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Full text of "Die Marokko-Konferenz, Algeciras 1906"

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Bretschger, Jakob 

Die Marokko-Konferenz 



Die 



arokko-Konferenz 

Algeciras 1906 



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1 NAUG U RAL- DISSERTATION 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

UNIVERSITÄT BERN 

VORGELEGT VON 

JAKOB BRETSCHGER 

von Freienstein, Kt. Zürich. 




ijimtnin i 'J 



ZÜRICH a 1913 

Dissert.-Druckerei Gebr. Leetnann & Co. 

Stockerstr. 64 



Die 



Marokko-Konferenz 

Algeciras 1906 



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I NAUOU RAL- DISSERTATION 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

UNIVERSITÄT BERN 

VORGELEGT VON 

JAKOB BRETSCHGER 

von Freienstein, Kt. Zürich. 




ZÜRICH D 1913 

Dissert.-Druckerei Gebr. Leemann & Co. 

Stockerstr. 64 





0CT5 1972 
^'/r/ OF T09.^^' 



Von der philosophischen Fakultät auf Antrag des Herrn 
Professor Dr. Woker angenommen. 



Bern, 26. Juni 1912. 



Der Dekan': 
Prof. Dr. G. Huber. 






Inhaltsverzeichnis. 



A. Vor-Verhandlungen . . 

B. Verhandlungen der Konferenz 

I. Polizeifrage . 

IL Ueberwachung und Unterdrückung der Waffenzufuhr 
in. Bankfrage 

1. Abtretung der Vorzugsrechte des Anleiheus des 
französischen Konsortiums von 1904 an die Marok- 
kanische Staatsbank (Anleihen und Müuzoperationen) 

2. Kasse und Schatzamt 

3. Aufsicht 

4. Legislatur und Jurisdiction in Anwendung auf die 
Bank 

5. Verwaltungsrat und Direktion .... 

6. Die Bank als Agence financiere der Regierung 

7. Operatiouen der Bank und Ausgabe von Xoten 

8. Münzprägung und Geldoperation 

9. Sitz 

10. Konzessionsdauer .... 

IL Kapital ...... 

12. Vorschüsse der Bank au die Regierung 

* 13. Spezialfonds ..... 

14. Comite d'Escompte .... 

1.5. Unterkunft, Sicherheit, Steuerfreiheit der Bank, Auf 

sieht der Marokkanischen Regierung über die Bank 

10. Aufstellung der Statuten . 



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IV. Steuern und Abgaben 

1. Zölle 

2. Erhöhung der Abgaben auf Tabak und gewisse 
Waren ........ 

3. Landwirtschaftliche Steuern (Tertib 1903) 

4. Sokra und Mouna (Kommissionsgelder und L'eferunj 
von Lebensmitteln) ...... 

5. Erträgnisse aus Staatseigentum und öffentlichen Be 
trieben 

6. Ausfuhrzölle 

V. Reglement über Zölle und Unterdrückung des Schmuggels 
VL Oeifentliche Arbeiten und Einrichtungen 
Vn. Allgemeine Bestimmungen 

Rückblick und Ergebnisse der Konferenz .... 



Literatur 



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A. 
Vor-Verhandlungen. 



Marokko gewinnt seine internationale Bedeu- 
tung mit der Madrider Konferenz von 1880, welche auf 
Anregung Englands und der Einladung Spaniens erfolgt 
war. Der Zweck dieser Konferenz war die Regelung und 
Begrenzung der Rechte, Schutzbefohlene zu haben. 

Um diese Zeit beginnt der überwiegende Einfluss von 
Frankreich in Marokko. Durch das Bestreben, möglichst 
viele Schutzbefohlene zu haben, und der damit verbundenen 
Gelegenheit der Einmischung in die Angelegenheiten des 
Landes, sucht Frankreich seinen Einfluss zu stärken. 

Ende der 90er Jahre tauchen in der europäischen Diplo- 
matie gewisse Teilungsabsichten auf England sollte Tanger, 
Deutschland einen Hafen auf der atlantischen Seite er- 
halten. Man kam jedoch nicht über formale Verhandlungen 
hinaus und die ganze Angelegenheit wurde wieder fallen 
gelassen. 

Die inneren marokkanischen Verhältnisse erleichterten 
und beschleunigten den Gang der Dinge zusehends. Das 
Land, durch fortwährende Aufstände der einzelnen Stämme 
und der Prätendenten beunruhigt, und die dadurch ver- 
ursachte allgemeine Unsicherheit und Anarchie boten bald 
Gelegenheit zu weiteren Schritten des Auslandes. Der 
Sultan verlor zusehends an Autorität und war seiner Stel- 
lung als souveräner Herrscher nicht mehr gewachsen. 

Zunächst in Mitleidenschaft gezogen wurden die Grenz- 
mächte Frankreich und Spanien. Die beiden Mächte machten 



geltend, dass ihre Grenzen durch die Unruhen stark ge- 
fährdet seien, und dass die revolutionären Umtriebe auf 
ihre Gebiete übergreifen könnten. Die beiden Staaten hatten 
sich in der Tat schon des öftern über Grenzverletzungen und 
räuberische Einfälle auf ihre Gebiete zu beschweren ge- 
habt und erhöhte Grenzsicherung treffen müssen. Sie mögen 
indessen diese anarchistischen Zustände im Nachbarreiche 
nicht ungern gesehen hab.en, denn es ergab sich daraus der 
Vorwand, entschiedener sich einzumischen und einen vor- 
herrschenden Einfluss zu erlangen. 

1901 und 1902 schloss Frankreich zur besseren Siche- 
rung der Grenzgebiete Abkommen mit dem Sultan ab. Allein 
die Autorität des Sultans reichte nicht hin zur Unter- 
drückung der Unruhen und zur Verhinderung von Grenz- 
verletzungen. 

Die Stellung Frankreichs zu Marokko skizziert der 
französische Ministerpräsident Rouvier in der Kammer- 
sitzung vom 16. Dezember 1905: 

„Depuis soixante ans, le voisinage du Maroc a ete pour 
FAlgerie une cause permanente de trouble et d'agitation. 
La securite de nos Communications et de nos postes-fron- 
tieres, celle de nos sujets algeriens, menacee par des 
excitations de toute nature, la presence constante sur nos 
confins des rebelies et des fugitifs de chaque insurrection, 
Tagression continue, non point de maraudeurs isoles, non 
point de bandes, mais de hordes de plusieurs milliers d'hom- 
mes: tout nous imposait la necessite de reclamer que l'Etat 
limitrophe remplit ses obligations envers nous. 

Nous avons longtemps espere, nous avons pu meme 
croire ä certains moments, que nous obtiendrions du Gou- 
vernement marocain un concours efficace, une coUaboration 
suivie. Les accords de 1901 et 1902 etaient les plus pro- 
pres ä assurer ce resultat. Mais le Gouvernement marocain, 
livre ä lui-meme, s'est montre hors d'etat d'accomplir ses 



— 7 — 

devoirs elementaires envers les etrangers. Le desordre 
interieur n'a pas cesse d'augmenter, la rebellion s'est in- 
st-allee au Maroc sur une importante partie du territoire 
et le Makhzen en est arrive ä un tel degre de faiblesse 
qu'il ne fait plus l'effort necessaire pour garantir la se- 
curite des Europeens." 

Dann äussert sich Rouvier weiter: 

„La France ne peut pas ne pas avoir une politique 
marocaine, la forme et la direction que prendra dans l'avenir 
l'evolution de l'Empire marocain influeront d'une maniere 
decisive sur les destinees de nos possessions de l'Afrique 
du Nord." 

In Frankreich werden die Blicke auf das Nachbar- 
gebiet immer begehrlicher. Man gefällt sich in dem schönen 
Gedanken der Ahgliederung Marokkos an das algerische 
Gebiet und der Gründung eines grossen nordafrikanischen 
Kaiserreiches. Frankreich sucht nun durch Abkommen mit 
den zwei Mittelmeerstaaten, England und Spanien, die Aus- 
führung seiner Pläne sich zu sichern. 

Am 8. April 1904 schliesst Frankreich die e n t e n t e 
cordiale, und am 6. Oktober 1904 folgt das fran- 
zösisch-spanische Abkommen bezüglich Marokko. 

Im. englisch-französischen Abkommen verzichtet Eng- 
land auf seine Ansprüche in Marokko und Frankreich ge- 
währt England freie Hand in Aegypten, und in dem fran- 
zösisch-spanischen Abkommen wird lediglich die Inter- 
essenzone zwischen Frankreich und Spanien für Einführung 
der Reformen festgelegt, und dem französisch-englischen Ab- 
kommen seitens Spaniens die Zustimmung erteilt. 

Die Erhaltung des politischen Status in 
Marokko wird ausdrücklich ausgesprochen. 

In Artikel 2 des französisch - englischen Abkommens 
heisst es: 



,,Le gouvernement de la Republique fran^aise declare 
qu'i] n'a pas rintention de changer l'etat politique du 
Maroc", 

und im französisch-spanischen Abkommen findet sich 
folgender Passus: 

,,Le gouvernement de la Republique franQaise et le 
gouvernement de sa Majeste le Roi d'Espagne declarent 
qu'ils demeurent fermement attaches ä l'integrite de l'Empire 
marocaine sous la souverainete du Sultan." 

England lässt sich den Fortbestand seiner bisherigen 
A'^erträge und Abmachungen mit Marokko durch Frankreich 
garantieren, von der Sicherstellung der Rechte anderer 
Nationen ist n i c h t die Rede. 

Die wahren Absichten der Kontrahenten treten erst 
in den beiden Geheimabkommen (veröffentlicht 1911), 
die den beiden offiziellen Abkommen beigefügt sind, zu 
Tage. Es wird bereits der Fall ins Auge gefasst, wo die 
in den offiziellen Abkommen ausdrücklich garantierte Sou- 
veränität nicht mehr besteht, und für diesen Fall die 
nötige Vereinbarung getroffen. 

In Art. 1 des französisch-englischen Geheimabkommens 
findet sich folgende Stelle: 

„Dans le cas oü Fun des deux gouvernements se verrait 
contrint par la force des circonstances de modifier sa 
politique vis-ä-vis de l'Egypte ou du Maroc ; . . .", 

und in Art. 3 desselben Abkommens: 

„. . . le jour oü le Sultan cesserait d'exercer sur eile 
(une certaine quantite du territoire) son autorite . . ." 

Diese Sprache lässt über die wahren Absichten Frank- 
reichs und Spaniens keinen Zweifel mehr, es handelt sich 
um die Okkupation in kürzerer oder längerer Zeit — ein 
Vorwand zum Einschreiten dürfte sich immer finden lassen. 

Marokko wird von England gänzlich Frankreich und 
Spanien überlassen, wofür ICngland weitestgehende Kom- 
petenz in Aegypten erhält. Frankreich und Spanion vorein- 



9 



baren die Grenzlinie ihrer zu okkupierenden Gebiete, die 
Grenzlinie geht von Melilla im Osten bis zu den Höhen 
des rechten Ufers des Sebuflusses im Westen. 

Dass schon 1904 etwas von geheimen Abmachungen 
durchsickerte, ist klar. In Deutschland wird die entente 
cordiale deshalb skeptisch aufgenommen, man befürchtet 
in den Abmachungen eine Spitze gegen Deutschland, man 
vermutet sogar Annexionsgelüste Frankreichs bezüglich 
Marokko. 

Reichskanzler Bülow skizziert im deutschen Reichstag 
am 12. April 1904 die Stellung Deutschlands zu Marokko 
anlässlich des Abschlusses des französisch-englischen Ab- 
kommens folgendermassen: 

„. . . . was speziell Marokko betrifft, welches den 
HaupLteil dieses Abkommens ausmacht, so sind wir in 
diesem Lande hauptsächlich in wirtschaftlicher Be- 
ziehung interessiert; wir haben hier vor allem Handelsinter- 
essen. Auch haben wir ein wichtiges Interesse, dass Ruhe 
und Ordnung in diesem Lande herrschen. 

Wir müssen unsere merkantilen Interessen in Marokko 
beschützen und wir werden sie auch beschützen." 

Trotz den geheimen Vereinbarungen, worin die Aende- 
rung des politischen Status bereits ins Auge gefasst wird, 
bemüht sich Frankreich auf das Nachdrücklichste, die Welt 
von seiner Uneigennützigkeit und seiner Loyalität gegen- 
über Marokko zu überzeugen und die Misstrauischen zu be- 
ruhigen. 

Der französische Ministerpräsident Delcasse versichert 
gesprächsweise am 27. März 1904 dem deutschen Bot- 
schafter Prinz von Radolin in Paris, als dieser ihn inter- 
pelliert über den Stand der französisch-englischen Unter- 
handlungen bezüglich Marokko: 

„Nous voulons m a i n t e n i r au Maroc l'etat politique 
et territorial actuel, mais cet etat, pour durer, doit mani- 
festement etre soutenu et ameliore. 



— 10 — 

11 est superflii d'ajouter que, sous quelque forme que 
nous soyons amenes ä preter assistance au Sultan, la liberte 
commerciale sera rigoureusement et entierement respectee." 

Auch in den ferneren Verhandlungen betont Frank- 
reich des Entschiedensten diesen politischen Standpunkt 
Marokko gegenüber einzunehmen und festzuhalten. 

Auch der Sultan soll beruhigt und ihm klar gemacht 
werden, dass seine Besorgnisse um die Souveränität un- 
begründet seien, dass es sich nicht um Aenderungen des 
politischen Status, sondern um blosse Einführung unerläss- 
licher Reformen handle. 

In einem Schreiben der französischen Regierung an 
den Sultan vom 18. Mai 1904 wird diesem bezüglich der 
französischen Abkommen versichert: 

„Le Gouvernement marocain n'a donc pas ä s'en akirmer, 
le Gouvernement frangais n'a pas l'intention de changer 
l'etat politique du Maroc. La declaration franco-anglaise 
constate cet etat de fait. 

Vous verrez la souverainete de l'Etat marocain garantie 
dans des conditions qui lui assurent Favenir." 

Und in Bezug auf Herstellung von Ruhe und Ordnung 
und Einführung von Reformen bemerkt das Schreiben: 

,,Les troubles et l'agitation survenus dans les tribus 
marocaines ont leur repercussion sur les notres. Nous 
avons donc le devoir de nous en preoccuper." 

,,.... seule notre nation est en mesure de veiller ä 
ce que rien ne puisse les compromettre, Notre interet de 
voisins et notre devoir d'amis nous y portent egalement. 

Je suis persuade, d'ailieurs, que sa Maieste, ainsi que 
son Gouvernement, comprend la pressante necessite de re- 
formes progressives qui, en respectant les coutumes et 
en tenant compte des traditions." 

Der Sultan scheint von den Versicherungen Frank- 
reichs befriedigt zu sein, und die Beziehungen zwischen 
Frankreich und Marokko gestalten sich zunächst günstig. 



— 11 — 

Der Sultan dankt der französischen Regierung für ihre 
früheren und gegenwärtigen Bemühungen um Marokko und 
spricht sein aufrichtiges Vertrauen aus zu den guten Ab- 
sichten Frankreichs. (18. Juni 1904.) 

„Votre lettre est un argument de plus en faveur du 
raffermissement de cette conviction et un temoignage de 
vos bonnes intentions, conformes aux desirs des deux pays." 

Die erhöhte Tätigkeit Frankreichs in Marokko macht 
sich bald geltend, die Einführung von Reformen wird 
energisch an die Hand genommen, wobei der französische 
Einfluss zur vorherrschenden Geltung gebracht werden soll. 

Am 16. Juni 1904 schliesst der Sultan mit einem 
französischen Konsortium ein Anleihen ab (die Anleihe, 
die bei der' Konferenz soviel von sich zu reden macht). 
Frankreich leiht dem Makhzen ebenfalls Unterstützung beim 
Angriff der Aufständischen auf Tanger. 

Der Sultan engagiert für die Garnison von Tanger 
einen französischen Lieutenant als Artillerie-Instruktor, Am 
29. Juli 1904 werden einige weitere französische Instruk- 
tionsoffiziere engagiert. 

Als der französische Gesandte von Paris nach Tanger 
abreist, werden ihm folgende Direktiven bezüglich seiner 
politischen Mission mitgegeben: 

Engagierung einer Anzahl algerischer Offiziere und 
Soldaten für die Garnison von Tanger. 

Errichtung eines Polizeikorps, dessen Kern der alge- 
risch-muselmännischen Polizei zu entnehmen ist, unter Lei- 
tung französischer Offiziere. 

Auszahlung des Soldes durch französische Instruktoren, 
soweit französisches Instruktionsgebiet. 

Errichtung von ständigen Wachtposten durch Frank- 
reich und Marokko an der algerisch-marokkanischen Grenze. 

Verbesserung der Steuereinnahme. 

Erhöhung der direkten und indirekten Steuern. 



— 12 — 

Errichtung einer Staatsbank unter Führung franzö- 
sischer Banken. 

Verbesserung der Häfen, Verkehrsmittel etc. 

Am 17. Dezember 1904 erfolgt eine ernstliche Trübung 
der marokkanisch-französischen Beziehungen. Der Makhzen 
lässt die französische Regierung wissen, es sei aus „Sparsam- 
keitsrücksichten" entschlossen, die fremden Instruktoren in 
Tanger und Rabat innert einem Monat zu entlassen. 

In Frankreich ist man empört über das brüske Vor- 
gehen des Sultans. 

Frankreich antwortet mit einer scharfen Note: 

Für den Fall, dass der Makhzen auf seinem Entschlüsse 
beharren sollte, sofortiger Rückzug der militärischen Mission 
Frankreichs aus Tanger, sofortige Abberufung des fran- 
zösischen Vizekonsuls und der französischen Staatsange- 
hörigen aus Marokko. 

Der Sultan zieht seinen Entschluss zurück in einer 
Note vom 30. Dezember 1904. Er erklärt sich bereit, die 
französischen Ratschläge und Reformen anzunehmen und 
alle Schritte rückgängig zu machen, welche die bis anhin 
guten marokkanisch - französischen Beziehungen trüben 
könnten. 

In einer Unterredung des französischen Gesandten mit 
dem Sultan vom 15. Februar 1905 erklärt dieser, dass der 
grösste Teil der vorgeschlagenen Reformen annehmbar und 
in nächster Zeit ausführbar sei. Einige freilich dürften 
auf etwelche Schwierigkeiten stossen. 

Die französisch-marokkanischen Verhandlungen nehmen 
von Neuem eine Wendung zum Schlimmen. In Frankreich 
vermutet man starken deutschen Einfluss. 

Die deutschen Kolonialen und die Alldeutschen haben 
inzwischen durch Versammlungen und durch die Presse 
Stimmung: für eine politische Einmischung in Marokko ge- 



— 13 — 

macht. Sie verlangen, falls der Status quo in Marokko 
durch Frankreich geändert werden sollte, als Kompensation 
für Deutschland zum Mindesten gleich grosse Gebietsteile 
wie Frankreich (auf der Atlantischen Seite mit event. 
Flottenstützpunkt). 

In Frankreich ist man skeptisch Deutschland gegen- 
über, man befürchtet politische Einmischung seitens dieser 
Macht. 

„Je ne pense point que Ton doive s'attacher trop 
strictement ä ces declarations, si Ton veut rechercher l'orien- 
tation de la politique allemande au Maroc", bemerkt der 
französische Botschafter in Berlin bezüglich der Aeusse- 
rungen Bülows, wonach Deutschland nur ,, wirtschaftliche" 
Interessen in Marokko zu verfolgen habe. 

Dann führt der französische Gesandte weiter aus: 

„J'incline ä penser que, l'empereur imprimera a sa 
politique plus d'activite et de hardiesse. II tentera donc, 
j'imagine, d'intervenir dans la reglement de la question 
marocaine, soit indirectement, en influengant les disposi- 
tions de l'Espagne, soit directement en demandant pour 
le commerce allemand le traitement accorde ä celui de 
l'Angleterre." 

In Deutschland fühlt man sich umgangen und beiseite 
geschoben, da über deutsche Rechte in Marokko verhandelt 
werde, ohne Deutschland befragt zu haben. Man fühlt sich 
verletzt, dass das englisch-französische Abkommen nicht 
,, offiziell'* zur Mitteilung gelangte. 

Man wittert, wie schon früher bemerkt, hinter dem Vor- 
gehen Frankreichs mehr als die blosse Einführung von 
Reformen. Bestärkt wurde der Verdacht durch einige 
Pariser Blätter, die für den Gedanken Stimmung machten, 
Marokko in gleiches Verhältnis wie Tunis zu bringen. 

Diese Misstimmung findet ihren Ausdruck in einem 
Erlass des deutschen Reichskanzlers an den deutschen Bot- 
schafter in London: 



— 14 - 

„. . . wir waren daher berechtigt anzunehmen, dass, 
falls im Laufe der Zeit Neuerungen eingeführt werden 
sollten, welche geeignet wären, die Interessen der Fremden 
zu berühren, Deutschland zu denjenigen Staaten gehören 
würde, mit welchen man deswegen in Verhandlung treten 
werde." 

Und am 11. Februar 1905 bemerkt der deutsche Ge- 
sandte in Tanger dem französischen Gesandten gegenüber 
auf unzweideutige Weise: 

,, Apres Taccord franco-anglais, nous supposions que le 
Gouvernement frangais attendrait, pour nous mettre au cou- 
rant d'une Situation nouvelle, que l'entente franco-espagnols, 
prevue dans Tarrangement du 8 avril, fut effectuee. Mais 
aujourd'hui tout etant definitivement conclu et les rati- 
fications parlementaires etant intervenues, nous nous sommes 
aperguK qu'on nous tenait ä l'ecart systematiquement. Nous 
avons donc fixe notre attitude en consequence. N'allez 
pas croire que je me sois trace une ligne de conduite de 
ma propre initiative. En presence des interpretations con- 
tradictoires de nos journaux, j'ai cru devoir solliciter de 
mon Gouvernement des instructions formelles. Et c'est 
alors que le Comte de Bulow m'a fait savoir que le Gou- 
vernement Imperial ignorait tout les accords intervenus 
au sujet du Maroc et ne se reconnaissait comme lie en 
aucune maniere relativement ä cette question." 

Am 31. März 1905 erfolgt der Besuch des deutschen 
Kaisers in Tanger. Die Rede des deutschen Kaisers lässt 
über die Richtung der deutschen Politik keinen Zweifel 
mehr: 

,, C'est au Sultan en sa qualite de souverain inde- 
pendant, que je fais aujourd'hui ma visite. J'espere que 
sous la souverainete du Sultan, un Maroc libre restera 
ouvert ä la concurrence pacifique de toutes les nations, 
Sans monopole et sans annexion, sur le pied d'une egalite 
absolue. Ma visite a Tanger a eu pour but de faire savoir 



15 



que je suis decide ä faire tout ce qui est en mon pouvoir 
pour sauvegarder efficacement les interets de TAllsmagne 
au Maroc, puisque je considere le Sultan comme souverain 
absolument libre. C'est avec lui que je veux m'entendre 
sur les moyens propres ä sauvegarder ces interets. Quant 
aux reformes que le Sultan a l'intention de faire, il me 
semble qu'il faut proceder avec beaucoup de precaution, en 
tenant compte des sentiments religieux de la population 
pour que l'ordre public ne soit pas trouble." 

Ebenso deutlich äussert sich der deutsche Reichs- 
kanzler in einem Erlass vom 11. April 1905 an den deutschen 
Botschafter in London: 

„Wir stehen auf dem Standpunkte, dass diesem fran- 
zösischen Vorhaben die völkerrechtliche Grundlage fehle, 
und dass dadurch die Interessen aller derjenigen Staaten 
beeinträchtigt werden, welche bei den früheren marokka- 
nischen Konferenzen mitberaten haben und jetzt nicht von 
Frankreich gefragt worden sind." 

Bezüglich des Zeitpunktes des Eingreifens Deutsch- 
lands in die marokkanische Angelegenheit äussert er sich 
weiter: 

„ wir traten aus der Beobachterrolle nicht 

heraus bis zu dem Augenblicke, wo die marokkanische Re- 
gierung unseren Vertreter in Tanger fragen Hess, ob wirk- 
lich der französische Gesandte, wie er das vor dem Makhzen 
erklärt habe, Mandatar der europäischen Mächte sei." 

Der französische Gesandte in Tanger bestritt später, 
sich in dieser Weise geäussert zu haben. 

Delcasse versichert dem deutschen Botschafter in Paris 
am 14. April 1905 von Neuem und des Eingehenden die 
Aufrichtigkeit der französischen Absichten und bemerkt zum 
Schlüsse: 

,,Notre politique n'a pas varie, notre attitude est aussi 
nette que nos declarations." 



