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Full text of "Die nordfriesische Sprache nach der Moringer Mundart, zur Vergleichung mit den verwandten Sprachen und Mundarten. Hrsg. von M. de Vries"

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LEIDEN, 



NORDFRIESISCHE SPRACHE 

NACH DER MORINGER MUNDART , 

ZUR VERGLEICHUNG MIT DEN VERWANDTEN SPRACHEN 
UND MUNDARTEN. 

VON 

BENDE BENDSEN, 

rP-tVATLEUBER IX ARaiiESK.JÖEING. 



HERAUSGEGEBEN VON 

D^ M. D E Y R I E S , 

PROFESSOR DER NIEDERLäSBlSCIIEN SPRACHE , LITERATUR UND GESCHICHTE AN DER 

UNIVERSITÄT ZU LEIDEN, MITGLIED DER KÖNIGLIGII-HIEDERLäjiDISCHES 

ACADEMIE DER WISSENSCHAFTEN , U. S, W, 



LEIDEN , 

E. J. BRILL 

18G0. 



Diejenigen, denen die Gelegenheit geboten ist, vor der gänzlichen 
Vernichtung friesischer Sprache und Sitte, die letzten üeberreste der- 
selben zu sammeln, sollten, so viel an ihnen ist, dazu beitragen, 
diese der Vergessenheit und dem baldigen Untergange zu entreissen. 

Dr. J. F. Minssen, in Ehrentraut's 
Archiv, I. 276. 



Nim , roune , nomm'le Frysce liuwe , 
It Frysce, dat uws hert hjir biedt ; 

In aef wy rize , sinke , driuwe , 

Leaf bliuw' uws Frysce teal in lied ! 

Dr. E. Halbertsma, Leecl in Wille, S. 3. 




HERRN 
H. J, KOENEN 



Jtm. ÜTR. DR. , MITGtIED DER KONIGLICil-NIEDERLaiVDISCIlEN ACADEHIIE DER WISSENSCHAFTEN 
Xrar SECBETäR DER MILOLOGISCHEN ABTHEILUNG, IN AMSTERDAM. 



Endlich , hochverehrter Freund , wird mir die Freude zu 
Theil, Ihnen die nordfriesische Sprachlehre zu übersenden, deren 
Erscheinung Sie, trotz ihres langen Zögerns, doch stets mit un- 
geschmälertem Interesse entgegengesehen haben. Nun an dem 
so lang und so eifrig verfolgten Ziele angelangt, finde ich den 
angenehmsten Lohn für alle auf dieses Werk verwandte Mühe 
und Sorgfalt darin, dass es mir vergönnt ist, Ihnen durch diese 
Zueignung öffentlich den Dank zu bezeugen, auf den Sie mit so 
vollem Rechte Anspruch zu machen haben. Ohne Ihre kräftige 
Unterstützung wäre dieses Sprachwerk wohl nie ans Licht ge- 
treten. War doch der achtungswürdige Verfasser bis in sein 
hohes Alter hinein vergeblich bemüht gewesen, die Früchte sei- 
ner fleissigen Studien irgendwo unterzubringen und zum Druck 
befördert zu sehen ; ja er hatte sich bereits dem trostlosen Ge- 
danken ergeben, für seine Stammgenossen und für die Wissen- 
schaft umsonst gearbeitet zu haben , als mir das Glück beschieden 
wurde , in Ihnen einen Retter für seine Arbeit zu finden. Ihre 
rege Theilnahmc an allem, was ernstes Streben auf dem Gebiete 
des Wissens fördern kann , Ihre Vorliebe für die germanische 



Sprachforschung und Ihre Sympathie für das friesische Volks- 
thum , reichten die Mittel zur Beseitigung aller im Wege stehen- 
den Hindernisse, und setzten mich in Stand, nicht nur den sehn- 
lichsten Wunsch des Verfassers zu erfüllen , sondern auch zu ver- 
hüten, was allerdings zu befürchten stand, dass nämlich die 
nordfriesische Mundart, bei ihrer allmähligen Auflösung , am 
Ende gänzlich erlöschen möchte, ohne eine bleibende Erinne- 
rung zu hinterlassen und ohne zu der vergleichenden Spraehkunde 
ihren schuldigen Beitrag geliefert zu haben. 

Aber nicht nur für den Dienst , den sie mit echter Liberalität 
der Wissenschaft erwiesen, sondern auch für das mir geschenk- 
te verehrende Zutrauen, habe ich Ihnen meinen Dank abzu- 
statten, indem Sie auf meine blosse mündliche Empfehlung hin 
sogleich zur Hülfe bereit waren. Jeraehr ich dieses unbedingte 
Wohlwollen seinem ganzen Umfange nach zu schätzen weiss , 
desto lebhafter schwebt mir die doppelte Pflicht vor Augen, die 
ich jetzt gegen Sie zu erfüllen habe , nämlich einerseits Ihnen den 
näheren Beweis zu liefern, dass es wirklich eine gute Sache war, 
für welche ich Sie um Ihre Mitwirkung ersuchte, und anderer- 
seits von demjenigen, was bei der Herausgabe des von Ibnen in 
Schutz genommenen Werkes von mir geleistet worden, Rechen- 
schaft zu geben. 

Sie erinnern sich, wie Herr Bendsen, nach vielen fruchtlosen 
Versuchen, seine Sprachlehre der Oeffentlichkeit zu übergeben, 
sich im Jahre 1852 an mich wandte, in der Meinung, seine Hand- 
schrift könne mir bei der Ausarbeitung des Niederländischen Wör- 
terbuches nicht übel zu Statten kommen. Er hatte dazu Veran- 
lassung gefunden in der von Rask aufgestellten Ansicht , dass sich 
die friesische Sprache zum Holländischen beinahe ebenso verhal- 
te, wie das Isländische zum Dänischen, das Angelsächsische zum 
Englischen und das Lateinische zum Italiänischen. Freilich ist 
diese Ansicht eine unbegründete Voraussetzung des berühmten 
Sprachforschers, welcher bei näherer Kenntniss unserer Mutter- 
Sprache wohl niemand beipflichten wird, da das Holländische 
zwar mit dem Friesischen nahe verwandt und besonders in der 
Volkssprache nicht von friesischem Einflüsse frei geblieben, aber 
doch keineswegs als eine von der allfriesischen Sprache hcrslam- 



mende Tochter zu betrachten ist. Der Nutzen , der aus einem nord- 
fricsischcn Sprachwerke für das Niederländische Wörterbuch etwa 
zu ziehen wiirc, könnte also nur ein entfernter sein. Aber auch 
ohne diese irrige Annahme, worauf der Verfasser sein Anerbieten 
stützte, konnte ich doch nicht umhin, sein Verlangen zu IJcrzcn 
zu nehmen, da ich nicht nur eine Avarmc Sympathie hege für 
den edlen treuherzigen friesischen Stamm, sondern auch die Wich- 
tigkeit der vorliegenden Arbeit für die ' vergleichende Sprach wis- 
sensciiaft erkannte, zumal da die Bendsensche Handschrift in 
der gelehrten Welt nicht unbekannt und der Wunsch nach ihrer 
VeröfTcntlichung mehrmals von den bedeutendsten Männern aus- 
gesprochen war. 

Es ist in der That zu bedauern, dass eine Arbeit, die sich 
von jeher so viel geneigter Gönner zu erfreuen halte, bis jetzt 
ungedruckt und unbenutzt bleiben musste. Schon i. .1. 4825, 
als der Verfasser kurz zuvor eine Abhandlung über die nordfrie- 
sische Sprache, die (wie er mir schrieb) von weit geringerem 
Umfange war, als das jetzt erscheinende Buch, an die KönigL 
dänische Gesellschaft der Wissenschaften in Kopenhagen einge- 
sandt hatte, äusserte sich Prof. Rask folgendermaassen über die- 
selbe; »Herr B. ßendsen in Arröeskjöbing hat mit vielem Fleisse 
und grosser Genauigkeit eine ausführliche Sprachlehre über diese 
Sprachform gesammelt, und mehrere annehmbare Erzählungen 
und dergl. übersetzt, wonach sich nicht allein eine Sprachlehre 
und ein Lesebuch, sondern zugleich auch ein sehr vollständiges 
Wörterbuch ausarbeiten liesse" {Frisisk Sprogläre, S- 25). Bald 
darauf, i, J. 1828, hat auch Prof. Michelsen, in seiner historischen 
Skizze über Nordfriesland, die Aufmerksamkeit der Sprachforscher 
; uf die Bendsensche Arbeit gelenkt, und deren hauptsächlichen 
Inhalt kurz angegeben. Er nennt dieselbe ein »sehr wichtiges 
und vortreffliches Werk," und erklärt: »Sollte der hochgeehrten 
Gesellschaft der Wissenschaften die Herausgabe dieser Arbeit 
gefallen, so würde ihr nicht Dank genug dafür zu wissen sein" 
{Nordfriesland im Mittelaller, S- 17). Und wiederum (S. 287): 
»Sicherhch wird jeder Freund nordfriesischer Geschichte und ger- 
manischer Sprachkunde die baldige Herausgabe des preiswürdigen 
Werkes gar sehr wünschen". In gleichem Sinne drückten i. J. 



Till 

-1857 die beiden Herausgeber von Oulzen's Glossarium der friesi' 
sehen Sprache, die Professoren Engelstoft und Molbecb, ihre Hoff- 
nung aus , » dass jetzt auch dieses vorzügliche und werthvollc Hülfs- 
mittel zur Kennlniss einer noch lebenden friesischen Mundart 
dem Drucke übergeben werden möchte" {Vorwort, S. XVI). End- 
lich hat der ehrwürdige Altmeister der deutschen Sprachwissen- 
schaft, Jacob Grimm, der die Handschrift längere Zeit unter sich 
hatte, den Verfasser schriftlich mit dem Zeugnisse beehrt, er 
habe » eine bedeutende Kenntniss der nordfriesischen Mundart , 
geschöpft aus lebendiger üebung und sorgsamer Betrachtung", in 
seinem Werke dargelegt, wesshalb es sehr zu wünschen wäre, 
dass es » vollständig bekannt gemacht würde". 

Die Erfüllung dieses von so vielen und so ausgezeichneten Ge- 
lehrten gehegten Wunsches hatte jedoch leider mit manchen, lange 
Zeit unüberwindlichen, Schwierigkeiten zu kämpfen. Bereits i. 
J. 1854 hatte Grimm sich der Sache angenommen und auch im nie- 
derländischen Friesland dabei Theilnahme gefunden. Später ist 
von neuen Bemühungen zu demselben Zwecke wiederholt die 
Rede gewesen , und besonders haben mehrere damalige Professo- 
ren der Kieler Universität, unter denen ich zu meiner Freude die 
verehrten Namen der Herren Dahlmann, Falck, Müllenhoff, Nitzsch 
und Ratjen nennen darf, sich sehr dafür verwendet. Aber die 
Ungunst der Umstände vereitelte jedesmal die eifrigsten Bestre- 
bungen, und die Hoffnung des fleissigen Verfassers, seine Arbeit 
möchte einmal der Wissenschaft zu gute kommen, blieb schmerz- 
lich getäuscht. 

Gewiss würde unsere Kenntniss der friesischen Sprache für 
immer lückenhaft geblieben sein , wenn wir in Bezug auf ihre nörd- 
liche Mundart einer genaueren Darstellung fortwährend hätten 
entbehren müssen. Der alte friesische Stamm, der sich einmal 
am Ufer der Nordsee von Jütland bis nach Flandern erstreck- 
te und sich in mehrere Zweige theilte, deren jeder seinen 
eigenthümlichen Dialekt hatte, ist im Verlaufe der Zeit dcr- 
maassen eingeengt worden , dass er jetzt nur noch in drei Zwei- 
gen besteht, deren Mundarten die einzigen noch lebenden Ueber- 
reste einer in jeder Hinsicht so merkwürdigen Sprache bilden. Es 
sollten doch wenigstens diese Ucberbicibscl mit möglichster Sorg- 



IX 

falt zusammengetragen und aufbewahrt werden, um damit die 
Wiederherstellung eines treuen Gesammtbilds der friesischen Spra- 
che möglich zu machen. Für die Ehre des friesischen Volkes 
ist dieses wohl als eine unerlässliche Pflicht zu betrachten, denn 
in der Sprache eines Volkes sind die wesentlichsten Merkmale 
seiner Nationalität ausgeprägt. 

In Hinsicht auf die friesische Mundart hier zu Lande ist 
wirklich schon vieles, mitunter auch tüchtiges geschehen. Das 
Westfriesische (um mich hier des in Deutschland üblichen Aus- 
drucks zu bedienen, welcher Namen aber bei uns nicht zulässig 
ist, da er von jeher in einer andern Bedeutung gegolten hat) 
wurde nicht nur zur Zeit des Gysbert Japiks und des Althuysen 
fleissig angebaut, sondern es hat sich auch namentlich in den 
letzt verflossenen Jahren eines so glücklichen Gedeihens zu erfreuen 
gehabt, dass es jetzt schon eine ziemlich umfangreiche Volkslite- 
ratur aufzuweisen hat, zu welcher besonders die Gebrüder E. und 
J. H. Halbertsma treffliche Beiträge geliefert haben. Letzterer 
hat sich vor Kurzem, durch den Prinzen Louis Lueien Bonaparte 
dazu veranlasst, um die heimische Sprache ein neues Verdienst 
erworben, indem er sie mit einer schätzbaren üeberselzung des 
Evangelium Matlhäi bereicherte (London, 1858), und v/ir haben 
von seiner geübten Hand ein umfassendes Wörterbuch zu erwar- 
ten., das den hohen Werth dieser Mundart für die Spraehkundc 
deutlich an's Licht slgllen wird. Jeder Freund der friesischen 
Sprache wird gewiss die Erscheinung dieses sehnlichst erwünsch- 
ten Werkes freudig bcgrüssen, und wenn auch sonst die Erzeug- 
nisse der hiesigen Friesen mehr einen literarischen als sprachwis- 
senschaftlichen Charakter an sich tragen, so wird doch das Wör- 
terbuch zeigen, dass ihnen auch daran gelegen ist, den strenge- 
ren Anforderungen der Wissenschaft Genüge zu leisten : eine 
Aufgabe, welche den niederländischen Friesen, als dem eigent- 
lichen Kern ihres Stammes, Avohl am allermeisten obliegt. 

Es ist hier nicht am Orte, von den bisher in Friesland erschie- 
nenen Nalionalschrifien eine bibliographische Notiz zu geben , zumal 
da das Wichtigste schon von Mone in seiner Literatur der fri- 
sischen Sprache [Uebcrsicfit der niederl. Volks- Literatur , S. 569— 393), 
von Heltema in De Jager 's Taalkundig Magazijn, U. 225—274, 



und von Oueiiia {rriesc/ie Volks-Almanak , 1844, S. 79 — i24) ver- 
zeichnet, und neulich von Herrn Nijhoff im Haag ein reichhaltiger, 
auch die neuesten Leistungen umfassender Catalog [Essai d'iine 
bibliograpliie de la Utterature Fnso}i7ie) hesorgt worden ist. Da 
indessen die in friesischer Mundart abgefassten Schriften (vielleicht 
schon darum , weil sie raeislenlheils von geringerem Umfange 
sind) nur spärlich zur Kenntniss der deutschen und dänischen 
Sprachforscher gelangen , denen sie doch nicht unwillkommen 
sein dürften , so meinte ich hier im Vorbeis;ehen auf dieselben 
hinweisen und namentlich auf das genannte Essai aufmerksam 
machen zu müssen. 

Was den zweiten Dialekt, das Ostfriesische, belrifft, das noch 
in den Saterländischen Fennen und Morästen und auf der Insel 
Wangerog fortlebt, auch dieses ist durch die Arbeit mehrerer 
Forscher zugänglich gemacht und hat der Wissenschaft schätzens- 
werthe Dienste geleistet. Ohne die früher von Hoche und später 
von Hettcraa und Poslhumus in ihren Reisen durch das Saterland 
gelieferten sprachlichen Mittheilungen zu erwähnen, die ja ein ge- 
borner Oslfriese, Herr Dr. Minssen aus Jever, als »durchaus ohne 
Werlli" bezeichnet hat, ist hier vor Allem das Friesische Archiv 
von Herrn Hofralh Ehrentraut hervorzuheben, eine Sammlung, 
welche die Kenntniss der ostfriesischen Sprache vielfach gefördert, 
und besonders durch die Irefllichen Bemerkungen des Herausge- 
bers über die Mundart der Wangeroger , nebst denen von Dr. 
Minssen über das Saterländische , uns mit merkwürdigen Beiträ- 
gen zur friesischen Sprache überhaupt beschenkt hat. Möchten 
nur die zwei bisher erschienenen Bände dieses lehrreichen Archivs 
nicht länger auf ihre Nachfolger warten lassen. 

Was ist aber bis auf diesen Tag für den dritten Dialekt ge- 
leistet worden , für das Nordfriesische an der Schleswigschen 
Westküste und auf den anliegenden Inseln, Silt, Föhr, Amrum, 
und dem etwas entfernteren Helgoland ? Unstreitig nur sehr wenig. 
In jedem Falle reicht es nicht hin, sich von dieser Mundart eine 
befriedigende Vorstellung zu machen. Damit sich das Bedürfniss 
einer näheren Bearbeitung ganz klar herausstelle, wird es wohl 
nicht unschicklich sein, das bisher Gelieferte hier in einem Ueber- 
blick zusammenzufassen, für dessen Vollständigkeit ich mich aber 



XI 

nur in so weit verbürgen kann, als die belrelTenden Leistun- 
gen hier in der Ferne zu meiner Kenntniss gelangt sind. 

Die mir — wenn auch nur theilweise aus eigener Ansicht — 
bekannten Sprachproben verschiedener nordfriesiseher Mundarten 
sind folgende : 

\. Eine Inschrift im Nordstrandinger Dialekt auf einem zu 
Biisum vorhandenen kupfernen Taufbecken aus dem loten oder 
14ten Jahrhundert, abgedruckt von Dahlmann in den Kieler BL 
B. V. H. 2. S. 212. 

2. Ein Morgen- und Abendgesang in demselben Dialekt , im 
J. 1G61 von Heimreich gedichtet und seiner Nordfresisclien Chro- 
nick vorausgeschickt. Wiederholt in der neuen Ausgabe von 
Falck, I. 27 — 30, in Radlof's Muslersaal aller teutsc/ien Mundar- 
ten, II. 511 — 314, und in der unten N*'. 16 erwähnten Samm- 
lung, S. 192—195. 

5. Zwei Lieder in der Moringer Mundart, »eines vom Pastor 
P. Petreus zu Deetzbüll, auf den Geburtstag König Christians VI, 
d. 50. Nov. 1752; das andere von einem Unbekannten, auf König 
Friedrich V bei seiner Durchreise d. 21. Jun. 1748 ; beide für 
sieh gedruckt" (Outzen, S. XXVIII). 

4. Ein Hochzeitsgedicht von A. Bendixen im J. 1749, in der 
Wiedingharder Mundart, mit westfriesischer Ueberselzung, mit- 
gelheilt von J. II. Halbertsma, Hulde aan Gysbert Japiks , II. 
258—265. 

5. Einige Proben , als Psalmen , Lieder u. s. w. , von der Wie- 
dingharder und Helgolander Mundart, in Camerer's Nachrichten 
von Schleswig und Holstein, I. 48, 181—186, 227- 252, II. 111—119. 
Das Vater Unser daraus in Adelung's Mithridates, II. 245; das- 
selbe nach der Amrumer Mundart . Ebendas. 244. 

6. Ein kleines Gespräch, abgedruckt in den Schlesiv. Provinzial- 
Berichten, 1790, S. 227, erwähnt Adelung, ebendas. 

7. Zerstreute kleinere Stücke in den Fragmenten aus dem Tage- 
buche eines Fremden (Kopenhagen, 1800). 

8. Der kleine Catechisraus Lutheri im Föhringer und Nord- 
slrandinger Dialekt, handschrifilich auf der Königl. Bibliothek 
in Kopenhagen (Falck , S. XXXI). Wohl derselbe wie die von 



XII 

üutzen S. XXX erwähnte Uebersetzung des Herrn P. J. Peters 
2u Wrixum auf Föhr. 

9. »Der Geizhals auf der Insel Silt" , ein Schauspiel in vier 
Aufzügen, irn Siher Dialekt, von J. P. Hansen (Flensburg, 1809). 
Von demselben auch eine Sammlung Silter Lieder. Der in 1828 
von Michelsen (a. W. S. 17) ausgesprochene Wunsch, dass Han- 
sen's echt nationale Silter Comödic und belieble Lieder von 
neuem abgedruckt werden möchten , ward erfüllt durch die Er- 
scheinung von: »J. P. Hansen, Nahrung für Leselust in nord frie- 
sischer Sprache" , enthaltend 1. Der Geizhals oder der Silter Pe- 
iritag , 2/e Ausg. 2. Der glückliche Steuermann. Ein Enkel des 
Geizhalses. 5. Lieder und andere Kleinigkeiten , zur schuldlosen 
gesellschaftlichen Unterhaltung , 2/e verm. Ausg. (Sonderburg , 
4835, 8. XVI und 284 S.). 

Von den Liedern findet man einige Proben bei Firmenich , 
Germaniens Völker stimmen, L 1 — 7. Die vier ersten der von 
Firmenich 1 augeführten Lieder, auf die vier Jahreszeiten, in's 
Westfriesische übersetzt, in Iduna , HL 51, 108, 141 und 185. 

10. In demselben Dialekt eine Sammlung von Silter Sagen 
und Erzählungen, unter dem Titel: UaUV Sold' ring Tialen fan 
C. P. Hansen üp Süld (Mögeltönder, 18o8), 

11. Nord friesische Sprachproben aus drei verschiedenen Mund- 
arten, in C. F. AUen's Geschichte der dünischen Sprache im Her- 
zogtimm- Seh lesivig oder Südjütland (Schleswig, 1857), II. 758 — 741. 

12. Ein Märchen in der Amruraer Mundart, eine Ballade und 
ein Hochzcitslied in dem Föhringer Dialekt (die beiden letzleren 
erwähnt von Outzen , S. XXIX); mit Uebersetzung und Erläute- 
rungen raitgetheilt von Herrn L. F. Mechlenburg auf der Insel 
Amrum , in Ehrentraut's Archiv, IL 525 — 542. 

15. i> Auch eine friesische Stimme an den König'\ ein Lied in 
der Amrumer Mundart, bei Firmenich, III. 1 f. 

14. Sechs Lieder von H. F. Heikens, nebst zwei Gesprächen, 
in der Mundart der Insel Helgoland, bei Firmenich, L 7 — 15, 
der (S. 11) mehrere handschriftliche Gedichte des genannten 
Volksdichters erwähnt. 

15. Drei nordfriesische Lieder und 258 Sprichwörter, in Lap- 
penkorb von Gabe Schneider aus Westfrisland , mit Zuthafen aus 



XIII 

Nordfrisland , bearbeitet und herausgegeben von K. J Clement (Leip- 
zig, 1847), S. 532 f. uiul 294—316. Die Lieder und ein Aus- 
zug von 115 Sprichwörtern wiederholt bei Firmcnieh, IlL 2 — 8. 

16. »Frieske, Hiigelaonner en Noirdfrieske Rymkes, sammle trog 
De Haan Hettcma'' (Dockum, 1841), enthält (S. 183—200) zehn 
nordfriesische Lieder, deren drei in Helgolander Mundart; gross- 
tentheils dieselben, deren oben N". 2, 9 und 14 erwähnt wor- 
den. Von drei dieser Lieder findet sich eine westfriesische Ueber- 
setzung in Iduna, IL 172 — 176. 

17. Einige Helgolander Redensarten, milgetheilt von De Haan 
Hetteraa in De Vrije Fries, \. 356. 

18. Subscriptions-Einladung vom J. 1857 zu einem Werke in 
der nordfriesisehen Sprache, betitelt: De freiske Siemslin (der 
Friesen Spiegel), in welchem Flerr M. Nissen, Lehrer zu Gam- 
raendorf, eine Anzahl »Gedichte, poetische Erzählungen, Sagen, 
Gespräche, Sprichwörter , und einen sehr umfangreichen Glossar" 
in den festländischen Dialekten Nordfrieslands mitzulheilen beab- 
sichtigte. Als Proben sind drei kleine Lieder vorgelegt. Leider 
scheint die Subscription dem Buche keine genügende Theilnahme 
gesichert zu haben; bis jetzt wenigstens ist nichts davon er- 
schienen. 

19. Handschriftlich erwähnt bei Outzen, S. XXIX f.: Ein 
Paar Lieder von Herrn Jansen in Niebüll , im J. 1814 geschrie- 
ben, und ein geistliches Lied von Pastor Quedens auf Wester- 
land-Föhr. 

In lexicalischer und grammatischer Hinsicht besitzen wir fol- 
gendes: 

1. Das öfters genannte Glossarium der friesischen Sprache von 
N. Outzen, i. J. 1857 von Engelstoft und Molbech in Kopenhagen 
herausgegeben; ein wichtiger Beitrag zur Kenntniss der nord- 
friesischen Mundart , der aber von dem reichen Sprachstoffe nur 
einen Theil enthält, und in der Behandlung bekanntlieh vieles 
zu wünschen übrig lässt. Herr Bendsen hat mir eine bedeutende 
Sammlung von Zusätzen und Berichtigungen zu Oulzen's Glossar 



XIV 

niitgelheilt, welche einem künftigen nordfriesischen Lexicogra- 
phen ein sehr brauchbares Material abgeben könnten. 

2. Ein Vcrzeichniss nordfriesischer Wörter im Staatsbürg. Magazin ^ 
4826, V. 759, und in Chr. Paulsen's Samlede Skrißer , I. 215, 
erwähnt Allen, a. W. IL J755 f. 

5. P. A. Oelrichs, Kleines Wörterbuch zur Erlernung der Hehjo- 
lander Sprache für Deutsche, Engländer und Holländer. Nebst 
einem Anhang, enthaltend einfache Dialoge aus dem Leben in deut- 
scher und Helgolander Sprache, 1846. 16. 

4. »Bemerkungen über den Ursprung und Charakter der frie- 
sischen Sprache. Finden sich in dem Schleswig -Holst. Magazin, 
Num. XII. S. 276, und in den Schlcswig-Holst. Anzeigen vom Jahr 
1758, S. 557" (Falck. S. XXXI). 

5. K. J. Lyngby, Om Nordfrisisk i Bökking og Hiidding Herreder 
(Kopenhagen und Leipzig, 1858). Eine kurze, aber werthvolle 
grammatische Skizze der Böckingharder und Wiedingharder Mund- 
arten in den Kirchspielen Niebüll und Klangsbüll im Amte Tondcrn. 

6. J. F. Minssen , Vergleichende Darstellung der Laut- und Flexi- 
onsve'rhällnisse der noch lebenden nenfriesischen Mundarten und ihres 
Verhältnisses zum Altfriesischen, in Ehrentraut's Archiv, I. 165 — 
276. Der Verfasser hat in dieser Abhandlung auch das Nordfrie- 
sische berücksichtigt. 

7. K.J. Clement, Eigenthümliche Elemente der frisischen Sprache, 
mit besonderer Rücksicht auf das Nordfriesische , in Herrig's Ar- 
chiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, IX. 
179—187, X. 156—147, 269—287, XIL 71—81. 

8. K. F. H. Strass, Flüchtige Andeutungen über die friesische 
Sprache auf den Inseln Föhr und Helgoland, im Neuen Jahrbuch der 
Berlinischen Gesellschaft für Deutsehe Sprache und Alter thumskunde , 
VIII. 555—358. 

Wer sich übrigens in Bezug auf Nordfriesland , über das Land , 
das Volk und seine Geschichte Raths erholen will , der wird in 
den obengenannten Werken Michelsen's und Falck's und den 
von letzterem (in der Vorrede und S. XXX— XXXVIII) angeführ- 
ten Schriften völlige Befriedigung finden. Das Sprachverhältniss 
der Nordfriesen, dem Dänischen und Deutschen gegenüber, ist 



XV 

in der jüngsten Zeit, infolge der politischen Unruhen, vielfach 
besprochen worden. Ausser Kolil's Nationalität und Sprache im 
Sc/ilesivigsc/ien , erwähne ich nur das Werk von C. F. Allen, Vcber 
Sprache und VolksthümlichkeU im llerzogthum Schleswig oder Süd- 
jütland, nebst dessen schon genannter Geschichte der dänischen 
Sprache (besonders II. 726 f., wie auch die Sprachkarte); und 
das Buch seines Gegners, K. J. Clement , über die Nordgermanische 
Welt, nebst dessen Abhandlung über Das ivahre Verhällniss der 
süderjiUschen Nationalität und Sprache zur deutschen und frisischen 
im Herzogthum Schleswig (Hamburg , 18i9). Ich begnüge mich 
die Schriften dieser beiden Gelehrten ganz einfach anzuführen , 
ohne an dem Streit zwischen den » Deutschthümlern und Diinen- 
fressern" und den dänischen »rasenden Enthusiasten" — wie 
sich die Herren gegenseitig betiteln — irgend einen Antheil 
zu nehmen. 

Aus dem hier gegebenen üeberblick wird wohl jedem erhellen , 
wie es bis jetzt mit unserer Kcnntniss der nordfriesischen Mund- 
art, zumal in Bezug auf ihren grammatischen Bau, kümmer- 
lich beschafTen war, und wie sehr die obengenannten Sprachfor- , 
scher Recht hatten, als sie die Herausgabe der Bendsenschen 
Arbeit mit ihren Wünschen und ihrer thäiigen Theilnahme zu för- 
dern suchten. 

In dieser Lage der Dinge glaubte ich etwas nützliches leisten 
zu können , wenn ich mich der Sache annähme und nach meinen 
besten Kräften mich bestrebte, sie zu einem guten Ende zu führen. 
Um aber nichts Uebereiltes zu thun, wandte ich mich an J. Grimm, 
dessen Urtheil mir damals noch nicht bekannt war, und erbat mir 
seinen schätzbaren Rath. Ich hatte die Freude , eine Antwort zu 
bekommen, welche, wenn sie auch die Mänarcl des Buches nicht 
verhehlte, mich doch jedenfalls anregte, die VerölTentlichung des- 
selben wo möglich zu bewirken. Die Friesische Gesellschaft in 
Leeuwarden , bei der ich mich zuerst für die Uebernahme des 
Druckes verwendete, war leider durch Umstände verhindert den 
Antrag in's Werk zu setzen (s. den Bericht ihrer Verhandlungen 
i. J, 1853, S. 6 f.). Da kam ich zu Ihnen, verehrtester Freund, 
mit dem Vorschlag, sich in den Besitz der Handschrift zu stellen, 
und Sie erfüllten meinen Wunsch mit einer Bereitwilligkeit, die 



XVI 

ich meinerseits nicht besser zu beantworten wusste , als durch den 
Entschluss, die Herausgabe selbst zu übernehmen und ihr meine 
Mussestunden in Liebe zu widmen. 

Jetzt, da ich glücklich im Hafen angelangt bin, werfe ich einen 
Blick zurück auf die lange und ermüdende Fahrt. 

Wiewohl ich mir anfangs einen buchstäblich getreuen Ab- 
druck der Handschrift vorgenommen hatte, sah ich doch bald 
ein, dass es nicht möglich sei, diesen Grundsatz überall festzu- 
halten. Bei aller Gründlichkeit und Genauigkeit, mit welcher 
der Verfasser die nordfriesische Sprache in allen ihren Bestand- 
iheilcn dargelegt hatte, schien doch manches in der Einrichtung 
des Buches, um eine klare und zusammenhangende Darstellung 
zu erzielen, eine Ueberarbeitung nothwendig zu machen, wo es 
ohne Schaden für den Hauptgegenstand der Behandlung geschehen 
könnte. Was die Herausgeber des Outzenschen Glossars in ihrem 
Vorworte bemerken, sie haben »die Weitläufligkeit und den etwas 
breiten Wortreichthum , so wie andere schwächere Seiten dieses 
linguistischen Beitrags, nicht übersehen", dürfte auch wohl hier 
gelten. Namentlich war nicht zu verkennen , dass die durch 
mehrere Einschaltungen etwas gestörte Anordnung nicht wohl un- 
verändert bleiben könne. Ich glaubte desshalb keinen Anstand 
nehmen zu müssen, diesen und ähnlichen Schwächen einigermaas- 
sen abzuhelfen, und habe mich daher bemüht, durch die erfor- 
derlichen Umstellungen die Aufeinanderfolge und den Zusam- 
menhang der einzelnen Theile in eine bessere Ordnung zu brin- 
gen, die unnöthigen Wiederholungen zu streichen und sonstige 
kleinere Mängel zu beseitigen. Einige hie und da eingeflochtenen 
etymologischen Bemerkungen, die einem älteren Standpunkte an- 
gehörten , so wie eine vergleichende Zusammenstellung nordfrie- 
sischer Wörter mit ähnliclien aus den verwandten Sprachen, wel- 
che nach dem übrigen Inhalt des Buches kaum etwas neues ent- 
hielt, sind ausgelassen worden. Dagegen wurden die vielleicht 
im Uebermaass angehäuften Beispiele unverkürzt beibehalten, 
da sie jedenfalls, wenn auch nur des reichhaltigen lexicalischen 
Stoffes wegen, ihren Werth haben. 

Der aufmerksame Leser wird vielleicht in den hundert ersten 
Seilen des Buclies, und zwar am meisten im ersten Capilel, eine 



XVII 

geringere Sorgfalt der Bearbeitung als in den späteren Theilen 
entdecken. Die Erklärung ist ganz einfach diese, dass ich damals 
meine Veränderungen bei der Correktur der Druckbogen ein- 
rückte, und daher mir nur eine beschränkte Freiheit nehmen 
konnte. Später aber entschloss ich mich, die Handschrift vorher 
zurecht zu machen, und hatte also eine bessere Gelegenheit, die 
beabsichtigte Revision durchzuführen. 

Ich brauche wohl nicht zu fürchten, dass ich durch die vorge- 
nommene Umarbeitung, welche jedenfalls sich nur auf das Aeussere 
bezieht, dem Rechte des geehrten Verfassers Eintrag gethan 
habe. Hatte er mir doch selbst die Besorgung und Herausgabe 
seines Sprachwerkes mit unbedingtem Vertrauen überlassen , und 
nichts anderes gewünscht, als dass seine Arbeit in möglichst sau- 
berer Gestalt an's Licht trete. Damit aber die Einmischung ei- 
nes Fremden nicht etwa die Zuverlässigkeit des behandelten Stoffes 
verdächtig zu machen scheine, so muss ich erklären, dass ich 
mir in den Mittheilungen des Verfassers über seine Landessprache , 
dem Wesen nach, auch nicht die geringste Aenderung erlaubt 
habe. Alles ist, wie es in der Handschrift vorlag, nur in etwas 
besserer Ordnung und mit einigen Abkürzungen, buchstäblich ab- 
gedruckt worden, auch wenn es mir mitunter einigem Zweifel zu 
unterliegen schien. 

