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Full text of "Die Natugeschichte des Cajus Plinius Secundus : ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen"

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THIS BOOK IS DUE ON THE DATE 
INDICATED BELOW AND IS SUB- 
JECT TO AN OVERDUE FINE AS 
POSTED AT THE CIRCULATION 
DESK. 



DIE 

NATURGESCHICHTE 



DES 



CAJÜS PLIMUS SECÜNDÜS. 



INS DEUTSCHE ÜBERSETZT 
UND MIT ANMERKUNGEN VERSEHEN 



Prof. Dr. G. C. WITTSTEIN 

in München. 



ERSTER BAND: 

(I-VL Buch) 

Dedication, Inhaltsverzeichniss, Kosmographie und Geographie. 



LEIPZIG. 



Druck und Verlag von Gressner & Schramm. 
1881. 



Vorrede. 



Cajus Plinius Secundus wurde im Jahre 23 nach Christi 
Geburt (im Jahre Rom's 775, im neunten Jahre der Regierung 
des Kaisers Tiberius) zu Como geboren, und starb unter 
Titus, im Jahre 79 nach Christo, dem sechsundfünfzigsten 
Jahre seines Alters bei einem Ausbruche des Vesuvs, dem- 
selben, der auch die beiden Städte Pompeji und Herculanum 
verschüttete. Sein Vater hiess Celer, seine Mutter Marcella, 
durch welche er mit Pomponius Secundus verwandt war, und 
von deren Familie er den Namen „Secundus" erhielt. Er 
that zuerst Kriegsdienste in Deutschland unter der Regierung 
des Kaisers Claudius, verwaltete nachher mehrere bedeutende 
Civil- und Militairämter unter Nero und Titus Vespasian, 
und commandirte zuletzt die Flotte zu Misenum. 

Was wir ausserdem noch Näheres von dem Leben, 
Wirken und dem Tode unsers Plinius wissen, enthalten 
zwei Briefe seines Neffen, die daher hier folgen sollen. 

C. Plinius Caecilius x ) an seinen Freund Macer 2 ) 

(III. Buch. 5. Brief.) 
„Es ist mir sehr angenehm, dass Du die Werke meines 
Oheims so fleissig liesest, da^s Du wünschest, sie alle zu 



*) C. Plinius Caecilius Secundus, wurde 62 n. Chr. zu Como geboren, 
erwarb sich als gerichtlicher Redner viel Beifall in Rom, war unter 
Doniitian Prätor, unter Nero und Trajan Consul, dann Augur und zu- 
letzt Statthalter in Bithynien. Seine Mutter hiess Plinia und war 
des Plinius Secundus Schwester; sein Vater, der aber früh starb, hiess 
C. Csecilius. 

2 ) Btebius Macer, ein angesehener Römer, bekleidete 101 n. Chr. 
die Würde eines Consul suftectus (der beim Todesfall eines Consuls 

1 



D. H. HILL LIBRARY 
North Carolina State College 



2 Vorrede. 

besitzen und zu wissen, welche es sind. Ich will daher die 
Rolle eines Anzeigers übernehmen, und Dir zugleich be- 
merken, in welcher Ordnung er sie geschrieben hat, denn 
auch diess erfährt der Studierende gern. 

Ein Buch Ueber das Spiesswerfen der Reiterei. 
Dieses verfasste er als Befehlshaber eines Flügels 1 ) mit 
ebenso viel Scharfsinn als Sorgfalt. 

Zwei Bücher Lebensbeschreibung desPomponius 
Secundus, 2 ) der ihn zärtlich liebte, und dem er, gleichsam 
als schuldigen Tribut, darin die Erinnerungen an seinen 
Freund darbrachte. 

Zwanzig Bücher Ueber die Kriege in Deutsch- 
land, worin er alle von den Römern mit den Deutschen 
geführten Kriege beschreibt. Ein Traum veranlasste ihn 
dazu, als er in Deutschland diente. Ihm erschien nämlich 
die Gestalt des Drusus Nero 3 ), der in Deutschland grosse 
Siege erfochten hatte und daselbst gestorben war; er empfahl 
sich seinem Andenken und bat, er möge ihn der Vergessen- 
heit entziehen. 

Drei Bücher betitelt Der Zögling, wegen ihrer Stärke 
in sechs Bände vertheilt, in welchen er den Redner von 
den ersten Elementen an behandelt und endlich vollendet 
darstellt. 



während der Amtsführung für die noch übrige Zeit des Jahres ge- 
wählt wurde und weniger Ansehen hatte als der, welcher das Jahr 
begonnen [Consul Ordinarius].) 
*) ala, 300—500 Reiter. 

2 ) Lucius Pomponius Secundus, aus Verona gebürtig, war zweimal, 
in den Jahren 29 und 36 n. Chr. Consul und im J. 41 Oberfeldherr 
über die Legionen in Deutschland. 

3 ) Drusus Nero Claudius, Sohn des Claudius Tiberius Nero und der 
Livia Drusilla (welche, als sie noch mit ihm schwanger ging, von 
ihrem Gatten dem Augustus abgetreten wurde), Bruder des Tiberius,. 
Gemahl der jüngeren Antonia, des Antonius und der Octavia Tochter 
focht 11—9 v. Chr. erfolgreich gegen die Germanen, starb zu Main& 
in Folge eines Sturzes vom Pferde, mit Hinterlassung von 3 Kindern, 
des Drusus Germanicus, der Livilla und des nachmaligen Kaiser» 
Claudius. 



Vorrede. 3 

Acht Bücher Ueber zweifelhafte Fälle im Aus- 
druck. Diese schrieb er in den letzten Jahren der Regierung 
des Nero 1 ), wo die Tyrannei jede freiere und erhabenere 
Art von Studien gefährlich machte. 

Einunddreissig Bücher einer Fortsetzung der von 
Aufidius Bassus begonnenen Geschichte 2 ). 

Siebenunddreissig Bücher einer Naturgeschichte, 
ein umfassendes, gelehrtes Werk und so mannigfaltig, als 
die Natur selbst 3 ). 

Wirst Du nicht erstaunen, dass ein mit Geschäften 
überhäufter Mann so viele Bücher schreiben und in manchen 
derselben so schwierige Gegenstände behandeln konnte? 
Dein Erstaunen wird sich noch vermehren, wenn ich hinzu- 
füge, dass er eine Zeitlang Rechtsgeschäfte trieb, dass er 
im sechsundfünfzigsten Jahre starb, und dass ihm die 
Zwischenzeit theils durch die wichtigsten Aemter, theils 
durch die Freundschaft der Fürsten zerstreut und in An- 
spruch genommen wurde. Aber er besass einen lebhaften 
Geist, unglaublichen Fleiss und seine Wachsamkeit war 
von grösster Ausdauer. Mit den Vulcanalien 4 ) fing er bei 
Einbruch der Nacht an zu arbeiten, nicht des Herkommens 
wegen, sondern aus Eifer, im Winter aber von der siebenten, 
spätestens achten, oft aber schon von der sechsten Stunde 



') Claudius Caesar Domitianus Drusus Germanicus Nero, Sohn des 
Doniitius Ahenobarbus und der jüngeren Agrippina, geb. 36 n. Chr. 
ward mit Octavia, des Kaisers Claudius Tochter, vermählt, und nach 
des letzteren Ermordung 54 n. Chr. Kaiser, Hess sich 68 n. Chr. von 
einem Freigelassenen, Epaphroditus , erstechen. 

2 ) Aufidius Bassus lebte unter den Kaisern Augustus und Tiberius 
und schrieb eine Geschichte seiner Zeiten, die wir aber nicht mehr 
besitzen. 

3 ) Von allen diesen Schriften ist nur noch die Naturgeschichte 
vorhanden. 

') Am 23. August. Man opferte bei diesem Feste dem Vulkan 
ein röthliches Kalb und ein wildes Schwein, damit er alle Feuers- 
brünste abhalten möge. 

1* 



4 Vorrede. 

an. 1 ) Er war sehr sparsam mit dem Schlafe, der ihn daher 
auch zuweilen beim Arbeiten überfiel, doch auch wieder 
verliess. Vor Anbruch des Tages ging er zum Kaiser 
Vespasian 2 ), der ebenfalls bei Nacht arbeitete, dann zu den 
ihm obliegenden Geschäften. Nach Hause zurückgekehrt, 
widmete er die übrige Zeit den Studien. Nach dem Mit- 
tagsmahl, das, wie bei den Alten, aus leichten Speisen 
bestand, legte er sich oft im Sommer zur Erholung in die 
Sonne, las in einem Buche, notirte und excerpirte, denn 
aus allem, was er las, machte er Auszüge. Auch pflegte 
er zu sagen, es sei kein Buch so schlecht, dass es nicht 
etwas nützen könne. Nach dem Sonnen nahm er meistens 
ein kaltes Bad, ass etwas und schlief ein wenig. Dann 
studirte er, als ob ein neuer Tag angebrochen sei, bis zur 
Zeit des Abendessens. 3 ) Während der Tischzeit las er in 
einem Buche und machte Bemerkungen, jedoch nur flüchtig. 
Ich erinnere mich, dass, als einst der Vorleser etwas un- 
richtig ausgesprochen hatte und ein gleichzeitig anwesender 
Freund den Satz wiederholen liess, mein Oheim fragte: 
„Du hattest es doch verstanden"? und, als jener diess 
bejahete, fortfuhr: „warum liessest Du es denn wiederholen? 
Durch Dein Zwischenreden haben wir nun schon zehn Zeilen 
verloren". So karg war er mit seiner Zeit. 

Im Sommer erhob er sich noch bei Tage von der Abend- 
tafel, im Winter bei einbrechender Nacht, und diese Ord- 
nung beobachtete er wie ein Gesetz. So hielt er es mitten 
unter Geschäften und im Geräusche der Stadt. Auf dem 
Lande war bloss die Badezeit von gelehrter Thätigkeit frei; 
doch meine ich damit nur die Zeit, wo er sich im Bade 
selbst befand, denn während des Entkleidens und Ab- 
trocknens liess er sich vorlesen oder dictirte etwas. Auf 

') Also nach unserer Zeitrechnung um ein, zwei oder zwölf Uhr 
Mittags. 

2 ) Titus Flaviuc Vespasianus, Sohn des Vespasianus, geh. 40 n. 
Chr., wurde nach des letzteren Tode 79 Kaiser, starb aher schon 81, 
wie man glaubt an Vergiftung durch seinen Bruder Domitian. 

3 ) Ccena, die Hauptmahlzeit der Römer. 



Vorrede. 5 

Reisen, gleichsam von jeder Sorge entbunden, war diess 
seine einzige Beschäftigung. Zur Seite sass ihm dann ein 
Schreiber mit Buch und Schreibtafel, der im Winter Hand- 
schuhe trug, damit selbst die Rauhigkeit der Witterung ihm 
keine Zeit zur Thätigkeit rauben möchte. Aus diesem 
Grunde Hess er sich auch zu Rom in einem Stuhlwagen 
fahren. Als ich einmal spazieren ging, tadelte er mich mit 
den Worten: „Du solltest diese Stunden besser anwenden." 
Er hielt nämlich alle Zeit, die nicht zur Thätigkeit ver- 
wendet würde, für verloren. Auf solche Weise war es ihm 
möglich, jene Anzahl von Schriften zu vollenden; mir hinter- 
liess er noch 160 Erläuterungen auserlesener Bücher, welche 
auch auf der Rückseite des Papiers und sehr klein ge- 
schrieben waren, so dass sich ihre Zahl eigentlich ver- 
doppelt. Er selbst sagte, er habe als Procurator in Spanien 
diese Erläuterungen dem Largius Licinius 1 ) für 400,000 
Sesterzen verkaufen können, und damals waren ihrer doch 
weit weniger. 

Dünkt Dich nicht, wenn Du bedenkst, wie viel er ge- 
lesen und geschrieben hat, er könne weder öffentliche 
Aemter bekleidet, noch der Kaiser Freundschaft genossen 
haben? Ferner, wenn Du hörst, welchen Fleiss er auf 
Amtsarbeiten verwendet, er könne weder zum Schreiben 
noch zum Lesen die nöthige Zeit gehabt haben? Denn, was 
kann nicht durch jene Abhaltungen vereitelt, was hingegen 
durch solche Beharrlichkeit ermöglicht weiden? Ich pflege 
daher zu lachen, wenn man mich fleissig nennt, denn mit 
ihm verglichen gehöre ich zu den unthätigsten. Thue ich 
aber nur so viel, als theils meine öffentlichen, theils meine 
Pflichten gögen die Freunde mir erlauben? Wer von denen, 
welche ihr ganzes Leben den Wissenschaften weihen, 
möchte nicht, ihm zur Seite gestellt, als ein dem Schlafe 
und dem Müssiggange Ergebener erröthen? 



*) War Praetor und wurde dann Legat in Kleinafrika, wo er beim 
Genuss einer Trüffel auf einen Denar biss und die Vorderzähne ein- 
büsste. 



6 Vorrede. 

Ich habe diesen Brief sehr ausgedehnt, obgleich ich 
nur, Deinem Wunsche gemäss, schreiben wollte, welche 
Werke mein Oheim hinterlassen hat. Ich glaube jedoch, dass 
Dir die übrigen Nachrichten von ihm nicht weniger ange- 
nehm sein werden, als die Bücher selbst, weil sie Dich 
nicht nur zum Lesen derselben sondern auch zu ähnlichen 
Ausarbeitungen anregen können. Lebe wohl." 



C. Plinius Caecilius an seinen Freund Tacitus. 1 ) 
(VI. Buch. 16. Brief.) 

„Du wünschest, dass ich Dir über den Tod meines 
Oheims schreibe, damit Du ihn der Nachwelt um so ge- 
treuer berichten kannst. Ich danke Dir dafür, weil ich 
sehe, dass seinem Tode, wenn er von Dir verherrlicht wird, 
ein unsterblicher Ruhm bevorsteht. Denn, obgleich er bei 
dem Untergange der schönsten Gegenden, gleichwie Städte 
und Völker durch einen denkwürdigen Umstand als ewiger 
Sieger gestorben ist; obgleich er sehr viele und eine feste 
Dauer versprechende Werke geschaffen hat, so wird doch 
die Unsterblichkeit Deiner Schriften seinem steten Andenken 
das grösste Gewicht geben. Zwar halte ich diejenigen für 
glückselig, denen die Götter verliehen haben, entweder so 
zu handeln, dass es schreibenswerth, oder so zu schreiben, 
dass es lesenswerth ist; jedoch scheinen mir diejenigen die 
glückseligsten zu sein, denen beides zu Theil wurde. Unter 
die Zahl der letzteren wird mein Oheim durch seine und 
Deine Schriften gehören; um so freudiger empfange, ja 
fordere ich Deinen Auftrag. 

Er befand sich zu Misenum 2 ) und befehligte die kaiser- 
liche Flotte. Am 24. August um 1 Uhr Mittags meldete 
ihm meine Mutter, es zeige sich eine Wolke von unge- 



') C. Cornelius Tacitus, berühmter römischer Geschichtsschreiber, 
Jurist und Redner, geb. 60 n. Chr. 

2 ) Stadt und Vorgebirge bei Cuma; in Campanien; jetzt findet 
man noch Trümmer der Stadt. 



Vorrede. 7 

■wohnlicher Grösse und Gestalt. Er hatte kurz zuvor ein 
kaltes Bad genommen, kaltes Wasser getrunken, lag wie 
gewöhnlich in der Sonne und studirte, forderte aber sogleich 
seine Schuhe und bestieg eine Anhöhe, von wo aus er jene 
merkwürdige Erscheinung am besten beobachten konnte. 
Eine Wolke (es war nicht genau zu unterscheiden, von 
welchem Berge sie kam; erst später erfuhr man, dass es 
der Vesuv war), welche einem Baume und zwar einer Fichte 
nicht unähnlich schien (denn sie zeigte gleichsam einen 
hohen Stamm, der sich in mehrere Aeste ausbreitete), stieg 
auf. Wie mir schien, wurde sie durch einen starken Wind 
herbeigeführt, dann zertheilte sie sich, als dieser schwächer 
werdend sie verliess, in Folge ihres eigenen Gewichts in 
die Breite, an einigen Stellen weiss von Farbe, an andern 
schmutzig und fleckig, je nachdem sie Erde und Asche mit 
sich führte. Dem gelehrten Manne* schien es der Mühe 
werth, sie näher kennen zu lernen. Er Hess ein leichtes 
Schiff 1 ) in Bereitschaft setzen; mir stellte er es frei, ihn zu 
begleiten. Ich erwiederte, ich wolle lieber studiren, und 
zufälliger Weise hatte er mir gerade etwas zu schreiben 
gegeben. Als er aus dem Hause trat, empfing er einen 
Brief von den Marinesoldaten zu Retina, welche durch die 
drohende Gefahr erschreckt (denn dieses Landgut lag am 
Fusse des Berges 2 ) und bloss zu Schiffe war die Flucht 
möglich) ihn dringend ersuchten, sie dem herannahenden 
Unglücke zu entreissen. Er änderte daher seinen Entschluss, 
und unterzog sich nun dem, was er mit dem Eifer eines 
Gelehrten begonnen hatte, mit dem grössten Muthe. Er 
liess die Vierruderer in See bringen und bestieg sie selbst 
mit, um nicht nur Jenen sondern auch vielen Andern (denn 
die Küste war wegen ihrer angenehmen Lage stark be- 
völkert) zu Hülfe zu kommen. Er eilt dahin, von wo andere 
fliehen, steuert geraden Laufs auf die Gefahr los und so 



') Libumica, hatte seinen Namen von den Liburnern, einem illy- 
xischen Volke, die sich derer bei ihren Seeräubereien bedienten. 
2 ) Vesuv. 



8 Vorrede. 

unerschrocken, dass er alle Bewegungen und Gestalten 
jener furchtbaren Erscheinung dictirte und aufzeichnen Hess. 
Schon fiel die Asche, je mehr er sich näherte, desto 
heisser und dichter in die Schiffe; schon stürzten selbst 
Bimssteine, schwarze, verbrannte und durch die Hitze ge- 
borstene Steinmassen herab; schon machte ihm das plötzlich 
seicht gewordene Wasser und ein Einsturz des Berges die 
Küste unzugänglich. Da war er einige Augenblicke un- 
schlüssig, ob er umkehren sollte, sprach aber bald darauf 
zu dem zur Rückkehr rathenden Steuermanne: „Den Kühnen 
begünstigt das Glück; fahre zu Pomponianus!" Dieser war 
zu Stabiae 1 ) und durch einen dazwischen liegenden Meer- 
busen getrennt, denn das Meer dringt hier durch eine all- 
mälige Schwenkung und Krümmung der Küste ins Land. 
Jener 2 ) hatte, obgleich noch keine Gefahr herannahete, die- 
selbe aber doch vor Augen lag und wahrscheinlich gross 
werden würde, sein Gepäck, in die Schiffe bringen lassen, 
entschlossen zu fliehen, sobald der widrige Wind sich ge- 
legt haben würde. Als mein Oheim, den dieser Wind ge- 
rade begünstigt, dort ankommt, umarmte er den Zagenden, 
tröstet ihn, lässt sich, um dessen Furcht durch eigene 
Sorglosigkeit zu beseitigen, in ein Bad bringen, setzt sich 
sodann zu Tische und speist völlig heitern Gemüths, oder, 
was gleiche Seelenstärke beweist, scheinbar heiter. In- 
zwischen leuchteten aus dem Vesuv an mehreren Stellen 
grosse Flammen hervor, deren Glanz und Reinheit durch 
die nächtliche Finsterniss noch erhöht wurde. Um die Furcht 
seiner Umgebung zu verscheuchen, sagte mein Oheim, die 
Flammen seien nichts als brennende Häuser, welche von 
den Landleuten aus Angst verlassen wären; dann begab er 
sich zur Ruhe und schlief auch wirklich ein, denn die vor 



') An der Stelle des jetzigen Castellamare. 

-) Pomponianus ; ist wahrscheinlich eine Person mit Martius Pom- 
ponianus, welchen Vespasian mit der Consulwürde beehrte, und Do- 
mitian nach Corsica verbannte, wo er auf kaiserlichen Befehl hin- 
gerichtet wurde. 



Vorrede. 9 

dem Gemache wachenden Diener vernahmen sein Athem- 
holen, welches wegen seiner Corpulenz etwas stark und 
laut war. Aber schon hatte sich der Hof, welcher zu dem 
Zimmer führte, mit Asche und Steinen so sehr angefüllt, 
dass bei längerem Aufenthalte darin der Ausgang nicht 
mehr möglich gewesen wäre. Er wurde daher geweckt, 
ging heraus und begab sich zu Pomponianus und den 
Uebrigen, welche gewacht hatten. Man berathschlagte nun, 
ob man im Hause bleiben oder ins Freie gehen sollte, 
denn das Gebäude zitterte bereits von den häufigen und 
starken Stössen, und schien, gleichsam aus seinen Fugen 
gehoben, bald hier- bald dorthin zu wanken; andererseits 
aber fürchtete man im Freien das Herabfallen wenn auch 
leichter und ausgebrannter Bimssteine. Indessen wählte 
man bei Vergleichung der Gefahren das letzte, da bei ihm 
ein Grund den andern, bei den Andern eine Furcht die 
andere besiegte. Man legte zum Schutz gegen die herab- 
fallenden Steine Kissen um den Kopf und band sie mit 
Tüchern fest. Schon war es anderwärts heller Tag, hier 
aber noch dichte schwarze Nacht, jedoch verbreitete man 
durch zahlreiche Fackeln und Lichter hinreichende Helle. 
Man beschloss an die Küste zu gehen und nachzusehen, 
ob das Meer schon fahrbar sei; allein dieses war immer 
noch sehr ungestüm. Hier legte sich mein Oheim auf ein 
hingebreitetes Tuch, verlangte einige Male kaltes Wasser 
und trank davon, bis Flammen und ein demselben voraus- 
gehender Schwefelgeruch, welche die Andern zur Flucht 
trieben, auch ihn aufschreckten. Durch zwei Diener unter- 
stützt, erhob er sich, sank aber sogleich todt nieder, indem 
ihm, wie ich vermuthe, durch den dicken Dampf der Athem 
benommen und die Luftröhre, welche bei ihm von Natur 
schwach, enge und entzündet war, geschlossen wurde. Als 
es wieder Tag geworden war (und diess geschah erst am 
dritten Tage darnach), fand man ihn unverletzt und noch 
in seiner Kleidung; sein Ansehn glich mehr dem eines 
Schlafenden, als eines Todten. 

Während dieser Katastrophe befand ich mich mit der 



10 Vorrede. 

Mutter zu Misenum. Doch das gehört nicht zu meiner Er- 
zählung, und da Du nur einen Bericht über seinen Tod 
haben willst, so eile ich zum Schlüsse. Nur eins füge ich 
noch hinzu, nämlich, dass ich alles, wovon ich selbst Augen- 
zeuge war und was ich gleich anfangs als authentisch ver- 
nommen, treu wiedergegeben habe. Du wirst nun das 
Wesentlichste daraus entnehmen, denn es ist ein Unter- 
schied zwischen einem Briefe und einer Geschichte; für einen 
Freund schreibt man anders als für das Publikum. Lebe 
wohl." 1 ) 



Wie schon erwähnt, besitzen wir von den Schriften des 
C. Plinius Secundus nur noch die Naturgeschichte, welche 
aus XXXVII Büchern besteht. Das I. enthält die Dedication 
an den Kaiser Titus nebst dem Inhaltsverzeichnisse der 
folgenden. IL Kosmographie. III. bis VI. Geographie. 
VII. handelt vom Menschen. VIII. bis XL Naturgeschichte 
der Thiere. XII. bis XIX. Naturgeschichte der Pflanzen. 
XX. bis XXVII. Arzneimittel von den Pflanzen. XXVIII. bis 
XXXII. Arzneimittel vom Menschen, vom Wasser und von 
den Thieren. XXXIII. bis XXXVII. Von den Metallen, 
Steinen und den bildenden Künsten in Verbindung mit der 
Geschichte der vorzüglichsten Künstler und Kunstwerke. 

Deutsche Bearbeitungen dieses Werkes sind schon 
mehrere Male unternommen worden. Die älteste erschien 
zu Strassburg in Folio, aber nur theilweise, und zwar vom 
I. bis V. Buche im Jahre 1509 und vom VII. bis XL Buche 
im Jahre 1542 von Heinrich Eppendorf. — Bald darauf 
gab Johann Heyden Bruchstücke einer Uebersetzung des 
Plinius heraus. Von dieser sagt Grosse in der Vorrede 
zum neunten Bande seiner Uebersetzung des Plinius: „Ich 
habe die Heyden'sche Uebersetzung, erschienen 1580 zu 



l ) Weitere Nachrichten über jene furchtbare, mit Erdbeben be- 
gleitete Eruption des Vesuvs, theilt der jüngere Plinius in einem 
späteren Briefe an Tacitus (VI. Buch. 20. Brief) mit. 



Vorrede. 11 

Frankfurt a. M. in Folio mit Holzschnitten, an mich ge- 
bracht, die aber kaum des Titels einer Uebersetzung werth 
ist. Der Verfasser nennt sich Johannes Heyden von Dhann. 
Trotz eines langen vielversprechenden Titels begreift diese 
Uebersetzung doch nur das VII., VIIL, IX., X. und XI. Buch 
des Plinius, und bei weitem nicht vollständig, sondern nur 
stellenweise; aus einigen der übrigen Bücher sind nur 
wenige Data genommen. Der Uebersetzer hat den Plinius 
zum Grunde gelegt und sein Werk aus mehreren Schrift- 
stellern zusammengeschrieben. Es ist also ein Irrthum, 
diese Compilation von etwa 1 Zoll dick für eine Ueber- 
setzung der Historia naturalis Plinii auszugeben oder zu 
halten." 

Die erste vollständige Uebersetzung besitzen wir von 
Johann Daniel Denso, erschienen in den Jahren 1764 bis 
65 zu Rostock und Greifswald in 2 Bänden in Quart. Denso 
benutzte vorzüglich die lateinische Ausgabe, welche 1561 
in 4 Bänden zu Lyon erschienen ist, indem er sie mit der 
Basel'schen Ausgabe des Sigismund Gelenius vom Jahre 
1549 verglich. — Darauf erschien eine vollständige Ueber- 
setzung der Harduin'schen Ausgabe (die sich von der oben- 
genannten Lyoner wesentlich nur durch die abweichende 
Anzahl und Länge der Capitel in den einzelnen Büchern 
unterscheidet) von Gottfried Grosse 1781 bis 88 zu Frank- 
furt a. M. in 12 Bänden in Octav. — Im gegenwärtigen 
Jahrhunderte hat zuerst M. Fritsch eine Uebersetzung (der 
Harduin'schen Ausgabe) begonnen, von der die ersten XI 
Bücher in 8 Bändchen 1828 bis 30 zu Prenzlau in Duodez 
herausgekommen sind. Aber seitdem ist nichts mehr davon 
erschienen. Ihm folgte P. H. Külb unter Zugrundelegung 
der ersten Sillig'schen Ausgabe (Leipzig 1831 bis 36), seine 
Uebersetzung begreift jedoch nur VII Bücher (erschienen in 
7 Bändchen zu Stuttgart 1840 bis 43 in Duodez). 

Unter diesen Umständen, vorzüglich aber, weil die so- 
eben angeführten vollständigen Uebersetzungen von Denso 
und Grosse dem dermaligen Grade der Ausbildung unserer 
Muttersprache nicht mehr genügend entsprechen, und 



12 Vorrede. 

namentlich die erstere oft mangelhaft, unrichtig und unver- 
ständlich ist, hielt ich es für ein ganz zeitgemässes Unter- 
nehmen, eine neue Uebersetzung zu verfassen. Ich habe 
mich dabei wesentlich der zweiten Sillig'schen Ausgabe 
(Hamburg und Gotha 1851—58) bedient. — Doch auch noch 
andere, wichtigere Beweggründe waren es, welche mich zur 
Herausgabe einer deutschen Bearbeitung des Plinius ver- 
anlassten. Der bescheidene Autor nennt sein Werk eine 
Naturgeschichte 1 ); ich glaube aber nicht zu viel zu sagen, 
wenn ich dasselbe als eine Encyclopädie des damaligen 
Wissens oder des damaligen Standes der Wissen- 
schaften, Künste und Gewerbe betrachte. Es verdient 
daher, ungeachtet des vielen darin enthaltenen Unrichtigen, 
Lächerlichen, Abenteuerlichen, von einem Jeden, der nur 
einiges Interesse an der Entwicklungsgeschichte der mensch- 
lichen Kenntnisse nimmt — und diess sollte man von jedem 
Gebildeten erwarten — gelesen zn werden. Plinius war, 
wie aus unzähligen Stellen seines Werkes hervorgeht, über 
den Aberglauben seiner Zeit weit erhaben, und wenn er 
alles, was sich darauf bezieht, mittheilte, so zeugt diess 
nur von seiner Wahrheitsliebe und seiner schriftstellerischen 
Genauigkeit. Im Uebrigen müssen wir wohl bedenken, 
dass seine eigenen Ansichten das Ergebniss der damaligen 
Culturstufe sind, und insofern haben sie, wenn auch jetzt 
als irrig erkannt, immerhin geschichtlichen Werth. Endlich 
darf nicht vergessen werden, dass sehr, sehr Vieles in 
seinem Werke auch noch jetzt Wahrheiten sind und bleiben 
werden. Unser Zeitalter, so sehr hochgebildet es auch zu 



') Naturalis historia. Es ist mir allerdings wohl bekannt, dass 
das Wort historia ("otOQia) mehr bedeutet als unser deutsches „Ge- 
schichte" oder „Beschreibung", indem es mehr den Sinn von „Be- 
schauung", „Erforschung" in sich schliesst. Aber selbst diese Bedeu- 
tungen des "Wortes historia genügen nicht, den Inhalt des "Werkes 
vollständig zu bezeichnen. Ich hielt es daher für das Passendste, die 
einmal gebräuchliche Uebersetzung „Naturgeschichte" nicht zu ver- 
ändern, um nicht in weitläufige, dem Sinne des Original-Titels fremde 
Definitionen zu verfallen. 



Vorrede. 13 

sein wähnt, wird dereinst von einer spätem Epoche in eben 
demselben Grade bekrittelt und verspottet werden, wie wir 
von dem Zeitalter des Plinius zu thun uns berechtigt 
glauben. Es erfordert daher nicht bloss die gebührende 
Nachsicht gegen alles menschliche Machwerk, sondern auch 
die Gerechtigkeit, nicht den Maassstab unserer Civilisation 
an ein fast 2000 Jahre altes Werk zu legen. Vielmehr 
liegt es uns ob, das darin enthaltene Nutzbare auch nutzen- 
bringend zu machen, wozu das Material im Ueberflusse vor- 
handen ist. 4 ) 

Bei der Uebersetzung selbst machte ich es mir zum 
Gesetz, den lateinischen Text möglichst treu im Deutschen 
wieder zu geben; um aber nicht bloss eine kahle Ueber- 
setzung zu liefern, fügte ich, wo es mir nöthig schien, er- 
läuternde Anmerkungen hinzu. Auf die nähere Erklärung 
der naturhistorischen und anderer fremdartiger Namen habe 
ich mich in dem Inhaltsverzeichnisse nicht eingelassen; sie 
findet zweckmässiger im Texte selbst statt. In Fällen, wo 
ich den lateinischen Namen nicht mit einem passenden 
deutschen bezeichnen konnte, behielt ich lieber den erstem 
bei, und hoffe desshalb nicht getadelt zu werden. Ob es 



J ) Alexander v. Humboldt's Urtheil über dieses Werk möge hier 
noch Platz finden. „Dem grossen encyclopädischen Werke des älte- 
ren Plinius kommt an Reichthum des Inhalts kein anderes Werk des 
Alterthums gleich. Es ist, wie der Neffe (der jüngere Plinius) sich 
schön ausdrückt, „mannigfach wie die Natur". Ein Erzeugniss des 
unwiderstehlichen Hanges zu allumfassendem, oft unfleissigem Sam- 
meln, im Style ungenau, bald einfach und aufzählend, bald gedan- 
kenreich, lebendig und rhetorisch geschmückt, ist die Naturgeschichte 
des älteren Plinius schon ihrer Form wegen, an individuellen Natur- 
schilderungen arm; aber überall, wo die Anschauung auf ein gross- 
artiges Zusammenwirken der Kräfte im Weltall, auf den wohlgeord- 
neten Kosmos (Natura^ majestas) gerichtet ist, kann eine wahre, aus 
dem Innern quellende Begeisterung nicht verkannt werden. Das 
Werk hat auf das ganze Mittelalter mächtig nachgewirkt." (Kos- 
mos II, 23.) Auf die nähere Besprechung des Plinius'schen Werkes 
von unserem grossen Zeitgenossen (Kosmos II, 230 — 234) können wir 
nur verweisen. 



14 Vorrede. 

mir grösstenteils — immer, wage ich nicht zu sagen — 
gelungen ist, die Individuen der drei Naturreiche richtig zu 
deuten, d. h. nach der jetzigen systematischen Bezeichnungs- 
weise richtig zu nennen, ist eine Frage, deren Beantwortung 
mir am wenigsten zusteht; über manche derselben sind wir 
ohnehin noch sehr im Zweifel, und werden es vielleicht für 
immer bleiben. 

Zur leichtern Vergleichung der oft vorkommenden 
Münzen, Maasse und Gewichte sowohl untereinander 
als auch mit den unsrigen, habe ich dieselben dem Texte 
vorausgeschickt. Die dazu nöthigen Data stützen sich 
grösstenteils auf die eigenen Angaben des Plinius. 

Die am Schlüsse des Werks befindlichen Anhänge 
dürften ebenfalls als eine willkommene Zugabe aufgenommen 
werden. 

München, 1880. 

ö. 0. Wittstein. 



15- 



Tafel I. 
Längenmaasse. 



Iter 

unius diei 

navale 


Iter 
unius diei 
terrestre 


00 

8 

* o 
w. 


S 1 ^ 


Stadium 
olympic. 


Passus 
Cubitus 


03 

CO 

Oh 


00 


a 


03 
3 

'5b 


co 

3 


M 


CO 
CD 


1 


3V 2 


21% 


87»/» 


700 


87500 


291666 2 / 3 


437500 


— 


— 


129, 25 






1 


»V« 


25 


200 


25000 


83333'/3 


125000 


— 


~ 


36,93 






1 


4 


32 


4000 


133337s 


20000 


80000 


320000 


5 »98 








1 


8 


1000 


3333 V 3 


5000 


20000 


80000 


1)50 










1 


125 


416 2 / 3 


625 


2500 


10000 




187,» 








1 


»Vi 


5 


20 


80 




1»50 










1 


IV2 


6 


24 




0,45. 










1 


4 


16 




0,30 


















1 


4 




0,075 



1 Parasanga ist = 5 Kilometer. 1, 4806 Parasanga des Herodot = 1 geogr* 
Meile = 7, 4 Kilometer. Der römische Fuss (Pes) verhielt sich zum griechisch- 
olympischen wie 24 : 25. Eratosthenes rechnet den Schcenus zu 40 Stadien (= 7 ,47 
Kilometer). Vergl. Plin. XII, 14. 



Tafel II. 
Flächenmaasse. 



IS 

3 


.2 
'G 

3 

ö 

CO 




3 

3 

CO 

bO 

3 

*-» 


Actus 
quadrat. 
(Acnua) 


00 

3 

OS 
S-. 
CO 

> 


CS 

1 




oo 

m 3 

5 3 

^1 


3 _, 

^3 

'3s 

0Q 


Römische 
Quadrat- 

Fuss 


Quadrat- 
Meter 


1 


4 


400 


800 


1600 


2400 


6400 


48000 


230400 


23,040000 


2,205972 




1 


100 


200 


400 


600 


1600 


12000 


57600 


5,760000 


551493 






1 


2 


4 


6 


16 


120 


576 


57600 


5514 








1 


2 


3 


8 


60 


288 


28800 


2757 










1 


IV« 


4 


30 


144 


14400 


1378 












1 


2 2 / 3 
1 


20 

7Va 

1 


96 
36 

4 4 / 5 
1 


9600 

3600 

480 

100 

1 


919 

344 

46 

9,6 
0,09G 



16 



Tafel III. 
Maasse für Getreide und andere trockne Waaren. 



c3 . 


CO 

p 

O 


# p 

ei 


cä 

g 

"g 

cd 

w 


S.S 

P c 


e3 S 
-^ P 


CO 

p 

ü 


ja 

's 

bc 

13 


Kubik- 
Meter 
oder 

Ster 


-4-3 


1 


3 


48 


96 


192 


384 


576 


2304 


0,025608 


25,608 




1 


16 


32 


64 


128 


192 


768 




8,536 






1 


2 


4 


8 


12 


48 




0,534 








1 


2 


4 


6 


24 




0)267 










1 


2 
1 


3 

IV« 
1 


12 
6 
4 
1 




0,138 
0.069 
0,046 
0,011 



Tafel IV. 
Maasse für Flüssigkeiten. 



CO 

P 

O 


CO 

p 

cS 

O 


Amphora 

(Quadran- 
tal) 


c3 

a 


00 

p 

ö 
o 
u 


CO 

p 

■rH 

c3 

■+3 

cd 


cä 
1 


Quarta- 
rius 

( Quadrans) 


-s.3 


CO 

-*3 

cä 

ü 


Ligula 


3 


1 


18V« 


20 


40 


160 


960 


1920 


3840 


7680 


11520 


46080 


512, 16 




1 


IV« 


3 


12 


72 


144 


288 


576 


864 


3456 


38,4i2 






1 


2 


8 


48 


96 


192 


384 


576 


2304 


25,co8 








1 


4 


24 


48 


96 


192 


288 


1152 


12,804 










1 


6 


12 


24 


48 


72 


288 


3,201 












1 


2 


4 


8 


12 


48 


0-533 














1 


2 

1 


4 
2 

1 


6 
3 

IV« 
1 


24 

12 

6 

4 

1 


0,266 
0,133 
0,066 
0,044 
0,011 



17 



Tafel V. 

Gewichte. 





c8 

°o 

ö 


'S 


Ol 

3 
o 

'S 


's 

-1-3 

X 

o> 


in 
'Ö 

S 
03 




o 


o 


03 

3 

CO 




2 
2 

C5 


1 


12 


36 


48 


72 


96 


288 


576 


1728 


2304 


345 




1 


3 


4 


6 


8 


24 


48 


144 


192 


28, 7 5 






l 


l'/a 


2 


2 2 /s 


8 


16 


48 


64 


9,58 








1 


IV« 


2 


6 


12 


36 


48 


7„85 










1 


IV« 


4 


8 


24 


32 


4,79 












1 


3 

1 


6 
2 

1 


18 
6 
3 

1 


24 
8 
4 

IV« 
1 


3,5'.) 
1,20 

0, C0 

0,20 

o, 15 



Folgende Unterabtheilungen des römischen Pfundes wurden mit 
einem bestimmten Namen bezeichnet: 



As = 7 Unzen. 



Sextans = * 6 As = 2 Unzen Septunx 

Quadrans = ' 4 — = 3 — Bes 

Triens = »/, — = 4 — Dodrans = 3 / 4 — = 9 — 

Quincunx= 5 /i2— =5 — Dextans = 5 / 6 — = 10 — 

Sextunx = »/ 2 — = 6 — Deunx = »/i 2 — == n _ 

Semisis 

Yictoriatus als Gewicht hatte die Schwere eines halben Denars. 



Tafel VI. 
Münzen. 

Das Geld der Alten ist von ihrem Gewichte abhängig. Die Römer 
hatten Gold-, Silber- und Kupfermünzen; aber das Verhältniss des 
Werthes dieser Metalle gegen einander war nicht immer das näm- 
liche, wiewohl die Haupteintheilung des Pfundes (in Silber und Gold) 

2 



18 

in seinen kleineren Theilen fast durchaus unverändert blieb. Unter 
den römischen Kupfermünzen war die Einheit der Ass (As), dessen 
Multipla folgende sind: a) Dupondius — 2 Assibus. b) Sestertius = 
2 1 2 - c) Tripondius seu Tressis = 3. d) Quinquessis = 5. e) Sexis- 
=* 6. f) Septussis = 7. g) Vigesis = 20. Bis h) Centussis seu Cen- 
tum pondium =100 Assibus. — Der römische Ass war anfänglich l Pfund 
Kupfer, und würde etwa 1, 2 Mark betragen haben. Bei den Römern 
war aber der Werth des Kupfers anfänglich viel geringer und ver- 
hielt sich zum Werthe des Silbers nur wie 1 : 960. Doch hob sich 
der Werth des Kupfers in der Folge als man den Ass nach und nach 
bis auf 1 Unze reducirte. — In den alten Zeiten der römischen Re- 
publik, wo der Ass 1 Pfund wog, galt der Silberdenar 10 Ass oder 
10 Pf. Kupfer, der Quinar 5 Ass, die Sesterze 2V2 Ass. Die Li- 
belle, eine andere kleine Silbermünze, galt einen pfundigen Kupfer- 
ass; die Sembelle oder Selibelle '/ 2 Ass; derTerunzius 1 Quad- 
rans von 3 Unzen. Aber nach Verringerung des Asses (zuerst auf 
ein Sechstel seiner früheren Grösse, wobei der Ass noch 12 Unzen 
hatte und wobei man den Triens = l / a Ass oder 4 Unzen und den 
Quadrans = x j t Ass oder 3 Unzen [dieser daher auch Teruncius ge- 
nannt] unterschied — dann) bis auf 1 Unze Kupfer wurde beschlossen, 
dass der Denar 16 solche Ass (16 Unzen Kupfer), der Quinar 8, und die 
Sesterze deren 4 gelten solle, daher die letztere auch den Namen 
Quadrans führt 1 ). Uebrigens ist zu merken, dass man in allen Sum- 
men, wo S esterzen oder Denare vorkommen, jederzeit nach altem Ge- 
brauche die Sesterze zu 2V2 Ass, oder den Denar zu 10 Ass zu ver- 
stehen habe, wenn nicht die Schriftsteller ausdrücklich das Gegen- 
theil sagen. Der Silberdenar, welcher unter den Kaisern der tägliche 
Sold eines Soldaten war, hatte für diesen allein den Werth von 10 
Ass, auch nach der Reduction. — Die grosse Sesterze (Sester- 
tium) war keine wirkliche, sondern nur eine Rechnungsmünze, und 
galt 1000 kleine Sesterzen. Man bezeichnete die grosse Sesterze 
durch die Buchstaben HS, z. B. C H— S = 100 grosse = 100000 
kleine Sesterzen. Wenn die Zahl über 100000 steigt, so werden die 
Worte : Centena millia von den Römern gewöhnlich ausgelassen, und 
es stehen dann bloss die Adverbia numeralia mit Nummüm oder Se- 
stertiüra, z. B. Quinquagies Nummüm = 5000000 kleine = 5000 grosse 
Sesterzen. 



*) Einmal wurden sogar auch halbunzenschwere Asse geprägt. 



19 
Zur bequemen Uebersicht der Münzen dient die folgende Tabelle : 



a 


Aureus 


Argenteus 


Sestertius 
(Nummus) 
Quadrans 


^ 3 


c3 

03 

S 

CO 


CD 

.2 

3 
3 
Sh 
O 

H 




3 

OD 

CS 

CO 


CO 

3 

1 

PI 
» 


Quinarius 

(Victoria- 

tus) 


CO 

3 

1 

3 


Quinarius 

(Victoria- 

tus) 


u 

li 


1 


10 


20 


250 


500 


1000 


2500 


5000 


10000 


171,4 




1 


2 


25 


50 


100 


250 


500 


1000 


17 )14 






1 


12»/ 2 


25 


50 


125 


250 


500 


8,57 






1 


2 


4 


10 


20 


40 


0,68 








1 


2 


5 


10 


20 


0,34 








1 


2»/« 


5 


10 


0,17 










1 


2 

1 


4 

2 


0,07 
0,04 


















1 


0,02 



Das griechische Geld hatte mit dem Gewichte einerlei Einthei- 
lung. Für unsern Zweck theilen wir nur Folgendes davon mit: 



Attisch: 


Tä).avxov 


Mvä 


AQ*xm 


'Oßoloq 


Xakxovq 


Mark 




1 


60 


6000 


i 

36000 


360000 


4380 






1 


100 


600* 


6000 


73 








1 


6 
1 


60 

10 

1 


0,73 
0,12 
0,012 



1 Drachme = 1 Denar am Gewichte. 
10 „ =1 Cyathus „ „ 

15 „ =1 Acetabulum _ 



Erstes Euch. 



C. Plinius Secundus au den Kaiser Titus Vespasianus. 

Die Bücher der Naturgeschichte, ein unter den 
Schriften 1 ) Deiner Römer 2 ) noch neues Werk, erst jüngst 
von mir vollendet, habe ich beschlossen, Dir, geliebtester 
Kaiser (dieser Titel, an den wir durch Deinen erhabenen 
Vater 3 ) schon lange gewöhnt sind, sei auch der Deiner 
würdigste), in einer freimüthigen Zuschrift vorzutragen. Du 
pflegtest ja meinen unbedeutenden Arbeiten einigen Werth 
beizulegen 4 ) — dass ich den Catull, meinen Landsmann, 
(Du kennst auch dieses militärische Wort) anzuführen wage; 
denn derselbe bediente sich, wie Du weisst, nicht der 



') Camoenae, Musen, gelehrte Arbeiten. 

"-) Quirites war eine ehrenvolle Benennung der Bürger in der 
Stadt Rom. Der Ursprung dieses Namens ist folgender: Nachdem 
unter Romulus zwischen den Sabinern und Römern Friede geschlos- 
sen, beide Reiche mit einander vereinigt und Rom als Sitz des ge- 
meinschaftlichen Regiments bestimmt war, wurde man eins, um den 
Sabinern doch auch einen Vorzug einzuräumen, dass für die Folge 
die sihmntlichen Römer nach der sabinischen Stadt Cures: Quinten 
heissen sollten. Der Ort, wo dieser Vertrag geschlossen wurde, hiess 
Comitium. S. Livius I. 13. Plutarch im Leben des Romulus. 

3 ) Tit. Flav. Vespasianus, geb. im Jahre 9 nach Chr. und gestorb. 
im Jahre 79 nach Chr. Sein Sohn Titus wurde im Jahre 40 geboren 
und starb im Jahre 81. 

Eine Stelle aus einem Gedichte Catull's an C. Nepos. — 
Q. Valeriua Catullus, einer der besten römischen Dichter, gebor, zu 
Sirmio im Veronesischen, lebte 86—48 v. Chr. zu Rom. 



Erstes Buch. 21 

feinsten Ausdrücke, als ihm seine setabischen Tücher 1 ) ver- 
tauscht waren, weil er sie als Geschenk von seinen Freunden 
Veraniolus und Fabullus sehr in Ehren hielt. Zugleich soll 
aber durch diese meine Kühnheit das in Erfüllung gehen, 
über dessen Unterlassung Du Dich auf ein früheres ehrer- 
bietiges Schreiben von mir beklagt hast, damit einige Deiner 
Thaten an's Licht treten und Jedermann erfahre, wie würdig 
Du der Beherrschung des römischen Reiches bist. Du hast 
Triumphe gehalten, wärest Censor, sechsmal Consul und 
Dir wurde die Macht eines Tribuns zu theil; aber gross 
und edel hast Du gehandelt, da Du, als Befehlshaber der 
Leibwache, Deinem Vater und dem Ritterstande Deine 
Dienste widmetest, und das alles thust Du für den Staat, 
mir aber bist Du ebenderselbe im Feldlager. Bei Dir hat 
die Grösse des Glücks nichts geändert, als, mehr und mehr 
nützlich zu sein. Wenn daher den Uebrigen alle jene 
Mittel zu Gebote stehen, Dir Verehrung zu erweisen, so 
bleibt mir, um Dir auf eine vertrauliche Weise zu huldigen, 
nur die Kühnheit übrig. Diese magst Du Dir selbst an- 
rechnen, und, wenn ich schuldig bin, verzeihen. Ich wollte 
aller Blödigkeit entsagen, kann sie aber dennoch nicht ganz 
ablegen, denn Du trittst mir auf anderm Wege zu mächtig 
entgegen, und bestimmst mich durch Deine grosse Gelehr- 
samkeit, noch weiter zurückzuweichen. Noch bei Keinem 
glänzte so sehr die wahre rednerische Kraft, die Beredsam- 
keit der tribunitischen Gewalt. Wie donnerst Du das Lob 
des Vaters! Wie lieblich bist Du beim Lobe des Bruders! 
Wie gross ist Dein Dichtertalent! Oh, welche Fruchtbarkeit 
des Geistes! Du wusstest auch dem Bruder 2 ) nachzuahmen. 
Aber wer kann diess alles wohl ohne Furcht würdigen, 



') Setaba, zu Setabis (jetzt Xativa in Valencia) in Spanien ver- 
fertigt. Siehe auch III. B. 4. Cap. und XIX. B. 1. Cap. 

2 ) Domitian, der, im Jahre 51 geboren, seinem Bruder in der 
Regierung folgte, der sich als einen der scheusslichsten Tyrannen 
bewies, und auf Anstiften seiner Gemahlin Domitia im Jahre 96 ermor- 
det wurde. In seinen Jünglingsjahren mag wohl sein Charakter eine 
bessere Aussenseite gezeigt haben. 



22 Erstes Buch. » 

wenn er sich dem überdiess noch erbetenen Urtheile Deines 
Geistes unterwerfen will? Denn die Lage Derer, welche 
etwas öffentlich herausgeben, ist verschieden von Denen, 
welche Dir speciell etwas widmen. In jenem Falle könnte 
ich sagen, warum liest Du diess, mein Kaiser? Es ist für 
das niedere Volk, die Bauern, Handwerker, zum Ausfüllen 
müssiger Stunden geschrieben; wer hat Dich zum Kichter 
bestellt? Als ich dieses Werk schrieb, wärest Du nicht 
mit auf jener Liste. Ich hielt Dich für zu erhaben, als 
dass ich glauben sollte, Du würdest Dich soweit herab- 
lassen. Ueberdiess giebt es ja auch eine öffentliche Zurück- 
weisung bei den Gelehrten. Ihrer bediente sich M. Tullius 1 ), 
der doch über alle Geistesarmuth erhaben ist, und Hess 
sich, was mich wundert, durch einen Sachwalter ver- 
theidigen. „Es ist nicht für die gelehrtesten Männer be- 
stimmt; ich will nicht, dass Manius Persius, ich will, dass 
Junius Congus mich lese". Wenn diess Lucilius 2 ), der zu- 
erst eine satyrische Schreibart einführte, von sich sagen 
zu müssen glaubte, wenn Cicero solches von ihm entlehnte, 
namentlich als er über den Staat schrieb, um wie viel eher 
habe ich Ursache, mich vor irgend einem Richter zu ver- 
wahren! Aber dieses Schutzmittels habe ich mich durch 
meine Zuschrift selbst begeben; denn es ist ein grosser 
Unterschied, ob Jemand einen Richter durchs Loos erhält 
oder ihn wählt; ferner sind die Zurüstungen bei einem ge- 
ladenen Gaste verschieden von denen bei einem unver- 
mutheten. 

Wenn bei Cato, jenem Feinde von zudringlichen Amts- 
bewerbungen, der sich über versagte Anstellungen, gleich- 
sam als wären sie unveräusserbar, freuete, die Bewerber 
in den hitzigsten Versammlungen ihr Geld niederlegten, so 

') Marcus Tullius Cicero, der bekannte römische Staatsmann, 
Redner und Philosoph, geb. 106 v. Chr. bei Arpinum, 53 auf seinem 
fonnianischeu Landgute ermordet. 

5 ) C. Lucilius aus Suessa in Capanien um 150 v. Chr., röm. 
Ritter, Grossoheim des grossen Pompejus. der Schöpfer der eigentl 
römischen Satyre. 



Erstes Buch. 23 

gaben sie vor, sie thäten diess ihrer Unschuld wegen, die 
sie für das beste aller menschlichen Güter hielten. Dahin 
zielt jener edle Ausruf des M. Cicero; „Du glücklicher 
M. Porcius, von dem Niemand eine Ungerechtigkeit zu be- 
gehren wagte"! Als L. Scipio Asiaticus sich an die Tribunen, 
unter denen auch Gracchus war, um Hülfe wandte, lieferte 
er dadurch den Beweis, dass er sich auch dem Urtheile 
eines feindlichen Richters unterwerfen könne. So ernennt 
ein Jeder irgend einen zum höchsten Richter seiner Ange- 
legenheit, wenn er wählt, und daher kommt auch der Aus- 
druck „Aufruf." 

Dass Du auf den höchsten Gipfel des menschlichen 
Geschlechts gestellt, mit grösster Beredsamkeit und Gelehr- 
samkeit begabt bist, ja selbst von den Dich Grüssenden 
ehrfurchtsvoll begegnet wirst, ist mir bekannt. Daher be- 
sorge ich, dass das, was Dir gewidmet wird, auch Deiner 
würdig sei. Aber es opfern ja die Landleute und viele 
Völker den Göttern mit Milch, und spenden mit Salz ver- 
mischtes Mehl, weil sie keinen Weihrauch haben; und nie- 
mals wurde es für ein Laster gehalten, die Götter so zu 
verehren, wie man es vermochte. Meine Kühnheit wird 
indessen noch dadurch vermehrt, dass ich Dir diese Bücher 
von leichterer Arbeit gewidmet habe; in ihnen vermisst man 
einen erhabenen Geist, der mir überdiess nur in sehr 
massigem Grade zu Theil ward; auch fehlen darin, wegen 
Trockenheit der Materie, Abschweifungen, Reden, Ge- 
spräche, merkwürdige Ereignisse, verschiedene Vorfälle, 
oder Gegenstände, welche angenehm zu nennen und in- 
teressant zu lesen wären. 

Das Wesen der Dinge, d. h. ihr Leben wird darin be- 
schrieben, und zwar von seiner schmutzigsten Seite, so dass 
vieles mit gemeinen oder auswärtigen, ja sogar barbarischen 
und von einem anständigen Vorworte begleiteten Namen 
bezeichnet werden musste. Ueberdem ist diess bis jetzt 
nur erst ein Pfad, keineswegs eine von Schriftstellern schon 
betretene Strasse, oder eine solche, auf welche der Geist 
gern wandeln möchte. Niemand unter uns hat ihn noch 



/ 



24 Erstes Buch. 

benutzt; Niemand unter den Griechen, der alle diese Gegen- 
stände allein behandelt hat. Viele suchen nur die ange- 
nehme Seite der Studien auf. Was aber von Andern mit 
ausserordentlichem Scharfsinn bearbeitet sein soll, das liegt 
noch in tiefem Dunkel. Ich beabsichtigte nun alles das zu 
berühren, was, nach dem Ausdrucke der Griechen, in eine 
„Encyclopädie" gehört, was entweder noch unbekannt oder 
noch nicht sicher erforscht ist. Andere Materien sind aber 
von vielen Autoren bereits zum Ueberdrusse besprochen 
worden. Es ist eine schwierige Sache, alte Dinge in ein 
neues Gewand zu kleiden, neuen Dingen Ansehn, abge- 
nutzten Glanz, dunkeln Licht, faden ein gefälliges Gewand, 
zweifelhaften Glauben, allen aber ihr Wesen und dem Wesen 
alles, was ihm gehört, zu geben. Daher erscheint schon 
der Wille löblich und schön, wenn auch das Ziel nicht ganz 
erreicht wird. Ich bin wenigstens der Ansicht, dass ein 
besonderer Umstand in dem Bestreben Derer liegt, welche 
nach überwundenen Schwierigkeiten, den Nutzen zu helfen 
der Sucht zu gefallen vorzogen, und diess Princip habe ich 
auch in andern Schriften befolgt. Daher gestehe ich meine 
Verwunderung über den berühmten Schriftsteller T. Livius 1 ), 
welcher einen Band seiner vom Ursprünge Rom's beginnen- 
den Geschichte also eröffnet: „er habe sich schon Ruhm 
genug erworben und hätte seine Thätigkeit einstellen 
können, wenn nicht sein rastloser Geist an dem Werke 
selbst Nahrung fände." Denn ihm ziemte es wahrlich, zum 
Ruhme der Völker besiegenden Nation und des römischen 
Namens und nicht für seinen eigenen jenes Werk zu ^er- 
fassen. Es wäre verdienstvoller gewesen, wenn er aus 
Liebe zur Sache, nicht seines Geistes wegen, und für das 
römische Volk, nicht aber für sich so beharrlich gear- 
beitet hätte. 

Zwanzigtausend merkwürdige Gegenstände (sie sollten 
daher, wie Domitius Piso sagt, eher Schatzkammern und 



') Aus Padua, der vornehmste römische Geschichtsschreiber, lebte 
lange am Hofe des Augustus und starb 19 n. Chr. in seiner Vaterstadt. 



Erstes Buch. 25 

nicht Bücher heissen), gesammelt durch das Lesen von etwa 
zweitausend Büchern, unter welchen erst wenige ihres 
schwierigen Inhalts wegen von den Gelehrten benutzt sind, 
von Hundert der besten Schriftsteller 1 ), habe ich in XXXVI 
Bänden zusammengefasst, dazu aber noch vieles gefügt, 
wovon entweder unsere Vorfahren nichts wussten, oder 
was das Leben erst später ermittelt hat. Ich zweifle in- 
dessen nicht, dass auch mir manches entgangen ist; ich 
bin ja Mensch, mit Geschäften überhäuft, arbeitete an dem 
Werke nur in meinen Nebenstunden, d. h. des Nachts, um 
der Meinung nicht Kaum zu geben, als habe ich von den 
für Dich bestimmten Stunden etwas entzogen. Die Tages- 
zeit widme ich Dir, ich schlafe nach Maassgabe meiner 
Gesundheit, bin sogar mit dieser einzigen Belohnung zu- 
frieden, weil ich (wie M. Varro sagt) im Dienste der Musen 
so viele Stunden mehr lebe. Denn nur das Wachen ist 
Leben. Dieser Ursachen und Schwierigkeiten wegen wage 
ich nichts zu versprechen; Du bist mir selbst Bürge dafür, 
weil ich an Dich schreibe. Diess ist kein Vertrauen auf 
mein Werk, sondern nur eine Empfehlung für dasselbe. 
Viele Dinge scheinen nur darum sehr werthvoll, weil sie 
den Tempeln geweihet sind. Ich habe Alle, Deinen Vater, 
Dich und Deinen Bruder in einem andern Werke geschildert, 
welches in der Geschichte unserer Zeiten da beginnt, wo 
Aufidius Bassus aufhört. Du wirst fragen, wo es sei? 
Längst vollendet, wird es noch ausgebessert und überdiess 



') Nach einer von mir unternommenen genauen Zählung hat Pli- 
nius in diesem Werke 505 Schriftsteller benutzt. Von diesen sind 
nur 447 in den Inhaltsverzeichnissen des ersten Buches, 58 dagegen 
nur im Texte genannt worden. Ausserdem finden sich noch 8 Schrift- 
stellerinnen (7, nämlich : Agrippina, Elephantis, Lais, Olympias, Phe- 
monoe, Salpe und Sotira in den Inhaltsverzeichnissen, 1 nämlich: Erinna 
nur im Texte) und 3 öffentliche Urkunden (Acta und Acta triumpho- 
rum in den Inhaltsverzeichnissen, Annales nur im Texte). Die totale 
Summe aller von PI. benutzten Schriftsteller, Schriftstellerinnen und 
öffentlichen Urkunden beträgt also 516. Ein alphabetisches Verzeich- 
niss derselben folgt am Schlüsse des Werks. 



26 Erstes Buch. 

ist es zur Uebergabe an einen Erben bestimmt, um selbst 
den Schein zu vermeiden, als habe mein Leben nach Ehr- 
geiz gestrebt. Ich räume Denen den Platz gern ein, welche 
ihn zuvor schon inne hatten, aber auch den Nachfolgern, 
von Denen ich weiss, dass sie mit mir ebenso, wie ich mit 
den vorigen, wetteifern werden. 

Den Beweis meiner Denkungsart magst Du daraus er- 
sehen, dass ich die Namen der Schriftsteller diesen Büchern 
vorgesetzt habe. Es ist nämlich, wie ich glaube, billig und 
zeugt von edler Schaam, zu bekennen, wem man sein 
Wissen verdankt, und es nicht zu machen, wie die meisten 
der von mir angeführten. Denn wisse, dass ich bei Ver- 
gleichung der Schriftsteller gerade unter den sich für originell 
ausgebenden und neuesten solche fand, welche die Alten 
wörtlich abgeschrieben und nicht genannt haben; nicht mit 
jenem Edelmuthe des Virgil, um zu wetteifern; nicht mit 
der Anspruchslosigkeit des Cicero, der in den Büchern 
„über die Republik" dem Plato gefolgt zu sein gesteht, 
der in der „Tröstung über den Tod seiner Tochter" sagt: 
ich folge dem Crantor; der in dem Werke „über die 
Pflichten" den Pansetius x ) zum Muster nahm; — Du kennst 
ja diese Werke, welche studirt und nicht bloss täglich in 
die Hand genommen werden sollten. Es verräth sicherlich 
einen schwachen und unglücklichen Geist, lieber auf dem 
Diebstahle ertappt zu werden, als das Empfangene wieder 
zu geben, da ja aus den Zinsen wieder ein Capital wird. 

Hinsichtlich des Titels eines Buches herrscht bei den 
Griechen eine wunderbare Fruchtbarkeit. Einige über- 
schreiben KtjqIov, was sie Honigscheibe genannt wissen 
wollen; Andere: Kegag afiaX^siag oder Hörn des Ueber- 
flusses, so dass man aus einem solchen Buche Hühnermilch 
zu schöpfen hoffen könnte. Andere Titel sind: 3 Icovid 2 ), 



1 ) Von Rhodus, stoischer Philosoph aus dem 2. Jahrh. v. Chr., 
von dessen Werken wir keins mehr besitzen. 

2 ) Veilchenbeet. 



Erstes Buch. 27 

Moväcti 1 ), IlavdsxTai 2 ), EyxsiQidia z ), steifioov*), Ilivc% 5 ), 
I%sdiov 6 ) 1 — Namen, wegen denen man wirklich einen 
Gerichtstermin versäumen könnte! Allein, liest man erst 
solche Bücher, ihr Götter und Göttinnen, welch' ein Nichts 
enthalten sie! Die Ernstern unter uns Römern bedienen 
sich der Worte: Antiquitates 7 ), Exempla 8 ), Artes 9 ); die 
Scherzhaften sagen: Lucubrationes 10 ), wie denn auch einer 
von ihnen ein Säufer war und so genannt wurde. Weniger 
ernst ist M. Varro, der seine Satyren mit Sesculysses 11 ) und 
Flexibula 12 ) überschrieb. Unter den Griechen hörte Diodorus 13 ) 
zuerst auf zu scherzen und gab seiner Geschichte den Namen 
Bißho^xtj. Zwar schrieb der Grammatiker Apion 14 ), der- 
selbe, welcher den Kaiser Tiberius die Cymbel der Welt 
nannte, während dieser doch eher als die Pauke des öffent- 
lichen Gerichts angesehen werden könnte, dass diejenigen 
mit der Unsterblichkeit von ihm beschenkt werden sollten, 
denen er etwas widmen würde. Mich reuet es nicht, keinen 
pomphaften Titel ausgedacht zu haben. Damit es aber nicht 
scheine, als verspotte ich die Griechen in jeder Beziehung, 
so möchte ich wohl nach jenen Gründern der Malerei und 
Plastik beurtheilt werden, welche Du in diesen Büchern 
findest, und die ihre vollendeten Werke sowie auch die- 
jenigen, welche wir nicht genug bewundern können, mit 
einer schwankenden Inschrift versahen, wie z. B.: „Apelles 
arbeitete daran" 15 ), oder „Polycletus"; gleichsam als ob die 
Kunst stets nur eine angefangene, keine vollendete wäre, 
so dass dem Künstler den verschiedenen Urtheilen gegen- 



*) Von Herodot. 2 ) Pandekten. 3 ) Handbücher, ein "Werk von 
Epictet. 4 ) Wiese, von Gellius. 5 ) Gemälde, von Cebes. 6 ) Skizze, von. 
Himerius. 7 ) Alterthümer, wie Varro. 8 ) Beispiele, wie Valerius Ma- 
ximus. 9 ) Künste. 10 ) Nachtarbeiten. u ) Anderthalbfacher Ulysses. 

I2 ) Krümmungen. 

,3 ) Von Agyrion in Sicilien, daher auch D. Siculus genannt, Hi- 
storiker zur Zeit J. Caesar's und Augustus in Rom. 

u ) Ein Aegypter und bei'ühmter Schriftsteller aus der Zeit des 
Tiberius. 

,5 ) faciebat. 



28 Erstes Buch. 

über noch eine Ausflucht zur Entschuldigung übrig blieb, 
in der Absicht, das was noch fehle zu verbessern, wenn er 
nicht unterbrochen wäre. Es zeugt daher von grosser Be- 
scheidenheit, dass sie alle ihre Werke wie als ihre neuesten 
bezeichneten, denen sie durch das Schicksal entrissen wären. 
Nur drei glaub' ich, sind, laut der Inschrift: „Der und Der 
machte sie" 1 ), als vollendete bezeichnet und auf diese werde 
ich gehörigen Orts 2 ) zurückkommen. Wir ersehen aus 
diesen Worten, dass der Verfertiger seiner Kunst völlig 
sicher zu sein glaubte, uud darum tragen alle dergleichen 
Kunstwerke das Gepräge der Prahlerei. 

Ich gestehe, dass ich meinem Werke noch vieles hätte 
hinzufügen können, und nicht bloss diesem allein, sondern 
allen, welche ich verfasst habe, um mich vor jenen Homers- 
geisslern 3 ) (wie ich sie mit Recht nennen möchte) zu hüten, 
weil ich vernehme, dass auch die Stoiker, Dialektiker und 
Epikuräer (denn von den Grammatikern habe ich das immer 
erwartet) gegen meine Schriften über die Grammatik zu 
Felde ziehen, und seit zehn Jahren nichts als unzeitige 
Geburten zur Welt bringen, während selbst die Elephanten 
schneller gebären. Aber ich müsste ja nicht wissen, dass 
gegen Theophrastus, einen Mann, der sich wegen seiner 
ausgezeichneten Beredsamkeit einen göttlichen Namen er- 
warb 4 ), sogar ein Weib geschrieben hat, und dass sich 
daher das Sprichwort datirt: man solle sich einen Baum 
zum Erhängen aussuchen. Ich kann mich nicht enthalten, 
wenigstens die hieher passenden Worte des Censors 
Cato 5 ) anzuführen, damit man daraus entnehme, wie sogar 
gegen ihn (der unter dem Africanus, ja unter Hannibal 



') fecit. 2 ) Im XXXV. Buche. 3 ) Honieroniastigae, ungerechte 
Tadler. 

4 ) Er hiess ursprünglich T yrtamus, nannte sich dann Euphrastus 
(der Wohlredner) und endlich sogar Theophrastus (der göttliche Red- 
ner). Er stammte aus Eresus auf Lesbos und lebte 392—286 v. Chr. 

5 ) Marcus Porcius Cato, der ältere, berühmter römischer Staats- 
mann, Redner und Schriftsteller, lebte 232—147 v. Chr. Von seinen 
zahlreichen Schriften besitzen wir nur noch das Buch über den Landbau. 



Erstes Buch. 29 

die Kriegskunst erlernt hatte, der nicht einmal den als 
Feldherrn im Triumph eingezogenen Africanus leiden 
konnte), als er über das Kriegswesen schrieb, Leute bereit 
waren, durch Schmähung einer ihnen fremden Wissenschaft 
sich selbst einen Ruhm zu erwerben. Denn was sagt er 
in jenem Buche? „Ich weiss, dass Viele die Schriften, 
sobald sie der Oeffentlichkeit übergeben sind, verspotten 
werden; jene sind aber meistens von der Art, dass sie des 
wahren Lobes ermangeln; ich lasse daher ihre Reden un- 
beachtet vorüber gehen." Ebenso passend drückte sich 
Plancus aus, als es hiess, Asinius Pollio 1 ) verfasste Reden 
gegen ihn, welche von ihm oder seinen Kindern erst nach 
Plancus Tode herausgegeben werden sollten, damit er nichts 
dagegen erwiedern könne: „Nur Gespenster stritten mit 
Todten". Durch diese Worte entkräftete er sie so, dass 
sie bei den Gelehrten für ein unverschämtes Machwerk ge- 
halten wurden. Ich werde daher, unbekümmert um die 
Fehlerankläger 1 ) wie sie Cato treffend bezeichnet (denn was 
thuen sie anders als anklagen oder Streit suchen?), das be- 
gonnene Werk vollenden. 

In Berücksichtigung Deiner Geschäfte, die ich als ein 
öffentliches Gut schonen muss, habe ich den Inhalt der 
einzelnen Bücher diesem Schreiben beigefügt, und die grösste 
Sorgfalt darauf verwendet, um Dir das Durchlesen der 
Bücher zu ersparen. Durch Dich 3 ) werden also auch Andere 
des Durchlesens enthoben; wer aber über irgend etwas 
nähere Auskunft zu haben wünscht, braucht bloss in jenem 
Inhaltsverzeichnisse nachzusehen, um sogleich zu erfahren, 
an welcher Stelle es zu finden ist. Vor mir verfuhr in 
unserer Literatur ValeriusSoranus 4 ) schon auf ähnliche Weise 
in den Büchern, welche er unter dem Titel 'Enomidcaf) 
herausgegeben hat. 



*) Berühmter Redner und Historiker aus der Zeit des Augustus, 
dessen Werke sämmtlich verloren sind. 2 ) Vitelitigatores. 3 ) D. h. 
wegen der eigentlich nur für dich gemachten Bequemlichkeit. 

4 ) Arzt und Zeitgenosse Cicero's. 5 ) Uebersichten. 



Kurzer Inbegriff 

der Naturgeschichte des C. Plinius Secundus. 



Zweites Buch. 

Von der Welt und den Elementen. 

1. Ob die Welt Grenzen hat und ob sie einzig ist. 

2. Von ihrer Gestalt. 

3. Von ihrer Bewegung. Warum sie Mundus genannt wird. 

4. Von den Elementen und den Planeten. 

5. Von Gott. 

6. Von den Gestirnen. Von dem Laufe der Planeten. 

7. Von den Mond- und Sonnenfinsternissen. Von der Nacht. 

8. Von der Grösse der Gestirne. 

9. Wer alle diese Entdeckungen am Himmel zuerst gemacht hat. 

10. Wann die Sonnen- und Mondfinsternisse wiederkehren. 

11. Von dem Laufe des Mondes. 

12. Der Lauf der Planeten und die Gesetze ihres Leuchtens. 

13. Warum sie zuweilen entfernter, zuweilen näher erscheinen. 

14. Warum ihre Bahnen ungleich sind. 

15. Allgemeine Bemerkungen über die Planeten. 

16. Woher es kommt, dass sie ihre Farben ändern. 

17. Der Lauf der Sonne, und die Ursache der Ungleichheit der Tage. 

18. Warum dem Jupiter die Blitze zugeschrieben werden. 

19. Abstände der Gestirne von einander. 

20. Musikalische Raumesverhältnisse zwischen den Gestirnen. 

21. Geometrische Raumesverhältnisse der Welt. 

22. Von den plötzlich entstehenden Gestirnen oder den Kometen. 

23. Ihre Beschaffenheit, Lage und Arten. 

24. Hipparch's Ansichten von den Gestirnen. 

25. Wunderbare Erscheinungen am Himmel, durch geschichtliche 

Beispiele beglaubigt: Fackeln, Lampen, Spiesse. 



Erstes Buch. 31 

26. Feurige Balken und vom geöffneten Himmel. 

27. Von den Farben des Himmels und dem flammenden Himmel. 

28. Von himmlischen Kränzen. 

29. Von plötzlich entstehenden Ringen. 

30. Längere Verfinsterungen der Sonne. 

31. Mehrere Sonnen. 

32. Mehrere Monde. 

33. Tageshelle in der Nacht. 

34. Feurige Schilde. 

35. Ein nur einmal am Himmel bemerktes Zeichen. 

36. Vom Hin- und Hergehen der Sterne. 

37. Von den Sternen, welche auf der Erde und im Meere vorkommen. 

38. Von der Luft, und woher der Steinregen kommt. 

39. Von den bestimmten Witterungen. 

40. Vom Aufgange des Hundssterns. 

41. Bestimmter Einfluss der Jahreszeiten. 

42. Von den unbestimmten Witterungen, vom Platzregen. 

43. Vom Donner und Blitz. 

44. Entstehung der Winde. 

45. Verschiedene Bemerkungen über die Winde. 

46. Arten der Winde. 

47. Zeiten, wann Winde entstehen. 

48. Beschaffenheit der Winde. 

49. Der Ecnephias und Typhon. 

50. Wirbel, feurige Wirbelwinde, Drehwinde und andere merkwürdige 

Sturmarten. 

51. Von den Blitzen; in welchen Ländern es nicht blitzt und warum. 

52. Arten der Blitze und ihre wunderbaren Eigenschaften. 

53. Beobachtungen der Etruscer und Römer über dieselben. 

54. Von der Beschwörung der Blitze. 

55. Allgemeine Bemerkungen über die Blitze. 

56. Was der Blitz niemals trifft. 

57. Von Milch-, Blut-, Fleisch-, Eisen-, Wolle- und Ziegelstein-Regen 

58. WafFengeklirr und Hörnerschall vom Himmel her gehört. 

59. Steine die vom Himmel fallen. Ansichten desAnaxagoras darüber. 

60. Der Regenbogen. 

61. Beschaffenheit des Hagels, Schnees, Reifes, Nebels, Thaues, der 

Wolken. Bilder in den Wolken. 

62. Beschaffenheit des Himmels an verschiedenen Orten. 

63. Beschaffenheit der Erde. 

64. Von ihrer Gestalt. 

65. Ob es Gegenfüssler giebt. 

66. Wie dag Wasser mit der Erde verbunden ist. 

67. Ob der Ocean die Erde rings umgiebt. 



32 Erstes Buch. 

68. Welcher Theil der Erde bewohnt ist. 

69. Dass die Erde der Mittelpunkt der Welt ist. 

70. Von der schrägen Lage der Erdgürtel. 

71. Von der Ungleichheit der Klimata. 

72. Wo die Sonnen- und Mondfinsternisse nicht gesehen werden, und 

warum. 

73. Welche ßewandtniss es mit dem Tageslichte auf der Erde hat. 

74. Darauf bezügliche Bemerkungen über die Sonnenuhren. 

75. Wo und wann kein Schatten entsteht. 

76. Wo zweimal im Jahre Schatten und wo das Gegentheil ist. 

77. Wo die Tage am längsten und wo sie am kürzesten sind. 

78. Von der ersten Stundenuhr. 

79. Von der Bestimmung der Tagesdauer. 

80. Verschiedenheit der Völker nach ihrem Wohnsitze. 

81. Vom Erdbeben. 

82. Von Erdfällen. 

83. Merkmale eines bevorstehenden Erdbebens. 

84. Hülfsmittel gegen bevorstehende Erdbeben. 

85. Wunder auf Erden, die nur einmal geschehen sind. 

86. Wunderbare Erscheinungen beim Erdbeben. 

87. In welchen Gegenden das Meer zurückgetreten ist, 

88. Wie Inseln entstanden sind. 

89. Welche und zu welchen Zeiten sie entstanden sind. 

90. Welche Länder durch das Meer abgerissen sind. 

91. Welche Inseln an das feste Land gesetzt sind. 

92. Welche Länder vom Meere verschlungen sind. 

93. Welche Länder von selbst untergegangen sind. 

94. Städte, die das Meer verschlungen hat 

95. Von den Luftlöchern der Erde. 

96. Länder, welche immer zittern; schwimmende Inseln. 

97. An welchen Orten es nicht regnet- 

98. Eine Menge Wunder von Ländern. 

99. Von der Natur der Ebbe und Fluth. 

100. Wo Ebbe und Fluth von der Regel abweichen. 

101. Wunder des Meeres. 

102. Welchen Einfluss der Mond auf Land- und Meer-Geschöpfe hat. 

103. Einfluss der Sonne auf dieselben. 

104. Warum das Meer salzig ist. 

105. Wo das Meer' am tiefsten ist. 

106. Wunder der Quellen und Flüsse. 

107. Vereinigte Wunder des Feuers und Wassers. * 

108. Von der Maltha. 

109. Von der Naphtha. 

110. Welche Orte stets brennen. 



Erstes Buch. 33 

111. Wunder des- Feuers an sich. 

112. Bestimmung der Grösse der ganzen Erde. 

113. Hannonische Berechnung der ganzen Welt. 

Zusammen: 417 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, Sulpicius Gallus, der Kaiser Titus, Q. Tubero, Tullius 
Tiro, L. Piso, T. Livius, C. Nepos, Sebosus, Cselius Antipater, Fabia- 
nus, Antias, Mucianus, Caecina der über etruskische Einrichtungen 
geschrieben hat, Tarquitius desgleichen, Julius Aquila desgleichen, 
Sergius, Paulus. 

Von fremden Schriftstellern: 
Plato, Hipparchus, Timaeus, Sosigenes, Petosiris, Nechepsus, die 
Pythagoraeer, Posidonius, Anaximander, Epigenes, Gnomonicus, Eu- 
clides, der Philosoph Coeranus, Eudoxus, Democritus, Critodemus, 
Thrasyllus, Serapion, Dicaearchus, Archimedes, Onesicritus, Eratosthe- 
nes, Pytheas, Herodotus, Aristoteles, Ctesias, Artemidorus von Ephe- 
sus, Isidorus von Charax, Theopompus. 



Drittes Buch. 



Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, Häfen, 

Berge, Flüsse und den Völkern, welche noch da sind 

oder da waren. 

1. Europa' s Grenzen und Lage im Allgemeinen. 

2. Von Spanien überhaupt. 

3. Die baltische Provinz. 

4. Das diesseitige Spanien. 

5. Die narbonensische Provinz. 

6. Itaüen. 

7. Der neunte Bezirk von Italien. 

8. Der siebente Bezirk von Italien. 

9. Der erste Bezirk von Italien. Die Tiber, Rom. 

10. Der dritte Bezirk von Italien. 

11. 64 Inseln, unter ihnen die Balearen. 

12. Corsica. 

13. Sardinien. 

14. Sicilien. 

15. Gross- Griechenland; von Locri an. 

16. Der zweite Bezirk von Italien. 

17. Der vierte Bezirk von Italien. 

18. Der fünfte Bezirk von Italien. 

3 



o. Erstes Buch. 

19. Der sechste Bezirk von Italien. 
20 Der achte Bezirk von Italien. 

21. Der elfte Bezirk von Italien; Italien jenseits des Po. 

22. Der zehnte Bezirk von Italien. 

23. lstrien und dessen Bewohner. 

24. Die Alpen und ihre Bewohner. 

25. Liburnien und Illyrien. 

26. Dalmatien. 

27. Noricum. 

28. Pannonien. 

29. Moesien. 

30. Die Inseln des ionischen und adriatischen Meeres. 

Zusammen: Städte und Völker. ] 

Berühmte Flüsse. Die Zahlen 

Berühmte Berge. \ fehlen in allen 

Inseln. Handschriften. 

Untergegangene Städte und Völker, j 
316 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Turranius Gracilis, Com. Nepos, T. Livius, der Censor Cato, M.. 
Agrippa, M. Varro, der Kaiser Augustus, Varro von Atace, Hyginus, 
L Vetus MelaPomponius, Curio der Vater, Caelius, Arruntius, Sebo- 
sus, Licinius Mucianus, Fabricius Tuscus, L. Attejus Capito, Vemus 
Fla'ccus, L. Piso, Gellianus, Valerianus. 

Von fremden Schriftstellern: 
Artemidorus, Alexander Polyhistor, Thucydides, Theophrastus, 
Isidorus, Theopompus, Metrodorus von Scepsis, Calhcrates, Xenephon 
von Lampsacus, Diodorus von Syracus, Calliphanes, Timagenes. 



Viertes Buch. 



Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, 

Häfen, Berge, Flüsse und den Völkern, welche noch 

da sind oder da waren. 

1. Epirus. 

2. Acarnanien. 

3. Aetolien. 

4. Locris und Phocis. 

5. Der Peloponnes. 

6. Achaja. 

7. Messenien. 



Erstes Buch. 35 

8. Laconien. 

9. Argolis. 

10. Arcadien. 

11. Attica, Griechenland. 

12. Böotien. 
18. Doris. 

14. Phthiotis. 

15. Thessalien. 

16. Magnesien. 

17. Macedonien. 

18. Thracien, das ägeische Meer. 

19. Die Inseln, welche vor diesen Ländern liegen, darunter: 

20. Creta. 

21. Euböa. 

22. Die Cycladen. 

23. Die Sporaden. 

24. Der Hellespont. Der Maeotis. 

25. Dacien, Sarmatien. 

26. Scythien. 

27. Die Inseln im Pontus. Die Inseln im nördlichen Ocean. 

28. Germanien. 

29. 96 Inseln im gallischen Ocean, unter diesen: 

30. Britannien. 

31. Das belgische Gallien. 

32. Das lugdunensische Gallien. 

33. Das aquitanische Gallien. 

34. Das diesseitige Spanien vom gallischen Ocean an. 

35. Lusitanien. 

36. Die Inseln im atlantischen Meere. 

37. Bestimmung der Grösse von ganz Europa. 

Zusammen: Städte und Völker. 

Berühmte Flüsse. Die Zahlen 

Berühmte Berge. \ fehlen in allen 

Inseln. Handschriften. 

Untergegangene Städte und Völker. 
Gegenstände, Erzählungen !und Bemerkungen. . 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, der Censor Cato, M. Agrippa, der Kaiser Augustus, 
Varro von Atace, Com. Nepos, Hyginus, L. Vetus, Pomponius Mela, 
Licinius Mucianus, Fabricius Tuscus, Attejus Capito, der Philolog 
Attejus. 

Von fremden Schriftstellern: 
Polybius, Hecatseus, Hellanicus, Damastes, Eudoxus, Dicsearchus, 
Timosthenes, Eratosthenes, Ephorus, der Grammatiker Cratetes, Se- 

3* 



36 Erstes Buch. 

rapion von Antiochien, Callimachus, Artemidorus, Apollodorus, Aga- 
thocles, Euuiachus, Timseus aus Sicüien, Myrsilus, Alexander Poly- 
histor, Thucydides, Dosiades, Anaximander , Philistides von Mallus, 
Dionysius, Aristides, Callidemus, Mensechmus, Aglaosthenes, Anticlides, 
Heraclides, Philemon, Xenophon, Pytheas, Isidorus, Pliilonides, Xena- 
goras, Astynomus, Staphylus. Aristocriton, Metrodorus, Cleobulus, 
Posidonius. 



Fünftes Buch. 

Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, 

Häfen, Berge, Flüsse, und den Völkern, welche 

noch da sind oder da waren. 

1. Mauritanien. 

2. Numidien. 

3. Afrika (im engern Sinne). 

4. Die Syrten. 

5. Cyrenaica. 

6. Das libysche Mareotis. 

7. Die Inseln um Afrika. 

8. Das innere Afrika. 

9. Asien. Aegypten und Thebais. 

10. Der Nil. 

11. Die Städte in Aegypten. 

12. Arabien, welches am ägyptischen Meere liegt. 

13. Syrien. 

14. ldumäa, Palästina, Samaria. 

15. Judäa. 

16. Decapolis. 

17. Phönicien. 

18. Das antiochische Syrien. 

19. Das übrige Syrien. 

20. Der Euphrat. 

21. Syrien am Euphrat. 

22. Cilicien und die anwohnenden Völker. 

23. Die Isaurer und die Homonader. 

24. Pisidien. 

25. Lycaonien. 

26. Pamphylien. 

27. Der Berg Taurus. 

28. Lycien. 

29. Carien. 

30. Lydien. 



Erstes Buch. 37 

31. Ionien. 

32. Aeolien. 

33. Troas und die anwohnenden Völker. 

34. 212 Inseln vor Asien, darunter: 

35. Cypem. 

36. Rhodus. 

37. Samos. 

38. Chios. 

39. Lesbos. 

40. Das Hellespont und Mysien. 

41. Phrygien. 

42. Galatien und die anwohnenden Völker. 

43. Bithynien. 

44. Die Inseln im Propontis. 

Zusammen: Städte und Völker. 
Berühmte Flüsse. 
Berühmte Berge. 
318 (?) Inseln. 
Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Agripppa, Suetonius, Paulinus, M. Varro, Varro von Atace, Com. 
Nepos, Hyginus, L. Vetus, Mela, Domitius Corbulo, Licinius Mucianus, 
der Kaiser Claudius, Arruntius, Livius der Sohn, Sebosus, die Acten 
über die gehaltenen Triumphe. 

Von fremden Schriftstellern: 
Der König Juba, Hecata^us, Hellanicus, Damastes, Dicsearchus, 
Baeton, Timosthenes, Philonides, Xenagoras, Astynomus, Staphylus, 
Aristoteles, Dionysius, Aristocritus, Ephorus, Eratosthenes, Hippar- 
chus, Pansetius, Serapion von Antiochia, Callimachus, Agathocles, 
Polybius, der Mathematiker Tima^us, Herodotus, Myrsilus, Alexander 
Polyhistor, Metrodorus, Posidonius, welcher 2 Bücher „die Erdum- 
schiffung" und die „Erdumwanderung" geschrieben hat, Sotades, Pe- 
riander, Aristarchus von Sicyon, Eudoxus, Antigenes, Callicrates, 
Xenophon von Lampsacus, Diodorus von Syracus, Hanno, Himilco, 
Nymphodorus, Calliphanes, Artemidorus, Megasthenes, Isidorus, Cle- 
obulus, Aristocreon. 



Die Zahlen fehlen 
in allen Hand- 
schriften. 



Sechstes Bach. 

Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, 

Häfen, Berge, Flüsse, und den Völkern, welche 

noch da sind oder da waren. 

1. Der Pontus und die Mariandyner. 

2. Die Paphlagonier. 



38 Erstes Buch. 

3. Die Cappadocier. 

4. Das theniiscyrenische Land und seine Völker. Die Heniocher. 

5. Das colische Land, die Achaeer und die übrigen dort wohnenden 

Völker. 

6. Der cimmersche Bosporus. 

7. Mseotis und die um ihn wohnenden Völker. 

8. Cappadocien. 

9. Gross- und Klein-Armenien. 

10. Die Flüsse Cyrus und Araxes. 

11. Albanien, Iberien und die anwohnenden Völker. 

12. Die caucasischen Pässe. 

13. Die Inseln im Pontus. 

14. Die Völker vom scythischen Ocean an. 

15. Das caspische und hyrcanische Meer. 

16. Adjabene. 

17. Medien und der caspische Pass. 

18. Die Völker am hyrcanischen Meere. 

19. Die scythischen Völker und die Länder vom östlichen Ocean an. 

20. Die Serer. 

21. Die Indier. 

22. Der Ganges. 

23. Der Indus. 

24. Taprobane. 

25. Die Gedroser und die angrenzenden Provinzen. Die Arianer. 

26. Schifffahrten nach Indien. 

27. Carmanien. 

28. Der persische und der arabische Meerbusen. 

29. Die Länder der Parther. 

30. Mesopotamien. 

31. Der Tigris. 

32. Arabien. 

33. Der Busen des rothen Meeres. 

34. Troglodytice. 

35. Aethiopien. 

36. Die Inseln des äthiopischen Meeres. 

37. Von den glückseligen Inseln. 

38. Vergleichung der Länder miteinander nach ihrem Flächeninhalte . 

39. Vertheilung der Länder in Parallelen und gleiche Schatten. 

Zusammen: 1195 Städte. 
576 Völker. 
115 berühmte Flüsse. 
18 berühmte Berge. 
108 Inseln. 

95 untergegangene Städte und Völker. 
2214 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 



Erstes Buch. 39 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Agrippa, M. Varro, Varro von Atace, C. Nepos, Hyginus, 
L. Vetus, Mela Pomponius, Domitius Corbulo, Licinius Mucianus, 
der Kaiser Claudius, Arruntius, Sebosus, Fabricius Tuscus, T. Livius, 
Seneca, Nigidius. 

Von fremden Schriftsteilem: 
König Juba, Hecatseus, Hellanicus, Damastes, Eudoxos, Dicsear- 
chus, B«ton, Timosthenes, Patrocles, Demodamas, Clitarchus, Era- 
tosthenes, Alexander der Grosse, Ephorus, Hipparchus, Pansetius, Calli- 
machus, Artemidorus, Apollodorus, Agathocles, Polybius, Eumachus, 
Timaeus von Sicilien, Alexander Polyhistor, Isidorus, Amometus, 
Metrodorus, Posidonius, Onesicritus, Nearchus, Megasthenes, Diogne- 
tus, Aristocreon, Bion, Dalion, Simonides der Jüngere, Basilis, Xeno- 
phon von Lampsacus. 



Siebentes Buch. 

Von der Entstehung und Beschaffenheit des Menschen 
und von der Erfindung der Künste. 

1. Vom Menschen. 

2. Wunderbare Gestalten der Völker. 

3. Seltsame Geburten. 

4. Von der Erzeugung des Menschen; merkwürdige Beispiele der 

Schwangerschaft von sieben bis zu dreizehn Monaten. 

5. Anzeigen bei Schwange» in Bezug auf die Erkennung des Ge- 

schlechtes der Leibesfrucht. 
<>. Monströse Geburten. 

7. Kinder, die aus der Mutter Leibe geschnitten sind. 

8. Welche Menschen Vopiscer heissen. 

9. "Von der Empfängniss und Zeugung. 

10. Beispiele von Aehnlichkeiten. 

11. Von der Zeit der Pubertät. Beispiele zahlreicher Empfängniss. 

12. Bis zu welchem Alter der Mensch zeugungsfähig ist. 

13. Wunderbare Bemerkungen über den Monatsfluss der Weiber. 

14. Von der Zeugungsfähigkeit. 

15. Geschichtliche Bemerkungen von den Zähnen, desgleichen von 

den Kindern. 

16. Beispiele auffallender Grösse. 

17. Frühreife Kinder. 

18. Ausgezeichnete Merkmale am menschlichen Körper. 

19. Ausserordentliche Kräfte. 

20. Ausserordentliche Schnelligkeit. 

21. Sehr scharfes Gesicht. 



40 Erstes Buch. 

22. Sehr feines Gehör. 

23. Beispiele von Ausdauer. 

24. Beispiele von starkem Gedächtniss. 

25. Beispiele von Geisteskraft. 

26. Beispiele von Milde und Grossmuth. 

27. Von hoher Berühmtheit in der Leitung ausserordentlicher Ange- 

legenheiten. 

28. Von den drei grössten Tugenden und von der grössten Unschuld 

eines Menschen. 

29. Von der grössten Tapferkeit. 

30. Beispiele von ausgezeichneten Genie's. 

31. Dessgleichen von grosser Weisheit. 

32. Sehr nützliche Lebensregeln. 

33. Von der Kraft des Weisssagens. 

34. Wer für den rechtschaffensten Mann gehalten worden ist. 

35. Welche Frauen die keuschesten gewesen sind. 

36. Beispiele höchster kindlicher Liebe. 

37. Ausgezeichnete Männer in den Künsten, der Sterndeutekunst, 

Sprachkunde und Medicin; 

38. Der Geometrie, Architectur; 

39. Der Malerei, Bildhauerei, der Kunst in Elfenbein zu arbeiten und 

getriebene Arbeit zu verfertigen. 

40. Sehr hohe Preise für Menschen. 

41. Von der höchsten Glückseligkeit. 

42. Seltene Beispiele von dauerndem Glücke in Familien. 

43. Merkwürdige Beispiele von Glückswechsel. Ein zweimal Ver- 

bannter. 

44. Merkwürdige Beispiele von Ehrenbezeugungen. 

45. Die zehn höchsten Güter bei einem Manne. 

46. Widerwärtige Schicksale des Kaisers Augustus. 

47. Welche Menschen von den Göttern für die glücklichsten er- 

klärt sind. 

48. Wen man schon bei seinen Lebzeiten als einen Gott zu ver- 

ehren befohlen hat. Ein merkwürdiger Blitz. 

49. Von der längsten Lebensdauer. 

50. Von der verschiedenen Geburtszeit. 

51. Verschiedene Beispiele von Krankheiten. 

52. Vom Tode. 

53. Welche Menschen schon zu Grabe getragen und wieder auf- 

gelebt sind. 

54. Beispiele von plötzlich erfolgtem Tode. 

55. Vom Begräbniss. 

56. Von den Geistern der Verstorbenen; von der Seele. 

57. Was ein Jeder im Leben erfunden hat. 



Erstes Buch. 41 

58. Worin die erste Uebereinkunft der Völker besteht. 

59. Wann zuerst Barbiere gewesen sind. 

60. Wann die erste Uhr existirt hat. 

Zusammen: 747 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

Verrius Flaccus, Cn. Gellius, Licinius Mucianus, Massurius Sabi- 
nus, Agrippina des Claudius Gemahlin, M. Cicero, Asinius Pollio, 
M. Varro, Messala, Rufus, C. Nepos, Virgilius, Livius, Cordus, Melis- 
sus, Sebosus, Com. Celsus, Valerius Maximus, Trogus, Nigidius Figu- 
lus, Pomponius Atticus, Pedianus Asconius, Fabianus, der Censor Cato, 
Fabius Vestalis, die Acten. 

Von fremden Schriftstellern: 
Herodotus, Aristeas, Bseton, Isigonus, Crates, Agatharchides, 
Calliphanes, Aristoteles, Nymphodorus, Apollonides, Phylarchus, Dä- 
mon, Megesthenes, Ctesias, Tauron, Eudoxus, Onesicritus, Clitarchus, 
Duris, Artemidorus, der Arzt Hippocrates, der Arzt Asclepiades, He- 
siodus, Anacreon, Theopompus, Hellanicus, Damastes, Ephorus, Epi- 
genes, Berosus, Petosiris, Nechepsus, Alexander Polyhistor, Xenophon, 
Callimachus, Democritus, der Geschichtsschreiber Diyllus, Strato der 
gegen die „Erfindungen" des Ephorus schrieb, Heraclides von Pontus, 
Asclepiades welcher tragische Begebenheiten schrieb, Philostephanus, 
Hegesias, Archimachus, Thucydides, Mnesigiton, Xenagoras, Metrodo- 
rus von Scepsis, Anticlides, Critodemus. 



Achtes Buch. 

Von den Landthieren. 

1. Von den Elephanten, von ihrem Verstände. 

2. Wann sie zuerst zum Ziehen gebraucht sind. 

3. Von ihrer Gelehrigkeit. 

4. Wunderbare Dinge in Bezug auf ihre Handlungen. 

5. Dass die wilden Thiere wissen, was ihnen Gefahr bringt. 

6. Wann in Italien zuerst Elephanten gewesen sind. 

7. Ihre Kämpfe. 

8. Wie sie gefangen werden. 

9. Wie sie gezähmt werden. 

10. Von ihrer Geburt und von ihrer übrigen Beschaffenheit. 

11. Wo sie geboren werden. Von ihrer Feindschaft mit den Schlangen. 

12. Von der Schlauheit der Thiere. 

13. Von den Schlangen. 



42 Erstes Buch. 

14. Schlangen von ausserordentlicher Grösse. 

15. Von den scythischen Thieren. Von den Bisons. 

16. Von den nordischen Thieren; vom Elenthiere, dem Bonasus. 

17. Von den Löwen und ihrer Geburt. 

18. Ihre verschiedenen Arten. 

19. Ihre sonstige Beschaffenheit. 

20. Wer zuerst zu Rom einen Löwenkampf veranstaltet hat. Wer die 

meisten Löwen dazu geliefert hat. 

21. Wunderbare Begebenheiten von den Löwen. 

22. Wer von einer Schlange erkannt und gerettet worden ist. 

23. Von den Panthern. 

24. Senatsbeschluss und Gesetze in Bezug auf die afrikanischen Pan- 

ther. Wer die afrikanischen zuerst, und wer die meisten nach 
Rom gebracht hat. 

25. Von den Tigern. Wann der erste in Rom gesehen worden. Be- 

schreibung derselben. 

26. Von den Kameelen und ihren Arten. 

27. Von der Giraffe. Wann die erste in Rom gesehen worden. 

28. Von dem Thiere Chama und dem Cephus. 

29. Vom Rhinoceros. 

30. Vom Luchs, den Sphingen, Crocotten und Meerkatzen. 

31. Die Landthiere Indiens. 

32. Die Landthiere Aethiopiens. Ein Thier, welches durch seinen An- 

blick tödtet. 

33. Von den Basilisken. 

34. Von den Wölfen. Woher die Sage von Verwandlung in Wölfe 

kommt. 

35. Die Arten der Schlangen. 

36. Vom Ichneunion. 

37. Vom Krokodil. 

38. Vom Scincus. 

39. Vom Flusspferde. 

40. Wer zuerst ein Flusspferd und ein Krokodil zu Rom gezeigt hat. 

41. Arzneimittel, welche von Thieren entdeckt sind. 

42. Anzeigen von Gefahren an Thieren beobachtet. 

43. Völker, die von Thieren vertilgt sind. 

44. Von den Hyänen. 

45. Von den Crocuten und Mantichoren. 

46. Von den wilden Eseln. 

47. Vom Castoreum. Von Thieren, welche im Wasser und auf dem 

Lande leben. Von der Fischotter. 

48. Von den Laubfröschen. 

49. Vom Seekalbe. Vom Biber. Von den Stellionen. 

50. Von den Hirschen. 



Erstes Buch. 43 

51. Vom Chamaeleon. 

52. Von den übrigen Thieren, welche ihre Farbe verändern. Vom 

Rennthiere, dem Lycaon, dem Thos. 

53. Vom Stachelschweine. 

54. Von den Bären und ihren Jungen. 

55. Von den pontischen Mäusen und den Alpenmäusen. 

56. Von den Igeln. 

57. Vom Löwentödter und Luchse. 

58. Von dem Dachse, dem Eichhörnchen. 

59. Von den Vipern und Schnecken. 

60. Von den Eidechsen. 

61. Von den Hunden; Beispiele von Treue gegen ihre Herren. Welche 

sich Hunde zum Kriege gehalten haben. 

62. Von ihrer Fortpflanzung. 

63. Mittel gegen die Hundswuth. 

64. Von den Pferden. 

65. Von ihrem Verstände. Merkwürdige Begebenheiten von einem 

Gespann aus vier Pferden. 

66. Von ihrer Fortpflanzung. 

67. Welche durch den Wind empfangen. 

68. Von den Eseln und ihrer Fortpflanzung. 

69. Von den Mauleseln, dem übrigen Zugvieh und ihrer Fortpflanzung. 

70. Von den Ochsen und ihrer Fortpflanzung. 

71. Vom ägyptischen Apis. 

72. Von dem Schafe überhaupt und seiner Fortpflanzung. 

73. Von den Arten der Wolle und ihrer Farbe. 

74. Von den verschiedenen Kleidern. 

75. Von den äussern Merkmalen des Schafs; vom Musimon. 

76. Von den Ziegen und ihrer Fortpflanzung. 

77. Von den Schweinen. 

78. Von den wilden Schweinen. Wer zuerst Thiergärten angelegt hat. 

79. Von den halbwilden Thieren. 

80. Von den Affen. 

81. Von den Hasen-Arten. 

82. Von den Thieren, welche weder zahm noch wild zu nennen sind. 

83. Welche Thiere in manchen Gegenden nicht sind. 

84. Welche Thiere nur den Ankömmlingen, und welche nur den Ein- 

heimischen schädlich sind, und wo diess der Fall ist. 
Zusammen: 787 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Mucianus, Procilius, Verrius Flaccus, L. Piso, Cornelius Valeria- 
nus, der Censor Cato, Fenestella, Trogus, die Acten, Columella, Vir- 
gilius, Varro, Lucilius, Metellus, Scipio, Com. Celsus, Nigidius, Tre- 
bius Niger, Pomponius Mela, Mamilius Sura. 



44 Erstes Buch. 

Von fremden Schriftstellern: 
König Juba, Polybius, Herodotus, Antipater, Aristoteles, der Phy- 
siker Demetrius, Democritus, Theophrastus, Euanthes, Agrippa der 
die olympischen Siege beschrieben hat, König Hiero, König Attalus 
Philometor, Ctesias, Duris, Philistus, Archytas, Phylarchus, Amphilo- 
chus von Athen, Anaxipolis von Thasus, Apollodorus von Lemnos, 
Aristophanes von Milet, Antigonus von Cymse, Agathocles von Chios, 
Apollonius von Pergamus, Aristander von Athen, Bacchius von Milet, 
Bion von Solis, Chsereas von Athen, Diodorus von Priene, Dion von 
Colophon, Epigenes von Rhodus, Euagon von Thasus, Euphronius 
von Athen, Hegesias von Maronea, Menander von Priene, Menander 
von Heraclea, der Dichter Menecrates, Androtion der über den Acker- 
bau geschrieben hat, Aeschrion desgleichen, Lysimachus desgleichen, 
Dionysius der den Mago übersetzt, Diophanes der aus dem Dionysius 
einen Auszug gemacht hat, König Archelaus, Nicander. 



Neuntes Buch. 

Von den Wasserthieren. 

1. Warum die grössten Thiere im Meere sind. 

2. Die Thiere des indischen Meeres. 

3. Welche im Weltmeere überhaupt die grössten sind. 

4. Von der Gestalt der Tritonen, Nereiden und Seeelephanten. 

5. Von den Wallfischen und Orken. 

6. Ob die Fische athmen und ob sie schlafen. 

7. Von den Delphinen. 

8. Wen sie lieb gehabt haben. 

9. Wo sie gemeinschaftlich mit den Menschen Fische fangen. 

10. Andere merkwürdige Erzählungen von ihnen. 

11. Von den Tursionen. 

12. Von den Schildkröten. Die Arten der Wasser-Schildkröten und 

wie sie gefangen werden. 

13. Wer zuerst Schildkrötenschalen geschnitten hat. 

14. Eintheilung der Wasserthiere nach ihren Arten. 

15. Welche behaart und welche nicht behaart sind; wie sie gebären. 

Von den Seekälbern und Robben. 

16. Wie viele Arten von Fischen es giebt. 

17. Welche Fische am grössten sind. 

18. Von den Thunfischen, Cordylen und Pelamiden, welche, wenn sie 

in Stücke geschnitten und eingesalzen sind, Melandrya, Apo- 
lecti und Cybia heissen. 

19. Von den Amien und Scombern. 



Erstes Buch. 45 

■20. Welche Fische es im Pontus nicht giebt; welche an der einen 
Seite hinein- und an der andern wieder heraus schwimmen. 

21. Warum die Fische aus dem Wasser hervorspringen. Vom Schwerdt- 

fisch. 

22. Von Wahrsagungen aus Fischen. 

23. Welche Fischart keine Männchen hat. 

24. Welche einen Stein im Kopfe haben; welche im Winter verbor- 

gen liegen, und welche im Winter nur an bestimmten Tagen 
gefangen werden. 

25. Welche im Sommer verborgen liegen; welche Fische von einer 

Erstarrung befallen werden. 

26. Von dem Mugil. 

27. Vom Stör. 

28. Vom Seewolf; vom Kabliau. 

29. Vom Scarus; von der Mustela. 

30. Arten der Meer-Barbe; von dem Gesellschafter Sargus. 

31. Ausserordentliche Preise für Fische. 

32. Dass ein und dieselben Fische nicht überall beliebt sind. Vom 

Coracinus. 

33. Von den Kiemen und Schuppen. 

34. Fische, welche eine Stimme haben und ohne Kiemen sind. 

35. Welche auf das Land kommen. Zeiten ihres Fanges. 

36. Eintheilung der Fische nach der Gestalt. Unterschied zwischen 

den Rhomben und Passeres. Von langen Fischen. 

37. Von den Flossen und der Art und Weise des Schwimmens der 

Fische. 

38. Von den Aalen. 

39. Von den Muraenen. 

40. Arten der Plattfische. 

41. Vom Echeneis und seiner zauberischen Kraft. 

42. Welche Fische die Farbe wechseln. 

43. Welche über dem Wasser hinfliegen; von der Meerschwalbe ; von 

dem Fische der bei Nacht leuchtet; vom Hornfische; vom See- 
drachen. 

44. Von den Fischen die kein Blut haben; von den sogenannten 

Weichfischen. 

45. Von der Sepia, der Loligo, den kleinen Kammmuscheln. 

46. Von den Polypen. 

47. Von dem Polyp „der Segler" genannt. 

48. Arten der Polypen; ihre Schlauheit. 

49. Von dem Segler Nauplium. 

50. Von den Schalenthieren; von den Krabben. 

51. Arten der Krebse; von dem Pinnotheres, dem Seeigel, den 

Schnecken und Kammmuscheln. 



46 Erstes Buch. 

52. Arten der Muscheln. 

53. Dass im Meere die Ursache grosser Verschwendung liegt. 

54. Von den Perlmuscheln; wie und wo sie entstehen. 

55. Wie sie aufgefunden werden. 

56. Wie viele Arten von Perlen es giebt. 

57. Was dabei zu beobachten, und welches ihre Natur ist. 

58. Geschichtliche Bemerkungen über die Perlen. 

59. Wann sie zuerst in Rom in Gebrauch gekommen sind. 

60. Von den Stachelschnecken und Purpurschnecken. 

61. Von den Arten der Purpurschnecken. 

62. Wie die Wolle damit gefärbt wird. 

63. Wann der Gebrauch des Purpurs in Rom aufgekommen ist; wann 

die breiten Purpurs treifen und mit Purpnr verbrämten Ober- 
kleider dort zuerst getragen sind. 

64. Von den conchylienfarbigen Kleidern. 

65. Von dem Färben in Amethyst; vom tyrischen Farbstoff, dem 

Dunkelroth und Scharlachroth. 

66. Vom Pinna und dem Pinnotheres. 

67. Von den Empfindungen der Wasserthiere; vom Zitterfische, dem 

Stachelrochen, dem Scolopender und Wels; von dem Fische- 
Aries. 

68. Von den Wasserthieren, welche eine dritte Natur haben, d. h. die 

der Thiere und Pflanzen zugleich; von den Seenesseln. 

69. Von den Schwämmen, ihren Arten, ihrem Wohnorte und dass sie 

Thiere sind. 

70. Von den Hundsfischen. 

71. Von den Wasserthieren, die in eine steinige Schale eingeschlos- 

sen sind; -welche ohne Empfindung sind, und von den übrigen 
unbedeutenderen Thieren. 

72. Von den giftigen Seethieren. 

73. Von den Krankheiten der Fische. 

74. Von ihrer Fortpflanzung. Merkwürdige Nachrichten über Zeu- 

gungen. 

75. Bei welchen sich Eier und Junge zugleich erzeugen. 

76. Welchen beim Abgange der Leibesfrucht der Uterus platzt und 

dann wieder zusammenwächst. 

77. Welche eine Schaam haben; welche sich selbst begatten. 

78. Wie lange die Fische leben. 

79. Wer zuerst Austernteiche angelegt hat. 

80. Wer zuerst Teiche für die übrigen Wasserthiere angelegt hat. 

81. Wer zuerst Teiche für Murinen angelegt hat. Merkwürdige 

Nachrichten über Fischteiche. 

82. Wer zuerst Teiche für Schnecken angelegt hat. 

83. Fische die auf dem Lande leben. 



Erstes Buch. 47 

84. Von den Mäusen im Nil. 

85. Von dem Fange der Anthien-Fisehe. 

86. Von den Seesternen. 

87. Wunderbare Dinge von den Fingermuscheln. 

88. Von der Feindschaft und Freundschaft der Wasserthiere unter sich. 
Zusammen: 650 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Turrianus Gracilis, Trogus, Msecenas, Alfius Flavius, C. Nepos, 
der Mimenschreiber Laberius, Fabianus, Fenestella, Mucianus, Aelius 
Stilo, Statius Sebosus, Melissus, Seneca, Cicero, Aemilius Macer, 
Messala Corvinus, Trebius Niger, Nigidius. 

Von fremden Schriftstellern: 
Aristoteles, König Archelaus, Callimachus, Democritus, Theo- 
phrastus, Thrasyllus, Hegesidemus von Cythnos, Alexander Polyhistor. 



Zehntes Buch. 

Von den Vögeln. 

1. Vom Strausse. 

2. Vom Phoenix. 

3. Arten des Adlers. 

4. Ihre nähere Beschreibung. 

5. Wann sie Feldzeichen der Legionen wurden. 

6. Von einem Adler, der sich auf den Scheiterhaufen einer Jung- 

frau setzte. 

7. Vom Geier. 

8. Vom Sanqualis und Immussulus. 

9. Vom Buteo. 

10. Wo die Habichte und Menschen gemeinschaftlich Vögel fangen. 

11. Welcher Vogel allein von seinem eigenen Geschlechte umgebracht 

wird; welcher Vogel nur ein Ei legt. 

12. Von den Milanen. 

13. Eintheilung der Vögel in Gattungen. 

14. Von den Krähen, den Unglück bringenden Vögeln. In welchen 

Monaten sie nicht zu sehen sind. 

15. "Von den Raben. 

16. Vom Uhu. 

17. Vögel, welche nicht mehr existiren oder nicht genau bekannt sind. 

18. Welche mit dem Schwänze zuerst aus dem Eie kommen. 

19. Von den Nachteulen. 

20. Vom Picus Martius. 

21. Von den Vögeln mit krummen Krallen. 



48 Erstes Buch. 

22. Von den Pfauen. 

23. Wer zuerst Pfauen zum Essen geschlachtet, wer sie zuerst ge- 

mästet hat. 

24. Von den Hühnervögeln. 

25. Wie sie verschnitten werden. Von einem sprechenden Hahn. 

26. Von der Gans. 

27. Wer zuerst Gänselebern zubereitet hat. 

28. Von dem Commagenum. 

29. Von den Chenalopeces und Chenerotes, den Auerhähnen und 

Trappen. 

30. Von den Kranichen. 

31. Von den Störchen. 

32. Von den Schwänen. 

33. Von den fremden Vögeln die zu uns kommen; von den Wachteln, 

dem Glottis, Cychranius und der Ohreule. 

34. Von den Schwalben. 

35. Von unsem einheimischen Vögeln, welche fortziehen und wohin ; 

von den Amseln, Kranmietsvögelu, Staaren. Von den Vögeln, 
welche sich während der Mauserzeit verbergen; von der Tur- 
teltaube und der Holztaube. Vom Fluge der Staare u. Schwalben. 

36. Welche Vögel ein ganzes, welche ein halbes und welche ein viertel 

Jahr bei uns bleiben. Vom Galgulus, Wiedehopf. 

37. Von den Memnons-Vögeln. 

38. Von den Meleagris-Vögeln. 

39. Von den Seleucis-Vögeln. 

40. Vom Ibis. 

41. Welche Vögel an gewissen Orten nicht sind. 

42. Von den Arten der Singvögel und denen, welche ihre Farbe und 

Stimme verändern. 

43. Von den Nachtigallen. 

44. Von den Schwarzköpfen, den Rothkehlchen und Rothschwänzen. 

45. Vom Oenanthe, dem Grünlinge, der gemeinen Amsel, dem Ibis. 

46. Die Heckezeit der Vögel. 

47. Von den Eisvögeln und den nach ihnen benannten Tagen, an 

welchen das Meer schiffbar ist. 

48. Von den übrigen Wasservögeln. 

49. Von der Geschicklichkeit der Vögel im Baue der Nester. Wun- 

derbareErzählungen von denSchwalben. Von den Uferschwalben. 

50. Vom Acanthyllis. 

51. Vom Merops und den Rebhühnern. 

52. Von den Tauben. 

53. Ihre wunderbaren Verrichtungen und ihre Preise. 

54. 'Von dem verschiedenen Fluge und Gange der Vögel. 

55. Von den fusslosen oder Höhlen-Schwalben. 



Erstes Buch. 49 

•56. Von der Nahrung der Vögel. Vom Ziegenmelker, dem Platea. 

57. Von dem Verstände der Vögel. Vom Carduelis, Taurus u. Anthus. 

58. Von den sprechenden Vögeln; von den Papageien. 

59. Von den Eichel-Elstern. 

60. Ein Aufstand des römischen Volkes wegen eines sprechenden 

Raben. 

61. Die Vögel des Diomedes. 

62. Welche Vögel nichts lernen. 

63. Vom Trinken der Vögel. Vom Purpurhuhn. 

64. Von den Himantopoden. 

65. Von der Nahrung der Vögel. 

66. Von der Kropfgans. 

67. Von den fremden Vögeln; von den Phaleriden, Fasanen und nu- 

midischen Vögeln. 

68. Von den Flamingo's, Attagenen, Scharben, Rcthraben, Lagopoden. 

69. Von neuen Vögeln; von den Vipionen. 

70. Von fabelhaften Vögeln. 

71. Wer zuerst Hühner gemästet hat; welche Censoren diess zuerst 

verboten haben. 

72. Wer zuerst Vogelhäuser angelegt hat. Von der Schüssel des Aesop. 

73. Von der Fortpflanzung der Vögel. Welche Thiere, ausser den 

Vögeln, Eier legen. 

74. Arten und Beschaffenheit der Eier. 

75. Von den Fehlern und Hülfsmitteln beim Brüten. 

76. Vom Wahrsagen aus Eiern. 

77. Welche Hühner die besten sind. 

78. Ihre Krankheiten und die Mittel dagegen. 

79. Wann die Vögel Eier legen und wie viel. 

80. Welche Eier Windeier und welche Cynosuren genannt werden; 

wie man die Eier am besten aufbewahrt. 

81. Welches geflügelte Thier das einzige ist, das lebendige Junge ge- 

bärt und säugt. 

82. Welche Landthiere Eier legen. Begattung der Schlangen. 
£3. Von der Fortpflanzung aller Landthiere. 

84. Wie die Thiere in der Gebärmutter liegen. 

85. Bei welchen Thieren die Abkunft noch ungewiss ist. 

86. Von den Salamandern. 

87. Welche Thiere aus nicht geborenen entstehen, und welche ge- 

boren sind und sich nicht fortpflanzen. Welche geschlechts- 
los sind. 

•88. Von den Sinnen der Thiere. Bei welchen das Gesicht, bei wel- 
chen das Gehör, bei welchen der Geruch ausgezeichnet ist. 
Von den Maulwürfen. Ob die Austern ein Gehör haben. 

S9. Welche Fische am besten hören. 



50 Erstes Buch. 

90. Welche Fische den schärfsten Geruch besitzen. 

91. Verschiedenheit der Thiere hinsichtlich der Nahrungsmittel. 

92. Welche von Gift leben. 

93. Welche von Erde leben. Welche durch Hunger und Durst nicht 

sterben. 

94. Von der Verschiedenheit des Saufens bei den Thieren. 

95. Welche unter sich in Feindschaft leben. Von der Freundschaft. 

und den Abneigungen der Thiere. 

96. Beispiele davon bei den Schlangen. 

97. Vom Schlafe der Thiere. 

98. Welche Thiere träumen. 

Zusammen: 794 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

Manilius, Corn. Valerianus, die Acten, Umbricius Melior, Massu- 

rius Sabinus, Antistius Labeo, Trogus, Cremutius, M. Varro, Aenrilius- 

Macer, Melissus, Mucianus, Nepos, Fabius Pictor, T. Lucretius, Com.. 

Celsus, Horatius, Deculo, Hyginus, Säsernus, Nigidius, Mamilius Sura*. 

Von fremden Schriftstellern: 

Homerus, Phemonoe, Philemon, Boeus der über die Zeugung der 
Vögel, Hylas der über die Augurien geschrieben hat, Aristoteles,. 
Theophrastus, Callimachus, Aeschylus, König Hiero, König Philome- 
tor, Archytas von Tarent, Amphilochus von Athen, Anaxipolis von 
Thasus, Apollodorus von Lemnos, Aristophanes von Milet, Antigonus 
von Cymse, Agathocles von Chios, Apollonius von Pergamus, Aristan- 
der von Athen, Bacchius von Milet, Bion von Solis, Chrereas von Athen,. 
Diodorus von Priene, Dion von Colophon, Democritus, Diophanes von 
Nic«a, Epigenes von Rhodus, Euagones von Thasus, Euphronius von 
AtLen, Juba, Androtion welcher über den Ackerbau geschrieben hatr 
Aeschrion desgleichen, Lysimachus desgleichen, Dionysius der den 
Mago übersetzt, Diophanes der einen Auszug aus dem Dionysius ge- 
macht hat, Nicander, Onesicritus, Phylarchus, Hesiodus. 



Elftes Buch. 

Von den Insekten. 

1. Von ihrer zarten Beschaffenheit. 

2. Ob sie athmen und ob sie Blut haben. 

3. Von ihrem Körper. 

4. Von den Bienen. 

5. Von der Ordnung in ihren Verrichtungen. 

6. Von dem Commosis, Pissoceros und Propolis. 

7. Von dem Erithace oder Sandarace oder Cerinthos. 



Erstes Buch. 51 

8. Aus welchen Blumen sie den Stoff zu ihren Arbeiten nehmen. 

9. Welche Personen sich mit Bienenzucht beschäftigt haben. 

10. Wie die Bienen ihre Arbeit verrichten. 

11. Von den Drohnen. 

12. Von der Beschaffenheit des Honigs. 

13. Welcher Honig der beste ist. 

14. Vqn den Arten des Honigs in jeder Gegend. 

15. Woran man sie erkennt. Von der Erice oder Tetralice oder Sisara. 

16. Von der Fortpflanzung der Bienen. 

17. Von der Beschaffenheit eines Bienenstaats. 

18. Dass sie in Haufen versammelt zuweilen eine glückliche Vorbe- 

deutung sind. 

19. Arten der Bienen. 

20. Von ihren Krankheiten. 

21. Von ihren Feinden. 

22. Von ihrer Erhaltung. 

23. Von ihrer Wiederherstellung. 

24. Von den Wespen und Hornissen. Welche Thiere aus einem 

fremden Geschlechte ihr eigenes fortpflanzen. 

25. Vom assyrischen Seidenspinner. 

26. Von den Seidenraupen und den Seidenpuppen. Welches Frauen- 

zimmer das erste seidene Kleid gemacht hat. 

27. Vom coischen Seidenspinner. Wie ein Kleid von coischer Seide 

gemacht wird. 

28. Von den Spinnen; welche von ihnen weben und von welcher 

Natur ihr Webestoff ist. 

29. Fortpflanzung der Spinnen. 

30. Von den Scorpionen. 

31. Von den Stellionen. 

32. Von den Cicaden; dass ihnen Mund und After fehlt. 

33. Von den Flügeln der Insekten. 

34. Von den Käfern. Von den Leuchtkäfern und den übrigen Arten- 

35. Von den Heuschrecken. 

36. Von den Ameisen. 

37. Von den Puppen der Schmetterlinge. 

38. Thiere, welche in oder aus dem Holze entstehen. 

39. Vom Ungeziefer am Menschen. Welches Thier das kleinste ist- 

Im Wachse enstandene Thiere. 

40. Ein Thier ohne After. 

41. Von den Motten, Canthariden, Mücken. Ein Thier im Schnee. 

42. Vom Pyralis oder Pyrausta. • 

43. Von dem Thiere, welches nur einen Tag lebt. 

44. Beschreibung der Thiere nach den einzelnen Gliedern. Welche 

Hauben und welche Kämme haben. 

4* 



52 Erstes Buch. 

45. Von den Hörnern; welche bewegliche Hörner haben. 

46. Von dem Kopfe; welche Thiere keinen haben. 

47. Vom Haupthaare. 

48. Von den Knochen des Kopfes. 

49. Vom Gehirn. 

50. Von den Ohren; welche Thiere keine Ohren oder derartige Oeff- 

nung haben und doch hören. 

51. Vom Gesichte, der Stirn, den Augenbrauen. 

52. Von den Augen. Von denThieren, die keine od. nur ein Auge haben. 

53. Von der Verschiedenheit der Augen. 

54. Vom Sehen. Welche Thiere des Nachts sehen. 

55. Von der Pupille. Welche Thiere die Augen nicht schliessen. 

Welchen Thieren die Augen wieder wachsen, wenn man sie 
ihnen ausgerissen hat. 

56. Von den Augenwimpern; welchen Thieren sie ganz fehlen und 

welche nur eine haben. 

57. Welche keine Augenlider haben. 

58. Von den Wangen. 

59. Von der Nase. 

60. Von den Backen, den Lippen, dem Kinn und den Kinnladen. 

61. Von den Zähnen und ihren Arten; welche nicht in beiden Kinn- 

laden Zähne und welche hohle Zähne haben. 

62. Von den Zähnen der Schlangen und ihrem Gifte. Welcher Vo- 

gel Zähne hat. 

63. Wunderbare Erzählungen von Zähnen. 

64. Dass man an ihnen das Lebensalter erkennt. 

65. Von der Zunge und den Thieren welche keine haben. Von der 

Stimme der Frösche. Vom Gaumen. 

66. Von den Mandeln am Halse, dem Zapfen, dem Deckel, der Luft- 

röhre, der Speiseröhre, der Kehle. 

67. Vom Nacken, dem Halse, dem Rückgrate. 

68. Von der Kehle, dem Schlünde und Magen. 

69. Vom Herzen, dem Blute und der Seele. 

70. Welche Thiere das grösste Herz, welche das kleinste, und welche 

Thiere zwei Herzen haben. 

71. Wann man angefangen hat, das Herz zu den weissagenden Ein- 

geweiden zu rechnen. 

72. Von der Lunge; welche Thiere die grösste, welche die kleinste, 

welche nichts als eine Lunge haben und worin die Ursache 
der Schnelligkeit der Thiere besteht. 

73. Von der Leber; Bemerkungen der Wahrsager über den Kopf der 

Eingeweide; welche Thiere in gewissen Ländern zwei Lebern 
haben. 



Erstes Buch. 53 

74. Von der Galle; welche Thiere in gewissen Ländern zwei Gallen, 

welche keine haben, und bei welchen sie nicht mit der Leber 
in Verbindung steht. 

75. Von der Kraft der Galle. 

76. Bei welchen Thieren die Leber mit dem Monde wächst und ab- 

nimmt. Beobachtungen der Vogeldeuter und andere seltsame 
Nachrichten über dieselbe. 

77. Vom Zwerchfell. Vom Lachen. 

78. Vom Bauche und welchen Thieren er fehlt. Welche sich erbrechen. 

79. Von den Dünndärmen, den Kleindärmen, dem Unterleibe und 

dem Grimmdarme. Warum manche Thiere unersättlich sind. 

80. Von dem Netze, der Milz, und den Thieren, welche keine Milz 

haben. 

81. Von den Nieren; welche Thiere vier und welche keine haben. 

82. Von der Brust, den Rippen. 

83. Von der Blase; welche Thiere keine haben. Die Ilia. 

84. Von der Gebärmutter; von der Gebärmutter und dem Euter der 

Schweine. 

85. Welche Thiere Talg, welche Schmalz haben und welche nicht 

fett werden. 

86. Vom Marke; welchen Thieren es fehlt. 

87. Von den Knochen und Gräten. Welchen Thieren beides fehlt. 

Vom Knorpel. 

88. Von den Nerven. Von den Thieren ohne Nerven. 

89. Von den Arterien und Venen. Von den Thieren die beides 

nicht haben. Von dem Blute und Schweisse. 

90. Von welchen Thieren das Blut sehr schnell stockt und von wel- 

chen nicht; welche sehr dickes, welche sehr dünnes und welche 
gar kein Blut haben. 

91. Welche zu bestimmten Jahreszeiten kein Blut haben. 

92. Ob das Blut der wichtigste Theil des Körpers ist. 

93. Von der Haut. 

94. Von den Haaren und der Hautbedeckung. 

95. Von den Brüsten; welche Vögel Brüste haben; welche Thiere 

ihrer Euter wegen merkwürdig sind. Welches Thier im Fort- 
schreiten an sich saugen lässt. 

96. Von der Milch, dem Colostrum, den Käsen; welche Milch keinen 

Käse giebt; vom Coagulum. Verschiedene Nahrungsmittel aus 
der Milch. 

97. Von den verschiedenen Käsen. 

98. Unterschied der menschlichen Gliedinaassen von den thierischen. 

99. Von den Fingern und Armen. 

100. Von der Aehnlichkeit der Affen mit dem Menschen. 

101. Von den Nägeln. 



54 Erstes Buch. 

102. Von den Knieen und Kniekehlen. 

103. Welche Glieder des menschlichen Körpers für heilig gehalten 

werden. 

104. Von den Krampfadern. 

105. Vom Gehen; von den Füssen und Schienbeinen. 

106. Von den Klauen. 

107. Von den Füssen der "Vögel. 

108. Von den Füssen der Thiere, von 2 — 100. Von den Zwergen. 

109. Von den Geschlechtstheilen; von den Zwittern. 

110. Von den Hoden. Drei Arten von Halbmännern. 

111. Von den Schwänzen. 

112. "Von der Stimme der Thiere. 

113. Von den nachgewachsenen Gliedern. 

114. Zeichen der Lebensdauer und des Charakters, menschlichen Glie- 

dern entnommen. 

115. Von dem Athem und der Nahrung. 

116. Welche Thiere durch den Genuss von Gift nicht sterben. 

117. Warum der Mensch seine Speisen nicht künstlich zusammen 

setzen soll. Von den Mitteln gegen unverdauete Speisen. 

118. Wie der Körper zu- und wie er abnimmt. 

119. Was schon in geringer Menge Hunger und Durst stillt. 
Zusammen: 2270 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, Hyginus, Scropha, Saserna, Com. Celsus, Aemilius Ma- 
cer, "Virgilius, Columella, Julius Aquila der über etruskische Einrich- 
tungen geschrieben hat, Tarquitius desgleichen, Umbricius desgleichen, 
der Censor Cato, Domitius Calvinus, Trogus, Melissus, Fabianus, Mu- 
cianus, Nigidius, Manilius, Oppius. 

Von fremden Schriftstellern: 
Aristoteles, Democritus, Neoptolemus der über die Bienenzucht 
geschrieben hat, Aristomachus desgleichen, Philistus desgleichen, 
Nicander, Menecrates, Dionysius der den Mago übersetzt hat, Empe- 
docles, Callimachus , König Attalus, Apollodorus der giftige Thiere 
beschrieben hat, Hippocrates, Herophilus, Erasistratus", Asclepiades, 
Themison, der Stoiker Posidonius, Menander von Priene, Menander 
von Heraclea, Euphronius von Athen, Theophrastus, Hesiodus, König 
Philometor. 



Zwölftes Buch. 

Von den Bäumen. 
1. u. 2. Von ihrem Ansehn und Werthe. 

3. Von den fremden Bäumen. Wann und woher die Platane zuerst 
nach Italien gekommen ist. 



Erstes Buch. 55 

4. Beschreibung der Platanen. 

5. Wunderbare Dinge von ihnen. 

<6. Von den Zwergplatanen. Wer zuerst die Bäume beschnitten hat. 

7. Wie der assyrische Apfelbaum gepflanzt wird. 

8. Von den indischen Bäumen. 

9. Wann der Ebenbaum zuerst nach Italien gekommen ist; seine 

Arten. 

10. Von dem indischen Dorngewächse. 

11. Vom indischen Feigenbaume. 

12. Vom Palabaume und dem arienischen Apfel. 

13. Von den indischen Bäumen, welche keinen Namen haben, und 

denen woraus Leinwand verfertigt wird. 

14. Von den Pfefferbäumen; von den Pfefferarten, dem Brechma und 

Zingiber oder Zimpiber. 

15. Vom Caryophyllon; dem Lycium und chironischen Buxdorn. 

16. Vom Macir. 

17. Vom Zucker. 

18. Von den Bäumen des arianischen, gedrosischen und hyrcanischen 

Volks. 

19. Von den Bäumen in Bactrien; vom Bdellium oder Brochon oder 

Malacham oder Malodacon. Scordastum. Verfälschungen, Prü- 
fungen und Preise von Parfümerieen und Gewürzen. 
■20. Von den Bäumen in Persien. 

21. Von den Bäumen auf den Inseln des persischen Meeres. Von 

dem Wolle tragenden Baume. 

22. Vom Chynas-Baume. Von welchen Bäumen im Oriente Leinwand 

gemacht wird. 

23. Wo die Bäume ihre Blätter nicht verlieren. 

24. Von den Erzeugnissen der Bäume. 
■25. Vom Costus. 

26. Zwölf Arten der Narde. 

27. Vom Asarum. 

28. Vom Amomum und Amomis. 

29. Vom Cardamomum. 

30. Vom Vaterlande des Weihrauchs. 

31. Welche Bäume Weihranch tragen. 

32. Beschreibung des Weihrauchs und seiner Arten. 
83. Von der Myrrhe. 

34. Von den Myrrhe liefernden Bäumen. 

35. Beschreibung und Arten der Myrrhe. 
86. Vom Mastix. 

37. Von dem Ladanum und Strobos. 

38. Von der blutstillenden Arznei. 

39. Vom Baume Bratus. 



56 Erstes Buch. 

40. Vom Baume Stobrus. 

41. Von der Glückseligkeit Arabiens. 

42. Vom Zimmt und Holzzimmt. 

43. Von der Cassia. 

44. Vom Cancamum und Taron. 

45. Vom Sericbatum und Gabalium. 

46. Vom Myrobalanenbaume. 

47. Vom Phoenicobalanus. 

48. Vom wohlriechenden Calmus und Juncus. 

49. Vom Hammoniacum. 

50. Vom Sphagnus. 

51. Vom Cyprus. 

52. Vom Aspalathus oder Erysisceptrmn. 

53. "Vom Maron. 

54. Vom Balsambaume, Opobalsamum und Xylobalsamum. 

55. Vom Styrax. 

56. Vom Galbanum. 

57. Vom Panax. 

58. Vom Spondylion. 

59. Vom Malobathrum. 

60. Vom Omphacium. 

61. Vom Bryum, der Oenanthe und dem Massaris. 

62. Von der Elathe oder Spathe. 

63. Vom Cinnamum und Camacum. 

Zusammen: 974 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, Mucianus, Virgilius, Fabianus, Sebosus, Pomponius 
Mela, Flavius, Procilius, Trogus, Hyginus, Kaiser Claudius, Com. 
Nepos, Sextius Niger der in griechischer Sprache über die Arznei- 
kunde geschrieben hat, Cassius Heniina, L. Piso, Tuditanus, Antias. 

Von fremden Schriftstellern: 
Theophrastus, Perodotus, Callisthenes, Isigonus, Clitarchus, Anaxi- 
menes, Duris, Nearchus, Onesicritus, Polycritus, Olympiodorus, Diog- 
netus, Nicobulus, Anticlides, Chares von Mitylene, Mensechmus, Do- 
rotheus von Athen, Lycus, Antaeus, Ephippus, Dion, Democles, Pto- 
lomteus Lagi, die Macedonier Marsyas und Zoilus, Democritus, Ani- 
philochus, Aristomachus , Alexander Polyhistor, Juba, Apollodorus 
der über die Rauchwerke geschrieben hat, die Aerzte Heraclides, 
Archimedes, Dionysius, Democlides, Euphron, Mnesis, Diagoras und 
Jollas, Heraclides von Tarent, Xenocrates von Ephesus, Eratosthenes. 



Erstes Buch. 57 

Dreizehntes Buch. 

Von den fremden Bäumen, den Salben und Balsamen. 

1. Wann zuerst Balsame bereitet sind. 

2. Zwölf Arten und Zusammensetzungen davon. 

3. Von den Räucherspecies, dem Magma; von der Aechtheit der 

Salben. 

4. Von dem grossen Luxus mit Balsamen. 

5. Wann sie zu Rom in Gebrauch gekommen sind. 

6. Von den Palmen. 

7. Beschreibung derselben. 

8. Ihre Anpflanzung. 

9. Ihre Arten und Kennzeichen. 

10. Von den Bäumen in Syrien; von den Pistacien, Cottanen, Da- 

mascener Pflaumen und Sebesten. 

11. Vom Cedernbaume. Welche Bäume eine dreijährige Frucht 

haben. 

12. Von der Terebinthe. 

13. Vom Rhus. 

14. Von den Bäumen Aegyptens; von dem alexandrinischen Feigen- 

baume. 

15. Vom cyprischen Feigenbaume. 

16. Vom Johannesbrotbaume. 

17. Vom Pfirsichbaume; an welchen Bäumen die Früchte stets nach- 

wachsen. 

18. Vom Kokosbaum. 

19. Vom ägyptischen Dombaum. 

20. Acht Arten Gummi; von der Sarcocolle. 

21. Von der Papierstaude; wann das Papier in Gebrauch gekom- 

men ist. 

22. Wie und wo die Pflanze wächst. 

23. Neun Sorten Papier. 

24. Von der Güte des Papiers. 

25. Von den Fehlern des Papiers. 

26. Vom Leimen des Papiers. 

27. Von den Büchern des Numa. 

28. Von den Bäumen Aethiopiens. 

29. Von den Bäumen des Atlas. Vom Citrus und den daraus ver- 

fertigten Tischen. 

30. Welche von diesen Tischen gelobt, welche getadelt werden. 

31. Von einem andern Citrusbaume. 

32. Von den Lotus-Pflanzen. 

33. Von den Bäumen in Cyrene, vom Paliurus. 

34. Neun Sorten Granatäpfel. Von der Granatbliithe. 



58 



Erstes Buch. 



35. Von den Bäumen in Asien und Griechenland; von der Epipactis. 

Erice, Granum gnidium oder Thymelaea oder Chamelaea oder 
Pyrosachne oder Cnestrum oder Cneorum. 

36. Vom Tragion und Traganth. 

37. ^om Tragus oder Scorpio; Myrice oder Brya, Ostrys. 

38. Vom Evonymus. 

39. Vom Baume Eon. 

40. Vom Adrachne. 

41. Von dem Coccygia, Apharce. 

42. Von der Ferula. 

43. Von der Thapsia. 

44. Von der Capparis oder dem Cynosbatos oder Opheostaphylos. 

45. Von dem Sari. 

46. Vom königlichen Dornbaume. 

47. Vom Cytisus. 

48. Von den Bäumen und Sträuchem unseres Meeres; vom Phycos 

oder Prason oder Zoster. 

49. Vom Seemoose. 

50. Von den Gewächsen im rothen Meere; 

51. Im indischen Meere; 

52. Im troglodytischen Meere; vom Isis-Haare, vom Liebesauge. 
Zusammen: 468 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, Mucianus, Virgilius, Fabianus, Sebosus, Pomponius 
Mela, Fabius, Hyginus, Trogus, Procilius, Kaiser Claudius, Com. 
Nepos, Sextius Niger der in griechischer Sprache über die Arzneikunde 
geschrieben hat; Cassius Hemina, L. Piso, Tuditanus, Antias. 

Von fremden Schriftstellern: 
Theophrastus, Herodotus, Callisthenes, Isigonus, Clitarchus, Anaxi- 
menes, Duris, Nearchus, Onesicritus, Polycritus, Olympiodorus, Diog- 
netus, Cleobulus, Anticlides, Chares von Mitylene, Mensechmus, Do- 
rotheus von Athen, Lycus, Antaeus, Ephippus, Dion, Adimantus, Pto- 
lemseus Lagi, Marsyas von Macedonien, Zoilus ebendaher, Democritus, 
Amphilochus, Alexander Polyhistor, Aristomachus, König Juba, Apollo- 
dorus der über die Rauchwerke geschrieben hat, die Aerzte Hera- 
cUdes, Botrys, Archidemus, Dionysius, Democedes, Euphronius, Mne- 
sis, Diagoras und Jollas, Heraclides vonTarent, Xenocrates vonEphesus. 



Vierzehntes Buch. 

Von dem Weinstocke und dem Weine. 
1. und 2. Von der Beschaffenheit der Weinstöcke; wie sie tragen. 
3. Von den Trauben und der Sorge für die Weinstöcke. 



Erstes Buch. 59 

4. 91 Sorten Weinstöcke. 

5. Regeln für die Anlage von Weinbergen. 

6. Von den ältesten Weinen. 

7. Von der Beschaffenheit des Weines. 

8. 50 edle Weinsorten. 

9. 38 überseeische Weine. 

10. 7 gesalzene Weine. 

11. 17 süsse Weine. Vom Rosinenweine und dem eingekochten 

Moste. 

12. 3 Sorten Weine zweiter Qualität. 

13. Dass die edlen Weine in Italien erst seit Kurzem bekannt sind. 

14. Von der Achtung, welche Romulus dem Weine bezeigte. 

15. Von den Weinen der Alten. 

16. Bemerkungen über die Weinkeller; vom opimianischen Weine. 

17. Wann zuerst 4 Sorten Wein auf die Tafel gesetzt worden sind. 

18. Vom Gebrauche der Labrusca; welcher Saft von Natur der 

kälteste ist. 

19. 66 Sorten gekünstelte Weine. 

20. Vom Meth oder Melicraton. 

21. Vom Sauerhonig. 

22. 12 seltsame Sorten Wein. 

23. Welche Weine bei Opfern nicht gebraucht werden sollen. 

24. Auf welche verschiedene Arten man den Most behandelt. 

25. Von Pech und Harzen. 

26. Von Essig und Hefen. 

27. Von den Gefässen für den Wein; von den Kellern. 

28. Von der Trunkenheit. 

29. Dass man aus Wasser und andern Früchten weinähnliche Ge- 

tränke bereitet. 

Zusammen: 510 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

Com. Valerianus, Virgilius, Celsus, der Censor Cato, Saserna 
Vater und Sohn, Scropha, Varro, D. Silanus, Fabius Pictor, Trogus, 
Hyginus, Flaccus Verrius, Graecinus, Julius Atticus, Columella, Massu- 
rius Sabinus, Fenestella, Tergilla, Maccius Plautus, Flavius, Dos- 
sennus, Scsevola, Aelius, Attejus Capito, Cotta Messalinus, L. Piso, 
Pompejus Lenseus, Fabianus, Sextius Niger, Vibius Rufus. 
Von fremden Schriftstellern: 

Hesiodus, Theophrastus , Aristoteles, Democritus, König Attalus 
Philometor, König Hiero, Archytas, Xenophon, Amphilochus von 
Athen, Anaxipolis von Thasus, Apollodorus von Lemnos, Aristo- 
phanes von Milet, Antigonus von Cymse, Agathocles von Chios, 
Apollonius von Pergamus, Aristander von Athen, Botrys von Athen, 
Bacchius von Milet, Bion von Solis, Chsereas von Athen, Chseristus 



60 Erstes Buch. 

von Athen, Diodorus von Priene, Dion von Colophon, Epigenes von 
Rhodus, Euagon von Thasus, Euphronius von Athen, Androtion 
der üher den Ackerbau geschrieben hat, Aeschrion desgleichen, 
Dionysius der den Mago übersetzt, Diophanes der einen Auszug aus 
dem Dionysius gemacht hat, der Arzt Asclepiades, Onesicritus, 
König Juba. 

Fünfzehntes Buch. 

Von den obsttragenden Bäumen. 

1. Von dem Oelbaume; wie lange ihn die Griechen kennen, wann 

er nach Italien, Spanien und Afrika gekommen ist. 

2. Von der Beschaffenheit der Oliven und ihrem Wachsthume. 

3. Vom Oele, Arten und Kennzeichen derselben. 

4. 15 Sorten Oliven. 

5. Von der Natur des Oeles. 

6. Von der Cultur der Oelbaume; von der Aufbewahrung der Oliven; 

wie das Oel daraus bereitet wird. 

7. 48 Sorten gekünstelte Oele. Vom Cici oder Croton oder Seseli 

oder Sesamum. 

8. Von der Amurca. 

9. Arten der Baumfrüchte und ihre Beschaffenheit. Vier Arten von 

Piniennüssen. 

10. Vier Arten Quitten; vier Arten Sperlingsäpfel. 

11. Sieben Arten Pfirsiche. 

12. 12 Arten Pflaumen. 

13. Von der Persea. 

14. 30 Arten Aepfel. Wann und woher die fremden Aepfel zuerst 

nach Italien gekommen sind. 

15. Welche in neuester Zeit erst dahin gekommen sind. 

16. 41 Arten Birnen. 

17. Von dem Unterschiede der gepropften, und von der Abwendung 

des Blitzes. 

18. Von der Aufbewahrung der Aepfel und Weintrauben. 

19. 29 Arten Feigen. 

20. Geschichtliche Bemerkungen von den Feigen. 

21. Von der Caprification. 

22. 3 Sorten Mispeln. 

23. 4 Arten Speierlinge (Ariesbeeren). 

24. 11 Arten Nüsse. 

25. 18 Arten Kastanien. 

26. Vom Johannisbrote. 

27. Von dem fleischigen Obste; von den Maulbeeren. 

28. Von dem Unnedo. 



Erstes Buch. 61 

29. Von den Beeren. 

30. 9 Arten Kirschen. 

31. Von der Kornelkirsche und dem Mastixbaume. 

32. 14 Arten des Geschmacks bei den Säften. 

33. Von der Farbe und dem Gerüche der Säfte. 

34. Von der Verschiedenartigkeit des Obstes. 

35. Von der Myrte. 

36. Geschichtliche Bemerkungen von der Myrte. 

37. 11 Arten der Myrte. 

38. Ihr Gebrauch zu Rom bei den kleinen Triumphen. 

39. 13 Arten des Lorbeers. 

40. Geschichtliche Bemerkungen vom Lorbeerbaume. 
Zusammen: 520 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Fenestella, Fabianus, Virgilius, Com. Valerianus, Celsus, der 
Censor Cato, Saserna Vater und Sohn, Scropha, M. Varro, D. Sila- 
nus, Fabius Pictor, Trogus, Hyginus, Flaccus Verrius, Grscinus, Atticus 
Julius, Massurius Sabinus, Tergilla, Cotta Messalinus, Columella, L. 
Piso, Pompejus Lenseus, Maccius Plautus, Flavius Dossennus, Scse- 
vola, Aelius, Attejus Capito, Sextius Niger, Vibius Rufus. 
Von fremden Schriftstellern: 
Hesiodus, Aristoteles, Democritus, König Hiero, Archytas, König 
Attalus Philometor, Xenophon , Amphilochus von Athen, Anaxipolis 
von Thasus, Appollodorus von Lemnos, Aristophanes von Milet, An- 
tigonus von Cymae, Agathocles von Chios, Apollonius von Pergamus, 
Aristander von Athen, Bacchius von Milet, Bion von Solis, Cha^reas 
von Athen, Chseristus von Athen, Diodorus von Priene, Dion von 
Colophon, Epigenes von Rhodus, Euagon von Thasus, Euphronius 
von Athen, Androtion der über den Ackerbau geschrieben hat, 
Aeschrion desgleichen, Lysimachus desgleichen, Dionysius der den 
Mago übersetzt, Diophanes der einen Auszug aus dem Dionysius 
gemacht hat, der Arzt Asclepiades, der Arzt Erasistratus , Commias 
der über den "VVein geschrieben hat, Aristomachus desgleichen, Hi- 
cesius desgleichen, der Arzt Themiso, Onesicritus, König Juba. 



Sechszehntes Buch. 

Von den wilden Bäumen. 

1. Von den Völkern, welche keine Bäume haben. 

2. Wunderbare Dinge von Bäumen in den nördlichen Ländern. 

3. Von den eicheltragenden Bäumen ; von der Bürgerkrone. 

4. Vom Ursprünge der Kränze. 



ß2 Erstes Buch. 

5. Welche Personen mit einem Laubkranze beschenkt sind. 

6. 13 Arten Eicheln. 

7. Von der Buche. 

8. Von den übrigen Eicheln; von den Kohlen. 

9. Von den Galläpfeln. 

10. Was diese Bäume ausser den Eicheln noch tragen. 

11. Von der Cachrys. 

12. Vom Coccus. 

13. Vom Agaricus. 

14. Von welchen Bäumen die Rinden gebraucht werden. 

15. Von den Schindeln. 

16. Von der Fichte. 

17. Vom Pinaster. 

18. Von der rothen und weissen Tanne. 

19. Vom Lärchenbaume und der Taeda-Fichte. 

20. Vom Taxus. 

21. Wie der Theer und das Cedrium gemacht werden. 

22. Wie der Theer eingedeckt wird. 

23. Von dem Harze Zopissa. 

24. Von welchen das Holz besonders geschätzt wird. 

25. 2 Arten der Linde. 

26. 10 Arten des Ahorns. 

27. Vom Bruscum, Molluscum, Staphylodendron. 

28. 3 Arten des Buxus. 

29. 4 Arten der Ulme. 

30. Von der Beschaffenheit der Bäume nach ihrem Stande; welche 

auf Bergen und welche in Ebenen wachsen. 

31. Welche gern trocken, welche im Wasser stehen und welche das 

Mittel davon halten. 

32. Eintheilung der Arten. 

33. Welche Bäume das Laub nicht verlieren. Vom Rhododendron. 

Welche nicht alle Blätter verHeren, und von welchen Arten 
kein Baum das Laub verliert. 

34. Von der Verschiedenheit des Abfallens der Blätter. 

35. Von ihrer verschiedenen Farbe; welche Blätter ihre Gestalt ver- 

ändern. 3 Arten Pappeln. 

36. Welche Blätter sich alljährig umdrehen. 

37. Von der auf die Palmenblätter zu verwendenden Sorgfalt und 

ihrem Gebrauche. 

38. Wichtige Bemerkungen von den Blättern. 

39. Von der Ordnung der Natur in den Aussaaten. 

40. Welche Bäume niemals blühen. Vom Wachholder. 

41. Von der Empfängniss der Bäume; von dem Ausschlagen; der 

Fruchtreife. 



Erstes Buch. 63 

42. In welcher Ordnung sie blühen. 

43. Wann sie Früchte tragen. Von der Comelkirsche. 

44. Welche ein Jahr und welche drei Jahre lang ihre Früchte tragen. 

45. Welche keine Früchte tragen , und welche für unglückbringend 

gehalten werden. 

46. Welche die Frucht oder Blüthe sehr leicht verlieren. 

47. Welche Bäume in gewissen Gegenden nicht tragen. 

48. Wie die Früchte auf den Bäumen sitzen. 

49. An welchen die Früchte eher kommen als die Blätter. 

50. Bäume, welche zweimal und welche dreimal im Jahre tragen. 

51. Welche sehr schnell und welche sehr langsam altera. Frühe und 

späte Früchte. 

52. Welche Bäume Verschiedenes tragen. Vom Crataegus. 

53. Von dem Unterschiede der Bäume nach Stamm und Aesten. Der 

Lotos oder die griechische Bohne. 

54. Von den Aesten. 

55. Von der Rinde. 

56. Von der Wurzel. 

57. Bäume, welche von selbst wieder lebend geworden sind. 

58. Wie die Bäume ohne Wartung heranwachsen. Dass nicht allent- 

halben alles gedeihet. 

59. Welche Bäume nicht überall gedeihen. 

60. Von den Cypressen. 

61. Dass oft etwas aus der Erde wächst, wovon vorher keine Spur 

da war. 

62. 20 Arten des Epheu. 

63. Vom Smilax. 

64. Von den Wassergewächsen; 28 Rohr-Arten. 

65. Von den Pfeilrohren und Schreibrohren. 

66. Von den Pfeifenrohren; vom orchomenischen Rohre, dem Rohre 

zum Vogelstellen und zum Fischfange. 

67. Vom Winzerrohre. Von den Erlen. 

68. 7 Arten der Weide. 

69. Was ausser der Weide zum Binden dient. 

70. Von den Binsen, welche zu Lichtern, Fahrzeugen und Decken 

dienen. 

71. Von den Hollunder- und Brombeersträuchen. 

72. Von den Säften der Bäume. 

73. Von den Adern und dem Fleische der Bäume. 

74. Von dem Fällen der Bäume. 

75. Cato's Ansichten darüber. 

76. Von der Grösse der Bäume. Von den Holzarten. 

77. Feuerzeuge aus Holz. 

78. Welche Bäume nicht faul und welche nicht rissig werden. 



£4 Erstes Buch. 

79. Geschichtliche Bemerkungen über die Dauer der Hölzer. 

80. Von den Holzwürmern. 

81. Von dem Bauholze. 

82. Von dem Holze für Künstler. 

83. Vom Leimen des Holzes. 

84. Von den Brettern. 

85. Von dem Alter der Bäume. Bäume, die von dem altem Africanus 

gepflanzt sind. Ein fünfhundert] ähriger Baum in Rom. 

86. Bäume von der Zeit der Gründung Rom's her. 

87. Bäume um Rom, die älter als die Stadt sind. 

88. Bäume, die von Agamemnon gepflanzt sind; Bäume vom ersten 

Jahre des trojanischen Krieges; von dem Ursprünge des Namens 
Ilium; Bäume bei Troja, die älter als der trojanische Krieg sind. 

89. Bäume zu Argos, die von Hercules gepflanzt sind; von Apollo 

gepflanzte Bäume; ein Baum älter als Athen. 

90. Welche Bäume bald absterben. 

91. Bäume d. durch besondere Begebenheiten in Ehren gehalten werden. 

92. Welche Bäume keinen eigenen Wohnsitz haben; welche auf an- 

dern Bäumen leben und in der Erde nicht fortkommen; 9 Ar- 
ten davon. Vom Cadytas, Polypodium, Phaunus und Hippo- 
pha^stum. 

93. Drei Arten des Viscum; Stelis, Hyphear. Von der Beschaffenheit 

des Viscum und ähnlicher Gewächse. 

94. Von der Bereitung des Vogelleims. 

95. Geschichtliche Bemerkungen vom Viscum. 

Zusammen: 1135 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, Fetialis, Nigidius, C. Nepos, Hyginus, Massurius, Cato, 
Mucianus, L. Piso, Trogus, Calpurnius Bassus, Cremutius, Sextius Ni- 
ger, Com. Bocchus, Vitruvius, Grsecinus. 

Von fremden Schriftstellern: 
Alexander Polyhistor, Hesiodus, Theophrastus , Democritus, Ho- 
merus, der Mathematiker Tinneus. 



Siefoenzehntes Buch. 

Von den angepflanzten Bäumen. 

1. Ausserordentliche Preise für Bäume. 

2. Von der Einwirkung der Luft auf die Bäume. Nach welcher 

Himmelsgegend die Weinberge liegen müssen. 

3. Welches Erdreich das beste ist. 

4. Von den Erden, welche man in Griechenland und Gallien rühmt; 

8 Arten davon. 



Erstes Buch. 65 

5. Vom Gebrauche der Asche. 

6. Von dem Miste. 

7. Welche Saaten das Land fruchtbarer machen und welche es aus- 

saugen. 

8. Wie der Mist anzuwenden ist. 

9. Wie die Bäume gepflanzt werden. 

10. Was aus Samen entsteht. 

11. Was niemals ausartet. 

12. Was aus Schösslingen wächst. 

13. Was aus Abreissern und was aus Schnittlingen wächst. 

14. Von den Baumschulen. Vom Versetzen der Baumschulen. 

15. Vom Anpflanzen der Ulmen. 

16. Von den Pflanzgruben. 

17. Von dem Abstände der Bäume von einander. 

18. Vom Schatten. 

19. Von den Traufen. 

20. Welche Bäume langsam und welche schnell wachsen. 

21. Von der Fortpflanzung durch Ableger. 

22. Von der Versetzung durch Samen und wie sie erfunden ist. 

23. Von der Versetzung durch Augen. 

24. Von den verschiedenen Methoden des Pfropfens. 

25. Von der Pfropfung des Weinstocks. 

26. Von dem Rindenpflaster. 

27. Von der Fortpflanzung durch Zweige. 

28. Welche Bäume durch Schnittlinge fortgepflanzt werden und wie 

diess geschieht. 

29. Von der Cultur des Oelbaumes. 

30. Wann die verschiedenen Pfropfarbeiten etc. vorgenommen werden 

müssen. 

31. Von dem Grabenziehen um die Bäume und von dem Behäufeln. 

32. Von den Weidenpflanzungen. 

33. Von den Rohrpflanzungen. 

34. Von den übrigen Materialien zu Stöcken und Pfählen. 

35. Von Anlegung der Weinberge und der Bäume zur Befestigung 

der Weinstöcke. 

36. Mittel um die Trauben vor den Thieren zu schützen. 

37. Von den Krankheiten der Bäume. 

38. Wunder und Zeichen von Bäumen. 

39. Mittel gegen die Krankheiten der Bäume. 

40. Von dem Bewässern. 

41. Merkwürdige Dinge von bewässerten Gegenden. 

42. Von dem Schröpfen der Bäume. 

43. Andere Heilmittel für die Bäume. 

44. Von der Caprification der Feigen. 

5 



$Q Erstes Buch. 

45. Von den Nachtheilen des Beschneidens. 

46. Von der Düngung. 

47. Verschiedene Heilmittel für die Bäume. 

Zusammen: 1380 Gegenstände Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

C. Nepos, der Censor Cato, M. Varro, Celsus, Virgilius, Hyginus,. 
Saserna Vater und Sohn, Scropha, Calpurnius, Bassus, Trogus, Aemi- 
lius Macer, Grsecinus, Columella, Atticus Julius, Fabianus, Sura Ma- 
milius, Dossennus Mundus, C. Epidius, L. Piso. 
Von fremden Schriftstellern: 

Hesiodus, Theophrastus , Aristoteles, Democritus, Theopompus,. 
König Hiero, König Attalus Philometor, König Archelaus, Archytas, 
Xenophon, Amphilochus von Athen, Anaxipolis von Thasus, Apollo- 
dorus von Lemnos, Aristophanes von Milet, Antigonus von Cymse, 
Agathocles von Chios, Apollonius von Pergamus, Bacchius von Milet, 
Bion von Solis, Chsereas von Athen, Chaeristus von Athen, Diodorus 
von Priene, Dion von Colophon, Epigenes von Rhodus, Euagon von 
Thasus, Euphronius von Athen, Androtion der über den Ackerbau 
geschrieben hat, Aeschryon desgleichen, Lysimachus desgleichen, 
Dionysius der den Mago übersetzt, Diophanes der einen Auszug au s 
dem Dionysius gemacht hat, Aristander der über Wunderzeichen ge- 
schrieben hat. 



Achtzehntes Buch. 

Von den Feldfrüchten. 

1. Vom fleissigen Betriebe des Ackerbaues bei den Alten. 

2. Von dem ersten Aehrenkranze in Rom. 

3. Von dem Jugerum. 

4. Wie oft und zu welchen Zeiten die Getreidepreise am niedrigsten 

gewesen sind. 

5. Welche Männer am besten über den Ackerbau geschrieben haben. 

6. Was beim Baue eines Ackers zu beobachten ist. 

7. Von der Lage der Landgüter. 

8. Vorschriften der Alten über die Bebauung des Ackers. > 

9. Arten der Feldfrüchte. 

10. Ihre Beschaffenheit nach den einzelnen Arten; vom Getreide. 

11. Vom Far. 

12. Vom Weizen. 

13. Von der Gerste und dem Reise. 

14. Von der Polenta. 

15. Von der Ptisana. 

16. Vom Tragum. 



Erstes Buch. 67 

17. Vom Stärkmehl. 

18. Von der Beschaffenheit der Gerste. 

19. Von der Arinca, Olyra, Zea. Von den übrigen Arten im Orient. 

20. Vom Siligo und Similago. 

21. Von der Fruchtbarkeit des Weizens in Afrika. 

22. Vom Sesamum, Erysimum oder Irio, Horminum. 

23. Vom Mahlen des Getreides. 

24. Von der Hirse. 
25^ Vom Panicum. 

26. Vom Sauerteige. 

27. Vom Brotbacken und dessen Ursprünge. 

28. Wann in Rom zuerst Bäcker gewesen sind. 

29. Von der Alica. 

30. Von den Hülsenfrüchten; von der grossen Bohne. 

31. Von den Linsen und Erbsen. 

32. Von den verschiedenen Kichererbsen. 

33. Von den Schwertbohnen. 

34. Von den weissen Rüben. 

35. Von den Steckrüben. 

36. Von der Wolfsbohne. 

37. Von der Wicke. 

38. Von der Erve. 

39. Von der Silicia. 

40. Vom Seeale oder Asia. 

41. Vom Farrago; Cracca. 

42. Vom Ocymum; Ervilia. 

43. Von der Medica. 

44. Von den Krankheiten der Feldfrüchte; vom Hafer. 

45. Mittel dagegen. 

46. Was in jede Bodenart zu säen ist. 

47. Wie man bei den verschiedenen Völkern säet. 

48. Von den verschiedenen Pflugscharen. 

49. Vom Pflügen. 

50. Vom Eggen, Gäten, Behacken nach den einzelnen Arten der 

Feldfrüchte; vom Nacheggen. 

51. Von der höchsten Fruchtbarkeit des Bodens. 

52. Vom mehrmaligen Säen in einem Jahre. 

53. Von der Düngung. 

54. Von der Güte des Samens. 

55. Wie viel von jeder Getreideart auf ein Jugerum zu säen ist. 

56. Von der rechten Säezeit. 

57. Eintheilung der Gestirne in irdische Tage und Nächte. 

58. Aufgang und Untergang der Gestirne. 
59. Von den Cardinalzeiten. 



ßg Erstes Buch. 

60. Von der rechten Zeit zum Säen der Winterfrüchte. 

61. Wann die Hülsenfrüchte und der Mohn zu säen sind. 

62. Von den Feldarbeiten, und was in jedem Monate auf dem Acker 

geschehen soll. 

63. Was im Winter geschehen soll. 

64. Was vom kürzesten Tage an bis zum ersten Frühlingswinde, 

65. Was von da an bis zur Frühlings-Tag- und Nachtgleiche, 

66. Was von da an, und 

67. Was vom Aufgange des Siebengestirns an geschehen soll. Vom Äeu. 

68. Von der Zeit der Sommer-Sonnenwinde. 

69. Ursachen der Unfruchtbarkeit. 

70. Hülfsmittel dagegen. 

71. Was von der Sommer-Sonnenwende an geschehen soll. 

72. Von der Erndte. 

73. Von der Aufbewahrung des Getreides. 

74. Von der Weinlese und den Arbeiten im Herbste. 

75. Von der Berücksichtigung und dem Einflüsse des Mondes und 

76. des Windes. 

77. Von der Begrenzung der Felder. 

78. Voranzeigen der Witterung: von der Sonne. 

79. dem Monde, 

80. den Sternen, 

81. dem Donner, 

82. den Wolken, 

83. dem Nebel, 

84. irdischen Feuern, 

85. dem Wasser, 

86. den Stürmen, 

87. den Wasserthieren, Vögeln, 

88. vierfüssigen Thieren, 

89. Kräutern und 

90. Speisen. 

Zusammen: 2060 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

Massurius Sabinus, Cassius Hemina, Verrius Flaccus, L. Piso, 
Com. Celsus, Turrianus Gracilis, D. Silanus, M. Varro, der Censor 
Cato, Scropha, Saserna Vater und Sohn, Domitius Calvinus, Hyginus, 
Virgilius, Trogus, Ovidius, Grsecinus, Columella, Tubero, L. Tarutius 
der in griechischer Sprache über die Gestirne geschrieben hat, der 
Dictator Caesar desgleichen, Sergius Paulus, Sabinus Fabianus, M. 
Cicero, Calpurnius Bassus, Attejus Capito , Mamilius Sura, Accius 
welcher praktische Bemerkungen verfasst hat. 

Von fremden Schriftstellern: 

Hesiodus, Theophrastus, Aristoteles, Democritus, König Hiero, 



Erstes Buch. 69 

König Attalus Philometor, König Archelaus, Archytas, Xenophon, 
Amphilochus von Athen, Anaxipolis von Thasus, Aristophanes von 
Milet, Apollodorus von Lemnos, Antigonus von Cyinae, Agathocles 
von Chios, Apollonius von Pergamus, Aristander von Athen, Bacchius 
von Milet, Bion von Solis, Chanreas von Athen, Cha^ristus von Athen, 
Diodorus von Priene, Dion von Colophon, Epigenes von Rhodus, Euagon 
von Thasus, Euphronius von Athen, Androtion der über den Acker- 
bau geschrieben hat, Aeschrion desgleichen, Lysimachus desgleichen, 
Diönysius der den Mago übersetzt, Diophanes der einen Auszug aus 
den Diönysius gemacht hat, Thaies, Eudoxus, Philippus, Callippus, 
Dositheus, Parmeniscus, Meton, Criton, Oenopides, Zeno, Euctemon, 
Harpalus, Hecatseus, Anaximander, Sosigenes, Hipparchus, Aratus, 
Zoroaster, Archibius. 



Neunzehntes Buch. 

Von dem Leine und der Cultur der Gartengewächse. 

1. Von der Beschaffenheit und dem "Wunderbaren des Leins. 

2. Wie er gesäet wird; 27 verschiedene Arten desselben. 

3. Von der Zubereitung des Flachses. 

4. Von dem unverbrennlichen Flachse. 

5. Wann man angefangen hat, den Flachs zu färben. 

6. Wann zuerst Vorhänge in den Schauspielhäusern gewesen sind. 

7. Von dem Spartum. 

8. Von dessen Zubereitung. 

9. Wann es in Gebrauch gekommen ist. 

10. Von dem Wolle tragenden Zwiebelgewächse. 

11. Was ohne Wurzel entsteht und gedeihet; was entsteht und nicht 

gesäet werden kann. 

12. Vom Misy, Iton, Geranion. 

13. Von den Trüffeln. 

14. Von den Peziken. 

15. Vom Laserpitium, Laser und Maspetum. 

16. Vom Magydaris. 

17. Von der Färberröthe. 

18. Von der Pflanze Radicula. 

19. Von dem Ansehn der Gärten. 

20. Abtheilung des Landes. 

21. Eintheilung der Gartengewächse, ausgenommen Feldfrüchte und 

Sträucher. 

22. Die Beschaffenheit und das Geschichtliche von 20 Arten Garten- 

gewächsen. Wie sie gebauet werden. 

23. Was von knorpeliger Beschaffenheit ist, von den Gurken und 

Peponen. 



70 Erstes Buch. 

24. Von dem Krbiüs. 

25. Von den weissen Rüben und Steckrüben . 

26. Vom Rettig. 

27. Vom Pastinak. 

28. Vom Siser. 

29. Von der Inula. 

30. Von den Zwiebeln, der Meerzwiebel, dem Amin. 

31. Von den Wurzeln, Blüthen und Blättern aller Gartengewächse. 

Welche die Blätter verlieren. 

32. Von den Arten der Zip ollen. 

33. Vom Porrum. 

34. Vom Knoblauch. 

35. Am wievielsten Tage ein Jedes hervorkommt. 

36. Von den Samen. 

37. Welche Gewächse nur eine Art und welche mehrere haben. 

38. Beschaffenheit und Geschichtliches von 23 Arten Gewächsen, 

welche im Garten gebauet werden. Von den Latticharten. 

39. Arten des Intubus. 

40. 4 Arten der Beta. 

41. Arten des Kohls. 

42. Vom Spargel; von der Corruda. 
43- Von den Disteln. 

44. Von den übrigen Gartengewächsen. Ocymum, Eruca, Nasturtium. 

45. Von der Raute. 

46. Vom Eppich. 

47. Von der Minze. 

48. Vom Olusatrum. 

49. Vom Feldkümmel. 

50. Vom Ligusticum. 

51. Vom Lepidium. 

52. Vom Gith. 

53. Vom Mohn. 

54. Von den übrigen, die in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche ge- 

säet werden. 

55. Vom Serpyllum und Sisymbrium. 

56. 4 ruthenartige Gewächse. Vom Hanfe. 

57. Von den Krankheiten der Gartengewächse. 

58. Hülfsmittel dagegen. Wie man die Ameisen vertilgt. Mittel 

gegen die Kohlraupen und Mücken. 

59. Welchen das Salzwasser nützt. 

60. Von der Bewässerung der Gärten. 

61. Von den Säften und dem verschiedenen Geschmacke der Garten- 

gewächse. 

62. Von der Piperitis, Libanotis und dem Smyrniurn. 
Zusammen: 1144 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 



Erstes Buch. 71 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Maccius Plautus, M. Varro, D. Silanus, der Censor Cato, Hyginus, 
Virgilius, Mucianus, Celsus, Columella, Calpurnius Bassus, Maniilius 
Sura, Sabinus Tiro, Licinius Macer, Q. Hirtius, Vibius Rufus, Caesen- 
nius der über den Gartenbau geschrieben hat, Castritius desgleichen, 
Firmus desgleichen, Petrichus desgleichen. 

Von fremden Schriftstellern: 
Herodotus, Theophrastus , Democritus, Aristomachus , Menander 
der nützliche Bemerkungen für das Leben geschrieben hat, Anaxilaus. 



Zwanzigstes Buch. 

Arzneimittel von den Gartengewächsen. 
1. und 2. Von der wilden Gurke, 26 Arzneien. 

