Virninea 

Devöe 


ruka 


in 

na 


Toa ad 

vy k 


imperium debilii. 

vlad£ slaba. 


116. 


Exsurrexit 

Vsta 


Ratibora« 

Raübor 


d« 
ot 


momtiboa 

gor 


Sadetia, 

Kr'kono^i, 


117. 


Occipit 

Je sie 


tale 

tako 


dictum efiari : 

sloTO gOToriti : 


118. 


iDgloffinai nobic 

Nechvalno nam 


in 
V 


Germania 

Nömcöch 


qoacrere jna : 

iskat' pravdu : 


119. 


Apud DOS (est) joa tecoodiiin legem sancUn, 

U nas pravda po zakonu svatu, 


120. 


Quod 

Ju-Äe 


attulerunl 

prinesechu 


patrea 

olci 1 


nostri 

fia.^i 


121. 


la haaoe . • . 

V sie-£e . . 


• 







8. Jter Teari neuarthoffraphtrt «tif deutMCher VeherseiHfumg. 



Vsiak ot svej öeliedi vojevodi: 
Mu2ie paäu, 2eny niby stroja : 
J umre-li glava öeliedina, 
Döti Ysie tu sboiiem v jedno yladu^ 
Vladyku si z roda vyberuce, 
Ky pl'znie dlie v sniemy slavny chodi, 
Chodi s kmetmi, s l^chy, Tladykami. 

Vstachu kmetie, lösi i vladyky, 
pochvalichu pravdu po zakonu« 



Jeder Vater fiährt sein Volk im Heere : ' 
Männer ackern, V^Teiber acfaaflen Kleider: 
Aber Tvenn nun stirbt das Haupt des Hauses, 
Walten insgesammt des Guts die Rinder, 
5 Sich ein Haupt erkiesend aus dem Stamme, 
Das des Wohles wegen geht zum Hochding, 
Geht mit Rmeten, Lechen und Wladyken. 

Auf steh'n Kmeten, Lechen «ind Wladyken, 
Hiessen gut die Bill nach dem Gesetze« 



S. i 1. Der Text da GedichU, 



4ft 



Ai Wtavo, ße muti^i vodu ? 
Ce mutiSi vodu strebrop^nu ? 
Za tie liuta rozvlajaSe buria, 
SesypavSi tuiu Sira neba, 
Oplakav^i glavy gor zelenych, 
YypIakavSi zlatopSsku gliDU ? 

Kako bych jaz vody nemutila, 
Kegdy sie vadita rodaa bratry, 
Rodna bratry o d^diny otne? 
Vadita sie krutx) mezu sobu 
Liuty Chrudo.^ na Otav6 krivä, 
Na Otayö kriy^ zlatonosnö, 
Stiaglay chraber na Radbuz^ chladn6, 
Oba bratry, oba RJenovica, 
Roda stara Tetvy Popelova, 
Jen - it pride s pl'ky s Cechovymi 

V sie-Xe iime vlasti pr6s tri rfeky. 
Priletfeäe dru2na vlastovicay 

Prilet65e ot Otavy krivy, 
Siede na okence rozlo2ito 

Y Liubu^inib otn^ zlatg s^dli^, 
S£dl^ otnfi, ayiet6 Vyäegradö, 
Böduje i naricaje mutno. 

Kdy se sly.^e jeju rodna sestra^ 
Rodna sestra y Liubu$in6 dyorö, 
Sprosi knieünu utr' Vyßegradö 
Na poprayu ustayiti praydu, 
I pognati bratry jeja oba, 
I suditi ima po zakonu. 

Ka2e knieSna yyprayiti posly 
Po Syatoslay <A Liubice böle, 
Ide-2e SU dubrayioy une, 
Po Liuiobor s Dobroslayska chl'raca, 



10 Ai was triibst, Wltawa, du dein Wasser? 
Was trübst du dein silberschäumig Wasster ? 
Hat dich aufgewüblet wilder Sturmwind, 
Schüttend her des weiten Himmels Wetter, 
Spülend ab die Häupter grüner Berge, 

15 Spülend aus den Lehmgrund , den gold« 

sand'gen ? 
Wie doch sollt* ich nicht die Wasser trüben, 
Wenn im Hader sind zwei eig'ne Brüder^ 
Eigene Brüder um des Vaters Erbgut? 
Grimmen Hader führen mit einander 

aoChrudo^ wild am Schlängelfluss Otawa, 
Am goldström'gen Schlgngelfluss Otawa, 
An der kühlen Radbuza Held Stjaglaw, 
Beide Brüder, beide Klenowice, 
Alten Stamms yon Tetwa, dem Popelssohn, 

25 Der mit Cech's Geschwadern ist gekommen 
Durch drei Ström' in diese Segenslande. 

Flog herbei nun die gesellige Schwalbe, 
Flog herbei yom Schlängelfluss Otawa, 
Setzt sich auf das breite Flügelfenster 

30 In Lubu^a's güldnem Vatersitze, 
Auf dem heiligen WySegrad, dem Ahnsitz, 
Und sie jammert und sie trauert kläglich. 
Als dies höret ihre eigene Schwester, 
Eigne Schwester an Lubu.<(a^s Hofe, 

36 Fleht im Wy.^egrad zur Fürstenmaid sie, 
Zur Entscheidung ein Gericht zu halten, 
Vorzuladen ihre Brüder beide. 
Und zu richten sie nach dem Gesetze* 
Boten heisst die Fürstin nun entsenden 

40 Nach Swatoslaw yon Lubic, der weissen, 
Wo sich heben junge Eichenforste, 
Nach Lutobor yon Dobroslaw's Kukne, 






46 



Denkmäler der böhmischen Sprache. Libusas Gerüju. 



Ide-2e Orlicu Labe pije, 
Po Ratibor ot gor Kr'konoäi, 
Ide - 2e Trat pogtibi san' liutu, 
Po Radovan ot Ratnena Mosta, 
Po Jaro2ir ot brM vrtoröönych, 
Po Strezibor ot Sazavy ladny, 
Po Samorod se Müie strebronosne, 
Po vsie kmeti, löchy i vladyky, 
I po Chnidoä, i po Stiäglav brati^y 
Rozvadiema o dödiny otne. 

Kda sie sniechu lesi i vladyky 
V Vyäegpradö • . • • 
Prokni stupi rozenia dlie svegpo : 
Stupi knie2na v bfelestvuci riz6, 

Stupi na stol oten v slavnä sniemS: 

dvö vfeglasnfe döve 

Vyucenö vö^cbam vitiezovjTn: 
U jednej su desky pravdodatne, 
U vtorej meö krivdy karajuci, 
Protiv ima plamen' pravdozygsten, 
I pod nima svatocudna voda. 

Poäie knie2na s otna zlata stola : 

Moji kmetie, l6si i vladyky 1 
Se bratroma rozröSite pravdu, 
Ja- 2e vadita sie o dfediny, 
O d^dlny otne mezu sobu. 
Po zakonu vßkoiiznych bogov 
Budeta im oba v jedno vlasti, 
Ci sie rozd^lita rovnu m6ru. 
Moji kraetie, l6si i vladyky! 
RozröSite moje vypovödi, 
Budetö li u vas po rozumu: 



Wo den Adlerfluss die Elbe schlürfet. 
Nach Ratibor von dem Riesenbergkamm, 

45 Wo den grimmen Drachen Trut erschlagen. 
Nach Radowan von der Steinenbrücke, 
Nach Jaroiir von den ström'gen Bergen, 
Nach Strezibor von der reinen Sazau, 
Nach Samorod von dem Silberfluss Mies, 

60 Nach den Kmeten, Lechen und Wladyken, 
Und zu Chrudo.^, Stjaglaw auch, den Brüdern, 
Den Entzweiten um des Vaters Erbgut. 

Als sich einten Lechen und Wladyken 
Auf dem Wysegrad, .... 

65 Stellt nach der Geburt sich auf ein jeder: 

Tritt in schimmernd weissem Kleid die 

Fürstin, 

Tritt zum Vaterthron im hohen Reichsding: 

zwei hochsinn'ge Jungfrauen, 

Unterrichtet in den Richtersprüchen: 

60 Hier bei der sind die Gesetzestafeln, 

Und bei der das Schwert, der Unbill Rächer» 

Gegenüber rechtverkttndend Feuer, 

Unter ihnen heiligsühnend Wasser. 

DVauf von Vaters güld'nem Throa die 

Fürstin : 

66 Meine Kmeten, Lechen und Wladyken! 
Recht bestellen sollet ihr zween Brüdern, 
Die zusammen hadern um ihr Erbgut, 
Um des Vaters Erbgut miteinander. 
Nach den Satzungen der ew'gen Götter 

70 Walten Beide dieses Guts gemeinsam, 
Oder theilen sich zu gleichen Theilen. 
Meine Kmeten, Lechen und Wladyken ! 
Ihr bestellet jetzo meinen Ausspruch, 
Wenn er sonsten ist nach eu'rem Sinne: 



§. \i. Der Text des GtdichU. 



47 



Mebudetö T u yas pa rozumu, 

Ustavite ima novy nalez, 

Ky by smeril rozvadiena bratry. 

Klaniechu sie lösi i vladyky, 
I pociechu ticho govoriti, 
GpYoriti ticho mezu sobu, 
I chvaliti vypovddi jeje. 



7(Ist er aber nicht nach euVem Sinne, 
Stellt ihr ihnen fest ein andVes Urtheil, 
Das versöhne die entzweiten Brüder, 

Neigten sich die Lechen imd Wladyken, 
Fingen an sich leise zu besprechen, 

80 Leise sich zusammen zu besprechen. 
Und der Fürstin. Ausspruch zu beloben. 



YstaLiutobor s Dobroslayska chl'mca, Auf stand Lutobor vom Kulm Dobroslaw's 



90 



Und begann zu sprechen solche Worte: 
Hohe Fürstin auf des Vaters Goldthron ! 
85 Deinen Ausspruch haben wir erwogen : 
Sammle denn in deinem Volk die Stimmen. 
Stimmen sammehi d'rauf die Richter- 
jungfrau n, 
Sammeln sie in heiliges Gefösse, 
Geben sie den Lechen auszurufen. 

Auf stand Radowan von Kameny Most, 
Und begann der Stimmen Zahl zu prüfen, 
Und die Mehrheit allem Volk zu künden. 
Allem Volk, zum Rechtsding herberufen : 
Beide eigene Brüder, Klenowice, 
96 Alten Stamms von Tetwa, dem Popelssohn, 
Der mit Cech's Geschwadern ist gekommen 
Durch drei Ström' in diese Segenslande, 
Beide eint ihr so euch um das Erbgut, 
Beide sollt gemeinsam sein ihr walten, 
no Aufstand ChrudoS von der krummen Otau, 
Gall ergoss sich, ihm durch all sein Inn'res, 
Und vor Wuth erbebten alle Glieder, 
Schwingt den Arm, und brüllet gleich dem 

Ure : 
Gore ptencem, k nim - 2e zmija vnori, Weh der Brut, wenn Ottern zu ihr dringen, 
Gore muiem, im-2e 2ena vlade! lOftWeh den Männern, wenn ein Weib ger 

bietet ! 



Je sie tako slovo govoriti : 
Slavna knie2no s otna zlata stolal 
Vypov6di tvoje rozmysliechora : 
Seher glasy po narodu svemu. 
I sebrastö glasy dgv6 sudn^, 

Sbierastß je u osudie svate, 
I dastö je l6chom provolati. 

Vsta Radovan ot Kamena Mosta, 
Je sie glasy öislem pr^gliedati, 
I vie^inu provolati v narod, 

V narod k rozsuzeniu na sniem sboren 
Oba rodna bratry Klenovica, 

Roda stara Tetvy Popelova, 
Jen*2e pride s pl'ky s Cechovymi 

V sie-2e 2ime vlasti prfes tri reky, 
Smörita sie tako o dßdiny, 
Budeta im oba v jedno vlasti. 

Vstanu Chrudoä ot Otavy krivy, 
2r6 sie jemu rozU po utrob^, 
Trasechu sie liutosüu vsi udi, 
Machnu ruku, zarve jarym turem : 



48 

Muiu vlasti muSem zapodobno : 
Pr'vencu d^dinu dati pravda. 

Vsta Liubuäa s otna zlala stola, 
Vece : Kmetie, Ifesi i vladyky 1 
SlySeste zde poganienie moje: 
Sud'te sami po zakonu pravdu, 
U nebadu vam suditi svady. 
Yorte mu^a mezu sobu rovna, 

Ky by yladl vam po ielözu • • 
D^vöe ruka na Ty k vlad6 slaba. 



Denkmäler der bShmischen Sprache. Liiasd'e Gericht. 

M8nnern ziemt's zu herrschen über MSnner : 
Erstgebornem ziemt nach Recht das ErbguL 

Auf von Vaters Goldthron stand Lubu&a^ 
Sprach: ihr Rmeten, Lechen und Wladyken 1 
119 Meine Schmähung habt ihr hier gehöret: 
Richtet selbst das Recht nach dem Gesetze, 
Miramer werd' ich eure Zwiste schlichten« 
Wählt den Mann euch unter eu'res glei- 

chen. 
Der euch herrsche mit dem Eisen • • . 
II& Mädchenhand ist schwach, ob euch zu herr- 
schen. 
Auf stand Ratibor vom Riesenbergkamm, 
Und begann zu sprechen diese Worte : 
Recht bei Deutschen suchen war' anrühmlich : 



Vsta Ratibor ot gor Rr'konoäi, 
Je sie tako slovo govoriti : 
Nechvalno nam v Nömc^ch iskat' 

pravdu : 
IT nas pravda po zakonu sratu, 
Ju*i!te prinesechu otci naSi 
V sie - Se . • . • 



Recht besteht bei uns nach heiliger Satzung, 
120 Die mit hergebracht einst unsere Väter 
In dies • • • • 



$. 12. Wortverzeichniss. 

Es schien ims zweckmässig, unmittelbar auf den Text des FVagments und noch 
Tor der Erörterung der Orthographie und der grammatischen FormeUj ein volktäi^ 
diges Wortverzeichnisse oder wenn man wili^ eine Art Glossarium folgen zu lassen. Nach 
unserer Ansicht soll dasselbe ein Mittelglied zwischen dem Torausgeschickten Texte und 
den nachfolgenden Erklärungen bilden und als ein bequemes Hilfsmittel beim Nachschlagen 
und Aufsuchen eines jeden in unserm Denkmal vorkommenden Wortes dienen» theils um 
unsere Arbeit leichter controUiren zu können« theils um bei etwaniger künftiger Bearbei* 
tung und Herausgabe* j&holicher altböhmischer Denkmäler das Dunkle und Unbekannte 
an dem bereits Beleuchteten und Gewonnenen zu prüfen. Vielen^ welche die Sache 
obenhin und einseitig auffassen, mag eine solche Arbeit» zumal bei der Weitläufigkeit» 
mit der wir die Sprache unseres Gedichts in grammatischer Hinsicht behandelt haben« 
und bei den Umschreibungen und Uebersetzungen des Textes» die wir zu liefern für 
zweckmässig hielten» pedantisch und überflüssig erscheinen; Sprachforscher vom Fache 
werden» dess sind wir gewiss > anderer Meinung seyn» und die» überdiess nicht grosse 



I f 



SV 12« W^t9eikeidiikiU$. 



4» 



Miib^, dUe wir «mf das Abschreiben und Aüfteihen unserer Lexes itferv^endet haben« 
genriss' dankenswerth finden. Freilich würde der Nutzen eines solchen Vooabulariums 
bei einem grösseren Umfang des behandelten: Textes einleuchtender seyn; hidess^ was 
unserem Gedieht an Ausdehnung und Wortfülle gebricht« wird andererseits durch sein 
hohes Alter ftir uns Bdlnnen fainreicfhend erseczt« Wir lassen demnach alle Wörter 
unseres Fragments in alphabetischer Reihe dergestalt aufeinander folgen; daiss jedeis der- 
selben 'zuerst ikit der Orthcgrophie' des 'Originals, hierauf mit der analogisch vereinfach- 
ten neuböhmischen« der wahren und richtigen; oder Ton uns als solche anerkannten 
Aussprache! gemäss^ Endlich, mit cyrillischer Schrift, ebenfalls der böhmischen Aussprache 
gemäss 4 geschrieben* erscheint >- vorauf die Angabe der Zahl der Zeilen und eine mdg* 
liehst ' ku^ze 'graihlnatisohe AnalysSi' diese bloss der leichtern und schnellem Oriendrung 
wegen 9 den Beschluss machen. •' Worterklärungen wurden nur den dunkeln und scbwie* 
rigen' Wüßtem beigefugt; Hm« Jongmann^s vollstätidiger böhmischBr Sprachsi^atz, der nun 
in Jedcnnamis i{äikdeii isti m^cht das Beleuchten und Belegen der übrigen überflüssig. 



4 

ai« ay, «tH» Zeile 10/ Inteirj*.(en). 



bedufe» b^duje« s^AeVfo, Z. 35. Ind. praes. 

- 9. sg. von beduju, -owati (efolare). 
k e I e, b*le, s^sAe,^ Z. 44* Gen. sg. f. Tt>n bMy, 

a, e (albus). • ' 

beiestu-uci b^kstvuei^ tt^AecvsoYMH^ Z.60 

— 61. Loc. sg. f. von belestvuci, a, e, 

(Albecarideuft). ' Vgl. -zlatostvuci in dcfr 
• ' -Könlgüihof. Hatidschr: ^0 und die Subst. 

stvucest^ stv^nie in dem Ps. des Mus« 
bgou^bogov; gopob; Ä. 75*-^ 76. Gen. • pl. 

von bog (deus). . 
bd, by, sb»i Z. 88. 121; Praet. S sg. von 

jesm (sum)« 
bi h, byoh, . Bbix; Z. 11. Praen 1 sg. von 
• ' j«8m» '^ 

bratri, brairv> sparpsi, Z. 18--19. 1% 25. 

41. 56« 84. 101« Nom* und Aoc. dual; 

von bratr (frater)« 
bra^roma« bratroma» op^rpoM^; Z. 72. Dat 
- : • .dusd« ' von Inrafip. > 



bred, br'd> spbA^ 'Z.j61* Gen« pLvon br'do 

(mons). Das Wort erhieh aidi.im Böhm. 

Später nur ak Eigeonanoe , vuu :Bergent 
' Brda, Brdy> dah«r ehcimals Podbrdsk;^ 

kraj. 
budeta» budeta« corAerd, Z. 76. 105-^106. 

Fut. 2 dual. msc. von jesm (sum). 
bude te, budele^ suva^t-Sj Z. 80« EVit. 2 dviaL 

f. von jesm. 
b|ira, buria»/BovpM, Zb 1&« Nooä. .sg. (pro* 

cella). 

• II- I 

I f • I ■ ' < . . . J , • 

> • . » , / . • 

c. Vi Ki Z. «9. 111. 128. Pr^ep. (ad), 
caco, kdko> k^ho, Z. 16 — 17. Adv. (quo- 

modo). 
camena« kamena> KdueHJ, Z. M). 97. Gen. 

sg. m. von kamen^' a, o ' (saxeus). 
earaiuci^ karajuci^ KdpatoifH« Z. 66— 67. 

r 

Noin. sg; ni. (ulciseens). 
case» kaze« Kdase» Z. 42. Ind. praes. 8 sg. 

von kaÄti, -zÄli (jwbfere). 
cda« kda^ ka<i» Z. 57. Adv. (dum). 
cdiy kdy/KAbffi Z. 86. Adv. (dum). 

ce, öe, V«, Z. 10. 11. Pron. interr. n. (quid). 

7 



«D 



DenhnäUr dar böhmiickm ^Awkt. IXbusas Gerichi. 



cehouimi» Gechovyini, vexosbiuH» Z. 28. 
103. Soc. pL m. def. ron Gechovy» a^ 

V 

e (CechiuB). In Bezug auf die Bedeu- 
tung vgl. bohovy zzl bozsky, prorokovy 
nprorocky, ryticforyiirrytiefsky, hra- 
dovy =: hradskyj o. a. m. Vgl. auch vi- 
tiezovy unten. 

celedi, deliedi, veAieAH« Z. 1. Dat. 8g. von 
delied' (familia). 

celedina« Öeliedina> vsaicahh^^ Z. 3« Nom« 
6g. f. Ton öeliedin, a« e (familiaris). 

ci, öi, YH, Z. 71. Conj. (aut; num). 

c i z 1 e m^ disleni> vHCAeuj Z. 98. Soc. 8g. von 
dislo (numerus). 

clanehu se^ klaniechu sie^ KA4H'ttxoY cie, Z. 
84. Praeu 3 pl. von klanieju sie, -nicti 
sie (incHnare se). 

clenouica, KleaoTica, KAenoBHiid» Z. 26. 
101. Nom« dual, von Klenovic (Clenides). 

emete^ kmetie, KueTie, Z. 8. 71. 78. 116 — 
117. Nom. pl. von kmet' (consiliarius^ 
senior). 

cmetij luneti, KuerH, Z. 54. Acc« pl. von 
kmet'. 

cmetmi« kmetmii jcueruH» Z. 7. Soc. pl. 
von kmet\ 

gnesna^ kniezna, khicxh«!, Z. 42. 60. 69 — 
70. Nom. sg. Ursprünglich und noch 
hier zr Fürstentochter (vgl. kralevna> ca- 
revna und kralica, carica); verschieden 
von knieni« Fürstin, welches wir für 
zusammengezogen aus kniebyni halten 
(vgl. car, ban, barin sL cesar, bojan, 
bojarin u. s. w,). Doch wurde bereits 
im XIY Jahrb. knieina mit knieni ver- 
wechselt. 

cnesno, kniezno, KNiesKHOj Z. 90-^91. Yoc. 
sg. von kniezna. 

cneznu, knieznu, KHieiKHoVa Z. 38. Acc. sg. 
von kniezna. 



« • 



ereconosi, Kr^konosi, icpwNONotMi, .Z« 48. 
124 — 125. Gen. pL f. von Krkmoi 
(Riesengebirg). Ptolenäus nennt in der 
Gegend dieses Gebirges das Völkchen 
Koffxovtol, was gewiss mit Kr*kono$ iden* 
tisch«. Vgl. Staroz« slow. S. 39ä. 

criudi> krivdy, nphbam» . Z. 66* Acc pL 
von krivda (injuria). 

criue« krive» h^hwh, Z. .22. 23. Loc. sg. l 
voQ kriv« %g o {curvus). 

criui» krivyj kphbmjZ. ^1. 107. Gen. sg. t 
von krivj lu o. 

cruto» kruto« kpoyto» Z. 20^21. Das Neutr. 
des Adj. indef. Jcrut (saevus)« als AdT. 
gebraucht. 

B. 

daste^ dast^« A<icr*, "Z. 95 — ^96. Pract 2 

dual. f. von dam, dati (dare). 
dati, dati« AäXH, Z. 115. Inf. von dam. 
dedini, dediny. A-kAHHbi» Z. 19*- 20. 56— 

57. 73. 74. 105. Acc. pl. von d^dina. 
dedinu, dedinu« a-»ahhoy«'Z. 114 — Ui* 

Acc. sg. von dedina (ager). 
deski, desky» a^ckm« 2|. 65. Nom. pl. von 

deska (tabula)« 
deti« döti> A-fiTH, Z. 3. Nom« pl. (liberi). 
deuce> divöcj A-^ave, Z. 122. Nodiä. $g. f* 

voii devöi, öe (ol. öa), de (virgiaeus). 
deue, d^ve> A-festi, Z» 94. Ifom. dual voo 

däva (virgo). 
die» dlie, aai«, Z* 6. 59. Adv* als Praep« 

gebraucht (propter, ergo). 
do.brpzlausca». Dobroslavaka« aobi^oca^** 

cKd, Z. 45. 88—89. Gen. sg. nu von 

Dobroslavsk, a, o (Dobroslavins)» 
d r US o a, di^uzna« ap0y»h4» .Z, : 30, Nom- ^S* 

f. vom Adj. druzny* a« e (socilis). 
dubrauinu dubrayipy» ajovspjbhh^Ij -Z«.44 

— 45. Nom. pl. vga diü>»vina ^quer- 



J; 12. Werti>erzeükniss\ 



51 



cetum)» Dieses iM; ao« dubrav^^ orspr« 
Eichenwald» dann, wie bei den lUyriern, 

• j^der WaM übei^barupt, yertXngert: vgli 
diibrivabiWa, ia> Monse's Fragm« bei 
Bo^ek T. I. p. (13. 

due, A«^« Z« '63. Mom« dnaL f. von dva 

• (diio). 

dvore, dTor$> Aaöpis ^ 38. Loc. sg« yon 
dvor (aula); ' 

glasi, glasy, rAJCbi, Z. 93. 94« 98. Acc. 
pl. von glas (sufiragium). 

glaua» glava, rA4B4i, Z. 3. Nom. sg« (caput). 

glaui, glavy, rA4Bbi, Z. 14 — 15.Acc.pl, von 
glava. 

glinu, glinu, rAHHoy.» Z. 16.. Acc. sg. von 
glina (limus). 

gor, gor, rop, Z. 15. 48. 124. Gen. pl. von 
gora (mons). 

göre, göre, rope, Z. 111. 112. Nom. sg. 
(dolor), als Int. (vae). 

gouoriti^. govoriti, roBopHTH, Z. 86. (zwei- 
mal), 90. 125— 1^6. Inf. von govoriu 

(loquor). 

* ' k ■" 1 , , 

li-]adtte(,icliladn&, xAMtr»k Z. 25. Loc. sg. 
f. von chladen,a, o (gilidus). 

hlemca^^hl^cai xAMyrq^, Z. 46. 69. Gen. 
sg. von cbrmec (collis). -Wir lesen c 
als c, nicht als hx\ chrmka, weil die 
Pon» «ee in Jen^r alten Zeit fast 'in 
allen Mundarten als dUe edlere und ge* 
bnäuebliohur^ gWIt > 

h o di, chDdiy. )eoA«i Z.. 6—7. 1.' Ind. praes. 
8 sg^. voA öborfu, ^iti (ikdire). 

hraber>< löhrdber, xpdssp, >Z^ 34. Nöm, sg* 
m. (fortis). . . i ' 



hrndos, GhrudoS, xpovAoui, Z. 21^22. 55. 
107. Nom. und. Acc. sg. (n. pr. Chru- 
doS). 

hualiti, chvaliti, xBaAm-Hi Z. 87. Inf. von 
chvaliu (comprobo). Vgl. pochvalicbu 
Z. 9. In dieser speciellen Bedeutung 
von ^»billigen, gutheissen, beschliessen« 
. wohl uralt. Man halte dazu das poln. u* 
chwalic, verordnen, festsetzen, beschlies- 
sen, uchwäüa., Verordnung, Beschhiss, 
condusum, uchwafa sejmowa, Reichstags- 
beschluss« senatus consultum ; das weiss- 
russ. ufalit*, ufaljat', ufala, z. B. in der 
Urk. 1589 in Bilorusk. Arch. I. 62--63 
u. s. w. 



i, i, H, Z. 2. 8. 35. 40. 41. 54. 55 (zweimal). 
58. 68. 71. 79. 85 (zweimal, das zweite- 
mal beschädigt). 87. 93. 95. 98. 117. 
Conj. (et). 

ide s e, ide-2e, HAe*»e> Z. 44. 46. 48. Adv. 
(ubi). 

im, im, HU, Z. 76. 106. Dat. pl. von Pron. 
' pers. on, a, o, st. i, ja, je, (ille). 

im se, im-£e, hm-sks, Z. 112. Dat. pl. von 
Pron. rel. jen-ze, ja-ie, je-ie (qui). 

ima, ima, Hud, Z. 42. 67. 83. Dat. dual, von 
on, a, o (ille). . : 

iscati, iskat', HCKdT*, Z. 127. Inf. statt iskati 
' vo» i$öu (qüaero). Das i stumm ; vgl. 
Gramm. Formen. 



J. 



ia se, ja-ze, u-xe, Z. 73. IVom. dual. m. v. 

' jenfte (qui). 

iarimri jarym, Mpbiu,. Z. 110. Soc. sg. m. 

von jary, a, c (validus). 

7* 



i» 



Denkmäler der bohmiscien Spr^he^ '• JUbusat Gericht, 



iarosir, Jarozir» miknrmp« Z. SO-^Sl« Aoc« 

sg. (n. pr. Jaroiir). 
iaz« jaZy m^, Z. 17. Pron. 1 pers. (ego). 
ie, je« le , Z. 95» ^6« Acc. pl. nu von on 

(ille). 
ie se, je sie, le oie> Z. 89. 96. 12&. Praet 

3 sg. Ton imü sie, jati sie (occipio). 
iednei, jednej» leAHSH, Z. 6&. Gen. sg. f. 

von jedna (una). 
iedno, jednOi »amo, Z. 4. 76—71. 106. 

Acc. 6g* n. yon jeden, mit v zuaammen- 

gesetzt und ab Adv. gebraucht (in 

anum). 
ieia, jeja, km, Z. 41. Geb. sg« f. von ona 

(illa). 
ieie, jeje, leie, Z. 88. Gen. sg. f. von ona. 
ieiuy jeju, leio, Z. 36b Gen. dual. m. von 

on (ille). 
iemu* jemu» leu^Y» Z. lOS. Dat sg. m» 

von on. 
ien se, jen-ze , leH^ase, Z. 27. 102. Nom. 

sg. m. An die Stelle des altsl. i-ze 

(qui) trat im Ulbfthnu jen-ze , gebildet 

von i mit dem paragog. n wie ten, sen 

oder sien^ -diien. vom t, s', on u. s» w« 
iu se, jn«ie, «o-»6ii Z. 128. Acc sg» f* von 

ja«ze (quae}. 

kegdi, kegdy, KerAbi, Z. 17 — 18. Adv. 

(dum), 
ki« ky» Kbi, Z. 5. 63. 121« Nom. sg. m. Hier 

Pron. rel. (qui), wie im Seii)^ und in 

der Kön. Hndschr«: Lumir, ky pohybal 

Vysehrad. 76. . 

1> r, a', Z. 81. (nebudete 1), Gonj. (an)» aus 
U verkürzt ; Vgl. Star. SUiid. IL 1 19. 

V. 29. 



labe. Labe» ajm« Z« 47« Nom, ag. (b. pr. 
Albis). 

ladni, laday, AdAtfi»^ Z* b2. Gea. s^ £ von 
laden « a » o« Hier in der Bedeutung 
von bystr^, öisty*, Kmpidus; tgL ladno 
lekarstvie Ms. pr. pr. 167 ; die Ursprung» 
liehe Bedeutung des Stammes lad war 
aber wohl Glajuz,. nitor» atviteesc'» was 
auch die Mater Verb, heslätigt: aitens» 
serenus, ladny. Pag. 218. c. 2, Daher 
die Namen von FUlssen und Bächen in 
slaw. Ländern;, z. B. Lada Nebenfl. der 
Yelikaja in Pskover Gouv., Lada Nebenfi. 
der Tanev in Polen u. s. w. — Sonst 
wird ladny schlechthin fUr schon ge- 
braucht: so in dem Wittenb. Psalt., wo 
Ps. 92, 1 decor durch ladnost über- 
setzt und über der Zeile durch krasa 
glossirt wird. 

lehi, lechy» A-ttxbi, Z. 7. 54. Acc. pl. von 
lech (procer, optimas). 

1 e h o m, l^chom, a-bxou, Z. 96. Dat pl. von 
lech. 

lesi, lesi, a-*ch, Z. 8. '57 — 58. 71. 78 — 79. 
85, 117. Nom. pl. von I§ch. 

li, li, AH, (umre li)« Z. 3. 80. Gonj. (an). 

lubice, Liubice, AioBHqe, Z. 44. Gen. sg. 
von Liubica (n. pr. Lubica). 

lubusa, LiubuSa» Aiosevjsa» Z. 115. Nom» 
sg. (n. pr. Liubuäa). 

Inbu&itte, Lkihnüni» AioaeyiiiHii-ti« SU 33% 
37—38. Loc. Bg. m< von LiiibttSin« a, o 
(ad Liubuäasa pdrtil^ens)* 

luta, liuta« Aior4, Z« 12, Nom. s^« f« von 
liuty> a, e (aaisvias). 

luti, liuty, AioTbi, Z. &L Nom. 6g. n^ 

lulobor, Liutobor» aiotobop» Z« 4S« 88. 
Nom. et Acc. bg. {n* pr. Liutobor). 

lutoflti|,liutQ^ti«.AioT«€Tiek Z. 109» Soe^ag« 
von liutost' (furor). 



5. lä.' Wcftoeruichaisii 



08 



littttt liatu', «MTOY» Z. 49.< Acc. 8g. f. Ton 
liut, ä, o (feruft). 



1 



l' 



l> 



I 



mah'nu,machnu, U4XHOYJ Z. lOd-^itQ. Praet 

3 sg. Ton^machnu, -uti (quassare). 
mec, ine2, uev» 2. 66. Nom. sg. (ensis). 
meru, meru, u-npov» Z. 78. Soc. sg. von 

m^ra (mensura, portio). 
niezu^ mezu> ue^oy, Z. 21. 74. 86—8'/. 121. 

Adv. als Ih'aep. gebraucht (Inter). 
ittoi, moji, uoH, Z. 71.. 78. Nom. pl. m. von 

moj, a, e (meu^).* 
m(Sie> inoje> uoie/ Z. li8. Acc. sg. neutr. 

von tooj. 
m o i e, moje, uoie, Z. 79—80. Abc. pl. fem. 

von moja (mea). 
mosta, Modta» üocYd, Z. 50. 97. Gen. sg. 

von Most (Pons, hier n. pr.) 
mse'y Mze, um^, Z. 53. Gen. sg. von Mie 

(n. pr. Misa). 
musa« mn^a> uoymk^ Z. 120 — 121. Gen. sg. 

von muJS (vif), als Acc. gebraucht, 
muse, mülie; uöyiKie; Z. 2. Nom. pl. von 

tnni. 
tnüsem, limiem; ucvsKeu, Z. 113. IIS; Dat. 

pl. von müi. 
musu« mti^u« üoy»oV« Z. 113. Dat sg. von 

mu£. 
mutisi» tnutiSi, uoythiuh« Z. 10. 11. Ind. 

r 

praes. 2 ^g. von mücin, mutit! (tm^bare). 
mutno', mütno, üoytho/ Z, 35. Das Neutr. 
des Adj. indef. muten (moestns), als 
Adv. gebraucht 



Hr. 






öt^ 
^ 



aAa.na H4, Z. 22. («weimalV ^A^ 32. S9l 61» 
100. 123. Praep^. (i&«,.9iipna)b 



nalez ^ nalez«. tMAes;» Z.* 88j Acc. sg. (ecn- 
tentia). 

tiam, nam, rtdu^ Z. 126. Dat. pl. von jafc ' 
(ego). • • • 

näricaie, naricaje, riapHgaie, Z. 35. Ind. 
praes. 3 sg. von naricaju« -ati (queri), 
und dieses von reku, rku mittelst -iati, 
nach dem 2tcn Muster der 5ten Form 
' slaw. Zeitwörter, wobei die Gutt. g^ ch, 
k eine Verwandlung in z, s, c erleiden : 
stigu> stizati, dchu, dysati, tku, tycati 
ü. s. w. Im Altböhm, war die Form 
nicht selten, doch ging das a früh in e 
über : vgl. nicati u. niceti (nicht niöeti» 
wie in Jungmanns Slownjk) von niku* 
ponucati u. ponuceti von ponuku, le- 
ced von leku, macati u. s. w. Auch 
unser zr^cadlo (slowak. zr'kadio) setzt 
ein verschollenes zr'cati voraus. Hit 
dem beweglichen e gebildete Stämme 
nehmen bei Iterativen dieser lind än- 
derer Formen regelmässig ein i an : bi- 
rati, dirati, zirati, mizati, Sizati von beru» 
brati, öru, zru, mgu, zgu u. 8. w„ wel- 
ches im Böhm, sehr früh in ü verwan- 
delt wurde. Tgl. sbierästi unten. 

narod, iiarod, H<ipoAf Z. 99 (zweimal). Acc. 
^g. (populus). 

aarodu^ narodu« H^ipo^oY^ Z> 93. Dat. sg. 

von narod. 
nas, nas,, nac,* Z. 127.^ Loc* pl. von jaz 

.(ego). 

niisi| nasi» .HduiHi.Z. 129; Nom* pL m* ▼<>& 
, . nai, a, e (noster). 
neh^f neba, h«b4, ZvM» Gen. ag. vonnc- 

bo (coelum). 
neb'u-diete» nebudetfi.» HBBOVArr»» Z. 81. 

Ind. ftit. 2 duaL £ von jesna (sufii}» mit 

dam Adv. na. 



1 



«4 



Denkmäler der bökmueken Sffache4 • LAusa^s Gerichi. 



Ind. fut« 1 sg. von jesm« mit dem Adv. ne. 
nehualno« n^chTakiO/ He9(B4AHOp Z. 126* 

Das Neutr. des Adj. indef. chvaleo» als 

Adv. gebraucht« mit dem Adv. ne (in- 

glorium). 
nemceh« N^mc^ch« H-ftuii-vx« Z. 126 — 127* 

Loc. pl. von Nemec (Germanus]. 
nemutila>nemutila«H6uoYTHAjj Z. 17. Praet. 

part. act f. von muciu« mutiti (turbare)» 

mit dem Adv. ne. 
nim 8e> nim-ze« HHu«»e, Z. 111« Dat. pl. von 

jen-ie (qui)« mit dem prosthetischen n. 
nima* nima» hhu4« Z. 68. Soc. dual, von 

on, onaj ono (il|e], mit dem prosth. n. 
noui, novy« HOBbi« Z. 83. Acc. sg. m* von 

novy, a, e (novus). 



o, Q, Oj Z. 19. 56. 73. 74. 105. Praep. (de). 

oba, oba^ o64, Z. 25. 25—26. 41. 76. 100. 
Nom. und Acc. dual. (ambo). 

okence, okence, oKeniie» Z. 32. Acc. sg. 
{(enestella). |)ie Dem.-Form auf »ce, st. 
•ko« wird im Altböhm* und in den mei- 
sten slaw. Dialekten (lir edler und ge- 
fälliger gehalten: vgl. srnce, perce» 
cyrill. jajce« korablice u. s. w.» slowak. 
srnko« pi^rko u. s. w. Der Unterschied 
der Formen beruht bloss auf dem Wech- 
sel der Tbdale ö und e und der da- 
durch bedingten Verwandlung der GutL 

dplacaudi> oplakavii > ' onA^KdauiH « Z. 14. 
Praet. Gerund. f. von oplakaju« -ati 
(ablu^re). Vgl.' Jungiitanns^ Slow. 6e*r. 
u. Piakam, Opläkam, WypUk^m. Dem 
•Stamme uad der Bedeutung liaoh ist 
piakam (spülen) und« plaöi^ altböhml und 
slow, plaöu sie (weintn), eid und das- | 



selbe Wort. »Pkkati sie» Acre, ubertim 
lacrimas fundere.^ Mater Verb. 117. c. 
3., also := sich mit ThrXnen netzen« 
sich in Thränen baden. 

orlicu» Orlicu, opahmoy» Z. 47* Acc. sg. 
von Orlica (n. pr.) 

osudie» osudie« öcoyAte« Z. 95. Acc. sg. 
(urna). 

ot, ot, CT, Z. 1. Nom. sg. Unzweifelhaft ot, 
Vater» wovon otec. Sowohl dieaes ot-eCi 
als auch das Adj. cyr. oten'» altböhm. 
oten (väterlich) » supponirt den bei an- 
dern Slawen früh eingegangenen Nom. 
ot. »Oten* ab ot» unde et otec.« Do* 
brovskv Inst. 1. slav. 326. Zahlreiche 
Subst« die jetzt nur mit -ec gebräuch- 
lich sind« wurden ehemals» laut unsem^ 
Sprachdenkmälern» auch ohne «ec ge- 
braucht: so können die Böhmen z. B. 
jetzt nur uj-ec« aber Aquensis und We- 
leslawin kannten und schrieben noch 
uj» so gut als die alten Russen oder 
die heutigen Polen; so kannten, wir bis 
1818 und 1827 nur junec, praporec« ja- 
biko» bis uns die Kön. Handsch. jun und 
prapor, die Mat« Verb, und das Pass. 
jablo brachten. Auch unser str^c st 
, 8tryj-ec supponirt einstryj« welches noch 
wirklich bei den Russen und Polen fort- 
lebt. Allzumal werden Verwandschafts- 
namen hypokoristisch viel gestaltet und 
gemodelt: man. denke an die mit pater 
verwandten b.atja^ bat'ka« bat'ko^ badka« 
batjuska, batjusko» bateöka, bate^ko u. 
s. w. Vgl. stol. 

ot, ot; CT, Z. 31. 44, 48. 50. 51. 52. 97. 107. 
124. Praep. (ab). 

otane, OtavS> et^M, Z. 22 (zweimal). Loc. 
sg. von Ottfva (n. pr.). 



X T. 



1 



§, 12,« ff^criverzeichnits. 



W 



otani» Otavy« dTJsbi/ Z. My 101. Gen. 6g. 
' von Ocava. 

otci^'Otci, oTi|H« Z* 129* Nom. pL von otec 

• ; (pater).' . ^ 

oten, otea»'OT6N« Z. 61« Acc. sg^. m» von 
oten, otaa> olno (paternas). Gebildet 
. wie rodens clna, dno von rod« Altslaw. 
und russ. oteö« otnia« otnie. ' In der 
Mat. Verb, wird »puber« virilia« durch 
•tlaki writi otnefpameti« (das i ist be- 
schädigt) glossirt Wir lesen : tlaky» 
V riti otne paaety« und halten otne pa- 
mety (p^rentalia- signa> notae« rasa, po- 
in^ta> meta) für den Nom. pL von otna 
pameta^ Vgl. DecL der Adj. 

otna» oUkSL, OTII4, Z« 70. dl. 115 — 116. Gen. 
sg. m. von oten» a, o. 

atne« aiaik, ovh-%, Z, 33. 34. Loc sg. n. 
von oteuj a« o. 

otne» otne« oitie., Z* 20. 57. 74. Acc pL 
f. von otny» a, e (paternus). 



p.asuy paSu« njuoY» Z. 2.Priaes. 3 pL von 
paSu, pachati {arare). Vgl. Jangmann's 
Slown.- £es. u. Pach^m. Die Bedeutung 
»ackern« halte ich für die ursprüng- 
liche« die von »arbeiten^ machen« für 
die spSlere« .synvcdocbisofa erweiterte: 

pie> pije, nMie, Z. '47. Praes. 3 sg: von 
pqu» piii (bibeve). 

plameuj plamen*» nA^ueN, Z. €7. Nom« sg. 
(flamma). 

p 1 e ki> prky« . nAwcbi » Z» 26. 103« Soc. pL 
von pFk (legio* colerva). 

ple^tie« prkni0».iiAi>jCfiH|s«. Z. &«*6. Gen« sgi 
von plaen (iiitilitas).. Bekannt iat polza 
Nut2uen>'pQfestty nütalieh, in andern Dia» 
leklen ;. uns • QöhBiea Latidie Mat» Verb. 



und die K^dv Handselirj ebetfftiU»' Aas 
Adj. pPzny frugalis, utiliff» el*haltfen. MV. 
pag. 43 \s c. 3. KH.' 42. 62. Dcbrewsky's 
Ableitung aus po und Iza* ist swrifel- 
haft : in Georgii Monachi Hamartoli Ghro- 
nicon • einem correcten Serb. Godex 
auf Perg. vom J. 1389, liest mati aus- 
drücklich : Ha HAbi^oY leuCY« nicht nOA^^oy» 
Fol. 238. C0L2.9 was mit unserm pPzen, 
pFzny, schön übereinstimmt. 

po, po, no, Z. 9. 42. 43. 4^. 47. 49. 50. 51. 

53. 54; 55 (zweimal). 75. 81, 82. 93. 

108. 119. 122. 128. Pfäep. (post). 
poce, poöie, novic, Z. 69. Praet. 3 sg. von 

poönti, pööati (ineipio). ' 

pocehu, poöiechu, novioxoY, Z. 85. Praet. 
3 pl. von poönu, poöati. 

pod, pod, noA, Z. 68. Praep« (sub). 
poganenie, poganienle, nordHienie, Z. 118. 

Nom. sg. (contumelia). 
pognati, pognati, norHdTH, Z. 40 — 41. Inf« 

von pozenu (cito). 

^ 9 

pogubi, pogubi, noroYBH, .Z. 49. Praet. 3 
sg. von pogubiu, -iti (delere). 

pohualihu« pochvalichu, nox04AHxoYi Z. 9. 
PraeL 3 pl. von pochvaliu^ -iti (com- 
probo, sancio). Vgl. hualiti. 

popeloua, Popelova, noneAQs« , Z« . 27. 1 02. 

Gen. sg. m. von Popelov, a, o (ad Po- 

pel;nm perünens). 
pdfi.uuj.popravuj. nonp^gDYi Z. 39. Acc. sg. 

von poprava (<K>mposiiio controversiae). 

VgL Jun^inanns Slown« Ces« u. Popra- 
. wa» Man bat an didseor. Stelle früher 
• irrig •popsiii=^popraiiu> gelesen und das 

Wort üb^reilterweise in die neuere Dich- 

1»rapraphe eingeführt. 

posrli» posly, nocAbi ^ Z« 43« Acc« pl von 
posel (nuntius). < ' 



ft6 



Denkmäler der IMmüekm S^ifOche» LAusas Gericht. 



ipda^ pravdot npii«A4« Z; 115# fiuda Z^ 127 
— 128. Nom.tSg* (juaj justitia). \gh Jung'^ 
maiaCs Slown« Ces« o. Prawda. 

I^udodatne« pravdodaUie , np4BjL0 A^iTHe, 
Z. 6& — 66* NoBk pK f. Yoa praydodatny, 
a» e (legislatoritt»). I>er zweite Theil 
des Wortes komml; vor m u*^atay, slaw. 
blaho^datay u» s* w. Vgl. auch: zakona 
datel^ legisUtort quasi dator« MatVerb. 
173. 

^ndozuesten« pravdozvesteu^ npaBAO^a-^- 
creH^^Z. 67 — 68» Npm. sg. m. von prav- 
dozvesten, -toa> «tno (juris nuntius). 

^uduj pravdu» np«iBAOY» Z. 9. 40. 72 — 73. 
119. 127. Acc. sg^ von pravda Gus). 

preuencu. prVencu, npbBeHMoy, Z. 114. 
Dat sg. von prVenec (primogenitus). 

rPgledati, pregliedati« np-^rAieAdTH , Z« 98. 
Inf. von pregledaju (dispicio). 

* I I ' 

^s, pris, npnjc, Z. 29. 104. Praep. (per, 

Irans), 
pride, pride, npHAe, Z. 103. 1?de, Z. 27 — 28. 

Praet. 3 sg. von pridu, priti (statt prii- 

dn, prÄti, venire), 
^pletese, priletö£e, npHAertsuie, Z. 29—30. 

31. Praet. 3 sg. von prileciu, prilet^ti 

(advolare). 
prinesehü, prinesechu; npHHecexoy, Z. 129. 

Prael. 8 pl. vtm pHneisu, priuesti (ad«« 

ferre). 
^cni, prokni, npoKHH« Z« 58 — 59. Non. sg. 

• m. (qtulibet). Gehört nebst vrohni zu den 
: wenigen Adjectivalfermationen / welche 

die Gutturale des Stammes vor -ni nicht 

verwändein. Uebrigens kommt aueh pro- 

kny vor; vgl. divni und d&vn;^» nA- 

sobni and nieobn^ tu s. w. Die Mater. 

Verb, erhielt miB den Stamm prok (re- 

siduua)> Vgl. Jungmanns Slow« Ces. u* 

Prok und Proknj. . 



4»tiu« protiv« npoTHä^ Z.61. Pr»ep. (doiitrt). 

j>uolati, provolati, rpoboaiith» Zs 96. 98— 
99* Inf. von provolaju ({Mronudgare). 

ptencem« ptencem> nreNMeu» Z. ILl« Dat 
pL von ptenec (piillua)* Das Wort hat 
sich auch in der Hat. Verb, eriialten: 
ptenec« puUus» fiUua aTQ&' Pa^. 277, 



radbuze» Radbuse, pjA^ovr^« Z% 24>— 25. 

Loc. ag. von Radbuza (n. pr-) 
radouan» Radovan» paAoadH» Z. 49*-*&0. 96 

— 97. Nom. und Aec. ag» (a» pr*). 
ratibor» Ratibor» p^hb^p, Z. 41. 124. Neo^ 

und Acc. sg. (n. pr.). 
reki» reky« p-ftioii« Z. 29« 104. AoC/ pk voo 

reka (fluvius). 
rize, riz^» pH^-b» Z. £1, • Loc, agw vom riza 

(veslis). 
roda« roda, poAa» Z. 26. 101. Gen. sg. von 

rod (genus). 
rodna» rodna, pcanj« Z. 18. 19. 100 — 101. 

1) Nom. dual. m. vmirodeiu «dna^-dno 

(germanns). 2) Nooa. sg^ £ Z. 36. 31. 
rouna^ rovna, pomm» Z. 121. Gen. -sg. m» 

.för den- Ace* gesetzt» von roTen» •vna, 

»vao (aequaUfl). 
rotinu» rovtm» poaHov> Z. .77*^78« Soe. sg. 

f, \(^ Toiwft a« e. 
rozdelita se, rozd^Utai sieir pe^A^^Airr^ ci^ 

Zi 77.. Fut 2 dual. »# von rcndäia* 

•iti (dividere). 
ilozevria, Tozenia» po^iaiMr, 2L 59. Gen. sg. 

von rozenie (nativitaa)« 
rozLi «e, iK>zis sie, imxam cje^Z.. 108« Pnet 

9 eg. von rcu^liju ne (perfiuMloT^. 
rozl^ositcFOzloaito, pod^Aosairro» K. S2« Acc. 

eg. lu voQa rozloiil, a^ a (patahse). 



$. 12. fftTtverzaehnitt. 



57 



I 

n 
!i 



*-i 






tot»' 
18. S» 









rozmislehom» rozmysliechom , poicumca*»- 
xou« Z. 92. Praet. 1 pL von rozmysliu« 
-iti (perpendere). 

rozresite« rozrSSite, po?l>-iiuiHTe^ Z.72. 19. 
Imper. 2 pl. Yon rozr^^u, iti (decer- 
nere). Das Wort rozr^iti,aufl6sen>koiiuDt 
in dieser reinen Form auch in der böhm. 
Aiexandreis V. 2211 vor: Op^ sie vo<- 
da rozfeii. Star* SkUd. IL 253. Allein 
auch unser jetziges rozhf eäiti ist nichts 
anderes, als eben dieses rozifeäiti, mit 
dem epenthetischen h, wie sonst in 
hundert andern Fällen« vermehrt: vgl. 
hfiza im N. Test. 1475 st« fiza« Hfip st« 
Äip u. 8. w« Von dem einfachen r^siti 
kommt unser i^eseto« Sieb. 

rozuadema» rozyadiema» po^ca^Aieud, Z. 56. 
rozuadena» rozyadiena» po^BdAieHd» Z«83 — 
94. Praet. part« pass. dual« m« von roz- 
vaziu« -diti (dissociare« disjungere). In 
rozyadiema ist das m an die Stelle 
des n getreten» der damals üblichen 
Aussprache gemäss. Vgl. %, 14. Gramm. 
Formen: Conjug. Man bemerke, dassdas 
utin^nicht verwandelt wird. In dem Frag« 
ment eines alten Psalters im Museum hest 
man nutieni sL nuceni« 

rozulaiase, rozylaja$e, po^BAduuie, Z. 12 — 
13« Praet. 3 sg. von rozylaju, -jati (ex* 
asperare). Die altslaw, Mundart kennt 
nur das Recipr. viaju s§, wogen, sich 
bewegen; die russischen Lexicographen 
fähren zwar ein unbelegtes Act« ylaju, 
bewegen, in Wallung bringen, an, wir 
wollen indess darauf kein Gewicht legen. 
Von dem Rec. vlaju s^ ist das Factit 
rozvlajati eben so regelmässig gebildet, 
wie hundert andere in allen unseraMund- 
arien, vgL tfasu sie, potfasati, plaöiu 
sie (M. y«)t rozpUkuti ; poUti se^ upotiti ;' 



lekati sfe, polekati u. s. w. Bekanntlich 

gehen Neutra und Recpr. mit Praep. 

und der Annahme anderer Formen in 

Act. und Factit. über. (Dobr. Inst. 353. 

356. 357—360.) 
rozumu, rozumu, po:;oyuoy, Z. 81. 82« Dat. 

sg. yon rozum (intellectus, mens), 
rozuzenu, rozsuzeniu, po:ccoY;teHio, Z. 99 — 

100. Dat. s^. yon rozsuzenie(dijndicatio). 
rubi, rubvs poybm, Z. 3. Acc. pU yon ruh 

V 

(yestis). Vgl. Jimgmann4 Slow. Ges. vl Ruh. 
ruca, ruka, poyk4« Z. 123. Nom« sg. (manus). 
rucu, ruku, poykoy> Z. HO. Soc« sg, yon ruka« 



s, s, c, Z. 7 (zweimal). 28. 88« 91. 103« 
Praep. mit (cum). 2)s, s, g, Z« 45. 70. 
115. Dieselbe = yon (de). 

sami, sami, cdUH, Z. 118 — 419. Nom« pl. m. 
yon sam, a, o (ipse). 

samorod, Samorod, cduopoA» Z, 53. Acc. 
sg. (n« pr.) Gehört zu den seltensten 
Namen, und wir fanden ihn nur in einer 

' russ. Urk« yom J« 1477 in Sobr. Gos. 
Gratn. I. 2&1 

San, sah, cäw\ Z. 49. Acc. sg. (hydra). 

sazaui, Sazayy, c^i^dBbi, Z« 52« Gen. sg« f. 
yon Sazaya (n. pr.) 

sberaste, shieraste« csiepacr«, Z« 94 — 95. 
Praet 2 dual« f. yon sbieraju, ati (col- 
ligere). Daa regelmässige Iter» yon se- 
beru, sebrati wäre mit Einschaltung des 
i: sebirati oder sbirati (ygl. naricaje ob») ; 
doch ging im Röhm. das gedehnte i 
sowohl hier als anderwärts bereits sehr 
früh in ie über; daher dierati, zierati, 
tierati, pierati u« »• w« stf öirali, zirati, 
tirati, pirati, daher femer atojiesi im 
Lied auf Wyftehrad sL alojifi u« s« w« 

8 



V 

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ft6 



Denkmäler der böhmischen Sprache. Libusas Gericht, 



sboren« sboren« cBopen» Z. 100. PraeLpart. 
pass.m.yon sboriu» sboriti (congregare). 
Das Zeitwort sboriti^ yersammeln^ lebt, 
in einer der unsrigen verwandten Be- 
deutung« noch im Munde der Serben 
und ertönt in hundert serbischen Helden- 
liedern: Zbor zborila gospoda riit'an- 
ska — Zbor zborile mlade Zemunkinje, 
Zbor zborile pa su govorile u. s. w. 

sbosiem« sboiiem« cBoxieM« Z. 4. Soc. sg. 
Ton sboiie (res, opes). 

se« se, ce, Z. 71. Interj. (ecce, en). 

se« se> ce, Z. 53. Praep. s mit dem euphon. 

ei von (de). 

se« se, ce, Z. 36. Acc. sg. n. von pron. 
dem. s\ si> se (hie). 

se, sie> cie, Z. 28. 129. Acc. pl. f. von s'« 
si« se^ 

se, sie, cie, Z. 18. 20. 51. 73. 77. 84—85. 
105. 107—108. 108—109. 125. Acc. sg. 
und pl. des Pron. rec. in Verbindung 
mit Verben zur Bildung von Recipr. 
und Reflex, (se). 

se, ie, *e, Z. 27. 28—29. 44. 46. 48. 73. 
102. 103—104. 111. 112. 128.129. Adv. 
relat in Verbindung mit Pron. und Ad- 
verb* 

seber, seber, ceeep, Z. 92 — 93. Imp« 2 sg. 

von seberu, -brati (coUigere). 
sebraste, sebrast^, ceBp^cT-fe, Z. 93 — 94. 

Praet. 2 dual. f. von seberu, -brati. 
sede, siede, cieAe, Z. 31 — 32 Praet. 3 sg. 

von siedu, siesti (consido). 
s e d 1 e , sSdl£ , ctsAA-n , Z; 33. 34. Loc. sg. 

von s^dlo (sedes). 
selezu, ielözu, me^-^i^oii , Z. 122. Dat. sg. 

von ieU^o (ferrum). 
sena, £ena, xeNd, Z. 112. Nom. sg. (femina). 
seni, ieny, xeHbi, Z. 2. Nom. pL von iena. 



sesipausi, sesypavii, cscbfn^auiH, Z. 13. 

Praet. gerund. f. von sesypiu, -pati (de- 

fundo, deturbo). 
sestra, sestra, cecrp^i, Z. 36—37. 37. Nom. 

sg. (soror). 
si, si, CH, Z. 5. Dat. sg. von Pron. rec. sie 

(se). 
sira, Sira, wHpj, Z. 14. Gen. sg. n.*von liv, 

a, o (latus), 
sirne, ürne, xHpHe, Z. 29. lOi. Acc. pl. f. 

von tirny, a, e (opimus). y^X, Jungmanns 

Slow. Öes. u. 2ir und iAvxvj. Das Wort 

zir, vom Stamme ieru, kennen ausser 

den Russen auch die Serben, in deren 

ältesten Urkk. es schon vorkommt, und 

die Mast bedeutet, 
smeril, sm^ril, cm-apna, Z. 83. Praet. part. 

act. m. von sm^riu, iti (conciliare), 
smerita s e, smSrita sie, cu-ftpHTj, Z. 104 

— 105. FuL 2 dual. m. von sm^riu sie, 

-iti sie (conciliari). 
snehu se, sniechu sie, chmixoy ci€, Z. 57. 

Praet 3 pl. von snimu sie, sniati sie 

(convenire). 
snem, sniem, cHleu, Z. 100. Acc. sg. (co- 

mitium). 
s n e m e, sniem§, cNieu-», Z. 62. Loc. sg. von 

sniem. 
snemi, sniemy, cHieubi, Z. 6. Acc. pL von 

sniem. 
sobu, sobu, coBOY, Z. 21. 74. 87. 121. Soc. 

sg. von pron. rec. sie (se). 
s 4^ s i , sprosi , cnpocH , Z. 38. Praet. 3 sg. 

von sproSiu, -iti (rogare). 
s taglau, Stiaglav, CTurAdB, Z; 23 — 24. 55. 

Nom. und Acc. sg. (n. pr.) Der Name 

ist aus dem Praet stia von stnu und 

glava zusanmiengesetzt Zannoni hat in 

Kyjew. Gouv., nördl. von Mrin, das Drf. 

Stagolov, was derselbe Name ist 



C. 12. WcTttutrzeicImUs. 



M 



stara^ 8Ura> cT4p4« Z. 26. 102. Gen. sg. m. 
Ton 8tar^ a^ o (priscus). 

atol« 8tol, CTOA, Z.61.Acc.8g. Der einfache 
Stamm stol^ solium, FürstenstuhL Throiij 
gleichbedeutend mit prS-stoL im Alt- 
slaw. gebräuchlich : in der Königin- 
hofer Handschrift und bei Dalemil nur 
stol • ec. Das dem gemeinsten Serben 
noch bekannte Stolni- Belgrad (Stuhl- 
weissenburg» Alba Regalis) setzt eben- 
falls ein altserb. stol» Thron, voraus. 
(Den später gefundenen Beleg für das 
böhm. stol s. §. 24.) Vgl. ob. oL 

Stola, Stola, ctoaj, Z. 70. 91. 116. Gen. sg. 
von stol. 

strebronosne, strebronosne, cTpespoHocHe, 
Z. 53 — 54. Gen. sg. f. von strebronosny, 
a, o (argentifer). 

strebropenu, strebrop^nu, cTp66poni;HOY> 
Z. 11 — 12. Acc. sg. £ von strebropeny, 
a, e (argentospumeus). Die Zusammen- 
setzungen, wo zwei Redetheile, ein Adj. 
und ein Subst., dergestalt zu einem Be- 
griffverbunden werden, dass das Subst. 
nach Abwerfung seines Bildungsvocals 
bloss den Concrelionslaut y, a, e an- 
nimmt, gehören wohl zu den ältesten 
und gangbarsten in der slawischen Spra- 
che ; vgl. dlühoruk;^, dlühonoh^, krätko- 
zrak}% öernovlasj^, krivoust^^, kfivonos^, 
kfivonohy, tvrdohlav^ u. s. w. Vgl. v6- 
koiizny und zlatopesky. 

strezibor, Strezibor, crpe^^HBop, Z. 52. 
Acc. sg. (n. pr). 

stroia, stroja» ctpoiü, Z. 2. Praes. 3 pl. von 
stroju, -jiti (p arare). 

stupi, stupi, cToynH, Z. 59. 60. 61. Praet. 
3 sg. von stupiu, -iti (adscendere). 

8 u, SU, coY« Z. 44» 65. Praes. 3 pl. von jesm 
(sum). I 



suadi, svady^ c&iAbi, Z. 120. Gen. sg. von 

svada (lis). 
suatu, svatu, cb4toy, Z. 128. Dat. sg. m. 

svat, a, o (sanctus). 
suditi, suditii coyahth, Z,41. 120. Inf. von 

suziu (judico). 
sudne, sudng, coyah-b, Z. 94. Nom. dual. 

f. von suden, -dna, -dno (judicialis). 
sudte, sud'te, coYAbTe, Z. 118. Imp. 2 pl. 

von suziu, suditi (judicare). 
suego, svego, csero, Z« 59. Gen. sg. n. 

von svoj, a, e (suus). 
s u e i, svej, ceeH, Z. 1 . DaL sg. £ von svoja (sua). 
suemu, svemu, ceeucY, Z. 93. Dat. sg. m. 

von svoj. 
suete, svietSy cBievii, Z. 34. Loc. sg. m. 

von sviet, a, o =: 8vat» a, o (sanctus). 



T* 



taco, tako, raKo, Z. 89. 125. Acc. sg. n. 
von tak,a,o(talis). 2) Adv. Z. 115. (ita). 

te, tie, Tie, Z« 12. Acc. sg. von ty (tu). 

tetui, Tetvy, Tersbi, Z. 27. 102. Gen. sg. 
von Tetva (n. pr.). Man hat an dieser 
Stelle früher irrig »ietui« gelesen; in 
der Handschrift steht deutlich »tetui.« 
Sowohl der grammatische , als der lo- 
gische Sinn (es folgt : jenie pride, was 
auf rod nicht fuglich bezogen werden 
kann) erheischen hier einen dem Ge- 
nitiv Adj. masc. Popelova entsprechen- 
den Genit. Subst. masc. Dieser ist Tetw 
von dem Mannsnamen Tetva, dessen ehe- 
maliges Dasein die Ortsnamen Teteväice 
in Westgalicien und Tetiven oder Tete- 
yen in Bulgarien erweisen. Tetva ist 
der mittelst des epenthetischen v erwei- 
terte bekannte Mannsname Teta (vgLDa- 
mloviö Litop. Litev. $• 45), und verhält 

8* 



< 



<0 



Denkmäler der bäkmiichtn Sprache* Libusas Gerichi. 



sich zu dem vor Alters gebräachlicben 
Tety eben so« wie Budva zu Budy (bei 
Nestor), Bukva zu Buky u. s. w. Man 
vgl. auch die fem. cr'ky , srb. crkoT und 
crkva» böhm. cirkey» liuby-ljoboT« v^ty 
-vStev, kony-konev» konva» koty-ko- 
tev* kry - krev u* a. w, Assonirend, je- 
doch unverwandt unserem Tetva ist der 
altruss. Name Tatev* 

tiho« ticho, THxo, Z. 85. 86. JOas Neutr. des 
Adj. indef. tich» a» o» als Adv. gebraucht. 

trasehu se, trasechu sie» Tpdcexoy cie, 
Z. 108. PraeL 3 pl. von trasu sie, trasti 
sie (tremere). 

tri, tri, rpH, Z. 29. 104. Numer. (tria). 

trut,Trul,TpoYT, Z.48— 49, Nom.sg.(n.pr.) 

tu, tu, TOYf Z« 3. Adv. (uine). 

tucu, tuöu, TOYvoY, Z. 13 — 14. Acc. sg. von 
tuöa (nimbus). Das Wort tuöa, Wetter- 
wolke, Wetterguss (Regen, Hagel, Schnee), 
kommt in der Königinhol. Hdschr. eben- 
falls vor; im Altslaw. ist es alltäglich. 

tuoie, tvoje, tboic , Z. 92. Acc. pl. f. von 

tvoj, a, e (tuus). 
tu rem, turem, roypeM, Z. 110. Soc. sg. von 

tur (taurus). 



11. 



u, u, OY, Z. 65. 66. 80. 82. 95. 127. Praep. 
(apud). 

u, u, OY, Z. 119. Adv. (jam). In dieser Ein- 
fachheit selbst im Kirchenslawischen sel- 
ten ^ dagegen mit ne: ne u (nondum) 
allgemein ; sonst u-ie« ju-ie» 

udi, udi, OYAH« Z. 109. Nom. pl. von ud 
(membrum). 

umre, umre, oyupe» Z. 2'-*3* Praes* xu Fut. 
3 sg. von umru^ imir6ti (mori). 



nne, une» dyh«, Z. 45. Nom. pl. f. von uny, 
a, e, und dieses statt juny, juna, june, 
jung, wie u (jam) statt ja, utr' st juir* 
(vgL das spätere vn-iutf, -jetzt vnitif), 
tttroba« So, ohne j, treffen wir die Wör- 
ter uny» unost', unota, ug, utny, utro, 
vu s. w. in altslw. u. altruss. Hss. unzähli- 
gemal an, wir wollen jedoch bloss ein- 
paar Beispiele auf unser uny ausheben. 
Wir lesen in der Letop* Pu^kinr. od. 
Laurent »Otstarcai dounago« Äbr. III. 
Anm. 355. • in der L^top. Troick. »ot 
unosti svojejaa Kar. IV. Anm. 160., in 
Kalajdoviö*s Joan Exarch S. 179. uno- 
ta st junota, Jüngling (jinoch) u. s. w. 
Man hat an dieser Stelle bis jetzt das 
Wort une durch unie (meliores) gedeu- 
tet, was sowolü grammatisch unrichtig 
ist denn unie ist Adv. (melius), und statt 
des Adj. um'i ist \mk\ (melior) gebräuch- 
licher, als auch eine hinkende, unge- 
wöhnliche Ausdrucksweise (durch Comp. 
St. Posit) gibt 

ustauiti, ustaviti, oyct^shth, Z. 82. Imp. 
2 pl. von ustauiu, -iti (statuere}. Man 
merke, dass ustaviti, ustav od. ustava, 
in der Bedeutung von beschliessen, ver- 
ordnen, BescbluoS, Verordnung in den 
meisten slaw. Dialekten ein von Alters 
her gebräuchlicher polit -jur. Kunst- 
ausdruck ist 

ustauiti, ustaviti , oYcrdsHTH , Z. 39 — 40. 
Inf. von ustaviu, 

utr, utr', oYTpb, Z. 38. Adv. (iotra) als Praep. 
gebraucht. Von diesem, sogar im Al^ 
slaw. nicht allauhäufigen (vgl. Joan Ex- 
arch S. 63. col. 1), mit dem lat. intra 
übereinstimmenden Stamme kommt unser 




v 



J. 12. Wonotrt€idmu$* 



«1 



Tnitf j lentslandeii ausv^n-tuti» undutroba» 
das Innere« praecordia. 
utrobe, utrobi» orrpoe-», Z. 108. Loc. ag;« 
von utroba (yiscera). 



V* 



u« y, B, Z. 4. 6. 28. 33. 37. 58. 60. 61. 76. 

99 (zweimal). 104. 106. 126. 129*Praep.(m). 
uadita se» yadiu sie, sdAMTd cie, Z.18.20. 

73. Praes. 2 dual, m« Ton Taziu sie« va» 

diti sie (litigare). 
uam» yam» büm» Z. 120. 122. Dat. pL von 

uas, vas, b4c» Z. 80 — 81.82. Locpl Tonty. 

uece» vece« sege« Z. tl6. Praet. 2 sg. von 
vecaju» vecati odar veceti (dicere). 

uecinu« viedinu, sievHHOY« -Z. 98. Acc. sg. 
von vieöina« majoritas» die Mehrheit, von 
viece (mehr)« vied§i (grösser). Man Tgl. 
das bereits in den ältesten serbischen 
Gesetzen und Urkk. in demselben Sinne 
vorkommende ve6i und ve6ina» z.B. in 
Steph. DuSan's Gesetzen §. 150: ikamo 
se veci Idnu i koga vtei oprave« tizi da 
SU v^rovani u. s. w. Die früher ver- 
suchte Ableitung von v^ce, russ. v6öe« 
srb. ve^e» ist uns aus vielen Gründen 
unwahrscheinlieh : besonders« weil aus« 
drücklich vorausgeht: |e sie glasy cV- 
sUm prögliedati. 

uecosiznih» vekoiiznych, BiiKoxH:CMbix, Z. 
75. Gen. pl. m.von vekoiizny» a« e (aeter- 
num vivens). 

ueglasne» viglasn^, B-^rAjcini, Z.63. Mom. 
dual. f. von vöglasen, -sna, «sno (sagax). 

uescbanl« vSfiöbam« B^mvBdu» Z. 64. Dat. 
pl. von v6döba (vaticiuium). 

ai, vy« Bbi> Z. 123. Acc pl. von ty (tu). 

uiberuce, vyberuce» Bbisepoviie» Z. 5. Ge- 



-./v^ 5 :.<*/-'/' ^-f^/l 



/ 



rund, praes. pL f. von vyberu, 

(eligere). 
uiplacausi, vyplakavii» BbinA4K4BuiM, Z. 15 

— 16. Praet. Gerund. f. von vyplakaju» 

*ati (eluere). 
uipouedi, vypovödi, BbinoB^AH^ Z. 80. 87. 

91 — 92. Acc. pl. f.vonTypovöd (edictum). 
ui^uiti, vyproviti» Bbifip4BHTH4 Z. 43. Inf. 

von vypraviu (dimittere). 
uisegrade« Vyiegradö» BMinerpJA'B» Z. 34 — 

35. 39. 58. Loc. sg. von Vylegrad (n.pr.) 
uitzonim> vitiezovym» BHTie^coBbiu, Z. 64. 

Dat pl. f* def. von vitiezovy« a, e (ad 

heroem vel judicem pertinens).^ Vgl. 

Cechovy. '^r. w< »>/' ^i" ^i^*><<' .-^'"-.:'^. v 

uiucene, yyuöenö, Bbiovvetns« Z. 63 — 64. 
Nom. dual. f. von Part. pr. pass. vyuöen, 
a, o (edoctus). 

ulade, vlade, sAdAe« Z. 113. Praes. 3 sg. 

von vladu, vlasti (imperare, potiri). 
ulade« vladS« ba^a-Bi Z. 123. Dat sg. von 

vlada (imperium). 

uladikami, vladykami, sAdAbiK^iuH, Z. 7 — 8. 

Soc. pl. von vladyka (pater familias). 
uladicu, vladyku, BAdAbiKoy» Z. 4 — 5. Acc. 

sg. von vladyka. 

uladiki, vladyky, sAdAbiKbi« Z. 8 — 9. 54^ 
55. 58. 71. 79. uladik(i) Z. 85. 117. Nom. 
und Acc. pl. von vladyka. 

uladl, vladl, ba4aa« Z. 122. Praet. parL act. 

m. von vladu> vlasti (imperare« potiri). 
uladu« vladu « ba4aoy, Z. 4. Praes. 3 pl. 

von vladu, vlasti. 

ulasti, vlasti, bajcth, Z. 29. 77. 104. 106. 

113. Inf. von vladu. 
ulastouica^ vlastovica, BAdCTOKiiiid, Z. 30- 

31« Nom. sg. (hirundo). 
uletauo, Vrtavo, BAbT4Bo, Z. 10. Voc. sg. 

von Vruva (n. pr). 



Denkmäler der 

uletorecnih» yrtorednych» BAbrop^vNbix« 
Z. 51. Gen. pl. n. von yrtor§5ny, a, e. 
Das Wort ist« unserer Ansicht nach» zu» 
sanunengesetzt aus vlto- und r^dnjf'. Das 
verschwundene Subst. f. yFt* kann Yon 
Tlaju se abgeleitet werden; Tgl. plt' 
Floss von pluju schwimme» mrt* todtes 
Wesen von mru sterben» drt' Sägmehl 
von dru reisse» reibe u. s. w. Zu der 
Annahme eines verschollenen vFt' he* 
rechtigen auch die unwiderleglich sla- 
wischen Flussnamen Vlt-ava (diese vor« 
herrschende Endung unserer Flussnamen 
kann mit dem lat. aqua» ahd. aha ver- 
glichen werden) in Böhmen» und russ. 
Volta» poln. Velu (= altslaw. Yl'ta) in 
Russland (fliesst im Gouv. Minsk unter- 
halb LeonpoF in die Dwina) u. m. a. 
Die Compos. mit o wäre wie in smrto- 
nosny u. a.» wo der Uebergang des wei- 
chen Consonanten in einen harten statt- 
haft» und die Bedeutung 1) fluthrinnend 
(undifluus)» 2) flussreich» wasserreich. 

unori» vnori» bhoph» Z. 112, Praes. 3 sg. 

'p^^ucii/i '^'^'^^^ *"'^^von vnoriu» -iti. Als Neutr. sonst ohne/< 

^^>^.^/;^:'^;"^^^ als Recipr. in Star. SklAd. II. 

(j'H- nzur-::^^ ' y i /c *^^' ^®^ ^l® "^^^ ^ detem nevnofil. 

v.l^,.^\y^' V -/ji ,ygl. pol. wnurzyd, altslaw. vWfti (sub- 

. .', intrare, subrepere). , . _, ,^,^^Xr • Tj'^^ 
u o d a» 'voda» boa4» Z. 69. IVom. sg. (aqua). 
uodi» vody» eoAbi» Z. 17. Gen. sg. von voda« 

uodu» vodu» BOAOY» Z. 10 — 11. 11. Acc. sg. 
von voda. 

upieuodi» vojevodi» eoieBOAH» Z. 1 • Praes. 
3 sg. von vojevoziu» «^diti (ducem esse» 
ductare), 

uolte» voPte» BOAbre» Z. 120. Imper, 2 pl. 

von voliu» -iti (eligere). 
usac, vsiak» bcmk» Z, 1. Nom. sg, m« (quivis). 



Sprache, Libusd'e Gerichi* 

use« vsie» acte» Z. 3. Nom. pL f. von ves'» 
vsia» vse (omnis). 

use» vsie» Bcie» Z. &4. Acc. pL m. von ves'. 

u s i» vsi» BCH» Z. 109. Nom. pL m. von ves\ 

usta» vsU» BCT4» Z. 88. 96. IIa. 124. Praet 
3 sg. von vstanu» vstati (surgere). 

ustahu» vstachu» bct4xoy» Z. 8. Praeu 3 
pl. von vstanu. 

ustanu»vstanu»BCT4NOY» Z. 106— 107. Praet. 
3 sg. von vstanu, vsCanuti. 

utorei» vtorej» btopch» Z. 66. Gen. sg. f. 
von vtory» a» e (alter). An dieser Stelle 
wurde früher irrthümlich vterej gelesen 
und gedruckt: in der Hs. steht unzweifel- 
haft 0, nicht e. 



.i- 






7 






z» s» c, Z. 103. Praep. =mit (cum). 

z» s» X* Z. 5. Praep. riaus (ex» de). 

za» za» x^» Z. 12. Conj. (num). Jetzt zda. 
Die alte einfache Form kommt in den 
Starob. SklAd. öfters vor» z.B. Zamnls» 
by tamo utieial» Za mniS» £eby pf ed to- 
?!:f.::^ii baal» U. 214 (AIm. V. 1368—69). 
''Za by popfäl mne nebohu» II. 48 (Jan 
V. 28)» Za by mohli na kom tu winu 
shledad» IIL 33. (PaS. V. 114) u. s. w. 

zaconu» zakonu» ^^konoy» Z. 9. 42« 75. 119. 
128. Dat. sg. von zakon (lex). 

zapodobno» zapodobno» :;dnoAOBHo» Z. 114. 
Das Neutr. des Adj. indef. zapodoben» 
-bna» -bno (consentaneum)» als Adv. ge- 
braucht. Auf dieselbe Weise mit za ver- 
bunden wird in unseren ältesten Quel- 
len (Wittenb. Ps.» Legend, u. s. w.) v^r- 
ny und v£rno» gebraucht. Vgl. Jungnuamns 
Wörterb. u. Zav^md» Zavfrn^. 

zarue»zarve»;(4pBe^ Z. 100. Praes. 3 sg. von 
zarvu» zarvati (fremere). 



$. 18« Orehographü. 



zde^ sde» cac, Z. 117 «-»11 8. Adv« (hie), 
lelenih, zelenych^ s^sashm)^ Z« 15..GeiLpl. 

f. Ton zeleny» a, e (Tiridis). 
zlaba> slaba, cndsd, Z. 123. Nom. sg. von 

slab a, o (debilis). 
zlata> zlata, :;a4T4» Z. 70. 91. 116. Gen.8g. 

m« von zlat, a> o (aureus), 
zlate, zlat#> ica^t», Z. 33. Luc. sg. n. von 

zlat, a« o. 
zlatonosne, zlatonosn^» :(A4roHOCir» , Z. 23. 

Loc. 8g. f. von zlatonoaen« -sna» -sno 

(aurifer). 
zlatopescu» zlatopfisku, a^A^TomcKov» Z. 1 6. 

Acc. ag. f. Ton ziatop^sky« a, e (auro- 

arenosus). 

ziauna, slayna, ca4bh4« Z. 90. Voc. sg. f. 

You slayny« a» e, oder von slayen, Tna> 

-▼no (celeber)» da die Indef. den Voc. 

meist dem Nom. gleich haben: Yyäegrade 

tyrd« rode neveren u. s. w. 
zlaune, slavnS« cAdBH-a« Z. 62. Loc. sg. m. 

Ton slaven. 
zlauni» slavny» cAdSHbi, Z. 6. Acc. pl. m. 

von slaven. 
ziec« ird» »Abv» Z. 107. Nom. sg. (biüs). 



zlise, slyie» cAbive« Z. 36. Praet. 3 sg. von 
slySu, -ati (audire). 

zliseste, sly$este» cAMMacre« Z. 117. Praet. 
2 pl. von slyiu. 

zlouo> sloTo, cAOBo, Z. 89 — 90. 125. Acc, 
sg. (Terbum). 

zmia> zmijib i^vmhxa, Z. 111. Nom.8g. (yipera). 
Die Mat. Verb, und der hs. Psalter bie- 
ten nur das ms. zmij |dar; die übrigen 
Dialekte, namentlich der Kirchenslawi- 
sche, in welchem beide Formen, zmij 
und zmija, gangbar, bestätigen die Rich- 
tigkeit des Genus in unserem Fragment. 

zuate, svate, ceare, Z. 95. Acc. sg. n. Ton 
syaty, a, e (sanctua). 

zuatocudna, svatocudna, cb4toi|oyan4, Z. 
68—69. Nom. sg. f. von svatocudny, a, 
e (sanctepurgans). Zusammengesetzt aus 
syaty, und cudny yon cud, Reinheit, und 
dieses yon cüditi (purgare), daher auch 
cuda Bezirksgericht, eigentlich Reini- 
gungsgericht. Vgl. Jangmanns Slow. Ces. 
u. Cud u. Cauditi. 

zutoziau, Svatoslay, cBdroCAJB, Z. 43. Acc. 
sg. (n. pr.). 



$• i3. Orthographie. 

Es lag in der Natur der Sache, dass die ersten Versuche, das Böhmische mit 
lateinischen Buchstaben zu schreiben, roh und mangelhaft ausfallen mussten. Die böh- 
mische Sprache besitzt, gleich ihren Schwestern, den übrigen slawischen Mundarten, 
eine Anzahl Laute, welche im Lateinischen nicht yorkommen, zu deren Bezeichnung 
demnach das Latein auch kein Mittel bieten konnte. Wahr und treffend ist es, was der 
bulgarische Mönch Chrabr in seinem Bericht yon dem Ursprünge des cyrillischen Alpha- 
bets in Bezug auf das Griechische bemerkt. „Die Slawen, sagt er, hatten ehemals keine 
Bflcher, sondern lasen und wahrsagten mit Strichen (Linien, ör^tami) und Ritzen (f ezkami), 
so lange sie Heiden waren. Nachdem sie getauft wurden, bemühten sie sich das Slawi- 
sche mit römischen und griechischen Buchstaben, ohne alle feste Regel, zu schreiben; 
denn wie kann man mit griechischen Buchstaben richtig slawisch schreiben bog (Gott), 
oder Uyot (Leben), oder zSlo (sehr), oder cr*koy (Kirche), oder caanije (Hofihung), oder 



ftl Denkmäler der bäkmiselun Sfrackt. LAusa'e Gerieki. 

iirou (Breke)> oder jad (Gift), oder ado (woher) , oder jonoat" (Jugend), oder j^yk (Zunge), 
oder andere diesen ähnliche ? Und so verblieben sie viele Jahre, bis ihnen Gott Konatantäa 
den Philosophen gesendet hat u. s. w.'* (Vgl. S. 32). Die ersten böhmischen Schreiber, die 
sich des römischen Alphabets bedienten^ griffen nun in ihrer Nodi, bei der Unzulänglich» 
keit des letztern» nach verschiedenen Auskunftsmitteln. Die älteste, zugleich aber auch die 
roheste Methode war die, dass man einen und denselben lateinischen Buchstab^en zur 
Bezeichnung verschiedener böhmischer Laute verwendete, z. B« c (Qr c, c und k, / fär 
/, i und it t für X, / und i» e Cke e und i u. s. w«, wobei es dem Leser überlassen Uieb» 
die wahre Aussprache des Buchstaben aus dem Zusammenhange, so gut er konnte, 
au errathen« Auf der zweiten Stufe der Entwickelung und des Fortschritts nahm man 
au künstlichen Combinationen von Buchstaben seine Zuflucht; man setzte nämlich zwei 
oder mehrere lateinische Buchstaben zusammen, um einen einfachen böhmischen Laut 
zu bezeichnen , z. B. et für c, zz für s» ch oder cht fiir e, rs für r, es für i, ye oder ü für e 
u* s. w. In der dritten, ' letzten Periode fing man an diakritbche Zeichen anzuwenden, 
d. i. die lateinischen Schriftzeichen mittelst gewisser oben oder unten hinzugefügter 
Striche und Häckchen der Natur und dem Bedürfnisse der böhmischen Sprache anzu« 
passen, z. B« r, s, z, f, n, d, d u. s. w., und diese Methode wurde, als die bequemste, 
nach verschiedenen Modificationen und Läuterungen, durch den Gebrauch bis auf den 
beutigen Tag sanctiooirt« 

Dass die Entwickelung der böhmischen Orthographie diesen Weg ging, und dass 
namentlich die Methode, einfache römische Buchstaben zur Bezeichnung grundverschie- 
dener böhmischer Laute willkührlich und fast regellos anzuwenden, älter ist, als der 
Gebrauch von Combinationen, dies wird durch die ältesten lateinischen Original-Urkunde u 
und Handschriften, in denen einzelne böhmische Wörter und Ausdrücke vorkommen, 
unwiderleglich bestätigt Den evidentesten Beweis dafür liefern aber die zwei ältesten 
böhmischen Schrifl- und Sprachdenkmäler, LibuSa's Gericht und das Evangelium Johannis, 
deren Rechtschreibung wir nun in nähere Betrachtung ziehen .wollen. 

Wir übergehen alle jene Fälle, wo der römische Laut mit dem böhmischen ent- 
weder vollkommen, oder doch der Hauptsache nach übereinstimmt, wo denmach auch 
das fremde Schriftzeichen zur Bezeichnung des heimischen Lautes leicht und ohne Gefahr 
der Verwechslung verwendet werden konnte« Solche Laute und die ihnen entsprechenden 
Buchstaben sind: a, b, d, e, g» i» m, n, c, p, ^, und ii. Wir bemerken, dass der richtige 
Gebrauch der Labialen p und b, so wie der Dentalen d und t, klar dafür spricht, dass 
die Schreiber des Gedichts und des Evangeliums geborne Böhmen oder überhaupl Slawen 
waren; Griechen und Deutsche pflegten und pflegen in der Rechtschreibung dieser 
Buchstaben im Slawischen die ärgsten Missgrifie zu begehen« Dass an eine Ausscheidung 
der gedehnten und geschärften Vocale in der Schrift, wie sie in der Aussprache selbst 
gewiss schon damak gesondert waren, in der Periode, in welche unsere Fragmente 
fallen, nicht zu denken sei, leuchtet von selbst ein« 

Das böhmische c, cyr« u, bezeichnet der Schreiber des Gedichts einfach und 



$. Vi. Orthographie. > 6A 

ausnahmslos durch c: uiberuce Kvyberuce» clenouica 1. Klenovica, ulastouica 1. ylasto- 
vica^ naricaie 1. naricaje, lubice 1. Liubice, blemca 1. chrmca« orlicu 1. Orlicu« belestaaci 
I. bilestvuci, zuatocudna I. syatocudna, uece 1. vece, nemceh L MSmc^ch u. s. w. 
Hierin stimmt er mit dem Schreiber des Evangeliums yollkoramen überein. 

Für das böhm. c^ cyr« v« verwendet er überall das lateinische c : celedi 1. 2eliedi> 
celedina L öeliedina, ce 1. £e« tucu L tuöu, uletorecnih 1. yrtorSönych« uiucene 1. yyuöenä^ 
mec L med, poce 1. poöie» ci 1. öi» cizlem 1. öislem, zlec 1. iFö u. s. w. Der Schreiber 
des Evangeliums stimmt nur zum Theil mit ihm. überein ; denn er bedient sich der Com* 
bination ch sechsmal: chaesti 1. öiesti« chlouech 1. ölov§ö u. s. w. 

Das böhmische i» cyr« "• (nicht zu verwechseln mit u oder jt^ von dem es ur- 
sprünglich grundverschieden ist« wie die regelmässigen Verwandlungen desselben in den 
slawischen Dialekten« von denen das ie oder je nicht berührt wird > bezeugen) wird bloss 
durch t wiedergegeben: deti 1. deti« lehi L lechy« dedini I. dediny« otaue 1. Otav6« meru 
1. m^ru« beduie 1. b^duje« uipouedi 1. vypovädi u* s. w. Dieselbe Schreibweise finden 
wir in dem Evangelium. Wir schreiben lesi« l^chy« RadbuzS» sSdlS« rizS« letorosli« 
osl^pi« ferner pres« r^ky, rozresite u. s. w«; denn wenn gleich die spätere Schreibweise« 
der veränderten Aussprache gemäss « nach den Consonanten r« s, z» l und r« die Bezeich- 
nung des e fahren Hess« so muss doch für jene alte Zeit« in welche unsere Fragmente 
gehören« die ursprüngliche« echte Aussprache dieses dem Slawischen eigenthümlichen 
Lautes« nach der Analogie der übrigen Mundarten« auch dem Böhmischen vindicirt werden. 

Das g für das jüngere böhmische h herrscht in beiden Fragmenten durchgängig : 
glaua« glinu« pognati« gor« pogane« godina u. s. w.; jetzt hlava« hlinu« pohnati« bor« 
pohan^« hodina u. s; w. Das k statt des altern« ursprünglichen g kommt im Böhmischen 
erst in Schriftdenkmälern des XII Jahrb. vor. 

Für das böhmische cA« cyr. x« griech. j« setzt unser Schreiber stets nur ein ein- 
faches A: hodi 1. chodi« lehi 1. l^chy« ustahu I. vstachu« pohualihu 1. pochvalichu« zelenih 
1. zelenych« brudos 1. ChrudoS u. s. w. Dieselbe Schreibweise befolgt der Uebersetzer 
des Evangeliums. 