Hätte ich mich nicht bei der Durchsicht einer fremden Arbeit 
in enge Gränzen beschränken müssen, so wäre mir wohl leicht 
die Lust erwacht, etwas weiter zu gehen. Die Behandlung der 
Zeitwörter z. B. — um nur dieses Eine zu nennen — wäre mir 
bei einer andern Eintheilung für die Vergleichung mit den ver- 
wandten Sprachen bequemer erschienen , und die regelmässigen 
und unregelmässigcn Zeitwörter hätten sich vielleicht in schivache 
und starke umgebildet. Aber so weit zu gehen, wäre eine Eigen- 
mächtigkeit gewesen, welche ich mir nicht zu Schulden kommen 
lassen durfte; und es war eine doppelte Vorsicht nöthig, da ja 
ein bewährter Kenner der friesischen Sprache, Herr Ehrentraut, 
öffentlich gestanden hat, »dass es nicht möglieh sei, das Zeitwort 
in seiner jetzigen Beschaffenlieit in den Classen der historischen 
Grammatik unterzubringen" (Archiv, l. 283). 

Neben der eigentlichen Grammatik enlhielt die Handschrift eine 

c 



will 

Anzahl verscliieilener Beiträge, als Wörterreihen, Iledensarten , 
Sprichwörler, Eigennamen und Sprachproben, kh habe diese 
zerstreuten Mittheilungen in schiekiicher Ordnung zusammenge- 
stellt und daraus den Anhang gebildet (S. 403 — 172), dessen 
Inhalt für die nähere Kenntniss der Sprache wohl nicht unerheb- 
lich sein dürfte. 

Schliesslich war ich bemüht, eine neue und mehr ia's Ein- 
zelne gehende Inhaltsanzeigc auszuarbeiten, welche hoffentlich 
den Gebrauch des Buches nicht wenig erleichtern wird. 

Noch ein Wort über die vom Verfasser befolgte Reclilschrci- 
bung. Es wird jedem auffallen, dass diese ziemlich abweicht 
von den in andern nordfriesischen Denkmälern angewandten 
Schreibarten, welche wiederum einander sehr ungleich sind. Im 
Interesse einer genauen Beobachtung und Vergleichung der 
Sprachelemente verschiedener Dialekte, darf man die Hoffnung 
aussprechen , dass doch einmal die friesischen Sprachforscher sich 
über die Annahme einer gleichförmigen Orthographie verständigen 
möchten, damit, wenn auch nicht die Sprache in ihrem ganzen 
Umfange, doch wenigstens jede der drei Hauplmundarten für 
sich einen feststehenden Typus bekomme. Das Friesische in den 
Niederlanden hat in dieser Hinsicht einen bedeutenden, das Auf- 
blühen der heimischen Volksliteratur kräftig fördernden Fort- 
schritt gemacht, obgleich auch hier noch zwei Systeme einander 
sesienüberstehen, deren eines sich an die niederländische Recht- 
Schreibung anschmiegt, das andere sieh streng auf das Altfrie- 
sische zu stützen sucht. Was aber das Nordfriesische betrifft , 
da wählt sich jeder seine eigene Schreibung, und so kreuzen sich 
dort alle möglichen Schriftformen in der buntesten Mischung der- 
gestalt, dass man oft Mühe hat sich glauben zu machen, man 
habe mit der nämlichen oder doch mit einer ganz nahe stehenden 
Mundart zu thun. In wie ferne das Verfahren des Herrn Bcndsen 
dazu geeignet ist, die Aufgabe zu lösen, darf ein Fremder wohl 
am wenigsten entscheiden. Am Schlüsse seiner Vorrede spricht 
er sich über dasselbe aus, und er hat mir in mehreren Briefen, 
bei einer näheren Erörterung seiner Ansichten, die von ihm ge- 
wählte Rechtschreibung als das Resultat besonnener Ueberlegung 
dargelhan. Ich habe mich daher befleissigt, sie bei dem Abdruck 



XIX 

niil gewissenhafter Treue zu befolgen, und eben dnrinii ilie et- 
waigen Abweichungen in der Handschrift, in so weit sie als blosse 
Schreibfehler zu betrachten waren, nach der unzweideutigen Ab- 
sicht des Verfassers berichtigt. Die Ungleichmässigkeiten aber , 
durch die Schwankung zwischen zwei verschiedenen Schreibungen 
desselben Lautes veranlasst, habe ich nur selten zu heben gesucht. 
So wird man z. B. bald Branhser und gaulise finden , bald Brau- 
ser und gause; das eine mal Niijdd, ri'ijdd, Stäiijll, das andere 
Mal Nüjd, riljd , Stäujl; oder hiemmcn und Jdemcn, häliw und liäw , 
Hühs und Hüss, Dörnsh und Dörensh, Esh und Eesh, trong und 
trung, u. s. w. ; oder man wird auf Zusammensetzungen von Um- 
stands- und Verhältnisswörtern stossen, die bald zu Einem Worte 
verbunden, bald von einander getrennt erscheinen. In diesen 
und ähnlichen gleichgültigen Fällen konnte ich wohl nichts anders 
thun , als die Handschrift möglichst getreu wiedergeben , ohne 
eine strenge Consequenz zu erstreben, die ja der Verfasser selbst 
nicht bezweckte (s. seine Vonede, S. xxvi). 

Bei den Amtspflichten und sonstigen wissenschaftlichen Arbei- 
ten, welche meine Zeit fortwährend in Anspruch nahmen, konnte 
ich die Herausgabe dieses Werkes nur unter vielen Störungen 
und Unterbrechungen in sechsjähriger Frist vollenden. Dass die- 
ses , trotz aller angewandten Sorgfalt , die Gleichförmigkeit der 
Behandlung im Einzelnen einigermaassen beeinträchtigen mussle, 
spricht wohl von selbst. HoiTcntlich w ird aber der i!;eneigle Leser 
die vielfachen Schwierigkeiten einer derartigen Aufgabe billig beur- 
theilen, und den Verstössen, welche bei der Besorgung einer fremden 
Arbeit kaum zu vermeiden waren, seine gütige Nachsicht nicht 
versagen. 

Es bleibt mir noch eine angenehme Pflicht zu erfüllen übrig, 
die öffentliche Anerkennung der trefflichen Hülfe , mit w clehcr 
mein lieber Freund, Dr. C. A. Sicherer, Lehrer der hochdeutschen 
Sprache und Literatur am hiesigen Gymnasium, mir in rastloser 
Thäligkeit zur Seite gestanden hat. Nicht nur bei der Corrcklur 
der Druckbogen hat er die eben nicht eiquickliche Arbeit freudig 
mit mir gctheilt, sondern namentlich auch auf die Reinheit der 
hochdeutschen Sprache ein wachsames Auge gehalten. Für den 
treuen Beistand sei ihm mein innigster Dank dargebracht. 



XX 

Dem geelii'lcn Verfasser wird es ohne Zweifel zur Freude gerei- 
clien , die endliche VeröfTenllichung eines Buches zu erleben , das 
ihm so viele Mühe und Sorge gemacht hat. Für mich ist es ein 
schmeichelhafter Gedanke, dass es mir beschieden war, die Früchte 
seiner Arbeit der Wissenschaft zu gute kommen zu lassen , und 
seinem Namen die gebührende Erkenntlichkeit seiner Sprachge- 
nossen zu sichern. 

So gehe denn dieses mit Treue gehegte Buch in die Welt 
hinaus. Es gehe zu den Friesen im Norden und Osten und 
W^esten, und bringe ihnen den Gruss eines Fremden, der sich aber 
doch — seinem Namen und seiner Abkunft nach — zu ihrem Stamme 
bekennt. Es gehe und sage ihnen, dass die Holländer, gegen die 
sie in früheren Jahrhunderten in blutigen Kämpfen ihre Freiheit 
vertheidiglen , jetzt in brüderlicher Gesinnung ihnen und ihrer 
Sprache entgegenkommen , und keinen andern Kampf mit ihnen 
w ollen , als den edlen Wetteifer in Förderung der Wissenschaft. 



Leiden, im Januar 1860. M. DE V R I E S. 



VORREDE DES VERFASSERS. 



Was Prof. Rask von der altfriesischen Sprache sagt, gilt noch 
mehr von der nordfriesischen : 

»Die angelsächsische Sprache ist zwar etwas reicher an Beu- 
gungen, die friesische dagegen an Zusammenziehungen, welche 
beinahe wie Abänderungen aussehen, und die, in Verbindung mit 
der Aussprache und den Formen der Wörter, so wie mit einer 
Menge besonderer Ausdrücke, ihre Eigenthümlichkeit und Selbst- 
ständigkeit bestimmen. Diese eigene Sprachform verbreitet Licht 
über den Bau der verwandten Sprachen, und ihr Wörterschalz 
ist eine bisher durchaus unbenutzte Quelle zur Wortableitung in 
den andern gothischen Sprachen." (Vorrede zu Frisisk Sprog- 
liirc, S. 1). 

Wie gross das alte Nordfriesland gewesen sei , darüber fehlen 
uns bestimmte Nachrichten. Heimreieh sagt in seiner nordfriesi- 
schen Chronik: »Dass aber die Fresen ein gar altes Volk seien, 
ist leicht zu beweisen, da sie schon den ältesten griechischen 
und lateinischen Geographen und Geschichtschreibern bekannt 
waren. So haben unter andern die griechischen Geschichtschrei- 
ber Ephorus und Clitarchus, nach Strabo, 500 Jahre vor Christo 
über die Fresen geschrieben; Plinius im Jahre 17, Cornelius Taci- 
tus iOO und Ptolemäus 159 nach Christi Geburt." Der ältesten 
Sage nach ist die Insel Helgoland mit dem übrigen Nordfriesland 
landfest gewesen, die jetzt über sieben Meilen von der Küste ent- 
fernt liegt, und auf Föhr hört jnan noch häufig erzählen, dass 
der Erbauer der drei Kirchen und Thürmc zu St, Johannis oder 



XXII 

in Nieblum auf Föhr, der Helgolander und der Pelwornier altea 
Kirche, diese drei Oerter auf einem weissen Pferde beritten habe, 
während alle drei Thürme gleichzeitig im Bau begriffen waren. 
Ucber hundert Gemeinden mögen von den Flulhen verschlungen 
sein, deren Namen man noch zum Theil auf altern Karten findet. 
Aus Ditraarschen , Eiderstedt, und von den Inseln Nordslrand 
und Pelworra ist die friesische Sprache durch die plattdeutsche 
verdrängt, so wie zum Theil in dem Dorfe Stadum auf der Vor- 
geest durch die dänische, wo vor 40 Jahren noch durchgängig 
friesisch gesprochen wurde. Nur in 58 grössern und kleinern 
Kirchspielen der Aemter Tondern, BrechtecU und Husum, welche 
den westlichen Küstensaum nebst einem Thcile der Vorgeest 
einnehmen, so wie auf einigen Inseln und Halligen der Westsee, 
wird sie, in verschiedenen Mundarten, noch jetzt vom Volke ge- 
sprochen. Die Einwohnerzalil dieser 58 Gemeinden, mit Einschluss 
der Insel Helgoland, wird nur wenig über die 50,000 steigen. 
Das Herzogthum Schleswig beträgt nämlich 465 Quadratmeilen , 
mit 550,000 Einwohnern, als: 170,000 Deutschen, 130,000 Dänen 
und 50,000 Friesen. Siehe Jörgensen Jomton's Struensee (Kopen- 
hagen , 1852), S. XXVni der Einleitung. 

Es geht natürlich mit dieser, wie mit jeder Volkssprache, die 
sich nicht zur Schriftsprache erhoben hat. Ueberali findet man 
Abweichungen, Veränderungen in der Aussprache, in Ausdrücken, 
Redensarten und Wendungen , selbst in den benachbarten Gemein- 
den. Am reinsten und geläufigsten möchte indessen die nord- 
friesische Sprache auf dem festen Lande, gegenwärtig wohl in 
dem sogenannten Risummoor , den Gemeinden Risum, Lindholm, 
Niehüll, Deezbüll, so wie in den benachbarten Kirchspielen Dage- 
büll, Fahretoß, Siedesand und Enge sein. Auf den sogenannten 
Halligen, Hooge, Langenäss, Nordmarsch, Gröde und Oland , so 
wie indem Flecken \Vijk auf der Insel Föhr, spricht man, mit 
sehr unbedeutenden Abweichungen, dieselbe Sprache wie auf 
dem festen Lande der genannten Ocrler. Dagegen weicht die 
Sprache der übrigen Föhringer, so wie auf den Inseln Sylt und 
Amrum, so bedeutend von der Festlands-Sprache ab. dass die Kü- 
stenbewohner sich oft nur mühsam mit ihnen verständigen können. 
Die Sprache dieser Insler ist vielleicht alterlhümlicher, aber 



XXIII 

dabei höckerig und woitarm, die der Festländer wortreiclier und 
fliessendcr; diese mehr ausgebildet, jene der Insler mehr ver- 
nachlässigt. 

In den vorerwähnten Gemeinden des festen Landes, so wie in 
den benachbarten, sie umschliessenden Kögen, findet nun durch- 
gängig die grösste Uebereinstimmung Statt, wenn man kleine un- 
bedeutende Abweichungen ausnimmt, z. B. ball, bald, und bull; 
ersteres in Risum, dieses in Lindholm. Merkwürdig ist es indes- 
sen , dass man in Niebüll und Deezbüll, die Risiim und Lindholm 
gerade gegenüber liegen, und kaum eine Viertehneile davon ent- 
fernt sind, keinen Dualis gebraucht, der doch der Sprache ganz 
eigenthüralich zu sein scheint. Wo die Oslermoringer ihre Zwei- 
heit: wdt , jdt , nnk , unken, junk, junhen gebrauchen, da setzen 
die Westermoringcr die Mehrheit des persönlichen und des zu- 
eignenden Fürwortes: ive, jdm, ühs, ühscn und jdringe, auch 
wenn sie nur von zweien sprechen. 

Da nun diese, gewiss uralte, Sprache mit jeder Generation von 
allen Seilen durch die dänische und plattdeutsche immer mehr 
beschränkt wird, und ihrem allmähligen Ausslerben entgegen- 
geht, so haue ich mich der, wahrlich nicht leichten. Mühe unter- 
zogen, sie durch gegenwärtige Arbeit von ihrem gänzlichen Un- 
tergänge bei der Mit- und Nachwelt zu retten. 

Für die Rechischreibung konnte, bei der Bearbeitung dieses 
Werkes, keine andre Regel angenommen werden , als die Aussprache 
eines bestimmten Bezirkes, in welchem die wenigsten Abweichun- 
gen vorkommen. Ich habe daher die Mundart meines eigenen 
Geburtsortes [Eisiim) gewählt, welche ich nicht deswegen für die 
reinste halte, weil sie meine Muttersprache ist, sondern weil sie 
mit den obengenannten, welche allgemein für die besten gehalten 
werden, am meisten übereinstimmt. Auch neigt sich hier die 
Sprache weder zum Deutschen noch zum Dänischen, und gestaltet 
keine fremdartige Einmischung, ohne dadurch in's Lächerliche 
zu fallen. Dies gilt bis zu dem Grade , dass selbst der ernsteste 
Friese sich — bei allem Zwange , den er sich anthun mag — • 
des Lächelns nicht enthalten kann, wenn irgend ein b'Äna oder 
Deutscher die friesische Sprache radebricht, wie es fast alle 
lliun, die nicht gcborne Friesen sind. Ich habe Dänen und Nie- 



XXIV 

Uerileulsche gekannt, die sich zehn, zwanzig, ja fünfzig Jahre 
und darüber unter den Friesen aufgehalten und die Sprache 
beständig gesprochen hatten, welche dieselbe dennoch so jäm- 
merlich verstüaimelten, dass es zum Erbarmen war. Dies gilt 
mehr oder weniger von allen Auswärtigen , die sich unter den 
Friesen niedergelassen haben. Ich kenne hiervon , unter allen , 
nurz^^ei Ausnahmen, nämlich eine alte Frau in MaasbüU, Namens 
Cal/iariita Paiscn , und einen Mann aus Klixhilll, Namens Niss, 
der weiland dem Lehnsvogt Nissen in JSordvisum diente. Jene war 
aus Bnidcrup , und als achtjähriges Kind nach MaasbüU gekom- 
men, dieser hatte sieh bloss längere Zeit unter den Friesen auf- 
gehalten; beide waren Dänen. Uebrigens können die Dänen nie 
so recht hinter die richtige Aussprache kommen. Sie gebrauchen 
häufifif ein verkehrtes Geschlechtswort, oft den Dualis a;ar nicht", 
und mischen verstümmelte dänische Wörter mit ein. Dass aber 
fast kein einziger unter den Friesen wohnender Fremder ihre 
Sprache je richtig sprechen lernt, hat seinen Grund in dieser 
selbst. Sie erfordert nämlich erstens ein geläufiges Organ , das 
von Kindheit an a;eübt werden muss; zweitens hat sie eine Mensre 
eigenlhümlicher Ausdrücke, Bildungen und Wendungen, die den 
verwandten Sprachen fremd sind: das unregelmässige Zeitwort 
weicht in seinen verschiedenen Zeitformen mehr ab, als im 
Deutschen. Dänischen und Englischen; die Zusammenziehungen 
sind häufiger und verwickelter, und die Wortfügung, welche 
am meisten mit der niederdeutschen übereinstimmt, hat mit 
der dänischen sehr wenig gemein. Wer daher behauptet , die 
^ordfriesische Sprache sei aus der dänischen und plattdeutschen 
zusammengestöppelt, der verräth nur dadurch seine Unkunde , 
und fällt ein Urtheil, das in nichts begründet ist. Will man 
hier die Wörterähnlichkeit der verwandten Sprachen vorwenden , 
so liesse sich mit eben so vielem Rechte behaupten, die deutsche 
Sprache sei dänisch oder die dänische deutsch: denn es wäre 
nicht schwer darzuthun, dass wenigstens der dritte Theil der 
Wörter beider Sprachen gleiches Ursprungs sei. Die nordfriesische 
Sprache ist, trotz ihrer abweichenden Mundarten, eben so rein 
und selbstständig, als irgend eine andere ihr verwandte, wie z. B. 
die deutsche oder dänische, in welchen es weit mehr vcrschie- 



XXV 

denc Mundarten giebt, der englischen gar nicht einmal zu ge- 
denken. 

Wer sich nur das erste Capitcl über die Ausspraclie der Buch- 
staben im Friesischen erst recht zu eigen macht, der wird dann 
auch mit der Sprache selbst leichter fertig, und ohne dieses 
möchte ihm leicht alle fernere Mühe verleidet werden. Die Aus- 
sprache der Buchstaben ist nach den Grundsätzen der Lautme- 
thode von Krug und Slephani bearbeitet, und, im Ganzen ge- 
nommen, richtig und sicher. Schon im Jahre 1817, wo ich däni- 
sche Kinder nach der Lautmelhodc im Deutschen unterrichtete, 
entstand dieses Capitel. Um vollkommen sicher zu sein, schrieb 
ich nämlich friesische Wörter und Sätze, deren Sinn sie durchaus 
nicht verstanden, in allen nur möglichen, auf die Aussprache 
Bezug habenden Verbindungen und Zusammenstellungen an die 
Wandtafel, und liess sie von den geübteren Schülern lesen, nach- 
dem ich sie zuvor mit der Aussprache der einzelnen Laute 
und deren Zeichen bekannt gemacht hatte, und erst dann, wenn 
diese auch die schwersten Wörter und Sätze so lasen und aus- 
sprachen , wie der geborne Friese seine Muttersprache spricht, 
hielt ich mich von der Richtigkeit meines Verfahrens überzeugt, 
und wo es haperte, änderte ich ab, bis es richtig ward'). 

Ohne Tonzeichen war es indessen nicht möglich die Sprache zu 
bearbeiten und schriftlich darzustellen, was überall sehr leicht 
nachzuweisen und eben so leicht einzusehen ist. Wie sollte man 
z. B. fällen, fallen, und fällen, 4. fiUen, schinden, 2. einem nach- 
laufen, wie ein Füllen der Stute; stallen, i. stallen, pissen . von 
Pferden, 2. auf den Stall setzen, einstallen, und stallen, 1. stillen, 
2. stellen; lachen, lecken, einen Leck haben, lacken, lacken, mit 



^ In einem seiner Briefe schrieb mir Hr. B. noch folgendes 
über die von ihm gewählte Rechtschreibung: «Einem Schullehrer 
auf einer benachbarten Insel, auch einem gebornen Friesen, den 
ich seit meinen Kinderjahren nicht gesprochen halle, schrieb ich 
einen friesischen Brief nach meiner Orthographie, die er augen- 
blicklich begriff, und nach welcher er mir auch den Brief so be- 
antwortete, als ich, wie ich wähnte, ihn nur selbst hätte schrei- 
ben können. Dies spricht doch dafür, dass mein Verfahren im 
Wesenilichen richtig sei". 

{/bim- d. Herausg.) 

d 



XXVI 

Lack versiegeln, und lüken, lachen, ohne Tonzeichen von einander 
unterscheiden? Und so verhält es sich in tausend ähnlichen Fäl- 
len. Was nun das Weitere in der gewählten Rcchtschreihung be- 
trifft , so habe ich überall die Endconsonanten da verdoppelt , wo 
das in der Mehrheit gehrauchte Wort denselben doppelt hören 
iässt , als; dät Läujiin, dd Lmjnne, das Land, die Länder; de 
Eiin, dd Enne, der Abend, die Abende; de Dick, dd Dicke, der 
Deich, die Deiche, u. s. w. Bisweilen trifft mau den Vocal ver- 
doppelt, als: dät Reef, der Fuchs; bisweilen mit dem Dehnungs- 
zeichen, als: dät Ref, was überall als völlig einslautend gilt. 
Einzelne Abweichungen in der Rechtschreibung habe ich nicht 
immer vermeiden können; doch sind sie nirgends von der Art, 
dass die richtige Aussprache im Wesentlichen darunter litte. So 
ist es z. B. für die Aussprache ziemlich gleichgültig, ob man Täte, 
Thäle oder Tä/ite — Vater, in der Anrede — schreibt, da jedes 
dieser Wörter doch immer so lauten wird, wie das deutsche Ihäte, 
von l/mn. Zu vielen derjenigen Wörter, die im Dänischen und 
Schwedischen sk, im Deutschen seh, und im Englischen sh zum 
Anlaut haben, findet man im Nordfriesischen eine Menge analoger, 
wo aber nur das englische s/i, als dem friesischen Laute zunächst 
stehend, ohne Anstoss für's Auge gebraucht werden kann, weil 
weder sk noch seh hier ganz passen , indem sie beide zu scharf 
sind. Der friesische Anlaut ist hier eigentlich sg , wo g als sanf- 
ter Gauraenhauch ausgesprochen wird, wie am Ende der deut- 
schen Wörter Teig und Zweig. Beispiele : dän. Skade , Schade , 
fries. de Shcise; dän. Skam, engl, shame, fries. dät Shöm, u. s. w. 
Das s am Ende einer Silbe oder eines Wortes, so wie das ss in 
der Mitte der Wörter , müssen beide äusserst weich und sanft 
ausgesprochen werden, wie des s der Holländer. Wo es thunlich 
war, habe ich die richtige Aussprache dieses Lautes durch ein 
vorgeschobenes h zu erzwingen gesucht, als: jö Wähs, die Wittwe; 
wihssen, weisen; de Spl.ihs, die Spalte; wo der Vocal geschärft 
und der weiche Laut des ss doppelt gehört wird. 



GRAMMATIK. 



ERSTES CAPITEL 

VON DER AUSSPRACHE DER BUCHSTABEN. 



a. Vocale. 

§.1. l. A, a, aa. Dieser Buchstabe wird im Nordfriesischen 
auf fünf verschiedene Arten ausgesprochen. Das doppelte aft 
khngt ganz wie das aa im Niederdeutschen , z. B, in den Wör- 
tern : de Aader , die Ader ; Faader , Vater ; de Baar , der Bär , 
und wie das dänische aa und das schwedische ä , z. B. in Aal , 
der Aal; Skaal , Schale (Gefäss); et Baal, der Scheiterhaufe; pd, 
auf; Sprdk, Sprache , u. s. w. Beispiele : aane , ohne ; haanen , können ; 
Aabel , ein weiblicher Name; faar , vor und für; jö Kaar , der 
Karren; gaar adv. gar; baar, bar; raar, rar; haaren, karren; jö 
Snaar , die Schnur (Schwiegertochter); jö Haatvel , die Klunker- 
milch ; jö Baaivel , die Simse , Binse ; dat Aawent , die Schnür- 
brust ; spaawelt , gelb und weiss gesprenkelt; jö Kaarcl , die 
Karte ; haarden , karten , Karten spielen ; hraasen , braten ; jö 
Braahs , der Braten , u. s. w. 

2. ^ , ä. Wie das gedehnte a/i in den deutschen Wörtern: 
ahnen, bahnen, mahnen, der Wahn, Hahn u. s. w. , als: jö ^rt, 
die Erbse; dät Part, der Part, Antheil; jö ^l, die Grossmutter; 
jö u^nert, die Ente; mal, toll, aufgebracht, niederdeutsch: mall; 
käl , kahl; nägel , nackt, daher noch im Deutschen nagelnackt, 
im. Friesischen spUnternagel ; prälen , i. prahlen, 2. laut rufen, 
schreien ; malen , malen (mit Farben) ; letalen , nd. betaalen , 
dän. at betale; sägen, sägen; sägnen, vermissen, dän. at savne, 
nd. saaknen ; dat Gagen, der Nutzen, dän. Gavn ; gägnen, 
Nutzen gewähren ; da ^gne, die Spreu , dän. 'Avne; füren , fahren 
(nur zu Wasser); de Tjäre , der Thcer; jö Snär , die Schlinge. 

1 



3. Wird a mit demselben , unter 2. bczeichnelcn , Laute ganz 
kurz ausgesprochen oder abgestossen , ohne geschärft zu werden , 
wozu sich aus den verwandten Sprachen keine Beispiele entneh- 
men lassen. Wir müssen dieses durch die Verdoppelung des Con- 
sonanten bezeichnen, als: ^fe, Gross vater; jöKätt, die Katze, nd. 
und dän. Kat; fätt, fett; dätFäf pl. Fä/ise , die Schüssel ; \\cluM, 
er heisst; strädden, altd. greten , grätschen; hlädden, kladden, 
klittern; jö Klüdd , die Kladde; dat Jädder , das Euter, nd. dat 
Jüdder; fällen, fallen; gällen, weinen; stallen, stallen; de Stall, 
der Stall ; jö Sali , der Sattel ; jö Fäll , die Falle ; de Gällc , die 
Galle; de Hätlig , der Hallig (Holm, kleine Insel); fällig, ordent- 
lich , weidlich ; alles , alles , u. s. w. 

4. 'A, d. Hat den Laut und Ton des dänischen, gedehnten 
hellklingenden a , wie in den dänischen W^örtern : en Sal , der 
Saal; at gale, krähen; gal, toll; at male, mahlen; at prale, prah- 
len; at tale , reden u. s. w. — Beispiele: de Hjäl oder Hjärl, ge- 
hechelter Flachs; swälen, heuen, Heu machen; späten, spielen; 
läsen , foppen , prellen ; täsig , gricklich ; fläsen , ausplaudern ; lä- 
sen , birschen ; lälisen, gelitten; dat Raser ^ ein ein- bis zweijähri- 
ges Rind; de Päse , der Ochsenziemer, dän. cn Pces; da Lähse , 
die Gliedmassen. 

5. Ä , ä. Ganz wie das geschärfte a im Deutschen und Däni- 
schen , in : das , nass , blass , Fass , Napf, fallen, fassen , Katze , 
Schatz , Latz , u. s. w. , als : näll, stössig , von Rindern ; sliall , schmut- 
zig, vom Rind- und Wollenvieh, das dünn mistet; stall, stille; dp, 
auf; (ip}}e, auf; wällen, wollen; de Wälle, der Wille; de Bäk- 
her, der Bäcker, 2. die Meerschwalbe; släkhen , lecken mit der 
Zunge; mdcken, küssen; trdcken, ziehen, dän. at träkke , nd. 
trecken, daher: jö Trackpott, der Ziehtopf, d.i. der Theetopf. 

§. 2. Ae, ä, all. Wird überall so ausgesprochen , wie das ge- 
dehnte äh im Deutschen in den Wörtern: die Aehrc, die Fähre, 
die Mähre, die Thränc, Mähne, mähen, nähen, säen, u. s. w. , als: 
dät Aelil, die Mistjauche, altdeutsch: derAddel; jö S/iäl, 1. die 
Schale , als Gefäss , 2, der Unterschied zwischen dem Gebotenen 
und Geforderten beim Kaufen und Verkaufen; dal 3Iühl, das 
Jflehl; jö Füget, der Fehler; de Hagel, \. der Hagel, 2. die Fer- 
se; jö Hagel, die Hechel; shdlcn, dilTeriren , nd. schälen; /ä- 
ivcrn, liefern; bäwern , beben; sträwen, 1, streben, 2. sich sLi'ei- 



teil ; ahmen, oflcn ; de Fräthc , gemein für Mund, Maul, die 
Fresse; Tliüte , Vater; lälis, spät, nd. laal ; bläliscn, üainmen v. 
trans. , z. B. gerupfte Gänse mit Stroh, dän. at blussc ; davon jö 
Blähs, dän. et Bluss ; däsig , nd. dösig. — Das geschärfte ä, 
wie in: äffen, täppisch, läppisch, u. s. \v., kommt im Nordfricsi- 
schen nicht vor. 

§.5. E , e , Ee , ee. Behält überall den unveränderten Laut 
seines Namens , und wird entweder gedehnt , oder bei unverän- 
derlcm Laute kurz abgestossen. Gedehnt klingt dieser Laut wie 
in den deutschen Wörtern : die Ehe , Seele , drehen , sehen , Avehcn , 
ilehen, als: jö Fcel , feien, die Feile, feilen; jö Treel , trelen, die 
Bollscheibe , rollen, dän. en Trilde , at trilde ; jö Meel , die 
Meile, dän. und nd. en Miil ; de Tech, die Diele, nd. de Dähl , 
altdän, en Tillie; sielen, stehlen; de Creme, die Halfter, dän, cn 
Crime, woher auch wahrscheinlich das englische groom , der 
Stallknecht, stammen mag; jö Steem , die Stimme; dat lleess , 
dän. en Rost , auch die Stimme , wie sie besonders jedem Ein- 
zelnen eigen ist; dät Neest , das Nest; nesteln, nisten; jö Feest , 
die Faust ; dät Feest , das Fest ; ncesh , zart , von der Haut ge- 
braucht; meek , zahm, kirre; mechUck, gemächlich, bequem. Bei 
unverändertem Laute kurz abgestossen in: elfing , heut Abend; 
jö Meilen, die Mühle; de Meiler, der Müller; jö Ellen, die Elle; 
teilen, zählen, nd. teilen, dän. at tälle; feilen, 1. füllen, 2. ge- 
fallen sein ; sellew , selber , dän. selv ; edder , früh ; dät Edder , 
der Eiter; selten, setzen; tenn , dünn; wenn, blau; de Enn, der 
Abend ; am Ennem , des Abends ; jö Fenn , die Fenne in der 
Marsch ; de Senne , die Sünde ; jö Penn , ein kleiner hölzerner 
Wirbel zum Vordrehen an Stallthüren und Luken. 

§. 4. /, i, ih , ie. Gedehnt, wie in: ihm, ihn, ihr, mir, 
dir, Thicr , Stier, die , wie , nie , u. s. w. , als : hver, ein männlicher 
Eigenname, 2. der Eifer; ifinc , allein, dän. ene ; da Biene, die 
Beine; da Sliene , die Steine; ihr, eher, früher; dät Bier, das 
Bier; hiese, beide; lie-cn, miethen , heuern, dän. at leie; lienen, 
leihen, nd. lenen ; tienen, dienen, dän. at tjene ; tie-en, ziehen; 
de Tiener, der Diener; die-en, heisse Speisen vertragen können; 
ivieh , übel zum Erbrechen ; de Sie-e, der und die See; kie-en, \. stei- 
gen, anschwellen vom Wasser, 2. v. trans. erhöhen; fniesen , 
niesen ; friesen , frieren , u. s. w. 



Geschärft, in: Ick, ich; de Dick, der Deich, nd. de Diek; dic- 
ken, deichen; dät Stick, der Griffel; jö Wkk , die Wiek , dän. 
en Viig, die Meeresbucht; rick , reich; dät Lick, die Leiche, nd. 
dat Liek, dän. et Lüg; dät Sicken, der Seufzer; sicknen, seuf- 
zen; dät Dill, das Bild; de Biller, ein armer Wicht; ivill, wild; 
drillen, i. drillen, 2. foppen; dulss, das Eis, nd. und dän. lis; dät 
Griss , dän. en Griis, das Ferkel; witt , weiss; bitten, beisscn ; 
slitten , i. schleissen , 2. aus der Tasche verlieren, 5. Einen gut 
zu nehmen, zu behandeln wissen, um gut mit ihm umgehen und 
fortkommen zu können. He wijt kam gäiijd to slitten , er weiss 
ihn zu nehmen. 

§.5. 0, 0, 00, oh. Hat drei verschiedene Laute: erst den 
gedehnten seines Namens, wie in: ohne, der Lohn, schonen, 
wohnen , als : Ohme , der Odem ; de Thole , der Grasbusch ; de 
Trohl, der Zauberer, dän. en Trold ; de Nöme , der Name; de 
Molme, die Mähne, dän. en Manko, engl, the mane; hohl, hohl, 
engl, hollow; de Körne, 1. ein Poltergeist; 2. die Nase, aber nur 
scherzweise; de Höme , 1. der Hamen, die Reuse, 2. die Schei- 
de der Gräser , aus welcher die Achre hervorkommt ; sören , sie- 
chen, kränkeln; sögen, einkochen, v, intrans. ; de Krage, der Gra- 
pen; de Loge, die Lohe, Flamme; de Snoive , die Schnuppe am 
Lichte; de Rowe , der Schürf einer vernarbenden Wunde; nög , 
i. genug, 2. gar, adj. 

Zweitens mit unverändertem Laute , aber kurz , als : bannen , 
bannen, fluchen; wärmen, Getreide in der Schwingwanne reinigen, 
dän. at dröfte (schwingen) ; de Mönn , der Mann ; jö Kann , die Kanne ; 
jö Pönn, die Pfanne; jö Fömmen , das Mädchen; de Dämm, der 
Damm; de Römm , der Widder, Schafbock; de Ömmer, der Eimer; 
de BöUe, die Beule; de KnöUe, 1. der Knöchel, 2. der Pfeifenkopf; 
}ö Shömm, l.dieSchaam, 2, die Schande; de Klömp, l.dieKlampe; 
2. der Schober, aber ein grosser viereckiger am Hause, wenn man 
im Hause kein Gelass für Heu und Korn mehr hat; lönwi, lahm; 
tömm , zahm , u. s. w. 

Drittens geschärft, wie in: sollen, wollen, oft, hoffen, offen, 
u. s. w. , als: de Trolling , ein Brot; oller, nie, niemals; de Kolle, 
i. die Kälte, 2. das Fieber; grott , gross, nd. gröt ; groltem, 
laut ; jö Polt , Topf. 