— 16 — 

In Frankreich wird man auf das Höchste verstimmt 
und misstrauisch gegen Deutschland. Es ist die Zeit der 
Niederlagen Russlands bei Mukden und man wittert aggres- 
sive Pläne Deutschlands. Die politische Lage spitzt sich 
zusehends zu. 

Der französische Botschafter in Berlin äussert sich 
seiner Regierung gegenüber: 

,,I1 me parait hors de doute que le Gouvernement 
Imperial a Tintention de profiter des circonstances pour 
donner satisfaction aux interets et ä l'amour-propre de 
l'Allemagne. Ces circonstances sont particulierement fa- 
vorables. Les revers et les troubles de la Russie ont accrue 
l'impatience des aspirations allemandes." 

Und die deutsche Presse glaubt feststellen zu können, 
dass durch die Niederlagen Russlands die Doppelallianz 
schwere Einbusse erlitten habe und dass für Frankreich 
auf lange Zeit wirksame militärische Hilfe Russlands aus- 
geschlossen sei. 

Anfang April 1905 tauchen die ersten Gerüchte in der 
deutschen Presse auf von der Regelung der marokkanischen 
P>age durch eine internationale Konferenz. 

Am 9. April 1905 äussert sich Delcasse dem fran- 
zösischen Gesandten in Tanger gegenüber: 

„J'ai tout Heu de croire qu'on a suggere ou que 
Ton va suggerer au Sultan l'idee de provoquer une Con- 
ference internationale pour regier la Question marocaine." 

Und dann fügt er gleich bezeichnend bei: 

„C'est demander au Sultan de se mettre lui-meme en 
tuteile.'' 

Am 12. April tritt die deutsche Regierung „offiziell" 
mit dem Projekte der Regelung der marokkanischen Frage 
durch eine Konferenz hervor. In einem Erlasse an die 
kaiserlichen Missionen heisst es: 



— 17 — 

„Da die deutsche Regierung nicht darnach strebt, durch 
eine Sonderabmachung Sondervorteile für sich zu erlangen, 
so betrachtet sie eine neue Konferenz der Vertragsstaaten 
als das gegebene Mittel zur friedlichen Lösung des ietzigen 
Interessenkonfliktes." 

Frankreich, als entschiedener Gegner der Konferenz, 
macht grössere Anstrengungen, um den Sultan zur An- 
nahme der französischen Reformen zu bewegen. Anfangs 
Mai 1905 geht eine scharfe französische Note an den 
Sultan ab, mit der kategorischen Erklärung, es könne keine 
Zwischenmacht zwischen Frankreich und Marokko geben. 

„II ne peut pas y avoir de Puissances intermediaires 
entre le Gouvernements frangais et le Gouvernement ma- 
rocain qu'il n'y a de pays intermediaire entre le Maroc 
et la France algerienne. Seule la France est limitrophe du 
Maroc. Le Makhzen connait les obligations qui decoulent 
pour lui de ce voisinage et qu'il n'a pas remplies. II 
ne peut davantage nier les griefs qu'il nous a fournis 
et que, soit impuissance, soit mauvaise volonte, 11 nous 
fournit tous les jours." 

Am 27. Mai 1905 erfolgte die endgültige Ablehnung der 
französischen Reformvorschläge durch den Sultan. In der 
diesbezüglichen Note heisst es: 

„Le Sultan n'ignore pas le voisinage de TAlgerie et 
qu'il n'a cesse d'entretenir de bons rapports avec le Gou- 
vernement franQais, d'avoii* confiance en lui et de respecter 
les droits de voisinage. — Seulement, lorsqu'il a soumis 
aux notables de ce pays ce qui a eu lieu avec vous, ils 
m'ont demande de ne consentir ä aucune reforme militaire 
ou autre dans ce pays, par une seule d'entre les Puissances 
etrangeres, si ce n'est apres la reunion d'une Conference 
internationale ä Tanger ä laquelle prendraient part les 
Ministres des Puissances signataires de la Convention de 
Madrid et les delegues du Makhzen, qui seraient charges 



— 18 — 

de negocier la fagon dont auraient lieu les reformes 
necessitees par la Situation et de donner ä cet effet leurs 
avis de maniere ä satisfaire ä l'opinion publique. 

Le Sultan ne peut etre en Opposition avec le peuple, 
car celui-ci a le droit de ne pas se desinteresser d'une 
question de la plus haute importance." 

Dann kommt die Note auf die Konferenz zu sprechen: 

„En consequence, un ordre cherifien a prescrit au 
representant du Sultan ä Tanger de demander aux Puis- 
sances, par Tintermediaire de leurs Ministres, la reunion 
d'une Conference ä Tanger entre ces Ministres et les de- 
legues du Makhzen, afin de traiter sur les Propositions 
faites par le Makhzen en ce qui concerne les reformes 
appropriees ä la Situation presente de t'Empire." 

Schon am 4. Juni lässt der Makhzen eine Zirkularnote 
bezüglich der Teilnahme an der Konferenz an die Mächte 
abgehen. 

Wie konnte der Makhzen es wagen, Frankreich so 
entschieden entgegen zu treten? 

Die Haltung des Sultans kann nur durch die Stellung- 
nahme Deutschlands erklärt werden, das gänzlich hinter 
Marokko stand. Dies bestätigt auch die unzweideutige, 
am Schlüsse fast drohende Aeusserung des deutschen Bot- 
schafters in Paris in einem Gespräch mit dem französischen 
Ministerpräsidenten: 

,,Nous avons promis au Sultan, de maintenir son in- 
dependance, de meme nous lui avons dit que les reformes 
devraient etre reglees par voie de Conference internationale. 

Si eile n'a pas lieu, c'est le status quo et il faut 
que vous sachiez que nous sommes derriere le Maroc." 

Frankreich stand nun vor der prinzipiellen Ent- 
scheidung. Sollte es seine bisherige Politik opfern und 
seine Aspirationen auf Marokko aufgeben und sich dem 
Schiedsspruch der Mächte unterstellen? Sollte es die Re- 



— 19 - 

formen allein durchführen gemäss seinem bisherigen Stand- 
punkt, oder sollte es das Reformwerk den Beschlüssen 
der Signaturmächte der Madrider Konvention unterbreiten 
und damit seine Hoffnungen zerstört und vielleicht für 
immer vereitelt sehen? 

Die endgültige Entscheidung wurde der französischen 
Regierung sehr schwer. Delcasse, der auf starke mili- 
tärische Unterstützung seitens England baute, trat mit 
Entschiedenheit für Festhalten an der bisherigen Politik 
ein. Die Mehrheit der französischen Regierung, die v^or 
einem kriegerischen Konflikte zurückschreckte, entschloss 
sich jedoch zum Einlenken. Es erfolgte der Rücktritt 
Delcasses. 

Für Frankreich hält es schwer, sich zur Konferenz 
zu entschliessen. Ministerpräsident Rouvier äussert sich 
in einem Gespräch am 11. Juni 1905 zum deutschen Bot- 
schafter in Paris: 

,,Je vous ai toujours declare que je n'inclinais pas 
ä ridee d'une Conference. La reflexion n'a pas modifie mon 
opinion. 

jS'Ous ne pouvons cependant accepter de nous rendre 
ä une Conference oü toutes nos propositions seraient com- 
battues par vous." 

Doch lässt Rouvier durchblicken, dass Frankreich die 
Konferenz event. annehmen würde, unter der Bedingung 
einer vorherigen prinzipiellen Verständigung zwischen 
Deutschland und Frankreich. 

„Admettons pour un instant que nous en acceptions 
le principe. On ne saurait envisager cette idee qu'ä la con- 
dition de prevoir un accord prealable entre nous." 

In den deutschen Noten vom 12. und 16. Juni 1905 
an die französische Regierung erklärt Deutschland, mit 
Frankreich erst in Unterhandlung einzutreten, nachdem die 
französische Regierung die Einladung zur Konferenz in for- 
meller Weise angenommen haben werde. 



— 20 — 

Es setzt nun ein lebhafter Notenwechsel zwischen der 
deutschen und französischen Regierung ein, wobei die 
deutsche Regierung auf die Dringlichkeit der Konferenz 
und die Dringlichkeit der Sanktion der Reformen durch die 
Signaturmächte der Madrider Konvention von 1880 hinweist, 
während Frankreich den Wert der Konferenz bezweifelt und 
die deutsche Regierung immer wieder von den unzwei- 
deutigen Absichten Frankreichs in Marokko zu überzeugen 
sucht. 

Frankreich steht unter dem Eindruck der doppelten 
Erwägung, dass die Konferenz gefährlich sein könnte, wenn 
ihr nicht eine Verständigung vorausgehe, und dass sie 
unnötig wäre, wenn sie einer solchen folge, aber es lehnt 
die Konferenz nicht von vorneherein ab. (Französische Note 
vom. 21. Juni 1905.) 

Und in der gleichen Note heisst es weiter: 

,, Unsere Vorschläge an die Scherifische Regierung be- 
rücksichtigen und gewährleisten die Grundsätze und Inter- 
essen, welche den Gegenstand der Besorgnis der kaiserlichen 
Regierung bilden. Es kann weder die Souveränität des 
Sultans, noch die Unverletzlichkeit seines Gebietes, noch die 
Stellung der Mächte, so wie sie sich aus den Verträgen 
ergibt, geändert werden." 

Deutschland vertritt den Standpunkt, dass das Heer- 
wesen und die Polizei international zu ordnen sei mit Aus- 
nahme der algerisch-marokkanischen Grenzgebiete, wo die 
Regelung Frankreich und Marokko allein zustehe, gemäss 
früheren Verträgen. 

Ebenso soll die Finanzreform international gestaltet 
werden. 

„Nimmt aber Frankreich, wie es beabsichtigt, die 
Lösung dieser Aufgaben allein in die Hand, so ist zu be- 
sorgen, dass es durch die Macht der Verhältnisse dahin 
geführt werden könnte, mehr und mehr die Leitung der 
Regierungsgewalt zu übernehmen und dadurch allmählich 



— 21 — 

zu der, nach seinen eigenen Ausführungen nicht erstrebten 
Stellung in Marokko zu gelangen." (Deutsche Note vom 
25. Juni 1905.) 

Deutschland anerkennt die Sonderstellung Frankreichs 
unter den Signaturmächten, bedingt durch die grosse marok- 
kanisch-algerische Grenze (1200 km), es betont aber, dass 
diese Sonderstellung die anderen Mächte von der Teilnahme 
am Reformwerk nicht ausschliesse. 

Bülow versichert dem französischen Botschafter, dass 
nicht die geringste Erniedrigung (moindre humiliation) 
Frankreichs an der Konferenz beabsichtigt sei. 

In Frankreich ist man noch immer sehr skeptisch gegen 
die Konferenz. 

So bemerkt der österreichische Botschafter in Paris 
bezüglich einer Unterredung mit dem französischen Minister- 
präsidenten Rouvier: 

„Je trouvai le Ministre toujours tres sceptique au 
sujet de l'opportunite de la Conference qu'il considerait 
pour le moins comme inutile, sinon meme dangereuse." 

Am 12. Juni 1905 gibt Oesterreich seine Zustimmung 
zur Konferenz, unter Voraussetzung, dass alle Signatur- 
mächte der Madrider Konvention die Konferenz in Aus- 
sicht stellen. Es ist mit der Uebertragung des Mandates 
an eine oder zwei Mächte eventuell einverstanden, unter 
Wahrung seiner auf Meistbegünstigung beruhenden Rechte. 

Die englische Regierung lehnt die Konferenz ab und 
unterstützt die französische Regierung auf das Nachdrück- 
lichste gegen die deutsche Forderung. 

In der zweiten Hälfte Juni macht sich jedoch in Eng- 
land ein merkliches Einlenken zu Gunsten der Konferenz 
bemerkbar; Oesterreich scheint sich stark darum bemüht 
zu haben. 

Am 8. Juli 1905 endlich, nach gegenseitiger schriftlicher 
Zusicherung, deutscherseits, dass man auf der Konferenz 
keine Ziele verfolgen werde, welche mit den berechtigten 



— 22 — 

Interessen und Rechten Frankreichs in Marokko in Wider- 
spruch stünden, und französischerseits, dass man den Wider- 
stand gegen die Konferenz aufgeben und sie annehmen 
wolle, erfolgt folgende prinzipielle Einigung über das 
Programm der Konferenz: 

Souveränität und Unabhängigkeit des Sultans; Integrität 
seines Reiches. 

Wirtschaftliche Freiheit ohne jede Ungleichheit. 

Nützlichkeit von polizeilichen und finanziellen Reformen, 
deren Einführung für kurze Zeit auf Grand internationaler 
Vereinbarung geregelt werden soll. 

Anerkennung der Lage, die für Frankreich in Marokko 
geschaffen wird durch die lang ausgedehnte Grenzberührung 
zwischen Algerien und dem Scherifischen Reiche, durch 
die sich hieraus für die beiden Nachbarländer ergebenden 
eigenartigen Beziehungen, sowie durch das hieraus für 
Frankreich folgende besondere Interesse daran, dass im 
Scherifischen Reiche Ordnung herrsche. 

Frankreich stellt nun ejn ,,p r o j e t de p r o g r a m m e" 
auf, weiches am 1. August der deutschen Regierung über- 
mittelt wird: 

I. Organisation de la police hors de la region frontiere, 
c'est-ä-dire hors des districts oü eile est reglee par un 
accord franco-morocain. 

Creation de corps de troupe marocains pour la police 
ä Tanger, Larache, Rabat et Casablanca. 

Surveillance et repression de la contrebande des armes 
par mer. 

IL Reforme financiere. Concours financier donne au 
Makhzen par la creation d'une banque d'Etat avec privilege 
d'emmission, se chargeant des Operations de tresorerie, 
s'entremettant pour la frappe de la monnaie, dont les 
benefices appartiendraient au Makhzen. 

La banque d'Etat procederait ä l'assainissement de la 
Situation nionetaire. 



23 



Les credits ouverts au Makhzen seraient employes ä 
requipement et ä la solde des troupes de police et ä 
certains travaux public urgents, notamment ä ramelioration 
des ports et de leur outillage. 

III. Engagement par le Makhzen de n'aliener aucun des 
Services publics au profit d'interets particuliers. 

Principe de Tadjudication sans exception de nationalite, 
pour les travaux publics. 

Dieses projet de Programme wird deutscherseits günstig 
aufgenommen. 

„Diese Prüfung hat zur lebhaften Befriedigung der 
kaiserlichen Regierung ergeben, dass die Vorschläge ihrem 
Umfange wie ihrem Inhalte nach im allgemeinen als eine an- 
nehmbare Grundlage für die Beratung der Konferenz an- 
gesehen werden können." (Deutsche Antwortnote vom 26. 
August 1905.) 

Bezüglich der einzelnen Punkte wünscht Deutschland 
folgende Modifikationen oder genauere Präzisierung: 

Wahl der Polizeistädte durch die Konferenz. 

Eventuelle Sanktionierung' der Grenzpolizei durch die 
Konferenz. 

Regelung der Contrebande zu Wasser und zu Lande. 

Bessere Ausnützung der bisherigen, und Schaffung neuer 
Einnahmequellen. 

Internationale Gestaltung der Staatsbank, sowohl in 
der Leitung als der Beteiligung am Kapital. 

Am 28. September 1905 erfolgte die endgültige Eini- 
gung zwischen Deutschland und Frankreich bezüglich des 
Programmentwurfes, und dieser ward in folgender -Fassung 
dem Sultan für die Marokkokonferenz vorgeschlagen: 

Programmentwurf: 
I. 1. International zu vereinbarende Einrichtung der Po- 
lizei ausserhalb des Grenzgebietes, 



— 24 — 

2. Reglement zur Ordnung der U e b e r w a c h u n g 
und Unterdrückung des Waffenschmug- 
gels. — Im Grenzgebiet soll die Anwendung dieses 
Reglements ausschliesslich Sache Frankreichs und Ma- 
rokkos bleiben. 
II. Die F i n a n z r e f r m. Finanzielle Unterstützung des 
Makhzen durch die Errichtung einer mit Emissions- 
recht ausgestatteten Staatsbank, welche die Auf- 
gaben des Schatzwesens zu besorgen und die Münz- 
prägung zu vermitteln hat, deren Erträge dem Makhzen 
zufallen. 

Die Staatsbank wird die Gesundung der Münzver- 
hältnisse zu betreiben haben. 

Die dem Makhzen eröffneten Kredite werden zur 
Ausrüstung und Besoldung der Polizeitruppen und zu 
gewissen dringenden öffentlichen Arbeiten, besonders 
zur Verbesserung der Häfen und ihrer Anlagen zu 
verwenden sein. 

III. Prüfung der Frage eines besseren Ertrages der 
Steuern und der Erschliessung neuer Einkünfte. 

IV. Verpflichtung des Makhzen, keinen Zweig des öffent- 
lichen Dienstes zum Vorteil von Sonderinteressen 
aus der Hand zu geben. 

Grundsatz der Vergebung der öffentlichen 

Arbeiten im Wege des Zuschlags ohne Ansehen der 

Staatsangehörigkeit. 

Am 25. Oktober 1905 ist die französische Regierung 
in der Lage, den Mächten mitteilen zu können, dass der 
Sultan den Programmentwurf für die Konferenz im allge- 
meinen angenommen habe. 

Vom Sultan wird zunächst Tanger als Konferenzort 
vorgeschlagen, doch einigt man sich später auf Algesiras 
in Spanien. 

Der Termin für Eröffnung der Sitzungen wird auf den 
IG. Januar 190(j festgesetzt. 



B. 
Verhandlungen der Konferenz. 



An der Konferenz beteiligten sich folgende Staaten 
mit folgenden Delegierten: 
DEUTSCHLAND: 

Radowitz, deutscher Botschafter in Madrid; 
Graf Tattenbach, ausserordentlicher Gesandter 
und bevollmächtigter Minister Deutschlands in 
Lissabon. 
OESTERREICH-UNGARN : 

Graf Rud. von Welsersheimb, österreichischer Bot- 
schafter in Madrid; 
Gral Bolesta-Koziebrodski, ausserordentlicher 
Gesandter und bevollmächtigter Minister Oester- 
reichs in Tanger. 
FRANKREICH: 

Revoil, französischer Botschafter in Bern; 
R e g n a u 1 1 , bevollmächtigter Gesandter. 
ENGLAND: 

Sir Arthur N i c o 1 s o n , englischer Botschafter in 
Petersburg. 
RÜSSLAND: 

Graf Arthur Cassini, russischer Botschafter in 

Madrid; 
Bacher acht, russischer Gesandter in Tanger. 
SPANIEN: 

Herzog von Almodovar del Rio, Staatsminister; 



— 26 — 

Perez -Caballero, ausserordentlicher Gesandter 
und bevollmächtigter Minister Spaniens in Brüssel. 

ITALIEN: 

Marquis Visconti-Venosta, früherer Minister der 

auswärtigen Angelegenheiten; 
M a 1 m u s i , ausserordentlicher Gesandter und bevoll- 
mächtigter Minister Italiens in Tanger. 

VEREINIGTE STAATEN VON NORDAMERIKA: 

Henry White, Botschafter der Vereinigten Staaten 

in Italien; 
S a m u e 1 R. G u m m e r e , ausserordentlicher Gesandter 

und bevollmächtigter Minister der Vereinigten 

Staaten in Tanger, 

PORTUGAL: 

Graf von T o v a r , ausserordentlicher Gesandter und 

bevollmächtigter Minister Portugals in Madrid; 
Graf von Martens Ferrao, ausserordentlicher Ge- 
sandter und bevollmächtigter Minister Portugals 
in Tanger. 

BELGIEN: 

Baron Joostens, ausserordentlicher Gesandter und 

bevollmächtigter Minister Belgiens in Madrid; 
Graf BuisseretSteenbecquedeBlarenghien, 
aussei ordentlicher Gesandter und bevollmächtigter 
Minister Belgiens in Tanger. 

HOLLAND: 

Jonkheer H. Testa, ausserordentlicher Gesandter und 
bevollmächtigter Minister Hollands in Madrid. 

SCHWEDEN: 

Robert S a g e r , ausserordentlicher Gesandter und 
bevollmächtigter Minister Schwedens in Madrid, 



— 27 — 

MAROKKO: 

El Hadj Mohammed Ben el Arbi Ettorres, 

cherifischer Delegierter; 
El Handj Mohammed Ben Abdesselam el 

M k r i , Finanzminister ; 
El Hadj Mohammed es S e f f a r ; 
Si Abderraham Bennis. 

Die Konferenz versammelt sich in offiziellen und 
in Komitee- Sitzungen. 

Die Komiteesitzungen hatten die prinzipiellen Stand- 
punkte, in den zu behandelnden Gegenständen, festzustellen. 

Das Compte rendu der Komiteesitzungen wird von 
einem Sekretariat redigiert. 

Ein Redaktionskomitee besorgt die Formulierung 
der aus den Komiteesitzungen resultierenden Ergebnisse. 

Dem Redaktionskomitee gehören an: 

Perez-Caballeroz (Spanien); 

Tattenbach (Deutschland); 

Malmusi (Italien) ; 
"■ Regnauld (Frankreich); 

Si el Mokri (Marokko). 

Die Polizeireform und die Bankfrage bilden die Haupt- 
traktanden der Konferenz. Diese Fragen haben weittragen- 
den politischen Charakter und die Hauptverhandlungen w^er- 
den sich deshalb mit diesen beiden Gegenständen befassen. 

Die anderen Reformen sind mehr administrativer 
Natur und geben daher weniger Veranlassung zu politischen 
Differenzen. 

Die Polizei bietet die nötige Garantie für die Sicher- 
heit des Landes und bietet dem Inhaber des Mandates 
Gelegenheit, seinen Einfluss zur Geltung zu bringen, „de 
donner le conseil ä Fez", wie sich ein französischer Minister 
später ausdrückte. Deshalb werden Frankreich und Spanien 



— 28 — 

nichts unversucht lassen, die Polizei in ihre Hände zu be- 
kommen. 

In der Bankfrage wird Frankreich versuchen, einen 
möglichst grossen Anteil zu erhalten und durch das Ueber- 
gewicht seiner Stimmen einen massgebenden Einfluss aus- 
üben zu können. 

Deutschland anderseits wird die Internationalität ver- 
treten und alle Mächte in möglichst gleicher Weise beteiligt 
haben wollen. Es wird für die offene Türe eintreten und 
den Sonderinteressen steuern. 



I. Polizei-Frage. 



Die Konferenz behandelt nur die Polizeiorganisation 
in den marokkanischen Häfen, in den übrigen Teilen 
Marokkos mischt sich die Konferenz nicht ein. 

Zu Beginn der 10, Komiteesitzung vom 5. März 1906 
reichen Deutschland und Frankreich je eine Deklaration, 
Russiand und Spanien je ein Expose ein, worin die relativen 
prinzipiellen Standpunkte in der Polizeifrage festgestellt 
werden. 

I. Deklaration Deutschlands. 

1. Der Sultan hat — in Ausübung seiner Souveränität — 
die nötigen Massnahmen zur Sicherung fremder Per- 
sonen und ihres Eigentums zu übernehmen. 

2. Die Signaturmächte unterstützen ihn durch die Organi- 
sation einer Polizeitruppe. 

3. Die Signaturmächte sind in gleicher Weise interessiert 
und nehmen in gleicher Weise teil. 

„Les puissances signataires etant egalement interessees 
ä cette Organisation, devront etre appelees ä y prendre 
part.** 



— 29 — 

II. Deklaration Frankreichs. 

1. Souveränität des Sultans. 

,,La France n'a jamais congu une Organisation de police, 
qui ne respectät pas Tindependance et la Souverainete 
du Sultan.'^ 

2. Das Polizeikorps wird unter cherifische Autorität ge- 
stellt. 

Frankreich und Spanien leihen dem Sultan ihre 
Hilfe. 

„Si nous nous plagons au point de vue pratique, on 
reconnaitra que la France et avec eile l'Espagne, sont seules 
aptes ä fournir cette aide avec promptitude et efficacite. 
Elles seules peuvent mettre sans delai, au service du 
Makhzen, des ihstructeurs parlant la langue et connaissant 
les moeurs du pays, ayant dejä l'experience des troupes 
indigenes semblables ä Celles qu'on veut creer. Elles seules 
sont en etat de fournir, avec les officiers necessaires, les 
sous-officiers musulmans." 

„L'internationalisation de la police n'ajouterait aucune 
garantie et aurait les plus grands inconvenients pratiques." 

Frankreich beruft sich im ferneren auf sein Abkommen 
mit England vom 8. Juli 1904, wonach die Ausübung der 
Polizei ausschliesslich Frankreich und Spanien zugesprochen 
wird. 

Die Wahl der Offiziere wird der Genehmigung des 
Sultans unterbreitet. 

