(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Die neutestamentliche Formel "in Christo Jesu""

Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



GIFT OF 
JANE K.SATHER 




V 



Die neutestamentliche Formel 



„in Christo Jesu" 



untersucht 



von 



Lic. theol. G. Adolf Deissmann, 

PriTatdocenten und Repetenten an der Universität Marburg. 



^ j ^ j 

4 j 



j - -' ^ ^ 



* ^ j j 



•( ^ w ^ 



Marburg. 

N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung. 

1892. 



'^ J^ 









r 



/ 




> l\ >."■ 1/ f n . 



"Kai yhq rjfieis (tad-eyovfiey iv avT^. 



•• • 
/ 1 ' • • • • 

• • * • j ^ 









Meinen Eltern 



in kindlicher Dankbarkeit. 



247286 



Vorwort. 



Die nachfolgende Arbeit, von welcher die Capp. VII — XI 
als Inauguraldissertation (Marburg 1892) bereits gedruckt sind, 
hat mit Ausnahme von Cap. IX im Sommer d. J. der Hoch- 
würdigen Theologischen Fakultät der hiesigen Universität als 
Habilitationsschrift vorgelegen. Wenn ich sie hiermit vollständig 
veröfiFenlliche, so geschieht es in der Absicht, die Aufmerksam- 
keit der Forscher auf eine Frage zu lenken, welche seither fast 
ganz vernachlässigt worden ist, obwohl sie eine eingehende 
Untersuchung verdient. Dieses letztere Urteil auf die bekannte 
Verliebtheit des Anfangers in seinen Stofif zurückzuführen, kann 
ich niemanden hindern, möchte aber die Bitte aussprechen, 
vorher nach einem Blicke auf die Statistik das Gapitel X 
zu lesen, in welchem lediglich der Apostel Paulus redet. 
Möglicher Weise hinterlassen seine Worte doch den Eindruck, 
dass von der Erklärung der Formel in jedem Falle etwas für 
die Gesamtauffassung des Paulinismus abhängt. 

Ob die von mir vorgeschlagene Erklärung zutreffend ist, 
haben andere zu prüfen. Wertvoller, als eine Billigung meiner 
Resultate, wäre mir, wenn die Methode der Untersuchung 
nicht auf den allgemeinen Widerspruch derer stossen sollte, 
welche etwas von der Sache verstehen. Das Problem der Arbeit 
war mir das Problem der »Neutestamentlichen Grammatik«. 
Dass die endgültige Beantwortung der Frage erst nach der 
künftigen Vollendung einer methodischen Grammatik der christ- 
lichen Gräcität versucht werden kann, und dass diese wieder auf 
die Vollendung der historischen Grammatik der profanen Gräcität 
sowie auf eine ausreichende Bearbeitung des semitischen Griechisch 
zu warten hat, habe ich nicht unterlassen anzudeuten. Was ich 



VI 

an Material für die Untersuchung eines Einzelsprachgebrauches 
gesammelt habe, möge künftigen Bearbeitern einen kleinen Dienst 
leisten. Hinsichtlich der Profangräcität weiss ich selbst am 
besten , wie unzulänglich nach Umfang und Inhalt meine Aus- 
führungen sind. Hinsichtlich des semitischen Griechisch glaube 
ich in der Vorführung des Materials wenigstens für eine gewisse 
Vollständigkeit garantieren zu können. 

Für jeden Nachweis von Stellen aus beiden Gebieten, welche 
mir entgangen sein sollten, werde ich dankbar sein. 

Die Dissertation von Th. Lina, de praepositionum usu 
Platonico quaestiones selectae, Marp. 1889, ist mir erst nach 
Beendigung des Druckes bekannt geworden. Da sich dieselbe 
aber eingehend nur mit avv, dvd und xcevd beschäftigt , so 
hätte ihr nur entnommen werden können, dass iv bei Plato 
4143 mal vorkommt. 

Von hochgeschätzter Seite ist mir die Frage nahegelegt 
worden, ob die Formel nicht bedeute »in der christlichen 
Gemeinde«. Ich könnte diese Frage höchstens an einigen 
späten Stellen für diskutabel halten, glaube sie aber aufgrund 
von 1 Thess. 1, 1; 2, 14; 2 Thess. 1, 1; Gal. 1, 22 und beson- 
ders Eph. 3, 21 {xai)) verneinen zu müssen. Vergl. auch 
S. 116/? sowie die kritischen Andeutungen S. 76. 

Die S. 113 flf. gegebene Erklärung von Phil. 2, 5 trifft mit 
der soeben veröflfentlichten von O.Hain (Ein Versuch zur end- 
gültigen Erklärung der Ellipse in Phil. 2, 5, Th. St. u. Kr. 1893, 
S. 169—172) in ihrem Resultat völlig zusammen, was ich zu 
meiner Freude noch konstatieren kann. 

Schliesslich bitte ich Herrn Professor Dr. TychoMommsen 
zu Frankfurt a. M., sowie meine verehrten Herren Lehrer Prof. 
D. Dr. G. Heinrici zu Leipzig und Prof. D. Dr. A. Jülicher 
zu Marburg für die mannigfaltigen fördernden Anregungen und 
Ratschläge meinen herzlichen Dank entgegennehmen zu wollen. 

Marburg, den 7. November 1892. 

0. Adolf DeissmaniL 



Inhaltsfibersicht. 



Seite 

Vorwort V 

Berichtigungen X 

I. Die Statistik der Formel ey X^kttm 'Iri<fov. 

1) Das Neue Testament insgesamt 1 

2) Die paulinische Literatur . • . ^ 2 

3) Resultate 2 

n. Das Problem. 

1) Die Seltsamkeit der Wendung »in Christo« 3 

2) Die allgemeine Bedeutung der Präpositionen «... 4 

3) Allgemeinste Fassung des Problems 6 

III. Die nähere FragesteUnng nnd die Methode. 

1) Die Verschiedenheit der neutestamentlichen Idiome . • . . 7 

2) Das paulinische Idiom und seine Quellen 8 

3) Vorbedingungen zu seiner Erforschung 9 

4) Die Notwendigkeit einer historischen Syntax der griechischen 
Sprache für die Exegese des N. T 10 

5) Die Notwendigkeit einer rationellen Benutzung der LXX für 
die Exegese des N. T 11 

6) Judengriechisch? .14 

7) Christliches Griechisch? 15 

IV. Die Präposition iy mit persSnlichem Sing^nlar in der ansser- 
panlinischen Gräcität (Frage I). 

A. Die Profangräcität. 

1) Das Wesen der griechischen Präpositionen 16 

2) Der Sprachgebrauch der einzelnen Schriftsteller in historischer 
Reihenfolge 17 

3) Resultate 31 

B. Die nnter dem Einflasse des semitisclien Sprachgeistes 

stehende Gräcität. 

1) Die richtige Gruppierung des Materials 32 

2) Der Sprachgebrauch der Übersetzungen semitischer Vorlagen: 



vni 

Seite 

A. Kontrollierbare Übersetzaogen ; die Septuaginta . . 34 

B. Unkontrollierbare Obersetsungen 56 

3) Der Sprachgebrauch der griechischen Originale .... 58 

4) Der Sprachgebrauch der urohriatlichen Literatur abgesehen 
von Paulus 59 

V. Die Präposition eV mit persSnlichem Singnlar in dem sonstigen 
Spraehgebranche der panlinischen Grficitftt (Frage II). . . 63 

VI. Die Quellen dtsr panlinischen Syntax (Frage III). 

1) Der lexikalische und syntaktische Einfluss der LXX . . 66 

2) Die paulinische Syntax unabhängig von den LXX ... 67 

VII. Paulos der Bildner der Formel iy XQi<n(o 'Itinov, 

1) Die Formel der Lieblingsausdruck der religiösen Sprache des 
Paulus 70 

2) Die sprachbildende Kraft neuer KuUurbewegungen ... 71 

3) Die Originalität der paulinischen Formel 72 

VIII. Was bedentet die Formel sV X^ano} 'Iriaov? (Frage IV). 

A. Die methodischen Mftngel nnd Vorattge der seitherigen Erklärangen. 

1) Die empiristische Exegese .74 

2) Die rationalistische Exegese 76 

3) Richtige Auffassungen 77 

B. Versack einer ricktigen Erklärnng. 

1) Die Notiivendigkeit der einheitlichen Erklärung .... 77 

2) Der Ausgangspunkt 78 

V 3) Abweisung verkehrter Auffassungen 79 

4) Vorläufige Erklärung der Formel 81 

5) Neue Fragestellung 84 

6) Die Formel iv nvevfjLaxi 84 

7) Konsequenzen 87 

8) Nochmalige Specialisierung des Problems 88 

9) Die Frage nach der Stofflichkeit des nyevfia und des pneu- 
matischen Christus bei Paulus 89 

10) Die Wahrscheinlichkeit der eigentlich lokalen Bedeutung 
des iy 91 

11) Resultate 97 

IX. Die Tragweite der richtigen Erklärung für die Einzolexegese. 

A. Principielles 99 

B. Die Einaelstellen. 

1) Der erste Thessalonicherbrief 101 

2) Der zweite Thessalonicherbrief . . . , . ... 101 

3) Der Qalaterbrief. 



IX 

Seite 

Gal. 2, 17 101 

3, U 102 

3, 26 103 

4) Der erste Gorintherbrief. 

1 Cor. 1, 30 105 

15, 17 u. 18 10« 

5) Der zweite Gorintherbrief. 

2 Cor. 3, 14 108 

5, 17 108 

6, 19 108 

5, 21 111 

13, 4 111 

6) Der Bömerbrief. 

Rom. 3, 24 112 

7) Der Philemonbrief 113 

8) Der Philipperbrief. 

Phil. 2, 5 113 

Z. Die centrale fiedentnng der Formel innerhalb der Gesamt- 
literatnr des Panlinismns. 

1) Das apostolische Selbstbewusstsein des Paulus . . . .118 

2) Die Gemeinde 119 

3) Das Heil 121 

4) Die Heüsgeschichte 122 

ZI. Die Haohwirkangen der Formel iv Xqkh;^ 'Irjaov. 

1) 1 Gor. 7, 14 und 15, 22 124 

2) Analog gebildete paulinische Formeln 125 

3) Die Deuteropaulinen 126 

Col. 2, 9 127 

4) Andere nachpaulinische Schriften des Urchristentums . . 128 

5) Die Johanneischen Schriften 130 

6) Weitere Nachwirkungen, Verkennungen der Formel . .131 

Eegister 134 



X 



Bericiltignngen. 



S. 17 Z. 15 V. 0. 


lies /, 97 statt I, 97. 


» 30 j 


► 19 V. 0. 


» 1, 6 » I, 6. 


» 46 2 


> 12 V. u. 


» 10, 14 » 14, 14. 


» 48 a 


^ 20 V. 0. 


» 21, 17 » 21,7. 


» 49 3 


> 14 V. u. 


» Num. 23, 21 und 23. 


» 51 s 


► 15 V. u. 


» 32, 21; 63, 11 u. 86, 7. 


» 65 1 


► 16 V. 0. 


» 1, 16 statt 4, 16. 


» 76 ) 


► 11 V. 0. 


» vollen statt volle. 


» 84 1 


> 8 ▼. u. 


» mir statt wir. 


» 88 3 


> 4 V. 0. 


> zunächst statt zunächt. 


» 129 1 


► 17 V. 0. 


» T^S statt TTJ^. 



* m '^ \ » • • • 

• • • • • • •• 



• • • • 



•"• 



• • • I 

« ■ • • • 

.• • • • 






•'• ••• •• • • • 



• -• 



• • 



•::•••' 



J. Die Statistik der Formel iv Xqh^tw ^Irjaov 

und der ihr verwandten Formeln {iv Xqksx^^ iv Irjaov^ iv 
xvQi(py iv avTw [= Xq,] , iv w [= Xq,] u. s. w.) erhellt aus den 
folgenden Tabellen. Für die Berechnung der Verhältniszahlen 
(Spalte 4) ist der besseren Übersicht wegen die Paginierung 
der Duodezausgabe des N. T., Cöln (Brit. und Ausländ. Bibel- 
gesellschaft) 1856, zugrunde gelegt. 



1. Das Neue Testament insgesamt. 







Vor- 


Durch- 


Schriften. 


Seitenzahl. 


kommen 


schnitt 






der Formel. 

1 


pro Seite. 


Synoptiker 


230 






lac, 2Pe., lud., Ebr. 


44,5 


— 




Corpus Paulinum 


167,5 


164 


0,979 


Acta & 1 Pe. 


98 


8 


0,082 


Corpus loanneum 
(incl. Apoc. lo.) 


123 


24 


0,195 


Summe 


663 


196 


0,296 






• ••••/■• ► 
• • • « • • ♦ • 



• • • • *« *-'' •• ••< 

••• • •- • 



• 'm • .'" \ • 



2 



2. Die panlinische Literatur. 



Bohriften. 


Seiten- 
zahl. 


Vor- 
kommen 
der Formel 
überhaupt. 


Durch- 
schnitt 
pro 
Seite. 


iy 
Xq. '/. 


iy Xq. 




iy 


> 
sy 

(=Xf.) 


sy (JI 

(=Xj.) 


Diversa. 


1 Thess. 


8 


7 


0,875 


2 


1 


— 


4 


— 






2 Thess. 


4 


3 


0,750 








3 


— 




— 


Gal. 


12 


9 


0,750 


5 


3 


— 


1 


— 






1 Cor. 


34 


23 


0,676 


7 


6 





9 


1 






2 Cor. 


22,5 


13 


0,578 




7 





2 


4 






Rom. 


35,5 


21 


0,592 


8 


5 




8 


— 






Phil. 


8,5 


21 


2,471 


8 


2 


— 


9 


1 




1 sy r(p 
iydvya- 
fiovyxi 


Col. 


8,5 


18 


2,118 


l 

• 


2 


— 


4 


7 


4 


1 6*' r^ 


Eph. 


13 


35 


2,692 


7 


6 


1 


8 


5 


7 


riyanri' 
fjLsyt^ 


Philm. 


1,5 


5 


3,333 


1 


2 




2 








1 Tim. 


9 


2 


0,222 


2 


— 












2 Tim. 


7 


7 


1,000 


7 








__ 






Tit. 


4 




— 






1 




— 






Summo 


167,5 


164 


0,979 


48 


34 


l 


50 


18 


11 


2 



3. Aus diesen Tabellen geht folgendes hervor: 

1) Diejenigen Bestandteile des N. T., welche die ältesten 
oder doch auf die ältesten Quellen zAiröckzuführen sind 
(Synoptiker, vergl. eventuell auch Jac), kennen die Formel iv 
Xqkttw ^Iqaov oder eine verwandte nicht. 

S) Mit der paulin i sehen Literatur tritt die Formel 
plötzlich in den christlichen Sprachgebrauch ein. 

3) Die nachpaulinischen Schriften sind von ihr fast 
alle mehr oder weniger beeinflusst. 



4) Innerhalb der paulinischen Literatur ist im Verhältnisse 
zum übrigen N. T. eine gewisse Gleichmässigkeit in der 
Verwendung der Formel zu konstatieren. 

5) Doch zeigen sich hier Frequenzschwankungen '), 
nach denen die Schriften sich in drei Gruppen ordnen lassen, 
welche im allgemeinen mit den von der geschichtlichen Forschung 
aus inneren Gründen festgestellten Gruppen übereinstimmen 
(ältere Paulinen, Gefangenschaftsbriefe resp. Deuteropauli nen, 
Pastoralbriefe). 



II. Das Froblem. 

1. Schon die eine Thatsache, dass auf den wenigen uns 
erhaltenen Blättern der paulinischen Literatur ein bestimmter 
Sprachgebrauch 164 nial vorkommt, ist geeignet, unsere Auf- 
merksamkeit in hohem Grade zu fesseln. Das Interesse wird 
notwendig wachsen, wenn der betreffende Sprachgebrauch an 
und für sich zunächst etwas seltsam anmutet*). Das ist bei 
unserer Formel zweifellos der Fall. »Wege in Christus Jesus«? 



1) Von 1 Thess. ab fallt die Frequenz langsam, aber stetig, um 
(wenn die Grüsse Rom. 16 nicht zum ursprünglichen Briefe gehören 
sollten, in Rom., anderenfalls) in 2 Cor. ihren Tiefpunkt zu erreichen. 
In den 6e fangen sc haftsbriefen steigt die Frequenz ganz rapid, 
erreicht in Philm. ihren Höhepunkt und bricht dort plötzlich ab. Die 
Pastoralbriefe zeigen eine weit pnter den Tiefpunkt des vorher- 
gehenden Gebrauches herabgesunkene Frequenz. 

Welchen Wert haben derartige statistische Ergebnisse ftlr die 
historische Kritik? Sicher ist, dass man den Geist der Sprache nicht als 
Sklaven eined mechanischen Gesetzes begreifen darf, aber die Sprache ist 
autonom und fügt sich ihren Gesetzen. So sehr man sich zu hüten hat, 
geschichtliche Grössen als mathematische aufzufassen, so verkehrt wäre 
es, Erscheinungen, wie die obige zu ignorieren. Isoliert haben sie keine 
Bedeutung; im Zusammenhange mit anderen Momenten können sie von 
Wichtigkeit werden. 

2) Vergl. die unten Abschnitt VII mitgeteilten Äusserungen von A. 
Twesten und C. F. A. Fritzsche. 

1* 



»Bruder in dem Herrn«? »Gemeinden in Christus«? In der 
That eine recht auflfallende Ausdrucksweise! Wie ist sie zu 
verstehen? 

2. Es handelt sich hier schliesslich um eine Präposition, 
also eine particula orationis, aber dadurch wird die Frage nicht 
etwa zu einer weniger bedeutungsvollen. Die Grammatiker sind 
darin einig, dass die Partikeln (Präpositionen, Adverbien und 
Konjunktionen) zu den unentbehrlichsten und deshalb wichtigsten 
Bestandteilen einer jeden nur einigermassen ausgebildeten Sprache 
gehören. »Parva quidem res in speciem et exilis, sed ad usum 
magna ac plane necessaria. Nisi vero obscurum est, quantum 
momenti habeant in corpore ad motum usumque membrorum 
moUes ossium commissurae, nervi caeteraque, quibus artus 
omnes apti connexique inter sese continentur. Quippe sine his 
coniunctionibus et quasi vinculis non secus atque humanum 
corpus sine nervis, dissoluta minimeque inter se apta et cohaerens 
languet oratio« ^). »Imo nuUus in his ita parvus apex, ex quo 
non montes doctrinarum pendeant« ^). »Praepositionum usus 
rectus ac scitus quum sit sal orationis, quo deficiente insulsus 
prorsus et ineptus fit quivis sermo et ex hisce ipsis particulis 
recte et apte adhibitis perfecta linguae cognitio deraum con- 
spiciatur« ^). Die Partikeln erst ermöglichen, alle, auch die 
feinsten Beziehungen des individuellen Denkens durch das 
lebendige Wort auszudrücken *) ; sie geben jeder Sprache, jedem 
Dialekte und jeder Stilart das specifische Kolorit. Ein Zeichen 



1) Horatius Tursellinus [S. J.], de particulis latinae orationis 
libellus [1649], .. . perpolitus a Jo. Conr. Schwartz, ed. altera, Lips. 1719, 
praefatio p. 1. 

2) Christ. Nolde, concordantiae particularum ebraeochaldaicarum, 
Hafniae 1679, ad lectorem p. 1. 

3) A.F. Chr. Yilmar, de praepositionum graecaruin usu et ratione, 
spec. I, Cassellis 1829, p. 6. 

4) Vergl. auch G. B. Winer, Grammatik des neu test. Sprachidioms, 
7. Auflage von G. Liinemann, Leipz. 1867, S. 334, und A. F. Pott, ety- 
mologische Forschungen, 2. Aufl., 1. Teil die Präpositionen, Lemgo & 
Detmold 1859, S. IX. 



von richtigem Verständnisse eines Idioms ist es, wenn man zur 
Feststellung seiner Eigentümlichkeiten von den Partikeln aus- 
geht. Wie schon der Kaiser Caligula nach einer Notiz des 
Sueton') die Diktion desSeneca wegen der seltenen Anwend- 
ung von Partikeln als »Sand ohne Kalk« charakterisierte, so 
gründet ein Meister der griechischen Sprache wie Tycho 
Mommsen*) sein wissenschaftliches Urteil über die Stilart 
eines Schriftstellers nicht zuletzt auf den Gebrauch der Prä- 
positionen. B. Gieseke*) konnte daher den Versuch machen, 
die allmähliche Entstehung der Gesänge der Ilias aus Unter- 
schieden im Gebrauche der Präpositionen naphzu weisen , und 
H. Holtzmann*) durfte als sprachliche Hauptinstanz gegen 
die Echtheit der Pastoralbriefe den Umstand geltend machen, 
»dass die Präpositionen und Konjunktionen, überhaupt die Par- 
tikeln von unserem Briefsteller ganz anders gehandhabt werden, 
als von Paulus«. P. deLagarde redet sogar einmal*^) ironisch 
von einer »schönen, echt Lutherischen Präposition«. So ist es 
auch begreiflich, dass bei der Erlernung einer fremden Sprache 
die Partikeln die meisten Schwierigkeiten machen *) , oder dass 
für den Süddeutschen zu den auffallendsten Solöcismen der 
norddeutschen Redeweise präpositionale Fügungen wie »ich 
gehe zu Hause« gehören. Die grosse Wichtigkeit der Partikeln 
und besonders der Präpositionen im Organismus der Sprache 
zeigt sich deutlich auch schon darin, dass man durch eine ein- 
zige Präposition einen völlig verständlichen verkürzten Satz 
bilden kann. Wenn ein bekannter Parlamentarier unter sein 
Bild nichts weiter schrieb, als das Wort »Durch!«, so kann 



1) Vita Caligulae 53: »ut Senecam tum maxime placentem commis- 
siones meras compoDere ei arenam esse sine calce diceret«. 

2) Beiträge zu der Lehre von den griechischen Präpositionen. Erstes 
Heft, Frankfurt a./M. 1886. Zweites u. drittes Heft, Frkfrt. 1887. Vergl. 
z. B. I, S. 1, 13 f., 18, bes. S. 28 f. sein urteil über den Stil des N. T., 
S. 36, II, S. 249 ff. sein Urteil über Nonnos. 

3) Die allmähliche Entstehung der Gesänge der Ilias, Göttingen 1853. 

4) Die Pastoralbriefe, Leipzig 1880, S. 100 f. 

5) Mittheilungen, IV, Göttingen 1891, S. 175. 

6) Vergl. E. Reuss, hellenistisches Idiom (H. u. P., R.-E.« V, 
Leipzig 1879), S. 745. 



niemand einen Zweifel haben , was er damit hat ausdrücken 
wollen. Sehr viele andere Wahlsprüche , auf welche hier hin- 
gewiesen werden kann, sind nur wegen der in ihnen enthaltenen 
Präposition verständlich. Ich erinnere z. B. an folgende: »Per 
aspera ad astra!«, »Mit Gott!«, »Gott mit uns!«, »Mit Gott 
für Kaiser und Reich!«, »Für Wahrheit, Freiheit, Recht!«, 
»Durch Nacht zum Licht!«. 

3« Jede besonnene Forschung hat daher zuzusehen, dass 
sie diese Kleinen im Reiche der Sprache nicht verachte. Aus 
der hohen Bedeutung der Partikeln^) ergibt sich unmittelbar, 
dass eine jede den Anspruch erheben darf, in ihrer Eigentüm- 
lichkeit erkannt zu werden. Es ist ein Vandalismus, die Feinheit 
und Mannigfaltigkeit des syntaktischen Details, welches der 
reiche hellenische Sprachgeist, liebevoll ins Kleinste sich ver- 
senkend, geschaffen hat, durch täppische Verallgemeinerungen 
und Identifizierungen zu verwischen. Qui parva contemnit, in 
magnis saepe alucinatur. 

Der Gräcität des N. T. gegenüber ist dieser Standpunkt 
erst recht einzunehmen. Die Treue im Kleinen hat auch hier 
gleichsam die Verheissung. Die Exegese des N. T. darf daher 
niemals vergessen, was Gottfried Hermann 2) ihr in einem 
Privatissimum über die theologische Pflicht der Akribie gesagt 
hat: ». .. illam interpretandi rationem, qua nonnuUi theologorum 
utuntur, nihil esse nisi blasphemiam. Documento sunt lexica 
novi testamenti, ex quibus aTto ad, i^ in, €tg ex significare, 
denique omnium, quae fieri nequeunt, nihil non factum esse 
discas. Nempe, quoniam religio miraculis carere non potest, 
sublatis miraculis in eorum locum portenta suffecta sunt«. 

So wird das Problem dieser Untersuchung in seiner all- 
gemeinsten Fassung folgendermassen lauten : Was hatPaulus, 
als er sich der Präposition iv zur Bildung jenes 
formelhaften Ausdruckes bediente, Eigentümliches 
sagen wollen? 



1) Vgl. auch A. Buttmann, Grammatik des neutestamentlichen 
Sprachgebrauchs, Berlin 1859, S. 275. 

2) Ad Fr. Vigerum , de praecipuis graecae dictionis idiotismis , ed. 
quarta, Lipsiae 1834, p. 786. 



III. Die nähere Fragestellung und die Methode. 

!• Um die Untersuchung auf einen festen Boden zu stellen 9 
bedarf es hier zunächst einer principiellen Vorbemerkung. Über 
den gegenwärtigen Stand der Erforsclmng der neutestamentlichen 
Gräcität sind die Ansichten sehr geleilt. Bei S. Ch r. Seh irli t z ^) 
liess schon vor dreissig Jahren A. Buttmanns Grammatik »die 
Überzeugung im Gemüte zurück, dass nun die Sache erschöpft 
ist«. Nicht jeder aber verfügt über derartige zufriedenstellende 
Gemütsbewegungen. Es lässt sich sogar eine Betrachtungsweise 
denken , für welche die Erforschung der neutestamentlichen 
Idiome noch in den Anfangen steht. Der neutestamentlichen 
Idiome! Die epochemachende Bedeutung der Arbeit G. B. 
Winers wird durch das Urteil nicht herabgesetzt, dass »das 
neutestamentliche Sprachidiom« imgrunde doch nur eine Illusion 
ist, dieselbe, welche dem gutgemeinten Kampfe weiland der 
Hebraisten und Puristen zugrunde lag. Jene verallgemeinerten, 
was sie bei einzelnen neutestamentlichen Autoren von Einwirk- 
ungen des semitischen Sprachgeisles beobachtet hatten, diese 
glaubten die leisen Spuren, welche der hellenische Genius in 
Schriften wie dem Hebräerbriefe zurückgelassen hatte, im ganzen 
N. T. weiter verfolgen zu dürfen. Unter der Herrschaft der 
Theorie von der Verbalinspiration ist ein anderer Standpunkt 
nicht möglich gewesen, aber nachdem die Theologie jene Doktrin 
aufgegeben hat, muss sie auch die Selbstverleugnung haben, 
das mechanische Erkenntnisprincip für die Sprache des N. T. 
zu durchbrechen und unter grundsätzlicher Anerkennung der 
Mannigfaltigkeit der Zungen die sprachliche Individualität 
eines jeden Autors auf seine Quellen hin methodisch zu 
untersuchen *). 



1) Anleitung zur Eenntniss der neutestamentlichen Grundsprache, 
Erfurt 1863, S. 36. 

2) Bekanntlich hat es nicht an Gelehrten gefehlt, welche aus der 
einmal erkannten Vielgestaltigkeit der neutestamentlichen Idiome die 
Notwendigkeit einer Specialisierung der Arbeit ableiteten. Aber die 
Aufgabe selbst, so fruchtbar sie ist, ist in neuerer Zeit, wenn uian von 
B. A. Lasonder absieht, fast ganz vernachlässigt worden. 



8 

2, Auch das Idiom des Apostels Paulus muss als 
solches anerkannt werden *) und wird völlig nur aus seinen 
Quellen verstanden werden können. Aber die Frage, welches 
diese Quellen sind, ist a priori nicht zu beantworten. Nur so- 
viel lässt sich mit Sicherheit behaupten, dass jedenfalls die 
ganze vor und neben Paulus vorhandene Gräcität das Objekt 
der Untersuchung bilden wird. Dieselbe scheidet sich für die 
Zwecke der neutestamentlichen Sprachforschung in die Haupt- 
gebiete der profanen ^) und der durch den semitischen Sprach- 
geist beeinflussten Gräcität. Meiner Ufltersuchung würde dem- 
nach eigentlich als erste Aufgabe zufallen, den gesamten Ge- 
brauch der Präposition iv in beiden Gebieten zu ermitteln. 
Aber sofort kann eine Einschränkung vorgenommen werden. 
Jeder wird den Eindruck haben, dass das Charakteristische der 
paulinischen Formel darin besteht, dass hier ev mit dem Dativ 
einer Person und zwar einem singularischen Dativ ver- 
bunden ist. 'Ev mit sachlichem (einerlei ob konkretem oder ab- 
straktem) Pativ ist ein durch die gesamteGräcität hindurchgehender 
Gebrauch, der sich selbst ohne weiteres rechtfertigt, desgleichen 
iv mit persönlichem pluralischem Dativ in der Bedeutung 
»inter«*), wofür dem Griechen ein besonderer Ausdruck fehlte*). 
Nur die aufifallende Verbindung des ii* mit einem persönlichen 
singularischen Dativ ist von Interesse, und so lautet Frage I: 
In welchem Sinne wird iv mit dem singularischen 
Dativ einer Person in der profanen und der semiti- 
schen Gräcität angewendet? 

Sodann wird der sonstige Sprachgebrauch der paul- 
inischen Literatur selbst zu untersuchen sein (Frage II), und 

1) Vergl. G. Heinrici, das zweite Sendschreiben des Apostel Paulus 
an die Eorinthier, Berlin 1887, S. 594. 

2) Dass mit diesem von einer anderen Theologengeneration geprägten 
Ausdrucke kein Urteil über die betr. Gräcität abgegeben werden soll, 
ist selbstverständlich. Die semitische Gräcität ist eine sehr profane. 

3) F. A. Guil. Spohn, ad Niceph. Blemmid. , Lips. 1818, p. 30; 
G. Bernhardi, wissenschaftliche Syntax der Griechischen Sprache, 
Berlin 1829, S. 209. 

4) Tycho Mommsen, a. a. 0. I, S. 11. 



schliesslich wird die Frage nach den Quellen desselben ge* 
stellt werden müssen. Niemand wird die Möglichkeit leugnen, 
dass der paulinische Gebrauch in einem jener beiden Gebiete 
oder in beiden zusammen seine Wurzel hat; als weiterer mög- 
licher Faktor muss die sprach bildende Kraft der eigentümlich 
christlichen Gedanken berücksichtigt werden. So lautet Frage III : 
Lässt sich die Formel aus dem geschichtlich vorauf- 
gegangenen Sprachgebrauche begreifen, oder ist sie 
von Paulus frei gebildet? 

Damit ist dann der Weg gebahnt zur Beantwortung der 
Frage IV: Was bedeutet die Formel? 

3. Die Untersuchung der ersten Frage wird nur dann den 
Anspruch erheben dürfen, die Grenzen des Erkennbaren erreicht 
zu haben, wenn ein Zweifaches beachtet wird: 

1) Sämtliche für jenen Gebrauch des ^V nachweisbaren 
Fälle müssen vorgeführt werden; 

2) sie müssen in geschichtlicher Reihenfolge vor- 
geführt werden. 

Mit vereinzelten Belegen ist nichts geleistet; Isolierung ist 
selten von Segen. Die grossartige Unbefangenheit, mit der bei 
vielen Untersuchungen hier ein Tragiker, dort Homer, dann 
»der Sprachgebrauch der LXX« , dann wieder ein Mann der 
xoiinj als Eideshelfer citiert wird, dieses »planlose Umhertappen 
unter klassischen Analogieen« '), ist eine grobe Verletzung des 
Respektes von den Jahrhunderten^). 

4, Der Stand der Hülfsmittel für eine solche genaue 
Musterung ist freilich derartig, dass jeder, welcher auch nur 
eine einzige Detailfrage beantwortet haben möchte, die Unzu- 
länglichkeit des Apparates schwer empfindet. Ich habe 

1) G. Heinrici, das erste Sendschreiben des Ap. Paulus an die 
Korinthier, Berlin 1880, S. VII f. Vergl. Desselben Kritik dieser 
Methode in der Vorrede zur 6. Aufl. von Meyer (V, 1 Kor., 7. Aufl., 
Göttingen 1888, S. VII). 

2) Vergl. H. Menge, de praepositionum usu apud Aeschjlum, Qot- 
tingae 1863, p. 3 : >. . quia unusquisque scriptor in iis [praeposs.j propria 
quaedam et singularia praeberet, ut nisi cum maxima circumspectione ex 
uno in aJterum quid transferri non liceret«. 



10 

diese für die Beurteilung der Metliode und der Art ihrer Durch- 
führung nicht unwichtige Behauptung nach der Seite der 
profanen sowohl, als auch der semitischen Gräcität hin zu 
begründen ^). 

In ersterer Beziehung fehlt es bis jetzt an einer histori- 
schen Syntax der griechischen Sprache. Sie »ist eine 
Aufgabe, der sich die Philologie nicht mehr lange entziehen 
darf. Für die Lösung derselben steht aber nur ein Weg offen: 
Erforschung aller syntaktischen Phänomene durch alle Autoren 
in chronologischer Reihenfolge hindurch. Ein weites, beinahe 
unabsehbares Ziel!« so urteilt M. Schanz*), welcher neuer- 
dings mit seinen Schülern die Lösung dieser Riesenaufgabe 
begonnen hat. Vor ihm hatte Tycho Mommsen') unter 
Zustimmung hervorragender Fachgenossen *) nicht nur das Ziel 
klar bestimmt, sondern auch in seinen aufsehenerregenden Einzel- 
untersuchungen einen Weg gezeigt, welcher die einzige Garantie 
für die Richtigkeit der Resultate bietet, die statistische 
Methode: »Nur wenn die sprachlichen Einzelheiten von Anfang 
bis zu Ende in ihrer Starrheit oder Wandelbarkeit verfolgt 
werden, wenn jede Stilart dabei genau berücksichtigt wird, 
kann man zu einer guten Griechischen Sprachlehre kommen« ^). 
Keine Arbeit der philologischen Wissenschaft wird für das Ver- 
ständnis des N. T. von grösserem, unmittelbarerem Gewinne 
sein, als diese. Ja es ist nicht zu viel gesagt, wenn man von 
der zukünftigen Vollendung der historischen Syntax der griech- 
ischen Sprache für die Erforschung der neutestamentlichen 



1) Vergl. auch die Klagen von E. Hatch, Essays in BiblicalGreek, 
Oxford 1889, p. 2. 

2) Beiträge zur bistor. Syntax der griech. Sprache II, 1^ Würzburg 
1884, S. VI. 

3) In den oben S. 5 in der Ausgabe von 1886/87 citierten Frankfurter 
Programmen von 1874, 1876 u. 1879. 

4) Z. B. G. Gurtius u. B. Delbrück, vergl. G. Vogrinz in Berl. 
Philol. Wochenschrift VII, Berl. 1888, Sp. 1380 u. 0. Riemann in 
Bevue de Philologie XI, Paris 1887, p. 160. 

5) A. a. 0. I, S. 10. 



n 

Idiome eine ganz neue Grundlage erhofft '). Aber bis dahin 
wird es noch eine Weile dauern. Wenn nun auch die Theologen 
inzwischen bereits bei Einzelarbeitern mit Dank und Gewinn 
Anleihen machen können, so ist doch ihre Lage keine beneidens- 
werte: sie haben das ferne Ziel geschaut und ahnen, welche 
sicheren Erkenntnisse noch zu gewinnen sind, aber wie Mose 
auf dem Nebo müssen sie — sich bescheiden. Einstweilen bleibt 
also nichts Anderes übrig, als die gewöhnlichen unzureichenden ^) 
Hulfsmittel anzuwenden. Für das Partikelwesen und speciell 
die Präpositionen sind dieselben am dürftigsten^). Selbst ein 
so interessanter Sprachgebrauch, wie iv mit dem singularisclien 
Dativ einer Person, hat meines Wissens noch keinen Bearbeiter 
gefunden, trotzdem bereits G. Bernhardi*) über die »lücken- 
haften Beobachtungen«, die hier nur vorhanden sind, sich be- 
schwert hat. Ich bekenne offen, dass ich trotz möglichster 
Vollständigkeit das Ideal statistischer Arbeit nicht erreicht habe 
und als besonders beklagenswerte Lücke das Fehlen ausreichen- 
der Untersuchungen über den Sprachgebrauch des Philo und 
des Josephus bedauere. 

5. Die semitischeGräcität, in erster Linie repräsentirt 
durch die alexandrinische Übersetzung des Alten Testamentes, 
birgt eine andere, bei weitem grössere Schwierigkeit. Man liest 
in den Kommentaren oft so frohe und sichere Angaben über 
»den Sprachgebrauch der LXX«. Zumeist wird aber völlig 
übersehen, dass man sich zur Zeit nicht im geringsten das 
Recht herausnehmen darf, namentlich nicht in syntaktischen 
Fragen, von »dem« Sprachgebrauche der LXX zu reden, und 
zwar zunächst deshalb, weil die alexandrinische Übersetzung 
nicht ein einheitliches, von derselben Person zu derselben Zeit 



1) Auch die Einwirkungen des Christentums auf die spätere Gräcität 
werden dann deutlicher erkannt werden können. 

2) W. Schmid, der Atticismus in seinen Hauptvertretern, I, Stutt- 
gart 1887, S. VII, klagt besonders über die Unzulänglichkeit der Gram- 
matiken und Lexika für die spätere [für das N. T. wichtigste!] Gräcität. 

3) G. B. Winer, Gr., S. 335 f.; A. Schwarz, de praepositionibus 
graecis et latinis, Regimonti Pr. 1859, p. 1. 

4) A. a. 0., S. 210, vergl. S. 213 Anm. 93. 



12 

verfasstes Werk ist, dann aber aus dem einfachen Grunde, weil 
der ursprungliche, vorchristliche Text der LXX uns nicht be- 
kannt ist. Das ist ja das grosse Problem der Septuaginta- 
forschung, diesen Text festzustellen*). Was kann es helfen, 
wenn man eine Recension benutzt, von deren Bestandteilen 
viele sicher erst nach der Bildungsperiode der neutestamentlichen 
Idiome in den Text gekommen sind? Manche Stellen lassen 
sich wahrscheinlich eher zur Feststellung des Einflusses des 
christlichen Sprachgebrauchs auf die LXX, als zum umgekehrten 
Zwecke verwenden. Und auf den letzteren kommt es doch so 
sehr an! Die LXX wollen nicht nur deshalb wiederhergestellt 
werden, um die Rekonstruktion der hebräischen Vorlage zu er- 
möglichen 2), sondern auch um uns die Möglichkeit zu geben, 
zu konstatieren, inwieweit das novum in vetere latet in sprach- 
licher Beziehung zutrifft. Da SS die LXX von grossem Einflüsse 
waren, ist ja allgemein anerkannt^), aber das genügt nicht. 
Wenn man z. B., um eine Einzelfrage zum Beweise anzuführen, 
gern wissen möchte, ob so wichtige Präpositionen des N. T. 
wie vnsQ und dvci von der profanen oder von der semitischen 
Gräcität aus zu verstehen sind, so wird man sich zur Zeit ver- 
geblich nach einer festen Grundlage für die Untersuchung um- 
sehen. Vorläufig muss also die neutestamentliche Exegese ihre 
Ungeduld zügeln und, der Riesenarbeit von Männern wie P. de 
La gar de und Fr. Field Schritt für Schritt in Bewunderung 
nachfolgend, im Kleinen das zu erstreben beginnen, was im 
Grossen erst in später Zukunft erreicht werden kann. 



1) P. de Lagarde, Anmerkungen zur griechischen Übersetzung der 
Proverbien, Leipzig 1863, S. 2. 

2) J. Wellhausen in F. Bleek, Ein!, in d. A. T., 4. Aufl., Berlin 
1878, S, 578; vergl. E. Hatch, Essays, p. 14: »It is a true paradox that 
while bistorically as well as philologically, the Greek is a translation of 
the Hebrew, philologically , though not bistorically, the Hebrew may be 
regarded as a translation of the Greek.« 

3) Vergl. z. B. Th. Nöldeke, die Alttestamentliche Literatur in 
einer Reihe von Aufsätzen dargestellt, Leipzig 1868, S. 249 ; 0. F. F r i t z sc h e, 
Alexandrinische Übersetzung des A. T. (H. & P.; R.-E." I, Leipzig 1877), 
S. 280 u. 290; A. Schlatter, der Glaube im Neuen Testament, Leiden 
1885, S. 78. 



13 

Eine Arbeit auf dem Gebiete des Partikelwesens inuss be- 
sondere Sorgfalt beanspruchen , da hier die Textüberlieferung 
relativ die unsicherste ist. Für eine solche Kleinarbeit sind 
folgende Regeln zu beachten: 

1) In fortwährender Erinnerung daran, dass der für die 
Bildung der neutestamentlichen Idiome in Betracht kommende 
Text der LXX Ziel, nicht Ausgangspunkt ist, muss man jede 
einzelne Stelle, über deren sprachliche Bedeutung man sich 
orientieren will, mit den zur Zeit vorhandenen Hülfsmitteln 
prüfen, um sich womöglich einen Überblick zu verschaffen, 
welches der nachweisbar frühste LXX-Text ist, wie die Über- 
setzungen des Aquila, Theodotion und Symmachus lauten u. s. w. 

2) Das Urteil über die Gräcität ist in jedem einzelnen 
Falle danach zu orientieren, ob eine mechanisch -sklavische, 
oder eine freie aus griechischem Sprachgeiste heraus producierte 
Wiedergabe des hebräischen Originals vorliegt ^). 

3) Das nächste, weil natürlichste Erkenntnismittel für 
dieses Urteil ist der hebräische Text, soweit er nicht selbst als 
rekonslruktionsbedürftig erscheint. 

4) Eine Probe auf die Richtigkeit dieses Urteils werden 
besonders die Übersetzungen des Aquila ('-4) und des Symmachus 
(2) ermöglichen, von denen der erstere ^) trotz guter griechischer 
Bildung, unter dem Einflüsse der Methode Akibas stehend, den 
die Semitismen nachahmenden hermeneutischen Mechanismus, 
der zweite^) das Princip freier sinngemässer Anwendung des 
Griechischen in grösster Vollkommenheit durchgeführt hat. 
Man wird, da LXX, Aquila und Symmachus wesentlich dieselbe 



1) E. Schür er, Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu 
Christi, 2. Teil, Leipzig 1886, S. 700, scheidet das LXX-Griechisch eben- 
falls nach diesen beiden Gesichtspunkten und macht auf den Mangel einer 
ausreichenden Untersuchung aufmerksam. 

2) Fr id. Field, Origenis Hexaplorum quae supersunt 2tomi, Oxonii 
1875, prolegomena p. XXI ss. Vergl. die dort mitgeteilten Urteile des 
Origenes über Aquila: »o xvQKotata SQfiriyeveiv (piXotc^ovfievos *AxvXas<^ 
und *dovXevbiv t^ ^Eß^acx^ Xs^ec*. 

3) F. Field, a. a. 0., p. XXX ss. Vergl. das dort mitgeteilte Urteil 
des Hieronymus über Symmachus: »non solet verborum xaxo^rjXiay, sed 
intelligentiae ordinem sequic 



14 

Vorlage haben, in solchen Fällen z. B., in denen die Ausdrucks- 
weise der LXX den Eindruck des Ungriechischen macht und 
Äquila dieselbe Eigentümlichkeit hat, während Symmachus sie 
durch eine andere Wendung ersetzt, das Recht haben, die 
beiden letztgenannten Beobachtungen als Bestätigung des ersten 
Eindruckes aufzufassen. 

5) Da die LXX zu verschiedenen Zeiten von verschie- 
denen Leuten verfasst sind, hat man sich zu hüten, einen all- 
gemeinen »Sprachgebrauch« derselben zu statuieren. Besässen 
wir ein Lexicon particularum der LXX , dessen Mangel G. B. 
Win er") mit Recht beklagt, so wäre der erste Eindruck eines 
solchen Werkes meines Erachtens der einer überaus grossen 
Buntscheckigkeit des Gebrauches dieser Wörter in den einzelnen 
Teilen der Übersetzung. 

6. J. Wellhausen^) hat die Frage einer besonderen 
Untersuchung für wert erklärt, in welchem Verhältnisse das 
vor den LXX bereits vorhandene Judengriechisch zu 
der hebraisierenden Gräcität der alexandrinischen Übersetzung 
steht. Er selbst*) deutet für diesen bis heute noch nicht unter- 
suchten Punkt so viel an, dass die Wörtlichkeit der LXX »teil- 
weise vielleicht auch Anbequemung an ein sich entwickelndes 
Judengriechisch« ist, während E. Schür er*) die Frage, »in- 
wieweit die Umgangssprache der griechischen Juden den Über- 
setzern bereits vorgearbeitet hat« , für unkontrollierbar erklärt 
und eine Wechselwirkung beider annimmt: »Vieles, was die 
Übersetzer wagen, haben sie schon in der Umgangssprache vor- 
gefunden. Mindestens ebenso stark wird aber auch die Rück- 
wirkung gewesen sein, welche die in den allgemeinen Gebrauch 
übergegangene Übersetzung auf die Entwicklung des jüdischen 
Griechisch ausgeübt hat«. Ohne Zweifel wäre die Entscheidung 
dieser Frage für die Gesamtbeurteilung des von so vielen als 
selbstverständlich angenommenen grammatischen Einflusses der 



1) Gr., S. 336. 

2) Der Text der Bb. Samuelis untersucht, Gott. 1871, S. 11. 

3) Bleek*, S. 578. 

4) A. a. 0., 8. 700. 



15 

LXX auf die Stilarten der urchristlichen Autoren von hohem 
Interesse. Aber auch hier wäre es für die eigene Zufriedenheil 
fast besser, das Problem nicht zu kennen, als lediglich seine 
Unlösbarkeit eingestehen zu müssen: Denkmäler dieses Juden- 
griechisch fehlen uns so gut wie ganz. 

7, Bei einer Untersuchung über das paulinische Idiom wird 
die Frage nicht übersehen werden dürfen, ob die religiöse 
Sprache des Paulus bewusst oder unbewusst abhängig war von 
den Eigentümlichkeiten eines vor ihm vorhandenen oder sich 
bildenden »christlichen« Idioms. Als Quelle für die Kenntnis 
desselben könnten in Betracht kommen höchstens die Synoptiker; 
doch ist die Entscheidung dieser Frage wieder so sehr von der 
Lösung einer ganzen Reihe anderer geschichtlicher Probleme 
abhängig, dass man kaum zu mehr, als zu einem non liquet 
kommt. Aber auch ohne dass man sich einbildet, man könne 
die minutiöse Frage der Abhängigkeit mit Sicherheit beant- 
worten, wird man die Nötigung empfinden, den Sprachgebrauch 
der Synoptiker wie der übrigen nichtpaulinischen Schriften des 
Urchristentums zu untersuchen. Für die philologische Betracht- 
ungsweise sind dieselben im grossen und ganzen als Bestand- 
teile der unter dem Einflüsse des semitischen Sprachgeistes 
stehenden Gräcität aufzufassen; denn es ist nicht einzusehen, 
weshalb bei der Untersuchung der Denkmäler dieser Gräcität 
vor dem Neuen Testamente plötzlich ein Strich gemacht werden 
soll. Betrachtete man eine Stelle wie Matth. 9, 34 er %^y 
ceQXotTi TcSv SaifjLovioir ixßdXkst, %ä 6aifi6vux losgelöst von 
ihrem sprachgeschichtlichen Zusammenhang, so könnte man 
sich versucht fühlen, schon hier einen »dem« neutestamentlichen 
Idiom eigentümlichen Gebrauch des iv zu statuieren und das 
paulinische €v mit diesem zu identifizieren, während eine method- 
ische Einzeluntersuchung einerseits die Abhängigkeit jenes 
synoptischen iv von dem Gebrauche der vorhandenen semitischen 
Gräcität, andererseits die Originalität des paulinischen er er- 
geben wird. 



16 

IV. Frage I: IHe Präposition iv mit persönlichem 
Singular in der ausserpaulinischen Orädtät. 

A. Die Profan-Oräcität 

1. Grundlage der Untersuchung wird eine Verständigung 
über das Wesen der griechischen Präpositionen 
bilden müssen. Soviel ich sehe, vertreten die Philologen, welche 
sich über diesen Gegenstand geäussert haben, übereinstimmend 
die Ansicht, welche R. Kühner^) so ausgedrückt hat: »Jede 
Präposition hat eine Grundbedeutung, die sie überall festhält«. 
Diese eine Grundbedeutung der Präpositionen ist die lokale. 
Die Übereinstimmung der Forscher in dieser Sache ist gross. 
A. F. Bernhardi^) definiert die Präpositionen als »adverbia 
loci auf Verhältnisse der Substanzen zu einander angewandt«, 
F. Bopp^) betont, dass sie »ihrem Ursprünge nach sämtlich 
Raum- Verhältnisse ausdrücken, das ursächliche, instrumentale 
aber . . . notwendig als räumlich aufzufassen ist« , womit 
C. Schmidt*), A. Fr. Chr.* Vilmar^), K. F. Becker«), 
J. Ritz'), L. Döderlein»), E. A. Fritsch»), Schwarz- 



1) Ausführliche Grammatik der griechischen Sprache, 2. Aufl., II. Teil, 
1. Abteilung, Hannover 1870, S. 391. 