§. G. Oe , <i, öh. i. Gedehnt, wie in den Wörtern: Oel, die 



Höhle, liöhnen , u. s. w. , als: dät Oeltle , das Gel; de Tltöle , das 
Maul; (jölil, gelb; njiil, plump; fö/il, i. faul, träge, 2. faul z. B. 
von Eiern, 5. boshaft, niedrig gesinnt; shölen , Schutz vor 
Wind und Regen suchen, dän. at skjule, 2. wie ein Dieb einher- 
schleichen; jö/iö/?/, 1. die Grube, 2. das^Grab, nd. de Kühl, dän. 
cn Kulc ; holen , heulen , nd. hulcn , dän, at hyle (spr. hüle) ; jö 
Möltr, die Mauer ; polen , zupfen, auszupfen, dän. at pille; lören, 
lauern, nd. luren , dän. at Iure; dat Bölir, das Bauer, nd. und 
dän. Buur; drög , trocken, nd. drög ; drögen , trocknen; sivömen, 
schweimen , in Ohnmacht fallen , nd, swieraen , dän. at svime ; 
daher nun de Sivöme , die Ohnmacht; de Söme, die Summe; de 
Glöme, die Gluth , u. s. w. 

Zweitens geschärft, wie in: Söller, öfter, öffentlich, als: stowen, 
stieben; döivcn, tunken; snöwen , i. schnauben; 2. schnupfen, z.B. 
Taback; shöiven , schieben; Möwen, klauben; jö Klöfl , die Schnur- 
re , Posse; klöftig, 4. drollig, 2. gescheidt, geschickt, erfinderisch; 
lößen , gehoben. 

Di'ittens wie das ö im Niederdeutschen in: de Döhr, de Göhr, 
möhr u. s. w. als: de Jögel, der Eiszapfen ; Island, lökul ; de Tögel , 
der Zügel , nd. Tögel ; de Fögel , der Vogel ; de Böget, der Bügel , nd. 
Bögel ; jö Döged, die Tugend ; jö Jöged , die Jugend , das Jugendalter; 
jö Köwel, der Weiberrock , von den Hüften bis zu den Füssen rei- 
chend ; jö Döhr , die Thür , nd. Döhr , dän. Dör ; döhr, durch, hindurch. 

§. 7. U,u,uh. 1. Gedehnt, wie in: Uhr, Spur, thun , Schuh, 
Ruhe, die Müsse, die Busse u, s. w. , als: jö Swuhn, der Schwan; 
jö Buhn, die Bohne; uhsen, schöpfen, dän. at Öse; da Klüse, die 
Kleider; de Uhrs, der Frühling; jö Suhrd, die Schwarte; de Ur- 
der, der Enterich, Erpel; suhrt, dän. sört , schwarz; luhnen, loh- 
nen; de Gut ig , der Galgen; dät Tulig , der Talg; dat Hulem, 
Langstroh zum Decken der Häuser und Deiche, als nomen eollecti- 
vum , dän. Halm. 

2. Bei unverändertem Laute kurz abgestossen, wozu es in den 
verwandten Sprachen an Beispielen fehlt, als: fudi! , bange; de 
IJch , die Wand; de Such', der Zober, Zuber; de Kuch' oder Kug , 
der Koog ; duhggen , thun ; fuhggen , empfangen , empfahen , dän. 
at faae; htich , hoch; de JIupp, der Haufe; de Kupp, [der Kauf; 
lupen, laufen, nd. lopen; hnppcn, häufen, häufeln; stupp, hart an; 
de Riip , dän. et Reeb, nd. Reep. 



5, Kurz und geschärft, wie in: Mutier, Butter, Kuller, uns, 
und, als: twimtig , zwanzig; da Tunte, die Finnen im Fleische 
der Schweine; jö Mmlder, die Mutter; dät Muddev, der Schlamm, 
Moder, dän. Muddcr; munter; unk, uns beiden, uns beide ; j?M?/,- , 
euch beide, euch beiden; junk, adj. dunkel; drunhen, \. getrun- 
ken, 2. trunken ; y) Ritng , die Runge am Wagen; jö Spung , i.die 
Spange, 2. das Kirchhofthor; jö IIull, die Mütze (Hülle); de Bulle, 
der Zuchtstier; dumm; stumm; jö Itull , die Holle; unner , nd. 
unner; de Tunner, der Donner. 

§. 8. TJc , ii , üh. Gedehnt und geschärft, wie im Deutschen. 
Beispiele: de Dülis, der Tod; de Sühs, der Brunnen, nd. de Soot; 
&iUKlüIis, das Tuch; Iiühs, heiser; lülis, los; snu/iss, flink, nett; 
Ulis, unser; de Hülis, die Heimath, u. s. w. Geschärft: ütte, bütte, 
aussen, draussen; dät Rätt, die Raute, Scheibe; jö Ratten, die Raute 
in der Karte, Schellen; de Rätter, der Reuter; de Siitter , 1. der 
:Schuster, 2. die Schleihe (Gobitis Tinea), latein. Sulor. Gedehnt 
in Düe, ein Mannsname ; ^»('«.arbeiten; jö Rüing , die Saatzeit 
-im Frühling; bräen, zum besten haben, necken, nd. brüen. 



b. Doppellaute, 

§. 9. Diese sind: aai, äi, äi, di , äi, öl, au, äu, aaj, oj , üj, 
■ij, ?V> oj, äuj, ijj. 

Aai, aai. Das breilgedehnlc aa (§. 1.) wird hier mit i ver- 
bunden ausgesprochen, als: Faaic, Vater; Klaai, Nicolas verkürzt; 
maai , ziemlich, erträglich; laai, faul, dän. loi; Baal, Verkleine- 
rungswort für Ingeburg; dät Baal, der Boi , ein Zeug; straaien, 
gemächlich gehen ; glaaien, schlüpfen, entwischen; ütlglaaien, aus- 
glühen; raaieln, taumeln; waaitcn, winken; jö Waait, die Winke; 
jö Flaait, die Flöte, flöten: flaaiten; spaaitcn, spritzen; jö Spaait, 
die Spritze , u. s. w. 

./i , äi. Das gedehnte a in ahnen , bahnen u. s. w. wird mit i ver- 
bunden ausgesprochen, als: dat ^t , das Ei; dat Wäi, der Wat- 
tich, die Molken; de Kläi , der Klei, Thon; Päic , Pai , Manns- 
name; de Kaie, der Schlüssel, engl, the key ; lälden , blitzen, 
nd. läiden; de Luid, der Blitz; de Wäien , der Wagen; dät .^i- 
ken , das Eichen, Riechbüchse; Fäikc und Pulke, Anrede an klci- 



nc Jungen; pätlceii , raj)peln , Avic ein kleiner Knabe; släicn, ge- 
schlagen ; twäieii , gewaschen ; räicln , einreihen , einen Faden ; 
de Mäi, der Mai; dat Mäijückcr , die Weidenruthe ; glüi , froh, 
dän. glad (I. gluhs). 

'Ai, äi. Das hellklingende, langgezogene äh der Dänen mit i 
verbunden, als; äi , nicht; äien, einem die Backen streicheln; jö 
Bai, die Beere; däien, gedeihen; wäien, 1. wehen, 2. trauen, ein 
Brautpaar , dän. at vie (trauen) ; fiäien , freien ; hräicn , krähen , 
nd. kreicn ; säien, at süe, nähen; späien, speien; gräien, wach- 
sen, dän. at groe ; Jiäien , Milderungswort für lügen; läi, lau; 
äujn'e Laie, dän, i La, im Schutz vor dem Winde ; näi , neu; de 
Bräi, der Brei; dat Sträi , das Stroh; dät Stäi, der Koben, dän. 
cn Sti; twäie, altd. zwiro, d. i. zweimal, engl, twice; träie, drei- 
mal , engl, thrice , u. s. w. 

Ai , äi. Das geschärfte ä in: dass , nass, Fass, lassen, wird mit 
i verbunden ausgesprochen , als : läinken , leicht einherhüpfen ; 
dräinken , Irinken; säinkcn, sinken; kräinhen , kränken; liäinken, 
hinken; släinken, schlucken; tvuinken, winken; dat Aingel , der 
Engel; jö Räingel, der Henkeltopf mit zwei Henkeln; de Häinger, 
der Henker; de Fähiger, der Finger; räingeln, klirren; de Späin- 
ke, die Leitersprosse; da Räinke, die Ränke. 

§. dO. Aei, äi in: da Aeile, die Aale; da Wäile, die Weiher; 
päilen, im Wasser platschen, dän. atpöle; käilen, kühlen; fallen, 
fühlen; späilen, spühlen; da Täis, die Zähne; Gäis, Gänse, dän. 
Gjäs, engl, geese; näist, nächst, dän. näst, engl, next ; de Näi- 
ber , der Nachbar, nd. Naaber; jö Häi, 1. die Lust, 2. Erinne- 
rung, 0. Gemüth, u. s. w. ^ — ; deWäi, der Weg, dän. en Vei; da 



1 Diess Wort »jö Häi" ist das dänische Hu, und das altdeut- 
sche Hug, Hauch, Geist, welches noch in dem Worte Hugenot- 
ten , » Hug-genoten ," Geistesgenossen , übrig ist. Im Dänischen 
hat man folgende Wörter und Redensarten aus demselben ge- 
bildet: »Med velbcraadt llu," mit rciflicber Ueberlegung; »Väre 
mod i Hu", verstimmt, verdricsslich sein; »Glad i Hu," frohes 
Gemüthes; » At komme ihn ", eingedenk sein, sich erinnern; » Hu- 
kommelse" , das Gedächtniss ; » at huske", im Gedächtniss belialten. 
Lii Nordfricsiscbcn : «Dät kämt me änjn liäi", kommt mir in den 
Sinn; »Ick Iiäw'r m'jn Häiäjt," ich habe keine Lust dazu. — Daher 
stammen ferner die nd. Wörter: /lägen, de Häg, und /lögen — so 
wie die friesischen Wörter: /lägen, jö Hö/ig , und /läien , so wie 
hagen und behagen, behaglich, im Deutschen. Uägcn, erfreuen. 



Mäile, die Mahle, dän, Maal ; de Täirem, der Darm , dän, Tarm; 
deAeirem, der Arm; fair, stark, dän. för (1. föhr); du Häier , das 
Haar; iväir, wahr; jö Shäicr , die Schere; äim , wund, zart, 
schmerzhaft, dän. öra; sUiipen, schlafen, nd. slaapen; näi, nahe; 
de Näigde, die Nähe, nd. Negd ; wäigen, wippen; dat Häigeti, 
das Stuhlkissen; äien, eigen; läig , niedrig; dat Lälged , die Nie- 
derung. 

Oi, öl. Behält die Aussprache seines Namens, als: töien, auf- 
ihauen; sliöien, die Pferde beschlagen (schuhen), dän. at skoe; 
Böie , ein männlicher Eigenname ; jö Köi , die Knie ; forsmöien , 
verschmähen, dän, at forsmaae ; kröien, nach etwas Gesunkenem 
mit dem Suchhaken fischen , dän. at kröie ; smöien , aufstreifen , 
dän. at opsraöie ; röien , rudern , ein Boot u. s. w. , dän. at roe ; 
swöien , at sweie , swäie. 

§. H. Au, au, wie im Deutschen, als: dRAntie, nom. coli., die 
Buttermilch ; amver , über; trauen , einem — ; jö Glauw, der Spaten ; 
jö Granf , der Graben ; lamven adj. windstill , kalra ; lauwen , v. trans. , 
Heu oder Garben aufladen ; de Auwen , der Ofen , dän. en Ovn ; 
auf, ab, dän. af; de Maude, die Mode; de Grause, \. die Gruse, 
Saft der Pflanzen , 2. Jahreswuchs ; de Edgraiise , das Nachgrass 
zum Abweiden, dän. en Gröde; iöPraus, Dreilingslicht, Lauflicht, 
Rennkerze , dän. en Praas ; jö Stauwe^i , dän. en Stavn , der 
Stafen , der Warf, auf welchem ein Haus steht oder gestanden 
hat ; jö Raus , die Rose , u. s. w. 

Äu , äu , wie im Deutschen , als : de Täns , der Zahn , engl, 
looth ; dät Maus , das Muss , als Pflaumenmuss; dat Bans, die 
Erdhütte aus Rasen; jö Gaus, die Gans, nd. de Gös , dän. cn 
Gaas, engl, goose; ick läns, ich las. 

§. 12. Aaj : Aajt, Agatha, ^j , äj: de Bräjt, die Breite; de 
Wäjt, die Nässe, dän. en Väde , Vädske. Aej, äj : dät Ajth (ge- 
dehnt), der Essig, dän. Ädike , nd. Atig, engl, cisel. — Ge- 
schärft in: äjtt, zu, an, bei, engl, at; de Bäjtlinge , von en Bdjtte, 
das Bischen , Umzugsgut , Fahrniss (dän. Flyttegods , Lösöre) ; 
dkFäjtl, die Füsse, engl, feet, nd. deFöth; wäitt, nass, engl, wet. 



behagen; de Häg, das Behagen; högcn im nd. behalfen, erin- 
nern, im Friesischen: erfreuen; jö HöJtg , das Wolilge"fallen , Beha- 
gen; liäien, im Sinne behalten, verbergen, verheimlichen, niüdernd 
für lügen. 



dän. vaad ; swäßt , süss, engl, sweet; de Räjdd , der Ralh, dän. 
et Raad; räjdden, l. errathen , 2. zurathen, abrathen , 5. über 
etwas befehlen , gebieten , 4. enlohnigt sein können ; de Räjd- 
delse, das Räthsel; dät Stäjll, das Eisen, engl, steel (Stahl); de 
Äjl, der Aal, engl, eel ; jö Sliäjll , die Schuld, Ursache; dat Mäjl, 
das Mahl, dän. Maal; de Wäjl, der Weiher, der Wehl; jö Mäjdd, 
die Math ; mäjdden , mähen ; jö Bräjdd , die Braut ; bräjdden , 
brüten, engl, the bride , to brood, to breed ; fäjdden, ernähren, 
füttern, dän. at föde, engl, to feed ; jö Fäihs , Weide, Unterhalt, 
dän. en Föde , engl, the feed. 

§. 15. Ij, ij: dät Ijll, das Feuer, dän, Ild; dät Ijllinge , die 
Feuerung; dat Ijd, der Torf; he bijtt, er biss; de StrijU , ein 
Gang in der Kirche , das engl, slreet (Strasse) ; bijlken , laut nach- 
rufen , einem; dät Fijl, das Rad, engl, wheel ; dät Dijl , 4. das 
Ding, 2. der Theil ; dät Giß, das Geld; jö Hißl, die Heide, die 
Fessel am Fusse der Pferde ; hißlen , die Fessel anlegen ; de 
Wißte, der Weizen, engl, wheat , dän. Hwede , nd. Weten ; nijd- 
lick , kümmerlich , beengt , wörtlich : nöthlich , von Noth ; da 
Snydde, die Grieben; hiß, heiss, nd. hitt , dän. hed (1. hehs) 
engl, hot; de Stijtt, der Stoss; de Stißi, der Stein, dän. u. nd. 
Steen , engl, stone; hijnnen, 1. mit den Händen auffangen; 2. sich 
ereignen, begeben; fiijnn , schlecht; rvijnnen , wenden. 

Äj, scharf: de Hdjt, die Hitze; Idjtt, nd. lüjtt, engl, lililc ; en 
Bäßle, ein Bisschen; de Baß, das Jucken, u. s. w, 

Üj , üj : iijll, alt; iijllings , altlings, weiland; jö UjlUtig , die 
Mulde; de Füjlle , die Falte, dän. en Folde, engl, fold; de Küjl, 
der Kohl, dän. Kaal; hüjllen, halten, engl, to hold; düjdd , todt, 
dän. död, engl, dead ; dät Brüßl, das Brot , dän. Bröd, engl, bread; 
jö Nüjd , die Noth , dän. Nöd , engl, need ; dät Nüjtt , das Rind , 
dän. et Nöd , engl, neat ; de Siijdde , der Torfsode ; rüjd , roth , 
dän. röd , engl, red; rußten, muhen; dat Büßt, das Boot; dät 
Uijdd , Loth , u. s. w. 

§. 14. Öj, öj, als: Döjtte , Töchterchen; Paßte, Schweinchen; 
pößte, pöjlte ! zum Anlocken der Ferkel und Schweine; de Haßte, 
die Endscheibe des Brotes; de Rößite, Mannsjacke; de Pößite, ein 
zweizöUiges Würfelhölzchen , mit dem die Kinder in den Weih- 
nachten um Pfeffernüsse spielen , auf den vier Seiten mit den 



10 

lalcinischcn Buchstaben A. M. N. S. bezeichnet , d. i. A': alles , M : 
mein eigen , oder der Einsatz , N : nichts , S : setz zu ! — de 
Döjnlc , das Döhnchen *. 

Äuj , äiij : dat Bläiijd , das Blut , dän. Blöd , nd. Blot , engl, 
blood ; de Hmjd , der Hut, nd. Hot, engl, hat, dän. Hat; gäujd , 
gut, engl, good; dät Mmjd , der Muth , dän. und nd. Mod, engl, 
mood ; jö Fläiijd , die Fluth, dän. Flod , nd. Floth , engl, flood; 
ßätijJden , fluthen; dät Gäujll, das Gold, dän., nd. und engl, gold; 
gäiijllen , golden , dän. gylden , nd. und engl, golden ; hmjl , 
kalt , nd. kold , u. s. w. ; dat Schäujl , die Schule , dän. en Skole , 
nd. Schöl, engl, school ; dät Bäujl, die Hütte; de Stäiijl , der 
Stuhl, dän. und nd. de Stöl, engl, stool; dät Mäujl , das Mill , 
Millcrdc, lockere, schwarze Gartenerde, dän. Muld, engl, mould; 
äiijn , in , an , hinein ; jö Mäujnn , ein offener Kasten zu Holz 
und Torf, dän. et Mon, aber in anderer Bedeutung; jö S/iäjnn, 
die Schandthat; jö Häiijnn , die Hand; dat Läiijnn, das Land; 
dal Säiijnn, der Sand; jö Brilnjnn, die Feuersbrunst; dät Pänjnn, 
das Pfand ; dät Säujlt , der Russ , dän. Söd , nd. Sott , engl, soot ; 
jö Räiijll , die Wurzel, dän, en Röd , engl, a root; jö Läuüt, die 
Ofenkrückc ; jö Kläujtt , eine Bootstange mit einer Klaue; läujd- 
den, laichen von Fischen, rammeln von Hunden, Katzen, Hasen, 
u. s. w. , daher: jö Läujdd , das Laichen und Rammeln, und dät 
Länjdd , der Laich der Fische ; de Fäiijt , der Fuss , nd. Föt , 
dän. Föd , engl, foot -. 

§. \o. Das j steht ausserdem nach folgenden Consonanten: 
B, F, G, H, K, L, M, N, S, St und W; also: hj , fj; gj , 
hj , hj , Ij , mj , vj , sj ^ stj und wj. Beispiele : dät Bjäst , die 



1 Wo das ,/ (lott) in Verbindung mit Vocalen vorkommt , 
bewirkt es , bei einer richtigen Aussprache , dass sich der 
darauf unmittelbar folgende Consonant demselben auf eine ganz 
cigcnibümliche Weise anschlicsst, wie z. B. in Mäjnte , Mantje , 
Männchen , u. s. w^ Alle Wörter dieser Art werden , mit Aus- 
nahme des einzigen Wortes Aejlh oder Ajth, Essig, geschwind 
und scharf ausgesprochen. Dänische Kinder , nach der Lautme- 
ihodc im Lesen unterrichtet, sprachen diese Wörter, ohne sie 
zu verstehen , ganz so aus , wie der gcborne Nordfriese. 

- Das geschärfte ö, mit j verbunden . giebt denselben Laut in 
Pöjllov , von Pott, \. der Topf, nd. Pot ,^ dän. en Potte, 2. en 
Pol , als Maass , d. i. eine halbe Kanne , engl, pot. 



n 

Neumilch nach dein Kalhcn , Biestmilch , oberdeutsch : die Dienst , 
Briest und Brieschmilch ; bjätvscn , bellen , klaffen , von Hun- 
den , dän, at bjäfj'o; dat Bjärn, das Kind, dän. et Barn, von 
beren , tragen , nd. boren , dän. bare , also : das (im Mutterleibc) 
Getragene; fjaucr, vier, engl, four; fjarlcn, furzen, dän. at Ijärle, 
engl, to fart ; dat Gjärs , das Gras , dän. Gras , engl, grass ; gjär- 
sen, grasen und grasen, dän. at grässe , engl, to grass; de Iljärl , 
gehechelter Flachs; jö Hjärn, die Ecke, nd. Hörn, dän, et Hjörne ; 
hjärnen , Kranke besuchen ; dät Hjärt , das Harz ; de Kjarl , der 
Kerl, dän, en Karl; jö Kjarl, der Kern; he kjdrd , er fuhr; 
kjarnen , körnen v. trans. , z. B. die Gerste, dän. at kjörne ; dat 
Ljägt , das Licht, altdeutsch Leoht , engl, light; Ijaagen , lügen; 
diQMjögs, der Mist, dän. Mög; AcMjarn, der Morgen; w/arne, mor- 
gen; de Mjarsh , die Marsch; njäsen, säumen, zaudern; njöhl , 
schwerfällig, plump; de Sjäme , der ScJiemen , daher: sjdmmcrn , 
schimmern ; jö Sjärn , die Karne , Butterfass , engl, churn und 
kern; sjarnen, kamen, buttern, engl, to kern, to churn, dän. cn 
Kjärne , at kjärne ; sjuch ! Scheuchwort für die Vögel; sjungen, 
singen; de SJimger, Sänger; tjäsen, salbadern; Tjärc, Theer; dat 
Tjaiiling , der Garnknaul ; tjdwcln , sich zanken ; de Tjaaler , der 
Keller; dat Tjög' , 4, das Zeug; 2. der Zeug, 3. Vieh, dän. Töi ; 
daher: tjögen, sich anschaffen, nd. dat Tüg, tügen ; de TJdwse , 
der Kiefer, Kinnbacken, dän. Kjäwe , engl, jaw; stjäiven , albern 
einhertreten ; jö Stjäprmidder , die Stiefmutter , engl, stepmothcr ; 
Stjäpfidder , Stiefvater ; ^e Stjärt , der Sterz , Schwanz , dän. en 
Stjert , nd, de Steert ; stjärlen , stürzen ; stjöen , schaukeln ; jö 
Stjöi, die Schaukel; de Wjärt , der Wirth , dän. en Värt; de 
Wjärd, 1, die Wahrheit, 2. der Werth; we wjarn , wir Avaren; 
wjarpeln , worfeln ; de Wjarlse , der Wirbel am Spannstrick , oder 
Tüdder. — Das w steht nach S und T ; also : siv und tw , als : 
swär , schwer; stvärcn , antworten, dän. at sväre ; sivmven, sclnvc- 
ben ; ttvdnne , zwei , dän. tvende ; twdrr , quer , dän. tver , tvcrs ; 
dätTwic/i, der Zweig, nd. datTwicg, engl, twig; Aä.iTwürl, der 
Lichtdocht ; de Twäst , der Quast ; tw'Uten , schnitzen ; twiwcln , 
zweifeln , nd, twieweln , dän, at tvivle. 

§, 46. Sh , sl , sm , sn, sp und st kommen mit einander ver- 
bunden vor , als : shöwm , schieben ; släipen , schlafen , engl, to 

2 * 



12 

sleep ; smägen , schmecken , dän. at smage ; spälen , spielen ; Stilen , 
stehlen, dän. at stjäle, engl, to steal; sweren, schwören, engl, to 
swear; snäjtten, schnauzen; spillen, verschütten, dän. at spilde , 
engl, to Spill; slräwen, i. streben, 2. mit Worten streiten. 

Das weiche s, ss und ss (sogenannte sz) als : da Zälise , die Glied- 
jnassen ; wihssen , weisen , dän. at vise , nd. wiesen ; smi/issen , sengen , 
dän. at svie ; lihssen , leiden, dän. at lide , nd. lieden ; sihssen . zischen ; 
Silissen , die Seide; sihssen, seiden, von Seide; de Dihsse , ge- 
trockneter Kuhfladen zum Brennen ; de Spihsse , die Speise ; de 
WUisse , i. die Weise, 2. die Wiese; jö Bläilis , die Blase; jö 
Räilis , die Reise ; räisen , reisen ; kläisen , mit den Nägeln krat- 
zen ; de Säiss, der Käs, engl, chcesc ; säise« v. trän s. , käsen, Käse 
machen; da Snlise , die Brunnen; da Khihse , die Kleider; liesen, 
lösen ; miesen , meiden ; fniesen , niesen ; riesc7i , sich erheben , 
aufstellen, dän. at reise sig ; gniescn, das Maul verzerren; gri/is- 
sen, grausen; liesen, auszupfen, z. B. Wolle oder Haare, dän. 
at läse; hicse , beide; de Riese, der Riese; dät Räliser , einjähri- 
ges Kalb; de Brauser, der Bruder, engl, brother, nd. und dän. 
Broder. 

Scharf wird s ausgesprochen in : dät Hüss , das Haus , engl, 
house, nd. und dän. Huus; jö Trüss, die Kröte; jöMüss, die Maus; 
de Mnss , der Mund; dät Grüss , der Gries, Kies, Grand, dän. 
Gruus ; dät Krüss , l. der Krug, 2. das Kreuz, engl, cross, nd. 
Krüz, dän. Kors ; jö Luss , die Laus, engl, louse , nd. und dän. 
Luus; dät Läss, das Glied, Gelenk; de Smäss, der Schmid , engl, 
srailh, dän. Smed; de Mass, die Messe in der Kirche. 

§. 17, Wie das deutsche ss {sz) in den Wörtern : süss , stiess , 
Fuss , grüssen, klingt es in : de Süss, der Brunnen, nd.de Soot; 
de Düss , der Tod, engl, dealh , dän. Död; lüss, los; hüss, heiser, 
dän, hähs , nd. heesch ; dat Khlss , das Tuch, dän. Klud , engl, 
clolh ; dät Leess , das Fuder, dän. et Läss; dät Glecss , das Glas; 
dät Siveess, der Schwaden, beim Mähen; täss , ziemlich gesund; 
dät Bleess, das Blalt; dat Rcess, die jedem eigenthümliche Stim- 
me, dän. cn Rost; dät ^hs , das Aas, nd. Aas, dän. Aadsel; 
passen, passen, 1. von Kleidern, u. s, w. , 2. im Kartenspiele; 
snüss, flink, nett, gescheidt; — wie s in aus, Maus, u. s. w, , 
als: dat Baus, die Erdhütte aus Rasen; de Taus, engl, tooth, 



13 

der Zahn; jö Gaus, die Gans, engl, goosc , nd. Gös , dän. Gaas; 
dät Äs, das As, Daus; ick läns, ich las ^ 

Wenn «vorder Endsilbe n^ sieht, hat es immer die weiche Aus- 
sprache; als: lirauser , Bruder; Rauser , Rudcv ; Njäser , Zauderer; 
Tjäser , Schwätzer , u. s. w. '^. 



Uehergänge der Grund- und Doppellaule in andere. 

§. 18. Das geschärfte , kurz abgestossene ä geht in das geschärfte, 
langgezogene ä über, als: dat Läss , das Glied; da Lähse , die 
Gliedmassen; de Smäss, der Schmied; jö Smälts , die Schmiede, 
Werkstatt; da Smälise , pl. von Smass und von S7nälis. 

A , d in e oder ce , als: jö Kraft, da Kreefte, die Kraft; de 
Saft, pl. Seefte , der Saft; satten, sitzen; selten, setzen. 



' Das nordfriesiche Baus ist die kleinste Wohnung , eine 
Erdhütte aus Rasen mit einem Stroh- oder Binsenlager und 
einer Rasenbank , die auch fehlen kann ; darnach folgt : dät 
Bäiijl , eine kleine Hütte, deren Wände aus Rasen, rohen Stei- 
nen , Lehm u. s. w. bestehen , und mit Stroh , Binsen , Schilf 
oder Heide gedeckt sind. Solche Hütten haben die Anfänge der 
Dörfer gebildet , und viele Dörfer haben noch dieses Wort in ver- 
schiedenen Abänderungen als Endsilbe unter folgenden Endungen 
der verschiedenen Districle im Friesischen , Dänischen und Deut- 
schen , als bäiijl, bull, böllc , balle, hüttel , so wie das Substanti- 
vum Böl oder Bohl, ein Bauernhof mit einer Hufe Landes von 
60 bis 80 Tonnen oder Morgen , wornach dann der Besitzer nicht 
Hufner, sondern Böhmann genannt wird. 

"^ Das dänische aa wird immer so ausgesprochen , wie das 
friesische Doppel-aa. Das d am Ende eines Wortes nach einem 
Vocal spricht der gebildete Däne immer als sanften Säusellaut 
aus, wie in Gud, Gott, engl. God, fries, Gäd, wie wir etwa Guhs 
lesen würden , und so in allen ähnlichen Fällen , als in : Baad 
(Baahs) dis Boot; et Bud (Buhs) der Bote, u. s. w. Das v der 
Dänen ist das w der Deutschen, und ihr y das deutsehe ü. 
Uebrigens richte ich mich hier bei einzelnen W^örtern nicht im- 
mer nach der dänischen Rechtschreibung, sondern nach der Aus- 
sprache, wie z. B. hähs , welches gedehnt ist und /m'5 geschrie- 
ben wird. Spricht man dieses häs scharf aus , so bezeichnet es 
einen Kornschober. Der dänische Endlaut oder Auslaut des d 
nach einem Vocale ist mit dem isländischen und englischen th 
so wie mit der weichen Aussprache des s und ss im Friesischen 
sehr nahe verwandt , wodurch denn , bei einer richtigen Belau- 
lung der AVöricr in den verschiedenen Sprachen und Mundarten, 
ihre Aehnlichkeit deutlicher ins Ohr fällt. 



14 

A ^ ä , in /e , ö und ii , als : dät Krämm , de Kriemmer , der 
Kram , Krämer ; hagen , behagen ; jö Höged , das Behagen , dän. 
at behage; bägen , de Bdkker , baeken, der Bäcker. 

Aa , aa , wird in ü verwandelt, als: daagen , jö Döged, taugen, 
altd. tugan , daher : die Tugend ; in ä , als : Ijaagen , jö lägen , 
lügen, die Lüge; in das geschärfte 6, als: dö Ijögst, du lügst; in 
das gedehnte 5, als: jö Naahs , die Nase, jö Nöstring , das Na- 
senloch, die Nüster, u. s. w. 

E , e oder ce in ä , wie in : spregen , sprechen , de Spräike , die 
Sprache ; bregen , brechen , bräik , brach ; dat Feck , da Füge , das 
Fach ; dät Glees , da Glase ; in ä ; bregen , dat Brak ; in aa , dät 
Glees , de Glaaser, das Glas, der Glaser; in ä, als: beeren, bjärd, 
heben , einnehmen ; teeren , tjärd , zehren , zehrte ; we7'en , ivjärd , 
wehren, wehrte, u. s, w, 

E oder ce in ä, als: segt, dät Sägt, seicht, die Seichte, Nie- 
derung; wegen, i. wiegen v. intr. , 2. wägen v. trans. , jö Wägt, 
i. die Wage, 2. Gewicht, engl, to weigh , weight , dän. at veie , 
en Vägt. 

/, * in ft, als: grippen , de Grawe, greifen, der Griff, als Hand- 
habe; sUdden, de Släse , glitschen, der Schlitten, nd. de Slähd, 
dän. cn Släde , engl, sledge ; smittcn, de Smälis , schmeissen , der 
Schmiss. 

IJ in ie, als: däti?y«, pl. Biene, das Bein; de Stijn,pl. Stiene , 
der Stein ; de Prijn , pl. Priene , die Pfrieme. 

, ö in ä, aa und ö , als : de Mann , pl. da Mätin , der Mann , 
die Männer; dat Blök, da Blaage , der Block, die Blöcke; kögen , 
de Kögen , kochen , die Küche ; nög , genug ; iwgen , genügsam. 

Ö, ö in e , als: jö Ko , pl. da Ke , die Kuh, die Kühe; das 
gedehnte öh in das geschärfte, als: jö Kohl, die Grube; kolken, 
ein Knabenspiel , wo sie Knikker (Schüsser , Schnellkügclchen) 
oder runde Marmelsteine in eine kleine Grube werfen, fries. de 
Löper V. löpern. ' 

U, u in ü und ä, als: sjiingen, silng , singen, sang; lupen, 
laufen; Läpelse , i. Käselaab , Rinnsal, 2. das Durchlaufen der 
Pferde, dän. löbsk. 

U in ie , als: sluhggen , de Sliek , schlagen, der Schlag. 

l' in 0, als: jung , de Jönge, jung , der Junge ; und ö in äj , als: 



long, de Lajngdc ; in ä gehl aucli o über, als: worin, de Wärmt 
oder Wärmcle , warm , u. s. w. 

Das scharfe ü geht in das gedehnte ö (öh) über , als : de Tünn , 
pl. daTüningc, der Garten; dal Sfirtmn, da Shröningc, die Truhe, 
Lade. 

• Aj \n e, als: jö Bräjihl , de Bredgome , Braut und Bräutigam, 
nd. de Brud, de Brüdigam , dän. cn Brud , cn Brudgom , engl, a 
bride, bridcgroom ; de Räjdd , de Redmon, der Raih , Ralhsmann. 

Au in u, als: de Slianch , der Schuh, pl. da SImhr. 

Äu in äi , als: jö Gaus, pl. Gäis, Gänse; Täus,^\. Täis, Zähne; 
in ö , wie Göseßäsh , Gänsefleisch. 

Äuj in au, wie: dät Shmijl , da Sliaule , die Schule; de Stäujl, 
da Slaule, der Stuhl; inö, als: jö Häujnn, de Hötistök, die Hand, 
der Handslock am Dreschflegel; jö Hönkliess , der Handschuh; 
äwj in äj, als: de Fäujtt, da Fäjtt, der Fuss, engl, foot , pl. feet, 
nd. Foot , pl. Föht oder Fölh. 

le in ö und , als: bien , de Böget, biegen, der Bügel ; tien, de 
Tögel , ziehen, der Zügel; bi-en , de Böge, biegen, der Bogen. 

le in t< , als: liewen , de Luwe, glauben, der Glaube, engl, to 
believe. 

Ue, ü in w und 5; als: de Süss, pl, da Suse, der Brunnen; dät 
Klüss, da Kluhse, das Tuch, die Kleider; düwiven , dal Döf, tun- 
ken, die Tunke; snüwwen , dal Snöf, schnauben, der Schnupfen, 

Üj in ij, als: jö Nüjd , m'jdlick , die Noth , nölhlich , d, i. be- 
schränkt, eingeengt; in ä, als: üjll, dal ^ller , alt, das Alter; 
und ?j in äj , als: //fy7^, de Häjll, hciss, die Hitze, nd, hitt, dän, 
hed, engl, bot; in äj , als: brijdd , de Bräjt, breit, die Breite, 
engl, broad , ihe breadth , dän. breed , cn Brede. 

Die übrigen Verwandlungen der Vocale , deren es natürlich 
noch mehr giebt, werden bei der Wortbildung und dem unregel- 
mässis;cn Zeitworte vorkommen. 



Uehergängc der Consonanlen in andere. 