,,La designation de ces officiers doit etre soumise ä 
Tagrement du Sultan, que les corps de police resteront 
places sous le commandement des autorites cherifiennes, 
que le role des officiers se bornera ä preter ä ces autorites 
les concours t^chniques pour l'exercice du commandement 
et le maintien de la discipline. Ils pourvoiront ä l'in- 
struction des troupes, surveilleront leur bonne administra- 
tion et controleront le payement regulier de la solde." 

3. Bestand: 2000—2500 Mann mit 16 Offizieren und 
32 Unteroffizieren. 



— 30 — 

III. Expose R u s s 1 a n d s. 

1. Aufrechterhaltung der Souveränität des Sultans. 

„ tout en sauvegardant la souverainete du 

Sultan.'' 

2. Uebertragung der Hilfeleistung bei der Polizeiorgani- 
sation an Frankreich und Spanien. 

„Cette autorite ne saurait, d'apres mon avis, etre 
representee que par la France et l'Espagne, seules en 
mesure, par leur position geographique de Puissances limi- 
trophes, et par les moyens dont elles disposent, d'assumer 
Sans aucun delai, pour une courte duree, tout en sauve- 
gardant la souverainete du Sultan par le maintien de 
son autorite effective, la täche de concourir \ l'organi- 
sation, dans certaines villes du liboral, de corps de troupes 
de police marocains. 

Pour presider et veiller ä l'organisation de cette troupe 
la France dispose, comme l'Espagne aussi, d'un excellent 
Instrument au moyen de cadres de sous-officiers algeriens 
ou rifains, musulmans de foi et de race. Des officiers 
francais et espagnols seraint designes pour inaugurer ce 
Service d'instruction." 

Russland vertritt die Ansicht Frankreichs, dass die 
Internationalisierung der Polizei keiaen Erfolg habe. 

„La sterilite des efforts tentes par des officiers 
etrangers au Service du Sultan est surabondamment prouvee 
par vingt annees de travaux qui n'ont pas reussi ä former 
une troupe tant soit peu utile et disciplinee ä la maniere 
europeenne." 

Russland begründet im ferneren seine Ansicht mit den 
schlechten Erfahrungen des „Conseil internationale Sani- 
taire" in Tanger. 

IV. Expose Spaniens. 

1. Unverletzlichkeit der Unabhängigkeit des Sultans. 

,,11 ne s'est jamais agi de substituer ä l'autorite et ä 
l'administration cherifienne, une autre autorite et une autre 
administration." 



— 31 — 

2. Uebertragung der Hilfeleistung bei der Polizeiorgani- 
sation an Frankreich und Spanien. 
Spanien sucht darzulegen, dass die Uebertragung der 
Polizeiorganisation an Frankreich und Spanien keine Be- 
einträchtigung der wirtschaftlichen Interessen („liberte 
economique) der andern Mächte zur Folge habe. 

Spanien macht auf die besondere Stellung Frankreichs 
und Spaniens gegenüber Marokko aufmerksam. 

,,■ . . mais il ne faut pas oublier que TEspagne et la 
France ont au Maroc d'autres interets en dehors de l'inte- 
ret economique. J'insisterai seulement sur les rapports de 
voisinage." 

Aus diesen Deklarationen und Exposes geht mit Deut- 
lichkeil hervor, dass Frankreich, Russland und Spanien in 
der Hauptfrage übereinstimmen: 

Uebertragung der Hilfeleistung bei der Organisation 
der Polizei an Frankreich und Spanien. 

England schliesst sich dieser Lösung der Polizeireform 
vollständig an mit der ausdrücklichen Betonung, dass dies 
die einzig mögliche Lösung sei. Portugal schliesst sich 
ebenfalk- an. 

Die Souveränität des Sultans wird von allen Mächten 
anerkannt. Die diesbezügliche Bestimmung kommt in Art. 2 
der Generalakte zum Ausdruck. 

Art. 2 der Generalakte. 
„La Police sera placee sous l'autorite souveraine 
de Sa Majeste le Sultan. Elle sera recrutee par le Makhzen 
parmi les musulmans marocains, commandee par des Caids 
marocains et repartie dans les huit ports ouverts au com- 
merce.'' 

Deutschland sieht sich der geschlossenen Mächte- 
gruppe Frankreich, Russland, England, Spanien, Portugal 
gegenüber gezwungen, nachzugeben und einzulenken. Es 
lässt seinen Anspruch auf Internationalität der Polizei 
fallen. 



— 32 — 

Damit ist eine der Hauptentscheidungen gefallen und 
zwar zu Gunsten Frankreichs (11, Kom.-Sitz. 8. März 1906). 

Radowitz (Deutschland) bemerkt zu dem Aufgeben der 
deutschen Position: 

„Si par cette adhesion nous renongons ä une partie- 
essentielle des demandes que nous avions jusqu'ici main- 
tenues relativement ä la question de la police mai'ocaine, 
nous le faisons uniquement dans l'espoir d'amener ainsl 
un accord general." 

In der Deklaration vom 8. März, 11. Kom.-Sitz., an- 
erkennt Deutschland, Franki*eich und Spanien als die 
alleinigen Inhaber der marokkanischen Polizei unter der 
Bedingung genügender Garantien seitens Frankreich und 
Spanien. Es verlangt vor allem eine internationale Ober- 
aufsicht. 

Deutschland fordert diese Garantien in der Befürchtung, 
da SS durch Ausübung der Polizeigewalt durch einzelne 
Mächte für diese eine Sonderstellung in Marokko erwachsen 
könnte, welche die wirtschaftlichen Interessen der übrigen 
Mächte beeinträchtigen könnte. 

„Nous apprecions les raisons qui recommandent d'avoir 
recours, pour une participation efficace dans cette Organi- 
sation, ä des officiers choisis en France et en Espagne. 
Mais nous ne saurions admettre qu'une pareille Cooperation 
füt limitee ä ces deux nations, sans autre controle ni 
garantie de surveillance internationale. 

L'excercice de la seule force reelle capable de maintenir 
l'ordre et de garantir la securite publique donnerait aux 
deux Puissances qui en auraient le privilege exclusif une 
Position exceptionelle, laquelle se ferait sentir sur le terrain 
des interets materiels. II serait, en effet, ä prevoir que 
le Maroc tomberait dans une dependance de ces deux 
Etats dont resulterait une inegalite de Situation inaccep- 
table pour les autres nations. Les interets de l'Europe 
au Maroc demandent des garanties plus fortes." 

Deutschland verlangt strikte Innehaltung des Prinzips 
der offenen Türe. 



— 33 — 

„Nous demandons pour l'organisation de la police ma- 
rocaine une Cooperation etrangere qui assure ä toutes les 
nations interessees legalite du traitement economique et 
la politique de la porte ouverte." 

Frankreich reicht in der gleichen Sitzung vom 8. März 
ein Polizeiorganisationsprojekt ein. 

Französisches Projekt: 
Frankreich und Spanien stellen dem Sultan für die 

Organisation der Polizei die nötigen Instruktionsoffiziere 

und Unteroffiziere zur Verfügung. Die Ernennung bedarf 

der Genehmigung des Sultans. 

Die Instruktoren sind für die Dauer von drei Jahren 

engagiert. 

Aufgabe der Instruktoren: 

1. Instruktion der Poiizeitruppe. 

2. Aufrechterhaltung der Disziplin. 

3. Ueberwachung der A^rwaltung der Polizei. 

4. Kontrolle der regelmässigen Soldzahlung der Polizei. 

5. Technische Hilfeleistung für die oberste Polizeileitung. 
Bestand: 2000—2500 Mann Maximum, mit 16 Offizieren 

und 32 Unteroffizieren. 

Verteilung in Gruppen von 150 — 500 Mann, je nach der 
Wichtigkeit der Häfen. 

Die Staatsbank schiesst dem marokkanischen Fiskus 
die nötigen Gelder vor für den Unterhalt und die Soldzahlung 
der marokkanischen Polizeitruppe. 

Der französische Vertreter versichert, dass die fran- 
zösischen Vorschläge dem Prinzipe der wirtschaftlichen 
Gleichberechtigung der Mächte keinen Abbruch tun. 

Frankreich legt sehr grossen Wert auf die Ueber tragung 
der Instruktion an Frankreich und Spanien. Revoil (Frank- 
reich) erklärt, dass Frankreich zu weiteren wirtschaftlichen 
Garantien gerne bereit sei, falls die französische Nationali- 
tät angenommen werde. 



34 



Oesterreich sucht zu vermitteln (11. Kom.- 
Sitz. vom 8. März 1906). 

Der österreichische Abgeordnete reicht ebenfalls ein 
Projekt ein, 

Oesterr eichisches Projekt: 

1. Der Sultan besitzt das oberste Kommando der Polizei- 
truppe. 

2. Der Sultan ernennt die französischen Instruktions- 
offiziere für Tanger, Saffi, Rabat und Tetuan. 

3. Der Sultan ernennt die spanischen Instruktionsoffiziere 
für Mogador, Larasch und Mazagan. 

4. Der Sultan ernennt einen höheren Polizeioffizier schwei- 
zerischer oder holländischer Nationalität als Instruktor 
für die Polizeitruppe in Casablanca und zugleich als 
Generalinspektor über die sämtliche Polizei. 

5. Die Cadres der Polizeitruppe sind marokkanisch. 

G. Die Verwaltung und die Soldzahlung der Polizeitruppe 
geschieht durch europäische Angestellte. 

Die nötigen Fonds werden durch die Staatsbank zur 
Verfügung gestellt. 

7. Der Generalinspektor gibt Rechenschaft (rendra compte) 
an das diplomatische Korps in Tanger, welches die 
Ausführung der Polizeiorganisation zu kontrollieren hat. 

8. Diese Organisation wird unter ,,titre d'essaie" für die 
Dauer von fünf Jahren eingeführt. 

Die Cherifische Regierung reicht ebenfalls eine 
diesbezügliche Deklaration ein (12. Kom.-Sitz. 10. März). 

Cherifische Deklaration: 

1. Die Cherifische Regierung wünscht von der Konferenz 
nur Ratschläge für die Polizeiorganisation. 

2. Der Makhzen wählt nach freiem Ermessen unter den 
an der Konferenz beteiligten Mächten diejenige, welche 
er mit dem Polizeimandat beauftragen will. 



— 35 — 

3. Der Makhzen hat allein das Recht, den Instruktoren 
Order zu erteilen. 

4. Der Makhzen selbst hat sich mit den Instruktoren über 
die Bedingung und die Dauer ihres Dienstes, über die 
Behandlung und die Zahlung zu verständigen. 

5. Der Makhzen prüft selbst die „moyens propres'' der 
Polizeiorganisation. 

Trotzdem der Makhzen sich möglichste Selbständigkeit 
zu wahren sucht, verfügen die Mächte ganz nach ihrem 
Ermessen und beachten die Forderungen aes Sultans kaum. 

Caballeroz (Spanien) ist mit dem Vermittlungsvor- 
schlage Oesterreichs im Allgemeinen emverstanden, be- 
sonders bezüglich der Erteilung des Polizeimandates an 
Frankreich und Spanien. 

Was die Wahl der Offiziere betrifft, ist Spanien der 
Meinung, dass dieselbe nicht direkt durch den Sultan, son- 
dern durch die zuständigen Regierungen zu erfolgen habe 
mit der nachherigen Genehmigung des Sultans. 

In diesem Sinne wird die Bestimmung von der Kon- 
ferenz auch angenommen. 

Art. 3 der Generalakte. 

„Pour venir en aide au Sultan dans rorganisation 
de cette police, des officiers et sous-officiers instructeurs 
espagnols, des officiers et sous-officiers instructeurs fran- 
gais, seront mis ä sa disposition par leurs Gouvernements 
respectifs, qui soumettront lear designation ä l'agrement 
de Sa Majeste Cherifienne. Un contrat passe entre le 
Makhzen et les instructeurs, en conformite du reglement 
prevu ä l'article 4, determinera les conditions de leur 
eugagement et fixera leur solde. 

Les gouvernements auxquels ressortissent les instruc- 
teurs se reservent le droit de les rappeler et de les 
remplacer par d'autres, agrees et engages dans les memes 
conditions." 

England macht den Vorschlag, dem Generalinspektor 
das Kommando in Casablanca nicht zu übertragen, wie dies 



— 36 — 

Oesterreich vorsieht, sondern ihn einfach mit dem General- 
inspektorat zu betrauen. 

Als Sitz schlägt England Tanger vor (12. Kom.-Sitz. 
10. März 1906). 

Frankreich pflichtet den Anschauungen Englands voll- 
ständig bei. 

Frankreich und Spanien möchten keine dritte Macht an 
der Instruktion der Polizei beteiligt wissen. Ein Offizier 
schweizerischer oder holländischer Nationalität eigne s'ch 
überdies aus technischen Gründen nicht. 

Oesterreich erklärt sich einverstanden mit Frank- 
reich, Spanien und England und zieht seinen Antrag zurück 
(13. Sitz. 26. März 1906). 

Oesterreich schlägt das diplomatische Korps in Tanger 
für die Kontrolle der Polizei vor. 

Es beantragt folgenden Artikel: 

„Le controle du fonctionnement de la police sera exerce 
par le Corps Diplomatique ä Tanger. A cet effet, l'inspec- 
teur general lui pretera son concours.'' 

Deutschland erklärt sich mit Oesterreich einver- 
standen. Es legt das Hauptgewicht auf ausreichende Ga- 
rantien in Form der Generalinspektion und der Kontrolle 
über die Polizei. 

,,.... il est pret ä entrer dans l'examen des projets 
qui viseraient ä creer des garanties serieuses et efficaces 
tant pour le controle de la Police que pour le fonctionne- 
ment d'un Inspecteur general residant ä Tanger." 

Und etwas später in der gleichen Sitzung: 
„Si Ton a adopte le terrain nouveau de deliberation 
qui resulte des amendements presentes aujourd'hui par la 
Delegation d'Autriche-IIongrie, c'esl ä condition qu'en re- 
tour, l'inspection soit entouree des garanties tres serieuses. 
C'est pour la Delegation allemande un point capital; s'il ne 
pouvait pas etre regle conformement ä ces vues, il de- 
viendrait sans doute difficile de continuer utilement la 
discussion de l'organisation de la police." 



37 



Man einigt sich auf folgende Bestimmungen: 

Art. 8 der Generalakte. 

„Les rapports et Communications, faits au Makhzen 
par l'inspecteur general au sujet de sa mission, seront, 
en meme temps, remis en copie au Doyen du Corps 
Diplomatique ä Tanger, afin que le Corps Diplomatique 
soit mis ä meme de constater que la police cherifienne 
foiictionne conformement aux decisions prises par la Con- 
ference et de surveiller si eile garantit, d'une maniere 
efficace et conforme aux traites, la securite des personnes 
et des biens des ressortissants etrangers, ainsi que celle 
des transactions commerciales." 

Bezüglich der Nationalität des Generalinspektors treten 
England und Frankreich für den schweizerischen Kandidaten 
ein, da die Schweiz, als gänzlich uninteressiert in Marokko, 
vollständig neutral sei. 

Dieser Vorschlag wird angenommen. 

Art. 7 der Generalakte. 

„Le fonctionnement de la police sera pendant la 
meme periode de 5 annees, l'obiet d'une inspection generale 
qui sera confiee par Sa Majeste Cherifienne ä un officier 
superieur de l'armee suisse dont le choix sera propose ä 
Son agrement par le Gouvernement federal suisse. 

Cet officier prendra le titre d'Inspecteur general et 
aura sa residence ä Tanger. II inspectera, au moins une 
fois par an, les divers corps de police et, ä la suite de 
ces inspections, il etablira un rapport qu'il adressera au 
Makhzen. 

En dehors des rapports reguliers, il pourra, s'il le 
juge necessaire, etablir des rapports speciaux sur toute 
question concernant le fonctionnement de la police. 

Sans intervenir directement dans le commandement ou 
l'instruction, l'inspecteur general se rendra compte des 
resultats obtenus par la police cherifienne au point de 
vue du maintien de l'ordre et de la securite dans les 
localites oü cette police sera installee." 

Frankreich, England und Spanien erachten das General- 
inspektorat einer neutralen Macht als genügende Garantie, 
weitere Garantien erscheinen ihnen überflüssig. 



38 



Das diplomatische Korps soll seiner allgemeinen Mission 
überlassen bleiben. 

Revoil (Frankreich) bemerkt diesbezüglich: 

„II convient de laisser au Corps Diplomatique sa mission 
generale au Maroc. Les traites lui donnent des moyens 
assez etendus de preserver ses ressortissants et de garantir 
les interets particuliers. 

Que le Corps Diplomatique, que Tlnspecteur remplis- 
sent, d'une maniere generale, chacun de leur cote, le mandat 
qui leur est propre, les garanties que Ton veut elaborer 
n'en seront que mieux assurees." 

Revoil macht auf den wichtigen Faktor aufmerksam, 
dass sich die Aufgabe der französischen und spanischen 
Tnstruktoren auf die Instruktion beschränke, infolgedessen 
die Mission der Instruktoren wenig politische Bedeutung 
habe. 

,,Les instructeurs n'ont pas de commandement direct; 
ils ne devront jamais substituer leur autorite ä celle des 
fonctionnaires marocains dans l'exercice de la police. La 
seule autorite responsable ä cet egard, la seule ä laquelle 
on doive demander des comptes dans le cas echeant et 
par consequent, faire des representations, c'est le Makhzen." 

Oesterreich und Deutschland finden die Zeitdauer von 
drei Jahren für ungenügend für ein befriedigendes Ergebnis 
der Polizeiorganisation. Sie treten für fünf Jahre ein, mit 
der Modifikation, dass die Polizeiorganisation zu datieren 
sei von der Ratifikation der Generalakte der Konferenz. 

P'rankreich lenkt nach einigem Bedenken ein und nimmt 
diesen Vorschlag an. 

Lösung in Art. 4, AI. 1. 

Art. 4, AI. 1, der Generalakte. 

,,Ces officiers et sous-officiers preteront, pour une 
duree de cincj annees ä dater de la ratification de l'Acte 
de la Conference, leur concours ä l'organisation des corps 
de police cherifiens. Ils assureront l'instruction et la dis- 
cipline conformement au reglement qui sera etabli sur 
la matiere; ils devront surveiller Tadministration des troupes 



— 39 — 

et controler le payement de la solde qui sera effectue 
par rAmin, assiste de l'officier instructeur comptable. Ils 
preteront aux autorites marocaines, investies du commande- 
ment de ces corps, leur concours technique pour l'exercice 
de ce commandement." 

Deutschland und Oesterreich wollen die einzelnen Häfen 
durch die Konferenz Frankreich und Spanien zugeteilt 
wissen. 

Frankreich und Spanien, unterstützt von Russland, sind 
der Meinung, dass Frankreich und Spanien die Verteilung 
der Häfen direkt mit dem Sultan zu regeln haben. 

In der 16. Sitz, vom 31. März 1906 einigt man sich 
auf Verteilung der Häfen durch die Konferenz, unter Be- 
rücksichtigung der französischen und spanischen Wünsche. 

Art. 12 der Generalakte. 

,,Le cadre des instructeurs de la police cherifienne 
(officiers et sous-officiers) sera espagnol ä Tetouan, mixte 
ä Tanger, espagnol ä Larache, francais ä Rabat, mixte 
ä Casablanca, et frangais dans les trois autres ports." 

England findet es wünschenswert, dass der General- 
inspektor sich nicht in die Aufstellung der Statuten mische, 
seine Ratschläge (Avis) sollen genügen, 

Frankreich ist damit einverstanden. 

Es beantragt, dass auch das diplomatische Korps sich 
der Einmischung enthalten sollte. 

Deutschland will das diplomatische Korps beteiligt 
wissen. 

Einigung im Sinne von Art. 4, AI. 2 und 3 der General- 
akte. 

Art. 4, AI. 2 und 3, der Generalakte. 

„Les dispositions reglementaires propres ä assurer le 
recrutement, la discipline, l'instruction et radministration 
des Corps de police, seront arretees d'un commun accord 
entre le Ministre de la Guerre cherifien ou son delegue, 
rinspecteur prevu ä l'article 7, l'instructeur frangais et 
rinstructeur espagnol les plus eleves en grade. 



— 40 — 

Le reglement devra etre soumis au Corps Diplomatique 
ä Tanger qui formulera son avis dans le delai d'un mois. 
Passe ce delai, le reglement sera mis en application." 

lieber den Bestand der Polizeitruppe einigt man 
sich rasch. 

Der Vorschlag Frankreichs wird angenommen. 

Art. 5 der Generalakte. 

„L'effectif total des troupes de police ne devra pas 
depasser deux mille cinq cents hommes ni etre inferieur ä 
deux mille. II sera reparti suivant Timportance des ports 
par groupes variant de cent cinquante ä six cents hommes. 
Le nombre des officiers espagnols et frangais sera de 
seize ä vingt; celui des sous-officiers espagnols et frangais 
de trente ä quarante." 

Die Bezahlung der Polizei wird ermöglicht und ge- 
währleistet durch die Vorschüsse der Staatsbank. 
Art. 6 der Generalakte. 

„Les fonds, necessaires ä l'entretien et au payement 
de la solde des troupes et des officiers et sous-officiers 
instructeurs, seront avances au Tresor cherifien par la 
Banque d'Etat dans les limites du budget annuel attribue 
ä la police qui ne devra pas depasser deux millions et 
demi de pesetas pour un effectif de deux mille cinq cents 
hommes." 

Die Bezahlung und der Unterhalt des Generalinspektors 
wird in Art. 10 und 11 der Generalakte festgelegt. 

Bei Reklamationen der Legationen an das diplomatische 
Korps findet folgender Artikel seine Anwendung: 
Art. 9 der Generalakte. 

„En cas de reclamations dont le Corps Diplomatique 
serait saisi par la Legation interessee, le Corps Diplo- 
matique pourra, en avisant le Representant du Sultan, de- 
mander a l'Inspecteur general de faire une enquete et 
d'fetablir un rapport sur ces reclamations, ä toutes fins 
utiles." 



— 41 — 

II. Ueberwachung und Unterdrückung der 
Walfen2ufuhr. 

(Surveillance et Repression de la Contrebande des Armes.) 



Ueber dieses Kapitel, bedeutungsvoll für die Sicher- 
heit des Landes, können wir uns hier kurz fassen, da es 
keinen Anlass zur Diskussion über politische und staats- 
rechtliche prinzipielle Fragen bietet, sondern lediglich unter 
teilweiser Bestätigung früher bestehender Bestimmungen 
und in Anlehnung an ältere Verträge, Prohibitiv-Massregeln 
reglementarisch festsetzt. Bei der Behandlung dieses Gegen- 
standes durch die Konferenz traten infolgedessen keine 
politischen Gegensätze zwischen Deutschland und Frank- 
reich zu Tage. 

1. Einfuhrverbot. 

Die Einfuhr sämtlicher Arten von Waffen, Waffenteilen, 
von Munition und der zu ihrer Herstellung nötigen Stoffe im 
ganzen Cherifischen Reiche ist verboten (Art. 13 und 16). 

Art. 13 der Generalakte. 

„Sont prohibes dans toute l'etendue de l'Empire Cheri- 
fien, sauf dans les cas specifies aux articles 14 et 15, 
I'importation et le commerce des armes de guerre, pieces 
d'armes, munitions chargees ou non chargees de toutes 
especes, poudres, salpetre, fulmicoton nitroglycerine et 
toutes compositions destinees exclusivement ä la fabrication 
des munitions." 

Art. 16 der Generalakte. 

„L'importation des armes de chasse et de luxe, pieces 
d'armes, cartouches chargees et non chargees, est egalement 
interdite. Elle pourra toutefois etre autorisee: 

1. Pour ies besoins strictement personnels de l'importateur; 

2. pour l'approvisionnement des magasins d'armes auto- 
rises conformement ä l'article 18." 



— 42 — 

2. Ausnahme des Einfuhrverbotes. 

Die für die Industrie nötigen Sprengmittel (Art. 14), 
Waffen für das marokkanische Heer (Art. 15), Jagd- und 
Luxuswaffen (Art. 16 und 17) dürfen unter gewissen Be- 
dingungen — Kontrolle durch einen diplomatischen Ver- 
treter des einführenden Staates und durch die Zollorgane, 
sowie bei Jagd- und Luxusw^affen, Beschränkung auf das 
durchaus notwendige Waffenquantum — eingeführt werden. 

3. Waffenhandel. 

Der Waffenhandel wird durch die Cherifische Regierung 
in Verbindung mit dem diplomatischen Korps reglementiert 
(Art. 18, AI. 1). 

Er wird nur licensierten Personen in Tanger und einigen 
anderen besonders zu bezeichnenden Hafenstädten und nur 
in einer beschränkten Anzahl von Niederlagen gestattet 
(Art. 18, AI. 2). 

Art. 18 der Generalakte. 