2) Sprachlehre, Berlin 1801, Erster Teil S. 294. 

3) Vergleichende Zergliederung des Sanskrits und der mit ihm ver- 
wandten Sprachen III, Abhh. der Kgl. Ak. d. WW. zu Berlin 1826, Berlin 
1829, hist.-philol. Klasse S. 78. 

4) Diss. de praepositionibus graecis (Bericht der Cauerschen Erziehungs- 
anstalt zu Charlottenburg), Berol. 1829, p. 5. 

5) A. a. 0., p. 4. Vergl. auch Cuntz, einige einleitende Bemerk- 
ungen zur Lehre von den griechischen Präpositionen (Programm von 
Hadamar), Weilburg 1843, S. 11. 

6) Das Wort in seiner organischen Verwandlung, Frankfurt a./M. 
1833, S. 286; Organism der Sprache, 2. Ausg., Frankfurt a./M. 1841, 
S. 192 u. 211. 

7) De praepositionum graecarum natura et indole, Marb. Hass. 
1842, p. 18. 

8) Reden und Aufsätze, 2. Sammlung, Erlangen 1847, über die Klassi- 
fikation der Präpositionen S. 153 f. 

9) Vergleichende Bearbeitung der Griechischen und Lateinischen Par- 
tikeln, 2. Teil, die Präpositionen, Giessen 1858, S. 2. 



17 

lose^), J. N. Madvig^), H. Ziemer^) und 6. Vogrinz*) 
übereinstimmen. 

Ihrer lokalen Grundbedeutung nach dient speciell die Prä- 
position iv zur Bezeichnung des »In-, Auf- und Nebeneinander 
der Dinge . . , indem es überhaupt eine wirkliche Vereinigung 
mit einem Gegenstande bezeichnet« **). Von hier aus müssen 
also alle etwaigen übertragenen Bedeutungen verstanden 
werden ®). 

2. Der Sprachgebrauch der einzelnen Schrift- 
steller in historischer Reihenfolge. 

Bei Homer ') ist der Gebrauch von iv mit dem persönlichen 
Plural besonders bei Völkernamen ein häufiger; vergeblich aber 
sucht man nach singularischen Konstruktionen. B. Gieseke®) 
führt nur ein einziges Beispiel an: 

II. I, 97: €V (Sol (ikv Xrj^oDy aeo J' äg^ofiai 
und bezeichnet diese Fügung als eine harte, während er im 
Lexicon Homericum diese Stelle mit einer pluralischen unter 
die Bedeutung »penes« registriert. 

Eine ähnliche »sehr harte« ®) Konstruktion findet sich bei 
dem den homerischen Stil nachahmenden und daher hier folg- 
enden ApoUonias von Bhodas (Ende des 3. Jahrh. v. Chr.): 



1) Über Casus u. Präpositionen, bes. im Griechischen, Görlitz 1867, S.21. 

2) Kleine philologische Schriften, Leipzig 1875, 8. 302. 

B) Vergleichende Syntax der indogermanischen Comparation, Berlin 
1884, S. 92. 

4) Berl. Philol. Wochenschrift V (1885), Berl. 1886, Sp. 226. Vergl. 
auch J. Methner, de praepositionum graecarum natura atque usu, 
part. I, Lesnae 1848, p.4 s. und R. Kähner, a.a.O., S. 388 f., 391 f., 455. 

5) R. Kühner, a. a. 0., S. 401. 

6) H. Menge, a. a. 0., p. 4, sucht daher speciell bei Aeschjlus 
nachzuweisen, »quomodo e primaria quae e locali nascitur significatione 
ceterae sint coortae et profectae significationes«. 

7) B. Gieseke, über den Gebrauch der Präpos. it^l bei Homer, in 
F. W. Schneidewins Philologus VII, Göttingen 1852, S. 77-109; Der- 
selbe, die allniähl. Entstehung etc. S. 1 — 41; Derselbe im Lexicon 
Homericum , ed. H. Ebeling , Lipsiae 1885. 

8) Über den Gebrauch etc., S. 107. 

9) Ebenda. 

2 



18 

Arg. in, 549 u. 550 : ^efj M ^) KvnQiSi voatov iaead^ai^ 
die, wie die Iliasstelle, ihre Erklärung in derselben Vorstellung 
findet, welche bei den Sophocles-Stellen näher ausgeführt ist ^). 

Pindar*) (f 441), der es liebt, die Präpositionen in ihrer 
primären Bedeutung zu gebrauchen, um durch möglichst kon- 
krete Sprache künstlerisch zu wirken*), bedient sich der Prä- 
position iv sehr gern. Man hat bei ihm öfters einen instru- 
mentalen Gebrauch des iv konstatieren wollen, aber C. B o s s 1 e r *^) 
hat nach dem Vorgange von L. Dissen diesen »Irrtum« zurück- 
gewiesen: »Pindarus, ubi praepositione iv utitur, certam ratio- 
nem sequitur atque primariam eins vim tenet; quae vis etiam 
tum cognosci potest, si nos instrumentalem casum vel prae- 
positionem expectemus; nam saepe quod nos instrumentum 
esse dicimus, quo quis aliquid efficiat, Pindarus tamquam locum 
vel etiam statum habuit, in quo ipso actio fiat«. Mcht anders 
als lokal wird daher auch die Fügung 

Ol. 13, 104®): vvv J* Slnofiai fiäv, iv ^««5 ye fidv Tslog'^) 
verstanden werden können. An den beiden Stellen 

P. 5,78: xanvmd^aXfSttv närgav in ei Xdov iv^'Aqei und I. 4,48: 
xai vvv iv ^'Aqsi fjiaQTVQrjtfai xsv nokig AiavTog oQ&a)x^€i(fa 
vavtaig kann man über das iv zweifelhaft sein; L. Dissen 
und L. Schmidt®) übersetzen »in hello« und »im Kriege«, 
entkleiden also den griechischen Ausdruck seiner persönlichen 
Bestimmtheit, während E. Friese®), das iv^'Aqsi, der letzteren 
Stelle zu o^i^'Oh^'^rG'a ziehend, erklärt: »Salamis erecta dicitur in 

1) Vergl. unten S. 25 Plat. Grit. 108 D. 

2) Vergl. unten S. 20 f. 

3) Index vocabulorum in Pindari carminibus, bei A. Boeckh, Pin- 
dari opera quae supersunt, t. II, 1. Lips. 1821, p. 744; G. Boss 1er, de 
praepositionum usu apud Pindarum, Darnistadii 1862; H. £. Bind seil, 
concordantiae omnium ?ocum carminum integrorum et fragmentorum 
Pindari, Berol. 1875. 

4) G. Bossler, a. a. 0., p. 1. 

5) A. a. 0., p. 19 s. 

6) Ed. L. Dissenius, Gothae et Erfordiae 1830. 

7) Vergl. Nem. 10, 29: nav de tiXog iy tlv e^ycoy. 

8) Pindars Leben und Dichtung, Bonn 1862, S. 142. 

9) Pindarica, Berlin 1872, p. 11. 



"" 19 

Marie, id est, virtute bellica nautarum«. Mir scheinen diese 
3 Stellen auf einer Linie mit den unten ^) erklärten sopho- 
cleischen zu stehen, und zu ihnen ist eventuell auch die Stelle 

I. 5, 5: vvv avT iv ^Itf&fiov deanovijc NrjQstSstfifi ts nevTij- 
xovTu naCdoDV oTcXoraTov ^vXaxiSa vixmTog zu rechnen, wo 
freilich das iv von sämtlichen neueren Kritikern mit Ausnahme 
von E. Friese^) entfernt wird. 

Aeschylns ^) (t 456) gebraucht iv mit dem persönlichen 
Plural in der Bedeutung inter sehr oft: Prom. 310; 440; 975; 
Pers. 185; 435; Ag. 453; 730; Eum. 96; 224; 389; 691; 824; 
875; 942; Suppl.228; 474; 689; Ghoeph.58, zu welchen Stellen 
sich zwanglos die von A. Wellauer*) unter die besondere 
Bedeutung penes registrierten hinzufügen: 

Sept. 666: fiovov yccQ xsQÖog iv red^vrixoaiv und 

Pers. 168 : ndvta ydQ rd xsäv^ iv vfitv iavh fioi ßovXevfioTa. 

Der persönliche Singular dagegen findet sich nur an drei 
Stellen: 
Eum. 447: rrgd^ag ydq iv (fol navraxfj ^acT atväam^ 
Choeph. 762*): iv dyyäXcp ydg xQvntog og^ovrai Xoyog^ 
Suppl. 972®): Tiäg cf iv fiecoixw yXdatfov svrvxov q>äQ€i, 
von denen die erste dem »forensischen«"^), die zweite dem 
»psychologischen«®) Gebrauche zuzurechnen ist und die dritte 
wohl auf einer Linie steht mit den durch die poetische Technik 
bedingten Fügungen Soph. Ant. 551 und Oed. C. 151 % 



1) S. 20 f. 

2) A. a. 0., p. 12. 

3) A. Wellauer, lexicon Aeschyleum, 2 tomi, Lips. 1830; E. Laiin, 
de praepositionum nsu apud Aeschylum I, Holmiae 1877. (Q. Menge, 
a. a. 0., hat iy nicht behandelt.) 

4) A. a. 0. I, p. 199. 

5) In der Ausg. von F. Bamberger, Gottingae 1840, V. 732. 

6) In der Ausg. von J. Ob er dick, Berlin 1869, V. 969. 

7) Vergl. unten S. 20. Der vorhergehende Vers 446 : ffv t\ ei dixaltog 
€it€ f^ri, xQLvoy dlxrjy weist noch besonders darauf hin. Auch E. Laiin 
(a. a. 0„ p. 7) erklärt das iy so. . 

8) Vergl. unten S. 20 f. 

9) Vergl. unten S. 22. 

2* 



20 

Bei Sophooles ^) (f 406) empfiehlt es sich, von dem plural- 
ischen Gebrauche auszugehen, weil aus ihm wahrscheinlich 
eine Eigentümlichkeit des singularischen sich erklärt. ^Ev mit 
persönlichem Plural steht hier häufig zur Bezeichnung des (rein 
lokal gedachten) Verweilens in einer Gesamtheit und zwar im 
specifisch forensischen Sinne von der Gesamtheit der Richter : 

Ant. 455: iv x^solat ttjv dixrjv ddasiv^ »quasi in deorum 
iudicum consessu«^), 

Ant. 925: ei fikv ovv %aS* iaiiv iv x^eoTg xaka, 

Oed. R. 215: tov äTtorifiov iv x^eoTg d'sov. 
Derselbe Gebrauch des iv wird dann auch auf den Singular 
ausgedehnt, trotzdem er strenggenommen nur bei einem Plural 
berechtigt ist: 

Oed. R. 770 : iä y iv aol Sva^oQwg i%ovTa, was G. Hermann®) 
daher »te iudice« erklärt. Ebenso*): 

Oed. C. 1513 : (fxaioavvav (fvXdatswv iv ifiol xaTccir^Xog ^(frai 
und wohl auch 

Ai. 1315: stvai . . iv ifAol d-Qccavg. 
Dieses »forensische« «V, wie es der Kurze wegen im 
folgenden stets genannt sein möge, braucht übrigens nicht not- 
wendig erst vom pluralischen Gebrauche aus verstanden zu 
werden, sondern kann auch aus der Anschauung der populären 
Psychologie erklärt werden, welche alle geistigen Vorgänge »in« 
den Menschen (und zwar im lokalen Sinne, in das Innere des 
Menschen,) verlegt Auch jedes Urteil wird so »in« dem Menschen 
abgegeben. 

Damit sind wir zu einem weiteren Gebrauche des iv vor 
persönlichem Singular gekommen, den wir kurz den »psycho- 
logischen« nennen wollen.- Er liegt einer ganzen Anzahl 
von Verbindungen zugrunde, so namentlich der Redensart iv 



1) F. Ellendt, lexicon Sophocieum, 2 voll.« Regimontii Prussorum 
1835. Ich eitlere nach der Sophoclesausgabe von W. D i n d o r f , Leipz. 1849. 

2) F. Ellendt, a. a. 0. I, p. 594. 

3) E. Wand er, Sophoclis tragoediae, vol. I, sect. II, ed. tertia, 
Gothae et Erfordiae 1847, p. 86. 

4) B. Kühner, a. a. 0., S. 404: »nach meinem Urteile« ; vergl. auch 
F. PasBow, Handwörterbuch der griech. Sprache, I, 2, 5. Aufl., Leipz. 
1847, 8. 910. 



21 

iavr$ yiyv€(S&ai, für welche sich bei Sophocies bereits das 
Beispiel findet Phil 950: dJiXd vvv et iv aavr^ y^rov^). 
Hierher gehört auch die Verwendung des iv im Sinne des 
lateinischen »penesc«). F. Ellen dt ^) hat sich begnügt, diesen 
Gebrauch unter der »varia transferendi voculam ratio« zu 
registrieren, ohne mitzuteilen , worin diese Übertragung besteht 
oder wie sie zu erklären ist. 6. Bernhardi*) nennt ihn den 
»ethischen« Gebrauch , welcher »an einer subjektiven Stellung 
und Berechnung innerhalb eines Gebietes erkannt wird, wo die 
Verhältnisse des an, für, vermöge anderer Stattfindenden ein- 
treten«. Meines Erachtens bedarf es keiner so umständlichen 
Spekulation, um das iv zu verstehen; man wende die Regel, 
auf die lokale Grundbedeutung zurückzugehen , auch hier an : 
Oed. C. 392: iv aol t«^ xsivodv (paai yCyvsad'ai xQccTrj, die 
Kraft eines Menschen liegt als etwas Unsichtbares, Abstraktes 
für die naive, nicht reflektierende Betrachtungsweise »in« dem 
Inneren; soll nun der Gedanke ausgedrückt werden, dass die 
Kraft anderer von einer bestimmten Person abhänge , so wird 
von derselben Grundanschauung aus gesagt, sie sei »in« dem 
betreffenden Menschen. Wir haben also hier nichts Anderes, 
als eine Species des »psychologischen« Gebrauches von iv. 
Ebenso: 

Oed. G. 422: iv cf ifjbol riXog avvoTv yävoito Trjgäe %7jg 

fuixrjg nsQi^ 
Oed. C. 1443: ravra iv %^ daifiovi xal rfjds g)vvai xdTSQijt^ 
Ai. 1136: iv totg dixaüvalg^ xovx ifAol, toV i<fq)äXr], 
Trach. 621: oil vi fir} a(paXdS y iv aoi nove^ 
Phil. 963: iv (fol xai id nksTv rjiiäg^ civa^y rjirj Vt*. 

Konsequenzen dieses Sprachgebrauches sind folgende 
Fügungen : 



1) Havtio ist (F. Ellen dt, a. a. 0.» p. 597) durch die besten Hand- 
schriften beglaubigt. 

2) Nicht hierzu gehört Oed. B. 677: eV zotsd' mo^j welches ich mit 
E. Wunder (a. a. 0., p. 79) zu dem gewöhnlichen Gebrauche des iv für 
inter rechne (gegen F. Ellen dt, a. a. 0., p. 597). 

3) A. a. 0., p. 597. 

4) A. a. 0., S. 210. 



Oed. R. 314: iv aol yccQ itffiäv^ 
Oed. C. 247: iv vfitv oig &6^ xsifjbe^a Tkäfioveg, 
Ai. 519: iv ifoi nä(f* Sycoy^ (foi^ofjuxt. 
Bei diesen Stellen ist bemerkenswert, dass die meisten der 
persönlichen Dative Personalpronomina sind. 

Ganz Singular und jedenfalls durch den formalen Grund 
der Technik des Versbaus bedingt sind die Wendungen 

Ant. 551 : xet yäXaat* iv aol ysXm^ welche E. Wunder^) als 
poetischen Ausdruck für iyyskoi aoi erklärt, und 

Oed. G. 151 : äXX' ov fiav Mv y ifiol nQogdTJtseig %dqS' dgag, 
wo man eher ^ig erwartet. 

Auch bei Euripides^) (t 406), welcher überhaupt den 
präpositionalen Ausdruck sehr vermehrt hat*), findet sich iv 
mit persönlichem Plural gleich intÄ* sehr häufig^); der sin- 
gularische Gebrauch dagegen ist viel seltener und dem sopho- 



1) Wenn E. Wunder (a. a. 0., p. 47) im Anschlüsse an den The- 
saurus graecae linguae, vol. III, Paris. 1835, col. 962, diese Stelle durch 
»a te pendemu8€ erklärt, so hat er sachlich wohl den Sinn wieder- 
gegeben, aber das Eigentümliche der sophocleischen Wendung verwischt. 

2) A. a. 0. sect. IV (1846), p. 62. 

3) Index . . verborum . in Euripidis tragoediis occurrentium, 

in tom. III der Euripidesausgabe von Chr. D. Beck, Lips. 1788, p. 759. 
Ich eitlere nach der Euripidesausgabe von A. Nauck, ed. II, Lips. 1857. 

4) Tycho Mommsen, a. a. 0. I, S. 79. 

5) Hierher gehört auch die Stelle Hipp. 452: eiaiy sv Movaaig aei, 
welche G. Hieinrici (2 Eor., S. 291) als erklärende Analogie für das 
elyai iy Xqcotcü geltend macht. Die pluralische Fügung hat nichts 
Auffallendes und ist von der singul arischen des Paulus doch wohl sehr 
verschieden: »innerhalb der Gesamtheit, des Kreises der Musen seine. 
Eustathius zu Hom. II. B. p. 262,2 = 198,30 bezieht sich ausdrück- 
lich auf Euripides : o drj ne^i töHy nocrjtdjy ^ tw»' änXcos Xoyltoy Ev^midrig 
(prjal (J. H. Monk, Euripidis Hippolytus coronifer, Lipsiae 182B, p. 58). 
Aelian hat die Formel von Euripides entlehnt (vergl. Musgravii et 
aliorum notae in Hippoljtum in tom. III der Euripidesausgabe von Ohr* 
D. Beck, p. 266), was G. Hermann (ad Vig. ed. IV, p. 607) über- 
sehen zu haben scheint. Ganz anders ist die Stelle Plut. II, 605 A: 
l€Qoy xal datfzoyioy bp Movaaig nvevfjia , wo es sich zunächst nicht um 
die Gesamtheit der Musen handelt, sondern um die jeder einzelnen zu- 
kommende Einwohnung des nyevfza (vergl. unten S. 29). 



23 

cleischen durchaus parallel. Ein Beispiel des »forensischen« 
Gebrauches ist hier 

Hipp. 1320: av <f' iv t ixhivcp xdv ifiol q>aiv6i xccx6g^)y 
wozu ich mit L. C. Valckenaer^) auch die Stelle 

Hipp. 324: iv ik aoi XeXe^yjofiai rechne. 
Beispiele des »psychologischen« Gebrauches sind: 

Or. 634: iv ifAovT^ ri (Svvvoov(i€vog, 

Phoen. 1250: iv aol Zrjvdg oQ-b-waai ßgerag, 

Iph. A. 1378: xdv ifiol nogd-fjiog tc vaöav xcd 0qvy<ov 
xc(Ta(fxa(pai, 

Hei. 996: iv aol ßgaßeveiVy (o vsävi, %ovg Xcyovgy 

Ale. 278: iv (fol i* iaiihv xal ^fjv xal fAiqy 

Rhes. 859: iv aol S* aq dQXf^M^^^^ 

Hei. 1031 : iv t^ dixaitp iXnideg (famtjQiag. 
Auch hier sind in fast sämtlichen Beispielen die Dative 
Personalprqnomina. 

Aus Herodot ^) (f nach 425) ist mir nur eine Stelle bekannt 
geworden: 

' 6, 109 : iv aol vvVy KaXXifiaxs, Sativ rj xaTadovXoSaai ^AdTjvag, 
ein Beispiel des »psychologischen« Gebrauches, ebenfalls pro- 
nominal. 

Die Komiker^) bieten einige Beispiele für den »psycho- 
logischen« Gebrauch: 

Plato d. Korn. (ca. 420) 2, 674 (2, 4) : iv r^ xanvjXtp vovg 
ivstvaC fioi doxst^ 

Cratinus (f 423) 2, 30 (4) : iv Kagt vov xMvvov iv ifxol drj 
doxet 7iQ(ot(ü neiQttfSx^aij 

Menander (f 290) 4, 241 (27 b) : ovx iv ywMxl g>v€T(xi niavri 
xdgig und andere mehr, sowie einen Fall des »forensischen« 
Gebrauches : 



1) Vergl. E. A. Fritßch, a. a. 0., S. 175 ; R. Kühn er,a. a.D., S.404. 

2) J. H. Monk, a. a. 0., p. 45. 

3) J. Schweighaeuser, lexicon Herodoteum, Argent. et Paris. 
1824. Die Dissertation yon C. A. Lundberg, de ratione Herodotea 
praepositionibus utendi a scriptoribus Atticis diversa, üpsalae 1869, bietet 
nichts für unsere Frage. 

4) H. Jacobi, comicae dictionis index (vol. V der fragmenta Comi- 
corum Graecorum von A. Meineke), Berol. 1857. 



24 

Amphis (Zeilgenosse Piatos) 3, 309 (2): fjuitaiog iauv iv y 
Sfioi xai ToTg (SoipoTq xQiTaig cinaciv. 
In der Stelle 

Aristophanes (f ca. 380) 2, 1056 (1): i&äXaa dixrjv dovvai Sv 
Twv ifiXfov Twv (fc5v ivi ist das iv Emendation von Porson, 
die allerdings syntaktisch durchaus zu halten ist ^). 

Thncydides ^) (f ca. 396) bietet für iv mit dem persönlichen 
Plural gleich inter eine Menge von Beispielen. Nicht selten ist 
speciell der »forensische« Gebrauch, wobei die Präposition auch 
mit Kollektivsingularen verbunden wird (z. B. iv t^ ^W(p). 
Singularische Fügungen hat J. Go lisch aus dem ganzen Schrift- 
steller nur 4 beizubringen vermocht, welche sämtlich unter den 
»psychologischen« Gebrauch fallen^): 

3, 30 : €1 Tig (fTQaTrjydg ^v te avrw ^vXdtSüoiTo . , . nkelüT* 

äv OQd^OlTO^ 

1, 95, 7: 07i€Q xai iv t^ Havaavifjc iveiäoVy 

7, 8, 2: TijV avTOv yvwiiriv (irjdhv iv r^ «yy^'A^*) äq>avi' 
(Sd^eTaccv und 

2, 35, 1 ^) : iiioi dqxovv äv iSoxei slvai fAtj iv ivl drSgi 
TToXXcov dQaxdg xivivrevsad-ai. J. Gotisch®) hat die beiden 

1) Gegen 0. Bachmann, coniecturarum observationumque Aristo- 
phaneaxutu specimen I, Gottingae 1878, p. 59, der das bv für »parum 
coQimodum« erklärt und die unrichtige Annahme zu vertreten scheint, 
dass iv nur mit dem pluralischen Dativ im forensischen Sinne stehe, 
während bei dem Singular eni c. gen. oder naqd c. dat. angewandt 
werden müsse. 

2) J. Gel i seh, de praepositionum usu Thucydideo, 6 partt., Schweid- 
nitz 1859 — 83, pars II de bv praepositione , 1861. E. A. Betant, 
lexicon Thucydideum, Genevae 1843, hat die Präpositionen übergangen. 
M. H. N. von Essen, index Thucydideus, Berol. 1887, gibt nur die 
Stellen an. 

3) Vergl. dazu auch J. Go lisch, a. a. 0., p. 5: »praepositio eum 
indicat, in quo quid tanquam in re corporea ineet vel efficitur«. 

4) G. Bernhardi (a. a. 0., S. 211) übersetzt: »durch Schuld 
des Boten«; das bv ist dadurch aber nicht erklärt; besser R. Kühner 
(a. a. 0., S. 403), der diese persönliche Fugung »aulfallend« findet: 
»gleichsam in dem Munde des Boten«. 

5) F. Passow, a. a. 0., S. 910, ist geneigt, diese Stelle eventuell 
dem forensischen Gebrauche zuzurechnen. 

6) A. a. 0., p. 11 8. 



25 

letzteren Stellen unter die Fälle untergebracht, in welchen iv 
angeblich das »subsidium sive adiunientum« bezeichnet; er 
hätte diesen Gebrauch verständlicher gemacht, wenn er wie 
F. K r e bs bei Polybius ^) noch darauf hingewiesen hätte , dass 
€v im instrumentalen Sinne »das Mittel anschaulicher darstellt, 
als der blosse Casus, indem dasselbe als ein Verweilen in einer 
Sphäre angesehen wirdc. 

Bei Xenophon^) (f 355) finden sich neben vielen Plural- 
stellen nur sehr wenige singularische, welche alle das »psy- 
chologische« iv zeigen und wieder sämtlich pronominal sind: 
Anab. 1, 5, 17: dxovaaq vavia 6 KXäagxog iv Suvtm iyeveto, 
Cyr. 1, 4, 25: iXnCdag Mxfov fieyakag iv avVw, 

1, 6, 19: jU?;V iv (Sav%^ firji* iv zf^ (ftgari^, 
8, 7, 3 : o(fov iv ifxoC und 
Oec, 7, 14: li iyd ... ivvalfirjv; iv aol navva iavCv, 

Plato®) (t 346) hat den gewöhnlichen Gebrauch des iv 
mit persönlichem Plural sehr oft; verhältnismässig häufig be- 
gegnet uns iv auch mit persönlichem Singular im »psycholo- 
gischen« Sinn: 

Soph. 238 D : ovdhv Sei %d (Sa(fä(STBQov iv i/xol axonsTv^ 

239 B: iv aol axstpoifie&ay 
Phil. 21 B : ovxovv iv aol nsiQtofis&a ßccaavC^ovrsg tavta^ 
Theaet. 178 B: Mx^'^ Y^Q ^vrmv to xqittjqiov iv avrw, 

192 D: iv ifxavT^ fiefuvrjgAsvog olog iari und «W- 
(fTafiai avTog iv ifiavr^^ 

193 Ä: ovx av rnne iv iavr^ do^äasiei*, 
Grat. 384 A : nQognoiovfievog ti avtog iv iavrw di^voeXadai^ 
Phaed. 102 B: iv tw SifufAti^ dfAcpotega, xal (läysO^og xal 

(SfAlXQOTTjfiay 

Grit. 108 D: axedov yceg rd fiäyiara rifiiv tcov Xoydov iv tavtr] 

Dass sich bei Plato verhältnismässig viele Fälle finden, er- 
klärt sich, abgesehen von dem grossen Umfange der auf uns 

1) Die PräpoBitionen bei Polybius (Beiträge, herausg. von M. 
Schanz, 1), Würzburg 1882, S. 71. 

2) F. Guil. Sturz, lexicon Xenophonteam, 4 voll., Lipaiae 1801. 

3) F. Ast, lexicon Platonicum, Lipsiae 1835—38. 



26 

gekommenen platonischen Werke, aus der Eigentümlichkeit der 
platonischen Stofife. E. S e i d e P) hat ebenso die Polyprothesie 
des Plotin, speciell seine Vorliebe für iv, aus dem genus philo - 
sophandi dieses Mannes erklärt. Das ist auch für den neu- 
testamentlichen Exegeten ein beachtenswerter Gesichtspunkt bei 
der Beurteilung der stilistischen Individualität eines Schriftstellers : 
es wird stets aussichtsvoller sein, frappierende Wendungen auf 
Rechnung der Eigentümlichkeit des einzelnen Autors zu setzen, 
als sie unter die allgemeine und oft sehr wenig kontrollierbare 
Grösse des Gesamtgebrauches der neutestamentlichen Sprache 
unterzubringen. 

Auch die platonischen Stellen sind übrigens fast sämtlich 
pronominale. 

Aristoteles^) (f 322) hat sich über den seiner philosophi- 
schen Sprache eigentümlichen Gebrauch des er selbst geäussert: 
Phys. 210 a 14: fieva da tavia Xrjnrsov, noaaxöag äkXo iv 
äXXcp XäysTaL iva fi^v di] tqouov wg 6 Saxrvlog 6V rfj x**^* 
xal oXoDg Td fiäqog iv %^ oX(p, äXXov di log t6 oi,ov iv roTg 
fZ€Q€(fiv, ov ydcQ ifSTi Ttccgä rcc fAigrj t6 oXov. äXXov Sk TQÖnov 
wg av-d-Qfonog iv ^co^ xal oXcog sldog iv ysvBi, ciXkov dk (og 
To yivog iv %^ stdsi, xal okoag t6 fiäqog rov eldovg iv r^ tov sidovg 
X6y(p, Iri fiJg rj vyCeia iv ^sgiaotg xal ipvxQoTg xal oXoog rd eJSog iv 
TT] vXrj ^). Trotzdem iv also in sehr mannigfacher Weise verwendet 
wird, habe ich für die Verbindung mit dem persönlichen Dativ 
des Singularis ein Beispiel nicht finden können. R. Eucken^) 
sagt: »In keiner ächten wie unächten Schrift heisst iv wie im 
mit dem Dativ 'in der Macht', 'in der Gewalt', nur 2 Stellen 
bilden davon eine Ausnahme: Magn. M. 1187b 21: iv ifzoi 
i(fTi To dixaCw elvat xal (STiovdaitp^ Eth. Eud. 1226 a 31: negl 
Tc5v iv }]fxTv nqaxTwv^ nachdem in der vorhergehenden Zeile 
i(f TQiilv vorangegangen. An beiden Stellen ist ohne 
Zweifel mit Bonitz ini zu lesen. Es ist in den Hand- 
schriften übrigens öfter iv mit ini vertauscht«. 

1) De usu praepositioDuni Plotiniana quaestiones, Nissae 1886, p. 13 s. 

2) R. Eucken, über den Sprachgebrauch des Aristoteles; Beob- 
achtungen über die Präpositionen, Berlin 1868. 

3) Vgl. dazu auch E. Seidel, a. a. 0., p. 14. 
4} A. a. 0., S. 24. 



27 

Die attischen Redner^) haben, obwohl sich die uns 
erhaltenen Reste ihrer Schriften auf einen Zeitraum von über 
100 Jahren verteilen, im allgemeinen einen einheitlichen Sprach- 
gebrauch. Mit Ausnahme des Isocrates und des Isaeus ge- 
brauchen sie alle sv als Lieblingspräposition ^), und ihr Sprach- 
gebrauch ist deshalb besonders interessant. Mit dem persön- 
lichen Plural gleich inter findet sich sv häufig, ebenso in dem 
forensischen Sinne. Ein singularisches Beispiel für den letzteren 
Gebrauch dagegen hat L. Lutz nicht nachgewiesen. Wir 
finden den Singular nur da, wo sv zur Bezeichnung psycho- 
logischer Beziehungen®) verwendet wird, aber auch hier nur 
sehr sporadisch. 

Antiphon (f 411), welcher iv 139 mal gebraucht, hat nur 
4 pluralische Beispiele: 1,22; 1,31; 5,4 und 5,89. 

Andoddes (f nach Antiphon), welcher ev 120 mal hat, 
bietet ein Beispiel: 

1,39: oTTOf^g sv sxsivip sTrj, 

Lysias (f 379) hat überhaupt 337 svy darunter 2 Fälle: 
4, 16 : xat ov Xrjasi, ovdkv sv lavtj] (seil, yvvaixi) und 
frg. 17: T(} adv yävog sv (Soi navsrai^). 
Isocrates (f 338) hat unter 785 sv nur 2 Beispiele, beide 
bedingt durch die Formel sXnCdag Mxsiv^)i 

4, 121 : ovx SV sxsivcp rag sknidag Sxofisv %fg aoavrjQiag und 
5,55: vvv iv aol Tag sknidag ^xova vfjg avTc5v (fcoTrjQiag, 
Isaeus (t ca. 350) mit 131 sv, 



1) L. Lutz, allgemeine Beobachtungen über die Präpositionen bei 
den attischen Rednern, Würzburg 1883; Derselbe, die Präpositionen 
bei den attischen Rednern, Neustadt a. d. H. 1887. 

2) L. Lutz, allgg. Beobb., S. 10. 

3) Isoer. 7, 14 : oarivneQ ev oüjf/,atc ^Qoyriaig ist ein instruktiver Beleg 
für diese populäre Anschauung : die g)Q6yr}acg ist in dem aiof^a^ und zwar 
sind solche Aussagen als rein lokal gedachte ganz wörtlich zu verstehen. 

4) Die Verantwortung für diese Stelle muss ich L. Lutz überlassen. 
In der von mir benutzten Ausgabe der Oratores Attici von Baitter und 
Sauppe (Turici 1839 — 43) habe ich sie nicht finden können. Dagegen 
ist sie mir wieder begegnet bei Plutarch II, 187 B: to fiey ifxoy an* ifxov 
yevog ä^x^tac, to de üoy iy üoi nccvetcci, vergl. unten S. 29. 

5) Hierfür hat er auch zwei pluralische Beispiele: 6,63 und 15, 299. 



28 

Lycurgus (f 329) mit 92 iv und 

Hyperides^) (f 322) mit 117 iv bieten kein einziges Bei- 
spiel, während 

Demosthenes (f 322) mit seinen 1047 iv, wie billig ist, 
reichere Ausbeute gewährt: 

18, 144: xal oaiq Seivotrjg '^v iv t© ^iXiTtnWy 
18,193: iv rtS x^ew t:6 tovtov täXog ^r ovx iv ifioi^ 
19,193: tiva iv iavT<S iiixqoipvxlav rj ngdg avvdv drjSiav 
iv€<OQax(6g, 

20, 76 : T^5 iv ixatstto vvv nsgl avTov So^rjg vnaQXOvarjg^ 
21,59: toaovvov tfjg svtfeßsiag iv sxd(ST(o tig äv vfidSv iSot 
(SvyxexvüQrixüig. 

Aeschines (f 315) muss seine Antipathie gegen Demosthenes 
unbewusst auch hier an den Tag legen ; er hat trotz 476 maliger 
Anwendung des iv kein einziges Beispiel. 

Dinarchus (f ca. 290) verwendet unter 109 iv in einem 
Falle das »psychologische« iv^ bei der von Isocrates her be- 
kannten Formel iXnidag ^%hv: 

1,53: xal 6 dri^aydnyog v^Tv^ iv w rtig iXn(dag ^xovdC Tivsg, 
wofür sich auch 2 pluralische Beispiele finden (1,27 und 1,103). 
Man beachte, dass die Stellen auch der attischen Redner 
fast sämtlich pronominale sind. 

Aus Theocrit^) (ca. 260) ist mir ein Beispiel nicht bekannt 
geworden, auch 

Lycophron^) (ca. 263) bietet keinen einzigen Beleg. 

Polybius*) (t 122 a. Chr.) hat für den »forensischen« Ge- 
brauch des iv neben mehreren pluralischen Stellen (z. B. 5, 29, 6 
und [Kollektivsingular] 6,15, 10) einen singularischen Fall: 

17,6, 1: iv fih' ia(p xgivrj, F. Krebs*^), der diese Verbind- 
ung »etwas ungewöhnlich« findet, erklärt xQiTfj als Kollektiv 

1) A. Westermann, indicis graecitatis Hyperideae VIII partes, 
Lips. 1860—63. 

2) J. Rumpel, lexicon Theocriteum, Lipsiae 1879. 

3) Index vocabulorum in der Ausg. von E. Sc beer, Berol. 1881, p. 126. 

4) Lexicon Poljbianum (tom. VIII, 2 der Scbweighaeuser sehen 
Polybiusausgabe), Lips. 1795, p. 210 ss.; F. Krebs, a. a. 0., S. 70ff. 

5) A. a. 0., S. 71. 



29 

»von den den Gerichtshof bildenden Richtern«, was aber nach 
dem zu Sophocles Bemerkten ^) nicht einmal nötig ist. 
Beispiele des »psychologischen« Gebrauches sind : 

1,49, 8: iv avTtS Y^vofievog^), 

10,40, 6: €V iavTq) dufAsive^ 

5, 37, 6 : €v amm ßagätog M^ege xo yeyovoqy 
welche sämtlich wieder pronominale sind. Ein sonstiger Ge- 
brauch des iv mit persönlichem Singular ist bei Poiybius, ob- 
wohl er sich durch die »Fülle des präpositionalen Ausdrucks« 
auszeichnet^), nicht vorhanden. 

Plataroh^) (f ca. 120 p. Chr.) bietet nur für den »psy- 
chologischen« Gebrauch Beispiele: 

I, 460 F : ovdkv iv %^ 2vXX^ (fihiv^Qwnov oiidh ^äTQtov 
iXniaccvTag^ 

I, 773 B: xal tqotiov tivd zrjv UofATtr/iov dvvaiuv iv MetsXXco 
xax^jjQr^xoTog, 

I, 806 A : avzdg iv iavr^ (fvv€Ti&€i trjv ngä^iv^ 

II, 80 E: ccvTov iv iavr^ (fi(on^ lAäya g)Qov€tVy 
ganz ähnlich II, 81 A, 

II, 141 D: avtrjv (matronam) iv iavvfj äiaXaXsTv, 

II, 148F: &QaavßovXov yccQ iv ifioi %6v näfiipavTa ngontj- 
Xaxiaai ßovXofievog xal xaTaßaXeTv, 

II, 175 E: ovx Maxiv iv aol TVQavvog^)^ 

II, 187 B: td fih' ifiov an ifxov yävog äqxstai^ %6 dk adv iv 
aol nav€Ta$^)y wozu auch die Stelle 

II, 605 A: tsQÖv xal ia^fioviov iv Movaa^ nvevfia gehört, 
in der iv nicht gleich inter ist^). 

1) Vergl. oben S. 20. 

*2) F. Krebs, a. a. 0., S. 74: »eine abusive Struktur, wofür die 
bessere Sprache iy avtov yevofj^eyog sagt«. 

3) Ebenda S. 5. 

4) D. Wyttenbach, index graecitatis (Plutarchi operum tom. VIII), 
2 voll., Oxonii 1830. — Die Zahlen der Citate beziehen sich auf die 
Paginierung der Plutarchausgaben Francof. 1599, 1620 und Paris. 1624, 
von denen vol. I (I) die vitae, vol. II (II) die moralia enthält. 

5) D. h. non est in te tyrannidis capax ingenium. 

6) Vergl. die oben S. 27 citierte Stelle Lysias frg. 17. 

7) Vergl. oben 8. 22 Anm. 5. 



30 

Eine zunächst seltsam anmutende Stelle findet sich 
I, 519 E: €m&6t ii dsmvstv iv rip ""AnoXkfovi, D. Wytten- 
bach^) registriert sie, wie es scheint, unter die angeblichen 
Fälle, in denen iv für avv steht. Indessen erledigt sich diese 
Frage sehr einfach durch den Kontext, den D. Wyttenbach 
wohl nicht beachtet hat: I, 5190 steht ausdrücklich: oti 
(f7]/A€Qov iv T^ ^An6XX(ßvi SemvTjasi* tovto yccQ rig cix^ toSv 
TioXvTsXdav oixfov ovofia. 

Der Sprachgebrauch des M. Aarelias Antoninas ^) (f 180 
p. Chr.) ist für unsere Frage von besonderem Interesse, weil 
dieser Autor dem Paulus inbezug auf seine Stoffe näher steht, 
als einer der vorher behandelten. Wie bei Epictet *), so ist bei 
ihm SV die »am häufigsten und vielseitigsten angewendete Prä- 
position Besonders gern verwertet er die Präposition 

in kurzen allgemeinen Sätzen . . und leuchtet [!] aus ihnen der 
Geist und Charakter des Philosophen oft am deutlichsten her- 
vor«*). Trotz dieses häufigen Gebrauches von Sv findet sich 
nur ein originelles Beispiel mit persönlichem Singular: 

1,6: €v naiSiy in temporaler Bedeutung, welcher eigen- 
tümliche Gebrauch genau mit dem einer ungefähr gleichzeitigen 
Inschrift^) übereinstimmt: C.I.A. III, 1113, 1: ev äq^ov^i IvXktf 
(143/4 p. Chr.). 

Dagegen finden wir häufiger iv im »psychologischen« 
Sinne •) : 

3, 5: M%i dk 6 iv aol S^sog Siftao ngoavatrig ^(pov ä^gevog, 

3, 6: Tov ivtägvfiävov iv aol dalfxovog^ 

4, 27 : rj iv aol fiäv Tig x6(ffiog 'ö^Ccraad-ai dvvcctai^ 

5, 21 : 6/Jbo{<og ä^ xal voav iv aol t6 xQdtiaTov Tifia^ 

1) A. a. 0. I, p. 565. 

2) F. Spohr, die Präpositionen bei M. Aurelius Antoninus, Cassel 
1890. Ich eitlere nach der Ausgabe von J. Stich, Lips. 1882. 

3) F. Spohr, a. a. 0., S. 5. 

4) Ebenda, S. 14 f. 

5) M. Geyer, observationes epigraphicae de praepositionum Grae- 
carum forma et usa, Altenburgi 1880, p. 26. 

6) Auch F. Spohr (a. a. 0., S. 18) zeichnet diesen Sprachgebrauch 
aus, wenn auch leider ohne Unterscheidung des persönlichen und des 
sachlichen Dativs. 



31 

6, 25 : nofSa xard tov avrdv dxaguxioi* x^oroi* iv ixä<fTm 
rjfidav Sjua yiv€Ta$ acofiaTixd ofiov xal tjjvxixd^ 

11,19: TOV iv (toi &€$oTäQov fisQovg, 

11,20: xal To yetoieg Ü t6 iv aol nav^ 

12, 1 : xal TÖ iv col d-siov TifAij(fr]gy 

12, 14: avtog ix^ig iv (favrip Tiva vovv i)y€HQVut6v, 

12, 15: rj dh iv aol dltj^sw, 

12, 19: Off xQeiTTOv tt xal SaifJLovioireQOV ix^ig iv ifavfw tcSv 
td nd&Tj noiovvTfov. 

Hierher kann auch die an die paalinische Prothesie erin- 
nernde Stelle 

4,23: 07 (fVfSig' ix aov ndi*ra^ iv <foi ndwa, slg (f^ ndvta 
gezählt werden. 

Wie die meisten Plutarchstellen, so sind sämtliche Beispiele 
aus Marc Aurel pronominale. 

Aus P. Aelins Aristides*) (ca. 190 p. Chr.) seien noch 

folgende Stellen erwähnt, eine für den »psychologischen« 

Gebrauch des iv: 

II, 381 : 0) ßsktufre "^Hgodots , iv aol irj xal ToTg (foTg koyoig 

d^ioig dvai %d (foad^fjvai fivrniri tag .. nQa^eig^ und zwei für 

den »forensischen«: 

1, 41 : (irj x^i^QOV inidsi^fafiBx^a iv xoaovrtp xgirfj ^) und 
11,214: ovTfo xal 0€fxi<ftoxXi]g nsgl wv avvsßovXsvasv ixQi- 

V6T0 iv t^ ^AnoXXiovi t^ IIv&i(p. 

3. Resultate: 

1) *Ev mit dem persönlichen Dativ hat in der gesamten 
Profangräcität eine grosse Vorliebe für den Plural. Singularische 
Fügungen finden sich sehr selten^); in der weitaus überwieg- 



1) Vergl. D. Wyttenbach, a. a. 0. I, p. 568. 

2) D. Wyttenbach (a. a. 0.) bemerkt dazu mit Recht: »rarnm 
cum sing«. 

3) Demnach moss ich die Behauptung von F. Sieffert (Meyer VII 
[Oal.]^ Oöttingen 1886, S. 235) » dass speciell die Formel eJyac ev xivi 
»ausser dem N.T. vielfach gebraucht« werde, fflr unbegründet halten, 
wenn das tivL eine Person bezeichnen soll. Es ist zu bedauern, dass 
die grammatisehe Verwendung des tivog und tivi bei Verbalkonstruktionen 
den Unterschied von Person und Sache nicht erkennen lässt. 



32 

enden Mehrzahl dieser Fälle ist der Dativ ein Pronomen, meist 
personale. 

2) Diese singularischen Fügungen finden ihre Erklärung 
in der lokalen Grundbedeutung der Präposition iv. 

3) Diese lokale Beziehung ist die Folge der naiven popul- 
ären Psychologie, welche die psychischen Potenzen und daher 
auch die ethischen Qualitäten in das Innere des Menschen verlegt. 

4) In der letzteren Hinsicht (zur Bezeichnung ethischer 
Beziehungen) wird iv mit Vorliebe von den Tragikern, also im 
poetischen Sprachgebrauche, angewendet ; in der späteren Grä- 
cität wird dieser Gebrauch sehr selten. 

5) Doch geht eine Abart des »psychologischen« Gebrauches 
gleichmässig durch die ganze Gräcität von den Tragikern bis 
auf Aristides, der »forensische«. 

6) Bei den Dichtern finden sich vereinzelte Stellen , in 
denen das iv durch die metrische Technik bedingt ist. 

7) Seit dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert ist ein 
vereinzelter Gebrauch des iv im temporalen Sinne nachzuweisen. 

8) In sämtlichen Fällen handelt es sich um lebende Per- 
sonen, niemals um einen bereits Gestorbenen. 

9) An keiner Stelle ist iv Enallage für dia c. gen. oder 
eine andere Präpasition. 

B. Die unter dem Einflüsse des semitischen 
Sprachgeistes stehende Gräcität 

1. Die richtige Gruppierung des Materials. Für 
jede grammatische (und wohl auch lexikalische) Untersuchung 
scheidet sich die semitische Gräcität von vornherein in 2 Haupt- 
gebiete, in Übersetzungen und Original werke. 

Der Sprachgebrauch einer Übersetzung wird nur dann 
ganz verstanden werden, wenn es möglich ist, die Vor- 
lage zu kontrollieren; er ist selten von ihr unbeeinflusst. Da 
wir aber nicht von allen Übersetzungen die Originale besitzen, 
so empfiehlt es sich im methodischen Interesse, auch hier eine 
Scheidung eintreten zu lassen, indem zunächst diejenigen unter- 
sucht werden, deren Vorlagen wir besitzen, sodann diejenigen, 
deren Vorlagen verloren sind. Die ersteren sind die unter dem 



33 

Sammelnamen »LXX« vereinigten, im Laufe mehrerer Jahr- 
hunderte entstandenen alexandrinischen Übersetzungen der 
Bucher des A. T. Zu den letzteren gehören von den sog. 
Apokryphen folgende, für deren Auswahl ich die unten citierten 
Forscher mitverantwortlich mache: Jesus Sirach^), Tobit^), 
Judith«), 1 Maccabaeorum*), Baruch P) (1,1—3,8), 
3 Esra (l Esra der LXX- Ausgaben) , Psalmi Salomonis*). 

Zu den griechischen Originalen sind zu rechnen: 
Baruch IP), Epistola Jeremiae®), Preces Asariae*), 
Precestriumpuerorum*), BeletDraco®), Susanna ^% 
Preces Manassae^^), Additamenta ad librumEsthe- 
rae'^), Sapientia Salomonis^«), 2 Maccabaeorum "), 
3 Maccabaeorum '*^). 

Es mag, zumal bei einer scheinbar so mageren Unter- 
suchung, wie der meinigen, pedantisch erscheinen, das Material 
in dieser Weise zu disponieren. Aber wenn man die historische 
Abhängigkeit sprachlicher Denkmäler von einander, soweit es 
mit unseren Mitteln nur irgend geht, feststellen will, muss man 
unter allen Umständen vorher mit der Meinung brechen, als 
wisse man darüber a priori auch nur das Geringste, oder als 



1) Vergl. den Prolog. Hieronymus kannte den hebr. Text noch 
(E. Schurer,a. a. 0., S. 595). 

2) E. Reu 88, die Gesch. der h. Schriften Alten Testaments, Braun- 
schweig 1881, S. 555. 

3) E. Reuss, S. 611; E. Schürer, S. 602. 

4) Origenes und Hieronymus (KReuss, S.624; E.Schürer, 
S. 581; Th. Nöldeke, a. a. 0., S. 249). 

5) E. Reuss, S. 633 f.; E. Schürer, S. 722. 

6) J. W e 1 1 h a u s e n , die Pharisäer und Sadducäer, Greifswald 1874, 
S. 131; E. Reuss, S. 651; E. Schürer, S. 591. 

7) E. Reuss, S. 634; E. Schürer, S. 722. 

8) E. Reuss, S. 634; E. Schürer, S. 726. 

9) E. Schürer, S. 717. 

10) E. Reuss, S. 637; E. Schür er, S. 717. 

11) E. Reuss, S. 638 f. 

12) E. Reuss, S. 582. 