3. Von dem Elaterium, 27. 

4. Von der Schlangengurke, 5. 

5. Von der Gartengurke, 9. 

6. Von der Pepo, 11. 

7. Vom Kürbis, 17. Spongos, 1. 

8. Von der Coloquinte, 9. 

9. Von den weissen Rüben, 9. 

10. Von der wilden Rübe, 1. 

11. Von der Steckrübe, dem Bunium oder Bunias, 5. 

12. Vom wilden Rettig, 43 und vom Meerrettig, 1. 

13. Vom Gartenrettig. 

14. "Vom Pastinak, 5. Vom Hibiscus oder der wilden Malache oder 

Plistolochia. 

15. Vom Staphylius oder wilden Pastinak, 32. 

16. Vom Gingidium. 

17. Vom Siser, 11. 

18. Vom Sili, 12. 

19. Von der Inula, 11. 

20. Von den Zipollen, 27. 

21. Vom Schnittlauch, 32. 

22. Vom Kopflauch, 39. 

23. Vom Knoblauch, 61. 

24. Vom Lattich, 42; vom Ziegenlattich, 4. 

25. Vom Csesapum, 1; vom Waid, 1; vom wilden Lattich, 7. 

26. Von der Hieracia, 17. 

27. Von der Beta, 14. 

28. Von dem Limonium oder Neuroides, 3. 

29. Von dem Intubus, 8. 



72 Erstes Buch. 

30. Vom Cichorium oder Chrestum oder Fancratium oder Ambula, 12. 

31. Von der Hedypnois, 4. 

32. Von drei Arten Salat, 8. 

33. Vom Kohl, 87. Cato's Verordnungen darüber. 

34. Verordnungen der Griechen darüber. 

35. Von den jungen Kohlsprossen. 

36. Vom wilden Kohl, 37. 

37. Von der Lapsana, 1. 

38. Vom Meerkohl, 1. 

39. Von der Meerzwiebel, 23. 

40. Von den Zwiebeln, 30. 

41. Von der Bulbine, 1; von der Brechzwiebel. 

42. Vom Spargel. 

43. Von der Corruda oder Lybicum oder Horminum, 24. 

44. Vom Eppich, 17. 

45. Vom Apiastrum oder Melissophyllum. 

46. Vom Olusatrum oder Hipposelinum, 11; vom Oreoselinum, 11; 

vom Heleoselinum, 1. 

47. Von der Petersilie, 1; vom Buselinum, 1. 

48. Vom Ocymum, 35. 

49. Von der Eruca, 12. 

50. Vom Nasturtium, 42. 

51. Von der Raute, 84. 

52. Von der wilden Minze, 20. 

53. Von der gemeinen Minze, 41. 

54. Vom Polei, 25. 

55. Vom wilden Polei, 17. 

56. Von der Nepeta, 9. 

57. Vom Cuminum, 48; vom Cuminum sylvestre, 26. 

58. Vom Ammi, 10. 

59. Vom Capperstrauche, 18. 

60. Vom Ligusticum oder Panax, 4. 

61. Von der Ochsen-Cunila, 5. 

62. Von der Hühner- Cunila, 5. 

63. Von der Cunilago, 8. 

64. Von der weichen Cunila, 3; von der Weihrauch-Cunila, 3. 

65. Von der Garten-Cunila, 3; von der Berg-Cunila, 7. 

66. Von dem Pfefferkraute oder Siliquastrum, 5. 

67. Vom Origanum onite oder Prasium, 6. 

68. Vom Tragoriganum, 9. 

69. Von drei Arten des Origanum heracleum, 30. 

70. Von der Kresse, 3. 

71 Vom Gith oder Melanthium, 23. 
72. Vom Anis oder Anicetum, 61. 



Erstes Buch. 73 

73. Wo der Anis am besten ist und von den übrigen aus ihm be- 

reiteten Arzneien. 

74. Vom Anethum, 9. 

75. Vom Sacopenium oder Sagapenum, 13. 

76. Vom weissen Mohn, 3; vom schwarzen Mohn, 8; von seiner 

Schlaf machenden Kraft; vom Opium. Man soll es den Trän- 
ken gegen Fieber, Mangel an Verdauung und gegen Ver- 
stopfung nicht zusetzen. Vom Meconium, 1. 

77. Vom Rhoeas-Mohn, 2. 

78. Von dem wilden gehörnten Mohn oder Glaucium oder Paraliurn, 6. 

79. Vom wilden heraclischen Mohn oder Aphrum, 4. Vom Diacodion. 

80. Vom tithymalischen Mohn oder Paraliurn, 3. 

81. Von der Porcilaca oder Peplis, 25. 

82. Vom Coriander, 21. 

83. Von der Atriplex, 14. 

84. Von der Malva malope, 13; von der Malva malache, 1; von der 

Malva althaaa oder Plistolochia, 59. 

85. Vom wilden Lapathum oder Oxalis oder Lapathum cantherinum 

oder Rumex, 1; vom Hydrolapathuni, 2; Hippolapathum, 6; 
Oxylapathum, 4. 

86. Vom zahmen Lapathum, 21; Bulapathum, 1. 

87. Von drei Arten des Senfs, 44. 

88. Von der Adarca, 48. 

89. Vom Marrubium oder Prasium oder Linostrophum oder Philopaes 

oder Philochares, 29. 

90. Vom Serpyllum, 18. 

91. Vom Sisymbrium oder Thymbraeum, 23. 

92. Vom Leinsamen, 30. 

93. Vom Blitum, 6. 

94. Vom Meum athamanticum, 7. 

95. Vom Fenchel, 22. 

96. Vom Hippomarathrum oder Myrsineum, 5. 

97. Vom Hanfe, 9. 

98. Von der Ferula, 8. 

99. Vom Carduus oder Scolymus, 6, 

100. Zusammensetzung des Theriaks. 

Zusammen: 1606 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Der Censor Cato, M. Varro, Pompejus Lenaeus, C. Valgius, Hy- 
ginus, Sextius Niger der in griechischer Sprache geschrieben hat, 
Julius Bassus desgleichen, Celsus, Antonius Castor. 
Von fremden Schriftstellern: 
Democritus, Theophrastus, Orpheus, Menander der nützliche Be- 
merkungen für das Leben geschrieben hat, Pythagoras, Nicander. 



74 Erstes Buch. 

Ton Aerzten: 
Hippocrates, Chrysippus, Diocles, Ophelion, Heraclides, Hicesius, 
Dionysius, Apollodorus von Tarent, Apollodorus von Citiuni, Praxa- 
goras, Plistonicus, Medius, Dieuches, Cleophantus, Philistion, Ascle- 
piades, Cratevas, Petronius, Diodotus, Jollas, Erasistratus, Diagoras, 
Andreas, Mnesides, Epicharmus, Damion, Dalion, Sosimenes, Tlepo- 
lernus, Metrodorus, Solon, Lycus, die Olyinpias von Theben, Philinus, 
Petrichus, Micton, Glaucias, Xenocrates. 



Einundzwanzigstes Buch. 

Von den Blumen und Kränzen. 
1 und 2. Von den Kränzchen und Blumenguirlanden. 

3. Wer zuerst verschiedene Blumen zu Kränzen geflochten hat, 

•wann und warum sie zuerst Corollen genannt sind. 

4. Wer zuerst einen Kranz mit goldenen und silbernen Blättern ge- 

geben hat; dass sie aus diesem Anlass Kranzgeschenke genannt 
wurden. Von den Bändern an den Kränzen; wer diese zuerst 
von getriebener Arbeit hat machen lassen. 

5. Wie gross die Ehre, einen Kranz zu tragen, bei den Alten war. 

6. Strenge der Alten hinsichtlich des Tragens der Kränze. 

7. Wen das römische Volk mit Blumen bekränzt hat. 

8. Von den Friedenskronen; von den zusammengebundenen, den 

aus Narden und mit Seide gefertigten Kränzen. 

9. Welche Personen über Blumen geschrieben haben. Eine Hand- 

lung der Königin Cleopatra mit Kränzen. 

10. 12 Arten der Rose. 32 Arzneien daraus. 

11. 3 Arten der Lilie. 21 Arzneien daraus. 

12. 3 Arten der Narcisse. 16 Arzneien daraus. 

13. Wie der Same gefärbt wird, dass daraus gefärbte Blumen ent- 

stehen. 

14. Wie alles wächst, gesäet und behandelt wird, nach den einzelnen 
. Arten. Drei Farben der Viole, 17 Arzneien daraus. Fünf Ar- 
ten der gelben Viole, 10 Arzneien daraus. 

15. Von der Caltha und dem königlichen Zweige. 

16. Von der Baccharis, 17 Arzneien. Von dem Combretum, 1. Von 

dem Asarum. 

17. Vom Safran, 20 Arzneien. Wo die besten Blüthen vorkommen. 

Von den Blumen zur Zeit des trojanischen Kriegs. 

18. Von den Gerüchen. 

19. Von der Iris, 41. 

20. Von der Saliunca, 2. 



Erstes Buch. 75 

21. Vom Poliuin oder Teuthriuin, 18 Arzneien. 5 Arten. 

22. Nachahmung der Blumen in den Kleidern. 

23. Vom Amarant. 

24. Vom Cyanus 2, vom Holochrysus 3. 

25. Vom PetiHum, Bellio. 

26. Von der Chrysocoine oder Chrysitis, 6. 

27. Von welchen Sträuchern die Blumen z. Kränzen genommen werden. 

28. Von welchen die Blätter genommen werden. 

29. Vom Melothron, der Spirsea, dem Origanum; zwei Arten des 

Cneorum oder Casia; vom Melissophyllum oder Melittoena, 21 
Arzneien. Von den Meliloten in Campanien. 

30. 3 Arten des Trifolium. Vom Myophonum. 

31. 3 Arten Thymian; 28 Arzneien. Was aus einer Blume und nicht 

aus Samen entsteht. 

32. Von der Conyza; 4 Arzneien. 

33. Von der Jupitersblume; der Hemer ocallis, 4; dem Helenium, 5; 

der Phlox. Pflanzen deren Aeste und Blätter riechen. 

34. Vom Abrotanum, 22; 2 Arten der Adonis. Was sich von selbst 

fortpflanzt. Vom Leucanthemum, 1. 

35. 2 Arten des Amaracus. 60 Arzneien. 

36. Von dem Nyctegretum oder Chenamyche oder Nyctalops. 

37. Von den Meliloten. 

38. In welcher Zeitordnung die Blüthen hervorkommen. Frühlings- 

blumen: Viole, Kranz-Anemone, 10; Oenanthe, 6; Melianthum, 
11; Heliochrysuru, 11; Gladiolus, Hyacinthe, 7 Arzneien. 

39. Sonunerblumen: Lychnis, 7 Arzneien; Tiphyon, phrygischer Ama- 

racus, 2 Arten des Pothus, Vincapervinca oder Chamsedaphne, 
4 Arzneien. Welches Kraut stets grün ist. 

40. Von der Lebensdauer der Blüthen. 

41. Welche Blumen der Bienen wegen gezogen werden müssen. 

Von der Cerinthe. 

42. Von den Krankheiten der Bienen und den Hülfsmitteln dagegen* 

43. Von der Ernährung der Bienen. 

44. Von giftigem Honig und den Mitteln dagegen. 

45. Honig, welcher Raserei bewirkt. 

46. Honig, den die Fliegen nicht anrühren. 

47. Von den Bienenstöcken und ihrer Wartung. 

48. Wann die Bienen Hunger leiden. 

49. Von der Bereitung des Wachses; welches Wachs das beste ist, 

vom punischen Wachse. 

50. Vom Gebrauche der wildwachsenden Kräuter bei den Völkern, 

ihrer Beschaffenheit und ihren Wundern. Von den Erdbeeren, 
dem Tamnus, Ruscus, 4; von zwei Arten des Batis, 4 Arzneien. 
Vom Wiesen-Pastinak und dem Weidenhopfen. 



76 Erstes Buch. 

51. Von der Colocasia, 2 Arzneien. 

52. Vom Cichorium, Anthaliurn, Oetum, Arachidna, Aracos, Condrilla, 

Hypochseris, Caucalis, Anthriscus, Scandix oder Tragopogon, 
Parthenium, Strychnum, Corchorus, Aphace, Acinos, Epipetron. 
Was niemals und was immer blühet. 

53. 4 Arten des Cnicus. 

54. Stachelige Kräuter. Eryngium, Glycyrrhiza, Tribulus, Ononis, 

Phleos oder Stoebe, Hippophaes. 

55. 4 Arten der Urtica. Lamium, Scorpionkraut. 

56. Carduus, Acoma oder Phonos, Leucacanthos, Chalceus, Cnicus, 

Polyacanthus, Onopyxus, Helxine, Scolymus, Chamadeon, Tetralix, 
Mastiche acanthice. 

57. Cactus, Ptemix, Paprjus, Ascalia. 

58. Tribulus, Ononis. 

59. Arten der Kräuter nach den Stängeln. Coronopus, Anchusa, 

Anthemis, Phyllanthes, Crepis, Lotus. 

60. Unterscheidung der Kräuter nach den Blättern. Welche theil- 

weise blühen; welche che Blätter nicht verlieren; vom Helio- 
tropium, Adiantum, Polium. 

61. Arten der Aehren tragenden Kräuter. Cynops, Alopecurus, Ste- 

lephurus, oder Ortyx oder Plantago, Tryallis. 

62. Perdicium, Ornithogale. 

63. Welche erst nach einem Jahre zum Vorschein kommen. Welche 

von der Spitze, und welche von unten an blühen. 

64. Das Kraut Lappa, an welcher die Blume eingeschlossen wächst. 

Die Opuntia, aus deren Blatte eine Wurzel wird. 

65. Jasione, Chondrylla, Picris, welche das ganze Jahr hindurch blühet. 

66. An welchen die Blume vor dem Stängel, und an welchen der 

Stengel vor der Blume erscheint; welche dreimal blühen. 

67. Von den Cypirus-Arten, 8 Arzneien. Vom Thesium. 

68. Vom Asphodelus oder Königsspiess; Anthericus oder Albucus. 

69. Von 6 Arten der Binse, 4 Arzneien. 

70. Vom Cyperus, 14. Cyperis, Cypira. 

71. Vom Hoioschcenus. 

72. Von der wohlriechenden Binse oder Teuchites, 10. 

73. Arzneien von den oben genannten Blumen; von der Rose, 22. 

74. Von der Lilie, 16. 

75. Von der Narcisse, 28. 

76. Von den Violen, 28. ' 

77. Von der Baccharis, 17. Vom Combretum. 

78. Vom Asarum, 8. 

79. Vom gallischen Nardus, 8. 

80. Vom Phu, 4. 

81. Vom Safran, 20. 



Erstes Buch. 77 

82. Von der syrischen Safransalbe, 2. 

83. Von der Iris, 41; von der Saliunca, 3. 

84. Vom Poliuni, 19. 

85. Vom Holochrysum, 3; von der Chrysocome, 6. 

86. Vom Melissophyllum, 13. 

87. Vom Melilotus, 13. 

88. Vom Trifolium, 4. 

89. Vom Thymian, 29. 

90. Von der Hemerocallis, 4. 

91. Vom Helenium, 5. 

92. Vom Abrotanum, 22. 

93. Vom Leucanthemum, 1; vom Majoran, 9. 
04. Von der Anemone oder dem Phrenion, 10. 

95. Von der Oenanthe, 6. 

96. Vom Heliochrysum, 11. 

97. Von der Hyacinthe, 8. 

98. Von der Lychnis, 7. 

99. Von der Vincapervinca, 4. 

100. Vom Ruscmn, 3. 

101. Von der Batis, 2. Acinos. 

102. Von der Colocasia, 2. 

103. Vom AnthylHum oder Anthylluni, 6. 

104. Vom Parthenium oder Leucanthes oder Amnacum, 8. 

105. Vom Trychnon oder Stiychnon oder Halicacabuni oder Callion 

oder Dorycnium oder Manicon oder Perisson oder Neuras oder 
Morion oder Moly, 8. 

106. Vom Corchorus, 6. 

107. Von der Persoluta, 1. 

108. Erklärung der griechischen Namen der Gewichte und Maasse. 
Zusammen: 730 Arzneimittel, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Der Censor Cato, M. Varro, Massurius, Antias, C«pio, Vestinus, 
Vibius Rufinus, Hyginus, Pomponius Mela, Pomponius Lenseus, Corn. 
Celsus, Calpurnius Bassus, C. Valgius, Licinius Macer, Sextius Niger 
der in griechischer Sprache geschrieben hat, Julius Bassus desgleichen, 
Antonius Castor. 

Von fremden Schriftstellern: 
Theophrastus, Democritus, Orpheus, Pythagoras, Mago, Menander 
welcher nützliche Bemerkungen für das Leben geschrieben hat, Ni- 
cander, Homerus, Hesiodus, Musaeus, Sophocles, Anaxilaus. 

Von Aerzten: 
Mnesitheus der über die Kränze geschrieben hat, Calliniachus 
desgleichen, der Physiker Phanias, Simus, Timaristus, Hippocrates, 
Chrysippus, Diocles, Ophelion, Heraclides, Hicesius, Dionysius, Apol- 



78 Erstes Buch. 

lodorus von Citium, Apollodorus von Tarent, Praxagoras, Plistonicus, 
Medius, Dieuches, Cleophantus, Philistion, Asclepiades, Cratevas, Pe- 
tronius, Diodotus, Jollas, Erasistratus, Diagoras, Andreas, Mnesis, Da- 
mion, Dalion, Sosrmenes, Tlepolemus, Metrodorus, Solon, Lycus, die 
Olympiasvon Theben, Philinus, Petrichus, Micton, 61aucias,Xenocrates. 



Zweiimdzwanzigstes Buch. 

Von dem Ansehn undWerthe der Kräuter und Feldfrüchte. 
1 u. 2. Völker, welche sich der Kräuter ihrer Gestalt wegen bedienen. 

3. Vom Färben der Kleider mit Kräutern; vom Sagmen, der Verbena 

und Clarigatio. 

4. "Von dem Kranze aus Gras und seiner Seltenheit. 

5. Welche Personen allein damit beschenkt sind. 

6. Wer allein als Centurio damit bekränzt ist. 

7. Arzneien von den übrigen Kranzblumen. 

8. Vom Erynge oder Eryngium. 

9. Vom Hundertkopf, 30. 

10. Vom Acanum, 1. 

11. Von der Glycyrrhiza oder Adipsus, 15. 

12. Von 2 Arten des Tribulus, 12. 

13. Von der Stcebe oder Pheos. 

14. Von 2 Arten der Hippophye, 2. 

15. Von der Urtica, 61. 

16. Vom Lamium, 7. 

17. Von 2 Arten des Scorpionkrauts, 1. 

18. Von der Leucacantha oder Phyllon oder Ischias oder Polygonatos, 4 

19. Von der Helxine, 12. 

20. Vom Perdicium oder Parthenium oder Urceolaris oder Astericum,ll. 

21. Von 2 Arten des Chamseleon oder Ixia oder Ulophonon oder Cy- 

nozolon, 12. 

22. Vom Coronopus. 

23. Von der Anchusa, 14. 

24. Von der Pseudoanchusa oder Echis oder Doris, 3. 

25. Vom Onochiles oder Arcebion oder Onochelis oder Rhexia oder 

Enchusa, 30. 

26. Von 3 Arten der Anthemis oder Leucanthemis oder Chamasmelum 

oder Melanthium, 11. 

27. Vom Kraute Lotus, 4. 

28. Von der Lotometra, 2. 

29. Von 2 Arten des Heliotropium oder Helioscopiurn oder Verrucaria, 

12. Vom Tricoccum oder Scorpiurum, 14. 

30. Von 2 Arten des Callitrichum oder Adiantum oder Trichomanes 

oder Polytrichum oder Saxifraga, 28. 



Erstes Buch. 79 

31. Von der Picris, 1; vom Thesium, 1. 

32. Vom Asphodelus, 51. 

33. Vom Alimum, 14. 

34. Vom Acanthus oder Psederos oder Melamphyllum, 5. 

35. Vom Bupleurum, 5. 

36. Vom Buprestis, 1. 

37. Vom Elaphoboscum, 9. 

38. Vom Scandix, 9. Anthriscus. 

39. Von der Jasione, 4. 

40. Von der Caucalis, 12. 

41. Vom Sium, 11. 

42. Vom Silybum. 

43. Vom Scolymum oder Limonium, 5. 

44. Von 2 Arten des Sonchus, 15. 

45. Vom Condrillum oder der Condrille, 6. 

46. Von den Boleten und ihrer eigenthümlichen Entstehungsweise. 

47. Von den Pilzen; Kennzeichen der giftigen und 9 Arzneien aus 

diesen. 

48. Vom Silphium, 7. 

49. Vom Laser, 39. 

50. Vom Stopfwachs, 5; vom Honig, 16. 

51. Durch welche Speisen auch die Sitten sich ändern. 

52. Vom Wassermeth, 18. 

53. Vom Weinmeth, 6. 

54. Vom Honigtranke, 3. 

55. Vom Wachse, 8. 

56. Wider die Compositionen der Aerzte. 

57. Arzneien von den Feldfrüchten. Vom Siligo, 1; vom Triticum, 

1; von der Spreu, 2; vom Far, 1; von der Olyra und Arinca. 

58. Von den Mehlarten, 28. 

59. Von der Polenta, 8. 

60. Vom Staubmehle, 5; vom Mehlbrei, 1; von den Papiermehl, 1. 

61. Von der Alica, 6. 

62. Von der Hirse, 6. 

63. Vom Panicum, 4. 

64. Vom Sesamum, 7; Sesamoides, 3; Anticyricum, 3. 

65. Von der Gerste, 9; von der Mauergerste, die bei den Griechen 

phönizisches Kraut heisst, 1. 

66. Von der Ptisane, 4. 

67. Vom Stärkmehl, 8; vom Hafer, 1. 
68 Vom Brote, 21. 

69. Von der Bohne, 16. 

70. Von der Linse, 17; von der Sumpflinse, 3. 

71. Von dem Elelisphacus oder Sphacus oder Salvia, 13. 



£0 Erstes Buch. 

72. Von der Kichererbse, 23. 

73. Von der Erve, 20. 

74. Von der Wolfsbohne, 35. 

75. Vom Irio oder Erysimum, welches die Gallier Vela nennen, 15. 

76. Vom Horminum, 6. 

77. Vom Lolium, 5. 

78. Vom Hirsetod, 1. 

79. Vom Bromus, 1. 

80. Von der Orobanche oder Cynomorium, 1. 

81. Von den Thierchen auf den Hülsenfrüchten, und den Mitteln 

dagegen. 

82. Von dem Getränke Zythus und von dem Biere. 

Zusammen: 906 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von Schriftstellern sind benutzt: 
Dieselben wie im vorigen Buche und ausserdem noch: Chrysermus, 
Eratosthenes und Alcseus. 



Dreiundzwanzigstes Buch. 

Arzneimittel von den cultivirten Bäumen. 
1 und 2. Von den Weinstöcken, 30. 

3. Von den Weinblättern und Weinranken, 7. 

4. Vom Omphacium aus Trauben, 14. 

5. Von der Oenanthe, 21. 

6. Von den reifen und frischen Trauben. 

7. Von 3 Arten eingemachter Trauben, 14. 

8. Von den Traubenstielen, 1. 

9. Von den Traubenkernen, 6. 

10. Von den Weinbeerhülsen, 8. 

11. Von der Theriaktraube, 4. 

12. Von den Rosinen oder Astaphides, 14. 

13. Von der wilden Astaphis oder Staphis oder Taminia oder Pitui- 

taria. 12. 

14. Von der Labrusca oder wilden Rebe, 12. 

15. Vom Sahcastrum, 12. 

16. Von der Vitis alba oder Ampeloleuke oder Ophiostaphylos oder 

Melothros oder Psilothros, Archezostis oder Cedrostis oder 
Mados, 35. 

17. Von der Vitis nigra oder Bryonia oder Chironia oder Gynajcanthe 

oder Apronia, 35. 

18. Vom Moste. 15. 

19. Vom Weine. 



Erstes Buch. 81 

20. Vom surrentinischen Weine, 3; vom albanischen, 2; vom faler- 

nischen, 6 Arzneien. 

21. Vom . setinischen, 1; vom statanischen, 1; vom siguinischen, 1. 

22. Von den übrigen Weinen, 64. 

23. Wiederum von Weinen, 61. 

24. Welchen Kranken, wann und 

25. Wie er gereicht werden soll, 91. Bemerkungen dazu. 

26. Von den gekünstelten Weinen. 

27. Vom Essig, 28. 

28. Vom Meerzwiebelessig, 17. 

29. Vom Sauerhonig, 7. 

30. Vom gekochten Moste, 12. 

31. Von der Weinhefe, 12. 

32. Von der Essighefe, 17. 

33. Von der Hefe des gekochten Mostes, 4. 

34. Von den Blättern des Oelbaumes, 23. 

35. Von der Blüthe desselben, 4; vom Baume selbst, 6. 

36. Von den weissen Oliven, 4; von den schwarzen, 3. 

37. Von der Amurca, 21. 

38. Von den Blättern des wilden Oelbaums, 23. 

39. Von dem Omphacium aus Oliven, 3. 

4°. Von dem Oele aus den Trauben des wilden Weinstocks und von 
allen Oelen, 28. 

41. Vom Oele des Cici-Baumes, 16. 

42. Vom Mandelöle, 16. 

43. Vom Lorbeeröle, 6. 

44. Vom Myrtenöle, 20. 

45. Vom Zwerg- oder Spitzmyrtenöle, Cypressenöle, Citronenöle, Nuss- 

öle, Gnideröle, Mastixöle und Dattelöle. 

46. Vom Cyprusöle, 16; vom Gleucinusöle, 1. 

47. Vom Balsamöle, 15. 

48. Vom Oele des Malobathrum, 8. 

49. Vom Bilsenöle, 2; Wolfsbohnenöle, l; Narcissenöle , 1; Rettig- 

öle, 5; Sesamöle, 3, Lilienöle, 3; selgitischen Oele, 1; igu- 
vischen Oele, 1. 

50. Vom Honigöle, 2; vom Pechöle, 2. 

51. Von den Palmen, 9. 

52. Von der Myrobalane, 3. 

53. Von der Palme Elate, 16. 

54. Arzneien aus den Blüthen, Blättern, Früchten, Aesten, Rinden, 

Säften, Hölzern, Wurzeln und der Asche der einzelnen Arten. 
Von den Aepfeln, 6; den Quitten, 22; den Sperlingsäpfeln, 1. 

55. Von den süssen Aepfeln, 6; den sauren, 5. 
55. Von den Citronen, 5. 



g2 Erstes Buch. 

57. Von den Granatäpfeln, 26. 

58. 14 Mundarzneien. 

59. Vom Cytinus, 8. 

60. Von der Granatblüthe, 12. 

61. Vom wilden Granatbaum. 

62. Von den Birnen, 13. 

63. Von den Feigen, 111. 

64. Von den wilden Feigen, 42. 

65. Vom Kraute Erineus, 3. 

66. Von den Pflaumen, 4. 

67. Von den Pfirsichen, 2. 

68. Von der wilden Pflaume, 2. 

69. Von der Baumflechte oder dem Limus, 2. 

70. Von den Maulbeeren, 39. 

71. 4 Mundarzneien. 

72. Von den Kirschen, 5. 

73. Von den Mispeln, 2; den Ariesbeeren, 2. 

74. Von den Piniennüssen, 13. 

75. Von den bittern Mandeln, 29. 

76. Von den süssen Mandeln, 1. 

77. Von den welschen Nüssen, 24. 

78. Von den Haselnüssen, 3; von den Pistacien, 8; Kastanien 5. 

79. Vom Johannisbrote, 5; von der Kornelkirsche, 1; vom Unedo.. 

80. Von den Lorbeeren, 69. 

81. Von der Myrte, 60. 

82. Von dem Myrtidanum, 13. 

83. Von der wilden Myrte, 6. 

Zusammen: 1418 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
C. Valgius, Pompejus Lenseus, Sextius Niger der in griechischer- 
Sprache geschrieben hat, Julius Bassus desgleichen, Antonius Castor, 
M. Varro, Com. Celsus, Fabianus. 

Von fremden Schriftstellern: 
Theophrastus, Democritus, Orpheus, Pythagoras, Magon, Menan- 
der welcher nützliche Bemerkungen für das Leben geschrieben hat, 
Nicander, Homer, Hesiodus, Musseus, Sophocles, Anaxilaus. 

Von Aerzten: 
Mnesitheus, Callimachus, Phanias, Timaristus, Simus, Hippocra- 
tes, Chrysippus, Diocles, Ophelion, Heraclides, Hicesius, Dionysius, 
Apollodorus von Citium, Apollodorus von Tarent, Plistonicus, Medius, 
Dieuches, Cleophantus, Philistion, Asclepiades, Cratevas, Petronius 
Diodotus, Jollas, Erasistratus, Diagoras, Andreas, Mnesis, Epicharmus,. 



Erstes Buch. 83 

Damion, Dalion, Sosimenes, Tlepolemus, Metrodorus, Solon, Lycus, 
die Olympias von Theben, Philinus, Petrichus, Micton, Glaucias, 
Xenocrates. 



Yierundzwanzigstes Buch. 

Arzneimittel von den wilden Bäumen. 

1. Von der Feindschaft und Freundschaft zwischen den Bäumen und 

Kräutern. 

2. Vom italischen Lotus, 6 Arzneien. 

3. Von der Eiche, 13. 

4. Von der Kermesbeere, 3. 

5. Von den Galläpfeln, 23. 

6. Von der Mistel, 11. 

7. Von den Kügelchen, 1 und der Cerr-Eiche, 8. 

8. Von der Korkeiche, 2. 

9. Von der Buche, 4. 

10. Von der Cypresse, 23. 

11. Von der Ceder, 13. 

12. Von der Cederfrucht, 10. 

13. Vom Galbanum, 23. 

14. Vom Ammoniakum, 24. 

15. Vom Styrax, 10. 

16. Vom Spondylium, 17. 

17. Vom Sphagnum, 5. 

18. Von der Terebinthe, 6. 

19. Von der Rothtanne und dem Lärchenbaume, 8. 

20. Von der Feldcypresse, 10. 

21. Von der Pityusa, 6. 

22. Von den Harzen, 22. 

23. Vom Pech (und Theer), 34. 

24. Vom (Theer -und) Theeröl, 16. 

25. Vom Asphaltpech, 2. 

26. Von der Zopissa, 1. 

27. Vom Tsedabaume, 1. 

28. Vom Matixbaume, 22. 

29. Von der Platane, 25. 

30. Von der Esche, 5. 

31. Vom Ahorn, 1. 

32. Von der Pappel, 8. 

33. Von der Ulme, 16. 

34. Von der Linde, 5; vom wilden Oelbaume, 1. 

35. Vom Hollunder, 15. 

36. Vom Wachholder, 21. 

6* 



84 



Erstes Buch. 



37. Von der Weide, 14; von der amerinischen Weide, 1. 

38. Vom Keuschbaurne, 33. 

39. Von der Erica, 1. 

40. Von der Genista, 5. 

41. Von der Myrica oder Tamariske, 3. 

42. Von der Brya, 29. 

43. Von der Blutruthe, 1. 

44. Vom Siler, 3. 

45. Vom Ligustrum, 8. 

46. Von der Erle, 1. 

47. Vom Epheu, 39. 

48. Vom Cissus, 5. 

49. Vom rothen Cissus, 2;"vom Zwergcissus, 2; der Smilax, 3; der 

Clematis, 18. 

50. Vom Schilfe, 1. 

51. Von der Papierstaude, 2. 

52. Vom Ebenbaume, 5. 

53. Vom Rhododendron, 1. 

54. Vom Rhus, 8 Arzneien und 1 Mundarznei. 

55. Vom rothen Rhus, 9. 

56. Von der Färberröthe, 11. 

57. Von dem Alyssum, 2. 

58. Von dem Struthion oder der Radicula, 13 ; vom Apocynum, 2. 

59. Vom Rosmarin, 18. 

60. Von der Cachrys. 
.61. Von der Sabina, 7. 

62. Von der Selago, 2. 

63. Vom Samolus, 2. 

64. Vom Gummi, 11. 

65. Vom ägyptischen oder arabischen Dorngewächs, 4. 

66. Von dem weissen Dorngewächs, 2; vom Acanthium, 1. 

67. Von der Acacie. 18. 

68. Vom Aspalathus, 1. 

69. Erysisceptrum oder Adipsatheum oder Diachetum, 8. 

70. Vom Hängedom, 2; vom Pyracantha, 1. 

71. Vom Paliurus, 10. 

72. Vom Aquifolium, 1; vom Taxus, 1. 

73. Von den Rubusarten, 51. 

74. Vom Cynosbatus, 3, 

75. Vom Rubus idieus. 

76. Von 2 Arten des Rhamnus, 5. 

77. Vom Lycium, 18. 

78. Von der Sarcocolla, 2. 

79. Von der Oporice, 2. 



Erstes Buch. 85 

80. Von derTrixago oder Chamsedrys oder Chamserops od.Teucrium,16. 

81. Von der Chamsedaphne, 5. 

82. Von der Chamselea, 6. 

83. Von der Chamsesyce, 8. 

84. Vom Chamsecissus, 1. 

85. Von der Chamaeleuce, 1. 

86. Von der Chamarpeuce , 5; Chamsecyparissus, 2; Ampeloprasum, 

6; Stachys, 1. 

87. Vom Clinopodium, 3. 

88. Vom Centunculus, 3. 

89. Von der Clematis oder Echite oder Scammonia oder Lago. 

90. Von der ägyptischen Clematis oder Daphnoides od.Polygonoides,2. 

91. Vom Dracontium; widersprechende Ansichten in Bezug auf das 

Arum. 

92. Vom Arum, 13. 

93. Vom Dracunculus, 2. 

94. Vom Aris, 3. 

95. Vom Millefolium oder Myriophyllum, 7. 

96. Vom Pseudobunium, 4. 

97. Von der Myrrhis oder Myrrha oder Myrrhiza, 7. 

98. Von der Onobrychis, 3. 

99. Von den Zauberkräutern. Coracesia und Callicia. 

100. Von der Minyas oder Corysidia, 1. 

101. Von der Aproxis, 6. 

102. Von den fabelhaften Gewächsen, welche Democrit beschrieben 

hat. Aglaophotis oder Marmaritis ; Achsemenis oder Hippopho- 
bas; Theombrotium oder Semnium; Adamantis; Arianis; The- 
rionarca; Aethiopis oder Merois; Ophiusa; Thalassegle oder 
Potamacys; Theangelis; Gelotophyllis; Hestiatoris oder Proto- 
media; Casignete oder Dionysonymphas; Helianthes oder Helio- 
caUis; Hermesias; Aeschynomene; Crocis; Oenotheris; Anacamp- 
seros. 

103. Von der Eriphia. 

104. Von dem wolligen Kraute, 1; von der Lactoris, 1; der Mihtaris, 1. 

105. Von der Stratiotes, 5. 

106. Von dem Kraute auf dem Haupte einer Bildsäule, 1. 

107. Von dem Kraute in Flüssen, 1. 

108. Von dem Zungenkraute, 1. 

109. Von dem Siebkraute, 1. 

110. Von dem Kraute auf Misthaufen, 1. 

111. Von dem Kraute, neben welches die Hunde pissen, 1. 

112. Von dem Rodarum, 3. 

113. Von der Impia. 

114. Vom Venuskamme, 1. 



gg Erstes Buch. 

115. Vom Exedum oder der Nodia, 2. 

116. Von dem Philanthropus, 1. 

117. Vom Tordylum oder Syreum, 3. 

118. Von dem Grase, 17. 

119. Vom Dactylus, 5. 

120. Vom Fcenum grsecum oder Silicia, 31. 

Zusammen: 1176 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

C. Valgius, Pompejus Lenseus, Sextius Niger welcher in griechi- 
scher Sprache geschrieben hat, Julius Bassus desgleichen, Antonius 
Castor, Cornelius Celsus. 

Von fremden Schriftstellern: 

Theophrastus , Apollodorus, Democritus, Orpheus, Pythagoras, 
Magon, Menander der nützliche Bemerkungen für das Leben geschrie- 
ben hat, Nicancler, Homer, Hesiodus, Musseus, Sophocles, Anaxilaus. 

Von Aerzten: 

Mnesitheus, Callimachus, Phanias, Timaristus, Simus, Hippocrates, 
Chrysippus, Diocles, Ophehon, HeracUdes, Hicesius, Dionysius, Appol- 
lodorus von Citium, Apollodorus von Tarent, Praxagoras, Plistonicus, 
Medius, Dieuches, Cleophantus, PhiHstion, Asclepiades, Cratevas, Pe- 
tronius Diodotus, Jollas, Erasistratus, Diagoras, Andreas, Mnesis, Epi- 
charmus, Damion, Sosimenes, Tlepolemus, Metrodorus, Solon, Lycus, 
die Olympias von Theben, Philinus, Petrichus, Micton, Glaucias, Xe- 
nocrates. 



Fiinfuiidzwanzigstes Buch. 

Von der Beschaffenheit, dem Ansehn und Werthe der wild- 
wachsenden Kräuter. 

1. Von dem Ursprünge ihres Gebrauchs. 

2. Welche Personen über ihren Gebrauch in lateinischer Sprache 

geschrieben haben. 

3. Wann die Kenntniss davon zu den Römern gelangt ist. 

4. Von den griechischen Schriftstellern, welche Kräuter abgebildet 

haben. 

5. Welche Griechen zuerst über Kräuter geschrieben haben. 

6. Kräuter, welche auf wunderbare Weise entdeckt sind; warum ihre 

Heilkräfte wenig benutzt werden. Von der Hundsrose, 2 Arz- 
neien; vom Dracunculus-Stängel, 1; von d. Kraute Britannica, 5. 

7. Welche die edlen Kräuter entdeckt haben. 

8. Von dem Moly, 3. 

9. Vom Dodecatheon, 1. 

10. Von der Pieonia oder Pentorobus oder Glycysis, 1. 



Erstes Buch. 87 

11. Vom Panax oder Asclepius, 2. 

12. Vom heraclischen Panax, 3. 

13. Vom chironischen Panax, 4. 

14. Vom centaurischen oder pharnacischen Panax, 3. 

15. Vom siderischen Heracleum, 4. 

16. Vom chironischen Weinstocke, 1. 

17. Von 2 Arten des Hyoscyamus oder Apollinaris oder Altercum, 3. 

18. Von 2 Arten des Linozostis oder Parthenium oder Hermupoa oder 

Mercurialis, 22. 

19. Vom achilleischen Kraute oder Sideritis oder Millefolium oder 

Panax oder Heracleus oder Scopa regia, 6; 3 Arzneien. 

20. Vom Teucrium oder Hemionium oder Splenium, 2. 

21. Drei Arten des Melampodium oder Elleborus oder Veratrum. 

Wann es gesammelt wird und welches die Kennzeichen seiner 
Güte sind. 
.22. Von dem schwarzen, 24. Von seiner Anwendungsweise. 

23. Von dem weissen, 23. 

24. 88 Bemerkungen über beide Arten. 

-25. In welchen Fällen der Elleborus nicht gegeben werden soll. 

26. Vom Mithridatkraute, 2. 

27. Vom Scordotis oder Scordium, 4. 

28. Von der Polemonia oder Philetseria oder Chiliodynama, 6. 

29. Von der Eupatoria, 1. 

30. Vom Centaurium oder Chironium, 20. 

31. Von dem Centaurium leptum oder Libadium oder Erdgalle oder 

Exacum, 22. 

32. Von dem dreihodigen Centaurium, 2. 

33. Von dem Clymenus, 1. 

34. Von der Gentiana, 13. 

35. Von der Lysimachia, 8. 

36. Von der Artemisia oder Parthenis oder Botrys oder Ambrosia, 5. 
-37. Von zwei Arten der Nyinphsea oder Heracleum oder Rhopalum 

oder Madium, 14. 

38. Von zwei Arten der Euphorbia, 4. 

39. Von zwei Arten der Plantago, 46. 

40. Von der Buglossus oder Euphrosine, 2. 

41. Von der Cynoglossus, 3. 

42. Von dem Buphthalmus oder Cachla, 1. 

43. Kräuter, die von Völkern entdeckt sind; vom scythischen Kraute, 3. 

44. Von der Hippace, 3. 
.45. Von der Ischa^mone, 2. 

46. Von der Vettonica oder Serratula oder Cestrus oder Psycho- 

trophum, 48. 
-47. "V' on dem cantahrischen Kraute, 2. 



$g Erstes Buch. 

48. Von der Consiligo, 1. 

49. Von der Iberis, 7. 

50. Kräuter, welche von Thieren aufgefunden sind; von derCheIidonia,6. 

51. Von der Canaria, 1. 

52. Vom Elaphoboscum oder Seseli. 

53. Vom Dictamnus, 8; vom falschen Dictamnus oder Chondris. An 

welchen Orten die kräftigsten Kräuter wachsen. Dass man in 
Arcadien der Kräuter wegen, welche die Thiere fressen, deren 
Milch trinkt. 

54. Von der Aristolochia oder Clematitis oder Cretica oder Plistolochia 

oder vielwurzeligen Lochia oder Erdapfel, 22. 

55. Von dem Gebrauch der Kräuter gegen den Biss der Schlangen. 

56. Von der Argemonia, 4. 

57. Vom Agaricus, 33. 

58. Von 3 Arten des Echius, 2. 

59. Von 2 Arten der Hierabotane oder Peristereum oder Verbenaca, 10. 

60. Von der Blattaria, 1. 

61. Vom Lemonium, 1. 

62. Vom Pentapetes oder Pentaphyllum oder Chamsezelum oder Quin- 

quefolium, 33. 

63. Vom Sparganium, 1. 

64. Von 4 Arten des Daucus, 18. 

65. Von der Therionarce, 2. 

66. Von der Persolata oder Arciuni 8. 

67. Vom Cyclamen oder Erdknollen, 12. 

68. Vom epheuartigen Cyclamen, 4. 

69. Vom niedrigen epheuartigen Cyclamen, 3. 

70. Vom Peucedanum, 28. 

71. Vom Ebulus, 6. 

72. Von der Polemonia, 1. 

73. Vom Verbascum oder Phlomus, 15. 

74. Von der Phlomis, 2. Von der Lychnitis oder Thryallis. 

75. Vom Thelyphonum, 1. 

76. Vom Phrynium oder Neuras oder Poterium, 1. 

77. Vom Alisma oder Damasonium oder Lyrum, 17. 

78. Vom Peristereus, 6. 

79. Mittel gegen Gifte. 

80. Vom Antirrhinum oder Anarrhinum oder Lychnis agria, 3. 

81. Von der Euplea, 1. 

82. Von 2 Arten des Pericarpum, 2. 

83. Mittel gegen Kopfkrankheiten; von der heraclischen Nymphsea, 2. 

Vom Kraute Polythrix. 

84. Von der Lingulaca, 1. 

85. Von der Cacalia oder Leontice, 3. 



Erstes Buch. 8$ 

86. Von der Callitrix, 1. 

87. Vom Hyssopus, 10. 

88. Von der Lonchitis, 4. 

89. Vom Xiphium oder Phasganium, 4. 

90. Vom Psyllium oder Cynoides oder Crystallium oder Sicelicum 

oder Cynomyia, 1; Thysselinum, 16. 

91. Augenmittel. 

92. Von zwei Arten der Anagallis oder Corchorus oder Wildauge, 6. 

93. Von der Aegilops, 2. 

94. Von 2 Arten der Mandragora oder Circsea oder Morium oder 

Hippophlomus, 24. 

95. Von der Cicuta, 13. 

96. Vom wilden Crethnius, 1. 

97. Von der Molybdsena oder Plumbago, 1. 

98. Von der ersten Capnus oder Hühnerfuss, 1. 

99. Von der strauchigen Capnus, 3. 

100. Vom Acorum und wilden Acorum, 14. 

101. Von 2 Arten des Cotyledon, 61. 

102. Vom grossen Aizoon oder Buphthalmum oder Zoophthalmum 

oder Stergethrum oder Hypogesum oder Ambrosia oder Ame- 
rimnum oder grossen Sedum oder Auge oder Fingerchen, 31; 
vom kleinen Aizoon oder Erithales oder Trithales oder Chryso- 
thales oder Isoetes, 32. 

103. Von der wilden Andrachne oder lllecebra, 32. 

104. Mittel gegen Krankheiten der Nase. 

105. Mittel gegen Zahnschmerzen. 

106. Vom Erigeron oder Pappus oder Acanthis oder Senecio, 8. 

107. Vom Ephemerum, 2. 

108. Vom Labrum Venereum, 1. 

109. Von 4 Arten des Batrachium oder Ranunculus oder Strumea. 

oder Strumus, 14. 

110. 2 Mittel gegen übelriechenden Athem. 

Zusammen: 1292 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
C. Valgius, Pompejus Lenseus, Sextius Niger welcher in griechi- 
scher Sprache geschrieben hat, Julius Bassus desgleichen, Antonius 
Castor, Cornelius Celsus, Fabianus. 

Von fremden Schriftstellern: 
Theophrastus, Apollodorus, Democritus, Juba, Orpheus, Pythago- 
ras, Magon, Menander welcher nützliche Bemerkungen für das Leben 
geschrieben hat, Nicander, Homerus, Hesiodus, Musseus, Sophocles, 
Xanthus, Anaxilaus. 

Von Aerzten: 
Mnesitheus, Callimachus, Phanias, Timaristus, Simus, Hippocra- 



<90 Erstes Buch. 

tes, Chrysippus, Diocles, Ophelion, Heraclides, Hicesius, Dionysius, 
Apollodorus von Citium, Apollodorus von Tarent, Praxagoras, Plisto- 
nicus, Medius, Dieuches, Cleophantus, Philistion, Asclepiades, Crate- 
vas, Petronius Diodotus, Jollas, Erasistratus, Diagoras, Andreas, Mnesis, 
.Epicharmus, Daniion, Sosimenes, Tlepolenrus, Metrodorus, Solon, Ly- 
cus, die Olympias aus Theben, Philinus, Petrichus, Micton, Glaucias, 
Xenocrates. 

Seclisimdzwaiizigstes Buch. 

Ton den übrigen Arzneimitteln aus Kräutern, nach den 
verschiedenen Krankheiten zusammengestellt. 

1. Von neuen Krankheiten. 

2. Was man unter Flechten versteht. 

3. Wann man sie zuerst in Italien kennen gelernt hat. 

4. Vom Karbunkel. 

5. Von der Elephantiasis. 

6. Von der Kolik. 

7. Von der neuern Arzneikunde. Vom Arzte Asclepiades. 
-8. Wie er die alte Arzneikunde umschuf. 

9. Einige Worte wider die Magier. 
.10. Mittel gegen die Flechte; vom Flechtenkraute, 5 Arzneien. 

11. Wider die Bräune. Von der Proseqiinaca, 1. 

12. Wider den Kropf. 

13. Von der Bellis, 2. 

14. Vom Condurdum, 1. 

15. Wider den Husten. 

16. Vom Bechium oder Tussilago oder Chamseleuce, 3. 

17. Von der Salvia, 4. 

18. Wider Schmerzen der Seite, Brust und des Magens. 

19. Vom Molum oder Syrum; Amomum, 3. 

20. Von der Ephedra oder Anabasis, 3. 

21. Vom Geuin, 3. 

22. Für die Leber, Nieren, gegen Erbrechen. Vom Tripoliuin, 3. 

23. Von der Grompha^na, 
"24. Vom Malundrum, 2. 

25. Vom Chalcetum, 2; vom Molemonium, 1. 

26. Vom Halus oder Colonea, 5. 

•27. Von der Chaxna?rops, 1; von der Stoechas, 1. 

28. Mittel für den Unterleib. 

29. Vom Astragalus, 6. 

30. Vom Ladanum, 18. 

-31. Von der Chondris oder dem falschen Dictamnus, 1; von 2 Arten 
Hypocist oder Orobethrum, 8 Arzneien. 



Erstes Buch. 91 

32. Vom Laver oder Sion, 2. 

33. Vom Potamogeton, 8. Von der Statice, 3. 

34. Von der Ceratia, 2; vom Leontopodium oder Leuceorum oder 

Doripetrum oder Thoribetrum, 3; Lagopus. 

35. Vom Epithymum oder Hippopheos, 8. 

36. Vom Pycnocomum, 4. 

37. Vom Polypodium, 3. 

38. Vom Scammonium, 8. 

39. Vom Tithymalus cbaracias. 

40. Vom Tithymalus myrsinites oder curyites, 21. 

41. Vom Tithymalus paralius, 4. 

42. Vom Tithymalus helioscopius, 18. 

43. Vom Tithymalus cyparissias, 18. 

44. Vom Tithymalus platyphyllus oder corymbites oder amygdalites, 3. 

45. Vom Tithymalus dendroides oder cobius oder leptophyllus, 18. 

46. Von der Apios ischas oder dem wilden Rettig, 2. 

47. Gegen Bauchgrimmen. 

48. Von der Heilung der Milz. 

49. Gegen Blasensteine und andere Blasenübel. 

50. Vom Crethmum, 11; und dessen Frucht Cachrys. 

51. Vom Anthyllium, 2; von der Anthyllis, 2. 

52. Von der Cepsea, 1. 

53. Vom Hypericum oder Chamsepitys oder Corium, 9. 

54. Von dem Coris oder Hypericum, 10. 

55. Von der Callithrix, 1; der Perpressa, 1; dem Chrysanthemum, 1; 

der Anthemis, 1. 

56. Vom Silaus. 

57. Vom Fulvischen Kraute. 

58. Krankheiten der Hoden und Lenden. 

59. Vom Schaamkraute oder Argemone. 

60. Mittel gegen Geschwulste; von der Chrysippea, 1. 

61. Mittel gegen die Begierde zum Beischlaf. 

62. Von der Orchis oder Serapias, 5. 

63. Vom Satyrium, 3. Vom Satyrium Erythraicum, 4. 

64. Mittel gegen Podagra und andere Fusskrankheiten. 

65. Von der Lappago oder Mollugo, 1; von der Asperugo, 1. 

66. 3 Arten des Seetangs; von der Ochsenklette. 

67. Mittel gegen Leiden des ganzen Körpers. 

68. Von 3 Arten des Geranium oder Myrrhis oder Myrtis, 6. 

69. Von der Oenothera oder Onuris, 3. 

70. Mittel gegen Epilepsie. 

71. Mittel gegen Fieber. 

72. Mittel gegen Wahnsinn, Schlafsucht und Karbunkeln. 

73. Für Wassersüchtige. Von der Acte oder Ebulus. Chamaeacte. 



92 Erstes Buch. 

74. Gegen die Rose. 

75. Zur Heilung von Verrenkungen. 

76. Gegen Gelbsucht. 

77. Gegen Furunkeln. 

78. Gegen Fistelschäden. 

79. Gegen Saftanhäufungen und Verhärtungen. 

80. Gegen Brandschäden. 

81. Für die Sehnen und Gelenke. 

82. Gegen Blutfluss. 

83. Von 3 Arten der Hippuris oder Ephedra oder Anabasis oder 

Equisetuni, 18. 

84. Vom Stephanomelis. 

85. Gegen Bruch und Verrenkungen. 

86. Gegen die Läusekrankheit. 

87. Gegen Geschwüre und Wunden. 

88. Vom Polycnemum, 1. 

89. Zur Vertreibung der Warzen und Heilung von Narben. 

90. Mittel gegen weibliche Krankheiten. 

91. Vom Arsenogonum, 1; vom Thelygonum, 1. 

92. Vom Mastus, 1. 

93. Für die Kopfhaare. Von der Lysiniachia; von der Ophrys, 1. 

Zusammen: 1019 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, C. Valgius, Pompejus Lenseus, Sextius Niger der in 
griechischer Sprache geschrieben hat, Julius Bassus desgleichen, An- 
tonius Castor, Cornelius Celsus. 

Von fremden Schriftstellern: 

Theophrastus , Apollodorus, Democritus, Juba, Orpheus, Pytba- 
goras, Magon, Menander der nützliche Bemerkungen für das Leben 
geschrieben hat, Nicander, Homerus, Hesiodus, Musseus, Sophocles, 
Xanthus, Anaxilaus. 

Von Aerzten: 

Mnesitheus, Callimachus, Phanias, Timaristus, Simus, Hippocrates, 
Chrysippus, Diocles, Ophelion, Heraclides, Hicesius, Dionysius, Apol- 
lodorus von Citium, Apollodorus von Tarent, Praxagoras, Plistonicus, 
Medius, Dieuches, Cleophantus, Philistion, Asclepiades, Cratevas, Pe- 
tronius Diodotus, Jollas, Erasistratus, Diagoras, Andreas, Mnesis, 
Epicharmus, Damion, Tlepolemus, Metrodorus, Solon, Lycus, die 
Olympias von Theben, Philinus, Petrichus, Micton, Glaucias, Xeno- 
crates. 



Erstes Buch. 93 

Siebenundzwanzigstes Buch. 

Von den übrigen Kräutern und ihrer arzneilichen An- 
wendung. 

1. Vom Fleisse der Alten in dieser Beziehung. 

2. Vom Aconitum oder Thelyphonum oder Myoctonum oder Cam- 

marum. 

3. Vom äthiopischen Kraute, 4. 

4. Vom Ageratum, 4. 

5. Von der Aloe, 29. 

6. Von der Alcea, 29. 

7. Vom Alypum, 1. 

8. Von der Alsine oder Myosotus, oder Helxine, 5. 

9. Von der Androsace, 6. 

10. Vom Androssemum oder Ascyrum, 

11. Von der Ambrosia oder Botrys oder Artemisia, 3. 

12. Von der Anonis oder Ononis, 5. 

13. Vom Anagyrus oder Atopus, 3. 

14. Von dem Kraute ohne Namen, 2. 

15. Von der Aparine oder Omphacocarpus oder Philantropus 3. 
IG. Von dem Arctium oder Arcturum, 5. 

17. Vom Asplenium oder Hemionium, 2. 

18. Von der Asclepias, 5. 

19. Vom Aster oder Bubonium, 3. 

20. Vom Ascyrum oder Ascyroides oder Androssemum, 3. 

21. Von der Aphaca, 3. 

22. Vom Alcibium, 1. 

23. Vom Alectorolophus oder Christa, 2. 

24. Vom Alum oder Symphytum petrseum, 14. 

25. Von der rothen Alge, 1. 

26. Von der Actsea, 1. 

27. Vom wilden Weinstock, 11. 

28. Von 4 Arten des Absinthium, 48. 

29. Vom Meer-Absinthium oder Seriphium. 

30. Von der Ballota oder dem schwarzen Porrum, 3. 

31. Von der Botrys oder Ambrosia oder Artemisia, 1. 

32. Von der Brabyla, 1. 

33. Vom Bryum marinum, 5. 

34. Vom Bupleurum, 1. 

35. Von der Catanance, 1 ; vom Cemus, 1. 

36. Von der Calyx, 1. 

37. Von der andern Calyx oder Anchusa oder Onoclea, 2. 

38. Von der Circaea, 3. 

39. Vom Cirsiura, 1. 



94 Erstes Buch. 

40. Von 2 Arten des Cratseogonum, 8. 

41. Vom Crocodilium 2. 

42. Von der Cynosorchis oder Orchis, 4. 

43. Von 2 Arten des Chrysolachanum, 3; vom Coagulum terra?, 2„ 

44. Von dem Culicus oder Strumus oder Strychnos, 6. 

45. Von der Conferva, 2. 

46. Vom Coccum Gnidium, 2. 

47. Vom Dipsacus, 3. 

48. Vom Dryopteris, 2. 

49. Vom Dryophonum, 1. 

50. Von der Elatine, 2. 

51. Vom Empetrus oder Calcifraga, 4. 

52. Von der Epipactis oder Elleborine, 2. 

53. Vom Epimedium, 3. 

54. Vom Enneaphylluni, 3. 

55. 2 Arten der Filix, Pteris, Blechnos, Thelypteris oder Pteris nym- 

pha?a, 11. 

56. Vom Femur bubulum, 

57. Von der Galeopsis oder Galeobdolon oder Galium, 6. 

58. Von der Glaux, 1. 

59. Vom Glaucium, 3; vom Collyrium, 2. 

60. Von der Glycysis oder Pseonia oder Pentorobum, 20. 

61. Vom GnaphaKum oder Chameezelum, 6. 

62. Von der Gallidraga, 1. 

63. Vom Holcus oder Aristis. 

64. Von der Hyoseris, 1. 

65. Vom Holosteum, 3. 

66. Vom Hippophsestum, 8. 

67. Von der Hypoglossa, 1. 

68. Vom Hypecoum. 

69. Von der Idsea, 4. 

70. Vom Isopyrum oder Phaseolus, 2. 

71. Von der Lathyris, 2. 

72. Vom Leontopetalum oder Rhapeion, 2. 

73. Vom Lycapsus, 1. 

74. Vom Litbospermum oder Exonychum', oder Diospyrus oder He- 

racleum, 2. 

75. Vom Steinmoos, 1. 

76. Vom Limeum, 1. 

77. Von der Leuce oder Mesoleuce oder Leucas, 3. 

78. Von der Leucographis, 5. 

79. Vom Medium, 3. 

80. Von der Myosota oder Myosotis, 3. 

81. Vom Myagrus, 1. 



Erstes Buch. 9J> 

82. Von der Nyma, 1. 

83. Von der Natrix, 1. 

84. Von der Odontites, 1. 

85. Von der Othonna oder Anemone, 1. 

86. Von der Onosma, 1. 

87. Vom Onopordon, 5. 

88. Von der Osyris, 4. 

89. Von der Oxys, 2. 

90. Vom Polyanthemum oder Batrachium, 3. 

91. Von 4 Arten des Polygonum oder Thalassias oder Calligonum 

oder Polygonatum oder Teuthalis oder Carcinethrum oder 
Clema oder Myrtopetalum oder Sanguinaria oder Oreum, 40. 

92. Vom Pancratium, 12. 

93. Von der Peplis oder Syce oder Meconium aphrodes, 3. 

94. Vom Periclymenus, 5. 

95. Vom Pelicinum, 1. 

96. Von der Polygala, 1. 

97. Vom Poterium oder Phryniuin oder Neuras, 4. 

98. Vom Phalangites oder Phalangiuni oder Leucantheinum oder Leu- 

cacantha, 4. 

99. Vom Phyteuma, 1. 

100. Vom Phyllum, 1. 

101. Vom Phellandrium, 2. 

102. Von der Phalaris, 2. 

103. Vom Polyrrhizum 5. 

104. Von der Proserpinaca, 5. 

105. Von der Rheucyma, 36. 

106. Von der Reseda, 2. 

107. Von der Stcechas, 3. 

108. Vom Solanum oder Strychnos, 2. 

109. Vom Smyrnium, 32; vom Sinum, 2. 

110. Vom Telephium, 4. 

111. Von der Trichoinanes, 5. 

112. Vom Thalictrum, 1. 

113. Vom Thlaspi oder persischen Senf, 4. 

114. Von der Traehinia, 1. 

115. Von der Tragonis oder Tragium, 1. 

116. Vom Tragus oder Scorpio, 4. 

117. Vom Tragopogon oder Coma, 1. 

118. Von der Dauer der Wirksamkeit der Kräuter. 

119. Unter welchen Umständen sie am wirksamsten sind. 

120. Von den verschiedenen Krankheiten der Völker. 
Zusammen: 602 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 



9g Erstes Buch. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
C. Valgius, Pompejus Lenseus, Sextius Niger der in griechischer 
Sprache geschrieben hat, Julius Bassus desgleichen, Antonius Castor, 
Cornelius Celsus. 

Von fremden Schriftstellern: 
Theophrastus , Apollodorus, Democritus, Aristogiton, Orpheus, 
Pythagoras, Mago, Menander welcher über nützliche Gegenstände 
für das Leben geschrieben hat, Nicander. 

Von Aerzten: 
Mnesitheus, Callimachus, Timaristus, Simus, Hippocrates, Chry- 
sippus, Diocles, Ophelion, Heraclides, Hicesius, Dionysius, Apollo- 
dorus von Citium, Apollodorus von Tarent, Praxagoras, Plistonicus. 
Medius, Dieuches, Cleophantus, Philistion, Asclepiades, Cratevas, 
Petronius Diodotus, Jollas, Erasistratus , Diagoras, Andreas, Mnesis, 
Epicharmus, Damion, Tlepolemus, Metrodorus, Solon, Lycus, die 
Olympias von Theben, Philinus, Petrichus, Micton, Glaucias, Xeno- 
crates. 



Achtundzwanzigstes Buch. 

Arzneimittel von den Thieren. 
1 und 2. Arzneien vom Menschen. 

3. Ob bei der Heilung die Worte irgend eine Kraft haben. 

4. Dass Wunderzeichen als Heilmittel verordnet und dadurch die 

Uebel vertrieben werden. 

5. Von ihrer verschiedenen Anwendungsweise. 

6. 226 Arzneien und Bemerkungen von Männern. 

7. Vom Speichel. 

8. Vom Ohrenschmalze. 

9. Vom Haupthaare, den Zähnen etc. 

10. Vom Blute, vom Beischlafe etc. 

11. Arzneien von Todten. 

12. Verschiedene Erdichtungen der Magier. 

13. Vom Unrathe des Menschen. 

14. Arzneimittel, welche vom menschlichen Geiste ausgehen (nicht 

materiell sind). 

15. Vom Niesen. 

16. Vom Beischlafe. 

17. Verschiedene Arzneien. 

18. Vom Harne. 

19. Anzeigen des Befindens aus der Besichtigung des Harns. 

20. 41 Arzneien von weiblichen Personen. 

21. Von der Frauenmilch. 

22. Von dem weiblichen Speichel. 



Erstes Buch. 97 

23. Von dem Monatsflusse. 

24. Von fremden Thieren; vom Elephanten, 8. 

25. Vom Löwen, 10. 

26. Vom Kameel, 10. 

27. Von der Hyäne, 79. 

28. Vom Krokodil, 19; vom Krokodilkothe, 11. 

29. Vom Chamaeleon, 15. 

30. Vom Scincus, 4. 

81. Vom Flusspferde, 7. 

32. Vom Luchs, 5. 

33. Allgemeine Arzneien von wilden Thieren oder von zahmen der- 

selben Art. Vom Gebrauche der Milch nebst 54 Bemerkungen. 

34. Von den Käsen, 12. 

35. Von der Butter, 25. 

36. Von der sauren Milch. 

37. Vom Gebrauche des Schmalzes nebst 52 Bemerkungen. 

38. Vom Talge. 

39. Vom Marke. 

40. Von der Galle. 

41. Vom Blute. 

42. Besondere Arzneien von Thieren, nach den Krankheiten einge- 

theüt. Gegen die Schlangen. Von den Hirschen, 3; von den 
jungen Hirschen; vom Ophion; vom wilden Schweine, 12; von 
den Ziegen und Böcken, 46; vom Esel, 76. 

43. Gegen den Biss der tollen Hunde. Vom Kalbe, 58. 

44. Gegen Hexereien. 

45. Gegen Gifte. 

46. Gegen Kopfübel; gegen Glatzen. 

47. Gegen Augenübel. 

48. Gegen Ohrenübel. 

49. Gegen Zahnübel. 

50. Gegen Fehler des Gesichts. 

51. Gegen geschwollene Mandeln und Kröpfe. Von der Seife. 

52. Gegen Schmerzen im Genick. 

53. Gegen Husten und Blutauswurf. 

54. Gegen Magenschmerzen. 

55. Gegen Schmerzen der Leber und gegen schweres Athemholen. 

56. Gegen Schmerzen der Lenden. 

57. Für die Milz. 

58. Für den Unterleib. 

59. Gegen Stuhlzwang, Würmer und Kolik. 

60. Bei Blasenleiden und Blasensteinen. 

61. Bei Fehlern an den Geschlechtstheilen und am Hintern. 

62. Beim Podagra und andern Fussübeln. 

7 



98 Erstes Buch. 

63. Gegen Epilepsie. 

64. Gegen Gelbsucht. 

65. Bei Knochenbrüchen. 

66. Gegen Fieber. 

67. Bei Melancholie, Schlafsucht, Schwindsucht. 

68. Bei "Wassersucht. 

69. Gegen die Rose und gegen Schleimergüsse. 

70. Bei Verrenkungen, Verhärtungen und Furunkeln. 

71. Bei Brandschäden. Von dem Ochsenleime und 7 Arzneien daraus. 

72. Bei Schmerzen der Sehnen und bei Contusionen. 

73. Zum Stillen des Blutes. 

74. Bei Geschwüren und Krebsschäden. 

75. Gegen Krätze. 

76. Zum Ausziehen dessen, was im Körper steckt und für Narben. 

77. Bei weiblichen Krankheiten. 

78. Bei Kinderkrankheiten. 

79. Bei Träumen und Schweiss. 

80. Mittel bei Liebeswerken und gegen die Trunkenheit. 

81. Wunderbare Dinge von Thieren. Vom wilden Schweine, 12 Arz- 

neien; vom zahmen, 9; vom Hirsche, 3; vom Wolfe, 27; vom 
Bären, 24; vom wilden Esel, 12; vom zahmen, 76; vom Esels- 
füllenkothe, 3; vom wilden Pferde, 11; vom Füllen, 1; vom 
zahmen Pferde, 42; vom Pferdekäse, 1; vom wilden Ochsen, 2; 
vom zahmen, 81; von der Kuh, 53; vom Kalbe, 59; vom Hasen, 
64; vom Fuchse, 20; vom Dachse, 2; von der Katze, 5; von der 
Ziege, 46; vom Bocke, 31; vom jungen Bocke, 21. 
Zusammen: 1682 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, L. Piso, Fabianus, Valerius Antias, Verrius Flaccus, 
der Censor Cato, Servius Sulpicius, Licinius Macer, Celsus, Massurius, 
Sextius Niger der in griechischer Sprache geschrieben hat, Bythus 
von Dyrrachium, der Arzt Opilius, der Arzt Granius. 

Von fremden Schriftstellern: 
Democritus, Apollonius der über die Salben geschrieben hat, 
Miletus, Artemon, Sextilius, Antaeus, Homerus, Theophrastus, Lysi- 
machus, Attalus, Xenocrates, Orpheus der über besondere Natur- 
bildungen geschrieben hat, Archelaus desgleichen, Demetrius, Sotiras, 
die Lais, die Elephantis, die Salpe, die Olympias aus Theben, Dio- 
timus aus Theben, Jollas, Andreas, Marcion von Smyrna, der Arzt 
Aeschines, Hippocrates, Aristoteles, Metrodorus Scepsius, der Arzt 
Icetidas, der Arzt Apelles, Hesiodus, Dalion, Csecilius Bion der über 
die Kräfte geschrieben hat, Anaxilaus, König Juba. 



Erstes Buch. 99 

Neunundz wanzigstes Buch. 

Arzneimittel von den übrigen Thieren, welche entweder 
zu den nicht zahmen oder zu den wilden gehören. 

1. Vom Ursprünge der Heilkunst. 

2. Von Hippocrates, wann die Klinik und wann die Salbenheilkunst 

zuerst betrieben ist. 

3. Von Chrysippus und Erasistratus. 

4. Von der empirischen Arzneikunst. 

5. Von Herophilus und den übrigen berühmten Ärzten. Wie oft 

das Prinzip der Arzneikunst geändert ist. 

6. Wer und wann der erste Arzt in Rom war. 

7. Urtheil der Römer über die alten Ärzte. 

8. Schattenseiten der Arzneikunst. 

9. Von der Wolle, 35 Arzneien. 

10. Von dem Oesipum, 32. 

11. Von den Eiern, 22. 

12. Von den Eiern der Schlangen. 

13. Von der Bereitung des Commagenum, 4 Arzneien daraus. 

14. Arzneien vom Hunde. 

15. Arzneien nach den Krankheiten eingetheilt. Gegen den Biss der 

Schlangen. Von der Maus. 

16. Vom Wiesel. 

17. Von den Wanzen. 

18. Von den kleinen Giftschlangen. 

19. Vom Basilisk. 

20. Vom Drachen. 

21. Von der Viper. 

22. Von den übrigen Schlangen. 

23. Vom Salamander. 

24. Mittel von Vögeln gegen die Schlangen. Vom Geier. 

25. Von den Hühnervögeln. 

26. Von den übrigen Vögeln. 

27. Von den giftigen und übrigen Spinnen. 

28. Von den Stellionen. 

29. Von verschiedenen Insecten. 

30. Von den Canthariden. 

31. Wider einige Gifte. 

32. Wider den Biss der tollen Hunde. 

33. Wider die übrigen Gifte. 

34. Wider die Glatzen. 

35. Wider Nisse und Grind. 

36. Wider Schmerzen und Wunden des Kopfes. 

37. Für die Augenbrauen. 



100 Erstes Buch. 

38. Wider Fehler der Augen. 

39. Wider Schmerzen und Fehler der Ohren. 

40. Wider Ohrengeschwüre. 

Zusammen: 621 Arzneien, Erzählungen Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, L. Piso, Verrius Flaccus, Antias, Nigidius, Cassius 
Hemina, Cicero, Plautus, Celsus, Sextius Niger der in griechischer 
Sprache geschrieben hat, der Arzt Ca3cilius, Scipio Metellus, der 
Dichter Ovidius, Licinius Macer. 

Von fremden Schriftstellern: 
Homerus, Aristoteles, Orpheus, Democritus, Anaxilaus,Palaephatus. 

Von Aerzten: 
Botrys, Apollodorus, Archidemus, Aristogenes, Xenocrates, Dio- 
dorus, Democrates, der Philosoph Chrysippus, Horus, Nicander, 
Apollonius von Pitanaea. 



Dreissigstes Buch. 

Die übrigen Arzneimittel von diesen Thieren. 

1. Vom Ursprünge der Magie. 

2. Wann und von wem sie gegründet ist; welche Personen sich 

vorzüglich mit ihr befasst haben. 

3. Ob sie in Italien geübt worden ist; wann zuerst der Senat ver- 

boten hat, Menschen zu opfern. 

4. Von den Druiden der Gallier. 

5. Von den Arten der Magie. 

6. Von den Ausflüchten der Magier. 

7. Urtheil der Magier über die Maulwürfe; 5 Arzneien von letztern. 

8. Gegen Zahnschmerzen. 

9. Gegen den Geruch aus dem Munde und gegen Mundgeschwüre. 

10. Gegen Flecken im Gesichte. 

11. Gegen Krankheiten des Schlundes. 

12. Gegen Bräune und Kröpfe. 

13. Gegen Schmerzen der Schultern. 

14. Gegen Schmerzen in den Praecordiis. 

15. Gegen Magenschmerzen. 

16. Gegen Leberschmerzen und Blutspeien. 

17. Für die Milz. 

18. Gegen Schmerzen der Seite und Lenden. 

19. Gegen Dysenterie. 

20. Gegen Darmgicht und sonstige Unterleibsübel. 

21. liegen Blasensteine. 



Erstes Buch. 101 

22. Gegen Uebel des Afters und der Schaam. 

23. Gegen Podagra und andere Fusskrankheiten. 

24. Gegen Krankheiten des ganzen Körpers. 

25. Gegen Erkältungen. 

26. Gegen Lähmungen. 

27. Gegen Epilepsie. 

28. Gegen Gelbsucht. 

29. Gegen Wahnwitz. 

30. Gegen Fieber. 

31. Gegen Wassersucht. 

32. Gegen die Rose. 

33. Gegen Karfunkeln. 

34. Gegen Furunkeln. 

35. Gegen Brandschäden. 

36. Gegen Nervenleiden. 

37. Gegen Fehler der Nägel und Finger. 

38. Zum Blutstillen. 

39. Gegen Geschwüre und Wunden. 

40. Gegen Knochenbrüche. 

41. Gegen Narben und Leberflecke. 

42. Zum Ausziehen dessen, was im Körper steckt. 

43. Gegen weibliche Krankheiten. 

44. Zur Beförderung der Entbindung. 

45. Zur Erhaltung der Brüste. 

46. Zur Vertreibung der Haare. 

47. Gegen Kinderkrankheiten. 

48. Gegen Träume. 

49. Gegen die Sucht des Beischlafs. 

50. Gegen die Läusesucht nebst andern vermischten Arzneien. 

51. Gegen Trunkenheit. 

52. Merkwürdige Dinge von Tbieren. 

53. Sonstige Wunder. 

Zusammen: 854 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, Nigidius, M. Cicero, Sextius Niger der in griechischer 
Sprache geschrieben hat, Licinius Macer. 

Von fremden Schriftstellern: 
Eudoxus, Aristoteles, Hermippus, Homerus, Apion, Orpheus, De- 
mocritus, Anaxilaus. 

Von Aerzten: 
Botrys, Horus, Apollodorus, Menander, Archidemus, Aristogenes, 
Xenocrates, Diodorus, Chrysippus, Nicander, Apollonius von Pitansea. 



102 Erstes Buch. 

Einunddrei ssigstes Buch. 

Arzneimittel von dem Wasser. 

1. Wunderbare Dinge vom Wasser. | 

2. Verschiedenheiten des Wassers. I 266 Bemerkungen. 

3. Arzneien davon. 

4. Welches Fruchtbarkeit hervorbringt und Raserei heilt. 

5. Welches bei Steinbeschwerden gut ist. 

6. Welches Wunden heilt. 

7. Welches die Leibesfrucht anhält. 

8. Welches Leberflecken vertreibt. 

9. Welches Einfluss auf die Farbe der Wolle hat. 

10. Was es bei den Menschen bewirkt. 

11. Welches Wasser das Gedächtniss stärkt und welches Vergessen- 

heit macht. 

12. Welches die Sinne schärft, welches Stumpfheit und welches die 

Stimme zum Singen geschickt macht. 

13. Welches Ekel vor Wein erzeugt und welches betrunken macht. 

14. Welches die Stelle des Oels vertritt. 

15. Welches salzig und bitter schmeckt. 

16. Welches Felsen fortgeschleudert hat; welches Lachen und Weinen 

bewirkt; welches die Liebeswuth heilen soll. 

17. Wasser, das nach dem Schöpfen die Wärme 3 Tage lang behält. 

18. Wunderbare Erzählungen vom Wasser; in welchem alles und in 

welchem nichts untergeht. 

19. Wasser, das tödtlich wirkt-, von giftigen Fischen. 

20. Welches zu Stein wird oder Steine erzeugt. 

21. Von der Heilsamkeit des Wassers. 

22. Von seinen Verunreinigungen. 

23. Von der Güte des Wassers. 

24. Von der Aqua Marcia. 

25. Von der Aqua Virgo. 

26. Wo man Wasser vermuthen kann. 

27. Merkmale, dass sich irgendwo Wasser befindet. 

28. Unterschied des Wassers nach dem Erdreiche. 

29. Beschaffenheit des Wassers nach den Jahreszeiten. 

30. Geschichtliche Bemerkungen über Wasser, was plötzlich hervor- 

gekommen und wieder verschwunden ist. 

31. Von der Leitung des Wassers. 

32. Wie man die Mineralwässer gebrauchen soll. 

33. Vom Gebrauche des Meerwassers. Was uns die Schifffahrt nützt. 

34. Wie man sich Meerwasser mitten im Lande machen kann. 

35. Bereitung des Meerwassermeths. 
56. Bereitung des Wassermeths. 



Erstes Buch. 103 

37. Mittel, sich auf Seereisen trinkbares Wasser zu verschaffen. 

38. 6 Arzneien vorn Wassermoose. Arzneien vom Sande. 

39. 204 Bemerkungen von den Salzarten, ihren Zubereitungen und 

Arzneien. 

40. Von der Salzsoole. 

41. 120 geschichtliche Bemerkungen von der Vortrefflichkeit des 

Salzes. 

42. Von der Salzblüthe, 20 Arzneien; von der Salsugo, 2. 

43. Vom Garum, 15. 

44. Von der Alex, 8. 

45. Von der Natur des Salzes; vom Salzschaume. 

46. 221 Bemerkungen von den Nitruui- Arten, ihren Zubereitungen 

und Arzneien. 

47. 92 Arzneien und Bemerkungen von den Schwämmen. 

Zusammen: 924 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

M. Varro, Cassius von Parma, Cicero, Mucianus, Cselius, Celsus, 
Trogus, Ovidius, Polybius, Somatius. 

Von fremden Schriftstellern: 
Callimachus, Ctesias, Eudicus, Theophrastus, Eudoxus, Theopom- 
pus, Polycritus, Juba, Lycus, Apion, Epigenes, Pelops, Apelles, Demo- 
critus, Thrasyllus, Nicander, der Schauspieler Menander, Attalus, Sal- 
lustius Dionysius, Andreas, Niceratus, Hippocrates, Anaxilaus. 



Zweiunddreissigstes Buch. 

Arzneimittel von den Wasserthieren. 

1. Grösste Kraft der Natur in der Antipathie. Vom Schiffshalter. 

2. Vom Zitterfische, 7 Arzneien. 

3. Vom Seehasen, 5. 

4. Wunderbare Erzählungen vom rothen Meere. 

5. Von der Schlauheit und dem Verstände der Fische. 

6. Merkwürdige Eigenthümlichkeiten der Fische. 
" 7. Wo sie aus der Hand fressen. 

8. Wo sie auf den Ruf erscheinen und wo man von Fischen weis- 

sagende Antworten ertheilt. 

9. Wo die Fische bitter, wo sie salzig, wo sie süss sind, und wo 

sie einen Laut von sich geben. 

10. Wann zuerst Seefische gebraucht worden sind. Eine Verordnung 

des Königs Numa über die Fische. 

11. 43 Arzneien und Bemerkungen von den Corallen. 



104 Erstes Buch. 

12. Von der Sympathie, Antipathie und der Feindschaft der Seethiere 

unter einander. Vom Galeas, 15; vom Mullus, 15 und vom 
Pastinak, 8. 

13. Von den Thieren, welche auf dem Lande und im Wasser leben. 

66 Arzneien und Bemerkungen von dem Castoreum. 

14. Von der Schildkröte, 66 Arzneien und Bemerkungen. 

15. Mittel von Wasserthieren, nach den Krankheiten eingetheilt. 

16. Wider Gift und Giftmischerei. Vom Goldfisch, 4; vom Seesteme, 7. 

17. Gegen den Biss der Schlangen und Hunde und gegen andere 

giftige Thiere. Vom Seedrachen, 3; von den eingesalzenen 
Fischen, 15; von den Sarden, |; vom Cybium. 

18. Vom Seefrosch, 6; vom Flussfrosch, 52; vom Laubfrosch; 32 Be- 

merkungen darüber. 

19. Von der Wasserschlange, 6. Vom Flusskrebse, 14. Von den 

Flussschnecken, 7. Von den rabenschwarzen Fischen, 4. Von 
dem Meerschweine, 2. 

20. Vom Seekalbe, 10; der Mursene 1; dem Seepferdchen 1; dem 

Seeigel 11. 

21. Von den Arten der Auster, 59 Bemerkungen und Arzneien. 

22. Von dem Seetange, 2. 

23. Gegen Glatzen, zum Färben der Kopfhaare und gegen Kopfge- 

schwüre dienen: das Seepferd, die Seemaus, der Seescorpion, 
die Blutsauger etc. 

24. Für die Augen und Augenlider: Fischfett, der CaUionymus, die 

Galle des Coracinus, die Sepien, Ichthyocolla etc. 

25. Bei Fehlern der Ohren: die Batia, der Bacchus oder Myxon, die 

Seeläuse. 

26. Bei Zahnschmerzen: der Hai etc. 

27. Bei Flechten und Flecken im Gesichte: der Delphin, die Coluthia 

oder Corythia, das Halcyoneum, der Thunfisch etc. 

28. Bei Kröpfen, Geschwüren hinter den Ohren, Bräune und Krank- 

heiten des Schlundes: der Mama, Scolopender, Saurus, die 
Muscheln, der Silurus etc. 

29. Gegen Husten und Brustübel. 

30. Bei Schmerzen der Leber und Seite : der Strombus oder die lange 

Muschel, die Tethea etc. 

31. Gegen Unterleibsbeschwerden: der Meerkohl, Myax, Mitulus, Pe- 

loris, Seriphium, Maena, Erythinus etc. 

32. Gegen Milz-, Stein- und Blasenschmerzen: der Solea, Rhombus, 

Blendea, Seenessel, Seelunge, Onyx etc. 

33. Bei Darmbruch und Leiden des Afters: die Wasserschlange, der 

Mugil, Pelamis etc. 

34. Gegen Fettbeulen und gegen Fehler an der Schaam: der Scisena, 

Perca, Squatina, Smaris etc. 



Erstes Buch. 105 

35. Bei Unenthaltsamkeit des Hams: das Ophidion etc. 

36. Bei Podagra und andern Fussleiden: der Biber, das Bryon etc. 

37. Gegen Epilepsie. 

38. Gegen Fieber: der Asellus, Phagrus, Wallfisch etc. 

39. Gegen Schlafsucht, Schwindsucht und Wassersucht. 

40. Gegen Brandschäden und die Rose. 

41. Gegen Fehler der Nerven. 

42. Zum Stillen und Ausziehen des Blutes: der Polyp, Blutigel etc. 

43. Zum Ausziehen dessen was im Körper steckt. 

44. Bei Geschwüren, Krebsschäden und Karbunkeln. 

45. Gegen Warzen und rauhe Nägel: der Glanus etc. 

46. Gegen weibliche Krankheiten: der Glauciscus etc. 

47. Zum Wegbeitzen der Haare. 

48. Gegen Kinderkrankheiten. 

49. Gegen Trunkenheit: der Rubellio, Aal, die Seetraube. 

50. Zur Verhinderung sowie zur Erregung der Lust des Beischlafs: 

das Flusspferd, das Krokodil etc. 

51. Gegen Krankheiten der Thiere. 

52. Von den übrigen Wassergeschöpfen. Adarca oder Calamochnus, 

Calamus, Sepientinte etc. 

53. 176 Namen aller im Meere lebenden Thiere. 

54. Die im Ovid befindlichen Namen. 

55. Fische, die von keinem Schriftsteller genannt sind. 
Zusammen: 990 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Licinius Macer, Trebius Niger, Sextius Niger der in griechischer 
Sprache geschrieben hat, der Dichter Ovidius, Cassius Hemina, Mse- 
cenas, Jacchus, Sornatius. 

Von fremden Schriftstellern: 
Juba, Andreas, die Salpe, Apion, Pelops, Apelles, Thrasyllus, 
Nicander. 



Dreiunddreissigstes Buch. 

Von den Metallen. 

1. Von den Metallen. 

2. Vom Golde. 

3. Welches seine erste Empfehlung ist. 

4. Vom Ursprünge der goldenen Ringe. 

5. Von der Goldmenge bei den Alten. 

6. Von dem Rechte goldene Ringe zu tragen. 

7. Von den Decurien der Richter. 

8. Vom Ritterstande. 

9. Wie oft der Name des Ritterstandes geändert ist. 



106 Erstes Buch. 

10. Von goldenen und silbernen Kriegsgeschenken. 

11. Von den ersten goldenen Kränzen. 

12. Von dem übrigen Gebrauche des Goldes bei den Frauen. 

13. Von den Goldmünzen. Wann zuerst Gold und Silber geprägt ist; 

wie man vorher das Kupfer gebrauchte und welche Geldsumme 
bei der ersten Vermögensschätzung die grösste gewesen ist. 
Wie oft und zu welchen Zeiten sich der Werth der geprägten 
Kupfermünzen geändert hat. 

14. Ueber die Sucht nach Gold. 

15. Welche Personen am meisten Gold und Silber besessen haben. 

16. Wann zuerst silberne Geräthschaften auf dem Kampfplatze er- 

schienen. Wann Silber auf das Theater kam. 

17. Zu welchen Zeiten das meiste Gold und Silber in der Schatzkam- 

mer des römischen Volkes gewesen ist. 

18. Wann die vergoldeten Zimmerdecken aufgekommen sind. 

19. Warum das Gold den Vorzug von allen andern Metallen hat. 

20. Vom Vergolden. 

21. Vom Auffinden und Fördern des Goldes. 

22. Vom Auripigment. 

23. Vom Electrum. 

24. Von den ersten goldenen Statuen. 

25. 8 Arzneien vom Golde. 

26. Von der Chrysocolla. 

27. Ihre Anwendung in der Malerei. 

28. 7 Arzneien von der Chrysocolla. 

29. Von der Chrysocolla der Goldarbeiter oder der Saterna (Santerna). 

30. Von der wunderbaren Eigenschaft, Metalle unter sich zu verbin- 

den und zu verarbeiten. 

31. Vom Silber. 

32. Vom lebendigen Silber (natürlichen Quecksilber). 

33. Vom Stimmi oder Stibium oder Alabastrum oder Larbasum oder 

Platyophthalmum. 

34. 7 Arzneien davon. 

35. Von dem Silberschaume. 6 Arzneien davon. 

36. Vom Minium; wie heilig es bei den Alten gehalten wurde. 

37. Von seiner Auffindung und seinem Ursprünge. 

38. Vom Cinnabaris. 

39. Vom Gebrauche des Cinnabaris und Miniums in der Malerei. 

40. Arten des Miniums, und seine Anwendung in der Malerei. 

41. Vom (künstlich bereiteten) Quecksilber. 

42. Von der Vergoldung des Silbers. 

43. Von den Probirsteinen. 

44. Arten des Silbers und Versuche damit. 

45. Von den Spiegeln. 



Erstes Buch. 107 

46. Vom ägyptischen Silber. 

47. Von übermässigen Geldsummen. Welche Personen die grössten 

Schätze gehabt haben. 

48. Wann das römische Volk zuerst Geldgeschenke ausgetheilt hat. 

49. Von der Verschwendung in silbernen Gefässen. 

50. Beispiele von Sparsamkeit der Alten im Silber. 

51. Wann zuerst Silber an Betten angebracht ist. 

52. Wann zuerst übermässig grosse Schüsseln, wann zuerst Gestelle 

von Silber, wann zuerst Pauken gemacht sind. 

53. Von übermässig theuren Silbersachen. 

54. Von silbernen Statuen. 

55. Berühmte Werke und Künstler in Silber. 

56. Von dem Sil; welche Personen zuerst damit malten und wie. 

57. Vom Bergblau 

58. 2 Arzneien daraus. 

Zusammen: 1125 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

Kaiser Domitian, Corvinus, L. Piso, Verrius, M. Varro, C. Nepos, 
Messala, Junius Gracchanus, Atticus Pomponius, Mucianus, Calvus 
Licinius, Bocchus, Fetialis, Fenestella, Valerius Maximus, Julius Bas- 
sus der in griechischer Sprache über die Arzneikunst geschrieben hat, 
Sextius Niger desgleichen. 

Von fremden Schriftstellern: 

Democritus, Theophrastus, Juba, der Historiker Tiimeus welcher 
über die metallischen Arzneien geschrieben hat, Heraclides, Andreas, 
Diagoras, Botrys, Archidemus, Dionysius, Aristogenes, Democles, 
Mnesides, der Arzt Attalus, Xenocrates des Zeno Sohn, Theomnestus, 
Nymphodorus, Jollas, Apollodorus, Pasiteles der wunderbare Arbeiten 
beschrieben hat, Antigonus der über die Kunst, erhabene und ge- 
gossene Arbeiten zu machen, geschrieben, Mensechmus desgleichen, 
Xenocrates desgleichen, Duris desgleichen, Menander der über die 
Verfertiger solcher Arbeiten geschrieben, Heliodorus der über die 
Tempelgeschenke der Atheniensergeschrieben, Metrodorus vonScepsis. 



Vierunddreissigstes Buch. 

Von den Metallen des Erzes. 

1. Von den Metallen des Erzes. 

2. Arten des Erzes. 

3. Vom corinthischen Erze. 

4. Vom delischen Erze. 

5. Vom äginetischen Erze. 



108 Erstes Buch. 

6. Von den Leuchtern. 

7. Von den Zierrathen der Tempel aus Erz. 

8. Von den erzenen Tischen. 

9. Welches Götterbild in Rom zuerst aus Erz gemacht ist. Vom 

.Ursprünge der Bildsäulen und ihrem Ansehn. 

10. Arten und Gestalten der Bildsäulen. Welche Bildsäulen zu Rom 

mit einem Panzer versehen sind. Welche Bildsäulen zu Rom 
die ersten waren. 

11. Welchen Männern zuerst Bildsäulen gesetzt, welchen sie zuerst 

auf einer Säule gesetzt sind; wann man die Schiffsschnäbel auf 
die Rednerbühne gebracht hat. 

12. Welchen Fremden zu Rom Bildsäulen öffentlich gesetzt sind. 

13. Welche Reiterstatue zuerst zu Rom öffentlich aufgestellt ist, und 

welchen Frauen in Rom dergleichen öffentlich gesetzt sind. 

14. Wann alle von Privaten und Behörden aufgestellten Bildsäulen 

von öffentlichen Orten weggeschafft sind. 

15. Welche Bildsäule zuerst von Fremden öffentlich gesetzt ist. 

16. Dass schon vor langer Zeit Bilclgiesser in Italien gewesen sind. 

17. Von ungeheurem Werthe der Bildnisse. 

18. Von den berühmtesten Riesenstatuen in Rom etc. 

19. 366 berühmte Arbeiten und Künstler in Erz. 

20. Der Unterschied des Erzes und seine Mischung. Vom Pyrop 

und dem campanischen Erze. 

21. Von der Erhaltung des Erzes. 

22. Von der Cadmia. 

23. 15 Arzneien daraus. 

24. Von den Erzschlacken, der Erzblüthe und den Erzschuppen. 

25. Von dem Stomoma; 47 Arzneien aus diesen vieren. 

26. Vom Grünspan, 18. 

27. Vom Hieracium. 

28. Von der Scolecia, 18. 

29. Vom Chalcitis, 7. 

30. Vom Sory, 3. 

31. Vom Misy, 13. 

32. Vom Chalcanthum oder der Schusterschwärze, 16. 

33. Vom Pompholyx. 

34. Vom Spodos oder Spodium, 6. 

35. Vom Antispodos oder Antispodium, 15. 

36. Vom Spegma. 

37. Vom Diphryges. 

38. Vom servilischen Drittelass. 

39. Vom Eisen. 

40. Statuen und getriebene Arbeit aus Eisen. 

41. Der Unterschied des Eisens und seine Mischung. 



Erstes Buch. 109 

42. Von dem sogenannten lebendigen (magnetis ch gemachten) Eisen. 

43. Schutzmittel gegen das Rosten des Eisens. 

44. 7 Arzneien vom Eisen. 

45. 14 Arzneien vom Eisenroste. 

46. Vom Eisenhammerschlage, 17. Von dem flüssigen Pflaster. 

4>7. Von den Bleimetallen; vom weissen Blei; von dem doppelten 
Ursprünge des schwarzen Bleies. 

48. Vom Stannum; vom Silberblei. 

49. Vom schwarzen Blei. 

50. 15 Arzneien vom Blei. 

51. Von der Bleischlacke, 15. 

52. Spodium vom Blei. 

53. Von der Molybdaena, 15. 

54. Vom Bleiweiss, 6. 

55. Vom Sandarak, 

56. Vom Arsenicum, 11. 

Zusammen: 915 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 
Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 

L. Piso, Antias, Verrius, M. Varro, Corn. Nepos, Messala, Rufus, 
der Dichter Marsus, Bocchus , Julius Bassus der in griechischer 
Sprache über Arzneikunst geschrieben hat, Sextius Niger desgleichen, 
Fabius Vestalis. 

Von fremden Schriftstellern : 

Democritus, Metrodorus von Scepsis, Mensechmus der über die 
Kunst, erhabene und gegossene Arbeiten zu machen, geschrieben 
hat, Xenocrates desgleichen, Antigonus desgleichen, Duris desglei- 
chen, Heliodorus der über die Tempelgeschenke der Athenienser ge- 
schrieben, Pasiteles der wunderbare Arbeiten beschrieben, Timseus 
der über die metallischen Arzneien geschrieben, Nymphodorus, Jollas, 
Apollodorus, Andreas, Heraclides, Diagoras, Botrys, Archidemus, 
Dionysius, Aristogenes, Democles, Mnesides, Xenocrates des Zeno 
Sohn, Theomnestus. 



Fünfunddreissigstes Buch. 

Von der Malerei und den Farben. 

1. Ehre der Malerei. 

2. Ehre der Gemälde. 

3. Wann zuerst Brustbilder gemacht und öffentlich ausgestellt sind. 

4. Wann sie in Häusern eingeführt sind. 

5. Vom Ursprünge der Malerei; von dem Malen mit einer Farbe; 

von den ersten Malern. 



HO Erstes Buch. 

6. Alter der Malerei in Italien. 

7. Von den römischen Malern. 

8. Wann die fremde Malerei zuerst in Rom gewürdigt ist. 

9. Wann und durch welche Männer die Malerei zuerst in Rom 

öffentlich gewürdigt ist. 

10. Welche Personen ihre Siege in Gemälden aufgestellt haben. 

11. Von der Art zu malen. 

12. Von den natürlichen und künstlichen Farben und den Farben 

zur Malerei, ausser den metallischen. 

13. Von der sinopischen Erde, 11 Arzneien daraus. 

14. Vom Röthel und der lemnischen Erde, 4 Arzneien aus letzterer. 

15. Von der ägyptischen Erde. 

16. Vom Ocher. 3 Arzneien vom Röthel. 

17. Vom Leucophorum. 

18. Von der paratonischen Erde. 

19. Von der melischen Erde. 

20. Von dem gebrannten Bleiweiss. 

21. Von der eretrischen Erde. 6. 

22. Vom Sandarak. 

23. Vom Sandys. 

24. Von der syrischen Erde. 

25. Von dem Atrament. 

26. Von der Purpurfarbe. 

27. Von dem Indigo, 3. 

28. Von der armenischen Farbe, 1. 

29. Vom appischen Grün. 

30. Von der Ringfarbe. 

31. Welche Farben nicht nass aufgetragen werden. 

32. Mit welchen Farben die Alten gemalt haben. 

33. Wann zuerst die Kämpfe der Fechter bildlich dargestellt sind. 

34. Von dem Alter der Malerei. 405 berühmte Gemälde und Maler. 

35. Erster Wettstreit in der Malerei. 

36. Welche mit dem Pinsel gemalt haben, was ein Ieder in der 

Malerei erfunden hat, und was das Schwierigste in der Ma- 
lerei ist. 

37. Von den Arten der Malerei. 

38. Von der Beschwichtigung des Gesanges der Vögel. 

39. Welche enkaustisch und mit dem Pinsel gemalt haben. 

40. Wer zuerst Zimmerdecken gemalt hat; wann zuerst gewölbte 

Decken gemalt sind. Ausserordentliche Preise für Gemälde. 

41. Von der enkaustischen Malerei. 

42. Von bemalten Kleidern. 

43. Die Erfinder der Plastik. 

44. Wer zuerst Gesichter und andere Bilder abgenommen hat. 



Erstes Buch. Hl 

45. 14 berühmteste Künstler der Plastik. 
-46. Arbeiten aus Thon. 

47. Von den verschiedenen Erden; vom puteolanischen Staube und 

anderen Erdarten, welche zu Stein erhärten. 

48. Von den geformten Wänden. 

49. Von den Ziegelsteinen. 

50. Von den Arten des Schwefels; 14 Arzneien daraus. 
,51. Von den Arten des Erdpechs, 27. 

52. Von den Arten des Alauns, 38. 

53. Von der samischen Erde, 3. 

54. Arten der eretrischen Erde. 

55. Von dem Waschen der Erde zum medicinischen Gebrauche. 

56. Von der chiotischen Erde, 3; von der selirrasischen, 3; von der 

Pnigitis, 9; von der Ampelitis, 4. 

57. Vom Gebrauche der Kreide zu Kleidern; von der eimolischen, 8; 

von der sardischen, der umbrischen und von der Steinkreide. 

58. Von der Silberkreide. Mit welcher die übermächtigen Freige- 

lassenen bezeichnet wurden. 

59. Von der galatischen, clupeischen, balearischen und ebusitanischen 

Erde, 4. 
Zusammen: 956 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
Der Redner Messala, der alte Messala, Fenestella, Atticus, Ver- 
rius, M. Varro, Corn. Nepos, Deculio, Mucianus, Melissus, Vitruvius, 
Cassius, Severus Longulanus, Fabius Vestalis der über die Malerei 
geschrieben hat. 

Von fremden Schriftstellern: 
Pasiteles, Apelles, Melanthius, Asclepiodorus, Euphranor, Helio- 
dorus welcher die Tempelgeschenke zu Athen beschrieben hat, Me- 
trodorus welcher über die Baukunst geschrieben hat, Democritus, 
Theophrastus , der Grammatiker Apion welcher über die Kenntniss 
der Metalle geschrieben hat, Nymphodorus, Andreas, Heraclides, 
Jollas, Apollodorus, Diagoras, Botrys, Archidemus, Dionysius, Aristo- 
genes, Democles, Mnesides, Xenocrates, Zeno, Theomnestus. 



Sechsunddreissigstes Buch. 

Von den Steinen. 

1. Von der Verschwendung in Marmor. 

2. Wer zuerst in öffentlichen Gebäuden Marmor angebracht hat. 

3. Wer zuerst in Rom Säulen aus fremdem Marmor gehabt hat. 



112 Erstes Buch. 

4. Welche Personen zuerst in Bearbeitung des Marmors berühmt 

waren und wann. 225 berühmte Werke und Künstler in Mar- 
mor. Das carische Mausoleum. 

5. Wann zuerst der Marmor in Gebäuden in Gebrauch gekom- 

men ist. 

6. Welche zuerst Marmor geschnitten haben und wann. 

7. Wer zuerst in Rom die Wände damit überdeckt hat. 

8. Wann die verschiedenen Marmorarten zu Rom in Gebrauch ge- 

kommen sind. 

9. Wie man Mamior schneidet; von dem Sande, mit welchem man 

ihn schneidet. 

10. Von dem naxischen und armenischen Steine. 

11. Vom alexandrinischen Marmor. 

12. Vom Onyx und dem Alabastrites, 6 Arzneien davon. 

13. Vom lygdinischen, corallitischen, alabandischen, thebischen und 

syenitischen Steine. 

14. Von den Obelisken. 

15. Von dem, welcher als Sonnenzeiger auf dem Marsfelde steht. 

16. Andere wunderbare Werke. Von den Pyramiden. 

17. Von der ägyptischen Sphinx. 

18. Vom Pharus. 

19. Von den Labyrinthen. 

20. Von den hängenden Garten und einer hängenden Stadt. 

21. Von dem Tempel der Diana zu Ephesus. 

22. Andere merkwürdige Tempel. 

23. Von dem flüchtigen Steine. Von dem siebenfachen Echo zu 

Cyzicum. Von Gebäuden ohne Nägel, auch zu Rom. 

24. 18 bewunderungswürdige Werke in Rom. 

25. Vom Magnetsteine, 3 Arzneien. 

26. Vom scyrischen Steine. 

27. Vom sarkophagischen Steine zu Assus, 10. 

28. Von dem Chernites und Porus. 

29. Von knochenartigen und handförmigen Steinen; von dem täna- 

rischen und caranischen Steine; vom schwarzen Marmor. 

30. Von den Mühlsteinen. Von den Feuersteinen, 7. 

31. Vom Ostracites, 4. 

32. Vom Gaeodes, 3. 

33. Vom Melitites, 6. 

34. Vom Gagates, 6. 

35. Vom Schwammsteine, 6. 

36. Vom phrygischen Steine. 

37. Vom Blutsteine, 5; vom Schiefer, 7. 



Erstes Buch. 113 

38. Vom äthiopischen Steine; dem Androdamas, 2; dem arabischen; 

dem Miltites oder Hepatites, dem Anthracites. 

39. Vom Adlersteine; vom taphiusischen Steine und dem Callimus. 

40. Vom samischen Steine, 8. 

41. Vom arabischen Steine, 6. 

42. Vom Bimssteine, 9. 

43. Von den Mörsern zu Arzneien und anderen Dingen. Von etesi- 

sischen, thebaischen und hagelartigen Steinen. 

44. Vom siphnischen und den weichen Steinen. 

45. Vom Spiegelsteine. 

46. Vom Leuchtsteine. 

47. "Von den Wetzsteinen. 

48. Von den Tofsteinen. 

49. Von den Kieselsteinen. 

50. Von den übrigen Bausteinen. 

51. Von der Zusammenfügung der Steine. 

52. Von den Cisternen. 

53. Vom Kalke. 

54. Von den Arten des Sandes. Von der Mischung des Sandes mit 

Kalk. 

55. Von den Fehlern im Bauen. Von den Tünchwerken. 

56. Von den Säulen und ihren Arten. 

57. 5 Arzneien vom Kalke. 

58. Von der Maltha. 
*9. "Vom Gypse. 

£0. Von den Aestrichen. Von dem sogenannten ungefegten Hause. 

61. Wann in Rom der erste Aestrich gemacht ist. 

62. Von den Aestrichen unter freiem Himmel. 

63. Von den griechischen Aestrichen. 

■64. Wann zuerst Musivarbeit und wann zuerst gläserne gewölbte 
Decken gemacht sind. 

65. Ursprung des Glases. 

66. Seine Arten und wie sie dargestellt werden. 

67. Von dem obsidianischen Glase. Hsematinon. 

68. Wunderbare Dinge vom Feuer. 

69. 3 Arzneien von dem Feuer und der Asche. 

70. Wunderzeichen auf einem Heerde. 

Zusammen: 434 Arzneien, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M. Varro, Cselius, Galba, Cincius, Mucianus, Com. Nepos, L. Piso, 
Q. Tubero, Seneca, Fabius Vestalis, Annius Fetialis, Fabianus, der 
Censor Cato, Vitruvius. 

Von fremden Schriftstellern: 
Theophrastus, Pasiteles, König Juba, Nicander, Sotacus, Sudines, 

8 



114 Erstes Buch. 

Alexander Polyhistor, Apion, Plistonicus, Durides, Herodotus, Euhe- 
merus, Aristagoras, Dionysius, Artemidorus, Butoridas, Antisthenes,. 
Demetrius, Demoteles, Lyceas. 



Siefoenunddreissigstes Buch. 

Von den Edelsteinen. 

1. Ursprung der Edelsteine. 

2. Von dem Edelsteine des Tyrannen Polycrates. 

3. Von den Edelsteinen des Pyrrhus. 

4. Von den berühmtesten Steinschneidern. 

5. Von der ersten Edelsteinsammlung in Rom. 

6. Von den Edelsteinen, welche in dem Triumphe des M. Pompejus- 

mitgebracht sind. 

7. Wann zuerst die mun-hinischen Geschirre gemacht sind, und von 

der Verschwendung damit. 

8. Von der Beschaffenheit der murrhinischen Geschirre. 

9. Von dem Krystall und den Arzneien daraus. 

10. Von der Verschwendung in Krystall. 

11. Vom Bernsteine; was die Schriftsteller Falsches von ihm berichtet 

haben. 

12. Arten des Bernsteins und 6 Arzneien daraus. 

13. Vom Luchssteine, 2. 

14. Von den Edelsteinen nach ihren Hauptfarben. 

15. 6 Arten des Diamants; 2 Arzneien daraus. 

16. Von den Smaragden. 

17. 12 Arten derselben. 

18. Ihre Fehler. 

19. Vom Tanus und Kupfersmaragd. 

20. 8 Arten des Berylls und ihre Fehler. 

21. 7 Arten des Opals. 

22. Bare Fehler und Prüfung auf ihre Ächtheit. 

23. Vom Sardonyx, seinen Arten und Fehlern. 

24. Von den Arten des Onyx. 

25. 12 Arten des Karbunkels. 

26. Ihre Fehler und Prüfung auf ihre Ächtheit. 

27. Vom Anthracitis. 

28. Vom Sandastrus oder Sandaresus. 

29. 4 Arten des Lampensteins. 

30. Vom carchedonischen Karbunkel. 

31. 5 Arten des Sarda. 

32. 2 Arten des Topas. 



Erstes Buch. 115 

33. Vom Callais. 

34. 3 Arten des Prasius. 

35. Vom Nilius. 

36. Vom Molochites. 

37. 14 Arten des Jaspis und ihre Fehler. 

38. Von den Arten des Blausteins. 

39. Von den Sapphiren. 

40. 4 Arten des Amethysts. 

41. Vom Hyacinth. 

42. 7 Arten des Chrysoliths. 

43. Vom Chryselectrum. 

44. 4 Arten des Leucochrysus. 

45. Vom Melichrysus und Xuthus. 

46. Vom Psederus oder Sangenos oder Tenites. 

47. Vom Asteria. 

48. Vom Astrius. 

49. Vom Astroites. 

50. Vom Astrobolus. 

51. 4 Arten des Ceraunia; von dem Ba^tylos. 

52. 2 Arten des Iris. 

53. Vom Leros. 

54. Die übrigen Edelsteine in alphabetischer Ordnung. 1. Achates. 

2. Acopos und Arzneien davon. 3. Alabastrites und Arzneien 
davon. 4. Alectoria?. 5. Androdamas. Argyrodamas. 6. Anti- 
pathes. 7. Arabica. 8. Aromatites. 9. Asbestos. 10. Aspi- 
sates. 11. Atizce. 12. Augites. 13. Amphidanes oder Chry- 
socolla. 14. Aphrodisiaca. 15. Apsyctos. 16. Aegyptilla. 

55. 1. Balanitae. 2. Batrachita?. 3. Baptes. 4. Oculus Beli. 5. Belus. 

6. Baroptenus oder Barippe. 7. Botryites. 8. Bostrychites. 
9. Bucardia. 10. Bronte. 11. Bolce. 

56. 1. Cadmitis. 2. Callais. 3. Capnitis. 4. Cappadocia. 5. Callaina. 

6. Catochitis. 7. Catoptritis. 8. Cepitis oder Cepolatitis. 
9. Ceramites. 10. Cina?dia?. 11. Ceritis. 12. Circos. 13. Corsio- 
des. 14. Coralloachates. 15. Corallis. 16. Craterites. 17. Cro- 
callis. 18. Cytis. 19. Chalcophonos. 20. Chelidoniae. 21. Che- 
lonia. 22. Chelonitis. 23. Chloritis. 24. Choaspitis. 25. Chry- 
solampis. 26. Chrysopis. 27. Ceponides. 

57. 1. Daphnia. 2. Diadochos. 3. Diphyes. 4. Dionysias. 5. Dra- 

contites. 

58. 1. Encardia oder Ariste. 2. Enorchis. 3. Exebenus. 4. Erythallis. 

5. Erotylos oder Amphicome oder Hieromnemon. 6. Eumeces. 

7. Eumithres. 8. Eupetalos. 9. Eureus. 10. Eurotias. 11. Eu- 
sebes. 12. Epimelas. 

8* 



11(5 Erstes Buch. 

59. 1. Galaxias. 2. Galactites oder Leucogaeas oder Leucographitis 

oder Synnephitis. 3. Gallaica. 4. Gassinnade. 5. Glossopetra. 

6. Gorgonia. 7. Gonisea. 

60. 1. Hiliotropion. 2. Hephsestitis. 3. Herrnusedseon. 4. Hexeconta- 

lithos. 5. Hieracitis. 6. Hammitis. 7. Hörn des Hammon. 

8. Hormesion. 9. Hysenise. 10. Haamatites. 

61. 1. Ideei dactyli. 2. Icterias. 3. Jupiters Stein. 4. Indica. 5. Ion 

62. 1. Lepidotis. 2. Lesbias. 3. Leucophthalmos. 4. Leucopsecilos. 

5. Libanochrus. 6. Limoniatis. 7. Lipare. 8. Lysimacbos. 

9. Leucochrysos. 

63. 1. Memnonia. 2. Medea. 3. Meconites. 4. Mithrax. 5. Morochi- 

tes. 6. Morion oder Pramnium oder Alexandrinum. 7. Myr- 
rbites. 8. Myrmecias. 9. Myrsinitis. 10. Mesoleucos. 11. Me- 
somelas. 

64. 1. Nasamonitis. 2. Nebritis. 3. Ninparena. 

65. 1. Oica. 2. Ombria oder Notia. 3. Oritio oder Sideritis. 4. Ostra- 

cias oder Ostracitis. 5. Ophicardelos. 6. Obsidiana. 7. Ono- 
cardia. 

66. 1. Panchrus. 2. Pangonius. 3. Paneros oder Panerastus. 4. Vier 

Arten des Pontica. 5. Phloginos oder Cbrysitis. 6. Phcenicitis. 

7. Phycitis. 8. Perireucos. 9. Pseantides oder Gseanides. 

67. 1. Sonnenstein. 2. Sagda. 3. Samothracia. 4. Sauritis. 5. Sar- 

citis. 6. Selenitis. 7. Sideritis. 8. Sideropoecilos. 9. Spongitis. 

10. Synodontitis. 11. Syrtides. 12. Syringitis. 

68. 1. Trichrus. 2. Thelyrrhizos. 3.Thelycardios oder Mulc. 4. Tra- 

cia, drei Arten. 5. Tephritis. 6. Tecolithos. 

69. 1. Venushaar. 2. Vejentana. 

70. 1. Zathene. 2. Zmilampis. 3. Zoraniscsea. 

71. Edelsteine, welche nach Gliedern des Körpers benannt sind. He- 

patitis, Steatitis, Adadunephros, Adaduophthahnos, Adadudac- 
tylos, Triophthalmos. 

72. Edelsteine, welche ihren Namen von Thieren haben. Carcinias, 

Echitis, Scorpitis, Scaritis, Triglitis, Aegophthalmos , Hyoph- 
thalmos, Geranitis, Hieracitis, Aetitis, Myrraecitis, Cantharias 
Lycophthalmos, Taos, Chehdonias. 

73. Von den übrigen Steinen. Ammochrysos, Cenchritis, Dryitis, 

Cissitis, Narcissitis, Cyamea, Pyren, Phönicitis, Chalazias, Py- 
ritis, Polyzonos, Astrapias, Phlogitis, Anthracitis, Enygros. 
Polytrichos, Leontios, Pardalios, Drosolithos, Melichrus, Melich- 
loros, Polias, Spartopolias, Rhoditis, Chalcitis, Sycitis, Bostry- 
chitis, Gernitis, Ananchitis, Synochitis, Dendritis etc. 

74. Von plötzlich entstandenen neuen Edelsteinen und solchen, die 

keinen Namen haben. Von den Cochliden. 

75. Von der Gestalt der Edelsteine. 



Erstes Buch. 117 

76. Von der Prüfung der Edelsteine. 

77. Vergleichung der Natur nach den Ländern; Vergleichung der 

Naturdinge nach ihrem Werthe. 
Zusammen: 1300 Gegenstände, Erzählungen und Bemerkungen. 

Von römischen Schriftstellern sind benutzt: 
M.Varro, die Triumph- Akten, Mascenas, Jacchus, Cornelius Bocchus. 

Von fremden Schriftstellern: 
König Juba, Xenocrates des Zeno Sohn, Sudines, Aeschylus, Phi- 
loxenus, Euripides, Nicander, Satyrus, Theophrastus, Chares, Phile- 
mon, Demostratus, Zenothemis, Metrodorus, Sotacus, Pytheas, Timseus 
aus Sicilien, Theochrestus, Asarubas, Mnaseas, Theomenes, Ctesias, 
Mithridates, Sophocles, König Archelaus, Callistratus, Democritus, 
Ismenias, Olympicus, Alexander Polyhistor, Apion, Horus, Zoroaster, 
Zachalias. 



Zweites Euch. 



Von der Welt und den Elementen. 
1. 

Wir haben Ursache zu glauben, dass die Welt und 
das, was wir mit einem andern Namen Himmel nennen, 
dessen Wölbung alles bedeckt, etwas Göttliches, Ewiges, 
Unermessliches sei, welches weder erzeugt ist, noch unter- 
gehen wird. Ueber dieses hinaus zu forscheu, nützt weder 
dem Menschen, noch vermag sein Geist es deutend zu er- 
fassen. Sie ist heilig, ewig, unermesslich, ganz in dem 
Ganzen, ja sie ist selbst das Ganze; begrenzt und doch 
scheinbar unendlich, sicher in allen ihren Theilen und doch 
scheinbar unsicher; sie umfasst alle Dinge in sich; sie ist 
zugleich ein Werk der Natur und die Natur selbst. 

Es war thöricht, dass Einige über ihre Grösse nach- 
dachten und dieselbe auszusprechen wagten; Andere wie- 
derum, diess benutzend, von unzähligen Welten redeten, 
so dass man eben so viele Naturen, oder, wenn Eine alle 
jene belebte, doch ebensoviele Sonnen, ebensoviele Monde 
und die übrigen unermesslichen und unzähligen Gestirne 
in einer annehmen müsste; als wenn nicht, bei dem Wunsche 
nach einem Ziele, am Ende des Nachdenkens dieselbe Frage 
immer wieder kehrte, oder, weun diese Unendlichkeit der 
Natur dem Urheber aller Dinge zugeschrieben werden 
könnte, sich jenes nicht leichter an eiuem einzigen, so 
grossen Werke erkennen Hesse. Unsinn, wahrer Unsinn 
ist es, noch weiter zu gehen und nach Dingen zu forschen, 



Zweites Buch. 119 

welche ausser ihr liegen, als wäre ihr ganzer Inhalt schon 
völlig bekannt, gerade wie wenn Jemand das Maass von 
einem Gegenstande, den er noch nicht kennt, ausmitteln, 
oder, der menschliche Geist etwas erspähen wollte, was 
die Welt selbst nicht umfasst. 

2. 

Dass ihre Gestalt die einer vollkommenen Kugel sei, 
lehrt besonders ihr Name und die Uebereinstimmung aller 
Völker darin, dass sie sie Orbis x ) nennen, dann aber auch 
die in ihr selbst liegenden Beweise. Denn eine solche 
Figur neigt sich in allen ihren Theilen zu sich selbst, muss 
sich selbst tragen, schliesst sich ein und hält sich ohne 
Beihülfe von Banden, hat kein Ende und keinen Anfang 
in allen ihren Theilen; sie ist ferner für die Bewegung, 
worin sie sich, wie wir bald zeigen werden, beständig 
drehen muss, die schicklichste Form. Endlich lehrt es auch 
der Augenschein, weil sie gewölbt ist, und man überall in 
der Mitte sich befindet, was bei einer anderen Figur nicht 
möglich wäre. 

3. 

Der Auf- und Untergang der Sonne setzen es ausser 
Zweifel, dass die so gestaltete Welt im ewigen ununterbro- 
chenen Umlaufe mit unbeschreiblicher Schnelligkeit, ihre 
Bahn in 24 Stunden vollendet. Ob durch den beständigen 
Umschwung einer solchen Last ein ausserordentliches und 
über unsere Hörkraft hinausgehendes Geräusch entsteht, 
kann ich eben so wenig behaupten, als dass das Getön 
der umeinander wandelnden und im Kreise sich drehenden 
Gestirne eine liebliche und von unglaublicher Anmuth be- 
gleitete Harmonie sei. Für uns, die wir mitten darin leben, 
verfolgt die Welt Tag und Nacht ihren Lauf ruhig. Dass 
ihr unzählige Gestalten von Thieren und Gegenständen 
aller Art aufgedrückt sind, und dass sie nicht, wie wir 
von den Eiern der Vögel wahrnehmen, ein völlig glatter 
Körper ist, wie doch sehr berühmte Schriftsteller behauptet 

') Hier in der Bedeutung von Himmel, Himmelsgewölbe, Weltall. 



120 Zweites Buch. 

haben, 1 ) geht aus vielen Gründen hervor; denn aus den 
von dort herabgefallenen und meistens vermischten Samen 
aller Dinge entstehen besonders im Meere unzählige wunder- 
bare Gestalten. Ausserdem erblicken wir mitten in einem 
helleren Kreise 2 ) über uns, hier die Gestalt eines Wagens, 
dort eines Bären, dort eines Stieres, dort eines Buchstaben. 3 ) 
Ich werde hier noch an die einstimmige Meinung der Völker 
erinnert. Denn, was die Griechen xoafiog oder Schmuck 
nennen, das nennen auch wir wegen ihrer vollkommenen 
Schönheit Mundus. Den Himmel aber hat man nach der 
Erklärung M. Varro's 4 ) von der getriebenen Arbeit caelum 
genannt. Diess beweist noch die Ordnung der Gegenstände 
an dem sogenannten Thierkreise, welcher in 12 Thierbilder 
getheilt ist, und die so viele Jahrhunderte lang durch jene 
Bilder gleichmässig gehende Bahn der Sonne. 

4. 
Auch über die Existenz von vier Elementen 5 ) scheint 
kein Zweifel zu obwalten. Das höchste ist das Feuer; da- 
von entstand jene gleich Augen schimmernde Menge vor* 
Sternen. Demnächst kommt die Luft, welche die Griechen 
und wir mit ein und demselben Worte A'er (dtjg) nennen. 
Sie ist das belebende, alles durchdringende, und mit allem 
in Verbindung stehende; durch ihre Kraft getragen schwebt 
die Erde in der Mitte der Welt, mit dem vierten Elemente, 
dem Wasser. So wird durch wechselseitige Verbindung 
Verschiedenartiges verknüpft, das Leichtere durch Gewichte 
verhindert zu entfliehen und das Schwere, damit es nicht 
herabstürze, in leichter Spannung in der Luft gehalten. 
Ein gleichmässiges Streben nach verschiedenen Richtungen 



') Wahrscheinlich Plato im Timäus und Cic. de nat. Deor. II. 18. 

2 ) Die Milchstrasse. 

3 ) Das in Form des griechischen Delta aus 3 Sternen bestehende 
hell leuchtende Sternbild in der Cassiopeja. 

4 ) De lingua latina IV. 3. — M. Terentius Varro, der gelehrteste 
Römer seiner Zeit, wurde 116 v. Chr. geb. und starb 27 v. Chr. 

5 ) Nach der Lehre des sicilianischen Philosophen Empedokles 
(zu Agrigent um 440 v. Chr.) 



Zweites Buch. 121 

bewirkt, dass jedes der 4 Elemente durch seine eigene Kraft 
besteht und durch den ununterbrochenen Umschwung der Welt 
selbst zusammengehalten wird. Während diese nun beständig 
um sich schwingt, bildet die Erde den innersten und mit- 
telsten Theil in dem Weltall, in dessen Axe sie schwebt, 
und dem Medium, welches sie trägt, das Gleichgewicht 
haltend. Sie allein ist unbeweglich, 1 ) während die übrigen 
Himmelskörper sich um sie wälzen, sie umschlingen und 
sich zu ihr neigen. Zwischen der Erde und dem Himmel 
schweben in derselben Luft, und durch bestimmte Räume 
getrennt, 7 Gestirne, 2 ) welche wir wegen ihres Laufes Irr- 
sterne (Planeten) nennen, obgleich sie doch nichts weniger 
als irren. Von ihnen befindet sich die Sonne, ein Gestirn 
umfassendster Grösse und Macht, in der Mitte, unter deren 
Einfluss nicht nur die Zeiten und Länder, sondern auch 
die Sterne und der Himmel selbst stehen. Wohl ziemt es 
uns daher, in Anerkennung ihrer Wirkungen, sie für die 
Seele der ganzen Welt zu halten, ihr die höchste Herrschaft 
der Natur und göttliche Kraft beizulegen. Sie giebt den 
Gegenständen das Licht und verscheucht die Finsterniss; 
sie verdunkelt durch ihren Schimmer die übrigen Gestirne; 
sie bestimmt den Wechsel der Jahreszeiten und das nach 
Naturgesetzen sich immer wieder erneuernde Jahr; sie 
zerstreuet die Düsterheit des Himmels, und erheitert selbst 
das traurige Gemüth des Menschen; sie giebt auch den 



') Eine im Alterthum oft vorkommende, aber auch ebenso oft 
bestrittene Behauptung. Plato, Aristoteles und Ptolemseus stellten 
sich die Erde weder als rotirend noch fortschreitend, sondern als 
unbeweglich im Mittelpunkte stehend, vor. Nach dem Berichte des 
Philolaus aus Croton lehrten die Pythagoräer die fortschreitende Be- 
wegung der nicht rotirenden Erde, ihren Kreislauf um den Weltheerd 
(das Centralfeuer, Hestia). Hicetes aus Syrakus, der mindestens älter 
als Theophrast ist, Heraclides aus Pontus und Ecphantus kannten 
die Axendrehung der Erde; aber nur Aristarchus von Samos und be- 
sonders Seleucus der Babylonier, anderthalb Jahrh. nach Alexander, 
wussten, dass die Erde nicht bloss rotire, sondern sich zugleich auch 
um die Sonne, als das Centrum des ganzen Planetensystems, bewege. 

2 ) Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond. 



122 Zweites Buch. 

übrigen Sternen ihr Licht. Sie ist herrlich, über alles er- 
haben, allsehend und allhörend, wie Homer, 1 ) der Vater der 
Gelehrsamkeit, an einer Stelle 2 ) so schön sagt. 

5. 

Ich halte es daher für ein Zeichen menschlicher Schwäche, 
das Bild und die Gestalt Gottes zu erforschen. Wer auch 
Gott ist, wenn es noch einen giebt und wo er sich befin- 
det, so ist er ganz Sinn, Gesicht, Gehör, Seele, Geist und 
ganz er selbst. Aber an unzählige Götter glauben und so- 
gar nach den Tugenden und Lastern der Menschen an 
einen Gott der Schaamhaftigkeit, Eintracht, Klugheit, Hoff- 
nung, Ehre, Milde, Treue, oder (wie Democrit 3 ) sagt) an 
zwei, ein Wesen der Bestrafung und Belohnung, zeugt von 
einem noch grösseren Unverstände. Die gebrechlichen und 
mühseligen Menschen haben, ihrer Schwachheit eingedenk, 
die Gottheit in Theile getheilt, damit ein Jeder den Theil 
verehre, dessen er am meisten bedarf. Daher finden wir 
bei andern Völkern andere Namen von zahllosen Göttern; 
auch sind unterirdische Dinge, Krankheiten und viele böse 
Seuchen in Gattungen getheilt, weil wir sie in zagender 
Furcht besänftigt wissen möchten. 

So hat man auf dem palatinischen Berge einen Tempel 
des Fiebers, einen Tempel der Laren 4 ), einen Altar für die 
Orbona 5 ) und für das böse Geschick einen auf dem exqui- 
linischen Hügel eingeweiht. Die Zahl der Götter muss 
grösser als die der Menschen ausfallen, weil ein Jeder für 
sich so viele Götter macht, indem er sich eine Juno 6 ) oder 
einen Genius 7 ) wählt. Gewisse Völker aber halten Thiere 
und sogar schmutzige, desgleichen viele Dinge, die ich mich 



') Der allbekannte griechische Dichter, über dessen Lebensver- 
hältnisse wir nichts Näheres wissen. 

2 ) Iliade III. 277. 

3 ) Von Abdera, lebte 469—361 v. Chr. 

4 ) Hausgötter, sie wurden aber auch öffentlich verehrt. 

5 ) Göttin der Eltern, die ihrer Kinder beraubt sind. 

6 ) Junonen hiessen die Schutzgeister des weiblichen Geschlechts. 

7 ) Genien waren die Schutzgeister des männlichen Geschlechts. 



Zweites Buch. 123 

zu nennen schäme, für Götter, und schwören bei stinkenden 
Speisen und ähnlichen Sachen. Dass man aber glaubt, 
unter den Göttern fänden Ehen statt, aus welchen in langer 
Zeit keine Kinder geboren würden; ferner, einige von ihnen 
wären sehr alt und immer Greise, andere Jünglinge und 
Knaben, von schwarzer Farbe, geflügelt, lahm, aus einem 
Eie gekommen, abwechselnd einen Tag lebendig und todt, 
das grenzt an kindischen Wahnsinn. Allein alle Unver- 
schämtheit übersteigt es, wenn man Ehebruch, Zank, Hass 
unter ihnen, ja sogar Gottheiten des Diebstahls und der 
Verbrechen annimmt. 

Wer dem Sterblichen hilft, der ist ihm ein Gott und 
das ist der Weg zum ewigen Ruhme. Ihn gingen die be- 
rühmtesten Römer, ihn wandelt jetzt im himmlischen 
Schritte mit seinen Kindern der grösste Herrscher unsers 
Zeitalters, Vespasianus Augustus, als ein Retter in der 
Noth. Das ist die älteste Sitte, dass man sehr verdiente 
Männer, um sich ihnen dankbar zu erweisen, unter die 
Götter versetzt. So sind auch die Namen aller übrigen 
Götter und der oben genannten Gestirne von verdienstvollen 
Männern entstanden. Wer sollte es nicht natürlich finden, 
dass es einen Jupiter oder Merkur oder Andere anders 
benannte gegeben habe, und dass ein himmlisches Namens- 
verzeichniss existire? Lächerlich aber ist die Behauptung, 
dass ein höchstes Wesen sich um die Angelegenheiten der 
Menschen kümmere. Sollen wir nicht glauben, dass es 
durch ein so trauriges und vielseitiges Amt entehrt werde? 1 ) 
Es ist in der That zu bezweifeln und kaum zu entscheiden, 
ob es dem menschlichen Geschlechte dienlicher sein würde, 
wenn Einige den Göttern keine, oder Andere ihnen nur 
eine Verehrung erzeigen, die ihnen zur Schande gereicht. 
Diese dienen auswärtigen heiligen Gebräuchen, tragen 
Götter an den Fingern, verdammen wohl gar die Unge- 
heuer, welche verehrt werden, ersinnen Speiseopfer und 



') Dies war die Meinung Epikurs, zu dessen Lehren sich Plinius 
bekannte. 



124 Zweites Buch. 

behandeln sie tyrannisch, indem sie ihnen nicht einmal 
ruhigen Schlaf gönnen. Keine Ehen werden eingegangen, 
keine Kinder gewählt und überhaupt nichts ohne heilige 
Gebräuche unternommen. Andere betrügen auf dem Kapi- 
tolio, und schwören Meineide beim donnernden Zeus; und 
ihnen nützen die Schlechtigkeiten, jenen aber bringt ihr 
heiliges Wesen Strafe. 

Zwischen diesen beiden Meinungen erdachten sich 
jedoch die Sterblichen eine mittlere Gottheit, damit ja die 
Verwirrung recht vollständig wäre. In der ganzen Welt, 
an jedem Orte und zu jeder Stunde wird nämlich von 
allen Stimmen die Fortuna allein angerufen und genannt; 
sie allein wird angeklagt, beschuldigt, nur an sie gedacht, 
nur sie gelobt und getadelt und mit Schimpfen verehrt. 
Man hält sie für veränderlich, grösstenteils aber für blind, 
für unstet, unbeständig, unsicher, wankelhaft und für eine 
Gönnerin Unwürdiger. Ihr werden alle Ausgaben, ihr 
alle Einnahmen zugeschrieben, und in dem Rechnungsbuche 
der Sterblichen füllt sie allein beide Seiten aus. So sehr 
sind wir also dem Zufall unterworfen, dass dieser selbst 
für einen Gott gilt, und dieser Gott daher für unzuverlässig 
gehalten wird. 

Andere verwerfen auch diese Ansicht, und schreiben 
alle Begebenheiten ihrem Gestirne und dessen Stande bei 
der Geburt zu; sie glauben, alles Zukünftige sei von Gott 
ein für allemal beschlossen, um das Uebrige kümmere er 
sich nicht. Diese Meinung fängt an, Eingang zu gewinnen, 
und die gelehrte sowie die rohe Menge läuft ihr zu. Daher 
entstanden die Warnungen durch Blitze, die Prophezeihun- 
gen der Orakel, die Weissagungen der Haruspices, und um 
auch das Geringste zu nennen, die Bedeutung des Niesens 
bei den Auguren und des Anstossens mit den Füssen. Der 
göttliche Augustus t) erzählt, dass ihm an dem Tage, wo ihm 



') Der bekannte römische Kaiser, Sohn des C. Octavius und der 
Atia, Grossneffe von mütterlicher Seite des Jul. Caesar, geb. 63 v. Chr., 
starb 13 n. Chr. 



Zweites Buch. 125 

ein militärischer Aufstand gefährlich zu werden drohte, der 
linke Schuh verkehrt angezogen worden sei. *) Alles diess 
beweist, dass die Menschen nichts vorher wissen; nur so 
viel ist gewiss, dass es nichts Gewisses giebt, und dass 
nichts ehuder und stolzer ist als der Mensch. Denn die 
übrigen lebenden Geschöpfe sorgen nur für ihre Nahrung, 
welche ihnen die gütige Natur freiwillig in reichlicher 
Menge spendet; schon das eine ist allen Gütern vorzuziehen, 
dass sie über Ruhm, Geld, Ehrfurcht und den Tod nicht 
nachdenken. 

Allein bei alledem dürfen wir aus dem täglichen Leben 
schliessen, dass die Götter sich der menschlichen Angele- 
genheiten annehmen, dass die Strafen für die Verbrechen 
von der so sehr beschäftigten Gottheit zwar etwas aufge- 
schoben, nie aber unterbleiben werden, und dass der Mensch 
darum ihm am nächsten stehend geschaffen sei, um sich 
mit den Thieren nicht auf einer und derselben Stufe der 
Niedrigkeit zu befinden. Für die unvollkommene Natur des 
Menschen ist es hingegen der grösste Trost, dass selbst 
Gott nicht allmächtig ist, denn er kann sich weder den 
Tod anthun, wenn er auch will, was er dem Menschen als 
das beste Mittel bei den grossen Mühseligkeiten des Le- 
bens verliehen hat; noch kann er den Sterblichen die Un- 
sterblichkeitverschaffen oder Todte ins Leben zurückrufen; 
noch machen, dass wer gelebt hat, nicht gelebt habe, wer 
Ehrenstellen bekleidet hat, sie nicht bekleidet habe; noch 
hat er ein anderes Recht über die Vergangenheit, als sie 
zu vergessen. Endlich, damit wir auch durch scherzhafte 
Beweise die Unvollkommenheit Gottes zeigen, kann er nicht 
machen, dass 2 mal 10 nicht 20 sind, und noch viele ähn- 
liche Dinge. Hieraus geht unleugbar die Macht der Na- 
tur hervor, und dass sie das sei, was wir Gott nennen. 
Diese Abschweifung hielt ich für nicht unpassend, da die 
unaufhörliche Frage über Gott so allgemein verbreitet ist. 



') Man vergleiche das Leben des Augustus bei Suetonius. XIV.92. 



126 Zweites Buch. 

6. 
Wir wollen nun zu den übrigen Gegenständen der 
Natur zurückkehren. Die Gestirne, welche wir angeheftete *) 
genannt haben, sind nicht, wie der gemeine Haufe glaubt, 
den einzelnen Menschen zugetheilt, die hellen den Reichen, 
die kleinen den Armen, die dunkeln den Gebrechlichen r 
und leuchten nicht nach dem Schicksal eines Jeden; denn 
sie entstehen und vergehen nicht mit dem Menschen, noch 
bedeutet ihr Fall, dass Jemand sterbe. Wir haben keine 
so grosse Gemeinschaft mit dem Himmel, dass dort der 
Glanz der Gestirne mit uns sterblich ist. Jene geben, 
wenn sie zu viel Nahrung an Feuchtigkeit mit feuriger 
Kraft an sich gezogen haben, den Ueberfluss wieder von 
sich, und dann glaubt man, sie fallen; etwas Aehnliches 
nehmen wir an unsern brennenden Oel-Lampen wahr. Ue- 
brigens haben die himmlischen Körper eine einzige Dauer, 
denn sie halten die Welt zusammen, und bilden durch die- 
ses Zusammenhalten ein Ganzes. Ihre Gewalt erstrekt sich 
vorzüglich auf die Erde, und wir kennen sie wegen ihrer 
Wirkungen, Klarheit und Grösse sehr genau, wie ich an 
seinem Orte zeigen werde. 2 ) Auch die Lehre von den 
Himmelskreisen werde ich schicklicher bei der Erde 3 ) vor- 
tragen, da sie ganz dahin passt; nur von der Erfindung 
des Thierkreises muss hier das Nöthige gesagt werden. 
Der Erste welcher seine Schiefe 4 ) erkannt und mithin die 
Thore dieses Gegenstandes geöffnet hat, soll Anaximander 
von Milet gewesen sein, zur Zeit der 58sten Olympiade. 5 ) 
Die Zeichen desselben, und zwar zuerst die des Widders 



') Fixsterne. 

2 ) Im XVII. und XVIII. Buche, welche von der Landwirthschaft 
handeln. 

3 ) Im VI. B. 39. C. 

4 ) Richtiger die Schiefe der Ekliptik. 

5 ) Die Olympiade war bei den Griechen ein Zeitraum von 4 Jah- 
ren, und die allgemeinste Zeitrechnung in Griechenland, welche 776 
v. Chr. anfing. Die 58. Olympiade ist also gleich 548—544 Jahre 
v. Chr. G. 



Zweites Buch. 127 

und des Schützen hat Kleostratus *) entdeckt. Den Kreis 
selbst aber erkannte Atlas lange vorher. Nun verlassen 
wir den Himmelskörper selbst, und wollen von den übrigen 
Erscheinungen zwischen Himmel und Erde handeln. 

Dass das Gestirn, welches Saturnus heisst, am höch- 
sten 2 ) steht, und daher am kleinsten erscheint, auch den 
grössten Kreis beschreibt und in 30 Jahren 3 ) seine Bahn 
vollendet, ist gewiss. Aber der Lauf aller Planeten, und 
unter ihnen der der Sonne und des Mondes hat eine dem 
Umlaufe der Welt entgegengesetzte Kichtung, das heisst, 
diese geht nach links, während jene immer der Rechten 
zueilen. Obgleich sie durch die beständige Drehung in un- 
geheuerer Geschwindigkeit von der Welt emporgehalten 
und gegen Abend hingerissen werden, so behauptet doch 
ein jeder in entgegengesetzter Richtung seine Bahn, Da- 
her geschieht es, dass die durch die ewige Drehung der 
Welt an eine Stelle zusammengedrängte Luft, nicht zu ei- 
nem trägen Balle erstarrt, sondern durch den Gegenstoss 
der Gestirne zertheilt wird. Der Saturn ist von kalter und 
starrer Natur; weit tiefer liegt die Bahn des Jupiter, wel- 
cher daher auch in schnellerer Bewegung innerhalb 12 
Jahren seinen Lauf vollendet. 4 ) Das dritte Gestirn, der 
Mars, auch Herkules genannt, ist feurig und brennend we- 
gen der Nähe der Sonne, und bedarf beinahe 2 Jahre zu 
seinem Laufe. 5 ) Durch dessen allzu grosse Hitze und 



>) Aus Tenedos, um 536 v. Chr. 

2 ) Bis zum Jahre 1781, wo Herschel den Uranus entdeckte, war 
dieser der entfernteste Planet; seine mittlere Entfernung von der 
Sonne beträgt 384 Millionen Meilen und er durchläuft seine Bahn in 
fast 84 Jahren. 1846 beobachtete aber Galle einen noch weit ent- 
fernteren, den er Neptun nannte, und dessen Existenz von Leverrier 
schon vorausgesagt war; derselbe ist von der Sonne über 600 Mill. 
Meilen entfernt. 

3 ) Vielmehr in 29 Jahren und 154 Tagen Von der Sonne ist er 
191 Millionen Meilen entfernt. 

4 ) Er vollendet seine Bahn in 11 Jahren und 312 Tagen und ist 
104 Millionen Meilen von der Sonne entfernt. 

5 ) Er vollendet seinen Lauf in 1 Jahre 322 Tagen und ist 30,5 Mil- 



128 Zweites Buch. 

durch die Kälte des Saturnus erhält der zvvischen beiden 
liegende Jupiter eine gewisse Mässigung, die ihm wohl- 
thätig ist. Dann folgt die in 360 Theile getheilte Sonnen- 
bahn; damit aber die durch sie bewirkten Schatten bei 
ihrer Rückkehr dieselben bleiben, wurden noch 5V4 Tage 
hinzugesetzt. Aus diesem Grunde bekommt jedesmal das 
5. Jahr noch einen eingeschalteten Tag, um die Zeitrech- 
nung mit dem Laufe der Sonne in Uebereinstimmung zu 
bringen. 

Unterhalb der Sonne läuft ein grosser Stern, die Ve- 
nus, 1 ) mit abwechselnder Bahn, 2 ) und wetteifert durch ihre 
Beinamen mit der Sonne und dem Monde. Erscheint sie 
nämlich vor Tagesanbruch, so heisst sie Lucifer, weil sie 
als eine zweite Sonne den Tag früher bringt; leuchtet sie 
aber vom Sonnenuntergänge an, so heisst sie Vesper, weil 
sie den Tag verlängert und die Stelle des Mondes vertritt. 
Pythagoras 3 ) von Samos erkannte zuerst das Verhältniss, 
ohngefähr um die 32. Olympiade, das ist im 113. Jahre der 
Stadt Rom. Schon an Grösse tibertrifft sie alle anderen 
Gestirne, 4 ) und ihre Helligkeit ist so bedeutend, dass 
durch ihre Strahlen Schatten entstehen. Daher hat sie auch 
viele Namen. Einige haben sie Juno, andere Isis, an- 
dere die Mutter der Götter genannt. Durch sie wird 
alles auf der Erde erzeugt; denn indem sie bei ihrem zwei- 
fachen Aufgange einen belebenden Thau spendet, befruch- 
tet sie nicht nur die Erde, sondern reizt auch alle lebenden 



lionen Meilen von der Sonne entfernt. Zwischen dem Jupiter und 
dem Mars entdeckte man 1801—1807 4 kleine Planeten, Ceres (1801), 
Pallas (1802), Juno (1804), Vesta (1807), denen man den gemeinschaft- 
lichen Namen Asteroiden gab. Seit 1845 haben sich die Entdeckun- 
gen von Asteroiden so vermehrt, dass deren Anzahl bereits auf 200 
gestiegen ist. 

*) Sie ist etwa der Erde an Grösse gleich; der grösste Planet 
ist der Jupiter. 

2 ) d. h. sie geht bald vor der Sonne, bald folgt sie ihr nach. 

3 ) Schüler des Pherecydes, Sohn des Mnesarchus, geb. um 584 
v. Chr., starb 79 — 80 Jahr alt zu Metapontum. 

4 ) Was natürlich ganz irrig ist; siehe Anmerkung, 1. 



Zweites Buch. 12? 

Wesen in gleicher Weise an. Sie vollendet ihren Lauf 
in 348 Tagen, und ist nach Timseus l ) nie weiter als 46 Grade 
von der Sonne entfernt. 2 ) 

Auf ähnliche Weise, aber von weit geringerer Grösse 
und Kraft, befindet sich ihr zunächst das Gestirn des Mer- 
kurs, der von Einigen auch Apollo genannt wird. Er voll- 
endet seine niedrigere Bahn in einem um 9 Tage kürzeren 
Zeiträume, leuchtet bald vor Sonnenaufgange bald nach 
Sonnenuntergänge, und ist niemals weiter als 22 Grade 3 ) 
von der Sonne entfernt, nach dem Zeugnisse Ebendesselben*) 
und des Sosigenes. 5 ) Daher haben auch diese Gestirne 
eine eigenthümliche, von den oben genannten Gestirnen 
verschiedene Beschaffenheit; denn sie sind um den vierten 
-und den dritten Tbeil des Himmels von der Sonne entfernt, 
stehen ihr oft gegenüber, und beschreiben sämmtlich an- 
dere Bahnen bei vollkommner Umdrehung, von denen wir 
bei Betrachtung des grossen Jahres reden wollen. 

Aber alle Bewunderung übertrifft das letzte Gestirn, wel- 
ches auf der Erde am bekanntesten ist, und das die Natur 
.zur Verscheuchung der Finsterniss erfand, der Mond. Durch 
seinen vielartigen Lauf setzte er den Geist der Beobachter, 
und derjenigen, welche es unter ihrer Würde hielten, das 
nächste Gestirn nicht zu kennen auf die Probe, indem er 
beständig zu- oder abnimmt. Denn bald ist er in zwei 
Hörner gekrümmt, bald gleich getheilt, bald ein ganzer 
Kreis; einmal fleckig und plötzlich wieder glänzend, bald 
bildet er eine ausserordentlich grosse Scheibe, bald ist er 
unsichtbar; zuweilen scheint er die ganze Nacht hindurch 



') Pythagoräer aus Locri um 400 v. Chr., schrieb über Physik 
und Mathematik. 

2 ) Die Entfernung beträgt 14,5 Millionen Meilen von der Sonne, 
und sie vollendet ihren Umlauf in 224 Tagen 16 Stunden. 

3 ) 7,8 Millionen Meilen beträgt sein Abstand von der Sonne und 
seine Umlaufszeit 88 Tage. 

4 ) Tima^us. 

5 ) Er lebte in Alexandrien und berichtigte auf Ctesars Veran- 
lassung den Kalender. 

9 



130 Zweites Buch. 

zuweilen nur Abends spät und unterstützt einen Theil des 
Tages das Licht der Sonne; bald ist er verfinstert und 
bleibt doch während der Verfinsterung sichtbar; gegen Ende 
des Monats ist er Verborgen und doch glaubt man nicht, 
dass er fehlt. Er ist bald hoch und bald niedrig, und diess 
nicht einmal immer auf dieselbe Weise, sondern ein mal 
nähert er sich dem Himmel, ein ander mal den Bergen, 
bald steigt er gegen Norden empor, bald senkt er sich 
gegen Süden. Endynnion 1 ) war von allen Menschen der 
erste, welcher diese Erscheinungen einsah, und deshalb, 
sagt man, soll er sich in den Mond verliebt haben. Wir 
sind wahrlich nicht dankbar gegen die, welche sich bemüh- 
ten, uns über dieses Licht aufzuklären; und eine wunder- 
bare Krankheit des menschlichen Geistes ist es, dass wir 
lieber Blut und Kriege in den Jahrbüchern aufbewahren, 
damit die Schlechtigkeiten der Menschen denen, welche 
von der Welt nichts wissen, bekannt werden. 

Der Mond ist also dem Mittelpunkte der Welt 2 ) am 
nächsten, daher vom geringsten Umlaufe, und durchläuft in 
21 1 J3 Tagen denselben Raum, wozu das höchste Gestirn, 
der Saturn, wie gesagt, 30 Jahre gebraucht. Darauf ver- 
weilt er 2 Tage lang in Zusammenkunft 3 ) mit der Sonne, 
und fängt spätestens am 30. Tage seinen Lauf wieder eben- 
so an. Ich weiss nicht, ob er nicht der Leiter für alles, was 
wir am Himmel erkennen konnten, war, und veranlasste, 
dass das Jahr in 12 Monate getheilt wurde, da er selbst 
ebensoviel mal die zu dem Anfangspunkte ihres Laufes 
zurückkehrende Sonne erreicht. Von dem Schimmer der 
Sonne werden der Mond sowie alle übrigen Gestirne re- 
giert, sie leuchten mit dem von ihr entlehnten Lichte ganz 
auf eben die Weise, wie wir ein Licht aus dem Wasser 
zurückspiegeln sehen; daher er mit seiner mildern und 
schwächern Kraft die Feuchtigkeit nur auflöst, ja wohl gar 



') Sohn des Aethlios und der Kalyke, war Hirt und kam aus 
Thessalien mit einer Colonie nach JElis. 

2 ) Worunter bekanntlich PI. die Erde versteht. 

3 ) coitus, jetzt gewöhnlich Conjunction genannt. 



Zweites Buch. 131 

vermehrt, welche die Sonnenstrahlen verzehren. Er hat ein 
ungleiches Licht, weil er nur in der der Sonne entgegen- 
gesetzten Stellung voll ist, an den übrigen Tagen aber nur 
soviel von sich sehen lässt, als er selbst von der Sonne 
erhält. Bei der Zusammenkunft 1 ) sieht man ihn nicht, 
weil er alles auf der entgegengesetzten Seite empfangene 
Licht dahin zurück schickt, woher er es bekommen hat. 
Die Gestirne werden ohne Zweifel von der irdischen Feuch- 
tigkeit ernährt; bei halber Scheibe erscheint er zuweilen 
fleckig, weil dann seine Kraft nicht hinreichend ist um alles 
aufzunehmen, denn die Flecken sind nichts anderes, als 
Unreinigkeiten, die er mit Hülfe der Feuchtigkeit von der 
Erde aufgenommen hat. Seine Verfinsterungen und 
diejenigen der Sonne, eine der bewunderungswürdigsten 
und wunderbarsten Erscheinungen in der Natur, zeigen 
durch die entstehenden Schatten die Grösse dieser Welt- 
körper an. 

7. 
Es ist nämlich klar, dass die Sonne durch dieZwischen- 
kunft des Mondes und der Mond durch die Zwischenkunft 
der Erde uns unsichtbar wird, sodass dort die Sonnen- 
strahlen durch den Mond der Erde, hier aber durch die 
Erde dem Monde entzogen werden. Tritt letzterer vor die 
Sonne, so entsteht plötzlich Dunkelheit, und wiederum wird 
durch den Schatten der Erde jenes Gestirn verfinstert. 
Auch ist die Nacht nichts anderes, als der Schatten der 
Erde. Die Gestalt dieses Schattens ist wie die Meta 2 ) oder 
ein umgekehrter Kreisel beschaffen; nur sein oberster Theil 
trifft ir> den Mond und geht nicht darüber hinaus, weil kein 
anderes Gestirn dadurch 3 ) verdunkelt wird, und eine solche 
Figur keine Spitze hat. Die höchsten Flüge der Vögel 
bezeugen nämlich, dass der Schatten durch die Entfernung 



*) d. h. bei Neumond oder Conjunction. 

2 ) Die am Ende des römischen Circus befindliche Spitzsäule, 
um welche die Wettfahrenden herumfuhren. 

3 ) Durch die Zwischenkunft der Erde. 

9* 



132 Zweites Buch. 

abnimmt und endlich ganz aufhört. Daher ist die Grenze 
des Schattens auch die der Luft und der Anfang des 
Aethers. Ueber den Mond hinaus herrscht durchaus reines 
und beständiges Licht. 1 ) Wir sehen des Nachts die Ge- 
stirne, gleichwie Lichter aus der Finsternis?, und ebendes- 
halb wird der Mond nur des Nachts verfinstert. Beide Arten 
von Finsternissen treten aber, wegen der schiefen Lage 
des Thierkreises, wegen der schon besprochenen, sehr ab- 
weichenden Bahn des Mondes und der nicht immer auf 
die kleinsten Theilchen zusammentreffenden Bewegung der 
Gestirne, nicht zu bestimmten Zeiten und Monaten ein. 

8. 
Diese Betrachtung erhebt die sterblichen Seelen in den 
Himmel, und offenbart ihnen von da aus die Grösse der 
drei grössten Naturkörper. Es könnte nämlich die Sonne 
nicht ganz der Erde entzogen werden durch den Zwischen- 
tritt des Mondes, wenn die Erde grösser wäre als der Mond. 
Der ungeheuere, die Erde sowohl als den Mond übertreffende 
Umfang der Sonne, ergiebt sich von selbst, und es ist da- 
her unnöthig, ihre Grösse durch den Augenschein und 
durch Vermuthungen zu erforschen. Sie ist unermesslich 
gross, denn sie wirft die Schatten der an den Wegen auf 
mehrere 1000 Schritte hin stehenden Bäume immer in 
gleichen Entfernungen von einander, als wenn sie überall 
im Mittelpunkte wäre; ferner bei der Tag- und Nachtgleiche 
allen Bewohnern der heissen Zone zugleich über dem 
Scheitel, und die Schatten der um die Wendekreise Woh- 
nenden fallen Mittags gegen Norden, und Morgens gegen 
Westen. Alles diess könnte nicht eintreten, wenn die Sonne 
nicht weit grösser wäre, als die Erde; auch würde sie bei 
ihrem Aufgange den Berg Ida nicht an Breite übertreffen, 
während sie bei so ungeheuerer Entfernung doch die rechte 
und linke Seite desselben bescheint. 



') Man weiss jetzt, dass auch andere Planeten, z. B. Jupiter und 
Saturn, durch den Durchgang ihrer Trabanten zwischen ihnen und 
der Sonne verdunkelt werden. 



Zweites Buch. 133 

Die Mondfinsterniss ist ein unzweideutiger Beweis ihrer 
Grösse, so wie sich aus der Verfinsterung der Sonne die 
Kleinheit der Erde ergiebt. Denn da 3 verschiedene Ge- 
stalten des Schattens entstehen können, und es gewiss ist, 
dass, wenn der Körper, welcher den Schatten wirft, dem 
Lichte an Grösse gleicht, ein säulenförmiger Schatten ohne 
Ende entsteht; dass aber, wenn der Körper grösser als das 
Licht ist, der Schatten die Gestalt eines Kreisels hat, dessen 
unterster Theil am schmälsten, dessen Länge aber eben- 
falls unendlich; und, ist der Körper kleiner als das Licht, 
der Schatten sich als eine, nach der Spitze zu abnehmende 
Säule zeigt, wie z. B. bei der Mondfinsterniss, so erhellt 
auf unzweideutige Weise, dass die Erde von der Sonne an 
Grösse übertroffen wird. Auch in der Natur finden wir 
schweigende Beweise dafür; denn warum entfernt sich im 
Winter die Sonne von der Erde? Um durch das Dunkel 
der Nächte die Erde zu erquicken, welche sie sonst ohn- 
fehlbar verbrennen würde, was auch in gewissen Theilen 
der Erde geschieht. So bedeutend ist ihre Grösse. 

9. 
Die Ursache beider Verfinsterungen hat unter den Rö- 
mern zuerst Sulpicius Gallus, der mit Marcellus Consul war, 
bekannt gemacht 1 ); er war damals noch Kriegstribun, und 
befreiete, als ihn der Feldherr den Tag vor dem Siege des 
Paullus über den König Perseus zur Vorhersagung der 
Finsterniss öffentlich aufforderte, das Heer von der Furcht; 
nachher hat er ein Werk darüber geschrieben. Unter den 
Griechen erforschte Thaies 2 ) von Milet jenen Gegenstand 
zuerst; er sagte im 4. Jahre der 48. Olympiade eine 
Sonnenfinsterniss vorher, welche unter dem König Alyattes, 3 ) 
im 170. Jahre Roms erfolgte. Nachher hat Hipparchus 4 ) den 
Lauf beider Gestirne auf 600 Jahre vorausgesagt, wobei er 

') Im Jahre Roms 584 (166 v. Chr. G.) Vergl. Livius 44, 37. 

2 ) Einer der sieben Weisen Griechenlands, geb. 648 v. Chr.; 
starb 568. 

3 ) Vater des Krösus, König von Lydien. 

4 ) Aus Nicsea in Bithynien, starb um 125 v. Chr. 



134 Zweites Buch. 

zugleich die Zeitrechnung, Tage, Stunden, die Lage der 
Orte und die Art, wie den verschiedenen Völkern diess 
alles erscheinen würde, mit berücksichtigte. Nach der 
Meinung seines Zeitalters bewerkstelligte er sein Vorhaben 
dadurch, dass er an den Rathschlüssen der Natur Theil 
nahm. Gross und über die Natur erhaben waren diese 
Männer, welche den schwachen Geist der Menschen, der 
bei den Finsternissen schwere Unglücksfälle oder den 
Untergang der Gestirne fürchtete, von diesem Wahne be- 
freieten. Dass aber die Menschen sich bei Sonnenfinster- 
nissen gefürchtet haben, beweisen die erhabenen Gesänge 
der Dichter Stesichorus *) und Pindar; 2 ) man beschuldigte 
den Mond der Zauberei, und wollte durch heftiges Geräusch 
die Gefahr abwenden. Aus gleicher Furcht und unbekannt 
mit der wahren Ursache wagte es der atheniensische Feld- 
herr Nicias*) nicht, die Flotte aus dem Hafen zu führen, 
und veranlasste dadurch die Niederlage seiner Truppen. 
Dank daher eurem Scharfsinn, ihr Deuter des Himmels, die 
ihr die Natur der Dinge erfasst, die Gründe erforscht und 
dadurch Götter und Menschen besiegt habt! Denn sollte 
der, welcher alles dieses und die sogenannten beständigen 
Arbeiten der Gestirne 4 ) erkennt, nicht die Notwendigkeit 
seiner Sterblichkeit einsehen? 

Jetzt will ich die Ansichten über alle diese Er- 
scheinungen in einzelnen Abschnitten kurz berühren, und 
an den Orten, wo es nöthig erscheint, die Gründe bündig 
hinzufügen; denn erstens liegt eine solche Beweisführung 
nicht in dem Plane meines Werkes, und zweitens ist es 
weniger zu verwundern, dass wir nicht die Ursachen von 
allen Dingen angeben können, als dass wir es bei einigen 
im Staude sind. 



') Aus Himera in Sicilien, lebte 5—600 v. Chr. 

2 ) Aus Theben in Griechenland, lebte von 520—442 v. Chr. 

3 ) Er versäumte von Syrakus abzufahren und wurde von den Sy- 
rakusanern gänzlich geschlagon. S. Plutarch 33. 34. Thucydides VII. 50. 

") Yirgils Aeneide I. 746. 



Zweites Buch. 135 

10. 

Es ist ausgemacht, dass die Verfinsterungen nach 223 
Monaten wiederkehren, dass eine Sonnenfinsterniss nur im 
Neumonde, was man die Zusammenkunft 1 ) nennt, eine 
Mondfinsterniss aber nur bei Vollmond und zwar immer 
wenn er beinahe voll ist, entsteht. Alljährig treten diese 
Verfinsterungen beider Gestirne an bestimmten Tagen und 
Stunden auf der Erde ein. Da sie aber über uns entstehen, 
so können sie theils wegen den Wolken, theils, weil wegen 
der Kugelgestalt der Erde das Gewölbe des Himmels nur 
stellenweise zu sehen ist, nicht allenthalben beobachtet 
werden. Hipparchus hat, von 200jährigen Erfahrungen 
unterstützt, auf eine scharfsinnige Weise dargethan, dass 
eine Mondfinsterniss gewöhnlich im 5. Monate, eine Sonnen- 
finsterniss im 7. Monate nach der vorigen erfolgt; ferner, 
dass diese Verfinsterung zwei mal in 30 Tagen auf der Erde 
entsteht, aber bald hier bald dort gesehen wird. Das 
Wunderbarste dabei ist, dass der Mond durch den Schatten 
der Erde bald auf seiner westlichen und bald auf seiner 
östlichen Seite verdunkelt wird. Und wie wird die einmal 
vorgekommene Erscheinung, dass der Mond beim Untergange 
der Sonne sich verfinsterte, während beide Gestirne noch 
über dem Horizonte standen, zu erklären sein, da doch 
jener verdunkelnde Schatten beim Aufgange der Sonne 
unter die Erde hätte fallen müssen? Denn, dass beide 
Gestirne innerhalb 15 Tagen am Himmel vermisst wurden, 
hat sich in unserer Zeit, als der Kaiser Vespasian zum 
dritten und sein Sohn zum zweiten Male Consul war, 
zugetragen. 2 ) 

11. 

Dass der Mond stets seine Spitzen von der Sonne ab 
und gegen Osten wendet, wenn er zunimmt, nach Westen 
aber, wenn er abnimmt, ist ausser Zweifel. Bis er voll 



J ) Mit der Sonne. 

2 ) Im Jahre Roms 825 (71 n. Chr.), wo am 8. Febr. eine Sonnen- 
und am 22. Febr. eine Mondfinsterniss statt fand. 



136 Zweites Buch. 

wird, scheint er täglich um mehr als 3 / 4 Stunden 1 ) länger,, 
wenn er abnimmt, um so viel kürzer. Innerhalb 14 Graden 
der Sonne ist er stets unsichtbar. Hierin haben wir den 
Beweis, dass die übrigen Planeten grösser sind als der 
Mond, da jene auch bei 7 Graden sich zeigen. Nur ihre 
Höhe macht, dass sie kleiner erscheinen. Ebenso verhindert 
der Sonnenschein, dass wir die Fixsterne am Tage sehen, 
obgleich sie bei Tag und Nacht leuchten, was sich aus 
den Beobachtungen während der Sonnenfinsternisse und in 
tiefen Brunnen ergiebt. 

12. 

Die drei Planeten, welche, wie oben gesagt wurde, 
über der Sonne stehen, sind unsichtbar, wenn sie mit ihr 
zusammen kommen. Sie erscheinen aber früh Morgens 
wieder, sobald sie nur um 11 Grade wieder entfernt sind. 
Darauf werden sie von den Sonnenstrahlen bedeckt, und 
halten im Gedrittstein, nämlich 120 Grade von der Sonne 
entfernt, ihren Frühstand, welchen man auch den ersten 
nennt; auf der entgegengesetzten Seite erfolgt in einer 
Entfernung von 180 Graden ihr Abendaufgang. Nähern sie 
sich aber wieder auf 120 Grade von der anderen Seite,, 
so halten sie ihren Abendstand, oder den zweiten; bis die 
Sonne sie in einer Nähe von 12 Graden verdunkelt, was 
dann der Abenduntergang heisst. 

Der Mars, welcher der Sonne näher ist, empfindet auch 
im Geviertscheine, d. i. in einem Abstände von 90 Graden 
ihre Strahlen, daher hat seine Bewegung den Namen „erste 
und zweite Neunziger-Bewegung", von beiden Aufgängen 
an gerechnet, bekommen. Wenn er seinen Stillstand hält, 
verweilt er 6 Monate in den Zeichen, ausserdem nur 2 
Monate, während bei den übrigen Planeten beide Stillstände 
nicht volle 4 Monate dauern. 

Die beiden unteren Planeten 2 ) werden in der Abend- 
Zusammenkunft auf gleiche Weise verdunkelt, und halten. 



! ) 47 » 2 Minuten. 

2 ) Venus und Merkur. 



Zweites Buch. 137 

nachdem sie die Sonne verlassen, in gleichen Graden ihren 
Frtihaufgang. Von den entferntesten Punkten ihres Ab- 
standes an folgen sie der Sonne, werden, wenn sie sie er- 
reicht, beim Frühuntergange verdeckt und gehen vorbei. 
Bald darauf gehen sie in derselben Entfernung bis zu den 
von uns angegebenen Grenzen am Abend auf, kehren von 
diesen zur Sonne zurück und verschwinden beim Abend- 
untergange. Die Venus hält auch von beiden Aufgängen 
an 2 Stillstände, einen früh Morgens, den andern Abends, 
und zwar in den entferntesten Grenzen ihres Abstandes; 
die Stillstände des Merkur sind von zu kurzer Dauer, als 
dass sie wahrgenommen werden können. 

13. 

So verhält es sich mit dem Leuchten und den Verfinster- 
ungen der Planeten, Erscheinungen, welche wegen der Art 
der Bewegung sehr verwickelt und von vielen Wundern 
begleitet sind, denn sie verändern ihre Grösse und Farbe, 
gehen nach Norden und entfernen sich nach Süden, bald 
sieht man sie der Erde, bald dem Himmel näher. Wenn 
wir bei diesen Gegenständen vieles anders, als unsere Vor- 
fahren erklären, so räumen wir doch auch jenen, welche 
zuerst den Weg zu weiterer Forschung gezeigt haben, ein 
Verdienst ein. Möge daher Niemand zweifeln, dass mit 
den Zeiten die Kenntnisse zunehmen. — Alle diese Er- 
scheinungen beruhen auf mehreren Ursachen. 

Die erste Ursache liegt in den, von den Griechen 
Apsiden x ) genannten Punkten der Planeten-Bahnen, (denn 
wir werden uns hier der griechischen Worte bedienen 
müssen). Eine jede Planetenbahn hat aber ihre eigenen 
Apsiden, die von denen der Welt verschieden sind; denn 
die Erde ist von den beiden Scheitelpunkten aus, welche 
man Pole nennt, der Mittelpunkt des Himmels und des 
Thierkreises, der schief dazwischen liegt. Alles dieses er- 



*) Apsiden heissen die beiden Endpunkte der grössten Axe in 
der Ellipse, wo der eine von der Sonne am weitesten entfernt, der 
andere ihr am nächsten ist. 



138 Zweites Buch. 

hellt aus der stets unzweifelhaften Beschaffenheit des Zir- 
kels. Daher entstehen zwei Apsiden von jedem der beiden 
Brennpunkte der Planetenbahn; aus dieser Ursache haben 
sie auch verschiedene Kreise und ungleiche Bewegungen, 
weil die innern Apsiden nothwendig kürzer sein müssen. 
Von dem Mittelpunkte der Erde liegt die entfernteste Ap- 
side des Saturn im Skorpion, des Jupiter in der Jungfrau, 
des Mars im Löwen, der Sonne in den Zwillingen, der Ve- 
nus im Schützen, des Merkur im Steinbock, und zwar alle 
mitten in diesen Zeichen. Auf der entgegengesetzten Seite 
liegen die tiefsten und dem Mittelpunkte der Erde näch- 
sten Apsiden. 1 ) So geschieht es, dass die Planeten sich 
langsamer zu bewegen scheinen, wenn sie die entfernteste 
Bahn durchlaufen; nicht, weil sie etwa ihre natürliche Be- 
wegung, welche für sie bestimmt und jedem eigentümlich 
ist, beschleunigten oder verzögerten, sondern, weil die von 
den höchsten Apsiden aus gezogenen Linien sich nothwendig 
zusammendrängen müssen, wie die Speichen an den Rädern. 
Ein und dieselbe Bewegung erscheint also je nach der Nähe 
des Mittelpunkts bald grösser bald geringer. 

Eine zweite Ursache der Höhe der Planeten ist, dass 
sie ihre von ihrem eigenen Brennpunkte entferntesten 
Apsiden in andern Zeichen haben, nämlich Saturn im 20. 
Grade der Wage, Jupiter im 15. des Krebses, Mars im 
28. des Steinbocks, die Sonne im 20. des Widders, Venus 
im 17. der Fische, Merkur im 15. der Jungfrau, der Mond 
im 4. des Stiers. 

Ein dritter Grund ihrer Höhe ergiebt sich aus der 
Grösse des Himmels, nicht der Kreisbahn, indem sie unsern 
Augen in dem unermesslichen Räume der Luft auf- und 
abzusteigen scheinen. 

Mit diesem Grunde hängt die der Breite und schiefen 
Lage des Thierkreises zusammen. Durch ihn wandern die 



l ) Also die des Saturn irn Stier, des Jupiter in den Fischen, des 
Mars im Wassermann, der Sonne im Schützen, der Venus in den 
Zwillingen, des Merkur im Krebs. 



Zweites Buch. 139 

genannten Planeten. Auch wird kein anderer Theil der 
Erde als der unter ihm liegende bewohnt; die übrigen 
Theile nach den Polen hin sind wüste. Nur die Venus 
überschreitet ihn um zwei Grade, und diess mag die Ursache 
sein, dass einige Thiere selbst in öden Gegenden vorkommen. 
Auch der Mond geht durch seine ganze Breite, überschreitet 
dieselbe aber nirgends. Demnächst geht der Merkur am 
weitesten, doch so, dass er von den zwölf Graden, welche 
die Breite des Thierkreises ausmachen, nur 8 durchläuft, 
aber auch diese nicht gleichmässig, sondern 2 mittlere, 
4 obere und 2 untere. Die Sonne bewegt sich in der Mitte 
innerhalb 2 Graden mit gebogenem schlangenähnlichem 
Laufe; Mars in den 4 mittelsten; Jupiter in dem mittelsten 
und den 2 darüber befindlichen; Saturn in den beiden mit- 
telsten, wie die Sonne. So Verhaltes sich mit den Breiten 
der nach Süden herablaufenden, oder nach Norden aufstei- 
genden Planeten. Viele sind der irrigen Meinung, dass 
hierauf auch die dritte Ursache der Höhe der von der Erde 
zum Himmel aufsteigenden Planeten beruhe, und dass auf 
gleiche Weise auch die Erde emporsteige; um diese zu 
widerlegen, müssen wir den höchsten und alle Gründe 
umfassenden Scharfsinn anwenden. 