„Le commerce des armes de chasse et de luxe, non 
rayees de fabrication etrangere, ainsi que des munitions 
qui s'y rapportent, sera reglemente, des que les circon- 
slances le permettront, par declsion cherifienne, prise con- 
formement ä l'avis du Corps Diplomatique ä Tanger statuant 
ä la majorite des voix. II en sera de meme decisions 
ayant pour but de suspendre ou de restreindre l'exercice 
de ce commerce. 

Seul es les personnes ayant obtenu une licence speciale 
du Gouvernement marocain, seront admises ä ouvrir et 
exploiter des debits d'armes et de munitions de chasse. 
Gelte licence ne sera accordee que sur demande ecrite 
de l'interesse, appuyee d'un avis favorable de la Legation 
dont il releve. 

Des reglements pris dans la forme indiquee au para- 
graphe premier de cet article determineront le nombre des 
debits pouvant etre ouverts ä Tanger et, eventuellement, 
dans les ports qui seront ulterieurement designes. 



— 43 - 

4. Strafen, 

Versuchte oder tatsächliche Verletzung des vorange- 
gangenen Verbotes wird streng bestraft (Art. 20, 21, 
22 und 23). 

Die Strafen werden durch die Gerichte desjenigen 
Staates ausgesprochen, dem der Fehlbare angehört (Art. 29, 
AI. 1, und Art. 29, AI. 2). 

Bei der Gerichtsverhandlung hat ein Vertreter der 
Zollbehörde zugegen zu sein (Art. 29, AI. 3). 

Art. 29 der Generalakte. 

„Les autorites douanieres marocaines devront signaler 
directement aux Agents diplomatiquös ou consulaires les 
infractions au present reglement commises par leurs ressor- 
tissants, afin que ceux-ci soient poursuivis devant la juri- 
diction competente. 

Les memes infractions, commises par des sujets maro- 
cains, seront deferees directement par la douane ä l'autorite 
cherifienne. 

ün delegue de la douane sera Charge de suivre la 
procedure des affaires pendantes devant les diverses juri- 
dictions." 

Die Strafen bestehen in Geldbussen von 500 — 5000 
Pesetas plus dem dreifachen Wert der importierten Ware 
und in Gefängnisstrafen von fünf Tagen bis zu drei Jahren. 
Diese Strafen können einzeln oder zusammen ausgesprochen 
werden. 

Diesen Strafen unterliegen auch der betrügerische Ver- 
kauf, die Hehlerei und Kolportage von Waffen and zwar 
werden sie in gleicher Weise über die Urheber und 
die Teilnehmer an solchen Vergehen ausgesprochen. 

Verdächtige Schiffe können durch den zuständigen Kon- 
sulatsvertreter unter Beistand eines Vertreters der cherifi- 
schen Zollbehörde untersucht und event. bis zur Erlegung 
des Strafmaximums oder einer Kaution zurückgehalten 
werden. 



- 44 — 

Die beschlagnahmten Waffen gelangen in die Hände 
des Makhzen, der sie entweder für seine Armee benutzen 
oder ins Ausland verkaufen darf. 

Beschlagnahmte Transportmittel für den Transport über 
Land werden zu Gunsten des marokkanischen Staatsschatzes 
verkauft. 

Dem Anzeiger eines Defraudationsfalles, den Agenten, 
welche die Ergreifung des Defraudanten bewerkstelligen, 
und dem marokkanischen Staatsschatz fallen eine Beloh- 
nung zu. 

5. Marokkanisch-Französische und ]\Iarok- 
kanisch-Spanische Grenzgebiete. 

An der marokkanisch-algerischen Grenze und an der 
Grenze des marokkanischen Staates und der spanischen Be- 
sitzungen ist die Anwendung dieses Reglementes ausschliess- 
lich Sache der französischen resp. spanischen und marok- 
kanischen Regierung. 

Art. 30 der Generalakte. 

„Das la region frontiere de TAlgerie, rapplication 
du reglement sur la contrebande des armes restera l'affaire 
exclusive de la France et du Maroc. 

De meme, l'application du reglement sur la contre- 
bande des armes dans le Riff, et en general dans les regions 
frontieres des Possessions espagnoles, restera l'affaire ex- 
clusive de l'Espagne et du Maroc." 

Von den bei der Diskussion über diesen Gegenstand 
gemachten Einwendungen ist einzig diejenige Belgiens 
erwähnenswert, welches aus wirtschaftlich-politischen Grün- 
den kein Einfuhrverbot für Jagd- und Luxuswaffen haben 
wollte. Belgien drang jedoch mit seinen Forderungen nicht 
durch. 

Schliesslich mag noch beigefügt sein, dass die Kon- 
ferenz — hauptsächlich auf Anregung Frankreichs — 
Bestimmungen über die Contrebande ohne Rücksicht auf 



— 45 — 

die bereits zwischen den einzelnen Staaten und Marokko 
existierenden Bestimmungen und Verträge aufstellte und 
es den einzelnen Staaten überliess, ihre respektiven Be- 
stimmungen mit den von der Konferenz aufgestellten in 
Einklang zu bringen. 

Der ins Zollwesen übergreifende Abschnitt dieses Ka- 
pitels wurde gemeinsam mit jenem reglementiert. (Siehe 
Kapitel V.) 



III. Bankfrage. 

In der 7. Komitee-Sitzung vom 20. Februar 1906 wer- 
den die Verhandlungen über die Bank eröffnet; am 3. März 
beginnen die offiziellen Sitzungen. 

Deutschland und Frankreich reichen gleich in 
der 7. Komitee-Sitzung ihre diesbezüglichen Projekte ein. 

Die beiden Projekte werden anlässlich der Behandlung 
der einzelnen Punkte angeführt werden. 

Spanien übergibt ebenfalls ein Frageschema. 

Die Gesichtspunkte der verschiedenen Projekte lassen 
sich gruppieren in folgende Kapitel: 

1. Abtretung der Vorzugsrechte des Anleihens des fran- 
zösischen Konsortiums von 1904 an die Marokkanische 
Staatsbank (Anleihen und Münzoperationen). 

2. Kasse und Schatzamt (Tresorerie). 

3. Aufsicht. 

4. Legislatur und Juridiktion in Anwendung auf die Bank. 

5. Verwaltungsrat und Direktion. 

6. Die Bank als Agence financiere der Regierung. 

7. Operationen der Bank und Ausgabe von Noten. 

8. Münzprägung und Geldoperationen. 

9. Sitz (sozial). 

10. Konzessionsdauer. 



— 46 — 

11. Kapital. 

12. Vorschüsse der Bank an die Regierung. 

13. Spezialfonds. 

14. Comite d'Escompte. 

15. Unterkunft, Sicherheit, Steuerfreiheit der Bank. Auf- 
sicht der marokkanischen Regierung über die Bank. 

16. Aufstellung der Statuten. 

Revoil (Frankreich) und Tattenbach (Deutschland) geben 
zunächst einige allgemeine Erklärungen zur Erörterung und 
Ergänzung ihrer eingereichten Projekte. 

Revoil rekapituliert zuerst die allgemeinen Gesichts- 
punkte der Bank: 

„Concours financier donne au Makhzen par la creation 
d'une Banque d'Etat avec privilege d'emission, se chargeant 
des Operations de tresorerie et s'antremettant pour la frappe 
de la monnaie dont les benefices appartiendraient au Makhzen. 
La Banque d'Etat procederait ä rassainissement de la Situa- 
tion monetaire. Les credits ouverts au Makhzen seraient em- 
ployes ä l'equipement et ä la solde des troupes de police 
et ä certains travaux publics urgents, notamment ä l'amelio- 
ra'tion des ports et de leur outillage." 

Dann fährt Revoil weiter bezüglich der Bestimmung 
der Bank: 

„La Banque Marocaine serait exclusivement un Instru- 
ment de credit et de regularisation, mais que lä se bornerait 
son role; qu'elle ne devrait etre ni un Instrument politique 
ni un element administratif. 

La Banque ne pourrait servir ä une influence etrangere 
aux depens d'une autre." 

Nun macht Revoil auf die besondere Stellung Frank- 
reichs gegenüber Marokko aufmerksam und motifiert die 
von Frankreich verlangte Berücksichtigung in der Staats- 
bank. 

,,.... Le credit du Maroc a ete fonde par le marche 
frangais. Le Sultan a contracte un emprunt (1904) qui 
appartient a un groupe francais. II est sage, il est normal 
que le passe soit absorbe dans le present. 



„ 47 — 

La France ne pretend pas invoquer la Situation com- 
merciale des diverses Puissances au Maroc, mais il taut faire 
une part au passe dans la future Banque; les interets 
frangais reconnus par le Sultan dans sa souverainete et 
Sans porter atteinte ä personne doivent etre sauvegardes." 

Das deutsche Projekt nimmt mehrmals auf die 
Kaiserlich Ottomanische Bank Bezug, da dieses Institut 
unter sehr günstigen Bedingungen arbeitet seit 50 Jahren 
und gerade diese Bank beteiligt ist am marokkanischen 
Anleihen von 1904. 



1. Abtretung der Vorzugsrechte des Anleihetis des franzö- 
sischen Konsortiums von 1904an dieMaroi<l<anische Staatsbanl< 
(Anleihen und Münzoperationen). 

lieber diesen Punkt hat sich Revoil (Frankreich) gleich 
eingehends der Diskussion der Bank des längeren ver- 
breitet. 

Französisches Projekt: 

Das französische Konsortium des Anleihens von 1904 
verlangt als Kompensation seiner Vorzugsrechte (laut 
Art. 33 des Anleihensvertrages) 4 Anteile am Grundkapital 
der Bank. 

„La souscription des 4 autres parts dans le capital 
sera attribuee aux Etablissements contractants de l'Emprunt 
Marocain 1904 contre abandon, en faveur de la Banque 
Imperiale du Maroc, de leurs droits de preference pour 
les emprunts et Operations monetaires stipules par l'ar- 
ticle 33 du Contrat d'Emprunt du 12 juin 1904. (Alinea 9)." 

Deutscher Standpunkt: 

Bestreitung des Wertes der Vorzugsrechte in verschie- 
denen Punkten. Stellungnahme gegen die hohen französi- 
schen Forderungen. 



— 48 - 

Revoil (Frankreich) betont von neuem die Wichtig- 
keit dieser Frage, und dass die marokkanische Staatsbank 
ihre Rolle als „Agent financier" der marokkanischen Re- 
gierung überhaupt nicht richtig erfüllen könne, wenn sie 
sich nicht das Vorzugsrecht für öffentliche Anleihen er- 
werbe, das dem Konsortium des Anleihens von 1904 ver- 
traglich zugesprochen sei. 

Deutschland findet es „exorbitant", dass die französische 
Gruppe für ihre Vorzugsrechte einen Anteil von vier Teilen 
an dem Kapital der Bank beanspruche. 

Tattenbach (Deutschland) führt hierauf die einzelnen 
Vorzugsrechte des französischen Konsortiums von 1904 an 
und sucht deren geringen Wert nachzuweisen. Es sind 
folgende Rechte: 

I.Vorzugsrecht für zukünftige Anleihen: 
Art. 33 des französich-marokkanischen Anleihensver- 
trages sagt: 

„Si le Gouvernement imperial du Maroc desire con- 
tracter un emprunt ou acheter ou vendre des titres, il 
en fera part aux banques contractantes ainsi qu'ä d'autres 
et ä conditions et prix egaux, la preference sera accordee 
aux banques contractantes." 

Das französische Vorzugsrecht bestehe also nur, wenn 
Bedingungen und Preise der Offerten der verschiedenen 
Banken die gleichen seien. Da in der Praxis wohl nie zwei 
Bedingungen ganz gleich seien, so habe dieses Vorzugs- 
recht in Wirklichkeit keine grosse Bedeutung. 

2. V r z u g s r e c h t für M ü n z p r ä g u n g : 
Dieses Recht bestehe ebenfalls nur, wenn die Be- 
dingungen und die Preise die gleichen seien. Es besitze 
also den gleich geringen Wert wie das Vorzugsrecht für 
künftige Anleihen. Dieses Vorzugsrecht beziehe sich über- 
dies nur auf die Prägung im Auslande, die Münzprägung in 
Marokko selbst bleibe in den Händen des Makhzen. 



49 



Nur beim Kauf von Gold und Silber habe der Makhzen 
die Verpflichtung, der französischen Gruppe von 1904 
Kenntnis zu geben, sei aber frei in der Annahme oder 
der Verwerfung der Offerte. Dieses Vorzugsrecht sei daher 
auch von geringem Wert. 

lattenbach gibt zu, dass die französische Gruppe des 
Anleihen« von 1904 noch einige andere Rechte besitze, wie 
die Garantierechte und die Kontrollrechte, die für die zu- 
künftige Staatsbank von gewissem Interesse seien und 
welche die Staatsbank gezwungen sei, sich zu erwerben. 

Revoii (Frankreich) antwortet, dass für das Bank- 
ivonsortium des Anleihens von 1904 ein wirkliches Vor- 
recht bestehe, da dieses in der Lage sei, die gleichen 
Bedingungen zu stellen wie die anderen Banken. 

Revoii führt weiter an, dass das Vorzugsrecht gleich- 
bedeutend sei dem Rechte, sich an Stelle jedes anderen 
Etablissements zu setzen („de se substituer ä tout autre 
etablissement"). 

Diese Interpretation werde schon seit fünfzig Jahren 
bei der Ottomanischen Bank anerkannt. Der französisch- 
marokkanische Anleihensvertrag sei diesem Vertrage nach- 
gebildet, also müsse die gleiche Interpretation auch hier 
anerkannt werden. 

Revoii macht auf die allgemeinen grossen finanziellen In- 
teressen Frankreichs in Marokko aufmerksam. Die vier An- 
teile am Kapital der Bank sollen nicht nur ein Aequi- 
valenl der Vorzugsrechte des Anleihens von 1904 darstellen, 
sondern sie sollen die finanzielle Stellung Frankreichs über- 
haupt zum Ausdruck bringen. 

„Quant ä la souscription de 4 parts dans le capital 
de la banque, attribues au Consortium de 1904 dans le 
projet frangais, eile ne represente pas seulement la contre- 
valeur du droit de preference appartenant ä la banque, 
eile est aussi la compensation dejä reduite des droits, 
Que la France serait en mesure de faire valoir en raison 



— 50 — 

de la part qu'elle s'est faite dans la vie economique du 
Maroc, specialement dans les affaires financieres, dans les- 
quelles la France possede 80« o. Le contract de l'emprunt 
de 1904 ne saurait etre evalue en argent et doit etre 
incorpore dans le capital de la banque projetee sous 
forme de quatre parts indiquees au projet frangais.'' 
England und Spanien unterstützen Frankreich, 
Perez-Caballero (Spanien) findet die Kompensations- 
forderungen Frankreichs für berechtigt, soweit sie sich 
auf die Vorzugsrechte des Anleihens von 1904 beziehen, 

Gesanitvertcihiu<j des Kapiffds. 
Deutsches Projekt: 
Jede der elf anwesenden Mächte hat das Recht, einen 
Teil zu gleichen Teilen in Anspruch zu nehmen: 

„Ce capital sera fourni par les Puissances representees 
ä la Conference ou par les banques qu'elles designeront. 
Chaque Puissance, voulant y participer, aura le droit de re- 
clamer, soit pour elle-meme, seit pour une banque ou 
pour un groupe de banques de son pays une part sociale 
egale pour tous." 

Französisches Projekt: 
Einteilung des Kapitals in 15 gleiche Teile. Jede der 
elf Mächte hat Anspruch auf einen Teil. Die vier übrig- 
bleibenden Teile werden dem französischen Konsortium des 
Anleihens von 1904 gegeben als Kompensation für seine 
abzutretenden Vorzugsrechte, 

„Le capital social sera divise en 15 parts, reparties 
de la maniere suivante: la souscription de 11 parts 
sera reservee aux groupes financiers constitues par 
TAllemagne, l'Angleterre, TAutriche-Hongrie, la Belgique, 
l'Espagne, les Etats-Unis, la France, l'Italie, les Pays-Bas, 
le Portugal, la Russie et la Suede, sans que le meme 
groupe ait le droit de souscrire plus d'une part. Dans le 
cas oü les 11 parts n'auraient pas ete toutes souscriteis, 
la ou les parts disponibles seront reparties entre tous les 
groupes financiers ayant pris part ä la souscription et 
ce, proportionnelU'ment a leur souscription initiale. 



— 51 — 

La souscription des 4 autres parts sera attribuee aux 
Etablisbements contractants de TEmprunt Marocain de 
1904/' 

Marokkanisches Projekt: 

Einteilung des Kapitals in 15 gleiche Teile. 

Ein Teil ist bestimmt für das Konsortium von 1904 
gegen Aberzieht seiner Rechte laut Art. 33 des Anleihe- 
vertrages. 

Zwei Teile für Marokko. 

Einen Teil für jede der an der Konferenz beteiligten 
Mächte. 

Diejenigen Teile, die nicht gezeichnet werden, werden 
unter die übrigen Mächte verteilt, mit Ausschluss des Bank- 
konsortiums von 1904. 

Deutschland erklärt sich nach grossen Bedenken 
bereit, zwei Anteile am Kapital der Bank dem französischen 
Bankkonsortium von 1904 bewilligen zu wollen unter der 
Bedingung sowohl der Abtretung der Vorzugsrechte laut 
Art. 33 bezüglich Anleihen und Münzprägung, als auch des 
Verzichtes auf Art. 16 und 17 des Anleihensvertrages, und 
der weiteren Bestimmung, dass die gesamten Zölle, in die 
Staatsbank geworfen w^erden (12. Sitz., 10. März 1906). 

Frankreich will in eine kleine Verminderung der 
verlangten Anteile einwilligen, findet aber zwei Teile für 
ungenügend. 

Betreff des Kontrollrechtes bemerkt Revoil, dass das- 
selbe den Inhabern der Titel gehöre (12. Sitz. 10. März 1906). 

Frankreich reduziert seine Forderung nach 
langem Zögern auf zwei Teile, als Kompensation der Vor- 
zugsrechte laut Art. 33 und 322. 

Die deutsche Forderung, dass alle Zölle in die Staats- 
bank geworfen werden sollen, kann von Frankreich nicht 
angenommen werden. 



52 



Laut Beschluss der Konferenz verbleiben die Zölle 
als Garantie dem französischen Konsortium von 1904. 

Mit der Reduktion der französischen Forderung auf 
zwei Anteile am Kapital der Bank ist die Lösung- ge- 
wonnen. 

Es wird diese Frage in folgender Fassung durch die 
Mächte angenommen (16. Sitz., 31. März 1906): 

Art. 56 der Generalakte. 

,,Le capital initial de la Banque sera divise en autant 
de parts egales qu'il y aura de parties prenantes parmi 
les Puissances representees ä la Conference. 

A cet effet, chaque Puissance designera une Banque 
qui exercera, soit pour elle-meme, soit pour un groupe 
de banques, le droit de souscription ci-dessus specific, ainsi 
que le droit de designation des Administrateurs prevu 
ä l'article 50. Toute banque, choisie comme chef de groupe, 
pourra avec l'autorisation de son Gouvernement, etre rem- 
placee par une autre banque du meme pays. 

Toutefois deux parts egales ä Celles reservees ä chacun 
des groupes souscripteurs seront attribuees au Consortium 
des banques signataires du contrat du 12 juin 1904, en 
compensation de la cession qui sera faite par le Consortium 
ä la Banque d'Etat du Maroc: 

1. Des droits specifies ä l'article 33 du contrat; 

2. du droit inscrit ä l'article 32 (AI. 2) du contrat, con- 
cernant la solde disponible des recettes douanieres 
sous reserve expresse du privilege confere en premier 
rang par l'article 11 du meme contrat aux porteurs 
de titres sur la totalite du produit des douanes." 

2. Kasse und Schatzamt. 

Deutsches Projekt: 
Alle Einkünfte des Staates fliessen in die Staatsbank. 
Alle Ausgaben werden durch die Staatsbank, mit Aus- 
schluss jedes anderen Etablissements, bezahlt. 

^,La Banque remplira les fonctions de tresorierpayeur 
general de l'Empire, conformement aux dispositions du 
reglement special arrete en date de ce jour. 



- 53 - 

Le Gouvernement s'oblige ä prendre toutes les mesures 
necessaires pour faire que la totalite des revenus de 
l'Empire soit versee dans les caisses de la Banque en 
vertu des dispositions du reglement special sus indique. 

La Banque ä l'exclusion de tout autre etablissement 
(sans prejudice toutefois des droits acquis ä des tiers 
pour le Service des divers emprunts, mais etant bien entendu 
Que les sommes ä verser ä ces tiers le seront par son 
entremise), sera chargee du payement de toutes les depenses 
publiques effectuees ä quelque titre et sous quelque forme 
que ce soit, tant ä l'interieur de l'Empire qu'ä l'Etranger, 
dans les limites des previsions et des ressources budgetaires, 
et conformement aux dispositions du reglement precite." 

Französisches Projekt: 
Die gesamten Zölle, Minimum 60o/ü, sind dem Bank- 
konsortium des Anleihens von 1904 als Garantie reserviert, 
laut Anleihensvertrag von 1904. 

Dieses Kapitel, soweit es sich auf die Zölle bezieht, 
ist schon im vorigen Kapitel (Abtretung der Vorzugsrechte) 
berührt worden, das Nähere werden wir hier sehen. 

Deutschland verlangt, dass auf alle Fälle 40 ^'o der 
Zölle der Bank zugewiesen werden sollen. 

Frankreich will diese 40 o/o anerkennen, wenn die 60 ^'/o 
der Zölle, die nur ein Minimum darstellen, als Garantie für 
das Anleihen von 1904 genügen werden. 

Deutschland suchte nun seine ursprüngliche Forderung, 
die gesamten Zölle in die Staatsbank zu werfen, bei 
Gelegenheit der Kompensationsfrage (voriges Kapitel) noch- 
mals durchzusetzen, wurde aber mit seiner Forderung, 
wie wir schon gesehen haben, abgewiesen. 

Die Zölle verbleiben dem französischen Konsortium. 

Art. 33 der Generalakte. 

„La Banque remplira, ä l'exclusion de toute autre 
bangue ou etablissement de credit, les fonctions de tresorier- 
payeur de l'Empire. A cet effet, le Gouvernement marocain 
prendra les mesures necessaires pour faire verser dans 



— 54 — 

les caisses de la Banque le produit des revenus des douanes, 
ä l'exclusion de la partie affectee au service de rEmprunt 
de 1904 et des autres revenus qu'il designera. 

Quant au produit de la taxe speciale creee en vue de 
Taccomplissement de certains travaux publics, le Gouverne- 
ment marocain devrait le faire verser ä la Banque, ainsi 
que les revenus qu'il pourrait ulterieurement affecter ä 
la garantie de ses emprunts, la Banque etant specialement 
chargee d'en assurer le service, ä l'exception toutefois 
de l'Emprunt 1904 qui se trouve regi par un contrat 
special." 

3. Aufsicht (Surveillance de la gestion de la Banque). 

Diese Frage bildet, wie schon erwähnt, eines der Haupt- 
momeiite der Bankfrage. Es bestehen grosse Differenzen 
zwischen Deutschland und Frankreich, bis sich durch Ver- 
mittlung Englands eine Einigung erzielen lässt. 

Deutsches Projekt: 

Ein Aufsichtsrat (Conseil de surveillance), be- 
stehend aus den diplomatischen Vertretern der Mächte in 
Tanger, mit Beifügung eines marokkanischen Delegierten 
wird mit der Aufsicht der Bank betraut. 

„La banque relevera d'un Conseil de Surveillance. 

Le Conseil de Surveillance se composera des Represen- 
tants diplomatiques ä Tanger des Puissances ayant pris 
part ä la Conference, avec l'adjonction d'un Delegue ma- 
rocain. Le Conseil de Surveillance sera autorise ä etablir 
lui-meme son Reglement. 

Le Conseil de Surveillance aura le droit de prendre 
connaissance, de tout temps, de l;a gestion de la banque, soit 
directement, soit par des commissaires, et de veiller ä 
la stricte execution des prescriptions reglant la Constitu- 
tion de la banque et sa sphere d'action. 

II devra cependant s'abstenir de toute ingerance dans 
la marche des affaires de la banque, en tunt que les 
articles IC et 17 ne lui attribuent pas de fonctions spe- 
ciales." 



- 55 - 

Französisches Projekt: 
Ein marokkanischer Oberkommissär (Haut 
Commissaire), ernannt durch die Cherifische Regierung in 
üebereinstimmung mit dem Verwaltungsrate der Bank, führt 
die Oberaufsicht über die Bank. 

„Le Gouvernement cherifien exercera sa liaute sur- 
veillance sur la Banque par un Haut-Commissaire marocain, 
nomme par lui, apres entente preakible avec le Conseil 
d^Administration de la Banque. 