13) Th. Nöldeke, S. 178; E. Reuss, S. 642. 

14) E. Reuss, S. 664. 

15) E. Reuss, S.707, schein t ein griechisches Original anzunehmen. 

3 



34 

könne eine Einzelbedbachtung das Erkenntnisprincip für die 
Gesamtbeurteilung abgeben. Mit so allgemeinen Behauptungen, 
wie z.B. der von J. Freud enthaP), die Apokryphen »ahmen 
absichtlich den Ausdruck der schon kanonisch gewordenen 
LXX nach« , ist im Grunde recht wenig geleistet. Jedes der- 
artige allgemeine Urteil ist ungerecht. »Die« Apokryphen 
existieren überhaupt nicht, wenn man darunter eine eigen- 
tümliche Gruppe der Gräcität im Unterschiede von den LXX 
versteht; diese letztere Annahme beruht auf demselben Fehler, 
wie die oben kritisierte von »dem« neutestamentlichen Sprach- 
idiom. 

Gibt demnach auch hier nur die Detaillierung des Stoffes 
ein richtiges Bild vom Stande der Sache, so wird man sich 
auf der anderen Seite freilich zu hüten haben, die beiden 
Literaturgruppen »Übersetzungen« und »Originale« mechanisch 
zu isolieren. Die Grenze beider ist eine fliessende. 

Können auch die urchristlichen Schriften unter dieses Ein- 
teilungsprincip gestellt werden ? Das Richtigste wäre ja gewiss, 
es zu thun, aber die Einzelentscheidung ist mit Schwierigkeiten 
verknüpft, welche es ratsam erscheinen lassen, die neutestament- 
lichen Schriften zunächst ohne Rücksicht darauf zu betrachten, 
inwieweit z. B. in den synoptischen Herrenworten die den Ver- 
fassern etwa vorliegenden aramäischen Originale auf die Färbung 
der Gräcität eingewirkt haben. Am Schlüsse der Untersuchung 
wird die scheinbare Inkonsequenz der Methode wieder gut ge- 
macht werden, indem dann die Einzelresultate mit den aus der 
Betrachtung der übrigen semitischen Gräcität gewonnenen zu- 
sammengestellt werden. 

2. Der Sprachgebrauch der griechischen Übersetzungen 
hebräischer oder aramäischer Vorlagen. 

A. Kontrollierbare tlbersetznngeo, die Septuagiota. 

Es ist mir sehr aufgefallen, dass zur Erklärung der Formel iv 
Xqkttm lrj<rov von den Exegeten zwar Analogieen aus der Profan- 

1) Hellenistische Studien, Heft 1 u. 2, Alexander Polyhistor, Berlin 
1875, S. 64 f. 



35 



gräcität, nicht aber solche aus den LXX herangezogen worden 
sind. Die einzige Erwähnung der LXX in dieser Hinsicht finde 
ich bei G. Heinrici^), der zu den >durch das A. T. und die 
Sprache der Synagoge bedingten Ausdrücken« auch den »aus- 
gedehnten Gebrauch der Präposition iv in Wendungen wie iv 
xvqCco, er x^^rrw« u. s. w. rechnet. In der That lehrt eine 
auch nur flüchtige Betrachtung der LXX, dass hier, ganz anders 
als in der Profangräcität, der Gebrauch des sv mit persönlichem 
Singular ein sehr häufiger ist. Ich habe, da die Konkordanz 
von A. Tromm die Partikeln ignoriert und der die Präposition 
€v enthaltende Band der von E. Hatch geplanten nach einer 
Privatmitteilung der Clarendon Press erst nach »a considerable 
time« erscheinen wird , den Text der LXX ^) selbst auf diese 
Frage hin untersucht und folgende Statistik erhalten: 



Genesis 


hat 


10 Fälle 1 


Nahum 


hat 


~ 


Fälle 


Exodus 


» 


9 


» 


Habakuk 


» 


4 


» 


Leviticus 


» 


2 


:» 


Zephania 


» 


1 


> 


Numeri 


» 


5 


» 


Haggai 


» 




» 


Deuteronom 


. » 


30 


» 


Zacharia 


» 


18 


» 


Josua 


» 


2 


» 


Maleachi 


» 





» 


Judicuni 


» 


17 


» 


Psalmi 


» 


34 


» 


1 Sam. 


» 


21 


» 


Proverbia 


» 


1 


» 


2 Sam. 


» 


15 


» 


Job 


» 


5 


» 


1 Reg. 


:» 


14 


}» 


Cant. Cant. 


» 


6 


» 


2 Reg. 


» 


13 


» 


Ruth 


» 


2 


» 


Jesaia 


» 


7 


» 


Threni 


» 


3 


» 


Jeremia 


» 


9 


» 


Ecclesiastes 


» 


3 


» 


Ezechiel 


» 


33 


> 


Esther 


» 




» 


Hosea 


» 


8 


» 


Daniel 


» 


20 


» 


Joel 


» 





» 


Ezra 


» 




» 


Arnos 


» 




» 


Nehemia 


}» 


4 


» 


Obadfa 


» 




» 


1 Chronic. 


» 


10 


» 


Jona 


» 





» 


2 Chronic. 


» 


12 


» 


Micha 


T> 


3 


» 











1) 2 Kor., S. 597. 

2) Benutzt habe ich die Ausgabe von Leandervan Ebb, Lipsiae 1887. 

3* 



36 

Insgesamt findet sich dieser Sprachgebrauch auf den Im 
Verhältnisse zum Umfange der Profangräcilät doch sehr wenigen 
Blättern der alexandrinischen Übersetzung 321 mal. 

Nun scheint die nächste Aufgabe der Untersuchung die 
einfache Arbeit zu sein, die 321 Stellen nach sachlichen Gesichts- 
punkten zu gruppieren und hieraus dann wohl »den Sprach- 
gebrauch der LXX« zu entnehmen. 

Aber in Wirklichkeit sieht sich die wissenschaftliche Vor- 
sicht vor jene grossen Schwierigkeiten gestellt, die ich bereits 
oben kurz charakterisiert habe. Von unsern 321 Stellen sind 
viele unsicher überliefert. Ich habe daher in jedem einzelnen 
Falle die abweichenden Lesarten angemerkt, wobei ich freilich 
auf die Entscheidung der Frage nach dem ältesten Texte still- 
schweigend verzichtet habe. 

Tritt man nun an die Prüfung der Stellen auf ihren sprach- 
lichen Charakter heran, so muss man sich vor allem die Frage 
stellen: entspricht das ev einem ^ der Vorlage oder nicht? 
Im ersteren Falle wird wieder zu fragen sein: ist das iv eine 
mechanische, ungriechische Wiedergabe des Si oder nicht? Für 
dieses Urteil sind oben die allgemeinen Erkenntnismittel bereits 
angedeutet. 

In der folgenden Übersicht sind die Bücher der LXX 
einzeln behandelt, doch ist innerhalb derselben womöglich 
schon eine gewisse Gruppierung der Stellen vorgenommen. Die 
Codices sind nach der grossen Oxforder LXX-Ausgabe ') citiert, 
»om< bedeutet omittit oder omittunt. 

a) *Ev entspricht dem :n der Vorlage. 

a) Die Übersetsnng ist mechanisch nnd nngriechisch. 

Gen. 21, 12: Sri iv 'laadx xXrjxhjaszai aoi ansQfia, 
Exod. 14, 4 vergl. 14, 17 u. 18: xat evSo^aaOrjaofiai iv ^aga^, 
21,8: rj^ätrjCev iv ^) avz^. Dass das iv nach dS^eretv 
(vergl. noch Judic. 9,23; 2 Reg. 18,7; 24, 1; 24,20; 1, 1; 3,5; 



1) V. T. graecum cum varr. lectt. edd. R. Holmes et [voll. II~V] 
J. Parsons, 5 voll., Oxonii 1798—1827. 

2) Om iy: 15,52. 



37 

3,7; lChron.5,25; 2Chron. 10,19; Thren. 1,2) bei den LXX 
nur durch die Vorlage bedingt ist, zeigen namentlich die griech- 
ischen Originalapokryphen, in denen diese Konstruktion trotz 
liäufigen Gebrauches des dd^szsoo nie wieder vorkommt. 

Exod, 32, 29 : inXr}Q(iaa%6 rag x^f^Q^Q Sxaaroq iv Tip vtiS rj 
iv TM ddtXq>(p ccvTov, 

Lev. 1 3, 9 : xal ätpr] Xängag ictv y€%'y}Tat iv ') dvO-Q^oTKo, 

Num. 5,20: xal idwxs Tig Tiqv xoittjv ccvtov iv (foi^)^ 
19, 13: iTi ri dxad'aQaia avzov iv^) avTip icTiv, 

Deut, 6,22: xal idwxe xvQiog arjfifia iv ^agam, 

29, 20: ixxavx)'ri<T€Tai oQyr} xvgiov iv rw dvO-gooTKo ixcivco, 

Jos, 6,25: iv tw ngtoTOToxat avTov -ü^s^eXmaei avTiqv xai 
iv TW iXaxi(TT(ü ccvtov iniaTiqaei Tag nvXag avTfjg. 

Judic. 6,13, vergl. 6, 15 und 13,8: iv ifxoL Ein besonders 
interessanter Fall: "»Si, die Partikel des Bittens (quaeso), ist in 
ganz mechanischer Weise als die Präposition :a mit dem Suffix 
der 1. sing, aufgefasst und übersetzt. Dieselbe Sonderbarkeit 
findet sich 1 Sam. 1,26; 1 Reg. 3,17 und 26, während sämt- 
liche Stellen des Hexateuch (Gen. 43, 19; 44,18; Exod. 4,10 
und 13*); Num. 12,11; Jos. 7,7) richtig Siofiai resp. dsofisd^a 
übersetzen. 

6,32: dixa^äa^fo iv avTw^) d BdaX, 
6,39: fJtT] oQyiaä^riTfü o x^v^iog aov iv^) ifiot, 
9,26: xal rjXTiiaav iv'') avT^, ^EXni^€i,v Sv tivi im 
Sinne von »auf jemanden hofifen« ist ungriechisch, man müsste 



1) Om eV; 53. 

2) Om iv coi\ 53. 

3) Richtig griechisch die LA in «üroJ: XI, 16, 28, 29, 30, 32, 52, 

56, 73, 130, 131; in avtov haben 19, 108, 118 (= Lucianus). 

4) Exod. 4, 13 haben k und ebenfalls iv ifjtoL (F. Field I, 87). 
Sollte das iv ifioL der LXX-Handscbriften nicht wohl überhaupt aus ^ 
oder stammen, gerade wie das avv als Übersetzung der nota accusativi 
im Eohelet aus k? 

5) Statt iv avT(Jo haben, richtiger griechisch, eavzio 16, 30, 52, 54, 56, 

57, 63, 77, 82, 85, 131, 144, 209, 236, 237. 

6) Richtig griechisch in ifÄol: 16, 77, 131, 209, 237; in ifie: 236. 

7) Richtig griechisch in avtto: X, XI, 18, 29, 30, 54, 55, 56, 58, 59, 
63, 75, 76, 82, 106, 118, 121, 128; in' avt6v: 84. 



38 

es denn durch die bei den attischen Rednern *) vorkommende 
Formel iXnCdag ix^iv Sv rivi rechtfertigen wollen. Mit sv wird 
ilni^(ü von den LXX nur da konstruiert , wo auf das Verbum 
des Originals ein 3i. folgt {ip 26,3; 32,21; 35,8; 55,5; 56,2; 
2 Reg. 18,5); die gewöhnliche Konstruktion ist ini c. dat. oder 
acc. Dass das iv nur durch die Pedanterie der mechanisch 
arbeitenden Übersetzer und nicht durch einen vorher fest- 
stehenden eigentümlich judengriechischen Sprachgebrauch der- 
selben bedingt ist, scheint mir deutlich aus xp 55, 4 und 5 her- 
vorzugehen, wo iXm^iü zuerst mit snC c. dat. und dann mit 
€v verbunden ist. Diese aufifallende Abwechslung erklärt sich 
nur, wenn man durch Vergleichung des Originals (wo niqia 
zuerst mit Sn und dann mit 3i konstruiert wird) sich verge- 
wissert, wie sklavisch der Übersetzer sich ihm anschmiegte. 
H. Crem er ^) sollte also solche Stellen der LXX nicht ohne 
weiteres in denselben Zusammenhang rücken, wie die eigen- 
tümlich paulinischen Strukturen 1 Gor. 15, 19 und Phil. 2, 19. 
Judic. 11,27: xal av nomg fier sfiov novrjQiav tov naga- 

15,12: fi7] 7toT€ (fvvavTr>(TrjT€ iv^) ifiol vfAsTg, 
18,5 vergl. 20,18, 23 '^) und 28«): insQwxriaov drj iv 
%m ^f«. Auch das iv nach inegcoTdv (so noch 1 Sam. 
10, 22; 2 Sam. 2,1; 1 Ghron. 14,14; Ezech. 14, 7 und an vier 
anderen Stellen,, wo als Objekt eine Sache steht) ist nur durch 
die Vorlage veranlasst, worauf die Thatsache hinweist, dass an 
anderen Stellen (Judic. 1,1; 1 Sam. 22,10 u. 15; 23,2 u. 4; 
28,6; 30,8; 2 Sam. 5,23; 1 Ghron. 14,10) dasselbe :a nach 
Sn\z; durch Sid c. gen. wiedergegeben wird. Die Übersetzer 
hätten sich diese Gelegenheiten, zugleich wörtlich und sinngemäss 
zu übersetzen, wohl kaum entgehen lassen, wenn ihnen das iv 

1) Vergl. oben S. 27 f. 

2) Bibl.-theol. Wörterbuch der neutest. Gräcität, 6. Auflage, Gotha 
1889, S. 370. 

3) Richtig griechisch tiqos: 54, 59, 75, 82. 

4) Gm eV; 121. 

5) Richtiger griechisch bvmtiiov xv^lov: 237, 

6) üuj €i/; zS7. 



39 

irgendwie durch den Sprachgebrauch dargeboten gewesen wäre. 
Auch G. B. Win er') muss, trotzdem er die Möglichkeit eines 
Anknüpfungspunktes für dieses ev in der »so beweglichen« 
griechischen Sprache offen lässt, zugeben, dass es »allerdings 
hart« klingt. ^ 

JWdic. 21,7: cSfioaafAsv Iv^) xvgito. Dieselbe Konstruktion 
Gen. 21,23; 22,16; Judic. 21,18; 1 Sam. 24,22; 2Sam. 19,7; 
1 Reg. 1, 17 u. 30; 2, 8. Es ist wohl allgemein zugegeben, dass 
das €v nach ofivvvaiy welches noch in den hebraisierenden 
Büchern des N.T. sich findet (Mt.5,34flf.; 23, 16 ff.; Apoc. Jo. 
10,6), reine Nachahmung des Hebräischen ist. 

21,18: oTi (0fji6<Tafji,€v iv^) vioTg 'lagarX. Einer der 
merkwürdigsten Fälle *), dessen Eigentümlichkeit ich nicht anders 
erklären kann, als so: der hebr. Text lautet: '>i)ä\i;i""'»3 
SN^U);';"'>3n, die Söhne Israels haben geschworen (das war 21,1 
erzählt). Der Übersetzer fasste das (•^)vn\z;i fälschlich als 1. pers. 
plur. imperf. und liess davon das SN^^z;'» "»in abhängen; 
zu dem sv veranlasste ihn das n in "»^n! Die Vermutung, dass 
er wirklich so mechanisch arbeiten konnte, gewinnt an Wahr- 
scheinlichkeit, weil Neh. 5, 2 ^) ein ganz ähnlicher Fall vorliegt. 
Im Zusammenhange ist die Übersetzung sinnlos. 
1 Sam. 1,26: iv ifioC^ vergl. zu Judic. 6, 13®), 

10,22: xal sTTrjQcirrjire 2afiovrjX €ti iv xvqico, vgl. zu 
Judic. 18,5^), 

16,9: xai iv Tomtp^) ovx i^eXä^aro xv^iog^ 

18,22: 16 od d^äXst iv aol 6 ßaadevg, 

24, 22 : ofioaov fwi iv ®) xvqiw, vergl. oben zu Judic. 21,7, 

1) Gr., S. 38. 

2) Om cV; 108. 

3) Statt des ganz sinnlosen iy vloZg haben das richtige ol vioL resp. 
ndpzeg ol viol: X, XI, 15, 16, 18, 29, 30, 44, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 
64, 71, 75, 76, 77, 82, 106, 108, 121, 128, 131, 134, 144, 209, 236, 237. 

4) Daher ist diese pluralische Stelle hier Luitaufgenommen. 

5) Vergl. unten S. 48, auch S. 54, X. 

6) Oben S. 37. 

7) Oben S. 38 f. 

8) Richtig 0V&6 tovtoy iSeXsiato: 64, 144; ovöe xovxo: 93. 

9) Kata toZ xvqIov: 82, 93, 108, 123. 



40 

1 Sam. 28, 7 : xal f jyriycrw sv avTjjy 

28, 15 : xal ot dXXotpvXoi noXefiovaiv iv ifjtoi. 

2 Sam. 2,1: inr}Q<6t^](Ss Javld Sv ^) xvgi(pj vergl. zu 
Judic. 18,52), 

15,26: ovx ^&äXr]xa iv^) tfof, vergl. 1 Sam. 18,22, 

17,12: xal ovx vnoXeixpoiisö^a iv avTw, 

18,28: Tovg snagafjtävovg rr^v x^^^Q^ avrcov iv^) rß 

xvgiip fiov T^ ßaaiXsT^ 

19,7: ort iv^) xvgico äfiotfa^ vergl. zu Judic. 21,7®), 

19, 27 : xal (Asd^todsvasv iv ^) rw dovX(^ aov, 

19, 43 : däxa x^^Qi^ (^^^ ^'^ ^^ ßaaiXsT xai ye iv tw 

Javld sifu vnhg (Ts, 

20, 1 : ovx i(fTiv rjiuv fisglg iv Javld ovdh xXrjgovofJifa 

rjfiTv iv TM vt^ *l€(Taa(y 

22,20: oTi rjvd6xrj(T€v iv ifioi^). Diese Struktur wird 

von G. B. Winer*) mit Recht auf eine Stufe mit inegtoTäv iv 

xvgfiü ^^) gestellt. Wie ofivvvai iv, so findet sich auch svdoxsXv 

iv noch in den hebraisierenden Teilen der urchristlichen Literatur. 
22, 30: OTi iv tfol dgafiodfiai fiovo^oovog xal iv t^ 

^«^ fiov linegßrjaoiiai reixog, vergl. zu i/; 17, 30 *^), 

23,2: 7tv€Vfia xvglov iXaXrjCev iv^^) ifioi, vergl. zu 

Hos. 1, 2 '»), 

23, 3 : sinov iv dv&goiTTio '*). Diese Stelle ist sehr un- 

1) Jict xvQtov: 93, 108. 

2) Oben S. 38 f. 

3) Richtig ov red^B^xd ce: 82, 93, 108. 

4) Richtig ml Tay xvqiov fxov: 19, 82, 93, 108 (Luc); im rw xvqIm 
fjtov: XI, 29, 44, 56, 64, 71, 74, 98, 106, 119, 120, 121, 12i5, 134, 236, 244, 
245, 246. 

5) Kata Tov xvglov: 19, 82, 93, 108 (Luc). 

6) Oben S. 39. 

7) Richtig xal xatYiyoQTixe tov 6ov^ov <tov: 19, 82, 93, 108 (Luc). 

8) Richtig rl&eXriae fxe: 19, 82, 93, 108 (Luc) ; v^vdoxriaey in ifie: 247. 

9) Gr., S. 38, 

10) Vergl. zu Jud. 18, 5, oben S. 38 f. 

11) unten S. 44. 

12) ^ni: 242. 

13) Unten S. 42 f. 

14) 'Agioy iy (ly^Qwnoig dixaiüyg: 19, 82, 93, 108 (Luc) und 64. 



41 

klar, umsomehr, als auch der hebräische Text verderbt ist. 

Nach J. We 1 1 h a u s e n ^) ist iv dvt^Qcinfp »christliche Korrektur«. 

2 Sam. 24, 1 7 : ysväa&w irj iq x^^Q <fov iv ifio(, vgl. 1 Ghron. 21 , 7. 

1 Reg. 1,17: £fio(fag iv^) xvQitp t(S x^sm aov^ vergL 1, 30^); 
2,8 und zu Judic. 21,7*), 

3,17 u. 26: iv ifioi, vergl. zu Judic. 6,13*^), 
10,9: og ^^äXr^aev iv^) aoC, vergl. 1 Sani. 18,22^), 
12,16: vergl. 2 Sam. 20, 1, 

16,34: iv %m ^AßiQtofji ngayvotoxfp avTov ix^efieXioxrev 
avtrjVy vergl. Jos. 6, 25, 

20, 14: xal stnsv *Axccdß' iv tivi,* 

22,28: ov leXdXrjxs xvQioq iv i(Aoi^ vergl. zu Hos. 1,2^). 

2 Reg. 1,2: ini^rjfir^aaTs iv^) t^ Baal fivtav d^sov (sie!) 
'AxxaQ(6v. Die mechanische Nachahmung des Originals wird noch 
deutlicher, wenn man beachtet, wie Aquila undSymmachus die- 
selbe Vorlage übersetzen: *A ^^) korrigiert zwar den argen Akkusativ 
x^eoVj lässt das iv aber stehen: ix^rjTrj<raT€ iv BaaX^sßovß 
x^€^ "AxxaQoivy 2 '^) dagegen übersetzt in elegantem Griechisch : 
nv\^e<fx^B naqd tov BesX^sßot^X x^bov *ExQm\ 

1, 3 "), 6 und 16 ebenso, 

3, 7: ^^€Tf](f€v iv '2) ifAol (ebenso 18, 7 u. 20; 24, 1 ^8) 
und 20), vergl. zu Exod. 21, 8 »*), 

5, 1 : OTi iv ^^) avT^ Idtoxs xvQioq (fwtrjQiav 2vQi^y 

1) Der Text der Bücher Samaelis untersucht, S. 211. 

2) Kaztt tov xvqCov: 19, 82, 93, 108 (Luc). 

3) Kata TOV xvQtov: 19, 82, 93, 108 (Luc); om eV; 246. 

4) Oben S. 39. 

5) Oben S. 37. 

6) Richtig om iy: 121. 

7) Oben S. 39. 

8) Unten S. 42 f. 

9) Jioi tov BdaX: 19, 71, 82, 93, 108, 245 (Luc). 

10) F. Field I, 651. 

11) Jiä tov BccaX: 19; &ioc tov BccaX: 82, 93, 108 (Luc). 

12) Om cV; 93, 245. 

13) Om eV: 44, 245. 

14) Oben S. 36 f. 

15) Richtig dl' avtov: XI, 19, 44, 55, 64, 71, 74, 82, 92, 93, 106, 108, 
119, 120, 121, 123, 134, 144, 236, 242-45. 



42 

2 Reg. 5, 27 : ij Unqa Naifxdv xoXhixh^aetai iv ^) aol^ 
9, 35 : xai ovx evgov iv av%^ äXlo ti rj t6 xQavioVj 
18,5: iv xvQ{(pv^€^^I(fQaijXrjXn$a€y vj^l. zuJudic. 9,26^), 
19,10: 6 x^sog aov iif ^ av nino$&ag iv^) avv^. 
Jes, 66, 24: xal otpovTai vä xwla tcqv dv&Qanoor tcSv 
naQa߀ßr]x6T(ov iv ifxoC^), 

Jer, 4, 2 : xal evXoyrjaovatv iv avz^ ^xhnj xal iv avrm 
alvi(Toi)(fn'y 

12,6: jMiJ niatevCTig iv^) aytoTg, vergl. zu ip 77,22*)5 
23, 27 : inelcix^ovTo rov dvofittTog juiov iv tf] Baal, 
28, 20— 23=t hebr. 51, 20—23: xal duxaxoQnm iv aoi'') 
(8 mal wiederholt). 

JKs^. 7,8: xal avvTsXäam xdv x^vfiov fiov iv (foi% 

14,7: xal sX-d^ nqog tov nQoq)rJTrjV tov inegatrijaat 
avtov iv ifioi, vergl. zu Judic. 18, 5*), 

22, 5 : xal ifLinai^sTai iv ^^) (Tol axüx^agzog ij ovofiatfTi], 
22,16: xal xaTaxXrjgovofJLi^ffco iv (To**^), 
28, 13: xal zag dnoxhfjxag aov iv aoL 
Hos. 1,2: dqxri Xoyov xvqCov iv^'^) "Qc?;«. Möglicherweise 
ist diese mechanische Übersetzung des 2i ^^) mitveranlasst 

1) Richtig enl aoL: 19; om bv: 245. 

2) Obeo S. 37 f. 

3) Richtig in avtco: XI, 19, 44, 55, 64, 71, 74, 82, 93, 106, 108, 
119, 121, 123, 134, 144, 236, 242, 243, 246, 247. 

4) Om iy ifxoi: Just. M. 

5) Om iy: 36, 48, 51, 62, 96. 231, 233, 239; om iy avtols: 229; 
21 (F. Field II, 604): ^^ matevaijs avtoTs. 

6) unten S. 45 f. 

7) F. Field II, 730 registriert eine LA ix <rovj welche zwar auch 
den Sinn der Vorlage nicht genau wiedergibt, aber doch besser griechisch ist. 

8) Richtiger ini ai: 26, 87, 228; inl aoL: 88. 

9) Oben S. 38 f. 

10) Om iy: 42. 21 (F. Field II, 827) vermeidet die mechanische Über- 
setzung der LXX: xazaaeioytes tag x^^Q^^ ^^^ ^^^ ßoij<rov<Tl cor dxdd-aqxog, 

11) Richtiger es: Jll, 26, 106. Auch 21 (F. Field 11,827) verbessert: 
xal xataTQ(6a(o ce, während ji das mechanische iy aoL beibehält. 

12) Richtig nqos: III, 22, 23, 36, 40, 42, 49, 51, 86, 87, 91, 95, 97, 
106, 114, 153, 185, 228, 238, 240. 

13) Ebenso Hab. 2,1; Zach. 1,9 und an 12 anderen Stellen; 2 Sam. 
23,2; 1 Reg. 22, 28. 



43 

durch den von H. W. J. Thiersch^) und E. Reuss*) beob- 
achteten rationalistischen Zug der Übersetzer : sie verflüchtigten 
das vom Original sehr konkret gedachte Reden Gottes zu dem 
Menschen in ein Reden Gottes in dem Menschen 8). So kann 
man durch mechanisches Arbeiten zugleich der Pietät gegen 
den Buchstaben und den Interessen eines aufgeklärten Epigonen- 
tums dienen. Ein wertvolles Zeugnis für diese abgeblasstere 
Vorstellung des späteren Judentums vom Wohnen der Gott- 
heit in den Propheten haben wir bei Philo, de praem. et poen. 
§ 9 p. 918 E: iQfATjvsvg yccg iaxi^v 6 7iQog>7]Trjgy svdoö^sv vnrj- 
XovvTog Tcc Xextea tov x^sov , vergl. auch quis rer. div. haer. 
§ 53 p. 518 B. G. und § 52 p. 517 CD., de monarch. I, § 9 
p. 820 B. G. Auch Ebr. 1,1 und 2 Gor. 13, 3 findet sich die- 
selbe Vorstellung. Zur ganzen Frage vergleiche die trefflichen 
Ausfuhrungen von F. Bleek*). Eine klassische Analogie bietet 
G. Heinrici^) aus Sext. Empir.: o ^EfxnedoxXfjg x^sov iavTov 
TiQogrjYOQevasv y ind fiovog xa&agdr and xaxiag tov vovv xai 
dventd-oXfOTuv %^ iv avT(S v^«cö tov sxTog x^edr xazeiXtj^ev, 

Hos. 1,7: xal (fcicco avzovg iv xvQicp -^em avToSv xal ov 
(Tüiato avTodg iv toJ^, 

12,6: xal tft) iv x^em aov iTiKTTgiipeig, Dass das iv 
auch hier nicht durch den etwaigen alexandrinischen Sprach- 
gebrauch des Übersetzers bedingt, sondern mechanisch gesetzt 
worden ist , wird bestätigt durch Stellen wie Hos. 2, 7 ; 6, 1 ; 
14,1 u. 2; Joel 2, 13, wo dasselbe Verb mit rrgog resp. ini 
verbunden ist und zwar nur deshalb, weil dort die Vorlage 
nicht 3i, sondern Sn resp. nv lautet. 



1) De Pentateuchi versione AlezandriDa libri tres, Erlangae 1841, 
p. 40 8. 

2) Gesch., S. 539. 

3) Diese Vermutung wird gestützt durch i/» 84, 9, wo die LXX (excl. 
codd. 55 u. 210) dem dxovaofiac tl XaXriaei xvqiog 6 ^€0$ eiu eV ifioi 
beifügen, obwohl in der Vorlage ein •^Il nicht steht. ^, iJ u. haben 
dieses iu sfioL nicht. 

4) Der Brief an die Hebräer erläutert, 2. Abtheil, Berlin 1836, S. 14 ff. 

5) 2 Kor., S. 540. 



4i 

Hb 5. 12, 12: xal iiovXevaev 'ICQarjl iv yi;va*xft'^), 

12,13: xal iv /r^oyi^riy ävr^yaye xvQioqxdv ^lagmjl ex 
yrjg Aiyvmov xal iv TTQOiprjtr} distfvXdxxh}. Symmachus'^) 
richtige Korrektur xal 6id nQog>rJTov bestätigt den mechanischen 
Charakter des iv, 

Hab, 2, 1: zi laX^asi Iv ifioC^ vergl. zu Hos. 1,2*), 

2,4: ovx evdoxsi rj tpvxt] fJtov iv^) avz^, vergl. zu 
2 Sani. 22, 20 «), 

3,18: iy^o Sä iv'') rw xvQi'fo ayalXiä<fofJux$. 
Zach. 1,9: 6 äyyeXog 6 XaXtov iv ifioi^ ebenso 1, 13, 14, 
17, 19; 2,3; 4, 1, 4, 5; 5, 5, 10; 6, 4, 5, vergl. zu Hos. 1,2»), 
3, 2 : irnTifir^aai xiigiog iv aol duißoXs xal iniTifir^aai 
xvQtog iv (Toi 6 ixXs^dfxevog, 

10,12: xal xati(Txv(T(o avtovg iv xvqiw O-etp avTcSv^ 
12,5: €VQY]aofi€v iavrovg Tovg xaToixovvrag "^Isgovffa- 
Xrjfi iv xvQt(p navToxgccTOQi v^fw aihcov, 

Psalm. ®) 9, 3 : dyaXXidaofiai iv cot, ebenso 32, 1 , 

17,30: ort iv aol ^vaO^r'iaofAai xal iv xm d-e^ fiov 
vnegßrjaofiai zeTxog (vergl. 2 Sam. 22,30). Der mechanische 
Charakter mindestens des ersten iv wird bestätigt durch die 
Übereinstimmung des ^A *^) : oti iv aol Sgafiorfiai ev^covog und 
die Korrektur des 2 ^®) : ort eig x^^Q^^ ^^^ dgafiovfuxi dno Xoxov. 
33, 3 : iv tm xvgico iTiaivsx^r^asTat ij tpvxi^ fiov , vergl. 
zu 43, 9, 

36, 7 : fxrj naga^rjXov iv dvä-goinip^ 

43,6: iv aol rovg ix^goi)g il]fX(Sv xegaziovixevy 

43,9: iv r^ x^tm iTtaivsx^rjaofis^a oXr]v ttv i^fiägav. 

1) Weniger hart der Plural iy yvuaiii: XII; richtig om eV; 153. 

2) F. Field II, 960. 

3) 1 (F. Field II, 1004) richtig: quid dicatur mihi. 

4) Oben S. 42 f. 

5) Richtig eV «JraJ; 95, 185. 

6) Oben S. 40. 

7) Richtig €71/ T(o xvQcc^: XII, 49, 106. 

8) Oben S. 42 f. 

9) G. B. Winer, Gr., S. 37 Anra. 4: »Der Psalmenübersetzer ist 
überhaupt einer der gedankenlosesten«. 

10) F. Field II, 108. 



45 

^A ^) behält das mechanische iv bei , 1 ^) korrigiert : tov v^fov 
viiAVovfA€V 7tcc%d 7tu(Tav r^fxsQav, 

Psalm, 55,5: Ir^) tw x^sm inaiväitto %ovq Xoyovg fiot*, oXrjv 
r?;r r^fiägar sv^) t^ &€^ i'jXniaa, Vi*) stimmt überein: iv ria 
x^€M vfxvriaoa ^f^f^ia ccvtov^ 2^) korrigiert: dux tov ^sov vfirr^aiü 
xov Xfiyov avTov. Zu dem zweiten iv vergl. zu Judic. 9,26^). 

59,14 = 107,14: iv t^ x^e^ noir^aofisv Svvafiir, 

62, 12: 6 ofAvvoov iv arr^T, vergl. zu Judic. 21,7®), 

67, 19 : ^Xaßeg dofxara iv ävx^Qdnm^ 

70,6: iv aol ij vfi^tjatg fiov Sianavtog. 2'^) korrigiert: 
eig aä rj dvafiovr fjiov ivdeXsx^g» 

72, i28: Tiv^etrO^ai iv t^ xvQi<p rr^v iknida fJtoVy vergl. 
zu Judic. 9, 26®). Diese Stelle könnte allenfalls auch unter 
ß, 2 untergebracht werden. 

77, 22: oTi ovx iniatsvaav iv^) T(p x^s^. Da die 
Frage nach der Präposition iv bei niarsveiv resp. n(ts% ig 
für die neutestamentliche Exegese von besonderer Wichtigkeit 
ist, so sei hier der Sprachgebrauch der LXX angegeben. 

Durchweg wird maTeiisiv von den LXX mit dem Dativ 

konstruiert, einerlei ob die Vorlage :a p>ONn. (Gen. 15,6; Exod. 
14, 31 ; 19, 9 ; Num. 14, 1 1 ; Deut. 2^' 66 ; 2 Reg. 17, 14; xp 77, 32 
105,12; 118,66; Jon. 3,5) oder \ (Gen. 45,26; Exod. 4, 1,8,9 
Deut. 9,23; 1 Reg. 10,7; 2 Ghron. 9,6; 32,15; xp 105,24 
Prov. 14,15; Jes. 53, 1; Jer. 47, 14 resp. 4U, 14) lautet. Jes. 
28,16 findet sich inl c. dat., und der Übersetzer des Hiob 



1) F. Pield II, 158. 

2) Richtiger mi: 101, 102, 156, 173, 226. 

3) Richtig int: 18, 21, 27, 65, 66, 67, 69, 80, 81, 99, 100, 101, 102, 
106, 114, 115, 140, 144—146, 150—152, 154, 162—175, 178, 179,182, 188, 
185—187, 189—191, 198—197, 199, 200—206, 210-214, 216, 217, 219, 
222, 223, 226, 227, 263, 266-269, 271, 278-83, 290—98. 

4) P. Field II, 182. 

5) Oben S. 87 f. 

6) Oben S. 89. 

7) F. Field II, 209. 

8) Oben S. 87 f. 

9) Om fiV; 268 u. 288; statt sV haben btiI c. dat.: 269, tni c. 

acc.: 273. 



4« 

hat das Si der Vorlage dreimal (4,18; 15,15; 24,22) durch 
xatä^) wiedergegeben. Nur an drei ^) Stellen solcher Bücher, 
welche auch sonst mechanisch übersetzt sind, sind die Über- 
setzer in ihre charakteristische Pedanterie verfallen und haben 
das ä der Vorlage durch iv^) wiedergegeben (Jer. 12, 6; tp 77, !22; 
Dan. 6, 23). Aber diese für ein griechisches Ohr geradezu un- 
erträgliche *) Fügung hatte, weil rein zufällig entstanden, weder 
das Recht noch die Kraft, ein Bestandteil der Volkssprache der 
griechischen Juden zu werden : schon die Apokryphen *^) haben 
trotz häufigen Gebrauches von maTeveiv kein einziges Beispiel 
mehr für die Verbindung mit er. Um jeden Zweifel an 
diesem Thatbestande abzuschneiden, bieten sich hier Stellen 
dar, in denen auf maTsveiv ein iv folgt, aber nicht, um das 
Objekt des Glaubens anzugeben , sondern um die Situation zu 
kennzeichnen, innerhalb deren der Glaube sich vollzieht®): Sir. 
35,21 u. 23, vergl. V. 24. Auf gleicher Linie mit ihnen steht 
Marc. 1, 15, wo nKTTsveiv iv t^ svayyeXifp nicht »glauben an 
das Evangelium« heisst, sondern »glauben innerhalb (der 
Sphäre) des Evangeliums« (vergl. 1 Thess. 1,7: zotg niatsvovaiv 
iv Tfj MaxsdoviijCy Rom. 10,9: 7ti(TT€var]g iv rij xagdi^ aov^ 
1 Tim. 3, 16: iniat€Vx)^rj i^ x6<rfA(py cf. 1 Sam. 27, 12), ebenso 
wie es heisst 1 Thess. 3, 2 : iuixovov tov d-eov iv r^ evayyeXiio 
Tov Xqiütov^ 

1 Cor. 9, 18: elg to fxrj xataxgrjaaax^cti ty i^ovaCfji (lov iv 
TW evayysXifp^ 

2 Cor. 8, 18: ov 6 ^Ttaivog iv tm svayyeXiip, 

14,14: iqid'daafiev iv tw evayyelicp tov XQiifToVy 

1) A. Schlatter, a. a. 0., S. 557, weist darauf hin, dass es an 
diesen 3 Stellen ov nicteveiy heisst, also von einem Misstrauen die 
Bede ist. 

2) Die Bemerkung von B. Weiss (Meyer I, 2 [Marcus u. Lucas]', 
Gott. 1885, S. 23): niatEveiv iv »öfter bei den LXX« kann in dieser 
Form leicht irreführen. 

3) Doch siehe zu diesen Stellen die abweichenden Lesarten. 

4) A. Sc blatte r, a. a. 0., S. 557: »eine Konstruktion, die freilich 
völlig ausserhalb des griechischen Sprachgefühles lag«. 

5) Einerlei, ob Originale oder Übersetzungen. 

6) Ebenso A. Schlatter, a. a. 0., S. 557. 



47 

Rom. 1, 9: « lar^evco iv t« TivevfiaTi fiov iv t« €vay- 

ysXifp Tov vlov avToVj 

1, 17: iixaioavYt] yctQ S-eov er avTtp (= evayy.) dno- 

xakvTiTSTaij 

Phil. 4,3: aiTn'cg iv T^p sva^ysliia cvirjO-Xriadv fioi^ 
2 Tim. 2,9: %d evayyähov fiov^ «r tp xaxoTtax^w, 

Psalm. 88, 23 : ovx fotpeXriaBi sx^gog sv amtp. 2 ^) korrigiert : 
ovx i^ancetriüsi, avTov iX'd^Qog. 

134, 9: i^ctnidTeiXe 0Y}fitTa xal xäQct%a er (J^agafa^ 
vergl. Neh. 9, 10. 

Job, 7, 8: ol oqid^aX^oi aov iv ifnoi'). 
Cant.^) 1,6: iiiaxiftccvTO iv ifioi, J^*) korrigiert: Siefia- 
XätfarTo iioi. 

3, 1 1 : xal lisTS iv rw ßaatXet 2aX(joii(av^ Vgl. 6, 12 u. 7, 1 *), 
4,7: xal fmfiog ovx Stfziv iv (foL 
Ruth, 1,14: ori i^ijXx^ev iv^) ifiol x«*^ xvqCov, 
Thren. 1, 2: vj^iTfjaav iv avVg'), vergl. zu Exod. 21,8«), 
3,3: nXrjv iv ifiol inäCTQsxfje x^^Q^' ^^) korrigiert: 
füovov in iyih imaxqiqihi xai fjLSTaßdXXei x^*'Q^ avTov. 

Eccl, ^^) 7, 27 : xai d^aQtdvmv avkXr}ipd"i]a€Tai iv avtfjy 
8,9: td otfa i^ovcidcaTo 6 äv^gtonog iv dvi^Q(6n(p. 
2^^) korrigiert: Maxiv ots i^ovaiaasv äv&gwnog dvS-Qdnov sig 
xaxdv iavTov. 



1) F. Field II, 243. 

2) Vergl. darüber noch F. Field II, 15. 

3) Nach Th. Nöldeke, a. a. 0., S. 249, >äDg8tlich, fast sklavisch 
wörtlich« übersetzt. 

4) F. Field II, 412. 

5) n otff€<x&€ iv Tjf i:ovyafxiTidi; i; (F. Field II, 421) korrigiert: 
T rjy iaxvXevfiiyr^y. 

6) Richtiger griechisch in' ifii: 54. 

7) Richtiger griechisch avtijy: 87, 228. • 

8) Oben 8. 36 f. 

9) F. Fieldll, 754. 

10) Nach Th. Nöldeke (a. a. 0., S. 249) ebenfalls »ängstlich, fast 
sklavisch wörtlich« übersetzt. Nach J. Frendenthal (a. a, 0., S. 65) 
ist die Eoheletübersetzung unserer LXX- Handschriften die des Aquila. 

11) F. Field 11,396. 



48 

Dan, 6,23: or# iniCTsvCBV iv^) r« ^«w avtov^ vergl. zu 
xp 77, 22 2), 

11,30: xai siasksvaovrai iv avTm^ 

12, 7 : xofi wfAoaev iv *) rcj) fcoiT«, vergl. zu Judic. 21, 7 *). 

Neh. **) 5, 2 : €i' vforg Jjfiwr xai sv &vyaTgd<fiv rjfKov r^fuieig 

TToXXoi. Wie kommt der Übersetzer zu dem auflFallenden iv? 

Der hebräische Text lautet : 0"»n"^ ^:n3N 'is^nD^'t ^^'»sb und ist 

•• • • • ' 

schwer verständlich. Ob dem Übersetzer ein anderer Text 
vorlag, oder ob er sich durch das n in ^3"ȟ und *i:TiDn 
hat verleiten lassen, ganz mechanisch ein €v einzufügen ? Vergl. 
oben zu Judic. 21, 18*). 

9, 7 : <rv €^€Xä^co iv ^) Ußgadfi, 

9, 10: xal iScoxag ar^fActa xal rägara iv ^agam^ vergl. 
jp 134, 9, 

13, 25: xal SgxKfa avTov^ iv tm S^€(p, 
13,27: daifv&etfjaai iv^) rw &€m T^fidSv, 
1 Chron.bj^j: i^&ärrjtfav iv tw ^«w, vergl. zu Exod. 21,8®), 

10, 13: oV* inr^Q(6rr}(S€V 2aovl iv t« iyyaatQipvO^w 
(ebenso 14,14), vergl. zu Judic. 18,5'®), 

21,7: ysvr}x^riTün rj x^iQ cov iv^^) ifxoi, 

28,4: xal i^eXä^ato xvgiog 6 d^sog 'lagai/jl iv ifioi 
(ebenso 28, 5), vergl. 1 Sam. 16, 9 und Neh. 9, 7, 

28,4: xal iv'IovSa iiqbtixs tö ßaaCXsiov (ebenso 28,6 
und 29, 1 »2)), 

28,4: iv ifiol tjd^sXrjtrs, vergl. 1 Sam. 18,22. 

1) Richtig griechisch om eV; III, 22, 33, 36, 48, 51, 62, 87, 91, 106, 
147, 148, 228, 231; ini toy &e6y: 85. 

2) Oben S. 45 ff. 

3) Om fiV; 26, 34. 

4) Oben S. 39. 

5) Von G. B. Win er, Gr., S. 37, wird der Obersetzer des Neheraia 
an Gedankenlosigkeit dem der Psalmen zur Seite gestellt. 

6) Oben S. 39! 

7) Richtig om cV; 44, 58, 243. 

8) Om iy: 44. 

9) Oben S. 36 f. 

10) Oben S. 38 f. 

11) Richtig in* ifioL: 60, 158. 

12) Om iv: 19. 



49 

2Chron, 6,5: ot'x i^eXs^äiuirjr iv drSgi (ebenso 6, 6^)), 
vergl. 1 Sam. 16,9; 1 Ghron. 28,4 und Neh. 9,7, 

9,8: ög 7j&äXr,<f€v iv^) aoC, vergl. 1 Sam. 18,22 
und 1 Ghron. 28,4, 

10, 16: wie 2 Sam. 20, 1 und 1 Reg. 12, 16, 

20, 20 : iiiniarsvactre iv ^) xvQi(p &€m iq^&v , ifATti- 
(TTsvaate iv ngog^i^tj] ^) avxov. ^EfiTiKTTsvetv wird nur hier 
mechanisch mit iv konstruiert, sonst mit blossem Dativ, inl 
c. dat., oder etg. 

26, 16: xal r;dixrj(r€v iv xvgifp &€(p. Eine sehr wichtige 
Stelle, welche die Eigentümlichkeit des iv der LXX am deut- 
lichsten hervortreten lässt: wollte man es hier so auffassen, 
wie später das iv bei Paulus verstanden werden wird, so er- 
hielte man den religiös ungeheuerlichen Gedanken : er that in 
der Gemeinschaft mit dem Herrn Übles. Thatsächlich ist das 
iv mechanische Nachahmung des :n, und die Stelle will heissen : 
er that Übles an dem Herrn. 

28, 5 : xal indtTa^sv iv *) avTiS. 

ß) Die Übersetzung ist nicht geradezu ungriechisch. 

1) ^Ev vor personifizierten Ortsnamen und persön- 
lichen KoUektivsingularen, im rein lokalen Sinne. 

Gen. 34, 7 : ovi äcx^iliov inoCriaev iv •) ^IffgarX, 

49, 7 : SiafiSQiw avrovg iv '') ^laxcoß xal diaansQw 
avTovg iv ''Iffga^Xy vergl. Num. 23,21; Deut 15, 4, 7 und 9; 
18, 10; 23, 10 «), 14, 21, 22»); 24, 15; 28, 46, 54, 60 »«); 31,26 '^). 

1) Om iy: 19, 158; statt «V c. dat. haben den acc.: 71, 93, 108. 

2) Om iy: 158. 

3) Om iy: 19, 44, 108, 158. 

4) 'Ey nqo(pritais (weniger auffällig): 19, 93, 108. 

5) Om iy: 74; statt iy c. dat. hat den acc: 158. 

6) Om iy: 72, 75. 

7) ^ni: 15. 

8) Om ßV; 108. 

9) Om iy: VII, XI, 28, 44, 46, 52, 54, 56, 57, 58, 59, 64, 71, 73, 76, 
77, 85, 106, 129, 130, 131, 134. 

10) Om iy: VII, b^.\ 

11) Om iy: 30, 32, 52, 55, 57, 73, 77, 85, 130. 

4 



50 

Jes, 45, 14 : oti iv <rol 6 ^sog ia%iv, 

Ee, 5,9^) und 10: xal noiijtfm iv coC ,,^ ebenso 16,41 
und 59»), vergl. 16, 34»); 20,47*); 22, 6, 7, 9, 10, 11, 12; 
25,4; 27,9, 10, 27; 28,22. 

Psalm, 77,5: iv^) 'laxdß, vergl. 80,6 und 98,4, 
80, 10: ovx icTai iv^) <rol -d-edg Ttgogifarog, 

Job, 28, 14: äßvaaog stnev ovx ^vstfuv iv ifnoi. 

2) 'Ev zur Bezeichnung psychologischer 
Beziehungen; vergl. die Profangräcität. 

Bei den meisten dieser Stellen liegt die Sache so, dass das 
iv zunächst auch nur durch das 2i der Vorlage bedingt ist 
und von einem Griechen, der dieselben Gedanken in originales 
Griechisch gekleidet hätte, schwerlich würde gewählt worden 
sein ^). Aber wie diese Fügungen nun einmal vorliegen, können 
sie nicht geradezu als ungriechisch bezeichnet werden. Freilich 
ist die Grenze zwischen diesen und den sub a aufgeführten 
Fällen mitunter schwer zu ziehen. 

Gen. 12, 3 (vergl. 18, 18 und 28, 14»)): xal ivevXoyrjO^- 
(Tovvai iv (fol Ttätfai al (pvXal vijg y^^. Ist der Sinn der Vor- 
lage: »mit dir«, d. h. mit deinem Namen als einer Segens- 
formel, so ist das iv auch dieser Stellen nichts mehr, als ein 
mechanisch gräcisiertes :n, Ist aber das iv aus der Auffassung 
des ^ hervorgegangen, welche z. B. E. Kautzsch®) für die 
richtige erklärt hat, so lässt es sich dem Profangebrauche allen- 
falls einordnen. 



1) Om iy: 36, 48, 51, 147, 231. 

2) Om fiV; 26. 

3) Om iy : XII, 233. 

4) Om iy: 88. 

5) Om iy: 21 (¥. Field II, 225). 

6) Om iy: 21. 

7) Vergl. daher auch bei solchen Stellen die Abweichungen der Hand- 
schriften und die Korrekturen des Ü, 

8) Om iy: Philo. 