Es ist die übereinstimmende Meinung, dass die Plaueten 
beim Abenduntergange, sowohl der Breite als Höhe nach, 
der Erde am nächsten stehen; dass ihr Morgenaufgang beim 
Anfange einer jeden Breite und Höhe, und ihre Stillstände 
in der Mitte ihrer Breiten, welche Ekliptik genannt wird, 
stattfinden. Ferner hat man zugestanden, dass die Bewe- 
gung zunimmt, so lange sie der Erde nahe sind, und ab- 
nimmt, wenn sie sich von ihr entfernen, was sich am meisten 
aus den Entfernungen des Mondes erweist. Auch waltet 
kein Zweifel mehr ob, dass ihre Bewegung schneller bei 
den Morgenaufgängen, und dass die der obersten Planeten 
vom ersten Stillstande bis zum zweiten geringer ist. Unter 
solchen Umständen ist ihr Steigen in die Breite vom Mor- 
genaufgange an offenbar, weil sie in dieser Stellung zuerst 
eine langsam zunehmende Bewegung anfangen; sie werden 



140 Zweites Buch. 

aber in den ersten Stillständen in die Höhe gehen, weil 
dann zuerst die Zahl abzunehmen beginnt und die Sterne 
zurückgehen. Den Grund hiervon muss ich noch besonders 
angeben. Getroffen in dem bereits erwähnten 1 ) Grade, 
werden sie durch den Gedrittschein der Sonne an ihrem 
geraden Laufe verhindert, und durch die feurige Kraft in 
die Höhe gezogen. Dies können wir mit unsern Augen 
nicht geradezu wahrnehmen, sie scheinen also still zu ste- 
hen, und daher kam der Name: Stillstand. Dann geht die 
Macht jener Strahlen noch weiter, und die zurückprallende 
Hitze nöthigt sie zurückzugehen. Noch weit mehr ist 
solches der Fall bei ihrem Abenduntergange, wenn die 
Sonne sich hinter ihnen befindet, denn sie werden zu ihren 
höchsten Apsiden getrieben und am wenigsten gesehen, 
weil sie am höchsten stehen und die geringste Bewegung 
haben, die um so geringer sein muss, wenn sie in den höch- 
sten Zeichen der Apsiden erfolgt. Vom Abendaufgange 
an geschieht die Bewegung in die Breite herunter, jetzt 
aber in weniger abnehmender Weise, nimmt jedoch nicht 
vor dem zweiten Stillstande wieder zu, da auch die Höhe 
sich vermindert, indem der Strahl von der andern Seite 
hinzukommt und sie mit derselben Kraft zur Erde hinab- 
drückt, welche sie beim ersten Gedrittschein gegen den 
Himmel hintrieb. So gross ist der Unterschied, wenn die 
Strahlen von unten oder von oben kommen. Weit öfter 
ereignet sich diess beim Abenduntergange. So verhält es 
sich mit den obern Gestirnen; schwieriger ist die Beschaf- 
fenheit der übrigen zu ergründen, und noch Niemand hat 
vor mir davon gehandelt. 

14. 
Zuerst will ich erklären, warum die Venus nie weiter 
als 46 und Merkur nie weiter als 20 Grade von der Sonne 
entfernt sind, oft aber noch unter diesen Graden nach der 
Sonne zurückkehren. Beide haben, da sie unterhalb der 
Sonne liegen, entgegengesetzte Apsiden, und von ihren 

') 120sten. 



Zweites Buch. 141 

Bahnen liegt so viel unterhalb der Erde, als hei den vor- 
erwähnten Planeten oberhalb derselben. Sie können also 
nicht weiter entfernt sein, weil der Bogen der daselbst be- 
findlichen Apsiden keine grössere Ausdehnung hat. Daher 
bestimmt bei beiden auf ähnliche Weise die Peripherie 
ihrer Apsiden die Grösse der Bahn, und was ihnen an Länge 
abgeht, wird durch die Ausdehnung in die Breite ersetzt. 
Aber warum gelangen sie nicht stets zum 46. und 23. Gra- 
de? Sie thun es allerdings, nur die gewöhnliche Berech- 
nung betrügt uns; denn es erhellet, dass sich ihre Apsiden 
auch bewegen, weil sie niemals über die Sonne kommen. 
Wenn daher die Grenzen der Apsiden auf der einen oder 
andern Seite theilweise in die Sonne fallen, so werden 
auch die Planeten ihren grössten Abstand erreicht haben; 
wenn die Grenzen und eben so viele Grade diesseits, so 
glaubt man, dass sie schneller zurückkehren, da jener Punkt 
für beide immer der höchste ist. Hieraus ergiebt sich nun 
ihre entgegengesetzte Bewegung; denn die obern Planeten 
gehen beim Abenduntergange am schnellsten, diese am lang- 
samsten; jene sind von der Erde am weitesten entfernt, 
wenn sie sich am langsamsten bewegen, diese, bei ihrer 
schnellsten Bewegung. 

Sowie bei jenen die Nähe des Centrums (Brennpunktes) 
den Lauf beschleunigt, so thut es hier die Entfernung 
ihrer Bahn. Jene fangen vom Morgen auf gange an lang- 
samer, diese schneller zu gehen, jene halten ihren Rücklauf 
von ihrem Morgenstillstande an bis zu ihrem Abendstill- 
stande; die Venus aber vom Abendstillstande bis zum Mor- 
genstillstande. Sie fängt von ihrem Morgenaufgange an in 
der Breite zu steigen, steigt aber in die Höhe und folgt 
der Sonne vom Morgenstillstande an, und am schnellsten 
und höchsten läuft sie beim Morgenuntergange. Dann geht 
sie in der Breite herab und vermindert ihre Bewegung 
vom Abendaufgange an, kehrt aber wieder zurück und 
geht nieder vom Abendstillstande au. 

Merkur steigt auf beiderlei Weise 1 ) vom Morgenauf- 



') In Höhe und Breite. 



142 Zweites Buch. 

gange aD, nimmt aber in der Breite vom Abendaufgange 
an ab; nachdem er sich der Sonne bis auf 15 Grad genä- 
hert, bleibt er fast 4 Tage lang unbeweglich stehen; 1 ) dann 
steigt er von der Höhe herab und geht rückwärts vom 
Abenduntergange an bis zum Morgenaufgange. Nur er und 
der Mond steigen in eben so vielen Tagen aufwärts, wie 
abwärts. Venus bedarf 15 Tage mehr zum Aufsteigen; 
Saturn und Jupiter haben doppelt, und Mars viermal so 
viel Zeit nöthig. So viel Mannigfaltigkeit liegt in der Na- 
tur. Aber der Grund davon ist klar; denn die Sterne, 
welche zur Glüht der Sonne hinstreben, entfernen sich un- 
gern wieder von ihr. 

15. 
Es können bei dieser Gelegenheit noch manche Ge- 
heimnisse der Natur, und Gesetze, denen sie selbst unter- 
worfen ist, angeführt werden; z. JB., dass der Mars, dessen 
Lauf am schwierigsten zu beobachten ist, wenn der Jupiter 
im Gedrittschein steht, niemals einen Stillstand macht, und 
nur sehr selten, wenn er 60 Grade von ihm entfernt ist; 
diese Zahl theilt den Weltkreis in ein Sechseck. Auch 
geht er nur in zwei Zeichen, dem Krebse und dem Löwen, 
mit ihm zugleich auf. Merkur aber hält seinen Abendauf- 
gang selten in den Fischen, am häufigsten in der Jungfrau, 
seinen Morgenaufgang aber in der Wage und im Wasser- 
mann, sehr selten im Löwen. Sein Rückgang geschieht 
nie im Stiere und in den Zwillingen, im Krebse aber nicht 
unter dem 25. Grade. Der Mond kommt in keinem andern 
Zeichen als den Zwillingen zweimal mit der Sonne zusam- 
men, und nur im Schützen zuweilen gar nicht. Man sieht 
ihn an dem ersten Tage oder in der ersten Nacht, wo er 
neu wird, nur im Widder, und auch diess haben nur wenige 
wahrgenommen. Daher wurde auch Lynceus 2 ) wegen sei- 



») Nach neueren Erfahrungen dauert dieser scheinbare Stillstand 
etwa zwei Tage. 

2 ) Sohn des Aphareus und der Arene, der so scharf sah, dass 
sein Blick nach Pindar (Nem. X. 114) Eichen, und nach Orpheus (Ar- 
gonaut. 179) sogar Himmel, Erde und Unterwelt durchdrang. Er 



Zweites Buch. 143 

ner Sehkraft berühmt. Saturn und Mars sind meistens 170 
Tage lang nicht sichtbar am Himmel; Jupiter 36, oder 
mindestens 26; Venus 69, oder mindestens 52, Merkur 13 s 
oder höchstens 18 Tage. 

16. 
Die Farbe der Planeten ist nach ihrer Höhe verschie- 
den; denn sie werden denjenigen Sternen ähnlich, in deren 
Dunstkreis sie beim Aufsteigen kommen, und die Kreisbahn 
eines anderen, der sie sich von einer oder der andern Seite 
nähern, färbt sie. Ein kalter Stern macht sie blass, ein 
heisser roth, ein windiger giebt ihnen ein furchtbares An- 
sehn; die Sonne^aber, die Vereinigungspunkte der Apsiden 
und ihre weiteste Bahn machen sie dunkelschwarz. Jeder 
hat seine eigenthüraliche Farbe; so ist der Saturn weiss, 
Jupiter hell, Mars feurig, Lucifer glänzend hell, Vesperus 
leuchtend, Merkur strahlend, der Mond milde, die Sonne 
beim Aufgange brennend, nachher aber strahlend. Mit die- 
sen Ursachen muss man auch die Erscheinungen der übrigen 
am Himmel befindlichen Sterne verbinden; denn bald sind 
viele Sterne um die halbe Mondscheibe versammelt und 
erleuchten sie massig in heiterer Nacht, bald nur sehr 
wenige, so dass wir voll Verwunderung glauben sollten, sie 
wären entflohen, während sie doch der Vollmond nur ver- 
birgt, oder die Strahlen der Sonne oder der eben genann- 
ten Gestirne unsere Augen blenden. Ohne Zweifel haben 
die Sonnenstrahlen selbst durch ihren verschiedenen Einfall 
Theil an dem ungleichen Lichte des Mondes, indem die 
Convexität der Welt ihre Beugung schwächt, ausgenommen, 
wenn sie im rechten Winkel auf ihn fallen. Daher ist er 
beim Geviertscheine der Sonne hell, beim Gedrittscheine 
beinahe voll, im Gegenscheine aber ganz voll, und wieder- 
um beim Abnehmen zeigt er dieselben Erscheinungen in 
gleichen Zwischenräumen auf ähnliche Weise, wie die drei 
Gestirne oberhalb der Sonne. 



nahm Theil an der kalydonischen Jagd und am Argonautenzuge. 
Endlich wurde er nebst seinem Bruder vom Pollux und Jupiter er- 
schlagen. 



144 Zweites Buch. 

17. 
Die Sonne selbst aber bietet 4 Verschiedenheiten dar: 
zwei in der Tag- und Nachtgleiche, im Frühling und 
und Herbste, wenn sie senkrecht über der Erde im 8. Grade 
des Widders und der Wage steht ; zwei in sehr verschie- 
denen Tageslängen, nämlich im Winter, wenn die Tage 
zunehmen, im 8. Grade des Steinbocks, und im Sommer, 
wenn sie abnehmen, im 8. Grade des Krebses. Die Ur- 
sache dieser Ungleichheiten ist die schiefe Lage des Thier- 
kreises, da die eine Hälfte der Welt stets unter der Erde, 
und die andere Hälfte über derselben sich befindet. Die- 
jenigen Zeichen, welche bei ihrem Aufgange sich senkrecht 
erheben, 1 ) leuchten länger, aber die schief aufsteigenden 
ziehen schneller vorüber. 

18. 
Die meisten Menschen wissen noch nicht, was die ge- 
lehrtesten Männer durch ihre grossen Bemühungen und die 
Himmels-Erscheinungen entdeckt haben, dass nämlich das- 
jenige, was wir Blitz nennen, Feuer ist, welches vou den 
3 obern Planeten und vorzugsweise dem mittleren (Jupiter) 
auf die Erde herabfällt; vielleicht, weil er den zu grossen 
Andrang von Eeuchtigkeit aus der obern, und von Hitze 
aus der untern Kreisbahn, auf diese Weise fortschafft. 
Daher ist das Sprichwort entstanden, dass Jupiter Blitze 
schleudere. So wie sich aber von brennendem Holze eine 
Kohle mit Geräusch ablöst, ebenso von dem Gestirne das 
himmlische Feuer, und dieses ist dann bedeutungsvoll, da- 
mit auch nicht einmal der abgelöste Theil in seinem gött- 
lichen Wirken aufhöre. Meistentheils ereignet sich der- 
gleichen bei trüber Luft, weil die gesammelte Feuchtigkeit 
jenen Ueberfluss zur Entladung reizt, oder weil die Luft 
durch die Geburt des gleichsam schwangeren Gestirnes 
getrübt wird. 

19. 
Auch den Abstand der Planeten von der Erde haben 



') Krebe, Löwe, Jungfrau, Wage, Scorpion und Schütze. 



Zweites Buch. 145 

Viele zu ergründen gesucht und gesagt, die Sonne sei von 
dem Monde 19 mal so weit entfernt, als der Mond von der 
Erde. Pythagoras aber, ein sehr scharfsinniger Mann, 
gibt die Entfernung der Erde vom Monde zu 126,000 Sta- 
dien, des Mondes von der Sonne zum Doppelten und der 
Sonne von den 12 Zeichen zum Dreifachen an. Dieser 
Meinung ist auch unser Gallus Sulpicius l ) zugethan. 

20. 

Aber Pythagoras bestimmte diese Weiten zuweilen 
auch nach musikalischen Gesetzen, und nannte die Entfer- 
nung von der Erde zum Monde einen Ton, vom Monde bis 
zum Mars einen halben, vom Mars bis zur Venus beinahe 
einen halben, von der Venus zur Sonne anderthalb, von 
der Sonne zum Mars, gleich wie von der Erde zum Monde, 
einen, vom Mars zum Jupiter einen halben, vom Jupiter 
zum Saturn einen halben und vom Saturn zum Thierkreise 
anderthalb. So entstehen 7 Töne, welche man die voll- 
ständige Harmonie, d. h. den Inbegriff aller Tonverhältnisse 
nennt. Saturn soll sich nun in der dorischen, Jupiter in 
der phrygischen Tonart bewegen, und von den übrigen 
Planeten handelt er in ähnlichem Sinne mit mehr unterhal- 
tender als praktischer Genauigkeit. 

21. 

Ein Stadium beträgt 125 Schritte, oder 625 Fuss. Po- 
sidonius 2 ) sagt, die Höhe, in welcher Nebel, Wind und 
Wolken sich befinden, sei von der Erde weniger als 40 Sta- 
dien entfernt; von da an sei die Luft rein, klar und von 
ungetrübter Helle. Von der Region der Wolken soll der 
Mond 2,000,000, und von da die Sonne 5,000,000 Stadien 
weit sein. Dieser ungeheuere Zwischenraum sei die Ur- 
sache, dass die Erde nicht verbrenne. Viele Wolken sollen 
jedoch bis zu 900 Stadien hinaufsteigen. Diese Behauptun- 
gen sind zwar ungewiss und unerweisbar, allein ich muss 

') Ueber denselben s. d. 9. Kapitel. 

2 ) Von Apamea in Syrien, geb. 135 v. Chr., machte grosse Rei- 
sen, kam 100 nach Gallien, 86 nach Rom, wo er Cicero's und Pom- 
pejus' Freund war, und lebte nachher zu Rhodus; starb 51 v. Chr. 

10 



146 Zweites Buch. 

sie so vortragen, wie man sie uns überliefert hat. Dennoch 
ist hiebei eine auf untrüglichen Grundsätzen der Geometrie 
ruhende Berechnung nicht zu verwerfen, wenn man jene 
Dinge weiter verfolgen will. Nur sollte man damit niemals 
das Maass ergründen wollen, (denn das wäre ein unsinniger 
Zeitvertreib), sondern dem forschenden Geiste nur eine 
ohngefähre Schätzung darbieten. 

Da nämlich die Sonnenbahn aus fast 366 Theilen von 
dem Umfange der Sonuenscheibe besteht, und der Durch- 
messer stets den dritten Theil, weniger beinahe einem Sie- 
bentel eines Drittels, vom Umfange 1 ) ausmacht; so erhellt, 
dass, wenn man die Hälfte davon nimmt (weil die Erde 
mitten in der Bahn liegt), beinahe der sechste Theil dieses 
unermesslichen Baumes, den man sich als die Bahn der 
Sonne um die Erde denkt, der Entfernung der Sonne von 
der Erde gleich sei; die Entfernung des Mondes aber den 
zwölften Theil betrage, weil er in so viel kürzerer Zeit als 
die Sonne seinen Umlauf hält. Der Mond schwebt daher 
mitten zwischen der Sonne und der Erde. 

Man muss sich wundern, wie weit die Verwegenheit 
des menschlichen Geistes geht; durch einen kleinen Erfolg, 
wie wir ihn oben mitgetheilt haben, angereizt, übersteigt 
seine Unverschämtheit alle Grenzen. Die da wagten, die 
Entfernung der Sonne von der Erde zu errathen, wollten 
diess auch auf den Himmel anwenden, weil die Sonne sich 
in der Mitte befinde; ja es scheint fast, dass man die Grösse 
der Welt nach Zollen berechnen will. Als wenn man das 
Maass des Himmels durch das Bleiloth bestimmen könnte, 
weil der Durchmesser eines Kreises 7, und der Umfang 22 
solche Theile hat! Nach einer ägyptischen Berechnung 
von Petosiris und Nechepsus 2 ) beträgt ein einzelner Grad 
in der Mondbahn (die, wie wir gesagt haben, die klein- 
ste ist) etwas mehr als 33 Stadien; in der des Saturn, 



') Der Durchmesser des Kreises verhält sich zur Peripherie wie 
7 : 22, oder wie 1 : 3, 14. 

2 ) Sie lebten im 6. Jahrhundert v. Chr.; der letztere war König 
in Aegypten. 



Zweites Buch. 147 

welche am grössten ist, doppelt soviel; in derjenigen der 
Sonne, welche wir als die mittelste bezeichnet haben, die 
Hälfte von der Summe beider Grössen. Dieses Rai- 
sonnement ist noch das bescheidenste, weil, wenn man zur 
Bahn des Saturn die Entfernung des Thierkreises fügt, 
eine unzählige Vervielfältigung entsteht. 

22. 

Von der Welt bleibt jetzt nur noch etwas Weniges 
zu sagen übrig. Am Himmel entstehen nämlich plötzlich 
Sterne und zwar verschiedener Art. Die Griechen nennen 
sie Kometen, wir Haarsterne *), denn sie haben einen 
furchtbar blutrothen Schweif, und auf dem Scheitel gleich- 
sam rauhe Haare. Auch nennen die Griechen dieselben 
Bartsterne 2 ),, weil unten an ihnen eine, einem langen Barte 
ähnliche Mähne herabhängt. Pfeilsterne 3 ) heissen sie, weil 
sie gleich einem Geschosse dahineilen, und ihre Vorbe- 
deutungen sehr schnell eintreffen. Ein solcher war der, 
welchen der Kaiser Titas während seines 5. Consulats 4 ) 
in einem herrlichen Gedichte beschrieb, und der bis auf 
diesen Tag der letzterschienene ist. Sind sie kürzer und 
endigen sie in eine Spitze, so heissen sie Schwertsterne. 5 ) 
Diese sind unter allen Sternen die blassesten, glänzen wie 
ein Schwert und werfen keine Strahlen. Die Scheiben- 
sterne 6 ), welche, wie der Name schon sagt, scheibenförmig 
sind, haben eine hellgelbe Farbe, und werfen nur wenige 
Strahlen. Der Fassstern 7 ) hat die Gestalt eines Fasses 
und in der Höhlung ein rauchiges Licht. Der Homstern 8 ) 
gleicht einem Hörne; ein solcher stand am Himmel, als 
die Griechen bei Salamis den Sieg erfochten. 

Der Fackelstein 9 ) sieht brennenden Fackeln ähnlich; 
der Rossstern 10 ) Pferdemähnen, die sich in schnellster Be- 
wegung im Kreise um ihn drehen. Es giebt auch einen 
weissen Komet, mit silberfarbigem Schweife, und so glän- 



') Crinita?. 2 ) Pogonia?. 3 ) Acontiae. '') Im Jahre 76 n. Chr. 
5 ) Xiphise. 6 ) Disceus. 7 ) Pitheus. 8 ) Ceratias. 9 ) Lampadias. 
10 ) Hippeus. 

10* 



148 Zweites Buch. 

zend, dass man ihn kaum ansehen kann; dabei zeigt sich 
in ihm ein Bild der Gottheit in menschlicher Gestalt. An- 
dere sind rauh wie Wolle und mit einer Wolke umgeben. 
Einmal nur verwandelte sich eine Mähne in einen Spiess, 
in der 109. Olympiade, dem 398. Jahre der Stadt. 1 ) Der 
kürzeste Zeitraum ihrer Sichtbarkeit wird zu 7, der längste 
zu 80 Tagen angegeben. 

23. 

Einige Kometen bewegen sich nach Art der Planeten, 
andere sind unbeweglich. Gewiss ist, dass sie alle im Nor- 
den erscheinen, zwar nicht immer in einer bestimmten 
Region, meist aber doch in dem weissen Streife, welcher 
den Namen Milchstrasse erhalten hat. Aristoteles 2 ) er- 
zählt, es würden wohl auch mehrere zugleich gesehen; 
diess hat jedoch, soviel ich weiss, Niemand weiter bemerkt. 
Sie zeigen starke Winde und Hitze an. Auch in den Win- 
termonaten, sowie am Südpole sind sie sichtbar, dann aber 
ohne Mähne. Ein fürchterlicher Komet zeigte sich den 
Bewohnern Aethiopiens und Aegyptens, der von dem da- 
maligen Könige Typhon genannt wurde; er hatte einen 
feurigen Schein, war wie eine Spirale gewunden, von gräss- 
lichem Ansehn, und eher ein feuriger Klumpen als ein 
Stern. Zuweilen sieht man auch an den Planeten und 
übrigen Sternen Haare. Niemals zeigt sich ein Komet am 
westlichen Theile des Himmels. 

Meistentheils ist der Komet ein schreckenerregendes 
und nicht leicht zu versöhnendes Gestirn, wie der Bürger- 
aufstand unter dem Consul Octavius 3 ) und der Krieg 
zwischen Pompejus und Caesar 4 ) beweisen. Auch in 
unserer Zeit sah man, als der Kaiser Claudius vergiftet 
wurde 5 ), ferner unter der Regierung seines Nachfolgers 



») Dieses Jahr fällt aber in die 106. Olympiade. 

2 ) Der berühmteste Schüler des Plato, geb. 384 zu Stagira in 
Macedonie», starb 322 zu Chalkis. 

3 ) 76 v. Chr. 
A ) 49 v. Chr. 

5 ) Seine Gemahlin Agrippina vergiftete ihn 54 n. Chr. Er hiess mit 



Zweites Buch. 149 

Domitius Nero *) lange Zeit einen schrecklichen Kometen. 
Man glaubt, ihr Einfluss hänge davon ab, nach welcher 
Gegend sie hineilen, welches Sternes Kräfte sie annehmen, 
welchen Dingen sie ähnlich sehen und an welchen Orten 
sie sich zeigen. Haben sie die Gestalt von Flöten, so sol- 
len sie auf Tonkunst deuten; auf unzüchtige Sitten aber, 
wenn sie in den Schaamtheilen der Thierbilder stehen; auf 
Verstand und Gelehrsamkeit, wenn sie eine 3- oder 4sei- 
tige gleichwinklige Figur mit den naheliegenden Fixsternen 
bilden; auf Giftmischerei, wenn sie im Kopfe der nördlichen 
oder südlichen Schlange stehen. 

Nur an einem einzigen Orte auf der Erde, nämlich zu 
Rom, wird ein Komet in einem Tempel verehrt, weil ihn 
der göttliche Augustus als ein sehr günstiges Zeichen für 
sich ansah. Dieser erschien nämlich zu Anfang seiner 
Regierung, während der Spiele, die er zu Ehren der Venus 
Genetrix 2 ), kurz nach dem Tode seines Vaters Caesar, 
in dem von letzterem gestifteten Collegium 3 ) hielt. Mit 
folgenden Worten bezeugte er seine Freude darüber: „In 
den Tagen meiner Spiele wurde ein Haarstern 7 Tage lang 
am nördlichen Theile des Himmels gesehen. Er entstand 
um die elfte Tagesstunde, war klar und in allen Ländern 
sichtbar. Das Volk glaubte, er bedeute die Aufnahme der 
Seele Caesars unter die unsterblichen Götter, und aus dieser 
Veranlassung habe ich jenes Zeichen an dem Kopfe des 
Standbildes, welches ich bald nachher auf dem Forum ein- 
weihete, angebracht." So legte er es öffentlich aus, aber 
im Herzen freuete er sich und nahm an, der Stern sei 

seinem vollständigen Namen Tiberius Claudius Drusus Caesar, war 
der jüngste Sohn des Cl. Drusus Nero des Aelteren und der Schwester- 
tochter des August, der jüngeren Antonia, Bruder des Germanicus 
Caligula's Vatersbruders, geb. 9 v. Chr. zu Lyon, und wurde 41 n. Chr. 
nach Caligula's Ermordung, Kaiser. 
») 64 n. Chr. 

2 ) Unter diesem Beinamen verehrte man die Venus als Stamm- 
mutter des Julischen Geschlechts. Ihr Fest fiel in den Anfang des 
Octobers. 

3 ) Ein Priester-Collegium zur Feier jener Tage. 



150 Zweites Buch. 

seinetwegen erschienen und bedeute seine wachsende Grösse; 
und, wenn wir die Wahrheit gestehen sollen, so war diess 
auch wirklich eine der Erde heilsame Vorbedeutung. 

Einige halten die Kometen für beständig dauernde Ge- 
stirne, die ihren Umlauf haben, aber nur, wenn sie von der 
Sonne entfernt sind, gesehen werden können. Andere mei- 
nen, sie seien zufällige Erzeugnisse von Feuchtigkeit und 
einer feurigen Kraft, und lösten sich von selbst wieder auf 1 ). 

24. 

Eben jener Hipparchus, der nie genug gelobt werden 
kann, da Niemand besser als er die Verwandtschaft der 
Gestirne mit dem Menschen, und dass unsere Seele ein 
Theil des Himmels sei, erwiesen hat, entdeckte einen neuen 
Stern von anderer Beschaffenheit, der zu seiner Zeit ent- 
standen war. Durch dessen Bewegung an dem Tage, wo 
er leuchtete, kam er auf die Vermuthung, dass diess öfter 
geschehe, und dass sich auch diejenigen bewegten, welche 
wir für feststehend halten. Er wagte auch — ein frevel- 
haftes Unternehmen — den Nachkommen Sterne zuzuzählen, 
und sie nach ihren Namen zu ordnen. Er erdachte Instru- 
mente, vermittelst welcher er den Standort und die Grösse 
eines jeden bezeichnete, damit man hiedurch nicht nur ihr 
Verschwinden und Entstehen, sondern auch überhaupt, ob 
sie vorüberziehen und sich bewegen, ob sie grösser oder 
kleiner werden, leicht unterscheiden könnte. So hinterliess 
er der Nachwelt den Himmel als eine Erbschaft, wenn Je- 
mand sich fände, der seine Berechnung begreifen würde. 

25. 

Es leuchten auch Fackeln am Himmel, können aber 
nur gesehen werden, wenn sie herabfallen. Eine solche 
flog, während eines von Germanicus Caesar 2 ) gegebenen 



') Tyge Brahe und Mtestlin, Keplers Lehrer, scheinen zuerst 
die Kometen als Himmelskörper erkannt zu haben; Kepler wies ihnen 
geradlinige Bahnen an. Der Danziger Astronom Hevelius nahm 
parabolische Bahnen an, ebenso Newton, dessen Methode von Halley 
ausgebildet wurde. 

'-) Neffe des Tiberius, Gemahl der älteren Agrippina, Vater des 



Zweites Buch. 151 

Fechterspiels vor den Augen des Volkes am Mittage vor- 
über. Man unterscheidet zwei Arten davon; die einen nennt 
man schlechthin Fackeln *), die andern heissen Wurf- 
spiesse 2 ); eine solche erschien zur Zeit des Mutinensischen 
Krieges. 3 ) Sie unterscheiden sieb dadurch von einander, 
dass die Fackeln eine lange Spur hinterlassen, während 
ihr vorderer Theil brennt; die Spiessfackel aber brennt ganz 
und nimmt einen grösseren Raum ein. 

26. 

Auf ähnliche Weise entstehen aueb feurige Balken, 
welche die Griechen doxoi nennen; ein solcher zeigte sich, als 
die Lacedämonier, zur See besiegt 4 ), die Herrschaft über 
Griechenland verloren. Bisweilen spaltet sich auch der 
Himmel, was man Chasma nennt. 

27. 

Auch erscheint zuweilen ein blutrothes Feuer (eine der 
schrecklichsten Erscheinungen für den furchtsamen Men- 
schen), das dann vom Himmel zur Erde fällt; z. B. im drit- 
ten Jahre der 107. Olympiade 5 ), als der König Philippus 6 ) 
Griechenland bedrängte. Ich glaube, dass diese, sowie die 
übrigen Naturerscheinungen, zu bestimmten Zeiten eintreten, 
und nicht, wie die meisten annehmen, aus verschiedenen, 
von ihnen erst ergrübelten Ursachen entstehen. Zwar sind 
sie immer Vorboten grosser Unglücksfälle gewesen, allein 
mich dünkt, dass letztere nicht eintrafen, weil jene ge- 
schehen waren; sondern dass diese vorausgingen, weil jene 
eintreffen sollten. Bei ihrer Seltenheit ist uns ihre nähere 



Caligula und der jüngeren Agrippina, Nero's Grossvater, geb. 15 v. 
Chr., starb 19 n. Chr. im Oriente. 
') Lampades. 

2 ) Bolides. 

3 ) Mutina, jetzt Modena,. Brutus wurde darin (44 v. Chr.) von 
Antonius belagert. 

4 ) Durch Conon, den Befehlshaber der Athenienser, 395 v. Chr. 

5 ) 350 v. Chr. 

6 ) Der II. oder der Grosse von Macedonien, Vater Alexanders 
des Grossen, war der jüngste Sohn des Königs Amyntas IL, regierte 
bis 336 v. Chr. mit grossem Ruhme; wurde von Pausanias ermordet. 



152 Zweites Bück 

Beschaffenheit noch verborgen; daher kennen wir sie nicht 
so genau wie die oben beschriebenen Aufgänge, Finsternisse 
und viele andere Erscheinungen. 

28. 

Man sieht auch Sterne bei der Sonne ganze Tage lang,, 
welche meistens die Sonnenscheibe wie einen aus Ähren 
geflochtenen Kranz umgeben. Ferner buntfarbige Kreise 
bemerkte man; ein solcher erschien, als der Kaiser Au- 
gustus in früher Jugend nach Eom kam, um nach dem 
Tode seines Vaters dessen grossen Namen auf sich über- 
zutragen. Auch um den Mond und andere vorzügliche 
Sterne, sogar um die Fixsterne, zeigen sich Kränze. 

29. 

Um die Sonne erschien ein Bogen unter den Consuln 
L. Opimius und Q. Fabius 1 ); eine Scheibe unter L. Por- 
cius und M. Acilius 2 ); ein Ring von rother Farbe unter 
L. Julius und P. Rutilius. 3 ) 

30. 

Auch ereignen sich wunderbare und länger dauernde 
Sonnenfinsternisse, wie bei der Ermordung des Dicta- 
tors Caesar 4 ), und im Antonianischen Kriege 5 ), wo die 
Sonne fast das ganze Jahr hindurch blass war. 

31. 

Auch sieht man zuweilen mehrere Sonnen auf ein- 
mal, aber weder oberhalb noch unterhalb von ihr, sondern 
in schräger Richtung; niemals neben ihr, noch zur Erde 
gekehrt, noch des Nachts; sondern entweder beim Auf- oder 
Untergange der Sonne. Einmal sollen auch solche Sonnen 
Mittags am Bosporus gesehen worden sein, und vom Morgen 



') 683 nach Roms Erbauung oder 121 v. Chr. 
2 ) 640 » „ „ 114 „ „ 

3 )664 , „ „ £0 , „ 

4 ) 710 „ , „ 44 , „ C. Julius Caesar, 
Sohn des Prätors gleichen Namens und der Aurelia, Cotta's Toch- 
ter, geb. den 6. Juli 100 v. Chr. Seine Ermordung fiel auf den 
15. März des genannten Jahres. 

5 ) Krieg des Antonius gegen Octavianus Augustus; er endigte 
mit der Seeschlacht bei Actium, 721 nach R. E. oder 29 v. Chr. 



Zweites Buch. 153 

bis zum Abend gedauert haben. Drei Sonnen haben die 
Alten öfters gesehen, so unter Sp. Postumius und Q. Mu- 
cius *); Q. Martius und M. Porcius 2 ); M. Antonius und 
P. Dolabella 3 ); M. Lepidus und L. Plancus 4 ). In un- 
serer Zeit sah man dergleichen unter der Regierung des 
vergötterten Claudius, da derselbe mit Cornelius Or- 
fitus 5 ) das Consulat bekleidete. Mehr als drei sollen bis 
jetzt noch nicht gesehen worden sein. 

32. 

Auch 3 Monde sind zugleich sichtbar geworden, und 
zwar unter den Consuln Cn. Domitius und C. Fannius 6 ). 
Viele nennen diese nächtliche Sonnen. 

33. 

Unter C. Csecilius und Cn. Papirius 7 ) und auch 
ausserdem noch oft sah man des Nachts am Himmel ein 
Licht, welches die Nacht gleichwie einen Tag erhellte. 

34. 

Ein brennender Schild fuhr, Funken sprühend, bei 
Sonnenuntergang von Abend nach Morgen hin unter den 
Consuln L. Valerius und Marius 8 ). 

35. 

Nur einmal und zwar unter den Consuln Cn. Octavius 
und C. Scribonius 9 ), soll ein Funken aus einem Sterne 
gefallen, jemehr er sich der Erde genähert immer grösser 
geworden sein und nachdem er die Grösse des Mondes 
erreicht, eine Helligkeit gleichwie die eines nebligen Tages 
verbreitet haben; darauf wieder zum Himmel zurückgekehrt 
und zu einer Fackel geworden sein. Diese Erscheinung 
sah der Proconsul Silanus und sein Gefolge. 



') 580 nach R. E. oder 174 v. Chr. 

2 ) 636 „ „ . „ 118 „ . 

3) 710 . , . , 44 . „ 

4 ) 712 „ » , , 42 „ „ 

5 ) 51 n. Chr. 

6 ) 632 nach R. E. oder 122 v. Chr. 

7 ) 641 „ . „ , 113 . . 

8 ) 654 , * , , 100 „ „ 

9 ) 678 . , , , 76 „ . 



154 Zweites Buch. 

36. 

Auch scheinen die Sterne hin und her zu fahren, 
jedoch nicht ohne Grund, denn die Entstehung heftiger 
Winde von derselben Seite her hängt damit zusammen. 

37. 

Auch im Meere und auf der Erde giebt e s Sterne. 
Ich selbst habe bei den nächtlichen Feldwachen einen 
leuchtenden Schein von derartiger Gestalt auf den Spiessen 
der vor dem Walle stehenden Soldaten gesehen. Sie lassen 
sich auch auf die Segelstangen und andere Schiffstheile 
nieder, mit einem vernehmbaren Geräusch, wie wenn Vögel 
von einem Sitze zum andern fliegen. Wenn sie einzeln er- 
scheinen, bringen sie Unheil, denn sie versenken dann die 
Schiffe und wenn sie unten in den Kiel fallen, so ver- 
brennen sie dieselben; zu zweien aber sind sie ein günstiges 
Zeichen und verkünden eine glückliche Fahrt. Durch ihre 
Ankunft soll jene schreckliche und Unglückdrohende so- 
genannte Helena *) verjagt werden. Deshalb schreibt man 
auch diese Kraft dem Castor und Pollux 2 ) zu, und ruft 
sie auf dem Meere als Götter an. Auch die Häupter der 
Menschen leuchten rings um in den Abendstunden, was von 
grosser Vorbedeutung ist. Die Ursachen aller dieser Er- 
scheinungen kennt man nicht genau; sie sind in der Hoheit 
der Natur verborgen. 

38. 

So viel von der Welt selbst und den Gestirnen. Nun 
wollen wir zu den übrigen Merkwürdigkeiten des Himmels 
übergehen; denn auch das nannten die Alten Himmel, was 
wir jetzt mit einem anderen Namen Luft nennen. Dieser 
Lebenshauch nimmt allen scheinbar leeren Raum ein. Un- 
terhalb des Mondes ist ihr Sitz, und noch viel tiefer (wie 
ich allgemein angenommen finde) wird sie, indem sich eine 
unendliche Menge der obern Luft mit einer unendlichen 

*) Nach Euripides wurde die spartanische Helena nach ihrer Er- 
mordung von der Juno in den Himmel versetzt, wo ihr Gestirn aber 
den Schiffern Gefahr drohete. 

2 ) Die Zwillinge im Thierkreise. 



Zweites Buch. 155 

Menge irdischer Ausdünstungen mischt, mit beiden Antheilen 
erfüllt. Daraus entstehen Wolken, Donner und Blitz, Ha- 
gel, Reif, Regen, Stürme und Wirbel. Von da herab kommen 
die meisten Uebel der Menschen, und dort ist der Schau- 
platz des Kampfes der Naturkräfte unter sich. Die Macht 
der Gestirne drückt die irdischen, zum Himmel strebenden 
Theile nieder, und zieht die, welche nicht von selbst auf- 
steigen, zu sich empor. Regen fällt herab, Nebel steigen 
auf, Flüsse trocknen aus, Hagel stürzt nieder, die Sonnen- 
strahlen dörren die Erde aus, drängen sie von allen Seiten 
nach der Mitte hin, prallen ungeschwächt zurück, und neh- 
men mit sich, was sie können. Die Hitze kommt von oben 
und steigt wieder dahin zurück. Leer stürzen die Winde 
herbei und kehren mit Raub beladen wieder zurück. Viele 
Thiere ziehen die Luft von der Höhe ein; allein diese 
strebt wieder empor und die Erde ergiesst ihren Hauch in 
die Leere des Himmels. So wird, indem alles in der Na- 
tur wie in einem Triebwerke hier und dort hin strebt, die 
Zwietracht durch die schnelle Bewegung der Welt genährt. 
Der Kampf kann nicht ruhen, sondern dauert bei dem 
reissend schnellen Umschwünge fort, und zeigt, indem er 
mittelst der Wolken plötzlich den Himmel anders überdeckt, 
die Ursachen der Erscheinungen in der die Erde umgeben- 
den unermesslichen Runde. Diess ist auch das Reich der 
Winde. Daher hat die Natur die vorzüglichsten Erschei- 
nungen, und fast alle übrigen Ursachen derselben dort 
vereinigt; denn die Meisten schreiben auch den Donner und 
Blitz der Gewalt der Winde zu. Ja es hat sogar zuweilen 
Steine geregnet, die vom Winde emporgerissen waren, und 
vieles andere. Wir müssen daher ausführlicher über diesen 
Gegenstand sprechen. 

39. 
Es ist gewiss, dass die Ursachen der Witterung und 
andere Erscheinungen zum Theil fest bestimmt, zum Theil 
zufällig oder noch unerforscht sind; denn wer möchte zwei- 
feln, dass Sommer und Winter, und was sonst im Laufe 
der Zeit einem jährlichen Wechsel unterliegt von dem Laufe 



156 Zweites Buch. 

der Gestirne abhänge? Sowie daher die Natur der Sonne 
an der Anordnung des Jahres erkannt wird, so haben auch 
alle übrigen Gestirne ihre eigenthümlichen und ihrer be- 
sondern Natur nach in ihren Wirkungen fruchtbaren Kräfte. 
Einige sind ergiebig an Feuchtigkeit, die sich in Regen 
verwandelt, andere an solcher, die zu Reif oder zu Schnee 
oder zu Hagel wird; einige bringen Sturm, andere laue 
Luft, andere Hitze, andere Thau und andere Kälte. Man 
darf aber ja nicht glauben, dass sie nur so gross sind wie 
wir sie sehen; denn die Berechnung einer so ungeheuren 
Höhe beweist, dass keiner von ihnen kleiner ist als der 
Mond. Ein jeder wirkt daher bei seiner Bewegung nach 
der ihm innewohnenden Kraft; wie bekanntlich das Vor- 
überziehen des Saturns sich durch Regen ankündigt. Diese 
Kraft ist nicht nur den wandelnden Gestirnen eigen, son- 
dern auch vielen am Himmel fest sitzenden, so oft sie durch 
die Annäherung der Planeten angetrieben oder durch die 
auf sie fallenden Strahlen gereizt werden. Diess nehmen 
wir am Regengestirn *) wahr, welches die Griechen des- 
halb nach ihrer Bezeichnung des Regens „Hyaden" nennen» 
Ja, einige bringen von selbst und zu bestimmten Zeiten 
Regen, wie die Böcke 2 ) bei ihrem Aufgange; aber der Stern 
des Arcturus 3 ) geht fast niemals ohne stürmisches Hagel- 
wetter auf. 

40. 
Wem ist nicht bekannt, dass beim Aufgange des 
Hundsgestirns 4 ) die Hitze der Sonne zunimmt? Die Wir- 
kungen dieses Gestirns werden weit und breit auf Erden 
empfunden. Bei seinem Aufgange schäumt das Meer, braust 
der Wein in den Kellern und bewegen sich die Sümpfe. 
Eine wilde Ziege, in Aegypten Oryx 5 ) genannt, soll sich 
bei seinem Aufgange ihm entgegen stellen, es ansehen und 



') Suculae. Sie stehen im Kopfe des Stiers. 

2 ) Haedi, neben und in der linken Schulter des Fuhrmannes. 

3 ) Oberhalb des linken Knies des Bärenhüters (Bootes). 

4 ) oder Sirius in des Schnauze des grossen Hundes. 
*) Vielleicht die Spiessgemse, Antilope Oryx. 



Zweites Buch. 157 

durch Niesen gleichsam anbeten. Auch ist kein Zweifel, 
dass die Hunde in der ganzen Zeit am leichtesten toll 
werden. 

41. 
Sogar einzelne Theile einiger Thierzeichen haben be- 
sondere Kraft, denn im Herbst - Aequinoctium und im 
Winter-Solstitium sehen wir das Gestirn durch stürmisches 
Wetter getrübt. Allein diess lässt sich nicht bloss an 
Regengüssen und Stürmen wahrnehmen, sondern wird auch 
durch viele Erfahrungen an unserm Körper und auf dem 
Felde bestätigt. Einige Menschen werden davon angehaucht, 
andere spüren zu gewissen Zeiten eine Bewegung im Un- 
terleibe, den Nerven, dem Kopfe und Geiste. Der Oelbaum, 
die weisse Pappel und die Weiden rollen im Sommersol- 
stitium ihre Blätter zusammen. Selbst am kürzesten Tage 
blühet das an Häusern aufgehangene, trockne Poleikraut, 
und mit Luft gefüllte Blasen springen. Wundern wird sich 
der, welcher die tägliche Erfahrung nicht beachtet, dass 
ein Kraut, Heliotropium genannt, die Sonne stets ansieht, 
und zu allen Stunden sich mit ihr drehet, selbst wenn jene 
mit Nebel bedeckt ist. So wachsen und schwinden selbst 
durch den Einfluss des Mondes die Körper aller Austern, 
Schnecken und Muscheln. Fleissige Beobachter haben auch 
gefunden, dass die Fibern der Spitzmäuse der Tagezahl 
des Mondes entsprechen, und dass das so kleine Thier, die 
Ameise, die Gewalt des Gestirns empfindet und stets im 
Neumonde ruhet. Dem Menschen gereicht seine Unwissen- 
heit hierin um so mehr zur Schande, da er sieht, dass die 
Augenkrankheiten, besonders einiger Lastthiere, mit dem 
Monde zu- und abnehmen. Alles steht unter dem Schutze 
des weiten Himmels, dessen unermesslicher Umfang in 72 
Zeichen getheilt ist. Diese Zeichen sind Bilder von Ge- 
genständen und lebenden Wesen, in welche die Gelehrten 
den Himmel geschieden haben. In ihnen haben sie noch 
1600, durch Glanz und Grösse ausgezeichnete Sterne be- 
stimmt; z. B. im Schweife des Stiers 7, welche das Sieben- 



158 Zweites Buch. 

gestirn J ) heissen, an der Stirn desselben die Suculae und 
den Bootes, welcher dem grossen Bären folgt. 

42. 

Dass, abgesehen von den angeführten Ursachen, auch 
auf andere Weise Regen und Winde entstehen, will ich 
nicht in Abrede stellen; denn so viel ist gewiss, die Erde 
haucht einen feuchten, sonst aber durch Einflüsse der Hitze 
rauchigen Dunst aus. Auch die Wolken erzeugen sich aus 
der in die. Höhe gestiegenen Feuchtigkeit oder aus den 
zu Feuchtigkeit verdichteten Dünsten. Dass sie eine ge- 
wisse Dichtigkeit haben und etwas Körperliches sind, geht 
unbezweifelt daraus hervor, dass sie die Sonne verdecken, 
welche doch sonst den Tauchern in jeder Tiefe unter dem 
Wasser sichtbar bleibt. 

43. 

Auch ist nicht zu leugnen, dass oben aus den Sternen 
ein solches Feuer (wie wir es oft bei heiterem Himmel 
sehen), in die Wolken fallen kann, durch dessen Schlag 
die Luft erschüttert wird, da ja auch abgeschossene Pfeile 
ein Geräusch machen. Sobald nun das Feuer in die Wolke 
gelangt ist, entwickelt sich ein zischender Dampf, wie 
wenn glühendes Eisen ins Wasser getaucht wird, und ein 
Rauchwirbel steigt empor. Auf solche Weise entstehen 
die Sturmwinde. Kämpfen in den Wolken Wind oder Dampf 
sich drängend, so haben wir den Donner; durchbricht die 
Glüht die Wolken, den Blitz; nimmt sie aber einen län- 
geren Gang, das Wetterleuchten; dieses zertheilt die Wol- 
ken, jener durchbricht sie. Die Donner sind also Stösse 
des andringenden Feuers, daher gleich darauf feurige Risse 
in den Wolken schimmern. 

Auch die von der Erde aufgestiegene, aber durch den 
Gegenstoss der Sterne niedergepresste und von einer Wolke 
aufgehaltene Luft kann Donner erzeugen. So lange die 
Luft kämpft, erstickt die Natur jeden Laut; bricht sie sich 
aber Bahn, so entsteht ein Knall, wie beim Zerspringen 

') Vergilise. 



Zweites Buch. 159 

einer mit Luft gefällten Blase. Ferner kann sich die Luft, 
von welcher Beschaffenheit sie auch sein mag, beim Herab- 
stürzen durch Reibung entzünden. Gleichfalls kann beim 
Zusammentreffen von Wolken, ähnlich wie aus zwei an- 
einander geriebenen Steinen Feuer entsteht, woher das 
Funkeln der Blitze kommt. Aber alles diess gehört zu 
den zufälligen Erscheinungen; solche Blitze sind meist wild 
und unbedeutend, und weichen von dem natürlichen Gange 
der Natur ab. Sie fahren in Berge und Meere; alle ihre 
anderen Schläge sind wirkungslos. Jene andern aber kom- 
men nach festbestimmten Ursachen als Verkünder des 
Schicksals von oben herab aus ihren Gestirnen. 

44. 

Dass auf ähnliche Weise Winde oder vielmehr Luft- 
ströme aus der dünnen und trocknen Ausdünstung der 
Erde entstehen können, möchte ich nicht leugnen; auch 
aus der von den Gewässern ausgehauchten weder zu Nebel 
verdichteten noch zu Wolken verdickten Luft; sowie durch 
den Trieb der Sonne (denn der Wind wird für nichts 
anderes gehalten als für ein Strömen der Luft), endlich 
noch auf verschiedene andere Weise bilden sie sich. Denn 
auch aus Flüssen, und aus dem selbst ruhigen Meere ent- 
wickeln sich Winde; andere, Atlanen genannt, steigen aus 
der Erde. Wenn diese vom Meere zurückkehren, nennt 
man sie Tropäen, und wenn sie über das Meer hinziehen, 
Apogeen. 

Die Bergzüge aber, ihre zahlreichen Gipfel, ihre wie Ell- 
bogen gekrümmten oder wie Schultern gebrochenen Rücken, 
die Aushöhlungen der Thäler, welche durch ihre Ungleich- 
heit die aus ihnen emporgestiegene Luft durchschneiden 
(daher auch die Stimme darin widerhallt), erzeugen fort- 
während Winde. Ja selbst in Höhlen entstehen Winde; 
so befindet sich an der Küste von Dalmatien eine weite 
jähe Schlucht, in welcher durch Hineinwerfen eines leich- 
ten Körpers selbst an ruhigen Tagen ein, einem Wirbel- 
winde ähnliches Brausen erfolgt. Der Ort führt den Na- 
men Senta. So soll auch in der Landschaft Cyrene ein 



160 Zweites Buch. 

dem Südwinde geheiligter Fels liegen, welchen keine 
menschliche Hand berühren darf, ohne dass der Südwind 
sogleich den Sand aufwirbelt. Sogar in manchen Häusern 
haben viele durch Abhaltung des Lichts feucht gewordene 
Gemächer ihren Wind; an einer Ursache fehlt es daher 
niemals. 

45. 
Zwischen dem Luftstrome und dem Winde findet ein 
bedeutender Unterschied statt. Jener wehet beständig und 
fühlbar, und zieht sich nicht bloss über einzelne Striche, 
sondern über ganze Länder hin. Er ist weder eine milde 
Luft, noch ein Sturmwind, sondern wie schon der Name x ) 
anzeigt, der männliche Wind. Er wird entweder durch den 
beständigen Lauf der Welt und den Gegenlauf der Sterne 
erzeugt; oder er ist jener, allen Naturwesen gemeinsame, 
bald hier bald dorthin wie in einem Schlauche herum- 
schweifende Hauch; oder er ist die, durch den ungleichen 
Stoss der Planeten und den vielfältigen Wurf der Strahlen 
gepeitschte Luft; oder er entsteht aus besondern, den Son- 
nenstrahlen näheren Sternen, oder aber aus den Fixsternen. 
So viel ist gewiss, dass jenem Strome ein nicht unbekanntes, 
wenn auch noch nicht genugsam erforschtes Naturgesetz 
zum Grunde liegt. Mehr als 20 alte griechische Schrift- 
steller haben ihre Beobachtungen darüber mitgetheilt. Es 
ist in der That sehr zu bewundern, dass auf der uneinigen 
und in kleine Staaten getheilten Erde, unter fortwährenden 
Kriegen, wo die Gastfreundschaft verletzt ward, und sogar 
Seeräuber, die Feinde aller Menschen, die Uebergänge be- 
setzt hielten, so viele Männer mit so schwierigen Sachen 
beschäftigt gewesen sind; so dass heutzutage ein Jeder in 
seinem Lande aus den Werken jener Forscher, welche 
doch nie dahin gekommen waren, über jene Gegenstände 
besser unterrichtet ist, als durch die Kunde der Eingebornen. 
Jetzt aber, bei dem beglückenden Frieden, unter einem 
Künste und Wissenschaften befördernden Fürsten, erwei- 

•) Flatus. 



Zweites Buch. 161 

tern wir unser Wissen nicht nur nicht, sondern machen 
uns auch nicht einmal mit den Erfindungen der Alten be- 
kannt. Die damaligen Belohnungen waren nicht gross, 
denn die Glücksgüter theilten sich unter viele; und die 
meisten fanden keinen anderen Preis für ihre Bemühungen 
als das Bewusstsein, der Nachwelt genützt zu haben. Die 
Sitten der Menschen sind gealtert, nicht ihre Werke. Eine 
zahllose Menge schifft allenthalben auf dem offnen Meere 
umher, und nimmt die Gastfreundschaft aller Küsten in 
Anspruch, nicht der Wissenschaft, sondern des Gewinnes 
wegen. Der blinde, von Habsucht so erfüllte Geist bedenkt 
nicht, dass er seinen Endzweck durch die Wissenschaft 
weit sicherer erreichen kann. Ich werde daher von den 
Winden genauer, als es vielleicht für den Plan dieses Wer- 
kes passt, handeln, weil ich auf so viele Tausend Seefahrer 
Kücksicht nehme. 

46. 
Die Alten nahmen überhaupt vier Winde, nach den 
vier Weltgegenden an (daher auch Homer nicht mehrere 
nennt); allein diese Eintheilung war, wie man bald einsah, 
mangelhaft. Das folgende Zeitalter fügte mit allzugrosser 
Genauigkeit und Zersplitterung, noch acht hinzu. Die fol- 
genden wählten das Mittel zwischen beiden, indem sie zu 
der kleinern Eintheilung noch vier von der grössern setz- 
ten. Dadurch kommen also je zwei auf die vier Himmels- 
gegenden. Vom Aequinoctial-Aufgange (der Sonne) kommt 
der Ostwind *), vom Winteraufgange der Südostwind 2 ); 
jenen nennen die Griechen Apeliotes, diesen Eurus. Vom 
Mittag kommt der Südwind 8 ), vom Winteruntergange der 
Südwest 4 ); bei den Griechen Notus und Liba. Vom Aequi- 
noctial-Untergange der Westwind 5 ), vom Solstitial-Unter- 
gange der Nordwest 6 ); bei den Griechen Zephyrus und 
Argestes. Von Mitternacht der Nordwind 7 ), zwischen ihm 
und dem Solstitial-Aufgange der Nordost 8 ); bei den Grie- 



') Subsolanus. 2 ) Vultumus. 3 ) Auster. 4 ) Africus. 5 ) Favonius. 
«) Corus. 7 ) Septentrio. 8 ) Aquilo. 

11 



1(32 Zweites Buch. 

eben Aparktias und Boreas. Nach der grössern Eintheilung 
kommen noch vier Winde dazwischen, nämlich: der Nord- 
nordwest 1 ), mitten zwischen Nord und dem Solstitial-Unter- 
gange; der Ostnordost 2 ) mitten zwischen dem Nordost und 
dem Aequinoctial- Aufgange, vom Solstitial-Punkte an; der 
Südsüdost 3 ), mitten zwischen dem Winteraufgange und 
Mittag; der Südsüdwest 4 ) mitten zwischen Mittag und dem 
Winteruntergange, d. h. zwischen Süd und Südwest 5 ) und da- 
her aus beiden (Namen) zusammengesetzt. Aber das ge- 
nügte noch nicht! Einige setzten nämlich zwischen dem 
Boreas und Csecias den Nordostnord 6 ), und zwischen den 
Eurus und Notus den Südostsüd. 7 ) 

Einige Winde sind nur gewissen Ländern eigenthüm- 
lich, und gehen nicht über einen bestimmten Strich hinaus; 
wie z. B. bei den Atheniensern der Sciron, der wenig vom 
Argestes abweicht und dem übrigen Griechenland unbekannt 
ist. An andern Orten, wo er etwas mehr von Norden weht, 
heisst er Olympias; allein gewöhnlich ist mit allen diesen 
Namen der Argestes gemeint. Auch den Csecias nennen 
Einige Hellespontias. Ueberhaupt haben dieselben Winde 
an verschiedenen Orten verschiedene Namen. In der Nar- 
bonensischen Provinz ist der Circius der bedeutendste aller 
Winde, denn er steht keinem an Heftigkeit nach, und weht 
meistens über das ligurische Meer nach Ostia hin. Der- 
selbe ist nicht nur in den übrigen Theilen der Erde unbe- 
kannt, sondern er berührt auch nicht einmal Vienna, die 
Hanptstadt jener Provinz, weil er, ungeachtet seiner Heftig- 
keit, nahe vor der Stadt durch einen nicht sehr bedeuten- 
den Bergrücken aufgehalten wird. Auch Fabianus leugnet, 
dass der Südwind in Aegypten wehe. Hieraus geht ein 
Naturgesetz hervor, wonach auch den Winden Zeit und 
Grenzen gesetzt sind. 

47. 

Der Frühling eröffnet den Schiffern die Meere; bei sei- 



•) Thrascias. 2 ) Csecias. 3 ) Phoenix. 4 ) Libanotus. 5 ) Notus und 
Liba. 6 ) Meses. 7 ) Euronotus. 



Zweites Buch. 163 

nem Anfange, nämlich wenn die Sonne im 25. Grade des 
Wassermanns steht, erreicht der Westwind den winterlichen 
Himmel. Der Tag, an welchem diess geschieht, ist der 
sechste vor den Iden des Februars. 1 ) Dasselbe gilt fast 
von allen Winden, die ich später besprechen werde; nur 
in den Schaltjahren kommen sie um einen Tag früher, in 
dem folgenden Lustrum 2 ) aber befolgen sie wieder die 
alte Ordnung. Der Westwind heisst bei Einigen vom ach- 
ten Tage vor den Kaienden des März 3 ) an Chelidonias 
wegen der Ankunft der Schwalben, bei Anderen Ornithias, 
weil er vom 71. Tage nach dem Wintersolstitium, das ist 
von der Ankunft der Vögel an, neun Tage lang wehet. 
Der dem Westwinde entgegengesetzte heisst Ostwind. Der 
Sommer tritt mit dem Aufgange des Siebengestirns in dem- 
selben Grade 4 ) des Stieres, am neunten Mai, ein; diess ist 
die Zeit des Südwindes, welcher dem Nordwinde entgegen 
steht. In der heissesten Periode des Sommers geht der 
Hundsstern auf, beim Eintritt der Sonne in den ersten 
Grad des Löwen, oder am 16. Juli. Ohngefähr 8 Tage 
vor seinem Aufgange wehet der Nordost, der daher auch 
Vorläufer 5 ) heisst. Aber zwei Tage nach seinem Aufgange 
wehet derselbe Wind in den Hundstagen beständig fort, 
und heisst Passatwind. 6 ) Man glaubt, die Hitze der Sonne 
verbunden mit der des Hundssterns mildere diesen Wind, 
welcher beständiger als alle andern Winde ist. Darauf 
folgt wieder häufiger Südwind bis zum Aufgange des Arc- 
turus, elf Tage vor dem Herbst-Aequinoctium. Mit dem 



') Der 7. Februar. Mus war der 15. Tag im März, Mai, Juli und 
October, in den übrigen Monaten der 13. 

2 ) Hier ein Zeitraum von 4 Jahren. Ursprünglich aber verstand 
man darunter das Sühnopfer, welches alle 5 Jahre vorgenommen 
wurde. 

3 ) Am 22. Februar. Kalendse war der erste Tag eines jeden 
Monats. 

4 ) Dem 25. 

5 ) Prodromus. 

6 ) Etesias. 

11* 



164 Zweites Buch. 

Herbst- Aequinoctium beginnt als Herbstwind der Nordwest; 
ihm ist der Südostwind entgegen. Etwa 44 Tage nachher 
tritt mit dem Untergange des Siebengestirns der Winter 
ein, welcher Zeitpunkt auf den 10. November zu fallen 
pflegt. Mit ihm beginnt auch der winterliche Nordost, wel- 
cher von dem im Sommer wehenden sehr verschieden ist; 
sein Gegner ist der Südwest. Sieben Tage vor und. nach 
dem kürzesten Tage ist das Meer mit der Brut der Eis- 
vögel bedeckt, woher auch diese Tage ihren Namen 1 ) er- 
halten haben; die übrige Zeit ist es Winter. Allein selbst 
durch die Rauheit des Wetters wird das Meer nicht ver- 
schlossen. Anfangs sah man sich nur aus Furcht, den 
Seeräubern zur Beute zu werden, mit Todesgefahr genö- 
thigt, im Winter das Meer zu beschiffen; allein jetzt ist 
die Habsucht die Triebfeder dazu. 

48. 

Am kältesten siud die Winde, welche, wie wir an- 
gegeben, vom Norden her wehen, uud der ihnen benach- 
barte Nordwest. Diese herrschen auch über die andern und 
vertreiben die Wolken. Feuchte Winde sind der Südwest, 
und vorzüglich für Italien der Südwind. Auch im Pontus 
soll der Ostnordost die Wolken an sich ziehen. Trockne 
Winde sind der Nordwest und Südost, ausgenommen wenn 
sie ruhig wehen. Der Nordost und Nord bringen Schnee, 
der Nord und Nordwest Hagel, der Südwind ist heiss, der 
Südost und West lau, beide aber trockner als der Ostwind, 
und im Allgemeinen sind die von Norden und Westen 
kommenden trockner als die, welche von Süd und Ost. 
Der gesundeste unter allen ist der Nordost; der Südwind 
nachtheilig und mehr trocken, vielleicht, weil er feucht, 
und darum kälter ist. Während er wehet, sollen die Thiere 
weniger Hunger empfinden. 

Die Passatwinde hören fast immer bei Einbruch der 
Nacht auf und erheben sich um die dritte Tagesstunde 2 ) 



•) Halcyonides, 

2 ) 9 Uhr Morgens. Der Tag fing bei den Römern nach unserer 
Zeitrechnung um G Uhr Morgens an. 



Zweites Buch. 165 

wieder. In Spanien und Asien wehen sie von Osten her, 
im Pontus von Nordost, in den übrigen Ländern von Mittag. 
Sie wehen auch vom kürzesten Tage au, wo sie dann 
Ornithiä heissen, aber milder sind und nur wenige Tage 
dauern. Zwei Winde verändern auch ihre Natur mit der 
Ortlage; der Südwind bringt Afrika heitern, der Nordost 
trüben Himmel. 

Alle Winde wehen grösstenteils abwechselnd, oder so, 
dass, wenn einer aufhört, der entgegengesetzte anfängt. 
Erhebt sich aber der zunächst liegende, so geschieht diess, 
gleich dem Laufe der Sonne, von der linken Seite zur 
rechten. Ihre Beschaffenheit während eines Monats hängt 
von dem 4. Tage nach dem Neumonde ab. Mit ein und 
demselben Winde kann man in entgegengesetzter Richtung 
schiffen, wenn man die Segeltaue nachlässt, weshalb auch 
häufig des Nachts von entgegengesetzten Seiten kom- 
mende Fahrzeuge zusammenstossen. — Der Südwind schlägt 
grössere Wellen als der Nordost, denn jener weht von dem 
untersten Ende des Meeres her, dieser dagegen vom ober- 
sten. *) Daher treten nach dem Südwinde besonders häufig 
gefährliche Erdbeben ein. Des Nachts ist der Südwind, 
am Tage der Nordostwind heftiger. Die Ostwinde halten 
länger au als die Westwinde. Die Nordwinde hören 
meistens an ungeraden Tagen auf, was auch für viele 
andere Naturgegenstände gilt, daher hält man die ungerade 
Zahl für die männliche. Die Sonne vermehrt und unter- 
drückt die Winde; die Vermehrung findet bei ihrem Auf- 
gange und Untergange, die Verminderung zur Sommerzeit 
um Mittag statt. Daher ruhen sie grösstenteils in der 
Mitte des Tages oder der Nacht, indem sie durch die all- 
zugrosse Kälte oder Hitze vertrieben werden. Auch durch 
Regen werden die Winde beschwichtigt. Aber fast immer 
sind wir ihrer gewärtig, wenn zerrissene Wolken den Him- 



') Dieser Satz wird verständlich, wenn man sich, im Sinne der 
Alten, die nördliche Weltgegend weit höher denkt als die südliche. 



166 Zweites Buch. 

mel durchblicken lassen. Eudoxus x ) glaubt, dass (wenn 
man die geringsten Nebenumstände beachten würde) alle 
vier Jahre dieselben Wind- und Witterungswechsel wieder- 
kehren. Der Anfang dieser vierjährigen Periode ist im 
Schaltjahre, beim Aufgange des Hundssternes. Soviel von 
den allgemeinen Winden. 

49. 
Nun gehen wir zu den plötzlich entstehenden Winden 
über, welche sich, wie gesagt 2 ), aus den Dünsten der Erde 
erzeugen, dann aber, mit einer Wolkenhülle umgeben, nie- 
derstürzen und in vielfacher Gestalt erscheinen. Umher- 
schweifend und gleich reissenden Strömen fortstürzend er- 
zeugen sie (nach der oben angeführten Meinung Einiger) 3 ) 
Donner und Blitz. Wenn sie mit grösserer Kraft und 
schnellerem Anlaufe eine trockne Wolke durchbrechen, so 
entsteht der Sturmwind, den die Griechen Eknephias 
nennen. Haben sie aber, enger zusammengerollt, die Wolke 
in einem flachen Bogen durchbrochen, jedoch ohne Feuer, 
d. h. ohne Blitz, dann bilden sie einen Wirbel, welcher 
Typhon oder gewirbelter Eknephias heisst. Dieser nimmt 
ein abgerissenes Stück von der kalten Wolke mit sich, und, 
indem er es wälzt und drehet und seine Zerstörung durch 
jenes Gewicht noch beschleunigt wird, zieht er in reissendem 
Wirbel von Ort zu Ort. Besonders den Seefahrern ist er 
ein gefährliches Uebel, denn er zerbricht nicht nur die 
Segelstangen, sondern die Fahrzeuge selbst. Mit einem 
sehr billigen Mittel kann man sich gegen ihn schützen; 
man giesst ihm nämlich Essig, dessen Natur sehr kühlend 
ist, entgegen. Wird er nach heftigem Anprallen zurück- 
gestossen, so reisst er das Ergriffene saugend mit sich in 
die Höhe. 

50. 
Wenn er die gepresste Wolke in einer grössern Höh- 



') Aus Knidos, ein Schüler des Plato, war Arzt und Geometer 
und starb 348 v. Chr. 

2 ) Im 42. Cap. 

3 ) Im 43. Cap. 



Zweites Buch. 167 

lung, die aber nicht so weit ist als beim Sturmwinde, mit 
Krachen durchbricht, so heisst er Wirbelwind 1 ), und reisst 
dann alles nieder, was ihm nahe steht. Ist er aber heiss 
und zündet er während seines Tobens, so nennt man ihn 
feurigen Wirbelwind 2 ); er verbrennt und vernichtet 
alles, was er berührt. Niemals entsteht aber bei Nordost- 
winde der Typhon, noch im Winter oder wenn Schnee 
liegt, der Eknephias. Wenn letzterer beim Durchbruch der 
Wolke sich entzündet, das Feuer aber schon bei sich ge- 
habt und nicht erst empfangen hat, so wird er zum Blitze. 
Er unterscheidet sich vom Prester, wie die Flamme vom 
Feuer. Dieser verbreitet sich durch sein Blasen weit und 
breit, jener wird durch seine Heftigkeit zusammengeballt. 
Der Dreh wind 3 ) unterscheidet sich vom Wirbelwinde durch 
sein Wiederkehren, gleich wie ein prasselndes Geräusch 
vom Knalle. Von beiden aber ist der Sturmwind 4 ) durch 
seine Breite verschieden; er treibt die Wolken mehr aus 
einander als er sie durchbricht. Es giebt auch schwarze, 
ungeheuren Thieren ähnliche Wolken, welche für den 
Schiffer Unheil drohend sind. Man nennt sie Säulen, wenn 
die verdickte und starre Feuchtigkeit sich selbst aufrecht 
hält. Zu derselben Gattung gehört ferner die Wolke, welche 
gleich einer Röhre das Wasser an sich zieht. 

51. 
Im Winter und Sommer sind, aus entgegengesetzten 
Ursachen, die Blitze selten, denn im Winter wird die 
ohnehin dichte Luft durch die dickere Wolkenhülle noch 
mehr verdichtet; alle Ausdünstung der Erde ist starr und 
eisig, und was sie an Feuerstoff empfängt, erlöscht. Aus 
diesem Grunde ist Scythien sammt den umliegenden kalten 
Ländern frei von Blitzen; dagegen hat in Aegypten die 
allzugrosse Hitze dieselben Folgen, denn die heissen und 
trocknen Dünste der Erde verdichten sich nur selten, und 

') Turbo. 

2 ) Prester. 

3 ) Vortex. 

4 ) Procella. 



168 Zweites Buch. 

dann nur zu dünnen, lockern Wolken. Allein im Frühlinge 
und im Herbste entstehen häufiger Blitze, weil die Ur- 
sachen, welche ihrem Entstehen im Winter und Sommer 
hinderlich sind, in jenen beiden Jahreszeiten wegfallen. 
Daher wird Italien oft von Blitzen heimgesucht, denn die 
bewegliche Luft des mildern Winters und feuchten Sommers 
gleicht gewissermaassen derjenigen im Frühlinge und Herbste. 
Auch in den mehr südlich gelegenen Gegenden Italiens, 
wie um Rom und in Companien, blitzt es im Sommer sowohl 
wie im Winter, was in andern Ländern nicht geschieht. 

52. 

Man giebt von den Blitzen selbst mehrere Arten an. 
Die trocknen zünden nicht, sondern zerschmettern nur; die 
feuchten brennen nicht, sondern sengen nur. Eine dritte 
Art, der helle Blitz genannt, ist von wunderbarer Beschaf- 
fenheit; er leert die Fässer aus, ohne sie im geringsten zu 
beschädigen oder sonst eine Spur zu hinterlassen. Er 
schmelzt Gold, Silber und Kupfer in den Beuteln, ohne die 
letztern zu verbrennen, und nicht einmal das wächserne 
Siegel wird dadurch verletzt. Marcia, eine vornehme Rö- 
merin, wurde während ihrer Schwangerschaft vom Blitze 
getroffen, und blieb selbst ohne ander weiten Unfall am 
Leben, während ihre Leibesfrucht getödtet ward. Unter 
andern Wunderzeichen während der Catilinarischen Ver- 
schwörung ereignete es sich auch, dass der Dekurio 1 ) 
M. Herennius aus der Pompejanischen Pflanzstadt 2 ) an 
einem heitern Tage vom Blitze erschlagen wurde. 

53. 

In den Schriften der Thuscer 3 ) wird angegeben, 
dass neun Götter die Blitze entsenden, und dass es elf 
Arten derselben gebe; Jupiter allein schleudere drei davon. 
Die Römer haben nur zwei behalten, und schreiben die 
am Tage erfolgenden dem Jupiter, die des Nachts entste- 



') Rathsherr in einer Pflanzstadt (municipium). 

*) Pompeji. 

3 ) Etruscer oder Hetrurier. 



Zweites Buch. 169 

henden dem Summanus a ) zu. Die letzteren sind wegen 
des kältein Himmels seltener. In Etrurien glaubt man, es 
brächen auch Blitze aus der Erde hervor und nennt sie 
unterirdische. Sie erfolgen im Winter und sind äusserst 
wüthend und schrecklich, denn sie haben alle einen irdi- 
schen Ursprung und gehören nicht zu den allgemeinen, 
welche von den Gestirnen herabkommen, sondern erzeugen 
sich aus den nächsten und unreinem Stoffen der Natur. 
Der auffallende Unterschied beider Arten liegt darin, dass 
alle vom Himmel kommenden Blitze schräg, die sogenann- 
ten irdischen aber gerade einschlagen. Da sie aber aus 
einem uns nähern Stoffe fallen, so glaubt man, sie kommen 
aus der Erde, weil sie keine Spur ihres Zurückprallens 
zeigen; allein dieses Verhalten spricht nicht für einen von 
unten kommenden Schlag, sondern für einen diesem gerade 
entgegengesetzten. Diejenigen, welche die Sache genauer 
untersucht haben, glauben, sie kämen vom Saturn herab, 
sowie die zündenden vom Mars. Durch einen solchen Blitz 
ward Volsinii 2 ), die reichste Stadt der Thuscser, ganz ver- 
brannt. 

Familienblitze nennt man die für das ganze Leben 
bedeutungsvollen, welche dem, welcher eine Familie be- 
gründet, zum ersten Male erscheinen. Uebrigens glaubt 
man, dass die Vorbedeutungen der Blitze in Privatange- 
legenheiten sich nicht über zehn Jahre hinaus erstrecken, 
ausgenommen diejenigen, welche am Geburtstage und bei 
der ersten Heirath erscheinen; in öffentlichen Angelegen- 
heiten weissagen sie nicht über 30 JaJire, ausgenommen 
bei der Anlegung neuer Städte. 

54. 

In den Jahrbüchern 3 ) findet man, dass durch gewisse 
Opfer und Gebete die Blitze weggebannt und herbei- 



*) Gott der Unterwelt (Summus manium). 

2 ) Volsena. 

3 ) Annales, waren von den Priestern geführte Bücher, über die 
Hauptereignisse eines jeden Jahres, aus welchen die spätem Histo- 
riker ihren Stoff schöpften. 



170 Zweites Buch. 

gerufen werden können. Eine alte Sage in Etrurien er- 
zählt, man habe, als einst ein Ungeheuer, Volta genannt, 
die Aecker verwüstete und die Stadt Volsinii bedrohete, 
Blitze herbeigerufen. Auch Porsenna 1 ), der dortige Kö- 
nig, erflehete Blitze; und dass vor ihm Numa 2 ) dasselbe 
gethan, berichtet L. Piso 3 ), ein glaubwürdiger Schriftsteller 
im ersten Buche seiner Annalen; T. Hostilius 4 ) habe ihm 
darin, aber weniger glücklich nachgeahmt, denn er sei 
vom Blitze erschlagen. Wir haben zu diesem Behufe Haine, 
Altäre und heilige Gebräuche; und neben dem Jupiter 
Stator 5 ), Tonans 6 ) und Feretrius 7 ) haben wir auch einen 
Jupiter Elicius 8 ) angenommen. Im gemeinen Leben hegt 
man hierüber verschiedene Meinungen, die sich nach den 
Ansichten eines Jeden richten. Es ist ein kecker Gedanke, 
die Natur beherrschen zu wollen, und nur ein schwacher 
Verstand wird behaupten, dass man Naturkräften durch 
Opfer ihren Einfluss benehmen könne; ja die Kenntniss in 
der Erklärung der Blitze ist schon so weit gekommen, dass 
man durch Hülfe ihrer zukünftige Blitze auf den Tag be- 
stimmt vorhersagt, und wie aus unzähligen Erfahrungen 



') König von Clusium in Etrurien, im 6. Jahrh. v. Chr., zu dem 
der aus Rom vertriebene Tarquinius flüchtete, Vergl. XXXIV. B. 
14. Cap. 

2 ) Numa Pompilius, der zweite römische König, 715 — 670 v. Chr. 

3 ) L. Calpurnius Piso, ein verdienter Staatsmann, der 133 
v. Chr. das Consulat bekleidete. 

4 ) Enkel des Hostus Hostilius, dritter römischer König, 670 — 638 
v. Chr. Vergleiche XVIII. B. 2. Cap. 

5 ) Romulus gelobte dem Jupiter einen Tempel, wenn er die 
vor den Sabinern fliehenden Römer zum Stehen bewegen würde. 
Liv. I. 12. 

6 ) Der Donnerer. 

7 ) Romulus weihete dem Jupiter einen Tempel und brachte 
ihm die dem Könige der Cänimenser abgenommene Beute dar, welche 
auf einer Bahre (feretrum) getragen wurde. 

8 ) Der herabgelockte. Numa soll nämlich die Kunst verstanden 
haben, durch zauberische Gebräuche den Jupiter vom Olymp zu sich 
herabzulocken. 



Zweites Buch. 171 

•des öffentlichen und Privatlebens hervorgeht, bestimmt, ob 
sie das Schicksal ändern, oder das Kommen neuer Ereig- 
nisse andeuten. Mögen diese Dinge nun, wie es ihre Na- 
tur mit sich bringt, Einigen als gewiss, Andern als zweifel- 
haft, Andern als erwiesen, Andern als verwerflich erschei- 
nen; wir wollen die übrigen Erscheinungen, welche hiebei 
noch bemerkenswerth sind, nicht übergehen. 

55. 
Dass der Blitz eher gesehen als der Donner gehört 
wird, obgleich beide zu gleicher Zeit entstehen, ist gewiss, 
aber auch kein Wunder, denn das Licht pflanzt sich weit 
schneller fort als der Schall. Die Natur hat es zwar so 
eingerichtet, dass Schlag und Schall in demselben Momente 
zusammenfallen; aber der Schall ist die Wirkung des aus- 
fahrenden, nicht des einschlagenden Blitzes. Noch schneller 
als der Blitz ist die Luft, daher wird alles eher erschüttert 
und ange wehet als vom Strahle getroffen, auch Niemand 
vom Blitze erschlagen, der ihn zuvor gesehen oder den 
Donner gehört hat. Die Blitze, welche von der linken Seite 
herkommen, werden für glücklich gehalten, weil der Sonnen- 
aufgang uns zur Linken Seite der Welt liegt. Jedoch wird 
dabei nicht sowohl auf seine Ankunft als vielmehr auf seine 
Rückkehr Rücksicht genommen; ob nämlich sogleich nach 
dem Schlage Feuer abspringt , oder ob nach vollendetem 
Schlage oder nach verlöschtem Feuer die Luft sogleich wie- 
derkehrt. Die Thuscer haben zu diesem Behufe den Him- 
mel in 16 Theile getheilt. Der erste Theil erstreckt sich 
vom Norden bis zum Aequinoctial- Aufgange; der zweite 
von da bis Mittag; der dritte von hier bis zum Aequinoc- 
tial-Untergange; der vierte enthält den übrigen Raum von 
da bis zum Norden. Jeder dieser Theile zerfällt wiederum 
in vier, von denen acht die dem Sonnenaufgange links, 
und acht die demselben rechts liegenden genannt werden. 
Von allen Blitzen haben nun diejenigen die schrecklichste 
Bedeutung, welche von West nach Nord sich zeigen. Es 
kommt also sehr viel darauf an, von woher sie ziehen und 
wohin sie sich wenden. Am besten ist es, wenn sie da, 



172 Zweites Buch. 

wo sie entstanden sind, wieder hineilen. Kommen sie da- 
her vom ersten Theile des Himmels her und kehren wie- 
der dahin zurück, so verkünden sie das grösste Glück, wie 
dergleichen dem Dictator Sulla *) widerfahren sein soll. Die 
Blitze, welche von den übrigen Theilen kommen, sind we- 
niger Glück bringend oder Unheil verkündend. Manche 
Blitze soll man weder nennen, noch nennen hören dürfen, 
es sei denn, dass mau einem Gastfreunde oder Verwandten 
davon erzählte. Wie unsicher diese Beobachtung ist, hat 
sich in Rom erwiesen, als unter dem Konsul Scaurus 2 ), 
welcher bald darauf der erste unter seinen Amtsgenossen 
wurde, der Blitz in den Tempel der Juno einschlug. 

Blitz ohne Donner bemerkt man mehr bei Nacht »als 
bei Tage. Das einzige lebende Wesen, welches er nicht 
immer tödtet, ist der Mensch, die übrigen sterben auf der 
Stelle. Die Natur scheint ihm diesen Vorzug deshalb ge- 
geben zu haben, weil ihn so viele Thiere an Stärke über- 
treffen. Alle Thiere liegen auf der dem Schlage entgegen- 
gesetzten Seite; der Mensch stirbt nicht, wenn er nicht auf 
die getroffene Stelle geworfen wird; die von oben Getrof- 
fenen werden sitzend, die wachend Getroffenen mit geschlos- 
senen Augen, und die schlafend Getroffenen mit offenen 
Augen gefunden. Nach religiösen Vorschriften soll ein vom 
Blitz erschlagener Mensch nicht verbrannt, sondern beerdigt 
werden. Kein Thier wird, wenn es nicht schon todt war, 
vom Blitz angezündet. Die vom Blitze herrührenden Wun- 
den sind kälter als der übrige Körper. 

56. 

Von allem, was die Erde hervorbringt, wird der Lorbeer- 
baum nicht vom Blitze getroffen, und nie dringt er über 
fünf Fuss tief in die Erde. Daher halten Furchtsame sich 
in tiefen Höhlen, oder auch in Zelten aus den Fellen der 
Seekälber für sicher, denn diess Thier ist das einzige unter 
den Seegeschöpfen, welches der Blitz nicht verletzt, sowie 



') Geboren 147, gestorben 78. v. Chr. 
2 ) 115 v. Chr. 



Zweites Buch. 173 

unter den Vögeln der Adler, daher derselbe als Träger die- 
ses Geschosses abgebildet wird. In Italien zwischen Ter- 
racina und dem Tempel der Feronia 1 ) werden in Kriegs- 
zeiten keine Thtirme mehr erbauet, weil keiner derselben 
vom Blitze verschont blieb. 

57. 

Ausserdem finden sich, was die untere Region des 
Himmels betrifft, Nachrichten, dass es unter den Konsuln 
M. Acilius und C. Porcius 2 ) und auch sonst noch Milch 
und Blut geregnet habe; ferner Fleisch, unter den Kon- 
suln P. Volumnius und Servius Sulpitius 3 ), und die Stücke, 
welche die Vögel nicht weggeholt hätten, sollen nicht ver- 
fault sein. Auch Eisen regnete es in Lukanien ein Jahr 
zuvor, ehe M. Crassus nebst allen lukauiscben Soldaten, 
von denen sich eine grosse Anzahl bei seinem Heere be- 
fand, von den Parthern niedergemacht wurde. 4 ) Im Aeussern 
glich das herabgefallene Eisen Schwämmen; die Harus- 
pices hatten auch schon vorher vor Wunden, welche von 
oben kämen, gewarnt. Unter den Konsuln L. Paulus und 
E. Marcellus 5 ) regnete es in der Nähe des compsanischen 
Kastells 6 ) Wolle; ein Jahr darnach wurde dort T. Annius 
Milo getödtet. Die öffentlichen Urkunden 7 ) berichten auch, 
dass es, als jener seine Rechtssache vertheidigte, Ziegel- 
steine geregnet habe. 

58. 

Man erzählt, dass während des cimbrischen Krieges s ), 
und auch häufig früher und später Waffengeklirr und 



') Göttin der Freiheit und Beschützerin der Wälder und Haine. 
Der Tempel lag an der Stelle des heutigen Lago di Ferona. 
-) 640 n. R. E. 114 v. Chr. 
3 ) 293 n. R. E. 461 v. Chr. 
«) 701 n. R. E. 53 v. Chr. 

5 ) 704 n. R. E. 50 v. Chr. 

6 ) bei Compsa (Conza). 

7 ) Acta, eine Art Zeitungen, welche unter Julius Caesar auf- 
kamen. 

8 ) 101 v. Chr. 



174 Zweites Buch. 

Hörn erschall vom Himmel herab gehört worden sei. Aber 
unter dem 3. Konsulate des Marius *) sahen die Ameriner 
und Tuderter Waffen am Himmel, die von Morgen und Abend 
her gekommen so lange mit einander kämpfteu,' bis die 
letztern zurückgedrängt waren. Dass selbst der ganze Him- 
mel brennt, ist keineswegs wunderbar und schon oft ge- 
sehen, wenn die Wolken von einem grossen Feuer ergriffen 
wurden. 

59. 
Die Griechen rühmen von Anaxagoras 2 ) aus Klazomenä,. 
dass derselbe im 2. Jahre der 78. Olympiade 3 ) vermöge 
seiner Kenntniss in der Astronomie vorhergesagt habe, an 
welchem Tage ein Stein aus der Sonne fallen würde, und 
dass diess wirklich in einer Gegend von Thracien, am 
Flusse Aegos 4 ) bei Tage geschehen sei. Dieser Stein, von 
der Grösse eines beladenen Wagens und von brandiger 
Farbe, wird noch jetzt gezeigt. Um jene Zeit stand auch 
ein feuriger Komet am Himmel. Wer aber an eine solche 
Vorhersagung glaubt, der muss noth wendig auch zugeben, 
dass die Weissagungskraft des Anaxagoras ein noch grös- 
seres Wunder war; und unsere Einsicht in das Wesen der 
Dinge würde in Nichts zerfallen, und in gänzliche Verwir- 
rung gerathen, wenn entweder die Sonne selbst ein Stein 
wäre, oder man glaubte, dass jemals ein Stein auf ihr ge- 
wesen sei. Dass aber dennoch häufig Steine herabfallen, 
wird darum keinen Zweifel erleiden. In der Fechtschule 
zu Abydus 5 ) wird noch heutzutage ein Stein, der zwar nur 
klein ist, dessen Herabfallen mitten auf das Land aber 
Anaxagoras. ebenfalls voraus gesagt haben soll, heilig ver- 
wahrt. Auch zu Cassandria, welches jetzt Potidäa 6 ) heisst, 



') 103 v. Chr. 

-) Geboren 500 v. Chr., starb 428 zu Lampsacus. 

3 ) 4G7 y. Chr. 

4 ) An der Strasse der Dardanellen. 

5 ) Es gab mehrere Orte dieses Namens, einen in Troas, einen 
in Thebais und einen in Japygia. 

6 ) Auf der Landspitze Pallene in Macedonien; jetzt heissen ihre 
Ruinen Porte di Cassandro. 



Zweites Buch. 175 

wird ein solcher Stein aus derselben Veranlassung verehrt 
Ich selbst habe im Gebiete der Vocontier x ) einen gesehen, 
der erst kurz vorher herabgefallen war. 

60. 

Was wir Kegenbogen nennen, ist eine häufige, weder 
mit Wundern noch Deutungen begleitete Erscheinung; denn 
nicht einmal Hegen oder heiteres Wetter zeigt er mit Sicher- 
heit an. Es ist offenbar, dass der in eine hohle Wolke 
einfallende Sonnenstrahl, an der Spitze gebrochen und ge- 
gen die Sonne zurückgeworfen wird; und dass die Ver- 
schiedenheit der Farben aus der Mischung der Wolken, 
der Luft und des Feuers hervorgeht. Er entsteht in der 
That auch nur auf der der Sonne entgegengesetzten Seite, 
und niemals anders, als in der Gestalt eines Halbkreises; 
auch erscheint er nie des Nachts, obgleich Aristoteles an- 
giebt, dass man um diese Zeit einst einen solchen gesehen 
habe, zugleich gesteht er aber, dass diess nur am 14. Tage 
nach dem Neumonde möglich sei. Die meisten Regenbogen 
bilden sich im Winter, vom Herbst-Aequinoctium an, wenn 
die Tage abnehmen. Wenn diese wieder zunehmen, also 
vom Frühlings-Aequinoctium an, erscheinen sie eben so 
wenig wie zur Zeit des Sommer-Solstitiums, in den läng- 
sten Tagen. Im Winter-Solstitium, an den kürzesten Ta- 
gen, sind sie sehr häufig. Sie stehen hoch, wenn die Sonne 
tief, und tief, wenn die Sonne hoch steht; sie sind Morgens 
und Abends kleiner, aber breiter, Mittags schmäler, aber 
von grösserem Umfange. Im Sommer sieht man sie des 
Mittags nicht, jedoch nach dem Herbst-Aequinoctium zu 
jeder Stunde. Nie erscheinen auf einmal mehr als zwei. 

61. 

Die übrigen hieher gehörigen Naturerscheinungen dürf- 
ten wohl den Meisten klar sein. Der Hagel entsteht aus 
gefrorenem Regen, der Schnee aus derselben, nur lockerer 
vereinigten Feuchtigkeit, der Reif aber aus erstarrtem Thau. 
Im Winter fällt Schnee, aber kein Hagel, dieser selbst am 



') Jetzt Vaison im südlichen Frankreich. 



176 Zweites Buch. 

Tage öfter als in der Nacht und zergeht schneller als der 
Schnee. Nebel entstehen weder im Sommer noch bei 
strenger Kälte; Thau fällt weder bei Kälte, noch bei Hitze, 
noch beim Winde, sondern in heitern Nächten. Durch den 
Frost wird die Wassermasse verringert und wenn das Eis 
aufthauet, dieselbe Quantität nicht wiedergefunden. In den 
Wolken nimmt man verschiedene Farben und Gestalten 
wahr, je nachdem das beigemischte Feuer die Oberhand 
hat oder untergeordnet ist. 

62. 

Ausserdem zeigen einige Orte gewisse Eigenthümlich- 
keiten. So hat man in Afrika im Sommer thauige Nächte. 
In Italien zu Locri 1 ) und am velinischen See 2 ) erscheinen 
jeden Tag Kegenbögen. Zu Rhodus und Syrakus ist der 
Himmel nie so sehr mit Wolken bedeckt, dass man nicht 
"wenigstens zu einer Stunde des Tages die Sonne sehen 
kann. Alles dies werde ich jedoch passender bei den be- 
treffenden Orten vortragen. So viel von der Luft. 

63. 

Nun folgt die Erde, welcher wir, wegen ihrer grossen 
Verdienste, allein von allen Theilen der Welt den Namen 
und die Verehrung einer Mutter verliehen haben. Sie ist 
dem Menschen das, was der Gottheit der Himmel ist; sie 
nimmt uns bei der Geburt auf, ernährt und erhält uns 
fortwährend, und zuletzt, wenn die übrige Natur sich von 
uns lossagt, empfängt sie uns in ihrem Schoos und bedeckt 
uns als eine liebende Mutter. Durch kein Verdienst ist 
sie uns heiliger, als dass sie uns selbt heilig macht; auch 
trägt sie unsere Monumente und Inschriften, und pflanzt so 
unsere Namen und unser Andenken weit über das kurze 
Leben hinaus fort. Im Zorne rufen wir sogar ihre Gottheit 
gegen die Todten an, als wenn wir nicht wüssten, dass sie 
es allein ist, welehe nie einem Menschen zürnt. 

Die Wasser werden zu Regen, erstarren zu Hagel, 



f ) Jetzt Motta di Burzano. 

2 ) Jetzt Rio de Luco oder Lagodella Mann. 



Zweites Buch. 177 

schwellen zu Fluthen an, und stürzen als reissende Ströme 
daher; die Luft verdichtet sich zu Wolken und wüthet in 
Stürmen. Aber diese gütige, milde, geduldige, und dem 
Sterblichen stete Dienerin, was bringt sie nicht durch An- 
bau hervor! Was spendet sie nicht schon freiwillig! Welche 
Gerüche, Speisen, Säfte, dem Gefühle angenehme Dinge, 
welche Farben! Mit welcher Treue giebt sie das ihr an- 
vertraute Gut verzinst zurück, und was ernährt sie nicht 
um unsertwillen! Denn die giftigen Thiere, an deren Da- 
sein ihr belebender Geist schuld ist, muss sie, durch diesen 
befruchtet, aufnehmen und nach der Geburt erhalten. Aber 
die Schuld liegt an denen, welche das Uebel erzeugen. 
Sie nimmt die Schlange, welche einen Menschen tödtete, nicht 
wieder auf 1 ), und vollführt die Strafen im Namen der Trä- 
gen; sie spendet heilsame Kräuter und zeuget nur immer 
für den Menschen. Ja es ist wahrscheinlich, dass sie auch 
die Gifte aus Erbarmen mit uns hervorgebracht hat, damit 
nicht, beim Ueberdruss des Lebens, der Hunger, eine den 
Verdiensten der Erde ganz fremde Todesart, uns langsam 
verzehrend aufreibe; oder Felsen den zerrissenen Körper 
zerstreuen; ferner, damit nicht der Strick uns auf unnatürliche 
Weise martere und den Geist einschliesse, der einen Aus- 
weg sucht; damit nicht, wenn wir im Wasser den Tod 
suchen, unsere Leiche zum Frasse werde; damit endlich 
nicht das Eisen unsern Körper zertheile. So erzeugte sie 
aus Erbarmen etwas, durch dessen leichten Genuss wir mit 
unverletztem Körper und vollem Blute, ohne Mühe, gleich 
Dürstenden das Leben aushauchen, damit die so Gestorbe- 
nen kein Vogel oder wildes Thier berühre, und der in der 
Erde bewahrt werde, welcher sich selbst den Tod gab. 
Um die Wahrheit zu gestehen, so gab uns die Erde das 
Mittel wider die Uebel, wir machen es aber zum Gifte für 
das Leben. Denn bedienen wir uns nicht des Eisens, wel- 
ches wir nicht entbehren können, auf ähnliche Weise? Und 
dennoch haben wir Unrecht zu klagen, wenn sie auch die 



») Siehe XXIX. Buch, 23. Capitel. 

12 



178 Zweites Buch. 

Ursache irgend eines Uebels wäre, und nur gegen diese 
eine Seite der Natur sind wir undankbar. Zu welchem 
Vergnügen und zu welchen Schandthaten ist sie nicht dem 
Menschen behilflich? Sie wird ins Meer geworfen, oder, 
um Kanäle zu bauen, aus dem Wasser hervorgegraben ; 
mit Eisen, Holz, Feuer, Steinen und Früchten wird sie stets 
gequält, mehr um des Vergnügens als der Nahrung willen. 
Das würde noch erträglich erscheinen, was man an ihrer 
Oberfläche vornimmt. Allein wir dringen auch in ihr Inne- 
res, graben nach Gold und Silber, Erz und Blei; sogar edle 
und andere kleine Steine suchen wir in tief angelegten 
Schächten. Wir reissen ihre Eingeweide heraus, um den 
Stein, welchen wir suchen, am Finger zu tragen. Wie viele 
Hände sind bemüht, damit nur ein Glied glänzen kann! 
Wenn es unterirdische Menschen gäbe, wahrhaftig durch 
jene habgierigen und schwelgerischen Gräber wären sie 
längst herausgescharrt. Sollen wir uns nun noch wundern, 
wenn sie etwas zu unserm Nachtheil hervorgebracht hat! 
Denn die wilden Thiere, glaube ich, schützen sie noch und 
halten die räuberischen Hände ab. Graben wir nicht mitten 
unter Schlangen, und suchen die. Goldadern bei giftigen 
Wurzeln? Allein die Göttin ist deshalb versöhnt, weil alle 
diese Quellen des Reickthums zu Verbrechen, Mord und 
Krieg führen, weil wir sie mit unserm Blute benetzen und 
mit unsern unbegrabenen Gebeinen bedecken. Jedoch, nach- 
dem sie uns gleichsam unsere Wuth vorgeworfen hat, be- 
deckt sie endlich selbst jene Gebeine, und verbirgt so die 
Schlechtigkeiten der Menschen. Unter die Verbrechen der 
Undankbarkeit möchte ich auch noch das zählen, dass wir 
mit ihrer Natur noch nicht gehörig vertraut sind. 

64. 
Ihre Gestalt aber ist das erste, worüber man einerlei 
Meinung hat. Mit Recht nennen wir sie Erdkreis, und 
geben zu, dass ihre Kugelform von Spitzen umschlossen sei. 
Denn bei der ungeheuren Höhe der Berge und Fläche der 
Felder kann sie keine vollkommene Kugel darstellen; aber, 



Zweites Buch. 179 

wenn man die äussersten Endpunkte durch eine Umfangs- 
linie verbindet, dann entsteht ein vollkommener Kreis. Die 
ganze Anordnung der Natur erheischt diess schon, nur 
nicht aus denselben Ursachen, welche wir bei dem Himmel 
angegeben haben. Denn dieser bildet eine in sich selbst 
geneigte Hohlkugel, die allenthalben in ihrer Angel, d. i. 
der Erde ruht. Diese dagegen, fest und voll, erhebt sich 
gleichsam aufschwellend und strebt nach aussen. Die Welt 
neigt sich zum Mittelpunkte, allein die Erde geht vom 
Centrum aus, indem ihre ungeheure Masse durch den be- 
ständigen Umschwung der Welt um sie in der Kugelform 
erhalten wird. 

65. 
Bei den Gelehrten und dem gemeinen Volke herrscht 
ein grosser Streit darüber, ob die Erde allenthalben von 
Menschen bewohnt sei, die einander die Füsse entgegen- 
kehren, ob sie alle denselben Scheitelpunkt am Himmel 
haben, und auf gleiche Weise an jedem Orte in der Mitte 
stehen. Die Letzteren dagegen werfen die Frage auf, wo- 
Jier es denn käme, dass die Gegenfüssler nicht fielen? 
als ob die Gegenfüssler sich nicht eben so gut darüber wun- 
dern könnten, dass wir nicht fallen. Dazu gesellt sich noch 
eine andere, wenngleich nur dem dummen Volke wahr- 
scheinliche Meinung, dass die Erde, da sie nur eine unvoll- 
kommne Kugel, etwa wie eine Pinienfrucht gestaltet sei, 
doch allenthalben bewohnt werde. Doch was bedeutet diess 
gegen ein anderes Wunder, was sich uns darbietet? Sie 
schwebt sogar frei und fällt nicht mit uns herab. Allein, 
lässt sich die Kraft der Luft, die ausserdem noch von der 
Welt eingeschlossen ist, bezweifeln; und kann die Erde 
fallen, da die Natur ihr widerstrebt, und ihr keinen Raum 
lässt, wohin sie falle? Denn sowie der Sitz des Feuers 
nur im Feuer, der des Wassers nur im Wasser und der 
Luft nur in der Luft selbst ist, so hat die Erde, allent- 
halben eingeschlossen, nur in sich selbst Platz. Wunder- 
bar erscheint es aber doch, dass sie bei der ungeheuren 
Fläche des Meeres und der Ebene noch eine Kugel bildet. 

12* 



Ig0 Zweites Buch. 

Dieser Meinung pflichtet auch Dicsearchus l ), ein sehr ge- 
lehrter Mann bei, der auf Befehl der Könige 2 ) die Berge 
ausmaass, unter denen er den Pelion 3 ) als den höchsten zu 
1250 Schritten nach der senkrechten Höhe angab und sagte, 
dass diese Höhe im Vergleich zu dem ganzen Umfange der 
Erde ganz verschwinde. Mir scheint diese Behauptung unzu- 
verlässig, denn ich kenne Alpenspitzen, die sich in langem 
Zuge bis zu 50,000 Schritten 4 ) erheben. Aber am meisten 
widerstreitet der Pöbel, wenn er sich die , Oberfläche des 
Meeres auch als gerundet denken soll. Und doch giebt es iu 
der ganzen Natur nichts, was durch den blossen Anblick be- 
greiflicher wäre; denn auch herabhängende Tropfen bilden 
Kugeln, und bringt man sie auf Staub oder wollige Blätter, 
so erscheinen sie ebenfalls in vollkommener Kugelgestalt, 
und in gefüllten Bechern steht der mittlere Theil am höch- 
sten. Alles diess lässt sich wegen der Zartheit und Weich- 
heit des Wassers leichter durch Vernunftsschlüsse als durch 
den blossen Anblick einsehen. Noch wunderbarer ist die 
Erscheinung, dass, wenn man in einen gefüllten Becher 
nur das Geringste von Flüssigkeit noch hinzugiebt, der* 
selbe sogleich überläuft, was hingegen nicht geschieht, 
wenn man Gewichte, selbst bis zu 20 Denarien schwer, 
hineinlegt. Der Grund davon beruht darauf, dass alles, 
was ins Innere der Flüssigkeit gelangt, diese in die Höhe 
treibt, aber, was auf die schon convexe Fläche gegossen 
wird, herabläuft. Darum sieht man auch von den Schiffen 
aus das Land nicht, was man von Mastbäumen aus er- 
blickt, und darum scheint bei einem wegsegelnden Schiffe 
etwas Glänzendes, was an der Spitze des Mastbaumes 
befestigt ist, allmählig hinabzusteigen, und verschwindet 
zuletzt ganz. Unter welcher anderen Gestalt würde 
endlich der Ocean, den wir für das Aeusserste hal- 
ten, zusammen halten und nicht herabfallen, da ihn kein 



') Von Messina um 330 v. Chr.; Schüler des Aristoteles. 

a ) Die Nachfolger Alexanders des Grossen. 

3 ) Jetzt Petras in Thessalien. 

*) Eine viel zu hohe, offenbar durch Abschreiber entstellte Zahl. 



Zweites Buch. 181 

Ufer einschliesst? Gleichwohl bleibt es bei der Kugelform 
wunderbar, dass der äusserste Theil des Meeres nicht ab- 
fliesst. Dass diess aber nicht stattfinden könne, wenn auch das 
Meer so flach wäre, wie es uns scheint, beweisen mehrere 
griechische Forscher mit vieler Selbstgefälligkeit und Ruhm- 
rederei durch folgende geometrische Spitzfindigkeit: „Da 
nach der einstimmigen Meinung das Wasser von der Höhe 
zur Tiefe hinabgezogen würde, auch Niemand daran zweifle, 
dass dasselbe so weit sich zum Ufer erstrecke, als seine 
Abschüssigkeit es nur immerhin zugiebt; da es ferner be- 
kannt sei, dass, je tiefer etwas liege, es dem Mittelpunkte 
der Erde um so näher sei, und alle Linien, welche von 
diesem Mittelpunkte aus zum nächstliegenden Wasser ge- 
zogen würden, kürzer wären, als diejenigen, welche von da 
bis zur äussersten Wasserfläche gehen; also strebe die 
ganze Wassermasse nach dem Mittelpunkte, und könne 
nicht herabfallen, weil sie nach Innen drücke." 

66. 
Man muss annehmen, dass die kunstreiche Natur des- 
halb diese Einrichtung getroffen hat, damit, weil die trockne 
und dürre Erde für sich nicht ohne Wasser, und wiederum 
das Wasser nicht ohne die Stütze der Erde sich halten 
kann, beide Elemente durch gegenseitige Verschlingung 
verbunden würden. Die Erde breitet ihren Schooss aus, 
das Wasser durchströmt sie von innen, aussen und oben, 
und seine Adern kreuzen sich wie Bande durcheinander, 
ja selbst auf den höchsten Bergen bricht es hervor. Durch 
Dünste getrieben und durch die Last der Erde gepresst, 
springt es wie aus Röhren hervor, und ist so weit entfernt 
von der Gefahr des Herabfallens, dass es sogar sehr weit 
in die Höhe treibt. Daraus erklärt es sich denn, warum 
das Meer durch den täglichen Zufluss so vieler Ströme 
nicht grösser wird. Die Erdkugel ist daher in ihrem mitt- 
leren Umfange ganz vom Meere umgürtet, Diess braucht 
nicht erst durch Beweisgründe erforscht zu werden, sondern 
ist längst durch die Erfahrung bekannt. 



182 Zweites Buch. 

67. 
Von Gades 1 ) und den Säulen des Herkules 2 ) au wird 
längs der Küste von Spanien und Gallien heutzutage der 
ganze westliche Theil der Erde befahren. Auch das Nord- 
meer ist grösstentheils beschifft, denn unter der Regierung 
des vergötterten Augustus fuhr eine Flotte um Germanien 
herum bis zum cimbrischen Vorgebirge 3 ); von da gelangte 
man, nachdem man ein unermessliches Meer gesehen oder 
wenigstens davon gehört hatte, zum scythischen Lande und 
zu wasserreichen, von Eis starrenden Gegenden. Es ist da- 
her gar nicht wahrscheinlich, dass da, wo ein Ueberfluss 
an Feuchtigkeit ist, das Meer fehle. Ebenso ist im Osten 
vom indischen Meere aus unter demselben Sternbilde der 
ganze gegen das kaspische Meer liegende Theil 4 j durch 
die macedonische Flotte unter der Regierung des Seleukus 
und Antiochus 5 ), welche diese Gewässer auch nach ihren 
Namen benannt wissen wollten, durchschifft worden. Un- 
weit von dem kaspischen Meere sind auch viele Küsten 
des Oceans untersucht, und das ganze Nordmeer ist von 
dieser sowohl als von jener Seite bis auf eine Strecke 
durchrudert. Dass aber dennoch den blossen Vermuthungen 
noch kein Ziel gesteckt ist, beweist der Mäotische See 6 ) 
aufs deutlichste, von dem man immer noch nicht weiss, 
ob er, wie viele geglaubt haben, einen Busen jenes Oceans, 
oder ein stehendes, nur durch eine Landenge von ihm ge- 
trenntes Gewässer bildet. 



') Cadix in Spanien. 

2 ) So hiessen die beiden Berge Abyla und Calpe auf den Küsten 
von Gibraltar, welche Herkules auf jeder Seite der Meerenge errich- 
tet haben soll, um dem Mittelmeere einen Durchgang zu verschaffen 
und ein Denkmal zu setzen, wie weit er auf seinen Reisen gekommen sei. 

3 ) Das Scagencap in Jütland. Die hier gemeinte Fahrt unternahm 
Drusus; s. Tacitus Annal. IL 8. 

4 ) Nach der damaligen Ansicht bildete das Caspische Meer einen 
Busen des nördlichen Oceans; s. im VI. Buch 15 und 17 Capitel. 

5 ) Zu Ende des dritten und zu Anfang des zweiten Jahrhunderts 
v. Chr. 

°) Das asowische Meer. 



Zweites Buch. 183 

Auf der andern Seite von Gades wird heutzutage von 
dem westlichen Ocean her ein grosser Theil des Südens 
längs Mauritanien x ) befahren. Ein noch grösserer Theil 
davon, sowie des Ostmeeres bis an den arabischen Meer- 
busen ist durch die Siege Alexanders des Grossen 2 ) be- 
kannt geworden. Als auf letzterm C. Caesar, der Sohn des 
Augustus Krieg führte, soll man Ueberbleibsel von früher 
daselbst gestrandeten spanischen Schiffen gefunden haben. 
Auch Hanno 3 ) schiffte, als Carthago's Macht noch blühete, 
von Gades bis zur arabischen Küste, und gab darüber eine 
Schrift heraus. Zu derselben Zeit wurde Himilco 4 ) aus- 
gesandt, um die äussersten Grenzen Europa's kennen zu 
lernen. Ausserdem erzählt Cornelius Nepos, dass zu seiner 
Zeit ein gewisser Eudoxus auf seiner Flucht vor dem Kö- 
nige Lathurus 5 ) vom arabischen Meerbusen aus nach Gades 
gesegelt sei; und lange vor ihm berichtet Caelius Antipater 6 ), 
er habe Einen gekannt, welcher von Spanien nach Aethio- 
pien in Handelsangelegenheiten geschifft sei. Derselbe 
Nepos sagt von den nördlichen Küsten, dass Quintus Me- 
tellus Celer, der Mitkonsul des L. Africanus, aber damals 
noch 7 ) Prokonsul in Gallien, von dem Könige der Sueven 
einige Indier zum Geschenk erhalten habe, die des Handels 
wegen von Indien gesegelt und durch Stürme nach Ger- 
manien verschlagen worden wären. So entziehen uns die 
den Erdball allenthalben umfliessenden Meere einen Theil 
desselben, zu dem es weder von uns, noch zu uns von ihm 
her eine wegsame Bahn giebt. Diese Betrachtung, welche 
besonders die Eitelkeit der Menschen ans Licht stellen 



') Fez und Marokko. 

2 ) Sohn Philipps II. von Macedonien, und der Olympias, ge- 
boren zu Pella den 6. August 356 v. Chr., starb 323. 

3 ) Karthagischer Feldherr aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. 

4 ) Ebenfalls ein Karthager. 

s ) Diess war der Beiname des ägyptischen Königs Ptolemaeus VIII., 
der von 117 — 81 v. Chr. regierte. 

6 ) L. Cselius Antipater aus Kotyseum, geboren 20 v. Chr., beschrieb 
unter den Römern zuerst den 2. punischen Krieg. 

') 63 v. Chr. 



184 Zweites Buch. 

kann, veranlasst mich, den ganzen bekannten Erdkreis, auf 
welchem Niemand seiner Habsucht Schranken setzt, gleich- 
sam vor Augen zu stellen, und zu zeigen, wie gross er ist. 

68. 

Schon frühe scheint man das feste Land als die Hälfte 
der Erde betrachtet zu haben, als wenn dadurch der Ocean 
nicht zu kurz käme, da er doch das Ganze rings umgiebt, 
alle andern Gewässer ausströmt und wiederum in sich auf- 
nimmt, indem alles, was in die Wolken steigt, von ihm 
ausgeht und er selbst so viele Gestirne ernährt; welchen 
ungeheuren Raum muss er also einnehmen? Uebermässig 
und unendlich muss der Umfang dieser ungeheuren Masse 
sein. Nun denke man hinzu, was von dem übriggebliebe- 
nen Theile der Himmel weggenommen hat. Die Erde wird 
nämlich in 5 Theile getheilt, welche Zonen heissen. Alles 
was an den beiden äussersten liegt, wird von heftiger Kälte 
und ewigem Eise eingeschlossen, und grenzt an die bei- 
den Pole, von denen der eine Nordpol und der andere ihm 
entgegengesetzte Südpol heisst. In beiden herrscht ewige 
Finsterniss, der Anblick der milden Gestirne ist ihnen fremd, 
und nur ein kärgliches, durch den Reif weissliches Licht 
ihnen verliehen. Der mittlere Erdgürtel aber, den die Sonne 
umkreist, ist von der Hitze verbrannt und gänzlich ausge- 
dörrt. Nur die beiden Zonen, zwischen der heissen und 
kalten, sind gemässigt, stehen aber wegen des Brandes der 
Sonne nicht miteinander in Verbindung. So hat also der 
Himmel der Erde drei Theile entrissen; was der Ocean 
weggenommen, ist unbestimmt. 

Aber ich weiss nicht, ob der uns noch übrig gebliebene 
Theil sich nicht in grösserer Gefahr befindet; denn der 
Ocean, welcher, (wie ich noch zeigen werde) so viele Bu- 
sen bildet, tobt mit solcher Wuth auf die benachbarten 
innern Meere ein, dass z. B. der arabische Meerbusen nur 
noch 115,000 Schritte vom ägyptischen, und der kaspische 
See nur noch 375,000 Schritte vom pontischen Meere ent- 
fernt ist. Ferner dringt er in so viele Meere, durch welche 
er Afrika, Europa und Asien von einander trennt; wie viel 



Zweites Buch. 185 

Land nimmt er also ein? Hiezu rechne man die Grösse 
so vieler Flüsse, so grosser Seen, Sümpfe und stehenden 
Gewässer, und ziehe noch ab die zum Himmel emporstre- 
benden, steilen Bergrücken, jähe Wälder und Schluchten, 
einsame und aus tausend Ursachen wüste Gegenden! Die- 
ser Theil der Erde, dieser, wie Einige sie genannt haben, 
Punkt der Welt (denn im Vergleich mit dem Weltall ist 
die Erde nichts anderes) ist der Gegenstand und Sitz un- 
seres Ruhmes. Hier bekleiden wir Ehrenstellen, beherr- 
schen Länder, streben nach Schätzen, beunruhigen das 
menschliche Geschlecht, erregen sogar Bürgerkriege, und 
machen uns durch gegenseitigen Mord die Erde geräumi- 
ger. Und, um die öffentlichen Volksaufstände zu übergehen, 
hier ist es, wo wir unsere Grenznachbarn vertreiben, ihre 
Raine stehlen und zu unserm Acker pflügen; allein, den 
wievielsten Theil der Erde hat der wohl, welcher die Gren- 
zen seiner Felder erweiterte, und seine Nachbarn vertrieb? 
Oder wenn er auch sein Besitzthum nach Maassgabe seiner 
Habsucht vergrössert hat, wie viel wird er bei seinem Tode 
davon behalten? 

69. 

Dass die Erde in der Mitte der Welt liegt, ergiebt 
sich aus mehreren unbezweifelten Gründen, am deutlichsten 
aber aus der Gleichheit der Stunden im Aequinoctium. 
Denn dass, wäre sie nicht in der Mitte, auch keine gleichen 
Tage und Nächte stattfinden könnten, beweisen schon die 
Dioptern *), nach welchen zur Aequinoctialzeit Aufgang und 
Untergang in ein und derselben Linie, sowie der Solstitial- 
Aufgang und Brumal-Untergang in einer Linie liegen. Al- 
les diess könnte auf keine Weise stattfinden, wenn di& 
Erde nicht in der Mitte läge. 

70. 

Drei über den oben genannten Zonen liegende Kreise 
bestimmen die Ungleichheit der Zeiten. Der Solstitialkreis, 



') Wörtlich: Durchsichten, auch Sonnenquartanten genannt, ein 
Instrument, an welchem die Sonne durch eine Oefthung auf eine 
fläche fällt, und die Zeit angiebt. 



186 Zweites Buch. 

welcher sich an dem für uns höchsten Theile des Thier- 
kreises befindet, liegt nach Norden; der Brumalkreis nach 
dem andern Pole hin, mitten aber durch den Thierkreis 
zieht sich der Aequinoctialkreis. 

71. 

Die Ursache der übrigen von uns bewunderten Er- 
scheinungen liegt in der Gestalt der Erde selbst; sowie 
ihre und mit ihr der Gewässer kugelrunde Form aus den- 
selben Gründen hervorgeht. Daher kommt es denn ohne 
Zweifel, dass uns die Gestirne am nördlichen Himmel nie- 
mals untergehen, hingegen die südlichen niemals aufgehen; 
ferner werden unsere Sterne von den Bewohnern der süd- 
lichen Länder nicht gesehen, weil die Erdkugel den Blicken 
in den Weg tritt. Im Lande der Troglodyten *) und dem 
benachbarten Aegypten sieht man den Nordstern nicht; den 
Canopus 2 ), das sogenannte Haar der Berenice, sowie das 
Gestirn, welches unter dem vergötterten Augustus der Thron 
des Kaisers genannt wurde, welche doch alle dort wahr- 
zunehmen sind, sieht man in Italien nicht. Ja die Krüm- 
mung der Erdkugel ist so merklich, dass der Canopus etwa 
nur um den vierten Theil eines Zeichens für Alexandrien 
über den Horizont hervorzuragen scheint, während er zu 
Rhodus scheinbar die Erde streift; im Pontus, wo der Nord- 
stern am höchsten steht, sieht man jenen gar nicht. Da- 
gegen ist der Nordstern auf Rhodus und noch mehr in 
Alexandrien unsichtbar; im November bleibt er während 
der drei ersten Nachtstunden 3 ) verborgen, in den drei fol- 
genden erscheint er; zu Meroe erscheint er imSolstitium eine 
kurze Zeit des Abends, und wenige Tage vor dem Aufgange 
des Bären 4 ) sieht man ihn gleichfalls bei Tagesanbruch. 

Dergleichen Erscheinungen bieten sich am häufigsten 



1 ) Nubien und Abessinien. 

2 ) Ein Stern erster Grösse im südlichen Ruder des Schiffes Argo. 

3 ) Prima vigilia. Die Römer theilten die Nacht in vier Vigilien, 
jede von drei Stunden; die Griechen aber hatten bloss drei Vigilien, 
jede von vier Stunden. 

4 ) Am 21. Februar. 



Zweites Buch. 187 

den Seefahrern da, indem das Meer auf der einen Seite in 
die Höhe steigt, und auf der andern sich wieder herabsenkt, 
wodurch dann die Sterne, welche erst hinter dem Erdballe 
verborgen waren, plötzlich sichtbar werden, indem sie gleich- 
sam aus dem Meere hervortauchen. Denn keineswegs er- 
hebt sich (wie Einige behaupten) die Welt an diesem 
(nördlichen) Pole so hoch, dass diese Sterne allenthalben 
gesehen werden könnten, sondern sie scheinen denjenigen, 
welche dem Pole näher wohnen, höher, den Entferntem 
dagegen tiefer zu stehen. Sowie nun den am üussersten 
Punkte wohnenden jener Pol sehr hoch vorkommt, so er- 
heben sich denen, welche noch darüber hinaus gehen, die 
tiefer liegenden Sterne, und diejenigen senken sich, welche 
dort am höchsten standen; was alles nicht stattfinden könnte, 
wenn die Erde nicht die Gestalt eines Balls hätte. 

72. 
Daher können die Bewohner des Ostens die am Abend 
«ich zeigenden Sonnen- und Mondfinsternisse ebenso- 
wenig, wie die Bewohner des Westens die am Morgen ent- 
stehenden, sehen; öfter aber erscheinen beiden die mittägigen 
Finsternisse. Als Alexander der Grosse die grosse Schlacht 
bei Arbela 1 ) gewann, soll daselbst in der zweiten Stunde 
der Nacht eine Mondfinsterniss stattgefunden haben, wäh- 
rend sie in Sicilien zur selbigen Zeit beim Aufgange des 
Mondes eintrat. Vor einigen Jahren, unter den Konsuln 
Vipstanus und Fontejus 2 ) sah man in Kampanien am 30. 
April zwischen der 7. und 8. Tagesstunde eine Sonnenfinster- 
niss, welche Corbulo, der damalige Feldherr in Armenien, 
zwischen der 10. und 11. Tagesstunde bemerkt haben 
will. So zeigt und verdeckt die Erde durch ihre Ku- 
gelform dem Ein&n diess, dem Andern jenes. Wäre die 
Erde flach, so würden alle Menschen solche Erscheinungen 
zugleich sehen, auch würden die Nächte nicht von unglei- 
cher Dauer sein; denn sowohl diejenigen, welche in der 



') Am 21. Sept. 331 v. Chr. gegen Darius. 
2 ) 59 n. Chr. unter Nero. 



188 Zweites Buch. 

Mitte wohnten, als auch alle Andern würden Tage und 
Nächte von zwölf gleichen Stunden haben. 

73. 
Deshalb ist es auch nie auf der ganzen Erde zugleich 
Tag und Nacht, denn auf der der Sonne entgegengesetzten 
Hälfte der Kugel entsteht Nacht, und durch ihren Um- 
schwung bringt sie dieser Hälfte den Tag wieder. Diess 
beweisen viele Erfahrungen. In Afrika und Spanien wurden 
von Hannibal Thürme, und in Asien ähnliche Warten ge- 
gen die Ueberfälle der Seeräuber erbauet; wenn man nun 
auf denselben das Signalfeuer um die 6. Tagesstunde an- 
zündete, so sahen es, wie mehrere Fälle beweisen, die dort 
absegelnden Schiffe bloss bis zur dritten Stunde der Nacht. 
Philonides, der Läufer Alexanders des Grossen, legte den 
1200 Stadien langen Weg von Sicyon nach Elis in neun 
Stunden am Tage zurück; von da aber, kehrte er, unge- 
achtet es bergab ging, erst in der 3. Stunde der Nacht zu- 
rück. Die Ursache war, dass er hinwärts mit der Sonne 
ging, auf dem Eückwege aber ihm die Sonne entgegen kam. 
Aus gleichen Gründen haben die nach Westen Segelnden, 
selbst am kürzesten Tage, länger Tag als Nacht, weil sie 
gleichsam die Sonne begleiten. 

74. 
Nicht überall kann man dieselben Stundenuhren ge- 
brauchen, weil sie sich alle 300 bis 500 Stadien mit dem 
Schatten der Sonne verändern. So beträgt die Schatten- 
länge des Zeigers (welchen man Gnomon nennt) in Aegyp- 
ten am Tage des Aequinoctii zur Mittagszeit etwas mehr 
als die halbe Länge des Zeigers. Zu Rom fehlt dem Schat- 
ten Vs der Länge des Zeigers; in Ankona ist er um V35 
länger; in dem Theile von Italien, welcher Venetia heisst, 
gleicht zu derselben Stunde die Länge des Schattens der 
des Zeigers. 

75. 
Auch erzählt man, dass zu Syene *), einer Stadt, welche 



') Jetzt Assuan. 



Zweites Buch. 189 

5000 Stadien jenseits Alexandrien liegt, die Sonne am 
Tage des Solstitiums zu Mittag keinen Schatten werfe, 
und dass sie einen Brunnen, den man zu diesem Behufe 
gegraben habe, erleuchte. Daraus geht hervor, dass um 
jene Zeit die Sonne dort gerade im Scheitelpunkte steht, 
was nach Onesikritus l ) auch in Indien über dem Flusse 
Hypasis 2 ) um dieselbe Zeit der Fall sein soll. Dasselbe 
erfolgt zu Berenice 3 ), einer Stadt der Troglodyten, und dem 
4820 Stadien von da entfernten, demselben Volke gehören- 
den Ptolemäis 4 ), welches an der Küste des rothen Meeres 
zum Behufe der ersten Elephantenjagden erbauet wurde; 
hier zeigt sich die erwähnte Erscheinung 45 Tage vor und 
nach dem Solstitium, und diese neunzig Tage hindurch fällt 
der Schatten nach Mittag. Auch zu Meroe 5 ) (einer Insel 
und Hauptstadt der Aethiopier, die 5000 Stadien von Syene 
entfernt im Nil liegt) hat man zwei mal im Jahre keinen 
Schatten, wenn nämlich die Sonne im 18. Grade des Stiers, 
und im 14. Grade des Löwen steht. In Indien, im Lande 
der Oreten, befindet sich ein Berg Maleus genannt bei 
welchem die Schatten im Sommer nach Mittag und im 
Winter nach Mitternacht geworfen werden. Dort ist der 
grosse Bär auch nur 15 Nächte lang sichtbar. In dem be- 
rühmten indischen Hafen Patalis geht die So nne zur Rechten 
auf, und der Schatten fällt nach Mittag. Als Alexander 
sich dort aufhielt, wurde der grosse Bär nur in den ersten 
drei Stunden der Nacht gesehen. Sein Feldherr Onesikri- 
tus berichtet, dass an den Orten in Indien, wo es keinen 
Schatten gäbe, der grosse Bär niemals sichtbar sei, dass 
diese Orte „schattenlose" hiessen, und dass man dort die 
Stunden nicht zähle. 

') Aus Aegina, Schüler des Diogenes von Sinope, und einer der 
Begleiter Alexanders auf seinen Zügen. 

-) Bis zu diesem Flusse gelangte Alexander der Grosse. Er heisst 
jetzt Beyah. 

3 ) Jetzt Salaca. 

4 ) Jetzt Ras-Ahehas. 

5 ) Jetzt Haschur. 



190 Zweites Buch. 

76. 

Im ganzen Troglody tenlande sollen, nach Eratosthenes *), 
die Schatten zweimal im Jahre 45 Tage hindurch auf 
die entgegengesetzte Seite fallen. 

77. 

So kommt es auch, dass durch diess Ab- und Zunehmen 
des Lichts, in Meroe der längste Tag zwölf Aequinoctial- 
stunden und noch acht Theile einer Stunde 2 ) beträgt, in 
Alexandrien aber 14 Stunden, in Italien 15 und in Britan- 
nien 17 Stunden, wo auch die hellen Nächte im Sommer 
das, was die Vernunft uns schon glaublich macht, bekräftigen. 
Nämlich zur Zeit des Sommersolstitiums, wo die Sonne 
dem Pole näher steht und der Umkreis ihres Leuchtens 
enger ist, haben jene Polarländer sechs Monate lang be- 
ständig Tag, und, wenn sie sich zum Wintersolstitium hin 
entfernt hat, ebenso lange Nacht. Dasselbe soll, wie Py- 
theas von Massilien 3 ) berichtet, auf der Insel Thule 4 ), 
welche sechs Schiflstagereisen nördlich von Britannien ent- 
fernt ist, der Fall sein; Einige behaupten diess auch von 
der Insel Mona 5 ), welche von der britischen Stadt Ca- 
maldunum 6 ) 200,000 Schritte weit liegt. 

78. 

Diese Lehre von den Schatten und die sogenannte 
Gnomonik erfand Anaximenes von Milet 7 ), ein Schüler des 
schon erwähnten Anaximander; er zeigte auch zuerst zu 
Lacedämon eine Stundenuhr, Sciotherikum 8 ) genannt. 



') Von Cyrene, lebte 277—196 v. Chr. 

2 ) Die Alten theilten die Stunde in 12 Theile. 

3 ) Pytheas von Marseille lebte im 4. Jahrh. v. Chr. 

4 ) Thule scheint das heutige Island zu sein. Nur Plinius und 
Strabo lassen den Pytheas obige Behauptung aufstellen. In den eig- 
nen Worten des Pytheas, die Geminus anführt, ist nur von einem 
22 stündigen längsten Tage die Rede. 

5 ) Das heutige Anglesea. 

6 ) Jetzt Colchester. 

: ) Lebte von 550—500 v. Chr. 
B ) Scjhattenfänger. 



Zweites Buch. 191 

79. 

Die Dauer des Tages selbst findet man von Einigen 
so, von Andern so fest gesetzt. Die Babylonier rechnen von 
einem Sonnenaufgange bis zum Andern, die Athenienser 
von einem Untergange bis zum andern, die Umbrier von 
einem Mittage zum andern, alle gemeinen Leute von An- 
bruch des Tageslichts bis zum Dunkelwerden; die römischen 
Priester und diejenigen, welche den bürgerlichen Tag ein- 
führten, desgleichen die Aegypter und Hipparchus rechnen 
von Mitternacht zu Mitternacht. Es leuchtet aber ein, dass 
die Abwesenheit des Tageslichts von einem Sonnenaufgange 
zum andern zur Zeit des Sommer-Solstitiums kleiner sein 
müsse, als in den Aequinoctien, denn die Lage des Thier- 
kreises ist in den Aequinoctien schräger, beim Solstitium 
aber senkrechter. 

80. 

Mit den bisherigen Ursachen der himmlischen Erschei- 
nungen wollen wir nun noch die davon abhängigen ver- 
knüpfen; denn es ist keinem Zweifel unterworfen, dass die 
Aethiopier durch die Hitze der nahen Sonne geschwärzt, 
und Verbrannten gleich, mit krausem Bart und Haupthaar 
geboren werden. Dagegen haben die Völker der entgegen- 
gesetzten, kalten Himmelsstriche eine weisse Haut und 
blondes herabhängendes Haar; diese macht die Keilte rauh, 
jener aber die Milde des Himmels schlaff. Selbst an den 
Beinen kann man den Unterschied wahrnehmen; denn bei 
jenen werden die Säfte durch die Hitze in die obern Theile 
des Körpers gezogen, bei diesen senkt sich die Feuchtig- 
keit nach den untern Gliedmaassen herab. Hier bringt das 
Klima grosse wilde Thiere, dort sehr mannigfache Thier- 
bildungen, besonders unter den Vögeln hervor. Aber in 
beiden Zonen werden die Körper gross, dort durch die 
Kraft der Hitze, hier durch die nährende Feuchtigkeit. 
Allein mitten zwischen diesen Zonen findet eine wohlthätige, 
in jeder Hinsicht fruchtbare Mischung aus beiden Statt. 
Alles trägt hier das Gepräge der gehörigen Gleichmässig- 
keit, selbst in den Farben, der Körper hat eine massige 



192 Zweites Buch. 

Grösse, die Sitten sind sanft, die Sinne scharf, der Geist 
fruchtbar und fähig, die ganze Natur zu erfassen. Hier 
giebt es auch Staatseinrichtungen, die unter den entfern- 
tem Völkern unbekannt sind, daher diese wegen ihrer Ent- 
fernung, und ihrer, durch die Strenge des Klimas bedingten 
abgeschiedenen Lebensweise jenen nie gehorcht haben. 

81. 
Die Babylonier glauben, dass Erdbeben, Erdfälle 
und alle übrigen derartigen Erscheinungen, vom Einflüsse 
der Gestirne, und namentlich jenen drei, denen man die 
Erzeugung der Blitze zuschreibt x ) herrühren. Besonders 
sollen dergleichen eintreffen, wenn sie mit der Sonne laufen 
oder mit ihr zusammenkommen, hauptsächlich aber, wenn 
sie im Geviertscheine stehen. Eine ausgezeichnete und, 
wenn man es glauben will, göttliche prophetische Kraft in 
Dingen der Art besass der Physiker Anaximander von 
Milet. 2 ) Er soll die Lacedämonier im Voraus gewarnt 
haben, auf ihre Stadt und Häuser Acht zu geben, denn es 
stehe ein Erdbeben bevor, und in der That fiel auch die 
ganze Stadt in Trümmer, wobei noch ein grosser Theil des 
Berges Taygetus 3 ) in Gestalt eines Schiffshintertheils ab- 
gerissen wurde, und auf die zerstörte Stadt herabstürzte. 
Auch Pherecydes 4 ), dem Lehrer des Pythagoras schreibt 
man eine nicht minder göttliche Weissagung zu; er soll 
nämlich durch einen Trunk Wasser aus einem Brunnen ein 
Erdbeben daselbst 5 ) vorhergesagt haben. Sind solche Er- 
zählungen wahr, wie wenig mögen diese Männer schon bei 
ihren Lebzeiten von den Göttern unterschieden gewesen 
sein! Ich überlasse den Glauben an dergleichen dem Er- 
messen eines Jeden; dass aber die Winde Ursache von 
Erdbeben sind, möchte ich nicht bezweifeln, denn die Erde 
wankt nur dann, wenn das Meer still und die Atmosphäre 



') Saturn, Jupiter und Mars. 

2 ) Schüler des Thaies, lebte im 6. Jahre, v. Chr. 

3 ) Monte di Maina. 

4 ) Von Scyros im 6. Jahrb.. v. Chr. 

5 ) Zu Samos. 



Zweites Buch. 193 

so ruhig ist, dass selbst die Vögel nicht fliegen können, 
weil der sie tragende Luftzug gänzlich fehlt; und nur dann, 
wenn nach einem Sturme der Wind sich in die Adern und 
Höhlen der Erde versteckt hat. Das Beben der Erde ist 
das, was der Donner in den Wolken; ein Erdriss gleicht 
dem durchbrechenden Blitze, indem die eingeschlossene 
Luft, sich gewaltsam zu befreien sucht. 

82. 

Die Erde wird auf mannigfaltige Weise erschüttert 
und wunderbar sind die daraus folgenden Wirkungen. Hier 
werden Mauern umgestürzt, dort verschlungen, hier brecheu 
gewaltige Wasser hervor, dort ganze Ströme, zuweilen auch 
Feuer und heisse Quellen, dort wird der Lauf der Flüsse 
verändert. Vor und während des Erdbebens hört man ein 
furchtbares Getöse, das bald einem dumpfen Brüllen, bald 
einem menschlichen Hülferufe, bald einem Waffengeklirre 
gleicht, je nach der Beschaffenheit der die Luft einschliessen- 
den Stoffe, der Gestalt der Höhlen oder Gänge, durch den 
sie geht. Das Toben ist heller in engen Bäumen, dumpfer 
in Krümmungen, wiederhallend in hartem Gestein, brausend 
in feuchten, wogend in sumpfigen Schluchten, und krachend, 
wenn es an harte Körper stösst. Doch wird auch oft ein 
Getöse ohne Erdbeben vernommen. — Die Erde wird nie 
auf einfache Weise erschüttert, sondern sie zittert und 
schwankt. Zuweilen bleibt der Kiss offen, und lässt das, 
was er verschlungen hat, sehen, zuweilen schliesst er sich 
und verbirgt so das Verschlungene, und hiebei ist der 
Boden oft wiederum so geebnet, dass er keine Spuren 
z. B. von versunkenen Städten oder Aeckern hinterlässt. 

Die Küstenländer sind dem Erdbeben am meisten 
ausgesetzt; doch auch bergige Gegenden bleiben nicht da- 
von befreiet. So ist mir unter andern bekannt, dass die 
Alpen und Apenninen oft erschüttert werden. Im Herbste 
und Frühlinge finden sie, gleich den Blitzen, öfter statt. 
Daher spüren sie Gallien und Aegypten am wenigsten, 
denn hier steht ihnen die Hitze, dort die Kälte entgegen. 
Häufiger ereignen sie sich bei Nacht als am Tage, am 

13 



194 Zweites Buch. 

heftigsten aber Morgens und Abends; meistentheils aber 
vor Tagesanbruch, und am Tage um die Mittagszeit ; auch 
bei Sonnen- und Mondfinsternissen, weil dann keine Stürme 
sind; vorzüglich aber dann, wenn auf Kegen Hitze, oder 
auf Hitze Regen folgt. 

83. 

Auch die Schiffer können sicher auf ein bevorstehen- 
des Erdbeben schliessen, wenn die Wogen ohne Wind an- 
schwellen und sie von der Erschütterung Stösse verspüren. 
Alles, was sich auf den Schiffen befindet, wankt ebenso wie 
in Gebäuden, und verkündet durch das dadurch entstehende 
Geräusch das Erdbeben. Sogar die Vögel bleiben furcht- 
sam sitzen. Es giebt auch am Himmel ein Zeichen, was 
einem nahen Erdbeben vorhergeht; dasselbe erscheint, ent- 
weder am Tage oder kurz nach Sonnenuntergänge bei 
heiterm Wetter, als ein langer schmaler Wolkenstreif. Das 
Wasser in den Brunnen ist dann trübe und von widerlichem 
Gerüche. 

84. 

Die Brunnen können aber ebenso wie zahlreiche Höhlen 
als Hüifsmittel gegen Erdbeben dienen, weil sie die auf- 
genommene Luft wiederum aushauchen. Diess zeigt sich 
bei einigen Städten, welche, weil sie mit vielen unterir- 
dischen Kanälen zur Ableitung der Unreinigkeiten versehen 
sind, weniger von Erdbeben leiden. Noch sicherer sind 
die Gebäude, welche einen hohlen Grund haben, wovon 
Neapel in Italien den Beweis liefert, dessen auf festem 
Grunde erbaueter Stadttheil jenen Unfällen weit mehr unter- 
worfen ist. Das sicherste Schutzmittel bieten die Gewölbe 
der Gebäude, auch die Winkel der Wände und die Pfosten 
dar, weil diese durch den gegenseitigen Druck zusammen- 
gehalten werden. Auch auf Wände von Backsteinen wirkt 
die Erschütterung weniger schädlich. 

Ein grosser Unterschied findet selbst in der Art der 
Erschütterung der Erde statt, denn diese erfolgt auf mehr- 
fache Weise. Am besten ist es, wenn sie schwingend auf- 
tritt, wobei die Gebäude ein wirbelndes Getöse von sich 



Zweites Buch. 195 

geben; so auch wenn die Erde bei einem Stosse aufschwillt 
und sich wieder senkt. Auch dann ist noch keine Gefahr 
zu befürchten, wenn die Häuser gegeneinander stossen, weil 
ein Stoss die Wirkung des andern bricht. Unglück drohend 
ist dagegen ein wellenförmiges Neigen und Schwanken, 
oder auch, wenn die ganze Erschütterung sich nach einer 
Richtung hindrängt. Die Stösse hören auf, sobald sich der 
Wind erhebt, dauern sie aber dennoch fort, so legen sie 
sich nicht unter 40 Tagen, währen aber häufig noch länger, 
so wie denn manche Erdbeben ein bis zwei Jahre lang 
angehalten haben. 

85. 
Einmal hat sich, wie ich in den etruskischen gelehrten 
Werken gefunden, unter den Consuln L. Marcius und Sext. 
Julius 1 ) in dem mutinensichen Gebiete 2 ) ein ausserordent- 
liches Erdwunder ereignet. Es liefen nämlich zwei Berge 
mit ungeheurem Getöse gegeneinander und wichen wieder 
zurück, während zwischen ihnen am hellen Tage Flamme 
und Rauch emporstiegen. Eine grosse Anzahl von römi- 
schen Rittern, Familien und Reisenden haben diess von der 
ämilianischen Strasse 3 ) aus mit angesehen. Diess Ereigniss, 
wodurch alle Landhäuser zerstört und die darin befindlichen 
Thiere getödtet wurden, geschah ein Jahr vor dem Bundes- 
genossenkriege 4 ), von dem ich nicht entscheiden will, ob 
er nicht traurigere Folgen, als die Bürgerkriege, für Italien 
nach sich zog. Eine nicht minder wunderbare Begebenheit 
hat sich zu unsern Zeiten, im letzten Jahre der Regierung 
Nero's 5 ), wie ich in dessen Geschichte erzählt habe, zuge- 



») Im Jahre Roms 663, 91 v. Chr. 
-) bei Modena. 

3 ) Es gab zwei Strassen, die den Namen via Aemilia führten; 
beide gingen von der via Flaminia ab, die erste führte nach Arirni- 
num und Aquileja, die zweite nach Pisa und Luna. Die hier ge- 
meinte war die erste, von dem Konsul M. Aemilius Lepidus 187 v. Chr. 
angelegt. 

4 ) 91 v. Chr. 

5) 68 n. Chr. 

13* 



196 Zweites Buch. 

tragen; im marrucinischen Gebiete 1 ), auf den Gütern des 
römischen Ritters Vectius Marcellus, der Nero's Sachwalter 
war, wurden nämlich Wiesen und Oelgärten, welche durch 
eine Landstrasse getrennt waren, auf die entgegengesetzten 
Seiten versetzt. 

86. 

Zugleich mit den Erdbeben erfolgen auch Ueberschwem- 
mungen des Meeres, wenn dieses nämlich durch dieselbe 
Luft hereingetrieben und von dem Schlünde der sich sen- 
kenden Erde aufgenommen wird. Das stärkste Erdbeben 
seit Menschen Gedenken ereignete sich unter der Regierung 
des Kaisers Tiberius, wodurch zwölf asiatische Städte in 
einer Nacht zerstört wurden. 2 ) Die häufigsten erfolgten 
im punischen Kriege 3 ), wo man in einem Jahre 57 der- 
selben nach Rom meldete. In demselben Jahre 4 ) war die 
Schlacht am trasymenischen See 5 ), allein weder die Punier 
noch die Römer merkten während des Kampfes die Erd- 
erschütterung. — Das Erdbeben ist aber kein einfaches 
Unglück ), und seine Gefahr liegt nicht bloss in der Er- 
schütterung, sondern ein gleich grosses und noch grösseres 
Uebel wird durch dasselbe angedeutet. In Rom fand nie- 
mals ein Erdbeben statt, was nicht der Vorbote irgend 
eines Ereignisses gewesen wäre. 

87. 

Erdbeben sind auch die Ursache neuentstehenden Landes, 
da eben jene Luft wohl fähig ist, den Boden zu heben, 
aber nicht ihn zu durchbrechen. Denn neues Land ent- 
steht nicht bloss durch das Anschwemmen der Flüsse, wie 
z. B. die echinadischen Inseln 7 ) durch den Fluss Achelaus 8 ), 



') Am Flusse Pescara, in der Gegend von Chieti. 

2 ) 18 n. Chr. 

3 j Im zweiten punischen Kriege. 

4 ) 217 v. Chr. 

5 ) Jetzt Lago di Perugia. 

ö ) d. h. es kommt nie allein. 

7 ) Im ionischen Meere, jetzt Curzolari genannt. 

8 ) Jetzt Aspro Potamo. 



Zweites Buch. 197 

und ein grosser Theil von Aegypten durch den Nil, (der 
nach Homer 1 ) eine Nacht- und Tagereise von der Insel 
Pharus entfernt war) entstanden sind; wie auch nicht bloss 
durch den Rücktritt des Meeres, wie, ebenfalls nach 
Homers Berichte 2 ), die circeischen Inseln 3 ) beweisen. Letz- 
trer Fall soll sich auch im Hafen von Ambracia 4 ) ereignet 
haben, wo das Meer 10,000 Schritte zurückwich; desgleichen 
im atheniensischen Hafen Piräus auf eine Strecke von 5O0O 
Schritten, sowie zu Ephesus, wo es ehemals den Tempel 
der Diana bespühlte. Wenn wir dem Herodot 5 ) glauben 
wollen, so reichte das Meer früher oberhalb Memphis bis 
an die äthiopischen Gebirge, und die Ebenen Arabiens. 
Auch die Gegend um Ilium war sonst Meer, sowie das 
ganze Teuthranien 6 ), wo der Mäander 7 ) das ganze Land 
angeschwemmt haben mag. 

88. 

Es entsteht auch noch auf andere Weise Land, indem 
es sich plötzlich aus dem Meere erhebt, gleichsam als ob 
die Natur sich wieder ins Gleichgewicht setzen wollte, da 
sie das, was hier ein Abgrund verschlang, dort wiedergiebt, 

89. 

Die schon lange berühmten Inseln, Delos und Rho- 
dus, sollen auf eben diese Art entstanden sein. Später ka- 
men noch kleinere zum Vorschein, wie Anaphe 8 ) hinter Me- 
los, Neä 9 ) zwischen Lemnos 10 ) und dem Hellesponte, Halone 
zwischen Lebedus und Teos, u ) Thera 12 ) und Theräsia 13 ), 
zwei Cykladen, im 4. Jahre der 135. Olympiade; 130 Jahre 



*) Odyssee IV. 354. 

2 ) Odyssee X. 194. 

3 ) Eigentlich ein vom tuskischen Meere und den pontinischen 
Sümpfen umgebener Berg, wegen der Niederungen rings umher einer 
Insel ähnlich; jetzt Circello. 

4 ) Jetzt Arta in Epirus. 

5 ) Von Halikarnassus, berühmter griechischer Geschichtsschrei- 
ber, lebte 484—408 v. Chr. 

6 ) Eine Landschaft in Asien am Flusse Caicus (Girmasti). 

7 ) Bojuk Minder. 8 ) Nanfi. 9 ) Agiostrati. ,0 ) Stalimene. ») Pusor. 
,2 ) Santorin. ,3 ) Aspronisi. 



198 Zweites Buch. 

später Hiera 1 ) oder Automate 2 ), ebenfalls Cykladen, und 
zwei Stadien davon entfernt entstand 110 Jahre später, 
noch zu unserer Zeit unter den Konsuln M. Junius Silanus 
und L. Baibus 3 ), am 8. Juli die Insel Thia. 4 ) Vor unserer 
Zeit tauchte neben Italien unter den äolischen Inseln 5 ) eine, 
desgleichen eine von 2500 Schritten Länge und mit darauf 
befindlichen warmen Quellen neben Kreta aus dem Meere 
hervor; noch eine andere, welche mit heftigem Winde be- 
gleitet brannte, zeigte sich im 3. Jahre der 163. Olympiade 
im tuscischen 6 ) Meerbusen. Man erzählt auch, alle Men- 
schen, welche von den um dieselbe in grosser Anzahl 
schwimmenden Fischen gegessen hätten, wären sogleich 
gestorben. Ferner sollen die pithekusischen Inseln 7 ) im 
campanischen Meerbusen auf ähnliche Art entstanden sein. 
Der Berg Epopus auf einer dieser Inseln 8 ) wurde bald 
darauf, nachdem eine Flamme aus ihm hervorgebrochen 
war, der Ebene gleich. Ebendaselbst wurde auch eine Stadt 
vom Meere verschlungen, durch ein anderes Erdbeben ent- 
stand ein See, und bei einem dritten durch zusammenge- 
stürzte Berge die Insel Prochyta. 

90. 

Denn auch auf diese Weise hat die Natur Inseln ge- 
schaffen; sie riss Sicilien von Italien, Cypern von Syrien, 
Euböa 9 ) von Böotien 10 j, Atalante u ) und Makris 12 ) von Eu- 
böa, Besbykus 13 ) von Bithynien, Leukosia u ) vom Vorgebirge 
der Sirenen 15 ) los. 

91. 

Dann nahm sie auch dem Meere wieder Inseln, und 



1 ) Die grosse Kammeni. 

2 ) d. h. die von selbt entstandene. 

3 ) 770 nach Roms Erbauung, 26 n. Chr. 
") Die kleine Kammeni. 

5 ) Liparische Inseln. 

6 ) toskanischen. 

7 ) Aenaria (Ischia) und Prochyta (Prochila). 

8 j Aenaria. 9 ) Negroponte. 10 ) Livadien. ") Talanda. l -) Elena. 
") Kalolymno. ,4 ) Piana. ,5 ) Licoso. 



Zweites Buch. 199 

verband sie mit dem Festlande, als: Antissa mit Lesbos 1 ), 
Zephyrium 2 ) mit Halikarnassus 3 ), Aetliusa mit Myndus 4 ), 
Dromiskus und Perne mit Milet 5 ), Narthekusa mit dem 
Vorgebirge Parthenium. 6 ) Die ebmalige Insel Hybanda 
welche jetzt 200 Stadien vom Meere entfernt ist, mit Jonien. 
Mitten im Gebiete von Epbesus liegt jetzt Syrie, sowie die 
Derasiden und Sophonia in dem benachbarten Magnesia. 
Epidaurus und Oricum 7 ) haben aufgehört Inseln zu sein. 

92. 

Gänzlich aber verschwanden, wenn wir dem Plato 8 ) 
glauben, die Länder, da wo jetzt das erste aller Meere, 
das atlantische, sich in einem ungeheuren Räume erstreckt. 
Im mittelländischen Meere ist, wie wir jetzt sehen, ein Theil 
von Akarnanien im ambracischen 9 ), ein Theil von Achaja 
im corinthischen Meerbusen, ferner ein Theil von Europa 
und Asien im Propontis 10 ) und Pontus n ) versunken. Zu 
diesem gelangte das Meer, indem es Leukas 12 ), Antirrhinum 13 ), 
den Hellespont und die beiden Bosporen durchbrach. 

93. 

Doch nicht zu reden von den Meerbusen und Land- 
seen, muss man gestehen, dass die Erde sich selbst verzehrt. 
Sie verschlang den hohen Berg Cybotus mit der Stadt 
Kuris, Sypilus in Magnesia, und vorher schon in derselben 
Gegend die berühmte Stadt Tantalis; ferner Galenes und 
Galames, zwei Städte in Phönicien mit ihren Gebieten; 
endlich den Phegius, den höchsten Bergrücken in Aethiopien, 
als wenn nicht schon die treulosen Ufer genug Schaden 
anrichteten. 

94. 

Pyrrha und Antissa, am mäotischen See belegen, hat 



') Metelino. 2 ) Zefre. 3 ) Bodru. A ) Mentesche. 5 ) Palatschia. 
6 ) Eski-Burun. 7 ) Orso. 

8 ) Im Timteus. — Plato (dessen ursprünglicher Namen Aristokles 
war), wurde zu Athen 430 v. Chr. geboren und starb daselbst 348. 

9 ) Golf von Arta. ,0 ) Das Meer von Marmora. ") Das schwarze 
Meer. 12 ) Santa Maura. 13 ) Castello di Romelia. 



200 Zweites Buch. 

der Pontus verschlungen, Elice und Bura gingen im corin- 
thischen Meerbusen unter, und Spuren davon erblickt man 
noch auf der hohen See. Von der Insel Cea versank plötz- 
lich ein abgerissenes Stück von mehr als 30,000 Schritten 
nebst vielen Menschen. In Sicilien ging die halbe Stadt 
Tyndaris und das Stück Land, was Italien mit Sicilien 
verband unter. Auf gleiche Weise ging Eleusis in Böotien 
zu Grunde. 

95. 

Doch genug von Erdbeben und von Ereignissen, welche 
nur verbrannte Trümmer von Städten übrig lassen. Reden 
wir lieber von den Wundern der Erde, als von den Gräueln 
der Natur. Und wahrlich, die Erscheinungen des Himmels 
darzustellen war keine so schwierige Aufgabe als dieses. 

Der Schatz an Metallen ist so mannigfaltig, so reich, 
so ergiebig, und wächst so viele Jahrhunderte hindurch 
nach, obgleich täglich auf dem ganzen Erdboden Feuer, 
Zerstörung, Schiffbruch, Krieg, Betrug so viel davon raubt 
und die Ueppigkeit der Menschen so viel davon vernichtet. 
Die Edelsteine sind in ihrer Zeichnung so verschieden, 
andere Gesteine so bunt, und viele derselben von dem 
reinsten Wasser! Dazu noch: die Kraft der Mineralquellen, 
die so viele Jahrhunderte hindurch fortwährend an mehreren 
Orten hervorleuchtenden Flammen. Anderwärts dringen aus 
Gruben oder verpesteten Gegenden tödtliche Dämpfe hervor, 
die hier nur für die Vögel, wie Sorakte 1 ) bei Rom, dort 
für die übrigen lebenden Geschöpfe ausser dem Menschen, 
zuweilen aber auch diesem, wie im sinuessanischen 2 ) und 
puteolanischen 3 ) Gebiete, gefährlich sind. Man nennt die- 
selben Dunsthöhlen, oder auch Charons-Grotten, weil sie 
einen verderblichen Rauch aushauchen. So giebt es ferner 
im hirpinischen Gebiete zu Amsanktus beim Tempel der 



') Jetzt Monte San Oreste.' 

2 ) Sinuessa, eine Kolonie an der Grenze von Kaiupanien. 

3 ) Puteoli, jetzt Puzzuoli in Kampanien. 



Zweites Buch. 201 

Mephitis *) einem Ort, wo ein Jeder, der ihn betritt, stirbt. 
Ein ähnlicher Platz befindet sich zu Hierapolis 2 ) in Asien, 
der nur der Priesterin der grossen Mutter der Götter 3 ) 
unschädlich ist. An andern Orten hat man auch Wahr- 
sagerhöhlen, aus deren betäubendem Dunste zukünftige 
Dinge vorhergesagt werden, wie z. B. zu Delphi, wo das 
berühmteste Orakel ist. Welche andere Ursache von alledem 
vermag nun wohl irgend ein Sterblicher anzugeben, als 
dass sich die göttliche Kraft der Natur bald so und bald 
anders offenbart? 

96. 

Einige Gegenden gerathen, wenn man sie betritt, in 
eine zitternde Bewegung, wie z. B. auf dem gabinischen 
Gebiete, nahe bei Rom, fast 200 Morgen Landes erbeben, 
wenn man darüber reitet; desgleichen im reatinischen 
Gebiete. 

Einige Inseln schwimmen beständig; solche giebt 
es im cäcubischen, reatinischen, mutinensischen und stato- 
niensischen Gebiete. Im See Vadimon 4 ) und in den cu- 
tilischen Gewässern 5 ) befindet sich ein dunkler Wald, 
welcher niemals, weder bei Tage noch bei der Nacht, an 
einem und demselben Orte gesehen wird. Die sogenannten 
calaminischen Inseln in Lydien werden nicht nur vom Winde 
bewegt, sondern können auch mittelst Stangen nach Belieben 
fortgetrieben werden; sie dienten im mithridatischen Kriege 
vielen Bürgern zum Zufluchtsorte. Auch im nymphäischen 
Meere sind kleine Inseln, die sogenannten Tänzer, denn 
sie bewegen sich beim Absingen eines Musikstücks nach 
dem mit dem Fusse der Singenden getretenen Taktschlage. 
Auf dem grossen tarquiniensischen See e) in Italien schwimmen 



') Eine römische Göttin, die gegen schädliche Ausdünstungen 
schützte. 

2 ) Pampuk Kalesi. 

3 ) Cybele. 

') See in Etrurien, jetzt Lago di Bassano. 
*) Vergl. III. B. 17. Cap. 
6 ) Lago di Bracciano. 



202 Zweites Buch. 

zwei Wälder herum, welche vom Winde getrieben, bald 
eine dreieckige, bald eine runde, niemals aber eine vier- 
eckige Gestalt annehmen. 

97. 

Paphos hat ein berühmtes Heiligthum der Venus, auf 
dessen einen Altar nie Regen fällt. Ebenso regnet es 
nicht zu Nea 1 ), einer Stadt in Troas, um eine Bildsäule 
der Minerva herum. Ebendaselbst verfaulen auch die Ueber- 
bleibsel der Opferthiere nicht. 

98. 

Bei der Stadt Harpasa 2 ) in Asien steht ein ungeheurer 
Felsen, den man mit einem Finger berühren kann; stösst 
man aber mit dem ganzen Körper daran, so rührt er sich 
nicht. Auf der taurischen Halbinsel 3 ), in der Stadt Para- 
sinum gibt es eine Erde, welche alle Wunden heilt. Um 
Assus 4 ) in Troas wächst ein Stein, der alle Körper ver- 
zehrt und daher Sarkophagus 5 ) genannt wird. Am Flusse 
Indus stehen zwei Berge; der eine hat die Eigenschaft, 
alles Eisen festzuhalten, der andere aber stösst es ab. Wer 
daher Nägel in den Sohlen hat, kann auf jenem den 
Fuss nicht erheben, auf letztern aber nicht auftreten. Man 
findet aufgezeichnet, dass zu Locri 6 ) und Croton nie eine 
ansteckende Krankheit oder ein Erdbeben gewesen sei. 
In Lycien folgen stets auf ein Erdbeben 40 heitere Tage. 
Im arpanischen Gebiete geht das gesäete Getreide nicht 
auf. In der Nähe der mucischen Altäre im Vejentinischen, 
ferner bei Tusculanum 7 ) und im ciminischen Walde 8 ) gibt es 
Plätze, wo das, was in die Erde gesteckt ist, nicht wieder 



*) Jenischeer. 

2 ) Arpas Kalesi. 

3 ) Die jetzige Krimm. 

4 ) Bagtsche Köi. 

5 ) Fleischfresser. Aus diesem Steine wurden Särge verfertigt, 
daher dieses Wort später von jedem Sarge überhaupt gebraucht 
wurde. S. auch im XXXVI. B. 27. Cap. 

6 ) Bruzzano. 

7 ) Frascati. 

8 ) Monte Fogliano. 



Zweites Buch. 203 

herausgezogen werden kann. Heu, welches im Crustu- 
minischen 2 ) gewachsen, ist dort schädlich, anderwärts 
gesund. 

99. 
Auch über die Beschaffenheit des Wassers ist bereits 
mehreres gesagt worden, aber das Wunderbarste dabei bleibt, 
dass die Fluthen des Meeres anschwellen und wie- 
der zurücktreten, und zwar auf mehrfache Weise. Die 
Ursache davon liegt in der Sonne und dem Monde. Zwi- 
schen zwei Mondaufgängen oder innerhalb 24 Stunden 
schwillt das Meer zweimal an, und tritt zweimal wieder 
zurück. Sowie nämlich der Mond am Himmel aufsteigt, 
tritt die erste Fluth ein, senkt er sich aber vom höchsten 
Mittagspunkte nieder nach dem Untergange hin, so fällt 
auch das Wasser wieder; von seinem Untergange an bis 
zum tiefsten Punkte unter dem Horizonte, dem Mittags- 
punkte gerade entgegen, schwillt das Meer abermals an, 
und von da an bis zu seinem Aufgange ist wieder Ebbe. 
Niemals tritt zu derselben Zeit, wie am Tage zuvor, die 
Fluth ein, weil das sie beherrschende und das Meer be- 
gierig nach sich ziehende Gestirn, stets an einem andern 
Orte wie Tags zuvor aufgeht; jedoch wiederholt sich diese 
Erscheinung in gleichen Zeiträumen, und zwar alle sechs 
Stunden, unter welchen letztern aber nicht die Stunden eines 
jeden Tages oder jeder Nacht oder jeden Ortes, sondern 
die Aequinoctialstunden zu verstehen sind. Daher wer- 
den nach der gewöhnlichen Stundeneintheilung diese Zeit- 
räume ungleich, weil nach derselben die Tage oder Nächte 
bald kürzer bald länger, und nur im Aequinoctium allent- 
halben von gleicher Dauer sind. Diess ist ein ungemein 
klarer und täglich sprechender Beweis von der Stumpfheit 
aller derer, welche leugnen, dass Gestirne unter unserem 
Horizonte weggehen und wieder aufsteigen, und dass, bei 
demselben Vor gange des Auf- und Untergangs auf beiden 
Seiten die Erde, ja sogar die ganze Welt, dort wie bei uns 



l ) Monte Rotondo. 



204 Zweites Buch. 

die nämliche Gestalt zeige, da doch der Mond unter der 
Erde offenbar keinen andern Lauf und keine andere 
Wirkung hat, als wenn er vor unsern Augen hinläuft. 

Mannigfach ist ausserdem auch noch der Mondwechsel 
und zwar hauptsächlich von 7 zu 7 Tagen. Vom Neumonde 
nämlich bis zum ersten Viertel ist die Fluth massig, von 
da an nimmt sie zu und beim Vollmonde steigt sie am höch- 
sten. Dann wird sie wieder schwächer, am 7. Tage gleicht 
sie der ersten wieder, und im letzten Viertel wird sie aber- 
mals stärker. Beim Zusammentritt des Mondes mit der 
Sonne ist sie ebenso stark wie beim Vollmonde. Wenn er 
im Nordost und von der Erde weiter entfernt steht, ist die 
Fluth schwächer, als wenn er nach Süden gewandt mit 
grösserer Kraft auf die dann nähere Erde einwirkt. Nach 
Verlauf von acht Jahren kehrt mit dem hundertsten Um- 
laufe des Mondes, der jene Anschwellung veranlasst, die 
anfängliche Bewegung und gleiches Steigen des Meeres 
wieder. Der jährliche Umlauf der Sonne ist auch nicht 
ohne Wirkung auf die Fluth, denn diese nimmt in den 
Aequinoctien bedeutend zu, und zwar mehr im Herbst- als 
im Frühlings -Aequinoctium; am kürzesten Tage ist sie 
schwach, und noch schwächer im Sommer-Solstitium. Je- 
doch treten diese Veränderungen nicht genau in den genann- 
ten Zeitpunkten ein, sondern wenige Tage später. Die 
beim Monde erwähnten Veränderungen erfolgen auch nicht 
gerade beim Voll- oder Neumonde, sondern kurz danach; 
ferner nicht sogleich, beim Aufgange oder Untergange des 
Mondes oder, wenn er sich von seiner mittleren Bahn ab- 
wärts neigt, sondern fast um zwei Aequinoctialstunden 
später. Ueberhaupt zeigt sich die Wirkung eines jeden 
Ereignisses am Himmel auf der Erde immer später, als wir 
es erblicken, wie z. B. Donner und Blitz erweisen. 

Vom Ocean gehen aber alle Fluthen weiter ins Land, 
als von den übrigen Meeren; sei es nun, weil ein grosses 
Ganzes mächtiger ist, als ein Theil davon, oder weil die 
Kraft des weit um sich greifenden Gestirnes auf jene grosse 
Fläche stärker einwirkt als auf einen engen Raum. Daher 



Zweites Buch. 205 

werden auch weder Seen noch Flüsse auf ähnliche Art be- 
wegt. Pytheas von Massilien sagt, oberhalb Britannien steige 
die Fluth bis zu acht Ellen empor. Die inneren Meere aber 
werden wie Häfen vom Lande eingeschlossen. An einigen 
Orten jedoch, wo die Ufer mehr von einander entfernt sind, 
gehorcht das Meer doch dem Einflüsse des Mondes. So 
gibt es mehrere Beispiele, dass Schiffer ohne Hülfe der 
Segel bei starker Fluth in drei Tagen von Italien nach 
Utika *) übersetzten. An den Küsten wird diese Bewegung 
des Meeres mehr als auf hoher See wahrgenommen, gleich- 
wie wir an den äussersten Theilen unseres Körpers den 
Schlag der Adern, d. i. der Luft mehr empfinden. 2 ) In 
den meisten Buchten sind aber wegen des für jede Lage 
ungleichen Aufganges der Gestirne die Fluthen der Zeit, 
nicht aber ihrer Natur nach verschieden; dasselbe ist auf 
den Syrten 3 ) der Fall. 

100. 
Einige Orte haben jedoch hierin ihre Eigenthümlich- 
keiten, wie z. B. im tauromenitanischen Strudel 4 ) die Fluth 
öfter, und in Euböa siebenmal innerhalb 24 Stunden wie- 
derkehrt. Auch bleibt die Fluth dreimal in jedem Monate, 
am 7., 8. und 9. Tage nach dem Vollmonde unverändert 
dieselbe. Zu Gades, nahe bei dem Tempel des Hercules, 
befindet sich eine, wie ein Brunnen eingeschlossene Quelle, 
welche bald gleichzeitig mit dem Ocean, bald aber zur ent- 
gegengesetzten Zeit steigt und fällt. Eine zweite dortige 
Quelle richtet sich nach den Bewegungen des Oceans. An 
den Ufern des Bätis 5 ) liegt eine Stadt, deren Brunnen bei 
der Fluth fallen, bei der Ebbe steigen, in der Zwischenzeit 
aber keine Veränderung zeigen. Von derselben Beschaffen- 



l ) Stadt in Afrika. 

'-) Die Alten hatten die sonderbare Meinung, dass die Pulsadern 
mit Luft erfüllt wären. 

3 ) Die Buchten von Sydra und Cabes an der nordafrikanischen 
Küste. 

4 ) Bei Taormina. 

5 ) Guadalquivir in Spanien. 



206 Zweites Buch. 

heit ist ein Brunnen in der Stadt Hispalis 1 ), während die 
übrigen nichts Ungewöhnliches haben. Der Pontus fliesst 
beständig in den Propontis, aber nie geht Wasser aus 
diesem in den Pontus zurück. 

101. 
Fast alle Meere reinigen sich beim Vollmonde, nur 
einige zu einer andern bestimmten Zeit. Bei Messana und 
Mylä wirft das Meer einen mistähnlichen Unrath ans Ufer, 
woher die Sage entstanden ist, die Rinder der Sonne hät- 
ten daselbst ihre Ställe. Hiezu fügt noch Aristoteles (da- 
mit ich nichts, was mir bekannt ist, übersehe), dass kein 
Thier zu einer andern Zeit, als während der Ebbe sterbe. 
Am gallischen Ocean hat man diess vielfach beobachtet und 
wenigstens am Menschen bestätigt gefunden» 

102. 
Hieraus geht die Wahrscheinlichkeit hervor, dass der 
Mond nicht ohne Grund für das Gestirn des Lebens zu 
halten sei. Er sättigt die Erde, erfüllt den Körper bei 
seinem Erscheinen, und entleert ihn bei seiner Entfernung. 
Daher wachsen auch, wenn er zunimmt, die Conchylien, 
und vornehmlich empfinden alle blutlosen Thiere seine be- 
lebende Kraft. Aber auch sogar das Blut der Menschen 
mehrt und vermindert sich mit dem Monde, und selbst 
Sträucher und Kräuter fühlen (wie ich an ihrem Orte noch 
sagen werde) seine alles durchdringende Kraft. 

103. 
Durch die Glüht der Sonne aber wird die Feuchtigkeit 
hinweggenommen, und da sie alles ausdörrt und verzehrt, 
halten wir sie für ein männliches Gestirn. 

104. 
So wird dem weiten Meere der Salzgeschmack 
gleichsam eingekocht, oder, indem sie ihm die süssen und 
zarten Theile, welche gerade die feurige Kraft am leichte- 
sten an sich zieht, benimmt, lässt sie alle grobem und 
dichtem Stoffe zurück. Daher ist auch das Meerwasser in 

») Sevüla. 



Zweites Buch. 207 

der Tiefe süsser als auf der Oberfläche. Diese Ursache 
des unangenehmen Geschmacks des Meerwassers dürfte 
wohl der Wahrheit näher kommen, als die Behauptung, 
dass das Meer der beständige Erdschweiss sei 1 ), oder, dass 
sich der grösste Theil der trocknen Ausdünstung mit ihm 
vermische, oder aber, dass die Natur der Erde ihm gleich- 
wie den Heilquellen, den fremden Geschmack ertheile. 
Unter den wunderbaren Ereignissen verdient Erwähnung, 
dass, nach der Vertreibung des Tyrannen Dionysius in 
Sicilien 2 ), das Meer im Hafen einen ganzen Tag hindurch 
süss war. 

Dahingegen wird der Mond für ein weibliches, mildes 
Gestirn gehalten, welches die nächtliche Feuchtigkeit zwar 
auflöst und anzieht, nicht aber wegführt. Diess ergibt sich 
daraus, dass er die todten Körper der wilden Thiere durch 
seinen Schein zu einer fauligen Masse auflöst, dass er den 
eingeschlafenen die Mattigkeit in dem Kopfe zusammen- 
zieht, dass er Eis schmelzt, und alles durch seinen befruch- 
tenden Hauch erweicht. So erhält sich die Natur gegen- 
seitig im Gleichgewicht, ohne einen Mangel zu fühlen, da 
einige Gestirne die Elemente verbinden, andere sie ver- 
teilen. Der Mond ernährt sich also aus süssem, die Sonne 
aus Seewasser. 

105. 

Die grösste Tiefe des Meeres beträgt nach Fabianus 8 ) 
15 Stadien. Andere dagegen sagen, es sei im Pontus, dem 
Lande der Koraxer 4 ) gegenüber, ungefähr 300 Stadien vom 
Festlande entfernt, so unermesslich tief, dass man daselbst 
niemals Grund gefunden habe. Diese Stelle im Pontus 
heisst daher: die Tiefe. 5 ) 

106. 

Noch wunderbarer sind die Eigenschaften des süssen 



J ) Nach der Ansicht des Empedocles. 

2 ) Im Jahre 357 v. Chr. 

3 ) Lebte unter Tiberius. 

4 ) In Colchis. 

5 ) Ba&va. 



208 Zweites Buch. 

Wassers, welches in der Nabe des Meeres wie aus Röhren 
hervorsprudelt; denn auch dem Wasser fehlt es nicht an 
Wundern. Das süsse Wasser schwimmt auf dem Meere, 
ohne Zweifel, weil es leichter ist; daher trägt auch das 
schwerere Seewasser alles, was hinein kommt, besser. 
Sogar süsse Wasser schwimmen an manchen Orten auf 
einander, wie z. B. der Fluss 1 ), welcher sich in den fuci- 
irischen 2 ), die Addua, welche sich in den larischen 3 ), der 
Ticinus, der sich in der verbanischen 4 ), der Mincius, der 
sich in den benacischen 5 ), der Ollius, der sich in den sevi- 
nischen 6 ), derßhodanus 7 ), der sich in den lemanischen 8 ) See 
ergiesst. Der letztere liegt jenseits der Alpen, die übrigen 
aber in Italien; sie alle strömen auf viele tausend Schritte 
weit freundnachbarlich durch jene Seen hin, und nehmen 
nur ihr eigenes, und nicht mehr Wasser, als sie hinein- 
gebracht haben, wieder mit sich hinaus. Ein Gleiches soll 
auch beim Orontes 9 ), einem Flusse in Syrien und bei noch 
vielen andern stattfinden. 

Einige Flüsse verlieren sich gleichsam, als hassten sie 
das Meer, in die Erde, wie z. B. die Quelle Arethusa bei 
Syrakus; was man in diese hineinwirft, kommt im Alpheus 10 ), 
welcher durch Olympien fliesst und sich an der peloponne- 
sischen Küste ins Meer ergiesst, wieder zum Vorschein. 
Der Lycus u ) in Asien, der Erasinus 12 ) in Argolis, der Tigris 
in Mesopotamien gehen in die Erde und kommen wieder 
hervor. Was man in die Quelle des Aesculaps bei Athen 
wirft, kommt im Hafen Phalerus wieder zum Vorschein. 
In der atinatischen Gegend 13 ) kommt ein in die Erde ge- 
gangener Fluss u ) erst 20,000 Schritte weiter wieder her- 
vor; dasselbe ist der Fall mit dem Timavus im Gebiete 
von Aquileja. 