Ce Haut-Commissaire aura le droit de prendre con- 
naissance de la gestion de la Banque; il controlera l'emission 
des billets de Banque et veillera ä la stricte Observation 
des dispositions de la concession. 

Le Haut-Commissaire devra signer chaque billet ou 
y apposer son sceau; il sera Charge de la surveillance 
des relations de la Banque avec le Tresor Imperial. 

H ne pourra pas s'immiscer dans Tadministration de 
la gestion des affaires de la Banque. 

Le Gouvernement cherifien nommera un Commissaire- 
adjoint, qui sera specialement charge de controler les 
Operations financieres du Tresor avec la Banque." 

Deutschland begründet seinen Vorschlag der Oberauf- 
sicht durch das diplomatische Korps damit, dass in Tanger 
kein anderes geeignetes Organ sich finden lasse. 

„Si le projet allemand propose de confier la surveillance 
speciale de la Banque au Corps Diplomatique ä Tanger, 
c'est qu'on ne saurait trouver sur place un autre organe 
susceptible de remplir cette mission, Le Corps Diplomatique 
ä Tanger comprendra toujours, sans doute, un certain 
nombre de representants competents dans cet ordre d'af- 
faires et meme, dans les cas contraire, il sera renseigne de 
tous cotes, pourra proceder ä des enquetes et^ parer aux 
inconvenients qui pourraient resulter de la gestion de la 
Banque pour les interets du Gouvernement marocain et pour 
ceux du commerce general." 

Dann betont Deutschland die Notwendigkeit einer ge- 
nügenden Aufsicht über die Bank für den „guten Gang" 
der Bank selbst. 



- 56 — 

„Tout d'abord, en ce qui concerne le pouvoir de La 
ßanque d'emettre des billets, Tencaisse de. la Banque 
est, ä la verite, une premiere garantie pour le 
public. Mais eile ne parait pas süffisante; remission doit 
etre aussi garantie pour la confiance que le public aura 
dans le bon fonctionnement de cette Institution et cette 
confiance sera d'autant plus grande que la surveillance 
sera plus etroite. 

En second lieu, la mission d'assainissement de la mon- 
naie, confiee ä la Banque, est un privilege exceptionnel 
et grave, qu'aucune autre Banque d'Etat au monde ne 
possede. Le projet frangais ne prevoit aucune surveillance 
particuliere sur la Banque dans cet ordre d'idees, il 
y a lä une lacune qu'il est indispensable de combler." 

Frankreich verteidigt seinen Standpunkt: 

„Le Corps Diplomatique se trouverait fort gene de 
remplir le role qu'on veut lui attribuer; ce serait, en 
realite, constituer lä une veritable Intervention politique, 
qui porterait atteinte ä la souverainete et ä l'indepen- 
dance du Sultan. Quant aux abus qui pourraient eventuelle- 
ni.ent resulter de la gestion de la Banque, l'intervention du 
Conseil d'Administration suffirait ä les reprimer, puisque 
chaque Puissance y est representee. II est de toute 
necessite de soustraire la Banque ä toute action de po- 
litique.'" 

Um einen Ausgleich zwischen Deutschland und Frank- 
reich zu ermöglichen, macht England folgenden Ver- 
mittlungsvorschlag auf neuer Basis: 

Ein Kollegium von drei Zensoren verschiedener 

Nationalität übt die Oberaufsicht über die Bank aus, 

,,I1 sera forme un College de trois Censeurs ayant 
pour mission d'assurer la stricte Observation des clauses 
du contrat de concession et des articles des Statuts. Ils 
veilleront specialement ä l'exact accomplissement des pres- 
criptions concernant l'emission des billets et pourront, en 
tout temps, examiner les comptes de la Banque et speciale- 
ment les Operations monetaires interessant le Gouverne- 
ment marocain, mais ils ne pourront jamais, sous quelque 
pretexte que ce soit, s'immiscer dans la gestion des affaires 



— Qi — 

ni dans radministration Interieure de la Banque. Ils 
assisteront aux reimions du Conseil d'Administration mais 
seulement avec voix consultative. Ils dresseront un rapport 
annue] qui sera annexe ä celui du Conseil d'Administration. 

Les Premiers Censeurs seront designes par le Comite 
Charge de l'elaboration des Statuts et leur nomination 
ratifiee par TAssemblee des Actionnaires. Ils seront rem- 
places par voix de tirage au sort et leurs remplagants, 
s'il y a lieu, seront nommes directement par l'Assemblee 
generale des Actionnaires." 

Deutschland und Frankreich nehmen den englischen 
Vorschlag an. 

Tattenbach (Deutschland) dankt Nicolson (England) für 
den „transaktioneilen" Charakter seines Vorschlages und 
erklärt, dass Deutschland diesen Vorschlag gerne in Er- 
wägung ziehe. 

Frankreich schliesst sich gerne an, weil der Vorschlag 
keinen „politischen" Charakter trage. 

Das Redaktionskomitee schlägt folgende Redaktion vor 
(10. Sitz., 3. März 1906): 

„II sera forme un College de trois Censeurs ayant pour 
mission d'assurer la stricte Observation des clauses de 
la concession et des articles des Statuts. Ils veilleront ä 
l'cxact accomplissement des prescriptions concernant l'emis- 
sion des billets; ils pourront en tout temps examiner les 
comptes de la Banque et devront surveiller les Operations 
concernant l'assainissement de la Situation monetaire; mais 
ils ne pourront jamais, sous quelque pretexte que ce soit, 
s'immiscer dans la gestion des affaires ni dans l'administra- 
tion Interieure de la Banque. Ils auront le droit d'assister 
aux reunions du Conseil d'administration, mais seulement 
avec voix consultative. Ils dresseront un rapport annuel qui 
sera annexe ä celui du Conseil d'administration. 

Les Premiers Censeurs seront nommes par le Comite 
special Charge de Felaboration des Statuts prevu ä l'ar- 
ticle 24, et resteront en fonctions pendant trois ans. Le 
College des Censeurs se renouvellera ensuite par la sortie 
d'un Membre chaque annee, suivant l'ordre fixe par tirage 
au sort. 



— 58 — 

En cas de vacance ou lors du renouvellement des Cen- 
seurs, les deux Censeurs restant en fonctions, fönt eux- 
memei? choix de leur troisieme collegue; les membres sor- 
tants pouiTont toujours ebre reelus." 

Die Wahl der Zensoren bildet nun die Streitfrage. 
Deutschland schlägt die Wahl der Zensoren durch 
das diplomatische Korps vor. 

„Les trois membres seront nommes par le Corps Diplo- 
matique parmi les Chefs de mission; ils resteront en fonc- 
tions pendant trois ans et pourront etre reelus." 

Deutschland begründet seinen Vorschlag damit: 

„ d'assurer la complete independance du Comite 

de surveillance vis-ä-vis des interets engages dans la Banque. 
Cette independance ne lui paraitrait pas suffisamment ga- 
rantie si la designation des Censeurs etait laissee au Comite 
Charge de la redaction des Statuts; c'est pourquoi il propose 
que les Censeurs soient choisis par je Corps Diplomatique 
ä Tanger parmi ses propres membres.'* 

England kann den deutschen Vorschlag n i c h t gut- 
heissen. 

„. . . . malgre tout le respect qui lui est dd, le Corps 
Diplomatique ä Tanger ne presente pas ä cet egard les 
conditions de competence desirables. Les fonctions de cen- 
seur exigent des connaissanceg techniques qui ne rentrent 
pas dans les preoccupations habituelles des diplomates. En 
outre, il semble que ce serait ä faire sortir le Corps Diplo- 
matique de son röle normal et donner inevitablement un 
caractere politique ä une institution qui doit demeurer pure- 
ment financiere.** 

Frankreich, Russland und S p a n i e n schliessen 
sich England vollständig an. 

Revoil (Frankreich) findet die Aufsicht nach französi- 
schem Vorschlag für genügend. 

,, le contröle et la surveillance du Conseil d'ad- 

ministration paraissaient suffire; :1 est difficile de supposer 
qu'un Conseil compose de membres de nationalites diverses 
se rende complice des manoeuvres politiques. 



- 59 — 

La nomination des premiers Censeurs par le Comite 
d'etudes, sous condition qu'ils soient tous trois de nat:o- 
nalites differentes, et leur recrutement posterieur par 
Cooptation nous paraissent donner toute garantie. 

Les fonctions de Censeur peuvent, en effet, eritrainer 
des responsabilites civiles et penales, qui ne peuvent s'ac- 
corder avec le caractere diplomatique, et que les Gouverne- 
ments ne seraient pas disposes ä admettre/' 

Tattenbach (Deutschland) verteidigt den deutschen 
Standpunkt auf das entschiedenste, er bemerkt: 

„La Delegation allemande avait propose primitivement 
Institution d'un Conseil de surveillance compose du Corps 
Diplomatique ä Tanger; eile a accepte plus tard de substituer 
ä ce Conseil le Systeme des trois Censeurs suggere ä la 
derniere seance de Comite par S. Exe. Sir Arthur Nicolson, 
mais eile ne saurait admettre la designation de ceux-ci par 
un Organe qui represente exclusivement les interets de 
la Banque. Le caractere international du Conseil d'ad- 
ministration n'exclut pas la possibilite de mesures contra:res 
aux interets marocains et commerciaux." 

Revoi] (Frankreich) erwidert: 

„L'intervention du Corps Diplomatique ä Tanger, par 
son caractere politique et gouvernemental, pourrait portsr 
atteinte ä la souverainete du Sultan. Le mode de nomi- 
nation initial et de recrutement ulterieur des Censeurs par 
voie de cooptation, tel que le propose le projet frangais, 
assure ä cet organe complementaire de surveillance ä la 
fois rimpartialite politique et l'independance que son role 
exige.^' 

Marokko macht in der 11. Sitzung vom 8. März 1906 
den Vorschlag der Beifügung eines marokkanischen Zensors 
zu den drei internationalen Zensoren; die Forderung des 
Sultans wird aber nicht berücksichtigt. 

Da keine Verständigung auf dieser Basis möglich ist, 
schlägt Deutschland eine neue Basis vor (10. Sitz., 
3. März 1906). 



60 



Die Zensoren sollen durch die Staatsbanken der Mächte 
gewählt werden. Da die Zahl aller zu gross ist, schlägt 
Tattenbach folgende vier Banken vor: 

Die deutsche Reichsbank, 

die Bank von Frankreich, ' 

die Bank von England, 

die Bank von Spanien. 

Diese Banken haben offiziellen Charakter und be- 
sitzen volles Vertrauen (11. Sitz., 8. März 1906). 

Die glückliche Lösung ist mit diesem Vorschlage ge- 
funden. 

Frankreich, England, Russland, Spanien und Italien 
nehmen den Vorschlag Deutschlands im Prinzipe an. 

Es wird die Frage erörtert, ob man die Zahl der Zen- 
soren von vier auf sechs erhöhen wolle, einen Sitz für 
Italien und einen Sitz für Oesterreich. 

Ein anderer Vorschlag geht dahin, die Zahl auf drei 
herabzusetzen, mit Ausschluss von England (14. Sitz., 27. 
März). 

Diese beiden Vorschläge werden fallen gelassen und 
man einigt sich auf den ursprünglichen Vorschlag von vier 
Zensoren. 

Art. 51 der Generalakte. 

,,Chacun des etablissements ci-apres: Banque de l'Empire 
Allemand, Banque d'Angleterre, Banque d'Espagne, Banque 
de France, nommera, avec l'agrement de son Gouverne- 
ment, un Censeur aupres de la Banque d'Etat du Maroc. 

Les Censeurs resteront en fonctons pendant quatre 
annees. Les Censeurs sortants peuvent etre designes ä 
nouveau. 

En cas de deces ou de demission, il sera pourvu ä la 
vacance par Tetablissement qui a procede ä designation de 
Fanden titulaire, mais seulement pour le temps oü ce 
dernier devait rester en Charge." 



— 61 — 

Art. 52 der Generalakte. 

„Les Censeurs qui exerceront leur mandat en vertu 
du present Acte des Puissances signataires devront, dans 
rinteret de celles-ci, veiller sur le bon " f onctionnement de 
la Banque et assurer la stricte Observation de clauses 
de la concession et des Statuts. Ils veilleront ä l'exact 
accomplissement des prescriptions concernant Temission des 
billets et devront surveiller les Operations tendant ä assai- 
nissement de la Situation monetaire; mais ils ne pourront 
Jamals, sous quelque pretexte que ce soit, s'immiscer dans 
la gestion des affaires, ni dans Tadministration Interieure 
de la Banque. 

Chacun des Censeurs pourra examiner en tout temps 
les comptes de la Banque, demander, soit au Conseil de 
l'Administration, soit ä la Direction, des informations sur 
la gestion de la Banque et assister aux reunions du Conseil 
d'Administration, mais seulement avec voix consultative. 

Les quatre Censeurs se reuniront ä Tanger, dans 
Texercice de leurs fonctions, au moins une fois tous les 
deux ans, ä une date ä concerter entre eux. D'autres 
reunions ä Tanger ou ailleurs devront avoir lieu, si trois 
des Censeurs l'exigent. 

Les quatre Censeurs dresseront, d'un comraun accord, 
un rapport annuel qui sera annexe ä celui du Conseil d'Ad- 
ministration. Le Conseil d'Administration transmettra sans 
delai une copie de ce rapport ä chacun des Gouvernements 
signataires de l'acte de la Conference." 

4. Legislatur und Jurisdiction in Anwendung auf die Banl<. 

Deutsches Projekt: 

Legislatur: Die gesetzlichen Beziehungen der ma- 
rokkanischen Staatsbank zu Dritten werden in Marokko 
durch die Vorschriften (proscriptions) des Aegyp tischen 
C d e geregelt. 

Dieser in Aegypten eingeführte Code soll selbst dem 
„nationalen" Recht des Verteidigers vorgehen (wenn die 
Bank als Klägerin auftritt). 



— 62 — 

Jurisdiktion: Die Gerichtsbarkeit über die Staats- 
bank in Marokko, sofern die Bank als Verteidigerin auftritt, 
wird ausgeübt durch einen gemischten Gerichts- 
h f in Tanger, zusammengesetzt aus den Präsidenten der 
Konsular-Gerichtshöfe mit Beisitz eines marokkanischen De- 
legierten. 

„La banque aura dans chaque pays represente ä la 
Conference qualite de personne morale, 

Sa Position legale au Maroc et les rapports judiciaires 
dans lesquels eile y entrera avec d'autres personnes, seront 
regis par les prescriptions des Codes introduits en Egypte 
pour les proces mixtes sous le titre de „Code civil" et 
„Code de commerce". Ces prescriptions prevaudront au 
droit national du defendeur dans les cas oü la banque se 
presente comme demanderesse. 

Au Maroc, la juridiction sur la banque, en tant que 
celle-ci se presente comme defenderesse, sera exercee, meme 
dans les proces immobiliers, par une cour mixte ä Tanger, 
composee des Presidents des Cours consulaires de Puissances 
interessees ä la banque avec l'adjonction d'un Delegue 
marocain. 

Cette cour decidera en premiere et derniere instance. 
Elle sera autorisee ä se donner elle-meme son Organisation. 

A la procedure, s'appliqueront les prescriptions du 
..Code de procedure civile et commerciale" introduit en 
Egypte pour les proces mixtes. 

Si, äu Maroc, la banque se presente comme deman- 
deresse, la juridiction se reglera d'apres les principes qui 
y sont en vigueur pour d'autres causes civiles." 

Französisches Projekt: 
Die Bank wird dem französischen Gesetz unter- 
stellt. 

In richterlicher Beziehung gelten die in den Kapitu- 
lationen fixierten Bestimmungen. 

„La Banque constituee sous le regime de la loi fran- 
caise, sera placee dans les conditions de juridiction et 
de competence fixees au Maroc par les capitulations." 



- 63 — 

Marokkanisches Projekt: 
Die Bank wird dem gemischten ägyptischen Ge- 
setze unterstellt (Legislation mixte egyptienne, code civil et 
code commercial). 

Deutschland begründet seinen Vorschlag der Unter- 
stellung der Bank unter den in Aegypten eingeführten 
Code damit, dass die Bank einen internationalen 
Charakter besitzen und auf der Basis der Gleichheit aller 
Mächte beruhen müsse. 

Revoil (Frankreich) betont, dass das französische Ge- 
setz in vielen Punkten die Basis der meisten fremden Gesetz- 
gebungen sei und dass die Annahme des französischen Ge- 
setzes nicht den Charakter des politischen Einflusses Frank- 
reichs gegenüber diesen Ländern besitze, sondern rein „ge- 
setzlichen Charakter. Ebenso tritt Frankreich dem ägyp- 
tischen Code entschieden entgegen. 

,,Le Projet de la Delegation allemande presente un 
inconvenient serieux, celui de necessiter dans chacun des 
pays Intervention legislative en vue de soumettre leurs 
nationaux respectifs ä la legislation egyptienne, ce qui 
serait une cause de retard prolonge et risquerait de soulever 
des susceptibilites nationales puisqull s'agirait de modifier 
essentiellement le Statut personnel des etrangers en pays 
de capitulations.'' 

Die Vereinigten Staaten schlagen bei Streitig- 
keiten zwischen der marokkanischen Regierung 
und der Baik einen schon bestehenden, ausländischen Ge- 
richtshof vor, z. B. das Bundesgericht in Lausanne. 

Frankreich pflichtet diesem Vorschlag in der 10. Sitz., 
3. März 1906, bei. 

Deutschland nimmt diesen Vorschlag ebenfalls an. 

England tritt dem deutschen Vorschlag: Vorangehen 
des ägyptischen Code dem ,, nationalen Recht" des Ver- 
teidigers, entgegen; es kann sich nicht entschliessen, 



64 



iür diesen Fall seine Staatsangehörigen einem anderen, 
als dem englischen Gesetze, zu unterstellen. 

Ebenso tritt England dem deutschen Vorschlag: Errich- 
tung eines gemischten Gerichtshofes in Tanger, für den 
Fall, wo die Bank als Verteidigerin auftritt, entschieden ent- 
gegen. 

Es findet diesen Vorschlag für unpraktisch, und es 
glaubt besonders deshalb nicht zustimmen zu können, weil 
das deutsche Projekt diesem Gerichtshof die Entscheidung 
in e r st e r und letzter Instanz gegeben habe. 

■ Deutschland ist bereit, für die zweite Instanz den 
Rekurs an das Schweizerische Bundesgericht an- 
zunehmen. 

Deutschland macht in der 10. Sitz, vom 3. März eine 
weitere Konzession: 

Bei Streitigkeiten, die die Summe von 10,000 Fr. über- 
schreiten, findet Rekurs ans Bundesgericht in Lausanne 
statt. 

Frankreich stellt drei Kategorien von Klägern 
gegenüber der Bank auf: 

1. Der marokkanische Staat, 

2. die Associes; 

3. Private (Clientele particuliere). 

Für Fall 1. hat Frankreich das Bundesgericht in Lau- 
sanne angenommen, wie schon bemerkt. 

Für Fall 2. will Frankreich ebenfalls das Bundesgericht 
in Lausanne anerkennen aus (iründen der internationalen 
Herkunft der Aktionäre, und zwar in erster und letzter 
Instanz. 

P^ür Fall 3. schlägt Frankreich das französische 
Konsulargericht vor als Konsequenz der Unterstellung der 
Bank unter das französische Gesetz. 

Revoil (l>ankreich) erwähnt, dass die Uebertragung 
an das französische Konsulargericht auf alle Fälle an der 



— 65 — 

„normalen'" Situation in Marokko nicht viel ändere, da 
ohnehin 80 "/o der Bankgeschäfte französisch seien. 

England schliesst sich obigen französischen Vorschlägen 
betreffend der Gerichtsbarkeit vollständig an. 

Spanien unterstützt Frankreich ebenfalls. 

Deutschland hat für Fall 1. das Bundesgericht 
in Lausanne angenommen. 

Füi* Fall 2. kann das Bundesgericht ebenfalls angen- 
nommen werden. 

Für Fall 3. „Streitigkeiten zwischen Privaten und der 
Bank" verharrt Deutschland entschieden auf seiner Forde- 
rung des gemischten Gerichtshofes, das französische 
Konsulargericht kann nicht angenommen werden. 

Die marokkanischen Delegierten sind einverstanden mit 
dem Bundesgericht in Lausanne bei Streitigkeiten zwischen 
der Bank und dem marokkanischen Staat. 

Italien sucht zu vermitteln (11. Sitz., 8. März 
1906). 

Italien findet das französische Gesetz annehmbar. 

In der Gerichtsbarkeit unterscheidet Italien vier 
Kategorien von Streitfällen, die ersten drei Kategorien sind 
äquivalent den französischen, der 4, Fall sieht die Bank 
als Klägerin vor gegenüber Privaten. 

Fall 1. und 2. sind erledigt. 

Der umstrittene Punkt ist Fall 3. 

Liesse sich kein Arrangement zwischen dem gemischten 
konsularen Gerichtshof (deutscher Vorschlag) und dem 
französischen Konsulargericht (französischer Vorschlag) 
finden? 

Der italienische Vorschlag lautet: 

Für Streitigkeiten, die eine gewisse Summe nicht 
übersteigen, wird ein gemischter Gerichtshof eingeführt, 
aber nicht zusammengesetzt aus allen, sondern nur aus 



— 66 — 

drei könsularen Magistraten mit Beisitz von zwei kauf- 
männischen Notabein. 

Bei Uebersteigung- dieser Summe gibt man den 
Privaten die Garantie eines Magistratenhofes, sowohl für 
erste Instanz, als auch für die Apellation. Für diesen Fall 
wäre das Bundesgericht in Lausanne sehr geeignet. 

D e u t s c h 1 a n d lässt den „ägyptischen Code" fallen. 
Es anerkennt das französische Gesetz als Legislatur 
für die Bank (11. Sitz., 8. März). 

Es nimmt im Prinzip den italienischen Vorschlag bezüg- 
lich der Zusammensetzung des gemischten Gerichtshofes 
an; betreff der Garantie, die dieser Gerichtshof darstellt, 
möchte Deutschland jedoch keine Einschränkung in der Höhe 
des Streitfalles, 

P'rankreich macht geltend, dass eine Ungleichheit aus 
diesem System resultiere. Die pekuniäre Kompetenz des 
Konsulargerichtes sei beschränkt, wenn die Bank Ver- 
teidigerin sei, sei aber nicht beschränkt, wenn die Bank 
Klägerin sei. 

Der italienische Vorschlag wird angenommen 
mit einiger Modifikation. Es wird die Deutschland günstige 
Bestimmung hinzugefügt, dass die Liste der drei Konsular- 
Magistrate, der zwei Assessoren und ihrer Stellvertreter 
durch das diplomatische Korps aufgestellt werde. 

Die Gesetzgebung und Jurisdiktion in An- 
wendung auf die Bank wird in folgenden drei Artikeln 
festgelegt: 

Art. 44 der Generalakte. 

,,La Banque, constituee avec approbation du Gouverne- 
ment de Sa Majeste Cherifienne sous la forme des societes 
anonymes, est regle par la loi francaise sur la matiere. 

Art. 45 der Generalakte. 

„Les actions intentees au Maroc par la Banque seront 
portees devant le Tribunal consulaire du defendeur ou 



— 67 — 

devant la juridiction marocaine, conformement aux regles 
de competence etablies par les traites et les firmans 
cherifiens. 

Les actions intentees au Maroc contre la Banque seront 
portees devant un Tribunal special, compose de trois ma- 
gistrats consulaires et de deux assesseurs. Le Corps Diplo- 
matique etablira, chaque annee, la liste des magistrats, des 
assesseurs et le leurs suppleants. 

Ce Tribunal appliquera ä ces causes les regles de droit, 
de procedure et de competences edictees en matiere commer- 
ciale par la legislation frangaise. L'appel des jugements 
prononces par ce Tribunal sera porte devaüt la Cour federale 
de Lausanne, qui statuera en dernier ressort. 

Art. 46 der Generalakte. 

En cas de contestation sur les clauses de la concession 
ou de litiges pouvant survenir entre le Gouv^ernement 
marocain et la Banque, le differend sera soumis, sans appel 
ni recours, ä la Cour federale de Lausanne. 

Seront egalement soumises ä cette cour, sans appel ni 
recours, tous les contestations qui pourraient s'elever entre 
les actionnaires et la Banque sur l'execution des Statuts 
ou ä raison des affaires sociales." 

5. Verwaltungsrat und Direktion. 

Deutsches Projekt: 

Der Verwaltungsrat (Conseil d'administration) setzt sich 
aus je zwei Mitgliedern jeder nationalen Bankgruppe zu- 
sammen, die mindestens im Besitze eines Viertels eines 
Anteiles ist. Jede nationale Gruppe wählt ihre Vertreter 
in den Verwaltungsrat selbst. 