9) De y. T. locis a Paulo apostolo allegatis, Lipsiae 1869, p. 60 s. 
(»beati reddentur in tec). 



51 

(rew. 41,38: ^x^i nveviia d^eov sv adt(^^ vergl. ^wm. 27, 18; 
Beut. 21,22»); 24,1 2) und 10»). 

1 Sam. 2, 1 : saTegeM&rj r^ xagSia iiov iv xvqiw^ vipto^ 
xsgag iiov iv x^€<p fiov (vergl. 23, 16 : xal SxQorafaxfs rag x^'^Q^^ 
avTOv iv xifQiip und 30, 6 : xal ixgaTaici&rj JaviS iv xvgicp S'sm 
avTov)j eine der Stellen, bei denen die sichere Entscheidung 
schwer ist. 

20,8: xai ei Üativ ddixia iv r« SovXfp (foVj vergl. 
25,24 und 28; 28,20*); 29,3; 2 Sam. 1,9*^); 14,32; 1 Reg. 
1,52; 17,17«), 

27, 12: xal imaTsv&rj Javld iv rw Uyxovg (»D. fand 
Glauben im Innern des A.«). 

Jes. 45,25: xai iv"^ t^ ^fw ivio^acrdrjtfsTat näv tc, 
anägfia toSv vldov l(Tgcn]k , ebenfalls zweifelhaft, vergl. 49, 3. 

Jer. 2, 5 : t* Bvgoaav ot nazägeg vfncov iv ifuiol TtlrjiuifjiäXrjfJUx. 

Ejs. 28,15: evgsxhj rd dSixijfiaTa iv aoC, 

Hos, 14,3: 6 iv aol iXerjtrei og^avdv. 

Mich. 1, 13: Sri iv aol svgid-r^cav daäßsiai rov ^lagonjL 

Psalm. 3, 3: ovx itrtt (fcoTtjgia avrw iv t^ &sm ccvtov; 
vergl. Isoer. 4, 121 und 5, 55; für die Annahme einer bloss 
mechanischen Übersetzung spricht die Korrektur desJ^®) itd 
Tov &€ov und die Übereinstimmung des !4®) und 0®). Ebenso 
zweifelhaft 32, 21 und 86, 7. 

72, 11 : xal st itfri yvwaig iv^) t(S vipitfTtpy vergl. 91, 16 
und 138, 24. 

Job. 36,25: nag avä-goanog eldsv iv iavt^. 

Cant. 1,4: xai ev^gavx^cofisv iv cot, zweifelhaft. 



1) Om iy: VII, 53, 59. S (F. Field 1,304): iay de yiyrixai dy&Qamt^ 

2) Gm iy: 59, 108. 

8) H {F. Field I, 308) vermeidet das iy, 

4) Om iy: 44, 119. 

5) *En ifjLoL: 242. 

6) Om iy: 74. 

7) Richtiger inl tw ^e^ : 22, 36, 48, 51, 62, 90, 93, 144, 147, 233, 308. 

8) F. Field II, 89*. 

9) Om iy: 274. i; (F. Field 11,214): d totiy iniyywatg tto v\piar<a. 

4* 



52 

Dan. 2,30: iv ao(pi(f rrj ovtfrj iv Sfjioij vergl. 4,5, 15; 
5, 11, 121), 14; 6^ 32)^23. 10,^8, 17. 

b) "Ev entspricht einem anderen Worte der Vorlage. 

a) iv = ^IP.S^, Bedeutung: rein lokal, besonders bei 

• • • 

Kollektivsingularen, auch zum Ausdrucke physiologischer resp. 
psychologischer Beziehungen. 

Gm. 18,12: iyeXaae dh 2dQ^a iv iavT^; Deut. 6, 15; 7, 21; 
13,1; 26,11; 28,43; 31,17; Jos. 9,7; 1 Sam. 25,37; 1 Reg. 
3,28; Hos. 11,9; Mich, 6,14; Zach. 12, 1; Ps. 35,2«); 54,5; 
142,4; 147,2; Thren. 1,!20; Jer. 4,14*); 23,9^). 

ß) 6v <ro* = n"»'7i)V7:a, Bedeutung: rein lokal, bei Kollektiv- 
singularen. 
Exod. 20, 10 und Deut. 5, 14. 

y) iv = T]'")?!^, Bedeutung: rein lokal, bei personifizierten 
Städtenamen. 
Ez. 22, 7 ; 28, 22 und 23. 

d) iv asttVT^ -= nnDSn, zum Ausdrucke einer psycho- 
logischen Beziehung. 
Job. 10, 13. 

s) iv = n^2L, Bedeutung wie bei S. 
Exod. 21, 17 und 1 Sam. 26, 18. 

^) iv =z S, Bedeutung: 1) «V vertritt h in mechanisch 
ungriechischer Weise. Die Übersetzer konnten es augenscheinlich 
nicht vor ihrem hermeneutischen Gewissen verantworten, ein 
Wort der Vorlage unübersetzt zu lassen. 

Lev. 22,5: >J «/r* dv&QooTKpy iv ^ fniavsT avxov. 

Judic. 1 1 , 39 : xal inoCr^asv iv ®) avTr} tiJi' sixT^v. 

1) Om €v: 91. 

2) ^n avt^: III, 33. 

3) Om eV; 214. 

4) Om er: 26. 

5) Hvp ifjLoL: III. 

6) Om et^: X, XI, 29, 55, 56, 58, 63, 237. Ganz anders übersetzen: 
15, 18, 30, 54, 64, 75, 108, 128. 



53 

Ruth* 1,20: oTi inixQavdT] iv ifiol^) 6 Ixavog, 

2 Chron. 15,3: xal rniägai TtoXXal t« ^lagarlX iv ov ^f«^) 

15,14: xal äfioaav iv^) xvgito, 
Eccles, % 22: oti yCvsTcci iv^) tw dv'd'QciTKo, 

2) rein loJcaly bei einem KoUektivsingular : 

Mich. 5, 12: xal änotp&syyoiisvoi ovx ^aovtai iv^) (foL 

3) zum Ausdrucke psychologischer Beziehungen: 
Prov. 30,2: xal (pQo'itiaig dvx^Qcirtcov ovx itfziv iv i/AOi. 
Psalm. 50,12: xagdiav xa&agdv xiCaov iv^) ifiol 6 ^sog. 
Jer. 26, 1 1 = hebr. 46, 1 1 : (offsXeia ovx ^ativ iv '^) aoC. 
Dan. 9,8: iv^) aol xvgiä iariv riii(ov i) Sixaioavvrj. 

rj) iv = Sn, Bedeutung wie bei f, 2 und 3. 
Jes. 45, 14: xal iv aol nQoasv^ovxai (2). 
1 Sam. 30, 12: rd Jtvevfia avrov iv^) ai;V« (3). 

^) iv = HN, Bedeutung wie bei C? 2 und 3. 
Deut. 10, 21: otfrig inoir]a€v iv^^) aol %d fueydXa (2). 
E0. 22, 14 : iyoi ttokS iv aol (2). 

23, 29: xal noirjaovaiv iv aol iv fiiaei (3). 
Jer. 23,28: o TtgoqfiJTrjg iv « tö ivvnviov iativ xal iv (p 6 
Xoyog fJiov nqdg avtov (3), 

t) iv = Ss) , Bedeutung wie bei C? li 2 und 3. 
Psalm. 55, 13: iv ifiol 6 S^sdg at «v^«* ") (1). 

1) "EnixQaye fioi: XI, 16, 44, 56, 58, 131, 144, 237. 

2) Den raechanischen Charakter dieser Stelle lässt noch deutlicher (vergl. 
auch das ov ^ccjJ!) hervortreten iJ (F. Field 1,741): ceyev &€ov äXri&elas. 

3) Om iy: 19, 44, 74, 93, 106, 108, 119, 120, 121, 134, 158, 236. 

4) Om iy: 23, 106, 147, 154, 159, 161. 248, 252, 296, 298. 

5) Om iy: 62, 87, 91, 97, 130, 147, 228, 310. 

6) Om iy: 185. 

7) Om iy: XII, 22, 23, 26, 36, 41, 48, 49, 51, 86, 88, 90, 91, 106, 144, 
233, 239. 

8) Om iy: 89, 91, 106. 

9) *E7t* avtoy: 158; irt* avtio: 247. 

10) Om iy: 16, 18, 19, 28, 29, 30, 37, 44, 46, 52, 53, 55, 56, 59, 73, 
74, 75, 76, 77, 82, 85, 106, 130, 131, 134. 

11) Die völlig verschiedene Übersetzung des -£ (F. Field II, 183) 
dyadexofiac, &€e, a rividfjtriy bestätigt den ungriechischen Charakter der 
LXX-Übers. 



54 

Jes, 57,4: iv tivi ivergvipii^aaTs (1). 

Dan, 5,9: xai rj lioQipiQ avTov i^XXoici&rj iv avr£ (1), 

10, 16: €(TTga(prj rd ivrog iiov iv ifioi (3). 
DeuL 19, 10: xai ovx Matai iv aol aVfuxTi ivoxog (2). 

x) iv = Di), Bedeutung wie bei f, 3. 
Gen, 40, 14 : xal noir^aeig iv ') ifxoi ^Xeog, 
2 Chron. 19, 3: loyoi dyax^ol rjVQäxhjaav iv aoL 

X) iv = ]*»^, rein raechaniscli und wohl nur deshalb 
gesetzt, weil ]*»3 mit n beginnt, vergl. die analogen Fälle 
Judic. 21, 18«) und Neh. 5, 23). 

Exod, 31, 17: iv i/iiol^) xal iv toTg i4oTg ^Itfgarjl (frjiuisTov 
itfriv iv ifAol aidvtov. 

Jes, 5, 3 : xQivaTC iv ^) ifnol xal dvaixäcov tov dfiTtsXm'og fxov. 

fj) iv=: "»SO (poet. Form für ]>o): auch dieses iv ist ganz 
mechanisch entstanden und völlig sinnlos. 

Judic. 5, 14: iv ifxol^) Maxlg xatäß-qaav i^egsvvoSvTeg. An 
allen anderen Stellen ist *»s>o richtig durch ^x (Jes. 46, 3; t// 
77,42; 67,32; 44,9; Job/3'3,30; 31,7; 12,22; 9,3; 18,17) 
oder dTto (xp 77,2; 43,19; 87,10; Job. 33,18; 20,4; 15,22; 
30,30; 16, 16) oder nagd {ip 43, 11) oder vuo (ip 73, 22) 
wiedergegeben. 



1) Met' ifÄov: 19, 72, 108; in ifie: 20, 75, 106, 107, 129. 

2) Oben S. 39. 

3) Oben S. 48. 

4) Den mechanischen Charakter dieses iy lassen noch deutlicher her- 
vortreten folgende Umstände: 

1) Om er: 14, 16, 25, 32, 52, 54, 57, 58, 73, 78, 130, 131. 

2) H und sogar k (F. Field I, 140) haben fiexa^v i^oi xai (Ä: 
/letaiv) töHy viiov 'laQaijX. Auch & hat richtiger: nvafXBaov ifiov xai 
dyafiiaoy zcHv viiav 'la^aijX, 

5) Selbstverständlich hat dieses ey ni<;hts mit dem aus der Profan- 
gräcität bekannten »forensischen« iy zu thun. 

6) Zwar auch missverstanden, aber doch in geringerem Grade, haben 
diese Vorlage diejenigen Codd., welche i^ ifiov (15, 16, 18, 19, 29, 30, 
52, 53, 56, 57, 58, 63, 64, 71, 76, 77, 82, 85, 108, 121, 128, 131, 144, 209, 
236, 237) oder i^eyeiqov (44, 54, 59, 75, 84, 106, 134) schreiben. 



55 

c) 'Ev ist ohne Nötigung durch die Vorlage von den 

Übersetzern beigefügt. 

a) Bedeutung wie bei b, £, 2. 

Exod. 9, 16 : Iva ivdsi^cofiai iv <rol Tr]v ta%vv, 
Deut, n, 15: 6 dxd&aQTog iv aoi^), ebenso 12,22 2); 15^228) 
und 19, 11 *); Zeph. 3, 19; Ez. 22,8 und 9»). 

ß) Bedeutung wie bei b, £ 3. 

1 Sam. 14, 41 : sl iv i/Aol rj iv ^Icovä&av rtS vt<S (lov rj ddtxia. 
lob. 36, 2 : Mri ydg iv ifioi iari •) Xä^ig, 
Ps. 16,3: xal ovx svQsd'tj iv"^) ifxol ddixia, 

Y) Der Grund für die Wahl des iv ist nicht er- 
sichtlich in den Stellen: 

Gen, 24, 56 : xal xvQiog evddaxrs ti;V odov fiov iv ifjt,oi^) und 
Hos. 7,15: inaidsvdiqaav iv ifjLoi% Sollten die Übersetzer 
etwa einen anderen Text gehabt haben? 

d) Resultate. 

1) 'Ev mit dem persönlichen Singular ist bei den LXX ein 
im Verhältnisse zur Profangräcität häufiger Sprachgebrauch. 

2) An 253 (von im ganzen 321) Stellen entspricht das iv 
einem 3i der Vorlage. 

3) in 174 dieser Fälle ist das iv eine mechanische un- 
griechische Nachahmung des B. 



1) Om iy aol: 58. 

2) Om iy aol: 58. 

3) Om iu aol: 16, 82. 

4) Om iyffoi: VII, X, XI, 15, 19, 28, 30, 32, 44, 52, 53,54, 56, 57, 
58, 71, 73, 74, 75, 76, 77, 82, 85, 106, 108, 128, 129, 130, 131, 134, zuerst 
auch 16 und 18. 

5) Om iu aoi: 23. 

6) Mol eyeoTc: 23. 

7) ^n ifiol: 162. 

8) Daher om ey ifioi: I, X, 14, 15, 16, 18, 19, 25, 30, 38, 56, 57, 59, 
72, 73, 75, 76, 77, 78, 79, 106, 107, 108, 128, 129, 130, 131, 13 t. 

9) Daher 21 (P. Pield II, 952): üsxXcyay an ifjLoZ, 



56 

4) In 79 Fällen dient ev zum Ausdrucke rein lokaler (bei 
Kollektivsingularen und Personifikationen von Städtenamen) 
oder psychologischer Beziehungen , ein Gebrauch , der zwar zu- 
nächst durch das 3. der Vorlage veranlasst ist, aber sich un- 
gefähr mit dem Profangebrauche deckt. 

5) In 55 Fällen ist iv durch ein anderes Wort der Vor- 
lage veranlasst. 

6) 12 dieser Fälle stehen auf einer Stufe mit No. 3, 43 
mit No. 4. 

7) An 13 Stellen ist iv mit einem pronominalen Dativ ohne 
Nötigung durch die Vorlage von dem Übersetzer beigefügt, von 
denen 11 durchaus sinngemäss sind und sprachlich den unter 
No. 4 genannten Fällen entsprechen , 2 dagegen einen Grund 
für die Wahl des ev nicht erkennen lassen. 

8) Die vielen Abweichungen der Handschriften zeigen eines- 
teils die grosse Unsicherheit der Textüberlieferung und warnen 
demgemäss vor einer Überschätzung vereinzelter Strukturen, 
andernteils bestätigen sie, oft im Vereine mit den Übersetzungen 
des Aquila und des Symmachus, in vielen Fällen das Einzel- 
urteil über den sprachlichen Charakter gewisser Stellen. 

ß. Unkontrollierbare Cbersetzangen. 

Tobit, Baruch I und 3 Esra bieten trotz sonstiger starker 
Hebraismen kein Beispiel. Dagegen geben uns die übrigen 
Bücher einige Stellen, welche, auf gleicher Stufe mit den LXX- 
Stellen, überall, wie es scheint, ein s voraussetzen. 

a) Die Übersetzung ist mechanisch und angriechisch. 

Sir. 13, 4 : idv jf^/yce^ivcr^yg, dygätai iv aoi, 0. F. Fritzsche*) 
erklärt diese Konstruktion mit Recht als Nachahmung eines 
^ nnv und weist die merkwürdige Erklärung von Wahl »sich 
in der Nähe jemandes zu thun machen« zurück. Ebenso 24, 22; 
30,13; 33,26. 

1) Eurz^^efasstes exegetisches Handbuch zu den Apokryphen des A. 
T. , 5. Lieferung, Leipzig 1859, S. 65. 



57 

Sir. 19,8: iv q>iX(p xal iv ix^Q^ i"*" itrjf/ov^ 

44, 22 : xal iv t^ ^laadx ^aTrfiev ovrcog Jia' ^Aßqad^i 
%dv TtaräQa avzov. 

1 Macc, 7, 38 : noCrjcrov ixiixrjtfiv iv tw dv^QoijKp Tov-rw, 

10,47: xal svdoxr^aav iv^) "AksSävigM, vergl. zu 
2 Sam. 22,20»). 

Psalm. SaL 5, 15 : ij xQriatoTTjq dvS-QfOTtov iv (piX(p, Mit 
H. E. Ryle and M. Rh. James ^) finde ich die Erklärung dieser 
»harten« Fügung (»the construction is harsh«) in der buch- 
stäblichen Übersetzung eines ^an.Nli. Auch die Übersetzung 
von J. Wellhausen*) »gütig gegen einen Freund« verrät 
dieselbe Auffassung. 

In der Stelle Psalm. Sal. 14, 2: otrioi xvqCov ^rjaovtai iv 
avT(o eig tov atdova beziehe ich nach J. Wellhausen*) mit 
H. E. Ryle und M. Rh. James*) das iv avra auf vofiog des 
vorhergehenden Verses. 

b) Die Übersetzung ist nicht geradezu ungriechisch. 

In den 3 Stellen kann man Fälle des »psychologischen« 
Gebrauches finden. 

Sir. 33, 21 : fio^ in ^yg xal Tivoiij iv aoi. 
Judith. 12,18: or* ifJieyaXvvxhj to ^fjv fnov iv ifiol arßieqov, 
Psalm. Sal. 17,1: ort iv aol 6 d^sog xavx'qasvai rj ipvxtj- 
Sr nach xavxccCx^ai ist zwar in der Profangräcität nicht 
nachzuweisen und findet sich bei den LXX nur vor Sachdativen 
Jer. 9, 23 f. und 1 Ghron. 16, 35 als Übersetzung eines n. 
Indessen kann es, auch vor persönlichem singularischem Dativ, 
als dem griechischen Sprachgeiste zuwiderlaufend wohl kaum 
bezeichnet werden; »der Gegenstand [resp. die Person] ist als 



1) Om iy: 55. 

2) Oben S. 40. 

3) ^aXfioi J^oXofitoyzog , Psalms of the Pharisees, commonly called 
tbe Psalms of Solomon, Cambridge 1891, p. 58. 

4) Die Pharisäer und Sadducäer, S. 148. 

5) A. a. 0., S. 158. 

6) A. a. 0., p. 111. 



58 

das gedacht , worin das xavxäa&m ursächlich beruht« '). 
H. E. R y 1 e und M. Rh. J a m e s ^) verweisen auf den paulinischen 
Gebrauch des iv bei Ttavxäad-ai^ worauf ich im Zusammen- 
hange dieser Untersuchung vorerst *) zu verzichten habe. Immer- 
hin ist unsere Stelle, auch abgesehen von Paulus, nicht isoliert ; 
auch Jac. 1, ü ist das Verbum mit iv konstruiert, allerdings 
vor einem Sachdativ. 

c) Resultate. 

1) Die aus nicht mehr vorliegenden hebräischen Originalen 
übersetzten Bestandteile der semitisch - griechischen Literatur 
zeigen genau dieselben Eigentümlichkeiten im Gebrauche des 
ivy wie die LXX. 

2) Diese Eigentümlichkeiten sind nicht als Nachwirkung des 
»LXX-Griechisch« zu begreifen, sondern als Folge des gleichen 
hermeneutischen Princips. 

3) Die 3 mit dem Profangebrauche übereinstimmenden 
Stellen sind pronominal. 

3. Der Sprachgebrauch der griechischen Originale. 

a) Die Stellen. 

Sap, 5, 16: iixaioi dh slg rov almva ^«c* xäl iv^) xvgi(p 6 
fiia^dg avTwvy ein Fall des »psychologischen« Gebrauches. 
W. Grimm*) macht richtig geltend, dass dieses €v nicht »bei« 
oder »durch« heisse, sondern »in«, d. h. »in der Gemeinschaft 
mit«. 

2 Maccdb, 7, 38: iv i^ol dh xal toTg äisXfpoTg fiov (frrjvai, 
tf]v tov TtavzoxQccTOQog oQYTJv; vergl. die Profanstellen, in denen 



1) G. Heinrici, Meyer VI (2 Kor.)', Göttingen 1890, S. 162. 

2) A. a. 0., p. 128. 

3) Vergl. darüber unten S. 64 f. 

4) Die Übersetzungen gebrauchen in analogen Fällen eine andere 
Präposition: Jes. 40, 10 tcfov o ^lad-og avtov fiet* avtov, Ruth. 2,12 o 
fiLcd-og aov nXrj^rig naqa xvqLov rov ^eov 'la^aijX, Gen. 30, 33 ori i<niy 
6 fxia&og f^ov evioniov aov. Zur Sache vergl. Prov. 11,18 und 21. 

5) Eurzgefasstes exegetisches Handbuch zu den Apokryphen des A. 
T., VI, Leipzig 1860, S. 118. 



59 

SV nach dgxrj und räXog u. ä. steht: Plut. II, 187 B. = Lys. 
frg. 17, cf. Find. Ol 13, 104; Soph. Oed. G. 422; Eurip. Rhes. 
859; Dem. 18, 193. 

b) Resnltate. 

1) Die griechischen Originale der semitisch -griechischen 
Literatur zeigen im Gebrauche des iv dieselben statistischen 
und sachlichen Eigentümlichkeiten, wie dieProfangräcität: eine 
grosse Seltenheit des Vorkommens und die Verwendung des sv 
zum Ausdrucke psychologischer Beziehungen. 

2) Trotz der starken Möglichkeit eines Einflusses der »LXX- 
Sprache« auf diese Literatur findet sich kein einziges Beispiel 
des in mechanischer Weise mit 3 identifizierten iv, 

3) Durch diese Beobachtung wird die These, dass jenes sv 
der LXX kein Bestandteil des vorher vorhandenen Juden- 
griechisch ist, bestätigt, und die These , dass es auch nicht ein 
Bestandteil der nach den LXX gebräuchlichen Sprache ge- 
worden ist, wahrscheinlich gemacht. 

4. Der Sprachgebrauch der urchristlichen Literatur ') , 

abgesehen von Paulus. 

a) *Ei/ iBt nngriechisches Äquivalent eines ^ 

nur in solchen Stellen, welche sicher Übertragungen einer 
semitischen Vorlage sind, und zwar sind es solche Worte Jesu, 
sowie seiner Freunde und Gegner, welche gewiss zum eisernen 
Bestände der vorsynoptischen Überlieferung gehörten. Dass 
man bei der Übersetzung dieser Worte ins Griechische mit 
ängstlichster, die hermeneutische Pedanterie nahelegender Pietät 
verfuhr, ist sehr begreiflich. P. deLagarde^) hat daher das 

1) Ich freue mich, dass A. Buttmann (a.a.O., S. 275) die Bedeutung 
dieser Frage dadurch charakterisiert hat, dass er andeutet; die vollständi- 
ge Darlegung des neutestamentlichen Gebrauches von iy und eis er- 
fordere vielleicht den Raum eines Buches. Das Buch ist noch nicht 
geschrieben. S. Chr. Schirlitz (Grundzüge der neutestamentlichen 
Gräcität nach den besten [!] Quellen, Giessen 1861) widmet dieser Sache 
28 Zeilen seines 434 Seiten starken Buches. 

2) Mittheilungen, IV, S. 106. 



60 

Vorhandensein von Aramaismen sogar als das sicherste Er- 
kenntnismittel für die Echtheit der evangelischen Herrenworte 
und demgemäss »alles, was ursprünglich griechisch gedacht ist, 

selbstverständlich« als nicht echt erklärt. 

Matth. 3,17: Sv^) « r]vd6xr]aa (ebenso 17,5; Marc. 1,11; 
Luc. 3,22), vergl. zu 2 Sam. 22,20»), 

9, 34: €V r« ccqxovti toov Saiftiovicov ixßdiXsi tcc iai- 
lAovia (ebenso 12, 24—28; Marc. 3, 22; Luc. 11, 15—20), 

10,32: octtq dfAoXoyrjasi sv^) ifiol .. ofioXopjaot) xdyai 
SV avrm (ebenso Luc. 12, 8), 

11,6: og idv itir] (TxavSaXi(f&fj er*) sfioC (ebenso 13,57; 
26,31 und 33; Marc. 6, 3; 14, 27; Luc. 7,23), vergl. Sir. 9,5; 
23, 8; 35, 15, 

23, 21 f.: oiivvsi iv tm xceroixovvTt avTov und «V tw 
xa&r]fi€V(p €7rdv(o athov (ebenso Apoc. Jo. 10, 6) , vergl. zu 
Judic. 21, 7 5). 

b) ^Ey wird gebraucht wie in der Profangrttcitttt. 

d) Vor Autoren- und personifizierten Städtenamen. 

Marc. 1,2: dv'Hadi^. Ebr, 4,7: iv Javsid. 
Matth, 11, 23: at Svvdiisig at ysvofisvai iv aoL 
Luc. 19, 44: ra växva aov iv aoC, 



1) Vergl. die Rückübersetzung von F. Delitzsch, Hebrew New 
Testament, 6tii ed., 1885, p. 4. H. üsener, religionsgescbicbtliche 
Untersucbungen, erster Theil, das Weihnacbtsfest, Bonn 1889, S. 39, 
findet (in anderem Zusammenbange) die Abweichung 2 Petr. 1,17: elg 
oy iyü) rivdoxriaa unerheblicb. Für unsere Frage ist dieselbe sehr in- 
teressant: sie zeigt, wie selbst in solchen Standardworten der urchrist- 
licheo' Tradition ein fester grammatischer Gebrauch nicht aufbewahrt ist. 

2) Oben S. 40. 

3) Vergl. F. Delitzsch, a. a. 0., p. 17. G. B. Winer (Gr., S. 18) 
rechnet diese »gegen das griechische Sprachgefühl anstoßende« Fügung 
daher zu den »wahrhaften« Hebraismen des N.T. W. Grimm, Lezicon 
Graeco-Latinum in libros N. T., ed. 11, Lips. 1879, p. 147, erklärt sie für 
einen Syriasmus. 

4) Vergl. F. Delitzsch, a. a. 0., p. 18. 

5) Oben S. 39. 



61 

ß) Zur Bezeichnung physiologischer und 
psychologischer Beziehungen. 

Maiih, 1,20: reJ ydq sv arnfj yevt^rjd-äVj 

6,23: t6 (pwg ro iv aoi, ebenso Luc. 11,35, 
9, 21 : Usye sv iavzfj, vergl. Luc. 7, 39 ; 12, 17 ; 16, 3 ; 18,4, 
13, 21 : ovx €X€i ^i^av iv iavrm^ 
14,2: at dvvdiiistg ivegyovaiv sv avVw, ebenso Marc. 6, 14, 
17, 12: sTtoirjaav sv avVcö, vergl. Marc. 14, 6 und 
Gen. 40, 14 i). 

Marc. 5,30: sniyvovg sr savzipy 

14,6: xaXdv igyov r^gydaazo sv sfioiy vergl. Mt. 17, 12. 
Luc. 22,37: t6 ysyQa/xfisvov dsT TsXtad-f^vM sv sfioiy vergl. 
zu 2 Maccab. 7, 38 2), 

23, 4 u. 14: ovdbv svQitfxo^ ahiov sv vm dvx}Qwn(p 
TOVKpy ähnlich Act. 23, 9; Jo. 18, 38. 
Act. 10,17: (og d^ sv savrm iirjTioQsi, 
12, 1 1 : ysvo^svog sv sawMy 

17,28: SV avt^ ydg ^cofisv xai xivovfASx^a xal sCfisv^)^ 
17,31: xqCvsiv tijV olxovjiiä^njv sv dvSgiy ein Beispiel 
des »forensischen« Gebrauches, 

19, 16: SV (p '^v To nvsviicc tö jiovrjQoVj ähnlich 20, 10, 
25, 5 : st ri stfrlv sv t(S dvdQi ätonoVj 
28,18: ahiav d-avdxov indQ%si,v sv sfioL 
Ebr. 1, 1: sXdXrjasv rjfAiv sv vtwy vergl. zu Hos. 1, 2*), 
3,12: /uiYjTioTs iffTUi iv Tivi üfimv xagdia Ttovrjgd, 
(10,38: svSoxsT sv avr«, Gitat aus Hab. 2,4; im Zu- 
sammenhange des Briefes ist das sv dieser Stelle, welches bei 
den LXX zweifellos mechanisch entstanden war, weniger auf- 
fallend). 

Jud. 1, 1 : ToTg sv ^s^ naTQl rjaTtrjfjisvoig^ vergl. Act. 17,28. 
Jo. *) 2, 25 : sniyivddxsiv %i ^v sv t<S dvd-QfaTvm^ 

1) Oben S. 54. 

2) Oben S. 58 f. 

3) Vergl. unten S. 93 ff. 

4) Oben S. 42 f. 

5) Die Stellen, in denen Johannes und andere Autoren die Formel 
iy X^iatio reap. iy i^oL (= Xq,) und iy aJrcj) (= Xq.) resp. iv w (= Xq.) 
gebrauchen, werden weiter unten besprochen werden. 



62 

3, 21 : oTi iv -i^etS icxlv slQyaa(iä%'a^ 
4, 14: Y€vr(T€Tai iv avTw nrjYtjy 
5, 26 : Ix« ^(orjv iv iavT(pj 
6, 61 : €id(og Ü 6 ^Irjaovg iv iavrw^ 
7,18: ddixCa iv avTm ovx fortr, 
8, 44 : ovx MaTiv dXrjx^eia iv avr^, 
9, 3 : Iva g)av€Q(odf^ rd ^qya tov x^eov iv avtto^ 
10,38: oV« iv ifiol 6 Trcenijg xdyai iv t$ rtargiy vergl. 
13, 31 f.; 14, 10 fif.; 17, 21a und 22b, 

11,10: To ywg ovx Ma^iv iv, avx^^ 
1 1 , 38 : ^Ir](fovg ovv ndXiv ifxßQifiovfi€vog iv iavTM^ 
13,31 u. 32: 6 x^sdg ido^daxh} iv avTM^) xal 6 d-sog 
do^dasi avTov iv avT^y vergl. 10, 38, 

14, 10 flf. : oTi iyco iv tw Tiargl xal ö TtarrJQ iv ifioi\ 
vergl. 10, 38 und 17, 21a u. 22 b, 

18,38: iyto ovSeiiiav evgiaxo) iv at'Tw ahiav ^ vergl. 
Luc. 23, 4 u. 14; Act. 23, 9, 

1 Jo. 1,5: (fxoTia iv avr^ ovx Itfriv oväsfiia^ 
2, 4 : iv TovTco ly dXrjd'Sia ovx Mcviv^ 
2, 5 : iv TovTip ly dydnr} tov S'Sov vsneXemTai^ 
2, 10: axdvSaXov ovx Ma^tv iv avroJ, 
2, 15: ovx iCTtv ij dyaTTt] tov naxQog iv aih(p^ 

3,9: ansQfxa avTOV iv avT^ (iiävei, 
3,15: ovx ^x^i ^(orjv, ataiviov iv iavTw^ 
3, 17: dydnr} -d-sov (lävsi iv avT(py 
4, 13: OTI iv avT^ fAsvofjbsv, 

4,15: ^eog iv avT^ iiävsi xal aihdg iv tw i5^«w, 
4, 16: iv T^ x^€^ fA€V€i xal 6 &€dg iv avTa fjtivsi, 
5, 10: ^xsiTi^v fiagrvQiav iv avTw, 



1) ß. Weiss, Meyer II (Ev. Jo.)', Göttiogen 1886, S. 519, ver- 
wischt die unbefangene Prägnanz dieses Gedankens durch die moderni- 
sierende Erklärung: »d. h. in seinem Lebenswerk«. Die Erklärung des 
zweiten iy avzt^ »in ihm [Gott] und seinem Wirken« (d. h. durch die 
Erlösung Jesu) ist zwar der ersten entsprechend , läset aber um so deut- 
licher erkennen, dass man der Stelle nur dann gerecht wird, wenn man 
sie von 10,38; 14, 10 ff.; 17,21a und 22b aus versteht. 



63 

c) Resultate. 

1) In der urchristlichen Literatur finden sich einige Bei- 
spiele des In ungriechischer Weise als Äquivalent eines ä 
gebrauchten sv mit persönlichem Singular. Es sind dies aber 
nur solche Stellen, welche Übertragungen einer semitischen 
Vorlage sind. 

2) Diese Thatsache ist nicht als Nachwirkung des »LXX- 
Griechisch« zu begreifen, sondern als Folge des gleichen her- 
meneutischen Princips. 

3) Andere Stellen der Übersetzungen, sowie sämtliche 
Stellen der griechischen Originale stehen mit der Profangräcität 
auf gleicher Stufe. 

4) Auch hier sind fast sämtliche Fälle pronominal. 



F. Frage II: IMe Fräposition iv mit persönlichem 
Singular in der paulinischen Gräcität, abgesehen 

van der Formel iv Xg. 7. 

Nicht in Betracht kommen hier die LXX-Citate ^) Gal. 3,8; 
Rom. y, 7 u. 17 und 2 Stellen, welche zwar durch Hinweis 
auf den gewöhnlichen Sprachgebrauch erklärt werden können, 
aus besonderem Grunde aber wohl besser als zwei der Formel 
€v XQia%(ß analog gebildete Fügungen aufgefasst werden : 

1 Cor. 7, 14 und 15, 22 ^). 

1. !Ev steht rein lokal vor Antornamen. 
Born. 9,25: iv tw 'Üarjä und 11,2: iv reo ^HXsCtjc, 

2. iSv dient zur Bezeichnung lokal gedachter 
psychologischer Verhältnisse. 

1 Thess, 1,1: T7j ixxXr}ai(^ Qaaa, iv -d-a^^) nazQi, ebenso 

2 Thess. 1, 1, 

2,2: inaQ^r](fia(Tafi€x^a iv t^ &€^ r^fiwv, 

1) Vergl. unten S. 68 f. 

2) Vergl. unten Cap. XI, 1. 

3) Vergl. unten S. 93. 



64 

Gal. 1, 16: dnoxaXvxpai tov tftov athov iv dfioP) , vergl. 
2 Cor. 13, 3 und zu Hos. 1, 2«), 

1, 24: xal edo^a^ov iv ifiol «) tov ^sov, vergl Phil. 1, 30, 
2, 20 : f^ äh iv ifiiol XQiaTog, 

1 Cor. 2, 1 1 : xo iv avv^ nvsvfxa^ 

9,15: Iva ovTwg yäinr^rai iv ifioiy 

14, 11 : 6 laXiSv iv ifxol ßdqßceQog, ein Fall des * foren- 
sischen« iv; iv ifxoi = me iudice*), vergl. 6,2 das pluralische 
Beispiel desselben ^) Gebrauches. 

2 Cor. 11, 10: ^(friv d^S^sia Xqkstov iv ifxoi\ 

13,3: TOV iv i/iiol lalovvrog Xqkttov, 
Rom. 2,17: xavxaa&ai iv ^6^, vergl. 5, 11. Man würde 
die nuancierte Feinheit dieser Fugung verwischen, wenn man 
einfach übersetzen würde »sich Gottes rühmen«. Nur wenn 
Paulus xavxda&ai stets mit iv konstruierte, würde man auch 
hier keinen Grun3 haben, das iv weiter zu beachten. Aber 
das ist durchaus nicht der Fall. Er gebraucht xavxda^ai 

1) absolut: 1 Cor. 1,29, 31 (das erste Mal); 4, 7; 2 Cor. 
5, 12«); 7, 14; 10, 13, 17 (das erste Mal); 11, 16, 18, 30 (das 
erste Mal); 12, 1 und 6; Eph. 2, 9; vergl. Jac. 4, 16; 

2) mit folgendem Akkusativ: 2 Cor. 9,2; 11,30; 

3) mit i7t(: Rom. 5, 2; 

4) mit €ig: 2 Cor. 10, 16; 

5) mit nsQi: 2 Cor. 10, 8; 



1) Ebenso erklären das iy M. Kahler, der Brief des Paulus an die 
Galater, Halle 1884, S. 31 und F. Sieffert, a. a. 0., S. 55. 

2) Oben S. 42 f. 

3) Richtig G. B. Winer, Pauli ad Galatas epistola, ed. IV, Lipsiae 
1859, p. 53: »celebrant Deum, ut qui in me invenissent celebrationis 
materiem«, ebenso W. Grimm, Lexicon Graeco-Latinum, ed. li, p. 108. 
Zur Stellung des iy i^oL vergl. Rom. 7, 8. 

4) G. B. Winer, Gr., S. 204 und 362. G. Heinrici, 1 Kor., S.438 
und Meyer V (1 Kor.)^ S. 402. Th. Gh. Edwards, a commentary on 
the first epistle to the Corinthians, London 1885, p. 233 (zu 9, 15). 

5) Th. Ch. Edwards, a. a. 0., p. 138. 

6) Von anderen wird iv nQoaoLTKo als Gegenstand des Rühmens auf- 
gefasst; dann ist die Stelle sub 6, a aufzuführen. 



65 

6) mit €v: a) bei Sachen: Gal. 6, 13 u. 14; 2Gor. 10,15; 
11, 12*); 12, 5 u. 9; Rom. 2, 23 u. 5, 3; b) bei Personen: 
a) im Plural: 1 Cor. 3, 21 ; 2 Thess. 1, 4; ß) im Singular: 
Rom. 2,17 u. 5, 11 (beide Male ir tw d^e^); dazu die Stellen 
1 Cor. 1, 31; 2 Cor. 10, 17; Phil. 3, 3, wo das Verb mit der 
Formel sv Xg. resp. xvgfq} verbunden ist. 

Die letztere Konstruktion vor den anderen als eine absicht- 
lich nuancierte auszuzeichnen, wird man daher das Recht haben ^). 
Rom, 7,8: xari^gyaaaTo iv ifioi näaav iTtid^vfiCav^ 
7,17, 18®) u. 20: ij oixovaa iv ifioi aßagTia. 
Col, 1,29: TTTjV iregyovfisj'Tjv iv ifioi^ 

3, 3 : ij ^(orj dfimv xäxgvntai avv T<p Xgi(fTw iv t« 
x^€^^ vergl. Eph. 8, 9. 

Phil. 1, 30: tSv avtov dycova Mxovzsg olov sidsts iv i/nol xal 
rvv dxov€T€ iv ifiof, ebenso 4, 8, vergl. Gal. 1, 24. 

1 Tim. 4, 16: Vva iv ifiot ng(6%(o iviei'^rjrai ^Irjcrovg XgiaTog, 

4, 14: Tov iv aoi xccgiana'vog. 

2 Tim. 1, 5 f.: rrig iv aol nCatewg. 

Anhangsweise seien auch die pluralischen Stellen auf- 
geführt, in denen iv (nicht gleich inter ist, sondern) im »psychologi- 
schen« Sinne steht: 2Cor. 13,5; Rom. 8, 9, 10, 11 ; Col. 1,27; 3, 11. 

3. Resultate« 

1) Die paulinische Literatur gebraucht iv mit persönlichem 
Singular wie die Profangräcität. 

2) Fast sämtliche Beispiele dieses iv sind pronominal. 

3) Von geradezu ungriechischen Fügungen, speciell dem 
Gebrauche des iv als mechanischen Äquivalents für ein 3,, 
findet sich keine Spur. 



1) Dasa die Attraktion Iv w in ein iv tovtco iv (a aufzulösen ist, ist 
übrigens nicht nachzuweisen. Das iv ist zunächst abhängig von ev^edwaiv. 

2) Vergl. 6. Heinrici, oben S. 58, Anm. 1. 

3) Hier gibt Paulus selbst einen Fingerzeig, wie er sich die lokale 
Beziehung gedacht hat; er sagt: ovx oixeT iv ifxol tovt' eativ iv t^ 

ffUQ Xl f4,0V. 



66 

VI. Fr{igeIII: Die Quellen der paulinischen Syntax. 

Soviel scheint mir aus einer Vergleichung des paulinischen 
Sprachgebrauches einerseits mit dem profanen, andererseits mit 
den Eigentümlichkeiten der durch den Semitismus beeinflusslen 
Gräcität hervorzugehen, dass das iv mit dem persönlichen 
singularischen Dativ bei Paulus nicht von dem letzteren Gebiete 
aus zu verstehen ist, sondern von dem ersteren. Bevor aber 
derSchluss auf die Formel iv Xqktt^ gezogen wird, muss noch 
von einem allgemeineren Gesichtspunkte aus an die Abhängigkeit 
der paulinischen Syntax von der Profangräcität und ihre relative 
Selbständigkeit gegenüber dem semitischen Griechisch erinnert 
werden. 

1. Bei einer Untersuchung der Frage nach dem Einflüsse 
des »Septuagintagriechisch« auf die spätere Gräcität der jüdischen 
Hellenisten darf man nicht in den Fehler verfallen , den prin- 
cipiellen Unterschied der materialen und formalen Elemente 
beider Sprachgebiete ausser acht zu lassen. Gewiss haben H. E. 
Ryle und M. Rh. James') ein Recht, ganz allgemein von 
»the influence of Ilebrew or Aramaic upon Greek vocabulary 
and Syntax« zu reden, aber man darf daraus nicht den Schluss 
ziehen, dass, wenn das Lexikon der späteren hellenistischen 
Originalliteratur durch die LXX beeinflusst ist, deshalb auch 
die Syntax eine hebraisierende sein müsse. Beide Elemente 
stehen vielmehr in einer nur sehr losen Verbindung. 

Dass das Lexikon der LXX, namentlich sein religiöses und 
ethisches Begrififsmaterial, in der gesamten nachfolgenden Literatur 
nachwirkt, steht ja ausser allem Zweifel, auch hinsichtlich der 
paulinischen Schriften. Ganz anders dagegen steht es mit der 
Syntax. Hier ist es einfach unrichtig, den allgemeinen Satz 
von der Einwirkung der LXX aufzustellen. Ein einzelner Autor 
mag vielleicht Gefallen daran gefunden haben, zu hebraisieren, 
oder mag auch unbewusst einmal unter der Herischaft gewisser 
Fügungen gestanden haben: im ganzen ist zu sagen, dass 
der syntaktische Einfluss der LXX nicht sehr weit reicht. Sie 
waren Übersetzer, und was sie an eigentümlich semitischen 



1) A. a. 0., p. LXXVIII. 



67 

Strukturen produzierten, wurde ihnen nicht durch die Gepflogen- 
heiten eines bereits vorhandenen Judengriechisch, welches auch 
in der Folgezeit noch gesprochen wurde, nahegelegt, sondern war 
eine Konsequenz ihres hermeneutischen Princips ^). Bei einem 
Originalschriftsteller dagegen, wie Paulus, fehlte dieser mächtige 
Antrieb zum He braisieren; er brauchte nicht mit der Ängstlichkeit 
des Pedanten nach dem syntaktischen Detail einer Vorlage zu 
schielen. Der Mann, der sich als Schuldner der Hellenen fühlte, fallt 
nicht einmal als Stilist unter das Gericht seines eigenen Wortes : Ttoog 
xd i&vYi dvoYxa^eic lovdat^siv. War das Evangelium auch den 
Griechen eine Thorheit , so war sein erfolgreichster Verkündiger 
doch nicht so thöricht, es den Griechen in einem ungriechischen 
Ge>yande darzubieten. Es sei gestattet, auf eine Analogie hin- 
zuweisen. Als Stilist stand Paulus in einem ähnlichen Ver- 
hältnisse zu den LXX, wie wir zu der Lutherbibel. Achten wir 
auf die Beziehungen unserer religiösen Sprache zur Lutherbibel, 
so werden wir finden, dass das Lexikon beider im allgemeinen 
übereinstimmt, dass wir dagegen, wenn wir unbefangen reden 
und nicht absichtlich nachahmen oder gar eitleren, in syntakti- 
scher Hinsicht uns nach dem modernen Gebrauche richten. 
Wer hier die »Sprache Kanaans« redet, fallt zum mindesten 
auf und wird meistens von rechlswegen ausgelacht. Und dabei 
ist die Lutherbibel doch das Denkmal eines Genius der Sprach- 
kunst und durch und durch deutsch, während die alexandrini- 
sehe Übersetzung des A. T., durch und durch ungriechisch 2), 
nur von den Nöten und Künsten eines arnien, unfreien Zeit- 
alters zu erzählen weiss. 

2. Paulus ist nicht der einzige hellenistische Autor, dessen 
Syntax von den Einflüssen der LXX relativ frei geblieben ist: 
oben bereits ist nachgewiesen worden, dass die originalgriechi- 
schen Apokryphen, zum wenigsten in unserer Einzelfrage, eine 
Nachwirkung der hebraisierenden Diktion der Alexandriner 



1) Der »abnormen Ursachen«, aus denen Tycho Mommsen (a. a. 
0. I, S. 37) eine andere Eigenart der semitischen Gräcität erklärt. 

2) E. Reuss, die Gesch. der h. Schrr. A. T., S. 535 und R.-E. " V, 
S. 745; Th. Nöldeke, a. a. 0., S. 248; F. Buhl, Kanon und Text des 
Alten Testaments, Leipzig 1S91, S. 122. 

5* 



68 

nicht zeigen ^), und die Vermutung drängte sich auf, dass jenes 
eigentümliche «V der LXX und der anderen Übersetzungen 
nicht zum Bestände eines bereits vorher gesprochenen Juden- 
griechisch gehört hat. Die These: »Die Sprache des Paulus ist 
nur in lexikalischer, nicht aber in syntaktischer Hinsicht von 
den LXX beeinflusst«, wird in unserer Frage aber noch durch einen 
Umstand besonders erhärtet, ich meine die Stellung des Paulus 
zu den Citaten aus den LXX. In der Stelle Gen. 12, 3 2) 
haben die LXX das :a der Vorlage mechanisch durch ev wieder- 
gegeben, und Paulus citiert Gal, 5, 8 wörtlich: fvfvXoyrj^rjffotTm 
iv aoi ndvTa rd Md-viq, Auch bei sonstiger Unabhängigkeit 
von den LXX hätte es nahe gelegen, im unmittelbar folgenden 
Verse, der noch unter der Einwirkung des Citates steht, dessen 
Fugung nachzuahmen, zumal dieselbe ja allenfalls zu den nicht 
geradezu ungriechischen gehört. Aber nicht einmal hier 
hebraisiert der Apostel: äars ot sx nCctswg evXoyovvrai at)v 
TW mav^ 'Aßgadfi.. Dieselbe Beobachtung lässt uns das Cital 
Rom, 9,17 machen. Hier haben die LXX in Exod. 9, 16^) 
ohne Nötigung durch die Vorlage ein sv aoi eingefügt; auch 
diese, nicht geradezu ungriechische (1 Tim. 1, 16) Konstruktion 
hat Paulus nicht nachgeahmt, sondern er verbindet ivdsixvvad'ai 
mit eiq (2 Cor. 8, 24 [cf.Ebr. 6,10]). Auch von dem Gebrauche 
des dritten und letzten in Betracht kommenden Citates Rom, 9,7: 
iv laccdx xlr]&r^(f€Tai aoi aTtägfJba (= Gen. 21, 12*)) hebt sich 
der paulinische Gebrauch des «V nach xaXetv in den Stellen 
1 Thess. 4, 7; Gal. 1, 6; 1 Cor. 7, 15, 18, 20, 22^), 24, vergl. 



1) Vergl. besonders den oben S. 45 ff. besprochenen Gebrauch des iv 
nach niateveiv, welcher deutlich zeigt, dass selbst bei einem so geläufigen 
Begriffe der religiösen Sprache das hebraisierende , der Vorlage nach- 
gebildete Griechisch der LXX nicht imstande war, sich in der Folgezeit 
zur Geltung zu bringen. 

2) Vergl. oben S. 50. 

3) Vergl. oben S. 55. 

4) Vergl. oben S. 36. 

5) Diese eine Stelle würde zum Nachweise genügen, dass das pauli- 
nische und das LXX-Griechisch in unserer Frage geradezu auseinander- 
klaffen: o yag ev xvqifß oe X rj ^ e l g (fovXog und iv ^laaax xXriS^ijaetai 
(TOI mi£Qfiall 



69 

Col. 3,15; Eph. (1, U- u.) 4,4 als ein völlig verschiedener 
deutlich ab. 