In dem Asphaltsee 15 ) inJudäa, welcher Erdpech erzeugt, 



') Jetzt Giovenculo. 2 ) Lago di Celano. 3 ) Lago cli Conio. 4 ) Lago 
maggiore. 5 ) Lago di Guarda. 6 ) Lago d'Ises. 7 ) Der Rhone. 8 ) Der 
Genfer See. '') Asi. 10 ) Rufia. ") Kulhissar. 12 ) Kephalari. ,3 ) Atino 
im Neapolitanischen. M ) Der Tanager (Negro). I5 ) Das todte Meer. 



Zweites Buch. 209 

sinkt nichts unter, ebenso im See Arethusa 1 ) in Gross- Arme- 
nien, in welchem, ungeachtet er Nitrum 2 ) enthält, doch 
Fische leben. Im Salentinischen, unweit der Stadt Man- 
duria 3 ), liegt ein bis zum Rande seiner Ufer voller See, 
welcher weder durch Herausschöpfen vermindert wird, noch 
durch Eingiessen steigt. In dem Flusse der Ciconer 4 ) und 
im See Velinus in Picenum wird hineingelegtes Holz mit 
einer Steinkruste überzogen; dasselbe geschieht auch im 
Sirius, einem Flusse in Kolchis, und zwar hier in dem 
Grade, dass noch eine den Stein härtende Rinde sich dar- 
über legt. Auf ähnliche Weise versteinern im Flusse Sila- 
rus, unterhalb Surrentum, nicht nur eingetauchte Ruthen, 
sondern auch Blätter, übrigens ist sein Wasser gesund zu 
trinken. Am Ausflusse des reatinischen 5 ) Sumpfes setzt 
sich ein Felsen an, und im rothen Meere wachsen Oel- 
bäume und grüne Sträucher hervor. 

Viele Quellen sind wegen ihrer Hitze merkwürdig; 
man findet deren sogar auf den höchsten Alpen, ja selbst 
in dem Meere, zwischen Italien und Aenaria 6 ), sowie im 
bajanischen Meerbusen, im Flusse Liris 7 ) und vielen andern. 
Auch trifft man im Meere an vielen Stellen süsses Wasser, 
wie bei den Chelidonischen Inseln 8 ), bei Aradus 9 ) und im 
gaditanischen Meere. In den warmen Quellen der Pata- 
viner 10 ) wachsen grüne Kräuter, in denen der Pisaner leben 
Frösche, in denen der Vetulonier in Etrurien, unweit des 
Meeres, Fische. Im casinatischen Gebiete fliesst ein Strom, 
Scatebra genannt, welcher im Sommer kalt ist und das 
meiste Wasser hat; in ihm sowie im See Stymphalis u ) in 

') Nasik. 2 ) Soda. 3 ) Mandula in Apulien. 4 ) Ein thracischer 
'Volksstamni. 

5 ) Reate, jetzt Rieti, Stadt am See Velinus (jetzt Lago di Rieti). 
') Vergl. d. 89. Cap. dieses Buches. 

7 ) Garigliano in Latium. 

8 ) Zwei kleine Eilande zwischen Rhodus und Cypern, jetzt Kali- 
<loni genannt. 

9 ) Ruad an der phönizischen Küste. 
,0 ) Paduaner. 

u ) Jetzt See von Zaraka. 

14 



210 Zweites Buch. 

Arkadien, giebt es Wassermäuse. Die kalte Quelle des 
Jupiter zu Dodona x ) löscht zwar hineingetauchte Fackeln 
aus, nähert man ihr aber die ausgelöschten wieder, so ent- 
zünden sie sich. Mittags bleibt sie stets aus, daher heisst 
sie auch: die Aufhörende. 2 ) Später fängt sie an zu wach- 
sen, ist um Mitternacht ganz voll und nimmt dann allmählig 
wieder ab. In Illyrien ist eine kalte Quelle, welche dar- 
über ausgebreitete Kleider entzündet. Der See des Jupiter 
Hammon 3 ) ist am Tage kalt, bei Nacht heiss. Die so- 
genannte Sonnenquelle im Lande der Troglodxten ist um 
Mittag süss und sehr kalt, dann fängt sie an warm zu 
werden und ist um Mitternacht heiss und bitter. 

Die Quelle des Padus 4 ) ist im Sommer des Mittags 
stets trocken, gleichsam als wenn sie unterdessen Ruhe 
hielte. Eine Quelle auf der Insel Tenedos tritt vom Som- 
mersolstitium an stets von der 3. bis zur 6. Stunde der 
Nacht aus. Die Quelle Inopus auf der Insel Delos steigt 
und fällt gleichzeitig mit dem Nile. Dem Flusse Timavus 
gegenüber liegt im Meere eine kleine Insel mit warmen 
Quellen, welche mit der Fluth steigen und mit der Ebbe 
fallen. Der Fluss Novanus im pitinatischen Gebiete, jen- 
seits der Alpen, wird jedesmal im Solstitium reissend, am 
kürzesten Tage dagegen trocknet er aus. 

Im faliscischen Gebiete macht alles Trinkwasser die 
Ochsen weiss, in Böotien der Fluss Melas die Schafe 
schwarz, der Cephissus, welcher aus demselben See 5 ) her- 
vorfliesst, weiss, derPeneus 6 ) wiederum schwarz, der Xan- 
thus bei Ilium röthlich, woher dieser Fluss auch seinen 



») Bonila. 

2 ) ÄvaTtavopBvoq. 

3 ) In Afrika. 

4 ) Po. 

5 ) Diess ist der See Copais in Böotien; allein der Cephissus ent- 
springt nicht aus demselben, sondern bildet ihn erst, desshalb heisst 
der Copais auch bei Homer der cephissische See (jetzt der See von 
Livadia). Der Melas aber verliert sich südlich vom See Copais in 
Sümpfen. 

6 ) Jetzt Salambria in Thessalien. 



Zweites Buch. 211 

Namen hat. Der Astaces im Pontus macht, dass die auf 
den von ihm bewässerten Fluren weidenden Stuten den 
dortigen Bewohnern zu ihrer Nahrung schwarze Milch geben. 
Im Reatinischen giebt es eine Quelle, Neminie genannt, 
die bald hier bald da aus der Erde kommt, und dadurch 
die Veränderung der Fruchtbarkeit anzeigt. Eine Quelle 
im Hafen von Brundisium versorgt die Seefahrer mit gutem 
Wasser. Das Wasser des Lyncestes 1 ), welches Sauerwas- 
ser genannt wird, berauscht wie Wein. Aehnliches Wasser 
findet sich in Paphlagonien und im calenischen Gebiete. 
Auf der Insel Andrus soll, nach Mucianus, der dreimal 
Konsul war 2 ), im Tempel des Bacchus eine Quelle hervor- 
sprudeln, die jedesmal am 5. Januar einen Weingeschmack 
hat; sie führt den Namen Göttergeschenk. 3 ) Der Styx 4 ) 
bei Nonakris 5 ) in Arkadien, dessen Wasser sich weder 
durch Geruch noch durch Farbe besonders auszeichnet, 
tödtet sogleich, wenn man davon trinkt. Desgleichen befin- 
den sich auf dem Hügel Librosus in Taurien drei Quellen, 
die ohne Rettung, aber ohne Schmerzen tödten. Im car- 
ninensischen Gebiete von Spanien fliessen zwei Quellen 
nebeneinander, von denen die eine alles auswirft, die andere 
aber alles verschlingt, Ebendaselbst ist eine andere, in 
welcher alle Fische goldfarbig erscheinen, während sie 
ausserhalb derselben nicht von den übrigen Fischen ver- 
schieden sind. Eine starke "Quelle im comensischen Ge- 
biete in der Nähe des Sees Larius 6 ) schwillt alle Stunden 
an und tritt wieder zurück. Eine warme Quelle auf der 
Insel Cydonea vor Lesbos fliesst nur im Frühlinge. Der 
See Sannaus in Asien hat den Geschmack des um ihn 
wachsenden Wermuths. Zu Colophon, in der Höhle des 



') Fluss in Macedonien. 

'-) In den Jahren 52, 70 und 76 n. Chr.; starb im J. 77 n. Chr. 

3 ) Jidg Oeodooia. 

'•) Mauronero. 

5 ) Naukria. 

°) Lage- di Como. 

14* 



212 Zweites Buch. 

Apollo Clarius 1 ) ist ein Teich, dessen Wasser den daraus 
Trinkenden die Wahrsagekunst verleiht, zugleich aber auch 
ihr Leben verkürzt Dass Flüsse zuweilen einen rück- 
gängigen Lauf nehmen, hat man auch zu unseren Zeiten, 
in den letzten Jahren der Kegierung Nero's gesehen, wie 
ich in dessen Lebensbeschreibung angeführt habe. 

Wem ist es wohl unbekannt, dass alle Quellen im 
Sommer kälter sind als im Winter? Nicht minder wun- 
derbar erscheint es, dass Erz und Blei in Klumpen unter- 
sinken, aber in dünnen Platten schwimmen; ferner, dass 
einige Körper von gleichem Gewicht theils sinken, theils 
schwimmen, dass sich Lasten im Wasser viel leichter be- 
wegen lassen. Der Stein Scyrius 2 ) schwimmt in grossen 
Stücken, zerkleinert sinkt er aber unter. Frische Leich- 
name sinken unter, sobald sie aber angeschwollen sind, 
kommen sie in die Höhe. Leere Gefässe lassen sich nicht 
leichter aus dem Wasser ziehen als volle. Eegenwasser 
ist in den Salzgruben besser als anderes; es bildet sich 
auch kein Salz, wenn kein süsses Wasser hinzukommt. 
Meerwasser friert langsamer als jedes andere, erhitzt sich 
aber schneller. Im Winter ist das Meer wärmer, im Herbste 
salziger. Alles Wasser wird durch hineingegossenes Oel 
ruhig. Die Taucher spritzen Oel aus dem Munde, weil 
dasselbe die Schärfe des Wassers mildert und ihnen Hellig- 
keit verschafft. Auf hoher See fällt kein Schnee. Obgleich 
alles Wasser abwärts fällt, so springen doch die Quellen 
von unten herauf, und diess geschieht sogar am Fusse des 
brennenden Aetna mit solcher Gewalt, dass der Sand auf 
150,000 Schritte weit von der Feuermasse fortgeschleudert 
wird. 

107. 

Nun müssen wir auch vom Feuer, dem vierten Ele- 
mente, einige wunderbare Eigenschaften berichten, und 
zwar zuerst von den flüssigen Körpern mit feuriger Natur. 



*) Von der Stadt Claras in Kleinasien, wo Apollo einen Tem- 
pel und vier Orakel hatte. 
*) S. XXXVI. B., 26. Cap. 



Zweites Buch. 213 

108. 
In der Stadt Samosata in Commägene l ) ist ein Sumpf, 
der einen brennenden Schlamm, Maltha genannt, auswirft. 
Wenn er an einen festen Körper kommt, so hängt er sich 
daran fest; berührt man ihn, so folgt er nach, auch wenn 
man flieht. So vertheidigten die dortigen Einwohner ihre 
Stadt, welche von Lucullus belagert wurde 2 ), und die Sol- 
daten verbrannten mit ihren Waffen. Auch im Wasser 
brennt er fort; nur durch Erde kann man ihn löschen, wie 
die Erfahrung gelehrt hat. 

109. 
Von ähnlicher Beschaffenheit ist die Naphtha; so 
heisst nämlich eine bei Babylon, im astacenischen Gebiete 
in Partkien aus der Erde wie flüssiges Harz hervorquel- 
lende Materie. Sie hat grosse Verwandtschaft zum Feuer, 
denn diess springt ihr, sobald es sich nur irgendwo blicken 
lässt, zu. So soll Medea ihre Nebenbuhlerin 3 ), als diese, 
um zu opfern, vor den Altar trat, verbrannt haben, indem 
das Feuer ihren Kranz ergriff. 

110. 
Aber auch die Berge zeigen wunderbare Erscheinungen. 
Der Aetna brennt immer des Nachts, und sein Feuerstoff 
reicht nach so unendlicher Zeit noch aus. Im Winter ist 
er mit Schnee bedeckt, und seine ausgeworfene Asche 
überzieht sich mit Reif. Aber nicht in ihm allein wtithet 
die Natur, und bedroht die Erde mit Verbrennung. Auch 
in Phaseiis 4 ) brennt der Berg Chimära Tag und Nacht be- 
ständig fort. Ctesias von Gnidus 5 ) erzählt, dass sein Feuer 
auch im Wasser fortbrenne, durch Erde oder Heu aber 
gelöscht werden könne. In demselben Lycien brennen die 



') Eine an Cilicien grenzende Provinz von Syrien. 
») 68 v. Chr. 

3 ) Kreusa, die Tochter Kreons von Korinth, mit der Jason sich 
vermählen wollte. 

4 ) Eine Hafenstadt in Lycien, jetzt Igeder. 

5 ) Lehte im 4. Jahrh. v. Chr. war Leibarzt des jungem Cyrus, 
und dann, bei Kunaxa gefangen, des Artaxerxes Mnemon. 



214 Zweites Buch. 

vulkanischen Berge, wenn man sich ihnen mit einer brennen- 
den Fackel nähert, so heftig, dass selbst Steine und Sand im 
Wasser glühen; dieses Feuer wird auch durch Regenwasser 
unterhalten. Wenn Jemand einen Stock an diesem Feuer 
anzündet und damit Furchen zieht, so sollen ihm Feuer- 
ströme folgen. In Baktrien brennt die Spitze des Kophan- 
tus alle Nächte, in Medien und Sittacene, an der Grenze 
von Persien, giebt es ebenfalls brennende Berge. Zu Susa, 
beim weissen Thurme, brennen des Nachts 15 Krater, von 
denen der grösste auch am Tage Feuer speit. Bei Babylon 
brennt eine Strecke Landes von der Grösse eines Fisch- 
teichs. Auch in Aethiopien in der Nähe des Berges Hes- 
perius, glänzen die Felder des Nachts wie Sterne, ebenso 
im megalopolitanischen Gebiete, wo der leuchtende Platz 
in einem angenehmen Walde, dessen überhängende Zweige 
jedoch nicht entzündet werden, verborgen liegt. Auch neben 
einer kalten Quelle brennt unaufhörlich der Krater des 
Nymphäus, welcher, wie Theopompus x ) berichtet, den 
Apolloniaten schreckliche Ereignisse vorher anzeigt. 2 ) 
Durch Regen wird seine Glüht vermehrt, und er wirft da- 
bei ein Erdharz aus, welches nur durch jene untrinkbare 
Quelle gelöscht werden kann; übrigens ist es flüssiger als 
alles andere Harz. Doch wen kann diess alles noch in 
Verwunderung setzen? Brannte doch mitten im Meere die 
Insel Hiera 3 ) in der Nähe von Italien sammt dem Meere 
mehrere Tage hindurch zur Zeit des Bundesgenossenkrie- 
ges 4 ), bis eine Gesandtschaft des Senats es versöhnte. Mit 
der grössten Flamme jedoch brennt ein Bergrücken in 
Aethiopien, der Götterwagen genannt, und speiet während 



') Aus Chios um 360 v. Chr. 

-) Es gab im Alterthume 9 verschiedene Orte, die den Namen 
Apollonia führten. Der, welchen PI. hier meint, ist derselhe, den er 
im III. B. 26. Cap. anführt, nämlich eine Kolonie der Korinther (oder 
Cörcyräer) am strymonischen Meerbusen. 

3 ) Vulcano. 

'') Der 91 v. Chr. begann. 



Zweites Buch. 215 

der Sonnenhitze ganze Ströme von Feuer aus. An so vielen 
Orten und mit so vielen Flammen brennt die Erde? 

111. 
Da nun dieses Element allein die Eigenschaft hat, sich 
von selbst zu erzeugen und zu vermehren, indem es aus 
dem kleinsten Funken erwächst, was wird am Ende bei 
so vielen Scheiterhaufen auf der Erde zu erwarten sein? 
Was ist die Natur, welche in der ganzen Welt die hab- 
gierigste Gehässigkeit nährt, ohne selbst Schaden zu lei- 
den? Hiezu denke man sich noch die unzähligen Sterne 
und die grosse Sonne; ferner das Feuer, dessen sich die 
Menschen bedienen, das in den Steinen ruht, das durch an- 
einander geriebenes Holz erzeugt wird, das aus den Wol- 
ken als Blitze hervorbricht! Es übersteigt wahrlich alle 
Wunder, dass nur ein Tag vergehen kann, an dem nicht 
alles verbrennt, da noch überdiess Hohlspiegel, welche man 
den Strahlen der Sonne entgegen hält, leichter zünden, als 
jedes andere Feuer. Und welche unzählige kleine, aber 
natürliche Arten von Feuer sind nicht überall? In Nym- 
phäum bricht aus dem Felsen eine Flamme hervor, die 
sich durch Regen entzündet. Dieses geschieht auch bei 
den scomtischen Gewässern 1 ); allein letztere Flamme ver- 
liert ihre Kraft, wenn sie auf andere Gegenstände über- 
geht, und hält in einem anderen Stoffe nicht lange an. 
Seit undenklichen Zeiten beschattet eine lebende Esche 
diese feurige Quelle. Im mutinenischen Gebiete bricht an 
bestimmten, dem Vulkan geheiligten Tagen 2 ) Feuer hervor. 
Man findet bei den Schriftstellern angeführt, dass auf den 
aricischen 3 ) Feldern die Erde in Brand gerathe, wenn eine 
Kohle darauf fällt. Im Lande der Sabiner und Sicidiner 4 ) 
giebt es einen Stein, der mit Fett bestrichen zu brennen 



') In Kampanien. 

2 ) Im August. 

3 ) Aricia, eine alte Stadt in Latium, vier Meilen von Rom an der 
Via Appia am albanischen Berge. 

4 ) Ein Volk in Kampanien; ihre Hauptstadt hiess Trauma, jetzt 
Tiano. 



21(5 Zweites Buch. 

beginnt. In der salentiniscben Stadt Egnatia entsteht, wenn 
man Holz auf einen daselbst für heilig gehaltenen Felsen 
legt, sogleich eine Flamme. Auf einem unter freiem Him- 
mel befindlichen Altare der Juno Lacinia 1 ) soll die Asche 
selbst durch die heftigsten Stürme nicht weggeführt werden. 

Sogar im Wasser und am menschlichen Körper ent- 
stehen plötzlich Flammen. So soll einmal der ganze trasi- 
menische See in Feuer gestanden haben. Dem Servius 
Tullius 2 ) brach in seiner Kindheit während des Schlafes 
eine Flamme aus dem Kopfe hervor. Valerius Antias 3 ) 
erzählt dasselbe von L. Marcius, als dieser nach dem Tode 
der Scipionen 4 ) eine Rede hielt und die Soldaten zur Rache 
aufforderte. Bald werde ich mehr und ausführlicher davon 
handeln; gegenwärtig können diese Wunder nur vermischt 
mit den übrigen Gegenständen der Natur erwähnt werden. 
Da ich nun aber die Erklärung der Natur beendigt habe, 
so beeile ich mich, den Geist der Leser gleichsam an der 
Hand über den ganzen Erdkreis zu führen. 

112. 

Unser Erdtheil, von dem ich jetzt rede, und der (wie 
schon gesagt) auf dem ihn umgebenden Ocean gleichsam 
schwimmt, hat seine grösste Ausdehnung von Morgen nach 
Abend, d. h. von Indien bis zu den von den Gaditanern 
verehrten Säulen des Hercules, welche Entfernung nach 
Artemidorus 5 ) 8,568,000, nach Isidorus 6 ) aber 9,818,000 
Schritte beträgt. Artemidorus fügt noch 891,000 Schritte 
hinzu, nämlich, von Gades um das heilige Vorgebirge 7 ) 



1 ) Unter diesem Beinamen wurde Juno in einem Tempel unweit 
Crotona in Italien verehrt. Dieser Tempel soll vom König Lacinus, 
oder vom Herkules, der den Strassenräuber Lacinius in dieser Ge- 
gend erlegte, erbauet sein. 

2 ) Sechster röm. König, regierte 576 — £34 v. Chr. 

3 ) Lebte im letzten Jahrh. v. Chr. 

4 ) Im 2. punischen Kriege. Vergl. Linius XXV. B. 32.-36. Cap. 

6 ) Von Ephesus im 2. Jahrh. v. Chr. 
°) Von Charax im 1. Jahrh. n. Chr. 

7 ) Cap St. Vincent. 



Zweites Buch. 217 

herum bis an das Vorgebirge Artabrum *), welches der 
äusserste Punkt der vordem Seite von Spanien ist. Dieses 
Maass erhält man auf doppeltem Wege. Die Entfernung 
vom Flusse Ganges und seiner Mündung im östlichen 
Ocean, über Indien und Parthyene bis zur Stadt Myrian- 
drus in Syrien, am issischen Meerbusen 2 ), beträgt nämlich 
5,215,000 Schritte; von da, auf dem kürzesten Seewege, 
über Cypern, Patara in Lycien, Rhodus, Astypaläa 3 ), die 
Inseln im carpathischen Meere 4 ), Tänarum 5 ) in Lakonien 6 ), 
Lilybäum 7 ) in Sicilien, Kalaris 8 ) in Sardinien: 2,103,000 
Schritte; von hier bis Gades 1,250,000 Schritte. Das Ge- 
sammtmaass vom östlichen Meere an beträgt also 8,568,000 
Schritte. 

Die andere, zuverlässigere Bestimmung giebt der Land- 
weg, und zwar beträgt die Entfernung: 

Vom Ganges bis zum Euphrat 5,169,000 Schritte, 
von da bis Mazaka 9 ) in Kappadocien 319,000 „ 
„ „ durch Phrygien, Karien und 

Ephesus 415,000 

„ „ durchs ägeische Meer bis Delos 200,000 „ 
„ „ bis zum Isthmus 10 )! .... 212,500 
„ „ erst zu Lande, dann durchs le- 
chäische Meer u ) und den ko- 
rinthischen Meerbusen nach 
Patras im Peloponnes . . . 90,000 „ 
„ „ bis Leukas 12 ) 87,500 



') Cap Finisterre. 

2 ) Scanderum. 

3 ) Stampalia. 

4 ) Von der Insel Carpathus, jetzt Sarpento benannt. 

5 ) Kaino. 

6 ) Maina. 

7 ) Marsala. 
*) Cagliari. 
9 ) Kaisarie. 

">) Von Korinth. 

") Der bei Korinth liegende Theil des Golfs von Lepanto. 

12 ) Hauptstadt der Insel Leukadia, jetzt St. Maura. 



218 Zweites Buch. 

von da bis Korcyra 1 ) 87,500 Schritte 

., „ „ Akroceraunia 2 ) .... 132,500 „ 

„ „ „ Brundisium 87,500 r 

.. „ „ Korn 360,000 

., „ über die Alpen bis zum Dorfe 

Scingomagus 3 ) 519,000 

„ „ durch Gallien an die Pyrenäen 

bis Illiberis 4 ) 927,000 

„ „ bis zum Ocean und der Küste 

Spaniens 331,000 „ 

„ „ bis zur Ueberfabrt nach Gades 7,500 „ 

Alle diese Entfernungen betragen nach Artemidorus 
Berechnung zusammen: 8,945,000 Schritte. 

Die Breite der Erde von Mittag zu Mitternacht wird 
etwa um die Hälfte geringer angenommen, oder zu 4,490,000 
Schritten. Hieraus ergiebt sich deutlich, wie viel uns auf 
der einen Seite die Hitze und auf der andern die Kälte 
entrissen hat. Allein ich glaube nicht, dass diess der Erde 
geradezu fehlt, oder dass sie desshalb keine Kugelgestalt 
hat, sondern nehme bloss an, dass beide Theile unbewohnt 
und uns noch unbekannt sind. Die Entfernung der süd- 
lichen Grenze von der nördlichen beträgt: 
von der Küste des äthiopischen Meeres, soweit sie bewohnt 

ist, bis Meroe 1,000,000 Schritte 

von da bis Alexandrien 1,250,000 „ 

„ „ n Rhodus 563,000 

„ „ „ Gnidus 5 ) 87,500 

„ „ „ Kos 6 ) 25,000 

„ „ „ Sainos 100,000 

„ „ „ Chios 94,000 



») Corfu. 
2 ) Chimera. 



3 ) Am Fusse der Alpen an der ital. Grenze, jetzt Sezanne. 

«) Eine. 

r> ) Messi am Cap Krio. 

6 ) Stancho. 



Zweites Buch. 219 

von da bis Mitylene 65,000 Schritte 

„ „ „ Tenedos 44,000 

„ „ „ zum Vorgebirge Sigeum . 12,500 ,. 
„ r r „ Ausfluss des Pontus . 312,500 „ 
„ r ,, „ Vorgebirge Karambis 1 ) 350,000 „ 
„ „ r „ Ausfluss des mäotischen 

Sees 2 ) 312,000 

„ „ „ „ Ausfluss des Tanais 3 ) . 275,000 

Dieser letztere Weg kann aber zu Wasser um 89,000 
Schritte abgekürzt werden. 

Von den Ländern, welche über die Mündung des Ta- 
nais hinaus liegen, haben selbst die genauesten Schriftstel- 
ler nichts Zuverlässiges aufgezeichnet. Artemidorus hält 
jene entlegenen Gegenden für unbekannt, doch sagt er, dass 
am Tanais gegen Norden die sarmatischen Völker wohnen. 
Isidorus fügt zu dem angegebenen Maasse noch 1,250,000 
Schritte bis nach der Insel Thule hinzu: doch diese Angabe 
gehört zu den Ausgeburten der Phantasie. Ich wenigstens 
weiss, dass die Grenzen der Sarmaten nicht weniger weit, 
als der eben angegebene Raum beträgt, bekannt sind. Und 
wie gross muss nicht das Land sein, welches so unzählige 
Völker, die noch obendrein ihren Wohnsitz oft verändern, 
bewohnen? Daher glaube ich, dass jene unbewohnten 
Länder einen viel grösseren Raum einnehmen. Auch habe 
ich erfahren, dass unlängst hinter Germanien sehr viele 
Inseln entdeckt worden sind. 

Diess ist es, was ich von der Länge und Breite zu 
erwähnen für werth halte. Den ganzen Umfang der Erde 
aber hat Eratosthenes, ein Mann, der in allen Wissen- 
schaften und namentlich in dieser alle andern an Scharf- 
sinn und Kenntniss übertrifft, dessen Meinungen auch fast 
von Allen angenommen sind, zu 252,000 Stadien, welche 
31,500,000 römischen Schritten gleich sind, angegeben. 



') Kerempe. 

*) Asowsches Meer. 

3 ) Don. 



220 Zweites Buch. 

Diess ist eine kühne, aber so genau begründete Be- 
hauptung, dass man sich schämen mtisste, ihr keinen Glau- 
ben zu schenken. Hipparchus, der sowohl wegen seiner 
gründlichen Beurtheilung des Eratosthenes, als auch wegen 
seines übrigen Fleisses Bewunderung verdient, fügt noch 
etwas weniger als 26,000 Stadien hinzu. Anders verhält 
es sich mit der Glaubwürdigkeit des Dionysiodorus, und 
ich will diess auffallende Beispiel griechischer Eitelkeit 
dem Leser nicht vorenthalten. Er war aus Melus x ) und 
zeichnete sich in der Geometrie sehr aus. Er starb als 
Greis in seinem Vaterlande, und diejenigen Verwandten? 
denen seine Erbschaft zufiel, besorgten sein Begräbniss. 
Als diese am folgenden Tage die herkömmlichen Gebräuche 
verrichteten, sollen sie in seinem Grabe einen Brief, von 
Dionysiodorus an die Oberwelt geschrieben, gefunden haben, 
worin es heisst: „er sei von seinem Grabe aus in das 
Innerste der Erde gelangt, und die Entfernung bis dahin 
betrage 42,000 Stadien." Es fehlte nicht an Geometern, 
welche erklärten, der Brief sei vom Mittelpunkte der Erde 
aus geschickt, bis dahin sei von der äussersten Oberfläche 
die weiteste Strecke, und letztere also die Hälfte des Erd- 
durchmessers. Hieraus hat man nun berechnet, dass der 
Umfang der Erde 252,000 Stadien betrage. 

113. 
Eine harmonische Berechnung, welche eine gleich- 
förmige Uebereinstimmung der Natur voraussetzt, fügt zu 
obengenanntem Maasse noch 12,000 Stadien hinzu, und 
hiernach ist somit die Erde der 96. Theil der ganzen Welt. 

») Milo. 



Drittes Euch. 



Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, Häfen, 

Berge, Flüsse und den Völkern, welche noch da sind 

oder da waren. 

Bisher haben wir von der Lage und den Wundern der 
Erde, Gewässer und Gestirne, sowie von der Beschaffenheit 
und Grösse des ganzen Weltalls gehandelt. Nun wollen wir 
ihre einzelnen Theile in Betracht ziehen, wenngleich ein 
solches Unternehmen für unendlich gehalten, und nicht 
leicht ohne einigen Tadel durchgeführt werden kann. In 
keiner andern Sache verdient man wohl mit mehr Recht 
Kachsicht; denn es ist begreiflich, wenn ein Mensch nicht 
alles, was ihn überhaupt betrifft, weiss. Ich werde daher 
keinem Schriftsteller ausschliesslich folgen, sondern in jedem 
Abschnitte stets dem, welchen ich für den glaubwürdigsten 
halte; denn fast alle haben das mit einander gemein, dass 
ein Jeder von ihnen die Gegend, wo er seine Schrift ver- 
fasste, am genauesten beschrieben hat; und desshalb will 
ich keinen tadeln oder widerlegen. Die blossen Namen 
der Orte sollen in möglichster Kürze angegeben, ihre Merk- 
würdigkeiten und sonstige Nachrichten von ihnen aber für 
eigene dazu bestimmte Kapitel verspart werden; denn jetzt 
rede ich noch immer von dem Ganzen. Ich möchte daher 
mich in der Weise verstanden wissen, als wenn hier ihre 
Namen, so ruhmlos wie sie zur Zeit ihrer Entstehung und 



222 Drittes Buch. 

vor dem Beginn ihrer Geschichte waren, aufgezählt wür- 
den; sie sollen also nur ein Namenverzeichniss von der 
Welt und der Natur sein. 

Der ganze Erdkreis wird in drei Theile getheilt: Eu- 
ropa, Asien und Afrika. Wir fangen im Westen bei der 
Meerenge von Gades 1 ) an, wo der atlantische Ocean ein- 
bricht und sich in die innern Meere ergiesst. Kommt man 
hier herein, so liegt Afrika zur Rechten, Europa zur Lin- 
ken, und Asien zwischen beiden; die Grenzen zwischen 
diesen drei Erdtheilen bilden der Tanais 2 ) und Nil. Die 
oben genannte Meerenge ist 15,000 Schritte lang, und vom 
Flecken Mellaria 3 ) in Spanien bis zum weissen Vorge- 
birge 4 ) in Afrika 5000 Schritte breit, wie Turranius Graci- 
lis 5 ), der daher gebürtig ist, angiebt. Nach T. Livius und 
Com. Nepos beträgt die Breite an der schmälsten Stelle 
7000 und an der breitesten 10,000 Schritte. Durch eine so 
unbedeutende Mündung ergiesst sich eine so ungeheure 
Wassermasse, und keineswegs erklärt sich dieses Wunder 
durch eine sehr grosse Tiefe des Meeres, denn zahlreiche 
weiss schimmernde Sandbänke machen daselbst die Fahrt 
gefährlich. Daher haben Viele diesen Ort die Schwelle 
des mittelländischen Meeres genannt. Da, wo der Pass am 
engsten ist, schliessen ihn von beiden Seiten Berge ein, 
nämlich derAbila 6 ) in Afrika und derCalpe 7 ) in Europa, die 
letzten Werke des Herkules. Daher nennen die Eingebor- 
nen diese Berge auch die Säulen dieses Gottes, und glau- 
ben, dass er durch die Durchstechüng derselben dem vorher 
ausgeschlossenen Ocean einen Zugang verschafft und da- 
durch der ganzen Natur ein anderes Ansehn gegeben habe. 



*) Jetzt Meerenge von Gibraltar genannt. 

2 ) Don. 

3 ) Fuente Ovejuna. 

4 ) Cap Spartel, auch Ampelusia. 

5 ) Ein nicht näher bekannter Schriftsteller. 
'•) Dschibbel el Zatute. 

7 ) Gibraltar. 



Drittes Buch. 223 

1. 

Wir wollen also zuerst von Europa, der Ernährerin des 
alle Völker besiegenden Volkes, und dem schönsten der 
Erdtheile reden, welchen die Meisten mit Recht zur Hälfte 
der ganzen Erde gemacht haben, indem sie dieselbe durch 
eine vom Flusse Tanais an bis zur gaditanischen Meer- 
enge gezogene Linie in zwei Theile theilen. Der Ocean, 
welcher durch den genannten Pass das atlantische Meer 
ergiesst, und die Länder, welche seinem Andringen furcht- 
sam wichen, gierig verschlang, bespühlte auch die in viel- 
fachen Krümmungen ihm widerstrebenden Ufer und hat so 
an Europas Küsten viele Aushöhlungen, namentlich vier 
Hauptmeerbusen gebildet. Der erste derselben zieht sich 
von dem schon erwähnten äussersten Berge Calpe in Spa- 
nien bis nach Locri 1 ) und dem brutischen Vorgebirge 2 ) in 
einem sehr grossen Bogen herum. 

2. 

Das erste Land an diesem Busen ist das jenseitige 
Spanien oder Bätica. Daran grenzt das tarraconensische 
oder diesseitige Spanien, welches von der urgitanischen 
Grenze 3 ) bis an die Pyrenäen reicht. Das jenseitige Spa- 
nien wird der Länge nach in zwei Provinzen getheilt. An 
der Nordseite von Bätica breitet sich das durch den Fluss 
Anas 4 ) getrennte Lusitanien aus. Dieser entspringt im 
laminitanischen 5 ) Gebiete des diesseitigen Spaniens, fliesst 
bald durch Sümpfe, bald durch enge Schluchten, oder ver- 
birgt sich gänzlich in Höhlen, als freue es ihn, öfter zu 



') Stadt im Lande der Brutier in Unter-Italien. Die Bewohner 
hiessen vom benachbarten Vorgebirge Zephyrium, die epizephyrischen 
Locrer. Wenige Ruinen dieser Stadt finden sich noch beim Torre 
di Pagliapoli. 

2 ) Heisst im 10. Cap. dieses Buches Leucopetra; jetzt Capo 
deH'Armi. 

3 ) Urgi oder Urci, eine Hafenstadt am mittelländischen Meere, 
jetzt Abrucena. 

A ) Guadiana. 

5 ) Von der Stadt Laminium, jetzt Alhambra. 



224 Drittes Buch. 

entspringen, und ergiesst sich endlich in das atlantische 
Meer. Das hier angrenzende tarraconensische Spanien zieht 
sich an der ganzen Seite der Pyrenäen hin, breitet sich 
vom iberischen Meere 1 ) ab bis zum gallischen Ocean 2 ) aus, 
und wird durch den Berg Solorius 3 ) sowie durch die ore- 
tanischen 4 ), carpetanischen 5 ) und asturischen 6 ) Gebirge von 
Bätica uud Lusitanien getrennt. 

3. 
Bätica 7 ), welches nach dem ihn mitten durchschnei- 
denden Flusse 8 ) benannt ist, übertrifft alle anderen Pro- 
vinzen durch seine reiche Kultur, Fruchtbarkeit und beson- 
dere Schönheit. Es enthält vier Gerichtskreise, den gadi- 
tanischen, cordubensischen , astigitanischen und hispalen- 
sischen. 9 ) Die Gesammtzahl seiner Städte beträgt 175; 
darunter befinden sich 9 Kolonien 10 ) , 8 Munieipien n ), 29 
mit lateinischem Bürgerrechte 12 ), 6 freie, 3 Bundesstädte 
und 120 zinsbare. Von diesen sind erwähnenswerth oder 
wenigstens im Lateinischen leicht auszusprechen: Oroba 13 ), 
mit dem Beinamen Aestuaria an der Mündung des Anas; 
ferner die Zwischenflüsse 14 ) Luxia und Urium 15 ), die Maria- 



') Der Theil des mittelländischen Meeres, in den sich der Ebro 
ergiesst. 

2 ) Meerbusen von Gascogne. 

3 ) Sierra de los Vertientes. 

4 ) Sierra Morena. 

5 ) Monte de Toledo. 

6 ) Sierra de las Asturias. 

7 ) Umfasste Andalusien, den grössten Theil von Granada. Estre- 
madura und den westlichen Theil von la Mancha. 

8 ) Baetis, jetzt Guadalquivir. 

9 ) Diese Namen kommen noch weiter unten vor. 

,0 ) Die Rechte der Colonien waren verschieden nach den Rech- 
ten der Mutterstädte. 

u ) Fremde Städte, die das römische Bürgerrecht hatten. 

,2 ) Dieses gestattete den Besitzern den Dienst in den Römischen 
Legionen und die Bewerbung um alle militärischen Aemter und 
Ehrenstellen. 

I3 ) Huelva. 14 ) Zwischen dem Anas u. Baetis. ,5 ) Odiel u. Tinto. 



Drittes Buch. 225 

nischen Berge; der Bätis; die corensische Küste mit einem 
Meerbusen, diesem gegenüber Gades, von dem noch bei den 
Inseln die Rede sein wird; das Vorgebirge der Juno 1 ), der 
Hafen Bäsippo 2 ); die Städte: Belon 3 ), Mellaria 4 ); die Meer- 
enge des atlantischen Oceans; Carteja, von den Griechen 
Tartessos genannt; der Berg Calpe. 5 ) Weiter an der innern 
Küste die Stadt Barbesula am gleichnamigen Flusse 6 ), dess- 
gleichen Salduba 7 ), die Stadt Suel 8 ), Malaca 9 ) an dem 
Flusse gleichen Namens 10 ), eine der Bundesstädte. Dann 
folgt Mänoba n ) am gleichnamigen Flusse 12 ) ; Sexi Firmum 13 ) 
mit dem Beinamen Julium; Seiambina 14 ), Abdara 15 ) und 
Murgi 16 ), welches an der Grenze von Bätica liegt. M. 
Agrippa 17 ) glaubt, die Bevölkerung dieser ganzen Küste sei 
punischen Ursprungs. 

Die Küste des atlantischen Meeres vom Anas an be- 
wohnen die Bastuler und Turduler. M. Varro berichtet, 
die Iberier, Perser, Phönizier, Celten und Punier hätten 
sich über ganz Spanien verbreitet. Lusitanien soll seinen 
Kamen von einem Spiele (lusus) zu Ehren des Vater Bacchus 
oder von Lysas, seinem Begleiter, erhalten haben, und Pan 
soll der Schutzgott des ganzen Landes sein. Was aber 
vom Herkules und der Pyrene 18 ), oder vom Saturn erzählt 
wird, halte ich für eine Fabel. 

Der Bätis entspringt in der tarraconensischen Provinz 
auf dem tugiensischen Waldgebirge 19 ) und nicht, wie Einige 
behauptet haben, bei der Stadt Mentisa 20 ); neben ihm fliesst 



*) Cap Trafalgar. 2 ) Porto Barbato. 3 ) Bolonia. 4 ) Fuente 
Ovejuna. 5 ) Gibraltar. 6 ) Guadiaro, an der Grenze von Granada, 
') Marbella. 8 ) Fuengirolo. 9 ) Malaga. ,0 ) Jetzt Guadalmedina. 
") Velez Malaga. '-) Velez. ,3 ) Almunecar. M) Salobrena. 15 ) Adra. 

16 ) Muxagar. 

") Verwandter u. Freund des Augustus, u. verdienter Geograph, 
starb 12 n. Chr. 

18 ) Pyrene, Tochter des Bebryx und Geliebte des Herkules. Die 
Pyrenäen haben von ihrem daselbst befindlichen Grabe den Namen. 

,9 ) Sierra de Cazorla. 

2°) Baeza. 

15 



226 Drittes Buch. 

der Tader 1 ), der die Gegend von Carthago 2 ) bewässert; 
jener entfernt sich wieder von diesem beim Grabmale des 
Scipio zu Ilorcum 3 ), wendet sich gegen Abend, und ergiesst 
sich, nachdem er der Provinz seinen Namen gegeben, in 
den atlantischen Ocean. Anfangs ist er nur klein, doch 
bald wird er durch viele Flüsse verstärkt, denen er Namen 
und Wasser entzieht. Aus dem Ossigitanischen 4 ) Gebiete 
kommt er nach Baetika, und seine reizenden Ufer sind zu 
beiden Seiten mit zahlreichen Städten besetzt. 

Die berühmtesten Städte zwischen dem Bätis und der 
Meeresküste im Innern des Landes sind: Segeda 5 ), mit dem 
Beinamen Augurina, Julia oder Fidentia 6 ), Urgao oder 
Alba 7 ), Ebura oder Cerealis 8 ), Iliberi oder Liberini 9 ), III- 
pula 10 ) oder Laus, Astigi 11 ) oder Julienses; Vesci 12 ) oder 
Faventia, Singili 13 ), Attegua 14 ), Arialdunum, Klein- Agla 15 ), 
Bäbro, Castra vinaria 16 ), Cisimbrium 17 ), Neu-Hippo, Illurco 18 ), 
Osca 19 ), Escua 20 ), Succubo, Nuditanum, Tuati vetus; alle 
diese nach dem Meere zu in Bastetanien und gehören zum 
cordubensischen Kreise. Am Flusse Baetis selbst liegen: 
Ossigi, mit dem Beinamen Laconicum, Illiturgi 21 ) oder Fo- 



') Segura. 2 ) Carthagena. 3 ) Lorca. 

4 ) Von der Stadt Ossigi der Turduler an der Grenze vom tarra- 
conensischen Spanien, jetzt Maquiz. 

5 ) S. Jago de IIa Higuera. 

6 ) Fuente del Rey. 

7 ) Purchena. 

8 ) Alcala la Real. 

9 ) Ruinen bei Granada, auf der Sierra de Elvira. 

10 ) Loxa. 

11 ) Alameda. 

12 ) Archidona. 

13 ) Mira Xenil. 

,4 ) Die wenigen Ruinen dieser Stadt führen den Namen Teva veja. 

,5 ) Aguilar. 

») Castro el Rio. 

") Espeja. 

,8 ) Illora. 

19 ) Huescar. 

M ) Escuzar. 2I ) Ubeda la vieja. 



Drittes Buch. 227 

rum Julium, Ipasturgi oder Triumphale, Setia und 14,000 
Schritte weit im Lande, Obulco *), oder Pontificense. 
Nicht weit davon liegt die Bundesstadt Epora 2 ), Sacili 
Martialium 3 ), Onoba und zur Rechten Corduba 4 ), eine 
Pflanzstadt mit dem Beinamen Patricia, von wo aus der 
Baetis schiffbar wird; Carbula 5 ), Detunda; der Fluss Sin- 
gulis 6 ), welcher auf derselben Seite in den Bätis fällt. 

Die Städte des Hispalensischen Kreises sind: Celti 7 ), 
Arua 8 ), Camana, Evia, Ilipa 9 ) oder lila, Italica 10 ); zur Lin- 
ken die Pflanzstadt Hispalis 11 ) oder Romulensis. Gegenüber 
liegt die Stadt Osset 12 ) oder Julia Konstantia, Vergentum 13 ) 
oder Julii Genus, Orippo 14 ), Caura 65 ), Siarum 16 ) und der 
Fluss Menoba 17 ), der von der rechten Seite in den Bätis 
fällt. Bei der Mündung des Bätis liegt: Nebrussa 18 ) oder 
Veneria, und Colobona 19 ). Pflanzstädte sind: Asta 10 ), auch 
Regia genannt, und im Innern des Landes Asido 21 ) oder 
Caesariana. 

Der Fluss Singulis, welcher sich an der oben bezeich- 



') Porcuria, nach Andern Bujalance. 

2 ) Riopar. 

3 ) Alcurruca. 

4 ) Cordova. 

5 ) Corbul. 

6 ) Xenil. 

7 ) Guadalkanal. 

8 ) Alcolea. 

9 ) Niebla. 

,0 ) Santiponte. 
») Sevilla. 

12 ) Castello de la Cuestra. 

13 ) Gelves. 

u ) Villa de los Hermannas. 

15 ) Coria, 

lü ) Sarrakatin. 

") Guadalimar. 

,8 ) Lebrixa. 

,9 ) Tribuxena. 

20 ) Xeres della Front era. 

21 ) Medina Sidonia. 

15* 



228 Drittes Buch. 

neten Stelle in den Bätis ergiesst, fliesst an der astigita- 
nischen Pflanzstadt Augusta Firma *) vorbei, und wird von 
da an schiffbar. Zu diesem Kreise gehören die übrigen 
von Abgaben freien Pflanzstädte: Tucci 2 ) oder Augusta 
Gemella, Itucci oder Virtus Julia, Attubi 3 ) oder Ciaritas 
Julia, Urso 4 ) oder Genua Urbanorum; zu diesen gehörte 
auch Munda 5 ), bei deren Einnahme der Sohn des Pompejus 
gefangen genommen wurde. Freie Städte sind: Astigi ve- 
tus 6 ), Ostippo 7 ); zinsbar sind: Callet, Calecula 8 ), Castra 
gemina 9 ), Uipula minor 10 ), Merucra 11 ), Sacrana, Obulcula 12 ), 
Oningis. Unweit der Küste an dem ebenfalls schiffbaren 
Flusse Menoba wohnen die Alontigiceler und Alostiger. 

Der übrige noch nicht erwähnte Landstrich zwischen 
dem Bätis und Anas heisst Baeturia, wird in zwei Theile 
getheilt und von eben so vielen Völkerschaften bewohnt; 
nämlich den Celtikern 13 ), welche bis nach Lusitanien reichen, 
und im Hispalensischen Kreise wohnen, und den Turdulern, 
welche an der lusitanischen und terraconensischen Grenze 
wohnen und zum Gerichtsbezirk Corduba gehören. Dass 
die Celtiker von den Celtiberiern in Lusitanien abstammen, 
ergiebt sich deutlich aus ihrer Religion, Sprache und ihren 
Städtenamen, welche man in Bätica, zur Unterscheidung 
(von den gleichnamigen in Celtiberien) mit besonderen Bei- 
namen bezeichnet. So heisst Seria 14 ) auch Fama Julia, 
Nertobriga 15 ) : Concordia Julia, Segida: Restituta Julia, Con- 
tributa 16 ): Julia Ucultuniacum, welche auch jetzt Turiga ge- 
nannt wird, Laconimurgis 17 ): Constantia Julia, Tereses 18 ): 
Fortunales, Callenses 19 ): Emanici. Ausserdem liegen im Ge- 



') Eceja. -) Martos. 3 ) Espejo. 4 ) Villa Ossune. 

5 ) Berühmt durch eine Niederlage der Karthager im pun. Kriege 
(Liv. 24, 42) und durch die entscheidende Schlacht zwischen Caesar 
und den Söhnen des Pompejus (Caesar sp. Kr. 51); jetzt steht ein 
schlechtes Dorf Monda in Granada an der Stelle von Munda. 

«) Alhameda. 7 ) Estepa. 8 ) Calabra. ; ') Campillo. 10 ) Olvera. 
") Mairena. 12 ) Monclon. 13 ) Ein Stamm der Celten. ") Xeres de 
Cavalleros. 16 ) Valera la Veja. ,6 ) Medina de los Torres. ") Con- 
stantina in Andalusien ,8 ) Nicolo del Puerto. I9 ) Cacalla, 



Drittes Buch. 229 

biete der Celtiker: Acinippo, Arunda *), Arunci 2 ), Turo- 
brica 3 ), Lastigi 4 ), Salpesa 5 ), Saepona 6 ), Serippo. Der an- 
dere Theil Bäturiens, welchen, wie wir gesagt haben, die 
Turduler bewohnen, und der mit zum Cordubensischen 
Kreise gehört, hat folgende nicht unbedeutende Städte: 
Arsa 7 ), Mellaria 8 ), Mirobrica 9 ) und, im osintiadischen Land- 
striche, Sisapo. 10 ) 

Im gaditanischen Kreise liegen: Regina 11 ), mit römi- 
schem Bürgerrechte; mit lateinischem Bürgerrechte Laepia 
Ulia, Carissa 12 ) auch Aurelia genannt; Urgia 13 ) oder Cast- 
rum Julium oder Cäsaris Salubai iensis. Zinsbare Städte 
sind: Besaro, Belippo, Barbesula 14 ), Lacippo 15 ), Bäsippo 16 ), 
Callet, Cappagum, Oleastro 17 ), Itucci, Beana 18 ), Lacibi, Sa- 
guntia 19 ), Andorisä. 

Die ganze Länge dieses Landes beträgt nach M. Agrippa 
465,000 Sehritte, die Breite 257,000 Schritte; allein damals 
erstreckten sich dessen Grenzen bis nach Carthago. 20 ) In 
den Maassbestimmungen entstehen überhaupt dadurch 
grosse Fehler, dass bald die Grösse der Provinzen sich 
ändert, bald die Wege nach grösseren oder kleineren Schrit- 
ten gemessen werden. Dazu kommt noch, dass das Meer 
nach und nach an dieser Stelle Land wegspühlt, an jener 
ansetzt, und dass Flüsse oft einen andern Lauf nehmen. 
Der Eine fängt seine Messung an diesem, der Andere an 
jenem Orte an, und jeder beobachtet dabei seinen besonde- 
ren Gang. Daher kommt es denn, dass niemals zwei An- 
gaben übereinstimmen. Die jetzige Länge von Bätica be- 
trägt von der Grenzstadt Castulo 21 ) bis nach Gades 
250,000 Schritte, und von Murci 22 ) bis au die Meeresküste 
ist die Entfernung um 25,000 Schritte weiter. Die Breite 
beträgt von der Cartejanischen Küste an 234,000 Schritte. 

') Ronda. 2 ) Aronches. 3 ) Torre Mexia. 4 ) Zahara. 5 ) Elvas. 
6 ) Ruinen im Forste bei Ronda. 7 ) Aracena. 8 ) Fuente Ovejuna. 
9) Capilla, 10 ) Ahnaden. ") Puebla de la Reyna. «) Carixa. > 3 ) Las 
Cabecas. 14 ) Torre di Guadiara. ,5 ) Alecippe. ,6 ) Vejer de la Fron- 
tera oder Porto Barbato. ") Osmia. ,8 ) Santillana. iy ) Xigonza. 
2°) Carthagena. *') Cazorle. 22 ) Almeria. 



230 Drittes Buch. 

Wer sollte nun wohl glauben, dass Agrippa bei seinem 
grossen Fleisse und der besonderen Sorgfalt, die er einer 
Arbeit widmete, durch welche er den ganzen Erdkreis der 
Stadt Rom zur Uebersicht vorzulegen gesonnen war, und mit 
ihm der göttliche Augustus sich geirrt habe? Denn dieser 
vollendete den nach dem Plane und den Schriften des M. 
Agrippa von dessen Schwester begonnenen Bau des Por- 
ticus, der eben jene Angaben enthält. 

4. 

Die ehemalige Gestalt des diesseitigen Spaniens 1 ) 
hat sich, wie die mehrerer Provinzen, etwas verändert; 
denn Pompejus der Grosse bemerkte auf den Trophäen, die 
er in den Pyrenäen errichten liess, er habe vou den Alpen 
an bis zu den Grenzen des jenseitigen Spaniens 877 Städte 
unter die römische Botmässigkeit gebracht. Jetzt wird die 
ganze Provinz in 7 Kreise eingetheilt: in den carthaginien- 
sischen, tarraconensischen, cäsaraugustinischen, clunien- 
sischen, asturischen, lucensischen und bracarischen. Dazu 
kommen noch die Inseln; ohne diese, welche besonders er- 
wähnt werden sollen, und ausser den 294, andern Orten 
zugezählten Gemeinden enthält die Provinz 179 Städte. 
Von diesen sind 12 Colonien, 13 mit römischem Bürger- 
rechte, 18 mit altlateinischem Bürgerrechte, 1 Bundesstadt 
uud 135 zinsbare. 

Unmittelbar an der Küste wohnen die Bastuler. 2 ) Dann 
folgen der Reihe nach, in das Land hinein die Mentesa- 
ner 3 ), Oretaner 4 ) und am Tagus die Carpetaner 5 ); daneben: 

') Es begriff mit Ausnahme der Bätischen und Lusitanischen 
Provinzen das ganze jetzige Spanien in sich. 

2 ) PI. nennt sie auch Bastetaner. Sie waren kein eigenthümlicher 
Volksstamm, sondern bestanden aus einer Mischung von Phöniciem, 
Carthagern, Griechen und Römern. Sie wohnten vom Junovorgebirge 
an der Küste hin bis Murgis in Granada. 

3 ) Eigentlich bloss der südliche Theil der Oretaner, in dem Be- 
zirk von Chinchilla. 

4 ) Diese bewohnten einen Theil vom westl. Toledo, den mittleren 
Theil von la Mancha, die Ostspitze von Jaen und die Nordspitze von 
Granada. Ihr Land war der Hauptschauplatz im punischen Kriege. 

5 ) Ein iberischer Stamm, der den grössten Theil von Toledo, die 



Drittes Buch. 231 

die Vaccäer *), die Veetoner 2 ) und die arevacischen Celti- 
berier. 3 ) An der Küste liegen folgende Städte : Urci 4 ) und 
Barea 5 ), das auch zu Bätica gerechnet wird; das mavita- 
nische, deitanische und contestanische Gebiet, die Pflanzstadt 
Neu-Carthago 6 ); von dem dabei liegenden Vorgebirge des 
Saturn 7 ) beträgt die Ueberfahrt nach Cäsarea 8 ) in Mauri- 
tanien 187,000 Schritte. . Ausserdem sind noch an der Küste 
zu nennen: Der Fluss Tader 9 ), die freie Pflanzstadt Illici 10 ), 
von welcher der dabei liegende Meerbusen 11 ) seinen Namen 
hat; ihr sind die Icositaner untergeordnet. Dann folgt Lu- 
centum 12 ) mit lateinischem Bürgerrechte, das zinsbare Dia- 
nium 13 ), der Fluss Sucro 14 ) und früher eine Stadt gleichen 
Namens 15 ), die Grenze von Contestanien; das edetanische 16 ) 
Gebiet mit dem sich daran hinziehenden schönen See 17 ), 
bis zu den Celtiberiern; die 3000 Schritte vom Meere ent- 
fernte Pflanzstadt Valentia, der Fluss Turium 18 ), und, in 
gleicher Entfernung vom Meere Saguntum 19 ) mit römischem 



Provinz Segovia, Avüa, und Guadalaxara inne hatte ; sie hiessen auch 
Carpesier oder Caracitaner. 

') In Zamora und Salamanca. 

'-) In Estreinadura und Leon. 

3 ) In Valladolid. 

4 ) Abrucenna. 

5 ) Vera. 

6 ) Carthagena. 

7 ) Capo di Palos. 

8 ) Vermuthlich das heutige Algier oder Tenez. 

9 ) Segura. 

10 ) Elche. 

») Golfo di Alikante. 
,2 ) Aükante. 
,3 ) Denja. 
,4 ) Xucar. 
,5 ) Sueca. 

16 ) Ein iberischer Stamm, woluite längs der Küste von Valencia 
an bis über Pennisocola. Ihr Gebiet umfasste also den nördl. Theil 
von Valencia und die Südostspitze Arragoniens. 

17 ) Albufera. ,8 ) Guadalaviar. 

t9 ) Eine Colonie der Zakynthier und Rutuler, die reichste Stadt 



232 Drittes Buch. 

Bürgerrechte und berühmt durch ihre Treue; der Fluss 
Uduba *); das Gebiet der Uergaonier. 2 ) Der Iberus 3 ), ein 
von vielen Handelsschiffen befahrener Fluss, entspringt in 
Cantabrien, unweit der Stadt Juliobrica 4 ) und durchströmt 
eine Strecke von 450,000 Schritten; 260,000 Schritte lang, 
nämlich von der Stadt Varia 5 ) an, ist er schiffbar; nach ihm 
haben die Griechen ganz Spanien Iberien genannt. Das 
cossetanische Land 6 ), der Fluss Subi 7 ); die Pflanzstadt 
Tarraco 8 ), von den Scipionen angelegt, sowie Carthago von 
den Puniern. Das Gebiet der Ilergeter 9 ), die Stadt Subur 10 ); 
der Fluss Rubricatum 11 ), jenseits desselben die Laletaner 12 ) 
und Indigeter. 13 ) Dann folgen der Reihe nach, gegen das 
Innere des Landes am Fusse der Pyrenäen, die Ause- 
taner 14 ), die Lacetaner 15 ), in den Pyrenäen die Cerretaner 16 ) 
und die Vasconer 17 ); an der Küste aber liegt die Pflanz- 
stadt Barcino 18 ), mit dem Beinamen Faventia. Städte mit 
römischem Bürgerrechte sind: Bätulo 19 ) und Iluro 20 ); der 
Fluss Lanum 21 ); Blandä 22 ), der Fluss Alba 23 ), die Doppel- 



jenseits des Iberus. Mit ihrer Eroberung durch Hannibal begann 
der zweite punische Krieg. Sie heisst jetzt Murviedro. 
J ) Mijares. 

2 ) Zwischen dem Mijares und Ebro. 

3 ) Ebro. 
') Frias. 

5 ) Logrono. 

li ) Die Vegerias de Tarragona und de Tortosa. 

7 ) Francoli. 

8 ) Tarragona. 

a ) Der Küstenstrich zwischen Tarragona und Barcelona. 

10 ) Villa nova. 

") Llobregat. 

,2 ) Vegerias de Barcelona und de Mataro. 

,3 ) Vegeria de Gerono. 

M ) Mit der Stadt Ausa, jetzt Vique. 

,5 ) Vegerias de Cervera und de Manresa. 

,6 ) Vegerias de Puigcerda. 

") Provinz Guipuscoa. 

,8 ) Barcelona. 

ly ) Badalona an der catal. Küste. 

*>) Pineda. 21 ) Tordera. 22 ) Blanas. *>) Ter. 



Drittes Buch. 233 

Stadt Emporiä *), von alten Eingebornen und Griechen, 
Nachkommen der Phocäer, bewohnt; der Fluss Ticher 2 ); 
von hier bis nach Venus Pyrenäa 3 ), auf der andern Seite 
des Vorgebirges, beträgt die Entfernung 40,000 Schritte. 

Nun wollen wir von jedem Kreise das Wichtigste 
ausser dem bereits Mitgetheilten vorführen: 

Zu Tarraco werden die Rechtssachen von 43 Völker- 
schaften entschieden, unter denen folgende die berühmtesten 
sind: die Dersutaner 4 ) und Bisgargitaner 5 ) mit römischem 
Bürgerrechte; die Ausetaner und Cerretaner mit lateinischem 
Bürgerrechte, welche auch Julianer oder Augustaner heissen; 
die Edetaner, Gerundenser 6 ), Gessorienser, die Tearer oder 
Julienser. Unter den zinsbaren verdienen erwähnt zu wer- 
den: die Aquicaldenser 7 ), Onenser und Bäculonenser. 8 ) 

Caesaraugusta 9 ) ist eine steuerfreie Colonie am Iberus, 
wo ehemals die Stadt Salduba stand; sie liegt in der ede- 
tanischen Landschaft und umfasst 55 Völkerschaften. Unter 
diesen sind die vorzüglichsten mit römischem Bürgerrechte: 
die Balitaner 10 ) und Celsenser 11 ); von Colonien: die Cala- 
guritaner 12 ) oder Nassiker, die Ilerdenser 13 ), welche von 
den Surdaonen abstammen und am Flusse Sicoris 14 ) woh- 
nen, die Oscenser 15 ) in der Landschaft Vescitania, die 
Turiasonenser 16 ); mit lateinischem Bürgerrechte: die Cas- 
cantenser 17 ), Ergavicenser 18 ), Graccuritaner 19 ), Leonicenser 20 ) 
und Ossicerdenser. 21 ) Unter den Bundesvölkern: die Tarra- 
genser 22 ); unter den zinsbaren: die Acrobrigenser 23 ), Ando- 
logenser 2 *), Arocelitaner 25 ), Bursaonenser 16 ), Calaguritaner 27 ) 



2 ) Sie bestand aus zwei durch eine Mauer getrennten Theilen, in 
dem einen wohnten Griechen, in dem andern Eingeborne. Zu Stra- 
bo's Zeiten waren sie aber zu einem Volke verschmolzen. (Jetzt Ca- 
stello da Empurias.) 

-) Fluvia. 3 ) Capo di Cruz. 4 ) Tortosa, 5 ) Berrus. 6 ) Girona. 
7 ) Caldes. 8 ) Baylen. 9 ) Saragossa. ,0 ) Belchite. ") Xalsa. > 2 ) Lo- 
harra. ,3 ) Lerida. I4 ) Segra. ,5 ) Hueskar. ,6 ) Tarracona jenseits des 
Ebro. 17 ) Cascanta in Navarra. 18 ) Oreja. ,9 ) Agreda. -°) Villar 
Luengo. 21 ) Ixar. 22 ) Tarrega in Catalonien. 23 ) Arcos. 24 ) Andosilla. 
25 ) Miranda. 26 ) Burgos. - 1 ) Calahorra. 



234 Drittes Buch. 

oder Fibularenser, die Complutenser *), Carenser 2 ), Cincen- 
ser 3 ), Cartonenser 4 ), Damanitaner 5 ), Larnenser 6 ), Lursen- 
ser 7 ), Lumberitaner 8 ) , Lacetaner 9 ), Lubienser 10 ), Pompe- 
lonenser 11 ) und Segienser. 12 ) 

Zu Carthago gehören 65 Völkerschaften, mit Ausnahme 
der Inselbewohner. Unter diesen nennen wir die Gemellen- 
ser von der accitanischen Colonie 13 ) und Libisosona u ) 
oder Foroaugustana, welche beide das italische Bürgerrecht 
erhalten haben; von der salariensischen Colonte 15 ) mit altlatei- 
nischen Rechten: die Castulonenser oder Cäsari Venales 16 ), 
die Setabitaner 17 ) oder Augustaner, und die Valerienser. 18 ) 
Unter den zinsbaren sind am berühmtesten: die Alabanen- 
ser 19 ), Bastitaner 20 ), Consaburenser 21 ), Dianenser 22 ), Egele- 
staner 23 ), Ilorcitaner 24 ), Laminitaner 25 ), Mantesaner 26 ) oder 
Oritaner, Mentesaner 27 ) oder Bastuler, Oretaner 28 ) oder Ger- 
maner; Segobriga 29 ), die Hauptstadt Celtiberiens, Toletum 30 ) 
am Tago, die Hauptstadt von Carpetanien; endlich die 
Viatienser 31 ) und Virgilienser. 32 ) 

Zum cluniensischen 33 ) Kreise gehören 14 Völkerschaften 
der Varduler, von denen ich nur die Albanenser 34 ) nennen 



') Alcala de Henarez. -) Carascosa. 3 ) Cisuentes. 4 ) Cordona. 
5 ) Mediana. G ) Larna. 7 ) Luezas. 8 ) Lumberitta. 9 ) S. oben. 10 ) Lubia. 
n ) Pampeluna. 12 ) Sesnia. 

,3 ) Der vollständige Name der Colonie war: Col. Julia Genieila 
Accitana, jetzt Guadix in Granada. 

u ) Deren Ruinen liegen bei dem Dorfe Laguri unweit Cuenca. 

15 ) Cazorle. 

,6 ) Weil sie ihr Gebiet an Caesar verkauft hatten. 

17 ) Daher die sudaria Setaba. Vergl. die Dedication an Titus 
Vespasianus; jetzt Xativa in Valencia. 

18 ) Valeria la Viega. ,9 ) Abeloda. 

20 ) Baza in Granada. 

21 ) Consunara in Neu-Kastilien. 

22 ) Denia. **) Uniesta. 2i ) Lorca. 25 ) Alhambra. 26 ) Betanaez. 
™) Baeza. 2 ») Oreto. 29 ) Priego. 30 ) Toledo. 3l ) Bae'9a. 32 ) Murcia. 

33 ) Corunna. 

34 ) Alvana bei Vittoria. Die Varduler bewohnten das mittlere 
Guipuskoa. die Ostspitze von Alava und den westlichen Theil von 
Navarra. 



Drittes Buch. 235 

will. 4 der Turmodiger *), unter denen die Segisamonen- 
ser 2 ) und Segisamejulienser. 3 ) Zu demselben Kreise ge- 
hören auch die Carieter und Veunenser 4 ) mit 5 Stadtge- 
meinden, unter denen die Velienser. Ferner die Pelendo- 
ner 5 ), ein eeltiberiseher Stamm, mit 4 Völkerschaften, unter 
denen die Numantiner 6 ) berühmt waren; sowie von den 
18 Stadtgemeinden der Vaccäer 7 ), die Intercatienser 8 ), 
Pallantiner !1 ), Lacobricenser 10 ), Caucenser. 11 ) Von den 7 Völ- 
kerschaften der Cantabrier bemerken wir nur die Julobri- 
censer 12 ), von den 10 Städten der Autrigoner 13 ), Tritium 14 ) 
und Virovesca. 15 ) Die Arevacer 16 ), welche ihren Namen 
vom Flusse Areva 17 ) bekommen haben, besitzen 6 Städte: 
Saguntia 18 ) und Uxama 19 ), welche Namen auch andere Orte 
irrigerweise führen, ferner Segovia, Neu-Augusta 20 ), Tir- 
mes 21 ) und Clunia 22 ) an der Grenze von Celtiberien. Die 
übrigen hierher gehörenden Gemeinden, sowie die bereits 



') Auch Murbogier genannt, im nördlichen Theil von Burgos. 

2 ) Sasanion. 

3 ) Palencia. 
A ) Viana. 

5 ) Soria. 

6 ) Puente Garray. 

7 ) Sie bewohnten den grössten Theil von Valladolid, die Nord- 
spitze von Salamanca, die Südostspitze von Leon, Südpalencia und 
die Hälfte von Toro. 

8 ) Villa nueva de Azuague. 

9 ) Ebenfalls zu Palencia. 
io ) Lobera. 

») Coca. 

12 ) Frias. 

i3 ) Sie bewohnten zu beiden Seiten des Ebro die östliche Spitze 
von la Montana, die westliche von Biscaya und Alava, und die 
nördlichen Theile von Burgos. 

'<) Tricio. 

lä ) Briviesca. 

16 ) Sie wohnten von Valladolid bis an die Quellen des Duero 
hinaus. 

") Arlanzo. 18 ) Siguen9a. 19 ) El Borgo d'Osma. ») Muro. «) Tier- 
mes. —) Corunna del Conda, ein Dorf. 



236 Drittes Buch. 

genannten Vavduler und Cantabrier, liegen nach dem 
Meere hin. 

Hieran grenzt der asturische Kreis mit der prachtvollen 
Stadt Asturica x ) und 22 Völkerschaften, welche in die Au- 
gustaner und Transmontaner zerfallen. Unter ihnen sind 
zu erwähnen: die Cigurrer 2 ), Päsiker 3 ), Lancienser 4 ) und 
Zöler. 5 ) Die Zahl sämnitlicher Bewohner wird auf 240,000 
freie Köpfe geschätzt. 

Der lucensische 6 ) Kreis hat 16 Völkerschaften, die mit 
Ausnahme der Celtiker und Lebuner, unbedeutend sind und 
barbarische Namen führen; er enthält aber 160,000 freier 
Köpfe. 

Die 24 Gemeinden des beakarischen 7 ) Kreises enthalten 
175,000 freie Köpfe; unter ihnen lassen sich, ausser den 
Brakariern, nur die Biballer, Cölerner, Galläker; Hequäsen, 
Limiker, Querquerner, ohne Widerwillen nennen. 

Die Länge des diesseitigen Spaniens beträgt, von den 
Pyrenäen bis zur Grenzstadt Castulo 8 ) 607,000 Schritte 
und bis an die Küste noch etwas weiter; die Breite von 
Tarraco bis zu der Küste bei Olarso 9 ) 307,000 Schritte. 
Vom Fusse der Pyrenäen an, wo es zwischen zwei Meeren 
eingeengt, spitzig zuläuft, breitet es sich allmälig aus, und 
wo es mit dem jenseitigen Spanien zusammentrifft, wird es 
mehr als noch einmal so breit. An Metallen, namentlich 
Blei, Eisen, Kupfer, Silber, Gold hat fast ganz Spanien 
Ueberfluss; im diesseitigen giebt es auch Frauenglas, in 
Bätica Zinnober. 10 ) Auch Marmorbrüche sind dort. Der 



') Astorza. 

2 ) Cigurri. 

*) Am Capo de Penas. 

4 ) Sollanca. 5 ) Vivero. 

*'•) Die Hauptstadt hiess Lucus Asturum, jetzt Lugo in Gallicien. 

7 ) Die Hauptstadt hiess Bracaria Augusta, jetzt Braga. 

8 ) Cazorla. 

") Auch Oeaso, Eason, Jarsoni, ein Vorgebirge zwischen Gallien 
und Spanien auf der Nordküste, jetzt Sierra de Jasquivel. Etwas 
tiefer lag auch eine Stadt gleichen Namens, jetzt Ojarko. 

">) minium, siehe XXXIII. B., 36. Cap. 



Drittes Buch. 237 

Kaiser Vespasianus Augustus verlieh, während der Drang- 
sale des Staates *), ganz Spanien das lateinische Bürger- 
recht. Die Pyrenäen trennen Spanien von Gallien, denn 
ihre Vorgebirge erstrecken sich in zwei verschiedene Meere. 

5. 
Die narbonensische Provinz 2 ) wird derjenige Theil 
von Gallien genannt, welcher das mittelländische Meer be- 
spiihlt, und früher Braccata 3 ) hiess. Sie wird durch den 
Fluss Varus 4 ) und die der römischen Macht so heilsame 
Kette der Alpen von Italien, sowie auf der Nordseite durch 
das Gebenna- 5 ) und Jura-Gebirge von dem übrigen Gallien 
geschieden. Sie steht am Ertrag der Aecker, Bildung der 
Männer und Sitten und Hülfsquellen aller Art keiner Pro- 
vinz nach, und verdient daher mehr ein Italien, als eine 
Provinz genannt zu werden. An der Küste liegt das Ge- 
biet der Sordoner 6 ) und im Innern das der Consuaraner. 7 ) 
Flüsse sind: der Tecum 9 ), und Vernodubrum. 9 ) Städte: Illi- 
beris 10 ), ein geringer TIeberrest einer ehemals bedeutenden 
Stadt; Ruscino 11 ) mit lateinischem Bürgerrechte. Der Fluss 
Atax 12 ), welcher auf den Pyrenäen entspringt und durch 
den rubrensischen 13 ) See geht; Narbo Martius 14 ), eine Co- 
lonie der zehnten Legion, 12,000 Schritte vom Meere. Die 



») Der Krieg mit .seinem Vorgänger Vitellius 69 n. Chr. 

2 ) V. d. Hauptstadt Narbo (Narbonne). Sie umfasste d. jetz. Depts. 
Arriege, Pyrenees-Orientales, Haute- Gar onne, Tarn, Aude, Herault, 
Gard, Ardeche, Ain, Isere, Drome, Hautes- Alpes , Vaucluse, Basses- 
Alpes, Bouches du Rhone, Var, ferner Savoyen, Genf und Wallis. 

3 ) Gallia braccata wurde diese Provinz wegen der Beinkleider 
(Braccae) genannt, deren sich die Einwohner bedienten. 

4 ) Var. 

5 ) Die Sevennen. 

6 ) Am Vorgebirge der Venus, jetzt die Gegend von Roussillon; 
Departement Pyrenees-Orientales. 

') Dep. Arriege. 8 ) Tee. 9 ) la Gly. 10 ) Eine. 

n ) Ein Schloss, eine Meile von Perpignan, la tour de Roussillon. 

'-) Aude in Languedoc. 

,3 ) Etang de Sigean, n. And. Etang de la Rubine. 

M ) Narbonne. 



238 Drittes Buch. 

Flüsse: Arauris *) und Liria. 2 ) Städte giebt es übrigens 
wegen der grossen stehenden Gewässer, nur wenige; zu be- 
merken sind Agatha 3 ), das früher den Massiliensern ge- 
hörte, die Landschaft der Volcae Tectosages 4 ), und die 
Stelle, wo einst das von den Rhodiern erbaute Rhoda 5 ) 
stand; von letzterer hat der ergiebigste Fluss Galliens, der 
Rhodanus 6 ), seinen Namen. Dieser stürzt sich von den 
Alpen herab, fliesst durch den Lemanischen See 7 ), nimmt 
den trägen Arar 8 ), und die ihm an Wildheit gleichenden 
Ströme Isara 9 ) und Druentia 10 ) auf. Zwei seiner Mündun- 
gen sind von massiger Breite und heissen die lybischen, 
und von diesen wieder die eine die spanische, die andere 
die metapinische; die dritte und weiteste heisst die massa- 
liotische. Einige Schriftsteller geben an, an der Mündung 
des Rhodanus habe ehemals eine Stadt Heraclea gelegen. 

Jenseits befinden sich die vom Rhodanus ausgehenden 
Kanäle des C. Marius 11 ), gleich berühmt durch ihre Aus- 
führung und durch ihren Namen; der Sumpf Mastramela 12 ), 
die Stadt Maritima Avaticorum 13 ), darüber die Steinfelder 14 ), 
ein Denkmal der Kämpfe des Herkules, das Land der Arna- 
tilier 15 ), und im Innern das der Desuviater 16 ) und Cavarer 17 ). 
Wiederum vom Meere an liegt das Gebiet der Tricorer, 



J ) Herault. 2 ) Lez. 3 ) Agde. 

4 ) Dep. Arriege, Haute-Garonne, Aude, Tarn und Herault, 

5 ) Soll das spätere Arelate sein. 

6 ) Rhone. 7 ) Genfer See. 8 ) Saone. 9 ) Isere. 10 ) Durence. 

") Im Clmbrischen Kriege (102 v. Chr.) angelegt; wahrscheinlich 
der jetzige Canal de navigation d'Arles au port de Bouc. 

12 ) Etang de Berre ou de Martiguez. 

13 ) Martigues. 

14 ) La Grau. Herkules soll hier mit den Albion und Geryon, Söh- 
nen des Neptun, gekämpft haben, and als ihm keine Pfeile mehr zu 
Gebote standen, von Jupiter durch einen Steinregen unterstützt wor- 
den sein. Pompon. Mela II. 5. 

15 Arles. 

16 ) Tarascon. 

") Zwischen Isere und Durance. 



Drittes Buch. 239 1 

und im Innern das der Tricoller *), Vocontier 2 ) und Sego- 
vellauner 3 ), dann der Allobroger. 4 ) An der Küste folgt 
die von den phocäensischen Griechen gegründete Bun- 
desstadt Massilia 5 ); das Vorgebirge Zao e), der Hafen Ci- 
tharista 7 ), das Gebiet der Camatulliker 8 j; dann folgen die 
Suelterer 9 ) und weiter oben die Verruciner. 10 ) An der 
Küste: Athenopolis 11 ), den Massiliern gehörig, Forum Julii 12 ), 
eine Colonie der achten Legion, auch Pacensis und Classi- 
ca genannt; dabei der Fluss Argenteus 13 ); das Gebiet 
der Axubier 14 ) und Ligauner 15 ), dahinter die Suetrer 16 ), Ona- 
riater 17 ) und Adunicater. 18 ) An der Küste liegt die Stadt 
Antipolis 19 ) mit lateinischem Bürgerrechte, das Gebiet der 
Deciater 20 ), der Fluss Varus, welcher in den Alpen auf 
dem Berge Cema 21 ) entspringt. 

Mitten im Lande befinden sich folgende Colonien: Are- 
late 22 ) von der sechsten, Beterrä 23 ) von der siebenten und 
Arausio 24 ) von der zweiten Legion. Im Gebiete der Ca- 
varer liegt Valentia 25 ) und in dem der Allobroger Vienna. 26 ) 



') Sisteron. 

-) Ihre Städte waren Dea (jetzt Die) und Vasio (jetzt Vaison). 

3 ) Le Valentinois. 

4 ) Zwischen dem Isara und Rhodanus. 

5 ) Marseille. 

6 ) Cap de la Croisette. 

7 ) Port de la Ciotat. 

8 ) Das Gebiet von Toulon. 
) Brignole. 

°) Verignon und Baryol. 
*) Grimaud oder Napoule. 

2 ) Frejus. 

3 ) Argens. 

4 ) Deren Hauptstadt Forum Julii war. 

5 ) Beide im südöstlichen Theile des Dep. Var. 

6 ) Scillaus im Dep. Basses-Alpes. 

7 ) Denez im Dep. Hautes-Alpes. 

B ) Im Dep. Basses-Alpes. ,9 ) Antibes. 
w ) Im nordöstlichen Theile des Dep. Var. 

2 ») Cemelione. 22 ) Arles. 23 ) Bessiers. **) Orange. 25 ) Valence. 
26 ) Vienne. 



240 Drittes Buch. 

Städte von lateinischem Bürgerrechte sind: Aqua Sextiä l ) 
der Salmvier, Avenio 2 ) der Cavarer, Apta Julia 3 ) der Vul- 
gientier, Alebaca 4 ) der apollinarischen Rejer, Alba 5 ) der 
Helver, Augusta 6 ) der Tricastiner, Anatilia 7 ), Aeria 8 ), 
die Bormanner 9 ), Comacina, Cabellio 10 ), Carcasum der Vol- 
cischen Tectosagen 11 ), Cessero, Carpentoracte 12 ) der Me- 
miner; die Cenicenser 13 ), Cambolectrer 14 ), welche auch 
Atlantiker genannt werden, Forum Voconii 15 ), Glanum 
Livii 16 ), die Lutevaner 17 ), welche auch ForoDeronienser 
heissen; Nemausum 18 ) der Arecomiker, Piscenä 1 -'), Ruteni 20 ), 
die Samnagenser 21 ), die zu den Tectosagen gehörenden To- 
losaner 22 ), welche an Aquitanien grenzen; die Tasconer 23 ), 
Tarusconienser 24 ), Umbrauiker 25 ), zwei Hauptstädte des mit 
Rom verbündeten Staats der Vocontier, Vasio 26 ) und Lu- 
cus Augusti. 27 ) Ausserdem giebt es noch 19 unwichtige, 
sowie 24 den Nemausiensern gehörige Städte. Der Kaiser 
Galba 28 ) hat noch von den Alpenbewolmern die Avantiker 29 ) 
und Bodiontiker, deren Stadt Dinia 30 ) heisst, in das Ver- 
zeichniss eintragen lassen. Die Länge der narbonensischen 
Provinz giebt M. Agrippa zu 370,000, und die Breite zu 
248,000 Schritten an. 

6. 
Von hier kommen wir nach Italien, und zwar zuerst 
nach Ligurien; dann folgt Etrurien, Umbrien, Latium, wo 
die Mündungen der Tiber sind, und Rom, die Hauptstadt 
der Erde, 16,000 Schritte vom Meere entfernt. Darauf: die 
Küste der Volscer und Campaniens, der Picentiner, Lucaner 
und Bruter, wohin sich Italien von den mondförmigen Ge- 



') Aix. 2 ) Avignon. 3 ) Apt. 4 ) Riez in der Provence. 5 ) Alps, 
Dorf am Scontay. 6 ) St. Paul de trois chateaux, nach Andern Aouste. 
7 ) Atais. 8 ) Mont Ventoux. 9 ) Um Bormes. t0 ) Cavaillon. »') Car- 
cassonne. I2 ) Cai-pentras. 13 ) Am Flusse Ai-c. u ) Cambo-Haut und 
Cambo-Bas de Clarence. 15 ) Le Canet. I6 ) St. Remy. ,7 ) Lodeve. 
,8 ) Nismes. ,9 ) Pezenas. 20 ) Rhodez. • il ) Senez. «^ Toulouse. 23 ) Mon- 
tauban. 24 ) Tarascon an der Rhone. 25 ) Lombes. 26 ) Vaison. 

51 ) Luc in der Dauphine. 28 ) Regierte kaum ein Jahr und ward 
69 n. Chr. ermordet. 29 ) Avancon. 30 ) Digne. 



Drittes Buch. 241 

birgsriicken der Alpen an am weitesten nach Mittag ins 
Meer erstreckt. Auf diese folgt die Küste von Gross-Grie- 
chenland, dann die Küste der Salentiner, Pediculer, Apuler, 
Peligner, Frentaner, Marruciner, Vestiner, Sabiner, Picenter, 
Galler, Umbrer, Etrusker, Veneter, Carner, Japider, Istrier 
und Liburner. l ) 

Ich weiss wohl, dass man es leicht für ein Zeichen 
eines undankbaren und trägen Geistes halten könne, 
wenn ich nur kurz und wie bisher im Vorbeigehen von 
einem Lande spräche, das die Ernährerin und Beherrscherin 
aller übrigen ist, das von den Göttern ausersehen, selbst 
den Himmel berühmter zu machen 2 ), zerstreuete Reiche zu 
vereinigen, Sitten zu mildern, die verschiedenen rauhen 
Zungen so vieler Völker durch seine Sprache zu verbinden, 
Geselligkeit und Humanität unter den Menschen zu ver- 
breiten, kurz, das einzige Vaterland aller Völker der Erde 
zu werden. Aber wie soll ich es anfangen, da der Ruhm 
aller Orte, auf welche man trifft, und der Glanz aller ein- 
zelnen Gegenstände und Völker so gross ist? Schon die 
Stadt Rom allein, dieses würdige Antlitz auf so prächtigem 
Haupte, in welcher Weise soll man sie schildern? Wie soll man 
Campaniens Küste, jene glückselige und anmuthige Gegend, 
preisen, um Jedem klar zu machen, sie sei ein Werk, das 
die Natur nur zu ihrer Freude geschaffen hat? Welch eine 
belebende und heilsame Temperatur ist dort, welche frucht- 
baren Gefilde, sonnigen Hügel, sanften Abhänge, schattigen 
Haine und herrlichen Waldungen! wie wohlthuend die Berg- 
luft, wie gross die Ergiebigkeit an Feldfrüchten, Wein und 
Oel! welche edle Wolle, welche fetten Stiere werden da 
erzeugt! wie viele Seen, Flüsse und Quellen bewässern 
und durchströmen das Land! wie viele Meere und Häfen 
stehen dort, gleich wie der Schooss der Erde, allenthalben 
dem Handel offen, indem es, gleichsam zum Nutzen der 
Menschen, sich tief ins Meer hinein erstreckt! Ich will 



') Das Nähere darüber folgt weiter unten. 

-) Durch die unter die Götter versetzten Kaiser. 

16 



242 Drittes Buch. 

hier nicht einmal die geistigen Fähigkeiten, die Sitten, die 
Menschen, noch die durch Wort und That von ihm über- 
wundenen Völker erwähnen. Selbst die Griechen, dieses 
im Selbstlobe unerschöpfliche Volk, haben ihr Urtheil dar- 
über ausgesprochen, und wie gross ist denn der Theil von 
Italien, den sie Grossgriechenland nennen? Wir müssen 
daher denselben Grundsatz, den wir bei der Betrachtung 
des Himmels befolgten, auch hier anwenden, und sowie 
dort nur einige Gestirne, hier nur einige Merkmale anfüh- 
ren. Die Leser aber bitte ich zu bedenken, dass wir, um 
alle einzelnen Gegenstände der Erde berühren zu können, 
uns beeilen müssen. 

Italiens Gestalt hat grosse Aehnlichkeit mit einem 
Eichenblatt, denn es ist viel länger als breit; auf der linken 
Seite macht es eine hervorspringende Biegung x ), und endigt 
dann in der Form eines Amazonenschildes 2 ), indem es von 
dem mittlem Vorsprunge aus, welcher Cocinthus 3 ) heisst, 
zwei mondförmige Busen bildet und zwei Spitzen, deren 
rechte Leucopetra 4 ), deren linke aber Lacinium 5 ) heisst, 
hervorstreckt. Von der Grenze der Alpen, bei Prätoria Au- 
gusta 6 ) an, über Rom und Capua bis Rhegium 7 ), wel- 
ches gleichsam auf der Schulter von Italien ruht, und 
von wo dann die Biegung des Nackens beginnt, beträgt 
1,020,000 Schritte. Viel grösser würde diess Maass sein r 
wenn man Lacinium als äussersten Punkt annähme, allein 
die Richtung dieser Linie wird zu schief und scheint zu 
sehr in die Breite auszuweichen. Die Breite Italiens ist 
verschieden; sie beträgt zwischen dem untern 8 ) und obern 9 ) 
Meere und den Flüssen Varus 10 ) und Arsia 11 ) 410,000 
Schritte. In der Mitte des Landes, etwa da wo Rom liegt, 
misst die Breite von der Mündung des Flusses Aternus 12 ), 
der sich in das adriatische Meer ergiesst, bis zum Ausfluss 
des Tiber 136,000 Schritte, und etwas weniger von Castrum 



*) Provinz Otranto. 2 ) Dem Halbmonde ähnlich. 3 ) Capo di 
Stilo. 4 ) Capo deir Armi. B ) Capo della Colonne. 6 ) Aosta. 7 ) Reggio. 
8 ) Tyrrhenischen. 9 ) Adriatischen. 10 ) Var. ") Arsa. I2 ) Pescara. 



Drittes Buch. 243 

novum *) am adriatischen Meere an bis nach Alsium 2 ) am 
tuscischen Meere, und von da überschreitet sie nirgends 
300,000 Schritte. Der Umfang des ganzen Landes vom 
Varus bis zum Arsia beträgt 3,059,000 Schritte. 

Unter den umliegenden Ländern ist Italien von Istrien 
und Liburnien an einigen Punkten 100,000, von Epirus und 
Illyricum 50,000, von Afrika, nach M. Varro, etwas weniger 
als 200,000, von Sardinien 120,000, von Sicilien 1500, von 
Corsika fast 30,000, von Issa 8 ) 50,000 Schritte entfernt. Es 
zieht sich zwar, rücksichtlich der Himmelsgegend gegen 
Mittag durch das Meer hin, allein bei genauerer Unter- 
suchung ergiebt sich, dass es zwischen der sechsten und 
ersten Wintersolstitialstunde liegt. 4 ) Nun wollen wir seinen 
Umfang und seine Städte aufführen, müssen aber zum vor- 
aus erinnern, dass wir dabei dem göttlichen Augustus und 
seiner Eintheilung von ganz Italien in 11 Bezirke folgen 
werden, jedoch in der Ordnung, wie sie die Lage der 
Küsten darbietet. Wir können aber bei unserer so eiligen 
Behandlung nicht berücksichtigen, wie sich die Städte an- 
einander reihen, müssen daher im Innern des Landes Au- 
gustus' alphabetische Eintheilung festhalten, und die Colo- 
nien, welche er bei dieser Aufzählung namhaft macht, gleich- 
falls mit anführen. Auch lässt sich ihre Lage und ihr Ur- 
sprung nicht leicht angeben; denn nur allein den ingonu- 
nischen Liguriern 5 ), der andern gar nicht zu gedenken, 
wurden dreissigmal neue Ländereien angewiesen. 

7. ' 

Vom Flusse Varus an folgen also: die von den Mas- 
siliern erbaute Stadt Nicäa 6 ), der Fluss Paulo 7 ), die Alpen mit 
ihren Bewohnern, welche viele Namen führen, grösstentheils 
aber Capillater 8 ) heissen, die zum Gebiete der Vediantiner 
gehörige Stadt Cemelion 9 ), der Hafen des Herkules Monö- 



') Giulia Nova. 2 ) Palo. 3 ) Lissa, ') D. h. zwischen Süd und 
Südost. 5 ) Um Albenga. c ) Nizza. 7 ) Poglion. 

8 ) Mit langem über die Schultern fallendem Haupthaar. 

9 ) Cimiez. 

16* 



244 Drittes Buch. 

cus 1 ), die ligustische 2 ) Küste. Unter den Liguriern, welche 

jenseit der Alpen wohnen, sind am berühmtesten: die Sal- 

tuvier, Deciater, Oxubier; diesseits der Alpen: die Venener 3 ), 

die von den Caturigern abstammenden Vagienner 4 ), die 

Statieller 5 ), die Vibeller 6 ), Mageller, Euburiater, Casmona- 

ter, Veliater und andere, deren Städte bei der zunächst 

liegenden Küste genannt werden sollen. Der Fluss Retuba 7 ), 

die Stadt Albium Intemelium 8 ), der Fluss Merula 9 ), die 

Stadt Albium Ingaunum 10 ), der Hafen Vadum Sabatium 11 ), 

der Fluss Porcifera 12 ), die Stadt Genua, der Fluss Feritor 13 ), 

der Hafen Delphini 14 ), Tigullia 15 ), im Innern des Landes: 

Segesta Tigulliorum 16 ), der Fluss Macra 17 ), die Grenze von 

Ligurien. Im Rücken aller dieser genannten Städte liegt 

der Apenninus, das grösste Gebirge Italiens, welches sich 

von den Alpen ununterbrochen bis zur Meerenge von Sici- 

lien hinzieht. Auf der andern Seite desselben bis zum 

Padus 18 ), dem wichtigsten Strome Italiens, prangen überall 

die herrlichsten Städte: Libarna 19 ), die Coloniestadt Der- 

lona 20 ), Jria 21 ), Barderate 22 ), Industria 23 ), Pollentia 24 ), Car- 

rea 25 ) oder Potentia, Forofulvi oder Valentinum 2,; ), Augusta 

Vagiennorum 27 ), Alba Pompeja 28 ), Asta 29 ), Aquis Statiello- 

rum. 30 ) Diess ist nach August's Eintheilung der neunte 

Bezirk. Die ligurische Küste dehnt sich zwischen den 

Flüssen Varus und Macra 211,000 Schritte lang aus. 

8. 
An diesen Bezirk grenzt der siebente, welcher Etru- 
rien umfasst und vom Flusse Macra anfängt. Er hat oft 
seinen Namen gewechselt. Vor langer Zeit wurden daraus 
die Umbrer von den Pelasgern vertrieben, diese aber wie- 
derum von den Lydiern, welche nach ihrem Könige den 



*) Monaco. 2 ) Genuesiche. 3 ) Um Vinadio. "') Im westl. Theile 
der Provinz Saluzzo. 5 ) In der Provinz Acqui. B ) In d. Prov. Biella. 
7 ) Roya. 8 ) "Vintimiglia. 9 ) Arocia. ,0 ) Albenga. ») Vado. ,2 ) Pol- 
covera. ,3 ) Bisagno. ,4 ) Porto Fino. ,5 ) Trigoso. 16 ) Sestri di Le- 
vante. ") Magra. 18 ) Po. 19 ) Monte Chiaro. 20 ) Tortona. S1 ) Vog- 
hiera. --) Barde. 23 ) Verrua. **) Polenza. - 5 ) Carro. 26 ) Valenza. 
27 ) Vasco. 28 ) Alba, 29 ) Asti. *») Acqui. 



Drittes Buch. 245 

Namen Tyrrhener, und bald nachher von ihren heiligen 
Opfergebräuchen den griechischen Namen Thuscer *) erhiel- 
ten. Die erste Stadt Etruriens ist Luna 2 ), berühmt durch 
ihren Hafen; die Colonie Luca 3 ) etwas vom Meere entfernt; 
die näher daran liegende Colonie Pisae, zwischen den Flüs- 
sen Auser 4 ) und Arnus 5 ), welche von Pelops und den Pi- 
sern 6 ) oder von den Teutanen 7 ), einem griechischen Volke, 
angelegt ist. Dann folgt: Vada Volaterrana 8 ), der Fluss 
Cecinna 9 ), Populonium 10 ), einst die einzige Stadt der Etrus- 
ker an dieser Küste. Der Fluss Prille n ), nicht weit da- 
von der schiffbare Umbro 12 ), und der nach ihm benannte 
Landstrich Umbrien, der Hafen Telamon 18 ), Cossa Volcien- 
tiurn 14 ), von den Römern angelegt, Graviscä 15 ), Castrum no- 
vum 16 ), Pyrgi 17 ); der Fluss Cäretanus 18 ) und die Stadt 
Cäre 19 ), 4000 Schritte weit im Lande und von ihren Grün- 
dern, den Pelasgern, Agylla genannt; Alsium 20 ), Fregenä 21 ), 
der Tiber 284,000 Schritte vom Macra entfernt. Im Innern 
des Landes liegen die Colonien: Faliska 22 ), nach Cato von 
den Argivern angelegt, mit dem Beinamen die etrurische, 
Lucus Feroniä 23 ), Rusellana 24 ), Senensis 25 ), Sutrina. 26 ) Ausser- 
dem noch die Aretini veteres 27 ), A. Fidentes 28 ), A. Julien- 
ses 29 ), Amitinenser, taurinischen Aquenser 30 ), Boleraner 31 ), 
Cortonenser 32 ), Capenater 33 ), die alten und neuen Clusiner 34 ), 
die Fluentiner 35 ) am Arnus, Fesulä 36 ), Ferentini 37 ), Fescen- 



') Ovoxrj Opfergefäss. 

2 ) Die Ruinen dieser Stadt liegen am Macra; die Gegend führt 
den Namen il Lunegiano. 

3 ) Lucca. 4 ) Serchio. 5 ) Arno. G ) Bürger der Stadt Pisa in Elis. 

7 ) Ein griechischer Stamm, der in der Gegend von Sicyon im 
Peloponnes wohnte. 

8 ) Vadi im Pisanischen. 

9 ) Cecina. 10 ) Piombino. u ) Briunna. yi ) Ombrone. ,3 ) Tala- 
mona. u ) Ruinen bei Orbitello. ,5 ) Nördlich von Civita vecchia. ,6 ) St 
Marinello. ") St. Severa. I8 ) Vaccina. ,9 j Cerveteri. *>) Palo. 21 ) Torre. 
Macarese, 22 ) Falari. 23 ) SerofanO. 24 ) Rosello. 25 ) Siena. 26 ) Sutri. 
27 ) Giovi. 28 ) Castiglione d'Aretino. 29 ) Arezzo. *) Bagni di Vica- 
rello. 31 ) Bieda. 32 j Cortona. 33 ) Morluppo. 3i ) Chiusi. 35 j Florenz. 
3f> ) Fiesole. 37 ) Zwischen Viterbo und Montefiascone. 



246 Drittes Buch. 

nia 1 ), Hortanum 2 ), Herbarium 3 ), Nepeta 4 ), Novem Pagi 5 ), 
die claudische Präfectur Foroclodium 6 ), Pistorium 7 ), Peru- 
*sia 8 ), die Suanenser 9 ), Saturniner 10 j früher Aurininer ge- 
nannt, Subertaner n ), Statoner, Tarquinienser 12 ), Tuscanien- 
ser 13 ), Vetulanienser 14 ), Vejentaner 15 ), Vesentiner le ), Vola- 
terraner 17 ), etruscischen Volcentiner 18 ) und die Volsinien- 
ser. 19 ) In diesem Bezirke haben einige Strecken den Na- 
men der vormals daselbst befindlichen Städte behalten, so 
das Crustuminiscbe und das Caletranische Gebiet. 

9. 
Der Tiberis sonst Tybris, und noch früher Albula 
genannt, entspringt ungefähr in der Mitte des Apenninus 
an der Grenze der Aretiner. Anfangs ist er unbedeutend, 
und kann nur, gleichwie die in ihn mündenden Flüsse Tinia 
und Glanis 20 ), dadurch schiffbar gemacht werden, dass man 
sein Wasser in Teichen sammelt und dann wieder auslässt, 
zu welchem Einsammeln, wenn nicht Regengüsse kommen, 
neun Tage erforderlich sind. Allein kann der Tiber wegen 
seines unebenen und felsigen Bettes nur mit Flössen oder 
richtiger gesagt, nur mit einzelnen Balken befahren werden. 
Er durchfliesst in grossen Umwegen eine Strecke von 150,000 
Schritten bei Tifernum 21 ), Perusia 22 ), und Ocriculum 23 ) vor- 
bei und trennt Etrurien von den Umbriern und Sabinern. 
Dann scheidet er nicht ganz 16,000 Schritte oberhalb Rom 
das vejentinische Gebiet von den crustuminischen und da- 
rauf das fidenatische und lateinische vom vaticanischen. 
Aber unterhalb des aretinischen Glanis nimmt er 42 Flüsse 
auf, worunter der Nar 24 ) und Anien 25 ), die bedeutendsten 
sind; der letztere ist selbst schiffbar und schliesst Latium 
von hinten ein. Da er nun durch die vielen in die Stadt 



') Galese. '-) Orta. 3 ) Viterbo. 4 ) Nepi. 5 ) Bracciano. 6 ) Orio- 
lo. 7 ) Pistqja. 8 ) Perugia. 9 ) Soano. 10 ) Sitergua. ") Sovretto. 
,2 ) Deren Ruinen b. Dorfe Tarquinia im ehem. Kirchenstaate. u ) Tos- 
conella. I4 ) Vetuüa. I5 ) Valentano. 16 ) Bisontia. ,7 ) Volterra. 
18 ) Grosseto. 19 ) Bolsena. 20 ) Timia und Chiana; letzterer scheidet 
Etrurien vom Kirchenstaate. 21 ) Tifi. *•) Perugia. M ) Ostricolo. '- 4 ) Nera. 
- 6 ) Teverone. 



Drittes Buch. 247 

Rom selbst geleiteten Gewässer und Quellen keinen ge- 
ringern Zufluss erhält, so wird er fähig jedes grosse Schiff 
aus dem Italischen Meere zu tragen und wie ein emsiger 
Kaufmann alle Erzeugnisse der Erde herbeizuschaffen. 
Seine Ufer sind mehr bewohnt und mit Landhäusern be- 
setzt, als die der übrigen Flüsse aller Länder. Keinem 
andern Flusse wird weniger Freiheit gestattet, denn er ist 
von beiden Seiten eingedämmt; und obgleich er oft und 
plötzlich anschwillt, und nirgends mehr als in Rom austritt 1 ), 
so tobt er doch nicht. Ja, man kann ihn eher als einen 
Propheten und Warner betrachten, da er durch sein An- 
wachsen mehr der Religion aushilft 2 ) als Zerstörungen an- 
richtet. 

Das alte Latium hat seine Grenzen behalten ; es reicht 
von dem Tiber bis nach Circeji 3 ) und ist 50,000 Schritte 
lang. So schwach war anfangs die Macht des römischen 
Reiches. Die Besitzer des Landes haben oft gewechselt 
und zu verschiedenen Zeiten wohnten darin die Aboriginer 4 ), 
Pelasger 5 ), Arcadier 6 ), Siculer 7 ), Aurunker 8 ), Rutuler 9 ); 
jenseits Circeji wohnten die Volscer 10 ), Oscer 11 ), Ausoner 12 ), 

') 189 v. Chr. wurden das Marsfeld und die untern Theile der 
Stadt zwölfmal von dem Tiber überschwemmt. 

2 ) Man betrachtete das Anschwellen des Tiber als eine Mah- 
nung, den erzürnten Göttern Sühnopfer zu bringen. Siehe Horat. 
Oden. I. 2. 

3 ) Eine der ältesten Städte Italiens, stand auf dem Monte Cir- 
cello an der Küste von Latium; jetzt St, Felicita, ein Dorf. 

*) Ein allgemeiner Name der ursprünglichen Bewohner von Italien, 
im Gegensatz der späteren Einwandrer. 

5 ) Sie kamen aus Griechenland nach Italien, unter Oenotrius uud 
Peucetius ums J. 1570 v. Chr. 

6 ) Auch ein griechischer Stamm. 

7 ) Wurden später nach Sicilien gedrängt und gaben der Insel ihren 
Namen. 

8 ) Ursprünglich in Campanien, wurden von dem Pelasgern nach 
Latium getrieben. 

9 ) In der Gegend von Ardia. 

,0 ) Am Garigliano. ») In Samnium und Campanien. ,2 ) In Cam- 
panien. 



248 Drittes Buch. 

wesshalb sich der Name Latium bis an den Fluss Liris 1 ) 
erstreckte. An der Grenze liegt Ostia, eine von einem rö- 
mischen Könige 2 ) gegründete Colonie; dann kommt die 
Stadt Laurentum 3 ), der Hain des Jupiter Indiges 4 ), der 
Fluss Numicius 5 ), Ardea, welches von Danae, der Mutter 
des Perseus erbaut ist. Ferner: das ehemalige Aphrodi- 
sium 6 ), die Colonie Antium 7 ), der Fluss und die Insel Astura, 
der Fluss Nymphäus 8 ), Clostra romana 9 ). Circeji war 
nach Homer 10 ) ehemals eine von einem unermesslichen Meere 
umgebene Insel, liegt aber jetzt in einer Ebene 11 ). Hier- 
über können wir aus altern Angaben noch etwas sehr Merk- 
würdiges mittheilen. Theophrastus nämlich, der erste unter 
den Ausländern, welcher über die Römer schrieb, (denn 
Theopompus, vor welchem Niemand ihrer erwähnte, sagt 
bloss, dass Rom von den Galliern eingenommen sei, und 
Clitarchus 12 ) zunächst nach ihm nur, dass sie eine Gesandt- 
schaft zu Alexander geschickt habe) giebt in dem Buche 13 ), 
welches er im Jahre 440 unserer Stadt (314 v. Chr.) dem 
Nicodorus, einer atheniensischen Magistratsperson, widmete, 
mit mehr Sicherheit als ein blosses Gerücht darbietet, die 
Grösse der Insel Circeji zu 80 Stadien an. Alles Land 
also, was sich über diese fast 10,000 Schritte Umfang hal- 
tende Insel ansetzte, hat sich nachher mit Italien vereinigt. 
Eine andere Merkwürdigkeit ist folgende: Bei Circeji 



') Garigliano. 

2 ) Ancus Martius, der vierte König von Rom, regierte 638—618 
v. Chr. 

3 ) Torre Vajanico. 

4 ) Aeneas. Dii indigetes waren die vergötterten Vorfahren, die 
als Schutzheilige des Landes verehrt wurden. 

5 ) Wahrscheinlich der Rivo di Nemi. In ihm kam Aeneas im 
Kampfe mit den Rutulern ums Leben. Daher wurde ihm der eben 
erwähnte Hain am Ufer dieses Flusses geweihet. 

6 ) Ein Tempel der Venus. 7 ) Antio. 8 ) la Nympa. 9 ) Torre di 
Fogliano. ,0 ) Odyssee X. 194 ") Siehe oben. 

12 ) Aus Aeolis, begleitete Alexander den grossen auf seinen Feld- 
zügen und beschrieb dessen Thaten. 

13 ) Historia plant. V. B., 9 C. 



Drittes Buch. 249 

befindet sich der pontinische Sumpf, an dessen Stelle 1 ) nach 
Mucianus der drei mal Consul war, einst 33 Städte gestan- 
den haben. Nun folgt der Fluss Ufens 2 ), dahinter die Stadt 
Terracina, in der Sprache der Volscer Anxur genannt; hier 
lag auch Amyclä 3 ), welches von Schlangen verödet wurde. 
Dann: die Stelle einer Höhle, der See Fundanus 4 ), der 
Hafen Cateja 5 ), die Stadt Formiä 6 ), früher Hormiä genannt, 
und, wie man glaubt, der alte Sitz der Lästrygoner. 7 ) Weiter 
die ehemalige Stadt Pyrä, die Colonie Minturnä 8 ), durch 
welche der Fluss Liris, auch Glanis genannt, fliesst; die 
Stadt Sinuessa 9 ) am äussersten Punkte des neuen Latii, 
die früher Sinope geheissen haben soll. 

Nun folgt das glückliche Campanien. An diesem Busen 
erheben sich die rebentragenden Hügel, hier beginnt durch 
den in allen Ländern berühmten Saft die edle Trunkenheit, 
und, wie die Alten sagten, der mächtigste Streit des Vaters 
Liber mit der Ceres. Von hier breiten sich die setinischen 10 ) 
und cäcubischen 11 ) Aecker aus, an sie schliessen sich die 
falernischen 12 ) und calenischen 13 ), dann erheben sich die 
massischen 14 ), gauranischen 15 ) und surrentinischen 16 ) Berge. 
Hier liegen die labormischen 17 ) Felder, welche zum Genüsse 
der Graupen gemähet werden 18 ). Diese Küsten sind reich 
an warmen Quellen, und das Meer liefert zu den übrigen 
Erzeugnissen vortreffliche Muscheln und Fische. Nirgends 



') Mit dem Worte locus bezeichnet PI. in der Regel einen wüsten 
Ort, wo ehemals eine Stadt stand. 

2 ) Utfente. 

3 ) Oder Amuclä, früher Hauptstadt der Ausonier, war anfänglich 
eine griechische Colonie. Sie lag am Meere bei der heutigen Stadt 
Gaeta. 

4 ) Lago di Fondi. 5 ) Gaeta. c ) Mola. 7 ) Ein wildes Volk an 
der Küste von Italien oder Sicilien. Vgl. Homers Odyssee X. B. 82. V. 

8 ) Von ihr sind noch prachtvolle Ruinen bei Scaftä am Liris, 
(Garigliano) vorhanden. 

9 ) Ihre Ruinen sind in der Nähe von Rocca del Mondragone. 

10 ) Sezza. n ) Castro vetere. ,2 ) Von Ceppano bis Alil'e. ,3 ) Bei 
Calvi. ") Massico. ,5 ) Gauro. 16 ) Sorrento. «) Lavoro. 18 ) XVIII B., 
29 Cap. 



250 Drittes Buch 

findet man besseres Oel. Auch diesen Tummelplatz mensch- 
licher Wollust besassen die Oscer, Griechen, Umbrier, Thus- 
cer, und Campaner. 

An der Küste ist der Fluss Savo I ), die Stadt und der 
Fluss Vulturnum 2 ), Liternum 3 ), Cumä 4 ) der Chalcidenser 5 ), 
Misenum 6 ), der Hafen Bajä "), Bauli 8 ) der See Lucrinus 9 ) 
und Averaus 10 ), dabei die vormalige Stadt Cimmerinum 11 ). 
Dann folgt: Puteoli 12 ), die dicäarchische Coionie genannt; 
die phlegräischen Gefilde 13 ), der Sumpf Acherusia 14 ) in der 
Nähe von Cumä. An der Küste liegt das ebenfalls von den 
Chalcidensern gegründete Neapolis, von dem daselbst be- 
findlichen Grabe einer Sirene Parthenope benannt, Hercu- 
lanum, Pompeji, unweit des Vesuvs am Flusse Sarnus 15 ); 
das nucerinische Gebiet, und 9000 Schritte vom Meere Nu- 
ceria 16 ) selbst; Surrentum 17 ) mit dem Vorgebirge der Mi- 
nerva 18 ), der frühere Sitz der Sirenen 19 ). Der Weg von 
Circeji bis hierher beträgt zu Wasser 78,000 Schritte. Dieser 
ganze Landstrich von dem Tiber an, bildet nach Augustus 
Eintheilung den ersten Bezirk Italiens. 

Im Innern des Landes liegen folgende Colonien: Ca- 
pua, von dem Worte Campus 20 ) so genannt, Aquinum 21 ), 
Suessa 22 ), Venafrum 23 ), Sora, Teanum der Sidiciner 24 ), 



l ) Saona. 2 ) Voltorno. 

3 ) Torre di Patria. 4 ) Bei Baja. 

5 ) Von Chalcis auf Euböa. 

6 ) Capo di Miseno. 7 ) Castel di Baja. 8 ) Bacolo. 

9 ) Wurde im Jahre 1638 durch ein Erdbeben in einen stinkenden 
Sumpf verwandelt. 

10 ) Averno. n ) Vergleiche Homers Odyssee, XL B., 1. 4. V. 
12 ) Puzzuolo. 

,3 ) Campo Quarto; hier fiel der Kampf der Giganten mit den 
Göttern vor. 

") Fusaro. 15 ) Sarno. 16 ) Nocera. n ) Sorrento. ,8 ) Capo della cam- 
panella. ,9 ) Homers Odyssee XIV. B., 44. V. 

'- 20 ) Nach Andern hatte es seinen Namen von Capys, dem Gründer 
dieser Stadt. Jetzt S. Maria Maggiore. M ) Aquino. 

22 ) Zum Unterschiede vom volscischen Suessa Pometia. Suessa 
Aurunca genannt; jetzt Sessa. 23 ) Venafro. 

24 ) Teano. Ein anderes Teanum lag in Apulien. 



Drittes Buch. 251 

Nola. Städte: Abellinum *), Aricia 2 ), Alba longa 3 ), die Acer- 
raner 4 ), Allifaner 5 ), Atinater, Aletrinater 6 ), Anagniner 7 ), 
Atellaner 8 ), Affilaner 9 ), Arpinater 10 ), Auxiinater, Avella- 
ner 11 ), Alfaterner; ferner die von dem lateinischen, herni- 
cischen und labikanischen Gebiete benannten Völker; Bo- 
villa 12 ), Calatiä 13 ), Casinum 14 ), Calenum 15 ), Capitulum her- 
nicum 16 ), die Cereatiner oder Marianer, die vom Trojaner 
Dardanus abstammenden Coraner 17 ), die Cubulteriner 18 ), 
Castrimonienser 19 ), Cingulaner 20 ), Fabienser auf dem Berge 
Albanus, die Foropopulienser 21 ) im falernischen Gebiete, 
die Frusinater 22 ), Ferentinater, Freginater, die alten und 
neuen Fabraterner 23 ), Ficolenser, Foroappier 24 ), Forentaner, 
Gabiner, die succasinischen Interamnater 25 ), auch Lirinater 
genannt, die Ilionenser 26 ), Lavinier 27 ), Norbaner 28 ), Nomen- 
taner 29 ), Pränestiner 30 ) mit der frtiherhin Stephane genann- 
ten Stadt, die Privernater 31 ), Setiner 32 ), Signiner 33 ), Suessu- 
laner 34 ), Teliner, Trebulaner oder Balinienser, Trebaner 85 ), 
Tusculaner 36 ), Verulaner 37 ), Veliterner 38 ), Ulubrenser, Ul- 
vernater 39 ), und endlich Rom selbst, dessen andern Namen 
man gewisser geheimnissvoller Religionsgebräuche wegen 
nicht nennen darf. 40 ) Valerius Soranus sprach einst diesen 



') Avellino. Ein anderes A. lag in Hirpinischen. Vergleiche 16 C. 

2 ) Riccia. 3 ) Albano. 4 ) Acerra. ■"•) Allifi. 6 ) Alatri. 7 ) Anagni. 
8 ) Aversa. 9 ) Affile. I0 ) Arpino. ") Avella. 12 ) Bei Fratochio u. Capo 
di Leva. ,3 ) Cajasso. ») Monte Casino. 15 ) Calri. ,6 ) Caspoli. ") Core. 
,8 ) S. Marie di Covultere. 19 ) Castro Pignano. 20 ) Cicoli. 2I ) Rocca 
di Papa. - 1 ) Frosinone. 23 ) Falvaten-a. 24 ) Casarillo di S. Maria. 

25 ) Torre di Termino. 

**) Magliano. 27 ) Civita Lavinia. 28 ) Norma rovinata. 29 ) La Men- 
tana. 3°) Palestrina. 3t ) Piperno. 31 ) Sezza. 33 ) Segni. 34 ) Castel di Ses- 
sola. 35 ) Tervi. 36 ) Frascati. 37 ) Veroli. 38 ) Velletri. 39 ) Tulivema. 

40 ) Nach der gewöhnlichen Meinung erhielt die Stadt Rom ihren 
Namen von ihrem Erbauer; allein nach der richtigem Ansicht erhielt 
vielmehr Romulus den seinigen erst von der Stadt, die nach einem 
alten Namen des Tiber „Rumon" benannt wurde. In der Folge lei- 
tete man Roma aus dem Griechischen her, wo Qatfxr] Stärke, Gewalt 
bedeutet. Diess gab man im Lateinischen durch das Wort Valentia 
Wvieder, und das soll jener heilige, geheime Name gewesen sein. 



252 Drittes Buch. 

in der besten und heilsamsten Absicht abgeschafften Na- 
men aus und musste bald dafür büssen l ). Es scheint mir 
nicht unpassend, hier eines alten religiösen Gebrauchs zu 
erwähnen, der hauptsächlich wegen dieses Verschweigens 
eingeführt ist. Die Göttin Angerona, deren Fest am 19. 
Decbr. gefeiert wird, hat nämlich an ihrem Standbilde einen 
verbundenen und versiegelten Mund. 

Bei Romulus Tode hatte die Stadt drei oder (nach an- 
deren Angaben) vier Thore 2 ). Ihre Mauern maassen, zur 
Zeit als die Vespasianen die Kaiser- und Censorwürde be- 
kleideten, im Jahre der Stadt 826 (74 u. Chr.) 13,200 Schritte 
im Umfange. Sie liegt auf 7 Hügeln 3 ), ist in 14 Districte 
eingetheilt, und enthält 265 D urchkreuzuugspunkte der 
Strassen. 4 ) Die geraden Entfernungen von dem auf dem 
höchsten Punkte des Forum stehenden Meilenzeiger 5 ) bis 
zu den einzelnen Thoren, deren jetzt 37 sind, betragen zu- 
sammen 20,765 Schritte, wobei jedoch 12 nur einmal ge- 
rechnet, und 7, welche nicht mehr benutzt werden, über- 
gangen sind. Das Gesammtmaass aber aller Wege von 
jenem Meilenzeiger an durch die Strassen bis zu den letz- 
ten Häusern und dem Lager der, Prätorianer 6 ) beträgt 
etwas mehr als 70,000 Schritte. Bringt man nun noch die 
Höhe der Häuser dabei in Anschlag, so wird man ein wahr- 
haft würdiges Bild der Stadt bekommen und eingestehen 
müssen, dass ihr keine andere auf der ganzen Erde gleich- 
gestellt werden kann. Im Osten wird sie durch den Wall 



'•) Seine Unvorsichtigkeit hatte den Tod zur Folge. 

2 ) Nämlich das carmentalische , pandanische (saturnische) roma- 
nische und muganische; nur letzteres erhielt sich. 

3 ) Der Palatinus, Capitolinus, Cälius, (Querquetulanus, wo jetzt der 
Lateran steht), der Esquilinus mit dem Viminaüs (jetzt S. Maria und 
Nives), der Quirinalis (jetzt Monte Cavallo), der Aventinus und über 
den Tiber der Janiculus. 

4 ) Compita Larium. 5 ) Milliarium. 

e ) Die befestigten Kasernen der prätorianischen Cohorten wur- 
den von Tiberius angelegt, und befanden sich am viminalischen 
Thore. 



Drittes Buch. 253 

des Tarquinius Superbus x ) geschlossen; dieses ist ein höchst 
wunderbares Werk, denn er liess ihn auf der Seite, wo 
der Zugang zur Stadt von der Ebene aus am meisten offen 
stand, bis zur Höhe der Mauern aufführen. An allen übrigen 
Punkten war sie durch sehr hohe Mauern oder steile Berge 
geschützt, bis durch den fortwährenden Anbau neuer Häu- 
ser noch mehrere Vorstädte um sie entstanden. 

In dem ersten Bezirke lagen vormals in Latium noch 
folgende berühmte Städte: Satricum 2 ), Pometia 3 ), Scaptia, 
Pitulum, Politorium 4 ), Tellene, Tifata, Cänina 5 ), Ficana, 
Crustumerium 6 ), Ameriola 7 ), Medullia 8 ), Comiculum, Sa- 
turnia, an deren Stelle jetzt Rom liegt; Antipolis, bildet 
jetzt unter dem Namen Janiculum einen Theil von Rom, 
Antemnä fl ), Camerium, Collatia, Amitinum, Norbe, Sulmo, 
und die albensischen Völker, welche mit diesen auf dem 
albanischen Berge Fleisch zu bekommen pflegten; die Al- 
baner, Aesolaner 10 ), Acienser, Abolaner 11 ), Bubetaner, Bo- 
laner 12 ), Cusuntaner, Coriolaner 13 ), Fidenater, Foretier, Hor- 
tenser, Latinienser, Longulaner, Manater, Macraler, Mutu- 
cumenser, Munienser, Numinienser, Olliculaner, Octulaner, 
Pedaner, Pollusciner, Querquetulaner, Sicaner, Sisolenser, 
Tolerienser, Tutienser, Vimitellarier, Velienser, Venetulaner, 
Vitellenser. So sind aus dem alten Latium 53 Völker spur- 
los verschwunden. Im campanischen Gebiete war vormals 
eine Stadt, Stabiä 14 ) bis zum 30. April, zur Zeit der Con- 
suln Cn. Pompejus 15 ) und L. Cato, an welchem Tage sie 
der Legat L. Sulla im Bundesgenossenkriege so zerstörte 16 ), 
dass nur noch ein Meierhof vorhanden ist. Eben daselbst 



') Der letzte römische König, regierte von 534 — 509 und starb 
497 zu Cumae: der erwähnte Wall lag zwischen dem esquilinischen 
und collinischen Thore. 

2 ) Pratica. 3 ) Torre Petrara. 4 ) Pocigliano. 5 ) Monte Gentile. 
6 ) Monte Rotondo. 7 ) Marigliano. 8 ) S. Giubileo. 

°) Am Zusammenfluss des Tiber und Teverone. 

'») Quarto della Fajola. ») Aula antica. I2 ) Poli. ••') Carocello. 
u ) Casteir a mare di Stabia. 

,5 ) Der Vater des grossen Pompejus. ,fi ) 89 v. Chr. 



254 Drittes Buch. 

ist auch Taurania 1 ) verschwunden. Dort liegen auch die 
Ueberreste des verfallenen Casilinum 2 ). Ferner erzählt 
Antias, der König L. Tarqunius habe die lateinische Stadt 
Apiolae 3 ) eingenommen, und von der dabei gemachten 
Beute den Bau des Capitols begonnen. Vom Surrmatum 
bis zum Flusse Silarus 4 ) erstreckte sich 30,000 Schritte 
weit das den Tuscern gehörige picentinische Gebiet, be- 
rühmt durch den von Jason erbaueten Tempel der Juno 
Argiva 5 ). Im Innern des Landes liegen die Städte Salerni 
und Picentia. 

10. 
Vom Silarus an beginnt der dritte Bezirk, und mit 
ihm das lucanische und brutische Gebiet. Auch hier haben 
die Bewohner oft gewechselt. Dieses Land besassen die 
Pelasger, Oenotrier 6 ), Italer, Morgeter 7 ), Siculer, meist 
griechische Völker; zuletzt liessen sich die Lucaner, ein 
samnitischer Stamm unter ihrem Anführer Lucius dort nie- 
der. Die Stadt Pästum 8 ), von den Griechen Posidonia 
genannt, der pästonische Meerbusen 9 ), die Stadt Helia, jetzt 
Velia 10 ), das Vorgebirge Palinurum 11 ); hier weicht der Meer- 
busen 12 ) mehr zurück und die Ueberfahrt nach Columna 
Ehegia 13 ) beträgt 100,000 Schritte. Ihm zunächst folgen: 
der Fluss Melpes 14 ), die Stadt Buxentum 15 ), von den Grie- 
chen Pyxus genannt, der Fluss Lais 16 ); früher gab es auch 
eine Stadt dieses Namens. 17 ) Nun kommt die brutische 
Küste, die Stadt Blanda 18 ), der Fluss Batuni 19 ), der den 



1 ) Toretto. 2 ) Capua. 3 ) Apelosa. 4 ) Silaro. 

5 ) Derselbe lag bei dem heutigen Dorfe St. Varra, etwas süd- 
lich vom Silaro. 

6 ) Ebenfalls ein pelasgischer Stamm,, der unter Oenotrius nach 
Italien kam. 

~) So genannt nach dem König Morges, welcher vor uralten Zei- 
ten in Calabrien herrschte. 8 ) Pesti. 9 ) Golfo di Salemo. 

10 ) Castel' a mare della Brucca. 

") Panta della Spartimento. 

12 ) Golfo di Policastro. ' 3 ) Calanna. *♦) Melpa. 15 ) Policastro 
» 6 ) Lao. ») Laghino. 18 ) St. Biasio. ">) Della Noce. 



Drittes Buch. 255 

Phocensern gehörige Hafen Parthenius J ), der vibonensische 
Meerbusen 2 ), die Stelle, wo Clampetia 3 ) stand, die Stadt 
Temsa 4 ), von den Griechen Temese genannt, die von den 
Crotaniensern gegründete Stadt Terina 5 ) und der grosse 
Terinaische Meerbusen 6 ); im Innern liegt die Stadt Con- 
fentia. 7 ) Auf der Halbinsel 8 ) befindet sich der Fluss Ache- 
ron 9 ), von welchem die dortigen Bewohner Acherontiner 10 ) 
heissen; Hippo, jetzt Vibo Valentia 11 ) genannt, der Hafen des 
Herkules 12 ), der Fluss Metaurus 13 ), die Stadt Tauroentum 14 ), 
der Hafen des Orestes 15 ), und Medina. 16 ) Die Stadt Scyl- 
läum 17 ), der Fluss Cratäis 18 ), wie man sagt, die Mutter der 
Scylla. 19 ) Dann kommt: Columna Rhegia, die sicilische 
Meerenge und zwei einander gegenüber liegende Vorgebirge, 
in Italien Cänys 20 ), in Sicilien Pelorum 21 ), 12 Stadien von 
einander entfernt. Von hier bis Rhegium 22 ) beträgt die 
Entfernung 12,500 Schritte. Ferner: der Wald Sila 23 ) auf 
dem Apenninus, 15,000 Schritte weiter das Vorgebirge Leu- 
copetra. 21 ) Die dann folgenden, von dem Vorgebirge Ze- 
phyrium 25 ) benannten Locrer 26 ), sind vom Silarus 303,000 
Schritte entfernt. 

So wird der erste Busen von Europa begrenzt und die 
Meere, welche ihn bilden, haben folgende Namen. Das 
Meer, aus welchem die Gewässer herausströmen, heisst das 
atlantische oder auch das grosse; die Stelle, wo dieses ein- 
tritt, nennen die Griechen Porthmos, wir aber die gadi- 
tanische Meerenge; nach dem Eintritte heisst es, soweit es 
Spaniens Küste bespühlt, das spanische oder iberische, oder 
balearische Meer; dann an der narbonensischen Provinz das 



>) Cetraro. 2 ) Golfo di St, Eufemia. 3 ) Torre di Mezzo. 4 ) Torre 
di Lupo. 5 ) Terrati. 6 ) Ebenfalls Golfo di S. Eufemia. 7 ) Cosenza.. 
8 Der unterste Theil von Calabrien. 
9 ) Mucone. ,0 ) In Acri. «>) Vibona. 12 ) Briatico. ,3 ) Marro. 

14 ) Ruinen davon findet man in der Nähe des Fleckens Palma. 

15 ) Gioja. I6 ) Melia. ") Scilla. ,8 ) Fallace. ,9 ) Siehe Homers Odysee- 
XII B., 124. V. 2 °) Cenide. 2l ) Capo di Faro. 22 ) Reggio. 23 ) Monte- 
delle Pece. 24 ) Pellara. 25 ) Capo di Brussano. 

M ) Die epizephyrischen Locrer. 



256 Drittes Buch. 

gallische und weiterhin das ligustische Meer; von diesem 
bis zur Insel Sicilien: das tuscische, welches einige Grie- 
chen das notische, andere das tyrrhenische, die meisten 
von uns aber das untere Meer nennen. Von Sicilien an 
bis zu den Solentinern nennt es Polybius *) das ausonische, 
dagegen bezeichnet Eratosthenes den zwischen der Mündung 
des Oceans und Sardinien belegenen Theil mit dem Namen 
des sardoischen, den Theil aber von Sardinien bis Sicilien 
nennt er das tyrrhenische, von Sicilien bis Creta das sici- 
lische, und von da an das cretische Meer. 

11. 
Die ersten Inseln in diesen Meeren führen bei den 
Griechen, von einem fichtenartigen Strauche den Namen 
Pityusen, jetzt heissen sie beide Ebusus 2 ), bilden einen 
mit uns verbündeten Staat und sind nur durch eine schmale 
Meerenge von einander getrennt. Ihre Länge beträgt 46,000 
Schritte. Von Dianium 3 ) sind sie 700 Stadien entfernt, und 
ebenso weit liegt Dianium auf dem Festlande von Neu- 
Carthago. In gleicher Entfernung von den Pityusen liegen 
in hohem Meere die beiden Balearen, und gegen Sucro 4 ) 
hin Colubraria. 5 ) Die Balearen, deren Bewohner sich 
durch die Schleuder im Kriege auszeichnen, nennen die 
Griechen auch die gymnasiscben Inseln. 6 ) Die grössere 7 ) 
hat eine Länge von 100,000 Schritten und einen Umfang 
von 475,000 Schritten. Die darauf befindlichen Städte mit 
römischem Bürgerrechte sind: Palma 8 ) und Pollentia; mit 
lateinischem: Cinium 9 ) und Cunici 10 ); Bocchorum ist eine 
Bundesstadt. 30,000 Schritte davon entfernt liegt die klei- 
nere Insel 11 ), deren Länge 40,000 und Umfang 150,000 
Schritte beträgt, Sie enthält die Stadtgemeinden Jamno 12 ), 
Sanisera 13 ) und Mago. 14 ) Von der grössern liegt Capra- 
ria 15 ), in deren Nähe die Schiffe häufig scheitern, 12,000 



l ) Von Megalopolis in Arcadien, lebte 205—122 v. Chr. " 
-) Ivica und Forcnentera. 3 ) Denia in Spanien. 4 ) Xucur in Spa- 
nien. 5 ) Columbretes. 6 ) Weil die Bewohner nackt {yvfivoq) gingen. 
7 ) Mallorka. 8 ) Palma. 9 ) Sineu. ,0 ) Alcudia. ") Minorka. '-) Ciu- 
dadela. 13 ) Fornells. 14 ) Mahon. '•"') Cabrera. 



Drittes Buch. 257 

Schritte über dem Meere hin entfernt; der Stadt Palma 
gegenüber liegen die Maenarien x ), Tiquadra 2 ) und die 
kleine Insel des Hannibal. 3 ) Die Erde auf Ebusus vertreibt 
die Schlangen, die von Colubraria erzeugt sie, daher diese 
Insel Allen gefährlich ist, welche keine Erde von Ebusus 
mitbringen; die Griechen gaben ihr den Namen Ophiusa. 
Auf Ebusus kommen auch keine Kaninchen vor, welche 
auf den Balearen die Saaten verwüsten. Ausserdem giebt 
es noch gegen 20 kleinere Inseln in diesem seichten Meere. 

An der gallischen Küste, bei der Mündung des Rhoda- 
nus liegt Metina 4 ), unweit davon Blascon 5 ); ferner drei 
Inseln, welche von den benachbarten Massiliensern wegen 
ihrer Lage in einer Reihe die Stöchaden 6 ) genannt sind, die 
eine heisst Prote 7 ), die zweite Mese 8 ) oder Pomponiaua 
und die dritte Hypäa. 9 ) Dann folgen: Sturium 10 ), Phönice 11 ) 
Phila 12 ), Antipolis 13 ) gegenüber Lero 14 ) und Lerina 15 ), wo 
sich noch das Andenken an die früher vorhandene Stadt 
Vergoanum erhalten hat. 

12. 

Im ligustischen Meere, jedoch näher nach dem tus- 
cischen hin liegt Corsica, welches die Griechen Cyrnos 
genannt haben. Ihre Länge von Norden nach Süden be- 
trägt 150,000 Schritte, ihre Breite an den meisten Stellen 
50,000 und ihr Umfang 325,000. Sie ist von den volaterra- 
nischen Untiefen 62,000 Schritte entfernt, hat 32 Stadt- 
gemeinden und die Colonien Mariana 16 ) von C. Marius, und 
Aleria 17 ) vom Dictator Sulla angelegt. Diesseits liegt Ogla- 
sa 18 ), und nicht ganz 60,000 Schritte von Corsica: Plana- 
ria 19 ), so genannt von ihrem ebenem Boden, wodurch sie 
dem Meere ähnlich sieht und daher die Schiffer täuscht. 



') Malgrates. 2 ) Dragonera. 3 ) Toro. 4 ) Jamatan. 5 ) Brescou. 
«) Hyeren. 7 ) Poquerolles. «) Port Cros. 9 ) Levant oder Titan. ,0 ) Ri- 
bauclas. ") Langaustier. ,2 ) Bagneau. 13 ) Antibes in Frankreich. 
,4 ) St. Marguerite. I5 ) St. Honore de Lerin. ,6 ) und ") Von beiden 
finden sich noch Ruinen auf der nach Italien zu gerichteten Seite 
der Insel. Aleria wurde erst 1730 zerstört, ,8 ) Monte Christo. 
w ) Formicole. 

17 



258 Drittes Buch. 

Von grösserem Umfange sind Urgo *) und Capraria 2 ), von 
den Griechen Aegilon genannt; ferner Aegilium 3 ), Dianium 4 ) 
oder Artemisia, beide der cosanischen Küste 5 ) gegenüber; 
Barpana 6 ), Manaria 7 ), Columbaria 8 ) und Venaria. 9 ) Uya e ) 
bei den Griechen Aethalia, mit Eisengruben, hat im Umfange 
100,000 und ist von Popularium n ) 10,000 Schritte entfernt; 
Planasia 12 ) liegt 28,000 Schritte davon. Nach diesen liegen 
enseits der Mündung des Tiber im antianischen Meere 
Astura 13 ), dann Palmaria 14 ), Sinonia 15 ) und Formiä 16 ) gegen- 
über Pontiä. 17 ) Im puteolanischen Busen liegt Pandataria 18 ) 
und Prochy ta 19 ), die nicht von der Amme des Aeneas, son- 
dern weil sie von der Insel Aenaria fortgeschleudert sein 
soll, diesen Namen hat. Aenaria 20 ) führt ihren Namen vom 
Aeneas, der hier mit seinen Schiffen landete. Homer 21 ) nennt 
sie Inarime, die Griechen Pithecusa, aber nicht von einer 
Menge dort befindlicher Affen, wie Einige geglaubt haben, 
sondern von den daselbst verfertigten fassförmigen 2 ' 2 ) Töpfer- 
waaren. Zwischen Pausilipus 23 ) und Neapel liegt Mega- 
ris 24 ); ferner 8000 Schritte von Surrentum entfernt, die 
durch das Schloss des Tiberius berühmte Insel Capreä 25 ) r 
welche 11,000 Schritte im Umfange hat. 

13. 
Nicht weit davon liegt Leucothea 26 ), und ausser dem 
Gesichtskreise an der Grenze des afrikanischen Meeres: 
Sardinien, kaum 8000 Schritte von den äussersten Punkten 
Corsica's entfernt, und dieser enge Kaum wird noch durch 
einige kleine Inseln, welche Cuniculariae oder Hundsinseln 27 ) 
heissen, ferner durch die Inseln Phintoni 28 ) und Fossä 29 ), 



') Gorgona. 2 ) Caprara. 3 ) Giglio. 4 ) Gianuti. 5 ) Halbinsel Argen- 
taro. fi ) Forniiche di Grosseto. 7 ) Meleora. 8 ) Palmajola. 9 ) Cervoli. 
10 ) Elba. >') Piombino. ,2 ) Pianosa. ,3 ) Noch jetzt Astura. M ) Pal- 
maruola. ,5 ) Sennone. 16 ) Mola. ") Ponza. ,8 ) Ventotiene. 19 ) Pro- 
eida. 20 ) Ischia. 21 ) Iliade IL, 290. 22 ) Tti&oq: Fass. 23 ) Posilippo. 
2<i ) Castello dell'Ovo. 25 ) Capri. 26 ) Lungo. 

27 ) Sind eigentlich blosse Klippen, 10 an der Zahl und heissen 
jetzt die Bucinarischen Inseln. 

28 ) Figo. - - 9 ) Lovossi. 



Drittes Buch. 25i* 

von welcherietzteren die Meerenge selbst den Namen Taphros 1 ), 
bekommen hat, beschränkt. Sardinien misst an der Ostseite 
188,000, an der Westseite 175,000, gegen Mittag 77,000, 
gegen Mitternacht 125,000 Schritte; der Umfang beläuft sich 
also auf 565,000 Schritte. Vom caralitanischen 2 ) Vorgebirge 
aus beträgt ihre Entfernung von Afrika 200,000 und von 
Gades 1,400,000 Schritte. Auch auf der Seite des gordi- 
tanischen 3 ) Vorgebirges liegen zwei Inseln, welche Herku - 
lesinseln 4 ) genannt werden; ferner Enosis 5 ) beim sulcen- 
sischen 6 ) und Ficaria 7 ) beim caralitanischen Vorgebirge. 
Einige setzen auch in ihre Nähe die Bereliden 8 ), Collodes 9 ) 
und die sogenannte Heras Lutra. 10 ) Die berühmtesten Völ- 
ker Sardiniens sind: die Ilienser, Balarer und Corsen. 
Unter den 18 Städten haben folgende das römische Bür- 
gerrecht: die Sulcitaner 11 ), Valentiner 12 ), Neapolitaner 13 ), 
Bosenser 14 ), Caralitaner 15 ) und Norenser 16 ); ihre einzige 
Colonie heisst „Zum Thurme des Libyso". 17 ) Timäus 18 ) 
nennt Sardinien wegen ihrer Aehnlichkeit mit einer Fuss- 
sohle Sandaliotis, Myrsilus 19 ) wegen ihrer Aehnlichkeit mit 
einem Fussstapfen Ichnusa. Dem pästanischen Meerbusen 
gegenüber liegt Leucasia 20 ) von einer daselbst begrabenen 
Sirene so genannt. Gegen Velia 21 ) hin liegen Pontia 22 ) und 
Iscia 23 ), die auch den gemeinsamen Namen Oenotriden füh- 
ren, ein Beweis, dass die Oenotrier einst Italien im Besitz 



') Tu<fQoc = fossa, Graben. 

2 ) Capo Ferrato und Capo di Carbonara. 

3 ) Capo di monte Falcone und Capo di Argentera. 
') Asinaro (Zavara) und Piana. 

5 ) S. Antioco. 6 ) Punta dell'Ulga. ~) Cortelazo. 8 ) Toro, Vacca 
und Vitello. 9 ) Maldivente. ,0 ) S. Pietro. ») Palma di Solo. 12 ) Igle- 
sias. ,3 ) Oristano. M ) Bosa. 

,s ) Calaris, jetzt Cagliari, die Hauptstadt der Insel. 

,,! ) Fanura. 1T ) Porto di Torre. 

,8 ) Von Tauromeniurn in Sicilien, um 260 v. Chr., lebte, von sei- 
nem Vaterlande verbannt, in Athen. 

,9 ) Oder Myrtdias, ein griechischer Schriftsteller aus Lesbos, über 
dessen Lebensverhältnisse aber nichts weiter bekannt ist. 

20 ) Piana. 2I ) Castell'amare. 22 ) I J onza. - 3 ) Isca. 

17* 



2(50 Drittes Buch. 

hatten. Vibo l ) gegenüber liegen einige kleine Inseln, 
welche von der auf ihr befindlichen Warte des Ulysses die 
ithacesischen -) genannt werden. 

14. 
Alle andern Inseln aber übertrifft Sicilien an Ruhm; 
sie wird von Thucydides 3 ) Sicania, von Mehreren wegen 
ihrer dreieckigen Gestalt Trinacria oder Triquetra genannt. 
Ihr Umfang beträgt 618,000 Schritte. Früher hing sie mit 
dem brutischen Gebiete zusammen, später aber riss sie das 
zwischenströmende Meer von ihm los und bildete eine 
15,000 Schritte lange und bei der Columna Rhegia 1500 
Schritte breite Meerenge. Wegen dieses Abreissens gaben 
die Griechen der an dem Endpunkte Italiens belegenen 
Stadt den Namen Rhegium. 4 ) In dieser Meerenge befindet 
sich die Klippe Scylla und der Meerstrudel Charybdis, beide 
durch ihre Verheerungen berüchtigt. Das Vorgebirge dieser 
dreieckigen Insel, welches der Scylla gegenüber nach Italien 
zu liegt, heisst Pelorum 5 ), das nach Griechenland zu lie- 
gende Pachynum 6 ) und ist 440,000 Schritte vom Pelopon- 
nes, gegen Afrika hin das lilybaische 7 ) 180,000 Schritte 
vom Vorgebirge des Merkur 8 ) und 190,000 Schritte vom 
caralitanischen in Sardinien entfernt. Unter sich aber sind 
diese Vorgebirge und Seiten durch folgende Zwischenräume 
von einander geschieden Der Landweg vom Pelorum zum 
Pachynum beträgt 191,000 Schritte, von da zum Lilybäum 
200,000 und von da zum Pelorum 170,000 Schritte. Colo- 
nien sind 5, Städte und Stadtgemeinden 63 vorhanden. 

Beim Pelorum an der Küste des jonischen Meeres liegt 

> 

') Bibona. 

2 ) Toricella, Brace, Praca und andere Klippen ohne Namen. 

3 ) Der grösste griech. Geschichtsschreiber, Sohn des Oloros und 
der Hegesipyle, geb. zu Athen 471 v. Chr., 403 auf einer Reise nach 
Thracien von Räubern ermordet. 

*) Von (jTjyvifii: reisseil. 

5 ) Capo di Faro. 

6 ) Capo di Passaro. 

7 ) Capo di Boco. x ) Cap Ron. 



Drittes Buch. 261 

Messana 1 ), deren Bewohner das römische Bürgerrecht haben 
und Mamertiner genannt werden. Das Vorgebirge Drepa- 
num 2 ), die Colonie Tauromenium 3 ), früher Naxos genannt, 
der Fluss Asines 4 ), der Berg Aetna, merkwürdig wegen 
seiner nächtlichen Flammenausbrüche. Sein Krater hat 26 
Stadien im Umfange, die heisse Asche fliegt bis nach Tau- 
romenium und Catina 5 ), das Getöse aber hört man bis 
nach Maro 6 ) und den Zwillingshügeln. 7 ) Die drei Klippen 
der Cyclopen 8 ), der Hafen des Ulysses 9 ), die Colonie Ca- 
tina 10 ), die Flüsse Symäthum n ) und Terias. 12 ) Im Innern 
liegen die lästryganischen Gefilde, die Städte Leontini 13 ), 
Megaris 14 ), der Fluss Pantagies 15 ), die Colonie Syrakusä 
mit der Quelle Arethusa. Ausserdem trinkt man im syra- 
kusanischen Gebiete auch aus den Quellen Temenitis 16 ), 
Archidemia 17 ), Magäa 18 ), Cyane 19 ) und Milichie. 20 ) Der 
Hafen Naustathmus 21 ), der Fluss Elorum 22 ), das Vor- 
gebirge Pachynum, ihm zur Seite der Fluss Hirminium 23 ), 
die Stadt Caramina 24 ), der Fluss Gelas 25 ), die Stadt Acra- 
gas 26 ), bei uns Agrigentum genannt, die Colonie Thermä 27 ), 
die Flüsse Achates 28 ), Mazara 29 ) und Hypsa 30 ), die Stadt 
Selinus 31 ), dann das Vorgebirge Lilybäum, Drepana 32 ), der 
Berg Eryx 33 ), die Städte Panchornum u ), Solus 35 ), Himera 36 ) 
mit dem Flusse gleichen Namens 37 ), Cephalödis 38 ), Alun- 
tium 39 ), Agathyrnum 40 ), die Colonie Tyndaris 41 ), die Stadt 
Mylä 42 ), und endlich das Vorgebirge Pelorum, von wo wir 
ausgingen. 



l ) Messina. 2 ) Grosso. 3 ) Taormina 4 ) Cantara. 5 ) Catania. 
') Maretto. 7 ) Monte cli Mele. 8 ) GH Farigliom. 9 ) S. Alessio. ,0 ) Ca- 
bauia. ") Giaretta. , '-) Guaralunga. ,3 ) Lentini. y> ) Ruinen bei Mili- 
tello. 15 ) Porcaro. ,6 ) Fontedi Canali. 17 ) Cefalino. ,8 ) Fönte dellaMa- 
•lalena. ,9 ) Fönte Ciane. 20 ) Lampismotta. iX ) Asparanetto. '--; Abisso. 
- 3 ) Fiume di Ragusa. 2i ) Camerina. 25 ) Fiume di terra nova. 26 ) Gir- 
genti. 27 ) Termini. -*) Dirillo. 29 J Fiume di Mazzara. i0 ) Beiice 
sinistre. 3 M Ruinen bei Castelvetrano. 32 ) Trapani. 3a j Monte St. 
Giuliano. 3i ) Palermo. 3S ) Solanto. 3C ) Trümmer davon bei Termini. 
;;T ) Fiume Salso. 38 ) Cefalu. 39 ) AJonzo. /,0 j S. Agata. 4I ) Tindaro. 
'-) Milazzo. 



262 Drittes Buch. 

Im Innern der Insel wohnen folgende Völker mit latei- 
nischen Hechten: die Centuripiner *) , Netiner 2 ) und Sege- 
staner. Zinsbar sind: die Assoriner 3 ), Aetnenser 4 ), Agy- 
riner 5 ), Acestäer 6 ), Acrenser 7 ), Bidiner 8 ), Cetariner 9 ), Ca- 
cyriner 10 ), Drepanitaner 11 ), Ergetiner 12 ), Echetlienser 13 ), Ery- 
ciner 14 ), Entelliner 15 ), Eniner 16 ), Enguiner 17 ), Gelomer 1 -), 
Galatiner 19 ), Halesiner 20 ), Hennenser 21 ), Hyblenser 22 ), Herbi- 
tenser 23 ) ; Herbessenser 24 ), Herbulenser, Halicyenser 25 ), Ha- 
dranitaner 26 ), Imacarenser 27 ), Ipauenser 28 ), Ietenser 29 )/ Myti- 
stratiner 30 ), Magelliner 31 ) Murgentiner 32 ), Mutycenser 33 ), 
Menaniner 34 ), Naxier 35 ), Noäer 36 ), Petriner 37 ), Paropiner 38 ), 
Phtinthienser, Semellitaner, Scheriner 39 ), Selinuntier, Syniü- 
thier, Talarenser 40 ), Tissinenser 41 ), Triocaliner 42 ), Tiracinen- 
ser 43 ) und die messenischen Zancläer 44 ) an der sicilischen 
Meerenge. 

Gegen Afrika zu liegen folgende Inseln: Gaulos 45 ), 
Melita 46 ), von Camerina 47 ) 87,000, von Lilybäum 113,000 
Schritte entfernt, Cosyra 48 ), Hieronesos 49 ), Cäne 50 ), Galata 51 ), 



*) Centorbi. -) Noto. 3 ) Asano. 4 ) Nicolosi. 5 ) San Filippo 
d'Argyrone. 6 ) Agosta. 7 ) Palazzuola. 8 ) S. Giovanni di Bidini. 
9 ) Catarra. 10 ) Cassaro. n ) Trapani. ,2 ) Artesina. ,3 ) Granmichele. 
14 ) Trapano del Monte. 15 ) Enteila. 16 ) Aidone. 1T ) Gangi vetere. 
18 ) Torre nova. 19 ) Galati. 20 ) Torre di Petineo. 21 ) Castro Giovanni. 
«) Paterno. 23 ) Erba. 24 ) Li Grutti. - 5 ) Rocalcale. 26 ) Aderno. 27 ) Mac- 
cara. - 8 ) Icana. 29 ) Jato. 30 ) Mistretta. 31 ) Macellaro. 32 ) Mandri 
Bianchi, 33 ) Modica. 3i ) Mineo. 35 ) Schisso. 36 ) Noara, 37 ) Petralia 
Soprana. 38 ) Parco. 39 ) Calogero. A0 ) Tatria. 41 ) Randa/.za. - 12 ) Co- 
lotrasi Castello. 43 ) Torcisi. 

44 ) Zankle wurde lange vor dem Anfange der Olympiaden (77H 
v. Chr.) von ausgewanderten Cumanern gegründet. Nach der Ein- 
nahme von Ira zog ein Theil der Messenier unter Gorgus dahin, und 
der Name Zankle wurde nach und nach mit „Messene" vertauscht, 
bis letzterer allgemein wurde, und der Tyrann von Rhegium, Anaxe- 
las (von messenischer Abkunft), sich um die Zeit der marathonischen 
Schlacht (990 v. Chr.) derselben bemächtigte. Späterhin wurde 
Messena von den Mamertinern (Miethstruppen des Agatkocles von 
Syrakus) erobert. Diese ermordeten alle männlichen Einwohnei 
Diess war die nächste Veranlassung des ersten punischen Krieges. 

45 ) Gozzo. 46 ) Malta. '") Auf Sicilien. 48 ) Pantalaria. 49 ) Mare- 
timo. ™) Limosa. *•) Galita. 



Drittes Buch. 263 

Lopadusa 1 ), Aethusa 2 ), auch Aegusa geschrieben, Buci- 
ma 3 ), Osteodes 4 ) , 75,000 Schritte vom Solus 5 ) entfernt, 
und Ustica, Paropini e) gegenüber. Diesseits Sicilien aber, 
dem Flusse Metaurus 7 ) gegenüber, liegen in einer Entfernung 
von beinahe 25,000 Schritten von Italien die äolischen 
Inseln, sie heissen auch die liparäischen, bei den Griechen 
die hephästiadischen , bei uns die vulkanischen. Die äoli- 
schen heissen sie deshalb, weil Aeolus zur Zeit des tro- 
janischen Krieges dort regierte. Lipara 8 ), mit der gleich- 
namigen Stadt welche das römische Bürgerrecht hat, ver- 
dankt ihren Kamen dem Könige Liparus, dem Nachfolger 
des Aeolus; sie hiess früher Melogonis oder Meligunis, ist von 
Italien 25,000 Schritte entfernt, und hat einen fast eben so 
grossen Umfang. Zwischen ihr und Sicilien liegt eine an- 
dere Insel, welche ehemals Therasia hiess, jetzt aber den 
Namen Hiera 9 ) hat, weil sich auf ihr ein alle Nächte Feuer- 
speiender Hügel befindet, der dem Vulkan geweihet ist. 
Die dritte, Strongyle 10 ), liegt von Lipara 1000 Schritte ent- 
fernt gegen Osten; auf ihr regierte Aeolus; sie unterschei- 
det sich von Lipara nur durch die hellere Flamme des 
Berges, aus dessen Rauche die Einwohner schon auf drei 
Tage im Voraus sollen bestimmen können, welche Winde 
wehen werden; daher hat man geglaubt, die Winde gehorch- 
ten dem Aeolus. Die vierte Insel heisst Didyme 11 ) und ist 
kleiner als Lipara; die fünfte Ericusa 12 ); die sechste Phö- 
nicusa 13 ), dient den zunächst liegenden nur als Weide; die 
letzte und kleinste heisst Evonymos. 14 ) So viel von dem 
•ersten Hauptbusen Europa's. 

15. 
Von Locri fängt die Seite Italiens an, welche Gross- 
Griechenland genannt wird und drei Busen des auso- 
nischen Meees bildet; dieses Meer hat den Namen von den 
Ausoniern, welche zuerst seine Küste bewohnten. Nach 



') Larnpedosa. 2 ) Favignana. 3 ) Levanzo. 4 ) Alicur. 5 ) Solanto. 
6 ) Parco. 7 ) Marro. 8 ) Lipari. 9 ) Volcano. 10 ) Stromboli. ») Sa- 
line. 12 ) Alicudi. 13 ) Felicudi. 14 ) Eisca Bianca. 



264 Drittes Buch. 

Vai-ro x ) dehnt es sich auf 86,000 Schritte aus , nach Än- 
dern nur auf 75,000. Unzählige Flüsse befinden sich an 
seiner Küste'; aber besonders merkwürdig sind, bei Locri: 
(die) Sagra 2 ), Spuren der Stadt Caulo 3 ), Mystia 4 ), Castrum 
Consilinum 5 ), Cocinthum 6 ), welches Einige für das längste 
Vorgebirge Italiens halten; dann der scylacische 7 ) Meer- 
busen mit der Stadt Scylacium, welche von ihren Gründern, 
den Atheniensern, Scylletium genannt ist. Die diesem Orte 
gegenüberliegende terinäische 8 ) Bucht bildet eine HalbinseL 
auf welcher ein Hafen, Castra Hannibalis 9 ) genannt, liegt. 
Nirgends ist Italien schmäler als hier, denn seine Breite be- 
trägt nur 20,000 Schritte. Deshalb wollte der ältere Dio- 
nisius an diesem Orte Italien durchschneiden lassen, und 
das getrennte Stück mit Sicilien vereinigen. Schiffbare 
Flüsse dieses Landes sind: der Carcines 10 ), Crotalus n ), 
Seminus 12 ), Aroas 13 ) und Targines. 14 ) Im Innern liegt die 
Stadt Petilia 15 ), der Berg Clibanus, das Vorgebirge Laci- 
nium 16 ), vor welchem in einer Entfernung von 10,000 Schrit- 
ten die Insel Dioscoron liegt, eine andere heisst Calypsus, 
welche für die Ogygia des Homer 17 ) gehalten wird; ferner 
Tiris, Eranusa und Meloessa. 18 ) Das Vorgebirge 19 ) selbst 
ist nach Agrippa 70,000 Schritte von Caulo entfernt. 

An dem Vorgebirge Lacinium fängt der zweite Haupt- 
busen von Europa an; er macht einen sehr grossen Bogen und 
endigt mit dem in Epirus belegenen Vorgebirge Acrocerau- 
nium 20 ), welches von jenem 75,000 Schritte entfernt ist. 
Hier liegen: die Stadt Croto 21 ), der Fluss Neathus 22 ), die 



') Von Atace im narbonensischen Gallien, ein röm. Dichter aus 
dem 1. Jahr. v. Chr. 

2 ) Sagriano. 3 ) Bei Pietra Percia. 4 ) Maida. a ) Consignano. 
fc ) Stilo. ') Golfo di Squillace. 8 ) Golfo di S. Eufemia. 9 ) Torre di 
Cuntazaro. 10 ) Corace. n ) Alli. •*) Simmari. 13 ) Crocha. u ) Tacina. 
15 ) Strongoli. 1G ) Capo della Colonne. 

«) Odyssee VII. 244. XII. 245. 

18 ) Fast keine dieser Inseln existirt jetzt mehr. 

10 ) Lacinium. ao ) Capo Linguetta. 

2l ) Crotone, an der Mündung des Flusses Essaro. -) Nieto. 



Drittes Buch. 265 

Stadt Thurii zwischen den beiden Flüssen Crathis 1 ) und 
Sybaris 2 ), wo ehemals eine Stadt gleichen Namens 3 ) war. 
Auf gleiche Weise liegt zwischen dem Siris 4 ) und Aciris 5 ) 
Heraclea 6 ), früher Siris genannt. Die Flüsse Acalandrum 7 ), 
Casuentum 8 ), die Stadt Metapontum 9 ), mit der sich der 
dritte Bezirk von Italien endigt. Von den Brutiern wohnen 
nur die Aprustaner 10 ) mitten im Lande, von den Lucanern 
aber die Atenater 11 ), Bantiner 12 ), Eburiner 13 ), Grumentiner 14 ), 
Potentiner 15 ), Sontiner 16 ), Siriner, Tergilaner 17 ), Ursentiner 18 ) 
und Volcentaner 19 ) , an welche sich die Numestraner 20 ) 
schliessen. Ausserdem ist nach Cato die lucanische Stadt 
Thebä untergegangen, und nach Theopompus auch Pando- 
sia, ebenfalls eine Stadt der Lucaner, in welcher Alexander 
von Epirus 21 ) starb. 

16. 
Hieran schliesst sich der zweite Bezirk von Italien, 
welcher die Hirpiner, Calabrien, Apulien und die Salentiner 
umfasst. Er liegt an dem 250,000 Schritte grossen Meer- 
busen, welcher von der an seiner innersten Seite liegenden 
laconischen Stadt Tarentum, zu der auch eine früher dort 
befindliche See-Colonie gehört, seinen Namen hat. Tarent 
ist von dem Vorgebirge Lacinium 136,000 Schritte entfernt, 
und von hier an geht Calabrien in eine Halbinsel aus. Die 



') Crati. 2 ) Misofato. 

3 ) Diess war eine ungefähr 720 v. Chr. von Achäern und Tröze- 
nern gegründete Colonie, und um die Zeit der 50. Olympiade eine 
der reichsten und üppigsten Städte Italiens. 510 v. Chr. wurde sie 
aber von den Crotoniaten gänzlich zerstört. Die entflohenen Syba- 
riten legten am Flusse Laus ein neues Sybaris an, wurden aber 
nach 6 Jahren wiederum von den Crotoniaten vertrieben, die nun 
Thurii daselbst erbauten. 

') Sinno. 5 ) Agri. 6 ) Torre di S. Basilio. 7 ) Scanzana. 8 ) Basiento. 
9 ) Torre dimare. ,0 ) Castrovillari. ") Atena. 12 ) S. Maria di Vanze. 
lJ ) Eboli. ") Agromento. 15 ) Potenza. ™) Sanza. 17 ) La Terza. 
18 ) Tursi. 19 ) Buccino. 20 ) Nusco. 

-') König von Epirus, Bruder der Olympias, der Mutter Alexan- 
ders des Grossen. Er blieb in Italien, als er den Tarentinern gegen 
die Lucaner und Brutier beistand, 326 v. Chr. 



2(56 Drittes Buch. 

Griechen nannten diess Land nach ihrem Feldherrn Messa- 
pia, vorher nach Peucetius, dem Bruder des Onotrius, im 
salentini sehen Gebiete , Peucetia. Die beiden Vorgebirge 
sind 100000 Schritte von einander entfernt. Die Breite der 
Halbinsel beträgt von Tarent bis Brundisium zu Lande 
35,000 Schritte, viel weniger aber vom Hafen Sasina 1 ) aus 
gemessen. Städte im Lande, von Tarent an, sind: Varia 2 ) 
mit dem Beinamen Apula, Messopia 3 ) und Alatium 4 ); an 
der Küste: Senum, Callipolis 5 ), jetzt Anxa, 75,000 Schritte 
von Tarent. 32,000 Schritte weiter liegt das Vorgebirge 
Acra Japygia 6 ), woselbst Italien sich am weitesten ins 
Meer erstreckt. Dann folgt 10,000 Schritte weiter die Stadt 
Basta 7 ) und noch 9000 Schritte weiter Hydruntum. 8 ) Hier 
scheidet sich das adriatische Meer von dem jonischen; auch 
ist hier die kürzeste Ueberfahrt nach Griechenland zu dem 
gegenüberliegenden Apollonia 9 ), da die Breite der dazwischen 
befindlichen Meerenge nicht über 50,000 Schritte beträgt. 10 ) 
Pyrrhus, König von Epirus, fasste zuerst den Plan, auf 
Schiffbrücken den Fussmarsch über diese Meerenge fortzu- 
setzen, und nach ihm hatte M. Varro, der im Kriege mit 
den Seeräubern die Flotte des Pompejus befehligte, dieselbe 
Absicht. Beide wurden aber durch andere Umstände an 
ihrem Vorhaben verhindert. Von Hydruutum gelangt man 
zu dem jetzt wüsten Soletum n ), dann folgt Fratuertium 12 ), 
der tarentinische Hafen, die Schiffsstation Miltopä, Lupia 13 ), 
Balesium 14 ), Cölia 15 ), das von Hydruntum 50,000 Schritte 
entfernte Brundisium 16 ), mit einem der besten Häfen Italiens, 
von wo aus die sicherste, wenngleich längste Ueberfahrt 
nach der 225,000 Schritte entfernten illyrischen Stadt Dyr- 
rhachium 17 ) stattfindet. An Brundisium grenzt das Gebiet 



I ) Porto Ce.sareo. 2 ) S. |Maria di Varietto. 3 ) Misagna. 4 ) Latiana. 
s ) Gallipoli. 6 ) Capo di S. Maria di Leuca. 7 ) Vaste. 8 ) Otranto. 

9 ) Pelina. 

,0 ) Diese Meerenge scheint also in jener Zeit nicht so breit ge- 
wesen zu sein, wie jetzt. 

II ) Solito. ,2 ) Copertino. ,3 ) Lecce. u ) S. Maria delle Lizza 
1S ) Ceglia. lG ) Brindisi. I7 ) Durazza. 



Drittes Buch. 267 

der Pediculer. Neun Jünglinge und ebenso viele Jung- 
frauen von illyrischer Abkunft sind die Stammeltern von 
16 Völkerschaften. Die Städte der Pediculer heissen: Ru- 
diä 1 ), Egnatia 2 ) und Barium 3 ); die Flüsse: Japyx, welcher 
seinen Namen von einem Könige, dem Sohne des Dädalus 
hat, nach welchem auch Japygia benannt ist; Pactius 4 ) und 
der Aufidus 5 ), welcher auf den hirpiuischen Bergen ent- 
springt und bei Canusium 6 ) vorbeifliesst. 

Hierauf folgt Apulien 7 ), auch das Land der Daunier 8 ) 
genannt, von ihrem Heerführer, dem Schwiegervater des 
Diomedes. In demselben liegen die Städte: Salapia 9 ), be- 
kannt durch Hannibal's Ausschweifungen, Sipontum 10 ), Uria 11 ); 
der Fluss Cerbalus 12 ), an der Grenze der Daunier, der Ha- 
fen Agasus 13 ), das Vorgebirge 14 ) des Berges Garganus, des- 
sen Entfernung vom salentinischen oder japygischen Ge- 
biete, um den Garganus herum 234,000 Schritte beträgt; 
der Hafen Garnä 15 ), der See Pantanus 16 ), der hafenreiche 
Fluss Frento 17 ), das apulische Teanum 18 ), ferner das lari- 
nische Cliternia 19 ), der Fluss Tifernus 20 ), dann das fren- 
tanische Gebiet. 21 ) Es giebt also 3 Stämme der Apulier: 
nämlich die Teaner, so genannt von einem Feldherrn der 
Griechen; die Lucaner, welche von Calchas überwunden 
sind, und deren Wohnsitze jetzt die Atinater inne haben; 
die Daunier, wozu ausser den oben angeführten, noch die 



') Rotigliano. 2 ) Torre di Anazzo. 3 ) Bari 4 ) Patrica. 5 ) Ofanto. 
<■) Canosa 7 ) Capitanata. 

8 ) Daunus, ein angesehener Illyrier, der wegen Unruhen aus seinem 
Vaterlande wanderte und sich hier niederliess. Diomedes flüchtete 
zu ihm, als er nach seiner Rückkehr von Troja Argos verlassen musste. 
Ein anderer Daunus war ein Sohn des Lycaon von Arkadien, der 
mit seinen Brüdern Japyx und Peucetius nach Italien ging und sich 
in dem nach ihm benannten Daunien niederliess. Plinius scheint 
hier beide als eine Person zu betrachten. 

9 ) Salpe. ,0 ) Manfredonia. ll ) Ururi. **) Cervaro. 13 ) Porto greco. 
**) Capo Viestice. ,D ) Rodi. ,6 ) Capo di Lesina. ") Fortore. li ) Chiati 
Vecchio. ,9 ) Antica Cliternia. 20 ) Biferno. 

21 ) Provinz Abruzzo citeriore. 



268 Drittes Buch. 

Colonien Luceria *) und Venusia 2 ) ; die Städte: Canu- 
sium 8 ), Arpi 4 ), welches früher von seinem Gründer, dem 
Diomedes, Argos Hippium genannt wurde, nachher aber 
Argyrippa hiess. Diomedes vertilgte daselbst die Monader 
und Darder, sowie zwei Städte, Apina und Trica 5 ), deren 
Namen zum scherzhaften Sprichworte geworden sind. 

Im Innern des zweiten Bezirkes liegen ausser der ein- 
zigen Colonie der Hirpiner, welche ihren frühem Namen 
Maleventum, mit einem von besserer Vorbedeutung, nämlich 
Beneventum 6 ) gewechselt hat, die Aeculaner 7 ), Aquilaner 8 ), 
Abellinater 9 ) mit dem Beinamen Protroper, Campsaner 10 ), 
Caudiner 11 ), Ligurer 12 ), mit dem Beinamen Cornelianer, oder 
auch Bebianer, die Vescellaner, Aeclaner, Aletriner 13 ), 
Abellinater 14 ) mit dem Beinamen Marser, Atraner 15 ), Aca- 
ner 16 ), Alfellaner 17 ), Attinater 18 ), Arpaner 19 ), Borcaner 20 ), 
Collatiner 21 ), Corinenser 22 ), Cannenser 23 ), bekannt durch 
die bei ihrer Stadt erfolgte Niederlage der Römer, Dinner, 
Focentaner 24 ), Genusiner 25 ), Herdonienser 26 ), Hyriner 27 ) 
Larinater 28 ) mit dem Beinamen Frentaner, Merinater 29 ) am 



') Luccra. 

-) Venosa, der Geburtsort des Dichters Horaz. Vergl. Horaz 
Satyr. Bd. II. Sat. 1. v. 34. 

3 ) Canosa. 4 ) Arpino. 

•"') Ganz unbedeutende, nichtige Dinge nannten die Römer Tricas 
et Apinas. 

°) Benevento. 7 ) Ruinen bei Mirabella. 8 ) Monte Chilone. 9 ) Avig- 
liano. ,0 ) Conza. 

u ) Forchia. In der Nähe von Gaudium befinden sich die cau- 
dinischen Engpässe (furculae Caudinae), wo einst die ganze römische 
Armee unter den Consuln T. Veturius Calvinus und Spurius Postu- 
mius Albanus von den Samnitern gefangen und gezwungen wurde, 
durch das Joch zu gehen. Vergl. Livius IX. 2. 

'"-) Taurasia. ,3 ) Alatri. M ) Marsico vetere. 15 ) Atripella. lü ) Troja. 
,7 ) Guarda Alfiera. ,8 ) Atena. > 9 ) Arpaja. 20 ) Citta Borella. 

2I ) Coglionisi. 22 ) Cornito vecchio. 

23 ) Canne. Im zweiten punischen Kriege siegte Hannibal liier 
über die Römer, 216 v. Chr. 

M ) Forenza. w ) Ginosa. 26 ) Ordona. 27 ) Oria. 2S ) Larina. 29 ) Vieste. 



Drittes Buch. 269 

Garganus, Mateolaner 1 ), Netiner 2 ), Rubustiner 3 ), Silvi- 
ner 4 ), Strabelliner 5 ), Turnientiner 6 ), Vibinater 7 ); Venu- 
siner 8 ), Ulurtiner. 9 ) Mitten im Lande wohnen folgende 
calabrische Völker: die Agetiner 10 ), Apamestiner n ), Argen- 
tiner, Butuntinenser 12 ), Decianer, Grumbestiner, Norbanen- 
ser, Palionenser 13 ), Sturniner 14 ), Tutiner. 15 ) Salentinische 
Völker sind: die Aletiner 16 ), Basterbiner H ), Neretiner 18 ), 
Uxentiner 19 ) und Veretiner. 20 ) 

17. 
Nun folgt der vierte Bezirk, den die tapfersten Völker 
Italiens bewohnen. An der Küste liegt vom Tifernus 21 ) an 
das Gebiet der Frentaner 22 ), der hafenreiche Fluss Trinium 23 ), 
die Städte Histonium 24 ) , Buca 25 ) und Ortona 26 ), der Fluss 
Aternus. 27 ) Im Innern wohnen die frentanischen Anxaner 28 ), 
die obern Carentiner 29 ), die untern Carentiner 30 ) , und La- 
nuenser;im Marrucinischen die Teatiner 31 ); im Pelignischen 32 ) 
die Corfinienser 33 ), Superäquaner 34 ), Sulmanenser 35 ); im Mar- 
sischen 36 ) die Anxantiner 37 ), Atinater 38 ), Fucenter, Lucen- 
ser 39 ), Maruviner, das den Albensern gehörende Alba 40 ) am 
See Fucinus 41 ); die äquiculanischen Cliterniner und Carseo- 
laner 42 ); die vestinischen Augulaner 43 ), jPinnenser 44 ), Pel- 
tuinater 45 ), an welche die cismontanischen 46 ) Aufinater 47 ) 
grenzen; im Gebiete der Sommiter, welche die Römer Sabel- 
ler, die Griechen Sauniter nennen: die Colonien Alt-Bovia- 

- ') Motta della Regina. "-) Noja. 3 ) Ruvo. 4 ) Savigliano. 5 ) Ra- 
polla. ß ) Due Torre. 7 ) Bovino. 8 ) Venosa. 9 ) Gurigliano. 10 ) Ajeta, 
'•) Vieste. 12 ) Bitonto. «) Palo. M ) Torchiarolo. 15 ) Tutiano. ,G ) Alez- 
zano. ,7 ) Paravita. ,8 ) Nardo. 10 ) ügento. 20 ) Verato. 2l ) Biferno. 
- 2 ) Abruzzo citeriore. 23 ) Trigno. -*) Guasto d'Ammone. - 5 ) Termoli. 
26 ) Ortona a niare. 27 ) Pescara. 28 ) Loniciana. 29 ) Civita Burella. 
3°) Carlentino. 31 ) Chieti. 32 ) Campi di S. Pelino. 33 ) Pentinia. 