Die Direktion wird durch den Aufsichtsrat gewählt. 

„La banque . . . sera administree par un Conseil d'Ad- 
ministration et un Directoire. 

Le Conseil d'Administration se composera de deux De- 
legues de chacun des etats, banques ou groupes de banques, 
qui ont fonde la Banque, en y prenant une part sociale, 
et qui se trouvent en possession au moins d'un quart de 
leur quotepart primitive du capital d'actions. Les banques 



— 68 — 

d'un pays pourront cependant etre remplacees par d'autres 
banques du meme pays avec le consentement du Gouverne- 
ment de ce pays. 

Le Conseil d'Administration surveillera la marche des 
affaires de la banque; il aura le droit de donner des 
Instructions au directoire, en tant que ce droit n'est pas 
reserve au Conseil de Surveillance. 

Le reglement et la competance du Conseil .d'Administra- 
tion seront fixes par les Statuts de la banque. 

Le Directoire sera nomme par le Conseil d'Administra- 
tion. II gerera les affaires de la banque et la representera 
judicairement et extrajudicairement. 

L'organisation et la Competence du Directoire seront 
reglees pa les Statuts de la Banque." 

Französisches Projekt: 
Der Verwaltungsrat der marokkanischen Staatsbank 
wird durch die Generalversammlung der Aktionäre gewählt. 
Je einem Anteil entspricht ein Verwaltungsratsmandat und 
zwar müssen die Verwaltungsräte der jeweiligen Nationalität 
entnommen sein. 

Bei Zusammensetzung eines Anteiles aus Verschiedenen 
Nationalitäten werden die Verwaltungsräte direkt von den 
Aktionären und ohne Berücksichtigung der Nationalität ge- 
wählt. 

„Le Conseil d'Administration elu par l'Assemblee Ge- 
nerale des Actionnaires sera compose de 15 membres de- 
signes ä raison d'un administrateur par part entiere, choisi 
dans la nationalite de chaque groupe souscripteur. Dans 
le cas oü une ou plusieurs parts auraient fait l'objet de 
repartition entre differents groupes souscripteurs, ainsi 
qu'il est prevu ci-dessus, le choix de ou des Administrateurs 
correspondant ä ces parts serait fait par l'Assemblee des 
Actionnaires directement et sans distinction de nationalite. 

Les Statuts stipuleront l'obligation pour les Action- 
naires de maintenir, pendant 10 ans ä partir de la Con- 
stitution de la Societe. la representation par nationalite 
teile qu'elle vient d'etre definie; passe ce delai, l'Assemble 
des Actionnaires sera m'aitresse de choisir tous les Ad- 
ministrateurs sans distinction de nationalite. 



— 69 — 

Le Conseil d'Adniinistration nommera ses President, 
Vice-president, Directeurs et Sous-Directeurs. II determi- 
nera leurs pouvoirs et attributions ainsi que ceux des 
comites qu'il jugerait utile de constituer." 

Revoil (Frankreich) ergänzt den französischen Vor- 
schlag dahin, dass Frankreich sich eventuell dazu ver- 
stehen könnte, die Vertretung nach Nationalität nur für 
zehn Jahre Maximum als obligatorisch zu erklären, und 
dass nach Ablauf dieser Zeit die Aktionäre bei der Wahl 
nicht mehr an diese Bestimmung gebunden sein sollten. 

Der französische \'orschlag, Wahl des Verwal- 
tungsrates durch die Generalversammlung der Aktionäre, 
wird angenommen, mit der Modifikation zu Gunsten Deutsch- 
lands, dass die W^ahl der Genehmigung der nationalen Unter- 
schriftsgruppen bedürfe. Jede Unterschriftsgruppe hat 
überdies das Recht, ihre Verwaltungsräte zu bezeichnen. 

Die Lösung ist folgende: 

Art. 49 der Generalakte. 

,,La Banque sera administree par un Conseil d'Ad- 
ministrätion compose d'autant de membres qu'il sera fait de 
parts dans le capital initial. 

Les Administrateurs auront les pouvoirs les plus etendus 
pour l'administration et la gestion de la Societe; ce sont 
eux notamment qui nommeront les Directeurs, Sous-Direc- 
teurs et Membres de la Commission, indiquee ä l'article 54, 
ainsi que les Directeurs des Succursales et Agences. 

Tous les employes de la Societe seront recrutes, autant 
que possible, parmi les ressortissants des diverses Puissances 
qui ont pris part ä la souscription du capital." 

Art. 50 der Generalakte. 

„Les Administrateurs, dont la nomination sera faite 
par i'Assemblee generale des actionnaires, seront designes 
ä son agrement par les groupes souscripteurs du capital. 

Le Premier Conseil restera en fonctions pendant cinq 
annees, A l'expiration de ce delai, il sera procede ä son 
renouvellement ä raison de trois membres par an. Le 
sort determinera l'ordre de sortie des Administrateurs; 
ils seront reeligibles. 



— 70 — 

A la Constitution de la Societe, cliaque groupe souscrip- 
teur aura le droit de designer autant d'Administrateurs 
qu'il aura souscrit de parts entieres, sans que les groupes 
soient obliges de porter leur choix sur un candidat de leur 
propre nationalite. 

Les groupes souscripteurs ne conserveront leur droit 
de designation des Administrateurs, lors du remplacement 
de ces derniers ou du renouvellement de leur mandat, 
qu'autant qu'ils pourront justifier etre encore en possession 
d'au moins la moit'ie de chaque part pour laquelle ils exer- 
cent ce droit. 

Dans le cas oü, par suite de ces dispositions, un 
groupe souscripteur . ne se trouvera plus en niesure de 
designer un administrateur, l'Assemblee generale des action- 
naires pourvoirait directement ä cette designation." 



6. Die Bank als Agence financiere der Regierung. 

Deutschland führt als Beispiel Art. 15i der K. 
Ottoman. Bank an. 

„Agence financiere de l'Etat, notamment priorite pour 
les emprunts. 

La Banque sera l'agent financier du Gouvernement, 
tant au dedans qu'au dehors de l'Empire, sans prejudice du 
droit du Gouvernement de s'adresser ä d'autres maisons 
de banque ou etablissements de credit pour ses emprunts 
publics. Toutefois, la Banque jouira d'un droit de preference, 
ä conditions egales, sur toute maison de banque ou etablisse- 
ment de credit pour toute negociation ou emission, par 
voie d'escompte ou de prise forme, de bons du Tresor 
ou autres effets de tresorerie, etant bien entendu que 
les negociations, pour compte de l'Etat, de toutes ces 
valeurs, se feront exclusivement par les soins de la Banque." 

Deutschland findet eine Einschränkung für den Staat 
durch den Passus in Art.lSi: „Les negociations ou emission 
de bons du Tresor ou autres effets de tresorerie pour le 
compte de l'Etat, se feront exclusivement par les soins 
de la Banque." * 



— 71 — 

Frankreich willigt ein in den Passus „droit du Gou- 
vernement de s'adresser ä d'autres maisons de banque pour 
ses emprunts publics" unter Voraussetzung der vorherigen 
Regelung der Kompensationsfrage für Abtretung der Vor- 
zugsrechte laut Art. 33. 

Perez-Caballeroz (Spanien) macht geltend, dass nach 
Art. 15i der K. Ottoman. Bank die Verpflichtung der Re- 
gierung sich an die Bank zu wenden, sich nur auf die 
„bons du Tresor'* und „effets de tresorerie" beschränke. 

Das Redaktionskomitee schlägt folgende Redaktion des 
Artikels vor (10. Sitz., 3. März 1906): 

„La Banque sera l'agent financier du Gouvernement, 
tant au dedans qu'au dehors de l'Empire, sans prejudice 
du droit pour le Gouvernement de s'adresser ä d'autres 
maisons de banque ou etablissements de credit pour ses 
emprunts publics. Toutefois, la Banque jouira d'un droit 
de preference, ä conditions egales, sur toute maison de 
banque ou etablissement de credit pour ses emprunts. 

Mais pour les Bons du Tresor et autres effets de 
tresorerie ä court terme que le Gouvernement marocain 
voudrait negocier, sans en faire l'objet d'une emission 
■publique, la Banque sera chargee, ä Texclusion de tout 
autre etablissement, d'en faire la negociation, soit au 
Maroc, soit ä l'etranger pour compte du Gouvernement 
marocain." 

Deutschland schlägt folgenden Zusatzartikel vor — 
für den Fall, dass eine Einigung nicht stattfinden sollte — : 

„Les dispositions precedentes de cet article laissent 
intact la question du droit de preference du Consortium 
des Banques signataires du contrat d'emprunt de 1904." 

Frankreich opponiert gegen diesen Zusatzartikel. 

Italien macht den V e r m i 1 1 1 u n g s v o r s c h 1 a g , die 
definitive Lösung dieses Artikels zu verschieben, bis die 
Frage der Abtretung des Vorzugsrechtes für öffentliche 
Anleihen geregelt sei. 

Dieser Vermittlungsvorschlag wird angenommen (11. 
Sitz., 8. März 1906). 



72 



Nach Regelung der Kompensationsfrage wird der Zu- 
satzartikel von Deutschland überflüssig und daher fallen 
gelassen. 

Der Artikel wird in der vom Redaktionskomitee vor- 
geschlagenen Form akzeptiert und als Art. 34 in die General- 
akte aufgenommen. 

7. Operationen der Bank und Ausgabe von Noten. 

Deutschland und Frankreich einigen sich nach kurzer 
Verhandlung. 

Es wird folgender Artikel angenommen: 
Art. 32 der Generalakte. 

„La Banque, qui pourra executer toutes les Opera- 
tions rentrant dans les attributions d'une banque, aura 
le privilege exclusif d'emettre des billets au porteur, rem- 
boursables ä presentation, ayant force liberatoire dans les 
caisses publiques de l'Empire marocain. 

La Banque maintiendra, pour le terme de deux ans a 
compter de la date de son entree en fonctions, une encaisse 
au moins egale ä la moitie de ses billets en circulation, 
et au moins egale au tiers apres cette periode de deux ans 
revolue. Cette encaisse sera constituee pour au moins 
un tiers en or ou monnaie en or.'" 

8. Münzprägung und Geldoperation. 

Das französische Konsortium des Anleihens von 1904 
besitzt das Vorzugsrecht für Münzoperationen und Münz- 
prägung laut Anleihensvertrag. 

Dieses Vorzugsrecht wird der marokkanischen Staats- 
bank übertragen nach Art. 56 der Generalakte. 

lieber die Leitung der Staatsbank in obigen Funk- 
tionen bestehen folgende Projekte: 

Deutsches Projekt: 
Der Aufsichtsrat (Conseil de Surveillance) erteilt der 
Bank die Direktiven für die Sanierung der Münzen. 



— 73 — 

„D'apres les directives, qu'aurait a lui donner le Con- 
seil de Surveillance, la Banque entreprendra l'assainisse- 
ment du Systeme monetaire marocain. 

Le gain provenant de la frappe de monnaie reviendrait 
au Makhzen." 

Französisches Projekt: 

Der Verwaltungsrat (Conseil d'Administration) diri- 
giert, im Einverständnis mit der marokkanischen Regierung, 
die Operationen der Bank. 

,,C'est au Conseil d'Administration de la Banque et 
non ä un conseil de surveillance qu'il doit appartenir de 
diriger toutes les Operations de la societe, en se mettant 
au prealable, d'accord avec le Gouvernement marocain, 
pour ce qui conceme la monnaie." 

Deutschland betrachtet den A-'erwaltungsrat als un- 
genügend, weil dessen Mitglieder ausserhalb Marokko 
wohnen und daher die Verhältnisse in Marokko nicht kennen. 

Frankreich betont, dass die marokkanische Regierung 
durch ihren Haut-Commissaire eine genügende iVufsicht (Sur- 
veillance efficace) über die Bank ausüben könne. 

Das Redaktionskomitee schlägt folgenden Artikel vor: 

,,La Banque prendra les mesures qu'elle jugera utiles 
pour assainir la Situation monetaire au Maroc, sans toute- 
fois porter atteinte ä la circulation et ä la valeur libera- 
toire de la monnaie espagnole, telles qu'elles existent 
actuellement. 

En consequence, la Banque sera exclasivement chargee 
de l'achat des metaux precieux, de la frappe et de la 
refonte des monnaies, ainsi que de toutes autres Opera- 
tions monetaires qu'elle fera pour le compte et äu profit 
du Gouvernement marocain." 

Deutschland schlägt denselben Zusatzartikel vor wie 
bei Art. 34 der Generalakte: 

„Les dispositions precedentes de cet article laissent 
intacte la question du droit de preference du Consortium 
des Banques signataires du contrat d'emprant 1904.' 



— 74 — 

Deutschland begründet diesen Zusatz damit, dass zu 
befürchten sei, dass die Massnahmen in ihrer Ausführung 
beeinträchtigt würden durch den Passus ,,sans toutefois 
porter atteinte ä la circulation et ä la valeur liberatoire 
de la monnaie espagnole". 

Spanien kann diesen Zusatzartikel Deutschlands nicht 
annehmen, denn es hegt Befürchtungen für Benachteiligung 
der Zirkulation des spanischen Geldes in Marokko (10. Sitz., 
3. März). Perez-Caballeroz (Spanien) erklärt: 

„La circulation de la monnaie espagnole au Maroc 
est un fait, et comme tel, eile doit etre respectee. L'origine 
de ce fait et de la force liberatoire de la monnaie espagnole 
au Maroc ne se trouve pas seulement dans les traites, 
il derive aussi des usages traditionnels, des decisions 
cherifiennes; telles que par exemple les proclamations de 
1898 etc. 

Ce dont il s'agit en ce moment c'est d'eviter que 
les mesures d'assaini&sement prises par la Banque, ne portent 
atteinte ä la Situation indiquee ci-dessus." 

Die Vertreter von Frankreich, England, Russland, Por- 
tugal, Belgien pflichten den Darlegungen Perez-Caballero 
bei. 

Marokko vertritt mit Nachdruck den Standpunkt: 
Sanierung der Münzen, um ihnen gleichen Kurs wie den 
anderen zu geben, nicht Bevorzugung irgend einer Münze. 
Prägung und Umprägung der Alünzen stehen dem Makhzen zu. 

Deutschland und Frankreich finden die Vorschläge des 
Makhzen sich widersprechend, der Staatsbank die Sanierung 
der Münzen zu übertragen und sich selbst die Prägung vor- 
zubehalten. 

Der Artikel wird mit einer kleinen Modifikation von 
der Konferenz zu Gunsten Spaniens angenommen unter Weg- 
lassung des Zusatzartikels von Deutschland. 

Art. 37 der Generalakte. 

,,La Banque prendra les mesures qu'elle jugera utiles 
pour assainir la Situation monetaire au Mnroc. La monnaie 



— 75 — 

espagnole continuera ä etre admise ä la circulation avec 
force liberatoire. 

En consequence, la Banque sera exclusivement chargee 
de l'achat des metaux precieux, de la frappe et de la 
refonte des monnaies, ainsi que de toutes autres Opera- 
tions monetaires qu'elle fera pour le compte et au profit 
du Gouvernement marocain." 

9. Sitz. 

Deutsches Projekt: 

Der soziale Sitz der Bank wird nach Tanger verlegt. 
Allfällige Errichtung von Agenturen (Succursales et Agen- 
ces) in anderen Städten Marokkos. 

Französisches Projekt: 

Bestimmung des Sitzes der Bank durch das Statuten- 
komitee. Errichtung von Agenturen an allen Plätzen des 
cherifischen Reiches, wo solche notwendig sind. 

Marokkanisches Projekt: 

Der soziale Sitz und die Direktion der Bank befinden 
sich in Tanger. 

Frankreich findet die Verlegung des Sitzes der Bank 
ausserhalb Marokkos praktischer, weil es schwer halte, 
die Mitglieder des Verwaltungsrates, die in verschiedenen 
Ländern Europas wohnen, monatlich in Tanger zu ver- 
sammeln. 

Der Sitz und die Direktion der Bank werden — be- 
sonders auf Wunsch des Makhzen — nach Tanger verlegt. 
Lösung in Art. 38 und 48, AI. 2. 

Art. 38 der Generalakte. 

„La Banque, dont le siege social sera ä Tanger, etablira 
des succursales et agences dans les principales villes du 
Maroc et dans tout autre endroit oü eile le jugera utile." 



— 76 — 

10. Konzessionsdauer. 

Deutsches Projekt: 
Die Konzessiondauer beträgt 50 Jahre, zu datieren 
von der Ratifikation der Generalakte. 

Französisches Projekt: 
Die Konzessionsdauer wird beschränkt auf 35 Jahre, mit 
der Begründung, dass die Dauer des Anleihens von 1904 
ebenfalls 35 Jahre betrage. 

Die Konferenz setzt die Dauer auf 40 Jahre fest. 
Aufnahme dieser Bestimmung in Art. 31 der General- 
akte. 

Art. 31. der Generalakte. 

„Une Banque sera instituee au Maroc, sous le nom 
de „Banque d'Etat du Maroc", pour exercer les droits 
ci-apres specifies dont la concession lui est accordee par 
Sa Majeste le Sultan, pour une duree de quarante annees 
ä partir de la ratification du present Acte." 

11. Kapital. 

Das französische Projekt sieht ein Kapital von 15 Mil- 
lionen Franken für die Bank vor. 

Frankreich macht folgenden Vorschlag betreff der Wäh- 
rung des Kapitals: 

,,Le capital social sera forme en monnaie or, et les 
actions libellees dans les diverses monnaies d'or de chaque 
pays ä un change fixe et determine par les Statuts." 

Frankreich versichert Spanien, dass man nichts ändere 
an der ,, Situation legale" der Peseta auf dem marokkanischen 
Markt und dass man der Zirkulation des spanischen Geldes 
keine Schwierigkeiten bereiten werde. 

Si)anien ist durch die Erklärung Frankreichs befriedigt 
und erklärt sich einverstanden mit der Goldwährung. 

Deutschland gibt ebenfalls seine Zustimmung zu den 
Vorschlägen Frankreichs. 



— 77 — 

Art. 55 der Generalakte. 

„Le capital, dont l'importance sera fixee par le Comite 
special designe h rarticle 57, sans pouvoir etre inferieur 
ä quinze millions de francs, ni superieur ä vingt millions, 
sera forme en monnaie or, et les actions, dont les coupures 
representeront une valeur equivalente ä cinq cents francs, 
seront libellees dans les diverses monnaies or, ä im change 
fixe, determine par les Statuts. 

Le capital pourra etre ulterieurement augmente en 
une ou plusieurs fois, par decision de l'Assenmblee Generale 
des Actionnaires. 

La souscription des ces augmentations de capital sera 
reservee ä tous les porteurs d'actions, sans distinction 
de groupe, proportionnellement aux titres possedes par 
chacun d'eux," 

12. Vorschüsse der Bank an die Regierung. 

Marokko verlangt, dass die von der Bank zu ge- 
währenden Vorschüsse nach freiem Ermessen der marokka- 
nischen Regierung verwendet werden dürfen, ohne ein- 
schränkende Bedingung. 

Die Rückzahlung der letzten Vorschüsse bei der Auf- 
nahme neuer Anleihen soll durch Geld und nicht durch 
Titel der neuen Anleihe stattfinden (10. Sitz., 3. März). 

Deutschland und Frankreich sind der Ansicht, dass 
der dem Makhzen von der Bank zu gewährende Kredit von 
diesem nicht ohne jede Bedingung verwendet werden dürfe, 
da es gerade die Absicht der Mächte sei, sichere Hilfs- 
quellen für die Errichtung und Erhaltung der Polizei und im 
ferneren für öffentliche Arbeiten allgemeinen Interesses, zu 
schaffen. 

Der Artikel wird in diesem Sinne angenommen. 
Art. 35 der Generalakte. 

,,A valoir sur les rentrees du Tresor, la Banque fera 
au Gouvernement marocain des avances en compte-courant 
iusqu'ä concurrence d'un million de francs. 



— 78 — 

La Banque ouvrira en outre au Gouvernement, pour 
une duree de dix ans ä partir de sa Constitution im 
credit qui ne pourra pas depasser les deux tiers de son 
capitai initial. 

Ce credit sera reparti sur plusieurs annees et employe 
en Premier lieu aux depenses d'installation et d'entretien 
des Corps de police organises conformement aux decisions 
prises par la Conference, et subsidiairement aux depenses de 
travaux d'interet general qui ne seraient pas imputees sur 
le fond special prevu ä l'article suivant. 

Les taux de ces deux avances sera au maximum de 
sept pour cent, commission de banque comprise et la 
Banque pourra demander au Gouvernement de lui remettre 
en garantie de leur montant une somme äquivalente en bons 
du Tresor. 

Si, avant l'expiration des dix annees, le Gouvernement 
marocain venait ä contracter un emprunt, la Banque aurait 
la faculte d'obtenir le remboursement immediat des avances 
faites conformement au deuxieme alinea du present ar- 
ticle." 

13. Spezialfonds. 

Aus den Zuschlagstaxen (taxe speciale) auf Steuern 
und Abgaben werden Spezialfonds gebildet, die direkt 
für öffentliche Arbeiten etc. verwendet werden. (Siehe 
Kapitel IV. Steuerwesen). (Art. 36 der Generalakte.) 

14. Comite dEscompte. 

Frankreich macht den Vorschlag der Errichtung 
eines internationalen Comite d'E s c o m p t e neben der 
Direktion in Tanger. Dieses Komitee ist für den lokalen 
Handel von Tanger bestimmt und soll der Bankdirektion 
bei der Orientierung über örtliche Verhältnisse behülflich 
sein. 

Deutschland erklärt sich mit der Errichtung dieses 
„Comite d'Escompte'' einverstanden. 



— 79 — 

Art. 54 der Generalakte, 

„II sera institue ä Tanger, aupres de la Direction, 
une Commission dont les membres seront choisis par le 
Conseil d'Administration, sans distinction de nationalite, 
parmi les notables residant ä langer, proprietaires d'actions 
de la Banque. 

Cette Commission qui sera presidee par un des Direc- 
teurs ou Sous-Directeurs, donnera son avis sur les es- 
comptes et ouvertures de credits. 

Elle adressera un rapport mensuel sur ces diverses 
questions au Conseil d'Administration." 

15. Unterkunft, Sicherheit, Steuerfreiheit der Banl(, Aufsicht 
der Marol<l<anischen Regierung über die Bani(. 

Unterkunft (Bauplätze, Bauten, Einrichtungen). 

Marokko will nur im Innern des Reiches die Bauplätze 
der Bank unentgeltlich zur Verfügung stellen; in den Häfen 
soll die Bank für ihre Bauplätze selbst aufkommen. 

Nach Ablauf der Konzessionsdauer sollen alle diese 
Bauplätze, bebaut oder unbebaut, unentgeltlich dem Makhzen 
zufallen. 

Deutschland und Frankreich protestieren gegen diesen 
Vorschlag. 

Der Sultan lenkt ein. Die Bauplätze und die Bauten 
werden an allen Orten von der marokkanischen Regierung 
der Bank unentgeltlich zur Verfügung gestellt. (Art. 
39 der Generalakte.) 

Sicherheit (Wachtdienst), Steuerfreiheit der 

Bank. 

Der Makhzen verhält sich ebenfalls ablehnend gegen- 
über den Forderungen der Mächte: unentgeltlicher Sicher- 
heitsdienst und Befreiung von Steuern. Der Makhzen sieht 
sich gezwungen, einzulenken; er gewährt der Bank Steuer- 
freiheit und unentgeltlichen Schutz (Art. 40 und 41 der 
Generalakte). 



— 80 — 

Aufsicht der marokkanischen Regierung über 

die Bank. 
Ein marokkanischer H a u t - C o m m i s s a i r e übt die 
Aulsicht aus über die Bank. 

Art, 42 der Generalakte. 

„Le Gouvernement cherifien exercera sa haute sur- 
veillance sur la Banque par un Haut-Commissaire marocain, 
nomme par lui, apres entente prealable avec le Conseil 
d'Administration de la Banque. 

Ce Haut-Commissaire aura le droit de prendre con- 
naissance de la gestion de la Banque; il controlera Temission 
des billets de Banque et veillera ä la stricte Observation 
des dispositions de la concession. 

Le Haut-Commissaire devra signer chaque billet ou y 
apposer son sceau: il sera charge de la surveillance des 
relations de la Banque avec le Tresor imperial. 

H ne pourra pas s'immiscer dans Tadministration et 
la gestion des affaires de la Banque, mais il aura toujoui's 
le droit d'assister aux reunions des Censeurs. 

Le Gouvernement cherifien nommera un ou deux Com- 
missaires adjoints qui seront specialement charges de con- 
tröler les Operations financieres du Tresor avec la Banque." 