Paulus hat eben gegenüber der »Willkür und Unsicherheit 
im Gebrauche der Präpositionen« , einem der »charakteristisch- 
sten Merkmale des semitischen Vulgarismus« ^), ein feines Gefühl 
für die individuelle Prägnanz der einzelnen Präpositionen. Ist 
es doch geradezu eine Eigentümlichkeit paulinischer Redeweise, 
besonders wichtigen Gedanken durch Häufung, Nebeneinander- 
oder Gegenüberstellung von Präpositionen eine schärfere Prägung 
oder gar eine der wirkungsvollen Bestimmtheit eines Wortspieles 
nahekommende logische Zugespitztheit zu verleihen ^). Vergl. 
Gal. 1. 1 ccno und Sid; 1 Cor. 4, 10 Sia und sv; 8, 6 «x, slg 
und Sid; 12, 8 f. rfia, xara und ev; 2 Cor. 1, 20 iv und Sia; 
3,1 TiQog und ix; 3,18 aTto und dg; 10,3 sv und xara; 13,8 
xaTÜ und imäQ; Rom. 1,17 ix und slg; 2, li iv und Siü; 3,22 
Sia^ eig und im; 4, 18 nagd und ctti; 8, 31 vrtsg und xarä; 
11, 36 ix, Sia und elg; Col. 1, 16 iv, Sid und elg; Eph. 4, 6 
ini, Sid und ^V. 

Abschliessend sei bemerkt, dass unser Einzelresultat durch- 
aus innerhalb der Allgemeinbeobachtungen liegt, welche G. B. 
Winer»), B. F. Westcott & F. J. A. Hort*), G. Heinrici^), 
H. von Soden") u. a. ^) gemacht haben. 



1) Tycho Mommsen, a. a. 0. 11 u. III, S. 257. 

2) G. B. Winer, Gr., S. 390; B. A. Lasonder, a. a. 0. II, p.4l s. 

3) Gr., S. 38: »Das N. T. ist graoiniatisch ganz griechisch geschrieben«. 

4) The New Testament in the original Greek II, Cambridge and 
London I8öl, Appendix, p. 126: ». . whose [St Paul] style, except of 
course in quotations, is singularly free from crude Hebraisms«. 

5) 2 Kor., S. 594: »Der Sprachcharakter der [Korinthier-] Briefe ist 
nicht hebraisierend, sondern bewegt sich durchaus im Rahmen des hellen- 
istischen Griechisch«. Er weist diesen Satz nach speciell durch Hinweis 
auf den Gebrauch der Partikeln S. 603 f. 

6) Hand-Commentar zum N. T. IIl, 1, Freiburg i. B. 1891, S. 53: 
». . . dem von ungriechi sehen Hebraismen reinen Stil des Paulus . . . «. 

7) Auch F. Röster hat in seiner sonst sehr vorschnellen Unter- 
suchung, »ob St. Paulus seine Sprache an der des Demosthenes gebildet 
habe« (Th. St. u. Kr. 1864, S. 305-322), die richtige These vertreten, 
dass die materielle Basis der paulinischen Sprache eine jüdische, die 
formelle aber eine hellenistische ist. 



70 
VIL Paulus der Bildner der Formel 

iv XgiaTm ^Irjaov, 

1. Das iv unserer Formel darf nicht auf eine Stufe mit 
dem schillernden, unklaren iv = 2i der Alexandriner gestellt 
werden, sondern wurzelt in dem Gebrauche der Profanliteratur 
und ist von hier aus zu verstehen. Nach Gewinnung dieser 
Einsicht könnte man sich nun sofort der Aufgabe zuwenden, 
die Bedeutung dieses iv aus den beigebrachten klassischen 
Analogieen festzustellen, aber der statistische Thatbestand warnt 
hiervor als vor einer Übereilung, Während in der gesamten 
Gräcität einschliesslich der urchristlichen Literatur iv mit per- 
sönlichem Singular ein sehr seltener Sprachgebrauch ist, finden 
wir es bei einem einzigen Autor in einer bestimmten Formel 
so überaus häufig, dass sich von selbst die Frage erhebt: Wie 
ist diese Vorliebe des Paulus für das iv und zwar gerade in 
dieser Formel zu erklären? Die Antwort steckt in der Frage: 
wir haben hier eben einen oder besser den Lieblings- 
begriff der religiösen Sprache des Apostels. Paulus 
hat ihn gebildet, um dadurch irgend etwas Eigentümliches, was 
nur ihn interessierte, auszudrücken. Er ist der Bildner der 
Formel, nicht in dem Sinne, als hätte er zum ersten Male iv 
mit dem persönlichen Singular verbunden, sondern so, dass er 
unter Benutzung eines bereits vorhandenen Sprach- 
gebrauches einen ganz neuen terminus technicus 
schuf. Das wichtigste Erkenntnismittel scheint mir hier also 
die oben ^) als der dritte mögliche Faktor des paulinischen Idioms 
bezeichnete sprachbildende Kraft eigentümlich christlicher Ge- 
danken zu sein ^). 



1) S. 9. 

2) Nach Abscbluss dieser Untersuchungen finde ich, dass H.Cr ein er 
(Bibl. - theolog. Wörterbuch *, S. 537) bereits in ähnlicher Weise sich 
über die Formel geäussert hat: ».. nicht einfach sprachlich, sondern aus 
der Sache heraus ist die Bedeutung dieser Ausdrucksweise zu verstehen, 
wie denn auch die sprachlichen Parallelen aus der Profangräcität sachlich 
nur annähernd genügen«. Vergl. auch schon E. ßeuss, die Geschichte 
der h. Schriften N. T., 6. Aufl., Braunschweig 1887, S. 71: »Nicht zu 
übersehen ist, dass Paulus es hauptsächlich war, der der hellenistischen 



71 

2. F. Schleiermacher*) ist nicht der erste, der auf 
diesen bei aller Selbstverständlichkeit doch sehr wichtigen Ge- 
sichtspunkt aufmerksam gemacht hat^), aber er hat das Ver- 
dienst, ihn nach seiner Tragweite für die Hermeneutik des 
N. T. mit principieller Entschiedenheit betont zu haben. 
Alles , was in der Literatur der letzten 50 Jahre hierüber 
sich findet"), ist schliesslich auf seine Anregung zurückzu- 
führen. Dass wir es hier wirklich mit einem wissenschaftlich 
diskutierbaren Faktor zu thun haben und nicht etwa mit einer 
tendenziösen Aufbauschung von Einzelheiten, auch nicht mit 
einer »dogmatischen Theorie«, wie neuerdings E. Schürer*) 
gegen H. Crem er eingewendet hat, wird schon durch die 
Thatsache wahrscheinlich gemacht, dass die sprachbildende 
Tendenz der christlichen Gedanken nicht isoliert dasteht, son- 
dern durch analoge Erscheinungen auf anderen Gebieten des 
menschlichen Geisteslebens einen geschichtlichen Zusammenhang 

Sprache ihr besonderes christliches Gepräge aufgedrückt und dadurch 
die spätere Kirchensprache gebildet hat. Die Schwierigkeiten, mit denen 
er dabei zu ringen hatte bei der Armut des religiösen Sprachmaterials, 
lassen sich am leichtesten aus der Prägnanz der Bedeutung vieler ein- 
zelner Ausdrucke abnehmen, z. B £y . . . .«. 

1) Hermeneutik und Kritik, mit besonderer Beziehung auf das N. T., 
herausg. von F. Lücke, Berlin 1838, S. 64, 138 f. 

2) J. Nast, Historisch -Critische- Nachrichten von den sechs ersten 
teutschen Bibelausgaben, Stuttg. 1767, S. 94: »Die Religion adelt 
manche Redensarten, wenn sie gleich wider die Grammati cal-Regeln an- 
stossenc; J. G. Hamann, Kleeblatt hellenistischer Briefe (Schrr., her- 
ausg. von J.Roth, 2. Theil. Berlin 1821), S. 206: »Jede Denkungsart, die 
ein wenig Mode wird , . . . tingiert den Ausdruck unserer Begriife. Der 
Weg der Christen . . musste demnach gleichfalls eine neue Zunge . . er- 
halten«; J. H. A. Tittmann, de usu particularum in N. T. , fasc. II, 
Lipsiae 1831, p. 3: »Scio enim, multas in N. T. formulas reperiri, quae 
apud nullum scriptorem classicum reperiantur neque ex iis regulis, 
quibus hominum doctorum et exercitatorum sermo continetur, explicari 
possint«. Vergl. auch F. W. J. Thiersch , a. a. 0., p. 116 s. 

3) Vergl. z.B. A. Buttmann, a.a.O., S. VI; G. von Zezsch witz, 
Profangräcität und biblischer Sprachgeist, Leipzig 1859, S. 1 und 5; 
B. Rothe, zur Dogmatik, Gotha 1863, S. 238; H. Cremer, a. a. 0., 
S. III f.; E. Hatch, a. a. 0., p. 3. 

4) Theologische Literaturzeitung VIII, Leipzig 1883, Sp. 580. 



72 

gewinnt. Neuer Most sprengt die alten Schläuche; der Geist, 
welcher sich bewusst ist, etwas Originales geschaffen zu haben, 
ringt nach einer adäquaten Weise der Darstellung, und wo die 
alten Formen unzulänglich erscheinen , da schafft er neue. 
Wenn die Neuheit einer sprachlichen Form am leichtesten da 
erkannt wird, wo der Organismus der Sprache am empfind- 
lichsten ist, an den Partikeln, so ist das aus dem Wesen dieser 
»nervi« ^) leicht versländlich. Für unsere Specialfrage ist da- 
her die Analogie der platonischen und noch mehr der plotini- 
schen Prothesie von hohem Interesse, und ich darf daher noch- 
mals^) auf die Ausführungen von E. Seidel zu der letzteren 
hinweisen. Auch an die durch das ästhetische Interesse des 
Dichters bedingte Eigenart des pindarischen Präpositionen- 
gebrauches kann erinnert werden®). 

So hat auch das Neue im Gedankenkreise des Paulus, nach 
einer Form strebend, sich einer winzigen, unscheinbaren par- 
ticula orationis bedient. Paulus liebt übrigens auch sonst 
die formelhafte Ausdrucksweise und bedient sich zu ihrer 
Prägung gerne der Präpositionen*). 

3. Für die Originalität der paulinischen Formel möchte ich 
noch zwei Thatsachen geltend machen. Einmal den synopti- 
schen Sprachgebrauch. Auch hier wird, um ein Verhältnis 
des Menschen zu Jesus auszudrücken , sogar in Herrenworten, 
eine Präposition angewendet. Aber sie ist (Asra, nicht ev. 
Wenn von den Stellen Matth. 12,30; 17,3; 25,31; 26, 23, 38, 
40, 51, 69, 71; Marc. 3, 14; 5, 37, 40; 14, 18, 20, 67; Luc. 
12, 21, 28, 33, 59 wegen ihres nicht lehrhaften Charakters ab- 



1) Horatius Tursellinns, a. a. 0. 

2) Vergl. oben S. 26. 

3) Oben S. 18. H. Ziemer (Berl. Philol. Wochenschrift V [1885] 
Berlin 1886, Sp. 230) macht in anderem Zusammenhange eine ähnliche 
Beobachtung: »Bezüglich der Präpositionen will ich gern zugeben, da»8 
einzelne derselben . . . nicht notwendig durch das Sprachgefühl erzeugt 
sind, dass sie spontane Neubildungen involvieren können«. Tycho 
Mommsen (a. a. 0. I, S. 38) erklärt das Übergewicht gewisser Prä- 
positionen bei einzelnen Autoren ebenfalls als durch »Kunstausdrücke« 
hervorgerufen. 

4) Vergl. G. Heinrici, 2 Kor., S. 286. 



73 

gesehen werden kann, so bleiben doch die Worte Matth. 12, 30 
= Luc. 11, 23: 6 fiTJ wv fier ifiov xccfc" SfAov iCTiv und Luc. 
23, 43 : ar}ix€Qov fjbCT ißov sarj iv t«o nagadsiaw als ausreichende 
Vergleichungsobjekte übrig. Paulus gebraucht iistcc niemals 
zur Bezeichnung eines Verhältnisses zu Jesus Christus, die 
Synoptiker haben niemals das paulinische iv. 

Sodann aber spricht für die Originalität der Formel auch 
die Stellungnahme der griechisch redenden Exegeten 
der alten Kirche zu ihr. Mochten auch Jahrhunderte ver- 
flossen sein, seitdem der hellenische Sprachgenius der antiken 
Welt seine ganze Reinheit geoffenbart hatte, mochten auch seit 
seinem Auszuge zur Eroberung des Erdkreises Beutestücke aus 
allen unterjochten Ländern den Triumphzug des Siegers 
belasten , diese Männer hatten gewiss noch so viel griechisches 
Empfinden, wie die besten Kenner der Neuzeit, die sich 
doch immer nur hypothetisch in die Werkstatt des Griechen- 
tums versetzen können. Obwohl jene Exegeten sich nur selten 
auf Erklärung des syntaktischen Details einlassen, so hat doch — 
so viel ich aus der Oxforder Catene^) habe ersehen können — 
unsere Formel fast stets ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen, 
und man merkt, wie sie sich an dem iv gleichsam gestossen 
haben: sie ersetzen es fast immer durch ein did oder nagd 
oder xatd. Wozu bedurfte es einer Erklärung, wenn der Grieche 
die Verbindung iv Xqkst^ schon aus den Voraussetzungen 
seiner Sprache verstehen konnte? Wie man erklärte, ist Neben- 
sache; dass man erklärte, ist wesentlich; wir ahnen, dass auf 
den griechischen Leser das iv zunächst einen ebenso sonder- 
baren Eindruck machte, wie auf uns^) ein analog gebrauchtes 
»in«. 



• 1) Catenae Graecorum Patrum in Novum Testamentutu , ed. J. A. 
Gramer, 8 voll, Oxonii 1844. 

2) A. Twesten, am8. März 1811 (G.Heinrici, D., August Twesten, 
nach Tagebüchern und Briefen , Berlin 1889, S. 148) : »Was heisst das : 
in Gott leben? Ein hebraisierender Ausdruck, den zu meinem Ärger 
auch Fichte immer im Munde führt. Von gleicher Art ist das Aufgehen 
in Gott. Das sind hohle Worte, die kein Mensch verstehtt 
und vor denen gerade deswegen jeder Ehrfurcht hat, als läge recht etwas 
Hohes darinc. C. F. A. Fritzsche, Pauli ad Romanos epistula, 3 voll., 



74 

Dass der durch keine farbige Brille gehinderte Blick philo- 
logischer Grammatiker das iv des Paulus als etwas Eigen- 
tümliches erkannt hat, soll der hier vorgetragenen Ansicht nicht 
als Stütze dienen, ist aber als nachträgliche Bestätigung dankbar 
zu acceptieren. Der Thesaurus graecae linguae^) kon- 
statiert: »apud Christianos coniungitur [iv'] cum nominibus 
&€6g, xvQwg^ XQiavog^^ und TychoMommsen^) sagt: »eigent- 
lich neu ist nur die seltsame epistolarische Mittelgattung [des 
neutestamentlichen Stils], in der der Dativ aufs entschiedenste, 
durch das Ubermass und den Abusus [?] von iv^ in den Vorder- 
grund tritt«. 



VIII. Fruge IT: Was bedeutet die Formel 

iv Xqict^ ^Irjaov? 

A. Die methodischen Mängel nnd Vorzüge der seitherigen 

Erklärungen. 

Die seitherigen Erklärungen finden sich zerstreut in den 
Kommentaren bei den einzelnen Stellen. Sie alle aufzufuhren, 
kann nicht Aufgabe dieser Untersuchung sein. Nur die haupt- 
sächlichsten Gruppen sollen hier kurz charakterisiert werden 
und zwar in dem vornehmlichen Interesse, die methodischen 
Fehler und Vorzüge ans Licht zu stellen. Nicht ungerügt darf 
übrigens bleiben, dass einige auch neuere Kommentare die 
Formel sogar an wichtigen Stellen völlig ignorieren. Der 
Begründer der christlichen Theologie hat ein Anrecht darauf, 
dass man ein jedes seiner Worte, zumal seine Aussagen über 
Jesus Christus, mindestens beachtet. 

1. Die erste Hauptgruppe, deren Typus bereits in der 
patristischen Exegese vorhanden ist, steht unter dem Bann^ 

Hai. Sax. 1836, II, p. 85: »Male qui vel latine vel vemaoale libros 88. 
interpretetur eV xvqI(^ verbotenus vertat in domino, ia dem Herrn. 
.... Sane e Lutheri versione in dem Herrn sterben et similia recepta 
sunt, sed cum barbara [!] Lutheri translatio non eo valuerit, ut Ger- 
mani discipulos in raagistro esse animis suis informarint, eiusmodi . . .«. 

1) Vol. ni, Paris. 1835, col. 963. 

2) A. a. 0. I, S. 28. 



75 

des seil 6. Hermann und G. B. Win er von den theologi- 
schen Exegeten in der Theorie überwundenen Empirismus. 
Sie hat die Thatsache eines Problems überhaupt nicht gesehen, 
sondern ist mit einem Libertinismus zu Werke gegangen , der 
auch durch das zur Rechtfertigung nachher herbeigezogene 
gelehrte Schlagwort der Enallage praepositionum an Willkür 
nichts verlieren und an Wert nichts gewinnen konnte ^). Frühe 
hat sie sich in dem durch Joh. Piscator besorgten An- 
hange der StrafmichgottbibeP) ein Denkmal gesetzt. Dort 
heisst es: »Das wörtlin |In| gilt bisweilen so vil als jVon 
wegen« [so Rom. 16,12; 2 Cor. 13,4; Eph. 4,1; 6,1; Phil. 
1,13; lThess.4, 1; 2 Tim. 1,9 und 13; 2,1 und 10; Philm.23]. 
»Bisweilen gilt es so vil als jBey« [so Rom. 9, 1; 2 Gor. 12,2 
und 19; Eph. 4,17; 1 Tim. 2, 7j. »Bisweilen gilt es so vil als 
I Durch« [so Rom. 6,23; 1 Cor. 1,5; 2 Cor. 5,21; Eph. 1,3, 
4, 11, 12; 2,6; 4,32; 6, 10; Col. 1, 16, 17; 2,12]. »Bisweilen 
gilt es so vil als j V o n« [so 2 Cor. 2, 17 ; Col. 1, 28]. Nur Rom. 
8,1; 16,7; 2 Gor. 5,17 wird »in« als die Bedeutung der Prä- 
position €v anerkannt. 

Gegenüber einer solchen Erklärungsweise, welche noch heute 
ihre Vertreter hat, erheben sich folgende von ihr nicht zu be- 
antwortende Fragen: 

1) Welches ist der Kanon , nach dem der Ausleger jener 
164 paulinischen resp. 196 neutestamentlichen Stellen im ein- 
zelnen Falle zu entscheiden hat, welche der vielen z. T. logisch 
sehr weit auseinanderliegenden Bedeutungen denn »das wörtlin 
In« hat? 

2) Welcher Grund hat den Apostel Paulus, der die Prägnanz 
präpositionaler Fügungen doch sehr wohl kennt ^), an jenen 
164 durch ihren christologischen Inhalt so besonders wichti- 
gen und darum auch besondere Klarheit erfordernden Stellen 
veranlasst, statt der sonst von ihm gebrauchten unmiss- 



1) Vergl. G. B. Win er, Gr., S. 337. 

2) Anhang des Herbornischen Biblischen wercks, Herborn 1610, S. 700 f. 
Es sind oben mir die Stellen herausgegriffen, in denen die Formel vor- 
kommt. 

8) Vergl. oben S. 69. 



76 

verständlichen Präpositionen »wegenf, »bei«, »durch« und »von« 
das proteusartige »in« zu wählen? 

6. Hermann ') hat solchen Auslegern die Diagnose gestellt 
»moriluri«. 

2. Die zweite Hauptgruppe, repräsentiert vor allem durch 
J. F. Schleusner^), C. F. A. Fritzsche«) und Chr. A. 
Wahl*), bemüht sich trotz unleugbarer Abhängigkeit von den 
Empiristen, dem Sv gerecht zu werden, vergewaltigt aber den 
mit ihm verbundenen Dativ durch dogmatisch interessierte 
Umdeutung. »Specialim in N.T. dicitur sie ... \_xvgiog] per 
metonymiam religio christiana« bemerkt J. F. Schleusner ^) 
zu 1 Cor. 7, 22, 39 und 1 Thess. 3, 8. "Ev xvqC(^ heisst dem- 
gemäss »in der christlichen Religion«! G. F. A. Fritzsche*) 
macht dieselbe rationalistische Beobachtung, er vertauscht den 
persönlich konkreten Ausdruck des Apostels mit verschiedenen 
abgeblassten Abstracta , zu denen weder der Eontext noch die 
sonstigen paulinischen Aussagen ein Recht geben. So heisst 
iv xvQ((p z. B. Rom. 16, 12 und 1 Thess. 5, 12 »in causa 
domini, in religione christiana«, Eph. 4, 1 u. a. »in Christi 
castris«, 1 Cor. 15,58 und Phil. 1, 13 »in Christi ci vi täte«, 
Gal. 6,15 und Eph. 2, 10 »in domini familia«, Gal. 5, 10; 
2 Thess. 3,4; Phil. 1, 14; 2, 19, 24 bedeutet iv xvqCw gar 
»unter frommem Hinblick auf die Kraft des Herrn«, und 
Rom. 6, 11 heisst iv Xg. 7. »beneficio Christi^)«. Ausdrück- 
lich wird Luthers Übersetzung »in dem Herrn« als eine »barbara 
translatio« ^) bezeichnet. Chr. A. Wahl hat diese Aufstellungen 
zum Teil wörtlich acceptiert; bezeichnend für beide verdienst- 
volle Philologen ist noch die Vorliebe für die Erklärung des 
elvai iv XgKfTw als eines Sichbefindens »in schola Christi«. 

1) A. a. 0., p. 786. 

2) Novum lexicon Graeco-Latinum in N. T., 2 voll., ed. IV , Lipsiae 
1819, 1, p. 809 8., 1340 s., 11, p. 1380. 

3) A. a. 0. II, p. 82-85. 

4) Clavie N. T. philologica, ed. III, Lipsiae 1843, p. 164, 171, 173. 

5) A. a. 0. I, p. 1340. 

6) A. a. 0. II, p. 84. 

7) A. a. 0. I, p. 397. 

8) A. a. 0. II, p. 85. 



77 

Müssen nun auch solche Verflachungen der apostolischen 
Aussagen zurückgewiesen werden, so wäre es doch sehr ver- 
kehrt, den grossen methodischen Fortschritt zu verkennen, 
welcher diesen Männern zu verdanken ist. Ihr philologisch 
geschulles sprachliches Taktgefühl hatte Achtung vor dem 
Wortlaute; sie bemühten sich das Wörtchen er wirklich zu er- 
klären und sahen daher sehr richtig, dass es sich hier um die 
»intima alicuius cum aliquo coniunctio« ^) handele. Dazu hat 
namentlich G. F. A. Fritzsche klar erkannt, dass sich über 
die Bedeutung des iv a priori nichts ausmachen lasse und hat 
deshalb den Profangebrauch zu Hülfe genommen. 

3. Den richtigen Weg hat die dritte Hauptgruppe ein- 
geschlagen , welche , unter den Einwirkungen der Lebensarbeit 
von G. B. Winer stehend, die methodischen Fehler der empir- 
istischen und rationalistischen Exegese grundsätzlich zu vermeiden 
sucht. Ausser dem Klassiker der grammatischen Erforschung 
des N. T. selbst sind hier . besonders hervorzuheben W. A. van 
H enget ^), B. A. Lasonder®) und eine ganze Anzahl lebender 
Exegeten, welche ich nicht einzeln aufzählen will. Nach ihnen 
ist die Formel der eigentümlich paulinische, »solenne« Aus- 
druck für das Verhältnis des Christen zu dem Heilande: die 
Christen sind »in« Christus, welcher gedacht ist als ihrLebens- 
»Element«, als ihre Lebens-»Sphäre«. 

Der vorliegende zusammenfassende Versuch einer Erklärung 
der Formel will nur die Konsequenzen dieser Auffassung ziehen. 

B. Versuch einer richtigen Erklärung. 

1. Ist die oben gewonnene Erkenntnis, dass die Formel 
eine originale Schöpfung des Paulus ist, richtig, dann scheint 
sich mir daraus sofort ein wichtiger Gesichtspunkt für ihre 
Erklärung zu ergeben, die Notwendigkeit ihrer einheitlichen 



1) Chr. A. Wahl, a. a. 0., p. 170. 

2) Cotumentarius perpetuns in prioris Pauli ad Cor. ep. caput XV, 
Silvas Ducis 1851, p. 91; interpretatio ep. Pauli ad Rom., 2 voll., Silvae 
Dacis et Lips. 1855-59, II, p. 134 s., 594. 

3) A. a. 0. II, p. 35 s. 



78 

Auffassung. Überall, wo sie uns begegnet, muss sie als eben 
dieser paulinische terminus technicus erklärt werden. Das ist 
jedenfalls an allen Stellen das Zunächstliegende. Man hat also 
im einzelnen Falle nicht zu fragen : Haben wir hier ein Beispiel 
der paulinischen Formel ? — sondern es kann sich bei gewissen 
Stellen höchstens um die Frage handeln: Ist das er hier viel- 
leicht ausnahmsweise nicht das paulinische? Die Antwort 
darf nur dann eine bejahende sein, wenn ein Sinn durch die 
erste Annahme absolut ausgeschlossen wird. Dagegen darf 
ein auch zunächst fremdartig erscheinendes Resultat nichts 
präjudicieren. Unten ') habe ich die Stellen , bei welchen ein 
Zweifel entstehen könnte, einzeln geprüft und hoffe, dass da- 
durch das Princip der Einheitlichkeit der Erklärung gerecht- 
fertigt werden wird. Auf den »constans usus« der Formel 
bei Paulus hat bereits W. A. van He n gel 2) und auf eine 
ähnliche Konstanz eines analogen Gebrauches bei Pindar 
G. Bossler^) aufmerksam gemacht. 

2. Zur Feststellung der Bedeutung scheint es mir geboten 
zu sein, von denjenigen Stellen auszugehen, in denen das 
€v besonders auffallend ist, welche also das Charakter- 
istische der Formel am unmittelbarsten wiederspiegeln. Hier- 
her gehören namentlich auch alle diejenigen, in denen von 
dem Sichbefinden von Personen ev Xqict^ Irjtxov die Rede ist. 
Ich nenne folgende: 

1 Thess. 2, 14: ttSv exxXrjfXim' tov x^€ov tcov ovü65v er tfj 
"lovda((f iv Xq. 7., vergl. Gal. 1, 22, 

3, 8: idv vfisTg (XTrjx€T€ iv x., vergl. Phil. 4, 1, 

4, 1: naQaxaXovfiev iv x, 7., vergl 2 Thess. 3, 12. 
Gal. 3, 28: vfieig sig iatk iv Xq. 7., vergl. Rom. 12, 5; 

Eph. 2, 15. 

1 Gor. 3, 1: 0)^ vrjnloig iv Xq.j vergl. 4, 17 a , 



1) Cap. IX B. 

1) Ad Rom., I, p. 324. 

3) A. a. 0., p. 22: »declaratum videtur, omnibus eis locis, in quiboR 
praepositioDi iy vis iDstrumentalis vel huic similis tribui solet, Pindarum 
certam legem in usu praepositionis secutum esse atque alitei^ ac nos 
ratioDem localem iDstrumeotali rationi piaetulissec. 



79 

1 Cor. 4,15: Sdv ydQ^fAvgfotfg naidaywyovc ^xt^ts iv Xg.^ 

4, 17b: dvafjiinjaei'Tdg odovg fiov rdg sv Xq» 7., 

9, 1 : ov t6 igyov fiov vfieTg iath iv xvgitp^ vgl. 9, 2 , 

15, 58: 6 xoTtog üfidov ot'x €(rTiv x£%*6g iv x. , 

16, 19: dand^BTat vfxäg iv x. noXXd ^A, xat 11. 

2 Gor. % 12: xal x^vgag fjioi dveqjyfis'vrjg iv x. , 

2, 17: xatävavTi x^sov iv Xg, hxXovfuv^ vorgl. 12, 19, 

5, 17: Bi Tig iv Xg.^ xmvi] xrCaig , 
12, 2: oJda avx^gwnov iv Xg. 

Rom. 8, 1: ovökv äga vvv xardxgifia votg iv Xg. 7., 

16, 3 — 22: die Appositionen zu den Personennamen. 
Col. 1, 28: ndvTu ävd^gtonov räXeiov iv Xg., 

2, 6: iv avTw neginaTeTre, 

4, 7: avvdovXog iv xvgitp, 

4, 17: TTJv iiaxoviav fjv uagiXaßeg iv x. 
Eph. 6, 21 : niardg didxovog iv xvgito. 
Phil. 1, 14: Tcov ddsXipwv iv x., 

4, 21: TvdvTa ayiov iv Xg. 7., vergl. 1, 1. 
Philm. 23: (fvvaixfJidXwTog fiov iv Xg. 7. 

Der Totaleindruck dieser Stellen bestätigt die These von 
dem eigentümlich paulinischen Charakter der Formel: für 
solche Fügungen fehlt es in der vorpaulinischen Literatur 
durchaus an Analogieen. 

3. Nun wird die Formel aber doch in irgend einer Weise 
von dem Gebrauche der Profanschriftsteller aus verstanden 
werden müssen. Es ist zu fragen: Wie musste ein 
griechisch redender Leser dieses iv auffassen? 

Die Resultate der Untersuchung des Profangebrauches be- 
rechtigen, sogleich eine Reihe positiver und negativer Allgemein- 
bestimmungen zu treffen: 

a) 1) In irgend einem Sinne muss das iv lokal ge- 
meint sein und aufgefasst werden. 

2) Der mit A' verbundene Personenname muss eine 
lebende Person bezeichnen. 

b) Grundsätzlich abzuweisen sind in jedem Falle fol- 
gende Erklärungen: 



80 

1) 'El' vertritt Sid oder eine andere Präposition. 

2) Der Dativ der Formel biedeutet den »historischen« 
Christus oder das »Werk« Christi. 

Die letztere Behauptung wäre nur die Wiederspiegelung 
einer modernen dogmatischen Reflexion. Wenn Paulus jene 
Gedanken durch die Formel hätte ausdrücken wollen, wurden 
seine Leser ihn nicht haben verstehen können. 

Aber von einem »historischen« Christus, im Sinne dieses 
heute so beliebten Wortes, ist bei Paulus nichts zu finden. Was 
wir jetzt »geschichtliche Erscheinung Jesu Christi« nennen, 
kennt er natürlich zwar auch, aber Christus ist für ihn zu- 
nächst ein in der Gegenwart lebendes Wesen; der »erhöhte« 
Christus ist der Mittelpunkt seiner christlichen Gedanken. Dieser 
Christus ist ihm freilich derselbe, der nach einem armen Leben 
den Kreuzestod erlitten hat und auferweckt worden ist, aber 
dieser auferweckte und erhöhte Christus ist ihm eine geschicht- 
liche Grösse im eminenten Sinne. Wenn wir heute von dem 
»geschichtlichen« und dem »erhöhten« Christus reden, so thun 
wir es aufgrund der modernen Auffassung von dem Wesen der 
historischen Wissenschaft, für welche es selbstverständlich ist, 
dass nur das durch Geburt und Tod natürlich begrenzte Leben 
eines Menschen als historische Grösse aufgefasst werden kann. 
Dem antiken Menschen dagegen ist Historie alles, was im 
Himmel und auf Erden und unter der Erden, was in Zeit und 
Ewigkeit bei Göttern, Heroen und Mensclien vorgeht. Der 
antike Mensch gleicht hier den kämpfenden Giganten, welche 
€ig yfjv i^ ovgavov xal %ov doQaiov navra SXxovtfi^ ratg ;c€^o'iv 
drsx'^fS? TtsTQaq xal dgvg nsQiXafißdvovzsg '). Die Männer des 
Neuen Testamentes machen keine Ausnahme. Das iv dQxf) ^^' 
ö Xöyog ist ebensogut als historische Aussage gemeint, wie das 
xal Tfi T^fiBQoc tfj TQiTTj yd(.kog iyävsTo iv Kava rrjg FaXtkaiag, 
Je enger die Grenzen der Welt, desto weiter die Grenzen der 
Historie. Seitdem die Schranke der geocentrischen Weltan- 
schauung gefallen ist, hat die Geschichtswissenschaft sich 
Schranken gesetzt, die sie allerdings erst recht frei gemacht 



1) Plat. Soph. 246 A. 



81 

haben. Bei dem Apostel Paulus zumal, dieser von den religiös- 
ethischen Interessen so völlig bestimmten Natur, ein Bewusst- 
sein des modernden Geschichtsbegriffes zu suchen, ist ein 
grober Anachronismus. Er dachte drexrcog; er war sich, wenn 
er von dem erhöhten Christus redete, nicht bewusst: jetzt 
habe ich den Boden der Geschichte verlassen und mich in ein 
anderes »Gebiet« begeben — im Gegenteile, was ihn gross ge- 
macht hat, die einheitliche Energie seines Ghristusglaubens, 
wurzelte darin , dass er von der geschichtlichen Realität des 
auferstandenen, lebendigen Christus so unerschütterlich über- 
zeugt war, wie von der geschichtlichen Thatsache, dass Jesus 
am Kreuze gestorben ist, oder dass er selbst eine Christus- 
erscheinung gehabt hat. 

In ähnlicher Weise reden wir von dem »Werke« Christi 
und haben dabei ganz bestimmte dogmatische Vorstellungen, 
die dem Apostel Paulus fremd sind. Sein religiös-ethisches 
Bewusstsein, central beherrscht durch den lebendigen Christus, 
hatte nicht nötig, sich an den Kategorieen »Werk« und »Per- 
son« Christi zu orientieren, welche die Einteilung der christo- 
logischen Gedanken doch nur durch eine Teilung ihrer Einheit 
zustande bringen. 

4. Nur folgende Erklärung also scheint mir die wahre 
Meinung des Paulus zu treffen: die Formel charakterisiert das 
Verhältnis des Christen zu dem lebendigen Christus als ein 
lokales') und ist daher zu übersetzen »in Christus«. Das 
ungewöhnliche »er« ist nur durch ein ungewöhnliches »in« 
korrekt wiederzugeben. Christus ist das Element, innerhalb 
dessen der Christ lebt und alle Äusserungen des eigentümlich 



1) Selbst wenn man über den Sprachgebrauch sonst nichts wüsste, 
würden Stellen wie 1 Thess. 2, 14; Phil. 1, l; Eph. 3, 21; Philin. 16 die 
lokale Erklärung als eine notwendige fordern. Dort ist das iv der 
Formel stets einem zweiten, unzweifelhaft lokal aufzufassenden, eV 
pamllel. Welche Bedeutung dieser lokale Gedanke in der paulinischen 
Christologie überhaupt hat, geht auch aus den ebenfalls lokalen Formeln 
elg Xqigxov (z. B. TiKneveiv^ ßantiCsty* vergl. J. Haussleiter, der 
Glaube Jesu Christi, Erlangen und Leipzig, 1891, S. 57f.) und dno Xqioxov 
hervor. 

6 



christlichen Lebens zur Erscheinung kommen. Die Formel ist 
der technische Ausdruck für den paulinischen Centralgedanken 
der xoivwvta mit Christus. Sie daher durch die Umschreibung 
»in der Gemeinschaft mit Christus« wiederzugeben, 
ist sachlich unbedenklich, kann aber leicht zu einer Verkennung 
der nuanciert konkreten Redeweise des Apostels führen und ist 
daher besser zu vermeiden. Bloss um den Gedanken »in der 
Gemeinschaft mit Christus« auszudrücken, dazu hätte auch eine 
andere Präposition ^) genügt oder überhaupt ein anderer Aus- 
druck. Man sieht aus dieser Umschreibung nicht, wodurch sich 
der paulinische Gedanke des ev Xqkst^ elvai von jeder etwaigen 
Analogie unterscheidet Solche eigenartig neue Fügungen 
können in einer anderen Sprache nur durch eine möglichst 
peinliche Übersetzung korrekt wiedergegeben werden. 

Freilich ist auch die deutsche Übersetzung »in Christus« 
nicht über jedes Missverständnis erhaben. Es gibt einen Ge- 
brauch der Präposition »in« im Deutschen, der zwar auch von 
der lokalen Grundbedeutung des »in« aus zu verstehen ist^), 
dieselbe in unserem Bewusstsein aber doch ganz verloren hat; 
ich meine den Gebrauch in Sätzen, wie diesem: »Ein Verleger 
hat sich bereits in dem Buchhändler Cotta von Tübingen ge- 
funden« •). Über das Alter dieses Gebrauches habe ich nichts 
weiter ermitteln können, als dass er sich schon bei Hagedorn 
findet. M. Heyne*) führt als weiteren Beleg dafür auch die 
Formel »Brüder im Herrn« an, welche aber natürlich doch 
nur durch wörtliche Übersetzung der paulinischen Formel in 
die deutsche Sprache eingedrungen ist. Ausdrücklich muss 
betont werden, dass das »in« der Übersetzung »in Christus« 
unter keiner Bedingung verwechselt werden darf 
mit dem »in« des Citates aus Schiller **). 



1) Etwa das synoptische ^cra, vgl. oben S. 72 f. 

2) M. Heyne, Deatscbes Wörterbuch von J. Grimm und W. 
Grimm, IV, 2, Leipzig 1877, Sp. 2089. 

3) Schiller an Goethe, 1, 3, bei M. Heyne, a. a. 0., Sp. 2091. 

4) Ebenda. 

5) Der grosse Unterschied dieser beiden >inc und speciell die Un- 
möglichkeit eines iv^ welches dem »in« des Schillercitates entspricht, wird 



83 

Dieser Gefahr sind viele Erklärer erlegen; sie ist um so 
grösser, als wir in unserer religiösen Sprache, also wo wir 
nicht die paulinische Formel citieren, das »in« des Schiller- 
citates sehr häufig mit »Christus« verbinden, z. B. in solchen 
Sätzen: »In Christo sehen wir den Erlöser der Welt«; »in 
Christo haben wir das Heil«; »in Christo verehrt man den 
Stifter der christlichen Kirche« u. s. w. Aber unser vulgärer 
. Sprachgebrauch verwendet — sehr zum Schaden der Deutlich- 
keit und zum Vorteile des religiösen Phrasentums — die Prä- 
position »in« vor »Christus« noch in anderen Bedeutungen. 
Instruktiv für die Verwirrung ist hier der Sprachgebrauch des 
Artikels »Versuch einer neuen Formulierung des alten evan- 
gelisch-reformatorischen Heilsglaubens« von A. K. ^). In den 
paar Spalten desselben finden sich nicht weniger als 9 Fälle, 
in welchen dem Leser zugemutet wird, sich unter dem Aus- 
drucke »in Christo« oder »in Jesu« etwas zu denken; so viel 
ich sehe, wird er in mindestens 4 Bedeutungen gebraucht, 
nämlich für »in der geschichtlichen Erscheinung Christi«^) und 
»durch Christus«^), sodann in dem populär -psychologischen 
Sinne *) und endlich im Sinne der paulinischen Formel ^). Wir 

dann besonders klar, wenn man einen ähnlichen Satz wörtlich ins 
Giiechische übersetzen wollte, z. B. : iv nXdxtavi oq^^ev tbv ^iyictov 
q>tX6aog)ov ! ! 

1) »Die christliche Weite, Leipzig 1892, Nr. 12. Die kurze Zusammen- 
fassung rührt allerdings nicht von A. E. [A. Röster?] selbst her. 

2) »Das Fehlen der Vollkommenheit, die in Christo offenbar ge- 
worden istc (Sp. 258); »weil das Heil in Jesu eine geschichtliche 
Realität wäre (Sp. 258); »solche göttliche Liebe tritt uns in Christo 
entgegen« (Sp. 259); »da ja in ihm [Christus] die tiefsten .. Gedanken 
Gottes offenbar geworden sind« (Sp. 260). 

B) » . . . da die wahre Herrlichkeit und die ganz eigenartige Eigen- 
tümlichkeit des christlichen Heils nur in dem irdischen Christus 
zum Stand und Wesen gebracht werden konnte« (Sp. 258); »bis es [das 
Heil] in seiner Vollendung und Vollkommenheit in Christo kommt« 
(Sp. 259) ; »es [das Heil] ist da, weil es uns von Gott in Jesu angeboten 
wird« (Sp. 260). 

4) »Die Zustimmung zur orthodoxen Lehre über die zwei Naturen 
in Christo« (Sp. 262). 

5) »Die Freude an der Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern 
in Christo« (Sp. 257). 

6* 



84 

sehen : wird heute der Ausdruck »in Christo« angewendet, ohne 
dass er sofort erklärt wird , so ist er so gut wie nichtssagend, 
weil er alles sagen kann. Mit diesem Chamäleon darf die ein- 
fache Formel des Apostels nicht verwechselt werden. Das pauli- 
nische ev wird im Deutschen vielleicht dann am , richtigsten 
reproduciert , wenn man zu »Christus« den Artikel hinzusetzt: 
»in dem Christus«. Am unmissverständlichsten wäre die Über- 
setzung: »innerhalb des Christus«. 

5. Nun ergibt eine genauere Erwägung, dass das bis jetzt 
gewonnene Resultat nicht den Charakter eines abschliessenden 
haben kann; es fehlt sozusagen die Hauptsache. Nach ihrer 
formalen Seite ist die Formel erklärt, wie ist sie aber sachlich 
zu verstehen? Ist die Vorstellung des €ivai iv Xqkst^ im 
eigentlichen oder im uneigentlichen Sinne zu ver- 
stehen? Hat Paulus die Vorstellung gehabt, dass die Christen 
wirklich irgendwie »in« dem Element »Christus« leben, etwa 
so, wie sie als animalische Lebewesen »in« der Luft leben, 
oder wie die Fische »in« dem Wasser, die Wurzeln der Pflanze 
»in« der Erde sind? Oder hat er das lokale iv nur im Interesse 
einer möglichst wirksamen Verdeutlichung gewählt, so dass die 
Formel nichts weiter als ein bewusstes rhetorisches Hülfsmittel *) 
zur Darstellung des Gedankens der Gemeinschaft mit Christus ist? 

Zur Beantwortung dieses Problems ist es notwendig, zu 
der anderen Frage Stellung zu nehmen , wie Paulus sich die 
Existenzweise des lebendigen Christus und besonders 
dessen Verhältnis zum nvevfia gedacht hat. Vielleicht 
wird sich dann die Eigenart des iv aus der Eigenart der mit 
iv verbundenen Person erklären. 

6. !£& scheint wir unzweifelhaft zu sein, dass Paulus sich 
die Existenzweise des erhöhten Christus als eine pneumatische 
vorgestellt hat. Der Herr ist der Geist*) und zwar nvsvfia 



1) W. Grimm, loxicon Graeco- Latinum etc., p. 146, entscheidet 
sich durch seine Erklärung »Christo quasi insertus« kurzerhand für 
diese letzte Möglichkeit. Freilich ist es mir fraglich, ob er sich diese 
Alternative überhaupt gestellt hat. 

2) 2 Cor. 3, 17. 



85 

^cooTvoiovv^); wer mit dem Herrn zusammenhängt, ist deshalb 
^V nvsvfjia^y Das sind geradezu Identifikationen'), welche, 
auch ohne dass das Verhältnis beider Vorstellungskreise zu ein- 
ander untersucht ist, den Hinweis auf die Formel iv nvet- 
/xocTt. notwendig machen. H. Gunkel*) hat daher richtig er- 
kannt, dass dieselbe zur Erklärung unserer Formel herangezogen 
werden müss. Zum Erweise der nahen Verwandtschaft speciell 
der beiden Formeln, wie allgemein der beiden Gedankenkreise, 
mache ich auf folgende Thatsachen aufmerksam: 

a) Die Formel ev nvsvfxaTi kommt bei Paulus nur 19- 
mal vor. In 15 dieser Fälle ist sie mit denselben specifisch 
pauünischen Grundbegriffen verbunden, wie sonst die Formel 
iv XQifftip. Man beachte folgende Parallelen: 

niatig: Gal. 3, 26 (vergl Gal 5, 6; Eph. 1, 15; 3, 12; 
Gol. 1,4; 1 Tim. 3,13; 2 Tim. 3,15): did Ttjg nCaremg r^s iv 
Xq, 7., vergl. 1 Cor. 12,9: mang iv t^ avrip nvetifiaziy 

dixaioavvr}\ 2 Cor. 5, 21 : Vva rjfietg ysvdfxeÖ'a dixaioarntj 
x^sov iv avT^ (JC^., vergl. auch Phil. 3,9), vergl. Rom. 14,17: 
dXXd dixaioarnfj xal eiQrjvr] xal x«^« iv nv^Vfian äylta^ 

dixaiovad-aii Gal. 2, 17: ^rjTovvrsg dixai(o^fjvai iv Xq., 
vergl. 1 Cor. 6, 11: idixamx^rjTs , , , . iv Tip nvevfiaTi tov x^sov 

TjflCSVy 

eivai im prägnanten Sinne: 1 Cor. 1,30: vfjieig iaik iv 
Xq, 7. (vergl. auch 2 Cor. 5, 17; Rom. 8, 1; 16, 11), vergl. 
Rom. 8,9: viistg dk ovx iat^ iv aaQxl alXd iv nvsvfiaTi; 

(fTijxetv: Phil. 4, 1 (vergl. 1 Thess. 3, 8): (Ttijx^ts iv 
xvQi(p, vergl. Phil. 1,27: arrjxeTs iv ivl nvsvfiani^ 

XccCqsiv und x«^«: Phil. 3, 1 (vergl. 4,4 und 10): xaiQ^xe 
iv xvQifpy vergl. Rom. 14, 17 : x^Q^ *^ ^'^'- ^* > 

\xccQMffia: Rom. 6, 23: t6 da x^Q^^l^^ ^^'^ ^*®^ ^^^l 
aldvtog iv Xq. t^ xvqiw rjfxm' (für diese Verbindung spricht 



1) 1 Cor. 15, 45. 

2) 1 Cor. 6, 17. 

3) Vergl. besonders Rom. 8, 9 ff. und H. Usener, a. a. 0., S. 156. 

4) Die Wirkungen des h. Geistes etc., Göttingen 1888, S. 100. Auch 
0. Pfl ei derer, der Paulinismus, 2. Aufl., Leipzig 1890, S. 166, deutet 
die Verwandtschaft beider B'oraieln wenigstens an. 



86 

Eph. 4, 32: 6 ^edg iv Xqktt^ ixccQitfaro vfiTv), vergl. 1 Cor. 
12,9: %aQi(Siitti:a lafJUxtoDV iv t^ ivl nvev fiUTi ^^ 

dyccTirj: Rom. 8,39: x^gCaai and rrjg aydnrjg rov x^eov 
rf}g iv Xg. 7. t^ xvQtqj rjiiöiv (vergl. auch GaU 5, 6 ; 1 Cor. 
16,24; ITim. 1,14 und 2 Tim. 1,13), vergl Col. 1,8: driliiaag 
rllxiv Tjjv viiwv dydnrjv iv nvevficetij 

sIqtjvt]: Phil. 4, 7: ij siqtjvij tov &€ov ... q>Q0VQT^asi .... 
iv Xg/I.y vergl. Rom. 14,17: elgrjvrj xal x^gd iv 7iV€Vf.iari dyi(p, 

i)yiaa fiävog: 1 Cor. 1, 2: rjyiaafisvotg iv Xg, 7., vergl. 
Rom. 15, 16 (vergl. auch 1 Cor. 6, 11) : rjyiaafisvt] iv TivevfxaTi dyi(py 

(fg)gayi^€(f^ai: Eph. 1,13: ivip\_Xg.^ xal TtitrTevaavreg 
iatpgayiaxhjTs (vergl auch 1 Cor. 9, 2), vergl Eph. 4, 80: rd 
TivevfAa TÖ ayiov tov &€OVj iv w iatpgceyitr&rjrey 

negiTifjiveax^aiund nsgiTofxij im übertragenen Sinne: 
Col. 2, 1 1 : iv (p \^Xg,'\ xal negier fitjx^tjte negfTOflij dx^tgonottjvtpy 
vergl Rom. 2,29: negiTOfirj xagdCag iv nvsvfAariy 

(lagTvgeax^ai und üVfAfiagTvgeiv: Eph. 4, 17: fiag- 
Tvgofjiai iv xvgita , vergl Rom. 9, 1 : (XVfAfiagrvgovfXrjg fioi Tvjg 
avv€idrj(SB<6g fiov iv nvevfiaTi dyiip^ 

XakeTv: 2 Cor. 2,17: iv Xg, XaXovfiev (vergl. auch 2 Cor. 
12,19; Rom. 8,15; 9,1), vergl. 1 Cor. 12, 3: ovöelg iv nvev- 
fiari -d'Bov XaXcSv, 

nXrjgov(f&ai: Col. 2, 10: xal iath iv avTm nenXtjgco- 
fiävoiy vergl. Eph. 5,18: nXrjgovtr^e iv nvevficevi, 

l^v (fdSfia: Rom. 12,5: ot noXXol h* (foofid iagiev iv Xg., 
vergl. 1 Cor. 12, 13: iv ivl nvetSfiari rjfietg ndvreg slg ev üfofia 
ißamiiSxhjiiev , 

vadg ayiog iv xvgi(p Eph. 2, 21, vergl xazoixrjtijgiov 
TOV x^sov hv nvevfiaTi Eph. 2, 22. 