M ) Castel vecchio Subegno. 

33 ) Sulmona, die Vaterstadt des Dichters Ovid. Vergl. Ovids 
Tristi B. IV. Eleg. 9. 

36 ) Ducato di Marsi. 87 ) Avezzana. 38 ) Civita dAntino. w ) Luco. 
") Albi, 41 ) Lago di Celano. 42 ) Carsoli. * 3 ) Civita S. Angelo. ■») Ci- 
vita di Penna. 45 ) Monte bello. K ) Diesseits des Apennin. 

•") Ofena la Pagliana. 



270 Drittes Buch. 

nuni *) und Bovianum Undecumanorum. 2 ) Die Aufidena- 
ter 3 ), Eseminer 4 ), Fagifulaner 5 ) , Ficolenser, Säpinater 6 ), 
Tereventinater 7 ); im Lande der Sabiner die Amiterniner 8 ), 
Curenser 9 ), Forum Decii 10 ) Forum novum 11 ), die Fidena- 
ter 12 ), Interamnater 13 ), Nursiner 14 ), Nomentaner 15 ), Reati- 
ner 16 ), Trebulaner mit dem Beinamen Mutuscer 17 ) und Suffe- 
nater 18 ), Tiburter 19 ) , Tarinater. 20 ) In diesem Lande sind 
von den Aequiculern untergegangen: die Cominer, Tadiater, 
Cädicer und Alfaterner. Gellianus 21 ) berichtet, dass die mar- 
sische Stadt Archippa, welche von Marsyas, einem Anfüh- 
rer der Lydier erbauet war, vom See Fucinus Verseilungen 
sei 22 ); desgleichen schreibt Valerianus 23 ), dass die Kömer 
die Stadt der Viticiner im Picenischen zerstört hätten. Die 
Sabiner, welche, wie Einige glauben, wegen ihrer Frömmig- 
keit und ihrer heiligen Gebräuche Seviner u ) heissen, woh- 
nen an den velinischen Seen 25 ) auf thauigen Hügeln. Der 
Fluss Nar verdirbt durch seinen Schwefelgehalt ihr Wasser; 
er kommt vom Berge Fiscellus 26 ), stürzt sich bei den Hai- 
nen der Vacuna 27 ) und neben Reate in jene Seen, und 



') Bojano. 

-) Von der 11. Legion, aus welcher Soldaten hieher zur Gründung 
der Colonie geschickt wurden. 

3 ) Alfidena. 4 ) Isemia. 5 ) Tojana. 6 ) Sepino. '•) Trivento. 8 ) Ama- 
trice. 9 ) Correze. 10 ) Fara. ") Fornano. 12 ) Castel Giubileo. !3 ) Te- 
ramo. 14 ) Norcia. ,5 ) La Mentana. 16 ) Rieti. 

1T ) Monte Leone della Sabina. 

»») Trivigliano. 19 ) Tivoli. 20 ) Tarano. 21 ) Ein nicht weiter be- 
kannter Schriftsteller. « 

22 ) Spuren dieser Stadt finden sich noch in der Nähe des Ufers 
des Sees bei Trasacco. Man bemerkt sie bei niedrigem Wasserstande. 

23 ) Ebenfalls unbekannt. 

- A ) Von GsßtG&ai: verehren. 

25 ) Es gab deren zwei; der eine im Herzogthum Spoleto heisst 
jetzt Lago di Pie de Lugo, der andere im Reatinischen Lago di S. 
Susanna. 

26 ) Monte Fiscello bei der Stadt Civita reale. Der Fluss Nar 
heisst jetzt Velino bis nach Rieti, von da aber, wo er über den Seen 
hinaus ist, Nera. 

- 7 ) Die Göttin der Ruhe nach der Ernte; daher feierten ihr die 



Drittes Buch. 271 

führt, nach dem er sie verlassen hat, sein Wasser dem 
Tiber zu. Von der andern Seite her leitet der Anio *), wel- 
cher auf dem trebanischen Berge 2 ) entspringt, drei reizende 
Seen, von denen Sublaqueum 8 ) den Namen hat, in den Tiber. 
M. Varro sagt, dass der cutilische See 4 ) im reatinischen 
Gebiete, auf welchem eine Insel schwimmt, die Mitte von 
Italien sei. Unterhalb dem Lande der Sabiner liegt Latium, 
zur Seite Picenum und im Rücken Umbrien, indem die 
Bergrücken des Apenninus das Sabinerland auf beiden Sei- 
ten einschliessen. 

18. 
Der fünfte Besirk ist Picenum 5 ), einst ein sehr volk- 
reiches Land, denn 360,000 Picentiner schlössen mit den Rö- 
mern ein Bündniss. 6 ) Sie stammen von den Sabinern, in 
Folge eines angelobten heiligen Frühlings 7 ) ab. Sie wohnten 
am Flusse Aternus 8 ), da wo jetzt das adrianische Gebiet 
und die 6000 Schritte vom Meere entfernte Colonie Adria 9 ) 
liegt. Zu bemerken sind: der Fluss Vomanum 10 ), das prä- 
tutianische u ) und palmensische Gebiet; ferner Castrum no- 
vum 12 j, der Fluss Batinum 13 ), Truentum w ) mit dem Flusse 
gleichen Namens 15 ), der einzige Ort der Liburner, welcher 
in Italien noch übrig geblieben ist. Der Fluss Albula 16 ), 



Landleute im December ein Fest , das Vacunalia hiess. Sie hatte 
auch zu Rom einen Tempel. Die Römer erhielten ihren Dienst von 
den Sabinern. Ovids Fast. IV. 307. 

•) Teverone. 

2 ) Die Berge bei Trevi. 

-) Subiaco. 

'•) Lago di Contigliano. 

5 ) Abruzzo ulteriore und ein Theil der Mark Ancona. 

6 ) Nach ihrer Niederlage durch den Consul Publ. Sempronius 
268 v. Chr. 

7 ) Ein solches Gelübde gebot nicht nur, alle Erzeugnisse des 
Frühlings den Göttern zu weihen, sondern auch die mannbare Jugend, 
welche das Mutterland nicht ernähren konnte, zur Anlegung einer 
Colonie fortzuschicken. 

8 ) Pescara. 9 ) Atri. ,0 ) Vomano. u ) Teramo. n ) Giulia nova. 
13 ) Salinello. 14 ) Civitella del Tronto. ,s ) Tronto. 16 ) Aso. 



272 Drittes Buch. 

Tervium 1 ), mit dem das prätutianische Gebiet sich schliesst, 
und das picentische beginnt. Weiterhin folgt: die Stadt 
Cupra 2 ), Castellum Firmanorum 3 ) und darüber die Colonie 
Asculum 4 ), die berühmteste in Picenum. Im Innern des 
Landes liegt Novana 5 ); an der Küste Cluana 6 ), Potantia 7 ), 
Numana s ), welches von den Siculern erbauet ist. Eben- 
dieselben legten auch die Colonie Ancona an, die am Vor- 
gebirge Cunerum 9 ) da liegt, wo die Küste einen Ellbogen 
bildet, 183,000 Schritte vom Garganus entfernt. Im Innern 
des Landes wohnen die Auximater 10 ), Beregraner n ), Cin- 
gulaner 12 ), Cuprenser 13 ) mit dem Beinamen Montaner, Fa- 
larienser 14 ), Pausulaner 16 ), Planinenser 16 ), Ricinenser 17 ), Sep- 
tempedaner 1S ), Tollentinater 19 ), Trejenser 20 ), Urbesalvier 21 ) 
und Pollentiner. 

19. 
Hieran schliesst sich der sechste Bezirk, welcher 
Umbrien, nebst dem 'um Ariminum 22 ) belegenen gallischen 
Gebiete umfasst. Bei Ancona beginnt die gallische Küste, 
auch Gallia togata 23 ) genannt. Die Siculer und Liburner 
hatten den grössten Theil dieses Landstriches im Besitz, 
namentlich das palmensische, prätutianische und adrianische 
Gebiet. Sie wurden aber von den Umbrern, diese von den 
Etruriern und letztere wieder von den Galliern vertrieben. 
Die Umbrer werden für das älteste Volk Italiens gehal- 
ten, und man glaubt, dass sie deshalb von den Griechen 
Ombrier genannt sein, weil sie eine durch Regengüsse ver- 
ursachte Ueberschwemmung der Erde erlebt hätten. Die 
Thuscer sollen 300 ihrer Städte erobert haben. An der 



') Grotte a inare. 

2 ) Ruinen bei dem Dorfe Marano. 

3 ) Fermo. 4 ) Ascoli. 5 ) Monte di Nove. 

G ) An der Mündung des Chiento, wo jetzt Piano di S. Giacomo. 
7 ) Monte Santo. 8 ) Umana distrutta. 9 ) Monte Comero. I0 ) Osimo. 
u ) Monte Filatrano. ,2 J Cingoli. ,3 ) Ripatransone. 14 ) Falleroni. 
,ä ) Grotta Azzolino. i6 ) S. Ginesio. ,7 ) Ruinen bei Recanati. ,8 ) S. 
Severino. ,9 ) Tollentino. 20 ) Treja. -') Urbisaglia. 2 -) Rimini. 23 ) Oder 
cisalpina. 



Drittes Buch. 273 

Küste befindet sich der Fluss Aesis 1 ), Senagallia 2 ) , der 
Fluss Metaurus 3 ), die Colonien Fanum Fortuna 4 ), und Pi- 
saurum 5 ) mit einem Flusse 6 ) gleichen Namens. Im Innern 
liegen Hispellum 7 ) und Tuder. 8 ) Ausserdem wohnen dort: 
die Ameriner 9 ), Attidiater 10 ) , Asisinater n ), Arnater 12 ), Ar- 
sinater 1S ), Camerter 14 ), Casuentillaner 15 ), Carsulaner 16 ), Do- 
later mit dem Beinamen Salentiner, Fulginater 17 ), Foro- 
flaminienser 18 ), Forojulienser 19 ) mit dem Beinamen Concu- 
bienser, Forobrentaner 20 ), Forosompronienser 21 ), Iguviner 22 ), 
Interamnater oder Narter 23 ), Mevanater 24 ), Mevanionenser 25 ), 
Matilicater 26 ), Narnienser 27 ) , deren Stadt früher Nequinum 
hiess, Nuceriner 28 ) oder Favonienser oder Camelaner, Ocri- 
culaner 2!) ), Ostraner 30 ), Pitulaner 31 ), die zum Theil Pisuer- 
ter, zum Theil Mergantiner heissen, Pelestiner 32 ), Sentina- 
ter 33 ), Sarsinater 34 ), Spoletiner 35 ), Suasaner, Sestinater 36 ), 
Suillater 37 ), Tadinater 38 ), Trebiater 39 ), Tuficaner 40 ), Tifer- 
nater, welche in die Tiberiner 41 ) und Metaurenser 42 ) zer- 
fallen, Vessinicater 43 ), Urbinater, welche theils Metauren- 
ser 44 ), theils Hortenser 45 ) heissen, Vettonenser 46 ), Vindina- 
ter 47 ), Viventaner. 4S ) 

In dieser Gegend sind untergegangen: die Feliginater 
und die Völker, welche Clusiolum oberhalb Interamma inne 
hatten; auch die Sarranater mit den Städten Acerrä 49 ) oder 
Vafriä und Turocalum oder Vettiolum. Ferner die Solina- 
ter, Curiater, Fallienater und Apiennater. Auch die Arie- 
nater mit Crinovolum, die Usidicaner, Plangenser, Pisinater 



') Esio. 2 ) Sinigaglia. 3 ) Metaro oder Mitro. *) Fano. 5 ) Pesaro. 
*) Foglia. 7 ) Ispello oder Spello. ») Todi. 9 ) Amelia in Spoleto. 
,0 ) Attigio. ") Assisi. ,!i > Civitella d'Arno. 13 ) Jesi. !i ) Camerino. 
,5 ) Valle Casentino. ,6 ) Monte Castrilli. ,7 ) Foligno. 18 ) Forfiamma,. 
,9 ) Zugliano. *») Formigine. 2! ) Fossombrone. 22 ) Gubbio. 23 ) Terni. 
24 ) Bevagna. 25 ) Galeata. 26 ) Matelica. 21 ) Narni. 28 ) Nocera. 29 ) Otri- 
colo. 30 ) Orziano. 3 ») Pitigliano. 32 ) Piobbico. 33 ) Beim heutigen 
Sasso Ferrato. 3i ) Sarcina. 35 ) Spoleto. 36 ) Sestino. 37 ) Sigello. 
3 *) Gualdo. 39 ) Trevi. *>) Ficano. ") Tifi. 42 ) S. Angelo in Vado. 
a ) Badia del Vescova. 4i ) Urbaria. «) Urbino. 4i ) Bettona. 47 ) S. 
Venzano. 48 ) Cattolico. 

49 ) Lag an der Stelle des heutigen Anzola. 

18 



274 Drittes Buch. 

und Cälestiner. Nach Cato's Bericht ist das oben erwähnte 
Ameria 964 Jahre vor dem Kriege mit Perseus 1 ) erbauet. 

20. 

Der achte Bezirk wird von dem Ariminus 2 ), dem 
Padus und dem Apenninus begrenzt. An der Küste befin- 
det sich der Fluss Crustumium 3 ), die Colonie Ariminum 4 ) 
nebst den Flüssen Ariminus und Aprusa. 5 ) Hier ist auch 
der Fluss Rubico 6 ), der einst die Grenze von Italien bil- 
dete. Auf ihn folgen der Sapis 7 ), Vitis 8 ) und Anemo 9 ); 
Ravenna, eine Stadt der Sabiner, mit dem Flusse Bedesis 10 ) 
105,000 Schritte von Ancona entfernt. Unweit des Meeres 
liegt die umbrische Stadt Brutium. n ) Im Innern liegen die 
Colonien Bononia 12 ), Felsina genannt als sie noch Haupt- 
stadt von Etrurien war, Brixillum 13 ), Mutina 14 ), Parma, 
Placentia 15 ); die Städte Cäsena 16 ), Claterna 17 ), Farum Clo- 
dii 18 ), Forum Livii 19 ), Forum Popilii 20 ), Forum Truentinorum 21 ), 
Forum Cornelii s2 ) ; die Faventiner 23 ), Fidentiner 24 ) , Otesi- 
ner, Padinater 2 '°), Regienser 26 ) von Lepidus gegründet, So- 
lonater 27 ) und die gallianischen Salter, welche auch Aqui- 
nater heissen, die Tanetaner 28 ), Veleiater 29 ) oder alten Re- 
giater 30 ) und die Urbanater. 31 ) In diesem Lande sind die 
Bojer, welche nach Cato aus 112 Stämmen bestanden, und 
die Senoner, welche Rom erobert hatten 32 ), untergegangen. 

Der Padus 33 ) fliesst aus dem Schoosse des Berges Ve- 
sulus 34 ), einem der höchsten Gipfel der Alpen, an der 
Grenze der vagiennischen Ligurer, aus einer sehenswerthen 
Quelle 35 ) hervor, verbirgt sich dann in einem unterirdischen 



! ) Der Krieg mit Perseus begann 171 v. Chr.; er wurde 168 bei 
Pyclna geschlagen. 

2 ) Marcachia. 3 ) Conca. 4 ) Riniini. 5 ) Ausa. 6 ) Luso, nach An- 
dern der Pisatello. 7 ) Savio, auch Rio di Cesena genannt. 8 ) Mon- 
tone. 9 ) Lamone. 10 ) Renco. ") Bei Palazzuolo? I2 ) Bologna. 13 ) Bre- 
telo. w ) Modena. ,5 ) Piacenza. ,6 ) Cesena. n ) Maggio. 18 ) Fornochia. 
,9 ) Forli. 20 ) Forlimpopoli. 21 ) Bertinoro oder Brittonoro. - 2 ) Imola. 
23 ) Farenza, 24 ) Borgo S. Domino. 25 ) Schloss Bohdeno. 26 ) Reggio 
in Modena. 27 ) Citta del Sole. 28 ) Taneto. «•) Monte Veglio. ») Reg- 
giola. 31 ) Sapigno. 32 ) 390 v. Chr. 33 ) Po. 34 ) Viso. 35 ) Sie heisst 
"Visenda. 8. auch II. B. 106. Cap. 



Drittes Buch. 275 

Gange, und kommt im forovibiensischen Gebiete *) wiederum 
zum Vorschein. Er steht keinem andern Flusse an Be- 
rühmtheit nach. Bei den Griechen heisst er Eridanus und 
ist durch die Strafe des Phaeton 2 ) bekannt. Beim Aufgange 
des Hundssternes schwillt er vom Schneewasser an, allein 7 
obgleich er dann für Schiffe zu reissend ist, so nimmt er 
doch von den Aeckern nichts mit sich fort, sondern be- 
wässert sie nur und macht sie dadurch fruchtbarer. Er 
durchfliesst eine Strecke von 388,000 Schritten, nimmt 
nicht nur schiffbare Apennin- und Alpenflüsse, sondern 
auch ungeheure Seen in sich auf, und führt überhaupt 30 
Flüsse ins adriatische Meer. Die berühmtesten von diesen 
sind, auf der Seite des Apenninus: der Tanarus 3 ), Trebia 4 ) 
im Placentinischen, Tarus 5 ), Incias 6 ), Gabellus 7 ), Sculten- 
na 8 ) und Rhenus 9 ); von den Alpen her: der Stura, Orgus 10 ), 
die beiden Duria 11 ), der Sessites 12 ), Ticinus 13 ), Lambrus 14 ), 
Addua 15 ), Ollius 16 ) und Mincius. 17 ) Kein anderer Fluss 
erhält auf so kurzer Strecke einen grössern Zuwachs. Da- 
her presst sich seine Wassermasse stets vorwärts, wühlt in 
die Tiefe und wird dem Lande furchtbar, denn obgleich er 
zwischen Ravenna und Altinum 18 ) in mehrere Kanäle und 
Gräben auf eine Strecke von 120,000 Schritten abgeleitet 
ist, so soll er doch, wo er am weitesten austritt, 7 Meere 19 ) 
bilden. 

Ein schmaler Arm von ihm zieht sich nach Ravenna 
hin, der Padusa 20 ) heisst, früher aber Messanikus genannt 
wurde. Die nächste Mündung von da an bildet einen ge- 



') Pignerolo. 

-) Vergl. Ovid's Metamorph. II. Bd. 304. 
3 ) Tanaro. 

■) Trebbia. Hier fiel die berühmte Schlacht, 218 v. Chr., im 
zweiten punischen Kriege vor. 

5 ) Taro. °) Lenza. 7 ) Gavecello. 8 ) Panaro. 9 ) Reno. ,0 ) Orco. 

n ) Dora Baltea und Dora Ripera. 

,2 ) Sesia. !3 ) Tesino. M ) Lambro. ,5 ) Adda. ,ß ) Oglio. I7 ) Mincio 

,8 ) Altino. I9 ) Septem maria; siehe weiter unten. 

,2 °) Portp nuovo della Bajona. 

18* 



276 Drittes Buch. 

räumigen Hafen l ), der Vatreni 2 ) heisst, aus dem der Kai- 
ser Claudius, als er siegreich aus Britannien zurückkehrte 3 ), 
in einem sehr grossen Schiffe, das mehr einem Hause 
glich, ins adriatische Meer auslief. Ehemals hiess sie die 
eridanische Mündung, nach Andern die spinetische von der 
Stadt Spina, welche daneben lag, von Diomedes erbauet 
war, und, wie man aus den zu Delphi befindlichen Schätzen 4 ) 
schliesst, viel Keichthum besass. Hier erhält der Padus 
durch den Fluss Vatrenus, welcher aus dem forocornelien- 
sischen Gebiete 5 ) kommt, neuen Zuwachs. 

Die dann kommende Mündung heisst Caprasiä 6 ), die 
folgende Sagis, und endlich Volane 7 ), früher Olane genannt. 
Alle diese Kanäle und Gräben haben, von Sagis aus, die 
Thuscer zuerst gemacht, indem sie den heftigeu Strom quer 
durch die atrianischen Sümpfe, welche die 7 Meere genannt 
werden, nach dem berühmten Hafen der thuscischen Stadt 
Atria 8 ) leiteten. Von dieser Stadt hiess das Meer, welches 
wir jetzt das adriatische nennen, vormals das atriatische. 

Nun folgen 9 ) die wasserreichen Mündungen Carbo- 
naria 10 ) und die philistinischen Teiche 11 ), die auch der 
Tartarus genannt werden. Sie entstehen sämmtlich durch 
den Austritt des philistinischen Kanals 12 ), wozu noch die 
Flüsse Athesus 13 ) von den trideutinischen Alpen und Togi- 
sonus 14 ) aus dem patavinischen Gebiete kommen. Ein Theil 
dieser Gewässer bildet den nächsten Hafen Brundulum 15 ), 



') Porto di Primaro. 

"-) Vom Flusse Vatrenus (Santerno), welcher in diesen Arm des 
Po fallt. 

3 ) 44 v. Chr. 

4 ) Die von den Spinetern dorthin geschenkt waren. 

5 ) Imola. 

6 ) Die Stelle von dieser und der jetzigen Mündung nehmen jetzt 
die stagni di Comachio ein. Nur eine Mündung findet sich noch da- 
selbst, welche Porto di magnavacca heisst, die andere ist versandet. 

7 ) Porto di Volano. 8 ) Adria. ») Nördlich. 

,0 ) Bocca detta la Maestra. ») Porto di Pozzatini. '*-) Polosella. 
»») Et seh. •<) Concone Togna. ,s ) Brondolo. 



Drittes Buch. 277 

sowie die beiden Medoacischen Flüsse *) und der clodiscbe 
Kanal den Edro 2 ) bilden. Mit diesem vereinigt sieb der 
Padus und dureb diese Mündungen ergiesst er sich. Die 
Meisten glauben, er bilde, gleichwie der Nil in Egypten 
das Delta, ein Dreieck von 2000 Stadien im Umfange. So 
sehr ich mich schäme, bei der Beschreibung Italiens von 
den Griechen etwas zu entlehnen, so muss ich doch anfüh- 
ren, dass Metrodorus von Scepsis 3 ) behauptet, der Padus 
habe seinen Namen von den Fichten, welche in grosser 
Menge an seiner Quelle wachsen, und in der gallischen 
Sprache Padi heissen, erhalten. In der Sprache der Li- 
gurer heisst er Bodincus, was seine fast grundlose Tiefe 
andeutet. Diess erweist sich durch die dort liegende Stadt 
Industria 4 ), welche vormals Bodincomagum hiess, und in 
deren Nähe der Padus sehr tief zu werden beginnt. 

21. 
Der jetzt folgende elfte Bezirk heisst der transpa- 
d an i sehe 5 ); er liegt ganz im Innern des Landes und vom 
Meere wird ihm alles durch diesen fruchtbaren Strom zu- 
geführt. Städte darin sind: Vibi Forum 6 ) und Segusio. 7 ) Co- 
lonien am Fusse der Alpen: Augusta Taurinorum 8 ), von 
einem alten Stamme der Ligurer gegründet; hier wird der 
Po schiffbar. Dann Augusta Prätoria 9 ) im Lande der Sa- 
lasser, neben den Alpenpässen Grejä 10 ) und Peniä. 11 ) Durch 
letztern sollen die Carthaginienser, durch erstem aber Her- 
kules gegangen sein. Die Stadt Eporedia 12 ), vom römischen 
Volke durch einen Befehl der sibyllinischen Bücher erbauet. 
Die Gallier halten die Eporedier für gute Reiter. Vercella 
Libicorum 13 ) ist von den Salluviern erbauet, Novaria 14 ) 
von den Vertacanacoren und gehört jetzt zum Distrikte der 

*) Die Brenta und Bacchiglione. -) Porto di Chioggia. 
:1 ) Lebte im zweiten Jahrh. v. Ohr. 

Yerrua. 5 ) Jenseits des Po. 8 ) Castel Fiori. ") Suse. 
8 ) Turin. 9 ) Aosta. 

,0 ) Zwischen dem Mont Iseran und Mont Blanc. 
n ) Zwischen dem Mont Blanc und dem grossen St. Bernhard. 
vi ) Ivrea. I3 ) Vercelli. 14 ) Novara. 



278 Drittes Buch. 

Vocontier, nicht, wie Cato glaubt, zu dem der Ligurer. 
Die Lavier und Maricier aus dem Stamme der Ligurier 
haben in der Nähe des Padus Ticinum 1 ) erbauet, sowie 
die Bojer, welche über die Alpen gereist waren, Laus Pom- 
peja 2 ), und die Insubrer Mediolanum 3 ) baueten. Cato giebt 
an, dass die Bewohner vonComum 4 ), Bergamum 5 ) und Li- 
ciniforum 6 ) und andere Völker jener Gegend von den 
Orobiern herstammten, gesteht aber, dass er den Ursprung 
dieses Volkes nicht kenne, wogegen Cornelius Alexander 7 ) 
sie aus Griechenland abstammen lässt, weil ihr Name so- 
viel als Bergbewohner bedeute. 

In dieser Gegend sind verschwunden: Die orobische 
Stadt Barra, woher nach Cato die Bergomater abstammen, 
doch soll nach ihm Barra eine höhere und glücklichere 
Lage gehabt haben; ferner die Caturiger, ein verbannter 
Stamm der Insubrier, das oben genannte Spina, auch das 
reiche Melpum, welches nach Cornelius Nepos von den 
Insubriern, Bojern und Senonen an demselben Tage zerstört 
ist, an welchem Camillus 8 ) Veji einnahm. 

22. 

Nun folgt der zehnte, am adriatischen Meere belegene 
Bezirk. Zu ihm gehört: Venetia, der von dentarvisonischen 9 ) 
Bergen kommende Fluss Silis 10 ), die Stadt Altinum, der auf 
den opiterginischen Bergen entspringende Fluss Liquentia 11 ), 
mit einem Hafen desselben Namens, die Colonie Concor- 



! ) Pavia. 8 ) Lodi. 3 ) Mailand. '') Como. 
B ) Bergamo. 6 ) Barlasina. 

7 ) Von Kotyaeum in Phrygien oder (nach Suidas) von Milet, 
griechischer Schriftsteller um 84 v. Chr., war Sclave des Cornelius 
Leutulus, der ihm die Freiheit schenkte. Er nannte sich deshalb 
auch Cornelius, und seiner ausgebreiteten Kenntnisse wegen hiess er 
Polyhistor. Kam im Brande seines Hauses um. 

8 ) 395 v. Chr. S. Livius V. 19. Die Stadt wurde später wieder 
aufgebauet und heisst jetzt Melzo. 

») Bei Treviso. 

,0 ) Sile, an dessen Ufern die Ruinen von Altinum liegen. 

") Liven/.a. 



Drittes Buch. 279 

dia *), die Flüsse und der Hafen Romatinum 2 ), die Flüsse 
Tilaventum majus 3 ) und minus 4 ), Anaxum 5 ), in welchen 
der Varranus 6 ) fliesst, der Alsa 7 ), Natiso 8 ), der nebst 
dem Turms 9 ) vor der 15,000 Sehritte vom Meere entfern- 
ten Colonie Aquileja vorbeifliesst. Diesen Landstrich be- 
wohnen die Carner, und den angrenzenden die Japyder; 
hier ist zu bemerken : der Fluss Timavus 10 ), das durch sei- 
nen Wein berühmte Castell Pucinum 11 ), der tergistinische 
Busen 12 ), die Colonie Tergeste 13 ), 23,000 Schritte von Aqui- 
leja entfernt. Ueber 6000 Schritte weiter und 189,000 
Schritte von Ravenna fiiesst der Formio u ), die ehemalige 15 ) 
Grenze des vergrösserten Italiens, jetzt aber die von Istrien. 
Istrien hat seinen Namen von dem Flusse Ister 16 ), von 
welchem Mehrere, unter andern auch Nepos, der doch am 
Padus wohnte, behaupten, dass er aus dem Danubius, der 
auch Ister heisst, den Mündungen des Padus gegenüber, ins 
adriatische Meer fliesse, und dass durch den von beiden 
entgegengesetzten Seiten kommenden Andrang dieser Flüsse 
das dazwischen liegende Meer süss sei; allein sie irren 
hierin, denn kein Arm ergiesst sich aus dem Danubius ins 
adriatische Meer. Ich glaube, sie haben sich dadurch täu- 
schen lassen, dass das Schiff Argo auf einem Flusse unweit 
Tergeste, dessen Namen man aber nicht weiss, ins adria- 
tische Meer fuhr. Genaueren Nachrichten zufolge wurde es 
auf den Schultern über die Alpen getragen, dann auf dem 
Ister, dem Savus 17 ) und Nauportus 18 ), der davon seinen 
Namen hat und zwischen Aemona 19 ) und den Alpen ent- 
springt, weiter gefahren. 



1 ) Oderzo am Livenza. 

2 ) Die Flüsse heissen jetzt: Lemene und Regene. Der Hafen: 
Oruaro. 

3 ) Taglianiento. 4 ) Tajamento. 5 ) Stella. 6 ) Muzonela. 7 ) Ansa. 
«) Natisone. 9 ) Torre. 10 ) Timuvo. ») Duina, ,2 ) Golfo de Trieste. 

,3 ) Triest. M ) Risano. 
a ) Vor Augusts Eintheilung. 

,G ) Ister war der griechische. Danubius der römische Name 
der Donau. 

' 7 ) Die Sau. '») Laybach. ,9 ) Laybach. 



280 Drittes Buch. 

■ 23. 

Istrien läuft in eine Halbinsel aus. Seine Breite beträgt 
40,000, sein Umfang aber, wie Einige angeben, 125,000 Schritte. 
Ebenso verhält es sich mit dem angrenzenden liburnischen 
und dem flanatischen Meerbusen 1 ), während Andere deren 
Grösse zu 225,000 Schritten angeben. Nach Einigen soll die 
Grösse Liburniens 180,000 Schritte betragen; noch Andere 
sagen, Japydien ziehe sich hinter Istrien bis zum flanatischen 
Meerbusen auf 130,000 Schritte hin. Tuditanus 2 ), der die 
Istrier unterjochte, schrieb aufseine dort aufgestellte Bildsule: 
„Von Aquileja bis zum Flusse Titius 3 ) siud 1000 Stadien." 
Istrische Städte mit römischem Bürgerrechte sind Aegida 4 ) 
und Parentium 5 ); die Colonie Pola 6 ), welche jetzt Pietas 
Julia heisst, wurde von den Colchiern gegründet; von Ter- 
geste ist sie 100,000 Schritte entfernt. Nicht weit davon 
liegt die Stadt Nesautium 7 ), und dann folgt als Grenze von 
Italien der Fluss Arsia. 8 ) Der Seeweg von Ancona nach 
Pola beträgt 120,000 Schritte. 

Im Innern des zehnten Bezirkes liegen die Colonien: 
Cremona und Brixia 9 ) im Gebiete der Cenomaner; in dem 
der Venetier aber Ataste 10 ) und die Städte Acelum n ), Pa- 
tavium 12 ), Opitergium 13 ), Belunum 14 ) und Vicetia. 15 ) Man- 
tua ist noch die einzige den Thuscern gebliebene Stadt jen- 
seits des Padus. Nach Cato stammen die Veneter von 
einem trojanischen Stamme, ferner haben, nach ihm, die 
Cenomaner früher bei Massilien im Volcischen gewohnt. 
Nun folgen die Fertiner 16 ), Tridentiner 17 ) und Beruenser, 
welche in rhätischen Städten wohnen. Verona gehört den 
Rhätiern und Euganeern, sowie die Julienser zu den Carnern. 
Andere Völker, von denen wir indessen keine nähere Be- 



') Golfo di Quarnero. 

2 ) Sempronius Tuditanus, ein römischer Feldherr im zweiten pu- 
nischen Kriege, triumphirte im Jahre 228 v. Chr. über die Istrier. 

3 ) Kerka. 4 ) Capo d'Istria. 5 ) Parenzo. 6 ) Pola. 7 ) Refonzi. 8 ) Arsa. 
») Brescia. 10 ) Este. ") Asolo. 12 ) Padua. 13 ) Oderzo. ") Belluno. 
,s ) Vicenza, ,6 ) Feltre. ») Triente. 



Drittes Buch. 281 

Schreibung beizufügen brauchen, sind: die Alutenser 1 ), Asse- 
riater 8 ), Flamonienser, von denen ein Theil Vanienser 3 ), ein 
anderer Culicer 4 ) heisst, die Forojulienser 5 ) mit dem Bei- 
namen Transpadaner, die Foretaner 6 ), Nedinater 7 ), Quar- 
quener 8 ), Taurisamer, Togienser und Vervarer. Unterge- 
gangen sind in diesem Distrikte längs der Küste: Iramina, 
Pellaon, Palsatium; bei den Venetern Atina und Cälina, 
bei den Carnern Segeste 9 ) und Ocra, und bei den Tauris- 
cern Noreja. 10 ) 12 Meilen 11 ) von Aquileja ist, wie L. Piso 
berichtet, eine Stadt von Claudius Marcellus, wider den 
Willen des Senats, zerstört worden. Es giebt hier auch 11 
berühmte Seen, aus denen entweder Flüsse entspringen, 
oder die von Flüssen durchströmt werden, wie der See 
Larius 12 ) von der Addua 13 ), der Verbanus 14 ) von dem Tici- 
nus 15 ), der Benacus 16 ) von dem Mincius 17 ), der Sebinus 18 ) 
von dem Ollius 19 ), der Eupilis 20 ) von dem Lambrus 21 ); alle 
diese Flüsse aber ergiessen sich in den Padus. 

Die Alpen sollen sich, nach Cälius, 22 ), der Länge nach 
vom obern 23 ) bis zum untern 24 ) Meere auf eine Million Schritte 
erstrecken. Timagenes 25 ) nimmt 22,000 Schritte weniger 
an; ihre Breite beträgt nach Cornelius Nepos 100,000 
Schritte, nach T. Livius 3000 Stadien. Beide gehen aber 



') Lodrone. -i Ruinen bei Benkovac. 3 ) Venzona. 

4 ) Flagogna. 5 ) Friaul. 6 ) Fortino. 

7 ) Nadin. 8 ) Görz. 

9 ) An dessen Stelle jetzt Alt-Sissek. 

,0 ) An dessen Stelle jetzt Friesach. 

n ) lapides. I2 ) Lago di Como. 

I3 ) Adda. M ) Lago maggiore. ,5 ) Tessin. 16 ) Lago di Garda. 

") Mincio. I8 ) Lago d'Iseo. ,9 ) Oglio. 

M ) Lago di Pusiano. -') Lambro. 

- 2 ) L. Caelius Antipater, gegen 20 v. Chr., beschrieb unter den 
Römern zuerst den zweiten punischen Krieg. 

w ) Adriatischen. M ) Etrurischen. 

") Von Alexandrien, verlor bei der Eroberung seiner Vaterstadt 
durch die Römer (55 v. Chr.) seine Freiheit, und kam durch Kauf an 
Faustus, Sulla's Sohn, der ihn freigab. Seine Schriften sind nicht 
mehr vorhanden. 



282 Drittes Buch. 

von verschiedenen Orten aus; denn da, wo die Alpen 
Deutsehland von Italien trennen, übersteigt ihre Breite mit- 
unter 100,000 Schritte, während sie an ihren schmalen 
Stellen, gleichsam durch eine Vorsorge der Natur, niemals 
70,000 Schritte breit sind. Die Breite Italiens am Fusse 
der Alpen vom Varus an über Vada Sabatia, Taurinum, 
Comum, Brixia, Verona, Vicetia, Opitergium, Aquileja, Ter- 
geste und Pola bis zur Arsia beträgt 745,000 Schritte. 

. 24. 
In den Alpen wohnen viele Völker, die berühmtesten 
aber von Pola bis zum Gebiete von Teigeste sind : die Se- 
cusser x ), Subocriner, Cataler, Merocalener, und in der Nähe 
der Carner die Noricer 2 ), welche früher Tauriscer hiesseu. 
An diese grenzen die Rhätier 3 ) und Vindelicier 4 ), welche 
alle in viele Gemeinden getheilt sind. Man hält die Rhä- 
tier für Abkömmlinge der Thuscer, welche mit ihrem An- 
führer Rhätus von den Galliern vertrieben sind. Auf der 
andern gegen Italien gerichteten Seite der Alpen wohnen 
die euganeischen Völker mit lateinischen Rechten, deren 
Städte Cato zu 34 angiebt. Darunter: die Triumpiliner 5 ), 
welche sich sammt ihrem Gebiete (an die Römer) verkauft 
haben, die Camuner 6 ), die nebst mehreren ähnlichen Stäm- 
men zu den angrenzenden Municipal-Städten gehören. Cato 
hält die Lepontier 7 ) und Salasser 8 ) für tauriscischen Ur- 
sprungs. Die übrigen Schriftsteller halten, in Folge ihres 
griechischen Namens 9 ), die Lepontier für Begleiter des 
Herkules, welche beim Uebergange über die Alpen die Glie- 
der erfroren hätten und zurückgeblieben wären; bei dem- 
selben Zuge sollen auch die Grajer gewesen sein, welche 
die grajischen Alpen bewohnen, und die Euganeer, welche 
wegen ihrer edlen Abkunft diesen Namen 10 ) erhielten. Ihr 
Hauptort heisst Stoenos. n ) Von den Rhätiern wohnen die 



*) Auf dem Berge Cocusso. -) S. im 27. Cap. 3 ) In Graubündten. 
4 ) Vom Bodensee bis zum Inn. 5 ) Val Trompio. 6 ) Val Camo- 
nico. 7 ) Val Leventina. 8 ) La Sala. 9 ) Von ksineiv : zurücklassen. 
,0 ) Evyfvsig; Wohlgeboren. ") Storo. 



Drittes Buch. 283 

Vennoneter und Saruneter an den Quellen des Rheines, 
und diejenigen von den Lepontiern, welche Viberer heissen, 
auf demselben Alpenzuge an der Quelle des Rhodanus. 
Ausserdem haben noch folgende Völker lateinische Rechte: 
die Octodurenser *), die benachbarten Centronen 2 ), die 
cottianischen 3 ) Gemeinden, die Caturiger 4 ) und deren Ab- 
kömmlinge die ligurischen Vagienner 5 ) die auch Montaner 
heissen; ferner mehrere Stämme der Capillater, welche am 
ligustischen Meere wohnen. 

Es scheint mir nicht unpassend zu sein, hier eine In- 
schrift beizufügen, welches auf einem Siegesdenkmal in den 
Alpen steht; sie lautet folgendermaassen : 

Dem Imperator Caesar, dem Sohne des gött- 
lichen Augustus, dem Pontifex maximus, dem 
vierzehnmaligen Tribun] der Senat und das rö- 
mische Volk, weil unter seiner Anführung alle 
Alpenvölker vom obern bis zum untern Meere 
unter die Herrschaft des römischeu Volkes ge- 
bracht sind. Die besiegten Alpenvölker sind: 
die Triumpiliner 6 ), Camuner 7 ), Vennonenser 8 ), 
Venoster 9 ), Isarcer 10 ), Breuner 11 ), Genauner 12 ), Fo- 
runater 13 ), 4 Stämme der Vindelicier, die Con- 
suaneter 14 ), Rucinater 16 ), Licater 16 ), Catenater 17 ), 
Ambisonter 18 ), Ruguscer 19 ), Suaneter 20 ), Caluco- 
ner 21 ), Brixenter 22 ), Lepontier 23 ), Viberer 24 ), Nan- 



') Martinacli. '-) Centron. 

3 ) Sie hatten ihren Namen vom König Cottus, einem Freunde 
August's, und wohnten an den Quellen des Var und der Stura bis 
zum Mont Iseran. 

4 ) Um Chorges. 

5 ) An der Ostseite der Alpen, am ersten Laufe des Po. 

6 ) Val Trompio. 7 ) Val Camonico. 
8 ) Wangen. 9 ) Vinstgau. 

,0 ) An der Eisach. ") Brunecken. 12 ) Val Non. ,3 ) Vocogna. 
") Venzingen. ,5 ) Rusi. 16 ) Am Lech. n ) Kettenacker. 
,8 ) Sontrio. 19 ) Rüsseck. *») Sanen. 2l ) Catankathal. * 2 ) Brixen. 
23 ) Val Laventina. - 4 ) Vispach. 



284 Drittes Buch. 

tuater x ), Seduner 2 ), Varagrer 3 ), Salasser 4 ), Aci- 
tavoner 5 ), Meduller 6 ), Ucener 7 ), Caturiger 8 ), Bri- 
gianer 9 ), Sagiontier 10 ), Brodiontier, Nemaloner 11 ), 
Edenater 12 ), Esubianer 13 ), Veaminer u ), Galliter 15 ), 
Triulatter 16 ), Ectiner 17 ), Vergunner 18 ), Eguitu- 
rer 19 ), Nementurer, Orateller 20 ), Neruser 21 ), Ve- 
launer 22 ), Suetrer 23 ). 

Die zwölf cottianisclien Gemeinden, welche nicht fried- 
lich gesinnt waren, sind darin nicht aufgeführt, ebensowenig 
die, welche nach dem pompejischen Gesetze 24 ) zu den Muni- 
cipial-Städten gerechnet werden. 

Diess ist das den Göttern heilige Italien. Diess sind 
seine Völker und Städte! Und eben diess Italien hat, als 
unter den Consuln L. Aemilius Paulus und C. Attilius Re- 
gulus 25 ), die Kunde von einem Aufstande der Gallier an- 
langte, ohne alle auswärtigen Mittel, ja sogar ohne die 
transpadanischen, 80,000 Reiter und 700000 Mann zu Fuss 
bewaffnet. An Reichthum von Metallen aller Art steht es 
keinem andern Lande nach; allein durch einen alten Se- 
natsbeschluss ist befohlen, Italiens in dieser Beziehung zu 
schonen. 

25. 
Von der Arsia bis zum Titius 86 ) wohnt das Volk der 
Liburnier. Ein Theil desselben waren die Mentoren, Hy- 
maner, Encheleer, Bunier und die, welche Callimachus 27 ) Peu- 

') Am obern Laufe des Rheins. 

2 ) Sitten. 3 ) Vernayes. 4 ) La Sala. 5 ) St. Jean de Maurienne. 

6 ) Die ehemalige Baronie Menouillon , in dem jetzigen Bezirk 
Montelimart. 

7 ) Bourgs d'Oisans. 8 ) Um Charges. 9 ) Briancon. ,0 ) Sauze. 
") Meolan. ,2 ) Ville de Seyne. ,3 ) Ubaye. 14 ) Senez. 

15 ) Guillitres. ,6 ) Alloz. ,7 ) Estene. ,8 ) Vergons. ,9 ) Guillaumes. 
-°) Le Puget de Thenieres. 2t ) Vence. 
*«) Valdahon. 23 ) Serres. 

24 ) Vom Jahre 89 v. Chr.; es ertheilte den Italiern und cispada- 
nisehen Galliern das römische Bürgerrecht. 

25 ) 225 v. Chr. 26 ) Kerka. 

27 ) Battiades aus Cyrene, um 280 v. Chr., Grammatiker zu 
Alexandrien. 



Drittes Buch. 285 

ceter nennt; jetzt fasst man das Ganze mit dem Namen 
Illyrien zusammen, von deren Völkern nur wenig bemer- 
kenswerthes zu sagen ist, oder deren Namen nicht leicht 
auszusprechen sind. In dem scardonitanischen Kreise woh- 
nen die Japyder und 14 Gemeinden der Liburner, unter 
denen man allenfalls die Lacinienser *), Stulpiner 2 ), Bur- 
nister 3 ) und Olbanenser anführen kann. Zu demselben 
Kreise gehören auch die Aluter 4 ) und Flanater 5 ), mit ita- 
lischem Bürgerrechte, nach denen auch der Meerbusen 6 ) 
benannt ist; dieLopser 7 ), Varvariner 8 ) , und die abgaben- 
freien Assesiater 9 ), und auf den Inseln die Fertinater 10 ) 
und Curicter. 11 ) 

Ausserdem liegen längs der Küste von Nesactium 12 ) 
an: Alvona 13 ), Fianona 14 ), Tarsatica 15 ), Senia 16 ), Lopsica 17 ), 
Ortopula 18 ), Vegium 19 ), Argyruntum 20 ), Corinium 21 ), Aeno- 
na 22 ), Pasinum, der Fluss Tedanium 23 ), an der Grenze von 
Japydien. Inseln in diesem Busen mit ihren Städten sind 
ausser den obengenannten 24 ): Absyrtium 25 ), Arba 26 ), Crexa 27 ), 
Gissa 28 ), Portunata. 29 ) Wiederum auf dem Festlande: die 
Colonie Jadera 30 ), von Pola 160,000 Schritte weit; von da 
bis zur Insel Colantum 31 ) sind 30,000, und bis zur Mündung 
des Titius 18,000 Schritte weiter. 

26. 

An der Stelle, wo Liburnien aufhört und Dalmatien 
beginnt, liegt 12,000 Schritte vom Meere entfernt an dem- 
selben Flusse 32 ) Scardona. Dann folgen: das alte Gebiet 
der Autarieter und das Castell Tariona 33 ); das Vorgebirge 



') Lakza. -) Sluin. 

3 ) Ruinen in der Nähe des Eerka. 

*) Um Albona. 5 ) Fianona. 6 ) Golfo di Quarnero. 7 ) Um Gospich. 

8 ) Verbovsko. 9 ) Ruinen bei Benkovacz. 10 ) Parwich. 

») Karek. > 2 ) Refonzi. ») All>ona. ■*) Fianona. ,5 ) Tersact. 

,6 ) Zengg. 17 ) Gospich. I8 ) Stangrad. 19 ) Vezzo. 

-°) Ruinen bei Obrivacz. 2l ) Karin. --) Nona. 23 ) Zermanja. 

24 ) Fertinater und Curicter. 25 ) Osero. 2G ) Arbe. -') Grossa. 

' 28 ) Gisto. 29 ) Puntadura. 30 j Zara vecchia. 3t ) Mortera. 

32 ) Titius. 33 ) Alt-Sebenico. 



286 Drittes Buch. 

des Diomedes 1 ), oder, wie andere wollen, die Halbinsel 
Hyllis genannt, 100,000 Schritte im Umfange; Tragurium 2 ), 
mit römischem Bürgerrechte, berühmt durch seinen Marmor ; 
Sicum 3 ), wohin der Kaiser Claudius die Veteranen schickte; 
die Colonie Salona 4 ), 112,000 Schritte von Jadera entfernt. 
Zu ihrem Gerichtsbezirke gehören die Dalmatier mit 342 
Decurien, die Deuricer mit 32, die Ditioner mit 239, die 
Mazäer mit 69 und die Sardiater mit 82 Decurien. Auch 
liegen in diesem Landstriche: Burnum, Andetrium und Tri- 
bulum, drei durch die Schlachten des römischen Volkes 5 ) 
berühmt gewordene Castelle. Von den Inselbewohnern ge- 
hören die Issäer 6 ), Colentiner 7 ), Separer und Epetiner 
ebenfalls zu diesem Gerichtshofe. Dann folgen die Castelle 
Piguntiä 8 ) und Rataneum. 9 ) Die Colonie Naroua 10 ) gehört 
zum dritten Gerichtsbezirke und liegt an dem gleichnamigen 
Flusse 11 ), 32,000 Schritte von Salona und 20,000 Schritte 
vom Meere entfernt. Nach M. Varro haben früher 89 Ge- 
meinden dort ihre Rechtssachen verhandelt. Jetzt kennt 
man fast nur noch die Ceraunier mit 24, die Daorizer 12 ) 
mit 17, die Däsitiater mit 103, die Docleater 13 ) mit 33, die 
die Deratiner mit 14, die Deremister 14 ) mit 30, die Dinda- 
rer mit 33, die Glinditioner 15 ) mit 44, die Malcomaner mit 
24, die Naresier 16 ) mit 102, die Scirtarer mit 72, die Sicu- 
loter mit 24 und die Vardäer 17 ), die ehemaligen Verwüster 
Italiens, mit nicht mehr als 20 Decurien. Ausser diesen 
wohnten noch in demselben Landstriche: die Ozuäer, Par- 
thener, Hemasiner, Arthiter uud Armister. Die Colonie 
Epidaurus 18 ) liegt 100,000 Schritte vom Flusse Naro 19 ) ent- 
fernt. Von Epidaurus an folgen die Städte mit römischem 



') Trau Vecchio. 2 ) Trau. 3 ) Sebenigo. *) Spalatro. 

5 ) In dem Kriege gegen die Dalmatier und Pannonier unter Au- 
gust' s Regierung, 7 n. Chr. Die römischen Feldherrn waren Tiberius 
und Germanikus. 

6 ) Lissa. 7 ) Mortera. 8 ) Pogosnitza. °) Rudunich. 

'°) Ruinen bei Vido. n ) Narenta. ,2 ) Dobor. 13 ) Dognidalaz. 

14 ) Dernich. 15 ) Glinbigne. 1C ) Narentoa. 

,: I Am Berge Verdovacz. 18 ) Ragusi vecchio. ,9 ) Narenta. 



Drittes Buch. 287 

Bürgerrechte: Rhizinium 1 ), Ascrivium 2 ), Butua 1 ), Olchinium 4 ), 
welches von den Colchern erbauet ist und früher Colchi- 
nium hiess; der Fluss Drilo 5 ) und an ihm die Stadt Scodra 6 ) 
mit römischem Bürgerrechte, 17,000 Schritte vom Meere. 
Von vielen griechischen Städten und mächtigen Ortschaften 
ist kaum das Andenken noch vorhanden; denn hier wohn- 
ten meist die Labrater 7 ), Enderoduner 8 ), Sassäer 9 ), Gra- 
bäer 10 ), die eigentlichen Illyrier 11 ), die Taulantier 12 ) und 
Pyräer. Das an der Küste belegene Vorgebirge Nym- 
phäum 13 ) hat seinen Namen behalten. Die Stadt Lästus 14 ) 
mit römischem Bürgerrechte liegt von Epidaurus 100,000 
Schritte entfernt. 

Bei Lissus beginnt die Provinz Macedonien, worin: die 
parthinischen Völker 15 ), und hinter diesen die Dassareter 16 ) ; 
die candavischen Berge 17 ), 78,000 Schritte von Dyrrachium. 
An der Küste aber liegt Denda mit römischem Bürgerrechte, 
die Colonie Epidamnum 18 ), wegen ihres unglücklichen Na- 
mens 19 ) von den Römern Dyrrachium genannt; der Fluss 
Aous 20 ), von Einigen Aeas genannt, Apollonia 21 ), eine ehe- 
malige Colonie der Corinther, 4000 Schritte vom Meere. 
Den berühmten Berg Nymphäum 22 ) an der Grenze des Ge- 
biets bewohnen die rohen Amanter 23 ) und Bulioner. 24 ) An 
der Küste liegt noch die von den Colchern erbauete Stadt 
Oricum. 25 ) Hier fängt Epirus an und die acroceraunischen 
Berge 26 ), welche wir als die Grenze dieses Hauptbusens 

') Pisano. 2 ) Andricz. 3 ) Buclua. 4 ) Dulcigno. 
5 ) Drino. 6 ) Skutari. 

7 ) Uiu Scodra. Einen König dieses Stammes, Namens Gentius r 
erwähnt Livius im XLIII. B. 20. Cap. 

8 ) Um C. Roduni. 9 ) Um Vassoewitz. 10 ) Um Grabovo. 
n ) Zwischen den Flüssen Narenta und Drino. 

'*) Diesen gehörten die Städte Apollonia und Dyrrachium. 

13 ) Nimfio. u ) Alessio, die Residenz des Gentius. 

1J ) Im Sandshak Ochri. ,6 ) Am See von Ochri. 

17 ) Im Sandshak Ilbessan. 18 ) Durazzo. 

I0 ) Abgeleitet von damnum: Schaden. 20 ) Vojuza. 21 ) Polina. 

--) Im Sandshak Avlona. S. auch II. B. 110. Cap. 23 ) Avostma.- 

21 ) Boklin. 25 ) Ericho. 26 ) Monte Chimaera, 



288 Drittes Buch. 

von Europa bezeichnet haben. Oricum ist vom salentinischen 
Vorgebirge 1 ) in Italien 80,000 Schritte entfernt. 

27. 
Hinter den Carnern und Japyden, da, wo der grosse 
Ister fliesst, grenzen an die Rhätier die Noricer. 2 ) Die 
Städte der letzteren sind: Virunum 3 ), Celeja 4 ), Teurnia 5 ), 
Aguntum 6 ), Vianiomina 7 ) , Claudia 8 ) und Flaviuni Sol- 
vense 9 ) An Noricum grenzt der See Peiso 10 ) und die 
Wüste der Bojer, die jedoch jetzt durch die Colonie Saba- 
ria 11 ) des Kaisers Claudius, und die Stadt Scarabantia 
Julia 12 ) bevölkert ist. 

28. 
Nun folgt das Eicheln erzeugende Pannonien 13 ), wo die 
wilder werdenden Zweige der Alpen, welche Illyrien von 
Norden nach Süden mitten durchschneiden, sich links und 
rechts sanft abdachend in die Ebene übergehen. Der nach 
dem adriatischen Meere zu liegende Theil bildet Dalmatien 
und das oben beschriebene Illyrien. Nach Norden zu liegt 
Pannonien und wird daselbst vom Danubius begrenzt. Die 
darin befindlichen Colonien heissen Aemonia 14 ) und Siscia. 15 ) 
Berühmte schiffbare Flüsse, welche in den Danubius fallen, 
sind: der wilde Dravus 16 ) aus Noricum und der sanfte 
Savus 17 ), von den carnischen Alpen kommend, beide 120,000 
Schritte von einander entfernt. Der Dravus fliesst durch 
die Länder der Serreter 18 ), Serrapiller 19 ) , Iaser 20 ), Andi- 
zeter 21 ), der Savus durch die der Colapianer 22 ) und Breucer. 25 ) 



') Capo di Leuca. 

'-) In Kärnthen und Steiermark. 3 ) Klagenfurt. 4 ) Cilly. 

5 ) Lurnfeld. 6 ) Iniching. 7 ) Wien. 8 ) Klana. 9 ) Lavamünde. 

,0 ) Neusidlersee. n ) Stein am Anger. 12 ) Oedenburg. 

,3 ) Es umfasste das auf der rechten Seite der Donau liegende 
Ungarn, einen östlichen Strich von Oesterreich und Steiermark, den 
grössten Theil von Krain, den nördlich von der Sau liegenden Theil 
von Kroatien, Slavonien und einen schmalen Streifen von Bosnien 
an der Sau. 

u ) Laybach. ,5 ) Siszek. M ) Drau. ,7 ) Sau. ,8 ) Veröcze. 

I9 ) Um Pilisch. 2 °) Um Jascza. 21 ) Sauritsch. 

-) Am Flusse Kulpa. 23 ) In Slavonien. 



Drittes Buch. 289 

Diess sind die Hauptvölker. Ausserdem wohnen daselbst: 
die Arivater 1 ), Azaler 2 ), Amanter 3 ), Belgiter 4 ), Catarer 5 ), 
Cornacater 6 ), Eraviscer 7 ), Hercuniater 8 ) , Latovicer 9 ), Ose- 
riaten ), Varcianer 11 ). Der Berg Claudius 12 ), vor welchem 
die Scordiscer und hinter welchem die Tauriscer wohnen. 
Im Savus liegt Metubarris, die grösste aller Flussinseln. 
Von Flüssen sind noch zu erwähnen: der Colapis 13 ), wel- 
cher sich bei Siscia in den Savus ergiesst und durch seine 
Theilung die Insel Segestica, bildet; der Bacuntius 14 ) fliesst 
bei der Stadt Sirmium 15 ) in den Savus, daselbst wohnen die 
Sirmienser und Ammatiner. Von da sind es 45,000 Schritte 
bis nach Taurunum 16 ), wo die Donau den Savus aufnimmt. 
Weiter oben fliessen die ebenfalls nicht unbedeutenden 
Flüsse Valdasus 17 ) und Urpanus 18 ) in die Donau. 

29. 
An Pannonien grenzt eine Provinz, welche Mösien 19 ) 
heisst und längs der Donau bis an den Pontus sich erstreckt. 
Sie fängt bei dem oben erwähnten Zusammenflusse ^ an. 
In ihr wohnen die Dardaner 21 ), Celegerer, Triballer 22 ), 
Timacher, Mösier, Thracier und die an den Pontus gren- 
zenden Scythen. Bemerkenswerthe Flüsse sind: im Ge- 
biete der Dardaner der Margis 23 ), Pingus 24 ) undTimachus 25 ); 
vom Berge Rhodope 26 ) kommt der Oescus 27 ) und vom Ha- 
naus 28 ) der Utus 29 ), Asamus 30 ) und Jeterus. 31 ) 

Die grösste Breite von Illyrien beträgt 325,000 Schritte. 
Die Länge vom Flusse Arsia bis zum Drinius 530,000 
Schritte. Der Drinius liegt vom Vorgebirge Acroceraunium 
175,000 Schritte entfernt. M. Agrippa giebt den Gesammt- 



*) Ariaviza. 2 ) Ozaly. 3 ) Mancluszebes. 4 ) Bellecz. 5 ) Kottori. 
6 ) Vulkovar. 7 ) Agrara. 8 ) Kersko. 9 ) Litay. ,0 ) Ostercz. 
") Varasdin. ,2 ) Bacher Gebirge. ' 3 ) Kulpa. ") Bossuth. 
,5 ) Ruinen bei Mitrowitz. ,6 ) Semlin. ") Bosna. ,8 ) Verbasz. 
,9 ) Servien und Bulgarien. -°) Der Donau und Sau. 
-') Im südlichsten Theile von Servien. 

22 ) Im westlichen Bulgarien. 23 ) Morawa. M ) Ipek. 25 ) Timok. 
26 ) Rhodope. 27 ) Isker. 28 ) Balkan. 29 ) Vid. 
3°) Osme. 31 ) Jantra. 

19 



290 Drittes Buch. 

umfang des Meerbusens von Italien und Illyrien zu 1,700,000 
Schritten an. Darin befinden sich, wie schon früher er- 
wähnt, zwei Meere, vorn beim Anfange des Busens das 
jonische, und im Innern des Busens das adriatische, auch 
das obere genannt. 

30. 

Ausser den schon genannten Inseln giebt es im au- 
sonischen Meer weiter keine bemerkenswerthen mehr, im 
Jonischen nur wenige; an der calabrischen Küste vor Brun- 
dusium liegen einige, welche den Hafen bilden. Der apu- 
lischen Küste gegenüber liegt die Insel Diomedea x ), be- 
rühmt durch das Denkmal des Diomedes, eine andere des- 
selben Namens nennen Einige Teutria. 2 ) 

An der Küste von Illyrien liegen über 1000 Inseln, 
weil das Meer dort seicht und das Wasser in flache Betten 
vertheilt ist. Zu bemerken sind: vor der Mündung des 
Timavus die, deren warme Quellen mit der Fluth des Mee- 
res anwachsen 3 ); neben dem istrischen Gebiete Lissa und 
Pullaria, von den Griechen auch die Absyrtiden genannt, 
weil dort Absyrtus, der Bruder der Medea getödtet wurde. 
Neben diesen liegen die sogenannten Electriden, auf wel- 
chen Bernstein vorkommen soll, den die Griechen Electrum 
nennen — ein klarer Beweis griechischer Lügenhaftigkeit, 
denn Niemand hat noch ausmitteln können, welche Inseln 
diess sind. Jader 4 ) gegenüber liegt Lissa 5 ) und einige 
schon genannte; Liburnien gegenüber die crateischen 6 ), die 
ebenso zahlreichen liburnischen und die celadussischen 7 ) 
Inseln; Surium 8 ) gegenüber Bavo 9 ), die durch ihre Ziegen 
berühmte Insel Brattia 10 ); Issa 11 ) mit römischem Bürger- 
rechte und der Stadt Pharia. 12 ) Von Issa ist Corcyra 13 ), 



') S. Domenico. 2 ) Pianosa. 

3 ) Vergl. im II. B. 106. Cap. 

4 ) Zara vecchia. 5 ) Uglian. 

6 ) Dervenich, Zirona, Oratch, Krato, Kludi. 

7 ) Kakagne, Kapri, Esat, Provichio. 

8 ) Zuri. 9 ) Bua. ,0 ) Brazza. ") Lesina. I2 ) Citta vecchia. 

,3 ) Curzola. Auch Korfu hiess früher Corcyra; siehe IV. B. 19. C. 



Drittes Buch. 291 

genannt Melana 1 ), mit einer Stadt der Gnidier 2 ), 25,000 
Schritte entfernt; zwischen ihr und Illyrien liegt Melite 3 ), 
woher, nach Callimachus, die melitäischen Hündchen ihren 
Namen haben; von da bis zu den drei Elaphiten 4 ) sind 
15,000 Schritte Im jonischen Meere, 12,000 Schritte von 
Oricum liegt Sasonis 5 ), bekannt als Aufenthaltsort der 
Seeräuber. 



! ) Die schwarze. 2 ) Curzola. 3 ) Meleda. 

4 ) Giupana, di Mezzo und Kalamata; ihren gemeinschaftlichen 
Namen hatten sie von den vielen daselbst vorkommenden Hirschen 
(§Xa<poi). 5 ) Saseno. 



19* 



Viertes Buch. 



Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, Häfen, 

Berge, Flüsse und den Völkern, welche noch da sind 

oder da waren. 

1. 

Der dritte Hauptbusen von Europa beginnt beim Vor- 
gebirge Acroceraunium 1 ), endigt am Hellesponte, und hat, 
19 kleinere Buchten abgerechnet, eine Weite von 2,500,000 
Schritten. Er begreift in sich: Epirus, Acarnanien, Aetolien, 
Phöeis, Locris, Achaja, Messenien, Laconien, Argolis, Mega- 
ris, Attica, Böotien; an dem andern 2 ) Meere liegen, ausser 
^hocis und Locris, noch: Dori Phthiotis, Thessalien, Mag- 
nesien, Macedonien und Thracien. Alle Fabelhaftigkeit 
Griechenlands, sowie alle Künste und Wissenschaften sind 
von diesem Busen zuerst ausgegangen. Wir wollen uns 
daher ein wenig bei demselben aufhalten. 

Epirus 3 ) im weitem Sinne oder Epiros, fängt bei den 
acroceraunischen Bergen an. Die ersten Völker darin sind 



') Monti clella Chiniera. 

*) Ägeischen. 

3 ) Jetzt das von den Arnauten bewohnte Paschalik von Janina. 
Früher hatte es seine eigenen Könige, unter denen Pyrrhus der be- 
rühmteste war, der 278 v. Chr. Rom bekriegte. Aemilius Paullus machte 
es 167 zur röm. Provinz und 1432 kam es durch Amurat II. unter 
türkische Botmässiffkeit. 



Viertes Buch. 293 

die Chaoner 1 ), von welchen der Name Chaonien herrührt, 
dann folgen die Thesproter 2 ) und Antigonenser 3 ); der Ort, 
wo sonst Aornos 4 ) lag, mit seiner den Vögeln tödtlichen 
Ausdünstung; die Cestriner 5 ), Perrhäber, in deren Gebiete 
der BergPindus 6 ) liegt; die Cassiopäer 7 ), Dryoper 8 ), Seiler 9 )» 
Helloper 10 ), Molosser 11 ), mit einem durch sein Orakel be- 
rühmten Tempel des Jupiter Dodonaeus, der Berg Tomarus, 
an dessen Fusse, wie Theopompus erzählt, hundert Quellen 
entspringen. 

Das eigentliche Epirus zieht sich nach Magnesien und 
Macedonien hin. In seinem Rücken wohnen die schon oben 
genannten Dassareter, ein freies Volk, und die wilden Dar- 
daner. Den Dardanern zur Linken 12 ), wohnen die Triballer 
und mösischen Völkerschaften; an der vordem Seite grenzen 
die Meder 13 ) und Denselater 14 ) daran, und an diese die 
Thracier, welche bis zum Pontus hin wohnen. So sind 
die hohen Berge Rhodope 15 ) und Hämus 16 ) von diesen 
Völkern wie mit einem Walle umgürtet. 

An der Küste von Epirus, am acroceiaunischen Gebirge, 
liegt das Kastell Chimera 17 ), unter welchem sich die Quelle 
Aquae regiae 18 ) befindet. Feiner sind zu bemerken: die 
Städte Mäandria und Cestria 19 ), der thesprotische Fluss 
Thyamis 20 ), die Colonie Buthrotum 21 ); der sehr berühmte 



') Sie bewohnten den schmalen Küstenstrich vom Vorgebirge 
Chimera bis zur Meerenge, welche den nördlichen Theil ,der Insel 
Corfu vom Festlande trennt. 

2 ) Sie reichten von den Chaonem bis zum Meerbusen von Arta. 

3 ) Im Paschalik Avlona südlich von Depedelen. 4 ) Aorna. 
5 ) Am nördlichen Ufer des Kalamas. 

(1 ) Mezzovo. 7 ) Um Agio Saranta. 8 ) Auf der Corfu gegenüber- 
liegenden Küste. 9 ) Sulioten. 10 ) In Saracovizas. 

") Vom nördlichen Ufer des Sees von Janina bis nach Arta. 

,2 ) Gegen Osten. Bei solchen Bestimmungen dachten sich die 
Alten stets den Blick nach Süden gerichtet. 

,3 ) Oder Mäder, zum Unterschiede von den Medern in Asien. 

,4 ) Wohnten, gleichwie die Meder, westlich vom Flusse Karäsu. 

1S ) Despoto. ,6 ) Balkan. 17 ) Kimara. ") Existirt nicht mehr. 
,9 ) Palaeo-Kistes. 20 ) Kalamas. 2 ») Butrinto. 



294 Viertes Buch. 

ambracische Meerbusen *), welcher durch einen 500 Schritte 
weiten Raum das Meer aufnimmt, 37,000 Schritte lang und 
15,000 Schritte breit ist. In ihn ergiesst sich der Fluss 
Acheron 2 ), der 36,000 Schritte von seiner Mündung entfernt, 
aus dem See Acherusia 3 ) in Thesprotien kommt, und den 
Griechen, welche alles, was ihnen angehört, bewundern, 
wegen seiner 1000 Fuss langen Brücke merkwürdig er- 
scheint. In dem Busen selbst liegt die Stadt Ambracia. 4 ) 
Im Lande der Molosser findet man die Flüsse Aphas 5 ) und 
Arathus 6 ), die Gemeinde Anactoria 7 ) und die Stelle, wo 
ehedem Pandosia 8 ) stand. 

2. 
In Acarnanien, das früher Curetis hiess, liegen die 
Städte Heraclia 9 ), Echinus 10 ), an der Küste August's 
Colonie Actium 11 ) mit dem berühmten Tempel des Apollo 
und der freien Gemeinde Nicopolis. 12 ) Wenn man aus dem 
ambracischen Busen ins jonische Meer fährt, so gelangt 
man zur leukadischen Küste und an das Vorgebirge Leu- 
kates. 13 ) Dann folgt der Busen und die Halbinsel Leu- 
cadia 14 ), früher Neritis genannt. Die Einwohner trennten 
sie vom Festlande, allein der Wind trieb so viel Sand zu- 
sammen, dass sie wieder damit vereinigt wurde; die Stelle 
wo diess geschah, heisst Dioryctos 15 ), und ist 3 Stadien 
lang. Auf dieser Halbinsel liegt die Stadt Leucas 16 ), einst 
Neritum genannt, die übrigen acarnanischen Städte sind: 
Alyzea 17 ), Stratos 18 ), Argos 19 ), mit dem Beinamen Aniphi- 
lochicum. Der Fluss Achelous 20 ), kommt vom Pindus, schei- 



! ) Golf von Arta. 2 ) Fauar. 3 ) Janina. *) Arta. 5 ) Lurkha. 
«) Arta. 7 ) Vunidscha. 8 ) Ruinen bei Turko-Palaki. 9 ) Lutraki. 
w ) Kokino Vuni. 

n ) Hier wurde 30 v. Chr. die berühmte Seeschlacht zwischen Au- 
gustus und Antonius geliefert. 

Vi ) Prevesa. ,3 ) Capo Ducato. M ) Die Insel St. Maura. ,5 ) Durch- 
stich. w ) Trümmer davon findet man noch bei dem Flecken Ama- 
xihi. ") Candili. ,8 ) Ruinen bei Lepenon. 19 ) Vlicha. w ) Aspro 
Potamo. 



Viertes Buch. 295 

det Acarnanien von Aetolien, und verbindet die Insel Ar- 
temita x ) durch beständiges Anschwemmen von Erde mit 
dem festen Lande. 

3. 
Die ätolischen 2 ) Völker sind: die Athamonier, Tym- 
pbäer, Ephyrer, Aenienser, Perrhäber, Doloper, Maracer 
und Atracer, aus deren Lande der ins jonische Meer sich 
ergiessende Fluss Atrax 3 ) kommt. Die ätolische Stadt 
Calydon 4 ) ist 7500 Schritte vom Meere entfernt und 
liegt am Flusse Evenus. 5 ) Dann folgt Macynia 6 ), Moly- 
cria und dahinter der Berg Chalcis 7 ) und Taphiassus. 8 ) 
An der Küste liegt das Vorgebirge Antirrhium, da wo der 
corinthische Meerbusen in einer Breite von weniger als 
1000 Schritten ausmündet, und Aetolien vom Peloponnes 
trennt. Das gegenüberliegende Vorgebirge heisst Rhion 9 ). 
Am corinthischen Meerbusen 10 ) liegen die ätolischen Städte 
Naupactum 11 ) und Pylene 12 ) und mitten im Lande Pleuron 
und Halicyrna. 13 ) Bemerkens werthe Berge sind: in Dodona 
der Tomarus, in Ambracia der Crania 14 ), in Acarnanien 
der Aracynthus 15 ), in Aetolien der Acanthon 16 ), Panätolium 17 ) 
und Macynium. 18 ) 



') Existirt jetzt nicht mehr. 

2 ) Diese waren meistens nicht griechischen Ursprungs. Sie bil- 
deten einen Bund; ihre Abgeordneten versammelten sich alljährlich 
zu Thernum. Uebrigens waren sie treulos und räuberisch. 

3 ) Janninah? dieser ergiesst sich aber nicht unmittelbar ins jonische 
Meer, sondern bei der Stadt Janninah (sonst Atrax) in den Peneus. 

*) Ruinen beim Doife Mauromati. 

5 ) Früher Lycormas genannt; jetzt Fidaris. 6 ) Am Berge Vara- 
sova. 7 ) Clocovo. 8 ) Varasova. 

9 ) Diese beiden Vorgebirge sind jetzt mit festen Schlössern ver- 
sehen, welche die Dardanellen von Lepanto, oder Rumeli Kavak und 
Morah Kavak heissen. 

,0 ) Meerbusen von Lepanto. ") Lepanto. 12 ) Kukio Kastro. 
,3 ) Kavuro Limni. ") Gribovo. 

15 ) Dieser Name findet sich in vielen Gegenden, da die Alten 
durch dieses Wort überhaupt einen Berg bezeichneten. 

") Dsjumarka. ") Kuduni. ,8 ) Rhigani. 



296 Viertes Buch. 

4. 
Zunächst den Aetoliern wohnen die Locrer, x ) welche 
den Beinamen Ozoler führen, und frei von Abgaben sind. 
Darin: die Stadt Oeanthe 2 ), der Hafen des Apollo Phä- 
stius 3 ) , der crissäische Busen. 4 ) Im Innern liegen die 
Städte Argyna, Eupalia, Phästum, Calamissus. Weiterhin 
folgen: das zu Phocis gehörige cirrhäische Gebiet, die 
Stadt Cirrha 5 ), der Hafen Chaläon 6 ), und von diesem 7000 
Schritte landeinwärts die Stadt Delphi 7 ) am Fusse des 
Berges Parnassus, mit dem weltberühmten Orakel des 
Apollo. Die castalische Quelle, der bei Delphi vorbeiflies- 
sende Cephissus 8 ), welcher bei der ehemaligen Stadt Li- 
läa seinen Ursprung nimmt. Ferner: die Stadt Crissa 9 ), 
die Bulenser 10 ), Anticyra 11 ), Naulochum 12 ), Pyrrha, das steuer- 
freie Amphissa, Tithrone 13 ), Tritea 14 ), Ambrysus 15 ), das dry- 
mäische Gebiet, welches Daulis 16 ) genannt wird. Ganz am 
Ende des Meerbusens wird eine Spitze Böotiens vom Meere 
bespült, worauf sich die Städte Siphä 17 ) und Theben 18 ) be- 
finden; letztere heisst auch das corsische Theben, beide 
liegen aber in der Nähe des Helicon. 19 ) Die dritte Stadt 
in Böotien von diesem Meere an ist Pagä 20 ); von wo aus 
der Nacken des Peloponnes hervorspringt. 

5. 
Der Peloponnes 21 ), früher Apia, auch Pelasgia, ge- 
nannt, bildet eine Halbinsel, die keinem Lande der Erde 
an Berühmtheit nachsteht. Er liegt zwischen zwei Meeren, 
dem ägeischen und jonischen, gleicht wegen der eckigen 
Buchten einem Platanenblatte, und misst, nach Isidorus, 



') Die Locrer, ein altes griechisches Volk, theilten sich in 3 Haupt- 
stämme, in die epicnemidischen, opuntischen nnd ozolischen Locrer. 

2 ) Galaxidi. 3 ) Golf von Janaki. 4 ) Golf von Salona. 5 ) Salona. 
6 ) Anemokampi. 7 ) Kastri. 8 ) Mauropotamo. 

9 ) Salona, das ebengenannte Cirrha, war eigentlich bloss der Ha- 
fen von Crissa (Krisso). 

,0 ) Beim Kloster Dobo. ") Aspro Spiti. >*) Agio Sideri. ,3 ) Mul- 
chi. u ) Turcochori. 15 ) Distomo. ,6 ) Daulia. n ) Bathy. ,s ) Agiani. 
19 ) Palaeovuni. 20 ) Psato. 21 ) Morea. 



Viertes Buch. 297 

563,000 Schritte im Umfange. Rechnet man aber alle Buch- 
ten hinzu, so kommt fast noch einmal soviel heraus. Die 
Landenge, wo er ausgeht, beisst der Isthmus. An dieser 
Stelle verschlangen die beiden genannten, aus verschiedenen 
Richtungen, von Norden und Osten einbrechenden Meere 
seine ganze Breite, bis durch den entgegengesetzten Andrang 
so grosser Wassermassen beide Seiten auf einen Zwischen- 
raum von 5000 Schritten ausgespült waren, so dass Hellas 
mit dem Peloponnes wie durch einen schmalen Hals zu- 
sammenhängt. Der eine Busen heisst der corinthische, der 
andere der saronische *); auf der einen Seite ist Lecheä 2 ), 
auf der andern Cenchreä 3 ) die Grenze der Landenge. Die 
Schiffe, welche wegen ihrer Grösse nicht auf Wägen hin- 
übergeschafft werden können, haben von einem Orte zum 
andern einen langen und gefährlichen Umweg zu machen. 
Deshalb versuchten der König Demetrius 4 ), der Dictator 
Cäsar 3 ), der Kaiser Cajus 6 ), und Domitius Nero 7 ) auf 
der Landenge einen schiffbaren Kanal anzulegen, doch 
brachte diess Unternehmen (wie das Ende Aller bewies) 
kein Glück. 8 ) 

Mitten auf diesem Isthmus liegt die auf einen Hügel 
gebauete Colonie Corinth 9 ), früher Ephyra genannt, 60 
Stadien von jedem der beiden Ufer entfernt. Von ihrer 
hochgelegenen Burg Acrocorinth, in welcher die Quelle Pi- 
rene entspringt, kann man beide Meere sehen. Der Seeweg 
von Leucas 10 ) bis Paträ 11 ) am corinthischen Meerbusen be- 
trägt 88,000 Schritte. Paträ ist eine an dem äussersten 
Vorgebirge des Peloponnes angelegte Colonie, Aetolien und 



') Meerbusen von Engia. 2 ) Lecheo. 3 ) Kenkri. 4 ) Demetrius 
Polyorcetes. 5 ) Vergl. Suetons Jul. Cäsar Cap. 44. 6 ) Vergl. 
Suetons Caligula. Cap. 21. 7 ) Vergl. Suetons Nero Cap. 10. 

8 ) Sie starben nämlich keines guten Todes. 

9 ) Sie wurde 146 v. Chr. G. durch den Consul Mummius erobert 
und verbrannt, von Cäsar aber wieder aufgebauet, und sie hatte an 
jedem der zwei Meere einen Hafen, Lecheä und Cenchreä. 

10 ) Auf der Insel Santa Maura. n ) Patras. 



298 Viertes Buch. 

dem Flusse Evenus gegenüber; der Raum dazwischen ist, 
wie schon bemerkt, nicht ganz 1000 Schritte breit, die Länge 
des corinthischen Meerbusens aber von hier bis zum Isthmus 
beträgt 85000 Schritte. 

6. 

Die Provinz Achaja *) nimmt beim Isthmus ihren An- 
fang; früher hiess sie, wegen der an der Küste in einer 
Reihe liegenden Städte, Aegialos. 2 ) Die erste Stadt ist 
das bereits genannte Lecheä, ein Hafen der Corinther; dann 
folgt Olyros 3 ), ein Castell der Pellenäer; die Städte Heii- 
ce; Bura 4 ), wohin die Bewohner flohen, als die erstere 
untergegangen war 5 ), ferner Sicyon 6 ), Aegira 7 ), Aegion 8 ), 
Erineos. 9 ) Im Innern liegen Cleonä 10 ), Hysiä 11 ); der Hafen 
Panhormus 12 ) und das schon angezeigte Rhium. Von letzte- 
rem Vorgebirge liegt Paträ 5000 Schritte entfernt; die Ruinen 
von Pherä. 13 ). In Achaja ist unter 9 Bergen der Scioessa 
der bekannteste; die Quelle Cymothoe. Hinter Paträ die 
Stadt Olenum, die Colonie Dyme, die Stellen, wo Bupra- 
sium 14 ) und Hyrmine 15 ) standen, das Vorgebirge Araxum 16 ), 
der Busen von Cyllene 17 ), das Vorgebirge Chelonates 18 ), 
von wo aus man nach Cyllene 5000 Schritte hat; das 
Schloss Phlius. Dieser Bezirk ist von Homer 19 ) Aräthyrea, 
später aber Asopis genannt worden. 

Darauf folgt das Land der Elier, welche früher Epeer 



') Die nördlichste Landschaft des Peloponnes am corinthischen 
Meerbusen. Sie war in 12 Districte getheilt, deren jeder eine beson- 
dere Stadt hatte. Nach der Unterjochung Griechenlands durch die 
Römer erhielt der Name Achaja einen viel weitern Sinn, denn die 
Römer theilten ganz Griechenland in 2 Provinzen, Macedonien und 
Achaja, welches letztere den ganzen Peloponnes und Hellas umfasste. 

2 ) Küstenland. 3 ) Ulogoca. 4 ) Perritza. 

5 ) Durch ein Erdbeben 373 v. Chr. 

e ) Basilico. 7 ) Paläo-Castron. 

8 ) Vostiza. 9 ) Artotina. 10 ) Klenje. ll ) Bromo-Limni. ,2 ) Teket. 

,a ) Bei Kato-Achaja. 14 ) Am Flusse Verga. 

,D ) Beim Cap Clarentza. 

,a ) Cap Papas. ") Cap Clarenza. 

18 ) Cap Tornesa. «») lliade IL 78. 



Viertes Buch. 299 

hiessen; Elis *) selbst liegt mitten im Lande, und von Pylus 
12,000 Schritte nach dem Innern zu befindet sich das Hei- 
ligthum des olympischen Jupiters, nach dessen berühmten 
Spielen die griechische Zeitrechnung bestimmt wurde. 2 ) 
Ferner: Die ehemalige Stadt der Pisäer, am Flusse Alpheus. 3 ) 
An der Küste aber liegt das Vorgebirge Ichthys. 4 ) Der 
Alpheus wird 6000 Schritte aufwärts bei den Städten Aulon 5 ) 
und Leprion 6 ) schiffbar. Weiterhin kommt das Vorgebirge 
Platanodes. 7 ) Alle diese Orte liegen gegen Abend. 

7. 
Gegen Mittag aber liegt der cyparissische Meerbusen 8 ) 
mit der Stadt Cyparissu 9 ); sein Umfang beträgt 72,000 
Schritte. Fernere Städte sind Pylos 10 ), Methone 11 ); die 
Stelle, wo Helos stand, das Vorgebirge Acritas 12 ), der von 
der Stadt Asine 13 ) benannte asinäische 14 ), und von der Stadt 
Corone 15 ) benannte covonäische 16 ) Meerbusen. Das Vorge- 
birge Tänarum 17 ) bildet die Grenze. Das alles gehört zu 
der Landschaft Messenien, in welcher 18 Berge liegen. 
Ferner der Fluss Pamisus 18 ). Im Innern liegen: Messene 19 ), 



') Palaeopoli. 

*) Die Zeit der ersten Einführung dieser Spiele verliert sich ins 
graue Alterthum. Sie wurden mehre Male unterbrochen und zuletzt 
von Iphitus, dem König von Elis, im Jahre 776 v. Ghr. G. wieder her- 
gestellt, von welchem Jahre auch die bekannte Zeitrechnung ihren 
Anfang nimmt. Sie wurden alle 4 Jahre, oder bestimmter, stets im 
zweiten Monate des fünften Jahres, also abwechselnd nach 49 und 
51 Monaten gefeiert. Ueber das endliche Erlöschen derselben findet 
sich keine genaue Nachweisung, jedoch dauerten sie in den ersten 
Jahrhunderten nach Chr. noch fort. 

3 ) Ryfo. 4 ) Catacolo. 5 ) Avlon. 

u ) Ruinen beim Städtchen Strobitza. 7 ) Konello. 

8 ) Busen von Arcadia. 

9 ) Arcadia. ,0 ) Alt Navarino. ll ) Modon. 

'-) Gallo — Ein anderes Vorgebirge Acritas lag in Bithynien am 
Propontis. 13 ) Jaratcha. 

") Golf von Modon. ,5 ) Koron. 

16 ) Busen von Koron. 

") Cap Matapan. ,8 ) Pimazza. ,9 ) Mauromatia. 



300 Viertes Buch. 

Ithome *), Oechalia, Arene 2 ), Pteleon, Thryon, Dorion 3 ), 
Zancle, die zu verschiedenen Zeiten berühmt waren. Der 
Umfang dieses Busens 4 ) beträgt 80,000, die Ueberfahrt 
aber 30,000 Schritte. 

8. 

Bei Tänarum beginnt das Gebiet der Laconier 5 ), 
eines freien Volkes; der daselbst befindliche Meerbusen 6 ) 
hat 106,000 Schritte im Umfange und 38,000 Schritte im 
Durchmesser. Die Städte heissen: Tänarum 7 ), Amyclä 8 ), 
Pherä 9 ), Leuctra 10 ), im Innern des Landes Sparta 11 ), The- 
ramne; die Stellen, wo Cardamyle, Pithane und Anthane 
lagen, die Ruinen von Thyrea und Gerania; der Berg Tay- 
getus 12 ); der Fluss Eurotas 13 ), der Busen Egilodes 14 ), die 
Stadt Psammathus 15 ); der nach der Stadt Gytheum 16 ) be- 
nannte gytheische Busen, von wo aus die sicherste Ueber- 
fahrt nach der Insel Creta 17 ) ist. Diese ganze Gegend 
wird von dem Vorgebirge Malea 18 ) eingeschlossen. 

9. 

Der nun folgende Meerbusen bis zum scylläischen Vor- 
gebirge 19 ) hin heisst der argolische, dessen Breite 50,000, 
dessen Umfang aber 162,000 Schritte beträgt. Städte da- 



') Burkano. 

2 ) Es gab zwei Städte dieses Namens im Peloponnes. Diese 
war die Residenz der alten mythischen Könige von Messene und 
heisst jetzt Sareni, die andere lag in Triphylia. 

3 ) Lag nach Homer und Pausanias in Argolis nördlich von Elec- 
tra. '') Von Koron. 

5 ) Wahrscheinlich sind die jetzigen Mainoten die Abkömmlinge 
der alten Lacedämonier. 

6 ) Bai von Kolokythia. 7 ) Maina. 
8 ) Sklavochorion. 9 ) Chidri. 

,0 ) Istechia. Ist wohl zu unterscheiden von Leuctra in Böotien, 
wo die Spartaner von Epaminondas geschlagen wurden. 
H ) Paläochori, in der Gegend von Misita. 
,2 ) Pentadactylon. ,3 ) Basilipotamo. 
M ) Pulithra. ,B ) Porto delle Quaglie. 
,6 ) Kolochina. 17 ) Candia. 18 ) Spathi. »») Capo Scyllo. 



Viertes Buch. 301 

rin sind: Böa 1 ), Epidaurus 2 ) mit dem Beinamen Limera, 
Zarax 3 ), der Hafen Cyphanta. 4 ) Flüsse: der Inachus 5 ) 
und Erasinus 6 ), zwischen denen Argos mit dem Beinamen 
Hippium 7 ), oberhalb der Ruinen von Lerne, 2000 Schritte vom 
Meere entfernt liegt; 9000 Schritte weiter liegt Mycenä 8 ); 
dann die Gegend, wo Tiryetha gelegen haben soll, und das 
ehemalige Mantinea. 9 ) Berge: der Artemius 10 ), Apesantes, 
Asterion, Parparus und 11 andere. Quellen: Niobe, Amy- 
mone und Psamathe. Vom Vorgebirge Scylläum bis zum 
Isthmus beträgt die Entfernung 177,000 Schritte. Hier die 
Städte: Hermione 11 ), Trözen 12 ), Coryphasium 13 ), und das 
bald Inachium, bald Dipsium genannte Argos. u ) Der Ha- 
fen Schönitas 15 ), der saronische Busen 16 ), der einst mit einem 
Eichenwalde umgeben war, und daher seinen Namen hat, 
denn so 17 ) hiess im alten Griechenland die Eiche. An demsel- 
ben liegt die Stadt Epidaurus 18 ) mit einem berühmten Tempel 
des Aesculap; das Vorgebirge Spiräum 19 ), der Hafen An- 
thedus und Bucephalus, endlich das obengenannte Cenchreä, 
die andere Hälfte des Isthmus mit dem durch die fünfjäh- 
rigen Spiele 20 ) berühmten Tempel des Neptun. So viele 
Busen bildet die Küste des Peloponnes, so viele Meere be- 
spülen dieselbe; denn von Norden her stürmt das jonische 
Meer an, von Westen das sicilische, von Süden das cretische, 
von Nordosten das ägeische, und von Südosten her das 
myrthoische, welches am megarischen Meerbusen beginnt 
und ganz Attica umgiebt. 



*) Paleo Castron. 2 ) Paleo Malvasia. 

3 ) Porto Kari. 4 ) Stilo. 5 ) Planitza. 

6 ) Kephalari. 7 ) Argos oder Arpi. 

*) Karia. 9 ) Goridsja. 

,0 ) Megavuni. ») Kastri. 12 ) Terfidsje. ,3 ) Karvathi. 

M ) Siehe ohen, der vorbeiflies sende Inachus trocknete im Som- 
mer ein. 15 ) Porto Estremo. 16 ) Golf von Egina. 

") ouQOiviq. ,8 ) Pidavri. 

,9 ) Capo Franco. 

'•*>) Nach Pindar wurden diese Spiele allemal zu Anfang des 
dritten Jahres gefeiert. 



302 Viertes Buch 

10. 

Arcadien nimmt hauptsächlich den mittleren Theil 
des Peloponnes ein, und wird daher auf keiner Seite vom 
Meere berührt; anfänglich hiess dasselbe Drymodes, nach- 
her aber Pelasgis. Städte in demselben sind: Psophis *), 
Mantinea 2 ), Stymphalum 3 ), Tegea, Antigonea 4 ), Orchome- 
num 5 ), Pheneum 6 ), Palantium 7 ), von welcher Stadt das 
Palatium in Rom seinen Namen hat 8 ), Megalopolis 9 ), 
Gortyna 10 ), Bucolium 11 ), Carnion, Parrhasie 12 ), Thelpusa 13 ), 
Melänä 14 ), Heräa 15 ) Pyle, Pallene, Agrä, Epium, Cyrätha 6 ), 
das arcadische Lepreon, Partheniam, Alea 17 ), Methydrium 18 ), 
Enispe, Macistum, Lampe, Clitorium 19 ), Cleonä 20 ); zwischen 
letztern beiden Städten liegt die nemeische 21 ) oder bembi- 
nadische Gegend. Berge in Arcadien sind der Pholoe 22 ), 
mit einer Stadt gleichen Namens, ferner der Cyllene 23 ), 
Lycäus 24 ) mit einem Tempel des Jupiter Lycäus, der 
Mänalus, Artemisius 25 ), Parthenius 26 ), Lampeus 27 ), Nouacris 28 ) 
und ausserdem noch acht minder wichtige. Flüsse sind: 
der Ladon 29 ), der aus den Sümpfen um Pheneum 30 ), und 
der Erymanthus 31 ), welcher aus dem Berge 32 ) gleichen Na- 
mens entspringt; beide ergiessen sich in den Alpheus 33 ) 

Die noch übrigen Gemeinden in Achaja sind folgende: 
die Aliphiräer 34 ), Abeater 35 ), Pyrgenser 36 j, Paroreater 37 ); 



*) Jakovo. 2 ) Goridsja. 3 ) Sarke. 

4 ) Ruinen dieser beiden Städte bei Tripolizza. 5 ) Kalpaki. 

6 ) Phonje. 7 ) Thana. 

8 ) Evander soll nämlich aus Palantium herstammen, weshalb die 
alte Stadt, die er auf dem palatinischen Berge (wo später Rom ge- 
gründet wurde) anlegte, Palatium genannt worden sei. 

9 ) Sinano. ,0 ) Kartine. »*) Trupiais. 12 ) Firina. ,3 ) Telfusa. 
,4 ) Rhavli. 15 ) Iri. * 6 ) Kerpeni. ") Lavea. ,8 ) Methaga. 

> 9 ) Gardiki. 20 ) Klenje. 

21 ) Ebene um Tristena. Herkules erwürgte hier den nemeischen 
Löwen; alle drei Jahre im Herbste wurden daselbst die nemeischen 
Spiele gefeiert. 

22 ) Vodi. 23 ) Chelmos. 24 ) Tetragi. 25 ) Gymnovuni. 

26 ) Megavuni. 27 ) Zambi. 28 ) Bei Naukria. 29 ) Landona. 
») Phonje. 3I ) Azikol. 32 ) Xiria. 33 ) Karbon. 34 ) Palatia. 
36 ) Zarnata. 36 ) Bei Derwisch-Aga. 37 ) Pararia. 



Viertes Buch. 303 

Parageniter, Tortuner, Typaneer, Thriusier, Trilienser. 
Domitius Nero schenkte ganz Achaja die Freiheit. Die 
Breite des ganzen Peloponnes vom Vorgebirge Malea bis 
zur Stadt Aegium am corinthischen Meerbusen beträgt 
190,000 Schritte; allein quer hindurch von Elis nach Epi- 
daurus 125,000, und von Olympia nach Argos durch Arca- 
dien 68,000 Schritte. Von eben diesem Orte bis nach 
Phlius haben wir die Entfernung schon angegeben. r ) Auf 
der ganzen Halbinsel erheben sich 76 Berge, und hierdurch 
ersetzt die Natur gleichsam dasjenige wieder, was durch 
das Meer entrissen wurde. 

11. 
An der Landenge des Isthmus fängt Hellas 2 ) an, was 
die Römer Gräcia nennen. Das erste Gebiet darin ist 
Attica, vormals Acte genannt. Es hängt mit dem Isthmus 
durch einen Landstrich zusammen, welcher von der Pagä 3 ) 
gegenüber liegenden Colonie Megara, Megaris genannt wird. 
Diese beiden Städte liegen da, wo der Peloponnes ausgeht, 
zu beiden Seiten gleichsam auf den Schultern von Hellas. 
Die Pagäer und die Aegosthenienser 4 ) gehören noch zu 
den Megarensern. An der Küste aber liegt der Hafen 
Schönus. 5 ) Städte sind: Sidus 6 ) Cremmyon 7 ), die 6000 
Schritte langen scironischen 8 ) Felsen, Gerania 9 ), Megara 
und Eleusis. 10 ) Früher lagen hier Oenoa 11 ) und Probalin- 
thos 12 ), jetzt aber sind sie vom Isthmus 55,000 Schritte 
entfernt; die Häfen Piräus und Phalera, welche durch eine 
5000 Schritte lange Mauer mit Athen verbunden sind. Diese 
Stadt ist frei, und bedarf keiner Lobrede, so gross ist ihr 
Ruhm. Quellen in Attica sind: Cephissia, Larine, Callirrhoe, 
Enneacrunos. Berge: der Brilessus, Aegialeus, Icarius, Hy- 
mettus, Lycabettus; die Ruinen von Ilisos. 45,000 Schritte 
vom Piräus liegt das Vorgebirge Sunium 13 ) und Thoricos. 14 ) 



«) Im 6. Cap. 2 ) Livadien. 3 ) Psato. *) S. Basilio. 

5 ) Porto Cocosi. 6 ) Kassidi. T ) Kenella. 8 ) Derveni Bouno. 

9 ) Porto Germano. I0 ) Lefsina. ") Bei Oenoe. 

,2 ) Bei Vasileopyrgos. l3 ) Colonna. I4 ) Mandri. 



304 Viertes Buch. 

Potamos *), Steria 2 ) und Beauron 3 ) waren vormals Städte. 
Der Flecken Rhamnus 4 ), die Ruinen von Marathon 5 ), die 
thriasische Ebene 6 ), die Stadt Melita und Oropus 7 ) an der 
Grenze von Böotien. 

12. 
In Böotien 8 ) liegen Anthedon 9 ), Onchestos 10 ), die freie 
Stadt Thespiä u ), Lebadea 12 ), und das Athen an Ruhm nicht 
nachstehende böotische Theben 13 ), angeblich die Vaterstadt 
zweier Götter, des Bacchus und Herkules. Auch die Musen 
sollen in einem Haine des Helicon geboren sein. Zu The- 
ben rechnet man noch das Waldgebirge Cithäron 14 ) und den 
Fluss Ismenus. Ausserdem hat Böotien folgende Quellen: 
Oedipodia, Psamathe, Dirce, Epicrane, Arethusa, Hippocrene, 
Aganippe, Gargaphia. Ausser den schon genannten Bergen 
sind noch zu erwähnen: der Mycalessus, Hadylius und Acon- 
tius. Die übrigen Städte zwischen Megara und Theben 
sind: Eleutherä 15 ), Haliartus 16 ), Platää 17 ), Pherä 18 ), Asple- 
don 19 ), Hyle 20 ), Thisbe 21 ), Erythrä, Glissas, Copä; Larym- 
na 22 ) und Anchoa 23 ) am Flusse Cephissus 24 ); Medeon, Phly- 
gone 25 ), Acräphia 26 ), Coronea 27 ), Chäronea. 28 ) An der Küste 
aber, unterhalb Theben, liegen: Ocolee, Heieon 29 ), Scolos 30 ), 
Schönos, Peteon, Hyrie, Mycalessus, Iresion, Pteleon, Oly- 



') Porto de Rafti. -) Siteri. 3 ) Braona. 

4 ) Taurocastro oder Abriocastro. 

5 ) Hier schlug Miltiades die Perser, 490 y. Chr. 

6 ) Zwischen Athen und Eleusis. 7 ) Ropo. 
8 ) Stramaüpa. 9 ) Luchisi. 

w ) Ruinen von San Topoglia (Copais). 

") Ruinen bei Rirnacastro. ,2 ) Livadia. ,3 ) Thiva. ") Elatea. 

,5 ) Contura. 16 ) Ruinen bei Maci. 

") Kokla. Hier wurde Mardonius, der Feldherr des Xerxes, von 
Pausanias 479 v. Chi\ geschlagen. 

,8 ) Bei Skimitari. 19 ) Bei Scripu. 20 ) Bei Senjena. 2l ) Cacosi. 

22 ) Lamas. M ) Putzomadi. 24 ) Mauronero. 25 ) Bei Dadi. 

26 ) Kartitza. ^ Korunies. 

28 ) Capourna. Hier siegte Philipp von Macedonien über die 
Griechen, 333 v. Chr. 

2i >) Ela. *») Sialesi. 



Viertes Buch. 305 

ros, Tanagra *), deren Bewohner frei sind, und am Eingange 
der Bai Euripus 2 ), welche durch die vorliegende Insel 
Euböa 3 ) entsteht, das durch seinen geräumigen Hafen 
berühmte Aulis. 4 ) Die Böotier hiessen in alten Zeiten 
Hyanter. 

Nun folgen die epicnemidischen Locrer 5 ), welche früher 
Leleger hiessen; durch ihr Gebiet ergiesst sich der Cephis- 
sus ins Meer. Städte sind: Opus 6 ), woher der opuntische 
Meerbusen seinen Namen hat, Cynos. 7 ) An der Küste von 
Phocis liegt die einzige Stadt Daphnus. 8 ) Im Innern von 
Locris liegt Elatea 9 ), und am Ufer des Cephissus (wie be- 
reits gesagt wurde) 10 ) Liläa; gegen Delphi hin: Cnemis und 
Hyampolis. n ) Wiederum an der locrischen Küste Larym- 
na 12 ) und Thronium 13 ) bei welcher der Fluss Boagrius sich 
ins Meer ergiesst. Die Städte Narycion u ), Alope, Scarphia. 
Dann folgt der von den Einwohnern sogenannte maliacische 15 ) 
Meerbusen, an welchem die Städte Halcyone, Econia und 
Phalara liegen. 

13. 

Hierauf folgt Doris mit den Städten Spanthos, Eri- 
neon 16 ), Bojon 1T ), Pindus und Cytinum. Hinter Doris liegt 
der Berg Oeta. u ) 

14. 

An Doris grenzt Aemonien, welches seinen Namen oft 
geändert hat, denn es hiess Argos pelasgicum, Hellas, 
Thessalien und Drypis, und zwar immer nach seinen Kö- 
nigen. Ein eingeborner König dieses Landes hiess Gräcus; 



') Skimitari. 2 ) Euripo. 3 ) Negroponte. 

4 ) In diesem Hafen versammelte Agamemnon die Flotte der 
Griechen zum Zuge nach Troja. Der Hafen heisst jetzt Bathy. Von 
Aulis existirt keine Spur mehr. 

5 ) So genannt, weil sie am Berge Cnemis (Talento) wohnten. 

6 ) Talante. 7 ) Ruinen beim Dorfe Livanitis. 

8 ) Ruinen bei Neschorio. 9 ) Levta. ,0 ) Im 4. Cap. ") Bogdana. 

,2 ) Das untere nämUch; Ruinen bei Putzomadi. 

13 ) Chilikous. M ) Ruinen bei Tornitza. 15 j Golf Isdin. 

16 ) Erinei. 17 ) Bralo. ,8 ) Kumayta. 

20 



306 Viertes Buch. 

von ihm erhielt Griechenland seinen Namen; vom Hellen 
bekamen die Griechen den Namen Hellenen. Homer 1 ) be- 
zeichnet eben diese Völker mit drei Namen, Myrmidonen, 
Hellenen und Achäer. 

Von ihnen heissen diejenigen, welche an Doris gren- 
zen, Phthioten. Ihre Städte sind: Echinus 2 ) am Ausflüsse 
des Flusses Sperchius 3 ), der Engpass von Thermopylä 4 ), 
von dem das 4000 Schritte davon gelegene Heraclea 5 ) den 
Namen Trachys 6 ) führt. Daselbst befindet sich auch der 
Berg Callidranus 7 ); berühmte Städte sind: Hellas, Halos, 
Lamia. 8 ), Phthia, Arne. 

15. 

In Thessalien aber liegen: Orchomenus 9 ), früher Mi- 
nyeus genannt, die Stadt Almon oder Salmon, Atrax 10 ), Pe- 
linna 11 ); die Quelle Hyperia; die Städte: Pherä 13 ), hinter 
welcher sich der Pieria 13 ) bis nach Macedonien hinzieht, 
Larissa 14 ), Gomphi 15 ), das thessalische Theben, der Wald 
Pteleon, der pagasische Meerbusen. 16 ) Die Stadt Pagasa 17 ), 
welche nachher Demetrias genannt wurde/ Tricca 18 ), die 
pharsalischen Gefilde mit einer freien Stadt 19 ), Crannon, 
Iletia. Berge in Phthiotis sind: der Nymphäus, ehedem 
sehenswerth wegen seiner natürlichen Gartenanlagen. Der 
Buzygäus, Donacesa, Bromius, Daphusa, Chimerion, Atha- 

') Iliade II. 191. -) Echina. 3 ) Ellada. 

') Pass Elafu; bekannt durch die heldenmüthige Verteidigung 
der 300 Spartaner unter Leonidas gegen Xerxes. — Der Pass wird 
gebildet durch die Felsenwand des Öta und den malischen Meerbusen. 

5 ) Ruinen am Asopo. 6 ) Von tqu^vq rauh, unwegsam. 

■>) Ein Theil des Öta. 8 ) Zeitun. 9 ) Scripu. ,0 ) Zarko. 

»») Balaklen. ,2 ) Velsin. 

13 ) Ein Seitenast des Lacha, der sich bis an den Golf von Volo 
herabzieht. 

14 ) Larisse bei den Neu-Griechen, Jenischehr bei den Türken. 
,: ') Klinovo. 

16 ) Golf von Volo, wo sich die Argonauten einschifften. 
") Volo. ,8 ) Tricala. 

19 ) Pale Farselus. Hier wurde 45 v. Chr. Pompejus von Cäsar 
geschlagen. 



Viertes Buch. 307 

raas, Stephane. In Thessalien giebt es überhaupt 34 Berge, 
von denen die merkwürdigsten sind: der Cercetii x ), Olym- 
pus 2 ), Pierus, Ossa. 3 ) Diesem gegenüber liegen der Pin- 
dus 4 ) und Othrys 5 ), die Wohnsitze der Lapithen; diese 
Berge liegen gegen Abend. Gegen Morgen der Pelios 6 ); 
alle aber bilden einen theaterförmigen Bogen, in welchem 
sich 75 Städte befinden. Flüsse Thessaliens sind: der Api- 
danus 7 ), Phönix, Epineus 8 ), Onochonus 9 ), Pamisus; die 
Quelle Messa'is; der See Böbr'is. 10 ) Am berühmtesten aber 
ist der Peneus 11 ), welcher in der Nähe von Gomphi ent- 
springt, zwischen dem Ossa und Olympus in einem wal- 
digen Thale von 500 Stadien hinabfliesst, und von der 
Hälfte dieser Strecke an schiffbar ist. Ein Theil dieses 
Thaies, welcher Tempe 12 ) heisst, ist 5000 Schritte lang 
und beinahe anderthalb Joch Landes breit; links und rechts 
erheben sich, soweit das menschliche Auge reicht, sanfte 
Bergrücken. Mitten hindurch zieht sich der wegen seines 
grünen Sandes ins grünlich spielende Peneus, seine Ufer 
sind mit dem schönsten Grase bedeckt und vom Gesänge der 
Vögel erfüllt. Er nimmt den Orcos auf, vereinigt sich aber 
nicht mit ihm, sondern stösst ihn, nachdem er ihn (wie 
Homer sagt) 13 ) gleich wie aufschwimmendes Oel eine kurze 
Strecke getragen, wieder von sich, und verschmähet es, 
seine silbernen Wogen mit einem verdammten, von Ver- 
wünschungen erzeugten Wasser 14 ) zu vermischen. 

16. 
An Thessalien grenzt Magnesien 15 ), mit der Quelle 
Libethra. 16 ) Städte darin sind: Jolcus 17 ), Hormenium 18 ), 
Pyrrha 19 ), Methone 20 ), Olizoa 21 ); das Vorgebirge Sepias 22 ): 



^) Ein Zweig des Pindus. -) Lacha. 3 ) Kissavo, 4 ) Mezzovo. 
5 ) Veloutzi. 6 ) Petras. 7 ) Epideno. 8 j Vlachojanni. 9 ) Rejani. 
10 ) Carlas. ") Salambria. 12 ) Bogazo. ,3 ) llliade II. 262. 
") Die. Götter pflegten nämlich beim Orcos zu schwören. 
* 6 ) Die jetzigen Landschaften Zagora und Macrinizza. 
16 ) Bei Goritza. 17 ) Goritza. t8 ) Milias. ,9 ) Korakai Pyrgo*. 
20 ) Neochori. 21 ) Kortos bei Argalasti. 22 ) Giorgio. 

20* 



308 Viertes Buch. 

die Städte Castfeanäa *), Sphalatra 2 ); das Vorgebirge Aean- 
tium 3 ); die Städte Meliböa 4 ), Rhizus 5 ), Erymnä 6 ); die 
Mündung des Peneus 7 ); die Städte Homolion, Orthe, Thes- 
piä, Pbalanna 8 ), Tbaumacia 9 ), Gyrton 10 ), Cranon n ), Acharne, 
Dotion, Melitäa, Phylace, Potniae. Die Länge von Epirus, 
Achaja, Attica und Thessalien in einer Richtung soll 
480,000 und die Breite 287,000 Schritte betragen. 

17. 
Hierauf folgt Macedonien mit 150 Völkerschaften, be- 
rühmt durch zwei Könige 12 ) und seine ehemalige Weltherr- 
schaft; vormals hiess es Emathia. Es zieht sich hinter 
Magnesien und Thessalien westlich bis zu den epirotischen 
Völkern hin, und wird von den Dardanern oft beunruhigt. 
Päonien und Pelagonien schützen den nördlichen Theil 
gegen die Triballer. Städte: Aegiä, wo man die Könige 
begräbt, Beröa 13 ), und in dem Gebiete, welches von einem 
Walde den Namen Pieria führt, Aeginium. 14 ) An der Küste 
liegt Heraclea 15 ) und der Fluss Apilas. 16 ) Die Städte Pyd- 
na 17 j, Aloros, der Fluss Aliacmon. 18 ) Im Innern des Lan- 
des wohnen die Aloriter, Valläer, Phylacäer, Cyrrhester 11 ') 
Tyrissäer. Die Colonie Pella 20 ); die Stadt Stobi 21 ) mit 
römischem Bürgerrechte. Dann folgt Antigonea 22 ), Euro- 



*) Bei Tzankarada. -) Hagia Eutimia. 3 ) Monastir. 
A ) Bei Mintzeles. 5 ) Bei Pesi-Dendra. fi ) Bei Conomio. 
7 ) In den thermaischen Busen. 8 ) Baba. •') Taimak. 
10 ) Kirsali. ") Crania. 
,2 ) Philipp und Alexander der (.{rosse. 

13 ) Wurde nach ihrer Zerstörung von der Kaiserin Irene wieder 
autgebaut und. erhielt den Namen Irenopolis. Jetzt Beria. 
,4 ) Ainovo. ,5 ) Monastir. ,r> ) Sphetili. 

17 ) Chitro oder Kitro. In der Nähe dieser Stadt wurde der letzte 
König von Macedonien, Perses, von Aemilius Paullus 168 v. Chr. ge- 
schlagen. 

18 ) Indsche-Karasu. ,9 ) Kastranitza. 

-°) Palatitza. Sie war der Geburtsort Alexanders und die Residenz 
seiner Nachfolger bis auf Perses. 
-') Istib. --) Nigothenio. 



Viertes Buch. 309 

pus *) am Flusse Axius 2 ) und noch eine Stadt gleichen 
Namens 3 ), durch welche der Rhödias fliesst. Eordeä 4 ), 
Scydra 5 ), Mieza, Gordyniä. An der Küste: Ichnä, der Fluss 
Axius. An dieser Grenze von Macedonien wohnen die Dar- 
daner, Trerer und Pierer. Am Flusse Axius wohnen die päo- 
nischen Völker 6 ), als: die Paroräer, Eordenser, Almopier, 
Pelagoner, Mygdoner. Berge sind: der Rhodope 7 ): Scopius 
und Orbelus. 8 ) In der davor liegenden Ebene wohnen die 
Arethusier, Antiochienser, Idomenenser 9 ), Doberer 10 ), Ae- 
sträenser 11 ), Allantenser, Audaristenser, Moryller, Garescer, 
Lyncester, Othryoneer, die freien Amantiner 12 ) und Orester; 
die bullidensische 13 ) und diensische 14 ) Colonie; die Xylopo- 
liter, die freien Scotussäer, Heraclea Sintica 15 ), die Tym- 
phäer und Toronäer. 

Vorn am macedonischen Meerbusen 16 ) liegt die Stadt 
Chalastra 17 ), an seiner innersten Seite Pileros und Lete 18 ), 
und an der mittleren Einbiegung des Ufers Thessalonica 19 ), 
eine freie Stadt. Von Dyrrachium bis hierher beträgt die 
Entfernung 240,000 Schritte. Nun folgt Therme 20 ), und im 
thermaischen 21 ) Meerbusen die Städte Dicäa 22 ) Pydna, Der- 
rha, Scione. Das Vorgebirge Canasträum 23 ); die Städte 
Phallene und Phlegra. In dieser Gegend befinden sich die 
Berge Hypsizorus, Epitus, Halcyone und Levomne; die Städ- 
te: Nyssos, Phryxelon, Mendä und auf dem pallanensischen 
Isthmus 24 ) das ehemalige Potidäa, jetzt die Colonie Cassan- 
dria; Anthemus, Olophyxus; der mecybernische Busen 25 ); 



') Köprili. 2 ) Vardar. 3 ) Orhissar. 4 ) Filorina. 

'') Sidero-Kapsa. °) Die jetzigen Bulgaren. 7 ) Despoto. 

8 ) Argentaro. 9 ) Kuuili-Kiöi. 10 ) Avrethissar. n ) Tikwesch. 

'-) Avostina. ,3 ) Poklin. «) Platamona. ,5 ) Rasluk. 

,6 ) Golfo di Salonichi. 

") Wurde von Cassander zerstört, um die Einwohner nach Thes- 
salonich zu versetzen. 

18 ) Litta. ,9 ) Salonichi. 

-°) Thenna ist keine eigentliche Stadt, sondern bloss der alte 
Name von Thessalonica. 

'-') d. i. macedonischen. 22 ) Buraiu. 23 ) Piajuri. 

M ) Calandro. ") Golf Kassandra, 



310 Viertes Buch. 

die Städte Miscella, Ampelos l ), Torone, Singos. 2 ) Die 
1500 Schritte lange Meerenge, welche dadurch entstand, 
dass der persische König Xerxes den Berg Athos 3 ) vom 
Festlande trennte. Der Berg selbst läuft von der Ebene 
an 75,000 Schritte weit ins Meer, und sein Umfang beträgt 
am Fusse 150,000 Schritte. Auf seinem Gipfel lag vormals 
die Stadt Acroathon; jetzt findet man daselbst Uranopolis, 
Paläorium, Thyssus, Cleonä, Apollonia 4 ), deren Einwohner 
den Beinamen Macrobier führen. Die Stadt Cassera 5 ), 
der Busen auf der andern Seite des Isthmus 6 ), Acanthus 7 ), 
Stagira 8 ), Sithone, Heraclea und die darunter liegende Land- 
schaft Mygdonien, in welcher in einiger Entfernung vom 
Meere Apollonia 9 ) und Arethusa liegen. Wiederum an der 
Küste Posidium, der Meerbusen 10 ) und die Stadt Cermorum, 
das freie Amphipolis 11 ), und die Bisalter. Dann folgt an 
der Grenze von Macedonien der Fluss Strymo 12 ), welcher 
auf dem Hämus entspringt und — was bemerkenswerth ist 
— erst durch 7 Seen geht, bevor er eine bestimmte Rich- 
tung nimmt. 

Diess ist das Macedonien, das sich einst der Weltherr- 
schaft bemächtigt hatte, das sich über Asien, Armenien, 
Iberien, Albanien, Cappadocien, Syrien, Aegypten, den Tau- 
rus und Caucasus ausdehnte, Bactrien, Medien und Persien 
beherrschte, also den ganzen Orient besass, sogar Indien 
besiegte und in die Fusstapfen des Bacchus und Herkules 
trat; diess ist dasselbe Macedonien, von dem unser Feld- 



') Am Ausflusse des Axius lag auch ein Vorgebirge dieses 
Namens. 

2 ) Der Busen bei dieser 8tadt heisst jetzt Golf Kontessa. 

3 ) Monte Santo oder Agios oros. A ) Pollina. 
5 ) Kareis. 6 ) Golf Kontessa. 7 ) Hierisos. 

8 ) Libanova oder Stauros, der Geburtsort des Aristoteles. 

9 ) Beschik. 10 ) Golf Kontessa. 

u ) Emboli. Von den Atheniensern unter Cimon gegründet; Phi- 
lipp nahm sie ein. Sie war der Geburtsort des berüchtigten Kri- 
tikers Zoilos. 

12 ) Struma. Er ergiesst sich in den Meerbusen von Kontessa. 



Viertes Buch. 311 

lierr Paulus Aemilius 1 ) an einem Tage 72 eroberte Städte 
verkaufte. Solch eine Verschiedenheit des Schicksals ging 
von 2 Menschen 2 ) aus. 

18. 
Wir kommen nun nach Thracien 3 ), dessen Bewohner 
unter die kräftigsten Völker Europas gehören. Es wird in 
50 Strategien 4 ) eingetheilt. Von den nennenswerthen Völ- 
kern wohnen auf dem rechten Ufer 5 ) des Strymon die Den- 
selater und Meder, bis zu den obengenannten Bisaltern; 
auf dem linken Ufer die Digerer und viele Stämme der 
Besser bis zum Flusse Nestus 6 ) hin, welcher am Fusse 
des Berges Pangäus 7 ) herum durch die Wohnsitze der Ele- 
ther, Diobesser, Carbileser, Bryser, Sapäer und Odomanter 
fliesst. Aus dem Gebiete der Odryser kommt der Hebrus 8 ), 
an welchem die Cabyleter, Py rogerer, Drugerer, Cänicer, 
Hypsalter, Bener, Corpiller, Edoner wohnen. In demselben 
Distrikte wohnen auch die Selleter, Prianter, Doloncer, 
Thyner, die altern Cöleter am Hämus und die jüngeren 
am Rhodope. Auch ihre Gebiete durchfliesst der He- 
brus. Die am Fusse des Ehodope liegende Stadt hiess 
früher Poneropolis, bald darauf nach ihrem Erbauer Phi- 
lippopolis 9 ), und wird jetzt ihrer Lage (auf drei Bergen) 
wegen Trimontium genannt. Die Höhe des Hämus beträgt 
6000 Schritte. Auf seiner hintern Seite, die sich gegen 
den Ister hin abdacht, wohnen die Mösier, Geter, Aorser, 



*) Der Besieger des Königs Perses ; nach der Schlacht bei Pydna, 
168 v. Chr. 

2 ) Paulus Aemilius und Alexander der Grosse. 

3 ) Romanien, Rumili. 4 ) Militärbezirke. 
5 ) D. i. gegen Westen. 6 ) Karasu. 

7 ) Castagnatz; eigenthch nur ein Theil des Gebirges Rhodope. 
Er war berühmt durch seine Gold- und Silberbergwerke. 

8 ) Maritza. Er ergiesst sich der Insel Samothrace gegenüber in<s 
ägeische Meer. 

9 ) Philippopoli oder Phelibe. Poneropolis, die Stadt der Ver- 
brecher, hiess sie, weil von ihrem Erbauer, dem König Philipp, Ver- 
brecher als Kolonisten dahin geführt wurden. 



312 Viertes Buch. 

Gauder, Ciavier; weiter hin die arräischen Sarmater, auch 
Areater genannt, und die Scythen, und an den Küsten des 
Pontus die Morisener und Sithonier, von denen der Dichter 
Orpheus abstammte. 

Der Ister begrenzt also Thracien im Norden, der Pon- 
tus und Propontis im Osten, und das ägeische Meer im Sü- 
den, an dessen Küste vom Strymon an Apollonia l ), Oesy- 
ma, Neapolis 2 ) und Datos 3 ) liegen. Im Innern des Landes 
liegt die Colonie Philippi, 325,000 Schritte von Dyrrachium 
entfernt. Scotusa, die Gemeinde Topiris 4 ), die Mündung 
des Flusses Mestus, der Berg Pangäus, Heraclea 5 ), Olyn- 
thos 6 ); die freie Stadt Abdera 7 ) der See 8 ) und das Volk 
der Bistoner. Hier lag die Stadt Tirida, berüchtigt durch 
die Pferdeställe des Diomedes 9 ); jetzt steht daselbst Di- 
cäa 10 ) und Ismaron. u ) Die Ruinen von Parthenion, Pha- 
sina und Maronea 12 ), welches früher Ortagurea hiess. Der 
Berg Serrium 13 ) und Zone. Der Ort Doriscus 14 ), der gerade 
10,000 Menschen fasst, wesshalb Xerxes ihn zur Zählung 
seines Heeres benutzte. Die Mündung des Hebrus; der 
Hafen des Stentor 15 ); die freie Stadt Aenos mit dem Grabe 



') Später hiess sie Sozopolis, woraus ihr jetziger Namen Size- 
poli verstanden ist. 2 ) Kavela. 

3 ) Eine durch die Goldbergwerke in ihrer Nähe sehr reiche Stadt, 
früher Crenides genannt. Später gab ihr Philipp von Macedonien den 
Namen Philippi. In ihrer Umgebung wurden Brutus und Cassius von 
Octavian und Antonius geschlagen. Ihr jetziger Name ist Philippi- 
Ghi (4>i\i7Ctcov yr\). 

4 ) Cavalla. r ') Rasluk. °) Agio Mama. 

7 ) Der Geburtsort des Democrit und Protagoras. Noch jetzt fin- 
det man Ruinen von ihr bei Jenidsche-Karasu, am Karasu. 

8 ) Lago di Bistogna. 

9 ) Ein thracischer König, der nach der Fabel alle Fremde seinen 
teuerschnaubenden Rossen zum Futter vorwarf. Hercules besiegte ihn 
und Hess ihn zur Strafe für seine Grausamkeit von seinen eigenen 
Pferden fressen. 

,0 ) Burun. n ) Imahan. 12 ) Marogna. ,3 ) Cap Makri. 
l4 ) Ebene von Rumigick; Xerxes füllte den Ort hundertundsie- 
benzigmal, sein Heer war also 1,700,000 Mann stark. HerodotVH. 59. 
,B ) Bojis Korfusi. 



Viertes Buch. 313 

des Polydorus *), ehemals das Gebiet der Ciconer. Von Do- 
riscus an macht die Küste eine Krümmung von 122,000 
Schritten bis nach Macron Tichos. Bei letzterm Orte mün- 
det der Fluss Melas 2 ), von dem der Meerbusen seinen Na- 
men hat. Hier die Städte: Cypsella 3 ), Bisanthe 4 ) und 
Macron Tichos 5 ), so genannt, weil vom Propontis bis zum 
melanischen Meerbusen sich eine Mauer zwischen den bei- 
den Meeren hinzieht und den vorlaufenden Chersones absperrt. 
Thracien hat aber auf der andern Seite, da wo es an 
der pontischen Küste, in der Nähe der Mündung des Ister 
seinen Anfang nimmt, die schönsten Städte, als: Istropo- 
lis 6 ), von den Milesiern erbauet, Tomi 7 ) und Calatis 8 ), 
welches früher Acervetis hiess. Hier lag auch Heraclea 
und Bizone, was von der Erde verschlungen wurde; jetzt 
steht daselbst Dionysopolis 9 ), früher Cruni genannt, und 
der Fluss Ziras fliesst an ihr vorbei. Diesen ganzen Land- 
strich haben die sogenannten aroterischen Scythen inne ge- 
habt. Ihre Städte waren: Aphrodisias, Libistos l0 ), Zigene, 
Rocobe 11 ), Eumenia 12 ), Parthenopolis 13 ), Gerania 14 ), wo die 
Pygmäer gewohnt haben sollen; die Barbaren nennen diese 
Cattuzer und glauben, sie seien von den Kranichen ver- 
jagt worden. An der Küste bei Dionysopolis liegt das von 
den Milesiern gegründete Odessus 15 ); der Fluss Panysus 16 ); 
die Stadt Tetranaulochus 17 ); das Gebirge Hämus 18 ), wel- 
ches mit seinem breiten Rücken 19 ) in den Pontus reicht, 
und auf dessen Gipfel früher die Stadt Aristäum lag. Jetzt 
befinden sich an der Küste: Mesembria 20 ), Anchialum 21 ), wo 



') Sohn des Priamus, Königs von Troja. 

*) Salduti. Er entspringt bei Adrianopel; der Meerbusen, in den 
er sich ergiesst, heisst jetzt der Meerbusen von Saros. 
3 ) Ipsala. 4 ) Rodosto. °) Magar. 
,; ) Karahirman. 

7 ) Tomismar oder Baba, der Verbannungsort Ovids. 

8 ) Schablefer. 9 ) Baltschik. ,0 ) Oliben. «) Takfurgköl. 
,2 ) Gojemlik. 13 ) Hadsji-Oglu-Bazardsjik. u ) Karaagatsch. 

15 ) Varna. I6 ) Varna. ,7 ) Emineh. '*) Balkan. ,9 ) Cap Emineh. 
20 ) Misevira. 2l ) Ahioli. 



314 Viertes Buch. 

früher Messa stand. In der Landschaft Astico lag sonst 
die Stadt Anthium, jetzt Apollonia. x ) Flüsse sind: der Pa- 
nisus, Rira 2 ), Teams 3 ) und Orosines. Städte: Thynias 4 ), 
Halmydessos 5 ) , Develton 6 ) mit einem See, jetzt Deultum 
genannt und von den Veteranen angelegt; Phinopolis 7 ) am 
Bosporus. Vom Ausflusse des Ister bis zur Mündung des 
Pontus rechnen Einige 555,000 Schritte; Agrippa fügt 
noch 60,000 hinzu. Von hier aus bis zu der oben erwähn- 
ten Mauer beträgt die Entfernung 150,000 und von der 
Mauer bis zum Chersones 126,000 Schritte. 

Am Bosporus liegen: der Meerbusen Casthenes 8 ), der 
Hafen der Greise 9 ), und noch ein anderer, welcher Weiber- 
hafen 10 ) heisst. Das Vorgebirge Chrysoceras, an welchem 
die freie, früher Lygos genannte Stadt Byzanz n ) liegt. Von 
Dyrrachium ist sie 711,000 Schritte entfernt; eine solche 
Ausdehnung hat das feste Land zwischen dem adriatischen 
Meere und dem Propontis. 12 j Flüsse: der Bathynias, Py- 
daras oder Athyras. Städte: Selymbria 13 ), Perinthus 14 ), 
welches durch eine 200 Fuss breite Landenge mit dem 
Festlande zusammenhängt. Im Innern liegt Bizya 15 ), ein 
Schloss der thracischen Könige, welches seit dem schänd- 
lichen Verbrechen des Tereus 16 ) von den Schwalben ge- 



') Sizepoli. -) Kamczik. 

3 ) Deare = Dere. 4 ) Inada. 5 ) Midje. 6 ) Zagora. 

7 ) Iniinahaie. 8 ) Bujukdere. 9 ) Stenia. I0 ) Balta Liman. 

n ) Konstantinopel. 12 ) Meer von Mannora. 

13 ) Selivria. ") Erekli. 15 ) Visaolla. 

16 ) Tereus, ein Sohn des Mars und der Nymphe Bistonis König 
in Thracien, schändete Philomele, die Schwester seiner Gemahlin 
Procne, schnitt ihr, um nicht verrathen zu werden, die Zunge aus, 
sperrte sie ein und gab sie für todt aus. Allein Philomele fand Ge- 
legenheit, die Geschichte ihres Unglücks in ein Tuch zu sticken, 
und dieses der Procne zu senden, die dann aus Rache ihren eigenen 
Sohn Itys schlachtete, ihrem Gemale zum Essen vorsetzte, und als 
dieser nach seinem Sohne fragte, ihm es entdeckte, worauf in dem- 
selben Augenblicke die hereintretende Philomele ihm das Haupt ins 
Gesicht schleuderte. Tereus wollte beide mit dem Schwerte ermor- 
den, allein in dem Augenblicke wurde Procne in eine Schwalbe, Phi- 
lomele in eine Nachtigall und Tereus in einen Wiedehopf verwandelt. 



Viertes Buch. 315 

mieden wird. Der cänische District, die Colonie Flavio- 
polis, wo früher die Stadt Zela stand. 50,000 Schritte von 
Bizya entfernt liegt die Colonie Apros x ), welche von Phi- 
lippi 189,000 Schritte entfernt ist. An der Küste fliesst 
der Erginus; früher lag hier die Stadt Ganos; auch Lysi- 
machia 2 ) auf dem Chersones wird immer öder. Es giebt 
hier noch eine andere Landenge, die mit jener (der corin- 
thischen) den Namen Isthmus führt, und ihr auch an Breite 
gleich kommt. Auch steht auf jedem der beiden Ufer eine 
berühmte Stadt, welche die Landenge auf ähnliche Weise 3 ) 
begrenzen, nämlich Pactye am Propontis und Cardia am 
melanischen Meerbusen; letztere Stadt hat den Namen von 
der Gestalt des Terrains erhalten. 4 ) Beide wurden nach- 
her mit dem 5000 Schritte von der langen Mauer entfernten 
Lysimachia vereinigt. Vormals lagen auf der dem Propon- 
tis zugekehrten Seite des Chersonesos die Städte: Tiristasis, 
Chrithote und Cista am Flusse Aegos 5 ); jetzt befindet sich 
daselbst nur noch Resistos, 22,000 Schritte von der Colonie 
Apros entfernt und der parianischen 6 ) Colonie gegenüber. 
Auch am Hellesponte 7 ), der, wie wir gesagt haben 8 ), 
Asien von Europa durch einen Zwischenraum von 7 Sta- 
dien trennt, liegen 4 Städte einander gegenüber, nämlich 
in Europa Callipolis 9 ) und Sestos 10 ), und in Asien Lamp- 
sacus u ) und Abydos . 12 ) Dann folgt auf dem Chersones 
das Vorgebirge Mastusia 13 ) dem Vorgebirge Sigeum 14 ) ge- 
genüber, auf dessen schräger Vorderseite Cynossama, oder 
das Grabmal der Hecuba 15 ), ein Ankerplatz der Achäer. 



l ) Arhun. -) Esemü. 

3 ) Wie Lecheae und Cenchreae. 4 ) "Von xagöiu Herz. 

5 ) Argos Potamos, d. i. Ziegenfluss , Jugdir Hinan. Hier besiegte 
Lysander, der Feldherr der Spartaner, 406 v. Chr., die Athenienser, 
und machte ihrer Freiheit und dem peloponnesischen Kriege ein Ende. 

6 ) Kemares. 7 ) Strasse der Dardanellen. 

8 ) II. B. 92. C. 9 ) Gallipoli. 10 ) Jalova. ») Lapsak. «) Nagara . 
13 ) Cap Greco. ") Jenischehr. 

15 ) Gemalin des Priamus, die nach ihrem Tode in eine Hündin 
verwandelt wurde, daher xvvoq oijfiv.. 



316 Viertes Buch. 

Dev Thurm und Tempel des Protesilaus l ); und auf der 
äussersten Spitze des Chersones, welche Aeolium heisst, 
die Stadt Eläus. 2 ) Am melanischen Meerbusen liegen die 
Häfen Cölos 3 ), Panhormus und das oben genannte Cardin. 
Hiermit scbliesst sich der dritte Hauptbusen von Europa. 
Ausser den schon genannten Bergen 4 ) sind noch folgende 
in Thracien zu bemerken: der Edonus, Gigemoros, Meritus, 
Melamphyllos. Flüsse, welche sich in den Hebrus ergiessen, 
sind: der Bargus und Syrmus. 5 ) Die Länge von Macedo- 
nien, Thracien und dem Hellespont ist schon oben angege- 
ben. Andere berechnen sie auf 720,000 Schritte. Die 
Breite beträgt 384,000 Schritte. 

Das ägeische Meer 6 ) hat seinen Namen von Aex 7 ), 
einem zwischen Teuus 8 ) und Chios f») gelegenen Stück 
Landes, welches aber eher ein Felsen als eine Insel ge- 
nannt zu werden verdient; es springt steil aus dem Meere 
hervor und ist nach seiner ziegenähnlichen Gestalt (all; 
heisst im Griechischen die Ziege) benannt. Die Schiffer, 
welche von Achaja nach Andros 10 ) zusegeln, haben ihn 
zur Rechten, und halten ihn für gefährlich und Unheil brin- 
gend. Ein Theil des ägeischen Meeres heisst das myr- 
toische, nach einer kleinen Insel, die denen, welche von 
Gerästus n ) nach Macedonien fahren, unweit Carystus in 
Euböa zu Gesicht kommt. Die Römer bezeichnen alle die- 
se Meere mit nur 2 Namen; sie nennen nämlich das, was 
Macedonien und Thracien berührt, das macedonische, und 
das, was an Grichenland grenzt, das griechische Meer. 
Die Griechen theilten auch das jonische Meer nach den 
darin liegenden Inseln in das sicilische und cretische, das 
icarische nennen sie das zwischen Samos und Myconus. 



') War der erste, welcher bei der Landung der Griechen vor 
Troja ans Land sprang. (Homers Iliade II. 695.) Er wurde von den 
Griechen göttlich verehrt. 

2 ) Von ihr sind noch Ruinen vorhanden. 

3 ) Kilidbahr. 4 ) Hämus, Pangäus und Rhodope. "') Usunuv.a. 
«) Archipel. 7 ) Calviero. , 8 ) Tino. 9 ) Skio. 10 ) Andro. 

") Karysto. 



Viertes Buch. 317 

Die übrigen Namen sind von den Meerbusen entlehnt, welche 
wir angeführt haben. — So verhält es sich mit den Meeren 
und Völkern des dritten Hauptbusens von Europa. 

19. 

Es folgen nun die Inseln, und zwar zuerst Thespro - 
tien gegenüber, 12,000 Schritte von Buthrotum und 50,000 
Schritte von den acroceraunischen Gebirge, Corcyra J ) mit 
einer freien Stadt gleichen Namens, der Stadt Casslope 2 ) 
und einem Tempel des Jupiter Cassius. Ihre Länge be- 
trägt 97,000 Schritte; bei Homer 3 ) heisst sie Scheria und 
Phäacia, bei Callimachus auch Drepane. Um sie herum 
liegen noch einige andere Inseln , als Thoronos 4 ) gegen 
Italien, die beiden Paxoe B ) gegen Leucadien zu und 5000 
Schritte von Corcyra. Nicht weit von diesen liegen vor 
Corcyra: Ericusa 6 ), Marathe, Elaphusa, Malthace, Trachie, 
Pythionia, Ptychia 7 ), Tarachie. Bei dem auf Corcyra be- 
findlichen Vorgebirge Phalacrum 8 ) befindet sich eine Klippe, 
die einem Schiffe ähnlich sieht, woher die Fabel entstand, 
dass das Schiff des Ulysses in sie verwandelt worden sei. 
Vor Leucimena 9 ) liegt Sibota. 10 ) Zwischen Leucadien u ) 
und Achaja aber liegen noch sehr viele Inseln, unter ihnen 
die Teleboiden oder von ihren Bewohnern die taphischen 
genannt, als: Taphias 12 ), Axiä 13 ) und Prinoessa; und vor 
Aetolien dieEchiuaden: Aegialia, Cotonis, Thyatira, Geoaris, 
Dionysia, Cyrnus, Chalcis, Pinara, Mystus. 

Vor diesen auf dem hohen Meere liegen Cephalania u ), 
Zacynthus 15 ), beide frei, Ithaka 16 ), Dulichium 17 ), Same 18 ), 



») Korfu. 2 ) Cassopo. ;i ; Odyssee IV. 34. XIII. 160. 

*) Fano. 5 ) Paxo und Antipaxo. 6 ) Varcusa. 7 ) Scoglio di Vido. 

8 ) Cap Sidari, auf dem nördlichen Theile von Korfu. 

'•') Cap Lechino. 10 ) S. Nicolo. ") Santa Maura. 

a ) Meganisi. ,a ) Cursolari. 14 ) Cefälonia. ,5 ) Zante. 

") Thiaki — das Vaterland des Ulysses. 

17 ) Jetzt mit dem festen Lande vereinigt. 

18 ) So nennt Homer (IV. 671. 845) die Insel Cephalonia. was PI. 
übersehen zu haben scheint, weil er Same als besondere Insel anführt 
Auch eine Stadt auf Cephalonia hiess Same. 



318 Viertes Buch. 

Crocylea. x ) Von Paxos ist Cephalania, welches früher 
Meläna hiess, 103,000 Schritte entfernt, ihr Umfang beträgt 
44,000. Same ist von den Römern 2 ) verwüstet, hat aber 
doch noch 3 Städte. Zwischen Cephalania und Achaja liegt, 
berühmt durch eine prächtige Stadt und grosse Fruchtbarkeit, 
^acyuthus, ehemals Hyrie genannt, von der südlichen Küste 
Cephalaniens 25,000 Schritte entfernt. Auf ihr befindet 
sich der bekannte Berg Elatus. 3 ) Ihr Umfang misst 
36,000 Schritte. Ithaka mit dem Berge Neritus liegt 15,000 
Schritte weit von ihr, und hat im Umfange 25,000 Schritte. 
Von Ithaka bis zum Vorgebirge Araxus 4 ) auf dem Pelo- 
ponnes sind 12,000 Schritte. Vor Ithaka liegen auf dem 
hohen Meere Asteris 5 ) und Prote 6 ); vor Zacynthus, 35,000 
Schritte weit gegen Südost die beiden Strophaden 7 ), von 
andern Plotae genannt. Vor Cephalania liegt Letoia 8 ); 
vor Pylus die 3 sphagischen 9 ) und vor Messene die 3 
önussischen 10 ) Inseln. 

Im asinäischen Meerbusen n ) liegen die 3 Thyriden 12 ), 
im lacedämonischen Teganusa 13 ), Cothon, Cythera 14 ), früher 
Porphyris genannt, mit einer Stadt. Sie liegt 5000 Schritte 
vom Vorgebirge Malea entfernt, der Zwischenraum ist aber 
wegen einiger engen Stellen für die Schiffe gefährlich. Im 
argolischen Busen liegen Pityusa 15 ), Irine 16 ), Ephyre 17 ); 
dem hermionischen Gebiete gegenüber: Tiparenus 18 ), Ape- 
ropia 19 ), Colonis 20 ) und Aristera 21 ); Trözenium gegenüber 
in einer Entfernung von 500 Schritten: Calauria 22 ), ferner 
Plateis, Belbina, Lasia, Baucidias. Epidaurus gegenüber 



») Calamota. -) 189 v. Chr. 3 ) Scopo. 4 ) Papas. 

5 ) Diesen Namen führten in der ältesten Zeit auch die Inseln 
Delos, Rhodos und Creta. 

6 ) Prodano. 7 ) Strofadi und Strivali. 8 ) Guardiani. 
9 ) Sphagia. 10 ) Sapienza, Santa Maria und Caprera. 
») Golf von Modon. 

,2 ) Sie heissen alle drei Venetico. 

,3 ) Cervi. u ) Cerigo. 15 ) Falconefa. 16 ) Kavuri. ") Hypsili. 

18 ) Spezia. 19 ) Doko. *>) Spezia Pulo. 

21 ) Hydron. 22 ) Porös. 



Viertes Buch. 319 

liegen: Cecryphalos *) und Pityonesos 2 ), 6000 Schritte vom 
Festlande. 15,000 Schritte von dieser liegt Aegina 3 ), eine 
freie Insel; die Fahrt längs derselben beträgt 18,000 Schritte ; 
von dem athenieDsischen Hafen Piräus ist sie 20,000 Schritte 
entfernt, und ihr früherer Name war Oenone. Dem Vorge- 
birge Spiräus 4 ) gegenüber liegen: Eleusa, Dendros, die 
beiden Craugiä, die beiden Caeciä, Seiachusa, Cenchreis und 
Aspis. Im megarischen Meerbusen sind die 4 Mathuriden. 5 ) 
Aegila 6 ) aber ist von Cythera 15,000, und von Phalasarna, 
einer Stadt auf Creta, 25,000 Schritte entfernt. 

20. 
Die Insel Creta 7 ), welche mit der einen Seite gegen 
Süden, mit der andern gegen Norden liegt, also ihre läng- 
ste Ausdehnung von Osten nach Westen hat, ist durch 100 
Städte berühmt. Dosiades 8 ) leitet ihren Namen von der 
Nymphe Creta, Anaximander 9 ) von einer Tochter der 
Hesperis, Philistides aus Mallos von einem Könige der 
Cureten ab. Nach Crates 10 ) hiess sie anfangs Aeria, dann 
Curetis, und Macaron 11 ) soll sie, nach der Meinung Einiger, 
wegen ihres Klimas genannt worden sein. Sie ist nirgends 
über 50,000 Schritte breit, in der Mitte am breitesten, ihre 
Länge beträgt 270,000 und ihr Umfang 589,000 Schritte. 
Sie wendet sich in das nach ihr benannte cretische Meer 
und streckt da, wo sie am längsten ist, gegen Morgen das 
Vorgebirge Sammonium 1 ' 2 ) nach Rhodus, gegen Abend aber 
das Vorgebirge Criumetopon 13 ) nach Cyrenae aus. Ihre 
bemerkenswerthesten Städte sind: Phalasarne, Elaea, Cisa- 
mum 14 ), Pergamum, Cydon 15 ), Minoum 16 ), Apteron 17 ), Pan- 
tomatrium 18 ), Amphimalla 19 ), Rhithymna 20 ), Panhormum 21 ), 

') Kerates. -) Anchistri. 3 ) Engia oder Egina. 4 ) Capo Franco. 
•"') Revitiuza. 6 ) Cerigotto. 7 ) Candia. 

8 ) Ein griechischer Dichter aus Rhodos im 3. oder 4. Jahrh. v. Chr. 

9 ) Von Milet, geb. 610 v. Chr., t 548. 

,0 ) Von Mallos, lebte im 2. Jahrh. v. Chr. 
n ) Nämlich vTjooq xäiv /xaxaQatv, Insel der Glückseligen. 
'-) Cap Salomon. ,3 ) Cap Crio. M ) Kissamo. ,5 ) Kanea. 
,6 ) Gnim. ,7 ) Paleocastro. 18 ) Porpatumeno. ,9 ) Suda. 
*°) Retimo. -') Panormo. 



320 Viertes Buch. 

Cytäum 1 ), Apollonia, Matium, Heraclea 2 ), Miletos 3 ), Am- 
pelos 4 ), Hierapytna 5 ), Lebena 6 ), Hierapolis. 7 ) Mitten 
auf der Insel: Gortyna 8 ), Phästum, Gnossus 9 ), Polyrrhe- 
num 10 ), Myrina, Lycastus, Rhammus, Lyctus 11 ), Dium 12 ), 
Asum, Pyloros, Rhytion, Elatos, Pharä, Holopyxos, Lasos, 
Eleuthernä 13 ), Therapnä, Marathusa, Cylissos, und noch etwa 
60 andere. Berge: der Cadistus 14 ), Idäus 15 ), Dictynnäus 16 ) 
und Corycus. 17 ) Von ihrem Vorgebirge Criumetopon bis 
zum eyrenischen Vorgebirge Phycus 18 ) beträgt die Ent- 
fernung nach Agrippa 125,000 Schritte. Ebensoweit ist es 
vom Cadistus an; von dem peloponnesischen Vorgebirge 
Malea 80,000 Schritte; von der Insel Carpathus 19 ) bis zum 
Vorgebirge Sammonium, in westlicher Richtung60,000 Schritte. 
Letztere Insel liegt zwischen Creta und Rhodus. 

Die übrigen um Creta liegenden Inseln sind: vor dem 
Peloponnes die beiden Corcyrae und die beiden Mylae; nörd- 
lich, also der Insel Creta zur Rechten, gegen Cydonia hin 
liegt Leuce 20 ) und die beiden Budroä. 21 ) Gegen Matium: 
Dia 22 ); gegen das Vorgebirge Itanum 23 ): Onisia 24 ) und 
Leuce; gegen Hierapytna: Chrysa 25 ) und Gaudos 26 ), ferner 
Ophiussa, Buton und Aradus, und wenn man Criumetopon 
umsegelt hat, gelangt man zu den drei Musagoren. Vor 
dem Vorgebirge Sammonium liegen: Phoce, Platiä, Sirnidis, 
Naulochos, Armedon, Zephyre. 27 ) 

Im helladischen und ägeischen Meere liegen die Licha- 
den, Scarphia, Coresa, Phocaria, und noch mehrere andere 



') Sittia. 2 ) Candia. 3 ) Milipotamo. ') Ambellas. 5 ) Girapetni. 

6 ) Lionda. ') Xacro. 8 ) Ajusdeka. 9 ) Ginosa. 19 ) Versanachia. 

") Ligortino. 

,2 ) Nach Ptolemäus lag auf Creta auch ein Vorgebirge dieses 
Namens. ,3 ) Televerna. ,4 ) Lemi. 

,5 ) Der Ida, jetzt Psilorito. ' 6 ) Lassiti. ") Cap Buso. 

!8 ) Ras-al-Sem. ») Scarpanto. 20 ) S. Teodoro. 21 ) Turluru. 

22 ) Standia. 23 ) Cap Sacro. 24 ) Kufonisi. 25 ) Gaidurognissa. 

- 6 ) Gadelonis. Plinius scheint hier Ciaudos mit Gaudos verwech- 
selt zu haben. Jenes lag allerdings Hierapytna gegenüber; Gaudos 
aber, jetzt Gozzo, liegt nach dem Vorgebirge Criumetopon hin. 

27 ) Alle diese sind mehr Klippen. 



Viertes Buch. 321 

im Angesicht von Attica, aber ohne Städte und daher un- 
bedeutend. Allein gegen Eleusis hin liegen das berühmte 
Salamis 1 ), vor dieser Psytalia 2 ); ferner Helene 3 ), welche 
von Sunium 5000 Schritte entfernt ist. Ceos 4 ) oder Hy- 
drussa von den Griechen, Cea von den Römern genannt, 
liegt ebensoweit davon entfernt; sie ist von Euböa abge- 
rissen und war früher 500 Stadien lang; später wurden fast 
vier Fünftheile davon auf der nach Böotien zugekehrten 
Seite vom Meere verschlungen. Die auf ihr noch übrig 
gebliebenen Städte sind Julis und Carthäa 5 ), untergegangen 
sind: Coresus und Pöeessa. Auf dieser Insel wurden nach 
M. Varro zuerst feinere Frauengewänder verfertigt. 

21. 
Euböa 6 ) ist von Böotien losgerissen; der dazwischen 
fliessende Kanal Euripus 7 ) ist aber so schmal, dass sie mit 
dem Festlande durch eine Brücke zusammenhängt. Im 
Süden hat sie zwei Vorgebirge, Gerästum 8 ) gegen Attica 
und Caphereum 9 ) gegen den Hellespont zu; im Norden liegt 
Cenäum 10 ). Nirgends ist sie breiter als 40,000 und nir- 
gends schmäler als 2000 Schritte. In der Länge aber er- 
streckt sie sich ganz an Böotien, von Attica bis nach Thes- 
salien, in einer Ausdehnung von 150,000 Schritten hin; ihr 
Umfang beträgt 365,000 Schritte. Ihr Vorgebirge Caphereum 
ist vom Hellesponte 225,000 Schritte entfernt. Ehemals 
hatte sie folgende berühmte Städte: Pyrrha, Porthmus, Ne- 
sus 11 ), Cerinthus, Oreum 12 ), Dium 13 ), Ardepsus u ), Ocha 15 ), 
Orchalia 16 ). Jetzt sind noch bemerkenswerth: Chalcis 17 ), 
welcher Aulis auf dem Festlande gegenüber liegt, Ge- 
rästum 18 ), Eretria 19 ), Carystus 20 ), Oritanum, Artemisium; 

') Coluri; berühmt durch den Sieg der Griechen unter Themi- 
socles über die persische Flotte, 480 v. Chr. Auf ihr wurde Euri- 
pides am Tage jenes Sieges geboren. 

2 ) Lipso Contaüa. 3 ) Macranisi. 4 ) Zea. 5 ) Zea. 

6 ) Negroponte. 7 ) Euripo. 8 ) Karysto. 9 ) Doro. 

»o) Cap Heüenico. ") Neso. ,2 ) Orio. ,3 ) Litada. u ) Dipso. 

I5 ) Auf Euböa lag auch ein Berg dieses Namens. ,6 ) Kapo. 

") Negroponte. ,8 ) Karysto. ,9 ) Trocco. -°) Castell Rosso. 

21 



322 Viertes Buch. 

ferner die Quelle Arethusa, der Fluss Lelauthus und die 
warmen Quellen, Ellopia genannt. Noch berühmter aber 
ist die Insel durch den carystischen Marmor. Ehemals hiess 
sie Chalcodontis oder Macris, wie Dionysius *) und Epho- 
rus 2 ) berichten; Macra nach Aristides 3 ); Chalcis wegen 
des dort zuerst gefundenen Erzes, nach Callidemus 4 ), Aban- 
tias nach Menächmus 5 ); Asopis aber heisst sie gewöhnlich 
bei den Dichtern. 

22. 
Ausser Euböa liegen noch viele Inseln im myrtoischen 
Meere, von denen Glauconesos 6 ) und Aegila 7 ) die bemer- 
kenswert!] esten sind. Beim Vorgebirge Gerästum liegen um 
Delos in einem Kreise herum, die daher so benannten Cy- 
c laden 8 ). Die erste derselben ist Andros 9 ) mit einer 
Stadt 10 ), 10,000 Schritte von Gerästum und 39,000 von Ceos 
entfernt. Nach Myrsilus Berichte soll sie zuerst den Bei- 
namen Cauros, dann Antandros erhalten haben. Callima- 
chus n ) nennt sie Lasia, Andere nennen sie Nonagriä, Hy- 
drussa, Epagris ; ihr Umfang beträgt 93,000 Schritte. Von die- 
ser Insel Andros sind es 1000, und von Delos 15,000 Schritte 
bis nach Tenos 12 ), auf welcher sich eine Stadt u ) befindet. 
Tenos, welche 15,000 Schritte lang ist, wird nach Aristo- 
teles wegen ihres Reichthums au Wasser Hydrussa, von 
Andern aber Ophiussa genannt. Die übrigen sind: Myco- 
nos 14 ) mit dem Berge Dimastus, 15,000 Schritte von Delos 



') Von Byzanz? 

2 ) Von Cumae in Kleinasien, lebte im 4. Jahrb.. v. Chr. 

3 ) Von Milet. 4 ) Unbekannt. 

5 ) Von Sicyon, Bildhauer und Schriftsteller. 

6 ) Pondico. 7 ) Spitilus. 

8 ) Der Zahl nach waren es ausser Delos 22, die man unter die- 
ser Benennung begriff; nämlich: Rhenäa, Myconos, Tenos, Andro s, 
Gyarus, Ceos, Syrus, Cythnus, Seriphos, Siphnos, Cimolis , Melos 
Anaphe, Astopaläa, Amorgos, Lebinthus, los, Naxos, Paros, Oliarus, 
Prepesinthus. 

9 ) Andro. ,0 ) Arna. ") Von Cyrene, um 280 v. Chr. 
'-) Tino. 13 j S. Nikolo. u ) Myconi. 



Viertes Buch. 323 

entfernt; Siphnue x ), früher Meropia, auch Acis genannt, 
28,000 Schritte im Umfange; Seriphus 2 ) 12,000 Schritte im 
Umfange, Prepeshithus 3 ) und Cythnus 4 ). Die berühmteste 
von allen aber ist Delos 5 ), welche in der Mitte liegt, we- 
gen des Tempels des Apollo und ihres Handels; sie schwamm, 
wie man erzählt, lange auf dem Meere umher und wurde 
nie von einem Erdbeben betroffen. Bis zum Zeitalter des 
M. Varro ist sie jedoch, wie Mucian berichtet, zweimal er- 
schüttert wurden. Nach Aristoteles soll sie ihren Namen 
daher erhalten haben, weil sie plötzlich aus dem Meere em- 
por stieg 6 ). Aeglosthenes 7 ) nennt sie Cynthia, Andere ge- 
ben ihr die Namen Ortygia, Asteria, Lagia, Chlamydia, 
Cynthus, Pyrpile aber, weil daselbst das Feuer zuerst erfun- 
den sein soll. Ihr Umfang beträgt 5000 Schritte; auf ihr 
erhebt sich der Berg Cynthus 8 ). Ihr zunächst liegt Rhene 9 ), 
welche Anticlides 10 ) Celadussa, Callidomus n ) aber Arte- 
mis nennt. Syros 12 ) soll nach dem Berichte der Alten 
20,000, nach Mucian aber 160,000 Schritte im Umfange 
haben. Olearos 13 ); Paros 14 ) mit einer Stadt 15 ), 38,000 
Schritte von Delos entfernt und berühmt durch seinen Mar- 
mor, hiess zuerst Platea, dann Minois. 7500 Schritte da- 
von liegt Naxos 16 ) mit einer Stadt 17 ), 18,000 Schritte von 
Delos; sie hiess erst Strongyle, dann Dia, nachher Diony- 
sias wegen ihres reichen Ertrages an Wein; Andere nann- 
ten sie Kleinsicilien oder Callipolis. Ihr Umfang beträgt 
45,000 Schritte, sie ist also um die Hälfte grösser als Paros. 

23. 
Soviel von den Cycladen; die nun folgenden Inseln 
heissen Sporaden. Es sind: Helene 18 ), Phacussa 19 ), Nica- 



•) Sifanto; sie war wegen ihrer Gold- und Silberbergwerke be- 
rühmt. -) Serfo. 3 ) Strongylo. 4 ) Thermia. 5 ) Delo. 
6 ) Von ÖTJkog sichtbar, offenbar. 7 ) Unbekannt. 
8 ) Cintio. 9 ) Sdili oder Gross-Delo. I0 ) Unbekannt. 
M ) Gleichfalls unbekannt. M ) Syra. ,3 ) Antiparo. ") Paro. 
15 ) Parichia. 16 ) Nakscha. ") Nakscha. 
»•) Pira. '») Gofinissa. 

21* 



324 Viertes Buch. 

sia *), Scbinussa 2 ), Pholegandros 3 ) und die von Naxos 
38,000 Schritte entfernte Icaros 4 ), von welcher das 
Meer den Namen hat; sie ist ebenso lang und hat zwei 
Städte, eine dritte ist untergegangen. Früher führte 
sie den Namen Doliche, Macris, Ichthyoessa. Von Delos 
liegt sie 50,000 Schritte weit gegen Morgen zu, von Samos 
35,000. Zwischen Euböa und Andros befindet sich eine 
10,000 Schritte breite Meerenge. Von Icaros nach Gerästum 
sind es 112,500 Schritte. Bei den übrigen Inseln können 
wir uns an keine bestimmte Ordnung halten, wir wollen 
sie daher gruppenweise vornehmen. Scyros 5 ) ; J o s 6 ) von Naxos 
18,000 Schritte entfernt und durch das Grabmal Homer's 
verehrungswürdig, hiess ehedem Phönice und hat eine Länge 
von 25,000 Schritten. Odia, Oletandros 7 ), Gyaros 8 ) mit 
einer Stadt; letztere hat 12,000 Schritte im Umfange und 
ist von Andros 62,000 Schritte entfernt, von Scyros aber 
80,000 Schritte. Cynäthus, Telos 9 ), berühmt durch seine 
Salben, heisst bei Callimachus Agathussa. Donusa 10 ), 
Patmos n ) mit einem Umfange von 30,000 Schritten; Co- 
rasiä 12 ), Leblnthus 13 ), Leros 14 ), Cinara, Sicinus 15 ), früher 
Oenoe, Hieraca oder Onus, Casus 16 ) oder Astraba, Cimo- 
lus 17 ) oder Echinussa; Melos 18 ) mit einer Stadt, bei Aristi- 
des Memblis, bei Aristoteles Zephyria, bei Callimachus 
Mimallis und bei Heraclides 19 ) Siphis und Acytos. Sie ist 
die rundeste von allen Inseln. Dann folgt Machia 20 ), Hy- 
pere, welche früher Patage oder nach Andern Piatage, jetzt 
aber Amorgos 21 ) heisst; Palyägos 22 ), Phyle 23 ), Thera 24 ), die, 



') Rachia. 2 ) Skinossa. 

3 ) Policandro. 4 ) Nicaria. 

5 ) S. Georgio cli Skyro. 6 ) Nio. 7 ) Acariez. 

8 ) Jura; ein unwirthbarer Felsen, wohin unter den römischen 
Kaisern die Missethäter verwiesen wurden. 

9 ) Piscopia. 10 ) Stenosa. ") Palmosa. ,2 ) Dragonisi. 13 ) Levitho. 
u ) Lero. ,5 ) Sicino. 16 ) Casso. ") Cimolo. 18 ) Milo. 

,9 ) Welcher? ist nicht zu bestimmen. 
20 ) Paximadi. "; Amorgo. —) Polino. 
a3 ) Antimilo. 24 ) Santorin. 



Viertes Buch. 325 

als sie eben aus dem Meere hervorgetreten war, Calliste 
hiess. Von dieser wurde nachher Therasia J ) abgerissen; 
später entstieg zwischen diesen beiden Automate, auch 
Hiera 2 ) genannt, und neben diesen ist zu unsern Zeiten 
noch die Insel Thia 3 ) entstanden. los liegt von Thera 
25,000 Schritte entfernt. 

Nun folgen: Lea 4 ), Ascama 5 ), Anaphe 6 ), Hippuris; die 
freie Insel Astypaläa 7 ) mit einem Umfange von 88,000 
Schritten ist von Cadistus auf Creta 125,000 Schritte ent- 
fernt. Platea liegt 60,000 von ihr und von da Caminia 
38,000 Schritte weit. Azibintha, Lanise, Tragäa, Pharma- 
cussa 8 ), Techedia, Chalcia 9 ), Calydna mit der Stadt Coos, 
Calymna 10 ), welche von Carpathus, von der das carpathische 
Meer seinen Namen hat, 25,000 Schritte entfernt ist. Von 
da beträgt in südlicher Richtung bis Rhodus die Entfernung 
50,000 Schritte; von Carpathus nach Casos 7000, von Casos 
nach dem Vorgebirge Samoninm auf Creta 30,000 Schritte. 
Im euböischen Euripus, fast am Eingange, liegen die vier 
petalischen Inseln 11 ), und beim Ausflusse Atalante 12 ). Die 
Cycladen und Sporaden sind gegen Osten von den icarischen 
Küsten in Asien, gegen Abend von den myrtoischen i» 
Attica, gegen Norden vom ägeischen und gegen Süden vom 
cretischen und carpathischen Meere eingeschlossen. Sie 
dehnen sich in einer Länge von 700,000 und in einer Breite 
von 200,000 Schritten aus. 

Vor dem pagasischen Meerbusen 13 ) liegen Euthia w ), 
Cicynethus 15 ) und die oben erwähnte Scyrus, die äusserste 
der Cycladen und Sporaden; Gerontia 16 ), Scandila 17 ), vor 
dem thermäischen 18 ): Irrhesia, Solimnia, Eudemia 19 ), Nea 20 ), 



') Tiresia. 2 ) Aspronisi. 

3 ) Nea - Kaimeni. 4 ) Piana, auch Pianoso. 5 ) Christiana. 

6 ) Nanfi. 7 ) Stampalia. 

») Fernaco. 9 ) Charki (bei Rhodus). 10 ) Calamine. 

'») Spili. '2) Talanta. 13 ) Golf von Volo. 

,4 ) Agios Nicolaos. ,5 ) Trikeri. ,6 ) Jura. 

") Skangero. ,8 ) Golf von Salonichi. 

'») Sarakin. ») Agio Strati. 



326 Viertes Buch. 

welche der Minerva geweihet ist. Vor dem Berge Athos 
liegen vier: Peparathus *) mit einer Stadt, früher Evoenus 
genannt, 9000 Schritte gross; Sciathus 2 ), 15,000 Schritte 
gross; Imbrus 3 ) mit einer Stadt, 88,000 Schritte gross, von 
Mastusia auf dem Chersones 25,000 Schritte entfernt, hat 
einen Umfang von 62,000 Schritten und wird vom Flusse 
Ilissus durchströmt. Lemnos 4 ) ist von ihr 22,000 und vom 
Athus 87,000 Schritte entfernt, hat einen Umfang von 
112,500 Schritten, und die Städte Hephästia 5 ) und My- 
rina 6 ), auf deren Forum der Athos zur Zeit der Sonnen- 
wende seinen Schatten wirft. Von Lemnos liegt Thasos 7 ) 
eine freie Insel, welche ehemals Aeria oder Aethria genannt 
wurde, 6000 Schritte entfernt; von da bis Abdera auf dem 
Festlande sind 22,000 Schritte, nach dem Athos 62,900, 
und ebenso weit bis zur freien Insel Samothrace 8 ), die vor 
dem Hebrus liegt, 32,000 vom Imbrus, 22,500 von Lemnos, 
38,000 von der thracischen Küste entfernt ist, und einen 
Umfang von 32,000 Schritten hat. Auf ihr erhebt sich der 
Berg Saoce 9 ) bis zu einer Höhe von 10,000 Schritten; sie hat 
unter allen die wenigsten Landungsplätze. Callimachus 
giebt ihr den alten Namen Dardania. Zwischen dem Cher- 
sones und Samothrace, und zwar von beiden beinahe 15,000 
Schritte entfernt, liegt Halonesos 10 ), weiterhin Gethone, Lam- 
ponia, Alopeconnesus 11 ), nicht weit von Cölus 12 ), einem 
Hafen des Chersones, und noch einige andere unbedeutende. 



'■) Piperi. -) Skiatho. 3 ) Imbro oder Lambro. 
4 ) Stalimene. 5 ) Kochino. 6 ) Lernno. 7 ) Thaso. 

8 ) Samotraki; berühmt im Alterthume wegen der Mysterien. 

9 ) Nettuno. 

,0 ) Diese, vermuthlich ein unbedeutender Felsen, darf nicht mit 
der zwischen Scopelos und Peparethos (Piperi), dem toranäischen 
Meerbusen gegenüber liegenden Insel Halonesos (jetzt Dromi) ver- 
wechselt worden, welche die Veranlassung zu einem Kriege zwischen 
Philipp und den Atheniensern gab, und von der Strabo im IX. Buche 
spricht. 

n ) Jetzt Kalafatli; es giebt auch eine Stadt an der Westküste 
des thracischen Chersones, welche so hiess. 

,2 ) Kilidbahr. 



Viertes Buch. 327 

Die übrigen unbewohnten Inseln in diesem Meerbusen, von 
denen die Namen zu ermitteln waren, sind: Desticos, Lar- 
nos, Cystirus, Carbrusa, Calathusa, Scylla, Draconon, Ar- 
conesus, Dirthusa, Scapos, Capheris, Mesate, Aeantion, Pa- 
teroünesos, Pateria, Calate, Neriphus, Polendos. 

24. 
Der vierte unter den grossen Meerbusen Europas geht 
vom Helles pont bis zur Mündung des Mao tis 1 ). Wir wollen 
aber zuerst die Gestalt des gauzen Pontus anschaulich 
machen, damit man dann die einzelnen Theile leichter zu 
erkennen vermöge. Das grosse, vor Asien liegende und 
durch die von Europa her sich vorlehnende Küste des 
Chersones zurückgedrängte Meer bricht, wie schon erwähnt, 
durch einen engen Pass in das Land und scheidet Europa 
von Asien durch einen 7 Stadien breiten Zwischenraum. 
Die erste Meerenge heisst der Hellespont. Der persische 
König Xerxes führte auf einer darüber geschlagenen Schiff- 
brücke sein Heer hinüber. Von da zieht sich der schmale 
Euripus in einer Länge von 86,000 Schritten bis zur asia- 
tischen Stadt Priapus 2 ), woselbst Alexander der Grosse 
übersetzte. Dann breitet sich das Meer aus und zieht sich 
wiederum eng zusammen. Die Erweiterung wird Propon- 
tis 3 ) genannt, die enge Strecke aber der thracische 
Bosporus 4 ), der 500 Schritte breit ist und den Darius, 
der Vater des Xerxes, und sein Heer auf einer Brücke 
passirte. Die ganze Länge vom Hellesponte an beträgt 
239,000 Schritte. Dann folgt ein grosses Meer, der Pontus 
Euxinus 5 ), früher Axenus genannt, der weit entlegene Länder 
berührt und, nachdem seine Ufer einen grossen Bogen ge- 
macht haben, sich rückwärts gekrümmt in zwei Hörner zu 
beiden Seiten fortzieht, so dass er dadurch die Gestalt eines 
scythischen Bogens erhält. An seiner mittleren Krümmung 
vereinigt er sich mit der Mündung des Mäotis. Diese Mün- 



») Das asowische Meer. -) Kara Burga. 3 ) Meer von Marmora. 
4 ) Meerenge von Constantinopel. 5 ) Das schwarze Meer. 



328 Viertes Buch. 

dung heisst der cimmersche Bosporus *) und ist 2500 
Schritte breit. 

Zwischen dem thracischen und cimmerschen Bosporus 
beträgt nach Polybius 2 ) die Entfernung in gerader Linie 
500,000 Schritte. Den Umfang des ganzen Pontus aber 
geben M. Varro und fast alle älteren Schriftsteller zu 
2,150,000 Schritten an. Cornelius Nepos fügt noch 300,050 
hinzu. Nach Artemidorus beträgt der Umfang 2,919,000 r 
nach Agrippa 2,360,000, nach Mucianus 2,425,000 Schritte. 
Ebenso diiferiren die Angaben der Länge auf der euro- 
päischen Seite, welche Einige zu 1,478,500, Andere zu 
1,172,000 Schritten annehmen. M. Varro bestimmt das 
Maass auf folgende Weise: 

Von der Mündung des Pontus bis Apollonia 3 ) 187,500 Schritte 
von da bis Calatis 4 ) ebenso viel . . . 187,500 „ 
„ „ „ zur Mündung des Ister . . . 125,000 „ 
„ „ „ zum Borysthenes 5 ) .... 250,000 
„ „ „ Chersonesus 6 ), einer Stadt der 

Heracleoten 375,000 

„ „ „ Panticapäum 7 ), das Einige Bos- 
porus nennen, dem äusser- 
sten Punkte an der euro- 
päischen K üste 212,500 „ 

Zusammen 1,337,500 Schritte. 

Agrippa giebt die Entfernung von Byzanz bis an den Ister 

zu 560,000 und von da bis Panticapäum zu 635,000 Schritten an. 

Der Mäotis selbst, welcher den von den riphäischen Bergen 

kommenden und die äusserste Grenze zwischen Europa und 



') Die Meerenge von Kaffa und Theodosia. 

2 ) Aus Megalopolis in Arkadien, f 122 v. Chr. 

3 ) Sizeboli in Thracien. 

*) Schablefer, in Niedermösien an der Westküste des schwarzen 
Meeres, südlich von der Mündung der Donau. 5 ) Dnieper. 

6 ) Cherson, auf dem westlichen Theile des taurischen Chersones 
(Krim). 

7 ) Kertsch, lag auf der Halbinsel Krim an der Meerenge von 
Kafl'a und war, wie Calatis, eine Colonie der Milesier. 



Viertes Buch. 329 

AsieD bildenden Fluss Tanais *) aufnimmt, soll 1,406,000 
Schritte im Umfang haben; nach Andern aber nur 1,125,000. 
Von seiner Mündung bis zum Ausfluss des Tanais soll die 
gerade Entfernung 375,000 Schritte betragen. — Die Be- 
wohner an diesem Busen bis nach Istropolis 2 ) hin sind 
schon bei Thracien genannt worden. 

Wir kommen nun zur Mündung des Ister. Dieser Fluss 
entspringt auf dem Rücken des Berges Abnoba 3 ) in Ger- 
manien, der gallischen Stadt Rauricum 4 ) gegenüber, viele 
tausend Schritte hinter den Alpen, fliesst unter dem Namen 
Danubius durch viele Länder und nimmt ausserordentlich 
an Wassermasse zu. Bei seinem Eintritte in Illyrien heisst 
er Ister. Nachdem er 60 Flüsse, von denen fast die Hälfte 
schiffbar ist, aufgenommen, ergiesst er sich in 6 Armen in 
den Pontus. Die erste 5 ) Mündung, Peuces 6 ), welche von 
der naheliegenden Insel Peuce 7 ) ihren Namen erhalten hat, 
wird von einem 19,000 Schritte grossen Sumpfe verschlungen. 
In demselben Bette bildet sich oberhalb Istropolis ein See 
von 63,000 Schritten Umfang , Halmyris 8 ) genannt. Die 
zweite heisst Naracustoma 9 ); die dritte Calonstoma 10 ) in 
der Nähe der Insel Sarmatica; die vierte Pseudostomon n ), 
auf der von ihr gebildeten Insel ist der Conopon Diabasis 12 ); 
dann folgt Boreostoma 13 ) und Psilonstoma 14 ). Diese ein- 
zelnen Arme sind aber so gross, dass das Meer auf eine 
Weite von 40,000 Schritte von ihnen zurückgedrängt werden 
und einen süssen Geschmack annehmen soll. 