In der Bezeichnung des y« welches entweder die Sylben schllesst« oder mit a« e, i 
und tt die flüssigen Vocale ya« y^« ji und y» bildet (statt jo zogen die meisten Slawen 
ehemals jt vor)« und im letzten Falle« wenn es mitten im Worte steht, die vorhergehenden 
Lingualen n« /« so wie die Dentalen d, t, weich afficirt« ist der Schreiber des Gedichts 
unstät und schwankend. Gewöhnlich bezeichnet er es durch i« z. B. uoieuodi 1. vojevodi« 
suei 1. svej« stroia L.stroja» sbosiem 1. sboziem« iedno Ljedno« ai 1. aj« iaz 1. jaz« iense, 
L jen-ze« bedaie 1. b^duje« ieiu 1. jeju« ieia 1. jeja« rozenia 1. rozenja« caraiuci 1. kara- 
juci« tnoie 1. tvoje u. s. w.; oft aber iässl er es gänzlich unbeachtet und schreibt muse, 
cmete statt muiie, kmetie« altslaw. muzije« kmetije« pie statt pije« zmia statt zmija« poga- 
nenie statt poganienie« ferner moi« ima« idese« im« imse statt moji« jima« jide-ie« jim« 
jim-ze« ebenso luta« luti« lutu« lutobor« lubusa« lubusine« rozuzenu statt liuta« Liubu$a« 
rozsuzeniu« u (st ju« juz), utr« utrobe« endlich in allen Fällen« wo« gemäss der spätem 

9 



86 Denkmäler der böhmischen Sprache, Libusas Gericht. 

Schreibweise und Aussprache, das cyr. a, pol. e, durch ein je wiedergegeben werden 
sollte » also in te, se, sese, suete> cneznu« cnesna, use (acc. pl.)> snehu, pocehu, uecinu 
u. s. w. Nicht mehr Sicherheit und Geschicklichkeit in der Anwendung des i statt j 
yerräth der Schreiber des Evangeliums« wie wir unten sehen werden. Die Ursache dieser 
ungleichen und unToUstMndigen Bezeichnung des im Slawischen so häufigen Lautes j 
(bekanntlich liebt der Slawe den Zusammenstoss zweier Vocale in einem Worte nicht, 
sondern fügt zwischen dieselben gern ein j ein) liegt wohl zum Theil in der Verschieden- 
heit der Aussprache; denn so wie es jetzt ganze, von echten und uuTerdorbenen 
Slawen bewohnte Bezirke gibt, in denen die MoUirung der Consonanten bis zur Un- 
gebühr verabsäumt wird (Schreiber dieses stammt selbst aus einer Gegend, wo man 
lübit sL Ijubit*, lübost st. Ijubost', lüde st. Ijude, kvon, dlan, chut, nyt, pazit, smrt u. s. w. 
statt köü, dlaü, chut', nif, pazit', smrt* u. s. w. spricht), ebenso hat man Gründe zu 
▼ermuthen, dass schon in jener alten Zeit die Aussprache dieses Lautes nicht in allen 
Ländern und Gegenden gleichförmig und folgerecht war. Doch mag in den meisten Fällen 
das Weglassen des j bloss auf die Schuld der Abschreiber kommen. Wir bemerken, 
dass sogar in sehr alten cyrillischen Handschriften bereits moa, tvoa, svoa, dteni-e, 
rydani-e, blagaa, mnogaa statt moja, tvoja, svoja, öteni-je, rydani-je, blagaja, mnogaja 
u. s.- w. gelesen wird, ungeachtet im cyrillischen Alphabet durch die combinirten Zeichen 
M, le, lo, M, m, flir die Bezeichnung des Lautes j hinreichend gesorgt war. Wir wollen 
nun in unserem Fragment das ursprüngliche j an den betreffenden Stellen nach Analogie 
herstellen^), jnit Ausnahme einiger Wörter, wie im, im • ze, u, utr, u. s. w., deren Aus- 
sprache sogar in Böhmen damals nach Gegenden und Volksmundarten schwankend und 
ungleich gewesen sein muss. So schreibt der Interpret des Evangeliums Z. 106 iüse, d. i. 
ju-ie (schon), wozu das spätere jiz stimmt, während noch heutzutage der gemeine 
Böhme und Slowak, gemäss d^m u in unserem Bruchstück, oder dem uze im Evang. 
Z. 133, nur uz spricht. 

Das böhm. k wird auf doppelte Weise wiedergegeben ; am häufigsten durch c : 
usac 1. vsiak, uladicu 1« vladyku, cmetmi L kmetmi, zaconu 1. zakonu, opiacausi 1. opla- 
kavSi, caco 1. kako, cruto 1. kruto, criue 1. krive, cdi 1. kdy, procni 1. prokni u. s. w., 
seltener, und im Ganzen bloss sechsmal durch A:: ki 1. ky, uladiki 1. vladyky, kegdi 1. 
kegdy, pleki 1. pl'ky, reki 1. riky, deski 1. desky. Der Schreiber scheint darin eine 



*) In der MoUirung des Part. pr. past. der 3 Conj. nach n, i. B. uöinien, und des Pron. nieho, niemn, 
niem, haben wir die spfitere Regel und jeUige bjdimische Aussprache befolgt: denn die meisten Hsf. dei 
XJII und XIV Jahrb., die wir eingesehen haben, schreiben in diesem Falle, wie die altbulgarischen, nur 
ein e, nicht le. Nur die serbischen Codd. haben regelmSssig ein ie nach n. Die Analogie spricht aller- 
dings für die MoUirung (die Einschaltung des / und i im Altslaw. : stavlen, roiden, und die Verwand- 
lung des d, t^ z, s im B6hm. in s, c, i, i, sind eben durch das weiche i bedingt), doch lässt sich dia 
harte Aussprache für gewisse Zeiten und Gegenden auch nicht abstreiten. Was den Böhmen in dem Zeit- 
alter unserer Fragmente tustSndig gewesen sei, TermOgen wir nicht su entlcheiden« 



§. 13. Orthographie, 67 

Regel zu befolgen» dass er Tor e und i nur i stellt« in allen übrigen Fällen aber 
das c gebraucht. Dieselbe Consequenz werden wir bei dem Schreiber des Evange- 
liums wahrnehmen. 

Dass hartes und weiches r oder das heutige r, eben so wie hartes und weiches l, 
in den zwei Fragmenten nicht unterschieden wird, leuchtet von selbst ein und bedarf 
keiner weitem Erklärung. In den lateinischen Handschriften und echten Urkunden aus 
dem XI — XII Jahrb., die böhmische Wörter enthalten, kommt das rs oder rz für das 
weiche böhmische r noch gar nicht vor; im Xlllten finden wir es bereits allgemein 
herrschend. Wenn wir auch gern zugeben, dass die Böhmen in der Zeitperiode, in welche 
unsere Fragmente fallen, den Unterschied des harten und weichen r gekannt und in der 
Aussprache genau beobachtet haben, so können wir doch die Meinung, die Aussprache 
des letztern wäre schon damals der heutigen gleich gewesen , nicht theilen. Denn es 
ist uns kaum glaublich, dass, ungeachtet der Unbehilflichkeit der ältesten Schreibweise, 
die sogar den Unterschied des c und c oder s und s unbezeichnet Hess, dennoch bei der 
auffallenden Natur dieses schwirrenden Lautes, irgend einem Schreiber des XI oder XII 
Jahrb. wenigstens zufällig nicht ein rs oder rz entwischt wäre , falls die Böhmen wirklich 
schon damals das f so ausgesprochen hätten, wie sie es seit dem XIII Jahrh. thun. Wir 
glauben demnach, unsern Fragmenten die alte slawische, bei den nächsten Stamm- und 
Sprachverwandten der Böhmen, den Slowaken, noch heute gangbare Aussprache reky, 
rejech, rece , rizy für das geschriebene reki, rejeh, rece, rizi u. s. w. mit Recht vindi« 
ciren zu können. 

Das böhm. s, cyr. c, wird zweifach bezeichnet: 1) durch «r: s 1. s, suci 1. svej, 
sil. si, snemi 1. sniemy, ustahu 1. vstachu u. s. w. ; 2) durch zi cizlem 1. cislem, zlauni 1« 
slavny, zlise 1. slyse, zlaba 1. slaba, zlouo 1. slovo u, s. w. Der Interpret des Evangeliums 
gebraucht in böhmischen Wörtern ebenfalls beide Zeichen, z und s, abwechselnd > und 
zieht nur in fremden das s constant vor : hierusolim, esaias, iudas u. s. w. Die ältesten 
lateinischen Denkmäler stimmen in dem Gebrauche beider Zeichen, s und z, für das 
böhm. s mit unsern Schreibern überein:- man liest in denselben Zuatozlaus, Zobizlaus 
u. fl. w. , aber auch Lubgost, Zastup, Sobik, Gostac u. s. w. 

Für das böhm. i, cyr. ui, setzt der Schreiber ohne Ausnahme s : mutisi L mutiSi, 
hrudos 1. ChrudoS, lubusine 1. LiubuSine, uisegrade 1. Yysegrade, creconosi 1. Kr'konoHi 
u. s. w. Eben so der Interpret des Evangeliums. 

Das böhm. v, heutzutage w, cyr. b, wird durch a ausgedrückt: usac 1. vsiak, suei 
1. svej, uoieuodi 1. vojevodi, glaua 1. glava u. s. w. Bekanntlich wurde im Zeitalter un- 
serer Fragmente auch im Lateinischen das v von u nicht unterschieden. 

Für das böhm. y, cyr. -bi, od. bi, wird nur i gesetzt: uladiki 1. vladyky, zliseste 
1. slySesle, bi 1. by , suadi 1. svady, ki 1. ky, vi 1. vy, pleki 1. pVky u. s. w. An der Ver- 
schiedenheit der damaligen Aussprache des i und y dürfen wir wohl nicht zweifeln (aus 
dieser Verschiedenheit erklärt sich, warum lateinische Schreiber in böhmischen Namen 

statt y manchmal a oder ui setzten > z. B. Nezamuzlus oder Nezamuizlus st. Nezamysl); 

9* 



68 Denkmäler der böhmischen Sprache. Ltbusas Geruht. 

doch die ersten Schreiber« in lateinischen Schulen gebildet, beachteten jene feineren 
Vocalunterschiede nicht 

Das böhm. z« cyr. x» wird in beiden Fragmenten stets durch z wiedergegeben: 
z (z roda), zaconu 1. zakonu« za, zelenih 1. zelenych« mezu*(jetzt mezi)« zlatopescu 1. zlato« 
p^sku« radbuzel. Radbuze, rozlosito 1. rozlozito u. s. w. 

Das böhm. i, cyr. m, wird auf zweifache Weise bezeichnet; 1) seltener durch z: 
cneznu Lknieinu« zlcc 1. 2X6, also im Ganzen nur zweimal; häufiger 2) durch /; muse L 
muiiej seni 1. ieny« sbosiem L sboziero, iense 1. jen • ie > sese L sie - ie, sirne 1. zirne^ drusna 
1. druina u. s. w. Der Schreiber des Eyangeliums verwendet bloss den letzten Buch- 
Stäben zur Bezeichnung des z, und in lateinischen Quellen dürfte das z fiir i ebenfalls 
höchst selten vorkommen, z. B. Ziznaua sL 2iznava. Unser Schreiber ist auch darin 
ungleich , dass er einmal, Z. 38, cneznu, sonst aber überall , und zwar Z. 42, 60, 69 - 70« 
90-91, cnesna, cnesno, schreibt. 

Es bleibt übrig nachzuweisen, wie der Schreiber die den cyrillischen 'b, b, a, und a 
entsprechenden Laute im Böhmischen bezeichnet habe. Für die cyrillischen Halbvocale 
Jer und Jeröik ('b und b), wovon jenes dem schwachen 0, dieses dem schwachen e und i 
anderer Sprachen vergleichbar, gebraucht derselbe regelmässig und ohne Ausnahme e, 
welches er in Sylben, die jetzt mit einem / oder r geschlossen werden und vocallos 
lauten, stets diesen Consonanten nachsetzt, z. B. plezne L pPznie, uletauo 1. Vrtavo, pleki 
I. pFky, hlemca I. chrmca, creconosi 1. Kr^konosi, bred L br'd, uletorecnih 1. vl'tor^dnych, 
zlec 1. zFö, preuencu 1. pr'vencu, ce 1. Öe cyr. vb, sesipausi 1. sesypavM cyr. cbCbmasniH, 
kegdi 1. kegdy cyr. K-bPAbi, hraber 1. chraber cyr. xpjBbp'b, deski 1. desky cyr. AbCKbi, 
mec 1. meö cyr. ubvb, praudozuesten 1. pravdozv^sten cyr. npdSAoi^B-feCTbH'b, seber 1. seber 
cyr. cbBep'b, sebraste 1. sebraste cyr. cbepacrfe, se 1. se cyr, c-b, okence 1. okence cyr. 
OK-bHbqe* Der Schreiber des Evangeliums beobachtet in allen ähnlichen Fällen dasselbe 
Verfahren. In dem einzigen Worte iskati Z. 127, welches iskat' zu lesen ist, steht in 
unserem Fragment ein 1; statt b ; im Evangelium treffen wir davon ebenfalls nur ein Beispiel 
an, nämlich neuesti sL nevest". Diese merkwürdige Vocaleinschaltung war auch andern 
böhmischen Schreibern nicht fremd. Wir wollen zuerst das e belegen. Die Mater Ver- 
borum bietet drei Beispiele einer ähnlichen Verwendung des e dar, nämlich plet (rates) 
für pFt', trest fiir tr*st' und drebne (riget) fiir dr'bne; vgl. drbnu, drbAm^ und slk, trpnu 
(rigeo). Aus alten lateinischen Quellen, die freilich insgesammt bedeutend jünger sind 
als unsere Fragmente, kann man nur wenige Belege fbr den Gebrauch des e anführen; 
doch lesen wir in einer Urkunde von 1088 na Treztenici st. na Tr'stenici, in andern Urk. 
von 1087, 1131 und 1199 Brene, Brenne, Brennensis statt Br'no , Br'nensis, in dem 
Spitihn^wischen Stiftungsbrief der KoUegiatkirche zu I^eitmeritz um das J. 1057 Brennaz 
8t Br'Aas, und in einer Urk. vom J. 1175 Cretkou, welches uns unzweifelhaft der sonst 
häu6g vorkommende und bekannte Name Cr*tkov, jeut Certkov, russ. Cortkov, zu sein 
scheint Dahingegen trifft man ia Urkunden und Handschriften des XI und Xllten Jafarh. 



S. 13. OrihographU. 09 

in allen jenen Fällen, wo unsere Schreiber das e setzen, gar häufig ein i an. Wir wollen 
einige Beispiele ausheben: Urk, 1030 Gridon 1. Gr*don, Urk. 1052 Ylikona, Vlicum, 1. VF- 
koik, Urk. 105o Gridesici, Gridata 1. Gr'deSici, Gr'data, Urk, 1088 Brinne, Crina> Grid L 
Br'no, Cr'na, Gr:d , Urk. 1108 Sobegrid 1. Sobegrd, Urk. 1115 Zuatoplic 1. Syatopl% 
Urk. 1130 Na Tristenici 1. na Tr^stenici, Urk. 1144, 1164, 1174, 1117, 1187 Drisizlaus 1. 
Dr'zislav, Urk. 1146, 1175, 1177 Plizen 1. PFzeä, Urk. 1169 Twridisse 1. Tvr'dise, Urk. a. d. 
Xn Jahrb. Trinoua 1. Tr'nova, Drisicray 1. Dr'ükraj, Mau Verb. (1202) zlich L zlö u. s. w. 
In dem Nekrologium des ehemaligen Benedicdnerklosters Podlazic liest man : Drisek, 
Vlicek, Vlicenca, Turidon sU Dr'zek, YPöek, Vröenka, Tyr'doft, und in den ältesten 
Handschriften des Cosmas : Zribia, Zribin, Zuatoplik, Dligomil, Drisimir, Wlitawa, statt 
Sr'bia, Sr'bin, SvatopPk, Dlgomil, Dr'iimir, Wltawa. Im XIII und XIY Jahrb. wurde 
umgekehrt das i dem / und r vorgesetzt, und Pilzna, Dilgomil u. s. w., geschrieben. 
Woher nun diese auffallende Schreibart? Ungeachtet uns recht wohl bekannt ist, dass 
sich in einigen Wörtern dieses Einschalt- e in der Aussprache festgesetzt und durch das 
ganze Mittelalter hindurch bis auf unsere Zeit erhalten hat, z. B. in krev st. krV, trest' 
St. tr'st', kfest sL kr*st, plet* st. plt' (Fleischfarbe, Fleisch, slaw. plT, niss. plot'), kr ed st. 
kr*ö, blecha st. bPcha, bfeyno st. brVno u. s. w., in andern Wörtern hingegen ein u an 
seine Stelle getreten ist, z. B. in slunce, chlum, pluk, dluh, kluzky, tluku, tlusty, zluty, 
iluna, dlnn, ölunek (schon in der Mat. Verb, mit u geschrieben), so glauben wir doch 
nicht, dass die alten Böhmen in allen diesen und ähnlichen Wörtern das e oder i wirk- 
lich stets so rein und fest ausgesprochen hätten, als es diese Schreiber bezeichneten; vielmehr 
halten wir es entweder ßir einen blossen Nothbehelf der Schreiber, welche, an das Latei- 
nische gewöhnt, nicht begreifen konnten, wie man Sylben ohne Vocal bilden und schrei- 
ben könne, oder für eine Nachahmung der cyrillischen Schreibweise, und dieses letztere 
ist uns sogar wahrscheinlicher. Bekanntlich ging der Yerfertiger des cyrillischen Alpha* 
bets von dem Grundsatze mehrerer orientalischen Sprachen aus, dass jede Sylbemit einem 
Vocal, sei es mit einem lauten, oder mit einem halblauten, schliessen müsse, und erfand 
dazu, analog dem armenischen Jet, die Zeichen -b und b, welche in den ältesten bul- 
garischen und serbischen Handschriften mit einer bewunderungswürdigen Consequenz ge- 
braucht und in vocallosen Sylben stets den liquiden / und r nachgesetzt, nie, wie oft in 
russischen, denselben vorgesetzt werden. Da nun, wie geschichtlich feststeht, Gyrill und Me- 
thod mit ihren Gehilfen das aus Constaiitinopel mitgebrachte slawonische Alphabet in Mäh* 
ren einführten, da selbst der h. Wenzel in Böhmen, zufolge der slawischen Legende« 
neben der lateinischen auch in der slawonischen Schrift unterrichtet war, und im Klo» 
ster zu Sazawa noch in der ersten Hälfte des XI Jahrb. cyrillisch geschrieben wurde ; so 
ist es uns nicht unwahrscheinlich, dass die an das Latein gewöhnten Schreiber in 
Mähren und Böhmen Cyrills Grundsatz der Yocalisation der Sylben befolgten, so wenig 
sie sonst geneigt sein mochten, sein Alphabet anzunehmen. Ohne uns hier weiter in 
eine Untersuchung der Natur und Genesis der Laute 'b und b einzulassen, da uns dies« 
von unserm Zweck zu weit fiihren würde, wollen wir bemerken, dass wir beim Umschrei- 



70 Denkmäler der böhmischen Sprache, UbuscCi Gericht. 

ben des Textes unserer Fragmente in allen jenen Fällen» wo das / und r die Stelle des 
Vocals vertritt und zur Bildung von Sylben dient« die muthmassliche alte Aussprache, 
nach der Analogie anderer alten, zumal cyrillischen Denkmäler herstellen und den Weg- 
fall des e durch den Apostroph ' andeuten werden > ohne uns durch Anomalien der 
spätem böhmischen Mundart, die neben vrk, br'k« u. s. w. auch plet^ blecha, pluk, dluh 
u. s. w. recipirt hat, beirren zu lassen. Dahingegen wollen wir in Wörtern« wie den« 
meö u. s. w,, die Herstellung des ursprünglichen b nicht urgiren. 

Das nasale cyr. a, dem das polnische e entspricht, wird in unserem Fragment 
ein paarmal durch a wiedergegeben, nämlich stroia 1. stroja, ieia 1. jeja Z. 41, suatu Z. 
128 1. svatu, staglau 1. Stiaglav und trasehu se Z. 108 1. trasechu sie. Hieher gehört auch 
das abbreviirte Zutozlau Z. 43, welches Svatoslav zu lesen ist Weit häufiger wird dafür 
ein e gesetzt, nämlich in te 1. tie, se 1. sie, u sese 1. Tsie-ze, poce 1. poöie, suete Z. 34 
1. sviete, cneznu 1. knieznu, cnesna 1. kniezna, use 1. vsie, snehu se 1. sniechu sie, ie se 
L je sie, uecinu 1. vieöinu, ieie 1. jeje Z. 88 -u« s. w. In dem abgekürzten uitzouim Z. 64 
ist ebenfalls ein e zu suppliren, uitezouim 1. vitiezovym. Der Schreiber des Evangeliujms 
verwendet, wie wir unten sehen werden, ausser a und e auch noch f» ea, und ae an den 
Stellen, wo im Cyrillischen ein a, im Altpolnischen ein e stehen würde, und scheint da- 
mit die nasale Aussprache des Lautes andeuten zu wollen, wovon bei unserm Schreiber 
keine Spur anzutreffen ist. Die ältesten lateinischen Urkunden und Annalen schwanken 
zwischen a und e; mau liest darin Zuatoziaus st. Svatoslav, Zuaton st. SvatoJ^, Suatohna 
St. Svatochna, Vacebna st* Vacechna, Zuatobor st. Svatobor, aber auch Brechizlav (Urk. 
um 1027) und Brecizlaus (Urk. 1167) d. i. Briccislav neben dem häufigem Bracizlaus oder 
Brachizlaus d. i. Bracislav, cyr. spAMHCAdB'b, russ. Brjaöislav, ja ein und derselbe Name 
kommt in gleichzeitigen Urkunden bald mit a, bald mit e vor, z. B. Vacemil Urk. 1142, 
Vecemil Urk. 1146 (vgl. Yescemilus Urk. 1185), Vezemil Urk. 1196, und eben so in den 
ältesten Handschriften des Cosmas Bracizlaus und Brecizlaus u. s. w. Die neuere böh- 
mische Mundart hat an der Stelle des alten a, poln. e^ bereits drei oder vier grundver- 
schiedene Laute, nämlich a in svat^, Hd, pata u. s. w., t \tl me, te,.tezky, ram^, sjm^, 
pi^st", pet u. s. w., e in zet', wzpomenu, se, predu u. s. w., j oder gar egj, fg/' in pjd', ijz, 
knjie, chodj pl., nosj pl., oder chodegj, nosegj u. s. w. Die Verwendung eines und des- 
selben Zeichens, nämlich e, für zwei ihrem Ursprünge nach so verschiedejie Vocale, als 
A und -» sind, wird durch den frühen Verlust der wahren Aussprache des letztem erklärbar 
und ist zu entschuldigen; wir haben indess beim Umschreiben unserer Fragmente, aus 
Rücksicht auf da^ hohe Alter derselben, beide Laute streng gesondert, und nur das echte 
cyrillische •* durch i wiedergegeben, für das cyr. a aber, wo es durch e bezeichnet wird, 
ein ie^ welches wie je zu lesen ist, gesetzt. 

Dem cyr. i», poln q, entspricht in unsern Fragmenten ein reines u, z. B. muse I. 
muiie, cyr. mazije, rubi 1. ruby, cyr. raby, uladu I. vladu, uiberuce 1. vyberuce, ustahu 1. 
vstachu, pohualiliu 1. pochvalichu, praudu 1. pravdu, mutisi I. mutiSi u. s. w. Hiezu stim- 
men die in allen lat. Urkunden und Annalen vorkommenden Namen und Wörter, sodass. 



$. 13. Orthographie. 71 

wenn wir etwa den in den Fuldaer Annalen yorkommenden böhmischen Fürsten Zuenti- 
zlaus, und den allerdings auch in den einheimischen Urkunden und Chroniken so ge- 
schriebenen Namen Venceslaus (seltner Yacezlaus) ausnehmen« weiter keine Spuren einer 
nasalen Aussprache der Laute f und q in diesem Zeitalter in Böhmen angetroffen wer- 
den. Aber selbst die Formen Zuentizlaus und Venceziaus könnten eher für Nachahmun« 
* gen einer fremden, polnischen Aussprache« als für treue Gopien der damaligen böhmischen 
Sprechweise angesehen werden, wiewohl an der ursprünglichen Gemeinheit der Nasal- 
laute q und f bei allen Slawen kaum zu zweifeln ist. 

Von Abbreviaturen, die in unserem Fragment vorkommen, war bereits oben §. 7 
die Rede. 

Fassen wir nochmals alles bisher gesagte kurz zusammen, so ergibt sich daraus 
folgendes Schreibsystem« welches der Schreiber von LibuSa's Gericht bei An\i endung der 
lateinischen Buchstaben fiir die böhmische Sprache in Ausübung gebracht hat Er setzt 
nämUch : 

a für a ir roda, luta, glaua L glava u. s. w. 
b für b: rubi 1. ruby, neba» oba u* s. w. 

1c: orlicu 1. OrUcu, nemceh 1. Nemcech u. s. w. 
d: celedi 1. öeliedi, tucu 1. tudu, mec 1. med u. s* w. 
k: uladicu 1. vladyku, cmetmi 1. kmetmi u. s. w. 
d fiir d: rodna, pod, budete u. s. w. 

e: mezu, plamen, case 1. kaie u. s. w. 
£,-«: deti 1. deti, lehi L lechy, dedini 1. dediny u. s. w. 
ie«A: snemi 1. sniemy, te 1. tie, snehu 1. sniecbu u. s. w. 
-b, b: uletauo 1. VFtavo« pleki I. pVky u. s. w. 
g für g: glinu, pognatij gor, pogubi u. s. w. 
h für ch: hodi 1. chodi, hraber 1. chraber u. s. w. 
i: otci, dati, rozli, suditi u. s. w. 
y: suadi 1. svady, glasi 1. glasy u. s. w. 
j: iaz 1. jaz, stroia 1* stroja u. s. w. 
b : iskati 1. iskat\ 

k: ki 1. ky, uladiki L vladyky u. s. w. 
1: hladne 1. chladne, zlata, plamen u. s. w« 
Ij, Ab: lubice 1. Liubice, luta 1. liuta Q. s. w. 
m: bratroma, mosta, rozumu u. s. w. 
n: zaconu 1. zakonu, narodu, sudne u. s. w. 
nj« Hb: plezne 1. pPzuie, rozuzenu 1. rozsuzeniu u. s. w. 
o: caco 1. kako, gor, ot, stola u. s. w. 
p: po« plamen, ptencem u« s. w, 
r: radouan L Radouan« bratroma u. s. w. 



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n Denkmäler der böhmischen Sprache. LAusas Geruhi. 

s: ustahu 1. vstachu, stara» sprosi u. s« w. 
r für I §: uisegrade 1. Vy$egrad^> hrudoa L Chrudoi u. s. w. 

i: seni 1. ieny, drusna 1. druina u« 8. w. 

t: budeta« uadiia 1. yadita u. 8. w. 
^ "^^ 1 t*: ulasti I. vlasii« te 1. tie u. 8. w. 

1u; umreli, tu> paau L pasu u. 8. w« 
y: uoieuodi 1. vojevodi« zlauni L alavny u« 8. w. 
Iz: mezu, zlata, nalez u. 8. w. 
i: cneznu 1. knieinu« zlec 1. lYb u. 8. w. 
8: cizlem 1. öislenij zlaba 1. alaba u. 8. w. 
Wir schlie88en unsere Beleuchtung der Orthographie des alten Stückes mit der all- 
gemeinen Bemerkung, dass es zwar zu einer methodischen und Tollständigen Vergleichung 
derselben mit der Schreibweise anderer gleichzeitigen Schreiber an Mitteln fehlt» indem 
sich in Böhmen« so viel uns bekannt« kein einziges lateinisches« zumal böhmische Wörter 
enthaltendes Schriftdenkmal aus dem X Jahrb. erhalten hat; dass aber dieselbe mit der 
Orthographie der ältesten spätem Original -Documente« die freilich erst mit dem XII 
Jahrh. beginnen« in den wesentlichen Puncten genau übereinstimmt Nur muss man zur 
Vergleichung wahre und echte Original -Urkunden wählen« und nicht etwa zu Copien aus 
dem XIII Jahrh. greifen« die sich fiir Originalien ausgeben; denn dies macht einen grossen« 
wesentlichen Unterschied. Wir sind sogar der Meinung, dass unsere beiden Fragmente 
dem besonnenen Kritiker bei der Prüfung der Echtheit der ältesten lateinischen Urkunden 
in Böhmen in Bezug auf die Orthographie der böhmischen Namen und Wörter einen 
wichtigen Dienst leisten können. 

$. 14. Grammatische Formen. 

So lückenhaft die Grammatik ist« die sich aus einem so kurzen Fragment ab- 
strahiren lässt« so wollen wir doch« bei dem hohen Alter des Stückes« alle Formen von 
Flexionen und Wortbildungen« die darin vorkommen« hier in eine allgemeine Uebersicht 
zusammenstellen« und wo es nöthig ist« mit kurzen Anmerkungen begleiten. 

1. Substantiv a. 

Wir lesen in unserem Bruchstück folgende: 

Sg. Ncm. m. ol (Vater). Stiaglav. Trut. Liutobor. Radovan. Ratibor. — plamen'. 
Cbrudoä. meö. — /. glava. sestra. kniezna. voda. iena. pravda. ruka. — Liubusa. buria. 
vlastovica. zmija. — iVö. 

Gen. m. roda. Mosto. stola. — muza (fär Acc. gebraucht) chrmca. — Tetvy. — 
/. vody. Otavy. Sazavy. svady. — Liubice. Mze. — plznie. — n. neba. — rozenia. 

Dat. m. zakonu. rozumu. narodu. — prVencu. muiu. — /• vlad^. — deliedi. — «• 
iel^zu« — rozsuzeniu. 



$. 14. Grammatische Formen. 78 

Acc. m. STatoslav. Liutobor. Ratibor. Radovan. Jaroiir. Strezibor. Samotod. Stia- 
glav. Slol. nalez. narod. sniem. — Ghrudos. — yladyku. — /. praydu. yodu. gliau. knieinu. 
poprayu. yieöinu. d£dinu. — tuöu. Orlicu* — saä. — n. sloyo. — okence. — osudie. 
poganienie. 

Foc, /. Vl'tavo. knieino. 

Lcc, m. VySegradS. dyorS. snieme. — /. Otaye. rizö. utrobe. Radbuze. — n. sedle. 

Soc. m. turem. — yi mdru. ruku. liutostiu. — n. Öislem. sboiiem. 

DuaL N. A. V. m. bratry. Klenoyica. — f. dßye. 

D. 5. m. bratroma. 

PL Nom. m. I^si. udi. — otci. — muzie. kmeiie. — yladyky. — /. dubraviny. 
desky. ieny. deti. 

Gen. ms, bogoy. — /. gor. Kr'konoäi. — n. br'd. 

Dal. ms. lechom. — ptencem. muiem. — /. yesöbam. 

Acc. ms. ruby. sniemy. posly. 16chy. glasy. kmeti. — yladyky. — /. glayy. d^diny. 
reky. kriydy. — ylasti. yypoyfidi. 

Loc. ms. N^mcöch. 

Soc. ms. l^cby. pl'ky. — kmefmi. — yladykami. 

Die Flexionsformen j welche uns die Declination der Substantive bietet , sind 
durchaus regelmässig, und stimmen einerseits mit dem ältesten Sprachgebrauch in Böhmen, 
wie wir ihn aus andern Quellen und Denkmälern kennen» andererseits aber mit den 
Regeln der allgemeinen slawischen Grammatik fiir jene ältere Zeit überein, ohne dass 
auch nur die mindeste Anomalie und Abnormität bemerkbar wäre. 

Dasyi przeü hat im Gen. pFzuie, nicht pFzui, weil im Böhmischen die Substan. 
tiva: prijazefi, jetzt pfizeft, kajazeA^j. kdzeü, \kzeh, bojazeü, j. bazeä u. s. w., von jeher 
nach dem Muster cirkey\ krey' (bei Dobrowsk;^ Declination Y. Parad. b), und nicht, wie 
im Kirchenslawischen, nach dem Muster kost* (Decl. III) declinirt werden, und wenn bei den 
Alten zuweilen kÄzni, dani, ini, st. k4zne, dane, in^, angetroffen wird, so ist dies nur 
eine Verwechslung zweier im Grunde nahe verwandter Declinationen. 

Der männliche Acc. sg. der Belebten: Svatoslav, Liutobor, Ratibor u. s. w. ist, 
gemäss dem ältesten slawischen Sprachgebrauche, dem Nom. gleich, und nur in der 
Phrase : voFte sob^ muia Z. 120 — 121 kommt schon der Gen. statt des wahren Acc. 
mui vor. In den Formeln : po Svatoslav, po Liutobor, po Ratibor u. s. w,, schützte 
schon das Yersmass die alten Accusative vor dem Austausch. In der Königinhofer Hand- 
schrift, in den ältesten hs. Psaltern, im Passionale aus dem XIV Jahrb., bei Dalemil 
und in andern gleich alten Denkmälern kommt der alte Acc, neben dem Gen. gebraucht, 
noch häufig genug vor. Dass sich in einzelnen Ausdrücken, z. B. na köü, za muz, pro 
böh u. s. w. , die ursprünglichen Acc. noch im spätesten Mittelalter, zum Theil bis auf 
den heutigen Tag herab, erhalten haben > ist bekannt genug. 

10 



74 Denkmäler der b&lmuschen Sprache. Libusae Gericht. 

In den Phrasen: po zakonu« po rozumu» po narodu, po iel^zu, ist das u ein 
sicheres Merkmal des Dativs* um so mehr« da die unzweifelhaften Locale : Vyäegrade» 
dvorJ^, snieme« auf e^ ausgehen, was ganz dem alten Sprachgebrauch gemäss ist Bekannt- 
lich regirt die Präposition po, in der Bedeutung nach (secundum), im Kirchenslawischen 
den Dativ: po delom, po domom, po glavam, po morju u« s. w. Die spätere böhmische 
Mundart liess die Rection des Dativs bei den Subst* fahren, und behielt sie nur bei den 
Adj. indef. bei. (Vgl. unten S. 90.) 

Der Dual. Nom« und Acc. masc. bratry weicht von dem Altslawischen, welcher in 
a ausgeht, ab, ist aber echtböhmisch, wie wir ihm in allen unseren ältesten Sprachdenk- 
mälern stets und ohne Ausnahme begegnen. So lesen wir in dem ältesten Passional aus 
dem XIV Jahrh« im Museum , S. 39. col. 2 : Zievista sie dva andiely k nima tak f kuce : 
va sva andiely vama na stra£ dana; S. 411. coL 2: v tu dobu vnidesta dva nadobna ji- 
nochy, so in der Königinhofer Handschrift: krdsna parohy, Lud^kova prsy, dravi ostra 
dripy, zraky zapolena Slavojeva u. s. w. In der 2ten männlichen Declinaüon wechselt 
das a mit dem e ab. Man findet wohl noch mitunter : knieza, z* B« knieza sva im Wit- 
tenb. Psalter, doch weit häufiger : ta dva ciesafe, dva ko$ie (Pass.) u. s. w. Hier ging 
das a, ia sehr früh in «, ie über« wie in jeSut (cyr, a$ut), ielud, deäe, kurienoha, ko- 
ziebrada u« s. w. 

Den Plur. Nom. von l^ch lesen wir ISsi, nicht l^Si, da wir überzeugt sind, dass in 
jener alten Zeit, in welche unser Gedicht föUt, die Böhmen die Gutturale ch noch regel- 
mässig in s verwandelten, so wie g \n z und k in c. So wenig wir in unsern einheimi- 
sehen Quellen ein boii für bozi von bog, oder Reöi für Heci von Rek antreffen, so 
wenig dürfen wir für jene Zeit — wir meinen das IX — ^X Jahrb. — einl^si, Ceti, VlaSi u.s.w. 
zulassen. Die Verwandlung des ^ in i sowohl in diesen, als in vielen andern Wörtern, z. B. 
in ves, vsi, vsaky, skvrna, slupka» spina u. s. w., gehört aller Wahrscheinlichkeit nach 
einem viel späteren Zeitalter an« In den ältesten Handschriften liest man ausdrücklich: 
skornie (nicht skornS), skfehtati (nicht ikfehtati), ves (omnis), vesdy, vsaky, vseckeren, 
vsici, vsudy, in der Mat. Verb, „zpina'' d. i. spina (sordes) u. s. w. 

Der Gebirgsname Krkonosi (jetzt Kr*konoäe) pl. ist in unserem Fragment weiblich, 
nicht männlich : Ot gor Kr'konoSi. Schon Tomsa hat das Geschlecht des Wortes so be- 
zeichnet, ganz sach- und sprachgemäss. Uebrigens kommt Kr'konoä auch in der einfachen 
Zahl vor: K Krkonosi. Odp. na spis. 1522. (Vgl. Jungmann's Siownjk Nachträge u. d. W.) 
Die männl. Subst. muz und kmet bekunden auch hier ihre anomale Dedination, 
wie wir sie in allen Dialekten seit der ältesten Zeit wahrnehmen. Sie haben in Nom. 
Plur. ü statt der ursprünglichen i/ez muzie, kmetie, imAcc. e; kmeti, imSoc. mi : kmetmi. 
So treffen wir in den ältesten Quellen auch 2idie, ludie, dr'tie, gostie u. s. w. an, wo 
die neuere Sprech- und Schreibweise bloss ein / odery setzt: iidi, lide, host^, muzj, 
bratrj, knezj u. s. w. 

Dass das männliche vladyka der Declination des weiblichen folgt, zu der es kraft 
seiner Endung gehört, leuchtet von selbst ein. 



§• 14. Grammatische Fcrmen. 7ft 

2. Adjectiva. 

Wir wollen die Declinatioii der unbestimmten oder abstracten Adjective von der 
der bestimmten oder concreten scheiden. 

a) Unbestimmte. 

Sing» Nom* msc. chraber. pravdozv^sten. - /. öeliedina- slaba. - n, kruto. mumo. 
ticho. zapodobno. nechvalno (als Adv. gebraucht.) 

Gm. msc. stara (roda). Popelova. Dobroslavska (chrmca). Kamena (Mosta). rovna 
(muia> für den Acc. gebraucht), zlata (stola). otna (stola). - /. krivy (Otavy). ladny (Sazavy). 
n. sira (neba). 

D€U, msc. svatu (zakonu). 

Acc. msc. sboren (narod.) oten (stol.) - /. liutu (saii). - n. rozlozito (okence). 

yoc. f. slavna (kniezno). 

Loc. msc. svietg (Yysegrad^). Liubu^inä (dyore). slavnS (sniem§). - f. krive (Otave)* 
zlatonosne (Otave). chladnö (Radbuze). belestvuci (rize). - n. zlat6 (sfidlS). otnS (s§dle). 

Soc./. roTnu (meru). 

Dual. Nom. msc. rodna (bratry). rozvadiema und rozyadiena (bratry» Acc.) - /. 
T^glasnS (dey6). yyuöene (deyS). sudne (dev6). 

Plar. Nom./» vyberuce. 

Acc. msc. slavny (sniemy). 

b) Bestimmte. 

Sing. Nem. msc. liuty. karajuci. - f. liuta. dru£na. rodna. sTatocudna« ddvde (ruka). 

Gen./. bSle (Liubice). strebronosne (Mze). 

Acc msc. noyy (nalez). - /. strebropSnu (vodu). zlatopisku (glinu)* • n. sTate (osudie). 

See. msc. jarym (turem). 

Pbtr. Nom./ une (dubrayiny). pravdodatne (desky). 

Gen. msc. y^koiiznych (bogoy). - / zelenych (gor). - n. ylt'oreönych (br'd). 

Dat./ vitiezoyym (y^iidbam). 

Acc. / Urne (ylasti). otne (dSdiny). 

Soc. msc. Öechoyymi (pluky). 

Für den Genitiv« Dativ und Sociativ in der ' vielfachen Zahl der unbestimmten 
Art bietet das Fragment kein Beispiel dar ; die dahin einschlagenden Wörter folgen bereits 
der bestimmten Declination. Dieses frühe Verschwinden des Gen.» Dat.» Loc. und Soc. 
in der vielfachen Zahl der unbestimmten Declination bemerken wir in allen übrigen 
Dialekten» namentlich in dem ILirchenslawischen. 

Welcher Art die weiblichen Endungeir auf a und u : liuta» druina» slaba» liutu 
u. 8. w.» beizuzählen seien» bleibt zweifelhaft und unentschieden» da in dem Altböhmi* 

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76 Denkmäler der böhmüehen Sprache» Libusa's Gerüki. 

sehen die Endungen aja u. u/u nicht vorkommen > und der ganze Unterschied der zwei 
Formen wahrscheinlich nur darin bestand, dass in der unbestimmten Art das a kurz« in 
der bestimmten hingegen lang ausgesprochen wurde. In der Regel sind die dem Haupt- 
worte Yorgesetzten Adjectiva fiir bestimmt, die nachgesetzten för unbestimmt zu halten. 

Der Local : otn§ sedle bürgt dafür , dass dieses Beiwort im Altböhmischen oten, 
otna, otno, lautete : denn Yon otnie wäre der Loc. n. otni. Ungeachtet in der altern 
russischen Mundart das Adj. oten, otni, otnie, oder otni, otnija, otneje, mit einem wei- 
chen ii Ton ot abgeleitet wird, so zeugt doch das einzige im Altböhmischen vorkommende, 
übrigens etwas dunkle „otne pameti, pubes« virilia'' (Mater Yerborum 245, 3), welches wir 
otne pamety lesen (nach dem l in pameti sind in der beschädigten Membran Spuren 
von i sichtbar) ebenfalls für die harte Form. Uebrigens ist es nicht unmöglich, dass 
im Altböhmischen das Wort sowohl mit der harten Endung: oten, otna, otno, otny, 
otna, otne (vergl. roden, rodna, rodno in unserem Fragment von rod), als auch mit 
der weichen : oten, otni, otnie, gebräuchlich war. Wir finden diese doppelte Endung bei 
mehreren ähnlichen Adjectiven, z. B. prokni und prokny, davni und davny, nasobni und 
nasobny u. s. w. 

Die Endung e in devöe (ruka) statt a : d^vöa (ursprünglich d^vdija) darf nicht 
befremden: wir begegnen ihr bereits in andern unsem ältesten Quellen, z. B. in der 
Mater Verb. : kurenoha (gallicrus, Hahnfuss), kozebrada (Bocksbart), in dem Clem. Psalter 
aus dem XI Y Jahrb.: boze mluva, im Passional : öloveöe mysi, m der Königinhofer Hand- 
schrift: byvse blahost, iducie röze, najvySsie zadost u. s. w«, neben der viel seltenem: 
(mati) bozia u. s. w. Wir wollen auf diese frühe Verwandlung des a in e weiter unten 
(§. 22) umständlicher zurückkommen. 

Der Gen. sg. fem« in der bestimmten Art geht auf ^ aus: bäe (Liubice), strebro- 
nosne (Mie). Die andern ältesten Quellen bieten ein ej und e abwechselnd dar : so lesen 
wir in der Königinhofer Handschrift : krasnej dSvy, radostnej Prahy, jednej, vterej, boiiej 
matefe, fvücej huby u. s. w., aber in dem ältesten Passional: ohrada svate v#ry. Bei 
den Zahl- und Fürwörtern : jednej, vtorej, svej, hat auch unser Fragment die Endung ej. 

3. Numerali a. 
Von diesen kommen in unserem Bruchstück nur folgende wenige vor : 
Smg. Nom. msc. vsiak. Gen. f. jednej. vtorej. 
Äcc. n. jedno (in dem Adv. v- jedno). 
Dual. Nom. Acc. msc. oba. - /. dve. 
Plur. Nom. msc. vsi (udi). " /. vsie (deti). 
Acc. tri (r§ky). msc. vsie. (kmeti). 

4. Pronomina. 

Persönliche, und zwar die der Iten und 2ten Person: 

Sing. Nom. jaz. Acc. tie. Plur. Dat. nam. vam. Acc. vy, Lee. nas. vas. Für die 
dritte : Sing. Gen. fem. jeje und jeja. Dat. msc. jemu. Dual. Gen, msc. jeju. DeU. u. Soc. 
ima. nima. Pbir. DeU. /. im« Acc. msc. je. 



§. 14. Grammatische Formen. 77 

Das Reciprocum sie : Sing Dat. si. Acc. sie. (in vadita sie u» a.) See. sobcu 

Das Fragende öe (was). 

Das Relative jen-ze: Sing. Nom. msc. jen-ze* Acc* /. ju-ze. Dual, Nom. msc. ja-£e. 
Plwr, Dat., nim-ie* Ferner Sg. Nom, msc. ky. 

Die DemonstraliTa und Determinatiya : Sing. Nom. msc. prokni. Aco* n. se (hoc.) 
Plur. Acc. J, sie (ylasd). 

Phxr. Nom. msc. sami. 

Die Possessiva: 

Sing. Gen. n. svego. Dat. f. svej. Dat. msc. svemu. Acc. n. moje. Plwr. Nom. 
msc, moji. naä. Acc. f. moje. troje. 

Diese Formen bieten nichts Bemerkenswerthes dar« da sie alle regelmässig und 
dem bölimiflchen Spracbgebrauche gemäss sind» mit Ausnahme des einzigen Soc. sobu> 
wofür sich die spätere Mundart sebu aneignete« während umgekehrt der ältere slawische 
Dativ sehe im Böhmischen in sobS überging. .Der Wechsel des o und e in allen sla- 
wischen Dialekten ist bekannt genug. In der Königinhofer Handschrift lesen wir noch: 
nad sobü, und eben so im ältesten Passional: s sobu« s tobu, pfed tobii u. s. w. 

Bei den Poss. moj« tvoj« svoj« treten die abgekürzten Formen, wie svego« syej« 
svemUj bereits sehr früh zum Vorschein: wir finden sie in der Königinhofer Handschrift« 
in beiden ältesten Psaltern« im Passional u. s. w. Die ältesten serbischen Sprachdenk- 
mäler haben sie bereits ebenfalls. 

Die Doppelform des Gen. jeje Z. 88 und jeja Z. 41 erklärt sich durch die un- 
gleiche Schreibung des cyrill. a; vgl. svatu Z. 128 und sviete Z. 34. In der spätem 
böhmischen Mundart wurde zwar aus dem Gen. jeje ein flexibles Pronomen gemacht« 
womach man jeja für den Dual. Acc. msc. halten könnte« doch scheint uns dies für jene 
alte Zeit unpassend. 

5. V e r b a. 

Wir wollen alle vorkommenden Fälle aufzählen: 

Ind. Prats. und Futur, sg. 2 pers. mutisi. — 3. pije. umre. vlade. zarve. vojevodi. 
chodi. vnori. kaie. naricaje. bSduje. Dual. 2. vadita sie. rozdelita sie..smerita sie. 3.pa- 
SU. vladu. stroja. 

Imp. 2 pers. sg. seber. — pl. rozr^§ite. ustavite. sud'te. vorte. 

Gerund. pL J. vyberuce. Hieher gehören die bereits in Adj. verwandelten: kara- 
juci. bSlestvuci. 

Inpn. dati« vlasti. pognati. ustavid. suditi. vypraviti. govoriti« chvaliti. provolati. 
pregliedati. In iskati ist zwar das i ausgeschrieben« das Versmaass verlangt aber die Aus- 
lassung desselben; iskat\ 

Praeter, sg. 3. pride. siede, poöie. vsta. rozii sie. je sie« vece. vstanu. machnu. 
slySe. sprosi. pogubi. stupi. — rozvlajase. priletlSe. — Dual. 2 f. sebrast£. sbierast& da- 
st6. — Plwr. 2» rozmysliechom, — 2. slySeste. — 3. vstachu. sniechu sie. poöiechu. pri- 
nesechu. klaniechu sie. trasechu sie« pochvalichu. 



78 Denkmäler der böhmuchen Sprache. LSbusas Gericht. 

Prael, Partie, ad. 9g. msc. yladl« smSriU /. nemutila. 

Praet. Gerund./, sesypavli. opIakavH. vyplakavSi. 

Praet, Pariic. pass. ig, msc. sboren« — Dued. m. rozyadiema (einmal Z. 56) und 
rozvadiena (Z. 83 — 84). /• vyuöenJ. 

Von dem Yerbum sabsu jesm*, buda« byti, kommen in unterem Fragment bloss 
diese Beispiele vor: 

Praet. pL 3. su. 

Fut. sg. 1. nebudu. — Daal. 2. msc» budeta. y« budetS. 

Praet. sg. 3» by, in ky by smerih ky by rladL 

In Praes. in der 2. Person des Sing, noch i: mutüi. Eben ao im Evangelium: 
myjesi, neimafii, rnlVi^i, nedöli, und in dem Anomalen t vSsi» ner^si« Tzy^st. Wir treffen 
es zuweilen noch in viel spätem Denkmälern an« z. B. in der Königinhofer Handschrift r 
pijedi« chceii* aber auch schon p^jeS» chcei« 

In der dritten Person kein / mehr« welches auch im Evangelium bloss ein ein- 
zigeamal vorkommt; ostanet^ neben ide« rede, prinese u« s« w« 

Die Imperative: seber und sud'te« vorte« erscheinen bereits in der verkürzten 
Form« statt seberi, sudite, volite. Hiernach könnte man rozr£$ite und ustavite filr Futura 
nehmen« was jedoch zum Sinne nicht gut passt. Unserer Meinung nach sind rozreäite 
und ustavite wahre alte Imperative« die sich neben den verjüngten erbalten haben; 
denn der Sprachbildungstrieb pflegt nie alle Wortindividuen gleichmässig und gleich- 
zeitig zu verwandeln« sondern ältere Formen erhalten sich neben den jungem« zumal in 
Gedichten« oft Jahrhunderte lang. Ein schlagendes Beispiel davon liefert uns der Wit- 
tenberger Psalter« Ps. 33« 9: Okuste a vidite« gustate et videte« ferner die Starobyla 
SkUd. U. 138. V. 13: A tu Hb kup lib nekupi« wo sogar in demselben Satze« ja in dem- 
selben Worte der volle und verkürzte Imperativ erscheint So liest man im Psalter 
des Museums: Sedi na pravici mej« aber in einer andern alten Hs. Sed* na pravici mej. 
Das Evangelium bietet vidite« vdrite« dov§rite und chodete dar ; denn es ist nicht wahr- 
scheinlich« dass in den drei ersten Fällen das i bloss ein Zeichen der MoUirmig sei, 
statt: vid'te« vör'te« dov^r'te* Die Königinhofer Handschrift und andere alte Denkmäler 
enthalten noch viele Beispiele des ursprünglichen und vollen Imperativs im Singular« 
z. B, budi« nebudi« vedi« mluvi, otvori« obnovi« nad^liboh MaC Verb* u. s. w.« jedoch« so 
viel uns bekannt» keines im Plural Noch heutzutage sagt und schreibt der Böhme bo- 
pomozi statt bopomoz ! Merkwürdig« dass Dobrowsky sogar in einer alten cyrillischen 
Handschrift: caabts statt caa-bts fand. Inst. 1. slav. 560. 

Das doppelte Praeteritum« nämlich das der einfachen und der fortgesetzten Hand- 
lung« oder das Praeter, actionis continuatae « ist in unserm Fragment durch die. einem 
jeden eigenthümlichen Formen gesondert. Das letztere hat in der altböhmischen Mund- 
art einen sehr weiten Spielraum« einen fast weitern« als selbst im Kirchenslawischen. Die 
Formen: poöie« pociechu« und slyse« slyseste« femer vece« gehören dem einfachen Praet. 
an: in poöie« poöiechuj ist das ii^« ^ an die Stelle des cyr. a« in slyse» slyieste« vece« 



$. 14. GrammalUche Fcrmm. 79 

aber an die des cyr. 4 getseten, wovon an einem andern Orte. Beispiele des Praet. iter. sind : 
Sing. 3. rozylajaie St. rozvia ; Plur. 1* rozmysliechomstrozmyslichom. In den ältesten cyrill. 
Denkmälern wird dieses Praet iterat. bald durch m« bald durch «b geschrieben (p^CTMXb 
und p<icT»jrb> jedoch nach Vocalen und \, femer nach m, v, ui und i|i nur d, weil diese 
ein *» nicht vertragen) > und da in denselben der Wechsel des m und -^ häufig ist» so 
entsteht die Frage» welche Schreibart die genetisch und organisch richtigere sei» und ob 
man im Böhmischen ein ie oder i zu setzen habe ? Wir entscheiden uns für die Schrei- 
bung durch ie, ohne hier in eine Unter-suchung der Frage weiter einzugehen» und bemerken 
bloss» dass die ältesten böhmischen Denkmäler nur höchst selten ein a oder ia, dahin- 
gegen zu hundertmalen das e oder ie bieten. Wir lesen noch im Evangelium: nosaSe» 
aber auch öiniese; uöach» chodiachu» aber auch im^jech» rejech; in der Königinhofer 
Handschrift zw«ir noch einmal: pustiaSe S. 40» dahingegen daselbst» in den älteren hs. Psaltern 
und in den Starobyla SklAdanie zu hundertmalen : f eviech» mluviech» tepieie» jedieSe» 
ötieäe» slovieSe» krojeSe» radieSe» opraviese» zvoniele» pritulieSe» buriee^e» mluviefte» sluiefie» 
IsknieSe sie» snieSe mi sie» imejechu» uvediechu» pHjediechu» klekniechu» hmiechu» di- 
viechu sie» zbrocechu» daviechu» pejechu u. s« w. In der 3 Pers. des Sing, nehmen auch 
einfache Praeterita das Se» besonders nach a und i gern an: rva$e st« rva» dodaSe» po- 
daSe St. doda» poda u. s. w. Daher prilet£§e in unserm Fragment st. priletß. 

Höchst merkwürdig und in einer gewissen» weiter unten anzudeutenden Hinsicht 
(vgl. 5. 24) von grosser Bedeutung ist die Z. 56 vorkommende Form des Praet. Partie, 
pass. »rozuadema»« d. i. rozvadiema statt rozvadiena» welches letztere Z« 83 — 84 wirklich 
gelesen wird. Lange Zeit hielten wir dieses rozvadiema für einen Schreibfehler» bis uns 
anderwärts vorkommende Beispiele von dem Gegentheil überzeugten. Wir lesen näm- 
lich ausdrücklich in der Königinhofer Handschrift S. 28 »Slavny Yneslav sraiem s nasep 
sipem»« ferner ebendas. S. 56 »i by leskem napFniema hora»« in dem Clement. Psalter: 
pamatem sem byl boha 76» 4» im Passional: kfestiem sem S. 623» 1» bei Andreas von 
Dubä: drieve neiby byl vyvazem» W^kl. na pr. z. §. 65. (S. 374» in Kucharski's Ausg.)» 
endlich bei Thomas dtitn^ : »dlowiekem uöiniem»« statt sraien» napFniena» pamaten» krestien» 
vyvazen» udinien. Auch unser tagemstwj statt tagenstwj gehört hieher ; da es offenbar aus 
tagem statt tagen entstanden ist. Dem zufolge sind wir der festen Ueberzeugung» dass 
die alten Böhmen diese und ähnliche Wörter mitunter wirklich so ausgesprochen haben» 
wie sie hier geschrieben stehen» und dass hier dieselbe Verwechslung der Labialen n und 
m statt fand« der wir auch in andern slawischen Dialekten so häufig begegnen» zumal im 
Serbischen» wo man podimati» poöimak» p^sam und p^sm'a» osvem» rekmem» nakom« 
stramputice» ma» mezimac» micina» mestve u. s. w. statt poöinati» podinak» p£san und pSsna» 
osven» reknem» nakon» stranputice» na» mezinac» nicina» nestve u. s. w. spricht und 
schreibt. Vgl. Serbische Lesekömer (Ofen 1833. 8. S. 51.) Weitere Beispiele iur den 
Austausch des n und m im Altböhmischen sind: nrav st mrav (vgl. mos)» ny st. my» und 
umgekehrt meSpor (im Pass.) sL neSpor» cham st* chan (in der Kön« Hof. Hs* beständig)» 
zenima st. zenina» dma st. dna. 



90 Denkmäler der böhmischen Sprache. LAasas Gericht. 

In dem frühen Gebrauche des verkürzten su st Jesu, stimmt die altböhmische 
Mundart mit der kirchenslawischen (suf st jesut*) u, a. Überein. In der Königinhofer 
Handschrift Uest man : Sä dobri iudie» sü N^mci u. s. w. Eben so früh mag das in dem 
Evangelium noch häufige jesi in si abgekürzt worden sein; daher: Ty si parob, ty-li si 
ialostivo u. a. m* in der Königinhofer Handschrift. 

Die umschreibenden Tempora: Futur, periphr. budeta vlasti» nebodu suditi» Praet 
Optat by vladl^ by sm^ril, die wir in ihre Bestandtheile aufgelöst haben, übergehen wir. 

6. Praepositionen. 

Es kommen folgende Vor: k, na, o, ot, po, pod, pres, proin, s, a, v, z. 

Ferner die als Praepositionen gebrauchten Adverbia: dlie (eigentUch eine Post- 
position)j mezu und utr\ 

Ihr Gebrauch bietet wenig Bemerkenswerthes dar. Das Adv. dhe« cyr. aah«« A-ttAtu, 
A-feA-ft, wird als Praeposition dem Hauptworte nachgesetzt: pFzuie dlie« rozenia dlie. Eben 
so im Evangelium: Jesusa dlie, und in der Königinhofer Handschrift: dcefie die, pod- 
stavichu sehe die, Ludiekova die slova. 

Die Praepos. ot erscheint, wie kaum erinnert zu werden braucht, in ihrer alten 
Gestalt, nicht od, wie sich dieselbe die neuere Mundart aneignete« 

Wir haben bereits oben berührt, dass po den Dativ der Substantive und Prono- 
mina regiert, wie im Kirchenslawischen, Serbischen u. s. w, ; hier wollen wir diesen Ge- 
brauch noch aus andern altböhmischen Quellen belegen. Man liest in den ältesten Hand- 
schriften der böhmischen Stadtrechte: dati po t^em halöfom z kopy, z kaide kopy po 
tifem grosom. Mit dem Dativ der Adject. indef., in der Bedeutung »auf, nach Art,« ist 
diese Construction bekanntlich noch heutzutage in ganz Böhmen gangbar: po lidsku, po 
zensku, po öesku, po stfjzvu u. s. w. 

Das Adv. utr', in der spätem Mundart vniutf, jetzt vnitf, entsprechend dem cyr. 
utr', russ. nutr\ steht hier, indem es die Stelle einer Praeposition vertritt, mit dem Local: 
utr' YySegrad^. Sonst wird vnutr* sowohl im Kirchenslawischen, als auch im spätem 
Böhmischen, mit dem Genitiv gefügt: vnutr' dvora, vniutr* i zevniulr' mesta. Der Gebrauch 
des Locals in unserem Fragment ist demnach eigenthümlich und deutet ein hohes Alter an. 

Die Praeposition z erscheint schon in verkürzter Form für das ältere iz (aus, ex). 
Mit Ausnahme des Evangeliums, welches noch iz hat, femer einer einzigen Stelle in der 
Königinhofer Handschrift S. 21t: Tamo k chlumku iz Tatar premnostvie, und der Orts- 
namen Izgorelik Urk. 1052, Izvestovici Urk. 1131, bieten alle übrigen alten Quellen und 
Denkmäler der böhmischen Mundart nur ein z dar. Unsere Fragmente fallen also in eine 
Periode, wo beide Formen neben einander bestanden haben, gleich den vollen und ge- 
kürzten Imperativen: chod^te und sud'te, voFte, oder den heutigen jest und je, skrze und 
skrz u. s. w. 

Für die Aussprache des e in ee (Mie), femer in den zusammengesetzten: seber, «e- 
braste, sesypavsi, bürgt das Yersmaass. 



S« 14. Grammatisehe Formen. 81 

7. Adverbia. 

Wir treffen dayon folgende an: ide-zc« kako^ kda, kdy, l^egdy» tako, tu, u» yjedno, 
ze (relat.); ferner die als Adverbia gebrauchten Adj. indef. n. kruto> mutno, nechvalno, ti- 
cho, zapodobno. 

Sie bieten wenig Bemerkenswerthes dar. Das dreifache kda, kdy, kegdy, bedarf kei- 
nes Beleges und keiner Beleuchtung aus andern Quellen, da es häufig so Yorkommt. Das 
veraltete ide-ze, wofür man später kde-ze, kdez, sagte^ kommt im Altslawischen vor. Alter- 
thümhch ist u statt uze, uz, ohne die emphatische Partikel ze. In andern böhmischen Denk- 
mälern, die freilich alle bedeutend jünger sind, lesen wir es nicht Das Evangelium hat 
u-ze, ju-ie. In den ältesten cyrillischen Handschriften kommt das einfache u häufig genug 
vor: in ne u (nondum) hat es sich bis auf die spätesten Zeiten herab erhalten« Wie einst 
n St. uze, so sprachen und schrieben i die Böhmen noch im XIY Jahrb. ne st. neze, nez. Die 
Belege findet man vollständig in Jungmann^s Böhmischem Wörterbuch. Das relative -ze wird 
den Pronom. und Adv. angehängt: jen-ze, sie-ze, ide-ze, ja-ze, k nim-ze» im-ze, ju-ie. 

8. Conjunctionen. 

Bloss folgende vier: 5i, i, li, za. 

Das i verbindend (et, etiam), und von dem adversativen a (sed) genau geschieden. 
Das za für zda (num), im Altböhmischen nicht selten (vgl. Star. SkUd. 11. 48. 214. III. u. oft.), 
einfach und höchst alterthümlich , dem polnischen aza und dem serbischen zar vergleich- 
bar; in jenem ist nämlich a ein Vorschlag, in diesem r statt i (vgl. more st. moze^ jer, 
jere st. jeze u. s. w.) ein Anhängsel. Für den Wegfall des d in den Conj. und Adv. 
auf - a oder - gda zeugen kirchenslawische Handschriften bulgarischer und serbischer 
FamiUe, wo iga, jega , k'ga st igda, jegda, k'gda u. s. w. ganz gewöhnlich sind. Die 
Conj. U erscheint Z. 81 abgekürzt: T, nebudetST; man vgl damit: Ghcevß l'jiti u pondäli. 
Star. SkUd. II. 119. V. 29. 

9. Interjectionen. 

Bloss zwei : aj , se. Erstere ist im Böhmischen die herrschende ; für die zweite, 
welche nichts weiter als das Neutr. des Pron. dem. s* (altböhm. sien, wie ten st. t), si, 
se, ist, bietet das Evangelium einen Beleg dar. 

10. Syntax. 

Da wir uns hier bei dem gewöhnlichen und allbekannten nicht aufhalten können, 
und da wir einiges eigentlich hieher gehörige (z. B. den Gebrauch der Präpositio po) 
bereits bei der Betrachtung der Formen vorweggenommen haben: so begnügen wir uns, 
einige spärliche Bemerkungen beizufügen. 

Alterthümlich und beachtenswerth ist die emphatische Wiederholung der Präposition: 
Z. 7. Chodi 8 kmetmi, s lechy, vladykami, Z. 28. Jen-ie pride s pl'ky s £echovymi. 
Man vergleiche damit die in der Königinhofer Handschrift häufig vorkommenden Redena- 
ll 



88 Denkmäler der bchnuschen Sprache, Libusas Gericht. 

arten: za dusicü za otletlü, na yschod na pol« se vsiem se svym lindem, u hrad u tvrdy, 
k vrchu ku hradovu, ku hradu ku iTrdu u* s. w. Die ältesten Denkmäler anderer Mund* 
arten bieten um so mehr Beispiele dieser Wiederholung an die Uand> je näher sie der 
Yolksmundart stehen. Man sehe die ältesten russischen und serbischen Urkunden oder 
Kirsa Danilov's altrussische Yolksgedichte nach« und man wird darin Redensarten, wie: 
Rozdel zemli po reku po Oku, na niz po Oce po rSku po Tcnu» u potok u LipoTaölu, 
na gaz na Noyaöky« na gaz na 2r'noyiöky, v stoFnom gorode vo Kijcv^ u siavnago knia- 
zia u Yladimira u. s. w.» fast auf jeder Seite begegnen. 

Einer besondem Beachtung werth ist der Gebrauch des yermittelst •• ovy gebil- 
bildeten Adj. in: S pl'ky Cechoyymi Y. 25, und Yesöbam vitiezovym Y. 59. Nach dem 
Zeugnisse unserer ältesten Denkmäler wurde diese Adjectivalform ehedem weit häufiger 
gebraucht, als jetzt, und vertrat theils die Stelle unserer Adj. auf - sky, theils den Gen« 
des Substantivs. Wir lesen in dem Witt. Psalter in der Ambros. Hymne : Tie prorokovy 
chvali poöet (spätere Hss. haben prorocsky), in dem Cantic. Isa« 38, 12 stanove pasty- 
fovi (tab. pastorum, die Brüderversion 1587 stänek past^f skjr), in der ascet Schrift Hu^o's: 
Jest' pilen skutky rytierovymi dokazati , in der Trojan. Chronik : Shböv bohovy ch dosahli 
(promissa deorum), in der Königinhofer Hs. : K vrchu ku hradovu; femerinden Glossen 
des Museums-Psalters und im Wittenb. Psalter : boh bohovy (d. deorum), jed aspidory 
(v. aspidum) , detem vranovym (pullis corvorum) , na periu v§trovem (s. p. ventorum]i 
uhlie ohnove (c. ignis), pec ohnovu (cl. ignis), pf cd obliöejem vetrovym (a. f. venti), v ruce 
meöovej (in m. gladii), slupa oblakoveho (m c. nubis)> pivnik medovy (lebes), do roha 
oltafoveho (c. altaris), v den bojovy (in d. belli], v sile konovej (in f. equi], u. s« w. 
Man könnte demnach in unserer Stelle öechovymi schlechthin fiir gleichbedeutend mit 

V 

£eskymi nehmen, ohne an einen Yater Cech zu denken. 

Das Zeitwort vladu, vlasti, wird in unserem Fragment nicht nur wie gewöhnlich 
mit dem Instrumental (Z. 4. Deti vsie tu sboziem v jedno vladu), sondern auch mit dem 
Dativ construirt: Z. 76. Budeta im oba v jedno vlasti, Z. 112 - 113 Gore muiem« im-ze 
zena vlade, Muzu vlasti muiem zapodobno, wofür wir nur zwei Beispiele aus alten böhmi- 
schen Sprachdenkmälern anführen können, das eine : Aby sÄm (Kristus) tobe vladl, aus 
Hugo^s ascetischer Schrift aus dem XIY Jahrb., das andere aus dem Wittenberger Psalter : 
kdyz bude vlasti chudym, cum dominatus fuerit pauperum, Ps. 9, 10. Die Analogie von 
panovati, welches bei den Alten regelmässig mit dem Dativ construirt wird (z. B. panovati 
pohanöm, chudym, Ps. der kön. Bibl.)» und von vojevoditi (Z. 1. Ysiak ot svej öeliedi vojevodi), 
spricht für diesen feinen Unterschied, welchen der spätere Sprachgebrauch fahren liess. 

Eigenthümlich und aus andern böhmischen Gedichten, so viel uns bekannt nicht 
zu belegen ist der Gebrauch des Instrumentals bei Yergleichungen : Zarve jarym turein, 
Y. 103. Die in der Kön. Hof. Handschrift enthaltenen Gedichte haben in diesem Falle 
stets jako, jak, z. B. jak tur jary skoöi, S. 30.; ajta Jaroslav jak orel lete, 36; vzchopi 
sie zhuoru jako jelen, 72; jako lev drazlivy, 36. Dass übrigens diese Ausdrucksweise 
dem Geiste der böhmischen Sprache nicht zuwider ist, dass sie einstens auch in unserer 



5« 15. ff^rdigung des GedUhts and Saeherklärwngen, 8B 

Mundart g^räuchlich war» ist gewiss« Denn in einem alten Werke liest man : Mofem 
rozlilo se pfed njm welikä mnoistwj lidu» und in der Kindersprache hört man noch : 
stal panadkem u« s. w. Auch die Ausdrücke : dertem oder kozlem smrdeti « kozelcem 
leteti u. s. w. gehören wohl hieher. In den drei russischen Dialekten» nämlich im 
grossrussischen» kleinrussischen und weissrussischen» ist bekanntlich diese Form sehr 
gebräuchlich* 

$. IS. Würdigung des Gedichts und Sacherklärungen. 

Das Fragment enthält die Bruchstücke zweier Gedichte» woTon das erste von 
Z* 1 bis 9» das zweite aber von Z, 10 bis 129 reicht. Jenes umfasst neun» dieses hun- 
dert zwölf» beide zusammen hundert ein und zwanzig Verse» worunter drei uirvoUstän- 
dig sind. 

Da sich^von dem ersten Gedicht bloss der Schluss erhalten hat^ so ist über 
dessen Inhalt mit Bestimmtheit wenig zu sagen. Die gewöhnliche Annahme ist» das^ der 
Gegenstand desselben ein Landtag oder eine Volksversammlung gewesen» wo die Erb- 
gesetze der böhmischen Geschlechter discutirt und bestätigt wurden. Da aber hier der 
Möglichkeiten gar zu viele sind» so lässt sich weder dafür noch dawider etwas Gegrün- 
detes sagen. 

Das zweite Gedicht» dem der SchlusB abgeht, beschreibt einen Erbschaftszwist 
zwischen Brüdern» welcher von dem versammelten Volke» nach dem bei den Böhmen 
geltenden» am Ende des ersten Gedichts ausgesprochenen Gesetze» geschlichtet wird» wo 
aber der mit dem gefiillten Urtheil unzufriedene Erstgeborne die Fürstin schmäht» was 
Anlass gewesen sein mag zur Vermählung der Fürstentochter mit Pfemysl. Das mag der 
fehlende Schluss ausgeführt hdd[>en. 

Beide Gedichte scheinen uns Bruchstücke eines grossem Cyklus von Volksge- 
sängen zu sein» worin Gegenstände aus dem ältesten Sagenkreise der Böhmen behandelt 
wurden; die deshalb auch» zufolge der Verwandtschaft ihres Inhalts» in einem gewissen 
Zusammenhange unter einander standen. In Gesängen dieser Art mögen höherbegabte 
Volksdichter — die Königinhofer Hs. hat uns in einem der ältesten Gedichte den Namen 
eines solchen hochgefeierten Sängers» Lumir» erhalten — das Andenken an die Thaten 
und die Weisheit der Väter geborgen und so beide den Jüngern Geschlechtern zur Nach- 
ahmung und Belehrung zugeführt haben« 

Einige haben versucht; das erste Fragment an das Ende des zweiten zu stellen 
und glaubten auf diese Weise ein ganzes» vollendetes Gedicht zu erhalten. Dies mag als 
ein Taschenspielerstückchen gelten» und in sofern passen» als zu einem menschlichen 
Aumpf ein menschlicher Fuss überhaupt passt: im Ernste dürfte davon unter Sach« 
kundigen kaum die Rede sein. 

Den Inhalt des zweiten Gedichts berichtet Cosmas sowohl als Hajek» doch mit 

bedeutenden Varianten. Des ersteren Bericht^ da er nicht allzu lang» wollen wir hieher 

zur beliebigen Vergleichung setzen : 

11* 



84 Denkmäler der böhmischen Sprache. Libusds Gerichi, 

»Ea tempestate inter duos cives» opibus et genere eroinentiores, et qui videbanUir 
populi esse rectores« orta est non modica litigio agri contigui de termino. Qui in tantum 
proruperunt in mutuam rixam, ut alter alterius spissam unguibus volaret in barbam, et 
nudis conyiciis semet ipsos turpiter digito sub nasum contundentes intrant bacchantes 
curiam, ac non sine magno strepitu adeunt Domnam, et ut ratione justiciae dubiam inter 
eos dirimat causam« suppliciter rogant. lUa interim^ ut est lasciva mollities muiierunu 
quando non habet« quem timeat» virum, cubito subnixa« oeu puerum enixa« alte in pictis 
stratis nimis molliter accubabau Cumque per callem justitiae incedens« personani homi- 
num non respiciens, totius controversiae inter eos ortae causam ad statum rectitudinis 
perduceret» tunc is, cujus causa in judicio non obtinuit palmam» plus justo indignatus^ 
terque quaterque caput concussit« et more suo terram ter baculo percussit« ac barbanx 
pleno ore saliva conspergcns exclamat: O injuria viris baud tolerandai Femina rimosa 
Yirilia judicia mente tractat dolosa. Seimus profecto» quia femina sive stans seu in so- 
lio residens parum sapit: quanto minus cum in stratis accubat. Revera tunc magis est 
ad accessum mariti apta, quam dictare militibus jura. Certum est enim« longos esse cri- 
nes Omnibus« sed breves sensus mulieribus. Satins est mori« quam viris talia pati. Vos 
solos« opprobrium nationibus et gentibus« destituit natura; quibus deest rector et civilis 
censura, et quos premunt feminea jura« Ad baec Domna iUatam sibi contumeliam dissi- 
mulans« et dolorem cordis femineo pudore Celans« subrisit, et : Ita est« inquit, ut ais. Fe- 
mina sum« femina viyo; sed ideo parum sapere vobis yideor« quia tos non in yirga fer- 
rea judico« et quoniam sine timore Yivitis« merito me despicitis. Nam ubi est timor« ibi 
bonor. Nunc autem necesse est valde« ut habeatis rector em femina ferociorem. Sic et 
columbae olim albiculum milvum« quem sibi elegerant in regem« spreverunt« ut vos me 
spemitis« et accipitrem multo ferociorem sibi ducem praefecerunt: qui fingens culpas, 
tam nocentes quam innocentes coepit necare« et ex tunc usque hodie vescitur columbis 
accipiter. Ite nunc domum« ut quem vos cras eligatis in Dominum« ego assumam mihi 
in maritum.a Script R. Boh. L 12 — 13. 

Offenbar ist Cosmas Bericht gleichfalls aus einem Gedicht geschöpft; wie der yon 
Neklans Siege« und auch dieser, wie jener« gegen das Gedicht in der Kön. Hof. Hs. ge- 
balten« scheint eine dem Stamme der Premysliden ungünstige Version zu sein. Es ist 
dies ein Beweis« dass über einen und denselben Gegenstand mehrere« zum Theil 
bedeutend abweichende Lieder im Munde des Volkes erschollen sein mögen. Auch 
scheint Cosmas die poetische Sage« aus der er seinen Bericht schöpfte« nicht treu genug 
aufgefasst« wenigstens nicht ohne willkürliche Zusätze und Aenderungen wiedergegeben 
zu haben« — Uebrigens yergleiche man mit der plumpen« rohen« abgeschmackten 
Erzählung unseres auf das gesammte böhmische Alterthum mit Geringscbäuung und Ver* 
achtung blickenden Chronisten die feine zartsinnige Weise « mit welcher unser Volks- 
dichter denselben Gegenstand behandelt. 

Der fabelhafte Hajek« der um Namen und Jahrzahlen nie veriegen ist« nennt beim 
J. 721 die Streitenden Rohen Kais Sohn, und Mäcwec, den Sohn Pi^eslaws im Dorfe Chu- 



5- 15. IFürdigung des GtdUhts und Scuherklärangm. 85 

chle bei Prag« folgt übrigens fast wörtlich dem Cosmas« der wohl in diesem Puncte seine 
einzige Quelle gewesen ist 

Was den poetischen Werth des Gedichts anbelangt« so wollen wir uns hier in 
eine Analyse der Schönheiten desselben nicht einlassen« sondern lieber der ästhetischen 
Urtheilskraft eines jeden Lesers überlassen« sich darüber diejenige Ansicht zu bilden« die 
sich ihm nach seiner Subjectivität« auf die hier doch im Grunde das meiste ankommt« 
als die richtigste herausstellen möchte* Unseres Daf&rhaltens weht der Geist der Poesie 
rein und kräftig darin« und macht es würdig« den in der Königinhofer Handschrift ent- 
haltenen Gedichten zur Seite gestellt zu werden. 

Dass das Gedicht« selbst als ein auf schwankenden Nationalsagen gebautes Ge- 
bilde der Phantasie eines alten Dichters beti*achtet« für die Kenntniss des heidnischen 
Alterthums Böhmens nicht unwichtig sei« brauchen wir wohl nicht umständlich darzuthun. 
Mag es in seiner gegenwärtigen Form noch so spät nach dem darin besungenen Ereig- 
nisse entstanden sein« — und das Beispiel anderer Slawenzweige« namentlich der* Serben« 
lehrt uns « dass Gedichte dieser Art den Ereignissen auf der Ferse zu folgen pflegen« — 
so konnte es doch der innern Wahrheit« d. i. der Anpassung an die damaligen Sitten« 
Gebräuche und wirkliche Verhältnisse des Volks nicht entbehren. Und wenn dasjenige« was 
wir aus diesem Gedichte über den ältesten Zustand Böhmens lernen« extensiv auch noch 
so wenig sit« so ist es intensiv dennoch unendlich viel — es ist ein Lichtstrahl« der un- 
erwartet in eine endlose Finsterniss fällt« und den Boden« den die Zeit aus der Geschichte 
gänzlich entrückt hat« zauberisch erhellt. Damit ist jedoch nicht gemeint« dass man 
jeden Ausdruck« jedes Wort« ja jede Sylbe des Gedichts in historischem oder juridischem 
Sinne preisen könne. Denn so wenig sich aus dem über die Helden Georg Petrovic 
genannt Cr'ny und Milos Obrenoviö im Munde des serbischen Volkes cursirenden zahl- 
reichen Volksgesängen eine wahre Geschichte des serbischen Befreiungskampfes schreiben 
oder auch nur der Zustand des serbischen Volkes vor und während des Aufstands richtig 
erkennen lässt ; eben so wenig können Gedichte« wie das unsrige« an und für sich« ohne 
anderweitige Quellen« als Grundlage einer wahren Geschichte geltend gemacht werden. 
Die Vorhalle der Geschichte mögen sie auch hinfort« wie bis jetzt« ausfüllen. 

Der Vers ist der aus der Königinliofer Handschrift und den serbischen Helden- 
liedern bekannte zehnsylbige, mit einer Pause nach der vierten« seltener nach der sechs- 
ten Sylbe« welchen man fuglich den episch' slawischen Vers nennen könnte. 

Dies vorausgeschickt« wollen wir nun das Nothwendigste zum besseren Verständ- 
niss der schwierigem Stellen und Ausdrücke« so weit wir es vermögen« beifugen. 

V. 1. Cfludi. 

Hier in der ursprünglichen« edleren Bedeutung des Wortes« das Geschlecht« die 
FamiUe« das Haus. So werden in unserer Mater Verborum die Wörter prosapia« familia 
durch celied glossirt; so lesen wir bei Dalemil gleich im Eingange zu seiner Reimchronik : 



68 Denkmäler der böhmischen Sprache. Libusae Gericht. 

Ten äech imejeie bratrov sest» Pro niei im^je&e moc i de8t\ A ot nich mnoho cdUdi 
Jci jednej noci äech osledi u. s. w. 
V. 2. Zeny ruby stroja. 
Zur Vergleichung wollen wir eine Stelle aus einem kleinrussischen Volksgedicht aus- 
heben > welches bei den Huculen, einem karpatischen Zweige der ostgalizischen RussineD, 
gesungen wird : 

Oj vsadyr try sefa z lud'my« 
A jedno sefo s starymy Ind'my, 
A druhe sefo z paruboökamy« 
A tretie sefo z panienoökamy : 
Staryi lüde usim sudyfy« 
A paruboöky v vojsku sJuiyly, 
A panienoöky äytinka §yly* 

V. 4. Diu sboiiem v jedno vladu. 

Dem slawischen Gesetz nach war zwar die Theilung des Erbes zwischen Kindern 
beiderlei Geschlechts zu gleichen Theilen nicht unzulässig: aber der Gebrauch des ge- 
meinschaftlichen, ungetheilten Besitzes aller Erbberechtigten, oft mehrere Generationen 
hindurch , war dennoch, als fest in den patrfUrchalischen Sitten des Volksstammes wurzelnd, 
vorherrschend. Vgl. unten V. 70. 
V* 5. Vladyku. 

Das Stammeshaupt, welches oben V. 3. glava öeliedina hiess. Bei den jetzigen Serben 
griechischen Ritus im Süden der Dotiau, wo sich die Sitte, sich Hausälteste zu wäUen 
und ihnen die Leitung aller Familien- und Hausangelegenheiten zu übergeben , wohl sm 
längsten erhalten hat, heisst derselbe jetzt staresina (senior), und vladyka nennt man dort 
den Bischof: aber bei den nivriem lateinischen Ritus in Dalmaden heisst die Hausfriu 
(mater familias) noch immer vladyka, wie in Stephan DuSans Gesetzbuch. Vgl. auch di5 
cyrillische vladyöica. Dem. von vladyka, xor' i^oxifP von der h. Jungfrau Maria gebraucht 
faiteressant ist die Nachricht, welche Wuk Stefanovi6 Raradii6 in s. 8eii>ischen Wörter- 
buche, Wien 1818, S. 792, über die StareSinen gibt: »Der Staresina herrscht und ver- 
waltet das ganze Vermögen des Hauses; er befiehlt Männern und Burschen, was ein jeder 
zu verrichten habe; er verkauft, im EinversUindnisse der Hausgenossen > was zu ver- 
kaufen kommt, und kauft ein, was nöthig ist; bei ihm ist die Hauskasse und er sor^ 
(ur die Berichtigung der öffentlichen Steuern und Abgaben« Das Hausgebet beginnt und 
beendet er. Wenn Gäste oder Fremde in das Haus kommen, so spricht nur er mit ihnen 
und bewirthet sie. Er ist nicht immer der älteste an Jahren im Hause; wird der Vater 
alt, so übergibt er die Würde des Staresina dem Ausgezeichnetsten unter seinen Söhoeo 
oder Brüdern oder Neffen, wenn dieser auch der jüngste ist* Verwaltet ein Stareiina dtf 
Haus schlecht, so wählen die Hausgenossen an seiner Statt einen Andern.'^ 
V. 1. S imeimi, s lichy, vladykami. 

Offenbar drei verschiedene Classen von Freien, sei es der Würde und dem XmUi 



$. lo. /F&rdigung des Gedichu und Sacherklärungen. 87 

oder dem Stande nach^ hier, wie im folg. und dem 50. 65. 72 und 109 V., beisammen 
genannt, und zwar in einer Gradation, wie wir gleich darthun werden, a majori ad minus» 
Dass die Kmeü die dem Fürsten (Herzog, Ban, König) zur obersten Verwaltung der 
Landesangelegenheiten zugetheilten Landesältesten waren, darüber haben wir für Böhmen 
und das stammverwandte Bosnien klare Beweise. Was die böhmischen Kmeten anbelangt, 
deren Zahl in der ältesten Zeit iwölf war (dwan&ct pfjsezn^^ch kmetöw, Kn. pr. zems. Ms.}, 
späterhin jedoch sehr variirt zu haben scheint, so verweisen wir auf die Excerpte in Jung- 
mann's Böhm. Wörterbuch u. d. W« Kmet , femer auf Palacky's Abhandlung in ^asop. 
öesk. Museum 1835, H. 4. S. 432 — 434, 440 — 441, wo man den Gegenstand umstand* 
lieh erörtert umd die nöthigen Belege beigebracht finden wird. Besonders wichtig ist 
das Zeugniss Dalemils Cap« 27 u. 66. Die bosnischen Kmeten, als die dem Ban und 
seinem Geschlecht zunächst stehenden Landesältesten, werden in einer Originalurkunde 
des Bans Matthaeus vom X 1249. M. März, zu wiederholten Malen genannt: nasi k'meti, 
od na^ich k*meti, od naSich d^t i od naSich unuöije i od naSich k'meti, ili nad syn ili 
naäi unuöije ili naSi k*meti u. s* w. Die böhmischen Km«ten bildeten noch im XIV und 
XV Jahrb. das permanente oberste Tribunal des Reiches, und hatten auch in der pohti- 
schen Administration des Landes eine Geltung. Sie wurden unter den vorzüglichsten 
Männern des Landes, und zwar sowohl unter den Lechen (später PÄni) als Vladyken 
(Freien, später Ritter), gewählt Doch fehlt es uns an näheren Angaben über die Art und 
den Umfang ihrer Wirksamkeil in der ältesten Zeit Dass bereits im frühen Mittelalter das 
Wort Kmet bei den Slawen auch in einem andern, minder ausgezeichneten Sinne ge- 
braucht wird, dass es nach und nach sogar auf Dorfalteste, ja in Polen auf jeden 
Bauersmann ausgedehnt ward, kann unsere klaren und positiven Beweise yon der hohen 
Stellung der ehemaligen Kmeten im Lande Böhmen nicht entkräften. Gleiches Schicksal 
hat auch andere, ursprünglich weit Yomehmere Namen und Wörter getroffen, z. B« 
kniaz' od. kniez', welches, gleicher Abstammung und Bedeutung mit dem deutschen 
König, ursprünglich einen Fürsten bedeutete, und jetzt in der Lausitz einen Herrn über* 
haupt (in der Titulatur auch den Bauersmann), in Böhmen, Mähren und der Slowakei 
einen Priester, in Serbien aber einen Dorfrichter bedeutet. Das Etymon des Wortes 
Kmet* ist noch im Dunkeln : gewöhnlich wird es mit dem lat. comes, oder mit dem gr. 
xwniqtTig, in Verbindung gebracht, beides ohne zureichenden Grund. Der entsprechende 
lateinische Ausdruck fiir die älteste Zeit fehlt : doch scheinen die lateinischen Chronisten 
unter den Ausdrücken consiliarii, seniores, zumeist unsere Kmeten zu verstehen. In 
einer deutschen Urk. yon Kg. Sigismund 1396 März 19, geschieht der „Lantscheppfen, 
die man nennet Kmety" Meldung. In dem ältesten böhmischen Psalter wird Ps. 104, 
V. 22 senes durch imeä übersetzt : aby zuäil knieiata jeho jako sam sehe a kmetie jeho 
V mudrosti uöil, ut erudiret principes ejus sicut semet ipsum et senes ejus prudentiam 
doceret Für das hohe, in die heidnische Zeit hinaufreichende Alter des Kmeten-Instituts 
bei den Slawen spricht eine Stelle bei Boguchwal : Sed tum (d. i. in Polen's heidnischer 
Vorzeit) ducdecim discretiores et locupletiores ex se eligebant, qui quaestiones inter sc 



8S Denkmäler der böhmischen Sprache. Uhusas Gericht. 

conjungentes difiiaiebant et rempublicam gubernabanL Sommersberg II. 20. 21. Auch von 
Boleslaw dem Tapfern sagt Mart. Gallus ausdrücklich : Habebat rex amicos XII coruiliarics, 
cum quibus regni et consilii ministeria familiarius pertractabat. Diese merkwürdige Ueber- 
einstimmung der Zahl der Kmeten (denn diese haben oiFenbar Boguphal und M. Gallus 
gemeint) bei den Polen und Böhmen zeugt schon an sich iiir das hohe Alter ihrer Ein- 
fuhrung bei den Slawen. An ihrer Stelle treffen wir bei den südöstlichen Slawen, nament- 
lich bei den Serben und Bulgaren^ die den fürstlichen Senat bildenden Bojaren an, deren 
Zahl in Serbien unter dem König Stephan Duäan bis vier und zwanzig gestiegen war. 
(Cantacuzen bei Stritter IL 256. 262.) 

Das alte Wort Lieh kommt ausser unserm Fragment nur noch bei Dalemil vor, 
wo dem Führer der Böhmen in ihre jetzige Heimath, äecb, dieses Prüdicat beigelegt 
wird. Dalemils Worte sind : Y srbskem jazyku jest' zemie , Jejito Charvati jest' imie : 
y tej zemi b#Se lieh, Jemuz imie bese Gech u. s. w. Der alte deutsche Uebersetzer 
dieser Reimchronik , der selbst in Dalemils Jahrhundert lebte, dolmetschte das Wort lech 
schlechtweg durch „Mann"; eine Hs. liest „mui l^ch", wo mu£ offenbar eine Glosse des 
Wortes lech ist ; Gesjn (1620) und Dobrowsky erklärten es durch einen freien, edlen, tapfern 
iMann. Dass wir bei Dalemil, der, im Vorbeigehen bemerkt, als böhmischer Ritter aus 
dem lebendigen Born der Yolkstradition und Volkspoesie schöpfte, und uns so manches 
schätzbare alte Wort, z. B. batia, nava u. s. w., erhalten hat, in der angeführten Stelle 
ein Appellativum, und nicht den Volksnamen Lech = Pole, vor uns haben, beweist der 
Ausdruck des deutschen Uebersetzers , als nächsten Zeugen, und der Umstand, dass der 
Reimchronist seinen Cech aus dem Chorvatenlande, nicht aus Polen, herleitet. Im übrigen 
wären wir durch die Annahme, dass bei Dalemil L§ch ein Volksname sei, nur an die 
Frage gewiesen: was bedeutete das Wort lech, bevor es zum Volksnamen ward? Denn 
offenbar müssen unsere alten Volksnamen: Lech, Srb, Chorvat u. s. w. so gut ehedem 
eine Bedeutung gehabt haben, als die von drevy, luky, pole, luh abgeleiteten Namen 
Luöane, Dreviane, Polane, Luzane u. m. dgl. Da wir unsere Meinung über das hier in 
Frage stehende Wort bereits an einem andern Orte (Slowanske Staroiitnosti Pr. 1837. 
8. S. 152-755) ausfuhrlich mitgetheilt haben, und auch jetzt, nach wiederholter Prüfung, 
bei derselben beharren müssen, so wollen wir in gedrängter Kürze hier bloss die Haupt- 
punkte zusammenfassen. Nach unserem Dafürhalten ist a) das Appellativum lech bei 
Dalemil und in unserm Fragment mit dem Volksnamen L^ch oder (mit regelrechter Ver- 
wandlung des e in üi) Liach d. i% Pole , der Abstammung nach identisch ; b) mit dem 
durch die meisten slawischen Mundarten verbreiteten Worte l^cha, Ackerbeet, areola, 
so wie mit dem spätem polnischen und böhmischen slechta (sliachta) oder älechta, Adel, 
nobilitas — unbeschadet der Berührung des letztern mit dem ahd. slahta, genus, sei es 
durch Stammverwandschaft beider Sprachen, sei es durch Entlehnung des deutschen 
Wortes aus dem Slawischen — verwandt ; c) die Bedeutung ist, mit Rücksicht auf die 
in einem ähnlichen Verhältniss zu ihren Stämmen stehenden und hier zunächst in Betracht 
kommenden slaw. zemanin oder zemenin (von zeme, terra, fundus), baätinnik (von baitina. 