Auch negmaTeiv sei noch erwähnt, wenn auch in der 
Parallele zu Col. 2,6: iv avr^ [^Q*^ negmaTehs das iv fehlt: 
Gal 5,16: nvevfiaTi negmaTciTe, 

b) Der xoivmvCa tov vtov tov x^eov (l Cor. 1, 9) ent- 
spricht die xoivoDvia tov dyCov nvevfiaTog (2 Cor. 13, 13 und 
Phil 2, 1). 

c) Der Vorstellung von dem elvai iv XgitfTw resp. iv 
nvevfiuTi entspricht die doppelte Komplementvorstellung: 



87 

Christus ist in den Christen, ebenso der Geist (Gal. 2, 20; 
2 Cor. 13, 5 und Rom. 8, 10, vergl. Rom. 8, 9; 1 Cor. 3, 16 
und 6, 16). 

d) Beide Formeln haben den gemeinsamen Gegensatz h* 
aaQxi (Phil. 3, 3; vergl. auch Philm. 16 und Rom. 8, 9). 

e) Beide Formeln stehen unmittelbar nebeneinander ohne 
erkennbaren Unterschied der Bedeutung Rom. 9, 1 und Eph. 2, 22. 

Aufgrund dieser Analogieen kann ich der Beobachtung 
von H. GunkeP): »Alle Arten der Wirkungen des nrevfm 
erscheinen an anderen Stellen als Wirkungen Christi selbst« 
völlig zustimmen und glaube ein Recht zu dem erklärenden 
Hinweise auf die Formel iv nvsvfuxri. zu haben. 

7. Bevor ich nun die abschliessenden Folgerungen ziehe, 
möge noch darauf geachtet werden , dass durch die letzte Er- 
kenntnis die früheren Aufstellungen durchaus bestätigt werden. 
Ich glaubte die Meinung, als vertrete das h' unserer Formel 
eine andere Präposition, mit besonderem Kachdrucke zurück- 
weisen zu müssen. In der Formel sv nvevfxccTi fallt es schwer- 
lich einem Exegeten ein, das iv mit »durch« oder »um — 
willen« u. s. w. zu übersetzen; hier ist es ganz selbstverständ- 
lich, dass Paulus eine nur durch »in« richtig wiederzugebende 
lokale Beziehung hat ausdrücken wollen. Eine wichtige Einzel- 
folgerung ergibt sich hieraus für die Konstruktion des Wortes 
nitmg. Wenn nitST^ iv Xqkttm »Glaube an Christus« be- 
deutete, dann müsste niattg iv z^ ccvt^ nY€V(AaTi{\Gov. 12,9) 
»Glaube an denselben Geist« bedeuten, und das wird wohl 
niemand im Ernste behaupten. Umgekehrt, wenn marig iv tcJ 
avt^ nvsvimri »Glaube in demselben Geiste« bedeutet, dann 
ist absolut kein Grund ausfindig zu machen, weshalb niaxig 
iv Xqkst^ nicht auch »Glaube^) in Christus« heissen soll. 
Auch die Unmöglichkeit, in dem XgKft^ der Formel den 
»historischen« Christus oder das »Werk« Christi zu sehen, 
scheint mir aufs neue bestätigt zu werden, wenn man einmal 
versucht, die Parallelformel iv nvevfiaTt in ähnlicher Weise zu 
verstehen. 



1) A. a. 0., 8. 97 ff. 

2) Nämlich >an Gottc. 



88 

8. Durch den Hinweis auf die Gleichung XQia%6g = nvsvfia 
und auf die nahe Verwandtschaft der Formeln iv XgtatiS und 
€v Trvevfiati gewinnt unser Problem ein ganz anderes Aussehen. 
Zunächt ist klar, dass die Verbindung des iv mit einem singul- 
arischen Personennamen, die uns zunächst so fremdartig vor- 
kam, in diesem Gedankenzusammenhange nicht mehr auffallend 
oder unverständlich sein kann. »Ine Abraham ^) oder »in« 
Mose oder »in« Plato^) kann man allerdings nicht sein, weder 
zu ihren Lebzeiten, noch nach ihrem Tode, auch »in« dem 
synoptischen Jesus ^) kann man nicht sein, wohl aber »in« dem 
pneumatischen lebendigen Christus des Paulus. Die Eigenart 
der Sache bedingt und erklärt die Eigenart der Form. 

Sodann scheint mir in der zuletzt als Problem aufgestellten 
Alternative : »Ist die lokale Beziehung des Christen zu Christus 
eigentlich oder uneigentlich zu verstehen?« der Schwerpunkt jetzt 
nach einer anderen Seite hin verrückt zu sein und zwar zugunsten 
der Lösbarkeit der Frage. Es stellt sich nämlich jetzt die Notwend- 
igkeit heraus, so zu fragen : »Beruht das lokale ev der Formel auf 
einer materiellen oder auf einer immateriellen Vorstellung 
vom Pneumachristus ?« Wenn man durch diese neue Frage- 
stellung scheinbar*) zwar auch genötigt wird, zu dem uni- 



1) Die evXoyia tov ^Aßqadfi geschieht cV Xq, 7". (Gal. 3, 14); aber 
avv TM niatm ^Aßqaa^ evXoyovvtai oi ix nLoTstag (Gal. 3, 9). 

2) Seltsamer Weise haben mich verschiedene befreundete Theologen 
unabhängig von einander auf die Analogie einer Formel iv TlXattovi 
aufmerksam gemacht, die ich aber thatsächlich nicht ein einziges Mal 
in der griechischen Literatur habe ausfindig machen können. Wober 
diese verkehrte Meinung wohl stammt? Ob eine Verwechslung mit 
ol tt^g)i nXdzcDi/a oder ol äno nXdt<oyog vorliegt? 

3) In diesem Zusammenhange gewinnt m. E. die Thatsache, dass 
mit dem synopt. »Jesus« nur ein fÄstd verbunden wird (vergl. oben 
S. 72 f.), ihre volle Bedeutung. Dem entspricht, dass auch die Eomple- 
mentvorstellung des elyai iv X^iartOj das X^iatov elvai ev tiviy sich 
bei den Synoptikern nicht findet, sondern nur ein elvai iv fxiat^ einer 
Mehrheit (Matth. 18, 20). Man beachte weiter, dass iv 'Iriaov von 
dem Bildner der Formel iv X^iazo) niemals gebraucht wird, sondern 
höchstens iv xv^ito ^hiaov (1 Tbess. 4, 1; Rom. 14, 14; Phil. 2, 19; cf. 
Eph. 1, 15), während iv 'Trjffov erst im Epheserbriefe auftaucht (4, 21). 

4) Vergl. unten S. 90. 



89 

striltenen Problem der Stofflichkeit des nvsvfia bei Paulus 
Stellung zu nehmen, so hat man doch den grossen Vorteil, dass 
man nicht sogleich mit Begriffen zu operieren braucht, welche 
selbst Probleme sind und im populär - theologischen Sprach- 
gebrauche schon vorher in einer so engen Beziehung zu dem 
Begriffe »Geist« stehen, dass »geistig« und »uneigentlich« 
sogar als Synonyma verwendet werden. Von den Begriffen 
»materiell« und »immateriell« wird man ein Gleiches nicht be- 
haupten können. Wir dürfen zwar nicht vergessen, dass auch 
sie an und für sich philosophische Problemausdrücke sind, aber 
in unserem Falle scheint doch eine Übereinstimmung der Forscher 
insoweit vorhanden zu sein, dass gefragt wird: »Hat Paulus 
sich das nvevfia als Stoffe) (natürlich als himmlischen, über- 
sinnlichen) vorgestellt oder nicht?« 

9. Die Antworten freilich lauten entgegengesetzt. Während 
z. B. H. H. Wendt die Vorstellung von der Stofflichkeit des 
nvevfia wie in A. TJ) so auch bei Paulus®) iij Abrede stellt, 
haben andere Exegeten das Gegenteil behauptet. Ich halte es 
nicht für die Aufgabe dieser Untersuchung, in die Einzel- 
besprechung dieser Sache einzutreten, daher nur wenige Be- 
merkungen , welche meine Stellung in Kürze präcisieren. 

Zunächst muss ich mich mit Entschiedenheit zu der Methode 
von J. Gloel*) und H. Gunkel bekennen, die in ihren Mono- 
graphieen die Frage nach der Stofflichkeit des nvevfia nicht 
zum Ausgangspunkte, sondern zum Ziele ihrer Darstellung der 
paulinischen Geisteslehre genommen haben. Sodann halte auch 
ich die Berücksichtigung der als vorpaulinisch nachweisbaren 
Vorstellungen des Judentums und der antiken Popularphilosophie 



1) 0. Pf leiderer, a.a.O., S. 207 f., nennt »Stoff« zwar irreführend 
und zieht »Substanz« vor. Aber diese Unterscheidung erledigt sich wohl 
durch die methodisch sehr wichtige Bemerkung Pfleiderers selbst : »Frei- 
lich hat das Altertum einen so bestimmten Unterschied noch nicht ge- 
macht.« Nach antiken Eategorieen, nicht nach modernen, müssen doch 
wohl die Gedanken des Apostels zunächst reproduciert werden. 

2) Die Begriffe Fleisch und Geist, Gotha 1878, S. 34. 

3) Ebenda, S. 140 ff. 

4) Der Heilige Geist in der Heilsverkündigung des Paulus, Halle 1888. 



90 

für die Vorbedingung zum Verständnisse des Paulinismus, ohne 
damit schon ein Urteil abgeben zu wollen über die Abhängig- 
keit des Paulus von einer der genannten Richtungen oder von 
beiden. Endlich glaube ich, dass der Stand der Quellen in der 
Frage nach der Stofflichkeit des paulinischen nvevfAa uns dann 
ein non liquet abnötigt, wenn man die Aussagen über den 
Geist isoliert: sie müssen im Zusammenhange der Aussagen 
über den pneumatischen Christus betrachtet werden. Diesen Zu- 
sammenhang finde ich am richtigsten erkannt von H. GunkeH) : 
»Die Ghristuslehre ist der eigentümlich -paulinische Ausdruck 
dessen, was der Apostel in der Lehre von dem nvevfia mit 
Anlehnung an die Anschauungen der Gemeinde behauptet«. 
Die Pneumalehre des Judentums und der judenchristlichen ür- 
gemeinde hat Paulus in die »Lehre« von dem pneumatischen 
Christus umgeprägt^); das specifisch pauünische, über den Um- 
fang der Zeitvorstellungen hinausragende Bewusstsein vom 
7tv€vf.ia ist eben der Gedanke des d-xvQiog'To-nvsvfia. Die von 
Paulus vorgefundene Pneumalehre und die von ihm geschafifene 
sind zwei koncentrische Kreise. Die Frage nach der Stoflflich- 
keit des paulinischen Tivsvfia fallt daher mit der zuvor auf- 
gestellten nach der Stoflflichkeit des pneumatischen Christus 
zusammen und brauchte strenggenommen in unserer Unter- 
suchung gar nicht aufgeworfen zu werden; jedenfalls ist ihre 
Beantwortung nicht die Vorbedingung für die Lösung der 
zweiten Frage, sondern es findet das umgekehrte Verhältnis statt. 
Den pneumatischen Christus aber hat sich Paulus sicher®) 
in irgend einer Stofiflichkeit vorgestellt: das »Geistsein .. des 
erhöhten Christus schliesst den Besitz eines entsprechenden, aus 



1) A. a. 0., S. 100. 

2) Vergl. auch P. W. Schmiede!, Handcommentar z. N. T., II, 1, 
Freiburg i. B. 1891, S. 192: »Die IdeDÜfikatio^ Christi mit dem h. Geiste 
... ist . . der tiefste und psychologisch wahrste Ausdruck der paulinischen 
Christologie«. 

3) So sicher mir das Dass zu sein scheint, so schwierig ist es, über 
das Wie bestimmte Angaben zu machen. Man könnte höchstens ver- 
suchen, durch Analogieen sich die paulinische Vorstellung zu vergegen- 
wärtigen, von denen wohl die beste die für die Pneumavorstellung so 
wichtige des Windes, der bewegten Luft ist, vergl. unten S. 92. 



91 

himmlischer Jo^a^) bestehenden Leibes keineswegs aus (Phil. 
3, 21); als Leib bildet derselbe die notwendige Form der per- 
sönlichen Existenz des erhöhten Christus, als himmlischer Leib 
aber bildet er keinerlei Schranke fär eine übersinnliche, geistige 
Wirksamkeit in der Gremeinde« ^). 

10. Nunmehr kann die frühere Fragestellung, ob das lokale 
€v im eigentlichen oder uneigentlichen Sinne zu verstehen sei, 
mit grösserer Aussicht auf Erfolg wiederaufgenommen werden. 
Freilich muss betont werden, dass der Stand der Quellen uns 
eine aude nescire anrät: ihr fragmentarischer®) Charakter lässt 
eine sichere Elntscheidung weder für die eine noch für die andere 
Seite zu. Das Hypothetische der folgenden Ausführungen steht 
mir selbst am deutlichsten fest. 

Die Meinung weise ich selbstverständlich zurück, als sei 
schon durch die Erkenntnis der Stofflichkeit des pneumatischen 
Christus die Frage zugunsten der eigentlichen Bedeutung des 
€v entschieden. Das ist nicht der Fall, wenn auch die Vor- 
stellung von der Stofflichkeit die notwendige Vorbedingung für 
ein eigentlich lokales sv ist. Jene Erkenntnis garantiert also 
nur die Möglichkeit der eigentlichen Auffassung des er; aber 
auch in Verbindung mit dem in materieller Realität aufgefassten 
Christus könnte das €v bewusst uneigentlich gemeint sein. 
Doch fehlt es nicht an Anhaltspunkten , welche die Möglichkeit 
der eigentlichen Auffassung wenigstens zur Wahrschein- 
lichkeit erheben. 

a) Einen Fingerzeig gibt zunächst die Betrachtung des 
Wechselbegriffes*) für das iv Xgiatw elvai resp. «V nvevfxaTi 
etvM, die Wendung Xg^CTog Mv reri, welche selbst wieder 
zu der so sehr häufigen Ttvevfia iv rivi in Parallele steht. Bei 
dieser letzteren Formel (ttv, iv Tivt) konnte der antike Leser 
an nichts Anderes denken, als an die durch den common sense 
seines psychologischen Bewusstseins ihm von selbst gegebene, 



1) Vergl. darüber H. Gunkel, a. a. 0., 8. 108 f. 

2) 0. Pfleiderer, a. a. 0., S. 165 f. 
B) H. Gnnkel, a. a. 0., S. 109. 

4) 0. Pfleiderer, a. a. 0., S. 166. 



92 

im eigentlichsten Sinne lokal gedachte Vorstellung^), dass die 
unsichtbaren Potenzen des Geistes im Inneren des Menschen 
ihre Stätte haben. Von da aus ist die Vermutung gerechtfertigt, 
dass auch das XQtarog Mv rtvi von einem Autor resp. Leser, 
für den die Gleichung XQiaT6g= nvevfxa feststand, im eigent- 
lich lokalen 'Sinne verstanden werden musste. Wenn aber hier, 
dann auch bei der Komplementformel vtg iv XQiavm. Man 
wende nicht ein, gerade der Wechsel der Ausdrucksweise in 
beiden Formeln, deren beiderseitige lokale Beziehungen streng- 
genommen in dem Verhältnisse eines Gegensatzes^) stehen, sei 
ein Hinweis darauf, dass das iv nicht gepresst werden dürfe 
und empfehle also, das iv uneigentlich aufzufassen. Gerade 
die Voraussetzung dieses Einwandes erscheint, näher besehen, 
als Bestätigung meiner Vermutung. Was bei jedem anderen 
Verhältnisse eines lokalen Ineinander selbstverständlich ist, dass 
nämlich das als Raum vorgestellte Etwas nicht zugleich als ein 
in einem kleineren Räume enthaltener Gegenstand vorgestellt 
werden kann^), triflft in unserem Falle nicht zu, weil die 
pneumatische Existenzweise des XQitsxog es ermöglicht, jene 
beiden Gedanken gleichzeitig zu vollziehen. Wie man, ohne 
einer Absurdität sich schuldig zu machen, gleichzeitig sagen 
kann, »der Mensch ist in der Luft« und »die Luft ist in dem 
Menschen«, so kann ein Autor, der sich für die Existenzweise 
des XgitfTog an der Analogie der Luft bewusst oder unbewusst 
orientiert*), zugleich sagen: »reg iv XgiaTmt und T^XQitfTog iv 
Tivi€. Beiden Formeln liegt sachlich dieselbe Vorstellung zu- 
grunde; nur die Betrachtungsweise ist eine verschiedene, in der 



1) Vergl. Philo, de congr. quaer. erud. gr., Pf. IV p. 184: inl zw 
y(o oV, xvQicos einety, äy&Q(on6g iatiy iy dy&qtama. 

2) Zunächst scheinen sich allerdings die beiden Vorstellungen X^iatog 
s'y Tiyi und zig iy X^iazo) auszuschli essen. 

3) Mit einziger Ausnahme einer als unbegrenzt und allesdurch- 
dringend gedachten elementaren Substanz (Luft, Licht u. s. w ). 

4) Vergl. Ghrysostomus, zu Act. 17, 28 (opp. omn. ed. B. de 
Montfaucon, T. IX, Paris. 1731, p. 209 C): »woTif^» a^vvazov ayyoijaac zoy 
ttSQcc nayza^ov TcexvfjLSvoy xal ov fxax^av a(p* eyos sxdffzov rifiojy 
vTiaQxoyza^ fj.dXXoy de xal iy YifJLiy oyza, ovz(o dfi xal zoy zmy oXtay 
SrifJLiovqy6y€. 



93 

ersten e specie Christi, in der zweiten e specie hominis. Sie 
schliessen sieh also so wenig aus, dass sie einander vielmehr 
zu der im höchsten Sinne lokalen Vorstellung des gegenseitigen 
Ineinander der Christen und des pneumatischen Christus er- 
ganzen. Übrigens soll hier die Bemerkung nicht unterlassen 
werden, dass selbst dann, wenn beide Vorstellungen sich nicht 
so zwanglos aneinanderschmiegten, wie sie es thatsächlich thun, 
wir noch kein Recht hätten, bei einem Manne, wie Paulus, der 
nun einmal kein Systematiker ist, von einer Antinomie zu reden. 
Ein religiös-ethischer Genius emancipiert sich von theologischen 
Methoden; seine Aussagen pflegen die Erlebnisse des Augenblickes- 
mit elementarer Wahrhaftigkeit wiederzuspiegeln. 

b) Vielleicht wirft auch die Erinnerung an die Stelle Act. 
17 y 28: iv avvm yccg ^cSfier xtX. einiges Licht auf unser Problem, 
zumal wir bei Paulus die Formel er rw ,>«« ja auch ßnden 
(1 Thess. 2,2; Rom. 2,17; 5, 11; Col. 3,3; Eph. 3,9), sogar 
in Verbindung mit unserer Formel (1 Thess. 1,1; 2 Thess. 1,1). 
Wir haben hier eine völlig analoge Ausdrucksweise deshalb, 
weil es sich auch hier um das Sichbefinden von Menschen in 
einer pneumatisch vorgestellten Person, der Gottheit, handelt. 
Es ist von Interesse, dass hier mit derselben Fragestellung, 
welche ich für unsere Formel als notwendig erklärt habe , von 
den Exegeten untersucht wird, ob hier eine irgendwie materielle 
räumliche Vorstellung vorliegt oder nicht *). Aus Analogieen 
der Profanliteratur lässt sich nichts Entscheidendes ermitteln; 
denn strenggenommen fehlen dieselben ganz. Die seit Wetstein 
ofl citierte Stelle Dio Chrys. I, p. 38i (Reisk.) : St€ ov fuxxgäv 
ovi' i§(o Tov &€lov 6i(pxi<f/Jtävoiy diX iv avrw fxäfffp n€(pvx6T€g 

1) F. Bot hg e, die Paulinischen Reden der Apostelgeschichte, Göt- 
tingen 1887, S. 103 f.; H. H. Wendt, Meyer III [Act] • resp, \ Göt- 
tingen 1888, S. 387 f. Bei F. Bethge ist freilich die oben S. 89 
beklagte Verwirrung unserer Terminologie daran schuld, dass die beiden 
Seiten der Alternative nicht nach ihrer gegensätzlichen Schärfe zur 
Geltung kommen. Er lehnt die »materiell räumliche« Vorstellung 
ab und setzt ihr die einer »geistigen Um waltung« entgegen. Dabei 
ist übersehen, dasd »materiell räumlich« und »geistig« für den antiken 
Menschen keine Gegensätze zu sein brauchen. F. Bethge meint 
übrigens doch wohl dasselbe, wie ich. 



94 

ist trotz ihrer grossen sonstigen Bedeutung für das Verständnis 
der Stelle in unserer Specialfrage deshalb ohne Beweiskraft, 
weil sich ihr neutrisches ev avr^ von dem persönlichen iv 
avrm des Lucas doch sehr unterscheidet. Andeierseits ist die 
von F. Bethge aus R. Kühner ») entlehnte Stelle Dem. 18, 193: 
€v TW ^€^ 10 TovTov läXoq ijr ovx iv ifioi deshalb ungeeignet, 
weil hier die andere charakteristische Eigentämiichkeit fehlt, 
das Sichbefinden einer Person in der Gottheit. Bis eine zu- 
reichende Analogie nachgewiesen ist, wird man darauf verzichten 
müssen, andere als in der Sache selbst liegende Momente her- 
beizuziehen, ^v ist auch hier in keinem Falle Ersatz eines dui 
oder dergl., sondern Ausdruck einer räumlichen Beziehung: 

»Gott ist als das Element gedacht, in welchem wir leben, 

daher iv avt^ notwendig die Localbeziehung , die Idee der 

göttlichen Perichoresis enthalten muss« *). Nun darf, wie 

man seit Spinozas^) Bemerkung zu dieser Stelle gerne thut, 
nicht gefragt werden, ob hier eine pantheistische Vorstellung 
zugrunde liegt; dadurch würde die Stelle unter einem ihr 
fremden Gesichtspunkte, der zudem selbst auf ein Problem hin- 
weist, betrachtet werden. Vielmehr muss durch einen Rück- 
schluss aus der bei der Stelle vorauszusetzenden Gottesidee die 
Antwort auf die oben gestellte Frage versucht werden. So 
sicher nun dem Autor, der das ovx ofpsCXofxsv vofii^siv %Qva^ 
rj ägyiigm r Xi&(p xagay^ari, räx^'^jG ^«* ivx^vfir^aeoag äv^gfonov 
%() &€Tov eivai ofioiov gesprochen hat (Act. 17,29), ein geistiger 
Gottesbegriflf zugetraut werden darf, so verfehlt wäre es, sich 
diesen seinen »geistigen« Gott in irgend welcher modernen 
ethischen Abstraktheit zu denken. Für unseren Autor sind der 
»geistige« Gott und der allgegenwärtige, den Raum des Kosmos in 
SLibstanzieller, wenn auch unsichtbarer Realität erfüllende Gott 
nicht nur keine Gegensätze, sondern beide Gedanken stützen sich 



1) A. a. 0., S. 402. 

2) H. H. Wendt, a. a. 0. 

3) Ep. 21 : »Deum rerum omnium cauRani immanentem staiuo, omnia, 
inquam, in Deo esse et in Deo rooveri cum Paulo affirmo« (F. Bethge. 
a. a. 0., S. 104). 



95 

gegenseitig. Wenn er die Gottheit als nvev/jux dachte, befreite 
er sie nur von der Fessel der sinnlich wahrnehmbaren Sub- 
stanz, entkleidete sie aber durchaus nicht einer Substanz über- 
haupt. Mir erscheint es als das Natürlichste, dass die Vor- 
stellung des iv TfS S-e^ ^fjv xal xivsTa&ai xal slvai als eine 
ganz eigentlich räumliche, wenn auch nicht mit den Mitteln, 
mit denen die gewöhnlichen Beziehungen des Raumes erkannt 
werden, kontrollierbare zu denken ist. 

Konfrontiert man mit dem so verstandenen iv tcö ^«cj) eivai, 
das iv XQi(TT(p elvat, so wird man auch bei dem letzteren 
Gedanken dieselbe eigentlich räumliche Beziehung als die wahr- 
scheinliche bezeichnen müssen. 

c) Endlich möchte ich noch auf die Art und Weise auf- 
merksam machen, wie Paulus einmal von dem lokalen Ver- 
hältnisse des efvai iv Xgiatm in einer zweifellos uneigentlich 
aufzufassenden Wendung redet. Gal. 3, 27 wird von denen, 
welche in den Christus hineingetauft sind, gesagt, sie hätten 
den Christus angezogen. Christus ist also als das Gewand 
dessen bezeichnet, der iv av%^ ist. Was folgt aus der unbe- 
streitbaren Thatsache dieser uneigentlichen Redeweise für die 
Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer uneigentlichen Auf- 
fassung auch der Formel iv XQitfTw? Eine Vermutung liegt 
scheinbar sehr nahe: Wenn das Verhältnis des Christen zum 
Christus hier mit Hülfe eines Bildes verdeutlicht wird, dann 
ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass wir es auch da mit 
einer uneigentlichen Ausdrucks weise zu thun haben, wo der- 
selbe Gedanke in einer anderen ebenfalls ungewöhnlichen Form 
uns begegnet. Doch es sinrf m. E. nur die Konsequenzen dieses 
Arguments zu prüfen, und seine Unhaltbarkeit liegt auf der Hand. 
Angenommen nämlich, das iv XgKfTm sei wirklich »bildlich« zu 
verstehen, so wäre die Formel, von ihrer bildlichen Einkleidung 
befreit, eine Aussage über eine sehr enge Gemeinschaft mit 
Christus. Dasselbe müsste dann auch die der Formel sachlich 
kongruente Wendung XgitfTdv ivSvaaad-ai aussagen, sobald 
auch sie in die bildlose Sprache zurückübersetzt ist: um die 
enge Gemeinschaft mit Christus auszudrücken, wird Christus 
als das Gewand bezeichnet. Sonderbares Bild! Wem ist es 



96 

wohl schon eingefallen, dass der Jüngling, der die loga virilis 
anzieht, dadurch in eine enge Gemeinschaft mit diesem Gewände 
kommt? Man könnte diesen Gedanken ja, wenn ihn wirklich 
jemand ausspräche, allenfalls verstehen, aber gesucht blifebe er 
in jedem Falle. Umgekehrt, wählt der, der eine enge Gemein- 
schaft verdeutlichen will, als Bild das Gewand')? Aber — 



1) Die sämtlichen yon den Kommentaren beigebrachten Analogieen 
aus der profanen Literatur unterscheiden sich — abgesehen davon, dass 
sie alle nachpaulinisch sind und daher strenggenommen überhaupt nichts 
Endgdltiges beweisen könnten — von der paulinischen Wendung in einem 
so hohen Grade, dass die Behauptung von F. Sieffert zu Gal. 3, 27 
(a.a.O., S. 235), iydvffaad-al xiva werde ». .. ausser dem N.T. vielfach 
gebraucht«, in dieser Fassung irrige Vorstellungen erwecken kann, {be- 
reits C. F. A. Fritzsche (ad Rom. III, p. 143) hat darauf aufmerksam 
gemacht, durch die Formel wurden entweder natura et forma, oder 
ingeniura, mens et mores der betr. Person als das anzuziehende Gewand 
betrachtet, und K. Wiese 1er (Commentar über den Brief Pauli an die 
Galater, Gott. 1859, S. 320) betont noch schärfer, dass es sich bei den profanen 
Stellen mehr um das »agere personam alicuius« in äusserlicher sinn- 
fUUiger Weise handele. Der wichtigste Unterschied aber scheint mir 
der zu sein, dass in jenen Stellen nie eine lebende Einzelperson ge- 
meint ist, sondern entweder eine gestorbene Einzelperson, die aber für 
irgend ein Gebiet menschlichen Geisteslebens typisch ist, oder ein per- 
sönlicher Gattungsbegriff. Zur ersten Kategorie gehören die Stellen 
Dionys. Hai. antt. 11, 5,5: d-attov fj.€ dvayxdaexB^ "Annte, tovg /«A^- 
yovs 6iaqqrl^ai ovxiti fxszQidl^oytBg^ ctXXa zov TctQXvyioy ixeiyov [d. h. 
den Typus der AnmassungJ iv6v6fievot^ ot y ovde Xoyov tvx^lv idze 
tovg neql atotri^lag twy xoivtav ßovkofxeyovg Xiyeiv und (die sachlich 
kongruente Stelle) L u c i a n. Gallus 19 : dno^vadfjLEvog de toy Uvd-ayo^ay 
[d. h. den Repräsentanten einer bestimmten Philosophie] ziya fxetrifjLg)tda(o 
^ft' avTov. Zur zweiten Kategorie gehört Liban. ep. 968 (ed. J. Ch. 
Wolf, Amst. 1738; die von Wetstein abhängigen Kommentare citieren 
falsch ep. 956) : ^iqfuyog ^L%pag toy OTQaTicitriy iysdv toy (fog)catrjy. 
liier ist der Unterschied von der paulinischen Fügung besonders klar: 
es ist keine bestimmte lebende Einzelperson gemeint, ebenso wenig wie 
wenn wir z. B. von einem Exegeten rühmend sagen würden, er habe 
den Dogmatiker an den Nagel gehängt und den Historiker angezogen; 
noch weniger wird eine Gemeinschaft mit einer bestimmten Person aus- 
gesagt, sondern lediglich der Übergang von einem Berufe zum anderen, 
und zwar, wie der Kontext (es wird beschrieben, dass F. alles für einen 
rechtschaffenen Sophisten Notwendige habe : xai &^6yog d tovtm n^entoy 



A 



97 

Paulus hat ja doch dieses Bild gebraucht! Gewiss, aber nicht 
um nur den Gedanken der Gemeinschaft auszudrücken, sondern 
um diese Gemeinschaft ') näher zu charakterisieren als eine 
lokale, als eben jenes iv XqiaTm shai. Der Sinn des Bildes 
vom Gewände ist nur dann klar, wenn nicht das Dass der 
Gemeinschaft, sondern ein bestimmtes Wie der Gemeinschaft 
kundgethan wird. So aufgefasst, als Verdeutlichungsmittel der 
Vorstellung vom €h'ai iv XQiarm^ erscheint das Bild völlig zu- 
treffend und verständlich : Ist jemand im Christus, so umgibt 
ihn Christus wie ein Gewand. Eine Vorstellung aber, welche 
ihrerseits durch ein Bild verdeutlicht wird, kann ich so leicht 
nicht selbst auch schon für ein Bild halten. Somit ist meine 
Meinung dahin zusammenzufassen, dass das unzweifelhafte Bild 
vom Gewände die eigentlich-lokale Fassung des iv Xgiai^ elvai 
nicht nur nicht auszuschliessen, sondern zu fordern scheint 

11. Das Resultat dieser Untersuchungen ist kurzgefasst 
dieses: 

Die von Paulus unter Benutzung eines vorhan- 
denen Profansprachgebrauches geschaffene Formel 
iv XgitfTM^tjtfov charakterisiert das Verhältnis des 
Christen zu Jesus Christus als ein lokal aufzufassen- 
des Sichbefinden in dem pneumatischen Christus^). 
Dieser Gedanke, für welchen es in jedem sonstigen 
Verhältnisse des Menschen zum Menschen an einer 



xal ßd&Qa xal ßlßXoi xai vioi naiSevofxevoi xal Xoyoc noiovfxevoL T€ xal 
detxyvfÄcyoi) zeigt, als ein ausser lieh erkennbarer. Yergl. auch Tacit. 
annal. 16, 28: nisi proditorem palam et hostem induisset. Die einzige 
Stelle, in der, abgesehen von Paulus, von dem Anziehen einer lebenden 
Person gesprochen wird, ist christlich; Chrysostomus (C. F. A. Fritztjche, 
a. a. 0. III, p. 144) berichtet nämlich: ovtcd xal im (piXojy XiyofjLsv,, o 
d6tya zoy decya eye^vaato, trjy noXXrjy dyun^y Xsyoyzeg xal ddcdXeintoy 
avyovalay 6 ya^ Bvdvadfxeyog ixeXyo giaivezai^ oneq iydsffvtai. 

1) Deren Vollzug bereits in dem eis Xqiaroy ißantiad^rite ausge- 
sprochen war. 

2) Vergl. die von E. Chr. Achelis (Praktische Theologie, 11, Frei- 
burg i. B. 1891, S. 169) mitgeteilte Äusserung von Zwingli: »inn hat 
die Art, dass maus braucht, wenn man aussen hineinkommt, also dass 
wir, die wir ausserhalb Christi sind, in ihn hineinkommenc 

7 



98 

Analogie völlig fehlt ^), können wir uns verdeutlichen 
durch die Analogie der den Wendungen ev nvev- 
fittTi und iv TfS d-e^ zugrunde liegenden Vorstellung 
des Verweilens in einem der Luft vergleichbaren 
Pneuma-Elemente. Die Frage, ob man den lokalen 
Grundgedanken der Formel im eigentlichen Sinne 
oder nur als rhetorisches Hülfsmittel aufzufassen 
hat, kann nicht mit Sicherheit entschieden werden, 
doch hat die erstere Möglichkeit den höheren Grad 
der Wahrscheinlichkeit*). In jedem Falle, ob eig- 
entlich oder uneigentlich zu verstehen, ist die 
Formel der eigentümlich paulinische Ausdruck der 
denkbar innigsten Gemeinschaft des Christen mit 
dem lebendigen Christus. 

Mehr, als ein vorläufiges Resultat wollen diese Sätze nicht 
sein. Über das Wesen der Gemeinschaft mit Christus kann 
aus der Formel allein nichts Abschliessendes ermittelt werden. 
Erst dann, wenn man in der Lage ist, das gesamte biblisch- 
tlieologische Material zu überschauen, wird man dieser Frage 
und im Zusammenhange damit dem neuerdings viel verhandelten 
Problem der paulinischen Mystik näher treten dürfen. 



1) Vergl. H. Crem er, a. a. 0., S. 537. 

2) Wer solche realistische Vorstellungen bei Paulus a priori für 
unmöglich hält, wird unser ganzes Problem und erst recht unser Resultat 
für verkehrt halten. Man wird es mir jedoch nicht verwehren dürfen, 
mit U. Gunkel (a. a. 0., S. 109) in der Apriorität derartiger Einwände 
ein wenig Aufkläricht zu vermuten. Mit klassischen Worten hat, von 
anderer Schriftauffassung aus, J. T. Beck (ümriss der biblischen Seelen- 
lehre, Stuttg. 1843, S. VllI— XII) diesen rationalistischen Zug gegeisselt, 

durch welchen »sich das Auge verdreht für den biblischen Realismus 

Man ist gewohnt, den biblischen Ausdrücken und Begriffen zum Voraus 
eine Unbestimmtheit und Flachheit unterzuschieben, bei der man sich 

gar nicht bemüht, einen vom andern scharf abzugränzen; und wo 

sich selbst der Buchstabe sträubt, besinnt man sich nicht eines Besseren, 
sondern ballhorni^iert ihn mit Uneigentlichkeiten, mit Tropik, Metonymie 
u. dergl und freut sich, dass man in einem so kritischen und dia- 
lektischen Zeitalter geboren und Keiner der letzten ist«. 



99 



IX. Die Tragweite der richtigen JErklürung 

für die Eim^lexegese. 

A. Principielles. 

1. Wenn ein bestimmter charakteristischer Sprachgebrauch 
in der an Umfang verhältnismässig so beschränkten paulinischen 
Literatur sich 164 mal findet und zwar in Beziehung gesetzt zu 
wichtigen religiösen und ethischen Begriffen, dann ist klar, 
dass die richtige Erklärung selbst dann von Interesse ist, wenn 
die betreffende Wendung an sich von untergeordneter Be- 
deutung sein sollte. Bei unserer Formel aber kann die Wichtig- 
keit der richtigen Erklärung gar nicht hoch genug veranschlagt 
werden. Es ist hier wirklich so, dass auf dem winzigen sv 
montes doctrinarum ^) sich erheben: die ganze Auffassung der 
paulinischen Christologie und damit des christocentrischen Pauli- 
nismus überhaupt erhält ihr eigenartiges Gepräge nicht zuletzt 
durch die Stellung, welche man zu dieser Präposition und der 
mit ihr gebildeten Formel einnimmt. Erinnern wir uns des 
summarischen Überblickes über die Lösungsversuche, so treten 
uns zwei Hauptrichtungen mehr oder weniger deutlich entgegen, 
welche einfach nach ihrer Stellung zu dem sv charakterisiert 
werden können. Die eine fasst es lokal auf, die andere nicht. 
Darin liegt in nuce alles Weitere. Wer die lokale Auffassung 
hat, für den ist der Christus der Formel selbstverständlich der 
erhöhte, pneumatische Kyrios; wer das €v als Enallage für 
»durch« oder etwas Ähnliches erklärt, der versteht, bewusst 
oder unbewusst, unter dem Christus der Formel den Vollbringer 
dessen, was die Dogmatik das »Werk Christi« nennt, also den 
»historischen« Christus, insbesondere Christus als Subjekt des 
Kreuzestodes und der Auferstehung. Zur Begründung dieser 
Behauptung sei es gestattet, ein Beispiel zu antecipieren. Rom. 
3, 24 sagt der Apostel : dixaiov/xsvoi öcogsäv rf^ avrov xocqiti 
Sid T-fjg d7toXvTQ(6as(üg Ttjg iv Xqktt^ Irjffov, Von der Art, 
wie man hier das ev auffasst, hängt ab, wie man sich den 
Begriff der dnoXvTQwtng bei Paulus zu denken hat. Wer ev 



1) Vergl. Chr. Nolde, a. a. 0. 



100 

lokal fasst, also übersetzt : »die Erlösung, die in dem Christus Jesus 
geschiehtc, sieht in der artoXvTgaxfig einen dauernden Zustand; 
wer iv nicht lokal fasst, also mit Luther übersetzt: »die Er- 
lösung, die in Christo Jesu geschehen ist«, für den ist die paulinische 
dnoXvTQioaig ein einmaliger, in der Geschichte abgeschlossener 
Akt. Der erste Exeget wird diesen wichtigen religiösen Begriff 
einem Frieden, also einem Geschehen, vergleichen, der zweite 
einem Friedensschlüsse, also einem Ereignisse. Wer sich also z. B. 
für die Frage interessiert: Begründet Paulus das Heil prospektiv 
durch Hinweis auf eine Thatsache der Gegenwart, oder retro- 
spektiv durch Hinweis auf ein Ereignis der Vergangenheit?^) 
— wird notwendigerweise zu dem «V Stellung nehmen müssen: 
die beiden Seiten dieser Alternative entsprechen der zweifachen 
Art der Erklärung des iv. In anderen Fällen ^) korrespondieren 
zwei ähnliche, in einer etwas anderen Fragestellung vor- 
gesehene Möglichkeiten: subjektive oder objektive Bedeutung 
der Heilsthatsachen ? 

2. Bereits oben S. 77 f. musste darauf hingewiesen werden, 
dass aus der Thatsache der Originalität der paulinischen Formel 
sich die Notwendigkeit ergibt, sie überall in gleicher Weise zu 
erklären. Damit ist der Einzelexegese ein Fingerzeig gegeben, 
dessen objektiv-einheitlicher Charakter die Auslegung vor dem 
Abwege bewahrt, theologischen oder erbaulichen Augenblicks- 
stimmungen Raum zu geben. Wertvoll muss dieser Gesichts- 
punkt auch für diejenigen sein, welche die von mir vorgeschla- 
gene Erklärung der Formel selbst ablehnen ; er wehrt jedenfalls 
die Illusion der Enallage praepositionum aufs deutlichste ab und 
verschliesst damit die Pforte, durch welche exegesierende 
Dogmatiker ihre dogmatisierende Exegese einführen könnten. 
Hinsichtlich der Methode der folgenden Untersuchung ist zu 
sagen, dass uns unser Princip den positiven Nachweis erspart, 
dass in jedem Specialfalle das iv der Formel als das eigen- 
tümlich paulinische aufzufassen ist: es fordert nur eine begrün- 



1) Um einem etwaigen Missverfltändnisse vorzubeugen , betone ich 
hier aui^driicklich , dass Paulas m. E. das Heil sowohl prospektiv als 
auch retrospektiv begründet. 

2) Vergl. z. B. unten S. 102 f. zu Gal. 3, 14. 






J u 



101 

dele Zurückweisung der diesen Thatbestand verkennenden Er- 
klärung. Diese zunächst defensive Bestimmtheit der Aufgabe 
schliesst freilich nicht aus, dass im einzelnen Falle die Grunde 
geltend gemacht werden, welche die durch den allgemeinen 
Charakter der Formel geforderte Erklärung von anderer Seite 
aus zu bestätigen geeignet sind. 

B. Die Einzelstellen 

sind hier sämtlich genannt und die wichtigeren kurz besprochen. 

1. 1 Thess. 1, 1 ; 2, 14; 3, 8; 4, 1, 16; 5, 12, 18. 

2. 2 Thess. 1,1; 3,4, 12. 

3. Oal. 1,22; 2,4, 17; 3, 14, 26, 28; 5,6'), 10; 6,15 2). 
GaL2,17: sl ih ^rjTovvvsg dixai(odrjvai iv Xgiat^ svgsK^rjfiev 

xal avTol dfjiaQToüoL Man kann im Zweifel sein, ob die Formel 
zu SixamxH}VM •) oder zu €VQSx^r}fiev *) zu ziehen ist ; der Kon- 
text spricht für die erstere Verbindung. Hier ist also ausgesagt, 
dass das dixaiova&ai did oder ix nitfretog innerhalb des Christus 
geschieht; das vorausgehende stg Xgiardv ^rjaotfv iniaTtvaaf.itv 
deutet den Beginn des elvfu iv Xgiav^ an, auf dessen Bestand 
dann V. 20 durch die Komplementformel Cfj ^^ **' *'/*ö* XgiaTog 
nochmals ausdrücklich hinweist. Durch diese Fassung des iv 
wird in dem ganzen Abschnitt V. 16—21 die innere Einheit 
und Geschlossenheit des Gedankens klar, welche bei jeder 
anderen Erklärung verschleiert wird *^). Man beachte, dass der 

1) Richtig A. Ritschi, R. u.V. II», Bonn 1889, S.385: ». . dass in 
der Gemeinschaft mit Jesus Christus der durch die Liehe thätige Glaube 
etwas yermagc. 

2) Wenn diese Lesart yon nAGDEFGELP u. s. w. nicht Glosse aus 
5, 6 ist. 

3) So die Meisten. F. Sieffert, a. a. 0., S. 142, zieht iv Xq. zu 
dcx,, denn es sei »in Christo, dessen Person und Werk der Gegenstand 
des Glaubens ist, die Rechtfertigung ursächlich begründet«. Dieses »in« 
ist wohl so gemeint, wie das »in« bei »in Cotta« (oben S. 82). Deut- 
licher und richtig R. A. Lipsius, Hand-Commentar zum N. T. II, 2, 
Freiburg 1891, S. 28: »in der Geroeinschaft mit Christo«. 

4) Hierfür spricht die Analogie Phil. 3, 9. 

5) Die Begriffe »Tod Christi«, »Christus in mir«, »Glaube«, »Recht- 
fertigung« stehen dann lose nebeneinander, ohne dass ihre Verklam- 
merung erkannt wird. 






102 



Tod Christi als die Vorbedingung des civm ey ainm (V. 20 
a vv €at:ccvQ(0(iai) und des {ßv adra durch die rrfaug geschehen- 
den) dixaiova^ai (V. 21) ge wertet ist. 

Gal. 3^14: tva elg rd Sx^vrj i^ evXoyia tov ^Aßgadfi ysvT^rai, 
iv XQiCTi^ Itfiov, Die Erklärung: »in Christo (in seinem Er- 
lösungstode [!]) beruht dieser Empfang des Segens«') inter- 
pretiert in die Stelle die Tautologie hinein : Christus ist gestorben 
(V. 13), damit den Heiden der Abrahamssegen zuteil würde 
durch seinen Tod; das nachdrucksvoll ans Ende gesetzte iv 
Xq, I. ist dann nur überflussiges Beiwerk. Die richtige Er- 
klärung^) des iv lässt dagegen den eben durch die Stellung 
äusserlich schon markierten Gedankenfortschritt erkennen : 
»Christus ist gestorben, damit der Abrahamssegen den Heiden 
zuleil würde in ihm, als dem Elemente®), und damit wir den 
verheissenen Geist empfingen durch den Glauben«. Wieder ist, 
wie 2, 16—21, der Tod Christi als die Vorbedingung des ehai 
iv XQitSTip aufgefasst. Die scheinbar neue Gedankenverbindung, 
dass der Tod Christi die Voraussetzung des Geistesempfanges ist, 
erweist sich als Ergänzung des Vorhergehenden, wenn man 
einerseits die Gleichung XgiaTog = nvevfxa, anderseits das 
komplementäre Verhältnis der Formeln iv Xqktt^ sifjii und 
XQiaxog iv ifioi iariv {= nvavfia ^xod oder MXaßov) berücksichtigt. 
Wir haben also dieselbe Gedankenkette, wie 2, 16 ff. : Tod Christi, 
elvai iv XQiavip (oder nvsvfxa exsiv) und nitfvig, 

F. Sleffert erkennt mit Recht den Schwerpunkt seiner 
Auslegung darin, dass iv Xqktt^ »das objektive Sachver- 
hällnis« darstellt. Bei unserer Erklärung fällt dieser Gesichts- 
punkt vorerst weg; ob das elvai iv Xqktt^ etwas »Objektives« 
oder »Subjektives« ist, lässt sich noch nicht erkennen, jedenfalls 
ist es aber, wenn es objektiv verstanden werden müsste, nicht 
ein »objektives Sachverhältnis« im Sinne eines einmaligen 



1) F. Sieffert, a. a. 0., S. 184. 

2) G. B. Winer, ad Gal., p. 79: »quatenus in Christo sunU. M. 
Kahler, a. a. 0., S. 39: »kraft ihres Verhältnisses zu Christo Jesu«. 

3) Wie ja überhaupt ip avtM die inayyeXiai ^eov ihr yai erhalten 
(2 Cor. 1, 20). 



103 

geschichtlichen Ereignisses, wieF. Sieffert in seiner Parenthese 
annimmt, sondern im Sinne eines dauernden Zustandes. 

Gal, 3,26: nävrtg yccQ vloi xhsov iark diä rrjg niaxsiog iv 
XgiaTw Itjtfov. F. Sieffert^) übersetzt die 4 letzten Worte: 
»Glauben an Jesus Christusc. Gegen seine sprachlichen und 
sachlichen Gründe für diese Verbindung mache ich folgendes 
geltend: 

Für niarig iv im Sinne von »Glaube an« findet sich in 
der gesamten Gräcität kein Belegt); schon deshalb ist es ein 
Notbehelf, die verbale Struktur nitSTsveiv iv heranzuziehen. 
Aber auch diese ist, wie ich nachgewiesen zu haben glaube^), 
recht besehen nicht beweiskräftig, da sie im Sinne »glauben an« 
nur an 3 LXX-Stellen, und hier nur als mechanische, absolut 
ungriechische Reproduktion einer hebräischen Vorlage sich findet, 
während das iv sonst stets die Situation kennzeichnet, innerhalb 
deren der Glaube zur Erscheinung kommt *). Den oben bereits 
hierfür angegebenen Belegen entsprechen eine Reihe von Stellen, 
wo iv auch nach niarig ebenfalls die Sphäre, nicht aber das 
Objekt des Glaubens angibt, oder in denen das iv gar nicht zu 
TtCaTig gehört. Es sind dies ausser Deut. 32,20: vtol olg ovx 
iari Ttiavig iv avtotg, Sap. Sir. 22, 23: nCamv xrT^aai iv tttco- 
XBiq, fjL€Td Tov 7tXrj(Tiovy und Sap. Sir. 37,26: 6 aoifog iv T(p 
Xa^ avTov xlr]QovofXT](T€t nitfTiv^ auf die ich keinen Wert lege, 
folgende : 
2 Thess. 1,4: xccl niatsiog iv näaiv roTg dKoyfxoTg, 

» 1,11: xal ^qyov niaTswg iv dvvdfxsi^ 
Rom. 1,12: did %rjg iv dXXijXoig niarsiog^ 
» 3,25: ov TiQoäd^sro iXcctfTrjgiov did nCüTSODg iv r^ av- 

Tov aTfxaTiy 
» 4,11: Ttjg nf(fT€(og rrjg iv rfj dxgoßvfXvi^, 
» 4, 12 : Ttjg iv dxgoßvtfTia Ttiartoag^ 

1) A. a. 0., S. 232. 

2) Vergl. auch A. Schlatter, a. a. 0., S. 557 f. Die Stellen Col. 
1,4; Eph. 1,15; 1 Tim. 3,13; 2 Tim. 1, 13; 3,15 sind von der Galater- 
stelle aus zu verstehen. Auch Clem. 1 Gor. 22, 8 ist Nachwirkung der 
paulinischen Formel, von welcher Clemens überhaupt stark beeinflusst ist. 