25. 
Vom Ister an gehören zwar alle Völker zu den Sey- 
then; jedoch haben verschiedene die Küstenländer bewohnt; 



') Don. 2 ) Kara-Kerman. 

3 ) Die rauhe Alp in Schwaben und ein Theil des Schwarzwaldes. 

4 ) Augusta Rauracorum, jetzt Äugst, 2 Stunden oberhalb Basel. 
Noch jetzt finden sich Trümmer der alten Stadt. 

5 ) Die südlichste. 6 ) Portescza. 7 ) Piczina. 8 ) Ramsin. 

9 ) Kutschuk. 10 ) Kedrille. ") Salvoa. 12 ) D. h. Mückenübergang. 
,3 ) Suline. ,4 ) Kili. 



330 Viertes Buch. 

bald waren es die Geter 1 ), bei den Römern Dacier ge- 
nannt; bald die Sarmater, bei den Griechen Sauromater, 
und die dazugehörigen Hamaxobier 2 ) oder Aorser 3 ); bald 
die unechten und von Sclaven abstammenden Scythen oder 
Troglody teil ; bald darauf die Alaner und Rhoxalaner, die 
sich dort niederliessen. Die obern zwischen dem Danubius 
und dem hercynischen Waldgebirge 4 ) belegenen Länder bis 
zu den panuonischen Winterquartieren haben die Carnun- 
ter, die daselbst an Germanien grenzenden Felder und 
Ebenen die jazygischen Sarmater, die Berge und Wälder 
aber bis zum Flusse Pathissus 5 ) die von letztern vertriebe- 
nen Dacier inne. Die dem Marus 6 ) oder dem Duria 7 ), 
welcher diese Völker von den Sueven und dem vannia- 
nischen Reiche s ) trennt, gegenüber liegenden Distrikte wer- 
den von den Basternen und weiter hin von andern germa- 
nischen Stämmen bewohnt. Agrippa giebt die Länge aller 
dieser Länder vom Ister bis zum Ocean auf 1,200,000 und 
die Breite von den sarmatischen Wüsten bis zum Flusse 
Vistula 9 ) auf 440,000 Schritte an. Der Käme Scythen ist 
durchgängig auf die Sarmaten und Germanen übergegangen, 
und nur diejenigen Völker haben ihren alten Namen be- 
halten , welche am entferntesten wohnen und der übrigen 
Menschheit fast ganz unbekannt sind. 



*) Ein thracisches Volk, das anfangs zwischen dem Hämus und 
Ister wohnte. Sie hatten mit den Daciern Sprache und Verfassung 
gemein. Ihr Gesetzgeber hiess Zamolxis. Erst unter Trajan kamen 
sie unter römische Botmässigkeit. 

2 ) Wagenbewohner. 

3 ) Ein allgemeiner Name aller im europäischen Sarrn'atien (von 
der Weichsel bis nach Dacien) wohnenden Völker. 

4 ) Unter dieser Benennung begreift Plinius die ganze Strecke 
von Wäldern und Gebirgen vom Thüringer Walde bis an die Car- 
pathen in Ungarn. 

5 ) Der Theis; er hiess auch Tibissus, Tisianus, Parthissus. 

6 ) Morava. 7 ) Tyrna. 

8 ) Das Reich des Vannius, eines von den Römern vertriebenen 
Fürsten (Tacit. Annal. II. 63 XII. 29), begriff das heutige Mähren in sich. 

9 ) Auch Visula. Vistillus ; jetzt Weichsel. 



Viertes Buch. 331 

26. 
Vom Ister an folgen nun die Städte Creminscos x ) und 
Aepolium; die macrocremnischen Berge, der berühmte Fluss 
Tyra 2 ), mit einer Stadt gleichen Namens, die früher Ophiusa 3 ) 
hiess. Eine bedeutend grosse Insel auf dem letztern be- 
wohnen die Tyrageter, sie ist von der Ister-Mündung Pseudo- 
stomon 130,000 Schritte entfernt. Dann folgen die nach dem 
Flusse 4 ) benannten Axiacer, dahinter die Crobyzer; der 
Fluss Rhode 5 ), der Busen Sagjarius 6 ), der Hafen Ordesus 7 ). 
Vom Tyra ist der Fluss Borysthenes 8 ) 120,000 Schritte 
weit; dann folgt ein gleichnamiger See und Volk, sowie 
eine 15,000 Schritte vom Meere entfernte Stadt. Die alten 
Namen dieser Stadt sind Olbiopolis und Miletopolis 9 ). Wie- 
derum an der Küste liegt ein Hafen der Achäer. Die Insel 
des Achilles 10 ), berühmt durch das Grab dieses Mannes. 
125,000 Schritte davon liegt eine in Form eines Schwerdtes 
quer vorlaufende Halbinsel, welche wegen der daselbst statt- 
gehabten Uebungen Dromos Achilleos genannt wird. Agrippa 
giebt ihre Länge zu 80,000 Schritten an. Diesen ganzen 
Landstrich bewohnen die taurischen und siracischen Scythen. 
Von der angrenzenden waldigen Gegend u ) hat das daran- 
stossende Meer den Namen des hyläischen erhalten; die 
Einwohner derselben hiessen Enäcadloer. Weiterhin fliesst 
der Panticapes 12 ) , der die Nomaden von den Georgen 
trennt. Dann kommt der Acesinus 13 ). Einige geben an, 
der Panticapes flösse unterhalb Olbia mit dem Borysthenes 



') Lag auf der Norctwestküste des schwarzen Meeres, 6 Meilen 
südlich von der Mündung des Dniester im Busen bei Islama. 
2 ) Dniester. 3 ) Ovidiopel. 4 ) Janlaltrak? 5 ) Deligiol. 
6 ) Golf Deligiol. 7 ) Okzakow. 8 ) Dnieper. 
9 ) Kasi Kirman oberhalb der Mündung des Dnieper. 10 ) Tendra. 

11 ) Diese Gegend, Hyläa, reichte vom heutigen Kinburn bis an 
den Hals der taurischen Halbinsel. Nördlich davon wohnten die 
ackerbautreibenden Scythen. 

12 ) Samara. 

,3 ) Jetzt fliessen dort nur einige im Sande sich verlaufende 
Waldbäche. 



332 Viertes Buch. 

zusammen, allein genauere Schriftsteller sagen diess von 
dem Hypanis 1 ); in noch grösserem Irrthume befinden sich 
diejenigen, welche ihn nach Asien versetzen. 

Das Meer tritt nun weit zurück und umfliesst, bis es 
nur noch durch einen Zwischenraum von 5000 Schritten vom 
Mäotis getrennt ist, weite Strecken Landes mit vielen Völ- 
kern. Dieser Busen heisst Carcinites 2 ) , der Fluss Paey- 
mis 3 ). Städte sind: Naubarum, Carcine, in deren Rücken 
sich ein durch einen Kanal ins Meer ergiessender See be- 
findet. Er heisst Buges 4 ), wird vom Coretus 5 ) , einem 
Busen des Mäotis, durch eine Felsenwand 6 ) getrennt und 
nimmt die Flüsse Buges 7 ), Gerrhus 8 ) und Hypacaris, die 
aus verschiedenen Gegenden kommen, auf. Denn der Ger- 
rhus bildet die Grenze zwischen den Basiliden und Noma- 
den; der Hypacaris fliesst durch das Gebiet der Nomaden 
und Hyläer und ergiesst sich in einem künstlichen Bette 
in den Buges, in dem natürlichen aber in den Busen Core- 
tus. Dieser Landstrich heisst das sendische Scythien. 

Bei dem Busen Carcinites beginnt Taurien 9 ), welches 
vormals allenthalben, wo jetzt Land liegt, vom Meere um- 
flossen wurde. Weiterhin erheben sich breite Bergrücken. 
Das Land wird von 30 Völkern bewohnt, von denen 23 den 
mittlem Theil inne haben , und hat 6 Städte , deren Ein- 
wohner Orgocyner, Characener, Lagyraner 10 ), Traetarer, 



') Der Bug. Dieser ist von einem anderen Hypanis, auch Bar- 
danias (jetzt Kuban) genannt, wohl zu unterscheiden. Letzterer 
fliesst im asiatischen Sarmatien und ergiesst sich in mehreren Mün- 
dungen in den cimmerschen Bosporus. Ein dritter Fluss dieses 
Namens fliesst in Indien. 

2 ) Golf von Perekop. 

3 ) Kanikschack. Er heisst bei Ptolemäus Carcinis, weil er 
sich bei der Stadt Carcine in den carcinischen Meerbusen ergiesst. 

! ) Siwasch. Bei Ptolemäus heisst er Byce. 
5 ) Gulloe More, der westliche Theil des asowischen Meeres. 
,; ) Landzunge von Arabat. 7 ) Salgir. 8 ) Karasu. 
9 ) Die Halbinsel Krim. 

,0 ) Lagyra, jetzt Belbek, nordöstlich vom Vorgebirge Charax 
(Cara Caja). 



Viertes Buch. 333 



Arsilachiter und Caliorder heissen. Im hohen Gebirge 
halten sich die Scythotaurier auf; sie werden im Westen 
von dem Chersones, im Osten von den satarchischen Scythen 
begrenzt. An der Küste vom Carcinites an liegen die Städte 
Taphrä *), auf der Landenge der Halbinsel, und Heraclea 
Chersonesos , welcher die Römer die Freiheit schenkten. 
Sie hiess früher Megarice und zeichnet sich im ganzen 
Lande dadurch aus, dass sie den griechischen Sitten treu 
geblieben ist; die sie umgebende Mauer ist 5000 Schritte 
lang. Dann folgt das Vorgebirge Parthenium 2 ) , Piacia, 
eine Stadt der Taillier , der Hafen Symbolon 3 ) , das Vor- 
gebirge Criumetopon 4 ) , das dem Vorgebirge Carambis 5 ) 
# in Asien gegenüberliegt und 170,000 Schritte weit in den 
Pontus hinausläuft, wodurch die grosse Aehnlichkeit mit 
der Gestalt eines scythischen Bogens entsteht. Von da an kom- 
men viele taurische Häfen und Seen. Die Stadt Theodosia 6 ) 
ist vom Criumetopon 125,000 und vom Chersones 165,000 
Schritte entfernt. Weiterhin lagen die Städte: Cytä, Ze- 
phyrium, Acrä, Nymphäum und Dia. Eine sehr mächtige 
Stadt am Eingange in den Bosporus selbst ist das von den 
Milesiern gegründete Panticapäum 7 ), welches von Theodo- 
sia 87,500, von der jenseits der Meerenge belegenen Stadt 
Cimmerium 8 ) 2500 Schritte (wie bereits erwähnt wurde) 
weit liegt. Sowenig beträgt die Breite, welche Asien von 
Europa an dieser Stelle trennt, und wenn die Meerenge 
zugefroren ist, so kann man meistens zu Fuss hinüber- 
gehen. Die Breite des cimmerschen Bosporus beträgt 
12,500 Schritte. Die daselbst liegenden Städte heissen 
Hermisium und Myrmecium 9 ), und in ihm selbst die Insel 
Alopece. Vom äussersten Punkte des Isthmus an, welcher 



») Perekop. 

2 ) Die südwestlichste Landspitze der Krim, auf der jetzt das 
Kloster St. Georgii liegt. 

3 ) Balaclava. *) Ajadagh. 5 ) Karempe. •) Kaft'a. 7 ) Kertsch. 

*) Eski Koiru, nordwestlich von Theodosia. Man findet noch 
Trümmer der alten Stadt. 

9 ) Etwas westlich von der Festung Jenikale. 



334 Viertes Buch. 

Taphrä heisst, über den Mäotis hin bis zur Mündung des 
Bosporus wird die Entfernung auf 260,000 Schritte an- 
gegeben. 

Von Taphrä an wohnen nach dem Innern zu die Au- 
cheter *), in deren Gebiete der Hypanis, die Neurer 2 ), wo 
der Borysthenes entspringt, ferner die Geloner 3 ), Thussa- 
geter, Budiner, Basilider und die von ihren bläulichen Haa- 
ren sogenannten Agathyrser. Weiterhin sind die Nomaden 
und Anthropopbagen. Vom Buges an ober dem Mäotis die 
Sauromater und Essedoner. Aber an der Küste bis zum 
Tanais hin wohnen die Mäoter, von welchen der See seinen 
Namen erhalten hat; hinter diesen folgen zuletzt die Ari- 
masper. Dann gelangt man zu den riphäischen Bergen 4 ) 
und in die wegen des beständig herabfallenden federähn- 
lichen Schnees Pterophoros genannte Gegend. Dieser Theil 
der Welt ist von der Natur verflucht und in dichte Finsterniss 
gehüllt; er dient zur Erzeugung der Kälte und zu den 
eisigen Behältern des Aquilo. 

Neben diesen Gebirgen und zwar jenseits des Aquilo 
wohnt (wenn wir es glauben wollen) seit undenklichen Zei- 
ten ein glückliches, durch viele an das Fabelhafte gren- 
zende Wunderdinge berühmtes Volk, die Hyperboräer. 
Dort sollen sich die Angeln der Welt befinden, die Gestirne 
ihren äussersten Umlauf halten, dort soll die Sonne ein 
halbes Jahr lang scheinen und nur einen Tag verborgen 
sein, aber nicht, wie Unwissende behauptet haben, vom 
Frühlings-Aequinoctium bis zum Herbste. Einmal im Jahre, 
am Sommer-Solstitium geht ihnen die Sonne auf, und ein- 
mal, am Winter-Solstitium, unter. Es ist ein sonniges 
Land, hat ein glückliches Klima und ist frei von allen 
schädlichen Winden. Wälder und Haine sind ihre Woh- 
nungen; sie verehren die Gottheit einzeln und in Gesell- 



1 ) Die Ukräne. 

2 ) In der Gegend von Lemberg nach der Weichsel hin. 

3 ) Zwischen dem Don und der Wolga. 

4 ) Das uralische und werechoturische Gebirge. 



Viertes Buch. 335 

schaft, alle Zwietracht und Bekümrnerniss ist ihnen unbe- 
kannt. Sie sterben nur, wenn sie des Lebens müde sind, 
und die Alten stürzen sich, wenn sie geschmaust und in 
Luxus geschwelgt haben, von einem Felsen vergnügt in 
das Meer. Diess ist wohl die glücklichste Art des Begräb- 
nisses. Einige haben dieses Volk an den äussersten Theil 
der Küste von Asien und nicht nach Europa versetzt, weil 
dort die ihnen an Sitten und Lage ähnlichen Attacer woh- 
nen. Andere setzen sie in die Mitte zwischen beide Son- 
nen, nämlich die untergehende der Gegenfüssler und unsere 
aufgehende, was aber nicht sein kann, da der Ocean da- 
zwischen liegt. Diejenigen, welche ihre Wohnplätze da be- 
zeichnen, wo die Sonne ein halbes Jahr lang scheint, erzäh- 
len, dass sie des Morgens säen, Mittags ernten, Abends 
die Früchte der Bäume abpflücken und die Nacht in Höh- 
len zubringen. Die Existenz dieses Volkes ist nicht zu 
bezweifeln, da so viele Schriftsteller berichten, dass es die 
Erstlinge der Früchte dem Apollo, den sie vorzüglich ver- 
ehren, nach Delos zu schicken pflegt. Zuerst brachten 
Jungfrauen dieselben und wurden mehrere Jahre hindurch 
durch die Gastfreundschaft der Völker ehrerbietig aufge- 
nommen. Als man ihnen aber einst die Gasttreue gebrochen 
hatte, Hessen sie ihre Opfergaben an den Grenzen des 
ihnen zunächst wohnenden Volkes niederlegen, dieses schaffte 
sie weiter zu seinen Grenznachbarn, und so gelangten sie 
nach Delos. Nachmals hörte auch dieser Gebrauch auf. 

Die Länge von Sarmatien, Scythien, Taurien und dem 
ganzen Länderstriche vom Flusse Borysthenes an wird von 
Agrippa auf 980,000, die Breite aber auf 717,000 Schritte 
angegeben. Ich halte jedoch die Maassbestimmung in die- 
sem Theile der Erde für unzuverlässig. 

27. 

Wir wollen nun der einmal angenommenen Ordnung 
gemäss das, was von diesem Busen noch zu sagen übrig 
ist, berichten; die dazu gehörigen Meere haben wir bereits 
genannt. Im Hellesponte befinden sich keine Inseln, die 
sich bei Europa anführen Hessen. Im Pontus liegen die 



336 Viertes Buch. 

beiden, von Europa 1500, von der Mündung des Pontus 
aber 14,000 Schritte entfernten cyaneisehen Inseln 1 ), von 
Andern die Symplegaden 2 ) genannt, denn sie sollen, nach 
der Sage, zusammen gelaufen sein; sie sind nämlich nur 
durch einen kleinen Zwischenraum geschieden und erschei- 
nen denen, welche quer zu ihnen hinfahren, als zwei, wen- 
det man aber das Gesicht ein wenig, so glaubt man, sie 
nähern sich einander. Diesseits der Ister liegt eine Insel 
der Apolloniater 3 ), 80,000 Schritte vom thracischen Bospo- 
rus entfernt, von welcher M. Lucullus den capitolinischen 4 ) 
Apollo gebracht hat. s) Die, welche zwischen den Mündun- 
gen des Ister liegen, haben wir bereits angeführt. Vor dem 
Borysthenes liegt die oben genannte Achillea, welche auch 
Leuce und Macaron 6 ) heisst. Nach einer zu unsern Zeiten 
angestellten Messung ist sie vom Borysthenes 140,000, von 
Tyras 120,000, von der Insel Peuce 50,000 Schritte entfernt. 
Ihr Umfang beträgt gegen 10,000 Schritte. Die übrigen im 
Busen Carcinites befindlichen Inseln sind: Cephalonneses 7 ), 
Rhosphodusa und Macra. Bevor wir den Pontus verlassen, 
dürfen wir auch die von Vielen angenommene Meinung 
nicht übergehen, dass alle innern Meere im Pontus selbst 
ihren Ursprung haben und nicht von der gaditanischen 
Meerenge ausgeheD, und zwar aus dem nicht unwahrschein- 
lichen Grunde, weil die Strömung stets vom Pontus her- 
kommt, niemals aber dahin zurückkehrt. 

Wir wollen jetzt die äussern Theile von Europa ken- 
nen lernen, und wenden uns, nachdem wir die riphäischen 
Gebirge überstiegen haben, zu der Küste des nördlichen 
Oceans links herum, bis wir wieder nach Gades gelangen. 
Auf dieser Strecke werden mehrere Inseln ohne Namen an- 



') Zwei Klippen am Ausgange des thracischen Bosporus ins 
schwarze Meer. 

2 ) Zusammenschlagenden. 3 ) Beschik Adasi. 

4 ) D. h. den auf dem Capitale zu Rom aufgestellten. 

5 ) Vergl. Plin. XXXIV. B. 18 C. 

6 ) D. h. Insel der Seligen, weil man glaubte, sie sei der Aufent- 
halt der Seelen der Heroen. 7 ) Tenczel. 



Viertes Buch. 337 

geführt. Unter ihnen liegt eine vor Scythien, welche auch 
Raunonia heisst, eine Tagereise von der Küste entfernt, 
a,uf welche, nach Timäus Berichte, die Fluthen zur Früh- 
lingszeit Bernstein auswerfen 1 ). Die übrigen Küsten kennt 
man nur aus zweifelhaften Gerüchten. Hier befindet sich 
der nördliche Ocean; Hecatäus 2 ) nennt ihn von dem Flusse 
Paropamisus 3 ) an, soweit er Scythien bespühlt, den amal- 
«hischen, welches Wort in der dortigen Volkssprache „zu- 
gefroren" bedeutet. Philemon 4 ) sagt, es werde bis zum 
Vorgebirge Rubeas 5 ) von den Cimbern 6 ) Morimarusa, d. h. 
todtes Meer, genannt; weiterhin heisse es Cronium. Nach 
Xenophon von Lampsacus liegt in einer Entfernung 
dreier Seetagereisen von der scythischen Küste eine Insel 
Baltia 7 ), von ungeheurer Grösse; Pytheas nennt sie Basilia. 
Auch ist von oonischen Inseln die Rede, deren Bewohner 
von Vogeleiern und Hafer leben. Andere, auf denen die 
Menschen mit Pferdefüssen geboren werden sollen, heissen 
die Hippopoden; noch andere, die panotischen Inseln 8 ), wo 
die Menschen nackend geheu und ihren Körper mit ihren 
eigenen sehr grossen Ohren ganz bedecken. 

Bestimmtere Nachrichten haben wir von den Ingävo- 
nen 9 ), dem ersten Volke in diesem Theile von Germanien. 
Hier erhebt sich das ungeheuere Gebirge Sevo 10 ), das den 



*) Wohl nichts anderes, als die Nehrungen des frischen und 
curischen Haffs an den Küsten von Preussen. 

2 ) Von Müet im 6. Jahrh. v. Chr. 3 j Die Oder? 
4 ) Welcher? lässt sich nicht bestimmen. 

8 ) Nach Einigen die nördliche Spitze von Curland, wahrschein- 
licher ein Vorgebirge ein Schweden. 

6 ) Sie bewohnten Jütland, Schleswig und Holstein. 

7 ) Skandinavien. 8 ) Soll Wollin an der Mündung der Oder sein. 

9 ) Dieser Name begreift fast alle in Norddeutschland von den 
Rheinmündungen bis nach Preussen hin, und zum Theil in Skandi- 
navien wohnenden Völker, als : die Friesen, Sturier, Marsacier zwischen 
der Scheide und Eider; die Cauchen, Angivarier an der Nordsee, 
die Saxen mit den Nord-Albingern (oder Dänen), die Esthen und 
Wenden in Preussen, die Schweden und Finnen etc. 

,0 ) Höchst wahrscheinlich der Kjölen zwischen Norwegen und 

22 



338 Viertes Buch. 

Riphäen nichts nachgiebt und bis zum cimbrischen Vorge- 
birge *) bin einen inselreichen Busen, Codanus 2 ) bildet. 
Die berühmteste dieser Inseln ist Scandinavien 3 ), deren 
Grösse man nicht kennt; nur einen Theil davon bewohnt, 
soviel man weiss, in 500 Gauen das Volk der Hillevionen, 
welche ihr Land den andern Erdkreis nennen. Für nicht 
kleiner hält man Eningia 4 ), welches Land nach der Be- 
hauptung Mancher bis zum Flusse Vistula 5 ) von den Sar- 
maten, Venedern, Sciren und Hirren bewohnt wird. Dieser 
Busen heisst Cylipenus 6 ) und die an seiner Mündung lie- 
gende Insel Latris. 7 ) Nicht weit davon ist ein zweiter 
Busen, Lagnus 8 ), der an Cimbrien grenzt. Das weit ins 
Meer auslaufende cimbrische Vorgebirge bildet die Halb- 
insel Cartris 9 ). Dann folgen 23 Inseln, welche durch die 
Kriege der Römer bekannt geworden sind. Unter diesen ver- 
dienen bemerkt zu werden: Burchana 10 ), wegen einer daselbst 
wildwachsenden bohnenartigen Frucht von den Römern Fa- 
baria genannt; ferner Glessaria n ), welchen Namen ihr die 
Soldaten wegen des Bernsteins (Glessum) gaben; bei den 
Barbaren heisst sie Austrantia, ausserdem auch Actania. 

28. 
An diesem ganzen Meere hin aber bis zum Flusse 
Scaldis 12 ) wohnen die germanischen Völker. Die Grösse 
dieser Länder lässt sich jedoch, wegen der so ausserordent- 
lich widersprechenden Angaben, nicht wohl feststellen. Die 
Griechen und einige Römer bestimmen die Länge der ger- 



Schweden. Plinius scheint also zu irren, wenn er dieses Gebirge an 
die Grenzen Germaniens versetzt. 

*) Cap Skagen in Jütland. *) Die Südwestseite der Ostsee. 

3 ) Das südliche Schweden. 

A ) Auch Epigia, wahrscheinlich Finnland. 5 ) Weichsel. 

6 ) Die ganze Südseite der Ostsee. 

7 ) Wahrscheinlich Seeland. Andere halten den Meerbusen Cy- 
ipenus für den rigaischen und Latris für die Insel Oesel. 

*) Vermuthlich das Cattegat. 9 ) Jütland. 

,0 ) Borkum am Ausflusse der Ems. 

") Ameland über Westfriesland. 12 ) Scheide. 



Viertes Buch. 339 

manischen Küste zu 2,500,000 Schritten. Agrippa giebt 
die Länge mit Rhätien und Noricum zu 686,000, die Breite 
zu 148,000 Schritten an. Aber die Breite von Rhätien allein 
betrug schon mehr, als es um die Zeit seines Todes x ) unter- 
jocht wurde, und Germanien wurde erst viele Jahre später 
und da noch nicht völlig bekannt. Wenn hier eine Ver- 
muthung erlaubt ist, so dürfte die Küste nicht viel kürzer 
sein, als die Griechen sie annehmen, und nicht viel länger, 
als Agrippa angiebt. Die Germanen bilden 5 Hauptstämme : 
Die Vandiler 2 ), zu denen die Burgundionen 3 ), die Variner 4 ), 
Cariner 5 ) und Guttoner 6 ) gehören. Einen andern Haupt- 
stamm bilden die Ingävonen 7 ), deren Zweige die Cimbern 8 ) r 
Teutonen 9 ) und Chaucer 10 ) sind. Zunächst am Rheine 



») 12 Jahre n. Chr. 

2 ) Vandalen, der Name mehrerer engverbundener Völker, die 
anfänglich zwischen der Elbe, Oder und Weichsel wohnten, sich dann 
nach Böhmen, Dacien, Pannonien, und endlich zur Zeit der Völker- 
wanderung nach Frankreich, Spanien und Afrika wandten. 

3 ) Ihr erster Wohnsitz war an der Weichsel. Um 275 n. Chr. 
kamen sie nach Frankreich, wo sie sich aber erst im 5. Jahrhunderte 
festsetzten und ein grosses Reich stifteten. 

A ) An der Warne. 

5 ) Am rechten Oderufer. 

6 ) Gutä, Gythones, Gothones. Sie scheinen scythischen Ursprungs 
und mit den Geten verwandt zu sein. Sie wohnten anfänglich an 
der Weichsel, gingen im 4. Jahrh. nach Dacien, wo sie von der 
Theis bis zur Donau ein Reich stifteten. Sie theilten sich in 2 grosse 
Abtheilungen, die Ostgothen am schwarzen Meere und die West- 
gothen in Dacien. Jene wurden den Hunnen unterwürfig, diese 
drangen ins römische Reich und setzten sich in Thracien und Mösien 
fest. Unter Alarich und Athaulf zogen sie durch Griechenland nach 
Italien und Spanien. Nach Attila's Tode drangen die Ostgothen 
unter Theodorich in Italien ein und stifteten ein mächtiges Reich, 
das unter Justinian zerstört wurde. 

7 ) und 8 ) Siehe das vorige Kapitel. 

9 ) Eigentlich der gemeinsame Name aller deutschen Stämme ; 
hier besonders die in Lauenburg und Mecklenburg. 

10 ) Am Meere von der Ems bis zur Elbe, also in Ostfriesland, 
Oldenburg und Bremen. 

22* 



340 Viertes Buch. 

wohnen die Istävoner x ), wozu die Cimbern 2 ); ferner die 
mitten im Lande wohnenden Hermionen 3 ), wozu die Sue- 
ven 4 ) , Hermundurer 5 ), Chatter 6 ) und Cherusker 7 ). Der 
fünfte Hauptstamm endlich enthält die Peuciner und Bas- 
teiner 8 ), welche an die oben 9 ) genannten Dacier grenzen. 
Bedeutende, in den Ocean sich ergiessende Flüsse sind: 
der Guttalus 10 ), Vistillus oder Vistula, Albis ll ), Visurgis 12 ), 
Amisius 13 ), Rhenus u ) und Mosa 15 ). Im Innern des Landes 
aber breitet sich das, keinem andern an Grösse nachstehende 
hercynische Gebirge 16 ) aus. 

29. 
Im Rheine selbst liegt die fast 100,000 Schritte lange 
hochberühmte Insel der Bataver 17 ) und Commenefatier 18 ), 
sowie die übrigen Inseln der Frisen, Chaucer, Frisiaboner, 
Sturier und Marsacier, welche zwischen demHelius 19 ) und 
Flevus 20 ) zerstreut sind. So heissen nämlich die Mündungen, 
durch welche sich der Rhein nördlich in Seen 21 ) und öst- 
lich in die Mosa ergiesst, indem nur ein massiger Arm 
zwischen diesen beiden seinen Namen behält. 



') Von der östl. Mündung des Rheins rückwärts bis zum Main. 

* 2 ) In den Provinzen Cleve, Berg und Niederrhein. 

3 ) Einer der 5 Hauptstämme, die zwischen der Weichsel und 
Elbe wohnten. Nach Mannert waren sie das eigentliche Stammvolk 
der Deutschen, von dem alle übrigen auswanderten. 

'•) Anfangs an der Elbe, zuletzt in Schwaben, nördlich vom 
Schwarzwalde. 

5 ) Im Meissnerlande bis an die Quellen der Elbe; später breite- 
ten sie sich vom Main bis zur Donau aus. 

6 ) Gatten, von der Vereinigung der Werra und Fulda bis zum 
Spessart, westlich bis zur fränkischen Saale. 

7 ) Im jetzigen Lüneburg, Braunschweig, Magdeburg, Halberstadt 
und Thüringen. Sie standen lange Zeit an der Spitze eines mäch- 
tigen Völkerbundes. 

8 ) Sie wohnten im östlichen Theile der Karpathen, in Galizien 
und Podolien. Die Peuciner waren nur ein Theil von ihnen. 

9 ) Cap. 25. 10 ) Pregel. ") Elbe. ,2 ) Weser. ,3 ) Ems. •'•) Rhein. 
15 ) Maas. I6 j Vom Thüringer Walde bis nach Ungarn. 

17 ) Ein Theil von Holland. '■; In Westfriesland. ,9 ) Waal. 
20 ) Flie. 21 ) Zuydersee. 



Viertes Buch. 341 

30. 
Dieser Gegend gegenüber liegt zwischen Norden und 
Westen die durch die Werke der Griechen und Römer be- 
rühmte Insel Britannien, welche von Germanien, Gallien 
und Spanien , den grössten Ländern Europas, durch einen 
grossen Zwischenraum getrennt ist. Sie selbst hiess sonst 
Albion, denn unter dem Namen Britannien begriff man alle 
übrigen Inseln, von denen wir bald sprechen werden. Von 
Gessoriacus *), an der Küste der Moriner bis zu ihr beträgt 
die kürzeste Entfernung 50,000 Schritte, und ihren Umfang 
geben Pytheas und Isidorus auf 4,875,000 Schritte an. 
Innerhalb 30 Jahren ist sie durch die römischen Waffen 
noch nicht bis über den caledonischen Wald 2 ) bekannt ge- 
worden. Agrippa schätzt ihre Länge auf 800,000, ihre Breite 
aber auf 300,000 Schritte. Dieselbe Breite soll Hibernien 3 ) 
haben, aber dessen Länge um 200,000 Schritte weniger be- 
tragen. Letztere Insel liegt über jener, und zwar auf dem 
kürzesten Wege von dem Distrikte der Silurer 4 ) an , in 
einer Entfernung von 30,000 Schritten. Keine der übrigen 
Inseln soll mehr als 125,000 Schritte im Umfange haben. 
Es giebt 40 orcadische 5 ), in massiger Entfernung von ein- 
ander liegende Inseln; 7 Acmoden 6 ) und 30 Häbuden 7 ). 
Zwischen Hibernien und Britannien liegen: Mona 8 ), Mona- 
pia 9 ), Ricina, Vectis 10 ), Limnus 11 ) und Andros 12 ); unter- 
halb derselben aber: Samnis und Axantos. Gegenüber 
nach dem germanischen Meere hin sind die glessarischen 
Inseln 13 ) zerstreut, welche von den neueren Griechen Elec- 



') Boulogne-sur-mer. 

2 ) Grampiangebirge in Schottland. 3 ) Irland. 

4 ) Diese wohnten im südlichen Theile von Wales, in Herford - 
shire und Worcestershire. 

5 ) Die Orkney-Inseln; es sind ihrer 67, aber bloss 29 davon be- 
wohnt. 

c ) Die Shetlandsinseln , 86 an der Zahl, aber nur 17 bewohnt. 

7 ) Die Hebriden, über 200, aber nur 87 bewohnt. 

*) Anglesea. ») Man. ,0 ) Wight. ") Dalkey. 12 j Arran. 

,3 ) Siehe im 27. Cap. 



342 "Viertes Buch. 

triden genannt werden, weil auf ihnen Bernstein vorkommen 
soll. Die letzte aller bekannten Inseln heisst Thule *), auf 
welcher, wie schon erwähnt wurde 2 ), zur Zeit des Sommer- 
solstitii, wenn die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt, 
keine Nacht, dagegen im Wintersolstitium kein Tag ist, 
und zwar soll diess abwechselnd 6 Monate lang dauern. 
Der Geschichtschreiber Timäus sagt, dass man innerhalb 
6 Seetagereisen von Britannien nach der Insel Mictis 3 ) ge- 
lange, auf welcher sich weisses Blei vorfinde, und dass die 
Britannier in aus Ruthen geflochtenen und mit Leder be- 
schlagenen Schiffen dahin führen. Einige Schriftsteller er- 
wähnen noch andere Inseln, als: Scandia 4 ), Dumna 5 ), 
Bergi 6 ) und Nerigos 7 ), die grösste unter ihnen, von wo 
aus man nach Thule schifft. Eine Seetagereise von Thule 
liegt ein starres Meer, welches von Einigen Cronium ge- 
nannt wird. 

Ol. 

Ganz Gallien, das man unter dem Namen Comata 8 ) 
begreift, wird in drei Hauptvölkerschaften eingetheilt, welche 
vorzüglich durch Flüsse von einander geschieden sind. Vom 
Scaldis bis zur Sequana 9 ) reicht das belgische, von da 
bis zur Garunna 10 ) das celtische oder lugdunensische und 
von da bis zum Ausgange der Pyrenäen das aquitanische, 
vormals aremorische genannt. Die gesammte Küste ist 
nach Agrippa 1,800,000 Schritte lang. Die Länge von Gal- 



>) Island? 2 ) Vergl. II. B., 77. Cap. 

3 ) Ist bisher nicht ermittelt worden. 

4 ) Vermuthlich ein Theil der scandinavischen Küste. 

5 ) Hay; sie gehört zu den shetlandischen Inseln. 

6 ) Wahrscheinlich ein Theil der norwegischen Küste, etwa da, 
wo Bergen liegt? 

7 ) Norwegen. Man sieht aus diesen und anderen Angaben, dass 
Plinius manche Länder für Inseln ausgiebt, welche entweder nur 
Halbinseln oder auch diess nicht einmal sind. 

8 ) Oder Celtica; es hatte jenen Namen daher, weil seine Be- 
wohner lange Haare trugen. 

9 ) Seine. 10 ) Garonne. 



Viertes Buch. 343 

lien zwischen dem Rhenus, den Pyrenäen, dem Ocean, dem 
■Cebenna- l ) und Juragebirge, durch welche es von dem nar- 
bonensischen Gallien geschieden ist, giebt er auf 420,000, 
die Breite auf 318,000 Schritte an. Die äussersten Di- 
strikte vom Scaldis an bewohnen die unter mehreren Namen 
vorkommenden Taxandrer 2 ). Dann folgen die Menapier 8 ), 
Moriner 4 ), die Oromarsacer, welche an einen Ort, Namens 
Gessoriacus, grenzen, die Britannier 5 ), Ambianer 6 ), Bello- 
vacer 7 ) und Hasser. Im Innern wohnen die Castologer 8 ), 
Atrebater 9 ) , die freien Neivier 10 ), Veromanduer u ) , Sue- 
coner 12 ), die freien Suessioner 13 ), die freien Ulraaneter 14 ), 
Tungrer 15 ), Sunucer 16 ), Frisiaboner 17 ), Betaser 18 ), die freien 
Leucer 19 ) , die vormals freien Treverer 20 ), die verbündeten 
Lingoner 21 ) und Remer 22 ) , Mediomatricer 23 ) , Sequaner 24 ), 
Rauricer 25 ) und Helvetier 26 ). Die Colonien Equestris 27 ) und 
Rauriaca. Von den germanischen Völkern, welche an den 
Rhein grenzen, wohnen in dieser Provinz: die Nemeter 28 ), 
Tribocer 29 ), Vangioner 30 ), dann die Ubier, dabei die Colo- 
nie der Agrippina 31 ), die Cugerner 32 ), Bataver und die bei 
den Rhein-Inseln genannten 33 ). 

32. 
Im lugdunensischen Gallien wohnen: die Lexovier 34 ) 
Vellocasser 35 ), Galleter 36 ), Veneter 37 ), Abrincatuer 38 ) und Osis- 
mer. 39 ) Daselbst ist der berühmte Fluss Ligeris 40 ). Aber 
eine bedeutende Halbinsel läuft in den Ocean hinaus, deren 
Umfang von der Grenze der Osismer an 625,000 Schritte, 



') Die Cevennen. 2 ) Tessenderloo. 

3 ) Gemappe. 4 ) Dept. Pas de Calais. 5 ) Ebendaselbst. 

6 ) Amiens. 7 ) Beauvais. 8 ) Le Chatelet. 9 ) Arras. I0 ) Bavay. 

ll ) Vermandois. ,2 ) Chauny. ,3 ) Soissons. ,4 ) Senlis. 

,5 ) Tongres, sonst Aduaca. ,6 ) Luxemburg. ") Limburg. 

18 ) Bethunes. 19 ) Lüttich. 20 ) Trier. 21 ) Langres. 22 ) Rheims. 

M ) Metz. **) Besancon. 26 ) Im Dept. Haut-Rhin. 

26 ) Westliche Schweiz. 27 ) Nyon. 2 «) Speier. 29 ) Strassburg. 

x ) Worms. 31 ) Köln. 32 ) Goch. 33 ) Im 29. Cap. 3i ) Lisieux. 

35 ) Rouen. x ) L'Iskebonne. 37 ) Vannes. 38 ) Avranches. 

39 ) St. Pol de Lion. 40 ) Loire. 



344 Viertes Buch. 

deren Breite da, wo sie mit dem Festlande verbunden ist, 
125,000 Schritte beträgt. Jenseits derselben wohnen die 
Namneter '); im Innern aber die verbündeten Aeduer 2 ) und 
Carnuter 3 ), die Bojer 4 ), Senoner 5 ), Aulercer mit dem Bei- 
namen Eburovicer 6 ) oder Cenomanner 7 ), die freien Melder 8 ), 
Parisier 9 ), Tricasser 10 ), Andegaver 11 ), Viducasser 12 ), Bodio- 
casser 13 ), Veneller 14 ), Cariosveliter 15 ), Diablinder 16 ), Rhe- 
doner 17 ), Turoner 18 ), Atesuer 19 ) und die freien Secusianer, 
in deren Gebiete die Colonie Lugdunum 20 ) liegt. 

33. 
Im aquitanischen Gallien wohnen die Ambilatrer 21 ), 
Anagnuter 22 ) , Pictoner 23 ), die freien Santoner 24 ), die freien 
Bituriger 25 ) mit dem Beinamen Viviscer, die Aquitaner 26 ), 
von denen die Provinz ihren Namen hat, und die Sedibo- 
viater. Dann folgen die in eine Stadt vereinigten Con- 
vener 27 ), die Begerrer 28 ), quatuorsignanischen (4 Feldzeichen 
führenden) Tarbeller 29 ), sexsignanischen Cocossater 30 ), Ve- 
namer 31 ), Onobrisater 32 ) , Belender 33 ) und das pyrenäische 
Gebirge. Weiter unten: die Moneser 34 ), Berg-Oscidater &), 
Sibyllater 36 ) , Camponer 37 ) , Bercorcater 38 ) , Pindedunner, 
Lassunner 39 ) , Vellater 40 ) , Tornater 41 ) , Consoranner 42 ) , Aus- 
cer 43 ), Elusater 44 ), Sottiater 45 ), Oscidater in den Ebenen 46 ), 



J ) Nantes. 2 ) Autin. 

3 ) Chartres. 4 ) Moulins. 5 ) Sens. 6 ) Evreux. '•) Le Mans. 

8 ) Meaux. 9 ) Lutetia (Paris). ,0 ) Troyes. ") Angers. 

12 ) Vieux. ,3 ) Vez. M ) Im Dept. Manche. 15 ) Corseuil. 

,6 ) Mayenne. ,7 ) Rennes. ,8 ) Tours. ,9 ) Issoudun. 20 ) Lyon. 

21 ) Ambialet. 22 ) St. Aignan. ») Poitiers. 24 ) Saintes. 

25 ) Bordeaux. 26 ) Aire. 27 ) St. Bertrand de Cominges. Sie hat- 
ten ihren Namen von convenire (zusammenkommen); früher hielten 
sie sich nämlich in Wäldern auf und machten die Umgegend un- 
sicher, auf Befehl des Pompejus mussten sie sich aber in einer Stadt- 
vereinigen. 

28 ) Tarbes. 29 ) Dax. 30 ) Marensin. 31 ) Veynes. 32 ) Lebret. 

33 ) Belin. 3i ) Monein. 3& ) Houcilles. 36 ) Sobusse. 37 ) Campon. 

38 ) Biscarosse. 39 ) Im Dept. Dordogne. 40 ) Rieumes. 

4I ) Tournay. ,8 ) Couserones. 43 ) Auch. 44 ) Ense. 

45 ) Soz. 46 ) Ossun. 



Viertes Buch. 345 

Succasser J ), Tarusater 2 ), Basabocater 3 ), Vasseer, Sennater, 
Cambolectrer 4 ), Agesinater 5 ); an die Pictoner grenzen die 
freien Bituriger 6 ) oder Cuber ; ferner, die Lemovicer 7 ), die 
freien Arverner 8 ) und Gabaler 9 ). Wiederum an die nar- 
bonensische Provinz grenzen die Rutener 10 ), Cadurcer 11 ), 
Nitiobriger 12 ) und die von den Tolosanern 13 ) durch den 
Fluss Tarnos 14 ) getrennten Petrocorer 15 ). Die Meere an 
den Küsten sind: an der Mündung des Rhenus der nörd- 
liche Ocean, zwischen dem Rhein und der Sequana der bri- 
tannische und zwischen diesem und den Pyrenäen der gal- 
lische. Ferner sind noch sehr viele den Venetern gehörende 
Inseln, welche daher auch die venetischen 16 ) heissen, sowie 
Uliarus 17 ) im aquitanischen Meerbusen 18 ) anzuführen. 

34. 
An dem Vorgebirge der Pyrenäen 19 ) beginnt Spanien, 
welches nicht nur schmäler als Gallien, sondern auch als 
es selbst 20 ) ist, indem, wie wir bereits gesagt haben 21 ), von 
der einen Seite der Ocean und von der andern das iberische 
Meer die ungeheuere Ländermasse zusammen drücken. 
Selbst die Kette der Pyrenäen , welche sich vom Aequi- 
noctialaufgange bis zum Brumaluntergange 22 ) ausdehnt, macht 
Spanien an der Nordseite kürzer als an der Südseite. Die 
nächste Küste 23 ) ist die des diesseitigen Spaniens oder 
der tarraconensischen Provinz 24 ). Von den Pyrenäen 
an liegen längs dem Ocean: das vasconische 25 ) Gebirge, 



') Cestas. 2 ) le Tursan. 3 ) Bazas. 

4 ) Cambo-bas-de-Clarence. 5 ) Lusignan. 6 ) Bourges. 

7 ) Limoges. 8 ) Clermont. 9 ) Javoulx. 19 ) Rhodez. n ) Cahors. 

I2 ) Agen. 13 ) Toulouse. u ) Tarn. ,5 ) Perigueux. 

,6 ) Die grösste derselben heisst Belle-Isle. n ) Oleron. 

18 ) Busen von Gascogne. ,9 ) Cabo de la Higuera. 

20 ) Nämlich an andern Stellen, weiter nach Süden zu. 

21 ) III. B. 4. Cap. 22 ) Von Ost nach Südwest. 

23 ) Nämlich von Aquitanien aus. 

24 ) Umfasste Navarra, Arragonien, Catalonien und einen Theil 
von Castilien und Valencia. 

25 ) Guipuzcoa. 



^$46 Viertes Buch. 

Olarso x ), die Städte der Varduler als: Morisgi 2 ), Menosca 3 ), 
Vesperies 4 ), der Hafen der Amanen, wo jetzt die Colonie 
Flaviobriga 5 ) liegt. Das Gebiet der Cantabrer 6 ) mit 9 Ge- 
meinden , der Fluss Sauga 7 ) , der Hafen Victoria Julio- 
brigensium 8 ). 40,000 Schritte davon entspringt der Iberus 9 ). 
Der Hafen Blendium 10 ). Die Orgenomescer, ein Stamm der 
Cantabrer, mit ihrem Hafen Vereasueca. n ) Das Gebiet der 
Asturer 12 ), die Stadt Noega 13 ); auf einer Halbinsel die Pä- 
sicer u ). Dann folgt der Lucensische 15 ) Kreis vom Flusse 
Navibulio 16 ) an , worin die Cibarcer 17 ) , Egovarrer 18 ) mit 
dem Beinamen Nonnariner, die Jadoner, Arrotreber, das 
celtische Vorgebirge 19 ). Die Flüsse Florius 20 ) undNelo 21 ). 
Die Celticer mit dem Beinamen Nerier 22 ) und über diesen 
die Tamaricer 23 ), auf deren Halbinsel 24 ) die drei von Sestius 
dem Augustus geweihten Altäre sich befinden 25 ). Die Co- 
porer 26 ), die Stadt Noela 27 ); die präsonnarcischen Celticer 
und Cilener 28 ). Von den Inseln verdienen Corticata 29 ) und 
Aunios 30 ) genannt zu werden. An die Cilener grenzt der 
Kreis der Bracarer 31 ), die Helener 32 ), Gravier, das Schloss 
Tyde 33 ), sämmtlich griechischen Ursprungs. Die Inseln 
Cicä 34 ), die berühmte Stadt Abobrica 35 ), der Fluss Minius 36 ), 
welcher bei seiner Mündung 4000 Schritte breit ist. Die 
Leuner und Seurber 37 ), die bracarische Stadt Augusta 38 ), 



') Ojarsun. -) Motrico. 3 ) St. Sebastian? 

4 ) Bermes. 5 ) Bilbao. 6 ) Asturias de Santillana. 7 ) Saja. 

8 ) Santander. 9 ) Ebro. ,0 ) Blencia. »>) Laredo. 

B ) Asturias de Oviedo. ,3 ) Navia. 

,4 ) Am Cabo de Pennas in Asturien. ,6 ) Lugo in Gallicien. 

,6 ) Nalon. 17 ) Luarca. ,8 ) Alvare. 19 ) Cap Finisterre. 

») De Oro. 21 ) Allonos. 22 ) Am Cap Finisterre. 

23 ) Trestamara. 24 ) Cabo Villano. 

25 ) Diese Altäre wurden nach dem Feldzuge gegen die Cantabrer 
(24—18 vor Chr.) errichtet. 

26 ) Compostella. 2T ) Noalla. 28 ) Caldas de Rey. 29 ) Salvora. 
30 ) Ons. 3l ) Braga. 32 ) Pontevedra. M ) Tuy. 34 ) Cies. 

35 ) Bayona. 36 ) Minho. 

37 ) In der Provinz Entre Duecro y Minho. 38 ) Braga. 



Viertes Buch. 347 

ttber welcher Galläcia *) liegt Der Fluss Limia 2 ) : der 
Fluss Durius 3 ) , einer der grössten Spaniens , der im Pe- 
lendonischen 4 ) entspringt, bei Numantia 5 ) vorüber fliesst, 
dann seinen Lauf durch die Länder der Arevacer und Vac- 
cäer nimmt, Asturien von den Vettonen, Lusitanien von den 
Galläcern, und die Turduler von den Bracaren trennt Dieser 
ganze von den Pyrenäen beginnende Länderstrich ist reich 
an Gold-, Silber-, Eisen-, weissem und schwarzem Blei- 
Bergwerken. 

35. 
Am Durius beginnt Lusitanien 6 ); darin: die alten 
Turduler 7 ), die Päsurer 8 ), der Fluss Vagä 9 ), die Stadt Ta- 
labrica 10 ), die Stadt und der Fluss Aeminium 11 ), die Städte 
Conimbrica 12 ), Collippo 13 ), Eburobritium. 14 ) Von hier aus läuft, 
gleich einem grossen Home, ein Vorgebirge 15 ) ins hohe 
Meer, welches Einige das artabrische, Andere das grosse, 
Viele aber nach einer Stadt 16 ) das olisiponensische nennen, 
und das die Länder, Meere und die Klimate trennt; denn 
hier endigt sich eine Seite Spaniens und bei ihm nimmt 
der vordere Theil seinen Anfang. Auf dieser Seite ist Nor- 
den und der gallische Ocean, auf der anderen Westen 
und der atlantische Ocean. Nach Einigen beträgt der 
Vorsprung dieses Vorgebirges 60,000, nach Andern 90,000 
Schritte. Die Entfernung von hier bis zu den Pyrenäen 
geben nicht Wenige auf 1,250,000 Schritte an, und ver- 
setzen durch einen offenbaren Irrthum das Volk der Ar- 
tabrer, welches nie hier wohnte, dahin; denn durch eine 



') Dieses Land begriff, mit Ausnahme einiger kleiner Küsten- 
striche, Galizien, Asturien, Theile von Leon und Valladolid und die 
portugiesischen Provinzen Entre Duero y Minho und Tras los Mon- 
tes in sich. 

2 ) Lima. 3 ) Duero. 4 ) Provinz Burgos. 

s ) Siehe über diesen und die folgenden Namen in diesem Cap. 
das III. B. 3. und 4. Cap. 

6 ) Portugal. 7 ) Auf der Südseite des Duero. 

8 ) L. Joao de Pesqueira. 9 ) Vouga. ,0 ) Talavera de la Reyna. 

") Dorf Minho und Fluss Quadalete. I2 ) Coimbra. ,3 ) Covilho. 

M ) Aveiro. ,5 ) Ortegal. 16 ) Olisipo (Lissabon^. 



348 Viertes Buch. 

Verwechselung der Buchstaben lassen sie die Arrotreber, 
von denen wir schon sagten *), dass sie vor dem celtischen 
Vorgebirge wohnen, an diesem Orte leben. 

Auch selbst bei bedeutenden Flüssen hat man sich ge- 
irrt, Von dem bereits erwähnten Minius ist, wie Varro 
berichtet, der Aeminius 200,000 Schritte entfernt; letztern 
verlegen aber Einige wo anders hin und nennen ihn Limäa; 
bei den Alten hiess er der Fluss der Vergessenheit, und 
viel wurde über ihn gefabelt 2 ). Vom Durius liegt der Ta- 
gus 3 ) 200,000 Sehritte entfernt, und zwischen ihnen fliesst 
der Munda 4 ). Der Tagus ist durch seinen Goldsand be- 
kannt. 160,000 Schritte von ihm springt das heilige Vor- 
gebirge 5 ) fast in der Mitte von Spaniens Vorderseite her- 
vor. Nach Varro beträgt die Entfernung bis zur Mitte der 
Pyrenäen 1,400,000 Schritte; bis zum Anas 6 ), den wir als 
Grenze zwischen Lusitanien und Bätica bezeichnet haben, 
126,000 Schritte, und bis nach Gades noch 102,000 Schritte 
mehr. Dortige Völker sind: die Celticer, Turduler und 
am Tagus die Vettoner. Vom Anas bis zum heiligen Vor- 
gebirge wohnen die Lusitaner 7 ). Bemerkenswerthe Städte 
an der Mündung des Tagus sind: Olisipo 8 ), berühmt da- 
durch , dass dort die Stuten durch den Westwind trächtig 
werden; Salacia 9 ) mit dem Beinamen die Kaiserstadt, Me- 
robrica 10 ), Ossonoba 11 ), Balso 12 ) und Myrtili 13 ); das heilige 
Vorgebirge und ein anderes Cuneus u ) genannt. 

Die ganze Provinz wird in drei Kreisbezirke einge- 
theilt, in den emeritensischen, pacensischen und scalabita- 



■) Im 34. Cap. 

*) Nach der Sage vergassen die Turduler und Celten, welche 
auf einem Zuge begriffen waren, an seinen Ufern ihr Vorhaben und 
die Heimkehr. Man schrieb es der Wirkung des Flusses zu, und 
Brutus hatte grosse Mühe, seine Soldaten zum Uebergange über den- 
selben zu bewegen. S. Florus II. 17. 

3 ) Tago. 4 ) Mondego. 5 ) Cap St, Vincent. 6 ) Guadiana. 

7 ) In Algarvien. 8 ) Lissabon. 9 ) Alcacer do Sal. 

,0 ) Santjago de Cacem. Il ) Estomba. ,2 ) Apalhao. ,3 ) Mertola. 

u ) Cap S. Maria. 



Viertes Buch. 349 

nischen. Im Ganzen enthält sie 46 Völkerschaften, worun- 
ter 5 Colonien, 1 Municipalstadt mit römischem Bürger- 
rechte, 3 mit alt lateinischen Rechten und 36 zinsbare. Die 
Colonien heissen: Augusta Emerita *) am Flusse Anas, Me- 
tallinensis 2 ), Pacensis 3 ), Norbensis 4 ) mit dem Beinamen 
Cäsariana. Zu letzterer gehören Castra Servilia 5 ) und Cas- 
tra Cäcilia 6 ). Die fünfte Colonie, Sealabis 7 ), heisst auch 
Präsidium Julium. Die Municipalstadt mit römischem Bürger- 
rechte heisst Olisipo mit dem Beinamen Felicitas Julia. 
Die Städte mit altlateinischen Rechten sind: Ebora 8 ) oder 
Liberalitas Julia, Myrtili und Salacia, die bereits genannt 
sind. Von den zinsbaren Völkern verdienen, ausser den 
unter den Beinamen bei Bätica schon erwähnten, noch an- 
geführt zu werden: die Augustobrigenser 9 ), Ammienser 10 ), 
Aranditaner 11 ), Arabricenser 12 ), Balsenser 13 ), Cäsarobricen- 
ser 14 ), Caperenser 13 ), Caurenser 16 ), Colarner 17 ), Cibilitaner, 
Concordienser 18 ), Elbocorier 19 ), Interamnienser, Lancienser 20 ), 
die celtischen Mirobrigenser 21 ) , Medubrigenser oder Plum- 
barier, Ocelenser 22 ) oder Lancienser, Turduler 23 ) oder Bar- 
duler oder auch Taporer 24 ). Agrippa giebt die Länge Lu- 
sitaniens nebst Asturien und Galläcien auf 540,000 , die 
Breite auf 536,000 Schritte an. Der Umfaug der ganzen 
Seeküste Spaniens aber von einem pyrenäischen Vorgebirge 
bis zum andern beträgt nach Einigen 3,922,000, nach An- 
dern 2,600,000 Schritte. 

36. 
Celtiberien gegenüber liegen mehrere Inseln, unter 



J ) Merida. '-) Medellin. 3 ) Beja. 

*) Alcantara. 5 ) Truxillo. 6 ) Caceres. 

7 ) Santarem. 8 ) Evora. 

°) Muro. ,0 ) Almeida. •») Abrantes. ,2 ) Brega. 

' 3 ) Apalhao. ,4 ) Ciudad Rodrigo. 

,5 ) Las Ventas de Capara. 

,6 ) Coria. ") Villa Cova a Coelheira. I8 ) La Guarda. 

I9 ) Celorico. 20 ) Sollahco. 2I ) Miranda. 22 ) Fermoselle. 

' a ) Bei Badajoz. 2< ) Tavova. 



350 Viertes Buch. 

denen die von Griechen sogenannten Cassiteriden x ) ihren 
Namen wegen ihrer Ergiebigkeit an Blei haben. In der 
Gegend des arrotrebarischen Vorgebirges 2 ) liegen die 6 
Götterinseln 3 ), von Einigen auch die glücklichen genannt. 
An der Spitze von Bätica aber, 25,000 Schritte von der 
Mündung der Meerenge, liegt Gadis 4 ), nach Polybius 12,000 
Schritte lang und 3000 breit, Ihre Entfernung vom näch- 
sten Theile des Festlandes beträgt nicht ganz 700 Fuss, 
an den übrigen Stellen aber mehr als 7000 Schritte. Ihr 
Flächenraum beläuft sich auf 15,000 Schritte; auch hat sie 
eine Stadt mit römischem Bürgerrechte, welche Augusta 
Julia Gaditana 5 ) heisst. Nach Spanien zu liegt in einer 
Entfernung von 100 Schritten noch eine andere Insel 6 ), 
1000 Schritte lang uud breit, auf der vormals eine Stadt 
Gades stand. Ephorus und Philistides nennen diese Insel 
Erythia, Timäus und Silenus 7 ) Aphrodisias, die Eingebo- 
renen aber Junoinsel. Nach Timäus heisst die grössere 8 ) 
Potimusa; die Kömer nennen sie Tartessos, die Punier Gadir, 
was in ihrer Sprache einen Zaun bedeutet. Erythia heisst 
sie 9 ) deshalb, weil die Tyrier, die Stammeltern der Punier, 
vom erythräischen 10 ) Meere gekommen sein sollen. Einige 
sind der Meinung, die Geryonen u ), deren Rinder Herkules 
weg führte, hätten daselbst gewohnt; Andere aber glauben, 
diess sei eine andere Insel gleichen Namens gewesen, die 
nach Lusitanien zu läge. 

37. 
Nachdem wir nun Europa in seinem ganzen Umfange 
abgehandelt haben, wollen wir der Vollständigkeit wegen 
den Wissbegierigen eine kurze Berechnung des Ganzen 



l ) Dies sind die sorlingischen oder Scilly-Inseln, die aber nicht 
bei Spanien, sondern an der Südküste Englands, unweit des Cap 
Landsend (der Spitze von Cornwallis) liegen. Die Phönicier waren die 
ersten Entdecker derselben und bezogen viel Zinn (weisses Blei) daher. 

8 ) Finisterre. 3 ) Die Azoren. 4 ) Leon. 5 ) Cadiz. c ) S. Petri. 

7 ) Unbekannt. 8 ) Leon. 9 ) Die kleinere. ,0 ) rothen. 

u ) Es waren nämlich 3 Brüder, welche diesen Namen führten, 
woraus die Sage den dreiköpfigen Geryon machte. 



Viertes Buch. 351 

vorlegen. Artemidorus und Isidorus geben die Länge dieses 
Erdtheils vom Tanais bis nach Gades auf 8,214,000 Schritte 
an. Nach Polybius beträgt die Breite von Italien bis zum 
Ocean 1,150,000 Schritte; allein damals war die wahre 
Grösse von Europa noch unbekannt, denn Italien allein ist 
bis zu den Alpen, wie bereits angezeigt, 1,120,000 Schritte 
lang. Von da aber über Lugdunum bis zum britannischen 
Hafen der Moriner x ) sind es 1,169,000 Schritte, und hier- 
auf mag sich Polybius' Angabe beziehen. Ein sichereres 
und längeres Maass giebt jedoch eine von den Alpen gegen 
den Sommersonnenuntergang 2 ) und die Rheinmündung hin 
über das Lager der deutschen Legionen gezogene Linie r 
welche 1,543,000 Schritte lang ist. 

Jetzt gehen wir zur Beschreibung von Afrika und 
Asien über. 



') Das schon erwähnte Gessoriacus (Boulogne). 
2 ) Nordwesten. 



Fünftes Euch. 



Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, Häfen, 

Berge, Flüsse und den Völkern, welche noch da sind 

oder da waren. 

Die Griechen nannten Afrika Libyen und das vor 
ihm liegende Meer das libysche. Dieser Erdtbeil endigt 
mit Aegypten, und kein anderer hat weniger Busen, denn 
seine Küste zieht sich von Westen her in einer schiefen 
Linie hin. Die Namen seiner Völker und Städte sind 
grösstentheils nur in den dortigen Sprachen auszudrücken 
und jene wohnen fast nur in festen Burgen. 

1. 

Das erste unter den Ländern Afrikas heisst Mauri- 
tanien *); es war bis zum Kaiser Cajus, dem Sohne des 
Germanicus, ein eigenes Reich , wurde aber unter dessen 
grausamer Regierung in 2 (römische) Provinzen getbeilt 2 ). 
Das äusserste am Ocean gelegene Vorgebirge nennen die 



1 ) Es umfasste Fez und Marocco und den grössten Theil von 
Algier. 

2 ) Nicht unter Cajus (Caligula), der 41 nach Chr. starb, sondern 
im folgenden Jahre unter Claudius wurde Mauritanien römische 
Provinz. Jedoch bahnte Caligula durch die Ermordung des letzten 
Prinzen dieses Reiches, Ptolemäus, dazu den Weg. — Die westlich 
gelegene Provinz hiess M. Tingitana, die östliche M. Cäsariensis. 



Fünftes Buch. 353 

Griechen Anipelusia. v ) Vormalige Städte waren Lissa und 
€otta jenseits der Säulen des Hercules; jetzt heisst die 
dort befindliche Stadt Tingi 2 ). Sie wurde von Antäus 3 ) 
gebauet, Kaiser Claudius aber machte sie hernach zur Co- 
lonie und nannte sie Traducta Julia. Von Belo 4 ) , einer 
Stadt in Bätica, ist sie auf dem kürzesten Wege 30,000 
Schritte entfernt. 25,000 Schritte davon liegt an der Küste 
des Oceans die Colonie des Augustus, Julia Constantia Zu- 
lil 5 ), welche der Herrschaft der Könige entnommen ist und 
unter der Gerichtsbarkeit von Bätica steht. Von ihr liegt 
Lixos 6 ) , eine Colonie des Kaiser Claudius , von der viele 
alte Sagen erzählt werden, 32,000 Schritte entfernt. In 
dieser Gegend lag die Burg des Antäus, hier kämpfte er 
mit dem Hercules, hier waren die Gärten der Hesperiden. 
Aus dem Meere tritt hier das Wasser in gewundnem Gange 
ins Laud, wodurch, nach jetziger Auslegung, das Bild eines 
wachehaltenden Drachen entstanden ist. Jenes eindringende 
Wasser umschiiesst eine Insel, welche in der ganzen be- 
nachbarten und noch höher liegenden Gegend der einzige 
Punkt ist, der nicht überfluthet wird. Auf ihr steht auch 
noch ein Altar des Hercules, allein von jenem, goldene 
Früchte tragenden Haine ist ausser einigeu wilden Oel- 
bäumen nichts mehr vorhanden. Man wird sich über die 
abenteuerlichen Lügen der Griechen rücksichtlich dieser 
Gegenden und des Flusses Lixus 7 ) weniger verwundern, 
wenn man bedenkt, dass selbst einige von unsern Schrift- 
stellern noch neuerlich fast ebenso wunderliche Dinge da- 
von erzählt haben. Es soll nämlich dort eine sehr mäch- 
tige Stadt und grösser als Gross-Carthago sein, dieser gegen- 



') Cap Spartel. -) Tanger. 

3 ) Ein Riese, der von Hercules erdrückt wurde. 

1 ) Bolonia. 5 ) Arzilla in Fez. 

6 ) In Marocco, jetzt Larais oder El-Araisch. Sie war ursprüng- 
lich eine Colonie der Phönicier. 

7 ) Lucos, Linx, Lix; er ergiesst sich bei einer Stadt gleichen 
Namens ins Meer. 

•23 



354 Fünftes Buch. 

über liegen und von Tingi ausserordentlich weit entfernt 
sein. Dergleichen und noch andere Märchen hat Corne- 
lius Nepos mit der grössten Leichtgläubigkeit aufgegriffen. 

40,000 Schritte von Lixus liegt im Innern eine zweite 
Colonie des Augustus, Babba 1 ), auch Julia Campestris ge- 
nannt, und 75,000 Schritte weiter eine dritte, Banasa 2 ), mit 
dem Beinamen Valentia. 35,000 Schritte davon, und ebenso 
weit von beiden Meeren entfernt, liegt die Stadt Volubile 3 ). 
50,000 Schritte von Lixus fliesst an der Küste der Subur 4 ),. 
ein stattlicher und schiffbarer Strom, neben der Colonie Ba- 
nasa hin. Ebenso viele tausend Schritte von ihm und schon 
in der Nähe der Wüsten liegt die Stadt Sala 5 ), am gleich- 
namigen Flusse 6 ); sie wird von ganzen Heerden Elephanten, 
noch weit mehr aber von den Autololern 7 ) , durch deren 
Land der Weg zum Atlas, dem fabelreichsten Berge Afrikas,, 
geht, beunruhigt. 

Dieser Berg soll sich mitten aus den Sandwüsten zum 
Himmel erheben, auf der nach der Küste des von ihm be- 
nannten Oceans gerichteten Seite rauh und unwirthlich, hin- 
gegen nach der Landseite zu schattig, waldig und von 
Quellen bewässert sein, und Früchte aller Art von selbst 
in solcher Menge hervorbringen, dass es jeder Begierde nie 
an Befriedigung fehlt. Am Tage sehe man keinen von den 
Einwohnern, überall herrsche tiefe Ruhe und schauerliche 
Einsamkeit; stille Ehrfurcht bemächtige sich der Ge- 
müther der Näherkommenden, und ein Schauder überfalle 
sie beim Anblick des über die Wolken sich erhebenden 
und die Sphäre des Mondes fast berührenden Berges. Des 
Nachts glänze er von zahlreichen Feuern, die Aegipane und 
Satyren trieben dort ihre muthwilligen Scherze, und von 
dem Klange ihrer Flöten und Pfeifen, sowie vom Schalle 
ihrer Pauken und Cymbeln halle er wieder. Alles diess 
und ausserdem noch die daselbst von Hercules und Perseus 



') Naranja in Marocco. 

2 ) Alt-Mamore am Flusse Subur (jetzt Seboun). 

3 ) Gualili. 4 ) Seboun. 5 ) Salle. 6 ) Buregreg. 7 ) Bei Fez. 



Fünftes Buch. 355 

vollbrachten Thaten erzählen berühmte Schriftsteller. Die 
Entfernung bis dahin ist ungeheuer gross und noch nicht 
sicher bekannt. 

Es existirten auch schriftliche Notizen des carthagi- 
niensischen Feldherrn Hanno J ), welcher zur Zeit der Blüthe 
des punischen Reichs beauftragt war, den Umfang von 
Afrika zu ermitteln. Diesem sind viele griechische nnd rö- 
mische Schriftsteller gefolgt; sie erzählen aber auch manches 
Fabelhafte und sprechen von vielen von Hanno dort ange- 
legten Städten, welche weder in der Erinnerung noch in 
der Wirklichkeit mehr vorhanden sind. 

Als Scipio Aemilianus in Afrika den Oberbefehl hatte, 
tibergab er dem Polybius, dem Verfasser der Annalen, eine 
Flotte, um damit diesen Erdtheil untersuchend zu um- 
schiffen 2 ). Dieser berichtete nun, dass die Entfernung von 
jenem Gebirge 3 ) an westlich, wo sich Walduügen voll wil- 
der Thiere, wie sie Afrika erzeugt, befänden, bis zum Flusse 
Anatis 4 ) 485,000 Schritte betrage. Von da bis nach Lixus 
seien es 205,000, und Lixus sei von der gaditanischen Meer- 
enge 112,000 Schritte entfernt. Sodann gelange man zu 
einem Meerbusen, Saguti 5 ) genannt. Weiterhin folge die 
Stadt Mulelacha 6 ) auf einem Vorgebirge ; die Flüsse : Su- 
bur und Sala. Der Hafen Rutubis 7 ), 213,000 Schritte von 
Lixus entfernt. Hierauf das Vorgebirge der Sonne 8 ), der 
Hafen Risardir 9 ), die gätulischen Autololer 10 ), der Fluss 



') Er scheint auf dieser Reise, wie sich aus seinen Berichten 
ergiebt, bis Guinea gekommen zu sein. Die Zeit, wann er lebte, 
lässt sich nicht mit Gewissheit angeben; wahrscheinlich fällt sie in 
das sechste Jahrhundert vor Chr. G. Nach Heeren war der Periplus 
(oder Reisebericht, der sehr früh aus dem Punischen ins Griechische 
übersetzt wurde) eine Inschrift, die Hanno als Denkmal seiner Reise, 
nach der Sitte der carthaginiensischen Feldherren und Admirale, im 
Tempel des Saturnus zu Carthago aufstellte. Ein Fragment dieses 
Periplus besitzen wir noch jetzt. 

*) Im Jahre 146 v. Chi-. 

3 ) Atlas. 4 ) Ommirabih in Marocco. 6 ) Alcassar. G ) Malebata. 

") Mazagan. 8 ) Cap Cantin. 

9 ) Safty. l0 ) Zwischen Risardir und dem Sala. 

23* 



356 Fünftes Buch. 

Cosenus *), die Scelatiter und Masater 2 ), der Fluss Masa- 
tat 3 ), der Fluss Darat 4 ) , in welchem Krokodile leben. 
Dann komme man an einen Meerbusen, der eine Ausdeh- 
nung von 616,000 Schritten habe und von einem gegen 
Westen auslaufenden Vorgebirge des Berges Barce 5 ) , Na- 
mens Surrentium 6 ) , eingeschlossen werde. Sodann der 
Fluss Salsus 7 ) , hinter diesem die äthiopischen Perorser, 

und noch weiter hin die Pharusier 8 ) , an welche letztere, 
^egen das Innere des Landes zu die darischen Gätuler 9 ) 
grenzen. An der Küste aber die äthiopischen Daratiter 10 ). 
der mit Krokodilen und Flusspferden augefüllte Bam- 
botus u ). Von hier an zögen sich die Berge ununterbrochen 
bis zu demjenigen fort, welchen wir später unter dem Na- 
men Theon ochema 12 ) (Götterwagen) beschreiben werden 13 ). 
Von da soll man in 10 Tagen und Nächten zum hespe- 
rischen Vorgebirge 14 ) hinüberschiffen; mitten in diesen 
District versetzte er den Atlas, der nach allen andern Schrift- 
stellern an der Grenze von Mauritanien liegt. 

Zuerst haben die Römer unter dem Kaiser Claudius in 
Mauritanien gekämpft, als der freigelassene Aedemon den 
Tod des vom Kaiser Cajus ermordeten Königs Ptolemäus 15 ) 
rächen wollte; da aber die Barbaren flohen, gelangte man 
bekanntlich bis zum Berge Atlas. Und nicht allein die aus 
den Consularen und dem Senate gewählten Feldherren, welche 
damals dort Krieg führten, sondern auch die römischen 
Ritter, welche daselbst im Dienste waren, hatten den Ruhm, 
bis zum Atlas vorgedrungen zu sein. Fünf römische Colo- 
nien befinden sich, wie wir bereits gesagt haben, in dieser 
Provinz, und es möchte daher scheinen, dass wir leicht 

') Tensift. 2 ) In den Ebenen von Akkeermute. 

:1 ) Mogador. 4 ) Suse. 5 ) Daran. 6 ) Geer. 7 ) Messa. 

8 ) Beide Völker wohnten zwischen dem Cap Geer und dem 
•Cap Nun. 

9 ) Vielleicht in der marokkanischen Provinz Draha. 
,0 ) Um das Cap Nun. ") Nun. 

'-) Ist wohl das weisse Vorgebirge. ,:t ) VI. B. 35. Cap. 
M ) Cap Bojador. ,r, j Der letzte König von Mauritanien. 



Fünftes Buch. 357 

Nachrichten von dort her bekommen könnten. Allein darin 
täuscht man sich, wie die Erfahrung lehrt, oft gar sehr; 
denn vornehme Personen, welche gewöhnlich zu bequem 
sind, um die Wahrheit zu erforschen, entblöden sich aus 
Schaam der Unwissenheit nicht, zu lügen, und man lässt 
sich nie leichter irre führen, als wenn ein bewährter Schrift- 
steller eine Unwahrheit behauptet. Doch darüber, dass so 
Manches von den Rittern und selbst von denen, welche aus 
diesem Stande in den Senat getreten sind, unerforscht ge- 
blieben ist, wundere ich mich weit weniger, als dass es 
selbst dem Luxus nicht bekannt wurde , dessen Allgewalt 
sich dadurch schon deutlich erweist, dass die Wälder nach 
Elfenbein und Citrus *), alle gätulischen Felsen aber nach 
Muscheln und Purpurschnecken durchsucht werden. 

Nach dem Berichte der Eingeborenen fliesst in der 
Nähe der Küste, 150,000 Schritte vom Sala entfernt, der 
Fluss Asana 2 ), welcher salzig schmecke, aber einen ansehn- 
lichen Hafen habe; dann folge der Fluss Fut 3 ); von diesem 
bis zum Dyris (denn so heisst in ihrer Sprache der Atlas) 
sei es 200,000 Schritte und dazwischen liege der Fluss 
Vior 4 ). Hier sollen sich auch noch Spuren eines früherhin 
bewohnten Landes und Ueberreste von Weinbergen und 
Palmwäldern befinden. 

Suetonius Paulinus 5 ) (den wir als Consul gesehen 
haben) ist der erste römische Feldherr, welcher sogar um 
einige tausend Schritte über den Atlas hinauskam; seine 
Angabe rücksichtlich der Höhe dieses Gebirges stimmt mit 
denen der Uebrigen überein. Den Fuss desselben fand er 
bedeckt mit dichten, hohen Wäldern, die aus unbekannten 
Bäumen bestanden; sie zeichneten sich aus durch hohe, 
glatte und glänzende Stämme, hatten den Cypressen ähn- 
liche Blätter, welche einen starken Geruch besassen und 
mit dünner Wolle bedeckt waren, aus der sich, wie aus der 



') S. XIII. B. 29. C. a ) Ommirabih? 3 ) Tensift? 4 ) Sus. 
5 ) Er war Consul mit L. Pontius Telesinus im 12. Jahre der 
Regierung des Nero, 66 n. Chr. 



358 Fünftes Buch. 

Baumwolle, durch künstliche Behandlung Kleider anfertigen 
Hessen. Der Gipfel des Berges war selbst im Sommer mit 
Schnee bedeckt. Nach 10 Tagemärschen war er dahin ge- 
gelangt, und nachdem er durch Wüsten voll schwarzen San- 
des, aus denen sich hie Und da gleichsam ausgebrannte 
Felsen erhoben und durch Gegenden, die der Hitze wegen 
unbewohnt waren, obgleich er zur Zeit des Winters dort 
eintraf, gezogen war, kam er an einen Fluss Namens Ger *). 
Die Bewohner der benachbarten, mit Elephanten, wilden 
Thieren und Schlangen aller Art erfüllten Bergwälder wür- 
den Canarier genannt; ihre gewöhnlichen Nahrungsmittel seien 
nämlich die Eingeweide der Hunde und anderer wilder Thiere. 
Dass an diese ein äthiopisches Volk, die Perorser, grenzt, 
ist bekannt. Juba 2 ), der Vater des Ptolemäus, der zuerst über 
beide Mauritanien herrschte, durch seinen wissenschaftlichen 
Ruhm aber noch merkwürdiger war als durch seine Regie- 
rung, hat ähnliches vom Atlas berichtet und sagt ausser- 
dem noch, es wachse dort ein Kraut, das nach seinem Arzte, 
der es zuerst fand, Euphorbia 3 ) genannt werde. Den milch- 
artigen Saft desselben rühmt er in einem eigenen Buche 
wegen der vortrefflichen Wirkung auf die Sehkraft, gegen 
Schlangen und alle Gifte. Doch hiermit sei es mehr als 
genug vom Atlas. 

Die Länge der tingitanischen Provinz 4 ) beträgt 
170,000 Schritte. Das Hauptvolk darin war vormals das der 
Mauren, welche meistens Maurusier genannt werden und 
wovon auch das Land seinen Namen hat. Durch Kriege 
geschwächt, ist es bis auf einige Familien verschwunden. 



') Sifelmel. 

2 ) Sohn des von Csesar 47 v. Chr. besiegten Königs Juba von 
Numidien, wurde nach Rom gebracht und erhielt daselbst eine so 
sorgfältige wissenschaftliche Ausbildung, dass man ihn als einen 
der gelehrtesten Männer seiner Zeit betrachtet. Augustus gab ihm, 
nachdem er sich mit Cleopatra Selene, einer Tochter der Cleopatra 
und des Antonius, vermählt hatte, das väterliche Reich zurück. 

3 ) XXV. B. 38. Cap. 

4 ) Sie erstreckte sich vom atlantischen Meere bis zum Flusse 
Molochhah. 



Fünftes Buch. 359 

Ihnen zunächst wohnten die Massäsyler , welche aber 
-auch vertilgt sind. Jetzt wohnen daselbst die Gätuler, Ban- 
jurer und die sehr mächtigen Äutololer; ein Stamm der 
Letztern, die Vesuner, riss sich einst von ihnen los, bildete 
ein eignes Volk und siedelte sich an den Grenzen der 
Aethiopier an. Der östliche Theil der Provinz ist gebirgig 
und wird von Elephänten bewohnt. Diese finden sich auch 
auf dem Abila *) und den Bergen , welche wegen ihrer 
gleichen Höhe die sieben Brüder 2 ) heissen; sie sind mit 
dem Abila verbunden und erstrecken sich bis zu der Meer- 
enge 3 ). Bei ihnen fängt die Küste des inneren 4 ) Meeres 
an. Es folgt nun der schiffbare Fluss Tamuda 5 ) und ehe- 
mals eine Stadt gleichen Namens; der Fluss Laud 6 ), der 
selbst Seeschiffe trägt. Die Stadt und der Hafen Ryhadir 7 ) ; 
der schiffbare Fluss Malvana 8 ). Die Stadt Siga 9 ) , Ma- 
laca 10 ) in Spanien gegenüber, der Königssitz des Svphax u ) 
liegt schon im andern 12 ) Mauretanien. Diese Länder haben 
lange die Namen ihrer Könige geführt; so hiess das äusser- 
ste (tingitanische) Mauritanien das Bogudische und das 
cäsariensische das Land des Bocchus 13 ). Dann folgt ein 
Hafen, der von seinem Umfange der Grosse 14 ) genannt 
wird, und eine Stadt mit römischem Bürgerrechte. Der 
Fluss Mulucha 15 ), welcher das Land des Bocchus von dem 
der Massäsyler scheidet. Quiza Xenitana 16 ), eine Stadt 
der Fremden; Arsennaria 17 ) mit lateinischen Rechten und 
3600 Schritte vom Meere. Cartenna 18 ), eine Colonie des 
Augustus, von der zweiten Legion angelegt; Gunugum 19 ) 
eine andere Colonie des Augustus, von der prätorianischen 



») Jibbel el Zatute. -) Sebat Jibbel. 3 ) Von Gibraltar. 

4 ) mittelländischen. 5 ) Busega. 6 ) Gomera. 7 ) Melilla. 

8 ) Mulvia. 9 ) Nad-Ronia. I0 ) Malaga. 

") König der Massäsyler zur Zeit des zweiten punischen Krieges. 

12 ) Cäsariensischen, grösstentheils Algier. 

13 ) Der Schwiegervater des Jugurtha. 
,4 ) Heisst noch jetzt so: Mersel Kibir. 

,5 ) Mulvia. ,6 ) Giza bei Oran. ") Arzew. I8 ) Tenez. 
t9 ) Mostagan. 



360 Fünftes Buch. 

Cohorte gegründet. Das Vorgebirge des Apollo x ); daselbst 
die überaus berühmte Stadt Cäsarea 2 ), früher Jol genannt, 
die Residenz des Juba, vom Kaiser Claudius mit den Rech- 
ten einer Colonie beschenkt; Oppidum novum 3 ), auf Befehl 
desselben Kaisers von Veteranen erbauet, und Tipasa 4 ) 
mit lateinischem Bürgerrecht. Icosion 5 ) wurde vom Kaiser 
Vespasianus mit demselben Rechte beschenkt. Rusconiä 6 ), 
eine Colonie des Augustus; desgleichen Rusazus 7 ), Saide 8 ) 
und Igilgili 9 ) , das von Claudius mit dem Bürgerrechte 
belohnte Rusucurium 10 ); die am Meere und am Flusse 
Ampsaga u ) belegene Stadt Tucca. Im Innern des Landes 
liegen die Colonien des Augustus. Succabar 12 ) und Tubu- 
suptus 13 ). Die Städte Timici und Tigavä 14 ), die Flüsse 
Sardabal 15 ), Aves 16 ), Nabar 17 ) und Usar 18 ) ; die Macureber 
und Nabader. Der Fluss Ampsaga ist von Cäsarea 322,000 
Schritte entfernt. Die Länge beider Mauritanien beträgt 
1,038,000, die Breite 467,000 Schritte. 

2. 
Am Ampsaga beginnt Numidien 19 ), welches durch den 
Namen des Massinissa berühmt geworden ist. Die Griechen 
nennen es das Land Metagonites, die Numidier aber heissen 
bei ihnen Nomaden, von der Veränderung ihrer Weideplätze, 
wobei sie ihre Zelte, welche die Stelle ihrer Häuser ver- 
treten, auf Wagen mit sich führen. Städte darin sind: 
Cullu 20 ) Rusicade 21 ), und 48,000 Schritte weit davon nach 
dem Innern des Landes zu die Colonie Cirta 22 ), oder der 



>) Cap Mostagan. 

2 ) Scherschell, nach Andern: Daraus, Tenez oder Algier. 

3 ) El Cadara. 4 ) Bei Damus. 5 ) Algier? 6 ) Tadeies. 

7 ) Acor. 8 ) Dellys. 9 ) Gigil. ,0 ) Coleah. ") Wad-el-Kibir. 

,2 ) Zuckar. ,3 ) Burgh am Fusse des Berges Jurgura. ,4 ) Lezzoute_ 

,5 ) Shellif. 16 ) Hasham. ") Teft'ert. 18 ) Ajebbi. 

19 ) Das östliche Algier. Zur Zeit des zweiten punischen Krieges 
war es in 2 Reiche getheilt, welche Massinissa 202 v. Chr. vereinigte ; 
47 aber machte es Cäsar zu einer römischen Provinz. Siehe die An- 
merkung über Juba im vorigen Cap. 

«0 Cullo. ") Stora. ö ) Constantine. 



Fünftes Buch. 361 

Sittianer 1 ), die Colonie Sicca 2 ) und die freie Stadt Bulla 
Regia 3 ). An der Küste liegen Tacatua 4 ), Hippo Regius 5 ), 
der Fluss Armua 6 ). Die Stadt Tabraca 7 ) mit römischem 
Bürgerrechte; der Fluss Tusca 8 ) an der Grenze von Nu- 
midien. Ausser dem numidischen Marmor und wilden Thie- 
ren bringt dieses Land nichts ausgezeichnetes hervor. 

3. 
Vom Tusca geht das zeugitanische Gebiet 9 ), welches 
auch Afrika im engem Sinne genannt wird, an. Drei 
ins Meer laufende Vorgebirge, das weisse 10 ), das des Apol- 
lo n ), Sardinien gegenüber, und das des Mercur 12 ), Sicilien 
gegenüber, bilden 2 Meerbusen; der eine ist der Hipponen- 
sische 13 ), zunächst der Stadt, welche das zerstörte Hippo 14 ), 
bei den Griechen aber wegen des durchströmenden Was- 
sers Diarrhytus heisst. Ihm zunächst, nur etwas weiter 
von der Küste entfernt, liegt die steuerfreie Stadt Theuda- 
lis. Dann folgt das Vorgebirge des Apollo, und an dem 
andern Busen 15 ) die Stadt Utica 16 ) mit römischem Bürger- 
rechte, berühmt durch Cato's Tod, der Fluss Bagrada 17 ). 
Die Ruinen von Castra Cornelia 18 ), die Colonie Carthago, 
auf den Trümmern des grossen Carthago 19 ); die Colonie 
Maxulla 20 ). Die Städte Carpi 21 ), Misua 22 ) und das freie 
Clupea 23 ) am Vorgebirge des Mercur. Ferner das freie 
Curubis 24 ) und Neapolis 25 ). Nun folgt ein anderer Theil 



') Von Caesar dem römischen Feldherrn Sittius geschenkt. 

2 ) Kaff. 3 ) Badja. 4 ) Tamseh. 5 ) Bona. 6 ) Mafragg. 

7 ) Tabarca. 8 ) Zaine. 9 ) Tnnis und Tripolis. 10 ) Bas-el-Abeadh. 

,J ) Cap Farina. I2 ) Cap Bon. > 3 ) Golf von Ben-Zert (Biserta). 

") Ben-Zert. ,5 ) Golf von Tunis. 16 ) Booshatter. 

") Megarada. 18 ) Porto Farina. 

19 ) Schon 30 Jahre nach Carthago's Zerstörung schickte Gracchus 
eine Colonie dorthin. Augustus befolgte Caesar's Plan und erbaute 
sie wieder, und bald ward sie eine der blühendsten Städte in Afrika. 
439 n. Chr. wurde sie durch die Vandalen, 100 Jahre nachher aber 
durch Belisar eingenommen, bis endlich 697 die Araber sie zerstör- 
ten. Aus ihren Trümmern stieg Junis hervor. 

20 ) Rhades. 2 «) Gurta. 22 ) Sidi Doude. 23 ) Calibia. 
24 ) Hamman Gurbos. 26 ) Nobal. 



362 Fünftes Buch. 

vom engein Afrika, Byziacum, dessen Bewohner Libyphö- 
nicier heissen. Byzacium heisst ein Gebiet von 250,000 
Schritten im Umfange, von so ausserordentlicher Frucht- 
barkeit, dass der Boden den Landleuten hundertfältigen 
Ertrag giebt. Hier liegen die freien Städte Leptis x ) Ad- 
rumetum 2 ), Ruspina 3 ), Thapsus 4 ); Thenä 5 ), Macomades 6 ) 
und Täcape 7 ). Sabrata 8 ) grenzt an die kleinere Syrte, 
bis zu welcher die Länge Numidiens und Afrika's vom 
Ampsaga an 580,000 und die Breite, soweit sie ermittelt 
ist, 200,000 Schritte beträgt. Dieser Landstrich, welchen 
wir Afrika (im engern Sinne) genannt haben, wird in 2 
Provinzen eingetheilt, in das neue und alte; beide sind 
durch einen Canal geschieden, der nach der Uebereinkunft 
zwischen dem zweiten Afrikanus 9 ) und den Königen 10 ) 
bis zur Stadt Thenä, welche 216,000 Schritte von Carthago 
entfernt ist, geführt wurde. 

4. 
Der dritte Busen theilt sich wieder in zwei, die an 
den beiden Sy rten 11 ) wegen des seichten und minder über- 
fluthenden Meeres gefährlich zu befahren sind. Bis zur 
nächsten Syrte 12 ), welche die kleinere ist, beträgt nach 
Polybius die Entfernung von Carthago 300,000 Schritte. 
Der Seeweg zu ihr selbst ist 100,000 Schritte lang, und im 
Umfange hat sie 300,000 Schritte. Der Landweg zu ihr 
aber, den man nur durch Beobachtung der Gestirne finden 
kann, führt durch wüste Gegenden voll Sandes und Schlan- 
gen. Nächstdem folgen waldige Berge 13 ) voll wilder Thiere, 
weiter nach dem Innern öde Gegenden, welche von Ele- 



') Leptisparva, jetzt Lempta , eine phönicische Colonie; nicht 
weit davon lag Leptisniagna, jetzt Lebda. 

2 ) Mahometa. 3 ) Bei Monastiho. 4 ) Damoss. 5 ) Thainae. 

6 ) Maharass. 7 ) Cabes. 8 ) Alttripolis. 9 ) Der jüngere Scipio. 

,0 ) Plinius meint hier die Söhne des Massinissa, unter welche 
Scipio Africanus das väterliche Reich theilte. 

n ) Sandbänke im Meere. 

,2 ) Meerbusen von Cabes. 

u ) Der nördliche Theil von Biledulgerid (Dattelland). 



Fünftes Buch. 363 

phanten bewohnt sind, dann ungeheuere Wüsten *); und 
noch weiter hin die Garamanter 2 ), welche von den Augy- 
lern 3 ) 12 Tagereisen entfernt sind. Hinter jenen wohnten 
vormals die Psyller, an welche der von Wüsten umgebene 
See Lycomedes grenzt. Die Augyler wohnen fast in der Mitte 
und sind von dem nach Westen gelegenen Theile Aethio- 
piens und dem zwischen beiden Syrten liegenden Land- 
striche 4 ) gleichweit entfernt. Die Küste zwischen den bei- 
den Syrten ist 250,000 Schritte lang. Hier befindet sich 
die Stadt Oea 5 ), der Fluss und das Gebiet Cinyps 6 ) ; die 
Städte Neapolis 7 ), Graphara 8 ), Abrotonum 9 ), das andere 
oder sogenannte grosse Leptis. Dann folgt die grosse 
Syrte 10 ), mit einem Umfange von 625,000 Schritten; von der 
Küste ist sie 312,000 Schritte entfernt. An derselben woh- 
nen die Cisipader. Die Küste am innersten Theile des 
Meerbusens hiess Lotophagon u ), auch Alachroas, und ging 
bis zu den aus Sand bestehenden Altären der Philäner 12 ). 
Nicht weit davon auf dem Festlande befindet sich ein grosser 
Sumpf 13 ), der den Fluss Triton 14 ) aufnimmt und auch nach 
ihm benannt wird; Callimachus nennt ihn Pallantias und 
setzt ihn diesseits der kleinern Syrte; nach Andern liegt 
er zwischen beiden Syrten. Das Vorgebirge, welches die 
grössern einschliesst, heisst Borion 15 ). Weiterhin folgt die 
cyrenaische Provinz 16 ). 

Bis hierher zählt Afrika vom Flusse Ampsaga an 516 



') Die Wüste Sahara. 

2 ) Diese scheinen demnach zwischen dem Nil und Niger im süd- 
-östlichen Theile von Libyen gewohnt zu haben. 

3 ) Oase Augila (Udschila). 4 ) Staat von Tripolis. 

5 ) Tripoli vecchia. 6 ) Wadi-Quaam. 7 ) Tripolis? 8 ) Tezura. 
9 ) Identisch mit Sabrata. ,0 ) Busen von Sidra. 

11 ) Das Gebiet der Lotusesser, welche sich vorzüglich von der 
Frucht des Rhamnus Lotus nährten. 

12 ) Zwei Brüder aus Carthago, die durch ihre heldenmüthige 
Aufopferung die Grenzen ihres Vaterlandes bedeutend erweiterten. 
Vergl. Sallust im jugurth. Kriege C. 79. Valer. Max. V. 6 und Pom- 
pon. Mela I 7. 

,3 ) Ludeah. M ) El-Hamniah. 15 ) Tajuni. ,6 ) Wüste Barca. 



364 Fünftes Buch. 

Völker, welche den Römern unterthan sind. Darunter be- 
finden sich 6 Colonien, Dämlich, ausser den schon genannten *), 
Uthina 2 ) und Tuburbis 3 ); 15 Gemeinden mit römischem 
Bürgerrechte, von denen folgende, im Innern belegen, zu 
merken sind: die assuritanische 4 ) , abutucensische , aberi- 
nasische, canopische 5 ), chilmanensische 6 ), simittuensische 7 ), 
thunusidensische, tuburnicensische, tynidrumensische, tibig- 
mesische , gross- und klein-ucitanische und vagensische. 
Eine lateinische Stadt: Uzalitanum. Eine zinsbare Stadt: 
Castra Cornelia. 30 freie Gemeinden, von denen folgende 
nach dem Innern zu liegende zu nennen sind: die acholi- 
tanische 8 ), aggaritanische , arinensische, abziritanische, ca- 
nopitanische , melizitanische, materensische, salaphita- 
nische, tusdritanische 9 ), tiphicensische, tunicensische, 
theudensische, tagastensische, tigensische, ulusubritanische, 
andere vagensische, visensische und zamensische 10 ). Von 
den übrigen sind die meisten nicht bloss Stadtgemeinden, 
sondern sie können mit Recht Völker genannt werden, als: 
die Natabuder, Capsitaner n ), Musulamer, Sabarbarer, Mas- 
syler, Nisiver, Vamacurer, Cinither, Mussuner, Marchubier 
und ganz Gätulien bis an den Fluss Nigris 12 ), der Afrika 
von Aethiopien scheidet. 

5. 
Die cy renaische oder pentapolitanische 13 ) Landschaft 
ist durch das Orakel des Hammon 14 ), welches von Cyrene 
400,000 Schritte entfernt liegt, ferner durch die Sonnen- 



') Cirta, Sicca, Carthago und Maxulla. -) Udine. 3 ) Tuburbo. 

4 ) Keff. 5 ) Zwischen Tabarca und dem Fluss Medsjerda. 

°) Südlich von Rhades. 7 ) Oestlich von Bugia. 

8 ) Ruinen von Acholla beim tunesischen Flecken Elalia. 

M ) Jemma. 

10 ) Zama, jetzt Zowarin, lag 5 Tagereisen von Carthago im innern 
Lande, und ist bemerkenwerth durch die Niederlage, welche Hanni- 
bal hier von Scipio erlitt. 

") Gafia. 12 ) Niger. 

,3 ) Barka, der zweite Name deutet auf ihre 5 Hauptstädte. 

,4 ) In der Oase Siwah. 



Fünftes Buch. 365 

Quelle x ), vorzüglich aber durch die fünf Städte, Berenice 2 ), 
Arsinoe 3 ), Ptolemais 4 ), Apollonia 5 ) und Cyrene 6 ) berühmt. 
Berenice, an der äussersten Spitze der Syrte, hiess früher, 
nach den fabelhaften griechischen Berichten, die Stadt der 
(obengenannten) Hesperiden. Nahe bei der Stadt ist der 
Fluss Lethon 7 ), auch ein heiliger Hain, wo die Gärten der 
Hesperiden gewesen sein sollen. Sie ist von Leptis 375,000 
Schritte entfernt, von Arsinoe, das auch Teuchira genannt 
wird, 43,000 Schritte. Dann folgt in einer Entfernung von 
22,000 Schritten Ptolemais, vormals Barce. Nicht weit, da- 
von läuft das Vorgebirge Phycus 8 ) 40,000 Schritte weit 
ins cretische Meer hinein; von dem lacedämonischen Vor- 
gebirge Tänarum 9 ) ist es 350,000 Schritte , von Creta 
selbst aber 225,000 Schritte entfernt. Hinter ihm liegt 
Cyrene, 11,000 Schritte vom Meere. Vom Vorgebirge Phy- 
cus Apollonia sind 24,000, bis zum Cherronesus 10 ) 88,000 
und von da bis Catabathmus u ) 216,000 Schritte. In der 
Nähe wohnen die Marmariden, welche das Land vom pa- 
rätanischen Gebiete 12 ) bis zur grössern Syrte inne haben. 
Dann folgen die Ararauceler und an der Küste der Syrte 
selbst die Nasamoner, welche, wegen ihrer mitten im Sande 
belegenen Wohnsitze, von den Griechen Mesammoner ge- 
nannt worden sind. Das cyrenaische Gebiet soll in einer 
Breite von 15,000 Schritten von der Küste an fruchtbar an 
Bäumen sein, in einer gleichen Breite weiter nach dem 
Innern zu bloss Feldfrüchte, und auf dem folgenden 30,000 
Schritte breiten und 250,000 Schritte langen Landstriche 
nichts als Laser 13 ) hervorbringen. 

Hinter den Nasamonen wohnen die Asbister 14 ) und 
Macer 15 ) und noch weiter die Ammanter, 11 Tagereisen 



») Om-el-Abid. -) Bengaz. 3 ) Teukna. 

') Tolometa. 5 ) Marza Suza. 6 ) Grenne oder Kurin. 

7 ) Der schmale Kanal, durch welchen ein bei Bengasi liegender 
See mit dem Meere in Verbindung steht. 

8 ) Ras Sem. '■>) Matapan. 10 ) Cap Razat. ") Luccu. 
'-i El Baretoun. 13 ) Vergl. XIX. B. 15. Cap. 

M ) Südlich von Cyrene. 15 j Am Wadi-Quaam. 



366 Fünftes Buch. 

von der grösseren Syrte gegen Westen hin und ganz von 
Sandwüsten umgeben. Sie finden jedoch schon leicht in 
einer Tiefe von etwa 2 Ellen Wasser, weil die maurita- 
nischen Gewässer sich hier sammeln. Zum Bau ihrer 
Häuser bedienen sie sich statt der Steine des Salzes, wel- 
ches sie aus ihren Bergen hauen. 7 Tagereisen von ihnen 
südwestlich wohnen die Troglodyten, mit welchen sie nur 
wegen des Handels mit einem Edelsteine, dem sogenannten 
Carbunkel *), welcher aus Aethiopien kommt, in Verbindung 
stehen. Dazwischen liegt, nach den bei der kleinen Syrte 
genannten Wüsten Afrika's hin , Phazania 2 ) , wo wir das 
Volk der Phazanier und die Städte Alele 3 ) und Cilliba 4 ) 
unterworfen haben; ebenso Cydamus 5 ) in der Richtung 
von Sabrata. Von hier aus zieht sich ein langes Gebirge 
von Osten nach Westen, welches von unsern Schriftstellern 
das schwarze 6 ) genannt wird, entweder weil es von Natur 
wie verbrannt aussieht, oder weil es durch die Glüht der 
Sonne ausgebrannt ist* Dahinter liegt eine Wüste; dann 
Talgae, eine Stadt der Garamanter, desgleichen Debris, an 
einer Quelle, deren Wasser von Mittag bis Mitternacht heiss 
und von Mitternacht bis Mittag kalt ist; ferner die weltbe- 
rühmte Hauptstadt der Garamanter Garama 7 ). Ueber alle 
diese Städte und Länder siegten die Römer und triumphirte 
Carnelius Baibus 8 ) , der einzige Ausländer, welchem man 
einen Triumph halten Hess und mit den Rechten der Qui- 
nten beschenkte; er war nämlich aus Gades gebürtig und 
erhielt mit dem älteren Baibus, seines Vaters Bruder, das 
römische Bürgerrecht. Ein merkwürdiger Umstand, den 
unsere Schriftsteller, neben den oben genannten von ihm 
eroberten Städten, noch berichtet haben, ist, dass er die 
Namen und Bilder aller Völker und Städte, ausser Cida- 
mus und Garama, in folgender Ordnung im Triumph auf- 



') Vergl. XXXVII. B. 25. Cap. 2 ) Fezzan. 3 ) Mellulen. 

4 ) Zuila. 5 ) Gadamez. 

6 ) Es heisst noch jetzt das schwarze (Soudah). 

7 ) Gherma, zu Fez gehörig. 8 ) 44 v. Chr. 



Fünftes Buch. 3(57 

führte: die Stadt Tabudium l ), das Volk Niteris, die Stadt 
Negligamella , das Volk oder die Stadt der Bubejer, das 
Volk der Eniper, die Stadt Thuba, der Berg Niger, die 
Städte Nitibrum und Rapsa, das Volk Discera, die Stadt 
Debris, den Fluss Nathabur, die Stadt Thapsagum, das Volk 
der Nanniger, die Stadt Bois und Pege, den Fluss Dasi- 
bari 2 ). Dann folgten ohne Unterbrechung die Städte Ba- 
racum, Buluba, Alasi, Balla, Galia, Maxala 3 ), Zizama und 
endlich der Berg Gyri 4 ), in welchem der vorangetragenen 
Aufschrift zufolge Edelsteine vorkommen sollen. Den Weg 
zu den Garamanten hat man bis jetzt noch nicht ermitteln 
können, da räuberische Züge dieses Volkes die Brunnen 
(nach denen man nicht tief zu graben braucht, wenn man 
die rechten Stellen weiss) mit Sand verschütteten. In dem 
letzten Kriege, welchen die Römer im Anfange der Regie- 
rung des Kaisers Vespasian mit den Orensern führten, ist 
ein kurzer, bloss viertägiger Weg entdeckt worden, welcher 
„der Weg an der Felsenspitze vorbei" heisst. Die Grenze 
des cyrenaischen Gebietes führt den Namen Catabathmos 5 ); 
hier liegt eine Stadt gleichen Namens und ein von steilen 
Höhen umschlossenes Thal. Bis hierher misst das eyre- 
naische Afrika von der kleinen Syrte an 1,060,000 Schritte 
in der Länge und, so viel man weiss, 800,000 Schritte in 
der Breite. 

6. 
Das nun folgende Gebiet heisst das libysche Mareo- 
tis 6 ) und grenzt an Aegypten. Darin wohnen die Marma- 
riden, Adyrmachiden und Mareoten. Von Catabathmos bis 
Parätonium 7 ) beträgt die Entfernung 86,000 Schritte. Auch 
diese Strecke liegt im Innern Apis 8 ), wegen der Religions- 



») Tibesty. 2 ) Azawan. 

3 ) Missolat. ') Goriano. 5 ) Lucco. 

6 ) Die ganze Küstenstrecke von Lucco bis Alexandrien. 

7 ) Al-Baretum. 

8 ) Ist mit der Stadt Apis auf einer Insel im See Mareotis nicht 
zu verwechseln. 



368 Fünftes Buch. 

Gebräuche der Aegypter von Interesse. Von da ist Parä- 
tonium 62,000 und von hier Alexandrien 200,000 Schritte 
entfernt, die Breite x ) beträgt 169,000 Schritte. Eratosthenes 
giebt den Landweg von Cyrene nach Alexandrien auf 
525,000 Schritte an. Nach Agrippa ist ganz Afrika mit 
Einschluss von Unter-Aegypten, vom atlantischen Meere an 
3,040,000 Schritte lang. Polybius und Eratosthenes, deren 
Angaben man für die richtigsten hält, bestimmen die Länge 
vom Ocean bis Gross-Carthago auf 1,100,000 Schritte, von 
da bis Canopicunn, der nächsten Mündung des Nils, auf 
1,628,000 Schritte. Isidorus sagt, von Tingis bis Canopus 
sei es 3,599,000 Schritte; Artemidorus nimmt 40,000 weniger 
als Isidorus an. 

7. 
Inseln liegen in diesem Meere nicht sehr viele. Die 
berühmteste ist Meninx 2 ), 25,000 Schritte lang und 12,000 
breit und von Eratosthenes Lotophagitis genannt. Sie hat 
2 Städte, Meninx auf der afrikanischen und Troar auf der 
andern Seite; von dem rechts liegenden Vorgebirge 3 ) der 
kleinen Syrte ist sie 150,000 Schritte entfernt. 100,000 
Schritte von ihr zur Linken liegt Cercina 4 ), mit einer freien 
Stadt gleichen Namens; sie ist 25,000 Schritte lang, an der 
breitesten Stelle halb so , aber am äussersten Ende nicht 
über 5000 Schritte breit. Mit ihr steht auf der nach Car- 
thago gerichteten Seite die kleine Insel Ceremibis 5 ) mit- 
telst einer Brücke in Verbindung. Lopadusa G ) , eine 6000 
Schritte lange Insel, liegt beinahe 50,000 Schritte von ihnen 
entfernt. Dann folgt Gaulos 7 ) und Galata 8 ) , deren Erde 
den Scorpion, ein für Afrika gefährliches Thier, tödtet. 
Sie sollen auch auf Clypea 9 ), welcher Cosyra 10 ) mit einer 
Stadt gegenüber liegt, umkommen. Dem Busen von Car- 
thago gegenüber, zwischen Sicilien und Sardinien, liegen 
die beiden Altäre des Aegimuron n ), welche aber eher den 



') Nämlich des libyschen Mareotis. '-) Dsjerbi. 3 ) Cap Dsjerbi. 
') Kcrkeni. 5 ) Oeto. 6 ) Lampadosa. 7 ) Gozzo. 8 ) Galita. 
9 ) Calibia. ,0 ) Pantalaria. ») Vergl. Virgils Aeneide I. 113. 



Fünftes Buch. 369 

Namen Felsen als Inseln verdienen. Einige Schriftsteller 
berichten, sie wären vormals bewohnte Inseln gewesen, 
aber grösstenteils versunken. 

8. 
Im Innern von Afrika, gegen Süden, nach den Gä- 
tulern hin und hinter denselben, wohnen, durch Wüsten ab- 
geschieden, zuerst die Libyägypter *) und dann die Leuc- 
äthiopier 2 ). Hinter diesen die Nigritier, Stämme der 
Aethiopier, an dem oben genannten Flusse 3 ); ferner die 
nackten Pharusier 4 ), welche bis an den Ocean reichen, und 
die schon bei den Grenzen von Mauritanien erwähnten Pe- 
rorser. Von allen diesen Völkern an ziehen sich nach 
Osten unermessliche Wüsten bis zu den Garamanten, Au- 
gylen und Troglodyten hin. Sehr wahr ist die Meinung 
derer , welche zwei Aethiopien hinter den afrikanischen 
Wüsten annehmen, und vor allen hat Homer 5 ) Recht, der 
die Aethiopier in die östlichen und westlichen theilt. Der 
Fluss Tigris hat dieselbe Beschaffenheit wie der Nil, denn 
in ihm kommen dasselbe Schilf, Papyrus und dieselben 
Thiere vor, und er schwillt zu derselben Zeit an. Er ent- 
springt zwischen den Gebieten der tareleischen und oeca- 
lischen Aethiopier. Die Stadt der letztern, Magium, haben 
Einige in die Wüsten versetzt und sagen, daneben wohn- 
ten die Atlauter, die halbwilden Aegypaner, die Blemmyer, 
Ganphasanter, Satyrer und Himantopoder. Wenn wir ihnen 
glauben wollen, so sind die Atlanter den menschlichen 
Sitten und Gebräuchen fremd, denn unter ihnen findet 
keine Namens-Bezeichnung statt, sie sehen die auf- und 
untergehende Sonne als ein ihnen und ihren Aeckern ver- 
derbliches Wesen unter schrecklichen Verwünschungen an; 
auch träumen sie nicht wie andere Menschen. Die Troglo- 
dyten graben sich Höhlen ß ), welche zu ihren Wohnungen 



') Westlich von Thebais, wo jetzt die libysche Wüste ist. 

2 ) In der Wüste Sahara. 3 ) Niger. 

4 ) In der Gegend das Cap Nun. 5 ) Odyssee I. 23. 

6 ) Daher ihr Name, von TQOjy'/.r] Höhle. 

24 



370 Fünftes Buch. 

dienen, nähren sich vom Fleische der Schlangen, ihre 
Stimme ist nur ein Schnarren, und desshalb können sie 
keine ordentliche Unterredung halten. Die Garamanten 
haben keine Ehen, sondern vermischen sich mit den 
Weibern ohne Unterschied. Die Augyler verehren nur 
die Götter der Unterwelt. Die Gamphasanter gehen nackt r 
verstehen nichts von Kriegführung und haben keine Ge- 
meinschaft mit andern Völkern. Den BlemmyerD sollen die 
Köpfe fehlen, Mund und Augen aber auf der Brust stehen. 
Die Satyren haben ausser ihrer Gestalt nichts Menschliches 
an sich; die Aegipanen sind so gestaltet, wie man sie ge- 
wöhnlich abbildet l ). Die Himantopoden haben krumme 
Füsse und können sich nur durch Kriechen fortbewegen. 
Die Pharusier, ehemals Perser, sollen den Herkules, als er 
zu den Hesperiden reiste, begleitet haben. Weiter finde 
ich von Afrika nichts, was erwähnenswerth wäre. 

9. 

Mit Afrika hängt Asien zusammen, welches sich nach 
Timosthenes 2 ) von der eanopischen Nilmündung bis zu der 
Mündung des Pontus 2,639,000 Schritte, und nach Eratho- 
sthenes von der Mündung des Pontus bis zur Mündung des 
Mäotis 1,645,000 Schritte weit ausdehnt. Die Grösse von 
ganz Asien mit Aegypten bis zum Tanais geben Artemidorus 
und Isidorus auf 5,375,000 Schritte an. Die es umspülenden 
Meere haben von den umwohnenden Völkern verschiedene 
Namen erhalten, weshalb sie zugleich mit diesen genannt 
werden sollen. 

Afrika zunächst liegt Aegypten, das sich in südlicher 
Richtung nach dem Innern zurückzieht und bis zu den 
Aethiopiern, welche dahinter wohnen, reicht. Den unteren 
Theil desselben umschliesst und begrenzt der in einen 
linken und rechten Arm getheilte Nil, dessen canopische 
Mündung auf der afrikanischen Seite von der pelusiacischen 
auf der asiatischen Seite 170,000 Schritte entfernt ist. Dieser- 



') Nämlich mit rauhen Bocksbeinen. 

a ) Admiral der Flotte von Ptolemäus II. Philadelphus. 



Fünftes Buch. 371 

halb haben Einige Aegypten zu den Inseln gerechnet, und 
da der Nil sich so theilt, dass er dem Lande eine dreieckige 
Gestalt giebt, so haben Viele dasselbe mit dem Namen des 
griechischen Buchstaben Delta bezeichnet. Die Länge von 
dem Punkte, wo der Nil sich zuerst theilt, bis zur cano- 
pischen Mündung beträgt 146,000, bis zur pelusiacischen 
aber 166,000 Schritte. Der oberste, an Aethiopien grenzende 
Theil heisst Thebais. Er wird in Stadtbezirke eingetheilt, 
welche Nomen heissen ; sie sind : der ombitische x ), apollo- 
politische 2 ), hermonthitische 3 ), thinitische 4 ), phaturitische 5 ), 
coptitische 6 ), ten tyri tische 7 ), diospolitische 8 ), antäopoli- 
tische 9 ), aphroditopolitische 10 ) und lycopolitische n ). Der 
an Pelusium grenzende Distrikt hat folgende Nomen: den 
pharbatischen 12 ), bubastitischen 13 ), sethratischen u ) und tani- 
tischen 15 ). Das übrige Aegypten aber enthält den ara- 
bischen 16 ), den hammoniacischen, welcher sich bis zum 
Orakel des Jupiter Hammon 17 ) ausdehnt, den oxyrynchi- 
tischen 18 ), leontopoli tischen 19 ), athribitischen 20 ), cynopoliti- 
schen 21 ), hermopolitischen 22 ), xoitischen 23 ), mendesischen 24 ), 
sebenny tischen 25 ), cabasitischen 26 ), latopolitischen 27 ), helio- 
politischen 28 ), prosopolitischen 29 ), paropolitischen 30 ), busiri- 
tischen 31 ), onuphitischen 32 ), saitischen 33 ), ptenethuischen 34 ), 



») Koum-Omboe. 2 ) Edfu. 3 ) Ermend. 

4 ) Nach dem Städtchen This in der Nähe von Scheik-Abadu, 
dem alten Abydus. 

5 ) Wahrscheinlich der von Thebae. 6 ) Kuft. 7 ) Dendera. 
8 ) How. 9 ) Qua-ou-el-Kharab. 10 ) Ed Sof. ") Siut. 

12 ) Belbeis. ,3 ) Basta. 

14 ) An der Stelle von Heracleum, dem Hauptorte dieses Nomos, 
findet man jetzt den See Menzaleh. ,5 ) Aschmun-Tanah. 
16 ) Zwischen dem Delta und dem arabischen Meerbusen. 
,7 ) Oase Siwah. 18 ) Beneseh. ,9 ) Tel-Essabe. '■») Trieb. 
21 ) Samalout. 22 ) Aschmunein. 23 ) Mehallet-el-Kebir. 
w ) Menzaleh. 25 ) Semenhud. 26 ) Dsjabas. 2T ) Esneh. 28 ) Matareh. 

29 ) Nach der Insel Prosopitis, welche durch 2 Nilarme (den ca- 
nopischen und sebennytischen) und den Kanal Farauni gebildet wird. 

30 ) Akmin. 31 ) Abusir. 32 ) Banub. M ) Sah-el-Hadschar. 
M ) Bembeaw. 

24* 



372 Fünftes Buch. 

phthempuischen *), naucratitischen 2 ), inetelitischen 3 ) , gy- 
näcopolitischen 4 ) und nienelaitischen in der Gegend von 
Alexandrien. In Libyen liegt der mareotische Nomos 5 ) und 
der heracleopolitische auf einer 50,000 Schritte langen Nil- 
insel, auf der man auch die Stadt des Herkules 6 ) findet. 
Es giebt auch zwei arsinoitische Nomen 7 ), welche, nebst 
dem memphitischen 8 ), den obersten Theil des Delta bilden. 
An diesen grenzen auf der Seite nach Afrika hin die beiden 
oasitischeu Nomen 9 ). Einige verändern manche dieser 
Nomen und führen noch andre Nomen an, wie den heroo- 
politischen 10 ) und crocodilopolitischen u ). Zwischen dem 
arsinoitischen und dem memphitischen Nomus lag ein künst- 
licher See, der 250,000 oder, wie Mucianus berichtet, 
450,000 Schritte im Umfange hatte und 50 Schritte tief 
war, und nach dem Könige, welcher ihn angelegt, der See 
des Moeiis 12 ) genannt wurde. 62,000 Schritte davon liegt 
Memphis 13 ), die ehemalige Residenz der ägyptischen Könige, 
von welcher der Weg bis zum Orakel des Hammou 12 Tage- 
reisen beträgt. Bis zur Theilung des Nils aber, die wir 
Delta genannt haben, sind es 15,000 Schritte. 

10. 
Der Nil, dessen Quellen man noch nicht genau anzu- 
geben weiss, fliesst zuerst durch wüste und brennend heisse 
Gegenden, und ist auf dieser Ungeheuern Strecke seiner 
Länge nur durch Gerüchte und friedliche Forschung, nicht 
aber durch Kriege, welche die Entdeckung aller übrigen 
Länder veranlasst haben, bekannt, Er entspringt (in so 
weit diess der König Juba hat ermitteln können) auf einem 
Berge des unteren Mauritaniens, nicht weit vom Ocean, und 



») Tafa. 

2 ) Neucratis lag 3 St. südlich vom heutigen Orte Schabur. 

3 ) Mentubes. 4 ) Auf der Westseite des canopischen Armes. 
s ) Mairiut. 6 ) Anas- el-Wodj out. 7 ) Adsjerut und Fejum. 

s ) Minieh. 9 ) El Wah und Charje. 

10 ) Entspricht dem arabischen. 

n ) Entspricht dem einen arsinoitischen (Pejturi). 

n ) Birket-Kerum. Ia ) Minieh. 



Fünftes Buch. 373 

bildet bald darauf einen See, welcher Nilis beisst. In dem- 
selben leben die Fiscbgattungen Alabetä 1 ), Coracini 2 ) und 
Siluri 3 ), auch Crocodile, und zum Beweise davon hat er 
einen solchen zu Cäsarea 4 ) in den Tempel der Isis ge- 
weihet, welcher noch heutzutage daselbst gezeigt wird. 
Ausserdem hat man beobachtet, dass das Wasser des Nils 
sich nach der Menge des in Mauretanien fallenden Schnees 
und Regens richtet. Aus jenem See getreten verbirgt er 
sich, als verschmähe er es, durch sandige und schmutzige 
Gegenden zu fliessen, auf eine Strecke von mehreren Tage- 
reisen unter der Erde. Hierauf bricht er im cäsariensischen 
Mauritanien, da wo die Massäsyler wohnen, unter Bildung 
eines andern, noch grössern See's hervor (dessen gleiche 
Fischarten beweisen, dass es der Nil ist), gleichsam als ob 
er sich nach den Menschen umsähe. Wiederum rinnt er in 
den Sand ein und versteckt sich 20 Tagereisen weit bis 
an die Grenze der Aethiopier, springt aber, sobald er die 
Nähe von Menschen merkt, wahrscheinlich in derjenigen 
Quelle, welche wir Nigris genannt haben, hervor. Von hier 
an scheidet er Afrika von Aethiopien, wird, wenn auch 
nicht sogleich von Völkern, doch von wilden und ungeheuren 
Thieren umwohnt, bringt Wälder hervor und zieht sich 
unter dem Namen Astapus 5 ), welches in der Sprache jener 
Völker ein aus der Finsterniss kommendes Wasser bedeutet, 
mitten durch Aethiopien. Er bildet unzählige Inseln, und 
einige von solcher Grösse, dass er, trotz seiner reissenden 
Schnelligkeit, doch nicht weniger als fünf Tagereisen braucht, 
um an ihnen vorbei zu fliessen. Da, wo er die berühmteste 
derselben, Meroe 6 ), umfliesst, heisst sein linker Arm Asto- 
bores, d. h. der Arm des aus der Finsterniss kommenden 
Wassers; der rechte aber Astosapes, was ihm noch die 



') Gadus Lota L. oder Petromyzon fluviatilis L. 

2 ) Labrus nüoticas L. 3 ) Silurus anguillaris L. 

A ) Tenez. 5 ) Der Nilarm Bahar-el-Azreck (blauer Strom). 

6 ) Es ist eigentlich eine Halbinsel (im Innern Aethiopiens), die 
durch den Zusammenfluss des Astobores (jetzt Tagazze) mit dem 
Astosapes (jetzt Rahad) entsteht. 



374 Fünftes Buch. 

Bedeutung des verborgenen giebt. Den Namen Nil erhält 
er nicht eher, bis sich alle seine Gewässer wieder in einem 
Bette vereinigt haben ; doch auch dann heisst er noch einige 
Meilen weit, wie auch etwas stromaufwärts, Siris; Homer 1 ) 
nennt ihn auf seinem ganzen Laufe nicht anders als Aegyp- 
tus, Andere nennen ihn Triton. Weiterhin stösst er auf 
Inseln und wird durch eben diese Hindernisse angetrieben; 
zuletzt eilt er, von Bergen eingeschlossen, reissender als 
irgendwo anders, einer Gegend Aethiopiens, wo die Cata- 
puder wohnen, zu, und scheint bei seinem letzten Wasser- 
falle, zwischen den entgegenstrebenden Felsen mit unge- 
heurem Getöse eher herabzustürzen als zu fliessen. Dann 
ergiesst er sich, nachdem seine Wogen gebrochen, seine 
Heftigkeit gezähmt und er durch den langen Weg ermüdet 
ist, obgleich in vielen Mündungen, doch sanft ins ägyptische 
Meer. Zu gewissen Zeiten jedoch schwillt er sehr an, über- 
schwemmt ganz Aegypten und befruchtet dadurch das Land. 
Man giebt verschiedene Ursachen dieses Anwachsens 
an, die wahrscheinlichsten aber sind folgende: Entweder 
wird er durch die um jene Zeit gerade entgegenwehenden 
Passatwinde 2 ), die das Meer in seine Mündungen drängen, 
zurückgetrieben, oder, es sind die Sommerregen Aethiopiens, 
indem durch dieselben Winde die Wolken aus allen Theilen 
der Welt dorthin getrieben werden. Der Mathematiker 
Timäus hat einen etwas dunkeln Grund angegeben ; er 
sagt nämlich: der Nil, dessen Quelle Phiala heisse, ver- 
sinke in unterirdische Gänge und dampfe zwischen den 
rauchenden Felsen, welche ihn verbergen, vor Hitze. Wenn 
nun die Sonne um jene Zeit 3 ) in seine Nähe komme, so 
werde er durch die Gewalt ihrer Glüht emporgehoben und 
fliesse über, verberge sich dann aber wieder, damit er nicht 
ganz verzehrt werde. Diess erfolge beim Aufgange des 
Hundssternes, wenn die Sonne in das Zeichen des Löwen 
tritt, also senkrecht über der Quelle stehe, wo dann in jener 



>) Odyssee IV. 477. 2 ) Etesiae. 
3 ) Wo nämlich der Nil anschwillt. 



Fünftes Buch. 375 

hegend kein Schatten stattfindet. Dagegen sind die Meisten 
der Meinung, dass der Fluss anschwelle, wenn die Sonne 
nach Norden abweiche, was im Zeichen des Krebses und 
Löwen geschieht, und daher sei er dann weniger arm an 
Wasser. Sobald aber die Sonne wieder in das Zeichen des 
Steinbocks und nach dem Südpole zurückkehrt, werde er 
aufgezehrt und fliesse daher wieder spärlicher. Wer aber 
dem Timäus glaubt, der Fluss könne in die Höhe gezogen 
werden, der bedeuke, dass daselbst um jene Zeit nirgends 
Schatten ist 1 ). 

Der Nil beginnt mit dem ersten Neumonde nach dem 
Sommer-Solstitium zu wachsen 2 ), jedoch nur laugsam und 
massig, wenn die Sonne durch das Zeichen des Krebses, 
sehr rasch aber, wenn sie durch das Zeichen des Löwen 
geht, und fällt wieder in der Jungfrau auf dieselbe Weise, 
wie er gewachsen ist. In seine Ufer tritt er zurück in der 
Waage, und zwar, wie Herodot angiebt, am hundertsten 
Tage 3 ). Während seines Wachsens dürfen die Könige 
und Präfecten ihn nicht befahren. Den Grad des Wachs- 
thums beobachtet man an Zeichen, die in den Brunnen 
angebracht sind. Die rechte Höhe ist 16 Ellen; bei niedri- 
gerem Stande bewässert er nicht alle Gegenden, bei höherem 
bleibt er zu lange stehen, weil sein Abfluss mehr Zeit erfor- 
dert. In letzterem Falle wird wegen des feuchten Bodens 
die Saatzeit verzögert, in jenem fehlt es an hinreichender 
Feuchtigkeit. Beides ist von bedeutendem Einflüsse für das 
ganze Land. Bei 12 Ellen Wasserstand entsteht Hungers- 
noth, bei 13 Ellen ist noch Mangel, 14 Ellen verschaffen 
Heiterkeit, 15 Wohlstand, 16 Ueberfluss. Der höchste Stand 
bis auf die jetzige Zeit fand unter dem Kaiser Claudius 
statt und betrug 18 Ellen, der niedrigste von 5 Ellen wäh- 



') Dass also der Nil, so lange die Sonne in dieser Gegend ihre 
Strahlen senkrecht herabsendet, wachsen müsste, was doch nicht 
der Fall ist. 

2 ) Diess wäre im Julius , allein er fängt schon Ende April zu 
steigen an. 

3 ) Nämlich vom Anfange seines Steigens an gerechnet. 



376 Fünftes Buch. 

rend des pharsalischen Krieges, als habe der Fluss durch 
ein Wunderzeichen seinen Abscheu vor dem Morde des 
grossen Mannes *) darthun wollen. Wenn das Wasser seinen 
höchsten Standpunkt erreicht hat, wird es durch geöffnete 
Dämme auf das Land gelassen, und sobald eine Strecke 
vom Wasser wieder frei ist, wird sie besäet. Dieser Fluss 
ist auch der einzige, welcher keinen Nebel erzeugt. 

An der Grenze von Aethiopien, bei Syene, 2 ) tritt der 
Nil in Aegypten ein. Syene heisst eine Halbinsel von 
10C0 Schritten im Umfange, auf welcher sich nach Arabien 
zu ein befestigtes Lager, an der entgegengesetzten Seite 
aber die vier philäischen Inseln befinden, und von wo die 
Theilung des Nils, von der, wie wir gesagt haben, das Land 
den Namen Delta hat, bOO,000 Schritte entfernt ist. Dies 
Maass hat Artemidorus angegeben, und bemerkt, dass auf 
dieser Strecke 250 Städte gelegen hätten. Juba nimmt 
400,000 Schritte an. Aristcocreon 3 ) bestimmt die Entfernung 
der Insel Elephantis 4 ) vom Meere zu 750,000 Schritten. 
Diese Insel liegt 4000 Schritte unter dem letzten Nilfalle 
und 16,000 Schritte über Syene, und bis dahin, oder 
585,000 Schritte von Alexancliien geht die Schifffahrt der 
Aegypter. So sehr haben sich die eben genannten Schrift- 
steller geirrt. Dort sammeln sich die äthiopischen Fahr- 
zeuge, denn diese können zusammengelegt werden, und man 
trägt sie auf den Schultern weiter, so oft man an einen 
Wasserfall kommt. 

11. 

Aegypten rühmt sich, ausser seiner im hohen Alter- 
thume erlangten Celebrität, zur Zeit der Herrschaft des 
Amasis 5 ) 20,000 Städte gehabt zu haben, und auch jetzt 
ist es noch reich daran, wenngleich sie meist unbedeutend 
sind. Bemerkenswertli sind indessen: die Stadt des Apollo 6 ),. 



') Des Pompejus, der nach der pharsalischen Schlacht bei Pe- 
lusium 705 n. R. E. oder 49 v. Chr. ermordet wurde. 
2 ) Assuan. 3 ) Unbekannter Schriftsteller. 
4 ) Dsjesiret-el-Sag. 5 ) Von 563—515 v. Chr. 6 ) Edfou. 



Fünftes Buch. 377 

dann die der Leucothea *), Gross-Diospolis oder Theben 2 ), 
bekannt wegen seiner 100 Thore; Coptos 3 ), nahe am Nil, 
der Stapelplatz der indischen und arabischen Waaren. Dann 
die Stadt der Venus 4 ), noch eine des Jupiter 5 ) und Tentyris 6 ) ; 
unterhalb derselben Abydus 7 ), 7500 Schritte nach Libyen 
zu vom Nil entfernt und berühmt als die Residenz des 
Memnon und durch den Osiristempel. Ferner Ptolemais 8 ), 
Panopolis 9 ) und eine zweite Stadt der Venus 10 ). Nach 
Libyen zu, wo die Gebirge die Provinz Thebais begrenzen, 
liegt Lycon 11 ). Bei diesem Gebirge die Stadt des Mer- 
cur 1 ' 2 ), Alabastron, die Stadt der Hunde 13 ) und die schon 14 ) 
genannte des Hercules. Arsinoe 15 ) und . das obengenannte 
Memphis; zwischen letzterer Stadt und dem arsinoitischen 
Nomos liegen auf der libyschen Seite die Thiirme, welche 
Pyramiden 16 ) genannt werden, das Labyrinth 17 ) am See 
Moeris 18 ), welches ohne alles Holz erbauet ist, und die 
Stadt Crialon 19 ). Ausserdem liegt noch im Innern auf der 
arabischen Seite eine sehr berühmte Stadt, nämlich die der 
Sonne 20 .) 

Aber mit Recht ist das an der Küste des ägyptischen 
Meeres, auf der afrikanischen Seile liegende, von Alexander 
dem Grossen erbauete Alexandrien zu rühmen. Es liegt 
12,000 Schritte von der canopischen Mündung (des Nils) 
entfernt am See Mareotis 21 ) und zwar da, wo früher Rha- 
cotes stand. Den Plan dazu entwarf der Baumeister Di- 



') Wahrscheinlich Ele-Kab. 

2 ) Prachtvolle Ruinen bei den Dörfern Luxor, Carnak, Medinet- 
Abu und Gurnu. 

3 ) Kuft. «) Ed-Soph. 5 ) How. 6 ) Denderah. 

7 ) Scheik-Abadu. 

8 ) Trümmer dieser von Ptolemäus Philadelphus erbaueten Stadt 
finden sich bei Menschieh. 

9 ) Akmim. ,0 ) Atfieh. ,l ) Syouth. 12 ) Aschmunein. 
13 ) El-Gis. m) Im 9. Cap. ,5 ) Adsjerut. 

> 6 ) Beim Dorfe Gizeh. l7 ) S. XXXVI. B. 19. Cap. 

I8 ) Birket-Kerun. 19 ) Soll wohl Crocodilopolis heissen. 

*>) Mattarieh. 21 ) Birket Mariut. 



378 Fünftes Buch. 

nochares, dessen ausgezeichnetes Talent sich dabei auf 
mehrfache Weise zeigte; er gab ihr 15000 Schritte im Durch- 
messer und die Gestalt eines macedonischen , am Rande 
mit Zipfeln versehenen Kleides x ) , indem zur rechten und 
linken Seite Spitzen ausliefen. Schon damals wurde der 
fünfte Theil ihrer ganzen Grösse zur königlichen Residenz 
bestimmt. 

Der See Mareotis auf der südlichen Seite der Stadt er- 
hält sein Wasser durch einen Kanal aus der canopischen 
Mündung, dient zur Beförderung des Handels mit dem In- 
nern des Landes und fasst mehrere Inseln in sich. Die 
Ueberfahrt über denselben beträgt nach Kaiser Claudius 
30,000 und sein Umfang 150,000 Schritte. Nach Andern ist 
er 40 Schönus, den Schönus zu 30 Stadien gerechnet, lang, 
mithin macht die Länge 150,000 Schritte und die Breite 
ebensoviel aus. 

Auch zwischen den Ausflüssen des Nils liegen viele 
bedeutende Städte, besonders die, welche den Mündungen 
ihre Namen gegeben haben, jedoch gilt diess nicht von allen 
(denn es sind ihrer 12 und ausserdem noch 4, welche 
falsche Mündungen heissen), sondern nur von den 7 wich- 
tigsten, nämlich von der in der Nähe von Alerandrien lie- 
genden canopischen 2 ) , dann von der bolbitinischen 3 ), se- 
bennytischen 4 ) , phatnitischen 5 ) , mendesischen 6 ) , taniti- 
schen 7 ) und endlich der pelusiacischen 8 ). Ausserdem 
nenne ich noch die Städte: Butos 9 ), Pharbäthos 10 ), Leon- 
topolis 11 ), Athribis 12 ), die Stadt des Isis 13 ), Busiris 14 ), Cy- 
nopolis 15 ), Aphrodites 16 ), Sais 17 ) und Nauceatis, von der 
Einige eine Mündung die naucratische nennen, welche bei 
Andern die heracleotische heisst und die sie der ihr zu- 
nächst liegenden canopischen vorziehen. 



») Chlamys. 2 ) Bei Abukir. 

3 ) Bei Rosette. 4 ) Bei Semenhud. 5 ) Bei Damiette. 
°) Bei Menzaleh. 7 ) Bei Aschrnun-Tanah. 8 ) Bei Tineh. 
9 ) Bembeaw. 10 ) Belbeis. ») Tel-Essabe. ,2 ) Trieb. 
• 3 ) Zaöygeh. 14 ) Abusir. > 5 ) El-Gis. 16 ) Ed-Soph. 
") Ssa-al-Hadjar. 



Fünftes Buch. 379 

12. 

Jenseits der pelusiacischen Mündimg liegt Arabien, 
•welches an das rothe Meer und an jenes gewürzerzeugende, 
reiche und unter dem Beinamen des glücklichen x ) be- 
kannte Land grenzt. Das in Rede stehende Arabien aber, 
•welches auch das Land der catabanischen , esbonitischen 
und scenitischen Araber 2 ) heisst , ist ausser dem Theile, 
welcher an Syrien grenzt, unfruchtbar und enthält ausser 
dem Berge Casius 3 ) nichts Merkwürdiges. Hieran grenzen 
gegen Osten die canchleischen, gegen Süden die oedrai- 
schen Araber und an diese beiden die Nabatäer. Der eine 
nach Aegypten hin liegende Busen des rothen Meeres heisst 
der heroopolitische 4 ), der andere der aelanitische 5 ). Die 
beiden Städte Aelana 6 ) und Gaza 7 ) , welches an unserm 8 ) 
Meere liegt, sind 150,000 Schritte von einander entfernt. 
Agrippa giebt die Entfernung von Pelusium bis Arsinoe 9 ), 
einer Stadt am rothen Meere, welche beide durch Wüsten 
von einander getrennt sind, auf 125,000 Schritte an. Eine 
so geringe Entfernung trennt dort so verschiedene Distrikte. 

13. 

Syrien, vormals ein sehr ausgedehntes und durch viele 
Namen unterschiedenes Land, nimmt die nun folgende Küste 
ein. Da, wo es an Arabien grenzt, hiess es Palästina, auch 
Judäa und Coele 10 ), dann Phönicien, der nach dem Innern 
liegende Theil Damascena und weiter südlich Babylonien. 
Ferner Mesopotamien zwischen dem Euphrat und Tigris, 
Sophene jenseits des Taurus, Commagene diesseits desselben. 
Hinter Armenien liegt das früher Assyrien genannte Adia- 
bene und der an Cilicien grenzende Theil ist Antiochien. 
Die Länge Syriens zwischen Cilicien und Arabien beträgt 



') Der südliche zwischen dem arabischen und persischen Meer- 
busen liegende Theil. 

2 ) Die Beduinen. 3 ) Dsjebbl Okrab. 4 ) Busen von Suez. 

5 ) Busen von Akaba. 6 ) Akaba. 7 ) Gazeh. 8 ) mittelländischen. 

9 ) Suez. 

t0 ) Eigentlich Svgia xotkr/, das hohle Syrien; so hiess das Thal 
zwischen dem Libanon und dem Antilibanon. 



380 Fünftes Buch. 

470,000 , die Breite aber von Pieria l ) in Seleucis bis zur 
Stadt Zeugma 2 ) am Eupbrat 175,000 Schritte. Diejenigen, 
welche noch genauer eintbeilen, sagen, Phönicien werde 
von Syrien eingeschlossen und die syrische Seeküste be- 
greife Idumäa, Judäa, Phönicien und das eigentliche Syrien 
in sich. Das ganze davor liegende Meer wird das phöni- 
cische genannt. Das Volk der Phönicier hat sich durch die 
Erfindung der Buchstaben , Sternknnde , Schifffahrt und 
Kriegskunst grossen Ruhm erworben. 

14. 
Von Pelusium an liegen: das Lager des Chabrias 3 ) r 
der Berg Casius 4 ) , der Tempel des Jupiter Casius , das 
Grabmal des grossen Pompejus 5 ). Ostracine 6 ) , 65,000 
Schritte von Pelusium entfernt, grenzt an Arabien. Unweit 
davon fängt Idumäa an, ferner Palästina, da wo der 
See Sirbon 7 ) hervorbricht, dessen Umfang Einige auf 150,000 
Schritte angegeben haben. Herodot sagt, er liege am Berge 
Casius, und gegenwärtig ist es nur ein massiger Sumpf. 
Von Städten sind anzuführen: Rhinocolura 8 ) und im Innern 
Rhaphäa 9 ), Gaza 10 ) und im Innern Anthedon 11 ), der Berg 
Argaris 12 ). Der Küstenstrich Sa maria; die freie Stadt As- 
calo 13 ), Azotus 14 ), die beiden Städte Janneia 15 ), von denen 
eine im Innern des Landes liegt. Joppe 16 ), eine Stadt der 
Phönicier, die älter als die grosse Erdüberschwemnmng sein 
soll. Sie liegt auf einem Hügel, vor welchem sich ein 
Felsen befindet, an dem man noch Spuren der Fesseln der 



') Kapse. 2 ) Tscheschme. 

3 ) Welches dieser atheniensische Feldherr gegen den vordrin- 
genden Artaxerxes an den östlich von Pelusium hinziehenden Mo- 
rästen angelegt hatte. 

/ ') El-Katieh. 5 ) Am Berge Casius, wo er ermordet wurde. 

6 ) Steaki in Unterägypten. ~) Sebaket-Bardonil. 8 ) El-Arisch. 

9 ) Refa. ,0 ) Ghase. ") Daran. 12 ) Garizin. 13 ) Ascalan. 

,4 ) Ezdud. Sie wurde von Psammetich , König von Aegyptem 
nach einer Belagerung von 29 Jahren erobert. 

15 ) Nämlich die eigentliche Stadt und die Hafenstadt; jetzt Ibne. 

,6 ) Jaffa. 



Fünftes Buch. 381 

Andromeda x ) zeigt. Hier wird auch die fabelhafte Ceto 2 ) 
verehrt. Nun folgt Apolloma 3 ) , der vom Köuig Herodes 
erbauete Thurm des Strato, auch Cäsarea 4 ) genannt; ferner 
die erste flavische , vom Kaiser Vespasian angelegte Colo- 
nie. Die Grenze Palästina's ist von der arabischen 189,000 
Schritte entfernt; dann kommt Phönicien. Im Innern liegen 
die samarischen Städte Neapolis 5 ), früher Mamortha ge- 
nannt , Sebaste 6 ) auf einem Berge und Gamala 7 ) auf 
einem noch höheren Berge. 

15. 

Hinter Idumäa und Samaria breitet sich Judäa der 
Länge und Breite nach aus. Der an Syrien grenzende 
Theil desselben heisst Galiläa, der Arabien und Aegypten 
zunächst liegende aber Peräa; dieser ist von rauhen Ge- 
birgen durchschnitten und vom übrigen Judäa durch den 
Jordan getrennt. Das übrige Judäa wird in 10 Toparchien 
eingetheilt, welche wir der Keine nach nennen wollen: die 
an Palmen und Quellen reiche hiericuntische 8 ) , die em- 
maische 9 ), lyddische 10 ), joppische 11 ), acrabatenische 12 ), goph- 
nitische 13 ), thamnitische 14 ), bethleptephenische , orineische, 
in welcher Hierosolyma 15 ) , eine der berühmtesten Städte 
nicht bloss Judäa's , sondern des ganzen Orients lag , und 
endlich die herodische mit einer bedeutenden Stadt gleiches 
Samens. 

Der Jordan entspringt aus einer Quelle des Paneas 16 ), 
die der Stadt Cäsarea, von der wir noch reden werden, 



1 ) Sie wurde von ihrer Mutter einem Seeungeheuer ausgesetzt, 
aber durch Perseus befreiet. (Ovid-Metam IV. 670.) 

2 ) Oder Derceto , eine Göttin , die man halb als Weib und halb 
als Fisch abbildete, und der man besonders goldene und silberne 
Fische opferte. (Herodot I. 105). 

3 ) Arsuf. 4 ) Kaisarieh. 5 ) Nablos. 6 ) Schemrun. 

7 ) Santorri. 

8 ) Jericho. 9 ) Kubeib. ,0 ) Ludd. ") Jaffa. 

12 ) Von Nablos nach Südost bis Jericho und zum Jordan. 

13 ) Gofna. ") Oestlich von Antipatris nach Lydda. 

,r> ) Jerusalem. 16 ) Der höchste Rücken des Antilibanon. 



382 Fünftes Buch. 

den Beinamen *) gegeben hat. Es ist ein anmuthiger Fluss, 
der, soweit es die Beschaffenheit der Gegend gestattet , in 
schlängelndem Laufe zum Nutzen der anwohnenden Völker 
sich fortbewegt, gleichsam als nahe er sich nur mit Wider- 
willen dem verderblichen Asphaltsee 2 ) , welcher ihn end- 
lich verschlingt und sein vortreffliches Wasser durch die 
Vermischung mit dem stinkenden des Sees verdirbt. Da 
wo die Lage des Thaies es zuerst möglich macht, ergiesst 
er sieb in einen See , den Mehrere Genesara 3 ) nennen. 
Dieser ist 16,000 Schritte lang, 6000 Schritte breit und von 
freundlichen Städten umgeben; östlich davon Julias 4 ) und 
Hippo, südlich Tarichea, mit welchem Namen Einige auch 
den See bezeichnen, und westlich Tiberias 5 ) mit warmen 
Heilquellen. 

Der Asphaltsee enthält nichts als Erdpech , wovon er 
auch seinen Namen hat. Er nimmt keinen thierischen Körper 
auf, selbst Stiere und Kameele schwimmen auf ihm. Dabei- 
ist die Sage entstanden , dass nichts in ihm untersinke. 
Seine Länge beträgt über 100,000 Schritte, die grösste 
Breite 25,000, die geringste 6000. Oestlich von ihm liegt 
der von Nomaden bewohnte Theil Arabiens, südlich Machä- 
rus 6 ), ehemals nächst Jerusalem die zweite Hauptstadt von 
Judäa. Auf derselben Seite befindet sich die warme Heil- 
quelle Callirhoe, deren Name schon den Ruhm ihres Was- 
sers anzeigt. Westlich wohnen, so nahe die Ausdünstungen 
des Sees es gestatten, die Essener, ein einsames und vor 
allen übrigen Bewohnern der Erde wunderliches Volk 7 ), 
das ohne Weiber, überhaupt ohne alle Gemeinschaft mit 
dem weiblichen Geschlechte, ohne Geld, und nur in Ge- 
sellschaft seiner Palmen lebt. Ihre Anzahl erneuert sich 
immer wieder durch Ankömmlinge, denn viele wandern da- 



') Caesarea Paneas, jetzt Banias. 2 ) Das todte Meer. 
3 ) See Tiberias (Taberia). 4 ) Kassr el Bedauih. 5 ) Taberia. 
e ) Mkaur. 

7 ) Eine jüdische Secte, über welche man mehr findet in Jose- 
phus' Geschichte des jüdischen Krieges, B. II. Cap. 7. 



Fünftes Buch. 333 

hin, welche lebensmüde sind und von den Wogen des Schick- 
sals sich zur Annahme ihrer Sitten gedrungen fühlen. So 
besteht (was unglaublich scheint) ein Volk, bei dem Nie- 
mand geboren wird, tausende von Jahrhunderten fort. So 
fruchtbar ist für sie der Lebensüberdruss Anderer! Unter- 
halb ihres Gebiets lag früher die Stadt Engadda *), welche 
nach Hierosolyma wegen ihres fruchtbaren Bodens und ihrer 
Palmenwälder den zweiten Rang behauptete; jetzt ist sie 
gleichfalls ein Schutthaufen. Hierauf folgt Masada, ein 
Schloss mit einem Felsen, nicht weit vom Asphaltsee. So- 
weit reicht Judäa. 

16. 

An dasselbe stösst auf der syrischen Seite das deca- 
politanische Gebiet, so genannt von der Zahl seiner 
Städte, in deren Angabe aber nicht alle übereinstimmen. 
Die Meisten nennen jedoch Damascus, welches durch die Be- 
wässerung , die mit dem Flusse Chrysorrhoas 2 ) hergeleitet 
wird und diesen fast ganz erschöpft, sehr fruchtbar ist; 
Philadelphia 3 ), Rhaphana, welche Städte alle nach Arabien 
hin liegen. Ferner Scythopolis 4 ), welches seinen Namen 
von einer dahin geführten scythischen Colanie erhielt und 
früher nach dem Bachus, dessen Amme hier begraben liegt? 
Nysa hiess. Gadara 5 ) am Flusse Hieromiax 6 ); das schon 
genannte Hippos, Dion, das wasserreiche Pella 7 ), Galasa 8 ) 
und Canatha 9 ). Zwischen und um diese Städte ziehen sich 
die Tetrarchien hin, welche gleichsam für sich einzelne Be- 
zirke bilden und als Reiche gelten, nämlich: Trachonitis, 
Paneas, in welcher Cäsarea 10 ) mit der obenerwähnten Quelle 
liegt, Abila 11 ), Area 12 ) Ampeloessa und Gabe. 

17. 

Nun müssen wir wieder zur Küste und zwar nach 
Phönicien zurückkehren. Hier war die Stadt Crocodilon, 



*) Aiu-Dsjiddy. 2 ) Barradi. 3 ) Amman. 4 ) El Bissan. 
5 ) Mkesi. 6 ) Scherriat-Mandur. 7 ) Bellue. 
8 ) Eigentlich Gerasa (Dsjerrasch). 9 ) Khaunat. ,0 ) Banias. 
") Abil. 12 ) Geburtsort des Kaisers Alexander Severus. 



384 Fünftes Buch. 

jetzt führt nur noch ein Fluss x ) diesen Namen. Im' blossen 
Andenken stehen noch die Städte Dorum 2 ) und Sycami- 
num 3 ), das Vorgebirge Carmelum und auf dem Berge selbst 
eine Stadt gleiches Namens , welche vormals Ecbatana 4 ) 
hiess. In der Nähe liegen Getta und Jebba; der Bach Pa- 
gida oder Belus 5 ) , an dessen kleinem Ufer sich Sand fin- 
det, der zur Bereitung des Glases tauglich ist. Er selbst 
kommt aus dem See Cendevia am Fusse des Carmel. Nicht 
weit davon die Colonie des Kaiser Claudius, Ptolemais, 
früher Ace e ) genannt. Die Stadt Ecdippa 7 ) , das weisse 
Vorbebirge 8 ). Tyrus 9 ), vormals eine 700 Schritte weit 
im Meere liegende Insel, hängt jetzt durch die Belagerungs- 
werke Alexanders mit dem Festlande zusammen. Sie war 
einst berühmt als Gründerinn anderer Städte , wie Leptis, 
Utica und jene nach der Weltherrschaft strebende Neben- 
buhlerin des römischen Reichs, Carthago; auch Gades, 
ausserhalb dieses Erdkreises , ist durch sie entstanden. 
Jetzt besteht noch ihr ganzer Ruhm in Muscheln und Pur- 
pur. Diese Insel, auf welcher die Stadt Palätyrus liegt, 
hält 19,000 Schritte im Umfange; die Stadt selbst nimmt 
einen Raum v©n 22 Stadien ein. Nun folgen die Städte 
Sarepta 10 ), Ornithon ") und Sidon 12 ), deren Bewohner Glas 
machen , und welche die Mutterstadt von Theben in 
Böotien ist. Hinter ihr liegt das Gebirge Libanüs, das sich 
1500 Stadien weit bis Simyra 13 ) erstreckt, wo Syrien den 
Namen Coele bekommt. Ihm gegenüber, durch ein Thal 
getrennt, vormals aber durch eine Mauer verbunden, liegt 
der gleich grosse Antilibanus. Hinter demselben die deca- 
politanische Landschaft mit den bereits angeführten 
Tetrarchien, und die ganze Breite von Palästina." An der 
Küste, unter dem Libanus der Fluss Magoras 14 ), die Colo- 



») Zirka. 2 ) Tartuva. 3 ) Keisa. 

4 ) Kaiffa. Hier starb nach Herodot Cambyses, König von Per- 
sien, auf der Rückkehr aus Aegypten. 

5 ) Nähr Abu. c ) St. Jean d'Acre. 7 ) Zib. 8 ) C. Blanco. 

9 ) Tsor. 10 ) Sarphond. ») El Urbi. v -) Saida, 13 ) Sumre. 
u ) Nahr-el-Damur. 



Fünftes Buch. 385 

nie Berytus x ), auch Felix Julia genannt, die Stadt Leon- 
tos , der Fluss Lycos 2 ) , Paläbyblos , der Fluss Adonis 3 ), 
die Städte Byblos 4 ) , Botrys 5 ) , Gigarta 6 ) , Trieris , Cala- 
mos 7 ), Tripolis 8 ), welche letztere die Tyrier, Sidonier und 
Araber bewohnen , Orthosia 9 ) , der Fluss Eleutheros 10 ), 
die Städte Sinigra, Marathos 11 ) und dieser gegenüber Ara- 
dus 12 ), eine Stadt und Insel von 7 Stadien Länge und 200 
Schritte vom Festlande entfernt. Sodann der Distrikt, in 
welchen sich die obengenannten Gebirge abdachen und der 
durch zwischen liegende Ebenen davon getrennte Berg Bar- 
bylus anfängt. 

18. 
Hier verlassen wir Phönicien und kehren wieder nach 
Syrien zurück. Darin die Städte: Garne 13 ), Balanea 14 ), 
Paltos 15 ) ,' Gabale 10 ); das Vorgebirge auf welchem das freie 
Laodicea 17 ) liegt, Diospolis, Heraclea, Charodrus, Posi- 
diune 18 ); dann folgt das Vorgebirge des antiochischen 
Syriens. Im Innern die freie Stadt Antiochia 19 ) selbst, 
mit dem Beinamen Epidaphnes 20 ); sie wird vom 
Flusse Orontes 21 ) durchschnitten. Auf dem Vorgebirge das 
freie Seleucia 22 ) , Pieria genannt. Hinter derselben liegt 
ein Berg, der, wie der oben 23 ) erwähnte, auch den Namen 
Casius 2,1 ) führt. Seine Höhe ist so bedeutend, dass schon 
um die vierte Nachtwache 25 ) die aufgehende Sonne ihn be- 
scheint, so dass man durch eine geringe Wendung des Kör- 
pers Tag und Nacht zugleich sehen kann. Der Weg von 
seinem Fusse bis zum Gipfel beträgt 19,000, die senkrechte 
Höhe 4000 Schritte. An der Küste fliesst der Orontes, 
welcher zwischen dem Libanus und Antilibanus in der Nähe 



l ) Beirut. 2 ) Bahr-el-Kelp. 

3 ) Nahr-el-lbrahim. 4 ) Dsjebail. 5 ) Patrone. 6 ) Gazir. 

7 ) Kallemon. 8 ) Trablo. 9 ) Ortosa. I0 ) Nahr-el-Quibir. 

u ) Rhede von Tortosa. 12 ) Ruad. ,3 ) Tortosa. ,4 ) Baneas. 

15 ) Boldo. 16 ) Dsjebail. t7 ) Latakia. 18 ) Posseda. 19 ) Antakia. 

20 ) Neben dem Lorbeerhaine. 21 ) Asi. 22 ) Kebse. 23 ) Im 14. Cap. 

24 ) Dsjebbl Okrab. 25 ) Früh um 3 Uhr. 

25 



386 Fünftes Buch. 

von Heliopolis *) entspringt. Die Stadt Rhosos und da- 
hinter die sogenannten syrischen Thore 2 ) zwischen den 
rhosischen Gebirgen und dem Taurus. An der Küste die 
Stadt Myriandros , der Berg Amanus 3 ) mit der Stadt Bo- 
mytä, welcher Cilicien von Syrien trennt. 

19. 

Jetzt wollen wir von dem Innern Syriens reden. In 
Coele liegt Apamia 4 ), das durch den Fluss Marsyas 5 ) von 
der Tetrarchie der Nazeriner 6 ) geschieden ist; ferner Bam- 
byce 7 ), welches auch Hierapolis, bei den Syrern aber Ma- 
bog heisst, und wo man die abenteuerliche Ataropatis, von 
den Griechen Derceto 8 ) genannt , verehrt. Chalcis 9 ) , mit 
dem Beinamen „am Belus" 10 ), von der Chalcidine, die frucht- 
barste Gegend Syriens, ihren Namen hat. Dann folgen: 
das cyrrhestische Cyrrhus 11 ), die Gazater, Gindarener 12 ), 
Gabener; die beiden granucomatischen Tetrarchien, die Eme- 
sener, Hylater, Ituräer und ein Stamm derselben, die Bä- 
tarrener; die Mariammitaner , die Tetrarchie Mammisea; 
Parodisus, Pagrä 13 ), die Pinariter, ausser den schon ge- 
nannten noch 2 Städte Namens Seleucia, von denen die 
eine am Eupbrat 14 ), die andere am Belus 15 ) liegt, und die 
Cardytenser. Im übrigen Syrien wohnen (mit Ausnahme 
derer, welche beim Euphrat genannt werden solleu) die 
Arethusier 16 ), Beröenser 17 ), Epiphaneenser 18 ); gegen Osten 
die Laodicener, mit dem Beinamen „am Libanus", die Leu- 
cadier, Larissäer 19 ) und ausserdem noch 17 in Regierungs- 
bezirke getheilte Tetrarchien mit barbarischen Namen. 

20. 

Bei dieser Gelegenheit wird es am passendsten sein, 
auch vom Euphrat zu reden. Er entspringt nach dem 



») Balbek. 2 ) Sakal-Doutan. 3 ) Alma-Dagh. 

4 ) Heisst jetzt Famirh. 5 ) Ochiense, 6 ) Nosairis. 

7 ) Boinbädsch. 8 ) S. im 14. Cap. 9 ) Kimisrini. 

10 ) Dschebel-el-Semraak. ") Korus. **) Daina. 13 ) Bagras. 

u ) Bachadmosal. ,5 ) Schoghr. ,ü ) Restun. ") Halep (Aleppo). 

,8 ) Hama. ,9 ) Dsjesar. 



Fünftes Buch. 387 

Berichte derer, welche selbst dort waren, in der Statthalter- 
schaft Carantis *) in Gross-Armenien , nach Domitius Cor- 
bulo 2 ) auf dem Berge Aba 3 ) , nach Licinius Mucianus am 
Fusse des Berges Capotes 4 ), 12,000 Schritte oberhalb Zi- 
mara, und heisst anfangs Pyxurates. Er fliesst zuerst durch 
Derxene 5 ) , dann durch Anaitica 6 ) und trennt Armenien 
von Cappadocien. Dascusa 7 ) ist von Zimara 75,000 Schritte 
entfernt. Von da beträgt die Reise zu Schiffe bis Sartona 8 ) 
50,000 Schritte, bis Militene 9 ) in Cappadocien 74,000, bis 
Elegia 10 ) in Armenien 10,000. Auf dieser Strecke nimmt 
er die Flüsse Lycus n ), Arsanias 13 ) und Arsanus 13 ) auf. Bei 
Elegia tritt ihm der Berg Taurus entgegen, vermag ihn 
aber trotz seiner Breite von 12,000 Schritten nicht aufzu- 
halten. Da wo er an das Gebirge stösst, heisst er Omma, 
nachdem er es durchbrochen Euphrat, und auch dann noch 
ist er voll Felsen und reissend. Weiterhin liegt ihm Ara- 
bien, und zwar das 3 Schönus breite Gebiet Oreon zur 
Linken, zur Rechten grenzt er an Commagene 14 ), doch dul- 
det er, selbst da wo er den Taurus durchbricht, eine Brücke 
über sich. Bei Claudiopolis 15 ) in Cappadocien lenkt er 
seinen Lauf gegen Westen; hier aber tritt ihm der Taurus 
abermals entgegen, siegt, früher von ihm überwunden und 
durh schnitten, jetzt auf andere Weise über ihn und treibt 
ihn nach Süden. So gleicht sich dieser Streit der Natur 
aus, indem der Fluss geht, wohin er will, und der Berg ihn 
in seinem willkürlichen Laufe hindert 16 ). Von den Wasser- 
fällen an wird er wieder schiffbar, und 40,000 Schritte wei- 
ter liegt Samosata 17 ), die Hauptstadt von Commagene. 



«) Erzerum. 2 ) War 39 n. Chr. Consul. 
3 ) Alatagh. 4 ) Bingöltagh. 5 ) Tordsjan. 6 ) Momacottom. 
') Dengizlu. 8 ) Pastek. 9 ) Malatya. 10 ) Ilidsje. ") Bingöl. 
12 ) Murad. 13 ) Arslan. 

u ) Die Paschaliks Merasch, Aintab und Simasat. 
,5 ) Ra-Claudie. 

16 ) D. h. der Euphrat kommt zum Meere, wohin er will, aber 
durch den Widerstand des Taurus nicht in das mittelländische. 
") Simasat. 

25* 



388 Fünftes Buch. 

21. 

In dem oben genannten Arabien liegen folgende Städte : 
Edessa l ), vormals Antiochia genannt, das nach einer Quelle 
benannte Callirrhon, Carrhä 2 ), bekannt durch die Nieder- 
lage des Crassus 3 ). Hieran grenzt die Statthalterschaft 
Mesopotamien 4 ) , welche von den Assyriern gegründet ist 
und die Städte Anthemusia und Nicephorium 5 ) enthält. Nun 
folgen die prätavischen Araber mit der Hauptstadt Singara 6 ). 
Hinter Samosata auf der syrischen Seite fällt der Marsyas 
in den Euphrat. Cingilla 7 ) liegt an der Grenze von Com- 
magene und dann beginnt der Bezirk der Immeer 8 ). Die 
Städte Epiphania und Antiochia, „am Euphrat" benannt; 
desgleichen Zeugma 9 ), 72,000 Schritte von Samosata, be- 
rühmt durch den Uebergang über den Euphrat. Das gegen- 
über liegende Apamea 10 ) hat Seleucus, der Gründer beider 
Städte, durch eine Brücke mit jener verbunden. Die Grenz- 
nachbaren von Mesopotamien sind die Rhoaler. Aber in 
Syrien liegen 11 ) die Städte Europum 12 ) und das vormalige 
Thapsacum, jetzt Amphipolis 13 ) ; endlich die scenitischen 
Araber u ). So fliesst er bis zu dem ehemaligen Ura 15 ), wo 
er sich gegen Osten wendet und die palmyrenischen Wüsten 
Syriens, welche sich bis zur Stadt Petra 16 ) und dem glück- 
lichen Arabien erstrecken, verlässt. 

Die Stadt Palmyra 17 ) ist berühmt durch ihre Lage, 
durch die Ergiebigkeit des Bodens und anmuthige Wässer; 
im weiten Umkreise sind ihre Aecker von Sandwüsten um- 
schlossen; durch die Natur gleichsam von allen übrigen 
Ländern abgeschieden, liegt sie unabhängig zwischen zwei 
mächtigen Reichen, dem römischen und parthischen, und 



J ) Orfa im nördlichen Mesopotamien. In der spätem Zeit nahm 
sie den Namen Justinopolis an. 

-) Harran. 3 ) 53 v. Chr. 4 ) Diarbekr. 

5 ) Von Alexander dem Grossen erbauet, jetzt Racca. 

,! ) Sindrjar. 7 ) Kuph. 8 ) Armana. 9 ) Tscheschme. 

,0 ) Rum. u ) Nämlich längs des Euphrat. 12 ) Jerabolos. 

u ) El-Der. w ) In der Nähe der palmyrensischen Wüste. 

,s ) Gorur. lfi ) Ar-Rakim. 17 ) Tadinor. 



Fünftes Buch. 389 

wird bei jedem Zwiste auf beiden Seiten zu gewinnen ge- 
sucht. Von der parthischen Stadt Seleucia x ) am Tigris ist 
sie 337,000 Schritte entfernt, von der nächsten Küste Sy- 
riens aber 203,000; Damascus liegt 27,000 Schritte näher. 

Vor den Wüsten Palmyra's liegt der stelendenische Be- 
zirk und die schon 2 ) genannten Städte Hierapolis , Beröa 
und Chalcis. Hinter Palmyra in derselben Wüste Emesa 3 ), 
ferner Elatium, welches der Stadt Petra am die Hälfte näher 
ist als Damascus. Von Sura 4 ) aus kommt man zunächst 
nach Philiscum 5 ) , einer parthischen Stadt am Euphrat. 
Von da schifft man in 10 Tagen nach Seleucia und fast in 
derselben Zeit nach Babylon. 94,000 Schritte von Zeugma, 
beim Flecken Massice theilt sich der Euphrat; sein linker 
Arm geht nach Mesopotamien durch Seleucia selbst und er- 
giesst sich hier in den vorüberfliessenden Tigris. Der rechte 
Arm aber fliesst nach Babylon, der ehemaligen Hauptstadt 
von Chaldäa, die er, sowie die Stadt Otris mitten durch- 
strömt und verliert sich in Sümpfe. Er schwillt auch gleich 
wie der Nilstrom an bestimmten Tagen, die aber mit denen 
beim Nil nicht ganz zusammentreffen, an und überschwemmt 
Mesopotamien. Dies geschieht, wenn die Sonne im 20. Grade 
des Krebses steht; er fängt wieder an zu fallen, wenn die 
Sonne aus dem Löwen in die Jungfrau übergeht und tritt 
ganz in sein Bett zurück, wenn sie im 29. Grade der Jung- 
frau steht. 

22. 

Wir kehren zu derjenigen Küste von Syrien zurück, 
an die zunächst Cilicien 6 ) grenzt. Darin: der Fluss Dia- 
phanes, der Berg Crocodilus 7 ), die Pässe des Berges Ama- 
nus 8 ), die Flüsse Androcus 9 ), Pinarus 10 ), Lycus, der Busen 
von Issos 11 ). Die Stadt Issos 12 ), Alexandria 13 ), der Fluss 



») AI Modain. 2 ) Im 19. Cap. 

3 ) Hems. *) Beled-Surieh. 5 ) Blis. 

6 ) Ejalet Itschil. 7 ) Ein Vorsprung des Taurus. 

8 ) Thor von Beilan. 9 ) Kermes. ,0 ) Deli-Su. 

") Golf von Ayas. ,2 ) Oeseler. '*) Eskiendrun. 



390 Fünftes Buch. 

Chlorus, die freie Stadt Aegä *), der Fluss Pyramus 2 ), die 
cilicischen Engpässe 3 ); die Städte Mellos 4 ), Magarsos und 
im Innern Tarsos 5 J. die alejische Ebene, die Städte Cas- 
sipolis , das freie Mopsos G ) am Pyramus , Thynos , Zephy- 
rium , Anchiale. Die Flüsse Saros 7 ) , Cydnus 8 ) , der die 
unweit vom Meere gelegene freie Stadt Tarsus durch- 
schneidet. Der celenderitische Bezirk mit einer Stadt 9 ); 
das ehemalige Nymphäum , Solo Cilicii 10 ) , jetzt Pompejo- 
polis, Adana 11 ), Cibyra 12 ), Pinara, Pedalie, Ale, Selinus 13 ), 
Arsinoe, Jotape, Doron. Am Muere liegt Corycos u ), welchen 
Namen die Stadt, ihr Hafen und eine Höhle führen. Dann 
folgt der Fluss Calycadnus 15 ), das Vorgebirge Sarpedon 16 ), 
die Städte Holmö, Myle; das Vorgebirge und die Stadt der 
Venus 17 ), welche der Insel Cypern am nächsten liegt. Auf 
dem Festlande ferner die Städte Myanda, Anemurium 18 ), 
Coracesium 19 ) und der Fluss Melas 20 ), die alte Grenze von 
Cilicien. Im Innern des Landes aber sind zu nennen Ana- 
zarbus 21 ), welches jetzt Cäsarea heisst, Augusta, Casta- 
bala 22 ), Epiphania vormals Oeniandos, Eleusa 23 ), Iconium, 
Seleucia 24 ) oberhalb des Flusses Calycadnus, welche den 
Beinamen Tracheotis hat; sie lag früher näher am Meere 
und hiess Lolmia. Ausserdem sind im Innern des Landes 
die Flüsse Liparis, Bombos und Paradisus, sowie das Ge- 
birge Jmbarus 25 ). 

23. 
Alle Schriftsteller lassen Pamphylien an Cilicien gren- 
zen, wobei sie das Volk der Isaurer 26 ) nicht berücksich- 
tigen. Die Städte desselben im Innern sind: Isaura 27 ), Cli- 
banus, Lelasis. Das Land dacht sich in der Richtung der 



') Ajascala. 2 ) Dsjihhan. 

3 ) Thor von Sakaltutan. 4 ) Malo. 5 ) Tarso. 

«■) Mysis. 7 ) Seihhan. 8 ) Karasu. 9 ) TscheHndre. 

,0 ) Mezetlu. ») Adene. 12 ) Iburar. ,3 ) Selenti. 14 ) Burku. 

15 ) Selefkieh. 16 ) Cap Cavaliere. 17 ) Port Pinus. 18 ) Anemur. 

19 ) Alajah. 20 ) Manavgat. 21 ) Ainzarbeh. 22 ) Dsjakel. 

23 ) Ajasch. 24 ) Selefkeh. 25 ) Ein Zweig des Ararat. 

2C ) Paschalik Begscheer. 21 ) Serki-Seroj. 



Fünftes Buch. 391 

oben genannten Gegend von Anemurium nach dem Meere 
zu ab. Ebenso ist allen, die über diese Länder geschrieben 
haben, das an jenes grenzende Volk der Homanader un- 
bekannt, in deren innern Gebiete die Stadt Homana *) liegt. 
Ausserdem sind noch 44 Burgen in rauhen Thälern ver- 
borgen. 

24. 

Das Hochland bewohnen die Pisider 2 ), welche vor- 
mals Solymer Messen. Ihre Colonie Cäsarea 3 ) hat auch 
den Namen Antiochia. Ihre Städte sind Oroanda 4 ) und 
Sagalessos 5 ). 

25. 

Die Pisider werden von Lycaonien 6 ) eingeschlossen, 
welches nebst den Philomeliensern 7 ), Tymbrianern, Leuco- 
lithern , Peltenern und Tyriensern 8 ) zum asiatischen Ge- 
richtsbezirk gehören. Der Theil von Lycaonien, der an 
Galatia grenzt und aus 14 Gemeinden mit der sehr berühm- 
ten Stadt Iconium 9 ) besteht , bildet eine Tetrarchie. Im 
eigentlichen Lycaonien sind berühmt: Thebasa am Taurus, 
Hyde an der Grenze von Galatien und Cappadocien. Zur 
Seite aber hinter Pamphylien wohnen die Milyer, Nach- 
kommen der Thracier, deren Stadt Arycanda heisst. 

26. 