16. Aufstellung der Statuten. 

Deutsches Projekt: 
Die Aufstellung der Statuten der Bank erfolgt durch 
den Verwaltungsrat und ihre Genehmigung durch den Auf- 
sichtsrat. 

Französisches Projekt: 
Die Aufstellung der Statuten geschieht durch die ver- 
tragschliessenden Banken selbst und ihre Genehmigung 
durch die Aktionäre. 

Marokko macht den Vorschlag der Beifügung von zwei 
marokkanischen Mitgliedern zum Statutenkomitee. Dieser 
Antrag dringt aber nicht durch. 



— 81 — 

Die Aufstellung der Statuten erfolgt nach dem Vor- 
schlage Frankreichs. 

Art. 57 der Generalakte. 

„Dans un delai de trois semaines ä partir de la cloture 
de la souscription notifiee par le Gouvernement Royal 
d'Espagne aux Puissances interessees, un Comite special, 
compose de delegues nommes par les groupes souscripteurs, 
dans les conditions prevues ä l'article 50 pour la nomina- 
tion des Administrateurs, se reunira afin d'elaborer les 
Statuts de la Banque. 

L'Assemblee generale constitutive de la Societe aura 
lieu dans un delai de deux mois, ä partir de la ratification 
du present Acte. 

Le role du Comite special cessera aussitot apres la 
Constitution de la Societe. 

Le Comite special fixera lui-meme le lieu de ses 
reunions." 

Bezüglich A e n d e r u n g e n in den Statuten macht die 
marokkanische Delegation den A^orschlag, dass dieselben der 
Genehmigung des Sultans bedürfen. Dieser Vorschlag dringt 
aber nicht durch. 

Diese Frage ist festgelegt in: 

Art. 58 der Generalakte. 

„Aucune modification aux Statuts ne pourra etre ap- 
portee, si ce n'est sur la proposition du Conseil d'Ad- 
ministration et apres avis conforme des Censeurs et du 
Haut-Commissaire Imperial. 

Ces modifications devront etre votees par l'Assemblee 
Generale des Actionnaires ä la majorite des trois quarts 
des membres presents ou representes." 



— 82 — 

IV. steuern und Abgaben. 

(Meilleur Rendement des Impots et Creation de Nouveaux 

Revenus). 



Die Konferenz beschränkt sich in diesem Kapitel in der 
Hauptsache auf die Festlegung allgemeiner Prinzi- 
pien, weniger auf die Ausarbeitung von Steuerprojekten 
selbst. 

„La Conference ne doit pas rediger un reglement 
directement applicable pour le recouvrement des impots, 
mais bien donner une serie de conseils: emettre des" voeux 
ou exposer des principes destines ä etre developpes 
plus tard par S, M. Cherifienne avec les garanties que 
la Conference estimera necessaires." 

Die Verhandlungen werden unter dem Gesichtspunkt 
möglichster Respektierung althergebrachter Sitten und Ge- 
bräuche, Anschauungen und Lebensweise der Marokkaner ge- 
fülirt. 

Die Steuern zerfallen in zwei Gruppen: In die „Im- 
pots c r a n i q u e s" und in die „Zoll e", jene mehr für 
die Einheimischen, diese mehr für die Ausländer bestimmt. 

Die Festlegung der ersten Gruppe von Steuern wird 
dem Makhzen fast gänzlich überlassen, während sich die 
Konferenz des näheren mit der zweiten Gruppe beschäftigt. 
Hier ergeben sich vor allem Differenzen zwischen dem 
Makhzen und den Mächten. 

Zwei Gesichtspunkte sind vorherrschend: die Er- 
höhung der bisherigen Ansätze und die Verwendung 
dieser Zuschläge (Taxe speciale). 

Die Haupttraktanden sind: 

1. Erhöhung der Zölle. 

2. Erhöhung der Abgaben auf Tabak und gewisse Waren. 
Monopol auf Tabak, Kif, Opium. 

3. Landwirtschaftliche Steuern (Tertib 1903). 



— 83 — 

4. Sokra (Kommissionsgelder) und Mouna (Lieferung von 
Lebensmittelnj. 

5. Erträgnisse aus Staatseigentum und öffentlichen Be- 
trieben (Lagergebühren, Post und Telegraph, Licht und 
Elektrizität etc.). 

6. Ausfuhrzölle. 

1. Zölle. 

Die Hauptdebatte im Kapitel Steuern und Abgaben ent- 
spinnt sich um die Frage der Erhöhung der Zölle. 

Sollen die Zölle erhöht werden oder nicht? 

Frankreich, England, Russland, Spanien, Portugal und 
die Vereinigten Staaten sind für eine geringe Er- 
höhung der Zölle, unter der Bedingung, dass diese Zu- 
schläge in eine Spezialklasse f Hessen und ausschliess- 
lich zur A'^erbesserung der Häfen und deren Einrichtungen, 
zur Erleichterung des Handels im Allgemeinen etc. ver- 
wendet werden (3. Kom.-Sitz., 27. Januar 1906). 

Deutschland, Oesterreich, Italien, Belgien können in 
keine Erhöhung der Zölle einwilligen. Deutschland glaubt, 
durch eine bessere Organisation der Zolleinnahme könnten 
die nötigen Mehreinnahmen erzielt werden. 

Der Präsident der Konferenz macht — in Anbetracht 
der zwei entgegengesetzten Meinungen — folgenden Ver- 
mittlungsvorschlag: Falls die Verbesserung der Zollorgani- 
sation nicht die gewünschten Mehreinnahmen ergibt, kann 
eine Erhöhung der Zölle ins Auge gefasst werden. 

Frankreich ist gegen eine Unterordnung der einen 
Frage unter die andere; es erachtet auf alle Fälle eine 
Erhöhung der Zölle für notwendig, da auch eine Verbess- 
rung der Zolleinnahme — die überdies sehr schwierig sei 
— so grosse Mehreinnahmen nicht ergeben könne. 

Die österreichischen Delegierten neigen auf Seite Frank- 
reichs unter Vorbehalt ihrer Regierung (5. Kom.-Sitz., 
3. Februar). 



84 



Deutschland lenkt nach einigem Verharren ebenfalls ein. 

Marokko verlangt auf das Entschiedenste, dass die 
Erhöhungsgebühren der Zölle in die Cherifische Staats- 
kasse geworfen werden; der Sultan verpflichtet sich aber, 
die gewünschten Arbeiten und Verbesserungen auszuführen 
(5. Kom.-Sitz., 3. Febr.). 

Die Forderung Marokkos dringt trotz wiederholter An- 
strengungen der cherifischen Delegation nicht durch. 

Wieviel soll die Erhöhung der Zölle betragen? 

Die Mächte proponieren Vi des Eingangszolles. 

Marokko verlangt m e h r als Vi- Es glaubt, in weitere 
Verhandlungen nicht eintreten zu können, wenn die Er- 
höhung nicht Vi übersteige (6. Kom.-Sitz., 10. Februar). 

Die Mächte erklären, Vi als Maximum gewähren zu 
können. 

England macht den Vorschlag, an Stelle von Vi des 
bisherigen Zollbetrages 2Vi'"/0 ad valorem zu setzen (9. Sitz., 
17. Februar). 

Dieser Vorschlag wird durch die Mächte in der 15. 
Sitz, vom 29. März angenommen (Art. 66, AI. 1). 

Betreff Verwendung dieser Zollzuschlagstaxe wer- 
den die in Art. 66, AI. 2 — 1, angeführten Bestimmungen 
aufgestellt. 

Die L a n d z ö 1 1 e werden verwendet laut Vereinbarung 
des Makhzen mit den Grenzmächten Frankreich und Spanien 
(Art. 66, AI. 8). 

Art. 66 der Generalakte. 

,,A titre temporaire, les marchandises d'origine 
etrangere seront frappees ä leur entree au Maroc d'une 
taxe speciale s'elevant ä deux et demi pour cent ad valorem. 
Le produit integral de cette taxe formera un fonds special 
qui sera affecte aux depenses et ä l'execution de travaux 
publics, destines au developpement de la navigation et du 
commerce en general dans l'Empire Cherifien. 



— 85 — 

Le Programme des travaux et leur ordre de priorite 
seront arretes, d'un commun accord, par le Gouvernement 
cherifien et par le Corps Diplomatique ä Tanger. 

Les etudes, de vis, projets et cahiers de charges s'y 
rapportant seront etablis par un Ingenieur competent nomme 
par le Gouvernement cherifien, d'accord avec le Corps Di- 
plomatique. Cet Ingenieur pourra, au besoin, etre assiste 
d'un ou de plusieurs Ingenieurs adjoints. Leur traitement 
sera impute sur les fonds de la caisse speciale. Les fonds 
de la caisse speciale seront deposes ä la Banque d'Etat 
du Maroc, qui en tiendra la comptabilite. 

Les adjudications publiques seront passees dans les 
formes et suivant les conditions generales prescrites par 
un Reglement que le Corps Diplomatique ä Tanger est 
Charge d'etablir avec le Representant de Sa Majeste 
Cherifienne. 

Le bureau d'adiudication sera compose d'un representant 
du Gouvernement Cherifien, de cinq delegues du Corps Di- 
plomatique et de l'ingenieur. 

L'adjudication sera prononcee en faveur du soumis- 
sionnaire qui, en se conformant aux prescriptions du cahier 
des charges, presentera l'offre remplissant les conditions 
generales les plus avantageuses. 

En ce qui concerne les sommes provenant de la taxe 
speciale et qui seraient pergues dans les bureaux de douane 
etablis dans les regions visees par l'article 103 du Re- 
glement sur les douanes, leur emploi sersa regle par le 
Makhzen avec l'agrement de la Puissance limitrophe, cön- 
formement aux prescriptions du present article." 

Die reglementarischfen Bestimmungen über das Zoll- 
wesen werden im nächsten Kapitel behandelt. 

Deutschland schlägt die Schätzung der Waren 
durch ausländische Kaufleute in Marokko vor mit Unter- 
breitung der Ansätze beim diplomatischen Korps in Tanger. 

Frankreich wünscht die Beteiligung der Inhaber des An- 
leihens von 1904, weil diese Inhaber indirekt von der 
Schätzung betroffen werden (Garantiebestimmung des An- 
leihensvertrages von 1904). 



England reicht einen diesbezüglichen Vermittlungsvor- 
schlag ein, welcher mit geringer Modifikation von den 
Mächten angenommen wird. 

Es wird eine Schätzungskommission aus folgen- 
den Mitgliedern gewählt: 

1. Drei Mitglieder bezeichnet durch die marokkanische 
Regierang. 

2. Drei Mitglieder bezeichnet durch das diplomatische 
Korps in Tanger. 

3. Ein Delegierter der Staatsbank. 

4. Ein Mitglied des Anleihenkonsortiums von 1904. 

5. 12 — 20 in Marokko wohnende Notabein, welche zur 
Beratung hinzugezogen werden. 

(Art. 96 der Generalakte.) 

Es wird eine Z o 1 1 k o m m i s s i o n (Comite des douanes) 
in Tanger errichtet, die die ständige Aufsicht über das 
Zollwesen auszuüben hat. Diese Zollkommission besteht 
aus je einem Vertreter der marokkanischen Regierung, 
des diplomatischen Korps und der Staatsbank (Art. 97 
der Generalakte). 

2. Erhöhung der Abgaben auf Tabak und gewisse Waren. 

England, Oesterreich, Italien, Marokko sind für Bei- 
behaltung des gegenwärtigen Reglementes vom 2. Juni 
1890 bezüglich Abgaben auf Rauchtabak, Verkauf von 
Tieren und gewissen Waren. Die Beibehaltung dieses Regle- 
mentes wird von der Konferenz gutgeheissen (3. Kom.-Sitz., 
27. Januar). 

Opium und Kif bleiben Monopol der cherifischen Re- 
gierung. Die Einführung von Opium zu pharmazeutischen 
Zwecken ist gestattet mit spezieller Erlaubnis des Makhzen 
(5. Sitz., 7. Februar). Art. 72 der Generalakte. 

Soll der Tabak auch monopolisiert werden? 



— 87 — 

Frankreich, Russland, Spanien unterstützen die Wünsche 
des Makhzen, der die Monopolisierung aller Sorten von 
Tabak verlangt. Entschädigung an die bestehenden In- 
dustrien. 

Deutschland will das Monopol nur auf Schnupftabak 
ausdehnen. Es verweist auf den Handelsvertrag Deutsch- 
lands mit Marokko, der nur das Einfuhrverbot auf Schnupf- 
tabak enthält. 

Man einigt sich auf Art. 73 der Generalakte. 

Art. 73 der Generalakte. 

„Les Representants des Puissances prennent acte de 
l'intention du Gouvernement cherifien d'etendre aux tabacs 
de toutes sortes le monopole existant en ce qui concerne le 
tabac ä priser. Ils reservent le droit de leurs ressortissants 
ä etre düment indemnises des prejudices que le dit monopole 
pourrait occasionner ä ceux d'entre eux qui auraient des 
Industries creees sous le regime actuel concernant le tabac. 
A defaut d'entente amiable l'indemnite sera fixee par des 
experts designes par le Makhzen et par le Corps Diploma- 
tique, en se conformant aux dispositions arretees en matiere 
d'expropriation pour cause d'utilite publique." 

Ankauf von Eigentum in Marokko durch Fremde. 

Dieses Ankaufsrecht wurde schon in Art. 11 der Kon- 
vention von Madrid geregelt, aber in der Praxis durch 
die marokkanische Regierung stark eingeschränkt. 

Es wird nachstehender Artikel in die Generalakte auf- 
genommen: 

Art, 60 der Generalakte. 

„Conformement au droit qui leur a ete reconnu par 
rarticle 11 de la Convention de Madrid, les etrangers 
pourront acquerir des proprietes dans toute l'etendue de 
l'Empire Cherifien, et Sa Majeste le Sultan donnera aux 
autorites administratives et judiciaires les Instructions neces- 
saires pour que l'autorisation de passer les actes ne soit 
pas refusee sans motif legitime. Quant aux transmissions 



— 88 — 

ulterieures par actes entre vifs ou apres deces, elles conti- 
nueront ä s'exercer sans aucune entrave. 

Dans les ports ouverts au commerce et dans un rayon 
de dix kilometres aiitour de ces ports, Sa Maieste le Sultan 
accorde, d'une fagon generale, et sans qu'il seit desormais 
necessaire de robtenir specialement pour chaque achat de 
propriete par les etrangers, le consentement exige par 
l'article 11 de la Convention de Madrid. 

A Ksar-el-Kebir, Arzila, Azemmour, et eventuellement 
dans d'autres localites du littoral ou de l'interieur, l'autori- 
sation generale ci-dessus mentionnee est egalement accordee 
aux etrangers, mais seulement pour les acquisitions dans 
un rayon de deux kilometres autour de ces villes. 

Partout oü les etrangers auront acquis des proprietes, 
ils pourront elever des constructions en se conformant aux 
reglements et usages. 

Avant d'autoriser la redaction des actes transmissifs 
de proprete, le Cadi devra s'assurer conformement ä la 
loi musulmane, de la regularite des titres. 

Le Makhzen designera, dans chacune des villes et 
circonscriptions indiquees au present article, le Cadi qui 
sera charge d'effectuer ces verifications." 



3. Landwirtschaftliche Steuern (Tertib 1903). 

Marokko wünscht das gegenwärtige System von 1903 
(Tertib) beizubehalten. 

Die Mächte sind damit einverstanden, sie verlangen 
aber, dasb die Steuer von Fremden nur verlangt wer- 
den dürfe, wenn sie von den Eingeborenen auch bezahlt 
werde. 

Die marokkanischen Delegierten geben die typische 
Antwort: ,,.... des que les marocains verront les etrangers 
payer l'impot, ils le paieront aussi". 

Spanien legt grossen Wert auf die Erhebung der Steuer 
durch die Konsularhöfe, weil dadurch gewisse Garantien 
für die zahlreichen Kolonion in Marokko geschaffen werden. 



— 89 — 

In der 4. Sitz, vom 1. Februar wird die Frage des 
Tertib erledigt und als Art. 59 in die Generalakte auf- 
genommen. 

Art. 59 der Generalakte. 
„Des que le tertib sera mis ä execution d'ane fagon 
reguliere ä l'egard des sujets marocains, les Representants 
des Puissances ä Tanger y soumettront leurs ressortissants 
dans l'Empire. Mais il est entendu que le dit impot ne sera 
applique aux etrangers: 

a) que dans les conditions fixees par le reglement du 
Corps Diplomatique ä Tanger en date du 23 novembre 
1903; 

b) que dans les localites oü il sera effectivement pergu 
sur les sujets marocains. 

Les autorites consulaires retiendront un tantieme pour 
Cent des sommes encaissees sur leurs ressortissants pour 
couvrir les frais occasionnes par la redaction des röles et 
le recouvrement de la taxe. 

Le taux de cette retenue sera fixe, d'un commun 
accord, par le Makhzen et le Corps Diplomatique ä Tanger." 

4. Sokra und Mouna (Kommissionsgelder und Lieferung von 

Lebensmitteln). 

Die Mächte verzichten nach dem Beispiele Frank- 
reichs auf diese direkten Abgaben seitens der Bevölke- 
rung an reisende Staatsbeamte (Art. 62 der Generalakte). 

5. Erträgnisse aus Staatseigentum und öfTentlichen Betrieben. 

Stationierungsgebühren für Schiffe in den 

Häfen. 

England verlangt die Bildung einer Spezialk asse 
für diese Zuschlagsgebühren. 

Die Festsetzung der Lagergebühren wird an das diplo- 
matische Rorps in Tanger verwiesen (5. Sitz., 7. Februar). 



— 90 — 

Art. 70 der Generalakte. 

,,Le taux des droits de stationnement ou d'ancrage 
iinposes aux navires dans les ports marocains se trouvant 
fixe par des traites passes avec certaines Puissances, ces 
Puissances se montrent disposees ä consentir la revision 
des dits droits. Le Corps Diplomatique ä Tanger est Charge 
d'etablir, d'accord avec le Makhzen, les conditions de la 
revision qui ne pourra avoir lieu qu'apres ramelioration 
des ports." 

Betreff der Lagergebühren in Hafenzoll- 
ämtern wird Art. 71 der Generalakte aufgestellt. 

Art. 71 der Generalakte. 

,,Les droits de niagasinage en douane seront pergus 
dans tous les ports marocains oü il existera des entrepots 
suffisants, conformement aux reglements pris ou ä prendre 
sur la matiere par le Gouvernement de Sa Majeste Cheri- 
fienne, d'accord avec le Corps Diplomatique ä Tanger." 

Post und Telegraph. 

Die Mächte können keine Besteuerung zulassen. 

Ebenso müssen Abgaben auf Wagen verweigert werden, 
mit der Begründung, dass Wagen mangels Strassen eine 
Seltenheit seien. 

Elektrisches Licht und Elektrizität. 

Spanien wehrt sich entschieden gegen eine Besteuerung 
von elektrischem Licht und Elektrizität unter Bezugnahme 
auf seinen Vertrag mit Marokko von 1861. 

England und P>ankreich unterstützen Spanien. 

In gleicher Weise wehrt sich Spanien gegen die Be- 
steuerung der Fischerei mit Hinweis auf das freie Fischerei- 
recht Spaniens in marokkanischen Gewässern (Art. 57 und 
00 deh' spanischen Ifnndclsvertrages). 



— 91 — 

Abgaben auf städtische Bauten. 

Die Mächte beantragen die Zahlung der Abgaben durch 
die Mieter. Marokko dagegen verlangt die Bezahlung durch 
die Besitzer. 

Frankreich schlägt vor, dass die Zahlung der Abgaben 
zuerst durch die Besitzer und nachher durch die Mieter 
erfolge. 

Lösung in Art. 61 der Generalakte. 

Art. 61 der Generalakte. 

„Dans le but de creer de nouvelles ressources au 
Makhzen, la Conference reconnait, en principe, qu'une taxe 
pourra etre etablie sur les constructions urbaines. 

Une Partie des recettes ainsi realisee sera affectee aux 
besoins de la voirie et de l'hygiene municipales et, d'une 
fagon generale, aux depenses d'amelioration et d'entretien 
des villes. 

La taxe sera due par le proprietaire marocain ou 
etranger sans aucune distinction; mais le locataire ou le 
detenteur de la clef en sera responsable envers le Tresor 
marocain. 

Un reglement, edicte d'un commun accord par le Gou- 
vernement Cherifien et le Corps Diplomatique ä Tanger, 
fixera le taux de la taxe, son mode de perception et 
d'application et determinera la quotite des ressources ainsi 
creees qui devra etre affectee aux depenses d'amelioration 
et d'entretien des villes. 

A Tanger cette quotite sera versee au Conseil sanitaire 
international, qui en reglera l'emploi jusqu'ä la creation 
d'une Organisation municipale." 

6. Ausfuhrzölle. 

Ausser den Einfuhrzöllen bestehen auch Ausfuhrzölle. 
Der Makhzen tritt ein für hohe Ausfuhrzölle, um möglichst 
grosse Einnahmen zu erzielen; die Mächte dagegen bean- 
tragen im allgemeinen niedrige Ansätze. Sie machen darauf 
aufmerksam, dass niedrige Ausfuhrgebühren durch Steige- 



— 92 — 

rung der Ausfuhr doch eine Erhöhung der Einnahmen be- 
deuten. 

Getreideausfuhr. 

Russland äussert Bedenken gegen die Herabsetzung der 
Ausfuhrtarife auf Getreide, da es vermehrte Konkurrenz 
für sich fürchtet. 

Frankreich unterstützt Russland. Revoil (Frankreich) 
macht darauf aufmerksam, dass der Sultan völlig frei sei 
in der Festsetzung der Ausfuhrzölle, im Gegensatz zu den 
Einfuhrzöllen, wo er vielfach durch Verträge gebunden sei. 

Marokko wünscht keine Herabsetzung. 

England, Deutschland, Belgien beantragen eine Herab- 
setzung. 

Man einigt sich auf folgende kleine Herabsetzung der 
Ausfuhrtarife: 

Art. 67 der Generalakte. 

„La Conference, sous reserve des observations presen- 
tees ä ce sujet, emet le voeu les droits d'exportation 
des marchandises ci-apres soient reduits de la maniere 
suivante: 

Pois chiches .... 20 pour 100 

Mais 20 „ 100 

Orge 50 „ 100 

Ble 34 „ 100 

Viehausfuhr. 

Spanien schlägt vor: jährlich und pro Macht 10,000 
Stück anstatt 6000 wie bis anhin ausführen zu dürfen. 

Marokko findet die Zahl von 10,000 zu hoch. 

Deutschland unterstützt Spanien. 

Marokko nimmt den Antrag von 10,000 Stück an 
(Art. 68 der Generalakte). 

Küstenhandel (Cabotage) mit Getreide, Gemüse, 
Waren, Tieren etc. 
Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Spanien sind für 
Freigabe des Küstenhandels. 



— 93 — 

Der Makhzen ist einverstanden unter der Bedingung, 
bei Teuerung diese Bestimmung aufheben zu können, 

Art. 69 der Generalakte. 

„Conformement aux decisions anterieures de Sa Ma- 
jeste Cherifienne et notamment ä la decision du 28 sep- 
tembre 1901, est autorise entre tous les ports de l'Empire 
le Transport par cabotage des cereales, graines, legumes, 
oeufs, fruits, volailles, et en general des marchandises et 
animaux de toute espece^ originaires ou non du Maroc, 
ä Texception des chevaux, mulets, änes et chameaux pour 
lesquels un permis special du Makhzen sera necessaire. Le 
cabotage pourra etre effectue par des bateaux de toute 
nationalite, sans que les dits articles aient ä payer les 
droits d'exportation, mais en se conformant aux droits 
speciaux et aux reglements sur la matiere," 

Modifikationsbestinimung von Kapitel IV. 

Allfällige Modifikationen der Bestimmungen dieses Ka- 
pitels werden nach Uebereinkunft des diplomatischen Korps 
mit dem Sultan geregelt. 

Art. 75 der Generalakte. 

„Au cas oü il y aurait lieu de modifier quelqu'une des 
dispositions de la presente declaration, une entente devra 
s'etablir ä ce sujet entre le Makhzen et le Corps Diploma- 
tique ä Tanger." 



V. Reglement über Zölle und Unterdrückung 
des Schmuggels. 

(Reglement sur les Douanes de L'Empire et la Repression 
de la Fraude et de la Contrebande.) 

Dieses Kapitel bietet wenig Anlass zu Diskussion, die 
einzelnen Artikel werden meistens ohne weiteres ange- 
nommen (Fassung des Redaktionskomitees). Es handelt 
sich um Festlegung reglementarischer Bestimmungen, wie 



94 



Zeitdauer, Strafbestimmungen, genauere Fixierung einzelner 
Bestimmungen, Ergänzungsvorschläge etc. 