3) Oben S. 45 ff. 

4) So auch Eph. 1, 13^ wenn ey c^ überhaupt zu nKnevaapzeg gehört. 



104 

1 Cor. 12,9: hägco nCarig iv rm avT(5 nvevfiari^)^ 

2 Tim. 1,5: TJ^'g iv aol dvvnoxQirov Ttitfrecog, 

Nach F. Sieffert^) ist die (mit der unsrigen wesentlich 
übereinstimmende) Erklärung, welche das iv Xq. 7. mit vloi 
^€ov iaTä verbindet, deshalb abzulehnen, weil der dadurch 
ausgedrückte Gedanke »selbstverständlich schon in diä Tfjg 
7if(fT€(og selbst« liege. Reproduziert man den Zusammenhang 
nach der mir richtig erscheinenden Auslegung, so wird man 
sehen, dass das ev Xq, 7. nicht nur nicht »nachhinkt«, sondern 
einen neuen und notwendigen Gedanken einleitet. In dem Ab- 
schnitte 2, 15 ff. war fortwährend von der niaxtg die Rede 
(V. 22, 23, 24-, 25) ; dabei ist das Objekt der niatig, einerlei ob 
»selbstverständlich« oder nicht, ausdrücklich angegeben (V. 22), 
und Paulus kann daher wohl kaum gemeint haben, das Interesse 
der Galater verlange in V. 26, am Schlüsse der ganzen Aus- 
führung, eine nochmalige Mitteilung dieses Objektes. Ein anderes 
Bedürfnis der Leser dagegen musste er voraussehen: die ganz 
allgemein und fast lehrhaft gehaltene Auseinandersetzung bis 
V. 25 einschliesslich drängte zur Frage: wo ist diese niavig zu 
suchen und zu haben? DLesem Bedürfnisse kommt die Antwort 
entgegen: »In (der Gemeinschaft mit) Christus Jesus seid ihr 
ja alle durch den Glauben Gottessöhne«. Durch diese Fassung 
erhält auch das yccg des folgenden Verses seine volle Deutlich- 
keit; es begründet die Thatsache des ahai iv Xquxt^ durch 
Erinnerung an die Konstituierung dieses Verhältnisses : »Habt ihr 
doch alle, die ihr in Christus hineingetaucht ^) wurdet, Christus 
angezogen« (und seid dadurch thatsächlich iv Xqktto). 

Schliesslich gewinnt auch das iv Xq. 7 in V. 28*) eine 
viel unmittelbarere Frische. 

1) Vergl. oben S. 87. 

2) A. a. 0., S. 232 f. 

3) B. Weiss, Lehrb. der Bibl. Theol. des N. T., 5. Aufl., Berlin 
1888, S. 328. 

4) Die Erklärung von F. Sieffert, a. a. 0., S. 236: »sofern diese 
Einheit eben in [?] Christo ursächlich beruhte, sieht in dem iy Xq. 
L des V. 28 eine Aussage über die Ursache der ethischen Einheit der 
Menschheit, während m. E. dadurch zunächst nur der Umfang dieser 
Einheit bestimmt wird. Die Alternative »Ursache oder Umfang?« scheint 
mir im wesentlichen wieder auf die alte Fragestellung »einmaliges Factuna 
oder dauernder Zustand?« (vergl. oben S. 100) hinauszukommen. 



105 

Auch an dieser wichtigen Stelle sehen wir übrigens wieder 
die Verbindung einiger Hauptglieder der oben ^) bereits nach- 
gewiesenen bedeutsamen Gedankenreihe de^ Apostels : iv XQitst^ 
'Itjaov^ niffTig^ dixmoavrr]. Der Gedanke schreitet allerdings 
nicht von dem «V Xq. slvai fort zur Sixaioavv7]j sondern von 
der dix. zurück zum €v Xq, slvai^). Wie Gal. 2, 16 flf. diese 
drei Glieder durch Angabe des Beginnes des etvai iv Xq. er- 
gänzt wurden, so auch hier: dort durch das niaTsvaai eig Xq. 
7., hier durch das ßaTtTiaO^rjrai elg Xqictov, 

4. 1 Cor. 1,2«), 4, 5, 30, 31; 3,1; 4, 10, 15a u. b, 17a 
u.b; 7,22,39; 9,1,2; 11,11; 15,18,19*), 22,31,58; 16, 19,2i. 

1 Cor» i, 30: i^ aviov dh vfxslg iavh sv Xqkttw 'IrjaoVy og 
syerv^Oi] <TO(pia rjfuv änd O^sov di>xaio(Tvvrj t€ xal äyiatSiAog xal 
dnoXvTQoumg. Diese Stelle sei hier deshalb erwähnt, weil leicht 
übersehen wird, dass das Subjekt des Relativsatzes identisch 
sein muss mit dem Xq. 7. der Formel, also dem pneumatischen 
Christus. H. A. W. Meyer*) z.. B. erklärt das og trotz richtigen 
Verständnisses der Formel lediglich durch Bezugnahme auf 
Christi »Erscheinung und sein ganzes Heilswerkc, »versöhnenden 
Tod«, »Blut«. Der Aorist sysvi^&r} kann gegen unsere Fassung 
nichts beweisen*)» zumal sie noch besonders bestätigt wird 
durch sonstige Äusserungen der Paulinen, nach denen die 
croyia^), die dixaioamnrj^)^ der äyiaafiog^) und die dnolv- 
zQcoaig '^) zweifellos als sv Xqkttw zur Geltung kommend ge- 
dacht sind. 



1) S. 101 f. 

2) Gal. 5, 6 haben wir wieder die Verbindung des ip Xq. und der 
nLincg. 

3) Vergl. hiezu Ebr. 10, \0 iv (o d-eXrifiatc iiyianfjLSPoi ea^uey, wo das 
iff ebenfalls lokal gedacht ist (J. U. Eurtz, der Brief an die Hebräer 
erklärt, Mitau 1869, S. 317). 

4) Vergl. zu Judic. 9, 26, oben S. 37 f. 

5) Vergl. G. Heinrici, Meyer V, S. 54. 

6) Vergl. Eph. 3, 7. 

7) Col. 2, 3. 

8) 2 Cor. 5,21, vergl. Gal. 2, 17 und 3,24 flP. 

9) D. h. der Zu stand des Geheiligtseins, 1 Cor. 1,2; Phil. 1, 1 ; Col. 1,2. 
10) Rom. 3,24; Col. 1, 14; Eph. 1,7. 



106 

1 Cor. i5, 17 u. 18: ei 6i XQiaiog ovx iyrjyfQtai^ fiaraia ij 
niüTig vfAcoVj in iare iv raTg dfxagTiaig üfAcoVy äga Ttal ot 
xoifirjx^erteg iv XgiattS dnwXorto. Auch hier ist die Erklärung 
des iv^) ohne weiteres klar; es ist daher nur die bestätigende 
Bemerkung notwendig, dass durch sie in den Zusammenhang 
der Stelle, der bei jeder anderen Exegese dunkel bleibt, ge- 
nügendes Licht fallt. Das Problem des Kontextes besteht in 
dem Nachweise des inneren Zusammenhanges zwischen der 
Auferstehung Christi einerseits, dem Glauben, der Sünden- 
be freiung und der Ewigkeitshoflfnung der ' Christen anderseits. 
Denselben mit H. A. W. Meyer^) retrospektiv^) herzustellen, 
dazu gibt die Stelle keinen Anlass. Dass der Gedanke, der 
Wert des Todes Christi sei durch die Auferstehung verbürgt, 
ein paulinischer ist, soll nicht in Abrede gestellt werden; aber 
von der Auferstehung allein hängt die Heilsbedeutung des 
Todes Christi für Paulus nicht ab: grade die einzige Stelle 
unseres Capitels, in der von dem dnox^avEiv Xqictov vnhQ 
ic5v äfxaQTidav rjfAoov gesprochen wird*), stellt Tod und Auf- 
erstehung in keinen anderen als zeitlichen Zusammenhang und 
begründet den Wert beider Ereignisse durch Betonung ihrer 
Schriftgemässheit, nicht aber den Tod durch die Auferstehung. 
So ist nicht einzusehen, weshalb die Heilswirkung des Todes 
Christi vernichtet werden soll, wenn Kgiarog ovx cY^jyeQTai; 
damit erwiese sich doch zunächst nur ein Beweis als nicht 
stichhaltig. Und dann scheint es mir der überaus accen- 
tuierten Betonung der Wichtigkeit der Auferstehung in unserem 
Capitel nicht angemessen zu sein , zu meinen , Paulus habe sie 
hier nur als Mittel zur Erkenntnis der mit Stillschweigen über- 



1) KoifjLciad-ai iv ist auch bei den LXX stets lokal gemeint (Gen. 
28,11; Exod. 22,27; Lev. 14,47; Deut. 24,13; 1 Sam. 3,9; Jes. 50,11; 
65,4), was natürlich nichts für unsere Auffassung des paulinischen iv 
beweisen soll. 

2) A. a. 0., S. 443. 

3) Durch Bezugnahme auf den Tod Christi: »denn wenn Christus 
nicht auferstanden ist, so ist auch die Versöhnung mit Gott und Recht- 
fertigung nicht geschehen; ohne seine Auferweckung wird sein Tod 
nicht Erlösungstodc. 

4) 1 Cor. 15, 3 und 4. 



107 

gangenen Hauptsache, nicht aber als das selbständige Gentral- 
ereignis der Heilsgeschichte gewertet. Die unerbittliche Wucht 
der Logik in den Sätzen mit el weist vielmehr hin auf eine 
Unmittelbarkeit des gedanklichen Abhängigkeitsverhältnisses von 
Bedingung und Folge, welche zwischen beiden Gliedern gleich- 
sam keinen Raum lässt für einen erklärenden Hulfsgedanken. 
Die sachlich wie rhetorisch gleich vollendete innere Geschlossen- 
heit des Kontextes tritt nur dann zutage, wenn man in dem 
€v Xqkttm das lösende Wort sieht. Durch das xai ') nach äga 
werden auch die üfjieTg in den Gedanken des iv Xqictm aus- 
drücklich eingeschlossen ^) , wie sie ja auch im folgenden Verse 
rjXnixoTsc ev Xgiat^ genannt sind. So ist mit einem Schlage 
die Meinung des Apostels klar: wenn Christus nicht auferstanden 
ist, dann könnt ihr nicht iv (dem auferstandenen) Xqictm sein ; 
dann ist euere nitfTig^ die sr Jf^ecrrcSi ihren Bestand hat^), eitel; 
dann seid ihr [die ihr als sv Xqict^ ovreg eine xain/j xritng^)^ 
eine dixaio(fvi'rj^)j ein gcö^®), Syioi'^) seid, aTioXvTQcoaig^) 
habt, an denen ov3h' xajüxQificc ist*)] noch iv ^^) %atg dfiaQ- 
tiaig vfim' (anstatt iv Xqict^). 

1) Von den meisten Exegeten nicht beachtet; es gehört zu oi xoi^ri- 
d-ivxeg iv X^ianoy nicht zu dncüXovTo: Auch die Toten in Christus (wie 
die vorher genannten lebenden vfjitg) sind verloren. 

2) Der Zusatz eines iy X^iatot zu v/jiels war überflüssig ; hier könnte 
man nach den Stellen 1 Cor. 1, 2, 4, 5, 30 u. 31; 3, 1; 4, 10, 15 a u. b, 17 a 
u. b; 7,39; 9, 1 u. 2; 11, 11 (vergl. auch die nachfolgenden iv Xquixta- 
Stellen) wirklich einmal von etwas Selbstverständlichem reden. Selbst 
wenn in unserem Capitel das iv Xqi<jtio nicht fünfmal stände, hätte man 
zur Heranziehung dieses Gedankens immer noch mehr Veranlassung, als 
zu der des Todes Christi. 

3) Gal. 3,26; 5,6; Col. 1,4; Eph. 1, 15; 1 Tim. 1, 14; 3, 13; 2 Tim. 
1, 13; 3, 15. 

4) 2 Cor. 5, 17; Gal. 5, 6. 

5) 1 Cor. 1,30; 2 Cor. 5,21. 

6) Eph. 5, 8. 

7) 1 Cor. 1, 30; Phil. 4, 21. 

8) 1 Cor. 1,30; Rom. 3, 24; Col. 1,14; Eph. 1, 7. 

9) Rom. 8, 1. 

10) Th. Ch. Edwards, a. a. 0., p. 406, hat richtig gesehen, dass 
das elvai iv taig äfAaqxiatg der Gegensatz zum elvai iv Xqiotm ist. 
Vergl. darüber unten S. 126. 



108 

5. 3 Cor. 1, 19, 20; 2, 12, 14, 17; 3, 14; 5, 17, 19, 21; 
10, 17; 12, 2, 19; 13,4. 

2 Cor, 5, 14: äxQi^ yccg Ttjg (frjfiegov rjfiäQag to avro xäXvfina 
^v€i . . 5 oTi iv XQiCTtS xaTagysiTai. Durch die Er- 
klärung des €v Xqict^ als der paulinischen Formel wird hier 
einerseits die Wahl des Präsens xaTagyeHai gerechtfertigt, ander- 
seits gewinnt der Kontext V. 12 — 18, insonderheit das Verhältnis 
von V. 17 und 18 zum Vorausgegangenen, bedeutend an Klar- 
heit. Paulus hat nicht einen Sprung vom irdischen Christus 
zum Pneuma-Christus gemacht, sondern den einen Gedanken, 
»der Kyrios-to-pneuma ist dauernd die Aufhebung des alten 
Bundesc einheitlich und präcise durchgeführt. 

2 Cor. 5, 17 : äats eiTig iv XgiaTip, xatvfj xxtaig, 6. He i n r i c i ^) 
vermisst in Vers 15 »das Bindeglied zwischen Christi Sterben 
und des Christen Leben«. Wenn ich recht sehe, wird die Ver- 
knüpfung beider eben durch das eX Tig €v XQiaxm hergestellt. 
Die Gedankenreihe ist folgende: Christus ist zum Bi'sten aller 
gestorben. Die Absicht (eVa) dieses Todes ist, dass wir Christo 
leben. Die Folge {äars) des Todes (welche diesem Zwecke 
gerecht wird), ist eine doppelte^): das yiyvwaxsi^' geschieht nicht 
mehr nach Fleischesnorm , und man ist xai%'r] xriaig. Würde 
Paulus sonst nichts sagen, so würde allerdings die Brücke vom 
Tode Christi zu des Christen Neugeburt fehlen, aber er schiebt 
zwischen den Tod und seine Wirkung das €i rig Sv Xqictm ein. 
So begegnet uns hier wieder jene Lieblings-Gedankenverbindung 
des Apostels: Voraussetzung des elvai iv Xqictw ist der Tod 
Christi, Wirkung ist ein Heilsgut, hier das xanrjv xriaiv dvai^ 
wie anderswo die nCaTtg resp. Sixaioamtj. 

2 Cor, 5, 19: dg oti x^eog VjV iv Xqkttm^) xoCfiov xaraX- 
Xdaa(ov iavTw. Die Richtigkeit unserer Erklärung des iv 



1) 2 Kor., S. 283. 

2) Die beiden Sätze mit S(ne sind zu koordinieren. 

3) Grammatisch ist Luthers »Gott war in Christo« richtiger als 
jede andere Übersetzung , welche das ey nicht in unserem Sinne auffasst. 
Auch sachlich ist sie nicht ohne Änalogieen, wie das oben S. 42 f. zu 
Hos. 1, 2 beigebrachte Material zeigt. 



109 

XQKfto) als der pauliniechen Formel wird dadurch erhärtet, 
dass nur so einerseits der Wechsel der Tempora in dem ganzen 
Stücke V. 18—21 und das dg Sri V. 19, anderseits der eigent- 
liche Gedankenzusammenhang des Abschnittes V. 15—21 ver- 
standen wird. 

Schon rein sprachlich betrachtet, gehören die Verse 18 — 21 
zu den interessantesten Partieen der paulinischen Literatur. 
Auf diesem kleinen Räume welcher Reichtum syntaktischer 
Phänomene! Mit einer grossen Mannigfaltigkeit temporaler und 
modaler Beziehungen wetteifert eine Fülle konjunktionaler und 
präpositionaler Fügungen. Die beiden Participia des Aorist 
xnTaXla^avTog und Sovtog in V. 18 stehen einander parallel ; 
nach ihnt^n kommt V. 19 ijr xaTalXaaacor, ein mit dem hnper- 
fectum des Verbum finitum verbundenes Participium des Präsens, 
und diesem folgen das präsentische und das aoristische Parti- 
cipium loyi^ofAtrog und x/^äfievog; in V. 20 endlich ist das 
Präsens nagaxaXovvTog und in V. 21 der Aorist eTioirjasv be- 
merkenswert. Überblickt man diese 7 Verba, welche sämtlich 
Gott zum Subjekt haben, so heben sich von den 4 Aoristen 
xaTaXXä^ttVTog^ Sovrog, d^äßsvog und inoirjaev das Imperfektum 
^1' xataildaaoDv ') und die Präsentia Xoyi^ofisvog und naga- 
xaXovvTog deutlich ab. Will man diese Verschiedenheit nicht 
für reinen Zufall oder gar für Willkür 2) des Apostels halten, 
so muss der Grund für den Wechsel der Tempora darin liegen, 
dassdie4 Aoriste eine in der Vergangenheit momentan vollendete 
Handlung Gottes ausdrücken, das Imperfect einen in der 
Vergangenheit dauernden^) Zustand und die Präsentia ein 

1) Diese Fügung sagt sogar mehr, als xaxriXXaaaev. Solche Verbind- 
ungen werden meist angewandt, »um das Dauernde (mehr einen Zustand, 
als eine Handlung) auszudrücken« (Q. B Win er, Gr., S. 326. Vergl. 
A. Buttmann, a. a. 0., S. 266 und B. Kühner, a. a. 0. FI, 1, S. 35). 

2) Exegetische Willkür wittert mit besonders feinem Abnungsvermögen 
schriftstellerische Willkür bei dem zu interpretierenden Autor. 

3) Aas dem umstünde, dass das xcctaXXuaaeiy iv Xqiütm hier als in 
der Vergangenheit geschehend (nicht geschehen!) aufgefasst ist, kann 
nichts gegen die Annahme , dass auch hier der erhöhte Cbristus gemeint 
ist, gefolgert werden. Das xaraXkdaaeiv iy X^ifftt^ kann übrigens nicht 
als abgeschlossen gedacht sein, sonst wäre die Mahnung xataXXdyrite zif 
x^6(o überflüssig. 



110 

gegenwärtiges Thun Gottes: Gott hat einmal den sündlosen 
Christus zur Sünde gemacht (d. h. sterben lassen); er hat ein- 
mal uns (d. h. mich, den Paulus) durch Christus mit sich ver- 
söhnt; er hat uns (d. h. mir) einmal das Amt der Versöhnung 
gegeben und in uns (d. h. mich) das Wort der Versöhnung 
gelegt. Derselbe Gott war auch ein die Welt iv XQiarm mit 
sich versöhnender; fortwährend rechnet er den Menschen ihre 
Sünde nicht zu und ermahnt sie durch den Apostel. Also ein- 
maliges TtttTaXXdaasiv 6id XQiarov ^ aber dauerndes xaTccX- 
XdaC€iv SV XQKfxm und (irj Xoyi^sad^ai rd nagaTttcifiaTa ^ ein- 
maliges Siaxoviav didovai resp. Xoyov rid^fcf&aiy aber dauerndes 
naQaxaXetv, Die erstere Unterscheidung ist dem Paulinismus auch 
sonst nicht fremd : das si ydg ix'^Qol ovtsg xarrjXXdyrjfxev tw ^^ « 
did Tov S-ardrov rov vlov avvoVj noXXm (läXXov xaraXXaYävTsg 
(f(o&r](f6fi€&a €v Tg ^cög avrov (Rom. 5, 10) spricht, sogar mit 
demselben Wechsel des präpositionalen Ausdruckes, den gleichen 
Gedanken, nur in mehr abstrakter Weise, aus, und das xal 
dnoxccTaXXd^j} rovg d/ii(pOT€Qovg iv dvi ccoftari *) t^ -d'e^ Sid 
TOV aravQov (Eph. 2, 16, vergl. auch Col. 1,21 f.), wieder mit der- 
selben charakteristischen Prothesie, klingt wie ein Kommentar dazu. 
Auch das dagoTi verlangt eine Auffassung des iv X^kttü), 
welche dasselbe nicht das Gleiche sagen lässt, wie das did 
Xqiütov. Man mag diese Konjunktion bestimmen, wie man 
will, begründend ist sie in jedem Fall. So wenig Paulus nun 
Gal. 3, 14 sich die Tautologie hat zu schulden kommen lassen : 
»Christus ist gestorben, damit den Heiden der Abrahamssegen 
zuteil würde durch seinen Tod«, so wenig hat er hier dieThat- 
sache, dass Gott durch Christus die Menschen mit sich versöhnt 
hat, durch eben dieselbe Thatsache begründet; vielmehr wird 
das von Gott ausgehende xaraXXdaasiv did Xgiatov begründet 
durch die gleichsam als Lieblingsüberzeugung ^) des Redenden 
bekannte persönliche Gewissheit, dass Gott ein die Welt iv 
XQi(fT(p xoTttXXdaciov war. 



1) = tV Xqtütti^ (so auch H. von Soden, a. a. 0., S. 120). Zu ev 
aiüfia = Xqiatog siehe 1 Cor. 12, 13; Col. 3, 15; vergl. Rom. 12,5; 
1 Cor. 10, 17 u. a. 

2) 'ßff oxi, Vergl. G. Heinrici, 2 Kor., S. 299. 



111 

Schliesslich bestätigt auch hier wieder der Gesamlkontext 
V. 15— !21 das Einzelresultat: V. 15 — 17 wurde die Gedanken- 
ketle Tod Christi (V. loa), sIvm iv Kgiarm (V. 17a) und Heils- 
wirkung des sh'tti, iv Xq. (V. 17 b) gewissermassen als These 
hingestellt; V. 18 u. 19 wird sie begründet durch Hinweis auf 
den, welcher der Urheber von dem Allen {rd ndvxa V. 18a) 
ist, Gott, der deti Tod Christi (V. 18a) und das durch das 
ilvai iv Xqkttm (V. 19) bewirkte Heil (V. 19) veranlasst hat. 
V. 20 und 21 recapitulieren sodann das Ganze, indem als der 
knappste Inhalt der Heilspredigt angegeben wird: wir sollen 
durch das nach dem Tode Christi (V. 21 a) mögliche sirai iv 
XQiarfo (V. 21 b) Sixaioavvf] &€ov (V. 21 b) werden. 

Wie sehr auch der Ausdruck für den Gedanken des Todes 
Christi *) und die Wirkung des ehai iv XQiCTfa ^) infolge der 
Verschiedenheil der jedesmaligen Betrachtungsweise wechselt, 
wir sehen doch im wesentlichen dasselbe Schema und im Mittel- 
punkte desselben dreimal den Gedanken iv XQKfvm, 

Damit ist auch die Stelle 2 Cor. 5^21^) erledigt. 

Die Stelle 2 Cor, 13, 4 endlich : xal ydg iarargd^t] i^ 
d(fx^€V€iag, dXXd ^fj ix Svvdfiecog &€ov' xai ydg rjfieTg da^evov- 
(i€v iv^) avTw, dXXd ^tjaofxev avv avx^ ix Svvdfiecog xß-aov sig 
vfueg gewinnt, wenn man sich den sonstigen Zusammenhang 
zwischen dem Tode Christi und dem eivai iv Xqiar^ vergegen- 
wärtigt, zweifellos eine grössere Straffheit des Gedankens: die 
Schwachheit und das Leben einerseits des Christus, anderseits 



1) a. V. 15: eis vneq ndvttDv dned-avev^ 

b. V. 18: xov xccTaXXd^avTog ^^ds eavtto dicc Xqiotov, 

c. V. 21 : zoy (jlti yyövxa d^aqxLav imeq ^fioiy dfjLaQxiav enoiriaev, 

2) a. V. 17: xatvri xziaig, 

b. V. 19: Nicktanrechnung der Sünde, 

c. V. 21 : dcxatoffvyrj S-eov. 

3) A. Kit sohl, a. a. 0., S. 175, wird dem iy durch seine Erklärung: 
»Rechtfertigung und Sündenvergebung aber finden ihre Begründung in 
Christus durch seine Qualität als Opfer« nicht gerecht. Dieses »in« steht 
vielmehr auf einer Linie mit dem »in« z. B. in folgenden Worten Bitschls: 
»also folgt aus dem durch das Passahopfer in Christus bezeichneten 
Charakter der gegenwärtig die Christen beschäftigenden Feier ..« (S. 177). 

4) So BDEKLP. 



112 

des Apostels stehen nicht nur in einem äusserlichen Analogie- 
verhältnisse ^) , sondern sind innerlich verbunden ^) durch das 
Bewusstsein des Paulus, dass seine Schwachheit (nicht nur nicht 
ohne Beziehung zum lebendigen Christus ist, sondern) gerade 
in dem lebendigen Christus^) ihre Sphäre hat, wie ja auch 
V. 3 schon der komplementäre Gedanke 6 XQiavog iv efAoi zum 
Ausdrucke gekommen war. 

6. Rom. 3, 24; 6, 11, 23; 8, 1, 2, 39; 9, 1 ; 12, 5; 14, 14; 
15,17; 16,2, 3, 7, 8, 9, 10, 11, 12 a und b, 13, 22. 

Rom. 3, J24^): dixaiovfxsvoi doiQsdv rrj avrov /a^er* did rrjg 
dnoXvTQ<ias(oq rfjg iv XQiai(o ^Ir^cov. Unsere Erklärung des iv ^) 
wird durch folgende Umstände bestätigt: 

a) Der Kontext stellt dem früheren Zustande des rjfjiaQTov 
(ImperTectum !) den gegenwärtigen Zustand einerseits des daraus 
resultierenden vatsQtwvcai rfjg So^rjg tov r^eov, anderseits des 
dixaiovfievoi (beide Male Präsens !) entgegen. Dazu passt nicht 
ein Begriflf der dnoXvTQcoaig y der ihre in der Vergangenheit 
momentan abgeschlossene Vollendung aussagt, sie also als fertiges 
Factum hinstellt, sondern nur ein solcher, der sie als dauernden 
Zustand begreifen lässt. Ein solcher aber ist allein die dno- 
XvTQcoaig T] iv XQiatfa "'hjaovy seil. Yiyvofisvr], nicht y^i'OjUfiiij ®). 

b) Auch ohne den Zusatz iv JC^. 7. wäre der passivische') 
Zustandscharakter der paulinischen dnoXvTQdoaig garantiert durch 
1 Cor. 1,30®), wo dieses Wort durchaus parallel steht den Zu- 
stands-Begriffen aoffCa^ dixaioavvTj und dyiaaixog^), 

5) Dazu hätte vor ri^elg das xaL oder ein ovtcog xai genügt. 

6) Daher xal yctQ. 

3) Oegen Meyer- He inrici, S. 400, der ev avzio erklärt: iy rw 
avavQco&syzi i^ ucd-eveLag. 

4) Vergl. schon oben S. 99 f. 

5j So auch W. A. van Ben gel, ad Rom. l, p. 824: »vocabulo «tto- 
^vzQüHsig denotari non posse redemtionem a Christo in cruce peractam, 
sed tantum liberationem e Christi communione assidue pro- 
ficiscentem«. 

6) Gegen C. F. A. Fritzsche, ad Rom. I, p. 189. 

7) H. Crem er, a. a. 0., S. 582. 

8) Vergl auch Ebr. 9, 12, wo die XvTq(oaig als eine al(oyla (Gegen- 
satz iqxina^) bezeichnet wird. 

9) A. Ritschi, a. a. 0., S. 222, behauptet, mit unoXvTQoxng werde 



113 

c) Der Gegensatz von V. 21 ff. und dem vorhergehenden 
Abschnitte ist schon äusserlich angedeutet durch die beiden 
Formeln iv %^ vofico (V. 19) und ev X^iarw "'Irjaov ^) , er wird 
verschleiert, wenn man das iv der letzteren Formel verflüchtigt. 

d) Die richtige Erklärung des iv lässt auch an dieser Stelle 
wieder die charakteristische Ideenverbindung des Paulus her- 
vortreten: Tod Christi (V. 25, dem slvai iv Xqksi:^ voraus- 
gehend), iv Xgi(fT<S slvai, dixaiovc^ai. 

e) Gol. 1,14: iv w ^^oiisv ri^v dnoXvTQwaiv ^ rrjv äfpsaiv 
T(av dfiaQTidSv^) und namentlich Eph. 1,7: iv (p ^%oii8V rrjv 
dnoXvTQwaiv did rov aTfiarog avTov, zrjv äq)6aiv twv naga- 
TtToofiaTüov beweisen ebenfalls das Recht unserer Fassung des iv. 

7. Philm. 8; 16; 20a und b; 23. 

8. Phil. 1, 1, 13, 14, 26; 2, 1, 5, 19, 24, 29; 3, 1, 3, 9, 14; 
4, 1, 2, 4, 7, 10, 13, 19, 21. 

Phil. 2, 5: xovxo (pQovetTs iv vfiTv o xal iv Xqiccm ''hjaov 
Diese Stelle ist in unserer Frage eine der interessantesten. Sie 
ist so zu übersetzen: habt dieselbe Gesinnung intra vestrum 
coetum^), wie ihr sie auch im Christus Jesus habt. Für die 
These, dass iv Xqict^ Ir^aov hier, wie an den 20 anderen 
Stellen des Philipperbriefes, die paulinische Formel ist, spricht 
folgendes: 



hier (1 Cor. 1, 30) auf die Leistung Christi zurückgegriffen. Das könnte 
höchstens dann der Fall sein, wenn das Wort am Anfange stände; aber 
am Schlüsse der Reihe wäre ein Begriff, der zeitlich den drei anderen 
vorausgeht, sehr sonderbar. Wenn ein früherer Sklave von einem Menschen 
sagen würde: er ist mir ein Trost und eine Freude und eine Förderung 
und eine Loskaufung geworden, dann müsste man diese Worte so ver- 
stehen, dass der betr. Mensch dem Sklaven zuerst ein Trost und eine 
Freude und eine Förderung gewesen ist und ihn dann auch losgekauft 
hat, nicht aber umgekehrt. 

1) Vergl. über diesen Gegensatz unten S. 125. 

2) Vergl. bes. H. v. Soden z. d. St., a. a. 0., S. 25. 
3)SoHoelemann, vergl. Meyer IX (Phil., Col., Philm.)", Gott. 

1886, S. 91 ; diese Fassung ist notwendig wegen der Korrespondenz des 
Bv bei Bv Xq. 7. Es geht nicht an, das erste iy anders zu erklären, als 
das zweite ; entweder sind beide »psychologisch« , oder beide rein lokal. 

8 



114 

a) Meines Erachtens muss jeder, der an die Stelle un- 
befangen herantritt, zu dem o xal sv Xqkxt^ ^Ir^aov ein q>Qo%*€XT€ 
ergänzen, und damit ist von selbst die lokale Fassung des iv 
in einer dem Sinne der paulinischen Formel nahekommenden 
Bedeutung gegeben. 

a) Wir haben einen ganz analogen Fall eines verkürzten 
Satzes 2 Tim. 1,5: rfi^ niaTsoag^ fjvig ivwxrjasv ttqwtov iv tJ 
fAccfifir] aov Amol xal ttJ (.irjTQi aov Evvixrj^ neneiafiai S^ an 
xal iv aoL Auch hier eine Konstruktion mit «', auch hier 
im zweiten Satze ein xaC, Ich glaube nicht, dass irgend jemand 
schon einmal auf den Gedanken gekommen ist, es müsse etwas 
Anderes ergänzt werden, als das Verbum des übergeordneten 
Satzes ivtpx7j(r€v. 

ß) Gewöhnlich wird das o xai entweder durch i^Qovrjx^i] 
resp. itfQovsiTo ergänzt, oder durch ^v. Den ersteren Ausweg 
charakterisiert J. Chr. K. von Hofmann^) so: »Man ergänzt 
dann iq>Qovr^xh} [sachlich stimmt ifpQovstTo damit überein] zu 
o xal iv Xgi(TT(p Irjaov und stellt sich an, als ob hiegegen 
gar Nichts zu erinnern wäre, unterlässt aber weislich, darnach 
zu übersetzen, weil sich sonst sofort zeigen würde, dass das, 
was man eine seltene Impersonalkonstruklion nennt, in Wahr- 
heil eine schlechthin unmögliche und deshalb beispiellose Aus- 
drucksweise ist, deren Unmöglichkeit auch dadurch nicht ver- 
deckt werden kann, dass man sie lieber lateinisch mit quod 
etiam in Christo Jesu sentiebatur wiedergiebt*. Ich kann mir 
diese Worte nur völlig aneignen. »Was auch in ^) Christo Jesu 
gedacht*) wurde« — von wem denn? doch von Christus selbst; 
also hätten wir die Aussage, dass in Christo von Christo 



1) Die heilige Schrift neuen Testaments zasaunn anhängend untersucht 
IV, 3, Nördl. 1871, S. 58. Vergl. auch Th. Zahn, Altes und Neues 
zum Verständniss des Philip per briefs^ Ztschr. für kirchl. Wissenschaft 
und kirchl. Leben VI, Lpz. 1885, S. 243. 

2) Dieses »in« ist dann natürlich im »psychologischen« Sinne zu 
verstehen. 

3) Ich wähle hier diese dem q)Qov€;Xv nicht gerecht werdende Über- 
setzung nur, weil wir ein entsprechendes aktives Verb nicht haben, an 
dem die Sonderbarkeit einer unpersönlichen Passivkonstruktion verdeut- 
licht werden konnte. 



115 

etwas gedacht worden ist. Ein zweiter Beleg für eine 
solche im wahrsten Sinne geschraubte Vorstellung ist wohl 
nicht beizubringen. Die ganze Sonderbarkeit fallt dann noch 
mehr ins Auge, wenn man bedenkt, dass dann Paulus in einem 
Atem den als persönlich (pQovovvTeg aufgefassten Philippern 
den nur als psychologischen Ort für ein impersonelles (pQoveT" 
ad^ai aufgefassten xvQiog gegenübergestellt hätte. Mit unter 
dem Eindrucke der aus jener Egänzung notwendig sich er- 
gebenden Sonderbarkeit ist es wohl geschehen, dass das (pQovstte 
(vor iv vfiTv) der wichtigsten Majuskeln ^) verändert werden 
konnte in die sonst ungebräuchliche*) Passivform gfQovsia&cOy 
wodurch das Odium des unpersönlichen Denkens in seiner ersten 
Schärfe die Philipper traf ^) und bei (dem dann zeugmatischen) 
iv XQiCTta Irfiov weniger verletzend sich aufdrängte. 

Auch die Ergänzung eines riv ist aus demselben Grunde ab- 
zulehnen. »Was auch in Christo Jesu war«? Die dürftige Un- 
persönlichkeit einer solchen Ausdrucksweise stimmt schlecht 
zum Folgenden, wo Christus das Subjekt einer Reihe von Aus- 
sagen ist, welche im eminentesten Sinne persönlich gedacht 
sind. Und dann ist billig zu bezweifeln, dass ausser dem Er- 
gänzer selbst noch ein anderer, namentlich ein Leser des Briefes 
aus der philippischen Gemeinde, in einem >o xal iv Ägiarm 
Itjcov rjV€ einen zusammenfassenden Ausdruck für die ethische 
Gesinnung des Herrn gefunden haben würde. 

b) Der Grund, welchen z. B. A. H. Franke*) gegen 
J. Chr. K. vonHofmann geltend macht, die Vorstellung des 
(fQm'sTv iv Xgiavw sei »sachlich sonderbar« , ist unschwer zu 
widerlegen. Sowohl diese Vorstellung selbst, als auch die That- 



1) NABC*DEPa. 

2) A. H. Franke, Meyer IX*, S. 79. 

3) Auch dann musate natürlich das iy vor vfj,ty »psychologisch« ver- 
standen werden und nicht etwa als Ersatz far inter (»in euerer Mitte«). 
Denn entweder bleibt dann Christus allein durch das unpersönliche 
Denken kompromittiert, oder auch das iy vor Xqtazi^ *Iri<fov musste 
lokal gemeint sein: was auch im Christus (von euch) gedacht wird, und 
das wäre ja dann unsere Erklärung. 

4) A. a. 0., S. 92. 

8* 



116 

Sache, dass dem iv XQiarqy etvai oder irgend einer Einzel- 
bestimmtheit dieses Verhältnisses eine durch den Gedanken der 
Gemeinde gegebene Beziehung korrespondiert, ist als eine 
paulinische nachzuweisen. 

a) Das eine to avro (pgovsTv iv xvQim unseres Briefes^) 
würde schon genügen. Aber es kann auch noch daran erin- 
nert werden, dass eine ganze Reihe von Verben, welche 
zu dem ethischen Allgemeinbegriflfe (pQoveTv im Verhältnisse von 
Einzelbegrififen stehen, mit der Formel verbunden sind. Ich 
verweise auf die Zusammenstellung unten S. 118 flf. 

ß) Der xoivtovia xov Xqkttov^) entspricht die xoivwvia 
v/iüöv^); das ngoadäx^aOai geschieht nicht nur svxvqiw, sondern 
auch d^icog Tcov dyicov^); iv rrj ixxXrj(fia xai er Xqiot^ ^Irjcov 
soll d^em Sö^a erwiesen werden ^), und endlich , was für unsere 
Stelle besonders schlagend ist, das avTo ^QoveTv iv dXXijXoig 
soll xard Xqictov 'IrjfXovv geschehen®). 

c) A. H. Franke*^) glaubt die Hofmannsche Erklärung 
erledigen zu können, wenn er sagt: »gegen den Kontext, nach 
welchem V. 5 das vorbildliche Handeln Christi V. 6 ff. einführt, 
also diesen als Beispiel vorstellt«. Dass V. 5 das vorbildliche 
Handeln Christi einführen soll, ist reine petitio principii: diese 
Frage ist ja doch identisch mit der Frage nach dem zu er- 
gänzenden Worte, und es kann daher zur Entscheidung der 
letzteren nicht ein Lösungsversuch der ersteren verwendet 
werden. Es ist klar, dass der Kontext ein etwas anderer wird, 
als man gewöhnt ist anzunehmen, aber, wie mir scheint, wird 
er viel geschlossener und einheitlicher. Wenn nach der ge- 
wöhnlichen Erklärung Paulus der Gemeinde als Vorbild die 
Gesinnung Christi hinstellt, so gibt er nach unserer Auf- 



1) Phil. 4, 2. Vergl. auch g)Q6vtfioi iv Xqigtm 1 Cor. 4, 10. 

2) 1 Cor. 1, 9. 

3) Phil. 1, 5 cf. Gal. 2, 9. 

4) Rom. 16, 2. 

5) Eph. 3, 21. 

6) Born. 15, 5. Die Formel xata X^iatoy ist sachlich dem iy Xqiatiu 
verwandt. 

7) A. a. 0., S. 92. 



117 

fassiing ihr Verhältnis zu Christus als Norm für ihr Verhältnis 
zu den Brüdern an. Dieses ihr Verhältnis zu Christus, 
ihr (fQovsTv iv XgiCTMy welches man sich nach Analogie des 
XQiardv elvai iv avToTg auch als ein XgiaTdv (pQoveXv iv aihoTg 
denken kann, ist hier imgrunde auch das Verhältnis von nach- 
ahmenden Anfangern zum vorbildlichen Ideal, sodass der Hin- 
weis auf das Vorbild Christi in jedem Falle bleibt: wozu ihr 
als ovT€g iv XQiifTw ohnehin verpflichtet seid, dass ihr den 
Christus in euch Gestalt gewinnen lasst (hier den demütigen 
und gehorsamen Christus), das thut auch in euerem Gemeinde- 
leben. Offenbar gewinnt die Paränese des Apostels dann eine 
viel wirkungsvollere Bestimmtheit, wenn er die Philipper an 
eine ihnen wohlbekannte Thatsache erinnert, welche als solche 
schon genügen. sollte, ihrem Leben die ethische Richtschnur zu 
geben, als wenn er sie nur auf ein Vorbild hinweist, ohne hin- 
zuzufügen, worin denn die verpflichtende Kraft dieses Vorbildes 
beruht. Der Abstand, welcher zwischen dem lediglich als Vor- 
bild hingestellten Christus und den lediglich zur Nachahmung 
aufgeforderten Philippern für das Bewusstsein der Leser besteht, 
verliert sich durch die Erinnerung an die Thatsache der organ- 
ischen Verbindung beider : sie zeigt nicht nur das stärkste Motiv 
zum (pQovsTvy sondern garantiert auch seine Ausführbarkeit. 

Noch nach einer anderen Seite hin wird der Kontext für 
unsere Erklärung des iv geltend gemacht werden dürfen. Wenn 
man sich der wichtigen Stellen erinnert, in denen das shai iv 
XQiarw in eine Beziehung zu dem Tode Christi gesetzt ist, so 
wird man von selbst zur Annahme gebracht, dass der Tod und 
die Erhöhung Christi angeführt sind nicht nur, um auf Demut 
und Gehorsam des Herrn, sowie die Belohnung dafür hinzu- 
weisen, sondern auch als die Thatsachen, welche für das elvai 
iv Xqict^ konstitutiv sind. So würde auch hier durch das 
kunstvolle Gefüge der paulinischen Periode jener Lieblings- 
gedanke des Apostels hindurchschimmern. 



118 



X. Die centrale Stellung der Formel innerhalb 
der Oesamtliteratur des Paulinistmis. 

Ein sachlicher Unterschied zwischen den Aussagen der 
paulinischen Homologumena und denen der angezweifelten 
Schriften besteht insofern nicht, als die Deuteropaulinen etwas 
wesentlich Neues im Verhältnisse zu den Hauptbriefen nicht 
bringen und zu ihren wenigen Eigentümlichkeiten in den 
früheren Briefen wenigstens die Ansätze zu finden sind. 

1. Das apostoli sc he Selbst bewusstsein des Paulus. 
Der Apostel fühlt sich als einen äv&Qtonog iv Xqict^^), Als 
solcher vermag er alles iv tw evSvvafiovvTi^) avrov und bildet 
seine Überzeugung sv xvgiip Itjaov^); als solcher fasst er seine 
Lebensführung auf als oSoi ir XqkttiS 'Irjaov *) und seine Er- 
folge als eine xhiga dvecpyfiätif] Sv xvqico ^). Selbst auf die tiefste 
Demütigung fällt ihm von hier aus ein Strahl des Trostes: so- 
gar seine Bande müssen g)av€Qoi iv Xqictw yeväax^ai^), ist er 
doch Säcffiiog iv xvqiio'') und darum sein Mitgefangener ein 
avvai%iiaXwTo^ iv Xqictw 7r;croiT®). In allen Leiden dieser Zeit 
vertraut er iv xvgit»^) auf Gott, den ^gia/jißevcov avTov iv r« 
XQiar^ ^®) ; darum kann er sich als einen der xav^wiiBvoi, iv 
XQKfTM lrj(fov^^) fühlen, der seine xavxrjaiv Sx^i iv Xqkxtw 
^liqaov ^2), der zwar dcx^evet, aber iv avr^ ^^), der deshalb auch 
sagen kann ixägrjv iv xvqCia iisydXcog^^) und keinen höheren 
Wunsch hat, als et^gs&rjvai iv avrw^^). Als naidaymydg iv 
Xqiar^^^) hat er die Aufgabe des diddaxsiv iv avr^ ") und zwar 
Tijr dlrjx^eiav iv rw ViycrotJ ^^) ; seinen Zöglingen ist er der geistliche 
Vater, der sie iv XQiartp Irjcov iyevvtjaev ^^) , und darum ist 

1) 2 Cor. 12, 2. 10) 2 Cor. 2, 14. 

2) Phil. 4, 13. 11) Phil. 3, 3. 

3) Rom. 14, 14. 12) 1 Cor. 15, 31; Rom. 15, 17. 

4) 1 Cor. 4, 17. 13) 2 Cor. 13, 4. 

5) 2 Cor. 2, 12. 14) Phil. 4. 10. 

6) Phil. 1, 13. 15) Phil. 3, 9. 

7) Eph. 4, 1. 16) 1 Cor. 4, 15. 

8) Philm. 23. 17) Eph. 4, 21. 

9) 2 Thess. 3, 4; Gal. 5, 10; Rom. 18) Eph. 4, 21. 
14, 14; Phil. 2, 24. 19) 1 Cor. 4, 15. 



119 



ein einzelner, wie Timotheus, sein växi^ov dyanrjTdv xal 7ti(ftdv 
iv xvQifp^^). Er weiss, dass er diese räxva zunächst als tnfjnioi 
iv Xqkxtm^^) zu behandeln hat, doch will er sie durch sein 
Xaletv €v XQiaT$^% nämlich durch dXrj^eiav Xäysiv ev Xqict^^^) 
und ixaQxvQsCx^ai iv xttQi^^^)^ durch das nagaxaXetv iv xvglat 
Ir^aov^^) oder die nccQaxXr^cfig iv Xqkttw^^) mit Hülfe seiner 
avv€()yol ir Xqict0^'^) und iiaxovoi xai avvdovXoi iv xvgicp^^) 
zu fpQoviihoi iv XQiaxfp^^) machen und einen jeden einzelnen 
darstellen als einen riXsiog iv XQiaTw^^). Darum sind seine 
Gemeinden sein igyov iv xvQiip^^) und die cry^ayig tTjg dnoatoXfjg 
iv xvgiip ^*), 

2. Diese Gemeinden bestehen aus denen, welche iv Xqksx^ 
sind '^), weil xvKfx^ivreg iv Xqkttw ""Irjaov ^% nsgiTfirj^ivTeg iv 
avT^ nsQiTOfifj dxsiQononfjTfd ^^), (f^gayiad^iiTsg iv aihw ^*) oder 
(fvv€y€Q^ävT€g iv atJr^^'). Darum sind die Einzelgemeinden 
ixxXr](fiai iv XQicfrw ^®) und können als nürreg vfieig iv Xqkst^ 
l7j(fov^^) angeredet werden oder als rjyiacfiivoi iv XQiazm 
^Irjffov^^) und ceyioi iv XgKfTtS ^Ir^aov^^). Als solche sind sie 
^cSg iv xvQi(p^^) und haben die Bestimmung iv avvm at^^dveiv^^) 
zu einem vaSg Syiog iv xvgiio^^). Deshalb arbeiten in der Ge- 
meinde nQoitfrdfxsvoi iv xvQitp^^)^ die ihre diaxoviav iv xvQita 
naQsXaßov^^) und deren Ruhm es ist, niaroi didxovot iv xvgito^'') 
oder ioxifioi iv Xqkst^ *®) zu sein. Jeder Verkehr der Gemeinden 



20) 1 Cor. 4, 17. 

21) l Cor. 3, 1. 

22) 2 Cor. 2, 17; 12, 19. 

23) Rom. 9, 1. 

24) Eph. 4, 17. 

25) 1 These. 4, 1 ; 2 Thess. 3, 12. 

26) Phil. 2, 1. 

27) Rom. 16, 3 u. 9. 

28) Col. 4, 7. 

29) 1 Cor. 4, 10; daes der Aus- 
druck ironisch steht, ist hier 
ohne Belang. 

30) Col. 1, 28. 

31) 1 Cor. 9, 1. 

32) 1 Cor. 9, 2. 

33) 1 Cor. 1, 30; Rom. 8, 1. 



34) Eph. 2, 10. 

35) Col. 2, 11. 

36) Eph. 1, 13. 

37) Col. 2, 12. 

38) 1 Thess. 1, 1; 2, 14; 2 Thess. 
1, 1; Gal. 1, 22. 

39) 1 Cor. 16, 24. 

40) 1 Cor. 1, 2. 

41) Phil. 1, 1; Col. 1, 2. 

42) Eph. 5, 8. 

43) Eph. 2, 21. 

44) Eph. 2, 21. 

45) 1 Thess. 5, 12. 
A^) Col. 4, 17. 

47) Eph. 6, 21. 

48) Rom. 16, 10. 