Pamphylien 10 ) hiess sonst Mopsopia 11 ). Das pam- 
phylische Meer grenzt an das cilicische. Städte sind: Side 1 ' 2 ), 
Aspendum 13 ) auf einem Berge , Pletemissum und Perga 14 ). 
Das Vorgebirge Leucolla; der Berg Sardemisus. Flüsse: 
der Eurymedon 15 ), der an Aspendum vorbeifliesst, der Catar- 



') Erminak. 2 ) Paschalik Hamid. 

3 ) Akscheer. 4 ) lgricli. 5 ) Aglason-Bey. 6 ) Paschalik Konia. 

7 ) Bulawadin. 8 ) Altyn-Khan. 9 ) Konia. 

10 ) Paschalik Tekke z. Th. 

") Von Mopsus, welcher nach dem trojanischen Kriege diese 
Küste beherrschte. 

12 ) Side. 13 ) Minugat. ") Karahissar. 

15 ) Zacuth; berühmt durch den Doppelsieg des Cimon über die 
Perser. 



392 Fünftes Buch 

ractes *) , an welchem Lyrnessus und Olbia 2 ) liegen. Die 
letzte Stadt an dieser Küste heisst Phaseiis 3 ). 

27. 
Hieran stösst das lycische Meer, an dem die Lycier 
wohnen. Von da an beschreibt der von den östlichen Küsten 
sich herabziehende Taurus durch das chelidonische Vor- 
gebirge 4 ) einen bedeutenden Meerbusen 5 ). Er 6 ) ist un- 
ermesslich gross und beherbergt zahlreiche Völker; mit der 
rechten Seite, wo er vom indischen Meere aufsteigt, ist er 
nach Norden, mit der linken nach Süden gerichtet, wendet 
sich dann nach Westen und würde ganz Asien durchschnei- 
den, wenn diesem Unterdrücker der Länder nicht die Meere 
Widerstand leisteten. Er springt also nach Norden ab und 
sucht bei seiner Wendung einen unermesslichen Weg ein- 
zuschlagen; da setzt ihm aber die Natur gleichsam mit 
Fleiss plötzlich die Meere entgegen, hier das phönicische, 
dort das pontische, da das caspische und hyrcanische und 
gegenüber den mäotischen See. So windet er sich zwischen 
diese hemmenden Elemente gepresst dennoch siegend durch, 
gelangt in Krümmungen zu der ihm verwandten riphäischen 
Bergkette und hat sich auf seinem Wege durch viele und 
neue Namen berühmt gemacht. Zuerst heisst er Imaus 7 ), 
dann Emodus s ) , Paropamisus 9 ) , Circius , Chambades , Pa- 
ryadres 10 ), Choatras 11 ), Oreges, Oroandes, Niphates 12 ), Tau- 



2 ) Duden. 2 ) Antalia. 

3 ) Fianda. Die Einwohner waren Erfinder gewisser schnell- 
segelnder Schifte, die daher den Namen Phaseli hatten. 

4 ) Cap Kalidoni. 5 ) Den pamphylischen Golf von Atalia. 

6 ) Nämlich der Taurus. 7 ) Erhebt sich 7° östlich vom Ganges, 
geht durch Tibet und die Wüste nach Norden hin. 

8 ) Bildet mit dem Imaus das Himalayahgebirge. 

9 ) Hendu-Khos in Candahar. 

10 ) In Armenien; ein Arm des Antitaurus. 

n ) Auch Zagros genannt, jetzt Tag-Riaghi, an der Grenze von 
Medien und Assyrien. 

12 ) Im südlichen Armenien, wo der Tigris entspringt; heisst 
jetzt Tschudy. 



Fünftes Buch. 393 

rus l ); da wo er am höchsten ist Caucasus 2 ); wo er sich 
in Arme theilt, als ob er die Meere angreifen wollte, Sar- 
pedon 3 ), Caracesius 4 ) , Cragus 5 ) und wiederum Taurus; 
und selbst wo er sich öffnet und den Völkern den Zutritt 
verschafft, behauptet er dennoch seine Einheit, denn diese 
Zugänge führen bloss den Namen Pforten (Engpässe) und 
heissen auf einer Seite die armenischen, auf einer andern 
die caspischen, auf einer dritten die cilicischen. Sogar da, 
wo er gebrochen den Meeren ausweicht, wird er noch nach 
den anwohnenden Völkern mit vielen Namen belegt; so 
heisst er rechts der hyrcanische, caspische, links der par- 
yedrische 6 ) , moschische 7 ) , amazonische , coraxische und 
scythische. Das ganze Gebirge nennen aber die Griechen 
das ceraunische. 

28. 
In Lycien 8 ) liegen vom Vorgebirge des Taurus an 
die Stadt Simena, der des Nachts feuerspeiende Berg Chi- 
inära, die Gemeinde Hephästium, in deren Bezirke sich eben- 
falls Berge befinden, die oft brennen. Früher lag daselbst 
die Stadt Olympus, jetzt aber die Bergstädte Gagä, Cary- 
dalla und Rhodiopolis. In der Nähe des Meeres: Limyra mit 
einem gleichnamigen Flusse 9 ) , in welchen sich der Ary- 
candus ergiesst, der Berg Massycites, die Gemeinde An- 
driaca 10 ) und Myra 11 ). Die Städte Apyre 12 ), Antiphellos 13 ), 
welche vormals Habessus hiess, und weiter im Lande: 
Phellus. Sodann Pyrrha und Xanthus 14 ), beide 15,000 
Schritte vom Meere entfernt und der Fluss Xanthus. Pa- 
tara 15 ), früher Pataros, Sidyma auf einem Berge; das Vor- 
gebirge Cragus 16 ). Weiterhin ein dem vorigen 17 ) gleicher 



1 ) Die Kette im Norden von Pamphylien und Cilicien. 

2 ) Zwischen dem schwarzen und caspischen Meere. 

3 ) Cap Cavaliere. 4 ) Kurko. 5 ) Monte di Goronte. 
8 ) Agatsch-Baschi. 7 ) Bingol. 

8 ) Theile der Paschaliks Muntescha und Tekke. 

9 ) Arakli. «>) Sevedo. ») Mira. ,2 ) Fineka. ,3 ) Antifello. 
M ) Essenide. 15 ) Patira. ,6 ) Cap Serdeni? 

») Golf von Chelidoni. 



394 Fünftes Buch. 

Busen x ), an welchem Pinara und Telmessus 2 ), die Grenz- 
stadt von Lycien, liegen. Lycien hatte einst 70 Städte, 
jetzt hat es nur noch 36. Von diesen sind, ausser den oben 
genannten, noch bemerkenswerth: Canas, Condyba, berühmt 
durch den önischen Wald, Podalia, Choma am Flusse 
Adesa, Cyaneä, Ascandalis, Amelas, Noscopium, Tlos und 
Telandrus. In der Mitte des Landes liegt Cabalia mit den 
3 Städten Oenoanda, Balbura und Bubon. Bei Telmessus 
fängt das asiatische oder carpathische Meer, sowie Asien 
im engern Sinne 3 ) an. Letzteres hat Agrippa in 2 Theile 
getheilt. Den einen Theil schliesst im Osten Phrygien und 
Lycaonien, im Westen das ägeischeMeer, im Süden Aegypten 
und im Norden Paphlagonien ein. Seine Länge beträgt 
470,000, seine Breite 320,000 Schritte. Die Grenzen des 
andern Theiles bestimmt er folgendermaassen: gegen Osten 
Klein-Armenien , gegen Westen Phrygien , Lycaonien und 
Paniplfylien, gegen Norden die pontische Provinz und gegen 
Süden das pamphylische Meer. Er ist 575,000 Schritte 
lang und 325,000 Schritte breit. 

29. 
Das nächste Küstenland ist Carien, dann folgt Jonien 
und hinter diesen Aeolien. Carien 4 ) schliesst das in der 
Mitte liegende Doris ein und stösst zu beiden Seiten bis 
ans Meer. In ihm sind zu merken: das Vorgebirge Peda- 
lium 5 ), der Fluss Glaucus, der nach Telmedium führt; die 
Städte Dädala 6 ) und Crya 7 ), von Flüchtlingen gegründet. 
Der Fluss Axon , die Stadt Calynda. Der Fluss Indus 8 ) 
entspringt auf den cibyratischen Gebirgen 9 ), nimmt 60 be- 
ständig strömende Flüsse und noch 100 Giessbäche auf 
Die freie Stadt Caunos 10 ), dann Pyrnos, der Hafen Cressa 11 ), 
20,000 Schritte von der Insel Rhodus. Die Ruinen von 



') Golf von Magri. -) Magri. 

3 ) Anatoli oder Natolien. 

4 ) Mit Doris das Paschalik Muntescha z. Th. 5 ) Ginakri. 
6 ) Doleman. ') Messi. 8 ) Kabbeh. 9 ) Horssulu. 

lü ) Kaiguez. ") Krissa. 



Fünftes Buch. 395 

Lorynia 1 ); die Städte Tisanusa, Paridion und Larymna. 
Der Busen Thymnias; das Vorgebirge Aphrodisias; die 
Stadt Hyda; der Busen Schönus; der Bezirk Bubassus. Auf 
dem Vorgebirge liegt die freie Stadt Gnidos 2 ), welche erst 
Triopia, dann Pegusa und Stadia hiess. Hier fängt Doris an. 
Vorher aber müssen wir die hintern Länder und die in 
der Mitte liegenden Gerichtskreise anführen. Der eine von 
ihnen heisst der cibyratische. Die Stadt Cibyra 3 ) selbst 
gehört zu Phrygien. 25 Gemeinden und die berühmte Stadt 
Laodicea 4 ) sind ihr einverleibt. Letztere liegt am Flusse 
Lycus 5 ), und der Asopus und Caprus bespülen sie zu bei 
den Seiten. Sie hiess erst Diospolis, dann Rhoas. Die 
übrigen nennenswerthen Gemeinden in diesem Kreise sind 
die Hydreliter, Themisoner 6 ) und Hierapoliter 7 ). Der an- 
dere Gerichtskreis hat seinen Namen von der Stadt Synnas 8 ) 
bekommen. Zu ihm gehören die Lycaoner, Appianer, Eu- 
carponer, Doryläer 9 ), Midäer, Julienser und noch 15 unbe- 
deutende Völker. Der Hauptort des dritten Kreises ist 
Apamea 10 ), welches früher Celänä, dann Cibotos hiess. Es 
liegt am Fusse des Berges Signiä 11 ), und wird von den 
Flüssen Marsyas, Obrimas und Orgas 12 ), welche sich in den 
Mäander 13 ) ergiessen, umflossen. Hier kommt der Marsyas 
wieder zum Vorschein, denn unweit seines Ursprunges ver- 
birgt er sich an der Stelle, wo des Marsyas Wettstreit auf 
der Flöte mit dem Apollo vorgefallen war 14 ), nämlich zu 
Aulocrenä 15 ) , einem 10,000 Schritte von Apamea, nach 
Phrygien zu liegenden Thale. Aus diesem Kreise verdienen 
genannt zu werden: die Metvopoliter 16 ), Dionysopoliter, Eu- 
phorbener, Acmonenser, Peltener 17 ) und Silbianer. Die 
übrigen 9 Völker sind unbedeutend. 

Am Busen von Doris 18 ) liegen Leucopolis, Hamaxitos, 

') Cap Volno. 2 ) Guido. 3 ) Burun. 

<) Eski-Hissar. 5 ) Diokbunar. 6 ) Denislei. 7 ) Bambuk-Kalesi. 

8 ) Said-Gazelle. 9 ) Eskischeher. 10 ) Afiuni-Karahissar. 

») Kaldes Tagh. 12 ) Burbascha. I3 ) Bojuk-Minder. 

,4 ) Ovids Metam. VI. 383. ,5 ) Flötenbrunnen. 

• 6 ) Surmina. ,7 ) Peletis. 18 ) Golf von Simie. • 



396 Fünftes Buch. 

Elans und Eutbeue. Dann folgen die carischen Städte Pi- 
taium, Eutane und Halicarnassus 1 ). Letzterer sind folgende 
6 Städte von Alexander dem Grossen einverleibt: Thean- 
gela 2 ) , Sibde , Medmassa , Euralium , Pedasus 3 ) und Tel- 
messus. Sie liegt zwischen zwei Meerbusen , dem cera- 
mischen 4 ) und dem jasischen 5 ). Dann folgt Myndos 6 ), die 
Trümmer von Palämyndus, Nariendus, Neapolis, Caryanda 7 ), 
das freie Termera, Bargyla 8 ) und Jasus 9 ), von der der ja- 
sisclie Busen seinen Namen hat. 

Carien steht noch sehr im Rufe seiner vormaligen im 
Innern belegenen Städte; denn wo jetzt das freie Mylasa 10 ) 
und Antiochia 11 ) liegen, da standen früher Symmäthos und 
Cranaos; jetzt wird diese Gegend vom Mäander 12 ) und Or- 
sinus 13 ) umflossen. Daselbst lag auch ehemals Mäandro- 
polis 14 ). Jetzt findet man Eumenia, am Flusse Cludrus; 
der Fluss Glaucus, die Stadt Lysias, Orthosia, die berecyn- 
tische Gegend, Nysa 15 ); Trallis 16 ), welches auch Evanthia, 
Seleucia und Antiochia heisst, liegt am Flusse Eudon und 
wird vom Thebais durchschnitten. Nach Einigen sollen da- 
selbst die Pygmäer gewohnt haben. Ausserdem liegen hier: 
Thydonos, Pyrrha, Eurane, Heraclea 17 ), Amyzon 1S ), das freie 
Alabanda 19 ), von dem der Kreis seinen Namen hat, das freie 
Stratonicea 20 ) , Hynidos , Ceramus 21 ) , Trözene , Phorontis. 
Entlegenere Völker, welche zu diesem Gerichtsbezirke ge- 
hören, sind: die Orthronienser, Halydienser oder Hippiner, 
die Xystianer, Hydissenser, Apolloniater, Trapezopoliter 22 ) 
und die freien Aphrodisienser 23 ). Noch sind zu merken: 
Coscinus, Harpasa 24 ) am Flusse Harpasus 25 ), der auch bei 
der ehemaligen Stadt Trallicon vorbeifloss. 



') Budru; Vaterstadt des Herodot und Dionysius. 

"-) Karabaglar. 3 ) Paitschin. 4 ) Golf Stanka. 5 ) Askeni-Kalesi 

6 ) Mentesche. 7 ) Karracion. 8 ) Barghili. 9 ) Askem-Kalesi. 

,0 ) Myllesch. ») Jenischeer. 12 ) Bujuk-Minder. ,3 ) Jenscher. 

M ) Guzel-Hissar. 15 ) Nasli. 16 ) Sultanhissar. 

,7 ) Am Berge Latmos. 18 ) Ruinen bei Baffo. ,9 ) Karpusoli. 

-°) Eskihissar. 21 ) Keramo. 22 ) Karads-je-su. 23 ) Dsjera. 

'■") Arpas-Kalesi. 25 ) Tschina. 



Fünftes Buch. 397 

30. 

Lydien 1 ), welches der vielfach gewundene Mäander 
durchfliesst und das früher Mäonien hiess, geht über Jonien 
hinaus, grenzt gegen Osten an Phrygien, gegen Norden an 
Mysien und gegen Mittag an Carien. Seinen grössten Ruhm 
verdankt es Sardes 2 ) , einer Stadt am Berge Tmolus 3 ), 
welcher früher Tinolus hiess, mit Weinreben bepflanzt ist 
und auf dem der Pactolus, Chrysorrhoas und die Quelle 
Tarne entspringen. Von den Mäoniern ist die Stadt selbst 
Hyde genannt und bemerkenswerth durch den gygäischen 4 ) 
See. Jetzt heisst dieser Gerichtsbezirk der sardianische. 
Ausser den schon genannten gehören dazu: die macedo- 
nischen Caduener , die Lorener , die Philadelphener 5 ) , die 
die am Fusse des Tmolus, am Flusse Cogamus wohnenden 
Mäonier, die Tripolitaner, welche, sowie die Antoniopoliter 
am Mäander wohnen, die Apollonoshieriter , Mesotimoliter 
und noch einige unbedeutende. 

31. 

Jonien 6 ) fängt am jasischen Meerbusen an und dehnt 
sich einer noch buchtenreichem Küste entlang aus. Ihr 
erster Busen heisst der basilische 7 ); dann folgt das Vor- 
gebirge Posideum 8 ) nebst einer Stadt 9 ) gleichen Namens, 
das Orakel, welches früher das der Brauchiden 10 ), jetzt aber 
das des Apollo Didymäus heisst und 20 Stadien von der 
Küste entfernt ist. 180 Stadien weiter liegt Milet 11 ), die 
Hauptstadt von Jonien, vormals Lelege'is, Pityusa und Anac- 
toria genannt, die Gründerin von mehr als 90 an allen 
Meeren gelegenen Städten; auch dürfen wir ihren Bürger 
Cadmus nicht übergehen, der zuerst eine prosaische Rede 
aufzusetzen lehrte. Der Fluss Mäander entspringt aus einem 



*) Paschalik Szarnkhan. -) Sart. 3 ) Bergi. 

4 ) Innlighol; in dessen Nähe befanden sich die Gräber der alten 
Könige von Lydien. 

5 ) Allascheher. 6 ) Paschalik Sighla. 

7 ) Meerbusen von Melasso. 8 ) Cap Melasso. ») Melasso. 
10 ) Die Nachfolger des Branchos, eines Priesters des Apollo. 
") Palatschia. 



398 Fünftes Buch. 

See am Berge Aulocrene, fliesst an mehreren Städten vor- 
bei, nimmt viele Flüsse auf und macht so viele Krüm- 
mungen, dass man oft glauben könnte, er kehre wieder um. 
Zuerst durchzieht er die apamenische Gegend, dann die 
eumenetische, hierauf die bargyletischen Ebenen und zuletzt 
fliesst er sanft durch Carien, düngt deren Aecker mit frucht- 
barem Schlamme und ergiesst sich 10 Stadien von Milet 
ruhig ins Meer. Nun folgt der Berg Latmos, die Stadt 
Heraclea 1 ), welche von diesem Berge einen Beinamen führt, 
Caryca, Myus 2 ), was die von Athen zuerst eingewanderten 
Jonier gegründet haben sollen, Naulochum, Priene 3 ); der 
Fluss Gessus an der sogenannten trogilischen Küste 4 ); die 
allen Joniern heilige Gegend, welche daher auch Panjonia 5 ) 
heisst. Daneben lag die (wie schon der Name sagt) von 
Flüchtlingen gebauete Stadt Phygela 6 ), sowie Marathesium. 
Dahinter Magnesia 7 ), bekannt durch ihren vom Mäander 
entlehnten Beinamen und Tochterstadt des thessalischen 
Magnesia. Ihre Entfernung von Ephesus beträgt 15,000 
Schritte, von Tralles noch 3000 mehr. Früher hiess sie 
Thessalocce und Androlitia, und da sie dicht au der Küste 
liegt, so hat sie die derasidischen Inseln mit sich vereinigt 
und dem Meere entzogen. Im Innern des Landes liegt am 
Lycus 8 ) Thyatira 9 ), früher unter den Namen Pelopia und 
Euhippia. 

An der Küste aber folgen: Mantium, Ephesus 10 ), ein 
Werk der Amazonen. Diese Stadt hat oft ihren Namen 
gewechselt. Zur Zeit des trojanischen Krieges hiess sie 
Alopes, dann Ortygia, Morges, Smyrna mit dem Beinamen 



') Jotan. 2 ) Wurde schon früh zerstört und die Einwohner 
nach Milet versetzt. 

3 ) Samsun-Kalessi. 4 ) Cap St. Maria. 

5 ) Tshängli. Hier versammelten sich alljährlich die Abgeordneten 
der 12 jonischen verbündeten Städte. 

6 ) Figela. 7 ) Guzelhissar. 8 ) Kodos. 9 ) Akhissar. 

10 ) Aja-Saluk; sonst eine der prächtigsten Städte in Asien, be- 
rühmt durch den Tempel der Diana und als die Geburtsstadt des 
Heraclit und des Malers Parrhasias. 



Fünftes Buch. 399 

Trachea, Samornion und Ptelea. Sie erliebt sich am Berge 
Pion und wird vom Cayster J ) bespült, der auf dem cil- 
bianischen Gebirge entspringt und viele Flüsse nebst dem 
pegaseischen Sumpfe, den der Fluss Phyrites zum Abfluss 
nöthigt, aufnimmt. Diese Flüsse führen viel Schlamm mit 
sich, wodurch sich in dem Maasse Land ansetzt, dass die 
Insel Syrie bereits mitten in den Feldern liegt. In der 
Stadt befindet sich die Quelle Callipia und die beiden Seen 
Selinus, welche von verschiedenen Seiten den Tempel der 
Diana einschliessen. Von Ephesus gelangt man zu einem 
zweiten Mantium, im Gebiete der Colophonier und im Innern, 
am Flusse Heiasus, liegt Colophon 2 ) selbst. Dann folgt 
der Tempel des clarischen Apollo 3 ), ferner Lebedos 4 ) ; auch 
die Stadt Notium lag hier. Das Vorgebirge Coryceon 5 ), 
der 150,000 Schritte weit ins Meer auslaufende und nach 
dem festen Lande hin in eine weite Ebene sich verlierende 
Berg Mimas 6 ). An dieser Stelle liess Alexander der Grosse 
eine 7500 Schritte lange Strecke durchstechen, um zwei 
Busen 7 ) mit einander zu verbinden und Erythrä 8 ) nebst 
dem Mimas mit Wasser zu umgeben. Nicht weit davon 
lagen die Städte Pteleon, Helos und Dorion; jetzt fliesst 
daselbst der Aleon. Corynäum, das Vorgebirge des Mimas, 
Clazomenä 9 ), Parthenie und Hippi, Chytrophoria genannt, 
als sie noch Inseln waren, und die Alexander durch einen 
2 Stadien langen Damm mit dem Festlande vereinigt hat. 
Im Innern sind untergegangen: Daphnus, Hermesia und das 
früher Tantalis genannte Sipylum, die ehemalige Haupt- 
stadt von Mäonien; jetzt befindet sich der See Säle an 
ihrer Stelle. Auch Archäopolis, welches Sipylum im Range 
folgte, ist nicht mehr, dann folgte Colpe und nach dieser 
Lebade. 

Kehrt man von da wieder zurück, so erreicht man nach 
einem Wege von 12,000 Schritten an der Küste die von 



») Kutschuk-Minder oder der kleine Mäander. 2 ) Dsjili. 

3 ) Zille. 4 ) Lebedizi Hissar. 5 ) Kurku. 6 ) Karaburun. 

7 ) Den von Ephesus und von Snryrna. 8 ) Ritre. 9 ) Kelismen. 



400 Fünftes Buch. 

Amazonen erbaute und von Alexander wiederhergestellte 
Stadt Smyrna 1 ), an dem nicht weit davon entspringenden 
Flusse Meles. In dieser Gegend breiten sich die vorzüg- 
lichsten Berge Asiens aus, wie der Mastusia im Rücken 
von Smyrna und der Termitis, welcher bis zu dem Fusse 
des Olympus 2 ) reicht. Dieser stösst an den Draco , der 
Draco an den Tmolus, der Tmolus an den Cadmus 3 ) und 
dieser an den Taurus. Bei Smyrna schwemmt der Her- 
mus 4 ) Land heran und giebt ihm seinen Namen. Er ent- 
springt bei Doryleum 5 ), einer Stadt in Phrygien, und nimmt 
viele Flüsse auf, unter andern auch den Phryx, der dem 
anwohnenden Volke den Namen gegeben hat und dessen 
Gebiet von Carien scheidet; ferner den Hyllus und Cryos, 
die selbst durch andere Flüsse Phrygiens, Mysiens und In- 
diens verstärkt werden. An der Mündung des Hermus lag 
vormals die Stadt Temnos 6 ); jetzt sieht man am äussersten 
Ende des 7 ) Meerbusens die myrmecischen Felsen; die Stadt 
Leuce, an einem Vorgebirge, welches früher eine Insel war, 
und Pbocäa s ) bilden den Grenzpunkt von Jonien. 

Zum smyrnaischen Gerichtsbezirke gehört ein grosser 
Theil Aeoliens, von dem bald die Rede sein wird, ausser- 
dem noch die hyrcanischen Macedonier und die Magneter 9 ) 
am Sipylus. Nach Ephesus aber, dem andern berühmten 
Gerichtsbezirke Asiens, gehören die entfernten Cäsarienser, 
Metropoliter 10 ) , untern und obern Cilbianer u ) , Mysomace- 
donier, Mastaurenser, Briulliter, Hypäpener 12 ) und Dios- 
hieriter. 

32. 

Nun folgt zunächst Aeolien 13 ), welches früher Mysien 
hiess, und das am Hellesponte liegende Troas. Von Pbocäa 
ab gelangt man zuerst zum Hafen Ascanius. Weiterhin lag 
ehemals Larissa 14 ), jetzt sind dort Cyme 15 ) und Myrina, 



») Ismir. -) Keschisch-Dagh. 3 ) Baba-Dagh. '') Sarabat. 
5 ) Eskischeber. 6 ) Memmen. 7 ) smyrnaischen. 8 ) Fokia. 
») Manissa. >°) Tireh. ») Durgut. l2 ) Tappui. 
,3 ) Paschalik Aidin. ") Larusar. ,5 ) Nemourt. 



Fünftes Buch. 401 

welche letztere sich auch Sebastopolis nennt. Im Innern: 
Aegä *), Attalia 2 ), Posidea, Neontichos, Temnos 3 ). An der 
Küste ist der Fluss Titanus und ein nach ihm benanntes 
Städtchen. Statt der frühem Stadt Grynia sind nur noch 
zwei Häfen auf einer mit dem Festlande verbundenen Insel 
vorhanden. Die Stadt Eläa 4 ) und der aus Mysien kom- 
mende Fluss Caicus 5 ). Die Stadt Pitane 6 ) und der Fluss 
Ganaius. Nicht mehr vorhanden sind: Canä 7 ), Lysimachia, 
Atarnea 8 ), Carene, Cisthene 9 ), Cilla 10 ), Cocylium, Thebe, 
Astyre, Chrysa, Paläscepsis, Gergithos, Neandros; jetzt liegt 
daselbst der Flecken Pefperene, die Landschaft Heracleot.es, 
die Stadt Coryphas. Die Flüsse Geylios und Ollius; der 
Bezirk Aphrodisias, der früher Politice Orgas hiess, der Be- 
zirk Scepsis; der Fluss Evenus, an dessen Ufern die jetzt 
verschwundenen Städte Lyrnessos und Miletos lagen. Hier 
erhebt sich auch der Berg Ida. An der Küste liegt die 
ehemals Pedasus genannte Stadt Adramytteos 11 ), nach (lei- 
der Busen und Kreis benannt ist. Flüsse: der Astron, Cor- 
nialos, Criamos, Alabastros und der vom Ida kommende 
Hieros. Im Innern liegt der Berg Gargara und eine Stadt 
gleichen Namens. Wiederum an der Küste: Antandros 12 ), 
früher Edonis , dann Cimmeris genannt und Asses 13 ) oder 
Apollonia. Hier lag auch die Stadt Palamedium. Das Vor- 
gebirge Lecton M ), welches Aeolis von Troas scheidet. Auch 
der Flecken Polymediä, Chrysa und noch ein anderes La- 
rissa standen hier. Der smintheische Tempel 15 ) ist noch 
vorhanden. Colone im Innern ist untergegangen. Zu Adra- 
mytteos führen ihre Rechtshändel: die am Flusse Rhynda- 
cus 16 ) wohnenden Apolloniater 17 ), dieErizier, Miletopoliter 13 ), 
Pämaneuer, asculacischen Macedonier, Polichnäer, Piouiter, 



*) Guzel-Hissar. 2 ) Italieh. 3 ) Menimen. 4 ) Jalea. 

3 ) Girmaki. «) Sanclarlik. 7 ) Kanot-Köi. *) Dikeli-Köi. 

») Kidonia. ,0 ) Zeizeli-Küi. ") Adramiti. 

n ) Antandro. 13 ) Asso. '*) Cap Baba. 

,5 ) Des Apollo. ,6 ) Lubad. 

") Abellionte. ,8 ) Bali-Kesri. 

26 



402 



Fünftes Buch. 



mandacadenischen Cilicier und in Mysien die Abrettiner, 
die auch Hellespontier heissen, und andere unbedeutende 
Völker. 

33. 
Der erste Ort in Troas *) heisst Hamaxitos 2 ) , dann 
folgt Cebrenia, Troas 3 ) selbst, das Antigonia genannt wurde, 
jetzt aber unter dem Namen Alexandria eine römische Co- 
lonie ist. Die Stadt Nee. Der schiffbare Fluss Scaman- 
der 4 ) , und an einem Vorgebirge 5 ) die ehemalige Stadt 
Sigeum. Dann der Hafen der Achäer, in den sich der mit 
dem Simois 6 ) vereinigte Xanthus 7 ) ergiesst , sowie auch 
der Paläscamander , der vorher einen See 8 ) bildet. Von 
den übrigen von Homer 9 ) angeführten Städten Rhesus, Hep- 
taporus, Caresus und Rhodius ist keine Spur mehr vorhan- 
den. Der Granicus 10 ) fliesst in einer andern Richtung in 
den Propontis. Doch besteht noch jetzt der kleine Flecken 
Scamandria und 1500 Schritte vom Hafen entfernt das steuer- 
freie Ilium n ) , von dem der ganze Ruhm jener Begeben- 
heiten ausging. Ausserhalb des Busens liegt die rhöteische 
Küste mit den Städten Rböteum, Dardanium 12 ) und Arisbe. 
Auch existirte eine Stadt Achilleon, welche neben dem Grabe 
des Achilles von den Mityleniern und nachmals von den 
Atheniensern am Vorgebirge Sigeum 13 ), wo Achill's Flotte 
gestanden hatte, erbauet war. Aeantium, von den Rhodiern 
erbauet, lag auf der andern Landspitze, beim Grabmale 
des Ajax, 30 Stadien von Sigeum, da wo dessen Flotte vor 
Anker lag. 



») PaschaUk Bigha. 2 ) Messi. 3 ) Eski Stambul. 

4 ) Skamandro. 5 ) Cap Jenischeher. 6 ) Mendre-Su. 

') Ist mit dem Scamander ein und derselbe Fluss. 

8 ) Stomalimne. 9 ) Iliade XII. 20. 

10 ) Uetwola, berühmt durch Alexanders ersten Sieg über die 
Perser. 

") Wurde 1184 v. Chr. von den Griechen zerstört. Die bei dem 
Dorie Bunar-Baschi liegenden Ruinen sind von dem spätem, von 
Alexander dem Grossen erbaueten llium. 

'-) Gallipoli. 13 ) Cap Jenischeher. 



Fünftes Buch. 4Q3 

Ueber Aeolieu und Troas, mitten im Lande, liegt der 
Bezirk Teutbrania, welchen die Mysier vormals in Besitz 
hatten. Dort entspringt der schon genannte Fluss Caicus. 
Das dortige Volk war schon sehr mächtig, als noch das 
ganze Land Mysien genannt wurde; und ich bemerke da- 
von: Pioniä, Andera, Cale, Stabulum, Conisium, Tegium, 
Balcea, Tiare, Teuthranie, Sarnaca, Haliserne, Lycide, Par- 
thenium, Thymbre, Oxyopum, Lygdamum, Apollonia l ) und 
Pergamum 2 ) , eine der berühmtesten Städte Asiens , durch 
welche der Selinus fliesst, und wo der vom Berge Pinda- 
sus kommende Cetius vorbeifliesst. Nicht weit davon liegt 
Eläa, die wir bereits bei der Küste genannt haben. Der 
Gerichtsbezirk dieser Gegend heisst der pergamenische und 
zu ihm gehören: die Thyatirener, Mygdoner, Mosyner, Breg- 
menter, Hieracometer, Perperener, Tiarener, Hierolophienser, 
Hermocapeliter , Attalenser, Pantänser, Apollonidienser 3 ) 
und andere unbedeutende. Von Rhoeteum liegt die kleine 
Stadt Dardanium 70 Stadien entfernt. Von hier bis zum 
Vorgebirge Trapeza, wo der Hellespont anfängt, sind es 
18,000 Schritte. 

Nach Eratosthenes sind folgende Völker untergegangen; 
die Solymer, Leleger, Bebrycer, Colycantie\ Tripseder: 
nach Isidorus die Arimer und Capreter, welche da wohnten, 
wo Apamea 4 ) vom König Seleucus zwischen Cilicien, Cappa- 
docien, Cataonien und Armenien erbauet ist, und diese Stadt 
soll, weil sie die wildesten Völker bezwungen hatte, anfangs 
Damea genannt worden sein. 

34. 

Die erste unter den Inseln vor Asien liegt in der 
canopischen Mündung des Nils und hat (wie man sagt) ihren 
Namen vom Canopus, dem Steuermanne des Menelaus. Eine 
andere, durch eine Brücke mit Alexandrien verbunden, ist 



') Bairam. 2 ) Bergainah. s ) Balamonte.. 

4 ) Fanrieh, auf einer Insel des Orontes (Nähr el Asi) 13 Meilen 
südlich von Antiochia. 

26* 



404 



Fünftes Buch. 



eine Colonie des Dictators Cäsar und heisst Pharos 1 ). 
Früher war sie eine Seetagereise von Aegypten entfernt; 
jetzt befindet sich auf ihr ein Leuchtturm, der des Nachts 
die Fahrt der Schiffe leitet, denn wegen der gefährlichen 
Untiefen kann man überhaupt nur auf 3 Wegen, dem stega- 
nischen, posideischen und taurischen, nach Alexandrien ge- 
langen. 

Dann folgt im phönicischen Meere vor Joppe die Insel 
Paria, die eigentlich nur eine Stadt bildet und auf welcher 
Andromeda dem Seeungeheuer vorgeworfen sein soll 2 ). 
Ferner die schon 3 ) genannte Insel Arados , zwischen der 
und dem Festlande, aus einer Tiefe von 50 Ellen (wie 
Mucian erzählt) süsses Wasser aus einer Quelle "mittelst 
einer ledernen Röhre heraufgezogen wird 4 ). 

35. 

Das pamphylische Meer enthält nur unbedeutende In- 
seln. Im cilicischen liegt Cyprus 5 ), eine der 5 grössten 
Inseln 6 ); sie ist mit ihrer Ost- und Westseite nach Cilicien 
und Syrien gerichtet und war einst der Sitz von 9 König- 
reichen. Ihr Umfang beträgt nach Timosthenes 427,500, 
nach Isidorus 375,000 Schritte. Die Länge zwischen den 
beiden Vorgebirgen Dinä 7 ) und Acamas 8 ), welches letztere 
das westliche ist, giebt Artemidorus auf 162,500, Timosthe- 
auf 200,000 Schritte an. Nach Philonides 9 ) hiess sie früher 
Acamantis; nach Xenagoras Cerastis 10 ), Aspelia, Ainathusia 
und Macaria 11 ); nach Astynomus 12 ) Cryptos und Colinia. 
Folgende 15 Städte liegen auf ihr: Nea Paphos 13 ), Palä- 



*) Die Inseln Canopus und Pharus sind jetzt mit dem festen 
Lande verbunden. 

2 ) S. im 14. Cap. 3 ) Im 19. Cap. 

4 ) Darüber im XXXI. B. 37. Cap. 5 ) Cypern. 

6 ) Im mittelländischen Meere. 8 ) S. Andreas. 8 ) S. Epiphani. 

9 ) Unbekannter Schriftsteller. 

,0 ) D. h. die Gehörnte, wegen der vielen Landspitzen. 

") Wegen ihrer Fr achtbarkeit: Die Gesegnete. 

'-) Unbekannt. '») Baffa. 



Fünftes Buch. 405 

paphos x ) , Curias 8 ) , Citium 3 ) , Corineum 4 ) , Salamis 5 ), 
Amathos 6 ), Lapethos 7 ), Solo 8 ), Tamaseus, Epidarum 9 ), 
Chytri 10 ), Arsinoe 11 ), Carpasium 12 ) und Golgi. Cinyria, 
Marium und Idaliuni existiren nicht mehr. Von Anemurium 
in Cilicien ist sie 50,000 Schritte entfernt uud das dazwischen 
liegende Meer heisst Aulon cilicium 13 ). Hier befindet sich 
auch die Insel Eleusa und vor dem Syrien gegenüber lie- 
genden Vorgebirge 14 ) die 4 clidischen Inseln; vor der andern 
Landspitze 15 ) aber Stiria; Neapaphos gegenüber Hierocepia 
und nach Salamis hin die salaminischen Inseln. 

Im lycischen Meere liegen: Illyris, Telendos , Attele- 
bussa, die 3 unfruchtbaren cyprischen und Dionysia, welche 
früher Caretha hiess. Dann folgen, dem Vorgebirge 16 ) des 
Taurus gegenüber, die den Seefahrern gefährlichen 3 che- 
lidonischen 17 ). Hierauf: Leucolla mit einer Stadt, die Pac- 
tyen, Lasia, Nymphais, Macris, Megista 18 ), deren Stadt 
untergegangen ist und noch viele unbedeutende. Chimäia 
gegenüber liegen Dolichiste 19 ), Chirogylium, Crambussa 20 ), 
Rhoge 21 ), Enagora, 8000 Schritte gross, die beiden däda- 
lischen, die 3 crye'ischen, Strongyle, Sidyma 22 ) gegenüber 
die Insel des Antiochus, dem Flusse Glaucus gegenüber 
Lagussa, Macris, die Didymen, Helbo, Scope, Aspis und Te- 



J) Eski-Baffa. 2 ) Piscopia. 3 ) Chiti. 4 ) Cerines. 

5 ) Porto Constanza. Sie wurde von Teucer erbauet, als ihn nach 
der Rückkehr von Troja der Schwur seines Vaters aus dem Vater- 
lande verbannte. 

6 ) Limesol. 7 ) Lapta. 

8 ) SoHa. Hier hatten sich viele Athener angesiedelt, deren 
Sprache durch den Umgang mit den Eingebornen verdorben wurde; 
daher heisst jeder schlechte, verdorbene Dialect Solöcismus. 

9 ) Pitarenü. ,0 ) Cherkes. 

n ) Mehrere Städte auf Cypern führten diesen Namen; an der 
Stelle der einen steht jetzt Alessandretta, und an der einer andern 
Aryes. 

12 ) Karpas. I3 ) Die cilicische Strasse. I4 ) Dinaretum. 

,s ) Acamas. ,6 ) Cap Chehdoni. ") Icole Correnti. 

'*) Kastelorizo. ,9 ) Kakava. 20 ) Grambusa. 21 ) Kastei Rosso. 

22 ) In Lycien. 



406 Fünftes Buch. 

landria, deren Stadt untergegangen ist. Dem Caunus zu- 
nächst liegt Rbodussa. 

36. 

Aber am schönsten ist die freie Insel Rhodus, welche 
125,000, oder wenn wir lieber dem Isidorus Glauben schenken 
wollen, 103,000 Schritte im Umfange hat. Auf ihr liegen 
die Städte Lindus *), Camirus 2 ) und Jalysus, die jetzt Rho- 
dus 3 ) heisst. Nach Isidorus beträgt ihre Entfernung von 
Alexandrien in Aegypten 583,000 Schritte, nach Eratosthe- 
nes 469,000, nach Mucianus 500,000, von Cypern aber 
166,000. Vormals hiess sie Ophiusa, Asteria, Aethräa, Tri- 
nacria, Corymbia, Pöressa, Atabyria nach einem Könige, 
Macaria und Aloessa. Inseln, die dem Rhodern gehören, 
sind: Carpathus 4 ), von der das Meer den Namen hat, Ca- 
sos 5 ) ehemals Achne, Nisyros 6 ), welche von Gnidus 12,500 
Schritte entfernt ist und früher Porphyris hiess. Mitten 
zwischen Rhodus und Gnidus liegt Syme 7 ), mit einem Um- 
fange von 37,500 Schritten und 8 bequemen Häfen. Ausser- 
dem liegen um Rhodus: Cyclopis, Steganos, Cordylussa 8 ), 
die 4 Diabeten, Hymos , Chalce 9 ) mit einer Stadt, Seut- 
lussa, Narthecussa, Dimastos, Progne; hinter Gnidus: Cisse- 
russa, Therionarce, Calydne 10 ) mit den 3 Städten Notium, 
Nisyrum und Mendeterum , und auf Arconnesus die Stadt 
Ceramus. An der Küste von Carien liegen die sogenannten 
argischen Inseln, 20 an der Zahl, ferner Hyrtussa, Lepsia 11 ) 
und Leros 12 ). 

Die berühmteste in diesem Meerbusen ist Cos 13 ) 15,000 
Schritte von Halicarnassus entfernt und 100,000 Schritte 
im Umfange. Wie die Meisten glauben, hat sie früher Me- 
rope geheissen, nach Staphylus 14 ) aber Cea, nach Dionysius 
Meropis, später Nymphäa. Auf ihr liegt der Berg Prion. 
Nisyros , die vorhin auch unter dem Namen Porphyris 



') Lindo. 2 ) Camiro. 3 ) Rhodes. 4 ) Scarpanto. 5 ) Caso. 
6 ) Nisari. Sie wurde mit zu den Sporaden gezählt. 7 ) Synii. 
8 ) S. Catharina. 9 j Chalki. I0 ) Calamine. ") Lipso. 
'*) Lero. I3 ) Ko, auch Stanko. M ) Arzt aus Naucratis, über 
dessen Lebensverhältnisse nichts weiter bekannt ist. 



Fünftes Buch. 407 

aufgeführt ist, soll von Cos abgerissen sein. Dann folgt 
Caryanda *) mit einer Stadt, Pidosus, nicht weit von Hali- 
carnassus. Im ceramisehen Busen 2 ) aber: Priaponnesos, 
Hipponnesos, Psyra 3 ), Mya, Lampsa, Aemindus, Passala, 
Crusa, Pyrrhe, Sepiussa, Melano und in geringer Entfer- 
nung vom Festlande: Cinädopolis 4 ), weil der König Alexan- 
der dergleichen lasterhafte Menschen hier zurückliess. 

37. 

An der jonischen Küste liegen Tragiä, die Corseen und 
Icaros, von der schon die Rede war 5 ), Lade, früher Late 
genannt, und unter den unbedeutendem die beiden Came- 
liden nahe bei Milet; bei Mycale die 3 trogilischen Inseln 
Philion, Argennos und Sandalios; die freie Insel Samos 6 ) 
87,000 Schritte, oder nach Isidorus 100,000 im Umfange. 
Nach Aristoteles hiess sie zuerst Parthenia, dann Dryussa 
und darauf Anthemussa. Aristocritus 7 ) fügt noch die Na- 
men Melamphyllus und Cyparissia hinzu; Andere nennen 
sie Parthenoarussa und Stephane. Die Flüsse auf derselben 
sind Imbrasus, Chesius, Ibettes; Quellen: Gigartho und Leu- 
cothea. Der Berg Cercetius 8 ). In der Nähe liegen die In- 
seln Rhypara, Nymphäa und Achilläa. 

38. 

Gleiche Berühmtheit mit Samos hat die 94,000 Schritte 
davon entfernte freie Insel Chios 9 ) mit einer Stadt. Ephö- 
rus nennt sie mit ihrem alten Namen Aethalia; nach Me- 
trod orusund Cleobulus 10 ) heisst sie Chia, entweder von der 
Nymphe Chione oder vom Schnee, sonst auch Macris und 
Pityusa. Der auf ihr befindliche Berg Pellinäus liefert den 
bekannten chiischen Marmor. Nach den älteren Schrift- 
stellern hat sie einen Umfang von 125,000 Schritten, nach 
Isidorus noch 9000 mehr. Sie liegt zwischen Samos und 
Lesbos, Erythrä gerade gegenüber. 



*) Coracöion. 2 ) Golf von Castel Marniora. 3 ) Ipsera. 

4 ) Knabenschänderstadt. 5 ) Im IV. B. 23. Cap. 

6 ) Susam-Adasi. 7 ) Unbekannt. 8 ) Kertlis. 9 ) Skio. 

10 ) Einer der 7 Weisen, aus Lindus auf Rhodus, st. um 560 v. Chr. 






Fünftes Buch. 



Ganz in der Nähe liegen: Thaliusa, welche Eiuige auch 
Daphnusa schreiben , Oenussa x ) , Elaphitis , Euryanassa, 
Arginusa mit einer Stadt; diese und die sogenannten Pisi- 
straten Antbinä, Myonnesos 2 ) Diarrheusa liegen um Ephe- 
sus; auf den beiden letztern sind keine Städte mehr vor- 
handen. Peroselene mit einer Stadt, Cerciä, Halone 3 ), Com- 
moue, Illetia; Lepria, Rbesperia, die Procusä, Balbulä, Phanä, 
Priapos , Syce, Melane, Aenare, Sidusa, Pela, Drymusa, 
Anhydros, Scopelos, Sycussa, Marathussa, Psile, Perirrheusa 
und viele andere unbedeutende. Berühmt aber ist die im 
hohen Meere liegende Insel Teos 4 ) mit einer Stadt, 71,500 
Schritte von Chios und ebensoweit von Erythrä entfernt. 

Bei Smyrna liegen die Peristeriden: Carteria, Alopece, 
Eliiusa, Bachina, Pystira, Crommyonesos, Megale. Vor Troas 
die ascanisclien und die 3 plateischen Inseln; feiner die 
Lamien, die 2 plitanischen, Plate, Scopelos, Getone, Artlie- 
don, die Cola, Lagussä und Didymä. 

39. 

Sehr berühmt ist ferner die 65,000 Schritte von Chios 
entfernte Insel Lesbos 5 ), früher Himerte, Lasia, Pelasgia, 
Aegira, Aethiope, Macaria genannt. Sie hatte 9 berühmte 
Städte, von denen aber Pyrrha 6 ) vom Meere verschlungen, 
Arisbe durch ein Erdbeben zerstört und Antissa mit Me- 
thymna 7 ) vereinigt ist; letztere liegt von 9 Städten Asiens 
37,000 Schritte entfernt. Auch Agamede und Hiera sind 
nicht mehr. Nur Eresos 8 ) , Pyrrha 9 ) und das freie Myti- 
lene 10 ), was bereits 1500 Jahre lang blühet, existiren noch. 
Die ganze Insel hat nach Isidorus einen Umfang von 168,000, 
nach altern Schriftstellern aber von 195,000 Schritten. Die 
auf ihr befindlichen Berge heissen: Lepethymnus 11 ), Ordym- 
nus , Macistus , Creon und Olympus. Vom nächsten Fest- 

') Spalmadori. s ) Jalanghi-Liman. 3 ) Aloni. 
') Diese giebt Strabo als Halbinsel an. Jetst hängt sie auch 
i.i it dem Festlande zusammen. Die Stadt heisst Bodrun. 
') Metelino. ,; ) Cop, bei dem jetzigen Hafen Caloni. 
~\ Molivo. 
8 ) Eresso. ») Kaloni. ><>) Castros. 1! ) Leptimo. 



Fünftes Buch. 409 

lande ist sie 7500 Schritte entfernt. In der Nähe liegen 
die Inseln Sandaleon und die 5 leucischen, von denen 
Cydonea warme Quellen hat. Die Argenussen liegen von 
Aege 4000 Schritte weit. Dann Phellusa und Pedna. Noch 
ausserhalb des Hellespontes, dem sigeischen Ufer gegen- 
über, liegt Tenedus x ), auch Leucophrys, Phönice und Lyr- 
nessos genannt. Ihre Entfernung von Lesbos beträgt 56,000, 
von Sigeum 12,500 Schritte. 

40. 
Nun nimmt der Hellespont seinen Anfang, das Meer 
stemmt sich gegen das Land, wühlt mit seinen Wogen einen 
Weg aus, und trennt so Asien von Europa. Das hier lie- 
gende Vorgebirge haben wir Trapeza 2 ) genannt; 10,000 
Schritte davon liegt die Stadt Abydus 3 ), wo die Meerenge 
7 Stadien breit ist. Dann folgt die Stadt Percote 4 ) und 
Lampsacus 5 ) , vormals Pityusa genannt. Die Colonie Pa- 
rium 6 ), welche Homer 7 ) Adrastia nennt. Die Stadt Pria- 
pus 8 ), der Fluss Aesopus 9 ), Zelia 10 ), Propontis n ) (nämlich 
die Gegend, wo sich das Meer wieder erweitert); der Fluss 
Granicus 12 ), der Hafen Artace 13 ), wo früher eine Stadt war. 
Weiterhin eine Insel, die Alexander mit dem Festlande ver- 
bunden hat, und auf welcher die milesiche Stadt Cyzicum 14 ) 
liegt; vormals hiess die Insel Arctonnesos, Dolionis und von 
ihrer höchsten Bergspitze Dindymus auch Dindymis. Dann 
kommen die Städte: Piacia 15 ), Ariace, Scylace 16 ), in deren 
Rücken der Berg Olympus 17 ), genannt der mysische, sich 
erhebt; das Städtchen Olympena, die Flüsse Horisius 18 ) 
und der vormals Lycus geuannte Rhyndacus 19 ). Dieser 



') Bokdsja-Adasi. 2 ) Ras-Abydos. 

3 ) Bei Nagara, an der Stelle der asiatischen Dardanellen. 
*) Bergas. 5 ) Lanipsak. 6 ) Kemares. 7 ) Illiade II. 335. 
*) Karaboa. 9 ) Sataldere. ,0 ) Kileh. ") Mannora-Meer. 
12 ) Ustwola. 13 ) Artaköi. 

") War eine der schönsten Städte Asiens, Ruinen davon findet 
man in der Nähe von Artaki. 

1S ) Panerino. ,6 ) Siki. I7 ) Kesahisch-Dagh. 
18 ) Lartacho. 19 ) Lubad. 



4X0 Fünftes Bucb. 

entspringt aus dem See Artynia bei Miletopolis 1 ), nimmt 
den Macestos 2 ) und mehrere andere Flüsse auf und schei- 
det (Klein-) Asien von Bithynien. Letzteres Land hatte 
auch die Namen Cronia, dann Thessalis, Maliande und Stry- 
monis. Die Bewohner dieses Küstenlandes nennt Homer 3 ) 
Halizonä, weil sie vom Meere umgürtet sind. Auch eine 
sehr bedeutende Stadt Namens Attusa lag hier; jetzt trifft 
man 12 Flecken, von denen Gordiucome 4 ) oder Juliopolis, 
und Dascylos 5 ) an der Küste zu bemerken sind. Sodann 
der Fluss Gelbes und im Innern die Stadt Helgas, die auch 
Germanicopolis und Booscoete heisst; Apamea heisst jetzt 
das colophanische Myriea 6 ); der Fluss Etheleus, die alte 
Grenze zwischen Troas und Mysien. Hierauf ein Busen, 
in den der Fluss Ascanius fällt; die Stadt Bryllion; die 
Flüsse Hylas und Cios mit einer Stadt gleichen Namens 7 ), 
welche einen Stapelplatz des nahen Phrygiens bildete. Sie 
wurde zwar von Milesiern angelegt, allein in einer Gegend, 
welche das phrygische Ascanien hiess; daher konnte sie 
nicht wohl anderswo aufgeführt werden. 

41. 
Phrygien 8 ) liegt hinter Troas und den vom Vorge- 
birge Lectum 9 ) an bis zum Flusse Etheleus vorher ge- 
nannten Völkern, und wird nördlich von Galatien, südlich 
von Lycaonien, Pisidien und Mygdonien und östlich von 
Cappadocien begrenzt, Ausser den schon 10 ) genannten 
Städten befinden sich darin noch folgende bemerkenswerthe: 
Ancyra 11 ), Andria, Celänä 12 ), Colossä 13 ), Carina, Cotya'ion 14 ), 
Ceranä 15 ), Conium 16 ), Midaion. Nach einigen Schriftstellern 
sollen die Moser, Bryger und Thyner aus Europa hier ein- 
gewandert sein, und die Veranlassung zu den Namen Mysier, 
Phrygier und Bithynier gegeben haben. 



') Bali Kessri. 2 ) Susugherli. 3 ) Iliade II. 856. 

4 ) Kiostebe. 5 ) Eskil. 6 ) Mundania. 7 ) Dscheinlok. 

8 ) Die Paschaliks Kutahia und Sultan Oegm. 9 ) Baba. 

,0 ) Im 29. und 30. Cap. 1J ) Enghir. 12 ) Ischekleh. ,3 ) Konus. 

") Kiuta'i'e. •*) Sandakleb. 16 ) Chonas. 



Fünftes Buch. 411 

42. 

Es wird passend sein, hier gleich auch Galatien 1 ) 
abzuhandeln, welches oberhalb Phrygien liegt, und den 
grössten Theil des flachen Landes von Phrygien ausmacht. 
Gordium 2 ) war einst die Hauptstadt darin. Die Gallier, 
welche sich einst hier niedergelassen hatten, wurden Tolisto- 
boger, Voturer und Ambituer, die aber in Mäonien und Pa- 
phlagonien wohnten, Trocmer genannt. Gegen Norden und 
Osten breitet sich Cappadocien aus, dessen fruchtbarsten 
Theil die Tectosager und Teutobodiacer inne haben. Diess 
sind die Völkerstämme; die Zahl aller Gemeinden und Te- 
trarchien beläuft sich auf 195. Städte: der Tectosagen, 
Ancyra 3 ); der Trocmer, Tavium 4 ); der Tolistoboger, Pesi- 
nus 5 ). Ausserdem verdienen noch genannt zu werden: die 
Attalenser, Arasenser, Comenser, Didienser, Hierorenser, 
Lysterner, Neapolitaner, Oeandenser, Seleucenser, Sebaste- 
ner, Timoniacenser, Thebasener. Galatien grenzt auch an 
Cabalien in Pamphylien, sowie an die um Baris 6 ) wohnen- 
den Milyer, ferner an den cy Nautischen und oroandischen 
Distrikt in Pisidien; und an Obizene, einen Theil von Ly- 
caonien. Flüsse dieses Landes sind ausser den schon ge- 
nannten 7 ): der Sangarius 8 ) und Gallus 9 ), von welchem die 
Priester der Mutter der Götter 10 ) ihren Namen haben. 

43. 

Nun wollen wir den Rest der Küstenstrecke besprechen. 
Vom Cius an folgt im Innern Bithyniens Prusa u ) am 
Fusse des Olympus, von Hannibal erbauet. Von da bis 
Nicäa 12 ) sind 25,000 Schritte, und dazwischen liegt der See 
Ascanius 13 ). Dann folgt Nicäa am äussersten Endedes asca- 
nischen Busens, früher Olbia genannt; hierauf ein zweites 



') Die Paschaliks Anguri und Kanghri. 

2 ) Hier löste Alexander den bekannten gordischen Knoten. 

3 ) Anguri. 4 ) Gukurthoi. 5 ) Bosan. 6 ) Is Barteh. 

7 ) Caystrus, Rhyndacus, Cios etc. 8 ) Sacarja. 9 ) Gatipo. 
,0 ) Cybele, die besonders in Phrygien verehrt wurde. 
») Bursa. 12 ) Isnik. ,3 ) Isnik. 



412 



Fünftes Buch. 



Prusa *) am Fusse des Berges Hypius. Untergegangen sind: 
Pythopolis, Parthenopolis und Coryphanta. An der Küste 
die Flüsse: Aesius, Bryazon, Plataneus, Areus, Aesyros und 
Geodos oder Cbrysorrhoas. Das Vorgebirge 2 ), auf welchem 
die Stadt Megarice lag; der dann folgende Busen wurde 
Craspeditos 3 ) genannt, weil jene Stadt gleichsam an seinem 
Saume lag. Auch lag hier Astacum 4 ), wovon dieser Busen 
auch der astacenische heisst. Da wo die Stadt Libyssa 
stand, befindet sich jetzt nur noch das Grabmal Hannibals. 
An der innersten Seite des Busens liegt die berühmte bi- 
thynische Stadt Nicomedia 5 ). Das Vorgebirge Leucatas c ), 
welches den astacenischen Busen einschliesst , ist 37,500 
Schritte von Nicomedia entfernt. Nun nähern sich die 
Küsten wieder einander und bilden bis zum thracischen 
Bosporus eine Meerenge. An ihr liegen: das freie Chal- 
cedon 7 ), 62,500 Schritte von Nicomedien, vormals Proce- 
rastis genannt; sodann Colpusa, ferner die Stadt der Blin- 
den, weil ihre Einwohner einen so schlechten Platz wählten, 
denn Byzanz, welches doch eine in jeder Hinsicht glück- 
liche Lage hat, ist nur 7 Stadien davon entfernt. Ausser- 
dem liegen im Innern von Bithynien: die Colonie Apamena, 
das Gebiet der Agrippenser und Juliopoliter, Bithynion 8 ); 
die Flüsse Syrium, Lophias, Pharnacias, Alces, Serinis, Sco- 
pius und Hieras, der Bithynien von Galatien scheidet. Hin- 
ter Chalcedon lag Chrysopolis 9 ) und Nicopolis, von welcher 
der Busen noch den Namen behalten hat. In dem Busen 
ist der Hafen Amyci; hierauf kommt das Vorgebirge Nau- 
lochum, der Tempel des Neptun zu Estia 10 ). Der Bospo- 
rus, welcher hier wieder Asien von Europa durch einen 
500 Schritte breiten Zwischenraum trennt, ist 12,500 Schritte 
von Chalcedon entfernt. Dann folgt die erste 8750 Schritte 
breite Enge, wo die Stadt Spiropolis war. Die ganze Küste 
bewohnen die Thyner, das innere Land die Bithyner. Hier 



') Uskubi. 2 ) Capo Fagona. 

3 ) xQuonaöov, der Saum. 4 ) Olvadsjik. *) Isnikmid. 

') Akrita. 7 ) Kadiköi. 8 ) Boli. 3 ) Scutari. ,0 ) Algiro. 



Fünftes Buch. 413 

ist die Grenze von Asien, und vom lycischen Meerbusen an 
bis hierher zählt man 282 Völker. Die Länge des Hel- 
lespontes und des Propontis bis zum thracischen Bosporus 
haben wir *) auf 239,000 Fuss angegeben. Sigeum ist von 
Chalcedon nach Isidorus 322,500 Schritte entfernt. 

44. 
Die Inseln im Propontis sind: vor Cyzicus Elaphon- 
nesus 2 ) , woher der cyzicanische Marmor kommt , und die 
auchNeuris und Proconnesus heisst. Dann folgen: Ophiusa 3 ) 
Acanthus, Phöbe, Scopelos, Porphyrione, Halone 4 ) mit einer 
Stadt, Desphacie, Polydora und Artacäon mit einer Stadt. 
Nicomedia gegenüber liegt| Demonnesos 5 ), ferner hinter He- 
raclea nach Bithynien zu Thynias 6 ) , welche die Barbaren 
Bithynia nennen. Ferner: Antiochia, Bosbicos 7 ), der Mün- 
dung des Rhyndacus gegenüber und 18,000 Schritte im Um- 
fange; Eläa, die beiden Rhodussen, die Erebinthus, Megale, 
Chalcitis 8 ) und Pityodes. 



») Im IV. B. 24. Cap. 

2 ) Mannora. Früher waren Elaphonnesos und Proconnesos zwei 
einander nahe liegende Inseln. Später wurde der sie trennende 
Kanal verstopft. 

3 ) Aphsia. 4 ) Aloni. 5 ) Papas Adasi (Prinzeninseln). 
6 ) Kirpe. 7 ) Kalolymno. 8 ) Barki. 



Sechstes Buch. 



Von der Lage und Grösse der Länder, Meere, Städte, Häfen, 

Berge, Flüsse und den Völkern, welche noch da sind 

oder da waren. 

1. 
Auch der Pontus Euxinus 1 ), der früher wegen sei- 
ner unwirthlichen Rauheit Axenos genannt wurde, ergiesst 
sich, weil die Natur aus besonderm Hasse dem raubgierigen 
Wasser unaufhörlich nachgab, zwischen Europa und Asien 
hindurch. Es war dem Ocean nicht genug, die Länder 
umflossen und einen Theil derselben ausgehöhlt und ent- 
rissen zu haben; nicht genug, durch zerrissene Berge ein- 
gedrungen zu sein, Calpe 2 ) von Afrika getrennt, und da- 
durch einen noch grössern Raum, als er unberührt gelassen, 
verschlungen zu haben; nicht genug, sich durch den Hel- 
lespont gedrängt und nach abermaliger Wegnahme von 
Ländern in den Propontis ergossen zu haben; selbst am 
Bosporus dehnt er sich wieder zu einer ungeheuren Fläche 
aus und wird nicht eher gesättigt, bis der mäotische See 
ihm auch seinen Raub zubringt. Dass die Erde alles diess 
nicht gern hergab, beweisen die vielen Meerengen und die 
wegen des natürlichen Widerstandes so schmalen Zwischen- 
räume; so ist der Hellespont nur 815 Schritte, die beiden 



') Das schwarze Meer. -) Gibraltar. 



Sechstes Buch. 415 

Bosporus aber nur so breit, dass Ochsen hintiberschwiinmen 
können, woher sie denn auch ihre Namen 1 ) haben. Und 
selbst bei dieser Trennung findet noch eine gewisse Ver- 
bindung statt, denn man hört auf jedem der beiden Ufer 
den Gesang der Vögel und das Bellen der Hunde vom ent- 
gegengesetzten her; auch können die Bewohner beider Welt- 
theile Unterredungen mit einander halten, wenn der Wind 
nicht hinderlich ist. 

Die Länge des Pontus vom Bosporus bis zum Mäotis 
haben Einige auf 1,438,000 Schritte angegeben; Eratosthe- 
nes nimmt 100,000 weniger an. Nach Agrippa beträgt die 
Entfernung von Chalcedon 2 ) nach Phasis 3 ) 1,000,000, und 
von hier bis zum cimmerschen Bosporus 4 ) 360,000 Schritte. 
Wir wollen im Allgemeinen die Entfernungen angeben, 
welche zu unserer Zeit, wo selbst an der cimmerschen Mün- 
dung Krieg geführt wurde 5 ) , ermittelt worden sind. Am 
Ausfluss des Bosporus befindet sich der Fluss Khebas 6 ), 
den Einige Rhesus genannt haben. Dann folgt Psillis und 
der Hafen Calpas 7 ). Der Fluss Songaris 8 ), einer von den 
bedeutendem, entspringt in Phrygien und nimmt mehrere 
grosse Flüsse , unter andern den Tembrogius 9 ) und Gal- 
lus 10 ) auf. Meistenteils wird er Sangarius genannt. An 
seiner Mündung beginnt der mariandynische Busen 11 ). 
Die Stadt Heraclea 12 ) am Flusse Lycus, 200,000 Schritte 
von der Mündung des Pontus entfernt; der Hafen Acone, 
berüchtigt durch das Gift Aconitum 13 ), die Höhle Ache- 
rusia 14 ). Die Flüsse: Pädopides, Callichorus, Sonautes und 
Billis 15 ). Die Stadt Tium 16 ), 38,000 Schritte von Heraclea. 



*) Von ßovg Ochse und noQoq Uebergang. 2 ) Kadiköi. 
3 ) Fax in Georgien. 4 ) Strasse von Kaffa. 

5 ) In Folge des Krieges gegen Mithridates kam das bosporo- 
nische Reich unter die Herrschaft der Römer. 6 ) Rheba. 

7 ) Kerbeh oder Busadsche; hier sollen die Argonauten gelan- 
det sein. 

8 ) Sakarja. 9 ) Ko'ismir. 10 ) Gatipo. ") Golf von Sakarja. 
«) Erekli. 13 ) XXVII. B. 2. Cap. 

,4 ) Auf dem Vorgebirge bei Heraclea; der Eingang zur Unterwelt 
,5 ) Falios. 16 ) Tilios. 



Ä-tß Sechstes Buch. 

2. 
Hinter dem Flusse Billis wohnen die Paphlagonier l ), 
von Einigen auch Pylämenier genannt; ihr Gebiet ist im 
Rücken von Galatien eingeschlossen. Darin die Stadt Mas- 
tya, von den Milesiern erbauet, dann Cromna. In dieser 
Gegend lässt Cornelius Nepos die Heneter wohnen, von 
denen nach seiner Behauptung die namensverwandten Ve- 
neter in Italien abstammen sollen. Weiterhin die Stadt Se- 
samum, jetzt Amastris 2 ); der Berg Cytorus 3 ), 63,000 Schritte 
von Tium; die Städte Cimolis 4 ) und Stephane 5 ); der Fluss 
Prathenius 6 ). Das weit auslaufende Vorgebirge Carambis 7 ), 
325,000, oder nach Andern {350,000 Schritte von der Mün- 
dung des Pontus, von dem cimmerschen Bosporus aber 
ebensoviele oder 312,500 Schritte entfernt. Auch lag da- 
selbst eine Stadt desselben Namens, und etwas weiter eine 
andere, Armene; jetzt befindet sich dort die Colonie Si- 
nope 8 ), 164,000 Schritte vom Berge Cytorus. Der Fluss 
Evarchum, die Cappadocier, die Städte Gaziura 9 ) und Ga- 
zelum 10 ); der Fluss Halys 11 ), der vom Fusse des Taurus 
durch Cataonien und Cappadocien herabkommt. Die Städte: 
Gangre 12 ), Carusa, das freie Amisum 13 ), 130,000 Schritte 
von Sinope. Ein Meerbusen gleichen Namens (der amisi- 
sche) 14 ) zieht sich soweit ins Land, dass er (Klein-) Asien 
fast zur Insel macht, denn von hier aus beträgt der Weg 
über das Festland bis zum issischen Meerbusen 15 ) in Cili- 
cien nicht mehr als 200,000 Schritte. Auf diesem ganzen 
Landstriche sollen nur 3 ursprünglich griechische Völker 
wohnen, nämlich die Dorier, Jonier und Aeolier; die übrigen 
aber sollen Barbaren sein. Mit Amisum stand die von Mi- 
thridates erbauete Stadt Eupatoria in Verbindung; nach 
dessen Besiegung wurden beide Städte Pompejopolis genannt. 



') In den Paschaliks Kastamuni und Boli. '-) Amassru. 
8 ) Kydros. 4 ) Kinoli. 5 ) Istifani. 6 ) Partine. 7 ) Kerempe. 
8 ) Sinob. 9 ) Turkal. l0 ) Assin. ») Kizil Irmak. ,2 ) Kjankri. 
13 ) Sainsun. M ) Golf von Samsun. 15 ) Golf von Skanderun. 



Sechstes Buch. 417 

3. 
Im Innern von Cappadocien liegt die Colonie des 
Kaisers Claudius, Archelais x ) , bei der der Halys vorbei- 
^fliesst. Städte sind: Comana 2 ) am Sarus 8 ), Neocäsarea 4 ) 
am Lycus und Amasia 5 ) am Iris 6 ) in dem gazacenischen 
Bezirke. In Calopena liegen Sebastia 7 ) und Sebastopolis 8 ), 
kleine, aber docb den vorigen gleichkommende Städte. In 
dem übrigen Theile dieses Landes: Melita 9 ) von Semiramis 
erbauet, und nicht weit vom Euphrat, Diocäsarea, Tyana 10 ), 
Castabala n ) , Magnopolis w ) , Zela 13 ), und am Fusse des 
Berges Argäus 14 ), Mazaca, das jetzt Cäsarea 15 ) heisst. Der 
Theil Cappadociens, welcher sich vor Gross-Armenien aus- 
dehnt, wird Melitene genannt, der an Commagene liegende 
Cataonien, der an Phrygien grenzende Garsauritis, Sarga- 
rausene und Cammanene, der bei Galatien Morimene; hier 
macht der Fluss Cappadox, von dem die vormals Leuca- 
syrer genannten Bewohner den Namen erhalten haben, die 
Grenze. Von dem oben genannten Neocäsarea scheidet der 
Fluss Lycus Klein- Armenien. Im Innern ist auch noch der 
Ceraunus bemerkenswerth. An der Küste aber liegt von 
Amisum an die Stadt Chadisia mit einem Flusse gleichen 
Namens und Lycastum, von wo das themiscyrenische Ge- 
biet 16 ) beginnt. 

4. 

Im themiscyrenischen Gebiete nimmt der Fluss 

Iris den Lycus auf. Im Innern liegt der Flecken Ziela ll ), 

berühmt durch die Niederlage des Triarius 18 ) und den Sieg 

des C. Cäsar 19 ). An der Küste fliesst der Thermodon 20 ), 



•) Akserai. 2 ) El Bostan. 3 ) Seihhan. 4 ) Niksara. 

5 ) Amasia. 6 ) Kasalmak. 7 ) Siwas. 8 ) Kisildsjik. 

9 ) Malatya. 10 ) Nikdeh. ») DsjakeL ") Schekineh. »J Ziel. 

M ) Ardsjisch. 15 ) Kaisarieh. 16 ) Dsjanik. ») Kileh. 

18 ) Ein römischer Unterfeldherr im Kriege des Lucullus gegen 
Mithridates, 67 v. Chr. 

19 ) Des Dictators, der hier den Pharnaces, den Sohn des Mithri- 
dates, schlug und seinen Sieg mit den bekannten veni, vidi, vici nach 
Rom meldete, 47 v. Chr. 20 ) Termah. 

27 



418 Sechstes Buch. 

welcher bei dem Castell Phanaröa entspringt und am Fusse 
des Berges Amazonius vorbeiströmt. Es gab hier auch eine 
Stadt desselben Namens, sowie noch 5 andere, als: Ama- 
zonium, Themiscyra, Sotira, Amasia und Comana 1 ); jetzt 
existirt nur noch Mantejum. Dann folgen die Geneter und 
Cbalyber; die Stadt Cotyorum 2 ). Die Tibarener, die Mos- 
syner, die ihren Körper mit Zeicben bemalen, die Macro- 
cepbaler; die Stadt Cerasus 3 ). Der Hafen Chordule 4 ). Die 
Bechirer, Luzerer. Der Fluss Melas; die Macroner; Sidene 
und der Fluss Sidenum, an welchem die 120,000 Schritte 
von Amisum entfernte Stadt Polemonium 5 ) liegt, Dann die 
Flüsse Jasonium und Melanthium; die Stadt Pharnacea, 
80,000 Schritte von Amisum; das Schloss und der Fluss 
Tripolis 6 ); das Schloss und der Fluss Philacalea 7 ) und 
das Schloss Liviopolis; das freie Trapezus 8 ), von einem 
weiten Berge eingeschlossen und 100,000 Schritte von Phar- 
nacea entfernt. Dahinter wohnt, in einer Entfernung von 
30,000 Schritten von Gross-Armenien, das Volk der Ar- 
menochalyber. An der Küste vor Trapezus fliesst der 
Pyxites, jenseits aber wohnen die heniochischen Sanner. 
Der Fluss Absarum, und an dessen Mündung, 140,000 
Schritte von Trapezus, ein gleichnamiges Schloss 9 ). Im 
Rücken der Gebirge in dieser Gegend liegt Iberien 10 ), an 
der Küste aber wohnen die Heniocher, Amprauter und Lazer. 
Flüsse: der Acampsis 11 ), Isis, Magrus, Bathys 12 ). Die Col- 
chier. Die Stadt Matium; der Fluss Heracleum, ein gleich- 
namiges Vorgebirge , und der Phasis 13 ) , der bedeutendste 
Fluss in Pontus. Er entspringt im Gebiete der Moscher 14 ) 
und kann auf eine Strecke von 38,500 Schritte mit sehr 
grossen Schiffen, noch viel weiter hinauf aber mit kleinern 



') Gumenih. 2 ) Ordu. 

:, i Karesum oder Chirisonda; von hier verpflanzte Lucullus de- 
ersten Kirschbaum nach Rom. 

4 ) Bojuk-Liman. 5 ) Fatsa. 6 ) Tereboli. 7 ) Ewloi. 

8 ) Trabesun oder Trebisonde. 9 ) Gunieh. ,0 ) Grusien. 

") Fscharuk. «) Batumi. ,3 ) Fax. > 4 ) Imerethi. 



Sechstes Buch. 419 

befahren weiden; 120 Brücken führen über denselben. An 
seinen Ufern waren vormals sehr viele Städte, unter denen 
vorzüglich Tyndaris , Circäum *) , Cygnum und an seiner 
Mündung Phasis 2 ) genannt zu werden verdienen. Am 
meisten aber glänzte die Stadt Aea 3 ), 15,000 Schritte vom 
Meere, wo die bedeutenden Flüsse Hippos 4 ) und Cyaneos 
von verschiedenen Seiten her sich in denselben ergiessen. 
Jetzt liegt bloss noch Surium 5 ) an ihm, welches nach einem 
in ihn fallenden Flusse, bis zu welchem er (der Phasis), 
wie wir gesagt haben, für grosse Schiffe befahrbar ist, be- 
nannt wurde. Auch noch viele andere grosse Flüsse, z. B. 
den Glaucus 6 ), nimmt er auf. An der Mündung des letztern 
liegen 70,000 Schritte von Absarus mehrere Inseln ohne 
Namen 7 ). Nun folgt ein anderer Fluss, der Chanen 8 ). 
Die Saler, von den Alten Phthirophagen 9 ) genannt, und die 
Suaner, durch deren Gebiet der vom Caucasus kommende 
Chobum 10 ) fliesst. Dann der Rhoas, die Landschaft Ecrec- 
tice n ). Die Flüsse Singames 12 ), Tarsuras 13 ), Astelephus u ), 
Chrysorrhoas. Die Absiler, das Schloss Sebastopolis 15 ) , 
100,000 Schritte vom Phasis entfernt. Die Sanniger, die 
Stadt Cygnus, der Fluss und die Stadt Penius. Sodann 
die heniochischen Völker mit vielen Namen. 

5. 
Hier stösst an den Pontus das colische Gebiet, in 
welchem sich die Kette des Caucasus nach dem riphäischen 
Gebirge wendet, indem sie sich, wie bereits bemerkt ist, 



J ) Irke. 2 ) Poti. 

3 ) Diese Stadt war der Sage nach von Sesostris, König von 
Aegypten, erbauet worden. Auch soll das goldne Vliess in einem 
benachbarten Haine an einem Baume gehangen haben, sowie über- 
haupt der Schauplatz der Abenteuer der Meder und der Argo- 
nauten hierher verlegt wird. ■■- 

4 ) Tzchenistzquali. 5 ) Asmuleti. 6 ) Rioni. 
7 ) Fasaneninseln genannt. 8 ) Mecu-Enguri. 

9 ) Läusefresser. ,0 ) Tschani. n ) Letschgumi. ,2 ) Langur. 
l3 ) Ozeils. tA ) Mokoi. ,5 ) Soghumkala. 

27* 



420 



Sechstes Buch. 



mit der einen Seite nach dem Pontus Euxinus und dem 
Mäotis, mit der andern aber nach dem caspischen und 
hyrcanischen Meere hin abdacht. Die übrigen Küsten be- 
wohnen wilde Völker, als die Melanchläner, die Coraxer 
in der jetzt verödeten colchischen Stadt Dioscurias l ) am 
Flusse Anthemus 2 ); sie war einst so berühmt, dass, wie 
Timosthenes erzählt, 300 Nationen mit verschiedenen Spra- 
chen in ihr zusammenkamen; und später wurden durch 
130 römische Dolmetscher daselbst Geschäfte gemacht. 
Einige glauben, sie wäre von Amphitus und Telchius, den 
Wagenlenkern des Castor und Pollux, von denen ohne 
Zweifel die wilden Heniocher 3 ) abstammen, erbauet. Nach 
Dioscurias folgt die von Sebastopolis 70,000 Schritte ent- 
fernte Stadt Heracleum. Die Achäer 4 ), Marder, Cerceter 5 ), 
Serrer und Caphalotomer ß ). Die im innersten Theile dieser 
Gegend gelegene sehr reiche Stadt Pityus 7 ) ist von den 
Heniochern zerstört; hinter derselben wohnen die Epageriter, 
ein sarmatischer Stamm auf dem Rücken des Caucasus; 
dann 8 ) folgen die Sauromater. Zu diesen floh, unter der 
Regierung des Kaisers Claudius, Mithridates, und erzählte, 
dass sie an die Thaller 9 ) grenzten, deren Gebiet im Osten 
die Mündung des caspischen Meeres 10 ) berührte, und dass 
diese letztere bei der Ebbe trocken wäre. An der Küste, 
neben den Cerceten, ist der Fluss Icarusa 11 ), die Stadt 12 ) 
und der Fluss 13 ) Hierum, 130,000 Schritte von Heracleum. 
Dann das Vorgebirge Crunoe, dessen steilen Ausgangspunkt 
die Toreter bewohnen. Der Flecken Sindica, 67,000 Schritte 
von Hierum. Der Fluss Setheries. Von ihm bis an den 
Eingang des cimmerschen Bosporus beträgt die Ent- 
fernung 88,500 Schritte. 



I ) Iskuriah oder Isgaur. -) Marmari. 5 ) Wagenlenker. 
4 ) Awchasen. s ) Tscherkessen. 6 ) Kopfabschneider. 

7 ) Pitschinda. 8 ) Im Nordosten von Grusien. 

") Im Astrachanischen. 

,0 ) Siehe die Berichtigung S. 427, Anmerkung 5. 

II ) I krach. '-) Sudschukkale. «) Zemes. 



Sechstes Buch. 421 

6. 

Die Länge der zwischen dem Pontus und dem Mäotis 
auslaufenden Halbinsel beläuft sich nicht über 67,000 Schritte, 
die Breite beträgt aber nirgends weniger als zwei Jugera. 
Sie heisst Ejon *). Die Küste des Bosporus selbst krümmt 
sich auf der asiatischen und europäischen Seite nach dem 
Mäotis hin. Städte sind: vorn am Eingange des Bosporus 
Hermonassa, dann Cepi, von den Milesiern erbauet. Fer- 
ner Stratoelia, Phanagoria 2 ), das fast ganz verödete Apa- 
turos, und am Ende der Meerenge das früher Cerberion 
genannte Cimmerium. Darauf folgt der Mäotis, von dem 
bei Europa schon die Rede war. 

7. 

Um Cimmerium wohnen die Mäotiker, Valer, Serber, 
Arrecher, Zinger, Psesser. An dem durch zwei Mündungen 
sich ergiessenden Tanais wohnen die Sarmater, welche von 
den Mederu abstammen sollen und selbst in viele Völker- 
schaften getheilt sind. Zunächst die gynäcoeratumenischen 
Sauromater, die ihren Beinamen daher haben, weil die 
Amazonen sie zur Begattung zwangen; dann die Evazer, 
Coiter, Cicimener, Messenianer, Castoboccer, Choatrer, Zi- 
ger, Dandarer, Tyssageter, Jyrcer, bis an die durch wal- 
dige Thäler rauhen Einöden, hinter denen die Arimphäer 
sich bis an das riphäische Gebirge erstrecken. Den Tanais 
nennen die Scythen Silis und den Mäotis Temerunda, was 
so viel heisst als die Mutter des Meeres. Auch an der 
Mündung des Tanais lag eine Stadt. Die angrenzenden 
Districte hatten zuerst die Carer inne, dann die Clazome- 
nier und Mäoner, und darauf die Panticapanser. 

Einige Schriftsteller führen folgende Völker an, welche 
um den Mäotis herum bis an die ceraunischen Berge woh- 
nen : An der Küste die Napiter, dahinter die an die Colcher 
grenzenden Essedoner, oben auf den Bergen. Sodann die 
Carmacer, Oraner, Autacer, Mazacaser, Cantiocer, Agamather, 



') Tunitarakan. 2 ) Taman. 



422 Sechstes Buch. 

Picer, Rhymosoler, Acascomarcer, und auf dem Rücken des 
Caucasus die Itacaler, Imaducher, Ramer, Anclacer, Tyaier, 
Carastaseer, Authiander. An dem von dem catheischen Ge- 
birge kommenden Flusse Lagous, in welchen der Opharus 
fliesst: die Cauthader und Ophariter. Die Flüsse Menotha- 
rus und Imitys von dem cissischen Gebirge, zwischen dem 
die Acdeer, Carner, Oscardeer, Accisser, Gabrer und. Goga- 
rer wohnen. An der Quelle des Imitys die Imityer und 
Apaträer. Nach Andern fliesst er durch die Länder der 
auchetischen Scythen, Atarneer und Asampater; von diesen 
sind die Tanaiter und Inapäer Mann für Mann vertilgt wor- 
den. Einige lassen den Fluss Ocharius durch die Wohn- 
sitze der Canticer und Sapeer fliessen, den Tana'is aber 
durch die der Sarcharceer, Herticrer, Spondolicer, Synchieter, 
Anaser, Isser, Cateter, Tagorer, Caroner, Neriper, Agandeer, 
Mandareer, Satarcheer und Spaleer. 

8. 
Mit der Beschreibung der innern Küsten und aller 
anwohnenden Völker sind wir nun fertig, und wenden uns 
daher jetzt zu dem grossen mitten in das Land gehenden 
Busen. Hierbei wird man nicht verkennen, dass ich vieles 
anders, als die altern Schriftsteller vortrage; ich habe 
nämlich alles mit der grössten Sorgfalt untersucht, und 
diess wurde mir dadurch möglich, dass vor einigen Jahren 
Domitius Corbulo x ) in jener Gegend die Staatsangelegen- 
heiten leitete, und mehrere unterworfene Könige oder Kinder 
derselben als Geiseln von dorther sandte. Wir wollen mit 
dem Volke der Cappadocier 2 ) beginnen. Unter allen pon- 
tischen Völkern wohnt dieses am weitesten nach dem Innern 
zu, und dehnt sich auf der linken Seite über Klein- und 
Gross- Armenien und Commagene, auf der rechten Seite 
aber über alle schon genannten asiatischen und die meisten 
dahinter wohnenden Völkerschaften aus. Ihr Gebiet steigt 



') Den Nero zum Schutze Armeniens dorthin gesandt hatte. 

2 ) Die Paschaliks Akserai, Nikde, Kirkscheer, Kaisarieh und Bosuk. 



Sechstes Buch. 423 

in einer grossen Ausdehnung gegen Morgen und den Tau- 
ras hinauf, zieht sich über Lycaonien, Pisidien und Cilicien, 
durch Antiochien, und reicht mit dem Theile, welcher Ca- 
taonien genannt wird, bis zu dem cyrrhestischen Gebiete 
in Antiochien. Hier beträgt also die Länge von Asien 
1,250,000 und die Breite 640,000 Schritte. 

9. 

Gross-Armenien 1 ) aber nimmt seinen Anfang von 
dem paryadrischen Gebirge 2 ) und wird, wie schon gesagt 3 ), 
durch den Fluss Euphrat von Cappadocien, und da, wo der 
Euphrat eine andere Richtung nimmt, durch den nicht 
minder berühmten Tigris von Mesopotamien getrennt. Beide 
Flüsse lässt es entströmen, und bildet so den Anfang von 
Mesopotamien, welches zwischen ihnen fortläuft. Was 
dazwischen liegt, bewohnen die oreischen Araber 4 ). So 
zieht sich die Grenze des Landes bis nach Adiabene. 
Hier wird es durch querliegende Gebirge 5 ) abgeschlossen, 
dehnt sich in der Breite links über den Araxes 6 ) hin 
bis an den Fluss Cyrus 7 ),' in der Länge aber bis nach 
Klein-Armenien aus, von dem es durch den in den Pontus 
sich ergiessenden Fluss Absarus und durch das paryadrische 
Gebirge, auf dem der Absarus entspringt, geschieden wird. 

10. 

Der Cyrus 8 ) entspringt auf dem heniochischen Ge- 
birge 9 ), welches Andere das coraxische nennen; der 
Araxes 10 ) auf demselben Berge 11 ), wo der Euphrat ent- 
springt, nur 6000 Schritte davon, verstärkt sich noch durch 



*) Die jetzigen Tschaldir, Kars, Erzerum , Wan und Diarbekr, 
ein Theil Grusiens und der persischen Provinz Irak Adschemi. 

2 ) Ein Arm des Antitaurus, jetzt Agatsch-Baschi. 

3) Im V. B. 20. Cap. 4 ) V. B. 20. Cap. 5 ) Nimroddagh. 
6 ) Arrasch. 7 ) Khur. 8 ) Khur. 9 ) Auhileh. 

,0 ) Arrasch. Ausser diesem gab es noch 2 bedeutende Flüsse in 
Asien, die vorzugsweise den Namen Araxes führten; der eine jetzt 
Bend Emir in Persien, der andere Sihon oder Sirr in Turkestan 
(Sagdiana). ") Bingöl. 



424 Sechstes Buch. 

den Usis l ) und fällt, wie die Meisten glauben, in den 
Cyrus und mit diesem ins caspische Meer. 

Berühmte Städte in Klein- Armenien 2 ) sind: Cäsa- 
rea 3 ), A za 4 ), Nicopolis 5 ) ; in G r o s s - A r m e n i e n : Armosata 6 ) 
am Euphrat, Carcathiocerta 7 ) am Tigris, Tigranocerta 8 ) 
auf einer Anhöhe und Artaxata 9 ) in der Ebene am Araxes. 
Die Grösse des ganzen Landes giebt Aufidius auf 5,000,000 
Schritte an. Nach Kaiser Claudius beträgt die Länge von 
Dascusa 10 ) bis zur Grenze am caspischen Meere 1,300,000 
Schritte, die Breite aber von Tigranocerta bis Iberien halb 
so viel. Es wird, nach zuverlässigen Kachrichten, in Prä- 
fecturen, welche Strategien genannt werden, eingetheilt T 
von denen einige früherhin sogar eigene Reiche bildeten; 
sie haben alle barbarische Namen und ihre Anzahl beläuft 
sich auf 120. Auf der Ostseite schliessen es, jedoch nicht 
unmittelbar, die ceraunischen Berge u ) und die Landschaft 
Adiabene 12 ) ein. Den dazwischen liegenden Raum bewohnen 
die Sophener 13 ); an diese stossen die Berge und dahinter 
leben die Adiabener. In den Thälern aber sind die Meno- 
barder und Moschener den Armeniern am nächsten. Adia- 
bene wird vom Tigris und unwegsamen Gebirgen umgeben. 
Links davon ist das Gebiet der Meder und die Aussicht 
auf das caspische Meer. Dieses erhält (wie wir später 
noch sagen werden) seinen Zufluss vom Ocean, und ist 
rings von dem caucasischen Gebirge eingeschlossen. Nun 
gehen wir zu den Grenzvölkern Armeniens über. 

11. 

Die ganze Ebene vom Cyrus an hat das Volk der 
Albaner inne; dann folgen die Iberer, welche von jenen 



') Karassu. 2 ) Aladulieh. 
3 ) Kalat el Nedsjur. <) Ezaz. 

5 ) Diese zum Andenken an den Sieg des Pompejus über Mithri- 
dates so genannte Stadt hiess auch Tephrice, daher ihr neuerer 
Name Divriki. 

6 ) Schemisat. 7 ) Kartpurt. 8 ) Schikaran. 9 ) Ardesthie. 
10 ) Dengiglu. ") Zagros. '*) Kurdistan. » 3 ) In Diarbekr. 



Sechstes Buch. 425 

durch den Fluss Alazon x ), der von dem caucasischen Ge- 
birge herab sich in den Cyrus ergiesst, getrennt werden. 
Bedeutende Städte sind: in Albanien 2 ) Cabalaca 3 ), in Ibe- 
rien 4 ) Harmastis 5 ) an einem Flusse und Neoris. Das Ge- 
biet Thasie und Triare, das bis an das paryadrische Gebirge 
reicht. Weiter hin liegen die colchischen Einöden 6 ), und 
diesen zur Seite nach dem ceraunischen Gebirge zu wohnen 
die Armenochalyber und Moscher, deren Gebiet an dem in 
den Cyrus sich ergiessenden Flusse Iberus 7 ) herläuft; unter 
diesen wohnen die Sacassaner und hierauf die Macroner 
am Flusse Absarus. So sind diese Ebenen und Anhöhen 8 ) 
bevölkert. Wiederum an der albanischen Grenze, an der 
ganzen Vorderseite des Gebirges wohnen die wilden Stämme 
der Silver, darunter die Lubiener, und weiter die Didurer 
und Sodier. 

12. 
Auf diese folgt der caucasische Pass 9 ), von Vielen 
irrigerweise der caspische genannt, ein ungeheures, durch 
plötzliche Unterbrechung dieser Berge entstandenes Werk 
der Natur. Hier sind Thore mit eisenbeschlagenen Balken 
angebracht, unter denen ein übelriechender Strom 10 ) hin- 
fliesst, und diesseits liegt auf einem Felsen ein festes 
Schloss, Cumania 11 ) genannt, welches unzähligen Völkern 
den Durchgang streitig macht; an dieser Stelle also, welche 
der iberischen Stadt Harmastes gerade gegenüber liegt, 
ist der Erdkreiss durch Thore verschlossen. Hinter dem 
caucasischen Passe wohnen in dem gordyäischen Gebirge 12 ) 
die Valier 13 ) und Suaner, 2 wilde Völker, die jedoch Gold- 



') Alasani. 2 ) Schirvan und Daghestan. 3 ) Kablasvar. 
A ) Dieses Land begriff Karduel, ein Stück von Kacheti und 
Imerethi. 

5 ) Westlich von Tiflis in der Gegend von Tzcheti. 

6 ) Imerethi. 7 ) Dsama. 

8 ) Zwischen dem schwarzen und kaspischen Meere. 

9 ) Vladi-Caucas oder Khewis-Kari. ,0 ) Terek. ") Dariel. 
12 ) Das Hochgebirge des Caucasus. ") Osseten. 



426 



Sechstes Buch. 



erze graben. Hinter diesen bis an den Pontus wohnen 
mehrere Stämme der Heniocher und dann die Achäer. So 
verhält es sich mit diesem Landstriche r ) im Innern, wel- 
cher zu den berühmtesten gehört. 

Einige geben die Entfernung vom Pontus bis zum cas- 
pischen Meere auf nicht mehr als 375,000, Cornelius Nepos 
nur auf 250,000 Schritte an. Bei einer solchen Landenge 
ist Asien wiederum in Gefahr 2 ). Kaiser Claudius bestimmt 
die Entfernung vom cimmerschen Bosporus bis zum cas- 
pischen Meere auf 150,000 Schritte, und erzählt, dass Se- 
leucus Nicator den Plan gehabt habe, die Landenge zu 
durchstechen; er wurde aber um diese Zeit von Ptolemäus 
Ceraunus getödtet 3 ). Die Entfernung vom caucasischen 
Passe bis zum Pontus kann man mit ziemlicher Gewissheit 
zu 200,000 Schritten annehmen. 

13. 

Im Pontus liegen die planktischen, oder cyaneischen 
auch Symplegaden genannten Inseln 4 ). Ferner Apollonia, 
zum Unterschiede von der zu Europa gehörenden 5 ) auch 
Thynias 6 ) genannt. Vom Festlande ist sie 1000 Schritte 
entfernt und ihr Umfang beträgt 4000. Pharnacea gegen- 
über liegt Chalceritis, welche bei den Griechen Aria heisst ; 
sie ist dem Mars geheiligt, und auf ihr sollen Vögel mit 
ihren Flügeln gegen fremde Ankömmlinge gekämpft haben. 

14. 

Nachdem wir nun alle Theile im Innern von Asien 
"beschrieben haben, wollen wir im Geiste das riphäische 
Gebirge übersteigen uud an die rechte Küste des Oceans 
gehen. Dieser bespült Asien von 3 Himmelsgegenden 
her, im Norden heisst er der scythische, im Osten der 
esoische; im Süden der indische, und dann führt er nach 
seinen Busen und Küstenbewohnern noch verschiedene 



M Zwischen dem schwarzen und caspischen Meere. 

2 ) Von Europa abgeschnitten zu werden. 

3 ) Im Jahre 282 v. Chr. 4 ) IV. B. 27. Cap. 
5 ) IV. B. 27. Cap. «) V. B. 44. Cap. 



Sechstes Buch. 427 

Namen. Aber auch ein grosser Theil Asiens, welcher nach 
Norden hin liegt, enthält wegen seines kalten Klima's un- 
geheuere Wüsteneien. Vom äussersten Nordosten bis nach 
Ostnordost wohnen die Scythen. Ueber diese hinaus und 
noch jenseits des Nordens setzen Einige die bei Europa 
schon mehrerwähnten Hyperboräer *). Von da an kommt 
man zuerst an das celtische Vorgebirge Lytarmis 2 ) und 
den Fluss Carambucis 3 ), wo durch die schwache Kraft des 
Himmels die riphäische Bergkette abnimmt. Hier sitzen, 
wie wir erfahren haben, einige Arimphäer 4 ), ein den Hy- 
perboräern nicht unähnliches Volk. Sie wohnen in Wäldern, 
leben von Beeren; das Haupthaar zu tragen, halten die 
Männer und Weiber für schimflich; ihre Sitten sind milde; 
sie werden daher, wie man erzählt, für heilig gehalten, 
und sogar von den wilden Grenznachbarn nicht beleidigt, 
und zwar nicht allein sie selbst, sondern auch alle die- 
jenigen, welche zu ihnen geflohen sind. Hinter ihnen 
wohnen wieder Scythen, die Cimmerier, Cissianther, Geor- 
gier und Amazonen. Letztere breiten sich bis an das cas- 
pische und hyrcanische Meer hin aus. 

15. 
Das Meer bricht nämlich aus dem scythischen Ocean 
im hintern Asien ein, und erhält von den Anwohnern meh- 
rere Namen, von denen die zwei des caspischen und 
hyrcanischen die verbreitetsten sind 5 ). Clitarchus meint, 
es sei nicht kleiner als der Pontus Euxinus. Eratosthenes 
giebt auch eine Maassbestimmung an, er sagt nämlich, 
seine Ausdehnung von Süden nach Osten, längs den Küsten 
von Cadusien 6 ) und Albanien, betrage 5400 Stadien; von 



») IV. B. 26. Cap. 

-) Vielleicht Kanine-Noss am weissen Meere. 

3 ) Vielleicht die Dwina. 

4 ) Die Argippaer des Herodot (IV. 23)? 

5 ) Plinius hält, wie die meisten seiner Zeitgenossen, imger Weise 
das caspische Meer für einen Busen des Oceans. Aber schon Herodot 
beschreibt dasselbe richtig als ein Binnenmeer. I. 202. 

6 ) Ungefähr die heutige persische Provinz Ghilon. 



428 



Sechstes Buch. 



da an den Ländern der Anariacer, Amarder und Hyrcaner *) 
vorbei, bis an die Mündung des Flusses Zonus 2 ) 4800 
Stadien; weiter bis zur Mündung des Jaxartes 3 ) 2400 Sta- 
dien. Diess macht zusammen 1,575,000 Schritte. Artemi- 
dorus nimmt 25,000 Schritte weniger an. Agrippa sagt 
bei der Grenzbestimmung des caspischen Meeres und der 
umwohnenden Völker nebst Armenien, dasselbe grenze 
gegen Osten an den serischen Ocean 4 ), gegen Westen an 
den Caucasus, gegen Süden an den Taurus und gegen 
Norden an den scythischen Ocean, seine Länge betrage, so 
weit sie bekannt sei, 480,000 und seine Breite 290,000 
Sehritte. Andere Schriftsteller geben aber den ganzen 
Umfang des Meeres von der Meerenge an auf 2,500,000 
Schritte an. 

Der Einbruch erfolgt durch einen engen, aber sehr 
langen Schlund 5 ); doch wo er breiter zu werden beginnt, 
da krümmt er sich mondföimig, und zieht sich von der 
Mündung an (um mit M. Varro zu reden) in Form einer 
Sichel nach dem mäotischen See hin. Der erste Busen 
heisst der scythische, demi auf beiden Seiten desselben 
wohnen die Scythen, welche über die Meerenge eine stete 
Verbindung miteinander unterhalten, und zwar diesseits die 
Nomaden und Sauromaten unter mehrern Namen und jen- 
seits die Abzoer unter nicht wenigem. Rechts vom Ein- 
gange, an der Spitze der Mündung selbst ist das Gebiet 
der Udiner, eines scythischen Stammes. Weiterhin längs 
der Küste: die (wie man sagt) von Jason abstammenden 
Albaner, nach denen das davor liegende Meer das albanische 
genannt wird. Dieses Volk verbreitet sich über das cau- 
casische Gebirge bis an den Fluss Cyrus, der, wie schon 
gesagt 6 ), die Grenze zwischen Armenien und Iberien bildet. 



•) In der jetzigen persischen Provinz Masenderan. 
2 ) Gihon oder Amu (?) 3 j Szyr. 

4 ) Dieser würde, wenn die Angabe richtig wäre, das chinesische- 
Meer sein. 

5 ) Hier ist die Wolga gemeint. «; Im 11. Cap. 



Sechstes Buch. 429 

Oberhalb dieses Seedistrikts und der Udiner wohnen die 
Sarmater, Utidorser und Aroterer und im Rücken derselben 
die schon angeführten sauromatischen Amazonen. Flüsse 
die durch Albanien ins l ) Meer strömen, sind: der Casius 2 ) 
und Albanus 3 ); ferner der auf dem caucasischen Gebirge 
entspringende Cambyses 4 ), dann der, wie schon erwähnt 5 ), 
von dem coraxischen Gebirge kommende Cyrus. Die ganze 
Küste, welche vom Casius an wegen der hohen Felsen un- 
zugänglich ist, hat nach Agrippa eine Länge von 425,000 
Schritten. Vom Cyrus an erhält das Meer den Namen 
des caspischen; an ihm wohnen die Caspier. 

Bei dieser Gelegenheit müssen wir einen Irrthum vieler 
Schriftsteller 6 ) und selbst solcher, welche an dem Feldzuge 
des Corbulo in Armenien mit Theil genommen haben, be- 
richtigen. Diese haben nämlich den Pass in Iberien, von 
welchem wir gesagt haben, dass er der caucasische heisse, 
den caspischen genannt, auch auf die entworfenen und von 
dort her gesandten Karten diesen Namen geschrieben. 
Ferner wurde die Drohung des Kaisers Nero 7 ) auf den 
caspischen Pass bezogen, da er doch den meinte, welcher 
durch Iberien zu den Sarmaten führt, und wegen der da- 
vorliegenden Berge ein anderer Zugang zum caspischen 
Meere nicht wohl möglich ist. Es giebt zwar noch einen 
anderen zu den caspischen Völkern führenden Pass, den 
man aber nur aus dem Berichte der Begleiter Alexander's 
des Grossen kennen lernen kann. 

16. 
Das Reich der Perser, welches bekanntlich jetzt 
den Parthern gehört, erhebt sich an dem caucasischen Ge- 
birge zwischen zwei Meeren, dem persischen und hyrcani- 
schen. Auf beiden Seiten, längs der Abdachungen, stösst 



') caspische. 

-) Sanm. 3 ) Terek. 4 ) Sumarga. 5 ) Im 10. Cap. 
°) Auch Strabo. 

') Er wollte nämlich, gleich Alexander, einen Feldzug gegen 
die asiatischen Fürsten unternehmen. S. Sueton's Nero. Cap. 19. 



430 



Sechstes Buch. 



Sophene, wie wir bemerkt haben l ), mit der nach Comma- 
gene gerichteten Vorderseite von Gross-Armenien zusammen, 
undan Sophene grenzt Adiabene 2 ), der Anfang des Landes 
der Assyrier. Ein Tb eil des letzteren heisst Arbelitis 3 ), 
an der Grenze von Syrien, wo Alexander den Darius be- 
siegte 4 ). Dieses ganze Land nannten die Macedonier 
wegen der Aehnlichkeit 5 ) Mygdouien. Städte sind Alexan- 
drien und Antiochia, die auch Nisibis 6 ) heisst, und von 
Artaxata 7 ) 750,000 Schritte entfernt ist. Am westlichen 
Ufer des Tigris lag auch die einst sehr berühmte Stadt 
Ninus 8 ). Der übrige Landstrich aber, welcher vorn nach 
dem caspischen Meere zu liegt, und von dem armenischen 
Gebiete Otene durch den Araxes getrennt ist, heisst Atro- 
patene 9 ) mit der Stadt Gaza 10 ), welche 450,000 Schritte 
von Artaxata, und ebenso weit von Ekbatana im Lande 
der Meder, von denen die Uropatener nur ein Theil sind, 
entfernt liegt. 

17. 
Ecbatana 11 ), die Hauptstadt Mediens, vom König Se- 
leucus erbauet, ist von Gross-Seleucia 12 ) 750,000, vom cas- 
pischen Passe aber 2,000,000 Schritte entfernt. Die übrigen 
Städte der Meder sind: Phinganzaga, Apamia mit dem 
Beinamen Rhagiane. Die Ursache des Namens „Pass" 
ist dieselbe wie oben, denn die Bergkette ist durch einen 



') Im 10. Cap. 2 ) Das Ejalet Schehrsor. 

3 ) Mit der Hauptstadt Arbela, jetzt Erbil in Kurdistan. 

4 ) Diess war die letzte entscheidende Schlacht zwischen Alexan- 
der und den Persern, im Jahre 331 v. Chr. Sie ist auch unter dem 
Namen der Schlacht von Gaugamela (Enkewat, einem Flecken, 10 
Meilen von Arbela) bekannt. 

5 ) Mit dem mygdonischen Gebiete in Macedonien. 

6 ) Nisibin. ") Ardschat. 

8 ) Oder Niniveh, die Stadt des Ninus, jetzt ein Dorf Nunia. 

9 ) Aserbidschan. ,ü ) Zwischen Tauris und Miana. 

") Hamadan. Ihre erste Gründung wird von Herodot (I. 98) 
dem ersten König Mediens, Dejoces, zugeschrieben. 
yl ) Madain, südöstlich von Bagdad. 



Sechstes Buch. 431 

so engen Durchgang unterbrochen, dass kaum einzelne 
Wagen ihn passiren können; er ist ganz durch Menschen- 
hände gemacht, und hat eine Länge von 8000 Schritten. 
Rechts und links hängen Klippen herab, die wie verbrannt 
aussehen, und auf einer Strecke von 28,000 Schritten ist 
kein trinkbares Wasser zu finden. Das von dem Felsen 
herabtröpfelnde und zusammenfliessende Salzwasser er- 
schwert die Passage, welche wegen der Menge von Schlangen 
auch nur im Winter möglich ist 1 ). 

An die Andiabener grenzen die sonst Carducher genann- 
ten Corduener 2 ) am Flusse Tigris; an diese die Pratiter 
oder Parodoner 3 ), welche den caspischenPass inne haben. 
An das Land der letztern stossen auf der andern Seite 
die parteiischen Wüsten 4 ) und das cithenische Gebirge 5 ). 
Dann folgt der höchst anmuthige parthische Busen Choara 6 ). 
Hier lagen sonst zwei, zum Schutze gegen die Meder er- 
bauete Städte, Calliope und Issatis, auf einem Felsen. 
Aber Hecatonpylos, die Hauptstadt von Parthien selbst, ist 
133,000 Schritte vom Passe entfernt. So wird auch das 
Reich der Parther durch ein Thor abgeschlossen. Beim 
Austritt aus dem Passe kommt man zunächst zum caspischen 
Volke, welches sich bis zur Küste erstreckt, und dem Passe 
sowohl, wie dem Meere den Namen gegeben hat. Der Theil 
zur Linken ist bergig 7 ). Vom Gebiete der Caspier an 
rückwärts bis zum Flusse Cyrus wird die Entfernung auf 
220,000, und von diesem Flusse an bis zu dem Passe auf 
700,000 Schritte angegeben. Diese Berechnungen vom Passe 
als Ausgangspunkt aus sind durch die Märsche Alexander's 
des Grossen bestimmt; von ihm bis zur Grenze von Indien 



') Dieser Pass heisst jetzt Kharwar, und führt über den Dema- 
vend, eine Schneekuppe der Bergkette Alburs in der persischen 
Provinz Taberistan. 

2 ) Im Ejalet Wan, um den See Ardisch. 

3 I rtag böov: die am Wege. 

4 ) Die Wüste Naubendan in der Provinz Irak. 

s ) Die Berge von Luristan. 6 ) In der Provinz Khusistan. 

7 ) Die Bergkette Alburs. 



432 



Sechstes Buch. 



sollen es 15,680 Stadien, bis zur Stadt Bactra *) oder Za- 
riaspa 3700 und von da bis zum Flusse Jaxartes 5000 
Stadien sein. 

18. 
Oestlich von den Caspiern liegt die Landschaft Apa- 
vortene 2 ), und in derselben der durch seine Fruchtbarkeit 
berühmte Ort Darejum 3 ). Dann folgen die Tapyrer, Ana- 
riacer, Staurer, Hyrcaner 4 ), an deren Küste, nämlich vom 
Flusse Sideris 5 ) an, das caspische Meer den Namen des 
hyrcanischen erhält. Diesseits des Sideris sind die vom 
Caucasus kommenden Flüsse Maxeras 6 ) und Stratos 7 ). 
Dann folgt die Landschaft Margiane 8 ), reich an sonnigen 
Anhöhen, und unter allen diesen Ländern die einzige, worin 
Weinbau getrieben wird. Sie ist ringsum von anmuthigen 
Bergen eingeschlossen, hat 1500 Stadien im Umfange, und 
ist wegen der 120,000 Schritte langen Sandwüsten schwer 
zugänglich. Sie liegt gegen Parthien hin und Alexander 
der Grosse erbauete daselbst Alexandria. Nachdem diese 
von den Barbaren zerstört war, stellte sie Antiochus, der 
Sohn des Seleucus, auf derselben Stelle unter einem an 
Syrien erinnernden Namen wieder her, denn da der Mar- 
gus 9 ), dessen Zweige sich in dem Distrikte von Zotale 
vereinigen, sie durchströmt, so zog er es vor, sie Antiochia 
zu nennen 10 ). Die Stadt hat 70 Stadien im Umfange. 
Hierher führte Orodos n ) die bei der Niederlage des Crassus 
gefangenen Römer. Von den Höhen dieser Gegend an über 
den Caucasus hin bis zu den Bactrern wohnen die wilden 
und freien Marder 12 ). Hierauf die Ochaner, Chomarer, 



') Balkih. 2 ) In der Begierbergschaft Masenderan. 3 ) Sari. 

4 ) In den Beglerbergschaften Masenderan und Astrabad. 

5 ) Kurkan. 6 ) Masenderan. 7 ) Sefidrud. 

8 ) Das Land Mawer und die Provinz Khorassan. 9 ) Murghal. 

,0 ) Jetzt heisst sie Meru Schah Jehan. 

") Ein parthischer König. Die Geschichte jener Niederlage 
(53 v. Chr.) beschreibt Plutarch in der Biographie des Crassus , Cap. 39. 

n ) In dem zur afghanischen Landschaft Balkh gehörenden 
Distrikte Meimunna am Kassarigebirsre. 



Sechstes Buch. 433 

Berdrigeer, Harmatotropher, Bomareer, Comaner, Marucäer, 
JMandruaner, Jatier. Die Flüsse Man drum und Chindrum. 
Weiterhin die Chorasmier, Candarer, Attasiner, Paricaner, 
Saranger, Parrhasiner, Maratianer, Nasotianer, Aorser, Geler, 
von den Griechen Cadusier genannt, und die Matianer. 
Die von Alexander erbauete Stadt Heraclea, die später 
zerstört aber von Antiochus wieder hergestellt und Acha'is 
genannt wurde. Die Derbicer, deren Grenze der Oxus x ), 
welcher aus dem See Oxus entspringt 2 ), mitten durchschnei- 
det; die Syrmater, Oxydracer, Heniocher, Batener, Saraparer, 
Bactrer, deren Stadt Zariaspe (später Bactrum) 3 ) nach 
einem Flusse 4 ) benannt ist. Die Bactrer bewohnen die 
Gegend hinter dem Berge Paropamisus 5 ), auf dessen vor- 
derer Seite die Quellen des Indus sind, und werden von 
dem Flusse Ochus 6 ) eingeschlossen. Weiterhin folgen die 
Sogdianer 7 ), ihre Stadt Panda 8 ), und an der äussersten 
Grenze Alexandria 9 ), von Alexander dem Grossen erbauet. 
Hier befinden sich Altäre, welche Hercules und Bacchus, 
ferner Cyrus, Semiramis und Alexander errichtet haben; 
denn alle diese Personen setzten in dieser Gegend, welche 
der Fluss Jaxartes 10 ) , den die Scythen Silis nennen, und 
den Alexander und seine Soldaten für den Tana'is hielten, 
begrenzt, ihren Feldzügen ein Ziel. Demodamas, der Feld- 
« herr der Könige Seleucus und Antiochus, dem wir vor- 
züglich bei Beschreibung dieser Länder folgen, überschritt 
ihn und errichtete dem Apollo Didymäus Altäre. 

19. 
Weiter hinaus 11 ) wohnen scythische Völker. Die 
Perser nennen sie, von dem zunächst wohnenden Stamme, 



') Gihon oder Amu genannt. 

2 ) Er entspringt in Afghanistan am Hindu-Kuhs, aber nicht aus 
«inem See. 3 ) Balkh. 

4 ) Zariaspes, jetzt Dehasch. 5 ) Hindu-Kusch. 6 ) Tedsen. 

7 ) Im Thale al Sogdh in dein zum Dschagatai gehörenden 
Lande Mawarelnahar. 

8 ) Samarkand? 9 ) Koschend am Szyr? t0 ) Szyr. 
u ) Jenseits des Jaxartes. 

28 



434 



Sechstes Buch. 



insgesammt Sacer; bei den Alten hiessen sie Aramäer. Die Scy- 
then aber nennen die Perser Chorsarer, und den Caucasus Grau- 
casis, d. h. schneeweiss. Die Menge dieser Völkerschaften, 
welche mit den Persern gleiche Lebensweise haben, ist 
unzählig, die berühmtesten unter ihnen sind die Sacer, 
Massageter, Daher, Essedoner, Ariacer, Rhymmicer, Pasicer, 
Amarder, Hister, Edoner, Camer, Camacer, Euchater, Cotierer, 
Anthusianer, Psacer, Arimasper, Antacater, Chroasäer und 
Oeteer. Die Napäer sollen durch die Paläer untergegangen 
sein. Bedeutende Flüsse daselbst sind der Mandragäus 
und Caspasius : ). Ueber kein Land sind die Angaben der 
Schriftsteller so schwankend, was, wie ich glaube, von den 
vielen herumziehenden Völkern herrührt. Das Wasser des 
(caspischen) Meeres soll, nach x41exanders des Grossen Be- 
richte, süss sein, und Marcus Varro erzählt, dass Pompejus, 
der im Mithridatischen Kriege dort commandirte, dasselbe 
gehört habe; ohne Zweifel wird der Salzgehalt des Wassers 
durch die vielen in dasselbe strömenden Flüsse unterdrückt. 
Varro fügt noch hinzu, man habe durch des Pompejus 
Feldzüge erfahren, dass man in 7 Tagen von Indien zu den 
Bactrern am Flusse Icarus 2 ), welcher in den Oxus fliesst, 
gelangen, uud die aus demselben durchs caspische Meer 
in den Cyrus gebrachten indischen Waaren auf einem nur 
fünftägigen Landwege bis zum Phasis am Pontus schaffen 
könne. In diesem ganzen Meere liegen viele Inseln, doch 
ist nur eine, Tazata 3 ), genauer bekannt. 

20. 
Vom caspischen Meere und dem scythischen Oceau 
wenden wir uns zum östlichen Meere, dessen Küste mit 
der Vorderseite gegen Osten gerichtet ist. Der vorderste 
Theil derselben, vom scythischen Vorgebirge an, ist wegen 
des Schnees unbewohnt, der nächstfolgende wegen der 
Wildheit seiner Bewohner unangebauet. Hier hausen die 
anthropophagischen Scythen, welche Menschenfleisch essen;, 



*) "Vielleicht die Steppenflüsse Sarasu und Tzui. 
8 ) Koktscha (Badaktschan)? 3 ) Nephtenoi. 



Sechstes Buch. 435 

daher besteht das angrenzende Land aus weiten Einöden 
voll wilder Thiere, welche die ihnen an Grausamkeit nicht 
unähnlichen Menschen umlagern. Dann folgen wiederum 
Scythen; hierauf Wüsten mit reissenden Thieren, bis auf 
den ins Meer reichenden Bergrücken Tabis '). Etwa erst 
von der Mitte dieser nach Südost gerichteten Küste an 
wird jene Gegend bewohnt. Die äussersten bekannten 
Menschen daselbst sind die Serer, berühmt durch die in 
ihren Wäldern wachsende Wolle 2 ), die sie durch Wasser 
gezogen von den Pflanzen abkämmen; hierdurch erwächst 
unsern Frauen die doppelte Arbeit, die Fäden wieder auf- 
zudrehen und wieder zu weben. So viele Mühe ist nöthig 
und soweit muss der Stoff herbeigeholt werden, wenn eine 
Dame in der Gesellschaft mit Glanz auftreten soll. Die 
Serer sind zwar gutmüthig, aber darin den Wilden ähnlich, 
dass sie den Umgang mit Menschen fliehen und warten, 
dass man des Handels wegen zu ihnen kommt. Der nächste 
bekannte Fluss in ihrem Gebiete ist der Psitaras, dann der 
Combari und der Lanos, an welchem das Vorgebirge 
Chryse 3 ) liegt; der Busen Cyrnaba, der Fluss Atianos, der 
Busen und das Volk der Attacorer, welches durch sonnige 
Hügel gegen alle schädlichen Winde geschützt ist, und 
dasselbe Klima hat wie die Hyperboräer. Amometus 4 ) hat 
über sie, sowie Hecatäus 5 ) über die Hyperboräer ein be- 
sonderes Werk geschrieben. An die Attacorer grenzen die 
Phrurer und Tocharer, und an diese schon ein indischer 
Stamm, die Casirer, die nach dem Innern zu an die Scythen 
stossen und Menschenfleisch essen. Auch ziehen in Indien 
Nomaden umher. Einige Schriftsteller geben an, dass 
nordöstlich davon die Ciconer und Brysarer wohnen. 



') Am Ende des Sinus Gangeticus (jetzt Meerbusen von 
Bengalen). 

2 ) Nämlich die Seide. 

3 ) Vielleicht das Cap Negrais an der Ostküste des bengalischen 
Meerbusens. 

4 ) Unbekannt. ■"') Von Abdera, begleitete Alexander nach Persien. 

28* 



436 



Sechstes Buch. 



21. 

Aber da wo das emodische Gebirge x ) sich erhebt, 
sind alle Völker bekannt. Den Anfang machen die Indier, 
deren Gebiet nicht nur am östlichen Meere, sondern auch 
an dem südlichen, welches wir das indische genannt haben 2 ), 
liegt, und deren östlicher Landtheil 3 ) sich in gerader Linie 
bis an die Biegung und den Anfang des indischen Meeres 
in einer Länge von 1,875,000 Schritten erstreckt; von der 
Biegung an nach Süden bis zum Flusse Indus, der die 
westliche Grenze Indiens 4 ) bildet, beträgt die Entfernung 
nach Eratosthenes 2,475,000 Schritte. Mehrere haben aber 
diese ganze Länge auf 40 Tage- und Nachtreisen eines 
Segelschiffes berechnet, und von Norden bis Süden 2,850,000 
Schritte angegeben. Agrippa nimmt die Länge zu 3,300,000, 
die Breite zu 2,3000,000 Schritten an. Posidonius bestimmte 
das Maass von Südost nach Nordost, indem er annahm, 
Indien läge Gallien gegenüber, welches er von Südwest 
nach Nordost ausmaass. Er bewies daher mit nicht zu 
bezweifelnden Gründen, dass Indien dem Favonius entgegen 
liege, durch den Hauch dieses Windes erfrischt werde und 
dadurch gesund sei. Anders verhält es sich dort mit dem 
Klima, anders mit dem Aufgehen der Gestirne; jedes Jahr 
hat 2 Sommer und. 2 Erndten, zwischen welche während 
des Wehens der Passatwinde der Winter fällt; zur Zeit 
unsres kürzesten Tages aber wehen dort milde Lüfte und 
das Meer ist schiffbar. Wollte Jemand alle dortigen Völker 
und Städte namhaft machen, so würde er sie unzählig 
finden. Wir verdanken die nähere Bekanntschaft mit Indien 
nicht nur den Waffen Alexanders des Grossen und der 
ihm nachfolgenden Könige, nicht nur dem Seleucus und 
Antiochus und ihrem Flottenführer Patrocles, welche um 
dasselbe bis in das hyrcanische und caspische Meer fuhren, 
sondern auch andern griechischen Schriftstellern, die sich 



*) Der Himalaya. '-) Im 14. Cap. 

3 ) Die Westküste des bengalischen Busens. 

') Die Westküste Vorderindiens. 



Sechstes Buch. 437 

(wie Megasthenes *) und Dionysius, der von Philadelphia 
zu diesem Endzwecke dahin gesandt war) längere Zeit bei 
den indischen Königen aufhielten und auch Nachrichten 
über die Macht dieser Völker geben. Jedoch sind die 
Mittheilungen so widersprechend und unglaublich, dass es 
nicht möglich ist, das Wahre zu sondern. Die Begleiter 
Alexanders des Grossen schreiben, dass in demjenigen Di- 
strikte Indiens, welchen sie unterjocht hätten, 5000 Städte, 
keine kleiner als (die Insel) Cos und 9000 Völker gewesen 
wären; ferner, dass Indien wahrscheinlich der dritte Theil 
der Erde, und die Volksmenge darin unzählig sei. Denn 
die Indier sind fast die einzige Nation, die nie über ihre 
Grenzen gewandert ist. Vom Bacchus bis auf Alexander 
den Grossen zählt man 153 Könige, die in einem Zeitraum 
von 6451 Jahren 3 Monaten daselbst geherrscht haben. 
Die Flüsse sind unermesslich gross. Alexander, welcher 
den Indus befuhr, soll täglich nicht unter 600 Stadien zu- 
rückgelegt haben und doch erst nach 5 Monaten und 
einigen Tagen bis an sein Ende gekommen sein. Der 
Ganges wird für noch grösser gehalten. Seneca 2 ), der 
unter uns einen Versuch einer Beschreibung von Indien 
gemacht hat, giebt die Anzahl der Flüsse auf 60 und die 
der Völker auf 118 an. Gleiche Mühe würde es machen, 
alle Berge aufzuzählen. Der Irnaus, Emodus, Paropa- 
misus und Caucasus, von denen das ganze Land in eine 
Aegypten ähnliche, unermessliche Ebene ausläuft, hängen 
miteinander zusammen. 

Damit man aber dieses Land einigermaassen kennen 
lerne, wollen wir Alexander dem Grossen Schritt vor Schritt 
folgen. Diognetus und Bäston, welche die Märsche desselben 



') Um 300 v. Chi-., Gesandter des Königs Seleucus Nicator von 
Syrien nach Palibothra , der Hauptstadt des persischen Königs 
Androkottas, zum Abschluss eines Bündnisses. 

a ) L. Annaeus Seneca, Sohn des M. A. Seneca, geb. 2 n. Chr., 
wurde, dem Nero als Theilnehmer an der Verschwörung des Piso 
verdächtigt, 65 zum Tode verurtheilt, Hess sich die Adern öffnen 
und trank dann Gift. 



438 Sechstes Buch. 

gemessen haben, schreiben, dass es vom caspiscben Passe 
bis nach Hecatonpylos in Parthien ebenso viel Tausend 
Schritte seien, wie wir oben x ) angaben; von da bis Ale- 
xandria Arios 2 ), welche Stadt derselbe König bauete, 
565,000 Schritte; von da bis Prophthasia 3 ), einer Stadt 
der Dranyer 199,000; von da bis zur Stadt der Aracbosier 
565,000; bis Ortospanum 4 ) 250,000; bis zur Stadt Alexan- 
ders 5 ) 50,000 Schritte. In einigen Exemplaren sind die 
Zahlen verschieden, auch soll letztere Stadt am Fusse des 
Caucasus liegerj. Von da bis zum Flusse Cophes 6 ) und 
der indischen Stadt Peucolaitis 7 ) beträgt die Entfernung 
237,000; von da bis zum Flusse Indus und der Stadt Ta- 
xila 8 ) 60,000, bis an den berühmten Hydaspes 9 ) 120,000, 
und bis an den Dicht weniger berühmten Hypasis 10 ) 29,390 
Schritte. Bis hierher drang Alexander vor, jedoch setzte 
er noch über den Fluss und errichtete am jenseitigen Ufer 
Altäre. Die Briefe des Königs stimmen mit diesen Angaben 
überein. Den übrigen Theil des Landes von hier an hat 
Seleucus Nicator durchzogen. Bis an den Sydrus 11 ) sind 
es 168,000 Schritte und bis zum Jomanes 12 ) ebenso viele. 
Einige Exemplare geben 5000 Schritte mehr an. Von da 
bis zum Ganges 112,000, bis Rhodapha 13 ) 569,000. Andere 
geben diese Entfernung auf 325,000 an. Bis zur Stadt 
Calinipaxa 14 ) 167,500, nach Andern 265,000; von da bis 
an den Zusammenfluss des Iomanes und Ganges 625,000, 



') Im 17. Cap. 

2 ) In der Nähe der heutigen Stadt Dorra. Sie war für den 
Handel der alten Welt wichtig, denn sie lag am Wege der indischen 
"Karavanen. 

3 ) Zarang in Segestan, am Flusse Hind-Mend (sonst Etymandur). 

4 ) Kandahar. 5 ) S. 25. Cap. 

6 ) Kurrum. ?) Bunnu. 8 ) Attook. '•>) Schelum. 
,0 ) Auch Hyphasis und Hypanis genannt; jetzt Begah. 
") Suteledi. 

,2 ) Jumnah oder Zemna. Bei Ptolemäus heisst dieser Fluss Dia- 
raura; Andere halten ihn für den Palibothros. 

,3 ) Ramgat. u ) Auch Pazalä genannt; jetzt Canoge oder Canoz. 



Sechstes Buch. 439 

wozu die Meisten noch 13,000 hinzufügen; bis zur Stadt 
Palibothva *) 425,000, und bis zur Mündung des Ganges 
637,500 Schritte. 

Folgende Völker von dem emodischen Gebirge an, 
dessen Vorgebirge Imaus heisst 2 ), was in der dortigen 
Landessprache „schneebedeckt" bedeutet, verdienen genannt 
zu werden: die Isarer, Cosyrer, Izger und auf dem Gebirge 
selbst die Chisiotosager; ferner viele Völker unter dem 
Beinamen Brachmanen, zu denen die Maccocalinger 3 ) ge- 
hören. Die schiffbaren Flüsse Prinas 4 ) und Cainas 5 ), 
welcher letztere sich in den Ganges ergiesst. Die Calinger 
am Meere, hinter diesen die Mandeer und Maller, in deren 
Gebiete der Berg Mallus liegt. Die Grenze des Landes 
bildet der Ganges. 

22. 

Nach Einigen entsteht der Ganges, wie der Nil, aus 
noch unbekannten Quellen und bewässert das benachbarte 
Land auf gleiche Weise, nach Andern entspringt er auf 
den scythischen Bergen. In ihn ergiessen sich 19 Flüsse, 
von welchen, ausser den schon genannten, schiffbar: der 
Condocbates 6 ), Erannoboas 7 ), Cosoagus 8 ) und Sonus 9 ) seien. 
Andere erzählen, er breche sogleich mit grossem Getöse 
aus seinen Quellen hervor, stürze über Felsen und Abhänge 
und gelange von da zuerst in einer schönen Ebene in einen 
See; dann fliesse er langsam, seine geringste Breite betrage 
8000 Schritte, seine mittlere 100 Stadien, seine Tiefe nie 
weniger als 20 Schritte. Das letzte Volk an seinen Ufern 
sollen die gangaridischen Calinger sein. Die königliche 



') Patelputer; bei Allahabad befinden sich noch Ruinen von ihr. 
Sie war einst die grösste und reichste Stadt in Indien, und die Haupt- 
stadt der Prasier, die daher, sowie oft auch alle zwischen dem Ganges 
und Indus wohnende Stämme Palibothrer hiessen. 

2 ) Der östliche Theil des Himalaya. 

3 ) Auf der Ostseite des Ganges nach der Mündung zu. 

4 ) Rinde. 

5 ) Keane. Er fliesst in die Jumna und durch diese in den Ganges. 

6 ) Gunduk. 7 ) Ramgonga. 8 ) Kosa. 9 ) Sone. 



440 Sechstes Buch. 

Residenz derselben heisst Protalis *). Für den König stehen 
60,000 Fussgänger, 1000 Reiter und 700 Elephanten stets 
kriegsgerüstet bereit. 

Die gesittetem Völker Indiens führen eine sehr ver- 
schiedene Lebensweise. Einige bauen das Land, Andere 
thun Kriegsdienste und noch Andere führen ihre Waaren 
aus und fremde ein. Die Besten und Reichsten leiten die 
öffentlichen Angelegenheiten, üben die Rechtspflege und 
sind die Räthe der Könige. Eine fünfte Klasse hat sich 
der dort hoch gefeierten und beinahe zur Religion gewor- 
denen Weisheit ergeben, und endigt ihr Leben durch frei- 
willigen Tod auf dem Scheiterhaufen. Noch eine Klasse 
ausser dieser ist halbwild und mit den schwersten Arbeiten, 
nämlich dem Einfangen und Zähmen der Elephanten, be- 
lastet. Dieser Thiere bedienen sie sich zum Pflügeu und 
zum Ziehen, und darin besteht grösstenteils ihre Vieh- 
zucht; sie brauchen sie im Kriege und vertheidigen damit 
ihre Grenzen. Für den Kriegsdienst wählen sie sie nach 
der Stärke, dem Alter und der Grösse. 

Im Ganges liegt eine Insel von grossem Umfange, auf 
der die Modogalinger wohnen. Jenseits des Flusses folgen 
die Moduber, Molinder, Uberer in einer prachtvollen Stadt 
gleichen Namens, die Modröser, Preter, Caloser, Sasurer, 
Passaler, Coluber, Oruncoler, Abaler, Taluter. Der König 
derselben hat 50,000 Fussgänger, 4000 Reiter und 400 Ele- 
phanten unter den Waffen. Dann folgt das noch mächtigere 
Volk der Andarer in vielen Flecken und 30 Städten, die 
mit Mauern und Thürmen versehen sind; dem Könige stellen 
sie 100,000 Fussgänger, 2000 Reiter und 1000 Elephanten. 
Die Darder haben viel Gold und die Seter viel Silber. 

Aber fast unter allen Völkern Indiens und nicht bloss 
dieses Landstriches, stehen die Prasier durch Macht und 
Ruhm oben an. Ihnen gehört die grosse und reiche Stadt 
Palibothra 2 ), nach welcher Einige das Volk selbst Palibro- 
ther, ja sogar das ganze Land am Ganges danach benannt 



') Cutlo (Cooloo) am Mahanudyflusse. 2 ) Patelputer. 



Sechstes Buch. 441 

haben. Für den König wird stets ein Heer von 600,000 
Fussgängern, 30,000 Reitern und 9000 Elephanten unter- 
halten, woraus man auf ihre bedeutende Macht schliessen 
kann. Auf diese folgen im Innern des Landes die Moneder 
und Suarer, in derem Gebiete der Berg Maleus x ) liegt, an 
welchem der Schatten im Winter nach Norden, und im 
Sommer 6 Monate lang nach Süden fällt. Bäton berichtet, 
der grosse Bär erscheine in dieser Gegend nur einmal, und 
zwar nur 15 Tage lang im Jahre; nach Megasthenes soll 
diess in mehreren Gegenden Indiens der Fall sein. Den 
Südpol nennen die Indier Diamasa. Der Fluss Jomanes 2 ) 
fliesst durch das Gebiet der Palibrother, und zwischen den 
Städten Methora und Chrysobora 3 ) in den Ganges. In dem 
südlich vom Ganges liegenden Distrikte sind die Bewohnev 
von der Sonne gefärbt, aber nur etwas, und nicht ver- 
brannt wie die Aethiopier; je mehr sie sich dem Indus 
nähern, desto mehr verräth ihre Farbe die Kraft der Sonne. 
Der Indus fliesst dicht am Gebiete der Prasier hin; in den 
Berggegenden sollen die Pygmäer wohnen. Nach Artemi- 
dorus beträgt die Entfernung zwischen beiden Flüssen 
2,100,000 Schritte. 

23. 
Der Indus, von den Eingebornen Sindus 4 ) genannt, 
entspringt auf dem Paropamisus 5 ), einem Bergrücken des 
Caucasus, fliesst gegen Osten und nimmt ebenfalls 19 
Flüsse in sich auf. Unter diesen sind die bedeutendsten 
der Hydaspes 6 ), in welchen noch 4 andere, und der Can- 
tabras 7 ), in welchen noch 3 andere fallen, ferner die an 
sich schon schiffbaren Acesines 8 ) und Hypasis 9 ). Und 
doch ist seine Wassermenge nur massig, nirgends ist er 
über 50 Stadien breit, oder über 15 Schritte tief; er bildet 



') Vindhya. 2 ) Junina. 

3 ) Eine von diesen Städten ist das heutige Allahabad. 

4 ) Sind. 5 ) Hindu Kusch. 6 ) Schelum. 

7 ) Vielleicht identisch mit dem Hydrostes, jetzt Rawi. 

») Khenab. 9 ) Bejah. 



442 Sechstes Buch. 

eine sehr ausgedehnte Insel, Namens Prasiane *), und eine 
andere kleinere, Patale 2 ) genannt. Nach den Angaben 
derjenigen Schriftsteller, welche am wenigsten übertreiben, 
kann er auf einer Strecke von 1,250,000 Schritten befahren 
werden, wendet sich, gleichsam von der Sonne begleitet, 
nach Westen und ergiesst sich in den Ocean. Die Maass- 
bestimmungen längs dem Ufer bis zu seiner Mündung gebe 
ich, wie ich sie finde, im Allgemeinen, obgleich die An- 
gaben unter sich gar nicht übereinstimmen. Von der Mün- 
dung des Ganges bis zum Vorgebirge Calingon 3 ) und zur 
Stadt Dandaguda 4 ) 625,000 Schritte; bis Tropina 5 ) 1,225,000; 
bis zum Vorgebirge Perimulä 6 ), wo der berühmteste Sta- 
pelplatz Indiens liegt 750,000; bis zu der Stadt 7 ) auf der 
oben angeführten Insel Patale 620,000 Schritte. 

Die zwischen dem Indus und dem Jomanes wohnenden 
Bergvölker sind die Ceser und die in Wäldern wohnenden 
Cetriboner; dann die Megaller, deren König 500 Elephan- 
ten hat; die Anzahl seiner Fussgänger und Reiter ist un- 
gewiss. Die Chryseer, Parasanger, Asanger, in deren Ge- 
biete es viele Tiger giebt; sie bewaffnen 30,000 Fussgänger, 
300 Elephanten und 800 Reiter. Diese Völker schliesst der 
Indus ein, und ein Kranz von Bergen und Einöden umgiebt 
sie in einer Ausdehnung von 625,000 Schritten. Hinter diesen 
Einöden wohnen die Darer und Surer, dann folgen wieder 
187,000 Schritte weit Einöden, welche jene Distrikte 
meistens mit Sand, gleichwie das Meer die Inseln, um- 
geben. Hiernächst folgen die Maltecorer, Singer, Maroher, 
Rarunger und Moronter. Diese bewohnen die Berge, welche 
sich ununterbrochen längs der Küste des Oceans hinziehen; 
sie sind frei, haben keine Könige, aber viele Städte auf 



') Das von Flüssen eingeschlossene Pendschab'? 

-) Der zwischen den Mündungen des Indus liegende Theil von Sind. 

3 ) Segogora oder Ponta de Palmeiras ; Andere halten es für das 
Cap Godaverg. 

4 ) Coringa. s ) Cochin? 

°) Die Landspitze südlich von der Insel Bombay. 7 ) Tatta. 



Sechstes Buch. 443 

ihren Anhöhen. Dann folgen die Nareer, welche der höchste 
Berg Indiens, der Capitalia 1 ), einschliesst. Die Bewohner 
desselhen auf der andern Seite graben weit und breit Gold und 
Silbererze. An diese grenzen die Orater, deren König zwar 
nur 10 Elephanten, aber eine bedeutende Anzahl Fussvolk 
hat; die Suaratarater, welche unter einem Könige stehen, 
aber keine Elephanten halten, sondern sich bloss auf ihre 
Beiterei und das Fussvolk verlassen. Die Odanbeorer und 
Arabastrer. Die Horacer in einer schönen, durch sumpfige 
Gräben geschützten Stadt; über dieselben kann man nur durch 
Hilfe einer Brücke gelangen, denn die darin befindlichen 
nach Menschenfleisch begierigen Krocodile versperren jeden 
andern Zugang. Man rühmt noch eine andere Stadt dieses 
Volkes, Automula 2 ), welche an der Küste liegt, und, da hier 
5 Flüsse sich zu einem vereinigen, ein berühmter Handels- 
platz ist. Ihr König hat 1600 Elephanten, 150,000 Fuss- 
gänger und 5000 Reiter. Aermer ist der König der Char- 
mer, welcher nur 60 Elephanten und übrigens nur schwache 
Streitkräfte hat. An diese grenzen die Pander, das einzige 
Volk in Indien, welches von Frauen beherrscht wird. Man 
erzählt, dem Herkules sei nur eine Tochter geboren, die 
ihm aber desshalb um so lieber geworden und mit einem 
Königreiche beschenkt sei. Die Nachkommen derselben 
herrschen über 300 Städte, 150,000 Mann Fussvolk und 
500 Elephanten. Auf diese Reiche von 300 Städten folgen 
die Daranger, Posinger, Buter, Gogareer, Umbrer, Nereer, 
Brancoser, Nobunder, Coconder, Neseer, Palatider, Solobri- 
aser, und die an die Insel Patale, von deren äussersten Küste 
bis zum caspischen Passe die Entfernung 1,925,000 Schritte 
betragen soll, grenzenden Olostrer. 

Hierauf folgen aufwärts am Indus, wie mit Bestimmt- 
heit ermittelt ist, die Athoer, Bolinger, Gallitaluter, Dimu- 
rer, Megarer, Ardaber, Meser; hiernach die Urer und Siler. 
Dann kommen Wüsten in einer Ausdehnung von 250,000 



») Ein Gipfel der Gats (Ghauts). 2 ) Nach Einigen Cochin. 



444 



Sechstes Buch. 



Schrittten. Sodann die Organager, Abortei-, Bassuerter, hier- 
auf wieder Einöden, die den vorigen gleichen. Weiter die 
Sorophager, Arber, Marogomatrer undUmbritter, welche letz- 
tere 12 Stämme, jeder mit 2 Städten bilden. Die Asiner woh- 
nen in 3 Städten; ihre Hauptstadt Bucephala *) wurde zu 
Ehren des Pferdes Alexanders des Grossen, welches diesen 
Namen führte und dort begraben liegt, erbauet. Hinter 
diesen wohnen am Cau casus die Soseader und Sondier 2 ), 
und jenseits des Indus längs dem Ufer hinunter die Saina- 
rabrier, Sambracener, Bisambriter, Orser, Antixener, Taxil- 
ler mit einer berühmten Stadt, die da liegt, wo sich die 
Gegend schon wieder zur Ebene abdacht und den Namen 
Amenda 3 ) führt. Vier Völkerschaften: die Peucolaiter, Ar- 
sagaliter, Gereter und Assoer 4 ). 

Die meisten Schriftsteller nehmen aber den Indus nicht 
als westliche Grenze 5 ) an, sondern fügen noch 4 Satrapien 
hinzu, die Gedroser, Arachoter, Arier und Paropamisader, 
und bestimmen den Fluss Cophes 6 ) als äusserste Grenze. 
Andere sagen, dieser ganze Distrikt gehöre den Ariern. 
Auch die Stadt Nysa 7 ) rechnen viele zu Indien, ferner 
den Berg Merus, der dem Bacchus geheiligt ist, und zu der 
Fabel Veranlassung gegeben hat, Bacchus sei aus einem 
Schenkel Jupiters geboren 8 ). Ebenso werden die Astacaner 
zu den indischen Völkern gezählt, deren Land reich an 
Wein, Lorbeeren, Buxus und allen in Griechenland wach- 
senden Obste ist. Was sonst noch Merkwürdiges und fast 
Fabelhaftes von der Fruchtbarkeit dieses Landes, den Arten 
der Früchte und Bäume, den wilden Thieren, Vögeln und 
andern Geschöpfen erzählt wird, soll in einem spätem 
T heile dieses Werkes an seinem Orte angegeben werden. 
Von den 4 Satrapien weiter unten; jetzt eilen wir im Geiste 
nach der Insel Taprobane. 

Vorher jedoch berühren wir noch einige Inseln, als 



>) Ziemlich an der Stelle des heutigen Multan. 2 ) In Kabul. 
3 ) Attok. 4 ) In Lahore. 5 ) Indiens. 6 ) Kurrum. 7 ) Nughz. 
8 ) MQoq heisst nämlich der Schenkel. 



Sechstes Buch. 445 

Patale, von der wir gesagt haben, dass sie an der Mündung 
des Indus liege. Sie hat eine dreieckige Gestalt und 
220,000 Schritte in der Breite. Ausserhalb derselben liegt 
Chryse und Argyre, beide, wie ich glaube, ergiebig an 
Metallen; denn was Andere erzählen, dass ihr Boden ganz 
aus Gold und Silber bestehe, möchte ich bezweifeln. 
20,000 Schritte davon liegt Crocala; 12,000 Schritte davon 
Bibaga *), reich an Austern und Muscheln. Dann Toralliba 
3000 Schritte von der obengenannten und noch viele un- 
bedeutende. 

24. 
Man hat lange geglaubt, Taprobane 2 ) sei die andere 
Hälfte des Erdkreises, und sie daher das Land der Antich- 
thonen (Gegenfüssler) genannt. Erst im Zeitalter Alexan- 
ders des Grossen und durch dessen Unternehmungen hat 
es sich erwiesen, dass sie eine Insel ist. Onesicritus, sein 
Befehlshaber der Flotte, schreibt, dass die Elephanten dort 
grösser und zum Kriege tauglicher seien, als in Indien. 
Nach Megasthenes wird die Insel von einem Flusse durch- 
schnitten, ihre Einwohner hiessen Paläogoner, und man 
fände dort mehr Gold und grössere Perlen als in Indien. 
Eratosthenes bestimmt ihre Länge auf 7000, ihre Breite auf 
5000 Stadien, und sagt, Städte gäbe es nicht auf ihr, wohl 
aber 700 Dörfer. Sie nimmt ihren Anfang im eoischen 
Meere, zieht sich von Osten nach Westen vor Indien hin, 
und soll, nach einer früheren Meinung, 20 Seetagereisen 
vom Gebiete der Prasier entfernt sein; später aber, als 
man mit Schiffen aus Papyrus, die auch nur mit dem auf 
dem Nile gebräuchlichen Takelwerke versehen waren, dorthin 
fuhr, berechnete man die Entfernung, nach dem Laufe unserer 
Schiffe, auf sieben Tagereisen. Das dazwischen liegende Meer 
ist seicht und im Ganzen nicht über 6 Schritte tief, aber auf ge- 
wissen Strecken so tief, dass die Anker keinen Grund finden, 
wesshalb man den Schiffen an beiden Enden Vordertheile 



') Oder Bibacta an der Küste von Gedrosien. 
-) Ceylon. 



446 



Sechstes Buch. 



giebt, damit man nicht nöthig hat, sie in diesen engen 
Fahrgassen umzuwenden. Die Ladungsfähigkeit dieser 
Schiffe beläuft sich auf 3000 Amphoren. Auf die Gestirne 
nimmt man bei diesen Fahrten keine Rücksicht, und der 
grosse Bär ist dort unsichtbar. Die Schiffer nehmen aber 
Vögel mit, lassen sie oft ausfliegen und folgen dem Wege, 
den diese nach dem Lande zu nehmen. Die Schifffahrt 
dauert dort nur 4 Monate lang; besonders vermeidet man 
sie 100 Tage nach dem Sommer-Solstitium, weil dann auf 
jenem Meere der Winter herrscht. 

So weit reichen die Nachrichten der Alten; wir haben 
aber unter der Regierung des Claudius genauere Kennt- 
niss erhalten, wo sogar Gesandte von jener Insel zu uns 
kamen. Die Veranlassung dazu war folgende: Ein Frei- 
gelassener des Annius Plocamus, der den Zoll am rothen 
Meere vom Fiscus gepachtet hatte, wurde auf einer Fahrt 
an der arabischen Küste vom Nordostwinde über Carmanien *) 
hinaus verschlagen, und gelangte am 15ten Tage in den 
Hafen Hippuris auf jener Insel. Der König behandelte 
ihn mit gastfreundlicher Milde; nach 6 Monaten hatte er 
die Landessprache so weit gelernt, dass er jenem auf sein 
Befragen von den Römern und ihren Kaisern erzählen 
konnte. Unter allem, was der König vernahm, wunderte er 
sich nicht wenig über die Gerechtigkeit der Römer, denn 
die unter dem erbeuteten Gelde befindlichen Denare waren 
alle von gleichem Gewichte, da doch die verschiedenen 
Bilder auf ihnen anzeigten, dass Mehrere sie hatten prägen 
lassen. Diess bestimmte ihn am meisten zur Freundschaft, 
und er schickte 4 Gesandte nach Rom, von denen der 
vornehmste Rachia 2 ) hiess. Von diesen erfuhr man , die 
Insel habe 500 Städte, und an der Südküste einen Hafen 
mit der Stadt Paläsimundum 3 ), welche von allen die be- 
deutendste, zugleich die königliche Residenz sei und 200,000 
Einwohner habe. Im Innern liege der See Megisba, der 
375,000 Schritte im Umfange habe und mehrere Inseln ent- 



') Afghanistan. *) Radscha. 3 ) Coloniho. 



Sechstes Buch. 447 

halte, auf welchen nur Viehfutter wachse. Aus demselben 
ergössen sich 2 Flüsse, der Paläsimundus *), welcher sich 
bei der Stadt gleichen Namens in 3 Armen in den Hafen 
ergösse, von denen der schmälste 5, der breiteste aber 15 
Stadien breit sei; der andere Fluss, welcher gegen Norden 
und Indien seine Richtung nehme, heisse Cydara 2 ). Das 
nächste Vorgebirge Indiens sei Coliacum 3 ), seine Entfernung 
betrage 4 Tagereisen, und auf der Mitte des Weges läge 
die Sonneninsel 4 ). Das Meer sei dort von dunkelgrüner 
Farbe und voll baumartigen Gesträuchs, deren kammartige 
Zweige die Ruder durchschnitten. Die Gesandten wunder- 
ten sich über den grossen Bären und das Siebengestirn 
bei uns, gleichsam wie über einen neuen Himmel. Sie 
erzählten, dass der Mond bei ihnen nur vom achten bis 
sechszehnten Tage sichtbar sei; des Nachts leuchte der 
Canopus, ein sehr grosses und helles Gestirn. Ganz wun- 
derbar kam es ihnen vor, dass ihre Schatten nach unserer 
Himmelsgegend hin fielen und nicht nach der ihrigen, 
ferner, dass die Sonne hier zur Linken 5 ) auf- und zur 
Rechten unterginge, während, bei ihnen das Umgekehrte 
stattfände. Nach ihrer Aussage ist die nach Indien ge- 
wandte Seite ihrer Insel 10,000 Stadien lang und hat eine 
südöstliche Richtung. Auch sähen sie das hinter dem emo- 
dischen Gebirge liegende Gebiet der Serer, die ihnen durch 
den Handel gleichfalls bekannt wären; der Vater des Rachia 
sei dort gewesen, und die Serer kamen ihnen unterwegs 
entgegen. Sie überträfen an Grösse die andern Menschen, 
hätten rothe Haare, bläuliche Augen, und gäben bloss rauhe 
Töne, keineswegs aber verständliche Worte von sich. Was 
sie ausserdem noch von ihnen sagten, haben uns unsere 
Handelsleute ebenfalls berichtet. Sie nähmen nämlich, 
wenn ihnen der Tausch gefiele, die Waaren, welche von jenen 
an das jenseitige Ufer des Flusses neben die, welche sie ver- 



l ) Muliwaddy. 2 ) Malivagunga. 3 ) Cap Comorin. 

4 ) Ramanancur. 

5 ) Nämlich das Gesicht nach Süden gewandt. 



iio Sechstes Buch. 

kaufen wollten, gelegt worden wären, mit sich fort; denn 
der Luxus verdient schon desshalb den grössten Hass, weil 
das von ihm verführte Geniüth nur daran denkt, was und 
woher und warum es etwas verlangen soll. 

Doch selbst Taprobane, wenn gleich von der Natur 
aus unserer Erdhälfte verwiesen, ist nicht von unseren 
Lastern frei. Gold und Silber haben auch dort Werth; der 
schildkrötenartig gezeichnete Marmor, die Edelsteine und 
Perlen werden noch weit höher geschätzt, dazu die ganze 
Masse der Luxusartikel. Sie sagten, ihre Sehätze wären 
grösser, aber wir machten von unserm Reichthume mehr 
Gebrauch. Niemand habe einen Sclaven; man schlafe nicht 
bis in den Tag hinein oder während des Tages, die Ge- 
bäude wären nicht sehr hoch, die Getreidepreise würden 
nicht erhöhet, von Gerichtshöfen und Processen wisse man 
nichts; Hercules würde bei ihnen verehrt. Zum Könige 
würde einer aus dem Volke erwählt, der schon alt und 
von milden Gesinnungen sei; er dürfe auch keine Kinder 
haben, und, wenn er später welche zeuge, so müsse er ab- 
danken, damit die Regierung nicht erblich werde. Es 
würden ihm vom Volke 30 Räthe gegeben uud ohne Zu- 
stimmung der Mehrzahl derselben könne Niemand zum 
Tode verurtheilt werden. Aber auch dann stände noch die 
Appellation ans Volk offen; man ernenne dann 70 Richter, 
und wenn diese den Angeklagten freisprächen, so verlören 
jene 30 alles Ansehen und wären der grössten Verachtung 
ausgesetzt. Der König kleide sich wie Bacchus, das Volk 
aber wie die Araber. Wenn der König sich ein Vergehen 
zu Schulden kommen Hesse, so würde er zum Tode ver- 
urtheilt, allein Niemand tödte ihn, sondern Alle wendeten 
sich von ihm weg und vermieden sogar mit ihm zu sprechen. 
Ihre Feste beständen in der Jagd, und die angenehmste 
wäre die auf Tiger und Elephanten. Die Aecker würden 
fleissig bebauet; den Gebrauch des Weinstocks kenne man 
nicht, aber Obst sei im Ueberfluss vorhanden. Auch die 
Fischerei mache ihnen Vergnügen, besonders der Fang der 
Schildkröten, die mitunter so gross wären, dass in ihren 



Sechstes Buch. 449 

Schaalen ganze Familien Platz hätten. Ein massiges Men- 
schenalter betrage dort 100 Jahre. — Diess ist alles, was 
wir über Taprobane erfahren haben. 

25. 

Ueber die 4 Satrapien 1 ), deren Beschreibung wir bis 
jetzt verschoben haben, ist folgendes zu sagen. Von den 
zunächst 2 ) am Indus wohnenden Völkern an ist die Gegend 
bergig. In Capissene lag die Stadt Capissa 3 ), welche Cyrus 
zerstörte. Arachosia mit einer Stadt 4 ) und einem Flusse 5 ) 
gleichen Namens; die Stadt, welche Einige auch Caphe 
nennen, ist von Semiramis erbauet. Der am Parabesta in 
Arachosia vorbeifliessende Erymanthus. Hierauf folgen von 
Arachosia südlich die Dexendruser 6 ) und nördlich die Pa- 
ropamisader 7 ). Cartana 8 ), eine Stadt am Caucasus, welche 
später den Namen Tetragonis bekommen hat. Dieser 
Landstrich liegt dem vorigen gegenüber. Dann kommt das 
Gebiet der Bactriauer, mit der Stadt Alexandria, von 
Alexander erbauet. Die Syndracer, Dangaler, Parapiner, 
Contucer, Macer 9 ). Am Caucasus die Cadruser, deren 
Stadt von Alexander erbauet ist. 

Unterhalb aller dieser Länder liegt vom Indus an die 
Küste. In dem durch die Hitze verbrannten und von Wüsten 
umgebenen, jedoch von Wäldern durchschnittenen a irani- 
schen Gebiete 10 ) wohnt die Bevölkerung grösstenteils 
zwischen den beiden Flüssen Tonderos und Arosape. Die 
Stadt Artacoana u ). Der Fluss Arius 1 *), an welchem das 
von Alexander erbauete Alexandrien 13 ) liegt. Diese Stadt 
nimmt einen Raum von 30 Stadien ein; allein viel schöner 
und älter ist Artacabane, das Antiochus vom Neuem befe- 
stigt hat und dessen Grösse 50 Stadien beträgt. Nun folgen 
die Dorisdorsiger. Die Flüsse Pharnacotis 14 ) und Ophradus 15 ). 



') 23. Cap. 2 ) Nämlich bei seinem Ursprünge am Paropamisus. 

3 ) Kandahar? 4 ) Lhiri. 5 ) Nari. 6 ) In Beludschiotan. 

7 ) In Kabul. 8 ) Kabul? 9 ) Provinz Furrah. 10 ) Khorasaan. 

") Fuschensch. «) Tedsen. > 3 ) Herat. >«) Urghendab. 

,5 ) Kaschrud. 

29 



450 



Sechstes Buch. 



Praphthasia l ), eine Stadt der Zaraspater; die Dranger, 
Evergater, Zaranger, Gedruser. Die Städte Peucolis und 
Lyphorta 2 ), die Wüste Methorgon 3 ); der Fluss Manais; 
die Acutrer; der Fluss Forum; die Orber; der schiffbare 
Fluss Pomanus an der Grenze der Pandarer; desgleichen 
der Apirus an der Grenze der Suarer, dessen Mündung 
einen Hafen bildet. Die Stadt Condigramma; der Fluss 
Cophes, in den sich die schiffbaren Flüsse Saddams, Pa- 
rospus und Sodanus ergiessen. 

Nach einigen Schriftstellern bildet Daritis 4 ) einen 
Theil von Ariana, und diese geben die Länge beider auf 
1,900,000 Schritte, und die Breite zur Hälfte derjenigen von 
Indien an. Andere sagen, die Gedruser und Pasirer be- 
wohnten einen Distrikt von 188,000 Schritten. Dann folgten 
die oritischen Ichthyophagen 5 ), die nicht die indische 
sondern eine eigene Sprache reden, auf 200,000 Schritte 
weit. Auf diese lassen sie die Arbier 6 ) in einer Ausdeh- 
nung von 200,000 Schritten folgen. Allen Ichthyophagen 
verbot Alexander, ferner Fische zu essen. Weiter hin liegen 
Wüsten, dann Carmania, Persien und Arabien. 

26. 

Bevor wir zur weitern Beschreibung dieser Länder 
übergehen, wollen wir den Bericht des Onesicritus, der mit 
der Flotte Alexanders von Indien aus im persischen Meer- 
busen herumfuhr, sowie ihn Juba vor nicht langer Zeit 
mittheilte, anführen, und dann von dem Fahrwege sprechen, 
den man in den letzten Jahren entdeckte und der bis jetzt 
eingehalten wird. Onesicritus und Nearchus geben in ihrem 
Tagebuche weder die Namen der Stationen, noch die Ent- 
fernungen an, und schon von vornherein ist es nicht recht 



') Dschellalabad. 

2 ) Vielleicht Rodbar und Kykobad am Hahnend. 

3 ) Wüste von Beludschistan. 

*) Der westliche Theil von Beludschistan und der östliche von 
Iran. 6 ) Fischesser, in der Provinz Makran. 
• e ) An den Ufern des Purally. 



Sechstes Buch. 451 

klar, an welchem Flusse oder wo überhaupt das von 
Alexander erbauete Xylenepolis *), von wo die Flotte aus- 
lief, liegt. Der Bericht enthält jedoch folgende bemerkens- 
werthe Einzelnheiten. Nearchus gründete auf dieser Fahrt 
die Stadt Arbis 2 ). Dann folgt der Fluss Nabrum, welcher 
Schiffe trägt. Einer Insel 3 ) gegenüber, in einer Entfernung 
von 70 Stadien, liegt Alexandrien 4 ), welches auf Alexanders 
Befehl von Leonnatus an den Grenzen dieses Volkes er- 
bauet wurde und einen guten Hafen, Argenus 5 ) genannt, 
hat. Der schiffbare Fluss Tonberum 6 ), an dem die Pasirer 
wohnen. Dann kommen die Ichthyophagen auf einer so 
langen Strecke, dass man 30 Tage nöthig hatte, um vor- 
beizufahren. Die Insel, welche Sonneninsel oder Nymphen- 
lager heisst, ist röthlich und auf ihr kommt, aus noch un- 
bekannten Ursachen jedes Thier um. Ferner das Volk 
der Orer; der hafenreiche und goldführende Fluss Hyctanis 
in Carmanien. Von hier an sahen die Reisenden zuerst 
den grossen Bären. Der Arcturus soll nicht jede Nacht 
und auch nicht die ganze Nacht hindurch sichtbar sein. 
Bis zu dem genannten Flusse sollen die Achämeniden 7 ) 
geherrscht haben. Hier sind Kupfer-, Eisen-, Arsen- und 
Zinnober-Bergwerke. Nun folgt das Vorgebirge 8 ) Carma- 
niens, von welchem die Ueberfahrt zu der gegenüber liegen- 
den, von dem arabischen Volke der Macer bewohnten Küste 
50,000 Schritte beträgt. Drei Inseln, von denen nur Oracla 9 ) 
Wasser hat und bewohnt wird, sind vom Festlande 25,000 
Schritte entfernt. Vier andere Inseln liegen schon im per- 
sischen Meerbusen. In ihrer Nähe setzten heranschwim- 
mende Wasserschlangen von 20 Ellen Länge die Flotte in 
Schrecken. Die Insel Athothadrus 10 ) ; die Gauraten, auf 



*) Lahara-Bunder. 

2 ) Menhaber an der Küste von Makran (Gedrusia). 3 ) Khurna. 

4 ) Kuratschi. 

5 ) Vielleicht Sonmeany an der Mündung des Purally. 6 ) HubV 

7 ) So heissen die Perserkönige bis auf Darius als Abkömmlinge 
des persischen Königs Achaemenes (Herodot I. 125. VIII. 11.) 

8 ) Harmozon, jetzt lask. 9 ) Kischmisch. ,0 ) Schech Surde? 

9* 



452 



Sechstes Buch. 



welchen die Chianer wohnen. Der Fluss Hyperis *) mitten 
am persischen Meerbusen, der Lastschiffe trägt; der Fluss 
Sitiogagus 2 ), auf dem man in 7 Tagen nach Pasargadä 3 ) 
fährt. Der schiffbare Pristimus 4 ); eine Insel ohne Namen. 
Der nur für mittlere Schiffe sieh eignende Fluss Granis 5 ) 
fliesst durch Susiane; an seinem rechten Ufer wohnen die 
Deximontaner, welche Pech verfertigen. Der Fluss Zarotis 6 ), 
dessen Mündung für die, welche sein Bett nicht kennen, 
gefährlich ist; 2 kleine Inseln 7 ). Von hier an wird das 
Meer seicht und sumpfartig, ist jedoch der verschiedenen 
Strömungen wegen noch fahrbar. Die Mündung desEuphrat. 
Ein See, den der Euläus 8 ) und Tigris in der Nähe von 
Charax 9 ) bilden. Dann Susa 10 ) am Tigris. Hier trafen 
sie Alexander bei festlichen Gelagen 11 ), im siebenten Mo- 
nate nach ihrer Trennung zu Patale und im dritten ihrer 
Seefahrt. Diess war der Weg, welchen die Flotte Alexan- 
ders machte. Später hielt man es für das Sicherste, von 
dem arabischen Vorgebirge Syagrum 12 ) mit dem Favonius, 
den man dort Hippalus nennt, nach Patale zu fahren, welche 
Strecke auf 1,435,000 Schritte geschätzt wird. 

In der Folge gab man einen nähern und sicherern Weg 
an, nämlich von demselben Vorgebirge nach dem indischen 
Hafen Sigerus 13 ). Lange Zeit hielt man diesen ein, bis 
der Kaufmann einen noch kürzern ausmittelte, und so 
Indien der Gewinnsucht näher brachte; denn man fährt 
seitdem jedes Jahr dahin, und besetzt die Fahrzeuge mit 
ganzen Schaaren von Bogenschützen, weil der Weg durch 
Seeräuber sehr unsicher gemacht ward. Es wird nicht un- 
interessant sein, die ganze Tour von Aegypten an, von der 
wir erst jetzt genauere Kenntniss haben, näher zu beschrei- 
ben. Die Sache verdient Beachtung, denn Indien zieht in 
keinem Jahre weniger als 50,000,000 Sesterzen aus unserm 

') Darabin. 2 ) Sitaregan. 3 ) Garabscherd. 4 ) Khisch. 

■) Righ. 6 ) Tab. 7 ) Wahrscheinlich Kharetsch und Kargu. 

•) Karun. ») S. 31. Cap. >°j Schuster. 

'*) Er feierte seine Hochzeit. I2 ) Fartasch. 

,3 ) An der Mündung des Tndus. 



Sechstes Buch. 453 

Reiche und sendet uns Waaren dafür, welche um den 
100 fachen Preis verkauft werden. 2000 Schritte von 
Alexandrien liegt die Stadt Juliopolis x ). Von da fährt 
man 308,000 Schritte weit auf dem Ml nach Coptos 2 ), 
wohin man zur Zeit der Etesien in 12 Tagen gelangt. 
Von Coptos wird die Reise auf Kameelen fortgesetzt, und 
zwar in gewissen, nach den Wasserplätzen sich richtenden 
Stationen. Die erste Station heisst Hydreuma 3 ) und -ist 
22,000 Schritte von Coptos entfernt; die zweite eine Tage- 
reise weiter auf einem Berge; die dritte an einem andern 
Hydreuma, 95,000 Schritte von Coptos; die folgende wieder 
auf einem Berge; dann kommt Hydreuma Apollinis, 184,000 
Schritte von Coptos; abermals eine auf einem Berge; dann 
Hydreuma novum, 230,000 Schritte von Coptos. Es giebt 
auch ein Hydreuma vetus, welches das troglodytische heisst, 
wo eine Schutzwache von 2000 Mann einquartirt ist, und 
das von Hydreuma novum 7000 Schritte entfernt liegt. Dann 
kommt die Stadt Berenice 4 ), mit einem Hafen am rothen 
Meere, 258,000 Schritte von Coptos. Da man aber den 
grössten Theil der Reise der Hitze wegen bei Nacht macht 
und den Tag über ausruht, so dauert die ganze Reise von 
Coptos nach Berenice 12 Tage. 

Die Seereise beginnt mitten im Sommer vor oder so- 
gleich beim Anfange des Aufganges des Hundssternes, und 
man gelangt etwa am 30 sten Tage nach Ocelis 5 ) in Arabien, 
oder nach Cane 6 ) in der weihrauchreichen Gegend. Ein 
dritter Hafen heisst Muza 7 ), welcher aber auf der Reise 
nach Indien nicht berührt, sondern nur von den Kaufleuten 
des Weihrauchs und anderer arabischer Parfümerien wegen 
besucht wird. Mehr nach den Innern dieses Landes liegt 
die Residenzstadt Saphar 8 ), und noch eine andere Stadt 
Save 9 ). Die nach Indien Reisenden thun am besten, wenn 



') Vermuthlich Nicopolis in Unterägypten. 

-) Kuft in Oberägypten. 3 ) Wasserplatz. 

A ) Ruinen Haboo Gray. 5 ) Ghela. 

6 ) Keschim im glücklichen Arabien. 7 ) Mauschid. 8 ) Safär. 

9 ) Lag in Jemen, auf dem Berge Szabber. 



454 Sechstes Buch. 

sie von Ocelis ausfahren. Von hier kommt man mit dem 
Winde Hippalus *) in 40 Tagen nach dem ersten indischen 
Handelsplatze Muzins 2 ), dessen Besuch aber wegen der 
Seeräuber, welche in dem benachbarten Orte Nitriä 3 ) woh- 
nen, nicht rathsam ist; auch findet man dort nicht viele 
Waaren. Ueberdiess liegt auch der Ankerplatz für die 
Schiffe zu weit vom Lande, und die Waaren müssen daher 
auf Booten hin- und zurückgebracht werden. Hier herrschte, 
als ich diess schrieb, Celebothras. Ein anderer bequemerer 
Hafen, der den Neacinden gehört, heisst Barace 4 ). Hier 
regierte Pandion in einer weit von dem Stapelplatze ent- 
fernten Stadt, Namens Modura 5 ). Die Gegend aber, aus 
der man den Pfeffer in Kähnen, die aus Einem Stamme 
gezimmert sind, bringt, wird Cottonara 6 ) genannt; alle 
diese Namen der Völker, Häfen und Städte finden sich bei 
keinem der früheren Schriftsteller angeführt; es muss sich 
also wohl der Zustand jener Orte geändert haben. Die 
Rückfahrt von Indien tritt man zu Anfang des ägyptischen 
Monats Tybis, unsers Decembers an, oder doch vor dem 
sechsten Tage des ägyptischen Mechiris, d. i. vor unserm 
dreizehnten Januar; man begiebt sich also noch in demselben 
Jahre wieder dort hinweg. Von Indien aber segelt man 
mit dem Ostsüdostwinde, und wenn man ins rothe Meer 
gekommen ist, mit dem Südwest- oder Südwinde. Kehren 
wir jetzt wieder zum eigentlichen Thema zurück. 

27. 
Die Küste von Carmanien 7 ) ist nachNearchus 1,250,000 
Schritte lang. Vom Anfange derselben bis zum Flusse 
Sabis beträgt die Entfernung 100,000 Schritte. Von da 
an bauet man Wein und Feldfrüchte 25,000 Schritte weit 
bis zum Flusse Ananis 8 ). Diese Gegend heisst Armuzia 9 ). 
Zethis 10 ) und Alexandrien sind Städte in Carmanien. 



') Westwind. 2 ) Mangalore. 3 ) Carwar. '') Viziadroog. 
5 ) Madura. G ) Canara. ") Kerman. 8 ) Nehr Ibrahim. 
9 ) Wahrscheinlich das heutige Ormus. 
i0 ) Auch Salmunti genannt. 



Sechstes Buch. 455 

28. 
Weiterhin bricht das Meer auch in diesem Theile 
Asiens an 2 Stellen ins Land. Unsere Schriftsteller nennen 
es das rothe, die Griechen aber das erythräische vom 
Könige Erythras, oder weil es, wie Andere annehmen, 
durch den Kiickprall der Sonnenstrahlen eine solche Farbe 
erhält; Andere leiten seine Farbe von dem Sande und der 
Erdart ab, und noch Andere schreiben dem Wasser selbst 
diese Beschaffenheit zu. Es bildet 2 Busen; der östliche 
heisst der persische, und dessen Umfang beträgt nach 
Eratosthenes 2,500,000 Schritte. Ihm gegenüber liegt Ara- 
bien, das 1,500,000 Schritte lang ist, und auf seiner andern 
Seite von dem zweiten Busen, dem arabischen, umflossen 
wird. Der Ocean, welcher sich in beide ergiesst, heisst 
der azanische. Der persische Busen ist bei seinem Ein- 
gange l ) 5000, oder nach Andern 4000 Schritte breit. Von 
da bis an den innersten Punkt der Küste beträgt die Ent- 
fernung in gerader Linie etwa 1,125,000 Schritte, und in 
seinem Umrisse gleicht er einem Menschenkopfe. Onesi- 
critus und Nearchus sagen, die Entfernung vom Flusse Indus 
bis an den persischen Meerbusen und von da weiter nach 
Babylon an den Sümpfen des Euphrat betrage 1,700,000 
Schritte. 

In einem Winkel von Carmanien findet man die Che- 
lonophagen 2 ), welche ihre Hütten mit den Schalen der 
Schildkröten decken und das Fleisch derselben essen. Sie 
bewohnen vom Flusse Arabis 3 ) an das Vorgebirge 4 ) selbst, 
sind mit Ausnahme des Gesichts am ganzen Leibe behaart 
und mit Fischhäuten bekleidet. Von ihrem Gebiete aus 
gegen Indien zu liegt im Ocean die wüste Insel Caican- 
drus 5 ), welche 50,000 Schritte gross ist, und neben ihr, nur 
durch eine Meerenge getrennt, Stoidis 6 ), wq man starken 
Handel mit Perlen treibt. Beim Vorgebirge grenzen an die 



') Strasse von Ormus. 

2 ) Schildkrötenesser. 3 ) Sudschi. *) Jask. 5 ) Laredsch. 

6 ) Hormus. 