%. 19. W in f, als: greivcn , dät Greef , graben, das Grab; 
jewcn , dal Jofl , geben , die Gabe , beim Füttern des Viehes ; 



16 

dihven, dät Döf, tunken, die Tunke, dän. at dyppe , engl, lo dip; 
shöiviven, dät Sliöf, ein Brett zum Vorschieben; ]ö Döww , de 
Duffer, die Taube, der Tauber, Tauberich, engl, a dove ; sliöw- 
wen, dät Sliöff , die Schublade; driwwen , ]ö Dnift , treiben, 1. die 
Trift, 2. der Trieb, dän. at drive, en Drift, engl, to drive, a 
drift ; shriwwen , jö Shräft , schreiben , die Schrift ; snöiviven , 
i. schnauben, 2. schnupfen; dät Snöf , der Schnupfen; slow- 
iven , stieben, dät Stöf, der Staub; greivcn, graben, jö Grauf, 
der Graben , u. s. w. 

Umgekehrt wird f wieder in w verwandelt , als : jö Grauf, pl. 
da Graiiwe; dät Shöff , pl. da S/iöwwinge ; dät Kniff, da Kniiv- 
winge , das Messer, der Kneif, dän. en Kniv, engl, knifc ; jö 
Wöff , wöwwen , das Weib, weihen, sich gatten ; dät Steef , da 
Stewe oder Stäwe, die Fassdauhe, engl, staff, pl. staves, dän. en 
Stav; dät Reef, 1, der Fuchs, 2, Sandbank im Meere, das Riff, 
pl. Räice , dän. en Räv ; de Thief, da Tliiewe , der Dieb , engl, a 
thief, u. s. w. 

D und t gehen über in das weiche s, als: dat Bäd, da Base, 
das Bad, dän. et Bäd, engl, bath; fäjdden , ernähren, dän. at 
föde ; jö Fäilis, engl, to feed , food ; dat Fat, pl. da Falise , das 
Fass, die Schüssel, nd. Fat, dän. et Fad; engl, a fat, vat; dat 
Feth, da Fälise , der Bottich, engl, vat; jö Kätt , de Käser, die 
Katze, der Kater, nd.de Kalt, de Kaater, dän. en Kät, engl, cat; 
bittei}, de Balis, beisscn, der Biss, nd. bieten, dän. at bide, engl. 
to bite, a bite; spUtten , de Splähs , spleisscn , nd. splicten , dän. 
at splide , engl, to split ; slidden , de Slälise , engl, to slide ; gijt- 
ten , jö Gaalis , giessen , die Gosse, dän. at gyde , en Gyde ; dat 
Spät, pl. da Spälise , i. der Spiess, 2. der Spatenvoll Erde beim 
Graben , so tief als das Blatt geht , engl. spit. 

SS und SS {sz) gehen in das weiche Iis über, als: dät Lass, 
das Glied, da Lähse , die Gliedraassen ; de Smds , pl. da Smäh- 
se , der Schmied; de Süss, da Suse, der Brunnen, nd, de 
Soot ; dat Klüss, das Tuch, da Klüse oder Klulisc, die Kleider, 
engl, cloth , pl. cloths und clothes; lüss , los, pl. Mise; snüss , 
snulis , nett, flink, u. s. w. 

Ch und k in rj , und g wieder in k , als : dät Tiech , pl. da 
Tiege , die Oberschenkel , Lenden , engl, thigh ; hucli , pl. huge , 



17 

hoch ; (Jut HuQct , die Anhöhe ; fucfi , fuge , hange ; de Uch , die 
Wand ; roch , rage , rauch , zottig ; de Such , der Zuhcr , u. s. w. ; 
dät Feck , da Fägc, das Fach; slnliggen , de Slieh , schlagen, der 
Schlag, nd. slaan , engl, to slay. 

§. 20. Die Mundarten der nordfriesischen Zunge sind , wenigstens 
auf dem festen Lande , den Halligen und in der Wijk auf Föhr , 
nirgends so abweichend , dass die Friesen sich nicht recht gut 
mit einander unterhalten können. Aber auf Helgoland, Amrum, 
Westerlandföhr und Sijlt weichen die Mundarten so sehr von der 
Sprache der Weslküsller ab , dass die gegenseitige Verständi- 
gung oft schwer fällt. Um einen ungefähren Begriff von den ab- 
weichenden Dialecten der nordfriesischen Bewohner der schleswig- 
schen Westküste in den Aemlern Tondern , Bredstedt und Husum 
zu geben, mögen hier einige vergleichende Zusammenstellungen 
derselben dienen. Zuerst steht das friesische Wort nach der morin- 
ger Mundart und das deutsche zuletzt, als: 

dät Haad, Haud, Hawed, dän. Iloved, engl, head , das Haupt; 
jö Wräll, Wräll, Wärl, Wörl, engl, world, dän. Verden, die Welt. 

jö Hävjnn, Iläun, Haun, altfr. Hon, Ilönd, dän. Haand, engl, 
band , die Hand. 

de Däi , Däg , Deg , pl. Doge, engl, day , dän. Dag, der Tag. 

swäjtt , swäit, engl, sweet, süss. 

wäjtt, wäit, engl, wet, dän vaad, nass. 

dät ßjärn , Bern , dän. et Barn , das Kind. 

AäiiSwjärd, Swerd, dän. etSvärd, engl, a sword, das Schwert. 

de Strijlt , Striet , engl, a street , ein Gang in der Kirche , 
(Strasse). 

dät ßläujdd, Blaud, nd. und dän. Blöd, engl, blood , das Blut. 

gäujd, gäud, gaud , nd. gut, goot, dän. god , engl, good, gut. 

de Sträujnn, Stiäun , altfr. Strön , engl. Strand, der Strand. 

§.21, Nicht minder wichtig für die Wortbildung ist die Verglei- 
chung der Lautübergänge in die verwandten Sprachen , wozu hier 
einige Beispiele folgen mögen. 

A entspricht , mit seiner fünffach verschiedenen Aussprache , 
meistens dem a im Deutschen , Dänischen , Angelsächsischen und 
Englischen, als: mägen , machen, nd. maaken , dän. at mage; 
angels. macian , engl, to make , und so in vielen ähnlichen Fällen, 



18 

Ac , ä entspricht meistens dem e in den verwandten Sprachen, 
wo dieser Laut sich dem iL nähert, wie in Leben, geben, schwe- 
ben, U.S. w., als: sträwen , 1. streben, 2. sicli über etwas strei- 
ten, dän. atsträbe, engl, to strive ; ä/iscii , essen, nd. äten, dän. 
at äde , engl, to eat. Eben so e, als; dat Nest, d. und engl. Nest; 
jö Fenn, die Fenne, engl, a fen; seilen, nd. setten , dän. at 
satte, engl, to set, u. s. w. Das gedehnte ie oder ih entspricht 
dem deutsehen ci und ie, dem nd. ce , und dem dänischen e, 
als: da Biene, die Beine, nd. und dän. Been , das engl, hone; 
da Stiene , die Steine, nd. und dän. Steen, engl, stone; älliene , 
allein , nd. alleen , dän. alene , engl, alone ; tienen , dienen , nd. 
denen, dän. at tjene ; biese , beide, dän. begge , baade, engl, 
both ; niiencn, meinen, nd. meinen, dän. at mene, engl, to mean. 
Dasselbe gilt zum Theil auch von dem geschärften i, das aber 
dem nd. ie und dem dänischen i doch öfter entspricht , als : dät 
Rieh, das Reich, nd. Rick., dän. et Rige; lich , reich, nd, riek , 
dän. rüg (rig), engl, rieh; dat Lick , nd. dat Lick, dän. et Lüg, 
die Leiche; de Dick, nd. Dick, der Deich, dän. et Dige , engl, a 
dike. 

0, 0, entspricht, nach seiner dreifachen Aussprache, dem ge- 
dehnten oh und dem geschärften a im Deutschen und Dänischen, 
als: de Loge, die Lohe, dän. en Lue; hohl, dän. huul , nd, 
holl; de Mönn, der Mann , engl, a man, dän. en mand; jö Könn, 
die Kanne, nd. Kann, dän. en Kande, engl, a can; bannen, ban- 
nen, fluchen, dän. at bände, engl, to bannish ; de Gönner, nd. 
de Ganner, der Ganser, Gänserich, engl, the gander, dän. en 
Gasse , von Gaas. 

Oe , (i, entspricht an, un , en , o, u. s. w. , als: jö Mühr , die 
Mauer, nd. und dän. Muur ; dat Bölir , das Bauer, nd. und 
dän. Buur; lören, lauern, nd. luren, dän. at Iure, engl, to lurk, 
to lurch; holen, heulen, nd. hulen, dän. at hyle, engl, to howl; 
stöwwen, stieben, stäuben, nd. stowen, dän. at slöve ; d rügen , 
trocknen, nd. drögen, engl, to dry , dän. at törre. 

U, u, enls[)richt dem ä, d, ä, ö, au und», als: jö Swuhn , der 
Schwan , nd. Swön , Swaan , dän. en Sväne , engl, a swan ; dat 
Tnlig, der Talg, nd. Tallig, dän. Talg, Talg, Tälle, engl, tallow; 
de GuUij , der Galgen , dän. en Galge , engl, gallows ; dat Hulem , 



19 

llaliustroh zum Decken, engl, halin ; slafiggen, schlagen, dän. al 
slaac , nd. slaan , engl, to slay ; de Kuch , der Koog , dän. Kog ; 
de Such, der Zuber; jö Bufm, die Bohne, nd. de Bohn , dän. en 
Bönne, engl, a bean ; he ßiicfi , er flog, dän. han flöi ; de Kap, 
der Kauf, nd. de Koop, dän. et Kjob; liipen, laufen, nd. löpen, 
dän. at lobe, engl, to leap ; de Lup , der Lauf, nd. de Loop , 
dän, et Lob , engl, a leap ; de Hup , der Haufe , nd. de Hupen , 
dän, en Hob, engl, a heap ; Iivpen , häufen, engl, to heap; jö 
Muclder , die Mutter, nd. Moder, dän. Moder, engl, moiher; de 
Kunst , die Kunst. Eben so : munter , dumm , stumm , jö Null , die 
in allen drei Sprachen eins sind; unh , uns beiden; tunnern, don- 
nern , engl, to thunder ; drunhen , trunken , engl, drunk , drun- 
ken ; slunhcn , 1. particip. von sldinken , schlingen, verschlingen, 
schlucken , 2. schmächtig , mit eingefallenem Bauche , engl, 
sliragutted , dän. slunken , in der zweiten Bedeutung; jö Ilnll , 
die Mütze (Hülle) ; liunnert , hundert , nd. hunnert , dän. hund- 
rede , engl, hundred; unner, unter, nd. unner, dän. under, engl. 
under. 

Ue , ü , iij entspricht oft dem deutschen o und dem dänischen 
ö, als: de Düss, der Tod, dän. en Död, nd. dcDood, engl, dealh; 
de Süss, nd, Soot; früss, fror, dän. fröhs (frös), engl, froze; lüss, 
los , dän. lös , engl, loose ; rüjdd , rolh , nd. röd , dän. röd , engl. 
red; düjdd , todt, nd. död, dän. död, engl, dead ; dat Briijd , 
das Brot, dän. Bröd , engl, bread ; jö Nüjd , die Noth, dän. en 
Nöd (Nöhs) , engl, need; dat Liijdd, das Loth, dän. et Lod, auch 
die Gewichte an Uhren , engl. lead ; de Küjl , der Kohl , dän. 
Kaal , engl, eole ; üjll , alt , nd. ohld , altdän. old und ald , 
engl, old ; de Süjdde , der Sode , aus Torf oder Rasen , nd. de 
Söd , engl, sod; de Slüjlt , der Wassergraben, altdeutsch der 
Schlot, nd. Slot; dat Büjtt , das Boot, dän. en Baad , engl. boaf. 
Geschärft entspricht Ü nicht selten dem deutschen au, als: ült , 
aus, nd. ut,dän. ud, engl, out; hüttc , nd. hüten, das Gegenlheil 
von banne, binnen, inner, innerhalb, ütte, draussen, dän, ude ; 
de Snütte, die Schnauze, nd, de Snut, dän. en Snude , engl, 
snout; dat Rätt , die Raute, Fensterscheibe, nd. Rut , dän. en 
Rüde; rütlet, gerautet, gewürfelt, von Geweben; de Klält , Flick- 
lappen, dän. en Klud , engl, clout. 



20 

Aai, (Uli, entspricht keinem Laute der verwandten Sprachen 
vorzugsweise , als : laai , lass , faul . dän. loi , de Laaihänh , die 
Lotterbank , dän. Loibänk ; glaaien , schlüpfen , entwischen ; straaien , 
gemächlich einhergehen ; waaiten , winken ; spaaiten , spritzen ; 
jö Flaait , die Flöte, nd. de Flaut, dän. en Flöite , engl, flute; 
flaaUcn , 1. flöten, 2. pfeifen mit dem Munde; tnaai , so ziem- 
lich; Faaie, Vater, in der Anrede; Klaai , Nicolas; Baai , 1. In- 
geburg , 2, der Boi , ein Zeug; raaieln , taumeln, engl, to rcel ; 
stvaaien , dän. at svaie , schwenken. 

uii, äi, entspricht iheilweise dem deutschen ä und ei, als: 
de Wäien , der Wagen , nd. Waagen , dän. Vogn , engl. Wag- 
gon; dat ^i , das Ei, dän. et Ag, engl, egg; läiden , nd. läidcn , 
blitzen, engl, lo lighten, de Läid , der Blitz; dat Wäi , der 
Wattich, die Molken, dän. Valle , engl, whey ; de Kläi, der 
Klei, nd, Klei, dän. Klik , engl, clay; räieln , einen Faden ein- 
reihen, dän. at rie ; jö Fläiel, der Flegel, zum Dreschen, engl, 
a flail. 

"Ai, äi , entspricht oft dem deutschen ei, dem plattdeutschen 
und dänischen ie , als : häi , bei , nd. und dän. bi , engl, by ; de 
Bräi , der Brei, nd. Brie; fräicn , freien, nd. fricn , dän. at frie; 
/räicw , heirathssüchtig , nd. friens ; däien, gedeihen, nd. däien 
(dän. at trives, engl, to ihrive); sliräien . schreien, nd. schrien, 
dän, at skrige , engl, to shriek ; sjjciien, speien, nd. spien, dän. at 
spy; kräien, krähen, nd. kreien , engl, lo crow; säien , nähen, 
dän. at sye , engl, to sew; wäien, \. wehen, dän. at vaie, nd. 
waien, engl, to wave; 2. trauen , ein Brautpaar, dän. at vie, das 
deutsche: weihen, 

Äi, äj, entspricht dem geschärften i, e, und ä im Deutschen, 
als: de Hajtt , die Hitze, nd. de Ilit , dän. en Hede, engl, ihe 
heat ; dräinken, trinken, nd. drinken , engl, to drink ; säinhen, 
sinken, dän, at synke , engl, lo sink; wainhen , winken, dän. at 
vinkc, engl, lo wink; sJainken, schlingen, schlucken; de Fälliger, 
der Finger, nd. dän. und engl, ebenso; de Hainger, der Henker; 
hräinhen, kränken, dän. at kränke; de Swaingcl, i. der Schwen- 
gel , 2. Schlegel am Dreschflegel ; dät A'ingel , der Engel , dän. 
und nd. ebenso, engl, angel; de Sndjtter , der Schnitzer d. i, Tisch- 
ler , dän. on Snedker (Snitkcr); da Bainhe , die Ränke, dän. Rän- 



21 

ker; de Gdjngcr, der Gänger, dän. en Ganger und en Gänger; 
Idjtt , klein, nd. liijtt, dän. lille , engl, litlle; hinin g er n , kJmgcn , 
dän. klingrc ; de Laingde , die Länge, nd. de Längd , dän. en 
Längde und en Länge, engl, ihe Icnglh u. s. w. 

Aei, Äi, äi , entspricht dem deutschen ü, ilh , a, e, und ä, 
als: späilen, spülen, nd. spölen, dän. at spöle ; dat Späiliiuj , das 
Spülicht, dän. Spöl (Spöhl) ; hauen, kühlen, nd. kölcn , dän. at 
kjöle , to cool; räircti , rühren, nd. rören , dän. at röre ; fällen, 
fühlen, nd. fölen, dän. at föle , engl, to feel ; fairen, führen, 
nd. fören , at fore , u. s. w. ', Da Gäis , die Gänse, nd. Göhs , 
dän. Gjäs, engl, gccsc; da Tiiis, die Zähne, engl, teeth ; de Tai- 

rem , der Darm , dän, en Tarm ; de Airem , der Arm ; 

wäir, wahr, nd. waar ; näi, nahe, nd. neg , engl, nigh, (near) , 
dän. när ; dat Shäip , das Schaf, nd. Schaap ; de Släip , der 
Schlaf, nd. Slaap , engl, slcep ; släipen, schlafen, nd. slaapen, to 
sleep ; de Bäirig , der Berg , nd. de Barg , dän. et Bjerg ; äirig , 
arg , nd. ehenso , dän. arrig ; dat Bäist , die Bestie , das Rind , 
nd. dät Beest, dän. et Bast (Bähst); bäistig , nd. beestig; de Däi , 
der Tag, nd. de Dag, dän. ebenso, engl, day ; ich däi, ich that, 
nd. ick dähd , engl. I did ; dat Haler, das Haar, nd, ebenso, 
engl, hair; läi , lag, engl, lay; jö Sfiäier, die Schere, nd. Scheer; 
jö Släir, der Stern, engl, the star. 

Au, au, weicht sehr ab, als: jö Grauf, nd. de Groof, dän. 
en Gröft , (die Gruft) der Graben ; anwer , über , nd, öwer , 
dän. und engl, over; auf, ab, nd. und dän. af, engl, of, off; de 
Maude , die Mode , nd. de Mood , dän. en Mode , engl, modo ; jö 

Rauhs, die Rose ; de Anwen , der Ofen, nd. en Aaben, dän. 

en Ovn, engl, the oven; de Brauser, der Bruder, nd. und dän. 



1 Um unnöthige Wiederholungen zu vermeiden, will ich hier 
bemerken , dass die Zeitwörter mit at dänisch , die mit to eng- 
lisch sind , wodurch also die bisherigen Andeutungen » dän.'' und 
•oengl" bei dieser Wörterklasse wegfallen können, und zweitens, 
dass drei Striche, Avie im Folgenden noch >^ Arm ," »Rose" u. a. 
anzeigen sollen , dass diese Wörter in den übrigen verwandten 
Sprachen, im Deutschen , Niederdeutschen oder PlaKdeutschen , 
Dänischen , Englischen , Friesischen , Allfriesischen und Nordfrie- 
sischen ebenso lauten. 



22 

Broder, engl, brotlier ; jö Atilis , die Oese; da Slaiilc, die Slülile; 
da S/iaule , die Schulen; äu ist eben so abweichend. 

Aeiij , äuj , entspriclit dem deutschen u am meisten, als: de 
Häiijdd, der Hut, nd. de Hood , dän. und engl, hat; gäujd , 
gut , dän. göd , engl, good ; dät Bläujdd , das Blut , nd. und 
dän. Blöd, engl, blood; jö Räiijlt , die Wurzel, alldeutsch: Rott , 
daher: ausrotten, dän. en Rod , engl, a root; dat Mäiijd , der 
Muth, nd. de Mod , Möt , dän. Mod, das engl, mood ; jö Fläiijdd, 
die Fluth, nd. de Floot, dän. Flöd (1. Flohs), engl, flood ; dät 
Säiijtt, der Russ, nd. Sott, engl, soot ; de Stäujl, der Stuhl, dän. 
und nd. Slol, engl, slool ; dat Shäiijl , die Schule, nd. de School, 
dän. en Skole, engl, a school; jö Bräujnn, die Feuersbrunst; dat 
Bäiijl , (s. die Anmerkung 1. zu §. 17); de Fäujt , der Fuss , 
nd, Foot , dän, Fod , engl. foot. 

]j , ij (das erste i ist der Vocal, das zweite der Consonant) ; sie 
entsprechen dem deutschen ei, als: dat Bijti , das Bein, nd. und 
dän. ßeen , engl, a bone ; de Stißti , der Stein, nd. und dän. 
Steen , engl, stone ; lijdden , leiten, verleiten, at lede, to lead ; 
brijdd, breit, nd. und dän. bred , engl, broad; de Wijtte , der 
Weizen, nd. de Weten, dän. Hvede , engl, whcat; brijdd en , aus- 
breiten, dän. at brede, z. B, bred Dugen , brijd 'e Bördank , lege 
das Tischtuch auf. In den Wörtern Ijd , der Torf , Ijll , Feuer 
und Ijllinge , die Feuerung, lies: ihjdd , ihjU, ihjllinge. Das frie- 
sische Ijll klingt ganz wie das dänische Ild , Feuer, und ist 
auch dasselbe Wort, Gijll , Geld; bijtt, nd. beet, dän. bed, engl, 
bit; stijlteti , stossen , nd. stöten, at stöde. 

Öi , öi , weicht sehr ab, als: töien , thauen, nd. dauen , at töe , 
to thaw; snöien , winden, drehen, at snoe ; shöien, schuhen, die 
Pferde, at skoe , to shoe a horse ; smöien , 1. aufstülpen, at 
smöie op ; 2. schmähen, in forsmöien, at forsmäde; — [öi! pfui; 
röien , rudern , at roe , lo row. 



c. Die Consonanten. 

§.22. B, b, entspricht dem b der verwandten Sprachen , beson- 
ders zu Anfang eines Wortes , als: de Bank, die Bank , dän. Bank , 



engl. l)ank ; dal BUutjdd , das IJIul; hläjddon , bluten, nd. blöden, 
at blöde, to bleed ; hriijdden, brüten, nd. blöden, to bi'ced ; 
brünn , braun, nd. und dän. bruun , engl, brown ; de Bulimm, 
der Baum , nd. de Bobm , dän. cn Böni , engl, tlic beain , an- 
gelsäehsiscli : Bcain ; dät Band: , das Buch , nd. dal Bök , dän. 
cnBog, engl, book , angels. Boc ; jö /irägen , altdeutsch: der Brä- 
gen, nd. de Brägen, engl, thc brains ; jö Bräjdd, die Braut, 
engl, bride , angels. Bryd ; dät Bjarn , dän. et Barn, angels. 
Bearn ; de Brauser , der Bruder , nd. und dän. Broder , engl, bro- 
ther, angels. Brother; hrännen , brennen, at brande; angels. 
bärnan , to burn; bitten, beissen , nd. bieten, at bidc , to bide , 
angels. bitan ; bäcjen , backen, at bage, to bake , angels. bacan ; 
brehsen , flechten, angels. bredan , to braid ; belüchen, einsperren, 
angels. beluean , u. s. w. 

In der Mitte eines Wortes wird das deutsche b im Friesischen 
am häufigsten durch w vertreten, als: bleiben, bliwwcn; reiben, 
riwwen ; schreiben , shriwwen ; treiben , driwwen ; leben , läwen ; 
lieben , Ucxven ; schnieben , snöwwen ; stieben , stöwwen ; klauben , 
klüwwcn ; schieben , shöwiven ; kleben , kläwen ; klieben , kliewcn ; 
graben , grewen ; geben , jewen ; schweben , swäiven ; streben , strä- 
iven , u. s. w. 

§.25. D , d, zu Anfange eines Wortes wie in den verwandten 
Sprachen , als : de Diu , nd. und dän. en Dag , angels. Däg , engl, 
day ; jö Dögter , nd. Dögtcr , dän. Datter, angels. Dohter, engl, 
daughter ; düjn , nd. dohn , angels. don , to do , done ; duf, 
nd. doof, dän. döw, engl, dcaf; de Däfis, nd.de Död , dän. Död , 
engl, death ; dat Dijl , i. der Tlieil, 2. das Ding, nd. und dän. 
en Deel , engl, deal ; de Driütm , nd. de Drohm , dän. en Dröm , 
engl, adrcam; drainken, nd. drinken , to drink; jö Döwiv , nd. de 
Duw , dän. en Due , engl, a dove ; dlep , nd. deep , dän. dyb , 
engl, deep; de Dröpp, en Drüpp , dän. cn Draabe , engl, a drop ; 
diijd , nd. död , dän. död , engl, dead ; jö Daalis , nd. de Daad , 
dän. enDaad (1. Daahs) , engl, dccd ; de üäuwd , nd. Üüwel , dän. 
Djävel , engl, devil , u. s. w. Die diesen entsprechenden hoch- 
deutschen Wörter haben alle T statt D zum Anfangsbuchstaben. 

Steht d verdoppelt in der Mitte eines Wortes, so haben die 
verwandten Sprachen keine ihm entsprechenden Laute, als: lad- 



24 

den, liegen; bddden , bitten; ledden , legen; lijdden , leiten; bijd' 
den, bieten; glidden , gleiten; strädden, greten, grätschen; gnud- 
den, sich schütteln, vor Ungeziefer oder Jucken; budden , sich. 
balzen, wie die Hühner im Staube, u. s. w. 

§.24. Auch die Anfangsbuchstaben F, G, H, K, L, M, N, P, 
R, T, W, entsprechen den gleichen Lauten in Wörtern aus den 
verwandten Sprachen , als : dät Fccst , das Fest , nd. und dän. 
Fest, engl, feast ; jö Fecst, die Faust, nd. Fust, engl, the fistj 
de Flä(js , der Flachs, nd. Flass, angels, Fleax , engl, flax ; fier , 
fern, dän. fjcrn , angels. feor, engl, far; de Füget, der Vogel, 
nd. Vaagcl , dän. Fugl , engl, fowl ; de Fiddcr , der Vater (als Er- 
zeuger), nd. de Faader, dän. en Fäder, angels. Fäder, engl, 
father; jö FUiujdd , die Fluth , nd. de Floth, dän. Flod (I.Flohs), 
angels. Flod , engl, flood ; fresen , fressen , nd. fräten , to fret , 
angels. fretan; fällen, fallen, at falde , to fall, angels. feallan ; 
ßen , fliegen , angels. fleon , to fly. So auch mit den übrigen 
der angeführten Buchstaben , als : gräten , nd. gröten , angels. gre- 
lan , to greet ; de Gläme , engl, the gleam ; lielpen , helfen , nd. 
helpen , angels. hclpan , to help ; jö Hetp , nd. de Hülp, engl, 
help ; kännen , kennen , atkjende, token; läjttcn , lassen, nd. laa- 
ten, at lade, to let, angels. lätan ; de Manne, der Mond, nd. de 
Maand , dän. en Maane , angels. se Mona , engl, the moon ; de 
Neke , der Nacken , nd. de Nack , engl, the neck ; de Nome , 
der Name, nd. de Naam , dän. et Navn , engl, the name; jö 
Plant , die Pflanze , nd. de Plant , dän. en Plante , engl, a 
plant; r/'cÄ-, reich, nd. riek , dän. rüg, engl, rieh; de Rinn, der 
Regen , angels. Pien , engl, rain , u. s. w. 

§. 25. Es ist schon früher bemerkt worden , dass das weiche s , 
mit dem englischen und isländischen /A, sowie mit dem dänischen 
d am Ende eines Wortes nach einem Vocale nahe verwandt ist , 
und dass es (nach Rask) , verdoppelt , wie das z der Holländer 
ausgesprochen wird. Alle diese Buchstaben bezeichnen sämmtlich 
ganz sanfte Säusellaute. Die dänischen Wörter dieser Art wer- 
den beinahe so ausgesprochen , als wenn sie /is zum Endlaut hät- 
ten , als: en Baad , et Bad, Gud , Död — ein Boot, ein Bad, 
Gott , Tod — werden Baahs , ßähs , Guhs und Döhs ausgespro- 
chen ; so nun auch in folgenden friesischen , als : lälisen , gclit- 



25 

Icn ; sühssen, i. sausen, 2. Süden; grihssen , grausen; Wissen ^ 
leiden; jö Näfis, die Niiss ; de Splälis, die Spleisse; jö Räilts, die 
Reise; jö Slöfis , die Schleuse, dän. en Sluse, engl, sluice ; jö 
Raulis , die Rose; jö Daufis , die Dose; dat Wahser, das Wasser; 
sihssen, zischen; wihssen , weisen; jö Daahs, die That; jö 
Braafts , der Braten ; jÖ Shicfis , die Scheide ; de Slähse , der 
Schlitten; de Hielis, die Heide, (Land); de Bohse , der Bothc ; 
de Hiesc, der Heide; de Balis, der Riss; jö Gaalis , die Gosse; 
dat Läfiser, das Leder; de Sinä/is, der Schmiss, u. s. w. 

§. 26. Die hier angedeuteten Lautübergänge der verwandten Spra- 
chen in einander mögen als Fingerzeig dienen , um überall ähnliche 
Vergleichungen anstellen zu können , wo diese sich dem geneig- 
ten Leser darbieten. Wenn auch in der Rechtschreibung einige 
Abweichungen und Unregelmässigkeitea vorkommen , so stehen 
doch wenigstens die Tonzeichen überall richtig , was die Aus- 
sprache leichter und sicherer macht. Oft gränzen aber einzelne 
Grundlaute so nahe an einander , dass es schwer fällt , zu ent- 
scheiden , welcher Laut der richtigere sei, z. R. in Mudder oder 
Modder, Mutter, nd. Moder; timnern oder tönnern, donnern, u. s. w. 
In ähnlichen Fällen können auch einzelne Unregelmässigkeiten 
bei der Verdoppelung der Endconsonanten vorkommen, wie z. R. 
bei wdt oder wdtt. Wdt ist nämlich, 1. was, 2, etwas, 3. wir 
zwei oder wir beide , als erste Person im Dualis , wo jät oder 
jatt die zweite bezeichnet. Die angenommene Regel erlaubt nur 
da die Verdoppelung der Endmitlauter , wo die Verlängerung des 
Wortes sie doppelt hören lässt , wie in: grott , gross, de grotte 
Mönn , da grotte Mann oder Manne ; oder wo sie in der Mehr- 
heit doppelt vorkommen, wie in: ]öTrüss, da Trasse, die Kröte; 
dat Bill , da Bille , das Bild , u. s. w. Dät Fat , die Schüssel , 
nd. und engl. Fat , dän. Fad , klingt ganz wie fätt , fett , engl, 
fat ; jenes hat aber im Pluralis : da Falise , dieses im männlichen 
Geschlecht und in der Mehrheit: fätte , als: de fätte Römm , da 
fatte Römme , engl, Ihe fat ram , der fette Widder, Das //. 
braucht nicht immer als Zwangsdehnungszeichen zu stehen , wo 
das s sich der vorangehenden Sylbc von selbst als weicher , 
sanfter Säusellaut anschliesst, wie in: rälsen , reisen, kläisen , mit 
den Nägeln kratzen ; aber : jö Räilts , jö Kläihs , weil diese W^ör- 



26 

ter weit gedehnter ausgesprochen werden, und so in allen ähn- 
lichen Fällen. Auch können die Laute des ü und ö oder nh 
und öh leicht mit einander verwechselt werden, wie z. B, in 
sühssen oder söhssen , sausen ; brühssen oder bröhssen , hrausen , 
wo das ü geschärft , aher das ss ganz weich ist. Die verwandten 
Sprachen hahcn hier u und au , aber keine Beispiele , dass ein 
Vocal vor einem h je geschärft wird. In den Wörtern llösitj , nd. 
flödig, leicht, schwach, brösig, nd. brösig, widerspänstig , hat 
das ö die plattdeutsche Aussprache , wie in dösig , Möltl , nöleti , 
u. s. w. *. 



ZWEITES CAPITEL 

CLASSENEINTHEILUNG DER WÖRTER. 



§. 27. \. Das Hauptwort, [Nämurd, Nennwort), ist der Name 
eines Gegenstandes, als: de ^pel, der Apfel; de Buhmni , der 



* Bald tritt die Wörterähnlichkeit der hier mit einander ver- 
glichenen Sprachen mehr in der Schreibung, bald mehr in der, 
in jeder der verschiedenen Zungen eigenthümlichcn , Aussprache 
der Wörter , und bald in beiden zugleich deutlicher hervor , was 
alles sorgfältig zu berücksichtigen ist. Nehmen wir z. B. 'das 
fries, Wort Diu , Däg , und das engl, day , so ist Schreibung 
und Aussprache fast eins ; eben so mit dem Worte TJiief , das in 
beiden Sprachen gleich lautet. Das friesische Tliig , Tltieg oder 
Tieg , und das engl, thigh , würden, nach deutscher Aussprache, 
ganz gleichlautend sein , aber hier spricht der Engländer : thei 
oder dhei. Dat Kiüf , der Kneif, dän. Kniv (1. Kniew) , engl, 
knife, sind ähnliche Beispiele. Hier würde das englische Wort 
ganz mit dem deutschen in der Aussprache zusammenfallen und 
beides /i/av/ lauten, wenn der Engländer sein k mitausspräche. 
In den Wörtern: de Fävjtf , pl. Fäjtt , engl, foot, pl. feet , nd. 
Foot , pl. Fölh , liegt die Verwandtschaft näher, als im Hoch- 
deutscheu und Dänischen: derFuss, die Füsse , en Föd, Födder, 
obgleich auch in den letztem die Aehnlichkcit nicht zu verken- 
nen ist. ■ 



27 

Baum; jö Stäir , der Stern; de Dühs , der Tod; dat Lif , der 
Unterleib, 2. das Leben; dät Läwent , 1. das Leben, 2. der 
Lebenswandel; dät Aller, das Alter; de Grause, i. die Gruse, 
2. Wachsthura der Pflanzen , dän. en Gröde ; de Luwe , der 
Glaube ; dät Feest , das Fest , u. s. w. 

2. Das Geschlechtswort bestimmt das sprachliche Geschlecht 
der Haupt- und Bestimmungswörter, und heisst : de, der, jii , 
die, dät, das; im pl. da, die; unbestimmt: dn und en oder 
'n d. i. ein , eine. 

5. Das Bestimmungswort, {Baiurd, adjectivura), giebt die Merk- 
male der Dinge an , als : grott , gross ; läjtt , klein ; rüjdd , roth ; 
iljll , alt; Ituch , hoch; läig , niedrig; lä/is , spät; ripp , reif; sHfj', 
steif, u. s. w. 

4. Das Zahlwort, [Tällurd, numerale), giebt entweder eine be- 
stimmte oder eine allgemeine Zahl gleichartiger Dinge an , oder es 
bestimmt die Ordnung und Aufeinanderfolge derselben, als: fjauer 
Dege , vier Tage ; segs Wäge , sechs Wochen ; ttvunlig Shällinge , 
zwanzig Schillinge, u. s. w. , oder: faale Fäujlk , viel Volks; man- 
mng Hünne , viele Hunde ; arken Manshe , jeder Mensch ; alle 
Manshene , alle Menschen; oder: de jarste, der erste; de lä/isere, 
der zweite; de tredde, der dritte; de fierde , der vierte; de lestc , 
der letzte. 

5. Das Fürwort, {Stähsurd, pronoraen) , steht statt eines Haupt- 
wortes oder vertritt dessen Stelle, als: de Mönn as sierem krönk, 
Iie wört wäjl stäirwe ; der Mann ist sehr krank , er wird wohl 
sterben. Solche Wörter sind ferner: Ick, ich; dö , du; Iie , er; 
jö, sie; dät, es; hat, es; we, wir; ivatt, wir zwei; jatt, ihr zwei; 
j«w, ihr; jd , sie. So auch: niemmen, niemand; hum , wer, je- 
mand ; sönän , sönijn , ein solcher , eine solche ; sön , socken , sock , 
solcher; deselwe, jösellew , dälsellew , derselbe, u. s. w. , pl. da- 
sehve. 