S« i&« fFurdigung de^ Gedukts und Sacherklärüngen. 80 

Patrimonium)» d^dimiik (von dedina» avitum pairimonium)« altdeutschen adaling» edeling, 
(von "ahd. nodal» uodil» ags. ddhel» ^dheL fikan. ödhaL praedium avitum, terra hereditaria)> 
zunächst und ursprünglich wohl: Grundbesitzer» dann» im eminenten Sinn» grösserer» 
mächtigerer» mithin auch vornehmerer Grundbesitzer. Wir erkennen in den Lechen die 
Vorfahren der späteren böhmischen Pani> welches Wort an die Stelle Ton jenem erstem 
trat« als dieses seine frische und lebendige Bedeutung nach und nach verloren hatte« 
Dass es in Böhmen schon in der ältesten Vorzeit solche Familien gab» welche sich durch 
grösseren Grundbesitz und Einfluss im Lande auszeichneten» und gleichsam ein MittelgUed 
zwischen dem Landeafiirsten und dem Volke bildeten» darf» den klaren und positiven 
Zeugnissen der Geschichte zuwider» nicht bezweifelt werden. Cosmas selbst nennt als 
Zeitgenossen der Libusa : duos cives ^pibus et genere eminentiores» qui videbantur populi 
esse rectores ; ein Beweis , dass sogar nach seiner Meinung, die doch in diesem Puncte 
nicht sehr hoch gestellt war» in jener alten Zeit opes und genus» das ist grosser, aus- 
gedehnter Grundbesitz und Geschlecht (rod) etwas galten. Das gleichzeitige Ausland 
nannte diese vornehmen Männer bald reguli« bald duces, primores» optimates; in den 
spätem einheimischen Rechtsquellen (aus dem XIV Jahrhundert) wird slechtic durch 
»»magnifice nobilis'* im Gegensatze zu vladyka» dem »,minus nobilis»'* erklärt. Ueber ihr 
Verhältniss zum Fürsten und zum Volke» ihre Zahl und Namen fehlen uns vollständigere 
Aufschlüsse; das Wenige» was sich mit Sicherheit ermitteln liess» findet man zusanunen- 
gestellt in F. Palacky's Geschichte von Böhmen Bd. I. S. 166 — 168. 

Die Vladyken haben wir bereits oben durch Hausälteste oder Stammeshäupter 
der kleinem freien Grundeigenthümer Böhmens erklärt. Sie nahmen Theil an den Land- 
tagen und öffentlichen Versanmilungen ; sie repräsentirten darin das Volk überhaupt. 
Die Zahl dieser kleinern freien Grundeigenthümer» ursprünglich wohl der zahlreichsten 
Classe der Bewohner Böhmens » nahm in der Zeit immer mehr ab ; aus ihnen entwickelte 
sich später einerseits der niedere Adel in Böhmen » andererseits scheinen die noch heut- 
zutage sogenannten Freisassen ihre unmittelbaren Nachkommen zu sein. Nachträglich 
bemerken wir» dass noch in der neuesten Zeit bei einigen Geschlechtem in Böhmen die 
Besitzer des Majorats vladyky genannt werden. 

Wenn wir demnach» allem Obigen zu Folge » schon für jene alte Zeit, in welche 
unser Gedicht seiner Abfassung nach fallt» die drei verschiedenen Rangclassen» der 
wählbaren» den fürstlichen Rath bildenden Kmeten (consiliarii» seniores» Landesälteste), 
der erblichen» reichbegüterten» mächtigen Liehen (proceres» optimates), der minder 
begüterten» freien Hausältesten oder Vladyken» genau sondern» wenn wir ferner in den 
Lechen die Vorfahren der spätem Pini» mithin schon die Keime eines höheren Adels 
erkennen zu müssen glauben: so gestehen wir doch» dass wir über das Verhältniss der- 
selben einerseits zum Landesfiirsten» andererseits unter sich selbst» und über den Umfang 
ihrer Rechte und Pflichten aus den Quellen zu wenig wissen» um in Beantwortung 
aller Detailfragen» die sich hier» sogar aus Anlass unseres Gedichts» darbieten» eingehen 
zu können, wie z. B. warum V. 78 nur Liehen und Vladyken» V. 89 nur Lechen genannt 

12 



90 DenkmäUr der bithmischtn Sprache, LAusas Gerichi. 

werden u. s. w. Wir wandeln hier in einem sehr dunkeln Gebiet des Alterthums« und 
wollen lieber zuwarten, bis uns fortgesetztes allseitiges Forschen und Vergleichen oder 
ein glücklicher Zufall einzelne Lichtstrahlen zur Erhellung desselben sendet« als der 
Phantasie freien Lauf lassen, um die Lücken unseres positiven, historischen Wissens 
durch Gebilde aus ihrem Reiche auszufüllen. Wir wagten desshalb auch in unserer 
lateinischen Interlincar-Version, so wie in der etwas freier gehaltenen deutschen Ueber* 
Setzung, die Worte Kmeten, Lechen und Vladyken nicht zu dolmetschen, weil ein ad- 
äquater Ausdi*uck nicht zu finden war, und wir den des Böhmischen minder kundigen 
Leser nicht gern auf falsche NebenbegrifTe leiten möchten. In Betreff der obigen Fragen 
wollen wir nur noch zweierlei bemerken: erstens dass auch in dem spätem böhmischen 
Rechte den Panen und Vladyken theils gemeinschafUiche , theils besondere Functionen 
bei Gericht angewiesen waren, zweitens, dass wir es hier mit einem Gedicht, keineswegs 
aber mit einem juridischen Aktenstück zu thun haben, mithin gerechterweise dessen ein- 
zelne Ausdrücke nicht gar zu sehr nach dem Sinne und den Forderungen des letztern 
urgiren dürften. 

V. 9. Pochvalicha pravdu po zakonu und V. 119 pravda po zakonu svatu» 

Das Wort pravda bedeutet hier, wie in vielen andern alten Denkmälern der böhmi- 
schen Sprache, Recht, Gerechtigkeit (jus, justitia, vgl. Jungmann's Ges. Slow. u. Prawda): 
in den spätem Jahrhunderten wurde es üblich, pravda fiir Wahrheit, pravo fiir Recht, 
pravedlnost oder spravedlnost fiir Gerechtigkeit zu gebrauchen. Der Ausdruck : pravda 
po zakonu kommt auch in Stephan Dusan's serbischem Gesetzbuch, ferner in einigen 
serbischen Urkunden vor, z. B. ako je komu duian ^to ili kriv, da idte pravdom po zakenu, 
§. 14. Hs. 1700 u. s. w. Statt pravda treffen wir in alten serbischen Urkunden zuweilen 
pravina an, z. B. da se izpravi pravincm po staromu zakenu, Vertrag des 2upans von 
Chulmien mit Ragusa vom J. 1254. Mai 22. Der Ausdruck zakonu svatu wird erläutert 
durch V. 69 : po zakonu vekoziznych bogov, und hat seinen Grund in der engen Ver- 
bindung des Rechts mit der Religion, welche wir bei den meisten alten Völkern im 
Anfange ihrer Geschichte, mithin auch bei den Slawen, antreffen. Die zur unverbrüchli- 
chen Nachachtung aufgestellten Rechtssatzungen erschienen den alten Völkern stets als 
unmUtdbare GeboU der Gottheit. Die Slawen in Wagrien verehrten, nach Helmold, sogar 
eine eigene Gottheit der Gerechtigkeit, Prove, deren von dem Chronisten treu aufgefasster 
IName sowohl mit dem litauischen prowa» Recht, als mit dem slaw. prav, dem Summe 
der Wörter pravo, pravda, pravedlnost u. s. w., identisch ist. Der böhmische Glossator 
der Mater Verborum 1202 dolmetscht fas, lex divina, durch pravda, dahingegen jus 
humanum durch pravo, S. 112. Sp. 1., welche Unterscheidung uns der Beachtung nicht 
ganz unwerth scheint, zumal unser Landsmann Wacerad altheidnischen ^^amen und Ideen, 
nicht ganz abhold war, vielmehr dieselben fleissig verzeichnete. 
V. 10. FlUavo. 

Die Moldau, nächst der Elbe der Hauptfluss Böhmens, so genannt vom verschollenen 
vFf (fluctus, unda), und dieses von vlaju sie. Vgl. §. 12. Wortverzeichniss. 



§. 15. fFürdigung des Gedichts und Sacherklärungen* 91 

V. 20. 31. l^a Olave krcoe zlaeonosne. 
Otava, gewöhnlich Wotawa, Waiawa« ein Flusschen im Süden> wo man Goldsand 
wusch, wovon die Stadt Pisek den Namen führt« vereinigt sich bei der Feste Zwiekow, 
Klingenberg« mit der Moldau. 

y. 22. Na Radbuze chladnL 
Radbuza, fSUt bei Pilsen in die Mies, die letztere unterhalb Zbraslav« Königssaal« in 
die Moldau. — Der Name SHaglav erinnert an Säahlatv, ein herrschaftliches Schloss und 
Dorf im Pilsner Kreise« 2^ St. vonRokitzan« woselbst auch ein kleineres Dorf . Stiahlawice. 
V. 23. 24. Klenovka, Tetoy Popelova. 

V 

Baibin nennt einen Kien unter Cechs Gefährten. Hajek macht Kien zu einem Sohne 
äechs. Popel — ein Geschlecht gleiches Namens wird als Herrscherstamm in Polen vor 
den Piasten genannt; doch war ehedem der Name Popel auch in Böhmen sehr ge- 
bräuchlich. Ueber Tetva vgl. §. 12. Wortverzeichniss. 
V. 25. S pl'ky s Cechcvymü 

Man könnte« mit Rücksicht auf die oben §. 14« S. 82. belegte alte Bedeutung der 
Adj. auf -ovy (z. B. sliby bohov^« skutky rytiefove, stanove past^ifovi« prorokovy poöet 
u. s. w.)« das Adj. äechovymi für gleichbedeutend mit äeskymi nehmen« wo dann der 
lapis oiFensionis äech wegfiele. Wir halten dies jedoch nicht ftir durchaus nöthig. Es 
war ein allgemeiner und uralter Volksglaube in Böhmen» dass der Führer des Volkes« 
welches nachmals und bis auf den heutigen Tag den Namen djer Cechen fahrte« selbst 
Cech hiess* Wir finden diesen Volksglauben schon bei Cosmas angedeutet; denn sein 
pater Bohemus (T. I. p« 7.) ist doch wahrlich kein anderer« als der otec öech« nur von 
dem lateinisch schreibenden lateinisch getauft: ganz klar und bestimmt aber hat ihn Da- 
lemil gleich im Eingange seiner Reimchronik ausgesprochen. Es ist bekannt« dass bei- 
nahe alle Völker in ihrer Jugendperiode« die man in gewisser Hinsicht die poetische nen- 
nen kann« ihren Ursprung« also den Anfang ihrer Geschichte« gern an einen gleich- 
namigen Erzvater knüpfen. Nach der Sage« aus der Constantin Porphyrogeneta seine 
ältesten Nachrichten über die Ghorwaten schöpfte« hiess der Anflihrer der letztern auf dem 
Zuge nach Illyrikum Chorwat ; nach einer andern « die bei den Polen in Umlauf war« 
herrschte einst Lesek oder LSch über die Lechen ; auch Nestor machte« ohne Zweifel der 
Volkssage zu Folge« zum Vater der Radimiöen Radim« der Wjatiöen Wjata» der Kyjewer 
Kyj u. 8. w. Bei den Germanen hat die Volkssage« nach Tacitus« den gleichbenannten 
Stammvater der Deutschen« Tuisco« zu einem Gott gestempelt; in späteren Sagei^ Volks- 
gesängen und Genealogien werden Suäp« Wandal« Saxneat« Westerfalcna« Hermin u. s. w. 
als Stammväter der Schwaben« Wandalen« Sachsen« Westfalen« Herminonen u. s. w. ge- 
feiert« Ob diese Heroen der Volkspoesie und des Volksglaubens zugleich einst wirkliche« 
historische Personen waren« mithin ob in unserem Falle der Heerführer der Böhmen aus 
dem grossen alten Seri[>enlande nach Bojohemum wirklich öech hiess (denn einen Heer- 
führer müssen sie doch gehabt haben« und insofern wenigstens könnte die Sage immer 

auf einem htstoriscken Boden ruhen)« ist eine andere schwer zu entscheidende Frage. 

12* 



9S Denkmäler dtr hbhmitchen Sprache. Libusa^s GetichU 

Wir kennen einen Cech nur als den Mittelpunkt der ältesten einheimischen Sagen ron 
dem Ursprünge und der Einwanderung unseres Volkes; seine wirkliche historische Exi- 
fttenz müssen wir, aus Mangel an voUgiltigen historischen Zeugnissen, auf sich he- 
nihen lassen. 

V. 26. Pres tri rtky. 
Man hat sich Mühe gegeben» die Jrri Flüsse» welche die Cechen auf ihrem Zuge 
nach Böhmen» unserem Gedicht zufolge» passirten» nachzuweisen» und glaubte sie» nach 
Weleslawin's Meinung, der die &chen von der Kulpa in Croatien kommen lässt» in der 
Drawe» Hab und Donau» oder nach PelzeKs richtigerer Annahme» der sie aus Grosschro- 
watien im Norden der Karpaten herleitet» entweder in der Gran» Waag und March» oder 
in der Weichsel» Oder und Elbe (mit demselben Rechte könnte man an die Weichsel, 
die Warte und die Oder denken) gefunden zu haben. Unseres Bedttnkens ist die Zahl 
drei hier wie anderwärts in unseren Sagen poetisch» und sie streng historisch zu deutea 
dürtle um so gewagter sein» als man über die Richtung des Zuges der Cechischen Schaa- 
ren nichts Bestimmtes und Zuverlässiges weiss. A. Dietrich bemerkt Im Vorworte zu den 
Russ. Volksmährchen S. XVII. sehr richtig: »Eigenthümlich ist es» dass in diesen Sagen 
die Zahl drei fast überall vorherrscht Die Väter haben gewöhnlich drei Söhne» die Hel- 
den oder fahrenden Ritter ziehen durch dreimal neun Länder in das dreis^igsie König- 
reich (erst dreimal drei, dann dreimal neun, zuletzt dreimal zehn) ; einige der tapfersten 
und berühmtesten Ritler sind drei und dreissig Jahre alt» wenn sie die Laufbahn des 
Ruhmes betreten» und gelangen in ihren Unternehmungen erst beim i£r<i(/^ Versuche zum 
Ziele« u. s. w. Auch unser Krok und der pommersche Borislaw hatten nach der Sage 
drei Töchter. 

V. 27. Druzna vlastovica. • 
Ein fast in allen slawischen Ländern bei dem Volke in hoher Achtung stehender 
Vogel; ihn zu verletzen wird fär ein unheilbringendes piaculum gehalten. Er durfte> einst 
sogar auf den Köpfen der heiligen Standbilder in slaw. Tempeln ungestört nisten. Saxc 
Gramm. 1. VIII. p. 327. Hier ist wahrscheinlich unter diesem Bilde die zweite» zu Hause 
weilende Schwester der entzweiten Brüder gemeint. Uebrigens ist das liebliche poetische 
Bild» durch Vögel Nachricht. zu geben» sehr alt und gewöhnlich. In dem indischen Ge^ 
dicht Mahabharata versieht diesen Dienst die Gans» in den nordischen Sagen der Rabe* 
In der Königinhofer Handschrift soll die Lerche dem Mädchen als Bote dienen» wie die 
Taube dem Anakreon. «Durch den Vogel erfahren« (dowedeti se po ptaöku) ist ein all- 
tägliches böhmisches Sprichwort. 

V. 30. 31. V Liubusini sidU • . . Vysegradi. 
Nach der Ansicht des Dichters und ohne Zweifel auch nach der seiner Zeitgenossen 
residirten also Krok und die Fürstin LibuSa bereits in Vyäegrad» der allbekannten Feste 
bei Prag. Cosmas lässt» einer andern Sage folgend» diese Feste erst nach dem Mädcfaeo- 
kriege» also nach dem Tode Libu$a*s» entstehen. Genaue Uebereinstimmung zwischen 
Sagen wird man nicht erwarten (hat Nestor nicht die abweichendsten Sagen über seinen 



§•15. W&rdigung des Gedichts und Sacherklärangen, 03 

Kyj verzeichnet?), da man sie nicht einmal zwischen historischen Zeugnissen und Docu- 
menten stets und überall findet. 
V. 36. Na popravu» 

Das Wort poprava hatte zu verschiedenen Zeiten eine verschiedene Bedeutung jfi. 
Jungmann s Slowujk^u» Poprawa); hier scheint es in seiner ursprunglichen Bedeutung: Yer* 
besserung« Schlichtung, Ausgleichung, zu stehen. 
V. 40. Ot Liubice bile, 

Lubica, jetzt Libice bei PodSbrad, berühmt als Sitz des mächtigen Lachen Slavnik, 
und als Geburtsort des h. Adalbert, worüber Cosmas I. 54. nachzulesen ist Eigenthüm- 
lieh und uralt ist bei den Slawen der Gebrauch des Epithetons bely, zumal bei Orts- 
taamen; man denke an die vielen Comp, mit demselben, z. B. russ. B^laja-Cerkov» B.-Go- 
ra, BSloberezje, BM-Gorod, B^l-Kolodez, B^loj-Jar» B.-Kljuö, Beloostrov, Bilo{)ölje, sefli. 
B^li-Klanac, B.-Potok, B.-Br^g, ß^lobaba, B^lobrdo, Beloselo, pol. Biä{y-Kämi«ik, B.-Bör; 
Biaüa-Wie^, B.-Wieia, Bia7o*Z.enka, Bialokrynica, Biafebfoty u. s. w. Zuweilen bedeutet 
das Beiwort b§ly soviel als schön: so dolmetschte schon Ditmar Beleknegitii durch pul- 
chra domina sclavonice (1. VIII. p. 249), Belegori durch pulcher mons (1. Vf. p. 172), und 
die Stadt Pulcheriopolis in Albanien benannten die bulgarischen Slawen Belgrad (vgl. das 
lat. bellus); so heissen in den serbischen Heldenliedern die Wohnsitze der Fürsten uäd 
Heroen: b^ly dvor, b£ly grad.^ Lubica kann hier also entweder in dem gewöhnFieheii 
Sinne (wie B^la-wes', B^Io-selo), oder als Wohnsitz eines vornehmen Lachen b^la heissen. — 
Uebrigens reicht der tropische Gebrauch des Wortes bMy weit in den Orient 'Hinein: 
die Tataren nennen den Beherrscher Russlands i»den weissen Tzar.a 

V. 42. S Dobroslavska chtmca, ' * '. 

Dobroslaw's Kulm ist ohne Zweifel Königingrlitz, dessen Grund ein Wladykä jenes 
Namens, nach Hajek, soll gelegt haben. 
V. 43. Orlicu Labe pije. 

Das Flüsschen Orlica fallt bei Königingrätz in die Elbe. 
V. 44. Ot gor Krkonesi, 

Das bekanntie Riesengebirg. Ueber den Namen vgl. §. 12. Wortverzeichniss. 
V. 45. Ideie Trul pogubi san liulu. 

Trut's Gedächtniss lebt noch im Namen der Stadt Trutnow, Trautenau, die einen 
Drachen im Schilde führt. Der Dichter hatte hier wohl eine damals bekannte und in 
Nationalliedern gefeierte Sage von der Erlegung des Drachen durch Trut vor Augen, 
der auch das Schild seinen Ursprung verdankt. Eine ähnliche Sage soll noch im Munde des 
dortigen Volkes leben: man bringt aber Trut's Abentheuer jetzt mit der ausgestopften 
Krokodilshaot auf dem Rathhause zu Brunn, so wie mit der Abbildung des Drachen auf 
dem Rathhause zu Königingrätz, in Yerbiadung. Bekannt ist die Sage von Krak und dem 
Drachen bei Kadlubek: zwei andere litauische Gesänge vom Sieg über einen grossen 
Lindwurm besass Czacki. (Vincent Kadlubek, von Linde S. 359 Anm. 21.) Sehade« dass 
sie nicht gedruckt sind« 



94 Denkmäler der böhmischin Sprache. Libusä*i Geruht, 

V, 46. Radovan ol Kamena Mesla* 
Radowan, als Personenname, kommt in alten Urkunden und Nekrologien nicht selten 

vor. Das Andenken an einen Radowan, und Tielleicht an den hier genannten, hat sich 
)3is heutzutage in dem N^men von Rcdisjwrt erhalten« einem im Elbogner Kreise an der 
Eger gelegenen Dorfe, das in alten Urkunden Radansfart, lateinisch Vadum Radovam , 
heisst. So spricht K. Otakar I in einer Urkunde vom J. 1236: »Wladixlaus rex pater 
noster nominatim conferens domui Doczanensi praedia sua terminis certis distinxit : nam 
Welichov a vado Radowani usque ad pontem paludum quod Moztissche dicitur« et sie ad 
montem qui dicitur Ztrani, et ita in Egram fluvium, domoi dictae donavit.« 

Kamen most, heutzutage Kamennjj Most, ist jetzt ein Dorf der Herrschaft Möhl* 
hausen« zwei Stunden von Schlan entfernt« am LibuSiner Bache gelegen. Es wird zu- 
erst in dem Wy.^ehrader Stiftungsbriefe (angeblich vom J. 1088) genannt: »Kamene roozte 
terra ad tria aratra cum ministerialibus.« Als zur Probstei Wysehrad gehörig kommt es 
noch in zwei Wysehrader Urkunden vom 24, Sept. 1292 vor: »venditio bonorum praepo- 
sitiurae in Camenmost« videlicet 180 jugerum«« und wieder »unam particulam bonorum sitam 
in Kamenmost.« Nach dem Hussitenkrieg ist Kamen Most ein kleines Rittergut« In einer Ur- 
kunde vom J. 1460 kommt als Zeuge vor: Bartoä Vikkz Kamena Mcsta, sedinjm we Slanem; und 
im J. 1461 derselbe wieder: BartoS Ptaöek zKamene Mosta. Der Ort ist offenbar uralt, und 
reicht in diejenige Zpit hinauf» wo eine steinerne Brücke eine Seltenheit im Lande war. 

V. 47. Ot Br'd vVtoricnych. 
Br'da, Berge, von br'do Berg, hier insonders ein Bergkamm im Berauner Kreise, von 

dem ein Theil am Fusse derselben ehemals (vomXllIJahrh. biszum J. 1714 herab) Podbrdsky 
kraj, der Unterbergkreis, in lateinischen Urkunden des XIV Jahrb. provincia Podbrdensis 
hiessj und mit dem Decanatus Podbrdensis (in Balbini Miscellan. lib. V, pag. 12, vgL lib. 
III, pag. 23) wohl auch gleichen Umfang hatte. Die Gegend war ehedem gewiss waldrei- 
cher, und somit auch wasserreicher, als jetzt. 

V. 48. Ot Sazavy ladny. 
Sazawa, ein Flüsschen, das vom südöstlichen Böhmen kommt, und oberhalb Prag in 

die Moldau sich ergiesst. 

V. 49. Se Mze strebronosne. 
Die Mies, sonst auch Beraun genannt. An derselben liegt die Stadt Strfbro, Mies, im 
Pilsner Kreise. 

V. 54. f^ Fysegrade, 
Der Vers ist unvollständig; die Herren Hanka und Swobcda ergänzen ihn durch: v Liu- 

bu§ine sedle, dem Sitz Libusa*s. 

V. 55. Rozenia dlie svego. 
.Unseres Bedünkens bedeutet der Ausdruck soviel als »nach den .Fahren der Geburt,« 

also »nach dem Alter,« nicht wie man es bisher gedeutet, nach dem Geburts* oder Stan- 
desrange. Dies stimmt wenigstens zu dem später in Böhmen allgemein beobachteten 
Brauche. Derselben Formel begegnen wir in der Königtnhofer Handsch., im Liede La- 
di$e und Lubor: Za pfedldhd stoly siedü Prokn^ rozenie dlie svihc. S. 62. 



5. t5. Würdigung des Gedichts und SackerUärungcn, 9A 

y. 58. Dvi veglasne devL 
Auch dieser Vers ist unvoUstäiidig ; die Herren Hanka und Swoboda fügen hinzu : 
u niej staste« standen ihr zur Seite. Aus dieser Stelle ersehen wir» dass auch bei den 
heidnischen Slawen« wie bei andern alten Völkern« Jungfrauen und Frauen bei religiösem 
Gultus und andern heiligen Gebräuchen« wohin wir auch die- Rechtspflege zählen« nicht 
unwichtige Functionen ausübten. Nach der Ansicht mehrerer alten Völker« namentlich 
der Slawen und Deutschen« scheinen Aussprüche des Schicksals im Munde der Frauen 
grössere Heiligkeit zu erlangen. Es ist ein bemerkenswerther Zug in der Natur des 
Menschen« dass er geneigt ist« dem weiblichen Geschlecht eine höhere Scheu und Ehr- 
furcht zu beweisen. Auch hat sich wilde Kraft der Phantasie und was man den Zustand 
des Hellsehens nennt« von jeher vorzügUch in Frauen gezeigt. Kein Wunder daher« dass 
hochbegabte« weise Frauen und Jungfrauen« sei es als Fürstinen« sei es als Weis- 
sagerinen (ye^tice)« auch in dem slawischen Sagenkreis eine so wichtige Rolle spielen. Um 
nicht Beispiele aus der mythischen Geschichte anderer slawischen Zweige zu häufen 
(wem sind die polnische Wanda oder die drei Töchter des pommerschen Borislaw's un- 
bekannt?) erinnern wir nur an unseres Krok Töchter« die heilkundige Zauberin Kasi« 
die fromme Deuterin des religiösen Cultus und Reglerin der heiligen Gebräuche« Teta« 
endlich an sie selbst« die der Gegenstand unseres Gedichts ist« die weise Richterin und 
Weissagerin Libusa. Hsec talis ac tantae laudis femina« heu dira conditio humana« fuit 
pythonissa« ruft unser Cosmas in seinem christlich-priesterlichen Unmuth aus* (f. 11.) 
Von den Germanen sagt bekanntlich Tacitus : inessetquin etiam sancium et prcvidum 

m 

(feminis) putant« nee aut consilia earum aspernantur« aut responsa negligunt Germ. 8. 
Schon Caesar bemerkt : quod apud Germanos ea consuetudo esset» ut matres /am. eorum 
sortibus et vaticinationibus declararent« utrum proelium committi ex usu esset« nee ne. I. 50. 
Die vergötterten Aurinia und Veleda« die späteren Ganna« Thiota u. a. haben bei den 
Germanen sogar geschichtlichen Ruhm erlangt Die Wahrsagerinnen der Cimbern übten 
nach Strabo zugleich priesterUches Amt. VII. 2. Auch bei den Sarmaten waren« nach 
jNicolaus Damascenus , Frauen an Divinationsgabe und übermenschlicher Weisheit den 
Männern überlegen. Was den Umstand anbelangt« dass die Jungfrauen in unserem Gedicht 
als die Hüterinen del" geheiligten Runen- oder Gesetztafeln und des Strafschwerts dar- 
gestellt werden: so erinnern wir daran« dass die Kunst« Buchstaben zu schreiben und 
zu lesen« bei den Germanen in ältester Zeit hauptsächlich Frauen beigelegt wird. In 
der alten Edda schneiden und lesen Frauen Runen. In dem bekannten Manessischen 
Codex findet sich ein Bild« wie ein Ritter einer Jungfrau seine Gedichte dicdrt. Bei so 
vielen unbestrittenen Berührungspuncten« worin das germanische Alterthum mit dem Slawi- 
schen zusammenfallt« können wir mit Recht schliessen, dass auch den slawischen Wahr- 
sagerinen und Priesterinen die Kunst der Runen nicht fremd war. Was die Verrich- 
tungen dieser zwei Jungfrauen bei der Feierlichkeit des öffentlichen Gerichtes anbelangt« 
so wissen wir darüber« bei dem gänzlichen Schweigen des Alterthums« weiter nichts« als 
was in unserem Gedichte darüber theils angedeutet« theils bestimmt ausgesprochen ist. 



96 DinkmäUr der böUmüchen Spracht^ Libasas Gericht* 

Ihnen lag oh, die Stimmen in die heilige Urne zu sammeln; wahrscheinlich fungirten sie 
auch bei der Erforschung der Walirheit durch GoUesurtheil, da sie als in der Nähe des 
Feuers und Wassers stehend angeführt werden. Sie heissen desshalb V. d9« Yyaöene 
veidbam yitiezoTym, und V. 87 ausdrücklich deve sudni, was wir nun in Erwägung 
ziehen wollen. ^^^ ,, :, . ' //-r^.^'r./ -^ '. 

y. 59. 87. Fyuceni viscbam vUiezevytn ^— ilAe sudnL 
Unstreitig eine der schwierigsten und dunkelsten Stellen unseres Gedichts. Das zweite 
Wort bietet zwar an sich keine Schwierigkeit dar, da es in unsern alten Denkmikrn 
oft in dem Sinne von Wahrsagerei vorkommt. Die Mai. Verb« gloasirt Taticinia, poeUnmi 
carmina durch TeSöby, und so gebraucht finden wir es in unsern ältesten Legenden^ bei 
Daiemil« ^xixnj u. a. m. Es stammt von v^tu, ydsti» fari, davon auch vecati, slawisch 
ydädali« und hängt mit vitija (orator)» yet in s-v^t (consilium), oty^t« priyet u. s. w. zu- 
sammen. (Verschieden dayon ist y^deti.) Man könnte indess das Wort hier in weiterer 
Bedeutung fiir Kenntniss» Wissen, Kunst u. s. w. nehmen, insofern in jener alten Zeit 
das Wahrsagen, als ein Bestandtheil der Religion, der Gipfel alles Wissens, die höchste 
menschliche Wissenschaft war. Selbst unser Stitnj^ (um 1370) scheint noch yeddba uad 
vödmo (dieses yon yedeti) als Synonyma zu gebrauchen. — Das dritte Wort stammt tos 
yitiez', und kann seiner Form nach fUr gleichbedeutend mit yitiezsky genommen werden; 
denn die Adjectiyform = oyy wird im Altböhmischen gar oft dort gebraucht» wo wir jetzt 
die Form = sky brauchen. (Vgl. oben §. 14. S. 82.) Das Wort yitiez', cyr. shta^i»» 
al^>oln. (nach Linde) witez« npol. zwycieica, ill. yitez, bedeutet den Böhmen einen Sieger 
(yictor), andern Slayen hingegen einen Helden (heros), und an diese Bedeutung, als die 
ältere, müssen wir uns hier halten. Der Materie und Form nach stimmt es mit dem 
anderwärts yorkommenden Volks- und spätem Richter-Namen goth. yithiggs, ahd. viti^ 
od. vitic, nhd. witzig, wissig, überein; ygl. unser k^nez' mit dem goth« kuniggs« abd. 
kunig od. kunic, nhd. König« unser p^nez' mit pfeniggs, pfenic: unser userez' mit dem 
goth. ausahriggs, nhd. Ohrring u. s. w. Die Vithinge kennen wir aus der Geschichte 
als Anwohner der Ostsee yom III Jahrb. bis ins spätere Mittelalter herab. Sie beissea 
bei Trebelliua Pollio Vita Claud. c. 6. Vittingui (in den Edd. falsch : Virtingui), in dea 
Urkk. des Mittelalters Withingi. Nicht verschieden von ihnen scheinen die Vidi-vari(vari^ 
homines« incolae) des Jornandes Get. c. 5. 17., und die Vites des Anon. Rayennas I* I* 
c. 12. Ueber die späteren Withinge sagt Voigt Gesch. Preuss. I. 236. „Die Geschichte 
weiset eine für Samland ganz eigenthümliche und yon dea der übrigen Landschaitea 
Pi^eussens bedeutend abweichende Verfassung und Gestaltung der Dinge nach. Sie x€i(t 
uns eine Anzahl vornehmerer und aber gewisse Landgebitte hoTschender Familien, denen die 
übrigen Bewohner als dienstbar untergeben waren. Zur Zeit, als der Orden das Land 
schon in Besitz genommen, erscheint dort ein edlerer und vemehmcrer Herrenstand unter der 
allgemeinen Benennung der ,,aüen fFithinge\ höchst wahrscheinlich so genannt als Ah- 
kömmUnge des Viden-Volkes. Vor des Ordens Ankunft , wie es scheint , mit reichlichem 
Landbesitz yersehen, mit mancherlei bedeutenden Vorrechten ausgezeichnet, durch grosse* 



§• Ib. ' ffHarÜgmig des Gedwius und Sacherklänrngm. 97 

Ansehen und mächtigen Emfluss auf das Volk hervorglänzend wurden sie auch nachmals 
yom Orden ganz besonders begünsligt." Uebrigens yerwechselt Voigt irrigerweise die 
Withinge mit den Vikingen« und bringt sie zugleich mit den Gothen lud Dänen in Ver- 
bindung« In unser n »»Slowanske Starozitnosti^' S. S49 und 373 haben wir diese Withinge 
und Vites» durch dl^utsche Forscher verleitet, für einen in Samland ansässigen Zweig 
der skandinavischen Gothen erklärt« eine Annahme« die uns jetzt nicht mehr so plausibel» 
wie ehedem« erscheint« zumal dieselben bei Trebellius Pollio in Gesellschaft der Pruthungi 
auftreten (bei Zosiknus Prothingi)« welche offenbar mit den Phru-gundionen des Ptolemaeus 
(man merke den regelmässigen Ausstoss des Consonanten' in Zusammensetzungen wie 
Vis«burgü st Visl-burgii« Sa-boki st, San-boki« Te-rakatriae st. Tej-Rakatriae« d. i. Raka« 
triae an der Teja« Bu-guntae st« Bur*guntae u. s. w. bei Ptol. ; vgl. dazu Siiridus« Wiberlus, 
Wibaldus u. s« w.) identisch und die Vorfahren der spätem litauischen Prussen oder 
Preussen sind. Sowohl der Name der Vites und Vithinge« als auch der Umstand« dass 
die letztern in so grossem Ansehen beim Volke standen« was wohl von ihrer ehemaligen 
Priester- und Richterwürde herrührte« führen uns auf die als Weise und Richter bekannten 
Viten und Witzige oder Wissige in Eogland und Deutschland. Das in ags. Denkmälern 
häufig vorkommende Vitan« sg. nom. vita« deutet J. Grimm in einer Stelle durch proceres« 
optimates« seniores« consiliarii« sapientes« in einer andern aber durch ««zu Gericht ver- 
sammelte Urtheiler« jadices." Deutsche Rechtsalt. S. 266 — 267. 778. Vgl. Phähps Deut. 
Gesch. I. 230 — 231. Daher ags. vitena*gem^« Volksversammlung« eigentlich Versamm- 
lung der Yiten od. Richter. Aber auch die in Deutschland vorkommenden Witzige eines 
Cölner Gerichts im Mittelalter« welches den Namen Witziggedinge ffihrte« sind von den 
Withingen oder Witigen nicht verschieden« da der Uebergang des i in iz oder ss regel- 
mässig ist. Auch Statute und Weisthümer erwähnen der Witzige oder Wissige als Urtheils- 
finder. Grimm D. R. A. S« 779. Hierauf gestützt« nehmen wir als wahrscheinlich an« 
dass die alten Böhmen mit dem Worte vitiez' (heros) auch den Begriff des Weisen und 
des Richters verbanden« und dass hiermit der Ausdruck vöädby vitiezove in unserm 
Gedicht gleichbedeutend sei mit veäöby sudne« welche Deutung durch das unten folgende 
^döve sudni^ bekräftigt wird« denn offenbar ist das Wort sudnö hier ein Synonymum 
von vyudenS vöiöbam vitiezovym. Wir wollen uns nun in keine weitläufigen Erörterungen 
der Frage : ob die Withinge slawischen oder litauischen oder germanischen Ursprungs 
seien« einlassen — Entlehnung ist hier so gut möglich« als gemeinschaftlicher uralter 
Besitz — wir wollen zum Schlüsse nur noch zwei Bemerkungen machen« die unserer 
oben ausgesprochenen Ansicht zu einiger Stütze dienen können. Dass Gentilia in unserer 
und der der unsrigen zunächst verwandten litauischen Sprache häufig in andere Bedeu- 
tungen übergehen« davon haben wir in den Wörtern velet (gigas)« miliin (gigas)« neropch 
(rusticus)« kursar od. gursar (pirata)« obr (gigas)« smrd (rusticus)« vlach (pastor)« koldun 
(mendicus)« spolin oder ispolin (gigas)« sehr (rusticus) u. s. w. einleuchtende Beweise. 
(Vgl. Slow. Staroi. S. 45 — 47.) Da jedoch jedes Gentile ursprünglich von einer bedeut- 
samen und verständlichen Wurzel stammen muss« so glauben wir bei unserm vitiez' um 

13 



98 Denkmäler der böhmischen Sprache. LAuias Genchl. 

so mehr an das durch die meisten Mundarten unserer Sprache verbreitete yH, yit (der 
Wechsel des e und e ist häufig, daher s-vet, ot<y£t, priT^t, aber vitija« orator« yitati, 
salutare> affari) halten zu müssen, als dasselbe auch in den Namen der slawischen Gott- 
heiten : Syatovit, Rujevit und PoreVit angetroffen wird. Ist diess richtig, so wurde in 
dem Worte vitiez' die Bedeutung orator, sapiens die primäre und ältere, die von heros, 
Victor hingegen als die spätere, abgeleitete, anzunehmen sein. 
V. 60. Desky pravdodatne. 
Die Gesetz tafeln, welche die Gebote der Gottheit enthielten, und ohne Zweifel mit 
Schnitzwerk, wahrscheinlich die Bilder der Hauptgottheiten darstellend, vielleicht auch 
mit Runen oder überhaupt Schriftzeichen bedeckt waren. Es ist allgemein bekannt, dass 
bei den meisten alten Völkern Gesetztafelo, als eine der wirksamsten symbolischen Mittel 
die Rechtssatzungen als unmittelbare Gebote der Gottheit erscheinen zu lassen, in Gebrauch 
waren. Um nur ein Beispiel aus der Nähe auszuheben, so erinnern wir an die geheiligten 
Runentafeln der Äsen, die, nach der skandinavischen Sage, von Allfadur selbst einge- 
graben und die Grundlage der Göttermacht waren, nachmals aber von drei mächtigen 
Zauberjungfrauen aus Jotunheim den Äsen entwendet wurden. In Bezug auf das Wort 
desky (vgl. discus und ahd. disk. Tisch) bemerken wir, dass dasselbe nicht nur in Böh- 
men von Altersher von der Landtafel und Hoflehntafel gebräuchlich ist , sondern merk- 
würdigerweise auch in der Nowgorodischen Chronik beim J. 1208 vorkommt, wo die 
Schuldregister des Posadniks oder Rectors der Republik Demeter Miroikin deSt'ky heissen : 
A dto na d'iökach, a to knjazju ostavi$a, i daia d'sdky Dmitrowy Svjatoslavu, i bjasa na 
nich bez disla. L§t. Novg. S. 92 Ausg. 1819. Jüngere Chroniken drücken die Stelle 
interpretirend also aus: cto na dskach v pisme ostalo. Sof. Wrem. I. 217. Yoskres. n. 
148. Ein Beweis mehr f&r das hohe Alter des Wortes desky für Schreibtafel, da es bei 
so entfernten Zweigen auch damals noch gleichförmig gebraucht ward, als man schon 
längst nicht mehr auf Holztafeln, sondern auf Pergament schrieb. (Vgl. das goth. spilda, 
alt. spiald, dän. spield; rontafel beim Dasypodius ; böka. Buch, nach den Tafeln von 
Buchenholz u. s. w. In der böhm. Bibel liest man sogar : Napsali na dsk4ch mosaznVch, — 
mSd^n^ch. Dass die Slawen noch im Heidenthum Buchstabenschrift kannten und — wenig« 
stens bei Geheimnissen des Cultus und bei der Walirsagerei ^— übten , dürfte von Sach- 
verständigen jetzt kaum bezweifelt werden, wenn wir auch nicht andere Beweise dafür 
beibringen könnten, als die klaren und positiven Aussagen Ditmar's von Merseburg („inte- 
rius dii stant manufacti, singulis nominibus insculplW VI. p. }51.) und des bulgarischen 
Mönchs Ghrabr („cr'tami i rezami ö'techa i gataacha pogani sa^e** Kalajdcfnic Jo. Exarch 
S. 189) « an denen es uns übrigens nicht fehlt, Sie nannten die Buchstaben mety« 
metky (notae, signa), und (wenigstens in späterer Zeit) den Schreiber m^telnik (notarius, 
scriba). Letzterer Ausdruck (m^telnik) kommt in der Prawda Ruska vom J. 1016 vor, vro 
er aber von den Erklärern meist unrichtig verstanden wurde. Wir lassen indess diesen 
Gegenstand hier gänzlich fallen, da wir gesonnen sind, demselben bald an einem andern 
Orte eine ausCührliche Untersuchung zu widmen. 



§• !&• WUirdigUng des Gedichts und Sackerklärungen. 99 

V. 62. 63. Planten pravdozveslen — svatccudna voda. 
Zwei der vorzüglichsten Arten der Gottesurlheile > das Feuerurtheil, Judicium ignis^ 
und das Wasserurtheil, Judicium aquae« gewiss die ältesten und verbreitetsten, werden 
hier namhaft gemacht. Später wird bei einigen Slawenzweigen auch des Kampfurtheilesj 
jud« pugnae s« duelli, häufig erwähnt* Wir finden die Anwendung der Gottesurtheile bei 
den Stallen im frühesten Alterthume so allgemein verbreitet und den Glauben an die 
Wirksamkeit derselben im Gemüthe des Volkes so tief gewurzelt, dass wir sie auch bei 
unserm Stamme« so gut als bei den Germanen, Gelten, Griechen, Indiern u. a. fiir heid' 
nischen Ursprungs und aus dem höchsten AUerthum stammend halten müssen. Aus dieser 
Ursache, weil man sie dem Volksglauben nicht rasch und gewaltsam entziehen konnte, 
musste sie das Christenthum und die spätere Gesetzgebung anfangs und lange Zeiten hindurch 
dulden und sogar durch kirchliche Gebräuche heiligen. — Die älteste bestimmte Meldung 
von Gottesurdieilen in Böhmen finden wir in den Gesetzen Bfetislaws I vom J. 1039 bei 
Cosmas p. 111 : Si mulier proclamaverit pari vice non amari, sed inclementer a viro 
suo affligi et profligari, detur inter eos Judicium Dei , et qui inventus fuerit reus, solvat 
poenam rei. Similiter et de bis, qui homicidiis infamantur, archipresbyter comiti illius 
civitatis nomina eorum asscribat, et comes eos conveniat; et si sunt rebelles, in car- 
cerem redigat, donec aut poenitentiam dignam agant, aut si negant, ignito ferro sive 
adjurata aqua, utrum culpabiles sint, examinentur. Auch die Konrad'schen Statuten ent- 
halten Bestimmungen darüber* Gänzlich abgeschafft wurden sie erst in der Mitte des 
XIV Jahrhunderts , durch den Erzbischof Ernst von Pardubic , nach dem Zeugnisse der 
beiden Zeitgenossen Wilhelm von Hasenburg und Thomas von Stitny. Jener sagt : Hie 
(Arnestus) etiam judicia peregrina, videlicet candentis ferri et aquae frigidae, quibus Bo- 
hemi usque ad ipsius tempora utebantur, exerceri prohibuit, et eadem totaliter, baronum 
resistenüa non obstante, suppressit. (Balbini MiscelL lib. IV, p. 85). Stitny, der Dasselbe 
behauptet, sagt zugleich, die Gottesurtheile wären in Böhmen noch ein Rest des hei^ 
dräschen Alterthums gewesen. (Casopis öesk. Mus., 1838,1,6.) — Das Wörtchen -«-cudna in 
svato*cudna hängt etymologisch mit cud Reinheit, Zucht, cuda Bezirksgericht im Mittelalter, 
cudaf Bezirksrichter, und mit cüditi reinigen, zusammen. 

V 

V. 70. 71. 106. Budeta im cba v jedno vlasti, Ci sie rozdiläa revnu miru — Pr'vencu 
dedinu dati pravda. 

Das Erbrecht, die darin geltenden Gesetze und Verhältnisse, sind der Hauptpunct, 
um welchen das ganze Gedicht sich bewegt. Die Aufschlüsse, die es uns bietet, ver- 
breiten unerwartetes Licht über einen der dunkelsten und wichtigsten Gegenstände der 
Alterthumskunde. 

Chrudoi will als Erstgeborner sich geltend machen, und spricht einen Vorzug an, 
den der jüngere Bruder Stiahlaw ihm streitig macht. Ob Chrudoi die ganze Erbschaft, 
oder nur den grösseren Theil für sich haben wollte, wird nicht ausdrücklich angegeben. 
Sein Ansinnen war dem germanischen, nicht aber dem slawischen Rechte gemäss, wel- 

13* 



100 Denkmäler der böhmüchen Sprache. Lämsae Genehi. 

ches letztere von den Vorzügen der Primogenitur nichts wissen wollte. Dahcir kamen 
hier slawische und germanische Rechtsansichten und Gebräuche in Gonflict 

»Nach der germanischen Erbfolgeordnung (sagt G. Phillips» Deutsehe Geschiclitei 
Berlin 1832, Bd. l, S. 142 Anm. 53, S. 166—167, Anm. 8) wird jeder Tor allen aadern 
von seinen wehrhaften Söhnen beerbt. Diese schliessen wegen der grösseren Gleicli- 
heit des Blutes zunächst die Enkel aus, wegen ihrer Wehrhaftigkeit aber auch ihre jün- 
geren Brüder, die noch nicht zu derselben gelangt sind; und so spricht sich Vüerinseb 
deutlich die Richtung aus , welche dae germanische Recht dahin hat, dem Erttgtbtmen dum { 
Vorzug einzuräumen. Dieser altgermanische Vorzag der Primogenitur hat sich ganz besonders 
in England erhalten. Die Normannen brachten dieses Princip aus ihrer Heimat mit, wel- 
ches, wenn auch unter einem feudalen Gewände, das der ganze Grundbesitz erhielt foru 
gedauert hat. (Vgl. Gud. Gemetic. Histor. Normannor. 1. 4. Quae gens idcirco sie nnoUi- 
plicabatur, quoniam nimio dedita luxui mulieribus jungebatur multis. Nam pater adoltos 
filios cunctos a se pellebat, praeter anum , quem heredem sui juris relinquebat,) Auch das 
deutsche Lehnrecht enthält Spuren davon, deren Ursprung man aber nicht erst in dem 
Lehnrechte zu suchen hat.« — Auch Thierbach, der in seinem lehrreichen Werk : Ueber 
den germanischen Erbadel, Gotha 1836, 8v. diesen Gegenstand einer gründlichen Prü- 
fung unterworfen hat, äussert sich dahin, dass das Erbrecht der Erstgebornen ein alt- 
germanisches Institut sei. 

In den altböhmischen Gesetzen und Gewohnheiten ist dagegen keine Spur xu 
finden, dass Erstgeborne bei der Erbfolge irgend einen Vorzug behauptet hätten; und 
dies durch alle Zeiten bis zum XYI Jahrb. herab, wo die ersten Fideicommisse erridiUil 
wurden; — das Lehenwesen, das nach deutschen Grundsätzen im XIV Jahrh. auch in 
Böhmen sich ausbildete, natürlich ausgenommen. Nach Gesetz und Herkommen eibtea 
in Böhmen die Kinder beiderlei Geschlechts zu gleichen Theilen. Da jedoch der C^ 
brauch des gemeinschaftlichen, ungetheilten Besitzes aller Erbberechtigten» oft dnrA 
mehrere Generationen, vorherrschend war (man nannte dies nedjinost, hromada, spolei\ 
die Töchter aber und Schwestern durch ihre Vermählung aus dem Kreise der hromadnjd 
traten, so wurden sie durch ihre Aussteuer für immer abgefertigt (wybyty), dalfierW 
späteren Erbtheilungen nicht mehr berücksichtigt« Kein Gütergenosse (hromadnjk} konotf 
über seinen Erbtheil vor erfolgter Theilung verfügen; er hatte kein persönliches Ei^o* 
thum, und wurde von den Ueberlebenden unbedingt beerbt. Jede Theilung der Exb* 
guter fand nur vor den Gerichten und nur auf das Verlangen aller Erbberechtigtes 
Statt. Der Aelteste unter den Gütergenossen entwarf die Theiie, meist « scliriit\ic\i, tiaä 
Theilzetteln (djlöj cedule) ; der Jüngste wählte seinen Theil zuerst, dann folgten die nach 
sten im Alter, und der Aelteste bekam denjenigen Theil, der ihm übrige blieb. Diese 
uralte Rechtsgebrauch hat sich in Böhmen, nach Gesetz und Herkommen, wie gesa^^ 
zum XVI Jahrhunderte herab erhalten. 

Es gab nun dreierlei Fälle, die diesen Erbstreit lösen konnten: 1) enl^weder vito^ 
gar nicht getheilt, sondern nur die bisherige Gütergemeinschaft (nedjlnost) aufrecht « 



$. 15. fß^trdigung du Geduhu und Sacherklänmgen. 101 



t 



^ 



haken ; 3) oder es wurde zu gleichen Thetlen gctheik; 8) oder endlich wurde zu ungleichen 
Theilen getheilt und dem Erstgebornen ein Vorzug eingertemt 

Libuia'» Spruch iat so bescheiden als gerecht und klug; sie sagt» nach den 
»göttlichen Gesetzen« (nach dem althergebrachten slawischen Recht) sei nur der erste 
und der zweite Fall zulässig; der Landtag möge entscheiden» welcher von beiden hier 
Statt zu finden habe ; doch stehe es der yersanunelten Nation frei« auch von den bis« 

I herigen Gesetzen abzuweichen und ein neues zu gründen» d. i. die germanische Primo« 

, geniturerbfblge einzuführen« 

^ V. 86. Pe naroda svemu. 

I Nach unserer Ansicht sind hier die Stimmen der einzelnen stimmfähigen Mitgliedef 

^ der Versammlung» nicht die der Stimme» gemeint. Narod» das ges«nmte auf dem sniero» 

Landtag» durch seine Häupter repräsentirte Volk. 

I V. 88. U csudie svaie. 

^t Schon Wacerad in der MaU Verb, glossirte uma durch osudie. 

i! V. 92. Fiecmu prcvolaii. 

•D Ueber viedina vgl. §, 12. Wortverzeichniss. 

V. 99. Budela im oba v jedno idasiL 
Das Gesetz» welches das erste Fragment ausgesprochen» findet hier gleich An- 
wendung. 
^ V. 106« Pr'vencu dedma daU pravda. 

Siehe das oben beim V. 70 Angemerkte. 

d^ V. 118. F Nemcech iskal'' pravdu. 

Das eifersüchtige Wachen über althergebrachte» geheiligte Rechte und Gebräuche 

ist jedem Volke um so mehr eigen, je kräftiger und selbständiger es ist. ChrudoS's An- 
sinnen» das deutsche Recht der Primogenitur in Böhmen geltend zu machen» musste na- 
türlich auf starken und entschiedenen Widerstand stossen. 
V. 120. Juie prinesechu oUi nah. 

Ein so altes» gemüthliches» an feste Wohnsitze und geschlossenen gesellschafUichen 
Verband gewöhntes» durch sanfte» züchtige Sitten» blühende Volkspoesie und sinnTollen 
Cultus ausgezeichnetes Volk» wie das Slawische« konnte gewiss schon in der ältesten Zeit, 
hoch im Heidenthum hinauf» nicht eines durch Gesetze geregelten und geheiligten Rechts 
entbehren» Das Wort zakon» Gesetz» ist allen Zweigen des grossen Stammes gemeinschafUich» 
zum Beweise» dass Begriff und Sache älter sind» als die» bekanntlich sehr frühe Zersplit- 
terung der Zweige. Bei Prokop sprechen die auf der Wanderung begriffenen Slawen (ums 
J. 546) von einbeimischen Gesetzen (xata rov vofiof, B. G. 111. 14); Constantin Porphyroge- 
neta hat uns gelegentlich das eigentliche Wort zakon erhalten [xata ta ioxava, hm ^axa909y 
De Adm. Imp. c. 8. 38.) Wir glauben demnach Gründe genug zu haben» um Cosmas 
irrige» auf falschen Voraussetzungen yon der thierischen Wildheit der eingewanderten 
Böhmen beruhende Ansicht von dem Ursprünge des böhmischen Rechts unter Püemysl 



108 Libusas Gerichi. %. 15. Wbrdigang du GtdUhis and Sacherklärungen. 

und Libula entschieden zurückzuweisen« und die Vorstellung, welche uns das Gedicht an 
die Hand gibt, und welche damals, als dasselbe entstand, die im Volke herrschende war, 
als die richtigere anzuerkennen« ohne übrigens das Verdienst PremysFs um die Läuterung 
und Belebung der böhmischen Gesetze llngnen zu wollen* Wie liesse sich sonst, ohne 
die Annahme eines alten, yor der Periode der Wanderungen ausgebildeten, allen Zwei- 
gen des Stammes gemeinsamen Rechts die auffallende Uebereinstimmung der ältesten böh- 
mischen, serbischen, polnischen und russischen Rechtsgesetze in vielen wesentlichen Punc- 
ten, ja sogar in einzelnen Rechtsformeln und Kunstausdrücken, genügend erklären? Nein, 
die Cechen konnten auch vor Pfemysl und zur Zeit ihrer Einwanderung nach Böhmen 
nicht eine wilde, gesetzlose Horde sein, so wenig als die Serben Tor Stephan's Zakonnik 
oder die Russen vor Jaroslaw*s Prawda ohne Gesetz gelebt haben. 



EVANGELIUM J0HANNI8 



FRAGMENT. 



.1 

1 



IM 



DAS FRAGMENT DER EVANGELIEN. 



§. 16. Pergament^ Tinte und Schrift. 

Das ganze Torhandene Bruchstück befindet sich auf einem Stück Pergament von 
149 Par. Linien L8nge und 100 Lin. Höhe, welches einst ein Buchbinder zum Einband 
des Buches Disciplina et doctrina Gymnasii Gorlicensis« 1595 in klein 4^, verwendet 
hatte. Der Rücken dieses Buches war 8 \ Lin* dick, die noch vorhandenen Deckel haben 
eine Höhe von 85'^', eine Breite von 63'^^ Die Schriflcolumnen sind oben ganz, unten 
aber abgeschnitten. Durch Vergleichung des vorhandenen mit dem fehlenden Inhalt 
lässt es sich herausbringen, dass ursprünglich die Höhe des Pergaments ohngeßihr 140 
Par. Linien, die Breite der einzelnen Blätter etwa 100 Par. Linien betragen haben muss, 
und dass jede Seite zwei Columnen Schrift, eine jede von etwa 130 Lin. Höhe und 33 
Lin« Breite jenthielt. Die Evangelien waren daher in Klein-Folio-Format, jedes Blatt zu 
4 Golumnen geschrieben; es erhielten sich davon 6 beschnittene Columnen, also 1^ 
Blatt, und nach der Combination des Inhalts sind zwischen der vierten und jfünften Co- 
lumne zwei Blatt Pergament (8 Columnen) abgängig. 

Das Pergament ist dick, glatt und elastisch; Brüche, kleine Risse und Löcher 
sind nur an den Stellen sichtbar, wo es den Rücken und die Ecken des Buches bedeckt 
hatte, welche Stellen denn auch sichtbare Streife bilden und viel schwieriger zu lesen 
sind. Die Farbe des Pergaments ist auf der inneren Deckelseite ledergelb (color alu- 
taceus); daselbst sind auch noch Spuren von Buchbinderkleister, der mit Kleien ange- 
rührt war, sichtbar. Die äussere Deckelseite ist schmutzig ledergelb. 

Die Linien sind mit dem Griffel gezogen, und von Perpendicularlinien mnfasst. 
Letztere sind am äusseren Rande der Columnen doppelt, am inneren einfach. Der 
äussere Rand der Blätter ist wegen der Linien durchstochen. 

Die Tinte ist schwarzbraun, zumal im lateinischen Texte und auf der inneren 
Deckelseite ; auf der äusseren Seite ist sie mehr braun und verblichen. Die Interlinear- 
version erscheint jedoch durchgehends etwas blasser ; so auch die am Rande beigefügte 
Concordanz nach dem Canon des Eusebius. Alle Initialen sind mit Tinte geschrieben, 
dann aber auf der Schattenseite mit rothen Streifen (von Zinnoberfarbe) verzierL Rubri- 
ken gibt es keine. 

Die Schrift ist eine kurze , runde , gerade Minuskel, von vielem EbenmaaM und 
gefälliger Form. Uncialen kommen nur als Anfangsbuchstaben vor, mit einziger Ausnahme 
der Uncial IN, welche meistens, doch nicht immer, die Stelle der Minuskel vertritt. Text 
und Version sind von derselben Hand« mit denselben Zügen geschrieben, doch, wie die 

14 



166 Denkmäler der böhmischen Sprache. EoangeUam Jchannti. 

Tinte zeigt» nicht ganz gleichzeitig ; auch sind die Buchstaben der Version dorchgehends 
etwas kleiner und feiner. Das a hat häufig die Gestalt eines doppelten c (cc); e ist immer 
geschlossen« mit einem Häckchen ; der Diphthong ae und ee kömmt sowohl im Texte als such 
in der Version meist mit e geschrieben vor ; seltener sind die Vocale getrennt, nodi seltener 
verbunden a (Zeile 141); i überall rein, ohne Accente; der Schaft bei b, d, h, l, etwas 
höher als gewöhnlich; d zeigt sich fast nur als Anfangsbuchstabe, folgUch als Uncial; 
i gewöhnlich mit flacher Horizontallinie ; der Kopf bei g rund und geschlossen , rechts 
mit einem Häckchen , auch die nach unten geschlungene Linie geschlossen ; der dritte 
Schenkel bei m meist gekrümmt, aber nicht erhöht; r ist meist cursivähnlicli und Uuft 
spitzig und schief unter die Linie ; y geht gerade unter und über dieselbe ; f bleibt stets 
anf der Linie, ist kurz und etwas schief; y ist kurz, oben gespalten« mit einem Punkte 
über der Mitte ; z erscheint in geschwungener Halboncialform. 

Verbundene Buchstaben sind: *, ft, und die Uncial n mit au%e8etztein t «nf 
dem letzten Schenkel. 

Abbreviaturen gibt es nicht viele : am häufigsten ist der flache Horizontalstrick 
(— ) über Vocalen für 9t; seltener der geschwungene Perpendicularstrich (*) für mU über 
dem r, und für ur über dem t\ femer b: für bue, q: f&r qae, €fc fOr quiot qd für fui^ 
% und ni für Mir^. Ganze Wörter kommen abbrevürt vor: ibs xps für «/e/a/C&rü/to#; ds filr diai» 
und so auch di, do, för da, dec; ms für meue, uro für ncetro, au für eaUaUf dne für 
dcmme ; im Böhmischen erscheint auch einmal fi für pro, dann ge und gne für gctpcJm 
und gospodnie (Adj. Z« 27« 80«), pe fiir pane, bg für bcg, ba, bu für btga, b^ga, vmn 
für naSemu. 

Die Abtheilung der Worte ist in dieser Handschrift vollständig und regefanlsä{ 
beobachtet worden, aber nach böhmischen Grundsätzen, d« h. gruppenhaft, so diis 
nicht nur die kleinen einsylbigen Wörter an die langem angeschlossen , sondern aaeh 
mehrere auf einander folgende Einsylben zusanunen verbunden werden. Freilich beziebt 
sich das nur auf den Text, nicht auf die Version, die an die Lage des Textes gebimden 
ist^ Theilungszeichen sind hier noch keine sichtbar. 

Die Interpunctionen sind nicht sehr mannigfaltig, aber ziemlich häufig« Am Uu* 
figsten ist der Punkt, bald auf, bald über der Linie, meistens aber in der Mitte derselben. 
Dann ist es ein feiner langer Strich, meist über dem Puncte« oft hinter ihm, selten 
unter demselben. 

Das diesem Hefte beigefügte Fac-simile ist aus dem Grunde gelungener zu nenBeB,ab 
das vorige, weil es den Charakter der Schrift ganz treu wiedergibt; was auch bei dertid 
besseren Erhaltung des Originals leichter zu leisten war. Nur sind die sämmtlichen Boch' 
Stäben darin, durch Schuld der beim Drucke gebrauchten Farbe und ihrer chemische 
Wirlftmg auf den Stein, etwas dicker aus der Presse hervorgekommen, ohne jedoch (b- 
durch die Schrift im Wesentlichen zu alteriren. 

Da die Schrift des ganzen Fragmentes , obgleich sie von einem Böhmen herrühiti 
doch nicht der nationalböbmischen, sondern einer deutschen, und zwar, wenn wir 



$. n. Der Test des Fragnunii. i07 

t 
dg muthmasiien, dar Fuldaet SchreibsckiUe angehört ; so ist die Besdmmuhg des Zeitalters, 

in welchem es geschrieben worden« auch leichter, als bei dem Gerichte LibnSa's. Das 

zehnte Jahrhundert ist nach allen Kennzeichen dafür anzunehmen, und zwar eher noch 

die erste als die zweite Hälfte desselben; etwa das Zeitalter des heiligen Herzogs Wenzel 

in Böhmen. Wir fühlten uns sogar eine Zeit lang versucht, zu glauben, es seien diese 

Evangelien selbst f&r den HeiKgen geschrieben worden , da ein solches Werk in jener 

Zeit zu schwierig, wichtig und kostspielig war, als dass einzelne Private oder Kirchen es 

hätten können zu Stande bringen lassen* Doch spricht der Umstand dagegen, dass diese 

Evangelien, wären sie wirklich des heiL Wenzels Eigenthum gewesen, bei unserem Volke 

gewiss schon frühzeitig als eine Reliquie verehrt, nicht aber der Vernichtung durch einen 

Buchbinder wären preisgegeben worden. 

^. i?. Der Text des Pragments. 

Wir lassen vor allem den Text des Fragments folgen, und zwar zuerst mit diplo- 
matischer Treue und Genauigkeit sowohl den lateinischen Grundtext als auch die böh- 
mische Interlinear-Version, jedoch in zwei Spalten abgesondert, hierauf die böhmische 
Uebersetzung neu orthographirt» mit möglichster Annäherung an die muthmassKche alte 
Aussprache. Zur Vergletehung stellen wir neben die böhmische Version die cyrillische 
oder kirchenslawische, aus den ältesten, Ost^omirschen Evangeliencodex vom J. tO&6 — 1057 
genommen, wie sie Hr. ff^$stokow dem Hrn. Bibliothekar und Gustos Uanka und dieser 
uns mitgetheilt hat, jedoch ebenfalls lateinisch orthographirL Den Beschluss machen zwei 
böhmische Texte derselben Gapitel aus verschiedenen Zeitperioden, der erste aus einem 
N. Testament vom J. 1422 auf Pergament in 8. im Museum, analogisch orthographirt, 
der zweite aus der bekannten BrüderMbef, gedruckt in Kralitz t593, um den Abstand für 
die drei Zeitperiod«n des«x>' ansehanUcher zu machen. Die Uebersetzung vom J. 1422 
folgt der Vulgata ; die der Brüder ist ganz neu aus dem Griechischen gemacht. 

Spalte I. 
Jo. XII. 4 — 50. 

EMietnUeher €hrmiuUeart. BöhmmUehe MmterUmemr • Fier^tofa» 

unguenti ^ dicit ergo unuf ex difcipulif mafti ^ uece fe ieden iz ucenic iego 

, f iudaf fcariot^f qui erat eum tra iudaf fcariothif ien fe befe iei pre • 

dituruf. ^ Quai*e hoc ungaeotum non dade ^ cemu ta maß; ne 

^ uendit trecentif denariif et datü prodade zf za tri Ita penaz i neue da 

•^ eil egenif. ® Dixit au hoc non quia &na hudim ® rece fe ze ne laco 

^ de egenil pertinebat ad eum« fed o hudih zlufafe iemu nefe 

quia für erat et loculof babenf ea iacofe zlodei befe i mefki imaia ze 

qu§ mittebantur portabat* ^ dixit ergo ie* fe zlafe zea nozafe ^ rece fe 

^ ihf. fine illam ut io die (epukur; ihf nehai ieif at u den pogreba 

j. 14* 



108 



Denkmäler der böhmischen Sprache* MbangeUam Jehatmis. 



iiie§ feruet illud * pauperef enim ha 
betif uobifcum me aü non femper 
habeüT. ® Cognouit ergo turba niul 
ta ex iud^if quia illic eft et uener 
non propter ihm tantum, Ted ut laza 
mm uiderent quem fufcilauit 
a mortuir. '° Cogilauerunl aü prin 
cipef facerdotum ut et iazarum 
interficerent '' quia multi propter 
illum ibant. ex iudeif. et credebant 
in ihm. ^^ In craftinum aute turba 
multa qu§ yenerat ad diem 
feftum cum audüTent quia ue 
mt ihf hierufolima ^^ acceperunt 
ramof pahnarum. et procefler 
obuiam ei et clamabanL olanna 
benedictuf qui uenit in nomine 
dni rex ifrf. " Et inuenit ihf af 
fellum et fedit fuper eum ficut 
fcriptum eil '^ noii timere filia 
Hon ecce rex luuf uenit. fedenf 
fuper pullum afin§. ^^ H§c non 



Sp 



^* quia audierunt eum feciffe hoc 
fignum. '^ pharifgi ergo dixerunt ad 
femet ipfof. uidetif quia nihil pro 
ficimuf. ecce munduf totuf poft eü 
abiit* '^ erant aü gentilef quidam ex 
eif qui afcenderunt. ut adorarent in 
die fefto. ** hü ergo accelTerunt ad 
phihppum. qui erat a bethfaida 
galile^ et rogabant eum dicentef 
Dne uolumuf ihm uidere ^^ uenit phi 
lippuf et dicit andrem andreaf 
rurfum et philippuf dicunt ihn 



lomoiego zhoua iu ^ hude bo ima 

te z zobu mene fe ne ufegda 

imate ^ pozna fe dau mnog 

iz iudeu iefe tu ieft i pridehu 

ne »dl§« iha toli nefe abi laz 
16 ar uideli iei fe uzcrezi 

ot mretuih '^ poznahu fe cnae 

zi popfti abi i lazar 

zabili ^' ielife mnozi pron 

hodahu iz iudeu i uerihu 
sou ihf '^na zaiutre fe dau 

mnog ien fe pride ke dnu 

zlaunu gda zUfahu iaco pri 

de ihf hieruf olim '^ iahu 

letorozli pahnini i idehu 
,5uAret iemu i uolahu zpaza 

blagozlouen ien fe ide u im; 
•■ giie cral ifrf " i nadide ihf oz 

1§ i zede na ne iacofe 

pizano leA. ^^ nerodi baeti z; dci 
sofion ai cral tuoi ide zeda 

na greb^ti ozlini ^^ zego ne 

alte n. 

^^ iaco zlifahu iei cinuc ze 

znam§ ^^ parifgi fe rehu c zo 

bezim uidite iaco nice ntfi 
SAcinihom ai mir uez po nem 

ide '^ behu bo pogane neteri iz 

nih i fe u(hipihu abihu ze poclonili u 

den zlaue ^' zi fe priftupihu c 

pilippu ien fe be ot beihfaidi 
iogalile; i prozihu iei r(e)cuce 

pe hcemi ihf uideü ^' ide pi 

lipp i rece andreiu andrei 

Paki i pilipp reeofta ihu 



$. 17. Der Text des Fragmmü. 



M» 



23 



IM refpondit eif dicenC uenit hora 



ut g^Iorificetur filmf hominif. ^* amen 



^^ Ibf otuece ima reca pride godina 
45 at ozlaui z§ zin chlouech ^* ueru 
amen dico uobtf Nifi granum fru ueru prauu uam ach zreno fit 

menti cadenf in terram* mortuum no padfe u zemu umrelo 

fuerit ^^ ipfum folum maneL fi aü mor bude (sie) ^^ ze zamo oftanet ach li u 



tuum Aierit multiun fructum affert 
Qui amat animam fuam perdet eä 
et qui odit animam fuam in hoc 
mundo in uitam §teniam cuftodit eä 
^^ Si quif mihi miniflxat me fequatur 



mrelo bude uele ploda prineze ' 
ftocto lubi dufu zuoiu preda iu 
i cto nenauidi dufg zuoi^ u zem 
zuete u fiuot uecen llrefe iu 
^^ ach cto mne zlufi mene zledui 



et ubi Tum ego« illic et minilter ffif erit i idefe iezu iaz tut i zluga moi bude 
fi quif mihi miniftratiit honorificauit 56 ach cto mne pozhiC pocelti 



eum pater Ifif. '^ Nunc anima mea 
turbata eil. et quid dicam. pater fal 
uifica me ex hac hora. Sed propt 
ea yeni in haue horam. ^^ pater clari 
fica tuum nomen. uenit ergo uox de 
c^lo et clarificaui. et iterum clar(i) 
ficabo '^ turba ergo qu$ Itab 

morituruf. ^^ Refpondit ei turba 
nof audiuimuf ex lege quia xpf 
manet in etemum et quomodo tu 
dicif oportet exaltare fiUum homi 
nif. Quif eft ifte filiuf hominif 
^^ dixit ergo eif ihf. adhuc modicü 
lumen in uobif eft ambulate dum 
iucem habetif. ut non tenebre uof 
conprehendant. et qui ambulat in 
tenebnf nefcit quo yadit« ^^ Dom Iu 
cem habetif credite in Iucem ut fi 
lii lucif fitif. H§c locutuf eft ihf et 
abiit et abfcondit fe ab eif. ^^ Cum 
autem tanta figna fecUfet c<Mrä eif 



60 



iei otec moi ^^ Nine dufa moia 
zmucena ieili i ce recu otce zpa 
zi m§ iz tei godini a proto 
prideh u tu godinu '* otce ozla 
ui zuoie im§ pride fe glaz z 
neb§ i ozlauih i opeti ozla 
uu ^^ dau fe ien fe ftafe 

Spaltein. 

umreti ^^ otuece iemu dau 
mi zlifahom iz zacoua iefe xpf 

es bude u ueki i caco ti 
defi dlefno uzuifiti zin chlo 
uech cto (i)eft zi zin chlouech 
^^ rece fe im ihf iefce malo 
zueta u uaz ielli hodete donedfe 

Tozuetlo imate at temi uaz 
nepodigu i cto hodi ue t 
mah neuelti camo ide ^® Donudfe 
zuetlo imate uerite u zuetlo at u 
ni zuetla iefte ze mleui ijbf i 

75otide i zcri fg ot nih ^^ kegdi 
fe taca znamena cinefe pred nimi 



non credebant in eum. ^^ ut fermo efai$ neuerihu ueu ^^ abi rech efai^ 



ff 



Denkmäler der höhmUfcken Stacht. Eeangdimm Jekannu. 



prophete. impleretur quem dixit* prorocoua oaplenüa z$ iu fe reee 

Diie quif eredidit aoditui uro. et bra Gne cto uueri zluhn nffiu i ra 

chium dni cui reuelaUm eft. ^^ Propier so iii§ giie conui zfueno ieft ^' proce le 
ea non poterant credere. quia iterü nemofehu uerki iaco opeti 

dixit efaiat ^ excecaiut df oculof eorfi rece eCuaf. ^^ ozlepi bg oci üb 
et indurault eorum cor» nt non uide i oturedi üb zredce at nenida 

ant oculif et inteUigaiH corde* et ocima i nerMumeiAi zredee» i 

coDuertantur et fanem eof. ^^ Haec 
dixit efaiaf quando uidit gloriam eiuf 

et locutof eflt de eo ^^ oenm tancn et i mkui o nem *' ueru ohaco i 
ex prtncipib: multi crediderust in eCu iz cnaaeu nanfii «eribu uen 
fed propter pbarifeaf non confitebant 
ut de iinagoga non eicerentur* *^ dile 
xerunt ergo gloriam bominum magif 
quam gloriam di ^^ Ihf autem clama 
• . et dixit qui credit in me non cre 



ssobrata z§ i zgoiu i^ ^^ ze 
rece efaiaf iegda uMe zlauu iego 



a pro panfiriae nepriznahu 
9oabi iz finagogi neiiraregti zf ^' milo 
hu (sicj f« zlauM cblooeebu uace 
ne fe U zlauu bü ^* Ihf fe nolafe 
• • i rece cto ueri «e m^ neue 



Spftlie IV. 



iudicabit cum in noutfllmo die ^^ quia 
ego ex me ipfo non fura iocutul 
fed qui midt me pater. ipfe mibi man 
datum dedit quid dicam et quid 
loquar. '^ et fcio quia mandatum eiuf 
uita ^tema eil. que ergo ego loquor 
ficut dixit mihi pater fic loquor 



zuditi budie iei u pozledneifi den ^' ie fe 
95iaz iz zebezi nemleuih 

a ien fe pozla m^ otec zam mne za 

poued dade ce uzrecu i ce 

uzmleuu ^^ i uede ie fe zapoiied iego 
'fiuot uechen iefti ie fe iaz mleua 
looiacofe rece mi otec taco mleuu 



Joh. Xni. 1—9. 



^ Ante diem feftum pafc^ fcienl ihf 
quia uenit hora eiuf ut tranfeat 
ex hoc mundo ad patrem Cum dile 
xiOet fuof qui erant in mundo in 

in (sie) iinem dilexit eof 
' Et cena facta cum diaboluf iam 
mififfet in cor ut traderet en 
iudaf fimonif fchariothif ^ Scienf 
quia oomia dedit ei pater in man: 
et quia a du exiuit et ad da uadiU 



' prede dnem zlaunem pafc^ ueda ihf 
iaco pride godina iego abi prefel 
iz zego zueta c otcu ieii mi 
uafc (sicJ zuoi)^ ü fe behu u zuele do 

losconcae miloua i^ 

^ i uecera ucinena cda diabol iufe 
pozlafe u zredce abi predal iei 
iudaf Cimonou fchariotif ' ueda 
iefe ufe dade ierou otec u ruce 

iioi iefe ot bä uide i c bü icfe 



$. 11. Der Text du Fteigmenis. 



ill 



^ Surgit a cena et ponit Teflimenta 
fua. et cum accepiflet linteum pre 
cinxit fe. ^ deinde mißt aqua in pel 
uem et cepit lauare pedef difcipu 
loruiD« et exterg^ere linteo quo erat 
precinctuf. ^ uenit ergo ad fymone 
petrum et dicit ei petruf. Dfie tu 
mihi lauaf pedef. ^ refpondit illf et 



^ ulta ot uecere i lofi rizi 
fuoia i ieli uze paznieu pre 
paza zae ^ potom pusti uodi u umi 
uadlo i poce miti noze ucenni 

116 com i uiterati paznieu iu fe be 

» 

prepazan ^ pride fe c fymonu 
petru i. rece iemu petr ge ti 
mi miefi noze ^ otuece ilif i 



dicit ei. quod ego facio tu nefcif modo rece iemu ce iaz cinu ti neuezi nine 
fcief aü poftea. ' dicit ei petruf. non nouzuezi fe potom ^ rece iemu petr ne 



lauabif mihi ped(e() in ^temum 
refpondit ei iM fi non lauero te 
non habef partem mecum. ^ Dicit ei 
fymon petruf. Dne non tantum 



umiefi mi nogu u ueki 
otuece iemu ihf (ach ne) umiiu te 
neimafi chaefti ze mnu ^ rece iemu 
fymon petr ge netoUco 



Spalte y. 
Jo. XIV. «8 — 33. 



mundum et uado ad patrem '^ diccfi 
ei difcipuli eiuf, ecce nunc palam 
loquerif et proverbium nuUum di 
cif^ '^ nunc fcimuf quia fcif omnia /• 
et non opuf eil tibi, ut quif te in 
terroget, In hoc credimuf quia 
a do exifti. ^^ Refpondit eif ihf 
modo creditif ^^ ecce uenit hora 
et iam uenit ut difpergamini un^ 
quifq: in propria et me folum 
relinquatif et non fum foluf. q-c 
pater mecum eil. ^^ Haec locu 
tuf fum uobif ut in me pacem ha 
beatif. In mundo preffuram 
habeatif (sicj. fed confidite quia ego 



12$ opeti oftauuiu zuet i idu c otcu *^ recu 
iemu ucenici iego ai nine iauno 
mleuifi i porecadla nicakego ne 
defi ^^ nine uemi iefe uezi ufe 
1 netreba iell tobe abi cto te ota 

130 zal u ze uerimi iefe ot 

bä uifel iezi ^^ otuece iim ihf 
nine uerite ^' ai pride godina 
i ufe ide iefe rozprenete z$ iede 
kifdo u zuoia i m§ zama 

i35oIlauite i neiezum zam iefe 
otec ze mnu ieft ^^ ze mle 
uih uam ati bifte ue mne pocoi 
imeli u zuete dauene 
imate a douerite iefe iaz 



uict mundum. ^ h^c locutuf eft 
ihf. et fubleuatif oculif in coelum 
dixit, pater uenit hora. clarifica 



Jo. xvn. 1 — 6. 

uozuitezih zuetu ^ ze mleui 

ihf i pozduifenima ocima u nebe 
rece otce pride godina ozlaui 



118 



Denkmäler der hBkmmken S^eicke. Ekangdmm Jchamui, 



filium tuum ut filiuf tuuf darifi 
cet te. ^ ficut dedidi ei poteftatem 
canüf. ut onine quod dedilVi ei 
dei eif uitam ^temam., ^ haec elt 
aü uita eiema. ut cog^ofcant te 
folum dm uerum, et quem mififti 
ihm xpm, ^ ego te clarificaui fu 
per teiram opuf confummaui qd 
dediAi mihi ut faciam; ^ et nunc cl 
rifica me tu pater apud temet ip 
Tum claritate quam habui pri 
uf qua munduf eflet apud te; 
^ manifeflaui nomen tuum h 



zin zuoi at zin tuoi ozlau 

i te ' iacofe dal iezi womx uLadu 

^^^pleti abi uze ie fe dal iezi iemu 
daft iim fiuot uechen ^ ze fe ieft 
fiuot uechen abihu poznali tf 
zamego bä uema i iego fe pozlal iezi 
ihu xpa ^ iaz tea ozlauih na 

isozemi delo doconah ie fe 

dal iezi mne k cinenu ^ i nine oz 



'^ Et adduxerunt cum ad annan primu 
erat enim foeer caiph§ qui erat pon 



tifex anni illiuf. ^^ erat au caiphaf qui 
confilium dederat iud^if. quia ex 
pedit unum hominem mori pro po 
pulo. ^^ Sequebatur aü ihm fimon 
petruf. et aliuf difcipuluf. Difci 
puluf aü erat notuf pontifici. et in 
troiuit cum ihu in atriü pontificif. 
'^ Petruf aü Ilabat ad hoHium forif 
Exiit ergo difcipuluf aliuf qui erat 
notuf pontifici. et dixit hoAiari^ 
et introduxit petrum. '^ Dicit ergo 
petro ancilla hoftiaria. num quid 
et tu ex difcipulif ef hominif iiliul 
dicit iUe non fum. ^^ Stabant aute 
ferui et minillri. ad prunaf et 
calefaciebant fe quia friguf erat, 
erat aü cum eif et petruf Itanf et 
calefacienf fe. ^^ pontifex ergo inter 



laui m^ ti otce u zebe zama 
ozlauu iu fe imeieh pre 
ue nefeli zuet befe u lebe 
155 * obiaznouah im^ tuoie chl 

Spalte VL 
Jo. XVin. 13 — SS. 

'^ I priuedehu iei c anne preue 
befe bo te(t caipin ien fe befe pape 
fem leta togo '* befe fe caipa ien 
fe zuet dade iudom iefe ui 

leomete iednomu chlouecu umreti pro 
lud '' zledoua fe ihf llmon 
petr i drugi ucennic ucen 
nie fe befe znam papefu i u 
nide z ihm u zen papefinu 

165 *• Petr fe flafe u dueri une 
uinide fe ucennic drugi ien fe befe 
znam papefu i rece duernei 
i uuede petr *^ rece fe 
petru pozelnica duema uufe ce 

i7oi ti iz ucenic iezi chloueca zego 
rece on neiezum '® Stahu fe 
hlapi i zlugi u ugl§ i 
zgreuahu zea iefe zima befe 
befe fe z nimi i petr (loia i 



i75zgreuaia z§ '^ papef fe ote 



$; IT« Der Ttai du Vr^tgmaäs. 



118 



rogaiut Ulm de dificipuUf fuif et 
de doctrina eiuf ^^ Refpondit ei ihf. 
ego palam locutuf fum mundo, 
ego femper docui in Tynagoga et 
in lemplo. quo olllf iud^t eonueni 
unt et in occulto locutuf fum nihil 
*^ Quid me interrogaf« interroga eof 
qm audieruBl quid locutuf fum 
ipfif. ecce fciunt hü qu§ dixerim 
ego. '^ Haec aü' cum dixiOTet uimf 
(af)fift;eDf miniilrorum dedit 

BöhwmUehe Mmiertlmea^r' Version 
neu arthogrۤphirt. 

Spal 

u. xn. 
masii« 

4. Veco tt ]tfietk iz uöenik jego iv^ 
das Skariotisy jen-2e bSSe jej pi^ade: 

5« Cemu ta ma&t' neprodade «e za 
tri sta peniaz i nenie dana chudym? 

6* Re£e ie se, ne jako o chudych 
aluSaSe jemu, ne-2e jako«ie zlodöj b6§e, 
i m6$ky imaja se, je-2e slaSe sie, nosaSe. 

7. Reie it Jesus: nechaj jeje, at' v 
den' pogreba mojego achoya ju. 

8. Ghude bo imate s sobu, mene 2e 
neysegda imate« 

9. Pozna te day mnog iz Judev, je-ie 
tu jest\ i pridechu ne Jesusa dlie toli, 
ne-<e aby Lazar Tidili, jej-ite vskrist qt 
mr'tvych. 

10. Poznachu 2e kniazi popdti, aby 
i Lazar zabili, 

11. Jeli-2e nmozi pron' cfaodiachu tz 
Judey i vörichu r Jesus» 



fe iha o neenieeh iega i 

o uceni iego ^^ otuece iemu ihf 

iaz iauno mleuih zuetn 

iaz ufegdi ueah u fynagoze i 

180 u hrame idefe uC iudeue zhaza 
hu z§ i u zcriti nemleuih nicego 
ce m^ tefefi tefi zea teh 
ife zlifahu ce mleuih 
im ai ueda oni ie fe reieh 

i85iaz '^ ze fe cda rece ieden 
(p)ri(loiaceh zlug dade 



SUawiseh nach dean OsirouUrsehen 
EvangeUnwm rom JT. ±OS9. 

te 1. 

ot Yonia fsic) myr'nyj?, 

Glagola 2e jedin otuöenik jego Ijnda Si- 
mon Iskariot'skyi^ i2e chotöa^e pr6datii: 

Ceso radi myro se neprodano byst' na 
tr'ch s't^ch d'rebr'nik i dano ni&tiim ? 

Se tt rede, ne jako o ni^tüch peöaa- 
Se S5, n' jako tat' bä i radici| imyi v'mfe- 
tajemaa nbi^aaSe« 

Re£e ie lisus: ned^j jej;, v' d'n' po- 
grebenija mojego s'bljudet' J£^ 

NiSty'§ bo y'segda s' soboja imaate, 
mene ie ney'segda imaate. 

Razumö ie narod mnog ot ludei, ja- 
ko tu jest', i pridoä; ne lisusa radi t'k*mo, 
n' da i Lazara vid§t', jegoie y'skrisi 
ot mr'tvyicb« 

S'yöSta (^;) ie archierei, da i Lazara 
ubijat', 

Jako m'nozi jego radi idöacha ludei 
i ySroyaachi^ y' lisusa« 



114 



Denkmäler der Mimuchen Sprache. Ubangelmm Johannü. 



1 2. Na zajutrie äe dar inno^ , jeä- 
te pride ke dbiu slavnu, gda slyäachu, 
jako pride Jesus Hieruscdim, 

.t.3. Jachu l&torosli paluMBy i ideehu 
V ströt jemu i volachu: spada, blagoslo- 
ven, jen*£e ide t imie gospodnie, kral' 
Israel, 

14. I nadide Jesus oslie i söde na nie, 
jako-^e pisano jest': 

15. Nerodi bati sie, dci Sion, ai kral' 
tvoj ide s^da na gr^bieti oslini. 

16. Sego ne . . . • 



Y^ utr6i le ^n* narod m'nog, pii^'d'i 
y' prazd iiik'^ aljäfty^fie jako Usus idet' v 
lerusalim, 

Prije&e yj^ije ot fynik i izido6^ protiva 
jemu i z'yaa<Aa gla^oIjuHe fsicj: osaoa, 
blagposloTljen gr^dyi v' iin§ gospodnie, 
cösai^ Izrailjer fst'c^ z). 

Obrfet 2e lisus oslf y'söde na nie, 
jako2e jest' pisano: 

Neboj d^ d'^ Sionoya^ se cisar' tyoj 
gr^det' s^de na iröb^te os'li. 

Sich Ute ne . • . • 



Spalten. 



18. ..jako slysachu jej 6iniuc se znamie. 

1 9. Parisei 2e röchu k sob6sim : yi- 
dtte, jako ni6e neprcöinichom, ai mir yes 
po niem ide. 

20. Böchu bo pogane nieteri iz nich, 
i-^e ystupichu, abychu sie poklonüi y 
den' slaven. 

21. Si ^.e pristupichu k Pilippu, jen-ie 
b^ ot Bethsaidy Galilee, i prosichu jej 
rekuce: pane, chcemy Jesus vidöti. 

22. Ide Pilipp i reöe Andreju, Andrej 
paky i Pilipp rekosta Jesusu* 

23. Jesus otyece ima reka: pride go- 
dina, at' oslayi sie syn öloy^ö. 

24. Vferu v6ru praviu yara, ac zr'no 
iitno padäe y zemiu umrelo bude (sicjj 
se samo ostanet' ; aö-li umrelo bude, yele 
ploda prinese« 

25. Rio liubi du^u syoju, prgda ju; 
i kto nenayidi tduäe syoje y sem syfitö, 
y 4iyot väöen sti*eio ja« 



L. * 



/ 1 



• • . jako sly§aS$ i s'tyor\^a se znamenije. 

Farisei (2e) rekoS§ k sebS: yidite, ja- 
ko ni kajä ie porza jest\ se v's' mir 
po niem ide« 

Beacha 2e Elini nöcü ot y^'d'd'Sich^ da 
poklonet' s§ y' prazd'nik. 

Si üe pristapiS§ k^ Filipai i2e hh ot 
Vid'saidy GalileiskyJQ, i moljacha i gla- 
golja^te: gospbdi^ choStem lisuaa vidöti. 

Pride Filip i glagola An'dreoyi, i poky 
An'dreja i Filip glagolasta lisusoyL 

Usus 2e ot'y^äta ima glagolja f^i]^ : pride 
godina, da proslarit' se syn öloyftö'skyi. 

Amin amin glagolja yam^ aSte zVno 
p'Seniä'no päd y' zemli neumret'^ to je* 
dino pr^byyajet'; a§teli umret', n^^nog 
plod ^'typrit'. 

Ljub^i duSa syoja pogubit' ja; i ne- 
nayid^i duä$ svojeja v' rair6 sem' t* ii- 
yot6 yfeö'nßm' s'chranit' :j%. 



' S« n» Ckr l€xt des FVagmmUs. 116 

. 36. Aö ktü mM^ skili, meoe sliduj; A^te k'tom'xi^ sltiiit^ po ra^nd da cho- 
i ide^te jesmm jax, tut^ i sluga moj bude; dit'; i ideie az jesin% ta ^jVit;^/ i sluga 
aö kto mnö posluii, poöe^ti jej olec moj» moj bi^det^ a^te k'to mx^ sluiit', poö'tet' 

i* ot'c*. 



27. Nyng du^a moja smucena jesti; i 
ie reku: otöe, spasi mie iz tej godiny? 
A proto pridech v tu gpodinn. 

28. Otöe, oslavi svoje imie. Pride ie 

■ * • 

glas s nebe: i oslavich i opiety oslaviu. 



29. Dav ie, jen-ie sta§e . . 



Nynß du§a moja v'zmati se; i ö'to rek^i: 
ot*6e, spasi m§ od godiny seje? N' sego 
radi pridoch na godina sija. 

Ot'öe, proslavi im§ tvoje. Pride ie 
glas s' nebese: i proslavich i paky pro- 
slavlju (sicj. 

Narod 2e stoj§ 



• • • 



Spaltelfi. 



unuröti. 

34. Otvece jenm dav: my slySachom 
iz zakona, je-ie Christus bude v ySky, 
i kako ly d6Si: dl'^no vzvySiti syn ölo- 
v6ß? Kto jest*^ si syn ölovö6? 

35. Re£e-2e im Jesus: jeSöe malo svöta 
V vas jesti ; chodfete doned-ie svfetlo ima- 
te, at' tmy vas nepostigu; i kto chodi 
ye tmach nevöst' kamo ide. 

36. Doniud-Se svötlo imate vörite y 
sv^tloy at' syni sy6t)a jeste. Sic mlVi Je-» 
sus i otide i skry sie et nich. 

37. Regdy 2e taka znamenia dinieSe 
prfed nimi, ney^richu yen', 

38. Aby rßö Esaie prorokoya napl** 
nila sie, ju-2e rede : gospodine, kto ny^i 
sluchn nalemuP i ramie gospodni^s komu 
zieyeno jest* ? 

39. Pro£e-£e nemoteclni vgriti , jako 
opiety re^e Esaias : 



umr^.ti. 

Ot\6sta jemu narod : löy slyäachom 
ot zakona, jako Christos prSbyyajet' y' 
yfeky, i kako ty glagolje^i : y'znesti s§ po- 
dobajet* synu öloyfeö'skuumu ? K'to s* jest' 
syn öloyeö'skyi? 

Re£e i^e im lisus : je^te maloyr6m§syöt 
y* yas jest*; chodite don'deie syßt ima- 
ate, da t'ma yas neimet'; i chod^i v' t'm^ 
neyfest' kamo idet*. 

Don'de2e sv^t imate yfirujte y' syfet, 
da synoye syfeta badete. Si glagola li* 
sus i oS'd s^kry s? ot nich. 

Tolika 2e znamenija s'tyor'Su jemu pröd 
nimiy neyörovaacha v'n', 

Da $k>yo Isaija proroka s'b^det' s^» 
je2e reöe : gospodi, k'to y^^rora slttchü na- 
Semu ? i myä'ca gospodnja kiMnu ot'kry sf ? 