456 Sechstes Buch. 

Carmauer die Armozeer. Einige setzen die Arbier da- 
zwischen, welche einen Küstenstrich von 421,000 Schritten 
Länge bewohnen. Hier ist ein Hafen der Macedonier x ) und 
auf einem Vorgebirge 2 ) befinden sich Altäre Alexander's. 
Flüsse sind der Saganos 3 J, dann der Daras 4 ) und Salsos 5 ). 
Neben letzterem das Vorgebirge Themisteas 6 ), dann die 
bewohnte Insel Aphrodisias r ). Hier fängt Persien an und 
reicht bis zum Flusse Oratis 8 ), durch den es von Ely- 
mais 9 ) geschieden wird. Vor Persien liegen die Inseln 
Psilos 10 ), Casandra 11 ) und das dem Neptun geheiligte Ara- 
cia 12 ) mit einem sehr hohen Berge. Persien selbst liegt 
gegen Westen und nimmt auf 550,000 Schritte die Küste 
ein; es ist ein überaus reiches Land, das aber schon lange 
in dem Namen des Reiches der Parther mit inbegriffen 
wird. Von der Herrschaft der letztern müssen wir hier 
Einiges sagen. 

29. 
Der parteiischen Reiche sind in allen 18; so be- 
zeichnet man nämlich die zwischen den beiden genannten 
Meeren, dem rothen im Süden und dem hyrcanischen im 
Norden gelegenen Provinzen. Elf davon, welche die obern 
heissen, beginnen an der Grenze Armeniens und der Küste 
des v^aspischen Meeres, und reichen bis zu den Scythen, 
mit denen sie gleiche Lebensweise haben. Die andern 
sieben werden die unteren Reiche genannt. Was das eigent- 
liche Parthien anlangt, so lag dasselbe stets am Fusse der 
oft genannten Berge 13 ), welche alle diese Völker umgeben. 
Oestlich davon wohnen die Arier, gegen Süden die Carma- 
nier und Arianer, gegen Westen die pratitischen Meder, 
gegen Norden die Hyrcaner. Allenthalben ist es von Wü- 
sten umgeben 14 ). Die weiterhin wohnenden Parther heissen 



') Jask. 2 ) MubaruK. 3 ) Diwrud. 4 ) Darabin. 
s ) Litaregan. 6 ) Kenn. 7 ) Kischm. 8 ) Tab. 9 ) Khusistan. 
,0 ) Buscheab. ») Schittuar. ,2 ) Kinderabi. 
13 ) Der caucasischen, im 16. Cap. 

M ) Das eigentliche Parthien umfasste also den östlichen Theil 
\"n Irak und den westlichen von Chorassan. 



Sechstes Buch. 457 

Nomaden; diesseits liegen Wüsten. Gegen Westen sind 
ihre, schon A ) von uns genannten Städte Issatis und Calliope, 
gegen Süd-Ost Europum, gegen Nord-Ost Maria, mitten im 
Lande Hecatonpylos 2 ), die Residenz des Arsaces; die be- 
rühmte Stadt Nisäa Parthyenes 3 ), und die nach seinem 
Gründer benannte Alexandropolis. 

Bei dieserGelegenheit müssen wir auch die Lage des medi- 
sch en Reich esunddie Vordergrenze der Länder bis zum per- 
sischen Meere in Betracht ziehen, damit das Folgende leichter 
übersehenwerden kann. Medien 4 ) grenzt westlich an Parthien,. 
liegtschräg vor ihm, und schliesst dessen beide Haupttheile ein. 
Oestlich davon wohnen also die Caspier und Parther, süd- 
lich liegt Sittacene, Susiane und Persien, westlich Adiabene, 
und nördlich Armenien. Die Perser haben stets am rothen 
Meere gewohnt, und darum heisst auch der Busen der 
persische. Das Küstenland selbst heisst Ciribo, der Ort 
aber, wo es sich nach Medien hin erhebt, Cliraax, Megale 5 ), 
denn hier gelangt man auf Stufen durch einen engen Ein- 
gang 6 ) auf einen steilen Berg nach Persepolis 7 ), der Haupt- 
stadt des Reiches, die Alexander zerstörte. Ausserdem 
befindet sich an der äussersten Grenze das von Antiochus 8 ) 
erbauete Laodicea. Weiterhin gegen Osten haben die 
Mager das Kastell Passagardä 9 ), wo sich das Grabmal des 
Cyrus befindet, inne. Ihre Stadt Ecbatana hat Darius an 
das Gebirge verlegt. Zwischen den Parthern und Arianern 



') Im 17. Cap. 2 ) Dainaghan. 

3 ) Nesa. Sie war der gewöhnliche Begräbnissort der parthischen 
Könige. 

4 ) Irak, Abserbidschan, Ghilan und die westliche Hälfte von 
Mazanderan. 

5 ) D. h. die grosse Treppe. 

6 ) Engpass Sukrab beim Schlosse Kalai Sefid. 

7 ) Istakhar in Farsistan, eine Tagereise nördlich von Schiras. 
Noch jetzt verkünden prachtvolle Ruinen die ehemalige Grösse. 

9 ) Dem ersten dieses Namens (-282—262 v. Chr.), dem Sohne 
des Seleucus Nicator. 
9 ) Darabscherd. 



458 



Sechstes Buch. 



ziehen sich die Parätacener hervor. Durch diese Völker 
und den Euphrat werden die untern Reiche eingeschlossen. 
Auf die übrigen werden wir, sobald wir Mesopotamien (je- 
doch mit Ausnahme der Spitze desselben und der arabischen 
Völker, die bereits im vorigen Buche *) angeführt sind) 
beschrieben haben, zurückkommen 2 ). 

30. 
Ganz Mesopotamien 3 ) war im Besitze der Assyrier, 
und bestand, ausser Babylon 4 ) und Ninus 5 ), nur aus zer- 
streueten Dörfern; die Macedonier theilten jedoch das Land, 
wegen seiner Fruchtbarkeit, in Stadtbezirke. Städte sind, 
ausser den schon genannten, Seleucia 6 ), Laodicea, Arte- 
mita 7 ); feiner im Gebiete derjenigen Araber, welche Oreer 
und Mardaner heissen: Antiochia 8 ), welche von Mcanor, 
einem Statthalter Mesopotamiens, erbauet und Arabis ge- 
nannt wurde. Hieran grenzen nach dem Innern zu die 
eldamanischen Araber. Oberhalb dieser, am Flusse Pal- 
laconta 9 ) liegt die Stadt Bura, dann folgen die salmanischen 
und maseischen Araber. An die Gordyäer stossen die 
Aloner, durch deren Gebiet der Fluss Zerbis 10 ) in den 
Tigris fällt, die Berg-Silicier und Oronter, deren Stadt 
Gaugamela 11 ) gegen Westen liegt; eine andere Stadt ist 
Sue, auf Felsen erbauet. Darüber die classitischen Silicier, 
durch deren Gebiet der aus Armenien kommende Lycus 12 ) 
fliesst; der Absidris 13 ) gegen Südost, und die Stadt Acochis. 
Sodann in der Ebene die Städte Diospage, Polytelia, Stra- 
tonice und Anthemus u ). In der Nähe des Euphrat Nice- 



') V. B. 21. Cap. 2) Im 81. Cap. 

3 ) Mossul, Diarbekr und Rakka. 

4 ) Ruinen nördlich von Hille am Euphrat. 

5 ) Nunia auf der Ostseite des Tigris, jetzt ein Dorf, Mossul 
gegenüber. 

°) AI Modain. 7 ) Destagerd. 8 ) Estetlat. 9 ) Nehr Kutal. 
,0 ) Auch Zabatus, Anzabas und Lycus genannt, jetzt der grosse 
Zarb oder Zab. 

") Enkewat. '-) Der kurz vorher genannte Zerbis. 
") Altunsa. u ) Dscharmely. 



Sechstes Buch. 459 

pborion a ), welches, wie wir bereits gesagt haben 2 ), auf 
Befehl Alexanders wegen der günstigen Lage erbauet 
wurde. Von Apamia war schon bei Zeugma die Rede 8 ). 
Reist man von hier nach Osten, so kommt man zu der 
befestigten Stadt Caphrena, die sonst 70 Stadien im Um- 
fange hatte und die Residenz der Satrapen hiess. In ihr 
wurden die Steuern zusammengebracht. Jetzt ist sie bis 
auf eine Burg herabgekommen. Noch befinden sich aber 
in dem früheren Zustande: Thebata und Oruros 4 ), die von 
dem grossen Pompejus bestimmte Grenzstadt des römischen 
Reiches, 250,000 Schritte von Zeugma. Einige berichten, 
der Eu ph rat sei da, wo wir sagten, dass er sich theile, auf 
Veranstaltung des Statthalters Gobares abgeleitet, damit 
er nicht durch seinen reissenden Lauf für Babylon gefähr- 
lich werde; in ganz Assyrien heisst er Armalchar, was so 
viel bedeutet als königlicher Fluss. An der Ableitungsstelle 
lag sonst Agranis, eine der grössten Städte, die aber die 
Perser zerstört haben. 

Babylon, die Hauptstadt der chaldäischen Völker, be- 
hauptete lange Zeit den höchsten Ruhm auf dem ganzen 
Erdkreise. Von ihr erhielt das übrige Mesopotamien und 
Assyrien den Namen Babylonien. Sie hatte 60,000 Schritte 
im Umfange, ihre Mauern waren 200 Fuss hoch, 50 Fuss 
breit, und jeder solcher Fuss ist noch 3 Finger breit länger 
als bei uns; der Euphrat durchschnitt sie — beides ein 
bewundernwerthes Werk. Noch steht dort jetzt der Tem- 
pel des Jupiter Belus, welcher der Erfinder der Stern- 
kunde ist. Ausserdem ist dort wieder alles öde, denn die 
Nähe von Seleucia richtete es zu Grunde. Letztere Stadt 
wurde nämlich zu diesem Endzwecke von Nicator 5 ) bei- 
nahe 90 Meilen 6 ) davon am Zusammenfluss des Euphrat- 
canals mit dem Tigris erbaut. Was jedoch gegenwärtig 
noch Babylonien heisst, ist frei, hat seine eigene Verfassung 



') Rakka. -) V. B. 21. Cap. 

3 ) V. B. 21. Cap. 4 ) Gorur. 5 ) Regierte von 312—282 v. Chr. 

6 Lapides, 90 römische Meilen sind 18 geographische. 



4tj0 Sechstes Buch. 

und inacedonische Sitten. Die Stadt soll 600,000 Einwoh- 
ner, die Mauern sollen die Gestalt eines die Flügel aus- 
breitenden Adlers haben, und der dortige Boden soll der 
fruchtbarste im ganzen Orient sein. Um sie von Neuem 
auszusaugen, erbaueten die Parther 3 Meilen davon in Cha- 
lonitis die Stadt Ctesiphon l ), welche jetzt die Hauptstadt 
ihrer Reiche ist, Da man aber hierdurch nichts ausrichtete, 
so legte kürzlich der König Vologesus eine andere Stadt, 
Vologesocerta 2 ) in der Nähe an. Noch liegen in Mesopo- 
tamien die Städte: Hipparenum 3 ), durch die Gelehrsamkeit 
der Chaldäer eben so berühmt, wie Babylon, an einem 
Flusse, der in den Narraga 4 ) mündet und von dem eine 
Gemeinde ihren Namen hat. Die Mauern von Hippare- 
num haben die Perser zerstört. Die Orchener, ein drittes 
Volk, welches chaldäische Wissenschaften treibt, wohnen 
in derselben Gegend gegen Mittag; diesen zunächst die 
N otiter, Orthophaniter und Gräciocharter. 

Nach Nearchus und Onesicritus beträgt der Weg aus 
dem persischen Meerbusen auf dem Euphrat nach Babylon 
412,000 Schritte. Die spätem Schriftsteller bestimmen die 
Entfernung von Seleucia auf 440,000, Juba von Babylon 
nach Charax auf 175,000 Schritte. Einige sagen, der Eu- 
phrat habe noch oberhalb Babylon, bis zu dem Punkte, 
wo er sich aus mehreren Bächen bildet, in ununterbrochenem 
Strome eine Länge von 87,000 Schritten; seine ganze Bahn 
aber betrage 1,200,000 Schritte. Diese verschiedenen An- 
gaben der Schriftsteller rühren von den ungleichen Maassen 
her, denn die Perser rechnen auch nach Schönen und Pa- 
rasangen, Andere wieder nach andern Maassen. Da wo 
er aufhört, das Land durch sein Bett zu schützen, nämlich 
in dem an Charax grenzenden Landstriche, machen die 
Attaler, ein arabisches Räubervolk, die Gegend unsicher. 
Hinter diesen wohnen die Sceniter. Am Euphrat aber bis 



') Ruinen am östlichen Ufer des Tigris, denen Seleucia's 
gegenüber. 

2 ) Ruinen bei Mesched Ali. 3 ) Naharda. ') Nehr Sarijet. 



Sechstes Buch. 461 

zu den syrischen Wüsten, wo er sich, wie wir gesagt haben *), 
gegen Mittag wendet und die palmyrenischen Einöden ver- 
lässt, wohnen arabische Nomadenvölker 2 ). Seleucia ist 
von der Hauptstadt Mesopotamiens für die, welche die 
Reise auf dem Euphrat machen, 1,125,000 Schritte entfernt; 
vom rothen Meere 3 ), wenn man auf dem Tigris fährt, 
220,000 und von Zeugma 724,000 Schritte. Zeugma liegt 
vom syrischen Seleucia 4 ) an unserer Küste 175,000 Schritte 
entfernt. Diess ist hier die Breite der Länder zwischen 
den beiden Meeren 5 ); die des parthischen Reiches aber be- 
trägt 918,000 Schritte. 

31. 
Es liegt auch noch eine Stadt in Mesopotamien am 
Ufer des Tigris da, wo sich beide Flüsse vereinigen, welche 
Digba 6 ) heisst. Aber es wird passend sein, auch vom 
Tigris selbst zu reden. Er entspringt in einem Theile 
Gross- Armeniens , aus einer ansehnlichen Quelle in der 
Ebene. Der Ort heisst Elegosine 7 ). Da wo er noch lang- 
sam fliesst, heisst er Diglito 8 ); von wo er aber anfängt 
seinen Lauf zu beschleunigen, hat man ihm den Namen 
Tigris gegeben, was in der Sprache der Meder Pfeil be- 
deutet. Er fliesst in den See Arethusa 9 ), der jede hinein- 
geworfene Last trägt und Nitrum in Dämpfen aushaucht. 
Nur eine Gattung von Fischen lebt darin, und diese ver- 
meidet das Wasser des hindurchfliessenden Stromes; ebenso 
schwimmen auch keine Fische aus dem Tigris in den See. 
Durch seinen Lauf und seine Farbe unterscheidet sich der 
Tigris von dem See, und nachdem er ihn verlassen hat, 
verbirgt er sich da, wo ihm der Berg Taurus entgegentritt, 
in einer Höhle, drängt sich unter dem Berge hindurch und 



») V. B. 21. Cap. 2 ) Im Lande der Wachabiten. 
3 ) Dem persischen Meerbusen, den Plinius als einen Theil des 
rothen Meeres betrachtet. 
*) Kebse. 

5 ) Dem mittelländischen Meere und dem persischen Meerbusen. 

6 ) Bei Ptolemäus Didigua, jetzt Korma. 7 ) Pali. 8 ) Dischlett. 
fl ) Nasik. 



462 



Sechstes Buch. 



bricht auf der andern Seite wieder hervor, und zwar bei 
dem Orte Zoroanda 1 ). Dass er es ist, erweist sich da- 
durch, dass er das, was man auf der entgegengesetzten 
Seite in ihn geworfen hat, hier wieder mit sich führt. Da- 
rauf durchströmt er einen andern See, dem Thospites 2 ), 
verbirgt sich nochmals in Höhlen und kommt nach einer 
Strecke von 22,000 Schritten bei Nymphaeum wieder zum 
Vorschein. Nach dem Berichte des Kaisers Claudius kommt 
er in der Gegend von Arrhene 3 ) so nahe am Arsanias 4 ) 
vorbei, dass beide Flüsse, wenn sie anschwellen, zusammen- 
fliessen, sich aber nicht vermischen, sondern der leichtere 
Arsanias schwimmt fast 4000 Schritte weit auf jenem, trennt 
sich dann wieder und ergiesst sich in den Euphrat. Der 
Tigris aber macht, nachdem er Armenien verlassen und 
die bedeutenden Flüsse Parthenia* 5 ) und Nicephorion 6 ) 
aufgenommen hat, die Grenze zwischen den oreischen 
Arabern und Adiabenern, bildet dann das schon erwähnte 
Mesopotamien, berührt die gordyäischen Gebirge bei der 
mesenischen Stadt Apamia, und theilt sich 125,000 Schritte 
oberhalb des babylonischen Seleucia in 2 Arme, von denen 
der eine südlich durch Mesene nach Seleucia geht, der an- 
dere aber sich nach Norden wendet und im Rücken der 
Mesener die cauchischen Felder durchschneidet. Da wo 
sich seine Wässer wieder vereinigen, wird er Pasitigris 
genannt. Nachher nimmt er den aus Medien kommenden 
Choaspes 7 ) auf, fliesst, wie wir gesagt haben 8 ), zwischen 
Seleucia und Ctesiphon durch, ergiesst sich in die chaldäi- 
schen Seen und füllt sie in einer Weite von 70,000 Schritten 
an. Hierauf strömt er in einem weiten Bette heraus, und 
fällt zur Rechten der Stadt Charax in einer 10,000 Schritte 
breiten Mündung in das persische Meer. Zwischen den 



') Betlis. '-) Bulaniköi. 3 ) Erzerum. 
*) V. B. 20. Cap. 5 ) Murad. 6 ) Khabur. 

7 ) Kerrah oder Kara Su. Er hatte seinen Namen von der Berg- 
kette Choaapes erhalten, die noch jetzt Khor Asp heisst. 
«) Im 26. Cap. 



Sechstes Buch. 463 

Mündungen beider Flüsse *) betrug früher die Entfernung 
25,000, oder nach Andern 7000 Schritte und beide waren 
schiffbar. Allein schon seit langer Zeit haben die Orehener 
und die übrigen anwohnenden Völker den Euphrat abge- 
dämmt, um ihre Felder zu bewässern; daher ergiesst er 
sich nur durch den Tigris ins Meer. 

Der dem Tigris zunächst liegende Distrikt heisst Pa- 
rapotamia, wozu das schon erwähnte Mesene gehört. Eine 
Stadt darin heisst Dabitac 2 ). Hieran grenzt Chalonitis mit 
der Stadt Ctesiphon 3 ), welche nicht nur durch ihre Pal- 
menwälder, sondern auch durch Obst- und andere Wälder 
berühmt ist. Bis an diese Landschaft erstreckt sich der 
Berg Zagrus 4 ), der sich oberhalb Parätacene 5 ) und Persis 
von Armenien her zwischen Medien und Adiabene herab- 
zieht. Chalonitis ist von Persis 380,000 Schritte entfernt. 
Ebensoviel soll auch, nach Einigen, der kürzeste Weg vom 
caspischen Meere bis Assyrien betragen. 

Zwischen diesen Völkern und Mesene liegt Sittacene 6 ), 
auch Arbelitis und Palästine genannt. Städte darin sind: 
östlich Sittace, von den Griechen angelegt und Sabdata; 
westlich aber Antiochia zwischen den beiden Flüssen Tigris 
und Tornadotus 7 ). Ferner Apamia, welche Antiochus 8 ) 
nach seiner Mutter 9 ) benannte; sie wird vom Tigris um- 
flossen, und vom Archous durchschnitten. 

Weiter unten liegt Susiane le ), worin der von Darius u ), 
dem Sohne des Hystaspis, erbauete alte Sitz der persischen 
Könige, Susa 12 ), 450,000 Schritte vom babylonischen Seleu- 
cia und ebenso weit von Ecbatana in Medien über den 
Berg Charbantus 13 ) entfernt. Am nördlichen Bette des 
Tigris liegt die Stadt Babytace; sie ist von Susa 135,000 
Schritte entfernt, und der einzige Ort in der Welt, dessen 



*) Euphrat und Tigris. 2 ) Degel. 

3 ) Im 30. Cap. 4 ) Tak. 5 ) Beglerbegschaft Ispahan. 

6 ) Zwischen Bagdad und Khusistan. 7 J Odorneh. 

8 ) Der erste, 282—262 v. Chr. 9 ) Apame. 10 ) Khusistan. 

») 522—486 v. Chr. ,2 ) Schuster. 

13 ) Demawend, ein Zweig des Zagrus. 



4ß4. Sechstes Buch. 

Bewohner aus Hass Gold zusammen tragen und es ver- 
graben, damit es Niemand gebrauche. An die Susianer 
grenzen gegen Osten die räuberischen Oxier, und 40 Stämme 
der freien und wilden Mizäer x ). Ueber ihnen wohnen die 
Partheser, Marder, Saiter und Jer 2 ), welche letztere sich 
oberhalb Elymais, das, wie schon erwähnt 3 ), an die Küste 
an Persien stösst, ausbreiten. Die Entfernung vom per- 
sischen Meere nach Susa beträgt 250,000 Schritte. Da 
wo Alexanders Flotte auf dem Pasitigris nach dieser Stadt 
segelte, liegt am chaldäischen See das Dorf Aple 4 ), von 
dem Susa zu Wasser 60,000 Schritte entfernt ist. Oestlich 
von den Susianern wohnen zunächst die Cossiäer 5 ); ober- 
halb der Cossiäer nördlich liegt am Fusse des Gebirges 
Cambalidus 6 ), der ein Zweig des Caucasus ist, Mesaba- 
tene 7 ). Hier ist der bequemste Weg zu den Bactriern. 

Susiane wird von Elymais durch den Fluss Euläus 8 ) 
getrennt. Letzteren entspringt in Medien, verbirgt sich auf 
eine kurze Strecke unter der Erde, fliesst nach seinem 
Wiedererscheinen durch Mesabatene, umspült die Burg 
von Susa und den von jenen Völkern hoch verehrten Tempel 
der Diana, und steht selbst in grossen Ehren, denn die 
Könige trinken aus keinem andern Flusse, und führen sein 
Wasser deshalb auf weiten Reisen mit sich. Er nimmt 
den Fluss Hedypnus 9 ), der bei dem persischen Asylus vor- 
beiströmt, und den aus Susiane kommenden Aduna 10 ) auf. 
An seinem Ufer liegt die Stadt Magoa, 15,000 Schritte von 
Charax entfernt, Einige Schriftsteller versetzen diese Stadt 
an die äusserste Grenze von Susiane, nahe an die Wüsten.' 

Unterhalb des Euläus liegt Elymais 11 ), das an der 
Küste mit Persien zusammenhängt; es erstreckt sich auf 
240,000 Schritte weit vom Flusse Oroates 12 ) bis nach 



') In Luristan. 

-) In Kurdistan. 3 ) Im 28. Cap. '•) Daurak. 5 ) In Khusistan. 

8 ) Ein Zweig des Deinawend. 7 ) Ein Theil von Luristan. 

*) Ist der oben erwähnte Choaspes. 9 ) Dscherahi. 

I0 ) Absal. ») Der südliche Theil von Khusitan. ,2 ) Tab. 



Sechstes Buch. «^ 465 

€harax. Ihre Städte, Seleucia l ) und Sosirate a ), liegen am 
Berge Chasyrus. Wir haben schon angeführt 3 ) , dass die 
vorliegende Küste wegen des Morastes, gleichwie die klei- 
nern Sandbänke, unzugänglich sei, denn die Flüsse Brixas 
und Ortaceas führen sehr viel Schlamm mit sich herab, 
und Elyma'is selbst ist so sumpfig, dass man, um nach 
Persis zu kommen, dasselbe umgehen muss. Auch wird 
es von Schlangen, welche die Flüsse herunterbringen, heim- 
gesucht. Der unwegsamste Theil desselben heisst nach 
der Stadt: Characene und schliesst die arabischen Reiche 
ab; wir werden darauf zurückkommen, nachdem wir zuvor 
die Meinung Marcus Agrippa's angeführt haben. Derselbe 
giebt nämlich an, dass Medien, Parthien und Persien im 
Osten vom Indus, im Westen vom Tigris, im Norden vom 
Taurus und Caucasus, und im Süden vom rothen Meere 
begrenzt würden, 1,320,000 Schritte lang und 840,000 
Schritte breit seien. Ausserdem grenze Mesopotamien für 
sich allein östlich an den Tigris, westlich an den Euphrat, 
nördlich an den Taurus und südlich an das persische 
Meer; seine Länge betrage 800,000 und seine Breite 360,000 
Schritte. 

Die Stadt Charax liegt am innersten Theile des per- 
sischen Meerbusens, da wo das mit dem Beinamen Eudä- 
mon 4 ) bezeichnete Arabien ausläuft, ist auf einer künstlichen 
Anhöhe zwischen den sich hier vereinigenden Flüssen 
Tigris und Euläus, von denen ersterer rechts, der andere 
links kommt, erbauet und nimmt einen Flächenraum von 
3000 Schritten ein. Alexander war ihr erster Gründer; 
er führte Colonisten aus der damals zerstörten Königsstadt 
Durina, liess die unbrauchbaren Soldaten dort zurück, und 
befahl, die Stadt Alexandria, den Bezirk aber, den er den 
Macedoniern eigenthümlich überliess, nach seinem Vater- 
lande den pelläischen zu nennen. Die Flüsse richteten 
jedoch die Stadt zu Grunde; später stellte sie Antiochus, 



*) Hawisa. -j Dorak. 3 ) Im 29. Cap. 4 ) Das glückliche. 

30 



ji-u Sechstes Buch. 

der fünfte König '), wieder her, und benannte sie nach 
seinem Namen. Nach einer nochmaligen Zerstörung stellte 
sie Pasines, der Sohn des Aogdonacus , König der benach- 
barten Araber, den Juba irrigerweise für einen Statthalter 
des Antiochus hält, durch Errichtung von Dämmen wieder 
her, gab ihr seinen Namen und brachte in der Umgebung 
derselben auf eine Länge von 3000 Schritten und eine 
etwas geringere Breite Schutzmittel (gegen das Wasser) 
an. Früher lag sie nur 10 Stadien von der Küste und 
jetzt hat sie einen Seehafen, Vipsanda; Juba giebt aber 
schon ihre Entfernung vom Meere auf 50,000 Schritte an, 
und jetzt liegt sie nach den Berichten der arabischen 
Gesandten und unserer Kaufleute, welche dort gewesen 
sind, 120,000 Schritte davon. Nirgends auf der Erde hat 
wohl das Land mehr und schneller durch das Anschwemmen 
der Flüsse gewonnen wie hier. Noch wunderbarer ist es 
aber, dass es durch die weit über die Stadt gehende Fluth 
nicht wieder weggerissen wird. Diese Stadt ist auch be- 
kanntlich der Geburtsort des Dionysius, des neuesten geo- 
graphischen Schriftstellers, den der Kaiser Augustus seinem 
nach Armenien zur Führung der parthischen und arabischen 
Angelegenheiten gehenden altern Sohne 2 ) in den Orient 
vorausschickte, um sich von Allem Kunde zu verschaffen. 
Ich weiss allerdings und habe es nicht vergessen, dass ich 
im Eingange dieses Werkes erklärte, immer denjenigen 
Schriftsteller, der sein eigenes Vaterland beschrieb, als den 
zuverlässigsten benutzen zu wollen; bei diesem Abschnitte 
jedoch ziehe ich es vor, den römischen Waffen und dem 
König Juba, welcher mehrere Bücher über jenen arabischen 
Feldzug für ebendenselben Kaiser Cajus schrieb, zu folgen. 

32. 
Arabien, das keinem andern Lande nachgesetzt werden 
darf, hat einen sehr bedeutenden Umfang und zieht sich 

') Auch der Grosse genannt, regierte von 224 — 187 v. Chr. 
2 ) Sein Adoptivsohn Cajus, Sohn des Marcus Agrippa und der 
Julia, der Tochter des Augustus. 



Sechstes Buch. 4^7 

(wie schon erwähnt) l ) von dem Berge Amanus 2 ), von Ci- 
lioien und Commagene herab, indem Tigranes der Grosse 3 ) 
von dorther viele Völker hereinführte, andere aber, wie 
ebenfalls berichtet 4 ), sich an unserem Meere 5 ) und der 
ägyptischen Küste freiwillig niederliessen, und die Nubeer, 
an welche die Ramiser greuzen, sogar in die Mitte von 
Syrien bis an den Berg Libanus vorgedrungen sind. Auf 
die Ramiser folgen die Taraneer und die Pataneer 6 ). Die 
Halbinsel Arabien selbst aber, welche zwischen dem rothen 
und persischen Meere ausläuft, ist durch eine gewisse 
künstliche Anordnung der Natur Italien an Gestalt und 
Grösse ähnlich, wie dieses vom Meere umflossen, und liegt 
auch genau in derselben Richtung der Himmelsgegend. 
Auch dieses Land ist durch solche Lage glücklich. Die 
Völker desselben, welche von unserm Meere an bis an die 
palmyrenischen Wüsten wohnen, haben wir bereits genannt 7 ) ; 
jetzt wollen wir die noch übrigen durchgehen. An die 
von da ab 8 ) wohnenden Nomaden, die mit den Chaldäern 
in Feindschaft leben, schliessen sich (wie gesagt) 9 ) die 
Sceniter; auch diese sind ein umherziehendes Volk und 
haben ihren Namen von den aus Ziegenhaaren verfertigten 
Zelten 10 ), die sie aufschlagen, wo es ihnen gutdüukt. Die 
dann folgenden Nabatäer um wohnen die Stadt Petra 11 ), die 
in einem Thale liegt, das beinahe 2000 Schritte im Durch- 
messer hat, von unzugänglichen Bergen eingeschlossen und 
von einem Flusse durchschnitten ist. Sie ist von der Stadt 
Gaza an unserer Küste 600,000, vom persischen Meerbusen 
135,000 Schritte entfernt. Hier kommen 2 Strassen zusam- 



') Im V, B. 20. und 21 Cap. 2 ) Almadagh. 

a ) König von Syrien, 84 — 66 v. Chr., der von Pompejus besiegt 
wurde. 

4 ) Im V. B. 12. Cap. 5 ) Dem mittelländischen. 

6 ) Alle diese Volksstämme wohnten in dem wüsten Arabien 
(Nadsched). 

7 ) Im V. B. 12. und 21. Cap. 

8 ) Von den palmyrenischen Einöden an. 9 ) Im 30. Cap. 
,0 ) Griech: axijvcti. ") Wady Musa. 

30* 



4(J8 



Sechstes Buch. 



men; die eine gehen die, welche von Syrien nach Palmyra 
reisen, die andere aber die, welche von Gaza kommen. 
Von Petra bis Charax l ) wohnten einst die Omaner, in den 
ehemals berühmten, von der Semiramis gegründeten Städten 
Bessanisa und Soractia. Jetzt sind es Einöden. Dann 
folgt am Ufer des Pasitigris eine dem Könige der Chara- 
cener unterworfene Stadt, Namens Fora 2 ), wo die von Petra 
herkommenden Reisenden sich versammeln und dann den 
12,000 Schritte langen Weg nach Charax mit der Fluth 
fahren. Denjenigen aber, die zu Schiffe aus dem parthischen 
Reiche kommen, dient das Dorf Teredon unterhalb des 
Zusammenflusses des Euphrat und Tigris zum Sammelplatze. 
Zur Linken des Flusses wohnen die Chaldäer und zur 
Rechten die scenitischen Nomaden. Einige führen noch 2 
andere weit von einander entfernte Städte, bei welchen 
man auf dem Tigris vorbeiscbiffe, an: Barbatia und Thu- 
mata; letztere soll, nach Angabe unserer Kaufleute, von 
Petra 10 Schiffstagereisen entfernt und dem Könige der 
Characener unterthan sein; und Apamia soll da liegen, wo 
der gedämmte Euphrat mit dem Tigris sich vereinigt. 
Wenn daher die Parther einen Einfall unternehmen wollen, 
so werden sie durch eine, mittelst aufgeführten Dämmen 
bewirkte Ueberschwemmung zurückgehalten. 

Nun wollen wir von der Küste bei Charax, welche 
zuerst von Epiphanes 3 ) näher erforscht wurde, reden. 
Hier ist zu bemerken: die Stelle, wo früher die Mündung 
des Euphrat war, der Fluss Salsus, das Vorgebirge Chal- 
done 4 ) , eine 50,000 Schritte lange Strecke an der Küste, 
welche mehr einem Strudel als einem Meere gleicht; der 
Fluss Achenum, 100,000 Schritte lange Wüsten bis zur 
Insel Ichara 6 ). Der capeische Meerbusen 6 ), an dem die 



'• ') In dem Theile der Wüste, welcher jetzt Bahia oder auch 
Barr Arab heisst. 
*) Basra. 

3 ) Antiochus Epiphanes, König von Syrien 176—164 v. Chr. 
*) Maacati SaYf. B ) Phelesched. ?) Golf von Grän. 



Sechstes Buch. 469 

Gauloper und Chatener wohnen. Der gerraische Busen x ). 
Die 5000 Schritte weite Stadt Gerra 2 ), deren Thürme aus 
Quadern von Salzstein erbauet sind. 50,000 Schritte von 
der Küste die Landschaft Attene; dieser gegenüber die 
Insel Tylos 3 ), 50,000 Schritte von der Küste, weitberühmt 
wegen der vielen Perlen, mit einer Stadt gleichen Namens 4 ). 
Daneben liegt eine andere kleinere, 12,500 Schritte vom 
Vorgebirge der andern entfernt. Weiterhin soll man noch 
mehrere grosse Inseln erblicken, zu denen man aber noch 
nicht gelangt ist. Die letztgenannte soll 112,5000 Schritte 
im Umfange haben, von Persien noch weiter entfernt sein, 
und nur durch eine einzige enge Fahrstrasse soll man zu 
ihr gelangen können. Die Insel Asclie 5 ). Die Nocheter, 
Zuracer, Borgoder, Cataräer, Nomaden. Der Fluss Cynos 6 ). 
Weiterhin ist, nach Juba's Bericht, die Schifffahrt auf dieser 
Seite wegen der Felsen noch nicht versucht worden, doch 
lässt er die Omaner und ihre Stadt Batrasaves unerwähnt, 
welche letztere von frühern Schriftstellein als berühmter 
Hafen Carmaniens geschildert wird; desgleichen auch Omnä 
und Athanä, welche unsere Kaufleute zu den bedeutendsten 
Städten am persischen Meerbusen zählen. Auf den Fluss 
Canis folgt, nach Juba, ein Berg, der wie verbrannt aus- 
sieht. Die Epimaraniter; dann die Ichthyophagen; eine 
wüste Insel; die Bathymer. Die eblitäischen Berge 7 ); die 
Insel Omönus 8 ); der Hafen Mochorbe 9 ); die Inseln Etaxalos 
und Jnchobrice; die Cadäer. Viele Inseln ohne Namen; 
die berühmten Inseln Isura, Rhinnea und die nächste, auf 
welcher sich steinerne Säulen mit unbekannten Buchstaben 
befinden. Der Hafen Gobäa, die wüsten bragischen Inseln. 
Die Thaludäer. Die Landschaft Dabanegoris, der Berg 
Orsa mit einem Hafen. Der Meerbusen Duatus; viele Inseln. 
Der Berg Tricoryphos. Die Landschaft Cardaleon; die 
Inseln Solanades, Cachina; die Inseln der Ichthyophagen. 



«) Golf von El Katif. 2 ) El Katif. 3 ) Bahrein. 4 ) Menaina. 
5 ) Gussor Sahwi. 6 ) Falg? 7 ) In der Landschaft Oman. 
») Fahhal. ») Mascate. 



470 Sechstes Buch. 

Sodann die Glarer. Die Küste Hamniäum, wo Gold vor- 
kommt. Die Landschaft Canauna; die Apitamer und Ga- 
saner. Die Insel Devade; die Quelle Gorolis, die Carphater. 
Die Insel Caläu und Amnametbu. Die Darrer. Die Insel 
Cbelonitis; mehrere der Ichthyophagen; Odanda, wüste; 
Basa und viele der Sabäer. Die Flüsse Thanar und Amnon; 
die Dorischen Inseln. Die Quellen Daulotes und Dora. 
Die Inseln Pteros. Labatanis, Coboris, Sambracbate, und 
eine Stadt gleichen Namens auf dem Festlaude. Gegen 
Mittag mehrere Inseln, unter denen Camari die grösste 
ist. Der Fluss Musecros; der Hafen Laupas. Die sabäi- 
sehen Sceniter. Mehrere Inseln; der Stapelplatz derselben 
Acila, von wo aus man nach Indien schifft. Die Landschaft 
Amithoscuta; Damnia. Die grossen und kleinen Mizer: die 
Drimater. Das Vorgebirge der Naumacbäer l ) liegt Carnia- 
nien gegenüber und ist 50,000 Schritte davon entfernt. Von 
dieser Gegend erzählt man eine merkwürdige Geschichte: 
Nuruenius, der vom Könige Antioehus zum Statthalter in 
Mesene eingesetzt war, soll daselbst au ein und demselben 
Tage eine Flotte besiegt, nach Rückkehr der Fluth wie- 
derum mit der Reiterei gegen die Perser gekämpft und 
an demselben Orte 2 Trophäen dem Jupiter und dem 
Neptun errichtet haben. 

Gegenüber im hohen Meere liegt die Insel Ogyris -), 
bemerkenswert!) wegen des Grabmals des Königs Erythras. 
Sie ist vom Festlande 120.000 Schritte entfernt uud hat 
112,000 Schritte im Umfange. Nicht weniger berühmt ist 
Dioscoridu 3 )imazanischen Meere, welche vonSyagrum 4 ), dem 
äussersten Vorgebirge, 280,000 Schritte davon entfernt liegt. 

Ausserdem wohnen auf dem Festlande gegen Süden 
noch die Ausariter, von wo man in 7 Tagen in das Gebirge 
gelangt. Die Larendaner, Catabaner, Gebaniter in mehre- 
ren Städten, von denen Nagia und Thomna 5 ) mit 65 
Tempeln, nach deren Anzahl man den Umfang der Städte 
schätzt, die grössten sind. Ein Vorgebirge 6 ), welches vom 

') Cap Mussendom. -) Hormus. 3 ) Socotora. 

*) Fartasch. 5 ) Szanna in Jemen? 6 ) Cap Bogashua. 



Sechstes Buch. 471 

Festlande der Troglodyten 50,000 Schritte entfernt ist. Die 
Toaner, Actäer, Chatramotiter, Tomabeer, Antidaleer, Le- 
xianer, Agräer, Cerbaner, arabischen Sabäer, die den besten 
Weihrauch liefern, und deren Stämme sich bis zu beiden 
Meeren hin erstrecken. Städte derselben am rotben Meere 
sind: Marane, Marma, Corolia, Sabatha 1 ); im Innern aber: 
Nascus, Cardava, Carnus, und Tomala 2 ), wohin die Räucher- 
waaren gebracht werden. Eine Abtheilung derselben sind 
die Atramiter 3 ), deren Hauptstadt Sabota 4 ) 60 Tempel in 
ihren Mauern einschliesst. Die königliche Residenz von 
allen ist jedoch Mariaba ■'). Ihr Gebiet erstreckt sich 
94,000 Schritte weit am Meerbusen, der mit gewürztragen- 
den Inseln erfüllt ist. An die Atramiter grenzen im Innern 
des Landes die Minäer 6 ); am Meere wohnen die Elamiter, 
beide mit Städten gleichen Namens. Daran grenzen die 
Chaculater. Die Stadt Sibi, die von den Griechen Apate 
genannt wird. Die Arser, Codaner, Vadeer mit einer grossen 
Stadt; die Barasasäer, Lechiener, die Insel Sygaros 7 ), auf 
die keine Hunde gehen, und wenn sie dort ausgesetzt 
werden, so irren sie so lange am Ufer herum, bis sie sterben. 
Der innerste Busen 8 ), an welchem die Leaniter, von denen 
er den Namen erhalten hat, wohnen. Der Königssitz der- 
selben ist Agra 9 j. Ferner liegt an dem Busen: Läana, 
oder, nach Andern, Aelana 10 ); denn selbst den Busen nennen 
unsere Schriftsteller den älanitischen, Andere den älenitischen, 
auch Artemidorus den alenitischenund Juba den läanitischen. 
Der Umfang Arabiens von Charax bis Läana soll 4,666,000 
Schritte betragen; Juba nimmt ihn etwas geringer, nämlich 
zu 4,000,000 an. Am breitesten ist es im Norden zwischen 
den Städten Heroum n ) und Charax. 

Nun wollen wir auch zu dem Innern übergehen. An 
die Nabateer lassen ältere Schriftsteller die Thimaneer 



») Schiwan. 2 ) Tajef. 3 ) Landschaft Hadramant. 
4 ) Sabbea. 5 ) Mareb. 6 ) In der Gegend von Mekka. 
7 ) Kubbet Dschambo. 8 ) Golf von Akaba 9 ) Akaba. 
w ) Ailah. M ) Abukescheid. 



472 Sechstes Buch. 

grenzen; jetzt aber sind es die Tavener, Suellener, Arra- 
cener. Eine Stadt, wo alle Handeltreibenden zusammen- 
kommen, Namens Areni. Die Hemnater und Aualiter mit 
den Städten Domatha und Hegra; die Thamudäer mit der 
Stadt Badanatha; die Carreer mit der Stadt Carriati 1 ): 
die Achoaler mit der Stadt Foth ; die Minäer, die, wie man 
glaubt, von dem kretischen Könige Minos abstammen solleu: 
die Charmäer, ein Stamm der letztern. Die 14,000 Schritte 
grosse Stadt Marippa Palmalacum ist auch werth angeführt 
zu werden, desgleichen Carnon. Die Rhadamäer, für deren 
Stammvater Rhadamanthus, Minos Bruder, gehalten wird. 
Die Homeriten mit der Stadt Massala, die Hamireer, Ged- 
raniter, Amphryer, Jlisaniter, Bachiliter, Samneer, Amitheer 
mit den Städten Nessa und Cennesseris. Die Zamarener 
mit den Städten Sagiatta, Canthace und Bacascamis. Die 
Stadt Riphearma, mit welchem Worte man dort die Gerste 
bezeichnet. Die Auteer, Raver, Cyreer, Mathatäer, Helmo- 
dener mit der Stadt Ebode. Die Agacturer in den Bergen 
mit einer 20,000 Schritte grossen Stadt, in der die Quelle 
Aenuscabales sich hefindet, welcher Name „Stadt der Ka- 
meele" bedeutet. Die milesische Colonie Ampelane, die 
Stadt Athrida; die Calingier, deren Stadtname Mariva so 
viel als „Herren über Alle" bezeichnet. Die Städte Palon, 
Murannimal an einem Flusse, durch den der Euphrat wieder 
aus der Erde hervorkommen soll. Die Agreer und Ammo- 
nier; die Stadt Athene, die Caunaraver, deren Name „die 
Reichsten an Rindvieh" bedeutet. Die Coraniter, Osaner, 
Cianer. Auch lagen hier die griechischen Städte Arethusa, 
Larissa und Chalcis, sie sind aber in mehreren Kriegen 
zerstört worden. 

Der Einzige, welcher bis jetzt die römischen Waffen 
bis in dieses Land trug, war der Ritter Aelius Gallus: 
denn Cajus Caesar, der Sohn des Augustus, sah bloss Ara- 
bien, ohne hineinzukommen. Gallus zerstörte die von 
frühern Schriftstellern gar nicht genannten Städte Negrana. 

l ) Karjothain? 



Sechstes Buch. 47$ 

Nestus, Nesca, Masugum, Caminacum, Labecia und da» 
obengenannte Mariva, dessen Umfang 6000 Schritte betrug; 
endlich Caripeta, welche der entfernteste Punkt seines Vor- 
dringens war. Uebrigens brachte er folgende Nachrichten 
mit: Die Nomaden leben von Milch und dem Fleische wilder 
Thiere; die übrigen Völker pressen, wie die Indier, Wein 
aus Palmen und Oel aus Sesam. Am zahlreichsten sollen 
die Homeriter sein; die Minäer haben fruchtbares Land mit 
Palmen- und andern Wäldern und viel Vieh. Die Cerbaner 
und Agräer, vorzüglich aber die Chatramotiter sind sehr 
kriegerisch. Die Carreer besitzen die grössten und frucht- 
barsten Aecker. Die Sabäer haben die an Räucherwerk 
reichste Waldungen, das meiste Gold, gutbewässerte Aecker,. 
viel Wachs und Honig. Von den Räucherwerken wollen 
wir in einem andern Buche *) reden. Die Araber tragen 
Mützen oder lassen das Haupthaar nicht scheeren; der 
Bart wird abgenommen, nur nicht auf der Oberlippe; An- 
dere lassen auch den ganzen Bart stehen. Es ist merk- 
würdig, dass die Hälfte dieser unzähligen Völker vom 
Handel, die andere Hälfte dagegen vom Raube lebt. Im 
Allgemeinen sind sie sehr reich, denn bei ihnen bleiben 
die grössten Schätze der Römer und Panther, da sie Alles, 
was ihnen das Meer und die Wälder verschafft, verkaufen 
und dagegen nichts wieder einhandeln. 

33. 
Jetzt wollen wir die übrige Arabien gegenüberliegende 
Küste durchnehmen. Timosthenes schätzte den ganzen 
Busen 2 ) zu 4 Seetagereisen in der Länge und zu 2 in der 
Breite, die Meerenge aber auf 7500 Schritte. Eratosthenea 
sagt, die Länge einer jeden Küste von der Mündung an 
betrage 1,300,000 Schritte. Nach Artemidorus beträgt die 
Länge der arabischen Seite 1,750,000 und die der troglo- 
dy tischen bis Ptolemais 1,137,000 Schritte; nach Agrippa 
1,722,000, ohne Unterschied der beiden Seiten. Die Breite 
geben die Meisten zu 475,000 an, und die Mündung gegen 

>) Im XII. 2 ) Des rothen Meeres. 



474 Sechstes Buch. 

Südost ist nach Einigen 12,000, nach Andern 15,000 Schritte 
breit. 

Die Lage selbst ist aber folgende. Auf den aelani- 
tischen Busen *) folgt ein anderer 2 ), den die Araber Soean 
nennen, und an welchem die Stadt Heroum 3 ) liegt. Auch 
lag dort zwischen den Nelern und Marchadern Cambysu, 
welches von den dahiugefiihrten Kranken der Armee ge- 
gründet war. Die Tyrer und der Hafen Daneon. Sesostris, 
König von Aegypten, war der erste, welcher den Plan hatte, 
von hier aus einen schiffbaren Kanal bis zu der Stelle des 
Nils, wo er das erwähnte Delta bildet, in einer Länge von 
620,500 Schritten (welches die Entfernung des Flusses vom 
rothen Meere ist) zu ziehen; dann folgte Darius, der König 
der Perser und endlich der zweite Ptolemäus 4 ). Dieser 
führte auch wirklich einen 100 Fuss breiten und 40 Fuss 
tiefen Graben auf einer Strecke von 37,500 Schritten bis 
zu den bittern Quellen 5 ) fort. Weiter fortzuschreiten 
schreckte ihn jedoch die Furcht vor einer Ueberschwem- 
mung ab, denn man hatte die Erfahrung gemacht, dass 
das rothe Meer 3 Ellen höher sei als das Land von Ae- 
gypten 6 ). Andere führen nicht diesen Grund an, sondern 
sagen, man habe gefürchtet, das Nilwasser, welches einzig 
und allein zum Trinken diene, durch das Meerwasser 
zu verderben. Nichtsdestoweniger wird die Reise vom 
ägyptischen Meere aus häufig zu Fuss gemacht und zwar 
auf dreifachem Wege. Der eine geht von Pelusium durch 
Sandwüsten, den man aber, da der Wind gleich jede Spur 
verwehet, nicht verfolgen könnte, wenn nicht eingesteckte 
Rohre ihn bezeichneten. Ein zweiter läuft 2000 Schritte 
hinter dem Berge Casius weg, kommt aber nach einer 



') Golf von Akaba. 2 ) Golf von Bahr el Kolsum. 

3 ) Abukacheid. 

4 ) Ptolemäus Philaclelphus 285—246 v. Chr. 

5 ) Oder vielmehr bittern Seen. Sie liegen nördlich von der 
Spitze des rothen Meeres und sind von demselben nur durch Sand- 
nügel getrennt. 

•) Es ist diess der in neuester Zeit vollendete Suezkanal. 



Sechstes Buch. 475 

Strecke von 60,000 Schritten mit dem pelusischen Wege 
zusammen. An ihm wohnen die autäischen Araber. Der 
dritte führt von Gerrhum *), welches auch Adipson 2 ) heisst, 
aus durch das Gebiet derselben Araber und 60,000 Schritte 
näher, aber über rauhe Berge und hat Mangel an Wasser. 
Alle diese Wege führen nach Arsinoe 3 ), welches Ptolemäus 
Philadelphus am Busen Charandra erbauete und nach 
seiner Schwester benannte; derselbe brachte auch die ersten 
Nachrichten über das Land der Troglodyten und gab dem 
bei Arsinoe vorbeifliessenden Flusse den Namen Ptolemäus. 
Dann kommt die kleine Stadt Aennum, die Andere Philo - 
tera nennen; darauf die aus der Vermischung mit den 
Troglodyten entsprungenen Abasäer und die wilden Araber. 
Die Inseln Sopirene und Scytala 4 ); die Wüsten bis Myos- 
hormos 5 ), wo die Quelle Tadnos 6 ) ist. Der Berg Aeas 7 ). 
Die Insel Jambe 8 ); viele Häfen. Berenice, eine nach der 
Mutter des Philadelphus benannte Stadt, zu der, wie wir 
gesagt haben 9 ), ein Weg von Coptos führt. Die autäischen 
Araber und die Zebadeer. 

34. 
Dann folgt Troglodytice 10 ), welches die Alten Michoe, 
Andere Midoe nannten. Hier liegen der Berg Pentedactylos 11 ); 
einige Inseln, Stenä Deirä genannt, eine andere nicht we- 
niger zahlreiche Gruppe, die Halonnesen; Cardamine, To- 
pazos 12 ), von der ein Edelstein seinen Namen hat. Ein 
mit Inseln erfüllter Busen, von denen die, welche Mareu 
heissen, wasserreich, die aber Eranos heissen, arm an 
Wasser sind. Dort herrschten königliche Statthalter. Im 
Innern wohnen die Candeer, die Ophiophagen heissen, weil 
sie Schlangen essen, an denen kein Gebiet fruchtbarer ist 
als dieses. 



*) Anderthalb Meilen östlich von Pelusium. 

2 ) Das Durststillende; spottweise,weil es kein Trinkwasser hatte. 

3 ) Adsjerud. 4 ) Vielleicht Jubal und Jaflatine. 

s ) Altcosseir. b ) Derfani. 7 ) Gebel Amahr. 8 ) Babuto. 
9 ) Im 26. Cap. 10 ) Die Küste von Habesch und Nubien. 
»») Rasel Enf. ,J ) Zemorgete. 



476 



Sechstes Buch. 



Juba, der diese Gegenden am sorgfältigsten behandelt 
zu haben scheint, hat jedoch (wenn es nicht ein Fehler 
der Abschriften ist) ein zweites Berenice, mit dem Beina- 
men Panchrysos J ), und ein drittes, mit dem Beinamen 
Epidires 2 ), welches sich durch seine Lage auszeichnet, 
vergessen. Letzteres steht nämlich auf einer weit vorlau- 
fenden Anhöhe, da wo die Mündung des rothen Meeres 
7500 Schritte breit ist. Dort liegt auch die Insel Cytis % 
auf der ebenfalls Topas gefunden wird. 

Weiterhin liegen die Waldungen, wo Philadelphus die 
Stadt Ptolemais 4 ) am See Monoleus wegen der Elephanten- 
jagden anlegte, weshalb dieselbe auch den Beinamen Epi- 
theras 5 ) erhielt. Dies ist die bereits im 2. Buche 6 ) von 
uns erwähnte Gegend, in welcher 45 Tage vor und eben- 
so lange nach dem Sommer-Solstitium die Schatten allemal 
um die 6. Stunde verschwinden, in den übrigen Stunden 
dieser Tage aber nach Mittag und an den übrigen Tagen 
nach Mitternacht fallen, während in dem zuerst erwähnten 
Berenice nur am Tage des Solstitii um die sechste Stunde 
kein Schatten stattfindet. Wir wollen von dieser Stadt 
weiter nichts Neues anmerken, als dass sie 602,000 Schritte 
von Ptolemais entfernt ist — ein Gegenstand von der 
grössten Wichtigkeit, und eine Gelegenheit zu Anwendung 
des feinsten Scharfsinnes, weil man dadurch in das Innere 
der Welt eindringt, denn Eratosthenes begann aus dem 
unbezweifelten Verhältniss des Schattens die Grösse der 
Erde zu bestimmen. Nun folgt das azanische Meer 7 ); ein 
Vorgebirge, das Einige Hispalum nennen; der SeeMandalum; 
die Insel Colocasitis 8 ), und noch viele andere auf dem 
hohen Meere, wo sich sehr viele Schildkröten aufhalten. 
Die Stadt Suche 9 ), die Insel Daphnis 10 ), die Stadt Aduliton 11 ): 



') Salaca. -) Minet-Bellad-el-habest. 3 ) Cytis Mehum. 
4 ) Ras-Ahehas. 5 ) Jagdstadt. 6 ) 75. Cap. 

7 ) So hiess dev Theil des indischen Oceans, der Azania, d. h. 
die heutige Küste Ajan bespühlt. 

•) Massauah. 9 ) Artiko. ">) Dhalak. ll ) Thulla. 



Sechstes Buch. 477 

letztere wurde von ägyptischen Sclaven, die ihren Herren 
entlaufen waren, erbauet, sie ist der grösste Handelsplatz 
der Troglodyten und Aethiopier, und ihre Entfernung von 
Ptolema'is beträgt 5 Seetagereisen. Man bringt dort sehr 
viel Elfenbein, Rhinoceroshörner, Flusspferdhäute, Schild- 
krötenschalen, Affen und Sclaven zum Verkauf. Weiter 
hinauf wohnen die aroterischen r ) Aethiopier; die Inseln, 
welche Aliäuheissen, dessgleichen Bacchias, Antibacchias und 
Stratioton. Ferner an der Küste von Aethiopien ein unbe- 
kannter Meerbusen, was mich wundert, da doch die Kauf- 
leute die noch darüber hinaus liegenden Gegenden besuchen. 
Ein Vorgebirge mit der Quelle Cucios; welche die Schiffer 
benutzen. Weiterhin der Hafen der Isis, zu dem man auf 
Ruderschiffen in 10 Tagen von der Stadt der Aduliter aus 
gelangt. Hierher wird von den Troglodyten Myrrhe gebracht. 
Die 2 vor dem Hafen liegenden Inseln heissen Pseudopylä; 
im Hafen selbst sind 2 unter dem Namen Pylä, auf einer 
derselben befinden sich steinerne Säulen mit unbekannten 
Inschriften. Der Busen Abalites; die Insel des Diodorus 2 ) 
und noch mehrere andere wüste. Auch auf dem Festlande 
kommen Wüsten vor. Die Stadt Gaza 3 ), das Vorgebirge 4 ) 
und der Hafen 5 ) der Mossyliter, wohin der Zimmt gebracht 
wird. Bis hierher führte Sesostris sein Heer. 

Einige setzen noch eine äthiopische Stadt weiter hinaus 
an die Küste von Baricaza. Bei dem mossylischen Vor- 
gebirge soll nach Juba das atlantische Meer anfangen, auf 
dem man vor seinem Mauritanien vorüber mit dem Corus 
nach Gades segeln könne. Wir dürfen hierbei seine ganze 
Ansicht dem Leser nicht vorenthalten. Von dem Vorge- 
der luder 6 ) an, das Lepteacra, von Andern auch Drepa- 
nuni 7 ) genannt wird, giebt er die Entfernung, bei Exusta 
vorüber, bis zur Insel Malichu in gerader Richtung auf 



') Ackerbauenden. 2 ) Permi, auch Mehum genannt. 

3 ) Zeyla? *) Cap Felis? 5 ) Bunder Cassini. 

c ) So nennt Juba hier die Aethiopier. 

7 ) Der Berg Ghareb. an der Mündung des Meerbusens von Suez. 



478 Sechstes Buch. 

1,500,000 Schritte an; von da bis zu dem Orte, der Sceneoa 
heisst 225,000, und von da bis zur Insel Adanu 150,000 
Schritte. Demnach betrüge die Entfernung bis zum offnen 
Meere 1,875,000 Schritte. Alle andern Schriftsteller be- 
zweifeln, dass man wegen der Sonnenhitze dort schiffen 
könne. Auch beunruhigen die ascitischen Araber *) von 
den Inseln aus den dortigen Handel, indem sie über zwei 
lederne Schläuche eine Brücke legen und mit vergifteten 
Pfeilen bewaffnet Seeräuberei treiben. Juba erzählt ferner, 
die Troglodyten würden von der Jagd, die sie treiben, 
Therothoer 2 ) genannt und wären ausserordentlich gewandt 
und schnell; die Ichthyophagen könnten wie Seethiere 
schwimmen; ferner nennt er die .Bangener, Gangorer, Cha- 
lyber, Xoxiner, Syrecher, Daremer und Domazamer. Nach 
ihm sind die am Nil wohnenden Völker von Syene bis 
Meroe keine Aethiopier sondern Araber; auch sollen die 
Araber die Sonnenstadt, welche, wie wir schon bei der 
Beschreibung Aegyptens gesagt haben 3 ), nicht weit von 
Memphis liegt, erbauet haben. Einige trennen auch das 
jenseitige Ufer von Aethiopien und rechnen es zu Afrika; 
die Ufer aber würden nur des Wassers wegen bewohnt. 
Wir überlassen einem Jeden sein Urtheil darüber, und 
führen die Namen der Städte auf beiden Seiten in der 
Ordnung, wie sie uns überliefert sind, an. 

35. 
In Aethiopien folgen von Syene an zunächst auf der 
arabischen Seite die Catapuder 4 ), dann die Syeniter. Die 
Städte: Tacompson 5 ), auch Thathice genannt, Aramasos, 
Sesamos, Sanduma, Masindomacum, Arabeta, Boggia, Leu- 
pithoiga, Tantarene, Moecindira, Noa, Gloploa, Gystate, 
Megada, Lea, Rhenni, Nupsa, Direa, Patiga, Bagada, Du- 
mana, Rhadata, wo eine goldene Katze als Gott verehrt 



') Schlaucharaber, wohnten um das Vorgebirge Fartasch an der 
SüdkÜBte Arabiens. 

2 ) Schakaljäger. ») V. B. 9. Cap. <) S. V. B. 10. Cap. 
s ) Kobban. 



Sechstes Buch. 479 

wird. Bovon, mitten im Lande, Mallos, nahe bei Meroe. 
So berichtet Bion. 

Nach Juba folgen sie also: die Stadt Megatichos auf 
einem Berge, zwischen Aegypten und Aethiopien, von den 
Arabern Myrsos genannt, dann Tacompsos, Arannum, Sesa- 
nmm, Pide, Mamuda, Orambis, in deren Nähe Erdpech 
quillt, Amodita. Prosda, Parenta, Mama, Tessatta, Gallas r 
Zotos, Graucome, Emeum, Pidibotä, Endondacometas, in 
Zelten lebende Nomaden, Cyste, Macadagale, Proaprimis, 
Palois, Primis, Nups, Detrelis, Patis, Ganibreves, Magasneos, 
SegasmaTa, Cromdala, Demna, Cadeuma, Thena, Batha, Alana, 
Mascoa, Scamni, Gora auf einer Insel, Abala, Andropalis, 
Sesere, Mallos und Agole. 

Auf der afrikanischen Seite werden genannt: eine zweite 
Stadt Tacompsos, oder auch wohl nur ein Theil der 
ersteren *), Mogore, Sea, Edos, Plenaria, Pinnis, Magassa, 
Buma, Lintuma, Spintum, Sydop, Censoe, Pindicitora, Actig, 
Orsum, Sausa, Maumarum, Urbim, Molum, von den Griechen 
Hypaton genannt, Pagoarca, Zmanes, wo man die ersten 
Elephanten trifft, Mambli, Berresa, Acetuma. Auch lag 
Meroe gegenüber der Stadt Epis, welche aber schon vor 
Bion's Zeiten zerstört war. 

Dies sind die Städte, welche man bis Meroe angegeben 
findet, von denen aber gegenwärtig auf beiden Seiten fast 
keine einzige mehr vorhanden ist. Der Kaiser Nero, 
welcher ausser andern*Kriegen auch einen mit den Aethio- 
piern im Sinn hatte, sandte eine Abtheilung seiner Leib- 
wache mit einem Tribun zur Auskundschaftung jener Ge- 
genden dorthin, diese brachten aber die bestimmte Nach- 
richt, dass dort lauter Wüsten wären. Uebrigens sind doch 
auch bis hierher die römischen Waffen zur Zeit des Kaisers 
Augustus unter Anführung des P. Petronius, welcher Pütter 



') Die letztere Ansicht ist die richtige; dieser Theil lag auf 
dem westlichen Ufer des Nils und jetzt findet man an dieser Stelle 
Dakke, Kobban gegenüber. 



480 Sechstes Buch. 

und Statthalter von Aegypten war, vorgedrungen 1 ). Dieser 
eroberte alle Städte, welche er dort noch vorfand, in fol- 
gender Ordnung: Pselcis 2 ), Primis 3 ), Abuncis 4 ), Phthuris 5 ), 
€ambusis 6 ), Atteva 7 ), Stadasis 8 ), wo der herabstürzende 
Nil durch sein Getöse den in der Nähe Wohnenden das 
Gehör benimmt; er plünderte auch Napata 9 ) und kam auf 
seinem Zuge 970,000 Schritte über Syene hinaus. Aber 
durch die römischen Waffen ist jene Gegend nicht zur 
Wüste geworden, sondern Aethiopien hat seinen Ruiu den 
Kriegen mit Aegypten zu danken lü ), indem es abwechselnd 
herrschte und gehorchte. Bis zum trojanischen Kriege 
unter der Regierung Memnon's war es berühmt und mächtig, 
und dass es zur Zeit des Königs Cepheus selbst Syrien 
und unsere Küste besessen habe, beweist die Fabel von 
der Andromeda ll ). 

Ebenso verschieden sind die Angaben über die Grösse 
dieses Landes. Der erste, welcher weit über Meroe hinaus- 
ging, war Dalion 12 ); bald darauf Aristocreon 13 ), Basilis 14 ) 
und der jüngere Simonides, welcher sich während der 
Ausarbeitung seines Werkes über Aethiopien sogar 5 Jahre 
lang in Meroe aufhielt. AuchTimosthenes, der Befehlshaber 
der Flotte des Philadelphus, war dort und sagt, ohne jedoch 
die Entfernungen im Einzelnen anzugeben, man brauche 



') Dieser Kriegszug fällt in das Jahr 22 v. Chr. (Cassius Dio, 
LIV. 5). 

2 ) Ist das zweite Tacompsos. 

3 ) Kastell Ibrim in Wady-Nuba? 4 ) Handieh in Dongola? 

5 ) Bei Sasef im Wady Mahass? 6 ) Bei Hettan in Dongola? 

7 ) Bei Soleb im Wady Mahass. 

») Im Wady Dal, Distrikt Sukkot? 

9 ) Am Berge Berkel, nördlich von Merave? 

,0 ) Hauptsächlich durch den ägyptischen König Sesostris, welcher 
Aethiopien verwüstete. Herodet II. 116. 

") Sie war des Cepheus Tochter und wurde nach der Sage an 
der syrischen Küste bei Joppe an einen Fels gefesselt, um von 
einem Seeungeheuer gefressen zu werden. 

,2 ) Unbekannt. 13 ) Seine Lebenszeit ist ungewiss. 

u ) Unbekannt. 



Sechstes Buch. 481 

60 Tage, um von Syene nach Meroe' zu kommen. Erato- 
sthenes bestimmt die Entfernung auf 625,000, Artemidorus 
auf 600,000 Schritte, Sebosus *) aber von der äussersten 
Grenze Aegyptens an auf 1,675,000, von wo aus sie die 
eben genannten Schriftsteller nur auf 1,250,000 angeben. 
Aber dieser ganze Streit ist neuerlich beendigt worden, 
da die Kundschafter des Nero den Weg von Syene an zu 
871,000 Schritten und zwar in folgender Weise bestimmten: 
Von Syene nach Hierasycaminos 2 ) 54,000; von da nach 
Tama 72,000; von da bis Evonymibos 3 ), dem ersten District 
in Aethiopien, 120,000; bis Acina 54,000; bis Pitara 25,000; 
bis Tergedum 106,000 Schritte. Mitten in dieser Gegend 
soll die Insel Gagaudes 4 ) liegen. Dort erblickte man die 
ersten Papageyen, und auf einer andern Insel, welche 
Artigula 5 ) heisst, das Thier Sphingion 6 ), hinter Tergedum 
den Cynocephalos 7 ). Weiter bis Napata 80,000 Schritte; 
diese kleine Stadt ist die einzige von den vorgenannten, 
welche noch existirt. Von da bis zur Insel Meroe 360,000 
Schritte. Die Kräuter um Meroe fand man grüner, auch 
sah man einige Waldungen und Spuren von Rhinocerossen 
und Elephanten. Die Stadt Meroe 8 ) selbst soll vom Anfange 
der Insel 70,000 Schritte entfernt sein, und wenn man auf 
dem rechten Arme des Nils führe, so soll man in der Nähe 
noch eine andere Insel Tadu 9 ) antreffen, wo sich ein 
Hafen befände. Die Stadt soll wenig Häuser haben. Eine 
Frau, Candace, führe die Regierung; ihr Name sei schon 
seit vielen Jahren bei den Königinnen erblich. Auch 
hier sei dem Hammon ein Tempel geweihet und in dem 



*) Geograph in der Mitte des 1. Jahrh. v. Chr. 

2 ) Ruinen bei Meharraca (Nucharrage) im Wady el Kenous. 

3 ) Im jetzigen Distrikte Sukkot. 

4 ) Wahrscheinlich Argo in Dongola. 

5 ) Vielleicht Gartaoni ebendaselbst. 

6 ) Affenart s. im VIII. B. 80. Cap. 

7 ) Hundskopf, gleichfalls eine Affenart. 

•) Ruinen, eine Tagereise nördlich bei Shendy. 
s ) Kurgos. 

31 



482 Sechstes Buch. 

ganzen Lande ihm Capellen errichtet. Uebrigens war die 
Insel, als die Aethiopier dort Herren wurden, sehr berühmt. 
Man erzählt, sie habe 250,000 Soldaten gestellt und 400,000 
Künstler gehabt. Noch heutzutage soll es 45 äthiopische 
Könige geben. Das ganze Volk aber hiess erst das äthe- 
rische, dann das atlantische, endlich, nach Aethiops, dem 
Sohne des Vulkan, das äthiopische. 

Dass an den äussersten Grenzen dieses Landes 
monströse Thier- und Menschengestalten vorkommen, ist 
kein Wunder, da die bewegliche Kraft des Feuers *) sich 
so wirksam bei der Bildung der Körper beweist. Man er- 
zählt für gewiss, dass die dort am weitesten gegen Osten 
wohnenden Menschen keine Nasen und ein ganz glattes 
Gesicht hätten. Andere sollen keine Oberlippen, andere 
keine Zunge haben. Bei Andern soll sogar der Mund ver- 
schlossen sein und die Nase fehlen, so dass sie nur durch 
Eine Oeffnung Athem holen; sie trinken mittels eines Hafer- 
halms, und leben von den Körnern eben dieses wildwach- 
senden Hafers. Einige nicken nur und bewegen die Glieder 
statt zu sprechen. Andere kannten vor der Zeit des ägyp- 
tischen Königs Ptolemäus Lathyrus 2 ) den Gebrauch des 
Feuers nicht. Manche Schriftsteller sagen, die Pygmäer 
wohnten zwischen den Sümpfen, aus denen der Nil seinen 
Ursprung nimmt. 

An der Küste 3 ) aber folgt eine ununterbrochene Reihe 
von Bergen, welche ein brennend rothes Ansehen haben. 
Das ganze Land von Meroe an wird von den Troglodyten 
und dem rothen Meere begrenzt. Auf dem Wege von 
Napata nach der Küste des rothen Meeres, welcher 3 Tage- 
reisen beträgt, bewahrt man an mehreren Stellen das Regen- 
wasser zum Gebrauche auf. Der zwischenliegende District 
ist sehr ergiebig an Gold. Das weiterhin liegende Land 
haben die Atabuler, ein äthiopischer Stamm, inne. Dann 
kommen Meroe gegenüber die Megabarer, von Einigen auch 
Adiabarer genannt; sie wohnen in der Apollostadt. Ein 



») Des heissen Klimas. 2 ) 116—106 v. Chr. 3 ) Aethiopiens. 



Sechstes Buch. 483 

Theil davon lebt nomadisch und isst Elephantenfleisch. 
Gegenüber auf der afrikanischen Seite die Maceobier. 
Wiederum bei den Megabaren die Memnoner und Dabeller, 
und 20 Tagereisen weiter die Oitenser. Hinter diesen die 
Docher und darauf die Gymneter, welche stets nackt gehen. 
Ferner die Andeter, Mothiter, Mesager, Ipsodorer, die eine 
schwarze Hautfarbe haben und den ganzen Körper roth 
bemalen. Auf der afrikanischen Seite die Medimner. Dann 
die von der Milch der Cynocephalen lebenden Nomaden, 
die Alader und Syrboter, welche 8 Cubiti hoch sein sollen. 

Nach Aristocreon beträgt die Entfernung von Meroe 
bis zur Stadt Tolle auf der libyschen Seite 5 Tagereisen; 
von da 12 Tagereisen bis zur Stadt Esar, welche dieAegypter, 
die vor Psammetich *) flohen, gegründet haben, und in der 
sie 300 Jahre gewohnt haben sollen. Gegenüber auf der 
arabischen Seite soll die ihnen gleichfalls gehörende Stadt 
Daron liegen. Die Stadt Esar nennt Bion Sape, und sagt, 
dieser Name bedeute: Ankömmlinge. Ihre Hauptstadt 
Sembobitis liegt auf einer Insel und eine dritte Stadt derselben 
ist Sinat in Arabien. Zwischen den Bergen aber und dem 
Nil wohnen die Symbarer und Palugger und in den Bergen 
selbst viele Stämme der Asacher. Sie leben von der Jagd 
der Elephanten und sollen 5 Tagereisen vom Meere ent- 
fernt sein. Eine Insel der Semberriten im Nil wird von 
einer Königin beherrscht. Von da 8 Tagereisen entfernt 
wohnen die nubischen Aethiopier, deren Stadt Tenupsis 
am Nile liegt. Die Sambrer, bei denen alle vierfüssigen 
Thiere, sogar die Elephanten, keine Ohren haben. Auf der 
afrikanischen Seite die Tonobarer und Ptoempher, welche 
einen Hund zum Könige haben, aus dessen Bewegungen 
sie seine Befehle errathen. Die Aurusper in einer weit 
vom Nile entlegenen Stadt; hierauf die Achisarmer, Phaliger, 
Marigerer, Casmarrer. 

Bion führt noch andere Städte auf den Inseln an und 
schätzt den ganzen Weg von Sembobitis bis Meroe auf 



*) Regierte 670—616 vor Chr. 



484 Sechstes Buch. 

20 Tagereisen. Auf der x ) nächsten Insel liegt die unter 
einer Königin stehende Stadt der Semberriter, und noch 
ein anderes Asara; auf einer anderen Insel liegt Darde. 
Eine dritte Insel heisst Medoe, mit der Stadt Asel; eine 
vierte Garode, mit einer Stadt gleichen Namens. Von hier 
an liegen an den Ufern folgende Städte: Navos, Modunda, 
Andatis, Secundum, Colligat, Seconde, Navectabe, Cumi, 
Agrospi, Aegipa, Condrogari, Araba und Summara. 

Die oberhalb Sirbituni befindliche Gegend, wo die Berge 
aufhören, wird von Einigen als der Wohnsitz der Küsten- 
Aetliiopier, nämlich der Nisacäther und Nisiten bezeichnet; 
diese beiden Namen bedeuten „Männer mit 3 und 4 Augen u , 
nicht, weil sie wirklich so viele Augen haben, sondern weil 
sie gute Pfeilschützen sind. An dem Theile des Nils aber, 
welcher oberhalb der grössern Syrten sich nach dem süd- 
lichen Ocean hin erstreckt, sollen, wie Dalion berichtet, die 
Cisoren, welche nur Regenwasser gebrauchen und die 
Longoporer wohnen. Von den Oecalicern gelangt man 
in 5 Tagen zu den Usibalcern, Isbelern, Perusiern, Wallern 
und Cispiern. Das Uebrige sind Wüsten und weiterhin 
ist Alles fabelhaft. 

Gegen Abend wohnen die Nigroer, deren König nur 
ein Auge und zwar auf der Stirn hat. Die Agriophagen, 
welche grösstentheils vom Fleische der Panther und Löwen 
leben; die Pamphagen, welche alles essen; die Anthropo- 
phagen leben von Menschenfleisch; die Cynomolgen ver- 
zehren Hundsköpfe. Die Artabatiter laufen wie wilde vier- 
füssige Thiere umher. Hierauf folgen die Hesperier und 
Perorser, welche schon bei der Grenze Mauritaniens ge- 
nannt sind 2 ). Ein gewisser Theil der Aethiopier lebt nur 
von Heuschrecken, welche sie gesalzen und geräuchert ein 
Jahr lang aufheben; diese werden nicht älter als 40 Jahre. 

M. Agrippa hat angegeben, die Länge von ganz Ae- 
thiopien mit dem rothen Meere betrage 2,170,000 Schritte, 
und die Breite, Oberägypten mit eingerechnet, 1,297,000. 



») Bei Meroe. 2 ) V. B. 1. und S. Gap. 



Sechstes Buch. 485 

Einige haben die Länge so bestimmt: Von Meroe bis Sir- 
bitum 11 Schiffstagereisen, von da bis zu den Dabellern 
15, und von diesen bis zum äthiopischen Ocean 6 Land- 
tagereisen. Im Ganzen stimmen fast alle Schriftsteller 
darin tiberein, dass die Entfernung vom Ocean bis nach 
Meroe 625,000 Schritte betrage; wie weit es von da nach 
Syene ist, haben wir bereits angegeben. Aethiopien liegt 
von Südost nach Südwest. Im südlichen Theile desselben 
befinden sich ganze Wälder von Ebenholz; in der Mitte, 
nahe am Meere, erhebt sich ein hoher Berg, der beständig 
brennt, und bei den Griechen Theon ochema x ) heisst. Von 
ihm gelangt man zu Schiffe in 4 Tagen zu dem Vorgebirge 
Hesperion ceras 2 ), welches an der Grenze von Afrika 
neben dem Gebiete der hesperischen Aethiopier liegt. 
Nach Einigen sind in dieser Gegend auch sanfte Hügel 
mit schönen schattigen Wäldern, wo die Aegipanen und 
Satyren wohnen. 

36. 
Sowohl Ephorus als Eudoxus und Timosthenes führen 
mehrere Inseln in diesem Meere an; Clitarchus aber hat 
dem Könige Alexander von einer berichtet, die so reich 
sei, dass ihre Bewohner die Pferde mit Goldtalenten be- 
zahlen, und einer andern, auf welcher man einen heiligen, 
von Hainen beschatteten Berg gefunden habe, wo aus den 
Bäumen ein äusserst duftender Balsam tröpfele. Dem per- 
sischen Meerbusen gegenüber liegt vor Aethiopien die Insel 
Cerne 3 ), deren Grösse und Entfernung vom Festlande un- 
bekannt ist; sie soll nur von äthiopischen Völkern bewohnt 
sein. Ephorus sagt, die vom rothen Meere aus dahin Segeln- 
den könnten wegen der grossen Hitze, die jenseits gewisser 
Säulen (so heissen mehrere kleine Inseln) herrsche, nicht 
zu ihr gelaugen. Nach Polybius liegt Cerne am äussersten 
Ende von Mauritanien dem Berge Atlas gegenüber und 



') Götterwagen. -) Westhorn. 

3 ) Fehdal; Andere wollen fälschlich Porto Santo, Madera, Ar- 
guin und selbst Madagascar darin erkennen. 



486 Sechstes Buch. 

8 Stadien vom Festlande; nach Com. Nepos liegt sie Car- 
thago gerade gegenüber, und dieser giebt ihre Entfernung 
vom Festlande auf 1000, ihren Umfang auf nicht mehr als 
2000 Schritte an. Noch einer anderen, dem Atlas gegen- 
über liegenden Insel wird erwähnt, welche selbst Atlas- 
insel *) heisst. Von dieser aus erreicht man nach 5 See- 
tagereisen die zu den hesperischen Aethiopiern führenden 
Einöden, und zu dem Vorgebirge, welches wir Hesperion 
ceras genannt haben, von wo an sich die Vorderseite des 
Landes zuerst gegen Westen und das atlantische Meer 
wendet. Diesem Vorgebirge gegenüber sollen die gorga- 
dischen Inseln 2 ) liegen, der frühere Wohnsitz der Gorgonen; 
nach Xenophon von Lampsacus sind sie 2 Seetagereisen 
vom Festlande entfernt. Der punische Feldherr Hanno., 
welcher bis zu ihnen vordrang, erzählt, die dortigen Weiber 
seien am ganzen Körper rauh, die Männer aber wären 
eiligst vor ihm geflohen. Zum Beweise und der Merkwür- 
digkeit wegen legte er die Häute von 2 Gorgonen im Tempel 
der Juno nieder, wo sie bis zur Einnahme von Carthago 
zu sehen waren 3 ). Weiterhin werden noch 2 hesperische 
Inseln 4 ) angeführt. Alle Nachrichten über diese Gegenden 
sind so unsicher, dass Statius Sebosus angiebt, von den 
Inseln der Gorgonen schiffe man bei der Atlasinsel vorbei 
in 40 Tagen zu den hesperischen Inseln, und von diesen 
in einem Tage zum Vorgebirge Hesperion ceras. Ebenso wenig 
Bestimmtes weiss man von den mauritanischen Inseln. Nur 
so viel ist gewiss, dass einige dem Gebiete der Autololer 
gegenüber liegen, die Juba entdeckt hat und auf denen er 
das Färben mit gätulischem Purpur lehrte 5 ). 



*) "Vermuthlich eine jetzt vom Meere grösstentheils verschlun- 
gene Insel, deren Ueberbleibsel man vielleicht in den capverdischen 
Inseln erkennen dürfte. 2 ) Soll die Inselgruppe Arguin sein. 

3 ) Offenbar waren diess Gorilla-Felle. 

A ) Dies sind die bald folgenden glückseligen, jetzt canarischen 
Inseln. 

5 ) Hier ist wohl das Rothfärben mit Orseille (Liehen Roccella) 
gemeint, was noch jetzt auf den canarischen Inseln betrieben wird 



Sechstes Buch. 437 

37. 

Nach Angabe einiger Schriftsteller liegen hinter diesen 
die glückseligen Inseln 1 ) und noch mehrere andere, 
deren Zahl und Entfernung derselbe Sebosus ebenfalls an- 
giebt. Nach ihm beträgt die Entfernung der Insel Junonia 2 J 
von Gades 750,000 Schritte; ebensoweit sei es von dieser 
Insel westlich bis Pluvialia 3 ) und Capraria 4 J. Auf Pluvialia 
soll kein anderes Wasser sein, als was der Regen bringt- 
250,000 Schritte von derselben liegend, der linken Seite 
Mauritaniens gegenüber, nach der achten Tagesstunde 5 ) 
hin die glückseligen Inseln, von denen die eine wegen ihrer 
convexen Gestalt Invallis 6 ), die andere wegen ihrer ebenen 
Gestalt Planaria 7 ) heisst. Invallis hat einen Umfang von 
300,000 Schritten und die Bäume auf ihr sollen eine Höhe 
von 114 Fuss erreichen. 

Juba hat über die glückseligen Inseln folgende Nach- 
richten eingezogen: sie liegen ebenfalls zwischen Süden 
und Westen, 625,000 Schritte von den Purpurinseln, so dass 
man 250,000 Schritte gegen Westen und dann 375,000 Schritte 
östlich schiffen müsste. Die erste hiesse Ombrios 8 ); auf ihr 
träfe man keine Spur von Gebäuden an, im Gebirge befinde 
sich ein Sumpf, die Bäume wären dünn, und aus ihnen würde 
ein Wasser gepresst, welches von den schwarzen Bäumen 
bitter, von den weissen aber angenehm schmecke. Eine 
zweite Insel hiesse Junonia, auf der nur ein kleiner stei- 
nerner Tempel stände. In ihrer Nähe läge noch eine 
kleinere mit demselben Namen 9 ). Dann folge Capraria^ 
welche von grossen Eidechsen wimmele. Im Gesichtskreise 
dieser Inseln liege Nivaria 10 ), die diesen Namen von ihrem 
beständigen Schnee und Nebel habe. Dieser zunächst 
Canaria u ), so genannt von den vielen grossen Hunden, von 



') Die canarischen Inseln. 2 ) Wahrscheinlich Graciosa. 

3 ) Wahrscheinlich Ferro. 4 ) Wahrscheinlich Gomera. 

5 ) Südwest. 6 ) Teneriffa. 7 ) Canaria. 

8 ) Das griechische Wort für Pluvialia. 9 ) Soll Lobos sein. 

,0 ) Ist die obige Invallis (Teneriffa^ 

n ) Führt noch jetzt diesen Namen. 



488 Sechstes Buch. 

denen dem Juba 2 überbracht wurden; hier findet man 
noch Spuren von Gebäuden. Alle aber hätten Ueberfluss 
an Obst und Vögeln aller Art, und letztere wäre überdiess 
reich an Palmfrüchten und Piniennüssen. Auch gäbe es 
dort viel Honig; in den Flüssen kämen Papyrus und 
Siluri *) vor; man würde aber durch die faulenden, vom 
Meere ausgeworfenen Thiere sehr belästigt. 

38. 
Nachdem wir nun den Erdkreis nach seinen äussern 
und innern Theilen ausführlich beschrieben haben, scheint 
auch eine kurze Angabe seines Flächeninhaltes nicht 
überflüssig zu sein. Polybius giebt die Strecke von der 
gaditanischen Meerenge bis zur Mündung des Mäotis in 
gerader Linie auf 3,437,500 Schritte an; von demselben 
Anfangspunkte in gerader Linie östlich bis Sicilien auf 
1,250,500, von da bis Creta auf 375,000, bis Rhodus auf 
187,500, bis zu den chelidonischen Inseln ebensoweit, bis 
Cypern auf 225,000 und von da bis Seleucia Pieria in 
Syrien auf 115,500 Schritte, was zusammen 2,340,000 
Schritte 2 ) ausmacht. Agrippa schätz die gerade Länge 
von der gaditanischen Meerenge bis zum issischen Meer- 
busen auf 3,440,000 Schritte; ich weiss aber nicht, ob nicht 
in dieser Zahl ein Fehler steckt, denn derselbe Schriftsteller 
giebt die Entfernung von der sicilischen Meerenge bis nach 
Alexandrien auf 1,300,0000 Schritte an. Der ganze Umfang 
durch die genannten Busen von eben demselben Punkte an 
bis zum Mäotis beträgt 10,058,000 Schritte. Artemidorus 
fügt noch 755,000 hinzu. Derselbe giebt den Umfang mit 
Einschluss des Mäotis auf 17,390,000 Schritte an. Diess ist 
die Maassbestimmung wehrloser, in ruhiger Kühnheit dem 
Schicksale trotzender Menschen 3 ). Nun wollen wir noch 
die Grösse der einzelnen Erdtheile miteinander vergleichen, 
so viele Schwierigkeiten auch die verschiedenen Angaben 
der Schriftsteller herbeiführen. Jedoch wird man die beste 

») Eine Fischart, s. IX. B. 17. Cap. 

2 ) Einige dieser Zahlen sind jedenfalls falsch, denn die Summe 
beträgt 2,153,500. 3 ) Der Seefahrer nämlich. 



Sechstes Buch. 489 

Uebersicht haben, wenn man zu der Länge die Breite hin- 
zu rechnet. Nach diesem Verfahren beträgt die Grösse von 
Europa 8,294,000 Schritte. Von Afrika die Länge (im 
Mittel aus den verschiedenen Angaben) 3,794,000; die 
Breite, soweit es bewohnt wird, nirgends über 250,000 
Schritte. Da aber Agrippa die Grösse desselben schon 
von Cyrenaica, einem Theile Afrika's, mit Einschluss der 
Wüsten dieses Landes bis zu den Garamanten, soweit sie 
bekannt sind, auf 910,000 bestimmt, so erhält man für die 
gesammte Grösse 4,608,000 Schritte. Die Länge Asiens 
wird allgemein zu 6,375,000 Schritten angenommen. Die 
Breite, welche man wohl am passendsten vom äthiopischen 
Meere an bis nach Alexandiien am Nil nimmt, so dass die 
Linie durch Meroe* und Syene geht, beträgt 1,875,000 Schritte. 
Daraus erhellt also, dass Europa um etwas weniger als 
die Hälfte Asiens grösser als letzteres, und dass Asien 
gleich 1 Vg v on Afrika sei. Wenn man alle Summen zu- 
sammen rechnet, so ergiebt sich deutlich, dass Europa 
V 3 und etwas mehr als Vs? Asien 1 / i und Vu, Afrika l /s 
und Veo der ganzen Erde ausmacht. 

39. 

Damit bei der Betrachtung der Länder nichts fehle, 
fügen wir hier noch eine höchst scharfsinnige Idee bei, 
welche wir den Griechen verdanken, wodurch wir erfahren, 
mit welcher jede der angezeigten Gegenden in Verbindung 
stehe, und rücksichtlich der Tage und Nächte verwandt 
sei; endlich, welche derselben gleiche Schatten und 
gleiche Himmelswölbung miteinander gemein haben. Wir 
wollen daher auch hiervon Rechenschaft geben und die 
ganze Erde in Himmelsstriche theilen. Es giebt aber viele 
solcher Abschnitte, welche von uns Kreise, von den Griechen 
Parallelen genannt werden. 

Den Anfang macht der südliche Theil von Indien. 
Dieser Kreis reicht bis nach Arabien und den Völkern am 
rothen Meere, und fasst in sich: die Gedroser, Perser, Car- 
mauer, Elymäer, Parthyene, Aria, Susiane, Mesopotamien, 
das babylonische Seleucien, Arabien bis Petra, Syria Coele, 



490 Sechstes Buch. 

Pelusium, den untern Theil Aegyptens, welcher der Bezirk 
von Alexandrien heisst, die Küstenländer von Afrika, alle 
cyrenäischen Städte, Thapsus, Adrumetum, Clupea, Carthago, 
Utica, beide Hippo, Numidien, beide Mauritanien, das atlan- 
tische Meer und die Säulen des Herkules. In diesem Himmels- 
striche wirft am Tage des Aequinoctii Mittags ein Sonnenzeiger 
(Gnomon) von 7 Fuss Länge einen nicht mehr als 4 Fnss langen 
Schatten. Der längste Tag sowie die längste Nacht dauert 
14, die kürzesten hingegen 10 Aequinoctial-Stunden. 

Der folgende Kreis beginnt vom westlichen Indien, 
geht mitten durch Parthien, Persepolis, den zunächst liegen- 
den Theil von Persien, das diesseitige Arabien, Judäa, die 
Gegend um den Libanus. Er ümfasst Babylon, Idumäa, 
Samaria, Hierosolyma, Ascalon, Joppe, Cäsarea in Phönicien, 
Ptolema'is, Sidon, Tyrus, Berytus, Botrys, Tripolis, Byblus, 
Antiochia, Laodicea, Seleucia, die Küste von Cilicien, den 
südlichen Theil von Cypern, Creta, Lilybäum in Sicilien, 
die nördlichen Theile von Afrika und Numidien. Im Ae- 
quinoctium wirft ein 35 Fuss langer Sonnenzeiger einen 
24 Fuss langen Schatten. Der längste Tag und die längste 
Nacht dauert 14 l /5 Aequinoctial-Stunden. 

Der dritte Kreis nimmt im Gebiete der am Imaus 
wohnenden Indier seinen Anfang. Er zieht sich über den 
caspisehen Pass nahe bei Medien über Cataonien, Cappa- 
docien, den Taurus, Amanus, Issis, den cilicischen Pass, 
Soli, Tarsus, Cyprus, Pisidia, Side in Pamphilien, Lycaonien, 
Patara in Lycien, den Xanthus, Caunus, Rhodus, Cos, Hali- 
carnassus, Gnidus, Doris, Chios, Delos, mitten durch die 
Cycladen, Gythius, Malea, Argos, Laconien, Elis, Olympia, 
Messenia im Peloponnes, Syracus, Catina, mitten durch Sici- 
lien, das südliche Sardinien, Carteja und Gades. Ein Sonnen- 
zeiger von 100 Theilen wirft einen solcher 77 Theile langen 
Schatten; der längste Tag hat 14 8 /i5 Aequinoctial-Stunden. 

In dem vierten Kreise liegen die Länder auf der andern 
Seite des Imaus, das südliche Coppadocien, Galatien, Mysien. 
Sardes, Smyrna, Sipylus, der Berg Tmolus, Lydien, Carien, 
Ionien, Trallis, Colophon, Ephesus, Milet, Samos, Chios 



Sechstes Buch. 4c^ 

das icarische Meer, die nördlichen Cycladeri, Athen, Megara, 
Corinth, Sicyon, Achaga, Paträ, der Isthmus, Epirus, das 
nördliche Sicilien, der östliche Theil des narbonnensischen 
Galliens und die Seeküste Spaniens von Neu-Carthago an 
nach Westen. Ein Sonnenzeiger von 21 Fuss wirft einen 
16 Fuss langen Schatten; der längste Tag hat 14 2 /3 Aequi- 
noctial-Stunden. 

Im fünften Kreise liegen von der x ) Mündung des cas- 
pischen Meeres an: Bactra, Iberia, Armenien, Mysien, 
Phrygien, der Hellespomt, Troas, Tenedus, Äbydus, Scepsis, 
Ilium, der Berg Ida, Cyzicum, Lampsacus, Sinope, Amisus, 
Heraclea im Pontus, Paphlagonien, Lemnus, Imbrus, Thasus, 
Cassandria, Thessalien, Macedonien, Larissa, Amphipolis, 
Thessalonice, Pella, Edessa, Beröa, Pharsalia, Carystum, 
Euböa der Böotiev, Chalcis, Delphi, Acarnanien, Aetolien, 
Apollonia, Beundisium, Tarentum, die Thurier, die Lokrer, 
Rhegium, die Lucaner, Neapel, Puteoli, das thuscische Meer, 
Corsica, die Balearischen Inseln, das mittlere Spanien. 
Ein Sonnenzeiger von 7 Fuss giebt einen 6 Fuss langen 
Schatten. Die grösste Anzahl von Stunden am Tage zur 
Zeit des Aequinoctii ist 15. 

Im sechsten Kreise, in welchem die Stadt Rom liegt, 
sind enthalten: die caspischen Völker, der Caucasus, das 
nördliche Armenten, Apollonia jenseits Rhyndacus, Nicome- 
dien, Nicäa, Chalcedon, Byzanz, Lysimachia, der Chersonesus, 
der Busen Melane, Abdera, Samothracien, Maronea, Aenuru, 
Bessica, Thracien, Mädica, Päonia, Illyrien, Dyrrachium, 
Canusium, die äusserste Grenze von Apulien, Campanien, 
Etrurien, Pisa, Lima , Luca, Gruna, Ligurien, Antipolis, 
Massilien, Narbone, Taracone, der mittlere Theil vom 
tarraconensischen Spanien und endlich Lusitanien. Ein 
Sonnenzeiger von 9 Fuss wirft einen 8 Fuss langen Schatten. 
Der längste Tag hat 15V9 oder nach Nigidius 2 ) 15Vö Ae- 
quinoctial-Stunden. 

') Angeblichen. 2 ) Publius Nigidius Figulus, Freund Cicero's. 
Astrolog, Erneuerer derPythagoräischen Schule, nahm im Bürgerkriege 
Pompejus Partei und starb 45 v. Chr. im Exil. 



492 Sechstes Buch. 

Der siebente fängt von der andern Küste des caspischen 
Meeres an und geht über Callatis, den Bosporus, Borysthenes, 
Tomi, den jenseitigen Theil von Thracien, die Triballer, 
den übrigen Theil von Illyrien, das adriatische Meer, 
Aquileja, Altinum, Venetia, Vicetia, Patavium, Verona, Cre- 
mona, Ravenna, Ancona, Picenum, die Marser, Peligner, 
Sabiner, Umbria, Ariminum, Bononia, Placentia, Mediolanum, 
und alles Uebrige vom Apenninus an, jenseits der Alpen 
das aquitanische Gallien, Vienna, die Pyrenäen und Celti- 
berien. Ein Sonnenzeiger von 35 Fuss wirft einen 36 Fuss 
langen Schatten, jedoch ist in Venetia der Schatten nicht 
länger als der Zeiger. Der längste Tag hat 15 3 /4 Aequi- 
noctial-Stunden. 

Bis hierher haben wir die Arbeiten der Alten mitge- 
theilt. Unter den spätem Schriftstellern bringen die ge- 
nauesten die noch übrigen Länder unter 3 Abschnitte. 

In dem einen vom Tanais an über den Mäotis und 
das Land der Sarmaten bis zum Borysthenes und so weiter 
durch Dacien, einen Theil von Germanien, Gallien nebst 
der Küste des angrenzenden Oceans hat der längste Tag 

16 Stunden. Der zweite geht über das Land der Hyper- 
boräer und Britannien, und hier dauert der längste Tag 

17 Stunden. Der letzte ist der scythische; er geht von 
dem riphäischen Gebirge bis Thule, wo, wie wir gesagt 
haben, nur einmal im Jahre Tag und wiederum ebenso- 
lange Nacht ist. Dieselben Schriftsteller setzen auch vor 
den von uns zuerst genannten Abschnitt noch zwei: der 
erste davon geht über die Insel Meroe und Ptolema'is, 
welches am rothen Meere liegt und wegen der Elephanten- 
jagd erbauet wurde; hier soll der längste Tag 12^2 Stunde 
dauern. Der zweite geht über Syene in Aegypten und 
die grösste Tageslänge beträgt 13 Stunden. Ebendieselben 
haben jedem der folgenden Kreise bis zu dem letzten noch 
V 2 Stunde an Tageslänge hinzugefügt. 

So viel von den Ländern. 



DIE 

NATURGESCHICHTE 



DES 



CAJÜS PLI1ÜS SECUNDÜS. 



INS DEUTSCHE ÜBERSETZT 
UND MIT ANMERKUNGEN VERSEHEN 



Prof. Dr. G. C. WITTSTEIN 

in München. 



ZWEITER BAND: 

(VII— XL Buch) 

Naturgeschichte des Menschen und der Thiere. 




LEIPZIG. 

Druck und Verlag von Gressner & Schramm. 
1881. 



Siebentes Euch. 



Von der Entstehung und Beschaffenheit des Menschen, und 
von der Erfindung der Künste. 

1. 
So verhält es sich mit der Welt und mit den Ländern, 
Völkern, Meeren, Städten u. s. w. in derselben. Die auf 
ihr lebenden Geschöpfe sind aber nicht weniger der Be- 
trachtung werth, als irgend ein anderer Theil derselben, 
wenn nur der menschliche Geist alles erfassen könnte. Mit 
Recht müssen wir mit dem Menschen den Anfang machen, 
um desswillen die Natur alles Andere erschaffen zu haben 
scheint, wenn sie gleich für ihre grossen Gaben einen so 
hohen und strengen Preis setzt, dass man nicht genau ent- 
scheiden kann, ob sie gegen den Mensehen eine gute 
Mutter oder eine böse Stiefmutter gewesen sei. Von allen 
lebenden Wesen ist er das einzige, das sie mit fremder 
Hülfe bekleidet; den übrigen hat sie mancherlei Bedeckungen 
verliehen, als: Schalen, Rinden, Häute, Stacheln, Zotten, 
Borsten, Haare, Federn, Flaum, Schuppen und Wolle. So- 
gar die Stämme der Bäume bat sie mit einer zuweilen 
doppelten Rinde vor Kälte und Hitze verwahrt. Nur den 
Menschen wirft sie bei der Geburt sogleich zum Jammern 
und Klagen nackt auf "die blosse Erde, und kein anderes 
Thier sonst zum Vergiessen von Thränen, und zwar gleich 
von der Geburt an. Aber wahrlich! des Lachens, jenes vor- 

Wittstein: Plinius. II. Bd. 1 



2 Siebentes Buch. 

eiligen, zu schnellen Lachens ist er vor dem 40. Tage 
nicht fähig. Von diesem ersten Anfange des Lebens an 
kommt er, was nicht einmal mit den bei uns erzeugten 
wilden Thieren geschieht, an allen Gliedern in Fesseln und 
Bande, und so liegt der glücklich geborene da mit gebun- 
denen Händen und Füssen, als ein weinendes Geschöpf, 
welches die übrigen beherrschen soll, und beginnt sein 
Leben mit Strafen für die einzige Schuld, dass er geboren 
ward. Oh über den Unsinn derer, welche nach einem 
solchen Anfange glauben, sie seien zum Stolze geboren! 

Die erste Ahnung von Kraft, das erste Geschenk der 
Zeit, macht ihn zu einem vierfüssigen Thiere. Wann aber 
lernt der Mensch gehen? Wann sprechen? Wann ist sein 
Mund fest genug, um Speisen zu geniessen? Wie lange 
klopft sein Scheitel, ein Beweis, dass er das schwächste 
aller Geschöpfe ist? Nun kommen Krankheiten und eben- 
so viele dagegen ersonnene Heilmittel, und auch diese 
werden oft durch neue Zufälle zu Schanden. Die übrigen 
Thiere erlangen bald ihre Ausbildung; einige machen Ge- 
brauch von der Schnelligkeit ihrer Füsse, andere von ihrem 
schnellen Fluge, andere vom Schwimmen. Aber der Mensch 
kann nichts, ohne dass es ihm gelehrt wird, weder sprechen, 
noch gehen, noch essen; kurz, er kann von Natur nichts 
als weinen. Daher hat es Viele gegeben, welche für das 
beste hielten, nicht geboren zu sein, oder doch bald wieder 
zu sterben. 

Unter allen lebenden Wesen ist nur ihm allein der 
Kummer, der Luxus, und zwar in unzähliger Weise und in 
Bezug auf jedes einzelne Glied, ihm allein die Ehrsucht, 
der Geiz, die unbegrenzteste Lebenssucht, der Aberglaube, 
die Sorge für das Begräbniss, ja sogar für die Zukunft 
nach seinem Tode eigen. Kein Geschöpf hat ein hinfälligeres 
Leben, eine grössere Begierde nach Allem, eine verwirrtere 
Furcht und eine heftigere Wuth. Endlich leben die übrigen 
Thiere mit ihrer Art friedlich zusammen; wir sehen sie 
schaarenweise vereinigt und nur gegen fremde Arten feind- 
selig auftreten. Die wilden Löwen kämpfen nicht unter 



Siebentes Buch. 3 

sich; der Biss der Schlangen ist nicht auf Schlangen ge- 
richtet; nicht einmal die Ungeheuer des Meeres und die 
Fische wtithen anders, als gegen ihnen verschiedene 
Gattungen. Aber wahrlich! der Mensch verdankt seine 
meisten Uebel den Menschen selbst. 

Von dem menschlichen Geschlechte im Allgemeinen 
haben wir bereits grösstentheils bei Aufzählung der Völker- 
schaften gesprochen. Auch wollen wir jetzt nicht die un- 
zähligen Sitten und Gebräuche, deren es fast ebenso viele 
als Gesellschaften unter den Menschen giebt, abhandeln; 
Einiges glaul e ich jedoch nicht ganz übergehen zu dürfen, 
besonders w "\s die weiter vom Meere entfernten Völker 
betrifft, wöbe manches so Wunderbare vorkommt, dass es 
ohne Zweifel Vielen unglaublich erscheinen wird. Denn 
wer hat wohl an die Aethiopier *) geglaubt, bevor er sie 
sah? Oder was kommt einem nicht wunderbar vor, was 
man zum ersten Male erfährt? Wie Vieles hält man nicht 
für unmöglich, bevor es geschehen ist? Aber die Macht und 
Erhabenheit der Dinge in der Natur wird stets unsern 
Glauben übersteigen, wenn man sie auch nur theilweise, 
nicht einmal in ihrer Ganzheit, im Geiste erfasst. Um 
nicht von den Pfauen, den Flecken der Tiger oder Panther 
und dem zahlreichen Farbenschmuck der Thiere zu reden, 
so ist es leicht gesagt, aber bei gehörigem Nachdenken 
etwas unendlich Grosses, dass unter den Völkern so viele 
Dialecte und Sprachen, so grosse Verschiedenheiten im Aus- 
drucke stattfinden, dass ein Fremder einem andern kaum 
als Mensch erscheint. Schon hinsichtlich des Aeusseru 
und des Gesichts, welches doch nur aus 10 oder einigen 
Gliedern mehr besteht, giebt es unter so vielen Tausend 
Menschen nicht zwei vollkommen gleiche Bildungen, was 
keine Kunst bei einer noch weit geringern Anzahl nachzu- 
ahmen im Stande sein möchte. Jedoch will ich bei den 
meisten der folgenden Erzählungen die Wahrheit nicht ver- 
bürgen, sondern ich werde vielmehr auf die Schriftsteller 



») D. h. die Mohren. 



4 Siebentes Buch. 

verweisen und sie bei allen zweifelhaften Umständen an. 
führen; nur muss man es nicht verschmähen, den Griechen 
zu folgen, da ihr Fleiss in dieser Beziehung sehr gross und 
ihre Ueberlieferungen die ältesten sind. 

•2. 

Dass es scytische Stämme, und zwar viele giebt, die 
Menschenfleisch essen, haben wir bereits angeführt. Diess 
würde uns vielleicht selbst unglaublich dünken, wenn wir 
nicht bedächten, dass es mitten auf dem Erdkreise, sogar 
in Sicilien und Italien, solche Ungeheuer von Menschen, 
nämlich die Cyclopen und Lästrygoner gegeben, und dass 
noch kürzlich bei den jenseits der Alpen wohnenden Völkern x ) 
die Sitte geherrscht habe, Menschen zu opfern, was sich 
nicht viel vom Fressen derselben unterscheidet. Neben 
den Scythen, welche gegen Norden wohnen, nicht weit von 
dem Ausgangspunkte und der sogenannten Höhle des Aquilo, 
welcher Ort Erdschloss (yiicxXei&Qov) heisst, sollen die 
Arimasper wohnen, welche, wie wir gesagt haben 2 ), sich 
durch ein Auge mittenauf der Stirn auszeichnen. Diese 
sollen wegen der Erze in beständigem Kriege mit 
den Greifen , der Sage nach einer Art wilden Vögel, 
sein, welche mit einer ausserordentlichen Gier das Gold 
in Gruben scharren und bewahren, die Arimasper es 
ihnen aber wieder rauben. So berichten viele und selbst 
berühmte Schriftsteller wie Herodot 3 ) und Aristeas 4 ) von 
Proconnesus. 

Hinter andern menschenfressenden Scythen liegt in 
einem grossen Thale des Berges Imaus eine Gegend, 
Namens Abarimon, in der wilde Menschen wohnen, deren 
Fusssohlen nach hinten gekehrt sind; sie besitzen aber eine 
ausserordentliche Schnelligkeit und ziehen mit den wilden 

») Die Druiden der Gallier, s. XXX. B. 4. Cap. 
IV. B. 26. Cap. VI. B. 11». Cap. 

a ) 111. B. 106. Cap; er erzählt es aber als Sage, der er selbst 
keinen Glauben beimisst. 

*) Lebte im 6. Jahrb. v. Chr. Aus einem epischen Gedichte 
von ihm schöpfte Herodot obiges Märchen. 



Siebentes Buch. 5 

Thicren umher. Sie sollen in einem andern Himmels- 
striche nicht leben, daher auch zu den benachbarten Königen 
nicht gebracht werden können, und aus derselben Ursache 
nicht vor Alexander den Grossen geführt worden sein, wie 
Bäton, dessen Wegevermesser, erzählt. 

Die zuerst erwähnten Menschenfresser, welche, wie 
wir gesagt haben *), gegen Norden, 10 Tagereisen jenseits 
des Flusses Borysthenes 2 ) wohnen, trinken aus Menschen- 
schädeln und binden sich haarige Felle statt Servietten vor 
die Brust, wie Isigonus 3 ) von Nicäa berichtet. Eben der- 
selbe sagt, in Albanien 4 ) würden Menschen mit meergrünen 
Augäpfeln geboren, die schon in der Kindheit graue Haare 
hätten und bei Nacht besser als bei Tage sehen könnten. 
Nach ihm nehmen die 10 Tagereisen hinter dem Bory- 
sthenes wohnenden Sauromater nur alle 3 Tage Nahrung 
zu sich. 

Crates 5 ) aus Pergamus erzählt, bei Parium 6 ) am Helles - 
pont habe es eine Gattung von Menschen gegeben, die er 
Ophiogenen 7 ) nennt, welche Schlangenbisse durch blosse 
Berührung zu heilen und durch Auflegen der Hand das 
Gift aus dem Körper herauszuziehen pflegten. Auch 
Varro giebt an, es gebe dort noch einige Menschen, deren 
Speichel den Schlangenbiss heilt. InjAfrika lebte, nach 
Agatharchides 8 ), ein ähnliches Volk, die Psyller, so genannt 
von ihrem Könige Psyllus , dessen Grabmal sich an der 
Seite der grössern Syrte befindet. Ihr Körper enthielt ein 
für die Schlangen tödtliches Gift, durch dessen Geruch 
diese in Schlaf versetzt würden. Bei ihnen herrschte die 
Sitte, die neugeborenen Kinder den gefährlichsten Schlangen 
vorzuwerfen und auf diese Weise die Keuschheit ihrer 
Gattinnen zu prüfen; wenn nämlich die Schlangen nicht vor 



») IV. B. 26. Cap. 2 ) Dniepr. 3 ) Unbekannt. 

4 ) Einem Theile des heutigen Georgien. S. VI. B. 10. Cap. 

») Nicht näher bekannter Schriftsteller. 6 ) Kemares. 

7 ) Von Schlangen Abstammende. 

») Von Knidos, Geograph des 2. Jahrh. v. Chr. 



fi Siebentes Buch. 

den Kindern flohen, so waren diese im Ehebruche erzeugt. 
Diess Volk ist aber von den Nasamonen, welche jetzt ihre 
Wohnsitze inne haben, fast gänzlich vertilgt worden, jedoch 
hat sich noch ein geringer Theil derselben von denen 
welche entflohen oder während des Kampfes abwesend 
waren, bis jetzt erhalten. Ein ähnliches Volk sind die 
Marser in Italien, welche von einem Sohne *) der Circe 
abzustammen behaupten und denen von Natur jene Kraft 
innewohnen soll. Allein alle Menschen haben ein Gift gegen 
Schlangen in sich, und man sagt, dass diese Thiere vom 
Speichel getroffen eben so fliehen, wie vor dem Uebergiessen 
mit kochendem Wasser. Wenn ihnen der Speichel in den 
Rachen dringt, sollen sie sogar sterben und besonders wenn 
er aus dem Munde eines nüchternen Menschen kommt 2 ). 

Hinter den Nasamonen 3 ) und ihren Nachbarn den 
Machlyern wohnen, wie Calliphanes 4 ) erzählt, die Andro- 
gynen, Menschen beiderlei Geschlechts, die sich wechsels- 
weise untereinander begatten. Aristoteles fügt noch hinzu, 
ihre rechte Brust sei von männlicher, ihre linke von weib- 
licher Bildung. 

In demselben Afrika soll es, nach Isigonus und Nyin- 
phodorus 5 ), gewisse Familien von Beschreiern geben, durch 
deren Lobsprüche alles verdirbt, Bäume vertrocknen und 
Kinder sterben. Derartige Menschen sollen sich nach Isi- 
gonus auch unter den Triballern und Illyriern finden, welche 
sogar durch den Blick bezaubern, und diejenigen tödten, 
welche sie, besonders mit zornigen Augen, längere Zeit an- 
sehen; ihre Beschwörungen hätten namentlich auf Erwachsene 
Einfluss. Noch merkwürdiger ist es, dass sie in jedem 
Auge 2 Pupillen haben. Dass Weiber dieser Art auch in 



f ) Telegonus, welchen die Zauberin dem Ulysses auf der Insel 
Aca gebar. 

2 ) Weiteres darüber im XXVIII. B. 7. Cap. 

3 ) Im heutigen Tripolis. 

*) Nicht näher bekannter Schriftsteller. 

*) Von Syrakus, dessen Zeitalter ungewiss ist. 



Siebentes Buch. 7 

Scythien leben, welche Bithyer heissen, erzählt Appollonides 1 ). 
Nach Phylarchus 2 ) soll es auch am Pontus ein Stamm, 
welche Thibier heissen und noch viele andere der Art 
geben; diese hätten in dem einen Auge 2 Pupillen und in 
dem andern das Bild eines Pferdes, auch könnten sie nicht 
untersinken, selbst wenn sie mit Kleidern beschwert wären. 
Ein ihnen nicht unähnliches Geschlecht sind, nach Dämon 3 ), 
die Pharnacer in Aethiopien, durch deren Schweiss alle 
damit berührten Körper die Abzehrung bekommen. 

Dass aber alle Weiber, welche doppelte Pupillen haben, 
durch ihren Blick schaden können, hat bei uns selbst 
Cicero behauptet. So gefiel es also der Natur, als sie in 
dem Menschen, nach Art der wilden Thiere, den Trieb 
menschliche Eingeweide zu verzehren gelegt hatte, auch in 
dem ganzen Körper und selbst in den Augen Mancher Gift 
zu erzeugen, damit es ja nichts Uebles gäbe, was nicht 
auch im Menschen wäre. 

Nicht weit von der Stadt Rom, im Gebiete der Faliscer, 
leben einige Familien, welche Hirper heissen; diese gehen 
bei dem jährlichen Opfer, welches am Berge Soracte 4 ) dem 
Apollo dargebracht wird, über einen angezündeten Haufen 
Holz ohne sich zu verbrennen; und deshalb sind sie durch 
einen unwiderruflichen Senatsbeschluss vom Kriegsdienst 
und allen andern bürgerlichen Lasten frei. 

Am Körper mancher Personen sind gewisse Theile mit 
besonderer Wunderkraft begabt; so heilte der König 
Pyrrhus durch blosse Berührung der grossen Zehe seines 
rechten Fusses die Milzsüchtigen. Auch soll dieselbe mit 
dem übrigen Körper nicht haben verbrannt werden können, 
und sei deshalb in einem Kästchen im Tempel aufbewahrt 
worden. 



') Von Nicaea, lebte wahrscheinlich in der ersten Hälfte dea 
1. Jahrh. n. Chr. 

2 ) Aus Athen oder Naucratis, Historiker um 190 v. Chr. 
s ) Von Cyrene, nicht näher bekannt. 
4 ) St. Oreste. 



£ Siebentes Buch. 

Namentlich ist Indien und das Land der Aethiopier 
voll von wunderbaren Begebenheiten. In Indien leben die 
grössten Thiere, so z. B. sind die Hunde dort weit grösser 
als anderswo *). Auch die Bäume sollen von solcher Höhe 
sein, dass die Pfeile nicht über sie hinaus fliegen. Die 
Fruchtbarkeit des Bodens, das milde Klima und der Ueber- 
fluss an Wasser wirken so bedeutend ein, dass, wenn man 
es glauben will, ganze Reiterabtheilungen sich unter einem 
einzigen Feigenbaume 2 ) verbergen können. Das Rohr aber 
erreicht eine solche Höhe, dass ein Schuss zwischen 
2 Knoten einen Kahn abgiebt, der 3 Menschen tragen kann. 

Viele Menschen weiden dort über 5 Cubitus gross, 
spucken nicht aus, leiden weder an Kopf-, Zahnweh, noch 
an Augeniibeln und fühlen selten Schmerzen an den übrigen 
Theilen des Körpers; sie erlangen diese Dauerhaftigkeit 
durch die so milde Wärme der Sonne. Ihre Philosophen, 
welche Gymnosophisten heissen, schauen vom frühen Morgen 
bis zum Abend unverwandten Blicks die Sonne an, und 
stehen den ganzen Tag über in dem heissen Sande ab- 
wechselnd auf einem Fusse. Auf einem Berge, der Nulo 
heisst, soll es, nach Megasthenes, Menschen mit verkehrten 
Fusssohlen und 8 Zehen an jedem Fusse geben. 

Auf vielen Bergen aber soll ein Stamm von Menschen 
wohnen, welche Hundsköpfe haben, sich in Felle wilder 
Thiere hüllen , deren Stimme ein Bellen ist , die mit 
Klauen bewaffnet sind und von der Jagd und dem Vogel- 
fange leben. Ctesias schreibt, dass zu seiner Zeit ihre Zahl 
über 120,000 betragen habe; ferner, dass bei einem ge- 
wissen indischen Volke die Frauen nur einmal in ihrem 
Leben gebären und die Neugebornen sogleich grau würden. 
Auch soll eine Art Menschen unter dem Namen Monocoler 



') S. VIII. B. 61. Cap. 

*) Ficus religiosa ist hier genannt; die Aeste senken sich näm- 
lich zur Erde, wurzeln, treiben neue Bäume, die alle zusammenhängen, 
sich auf diese Weise immer weiter fortpflanzen und einen kleinen 
Wald bilden. 



Siebentes Buch. 9 

existiren, welche nur 1 Bein haben, aber eine ausserordent- 
liche Gewandheit im Springen besitzen; sie sollen auch 
Sciapoden heissen, weil sie bei grosser Hitze rückwärts 
auf der Erde liegen und sich durch den Schatten des 
Fusses schützen; sie sollen nicht weit von den Troglodyten 
entfernt wohnen und wiederum westlich von diesen Andere, 
die keinen Kopf und die Augen auf den Schultern 
hätten, leben. 

Auch Satyrn giebt es auf den subsolanischen (östlichen) 
Bergen Indiens (die Gegend heisst die catharcludische) ; 
sie sind äusserst schnelle Geschöpfe, gehen sowohl auf 
allen Vieren als aufrecht, haben menschliche Gestalt, und 
können, wegen ihrer Behändigkeit nur dann, wenn sie alt 
oder krank sind, gefangen werden. Tauron l ) erwähnt der 
Choromander, eines Volkes, welches in Wäldern lebt, keine 
ordentliche Stimme, sondern nur ein grässliches Gekreisch 
hören lässt, rauh am Körper ist, meergrüne Augen und 
Hundszähne hat. Nach Eudoxus wohnen in den südlichen 
Theilen Indiens Männer, deren Füsse 1 Cubitus lang 
und Weiber, bei denen sie so klein sind, dass sie Strutho- 
poden 2 ) genannt werden. 

Nach Megasthenus haben die Scyriten, ein indisches 
Nomadenvolk, statt der Nase nur Löcher und schlangen- 
artig gewundene Füsse. An der äussersten östlichen Grenze 
von Indien um die Quelle des Ganges wohnen die 
Astomer, welche keinen Mund haben, am ganzen Körper 
rauh sind, sich in Seide kleiden und nur vom Athmen und 
dem Dufte, welchen sie mit der Nase einziehen, leben. 
Sie gemessen weder Speise noch Trank, sondern nähren 
sich bloss von den verschiedenen Gerüchen der Wurzeln 
Blumen und wilden Früchte, die sie auf grössern Reisen 
bei sich führen, damit sie immer etwas zu riechen haben; 
ein etwas starker Geruch soll sie aber leicht tödten. 

Hinter diesen, am äussersten Ende der Berge, sollen 
die Trispithamer und Pygmäer, welche nicht länger als 



') Unbekannter Schriftsteller. 2 ) Sperlingsfüssige. 



10 Siebentes Buch. 

3 Spannen, d. h. 2 1 4 Fuss gross werden, in einer sehr ge- 
sunden, stets grünenden und durch Berge gegen Norden 
geschützten Gegend wohnen. Nach Homer *) leben sie mit 
den Kranichen fortwährend im Kriege. Man sagt, sie ritten 
auf Widdern und Ziegen, zögen im Frühlinge in grosser 
Anzahl mit Pfeilen bewaffnet ans Meer, und vertilgten die 
Eier und Jungen dieser Vögel; diesen Feldzug vollbrächten 
sie in 3 Monaten, und im Unterlassungsfalle würden sie 
den daraus entstehenden Vögelschaaren auf keine andere 
Weise Widerstand leisten können. Ihre Wohnungen be- 
reiten sie aus Lehm, Federn und Eierschalen. Nach Ari- 
stoteles leben die Pygmäer in Höhlen; im Uebrigen stimmt 
seine Erzählung mit denen der andern Schriftsteller überein. 

Die Cyrner, ein indischer Stamm, werden nach Isigonus 
140 Jahre alt. Dasselbe behauptet er von den äthiopischen 
Macrobiern, Serern und den Bewohnern des Berges Athos, 
von letzteren aus dem Grunde, weil sie das Fleisch der 
Vipern essen, wesshalb sie auch weder auf ihrem Kopfe 
noch in ihren Kleidern Ungeziefer haben sollen. 

Onesicritus erzählt, an den Orten Indiens, wo kein 
Schatten ist 2 ) , gäbe es Menschen von 5 Cubitus und 
2 Palmen Länge, welche 130 Jahre lebten, aber keine 
Greise würden, sondern in ihren besten Jahren stürben. 
Crates von Pergamus nennt diejenigen Indier, welche über 
100 Jahre alt werden, Gymneter, Andere nennen sie Macro- 
bier. Nach Ctesias lebt unter diesen ein Stamm, der Pau- 
darä heisst, in einem Thale, deren Glieder 200 Jahre lang 
leben, in der Jugend weisse und im Alter schwarze Haare 
haben. Dahingegen sollen andere , die an die Macrobier 
grenzen, das vierzigste Jahr nicht überschreiten, und deren 
Frauen nur einmal gebären; dasselbe erzählt auch Agathar- 
chides. Uebrigens leben sie von Heuschrecken und sind 
sehr behende. Clitarchus und Megasthenes nennen sie 
Mander, und letzterer giebt die Anzahl ihrer Dörfer auf 
300 an. Die Weiber gebären im siebenten Jahre und 
treten mit dem 40. ins Greisenalter. 

') lliade III. 3. J ) II. B. 75. Cap. 



Siebentes Buch. 11 

Artemidorus erzählt, dass die Bewohner der Insel 
Taprobane ohne irgend eine Schwäche des Körpers sehr 
lange lebten. Nach Duris x ) begatten sich einige Indier mit 
wilden Thieren und die aus dieser Vermischung Erzeugten 
wären halbwild. Unter den Calingern, ebenfalls einem in- 
dischen Volke, empfingen die Weiber schon im 5. Jahre 
und würden nicht über 8 Jahre alt. An andern Orten gäbe 
es Menschen mit haarigen Schwänzen und von ausserordent- 
licher Schnelligkeit; Andere könnten sich mit ihren Ohren 
ganz bedecken. Der Fluss Arbis trennt die Oriten von den 
Indiern. Diese kennen keine andere Speise als Fische, 
welche sie mit den Nägeln zerreissen und an der Sonne 
trocknen; nach Cütarchus sollen sie auch eine Art Brod 
aus denselben machen. Crates aus Pergamus schreibt, die 
Troglodyten hinter Aethiopien wären schneller als die 
Pferde; ferner, die Aethiopier würden über 8 Cubitus gross, 
und dieses Volk hiesse die Syrboten. 

Unter den äthiopischen Nomaden, die am Flusse 
Astragus gegeu Norden hin woLnen, heisst ein Stamm die 
Menisminer, diese wohnen 20 Tagereisen vom Meere ent- 
fernt und leben von der Milch der Thiere, welche wir 
Cynocephalen genannt haben, von denen sie ganze Heerden 
haben, die männlichen aber, mit Ausnahme der zur Fort- 
pflanzung nöthigen, tödten. In den Einöden Afrika's sieht 
man zuweilen Menschengestalten vor sich, die augenblick- 
lich wieder verschwinden. Diese und ähnliche Gestalten von 
Menschen erschuf die erfinderische Natur sich zum Scherze, 
uns aber zum Wunder. Und wer vermöchte wohl alles das, 
was sie täglich, ja stündlich hervorbringt, einzeln aufzu- 
zählen? Um ihre Macht zu zeigen, mag es genügen, ganze 
Völker unter den wunderbaren Erscheinungen angeführt 
zu haben. Wir gehen nun zu dem wenigen Zuverlässigen, 
was wir über den Menschen wissen, über. 

3. 

Dass es Drillingsgeburten giebt, ist durch das Bei- 

') Aus Samos, Historiker, lebte im 3. Jahrh. v. Chr. 



22 Siebentes Buch. 

spiel der Horatier und Curiatier *) erwiesen; eine grössere 
Anzahl wird für ein Wunderzeichen gehalten, ausser in 
Aegypten, wo das Trinken des Nilwassers fruchtbar macht. 
In der neuesten Zeit, gegen Ende der Regierung des Kaisers 
Augustus, gebar Fausta, eine Plebejerin zu Ostia, 2 Knaben 
und 2 Mädchen auf einmal, was ohne Zweifel die darauf 
folgende Hungersnoth bedeutete. Im Peloponnes ist sogar 
eine Frau 4 mal mit Fünflingen niedergekommen, von denen 
der grössere Theil am Leben blieb; und nach Trogus 2 ) 
sollen in Aegypten 7 Kinder von einer Mutter auf ein 
Mal zur Welt gekommen sein. Es werden auch Menschen 
beiderlei Geschlechts geboren, welche wir Hermaphroditen 
(Zwitter) nennen; sonst hiessen sie Androgynen und wurden 
für Wunder gehalten, jetzt aber dienen sie zum Vergnügen. 
Pompejus der Grosse vermehrte die Verzierung des 
Theaters durch Bilder berühmt gewordener Personen, die 
zu diesem Behufe von ausgezeichneten Künstlern sorg- 
fältig ausgeführt waren. Unter diesen befindet sich auch 
Eutychis, die von 20 K ; :üern auf den Scheiterhaufen ge- 
legt wurde, und zu Tralles 30mal geboren hatte. Ferner 
Alcippe, die einen Elephanten gebar, was jedoch mehr unter 
die Wunder gehört. Auch zu Anfange des marsischen 
Krieges 3 ) kam eine Magd mit einer Schlange nieder. Unter 
den Missgeburten kommen mannigfaltige Bildungen vor. 
Der Kaiser Claudius schreibt, dass in Thessalien ein Hippo- 
centaur 4 ) geboren, an demselben Tage jedoch wieder ge- 
storben sei. Wir selbst haben einen solchen gesehen, der 
ihm während seiner Regierung aus Aegypten in Honig 
gebracht wurde. Man kennt ein Beispiel, dass ein neuge- 
bornes Kind zu Sagunt sogleich wieder in den Mutterleib 
zurückkehrte, und zwar in demselben Jahre, wo diese Stadt 
von Hannibal zerstört wurde 5 ). 

') S. Livius 1. 24. 2 ) Trogus Pompejus, lebte zur Zeit August's. 

3 ) Die Marser waren ein beträchtliches Volk in Mittelitalien. 
Im Bundesgenossenkriege standen sie an der Spitze der feindlichen 
Partei, daher dieser Krieg 91 v. Chr. begonnen, auch, wie hier 
der marsische genannt wurde. 

A ) Halb Pferd und halb Mensch. *) 219 vor Chr. 



Siebentes Buch. 13 

Dass Weiber in Männer verwandelt werden, ist keine 
Fabel. Wir finden in den Annalen, dass unter den Consuln 
P. Licinius Crassus und C. Cassius Longinus l ) aus einem 
Mädchen zu Casinum 2 ) im Beisein der Eltern ein Knabe 
geworden, und auf Befehl der Wahrsager auf eine wüste 
Insel gebracht ist. Licinius Mucianus erzählt, er habe zu 
Argos einen gewissen Arescon gesehen, der früher Ares- 
eusa geheissen und als solche sogar geheirathet hätte; 
bald darauf sei bei ihr der Bart und die Mannheit zum 
Vorschein gekommen und sie habe nun eine Frau genommen. 
Einen Knaben ähnlicher Art will er in Smyrna gesehen 
haben. Ich selbst sah in Afrika den L. Cossicius, einen 
thysdritanischen 3 ) Bürger, der an seinem Hochzeitstage 
in einen Mann verwandelt worden war. 

Bei Zwillingsgeburten geschieht es selten, dass ent- 
weder die Mutter, oder beide Kinder am Leben bleiben. 
Sind aber die Zwillinge verschiedenen Geschlechts, so ist 
die Rettung beider, der Mutter und der Kinder, noch seltener. 
Uie Geburt der Mädchen geht schneller von statten als die 
der Knaben; auch altern jene schneller. Die Knaben regen 
sich öfter im Mutterleibe und liegen bekanntlich mehr auf 
der rechten, die Mädchen mehr auf der linken Seite. 

4. 

Die übrigen lebenden Geschöpfe haben eine bestimmte 
Zeit des Gebarens und der Schwangerschaft; der Mensch 
aber wird zu allen Zeiten des Jahres und nach einem un- 
bestimmten Zeiträume der Empfängniss, der eine im 7., der 
andere im 8 W ja bis zu Anfang des 10. und 11. Monats ge- 
boren. Vor dem 7. Monate ist kein Kind lebensfähig. 
Im 7. Monate findet eine Geburt nicht anders als am Tage 
vor oder nach dem Vollmonde, oder auch im Neumonde 
statt. Bekanntlich erfolgen in Aegypten die Geburten im 
8. Monate, und selbst in Italien sind solche Kinder lebens- 
fähig , obgleich die Alten das Gegentheil behaupteten. 
Uebrigens gestalten sich dergleichen Ereignisse auf mannig- 



') 171 v. Chr. -) Casino. s ) El Dschemme. 



24 Siebentes Buch. 

fache Weise. Vestilia, die Gattin des C. Herdicius, nachher 
des Pomponius und dann des Orfitus, dreier berühmter 
Bürger, kam von diesen 4 mal im 7. Monate nieder; darauf 
gebar sie im elften den Suilius Rufus, im siebenten den 
Corbulo, welche beide Consuln waren, später im achten 
Caesonia, die Gemahlin des Kaisers Cajus. Alle in einem 
dieser Zeiträume Geborene schweben bis zum 40. Tage in 
der grössten Gefahr , die Schwangern aber im 4. und 
8. Monate, in welchen unzeitige Geburten tödtlich sind. 
Masurius 1 ) erzählt, der Prätor C. Papirius habe, als ein 
Erbe zweiten Grades seine Forderung geltend macheu 
wollte, den Besitz der Güter dennoch einem Andern, mit 
welchem die Mutter 13 Monate lang schwanger gewesen 
zu sein behauptete, zugesprochen, weil ihm keine bestimmte 
Zeit der Niederkunft festzustehen schien. 

5. 
Am zehnten Tage nach der Empfängniss sind Kopf- 
schmerzen, Schwindel, Dunkelheit vor den Augen, Ekel vor 
Speisen und Aufstossen aus dem Magen, Anzeigen vom 
Entstehen eines Menschen. Die mit einem Knaben 
Schwangere hat eine bessere Gesichtsfarbe und gebärt 
leichter. Am 40. Tage fängt das Kind an sich zu rühren. 
Das Gegentheil von allem findet statt, wenn das Kind 
weiblichen Geschlechts ist; dann ist die Bürde unerträglich, 
an den Schenkeln und Schamtheilen zeigt sich eine leichte 
Geschwulst, die erste Bewegung aber erfolgt erst am 
90. Tage. Allein die grösste Mattigkeit fühlt die Schwangere 
bei beiden Geschlechtern, wenn dem Kinde das Haar wächst 
und zur Zeit des Vollmondes, der auch auf bereits Ge- 
borene einen nachtheiligen Einnuss ausübt. Ja sogar das 
Gehen und alles, was man nur nennen kann, wirkt auf 
Schwangere; wenn sie z. B. zu stark gesalzene Speisen essen, 
so gebären sie Kinder ohne Nägel, und wenn sie Athem 
geholt haben, so gebären sie schwieriger. Das Gähnen 



') Masurius oder Masurius Sabinus, Rechtsgelehrter aus der 
Zeit des Kaisers Tiberius. 



Siebentes Buch. j 5 

während der Geburt ist tödtlich, sowie das Niesen nach 
dem Beischlafe einen Abortus bewirkt. 

Man wird mit Bedauern und Scham erfüllt, wenn man 
bedenkt, von welch' unbedeutenden Zufällen die Entstehung 
des stolzesten unter den Geschöpfen abhängt, da sehr oft 
schon der Geruch ausgelöschter Lampen die Ursache un- 
zeitiger Geburten ist. Einen solchen Anfang hat der Ty- 
rann, einen solchen das blutdürstige Gemüth. Du, der du 
auf die Kräfte deines Körpers pochst, der du nach den 
Gaben des Glücks haschest und dich nicht einmal für den 
Pflegling sondern für das Kind desselben halst; du, dessen 
Geist stets mit Siegen umgeht, der du, aufgeblasen durch 
irgend ein glückliches Ereigniss, dich für einen Gott halst, 
dich konnte ein so unbedeutender Umstand umbringen ! 
Ja noch jetzt kann diess ein noch geringerer, denn wie 
klein ist der Biss vom Zahne einer Schlange! Starb doch 
schon der Dichter Anacreon *) an dem Kerne einer Wein- 
beere; erstickte schon der Senator und Prätor Fabius an 
einem Haar, welches er beim Trinken der Milch mit ver- 
schluckte! Der nur wird das Leben seinem wahren Werthe 
nach schätzen, welcher der menschlichen Hinfälligkeit stets 
eingedenk ist. 

6. 

Dass bei der Geburt die Füsse zuerst kommen, ist 
wider die Natur, und daher hat man solche Kinder Agrippen, 
d. h. Schwergeborene 2 ) genannt. Auf diese Weise soll 
M. Agrippa 3 ) zur Welt gekommen, und er fast das einzige 
Beispiel einer solchen glücklich abgelaufenen Geburt sein. 
Allein auch er hatte kranke Füsse, eine elende Jugend, 

') Geb. 559 v. Chr. zu Teos in Jonien, starb 474. -) Aegre parti. 

3 ) Der berühmte Schwiegersohn des Kaisers Augustus. Mit 
seiner Gattin Julia, der ausschweifenden Tochter des Kaiser Augustus. 
zeugte er 3 Söhne und 2 Töchter, nämlich: C. Caesar, L. Caesar, 
Agr. Postumus, Julia und die ältere Agrippina, die nacbherige Ge- 
mahn des Germanicus und Mutter des Cajus (Caligula) und der 
jüngeren Agrippina, die sich mit dem Senator Cn. Domitius Aheno- 
barbus verheirathete , diesem den Domitius Nero gebar und später 
die vierte Gemahn des Kaisers Claudius wurde. Er starb 12 n. Chr. 



Itf Siebentes Buch. 

brachte sein Leben in Kifcieg und Todesgefahren hin, alle 
seine Handlungen waren ihm schädlich, sein Stamm gereichte 
der Welt zum Unheil, vorzüglich durch die beiden Agrippinen, 
welche den Cajus und Domitius Nero, diese zwei Geissein 
des menschlichen Geschlechts, gebaren. Uebrigens lebte 
er nicht lange, denn schon im 51. Jahre starb er, und 
durch die Betrübniss, welche ihm die Untreue seiner Ge- 
mahn, sowie das sclavische Verhältniss zu seinem Schwieger- 
vater bereitete , hat er die Bedeutung seiner verkehrten 
Geburt büssen müssen. Dass auch selbst Nero, der noch 
vor Kurzem Kaiser und während seiner ganzen Herrschaft 
ein Feind des menschlichen Geschlechts war, mit den 
Füssen zuerst geboren wurde, giebt seine Mutter Agrippina 
an. Naturgemäss ist, dass der Mensch mit dem Kopfe zu- 
erst auf die Welt kommt, und mit den Füssen voran aus 
derselben zu Grabe getragen wird. 

7. 

Glücklicher kommen die zur Welt, deren Mutter bei 
der Geburt stirbt, wie Scipio Africanus der ältere, und 
der erste der Cäsaren, der diesen Namen erhielt, weil er 
aus dem aufgeschnittenen Leibe der Mutter kam; da- 
her auch solche Kinder Cäsonen r ) heissen. Auf ähnliche 
Weise wurde auch Manilius geboren, der mit einem Kriegs- 
heere nach Carthago ging. 

8. 

Vopiscus heisst derjenige unter Zwillingen, welcher 
erst dann geboren wird, wenn der eine durch eine Fehlge- 
burt todt abgegangen ist. Es sind in dieser Beziehung 
sehr merkwürdige, wenn gleich seltene Beispiele bekannt, 

" 9. 

Ausser dem Weibe dulden nur wenige Thiere, während 
sie trächtig siuJ, die Begattung. Eins oder das andere 
wird höchstens überfruchtet. Man rindet in den Schriften 
der Aerzte und Anderer, die sich die Erforschung solcher 
Dinge angelegen sein Hessen, dass durch eine Fehlgeburt 

') Z. B. der Consul Caeso Pabius im J. 481 vor Chr. 



Siebentes Buch. 17 

schon 12 Leibesfrüchte abgingen. Wenn aber zwischen 
Ä\vei Empfängnissen einige Zeit verflossen ist, daun kommen 
sie beide zur Reife, wie diess beim Hercules und seinem 
Bruder fphicles der Fall war; desgleichen bei einer Frau, 
die Zwillinge gebar, von denen der eine ihrem Manne, der 
andere aber dem Ehebrecher ähnlich sah. Dasselbe ge- 
schah mit einer proconnesischen Magd, die nach einem 
doppelten Beischlafe an ein jund demselben Tage mit 
einem Kinde, was ihrem Herrn, und mit einem zweiten, 
was dessen Verwalter ähnlich sah, niederkam. Eine An- 
dere gebar ein rechtzeitiges Kind und ein 5 Monate altes 
zugleich; noch eine Andere gebar nach 7 Monaten und be- 
kam 2 Monate nachher noch Zwillinge. 

10. 

Es ist allgemein bekannt, dass gesunde Eltern gebrech- 
liche Kinder, kranke Eltern gesunde Kinder erzeugen; 
ferner dass die Gebrechen an denselben Theilen wieder 
vorkommen, ja, das sogar Zeichen, Maale und Narben sich 
fortpflanzen können. Bei den Daciern zeigte sich am Arme 
das Merkmal der Geburt bis ins vierte Glied. Unter den 
Lepidern wurden, wie ich erfahren habe, 3 in ununter- 
brochener Ordnung geboren, deren Auge mit einer Haut 
überzogen war. Manche Kinder sehen dem Grossvater 
ähnlich; von Zwillingen oft der eine dem Vater, der an- 
dere der Mutter, und Geschwister, von denen eins ein Jahr 
später geboren ist als das andere, gleichen sich zuweilen 
wie Zwillinge. Einige Frauen gebären stets Kinder, die 
nur ihnen, manche hingegen nur solche, die dem Manne, 
manche solche, die keinem von beiden ähnlich sind, endlich 
sind manche Mädchen dem Vater, manche Knaben der 
Mutter ähnlich. Einen unbezweifelten Beweis davon liefert 
Nicäus, ein berühmter Faustkämpfer in Byzanz, dessen 
Mutter im Ehebruche mit einem Mohren erzeugt worden 
war und sich hinsichtlich der Hautfarbe von andern 
Menschen nicht unterschied; er aber repräsentirte durch 
seine Hautfarbe seinen Grossvater, den Aethiopier. 

Bei den Aehnlichkeiten kommt es vorzüglich auf die 

Wittstein: Pliuins. II. Bd. 9 



lg Siebentes Buch. 

Beschäftigung des Geistes an, und hierbei sollen viele zu- 
fällige Dinge als Gesicht, Gehör, Gedächtniss, und selbst 
die während des Beischlafs geschöpften Bilder wirksam 
sein. Sogar ein Gedanke, der vor der Seele des Einen 
oder Andern schnell vorübergeht, soll eine Aehnlichkeit 
hervorbringen oder doch Theil an der Mischung haben. 
Deshalb findet eine weit grössere Verschiedenheit unter 
den Menschen als unter allen übrigen Thieren statt, denn 
die Schnelligkeit des Geistes und der Gedanken und die 
Mannigfaltigkeit der Fähigkeiten hinterlässt die verschie- 
densten Eindrücke; die Thiere aber haben einen unbeweg- 
lichen Geist und sind darum allen sowie jedem einzelnem 
ihrer Gattung ähnlicher. 

Dem Könige Antiochus von Syrien glich ein Mann aus 
der gemeinen Klasse, Namens Artemon, so sehr, dass 
Laodice, die königliche Gemalin, nach der Ermordung des 
Antiochus 1 ), durch ihn den Betrug, sich dem Volke zu 
empfehlen und sich die Nachfolge in der Regierung zu 
sichern, ausführen konnte. Dem grossen Pompejus waren 
ein gewisser Vibius, ein Plebejer, und Publicius, ein freige- 
lassener Sclave, täuschend ähnlich; sie hatten auch dasselbe 
ehrfurchtgebietende Gesicht und denselben Adel auf der 
hohen Stirn. Aus gleicher Ursache wurde seinem Vater 
der Beiname seines Kochs Menogenes, Strabo 2 ), beigelegt, 
den dieser wegen seinen^ Augen hatte, um die Aehnlichkeit 
dieses Fehlers anzudeuten, und Scipio erhielt den Namen 
Serapio von dem elenden Sclaven eines Schweinehändlers. 
Ein späterer Scipio aus derselben Familie wurde nach 
einem Schauspieler Salvitto benannt. Ferner bekamen 
die gleichzeitigen Consuln Lentulus und Metellus 3 ), der 
eine den Beinamen Spinther, nach einem Schauspieler 



') 187 vor Chr. Sie legte nämlich den Artemon in das Bett des 
von ihr ermordeten Königs, als sei dieser schwer erkrankt, und Hess 
sich von jenem dem herbeigerufenen Volke empfehlen. Valer. Maxim . 
IX. 14. 

2 ) Strabo heisst ein Schielender. 3 ) 57 vor Chr. 



Siebentes Buch. 19 

zweiten, der andere den Beinamen Pamphilus nach einem 
Schauspieles dritten Ranges, weil sich der unangenehme 
Zufall ereignete, dass man die Ebenbilder beider Consuln 
auf der Bühne zugleich erblickte. Auf umgekehrte Art gab 
der Redner L. Plancus dem Schauspieler Rubrius einen 
Beinamen. Wiederum wurden Curie- der Vater und der 
Censor Messala nach Schauspielern, ersterer Burbulejus, 
der andere Menogenes genannt. Auch war ein gewisser 
Fischer in Sicilien dem Proconsul Sura nicht nur an Ge- 
stalt, sondern auch an dem Aufreissen des Mundes beim 
Reden, Einziehen der Zunge und der lärmenden Aussprache 
ähnlich. Dem berühmten Redner Cassius Severus *) warf 
man die Aehnlichkeit mit einem Viehhirten Mirmillo vor. 
Toranius, ein Sclavenhändler, verkaufte dem Antonius, als 
er schon Triumvir war, 2 sehr schöne Knaben, von denen 
der eine in Asien, der andere jenseits der Alpen geboren 
war, als Zwillinge, so gross war ihre Aehnlichkeit. Als 
sich nachher aus der Sprache der Knaben der Betrug er- 
gab, wurde jener vom Antonius wüthend angefahren, und 
da dieser sich unter andern über den hohen Preis be- 
schwerte (denn er hatte sie für 200,000 Sestertien gekauft), 
so entgegnete der schlaue Händler, ebendeshalb habe er 
sie so theuer verkauft, denn bei solchen, die von Einer 
Mutter geboren wären, sei die Aehnlichkeit nichts unge- 
wöhnliches, dass man aber von ganz verschiedenen Völkern 
Kinder von solcher Aehnlichkeit fände, sei eine unschätz- 
bare Seltenheit. Dadurch erregte er gerade zur rechten 
Zeit eine solche Bewunderung, dass jener, der eben noch 
über den ihm angethanen Schimpf empört war, nun kein 
grösseres Glück zu haben glaubte als die beiden Knaben. 

11. 
Es giebt eine gewisse ganz besondere Antipathie unter 
den menschlichen Körpern, und die, welche unter sich un- 
fruchtbar sind, zeugen Kinder, wenn sie sich mit andern 



') Lebte unter Augustus und Tiberius. 

2* 



20 Siebentes Buch. 

verbunden haben , wie z. B. Augustus uud Livia x ). Des- 
gleichen erzeugen manche Männer und Frauen nur Mädchen 
oder nur Knaben; gewöhnlich aber wechseln sie ab , wie 
die Mutter der Gracchen 2 ) zwölfmal, und Agrippina 3 ), die 
Gemahlin des Germanicus, neunmal. Einige sind in der 
Jugend unfruchtbar, Andere gebären nur einmal in ihrem 
Leben. Einige tragen die Frucht nie aus, und bringen, 
wenn Arzneimittel und gehörige Sorgfalt dem Uebel ab- 
helfen, fast immer Mädchen zur Welt. Der Kaiser Augu- 
stus sah, unter andern seltenen Fällen seines Lebens, auch 
einen Enkel seiner Enkelin, der in demselben Jahre, wo 
er starb, geboren war, den M. Silanus nämlich, welcher, 
als er nach geführtem Consulate Asien erhielt, von seinem 
Nachfolger, dem Kaiser Nero, durch Gift getödtet wurde 4 ). 
Q. Metellus Macedonicus 5 ) hinterliess 6 Kinder und 11 En- 
kel, mit den Schwiegertöchtern und Schwiegersöhnen aber, 
und überhaupt allen, welche ihn mit dem Vaternamen be- 
grüssten, 27. In den Jahrbüchern aus den Zeiten des 
Kaisers Augustus findet man, dass während seines 12. mit 
dem Lucius Sulla geführten Consulates 6 ) am 11. April 
C. Crispinus Hilarus aus der freigebornen fesulanischen 7 ) 
Plebejerfamilie mit 8 Kindern (unter denen 2 Töchter waren), 
28 Enkeln, 19 Urenkeln und 8 Enkelinnen in feierlichem 
Zuge auf dem Capitole erschienen sei und daselbst ge- 
opfert habe. 

12. 
Das Weib gebärt nach dem 50. Jahre nicht mehr, und 
bei den meisten hört die Menstruation schon im 40. auf. 



') Sie zeugten keine Kinder miteinander, während doch Augustus 
mit seiner ersten Gemahn Scribonia die Julia, und Livia mit ihrem 
ersten Gemal Tiberius Nero den Tiberius und Drusus hatte. 

-) Cornelia. 3 ) Die Tochter des M. Agrippa. 

4 ) Tacitus bürdet diess Verbrechen der Agrippina, Mutter des 
Nero, auf. Annal. XIII. 1. 

•'•) Erhielt diesen Namen nach glücklicher Beendigung des drit- 
ten rnacedonischen Krieges, 146 v. Chr. Florus II. 14. 

6 ) Im J. 5 n. Chr. ») FiesOla, 



Siebentes Buch. 21 

Was die Männer betrifft, so ist bekannt , dass der König 
Massinissa nach seinem 86. Lebensjahre noch einen Sohn 
erzeugte, den er Methymanus nannte, und der Censor Cato *) 
im 80. Jahre mit der Tochter seines Clienten Salonius. 
Daher heisst der Zweig seiner andern Kinder der der Lici- 
nianer, der seines letzten Sohnes aber der der Salonianer, 
und zu letztern gehört der uticensische 2 ). Kürzlich wurde 
sogar dem L. Volusius Saturninus, der als Präfect von Rom 
starb, nach seinem 62. Jahre von der Cornelia, aus der 
Familie der Scipionen, Volusius Saturninus, welcher später 
Consul wurde 3 ), geboren. Und man hat Beispiele von ge- 
ringen Leuten, die bis zum 75. Jahre zeugungsfähig blieben. 

13. 
Das einzige Geschöpf, welches einen monatlichen 
Blutabgang hat, ist das Weib; daher kommen nur in 
ihrer Gebärmutter die sogenannten Mondkälber 4 ) vor. 
Diess ist ein unförmliches Stück Fleisch, ohne Leben, das 
dem Stiche und Schnitte des Eisens widersteht. Es bewegt 
sich und hemmt den Monatsfluss, gleich wie eine Leibes- 
frucht; bisweilen wird es den Weibern tödtlich, bisweilen 
behalten sie es bis in ihr Alter, oder es geht bei schneller 
Eröffnung des Leibes ab. Etwas Aehnliches erzeugt sich 
auch im Leibe der Männer, und diess nennt man Blutge- 
schwulst 5 ), wie beim Prätor Oppius Capito der Fall war. 
Aber nicht leicht wird man etwas finden, was wunderbarere 
Wirkungen hervorbringt als der Blutfluss der Weiber. 
Kommen sie in diesem Zustande in die Nähe von Most, so 
wird er sauer, die Feldfrüchte werden durch ihre Berührung 
unfruchtbar, Pfropfreiser sterben ab, die Keime in den 
Gärten verdorren, und die Früchte der Bäume, unter denen 
sie gesessen haben, fallen ab. Der Glanz der Spiegel 
wird durch ihren blossen Blick matt, die Schneide eiserner 



») Lebte 214—148 vor Chr. 

2 ) Cato, der sich 46 vor Chr. zu Utica in Afrika tödtete. 

3 ) 56 nach Chr. 

') Molae. 5 ) Scirrhus. 



22 Siebentes Buch. 

Geräthe wird stumpf, das Elfenbein verliert seinen Glanz, 
ja sogar Erz und Eisen rosten und bekommen einen üblen 
Geruch; Hunde, die davon lecken, werden wüthend, und 
ihr Biss wird dadurch zum unheilbaren Gifte. Selbst das 
sonst so zähe und klebrige Harz, welches zu einer gewissen 
Zeit auf dem Asphaltsee in Judäa herumschwimmt, das 
sich nicht ablösen lässt und an alles, was damit in Be- 
rührung kommt, sich fest anhängt, haftet nicht an einem 
Faden, der mit diesem Gifte benetzt ist. Sogar die Ameise, 
dieses so kleine Thier, soll eine Empfindung davon haben, 
denn sie wirft die zusammengetragenen Körner, welche 
davon berührt sind, weg und sucht sie niemals wieder auf. 
Und diese grosse Beschwerde tritt bei den Weibern alle 
30 Tage, und jedesmal nach 3 Monaten noch stärker ein, 
bei einigen öfter als jeden Monat, bei andern niemals. 
Allein letztere gebären auch nicht, denn diess ist der Stoff 
zur Erzeugung des Menschen, mit welchem sich der Same 
des Mannes wie eine geronnene Masse vereinigt und mit 
der Zeit Leben und Form bekommt. Wenn daher Schwangere 
diesen Fluss noch haben, so kommen schwache, nicht le- 
bensfähige oder eiterige Kinder zur Welt, wie Nigidius be- 
hauptet. Ebenderselbe ist auch der Meinung, dass- die 
Milch einer das Kind säugenden Frau nicht verdorben 
werde, wenn sie von demselben Manne wiederum empfängt. 

14. 
Zu Anfang oder gegen Ende dieses Zustandes soll die 
Empfängniss am leichtesten erfolgen. Ein Beweis der 
Fruchtbarkeit einer Frau soll, wie ich erfahren habe, sein, 
wenn ein Arzneimittel, womit man ihre Augen bestreicht, 
sich dem Speichel mittheilt. 

15. 
Ferner ist es keinem Zweifel unterworfen, dass die 
Kinder im 7. Monate nach der Geburt die ersten Zähne 
und zwar vorn und zuerst gewöhnlich in der obern Kinn- 
lade bekommen. Im 7. Jahre fallen diese wieder aus, und 
andere wachsen nach. Manche Kinder werden auch gleich 



Siebentes Buch. 23 

mit den Zähnen geboren, wie M. Curius 1 ), der deshalb den 
Beinamen Dentatus erhielt, und Cn. Papirius Garbo 2 ), beide 
berühmte Männer. Bei den Mädchen galt diess zu den 
Zeiten der Könige für ein sehr unglückliches Zeichen. Als 
Valeria so geboren war, verkündete der Ausspruch der 
Wahrsager derjenigen Stadt den Untergang, in welche sie 
gebracht würde; man führte sie in das damals blühende 
Suessa Pometia 3 ), und der Erfolg zeigte die Wahrheit der 
Weissagung. Manche Mädchen werden mit zusammenge- 
wachsenen Geschlechtstheilen geboren diess ist eine un- 
glückliche Vorbedeutung, wie sich an der Cornelia 4 ), der 
Mutter der Gracchen, erwies. Andere bringen statt Zähne 
einen zusammenhängenden Knochen mit zur Welt, wie der 
Sohn des bithynischen Königs Prusias in der obern Kinn- 
lade hatte. 

Nur allein die Zähne werden beim Verbrennen des 
Körpers vom Feuer nicht zerstört. Obgleich sie nun den 
Flammen widerstehen, so werden sie doch durch den fres- 
senden Schleim ausgehöhlt. Ein schönes weisses Ansehen 
erhalten sie durch ein gewisses Mittel. Durch den Ge- 
brauch reiben sie sich ab und bei manchen Menschen sind 
sie das Erste, was zu Grunde geht. Sie sind nicht nur 
nothwendig zur Nahrung und Speise, sondern die Vorder- 
zähne tragen das meiste zur richtigen Stimme und Aus- 
sprache bei, indem sie den Stoss der Zunge mit einer ge- 
wissen Gleichförmigkeit auffangen, durch ihre Stellung und 
Grösse die Töne brechen, mildern oder schwächen; sind 
sie aber nicht mehr vorhanden, so fehlt alle Deutlichkeit 
in der Rede. 

Auch in den Zähnen glaubt man Vorbedeutungen zu 



>) War 290 vor Chr. Consul. 2 ) War 113 vor Chr. Consul. 

2 ) Eine alte Stadt in Latium (wahrscheinlich an der Stelle des 
heutigen Torre Petrara), welche nach Livius I. von Tarquinius Su- 
perbus erobert ward. 

4 ) Denn ihre beiden Söhne Tiberius u. Cajus Gracchus starben 
<jines gewaltsamen Todes. 



24 Siebentes Buch. 

finden. Die Männer bekommen 32, mit Ausnahme der Tur- 
duler; die welche mehrere haben, glauben sich ein längeres 
Leben versprechen zu dürfen. Die Weiber haben eine ge- 
ringere Anzahl. Diejenigen, welche auf der rechten Seite 
oben 2 sogenannte Hundszähne haben, rechnen fest auf die 
Gunst des Glücks, wie z. B. Agrippina, die Mutter des 
Domitius Nero; das Gegentheil findet statt, wenn jene Zähne 
auf der linken Seite stehen. Einen Menschen zu ver- 
brennen, bevor er die Zähne bekommen hat, ist bei keinem 
Volke gebräuchlich. Wir werden bald mehr über diesen 
Gegenstand sagen, wenn die Beschreibung von Glied zu 
zu' Glied geht *). 

Ich weiss nur Von einem Menschen, dem Zoroaster 2 ), 
der am Tage seiner Geburt gelacht hat; bei ihm soll sich 
das Gehirn so stark bewegt haben, dass es eine aufgelegte 
Hand zurückstiess — eine Vorbedeutung seiner nachherigen 
Gelehrsamkeit. 

16. 

Dass der Mensch im 3. Jahre die Hälfte seiner zu- 
künftigen Grösse erreicht, ist gewiss. Im Allgemeinen 
kann man aber die sichere Beobachtung machen, dass die 
Menschheit von Tage zu Tage kleiner wird, indem die 
Söhne selten grösser als die Väter sind, da die Verbrennungs- 
periode, zu welcher unser Zeitalter sich hinneigt 3 ), die 
Fruchtbarkeit des Samens vermindert. In Greta fand man 
in einem durch ein Erdbeben zerrissenen Berge einen 
stehenden Körper von 46 Cubitus Länge, den Einige für 
den Orion, Andere für den Otis 4 ) halten. Der Körper des 
Orests, der auf Befehl des Orakels wieder aufgegraben 
wurde 5 ) , war nach dem Zeugniss alter Ueberlieferuugen 



') Im XXVIII. B. 9. u 11. Cap. 

2 ) Mehr über ihn im XXX. Bd. 2. Cap. 

3 ) Nach der Ansicht alter Gelehrten wird die Erde durch Feuer 
zerstört. PI. hält diese Zeit für nicht sehr fern. S. auch II. B. 10. Cap. 

4 ) Fabelhafte Riesen. 

*) S. Herodot I. 68. A. Gellius, N. A. III. 40. 



Siebentes Buch. 25 

7 Cubitus lang. Ja schon vor beinahe 1000 Jahren klagte 
der grosse Dichter Homer wiederholt, dass die Menschen 
seiner Zeit kleiner wären als die Alten. Die Grösse des 
Nävius Pollio ist in den Jahrbüchern nicht bemerkt, da er 
aber durch den Zusammenlauf des Volks *) beinahe er- 
drückt wäre, so muss sie an das Wunderbare gegrenzt 
haben. Den grössten Menschen sah unser Zeitalter unter 
der Regierung des Kaiser Claudius; er hiess Gabbara, war 
aus Arabien, und maass 9 Fuss und eben so viele Zolle. 
Unter der Regierung des Augustus lebten zwei Leute, Na- 
mens Posio und Secunclilla, welche noch einen halben Fuss 
höher waren, und deren Körper der Merkwürdigkeit wegen 
in dem Grabe der sallustianischen Gärten aufbewahrt 
wurden. 

Unter demselben Kaiser war der kleinste Mensch 

2 Fuss und 1 Palme hoch; er hiess Conopas, und wurde 
der Julia, der Enkelin Augusts, zum Vergnügen gehalten ; 
ferner eine Zwergin, Andromeda, eine Freigelassene der 
Julia Augusta. M. Varro berichtet, dass Manius Maximus, 
und M. Tullius, 2 römische Ritter, nur zwei Ellen gross ge- 
wesen wären, und ich selbst, habe sie in ihren Särgen ge- 
sehen. Dass Kinder von anderthalb Fuss, mitunter noch 
grösser geboren werden, die aber schon im 3. Jahre ihr 
Leben beschliessen, ist bekannt. 

17. 
Wir finden in alten Schriften, dass der Sohn des Eu- 
thymenes in Salamis bereits im 3. Jahre eine Grösse von 

3 Cubitus erreicht hatte, allein sein Gang war langsam, 
seine Sinne mangelhaft, und obgleich seine starke Stimme 
die Mannbarkeit anzeigte, so starb er doch an einer plötz- 
lichen Contraction der Glieder nach vollendetem drittem 
Jahre. Ich selbst habe alles dieses, mit Ausnahme der 
Mannbarkeit, an dem Sohne des Cornelius Tacitus 2 ), eines 
römischen Ritters und Procurators beim Rechtswesen im 



') Seiner Grösse wegen nämlich. 
2 ) Vater des berühmten Historikers. 



2i] Siebentes Buch. 

belgischen Gallien, gesehen. J E%rqaTisXoi x ) heissen solche 
Kinder bei den Griechen; im Lateinischen haben sie keinen 
besondern Namen. 

Man hat die Bemerkung gemacht, dass der Mensch 
von der Fusssohle bis zum Scheitel eben so gross ist, als 
bei ausgebreiteten Armen die Länge von der Spitze des 
einen Mittelfingers bis zu der des andern beträgt; ferner 
dass die rechte Seite die kräftigste ist, dass jedoch bei 
Einigen beide Seiten gleich stark sind, bei Manchen die 
linke Hand die meiste Stärke hat, \3ass diess aber nie 
beim weiblichen Geschlechte vorkommt. 

18. 

Die Männer sind schwerer am Gewicht 2 ), und bei allen 
Thieren die todten Körper schwerer als die lebenden, die 
schlafenden schwerer als die wachenden. Männliche Leich- 
name schwimmen auf dem Rücken, weibliche auf dem 
Bauche, gleichsam als wollte die Natur ihre Schamhaftigkeit 
noch nach dem Tode achten. 

Ich habe erfahren, dass Menschen mit durchaus festen 
Knochen ohne Mark leben; solche Personen sollen keinen 
Durst fühlen und nicht schwitzen, obgleich wir auch wissen, 
dass sich der Durst durch den Willen bezwingen lässt. So 
soll dem römischen Ritter Julius Viator, von dem mit Rom 
verbündeten Volke der Vecontier, dem in seiner Jugend 
wegen Hautwassersucht von den Aerzten alles Nasse ver- 
boten war, diese Gewohnheit so zur Natur geworden sein, 
dass er im Alter gar nicht getrunken hat. Auch Andere 
haben sich in vielen Dingen beherrscht. 

Man erzählt, dass Crassus, der Grossvater des in Par- 
thien getödteten Crassus 3 ), niemals gelacht habe, und des- 
halb Agelastus genannt sei. Auch sollen Viele nie geweint 
haben. Socrates, der berühmte Weise, wurde immer mit 



') Solche, die von der gewöhnlichen Bahn abweichen. 

2 ) Als die Weiber. 

3 ) 53 vor Chr., als er aus Geldgier einen Feldzug gegen die 
l J arther unternommen hatte. 



Siebentes Buch. 27 

derselben Miene, nie freundlicher und nie trauriger gesehen. 
Diese strenge Haltung der Seele artet zuweilen in eine ge- 
wisse Kälte, in ein rauhes, hartes und unbeugsames Wesen 
aus, und benimmt dem Menschen die Gemütsbewegungen. 
Solche heissen bei den Griechen änadsig: es gab deren 
viele unter ihnen, und merkwürdigerweise gehörten dazu 
die grössten Weisen, wie Diogenes der Cyniker, Pyrrhon, 
Heraclitus, Timon, welcher letztere sogar das ganze mensch- 
liche Geschlecht hasste. Aber auch verschiedene gering- 
fügige Eigenheiten bemerkt man bei Vielen; so soll Anto- 
nia, die Tochter des Drusus nie ausgespuckt, der Consul 
und Dichter Pomponius nie das Aufstossen gehabt haben. 
Menschen mit durchaus festen Knochen sind sehr selten, 
und heissen hörnerne. 

19. 
Varro erzählt unter andern Beispielen wunderbarer 
Kraft, dass Tributanus, der sich beim Fechterspiele durch 
eine samnitische Rüstung *) auszeichnete, mager am Körper 
aber von ausserordentlichen Kräften gewesen sei, und dass 
dessen Sohn, ein Soldat des grossen Pompejus, am ganzen 
Körper, ja sogar an den Armen und Händen kreuzweise 
liegende Sehnen gehabt habe. Selbst einen Feind, der ihn 
herausforderte, überwand er unbewaffnet mit einem Finger 
der rechten Hand, packte ihn dann und brachte ihn ins 
Lager. Vinnius Valens, der unter der Leibwache des Kaisers 
Augustus als Centurio diente, pflegte Wagen, die mit 
Schläuchen beladen waren, so lange emporzuhalten, bis sie 
abgeladen waren; Kutschen hielt er mit einer Hand im 
Laufe auf, indem er sich den ziehenden Pferden entgegen- 
stellte, und verrichtete noch andere Wunderdinge, welche 
man auf seinem Grabmale eingehauen sehen kann. Fusius 
wurde, wie M. Varro sagt, Bauerah ercules genannt, weil er 
seinen Maulesel in die Höhe hob. Salvius trug 2 Centner- 
gewichte an seinen Füssen, ebenso viele an den Händen, 
und 4 Centner auf seinen Schultern eine Treppe hinauf. 



') Die Livius (IX. 40) ausführlich beschreibt. 



2g Siebentes Buch. 

Auch ich sah einen Mann, Namens Athanatus, der eine 
ausserordentliche Stärke besass; er ging mit einem 500 Pfund 
schweren bleiernen Brustharnisch und eben so schweren 
Cothurnen auf der Schaubühne umher. Den Athleten Milo 
von Croton konnte, wenn er stand, Niemand von der Stelle 
bringen, und, wenn er einen Apfel hielt, brachte ihm Keiner 
einen Finger gerade. 

20. 

Dass Philippides den 1160 Stadien langen Weg von 
Athen nach Lacedämon in 2 Tagen zurücklegte, wurde 
schon für etwas Grosses gehalten, bis der lacedämonische 
Läufer Anystis, und Philonides bei Alexander dem Grossen 
in 1 Tage 1305 Stadien von Sicyon nach Elis machten. 
Ich weiss, dass auch jetzt Manche im Circus 160,000 Schrite 
aushalten können. Noch kürzlich legte unter den Consuln 
Fontejus und Vipstanus *) ein achtjähriger Knabe von 
Mittag bis Abend 75,000 Schritte zurück. Hierüber muss 
man sich um so mehr wundern, wenn man bedenkt, dass 
Tiberius Nero, als er zu seinem in Deutschland krank 
liegenden Bruder Drusus eilte, in einer Nacht und einem 
Tage den längsten Weg von 200,000 Schritten mit 3 mal 
gewechseltem Fuhrwerk machte. 

21. 

Von der Schärfe der Augen findet man Beispiele, 
die allen Glauben überschreiten. Cicero erzählt, dass 
Homer's Iliade auf Pergament geschrieben in einer Nuss 
eingeschlossen gewesen sei; ferner, dass ein Mensch 135,000 
Schritte weit gesehen habe. Von diesem hat uns M. Varro 
auch seinen Namen aufbewahrt, er hiess nemlich Strabo. 
Im punischen Kriege soll er sogar gewöhnlich vom Vorge- 
birge Lilybäum 2 ) in Sicilien aus, beim Auslaufen der Flotte 
aus dem Hafen von Carthago, die Anzahl der Schiffe an- 
gegeben haben. Callicrates schnitt aus Elfenbein Ameisen 
und andere so kleine Thiere, dass deren einzelne Theile 
von Andern nicht bemerkt wurden. Ein gewisser Myrme- 



') 59 nach Chr. ») Capo di Boco. 



Siebentes Buch. 29 

ekles machte sich gleichfalls in dieser Hinsicht berühmt; 
er soll aus demselben Material einen 4 spännigen Wagen, 
den eine Fliege mit ihren Flügeln bedecken, und ein Schiff, 
das eine kleine Biene unter ihren Flügeln verbergen konnte, 
verfertigt haben. 

22. 
Ein einziges merkwürdiges Beispiel vom Gehör giebt 
die Schlacht, in welcher Sybaris zerstört wurde, und die 
an demselben Tage, wo sie vorfiel, in Olympia gehört 
wurde. Denn die Nachricht von dem Siege über die 
Cimbern x ), sowie die römischen Castoren, welche den per- 
seischen Sieg 2 ) an demselben Tage, wo er sich ereignete, 
verkündigten, waren Zeichen und Wunder der Götter. 

23. 
Von der Ausdauer des Körpers giebt es, da unglück- 
liche Schicksale sehr häufig sind, unzählige Beispiele. Das 
berühmteste bei dem weiblichen Geschlechte ist das der 
öffentlichen Dirne Leäna, die selbst unter Martern die Ty- 
rannenmörder Harmodius und Aristogiton 3 ) nicht nannte; 
unter den Männern verdient das des Anaxarchus genannt 
zu werden, der aus einem ähnlichen Grunde gefoltert, sich 
mit den Zähnen die Zunge abbiss, und diese einzige 
Hoffnung des Verraths dem Tyrannen 4 ) ins Gesicht spie. 

24. 
Wem das Gedächtniss, dieses so höchst nothwendige 
Gut des Lebens, im vorzüglichsten Grade zu Theil ward, 
lässt sich nicht leicht angeben, da sich so viele dadurch 
berühmt gemacht haben. Der König Cyrus wusste die 
Namen aller Soldaten seines Heeres; L. Scipio, die aller 



J ) Den Mariu.« erfocht. 

2 ) Sieg des Aemilius Paullus Macedonicus über den letzten 
König von Macedonien, Perseus. Ueber diese Begebenheit vergl. 
man Cic. de nat. Deor. II. 2. 

3 ) Sie tödteten den Tyrannen von Athen, Hipparch, den Sohn 
des Pisistratus. 513 vor Chr. S. auch im XXXIV. B. 19. Cap. 

*') Nicocreon von Cj r pern. S. Valerius Maxim. III. 3. 



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Siebentes Buch. 



Römer; Cineas, der Gesandte des Königs Pyrrhus, die aller 
Senatoren und Ritter zu Rom, und zwar am Tage nach 
seiner Ankunft. Mithridates, König über 22 Völker, sprach 
in eben so vielen Sprachen Recht, und redete in der Reichs- 
versammlung einen jeden Gesandten ohne Dolmetscher an. 
Ein gewisser Charmadas in Griechenland sagte jedes Buch, 
das einer aus der Bibliothek verlangte, aus dem Kopfe her, 
als wenn er es lese. Zuletzt machte man hieraus eine Kunst, 
nämlich die, das Gehörte mit denselben Worten wiederzu- 
geben 1 ), welche von dem Liederdichter Simonides 2 ) er- 
funden, aber von Metrodorus aus Scepsis