6. Das Zeitwort, {Tiddiird, verbum) , zeigt entweder ein Han- 
deln oder ein Geschehen oder ein Bestehen an, als: majdden, 
mähen; hiijllen , halten; jewen , geben; bim, biegen; sldipen , 
schlafen ; tue« , arbeiten; kühlen, liegen; wägsen, gräien, wachsen; 
bestävjnnen , bestehen; hijnnen , 1. auffangen, mit den Händen, 
2. sich ereignen, begeben, zutragen; wesen^ sein: z. B. de 

i * 



28 

Iliinn holet, der Hund heult; dat rinnt, es regnet; ick giing, 
ich gehe , u, s. w. 

7. Das Umstandswort , [Amstandsunl , adverbium) , giebt einen 
Umstand an , z. B. man Brauser het hirr lungens wähn , mein Bruder 
ist längst hier gewesen ; he het hirr näjlke , kaurtlick , dilling , 
antenne , avjürsne , märl'mg , faar en läiet , noch äi wähn , er ist 
hier neulich , kürzlich , heute , gestern Abend , gestern , heute 
Morgen, vor einer Weile , noch nicht gewesen. So auch hirr, 
hier; dirr, da; jänner , dort; aiv 'e janneregge , jenseits, u, s, w. 

8. Das Verhältnisswort, [Faarurd, praepositio) , bestimmt das Ver- 
hältniss der Gegenstände zu einander , als : imjn 'e Dörnsh , in 
der Stube ; aiv't Haad , auf dem Haupte ; faar me , efter , unner , 
amver , bäi , enädre me, vor mir, nach, unter, über, bei, hinter 
mir. 'Aw'e ja?incregge de Struhmm , jenseit des Stromes; to me, 
zu mir; fon de, von dir; am, um; dp, auf; auf, ab; efter, nach, 
dän. efter, engl, after, und das altdeutsche afler, wie in after- 
reden , Afterkorn , u. s. w, 

9. Das Bindewort , (Binnurd , conjunctio) , giebt das Verhältniss 
der Sätze zu einander an, und verbindet sie zugleich, als: Wanfi 
dö äi mä wäth , so kaast 't läjtte, aurs dann fähst ock nint to sie- 
en; Wenn du nicht mitwillst, so kannst du es lassen, aber dann 
bekommst du auch nichts zu sehen. Die Wörtchen: ivann , so, 
aurs verbinden hier die Sätze mit einander. Solche Wörter sind 
auch folgende, als: du, und; also, also; sögaar , sogar; äi al- 
liene — aurs ock, nicht allein — sondern auch; wihsser ick, un- 
tig dö , weder ich , noch du ; äujnttvihsser — untig , entweder — - 
oder; dirr faar , daher, u. s. w. 

40. Der Empfindungslaut, (Interjeclio) , drückt eine Empfindung 
oder eine Gemüthsbewegung und dergl. aus, als: oh! ohd ! dw ! 
hallcp Göd ! hilf Gott! Göd bewäre! fui! hurräh ! hallo! Dät de 
de Ilajnger ! Dass dich der Henker ! Däuwel ock ! den Teufel 
auch 1 ! 



1 Als Ausrufungen , Verwünschungen und Flüche werden auch 
folgende Ausdrücke gebraucht, als: Dät de de Kukuk ; dät de de 
Raawen (mir nicht erklärlich); dät de de Wünnen ! oder de Fiwiin- 



29 

DRITTES CAPITEL. 

DAS HAUPTWORT. 



1. Arien desselben. 

§. 28. Das Hauptwort ist entweder ein Gattungsname (nomen 
appellativum) , ein Stoffname (nomen materiale) , ein Mengename 
(nomen collectivum), oder ein Eigenname (nomen proprium). Diess 
gilt jedoch nur von solchen Hauptwörtern , die wirkliche Dinge 
oder sinnfällige Gegenstände bezeichnen. 

Bei den Gattungsnamen, deren Anzahl die grösste ist, nehmen 
wir auf die Gestalt oder Form, auf die Arten, Geschlechter und 
Gattungen der Dinge Rücksicht, als: de Mönn, der Mann; jö Wöff, 
das Weib; de Trog, der Trog; jö Pupp, die Pfeife; de Hünn, der 
Hund; de Buhmm, der Baum; jö Ihk, die Eiche; jö Bäjk, die 
Buche , u. s. w. 

Bei den Stoffnamen sehen wir bloss auf den Stoff oder die Be- 
standtheile der Dinge, als: de Kläi, der Klei, Thon; dat Gäiijll, 
das Gold; dat Spek, der Speck; dät Flash, das Fleisch; jö Böser, 
die Butter; dät Holt, das Holz, dät Wähser, das Wasser; dät 
Hjärt, das Harz; dat Pack, das Pech; de Tjäre , der Theer; dät 
Blie, das Blei, u. s. w. 

Der Mengename fasst eine Anzahl gleichartiger Dinge zusam- 
men, als; dät Fäujlk, das Volk, die Leute; da Söshene, die Ge- 
schwister; dät Äa?/r«, das Korn, Getreide; däiKrüdd, das Schiess- 



ncn , dass dich die fünf Wunden (Christi nämlich) brennen oder 
schmerzen mögen. Dät de de Däuivel , de Däuner , de Däuker , de 
Däutsher ! (lauter Benennungen des Teufels); dät de de Racker ! der 
Schinder, sonst: de Racker! de Kränked, de Styt, u. s. w. die 
Pest, die Seuche befallen möge; Göd straaf me! God fordamm 
mel sömöd, bei Golt, wenn man etwas bekräftigt. Versichernd: 
sei mijn , allerdings ; jäwäyV, j^awohl ; faarwäir, fürwahr; wjärlick, 
wahrlich; bäi Good ! bei Gott, s. söniötl! ja, dö sürjed och.' Ja, 
du solltest wohl! oder: ei, warum nicht gar! u. s. w. 



30 

pulver-Kraut, noch in: Kraut und Loth, dän. Krudt ; dat Gjärs, 
das Gras; dät Brüjdkrüdd, der Kümmel; dät Slräi, das Stroh; 
dät Födder, das Heu; da ^gene, die Spreu, dän. Avne. 

Durch die Eigennamen unterscheidet man einzelne Gegenstände 
derselben Art oder Gattung noch besonders von einander. Tage , 
Monate, Länder, Erdtheile, Wohnörter, Wälder, Berge , Gewässer, 
Gestirne, einzelne Sterne, Götter und Göttinnen, auch Thiere 
z. B. Hunde u. s. w. haben Eigennamen, als: de Sändäi, der Sonn- 
tag, de April, jö Türkäi, Europa, Holläujnn , Holland, dät Salt- 
lief, das Saizmeer, Blockshäirig , jö Saaivenstäir , das Siebenge- 
stirn, de Sirius, Odin, Freiä, Moloch, Karo, u. s. w. 



2. Bildung des Hauptwortes. 

§. 29. Die Hauptwörter sind thcils Stamm- oder Wurzelwörter 
(Urwörter, primitiva), theils abgeleitete oder aus andern gebildete 
(derivala), und theils zusammengesetzte (composita). Von der er- 
sten Art sind z. B. folgende: jö Pott , der Topf; de Grünn, der Grund; 
dät Hüss, das Haus; jö Ä'ö, die Kuh, u. s. w. Sie sind meistens 
einsilbig. Abgeleitete sind z. B. folgende, als: de Meiler, von jö 
Meilen, der Müller, von Mühle, oder 3Iöller von dem nd. de Möhl; 
de Fds/ier, der Fischer, von Fdsli, Fisch; grolt, de Grottense, 
gros, die Grösse; lieiven, de Luwe , glauben , der Glaube; de Släip, 
der Schlaf, von släipen, schlafen ; de /fit^fZe , de Huge und dät Huget, 
die Höhe , von Jnig , hoch. Zusammengesetzte sind : jö Rulimme- 
shiess , der Rabmlöffel ; BuJinimull, Baumwolle; dal Lanmmeßäsh , 
das Lammfleisch ; Wöffesömling , Weiber Versammlung bei einer 
Gebährenden ; Däisljägt , Tageslicht ; Düivivehüss , Taubenhaus ; 
Mäisterstock , Meisterstück. 

§. 30. Von einsilbigen Hauptwörtern ohne bestimmte Endun- 
gen und Nachsilben, unter denen die meisten Stammwörter sein 
mögen , wollen wir zuerst einige der vorzüglichsten anführen. 
Es sind folgende, als: 

jö Aagt, die Achte, 8. dät ^i, das Ei. 

jö ^gt, die Acht, Achtung, Ob- jö Ahl , Grossmuttcr. 
acht. jö ^gs, die Axt. 



51 



(lät ^mt, das Amt. 

jö Aart, die Art. 

jö ^rt , die Erbse. 

dät ^ss, das Aas. 

dat Ass, das Daus. 

dät Ähl, die Mistjauchc, 

de Alk, der Iltis. 

jö Auhs, die Ocse. 

dät Ajk, die Stute. 

de Ajl, der Aal. 

dät Ais, das Aas. 

dät Ak, das Thor. 

dät ^r , die Narbe. 

jö 5aow, 1. die Balin, 2. Rain- 
farren. 

jö liaar , üer Bär. 

dat Bäcl, das Bad. 

de Bank, die Bank, 

jö /?di , die Beere. 

jö Biigg , der Bau, das Gebäude. 

de Bähs , nd. Baas , dän. en 
Bähs. 

dat Baurd, das Brett. 

jö Bäjk , 1. die Buche , 2. die 
Beuche. 

dät Bäiijl, die Hütte. 

dat Baus, die Erdhütte. 

dät Bank, das Bucli. 

dät Bedd , das Bett. 

dät Bedd, das Beet, Gartenbeet. 

jö Bi, die Biene, dän. en Bi. 

de Bijnn , i. der Band, 2. das 
Band. 

dät Bijn, das Bein, der Unter- 
schenkel. 

dat Bill, das Bild, 
dät Bier, das Bier. 



dät Bitt, die Wuline im Eise. 

dät Bat, die Pfcifenspitzc. 

de Bähs, \. der Biss , 2. die 
Schneide. 

jö Buk, die Birke. 

dät Birk, der Birkdistrict. 

jö Blech , das Laken , dän. et 
Lägen, und: en Blee. 

jö Blähs, dän. Blus. 

jö Bläihs, die Blase. 

dät Bläk, die Dinte. 

de Bldjnk, der Schimmer; dän. 
et Glimt. 

dät Bleess, das Blatt. 

dät Block, der Block. 

jö Bucht, \. die Bucht, 2. die 
Oberhand, der Sicff. 

de Böll, der Bolzen, dän. Bolt. 

jö Biiss, die Büchse, dän. Bosse. 

dät Bör, der Bohrer, dän. et Bor. 

dät Brak, die Mlh, der Mangel. 

de Bräi, der Brei, die Grütze. 

jö Bräjdd, die Braut. 

dät Bräif, der Brief. 

de Brück, der Brauch. 

dät Brüjd, das Brot. 

dat Bräu, die Tafel. 

jo Brdll, die Brille. 

jö Brdmhs, i. die Bremse, Stech- 
fliege. 2. die Bremse zum Brem- 
sen der Pferde. 

de Brödd, i. der Stift, 2. der 
Stachel, dän. en Braad. 

jö Brö, die Brücke, dän, en Bro. 

dät Bjärd, der Bart. 

dat Bjdrn , das Kind , dän. et 
Barn. 



52 



jö Bjärst, die Borste. 

de Bück , der Bauch , nd. de 
Buk, dän. Bug. 

dät Bann , das Bund , das Bündel. 

de Biihmm , der Baum. 

de Bush, die Büchse, als Be- 
hälter. 

jö Bitrst, die Brust. 

de Bush, der Busch, der Strauss, 

dät Büjtt , das Boot. 

jö Buhn , die Bohne. 

de Bunk , der Haufe , dän, en 
1 Bunke. 

dät Bohr , das Bauer , nd, und 
dän. Buur. 

de Daard , das Frühstück , dän. 
Davre. 

de Dämp, der Dampf. 

de Dank , das Tuch. 

de Däi , der Tag , engl. day. 

de Ddsh , das Schälchen. 

jö Dauhs , die Dose. 

de Die , der Teig , dän. Dei. 

jö Diek, das Grübchen. 

dat Dijl , I. das Ding, 2. der 
Theil. 

dat Ding in Hilligding , das heili- 
ge Ding, die Rose, der Rolh- 
lauf. 

de Dick , der Deich , nd. de Diek , 
engl, dike , dän. et Dige. 

dät Dohf, die Tunke , dünner 
Teig, engl, dough. 

de Dring , der Knabe , dän. en 
Dreng. 

iöDöw, die Taube, nd. deDuw, 
engl, a dove , dän. en Due. 



jö Dühr , nd. und dän. en Dör, 

engl. door. 
de Döi'ensh, die Stube, 
de Dämm, der Damm, 
jö Dräft , 1. der Trieb, 2. die 

Trift , 0. die Auffahrt nach dem 

Hause, 4, der Nachdruck, 
jö Druhg, 1. die Traube, 2. die 

Milchseihe. 
de Dröpp , der Tropfen, 
de Drall , der Drillich, 
de Dunst , der Dunst, 
dat Diert, das Thier, nd. dat 

Deert , dän. et dyr. 
dät Eesh , die Asche, 
jö Eesh , die Esche, 
de Eesh, die Schachtel, dän. en 

iske. 
de Enn , der Abend, 
jö Elms, das Almosen , engl. alms. 
jö Faan , die Fahne, 
dät Fdck , die Ficke. 
de Fäll, der Fall, engl. fall, 
jö Fäll , die Falle, 
dat Fat , die Schüssel , dän. et 

Fad. 
jö oder dät Dock , die Puppe , 

die Docke, 
jö Faur, die Fuhre, 
jö Faurk , die Gabel , engl, a fork , 

dän. Fork. 
jö Fähr, 1. die Fähre, 2. der 

Aufzug , 5. die Schaar. 
dät Fäjll, das Feld, engl, field. 
jö Fäil , das Gefühl, 
jö Fäihs , der Unterhalt , dän. 

Föde . enel. food. 



53 



dät Fäujlk , das Volk , ie Leute , 

engl, folk , folks. 
de Fäujlt, der Fuss , nd. de Foot , 

dän. en Fod , engl. foot. 
dät Feel , der Bottich, 
dät Fek , das Fach, 
jö Feest, die Faust, 
dät Feest, das Fest. 
jö Feel, die Feile; dän. und nd. 

de Fiil, engl. file. 
jö Fieg , die Feige, dän. Figen, 

engl, a fig. 
de Fijnd , der Feind, 
dät Fijl, das Rad, engl, a wheel. 
de Fihss, der Fist. 
de Fjärt , der Furz , dän, en 

Fjärt , engl, a fart. 
jö Fläg , der Regenschauer , engl. 

a shower. 
de (dät) Flägs , der Flaohs , nd. 

Flass, engl. flax. 
dät Flash, das Fleisch, das dän. 

Flesk für Speck, 
jö Fläujdd, die Fluth. 
jö Flaait , die Flöte , nd. de Flaut, 

dän. en Flöite , engl, flute. 
jö Flieg , die Fliege , nd. de Fleeg , 

engl, a fly. 
jö Fingt, \. der Flug, 2. die 

Flucht. 
jö Flank, der Flügel, nd. Flunk, 

Flünk. 
de Foss , der Fuchs (Pferd). 



jö Fotls in Slüttfotts , gemeines 

Schimpfwort, 
de Folt , in Uünnsfott, der Hunds- 
fott, 
dät Fjärsh , der Vers, 
jö Fragt, die Fracht, 
jö Fi'äi , die Heirath. 
de Fräst, die Firste des Daches, 
jö Frist , — 1. 
de Fräst , der Frost, 
jö Frösh , der Frosch, 
de Frünn . der Freund, 
dät Fritt , der Frittbohrer , dän. 

Vrit. 
jö Friujt , die Frucht, 
de Fünst , der Fund, 
de Fldck, der Fleck, Leder am 

Absatz, 
jö Finn , 1. die Finne, 2. die 

Flosse, 
jö Flint , die Flinte, 
dät Flor, der Flor, 
dät Flöti, das Floss. 
jö Fair, die Föhre, Fichte, dän, 

Fyrr. 
dat Fäll, i. das Fell, 2. das 

Füllen, 
de Faurm , die Form, 
de Galt, der Borg, dän. en Galt, 
de Gast , der Gast, 
jö Gast, die Geest, 
dät Gätijd , das Gut, 
dät Gäujll, das Gold. 



1 Ein Strich in diesem Verzeichniss soll dasselbe anzeigen , was 
bisher durch drei Striche angedeutet worden. Siehe S. 24 , Anm. 1. 



34 



jö Gäiis, die Gans, nd. de Goos, 
dän. Gaas, engl, goose. 

dät Geck, der Geck , dän. en Gjäk. 

de Geedd , der Hecht , dän. en 
Gjede. 

dät Giß, das Geld. 

de Guts , der Geiz. 

jö Gläjd, die Gluth , dän. en Glöd ; 
such eine glühende Kohle. 

jö Glauw , der Spaten. 

dät Gleess , das Glas , nd. engl, 
und dän, ebenso. 

dät Glüpp, der Ketscher, dän. 
en Gliv. 

dät Graum, das Eingeweide der 
Fische und Vögel. 

de Graad, der Grad. 

jö Gräjdd, der Rasen, auch Ra- 
senacker. 

de Grünn , der Grund. 

dät Griss , dän. en Griis , das 
Ferkel. 

de Gripp , der Griff mit der Hand, 

de Grähp , der Griff, die Hand- 
habe. 

dät Grö/, rohe Grütze, nd. Grüit, 
dän. Gröd. 

de Gölh, der Guss an einer Kan- 
ne , u. s. w, 

dät Grüss, 1. der Graus, Gries , 
Grand , 2. der Schutt , dän. und 
nd. Graus. 

de Graup, die Mistrinne im Stal- 
le , engl, ihe groop. 

de Groll , der Groll. 

de Gong, der Gang. 

de Godd , der Gott. 



dät Gjärs, das Gras. 

jö Gitjt, die Gicht. 

dät Greef , das Grab, nd. Graf, 

dän. Grav, engl, ihe grave. 
jö Gn'/ijdän. Gröft. der Wasser- 
graben um den Warf, 
de Gäihs , der Dünger , dän. 

Gjöske. 
de Graaw , der Graf, 
dat Gips , — . 
dät Haad, das Haupt, 
de Haaw, das Gotteshaus, 
de Hals, der Hals, 
jö Hänn , die Henne. 
deHaup, der Reif, Tonnenband, 

engl. hoop. 
dat Hart , das Herz , nd. Hart , 

engl, heart. 
de Hauch, derHauk, engl, hock, 

das Zäpfchen im Halse , 2. der 

Hisseblock, 
jö Haur , die Hure. 
jö Hanrd, derKirchhöf, von Hürde, 
jö Häujnn, die Hand, 
de Hänjdd , der Hut. 
jö Häi , der Mulh , der Sinn . 

die Erinnerung, 
dät Häi , die Lust zu etwas, 
jö Hähg , das Heck vor einer 

Fenne, 
de Haurn , das Hörn. 
dät Haurn, als nomen materiale, 
de Halm, der Helm, 
de Hdw , der Hieb, 
de Hdjnst , der Hengst , däm 

Hingst , überhaupt ein Pferd , 

als Gattungsname. 



35 



de Hält , der Ileld , dän. Ilelt, 
jö Hdks , die Hexe, 
jö Hing , die Thürangel. 
dat Hielis , die Heide , das Hei- 
dekraut, engl, heath. 
jö Hiehs, die Heide, das Heide- 
feld, dän. en Hede, 
dat Hierd , die Harde , dän, et 

Herred. 
jö Hyll, die Heide, dän. en Hil- 
de; die Fussfessel der Pferde, 
u, s. w. 
de Hjärl , gehechelter Flachs, 
jö Hjärn , \. die Ecke, 2. der 
Winkel, nd. Hörn, dän. Hjör- 
ne. 
dät Hjärn , wollenes Garn , 2. 

Hühnergeier in Hännefijärn, 
dät Hjärt , das Harz, 
dät Heef, das Haff, Meer, dän. 

et Hav, 
dät Heeft, das Heft, Schale am 

Messer, 
jö Heesp , der Haspel , dän en 

Haspe, 
jö Holis, der Strumpf, dän, en 

Hose , das deutsche Hose, 
dät Höll , das Gesäss, 
dat Hjört , der Hirsch , engl, a 

hart , dän. Hjort. 
de Hüpp , der Haufe , dän, en 

Höh , engl. heap. 
dät Hüss, das Haus, dän, und 

nd. Huus, engl, house, 
de Hühs , das Heim , die Hei- 
math , dän, elHjem, engl. 
horae. 



jö Hüll, die Mütze, das deut- 
sche Hülle, 
dat Höh, das Holz, 
de Hütm , der Hund. 
iöHüdd, die Haut, nd. und dän, 

Hut, Hud. 
jö Hcinn, das dünne Häutchen, 

dän. en Hinde. 
jö Höw , die Hoffnung , dän. et 

Haah, engl. hope. 
dät Häwr, das Haar, engl. hair. 
de Hof, der Hof um Sonne und 

Mond, dän. en Hov. 
de Hanf, der Huf. 
de Hill, der Holunder, dän, Hyld, 

de Hillebuhmm. 
jö Jagt, 4. die Jagd, 2. die Jacht, 
dät Järd , die Erde , als Stoff- 

namc. 
dät Jeß, die Gabe, beim Füttern 

des Viehes, 
de Uiss , der Eid , dän. en Eed , 

2. Scheitel, 
dät Ijd, der Torf, 
dat Hir, das Jahr, engl. year. 
dat Ijll , das Feuer, dän. Ild. 
dät hs, das Eis, nd. und dän. 

lis , engl. iee. 
jö Ulk , die Eiche , nd. Eek , 

dän. en Eeg. 
dal Jörn, ein Eisen, dän. et Jern. 
de Jüll , dän. Juul , die Weih- 
nachten, 
dat Jäck , die Jacke, 
dat Jäck , das Joch , engl. yoke. 
jö Jahl , das Rohrkolbenblatt, 
(Typha). 

5 * 



36 



dät Klapp, eine Art Kreuzbinde 

alter Weiber, 
dät Klapp, i. der Hosenlatz, 

2. eine Schütte Stroh, 
jö Kaar , der Karren, das dän. 

Karre, und das engl, a car 

und cart. 
jö Kaard , die Karte, dän. et 

Kort, (Kaart), engl, card und 

Chart, 
jö Kapp , die Kappe , dän Kappe , 

engl. cap. 
jö Kätt , die Katze , dän. und nd. 

Kät, engl. cat. 
de Kant, die Kante, der Rand, 

die Seite, 
jö Käil, 4. die Keule, 2. die 

Kühle, 
de Kaumm, der Kamm, nd. und 

dän. en Kam, engl. comb, 
dät Kaum , das Korn , nd. und 

dän. Körn, engl. corn. 
de Kalk, der Kalk, 
dät Kann, das Kinn", engl, chin, 

das dän. Kind (die Backe). 
jö Kdrst, i. Kiste, 2. der Sarg. 
de Kälir , die Kühr , die Wahl , 

Freiheit zu wählen, 
jö Kier , wie Kälir. 
de Kecl, der Kiel, dän. en Kjöl, 

engl, a kecl. 
jö KicJ; , dän. Udkik , die Gucke. 
de Klang, der Klang, 
jö Klädd, die Kladde, 
de Klädd, der Klecks, 
jö Kldww, die Klaue, engl, a 

claw, dän. Klö, 



jö Klamm , die Klemme , eigentl. 
und uneigentl. 

iöKlöck, I.Glocke, 2. Uhr, engl, 
a elock , dän, en Klocke, 

de Klömp, l.die Klampe, 2. der 
Schober, dän. Häs. 

de Klump, l.Kloss, 2. der Klum- 
pen. 

de Kläi , der Klei , Thon , engl, 
clay , dän. Klik. 

Klaai , Nicolai. 

de Klütt , der Flicklappen , das 
dän. Klud und das engl, clolh. 

Jö Klajnk , die Klinke , dän. en 
Klink. 

dät Klie, die Kleie, dän. Klii. 

jö Kling , die Klinge. 

de Kjärl , der Kerl , dän. en 
Karl. 

jö Kjärl , der Kern , 2. ein 
Krüramchen. 

dät Klühs , das Tuch , vergleiche 
Klud, cloth. 

de Knälip, i. der Kniff, 2. Taille. 

dät Kniff, der Kneif, das Mes- 
ser. 

jö Kniep , die Schnalle. 

jö Kldtsh , \. die Klatsche an 
der Peitschenschnur, 2. der 
Seime. 

de Knöst , dän. Knast. 

jö Kost, l.die Kost, 2. die Hoch- 
zeit. 

de Knapp, der Knopf, dän. en 
Knäp. 

de Kndgt , der Knecht. 

de Knall, der Knall. 



57 



\ eineBoolstange zum 

, r-... • i Schieben der Boote , 
de Klaujtt,\ , . . ,. ... 

,„.. . >oben mit einer liruk- 
10 hlauiUA, 

\ke, unten mit einer 

/Klaue versehen. 

jö Kwall, die Quelle. 

jö Kraß , die Kraft. 

jö Krack, die Krücke. 

dät Krack , die Kracke , elendes 
Pferd ; dän. Krik. 

de Kram, der Kranz. 

dät Kram, 1. der Kram , 2. Kram- 
laden. 

de Krich, der Krieg. 

dät Kritt, die Kreide. 

dät Kripp , der Krepp , ein Zeug. 

jö Krück , die Kruke , der Krug. 

de Kriss , der Kreis , dän. en 
Kreds (1. Kres). 

dät Krät , das Gethier , dän. et 
Krä. 

de Kröpp, der Körper, dän. en 
Kröp , 2. der Kropf der Vö- 
gel, 5. der Kropf der Pferde, 
eine Krankheit. 

dat Krüss, 1. der Krug, 2. das 
Kreuz. 

jö Krauck, der Dachwinkel. 

duKrüdd, 1, das Kraut, 2. Schiess- 
pulver, noch in: Kraut und 
Loth , dän. Krudt. 

de Kraimim, die Krampe. 

jö Krebh, die Krippe. 

jö Kröhn , die Krone, engl, crown. 

de Kraug , der Krug , als Schenke. 

jöKöhl, die Grube, nd. Kul, dän 
en Kule. 



jö Ko, die Kuh , nd, u. dän. cn 

Ko, engl, a cow. 
de Kunsl, die Kunst, 
de Kupp, derliauf, nd. de Köp, 

dän. et Kjöb. 
jö Kann, die Kanne, nd. de Kann, 

dän. en Kande, engl, a can. 
de Kiljl, der Kohl, dän. Kaal, 

engl. cole. 
jö Käg , der Kuchen , dän. en 

Kage, engl. cake. 
de Klöts, der Klotz, dän. en Klods. 
dät Kopp, dirainutivum : dät Kop- 

ken, die Tasse, 
jö Kunim, die Kumme, 
jö Küst, die Küste, 
dät Küt, der Kitt, 
jö Laash, die Lerche, 
de Läid, der Blitz, 
jö Las, die Last, 
jö Last, der Leisten, 
jö Ld, die Sense, dän. en Lee. 
jö Law, der Löwe. 
dätXä^, 4, die Schicht, 2. das 

Gelag, dän. et Lag. 
dät Lack , der Lack, 
jö Ldnn, die Linde, 
jö Lälis, die Scheune, 
dät Ldss , das Glied, 
dat Lddd, 4. der Deckel, 2. der 

hölzerne Teller. 
de Lacks, der Lachs. 
dät Lämp , die Lampe, 
jö Länk , die Kette , dän. en 

Liinke. 
dät Lalh , die Latte, 
dät Laumm, das Lamm. 



38 



dät Lävjnn, das Land. 

jö Lmijtt, die Ofenkrücke. 

jö Läjt, das Geschrei. 

dät Lees, das Fuder, dän. et Las. 

dät Lick, die Leiche, nd. Liek, 
dän. Lüg. 

dät Liek, ein Spiel mit Schneil- 
kügelchen. 

jö Lie, die Miethe, dän. en Lcie. 

dät Liem, der Lehm. 

dat Limm, der Leim, dän. Liim. 

jö Liep, der Kibitz, das engli- 
sche lap in lapwing. 

jö Leen, die Leine, engl, a line, 
dän. Line. 

dät Ljägt, das Licht. 

dät Loos, das Loos, dän. en Lod. 

dät Loch , 1. das Loch , 2, der 
Kerker. 

jö Lüss, die Laus. 

jö Luft, die Luft. 

jö Lust, die Lust. 

dat Lüjn, der Lohn. 

de Lünn, der Hain, dän. en Lund. 

jö Lufik, Zwiebel, dän. et Log, 
der Lauch. 

dät Linn , der Bund , als : Ho- 
senbund, dän. et Lin. 

dat Liff, 1. der Unterleib, 2. das 
Leben, nd. und dän. Liv, engl. 
life. 

jö L6, die Tenne, dän. en Lö. 

de Lupp, der Lauf. 

jö Löft, der Boden, dän. et Löft, 
engl. loft. 

jö Lier, i. die Lehre, 2. Kennt- 
nisse. 



jö Lierk, ein kleiner Strandläu- 
fer (Charadrius minor). 

jö Lits, die Litze, dän, en Lids. 

jö List, die List , — . 

dat Lück , die Luke , dän. en 
Luge. 

dat Lück, das Glück. 

jö Löhr , 



ö Löhr, I 
ö Lörr , j 



die Lauer. 



J 

jö Lunt, die Lunte. 

de Läink, der Sprung. 

jö Mägt, die Macht, dän. Magt. 

dat Malt , das Malz , engl, und 

dän. Malt, 
jö Malt, die Milz, 
jö Mdgg , die Mücke, 
de Mdck , der Kuss. 
jö Mäsh, 1. die Masche, 2. die 

Made, 
jö Matt , die Matte , engl, a 

mat. 
jö Mähr, die Mähre, dän. en Mär, 

engl, a mare. 
dät Mäujt, die Begegnung, dän. 

et Mode, engl. meet. 
dÄt 3Iäujdd, der Muth, nd. Moth, 

dän. Mod , engl, raood. 
dat Mäjl, das Mahl, dän. Maal, 

Maaltid. 
de Mall, die Mitte, 
dät 3Iäujl , das Mill , die Millerde , 

dän. Muld, engl, mould. 
dät 3Iäus, das Muss, als Pflau- 

menmuss , dän. Gröd, engl. pap. 
jö Mäujnn , der Torf — oder Holz- 
kasten u. s. w., dän. et Mon. 
de Mast, der Mast, — . 



59 



dät Mahl, das Mehl, däii. Meel, 

nd. Mehl, 
jö Meel, die Meile, nd. und dän. 

cn Miil , engl, a raile, 
jö Mäßd, die Malh, engl, meadow. 
de Maurd , der Mord , dän. et 

Mord, engl, murder. 
de Mjärn, der Morgen, 
de Mjogs, der Mist, Dünger, 
dät Mjögs , der Koth. 
jö Miek, die Mutterscheide, nd. 

de Mieg. 
dät Moos, das Moos, dän. und 

engl, raoss. 
de Mmn , der Mann , dän. en 

Mand , engl, a man. Monns , 

Manns für etwas sein, 
jö Muss , weiblicher Kopfputz 

mit Spitzen unter der Kreuz- 
binde [Shiedcutk) an den Schlä- 
fen, 
jö Muff, der Muff, engl, muff, 

dän. en Muffe, 
jö Mölir , die Mauer , nd. und 

dän. en Muur, Mühr. 
de Müss, der Mund, 
jö Müss, die Maus, nd. und dän. 

Muus , engl, a inouse. 
dät Muhl, das Ziel, dän. Maal. 
jö Mäjtt, das Maass. 
dät 3Iärk , Merkmal , dän. et 

Märke, engl. mark, 
jö Mark, die Mark (16 f.). 
de Marsh , der Marsch , engl. 

march, dän. Marsk. 
jö Mjärsh , die Marsch , engl. 

marsh. 



de Mass, die Messe in der Kir- 
che, engl, mass, dän. Messe. 

dat Mäsh, der Meisch, dän. Mask, 
engl. mash. 

de Most, der Most. — engl. must. 

de Muck, der Muck, Mucks. 

jö 3Iünt , die Münze. 

Mdmm, Mutter, in der Anrede 
von Kindern. 

Meem, Mem, dasselbe. 

Matt, Mette, ein weibhcher Ei- 
genname. 

jö Naas, die Nase, nd. Nähs, 
dän. Nase, engl. nose. 

jö Nähs, l.die Nuss, 2. dieNiss, 
1. nd. de Not, dän. en Nöd', 
engl. nut. 2. nd. Näd , dän. 
Nidd, engl. nit. 

jö Nagt, die Nacht. 

dät Näps, der Napf. 

de Narr , der Narr , — . 

dät Näis , die Neuigkeit, dän. 
noget Nyt, engl. news. 

jö Neil, die Nadel, engl, needle. 

dät Neest , das Nest , nd. und 
engl. nest. 

dät Neet, 1. das Netz, nd. engl, 
und dän. Net. 2. der Harn, 
altdeutsch der Netz. 

jö Nill, die Nessel, nd. und engl. 
Nettel. 

jö Nist, der Funke, dän. en Gnist. 

jö Nöpp, der Floh. 

jö Niijd', die Noth. , dän. en Nöd, 
engl. need. 

dät Nüjtt , das Rind , dän. et Nöd', 
engl. neat. 



40 



jö Nöst, der Tränktrog, 
jö Null, die Null, et Nul. 
de Ödd, die Messerspitze, Land- 
spitze , dän, en Od , Odde. 
de 0/im, der Oheim, Onkel, 
de Päbst, der Pabst. 
dät Pack, 1. der Pack, 2. das Pack, 
dät Pär, 1. das Paar, 2. einige, 
dät Päss, der Pass. 
de Päls , der Pelz , dän. Pelts. 
dät Pdss, der Harn, 
dät Päjl, der Pfuhl, dän. en Pol 

(1. Pohl), 
jö Päußm, das Pfand, dän. Pant, 

engl. pawn. 
dät Pänjfin, Pfandgut, 
jö Pari, die Perle, engl, pearl. 
de Peel, der Pfeil, dän. und nd. 

en Piil. 
jö Penn , ein hölzerner Wirbel 

an Luken zuai Vordrehen, dän. 

en Vreil, daher das englische 

to pen , einschliessen , fries : 

pennen. 
de Pick, die Pieke, dän. Pig, 

engl, a pike, 
de Pläck, der Fleck, 
dät Pläss , der Platz , nd. und 

dän. Plads, engl, place, 
de Plaan , der Plan , — . 
jö Plagt , die Pflicht , dän. 