Artikel von gewisser Wichtigkeit sind folgende: 

Bestimmung über die Vorweisung des Manifestes der in 
marokkanischen Häfen einlaufenden Schiffe (Art. 77 der 
Generalakte). 

Ausnahmen dieser Verpflichtung (Art. 78). 

Massnahmen der Zollverwaltung bei Ungenauigkeiten 
des Manifestes und bei Weigerung des Kapitäns, die Zoll- 
revision vornehmen zu lassen. 

Art. 80 der Generalakte. 

„Quand il aura des indices serieux faisant soupgonner 
rinexactitude du manifeste, ou quand le capitaine du navire 
refusera de se preter ä la visite et aux verifications 
des agents de la douane, le cas sera signale ä l'autorite 
consulaire competente afin que celle-ci procede avec un 
delegue de la douane cherifienne aux enquetes, visites et 
verifications qu'elle jugera necessaires." 

Strafbestimmungen (Art. 81 — 92 der General- 
akte): 

Bei Verzögerung des Manifestes und bei vorsätzlich 
ungenauem und unvollständigem Manifest (Art. 81); 

bei Ungenauigkeiten bezüglich der Zahl, Quantität und 
Gewicht (Art. 83); 

bei ungenauer. Angabe der Art des Stückes und der 
Qualität (Art. 84); 

bei ungenauer Angabe des Wertes und der Natur der 
Ware (Art. 85 und 86); 

bei Schmuggel (Tentative et flagrant) (Art. 87 — 92). 

Konfiskation, Verhängung von Bussen und Strafen: 

Art. 102 der Generalakte. 

„Toute confiscation, amende ou penalite devra etre 
prononcee pour les etrangers par la juridiction consulaire 
et pour les sujets marocains par la juridiction Cherifienne." 



— 95 - 

Anwendung dieses Reglementes in den Grenzgebieten 
ist Sache der Grenzstaaten. 

Art. 103 der Generalakte. 

„Dans la region frontiere de l'Algerie, l'application 
du present reglement restera l'affaire exclusive de la France 
et du Maroc. 

De meme, l'application de ce reglement dans le Riff 
et, en general, dans les regions frontieres des Possessions 
espagnoles, restera l'affaire exclusive de TEspagne et du 
Maroc." 

R e V i s i n s b e s t i m m u n g : 

Art. 104 der Generalakte. 

„Les dispositions du present reglement, autres que 
Celles qui s'appliquent aux penalites, pourront etre revisees 
par le Corps Diplomatique ä Tanger, statuant ä l'unanimite 
des voix, et d'accord avec le Makhzen ä l'expiration d'un 
delai de deux ans ä dater de son entree en vigueur." 



VI. Oeffenfliche Einrichtungen und Arbeiten. 

(Services publics des travaux publics.) 



Um das Prinzip der „offenen Tür" aller in Marokko 
interessierten Staaten überall angewendet zu wissen, reichen 
Deutschland und Oesterreich in der 15. Sitz, vom 29. März 
1906 eine „Proposition" ein, worin sie verlangen, dass die 
Konferenz dieses Prinzip in ihren Dispositionen über 
die „adjudication" öffentlicher Arbeiten, Konzessionen und 
Lieferungen festsetze. 

Ohne jede Diskussion nahm darauf die Konferenz die 
vom Redaktionskomitee — unter möglichster Anlehnung 
an die Proposition Deutschlands — ausgeführte Dekla- 
ration an. 

Die hauptsächlichsten Bestimmungen sind folgende: 



— 96 — 

1. Zweck öffentlicher Einrichtungen. 

Die öffentlichen Einrichtungen dürfen unter keinen Um- 
ständen den besonderen Interessen eines Staates dienen. 

Art. 105 der Generahikte. 

„En vue d'assurer l'application du principe de la li- 
berte economique sans aucune inegalite, les Puissances 
signataires declarent qu'aucune des Services publics de 
TEmpire Cherifien ne pourra etre aliene au profit d'interets 
particuliers.'" 

2. Projektierung und Ausführung öffentlicher Arbeiten mit 

fremder Hilfe. 

Wenn die marokkanische Regierung öffentliche Ar- 
beiten mit fremdem Kapital oder mit Hilfe der auswärtigen 
Industrie ausführt, haben die Signaturmächte darüber zu 
wachen, dass die Autonomie der marokkanischen Regierung 
über diese Unternehmungen vollständig gewahrt bleibe. 

Art. 106 der Generalakte. 

„Dans le cas ou le Gouvernement cherifien croirait 
devoir faire appel aux capitaux etrangers ou ä l'industrie 
etrangere pour l'exploitation de Services publics ou pour 
l'execution de travaux publics, routes, chemins de fer, 
ports, telegraphes et autres, les Puissances signataires 
SB reservent de veiller ä ce que l'autorite de l'Etat, sur ces 
grandes entreprises d'interet general, demeure entiere." 

Die Erteilung vonKonzessionen für öffentliche 
Arbeiten und Lieferungen erfolgt für alle Nationen durch 
öffentliche Zusprechung ohne Bevorzugung irgend einer 
Nation. 

Art. 107 der Generalakte. 

„La validite des concessions, qui seraient faites aux 
termes de l'article 106 ainsi que pour les fournitures d'Etat, 
sera subordonnee, dans toute l'Empire cherifien, au prin- 
cipe de Fadjudication publique, sans acception de natio- 
nalite, pour toutes les matieres qui, conformement aux 



mm 



— 97 — 

regles suivies dans les legislations etrangeres, en com- 
portent l'application." 

Die marokkanische Regierung hat, wenn sie öffent- 
liche Arbeiten auf dem Wege der Verdingung ausführen 
lässt, dem diplomatischen Korps rechtzeitig davon Mitteilung 
zu machen und ihm alle bezüglichen Dokumente zu unter- 
breiten. 

Art. 108 der Generalakte, 

„Le Gouvernement cherifien, des qu'il aura decide de 
proceder par voie d'adjudication ä l'execution des travaux 
publics, en fera part au Corps Diplomatique; il lui com- 
muniquera, par la suite, les cahiers des charges, plans 
et tous les documente annexes au projet d'adjudication, 
de maniere que les nationaux de toutes les Puissances 
signataires puissent se rendre compte des travaux pro- 
ietes et etre ä meme d'y concourir. Un delai süffisant 
sera fixe sur cet effet paar l'avis d'adjudication." 

Das „Cahier des charges" darf das Prinzip der freien 
Konkurrenz zwischen den einzelnen Staaten nicht verletzen, 
indem es eine einzelne Nationalität begünstigt. 

Art. 109 der Generalakte. 

„Le cahier des charges ne devra contenir, ni directe- 
ment, ni indirectement, aucune condition ou dispositjon 
qui puisse porter atteinte ä la libre concurrenoe et mettre 
en etat d'inferiorite les concurrents d'une nationalite vis-ä- 
vis des concurrents d'une autre nationalite." 

Die Zuteilungen sind durch ein von der marok- 
kanischen Regierung und dem diplomatischen Korps ge- 
meinsam aufzustellende Reglement zu regeln und werden 
von der cherifischen Regierung nach Massgabe der 
günstigsten Offerte zugesprochen. 

Art. 110 der Generalakte. 

,,Les adjudications seront passees dans les formes et 
suivant les conditions generales prescrites par un regle- 
ment que le Gouvernement cherifien arretera avec l'as- 
sistance du Corps Diplomatique. 



— 98 — 

L'adjudication sera prononcee par le Gouvernement 
cherifien en faveur du soumissionnaire qui, en se confonnant 
aux prescriptions du cahier des charges, presentera l'offre 
remplissant les conditions generales les plus avantageuses." 

Die obigen Bestimmungen in Art. 106 — 110 der General- 
akte gelten auch für die Ausbeutung von Wäldern 
(Kork-Eichen), entsprechend den gebräuchlichen Dispositio- 
nen fremder Legislaturen (Art. 111 der Generalakte). 

Ein cherifischer Firman setzt die Konzessionsbedin- 
gungen für Ausbeutung von Minen fest. 

Art. 112 der Generalakte. 

„Un firman cherifien determinera les conditions de 
concession et d'exploitation des mines, minieres et carrieres. 
Dans Telaboration de ce firman, le Gouvernement cherifien 
s'inspirera des legislations etrangeres existant sur la ma- 
tiere.'' 

3. Expropriationen von privatem Besitz. 

Diese muss auf gesetzlichem Wege vor sich gehen. Ihre 
Notwendigkeit muss durch eine administrative Untersuchung 
dargetan werden, deren Formalitäten von der marok- 
kanischen Regierung im Einverständnis mit dem diploma- 
tischen Korps aufzustellen sind. Gegenüber marokka- 
nischen Eigentümern ergreift der Sultan die notwendigen 
Massnahmen (Art. 113 und 114). 

Sind die Eigentümer Ausländer und können sich 
diese mit der kompetenten Behörde über die Entschädigung 
nicht einigen, so ist folgend ermassen vorzugehen: 

Zunächst entscheidet eine sechsgliedrige Jury, die zur 
Hälfte von dem Eigentümer, zur Hälfte vom Staate gewählt 
wird. In derselben entscheidet die absolute Majorität. 

Kann die Jury zu keinem Schlüsse kommen, dann ent- 
scheiden drei Schiedsrichter, einer gewählt vom Staate, einer 
vom Eigentümer, der dritte von diesen beiden Richtern 



— 99 — 

zusammen, im Nichteinigungsfalle gewählt vom diploma- 
tischen Korps in Tanger. Der Eigentümer kann gegen 
einen Entscheid an das zuständige Gericht appellieren 
(Art. 115—119). 



VII. Allgemeine Bestimmungen. 



Das Abkommen der Marokkokonferenz tritt spätestens 
am 31. Dezember 1906 in Kraft. 

Art. 122 der Generalakte. 

„Le present Acte General entrera en vigueur le jour 
oü toutes les ratifications auront ete deposees, et au 
plus tard le trente et un decembre mille neuf cent six. 

Au cas oü les mesures legislatives speciales, qui dans 
certains pays seraient necessaires pour assurer l'applica- 
tion ä leurs nationaux residant au Maroc de quelques-unes 
des stipulations du present Acte General, n'auraient pas 
ete adoptees avant la date fixee pour la ratification, ces 
stipulations ne deviendraient applicables, en ce qui les con- 
cerne, qu'apres que les mesures legislatives ci-dessus visees 
auraient ete promulguees." 

Alle Friedensschlüsse, Konventionen und Verträge der 
Mächte bleiben in Kraft, doch gehen die Bestimmungen des 
Marokkoabkommens von 1906 den Vertragsbestimmungen 
der einzelnen Mächte vor. 

Art. 123 der Generalakte. 

„Tous les traites, Conventions et arrangements des 
Puissances signataires avec le Maroc restent en vigueur. 
Toutefois, il est entendu qu'en cas de conflit entre leurs 
dispositions et Celles du present Acte General, les stipu- 
lations de ce demier prevaudront." 

Am 7. April 1906 findet die Unterzeichnung 
der Generalakte durch die Mächte statt. 



— 100 — 

Der Sultan behält sich die definitive Entscheidung- 
noch vor. 

Es wird ein „Protocole Additionel" durch die 
Mächte aufgestellt, worin der italienische Minister Mal- 
mus i in Marokko beauftragt wird, im Namen sämtlicher 
Signaturmächte der Konferenz die nötigen Schritte beim 
Sultan zu unternehmen, um ihn zur Annahme und zur 
sofortigen Inkrafterklärung der Generalakte zu bewegen. 

Am 18. Juni 1906 erfolgt die definitive Annahme 
der Generalakte durch den Sultan. 



c. 

Rückblick und Ergebnis der Konferenz. 



Werfen wir einen kurzen Rückblick auf die Konferenz 
und betrachten wir deren Ergebnis. 

Wie weit war es Frankreich gelungen, seine Forde- 
rungen durchzusetzen und was hat Deutschland erreicht? 

Frankreich hatte durch Annahme der Konferenz seine 
Aspirationen auf Marokko zum grossen Teile aufgegeben 
oder wenigstens auf sehr unsicheren Boden gestellt; es 
war höchst ungewiss, was sich an Sondervorteilen retten 
liesse. Deutschland anderseits hatte die Konferenz durch- 
gesetzt, hatte aber Frankreichs Sonderstellung im Prinzipe 
anerkennen müssen. 

Politisch vielleicht die wichtigste Frage, und deshalb 
der wichtigste Verhandlungsgegenstand der Konferenz über- 
haupt, ist, wie schon früher erwähnt, die Polizeireform. 
In dieser Frage siegte im grossen und ganzen Frankreich. 
Frankreich und Spanien vermochten es durchzusetzen, dass 
das Polizeimandat ihnen allein übertragen wurde, mit 
Ausschluss jeder andern Nation, Freilich mussten sie sich 
das Generalinspektorat einer neutralen Kleinmacht (der 
Schweiz) gefallen lassen, aber die Hauptsache war und 
blieb die Ausschaltung der anderen Nationen. 

Frankreich war nun in der Lage ,,de donner ä Fez 
les conseils", welche es für nötig erachtete. Welcher Ein- 
fluss liess sich nicht durch die Polizei gewinnen und welche 
Gelegenheiten und Möglichkeiten konnten nicht alle unter 



— 102 — 

dem Vorwand der Sorge für die öffentliche Sicherheit ent- 
stehen? Liessen sich die Aspirationen auf Marokko nicht 
vielleicht doch ' einmal verwirklichen? 

Deutschland war also mit der Internationalität in der 
wichtigsten Frage abgewiesen, es musste sich mit dem 
neutralen Generalinspektorat und der Berichterstattung an 
das diplomatische Korps begnügen. 

Wenn man in Frankreich im grossen und ganzen zu- 
frieden war mit dem Ausgang der Konferenz und in Deutsch- 
land eher missmutig, so bezieht sich dies besonders auf 
diese Frage. 

Der französische Minister des Auswärtigen äusserte 
sich in der französischen Kammersitzung vom 12, April 
1906: „. . . . nous ne sommes pas moins heureux de con- 
stater que les resultats sont acceptes par toutes les nations". 

Die französisch-spanischen Polizeimandate werden fol- 
gendermassen verteilt auf die einzelnen Häfen: 

Französische Instruktoren in Rabat, Mazagan, Safi und 
Mogador. 

Spanische" Instruktoren in Tetuan und Larache. 

Gemischt in Tanger und Casablanca. 

Die Dauer der Polizeireform wird auf fünf Jahre fest- 
gesetzt, mit der Datierung von der Ratifikation der General- 
akte. 

Das Reglement wird durch ein Komitee aufgestellt, be- 
stehend aus dem marokkanischen Kriegsminister, dem Ge- 
ralinspektor, dem obersten französischen und dem obersten 
spanischen Instruktionsoffizier. 

Der Bestand der Polizeitruppe beträgt 2000 bis 2500 
Mann mit IG Offizieren und 32 Unteroffizieren französischer 
und spanischer Herkunft. Die Verteilung geschieht in 
Gruppen von 150 bis 500 Mann. 

Die andere ebenfalls sehr wichtige Frage der Kon- 
ferenz ist die B a n k f r a g e. Auch hier vermochte Frank- 



— 103 — 

reich eine gewisse Begünstigung- zu erlangen, wenn auch 
nicht in der gewünschten Höhe. Gestützt auf die grossen 
finanziellen Interessen und besonders als Kompensation der 
Vorzugsrechte des Anleihens des französischen Konsortiums 
von 1904 verlangte Frankreich vier Anteile am Kapital der 
Bank. Es wurden ihm aber nur zwei gegeben (die anderen 
Staaten erhalten je einen Anteil). 

Bezüglich der Oberaufsicht über die Bank musste 
P>ankreich in einen Kompromiss einwilligen. Es befür- 
wortete eine cherifische, musste aber eine internationale 
Oberaufsicht annehmen, freilich nicht durch das diploma- 
tische Korps, sondern durch vier Staatsbanken, die Bank 
von Frankreich, die deutsche Reichsbank, die Bank von 
Spanien und die Bank von England. 

Bezüglich der Gesetzgebung in Anwendung auf die 
Bank wurde das französische Gesetz angenommen. 

In der Frage der Gerichtsbarkeit — die Bank 
als Beklagte — fand wiederum ein Kompromiss statt. Das 
französische Konsularrecht wurde abgewiesen, dafür zwei 
Gerichtshöfe eingesetzt, das Bundesgericht in Lausanne und 
ein gemischter Konsulargerichtshof, freilich mit etwas an- 
derer Zusammensetzung, als ihn das deutsche Projekt vor- 
gesehen hatte. 

Das Bundesgericht in Lausanne ist bestimmt für Strei- 
tigkeiten zwischen der marokkanischen Regierung und der 
Bank, ebenso zwischen den Aktionären und der Bank. 

Der gemischte Gerichtshof besteht aus drei Konsular- 
magistraten mit Beisitz von zwei kaufmännischen Notabein, 
Er findet seine Anwendung bei Privaten. Bei Ueberstei- 
gung einer gewissen Summe gibt man den Privaten die 
Garantie eines Magistratenhofes, 

Für die Fälle, wo die Privaten als Beklagte, nicht als 
Kläger auftreten, werden die zuständigen Konsulargerichte 
eingesetzt. 



— 104 — 

Der Yerwaltungsrat wird durch die Generalversamm- 
lung der Aktionäre gewählt mit nachheriger Genehmigung 
durch die nationalen Gruppen. 

Ais Sitz der Bank wird Tanger bestimmt. — Die Kon- 
zessionsdauer beträgt 40 Jahre. — Die Statuten der Bank 
werden durch ein spezielles Statutenkomitee, gebildet von 
den ünterschriftsgruppen der Bank, aufgestellt. 

Die von der Bank an die marokkanische Regierung 
zu leistenden Vorschüsse sind nur für die Polizei und die 
öffentlichen Arbeiten bestimmt. 

Deutschlands Forderung der wirtschaftlichen 
Gleichberechtigung aller Nationen ist von der Kon- 
ferenz ohne weiteres gutgeheissen worden. Deutschland 
hat durch ausdrückliche Festlegung des Prinzips der 
offenen Tür für seine eigenen und die wirtschaftlichen 
Interessen anderer Länder nicht zu unterschätzende Garan- 
tien geschaffen. 

Bezüglich Ausführung und Betrieb der öffentlichen Ar- 
beiten und Einrichtungen und Erteilung von Konzessionen 
werden folgende Bestimmungen getroffen: 

Oeffentliche Einrichtungen dürfen unter keinen Um- 
ständen den besonderen Interessen eines einzelnen Staates 
dienen. Die Erteilung von Konzessionen für öffentliche 
Arbeiten und den Betrieb öffentlicher Einrichtungen, sowie 
für Ausbeutung von Minen und Korkeichenwäldern erfolgt 
durch öffentliche Zusprechung, ohne Bevorzugung irgend 
einer Nation. Werden öffentliche Arbeiten auf dem Wege 
der freien Konkurrenz ausgeführt, so darf keine Nation 
weder direkt noch indirekt begünstigt werden. 

Bei Ausführung öffentlicher Arbeiten mit fremder Hilfe 
hat die Autonomie der marokkanischen Regierung voll- 
ständig gewahrt zu bleiben. 

In einem Schlussparagraphen erklärt die Konferenz alle 
bisherigen Verträge, Konventionen und Abmachungen aller 
Nationen in Kraft bestehend, soweit sie den Bestimmungen 



— 105 — 

dieser Akte nicht widersprechen. — Im französisch-eng- 
lischen Abkommen von 1904 war nur der Fortbestand der 
englis,chen Verträge garantiert. 

Die übrigen Traktanden der Konferenz sind, wie schon 
erwähnt, mehr administrativer Natur und geben wenig An- 
lass zu politischen Differenzen. Der Sultan meldet sich 
auch hier zum Worte, seine Forderungen bleiben aber meist 
unberücksichtigt. Der Sultan wünscht möglichst hohe Zölle, 
Steuern und Abgaben und Verwendung derselben nach 
eigenem Ermessen. Die Mächte setzen aber möglichst 
niedrige Ansätze und spezielle Verwendung für öffentliche 
Arbeiten durch. 

Von gewissem Interesse ist es, in diesem Zusammenhange 
einen Blick auf das Verhalten der einzelnen Mächte in den 
Verhandlungen zu richten. Es interessiert dies umso mehr, 
als die Konferenz in der Zeit stattfindet, wo man viel von 
der Einkreisung Deutschlands spricht. 

Im allgemeinen lassen sich zwei Mächtegruppen unter- 
scheiden, der Gefolgschaft Deutschlands und Frankreichs 
entsprechend, doch ist die Scheidung nicht immer deutlich 
ersichtlich. Manchmal treten Mächte vermittelnd auf oder 
verhalten sich ,neutral. 

Der treue ,, Sekundant" Deutschlands ist Oesterreich, 
dessen Delegierter gemäss seiner Instruktion ,,in enger Füh- 
lung mit seinem deutschen Kollegen zu bleiben" Deutsch- 
land in allen Punkten auf das Entschiedenste unterstützt 
oder Deutschland durch einen Vermittlungsvorschlag aus 
einer unhaltbaren Situation zu ziehen sucht, wie z. B. 
bei der Frage der Internationalität der Polizei. 

Italien bewahrt eine gewisse Reserve und verhält sich 
mehr neutral. Es ist durch geheime Abmachungen bezüg- 
lich Tripolis an die Mittelmeermächte gebunden und kann 
deshalb seine Alliierten nicht unterstützen. Wenn es auf- 
tritt, geschieht es meist, um zu vermitteln, wie bei der 



— 106 — 

Frage der Legislatur und Jurisdiktion in der Bankangelegen- 
heit. — Somit ist Deutschland ausschliesslich auf Oester- 
reich angewiesen. — 

Man begreift die Freude der französischen und den 
Missmut der deutschen Presse; die französische Presse glaubt 
schon eine Quadrupel-Allianz Frankreich, Russland, Eng- 
land, Italien einem deutsch-österreichischen Zweibunde 
gegenüberstellen zu können. So weit berechtigt jedoch 
die Haltung Italiens nicht. 

Frankreich findet in allen wichtigen Fragen die ent- 
schiedenste Unterstützung bei England, das den deutschen 
Forderungen mit gleicher Entschlossenheit entgegentritt 
wie Frankreich selbst. Russland nimmt ebenfalls entschie- 
den Partei für seinen Alliierten. Aber nicht nur bei Fragen 
ersten Ranges, auch bei Fragen geringerer Wichtigkeit 
findet Frankreich sichere englische und russische Unter- 
stützung. 

England tritt auch vermittelnd auf, wie bei der Frage 
der Oberaufsicht über die Bank. 

Spanien unterstützt die französischen Forderungen, weil 
seine eigenen Interessen damit verknüpft sind (Polizei und 
Bank). 

So sehen wir gelegentlich Deutschland und Oesterreich 
gegenüber der vereinigten Gruppe von Frankreich, Eng- 
land, Russland und Spanien. 

Die Vereinigten Staaten beteiligen sich nur wenig, 
ebenso die kleinen Mächte. Diese nehmen etwas mehr An- 
teil an den nichtpolitischen Fragen. 

Marokko selbst spielt eine ganz unbedeutende Rolle. 
Seine Vorschläge werden meist verworfen oder manschreitet 
ohne Beachtung darüber hinweg. 

Am 7. April 1906 unterzeichnen die Mächte die General- 
akte und am 18. Juni 1906 erfolgte die definitive Annahme 
derselben durch den Sultan. 



Literatur, 

G e 1 b b u c h über Marokko, Frankreich. 

1. Documents diplomatiques, Affaires du Maroc 1901 — 1905. 

2. Documents diplomatiques, Protocoles et comptes rendus de 
la Conference d'Algesiras 1906. 

Weissbuch über Marokko, Deutschland. 
R t b u c h über Marokko, Oesterreich. 

Diplomatische .Aktenstücke und Dokumente über die Internationale 

Konferenz von Algesiras 1905 — 1900. 
Französisch -englisches Marokko-Abkommen 1904 und 
Französisch-englisches Geheimabkommen 190 4. 

Declaration between the United Kingdom and France respectintr 

Egypt and Morocco, together with the Secret Ar- 

t i c 1 e s signed at the same time. April 8, 1904. 
Französisch-spanisches Marokko- Abkommen 1904 und 
Französisch -spanisches Geheim -Abkommen 19 4. 

Franco-Spanish Declaration and Convention respecting Marocco, 

October 3, 1904. 
Rede von Kiderlen- Wächter am 17. November 1911 in der 

Budget-Kommission des Reichstages. 
Rede des deutschen Reichskanzlers Bethmann von 

Hollweg am 9. November 1911 im deutschen Reichstag. 



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Bretschger, Jakob 

Die Marokko-Konferenz