Sego radi nemo^aacha Tfrorati^ 

paky rede Isaija: 

16* 



416 Denkmaler der bifkmiieken Spratke. Eoangdium Jchannü. 

40. Ostepi bog odi jich i otvr'di jich 08lj^pio£iichi<rf£aaenilJMl' sr'd^Cfich, 
sr'dce^ at' nevidia oiima i nerozuinSju da nevid^l* oäima i .nerasuniöjat' sr'd'cW i 
sr'dcem i obratia sie i zgoju je. obrat^t' s^ i isc6lja ja (sicj* 

4 1 . Sie reee Esaias, j^gda vid6 slavu Si 2e reöe Isaija, jegda vidi slava je- 
jego i ml'vi o niem, go i glagola o njem'. 

42. Viru obako i iz kniazev nuiozi Oba£e ubo i ot k'n§z' m'nozi ySroyaS; 
virichu yen'^ a pro Pariseje nepriznachu, Vn' , n' Farisei radi neisporddaach^^ da 
aby iz synagogy nevyvr'gli sie. ne is'boriäta izg'nani badat\ 

43. Milovachu 2e slavu öloveöu yiace Vzljubi§§ bo pa6e slav«^ £loy66'ski^ neie 
ne-ie-li slavu bo^.iu. slava bo2ija. 

44. Jesus 2e volare i reöe : kto vöri lisus ie v'z Va i reCe : vönij§i v' mq nc 
ve mie nev6 .... vfe(rujet' v* me n' v' poslav'Saago m?). 

Spalle IV. 

(Di« ▼•»• 48-40 leUm b Uf Abschrift, ia Bm. 4m XV Jakrk 

UmUm ai«: 

48. • • . suditi bude jej v posl5dngj§i . . . sadit' jemu v' poslödnii d'n'; 
den' ; 

49. Je-ifce jaz iz sebesi nemlvich, a Jako az o sebö neglagolach, n' posla- 
jen-2e posla mie otec, sam mnö zapoväd' vyi m^ ot'c', t' mnä zapovid' dast' £to 
dade fce vzreku i öe vzmlViu: reka ili 6to v'zglagoljsi.) 

bO. I vöde jeÄe zapovöd* jego iivot I vom jako zapov^d' jego iivot Töinyi 

v^cen jesti. Je2e jaz rnlViu, jako-2e reöe jest\ Ja2e ubo az glagoljs^ jako2e reöe 

mi otec, tako ml viu. mn6 ot'c^ tako glagolja. 

Jo. XIII. 1^9. 

1« Pr^de dnem slavnem pasce v6da Je- Pröide prazd'nika paschy y6dy Usus, 

susy jako pride godina jego, aby pr^äel jako pride jemu godioa, da pn&idet' ot 

iz sego sv^ta k otcu, je-U milova^e svoje, mira sego k' ot'cu, v'zljubl' svoj§ s^^t^ 

ji-4e bichu v svfete, do konca milova je; v' v'sem mirg, do kon'ca vzljubi j§; 

2. I veöeria uöiniena, kda diabol ju2e I veieri byv'Si, dijavolu. u2a y'Wüu 
poslaäe V sr dce, aby predal jej Judas v' sr d'ce Ijudö Simonovu Iskariot'skuumu, 
Simonov Schariotis, da jego prifidast', 

3. V6da, je-ie vsie dade jemu olec v V6dy 2e lisus, jako v'sja dast^ jeimi ot'c' 
rueä, i je-£e ot boga vyide i k bogu ide, v r%cö, i jako ot boga izide i k'bogu idel\ 

4. Ysta ot ve6erie i lo2i rizy svoja Vstav a* veöer^ poloii rizy svoj^ i priim 
i je-li vze pasnicu . pr6pasa sie$ len'tii prSpojasa sq; 



$. 17. Der Teai du Fragment. 



117 



d« Potom pusit Tody t umyracHo i po- 
de myti noz6 uäentiikom i vytierati pa- 
snicu, ju-2e bö pröpasan. 

& Pride-2e k Simonu Petru, i re£e 
jemu Petr : gospodine, ty mi myjeSi nozö ? 

7. Otvece Jesus i reße jemu: fce jaz 
öiniu ty hevisi nyni, yzvösi 2e potom. 

8. Rece jemu Petr: neumyjeäi mi no- 
g:u Y Töky» Otvece jemu Jesus: ad neu- 
myju tie, ueimaSi £a&ti se mnu. 

9. Reöe jemu Simon Petr: gospodine, 
tietoliko • • . 



Poträa' v'Iija voda V umyval'nica ina- 
6et umyvati nogy uöenikom i otirati len'- 
tijem, im'2e be prSpojasan. 

Pride io k Simonu Petru, i glagola jemu t': 
gospodiy ty li moi umyje^i nozö P 

OtVdSta lisus i re£e jemu: jeie az 
tvor^i ty nevösi nyn6, razum$jeSi2eposich. 

Glagola jemu Petr: neumyjeäi mojeju 
nogu t' Y^k. Ot'y6^ta jemu lisus: aSte 
neum}rJ2i tebe, neimaSi ö^sti s' m'noja. 

Glagola jemu Simon Petr: gospodi, ne 
noz6 moi t'k'mo, n' i HK^d i glay^ • • • 



Spalte V. 
Jo.XVI. 28-33. 



28. ...opiety ostavuju sv&t i idu k otcu. 

29. Reku jemu uöenici jego: ai nyn6 
javno rnlvi^^i^ i porekadla nikakego nedöii ; 

30. Nyn6 vömy, je-ie vfesi vsie i ne- 
tr^ba jest' tobö, aby kto tie otazal; t se 
vferimy, je-Äe ot boga vy§el jesi. 

31. Otvece jim Jesus: nyn6 värite; 

32. Ai pride godina i u2e ide, jeüe 
rozpr nete sie jeden ky2do v svoja, i mie 
sama ostavite; i n^jes'm sam, je-2e otec 
se mnu jest'. 

33. Sie ml'yich vam, ati byste ve mn6 
pokoj imeli. Y syßtö davenie imate; a 
dovörite, je-2e jaz svitiezich svdtu. 



• •• paky ostavljaji^ mir i idi^ k' ot*cu. 

GlagoIaS; 2e jemu uöenici jego : se ny- 
nö neobinaj§ s; glagolje^i a prit'ö^ niko- 
jej^ 2e neglagoljeäi; 

Nyn6 v6m\ jako v*se vösi i netrdbu- 
je§i da k'to t§ v'pra5ajet'; o sem* vferu- 
jem, jako ot boga jesi i^l. 

Ot'vfeSta im lisus: nynö li vßrujete; 

Se gr^det* godina i nynS pride, da 
razidet' s§ kYdo v' svoja, i mene jedi- 
pogo ostavite ; i nisvo! jedin, jako ot'c s* 
m'noja jest'. 

Si glagolach vam, da y' m^nö mir imaate. 

(Pmu Ifcbrige f«Ut im i«r *Ab«ehrift , fa Hm. Um TV JaM. 
kalot «• : 

V mir0 skr'bni badete ; n' dr'zajte, az po- 
b^dich mir^.) 



Jo XYIL l->6. 
1 . Sie ml'vi Jesus, i pozdyiienyma oöi- V yrfem? ono y'zved Iisus oöi syoi 
ma y nebe reöe: Otöe, pride godina; oslavi na nebo i reie: Ot'öe, proslavi syn tvoj, 
syn syoj, at' syn tvoj oslayi tie; da i syn tyoj proslavit' t§; 



118 



Denkmäler der böhmischen Sprache. Eoangehxm Johannis. 



2. Jako*2e dal jesi jemu vladu plti, 
aby vse, je-fLe dal jesi jemu , dast' Jim 
2ivot vöcen. 

ä« Se 2e jest' Jtivot vööen, abjchu po- 
znali tie sameg^o bog'a v^ma, i jego-ie 
poslal jesi Jesu Christa. 

4» Jaz tie oslavich na zemi; ddo do- 
konaeh, je*2e dal jesi mn6 k cinieniu. 

&. I nyn^ oslavi mie ty, ot6e, u sehe 
sama oslava, ju-*ie im<|jech, prVe ne^üe-li 
9v^ böäe, u tebe« 

6. Objasniovach imie tvoje öl ... • 



Jakote dal jemu jesi ylast' Tsjakoje 
pfti, da v'sako, jeie jesi jemu dal, dast' 
im iivot vöö'nyi* 

Se 2e jest' liYOt y6ö nyi, da znajat' 
tebe jedinogo istinnaago bog;a, i jego* 
ie posla lisu Christa. 

Az proslavich t§ na zemli; dölo sW« 
^ich, je2e dal jesi m'nß da s'tvorju fsicj. 

1 iiyn6 pit>slavi me, otöe, u tebe sa- 
raogo slayoja^ ja^.e im^ch, pr62e (sicj da- 
2e hebyst' mir, u tebe. 

Javich ime tvoje dlovSkom . . • 



13. I privedechu jej k Annfe prVe; 
iJifeSe bo test' Kaipin, jen-ie bftSe pape- 
üiem l6ta togo. 

14. B6^e 2e Raipa, jen-2e svH dade 



Spalie VI. 
Jo.XVIIL 13-22. 

I vedoSe i k An*hö p VV&je ; bfe bo l'st 

Kaijafö, iie bg archierei lötu tomu. 



B^ ie Kaijafa davyi sV6t ludeom, 



Judom, je-ie vymiete jednomu ölovfeku jako unje jest'jedinomu clov^ku umröli 



umröti . pro liud. 

15. Slödova ie Jesus Simon Petr i drugy 
uöennik. Ucennik 2e bö^e znam papeiiu, 
i vnide s Jesusem v s6n' pape^inu; 

16. Petr ie staSe u dveri vnfe. Vyni- 
de Äe u6ennik drugy, jen-2e bfe§e znam 
papeiu, i rece dvernej, i wede (uvede ?) 
Petr. 

17. Reöe Xe Petru poselnica dverna: 
nu-£e, de i ty iz u6enik jesi dlovöka 
sego? Reöe on: nejes'm. 

18. Stachu 2e chlapi i slugy u uglie, 
i sgrövacbu sie, je«-ie zima b6§e ; hde jako zima bö, i gröjaach^ s§ ; bö üe s' ni" 
2e s nimi i Petr stofa i sgrtraja sie* mi Petr sU>j§ i gröje sie. 



za Ijudi. 

Po lisusö ie idöa^ie Simon Petr; i dru- 
gyi uöenik. Uöenik ie t' bö znajem ar- 
chiereovi, i v'nide s lisusom' v' dvor ar- 
chiereov ; 

Petr ie stojaaSe pri dvVch v'nfe. Izi- 
de ie uöenik t', iie bö znajem archiereovi, 
i reöe dvVnici: vvedi Petra. 

Glagola ie raba dvV'nica Petrovi: jeda 
i ty ot uöenik jesi ölovöka sego? Gla- 
gola on: nösm\ 

Stojaach^i ie rabi i slugy ogn' s'tvor'.^e, 



$. 17. Dtr TtM des FragmemU. 



ü» 



19« Papei te otieie Jesusa o uöeni- 
c6ch jego i o uöeni jago» 

^ Otrece jemu Jesus : jaz javno bü'- 
vich SYdtu ; jaz Tsegdy udach . v synagojMi 
i Y chram6, ideie tsi Judeve schazachu 
sie^ i Y skrYty neml'Yich m6ego; 

21. Ce mie tie2e§iP tieii sie tSchyäe 
5lj&achu öe mlVich im ; ai, Yödia oni, je- 
2e r^jech jaz. 

22« Sb 2e kda rede, jeden pristojacSch 
slug dade • . • 

MöhmUeh ati# dem N. Tesi. 
voMt JT. ±4t22. 

Ewaogelium sw, 

...a duom naplni sie z Yuonie 16 masti. 

4. Tehdy Yece jeden z uöedlnikuoY 
jehO) Jidid Skariot, jeni mäjeSe ho 
zraditi : 

5. Proö ta mast nenie prod&na za tti stape^ 
niez, a nenie d&na chud jrm neb nazn^m ? 

6. A to jest tekl ne proto, ie o nuz- 
rx^th ptislui^ieäe k niemu : ale 2e zlodi^j 
böSe a mSSky maje, a ty wdci, kter62 
Jim posielachu/ nosieäe. 

7« Tehdy Yece Je^ifi: Nechte jie, af 
ke dni pohfebu m^ho zachoyi ji. 

8. Neb Childs Y2dycky mäte s sebü, 
ale iime ne Y£dy möti bildete. 

9. Tehdy pozna z&stup mnohy z 2i- 
duoY, die tu jest, i ptijidechu ne ioliko 
pro JeäSe, ale aby Lazara ohl6dali| ge- 
ho^'byl z mrtYych YzktösiL 

tO* Tehdy mysliechu kniedlata kniez- 
skä, aby i Lazara zabiH, 



ArcU^rei ie Y'prosi lisuaa o uCeniodch 
jego i o iiöenii jego. 

OtV&Sta jemu Usus: az neobinuj^ s§ 
glagolaach Y'semu mini; az Y'segda uöidi 
na s'bori^ti i y' cr'k'Yi» ide£e Ysi ludet 
s'birajat'^s^ iolai neglagolaach ni£esa2e; 

C'to m^ Ypra^je^P y'prosi sly^aY'S^c 
dio glagolaach im; se, si Y6d^t', ja2e re- 
koch az. V 

Se rek'Su jemu jedin ot pr^stoj^Stiich 
slug udari V lanitii lisusa • • • 



Mntnmiseh nach der Brüder 

Hon 1S98. 

Jana XIL 3—50. 



'Veri 



. . • y napln^n gest dum wünj t6 mastL 
Tedy i'ekl geden z udedlnjkA gebo, 

GidiS syn Simona iSkaryotskiho , kter^i 

geg möl zradid : 

Pro£ tato mast nenj prodina za üi sta 

penSz y a nenj dino chndj^m ? 

To pak rekl, ne leby mßl pMi o chudö, 

ale 2e zlod6g byl, a mBec mil, a to oo2 

do n^ho wkladeno bylo, nosiL 

Tedy f ekl Geijä : Nech gi, ke dni po<- 
hfebu m6ho zachowala to. 
' Ghudö zagist^ w2dycky mite 8 sebau, 
ale mne ne w£dycky mjti budete« 

Zwödßl pak ztotup weliky 2idA o ndm, 
i^y tu byl , y ptiili tam, ne pro Ge2jie 
toUko y ale tak6 aby Lazara widöli, kter6- 
hoi'byl wzkrjsil z nutw^ch. 

Radili se pak biskupowi, aby y Lazara 
zamordowah, 



IM 



Denkmäler der b&hmisehen Sjpracke. JSifangeläim Johannu, 



IK Neb mnozi z 2iduoT pro6 otchii- 
ziechu a ygi-ichu y Jeti^e. 

1 2. Pak nazaitrie mnoky z&stup, jtnl 
k6Se sie sebral ke dni slavtiömu, kdyi 
oslySechu, it Jeiii jde do Jeruzatema, 

13. Vziechu ratolesti palmov.e i vy- 
jidechu w c^stu jemu a voUchu: späsa 
synu DayidoYU. Poiehnany, jeni jest pH- 
^el we jm^no bozie, kril Izraheisky« 

14. A naleze Jeiiä oslAtko, i vsiede 
na nie, jako2 ps&no gest: 

15. NeroJ sie bäti, dcero Sionski, ai 
kr&l tvöj jde k ttjbß tichy sedie na osliitku. 

16« Toho ne 



• • • 



Nebo maezy z 2idü odchizeli pro o£ho, 
a uwerili w Ge£j^. 

Potom nazeyttj mnoh^ ztetup, kfteryi 
byl pf i6el k sw&tku welikonoönjinu, kdyi 
uslySeli, 2e GeijS gde do Genizalämay 

Nabrali ratoles^ paimow^ch a wj^ 
proti ndmu a wolali : Spas nis y poie- 
hnan;^, geni se b6ie we gm^nu Pin§, 
kr^ Izraelsky. 

I dostaw Geij^ osUtka, wsedl na n^, 
gako2 psAno gest: 

Nebog se , dcero Syonski , ay kräl 
twug b6fe se, na osütku sedik. 

Tomu pak ne . • . 



18. . • • neb slyfciechti o niem, 2eby 
ien div u6imL 

19. Tehdy z&konnici i^ekli sü sami k 
sob^: Yidiie, ie nie neprospßvämy ; a 
yeSken svät po nöm jest otäel. 

20. I b6chu niektefi pohan6 z t£ch, 
jen2 b^chu vstüpili , aby sie modlili v 
den SYÄteönt. 

21. ProloÄ ti pfistüpichu k Filippovi, 
jen2 b^^e et Betsaidy Galilejskö, i prosie- 
chu ho rküce : Pane, chcemy JeSiäe vid6ti. 

22. Prtjide Filipp a povödß Ondrejovi, 
Ondtej opiet a Filipp povdd^sta Je2i§odi. 

23. A Je2ü odpoy^dö Jim, tka : Ptichä- 
zie hodina, aby byl oslayen syn öloyeka. 

24. V6m^, v6rn*, prayim vim, jedni 
le5 zrno obiln6, padna y zemi, umf eloby, 
ODO samo ostane ; a paUi umte , mnoho 
u£itka prinese. 



• • 



kdyi sly^eli, ieby ten diw uünii. 
Tedy Faryzeowö prawili mezy sebaa: 
Widjte, 2e nie nepcospjwäte : ay w&ecken 
sw^t postaupil po n6ni« 

Byli pak nökteij ilekow6 z.töch, kte- 
i]i prichäzywaliy aby se modlili w switek. 

Ti tak6 pHstaupili k Filipowi, klerjri 
byl od Betsaidy Galilegskö , a prosyli ho 
tkauce^: Pane, chtölibychom Ge^jSe mdiU. 

PtiSel Filip a powidöl Ondtegowi, 
Ondfeg pak a Filip pow^d^li Gelj$owi: 

A Gei;j$ odpowödäl gim tka: PH^lal 
gest hodina, aby oslawen byl syn dlowdka. 

Amen, amen,prawjmwÄm, zmop§eni£n^ 
padna w zemi, neumteli, onoC samo zäsU*- 
ne ; a paklit umie , mnohy uiitek prinese. 



$. 17. Der Tss4 du Frugme$Us. 



181 



2&. Kio£ miluje duSi syü^ ztrati ji ; a 
kto nen&yidi dujie syh v iomto sv6l6, k 
liiptu yMniinu osttiehi jie. 

26. Aö kto mi slüil , mne n&sleduj ; 
a kde2 ji jsem, tut i shiha muoj bude ; 
ad mi kto slüiiti bude, pocti jeho otec 
möj, jeni jest w nebeaöch. 

27. Nynie duäe mi zannücena jest; 
a CO dorn : otüe, spas mie z tölo hodiny ? 
Ale proto sein priiel k tejto hodiDö. 

28. Otde, oslav jm6no sv6« Tehdy pH- 
jide Uas s nebe, rküci: Oslavil sem, a 
opiet oslavim. 

29. Tebdy z&stup, jeni tu sliSe • • • 



Rdo£ miluge duSi swau, ztra^t ^ ; a 
kdoi neniwidj duSe sw^ na tomto swöt^, 
k 2iwotu wöönömu oslrjhi gu 

Slau2jli mi kdo, näsledüg2 mnei a kdei 
gsem gi, tut y müg sluiebnjk bude : a 
budeli mi kdo slau2iti, poctjt ho otec mAg. 

Nynj duSe m& zkormaucena gest: a 
co2 djm : Otfie, wys wobod mne z t&to ho- 
diny ? Ale proto sem ptiSel k hodinö tito. 

Otöe, oslawii gm^no sw6. Tedy pH&ei 
hlas s nebe, tkaucjr: Y oslawil sem, y 
geStö oslawjm« 

Ten pak zistup, kter jri tu stid . . . 



• • 



umföti. 



• • • 



34. Otpovedö jemu z&stup : My sme 
slyäeli z z&kona, 2e Kristus zuostiv& na 
Tiky , a kterak2 ty döS : musi poyjräen b^ti 
syn 6lov£ka ? Kter^2 jest to syn 6loT6ka ? 

35. Tehdy vece jim JeiiS: JeSt(^ mal6 
sT6tlo T vis jest; chodte, donil svötlo 
m&te, afby vis tmy nezachvätily ; a ktoi 
ye tmich, neyie kam jde. 

36. Kdy£ syj^do m&te, y£fte y sy^o, 
abySte synoyi syitla byli« To gest mlu- 
yil Je2id , i otjide a skry sie ot nich. 

37. A kdyi jest tak mnoh& znamenie 
£inil pred nimi, neyitili sü y ndho, 

38. Aby sie fed Izai&Se proroka na- 
pioila, kterAi jest fekl : Pane, kto uy6H 
slySeni naSemu ? a rimie p&na komu zje- 
yeno jest? 

39. Proto nemoiiechu y^Hti, neb jest 
opiet fekl IzaiiS : 



ymijti. 

Odpow^d^l gemu zistup : My sme slySeU 
z zäkona, £e Krystus zästiw& na wdky, a 
kterak2 ty prawj.^ : £e musj^ b^ti pow;yrSen 
syn ölowöka? Kdo gest tosyn ilowöka? 

Tedy fekl gim GeijS: Geätö na maly 

.£as swötlo s w&mi gest; chodte dokud 

swdtlo xnklt y at was tma nezachwitj ; 

nebo kdo chodj we tmich, newj kam gde. 

Dokud sw6tlo mite, wifte w switlo, 
abyste synow^ swötla bylL Toto powi^tl 
Ge£jS,^a odSed, skryl se pfed nimi» 

A aikoli tak mnohi znamenj dinil pf ed 
nimi, wSak sau neuwdfili w nj^ho, 

Aby se napfaiila feö IzaiAie proroka, 
kteraui pow6d6l : Pane, kdo uwftiil kizanj 
naSemu ? a rimd Pto6 , komu gest zge- 
weno? 

Ale protof sau nemohli wifiti, neb 

opit IzaiiS fekl : 

16 



l«t 



Denkmäler der böhmuckm Spruche. EBmngdium Jckamue. 



40» Osl^pila jest zlost o£i jich, a za- 
tvrdila srdce jich, aby neyid^li o6ima, a 
nerozum^li srdcem, a neobritili sie, a 
abych jich neuzdravil 

41* To jest fekl Izai^^, kdyKjestvidöl 
sl&vu jeho, a tnluvil jest o niem. 

42. Ale y§ak z kme£at mnozi uv^i*!!] 
sü y nieho ; ale pro zakonniky neyyznA- 
yachu, aby z sboru nebyli yyyrieni. 

43. Neb sA milowali chy&lu lidskA yiece, 
ne£ chyilu boii. 

44. Ale Jeiis zyola a yece : Ktot ySH 
y mie, neyß 



• • 



Oslepil ooi ge^ch, a mtwrcBl srdce 
gegich, aby oöima newidöK, a srdceia 
nerozumöli, a neobritili se, abych gick 
neuzdrawlL 

To powödil JtBÜ&y kdyi widM sUwu 
gehoy a mkiwil o n^m. 

A aökoli mnozy z knjiat uwöHli w 
n^ho : wSak pro Faryzee ne wyzuAwali ho, 
aby ze ^koly nebyli wyobcowini. 

Nebo milowali sUwu lidskau wfceiiet 
sUwu bolj. 

Ge£j§ pak zwolal a tekl. Rdo w<(fj 
we mne, ne we mnet w£ • . . 



• . • jej bude süditi 
y poslödni den ; 

49. Neb j& säm ot sebe nemluyil sem, 
ale jen2 mie jest poslal otec, ont mi jest 
ptikäzanie dal, coby ch prayil a co mluyil : 

50. A y£m, 2e pfik&zanie jeho iiyot 
v66ny Jesu ProtoÄ ty v6ci, kter6i ja mlu- 
yim, f ekl mi otec, takf mluyim. 

xm. 

1. Pak pi^ede dnem sy&teönim yelikü 
noci) y^da Je2i^, te pHchizie hodina jeho, 
aby äel s tohoto svtta k otci, kdy2 milo«^ 
yiie sv6j jen2 bechu na syät6, do sko- 
ninie miloyal jest je ; 

2. A kdy2 by ye6ere priprayena, kdyi 
jii di&bel biSe'pustil y srdce Jidi^oyo, 
aby ho zradil Jidai Simona Skarida, 

3. V^da, £e y&ecky y(^ci dal jemu otec 
y ruc6, a £e jest ot boha yyäel, a k 
bohu jde. 



• • 



geg sauditi budau 
w neyposlednögSj den. 

Nebo g& sim od sebe sem nemlawi), 
ale ten gen2 mne poslal otec, on mi ptir 
kaz4nj dal, cobych m6\ prawiti a mluwiti: 

A wjm, 2e ptikÄisanj geho gest iiwot 
w6dny. A protoi co2 g4 mluwjmy gaki 
mi pow6d6l otec, takt mluwjm« 

1-9. 

Fred switkem pak welikonodnjm w6da 
Ge2j§, te pHSla hodina geho, aby §el z 
tohoto sw^ta k otcy, milowaw swi, ktefji 
byU na swötö, ai do konce ge milowal; 

A kdyi weief eli, a dibel gil byl wmikl 
w n*dce GidUe Simona kkaryotskiho# 
aby geg zradil, 

W^a Ge2j§, 2e gemu otec wäecko ^ 
ruce dal, a 2e od Boha wysel, a k Bohu 
gde. 



$.11« D0t Tw$ du Fr€igm^u. 



i«S 



4. Vsta od Teßeto a 4o*i rücbo «vö^ 
akdy2 Yzie prostieradlo ^ p^e)>i6asi6; 

.h. Potom pwti Ypdu do m^denice, i 
fM>öe myti nohy uöedlpikö, ai^ytierati pro* 
stieradleiiiy }imi hüt pfepis4iu 

6. Tehdy pHjide k dimonoiri Pelrovl, i 
vftce jemu Petr: Pane, ty Boimylei nohy? 

7. Otpovidö JeüS, avecejemu: Cofji 
öinim^ ty nev^ nynie, ale zy<^S potom* 

8. Yece jemu Pelr: NobodeS mi noh 
m^ na Töky* Otpoyj^d jemu JeiiS : 
NebuduUt' myti lebe, nebudeS m$ti d6lu 
se mnü. 

9. Vece jemu Simon Petr: Pane, ne- 
toliko 



, Wstal od we^e, a sloiil raucho $w6, 
a wzaw rauchu, pfep&sal se ; 

Potom nalil wody do ndiedenicei y po- 
ieü nmywali nohy uöedlnjkuwy a wytjrati 
raucliau, kterauÄ byl ptepisin. 

Tedy pfiSel k Kimono wi Petrowi, a on 
tekl gemu ; Päne, ty mi chce$ nohy mj^ti ? 

Odpow^döl Ge2j.^, a tekl gemu : Co gi 
j6iBJm, ty newjä nyujr ale potom zwji. 

Dj gemu Petr: NebudeS ty myti noh 
mr^ch na w^ky. Odpowidd gemu GeXjS: 
Neumygilit tebe, nebudei mjti djlu se 
mnau, ^ 

Dj gemo Simon Petr, Pane, netoHko . . . 



• • 



XVI. 98^^ 

28. • • • opiet opustiem svSt, a jdukotci. 

29. ftekli 8i'i jemu uiedloid jeho : ai, 
nyn6 zjevnö mluvlä, a pMslovie iäd^ 
Q^ho nediä ; 

30« Ji£ vömy » ie Y6i väecky vici^ 
a nenie potf eb6 tobö , by kto tebe ot&^ 
zai; y tom v^timyi ies od boha vy&el. 

8K Otpov6dg JeUft: Nyne vöjHte ; 

32. Ai prijde hodina, a ji2 jest pti- 
äla, 2e sie rozprcbnete kaSdj^ do svjrch 
krajin, a mie samiho ostavite; a nejsem 
stjBf neb otec se mnü jest 

33» Tyto vici mluvil sem v^, aby- 
$te. wß mn6 pokoj mÜL Y svötö n&tisky 
möti budete; ale douÜBtjte, 2e sem j& 
pfemohl sv^U 

xm. 1—6. 
1 . Ty vöci mluvU jest Je2tö> a pozdvih To powed£ w Geij^ , y pozdwiU oöj 

o6i y nebe yece : Otde, pf i^la jest hodina; swych k nebi, a fekl: Otöe, ptiSlaf gest 

16* 



• . a op6t opauStjm s w£t , a gdu k otcy. 

ilkau gemu uöedlnjci gehe : Ay nynj zgew- 

nö mluwjä, a prjslowj 2ildn6ho neprawj^; 

Nynj wjme, £e wji wäecko, a nepo- 
tfebugeS) aby se kdo tebe tAzal: skrze 
to w6)jme, it sy od Boha pfiSeL 

Odpow^öl gim Ge2j$: Nynj w6rjte; 

Ay ptigdet hodina, anobri gi2 phäla, 
2e se rozprcbnete geden kaidy k swömu, 
a mne sam^ho nechite ; ale negsemf sim, 
nebo . otec se mnau gest 

Tyto w6cy mluwil sem wim, abyste 
we mn$ pokog mal Na sw6t6 ssauienj 
mjti budete ; ale daufegtet, gkt sem pfe^ 
mohl swöL 



1«4 



Denkmäler der böhmudkm Spretehe* Aemgelmm Jükemnii, 



oslaT syna tv6ho, af syn tröj oslari tie ; 

2. Jako2s dal jenm moc nad kaid;^ 
tölem, aby vSe, cos dal jemu, dal jim 
iivot v6öny, 

3. A to jest iivot yS6D)r, aby tie po- 
znali sam6ho boha pray^ho, a jehois 
poslal, Jezu Krista. 

4. iä sem tie oslavil na zemi; skutek 
dokonal sem, klerjrs mi dal, abych öiniL 

5. A nyn^ oslay mie ty, otöe, u sehe 
sam^ho oslay enim, kter&i sem m6l, dtieye 
ne2 jest sySt byl, u tebe. 

6. Ozn&mil sem imino ty6 lidem • • 



hodina; oslawii syna swiho, aby y syn 
twüg oslawii tebe; 

Jako2 sy dal gemu moc nad kaidym 
dlowökem, aby timw^edioöm, kter6i sj 
dal gemu, on tiwot wi£ny daL 

Totof g«st pak wööny iiwot, aby po- 
znali tebe samöho prawibo Boha, a kte- 
r6ho2 sy poslal GeiSjSe Rrysta. 

Gm sem oslawii tebe na zemi; djlo 
sem wykonal, kter6i sy mi dal, abych öinU. 

A nynj oslawii ty mne, ot£e, u sehe 
sam^ho sUwan, kieraui sein m6l u tebe, 
prw6 neili sw6t byL 

Ozn&mil gsem gm6no tw6 lidem . • 



xvni. 

13. A pHyedechu jej k AnniSoyi naj* 

prv6; neb bö^e test KaifiSuoy, jen2 b6^e 
biskupem toho Idta. 

14. A b^^e KaiföS ten, jeni böSe radu 
dal 2idöm, ie jest uüiteönö, aby jeden 
iloyök umfel za lid. 

15. AjdieSe po Je2f So wi Simon Petra jinjr 
uiedlnik« A ten uCedlnik b6§e zn&m bisku- 
poyi, i yjtde s Je2iSem do söni biskupoyy; 

1 6. Ale Petr stASe u dyeH yn^. Tehdy 
yyjide jinjr ten uöedlnik, jen2 h^he znäm 
biskupoyi , i yece yrätnö a nyede Petra. 

17. Tehdy vece Petroyi d^yka yr&tnii: 
zdali i ty jsi z uöedlnjkuoy öloydka to- 
hoto? Yece on: Nejsem. 

18. J stichu sluhy a ufednici u uhlA, 
neb zima b6$e, a zhtßyachu sie; a b^Se 
s nimi i Petr, stoje a htSje sie. 



13 -- n. 

A wedli ho k AnniSowi neyprwi ; nebo 
byl test KaifiüSü, kter;fr2 byl biskupem 
toho löta. 

Kaiföä pak byl ten, ktery2 byl radu 
dal 2idüm, ieby uiite£n6 byla, aby ilo- 
w£k g;eden umtel za lid. 

Sei pak za GeJ^jSem Simon Petr a ginj 
uöedlnjk« A ten uöedlnjk byl znäm bisku- 
powi, y wSel s Gel^äem do synSbiskupowy ; 
Ale Petr stäl u dwelj wnö. I wySel ten dni- 
h^' u6edlnjk, kterjr2 byl zn&m biskupowi, 
apromluwil s writnau, y uwedl tam Petra. 

Tedy tekla Petrowi dßwka writna: 
Negsylii y ty z uöedbjkö clowfika toho P 
ftekl on: Megsem. 

StiJi pak tu sluiebnjcy a pacholcy, kteijß 
oheA udMali, nebo zyma bylo, y zhijwali 
se , a byl s nimi uki y Petr stoge tu a 
zahtjwai^ se. 



^ 1 8« fw^OFitvtztißfuUffs» 



IM 



19. Tehdy biskup Uza se JeikSeouöedl- 
nic^ch jeho a o u6eni jeho. 

2U« Otpovfedö jemu Je2i§ : ik zjeyn^ 
mluvil sem syötu; j& sem v2dycky uiil 
y ^kole a v chrimu, kde2tQ v^ichni 2idi 
schüsiechu aie, a yskrytj nemluytt sem nie; 

21, Co mne tie2eS? Otiei ttch, jenÄ 
Sil slySeli, cof sem mluyil jim; ai tit yd- 
die, eo sem j& prayil, 

22. To kdy2 yece, jeden pH tom stoje 
z sluiebnikuoy da 



• • 



Tedy biskup t&zal se GeijSe o u£edl* 
nje^^ch geho a o yöenj geho. 

Odpow^öl gemu Ge2jS: Gk zgewni 
mluwil sem sw^tu : g& widycky uöjwal 
sem w ikole a w cbr&mS, kdeSto se ode- 
wSad TXAk schizegj, a tagriö sem nie 
nemluwil ; 

Co se mne ptiiS ? Pteg se töch, kte- 
tj2 mne sljrchali^ eo sem gim mluwil; 
ay tit wödj, eo sem*gi mluwiL 

A kdyZ on to powidä, gedai z slu- 
iebnjkü stoge tu, dal • . • 



$. i8. Wortterzeichniss. 

Die Gründe, welche uns bewogen, dem Texte unseres ersten Fragments ein yoU- 
ständiges Wortyerzeichniss nachfolgen zu lassen, yeranlassen uns auch hier, zwischen 
dem Wortlaut unseres zweiten Fragments und der granunatischen Zergliederung desselben^ 
ein solches einzuschalten. Wenn wir uns möglichste Kürze und Gedrängtheit bereits bei 
jenem zum Gesetz gemacht hatten, so hielten wir dieselben bei diesem zweiten noch 
mehr für Pflicht Demnach wurden Worterklärungen und Belege, die man in Hm. Jnng- 
mann's Wörterbuch reichlich findet, absichtlich übergangen, so wie Einzelnes, was zum 
Theil hieher gehörte, für die folgenden $* yerspart, um, so Tiel möglich, Wiederholun- 
gen zu yenneiden. 



A. 
a, 4, sed, Z\ 58. 89. 96. 139. Conj. 
abi, aby, ^bm, ut, Z. U« IT. 77. 90. 102. 107. 

129. 145. Praet. 3 pl. yon jesm, 5t. aby- 

chu, bei Bildung des Conjunctiys. 
abihu, abychu, ^BbixoY« ut, Z. 37. 147.Praet. 

3 pl. yqn jesm. 
ach, aö, 4v, nisi, Z.46. ach-li, aö-li, 4v-ah 

siautem* Z.48. ach, si, Z. 53. 55. Auch 

Z. 122, wo das Perg. beschädigt ist, muss 

ach supplirt werden, 
ai, aj, 4H, ecce, Z. 30. 35. 126. 132. 184. Interj. 
andrei, Andrej, jNApeH, Andreas, Z. 42. 

Nom. sg. 



andreiu, Andreju, jHApeio, Andreae, Z. 42. 

DaL sg. Ton Andrej, 
anne, Ann^, ^nh-», Annam, Z. 156. Dat sg. 

yon Anna, 
at, at\ 4Tb, ut, Z.9. 45. 70. 73. 83. 143. Conj. 
ati, ati, jth, ut, Z. 137. Conj. 

bä, bogsu 6or4, deo, Z. 110. 131. deum 148* 

Gen. sg. yon bog, auch ffir den Acc. 

gebraucht, 
badri ze, bati sie, b4th cie, timere, Z* 29. 

Inf. yon boju sie, zs. gezogen st bojati sie. 
be, bd, 6-ft, erat, Z. 39. 115. PraeU I. 3 sg. 

yon jesm. 



1»6 



Denkmäler der böh$nmhm t^aeke* Eeangelimm Jükmmü* 



behu^ bJfchu, b%xoxs erwl, Z. 36. 104« Ptaet. 

I. 3 pl. TOD jesm. 
b e 8 e, hkUe, B-nme, erat, Z. 2. 7. esset 1 b4. 

erat 157. (zweimal). 158. 163. 166. 173. 

174. Praet. iter. 3 sg, von jesm. 
bl^hsaidi« Bethsaidy^ se-^-cd^A^, BeAsaida, 

Z. 39. Gen. sg. yon Eelksaida. 
bg, bog, Bor« da Z. 82, Nom. sg* 
bi 6. abi« 
bihu 8. abihu. 
biste, byste, sbicTe. Z. 137. Praet. .2 pl. 

von jesra. 
blagozIouen> blagosloven,' BAdrocAoaeH, 

benedictus, Z. 26. Partie praet. pasa. 

von blagosloviu. 
bo, bOy^Bo« enim« Z. 10. autem 36. enim 

157. Gonj« 
bu, bogu« BoroY, dei, Z. 92. deiim 110. Dat 

sg* von bog. 
bnde« bude, sovAa» fuerit« Z. 48. 49* erit 54. 

65. bude zuditi« bude suditi, judicabit 

94. Fut. 3 sg. von jesm. 

C. 
c/k, K, ad, Z. 33. 38. 103. 110. 116. 125. 

156* Praep. 
caco« kako^ KäKo, quomodo, Z. 65. Adv. 
caipa, Kaipa, K4Hn4«GaiphaSiZ. 158. Nom. sg. 
caipin« Kaipin, KdHnHH« Caiphae, Z« 157. 

Nom. sg. m. Adj. ind. Kaipin» i^ o. 
camo^ kamo, kjuo« quo, Z. 72, Adv. 
cda^ kda, HAä, cum, Z. 106. 185. Adv. und 

GoDJ. In der ersten Zeile wurde früher 

(Ausgg. 1829, 1833) unrichtig eda gele- 
sen und durch jeda erklärt. In der Hs. 

steht entschieden cda, und jeda ist 

grammatisch unzulässig, da es ^ob, num<' 

bedeutet 
ce, öe, v8, (in nice) Z. 34. ce, quid, Z. 57. 

97. (zweimal), quod 119. quid 169, 182. 

183. Prpn. interr. n. 



oemu» iamiv vauoy, qoare» Z« 3. Dat sg. von' 

de, als Adv. gebraucht Vgl. Kön. HoL 

Hs. 86. 106. 116. u. s. w. Vened. Bib. Isai. 

1, 5. Oze. 14, 9. 
chaesti, Öastt od. Öiesti, v4cth od. vigcth, 

partem. Z. 128. Gen. sg. von ^ast\ 
chioneoa, ölovika , vadbüicj , hominisi 

Z. 170. Gen. sg. von clov^k. 
chlouech, öloveö, vaobhv, hominis» Z. 45. 

66-67. 67. Nom. sg. m. Adj. öIqv^ö, a, e. 
chlouech u, ölov^Öu, vaob^voy, hominum, 

Z. 91. Acc. sg. f. von öloveöa. 
chl(ouecom), dlovekom, vAOBtncou, horaini- 

bus Z. 155. Dat pl. von ölovek« 
chlouecu, dloveku, vaob^koy, hominem, 

Z. 160. Dat sg. von ölov^k. 
cinenu, öinieniu, vHHieHio, ut faciam, Z. 151. 

Dat Sg. von öinienie. 
cinese, diniese, yMN-aiue, fecisset, Z. 16. 

Praet 3 sg. von öiniu. 
cinu, öiniu, vhhio, facia, Z. 119. Praes. i sj. 
cinuc, öiniur, vhhiom, fecisse, Z. 82. Praes. 

Gerund« m. im Acc. 
cnaezi, kniazi od. kniezi, khm:;h od. Kmei^n, 

principes, Z. 16 — 17. Nom. pl. voo 

kniaz', kniez'. 
cnazeu, kniazev, KNi^zea, principibus, Z. 88. 

Gen. pl. von kniaz*. 

comu, komu, koudy, cui, Z.80. Dat sg. voa 
Pron. kto. 

concae, konca, kohm^i« iinem, Z. 105. Gen. 
sg. von konec. 

cral, kral", KfMAb, rex« Z. 27. 30. Nom. sg. 
cto, kto, KTO, qui, Z. 50, 51. 53. quis 55. 6T. 

qui 71. qnis 79. qui 93. quis 129. Nom. 

sg. vom Pron. int. o. rel. 

B. 

da de, dade, a^ac, dedit, Z. 97. 109. dederat 
159. dedit 186. Praet 3 sg. von dam. 



$• IB. ff^erüfetzmkmü*. 



iW 



dal« dal« a'a> dedistij Z. 144, 14&. 151.Praet. 

part« acL von dam. 
d a II a« dana» a^h j« datum» Z. 5« Part* pract 

pass. Ton dam. 
da st» dast^ AJcTb« det» Z. 146. Praes. 3 ag. 

von dam. 
dau« dav« a^b« turba, Z. 12. 20« 62. 63. 

Nom. äg. 
dauene« dayenie« A^seHie« preaaof am, Z. 138. 

Acc. Bg. 
dci« dci« Ai|Hj filia« Z. 29. Voc. ag. von dci. 
delo« delo, a-^ao« opus Z. 150. Acc. ag. 

von ddlo. 
den» den'« Aanb, diem«Z. 9« die 36. 94. Acc. 

8g. von den\ 
desi« d^si« a-hmh« dicia« Z. 66. Praea. 2 ag. 

Yon d^ju> di^ti. 
diabol« diabol, ah4boa« diabolua« Z. 106. 

Nom. sg. 
die« dlie« aaic« propter« Z. 14. Adv. ala 

Praep. gebraucbt« 
d 1 e 8 n o« drino« AAbXNo« oportet« Z. 66« Adj. 

ind. dr%en in Neutro als Adv. gebraucht 
dnem« dnem« anbu« diem« Z. 101» Soc. sg. 

von den. 
dnu« dniu« od. dnu« anio od. anoy« diem« 

Z. 21. Dat. sg. von den\ 
do« do« Ao« in« Z. 104« Praep. 
doconah« dokonach« aokoh4n« consummavi« 

Z. 150. Praet 1 sg. von dokonaju« - ati. 
doned se« doned»ie« AotieA-xe« dam« Z. 69. 

Adv. In den Ausg^. 1829 und 1833 steht 

donadie; aber die Handschrift hat do- 

ned^^Cy f« nicht a. 
d o n u d se « donud-ie « AOHOVA-»e « dum« 

Z. 72. Adv. 
douerite« do vMte « AöirapHr« « confidite« 

Z. 139. Imper. 2 pl. von dov^riu« dov^riti. 
drugi« Aporrbt« alins« Z. 162. 166. Nom. sg. 

von Pron. determ. In der zweiten Stelle 



Z. 166« glaubeü wir bestimmt schwache 
Spuren eines verschwundenen i ent- 
deckt zu haben; mdess hätte dasselbe 
nicht so scharf im Fac*aimile aus- 
gedrfickt werden sollen. Die Gramma- 
tik scheint hier freilich« in Verbindung 
mit dem Subst»« durchaus die bestimmte 
Form zu verlangen : denn nur in den 
Verbindungen : druh druha« druh druhu 
u. s. w. kommt« so viel uns bekannt« 
die unbestimmte im Ncminaliv vor. In 
beiden bisherigen Ausgg. (1829. 1833) 
steht drug. 

dueri« dveri« AaepH« hostium« (d. i« ostium)« 
Z. 165. Gen. pl. von dver« pl. dveri. 

du er na« dvema« AaepHd« hostiaria« Z. 169. 
Nom. sg. f. von Adj. indef. dveren« 
ma, rno. ^ 

duernei« dvernej , AsepHeH « hostiariae« 
Z. 167. Dat sg. f. von Adj. def. dvema. 

dusa* dusa« aovui4« anima« Z. 56. Nom. sg. 

dus^« duse« Acyise« aniinam« Z. 51.Gen«sg* 
von duäa. 

du SU« dusu« AoyaiOY« animam« Z. 50. Acc. 
sg, von du^a. 

E. 

esaias« Esaiaa« ec^HJc« Ssaiaa« Z.82« 86. 
Nom. sg. 

esaie« Esaie« ec4H6« fisaiae, Z« 77« 6eii«sg. 
von Esaias. 

galilee« Galilee« r^AHAee« Galilaeae« Z. 40. 
gda« gda« pa^« cum« Z. 22. Adv. u. Conj. 
ge« gospodine« rocnoANHe« domine« Z. 117. 
124. Voc. sg. von gospodin. 

glazy glas« PAJC« vox« Z. 60. Nom. sg. 
gfie« gospodnie» rocnoANie« domini« Z. 27. 

80. Nom. und Acc« äg. n. von Adj indef. 

gospodeö« sia« nie* 






DenimMer der htkmütken S/tmIu, Mkäiigelmm Jckmmii. 



1S8 



ghe, gospodine» rocnoMmt, domine, Z. 79. 

Voc. Bg. Yon goapodin. 
godina> godina, poahhj, hora, Z« 44« 102. 

132. 142. Nom. sg. 
go dini, godiny« roAHNw, hora; Z. 58. Gen. 

sg. von godina. 
godinu» godinii» roAHnoy« horam« TL d9. Acc. 

sg. von godina. 
grebeti, gr^bieti^ rp^sierH« pnllum« Z. 31. 

Loc. 8g. von gr^bie« nböhm. hifibio. 



hcemi^ chcemy, xi|eubi»ToIuniu8, Z. 41.Praes. 
1 pl. von chciu, chtSti. 

hierusolim^ Hierusolim« HepoYcoAHu, Hie- 

rusolimaj Z. 23. Acc. sg. In beiden firü- 

hern Ausgg. (1829, 1833] Hierosolim, o 

st «j unrichtig, 
hiapij chlapi« xAänn, senri, Z. 172.Nom.pl. 

von chlap. 
hodafau, chodiachuj xoamxoy> ibant, Z. 19. 

Praet. 3 pl. von choziu« -ditt. 
h o d e t e« chodöle« xoAUTe, ambulate, xoAiiTe, 

Z. 69. Imp^r. 2pl.yon chozia. 
hodi, chodii xoak> ambulat, Z. 71. Prae8.3sg. 
hrame^ chrami, xp^iM-», templo, Z. 180. Loc. 

8g. Ton chram. 
hnde» chode, xoxas, pauperes, Z. 10. Acc. 

pl. m. Yon Adj. def. chudy; a, e. 

h u d i h , chudycb , xo vAbtx , egenis , Z. 6. 

Loc. pl. m. Yon chudy. 
h u d i m« chudym, xovAbiM, egenis, Z. 5. Dat. 

pl. m« von chudy. 

I. 

i, i, H, et, Z. 4. 7. 13. 17. 19. 24. 25. 27. 28. 
40. 42. 43. 51. 54. (zweimal) 57. 61. (zw.). 
65. 71. 74. 75. 79. 83. 84 (zw.). 85. 87. 
(zw.). 93. 97. 98. 106. HO. (zw.)« 111. 112. 
114. 115. 117. 118. 125. 126. 133. 134. 
135. 141. 148. 151. 156. 162. 163. 167. 



168. 170. 172. (zw.). 174. (zw.). 176. 17». 

181. Conj. 
ide, ide, HAe, Tenil» Z. 26. SO. abiit36. venit 

41. vadat 72. yadit 110. venit 133.Praes. 

3 8g« und Praet. 3 sg. von idn* iii. 
idehu, idechu« HAexoy« proceaserunt, Z. 24. 

Praet. 3 pl. von idu« 
ide se, ide-ie, HAe-xe» ubi. Z. 54. , quo 

180. Adv. 
idu, idu, HAOY> vado« Z. 125. Praea. 1 sg. 

von iti. 
im, ini, hu, eis, Z. 68. ipsis 184, Dat pL 

von Pron. pers. on, a, o. 
ima» ima» hu4| eis, Z. 44. DaL daal. von 

Pron* on. 
imaia, imaja» hu^is, faabens» Z« 7* Praes. 

Gerund, von imaju od. imam. 
imate, imale, hu^t«, habetis, Z. 10 — lt. 

12. 70. 73. habeatis Z. 139. Praes. 2 pl. 

von imam. 
im^ imie, Huie, nomine, Z. 26., nomen 60. 

155. Acc. sg. von imie. 
imeieh, im^jech, Hu-aiex, habui, Z. 153. 

Praet. 1 sg. von imeju, imetL 
imeli, imeli, hu-bah, habeatis, Z. 138. Praet. 

part. act^ pL m. von imiju. 
ise, i-ie, H-»e, qui, Z. 37. 183. Nom. pl. m. 

von Pron. rel. jen-ie. 
isrlj Israel, hcpma, Israel, Z. 27. Nom. sg. 
iz, i:^ H^ ex, Z. 1. 13. 19. 36. 58. 64. 88. e 

90. ex 95. 103. 170. Praep. 

iaco, jako, MKo, quia, Z. 5. iaco se« jako-ie, 

MKo-m, Z. 22. 32. 34. 81. 102. sicut 

144. Adv. u. Conj. 
iahu, jachu, mxoy, acceperunt» Z. 23, PraeL 

Z. 28. 100.3 pl. von imu. 
iauno, javno, mbno, palam, Z. 126. 178. Adv. 
iaz« jaz, m^c ego, Z. 54. 95. 99. 119. 139. 149. 

178. 179. 185. Pron. 1 pers. 



$. 16. Jf^ori9erzeichnus* 



l«9 



ProD. pers. on« ona» oaö. 

ie den« jeden, ^xen, unus, Z. 1, 185» iede» 
133« Numer. im Nom. 

i e d n o m u, jednomu, icahomoy* unum» Z. 1 60. 
Dat. sg. m. Yon jeden. 

iegda« j^gda, w^rxä, quando, Z. 86. Adv. 

iegOj jego» lero, ejus« Z. 1. 86. 96. 102. 126. 
suis 176. eins 177. Gen. sg. m. von 
Pron. pers. on. 

i e gose« jego-£e« lero-xe« quem» Z. 148. Gen. 
sg. m/ von Pron. rel. jen-ze. 

iei, jej« leH« eum, Z. 2. 32. 40. 56. 94. 107. 
156. Aec. sg. m. von Pron. pers. on. Zeile 
94 fehlt das WÖrtchen jej in den bishe- 
rigen Ausgaben; bei fortgesetzten Unter- 
suchungen mit der Loupe gelang es 
uns indessen doch sichere Spuren davon 
in dem an dieser Stelle bereits sehr 
beschädigten Pergament zu entdecken. 

iei^ jeje, leie« illam« Z. -9; Gen. sg. f. von 
Pron. pers. ona. 

iei se, jej-ze« leH-xe« quen^ Z. 15. Acc. sg. 
von Pron. rel. jen-ie. 

ieli« jelij igah« cum« Z. 103. 112. Adv. o. Conj, 

ieli se« jeli-ie« leAH-me« quia« Z. 18. Adv. 
und Conj. 

iemu« jemu« leuey« ad eum« Z. 6. ei 25. 63. 
109. 117. 119. 120. 122. 123. 126. 144. 
145. 177. Dat. sg. von Pron. pers. on. 

ien se, jen-ie« leH-ixe« qui« Z. 2.« quae 21. 
qui 26. 39. quae 62. q^i 96. 157. 158 — 
159. 166. Nom, sg. m. des Pron. rel. 

iesce« je§öe« leuive« adhuc« Z. 68. Adv. 

ie se« je-ie« lexe« quae« Z. 8. Nom. sg, n. 
von Pron. jenie, jaie« jeze« 2) ie se« 
quae ergo 99. quae 184« Acc. pl. n. von 
jenie« statt jaie« mit Verwandlung des 
a in e. 

iese« je-2e« lexe« quia« Z. 13. 64. 94. 98. 



109. 110. 128. ISO. 135. 139. 159. 173. 

quod« Z. 145. 150. ut« Z. 133. Conj. 
est, jest', lecTb, est, Z. 13. 29. 67. 80. 129. 

136. 146. Praes. 3 sg. von jesm\ 
ieste« jeste« lecre« sitis« Z. 74. Praes. 2 pl. 

von jesm\ 
iesti« jesti« icgth« est» Z. 57. 69. 99. Praes. 3 

sg. von jesm\ 
ezi« jesi« lecH« Z. 131. 144. 145. 148. 151. 

es 170. Praes. 2 sg. von jesm'. (Zeile^ 

145 steht in der Ausg. 1829 richtig iezi« 

in der A. 1833 aber fehlerhaft iese.) 
iezQ» jesum« lecovu« sum« Z. 54. Praes. 1 

sg. von byti. 

ha, Jesusa« lecoyc^« Jesum« Z. 14. 176. Gen. 

sg. von Jesus, 
hm« Jesusemu lecoyceu, Jesu, Z. 164. Soe. 

sg. von Jesus. 

hs, Jesus, lecoyc« Z. 9. 23. 27. 44. 68. 74. 

92. 101. 118. 122. 131. 141. 177. Jesum« 

Z. 20. 41. 161. Nom. und Acc. sg. 
hu« Jesusu« lecoYcoY« Jesu« Z. 43. Jesum 

149. DaU sg. von Jesus, 
ih« jich« Hx« eorum« Z. 82. 83. Gen. pl. 

von on. 

i m« Jim« hu« eis, 131. 1 46. Dat. pl. von on. 
ise, ji-£e, H-»e, qui, Z. 104. Nom. pl. von 
Pr. reL jenie. 

u, ju, IC, illud« Z. 10. eam 50. 52. Acc. sg. 
f. von ona. 

in das« Judas« ioa4c, Judas, Z. 2. 108. Nom. sg. 
udeu« Judev« lOAeB« Judaeis« Z. 13. 19. 

Gen. pl. von Jud oder Judin. 
udeue« Judeve« lOAeee« Judaei« Z. 180. 
Nom. pl. von Jud oder Judin. 

udom, Judom« ioaom, Judaeis« Z. 159. Dat. 

pl. von Jud oder Judin. 

inse« ju-ie« •oxc^ quem« Z. 78. quam« 153. 

Acc« sg. f« von Pron. reL ja>ie. 

17 



IM 



DenkmäUffT der böhmitehm ^^cks. SkakgeUam JcAatmü» 



luse^ ju-ze« K)»e> quo, Z. 115« Soc. sg, f. 

von ja-ie. 
i u s e« yiie, nyme, jam> Z. 106. Adv. 

K. 
k» k« K, Z. lol. Praep. 
ke, ke^ k«, ad» Z. 21. Praep. 
kegdi» kegdy, KerAM» cum« Z. 75 — 76. Ady. 
kisdo« kyzdo, KbixAO« quisqae, Z. 134. Nom. 

sg. des Pron. demonstr. 

li. 
lazar, Lazar« A4740, Lazarum, Z. 14'— 15. 

17. Acc. sg. 
1 Aa« l^ta, A-toT^i, anni« Z. 158. Gen. sg. TonlSto. 
l4iforozli« letorozli» A-feTopocAH^ramos« Z.24. 

Acc. pl. von lötorosr. 
li^ li, AH, Conj. in Zusammenseuungen mit 

Adv. und Gon}. , als: toli« Z. 14« 

ielise, Z. 18. achli, Z. 48. neseli, 

Z. 92. 154. iell Z. 103. 112. 
losi, lozi, AoxH, ponit, Z. lU.Praes. 3 sg. von 

loziu, loiiti, welches so einfach selten, 

wohl aber häufig zusammengesetzt mit 

Praep. vorkommt, 
lubi, liubi, aiobh, amat, Z. 50. Praes. 3 sg. 

von liubiu, liubiti. 
lud, liud, AioA, populo, Z. 161. Acc. sg. 

von liud. 



malo, malo, m4ao, modicum , Z. 68. Dat 

Neutr. des Adj. ind. mal, a, o, als Adv. 

gebraucht, 
m a s t, masf , uacrb, unguentum, Z. 3. Nom. sg. 
masti, masti, udCTH, unguenti, Z.l. Gen. sg. 

von mast\ 
me, mie, uie, me, Z. 58. 93. 96. 134. 152. 

182. Acc. sg. von Pron. pers. jaz. 
inene, mene, u€He, me, Z. 11. 53. Acc. sg. 

von jaz. 
meski, miiky, u-MUKbi, loculos, Z. 7. Acc. 

pU von m^äek. 



mi« my, um, bös, Z. 64. Nom« {d. von jai. 
mi, mi, UH, mihi Z. 100. 118. 121. Dat sg. 

von jaz. 
m i e s i, myjeSi, uhrnrnn, lavas, Z. 118, Praes. 

2 sg. von myju, mytL 
miloua, milova, mhaom, dilexit, Z. lOo. 

Praet 3 sg. von miluju, -ovati* 
milo(ua)hu, mUovachu, umaobjxoy» dile« 

xerunt, Z. 90—91. 
milo(ua)se, milovaSe, uHAOMne, dil^xisset, 

Z. 103—104. Die fehlende Sylbe ua 

scheint in beiden FSllen da gewesen, 

aber, als am Rande, nun völlig ver« 

schwanden zu sein, 
mir, mir, uHp, mundus, Z. 35. Nom. sg. 
m i t i, myti, ubirH, lavar e, Z. 1 1 4. Inf. von myju. 
mleui, ml'vi, uAbBH, locntus est, Z. 74« 87, 

140. Praet 8 sg. von mPviu, -iti. 
mleuih, rnFvich, uAbBHx, locutus sum» Z. 

136—137. 178., loc. sim 183. Praet 1 

sg. von rnFviu« 
mleuisi, mlViii, MAbBHVM, loqueris« Z* 121* 

Praes. 2 sg. von ml'viu. 
mleuu, mFviu, uAbaio, loquor» Z. 99. 100. 

Praes. 1 sg. von ml'vitt. 
mne, mn2, mihi, umi, Z. 53. 55. 96« 151« 

Dat sg. von Pron. pers. jaz. 
mne, mni, un-^, me, Z. 137. Loe. sg. vonjax« 
mnog, mnoh, uNor, multa, Z. 12.21. Nom. 

sg. von Num. mnog, a, o. 
mnozi, mnozi, uhoi^h» multi, Z.18.88.NO0« 

pl. von mnog. 
mnu, mnu, undy, me, Z. 123. 136. Soc. sg- 

von jaz. 
moi, moj, uoh, mens, Z. 54. 56. Nom« ^* 

m. von Pron. poss. moj, a, e. 
moia, moja, uom, mea, Z. 56. Nom. 

von moj, a, e. 
moiego, mojego, uoiero, meae, Z. 10. G^n« 

sg. m. von moj, a« e. 



f. 



$• 18. fFhrtverzekhniss* 



UM 



mr4lraih» mr^trydi« upbTBbiXj mortuis, Z.16. 
Gen. pl. Ton Adj. def. mr'tTj, a> e. 

na« na, hj, super, Z« 28. 81. 149. na zaiu- 
tre 6 6, na zajntrie £e, Z. 20. Praep. 

n ad i de, nadide, H^AHAe, invenlt, Z. 27. Praet. 
3 sg. Ton nadidu, naditi. 

naplenila ze, naprnila sie, N^nAbitHA^ cie, 
impleretur, Z. 78. Praet. part acL von 
niq>rniu sie, napFniti sie» wegen sie in 
passiver Bedeutung» 

ne« nie, Mie, eum, 2^. 28. Acc. sg. n. von 
on, opa, ono, mit dem prosthetischen n. 

ne, ne, h«, non, Z. 5. no|i 14. '31. ne u- 
segda, ne Ysegda, Z. 11. Adv. 

nebe, nebe, ifCBe, coelum, Z. 141. Acc, sg. 
von nebe. 

nebe, nebe^ Hßee^ coelo, Z. 61. Gen. s%. 
von nebe. 

nedesi, ned^i, NSA-feuiH, nullum.« dicis, Z. 
117—128. Praes. 2 sg. Ton d^ju, d6ti, 
mit dem Adv. ne. 

nehai^ nechaj, h6X4h, sine, Z. 9. Imp. 2 
sg. Yon chaju, chajati od. chati, mit dem 
Adv. ne. Das einfache chajati (curare) 
hat sich bei den illyrischen Slawen er- 
halten. In den bisherigen Ausgg. unseres 
Fragments (1829, 1833) steht ungenau 
nehai ..«paraphrasirtnechajte, PI. statt Sg. 

neiezum, nejesum, NeiecoYM, non sum, Z. 
135. 171. Praes. 1 sg. Ton byti mit dem 
Adv. ne. 

n e i m a s i, neimaSi, HeHu^iuiH, non habes, Z. 1 23. 
Praes. 2 sg. von imam mit dem Adv. ne. 

nem, niem, Nieu, eum, Z. 35, eo 87. Loc. 
sg. m. von on mit dem prosth. n. 

n e m 1 e u i h, nemlWich, HeuAbSHx, non sum 
locutus, Z. 95. locutus sum nihil 181. 
Praet. 1 sg. von rnlViu, mit ne. 

nemosehu, nemoiechu, Heuostexoy» non 



poterant, Z. 81. Praet 3 pl. von mogu, 

mit ne. 
nenauidi, nenavidi, HeH4iBHAH, odit, Z. 5i. 

Praes. 3 sg. von nenaviziu, -d^ti. 
nene, nenie, N6Nie> Z. 4. Die Ste Pers. sg. 

von ne jesm', statt ne je, und dieses 

St. ne jest', mit dem epenth. n. 
ne^cinihom, neproöinichom, h6iipovhhh- 

xoM, proficimus, Z. 34<^3o. Praet. 1 pl. 

von proöiniu, -iti, mit ne. 
nepostigu, nepostigu, HenocTHrov, non 

comprehendant, Z. 71. Praes. 3pl. von 

postigu, postici, mit ne. 
nepriznahu, nepriznachu, NenpH^H4)coY, non 

confitebantur, Z. 89. Praet. 3 pl. von 

prtznaju, mit ne. 
neprodade ze, neprodade sie, HenpcA^A« 

cie, non vendit, Z. 8 — 4. Praet 3 sg. 

von prodaju sie. 
nerodi> nerodi, hspoah» noli, Z. 29. Imp. 

2 sg. von neroziu, -diti. 
nerozumeiu, nerozum^ju , Hepo^oYu-Bio, 

(non) intelligant, Z. 84. Praes. 3 pl. von 

rozum^ti mit ne. 
nese, neze, Hexe, sed^ Z. 6. 14. Conj. 
n e s e li, i^eieli, He»6AH, quam, Z. 92. 1 54. Conj. 
n A e r i, nieteri, HierepH, quidam » Z. 36. Nom. 

pl. m. von nieter, a, o, d. i. ieter mit 

dem prosth. n. 
netolico, netoliko, HeTOAHKo, non tantum, 

Z. 124. Adv. toliko mit ne. 
n e tr e b a, netr^ba, Herp-fts^, non opus, Z. 129. 

Adv. aus dem Sub. treba und ne. 
neue(ri), neväri, Hes-iipH, non credit, Z.93. 

Praes. 3 sg. von vdriu, -iti. 
neuerihu, nevirichu, NeBnpHxov» non cre- 

debant, Z. 77. Präet 3 pL von vSriu 

mit ne. 
n e u e s t i, nev^sti^ hcbiictn, nesci^ Z. 72« 

Praes. 8 sg* von vdm , v^dM. 

17* 



i99 



Denkmäler der böhmischen Sprache. EoangeJiam Jchannit. 



neuezit nevösi« NesticHy nescis, Z. 1 19. Praes« 

2 sg. von v^m. 

neuida« nevidia, n6bham» non videant» Z. 83« 
Praes. 3 pl. Yon viziu mil ne. 

neuiuregli se, nevyvr'gli sie« NesbiBpbrAH 
cte, non ejicerentur« Z. 90. Praet. parL 
act.« mit sie« als Pass. gebraucht« Ton 
vyvr'gu, vyvr'ci, mit ne. 

( n e } u m i i u« neumyju« Neoyubiio« non lavero« 
Z. 122. Praes. 1 sg. von umyti mit ne. 
Das Pergament ist an dieser Stelle durch- 
löchert. 

neumies i« neumyjesi« NeoYUbneiHH« non la- 
vabis« Z. 120—121. Praes. 2 sg. von 
umyju mit ne. 

nicakego« nikakego« MHK^Kero« nullum« 
Z. 127. Gen. sg. n. ron nikaky« a« e. 

nice« niöe« NHve« nihil« Z. 34. Mom. £e mit 
der Negation ni. 

nicego« niöego« HHvero« nihil« Z. 181. Gen. 
sg. von nice. 

nih« nich« hhx« his« Z. 36. eis Z. 75. Gen. 

pl. von on, mit dem prosth. n. 
nimi« nimi« hhuh« eis« Z. 76. 174. Soc. pl. 

von on« mit dem prosth. n, 
nine« nyn^« HbiH-B« nunc« Z. 56. modo 119. 

nunc 126. 128. modo 132. nunc 151. Adv. 
nmü, naSemu« Hdiueucv« nostro« Z. 79. Dat. 

sg. m. von nas« a« e. 
nogu« nogu« Horov« pedes, Z. 121. Gen. 

dual, von noga. 

n o z a s e« nosaSe« Hoc^uie« portabat« Z. 8. Praet, 

3 sg. von noSiu« nositi. 

noze« noz§« ho?*«« pedes« Z. 114. 118. Acc. 
dual, von noga. 

nuse« nuie« Noyxe« num« Z« 169. Gonj. 

O. 

o, o« o, de, Z. 6. 87. 176. 177. Praep. 

o b a c 0« obakof os^ko« tarnen« Z. 87. Adv. 



obiaznouah« objasnioTach« obmcmomx« ma- 
nifestavi« Z. 155. Prael. 1 sg. von ob- 
iasniuju« -ovati. Vgl. projasniuju in der 
Xön. Hof. Handschrift 4. 

obrata ze« obratia sie« obp^tu cie« con- 
vertantur« Z. 85. Praes. 3 pl. von obra- 
ciu sie« -titi sie« in pass« Bedeutung. 

oci« o£i« ovH« oculos« *Z. 82. Acc. dual, 
von oko. 

ocima« odima« ovHUd, oculis« Z. 84. 141. 
Suc. dual, von oko. 

o n« on« OH« ille« Z. 1 7 1 . Nom. sg. von Pron. pers. 
oni« oni« ohh« hü« Z. 184. Nom. pL von on. 
opdri« opiety« onierbi« iterum« Z. 61. 125. 

opeti 81. Adv. 
ostandr« ostanet'« ocTJHeTb« manet« Z. 48. 

Praes. undFuL 3 sg. von ostanu« ostatL 
ostauite« ostavite« oct4bht6« relinquatis« 

Z. 135. Praes. und FuL 2 pl. von osta- 

viu« -iti. 

ostauuiu« ostavuju« ocT^Bovio« relinquo« 

Z. 125. Praes. 1 sg. von ostavovati. 
ot« ot« DT« a« Z. 16. 39. ab 75. a 110. 111. 

130. Praep. 
otazal« otazal« orä^äji, interroget. Z. 129 — 

130. Praet. part act von otaziu« otazati. 
otce« olöe« oTve« pater« Z. 57. 59. 142. 152. 

Voc. sg. von otec. 

otcu« otcu« oTi|OY> patrem« Z. 103. 125. Dai^ 
sg. von otec. 

otec« otec« oreii« pater« Z. 56. 96. 100. 109. 

136. Nom. sg. 
otese« oUeie« oTiesKe« interrogavit« Z. 175 — 

176. Praes. 3 sg. von otieiu« -zati. 
otide« otide« oxHAtb abiit« Z. 75, Praet. 3. 

sg. von otidu« otiti. 

otuece« otvece« oTaege« respondit« Z. 44. 
63. 118. 122. 131. 177. Praet 3 sg. voa 
otvecaju« -ati. 



$. 18. fFortetrzeiehniu. 



18« 



oturedi> otvr'di, oTBpbAH« induravit, Z. 83. 
Ton otvr'zia« -diti. 

ozlauij oslavi^ oga^ibh, clarifica^ Z. 59 — 60. 
142. 151 — 1&2. Imp. 2 sg. you osla- 
viu, «iti. 2) clarificet 143 — 144. Praes. 
3 8g. Yon ebend. 

ozlai^i ze, oslavi sie« oca^bh cie» glorifice- 
tur» Z. 45. Praes. 3 sg. yod oslaviu sie, 
in pass. Bedeutung. 

ozlauibj oslavicb, ocAasHi^ darificavi, Z.61. 
149. Praet. 1 sg. Ton oslaviu. 

ozlauu, oslavu^ oca^iboyi clariiate, Z. 153. 
Soc. sg. Yon oslaYa. 

ozlauuj osIaYiUj ocajbio« clariiicabo, Z. 61 
und 62. Fut. 1 sg. Yon oslaYiti. 

o z 1 e« oslie, ocAie^ assellum (sic)> Z« 27 — 28. 
Acc. sg. Yon oslie. 

ozlepi, oslSpi, ocA-nnH, excoecaYit» Z. 82. 
Praet. 3 sg. Yon oslSpiu, -iti. 

ozlini« oslinij ocahnh, asinae, Z. 31. Loc. 
sg. n. Yon Adj. indef. oslinj a, o. 

P. 

padse« padSe« njAwe, cadens, Z. 47. Nom. 
sg. n. Yon dem GenindiYal-Adj. padäi, 
padSa, padSe. YgL Gramm. Formen. 
Dieses Wort wurde in beiden bisherigen 
Ausgaben des Fragments unrichtig padSi 
gedruckt; das e ist nach ungern Unter- 
suchungen mit der Loupe unzweifelhaft. 
In Dobrowskj^'s Abschrift stand ur- 
sprünglich e, wurde aber in i umcorrigirt 

päki, paky« ndKbi, rursum* Z. 43. AdY. 

palmini» palminy» n4AUHNu,palmarumj Z. 24. 
Acc. pl. f. Yon Adj. indef. palmin» a» o. * 

p apes» papei, n4n€)R«pontifex»Z.175.Nom. sg. 

p a p e s e m, papezem» njnexeu» pontifex, Z. 1 57 
— 158. Soc. sg. Yon papei. 

papesinu, papezinu, n^ne^Hnov» pontificis^ 
Z. 164. Acc. sg. f. Yon Adj. indef. pa- 
peiiUj a, o. 



papesu« papezu^ nanesscy« pontifici» Z. 163» 

167. Dau sg. Yon papei. 
p a r i s e i« Parisei« ndpHceH« Pharisaeü Z. 33. 
pariseiae» Pariseje» n^pHceie, Pharisaeos, 

Z. 89. Nom. pl. Yon Paris^j od. Parizejin. 
pasce^ pasce, ndcge« pascae« Z. 101. Gen. 

sg. Yon pasca (?)> od. das fremde Wort 

unYcrändert beibehalten ; Ygl. paska der 

ältesten cyr. Handschriften, 
pazniku« pasnicu« ndCHHgoY* linteum« Z. 112. 

115. Soc. sg. Yon pasnica. 
pe« pane» n4H6» domine> Z. 41.yoc.sg.Yonpan. 
penaz» peniaz« neNHs^, denariis» Z. 4. Gen. 

pl. Yon peniaz. 
petr, Petr, nerp, Petrus« Z. 117. 120. 124. 

162. 165. 174. Nom. sg. 
petr, Petr» nerp, Petrum» Z. 168. Acc. sg. 
petru> Petru, nerpoY« Petrum, Z. 117.Petro 

169. Dat. sg. Yon Petr. 
pilipp« Pibpp« HHAHnn, Pbilippufl> Z. 41—42. 

43. Nom. sg. 
pilippu« PilippUj nHAHnnoYj Philippum« Z. 39. 

DaL sg. Yon Pilipp. 
pizano» pisano» nHCdNo» scriptum« Z. 29. 

Part. Praet. pass. Yon pi$uu pisati. 
pldri« prti, HAbTH» carnis» Z. 145. Gen. sg. 

Yon plY. 
ploda« ploda« haoa^* fructum, Z. 49. Gen. 

sg. Yon plod« 
po« po« no« post» Z. 3o. Praep. 
poce, poöie, novie, coepi^ Z. 114. Praet. 3 

sg» Yon podnu« «-(ati. 
p o c e s ti, poÖesti« novecxH« honorificaYit (statt 

honorificabit)« Z. 55. Fut. 3 sg. Yon po* 

öeSÖiu> -stiti. 
poclonili ze« poklonili sie« noKAONHAH cie» 

adorarent« Z. 37. PraeL part act. YOn 

pokloniu sie« -iti sie. 
pocoi« pokoj» noKOH« pacen^ Z. 137. Acc^ 

sg. Yon pokoj. 



IS4 



Denkmäler der böhmischen Sprache, EkxtngeUum Jchannii. 



pogane, pogane« nordNe, gentiles> Z. 86, 
Nom. pl. Ton pogan oder poganin. 

pogreba^pogreba« norpeea^ sepuUuraej Z. 9. 
Gen. sg. von pogreb. 

popstij popsti« nonCTHj sacerdotum« Z. 17. 

Nom. pl. m. von Adj. indef. popsk, a« o. 
porecadla, porekadla^ nopeKaAAd^ prover- 

bium« Z. 127. Gen. sg. von porekadlo. 
potom« potom« norcuj deinde» Z, 113. 

120. Adv. 

pozduisenima, pozdvizen^ma^ no:;ABH»e- 
Hbiua, sublevaüs» Z. 141. Soc. pl. n. von 
Adj. def, pozdviieny« a^ e. 

pozelnica» poselnica» noceAMHMd» ancillas 

Z. 169. Nom. sg. 
pozljc posla« nocA4j mi$it^ Z« 96« Praet. 3 

sg. von poaliu, »ati» 

pozlaly poslaL uocr^\, misisti, Z. 148« Part. 

praeL aet. von po«lii]. 
pozlase^ poslaäCj nocAdwe, misisset, Z» 107. 

Praet 3 sg. von posliu. 
pozledneisi, poslSdn^M , nocA-kAH-aHuiH^ 

novisaime, Z. 94. Acc. sg. m. von SuperL 

poslidpejöi. 

p o z I u s i« posluÜ, nocAOYXH« ministravit, Z. 55. 

Praes. 3 sg. von posluiiu» -iti. 
pozna« pozna, no^4, cognovtt, Z. 12. Praet« 

3 sg. von poznaju, -ati. 
poznahu> poznachu^ noi^4xoY> cogitave- 

runt, Z. 16. Praet. 3 pl. von poznaju« 
poznali, poznali, no:;NdAH, eognoscant, 

Z. 147. Part, praet. aet. von poznaju. 
praüuj praviu, npdeio« dico> Z. 46. Praes. 

1 sg. von praviti. 
prcd, pr^d, np^A» coram, Z, 76. Praep. 
preda« pr^da« np-ttAd» perdet» Z. 50. FuL 

3 sg. von pr^dam, -ati. 
p r e d a d e « prödade » np^AdAe , Iraditunis» 

Z. 2 — 3. Praet 3 sg. von prSdam. 



predal, pr^dal» np-HAd/v« traderet, Z. 107 

Part, praet. aet von pr^dam. 
prede^ pr^de, np^Ae, ante, Z. 101. Praep. 
prepaza zae, pr^pasa sie« np^nacd cm, 

precinxit se^ Z. 112^113, Praet 3 8g. 

von pr$pa$iu sie, -ati sie. 
prepaza n, pr^pasan, np^ndCdN, praecinctaSi 

Z. 116. Part praet pass. von pr^pasati. 
presel, preSel, np-aiaeA, transeaf, Z. 103. 

Part praet aet von pr^idu^ -iti. 
preue, pr^ve, npbse, prius, Z. 153 — 154. 

primum, 156. Adv« 
pride, pride, npHAe, venerat, Z. 21* venit 

22^28. 44. 60. 102. 116.182. 142. Praes. 

und Praet 3 sg. von pri*du, priti, statt 

priidu, priiti. 
p r i d e h, pridech, npHAex, veni, Z. 59. Praet 

1 sg. von pridu. 
pridehu, pridechu, npHAexoy, venerum, 

Z. 13. Praet 3 pl. von pridu. 
prineze, prinese, npHHece , affert, Z. 49* 

Praes. 3 sg. von prinesu, prinesti. 
(p)ristoiaceh, pristojac^ch, npHcro wq-sx, 

(as)8istens, Z. 186. Gen. pl. von Gerun- 
• dival-Adj. pristojaci. 
pris tupihu , pristupiehu, npHcroynHxoYi 

accessenint, Z. 38. Praet 3 pl. von pristu- 

piu, -iti. 
priuedehu, privedecbu, npHBeAexoy, addu- 

xerunt, Z. 156. Praet 8 pl. von pri- 

vedu, -esti. 
pro, pro, npo, propter, Z.89. pro 160. Praep. 
procese, proöe-ze, npove-xe, propterea, 

Z. 80. Adv. 
pron, pro-A, npo-Hb, propter illum, Z. 18. 

Praep. pro mit dem Acc. des pers.Pron. 

n-i st i, in pro-A abgekürzt 
prorocoua, prorokova , npopoKOBd , pro« 

phetae, Z. 78. Gen. sg. m. von Adj. in- 
def. prorokov, a, o. 



S« 18. ff^oriMTzeichuts. 



18» 



prosihu» prosichii» npocHxoy* rogabant* 
Z. 40. Prael. 3 pl. von proSin, -iti« 

proto« proto« nporo, propterea» Z.58. Adr. 

pudti, pusti, noYCTH, misitj Z. 113. Praes. 
3 sg. von pu$öiu> pustiti, 

R« 

rame« ramie« p4uie« bracbium« Z. 19 — 80. 
Nom. sg. 

reca« reka> peK4« dicens* Z. 44. Praes. ge« 
rund. Yon reku. 

recej rece» peve« dicit» Z. 43. 117. 119. 120. 
123. 1 68. 17 1. Praes. 3 sg. von reku» reci. 

rece« reöe« peve« dkit« Z. &• 8. 68. 78. 82. 
86. 93. 100. 142. 167. dixisset ISo. PraeL 
3 sg. Yon reku* 

rechj r^ö« p^v, sermo, Z. 77. Monu sg. 

re Costa, rekosta» p€koct4^ dicunt, (Text, 
ed. dixerunt) Z. 43. Praet 3 dual. m. 
von reku* 

recu, reku« psKov, dicunt, Z. 126. Praes. 
3 pL von rekuj reci. 

r ^ c u, reku« peKoy« dicam« Z. &7, Fut« 1 sg. 
von recL 

r(e}cuce« rekuce» peKoviie, dicentes, Z. 40. 
Praes. Gerund, p]. von reku. Das e 
fehlt, weil das Perg. durchlöchert ist. 
rehu« r£chu> pnxoY, dixerunt, Z. 33. Praet 
3 pl. von r^ju, rj^ti. Hr. fFcsUkcw hält 
die Formen r§ch« jach für Zusammen- 
ziehungen ausr§koch» jadoch. Uns scheint 
es wenigstens bei r$ch füglicher« mit 
Rücksicht auf das folg. rejech und das 
griech. qm, ein verschollenes r^ju an- 
zunehmen. 

reich« rßjech, p-»i6x« dixerim« Z. 184. Praet. 
1 sg. von reju, r^d. Es ist das Praet. 
act. continuatae, st r^jach, worüber vgl. 
die Gramm. Formen. 

rizi« rizy« f)H:;bi« vestimentai Z. 111. Acc. 
)1. von riza. 



rozprenete ze« rozpr*nete sie» potnpbHere 
cie, dispergamini« Z. 133« Praes. 2 pl.« 
statt rozpr'chnete sie. Im altböhmischen 
Dialekt hat die Elision der Gons. bei 
YerbalstSmmen einen grossem Spiel- 
raum als im Altslawischen« wo nur d 
und t vor n ausgestossen werden« .z. B. 
uvenu st uv^dnu« svdnu stsvStnu u«s.w.« 
während im Altböhmischen die Formen 
gresti st grebsti« skusti st skubsti« trnu 
oder vyirnu st. irgnu« vytrgnu u. a. m. 
nicht selten sind. Vgl. vypmusie« Star. 
SklAd. V. 187« vytme sie« Psalt d.Mus.« 
hresti (sepelire) Mat. Verb. u. s. w. 

ruce« med« pOYir«i» manus« Z. 109« Acc. dual. 



scariothis« Skariothis« ck4photnc« Scario- 
this« Z. 2. Nom. sg. 

schariotis« Schariotis« cx^phothc« Schario- 
^this« Z. 108. Nom. sg. Das m am Ende 
des Wortes ist zwar nicht sichtbar ; in- 
dess ist das Pergament an dieser Stelle 
sehr beschädigt« und die Lesart: scha- 
riotis verdient mit Rücksicht auf Z. 2 
den Vorzug. 

se (zcri se)« sie« cie. Z. 75. Pron. rec. bei 
den Verb, recipr. 

se« ie« «e« als Coiy. in bese se« autem«158. 
174*dau se62.I&s se992.kegdi se 75 
— 76. mene se« autem 11* milo(ua)hu 
se« ergo 90 — 91. nazaiutre se« autem 
20. papes se« ergo 175.petrse« autem 
165.poznase« ergo 12. poznahu se« 
autem 16. pride se« 60. ergo 116. 
procese« 80. rece se« autem 5. ergo 
8. 68. 168. stahu se« autem 171. ucen- 
nic se« 162 — 163. uece se« ergo 1. 
uinide se« ergo 166. uzuezi se« scies 
autem 120. ze se 146. 185. zi s e 38. ale- 
doua se^ aut 161. 2) als rel. Partikel in 



IM 



Denkmäler der böhnuichen Sprache. Evangelium JokannU. 



iegose 148. ieise 15. iense* qui« quae 

2. 21. (quac) 26. 39. 62. 96. 157. 158. 

159. 166. lese« quae« 184. üse» qui 

104. ise, qui 37. 183. inse» quem 78. 

quam 153. iuse» quo, 115. 3) als emphat. 

Par-tikel mit Adverb, und Conj. in do- 

#iedse 69. donudse 72. iacose> 

quia, 7. sicut 28. 100. 144. idese 180. 

ielise, quia 18. iese, quia, ut 8, 13. 

64. 94. 98. 99. 109. 110. 128. 130. 133. 

(ut) 135. 139. 145. 150. 159. 173. 

iuse, iam 106. nese, sed 6. 14, ne- 

seli 92. 154. nuse, num 169. use, 

iam 133. 
Simon, Simon, chuoh, Simon, Z. 1 61.Nom. sg. 
s imonou, Simonov, chuohob, Simonis, Z.108. 

Nöm. sg. m. von Adj. indef. Simonov, a, o. 
sinagogi, synagogy, cMH^irorbi, sinagoga, 

Z. 90. Gen. sg. von synagoga. 

sion, Sion, choh, Sion, Z. 30. Nom. sg. 
sitno, iitno, »htho, frumenti, Z. 46 — 47. 

Mom. sg. n. von Adj. indef. ziten, tna, tno. 

siuot, zivot, 3KHBOT, vita, Z. 99. 147. vitam 

, 52. 146. Nom. und Acc. sg. 

st a, sta, cTd, trecentis, Z. 4* Acc. pl. vonsto. 

st ahn, stachu, CT4IK0V, stabant, Z. 171. Praet 

3 pl. , zusammengezogen statt stojachu, 

von stoju, stojati, zusammengezogen stati 

(wie oben bati sie)* 

stase, sta^e, cTüuie, stabat, Z. 62. 165. Praet 
3 sg. von stoju, stati (st. stojati). 

stoia, stoja, ctom, stans, Z. 174. Praes. 
Gerund. m. von stoju, stati. 

s tr e s e, streze, crpexe, custodity Z. 52. Praes. 
3 sg. von stregu, streci. 

symon, Symon, cmmoh, Symon, Z. 124« 
Nom« sg. 

symonu, Symonu, cmuonoy« Symonem, 
Z. 116. Dat. sg. von Symon. 



ynagoze, synagoze, cbiNjror** ^yi^agoga, 

Z. 179. Loc. sg. von synagoga. 

T. 
a,ta,T4, hoc, Z. 3. Nom. 8g.f.vonPron.dem, 

ten, ta, to. 
aca, taka, t4K4, tanta, Z. 76. Acc. pl. n. 

von Pron. dem. tak, a, o. 
aco, tako, t^iko, sie, Z. 100. Adv. 
e, tie, Tie, te, Z. 129. 144. 147. Acc. sg. 

von Pron. ty. 
c a, tie, Ti€, te, Z. 149. Acc. sg. von Pron. ty. 
e b e, tebe, rea«, te, Z. 1 54. Acc. von Prom.ty. 
eh, tech, r^x, eos, Z. 182. Gen. pl. von 

Pron. dem. ten. 
ei, tej, T6H, hac, Z. 58. Gen. sg. f. von 

Pron. dem. ta. 
emi, tmy, rbUM, tenebrae, Z. 70. Nom. pL 

von tnia. 
esesi, tiezesi, TiexeuiH, interrogas, Z. 182. 

Praes. 2 sg. von tieziu, -zati. 
esi zea, tiezisie, Tie]RHcie,interrogaj Z. 182. 

Imp. 2 sg. von tieiiu sie. 
est, test', recTb, socer, Z. 157. Nom. sg. 
i, ty, Tbl, tu, Z. 65. 117. 119. 152. HO. 

Nom. von Pron. 2 pers. 
mab, tmach, tuax, tenebris, Z. 71—72. 

Loc. pl. von tma. 
o, in Zusammensetzungen s. proto, cto 

u. 8. w. 
obe, tob£, TOB-tt, tibi, Z. 129. DaL sg. von 

Pron. ty. 
ogo, togo, Toro, illius, Z. 158. Gen. sg.n. 

von Pron. dem. to. 
oli, toll, TOAH, tantum, Z. 14. 4dv. 
olico, toliko, TOAHKo, tantum, Z. 124. AdT. 
ri, tri, rpH, trc- (in tre-^centis), Z.4. Num. 
u, tu,TOY* hanc« Z. 59. Acc. sg.von Pron. ta. 
u, tu, Toy, illic, Z. 13. Adv. 
uoi, tvoj, TBOH, tuu8, Z. 30. 143. Nom. ^%* 

von Pron. poss, tvoj, a« e. 



$. 18. Wattunsidmi»»» 



\ti 



tuoiejtvojc^ TBoi6> tuum» 2^ l&o< Acc. äg* n« 

von Pron. poss. tvoje« 
tut» tut', ToyTs ilUc, Z. 54« Adv* 

IT. 
u, u« OY« apud« Z. i&2. 154. ad 16&. 172. 

Praep. 
ucah, uöah, oyv4x» docui, Z. 119. Praet. 1 

sg. Ton uöiu, -ili» 
uceni« uöeui, oyveMH» doctrjna, Z» 177«Loc. 

sg. yon u/5eiiie» 
ucennic« uöeimik« oyv^hhhk^ discipulus Z. 

162. 163« 166.« uceanic« ucenic^disci- 

puUs» 1* 170. NooQLi 8g. und Gen. pl. 

Ton uöennilu 
uceniceb» uöenicich» oyveHHii-feXj discipulis» 

Z« 176. Loc. pl. von uöenik. 
ucenicüutenici^oYv^NHiiHjdiscipttli« Z. 126w 

Nom. pl. Ton uöenik. 
ucenniconu uöeanikoBou oyveMHHKOu, dilci» 

pulorum« Z. 114 — 11&« DaL pL v. uöenik. 
u eine na« uöiniena« oyvHHiBHd) facta« Z. 10& 

Part, praet» paas. tqh uöiniu^ -ili. 
ugl^' uglie« oyrAiej prunas^ Z. 172. Gen. 

8g. von uglie« st. uglia« mit Verwandlung 
'de8 ia in ie, worüber 8. die Gramm, 
umiuadlo» umyvadlq« oyMUBAAAo« peWim» 

Z. U3— 114« Acc. 8g. 
um r eleu umrelo« oyui^eAo« mortuum» Z. 47. 

48 — 49. ParL praet. acL von umru«-§ti. 
umrdfi, umr^ti« oyupr^TH« moriturui^ Z. 63. 

mori 160. Inf. von umru. 
use^ uze« oyxe« jam« Z. 133. Adv. 
uüedej uvede« oyseAS« introduxit« Z. 1£& 

Praet \ sg. von uvedu« »esli« nach der 

spätem böhm. Aussprache» mit Ver' 

Wandlung des v vor v in ii; altsL we« 

du« vvesti. VgL auch uuede unter W« 
u u e r i» uveri« oys-ftpH» credidi^ Z. 79* Praet. 

3 sg» von uveritt« -iti. 



u« V« B» in» Z. 9. 20. 26 (acc). 37. 47. 51. 

62. 59. 65. 69. 73. 94. 104. 107. 109. 

113. 121. 130. 134. 138. 14L 164. 179. 

180. 181. Praep. 
uace» vace oder viace» e^e od. mims« ma- 

gis» Z. 91. Adv. 
uam« vam» sdu» vobis, Z. 46. 187. Dat pl. 

von ty. 
uaz» vas» b4c» vobis« Z. 69* voa. 70^ Gen. 

und Loc. pl. von ly. 
ue« ve» se« in Z. 71 udrmah» d^i« vetmach» 

93. 137. Praep. Z. 137 steht m den bei- 
den Aufigaben (1829« 1833) u mne statt 

ue mne». unrichtig, 
uecen» veöen» s^vveH» aetemam« Z.62. Acc. 

sg. von Adj. indef. veöen« -öna» «öno. 
uecera, veöeria« B«vep»^ coena« Z^ 106. 