Pligt. 
jö Plefj , die Pflege, 
de Plöck, der Pflock, dän. Plög, 

engl. plug. 
de Plaug, der Pflug, nd. Plög, 

dän. Plov , engl, plough. 



jö Plant, die Pflanze, dän. nd. 

und engl. Plant, 
jö Plöhm, die Pflaume, nd. und 

eng], plura. 
jö Plät, die Platte, engl, a plate, 

dän. Plade. 
de Post , die Post , — . 
jö Pönn , die Pfanne , engl, a 

pan, dän. Pande. 
jö Polt, nd. und engl. Pot, dän. 

en Pot, als Maass, en Potte, 

als Gefäss. 
jö Pupp, die Pfeife , engl, a pipe, 

nd. Piep, 
jö Pietsh , die Peitsche, dän. en 

Pidsk. 
de Präck , \ . der Stich , 2, der 

Tüpfel, 
jö Prauhs, die ßennkerze, dän. 

en Praas. 
jö Podd , der Käfer, 
de Prijnn, die Pfrieme, dän. en 

Preen. 
jö Präkv, die Probe, 
de Prdwst, der Probst, dän. Provst. 
de Prins, der Prinz, — . 
jö Prämni, der Prahm, dän. Pram. 
de Priss , der Preis , nd. und 

diän. en Priis, engl, prize, price. 
jö Prie/is, die Priese, 
de Puls , der Puls , — . 
dät Pünn, das Pfund, nd. und 

dän. Pund, engl, pound. 
jö Pump, die Pumpe, nd. und 

engl. Pump, dän. Pumpe, 
de Pung , i. der Beutel, 2. der 

Ilodensack , dän. Pung. 



41 



dät PuU , das Pult. 

de Puff, der Puff. 

jö Prung, der Tausch, dän. Prang. 

jö Ptits, der Putz, Staat, 2. der 

Streich , Possen, 
jö Pörn, nd. Porn, die Garnele, 

engl, prawn, shrimp. 
dät Rd, die Reihe, Zeile, dän. 

en Rad. 
dät Rdck, 1. das Schüsselbrett, 

2. die Hühnerlatte, 
de Räjdd, (ier Rath, dän. Raad. 
jö Räilid, das Rohr, als Pflanze, 

engl. reed. 
jö Rauhs , die Rose , Blume, 
jö Rmijtt, altd. Rott , dän. en 

Rod, engl. root. 
de Rast , der Rest, 
de Rähw, der Riss, 
jö Rauk , der Rabe , das engl. 

rook , die Saatkrähe, 
de Ränt, der Rand, 
jö Räifis, die Reise, 
jö Räbb, die Rippe, Ribbe. 
jo Räsp, die Raspel, dän. und 

engl, a Rasp. 
de Rang , der Rang, engl, a rank, 
jö Rank, die Ranke, 
jö Rau, I die Ruhe , dän. 
jö Rd, j Roe. 
jö Rast, die Rast , dän. Rist , 

engl. rest. 
dät Reef , dan. en Räv , der 

Fuchs, Reincke. 
jö Reew, dän. en Rive, der Re- 
chen, engl, a rake. 
dät Reess, dän. cn Rost. 



de Regg , der Rücken, dän. en 

RiJgS' engl, ridge. 
de Riek, der Rauch, dän. Rög, 

nd. Rök , engl. reck, 
dät Rick , nd. dat Riek , das 

Reich, 
dät Riss, die Ruthe, das Reis, 

dän. et Riis. 
de Ripp, der Reif, gefrorner 

Thau , dän. Riim, engl, rime — 

hoare. 
de Rimtn , der Reim , nd. und 

dän. Riim, engl, rliyrae, rime. 
dät Riess, von riesen, sich auf- 
richten, 2. das Riess. 
de Rinn, der Regen , nd. dän. 

Regn , engl, rain, 
jö Riim , die Rinde , engl. rind. 
de Ridd, der Ritt, dän. et Rid', 

engl, a ride. 
de Rock, der Spinnrocken, 
de Rock, der Rock, 
dät Rögt, das Recht, 
de Rögt, das Gericht Essen, 
de Römm, der Widder, engl a 

ram. 
jö Roost, der Rost, beim Brauen, 
de Ring, der Ring, 
jö Rösh, die Binse, engl, a rush. 
jö Rät, die Ratze, nd. en Rott, 

dän. en Rotte , engl, a rat. 
jö Röhw, die Rübe, nd. de Röhw, 

engl, a rape. 
dät Rült, die Raute, Fenster- 
scheibe, nd. de Rut, dän. Rüde, 
dät Röhn , Rinnsal , engl, run- 

net , 'rennet. 



42 



dät Rümm, -l.Raum, 2. Zimmer, 
nd. Piiium, dän. Rum', engl, 
roora. 

dät Ihidd , die Spur, engl. rut. 

de Ruk, der Heuschober, engl, 
rick. 

dät Ruf, die Garnsträhne. 

jö Ruliw, die Mühlenruthe, Flü- 
gel der Windmühle. 

de Rump, d. der Rumpf, 2. Brust- 
tuch, engl. rump. 

jö Rull, 1. die Rolle, 2. die Spin- 
del, engl, a roll. 

de Rust, der Rust. 

jö Rast, der Rost, dän. en Rist. 

jö Rnng, die Wagenrunge. 

dät Rüss, das Gerolle. 

de Rüss, der Rausch , dän. cn 
Runs. 

dät Riijtt , eine Krankheit der 
Kühe. 

jö Rag, dän. en Rage, engl, a 
rake. 

jö Saal, die Sohle, dän. und 
nd. en Saal, engl, a sole. 

de Saal, der Sahl , dän. en Sal. 

jö Sali, der Sattel. 

de Saft, der Saft. 

jö Säjk , die Suche. 

dät Säjdd, l.die Saat ,^2. Same, 
5. Rapsaat , dän. Säd , engl, 
seed. 

dät Salt, das Salz. 

jö Säliw, Binsenmark. 

dät Sähw, das Sieb, ensfl. a sieve. 

dät Säujtt, der Russ, nd. Sott, 
dän. Söd, engl. soot. - 



dät Sägt, l. das Ziclkorn am 

Gewehr, 2. Seichte, Niederung, 
jö Sägt, (Sigt), die Sense zum 

Erbsenmähen, 
de Sä'ü'k, das Mannshemd, dän. 

Särk (Weiberhemd), 
de Smöck , das Weiberhemd , 

engl, smock. 
de Sann, die Sonne, engl. Ihe 

sun. 
dat Sann, der Sinn, dän. Sind, 

engl, sense. 
de Salin , der Sohn , nd. Söhn , 

dän. Sön', engl. son. 
jö Sahn , die Sehne, 
de Säihs, der Käs, engl, cheese. 
i'ö Sähg , die Säge, nd. Saag , 

dän. Sav, engl, a saw. 
de Sceck, der Sack, dän. Säk, 

engl. sack. 
jö Segt, die Sucht, 
jö Siek, die Wange, engl, cheek. 
dät Sierp , der Syrup. 
jö Sidd, die Seite, nd. Sied, 

engl. side. 
jö Siel, die Seele, nd. Secl , 

dän. Själ, engl. soul. 
de Sill, der Kessel, 
dät Sill, das Siehl. 
jö Sierk , kleinere Wunde , 2, 

der Grind, dän. Saar, 
dät Sicp , die Seife , nd. Seep , 

engl. Soap. 
dät Shann, alld. das Schind, in 

schinden, Schindmähre, Schin- 
der, Schindanger, dän. Skind, 

engl. skin. 



43 



de Shätt , der Schatz , diin. en 
Skat. 

jö Shätt, die Schätzung, Abgabe, 
dän. Skat. 

de Shälk , der Schalk , dän. 
Skalk, nd. Schalk. 

dät Shäp, nd. Schap , dän. et 
Skab, der Schrank. 

dat Shüp, das Schiff, nd. Schipp , 
engl, ship, dän. et Skib. 

de S/tdlm, der Schelm, nd. und 
dän. Skjälra. 
jö Shaahs , i. der Riegel, dän. 
cn Skaade, 2. die Elster, dän. 
en Skäde , 5. ein Bund Lang- 
stroh , 4. das Leichenlager auf 
Langhalm vor dem Einsargen. 

jö SItähl, l.die Schale, dän. en 
Skaal , 2. Differenz beim Bie- 
ten und Fordern , nd. de 
Schäl. 

jö Sil äs , 1. die Scharte, 2. die 
Schnarre , Klapper. 

dät Slimijl, die Schale. 

jö Slidl, die Schale, Schelfe, 
dän. en Skäl, engl, shell. 

jö Sliäw, die Schabe, dän. Skjäve, 
engl, chaff. 

jö Sliäujnn, die Schandthat. 

de Sfiauch, der Schuh. 

jö Shäjll , die Schuld , Ursache , 
dän. Skijld. 

jö SIiüll, die Geldschuld. 

jö Slieew , die Scheibe , 1 . dän. 
en Skive, 2. der Tisch. 

de Shähr, der Schnitt, Schnitt- 
wunde. 



jö Sliepp, das Schiff, dän. Skjüp- 

pe , nd. Schipp, 
jö Spirr, der aufgehende Keim, 

dän. cn Spire. 
dat S/iiUp , das Schaf , nd. 

Schaap. 
jö S/dess, der Löffel, dän. en Skcd, 
de Sliiess, in Aufshiess, Abschied, 
dat Shjärn , 1. der Schmutz , 

Kehricht, 2. ein Bösewicht, 

dän. et Skarn. 
de Sftinn, der Schein, nd. de 

Schiin, dän. Skin, engl, shine. 
dat Shihl, l.das Schild, dän. et 

Skilt, 2. der Schild, dän. et 

Skjald, engl, shield. 
dat Slijärd, die Scherbe, dän. 

et Skaar , engl, shard. 
dät Shörn, 1. der Schemel, 2. 

der Bläueltisch, 
dät Shör, die jähe Tiefe eines 

Sees , jähes Ufer , engl, a shore. 
de Shöt, i. der Schuss, 2. der 

Schoss z. B. einer Weide, engl. 

shoot, shot. 
dät Shott, das Schutzbrett, 
dat Short , die Schürze , dän. 

Skjört (Weiberrock), 
jö Shiehs, die Scheide, dän. en 

Skede , engl, sheath. 
dät Shömm, 1. die Schande, 2. 

die Schaam , dän. en Skam , 

engl, shame. 
jö Shühl, Schutz vor Regen und 

Wind , dän. et Skjul. 
de Shirm , der Schirm , dän. cn 

Skjerm. 

G * 



44 



ilc SliUl, der Schiss, dän. cn 

Skid, 
dät Sliöf , \. ein kleines Brett 

zum Vorschieben, engl, shove, 

2. Garbe, 
dät Slirön, dän. et Skriin , die 

Lade , Truhe , der Schrein , 

engl, shrine. 
jö S/irdft, I.Handschrift, 2. die 

heilige Schriit, dän. Skrift. 
jö Sliröck , die Tasche, 
jö Shruw , die Schraube , nd. 

Schruw, engl, a screw, dän. 

en skrue. 
de Shräi, der Schrei, 
jö Shräw , die Scharre, dän. en 

Skrabe, engl, a scraper. 
dät Shilrw , die Räude , der 

Schürf, dän. Skurv. 
dät Shöhr , l.der Schauer, An- 
fall , 2. die Weile, 
dät Shrübh, die Krätze, 
de Släch, 1. der Schlag, Art, 

Gattung , 2. der Schlag als 

Krankheit, 
de SUck, l.ein Schlag, 2. die 

Art, Gattung, 
dät Slübb, der Kolh. 
de Släjnk , der Schluck, 
jö Sldjnk, der Schlund, 
jö Sling, 4. die Schleuder, 2. 

Höhlung im Wagengeleise , 

engl, sling, dän. en Slijnge. 
jö Shlöhs, die Schleuse , dän. 

en Slusc, nd. Schlühs, engl. 

sluice. 
de Slicp , der Zipfel. 



de SlüjU , der Wassergraben , 
nd. Schlot. 

dat Scliüff, die Schublade, dän. 
en Skuffe. 

dät SUmm, der Schleim , nd. 
und dän. Sliim, engl, slime. 

de Slump, i. der Schlump, Zu- 
fall , 2. eine Menge. 

jö Slmv, die Schleppe, dän. et Släb. 

dät Sliuf, siehe unten, 

dat Slot, das Schloss in beiden 
Bedeutungen, dän, 1. en Laas, 
2. et Siöt, nd. Schiott. 

jö Slägt, die Schlacht. 

dät Smähr, das Schmeer. 

de Smatis, der Schmaus. 

de Smdss, der Schmied. 

jö Smälis , die Schmiede , dän, 
en Smedie. 

de Sinälis , der Schmiss , dän. 
et Smid. 

jö Smiinn, eine Art wilder En- 
ten, die Schmenne. 

de Smühsse, die Esse. 

jö Slieiv , der Aermel , engl, 
sleeve. 

de Snäpps, der Schnaps. 

de Shiijtt, der Schoss, nd. de 
Schoot, dän. Skjöd. 

dat Snauck, siehe unten. 

dät Sniclis, das Siieg, dän. en 
Snees. 

jö Snanr, die Schnur. 

jö Snaar , die Schnur , die 
Schwiegertochter. 

de Snie, der Schnee, dän. Snce, 
engl. snow. 



4U 



de Snälis , der Schnitt, Pfiff, 

et Sned, snit. 
jö Sndgg, die Schnecke, 
dät Sndivs, 1. der Schmutz, 2. 

nutzlose Sachen , dän. Snavs. 
de Snäpp, der Zipfel, dän. en 

Snip. 
jö Snurr , die Schnurre , (ein 

Spielzeug). 
dät Snöf, der Schnupfen, dän. 

Snue. 
jö Söltg , die Sau , nd. Söhg , 

dän. en Soe, engl, a sow. 
de Song, der Sang, Gesang, dän. 

en Sang, engl, a song. 
de Sömp , der Sumpf , dän. 

Sump. 
dät Soft SS, die Suppe. 
de SiJöt, der Fleck, 
dät Spät, der Spott. 
jö SjJaait, die Spritze. 
de Spaait, der Spritzfleck, 
de Spring , der Sprung , dän. 

und engl, spring, 
dät Spät, 4. ein SpatcnvoU, 2. 

der Spiess. 
dät Späll, das Spiel, 
jö Spar, der Spor,- Sporn, dän. 

en Spore, engl. spur, 
dät Spar , die Spur , dän. et 

Spör. 
dät Speek, der Speck, 
jö Spann, die Spanne, engl, a 

span. 
dät Spann, das Gespann, 
dät Späi , I Gespiecncs. 
SpäiUng, j dän. Spij. 



jö Späir , der Sparren , engl, 
spar, dän. en sparre. 

de Spann, der Spaan , dän, en 
Spaan, das engl, spoon, (Löffel). 

jö Spaul , die Spuhle, dän. en 
Spole, engl, spool. 

dcilSpüU, der Speichel. 

jö Stjörr, Steuer, Ordnung, von 
stjörren, steuern, dän. Stijr. 

de Spärk , dän. et Spcrk , ein 
Stoss mit dem Fussc. 

jö SJäll, die Regel, Ordnung. 

jö Sjärn , das Butterfass , nd. 
Karn, engl, churn. 

jö SJörk, die Kirche, nd. Kark, 
dän. Kii'ke , engl, church. 

dat Sjöhn, 1. das Gesicht, 2. 
die Erscheinung , dän. Sijn. 

dät Sjölink , das Licht zum 
Brennen und Leuchten. 

de Splähs, die Spleisse. 

jö Splinn, | der SpUtter, 

de Splinn, j dän. en Splint , 
engl. Splint. 

dät Stäfik , das Stacket. 

de Stall, der Stall, dän. Stald, 
engl, stall. 

de Stamm, der Stamm, engl. 
Stern. 

de Stjütt, die Semmel. 

de Staat, der Staat, 1. als Volks- 
verein, engl. State, dän. stat, 
2. die Pracht , der Prunk , 
dän. städs. 

jö Stämp, die Stampfe. 

de Star, der Staar, als Augen- 
krankheit. 



46 



jü Sprijn, der Staar, als Vogel, 
dän. en Stare, engl, a starc, 

jö Strädd , die Grätsche , engl, 
a stride. 

dät Stäi, der Koben, dän. en 
Stie , engl. stij. 

dät Stäjll, das Eisen, als Stoff- 
name , das engl, steel. 
de Stähg, der Stich, dän. et 

Stik , engl, stitch. 
jö Stäir, der Stern, engl, a slar. 
jö Stanrk, der Storch, engl, und 

dän. Stork. 
jö Steem, die Stimme, dän en 

Stemme, 
dät Steef , die Fassdaube, pl. 

Stmve, engl, a staff, pl. sta- 

ves, dän. en stäwe. 
de Stijtt, 4. der Stoss, 2. J?aum- 

besatz an Kleidern, 
de Stier, der Stier, 
de Stierm, der Geruch, 
dät Stick , der Griffel, 
jö Sting , die Granne, 
jö Stig, der .Steig. 
jö Steeg , ein schmaler Weg. 
de Stijn^ 1. der Stein, 2. der 

Kode, 
de Stock, der Stock, 
dät Stock, das Stück, 
dät Stopp, die Gelte. 
dät Stöf, der Staub. 
de Stup, die Meste, Theermeste, 

2. der Stauf, in Krüddstup, 

Blumenstauf. 
jö Stünn, die Stunde, das dän. 

Stund (Weile). 



de Stjdrt , der Sterz , Schwanz , 

dän. Stjärt. 
jö Stäfis, die Stadt, 
dat Stälis , die Stätte, Stelle, 

der Ort. 
de Sträg , der Strich , dän. en 

Streg. 
jö Straahs, die Gurgel, 
de Sträujn, der Strand, 
de Strijt, ein Gang in der Kirche, 

das engl, street. 
de String ,l.der Strang, 2. die 

Saite, engl, string , dän. Streng, 
dät Sträi, das Stroh, dän. Straa, 

engl, straw. 
de Struhmm, der Strom, dän. 

Stöm, engl, streara. 
de Struck, der Strunk, 
de Stridd, der Streit, dän. Strid. 
de Sufimm, l. die Nalh, 2. der 

Saum , dän. en Söm , engl. 

seam, nd. Soom. 
de Such , der Zober , Zuber, 
jö Suhrd, die Schwarte, engl. 

sward, dän. Svär. 
de Süss , der Brunnen , nd. de 

Soot. 
dät Swämp, der Schwamm, 
jö Swuhn , der Sclnvan , nd. 

Swoon , dän. Svane , engl, a 

swan. 
de Släip, der Schlaf, nd. Slaap, 

engl, sleep. 
jö Swiep , die Windeln , dän. et 

Svöb , engl, swathingclothes, 
dät Siveess , der Schwaden , engl. 

swath. 



47 



dät Strunt , der Dreck , alles 

was nichts laugt, 
dät Sivijt , der Schweiss , nd. 

Sweet , dän. Sved, engl, sweat. 
dät Swär , die Antwort , dän. 

Svar. 
dät Sivdck, das Zweck, dän. Svik. 
dät Swinn , das Schwein , dän, 

und nd. Sviin , engl, swine. 
dät Stviert, Kienruss , dän. Svärte. 
de Swierm, der Schwann, dän. 

Svärm , engl, swarni. 
de Sluck , der Schluck. 
de Kluck , der Kluck. 
dät Sits , der Zitz. 
de Süpp , der Schluck. 
dät S^äpp , der dünne Speichel , 

der Sabber, 
dät Sägn , die Sage , dän. et 

Sagn. 
jö Stjöi , die Schaukel, 
dät ShUmm, Schaum, nd. Schuum, 

dän. skura. 
jö S/m, die Scheu, 
jö Snär , i.die Schlinge, 2. die 

Schleife, 
jö Smeel , das Lächeln , dän. et 

Smiil, engl, a smile. 
dät Staat , der Stahl , dän. Staal , 

nd. engl, steel. 
dät Snäk , der Schnack , das 

Gerede , dän. und nd. Snäck. 
jö Snäpp , die Schnepfe , dän. 

und nd. Sneppe , Snep , engl. 

a snipe. 
jö Shrämm, die Schramme, dän. 

en Skramme. 



de Shrdck , der Schreck , 

dän. und nd. Skräk und 

Schreck, 
dät Swjänl , das Schwert, dän, 

et Svärd , engl, sword, 
jö Swier , Säuferei , nd. und dän. 

en Sviir. 
dät Spünn, der Spund, dän. et 

Spunds, 
de Stäp , der Stapf, ein langer 

Schritt, 
de Straal, der Strahl, nd. und 

dän. en Straale. 
jö Taart, die Torte, dän. en 

Tärte , engl, a tart. 
de Tört, der Tort, Schimpf, 
dät Täjk, der Tang, Seegras, 
de Täüs , I der Zahn, engl, tooth. 
de Täis , j pl. teeth. 
de Tackst, 4. die Taxe; 2, der 

Text, engl. tax. 
dät Tdimu, das Tau, nd. dän. 

et Toug. 
jö Täio, i. die Tiffe , 2. Petze, 

dän. en Täve, nd. Tiff. 
dät Tdlt , das Zelt, dän. und. 

nd. Tclt. 
jö T/iäUj, das Strohseil zum Dach- 
decken, 
jö Thäg, die Schaflaus , die Zec- 
ke , dän. en Tage , engl, a 

tick , a tike. 
de Tdpp , dän. en Tip. 
jö Tdnn , die Tonne , nd. und 

engl, tun , dän. Tönde. 
dat Tdnn, das Zinn; nd. dän. 

und engl. lin. 



48 



de Täms , das Haarsieb , dän. 
et Tims, 

jö Täll , nd. und dän, Tal , die 
Zahl. 

de Taurn, der Dorn, nd. Dorn, 
dän. Törn, engl, ihorn, 

de Thee, der Thee. 

jö Tiem , der Zaum zum Fah- 
ren , das engl, team , ein 
Zaum Pferde , Gespann , dän. 
en Tömme , nd, de Toom, 

de Thicf , der Dieb, engl, thief, 
nd, de Deef , dän, cn Tijv, 

dät Thieg , die Lende, der Ober- 
schenkel, engl, thigh. 

dät Thing , das Dinggericht , 
dän. et Thing. 

de Tijnst , der Dienst, nd. de 
Deenst , dän. Tjcneste. 

dät TJöcJi, i. das Yieh , pl, 2. das 
Zeug , 3, der Zeug ; 4, die 
Sachen, nd, Tüg, dän. Töi. 

de Tngh , die Zunge , nd. de 
Tung , dän, en Tunge , engl, 
tongue. 

jö Tnng , die Zange , nd. und 
dän. en Tang , engl, tongs. 

deTSll, der Zoll, nd. Toll, dän. 
Told, engl. toll. 

de Topp, der Schopf, Büschel, 
die obere Spitze , auch dän. 
en Top, engl. top. 

de Tütt , der Guss an einer Kan- 
ne , ein Däumling und dcrgl. 

de Türk , der Türke. 

de Törw , die Rasenflagge , der 
Heidetorf, dän. Törv, engl. turf. 



dät Trft/rff/, Draht, Zwirn, engl. 

thread. 
de Träjdd, der Faden, Zwirn- 
faden, 
de Trumf, der Trumpf, engl. 

Irump. 
de Trog, der Trog, nd. dän. et 

Trug, engl. Irough. 
jö Trüss, die Kröte, 
de Trans, die Trense, 
jö Trcel, die Trile, Trille, dän. 

en Trilde. 
de Trähs, der Tritt, 
de Trähs, pl. Trähse, Tretthöl- 

zer am Webstuhle , u. dergl. 
jö Träiv , \. der Trab, dän. en 

Trav', 2. das DrafT, die Stiege 

Garben, 20, 40, 60 Stück, 

dän. en Trave. 
de Tlivol , der Zauberer, dän. 

en Trold. 
de Thron, der Thron, dän. und 

engl, trone. 
de Tünn , der Garten , der Zaun, 

nd. Thun. 
jö Thürn , der Thurm , nd. Toorn, 

dän. Taarn. 
jö Trepp, die Treppe, dän. en 

Trappe , nd. Trepp, 
jö Tuhn , die Zehe , dän. en 

Taa, engl, a toe. 
jö Tiir . 1. die Thräne , 2, 

der Tropfen, 3. die Tur , 

dän. en Taare, engl, a tear; 

pl. tears. 
dät Tur, ein paar Tropfen, dän. 

en Taar , engl, a drop. 



49 



dät Töch, 1. das Mal , 2. der 
Zug, z.B. LIcklöcli, Leichen- 
zug, dän. et Tog , engl. tug. 

dät Thier, das Thier, 

de Twäst, der Quast, oder die 
Quaste. 

dät Twört, der Docht. 

dät Twich, der Zweig, nd. dat 
Twieg, engl. twig. 

dät Twjarn, der Zwirn. 

jö Ttvjärn, die Querne, Hand- 
mühle , dän. Qvärn. 

jö Tweg , die Quene, Färse, dän. 
en Qvie, 

jö Twöng , der Zwang , dän. 
Tvang. 

jö Tiviwl, der Zweifel, nd. und 
dän. Tvivl. 

jö Tjälis, die Schwätzerinn. 

de Träst, der Trost, nd. und 
dän. Trost. 

jö fügt , die Zucht , nd. und 
dän. Tugt. 

dät Tool , Getöse , dän. Stöi , 
Lärm. 

de Tröts, der Trotz, dän. Trods- 

de Töhg , der Streich , nd. Thög. 

de Track, der Zug, dän. et Träk. 

jö Toft, die Toft, ein eingeheg- 
tes Stück Land beim Hause, 
dän. en Toft. 

jö Trits , die Tritze , dän. en 

Tridse. 
dät Uhr, das Ohr. 

jö Uhr, die Uhr, in Taschenuhr, 
de IJhrs, der Lenz, 
de [/c/t, die Wand. 



jö Uk, die Weiche. 

dät Vhg, das Auge, nd. dat 0hg. 

de Vlw, \ der Wolf, 

de iJlw, j dän. Ulv. 

dät Uli, die Wolle. 

dät Urd, das Wort. 

jö ürl, die Warze. 

dät War , die Zieche , dän. et 

Vaar. 
dät Wäi , der Wattich , die 

Molken, 
de Wäll, der Wall , das engl 

wall , (Wand), 
jö Wägt, i. die Wacht, 2. die 

Wache , nd. und dän. Vagt , 

engl, watch. 
jö Wägt, 1, die Wage, dän. en 

Vägt, 2. das Gewicht, Schwere, 
de Wärk, der Schmerz, dän. en 

Värk. 
dät Wams , das Wamras, 
jö Wml, die Wahl, 
jö Wahs, die Wittwe. 
de Wännü, der Gewinn, 
jö Waag , die Woge , dän, en 

Vove , engl, a wave , 2. die 

Wage, 
jö Waait, die Winke, 
de Waait, der Wink, 
de Wäink, der Wink, engl. wink, 
jö Wä/ig , die Woche, 
dat Wäirk, das Werk, 
de Wjärt, der Wirlh, dän. en 

Värt , 2. der Werlh. 
de Wjärd, die Wahrheit, 
de Winn, 4. der Wind, 2. der 

Wein, engl, wind und wine, 

7 



50 



dän. Vind und Viin , nd. 

^yind und Wiin. 
jö Winn , die Winde , dän. en 

Vinde. 
de Winn, die Blähung, 
jö Whuj , der Flügel, dän. en 

Vinge, engl, a wing. 
dät Wirr, der Eisendraht, dän. 

en Vire , engl. wire. 
de Wurm , der Wurm , dän. en 

Orm, engl, a worm. 
.dat Würt , die Würze beim 

Brauen, engl. wort, 
jö Wöff, das Weib, nd. Wlef, 

dän. en viv, engl. wife. 
de Wäjl, der AVeiher. 
dät lFä/7, das Wohl, 
jö Weel , die Erholung, dän. cn 

Hvile. 
jö Wräll , die Welt , engl. 

World, 



de Wräst , der Spann , Rist , 

dän. en Vrist. 
dät Wrack, das W^rack, dän. et 

Vräg, engl, wreck. 
jö Wiipp , die Aehre , das dän. 

Yippe , (Granne), 
dät Wäll, die Fürth, 
dät Wal, dän. et Vad. 
dat IF%s, das Wachs, nd. Wass, 

dän. Vox, engl. wax. 
de Wdi, der Weg, engl, way, 

dän. Vei. 
jö Wäilig, die Wippe, 
de Wils, der Witz, 
jö Währ , die Wehr , Kraft, 

Stärke. 
de Wäirf, der Warf, 
dat Weest , der Westen, 
jö Wägg , die Wiege, 
jö Wich, die Wicke, 
de Wdnsh, der Wunsch'. 



Bemerkungen und Erläuterungen. 

1 Dat Alik ist i. das Scheunenthor; 2. die längs der einen 
Seite eines Deiches gehende Auf- oder Abfahrt nur von der Breite 
eines Wagens. Stammt von dem Worte ägen, langsam fahren. Jö 
Bägg kommt auch in dem yYorie Ijnhagg , dän. EneboUg , vor und 
bedeutet ein einzeln liegendes Haus, auf einer Heide oder im 
W^alde. De Balis, dän. en Bas, nd. en Baas, stammt von dem 
Adjectivum hass , aus dem unser Coraparaliv v bosser'' (bässer) 
"sich gebildet hat, und ist einer, der es andern zuvorlhut. Aus 
derselben Wurzel sind hervorgegangen: de Bälise , dän. en Baado, 
der Nutzen, Yortheil , so wie die Zeitwörter bähsen, at baade 
und das deutsche baten, nützen, Nutzen bringen. De Bläjnk , 
dän. und engl, blink, ist 1. ein Blink mit den Augen; 2. der 
schnelle Schein, dän. et Glimt, engl, a glimps ; 5. kommt es zu- 
sammengesetzt vor in dem Worte » Hr/Üetvblaink," der Zwitter, 
Hälberling. Das Wort Brälik ist das deutsche Brack, wird aber 
anders gebraucht, als: dät hei nijn Brahh , es hat keine Noth , 
hat nichts auf sich , nichts zu bedeuten ; 2. Ick häw Brahk faar 



51 

Gijl , [aar Brüjd, u. s. w., ich habe Mangel an Geld, Brot, u. s. w. 
Dät Bloch ist auch ein kurzes Ende von einem Rasenacker. Dat 
Brüjd ist Brot als StofTnnmc . ein gcformles Biot ist de TroUimj , 
an andern Orten de Lief, der Laib. De Brödd , das diin. Braad , 
spitzer Slilt; der Stachel ist beiden Bienen: de Paurte. Jö Flöiih , 
nd. Flünk , Averden nur die abgeschnittenen Flügel genannt, die 
als Flederwische dienen , sonst : jö Whig. De Gripp , ein schnel- 
ler GrifT mit der Hand; de Grülip: he liet 't äw e Grälip, er hats 
am Griff, u. s. w. De Grawe, der Griff als Handbabc an einem 
Dinge, z.B. der Henkel an einem Topfe und dergl. Jö Haaw 
konirnt nur so vor, als; tö Haaw (jungen, zur Kirche gehen; tö 
Haaw wesen, sonst auch tö Sjürk. Jö Haiird , der Kircldiof, ist 
das deutsche Hürde, indem vor Allers in der Bewaldungszeit die 
Kirchhöfe mit Hürden eingezäunt waren. Dat Jörn, dän. Jern , 
engl, iron, kommt nur als Werkzeug vor, wie in Sirichjörn, 
Plätteisen, Plaugjörn , dät Wirhjörn , u. s. w. De Klöinp , \. die 
Klampe . 2. die grossen Heu- und Getreideschober , welche man , 
aus Mangel an Gelass im Hause . neben demselben auffübrt. De 
Knupp , 1. jede kleine harte Erhöhung, 2. die Schwammdose an 
der Tabackspfeife. Jö Läjll , ist schwer zu übersetzen , und wird 
so gebraucht; Jö slaag grihslich to Läjtl , wörtlich: »Sie schlug 
gräulich zur Lasse" d. i. sie erhob ein grosses Geschrei zum Schei- 
ne, damit es lassen oder scheinen sollte , als ob ihr die Sache sehr 
zu Herzen ginge; besonders bei Unglücksfällen. Jö Lier , Lehre, 
he hei 'n gaiihs Lier, er hat gute Kenntnisse; 2. he ds noch äiijn 
eLier, er ist noch in der Lehre. Dat Mäjl, das Mahl, dän. Maal, 
wird so gebraucht ; en Mäjl Mölhe , dän. et Maal Mälk , so viel 
Milch, als eine Kuh aufs Mal giebl; en 3Iäjl Pass , so viel Harn, 
als man auf einmal lässt; en Mäjl Ahse, dän. et Maal Mad , eine 
Portion Speise : jö Mäjltidd , die Mahlzeil. Jö Mäujnn , ein Kasten 
oder Korb für Holz und Torf; der Kasten unter den altmodischen 
Garnwinden, dalier; de Mäiijnneplöch, das walzenförmige Wickel- 
holz , auf welches man den Knaul (dat Tjauling) wickelt , weil 
dieses in dem Kasten aufbewahrt wird. Jö Mäjdd, die Math oder 
Mäht, ist mit dem dänischen; en Mä, Mai, dem deutschen Malle, 
dem engl, tnead , meadow verwandt, und bedeutet meistens nie- 
drige , grasreiche Wiesen , die zur Heuwindung liegen. Jö Nösl , 
der Tränktrog fürs Vieh , ist eigentlich ; der Sarg , und soll aus 
dem Gothischen stammen ; genau genommen wird dieser Name 
auch nur von denjenigen Tränktrögen gebraucht, die alle aus 
einem einzigen Steine ausgehauen sind. Jö Priehs ist sowohl eine 
Prise Taback, als eine gekaperte. Dat Biess , das Vermögen sich 
aufzurichten, z.Kjö Kö as fön 'l Biess, die Kuh ist von den Bei- 
nen , kann nicht aufstehen ; riesen , sich in die Höhe richten , 
daher: de Biese, der Riese. Dät Bndd , von rudden, hin und zu- 
rück durch einen Zaun oder über einen Wall kriechen , und 
dadurch einen Schlupfweg bahnen, wo keiner sein darf; diese 
Oeffnung heisst däi Budd , in Angeln: dat Bü oder Boi , das engl. 
rov,t , die unordentliche Flucht. Jö Säih, z.B. dät Bauch as nie to 
Säih, ich vermisse das Buch, wörtlich; es ist mir zu Such. Jö 
Shröch, nur die Tasche in einem Kleide. Dat Shiif, der Schoof, 

7 * 



52 

Schaub , ein Bund Stroh; auch eine Garbe Korn, die jeder Bauer 
dem Feldhüter und dem Glöckner als alte Gerechtsame zu geben 
hat. Dat Suauck, eine Kette mit einem Haken, etwas daran zu 
hängen , wie in Külsnauck , Kesselhaken , dat Lämpesnauch , die 
Lampenketle. Jö Söfjfi, die Sau, von sögen, saugen. Jö Stjiirr, 
die Steuer, von stjürrcu , steuern, regieren; küjü Stjürr ! dän. 
hold Styr. Jö Själl, unübersetzbar, die Ordnung, Regel, Aehn- 
lichkeit, seines Gleichen. Dirr as nijn Själl mä , nijn Själl äujn, 
dät sjället nint , sieht nach nichts aus. De Släp , der Stapf, der 
lange Schritt; de Stäpe, die Stapfe, der Eintritt vom Fusse. — 
Dät Stäpstä/is , der Siegel ; de Trislape , ein grosser , hölzerner 
Bock mit drei Füssen , oder hölzerner Dreifuss ; der eiserne Drei- 
fuss ist de Trifäujtt oder Trafäujtt. Dat Glaumm , der Gluram , 
das Trübe im Wasser, daher ^/aiM/w/Mr; , glumm; dät Graum, siehe 
oben, daher grämen, ausweiden, als Fische und Yögel. Jö Piiliss, 
die weibliche Schaam ; dat Dümi , die Daunen , Flaumen , nd. 
und dän. Duun , Dunen; de Bhiss, die Blässe, eines Pferdes; de 
Km'tpp ist auch die Knospe ; dat Feit , der Filz , dän. Filt. De 
Drall, der Drillich, dän. Dreil ; jö Kier , he gongt so to Kiers , er 
geht so zu Kehr ; tökiersgungcn , nd. tokeersgaan ; dät Krät , ein 
verkümmertes Ding, verächtlich, von Menschen und Thieren. 