120 

unter einander, sei es durch ein Wort des dand^sax^cci^^)^ sei 
es durch eine That des nQoaiäxsaÖ'ai ^) , geschieht iv xvqiw : 
sind doch alle slg ^v XQKfTß ^Irj(fov^^)y h' awfjux iv XgKfTm^^), 

Der einzelne Christ, der cSv iv xvglio^^) oder niarog 
iv X(}iaT^^% ist, wie der Welt gegenüber ein Syiog iv XQiatto 
Iv^aov **), so den Mitchristen gegenüber ein ddeXgiog iv xvgito ^®). 
Seine natürlichen Beziehungen erhalten iv Xqkxt^ ihre Weihe: 
er ehrt Vater und Mutter als yovsTg iv xvgiip^'^), weil er weiss, 
dass es so evagsarov iariv iv xvgifo^^)-^ er- geht iv xvQi<p^^) 
die Ehe ein, welche nur iv xvQiqy ihrem idealen Zwecke gerecht 
wird*®); die Gattin ordnet sich dem Manne unter wg dvrjxev 
iv xvQioi^^), der Freund ist dem Freunde der dyanr^og iv 
xvQi(p ®2) ; die nationalen und socialen wie die physischen Unter- 
schiede schwinden : ovx Mvi \iv Xg. 7.] loviaTog ovd^ "ElXr]Vy 
ovx h'i SovXog ovÜ iXsvd^sgog^ ovx h'i ägaev xai vHjXv^^). 
Das Leben des Christen soll ein nsginaxetv iv ai;«:^®*), ein 
(fri]x€iv iv xvgi(p^^)^ ein ivdvvaiiovad^ai iv xvgi(p^^)j ein ^i)v 
Bvasßwg iv XgiCTM Irjaov ^'') ^ ja ein xoniav iv xvgi^^^) sein, 
und wenn es auch nicht jeder zu einem ixXexrog iv xvgiip ®®) 
bringt, so darf doch jeder wissen, dass sein xortog ovx Saziv 
x€vdg iv xvgitp''^); der ixXsxrog iv xvgitp aber wird nicht ver- 
gessen, dass jedes xav^i^iMa nsgtttasvsi iv Xgiav^^Ir}aov'^^). Als 
i^^i^tofiivoi xal inoixodofiovusvoi iv avTfo'^^) haben sie alle die 
Pflicht , ro avrd (pgovetv iv xvgi(p '^) , damit sie iv avtm 
CVVOixodofxovvTai sig xaroixtjTijgiov rov ^eov iv nvevfAaxi ''*). 

49) 1 Cor. 16, 19; Rom. 16, 22. 63) Gal. 3, 28; 1 Cor. 7, 22 cf. 

50) Rom. 16, 2; Phil. 2, 29. Eph. 2, 15. 

51) Gal. 3, 28. 64) Col. 2, 6. 

52) Rom. 12, 5. 65) 1 Thess. 3, 8; Phü. 4, 1. 

53) Rom. 16, 11. 66) Eph. 6, 10. 

54) Col. 1, 2; Eph. 1, 1. 67) 2 Tim. 3, 12. 

55) Phü. 4, 21. 68) Rom. 16, 12. 

56) Phil. 1,14; Philm. 16; Col. 1,2. 69) Rom. 16, 13. 

57) Eph. 6, 1. 70) 1 Cor. 15, 58. 

58) Col. 3, 20. 71) Phil. 1, 26. 

59) 1 Cor. 7, 39. 72) Col. 2, 7. 

60) 1 Cor. 11, 11. 73) Phil. 4, 2 cf. 2, 5. 

61) Col. 3, 18. 74) Eph. 2, 22. 

62) Rom. 16, 8. 



121 

3. Das Heil, die (fanrjQia iv XQiatm ^Irjaov'^^X besteht in 
der dnoXvTQOiaig iv Xgiax^ ^rjcov''^). ^Ev Xqktt^ *It]aov 
werden den Christen die göttlichen Heilsgüter x^Q''^ ^ov x^eov ^"^j, 
äydnr} lov d^eov'^^) und stgr^vrj %ov x^eov'^^) gegeben, weshalb 
von Gott gesagt werden kann «V Xqiot^ ixagiaazo vfiTv^^) 
oder o evXoyijaag rjfxäg i%> Tidajj BvXoyCff nvevfxaTixfj iv JC^icrrw®'); 
war er doch iv XqictiS xoafiov xarakkticfcfcov iavT(p^^). Er- 
fahren wird das Heil von dem Menschen durch die niavig iv 
XgiCTM ^Irjcov^^) als iixaioavvrj &€ov iv avr«®*), als ^wij 
alcinog iv Xqictw 'Itjctov tw xvQi(p ijjuw v ®*^), als uagg^rjcria xal 
TiQoaayfoyfi Iv avT^ ®*), als iXsvx^-SQicc iv Xqictm ^IrjCov ®'), Die 
Erfahrung, dass für den Christen iv avT<S navreg ot xhqaavQol 
TVfi aoffiaq xal yvoitf scog geborgen sind ®®), findet ihren höchsten 
Ausdruck in dem Bewusstsein, dass iv avrm xaioixeT ndv to 
nXr}Q(iofia Trjg &€6rrjTog acofiarixcog ^^) , so dass die Christen, 
deren Ziel es ja ist, iv avT^ ein xaToixrjTtjgiov xov &€ov zu 
werden*^), iv avV« nsnXtjQdaiiävoi^^) und selbst vioi &€ov^^) 
sind. So ist ovdkv xaTäxQiitia an denen , die iv Xqictm 'Itjcfov 
sind*^), sie sind iv Xqiot^ eine xaivrj xvCaig^^)^ iv navtl 
nXovTiax}'ävT€g iv ai;T^®^), denen Gott TrXrjQciasi ndaav xgeiav 
iv Xqkttw ^Irjaov^^), Darum dürfen sie xaCgsiv iv xvgm^'^) 
und iXm^€iv iv xvQi(p •®) und können vertrauen, dass ihre Toten 
als v€XQol iv XgiCT^^^) und xoifitj&ävteg iv XQKfTw^^^) auch 
iv T^ XgKfTM ndvTsg ^wonoir}driaov%ai,^^^), 

75) 2 Tim. 2, 10. 87) Gal. 2, 4. 

76) Rom.3,24;Col.l,14;Eph.l,7. 88) Col. 2, 3 cf. 1 Cor. 1, 5. 

77) 1 Cor. 1, 4; Eph. 1, 6; 2, 7; 89) Col. 2, 9 cf. 1, 19. 
2 Tim. 1, 9; 2, 1. 90) Eph. 2, 22. 

78) Rom. 8, 39. 91) Col. 2, 10. 

79) Pbil. 4, 7. 92) Gal. 3, 26. 

80) Eph. 4, 32. 93) Rom. 8, 1. 

81) Eph. 1, 3. 94) 2 Cor. 5, 17; Gal. 5, 6. 

82) 2 Cor. 5, 19. 95) 1 Cor. 1, 5. 

83) Gal. 3, 26; 5, 6; Col. 1, 4; 96) Phil. 4, 19. 

Äi'f^s'^'s'lV'^''''' 97) Phil. 3,1; 4, 4. 

84) 2 Cor.' 5: 2rcf ' Gal. 2, 17. ^ ?..'' 'Vi«' '"' ''' ''• 

85) Rom. 6,23 cf. 8, 2 und 6, 11; ,^^{ } i iV ,q 
2 Tim. 1, 1. 100) 1 Cor. 15, 18* 

86) Eph. 3, 12 cf. Philm. 8. 1^1) 1 Cor. 15, 22. 



122 

4. Erscheint nach alledem der Gedanke des efvai iv 
XQidT^ als eins der wichtigsten Orientierungsmittel des paulin- 
ischen Christentums, so ist begreiflich, wenn auch die ge- 
samte Heilsgeschichte in ihrem ganzen Umfange vom An- 
fange bis zum Ende der Welt von dem Gesichtspunkte iv 
XgiaT^ aus aufgefasst wird, obwohl der Gebrauch dieses Ge- 
dankens in der religiösen Spekulation eigentlich eine gewisse 
Begrenzung haben sollte: Thatsachen, welche vor der Aufer- 
stehung und Pneumawerdung Christi liegen, fallen zunächst 
ausserhalb jener Betrachtungsweise. Dieses letztere Bedenken 
ist jedoch leicht zu beseitigen. Man beachte, dass die 
paulinischen Homologumena niemals ein vor der Auferstehung 
liegendes Ereignis als h* XgKfnp geschehen darstellen. Dass 
sich in späteren Briefen ein paar ganz vereinzelte Stellen finden, 
kann in zweifacher Weise erklärt werden. Entweder man 
nimmt an, dass bei der späten Abfassungszeit dieser Schriften 
das paulinische sv XQitfTw bereits zur Formel im eigentlichsten 
Sinne des Wortes erstarrt war*) — • die auffällige Häufung 
des Gebrauches spricht für diese Vermutung — und dass 
dieselbe dann bereits in solchen Gedankenzusammenhängen 
gebraucht wurde, in welche sie ihr Bildner selbst nicht hinein- 
gestellt haben würde. Oder man erklärt den fast fremdartig 
anmutenden Charakter jener wenigen Aussagen aus dem eigen- 
tümlichen Wesen der religiösen Meditalion, die mit autonomer 
Kühnheit alles unter ihre Gesichtspunkte einzuordnen weiss. 
Statuiert sie ein Mysterium, so bedeutet ihr das nicht den Ver- 
zicht auf die Lösung, sondern sie glaubt eben darin die Lösung 
gefunden zu haben. Ebenso wenig dürfen ihre Antecipationen 
als willkürliche Anachronismen angesehen werden: es sind viel- 
mehr Erkenntnisse, die von einem erdenfernen Standpunkte aus 
gewonnen sind, dessen Höhe die gewöhnlichen Grenzlinien des 
menschlichen Denkens hat verschwinden lassen. Kühnheit der 
Spekulation aber hat noch niemand den Deuteropaulinen ab- 
gesprochen. Wie von selbst hat sich in ihnen der Horizont 
dessen, was sv XQiattS geglaubt und erfahren wird, erweitert. 
Dieser Thatbestand darf meines Erachtens nicht so ausgedrückt 

*) Vergl. unten S. 126 f. 



123 

werden, als hätten sie die von Paulus zur Bezeichnung eines 
Verhältnisses zu dem erhöhten Christus gebildete Formel auf 
den präexistenten Christus angewendet. Eine solche Be> 
trachtungsweise scheint mir die weniger natürliche zu sein. 
Doch zur Sache! 

Wie der göttliche Wille in jedem einzelnen Falle erkannt 
wird als das v^äXrjfia tov v^eov iv Ägitfr^ ^Irjtfov '^^) , so wird 
dessen vorzeitlicher Heilsratschluss als ein ixXä^aax^ai rjfjiäg iv 
ccvTw ngo xataßoXrjg xofffiov^^^) bezeichnet. Darum erscheint 
die xdgig auch als eine do&€iaa iqfuv iv XQi(fT<p ^Irjdov ngo 
Xgovwv aicovicov ^®*), und das christliche Bewusstsein sagt : iv ^ 
xal ixXrjgci&rjfiev TrgoogKfx^svTcg^^^). Die erste Äusserung des 
Heilswillens Gottes waren die Verheissungen : ihr vai geschieht 
iv avTM *®®) ; die einst dem Abraham gegebene evXoyCa yiyverai 
iv T^ XgiCT^ 'IrjCov slg tu ^&vr]^^''), welche deshalb avvxXr^ 
govofjux xal avvacoima xal iSvvixäToxa Tfjg inayyeXCag iv XgiavM 
Irjaov^^^) sind. Eine andere Ausdrucksweise für denselben, 
etwas erweiterten Gedanken ist es, wenn gesagt wird, dass Gott 
Tiijv evdoxCav avrov Ttgoä&fro (öffentlich dargestellt hat, Rom. 
3, 25) iv ai'r^^®*), dass er die rtgöd-ctfig rcör aldvcov irtoirjtfsv 
(ausgeführt hat, Eph. 2,3; Jo. 6,38; 7,17; Apoc. Jo. 17,17; 
Matth. 21,31) iv rw Kgiarm 'Itjaov t^ xvgi(p rjfjicov^^^) oder 
dass er rrjv ivägyeiav tov xgaTovg rfg itrxvog avrov iW^gyr^xsv 
iv TM Xgiartp '*'). Die Unvollkommenheit der Zeit vor Christus, 
das xaXvfjtfAa inl Tfj dvayvcitrti zfjg nahxiäg diadr^xrig^ hat da- 
her jetzt aufgehört : iv Xgiana xaragyeHai ^^*). Dem einzelnen 
Menschen endlich tritt der göttliche Heilswille nahe durch die 
xXiJaig TOV -d'sov iv Xgiar^ 'irjaov^^^)\ er wird ein iv xvgito 
xXrjx^eig "*). So drängt sich denn innerhalb der Sphäre 
»Christus« die ganze Heilsgeschichte zusammen: der zurück- 



102) 1 Thess. 5, 18. 109) Eph. 1, 9. 

103) Eph. 1, 4. 110) Eph. 3, 11. 

104) 2 Tim. 1, 9. 111) Eph. 1, 19 f. 

105) Eph. 1, 11. 112) 2 Cor. 3, 14. 

106) 2 Cor. 1, 20. 113) Phil. 3, 14 cf. 1 Cor. 1,2. 

107) Gal. 3, 14. 114) 1 Cor. 7, 22. 

108) Eph. 3, 6. 



124 

blickende Geist bekennt: ra ndvTa iv at^rw avväfSTrixEif^^^)^ 
und das vorwärlsschauende Auge ahnt, dass die olxovoiAia tov 
TrXrjQcifjLaTog tcov xaigtov in dem dvax€g)aXai(6aa<T&ai Tce ndvTa 
iv TM JT^tcrro)'") sich vollziehen wird. 



XI. IHe NachuHrkungen der Formel 

SV XgiaTm ""Itjtrov. 

Die Feststellung der Nachwirkungen unserer Formel ist als 
sprachliche Aufgabe zu verstehen. Inwiefern der paulinische 
Gedanke der Gemeinschaft mit Christus von Einfiuss gewesen 
ist, kommt erst in zweiter Linie in Betracht und kann nur auf- 
grund einer biblisch - theologischen Untersuchung festgestellt 
werden. 

1. Bei Paulus selbst finden sich zwei Stellen, welche sich 
am ungezwungensten als bewusste oder unbewusste Nachwirk- 
ung seines sv erklären. 

1 Cor. 7, 14: r^yiaarai yccg 6 dvrjg 6 ccmaTog iv tv^ yvvaixl 
xal riyiaaxai rj yvvrj Vj aniaTog iv rtS ddcXtp^. Das iv dient 
in beiden Fällen zum Ausdrucke der engen durch die Ehe ge- 
setzten Gemeinschaft zwischen Mann und Weib, wie sie 
Origenes^) zu dieser Stelle charakterisiert: xag xgäai'g rig 
yivsTui TCöV dvo^ dvdgog xal yvvaixog elg (fdgxa fiiav^ wansg 
oTvov xctl t?Jaro5«. Die Wahl gerade des iv war durch das 
Verbum dyid^eiv nahegelegt, welches wie Syiog von Paulus 
mit iv Xgifsr(5 verbunden wird. 

1 Cor. 15^ 22 : Sansg ydg iv v^ 'ASdfi ndweg dnod'Vi]axov(Tiv, 
ovT(og xal iv T(p Xgiar^ ndvrsg ^(oonoir^'dijaovTaL Das iv tw 
^Addfjiy zunächst veranlasst durch den rückwirkenden Parallelis- 
mus des folgenden iv tw Xgi<fT^, steht auch noch unter dem 
Einflüsse der unmittelbar vorher zweimal gebrauchten Formel 
und ist daher leicht verständlich. Das iv ist von dem iv 



115) Col. 1, 17. 116) Eph. 1, 10. 

1) Vergl. Meyer-Heinrici, S. 196 und P. W. Schmiedel, a. 
a. 0., S. 102. 

2) Cat. Ox. V, p. 133. 



125 

unserer Formel aus zu verstehen und kann nicht umgekehrt zur 
Erklärung des iv XQiattö verwandt werden. Ebensowenig darf 
es, wie auch das iv der Stelle 7, 14, in eine sachliche Kon- 
gruenz mit dem iv der Formel iv Xqktt^ hineingezwängt 
werden, so nämlich, als musste die zufällige, einmalige und 
äusserlich bedingte Redeweise iv rrj yvvaixi und iv t^ ^ASdfi 
das Verhältnis der Gatten zu einander und der Menschen zu 
Adam als ein der Gemeinschaft des Christen mit dem Herrn 
völlig gleichartiges bezeichnen. 

2. Als eine Nachwirkung in anderem Sinne kann auch 
der Umstand aufgefasst werden, dass eine Anzahl anderer 
paulinischer Formeln, welche das Conlrarium unserer 
Formel ausdrücken, mit iv gebildet sind: 

iv v6fA(p^): Gal. 3, 11 (iv v6/x(p dixaiovrai, vergl. Si- 
xaKOx^fjvai iv Xqktt^ Gal. 2, 17); ähnlich 5,4 (wo iv rofifp 
identisch ist mit dno XgiaTov); Rom. 2, 12, 20 (ßOQipfoaiv Ttjg 
dXr^x^sCag iv Tip vofJKp, vergl. dXrj&sia iv XgiaT(p Eph. 4,21), 
23 {xavxäaai iv vofiq), vergl. xavxd^svot iv Xgiar^ Phil. 
3, 3 u. a.); 3, 19 (dazu steht iv Xqictm 'IrjCov V. 24 noch im 
Gegensatze); Pliil. 3, 6 {Sixaioavvtjv iiyr iv v6fi(p, vergl. 
äixaiotrvvT] iv XgiaTip 2 Cor. 5, 21). 

iv aagxi: Gal. 6,12; Rom. 7,5 (r^fiev iv zfj aagxC^ vergl. 
€ivai iv Xgiavtö 1 Cor. 1, 30; Rom. 8, 1); 8, 3 (den logischen 
Gegensatz dazu bildet das iv Xg, 7. V. 1 u. 2), 8 u. 9 (den 
Gegensatz bildet iv nveiifiari V. 9); Phil. 3,3 (iv aagxl ne- 
noi&oregy vergl. nänoix^a iv xvgi(p 2 Thess. 3,4; Gal. 5,10; 
Rom. 14, 14; Phil. 2, 24; den Gegensatz bildet iv Xg. I. V. 3) 
und 4; Philm. 16 (Gegensatz iv xvgi(p). 

iv TisgiTOfif}: Rom. 4, 10. 



1) Vergl. den Gebrauch des iy yofzc^ bei Pindar (C. Bossler, a. a. 
0., p. 22). Der äussere Parallelismus der pauHniscben Formeln iy X^iotm 
und iy vofic^ wird noch deutlicher, wenn man beachtet, dass auch die 
beiderseitigen Gegensätze parallel gebildet sind: wie das Gontrariuni 
des iv X^iatio da« äno tov Xqiotov (A. Butt mann, a. a. 0., S. 277); 
Gal. 5, 4; 2 Cor.. 5, 6; Rom. 9, 3 und das x^Q^s X^iatov (Eph. 2, 12 
cf. Jo. 15, 5) ist, so das Contrarium des iy vofiü^ das dno vofxov (Rom. 
7, 2, 3, 6; 8, 2) und das ;fa)(»t^? vofjLov (Rom. 3, 21 cf. 28; 7, 8 u. 9). 



126 

€v ratg d fiagriaig^): 1 Cor, 15, 17 (den Gegensalz 
dazu bildet das er Xq. der folgenden Verse) , vergl. auch iv 
ddixii^ Rom. 1, 18 und sv xotsfitp^) Gol. 2, 20; Eph. 2, 12 
(hier ist es logisch identisch mit dem xwQtq Ägiarov V. 12 und 
bildet den Gegensatz zu sv Xg. 7. V. 13). 

Anhangsweise sei hier noch auf die paulinische Formel 
avv XgiaT^ elvai aufmerksam gemacht. Sie findet sich 
1 Thess. 4, 14, 17; 5, 10; 2 Gor. 4, 14; 13, 4; Rom. 6, 8; 8, 32; 
Phil. 1, 23; Gol. 2, 13, 20; 3, 3, 4 und hebt sich von der Formel 
€v XgiCT^ shai deutlich ab (1 Thess. 4, 16 u. 17; 2 Gor. 13,4). 
Sie bezeichnet fast überall (exci. Rom. 6, 8; Gol. 2, 13 u. 20) 
die Gemeinschaft der Christen mit Christus nach ihrem Tode 
resp. der Parusie. Man kann sagen, dass das avv Xgiar^ 
elvai das Ziel des sv XgiifTm slvcci ist. 

3. Die Deuteropaul inen stehen, wie ein Blick auf die 
Statistik zeigt, im höchsten Grade unter der Wirkung des 
paulinischen Sprachgebrauches. Mit der Feststellung ihrer sprach- 
lichen Abhängigkeit soll über ihre sachliche Übereinstimmung noch 
nichts ausgesagt sein. Es ist nicht unmöglich, dass die durch 
den Bildner der Formel in sie hineingelegte Vorstellung von 
Späteren in ihrer Originalität nicht mehr völlig verstanden 
wurde, und der Umstand, dass der Gebrauch der Formel sich 
bis zum Vierfachen des paulinischen Durchschnittes steigerte, 
spricht nicht gegen diese Vermutung. Man hat bei der Lektüre 
des Golosser- und Epheserbriefes nicht selten den Eindruck, 
dass die religiöse Formel bereits zum theologischen Schulworte 
geworden ist. Indessen wenn auch die Münze nicht mehr die 
volle Schärfe und Deutlichkeit ihrer Prägung bewahrt haben mag, 
so abgegriffen ist sie noch nicht, dass man nicht mehr zu er- 
kennen vermöchte, wessen das Bild ist und die Überschrift. 
Ja ich glaube, dass man überall, auch in den Deuteropaulinen, 
gut thun wird, das iv ganz getrost im strengen Sinne des 



1) Der KomplemeDtformel zu bu Xqiatt^^ dem X^iatov elvai %v tivi^ 
entspricht als Gegensatz das ä^aQxLav oixety IV ziyi Rom. 7, 17 u. 20; 
dem dno Xqigxov entspricht äno t^g a^aqrLttg Born. 6,* 7, lö, 22. 

2) Vergl. auch Jo. 16, 33, wo iv x6afi(o dem bu Bfioi (= Xq,) ent- 
gegengesetzt ist. 



127 

Paulus zu erklären. Fast überall werden dadurch die Gedanken 
schärfer und treten aus einer oft seltsamen Isoliertheit in die 
stützende Kontinuität der paulinischen Centralideeen. 

Die in Betracht kommenden Stellen sind folgende: Col. 1, 
% 4, 14, 16, 17, 19, 28; 2, 3, 6, 7, 9, 10, 11, 12; 3, 18, 20; 
4, 7, 17. Eph. 1, 1, 3, 4, 6, 7, 9, 10a u. b, 11, 12, 13a u. b, 
15, 20; 2, 6, 7, 10, 13, 15, 21 a u. b, 22; 3, 6, 11, 12, 21; 4, 
1, 17, i21a u. b, 32; 5, 8; 6, 1, 10, 21. 1 Tim. 1, 14; 3, 13. 
2 Tim. 1, 1, 9, 13; 2, 1, 10; 3, 12, 15. 

Von diesen kann in 
CoL <2, 9 : oTi €V avt^ xaToixeT näv to nXriQaifAn trjg xß^eotr^og 
(rcofiaTtxdog die gewöhnliche Erklärung (wonach Christus in sich 
die ganze Fülle der Gottheit hat), gegen welche grammatisch 
nichts einzuwenden ist, aufgrund unseres hermeneutischen Prin- 
cips durch die andere ersetzt werden: »denn in ihm (als dem 
Elemente) wohnt (für die Menschen, die in ihm sind) das ganze 
nXrjQoyfia riJQ &€6TrjTog crw^artxwg«. Diese principiell geforderte 
Interpretation wird bestätigt durch den Kontext, den Begriff 
x^eottjg und sachliche Analogieen. 

a) Schon die äussere Betrachtung empfiehlt, zu dem fünf- 
maligen €v avT^ resp. iv w des Abschnittes 2, 6—12 das sechste 
parallel zu fassen. Aber auch der Gedanke fordert, dass in- 
mitten der Aufzählung der Heilsgüter, welche die Leser in dem 
Christus haben, nicht plötzlich und unvermittelt eine Aussage über 
eine Qualität der Person Christi stehen kann. A. H. Franke') 
muss, trotzdem er das iv in der gewöhnlichen Weise erklärt, 
unwillkürlich den Kontext doch so angeben: »P. begründet 
den im eben gesagten ov xard Xgiarov angedeuteten Gedanken, 
was es für ein elender Tausch sei, von Christo, in dem sie 
alles haben, .... abzufallen«. Das Höchste, was sie in Christo 
haben, ist eben das alle (fiXoaotfCa xal xtiiy dnaTrj xatd vrv 
TtaQcedoCiv rcov dvd-Qianwv xard rd tsroixHa tov x6(ffiov an 
Wert übertreffende nXrJQcofia Trjg x^soTrjtog, 

b) Auch in der gewöhnlich citierten Stelle Plutarch, de 
orac. def. p. 415 B *) : ov%wg ix fikv dvd^Qoincav sig fJQmagj ix S^ 



1) A. a. 0., S. 392 f. 

2) Die Commentare citieren meist falsch 415 C. 



128 

r^Qcicor slg iaffJiovag at ßsXtioveg xpvxal rrjv fJL€TaßoXr]v Xafißd- 
vovtnv ex d^ ^aifiorwv oXiyai (ihv in XQ^'^^ noXX^ SC aQerrjg 
xaOaQx^sTacti navTccnadi x^eotr^Tog fisTäaxov ist die ^eoTtjg als 
für Menschen erreichbar vorgestellt. 

c) Der Gedanke, dass für die Christen in Christus das 
nXrjQwiAa Ttjg x^eorrjTog wohnt, hat eine Analogie in den 
Stellen Eph. 3, 19: Iva TtXrjgcoxHJTs clg näv %6 7tXi]Q0}fia rov 
x^-eov und 2, 22 : iv o) xal vfistg avvoixodofistiSx^e elg xavoixt]' 
vTjQiov Tov x^€ov iv nvsvfiuTi, vergl. auch 2 Petri 1. 4*). 

Diese Erklärung der Stelle ist nicht neu ; bereits Severianus 
hat nach dem Zeugnisse des Chrysostomus ^) die Auslegung: 
Trv ixxXr^aiav Xäyst ncnXrjgcofisvriv vTto Tr^g ^eotrjrog aihov' 
xad-wg dXXaxov (prjffiv %ov rd nd%^a iv ndai nXrjgovfisvov, 
Von neueren Vertretern ist 0. Baumgarten-Crusius®) zu 
nennen. 

4. In den sonstigen nachpaulinischen Schriften 
des Urchristentums, hier zunächst abgesehen von den 
Johanneischen, finden sich wie versprengt einige Fälle eines 
dem paulinischen iv ähnlichen iv: 

1 Petr. 3, 16: Ttjv dya&rjv iv^) Xqhst^ dva(fTQO(pijv ^ vergl. 
1 Cor. 4, 17; Coi. 2, 6 und das Contrarium Gal. 1, 13, 

5, 10: 6 xttXäcag vfidg slg ri^v aimviov avtov do^av, 
iv^) ÄQiaTMy 

5, 14: €iQ7]%*7] vfAiv Tidaiv Totg iv Xqhst^, 
Act. 4, 2: xaTayyäXXeiv iv tw Irjtrov %fv dvdatatfiv rrjv 

ix V€XQc5Vy 

4, 9: iv Tiri ovxog (X ia cot aiy 



1) Man beachte hier das im Gegensatze zu dem Zustande &€iag 
xoiytoyol g)vat(og stehende iv xia xoff/LK^, Vgl. oben S. 126, Anm. 2. 
•Z) Cat. Ox. VI, p. 320; vergl. ebenda p. 310. 

3) Commentar über den Brief Pauli an die Epheser und Golosser, 
Jena 1847, S. 247. 

4) Dazu bemerkt freilich E. Kühl, Meyer XII (Petr. u. Jud.)*, Gott. 
1887, S. 194: »Unmöglich kann ihm dabei das paulinische iv X^iarta 
im Sinne gelegen haben; denn die Vermittelung durch den Geist fehlt 
in den petrinischen Vorstellungsreihen [?J ganze. 

5) E. Kühl, a. a. 0., S. 260, weist auch hier den paulinischen 
Einflnss ab und erklärt iv Xq, so : »es ist = in [?] und mit [?J Christo«. 



129 

4,. 10: iv TovT(p (Xq.) ovvog TtaQätfrrjxcv ivioniov 
vfiwv vyi'qgy 

4, 12: ovx i(fTiv iv äXXw ovisvl r' ataTrjQia^ 

(5, 32 nach der LA von B : xal riAsig iv avr^ /xag- 
TVQsg, vergl. Eph. 4, 17 u. Rom. 9, 1), 

13, 39 : ovx riSvvrjx^r/re iv v6fi(p Mwvüicog iixaicodijvaij 
iv TOVT(p (Xq.) nag 6 tikttsvcov iutaiovTai^). 

Diese Stellen , welche sich durch Belege aus den Aposto- 
lischen Väiern**) leicht vermehren Hessen, sind ein Beweis dafür, 
wie richtig F. Schleiermacher*) den Einfluss des paulini- 
schen Idioms auf die Folgezeit erkannt hat. Auch hier soll 
nicht, ebenso wenig wie bei den Deuteropaulinen , behauptet 
werden, dass das iv sich überall die gleiche Schärfe bewahrt 
hat, die es bei Paulus selbst hatte, aber soviel scheint mir 
zweifellos zu sein, dass diese Stellen ihr nächstliegendes, natür- 
lichstes Erklärungsmittel nicht im Sprachgebrauche z. B. des 
Sophocles finden, sondern in dem des Paulus. Was in aller 
Welt soll Sophocles austragen für den Verfasser der Acta oder 
des ersten Petrusbriefes? Wie denkt man sich das sprachliche 
Abhängigkeitsverhältnis zwischen einem tragischen Dichter des 
fünften vorchristlichen und den schriftstellernden Christen des 
ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts^)? In jedem 
Falle ist es, selbst in den Detailfragen des Partikel wesens , ein 



1) Diese Stelle könnte jedoch auch von der Profangräcität aus 
verstanden werden, vergl. Meyer-Wendt, S. 119. 

2) Namentlich auch der Gegensatz dixaioD^fjyai iv v6fi(j^ und iv 
XqLoxi^ erscheint als echt paulinisch. Vergl. Meyer-Wendt, S. 303: 
»Das paulinische Gepräge dieses Schlussesc. 

3) Beliebt wurde die Formel auch in Grabinschriften; vergl. z. B. 
Bulletino di archeologia cristiana , Borna 1881 , p. 65 s. 

4) »Ihr Sprachgebrauch stand unter dem Einflüsse des Paulus, weil 
dieser zuerst hellenische Gemeinden bildete, also auch zuerst den griech. 
Sprachgebrauch in der Lehre fixierte« (a. a. 0., S. 140). 

5) W. A. van Hengel (ad 1 Cor, XV, p. 91) bemerkt daher mit 
Recht zu 1 Gor. 15,22: »quid enim, quaeso, ad hunc sensum ex verbis 
eniendum iuvat Sophoclis illud: iv col näa eycoye aco^ofzai (Ai. 519), 
quum in Pauli scriptis Novoque Testamente frustra, nisi fallor, quaesi- 
veris locum, quo hanc interpretationem probes«. 

9 



130 

nicht zu rechtfertigendes Verfahren, den ersten christlichen 
Autor ganz zu ignorieren. 

5. Die deutlichste und folgenschwerste Nachwirkung der 
paulinischen Formel sehen wir in den Johanne i schon 
Schriften. Eine biblisch - theologische Untersuchung wird 
ergeben , dass in ihnen neben der sprachlichen Abhängigkeit 
eine sachliche Kongruenz mit Paulus hinsichtlich des religiös- 
ethischen Grundgedankens der Gemeinschaft mit Christus vor- 
liegt. Hier sei betreffs der Terminologie nur bemerkt, dass 
Johannes den paulinischen Wortschatz für jenen Gedanken 
durch tiefsinnige Ausdrücke ergänzt und bereichert hat. Es 
kommt uns jetzt aber nur auf seinen Gebrauch des iv an ; er 
ist durchaus der paulinische. Dass er, was Paulus von Christus 
aussagt, im Evangelium seinen Christus sagen lässt, ist sachlich 
ohne Belang. Auch er stellt dem clvai iv XQKfvm gern das 
komplementäre XQiaTov elvai iv rj/nTv zur Seite. Der späteren 
Abfassungszeit der johanneischen Schriften entspricht es, wenn 
einer der mit der Formel am häufigsten verbundenen Begriffe 
das iiävsiv ist: es lagen bereits Verhältnisse vor, welche" das 
stvai iv XQiarw in Frage stellten, daher: iitivaxe iv ifioil 

Jo, 6, 56: 6 tq(6y(ov fiov rrjv (fÜQxa xal nCvoov fiov to alpa 
iv ifAol fJL€V€i xdy(o iv avTm, 

14, 20: Sri iyci iv r« nuTQi fiov xai vfieig iv ifxoi 
xdyoo iv vfiiv^ 

14, 30: iQx^f^cci yccQ 6 tov xotffiov ccqx^'^ ^^^ ^'^ ifiol^) 
ovx ^x€i ovdäVy 

15, 2 — 7 : Ttäv xX^fJia iv kfiot (irj (psQov xagnov — 
fieCvaTE iv i/Aol xdy(o iv vfjiTv — idv fii] iv ifiol fAsvrjfC€ — 6 
(xävwv iv ifAol xdyoi iv amw — idv fir^ rig fievr] iv ifioC — 
idv fiehnrjTe iv ifioC, Aus dieser Stelle haben Th. Beza und 
andere 2) die paulinische Formel iv Xqiot^ Ir^cov entstanden 
sein lassen, eine Hypothese, die dem Scharfblicke ihres Urhebers 
alle Ehre macht und die W. A. van Hengel mit Unrecht 



1) Der ccQx^y tov xocfiov, 1 Jo. 4,4 geradezu 6 iy t^ x6<rfj,(^ ge- 
nannt, hat kein fiecht iy X^iat^. X^iazog und xoafiog sind zwei 
einander ausschli essende Gebiete. 

2) W. A. van Hengel, ad. Rom. II, p. 134. 



131 

als »longe quaesita« bezeichnet hat. Es ist wirklich so, dass 
eine Abhängigkeit^) sicher vorliegt; dass wir dieselbe dreihundert 
Jahre nach Beza bei Johannes finden, vermindert nicht den 
Wert jener Beobachtung, 

16, 33 : TctvTa XsXdXrjxa vfitVy Tva iv i(Aol *) siQrvYjv ^xrjve^ 

17,21 vergl. 22: xa^oig av narrjg iv ifAol xdyai iv 
(fol Vva xal avTol iv r^iAtv (ociv. 
1 Jo. % 5 : oTt iv avTfp iafjtäv, 

2, 6 : d Xiycov iv avT^ fAäveiVj 

2, 8 : ndhv irToXr^v xaivijv yqdqxo Vfxtvj o iffriv dXr^d'^g 
iv avT^y 

2, 24: vfAsTg iv t^ vtw . . fieveiTSy 

2, 27 u. 28: iiivere iv avrwy 

3, 5: dfia(n£a iv avTw ovx ^(ftiv^), 

3, 6 : Ttäg 6 iv avr^ fiävcDV ovx d^aQtdvsi^ 

3, 24: xal 6 ttjqcov rdg ivrokdg avrov iv am^ [xävei 

xal avTog iv avr^y 

^ 5, 11: xal avTT] rj fair iv rw vl^ avrov iatCv^ 

5, 19: xal 6 xoCfJtog oXog iv t^ 7tovr}Q$ xeTrai^), 

5, 20 : xal icfi^v iv r^ dXrj^ivm iv t^ vtw avTov 

*Irj(rov Xqkttw, 

Apoc. Jo. 1,9: 6 ddeXipdg vfidov xal (fvvxoivwvog iv rrj x^Xixpei, 

xal ßaaiXsii^ xal VTtofwvrj iv 'IrjtfoVy 

14, 13: ot vsxQol ol iv xvQi(p drtod'VTJaxovTeg, 

6. Die Vollständigkeit der Untersuchung würde erst dann 
erreicht sein, wenn auch die Nachwirkungen sowohl in der 
späteren Gräcität und Latinität^) der Kirche als 



1) Vergl. G. Heinrici, 2 Kor., S. 291. 

2) Man beachte den Gegensatz iy t(o x6fffi(^, 

3) Wie Col. 2, 9 aus Gründen des Eontextes (V. 6) als das ei/ der 
Formel za erklären. 

4) Rückwirkung des iy V. 20, wie 1 Cor. 15, 22. 

5) Die berühmteste und in ihrem Einflüsse auf das Dogma erfolg- 
reichste Nachwirkung ist wohl das auf Adam zu beziehende >in quoc 
des Augustin, das bekanntlich durch Verkennung des paulinischen 
iq>^ (o (Rom. 5, 12) zunächst veranlasst ist. Treffliche Hilfsmittel für 
Feststellung des Gebrauches der altkirchlichen Latinität bieten sich 
neuerdings in den vorzüglichen Indices des Wiener Corpus dar. 



132 

auch in den übrigen, dem Einflüsse der Bibelübersetzungen 
zugänglichen Sprachen festgestellt wären. Aber das ist bei 
dem Mangel an Vorarbeiten Gegenstand einer eigenen Unter- 
suchung. Ich habe in dieser letzteren Hinsicht nicht zunächst 
Nachahmungen im Auge, wie diese: 

>Er führt als Bruder im Apoll 
Sich selber bei mir ein. 
Ich wilPs in jedem Gölte wohl, 
Nur nicht in diesem sein« '), 

als vielmehr gewisse präpositionale Eigentümlichkeiten von 
Verbalkonstruktionen. Nach Jacob Grimm^) wird 
z. B. das gothische Wort für neix^ea^ai, träuan, gatrauan, bald 
mit »du€, bald mit »in« verbunden; das »in« ist durch die 
wörtliche Übersetzung des iv unserer Formel Rom. 14, 14 und 
Gal. 5, 10 entstanden. Ähnlich®) ist in der Predigt de vocatione 
gentium XX, 2 das ahd. galaupnissa (fides) mit »in« verbunden 
wegen der durch Gal. 3, 26 gebotenen Vorlage iv (resp. »in« der 
Vulgata). Meines Erachtens müsste diese Untersuchung aber 
auch die anderen charakteristischen Präpositionen und präposi- 
tionalen Fügungen des Paulus, namentlich slq^ berücksichtigen*). 
Sodann aber wäre durch eine Analyse unserer erbaulichen 
Literatur zu ermitteln, inwieweit das »in Christo« noch im Sinne 
des Paulus gebraucht wird, und inwieweit es zu einem liturgischen 
Ornament oder zu einer rhetorischen Phrase geworden ist. 
Vielleicht würde das Ergebnis dieser letzteren Untersuchung 
den einen oder anderen zur Prüfung seiner homiletischen 
Terminologie bewegen und die Einsicht verbreiten helfen, dass 
sich oft ein seltsames Gemisch von schüchterner Lehrhaftigkeit 
und anmassender Unklarheit in dem »in Christo« verbirgt. 



1) G. A. Bürger, Gedichte, Ausgabe in einem Band, 93a, bei 
M. Heyne, a. a. 0., Sp. 2091. 

2) Deutsche Grammatik, Vierter Theil, Göttingen 1837, S. 855 f. 

3) R. von Baumer, die Einwirkung des Christentums auf die Alt- 
hochdeutsche Sprache, Stuttgart 1845, S. 390. 

4) Anfönge hierzu siehe bei G. Raithel, über den Gebrauch und 
die begriffliche Entwicklung der altfranzösischen Präpositionen od, par, 
en, Göttingen 1875, und F. Grimm, der syntaktische Gebranch der 
Präpositionen bei John Wjcliffe und John Purvey, Marburg 1891. 



133 

Hört man z. B. in einer Predigt, dass der Sünder seinen 
Frieden »in Christo« findet, dann weiss man weder, wie das 
zu denken ist, noch auch — und das ist das Schlimme — 
wie das zu erreichen ist. »In Christo«? Soll das heissen: »in 
einem Raisonnement über den Menschen Jesus der evangelischen 
Geschichte«, oder »in dem Vertrauen auf eine Thatsache, durch 
welche Gott versöhnt ist und die ich kurzerhand „Christus" 
nenne«, oder »in einem persönlichen Gebetsverkehre mit dem 
lebendigen Christus« ? Die Wendung »in Christo« gehört heute 
zu den vieldeutigsten unserer gesamten religiösen Terminologie. 
Denkende und nach ethischer Förderung ringende Gemeinde- 
glieder werden durch solche dunklen Worte aufs empfindlichste 
benachteiligt. Lieber sollten die leisetretenden Vermittler ihre 
thönernen Gefasse zerbrechen. Jedenfalls darf keiner, der das 
»in Christo« gedankenlos gebraucht, sich einbilden, er rede 
paulinisch. 



Register. 



^AS-etety iy 36 f. 

txTio als Gegensatz von iy: 

nno T^s afiaQxLag 126 

äno y6jj,ov 125 

«710 X^KXTOV 81. 125 

Apokryphen, alttestamentlicbe : 
Notwendigkeit einer Scheidung 
in Obersetzungen u. Originale 32 ff. 
Sprachgebrauch 38. 84. 56 ff. 

Abhängigkeit von den LXX? 58. 

59. 67 f. 

ccnoXvtQ(offis 90 f. 105. 112 f. 

Aquila 18. 87. 41. 48. 44. 45. 51. 54. 

Ghristologie, s. Paulinismus. 

dixaiov(f&ai iy 101 f. 

Echtheit der synopt. Herrenworte 60 
elyai sy xiyi 81 

sig X^iaxoy 81 

B^m^ag exeiy iy 25. 27. 88. (45) 

iXnl^eiy iy 87 f. 

ifiniGteveiy iy 49 

iy in der Profangräcität : 

mit persönlichem Plural = 

inter 8. 17. 19. 22. 24. 25. 27. 28 
mit persönlichem Singular: 
der »psychologische« 6e - 

brauch 20 f. 50 ff. 61 f. 68 f. 
der »forensischec Gebrauch 20. 

54. 61. 64 
der temporale Gebrauch 30 

instrumentaler Gebrauch? 18.25 



durch die metrische Technik 
veranlasst 19. 22 

Resultate 81 f. 

iy in der semitischen Gräcität: 
ungriechische Nachbildung 
eines ^ der Vorlage 86—49 

Nachbildung einer anderen Vor- 
lage ^2 ff. 
dem Profangebrauche entspre- 
chend 49 f- 
Resultate ^^ ^• 
iy rt^ ji6dfj, 1-* 
iy d&ixl(f 126 
iy taig dfiaqtiaig 126 
iy *An6XX(oyi 30. 31 
iy ^ÄQSi 1" 
iy T(jJ dalfioyi 21 
iy t(ü evayyeUfo 46 f. 
iy ti] resp. tw ^ew (die LXX-Stel- 
len, in denen iy mechanische 
Übertragung des ^ ist, sind 
hier nicht erwähnt) ' 18. 22. 25. 28. 

51. 93 ff. 
iy *Tri<fov 8o 

iy xocuu) 126. 130. 131 

iy xvQLto (s. die Bemerkung zu 

iy T^ ^^^ ^ 

iy Movoaig 22. 29 

iv yofifj^ 125 

iy neQiTOfj,^ 125 

iy nXdtioyi (??) 83. 88 

iy nyevfiaxt 85 ff. 



135 



iv oaqxL 125 

6v Xqmxti^ 'Iri<rov: 
Statistik 1 ff. 

centrale Bedeutang in derpaul- 
inischen Literatur 118 ff. 

das Problem 3 ff. 

nähere Fragestellung u. Methode 7 ff. 
die altkirchlichen griechischen 
Ezegeten 73 

die empiristische Exegese 75 f. 
die dogmatische Exegese 76 f. 
die richtige Exegese 77 

Notwendigkeit der einheitlichen 
Auslegung 77 f. 99 

besonders auffallende Stellen 78 
was kann die Formel nicht 
heissen? 79 f. 

die lokale Grundbedeutung 79 
eigentlich oder uneigentlich 
lokal? 84 ff. 

Verhältnis zur Formel iy 
nvevfiaxt 85 ff. 

Resultat 97 f. 

Einzelstellen 99 ff. 

Gegensätze 125 ff. 

Nachwirkungen 124 ff. 

iydvffaa-S-al tiva 95 ff. 

38 f. 
40 



6n€Q(otay bv 
evdoxeVy iy 



Oeotrig 



128 



In, Gebrauch in der deutschen 

Sprache 82 ff. 

»in Abrahame 88 

>in ApoUc 132 

»in Christoc , Unklarheit dieser 

Ül>ersetzung 82 ff. 132 f. 

»in dem Buchhändler Gottat 82 

»in Gottc 73. 93 ff", 

»in Jesuse 88 

»in Mose« 88 

»in Plato« 88 

»in quo« (Adam) 131 



Johanneische Literatur 130 f. 

Juden griechisch , Verhältnis zu 

den LXX 14 f. 

Einfluss auf die Folgezeit? 59 



Kata Xqiatoy 


116 


xav^oiaS-ai iy 


57 f. 64 f. 


xoifxaad-at iy 


106 


Lucianus 


13. 37. 40. 41 


Meyeiy iy 


130 


fzeta X^iatov 


72 f. 82. 88 



Mystik, 8. Paulinismus. 

Neu testamentliche Gräcität: 
Verkehrte Verallgemeinerung 
dieses Begriffes 7. 15 

Verhältnis zur Profangräcität 9 
Abhängigkeit von den LXX 63 
synoptischer Sprachgebrauch 61 f. 72 
Hebraismen u. Aramaismen 60 
empiristische Exegese 6. 75 

*Ofj,yvyai iy 39 

Pantheismus 94 

Partikeln, Wesen (s. auch Prae- 
positionen u. Septuaginta) 4 

Parusie, s. Paulinismus. 

Paulinisches Idiom: 
Quellen desselben 8. 66 ff. 

seine materialen u. formalen 
Elemente 66 ff. 

^ Abhängigkeit von den LXX? 67 
LXX-Citate 63. 68 

Einfluss christlicher Gedanken 70 ff. 
Prägnanz einzelner Präpositionen 69 
Nachwirkungen 124 ff. 

Paulinismus: 
der »historische« Christus 80 f. 
das »Werk« Christi 81 

der erhöhte Christus 81 

Christus u. das Pneuma 84 ff. 

der präexistente Christus 123 

der Tod Christi 108 



136 



die Parusie Christi 126 

Mystik 98 

retro- oder prospektive Be- 
gründung des Heils? 99 f. 104 
objektive oder subjektive Bedeut- 
ung der Ueilsthatsachenf 100. 102 
die Deuteropaulinen 118. 122. 126 

naneveiy iy 45 ff. 51. 103 

niatig ir 45. 87. 103 f. 

nvevfia ey xiyi 91 

Stofflichkeit des nyevfia*^ 88 ff. 

Präpositionen : 
Bedeutung im Organismus der 
Sprache 4 

Unzulänglichkeit der Unter- 
suchungen 11 
Wesen 16 f. 
lokale Grundbedeutung 16 f. 
Enallage praepositionum ? 32. 75. 100 
8. auch Paulin. Idiom. 

Pro&ngräcität 8 ff. 

historische Syntax der griech- 
ischen Sprache 10 ff. 

Semitische Gräcität : 8 ff. 

Notwendigkeit der Speciali- 
sierung der Untersuchungen 32 
Übersetzungen u. Originalwerke 33 
Verhältnis zum N. T. 34. 66 f. 
s. auch Judengriechisch, Septua- 
ginta. 

Septuaginta : 

>der€Sprachgebr. derLXX 11.14 
Zustand des Textes 12 

Partikeln 14 



Grundsätze für Untersuchung 
der Partikeln 13 f. 

besonders deutliche Fälle der 
Abhängigkeit von der Vorlage 37. 
38. 39. 41. 43. 48. 49. 54. 
Rationalismus der LXX 43 

Christliche Korrekturen im 
Texte 12. 41 

Einfluss der LXX auf das 
N. T. 12. 66 ff. 

Statistische Methode 1. 9 f. 

Bedeutung ihrer Ergebnisse für 
die historische Kritik? 3 

Symmachus 13. 41. 42. 43. 44. 45. 47. 

50 51. 53. 54. 55 
<n)y bei Aquila 37 

üvy X^LOxia 126 

Synoptiker, s. Echtheit, neute^ta- 

mentlicher Sprachgebrauch. 
Syntax, historische, s. Profan- 
gräcität. 



Theodotion 



13. 37. 43. 51. 54 



Übersetzungen, Abhängigkeit von 
der Vorlage 



32 



X^iaroy sy^vaaa^ai 95 ff. 

X^iatog ey tiyi 91 

Xq. = Tiyevfxa 84 ff. 

s. auch Paulinismus, dno eig^ 
iy, in, xatd, fietd^ <rt;V, ^(o^ig. 

X^Qf'S als Gegensatz zu iy: 
X(OQis yofiov 125 

XcoQig Xqiotov 125 



RETURN TO: 



CIRCULATION DEPARTMENT 
198 Main Stacks 



LOAN PERIOD 1 
HomeUse 


2 


3 


4 


5 


6 


ALL BOOKS MAY BE RECALLED AFTER 7 DAYS. 

Renewals and Recharges may be made 4 days prior to the due date. 
Books may be renewed by calling 642-3405. 


DUE AS STAMPED BELOW. 


MAR 2 82005 



































































FORM NO. DD 6 
50M 4-04 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA. BERKELEY 
Berkeley, California 94720-€000 



yt 40692 A 



U.C. BERKELEY LIBRARIES 



C0MME02257