Nom. sg. 

uecere^veöerie» Bevepie» coena« Z.111. Gen. 

sg. von veierk. 
uece« vece» sege» dixil^ Z. 1. Praet. 3 sg. 

von vecaju^ -cati. 
u e c h e n, veöen« b-bvch^ aetema«. Z. 99. aeter- 

nam 146. aetema 147. Mom. und Acc. 

sg. von Adj. indef» veöen. 
ueda« vedia« b^ah« sciunt« Z. 184. Praes. 

3 pl. von vom', vödöti. 
ueda« veda, b-bju» sciens« Z.101. 108. Praes.. 

Gerund. m. von v6m\ 
ue d e« vide» b^a-b« scio» Z. 98. Praet. 3 sg. von 

väm'» ab Praes. 1 sg. gebraucht. Vgl. 

Gramm« Formen« 
neki» v<^ky» »bkm« aetemnm» Z.65. 121»Acc. 

pl. von v^k« 
uelct velej ^as» mukum« Z. 49. Adv« 
uemi» v^my» B^ubi« scimtts« Z. 128. IVaes. 

1 pL VQB v£m\ 
uen» ven\ B6Hb» in eum« Z. 77. 88. Zosam- 

mengesetzt aus ve nndfl« st«ni»VgLproil. 

18 



138 



Denkmäler der böhmuchin ^>rache, MhangeUum JohamUt 



ueri, y^rij B-fepH, credit, Z. 93. Praes. 3. sg. 

▼on v^riu, -iti. 
uerihu> vßrichu« biiphxoy» credebant, Z. 19. 

crediderunt 88. Praet 3 pl. yoü Y^riu. 
uerimi, yerirny^ bhphum, credimus, Z. 130. 

Praes. 1 pl. von v^riu. 
uerite> värite, a-ttpHre, crediüs, Z. 132. 

Praes. 3 pl. von v^riu. 
uerite« verite, a-^pHre, credite, Z. 73. Imp. 

2 pl. von veriu. 
ueriti, v^rili« a-ttpHTH, credere, Z. 81. Inf. 

von veriu. 
uerna« vSrna, b-«ph4, verum» Z. 148. Acc. 

sg. m. von Adj. indef. v^ren, -rna« •rno. 
ueru« veru> b-»poy« amen, Z. 45. 46. ueru, 

vöru, verum, Z. 87. Adv. 
uez, ves', aecb, totus, Z. 3&. Mom. sg. m. 

von Num. ves*, vsia, vse. 
uezi, v^si, b-vch, scis, Z. 128. Praes. *2 sg. 

von v^m\ 
aide, vid§, bha-»* vidit, Z« 86. Praet 3 sg. 

von viziu, vidSd. 
uide, vyide, BbiHAe, exivit, Z. 110. Praet 3 

sg. von vyidu, -iti« 
uideli, vid^li, bha-«ah, viderunt, Z. 1&, Part. 

praet. act. von viziu. 
uideti, vid£ti, bha-^th, videre, Z. 41. Inf. 

von viziu. 
uidite, vidite, bhahtg, videtis, Z. 34. Praes. 

2 pl. von viziu. 
uimete, vymiete, Bbiuiere, expedit, Z. 159 

— 160. Praes. 3 sg. von vymietu, -iesti. 
uinide, vynide, buhha«, exivit, Z. 166. 

Praet. 3 sg. von vynidn st. vyidu, mit 

dem epenth. n. 
uisel, vySel, BbiiueA, existi, Z. 131. Part. 

praet. act von vyidu. 
uiterati, vytierati, Bbiriep^TH, extergere, 

Z. 115. Inf.vonvytieraju. Ueber ie st. is. 

Wortverzeichniss zuLib. Saudu. naricaje. 



uladu, vladu, ba4aov, potettatem, Z. 144. 

Acc. sg. von vlada. 
une, vn^, bw^ foris, Z. 165. Adv. 
unide, vnide, bnha6« introivit Z. 163^164. 

Praet. 3 sg. von vnidu, «iti« 
uodi, vody, boam» aquam, Z. 113. Gen. sg« 

von voda. 
uolahu; volachu, boa^xoy, clamabant, Z.2S. 

Praet. 3 pl. von volaju, -ati. 
uolase, volare, aoA^iuie, clamavit. Z. 92. 

Praet. 3 sg. von volaju. 
use, vsie, acte, omnia, Z. 109. 128. Acc.pl. 

n. von ves'y vsia, vse> statt vsia. 
u s e g d a, vsegda, BcerA4, seraper, Z« 1 1 . Adv. , 

zgs. mit ne. 
u s e g d i, vsegdy. Beer am, semper, Z. 1 79« Adv. 
usi, vsi, BGH, omnes, Z. 180. Nom. pL m« 

von ves'. 
usta, vsta, bctj, surgit, Z. 111« Praet 3sg. 

von vstanu, vstati. 
ustrdr, vstr^t, bctp^t, obviam, Z. 25. Adt.« 

zgs. aus Praep. v und Subst. m. strit 

(occursus). 
ustupihu, vstupichu, BCToynHxoy« ascende* 

runt, Z. 37. Praet. 3pl. von vstupiu, -iti. 
uuede, wede, BseAe« (oder uvede, oxBeA^)* 

introduxit, Z. 168. Praet. 3 sg. wedu, 

westi. (Nach der spätem böhmischea 

Aussprache, mit Verwandlung des v ^^ 

u vor V; uvedu, uvesti.) 
uzcrezi, vskrösi, bckp^ch, suscitanlf Z. 1^' 

Praet. 3 sg. von vskr^&iu, »iti. 
uze, vse, ace, omne, Z. 145. Acc ^g* ^' 

von ves*, vsia, vse. 
uze, vzie, B^t^, accepisset, Z. 112. Praet 

sg. von vzimu, vzieti. 
uzmleuu, vzmPvin, BxuAhBw, loquar« Z. "<'' 

Fut. 1 sg. von vzml'vitL 
uzrecu, vzreku, B^peKov* dicam# Z. " * 

Fut 1 sg. von vzreci. 



j 



§.18/ WwixttmiicknüiM 



i8» 



uxuezi« vzTisi« B^r»CH^-8cie8» Z* 120. Fat 

2 8g. von YZT^m', ▼zv^d^ti. 
usui8iti, yzyysiti, B^BbiiiiHTH, exaltare« Z* 66. 

Inf. von vzTySiu. Man könnte anch> näher 

der altslawischen Aussprache, yzvysiti 

lesen. 

X. 
zpa, Christa» xpHCTdi« Christum« Z. 149. Gen. 

sg. von Christus, als Acc. gebraucht. 
xps, Christus, xpHcrovc , Christus, Z. 64. 

Nom. sg. 



z, 8, c, cum, Z. 11. de 60. cum 164. n4.Praep. 

za» za, ^d, Z. 4. Praep. 

zabili, zabili, ^46HAHy interficerent, Z. 18. 

Part, praet. act. von zabiju, -iti. 
zacona, zakona, i^dKONd, lege, Z. 64. Gen. 

sg. von zakon. 
zae, sie, cie, se, Z. 112 — 113. Fron, rec, 

bei Verb, recipr. 
z aiutr e, zajutrie, ^diorpie, crastinum, Z. 20. 

Acc. n. von zajutrie, hier mit na als 

Adv. gebraucht, 
zam, sam, €<iu^ ipse, Z. 96. solus 135. Nom. 

sg. m. von Fron, determ. sam, a, o. 
zama, sama, cju4, solum« Z. 134.ipsum 152. 

Gen. sg. von sam, als Acc. gebraucht, 
zamego, samego, cduero, solum, Z. 148. 

Gen. sg. von samy statt sam, als Acc. 

gebraucht, 
zamo, samo, cduo, solum, Z. 48. Nom. sg. 

n. von sam« a, o. 
zapoued, 'zapovöd', i^^inoB-toAb, mandatum, 

Z. 96 — 97, 98. Nom. und Acc. sg. 
zcri se, skry sie, cKpbi cie, abscondit se, 

Z. 75. Praet. 3 sg. von skryju sie, skrytisie. 
zcriti, skryty, cKpbiTbi, occulto, Z. 181. Acc. 

pl. m. von Adj. indef. skryt, a, o, hier 

mit der Praep. v als Adv. gebraucht; 

vgl. V viky. 



ze, se, c€, hoc 5. 32. 130. ipsum, 48. Nom. 
und Acc. n. von Fron, sien, sia, se, 2) 
sie, cie, ea, Z. 7. haec 74. 85. 136. 140. 
Acc. pl. n. von dems. 

ze und ze, sie, cie^ Fron, rcpr., bei Verbis 
rcpr., als ba^i ze, Z. 29. naplenila 
ze 78. neprodade ze 4. neuiuregli 
ze 90. obrata ze 85. ozlaui ze 45. 
ze poclonili Z. 37. rozprenete ze 
133. zgreuaia ze 175. zhazabu z^ 
180 — 181. 

ze, se, ce, cum, Z. 123. 136. Praep. s mit 
dem euphon. t, 

zea, sie, cie> Fron. rcpr. bei Verb, rcpr., 
als: zlase zea Z. 8. zgreuahu zea 
173. tesi zea 182. 

zebe, sehe, cece, temet, Z. 152. Gen. sg. 
von Fron. sie. 

z eb e z i, sebe-si, cese ch, me ipso, Z. 95. Gen. 
sg. von Fron, sie, mit dem Suffix si. 

zeda, sieda, cma^, sedens, Z. 30. Praes. Ger. 
m. von siedu, siesti. 

z e de, siede, cieAe, sedit, Z. 28. PraeL 3 sg. 
von siedu. 

zego» sego, cero, haec Z« 31. hoc 103. istius 
170. Gen. sg. m. und n. von Fron. dem. 
sien, sia, se. 

zem, sem, ceu, hoc, Z. 51. Loc. sg. m. von 
s' oder sien. 

zemi, zemi, ^euH, terram, Z. 150. Loc. sg. 

von zemia. 
zemu, zemiu, i^euio, terram, Z. 47. Acc. sg. 

von zemia. 
zen, seü, c^Hb, atrium, Z. 164. Acc. sg. 

von s^A. 

ze, se, ce, haec, Z. 146. Nom. sg. n. von 
sien, sia, se. 2) haec 185. Acc. pl. n. von 
sien, sia, A. Wenn der Dolmeueh 
buchstäblich dolmetschte, so wSre Z. 146 

18* 



i40 



Denkmäler der bShmüehen Spru^e^ ßfongelüim Johannis. 



ze = 81«, und dieses (9r sia, f. ; aber -die 

böhm. Gonstructioti fordert se, d. 
zeueno« zieyeno, ^^leneiio« reTelatuiii> Z. 80. 

Part praet. pass. n. Ton zieviu» •iti. 
Egoiu, zgoju« s^roio, sanem« Z* 8o* Praes. X 

sg. von zgojiti. 
zgreuahu zea, agrövacliu sie, crp-BB^xoY 

€:ie, calefaciebant se« Z, 173, Praet. 3 pl. 

Toa ßgrevaju sie« «ati sie. 
zgreuaia ze* sgrSvaja sie« crp-tts«!« ci€« 

calefaciens se« Z. 175. Praes. Gerund. 

m. von sgriyaja sie. 
zbazahu ze« schazachu sie^ cKdZ4KO\ cie, 

conveniuntj Z. 180 — 181. PraeL 3 pL 

von schazaju aie, -ati sie. 
zhoua« schoya« cxotj« servet» Z. 10. Praes. 

3 sg. TOB schoTajut -ati. 
zi« si« CH« iste« Z. 67. Nom. sg. m. Ton Pron. 

dem. si« sia« se. 

zi in zebezi« lies si« ch« Z. 95. Snffix, wor- 
über 8. Gramm. Formen. 

zim« in zobezim« lies sim« chu« Z. 33 — 34. 

Suffix« wie ob. 
zima« zima« x^ua, firigus« Z. 173. Nom. sg. 

sin« syn« cmh, filius« Z. 45. 67. 143. filimn 
66. 143. Nom. und Ace. sg. von syn. 

zini« syni« cbiHH« filii« Z. 73 — 74. Nom. pl. 
von svn. 

zi« si« CH« hi« Z. 38. Nom. pL m. von Pron. 
dem. si. 

z 1 a s e ze a« slase sie« cAduie cie« mittebantur. 

Z. 8. Praeu i s^, von iliu sie« slati sie» 

in pass. Bedeutung, 
zlaue» slaven« ca486h« festo« Z. 38.Acc.sg. 

m. von Adj. indef. slaven« vna« vno. 

zlaunem« alavnem« cAJSHeu« festum« Z. 101, 
Soc. sg. m. von slaven. 

z 1 a u nn« slavmi« ca^ehoy« festum« Z. 22* DaL 
sg. m. von slaven. 



alauu« slavu, ca^boy« gloriaro« Z« 86. 91.92« 

Acc. sg. von slava. 
z I e d o n a « sledova « cisr^xomA « sequebatar, 

Z. 161. Praeu 3 sg. von sl^duju« »ovati. 
zledui« slßduj« ca-»aoyh« sequatur« Z. 53. 

Imp. 2 sg. von sleduju. 
z 1 i s a h o m« slyiachom« cAbiiutf xou« audivimus, 

Z. 64. Praet. 1 pl. von slyiiu« -ati. 
z 1 i s a h u « slyiachtt « camii jxoy » audissent, 

Z. 32« audierunt 32. 183. Praet. 3 pl. 

von sly^iu. 
zlodei« zlod^j« ^aoa-bh« für« Z. 7. Nom. sg. 
zlng« slug« CAOYT« ministrorum» Z. 186. Gen. 

pU von sluga. 
zluga« sluga« CAcvr^« minister« Z. 54. Nom.sg. 
zlugi« slugy, cAOYrbi, mmistri« Z. 172. Nom. 

pl. von sluga. 
zluhu« sluchu« €AOYxoY# auditai« Z. 79. Dat 

sg. von sluch. 
zlusase« sluSaSe« cABuiJuie« perdnebat« Z.6. 

Praet. 3 sg. von sluSiu^ sluiati. 
zlusi« sluii« cAOYaui« ministrat« Z. 53. Praes. 

3 sg. von sluiiu« -iti. 

zmncena« smucena« cuoYMeHd« turbata« Z. ST 
Part praet. pass. f. von smuciu« -titi. 

znam« znam« i^ndu« notus, Z. 163. 167. Part, 
praes. pass.« st. znajem« von znaju« znati. 

zname« znamle« i^nauie« signum« Z. 33. Acc- 

sg. von znamie. 
zname na« znamenia, ^HdueN»« signa« Z. 76. 

Acc. pl. von znamenie. 

zobezim« sobesim« coe-6chm « semetipsos, 
Z. 33 — 34. Dat. pl. von sie« mit dem 
SufGx si. S. Gramm. Formen. 

zobu« sobu« coBoy« vobis« Z. 11. Soc. sg. 
von sie. 

zpaza« spasa, cnjc4« osanna» Z. 25. Nom.sg. 

zpazi, spasi, cadCH« salvifica« Z.S7 — 58. Imp. 
2 sg. von spasu« spasti. 



$. 19. 

sredce, sr'dce» cpbAiie, cor« Z»83.107.Acg. 
8g. von sr'dce. 

zredcem, sr^dcem^ cpbAneu, corde^ Z. 84. 
Soc. sg. von sr'dce. 

zreno, zr'no, :;pbHo^ granum, Z. 46. Nom. sg. 

zu^> svet» CB-HT« consilium, Z. 159. Acc. sg. 
von svet. 

zudr, svdt, CB-UT, mundum, Z. 125. mundus 
1 54. Nom. und Acc. sg. von sv^L 

zudra, sveta, cb-bt^^ lumeuj Z. 69. Gen. sg. 
von svet 

zudra« sveta, ca-feTd« mundo« Z. 103. Gen« 
von svet. 

zutfre> svete» CB-nr-^, mundo» Z. 52. 104. 138. 

Loc. sg. von svet. 
zuAla, sv^tla, cmrAd» lucis« Z. 74. Gen. 

sg. von svetlo. 



141 

zn^^lc, 8vMq» cmVAo« fucMi» Z« 70. 73 (zwei- 
mal). Acc. 0g. von ftvMo. 

zudrUj svetvu cb^toy« mundum, Z.140. mmi- 
do 1 78. Dat. sg. von sviu 

zuditi« suditi» coyahth» judicabit« Z. 94. 
Infi von suziu. 

zuitezihj svitiezich* csHTiej^Hx« vici» Z. 140. 
Praet. 1 sg. von svitieiiu. 

zuoi, svoj« CB0H5 tuum« Z. 143« Aec. sg. m. 
von Pron. poss; svoj« 1^ e. 

zuoia» svoja« cboki« 8ua> Z. 112. propria 
134: Acc. pl. f. und n. von svoj« 

zuoie« svoje^ cboib« tnum» Z. 60. Aoc* sg. 
n. von svoj , a» e. 2) zuoie« svoje, 
Z. 51. Gen. 9g* f. von dems. 3) zuoi^ 
svoje, suoSj Z. 104. Acc. pL nu vondems. 

zuoiu, 8voja> C8010, suanift Z. 50« Acc. sg. 
£ von svoj» a* e. 



§. 19. Orthographie. 

m 

Bei der Erläuterung der Orthographie des zweiten Fragments« nSmlich des Evan- 
geliums« können wir uns um so kurzer fassen, als dieselbe in den wesentlichen Punkten 
mit jener des Fragments von LibuSa's Gericht übereinstimmt. Mit Uebergehung aller 
jener Buchstaben, welche im lateinischen Alphabet und bei unserem Schreiber genau 
denselben Laut bezeichnen , wenden wir uns gleich zur Betrachtung jener Fälle , wo die 
Natur der böhmischen Laute eine besondere Bezeichnung erforderte. 

Für das böhm. c, cyr. \\, verwendete der Schreiber ohne Ausnahme das lat. c: 
uece 1. vece, recuce 1. rekuce, zmncena 1. smucena, zredcem 1. sr'dcem u. s. w. 

Dasselbe c dient ihm in der Regel auch zur Bezeichnung des böhm. d, cyr. y\ 
ucenic 1. uöenik, ce 1. de, cemu I. öemu, rece 1. rede u. s. w. Doch gebraucht er dabei 
sechsmal die Combination ch : chaesti 1. öiesti, chloueca 1. dlov^ka , chlouech 1. dlovi^d, 
chlouechu 1. ölov^öu, chlouecu 1. dlov^ku, chlo(uecom, Z. 155) 1. ölovekom. Dieses ch 
flttr 5 erscheint bereits sehr frühe, namentlich im XI und XII Jahrb., jedoch ebenfalls nur 
ausnahmsweise beim Schreiben böhmischer Namen in lateinischen Urkunden undAnnalen. 

Das böhm. e; cyr. •«, wird von dem gewöhnlichen nicht unterschieden, und wie 
dieses mit e bezeichnet: bese 1. beSe, zlodei 1. zlodSj, tiideli 1. vid^li, chlouech i. 
ölovW u. s. w. 

Das böhm. ch, cyr. x, wird durch das einfache lat. h ausgedrückt : hndim 1. chudym, 
zhoua 1. schova, hodahu 1. chodiachu, iahu 1. jachu, zlisahu I. sly^^achu u. s. w. 



I4S Denkmäler der böhmisAen Sprmdu, EßangeUam Jchmmit. 

Das mit den nuchfolgenden Vocalen zusammenfliessende und die Torhergfehenden 
Labialen und Dentalen erweichende j wird eben so mangelhaft und folgewidrig, wie in 
dem ersten Fragment, bald durch i bezeichnet» bald wieder ganz uobeachlet gelassen; 
z. B. ieden L jeden, iego L jego, iei 1. jej, ien se 1. jen-ie, iaco L jako, iim 1. jim, iemu 
L jemu, zlodei L zlod^j, imaia 1. imaja« ieie I. jeje» moiego 1. mojego, iu (eam) L ja, iuse 
L juze (jam), iest L jest\ ieise 1. jej-ze, ieli se 1. jeli-ze ; dahingegen cinenu 1. öinienia, 
ueinena 1. udiniena, lubi L liubi, miesi, nmiesi (aeben neumiiu) 1. myjesi, umyjesi, use L 
uie (neben juze), im (neben iim), uide L vyide, nene 1. nenie, zeueno I. zieyeno, onem 
I. o niem, dauene 1. davenie u. s. w. 

Das k wird auf dieselbe Weise, wie in dem ersten Fragment, zweifach bezeich- 
net : a) durch c : ucenic 1. uöenik, iaco 1. jako, cnaezi 1. kniezi, uzcrezi I. vskresi, cral 
L kral, c 1. k (ad), poclonili 1. poklonili, cto 1. kto, cda 1. kda, caco 1. kako u. s, w.; 
b) durch k, vor den Vocalen e und i : paki 1. paky, ueki 1. yeky, ke, kegdi 1. kegdy, nicakego L 
nikakego, kiido L kyzdo, meski 1. mesky, und bloss einmal Z. 151 inderPraep. k cinenu 
1. k öinieniu, die sonst mit c bezeichnet wird : c symonu L k Symonu, c aiine 1. k Anne, 
c otcu 1. k otcu u. s. w. 

Für das böhm. s, cyr. c, wird abwechselnd z und s gesetzt : zin 1. syn, zcri 1. skry, 
zebezi L sebesi, z nimi 1. s nimi, z sobu I. s sobu, nozase 1. nosase, zlusase 1. sluSaSe, zpaza 
1. spasa u. s. w., dahingegen sta, stahu 1. stachu, strese 1. streie, usta 1. vsta, ustret L 
vstrSt, ja sogar suoia Z. 112, neben dem häufigem zuoi 1. svoj, zuoiu 1. SYoju u. s. w. 
Die Wörter : use, usegda, usegdi, usi, sind wir geneigt der Natur der alten Mundart und 
der Analogie der Schwestersprachen gemäss zu lesen vsie, vsegda, ysegdy, Tsi, nicht 
viie u. s. w« Iq fremden Eigennamen wird das s beibehalten: xps I.Christus oder Kristus, 
ihs 1. Jesus, isrl 1. Israel, hierusolim, esaias, iudas scariothis, bethsaidi. 

Für das böhm. s, cyr. im, fungirt das lat. s : zlusase 1. sluSase, bese 1. bese, meski 
L mSSky, nozase L nosaie, u. s« w. 

Das böhm. v, heutzutage w, cyr. r, wird durch das lat u ausgedrückt : uece 1. 
▼ece, zhoua 1. schova, usegda 1. vsegda u. s. w. 

Das böhm. y, cyr. m, wird von dem gewöhnlichen i nicht unterschieden: miti L 
myti, zlisahu 1. slysachu, abihu I. abychu, hcemi 1. chcemy, zin 1. syn u. s. w. 

Dem böhm. z, cyr. :^ entspricht ohne Ausnahme das lateinische z : iz, za, penaz, 
zlodei 1. zlodej, cnaezi I. kniezi, mnozi, iaz 1. jaz u. s. w. 

Das böhm. i, cyr. », wird stets durch s bezeichnet : se 1. ze, ien se 1. jen-zei 
pozlusi L posluzi, dlesno 1. dPino, siuot L üvot» papesu 1. papezu, use 1. uze (jam) u. s. w. 
Für die cyrillischen Halbvocale -b und b gebraucht unser Schreiber, wie jener des 
ersten Fragments in der Regel e : zreno 1. zr'no, mretuih 1. mr^tvych, dlesno 1. dl*ziio, 
mleuu 1. rnFviu, pleti L pPti, naplenila I. napFnila u. s, w«, und ebenso in Wörtern, wo 
sich zwar die spätere böhmische Mundart ein festes e angeeignet hat, wo aber nach der 
Analogie der Kirchenslawischen oder Cyrillischen ein b stehen müsste : den, ce L öe, otec, 
ieden, uez 1. ves, pocestil.poöestiu. s.w. Indem Worte neuesti wären wir geneigt das i für ein 



$. 19. Orthegrt^U. i4S 

cyr. b zu nehmen, also nev^st*, nicht nev^sti. Doch scheint das hier und in der Koni- 
ginhofer Handschrift vorkommende jesti statt jest' flir die ehemalige • yolle Aussprache 
des I zu zeugen: jesti tamo hora, vicestvie jesti dano u. s. w. In dem einzigen iezum, 
neiezum, I. jes'm, nejes*m, steht u für b. 

An der Stelle des nasalen a stehen in unserem Fragment merkwürdigei^eise 
mehrere, theils einfache, theils diakritisch bezeichnete, theils combinirte Yocale, und 
zwar am häufigsten a: penaz 1. peniaz, imaia L imaja, iahu 1. jachu, neuida 1. nevi- 
dia (pl. non yideant), obrata 1. obratia (pl.)» cnazeu l.)kniazey, uace 1. viace, zuoia L STOja 
(acc. pU f.), zgreuaia 1. sgr^vaja, ueda 1. v^dia (pL) » pristoiaceh 1. pristojacßch, otazal; 
Tiel seltener e : otese 1. otieze, tesesi 1. tiezesi, uecere 1. veöerie (von veöeria) ; eben so 
selten ae.* cnaezi 1. kniezi, chaesti 1. diesti, pariseiae 1. Pariseje. zae 1« sie, und einmal 
Bogar koncae statt konca ; oder ea : zea 1. sie, tea 1. tie (vgl. Sceaslav = Ceslav, vaca^b, 
in Urk. 1175 IT.); endlich mehremal e.- ze 1. sie, ieie L jeje, ime 1. imie, te L tie, rame 
1. ramie, ie 1. je, zuoie 1. svoje, ozle 1. oslie, grebeti 1. grdbieti, zname 1. znamie, duse 1. 
duse oder dusie, und einigemal sogar statt des echten und organischen e od. ie : pari- 
sei l.Pariseji, z nebe l.s nebe, u uglel. u uglie (statt uglia, mit Verwandlung des ia in ie), zeueno 
L zieueno. Diese schwankende Bezeichnnngsart eines und desselben Lautes scheint es 
anzudeuten, dass die Aussprache der alten slawischen IVasalis a, poln* e, in Böhmen da- 
mals bereits sehr schwankend war, indem letztere theils in ia, theils in ie überging. 
Möglich auch, dass dieselbe die Mitte zwischen a und e haltend, einem breiten e oder 
ae glich, welches man in einigen Gegenden unter den Slowaken in den entsprechenden 
Fällen hört. 

Die cyrillische Nasalis », poln. ^, lautet in unserem Fragment nie anders als u: 
iu (eam, acc. sg. f.), z zobu 1. s sohu, zmucena 1* smucena, zuditi 1* suditi, dusu zuoiu 1. 
du§u svoju, bude u. s. w. 

Die Abbreviationen wurden bereits oben $.16 angefahrt und erklärt. 

Blicken wir auf das bis jetzt angeführte zurück, so ergibt sich, dass der Schreiber 
des Evangeliums, die lateinischen Buchstaben zur Bezeichnung der böhmischen Laute 
folgendermassen verwendet hat.* 

a für a: mast, godina u. s. w. 

b fiir b : bude, bo, behu 1. bdchu u. s. w. 

IC : uece 1. vece, dci, zredcem L srd'cem u. s. w. 
d : cemu 1. öemu, ucah 1. udah u. s. w. 
k : caco 1. kako, cral 1. kral u. s. w. 
d für d : dau 1. dav, dusu 1. dusu, dade, prede dnem u. s. w, 

/ e: rece 1. reöe, cemu 1. öemu u. s. w« 
e ßir I $, ie : chlouech 1. ölovSCj zlodei 1. zlodSj u. s. w. 

( 'b, b : zredce L sr'dce, preue 1. pr've^ mleui 1. mPvi u. s. w. 
g für g: pogane, blagozlouen L blagosloven« godina u. s. w. 
h für ch: hudim 1. chudyo, zhoua L schova u. s. w. 



144 Denkmäler der böhmiickm Spra€he* JEbangelmm Jehannu. 

i: ucenic 1. udenik, zima u. s. w. 
^. . j 1 iei 1. jej« iaco L jako» ielise 1. jeli«£e u« a. w. 
y: miti 1. myti» zlisahu L slyi^acbu u* a. w. 
b : neuesti 1. nevest*. 
k für k : paki i. paky, kegdi L kegdy u. 8. w. 

^ ^1: zlaunem 1. slavnem, naplenila 1. napl^nila u. a. w. 
) Ij : Ab, M : cral 1. kralj» lab! I. Ijubi u. a. w. 
m für m: camo 1. kamo« cemu 1. öemu u. a. w. 

In: paznicu 1. pasnicu, noze 1. noze u. a« w« 
nj, ft: nene 1. nenie, neteri 1. nieteri u. a. w« 
o för o ; prozihu 1. proaichu, uolahu 1. volachu u. a. w. 

ip : pizano 1. pisano, ploda« preda u. a. w. 
ph, q): pilipp, caipa; pansei u. a. w. 
r fiir r: uema 1. TÖroa, preue 1. prVe, zreno L zr'no u. a. w. 

s: test, recosta 1. rekosta, staae l. atase u. a« w, 
s für I §: zlusase L slaSase, meaki 1. m^äky u. a. w. 

z : iense L jen-ze, zlusi 1. aluii« dleano L drzno u. s. w. 
I t: siuot !• iivot, otec, taco 1. tako u. a. w. 
( tj, tf : «last 1. maat', at 1. at* u. a. w. 
u: otcu, iemu 1. jemu, zlusi 1. aluii u, a« w. 
u fiir ) «, pol. II : zobu L aobu, zuditi !• auditi u. a. w, 
b : iezum 1. jes'm*. 
-».. . z: iz, za, penaz 1. peniaz, mnozi u, a. w. 
* ^^ j s : zlannu L slavnu, prozihu 1. proaichu u. s. w. 

In einzelnen Fällen behilft sich der Schreiber, wie wir bereits oben gesehca 
haben, mit dem diakritischen e: ze \. sie u. s. w., oder mit Combinationen, wie eh för i: 
chlouech 1. flovöö, ae und ea für ie: cnaezi 1. kniezi, tea, zea 1. tie, sie u. %. w. Indem 
Gebrauch des mit dem Häckchen versehenen e und der Combinationen ae, ea und ch besteht 
der alleinzige Unterschied zwischen seiner Orthographie und der des Schreibers dea Gerichts 
Libusa's, mit dem er in allen wesentlichen Punkten genau übereinatimmt. Diesen Umstand 
wird kein besonnener Kenner för ein Merkmal eines spätem Alters halten oder ausgeben 
wollen : denn das e kommt in spätem Denkmälern in der Rechtschreibung böhmischer 
Wörter, so viel uns bekannt, gar nicht vor, dahingegen begegnet man dem ch, welches 
unser Schreiber einigemal gebraucht hat, in lateinischen Urkunden und Handschriften 
des XI Jahrb. bei böhmischen Wörtern bereits sehr häufig. Man vergleiche die Ordio- 
graphie unseres Schreibers mit der der böhmischen Wörter in lateinischen Urkunden 
des XII Jahrh. oder mit jener in der Mater Verborum, und man wird sehen, wie sehr 
sich dieselbe durch Einfachheit und Rudität vor der leUtern, die bereita mehr gekünstelt 
und durch Zusammensetzungen überladen ist, auszeichnet. 



$.20. Grammaiuche Formen. 149 

$• 20. Grammatische Farmen. 

1. SubstantiYa. 

Smg. Nom, msc. bog. day. uöenik. mir* syn. glas, iivot Jesus. Christas. Simon 
Petr. Judas Skariothis und Schariotis. Pilipp. Esaias. Israel. Sion. diaboL — papei. zlo* 
dej. deA. kraF. test' otec. Andrej. — sluga. Kaipa. — /. zima. godina. poselnica. — duSa. 
veöeria. — mast\ zapovöd*. rSö. — n. zr*no. ramie. 

Gen, msc, pogreba. ploda. zakona. sv^ta. boga. (als Gen. u, Acc.) ölov^ka. Jesusa. 

Jesu Christa, (als Acc.) — konca. Esaie. — /. godiny. Yody. synagogy. Bethsaidy. — duSe. 

▼ederie.pasce.Galilee. — pPti. masti. öasti. — n, porekadla. l£ta. svötla. ^* nebe. — uglie. 

DaL msc, sluchu. bogu. sy^tu. ölov^ku« Jesusu. Pilippu. Simonu Petni. — dniu 

(»dnu«). otcu. papeiu. Andreju. — Ann£. — n. öinieniu. 

Acc. mgc. syn, liud. Petr. Lazar. Jesus, iivot. Hierusolim. strit. — pokoj. den'. — 
/. vladu. godinu. slaTu« — pasnicu. dudu. zemiu. — s£ä. zapoved*. — n. umjrvadlo« dälo. 
syetlo« — srdce. nebe.-^ davenie. — imie. oslie. znamie. 
Vec. msc, pane. gospodine. — ot6e. — /. dci. 

Lee. nuc. sv^tS. chram^. — /. synagoz5. — zemi. — n. uöeni. — grebieti. 
Sec.*msc. Jesusem. — papezem. dnem. — /. oslavu. — pasnicu« — n. sr'dcem. 
Dual. N. A. V.f. rucS» noze. — n. oöi. 
Gen. Loc. /. nogu« 
Dat. soc. n. odima. 

P/ar. iV^i». m/c. syni, uöenicLchlapi. — kniäzL Parisei. — pogane« Judeve, — slugy. — 
/. tmy. 

Gm. msc. udenik. — peniaz. — kniazev. Judev. — f. dveri. 
Dal. msc. uöenikom. Judom. 

Acc. msc. m^sky. vfeky. — Pariseje. — y. rizy. — letorosli. — n» znamenia. 
Loc. msc. uöenicech. — f. tmach. 

Den Dat. s. msc. pdnutt lesen wir dniu« wie er in spätem Sprachdenkmälern oft 
geschrieben wird. Die Königinhofer Handschrift bietet für den Dat. keinen Beleg, wohl 
aber für den Loc. die Form dni dar : I po tfetiem dni. 78. 

In dem Nom. pl. msc. tritt dieselbe Mannigfaltigkeit der Endungen zum Vor- 
schein, die wir in allen altslawischen« mithin auch altböhmischen Sprachdenkmälern an- 
treffen. Neben der regelmässigen Endung i: syni, finden wir die den Gentil. und Patro- 
nym. auf -anin, die im PI. das -in regelmässig wegwerfen, zuständige auf e: pogane. Im 
Kirchenslawischen sind beide Endungen ni und ne gebräuchlich ; doch gibt man der 
letztern den Vorzug. Die übrigen Dialekte haben sich entweder für die eine oder die 
andere entschieden; im Serbischen ist die regelrechte Endung i: pogani, Cigani u. s. w. 
Dieser Unterschied findet auch bei der verlängerten Form -evi« -ovi statt« wo in der 
kirchenslawischen und bölunischen Mundart bereits sehr firüh an die Stelle des i ein e 

19 



i4C Denkmäler der bdhmiscken Sprache* EbangeUom Jehamus. 

trat ; synoTe> Judeve, während die serbische Mundart noch den ursprünglichen Vocal i 
Leibehalten hat: Tolovi, kmetoW, sokolon» carevi u. §• w. 

' Beachtenswerth ist der allerthümliche Gen. pl. msc.« mit dem Nom. sg. gleich* 
lautend : uöenik« peniaz. Unsere ältesten Sprachdenkmäler liefern nur sehr wenige Be- 
lege für den Gebrauch dieses in der kirchenslawischen Mundart am längsten erhaltenen 
Genitivs; doch liest man in der Königinhofer Handschrift noch rozezlen^ch mui« do izA 
(von msc. rad), do oblakj do nasep» und bei Thomas Stitn^: ot siidec. Die vorherr- 
schenden Gen. sind indess sowohl in der Königinhofer Handschrift, als in andern Sprach« 
denkmälern des XlII und XIV Jahrb.« -ov und -ev : bogoVj vrahov, junoy> lesov» kYetov, 
IV^mceT> krahujcev« vojcT, hajev, meöey u- s. w. 

Die Namen Israel und Sion in: kral' Israelj dci Sion» liess der Interpret unde- 
clinirt» zu genau das lateinische rex Israel, filia Sion, befolgend. Die cyrillische Yer- 
sion hat in diesen Stellen das Adj. poss. cesar* Urailjev» d&ti Sionova, dem Geiste der 
slawischen Sprache gemäss. Wollte man dies nicht gelten lassen, so mUsste man an« 
nehmen, das Wort Israel* sei hier AdjecUvurn possessivumj aber die Phrase: dci Sioo, 
ist jedenfalls fehlerhaft 

2. A d j e c t i y a. 
a) Unbestimmte. 

Sing, iVöwi. wwc. ölovfiö (syn). Kaipin (tesf). yäden (iiyot). -^ y. prorokova (r$ö). dvema 
(poselnica). — n. zitno (zr*no). gospodnie (ramie). Ferner die als Ady. gebrauchten Ne- 
utra: dl'zno. malo. jayno. 

Gen, msc, vdma (bogi^ als Ace. gebraucht). 

Dal, msc, slavnu (dniu). 

Acc, msc, slayen (den'), y^den (Üvot).«^ /• papeiinu (s£6). — n. gospodnie (raouej. 

Loc, n, oslini (gr^bieti). 

See, msc, slavnem (dnem). 

Dual, S, n, pozdyiien^ma oöima. 

Plur, Ncm, msc, popsti (kniezi). 

jicc. f, palminy (l^orosli). 

b) Bestimmte. 

Sing, Dal, f. dyemej. 

Acc, msc, posl^dn^jäi (den')* — f, öloyädu (slavu). boiiu (slavu). 

Plwr, Dai, msc. chudym. 

Acc, msc, chude. 

Loc, msc. chudych. mr*tyych. 

Ueber den Gebrauch und das Yerhältniss der zwei Arten des Adjectiys, nämlich 
der unbestimmten und bestimmten, gilt im Allgemeinen das bereits oben bei dett 
ersten Fragment Angemerkte. Auch hier kommen die seltenem Casus, der Dat. und 



.$• 20. GramknaUithe Fmwi^. 14? 

uüd Local. PluTo nur m der bestimmteii Foraa. zum Yorschein : chudym, chudych« nicht 
chudom» chudech« 

Den seltenern und altertbttinliehen Ableitungen sind beizuzählen: der Superlat 
poslednejSi (statt des gewöhnlichen Posit. posledni)» papezin von msc. päpeli^ palmin von 
£ palma^ und vor allem osUn in der Phrase: aa gröbieti oslini. Es nehmen nämlich die 
Bildungssylbe -in nicht nur die von den auf a> i und auf weiche Consonanten ausgehen» 
den Fem. und Masc. abgeleiteten Adjectiva« denen sie in der Regel zuständig ist» an (da- 
her öeliedin in unserm ersten Fragment v. 8, von öelied'« golubin in der Königinhofer 
Handschrift, wie im Altslawischen, vom alten gobib'); sondern ausnahmweise lassen die« 
selbe auch die mit harten Consonanten geschlossenen Substantiva Msc. zu. Daher vd6din 
in der Ostroger Bibel, wo man jetzt vdodov liest, von vdod (Wiedehopf, Zach« 5, 9)* 
Wir lesen noch in der Königinhofer Handschrift: krajiny Neklaniny S. 40«, neben Nekla* 
novu ucbtt, oku S. »8., Neklanovych vojnov 46« Wenn demnach auch die spätere 
böhmische Mundart die Adj. Form -in bei den Subst. msc«, mit Ausnahme d^r auf a oder 
€ ausgehenden : pastucha ^ pastuiin, junoäe — junosin, aufgegeben hat, so muss dieselbe 
doch in der ältesten Zeit in Böhmen so gut wie anderwärts gebräuchlich gewesen sein. 

3. Numerali a. 

Das Fragment bietet bloss folgende dar: 

Sing, Nom. msc. jeden, jeden-kyzdo. mnog (dav). ves (mir}. 

Dat, msc, jednomu. 

jicc, n. vse. 

Pbir. Nom. msc, mnozi (iz kniazev). 

^cc. tri. n. sta. vsie. 

# 

4. Pronomina. 

Von diesen kommen vor: 

Persönliche 1) Sg* N. jaz. ty. Gm* tebe. Dae» mnS. mi. tobfi. jiec. mene. mie. 
See. ronu. PL Nom, my. Gm^ vas. Dat. vam. Loc, vas. 2) Sing, Nom, msc, on. Gen, 
mse, j^go. /. jeje. DaL msc, jemu. Acc, msc. ü st. n-i, in pro-6, ve-ü, jej« /. ju. n, nie. 
Loc, msc, niem. Dual, Dat* ima. PL msc, oni. Gen, jich. nich. DeU* im. Jim. Acc, msc, 
je. See, nimi. 

Das Reciprocum: Sg. Gen. sehe, sebe-si. Acc, sie. Sae, soba. PL Dat, sobe-sim. 

Die Fragenden: Nom, kto. Dett, komu. demu. Acc* öe. 

Die Demonstrativen: Sg, Ncm, msc, si. kyido. /* ta. neuir, se. Gen, msc* sego. n. 
sego. togo. niöego. nikakego. f, tej. Accas. f, tu« n. se. nide. Loc, msc, sem. PL Nom, 
msc* si-ie. nieteri. Gen, t^ch. Acc. n. sie« taka. 

Das Relativum : Sg, Nom, msc, jen-ie. Acc, /, ju-ie. n, je-ie. See* /. ju-ie. PL msc, 
i-ie, ji-ie. n. je-ze. 

Die Determinativen: Sg, Nom. msc, dnigi und sam. n* samo* Gen. msc* sama. sa- 
mego (ab Acc, gebraucht) 

19* 



148 Denkmäler der böhnUsehen Sfraehe* Evangelmm Jchankis» 

Die Possessiven : Sg. Nam. msc, moj. tvoj. J. moja. Gen. msc. mojego. f. svoje. 
Dat. msc. naSemu. Acc.f. svoju. n. ivoje. svoje. PL Acc. msc. svoje. /. svoja (rizy). n. svoja. 

Der Dat, sg. der persönlichen Pron. lautete im Böhmischen bereits damals, wie 
Kir sehen^ tobe, sob^/ nicht teb#j seb^. Eine Spur des alten seb& glauben wir in Dit^ 
mar's Chronik zu finden, wo des Prager Bischofs . Adalbert Bruder Seb^slav (Zebislovo, 
Pertz Mon. Germ. Y. 808), nicht Sobeslav, genannt wird. 

Das mit dem schwach bestimmenden oder emphatischen si suffigirte Rectprocum 
sebesi> sobesim» gehört zu den seltensten Erscheinungen in der altböhmischen Mundart 
Es unterliegt zwar keinem Zweifel« dass dieses si ebendieselbe Partikel sei, welche sich 
in den Verbindungen kdo-si, co-si, kde-si, kam-si u. s. w. , durch alle Perioden unserer 
Sprache bis auf die Gegenwart herab erhalten hat ; allein mit den Pronom. ten, sien, oo, 
sie u. s. w. treffen wir es sonst in unsern alten Sprachdenkmälern nirgends an, das eio- 
zige onseh, onsah, ausgenommen, welches, dem altslawischen onsica, o dzlinty quidam, 
entsprechend, offenbar von einem verschollenen altböhmischen on-si abgeleitet ist. Wir 
lesen dieses onseh in dem ältesten böhm. Landrechte, nach der Handschrift vom J. 1360: »od 

y 

onseha Jindricha« (vgl. Gas. öesk. Mus. 1835. IV. 426. §. 35. Kucharski Pomniki praw. 
1838. S. 235. §. 37.) und in einer Handschrift über Alchemie : wonsahu, uöinils mi de 
u. s. w. In der serbischen, neubulgarischen und windischen Mundart hat dieses si io 
der dreifachen Form als izi, zi, und i eine ausgebreitete Herrschaft;, und wird mit den 
Pronom. und Adverb., wie t\ s', on, ov, tu, t'da, tako, ottu, ottle u. s. w. verbunden: 
z. B. tozi, semuzi, onzi, za toizi, ovaizi sela, onomui, ottui u. s. w. Man vergleiche, was 
wir darüber bereits an einem andern Orte: Serb. Lesekörner (1833) S. 91 — 93, angemerkt 
haben, wo man zugleich den Beweis finden wird, dass das zl aus dem altem si entstan- 
den. Unser sebe-si und sob§-sim stinunt mit dem ältesten serbischen Gebrauch auch 
darin überein, dass das si bald unflectirt, bald wieder flectirt erscheint : denn wir finden 
im Serbischen: onem-zi (illis), tech-zi, aber auch: oni-zim, od oni-z^ch, s oni-zimi, ti-zim 
u. 8. w. Die Etymologie dieser Partikel ist noch nicht ganz klar : Dobrowsky hielt es für 
den Dativ si des Pron. recipr. (Lehrgeb. der böhm. Sprache 1809. S. 106), wir vc^ 
mutheten darin das Demonstrative /, si^ se. Wir haben aber im Altslawischen auch eine 
trennbare Partikel si^ dem griechischen «^ entsprechend: öto si budet? dto si konec 
nas? ili si jest' naSel? 

Der Gen» samego ist der altböhmischen Mundart zuständig, die wohl noch die 
Dative samu und samomu, aber, so viel uns bekannt, kein dem kirchenslawischen Dialekt 
entsprechendes samogo aufzuweisen hat. Die Yerwendung des bestimmten samy statt des 
unbestimmten sam m einzelnen Beugefallen reicht demnach in die älteste Zeit hinauf. 

In dem Acc. pl. f. svoja (rizy) steht das a an der Stelle des cyr. a, wie in penai 
oder peniaz, knazev oder kniazev u. a. w. Vgl. S. 143. 

5. V e r b a. 

hidic. Pi*aes. und Fuiur. sg. 1 fcrs. idu. reku. vzreku. mPviu. vzmlViu. praviu. oslaviu. 
zgoju. öiniu. ostavuju. — v?de. 2 pers. myjesi. neumyjesi. desi. ned^si. neitnaM. ticzcü. 



$, 20. Grammaiisehe Formen. 149 

inlMäü tS^i. nevSsi. TZTesi. — 3. ostanet'. ide. pride. reöe. pröda. streSe. prinese. Ty- 
miete. poöesti. ney^st*. dast'. nenaTidi. oslayi. oslavi sie. liubi. slazi. posluii. chodi. y^. 
loli. pusti. otieie. schova. Plur, 1. chcemy. vemy. vSrimy. 2. imate. rozpr'nete sie. v^ 
rite, ostayite. 3. neposdgu. reku. neTidia. yedia. obratia sie. nerozumßju. 

Jmper. Praes. sg. 2 pers. spasi. oslavi. nerodi. tieii sie. nechaj« sl^duj. Plur. 2. 
Tidite. Y^rite. doyerite.[chodete. 

Praes. GemncL sg. msc, reka. ySda. sieda. imaja. stoja. sgr^yaja sie. — ^cc. öiniuc. 
PL rekuce. — Gm. pristojac^ch. 

Praes. Partie, pass. znam. 

Praes. Inf. myti. yidSti. umrSti. sudici. ySrid. yzvySiti. bati sie. yyderad. 

Praet. Indic. sg. 1 pers. pridech, rejech, imejech, oslayich, ml'yich, neml'yich^ svi- 
tiezicb^ uöach« dokonach, objasnioyach. 3. reöe, dade> prddade, neprodade sie> pozna« 
pride, nadide, ide, yyide, ynide, otide, skrysie, posla, ysta, yzie, siede, poöie, yyede oder 
uyede, yece, otvece, yidS, yskr^si, mFyi, uy^ri, osl^pi, otvr'di, pr^pasa sie, slSdoya, mi* 
loya. — slaSe sie, poslase, sta§e, öinie&e, sludase, nosaäe, yolaSe, miloyaSe. 

Dual. 3. msc. rekosta. Plur.l. neproöinichom, slylachom. 3. r§cha,jachu, stachu» 
idechu, pridechu, poznachu, nepriznachu, nemozechu, priyedecbui y^richu, ney^richu, 
prosichu, ystupichu, pristupichu, chodiachu, slySacho, sgr^yachu sie, schazachusie, yolachu. 

Praeter. Particip. acL sg. msc. prdSel, pr^dal, yydel, dal, poslal. f. naplnila sie. n. 
umrelo« PI. msc. poznali, im^li, yideli, zabili, poklonili sie, neyyvr'gli sie. 

Praet. Genmd. sg. n. padSe (zr'no). 

Particip. Prael. pass. sg^ msc. blagosloyen, pr^asan. f. dana* smacena, uöiniena. 
n. pisano, zieyeno. 

Verbum subst. jestn. 

Praes. Ind. sg. 1. jesum (einmal), nejes'm (zweimal). 3. jest^ (siebemnal), jesti (drei- 
mal) und nenie. PL 2. jeste. 

Fui. sg. 3. bude. 

Praet. I. sg. 3. be. PL 3. b^chu. 

Praet. iter. sg. 3. b^Se. 

Praet. II. pL 2. byste. 3. abychu und aby (als Conjuneüy). 

Das Praeter, yidö wird im Altböhmischen zugleich in der Iten Person gebraucht, 
statt yedech, gerade wie im Kirchenslawischen und in den Freisinger DenkmSlern aus 
dem X Jährh. in windischer Mundart. 

Die Zeitwörter yem und dam befolgen auch in unserer alten Mundart die ano- 
male Conjugation: daher die 2te Pers. im Praes. yesi (nicht yeSi), die 3te y^st", dast', und 
die 3te im Praet. prSdade, prodade. Hieher gehört jesi, jsi, welches sich erhalten hat. 

Unser -my der 3ten Person im Plur. : chcemy, yömy, v^rimy, welches später in 
-me überging, kennen nicht nur die Polen, bei denen es noch fortlebt, sondern wir be- 
gegnen demselben nicht selten auch in den ältesten cyrillischen Handschriften. 



IftO DenkniäUr dar böhmucken Spr€icht. Eoangeliam JohamUi. 

Sei den ImperäUTen haben sich die alten Endungen sowohl im Sing, als auch im 
Plur. noch erhalten, daher : nerodi, tieii sie« T^ritej doT^rite, Tidite« chodete. Es ist je- 
doch nicht unmöglich, dass diese Wörter, oder wenigstens einzelne davon« auch ohne dea 
Vocal ausgesprochen wurden, und dass das (, wie so oft später, nur die Stelle eines 
stiunmen, den vorhergehenden Consonanten erweichenden Jer' vertritt. Wir haben be- 
reits oben bei dem Worte iskati in LibuSa's Gericht bemerkt, dass es um des Vers* 
maasses willen iskat* gelesen werden mass; wir wollen hier noch ein anderes schlagendes 
Beispiel aus der Königinhofer Handschrift beifugen. Wir lesen darin S. 62 t Muiie, ne- 

budi vas tajno Kotly, truby slySeti znova. Hier setzt es das bestimmte achtsylbige 

Yersmaass ausser allen Zweifel« dass in dem Imp. nebudi das i ausgesprochen, dahingegen 
in dem Inf. slyseti ausgelassen werden muss. Aehnlicher Beispiele liesse sich eine Menge 
anfahren. Nehmen wir an, dass in dem Zeitalter unseres Fragments und in der Heimath 
unseres Interpreten die Yocale wirklich so ausgesprochen wurden, wie er sie gesclirieben 
hat- so wäre diess ein Beweis, dass der böhmische Imperativ in der mehrfachen Zahl 
von der ursprünghchen Form bereits damals abzuweichen anfing und in jene überging» 
die wir in den spätem Denkmälern herrschend antreffen. Wir lesen nämlich neben vi- 
dite, v^rite, dovSrite auch cfaod^te Z. 69. Im Altslawischen gilt die Begel, dass sich der 
Imper. im Plur. in Hinsicht des Vocals i oder i stets nach dem Vocal der 2ten und äten 
Person des Praesens richtet; daher nesSm« nes^te, aber zrim, zrite u. s. w. Von dieser 
Regel findet in den ältesten bulgarischen und serbischen Handschriften nur dann eine 
Ausnahme statt, wenn ein z, c, s, sc oder / vorausgeht, in welchem Falle nach den vier 
ersten Consonanten statt e ein i, seltener ein a, nach dem fünften aber regelmässig ein a 
gesetzt wird, weil jene Consonanten durchaus kein e nach sich vertragen. Daher die 
^ Imperative : pladite se, mazite, isdate, bijam, pijam u. s. w. Die ältere böhmische Mund- 
art hat sich nicht nur an dieses Ausnahmsgesetz nicht gebunden, sondern das e an die 
Steile des i sogar bei den Zeitwörtern der 5ten Conjugation: honim, honiS, honiti, sub- 
stituirt. Daher chodete bei unserem Interpreten, velbete (magnificate) in den Glossen 
des Psalt. im Mus. und cteme, ctete, modleme se, modlete se, v^adfeme se> v^'jadrete 
se, uskrovnemC) uskrovnete, blazn^me, bläzn^te u. 's. w. in unseren älteren Denkmälern 
und im heutigen Schrift- und Sprachgebrauche. Schliesslich bemerken wir, dass auch in 
dem von TFiggert herausgegebenen Fragment einer deutschen Zwischenübersetzung der 
Psalmen aus dem XI-**XII Jahrb. unter den eingestreuten slawischen Wörtern die Imp. 
pogete (cantate) und podete (venite) gelesen werden. 

Das Praesens Gerundivi ging im Altböhmischen auf a oder ja aus : reka, v&da, 
sieda, imaja, stoja, sgrevaja sie. Das flüssige ja ging bereits sehr früh in je (jetzt nach 
Consonanten in e) über: volaje« myje, chodie, honie u. s. w. Im Kirchendialekt sind die 
Ausgänge -bi und a, d. i. y und e, nach Verschiedenheit der Conjugationen, vorherrschend: 
mogy, pady, isky» vide, isöe, zove; doch fehlt es an einzelnen Beispielen nicht« welche 
das ehemalige Vorhandensein des Gerund, auf a auch in dieser Mundart beweisezu So 
lesen wir in Jobann Exarch, nach einer Handschrift aus dem Ende des XiJahrk« »svetyj 



§. 20. Grammaiische Formen. ISi 

SeloT^k boiij K'stetin» filosof reka« (Aus^. v* Kalajdovic S. 129}» und in andern gleich 
aken Bandachriflen trifit man zuweilen Formen an» wie nesa» moga, bera u. s. w. Da» 
altböhmische Gerundivum war ehemals, gleich dem altslawischen, auch in der abstracten 
oder unbestimmten Form, declinabcl ; daher der Acc. msc» »slysachu jej öinuc se znamie« 
bei unserm Uebersetzer. Die spätere Mundart büsste diesen Vorzug ein, und behielt nur 
die Declination der in förmliche Adjectiva mit bestimmter Endung- Terwandelten Gerun- 
dive bei : N, chodieci msc. u. f., chodiece n., G. chodiecieho, chodieciej u« s. w. 

Die Formen: udach, und chodiachu gehören dem zweiten Praeter, oder dem so^ 
genannten Praet actionis continuatae an, und sind von dem eigentlichen Yerbam itera« 
ÜYum wohl zu unterscheiden. Bei dem ersten bleibt der Yocal des Stammes unver- 
ändert (chodiachu), bei dem zweiten wird derselbe Terwandelt oder, wo keiner vorhanden 
war, eingeschoben (schazachu sie, pozirati, von chozu, poiru). Das einfache Praeter, von 
uöu, chozu würde lauten : uöich, chodich. Hieher gehört auch rejech st. rech (PL r^chu) 
von reju; ferner imejech (einfach im^ch) von imeju, welches im Altböhmischen neben 
imam und imaju (davon das Gerund, imaja), so gut als im Kirchenslawischen gebräuchlich 
war. In der 3ten Person sind die beiden Praeter, leicht zu unterscheiden, theils 
durch den abweichenden Vocal vor ^e, theils durch diese Endung selbst: nosase, (3inie- 
ie (einfach nosi, dini), volase, slusaSe, slaäe sie (einfach vola, slusa, sla ^ie). In letzterem 
Falle unterschieden sich die Yocale in der Aussprache durch den Accent; in vola, sluSa 
wurde das a kurz, in volare, slusÄSe hingegen gedehnt ausgesprochen. Bemerk enswerth 
ist, dass in unserm Fragment das alte a, ia, in beiden Praeter, noch viel häufiger gelesen 
wird, als in andern Denkmälern unserer Mundart, wo man es bereits in e, it verwandelt 
findet« Es haftet dasselbe in uöach, nosaSe, chodiachu, slySachom, slySachu, schazachu 
sie, aber in poöie, vece, otvece, rejech, ÖinieSe, ging es bereits in «, ie über. 

Von dem Praet. Gerundivi kommt nur das einzige Beispiel: aö zr'no zitno padse 
V zemiu Z. 47 vor. Dieses padSe ist das Neutr. des von dem eigentlichen Gerundivum 
abgeleiteten Adjectivs ; padsi, padsa, padSe ; das eigentliche Gerund, würde lauten : msc. 
und neutr. päd, f. padsi. Wir bemerken, dass auch dieses Praet. Gerund, ehemals im 
Böhmischen declinabel war ; wir lesen nämlich in unserm ältesten Passional : doka^ by 
hospodina z mrtvych vstavSe nevidH, und in dem Wiener Lectionarium aus dem XfV 
Jahrhundert: jeni pravie ozivSe, qui dicunt eum vivere. (Luc. 24, 23). Hier ist vstavSe, 
oiivSe der den Accusativ vertretende Genitiv von vstav, oiiv, statt vstavsa, ozivsa, mit 
der gewöhnlichen Verwandlung des a in e. Für den frühen Gebrauch des vom Gerund, 
abgeleiteten Adjectivs im Böhmischen haben wir ein schlagendes Beispiel in unserer 
Königinhofer Handschrift: I v dediny vratiSe sie byvSe blahost". S. 78. 

Bei dem Verb, subst. jesm* ist die doppelte Form, nämlich sowohl die vollstän- 
dige, als die verkürzte in der 3ten Person pl. des Praet Conj. beachtenswerth : abychu 
poznali, abychu sie poklonili, aby vidMi. Die erste Form verschwand längst aus dem 
Sprachgebrauche. 



ISS Denkmäler der böhmischen Sprache. Eoangebum JohanrUs. 

Wir haben in der obigen Zusammenstellung der Formen des Zeitwortes die zu- 
sammengesetzten oder periphrasüschen Tempora in ihre Beslandtheile aufgelöst und diese 
einzeln an den gehörigen Stellen eingereiht: hier wollen wir bemerken» dass Yon dea 
periphrastischen Temp. folgende in unserm Fragment vorkommen: 

Das Fut periphr. : suditi bude. 

Das Fut. condiüonale oder exactum: umrelo bude. Diese in der böhmischen 
Mundart längst verschollene Form kommt in den ältesten Denkmälern, bis ins XlVJahrh. 
herab« nicht selten vor; so in dem glossirten Psalter des Museum aus dem XUI Jahrb. 
aö zapomanul budu tebe, si oblitus fuero tui« Ps. 136» 5; in dem Psalter des Pra{[er 
Domkapitels: chvalili sie budem v chvale v tvej, 105, 47: kdyi vzeSli budii hreäni a zje> 
vili sie budü, 91, 8; bei Thom* Stitny: bude-li sv6tske dobre miloval; in den ältesten 
böhmischen Landrechten: Pak-li budeS pohnal z jine hospody, §• 198. S* 263« Kucha^ 
ski's Ausg. 

Das Praet. periphrasticum Ind.: vyiel jesi, dal jesi u. s. w. 

Das Praet. ConjuncU: aby preSel, aby pr£dal, aby sie otazal, at'byste im^, aby- 
chu sie poklonili, abychu poznali, aby zabili, aby videli* 

Ungewöhnlich und unrichtig ist die Verbindung des Hilfszeitwortes b^$e mit dem 
einfachen Praet. Ind. zur Uebertragung des lateinischen Futur, periphrast. Z. 2. 3. jen-ie 
bese jej predade , qui erat eum traditurus. Die cyrillische Version drückt es viel rich- 
tiger aus: ize choteaäe predati i. 

Das Passivum schreibt unser Interpret auf die gewöhnliche Weise j mit sie, um: 
neprodade sie, slase sie, at* oslavi sie o. s. w. Die Part. pass. bieten nichts Bemerkens- 
werthes dar. 

6. Praepositionen. 

Unser Fragment enthält deren folgende dreizehn: tloi do konca; k und kcY 
sob^-sim, k bogu, k cinieniu, ke dniu ; iz durchgehends, nie zi iz uöenik, iz nich, iz 
tej godiny, iz zakona u. s. w.; n«: na zemi, na grebieti, na nie; oi o chudych, o uöeni, 
o niem ; oti ot boga, ot veöerie, ot nich, ot mr'tvych ; poi po niem ; pred und pride: 
pred nimi, prede dnem ; proi pro liud, pro Pariseje, pron; s u. sei s nebe, s Jesusem, 
se mnu; »: u tebe, u sehe sama, u uglie ; t; und vei v zemiu, v zivot, v imie, v ruce, 
V chrame, v svete, ve tmach, v vas, v veky, ve mne, ve mie (Acc), veÄ u. s. w. ; ia- 
za tri sta. Hieher gehört auch das präpositioneile Adv. dlie, welches im Böhmischen 
dem Hauptworte nachgesetzt wird: Jesusa dlie. Der Interpret schrieb zwar, der lateini- 
schen Wortfolge gemäss, das Wort dlie vor das Hauptwort Jesusa, deutete aber zugleich 
durch die beigefügten Gänsefüsschen an, dass man es in umgekehrter Ordnung zu 
lesen habe. 

7. Adverbia. 

Von diesen kommt in unserem Bruchstück eine nicht unbeträchtliche Zahl vor« 
Es sind folgende: öemu (quare); doned-ze, doniudie (dum); gda Z. 22 und kda Z. 106. 



S* 20L GrammatUtke Fwntn. iS3 

185 (cum); ide-ie (ubi, quo Z. 180); jako (quia); jako-ie (sicut); jako — toko (sicut> sie); 
jcgda (quando); je-li (cum); jeli-ze (quia); jeäöe (adhuc); ju-ie Z. 106, und u-»e Z. 133 
(jam); kako (quomodo); kamo (quo); kegdy (cum); ne (non); netoliko (aou tantum): ne- 
treba in der Phrase netreba jest' (non opus est); nynö (nunc); obako (tarnen); opiety 
(iterum); paky (rursum); potom (deinde); proce (propterea); prVe (prius); tako (sie); toli 
(tantum); tu (hie); tut' (ilhc) ; vele (multum); veru,veru (amen, amenf); veru obako (verum- 
tarnen); viace (plus); vnfe (foris) ; Ysegda und vsegdy (semper); vskryty (in occulto); ie 
(relat, in jen-ie, ju-ie^ jako-ze u. s. w.) 

Hieher gehören auch die als Adverb, gebrauchten Adj. neutra : drzno, javno, malo. 

Die meisten der hier au%ezählten Adverbia treten entweder in dieser» oder in 
wenig veränderter Gestalt auch in andern, bedeutend spätem Denknäl^m zum Vorschein« 
Zu den selteneren gehören die mit dem relativen i oder je zusammengesetzten : ideie 
(ubi); ferner das caus. jako (quia), jegda (quando), jeli (cum), jelize (quia); doch fehk ea 
auch für diese an einzelnen Beispielen nicht, so wie überhaupt misere ältesten Quellen 
für den ehemaligen ausgedehnten Gebrauch dieser FormalioneB. zeugen. So lesen wir 
im Wiener Evangelium, im ältesten Passional und anderwärts noch das relative jamze, 
jamz (quo)» bei Stitn^ jeliki (quantum, tolik — jelikz, jeliki — toUk) vu s. w« In Libusa's 
Gericht kommt ideie vor, und jako, causal gebraucht, hat sich zum Theil noch bis ins 
XVI Jahrb. erhaken. Das hier Z. 14 gebrauchte toli (tantum) verhält sich zu dem auch 
hier Z. 124 vorkommenden toliko gerade so, wie das veraltete jeli oder jeUi zu dem 
noch jetzt gebräuchlichen jeliko, jelikoi. 

8. Conjunctionen. 

» 

Von den eigentlichen Conjunctionen treffen wir folgende an : a (sed, propterea) ; 
a mit by in aby, abychu (ut); aö (si); at', ati (ut, cyr. da); bo (enim); i (et); li (an) in aö 
li(si) ; ne in ne-ze (sed), ne-ie-li (quam); nu (sed) in dem einzigen nu-ze öe i ty iz uöenik 
jesi (numquid et tu); ie (autem). 

Mehrere der oben angeführten Adv. dienen zugleich als Conjunctionen : gda, kda, 
jako, jeli, jeliie u. s. w, 

Bemerkenswerth ist, dass neben dem sechsmaligen a€ (Z. 9. 45. 70. 73. 83. 143) 
einmal auch ati vorkommt (Z. 137). Es fehlt nicht an Beispielen, dass es noch in viel 
späterer Zeit so geschrieben und daher wahrscheinlich auch so ausgesprochen wurde, 
z, B. in den ältesten Rechten: Ati vysvSdöi pfed üradem, %. 278 nach den ältesten Hand- 
schriften (im gedruckten Text steht unrichtig at, Ausg. Kucharski*s S. 277). 

Das adversative a ist von dem copulativen i streng geschieden. Schon in der 
Königinho£er Handschrift trifft man zuweilen das a auch verbindend gebraucht. 

9. Interjectionen. 

Bloss ai (ecce, cyr. se) : ai kral', ai mir, ai pride godina, ai vädia oni« 

20 



Ift4 Denkmäler der blfhmuehen Sprache. Epangdiam JehamUi. 

10. Syntax« 

Mit Ueber^ehung alles Bekannten und Regelmässigen, wofür andere altböhmische 
Sprachdenkmäler eben so gut wie unser Fragment Belege liefern, wollen wir bloss Einiges, 
was zu den seltnem Fällen oder Unregelmässigkeiten gezählt werden kann, ausheben. 

Bei den belebten Substantiven kommt der alte Acc. msc. sg., der bekanntlich 
dem Nom. gleich lautet« in diesem Fragment verhältnissmässig weit häu&ger als in irgend 
einem andern uns bekannten Denkmal vor. Wir lesen darin: dPzno vzvyäiti syn öloyeö 
Z. 66, oslavi syn svoj Z. 143, i wede Petr (Petrum) Z. 168, aby Lazar videli Z. 14, aby 
i Lazar zabili Z. 17, i v^richu v Jesus Z. 19, chcemy Jesus videti Z. 41, sledova ze Jesus 
(Jesum) Simon Petr Z. 161. Nur zweimal finden wir den Gen. iiir den Acc. gebraucht: 
Abychu poznali tte samego boga Z. 148, jego-ie poslal jesi Jesu Christa Z. 149. Dahin- 
gegen treffen wir den alten Acc. des persönlichen und relat. Pron. i nicht mehr an, son- 
dern statt dessen wird gewöhnlich jej und einmal sogar jego (Gen.) verwendet. (Vgl. Z.2. 
15. 32. 40. 56. 94. 107. 1S6. und dagegen Z. 148.) Die Verkürzungen pro-A, ye-ü sind 
aus dem alten Acc. pro-n-i, ve-n*i hervorgegangen« 

Bemerkenswerth ist die Yerwendang beider Formen, der vollen abychu und der 
verkürzten aby bei der Bildung des Praet. Conjunctivi : abychu sie poklonili, abychu poznalii 
und wieder aby zabili, aby videli. Die erste Form verschwand sehr früh aus dem Gebrauche. 

Die Verbindung des Hilfszeitworts hHe mit dem Verbum predade, also des Praet 
mit Praet., in : jen-£e b^§e jej pr^dade Z. 2 — 3, fiir das lateinische : qui erat eum tradi- 
turus, ist fehlerhaft: für pr5dade sollte das praet. part. act. pr^dal stehen, diess wurde 
aber dem Sinn nach dem lateinischen nicht entsprechen. Aehnliche Fehler und Versehen 
waren bei den ersten tJebersetzungsversuchen kaum vermeidlich ; in spätem Handschriften 
finden wir diese Stelle weit richtiger durch: jeni m$je$e ho zraditi, wiedergegeben. 

Zu den unregelmässigen Fällen gehört auch der Ausdruck : reo Esaie prorokova 
Z. 78, statt proroka, d. i. Adj. poss. statt des Substantivum« und ist unserer Meinung nach 
ebenfalls auf die Schuld des Uebersetzers zu setzen. Dergleichen Fehler und Versehen 
kommen in dem Fragment noch ein Paar vor, die wir nun anmerken wollen* 

Wir müssen vor allem der fehlerhaften Construcdon : abi vse — dast' jim zifot 
veäen für das lateinische ut omne — det eis vitam aeternam Z. 145 — 146 (Jo. XVII, 2) 
erwähnen. Da aby den Conjunctiv fordert, dieser aber aus dem Verbum subst« and dem 
Praet. part. act., also im vorliegenden Falle aus aby und dalo gebildet wird, so müssen 
wir annehmen, dass der üebersetzer, indem er Wort fiir Wort dolmetschte, entweder 
den Zusammenhang vergass und aus der Conslruction herausfiel, oder, da er sonst ut 
häufig durch at', ati übersetzt, aus Versehen abi statt ati hinschrieb. 

Aus dem knechtischen Festhalten am Buchstaben des Originals entsprang unfehlbar 
auch die unslawische Construction : pride Jesus Hierusolim, venit Jesus Hierusolim, statt 
V Hierusolim oder do Hierusolima Z. 22 — 23 (Jo. XII. 12). Der Slawe kann und darf 
hifer der Praeposition nicht entbehren. 



$• 21« Beschaffenheü der InUrUnear'Versünu 15S 

$. 21. Beschaffenheit der Interlinear^ Version. 

Bei dem Umstände , dass sich aus dem glänzen Codex nur zwei, noch dazu nicht 
Tolle und unyerstümmelte Blätter erhalten hahen — denn das erste Blatt ist unten« das 
zweite aber unten und auf der rechten Seite beschnitten — können wir über die Grösse 
und den ursprünglichen Umfang desselben nur mehr oder minder gegründete Yermuthun- 
gen wagen. Auf dieselbe Weise, wiewohl aus andern Gründen, begnügen wir uns unsere 
Meinung über die Entstehimg und Bestimmung der Interlinear-Yersion nur in leisen An- 
deutungen auszusprechen. 

Wir haben uns die Mühe genommen, den Raum, den die unten, an der Basis 
der Cohimnen, weggeschnittenen Worte eingenommen haben mögen, nach Maassstab und. 
Verhältniss des Vorhandenen, genauer zu bestimmen, und haben gefunden, dass das 
Fehlende .bei einigen Spalten 9, bei andern 10, bei einer sogar 11 lateinische Zeilen 
betragen hat. Diess zu Grunde gelegt, ergab sich durch weitere Yergleichung und Be- 
rechnung, dass der zwischen der 4. und 5. Columne fehlende Text von Job. 13, 9 
(domine, non tantum) bis Job. 16, 28 (mundum et vado ad patrem), nach Abzug der noch 
auf die 4. Spalte fallenden Zeilen, genau 8 Spalten oder 2 Blätter in solcher Schrift« 
wie die vorliegende ist, ausgefüllt habe. Denkt man sich nun zu der übrig gebliebenen 
Höhe der Columne den Raum, den 10 lateinische Zeilen sammt dem dazu gehörigen 
untern weissen Rand einnehmen, hinzu, so wird man sich überzeugen, dass das Format 
der Handschrift nicht Quart, sondern klein Folio war. Eben so klar ist es, dass,' da aus 
der Mitte zwei Blätter fehlen, dieselbe zum mindesten aus Duernionen bestanden haben 
muss , möglicherweise aber auch aus Temionen oder Quatemionen bestanden haben mag, 
da bei dem Wegfall des untern Randes über die Signatur nichts bekannt ist, und das 
erhaltene Doppelblatt auch das zweite oder dritte aus der Lage sein könnte. Sowohl 
das Format, als der Gebrauch von Lagen berechtigen uns zu der Vermuthung, dass 
unser Fragment ein Theil eines grossem Evangelien-Codex oder eines Tetraevange- 
liums ist, der Mle vier Evangelien umfasste und zu solennem Gebrauche bestimmt war. 
Ein blosses sogenanntes Lectionarium oder Auswahl der Sonn- und Festtags-Perikopen 
konnte es schon darum nieht sein, weil gerade die erhaltenen Capitefin den gewöhnli- 
chen Lectionarien nicht vorkommen. 

Wir wollen nicht entscheiden, ob der lateinische Evangeliencodex gleich ur- 
sprünglich in der Absicht niedergeschrieben wurde , um ihn mit einer böhmischen Inter- 
linear-Yersion zu versehen, oder ob man zu diesem Behufe eine bereits aus andern Gründen 
fertig gewordene Handschrift verwendet habe. Die Entfernung der lateinischen Zeilen, 
die nicht grösser ist, als bei andern ähnlichen Handschriften aus demselben Zeitalter, 
macht zwar die Annahme jenes ersten Falles nicht nothw^ndig, steht ihr aber auch nicht 
im Wege : da die Distanzen der lateinischen Zeilen immer gross genug sind, um eine Inter- 
linear-Yersion in etwas kleinerer Schrift, wie der Augenschein lehrt, überall bequem und 

ohne Anstoss zwischen dieselben einfügen zu können. Dass aber die lateinische Urschrift 

20* 



156 Denkmäler der hvkmUtheii Sfrache, JBvangelium Johatmis. 

und ' die köhmische Interlinear- Version von einer und derselben Ifand sind, kann als 
sicher angenommen werden; jeder unbefangene Kenner wird sich davon bei sorgfältiger 
Prüfung des Originals überzeugcm. 

Der lateinische Text unseres Evaz^eliums stimmt mit dem der Vulgata, bis auf 
einige geringfügige Abweichungen j überein. Diese Abweichungen bestehen theilsindem 
Ausfall oder Austausch einzelner Wörter« theiis in der Yerwechsluni^ der Tempora und 
des Numerus bei den Yerbis, theils in der Umstellung einzelner Wörter und ganzer Phrasen, 
theiis endlich in blossen orthographischen Eigenthümlichkeiten. Wir haben den Text der 
Handschrift mit dem gedruckten Sixtinisch-Clementinischen verglichen und wollen alle 
Yarianten« so unwichtig dieselben zum Theil sein mögen, hier niederschreiben. Wir 
lesen in unserer Handschrifl Jo. XIL v. 4. Scariothis statt Iscariotes der edirten, v. S. 
vendit st. vaenüt, v. 7. sine sL sinite, in die st. in diem (doch kann das Zeichen der 
Abbreviation über dem e bereits aus dem Pergament verschwunden sein}» v. 8. pauperes 
enim habetis st. p. e. semper h.« v. 11. ibant st. abibant^ v. 12. Hierusolima st. Jerosoly- 
inam* v« 13. Osanna st. Hosanna« v. 14. assellum st. asellum» v- 20. gentiles quidam st 
qu. gentiles« eis qui sL bis qui» ascenderunt st. ascenderant, v. 21. hü st. hi» Galilee tt 
Galilaee» v. 22. dicunt st. dixerunt;» v. 23. Jesus respondit sU J. autem resp.^ glorificeiur st. cla- 
rificetur, v. 26. ministravit sL ministrat, honorificavit sc honorificabit» v. 27. hanc horam st 
hör. hanc, v. 28. tuum nomen st. nom. tuum* v. 34. exaltare st. exaltari« v. 35. tenebrae 
vos St. vos tenebrae^ conprehendant st compr«, vadit st vadat« v. 38. Esaie st. Isaiae, t. 
39. Esaias st. Isaias» v. 40. excecavit st. excoecavit» eorum cor st. c. eor.» et inteUigant 
st. et non inteUigant» v. 41. Esaias sL Isaias» v. 42. de stnagoga (unten 18« 20 synagoga) 
St. e s.» V. 43. dilexerunt ergo st. d. enim; XIII. v. 1. pasce sLpaschae; v. 2. Schariotbis 
st Iscariotae» v, 5. misit st mittit» pelvem st pelvirn» v. 6. Symonem st Simonem» v. T* 
dicit St. dixit» v. 8. habes st. habebis v. 9. Symon st Simon; XYI. v. 33. pressuram habe- 
atis St. pr. habebitis» quia ego vici st ego vici» ohne quia; Jo. XVII. 2. potestatem camis 
st p. omnis c.» XVIII. 15. discipulus autem erat st d. a. ille e.» v. 16. hostium &t ostiuiDj 
exiit st exivit» hostiarie st ostiariae« v. 17. hostiaria st. ostiaria» v. 18. et calefaciebant 
se» quia frigus erat, st. quia fri^us erat« et calefaciebant se, v. 21. sciunt hü st hi sciuat ') 

Dass der böhmiscke Interpret sich bei seinem Uebers^tzungsgeschäft lediglich an 
sein lateinisches Original» welches er eben mit einer Interlinear-Yersion versehen wollte, 
gehalten» dass er ohne Benutzung der damals gewiss schon vorhandenen und wo nicht 
in Böhmen» so doch in Mähren und den südslawischen Ländern bekannten cyrillischen 
oder kirchenslawischen Version an seine Arbeit gegangen» dass er seine Absicht, eine 
wörtlich genaue» gemein fassliche Uebersetzung zu liefern; ohne dem Geiste der böhxni- 



*) AoB dem 80 eben erscfaienenen Nov. Test, cum varr. cod. Amiat. Dunc ^ PlorenL Laareot sec. VI.. 
•d. Fieek Lip»« 18iO. 12. erieben i«ir, das8 der Ist. Text unseres Fragments in vielen wichtigen L«t- 
arUBy t. B. 12, 7 sioe, 13, 22 dicunt» 12, 23^ gloxificetur» 12, 40 inteUigiml, 13, 8 kabes u. s. w., ■»< 
jener äke&teo Handschrift übereinstimmt. 



§. 21. BttckaffenluU dir hUerlintar^Vtrsünu 157 

sehen Sprache zu nahe za treten, im Ganzen und bis auf einige, bei ersten Versuchen 
der Art unyermeidliche, Versehen gut und glücklich erreicht hat, lehrt die nähere Be- 
trachtung und Analyse des uns erhaltenen Bruchstücks seiner gewiss eben so mühevollen 
als schätzenswerthen Arbeit* 

Wie genau sich der Interpret an seine lateinische Handschrift gehalten hat, 
zeigen am besten gerade die von dem Texte anderer Handschriften abweichenden Wörter 
und Phrasen, z. B. Jo. XU. v, 7. sine st. sinite^ y. 8. pauperes enim habetis (ohne semper 
nach enim), t. 11. propter illum ibant st. abibant, y. 26. minisdrayit st. ministrat, Jo. XVI. 
y. 33« quia ego yici st ego yici, ohne quia, Jo. XVIll. y. 15. discipulus autem erat, ohne 
iile nach autem u. s. w., welche er buchstäblich genau durch nechaj, chude bo imate, 
proä chodiachu, poslnii, je*ie jaz svitiezich, udennik ie. b^Se u. s. w. übersetzt. Nur 
an solchen Stellen, wo das Kleben an dem Buchstaben des*Originals offenbar den Sinn 
gefährdet hätte, erlaubt er sich einige mal zu Gunsten seiner Muttersprache yon der 
fisstgesetzten Regel abzuweichen; so übersetzt er z. B. Jo. XU. y. 5. yendit, y. 22. dicunt, 
¥. 40. et intelligant u. s, w. ganz richtig durch prodade sie, rekosta, i nerozum^ju u. s. w. 

Um die Leser in den Stand zu setzen, über das Verhältniss unserer ältesten böh* 
mischen Version der Eyangelien zu der cyrillischen urtheilen zu können , haben wir die 
unserem Fragment entsprechenden Stücke aus einer der ältesten bis jetzt bekannten 
Handschriften, aus dem sogenannten Ostromirschen Eyangelium yom J. 10S6 — 1057, jetzt 
in Sanct-Petersburg, böhmisch orthographirt, hier abdrucken lassen. Diese yon Herrn 
Wostokow aus dem Original abgeschriebenen StQcke hatte Hr. Hanka bereits in seiner 
Ausgabe des Dobrowskyscben Slawins mitgetheilt; wir haben bei unserem Abdruck die 
uns yon Hm. Hanka gefällig mitgetheilte unmittelbare Abschrift Wostokow's benutzt, und 
die cyrillische Orthographie so gnt als möglich durch die lateinisclihböhmiBche genau 
dargestellt. £in Abdruck mit cyrillischen Buchstaben, der in unsem Officinen immer mit 
grossen Schwierigkeiten yerbunden ist, schien für unsem gegenwärtigen Zweck, der mit 
cyrillisch-paläographisch-grammatischen Untersuchungen nichts gemein hat, nicht unum- 
gänglich nothwendig, ja nicht einmal erspriesslich zu sein« Wir wollten unsere Leser 
bloss in den Stand setzen , beide alten Versionen auf die leichteste und bequemste Weis6 
gegeneinander zu halten, um sich yon ihrer Selbständigkeit zu überzeugen. Wo der 
Thatbestand so klar spricht , da hallen wir jede weitere Bemerkung über das Einzelne 
für überflüssig. Durch die zufallige Uebereinstimmung einzelner Worte und Ausdrücke 
wird sieh, bei dem Alter unserer Versionen und bei der grossen Verwandtschaft der slaMri- 
schen Dialecte, kein Kenner beirren lassen. Jo. XII. SS. 40 hält sich unser Interpret ganz 
an die Vulgata; die cyrillische Version folgt dort dem griechischen Texte. 

So gelungen, d. i. treu, fasslich und grammatisch correct, uns die Uebersetzung 
im Ganzen erscheint, zumal wenn wir sie ab den ersten oder docii aller Wafarscheinlieb- 
keit nach als einen der ersten Versuche dieser Art betrachten, so gewahren wir doch 
in dem uns erhaltenen Stücke auch einige nicht unbedeutende Mängel und UnyoUkommenF 
heiten. IMese Mängel sind zweifacher Art; entweder hat der Interpret den Sinn des 



156 Denkmäler der böhmischen Sprache. EoangeUum Jchannis* 

Originals nicht genau und richtig wiedergegeben^ oder derselbe lies« sich Fehler gegen 
die Grammatik der eigenen Muttersprache entschlüpfen. Die letzteren« wohin namentlich 
die aus engherzigem Kleben an dem Buchstaben des Originals entsprungene Vernach- 
lässigung der Flexion im kraP Israel st. Israilev« dci Sion st. Sionja od. Sionova, und 
der Praepos. in pride Jesus Hierusolim, die fehlerhafte Verbindung der praet. simpl. hHe 
predade zu einem Tempus periphr.« die eben so regelwidrige Verknüpfung des aby mit 
dast* St. dalo, endlich der Gebrauch des Adj. poss. statt des Gen. subsU in r£ö Esaie 
prorokova gehören, haben wir bereits oben in der grammatischen Uebersicht besprochen: 
wir wollen desshalb hier bloss beispielsbalber einige Mängel und Versehen der ersten 
Art ausheben. Jo. XII. t. 10 wird cogiuverunt durch poznachu fibersetztf sehr unpas- 
send, besser die spätere böhmische Version, mysliechu, noch besser die cyrillische, sVe§ta- 
^e, da der Sinn des gr. ißcmkevtrapto dem lau deliberarunt entspricht. V. 19. nihil -profi- 
cimus, nide neprodinichom, buchstäblich ängstlich nach dem Lateinischen, besser die 
spätere Version neprospevamy, und die cyrill. ni kaja 2e pol'za jest\ V. 211. ntsi — mor- 
tuum fuerit, ad — umrelo bude , wohl nur aus Versehen fehlerhaft st aö — umrelo ne- 
bude, cyr. alte neumret\ V. 25. perdet eam , preda ju, wohl durch Verwechslung des 
perdet mit prodet, die spätere Version ztratiti, cyr. pogubit*. Jo. XVII. v. 2. ut omne det 
eis yitam aeternam, abi vse — dast' jim iivot T§den, st. ati vse. V. 14. quia expedit, je* 
ie vymiete, d. i. neuböhmisch yymate, vymoti (herauswickeln), fehlerhaft, durch Ver- 
wechslung der Bedeutungen des mehrdeutigen lat. Wortes expedit, die spätere Version 
ie jest' uzitedno, cyr. jako unje jest Andere, wenn gleich nicht geradezu treffende und 
adäquate, ti'och dabei nicht fehlerhafte und widersinnige Uebertragungen (z. B. viru oba- 
ko, für verumtamen), übergehen wir. 

Wir haben oben §• 16. das Alter unserer Handschrift bloss nach paläographischen 
Kennzeichen bestimmt: wir wollen hier zu dem dort gesagten noch einiges nachtragen» 
und bemerken vor allem, dass auch die Sprache der böhmischen Version für das dort 
angenommene Zeitalter spricht. 

Wenn wir in dem yoriiegenden Falle auch die Sprache mit in Anschlag bringen* 
so meinen wir, dass zwischen ilir und der Sprache unserer zunächst ältesten Denkmäler« 
d. i. der Glossen in der Mater Verborum, der Königinliofer Handschrift u. s. w., eine 
Kluft von Jahrhunderten liegt. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur, bei zu- 
reichender Kenntniss der böhmischen oder überhaupt slawischen Grammatik und bei 
offnen, unbefangenen Sinnen, das Fragment des Evangeliums und die eben genannten 
Glossen oder die Königinhofer Handschrift nacheinander aufmerksam durchzulesen, und- 
man wird hoffentlich weitere grammatische Beweise über diesen Punct nicht verlangen. 
Dass der Urheber der Version ein geborner Slawe und namentlich ein Böjune war, er- 
hellt ebenfalls aus dem ganzen Habitus der Sprache, welche rein, gediegen und im Gan- 
zen grammatisch tadellos ist, und aus der mit fester Consequenz durchgeführten Ortho- 
graphie, welche die, bei Uneingebornen gewöhnliche Verwechslung der Mediae und Te* 
nues b und p, d und C, zu verhüten wusste. Die wenigen, oben gerügten styUstischen 






$•21. Beschaffenhtü der Interlinear' yiersün. 159 

Gebrechen and Mängel sind nicht yon der Art« dass sie nicht ein gebomer Böhme 
bei zu ängsdichem Kleben am Buchstaben des Originals und bei einiger Unachtsamkeit 
bitte begehen können, zumal in jener Zeit der ersten« mithin unvollkommenen Versuche 
der Uebertragung lateinischer Bücher ins Böhmische. Fassen wir die eigenthümliche 
Beschaffenheit der Schriftzüge unseres Denkmjals näher ins Auge« insbesondere den so 
scharf ausgeprägten Character der damals in Deutschland üblichen Hand« moderirt durch 
einige bloss oder doch vorzugsweise in Böhmen gangbare Eigenheiten« z. B. das auch 
in andern ältesten böhm. Handschriften regelmässig vorkommende Zusammenschieben von 
zwei oder mehr kleinen Wörtern in ein Continuum ; so wird uns die Yermuthung nicht vag 
und ungegründet erscheinen« dass der Urheber der Version ein gebomer Böhme ge- 
wesen« der sich in deutschen Klöstern und Schulen« möglicherweise zu Fulda oder 
Regensburg« zum geistlichen Stande ausgebildet hatte« und hierauf in seinem Vaterlande« 
aller Wahrscheinlichkeit nach am Hofe des Herzogs« also in Prag« als Priester lebte und 
fiingirte. 

Bekanntlich liessen sich schon im J. 845 vierzehn böhmische Fürsten oder rieh« 
tiger Lecl^en (duces)« deren Namen uns der Chronist leider nictt aufbewahrt hat« sammt 
ihrem Gefolge in Regensburg in Gegenwart des Königs Ludwig des Deutschen taufen. 
Dieses glänzende Ereigniss konnte unmöglich einzeln und ohne Nachahmung dastehen: 
man hat vielmehr . Grund zu vermuthen« dass das Christenthum um dieselbe Zeit auch 
andere minder hochgestellte Bekenner unter den Böhmen im Stillen und geräuschlos 
gefunden. Ist es nun wahrscheinlich« dass man diese Neubekehrten ohne allen Unter- 
richt in der christlichen Religion gelassen habe ? Dass eift-ige Seelsorger sich nicht bemüht 
hätten« sie wenigstens theilweise«' mittelst populärer Uebersetzungen einzelner Stücke« mit 
dem Inhalt der heiligen Bücher der Christen bekannt zu machen? Verneine es« wer da 
will : die Geschichte der Bekehrung anderer Völker spricht für unsere Annahme. Durch 
den« nicht ohne Zuthun Swatopluk's« von dem mährischen Erzbischof Method« wahr- 
scheinlich im Herbste des J. 871 bekehrten und getauften Herzog Bofiwoj kam die 
chrisdiche Religion in Böhmen auf den Thron« und gleichzeitig nahm die Mehrzahl des 
böhmischen Volkes den Christenglauben an. Es ist höchst wahrscheinlich« dass damals 
auch die« durch Cyrill und Method in Mähren und Pannonien eingeführte slawonische 
Schrift und Liturgie in Böhmen theilweise Eingang geftmden« ohne je die bereits früher 
eingebrachte lateinische gänzlich daraus zu verdrängen. Dass der Uebergang von Heiden- 
thum zum Christenthum bei einem so kräftigen und gemüthlichen Volke« als die Böhmen 
jener Zeit waren« nur allmählich zu Stande gebracht werden konnte« dass er von häufigen 
Stillständen und Rückfällen unterbrochen war« wird Niemanden befremden. Bofiwoj's 
Sohn« der Herzog Spitihnev (895 — 912)« fand in dieser Hinsicht noch so viel übrig zu 
thun« luid entwickelte einen solchen apostolischen Eifer« dass die ältesten lateinischen 
Legenden vom heiU Wenzel ihn sogar als den Urheber und ersten Beförderer der christ- 
lichen Religion in Böhmen rühmen konnten. Die nach dem Tode Swatopluk's in Mähren 
entstandenen Unruhen veranlassten ihn im J. 895 mit dem deutschen Reiche in genauere 



100 Denkmäler der böhmtschen Sprache. Efetngelium Johannis, 

Verbindung zu treten. Von der Zeit an stand Böhmen während seiner und seiner Nach- 
folger Regierung (Wratislaw 912—926, Wenzel d. H. 928—936, Boleslaw 9ä6— 967) in 
geistiger und kirchlicher Hinsicht ganz unter dem Einflüsse Deutschlands : böhmische 
Priester und Seelsorger wurden meist in Deutschland gebildet und sogar Deutsche als 
Lehrer des Christenthums ins Land gerufen. Wenn wir gleich den Worten der slawi- 
schen Legende vom h. Wenzel vollen Glauben beimessen, dass derselbe, durch Für- 
sorge der h. Ludmila zuerst in der slawischen Schrift von einem Popen, hierauf auf 
Veranstaltung des Vaters zu Budeö in der lateinischen unterrichtet wurde, wenn wir auch 
gern zugeben, dass der h. Prokop, dessen cyrillisches, in Frankreich erhaltenes Auto- 
graphon uns unlängst auf das angenehmste überrascht hat, der Aussage seines Biographen ge- 
mäss, etwa im letzten Viertel des X Jahrb. auf VySehrad von slawischen Popen die cyril- 
Usche Schrift erlernte: so können wir doch nicht umhin zu gestehen, dass die slawi&che 
Schrift und Liturgie in Böhmen von Anfang her von der lateinischen in den Hintergnmd 
gedrängt wurde, und nur eine kurze Zeit die Rechte einer tolerirten genoss, um bald 
gänzlich zu verschwinden. Die Ereignisse dieses und des folgenden Jahrhunderts be- 
zeugen dies laut, und die, freilich nur in Abschriften aus dem Xlfl — XIV Jahrb. erhaltene, 
aber der Abfassung nach aus irühern Jahrhunderten stammende böhmische Uebersetzung 
der Evangelien und Episteln, des Psalters, der Leben der Heiligen u. s. w., bekundet 
durch sich selbst zur Genüge, daas sie nicht aus cyrillischen Handschriften abgeschrie- 
ben« sondern von eingebornen Böhmen unmittelbar aus lateinischen Codicibus verfertigt 
worden ist. Unser Evangelium liefert davon einen unumstösslichen Beweis. 