Die Nachsilben des Hauptwortes. 

§. 5i. Diese sind: äi, e, cl, eni , en, er, ere , erne , ense , ent, 
cd, et, ert , ig, inn , ing , ling , ir , he, ken , jen, duhm , shäp , 
häid, eise und niss , als:' jö Lönshriwiveräi , die Landschreiberei; 
de Kröge, der Grapen ; de Knepel , der Knüppel; de Bäisem , der 
Besem ; \ö Meilen , die Mühle; de Shrüjdder , der Schneider; de 
Fasere, der Gevatter, richticfcr: de Faser; de Wanserne r. IFan- 
ser , die Schnell wage , nd. und dän. en Bismer; de Fierense, 
die Ferne; dät Aatvent, die Schnürbrust; jö Döged , die Tugend; 
dät Hiiget, die Anhöhe; jö udncrt , die Ente; de Gulig , der Gal- 
gen; jö Kinninginn , die Königinn ; dat Alkenir, der Erker; dät 
Wänning, das Fenster; de Repling , die Blutwurst, wörtlich: der 
Reifling; dät Twelbortjen , das Sabbertüchlein; dal Hiertugduhm , 
das Herzogthum; dät Lönskap, die Landschaft, auch: jö Lönshap; 
jö Saalighäid , die Seeligkeit; de Tdchelse, die Deichsel; dät Lick- 
niss , das Gleichniss. 

§. 32. Die meisten Wörter , welche sich auf e endigen , sind 
folgende , als : de ./we, der Affe , nd. de Aap , engl, ape , 
dän. en Abc; de ^tte , ^Uäte, der Grossvatcr; da Aime, collect. 



55 

die Butlerrailch; de Bahse, der Nutzen, Vorllieil ; de Bahre, die 
Bahre, dän. cn Baare , engl, barrow , a bier; de Böge, der Bo- 
gen , engl, a bow , dän. en Bue , nd. de Baag ; de Bolle , die 
Beule, dän. Byld, engl, a beal , bile, boil; de Bürre , der Bauer; 
de Btirre, die Klette, dän. Burre, engl, bur; de Stägelburre, die 
Distel; de Banckstewe, der Buchstabe , dän. Bogstav; de Büshe , 
das Butterbrot; de Bulle, der Bulle, engl, bull; de Bolise, der 
Bote, nd, de Baad; de Bälle, der Ball, 2, der Ballen, engl, ball; 
de Döbbe , der Pfropf; de Dümpede, das Kopfkissen; dät Drajnke, 
das Trinken; dät Ahsc, das Essen; de Dräge, der Drache, dän, 
en Dräge , nd. de Draak , engl, drakc ; de Driegde , Verschlagsam- 
keit ; de Ebbe, die Ebbe, engl, ebb, dän, Ebbe; de Egge, Seite, 
Kante, das dän. Eg' und das engl, edge; de Di/issc, getrockneter 
Kuhfladen; Dojtte , Töchterchen in der Anrede; de Borke, die 
Beilade in einem Koffer ; de Falke , der Falke ; Fäike , Bübchen ; 
de Färe , die Gefahr , dän. en Färe ; de Flohse , dän, und engl, 
flock; de Fohle, der Fohlen, engl, a foal ; de Frage, die Frage; 
Ae Frmde , die Freude; de Fräthe, (verächtlich und geraein) das 
Maul, die Gosche, Fresse; de Frese , der Friede, dän. und nd. 
Fred ; da Flöme , coli, die Flauraen der Schweine , dän. Flom- 
mer; de Frohse , der Geifer, dän. Fraade , engl, froth ; de Fiijlle, 
die Falte, dän. en Folde, engl, a fold ; Frönne, coli. Gefreundte , 
Verwandte, dän, Fränder; de Faane, (jö Faan) , die Fahne, dän. 
en Fane, das engl, fan ; de Fläbbe, das Hängemaul, die Fläbbe, 
dän. en Fläb; de Finne, (jö Finn), \. Flosse, 2. Finne, dän. en 
Finne , engl, fin ; de Främde , die Fremde ; de Flekke , die Häk- 
chen an der Spindel ; de Gaaive , die Gabe , dän. en Gäve ; de Glä- 
mc , engl, a gleara, Schimmer; de Gahse , [Gahsing) , alles, was 
man gut gebrauchen kann; de Galle, die Galle, dän. Galde, engl, 
gall; de Göme, der Gaumen, dän. Gurame, nd. Guhm; de Glöme, 
die Kohlcnglulh; de Gnahse , die Gnade; de Grawe, die Hand- 
habe; de Gränse, Gränze , dän. Grändse ; de Grause, die Gruse, 
dän. en Gröde , engl, growth ; de Ch-eme , die Halfter, dän. en 
Grime, daher das engl, groom , (Stallknecht); de Häge , der Ha- 
ken, dän. en Hage, engl, a hook, nd. en Haak, Haaken , 2. der 
Schüttkoben, in welchen das Vieh von dem Flurhirten eingeschüt- 
tet, d. h. eingepfercht wird; de Hase, der Hase; de Hämme , eine 



54 

Reihe Fennen in dem sogenannten Herrenkoge , die durch einen 
sie umgebenden Graben von dem übrigen Lande gelrennt sind; ein 
von andern abgefriedigles Stück Land, der Harn, die Hemme. 
De Helle , die Hölle , engl, hell ; de Hiere , der Herr ; de Hiese , 
der Heide , engl, a heathen ; de Hocke , die Garbe , das deutsche 
die Hocke , zusammengestellte Garben , fries. de Shocke ; de 
Home, der Hamen (Reuse); de Hone, altfries. der Hahn, in Hone- 
biijlke , der Hahnenbalken; de Hönke , der Hahn am Fasse, dän. 
en Hanike ; de Huge , die Hoge , Name eines Halligs; de Höjtte, 
Endscheibe^des Brotes, de Höjnte — ; de Jäle [iöJalil], der Schilf- 
oder Teichkolben; de Jjnne, das Ende; de Jönge, der Junge, nd. 
de Jung; de Jöfirke, die Theurung; de Jölise , der Jude, dän. cn 
Jode, engl. Jew; de Kaie, engl, a key , der Schlüssel; de Kälse, 
der Malmzahn, nd. de Kuhs; de Kempe, der Kämpe; de Kille, der 
Keil, dän. en Kile; de Klage, die Klage, dän. en Klage; de Klüse, 
Traube, Büschel, dän. en Klase, engl. Cluster; de Knaakc, der 
Knochen, nd. Knaak, dän. Knaag; de Kläwc, dän. cn Kleve, das 
Halsband der Rinder, mit welchem sie an die Wirbel der Ställe 
gebunden werden, 2. der Zagel; de A7ö»A{?, die Holper, Erdscholle; 
de Klünne, dän. en Klunds, ein dicker Lümmel; de Klobbe, der 
Kober ; de Knagge , der Zacken , um etwas daran zu hängen , 2. 
in einem Rade, dän. en Knäg"; de Knolle, der Fussknöchel, 2. der 
Pfeifenkopf; de Knolle, dän. cn Knold, ein derber Lümmel; de 
Kölile, l.die Kohle, 2. der Schliessstift bei allen Vorlegeschlössern, 
nd. de Köl, dän. en Kül; de Krage, 4, der Kragen, 2. die Krähe; 
de Kruse, dän. en Kräse , der Kropf bei Vögeln; de Knote, der 
Knoten, dän. en Knude, nd. de Knott , engl, knot ; de Kulle, \. 
die Kälte, 2. das Fieber, dän. en Kulde, nd. de Köll, engl, cold; 
de Körne, ein spottender Hausgeist, (Komos?), 2. im Scherz, die 
Nase; de Krampe, der Krampf, dän. en Krampe, engl, cramp; de 
Kroge, der Grapen ; de Kurde, dän. en Karte, engl, card, die 
Karde oder Kardätsche zum Wollkratzen; de Läge, de Laage, die 
Lage; de Läpe, der Lappen; de Lappe, die Lipj)e, Lefze, dän. en 
Lippe, en Labe, nd. und engl, the lip ; de Ldingde , die Länge, 
dän. en Längde, engl, ihc Icngth ; de Lanckke , der Blick, An- 
blick eines Menschen, nach den Augen beurtheilt, z.B. Iie het nun 
yanhsen Lanckke, er hat keinen guten Blick, von laucken, lugen; 



55 

de Laurte, dän. cn Lört, engl, a turd; de Licwdc , die Liebe, 
nd, de Leewde; de Lense, die Lünse, dän. Lunstikke, engl, linch- 
pin; de Junke an de Ljägle, im Dunkeln und im Lichte; de Locke, 
die Locke, dän., nd. und engl. Lock; de Löge, die Lohe, Flam- 
me, dän. en Luc, nd. de Laag ; de Löiike, die Hüfte; de Zmve, 
der Glaube; de Mäge, der Magen, nd. de Maag, dän. Mave; de 
Mdingde, die Menge, dän. en Mängde; de Alande, die Mode, dän. 
und engl, mode , nd. de Mood; de Manne, i. der Mond, dän. en 
Maane, nd. de Maand, engl, moon, 2. der Monat, dän. Maaned, 
engl, month. De Maure, 4. das Moor, 2. das sogenannte Riesum- 
moor; de Mose, das Torfmoor, dän. en Mose, engl, moor, vergl. 
das Moor und de Maure; de Möne, die Mähne, dän. en Man, 
Manke, engk mane; dat Mölke, die Milch, dän. und nd. Mälk , 
engl, milk; de Döjnfe , nd. dat Döntjcn , Döhnchen; jö Maak, die 
Mache; deMäute, die Mühe; deMäjntje, das Männchen; de Man slie, 
der Mensch, dän. et Menneske, nd. de Minsch; de Mäjtte, in der 
Redensart : to Mäjtte kämen, übel anlaufen, etwas WerthvoUes 
beschädigen oder zerbrechen. Es bedeutet auch das Maass , als: 
Mäjtte Jti'ijllen, Maass halten, dän. at holde Maade; de Nänjtte, i. 
die Note, 2. Melodie; de Närke, die Enge, yonnär, eng, engl. naiTow; 
de Neke, der Nacken, engl, neck; de Njörke, die Niere; de 
Nome, der Name, nd. de Naam, engl, narae; de Näigde, die Nähe, 
nd. de Necgd ; de Nooke, der Schlucken, engl, hiccup; de Nüittc, 
der Nutzen, u. s. w. ; de Ohme, der Odem; de Ögse, der Ochse, 
en Ox, nd. de Oss , dän. en Oxc; de Örne, der Eber, dän. en 
O'rne; dat Ohle, das Oel; de Paasfie, die Ostern, dän. Paaske; de 
Päike, dän. cn Pög, Päike, Jüngelchen; de Päpe, l. die Weiber- 
brust, 2. die Zitze, Brustwarze, 3. die Muttermilch; de Päse , der 
Ochsenziemer, dän. en Pees; de Paurte, d.das Thor, die Pforte, 
dän. nd. und engl. Port, 2. der Kerker, 5. der Bienen- und Wes- 
penstachcl; de Pille, l.die Pille, 2. das männliche Glied; de Pjärse, 
die Presse, dän. en Perse, engl, press; de Plage, die Plage, engl, 
plague; de Plünne, der Lumpen, nd. de Plünn ; de Plagge, der 
Fohlen, dän. en Plag', engl, a colt or foal ; de Pöjnte, s. oben, ein 
Würfelhölzchen; de Pose, das Säckchen, dän. en Pose, nd. de 
Paas; de Pule, der Pfahl, dän. en Päl, nd. de Paal, engl, a pale, 
pile; de Putte, dän. en Pude, Hestepude, 1. das Kummetkissen, 



56 

2. ein Pott Erde beim Deichen ; de Pocke , die Pocke , Blatter , u. s. w, 
Qu oder Kiv fehlt gänzlich im Nordfriesischcn und kommt höch- 
stens in Quaal, die Qual, und Qualster, der Qualster, vor; dieser 
Laut wird durch Tw vertreten. De Räme, der Rahmen, dän. en 
Ramme, nd. Raam; de Räme, die Dachschwelle; de Reme, der 
Riem, d. i. Treibruder, dän. en Aare, engl, an oar, nd. Reem; de 
Riese, der Riese; de Rögge, der Roggen, dän. Rüg; de Röjnte, die 
kurze Mannsjacke; de Röwe, der Schürf auf einer vernarbenden 
Wunde, nd. Raaw; de Robbe, der Robbe, Seehund; da Rdinke, 
collect, die Ränke, dän. Ränker; de Säge, die Sache , dän. en Säg, 
nd. de Saak; de Säle, das Kummet; de Senne, die Sünde, 6ngl. 
sin; de Seme, die Seime, die Peitschenschnur; de Seime, der 
vordere Bettrand; de Sjäme, der Schemen; de Sliäse, der Schade, 
dän. Skäde ; de S/ijärdlihsse , die Schnittererndte ; de Sltänse, die 
Schanze, dän. en Skandse, engl, a sconce; de S/iä7W, die Schiene, 
dän. en Skinne; de Sie, i. die See, 2. der See; de Slänge, die 
Schlange, dän. en Slange; de Släse, der Schlitten, dän. en Släde, 
engl, sledge; de Slörre, Nachlässigkeit, Fahrlässigkeit, von slör- 
ren, säumen, nachlässig behandeln; de Slöpe , das lederne Brust- 
geschirr der Pferde ; de Sljugte , von sijögt , eben , schlicht ; de 
Sliöcke, vergl. Hocke; de Smäge, der Geschmack, dän. en Smäg; 
de Snütte, die Schnauze, dän. Snude , nd. Snut, engl, snout ; de 
Snijdde, die Griebe, die Ueberreste des ausgeschraelzten Schweine- 
fetts, dän. Grever; de Snöwe, die Schnuppe am Lichte, engl, a snuff; 
de Smühsse, die Esse; de Söme, die Summe, Sum — ; de Sollme, 
die Kindtaufe; de Späse , der Spaten zum Torfgraben, dän. und 
engl, spade, nd. Spaad; de SpUisse, die ^-peise, dän. en Spise; de 
Sprainke, die Sprosse einer Leiter; de Spuke oder Späjcke, die 
Speiche, engl, spoke; de Spräjcke, die Sprache, dän. et Sprog, nd. 
Spraak; de Spijlle, die Spreize, derSpeiler; deSwöme, die Schwei- 
me, Ohnmacht, engl, swoon; de Stelle, die Stelze, dän. en Stylte, 
engl, still; de Stiibbe, 4. der Baumstumpf, Stock, S.Familien- 
Stammsitz; de Stuwe, das Feuerstübchen , Feuerkieke, das engl. 
Steve; de Straate, die Strasse, nd. Straat , dän. Strädc, engl, 
Street, strait; da Sturre , coli. Spitzenfalten als Kopfputz; de Stäpe, 
die Stapfe, engl, step; de Stücke, eine Stauche Torf; de Stele, 
der Stiel, nd. de Stähl; deStvnge, die Stange; de Stalle, die Stille; 



57 

de Shdcke, Gestalt, Form, nd. und dän. Schick und Skik, als: 
däl het näu Shacke, en ganJisen Sfiacke, nd. dät liet keen Schick, 
cn guden Schick; de Stägge, die Sehlacke, engl, slacks, pl, ; 
de Shurre, der Schlittschuh, engl, skate, dän. en Sköite ; de 
Shrädde, die Schräge; de Sträge, der Streicher z. B. zur Sense, 
der Häckselklinge, dän. Stryger, engl, stroker; de Stippe, die Stütze; 
de Tage, das Dach, dän. et Tag, nd. Dack; de Täpe, der Zapfen, 
tap, — ; de Thäte, der Vater; de Tele, die Diele, altdän. Tillie , 
nd. Dähl;'de Tjäre , der Theer, dän. Tjäre, engl, tar; de Tjdwse, 
der Kinnbacken, Kiefer, engl, jaw, chaw; de Töle, das Maul; de 
Töle, ein Grasbüschel, Binsenbusch, u. s, w.; de Tome, l. der Dau- 
men, 2. der Zoll, nd. 1. de Duhm, dän. i. Tommelfinger, 2. en 
Tomme, engl, thumb; de Tagte, der Gedanke; de Töfte oder Tagte, 
in Wähsertoße , eine Abzugsrinne unter einem Wege, kleines Siel; 
da Twäge, die Hefen; de Träne, der Thran, dän. Trän, nd. Traan, 
engl, train-oil; de Tünne, die Zinke, dän. en Tinde, engl, tine; 
da Träme, pl. der Drum, Lädelfäden am Weberbaum; da Töntle, 
die Klöppel zum Klöppeln; de Unnerne, das Mittagessen ; de Wälle, 
der Wille, engl, und nd. Will, dän. Villie; de Wale, 1. die Strieme, 
Schwiele, 2. in Tingiväle, dän. Tingvold, in Norwegen: Budstikke, 
5. die Wulst; de Wijtte, der Weizen, engl, wheat, dän. Hvede , 
nd. Weten; de Wihsse, 4. die Weise, nd. und dän. en Viis, engl, 
wise, 2. der Weise, nd. und dän. en Viis, 5. die Wiese; de Wäne, 
der gute Freund, dän. en Ven; deWidde, die Weite, dän. en Vide; 
de Weeste, der Westen; de ^sle, der Osten; de Sühsse, der Sü- 
den; de Naurde, der Norden; de Wjärlse, der Wirtel, Wirbel am 
Tüdder oder Spannstrick, damit dieser sich nicht zusammendrehet 



* De Böshe, das Butterbrot, ist nicht mit Büshr die Büchse, als 
Behältniss , zu verwechseln, wie in Böserbüsli, Spürbüsh, u. s. w. 
Dät Ahse an Drajnke , ist : das Essen und Trinken , als Speise und 
Trank; die Handlung des Essens und Trinkens ist: dat Ä/isen an 
Dräjnken. De Egge, die Seite, ist nicht die wirkliche Seite eines 
Dinges, diese ist: jö Sidd, als:j'ö ragt, jö Icft Süld , jö Slägskld. Egge 
wird so gebraucht: de hirr Egge, de janner Egge auf ä Slruhmm, 
diese ,, jene Seite, oder: diesseit und jenseit; ferner: Ick bdn äw 
dän Egge, ich bin auf deiner Seite, halte es mit dir; äiv sdn 
Egge, wofür man auch Kant, die Kante, gebraucht. De Frünn, 
ist von Friinne, Anverwandte, zu unterscheiden, als: dät ds man 



58 

Volksnanicn auf e sind: de Swede, de Preuse, de Russe, de Slaa- 
we, (l.der Slavc, 2. Sklave); de Jose (Jude); de Hiese der Heide. 

Hauptwörter mit der Endung el. 
a. Männliche. 

§. 53. De ^pel , der Apfel, nd. Appcl, engl, apple; dät Ajngel, 
der Engel, engl, an angel; deBajngel, der Bengel; deBäjttel, der 
Meissel , nd. Betel; de Hassel, der Kappzaum, dän. et Bidsel; de 
Bibel, engl, bible — ; de Böget, der Bügel, dän. en Böil , nd. — ; 
de Bu/ifel, der Büffel; de Büttel, die Büttel, nd. — , engl, bettle; 
de Dackel, der Deckel; de Dänwel, der Teufel; de Drempel, der 
Drempel, die Scbwelle; de Fibel, die Fibel; de Fögel, der Vogel, 
nd. Faagel, dän. Fugl, engl, fowl; de Gäwel, der Giebel, nd. Gä- 
wel, dän. Gavl, engl, gable; de Grüppel, Abzugsrinne; de Hdin- 
mel, der Himmel, nd. und dän. — ; de Hagel, i. die Ferse, 2. 
der Absatz am Schub, 5. der Hagel, 4. Hagelkorn, Schrot, dän. 
1. en Häl, 2. Hagl, engl. i. heel, 2. hail; de Högel , der Hügel; 
de Jögel , der Eiszapfen, das deutsche Jökel, und das isländische 
Jökul; de Kittel, der Kittel, — ; de Kncpel, der Knüppel; deKrdingel, 



Frünn, das ist mein Freund; aber wdlt sdn Frünne ist: wir sind 
Anverwandte oder Gefreundte, dän Fränder; wir sind gute Freun- 
de (einander nicht fcind) ist: wäll sän ganhs Wäne, dän. gode 
Yenncr; de Flecke, s. oben , sind die Arme der Spindel; die daran 
befindlichen eisernen Häkchen beisscn: da Nocke, pl., welches Wort 
auch: der Schlucken heisst, s. dieses; de Främde , wird ganz wie 
im Deutschen gebraucht, als: äujn'e Främde wesen, in der Frem- 
de sein; de Främde kamt Ulfe Främde, der Fremde kommt aus 
der Fremde. Dat Ljägt, das Licht, als: Däisljägt, Wägsljägt, ist 
zu unterscheiden von: de Ljägte, die Helle, als: Dirr liäfist de 
sellew äujn'e Ljägle slijnnen, da hast du dir selber im Lichte ge- 
standen. De Sehne, s. oben; zu Häupten des Bettes ist: de Haad- 
linge; zu Füssen: de Fäjttlinge. De Sljur/te von sljögt, schlicht, 
dän. slct, ist zwar im eigentlichen Sinne: die Ebene, dän. en Slette, 
wird aber meistens uneigentlich gebraucht, als: fie slaug me äw 
äiven Sljogte , nd. he slög mi up eben Sligt, d. i. er schlug mich 
ohne alle Veranlassung, aus freien Stücken; dät kaum äw äiwen 
Sljögte, es kam ganz von selbst, unwillkürlich: Nö san watt äw'e 
Sljogte mä enauser, nun sind wir aufs Reine mit einander ge- 
kommen. 



39 

die Kringel, Bretzel, dän. cn Kringle, nd. Kringel, engl. crackncU; 
de Kräwel, der Krüppel, engl, cripple; dat Kräwel, verächtlich; 
de Kägel, der Kegel, dän. en Kegle, engl, kayle; de Mämjvl, der 
Mangel; de Mergel, der Mergel, engl, marl; de Nägel, l.der Na- 
gel am Finger, u. s. w. 2. ein kleiner Nagel, nd. Naagcl, dän. Negl, 
engl, nail; de Ndwwel, der Nahel, dän. Nävi, engl, navel; de Pie- 
sel, der Pesel oder Pisel, nd. Pesel; de Pinsel, der Pinsel, dän. 
en Penscl, engl, pencil; de Prägel, die Stricknadel, das deutsche 
Prickcl, wie in Wurstprickel; de Pudel , 1. der Pudelhund, 2. einen 
P. machen beim Kegelspiel; de Rekel, der Rekel; de Puchcl , 1. 
der Höcker, Buckel, 2. der Rücken selbst; de Saabel, der Säbel, 
nd. Saabel, dän. Säbel, engl, sabre; de Särkel, der Zirkel, engl, 
circle, dän. Sirkel; de S/iainhel, l.der Schenkel, 2. der Schinken; 
de Scliämmel, der Schemel, dän. en SkammeH ; de Slüngel, der 
Schlingel, dän. und nd. Slüngel; de Snaabel, der Schnabel an 
einem Dinge, wie im Dänischen: enSnäble; bei Vögeln: dat Nehb, 
dän. et Neb; de Staapel, der Stapel, dän. cn Stäbcl; de Staingcl, 
der Stengel; de Stäiwel, der Stiefel, nd. Stäwel; de Stakel, dän, 
und nd. en Stakkel, der arme Wicht; de Swdingel, der Schwen- 
gel, besonders am Dreschflegel und an der Wage, an welcher die 
Pferdeden Wagen ziehen, an der Pumpe, u. s. w.; de Swdndel, der 
Schwindel; de Stdmpel, der Stempel; de Snösel , nd. Snösel; de 
Spainkel, das Faulfieber mit Flecken; de Slrippel, der Streifen in 
gestreiften Geweben; de Tdmpel , der Tempel, dän. und nd. — ; 
de Tögel, der Zügel, nd. Tögel, dän. Töil; de Titel, der Titel; 
de Tüttel, der Tüttel; de Toß'el, der Pantoffel, nd. und dän. 
Toffel; de Wacksei, der Wechsel; de Wainkel, der Winkel; de 
Wäsel, das Wiesel. 



1 De Shämmel, gilt in allen Bedeutungen des deutschen Wor- 
tes, es ist aber sinnverwandt mit: dat S/iörn, wie etwa Sclre- 
mel und Hitsche ; dat Skörn und de Fäujtt shämmel werden als 
völlig synonym gebraucht, aber in vielen Fällen kann und darf 
man sie nicht mit einander verwechseln. So heissen die horizon- 
talen Bretter, welche die Füsse der altmodischen, langen Tische 
mit einander verbinden, auch Fäujttshämmle , weil man beim Es- 
sen die Füsse darauf setzen kann; hier würde Shörn durchaus 
verkehrt stehen. So sagt man auch: dät Bögshörn, Bläucltisch , 
wo Shämmel nicht stehen könnte. 



60 



b. Weibliche. 

Jö Daawel, die Simse: jö Bössei, die Bossel, d.i. eine Kugel zum 
Werfen, wie jö Issbössel, Kägelbössel, u. s, w. , engl, bowl; jö Dä- 
gel, der Tiegel; jö Fägel, der Fehler, das Versehen; jö Fistel, 
d.die Fitze; 2. die Fistel; jö Fläiel, der Dreschflegel, engl, flail: 
jö Gichel, die Geige; jö Haawel, die Klunkermilch, gelieferte 
Milch; jö Häwel, der Hobel, dän. en Hövl; jö Hagel, die Hechel, 
dän. en Hegle, nd. de Häkel, engl, heckle, hatchel; jö Käivel , 
die Koppel, z. B, Pferde, Hunde, u. s. w., engl, couple; jö Köwel, 
kurzer Frauenzimmerrock (petticoat) ; jö Kantöffel, die Kartoffel; 
jö Lüngel, die Lunge, dän. en Lunge, nd. de Lung, engl, lungs; 
jö Mandel, die Mandel, nd. und dän. en Mandel; jö Mängel, die 
Mangel, kleine Handrolle, dän. Mangletöi; jö Rdingel, der Henkel- 
topf; jö Räigel, die Regel; jö Sägel, die Sichel, dän. en Segl, nd. 
Sekel, engl, sickle ; jö Sjöhssel, dän. en Syssel, die Pässelei; jö 
Shauwel, die Schaufel, dän. en Skovl, engl, shovel, nd. Schüffei; 
jö Taafel, die Tafel, nd. Taafel, dän. et Taffei, en Tavle, engl, 
table; jö Kugel, die Kugel, dän. Kugle; de Taagel, nd. — , der 
Zagel; jö Stauppel, die Stoppel; jö Wickel, nd, de Wiechcl, die 
Weidenruthe , die Weide selbst; jö Ungel, die Angel, engl, angle. 

c. Sächliche. 

Dat A'ingel, das Engelchen; dät Aesel, der Esel, nd. und dän. 
Esel; dät Krävel, der Krüppel, nd. Kröpel; dal Kapitel, — ; dät Mi- 
raakel, Mirakel, grosses Gewirre; däl Räiel, in: Spannräiel, Spin- 
nenwebbe; dät Sägel, l.das Segel, 2. das Siegel. 



Mit der Endung en, 

a. Männliche. 

§. 34. De Aimen, der Ofen; de Dägen, der Degen; de Raa- 
wen, i. der Rogen, 2. eine Verwünschung; de Sägen, der Segen; de 
Wäien, der Wagen; de Gellen, der Gulden; de Orden, der Orden; 
de Kögen, die Küche. 

b. Weibliche. 

Jö Brägen, der Brägen, engl, brain, brains, nd. Brägen; jö Blä- 



6t 

gen, dän, cn Blcgii, Bläschen, Blatter, engl, a blain; jö Ellen, 
die Elle, nd. en Ahl, engl, an eil, dän, cn 'Alcn: jö Fömmen, das 
Mädchen, das engl, woman; jö Läfjeti, die Lüge, dän, Lögn, nd. 
Lögen: jö Meilen, die Mühle, engl, a mill; jö Stauwen, der Sla- 
fen, dän. Stavn, der Standort des Hauses mit dem Warf und Gar- 
ten, u, s. w.; jö Wünnen, l.die Wunde, 2. als Verwünschung oder 
Fluch: dät de de Wünnen!; jö Nilken, die Nelke. 

c. Sächliche. 

Dät ^Iken, dän. en Allike, die Dohle, daher; dät u/lkenier , 
der Giebelerker, wo sie früher oft nisteten. Dät ^iken, das Ei- 
chen, eine eiförmige Riechbüchse; dät Bächen, das Becken; dät 
Däken, die Pferdedecke; dat Gagen, der Nutzen, dän. Gavn; dät 
Häigen, das Stuhlkissen, dän. cn Hynde ; dät Kopken, diminutiv, 
die Tasse, das Tässchen; dät Laaken, das Laken, dän. Lagen, 
wie in Rielaaken , dän. Sparlagen , Bettvorhänge an messingenen Rin- 
gen, die auf einer wagrecht ruhenden Stange vor- und zurückge- 
zogen werden; dät Sägen, die Sage, dän, Sagn: dat Sicken, der 
Seufzer, dän. et Suk, engl, sigh; dat Swälken, das Schwälbchen, 
engl, swallow; dät Tieken , das Zeichen, nd. dat Tcken, dän. et 
Tegn, engl, token ; dat Waapen, das Wappen, dän. Vaaben; dät 
Wäsen, das Wesen, dän. et Vasen, 1. das Wesen als wirklich Sei- 
endes, 2. viel Wesens von etwas machen; dät Saaken, nora. coli, 
für Vieh und Sachen; dät Sihssen, die Seide; dat Shräbilken , 
die Maske, Larve, auch der Haubenstock; dät oder jö Wolken ^ 
die Wolke, das engl, welkin. 

Mit der Endung er. 

a. Männliche. 

§. 35. De Aadler, der Adler; de Jlnker , der Anker — ; de 
Bolter, eine gewundene Rennkerze aus Wachs oder Talg; de Brauh- 
ser, der Bruder, nd. und dän. Broder, engl, brother; de Daalei\ 
der Thaler, nd. Daaler , dän. en Dälcr, 2. der Dotter im Eie; de 
Drönker, der Säufer, dän, en Dranker, engl, drunkard; de Doffer, 
der Tauber, Tauberich; de Eher, der Acker, dän. en Ager, engl, 
acre; de Däger, der Dcchcr, dän. et Degcr, engl, a dicker; de 



62 

Fajnger, der Finger; de Fidder, der Vater, dän. Fäder, nd. Faa- 
der, engl, fallier • ; de Fäliser, die Feder, dän. Fjeder, nd. Fed- 
der, engl, fealher; de Gljärder, der Brotschieber; de Hämmer, der 
Hammer; de Häinger, der Henker; de Haller, der Heller; de Ha- 
ger, die Trespe (Bromus secallnus L.), dän. Heire; de Jäger, der 
Jäger, dän. und nd. — ; de Junker, der Junker; de Jörder, der 
Hirte , dän. en Hyrde , das engl, lierd in : herdman und shepherd ; 
de Kaiser, der Kaiser; de Käpcr, der Kaper; de Kufj'er, der Kuf- 
fer; de Könher, der Kanker; de Ljögter, die Leuchte; de Löper , 
der Knicker, Schüsscr, das Schnellkügelchen ; de Malmer, richti- 
ger: de Marmel, das Marmelkügelchen zum Spielen für Knaben; 
de Mäister, der Meister, nd. — , dän. Mester, engl, raaster; de 
Moser, der Mörser; de Mäjdder, der Mäher, dän. en Maicr; de 
Nummer, die Nummer, engl, number; deNänner, der Nenner, und 
de Teller, der Zähler in Brüchen ; de Ömmer, der Eimer; de Prestet\ 
der Priester, dän. en Präst, engl, priest; de Racker, dän, Racker, 
der Schinder; de Racker, ein Scheltwort, dän grölte Rdcker, du 
grosser Rekel , Lümmel; deRidder, l.der Reiter, 2. Ritler, 5. das 
Reitpferd, als: de Shdmmel as en gauhsen Ridder, der Schimmel 
ist ein gutes Reitpferd, lässt sich gut reiten; de Rütter, der Reu- 
ter, dän. en Rytter, im Militair; de Sdmmer , der Sommer; de 
Sndjtter, der Tischler, eigenll. Schnitzer, dän. Snedkcr (Snitker); 
de Sötter, das latein. sutor , der Schuster ; de Shjärder , der 
Schnitter; de Shrüjdder , der Schneider ; de T haser , der Buch- 
weizen; de Tjaaler, der Keller; de Urder, der Erpel, Enterich, 
nd. de Wort; de Wönter, der Winter; de Wihsser, der Weiser, 
Zeiger, nd. und dän. Viser; de Edder, die Ader; de Tunner, der 
Donner, nd. — , engl, thunder; de Kämmer , die Kammer, nd. 
und dän. — , engl. Chamber; de Swaager, der Schwager, nd. — , 
dän. Svover; de Gönner, der Ganser, nd. Ganner, engl, gander; 
de Höker, der Höcker, Trödler, engl, huckster; de Ringster, der 
Läuter, dän. en Ringer, engl, a ringer; de Ränster , der Renner; 
de Faarränster, der Vorrenner, der gleich nach der Predigt aus 



1 De Fidder, der Vater, und jö Mudder , die Mutter, sind die 
Namen der Eltern in Beziehung auf ihre Kinder; in der Anrede 
nennen die Kinder den Vater: T/iäte, Täjte, Rabbe, und die Mut- 
ter: Mdmm, Mcem oder Mcmm. 



65 

der Kirche rennt; de Kummer, der Kummer, nd. und dän. — , 
engl, cumber; de O'tler, die Otter, dän. cn Odder, nd. — , engl, 
an Otter; de Böjter, der Böttcher, nd. — , dän. Bödker; de Kliiw- 
wer, der Klauer; de Klöwwer, der Klaustab; de Stömper, der La- 
destock, Stampfer; de Pulsher, die Störstange, mit der man die 
Hechte ins Netz treibt; de Plumper, dasselbe, auch Plumpstock, 
Springstock, mit dem man über die Wassergräben springt; de 
Trägter, der Trichter, dän. en Tragt; de Nager, der Neger, nd. 
und dän. — , engl, negro; de Fäger, ein rechter Feger, der was 
los machen kann, dän. en feiendes Fyr; de Tivitler, ein flinker 
Bursche, dän. en flink Fyr (1. für); de Täter, der Zigeuner, dän. 
Täter; de Setter, die Setze, ein irdenes Milchfass; de Juler, der 
Stellmacher, von dem dän. Hjul, das Rad; de ^slier, die hohle 
Schaufel; de Glaaser, der Glaser; de Wönräjdder, wörtlich: der 
Wahnräther, der immer solche Dinge unternimmt, die mislingen 
und keinen Nutzen gewähren, vielmehr meistens Schaden bringen; 
de S/tuller, die Schulter, nd. Schuller, dän. Skulder, engl. Shoul- 
der; de Koller, der Koller der Pferde; de Wujjper, ein Besen 
zum Abfegen der ausgedroschenen Aehren*. 

b. Weihliche. 