Wenn wir nun erwägen, wie unwahrscheinlich und mit dem anderwärts beobach- 
teten Verfahren nicht übereinstimmend es sei, dass man gleich in der ersten Zeit der 
Einführung des Christenthums in Böhmen, um 845 ff., zur Uebersetzung des ganzen Tetra- 
evangeliums und Anfertigung eines so grossen Codex, als der unsrige aller Wahrschein- 
lichkeit nach war, geschritten sei, wenn wir ferner in Betracht ziehen, dass der leben- 
digere Verkehr zwischen böhmischen und deutschen Priestern, in Folge des festern 
politischen Verbandes beider Länder, erst um das J. 895 eingeleitet wurde und im Laufe 
des X Jahrh. im steten Wachsen war: wenn wir endlich, wie billig, einiges Gewicht auf 
die Schriftzüge unserer Handschrift legen, welche augenfällig dem X Jahrb. angehören; 
so werden wir die Vemiuthung nicht vag und ungegründet finden, dass unser Evangelium 
eben in der letztgenannten Zeitperiode > höchst wahrscheinlich unter der Regierung des 
mächtigen Herzogs Boleslav L (936 — 967), wo nicht schon unter dem frommen Wenzel 
(928 — 936), vielleicht nicht ohne ihr Geheiss, geschrieben worden sei. 

Der im IX Jahrb. neuerwachte Eifer für die Christianisirung und den Unterricht 
der zahlreichen slawischen Zweige im Süden und Westen dauerte im ganzen X und XI 
Jahrh. fort: aus ihm entsprangen die ersten Versuche, das Slawische, Behufs des Unter- 
richts des Volkes, mit lateinischen Buchstaben zu schreiben, die, so geringhaltig sie in 
Vergleich mit dem, was gleichzeitig in cyrillischer Schrift für die südöstliche Hälfte der 
Slawen geleistet wurde, gewesen sein mögen , dennoch für die Geschichte unserer Sprache 



$. 21. Beschaffenheü der hUerlinear^Versum. \^\ 

schmerzUeh vermisst werden. Zu den ältesten Ueberresten dieser Erstlinge des lateinisch- 
slawischen Schriftwesens gehören jene bekannten karantanischen oder windischen Aufsätze, 
welche sich in einer Handschrift des Freisinger Bischofs Abraham (957 — 994)^ ehedem 
in Freisingen > jetzt in der kön. Bibliothek in München erhalten haben. Dass auch für 
die Slawen an der Saale> Elbe und Ostsee fi'ühzeitig von eifrigen Geistlichen das Nöthigste 
zum Unterricht in der christlichen Religion schriftlich aufgesetzt wurde ^ bezeugen die 
alten Clironisten ausdrücklich: leider aber. hat sich davon aus diesen Gegenden nichts, 
wenigstens nichts von Bedeutung (von einzelnen slaw. Wörtern in einem deutschen Psalter 
siehe unten) erhalten. Von dem Merseburger Bischof Boso (vor 971) sagt sein Nachfolger, 
Ditmar, ausdrücklich : ut sibi coromissos eo facilius instrueret, sclavonica scripserat verba, 
et eos Kirieleison cantare rogavit. L. IL p« 40. D'ass Ditinar selbst der slawischen Sprache 
kundig war, sieht man aus seiner Chronik. Von einem andern Merseburger Bischof, 
Werner (yorltOl), heisst es in der Chronik des genannten Stifts: libros schlavonicae lin- 
guae sibi fieri jussit, ut latinae linguae charactere idiomata hnguae Schlayorum expri- 
mereL Dass der Priester Bruno von Aldenburg (1156) bei seiner Mission geschriebene 
Reden in ^awischer Sprache hatte, bezeugt Helmold : Quibus sacerdos Dei Bruno juxta 
creditam sibi legationem sufficienter administravit yerbum Dei, babens sermones conscriptos 
yerbis slavicis, quos populo pronunciaret opportune. L. I« c* 83. 

Dass bei der Uebertragung der biblischen Bücher, namentlich des Evangeliums 

und des Psalters, aus der lateinischen in eine lebende Sprache im ganzen IX, X und XI 

Jahrh. Interlinear- Versionen die beliebtesten waren, ist bekannt genug. Von der grossen 

Zahl solcher Handschriften, welche die Deutschen aufzuweisen haben, wollen wir nur eine 

als Beispiel ausheben, weil sie fiir unsern gegenwärtigen Zweck nicht ohne Bedeutung 

ist. Es ist das von F. Wiggert herausgegebene Fragment einer deutschen Interlinear- 

Version der Psalmen aus dem XI od« XII Jahrb. in Magdeburg (Scherflein zur Kenntniss 

alt« deut. Mundarten. Magd. 1832. 8.), in welchem mitten in dem deutschen Text ein 

Paar slawische Wörter, und an einer Stelle eine radirte slawische Zeile vorkommen. 

Unter allen Versuchen, diese sonderbare Erscheinung zu deuten, scheint uns die Annahme 

die natürlichste zu sein, dass der Abschreiber einen Uueinischen Text mit doppelter Zwi- 

scheniibersetzung, einer deutschen und einer slawischen , vor sich hatte, und an einigen 

Stellen irrthümlich in die slawische Beihe hinein gerieth. Unter den ehemals in Böhmen 

geschriebenen und noch ganz erhaltenen biblischen Büchern nimmt wohl durch Alterund 

Eigenthümlichkeit der Sprache der lateinisch-böhmische Psalter in Wittenberg, den schon, 

J« D. Hoffmann in Lilienthars preussischen Zehenden (II. 344) umständlich beschrieben und 

Adelung falsch fiir einen polnischen ausgegeben haC die erste Stelle ein. Da wir erst 

beim Beginne des Druckes eine genaue Abschrift der böhmischen Version dieses sehr 

interessanten Codex durch Hrn. §tür erhalten haben, so wollen wir einen genauem 

Bericht darüber für die Zukunft versparen. Wir wollen nur noch zum Schlüsse bemerken, 

dass, übereinstimmend mit unserm Evangelium, sowohl in diesem Psalter, als auch in dem 

Magdeburger Fragment, in der bekannten Psalmenübersetzung in Trier, und in andern 

21 



163 Denkmäler, der böhmischen Sprache. JEtfanfeUum Johannis. 

Handschriften nut Zwischenübersetzun^en, Ton denen uns Kunde geworden» die Ueber- 
Setzung mit kleinerer Schrift, als der lateinische Text, geschrieben ist; so dass dieses 
Verhältniss so ziemlich als Regel bei den Alten gegolten zu haben scheint. 

§. 22. Schlusshemerkungen. 

1. So unvollständig die Grammatik ist, die sich aus zwei so kurzen Fragmenten, wie 
die hier behandelten sind, absirahiren lässt, so reicht doch die oben aufgestellte Uebe^ 
sieht der Wort- und Biegungsformen für den unbefangenen Kenner zur Genüge hin» um 
zu der Einsicht und Ueberzeugung zu gelangen, dass der böhmische Dialekt in dem 
Zeitalter der schriftlichen Auffassung unserer Fragmente, also am Ausgange des IX und 
in der ersten Hälfte des X Jahrb., ungeachtet der nicht zu läugnenden grössern Homo* 
geneität mit den übrigen slawischen Mundarten, namentlich mit der sogenannten alt- oder 
kirchenslawischen, dennoch bereits auf einem selbstständigen Wege war und sich von 
diesen in mehreren wesentlichen Punkten unterschied. Wir bemerken diess hier darum 
ausdrücklich, weil man bei einer oberflächlichen Betrachtung der Sache über der Ge- 
wahrung so vieler auffallenden Aehnlichkeiten nur gar zu leicht die wichtigen Unterschiede 
übersieht und so aus unvollständiger Auffassung des Thatbestandes irrige Schlüsse Aber 
die Gleichheit der slawischen Mundarten in einer gewissen Zeitperiode zieht. Die slawi« 
sehe Sprache mag allerdings, wie der Stamm selbst, in einer unvordenklichen Zeit nur 
eine einzige und ungetheilte gewesen sein : aber in der uns bekannten, historischen Zeit 
von einer Gleichheit der Sprache zu sprechen und das Vorhandensein selbständiger, 
scharf ausgeprägter Dialekte in Abrede zu stellen ist gewiss eben so unphilosophisch sIs 
unhistorisch. Wir glauben, dass unsere obige Zusammenstellung der Wort* und Biegungs- 
formen und die spärlichen Bemerkungen, mit denen wir dieselbe begleitet habea> in 
dieser Beziehung ein brauchbares Material zur weitern Prüfung und Vergleichung bieten; 
den Gegenstand selbst hier weiter zu verfolgen, ist nicht unser Zweck. Wir wollen bloss 
zwei Erscheinungen der altböhmischen Mundart, die wir oben kurz berührt haben, hier 
nochmals schärfer ins Auge fassen, nämlich die Darstellung der cyr. und poln. Nasalis 
A, e durch a und «, und die frühe Verwandlung der breitern Vocale a und o in 
den engern e, 

3. Wir haben gesehen, dass unsre beiden ältesten Denkmäler der böhmischen Mund« 
art in der Darstellung desjenigen altslawischen Lautes, welcher im cyrillischen Alphabet 
durch A, im polnischen aber durch e bezeichnet wird, zwischen a und e schwanken (nur 
im Evangelium wird dafiir einigemal ea und ae gesetzt) und sich hierdurch einerseits der 
russischen Aussprache, welche dafür ein ia hat, andererseits aber der serbischen, welche 

■ 

es stets durch e ausdrückt, nähern. Wir lasen in Libusa*s Gericht neben jeja, strojSi 
svatu, Stiaglav, trasechu sie, auch jeje, sviete, kniezna, knieznu, sniechu sie, pocie,' je sie, 
vieöinu, mie, tie, sie u. s. w. ; und eben so im Evangelium neben peniaz, jachu, obratiij 
kniazev, viace, otazal, auch otieze, tieieSi, poöie, veöerie (Gen.), kniezi („cnaezi*'), ranue^ 



$. 22. Schlussbemerkungen* 16S 

znamie» oslie, je {eos, Acc. pl. m.) u* s. w. Hierbei ist es nun auffaUend, dass die zwei 
Denkmäler, die doch der Zeit der schriftlichen AuiTassung nach nicht sehr weit aus ein^ 
ander sein können, nicht nur unter sich nicht übereinstimmen — denn während in Libuäa's 
Gericht: kniexna, je sie, sniechu sie, vieöina geschrieben steht, lesen wir im Evangelium 
fcniazev, jachu und viace — sondern dass sogar in einem und demselben oft dasselbe 
Wort auf zweifache Weise, bald mit a, bald mit e, geschrieben wird. So steht in Libula'a 
Gericht Z. 41 jeja, aber Z. 88 jeje, Z. 95 und 128 svate, sYatu, aber Z. 34 sviete, im 
Evangelium Z. 88 und 129— 130 kniazev, otazal, aber Z. 16 — 17 und 175 — 176, 182 
kniezi, otieie, tiezesi, tieii sie: so wird ferner in dem erstem der Name Stiaglav (d. i. 
cecidit Caput) mit a, das Wort podie hingegen mit e geschrieben, obgleich beide, als 
Praeterila von Inu (seco) und önu (incipio) derselben Form angehören, nnd in andern 
Dialekten wirklich gleichförmig entweder mit a, ia, oder mit e geschrieben werden. Wir 
haben oben den Grund dieser Erscheinung in der Ungleichheit der Aussprache dieses 
ursprünglich nasalen Lautes gesucht und behauptet, dass diese Ungleichlieit in der 
böhmischen Mundart bereits früher Platz gegriffen habe, als unsere Denkmäler nieder- 
geschrieben wurden: hier wollen wir> zur Bekräftigung dieser unserer Meinung, zu den 
bereits oben angelnhrten Beispielen noch einige weitere Belege aus den unsern Fragmenten 
an Alter zunächst kommenden Denkmälern und Quellen, da wir leider keine gleichzeitige 
besitzen, beiiKigen« So wie neben den Namen Bracislav (d. i. Töneruhm) und Yacemil 
(d. i. Mebrlieb) in unsern ältesten lateinischen Urkunden fast gleichzeitig auch die Formen 
Brecislav und Vecemtl gelesen werden; so trefTen wir, übereinstimmend mit dem po-die 
(incepit) in Libusa's Gericht, die Namen Naöiegost, Nadierat, Nadiepik und äieslav, welche 
eben dieses Praet. die von ^nu erkalten, in allen alten Urkunden (z* B. vom J. 1087, 1175, 
1 195, 1196, 1197 bei Boöek) stets mit «, nie mit a, geschrieben. Daflir steht in einer Urk. vom 
J. 1088 (welche aber in ihrer gegenwärtigen Gestalt nach dem Urtheil stimmberechtigter 
Kenner erst im XII Jahrb. aufgeschrieben wurde) „w cnasawezi,'' d. i. v Kniazav'si, im 
Local, statt w Kniaziv'si, wohl grammatisch unrichtig (durch Yerwechalung mit dem Nom. 
Kniaza-ves), jedoch mit einem deutlichen a för das cyr« a, und in den ältesten Hand* 
Schriften des Cosmas ebenfalls Naöarat (Nacarat, Nachar-It). Hieher gehört auch Prejasla- 
yici in einer Urk« von 1131, wenn nämlich, wie es wahrscheinlich ist, und schon Nestor 
erklärt hat, das ja darin ein Rraet. von imu ist. Demselben Wechsel des a und e be* 
gegnen wir in den Glossen der Mater Yerborum vom J. 1202: wir lesen darin mata 
(aientha) mit a, aber auch- obredi (cerimoniae)> urednik, peniez (denarius), vitiez, zajec, 
mäsiec. Es würde uns zu weit führen, wenn wir unsere übrigen alten Denkmäler in dieser 
Hinsicht genauer durchmustern wollten ; wir wollen demnach aus den wichtigisten derselben 
bloss einige Beispiele ausheben, wie sie uns beim zulalligen Aufschlagen gerade in die 
Augen fallen« Wir finden im ältesten Passional (aus dem XIV Jahrh.) : pat (fünf)« patnsdst, 
svaty, svacenii vodü und dazwischen oder daneben jeje sviet5 rucS, svoji svieti ruc^ (Acc), 
kniez, knieiie, poöie, poöiechu, stieti, utie (praeter.), prasöedie, säedie (cyr« H:;vAAHie); 
im Psalter der kön. BibL (ebenfalls aus dem XIV Jahrb.): zpomanu, paroaten, vzal, stf asla 

21* 



i64 Denimäler der böhmüchin Sprache* Evangelium Johannis, 

sie, und wieder zpomieniechom (neben zpomanu und pamaten !), vitiezu, rady kniezecie, 
Ysickni svied jeho; in der Königinhofer Handschrift: tieie (Praet. von tahu), pfede (von 
pfetnu)« rozepie, spiechu (von spnu), zaje (von zajmu), po£ietie> vicestvie, ramie, deviet, 
desiet, und wieder tahü> taie (neben tieie), tazechu, svaza, maso, fad, ifady u. s. w. Diese 
wenigen Beispiele, deren Vermehrung eben so leicht als zwecklos wäre, mögen hinreichen« 
das Befremden über die ungleiche Bezeichnung eines und desselben Lautes in unsem 
Fragmenten zu entfernen. Wir sind überzeugt, dass, besässen wir mehrere, unsem Fragmen- 
ten an Alter gleichkommende böhmische Sprachdenkmäler, wir dieselbe Erscheinung ia 
ihnen antreffen würden. 

3. Ein eben so hohes Alter, als der ungleichen Aussprache und Schreibung des 
cyr. A oder poln. e, müssen wir im Böhmischen dem Umlaut des breiten und ursprüng- 
lichen a in das engere e, vorzüglich nach weichen Gonsonanten y, c, c, s, z, z, seltener 
nach den harten s, w, m, /, u. s. w. , zuschreiben. In unsem beiden Fragmenten finden 
wir diesen Umlaut wo nicht in alleiniger und vollkommener Herrschaft, so doch in voller 
Entwickelung und auf dem Wege dazu. Wir lesen nämlich in dem ersten neben roz- 
vlajase, buria, vlastovica, rozenia, zmija, auch schon öeliedi, öeliedina, dlie, slyse, slyieste, 
vece, devöe ruka, statt öeliadina, dlia, slySa, slySaste, veca, d^vöa ruka, und ebenso die 
Praet. act. continuatae und iterat., klaniechu sie, rozmysliechom, statt klaniachu sie, 
rozmysliachom ; und in dem zweiten neben u^ach , sluSa^e , nosaSe , slySachom, sly- 
äachu, chodiachu, schazachu sie, javno, auch schon im^jech, räjech, diniere, vece, otvece, 
zieveno, u uglie, je£e, sie, vsie (Acc.pl. n.), statt imejach, r^jach, öiniaSe, veca, u uglia u. s. w. 
Wir gewahren in beiden Denkmälern eine aufTallende Ungleichheit und scheinbare Inconse- 
quenz: während gar viejle alte ursprüngliche a unberührt geblieben sind, ist in andern Wör- 
tern, ja oft in einem und demselben Stammworte, z. B. zieveno neben javno im Evangelium, 
bereits ein e an ihre Stelle getreten. Wir wollen nun, da es uns, wie gesagt, an gleich- 
zeitigen Sprachdenkmälern gebricht, die an Alter unsem Fragmenten zunächst stehenden 
Quellen genauer einsehen, um über das Alter und den Umfang dieses Umlauts vollstän- 
digere Aufschlüsse zu erhalten. Sehen wir unsere ältesten lateinischen Diplome durch, 
so finden wir darin noch a. 10l9 Jarogn^v, 1053 Jarolub, 1175 und 1176 ZaviSa, 1187 
BoguSa, daneben aber auch schon a. 1030 dubreva st. dubrava (silva, in Monse's Fragm. 
bei Boöek, vgl« das bulg. treva st trava u. s. w.), 1165 ZaviSe, 1169 TvrdiSe, 1196 Jero- 
slav (vgl. jef St. jaf in Jungmanns Wörterbuch) u. m. a. Der Name Blag wird in den 
Urk. 1180 — 1190 abwechselnd Blag und Bieg geschrieben. In den Glossen der Mater 
Yerborum vom J. 1202 : jatrvenici (dual, f., janitrices, duorum iratrum inter se uxores), 
und dagegen jesder (lacertus), kure noha (gallicrus, Hahnfuss), koze brada (Bocksbart)» 
vse öeled' (omnis familia), mit welchen drei Wörtern man das d^vöe ruka unseres Frag- 
ments vergleiche, ferner öehe, ielud, ohniSöenin, Ser, meze, tieie (moles), nejesyt, Stievel, 
vlastovice, poselnice st. daSa, ialud, ohniScanin, $ar, meza, tieia, nejasyt, Stiavel, vlasto- 
vica, poselnica* Im Passional aus dem XIY Jahrb. im Museum : uzast* und uzest\ ponu- 
cal, nical und ponuce (praet), ponucejic, ponucenie, niceti, niciese, pozvuöal, und da* 



$, 22. Schlussbemerkangen, 1611 

gegen my*l öloveöe, bozie pomoe^ poddeSie, trmacieti, usly§echu» daviechu, pejechu, 
neimejesta , idieSe« pfituIieSe« dvoje podstat^ zievil sie^ kr est^ne^ Rimene^ meStene u. s. w. 
In dem Psalter der kön. Bibliothek: uslysal/bSzal sem, dotycati ; dahingegen neslySech, 
feviech (mugiebam)» jedeSe (capiebas cibos)» mluva boie^ dela bozie u. s. w. In dem 
Psalter des Domkapitels : kriöal sem^ aber dagegen reviech^ mluviech^ m^sech^ pijechu, 
nuziechu u. s. w. In den Glossen des Psalters im Museum : zemani^ und gleich darauf 
zemene» stieyik u. s. w. In der Königinhofer Handschrift höchst merkwürdiger Weise 
noch dreimal bozia mati^ S. 14. 24. 28., einmal beda tuzsia S. 24., ferner vsia Prahä, 
Trazia (pl.), hnutia, bufia (Nom.), nadeja, me^a (Gen.), tuöa (Nom.), visia (pl.), stoja 
(pl.), dusa(Nom.), pustiäSe, obecati ob^t', aber dagegen byySe blahost', sila petkr^t vie^Se 
Praian, vece, le£e, beie, vzezvuöie, zahudie (Praet), huöiechu, snieäe mi sie, Isknieäe 
sie, bufieäe, rostieSe, kryjeSe, dochazese, klekniechu, hrniechu, diviechu sie, mijechu, sy- 
piechu, sraiechu, ja. sogar nedozdech neben zda$e, zdachu. In einer Handschrift aus dem 
Anfange des XIT Jahrb. liest man ausdrücklich ieltaf statt ialtaf ; in andern alten Quellen 
jef St. jar, £es st. das, zieh st. zlab, uiesnu sie, nestojte st nastojte u. s.w. Noch mehr, 
in den Denkmälern des XIV Jahrb. , in DalemiFs Chronik, in der Alexandreis, in den von 
Hm. Danka herausgegebenen ascetischen Gedichten u. s. w., liest man zu dutzendmal 
nem und rem st. nam und vam, und in den ältesten Handschriüben der böhmischen 
Rechte eben so häufig ze de st. za de, za-ö (ygl. ze-jtra st. za-julra), anderer, eben so auf- 
fallender Beispiele nicht zu gedenken. Uebngens gehört der Umlaut des a in e nicht 
ausschliessend der böhmischen Mundart zu ; man findet ihn, wiewohl yiel seltner, auch 
in sehr alten cyrillischen Handschriften bulgarischer und ausnahmsweise auch serbischer 
Familie (wo zwar ein -», $, geschrieben wird, welches aber im Munde der Bulgaren fast 
wie ein e lautet), ferner in der windischen Mundart; wo jez (jes, jest), jedro, jereb, jesen, 
jetra, jedmen, de, ^eca, met^r, melina, kre, dlesk, hrebati, dreta, trep, dleto, zelod, 
zedlo, ielovati u. s. w. gesprochen und geschrieben wird. Wir verweisen Kürze halber 
auf das, was wir über diesen Gegenstand bereits früher in unsem Serbischen Lesekörnern 
S. 42 — 44 angemerkt haben. Die dort angeführten Beispiele Hessen sich aus andern, 
zum Theil altern bulgarischen Handschriften ansehnlich vermehren, wenn der Zweck unserer 
gegenwärtigen Schrift ein längeres Verweilen dabei nicht unräthlich machen möchte. 

4. Nicht minder alt im böhmischen Dialekt ist der Umlaut des Vocals o in « im Socia- 
tiv msc. der 1. Decl. einfacher Zahl: rokem, hohem, duchem, ferner im Praeter, der 2 
Conj. sowohl in der einfachen als in der vielfachen Zahl: nesech, nesechom u. s. w., 
endlich in einzelnen Wörtern, wo nach der Analogie anderer Dialekte ein o stehen sollte, 
z. B. nikte, tet, jakez — takez u. s. w. Wir begegnen dem Wechsel der Vocale o und e 
mehr oder weniger auch in andern Dialekten : man vgl. Veles und Volos, Velet und Volot, 
Velin und Volin, Velynane und VolyÄane, pepel und popel oder popol, bebr und bohr, 
lebeda und loboda, jetery, ktery und ktory, teply und toply, sleboda und sloboda, p^ju 
und poju, kreme und krome, seb^, teb^ und sob^, tobe, sebü, tebii und sobu, tobu 
nebe und nebo, vded und vdod, breskev und broskev, nebet und nogt, russ. nogot 



iß$ Denkmäler der böAnuschen Sprache. Evangelium Jchannis, 

u. s. w. Hieher gehören alle im Verhällniss des Lauts und Ablauts stehenden Verba 
desselben Stammes » wie wezu« wezti und vozim» voziti« nesu» nesü und nosim« nositi 
u. 6. w. Das frühe Festhalten des e statt c im Sociativ der ersten männlichen Declination 
und im Praeteritum der 2. Conjugation bildet nun ein wesentliches und untrügliches 
Kennzeichen unserer ältesten böhmischen Mundart« wodurch sich dieselbe von ihren 
östlichen und südlichen Schwestern unterscheidet. Bei dem Sociativ leidet die Regel 
keine Ausnahme : bei dem Yerbum liegt der Singular (nesech« fedech» mozech« tiidech) 
und Plural (1. nesechom, reöechom^ 2. neseste« feceste« 3. nesechu« feöechu u. s. w.) 
ebenfalls klar am Tage: über den Dual gehen uns hinreichende Belege ab> unser Frag» 
ment des Evangeliums bietet auffallender Weise Z. 43 ein rekosta statt reöesta dar. 
Weitere Belege für den häufigen Wechsel des e und o bietet Hm. Jungmann's Wörter- 
buch in reichlicher Fülle dar; wir wollen bloss bemerken, dass die Formen blysket» jeket, 
tluket u. s* w.» statt blyskot» jekot u. s. w.» in der Königinhofer Handschrift, nikte, jakei — 
takez im ältesten Passional sehr häufig sind, und dass, während man im Passional: ai 
tot jeni prosp^ti nemohl, liest, in den ältesten Rechten dafllr mehrmal tet pövod vor- 
kommt. Aus diesem Wechsel der Vocale und e lässt sich erklären, warum das Wort 
vtery in unseren ältesten Denkmälern abweichend geschrieben wird: es lautet nämlich 
in Libu^as Gericht Z« 66: U vtorej med krivdy karajuci« dagegen in der Königinhofer 
Handschrift S. 72, 78 : I minu den prvy, i minu den vtery. Noch Weleslawm hat in seiner 
Sylva quadrilinguis beide Formen, vter^ und vtor^, verzeichnet. Ja in der Königinhofer 
Handschrift liest man sogar in einem, und demselben Gedicht, unstreitig einem der ältesten 
der ganzen Sammlung : kralevym vrahom und kralovy voje, S. 80 u. 8t« 



167 



GESCHICHTE DER BEmEN FRAGMENTE 



§. 23. Bekanntwerden und Schicksale der Fragmente. 

A.m Ib. April 1818 erliess der damalige Oberste Burggraf des Königreichs Böh* 
menj Se. Excellenz Graf Franz von Kolowrat-Libsteinsky, gegenwärtig k. k. Staats- und 
Conferenzminister in Wien^ jenen denkwürdigen Aufruf »an die yaterländischen Freunde 
der Wissenschaften,« welcher eines der wichtigsten wissenschaftlichen Institute des Vater- 
landesj das böhmische Museum^ ins Dasein rief, und bei gebildeten Böhmen, hohen und 
niedero, Enthusiasmus erregte« Bald wetteiferten alle Stände in Darbringung patriotischer 
Gaben und Beiträge, sei es in Geld, oder in Materialien, Büchern, Handschriften, Ur- 
kunden, Naturalien u. s. w. Zur vorläufigen Aufnahme und Sammlung des Dargebrachten 
waren die beiden vorzüglichsten Mitatifter der Anstalt, Graf Kaspar Sternberg, der nach- 
malige, nunmehr leider schon verstorbene erste Präsident des Museums, und Graf Franz 
Klebelsberg, jetzt k. k. wirkL geh. Rath und Kämmerer, schon in jenem Aufrufe benannt 
worden; schriftliche Erklärungen aber ersuchte Se. Excellenz der Oberstburggraf an ihn 
selbst einzusenden. 

Unter den Sendungen, die nun erfolgten, befand sich im Monate November 1818 
auch das Fragment von Libusa's Gericht, das ein Ungenannter, unter der Adresse des Herrn 
Oberstburggrafen, in den Briefkasten des Prager k. k. Oberpostamtes warf und mit fol- 
gender, hier buchstäblich genau abgedruckter Zuschrift begleitete: 

»Eure Excellenz l In unserm Hausarchive lagen anliegende vier Blatt Pergament 
»yielleicht Jahrhunderte lang im Staube verworfen. Da ich aber die erhabenen Gesin- 
nnungen meines Herrn (der ein eingefleischter deutscher Michel ist) in Rücksicht des 
nNationalmuseums kenne : denn er würde es lieber verbrannt o« verfault sehen als selbes 
»dieser Anstalt zu schenken, so verfiel ich auf den Gedanken diese Blätter an Ew. Excel- 
»lenz anonym zu senden, denn unter meinem Namen liefe ich Gefahr meines Dienstes 
»verlustigt zu werden; und bitte selbe in diesem vaterländischen Institute von einem un- 

m 

»genannten wahren Patrioten zu verehren. Ihren Inhalt konnte ich nicht, obwohl ich weder 
»Zeit noch Mühe sparte, zusammen bringen, und bin sehr neugierig darauf. Ich hofe 
»der böhmische Professor o. ein anderer böhm. Gelehrte wird es nicht so schwierig 



I 



468 Denkmäler der böhmischen Sprache. Geschichte der beiden Fragmente. 

»finden. Schade dass sicji die Schwärze wie ich den Staub mit feichten Schwamm ab- 
»wischte nachher in*s Grüne verwandlte.« 

»Mit Bley geschrieben damit man meine Hand nicht erkenne.« 

Die Schrift diesem Zeilen ist so steife unnatürlich und sichtbar verstellt» ddss man 
deutlich sieht^ es sei dem Einsender ernstlich darum zu thuu gewesen« zu verhüten« dass 
er ja nicht erkannt werde. Das Wort „wahren** (vor ^Patrioten'') ist ein über der Zeile 
angebrachtes Pentimento. 

Von dem Herrn Oberstburggrafen wurde die ganze Sendung dem Grafen Kaspar 
Stemberg übermittelt, der sich damals auf seiner Herrschaft Radnitz im Pilsner Kreise 
aufhielt. Der damalige Pfarrer von Radnitz« der verdienstvolle Anton Jaroslaw Puchfnayer, 
einer der ersten Wecker und Begründer der neueren böhmischen Literatur (i'1820), war 
der erste slawische Gelehrte, der diese Handschrift zu lesen bekam. Als DobrowskVs 
erster und eifrigster Schüler seit 1195, als Kenner fast aller slawischen Dialecte, und 
Verfasser einer schätzbaren russischen Grammatik, so wie auch eines interessanten Ver- 
suchs über die Zigeunersprache, war Puchmayer ohne Zweifel einer der tüchtigsten sla« 
wischen Philologen, die Böhmen damals aufzuweisen hatte, und somit vor Anderen ge- 
eignet, das Fragment zu verstehen und zu erklären. Er machte sogleich ein Fac-simile 
davon aus freier Hand, das mehr darauf berechnet war, den Inhalt leserlich darzustellen, 
als die alten Züge durchaus genau wiederzugeben, aber dennoch nicht ohne Verdienst 
ist, da er dabei das Ganze in der Art entzifferte, dass er nur an vier Stellen die rech- 
ten Buchstaben verfehlte. Hierauf schrieb er den Text mit neuerer Orthographie und 
gehöriger Wortabtheilung nochmals ab, übersetzte ihn in deutsche Prosa, und commen- 
tirte das Ganze in Bezug auf Inhalt, Sprache und Schrift, obgleich er durch den Miss- 
griff, die dritte Columne fiir die erste, die vierte für diie zweite, die erste fiir die dritte 
u. s. w. zu nehmen, über den Inhalt nicht genug ins Reine kommen konnte. 

Dieser erste philologische Versuch über das älteste Denkmal der böhmischen 
Schrift und Sprache ist in vieler Hinsicht merkwürdig ; er beweist gar schlagend, auf 
welcher niedrigen Stufe, in welchem unmündigen Zustande sich damals die böhmische 
Sprächkunde überhaupt befunden haben muss, wenn einer der ersten Kenner dieses 
Faches das relative »ideze« (ubi) für »ide se» (itur), »v seze« für »vSe se,« »iuie« (ur 
»i viea halten, »pogubisaülutu« als »po Gubisaölutu« (nämlich als den Eigennamen Gubi* 
sanluta) lesen und erklären konnte (als hätte Libu$a Boten zu dem »Gaugrafen Gubisan- 
lutaa, »dem Drachenerlegera gesendet), die Stelle »Ai Vl'tavo ! 5e mutiSi vodu« ^ 
»Kvjlcta: (»Sie beide jammern«:) yoöe mutisi vodu« ausgab, und fünfzig andere Fehler 
dieser Art beging. »Ot bred uletorecnih« las er: »ot Bred& (!) l^tofedn;^ch,a und sagte: 
»letofednjf'cha mag sich auf die unterhalb denBrdy fliessende, bei Tetin in die Mies fallende 
Liiawka beziehen.« Bezeichnend sind auch folgende Erklärungen : ^Kmet ist ein Bauer, hi^ 
wohl ein Aeltester des Volkes; lech ein tapferer Mann, ein Ritter; vlAdyka ein Herrscher, 
ein Edler.« — »Veätby vftezov^« übersetzte er »Wahrsagerkünste des Wites.« — »Druioi 
vlastovica« »das Gefolge von Wlastow's Sohn« — u. s. w. 



§, 23. ßekarm^erden und Schicksale derselben. |09 

Abb^ Joseph Dcbrcwsky, der Begründer der slawisehen Philologie als Wissen* 
Schaft» befand sich eben auf Reisen« als jenes Manuscript zum Yorschein kam. Gleich 
bei der ersten Nachricht« die er darüber erhielt, fasste er Misstrauen« und schrieb nach 
Prag« gpian solle sich damit nicht übereilen« denn die Sache komme ihm verdächtig vor« 
Puchmayer sandte einen umständlichen Bericht darüber dem indessen nach Prag zurück- 
gekehrten Veteran der böhmischen Sprachforschung« von Radnitz am 20. Dec. 1818; und 
fugte hinzu : das Manuscript halte der Graf (Sternberg) bei sich ; es sei »ur« uralt« aber 
leider nur ein Bruchstück« ohne Zusammenhang« da die Mittelblätter fehlten; er (Puch- 
mayer) würde es gleich ganz an Dobrowsky übersenden« da aber Se. Excellenz »gar zu 
grosse Freude« daran habe« und es selbst nach Prag mitnehmen wolle« so dürfe er ihm 
nicht vorgreifen. Das Fac-simile schickte dagegen Puchmayer an Dobrowsky an dem- 
selben Tage nach Prag. 

Obgleich Dobrowsky den Text aus dem Fac-simile viel richtiger las« und auch 
zwei Fehler desselben mit glücklicher Gonjectur verbesserte« so konnte doch auch er 
nicht damit ins Reine kommen« zumal da er den Missgriff« den Puchmayer mit der'ßlätter- 
folge gemacht« nicht gewahr wurde. Erst unsere noch lebenden CoUegen« die Herren 
Jos« Jungmann und W. Hanka, denen das Fac-simile mitgetheilt wurde« entdeckten nach 
langen Studien jenen Missgriff« brachten die Columnen in die richtige Folge« und ent- 
räthselten so glücklich den Sinn des Ganzen. 

Die mysteriöse Art der Einsendung dieses Fragments« und dessen Inhalt (zu- 
nächst die darin wiederholte Meldung von Cech's Heereszug nach Böhmen) « hatten Do- 
browsky's Verdacht zuerst rege gemacht; die schon durch das Fac-simile bemerkte» Ab- 
weichungen der Sprache von dem bis dahin nur aus der Königinhofer Handschrift be« 
kannten ältesten Typus derselben« die er sämmtlich für Anomalien« (ur Fehler hielt, be- 
stärkten ihn in dieser Stimmung; und als er endlich« nach Weihnachten 1818 , das Ori- 
ginal selbst zu sehen bekam « war seine Meinung alsogleich entschieden. »Beim Anblick 
der Schrift und Tinte konnte mir kein Zweifel übrig bleiben«« äusserte er später gegen 
Puchmayer. Er erklärte bestimmt und offen« das Ganze sei ein Betrug« ein unterscho- 
benes ungeschicktes Machwerk noch lebender Verfasser« und bezeichnete eben so deut- 
lich die Herren Jungmann und Hanka als die Urheber und Einsender desselben« indem 
er am 29. Januar 1819 an Puchmayer schrieb: »Dass die Verfasser des alten Fragments 
es besser abtheilen« lesen und verstehen« als Sie oder ich« ist sehr begreiflich» Nur mit 
der Tetui Popeloua wissen sie selbst nicht recht« was sie haben sagen wollen. Dass es 
zehnsylbige Zeilen sind« hätten Sie wohl merken sollen.« Noch bestimmter sprach er 
sich bald darauf (9. Febr. 1819) in einem Briefe an den verstorbenen Pfarrer Vinc. Za- 
hradnjk aus: »Rukopis ten« gegi horlitele sami sloiili« a gen£ neywyssjmu purkrabjmu od 
nezntoi^ho aneb nepodepsan^ho dloweka dod^n byl pro £esk^ Museuoi« gist^ podwrien 
(supposititius) a wnowe na starem pergamene pozelenaw^pm inkaustem napsAn gest« gaki 
fk hned z textu« nei sem ho widel« saudil. Ted i ginj ginAd o n^m nesaudj« nei p. 
Jungmann a Hanka gesteby ho rÄdi zastawati cht^li. Gednoho z t^ch panü« aneb oba« %k za 

22 



i70 Denkmäler der böhmischen Sprache, Gesehichie der beulen Fragmente. 

skladatele« a p. Lindu ca pjsaife drijm.« Somit wurden hier drei Mitschuldige des an- 
geblichen Betrugs« Jungmann, Hanka und der im J. 1834 yerstorbene Joseph Lindai 
bcEichtigt. 

Dobrowsky's bestimmte Versicherungen, von scheinbaren Beweisgründen fäuf die 
wir zurückkommen werden) unterstützt« landen fast allenthalben in Böhmen Glauben, und 
mit Bedauern sahen die Patrioten in ihrer Freude über diesen kostbaren Fund sich ge- 
täuscht. Niemand war damals noch in den Geist und die Formen der altböhmischen 
Sprache tief genug eingedrungen, um D/s Fehlschlüsse aufdecken und berichtigen zu 
können; und mit Diplomatik, Paläographie u. dgl. hatte zu jener Zeit, ausser ihm, gar 
Niemand in Böhmen sich ernstlich Beschäftigt. Nur die der Impostur Bezichtigten muss- 
ten gegen die ihnen -zugetraute Autorschaft protestiren und nicht allein ihre Unschuld, 
sondern auch die Echtheit des Fragments ihrem Gefühle und ihrer Ueberzeugung gemäss 
vertheidigen. Aber ihre Stimme fand wenig Glauben, und die Autoritäten des böhm. 
Museums beschlossen, dass das so bestrittene Corpus delicti zwar nicht Ternichtet, aber 
auch nirgends besprochen, sondern der Vergessenheit übergeben werden sollte. 

Indessen cirkulirte das Gedicht doch schon in einigen Abschriften im Publikum, 
und kam auch, durch Vermittlung des noch lebenden Hm. Prof. Anton Jungmann, dem 
polnischen Schriftsteller J» B, Rakowiecki zu, der es alsogleich im ersten Bande seines 
Werkes „Prawda ruska'' (Warschau 1820), abdrucken Hess und als eines der schätzbarsten 
Monumente* des Alterthums mit Commentaren begleitete. Aus diesem Werke schöpfte es 
der Präsident der russischen Akademie, Admiral Siskctv, und theilte es, nebst einer 

■ 

russischen Uebersetzung , im neunten Hefte der Izw^stija Rossijskoj Akademii (St 
Petersburg 1821) mit 

Da jedoch das Fragment sowohl von Rakowiecki als von §i§kow fehlerhaft gelesene 
daher auch unrichtig übersetzt und commentirt worden war : so veranstalteten die Herren 
Joseph und Anton Jungmann einen correcteren Abdruck davon im dritten Hefte der böb« 
mischen encyclopädischen Zeitschrift Krok im Jahre 1822^ und sorgten zugleich, durch 
Uebersetzung ins Neuböhmische und durch Erklärung einzelner Worte, für die richtigere 
Auslegung des Textes, ohne von Dobrowsky^s Einwendungen gegen die Echtheit des 
Ganzen Kennlniss zu nehmen. Durch diese Leistung wurde das Verständniss des 
Gedichtes sehr gefördert und auch im Publicum verbreitet. Schon im folgenden Jahre 
1823 erschien in der Zeitschrift ,^Kranz" in Prag eine deutsche metrische Uebersetzung 
davon« die Aufsehen machte und begierig gelesen wurde» 

Nun war es der echte poetische Geist, der so eigenthümlich und so kräftig ans 
dem ganzen Fragmente spricht, was in einem grösseren Kreise die ersten Zweifel gegen 
Dobrowsky*s Behauptung erregte. Gebildete Männer, selbst Deutsche, die ftir Poesie 
empfänglich, aber dem Streit bis dahin fremd gewesen waren, nahmen jetzt Theil daran, 
und traten auf die Seite der Gegner Dobrowsky's; denn es wurde ihnen offenbar, dass 
man das herrliche Gedicht keineswegs mit ihm „ein elendes Machwerk, ein Geschmiere^ 



§. 23. Bekanntwerden und Schicksale derselben. 171 

nennen durfte; gesetzt auch» dass es Ton einem böhmischen Chatterton» einem «»grossen 
Unbekannten''» herrühren sollte. 

Durch den wachsenden Anhang seiner Gegner gereizt» brachte D« den bis dahin 
nur mündlich und brieflich geführten Streit selbst Yor das grosse Publicum, Er Hess 
einen vom 28 März 1824 datirten und mit »,J. D. Mitglied des Ausschusses des böhmischen 
Museums'' unterzeichneten Aufsatz» unter dem Titel »»Literarischer Betrug"» in Freih. v* 
Hormayr's Archiv für Geschichte» Statistik» Literatur und Kunst (in Wien» Nr. 46» vom 
16 April 1824)» einrücken; worin er die Geschichte des Fragments» dessen anonyme Ein- 
sendung berichtete» den Brief des Einsenders ganz mittheilte» den Betrug schon daraus 
allein (tir handgreiflich erklärte» ohne auf weitere Beweise fiir seine Ansicht einzugehen» 
und seine gleichsam ämtliche Erklärung mit folgenden Worten schloss : »»von nun an wird 
es (das Fragment) Niemand mehr fiir was anderes halten können» als fiir einen offenbaren 
Betrug eines Schurken» der seine leichtgläubigen Landsleute zum Besten haben wollte." 
Gegen diese Erklärung trat» in demselben Archive (No 64 vom 28 Mai 1824)» der 
durch seine treffliche Uebersetzung derKöniginhofer Handschrift rühmlich bekannte Prager 
Professor W. A, Swoboda auf. Er stellte in seinem Aufsatze eine metrische treue und 
grösstentheils gelungene Uebersetzung voran » fügte Anmerkungen zur Erklärung einzelner 
Stellen hinzu» und liess dann eine Entgegnung folgen» in welcher er auf die Unzuläng- 
lichkeit der von D. bis dahin für seine Behauptung vorgebrachten Gründe und Beweise» 
auch auf einige Widersprüche desselben aufmerksam machte und das Fragment vorzüg- 
lich wegen des darin unverkennbaren alterthümhchen Geistes» der auf Naturanschauung 
gegründeten Dichterkraft und schlichten Einfalt» die es bezeichnet;« in Schutz nahm, 

Dobrowsky liess darauf in derselben Wiener Zeitschrift (dem Archive No 79 vom 
2 Juli 1824) eine »»Vorläufige Antwort auf des Herrn W. S. Ausfälle*' drucken» und trat 
später» im 27. Bande der Wiener Jahrbücher der Literatur (1824) mit einer umständli- 
chen Recension der Prawda ruska von Rakowiecki (S. 88 bis 119) auf» in welcher er auch 
S. 95» und 100 — 114 alle seine Gründe gegen die Echtheit des böhmischen Fragmentes 
umständlich entwickelte» um damit diese Sache» wie er sich später (Archiv vom U.Febr* 
1825) ausdrückte» ein für alle mal abgethan zu haben. 

Und wirklich schien sie jetzt» wenigstens dem grössten Theile des Publicums» 
für inuner abgethan zu sein. Die historischen und philologischen Gründe Dobrowsky's 
(auf welche wir zurückkommen werden) hielt man fast allgemein für schlagend; in eine 
paläographische Würdigung der Schrift hatte er sich nicht eingelassen« Die öffentliche 
Meinung in Böhmen bildete sich jetzt dahin aus> dass nur Hyperpatrioten noch an der 
Unechtheit dieses Fragments und an dem literarischen Betrüge zweifeln könnten. Prof. 
Anton Jungmann schrieb zwar noch eine Entgegnung : aber er liess sich von seinen 
Freunden bewegen» sein Manuscript zurückzubehalten» um den leidigen Streit nicht noch 
bitterer zu machen and das Alter so wie die früheren Verdienste Dobrowsky^s zu schonen ; 
zumal da Letzterer sich in diesem Punkte ungewohnlicJU reizbar und leidenschaftlich zeigte« 

22* 



Denkmäler der böhmischen Sprache. Geschichte der beiden Fragmente, 

Als D. später erfuhr^ dass der berühmte Dr. Bowring, seitdem Parlamentsmitglied 
u. s. w., auch eine böhmische Anthologie in englischen Uebersetzungen herauszugeben' 
beabsichtigte > schrieb er ihm einen warnenden Brief über die angeblichen Imposturen, 
den Dr* Bowring dann auch pag. 7 — 8 seiner Cheskian Anthology (London 1833) mit- 
theilte > und nach Anfiihrung auch der ihm bekannt gewordenen Gegengründe seinen 
Bericht darüber mit den Worten schloss : «>Between such authorities 1 dare not attempt 
to decide" (pag. 9.) 

So blieb die Sache einige Jahre lang im Zustande factischen Stillstandes, obgleich 
keine der Parteien ihre subjective Ueberzeugang aufgegeben oder geändert hatte. In- 
dessen gewann aber die Frage eine neue Bedeutung durch einen Zufall« der eine Lösung 
derselben dringender« nothwendiger und leichter machte« als sie bis dahin gewesen war. 

Im März 1828 kaufte der Bibliothekar des Museums« Hr. Hanka« von einem Prager 
Antiquar jenes in beschriebenes Pergament eingebundene Buch« worauf sich das Fragment 
der Eyangelien mit der böhmischen Interlinear-Version befand (s. oben §. 16). Er löste 
das Pergament ab und säuberte es nach Möglichkeit« leider 1 ohne yon seinem wichtigen 
Funde Jemanden früher zu benachrichtigen« als bis er damit fertig war. Die Redaclion 
der böhmischen Museumszeitschrift (Casopis öeskeho Museum) gab alsogleich (im 2. Hefte 
des J. 1828) ihren Lesern vorläufige Nachricht dayon. 

Als das neuentdeckte Fragment zu Abb^ Dobrowsky gebracht wurde« rief er beim 
ersten Anblick desselben aus : ««Ah« das ist etwas Anderes !" — mit Beziehung nämlich 
auf das ältere von LibuSa's Gericht , das er für unterschoben erklärt hatte. Diese Ent- 
deckung machte ihm wirkliche Freude. Er schrieb das Ganze alsogleich eigenhändig ab« 
und rühmte den Fund mit der ausdrücklichen Bemerkung« dass nun doch die Böhmen 
ein älteres Denkmal ihrer Sprache aufzuweisen haben« als die Krainer in dem bekannten 
Freisinger Codex der königl. Bibliothek in München. Doch dauerte seine Freude nicht 
lange. Als er anfing« die eigenthümlichen Sprachformen dieses Fragments genauer zu 
analysiren« gewahrte er deren gänzliche Uebereinstimmung mit dem Fragment von LibuSa's 
Gerichte. Diess machte ihn irre. Wenn das Evangelium acht und alt ist« so könnte 
auch das Fragment von der LibuSa acht und alt sein : da aber dieses entschieden an* 
acht sei« so müsse er auch jenes als unterschoben verwerfen« — so hörten wir ihn^ 
nicht ohne Verwunderung« urtheilen. Da wir die Schrift in paläographischer Hinsicht in 
Schutz nahmen und deren Echtheit mündlich gegen ihn als ganz unverdächtig verthei- 
digten« so äusserte er etwas bestimmter: gegen den lateinischen Text habe er nichts 
einzuwenden« die Interlinear-Version aber sei neu« und von Hrn. Hanka hineingeschrieben. 
Gegen diesen« den er nun direct als den grossen Falsarius bezeichnete« sprach er kate- 
gorisch : ««schweigen Sie davon« ich werde auch schweigen." Herr Hanka« der sich stets 
als Dobrowsky^s dankbarer Schüler schrieb und bewies« verschloss dem zu Folge das 
unglückselige Fragment« und wollte es seitdem auch uns nicht mehr sehen lassen« Er 
suchte jede Kränkung des alten hochverdienten Mannes zu vermeiden« und tröstete sich 
über die Unbill« die ihm widerfuhr« mit dem richtigeren und billigeren Urtheile der Nachwelt 



524. Bekannhiferden und Schicksale derselben* 173 

Es wurde oft, und auch in der Biographie Dobrowsky's (in den Abhandlungen 
4er k. böhm. Ges. der Wiss. vom J. 1833, Seite 37) die Bemerkung gemacht, dass der 
Streit über die Fragmente die letzten Jahre seines Lebens verbittert, und er darin eine 
auffallend leidenschaftliche Heftigkeit an Tag gelegt habe, die seinem Charakter sonst 
ganz fremd war. Wir wollen den Manen des auch von uns verehrten Mannes nicht zu 
nahe treten , wenn wir, zur Erklärung dieses ungewöhnlichen Benehmens, die Yermuthung 
äussern, dass er seiner Sache in diesem Streite nicht ganz gewiss war, dass er sich darin 
auf einen unsicheren Boden gestellt (lihlte, und daher auch zu Waffen seine Zuflucht 
nahm, die sein überlegener Geist sonst immer verschmäht hat. Unsere Yermuthung wird 
durch folgende Thatsachen unterstützt. Als es sich darum handelte, die Beschaffenheit 
der Tinte zu ermitteln, womit das Fragment von LibuSa's Gericht geschrieben worden, 
und der sei« Steinmann, Professor der Chemie am technischen Institute erklärte, dass er, 
mittelst chemischer Untersuchung, wohl Gewissheit schaffen könne, dass aber ein guter 
Theil des Manuscripts darüber zu Grunde gehen müsse, stand D. von der Untersuchung 
mit den Worten ab : „es könnte am Ende doch acht sein.*' ^) Noch schwankender war 
seine Ueberzeugung hinsichtlich des Evangeliums« Nach Hm. Hanka's Aussage kam er 
im Frühling 1828 wiederholt zu ganz ungewöhnlicher Zeit ins Museum, um sich das 
Fragment zeigen zu lassen. So oft und so lange er es nun in Händen hielt, gab er, im 
Widerspruche mit allen früheren Aeusserungen , dessen Echtheit von selbst zu. Im 
Sommer 1828 verfiel er aber bekanntlich in seine periodische Gemüthskrankheit , von 
welcher er bis zu seinem am 6 Januar 1829 erfolgten Tode nicht mehr ganz erwachte. 
Auch scheint diese Krankheit von jeher nicht ohne Einfluss auf sein Benehmen in dieser 
Sache geblieben zu sein. . Gewiss ist es, dass er in lichten Augenblicken oft (gegen 
uns selbst) das Bedauern äusserte, in dem Streite so weit gegangen zu sein. 

Im J. 1829, nach Dobrowsky's Tode, veranstalteten die Herren Hanka und Swoboda 
eine neue Auflage der KÖniginhofer Handschrift, und ftlgten derselben auch das Fragment 
von Libusa's Gerichte bei. Der damalige Redacteur der Wiener Jahrbücher der Litera- 
tur, Herr Barthol. Kcpüar, veranlasste den Referenten (Palacky), eine umständliche An- 
zeige dieses Werkes fiir jene literarisch-kritische Zeitschrift zu schreiben, welche auch 
noch in demselben Jahre (1829) in den 48. Band jener Jahrbücher (S. 138 bis 169) ein- 
gerückt wurde. Ref. war genöthigt, seine persönliche Meinung über diesen Streit in 
diesem Aufsatze zum erstenmal (S. 164 — 166) öffentlich auszusprechen. Diese bestand 
zuerst in dem Geständnisse, dass er über das Fragment von Libu$a*s Gerichte noch nicht 
im Stande war, eine hinlängUch begründete und entschiedene Ansicht zu fassen. Denn 
während einerseits das so ungewöhnliche Aussehen des Pergaments, der Tinte und der 
Schrift, beunruhigend sei und jeden Diplomatiker auf den ersten Blick in Verlegenheit 
setzen müsse, erschienen ihm anderseits schon damals D.'s philologische Gründe gegen 



>) Casopis tesk. Moseam, 1832, II, pag. 240. 



174 Denkmäler der böhmischen Sprache. Geschichte der beiden Fragmente. 

die Echtheit als unhaltbar» und noch weniger konnte er begrei(ißn» wie sich jener 
»»grosse Unbekannte'' unter uns habe bilden und bewegen können» ohne dass wir yon 
seinen ganz erstaunlichen Kenntnissen und Talenten jemals das Mindeste wahrgenommen 
hätten. Denn dass keiner der Genannten das Werk habe xu Stande bringen können^ 
davon hatten wir mehr als genugende Beweise. Von dem mittlerweile im Casopis de«, 
Mus. 1829» H« IL S. 33 — 44 gedruckten Fragment des Evangeliums sagte Ref» nur im 
Vorbeigehen» dass es gar keinen Verdacht erregen könne. Der Redacteur der Jahrbücher^ 
Hr. Kopitar» fand es aber fiir nothwendig» unseren Worten folgende Bemerkung bei- 
zufügen : 

»»Wir haben Herrn P. ausreden lassen, müssen aber hier doch bemerken» dass 
der sei. Dobrowsky durch alles oben Gesagte von Seite der Schrift nur bestätigt» von 
Seite der Sprache aber noch bei weitem nicht widerlegt ist. Das Fragment vom Evan« 
gelio Johannis» was Hr. P. ohne Arg durchlSsst» kannte Dobrowsky wo möglich noch 
entschiedener als Betrug» und man wagte sich» bei seinen Lebzeiten» damit nicht ins 
Publikum! Wehe der Sache selbst» die durch Betrug» sei es wkcYi frommer Betrug» ge- 
fördert werden soll 1 1" 

Hiedurch war der Streit auch über die Echtheit des Evangeliums unvermeidlich 
geworden» und Hr. Kopitar hatte sich schon in vorhinein entschieden fiir den verneinen- 
den Satz ausgesprochen. Indessen » da weder D. noch K, (ur ihre Ansicht in Bezug auf 
das Evangelium auch nur den geringsten speciellen Grund angeführt hatten ; da femer 
die Wiener Jahrbücher keinen Antikritiken und Reclamationen Raum geben» und Ref. 
anderweitige dringende Beschäftigung vollauf hatte» so liess er die Sache vorerst auf 
sich beruhen. 

Bald aber wurde die kritische Fehde anderweitig neu aufgeregt. Der um die 
böhmische Literatur in Ungarn vielfach verdiente Professor in Pressburg» Georg Palkowict 
theilte im ersten Hefte seiner böhmischen Zeitschrift Tatranka im J. 1832 einen eigenen 
Aufsatz über den »»Saud LibuSin'' mit» worin er alle Argumente Dobrowsky's recapitulirte» 
und die nicht genannten» aber deutlich bezeichneten vermeintlichen Impostoren eben so 
schonungslos» wie einst D.» berührte. Damit zog er sich von dem Herrn Jos. Jungmann 
eine Zurechtweisung im (Casopis cesk. Museum vom J. 1832» Heft H» S. 239 — 248» zu» 
gegen die er seinerseits im J. 1834» im dritten Hefte seiner Tatranka S. 106 — 111 replicirte. 

Durch Umstände genöthigt» sich über den Gegenstand des neu aufgelebten Streites 
zum zweitenmal öffentlich zu äussern» fand Ref. es» kurz vor Weihnachten des Jahres 1834» 
rathsam und nothwendig» das so viel besprochene Corpus deUcti» das er seit 1826 mcht 
mehr gesehen hatte» neuerdings zu untersuchen. Er hatte damals bereits zwölf Jahre 
in fast täglicher Beschäftigung mit schriftlichen Denkmälern des böhmischen Mittelalters 
zugebracht » war seitdem» als Sammler eines allgemeinen böhmischen Diplomatars (dessen 
Ausgabe er vorbereitet)» mehrere hundert Mal in die Noth wendigkeit versetzt worden» ver- 
dächtige alte Urkunden genau und umständlich zu prüfen» und hatte in diesem Falle 
bereits eine selbständige Ansicht und einigen Tact gewonnen : er durfte sich daher nicht 



$. 24. Wykrdigung der Emw\ir/e. 175 

mehr auf den Eindruck verlassen > den das Fragment einst auf den minder Geübten und 
durch D/s Aussagen Präqccupirten gemacht hatte. Ref. ging ins Museum« und liess es 
sich Torweisen. Seine Ueberzeugung wurde nach wenigen Minuten der Autopsie voll- 
ständig und für immer entschieden; es blieb ihm kein Zweifel an der vollkommenen 
Echtheit des Fragments übrig. 

Als Ref. diese neu gewonnene Ueberzeugung noch am selben Tage seinem Freunde 
^fafik mittheilte , entgegnete dieser> er habe an der Echtheit jenes Gedichts aus 
sprachlichen Gründen niemals gezweifelt. Wir verabredeten schon damals den Plan zu 
gegenwärtiger Abhandlung» an welche wir jedoch, wegen anderweitiger dringender Be- 
schäftigung, erst zu Ende des Jahres 1839 Hand anlegen konnten. Ref. hatte indessen 
seine Ueberzeugung im letzten Hefte des Casopis öesk^ho Museum vom J. 1834 Seite 462 — 
465 vorläufig ausgesprochen. 

^. 24. Würdigung der Eünvmrfe. 

Wir schreiten nunmehr zur Beleuchtung und Widerlegung der von Dobrowsky ge* 
gen die Echtheit des Fragments von Libuäa^s Gericht erhobenen Gründe und Einwürfe. 
(Wien. Jahrb. der Lit. 1824. Bd. 27. S. 100—115). 

1. Den ersten Grund nahmD. von der verdächtigen, lichtscheuen Art der Emsendang 
her, und behauptete, der Betrug sei schon darin handgreiflich (S. 101). 

Keiner der Gegner Dobrowsky*s hat bis jetzt jene Art der Einsendung in Schutz 
genommen oder entschuldigt; dass der Einsender sich dabei unlöblich und höchst un- 
besonnen benommen habe, darüber war und ist unter allen nur eine Stimme. Wir finden 
uns auch nicht bewogen, die Entwendung fremden Eigenthums selbst zu patriotischen 
Zwecken gut zu heissen. Mag der Dienstherr des Einsenders noch so feindselige Ge- 
sinnungen gegen die neu auflebende böhmische Nationalität gehegt haben (— dass es 
solche Gesinnungen in Böhmen gibt, wird Niemand läugnen können, der die Personen 
und Verhältnisse kennt) — so berechtigte dies den vermeinten Patrioten doch nicht zu 
seiner übereilten, unmoralischen Handlung. Indess auf den Werth der Handschrift hat 
dies Alles keinen Einfluss; ^gestohlenes Gold ist dennoch Gold,« sagte Einer der Yer- 
tbeidiger des Fragments. Dass aber der Einsender, dessen Brief eben keinen hoch- 
gebildeten Mann verrätfcr, auch der Verfasser dieses Gedichtes sei, — das kann nur 
Derjenige sich einbilden, der das letztere für ein »elendes Machwerk,« für ein »Ge* 
schmiere« hält, — folglich weder um seine Kenntniss des Alterthums, noch um seinen 
Geschmack zu beneiden ist. 

Dass der Einsender sich auch später, trotz wiederholter Aufforderungen, nicht 
genannt hat, finden wir sehr begreiflich. Wie die Sache stand, war bei der Veröffentli- 
chung seines Geheimnisses keine Ehre zu gewinnen, wohl aber vielleicht eine Anstellung 
«u verlieren. Jetzt dürfen wir kaum mehr hoffen. Gewissheit über ihn zu erlangen; denn, 
wenn gegründete Vennuthungen uns nicht täuschen, so liegt er schon seit Jahren im 



176 Denkmäler der bdhmüchen Spracht^ Guehichte der beiden Fragnunie. 

Grabe. N.^, im Jahre 1818 Secretär des Grafen ^ * in Prag« später im Staatsdienst an* 
gestellt« war« zumal in seinen jüngeren Jahren« einer jener Sprudelköpfe« denen oft» wie 
man sagt« das Herz mit dem Verstände davon rennt. Ein eifriger Patriot (nach seinem 
Sinne)« dazu Bücherfreund und selbst Schriftsteller« war er doch weder der böhmischen« 
noch der deutschen Sprache vollkommen mächtig« und jedes ächtwissenscbaftlichen Gei* 
stes baar und ledig. Das Scheltwort »deutscher Michel« haben wir in ganz Böhmen 
nicht zu hören bekommen« ausser aus seinem Munde. Ueber Dobrowsky pflegte er sich« 
trotz seiner gewöhnlichen Geschwätzigkeit« immer nur kurz« mit auffallenden Rückhalt^ 
gedanken« oft aber zugleich mit einer Ironie zu äussern« die nur bei höchster Gering- 
schätzung möglich war« während er doch von sich selbst keine eben hohe Meinung 
hatte. Endlich verrathen die Schriftzüge in dem Briefe des Einsenders von 1818« trotz 
.ihrer Yerzerrtheit« dennoch eine Yerwandschaft mit den Zügen seiner Handschrift und 
einige dem Verstorbenen im Amte und Verkehr zunächst stehende Schriftkundige er- 
klärten sie zuversichtlich fiir identisch. Leider sind wir erst nach seinem Tode im J. 1835 
durch Hrn. C.« als dieser den anonymen Brief zum ersten Mal zu sehen bekam« auf diese 
höchst wahrscheinliche Vermuthung geleitet worden. 

2. hl paläographischer Hinsicht brachte D. keine speciellen Gründe vor; er begnügte 
sich im allgemeinen zu sagen : "»Wer alte Schriften aus mehrereti Jahrhunderten genauer 
kennt, wird das Geschmiere auf den ersten Blick als unecht verwerfen,^ (S. 102.) 

Wir können diese W^orte nicht Anders« als den vorgreifenden Machtspruch eines Be^ 
Jangenen nennen« der durch die Thatsachen nicht bestätigt« sondern widerlegt wird. Viele 
duixh Prag reisende« der Paläographie kundige Gelehrte haben das Fragment im böh» 
mischen Museum besichtigt und nicht für unecht erklärt. Mag das ungewöhnliche Aus- 
sehen desselben auf den ersten Blick noch so sehr befremden: die wahrhaft erfahrenen 
Diplomatiker können sich dadurch weder täuschen« noch zu übereiltem Urtheil verleiten 
lassen. Das Ganze bietet dem geübtesten Paläographen vielleicht mehr zu lösende Auf- 
gaben dar« als irgend ein anderes schriftliches Denkmal in Europa; und wir maassen uns 
nicht an« sie alle gelöst zu haben. Es ist aber jeden Falls viel leichter« eine ungewöhn« 
liehe Erscheinung zu läugnen und zu verdammen« als sie zu verstehen und gehörig zu 
würdigen. Wenn unser Urtheil bei noch geringerer Kenntniss und Erfahrung in diesem 
Fache schwankte« so entschied es sich vollkommen« so bald unsere diesfHIiigen Kenntnisse 
und Erfahrungen sich vermehrt hatten. Dem sei. Dobrowsky« dem an der Echtheit z. B. 
der Leitmeritzer « der WySehrader Stiftungsbriefe« deren Originale er öfter in Händen 
hatte« nie ein Zweifel beikam« können wir in Sachen der Paläographie keine gültige Auto- 
rität einräumen« obgleich er zu seiner Zeit leider! noch der Kundigste in Böhmen war« 
und beinahe für ein Orakel angesehen wurde. 

Nun sollte sich aber vor dem J. 1818 in Böhmen« allen Zeitgenossen unbemerkt« 
ein Mann herangebildet haben« dessen paläographische « historische und philologische 
Kenntnisse denen des allgemein geachteten »Altmeisters« unendlich überlegen gewesen sein 
müssten« und dieses Wunder von Gelehrsamkeit« Kunstfertigkeit und Genie hätte sein 



$. 24. W^fkrdigung dm Sbmfkrfo. iTT 

ausserordentliches Licht mir ein einiig^esmal, geheimnissTollj sum blossen Spssa« in die 

Welt, strahlen lassen — nein, daso bed«iK es eines wahrhaften Köhlerglaubens im 

Unglauben 1 

D. sagt femer: »Selbst in einigen Zügen suchte sich der schlaue Verfasser der 

alten slawcnischm (cyrillischen?) Schrift zu nähern» so plump auch tctut die Nachahmung 

alUr Schrj/lz6g€ aussidit*^. 

fForin die Nachahmung der slowenischen Schrift sichtbar ist, hätte doch bestimmter 
gesagt werden sollen. Nur bei dem f könnte man an das cyrillische Slowo erinnert 
werden« wie wir bereits oben gesagt haben. Dieses kömmt aber in der ganz gleichen 
Gestalt auch z, B. in der Königinhofer Handschrift yor« und doch liess D. sich*s nicht 
einfallen« letztere für eine Nachahmung der cyrillischen Schiift zu halten. 

Vollends von einer plumpen Nachahmung hier zu reden ist unverzeihlich. Eine 
Nachahmung setzt notbwendig ein Muster voraus ; nun möchten wir aber das Muster sehen« 
welches in jener so eigenthümlichen Schrift nachgeahmt worden wäre ! In Böhmen existirt 
nichts der Art« und ausser Böhmen auch nichL Und die Form der Buchstaben nennt 
D. plump« — etwa« weil sie nicht so scharf« fein und eckig aussehen« wie die moderne 
Kalligraphie sie heischt« oder auch schon z. B. das XlII Jahrhundert sie liebte. Wäre 
denn der Verdacht nicht begründeter« wenn uns ein Werk aus so alter Zeit mit einer 
technischen Vollendung in Pergament und Schrift entgegen träte« die über ihrem Zeit* 
alter stände 7 Nein « die Schrift in LibuSa*s Gericht ist filr die Zeit « aus der sie stammt 
überraschend schön« gerundet und vollendet! 

3. Da Dobrowsky in seiner Erklärung vom 28. März 1824 von ««vier mit grünlicher 
frischer Tinte beschriebenen schmutzigen Pergamentblättern'' sprach« und da über den 
Umstand» ob die Tinte erst im J. 1818 aufgetragen« oder ob sie uralt sei, auch vom 
chemischen Standpunkte aus ein Urtheil möglich ist: so ersuchten wir Hrn. Corda» sich 
auch in dieser Beziehung zu äussern; zumal uns sein oben (§. 6) mitgetheilter Brief die 
angenehme Ueberzeugung verschafft « dass er das ganze Fragment mit einem Fleisse und 
einer Genauigkeit geprüft hatte« die nichts zu wünschen übrig liess. ,Er gab uns die 
Antwort« die wir im Nachstehenden vollständig mittheilen. 

Efur WohlgAwenl 

tn Bezug der Analyse der Tinte unseres vorliegenden Manuseriptes haben wir man zwei m 
ihren Tinten ähnliche^ vergleichsweise untersucht ^ welche ebenfalls die Eigenschaft haben, nach 
dem Abwischen der eigentlichen, oberflächlichen, matten, schwarzbraunen Tintenschichte, eine grf^ 
Schrift , als den nut der Feuer du PergametUes chemisch verbundenen Tintentkeil zurückzulassen» 

Das eine dieser Ms, ist das Missale vetustissünam Nro. 466 aus dem zwölften Jahrhundert, 
das andere : Dioi Aagustini de opcribus sex dierum Nr, 22. aus dem dreizehnten Jahrhundert; beide 
mus der Handsckriftensammlung des böhmischen NeUioned^Museums. Bei beiden Mspten ist die 7*m» 
eensubstßnz theUweise noch so erhalten, dass sie schwarzbraun ist, und durch Abwischen oder 
Schaben in Menge erhalten wird, wobei jedoch die gr&ne Schrift vollkommen zurüetbleibt. Diese 
abgeschabten Tinten beider Ms. habe ich gesondert und sorgfältig untersucht und gefunden : dass 

23 



178 DenkmdUr der böhmischen Sjpraeki, Geichtehie der beiden Fragmenie, 

beide keine Spur von Kupfer ^ öder einer anderen Meiallbate enlhallen, und 
dase die Tinte jener Mste eben sc wie unsere jeizi gebräuchliehe bereiUl 
werden musste; dass eie eine Verbindung von Gerbesäure mii Eisen, und 
keine organische oder anorganische Farbe ist! — 

Bekanntlich ist das färbende Prinzip unserer Tinte eichengerbsaures Eisenoxid, und nar 
sehr gesättigte Auflösungen der Eisenoxydsalze geben mii der Gerbsäure schwarze Verbindungen^ 
während sie bei grosser Verdünnung eine durchsichtige, schön dunkelblaue Fl&ssigkeii Uefem, die 
nach einiger Zeit eine dunkle ßeckigte Materie absetzt, und dann dunkelgr&n wird, Mä dieser 
dunkelgrünen Verbindung lässt sich jedoch nicht so wie in unseren Ms. schreiben. Ich glaube, dost 
auf dem Pergamente dieser Manüscripte die, durch Jahrhunderte dauernden gedvanisch-chemiscken 
Wechselwirkungen, welche zwischen der Schrift und dem Pergamente, und zwischen den einidnen 
Stoffen, welche diese beiden abermals zusammensetzen, stcUt fnden müssen, auch in den starren 
Substanzen ähnliche Verbindungen hervorgerufen haben, wie wir es auch wirklich sehen. Der bk' 
dende Theil der Tinte [Gummi oder Kirschharz) ist durch diese durch Jahrhunderte fortwirkenden Eat' 
ßüsse zerstört worden, durch Luftfeuchte in Gährung (wahrscheinlich sauere) übergegangen, and 
hat die Tinte theilweise zersetzt; daher ist der schwarze (durch diese theäweise Zersetzung iraun 
und matt gewordene) Theil derselben, welcher als der substantiösere stets ober/lächlich liegt (m* 
züglich bei Pergamentschriften) , seines Bindemittels beraubt und abwischbar geworden, während 
der verdünnte Theil der Tinte, oder des eichengerbsaueren Eisenoxides, in die Substanz desPerga- 
mentes eingedrungen ist, und durch die so lange Zeit eben dieselben chemischen Vorgänge, wie hd 
seinen düuirten Verbindungen erfahren hat, welche wir nun auf dem Tische des Laboratoriamt, m 
kürzeren Zeiträumen und bei sehr grosser Verbindung nachbilden. Die thierische Faser des PergH' 
mentes wirkt weit weniger zersetzend auf die Tinte als es die vegetabilische, bei der Fabricatm tc 
misshändelte Faser unserer Papiere thun muss, im Vereine mit jenen Stoffen, welche bei dem 
Leimen , der Bleiche u. s. w, zwischen den Fasern zurückgeblieben sind. 

fVir kennen bisher die chemischen Veränderungen, welche zwischen organischen Steffen 
und ihren Verbindungen in sehr kurzen Zeiträumen vor sich gehen, noch sehr wenig, die in so langte» 
Jahrhunderte und Jahrtausende dauernden Perioden noch gar nicht ; aber an allen neuen Mane- 
Scripten sahen wir dieses grüne Schriftresiduum nicht, weä da die Tinte noch Bindemittel forgeni' 
sehen Leim) hat, und daher auch nicht abwischbar ist. Dieses grüne Schriftresiduum lässt sich (Uff 
künstlichem Wege durchaus nicht sc herstellen, auch auf sehr eJ.ten Pergamenten nicht, wie ich 
an den Proben erfahren habe, die ich mit den mir gütigst mitgetheilten Pergamenten aus den^ 
XIII und XIV Jahrhundert, und an einigen noch älteren, gemacht habe. Daher er klär i 
ich hier vom naturhistorischen Standpuncte, und aus dem einfachen Zustande 
der Schrift, diese vorliegende Urkunde als höchst alt, abgesehen von Schrift' 
form, Sprache und Contractienen, und den dabei befindlichen später beigefügten Zeichen fSing' 
zeichen'i). Sie muss nothwendiger Weise noch älter sein als die andern uns bekannt gewordene» 
böhmiechen Manüscripte, welche höchst selten, und nie in so hohem Grade diese Farbenänderung 
und den so beträchtlichen Hof um jeden einzelnen Buchslaben zeigen. Juch dürfte es wohl ^ 
den grössten Kunststücken eines Pergamentmachers oder eines absichilichen Fälschers gehert^ 



$. 24. HnknUgung der Einw&r/e. 179 

m 

dem PergammUi jene ec etgeniA&mlicki, futr durdk hundertjährige Abnützung hcrbeige/UhrU 
JUere^Physiognomie zu geben» Diese 2Mereitung des Pergamentes müisste nai&rlich vor der 
Verfertigung der Schrift geschehen sein , aber auch in diesem Folie möchte ich die Feder sehen» 
welcher es gelingt» die Schrift in dieser Stärke» mittelst einer Tinte oder Farbe ohne Bindemittel» 
sc wu hier» scharf und präcise in das Labyrinth von thierischen Fasern zu schreiben» ohne dass 
die Schrift selbst durch AusfUessen und Zusammenfliessen undeutlich würde» und leserlich bleibe, 
und wie hier» so innig» abgegränzt und tief» die höchst ungleiche dichte Substaru des Pergamen» 
tes durchdringe. Mit der künsdichen Veränderung der Oberfläche des Pergamentes wäre aber 
noch gar nichts erreicht; man müsste auch die Faser , oder vielmehr ihre Substanz so zu metamor» 
phosiren wissen» wie es hier der Gebrauch und die ungekannten Agentien der Jahrhunderte» 
vieUeichl eines Jahrtausends » gethan haben. Ich fände es sehr lächerlich » wenn man bei auch 
geringfügiger technischer und antiquarischer Erfahrung » und einiger Uebung im geistigen Sehen 
(Beobachten) unser vorliegendes Ms, als ein Machwerk der neueren Zeit betrachten wollte; dagegen 
schützt wohl Jedermann ein gesunder Hausverstand und einige scicntißsche Bildung. 

Schmuck» Hausgeräthe aus unorganischen Stoffen» irdene oder metallene Gefässe lassen 
sich wohl täuschend nachahmen», und auch hier gelingt der Betrug nur bei voreäigen» uner/ah* 
renen» oder oberflächlich beobachtenden Maischen. Mä Substanzen organischen Ursprunges sind 
solche absichtliche Täuschungen viel schwerer» ja fast unmöglich. 

Prag den 1. März 1840. 

Dur ergebentter Diener 

CORDA. 

So willkommen uns nun das Ergebniss einer so sorgfaltigen und umsichtigen 
Prüfung sein muss, und so wenig wir auch an dessen Richtigkeit zweifeln können > so 
wollen wir doch unsere Ansicht hinzuzufügen nicht unterlassen, dass bei der Tinten* 
bereitung, womit unser Manuscript geschrieben worden ist« ausser der Gerbesäure und 
dem Eisen » noch ein unbekanntes Agens thädg gewesen sein muss ; denn nur durch die 
Annahme einer eigenthümlichen Tintenbereitung scheint es uns erklärbar zu sein » dass 
z. B. im Martyrologium Romanum des Stiftes Raigern aus dem IX Jahrb. die beigeschriebenen 
slawisch-cyrillischen Zeilen eben so grün aussehen, wie unser Manuscript, während der 
ganze auf denselben Blättern geschriebene lateinische Text die gewöhnliche schwarzbraune 
Tinte zeigt. Noch auffallender ist eine ähnliche Erscheinung im Raudnitzer Nekrologium, 
einer Handschrift der gräfl. Thun'scben Bibliothek in Tetschen, aus dem XIV Jahrb. Hier 
erscheinen einige später hinzugeschriebene Todtennamen mit ebenderselben grünen Farbe, 
während vor und hinter ihnen, oft in derselben Zeile, andere Namen, von einer anderen 
Hand eingetragen, die gewöhnliche alte Tintenfarbe behalten haben. Diesen Unterschied 
der Farben wissen wir uns daher nicht anders, als durch den Unterschied der gebrauchten 
Tinte selbst zu erklären. 

4. In Bezug auf den historischen Inhalt weist D. auf die Widersprüche hin, die 
zwischen den Berichten unseres ältesten Chronisten Cosmas (tlt25) und dem Fragmente 
«ich erheben. Weil Cosmas« „ohne dessen Chronik man nicht einmal den Namen Libusa 

23* 



180 DenHanOUr der bdknUichm ^raehe. Geschühie der beiden Fragmenie. 

kennen wfkrde,^* die jQngste Tochter Kroks noch keine FtkreUn nennt» weil er sie unf ge* 
stickten Teppichen , nicht auf goldenem Stuhle sitzend schildert» weil er behauptet, die 
Burg fFySehrad sei erst nach ihrem Tode erbaut worden u. dgL> so folge daraus, dass 
das Fragment, welches Wyäehrad ihre vdierUcke Burg nennt, und sie daselbst ykr//£riUii 
Hcf halten lässt, eo ipso unächt sei. (S. 104). 

Zuerst widersprechen wir aufs bestimmteste der Ansicht, dass die Chronik des 
Cosmas die einzige Quelle gewesen sei, aus welcher unser Volk Ton jeher eine Kenntntss 
der Vorzeit habe schöpfen können. Kannte denn Dobrowsky nicht die Gesänge der 
Königinhofer Handschrift, — von Herzog Neklans Feldherrn Cestmir und dessen Gegner 
Wlastislaw, — von den Herzogen Jaroroir und Ulrich, und andere mehr? Widersprechen 
nicht auch diese in einzelnen Umstanden der Cosmas*schen Chronik, und sind sie etwa 
deshalb unecht ? Vergleichen wir nur das letztere Gedicht mit dem Berichte des Cosmas, 
lun über das Veriiältniss beider Quellen mehr ins Klare zu kommen« Prag und Böhmen 
wurde von der Herrschaft des Boletlaw Chrabry und der Polen im J. 1004 befreit, also 
nur 41 Jtihre Tor des Chronisten Geburt, — und doch kannte Cosmas weder den Namen 
des mächtigen Polenkönigs, den er überall fiilschlich tjtcske** nannte, noch auch wusste 
er, dass Herzog Jaromir jemals in der Reihe der regierenden Landesfiirsten Böhmens 
gestanden habe, jener Jaromir, der doch erst 1037, acht Jahre Vor des Cosmas Geburt 
(1045) starb. Dagegen sagt uns das Gedicht 

Tstane Jarmir nad vsiu zemiu eput. 
Der Dichter wusste also, dass Herzog Jaromir zweimal in Böhmen geherrscht hat, nämlich 
zuerst nach Wladiwoj's Tode zu Anfange des Jahres 1003» und zwar nur wenige Wochen 
lang,' da ihn und seinen Bruder Ulrich der Polenkönig schnell yerdrängte, und dann 
wieder seit dem September 1004, wie der gleichzeitige Herseburger Bischof Thietmar 
(-{* 1018) umständlicher berichtet Auch der Name »Boieslaw« kömmt auf den übriggeblie- 
benen Streifen vor, auf welchen das jetzt unvollständige Gedicht begonnen hatte. Man 
sieht, der Dichter war Ton dem Ereignisse trefflich unterrichtet, während der Chromat 
davon die irrigsten Vorstellungen hatte. Kann man niin behaupten, der Dichter habe 
erst im XIII Jahrhunderte gelebt, und seine Kenntniss der böhmischen Geschichte aus 
der Chronik des Cosmas geschöpft? Muss man nicht vielmehr zugeben, dass in Böhmen. 
unabhängig von den gelehrten Chronisten, die nur lateinisch schrieben und auf die Volks- 
poesie mit vornehmem Stolze herabblickten, eine schriftliche Ueberlieferung national» 
historischer Gesänge zum mindesten seit dem XI Jahrhunderte stattgefunden hat? Eine 
schriftliche Ueberlieferung, sagen wir: denn dass die Mehrzahl der Gesänge der Königin- 
hofer Handschrift aus älteren Abschriften genommen sei, beweist schon das ältere Vor- 
kommen des Liedes »vom Hirschen,« und die buchstäbliche Uebereinstimmung beid« 
Abschriften, um anderer Umstände zu geschweigen, deren Erörterung uns hier zu weh 
von der Sache abziehen würde. 

Da wir somit gezwungen sind, eine von Cosmas unabhängige und im Einzelnen 
sogar richtigere Quelle der ältesten böhmischen Geschichte in der Vorzeit anzunehme«» 



$. 24. ffnsirdigung der EiuMirft. 

* 

so müssen wir auch folgerichttjg^ zugeben* dass die Abweicbungen von der ErEäblung des 
Cosmas eber /br* als gegen die Ecbtbeit der ältesten Gedicbte sprechen« 

Die Aussage des Cosmas, dass der Wysebrad erst aus Anlass des böhmiseben 
Mädcbenkrieges erbaut worden sei* bat gegen das alte Fragment eben so wenig Gewich]; 
wie seine fabelbafte Schilderung der Schlacht, in welcher £estmir den Wlastislaw tödtete, 
gegen das gleiche* aber viel natürlichere Gemälde in der Königinhofer Handschrift. Er 
sagte ja selbst* er könne seine alten Angaben nicht verborgen: quoniam haec antiquis 
referuntur evenisse temporibus* iltrum sint facta* an ficta* lectoris judicio relinquimus. 

Welche Bündigkeit übrigens in dei folgenden Schlussfolgerung liege : »diese An- 
gabe im Gedichte stimmt mit den Chronisten übereio, daher ist sie aus ihnen genommen, 
folglich neu und unecht,a — und wieder: »diese Angabe widerspricht den Chronisten, 
daher ist sie unpassend und unwahr* folglich neu und unecht« — braucht man tmbefan- 
genen und aufmerksamen Lesern nicht auseinander zu setzen. 

5. Aber das Gedicht (meinte Dobröwsky) will uns die Zeitgenossen der LibuSa in 
einem Culturzustande schildern* an welchen Niemand glauben kann, als jene »paüpiotischen 
Schlauköpfe,« die sich nicht entblöden, selbst die Hajekische Fabel Ton Schreibern der 
Libui^a anzuführen. (S. 103). 

Hajek*s FabelwöiiL ist wohl von keinem böhmischen Historiker strenger abge*- 
wiesen worden» wenn es sich als Geschichte geltend machen wollte, als Ton Palacky in 
seiner Würdigung der alten böhm. Geschichtschreiber (1830) und in der Geschichte Yon 
Böhmen (1836). Man wird uns daher keiner Vorliebe für Hajek zeihen können. Inde^ 
sen, wenn derselbe sich die alten Böhmen minder roh und thierisch Torstellte, als Do» 
browsky und selbst Cosmas (welche beide für ihre Schilderung der ältesten Zustände 
unseres Volkes eingestandenermassen nur ihre lubjutmen Ansich^ent nicht aber historische 
Daten anfuhren), so hat er in diesem einzelnen Falle gewiss mehr Recht* als sie. Wie 
unangemessen die dem Boethius nachgeahmte Schilderung der böhmischen Urzustände 
bei Cosmas sei, wurde schon anderweitig nachgewiesen. Dass auch Dobröwsky sich ähn- 
liche Vorstellungen darüber gemacht habe, erklärt er selbst, naiv genug* in seinem Vor- 
bericht zu Monse's Landesgeschichte von Mähren, §. 10. »Was sich in der ersten Epoche 
»(400 — 800) hier in Mähren zugetragen hat,« sagt er, »lässt sich nicht mit Gewissheit be- 
»stimmen. Das wichtigste lässt sich wohl erraihen. Man lasse 200 starke Charwatensöhne 
»mit eben so viel gesunden Dirnen von der Oder, 100 kraftvolle Cechensöhne von dem 
»Ursprünge der Morawa tiefer ins Land kommen. Man gebe einer jeden Familie eine 
»Hacke, einen Pflug, ein paar Stiere* einige Kühe, Schafe*. Schweine* Hühner u. s. w. 
»was werden sie wohl anderes thun, als ihr Vieh auf Triften weiden, an Bächen tränken, 
»sich Hütten bauen* ackern, säen, ernten* die Früchte ihrer Arbeit gemessen und bei ihren 
»Weibern schlafen? So wuchsen allmählich die jungen Sprösslinge heran« u. s. w« Von 
diesem Bilde sticht nun freilich LibuSa's f&rstlichc Hofhaltung auf dem »goldenen« WySe* 
hrad* so wie die ganze feierliche Scene des Gerichtes mächtig ab ; und schon darum 
musste das Gedicht eben so als Impostur erscheinen, wie man einst auch den Marco 



f 84 DenkmäUr der bSkmdieken Sprmche. GudUekü der beiden Fragmenie. 

fl 

yitlt Jahre lang besass» wird za f&r zda einigemal gelesen« namendieh in dem Gedicht 
PaSije, V* 114: za by mohli Tinu poznaü, und im Prokop Y. 702: ba za nevi^? (St Ski. 
in. 33. V. 33). Wie kam nun dieses Wort in diese Handschrift hinein 7 -> J|ie Wahr- 
heit ist, dass das alte za ftir zda (vgl. serb. za-r st za-i» wie more st. moie n. s. w.) ia 
ahböhmischen Denkmälern mehreremal vorkommt S. $• 12 Wortrerzeichniss ond Jang^ 
9nann*s Ces. Slow. u. Za. 

12. »Rozvlajase ist nicht böhmisch» sondern aus dem slawischen vlaju sia> das aU 
ActiT gar nicht yorkommt, genommen und mit roz zusammengesetzt worden.« (S. 109.) 

Lehrt doch D. sebst in s. Lehrgebäude der böhmischen Sprache und in den 
Inst 1. slav. (z. B. S. 353. 3o6. 359 — 360)* dass aus den Reflexiyis und Neutris Activa und 
Factitiva werden» wenn die Verbalstämme entweder in andere Formen übergehen (z« B. 
rostu n. rnstim) oder mit Praepositionen zusammengesetzt werden (z. B. Ü^ü u. raztliti). — 
Das Act. rozviajati ist demnach neben dem Reflei. vlaju sie eben so regelrecht als roze* 
amati od. wysmatt neben smati sie» rozhn^wati neben hniwati sie» oplakati od. rozplakati 
neben plakaü sie u. m. a. Und da es uns über das XIII Jahrii. hinaus an allen Hilfs* 
mittein gebricht» um über den Wortrorrath der böhmischen Sprache bis zu jener Periode 
urtheilen zu können, so dörfen wir ein so tadellos gestaltetes Wort desshalb allein nicht 
verwerfen» weil wir ihm bis jetzt in unsern spätem» noch immer nicht vollständig durch- 
gesichteten Sprachdenkmälern nicht begegneten. ^ 

13. »Die Zusammensetzung zlatop^sky» von zlato und pisek» soll schon dem Zeit- 
alter Libusa's angehören? Unglaublich*« (Ebdas.) 

Ob dem Zeitalter Libu§a*s — das wissen wir nicht: aber der Zeit» als das Ge- 
dicht niedergeschrieben wurde » und dies geschah unseres Bedünkens schon vor der 
Mitte des X Jahrb.» gehört sie gewiss an. Vgl. das oben unter Nro. 8 gesagte. — Do- 
browsky greift gleich darauf auch die Zusammensetzung zlatonosny» als modern» gelehrt» 



*) Sprachdenkmäler aas aralter Zeit nach dem Wort- nod FormenYomitli etaer spKlem 2«eit streng ridilen 
»u woHeD, ist immer misslich. Fast jedes neuentdeckte Fragment macht ans mit neuen WSrlem» neuen 
Formen bv-Lannt. Dies gilt nicht vom Bfihmischen aüein, sondern yom Slawitohea äberhaapt. Wm viele 
alte, gute, sonst nicht Torkommende WSrter hat uns die Mat. Veih, erhallen. Auch in dem Witten- 
berger Psaller haben wir beim ersten flüchtigen Dnrchlesen deren mehrere bamerkl, t, B. sahirsiTo 
(nequitia), trat (sors), salrntiti (inuadafe), popestiti (deliaqaeva), pr€ra<lnjtt sie» pr^rmdon, ti0idvis(Ta4inl? 
holocaasta), Tyseöeo (altissimas), remeslniii (operari), pjrcfaleti sie (ddectari)» harban (corona), jabeea 
(Apfel«), medky (soavij), «bierovati (liberare), sbieroTanj (Uberatns), ruh (scandalom), ns(oia}y Ti6c(po- 
Sieriora) u. s. w. Noch mehr Behutsamkeit erheischt die Beurtheilung der grammatischen Formen: deon 
nur KU oft ist dem einen Dialect sustündig, was den andern, nach den bekanntan Sprachdenkmileni, 
nicht tnstXndig ist. So entbehren t. B. im Alutawischen die Adj. aef -ni: vyini, gorni, aiini, die Ordin. 
auf "Y und -i : rtory, treti» ^tntj, ferner die Adj. hnji, si^ und ioji aUordtogs der abflffacten Focai) 
alltia in der Kfiniginhofef Handschrift lesen wir S. 44 aosdrücklicb: K Tjinu hradn st. k YjrlnieBM. 
Ist ann das Gedicht darom unecht, weil diese Form darin vorkommt? — Auch die Composita: pAltfeta, 
pJUftVwrta .u. s. w. seiigen anwidersprechÜGb för den ehtmaUgen Gebrauch der abstracten Form bei deo 
.Ordnungszahlen tTeti, ttmtiy a. s. w. 



. \ $. 34. ff^Jigang der Emwür/e. 18* 

dem latie&iischen amifer nafch^ebildet» an. DtesB heitsk doch wohl dem' schaffenden 
Sprachgenina eines Volkes oder eines Naiurdichters wenig zutrauen, fan Poltawer Gouv. 
in Ru8sla«d läuft links in den Dneper ein Fiüsscben Zoloionoiia : wir möchten gern wissen« 
ob demselben diesen Namen das Volk gegeben habe, oder etwa die kais. russische 

14. »Tetvi für Sippschaft ist ein ganz neugeschmiedetes Wort von teta* die Base 
oder Muhme.« (S. 103). 

Tetyy, als Gen. Ton dem Mannsnamen Tetra, hat mit teta, Base oder Muhme, 
nic£ts zu schaffen« Wir haben unsere Erklärung des Wortes bereits oben %. \^ g^gelyn, 
und glauben, dass man sich dabei Yollkommen beruhigen könne, wenn man nicht lieber 
Torzieht, im absoluten Negiren zu beharren. Die ersten Herausgeber des Fragments lasen 
unrichtig jetvi, und dachten an jeteY=yeteT, Zweig, Sippschaft. Dobrowsky hätte > bei 
seiner umfassenden Gelehrsamkeit, sich lieber, hier wie anderswo, nach einer richtigen 
Deutung des Wortes umsehen sollen, das er allerdings richtig gelesen hat 

15. »Das Wort cnesna (knieina}, das fiinfanal in allem Torkommt, ist zu neu, es 
müssle! . dafür knieni stehen, wie in der Königinhofer Handschrift. In einer Urkunde Kg. 
Wratislaw's vom J. 1088 steht Knasawez, also knaz mit a, nicht mit e. Wie kann nun 
das Gedicht Ton einem noch hohem Alter sein? Der Missgriff ist hier offenbar. a (S. 104«) 

Der Missgriff D. ist offenbar und handgreiflich. Denn 1) er vermengt kniezna und 
knieni, die doch in der altslawischen Sprache genau gesondert sind, und auch in der 
altböhmischen Mundart nach dem Zeugnisse der Königinhofer Handschr. einst verschieden 
waren. Knieni oder kniehyni heisst die Fürstin, knieina die Fürstentochter (vgl. slav. 
carevna., kralevna und carica, kraljica). S. Kön. - Hof. Hs. S. 112. V. 30. S. 196. V. 26. 
S. 198. Y. 3. 20. 28. S. 200. V. 13. Die Böhmen haben indcss beide Wörter sehr früh 
vermengt : daher schon in den ältesten Legenden im Museum : Vratislav s svu knieznu, 
jej^to jmie Dragomif, mel dva syny, 513, 2, welchen Beleg so wie die aus der Kön. Hof. 
Hs. wir in Jungmann^s C. Slown. ungern vermissen. 2) Ihm ist knieni der Form nach 
recht alt« knieina aber nicht, weil es kein a ha^ und doch gehören beide Wörter dem- 
selben Stamme knia- oder knie- (cyr. kha-) an, man mag knieni für eine Erweiterung des 
Stammes Jcnie- oder niit uns fllr eine Gontraction des Wortes kniehyni halten (vgl. car' 
St. cesar', bau st. bojan, barin st. bojarin u. s. w.) 3) Er lässt die Formen: jeje, sviete, 
sniechu sie, podie, je sie, viedinu, mie, tie, sie u. s. w. ohne Arg passiren» wo doch 
allüberall an der SteDe eines cyr. a ein böhmisches t oder U steht. Folgerecht hätte 
er diese alle verwerfen sollen. ** Wir haben $. 22. Nr. 2 ausfuhrlich bewiesen, dass so 
weit wir die Aussprache des nasalen Grundlauts a in Böhmen mit Hilfe von lateinischen 
Diplomen und Clironiken zurück ins graue Allerthum verfolgen können, dieselbe stets 
zwischen a und e sehwankte, und bitten den Leser das dort gesagte nachzulesen. Dem 
cnosawez der Urkunde mit der Jahrszahl 1088 , die indess nach dem Urtheile stimmbe- 
rechtigter Kenner in ihrer gegenwärtigen Gestalt erst im XII Jahrhundert nieder* 

geschrieben ward, setzen wir das weit gewichtvollere »Bele kn^ini, id est pulchra domina, 

24 



] 



186 Denkmäler der böhmuchen Sprache. GetckiekU der beiden Fragmenle. 

sclavonice dicta« des Ditmar Yon Merseburg (starib 1018. Dec. 1.) entgegen« aus einem 
Codex, welchen die Herren Pertz and Lappenberg filr ein Auiegraphan erkllren. (Peru 
Mon. Germ. bist. lU. 862. coli. p. 729.) 

16. »Die Rassen nennen ihr Recht prayda, also müssen es« meinte der Concipient, 
die Böhmen auch so genannt haben. Ein unbefangener alter Böhme, der von der rassi- 
schen Pravda nie was gehört« würde gewiss prayo geschrieben haben. Selbst die Polen 
nennen das Recht praTO« Dem Schreiber des Fragments steckte die russische prayda 
im Kopfe.« (S. 102. 108.) 

■ 

Im J« 1799 schrieb D. folgendes: »Der Wurzellaut praw ist in prawda justitia« 
praweden justus u. s. w.« (Bildsamk. der böhm. Sprache, S. XL1), und 1818 wieder fol* 
gendes : »In einer Cerronischen Hs. auf Perg. Bl. 70 liest man prawda, die Gerechtigkeit« 
(Gesch. d. böhm. Spr. u. Lit S. 153 — 154.) In dem letztgenannten Werke S« 186 Ter- 
weist Dobrowsky auf die Excerpte aus dem Wiener Codex der Sonn* und Festtagseyange- 
lien bei seinem Freunde Durich (Bibl. Slav. S. 208), wo dieser ausdrücklich sagt: Hac 
voce pravda veteres Bohemos itidemjustiliam signasse, semel in Evangeliario Yindobonensi 
bohemico inveni: Matth« HI. 15* naplniti vSiecku pravdu. -^ Wie kommt es nun, dass D. 
im J. 1824 behauptet, pravda für jus, justitia, sei nicht altböhmisch, sondern aus dem 
Russischen entlehnt ? — Hr. Jungmann hat in seinem 6. Slown. das altböhmische pravda. 
jus, justitia, mit nicht weniger als flinf und dreissig Citaten aus unverdächtigen Quellen 
(die Stellen aus unserm Fragment nicht mitgezählt) belegt; eine Anzahl, die hoffentlich 
auch dem sprödesten Beurtheiler gentigen wird. 

17. »Ideie Orlicu Labe pije Y. 43, scheint eine Nachahmung des Verses im 
Jelen (der Königinhofer Handschrift) : Syra zemie vfelu krev pije, zu sein.« (S. 110.) 

Wir sind verlegen, wie wir diesen Einwurf beantworten sollen: wir überlassen es 
daher dem Leser selbst, denselben entweder zu überwinden, oder sich von ihm besiegen 
zu lassen.-— Wir meinen bloss, dass ein »dichtender SpassTOgel«, der sich erst aus der 
Königinhofer Handschrift diese und ähnliche Metaphern hätte borgen müssen, schwerlich 
je auf den Einfall gekommen wäre, Gedichte, wie das unsrige ist, zu produciren. 

18. »Der Nachahmer oder Concipient nahm den in der Urk. 1086 vorkommenden 
Kamenmost aus D's. Geschichte der böhm. Sprache S. 83, wo er S. 95 auch seinen Radovan 
her hat.a (S. lll.) 

Diess hätte leicht geschehen können, wenn D. bei der Fabrikation des Gedichts 
zu Rathe gesessen und dem hilflosen, bald »um Namen und Ausdrücke verlegenen«, bald 
»tollkühn neue Wörter schmiedenden Impostor« diese und ähnliche Schibolets ins Ohr 
geflüstert hätte. -^ Unseres Wissens kommt Kamenmost auch noch in andern Urkunden» 
als der vom J. 1088, vor , und der Name Radovan ist in unsern alten Nekrologien und 
Urkunden gar nicht selten. — Hier und anderwärU ist dieselbe Taktik: was anderswo 
vorkommt, ist eo ipso entlehnt, was nicht vorkömmt, ist eo ipso erdichtet, falsch ist 
das Ganze falsch und ein Machwerk. 



$•24. fF^digang der Emw&rfe. 187 

19. «Ladny ist im PolDMchen hiibsch» niedlich, in des Kg. Wenzels Minnelied 
zart« hier aber ist der Fluss ladny: ivie kommt nun die Sazawa zu diesem Epithet?« 
(S. 110 ~ 111.) :. . 

Unstreitig auf demselben Wege« auf welchem die Flüssdben Lada in 'Russland und 
Galieien zu diesem ihren Namto gekommen tsitid. In der Mat. Verb. ^Hrd serenus, nitens 
durch ladny g^ossirt« p. 318, ic. 2; ladny kann hier daher loit Füg fiir gleichbedeutend 
mit bystr]^, dtst^«- limpidus« genoautten werden. — Vgl. $• 12. Wortverz, 

30. »Wie konnte eie! älter Dichter die Mies strebrotoosna« säbertragend, nennen? 
fiyirt sie etwa Silber? also ein l&oheiCcher Missgriff.« (jS. lU.) 

Hieraui antworten wir mit I>. eigenen« unmittelbar auf ^ea Einwurf folgenden 
Werten: »Die Stadt Mies heisst bdhm. StHbro« d. i. Silber« weil man« selbst nach Hajek's 
Erzählung« im J. 1131« wiohlgemerkt im J. 1131« bei Grabung der Gründe Silbererz 
entdeckte^« In einer Gegend« wo Silbererz gegraben wurde« wird doch SUbersand im 
Flusse nicht zu den Unmöglichkeiten und Wundem gehören ? Was die Berufung auf Hiyek 
anbelangt« so fällt es uns auf« dass sich D. hier an einen Mann festgläubig anklammert» 
den er sonst in allen seinen Werken.« und auch in dieser Rec. an mehreren Stellen« als 
den Erzfabelhans und Lügner« besonders in puncto der Chronologie« verachtet und 
verspottet. Wenn er auf Udjeks Zeugnisse über den Bergbau in Böhmen ein so grosses 
Gewicht legt« so sollten ihm dessen (allerdings unbegrüodete) Aussagen von der Gold- 
wäsche unter Krok« Libuia u. a. w. audb genehm sein. Quod uni justum« alteri aequum« 

31« »Stol ist im Böhmischen ein Tisch« nicht Sitz« Thron« dieser noriisste stolec 
heiasen« wie. bei DaleiBil.« (S^ 104.) 

Könnte man. nach D« Weise nicht ilso argumentiren : Stolec i»tj€txi\m Böhmi- 
sehen ein kleines Tischchen« nicht Sit^ Thran:.folglich kann stolec für Throh bei Dalemil 
nicht ec^t söiii» Es müsste anders heissen. — Wie das abgeleitete« spätere stolec seine 
ursprüngliche Bedeutung (Stuhl) im Böhttiischen eingebüsst hat« eben so gut konnte die- 
selbe auah. das Stammwort btcil efaibüeaen. Da stol in den Utera slawiseken Dialekten 
wirklich den Fürstenstuhl bedeutete« und da in A»t akböhmischen Spräche erwiesener- 
massen Tifle Subdt. in ihrer piimitiven Form g!ang und g^be waren« anderen Stelle später 
die mit -ec. abgeleiteten traten (z. B* Uj» prapor« jun« skop u. s. w.)« «o sehen wir nicht 
ein« warum man das Wort stol iki. einem alten Gedicht niefaj; gehen lassen sollte ? — 
Nachdem * obiges bereits geschrieben war« erhielten wfa* eine Abschrift des Wittenberger 
Psalters«, und fanden darin das Wort stol für ^gavog, sedes« zweimal: Ps. 88> 30« a stol 
jeho« et thronUm ejus« Ps. 93« 3. upraven stol tvoj« parata sedes tua« 6 ^Qovog trov. 
Sonst steht im ganzen Psalter stolec für thronus« sedes. In diesem AugenbUck gewahren 
wir beim Nachschlagen« dass auch Hr. Jungmann in s. Wörterb. u. St&l f&nf Belege aus 
alten. Quellen für die Bedeutung Throiu Sitz» angeführt hat D's. Zweifel ist hiermit aufs 
bUncUgpte gehoben.. 

, .i.33. «Das Ac^ oteil ist wohl allrussisch« aber nicht böhmisch. Woher nahm nun 
un^er schlaue Nachahmer das • im Böhmischen sonst nie gebrauchte oteA 7 Aus dem russi* 

34* 



188 Denkmäler der böhnunhen Sprache* Oesehichie JUr bäJen FragmenU» 

sehen Gedichte Igor« worin der ganze Ausdruck s otna data stola mehrmaien tor- 
kommt» (S. 104.) 

Das Adj. oten ist auch altböhmisch, denn in unserer Hat* Verb*^ wird; «pubefj 
▼irilia«, durch »tlaki writi otne pameti« glossin» was wir otne pamity (parentalss noue, 
p. signa) lesen. Vgl. S. 55. 76. Wenn die Formel s otna zlata stola auch in dem Gestng 
Igor gelesen wird, so ist dies, nach unserer Meinung, nur ein Beweis mehr fllr ihr bokct 
Alter. Beide Denkmäler überkamen sie aus einer *gemeinschaftlidiea Quelle, der ältesten 
Nationalpoesie der Slawen. Dies ist nicht der einzige FaH« wo sich die Nationallieder 
verschiedener Slawenzweige sogac heute noch in denselben Ausdrücken begegnen. Wire 
D. die »pravda po zakonu« in dem Zakonnik des Stephan Dukin (Hs. 1700) bekannt ge- 
wesen, er hätte gewiss, nach seiner Methode, nicht ermangelt zu behaupten, aaser 
»Concipient« habe sein »prayda po zakonu« Ton da geholt. Wir können indes« Ter* 
sichern, dass die Handschrift, worin der Ausdruck gelesen wird (in den yon Raiö ge- 
druckten interpolirten Gesetzen kommt er gar nicht vor), im J* 1818 noch den Serben 
selbst, geschweige denn den Böhmeuj unbekannt war. 

23. »Der Meönik der russischen Pravda ward hier in ein Midehen (mit dem 
Strafschwert) verwandelt.« (S. 112.) 

Um den Mednik hätte sich der »dichtende Spassvogel« nicht gebraucht nach Rass- 
land zu bemühen, da er ihn in Polen viel näher bei der Hand hatte. Und wannnhltie 
er ihn, den historisch wohl bekannten Mann in ein unbekanntes Mädchen verwandeh? 
Wäre es nicht natürlicher und folgerichtiger gewesen, zu sagen: die dSvS sndnS sind 
ganz erdichtet, da sie sonst nirgends yorkommen. — Um nicht den Leser durch Wieder- 
holungen zu ermüden, ersuchen wir ihn, dasjenige nachzulesen, was wir über diesen 
Gegenstand bereits oben S. 9&. angemerkt haben. 

24. »Wenn W. S. bemerkt: vitiez so viel als Held, Rittto, Freier, daher artes ia- 
genuae, liberales, wer könnte sich hier des Ladiens enthalten? Glaubt er etwa gar n 
das heidnische Gymnasium zu Budeö, wo man auch Zauberkünste lehrte?« (S. 112.) 

Wenn die Deutung einer dunkeln, schwierigen Stelle in einem alten Gedicht vidu 
gleich auf den ersten Wurf gelingt;, was folgt daraus für dessen Unechtheit ? Ist es da^ 
um unecht , weil wir es nicht verstehen 7 -«- Dobrowsky dachte an Vit in SvatoTi^ tod 
dem die Begeisterung zum Wahrsagt herrühren solL und übersetzt »vyiriien^ vfi^b«» 
Tidezovym« durch »in Wahrsagerkünsten unterrichtet,« Unsere Deutung des Ausdrucks 
v^M^by vitiezove s. oben S* 96, 

25. »Der Ausdruck deaky prävdodatne ist in dem Fragmente sehr schlecht ge- 
wählt. -— Nur der unkritische Harjek fabelt von einer slawonisclien Schrift, von slawo- 
nischen Schreibern der Libuia.« (S. 102.) 

Nach unserer Ansicht ist der Ausdruck »desky pravdodatnea gar nicht #bel ge* 
wählt Das Wort desky für Schreibtafeln haben die alten Böhmen mit den alten üusseR 
gemein. Vgl. oben S. tö. die »dek'ky« des Nowgoroder Pösadniks SfvoSkin vom J. 1308. 
GlCkck ist's, dass D. von diesen niasisehen deit'ky^ s pismom- ntobu wosste x sonsC #flreft 



§. 24; fnrdignng der Eimtf&r/e. Ifif 

die iinsers Fragments gewiss tob da wborgt. — Dass die Gesetztafela (desky praTdo« 
datne) beschriebea gewesen wären» sagt das Fragment nickt, und wir behaupten es auch 
nicht: mit Schnitzwerk und Runen mögen sie wohl bedeckt gewesen sein. «*^ Um öbelr 
die Frage : ob die alten Slawen Tor Cyrill und Mediod Buchstabenschrift gekannt und 
— wenigstens bei Wahrsagen und Cultus -^ angewendet haben ? ins klare zu kommenj 
brauchen wir jetzt weder den unkridschen Hajek« noch die köstlichen Prilwitzer Gölt^* 
bilder und Steine (toh denen indess der Hr. Archivar Lisch doch noch einige zu retten 
bofft) zu consuhiren: es fehlt uns an klaren und positiven Zeugnissen nicht. VgL S. 98«« 
wo auch der geheiligten Runentafeln der Äsen erwähnt ^wurde. 

26« »Es whrd vorausgesetzt, dass die Ordalien» die wahrsQkeinlich erst von den 
Deutschen nach Böhmen kamen, schon damals üblich waren. Man weiss wohl, wenn sie 
abgeschafft worden ; dass sie aber von Pfemysl eingeführt, oder vor ihm« ehe ihn Libu2a 
zum Gemahl erkor, schon im Gange waren« dafür darf man doch mit Recht Beweise 
fordem.a (S. 112.) 

Auch unser gelehrte Jurist, H. Maciejowsld, ist der Meinung, dass die Gottes« 
urtheile erst durch die Christen den bekehrten Slawen zugeführt wurden (Pam. Sbw« I. 
306— Sil.}; glei€bwol haben weder seme Argumente, noch D. Zweifel unsere TJeber^ 
Zeugung von ihrem vorchristlichen Alter bei den Slawen wankend gemacht. Schon der 
Umstandf dass wir sie bei dem Hellwerden in unserer Geschichte bei allen Slawenzweigen 
verbreitet und lief gewurzelt antreffen, und dass wir wohl von ihrem Ende, aber nirgends 
von ihrem Anfange Kunde finden, führt auf die Vermuthung, dass sie älter sind, da 
unsere beglaubigte Geschichte. Bei den meisten indogermanischen, also dem unsrigen 
zunächst verwandten Stämmen, bei den Germanen (nach Phillips und Grimm), Gelten» 
Griechen, Indiem u. s.- w,, waren die Ordalien vor dem Gkristenthum da r waruiA nicht 
bei den Slawen? Widerstrebten sie etwa ihrer Denkart, ihren Sitten? Was ist denn das 
Ordale asnlers, als die Aufrnfang der Gottheit zur Yerkündung der Wahrheit und des 
Rechts in einer migewiseen Sache — also eine Art Loosen? Nun war aber das Loos* 
werfen» in gewissem Sinne selbst ein Ordale, bei keinem Volke mehr verbreite^ als bei 
den Slawen: über Krieg und Frieden wurde dadurch entschieden. Ein Voft, welches 
sein ganzes WoU und Weh dem Ausspruche der Gottheit im Loose unterwarf, wird woU 
mtht angestanden haben, das Schicksal eines Angeklagten derselben Macht anheünzo« 
stellen^ Freilich war der Eid auch bei den Slawen von jeher das vorzüglichere, edlere 
Beweismittel; dieses schloss aber andere gar nicht aus, zumal ausdrücklich gesagt wird; 
Jurationes (bei den Slawen) difficillime admiltuntnr; nam jurare apud Slavos quasi per* 
jurare es^ ob . vindicem Deornm iram. Uebnold L c. 83. $• 2* Wenn Hehnold weiter 
sagt : Slavi (nämlich die von den Deutschen bezwungenen und christianisirten) inhibiti sunt 
de cetero jurare in arboribus, fonttbns et lapidibus, sed offerebant eriminibns pulsatos 
saeerdoti, ferro vel vomenbns examinandos (i. e* 83. $. 18), so ist hier, unseres BesMw 
kens, nur von der Ausschliessung des einen BeweiMuittels!, des Eides nach heidnischer 
Art, und von der Beibehaltung des andern die Rede, eben w«il die Slaiireii nach ihref 



190 Denkmäler der böhmüchen Sprache* Geschichte der beiden Fragmente. 

Unterwerfung und Bekehrung in die Classe der Unfreien geworfen wurden« welehe be* 
kamitlich rom Eide ausgeschlossen waren, und sich zum Beweise ihrer Unschuld stets 
der Ordalien bedienen mussten. 

27. »Die Böhmen kennen das Wort riSiti gar nicht; anch <fie Polen nicht. Auch 
ist die Imperativform r'ozrSlite russisch, nicht b^&hmisch« Schreibt doch der Impostor 
selbst sonst sbd'te, und nicht sudite. Mendacem oportet esse memorem 1« (S. 107 — 108). 

Die Böhmen kennen das Wort röäiti sowohl aus der Alexandreis, deren 2211 Vers 
also lautet: »Opet sie roda rozfesi, Star. Sklad. II. 2^3., als auch aus dem emplasmirten 
rozhfeSiti statt rozfe^iti, des abgeleiteten feseto nicht zu gedenken. — Den ToUstindigen 
Imperativ neben dem gekürzten haben wir bereits oben S. 78 gerechtfertigt; und mit 
dem schlagenden: Okuste a Tidite, femer A tu lib kup, lib nekupi, belegt, welches D. 
einst ohne Arg passiren liess. 

28. »Vers 78 in der Flexion clanechu se müsste nach n ein o» eigentlich ja stehen, 
wenn das Fiickwerk ein hohes Alter haben sollte.« (S. 107). 

Auch dieser Einwurf ermangelt alles Grundes. Wir haben bereits §. 22. Segni.3. 
aus unbestrittenen alten Quellen auf das einleuchtendste bewiesen, dass der Umlaut des 
a in e, besonders nach weichen Consonanten y, c, c, i^ z, z, im Böhmiscllen uralt ist. Wir 
ersuchen den geneigten Leser das dort gesagte nachzulesen. — Uebrigens füllt es auch 
hier auf, dass sich D. gegen dieses einzige Wort auflehnt, und bei den übrigen mit dem- 
selben Umlaut behafteten: öeliedi, deliedina, dlie, slyfie, slyfteste, vece, divde (ruka), u. 
rozmyshechom kein Veto einlegt. 

•29. »Bei den Böhmen ist hoToriti (raunen, verworren reden) und mluviti (ordent* 
lieh reden) nicht einerlei. Vers 79 uod 80 steht zwar richtig goToritl, nicht abor Vers 
83 und Hl, wo mluviti stehen müsste. Der Goncipient hielt sich lieber, um alt zu schei- 
neu, an goVorki, weil es im Russischen üblich ist« (S. 108)« 

Wir bedauern, dass der gelehrte Mann zu solchen Bütteln Zuflucht H-nT^^t, um 
das Gedicht allseitig zu Terdächtigen ! Die ganze von ihm ersonneDe Distincdon CÜk 
AngesichjCs ' der Zeugnisse unserer Sprache über den Haufen. HoTofiti wird jetzt und 
ehedem schlechtweg för mluwiti gebraucht. (VgL Jungtnanns Ö. Slpwn. u. HdToKti). Gesetzt 
aber aueh, es. fände jetzt ein geringer Unterschied statt: kann und darf man darnach den 
Sprachgebrauch, wie er etwa vor Tausend Jahren war, richten? . 

30. »Der Schreiber des Fragments wollte V. 92 nicht Y§te, Volksrersammlungbei 
den Rnssen,^ sietzen» da er ein dreisylbiges. Wort vonnddien hatte. Er lieh also dem 
Worte die Form «ina und schrieb veöina. Nachweisen lässt sich das Wort als in irgend 
einem Diaiecce vorhanden, oder, als jemals gebräuchlich, freilich nkht. Was soll es 
schaden,^ meinte er. Für alt wird man es immer halten.« (S. i05). 

' Viedlna, die Mehrheit» von vieöi oder vieöäi, hat» unserer Meinung nadi, mit dem 
verpönten russischen vide (das übrigens auch in den Glossen der Mat. Verb, und des 
Museum-iPsält^rs, ferner in dem Wittenberger Psalter Ps. 21, 17. 39, 11. und 9Q, 6. vor^ 
kommt) niehta gemein. Man trifii es freilich in aluerbischen Urkunden und in illTrischen 



S* 24. fFütdignng der JSmw&r/e. ^ 191 

Büchern häuSg genug an; indess war <iieser Umstand D. nicht gegenwärtig» sonst wibrde 
er ihm gewiss flugs die Uskokische Abkunft abgemerkt Laben. (Vgl. §. 12. Wortverz.) 

31. »Man vernehme Y. 118 die wahre Gesinnung des böhmischen Patrioten Rati- 
bor vom Riesengebirge : NechvaLio nam v NSmcich iskat' pravdu u. s. w. Hier legt unser 
wahre Patriot, der bei »einem eingefleischten deutschen Michel« in Diensten steht, seine 
Herzensmeinung dem alten Ratibor in den Mund.« (S. 108). 

Also die dem böhmischen Patrioten Ratibor in den Mund gelegte Herzezismeinnng 
des Dichters soll ein Beweis der Unechtheit des Fragments sein? Und dieses Argument 
oder -vielmehr diese Herzensmeinung yemehmen wir aus Dobrowshfs Munde ? — Müsste 
nach dieser Logik nicht der ganze Codex der Mat. Verb, im Museum das Machwerk 
»neuerer Hyperpatrioten« sein^ weil darin S. 30: Col« 1. das mit neunzehn Synonymen, 
die wir nicht niederschreiben wollen« begleitete Wort Barbarus durch einen Namen glos« 
sirt wird, wohl gemerkt in der Zeäe glossirt wird,, den jeder Leser kennt und nöthigen» 
falls unten am gehörigen Orte finden wird. Müsste es nicht Dalemils ganze Reimchronik 
sein ? Müsste es nicht jenes ausgezeichnete Werk sein, das D, sehr gut kannte, indem 
er in s. Gesch. der böhm. Liter. 1818. S. 345 — 346 eine lange Stelle daraus anführt, 
welche wir den Leser nachzulesen bitten, damit er sich überzeuge, dass es D. nidit un- 
bekannt war, wie die alien Böhmen in diesem Puncte dachten und schrieben. — Die Vor« 
sehung schuf mit den Völkern zugleich die Polarität ihrer Kräfte ; und es gab Patrioten, 
Hyperpatrioten und Afterpatrioten auch gestern und ehegestern und nicht in Böhmen 
allein. Es ist freilich ein schöner Beruf edlerer, mit der mens divinior begabtei^ Seelen, 
die Exorbitanzen auf beiden Seiten zu moderiren : dass aber das Ton D. gewählte und 
bei Gelegenheit den Recensionen von Rakowiecki's, Ossoliüski's und Kalajdoviö^s Werken 
(W. J. d. L. Bd. 27« 33.) angewandte Mittel das rechte und zweckmässige wäre, können 
wir uns, trotz der verzuckerten Worte S. 102--103, nicht überzeugen, 

32. »Der Y. 1. wollte den Unterschied zwischen prayda, dem weltlichen bürger- 
lichen Rechte, und zwischen zakon, dem heiligen, religiösen Gesetzbuch, V. 8, 28, 69, 
111, 119, bemerkbar machen. Der zakon wäre also gleichsam die heidnische BibeL 
Nach der Etymologie dieses Wortes ist zakon eben kein geschriebenes Gesetz.« (S. 112«) 

Den ganzen hier gerügten Unterschied hat sich D. ersonnen, um ja nichts an dem 
Gedichte unbekrittelt zu lassen. Der Ausdruck prayda po zakonu (man merke, dass 
dieser Ausdruck auch in dem « serbischen Gesetzbuch vorkommt) bedeutet nichts mehr 
und nichts weniger als »das Recht nach dem Gesetze, jus secundum legem.« Dass der 
Zakon hier STaty (heilig) genannt wird, daran hätte doch ein Alterthumskenner , wie D., 
keinen Anstess nehmen sollen, falls er nicht auch den heidnischen Svatovit anfechten 
wollte. Nur die Mat. Verb, macht einen Unterschied zwischen prayda und pravo, und 
dieser, wenn wir ihn anders gut yerstehen, spricht eher fiir, als gegen die Richtigkeil 
der Anwendung des Wortes prayda in unserem Gedicht. 

33. »Wenn das Fragment auch wirklich echt und nicht unterschoben wäre, so 
könnte daraus, dass der nach seiner Phantasie malende Dichter bei Libuäa's Gerichte 



lOS Denkmaler der bShmiechen Sprache* Gesckichie der beiden Fragmente. 

•inem von den swei Mädchen als Beiständen die GesetxUfeln in die Hände gibt, noch 
nicht gefolgert werden» dass es damals, yor Pfemysl, wirklich geschriebene, nach Böh- 
men mitgebrachte Gesetze gab.« (S. 101, 112.) 

Hiermit sind wir einverstanden, und wollen das auch nicht folgern« Nur geht 
D. offenbar su weit, wenn er an einem andern Orte behauptet, die Böhmen hätten vor 
Premysl von Gesetzen gar nichts gewusstl Seiner Vorstellung von dem Zustande der 
alten Böhmen war das gemäss, nicht der unsrigen. Er hielt sich an Cosmas Bericht 
von den mit Bohemus in das seit der S^imdßaih menechenUere Böhmen eingezogenen und 
»mcre pecudumo und von *gUnuüa (I. 8.) lebenden Rechen; wir an die in unsem ältesten 
Volkssagen und Gedichten durchblickenden Vorstellungen der nächsten Nachkommen 
von der Väter Sitte und Leben* Inzwischen können wir seinem gelehrten Cosmas auch 
einen gelehrten, dazu altern Mann entgegenstellen , der von dem Culturzustande der alten 
Slawen günstigere Vorstellungen hatte, den Kaiser Gonstantin Porphyrogeneta (949). 
Nach diesem schlössen die Fürsten der Chorvaten in Belochorvatien , also in einem 
Lande, aus welchem der ältesten einheimischen Volkssage bei Oalemil lufoige auch 
unsere Cechen stammten, ums J. 634 mit dem Kais. Heraklius über die Besetzung Dalma- 
tiens einen Vertrag, und kaum dort angelangt, ums J« 640, einen zweiten, sekrjftUeken 
Pact mit dem römischen 'Papste : chirographis proprüs daiis saneto Petro apostolo jura* 
verunU ConsL Pcrph. De Adm. Imp. c. 30« 31. £in Volk, mit dem man solche Verträge 
schloss, muss doch schon einige Begriffe von Recht und Gesetz gehabt haben. 

Diess wären denn, unseres Wissens alle von Dobrowsky gegen die Echtheit des 
Fragments vorgebrachten Gründe und Einwürfe. Was das Evangelium anbelangt, so hat 
er nirgends specielle Gründe angegeben, warum ihm dasselbe verdächtig oder verwerf- 
lich erscheine. Wir begnügen uns daher in Bezug auf das letztere hier nur folgenden 
Umstand anzuführen. Die Deckel des Buches, von denen das besdiriebene Pergament- 
Matt faerabgenommen wurde, bat Hr. Hanka im Museum erhalten, und wir haben bei 
genauerem Besehen an denselben noch schwache, aber doch sichere Spuren von abge- 
druckten Buchstaben, und zwar sowohl von dem lateinischen Text als von der böhmi« 
sehen interlinear^ Version, entdeckt. Was dies besagen will, werden diejenigen wissen, 
die selbst alte Membranen von Bücherdeckeln abgelöst haben. 

Hiermit wäre unsere Kritik, soweit sie die Sache selbst angeht, am Ende: da indess Do« 
browsky sowohl in seinen schriftlichen Angriffen, als in mündlichen Aeassernngen» die Hm. 
J. Jungmann, W. Hanka und J. Linda, bald einzeln, bald alle drei gemeinschaftlich als ver- 
meintliche Verfasser des fraglichen Gedichts, und Hrn. Hanka insbesondere als den Urheber 
der Interlinear« Version nannte und bezeichnete, so müssen wir mit ein paar Worten noch 
diesen Punkt berühren. Dass er den damals noch sehr jungen , durch einige poetische 
Arbeiten von mittefanässigem Werth bekannten, übrigens durch keine gründliche philo- 
logische Bildung ausgezeichneten, im J. 1834 verstorbenen J. Linda, dass er ferner 
den, damals kaum noch 26 Jahre alten, der Dichtkunst und slawischen Sprachkunde 
zugewandten Hrn. W. Hanka, seinen eigenen dankbaren Schüler, ftir ßlhig hielt, die 



$. 24« ffVrdipMg der Emwikrje. i^S 



RüHa »eines didiunden SpaoiffTOgdb« zu fielen» ist leichter zu begreifen and vielleicht 
tneh EU entschuldigen ; dass er aber in diesen unseligen Streit auch J. Jungmann hinein* 
mischte und diesem, einem bereits damals bejahrten Mann» lediglich desshalb^ weil er 
das verkaimte Fragment in Schutz nahm« einen so ungleichen und unnatürlichen Bund 
zu einem Schelmstfeich «umuthete — das mag Golt D. yerzeihen 1 

Es kommt übrigens hier nicht auf unsere subjecÜTen Empfindungen an: wir müssen viel- 
mehr die objecüven Gründe angeben» warum wir genannte zwei Herren (denn von Linda wird 
wohl zwischen deii mit der Sache und den Personen vertrauten im Ernste nie die Rede sein) 
nidht fär die Urheber besagter Fragmente halten können. Wir finden dieselben in dem Um- 
stände» dass beide den Text der Aufsätze an einigen Stellen ofi*enbar unriditig gelesen und 
erklärt haben* So lasen beide in Libu$a*s Gericht Z. 66. vterej» indess in der Membran 
vtorej steht; so las Ur. Jungmann Z. 37. 89. jetvi, na popraziu, und erklärte jenes durch 
Zweig» dieses durch Vorhalle» wogegen die Membran Tetvi» popravu enthält; so ttber- 
seisten beide das Wort une Z. 4&. durch »bessere» meliores«, st junge ; so deutete Hr. 
Hanka das Wort vrtor^dny Z« 51 durch »wetterwendisch« (Deutschböhm. W. Buch. 1821, 
Bd. IL S. 430} ; so las Hr. Hanka im Evangelium Z. 106 eda st. cda » und erklärte es 
durch jeda (num)» während Sinn und Grammatik an dieser Stelle unwidersprecblich 
eda» d. i. kda (cum) fordern und die Membran wirklich cda enthält (Hr. Hanka wurde 
durch eine kleine Faser im Pergament irre geleitet) — anderer Kleinigkeiten (wie padsi 
St. padle Z. 47» u mne st. ue mne zz ve mne Z. 137 u. s. w.) nicht zu gedenken. Ist 
^BB nun glaublicli » dass die wahren und wirklichen Verfasser ihre eigene Arbeit an den 
anigefiihrten Stellen so unrichtig und abweichend vom Original gelesen haben würden'? 
Wir «sagen : dies nicht» um die Verdienste oder Kenntnisse der. genannten Männer» die 
wir als* Gelehrte und Freunde ho<äiachlen» in irgend einer Hinsicht herabzusetzen» oder 
uns mit unseren Wissen Aber sie zu stellen » sondern weil rficksichtlose Wahrheit in 
cmseremf Falle eine unabweislicfae Pflieht ist. Wer alte Membranen» wie die unsrigen sind» 
selbst gesehen und gelesen hat, wird leicht einsehen» warum hier Fehler und Versehen 
nichft ga&x vermieden werden konnten. Wenn es uns gelungen ist» einzelnes richtiger 
m entziffem oder tu erklären» so wissen wir recht gut» wer unsere Vorgänger waren 
und was wir ihnen zu verdanken haben} bei einem umgekehrten Zeitverhältnis» wümie 
sich, wahrscheinlich audi em lungekehrtea Sachverhültniss ergeben haben. Von Mängeln 
und Versehen wird wöhlaiich unsere Arbeit schwerlich ganz firei geblieben sein. 

Der aufmerksame und unbefangene Leser wird nun eingesehen haben» waruai 
wir D. Gründen und Einwarfen wider die Echtheit unserer Fragmente nicht dasjenige 
Gericht beilegen können , welches die aus der Ferne der Sache zusehenden und ipit 
dem Gegenstande minder vertrauten Anhänger und Verehf^r des gelehrten Mannes» ge«* 
stützt auf seine Autorität und sein hterarisches Ansehen» fortwährend Ciir dieselben in 
Anspruch nehmen. Wir kennen und ehren D. grosse und unvergängliche Verdienste um 
die slawische Sprachkunäe; wir alle sind in gewissem Sinne seine dankbaren Schäler: 
aber dies kann und darf uns nicht hindern» sich von ihm dort offen und entschieden 



25 



194 Denkmäler der böhmischen Spreuihe. Guehiehu der beiden Fretgwunie. 

loszusagen, wo er sieb, nach unserer innigatien Ueberzeugong; einen grossen FeUer» emea 
argen MissgriS zu Schulden kommen liess« Wer übrigens mit des originellen Maiuiet 
Individualität, mit seinen Ansichten über das slawische Alterthiun, mit seiner UnkenntuM 
der alten und neueren slawischen VoUcApoesie, so wie mit den VerhiÜltaissen, in denen 
er lebte, und besonders mit seiner periodischen Gemüthskrankfaeit niher bekaoat iMi 
der wird es leicht begreiflich finden, wie es kam, dass ein Gelehrter und Kritiker von 
seinem Range, nachdem er einmal einen falschen Schritt gethan (bdcannllioh hatte er das 
Fragment, noch bevor er es gesehen, filr unecht erklfirt, als er hörte, dass darin der 
Scho^ren »(!^echs« erwähnt wird) und auf der Streitbahn so weit vorgeschritten war, lieber 
zu den verzweifeltsten Bfitteln der Skepsis und Sophistik greifen, ab seinen Fehler ei» 
gestehen wollte« Denn dass der leidenschaftlich heftige and beleidigende, jede ndiige 
Prüfung ausschliessende Ton, den er von Anfang her in dem Streite anstimmte, die planki 
zusammengerafften, mit seinen sonst ausgesprochenen Behauptungen, unter sich selbst 
und mit anericannten Thatsachen in directem Widerspruche. stehenden Einwürfe sowoU 
seiner, als der Wissenschaft» die er repräsentirte , gleich unwürdig waren, werden doch 
wohl selbst seine eifiigsten Verehrer nicht ganz läugnen und noch weniger billigen können. 
Männern von D. Geist und Gelehrsamkeit widerfuhr zwar auch manchmal auf dem Felde der 
Kritik etwas dem AehnUches, Menschliches; sie jedoch, in diesem Punkte wenigstcai 
grösser als er, trugen kein Bedenken, ihre Fehler oder Uebereüung einzugestehen, so* 
bald sie ihnen nachgewiesen wurden, wie dies namentlich von F. A. Wolf in Bezog avf 
einen Ciceronianischen Brief bekannt ist. Dass D. seinefr Sache nicht ganz gewiss woTi 
dass er sogar einmal gelegentlich ausrief: «es könnte doch echt sein,« dass ihm das 
Evangelium eine Zeit lang wahre und wirkliche Freude machte , ist gewiss : allein was 
that er? Um nicht Libu$a*s Gericht aneriLcnnen zu müssen, erUirte er auch das Evange- 
lium für unecht 1 — Für diejenigen, denen D. Aussprüche als Orakelaprüche gelteSf 
wollen wir noch bemerken, dass unseres BedQnkens die Kritik, so gewaltigi ja h7pe^ 
kritisch er darin gewesen, gerade die schwächste Seite seiner Leistungen bildet Wir 
erinnern nur an seine Glagolitica (1808), worin er die glagolitische Schrift für eines 
frommen Betrug aus dem Anfange des XIII Jahrb. eridärte , die indess seitdem in Hand* 
Schriften des XI Jahrb. (ad minimum) gefunden wurde, femer an seine Krit Yersiicbs 
1803 — 1819, die im Detail zwar sehr instrucüv, in den Resultaten aber meist ganx 
verunglückt sind« Dass er auch in der slaw, Sprachforschung nicht den Gipfel der Ih' 
fehlbarkeit erklonmien, lehren seine besten Werke, z. B. seine Inst. L slav. (1822), wo 
er z. B. die Bedeutung des Ja und Jus durohaus verkannte und mitualec ganz faladM 
Formen (wie die Imper. der 3 Conj.) aufstellte« — Also Ehre und Preis seinen reellen Tc^ 
diensten t seine Yerirrungen sollen uns eine Warnung sein I 

Nach dieser Abfertigung der Scheingründe D. wollen wir noch in der Kürze die 
Hauptgründe zusammenfassen, warum wir beide Fragmente für echt halten und dem 
Verdachte einer Unterschiebung nicht Raum geben können. 



j 



' 1. Wir finden ia dipl^aiueh'paläogi^äphi^het Mtnsühi n^Sti der schSrfsten Pröfiing 
an den Membranen und ihrer Sbhrift nieht^« wodurch dieselben^ als abweichend von 
echten alten Membranen und als ein Machwerk der neuesten Zeit» sich characterisirten« 
Namentlich ist das Fragment des Evangeliums 'in altemi so ncn'mal, und die Interlinear- 
Version so evident Ton einer and detselben Hand mic dem Grandtext, dass, wenn das- 
selbe nicht echt ist/ wir alsdanil kein'Kriterrnm kennen, um alte Membranen Ton jetzt 
fabricirten ' zu unterscheiden. 'Was das Gericht Libosa^s anbelangt, so ist dasselbe in 
Pergament und Schrift ebenliilla durchaus alterthümlich ; und die Eigenthümlichkeiien 
desselben, z.B. die grüne Schrift u. s w., sprechen, genau genommen, mehr für die 
Echtheit, als gegen dieselbe. Wer ^folsche ' Banknoten in Umlauf setzen will, wird «ie 
nicht absichtlich (zumal in zufiiUigen, leicht vermeidlioben Nebendingen, z. B. in der 
Farbe der Schrift), den echten und bekannten au/ballend unähnlich machen. 

2. Üie -Sprache ist in beiden Fragmenten sowohl in ihren grammatischen Formen, 
als auch in ihrem durch die Wahl der Worte und Ausdrücke bedingten echt alterthttmli- 
eben Gepräge durchaus tadellos. Nicht einen einzigen wirklichen und reellen Fehler 
kann man darin nachweisen. Eine solche organisch vollendete Sprache konnte weder 
aus den im J. 1818 bekannten altböhmischen Sprachdenkmälern abstrahirt, noch aus 
andern Dialekten zusammengestoppelt werden, denn sie ist in allem ungleich älter, als 
die Sprache dieser Denkmäler, und frei von aller Beimischung heterogener Formen oder 
von einer Fusion der Dialecte. Gerade die anschemenden Anomalien und Abnormitäten 
sprechen am stärksten /br ihren organisch-fi*eien Ursprung und gegen eine künstliche 
Erzeugung. Ein absichtlicher Fälscher würde z. B. in einem so kurzen Gedichte nicht 
das einemal jeje und rozvadiena, und das anderemal Jeja und rozvadiema geschrieben, oder 
im Evangelium neben sebe-si das declinable Suffixum -sim in sob^sim angewendet haben« Er 
würde sich, wie Dobrowsky und wir alle mit ihm, aus den bekannten Mustern einer spätem 
Zeit eine grammatische Theorie für ^ne unbekannte ältere Zeit abstrahirt und dann alles 
regelrecht gemacht haben. Ein solches Product wäre aber gerade ein grammatisches 
Flickwerk ohne lebendigen Organismus, welches sich zu einem echten Naturproduct ver- 
hielte, wie ein nach mathematischen Dimensionen und Proportionen regelmässig construir- 
ter Baum zu einem natürlichen. 

3. In dem Gedichte kommen so viele Local- und Eigennamen, so viele und so 
mannigraltige Beziehungen auf Sitten, Gebräuche, Sagen und sonstige Lebensverhältnisse 
einer uns fast gänzlich unbekannten Zeit vor, dass wir uns unmöglich überreden können, 
ein böhmischer Dichter aus der Zeitperiode 1818 hätte sich auf diese Einzelheiten ein- 
gelassen, ohne Blossen zu geben. Ein absichtlicher Fälscher würde sich entweder in- 
nerhalb des Kreises der reinen Lyrik gehalten, oder einen historischen Stoff überein- 
stimmend mit der Geschichte bearbeitet haben, um nicht Verdacht zu erregen. Unser 
Gedicht verhält sich aber zu Cosmas Bericht gerade so, wie der Gesang von Neklan's 
Siege in der Königinhofer Handschrift zu der Erzählung bei Cosmas : beide sind von der 

Chronik unabhängig. Von dem Geiste einer reinen« antiken, durchaus nichu Modernes 

25* 



i96 



Denkmäler der böhmüehm Sprache. Geidwhie $br 



FreignufUe, 



Terrathenden Volks« uoA Naiorpoeflie» der uu aoi dem Gedicht kriftig asweht^ woOen 
wir nicht reden : die$ ist eine Sache, tlie steh besser fOhlen« als in Worte fassen und 
demonstriren lässt. 

Hiermit hfitten wir den Endpunct des pemUcken Theib unserer ▲u%abe erreicht. 
IVir unterlegen nun unser Präfiingsresultat dem Urtheile der unbefiuigenen Mit^ und 
Nachwelt. Die Fragmente sind im Museum niedergelegt und werden soi^fUtig verwahrt; 
wir wollen hoffen, dass sie uns und den jetzigen Meinungskampf überdauern werden» 
und dass die Nachwelt, auch ohne uns, die Wahrheit finden wir dt die wir alle. Freunde 
und Gegner, suchen und wiinschen* 

Aber schon hören wir den Zuruf der Gegners »Nehmet euch doch in Acht! 
Der Falsarius könnte aus seinem Versteck heraustreten und euch beschämen I« 

Wohlan 1 Wir sind gefasst und erwarten ihn. Er komme und*— UgMawre sieh. Er 
legittmire sich yor einem Collegium stimmberechtigter Urtheilsprecher. Die Art und 
Weise wollen wir dann mit den Richtern gemeinschaftlich näher bestimmen* Dann, aber 
auch nur dann — erit nobis magnus Apollo I 



LEITMERITZER 



STIFTUNGSBRIEF 



• *, 



*. 



!•» 



DER LEITMERITZER STIFTUNGSBRIEF. 



$. 26. Altevy Inhalt und böhmische Lexes. 

In dem« angeblich yon Herzog Spitihnew von Böhmen (1055 — 1061) der Leitme- 
ritzer CoUegiatkirche verliehenen Stiftungsbriefe« den Gelasius Dobner im J. 1774 ganz 
in Kupfer stechen liess und dem fünften Bande seiner Annales Hayeciani beifiigte, be- 
finden sich« ausser den Personen und Ortsnamen« auch eilf böhmische Wörter zur Be- 
zeichnung besonderer landesfiirstlichen Gefalle« nämlich 

homutoue. othodne« otroce. goftine. grrneene« sitne. — 
sfvod. glava. narok. nedoperne. grrdoll. — 

und am Schlüsse der Urkunde eine Nachricht in böhmischer Sprache« folgenden Inhalts: 

,,Pavel dal ieit ploflkovicih zemu. Wlah dal ielt doIealT zemu Bog^ 
i ITvatemu Scepanu Ssedvema. duHhicoma Bogucea afledlf av/' 

Wir haben über diesen ganzen Stiftungsbrief umständlich gesprochen im öaftopift 
deskeho Museum vom J. 1836« Heft IV« S. 323^-346« und darin aus Gründen äusserer 
und innerer Diplomatik den« wie wir glauben« einleuchtenden Beweis geführt« dass dies« 
Urkunde nicht im XI« sondern erst im XIII Jahrhunderte« mit Benützuiig einer alten Nacb- 
rieht« neu aufgesetzt worden ist« — was übrigens jeder Kenner« der Dobner's Faci-simile 
ansieht von selbst zugeben wird. Wem daran gelegen ist« darüber Gewissheit m er- 
langen« den müssen wir auf jene Abhandlung verweisen« da wir es hier nur mit den in 
böhmischer Sprache geschriebenen Stellen der Urkunde zu thun haben. 

Dobrowsky« der diese Urkunde fiir ein echtes Original des XI Jahrhunderts hielt (Q» 
schrieb darüber in seiner »Geschichte der böhm. Sprache und älteren Literatnl*«« (Prag 
1818« S. 80 und 81) Folgendes: 

»Aus dem eilften Jahrhunderte haben wir kein anderes Denkmal aufieuweisen« als 
die einzelnen böhmischen Wörter« welche in lateinischen Urkunden zerstreut vorkommen. 
Das älteste und erheblichste Stück sind zwei kleine Sätze in dem Spitihn^wischen Sttf* 
tungsbriefe der CoUegiatkirche zu Leitmeritz um das Jahr 1057« welche am Ende des- 
selben in böhmischer Sprache geschrieben stehen: »Pavel dal iest« u« a« w. »Zemu im 
Accusativ steht hier noch für zemi« weil das » erst später in f überging« so wie noch 



1M6 Denkmäler der böhmischen Sprache. Leümerüzer SUftumgsbrUf. 

die Slowaken dahi anstatt dasi sagen. Boga ist unser hoka. Die lateinischen Schreiber 
wählten meistens das g» um unser h auszudrücken» wie man noch Praga (&r /VcAa 
schreibt. Das slawonische Glagol ist eigentlich ein Hittelhiut zwischen g und A; und 
selbst die Russen sprechen ihr Glagol in manchen Wörtern fast wie ein h aus. Iktm 
ist unser dwema, der Dual von dwa. Duffnicoma ist der Dual von dusnjk^ animator« ein Seel- 
^nfchl» -welches Wort auch unter den Slowaken üblich gewesen sein muss , weil es incii 
in Diplomen ungrischer Könige vorkommt. Scepan ist §depai^ jetzt Stepin zu lesen. 
Plosskovicih steht im Local des Plurals, ih gilt also ich. JFlah ist unser fFlach.* 

Auffallend ist es, dass Dobrowsky, der sich hier auch über die leichtesten 
Wörter, die gar keiner Erklärung bedurften, verbreitete, das einzige schwierige Wort 
-»dcleajf^ ganz unerörtert liess ; und gerade dieses ist das interessanteste und merkwu^ 
digste.in der ganzen Stelle 1 Er hat es offenbar nicht verstanden, oder für eben so 
corrumpirt gehalten, wie es der letzte Name r^SsedUav^ wirklich ist. Aber in jener 
Namensform r^Doltaff^ tritt uns ein schon im XIII Jahrhunderte obsoleter Local des 
Plurals (-1^) entgegen, der sich nur noch in den Fürwörtern nas^ tväs^ anstatt »M 
wach erhalten hat, in allen übrigen Fällen aber durch das neuere ^anech ersetzt worden 
ist. *) Daher ist hier Doltass zz Dclanech» in Dolan. 

Die Form »*«^,« alt insgemein »-^z« geschrieben, im Local det^enigen Orts- 
namen, deren Plural Nominativ »•an^a ist, zeigt sich in böhmischen und mähriscbea 
Urkunden des XI bis XIII Jahrb. ziemlich häufig, z. B. 

1. In dem (unechten) Stiftungsbriefe von Altbunzlau, angeblich vom J. 1052, liest 
man Lusas = in Luian. 

2. In dem (unechten) Stiftungsbriefe von Opatowic, angeblich vom J. tOS6, heisst 
mß Lmbczas zz, in Liböan. 

*i ' S. In dem (gleichfalb unechten) Wyiehrader Stiftungsbriefe , angeblich vom J. 1088, 
kommen die Namen vor: Wirbcaz^ Bresat, Cemcraz, ügoscae, Trmouae (sie)» d. u io 
^rMan, Bi^tan, Komofan, Ugo^an, Tmowan u. a. m. 

•^ 4. In dem (echten) Olmützer Stiftungsbriefe vom J. 1131 (doch ist darin dai Orts* 

regisCer später beigefügt) ist diese Form sehr häufig : Tcpclaz, Ois^tt, Bmieuaz, Ktitda* 
Qruiomaz u« v. a., lies »in Topolan, Olsan, Bukowan, Kostelan, GmiowMm u. s. w. 

5. Der unruhige Ahnherr der Podebrade, Gerhard von Obfan^ hetset in UrkiuulM 
lioeh «tms J. 1286 Gerfaardus de Obersczze (/• Obfes.) 

^ In der alten Leitmeoritzer Nachricht von der Stiftung Spilibnews , auf welche der 

Text der obigen Urkunde grösstentheils gegründet ist, kommen auch folgende Ortsnamen 



. i* 



•^d {// ' f-J" * ') ^^ *" ^*"' mühriscLcn Tiiraj (Tufany), einem Dorfc des Brünner Kreises» hat sich eine Spur di««* 

/ . / • / Locals bis auf den heutigeo Tag erhalten. — In dem Willeoberger Psalter kommt Ps. 64, 5. v stoact 

"' *' "^ .; tvyi «tut rrjcb Tor. — Dieselbe Verwandltnig des cÄ in * gewahrt man in dem allslaw. Praet. des Viü- 

. ^ ^ . / ^ 't'\ ■ ^ cMMcheo gbgotttiMhea ETangelistarimn : prijas st. prijach u. s. w. Umgekehrt best toan in den Evf<- 

y ^ " ;/' ^^ J nianis^o Fra^ncalen ach «l. «s (ego). ^ . 



i ' 






§. 2o. AlUr, Inhalt und hchmuche Lfxes. 801 

in der obsoleten Localform vor: Temovas, Peschazs LuboAcvaz» BrennaZp und wieder 
Temcvaz, d. i. in Tmowan, Pieäöan 'jetzt Pistian}, Libochowan« Brnian u. s. w. Der 
Schreiber der angeblichen Originalurkunde (im XIII. Jahrb.) las diese und andere Namen 
zum Theil unrichtig; denn er schrieb daliir Trmovas» Pelceas, Lulbohovass^ Brcmass u. s. w^ 
was dann der sonst so verdienstvolle Pelzel in seiner Now4 Kronika äeska vom J. 1191 
p. 348 u. 349 mit »w Tmowasi, Pelöasli, Lutwohowasi, BremaSi, Doleaiia übersetzte. 
Wer möchte aber diese monströsen Ortschaftea irgendwo in Böhmen suchen ! 

Dass der Schreiber der Urkunde hier doleass und nicht dolass oder dolaz schrieb, 
deutet darauf hin, dass er hier ein mouillirtes / (Ij) ausdrücken wollte, und dass man 
nach der alten Aussprache Doljas lesen mUsse. Etwas Aehnliches zeigt auch das Evange- 
lien-Fragment, wo z. B. Uas sea für tja, sja geschrieben steht« Ueberhaupt ist in den 
böhmischen Wörtern der Urkunde eine ältere Form beibehalten worden, als dem XIII 
Jahrhundert zukömmt; denn überall liest man darin noch g, wo schon h hätte stehen 
sollen, während A für ch gesetzt wird. Nur im Gebrauch des ss für z, und vorzüglich 
in der Schreibart grmecne^ grrdost für grinecne, gridozt offenbarte sich der neuere Schreiber. 

Die syncopirte Form Dclj-as^ Ols'Os u. s. w. anstatt Dol-janes, Ols-ancs, zeigt sich 
auch in alten serbischen Urkunden, jedoch nur im Dativ; so heisst es in einer Urkunde 
des Bans von Bosnien, Au/m, vom 29 Aug. 1189: v'sem grad/'am DubrovVaf», anstatt 
grsidjanomDubroy'canom; und in einer andern, vom serbischen König Stephan ums J. 1272: 
dalo je kralev'stvo mi milost 'Dubrox^cam u. s. w. 

Das Wort dusnit» animator, übersetzte Dobrowsky mit »Seelknecht«, und legte 
es so aus, ^ dass es Leibeigene bedeute, die »nichts eigenes hatten, als ihre Seele«(!) 
Denn »\lles übrige, ihre Kräfte und ihr Leib, stand ihrem Herrn zu Diensten« (I) — Aber 
für animator kommt synonym in andern Urkunden auch proanimatus (:= pro anima datus} 
vor, und Jedermann kennt noch heute in Böhmen das Wort zddusie, Kirchengut, eigent- 
lich ein »fiir die Seele hingegebenes Gut.« Da nun die animaiores und dusnici nur in 
Schenkungsurkunden an Kirchen und Klöster genannt werden, so bedeutef auch das 
Wort nichts weiter, als: den Kirchen und Klöstern angehörige, auf Kirchengütern an- 
gesessene Unterthanen. Die Hörigen und Leibeigenen überhaupt heissen in altböhmischen 
Urkunden eben so servi und mancipia , wie in allen Urkunden des Mittelalters. Dass aber 
animatores und proanimati nicht gleichbedeutend mit servi und mancipia sei y lässt sich 
urkundlich erweisen. So werden z. B. in einem Schenkungsbriefe an die Uneticer Kirche 
vom Jahre 1132 zwei proanimati, Ostog und Milon mit ihren Familien, jener Kirche 
angewiesen, ihre Schuldigkeit an jährlichen Zinsen und Frohnen bestimmt, und dann 
hinzugefügt: quorum proanimatoinim si prosapia defecerit, ecclesia Yneticensis terram 
habeaU Folglich waren jene proanimati eben solche Zinsbauem, wie die Mehrzahl der 
damaligen böhmischen Bauern überhaupt. Denn Leibeigene werden in derselben Urkunde 



^) S. Abhandlungen der bohm. Gesellschaft der Wissenschaften \om J. 1785, Seite 193, 194. 

26 



902 Denkmäler der bckmücken Sprache. Leümerüzer SiifiungsbrUf. 

nicht proanimati^ sondern servi genannt, da es dort heisst: »Nescadam ad litteras pusui 
seryum , si didicerit, liber sit; si non» servus.« 

Die Bezeichnung der landesfiirstlichen Gefälle nhomutoue« u. s. w. 6ndet sich nicht 
in der alten I^s^hricht, welche bei der Abfassung des Stiftungsbriefes zu Grunde gelegt 
worden war. Die Vergabung solcher GefiUe an die Stifter war unter Spitihnew wohl 
kaum schon üblich , sondern scheint erst später in Gebrauch gekommen zu sein. Doch 
muss auch eingeräumt werden, dass der Concipient der Urkunde sich hier an unbe- 
zweifelte alte Daten, nicht aber an die Gewohnheit seines eigenen Zeitalters gehalten 
hat. Denn im letzteren Falle würde er nicht unterlassen haben, dem Stifte und seinen 
Unterthanen eine Töllige Immunität von allen Lasten der Gesammtbürgschaft zu sichern, 
während er sich begnügte , ihnen nur einen Theil an diesen Gefallen, also eigentlich eine 
Rente aus den landesfiirstlichen Einkünften, aus der herzoglichen Kammer, zuzuspre* 
chen. Dieser Unterschied ist für die Kenntniss der alten staatsrechtlichen Verhältnisse 
von nicht geringer Bedeutung, wie bereits in der Geschichte von Böhmen 3. Bandes 
1 Abtheil. S. 36 bemerkt wurde. 

Als ZcUgefälle werden hier genannt: 

homutouc (chomiitowe) , vom Kommet, chomaut. 
othodne (odchodae), von abgehenden Schiffen. 
otroce (otroöe, jezt otroöj), von otrok, puer, Knecht. 
gostine (hostinne), von fremden Kaufleuten (Gästen). 
grrnecne (hmeöne), von Töpfen. 

sitae, ungewiss ob iune^ von Kom, Getreide, oder süni , von Sieben. 
Als Zahlungen bei der Gesammtbürgschaft sind anzusehen: 

ssvod (swod), wenn ein Diebstahl begangen wurde; 

glava (hlawa), wenn jemand getödtet wurde; 

narok (narok], bei gewaltthätigen Handlungen überhaupt; 

nedopeme (nedoperne), bei schweren Verletzungen und Verwundungen 

im Streite ; 
grrdost (hrdost), bei gewaltsamen Einbrüchen in die Häuser u. dgl 
Ueber das besondere Rechtsverfahren bei dem swcd, welches in Böhmen bis zu 
K. Otakars H Regierung herab, in anderen slawischen Ländern aber, z. B. bei den Rus- 
sen und Serben, noch länger beobachtet wurde, haben wir im Casopis öesk. Museum 
1837, I, 83^85 umständlicher gehandelt 



GLOSSEN 



DER MATER VERBORUM. 



26* 



aw 



GLOSSEN DER MATER VERBORUM. 



$. 26. Beschreibung der Handschrift. 

Jjie Bibliothek der Grafen von Kolowrat zu Bfeznic, welche bald nach der Grün- 
dung des böhmischen Museums« als ein Geschenk des Grafen Joseph von Kolowrat- 
Krakowsky» in dasselble kam« war unter allen Bücherschätzen« welche dieses National- 
institut je erlangt hat« der bei weitem wichtigste und merkwürdigste. Dadurch kamen 
mehr als 500 der seltensten Incunabeln und Manuscripte« die vor und nach dem Hussiten- 
kriege« verschiedenen Klöstern« meist aber dem Collegiatstifte zu Raudnitz gehört hatten« 
in das Museum. Unter ihnen befand sich auch ein Exemplar des grossen Dic'tionarium 
universale« auch Mater Yerborum genannt« welches der im J. 920 verstorbene Constanzer 
Bischof Salomo in seinen früheren Jahren als Abt von St. Gallen verfasst hat. 

Es ist dies ein starker Prachtcodex in grossem Foliofomiat« der ursprünglich aus 
30 Quaternionen und 1 Ternion« daher aus 246 Blättern des schönsten Pergaments be- 
standen hat« Da jedoch aus der 18ten und 20ten Lage, je das zweite Blätterpaar heraus- 
gerissen ist« so sind jetzt nur noch 242 Blatt übrig« auf welchen sich 481 Seiten Schrift 
befinden. Jede Seite ist dreispaltig beschrieben, mit sehr breiten Rändern. Die Höhe 
der einzelnen Blätter ist zu 18 Zoll 3 Linien, die Breite zu 12 Zoll 7Lin. ; die Höhe jeder 
olzeiligen Schriftcolumne zu 14 Zoll 1 Lin.; die Breite zu 32 Lin. alten Par. Maasses. 
Am Rande sind die Blätter mit dem Cirkel für die Linienziehung durchstochen ; die 
sehr feinen Linien sind mit Tinte gezogen« und zwar die obersten drei« die mittleren und 
die untersten drei jedesmal quer durch die ganze Breite des Pergaments : die übrigen 
sind mit Perpendicularlinien eingefasst« welche an den äusseren Rändern der Columnen 
gedoppelt erscheinen. 

Der Codex beginnt mit den Worten : »Abba . Sirum . nomen . est . et . signi- 
ficat . in Latinum . pater •« — und schliesst: — »^ibia • v6l crura . vel sura . Amen. 
Explicit liber Mater Yerborum. Christus scriptorem sa%et per matris amorem.a 

Die Schrift ist eine gerade« mehr hohe als breite Minuskel« worin die Uncialen 
nur als Anfangsbuchstaben vorkommen. Da, wo im Texte ein neuer Buchstabe des Alpha- 
bets beginnt« ist derselbe gewöhnlich in ein Gemälde auf Goldgrund« das ein Quadrat 
von 30 bis 60 Lin. Höhe und 32 Lin. Breite bildet« eingesetzt Gegenstand der Gemälde 



Denkmäler der böhmischen SprcLche. . dessen der Mater Verborum. 

sind meist Figuren, Christus, Maria, betende Mönche, Vorstellungen der Hölle a. dgl., 
seltener Thiere oder Arabesken. Das erste Blatt ist /oL r. leer, foL v. ganz mit Fi^en 
und Arabesken bemalt. Am interessantesten sind aber zwei Bilder, das eine S. 137, wo 
zwei Betende am Rande als Lucas und als Detricus prior bezeichnet werden; das andere 
S. 457, wo sich der Schreiber und der Illuminator des Buches selbst zu Maria betend 
vorgestellt haben. Maria hält in der Rechten das Christuskind, in der Linken einen weissen 
Streif mit der Inschrift MATER • IHV . XPI. Der links unter ihr knieende Mönch hält 
in den Händen einen ähnlichen Streif mit den Worten: ORA . fi . SCRE . VACfSO. 
Rechts steht ein anderer Mönch , und auf dessen Streif liest man : ORA . f . ILLnE. 
MIROZLAO • A MCII. Der Sclureiber des Buches hiess also ff^acerad, der Illuminator 
Miroslaw. Das beigefügte Jahr kann unmöglich 1102 sein; der ganze Charakter der 
Schrift;, der alle Kennzeichen der ersten Decennien des XIII Jahrhunderts an sich trägt, 
und das Abbreyiationszeichen über der Jahrzahl setzen es ausser Zweifel, dass hier 
MCCII^1202 gelesen werden muss. 

Als Beweise, dass der Codex nicht zu Anfange des XII, sondern erst des Xfll 
Jahrhunderts geschrieben sein könne, führen wir nur folgende an : die Minuskel i ist 
schon sehr häufig, und nicht bloss bei ii, virgulirt; auch r ist nicht selten yirgulirt ; das 
kleine Uncial s bildet am Schlüsse der Wörter die Regel ; ein geschwänztes e ist nirgends 
sichtbar, und der Diphthong ae kommt nur als Anfangsbuchstabe einiger Wörter unter A 
vor, wo er bald Ae, bald d geschrieben ist. Wacerad schreibt schon scriptur« sac«, 
terr^, und so durchgängig. Das t vor ia, id, ie, iu altemirt schon mit dem c, und man 
liest z. B. ingencia menia, iusticia, sciencia, asturia, und wieder gen/ium , ]nten/io,ü- 
gilanda u. s. w. Die Abbreviationszeichen sind sehr häufig und mannigfaltig , aber auch 
durchaus regelrecht und, wie die Schrift überhaupt, sehr deutlich. Als Interpunction 
kömmt nur der einfache Punct vor; der Strich (') ist ein Theilungszeichen. 

Die Mater Yerborum des böhmischen Museums gehört unter die glossirten Exem- 
plare dieses Werks; sie bietet aber nicht allein deutsche, sondern auch böhmische , \a^i 
zwar beiderlei Glossen, sowohl in- als über den Zeilen. Doch kommt die Mehrzahl der 
deutschen in den Zeilen, die Mehrzahl der böhmischen über denselben vor. Die inter- 
linearen Glossen sind von zweierlei Hand, mit viel kleineren Buchstaben geschrieben, 
doch alle mit dem Codex gleichzeitig; die einen, mit dickeren Zügen, scheinen von 
Wacerad selbst herzurühren; die anderen viel zahlreicheren, die sehr fein und geßlli^ 
aussehen , rühren von einer andern Hand her , allem Anscheine nach von der des Cor- 
rectors der Handschrift, da sie mit seinen Zügen vollkommen übereinstimmen. 

Die böhmischen Glossen dieser Mater Yerborum wurden erst im Juli 1821 ent- 
deckt, als der rühmlich bekannte deutsche Sprachforscher Hr. Graff, mit dem Bibliothekar 
des Museuros Hm. Hanka, den Codex zum Behufe seiner deutschen Glossensammlung zi^ 
coUationiren anfing. Hr. Hanka liess alsogleich, im vierten Hefte des Casopis öeskeho 
Museum vom J. 1827, S. 69 fg., vorläufige Nachricht davon nebst einigen Proben ab* 
drucken^ Später gab er das Ganze heraus in dem Buche : Zbjrka neyd^wnegljch slo«- 



§. 26. Beschreibung der Handsthriß. 807 

njku latinsko-desk^ch. Vetusstisima Vocabularia Latino-Boemica. W Praze 1833« pagg. 
442 in 8®, worin, die Mater Verborum S« 3 — 24 den ersten Platz einnimmt. Die Glossen 
sind hier nach der alphabetischen Folge der lateinischen Wörter geordnet« und genau 
in der alten Orthographie allein« ohne Beifügung der pagina des Originals« so wie ohne 
alle weitere Erläuterung abgedruckt. 

Wir haben es daher für zweckmässig und nothwendig erachtet« die böhmischen 
Glossen hier nochmals vollständig« mit Angabe der Seitenzahlen des Codex« wo sie vor- 
kommen« drucken zu lassen« und zwar nach der alphabetischen Folge der böhmischen 
Wörter« daher auch zugleich mit Vorzeichnung derselben nach den Regeln der Orthoe« 
pie und Orthographie. Bei der zu diesem Behufe angestellten vollständigen Revision 
des Codex haben wir mehrere Glossen entdeckt« die Hm. Hanka entgangen waren« und 
somit ist unser Yerzeicbniss vollständiger« als das seine. Dagegen haben wir mehrere 
von ihm angeführte Glossen« wie calicula gellüa, glos deck» oriens zara, psalmorum saU^ 
morum, renter zubar, riuola chlipa, sinistra leua, succula gelca, thorale süiala, fuiiam ovin, 
u. a. m. die er fiir böhmisch hielt« wir aber für fremd erachten« von diesem Yerzeich* 
nisse ausgeschlossen. 

Die Manie« bei allen Denkmälern der ältesten böhmischen Literatur« welche in 
unseren Tagen entdeckt werden « Betrug zu- wittern« hat auch diese Glossen nicht ver* 
schont« Der pseudonyme« jedoch wohlbekannte Recensent« ;>Cosmas Luden«« verlangt 
in Gersdorfs Repertorium der gesammten deutschen Literatur (Jahrg. 1837. Bd. XIV« 
S. 183}« »dass über die Entdeckungen in der böhmischen Literatur« von der Königin- 
»hofer Handschrift (1817) an bis zum Fragment des Job. Evangelii« auch das Salomonische 
»Glossarium nicht ausgenommen« worin nur 36 Glossen in der Zeile« die übrigen 1500 
»theils über« theils unter der Zeile angebracht sind« und deshalb ungleichen Alters« 
»vielleicht auch neueren Ursprungs sein können« so lange die Zeugen noch' leben« baldigst 
»ein genaues Verhör vorgenommen werde. Vor Entscheidung dieses Verhörs kann und 
»sollte die wirkliche Kritik von allen diesen Entdeckungen keinen ausgedehnten Gebrauch 
»machena. Hier sind nun nicht allein die Fragmente von LibuSa's Gericht und die der 
Evangelien« sondern auch schon die Königinhofer Handschrift und die Mater Verborum 
vor der Welt verdächtigt. Wir müssen gestehen« dass uns das Benehmen des Rec. 
hierin diurchaus unerklärbar vorkömmt; denn dass ein schriftkundiger Mann mit gesunden 
Sinnen und ungetrübtem Geiste diese unschätzbare Handschrift und die Glossen gesehen 
und gelesen habe« und sich doch einbilden könne« Hr. Hanka habe dies alles selbst 
fabricirt« um dann darüber »in seine Faust zu lachen«« — das ist doch mehr als wir 
begreifen können ! ^^) 



^°) Erst nach Vollendang anserer Arbeit and beim Beginne des Druckes eriiielten wir : Hesychii GIosso- 
graphi discipnlos , ed. B, Kopäar, Vind. 1840. 8. Der Verf., der sich hier cn der oben besprochenen 
Rec. bekennt, wiederholt auch diesmal seine Zweifel gegen die Echtheit nicht nur aller neucDtdeckten 
böhmischen Denkmfilter, Ton Libnfia's Gericht an bis anf die KSniginh. Hs. herab (dem ^mt wird wohl 



806 Dinkmältr der bchmisclun Spracht. dessen dtr MaUr f^erborum. 

Wir geben Hrn. Cosmas Luden zu, dass in der Mater Verborum nicht bloss 
36 > sondern gar nur 27 böhmische Glossen in der Zeile geschrieben sind, da wir 
Worte, wie geUiia (pag. 39), cosU (pag. 479), ovin p. 125, chli^a 293, geUa 331, tUdi 
344, Uaa 321, zara 383 und 480, nicht mit Hrn. Hanka für böhmisch halten können. 
Wir fügen noch bei, dass die böhmischen interlinearen Glossen derjenigen Hand, die 
wir für die des Wacerad halten, kaum den zwanzigsten Theil des ganzen betragen, ood 
somit das meiste von derjenigen Hand herrührt, welche wir dem gleichzeitigen Corrector 
des lateinischen Textes zuschreiben. Was nun diese Hand betrifft, so wird gewiss jeder 
erfahrne und unbefangene Diplomatiker sie unbedingt für gleich alt mit dem Codex 
selbst erklären ( — denn wo es sich um mehr als sechs Jahrhunderte handelt, da kommt 
CS auf ein paar Tage, Monate oder selbst Jahre nicht so strenge an); die Beschaffenheit 
der Schrift, und der Ton der Tinte, der vom Ganzen nicht im geringsten abweiche 
schliessen jeden Zweifel aus. Von derselben Hand rühren auch über hundert dtuudi 
interlineare Glossen lier, z« B. deliramenta tobehä pag. 72, depascitur wrezet 13, fasm 
nesula 112, fidejussor burgo 116, fidicines svegelere 116, filicem ybrn 116, murex meruneüt 
211, mulctra nulcvaz 210, perpendiculum murva^ 250, picea vorha 2d3, obscs ^i/(/ 2-^> 
praecoquus cüiger 263, prurit iuchU 274, sedatium harsip 311, thymus büuuga 34o, cimei 
vafUlus 413 u, s. w. u. s. w. Aber auch lateinische interlineare Glossen gibt es yod der 
selben Hand, z. B. pag. 80 heisst es in der Linie: »dinumerat, ualde numerat«, und 
dabei über ualde die Glosse »^ ditigenteru ', pag. 91 im Texte nentUrum, und darubtf 
nt ueretrumn^ pag. iiZ-, insontes , und darüber »i*. innoeenles^i ; pag. 249 labularios und dtf' 
über nf poriitores^ und viele andere dieser ArL Sind diese auch neueren UrspruBp» 
von Hrn. Hanka hineingeschrieben? Und was hätte Hr. H. mit Glossen wie p. 174 letargtf 
tvalni, 301 sandaracei wotici, 378 xenium oblegi, 374 volutabrum ssol» 359 vapidum (vinuffii 
biwalii, und zwan;tig anderen der Art bezweckt, die weder er, noch wir zu deuten wissen • 
Wozu hätte er sich die undankbare Mühe genommen, eine Menge Wörter, darunter 9m 
solche, die in der Zeile stehen, an zwei, drei bis fünf verschiedenen Orten zu wiede^ 
holen? Endlich verdient auch der Umstand Beachtung, dass viele lat. Worte glossiit 
sind, die in den Glossarien von Du Gange, Carpcntier, Adelung u. a. gar nicht to^ 
kommen, und deren Bedeutung sonst ganz unbekannt ist, z. B. quaquara, prepelice, 
renter zubar u« s. w. 

In Bezug auf die Sprachformen in den nachfolgenden böhmischen Glossen b«* 
merken wir nur noch , dass auch diese auf den Anfang des XHl Jahrhundertes hinwetseOi 



unter deo CantUeoae Reginohradecenses gemeini sein), sondern auch der cyrüJischeo Zeiten ]> ^ 
Martjrol. xu Raygern , der von Cyrül und Meüiod Beugenden Diplome in Monse^s Membranen, ooo » 
gewissem Sinne auch des cyrillischen EvangcJistariums in Rheims. Diess heisst doch wohl, die Manitf 
jener nachahmen, welche „nocte kicem nigra Tertebant candidam.*« Da der Verf. keine Grändt Hir sf^ 
Meinung yorbringt, so haben wir auch weiter nichts su bestreiten — denn den Unflath, den er dort i^ 
reichlich gegen uns beide ausgeworfen, wollen wir unberührt lasten. In soichem &am[ife mag er 
»siegreichfi bleiben. 



§. 21« Varzeichnist der Glvssm. 



SM 



iadem darin das alte g schon überall darch das h ersetzt ist, aber noch nirgends ein r^ 
oder rz zum Vorschein kömmt, wie in allen böhmischen Sprachdenkmälern seit, der 
Mitte des Xtll Jahrhunderts. 

$. 27. Verzeichniss der Glossen. 

Da wir unsern ursprünglichen Plan, die Glossen mit forllaufenden sprachlichen 
und sächlichen Anmerkungen zu begleiten, wegen des bereits über die Gebühr ange- 
wachsenen Umfangs dieser Schrift aufgeben mussten, so beschränkten wir uns darauf, 
dieselben mit der Handschrift nochmals genau zu vergleichen, die Seitenzahl beizufügen, 
dann mit neuböhmischer Orthographie umzuschreiben und so das Ganze in alphabetische 
Reihenfolge zu bringen. Bemerkungen haben wir nur an ein paar Stellen und in der 
kürzesten Passung beigefügt: ausser dem haben wir bei den flectirten Nom. und Verb, 
das Thema überall, wo es nöthig schien, angedeutet. Alles cursiv gedruckte gehört uns, 
alles mit Antiqua hingegen der Handschrift an; die böhmischen Glossen sind überdiess 
mit durchschossener Schrift, und von diesen wieder die in der Zeile stehenden mit einem 
Kreuzchen (j-), die von uns bei der Durchsicht der Handschrift neuentdeckten aber 
mit einem Sternchen {*) bezeichnet. 



baje, baie, fabulas a fando« 109. — baie, 
mitos, fabulas. 206. Acc, pL vcn baj. 

banky , puscedtne^ banki . puscedlne« 
guna. 137. Nonii pL vcnhanka. 

baianti basant, fasianus. 112. 

belbch, bei hob, beel ipse est baal. 32. — 

belboh, Baal ydolum. 128. 
^bilmo, belmö, glauconia, albugo. 434. 



V I 



f/'J^ber, berr, 'panidj(um, fenich. 2ZpT^.Tp\f ä&i 
(// bisiy bessi, diemonibus (aoLj Nim. ' pl. 

J^«*#. »<^ b*8* 188. 
tS' ^^^bezeslmü» bezeziaue, ignominia* 147. 
^n. i*^'^^bezsvetny, bezzuetoi, temCTariiis, preceps. 

338. 
birüu, birnc, preco. 263. 
bäec, bitec, gladiator. 108, 
blahcdobü, blahodobe, eufemia, bona 

forma. 99. 
biahorcdüp blahorode, engenia. 99* — 

blahorode, engeni^s. 99; 
Alahcvolie, blahoaole, eudochia. 99. 



blahozvucie, blahozuuce, eufonia. 99. 
blahoslovie, blahozloue, eulogium. 100. 
blana, blana« membrana. 199. 
blaia, -j-blasu, beo, recfalo. 31. 
blekotny, blecotni, loquax, verbosus, gar* 

rulus. 181. 
bim, b 1 en, ioscianus vel iusquismus. 161. — 

blen, iusquiamum, bilse. 441. 

bUnie, bleue, balatus, vox ouimn. 29. 

3^. bliedit bledi, peligni> stultL 245. Nem. pL 

vcn Adj. blied od. bliedy. — "^blüdy, 

bledi, delirus, mente defectus. 71. — 

bledi, excors, stultns. 107. 
bläenci, blisenci, gemini sunt non duo, 

sed simul nati. 129. Wom.pL von bliinec. 
blyikoia, blizkota, fulgetra, lux, que ap* 

paret ante tonitrum. 123* 
bcbr, bobr, fiber, biber. 115. 
bodec, bodecc, dunabulum. 417, 
bcdr, bodr» promu«, promplus, expeditüs. 

271. 

boh, boh, deus. 424. 

27 



V 



810 Denkmäler der böhmuehen Spreuke. 

^bcck, hoch, perna. 250./^^'^^ " ^^^^' ^ '" 

horec, borecc« agonista. 8. 

hciie (boka)« böse« genium vocabant deum« 
qui uim obtineret rerum omnium ge- 
i^;t> /i^ r^ rendarum. 433. 

/ , ^>fvudA^<'^^^» bracka« sistrum ab inuenirice 



:i V 






^; *'v' ' uocatum. 322. — brahcka« tintinaba- 
lum de sono yocis noinen iiabeU 346. 

brada s, kozie. 

bradavice, bradavicCj emorrodia. 94. 

braiia, brana, serra dicitur lignum multos 
babens dentes, qaod boues trahunt. 
315. 

brair rcdny, bratr rodni« gerinanua fra- 
ter.' 132. 

brav, brau, grex. 137. 

brazda, brazda« 8ulcas. 331. 

br*do, birdo« licie« harlofa. 176. 

brinue, breme» onus. 230. 

breskei>\ breskevT^ persicum. 251. 

briza, i'breza» bedulla^ bircha. 31. 

brhen, brezen« marciam mensem. 19&* 

brieva, britua, nouacula. 221. 
^ ^t ,>, ^^* brobcs, rubea« dicta quod radix eius 
^^i</ rubra. 595. ^ * , ^? A c>*- ^ %-♦ .- 
"''^' brod, brod, yadum« vvrt 359. , ^ 

bron, bron, Candidas (equus)! 98. ^ 

bydlüet» bidiitel, uicola» hii>itator. 149. 

br'vy, birui» superciiia. 332. Ncm. pL von 
br'va. 

bak, bukk« fagus. HO. 

C. 

cebolie, -j'cebolle^ cepe. 48. 

c€bfUar\ cebular« cepariua ortulanus. 409. 

cidu ftnf. cisii), c e d u» excolo» purgo« 107. 

BeadUeniwertht Form, eL cßziu. Unser 

Tidüci« borüci> u» a. sappcniren eben^ 

fallt ein alles Tidu si. viziu» horu sl. 

hoinx u. s. w. 

dna, cena, apretium, wert 17. 



dessen der Maier Verborum. 

dpi, cepi, tribula« machina ad triturandas 
messes ac iruges. 352. Nem* pL von cep. 

cela, ceta, pecania. 244. — ceiijf, cbraxi, 
Ceti» obrazi« nummi» ht. 223| Hm.^' 
pL von ceta u, obraz. ^ ~ 



<♦•»> 






cap, c 



188. Am. 



/ 



A 



j> 



cev, ceYY» tramä. 351. 
cioka, cevka, panus» spul. 458. 
cvykj czuik, exerciutio. 108. — czuik, 
exercitatio. 434. ^ , . j ' \ 

oap« ibi8» cycoma. 145. 
capie, chape^ ardea. 19. 
^carodiji, charodegi« magi. 

pL von öarodej. 
c(U, csaz, tempus. 151[. 
cechel, c e c b ei, sudarium, sveiztitch. 331. 416. 
ielied^, celed, famüia. 229. 428 - cdui 

S. VSU. ^ C'l ^: ^ 

-/ ' 

cerep, cerep, ostra» testa. 235. ^^ c 
ceresla, cerezla, inguineiii. 153- Itom. gL 

von )ier^slo, «'''^•" /^ < ^' * 
ceridlo, ceridlo, Hanula» parva delaba 

quasi fanula. 434. Das böhm. Wort üt 

sonst unbekanni und dankeL 
cerpadlo, cerpadlo, antlia«^kurlu- 15. 
cest\ cest, honor. 143?" Or^'^^tO 
cese, cese« pocula. 464. 
ceska, cesca^ patella. 242* 
cesrano, cesrano» carminato. 346« — 

sraii, cesrati« carmiaare. 43. 
ceia, ceta, turma XXXta milites babe^ 

tus numerus equitum. 356. 
cüta, cista« casta. 407. 
cisiec, eiste c, stagnum feüij^ ein* 474.^ 
cketa, cketa, ineptus. 151. /f y^v^« chlpr^ 
clovecsivu, cblouecstue, hundanitaa, i»^ ,. 

nisgeit 435. >cav^ 

*elunek, sluneL, cimba, nanis. 65«— clO' 

nek, lembus» parua scapba. 173.— 

cluneck* panulie. 458. 



$. 21. Fetzeicinüi der Gtosien. 



Sil 



^cr'nüüo, cirnidlo« atramentani,U]ite. 24« 

lr*nobyC, cirnobil« artemisia. 21. 

crnokniindcip cirnoknisnici« nigromanticL 

188. — cirnocnisnici» nicroman- 

tici. 452. Nom. pL van ör'nokniinik. — 

cr'nclmänä[,cirnoknisnik, nigroman* 

• ticus. 215. H3^^-/.V^J.^\.. 
cr'tadlo, cirtadlo« ligo^ea, sech. 177* 
crv, cirw« coccum grece^ nos rubrum vel 

uenniculum dicimus. 418* 
ctena, cstena^ littera. 179. -^ . ^ i 

iubr, chubr. satureia. ilU^'^HZ'^^ ' 
eupriny, chuprini^ caprone^ equorum iube 

in frontem deuexe. 406. Nom. pL 

I>. 
dan, dan> tributum, reddituiÄ^ pensio« 352. 
danUkf danek» tragelaphus. 350. ' « 
das, dias, das, genius« ISO. "^**'' 
dasnu, a^asnCe, dasne« gingiue. 134. 
daiet s. zaiona, 

dci, d c i« filia. 76. — dci s. divana, 
debri, dbri, dibri, yallea. 359. Nem,pLvcn 

debr\ 
dedma, dedina« alodium^ proprietas. 10. 

dedina« territoriuin. 340. 
dehei, dehet» pix. 2S7. 
del, det partem* 241. 
deloha, deloka« matrix« lehir. 196. 
den, den« dies. 424. 
deniee, de nie e, anrora. 26. 96. 
dira, dera« cauema. 45. 
desiclnici, dezzetnici, decuriones dlcun- 

tur» qui denis equitibus presunt. 424. 

Nom. pL vcn desietnik. 
iliief , detel/ pragma grecum est« quod 

latine dicitur causa. 262. 
divana Utnicina i peruneva dci, deuana 

letnicina y perunouadci« Diana« 

latone et ionis filia. 76. 
iiever, deuer« leuir« mariti frater. 174« 442. 



dkice, deulce« parthenos« virgo. 241. 
divosnub , devoznub« prpcax« m*oprie 

petax. 269. 'vi/ Jl 

dezta, deska« mulctrum. — deska« mui- 

ctra. 210. 448. 
dcvizna, divizna, verbascum. 363. 
dlab , d 1 a b « incastratura , compaginatio 

ligDorum. 148. 
dlan, dlann, ir« medietas palme« tenir. 

162. — diann« palma est manus ex* 

tensis digitis. 237. — dlann« Tola« 

media pars paime« 374. 
dth, dilh« debitum. 68. 
dobytce, dobitce« pecus. 244. 
dcbytek, dobitec« pecndes. 244. 
deck, doch« culmus. 65. {vcrausgehi: tecto- 

rum summitas). — doch« glos« glossis« 

so¥p« quod de stipnla factum est. 134. 

Zwei/elha/i , ob böhmüch. 
domnmü, domnene« opiniones. 231. 
dcmoväy, domouiti« inquilinus« qui eun- 

dem colit focum. 440. 
dratva, dratua« drudis. 85. 
drazni, drazni« incitat« adulterat. 149. 

Praes. 3 sg. von drainiu« -iti. 
*dre, dre« 'glumit 134. Praes* 3 sg. von 

deru od. dru« drati. 
drebne, dr'bne, drebne« riget, stat rigidus« 

friget. 292. Praes* 3 sg. von drebnu. 



y/:rii'->^?-i/^' 







dr'kole, dircole« fusUs. 432. *^' ^^'^n'^vM tt ^ 

drn, dirn« cespes. 134. 410. 

drnie, dirne« fecundi cespites. 113. 

drob, drob« exta. 428. 

drozn, drozn« turdella. 356. {Zweimal). 

drsna, dirzzna« rauca« raucida. 283. Hom. 

pL neutr. von Adj. drsny« a« e. 
dndec, drusehc« proximus« affinis. 213. 
drzy, dirzi« audax. 25. 
dabraoa, dubraua« silua iouis quercum 
significat* 318. 

27* 






'>^. 



2i9 



Denkmäler der böhmischen Sprache* Ghssen der Mater Verborum* 



duha, du ha, ins. t63. — du ha, yris. 380« 
daran» -j-duran, simia cum cauda/SlTry«^ 
duska, dusciu thimus, geau9 herbe. 345* 
dvüäec, duetelec, bieorpor« 34. 

F. 
*ye7ukl, fenikl, pentafilon. 247. 

hace, hace, brace. 250. Nem. pL 

hacnät, hacnik» lumbale. 183. 

kadaci, hadaci> sortilogi. 188. Nem» pL 

von hadaö. 
hasapezdnäc, hazapezdnik, simplege sunt 

calige ex pellibus facte. 319. 
hlad, hl ad, fames, media. Itl. 
hlahol, hl ahoi, sonus. 375. 
hlava, hlaua, nex, occisio. 451. 
hlaimie^ hlavne, ticio. 345. f-. ■ 
hlemyid", hlemmisc, ostreum. 166. — hie* 

mizd, murei>211.;2 •>• •* »^^ • ' 
XUznCy hlezno, talus, anchala. 337.c^« •*./ .Y 
hlck, hl oh, rubus, arbuscula. 296. 
hluchy, hluchi, surdus. 333. 
hnoj» hnoy, rudis, misL 296» 
hodina, ho diu a, hora. 143. 
hodiny, hodini, horologium. 143. Ncm. pL 
holemy, holemi, grandis. 136. 
hoUni, holeni, tybie. 345. Nom, pL von 

holen. 
hcrciccy horcice, sinapis. 320. 
hoseis, -{"hoste, hospitales. 435. Nom, pL 

von host. 
hrab, hrab, carpenus. 43. 
hrabie, hrabe, rastros, liilgones, 468. 
krabtoy^ hrabiui, rapax. 401. 
hrads hrad, grando siroill ratione sicut mx 

coagulatur. 136. 218. 434. 
hrad os^oiny, hrad oztrosni, arx, altum 

edificium. 400. 
kradby» hradbi, menia et munitiones. 200, 

207. Nom. pL von hradba. 



brach, hrah, pisa. 257. 

hrale, kopü, hrale, cope, lancea. 169.441 

branics, hranice, rogi, focit rogi con* 
stmcdo. 294. 

hranosiaj, hranostay, mustela« 212. 

hribasko, hrebatko, pultrinus, t&Ud. 211 

hreben kokoiovy, hreben kokotowi, hera« 
clea, hanincamp. 139. — hreben, hre- 
ben, traculas, woUecambe. 350. 

hribi, hrebi, cleros grece, sors. 41 1.../,^^ 

hrebik, hrebik, carioBlum. 42. '" "/^^^ 

hreblo, cz^A^hreblo, es eh, liburgna, ofin- 
kru<5e. 345. 

hresti, hresti, sepelire est condere cor- 
pus. 312. Der Inf. von hrebu, mä dir 
ehedem gewßhnlichsn EUsien des h, tMt 
hrebstu FgL oben S. 13 5. Rozprnele sie. 

hrez, hrez, lutum. 186?'^^, 

hr'dlice, hirdlice, turtur. 357. 

hri'edy, hredi, trab^$. 350. Nom^ pl ^ 
hrieda« ..^<^*^' 

hrimcta, hrimota, tonitruum. 348. 

hrioa, hriua, iuba. 163. 
jhrtvna , h r i t n a , torques , ornamentoiD 
colli. 349. i ru.^- , ^ ^^,,, 

hrma, hirma, pubes^ dicuntur pili, <püu^^^^ 
genitalibus membris sunt. 276. 

hrot, hrot, cacumen. 37. * ^JelZZi. ^r^ 

hroza, hroza, horror. 143. äW*«^ 

hrozny, hrozni, horrendus. 143. 

hrse\ birst, manipulum. 193. 

hruda, hruda, gleba. 134. 

hruska, bruska, pirus. 257. 

huba, huba, fimgus, STam. 124. 

hubeny, hubeni, miser. 205. 

hudba, hudba, musica. 212. 

hadci, hudci, musici, modulatores. 912* 
Nom. pl. von hudec. 

hamno, humno, area. 399. 

AanjA hune, gaunacS^ öausapa» tislach. 1% 



<Vi 



■»• Ci.' 



$• 27. Veruidmüs der GUssen. 



»» 



hama, hurua, meretrix. 202. 
hus\ buzz, anser» ganzo. Ib. 
Jkusenice, kuzasenice, eruca« 102. 
AnsU» httzle« fides* 116. 
AfTÜü biriti, delinquere. 424. 



u » jU*'t.9^€n0t^t*€,'^ 



jL0-i^i-P-<^rL 



chlas'tt chlast« celebs, conubii e^^pers'eisl 

408. 
cJdihi chleb« panis. 238. 
chlipa^ chlipa, Salacia« dea paganorum 

quasi mariüma. 300.''^''*^^' * >^J^/^J" 
chmeliscf, cbmelisce» humularium. 1 4'4. ' 
chrabrcst" , chrabrost, fortitudo mentis. 

120. 
chramii chrami« fana. IIU 428. — chra- 

mij templa. 339. Nom. pLvon chram. 
chrastavost\ krastavost, crastauost, ru- 

ditaSj nouitas. 470. 
chr'bet, cbirbet, dorsum. 425. 
chritit ehren« raphanum. 282. 
chrepü s, nozdrü 
chr't, chirt, uelter, Tvint. 361. 
chr^Can, ch Irtan« fauces. 113, 
ckvala, cbuala« laus. 171. 
chvory, cbuori« imbecillis» firagilis. 438. 
\eh>osii, chvosti« eaude. 407. Nora, pL von 

cbvosu 
chyie, chise, casa«. 407. 

I. 

i peranova, y perunoua, et iouis. 441.-» 

i /. divana und perancva. 
ihoy iho« iugum seruitutis. 164. 
ikra, ihra, lndus./183* / 

ihrisc€, ihrisc^, gnmasium^genertiiter est 

exerciciorum locus. 133« 
*imie, ime, nomen. 219» 
irch, irch« peius fracta. 245« 
izok, izok» Ma|{ani. 190.«- yzok» Sü>am 

malus mensis tercius. 816. 



jabk, iablo, malum. 191. 

jahoda , iahoda« fragmea » . faerba unde 
fraga naseuntur > 121, --jahtdy, i a b o d j« 
genas« ea pars vultus« quo iater auri- 
.^ )., / culas et malas est. 129. 

X'i^ A^i^ ^^'«/^^^^^' laloüecc« luniperus» genus arbo- 
"""^ "'^ ris. 164. 

jaiaut^ iama« fouea. 121. 

jarobvul, iarobud« Demetrius. 76. 

jary^ iari« uehemens« 114. 

jasni s. jesen. 

jcUr'venici, iatryenici ianitrioes^ daoiruin 
fratrum interse nxores* 145. Ncm, dual. 

von jatrvenica. ^^ ^ttßOpV^- 

javi>r, iauor« acer. 3. — yft«or, platanu». 

_ 462. ^--4;<^^ • \-'''j£:^, 

jecmy, ieemi« hordeum. 148. "^^y^ ^ /' .'.^,, ^ 

M ied, nenenum. 361. ^^^^^^ U'j 

jeUicet iehlice, tremuius contortos mi- 
cans. 351. 









</ 



jelen^ ielen« .ceruiis. 409.. , , ^'x^>,^^ j 

jes€M, lezzeii« fraxinus; ascb. 121. 

jesek, jasniy yesen« yassni« Isis, fingua 
egiptiorum terra dicitnr. 162. 

jeselTy iezzetr« accipenser« genus piscis. 3. 

jesnl\ iezzu^ inania« yim nuUam babenda. 
148. 

jesütny, yesutni« vanus. 3b9. 

jescer, i es per« lacertns« reptile genug est. 
142.— jescer, iescer« anguis dicitur 
qvasi brachia babens. 168.«^ yescer« 
ydra« draco. 860. 

yV;r^(?«iezero«lacn8«lS9.-^ /ezerü,j ezero, 
stagnum. 474. 

jei, yess« irinacis. 162« 

jiach{?J, gleich« gula« 137. Sense jicen. 
Die Endung -ich isi ungewöbnlüh, und 
wir geiroiten uns nuks^xa besiimmem, wie 
hier das ch ausgesprcchem werden seil. 



Äi/r 



SU 



DenkmOUr der böhmischen Sprache* GUsien der Mater Verbcrum. 



t /? A\ /- 






/.. 



j'ä, gill# crela« leim. 63. 
yi&e, gilce« gapulan^ helca. 127. 
jmü» gine, pniina. 274. 
jircha, gyrcha« aluta. 11. 
jiskra, giszskra, scintilla. 307. 
juh, iuh» fabonius uentus. 109« 
jun, tiuiu puber. 466. 
juMS€, iunose> adolescens, iuyenis. 387. 
/juiro, i u t r Ot iuger est quantum par boum 
potest in die arare. 164. 

iadericj cadere, crines. 63. 

iadidlcj kadidlo« thus. 357. 

kalisce, kalisce> uolutabra. 3H.c^*^^ri^_^^:, 

kamen' #. vapenny. " 

kamy, cami« j^P^^* 1^^* 

kante, k a n efi^auiumi larui^. 128.-^ cane> 

lanis. 170. 
kaniacek, carnacek» sincloneiQ» amictorium 

leneum faeminarum« quo humeri ope« 
'.riuntur, idem et anabe. 320. 
kasel, kassel, tussis. 357. 
katr'ce, katirce^ gurgustia« cellulamodiea. 

137. 
kavka, kauka« monetula auis, 208« 
kdule, kdule, matianiu genus pomi. 196. 
keciee, keesice» cesaries. 410. A^ir' 
kemm, k^tnin, kern in» eiminum. 413. 
kep, kepp« uulua. 433. 
klada, kciada, cippus. 49. 
klae, klazz» spica. 315. ^ ; ., < i '-' 
klenice, clenice« comus, chiu^OYm. 61. 
klesce, cle s c e« forceps« zanga. 118. Nom. pL 
kleice, -fcletce, auiarium. 26. 
kleveia, cleueta, kalumpnia. 165. 
*kli, kli, gluten. 134. ,, {> ü 
kUj, clij, obex, lim. 224. ^ü die drei 

fForUr: obex« lim« klij, der Bedeutung 

nach zusammenhängen, vermögen wir nicht 

tu errathen. 



■ \ 



kliuka, cluca« aduncus, hako*6. — cluca« 

yncus curuus. 373* 
klckoc, klokocs» bulia dicitur« quia in a^ 

qua uenti intus sgiritu sustentator. 229. 
klubkcj klubco« glomus« sperafilorum. 134. 
kniez, c n e z« princeps. 267. — kniezi, c n e z i« 

principes. 86. Ncm. pL von kniez\ 
kniha, cniba« über« libeiius. 175. 
knihari, c n i h a r i« librarij sunt» qui noua 

scribunt« et uetera antiquarij. 175. Nom. 

pL von knihar. 
knäny, cnisni« scitus« doctus. 308. 
koberec , coberehc« mantilia« uelamenta 
-^ mense. 193. — c obere c« tapetum«te* 

bieb. 337. 
kcbyla, cobila^ equa. 98. 
kokotovy s. hreben, 
kol, koll« palus« stekko. 237. 
kolac, colacb« munera« dona« 211. — co- 

lacs« crustula panis. 64. 
koleno, coleno« genu. 131. 
kolesa, colezza« uehiculum« currus« reda« 

. carra« 361. Nom, pL von kolo. 
komar, com aar* culex. 65. 
komcn s. kon. 
komcnnici s. siarosia. 
komcnniku, komonniku, equiti. 426. Dat. 

sg. von komonnik. 
kori, komcn, kon« komon« equus. 426. 
konect conec« finis. 430. 
kony, koni« cantarus« ubi aqua mittitur. 406. 
kopie, c o pi e« sparus« sper. 473. — kopie s. 

hralej^'^^'^ «• 
kopriva, copriua« cliben i. urtica. 417. 
korab, cor ab« libumus« maior nauis. 176. 

— kor ab« trieris« nauis magna. 352. 
korabnik, corabnik« Faber naualis. 109. 
kcrec, corebc« modius, 207. 
kerist, cor ist« opimi^ spolia. 231. — co- 

rist« preda. 263. 






$. 27« VerzdchnUs der Gicsun, 



Sit 



•' t 



kcty, cori, radix, origo« stirps. 468. 
*ics, cozz> merula. 202. 
tosa, co8<^ falcastnim. ttO. 
koiel, cotel» Cacabus. 37. — cotel« tym 
pauum. 346. e d^^ c^iiä^itj 

^^^"'^toty, coli, ancbora» senkil. 373« 
kov» COYT» metallum. 203. 
kozU brada, c o z e b r a d a« sterillnm« boccis 
bart 328. 

kozlec, coziec» tragos. 351. 
kraboska, crabosca^ Jarua«, schein. 170. 
[krada, krada, ignitabulumr luchta. 146. 
krahufi, crahuji, accipitres. 3. Nom. pLvon 

krahuj. 
kramar\ kramar^ institor, negotiator vel 

mercator. 1.57. , 

kramola, cramola, sedicio est dissensio 
ciuium. 356. 

krcma» kircmaj copona« taberna. 422. 
kr'cmar, kircm§,r, kaupo. 167. j^, ■ \aI 
kreha» crehaV fictile«, fragilitas camis. 430. 
kremen\ kr einen» piritis uulgaris. 257. 
kremenice, kremenice» focax petra, 118. 
kridlaUc, cridlatec» pegasus, equus ne- 
ptuni» qui fama interpretatur« 245. 

krm, c r 1 n«' lilium, berba lactei colpris. 177. 
krckvi od. krckvy, krocyyC tlgiUuin« kavo« 

345* Am. pL von krokey cd, krokya. 
tkroky, croki, späruin est rusticum telum 
in modum pedis recuruum. 325. 
, ikruh, cruh« circulus« gyi^s. 414. 
krudua, cruchta« cripta. 64. 
^ krUce^ kirtice» Talpa. 337, 
krtcv s» radihost. 

krusU c r u 8 8 i« £ra|;inenta. Nom. pL von krucb« 

121. ^'Y n '• ^' •; '■ ^^V ''-'^^ 

krdSSut, cfusina, mastruga. 196. -^ cm- 
sina« ramnus est genas rubi, quod 
senticem ursmam uidgo appellant 282« 



IJtruiüüa, crusidla^ circine^ 413. Nom. pl^ 

von kruüdlo.. 
kry, cri» sanguis. 301. 
kr'zno, kirzno, mastrugi^ yestis germaniea 

ex pelliculis ferarum« 196. — kirzno, 

clainis> pallium est, quod ex una parte 

induitur, neque consuitiuv sed fibula 

infrenatur. 416. 
kudet, cudel, stuppa canabi. 330. 
kttckar, c u c h a r, cocum {acc) 418. 
kuchynie, cuchine, coquina. 60*. 
kukot, kucoL git berba» lolium. 134. — 

cucol» lolium, zizania. 181. 
kupecsivüt cupecstue, mercatus. 201. 
kupüit cupiti» emere. 94. 
kurencom, kurencom« puUis. 440. Dai. pL 

von kurenec* — kurencom s. prospL 
karte noha, curenoba» gaUicnin» banyyzz. 

127. 
. karopinie, curopene» Galli cantus yel gal- 

licinium. 127. 432. 

V 

kuroplvä, curoptua» perdix. 248. 

kas, kuzz» frustum» stucke. 123. — kuzz» 

offam. 228. , v, >c^v,ru^m^^e. V. -. /;'-.». 

kuzni, kuzni» Macbinas, cogiuitiones ma-AAvr^ ^, ^ / 

las. 187. Nom. pL von kuzn. 
kvap, quap« pluma. 46 3# u^**', 
kvas, quazz, £rigidaria/ sulza.' 122. 
kvasu, quastt» conuiuo« 59. 
kvelen» queten, floriliiu tempu8florum.431. 
^kycU, kiele» femora» diecb. 114, 
kylavec, kilauec» bemiosus. 139* — kila- 

uec» bimiosus. 141. 
kjfV€ic, kiwacz» salutaris (digitos). 79. 



• *« 



' i 






, y . 



l4Au^, 1 a b u t, bolor. 142. — U a b u t» 
olor. 229.— labut, cignus. 412. 

lada, lada» uenus» dea Ubidinis. 363. — 
lada» cytberea» neaus* 423. 



t » .« t 



»i« 



Denkmäler der böhmiichen ^raehe. GUuen der Mater Ferborum, 



A /. ./vr ^ ( 



/Wo» lada» mra» oeteres incnltos agros 
dicebant 296. Niym. pL n. van lado« 
* ladnjf, ladni« nitens» seremim. 218. 

laküke, lahttice» lagena. 169. 

la/nc, laino» cacca> Bterci|3. 31. ^ 
V' • i* ^lamgredat lamp re da, mufena. 211. 

lana, lanna* munellas, genas uincali, quo 
quadrupedes diligaatur. 452. Ncm. pL 
von lan^. i.*^ 

lad, latti, tignum« 34&*-* latti, ambrices; 
393. Ncm, pl. ven lat\ 

led, led, glacies. 218. 

Uden, leden« ianuarias. 436. 

lik, lekk/medicina est, que corporis vel 
tuetur yel restaurat sanilatem. 197. 

lekar\ lecar« medicus. 198* 

likarstnit, lecarstae, medicina est scien- 
cia curationuin. 197. . r.^ * 

Esiianie, lectane» tiüliatio. 347. 



*-WH>ttii 



Idei, lelek, nocticorax. 218. 

lin, leiij ignauia, pigritia. 146.«- len, in- 

ertia. 151. 
lep, lepp, uiscum. 360. 370. 
lepce, lepce, sorbit. 473. Praee. S sg. von 

lepcu« -tati. 
lepoia, lepota» puloritudo. 277. 
lemes, lemes, dentale est aratri prima 

pars. 73* — lemes« Tomer. 874. ' k -4. - 



Uedüina,, leduina« ren. 289. 
j^lichoplusi, lichoplezi> sireoas tres fuisse 

fingunt 332. 336. Acc. pL ven Uehoplies? 
Uehcta^ lichota, malignitas. 191. 
^ickoiny, lichotni, malitiosos. 191. 
lichy, lichi, malignos. 191. 
lipa, lipa, tilia« linda. 846« 
1^». j^ luMlitz, torcnlar. 349. ' ' / 
- ty^jf-c^/fc^, lisice« trulla.' 354." vJtj*^^^. /^ 
lisCa, lista« limbus, fasciola est, que amoit 

extremitatem uestium. 177. 
Uubi, lubi, amat. 407. Praes, 3 sg, vcn 

liubiuj -iti. 
lüiby, lubi, dilectio. 79. 
[üuice, lutice, Eumenis. 96. — Uutiu, lu- 

tice, furias, deas infernales. 12d. 

lutice, Eumenides. 427. 
UiUy, luti, ferox. 114. 
♦fo*f/\ loket, ulna. 372. 
lern, lom, lapicedia, locus ubi iapides 

ceduntur. 169. 
Icno, lono, sinus. 321. 
lopata, lopata, pala, scufela. 236. 
lov, loYY, venatus, iaith. 361. 
Icvect lovehc, venator. 361. 
loze, lose, thalamum. 342. 
lozesny, 1 o s e zni, clinicus dicitur lector. 411 
iüznice, losnice, cubiculum. 65. 



lisky, lezki, auellane. 2k iVö«./rf.twil^ska.</ '^''Ibc, lucc, pro tede, facule de ligno pino 



Utnüma, liiniee, letnicina, letnice, la- 

tone. 171.-*- leinicina /. dwana* 
Ifiopisec, letopizzec, faistoriographus. 1 42. 
letcroet, letorozl, ramale, uirga. 282. 
li£os\ 1 e t o z« omo, huiro. 233. 
letose, 1 et ose, ornotinus, langer. 233. Fiel' 

leiehi das NetUr. du Adj. \iuA\t Jetzi 

letoSnf. 
ticemimici^ licenieraici, ypocrite, simu* 

latore«. 882» Nem. pL von licemärnik. 



273. — lucc, teda. 338.— 
Iah, luh, lucus est densitas arborum. IHS.- 

luhy, luhi, lucos, nemora. 182. AV«* 

pL von luh. 
luh, luh, nautea, aqua corio fetida. ftih,-- 
luk, lue, arceolus, satelboge. 18. 
lak, Ltc, serpilhis herba. 814. 
luiava, lukaua, falsa sub proditione. HO. 

Dae Fem. du Adj. lukavy. 
tupH, lupes, rapina. 283. 
lapoMikt lapesnik» pirata. 108. 



§.21. i^efzeichnUs der Glossen. 



»17 



luikeit lutka« puppa> tocha. 467. 

hiie, luse, lacuna« coUecüo aqual^um. 169. 

lyko, 1 i c o^ über est corücis pars interior. HS; 

lytky, litki, suras. 227. Acc.pL von lytka. 

lyiice^ lisice^ coclear. 418. 

Izivy, Isiui^ mendax. 200. 



macecha, macecha» nouerca. 221. 
majcenie , maiceae« priapismus est pu- 
dendorum extensio. 267. 

makcvice, inacobice« conus. 56. Ac^-i« ^/z>^^, ' ,i 

, , 111 • 1 • • A- ' >^^ WNti\ nileko, mlecoj lac. 168. 

nudek^ malekk« aunpularis quintus (digi- 

//a /' -*'''^' «~:i- A.i^.,« «„^ 



tus). 79. 
mali» mali« minuit. 204. Praes. ^ .sg. von 

mallU) -iti. 
maia, mata« menta. 201. 
^^maiera, matera, matrona. 196. 
matky , matki» planta. 257. — matki« 

plante sunt rapte de arboribus. 458. 

462. Nom. pL von matka. 
matartju, matureiu« senescunt. 311. 
mazanec, Mazanebc« placenta. 257. 
^mec, mech« gladius. 134. 
mic ? mics mech« pila» rotunditas. 255^ 6) 
mece s. ostru, a^jl .j. . 

med, med« mel. 199. <^' 

med*, med« aes. 389. 
nudcvma, medouina, mulsum a melle 

dictum. 210. 
medvidice, medTedice« ursa. 376. 
mech, meb> muscus» genus herbe. 212. 
^mina, mena« concambium« wehsei. 51. 
mira, mera, mensura. 201. 
meriu, meru« metior. 203. 
misiec, mezzec, mensis« 200. 

(vt nu /*\y O « " "'' • 

mesi, mest;» mustum. 212. ' 
meze, meze> coUimito, reino. 53. — meze 
fzwewuUJ, limitem. 177. — meze» mese« 



media. 202. — mez«« fines« termini» 
limites. 430. — meze> porca autem 
est inter duos sulcos terra eminens. 
440. 

[mezinec, mezinehp, annularis, quartus di- 
gitus. 79» 

tnhla, mhlaj nebula. 215. 

müosr'dü , milozzirde« mlsericordia. 

205. 
mlat, mlat, malleus. 191. 
mlicnice, mlecnice» lacteus circulus. 

168. 



4-tWC f*^^^-r :' 



ffU'n, miln, fulgur« quod conditurj-si cadat 
de celo. 123. ^'^^?r ä -/^^ ^nf^^yt^ 

mol, mol« roscidum . . . rore madidum. 
295. (cf. xaoX'^prasmna, Tao\z=,pijän.) 

mol, mol« tinea. 346. 

mor, morr, pestis. 251« 

morana, morana« Ecate« trivia.87. — mo- 

rana« hecate. 138. 
more, more, mare. 194. — more s. mrtve 

u. rüde. . , . ' • 

morusi» m o r u z z i« cpilosi a grecis panites« 
a latinis incubi uocantur« quorum for- 
ma ab humana effigie incipit, sed 
bestiali extremitate terminatur. 256. — 
moruzzi« incubi» qui grece panite 
dicuntur. 149. Nom. pL von morus? 

mosazny, mozazni» de auricalco. 68. 
moiyka, motika, uerriculum, 364* 
moiyl\ motil» papilio 458. 
mozk, mozh» medulia* 199. — mozzi s. v* 
mudrost\ mudrost» sapientia. 302. 
murm, murii^ maurus» mor. 197. 
mracice, mracice» rubus» genus ligni spi* 

nosi. 296. 
mravenec, mrauenecc» formica. 187. 

mraz, mraz, gelu» bmma. 129. 

28 






Jtl8 Denkmäler der böhmischen Sprache* 

mrcky» mirchi, cadauera« corpora mortu- 

omm. 405. Nom. pL von mr'cha. 
mr'k€9\ mirkev, pastinaca. 242. 
mr'sciny, mirscini« rugas« collectiones 

ueslimenti ia unum. 296. Nom, pL von 

mr'&öina. 
mr'iti^, mirtue« mortuum. 195. DasNeulr. 

des Adj. mrtvy, Iva, lYe. 
^mr*ive mcre, mirtue more, mare mor- 

tuum. 195. 
mydlo, midlo« sapona. 139« 
myet, mizl, mens. 200. 
[vMfsky, miski» musculi« capita neruorum« 

212. Nom. pL von myska. ^ *^'^ 
* myriä, mirtil« niirtus. 205. 
m^iar, mitar, theloneariiis. 343. 
myio, mi to, theliniuin« theloneum. 338. 343. 
mzdicka, mzdicka, mercedulaj lonelin. 201. 
mzih, msikk« momeDtum. 207. 



nadeliboh, nadeliboh, auitarium dicebant 
antiqui» quod super measuram vel 
pondus iustum adiciebatur, ut cumu- 
IttB Tocator in modio. 402. Ziuammen^ 
geseizi aae nadeli, Imp. von nad^lia, -iti, 
mnd Nom. eg. boh. 

nadcbna, n ad ob na, elegand forma et cor- 
pore pulcra. 277. Das Fjem. vom Adj. 
nadobny. * : ;' ,: ^ ^ " -;f ^ -■ 

nadtU» nadut^ inflatus. 152. '7 ~ ' 

nach, naeb> pwrpura. 278. 

nacnoaem, nachodem, incesso, gr«ssu^ 

148. Ins^. sg, von nacbod. 
na/ae, naiat, conductiis. 55. 
nalep, Nalep, sagiua toxicata. 300. 
nalez, nalez^ senatus consultus. 220. 
• namisiecnik» namezecnik, hermafroditus, 

neque uir neque BUilier. 139. 
napait\ napa$^ erumpna. 102. 



GUtsen der Mater Verborum. ^ 

napor, napor, pukus Toeatos« <pod pil- 

pitet 277. 
naeiroj\ nastroi« instrumentam« 157. 
navazac, nauazacbj haruspex« 138. — 

navazaci, nauazaci, ezstipites» am* 

spices. 106. — nauazacii anupicei. 

188. Nom. pL von navazad. 
nebe, nebe, etber. lOS. 
nebozez, n e b o z e z, terebellus, neyeger. 340. 
neboiec, n e b o s e c, misellos, miser. 205. 
neccsiie, neceste, improbitas. 155. 
niha, neba« teneritas, leneritado. 479. 
nehelci, nehetci^^an^, eliotropium. M. 

nehetci, aolseqoia herba. S24. Km. 

pL von nebetec. 
nehoda, neboda« inlemperies. 157. ., 
nihovaii, nebouati, mulcere> molire. 210. 
nejeeyi, n e i e z z i t, pell(cänu8; 'äuia que nii* 

citur in solitudinibus. 245. 
nmec, -fnemee, barbarus, tardus, obto» 

8i]8> imperitus, slolidua etc. etc. SO. 
nefnluvnie, nemluune, infans dicitur bomo 

prime etaüs. 151. 
neposeda, nepozeda, torbidiis, UirbuleB* 

tu8, seditiosas, inquietas. 356. 
neetyda, nestida, impudicus« *JfiCtiB8 (di* 

jäLuj). 79. 
neti, neti, £liola, uilleL 116. ' - "^ ^ ^^^'^^ 
netopyri^ netopiri« uespertiliones» ydo- 

lorum cultores. 365. Notn.pl. v^mnetopyr. 
neuceny, neuceni, indoctas. 151. 
nevhodie, neubode^ indignatio. 150. i 
nevodß neu od, aag^iia. 300%. — neto4 

tragum, genus piscatorie retit. 351. 
nispule, nizpule, mespiia. 203. 
nU\ nit, fila. 116. — nit» 61uin. 430« 
niva, niua, locus arua. 181* •— nimfs im^** 

nouales agri. 221. Nom. pl. von niTa* 
noh, nobb, grifa, grif. 137« 
noha s. karie. 



$• 21. Verztichniss der Glotsem. 



819 



\nera^ Bora« specus. 4T3. 
ncvinka, nouinca« nouella» nouiter plan- 

tata. 221. 
nezdris chrepie, nozdri« chrepe« nares« 

214. Ticm. pL 
nrav(, nv^ixxi (zweimal), mores. 209. Npm.pL 

von nrav. 
fitt n»; nunu, eia» militum properantium 

clamor. 90. 
nunvice, n u n v i c e« sanctimonialis« Nonne. 301 • 
nuze, nuze« iaopia. 1S4. 

O. 
cbec, obecc, rempublicam. 288. — obec« 

conpascuus ager. 421. w^/aft-' 
ebedrany, obedrani^ lacer^ lacertus. 168. 
cbei' , ob et« sacrifieium« quod cbristiani 

offerunt. 299. 
cbezrmicm, obezrenem« obtutu. 453. hs^. 

sg. von obezr^nie. 
ohik, obih, abundantia. 384. 
obejek, oboiek« millus, collare canum. 447. 
obez» oboz« castrenses res. 44. 
obrazt obraz> idolum. 146. — obraz« 

moneta« munza 208. — obrazi i. ceiy^ 
^iedi» obredi, cerimonia. 409. iVrm. pl. 

von obried. 
obrok^ obro-k, prebenda« 262. 
obruv, obrucb, armilla rolunda, bovg. 20. 
)cbusie, obuse« auricule. 44. 
obuzce, obuzce« calumjpniator, rapula falsi 

criminis. 39. 
ccd» oceU calibem (Acc.)Z%, 165. 
odr, odr, pulpitunij lectum. 466. 
odriti, o d r e t i, glubere« cutem detrahere. 1 34. 
ohar, ohar« fuscum« nigrum, aquilum. 125. 
ohmscemnj obniscenin« libertus, cui post 

seruicium accedit libertas. 176. 
cje, oye, temo« dissl. 339. 
oiapj ocapp« conpluuium. 54« 
okopj oc op« uallunij diGituripsamiinitio. 359« 



okrasy, ocrazi« ornamenta. 456. Nom.pL 

von okrasa. 
ohrin, -fokrin« cantar« napb. 41. 
okurka, ocurka, cucumer. 65. 
olij\ oIij> oleum. 229. 
eise, olse, alnus« erlin. 10. 333. 392. 
epalka, opalca> capisterium. 41. 
opasek, opazek^ marsupimn. 195. — opa- 

zek^ crumena. 422. 
opee, opice, opec, ^opice« simia. 319. 
oplecie, oplece« armilla's ex aaro« quas'viri- ' 



»lu. y ' 



militares ab regibus donati genint. 400. 
opokaj opoca, saxa. 471. 
or^ orr> emissarius equus. 100. 
orich zemsky, orech zemzki, tober. 355. 

— orechy, orecbi« nuces. 222. f9om. 



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# ' ■ ' * j. 



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pl. von orech. t;/Ai'J 

osenie, ozene« segetes« sata. 303. 
oskr'düi, ozkirditi« pastinare» colere, 

plantare. 242. 
osladic, ozladicc, polipodion. 465. v' "^ ^ 
oslopi, ozlopi, vectes dicti quod manibos 
oectentuK unde hostea saxaque eoel- 
lontur. 360. Das böhm. ff^ore wissen wir 
weder za deuten, noch anderswoher zu 
Jelegen^^ ^^Ö<V 



Sr^ (*^e^^'*<^^ 



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1 

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)^^''/^^0L 



ost, ozt, mucro. 209. ' 

Osten, Osten, Stimulus. 328. ^"-^ • o^o^/^iTi r.<r^aj 

ostrabi, oztrabi, restaurauit 291. Praei' ' '^ ^ii^/^^ 

3 sg. Von ostrabiu -id., ._ Ja'fiSc;^^) /. . ) 

oslrice, ostrice, ostrea dicta est a testa« 

quod ibi moUicies interior camis mu- 

nitur. 235. (In der Aasg. 1833 sieht 

fehlerhaft ustrice.) 
ostrie mece, oztre mece, mucro ensis. 209. 
ostrcpesd, ostropezd, Carduus. 42. 
ostrov, ostrow, insula. tbl. 
ostroiny s, hrad, 
osud, osud, fatom dictmt esse pagani^ 

qoidquid dii fantor. 113. — ozod«, 

28* 



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Denkmäler der bvhmüchm Sprache. dessen der Mater Ferbcram. 



fatum autem a fortuna ita fteparatur« 

quod enim fortuitu Tenit Ebend. 
csudüj ozude« lebetas» urnas aureas. 171. 

— ozude, urna« sepulcbrum. 37S. 
osudny» osudni, faüfer« letifer. 112. 
osvita, o^ueta« claritas. 416. 
csy» o z\, vespaflj animal exiguum. 365. Acc. 

pL von osa« 
oeyia, ozika^ tremulus« aspa, 351. 
cscepi, oscepi« Jacula» missilia tela. 145. 

^— oscepi» pela« iacula« tela. 236. 

Nom. pL von oSd^p« 
eine s, llaky, 
ciravu, otrauu, Teneao. 361. Insir, sg. 

von otrava. 
otruby, otrubi, furfures. 41. PL ^^^^^^ic 
ovady, o u a d i« abbanos. 22. Nom/pL von ovad. 
ovce, ouce« ouis. 235. ^- tß^i^-^/n 

cvcin, oucin, caule« ouiie ouium. 407, 
oves, ouez« auena. 25, 
ciek s. hreblo^ > i^ 

eienky, osenki, primiciej frugum inicia» 

que düs delibantur. 267. — osenki» 

cerealia arma, instrumenta pistoriavel 

firumentalia. 409. Nom, pL 

P. 

palec, palecCj poUex. 79. 

palicnüi, palicsnici, lictores dicuntur, 

quod fasces uirgarum ligatos ferunt 

443. Nom. pL von paliCnik. 
pameiy s. Üaky. 

panev\ panev» frixoriaj phanna. 122. — 

p a n e y^ padella. 236. — panq)' s. skravad". 

papraf, paprat, filicem. tl6," ''/;"^ ^ ' 

parize, parizü? p a r i z e« parizomata« vestis 
antiquissima«iioininum fiiit. 240. 

peuec (od. pasek?), pazzec* cestus» genus 

quoddam ornatus mulierum. 410. 
paetoreky pastorekj filia3ter> stifsun, pri- 



aignu8.116. — pastorek» priuuignut. 

268. 
pasiyr, ^-pastyr» hulcus. 143. 
paaciny, paucinij casses« reda aranearum. 

44. 148. Nom. pL von pauöina. 
pav, pavT« pauo. 243. 
' pavlaka, paulaka« zomentum« zicha. 38}. 
^pazderu, pazdere« acus paleae. 385. 
paz,^p Siz, iunctura tabularum. 44t. r^ 
pazü\ pasit« cespis. 181. 
pecera. p e c e r a. antrum. 16. ' •:^fl± ^ 
pekar, pecar, pistorem. 418. 
peklOf peclo, infemus« tartarus. 152. 
pelesi, pelest; varius (equus). 96^ sl^* ni^i- ^' 



^ f* : 



4 '« 



pelesiy, pelestij discolor. 360. J 

^pelyn, pelin, absinthium. 2. 

ptn, peuj truneus. 354. 

penü, p e n e, modulatio. 207. 

peniez\ penez» denarius. 73. 

pmkava, penkaua, fringellus» vinco. 121 

perie^ perre» stipule. 329« 

perina, perina« plumatium, vederbette. 463. 

perla^ perla, margarita. 195. 

pero, perOf penna aput ueteres vocabatur 
aecuris « que ex una parte acuta est 
et ex altera fossorium. 246. 

perun, p e r u n, iupiter. 1 6. 

perunova, perunoua, iouis« 441. -^ P^ 

nova s. devanA, 
pesn, p e 8 n, melos^ duicis cantilcne cm- 

tus. 199. 
pesci\ pesci» pedites in ludis circensibus. 

244. Nom. pL von peSec. . j,^,\ 

' pisina, pesina^ trames.. 351. '' ^ 

pivci, peuci, lirici« poete dicti. 179. ^^ 
pL von pevec. 

pice, pice, pabulum. 235. 
picnik, picnik» Pabulator. 235. 
piesi', pest, pugnus, 237« 277. 



>A 



i 



§. 27. Verzeichniss der Glossen, 



SSI 



pij\ pij, penijsr aput, Tel membrum uirile^ 

natura vel pudenda. 246« 
pi/avicts piyauice, sanguisuga. 301. 
päa^ pila» lima. 177. 
piscet, p i s c e 1« pfialterion« sambucum grece. 

275. A^vl'l? /'.".,. . 

pivOi piuo« cereuisia. 409. 
ptvonie^ p i u o n e^ peonia. 247. 
plac, plach^ fletus« lacrime. 431. 
place sie, place se, flet 289^. Praes^ 3 sgf 

VC71 placu sicj »kati sie. 
plachia, p 1 a c h t a^ sagum, 80. — plachta, 

liona, saga. 178. 
plakati sie, placati se, flere, ubertim la- 

criraas fundere. 117. 
plampinik, plamennik« flammigerj qui flam- 

mam portal. 117. 
p/ajy?plazi, tenie« infule, ligatura. 340. 

Dunkel : vgl. jedoch das russ, polosa^ Streif . 
lascek^ pretexta. 266./'^*' >*^ 



plascek, p 



pretexta 
plavat, plauat, glaucus dicitur viridis« est 



podvod, poduod« impostura, fraus. 148. 
<.'v'' autem color inter albi^ et jugrum. 134. . podooj, podToy» postes« ipse tabule ostii. 
^plavy, plaui« flauus. 431. ^''"* ' y^-->* *' 261^ 



plavy, p 
plaz, plaz« reptile« serpens. 289« 
pleci, pleei, humerum. 144. Acc*sg. von fem* 

plece. ^A/<. //» 

pUcnici, plecnici» reiiones sunt uelamina 

humerorum et pectoris usque ad um- 

belicum. 289. Noni. pL von plecnik. 
plen, plen« exspolia» 106. — plen« exuuie. 

107. 
plinik, p 1 e n i k« manceps dictus quod ma* 

nu capiatur. 445, ^- ^ ' 
pletu, pletu, flecto, ylichto. 117., 
pl'ch, pilb» gliris, animal in arborib.us si* 

niile muri. 134. ' ' ^ ' / ^^' '* "^ ' - ^ 
pliesanie, piesane» ovatio« minor trium 

phus, 235. 
pl'nolunie, pilnolune« luna plena« 1 84. 
plol s, iyn. 



:\y *>* k 



ptsi*, -J-pilzt» centon.48» — pilsl;» filtrum« 

vilz. 116. 
pri\ p 1 e tj rates, proprie sunt connejie in- 

uicem trabes. 468. — plet, rates« clas- 

ses, naues, nauigia. 470. 

I 

pluA, pluh> aratrum. 18. 

ptzny, pilzni, frugalis a fruge nominatur 

i. fructu vel parsimonia« siue« ut alii 

volunt, a modestia« temperantia* 431. 
pocitari, pocitari« matbematici. 188. 
podlomek, podlomek, gemursa sub mini* 

mo digito pedis tuberculpm» quod ge* 

mere facit eum, qui id gerit« 433. 
podplamenice , podplamenice, colirida* 

subcinericius panis. 419. 
podraiec, podrasec« titimallum« 347. 
podvali, poduali« bases. 30. Nom. pL von 

podyal. 
podvazky, poduazki» fasceoli. 112. Nom, 

pL von podvazek. ' 



pohoda, pohoda, sudum« serenum. 476. 
poklad, p o cl a dj erarium. 100. «— poklad, 

poclad« gazophilatium. 128. 
police, poIice« armaria, schafruta. 20. 
polucia, fo Ines n, Nanciscor, adipiscor. 213. 
poludnice, poludnice« Driades« deae silua- 

rum. 85. 
pomec, pomech« pedica, qua pedes ligan- 

tur. 245. 
pomezie, p o m e z e« con6nium. 55. 
pomilu/s pomilui, miserere. 205. Jmper, 

von pomiluju, -oyati. 
ponebie, ponebe« palatus, gumo. 236« 
pcrusne sukno, porusne zukno, linostrina 

yestis est ex lana linoque texta. 178. 
porvaia, p o r u a t a, proserpina. 463. — 

p o r u a t a« Pruserpina. 466. fFahr» 



«8» 



Denkmäler der böhnUsehen Sprache. Gleisen der Maier Ferberam» 



0ckeinlick von dem Glossator mit RJkck* 

tictu auf dtu lat. rapta gebadet, 
pcsah, po£ah> dolaliciiim^ quod datur 

puelle. 8&« 
poselnice, posselnice« pedisequa« ancilla, 

famula. 244. {eod. femula). — pozzel- 

nice, serua> famiila, pedisequa. 31S. 
poskocnich poscocnici« salisatores. 188. 

— ^pozkocnici, saltatores, 142. 

Ndm. pl, von poskocnik. 
postat*, postat> positura. 261. 
postava,posiSLVLa,licinnm, 176. — postaua, 

poztauaj stamen lini. 474. 197. 
postelu, po Stele, lecüsternium. 172. 
postelka, postelka, pancales. 238. (Panca 

ist nach dem Glossar subsellium, sedile 

lipieam.) 
^postelka, postolka, cauan, wihiL 45. 

{yjgl' Glossar, med. lat. s. cayanna). 
postrüiny, postrisini, tonsure autem ec- 

clesiastice usus a nazareis exortns est. 

348. Nom. pl. 
potka, potca« pugaa. 276. — potca« cer- 

tarnen. 409. 
potopa, diluuium. 79. 

polupa, p o t u p a, cauiium, cauillatio. 407. 
pavisf» pouest« fama. 111.428. 
povraz, pOTraz, fiinis. 124. 
prah, prah, limeii. 177. 
prach, prach« puluis. 277. 
preJs, prak« funda. 124. 
prasciedC , prasced« progenies propago. 

270, 271. — praseed, propago, so- 

boles. 271. 
prasi, prasi, allopicia, grint. 10. — prasi^ 

prassi, glabrio, grint 134. Nom. pL 

von prach. 
pravda, prauda, fas, lex diuina est. 112. 
pravice, prauice, dextra. 75. 
pravidlot prauidlo, examussis. 107. — 



prauidlo, norma. 219. — prauidlo, 

thema, norma vel forma. 343. 
proüo, prauo, ius est humanum. 113. 
pravoslavny, prauoziauni, orthodoxQS.233. 
prazma, prasma> primicie de mele etfro- 

mento. 267. 
premina, premena, metonomia. 203. 
prenoss prenozz, metaphora. 202. 203. 
prepelice , prepelice, Quaquara« 280. — 

prepelice, coturnix. 422. 
prepevec, prcpeuehc, precentor, qui uocem 

premittit 263. 
presada, prezada^ plantaria. 257. 462. 
prisera , p r e s e r a , portentam est, qaod 

subito apparet et aliquid pretendiu 466. 
prelvora, pretTora, metamorphosis. 203. 
privalj preual, procelia. 269. ^"f- ,' 

• priaslo s. tyn. TTf^^ ^^ ^^*^^ n^^^cM.J 

prie, pre, lis, rixa. 179. ^ 

prieslice, prezlice, colus. 120. 420. 435. 
prejc, priye, afrodite, affrodis. 8. 101.362. 
prijemne, priyemne, amoenum. 394. Dta 

Neutr. des Adj. prtjemny. 
prijelet, prietel, fabisor, fautor. 109. — 

prietel, fauisor, fautor. 113. 
prika, prica, decliuum. 69« 
primerie, primere, treuga> pax generalis 

terrae. 480. 
pripijeti, pripiyeti, libare. 175. 
prislovie, prizloue, prouerbia. 278. — ^'• 

slovie, prizloue, adagia. 385. 
prislec, p r i s l e c, extraneus, ab alia terra.438. 
priuzny, priuzni, agnatus. 391. — priutn^ 

priuzni, cognatus. 419. Später pn- 

vuzny, jetzt mit VerwaTtdlung des efti^' 

thctischefi v in b, pribuzny. 
prok, proc, residuus. 290« 
prorok, prorok, propheta. 271. 
proso, prozo, milium. 204. 
prospi kurencom, prozpi kurencom» <>*>• 



r X 



♦ — 



y.« 



l ^ f i 

%. 27« Verzeichne der Glossen. 









SS8 



sipa pullis. 440. Prospi isi der Impcr. 

von pros'pu« prosypati : kurencom der 

Dal, pL von kurenec. 
pr's/eni, pirsteni« sigilla. 318. Nom. pL 

von prusten. 
pruhy, pruhi, Stigmata ignea« uulnerum 

Signa. 478. Nom. pL von pruh« 
pr'venec, piruenekc« primogenilus* 267. 



tT t»»l.t 



prvospie, p i r u o z p e, condcinium. 58. ,\--,,v i 
pryzes prize, imbrex, ziegal. 147. 
psftnec, pzanehc» pulsus, exul. 277. 
psirah^ pstruh^ trutta, piscis. 480. 
peaiopravce, ptacoprauce« augures. 234. 

Acc. pL von ptakopravec. —- plakopravci, 

ptacoprauci, augures. 188. Nom, pl. 

von ptakopravec. — ptakopravec, ptaco- 

pravec, augur. 402. 
peence, ptencc« pullo8> filios auium. 277. 

jicc, pL von ptenec. 
pudi, pudi« repudiat. 289. Praes, 3 sg, von 

puziuj -diti. 
puchyr , puchir« pus, saniesi comiptus 

humor. 278. 
pusc, pusc> desertum. 74, 
puscedlne Sm banky, 
puska, puscha, pixis» pixidis. 2&7. 
puia, put a, compedes. 421. iVbm.p/.v0iiputo. 
^ pyr^ pir« fauilla est eibus ignis« 113, 



radihost vnuk kr'tov, radihost wnukk 
kirtow> mercurius a mer eibus est 
dictus. 447. 

raj, ray« paradisus. 239, 458, 

rak, rac« rak« cancer. 40. 165. 

raky, raki> tumbe« sepulchra. 355. 

ranusek, ranusec« manius« pronomen dic- 
tum ab eo^ quod mane ioilio natus sit.445, 

rebri, rebri« scale. 305. 

recnik, recnikk, retor« orator. 291. 

remdih, remdib« claya« kolbo, 417. 



ripa, rrepa« rapa. 282. 

reselo, reseto> cribrum. 63, 

riasno, razno, fimbrium, 116. ^, ^ 

riasy, razzi> cilia sunt tegmiaa oculonm, 

412. Nom. pL von riasa, 
rüesnit ritezne« nates. 214. In dieser Form 

ungewöhnlich: ob Nom. duoL /i von ri« 

tesna? VgL lozcsna, 
riii /• tlaky. 

riza, riza» uestis« peplmn. 366. 
robenec, robenec« puer. 276. 
rodna s. seslra. 
rodny s. brair. 

rohac, roh ach, mergus. 202. 
rohoze, rohoze, palus. 372. 
roj\ roy« examen« zTarem. 107. 
ropusi» ropussi« stiria. 137. 329, Nom. pL, ^ 

von ropuch. 'j/i^^i^/C 

rosochy, rozochi« stina {sie), pars aratri« 

quam manu tenet arator. 329, Nom. pL 

von rosocha, 
roscep s. rozkoL 

rovi, roui, cloacc. 417, J^om. pL von fot. 
rozhlasi, rozhiassi, increbescit» fama fire- 

quentat« lA^.Praes. 3/^.o<mrozhIa$n,-iti, 
rozhnivanie, rozhneuane, offensio, 228. 
rozhranie, rozhrane, triuium, 853. 
rozkol, roscep, roscol, roscep, scisma» 

diuisio. 308, 
rozkoS, rozcos« libido, 176. 
roien, rossen^ veru» spizz, 364, 365, — 

rozen, rossen, neribus^uirgultisferreis. 
rta^, r tut, argentum viTum, quecsilber, 372, 
rSy, rti, Labia. 168. Nom. daoL vonret» 
ruciteC, ru eitel, fideiussor, satisdator, lld. 
rode more, rüde more, rubrum mare, 19&* 
rajen, ruien, october mensis, 227, 454, 
rukoje^, rucoiet, manubrinm. 193,— rn^ 

coiet, manubrium, hilza, 445. 
runo, runo, Tellns, Ml. 



1 



««4 



Denkmäler der böhnäeehen Sprache* Glossen der Maier Verborum. 



rusi, ruzzij trace gens, räzen. 480. Nem. 

pL von Rusin. 
rybnik, ribnik^ yiuariuin. 372. 
ryd, r i d, singultus* siDguIcius^ suspiriis uis- 

ceruin pulsus. 321. 
ryh, rih» singultus ex stomacho fit 321. 
ryk, rik^ ragiius ferarum. 296. 
ryny rin« renus fluuius. 289. 
ry^, riz, linx. 178. — rriz« lincisbesüa. 178. 
*rysc, risc, cursus eqaestris. 66. 
riaii, rsati» hinire. 14t. 



^sabie, sähe« dolones. 84. FgL Jungmanns 
Slown. ». Sab^« Sabnik. 

sadra, zadra, gipsiun. 134. 

salase, salase« mappalia« casa pastoralis. 
193. — salase, gurgustium. 434. 

samec s, shraka, 

samice s, straka, 

San, san, bydris, serpens. 144. — san» cer- 
beruin pagani aiunt infernorumn^anem 
triacapitahabenteinw409. — sani, sani« 
tiphones. 345. Nom. pL von saä. 

sanip zani» traha. 351. 

*saze, zaze« fiiligo. 124. 

sdaxajuy zduuaiu« conflo. 56. 

sekyra, zekira« asciola. 401. 

sen, zen, sopor. 475. 

sennik, s e n n i k» fenile> locus ubi fenum 
ponitur. 114. 

ses£i, zesti« soron 473. 

sesirarodna» zeztra rodna»gerinana. 132. 

siii, zeti, recia. 257. Ncm. pL von s$t\ * 

sik» sik> Gcus. 115. Vgl. das gr. <rvxav. 

stkolecj zicolecc, pedoj baculum est cur- 
uum, cum quo pedes ouium detinen- 
tur et pastqrale ges tarnen. 245. 

sirotcit zirotci» orpbani. 233. fiom* pL von 
sirotek. 

süwrat^ sytiwraty Saturn um pagani illum 



esse aiunt« qui primus ab olinipo ae^ 

nit» arma iouis fugiens. 304. 
siUvratov syn, sitiuraloTv zin« saturni fi- 

lius. 253. — süivralov s, siractc, 
sito, i'szito« sedalium« harsip. 311. 
^ev^ziu, glaucus. 134. — sive, ziue, glauci 

oculi. 134. Nom, dual, fem, von Adj, 

sivy, -a, -e. 
skladanie, scladane« poema. 464. 
skobt skobj flemen. 117. 
skop, s c o p« spado« eunuchus» castralus. 335. 
skora, zcora^ pellis. 245. — scora, birsa, 

corium. 37. 
skomie, scorne, ocreas. 227. 
skoiak, scotaCt bubulous. 36. 
skolip scoti, iunienta. 164. Nom. pL ven 

skot« 
skranec s. vtnec, 
shranie, s c r a n e« tympera, loca uit'ina ocu» 

lis. 346. — scrane, circumlimpora. 

415. 
skravad^, panev\ scrauad, paneu, sar- 

thago. 471. 
skrchet, screhet« Stridor. 329. 

■ 

skret, scret, demon. 72. — skreti, scretti 

scretii penates» dii. 170. screti, 

penates intimi et secretales. 79. 246. 

Nom. pL von skreL 
skrinie, s er ine» cistella. 415. — scrine, 

scrinium. 471. 
skrwanec, -fskriuanecz« caradrion, Icra- 

cha. 42. 
skrasi, scrusi^ conquassauit« confregitd^. 

Praet. 3 sg. von skru$u« -ili. 
skryse, scrise^ latebra. 170. 
skula, scula, rima« crepido« scissura. 410. 
skvorecy squorecc^ psitacus. 275. 
skvr'na, skwirna» macula. 187. 
slad, fzlad, braxa. 36.— zlad, prazium. 

262. 



S. 27« Verzeichnis* der Gleiten. 






slavit, z 1 a Y i k« luscinia, acredula. 185. 

slavncsi\ zlaunost» soUempniUs« 324. 

slid, zzled, indago. 150. 

slemie, zieme« tolom» culmen tecti. 347. 

*slep, slep, cecus. 408. 

siez, z 1 e z» malua. 191. — zlez« maluis. 238. 

sUzena, zlezena« spien« milze. 473. 

shn, z 1 o n« elephas. 92. 

slonovina, zlonouina« ebnr. 87. 

elcnovy, zlonoui« ebumeum. 87. 

slovanska zemie, zlouansca zeme« illirie 
regio. 1S4. 

slovene, zlowene« Auarie« winede. 25. — 

zloweae« Wandali iuxta wandicu- 

lum amnem» qui ab extremis gallie 

erumpit« inhabiiasse et extraxisse no- 

men perhibentur. 359. Nem. pL von 
SloTenin. 

slcvenin, zlouenin« Wandalus« Wint. 378. 

sluAa, z 1 u h a, minister. 204. 

sluia, zluka« fiscedula« snepho. 115. 

stach, zluch, famella. 4 28. 

sl'zy, zilzi« lacrimas. 168. Accpl.vonsVza. 

smola, zmola« pex> inquinamen« hara.252. 

smrk, zmirk« pinum. 256. 

smulna, zmutna« tragedia. 350. 

sfiahu, znahu« conatu218. /tt^^. von snaha. 

snaeha, snacha« pronuba. 272. 

sneh, sneh« nix. 218. 

sniem, znem« conuentus. 421. 

sochor, zzochor« motoria« uaga diseursio 
yel paruum instrumentum. 209. — z o- 
chor, trabeum« dreml. 350. 

sosna, zozna« picea. 253. 

soiu, zotu« pulsum« percusionem. 277. Acc. 
sg. von sota. 

sova, zoua« strix. 329* 

Spina, zpina« squalor« sordes. 154. 

spoUk, zpolek« consortium. 57. 

sponia, sp on c a> monile« omatus molierum. 
448. 



srace, srace« tunica« uestis ahtiquissim^ 

356. 
sram, zram« yerecundia. 364. 
srasi, srassi« iuges» auspicium est^ cym 

uinctum iumentum stercus fecit. 441. 

Nom, pL von srach ? 
sr*bi, zirbi» Sarabaite« proprie currentes 

vel sibi uiuentes. 302. Sarabaiiae waren 

eine Art irregulärer Mönche im Orient^ 

und der Glossator hat hier deu Wort 

Srbi (pl. von Svhin) falsch angewendet. 

— Srbi, Sarmate« -J-sirbi tum dicti 

a serendo« i. quasi sirbntm. 303. — 

Srbi, zirbi« Sarmathe populi. 303. 

471. Nom. pl. von Srbin. 
sroceme, srocene« factio. 110. 
sr'p,ziT^, falx. ILO. 

^stada, Stada« greges. 434. Nom.pLvon stado. 
stan, stan« tentorium. 340. — stan« tugu- 

rium« casula. 355« 
starosfn Aomonnici,ztSiTosta, comonnichi« 

prefectus eqi^tum. 264. 
st'blo, stblo« Cttlmus. 329. 
stehu, stehu« figo, stecho. 116. — stehu, 

figo« sticho. 430. 
stenice s. scenice, 

stezky, stezki« tramites.351.iV./»/.vcnstezka. 
stiieje, steseie« cardo. 42. 
s'ti, sti« faui. 429. Kom. pl. von sX 
steh, stob« nubilar« scoph. 452. 
stolec, stolecc« sedes« solium. 311. 
stonozka, stonoska« centupeda« genus ani- 

malis. 408 
stracec silcvratov syn, ztracec sitiuratovT 

zin« picus« satumi filius. 253. 
straka, zt r ak a« pica. 252. — siraka samec, -ce« 

ztraka zamec« ce« picus. 253. 
strana, strana« tractus« plaga. 350. 
strava, ztraua« sumptus. 332. 
strazn, strazn« passio. 241. 

29 



r 






••6 



Denkmfdtr der bähmüchen Spraeke^ Ghisen der Maler Verborum. 



^•/. I"' r 



stricik, strecek, oestus, animal trmorum 

aculeis permolestum. 228. 
ilridozenUe, stredozeme« meditallium di- 

citur non medium teire^ sed procul a 

mari. 446. 
Sirila, strela, sagitta. 300. 
serel ie vrzenie , strel sc virsene, Ra- 
diorum autem ictus. 227. Strel ist Gen. 

pL von strela. 
str'fuuü, stirnute, spasmos« tenores. 325. 
strcjce, stroice> instructor. 157. 
struha, struha^ incilla, fossa« ea que in 

uiis fluni ad deducendam aquam. 438. 
slruhar , z tr a h a r (sicj , tornarius , dreh- 
sei. 479. 
struna, s t r u n a, fida, chorda in cy thara. 430. 
stupa, stupa« tasinarium^ stamph. 338. — 

stnpa« tipsanarium, stamph. 346. 
siryna, strina« tia, amita. 344. — - strina, 

tya« soror matris« 357. 
sivor, ztuor od. zcuor? osiros rex fuit 

egipthi et interpret^tur pauper. 456. 

Das ff^ort ist sonst gänzlich unbekannL 

Man kann ztuor ed. zcuor lesen, 
sudccy zudce^ pretor. 266» 
sudlice, zudlice» quiris« spizstanga. 467. 
sudniee, zudnice» pretorium. 266. 
suknc V. porasne. 

samrak, 2umrak> crepusculum. 63. 
super', zuper« adversans. 6. 
suvrat, zuvrat^ Urnen siue margis. 351. 
svaiovit, -fsuatouyt, Ares> bellum. 20. — 

zuatouit> mauors. 197. -*> soato- 

uit« mavortem. 446. 
svekry, zvecri^ socrus et socer ita distin- 

guuntnr, socerum virom dicimus, so« 

crom feminam. 472. 323. 
sverepice, suerepice« equaricia. 98. 
svest', SU est, fratria vel fratrissa, fratris 

uxor Tel uxoris aoror. 121. — awezt. 



glos, gloris. 134. •— zwezt« glos» uiri^ 

soror. 434, (/a der Ausg. \8i3 steht irrig 

viri uxor)* 
svet, suet, mundus. 210. 
svet, i'suet, swet, consilium. 56. 421. 
sveäonose, zuetlonose, lucifer. 96. — 

suetlonose, lucifer« iubar. 182. 
svetluse, zuetluse« lucina« 76. — suetluse, 

lucina dea. 182. 
svietice, s ue ti c e, numenide, dee, 8ancte.223. 
svinar, suinar» porcarius. 259. 
svinice, suinice« usya, uermis porcL 376. 
svoba, z u o b a« feronia« dea paganorum. 429. 
svor, zuor, zodiacus. 383. 
svori, zuori^ poplites, genuum flexura. 258. 

Nom. pL von svor. 
svrab, zvrab, prurigo, scalpatio. 274. 
svrbi, zwirbi, prurit* 274. Praes, 3 sg.von 

svr'biu, svr'bßli. 
svr cek s. svr cek, 
svycaj, suicsai^ usus. 376. 
syn, zin^ filius. 253. — syn s. sitcoratov und 

stracec. 



/ 









samrha, samirha» trocheus« genus rote 

ad lusum. 354. 
scedni, scedne, parce, moderate. 240. 
scinice, stenice, scennice, cymex. 67. c< 
scepari, scepari, insitores, pelcer, qui in- 

serunt arbores. Ihß, Nom.pl. von söefar. 
scerk, scerk« glar(^a, lapilli parui härene- 

maris mixti vel gleba. 434. — scerk, ' ^**^ 

scrupo est harena durior. 471. 
scitiny, scetini, setas. 259. 315. Acc, pl. 

von sö^tina. 
scevef, s c e u e 1« rumex, ru£ 470. > * ^ ' ' ' a 
sciry, sciri« sincerus. 320. 
seit, seil« acetra» scutum. 306. 
scmel, acemeU aticus» humbel. 25. c<^ '=^C 
selma, selma, pestes ibidem. 460. 



l 






L- 



$, 27. Verztichniu der Glossen. 



227 



^semranü, 8emrane> crepitus. 63. 

ser, 8 er» iusticium, luctus publicus* lucnim 

publicum« siue public! iuris silentium. 

165. 
seralek, sserate k, cicendela, genus mu* 

- scarum> quod in nocte lucet 412. 
seUks setekk« genius« siedegot* 433. 
sidlo, sidloj subula» ala. 331. 
hr*cek, strcek, svircek, cicades. 49. — 

svircekj grillus« nomen a sono vocis 

habet. 137. 

T. 
laha, i'taha* cetauca. 410. Dunkel und un^ 

getviss ob böhmisch. (Cetare bedeuiet nach 

€Um Glossar so viel als citare.) 
ieUe, ialie, talle^ obsides. 225. Nom.pLven 

tal\ Kommt auch im AUmss, und AU- 

slaw. vor, und scheint fremden Ursprungs 

zu sein, 
talov, taloy, sanies^ pus« tabo. 301. 
laska, taska^ funda. 124. 
taze, t a s e» ducit. 86. Praes. 3 sg. von tabu. 
teniie, teme^ sinciput. 320. 
teneta, t e n e t a, plage proprie dicuntur funes 

illi^ quibus tenduntur recia circa ymam 

et summam partem. 25 7. 
ieplice, teplice, therme, calida loca i. bal- 

nea. 340. 344. 
test\ test, socer est« qui filiam dedit. 323. 
teste, testo, basa. 30. ••*'*^ • «^^ "«^ 
tesc, tesCj uacua. 357. Adj, indef. 
tietivy, tetiui> nerui. 147. 154. Nom. pL 

von tietiva. 
tieze, lese» moles« acerus. 207. 
tieike, teske« graue. 434. Das Neutr. des 

Adj. tieiky» a, e. 
its, tiss, taxus« uenenosa arbor. 338. 
tka sie, tca se, pervagatur« peragrat. 251. 

Praes. sg. 3 von tkaju sie« tkati sie. 
tloJcy V riti eine pamiiy, tlaki writi otne 



pameti« pubes« viriUa. 275. Tlaky 
Nom. pL von tlak; pam^ty Nom. pl. von 
pamdta» signum, nota, vgl. das riuj. po* 
meta« Uebrigens kommt auch pam^t fiir 
Merkmal, Denkmal vor: so im Altruss. 
»dojezdnyja pamjatia Kn, Bols. Cert. 
(1838) S. 13. Das i am Ende istlädirt. 

tluc, tluce, cantabrum. 41. 

tma, tma« falanx. HO. 

tocenice, tocenice« yitta. 371. 

topos? top e SS« topsusj topstein« saxi spe- 
cies lenissima apta cameris. 349. 

topot, topol« populus arbor. 259. 278. 

triba, treba« sacrificium est uictima« et 
quecunque in ara concremantur seu 
proponuntur. 299. 

trenovci, trenouci« dentes molares. 207. 
Nom. pl. von trenovec. 

trenozka, trenoska« tripodes. 353. 

trepice, trepice« cramula« hahala. 62. Un- 
bekannt : ob carmulsL, Hechel? Trepati len, 
konope heisst brechen. 

tretacka, tretacka« trideus h. e. tertiana 
febris. 353. 

trest\ trest, harundo. 138. — *trest\ trezt, 
arundo. 400. 

trezubec, Irezubec« tridens. 352. 

trh, vice, tirh« vecse« forum, locus con- 
uentui. 120. — Ar' A« tirb, forum publi- 
cum. 431. 

triaky triak, tyriaca est antidotum serpen- 
tinum. 346. 

triesVka, treslka« typi« sunt frigide febres. 
357- 

trihlav, triblavY« triceps« qui habet capita 

tria capree. 352.. 
trlice, tirlice« scalparis« tessila. 805. 
tr*n, tirn« ramnus« spinarum genus. 382. 
trnie, tirne« spine. 326. 
troska, trozka« scoria. 208. 

29* 



988 



Denkmäler der böhmiHhen Sprache. 



Glcseen der Mater Fier^cravi. 



}f,f*tj 



"^ irpasUkt trpaslek^ nani« quo8 greci pig- 
meo8 uocant 260. 

irud, trud, (omes. 119. 

iryzna, trizna, inferiej sacrificia que diis 
manibus iaferebant 439. — trizna« 
inferie, placatio inferonim Tel obse- 
quie Tel inferaalium deorum sacrifi- 
cia^ mortuorum sepulture debite. 152. 

tuha, tuha, tedium. 338. 

tul, tu 11, pharethra. 252. ^^V". ' 

tur, tur, taurus. 338. — tur, ur, uris» 
bubalus. 375. 

ivoridlo, tuoridlo« formula, leist. 119. 
— tvoridlo, tenacla , kefiewazercar. 
419. 

ew^d', tTird (zweimal), firmamentum 116. 

tyl, tili, occipicium. 227. 
.^tyrit plot, priaelo, tin, plot, prazlo, sepem, 
munimentum, sepe, ligtia ponuntur ibi. 
312. 

ubcrek, vborek, ruska, russa vel russeola, 
rubra. 296. — j^Jborech, calatus^^um- . , 
ber* 38. 









uceny» Yceni, doctus, scitus. 308. 

udatstvo, udatstuo, fortitudo, yirtus. 120. 

udi, vdi, artus. 430. 

udice, vdice, hamus. 138. 

uhli, yhli, proceres extra parietes. 269. 

Nom, pL van u h e 1. 
ühanü, Thone, globos, vertigines, vel ex 

solido rotundus, pila, rotunditas. 134. 

Das böhm. Wort ist uns sonst unbekannt 

und unerklärbar, 
uhri, vhri, porrigo, uicium porcorum. 259. 

Nom. pL von über. 
\iä:olt Tcoll, thesis, positio. 344. 
ukrutnik, vcrutnik, ukrutnik, grassator^ 

latro. 136. 



ulozenie (od, ulciene ?), ylosene^^'deposi« 

tum. 73. 
anäwa, Tmlun^, fedos est pax. 113. 429. 
umyvadlo, ▼ m i u a d 1 o,^ scflus, in quo manus 

lauamua. 307. 
unor, Tnor, februarius. 113; 429. 
up, yp, gemitus, ululatus, planctus. 129. 
aplavice^ yplauice, prolnuies uentri8.362. 
usnie, yzne, corins ab antiquis mascalino 

genere dicebatur. ^^^*Lc.hx{^P^ ^'^' 
usvü, ysuit, diluculum. 79. ' .y^^^^^ 

usaty /. zajec* 

« 

uriednik, yrednik, municeps dictos, eo 

quod munia capit. 211. 
utek, Ytek, trama. 178. 
uiroba, Ytroba, precordia sunt loca cordi 

uicioa. 263. 466. 
uval, Yuall, conualis. 421. 
avrats ywrat, yersura, aneyyante. 365. 
uzel, Yzel, nodus. 218. 
uzasne, ysasne, obstupescit. 226. Praa.l 

sg, von utastiu, -nuti. 
uzesf, ysest, angor. 395« 

V. 

v mozze, w mozze, in cerebro. 227. L6c. 

sg. von mozh. — v s. tlaky. 
vadi sie, uadi se, litigat. 180. Praes.^ tg' 

von yaziu sie, -diti sie. 
vaha, -fwaha, lanx, statera. 169. 
varlie, -f^^rlle, yentriculus. 362. 
vana, yana, wannus. 359. 
vanie, yane, flatus, winde. 117. 
vapenny kamen, yapennykamen, tofus.34 w 
vapno, yapno, calcis, calch. 38. 
vaira, yatra, fuimen dictum a fuluore 

flamme. 123. — yatra> fubnen, q«»* 

infundit. 431. 
vaz, yaz, ulmus. 372. 
vded, wded, upupa. 375.^ 



§. 27. Veneiehnits der Gloften, 



tso 



vdnni sie, wdrusi ze» inserit se. 156. 

Praes, 3 sg. von ydruiu sie« - iti sie. 
vic\ vebc, res« 290, 



vice s. tt'h. ^^-v^" ,/^^7 ,0^^ ^3^^^ ^ .^.j 



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videnie, yedene« sciencia, nodcia. 307. 
veAlas, vehlass» prudencia« 254. — ve 

hlaz> prudentia« 274. 
vihlasnyy yehlazni« prudens. 273. ^^'ly,,^ 
vijer, veyer, uentUabrum. 362. " '^' 
t;«^, wek, aetas. 390. "V^ ' / 

velblud, velbblud» camelis cam nomea de- 

dit 406. 
yeles, veless» pan« ymago hircina. 237. — 

Teiles, pan primus calamos cera con- 

lungere pKures instituit^ pan curat oues 

ouiumque magistros. 238« 
venec, venec« dyadema« 76. — vmec^kranec, 

venec« zcranehc« sertum« Corona. 

315. Das zweüe Wort schemtvon skranie. 

Schläfe, gebildet zu sein» 
veno, Teno, dos. 85» 

vereje, vereie, ianue ualue. 436. ßfom. pl, 
ves\ vez, tIcus. 367. 
veslar, vezlar» remex dictus quod remum 

regiL 288. 
veslo, yezlo, remus, rudir. 288. 289. — 

wezlo« remex» rüder. 469. 
vesmir , yezmir» mundus est uniyersitas 

omnis» que constat in celo et in terra. 2 10. 
vesna, yezzna, yezna« yer. 339. 363. 
ves, wess> pediculus. 245. 
viscby, yescbi, uaticinia, poetarum camiina. 

360. A'^m. pL von vesöba. 
vistec, y e s t e c, yates« propheta diuinus. 360. 
/ velr'mk, vetrnik, yela greci armena di- 

cum. 361. ' n.^iÄ c/ .^A 

vily, yeti ramus. 282. 

veie, yese, turres. 356. 

väiez\ V i t e z, heros. 1 40. — ^y i t e z, victor. 367. 

vlastovice, wlaztoyice, hirundo. 141. 



vtckvec, wilchuec» grincas« taws. 137. — 
-fvlichyec, phitones> qui spiritum 
^ • w>vi ..-^'V^'} malignum in uentre babuerunt. 255. 

^^chvice, -j'vilcbyice, sagapeta. 300. 
vCk, wilk, lupus. 185. ^., . -. . , 

vVkodlaci, vilkodlaci, incubi> siue inuidi». ^>* 



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ab inuiando passim cum animalibusj/'^^^^*? '^^^ 



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unde et incubi dicuntur, ab incubando W. t^^tcJ^M^ca k'Z 



homines h. e. stuprando» quos romani 

faunos ficarios dicunt« 149. AV/ra. pL 

von ^rkodlak. — ylicodlaci, incubi, 

sepe improbi existunt etiam mulieri- 

bus et earum peragunt concubitum, 

quos demones galli dusios nuncupant. 

256. — vtiodlak, yilcodlac, faunus 

pici filius. 113. 
vfna, uilna, lana. 168. 
vloha, wloha, indolis, proprie est ymago 

quaedam nobilitatis yel yirtutis futurae. 

151. 
vnak, vnuk, nepos. 217. — vnuks. radihost, 
^vodovod, Yodouod, aquaeductus. 66. 
vojevcda, voieuoda, dux. 267. — vojevody, 

Yoieuodi^ duces. 86. ßfooi. pL von yo^ 

jevoda. 
vcls y o 1, bouem fAcc.J 432. — vol s. vrany^ 
voU od. volie, yole, Struma, croph. 329. 

(Cyr, BOAA, vgl. Todne teile, tsaa/ 
vozataj, Yozatay, aureax, auriga. 402. 
vozhri, wozhri, muccus, roz. 210. Nom.pl. 

von yozher. 
vrabikove, wrabicowe, passeres. 24 1 . Nom. 

pl. von yrabik. 
vrah, wrah, diabolus. 76. 
vran, wran, coruus. 61. 
vran, wran, mauron (equus). 98. 
vrany vol, wrani vol, furuum bouemi.nl- 

grum immolabant eterno. 432. 
vratce, yratce, posticlum« latens ostium. 

261. 



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Denkmäler der böknusehm Sprache. Glossen der Maier Vefvorum^. 



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vnUidU, wraditlio^/(i^,liciatoriam. mittiL 

176. 
vrece, wrece« cilicium est uestimentum ex 

ptlis caprarum. 412. . / 

vretenOy wreteno, f\xso (abL) l2o* 
vr'chy, rirchi, kacomina« uertices« 16o. 

Ncm. pL von Tr'ch. ^ , 

»r'j^, wirse, gurpju^um, 137. v » ^^u^^i;-'... • ^ 
vrsUi, Yirsiti« tritürare^ conculcare. 353. 
tnrubs wrub> tessera» krmna« 341. '^. 

' > » / 1 

ifrV, virvv, resticula. 291. 

vr'ienie, virsene, icUis. 227. — vr'ienie s. 

slrä. 
vsedfUs wsedne« mdies« per singulos dies. 

150. 
^ vsie celied, w s e c e 1 e d^ omois familia? 229. 
vstavac, w s t a u a c n^ satyrion, nat^nrv^z. |04^. 
vifbej, viboi> excussio. 108. 
nybojfuk, viboinik, excussor. 108* 
vykal, vikaL spermen, semen. 362.— vy- 

kalem, v i c a 1 e m, spermate, semiae. 

473. Instram, sg, von vykal. 
vyr. Wir, wirr, bubo. 36. 218. 329. 
vytiy uiti, g^anire uulpium est, sicut iatrare 

canum. 127. ^^ , ^'i/^^^ 

vyta, wiza, eebius, ypocus, huso. 87. 
vzchod, -fwzchod, burra, stiega. 37. 
' sa vzkreSenie, wzcresene, resurrectio. 291. 
vzpesi?? Yzpesi, triptes, species demonum 

a uerbo tripo Tel ludo, qaia deludunt 
^ dormientes« 353. Unenlräthselbar : vieU 

leicht steckt der Stamm in spati, mii Rück* 

sieht auf dormientes. 

Z. 
zachod, zach od, oecasus. 453. 
za/ec usaty, zaiecc Tssati, lepores au- 

ritos. 173. — zajec, zaiecc, leporem. 

173. 
taklad, zaklad, uadimonium. 359. 
zakona datet, zacona datel, legis lator. 






yk-fr'r* ^/.*- 



quasi dator. 173. — zakeni, zaconi« 

leges. 172. Nein. pL vcn zakon. 
zapadka, zapadka, pessulum,"^ slö^. ^52. 
zapuzenie, zapuzene, repudium. 290. 
zaruf, zarui, September mensis. 313. 
zavoj, z a u o i, yelamen. 361. 
zavory, zauori, Vepagiila. 289. Ncm. pL 

von zaTora. 
'*^zbeh, zbeh, perfuga, fiigitiuus. 459. 
^elva, z e 1 u a, nurus, uxor filii. ^3. 
zemie, zeme, telluris» dea terrae. 338. — 

zem^e s. slovafuka. 
zemsky s. crtch. 
%er\ zerr, mania, ab insania et furore uo- 

cata. 445. 
zezhule, zezhule, cuculos (acc.) 49. 
ziet\ zet, gener, qui (filiam) duxit. 323. 
zievatiy zeuati, hippitare. 141. 
zizeda, *]*zizala, culix. 65. 
zmi/y zmiy, serpens. 314. 
znafnenie, znamene, homina, auguria. 142. 

*— znamene, omen, augurium. 229. 
znoj, z n o y, aestus. 390. 
zr'cadlc, zrcadio, speculum, spigel. 473. 
zubar? zubar, renter. 289. Wir ßnden die 

Bedeutung von renter nirgends, und kän* 

nen nicht bestimmen, ob zubar böhmisch ist, 

iabka, sabca, falcis est, qua arbores am- 

putantur. 110. 
zabra, sabra, brancia. 36. • 
zaby, sabi, rane. 282. Nom. pL von zaba. 
iahadlo, s a h a d 1 o, cauterii;, polz, ferro, 46. f 
iale, sale, nenia, carmina mortuorum. 216. 

Nom. pl. von iaV, steUt iah. 
zarovisce, sarouisce, piram, rogum i. li- 

gnorum constructionem> in quo mortui 

comburuntur. 460« 
zas, sazz, exthasis« 106. 
ie #• strä. 






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%. 37. Verzdchnus der Glossen. 



£91 



ielud, 8 c 1 u d. glans/ 434. ^ 'J^y^fT^ ^' 
zerav, serav, grues, nomen de propria 

Yoee sumpseruot. 137. «- ^>.t/ . V' ^^^^» siuok, animal. 144. 

zerucha, sserucha> naaturcium. 214» 303. { zizn, sizn^ vbertaa» habundantia« fecun- 



^— serucha» sardamon, njis(upci|tin. 
303. 



firuges, frumeittain« vel dea frumenti. 
40». 



ditas. 360. 



>y j./"^^ fjr£^ ^ z/ia^y, slazi, glandulus« druslut. 134. Nom. 
ielv'J-selw, sclv, testado. 341. 342.' lLsu P^' ^** zlaza. 

iestok, sestoCj furiosus. 125. ' iVc^ stich, fei, uii*us> i 



iracundia. 113. 

ilutek, slutek, vitellum. 371. 

irtoa, sirtua, bolocaustum. 142. — sir- 
tua« Tictima. 367.*— jr'^y, sirtui, Sa- 
crificia. 211. Nom. pL von zr'tva. 



* zesloky, s e z t o ki> crudelis^ seuus. 64. 
zezi, zezi, sitis. 322. 

zitnice^ sitnice, granarium, kornhua. 136. 

ziva^ i"siua, Dea frumenti, cercs. 68. — 

"['siua, diua, dea. 83. — siua, ceres, 

Folgende Glossen« die in der ersten Ausgabe (1833) stehen« haben wir, als nicht 
böhmisch, aus der obigen Reihefolge ausgeschlossen: 

-^ccste, tessera, coste XL. 479. Ist. lat. salmorum, psalmorum. 178. Ist das mittellat. 

\gelca, succula. 331. Ist uns dunkel^ doch salimus, salmus st. psalmus. 

jedenfalls nicht höhxaiscYuT^^^^^^^^^^ thorale. 344. Ist das nhd. Siedel, 

-^geUüa, calicula. 39. Ist das mittellat. ^i'^^r-^K.? daher böhm. .ziMa, 

't'^smirt, subridens. 475. Dunkel; vgl. das 
engl, smile« lächeln. 
fzara^ oriens, exorlus. 383. 482. Ist he- 
bräisch. 



leta, galita, nhd. Gelte. --4^^^^^. 

f chlipa, riuola 293. Wohl das de^it. Klippe ? 
•{'leuas sceua, sinistra. 321. Ist lat. 
•\' ovin^ funam. 125. Vielleicht verschrieben 

St. fumum: daher Ofen. 



Es sei uns zum Schlusae noch ein flüchtiger Rückblick auf unsere Glossen 
erlaubt. 

Die über der Zeile stehenden böhmischen Glossen, sind zwar, wie die deutschen, 
von zwei verschiedenen Schreibern; da sie jedoch gleichzeitig sind» so stimmen sie in* 
der Orthographie überein. Die vorzüglichsten Eigenhetten dieser Orthographie sind fol- 
gende: es wird darin ausgedrückt 

c durch c: cena, police, denice, zudce, kilauee, lelopizzec, bilec u. s. w. 
cz : skriuanecz, czuik* 
hca: brobcs« 
es: vecse* 

hc: mezinehc, lovehc, brahcka, vehc, pzanehc, dtuaehc, mazanehc u«s.w. 
cc : palecc, borecc« atolecc, obeec u. a. w. 
a durch z : zekira» oaude» zuatouit» zozna, zeztra u. s. w. 

8 : suatouytt, testo« steseie« oaud» sau, alep, arace, tresikay acrane, suinar u. s. w. 
sz : szito. 



9S% 



Denimältr der böhmüchen Spnuke. Glasen der Maier yerborum. 



szs 



z durch z 

ö durch c 

ch 

CS 

cc 
§ durch s 

SS 

i durch s 

SS 

z 

ch durch ch 

h 

j durch i 

y 

k durch c 
k 

q 

ch 
kc 
ck 



^szskra. 



zz: iezzetr« zzochor« kuzz» cozz, lizz u. s. w. 
SS : tiss, vehlasSj bessi« veless^ rozhlassi. 

breza, riza, nebozez« pazdero^ priuzni« mozazni« rohoze u. s. w. 
cerpadloj pecera, tretacka^ cechel, mzdicka, pocitari« duce u. s. w. 
obruch>' plach, colach, rohach, chape« chuprini, chubr u« s. w» 
klokocs» kecsice« suicsai> csaz« polucaa, cstena, palicsnici. 
oztadicc« lucc. 

iunose« olse« lemes^ cese, presera» selma« setekk, taska u« s. w. 
ropussi> wess« Tssati, prassi, crussi« sseratek. 

slich (ir^)« siuok, blasu, sabra, sahadio, pasit, lisice (lyiice) u. s. w. 
rosseu« sserucha, yess (jei). 
hiemizd (und hlemisc). 

virchi, chise, chlast* orech« hluchi« chrami« plachta» chrabrost u. s. w. 
hrah« pilh. 

ied, ielen^ iari« baie« laino> pomilui u.8.w. Am Endey in ciij und pij. 
yesutni, yezcro, oye, priye, znoy, zmiy^ roy, hnoy u. 8. w, 
gyrcha^ gilce, gine« giszskra« gleich« gill« crahugi, charodegi. 
cluca« scotac, pcop« cucol« cniha« scrane« lico, dobitec, Ivc u. s. w. 
kauka^ loket, wek« okrin, siuok, paulaka, ribnik u. s. w. 
quazz« quasu« squorecc« quap> queten. 
vborech, puscha. 
kclada. 
cluneck. 

u im Anfange geschlossen v : Twrat« vtek« vcoll, vssad u. s. w. 
y durch u : siuokj zlouenin« Isiui, niua« prauo» zeuati, brau, ziu u. s. w. 
v: yapnOj vezna» vodovod« divizna, hriyna« nevod. 

w: wir (bubo), wded> wrub« vwrat« ptacoprawec« ziowene, selw (und selvj, 
wrece» wran u. s« w. . 
i durch e : slep, primere« neba» bezzuetni, dedina> venec« suet u. s. w. Auf die* 
selbe Weise, ohne erweichendes i, auch ozude, rozhrane« lectane, sti^ 
nute, znamene, ferner yitez, breme, zeme u. s. w. 
i und y ohne Unterschied: raki (tumba), ribnik, hluchi, litki, dagegen gyrcban. s.w. 
b nach 1 durch i vor 1 : wilk, zilzi, yilchuice, uilna, vilkodlaci, pilnolune, pilb, miini 
pilzt, dilh u. s. w. Nur zweimal steht i nach 1: ylicodlaci, slich (ir^)* 
u: clunek. 
In treslka und puscedine fehlt der Vocal gänzlich. 

b nach r durch i Tor r : tirne, birui, chirt, hirdlioe« Tirsiti, samirha« kirtice, zirbi> 
tirlice, birdo, dirzzna u« s. w. 
e: plet» drebne. 



i 



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§.27, Verzeichniss der Glossen* 933 

In iatrvenici» TetmJk, sfcadlo feUt der Vocal gätizKeli. 

Sonst steht für b regelmässig e : meh, deska> vezmir u. s. w. Nur in dibri wurde 

ein i eingeschaltet» und stblo ganz ohne Yocal geschrieben, 
st' durch sc: kalisce» tesc» vescbi» scetini« sciri» seit» scerk» sceuel» piscel» prasced» 

plascek> sarouisce, oscepi» ohniscenin» iescer» chmelisce» puscedlne, 

ihrisce» clesce» pusc» risc» scennice. 
Bemerkenswerth ist die häufige Verdoppelung der Consonanten : velbblud» squorecc, 

mrauenecc» nohh» msikk» lekk» bukk» ycoH» cebolle» llabut» trarlte» hleni- 

misc» diann, lepp» kepp> ocapp» zerl* (mania)» rriz» morr» iTcpa» latti, 

scretti» cow» cevv» krokvvi» zzled» kuzz» quazz» sazz (zas), klazz u. s. w. 

Sehr selten werden die Vocale verdoppelt : coniaar. 
An Ungleichheiten in der Rechtschreibung fehlt es' nicht; so kommen vort zuato- 

uit u. suatouytt» vlicodlaci u. vilcodlac u. vitkodladi, rac u. rak» ozud u. 

osud, seztoki u. sestok, cucol u. kudol» pilzt u. pitst u. S. w. 
Von Schreibfehlern sind uns hur ztrahar st ztruhar und wraditllo st. wr'atidllo auf- 

geslossen. 
Da wir uns aller weitläufigen Erörterungen über die Naiar und den, ohnehin in 
den meisten Fällen von selbst einleuchtenden Werth unserer Glossen» aus dem oben ange- 
führten Grunde» enthalten müssen» so wollen wir zum Beschlüsse nur noch eine Bemerkung 
als Wink fiir den aufmerksamen und selbstdeAkenden' Leser beifügen. So schätzbar uns 
die Glossen erscheinen» indem sie uns manches alte und sonst unbekannte oder längst 
veraltete Wort erhätten haben» so können wir doch unmöglich annehmen» dass dieselben 
.frei von allen Mängeln und Versehen wären: vielmehr halten wir es für möglich» ja wahr- 
scheinlich» dass die Glossatoren» zumal, bei dem durch vielmaliges Abschreiben bereits 
sehr corrumpirten lateinischen Texte» manches Wort falsch verstanden und folglich auch 
falsch glossirt haben. Bei Sarabaitae - Srbi haben wir einen solchen offenbaren Missgriff 
nachgewiesen : es mag aber noch mehrere dergleichen gebön. Auch glauben wir» dass 
schon unsere Glossatoren» wie ihre spätem Nachfolger» und unter diesen besonders Roz- 
kochany» die Bildung neuer Wörter wagten. Namentlich gilt dies von den mythologischen 
Ausdrücken und Namen: denn wer kann sich des Gedankens erwehren» dass z.B.Porvata 
für Proserpina nicht aus dem Munde des Volkes oder der Tradition entnommen» sondern 
von dem gelehrten Glossator mit Rücksicht auf das lat. rapta gebildet sei? Der Ge- 
brauch dieser Glossen erheischt demnach in einzelnen Fällen sorgfJiltige Prüfung und 
kritische Vorsicht» was sich übrigens von allen Werken ähnlichen Inhalts aus dem Mittel 
alter von selbst versteht. 



30 



ZUSÄTZE UND BERICHTIGUNGEN. 



8. 7. Z. 27. Hr. Hanka bemerkt, dass zwischen Nr. 2 und 3 den huckrifUn mf 
Münzen mü böhmischen Eigennamen eine Stelle gebührt 

S. 29. §. 8. lieber die frühe Verwendung von Buchstaben statt Noten lesen 
wir in der Allgem. MusikaL Zeitung, Jahrg. XXX. Leipz. 1828. Nr. 2S — 27 Folgendes: 
»Das Antiphonarium in S. GalleUj, vom Mönch Romanus, nach dem Gregor^schen ums 
J. 774 oder 786 geschrieben, ist mit Neumen notirt. Jedoch hat Romanus nach seiner 
Erfindung kleine lateinische Buchstaben über oder unter der Notation beigefügt. Die Bedeutung 
dieser Buchstaben hat Notker Balbulus erkjärt: sie waren nicht Tonzeichen» sondern htzeick- 
neten die Art des Vortrages, z. B. a, altius, c, citius^ m, mediocriter, p, pressio, 1; tenendo 
u. s. w., so wre wir heutzutage schreiben: p. piano, f. forte, m. v. mezza Toce u. s. w.— 
Eine Art Buchstabenschrift (statt Noten oder Neumen) hat wohl schon Hucbold im X Jakrk. 
erdacht oder doch erklärt; und Quidc im XI Jahrh, brachte die Notation mü den sieben erslm 
lateinischen Buchstaben in Verschlag. Allein das waren Privatversuche, die nicht durch- 
griffen.« Kenner mögen entscheiden, ob und inwiefern die hier angeführten Beispiele 
ein Analogon zu der in unserm Fragment vorkommenden Bezeichnung des Vortrags 
durch Buchstaben darbieten. 

Zur S. 154. Z. 26 und 'S. 158. Z. 8. Hr. äelakowsky erinnert uns, dass die dort 
gerügte Construction : Reo Esaie prorokova, weder unböhmisch, noch überhaupt ud- 
slawisch sei: denn man lese sie, wiewohl höchst selten, in alten böhmischen und rus- 
sischen Urkunden. Wohl aber hätte dort, nach seiner richtigen Bemerkung, die Uebe^ 
Setzung des Abi. absol. Jo. 13, 2 »et coena factaa durch den Nom. ni ve(^e]*ia uöiniena« 
als fehlerhaft bezeichnet werden sollen. 

Zur S. 170. Z. 7 — 9 von unten. Die in der Zeitschrift »Kranz« erschienene/«// 
deutsche Uebersetzung des Gedichts: Libusa's Gericht, ist von Hrn. Johann Ritter vob 
Rittersberg. 

DRUCKFEHLER. 

Seite 7 Zeile 1 v. u. statt in 8^« lies in 4***. 

— 35 — 10 V. u. statt CO lies no- 

— 44 — 7 V. u. statt J lies I. 

— 76 ' — 8 und 15. v. o. statt otni lies otnia. 
'_ 86 — 1 V. o. sutt 68 lies 86 (Seilenzahl). 

— 88 — II V, o. statt Lech lies Lech. 

— 201 — 1 und 17 V. u. statt •) lies »•). 

— 207 — 4 und 5 v. u. stott *«) lies «*). 

— 231 — 17 V. o. statt Ist. lies Ist 






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8. 1. Z- 
mnzen mit bShmCx- 

' S. 29. §• 
wir in der AUg« 
»Das Antiphonar 
j. lU oder 186 
Erfindung kleine 
dieser Buchstabe 
neten die Jrt des 
u. s. w., so lye 
Eine Art Buchstaif 
erdacht oder doch 
lateinischen Buchr£*!^- 
griffen.« Kenner 
ein Analogen x« 
durch Buchstabe» 

Zur S. Iö4 
gerügte Constructi 
slawisch sei : den» 
sischen Urkunden., 
seuung des Abi. a 
als fehlerhaft bcze 

Zur s. nc 

deutsche Uebersel 
Rittersberg. 



Seite 7 

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— 201 

— 207 

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