Jö Modder oder Mudder, die Mutter, nd. und dän. Moder, engl, 
mother; jö Mäddcr , die Muhme; jö Läddcr , die Leiter; jö Liw- 
wer, die Leber, engl, liver; jö Böhser, die Butter; jö Dögter, nd. 
Dogter, engl, daughler; jö Söster, nd. und dän. — , engl, sister; 
jö Shäier, die Schere, nd. Sheer. 

c. Sächliche. 

Dät Faiiser, das Futter für das Vieh , 2. Unterfutter; däl Raiiser, 
das Ruder; dät Taller, der Teller; dat ^ller , das Alter, dän. en 
Alder; dät Edder, der Eiter; dät Häicr, das Flaar, nd. und dän. — , 



* In einigen von Zeitwörtern abgeleiteten Substantiven auf er, 
steht st vor der Endsilbe, als: de Ringster , der Läuter; de Ring- 
sieremie, der Abend des Grabgcläules; de Räiister , s. oben; de 
Wälvster , der Weber ; de Trölstcr , der Zauberer , von trölen , zau- 
bern. Diess sind alterthümliche Formen, aus ringen, ränen, 
weeiven wnA trolen; die regelmässigen Bildungen müsstcn : de Rin- 
ger, Räner , Wiiwer und Trölcr heissen. 



64 

engl, hair; dät Jädder , das Euter, nd. Jüdder, engl, udder; da 
Jücker, die Gerte, das Reis; dätA7ösfer, deutsch, nd. und dän. — , 
engl, cloister; dät Laager , 4. das Lager, dän. et Leie, zum Lie- 
gen und Ausruhen, 2. Feldlager, dän. en Leir, 5. Waarenlager; 
dät Laster, das Laster, dän. en Last; dat Lähser, das Leder, 
engl, leather; dät Luder, das Luder (Aas); dat Münster, das Mu- 
ster, dän. Mynsler; dat Mudder, der Schlamm, Moder, dän. Mud- 
der; dät Öfer, das Opfer, dän. et Offer; dat Ower, das Ufer; dät 
Rähser, ein einjähriges Kalb; dät Tammer, das Zimmerholz; dät 
Tänner, der Zunder; dät Wähser, das Wasser, nd. Waater, engL 
water; dät Wähser, das Wetter, nd. Wädder, engl, weather. 

§. 56. Folgende haben die Endung em , als : de Airem , der 
Arm, — ; de Bäisern , der Besen, nd. — engl, besora ; de Bau- 
sem , \. der Viehstall, 2. der Boden eines Gefässes ; de Haulem , 
der Holm, kleine Insel, auch in Ortsnamen, als: Lindholra , Ock- 
holra , Stockholm, Bornholm u. s. w. ; de Stierem, der Geruch; de 
Swiereni , der Schwärm , nd. — , engl, swarm , dän. svärm ; de 
Täirem , der Darm , dän. Tarm ; jö Blossem , die Blüthe , engl, 
blossem ; jö Fäihscm , der Faden , als Maass , engl, fathom , dän. 
en Favn; jö Gässem, die Gäspe; dat Hulem, das Langhalm, Lang- 
stroh, engl. halm. 

§. 37. Einige haben die Mehrheits-Endung ere in der Einheit, 
als : de Wähsere , der Hammel , das deutsche Widder , das dän. 
Vädei' , und das engl, wether , welches ganz dem Friesischen ent- 
spricht ; de Käscre , der Kater , nd. Kaater ; de Fasere , der Ge- 
vatter , dän. Fadder ; richtiger wäre aber : de Wähser , de Käser 
und de Faser; so wie de Stäujnner, der Leuchter. Einigen 
giebt man gar die Endung ne in der Einheit, wie z. B. de Wad- 
derne , der Wittwer ; de Wdnserne , die Schnellwage ; de Pönterne , 
der Wiesbaum; de Hijnserne, der Brunnenschwengel: de Unnerne, 
das Mittagessen ; hier wäre : de Wadder , deWanser, de Ponter, de. 
Hijnser und de Untier auch richtiger'. 



1 De Hijnserne kommt zusammengesetzt vor in: Hijnscrnetjöch ; 
dieses besteht aus einem in die Erde gestellten Balken , in dessen 
oberem Ende eine gabelförmige Vertiefung ist, in welcher der 
Schwengel (de Hijnserne) auf einem Bolzen, als seiner Axe, ruht, 
an dessen Hintcrendc ein schwerer Klotz angebracht ist , und an 
dessen Vorderende sich die Brunnenstange (de Shüwringe) befindet. 



6Ö 

§. 58. Auf ense , ent , ed , et, und ert , als : de Fierensc , diö 
Ferne, nd. de Ferens; de Grötlense, die Grösse; de Tjäckense , 
die Dicke; de Lickcnsc, die Aehnlichkcit, Gleichheit; de Iluluense ^ 
die Halbscheid ; dat Aawent , die Schnürbrust ; dät Läwent , das 
Leben; jö Jörjed , die Jugend; jö Dögcd, die Tugend; jö Höged , 
das Wohlgefallen an etwas; jö Blöged, von blög' (blöde), die 
Schaana , die Schäme ; de Faagcd , der Vogt , dän. Faaged ; dät 
Huget , die Anhöhe ; dat Liiigct , die Niederung ; jö ^nert , die 
Ente ; dät Läncrl , die Leinwand. 

§. 59. Auf ig und igt , ir und ier und iim endigen sich fol» 
gende, als: de Bäirig , der Berg, dän, et Bjerg, nd. de Barg; 
de Bielig , der Balg, in: Blaasbielig , Blasebalg; de Gulig , der 
Galgen; de Hallig, der Hallig, kleine flache Insel; jö Furrig, die 
Furche, dän. cn Furrc , engl, furrow ; jö Späirig , der Sperling, 
dän. en Spurre (Spurvc), engl, sparrow; jö Swällig (Swielig), der 
Schlund , das deutsche Schwalch , dän. et Svälg ; dat Fällig oder 
Fulig , Brachfeld , von fälligen , fuligcn , fieligen , brachen , engl, 
fallow-field ; dät Märrig , das Mark, dän. Mary, engl, raarrow ; 
dät Tulig , der Talg , engl, tallow; jö Merrigt, das Mensch, die Metze ; 
de Berrigt , die Ernte; ir oder ier kommt vor in: Lägenier , der 
Lügner, und in: ^Ikenier , Erkcrgiebel ; inn , wie im Deutsehen, 
als Kinninginn, Königinn, Kaiserinn, Hierlugi7in , Herzoginn , Grä- 
ivinn oder Graawinn , Gräfinn , von de Graaw , u. s. w. ; diese 
Silbe ist im Dänischen inde, als: Gräwinde , Keiscrinde, u, s. w. 

§. 40. Die Endsilbe ing treffen wir in : de Kinning , der Kö- 
nig, alldän. en Konning , engl, king; de Wuhstring , die Speise- 
röhre, das Geschlinge; de Gäsing , alles, was einem eben passend 
ist, was man gerade gebrauchen kann; jö Nöstring , die Nüster, 
engl, nostril ; jö Tenning , die Schläfe, dän. en Tinding; jö Ti/is- 
sing , Nachricht , Zeitung , dän. cn Tidende , engl, lidings ; jö 
Gräiving , ein breiter und tiefer Graben um den Warf, 2. ein 
Bach im Risummoor , der die Feld- oder Landscheide zwischen 
dem Oster- und Westermoor bildet; jö HijUing , das Geheiss; jö 
Löwring, die Gewitterschwüle; jö Lühssing , die Ohrfeige, dän. 
cn Lusing; jö Slaingring , eine kleine Schlucht im Wagengeleise; 
jö Gi'äsing , ein kalter Schauer , das Grausen ; de Pänning , der 





66 

Pfennig , dän. und nd. en Pcnning , engl, pcnny , pl. pencc ; dät 
Wanning , das Fenster ; de Sörrhig , der Sauerteigkuchen zum 
Säuern des Brotes; jö Aiising , die Dachtraufe; de Wjärsing , der 
eingestrichene Hauptschwaden heim Heumachen , welcher zusam- 
mengcdiemt (» timet") und in Diemen (Ruke, Schober), aufge- 
setzt wird; de Wällering, der Weller, etwas zusammengewellertes, 
als: Heu, Stroh, Wolle, Teig, Lehm, Kitt, u. s. w. 

§. 41. Auf ling endigen sich: de Bröchling , der Brocken; de 
HüUling , der Fingerling ; de Tölimling , der Däumling ; de Knäib- 
ling, das Knie; de Fäjtlling , der Füssling; de Bijnliiig , der Bein- 
ling; jö Gältsling , dän. en Gjäsling , engl, a gosling, das junge 
Gänschen; jö Spillitig , die gelbe Pflaume; jö HijUing , die Nachge- 
burt; jö iijlUng , die Mulde; de Repling , wörtlich: der Reifling, 
d.i. die Blutwurst; da.1 ^nner ling , ein einjähriges Lamm, Mutter- 
lamm, — sonst Ailaumm; dat TjauUng , der Knaul; dat Läiling , 
das Lägel ; dat Shräwling , das Angebrannte in der Pfanne und 
dem Grapen, besonders bei der Grütze; dät Twannling , der Zwil- 
ling , dän. en Tvilling , engl, a twin ; dät Trdnnling , der Dril- 
ling; ddilWälling , die Milchsuppe , dän. Välling; dät Sjöclding , das 
Küchlein, engl, chicken ; dat Tälin g , dän. en Slye, lose Bretter 
und Latten über die Fächer gelegt , um Heu , Getreide oder 
Stroh darauf zu legen; dat Haaling , das Loch (Höhlung), dän. et 
Hül , engl, a hole; de Tjärtling, Lammsmist in ßohnenform ; dät 
TJärling , der Würfel, dän. en Tärning , u. s. w. 

Folgende stehen meistens nur in der Mehrheit, als: de BäjUlinge, 
nom. coli., Umzugsgut, Fahrniss; da Haadlinge, zu Häupten des Bettes; 
da Fäjlllinge , zu Füssen des Bettes; dkMäihslinge , die Masern, dän. 
Mäslinger, engl, measles; da Bitgslinge, die Hosen, dän. Buxer , 
nd. Büeks; da Öcklinge , der Platz unter dem Dache auf dem 
Boden ; de Plahsringe , wörtlich : der Plätscherling , Name eines 
Ortes in Nordrisum, wo immer Enten, Gänse und Wäscherinnen 
herumplätschern ; de Knöwringe , ein Stück Vorland im Herren- 
kogc , mit sehr kurzem Grase bewachsen, das Pferde und Schafe 
mit einem knopernden Laut abfressen oder knopern , fries. knö- 
wpvn. daher der Name. 

§. 42. Die Endungen ke und fe stehen in einigen Fällen ver- 
kleinernd, als: de Njörke, die Niere, dän. en Nyre; de Fäike , 



Ö7 

das Bübchen; de Päihe, dän. cn Pog , Pöike ; de Itorhe, die Bei- 
lade ; de Hönkc , der Hahn , am Fasse , dän. Hänikc ; da Mäjnte , 
das Männchen ; de Däjnte , das Bündel ; de Döjnte , das Dohnchcn ; 
de Prüjnte, eine Kaue Taback ; ferner: Döjtte, Pöjtte , de Pöjnte, 
de Röjnte , de Höjtle , de Hojnte , u. s. w. 

§. 45. Auch die Silben kcn und jen stehen verkleinernd in: 
dät ^Iken , dat ^iken , dat Hüskcn , dat Kopken , dat Swälkcn, 
dal liorljen , in Twelbortjen , das Sabberlüchlein. 

§ 44. Die Endungen f/w//m und s/iapp. Das alte Wort du/im, 
als Endung , ist im Deutschen thum , dän. dom oder dömme , 
engl. dom. Im Dänischen ist es dömme , und ist ein Neutrum , 
wenn es den Umfang eines Gebieles anzeigt, als: et Keiscrdömme , 
et Fyrslendömme , et Bispcdömme ; sonst ist es dorn und ist gemein- 
schaftlichen Geschlechts, als: en Heliigdom, Heiligthura; en Ungdum, 
die Jugend; Hedendom, Heidentlium. Im friesischen : dät //ter/o(/- 
dulim, Bishopduftm , Hiesenduhm, Heidenthum, Krdstendulim, Chri- 
stenthum, Allerduhm, Alterthum, Hilligduhm, Heiligthum, Aienduhm, 
Eigenthuni, u. s. w. — Sfidpp, schaff, dän. skab. Dät Hieseti- 
sfiapp, dän. Hedenskap; dixl Mönnsliapp , die Mannschaft; dat Hier- 
shapp, die Herrschaft; dat Brausershapp , die Bruderschaft; dat 
Sellshapp, die Gesellschaft , dän. Selskah; dal Lönnsliap , die Land- 
schaft; dat Frünnsliapp, 1. die Freundschaft, 2. Verwandtschaft; 
dat Ndihershapp, die Nachbarschaft, nd. Naaberschop; dat Fijndshapp, 
die Feindschaft, dän. Fjendskab; Graawslmpp, die Grafschaft; Swän- 
gershapp, die Schwangerschaft; ß/äistershapp, die Meisterschaft; dal 
Tienershapp , die Dienerschaft ; dat Törpsliapp, die Dorfschaft; dat 
Jümfershapp , die Jungferschaft; dat Biddershapp ; dat Fiddersfiapp , 
die Vaterschaft; Aadelsliapp , Adelschaft; Swaagersfiapp , Schwäger- 
schaft, Aiens/iapp, Eigenschaft; Fängenshapp , Gefangenschaft; Könn- 
s//a;9/), Kundschaft, Kenntniss; Gemionsfiapp , Gemeinschaft, u. s. w. 

§. 45. Die Endung äi entspricht dem deutschen cl und dem 
dänischen ie, als: dat Shriwweräi , die Schreiberei, dän. Skriverie, 
nd.Schriverie; Tjäscräi, Schwätzerei; Sivenneräi , Schweinerei; Njä- 
seräi, Säumerei; Mingeräi, Zauderei; Thicwerdi,YiieheYei; Präjtäi, 
Predigt; Pra'jüs/dt, Prohstei; Geckeräi, Geckerei; Göserdi, Gänsclci; 
Bedregeräi , Betriegerei ; Mäleräi, Mahlerei; Täigeldi, Ziegelei; 
Fdsheräi, Fischerei, u. s. w. 



68 

'§). 46. Die Endung e/cS'c kommt in folgenden Wörtern vor, als: 
de Tdchehc, die Deichsel; de Tümielse, die Geschwulst; de liäjdd- 
eise, das Räthsel; de Läpelse, l.das Laab, Rinnsal, 2. das Durch- 
laufen der Pferde, als: da Häjnsie hippe Läpelse, die Pferde lau- 
fen durch, dän. löbsk , adj. läufisch; de Gräpehe, die Grapse, to 
Gräpelse smitten, in die Grapse werfen, z. B. eine Handvoll klei- 
ner Münzen; da Häckelse, pl. oder coli, das Häcksel, der Häcker- 
ling; dat Spaiilielse, das Gespenst, dkn. et Spögelse, (dat Spauk 
ist der Spuck, das verbum spmikcln); dat Röckelsc, der Rauch, 
als Mittel zum Räuchern, wie in Königsrauch, Weihrauch, Räu- 
cherpulver; dat Smökelse , dasselbe; dat Sldrkelse, die Stärke, 
der Amidam. 

§. 47. Die Nachsilbe liäid, deusch: heit und keit, dän. hed, 
engl, hood und head, steht für Iieit und keit im Deutschen, als: 
jö Mönnhäid , Mannheit ; Krdstenhäid , Christenheit ; NjöUiäid , 
Schwerfälligkeit; Plumphäld; Drieghäid, Vcrschlagsamkeit, dän. 
Dröihed, nd. adj.drecg; jö FöhUiäid, die Bosheit; WäligliäUl, slurk 
an Kräften, die Wäligkeit; Krönkliäid , Krankheit; Sünnhäid, Ge- 
s'jndheit, dän. Sundhed; Mül/iäid , Tollheit, nd. Mallheit; Fast- 
häid, Festigkeit; Batlerläud, Bitterkeit; Drisürj/iäid, Dreistigkeit; 
Däsigliäid , Albernheit, Verrücktheit; Aienliäid, Eigenheit; Sdl- 
tenliäid; so auch aus: rie7i , rein; tdgt, d\chl ; junk , dunkel; frisfi ; 
rück, rauch; fri, frei; dgt, echt; blög', blöde; wiglig ; kier , kür, 
küiisch, dän. kräsen; laai , faul, träge; trat, müde. dän. trat, 
u. s. w. 

§. 48. Bildung des Hauptwortes. Das Hauptwort wird be- 
sonders aus andern Hauptwörtern, Beslimmungs- und Zeitwör- 
tern gebildet, jedoch hin und wieder auch aus andern Wör- 
lerklassen , z. B. dat Tivdnling , von twdnne, zwei; de If/äister, 
von mäst, meist; ijn, gegen, de Jjnne , das Ende; däkl, nieder, 
dat Daal, das Thal; dökr, durch, jö Dölir, die Thür, u. s. w. 

Hauptwörter aus andern Hauptwörtern durch die Silbe er. Jö 
Meilen, de Meiler, die Mühle; de Fdsh , de Fdskcr, Fisch; de 
Iläi'jdd, de Häiijttcr, der Hut; dat Glees, de Glaaser, Glas; dät 
Shdpp, de Shdpper, das Schiff; jö Eesk , de ^sher , die Esche; 
jö Wüpp, de Wupper, die Aehre; jö Kutsh , de Kidsher; de Senne, 
de Sennir , die Sünde; de JUeme , de lilemer ; dat Krämm, de 



69 

Kricmmcr, der Kram; dal Sliäiijl, de Shaulcr , die Schule; jö 
Pott, de Pöjiler , der Topf; jö Döww , de Doffer, die Taube; dat 
Läujnn, de Läujnncr , das Land; de Paurtc, de Paurtncr , die 
Pforte; de JOicA-, de Dicker, der Deich; de Drönl; , de Drönkcr , 
der Soff, Gesöff; dat Fä/, de Faser, die Schüssel; jö Grauf, de 
Granwer , der Graben; jö A'ä//, de Käser, die Katze; jö /f/äw, de 
Kläwer , die Klaue; jö /i7öi</, de Klöwiver, die Klaue; jöKlöch, 
deKlöcker, die Glocke; de AVfIi, de Kläier, der Klei, Marscherde; 
de Kraug, de Kraugcr , der Krug: jöMäjdd, de Mäjdder, die Math; 
de Maurd, de Maurder , der Mord; de Mjögs, de MJögser, der Mist, 
Koth; jö i>V7{;f, de Nägterl, die Nacht; de Plaug , de Plauger, 
der Pflug; dat 7?o^^, de Rögtcr , das Recht; de ii«/.-, de Ruh er , 
der Diemen, Schober; de S//ö/, de Sliöter, der Schuss; dai Slitbb, 
de Sluhher , Kolli; jö S/iüU, de S/iüllner, die Schuld; jö iS'/wr, 
deASjporer, der Spoor oder Sporn; de Toll, de Töller, der Zoll; de 
Tröl, de Trö'.sler; jö 11%/, de IVa^/er, die Wacht; de Ihitlel , de 
Buttler, die Bullcl ; jö Gicliel, de Gicfiler, die Geige; dat Liijdd, 
de Lüjdder, das Lolh zum Löthen; de Sliänse, de S/iäuser, die 
Schanze; de iyV, de Illger , der AaH. 



' De u/sJier, ursprüngl. eine hohle Schaufel aus Eschenholz, 
welche jetzt auch aus anderm Holze diesen Namen führt. Die 
Esche hiess weiland jö ^sfi , und noch jetzt im Dänischen en Ask. 
De Läujnner , der Länder, kommt, wie im Deutschen, nur in Zu- 
sammensetzungen vor, wie z. ß. de Uolläujnner , Gräinläujnner , 
Jüttläujmier. De Shaulcr ist aus dem älteren Worte Shaul ge- 
bildet, das auch noch jetzt in mehreren Gegenden gebraucht wird. 
De Fahser, gewöhnlich Fahserc, ist buchstäblich: der Fasshalter 
bei der Taufe. Dat Fat, das Fass, die Schüssel, nd. Fat, dän. 
Fad, ist im pl. da Fähse, und da, weinigstens vormals, die Kin- 
der meistens im elterlichen Hause gelauft wurden , so musste 
einer der Taufzeugen das Fass oder die Scliüssel halten, daher 
die Benennung, woraus sich zugleich das dänische und plattdeut- 
sche Fadder und das hochdeutsche Gevatter erklärt. — De Grau- 
iver, von Grauf, ist nur der Gräber, welcher die Gräben zwischen 
den Aeckern im Pusummoor reinigt, sonst Grewer, Gräwster, Kläier, 
von greivcn, oder Kläi. — De Klöwwcr , der Klaustab, unten mit 
einer eisernen, breiten Doppelklaue beschlagen, um das zu tiefe 
Eindringen in den Schlamm zu verhindern. — De Mjogser ist l. 
der Ausmisicr, 2. der Sudler. — De Nägterl, das Abendessen, 
Nachtessen; de Ruher, der den Diemen oder Schober setzt; de 
Jllger, der Aalstachel, die Aalprickc, ist eine unregelmässige Wort- 



70 

Fäslicr , Dicker , Granwcv, Kläier, Plaugcr , Ruker , Lüjddei\ 
Gichlcr, S/tänscr , Rugicr sind aus den Zeitwöriern: fdshen , 
fischen; dicken, deichen; grauwen, graben; kläien, kleien; plau- 
gen, pflügen; ruken, diemen, schobern; lüjdden, lölhen; gicheln, 
geigen; s/iänsen, schanzen, und ragten , richten, gebildet worden, 
diese aber wieder aus den vorsiehenden Substantiven. Bei den 
meisten dieser abgeleiteten Wörter crgiebt sich die Bedeutung 
derselben aus ihrem Stamm worte, als: Müller, Fischer, Glaser, 
Schiffer, Kutscher, Sünder, Riemer, Krämer , Schüler, Töpfer, Tau- 
ber, Länder, Pförtner, Deicher, Säufer, Kater, Glöckner, Krüger, 
Mäher, Mörder, Pflüger, Richter, Schütze, Schuldner, Sporer, Zöll- 
ner, Zauberer, Wächter, u. s. w. 

§. 49. Aus Hauptwörtern vermittelst der Silbe ling , linge : 
Dät IHM, de Hüttling ; de Tome, de Tonil ing; däfäjtt, de Fäjtt- 
ling t und da Fäjttlinge; dät Haad, da Haadlinge; dät Rijn, de 
Rijnling ; jö Gaus, jö Gähsling ; dät Rep, de Repling ; jö Feest, 
jö Feestling ; de Rajtte, de Räjtlinge; jö Naas, jö Nöstring ; dät 
Ijll, dät Ijllinge; de 'Alk, de Allring K 

§. 50. Die §. 44 vorkommenden Wörter auf duhm und shapp 
sind auch grösstenheils hauptwörllicher Abstammung; bei duhm 
sind bloss Hilligduhm und Aienduhm von Adjectiven abgeleitet: 
unter shapp nur die mit schwanger, eigen, gefangen und ge- 
mein gebildeten. Durch die Silbe liäid lassen sich nur folgen- 
de vier aus andern Hauptwörtern bilden, als; Mönnhäid, Mann- 



bildung aus ^j/,der Aal. — Die Aalquappe, Aalraupe (Gadus Lota), 
so wie die Aalmutter (Blennius viviparus), heissen beide Ailemml- 
der, weil man sie für die Mütter der Aale gehalten hat, und der 

Blutigel (Egel) ist de Ailebitter, wörtlich der Aalbeisser. 

• Dät Ilütt, der Deckel, z.B. eines Pfeifenkopfes, die Wurzel zu 
dem deutschen: Hütte; de Hüttling, der lederne Ucbcrzug ei- 
nes veiletzlen Fingers; Tömling, Däumling, ein solcher für den 
Daumen; da Fäjttlinge, \. pl. von Fäjttling , 2. Fussende des Bet- 
tes; da Haadlinge, zuHäupten; Feestling, Fausthandschuh ohne 
Fingerlinge; de Räjtte, das Bischen, de Bäjttlinge , gleichsam die 
Bischen, d. i. Umzugsgut; dat ///, das Feuer, dat Ijllinge, die 
Feuerung; yl/Ä- und 'Allring s\nd beide: der Iltis. — Die Verkleine- 
rungen auf kc, te, ken,jen, siehe §. 42 und 45. 



71 

hcid; Kr ästenliäld, Chiisicnhcit ;Mcinshhäid, Menschheit, und Sliälk- 
häid, Schalkheit. 

§. bl. Mehr oder weniger iinregehnässige Wortbildungen sind 
unter andern folgende, als: jö Bräjdd, de Bredgome, der Bräuti- 
gam; jö Bjärst, de Bjärscl, die Borste und die Bürste; jö Dör 
oder Döfir, de Dörnsh-Thür, Stube; jö Gaus, de\Gdnner, Gans 
und Ganser; dat Hüss, de Hü/is, das Haus und das Heim, dän. 
et Iljem, engl, horae; de Smdss, jö Smä/is, der Schmied und die 
Schmiede, dän. en Smed und en Smedie; dat Klüss, da Klulise, 
das Tuch und die Kleider; dät Lass, das Glied, Gelenk, da Lähse, 
die Gliedmassen; auch in Ugenlass, Augenlied, und Önlaas, Ant- 
litz; dat Rd, die Reihe, Zeile; dät Back, der Riechel, Schüssel- 
brett, u. s. w. ; de M5nn, de Mäjnte, der Mann, Männchen; de 
Salm, Sänke, Sohn und Söhnchen, dän. Sön und Sönike, nd. 
Sönken; jö Wälts, de Wadder [Wadderne), Wittwe und Wittwer; 
jö Dögtcr , die Tochter, Döjtte, Töchterchen; dät ^s, oder Aas, 
dät Ais, das Aas, als Schimpfwort in: Raawenäis und Aasknaake. 
Diess sind die wesentlichen Wortbildungen des Hauptwortes aus 
seines Gleichen; die übrigen stammen meistens von -Beslimmungs- 
und Zeitwörtern ab. — Die Endungen ent, erl, ew, und cjj kommen 
nur in einzelnen Wörtern vor, wie in: Aawent, Läwent, jö ^nert, 
die Ente; dat Länert , die Leinwand; dät Kulew, das Kalb; dät 
Suleiv, die Salbe; dät Hänep, der Hanf, und dät Sänep, der Senf. 
§. 52. Hier mögen, bevor wir die Bildung des Hauptwortes 
weiter verfolgen, einige Stoff- und Mengenamen ihren Platz fin- 
den , als: a. Sloffnamen : jö Bö/iser , Butter; dat Briijd , Brot; 
Säilts, Käs, Flash, Speck, Smär, Schmalz; Tulig, Wägs, Liem, 
Kalk, Krilt, Kreide; Siep, Seife; Gäujll , Selwer, Kaawer, Blie, 
Miidder, Slubb, Slömm, Sl'mim, Schleim; Glees , Holt, Haurti , 
Stäjll, Staal, Tän , Zinn; Swaaivel, Allöhn , SäujU , Russ; Uli, 
Wolle; Flägs, Bräi, Stijnn, Lähser, Sltdnn, Tjaare , Pack, Hjärt, 
Harz; Knaake, Gniistel, Knorpel; Sulew, Piaaster, Burk , Borke 
oder Baumrinde; Starkelse, Limm, Leim; Riihmme, der Rahm; 
Mölke, Dieh, Teig; Snöte, Nasenschleim; Eesh, Asche; Sivämp, 
Maus, Sicrp, Kitt, Dünn, Daunen; Swiert, Kienruss; 5ömüe/, Schmalz , 
Butter, Fleisch und Speck zum Brote, u. s. w. — b. Mengenamen: 
du Paingsdege, die Pfingsten; da Aime, die Buttermilch; da Knap- 



72 



linge, die Spitzen, Kanten; da Beere, die Gcbehrdcn, alle im plur,; 
dat Gijl, das Geld; dät Grüss, Gries; dät Gjärs, dal Krüdd, Schiess- 
pulver; dat Säjd, Gesäme; da ^gne, pl. die Spreu; dat Üntjög', 
Ungeziefer; dat Groot, Grütze; da Grubene, die Graupen; dkTräme, 
beim Weben; da Wäwle, pl. der Webstuhl, u. s. w. 

§. 00, Bildung des Hauptwortes aus dem Bestimraungsworte , 
mit der Endung c und de, als: 



lick, gleich, de Licke. 
käujl, kalt, de Kolle. 
näi, nahe, de Näiijde. 
läng, lang, de Lditigde. 
kaurt , kurz, de Katirte. 
widd, weit, de Widdc. 
neu', eng, de Närke. 
stall, still, de Sldlle. 
gäujd, gut, de Gause. 
diep, tief, de Diepde. 
slojgt, schlicht, de Slojgte. 
lief, lieb, de Liewde. 
drögh, trocken, de Dröghde. 
främd, fremd, de Främde. 
hug , hoch, de Hngde. 
läig, niedrig, de Läigde. 
wriess, böse, de Wrehse. 
funk, dunkel, de Juiike. 
Ijägt, licht, de Ljügte. 
rien, rein, de Riene. 



bliek, bleich, de BHeke. 
worin, warm . de Wärmde. 
läi, lau, de Laie. 
Hess, leid, de Liese, 
grrw, schnell, de Gaive. 
shrädd, schräg, de Shrädde. 
iieesh, zart, de Neeslie. 
rögt, recht, de Rogte. 
ripp, reif, de Rippe, 
wass, gewiss, de Wasse. 
wäjtt, nass, de Wäjtte. 

Auf ense. 

de Fierense, die Ferne, 
de Grottense, die Grösse. 
de Lickense, die Gleichheit, 
de Tjöckense, die Dicke. 

Auf eise. 

de Trinnelse, die Runde. 



§. 54. Ohne bestimmte Endungen: 
bliek, bleich, jö Bliek. shu, scheu, jö S/ni. 



sier, wund, weh, jö Sierk. 
kijtt, heiss, de Hdjtt. 
brijd , breit, de Bräjt. 
seeft, sanft, jö Seeft. 
hiileiv, halb, de Hällewt. 
nk , weich, jö Uk. 
lack, leck, de Lack. 
flät . platt, jö Plät. 



düjdd, todt, de Düss. 
wäir, wahr, de Wjürd. 
wjärt, werth, de Wjärt. 
segt, seicht, dat Sagt, 
rögt, recht, dat Rögt. 
näi, neu, dät Näis. 
diep, lief, dät Diep. 
sliör, steil, dät Sliör. 



75 

wäjll, nass, de Wäjt. läig , leeg, dät Läiget. 

lick, gleich, dät Liclmiss. üjll, alt, dät ^ller. 
swänger, schwanger, dat Swän- erm, arm, jö Ermäujd. 

gershapp. gemien, geraein. Gemienshapp. 

surr und sörv, sauer, de Sür- /töl, hohl, dät Haaling. 

ring und de Sörring. krumm, krumm, jö Kröming. 

blög, blöde, jö Blöged. äiwen , s. die Anmerkung, de 

jung, jung, jö Jöged. AiivnerK 
htig, hoch, dät Hiiget. 

§. 55. Auf Iiäid endigen sich folgende , als : blick , bleich , 
blass, jö Bliekhäid; lenn, dünn, jö Tennliäid; hall, hell, jö Hall- 
hatd, U.S.W. Auf dieselbe Weise werden aus nachstehenden Ad- 
jectiven Substantive gebildet, als: spass, spitz; füll, voll; äiiven, 
sachte; lick, gleich; äien, eigen; fräck, frech; wiss, klug, weise; 
lidi'd, hart; nögen, genüglich; swäck, schwach; glöbsli , ungestüm, 
grimmig, dän. glubsk; hillig, heilig; glatt, knäp, knapp, genau, 
kaum ; suhrt , schwarz ; täaig , gricklich ; fug , bange ; fähg , feige ; 



1 Die aus Adjectiven gebildeten nicht persönlichen Hauptwörter 
auf e, sind alle weiblich, als: die Kälte, Nähe, Länge, Kürze, 
Weite, Enge, u. s. w. , die friesischen dagegen alle männlich. De 
Gänse wird so gebraucht; äiijn 'e Gause, in der Güte; de Licke: 
dö fdnst nög dän Lickc , du findest schon deines Gleichen; dät hct 
ja nän Lickc, lickent nint, gleicht nichts, u. s. w. De Diepe oder 
Diepde ist die Tiefe, dat Diep, das Tief, nd. dät Deep, z.B. das 
sijlter Tief bei der Insel. De Hugdc, die Höhe, dat Huget, sanfte 
Anhöhe; de Läigde, die Niedrigkeit, dät Läiget, die Niederung, 
die Seichte des Bodens; de Wrehsc, der Zorn, dän. en Vrede, 
engl, wrath: de Junke: ävjn 'e Junke, im Dunkeln; äujn 'e Ljägte 
stäujnnen, einem im Lichte stehen; äw'e Riene ivesen, aufs Reine 
gekommen sein; dät Lauert läit aw ' e Blicke , ist ausgelegt zum Blei- 
chen, jö Bliek, die Bleiche, als Platz des Bleichens; äujn 'e Laie 
stäujnnen, im Lauen stehen; äujn'e Gdwe, in der Geschwindigkeit; 
neesh, zart, von der Haut, z.B. zwischen den Schenkeln und Fin- 
gern, daher de Neeshe, die Zarte der Haut, oberdeutsch: nicsch 
und nicschc, d.i. sanft abschüssig. Drieg, dän. dröi, vcrschlag- 
sam, was lange vorhält, 2. schwer, beleibt, u. s. w. Aiv'e Wässe 
Wesen, einer Sache gewiss, davon überzeugt sein. Bc Bräjt, die 
Breite; jö Brijdd, ein ganz breiter Acker, das Gebreitc; deWäjtte, 
die Nässe, de Wäjt, das Nass; dät Sägt, die Seichte, auch das 
Ziel, und das Zielkorn an der Flinte. Dat Näis, etwas Neues, die 
Neuigkeit; blög, blöde, jö Blöged, die Schaam, die Schäme; de 
Äiwner, das Mittelstück der Wage an der Deichsel. 



74 

trong, angsl; angst , dasselbe; smuck, schmuck; trinn, rund; klöuim, 
klamm; käim, zimperlich, spröde von Mädchen; shäier, spröde z. 
B, vom Glase ; slierig , kosig , sclimeichlerisch ; samper , zimpcr . 
fein und zurückhaltend beim Zulangen; liämper, hart in der Rede; 
kier, kür; trat, müde; äim, d.wund, 2. weichlich ; äimkräim, dän. 
ömskindet, zu empfindlich an der Haut; tagt, dicht; kränk, krank; 
twmi', quer; wälsh, welsch, d. i. quersinnig; läjtt, klein; grof, 
grob; dumm, dumm; lömm, lahm; hält, hinkend; rög , rauch, 
wollharig; kahl, kahl; satt, satt; njöl, schwerfällig; ^/«m/?, plump; 
fühl, 1, boshaft, 2. faul vom Fleische; lumsh, tückisch; lüss, los; 
sti/f, steif; päll, fest an; stup, dicht an; fätt, fett; fast, fesl; mun- 
ter, munter; wiecker , wacker; mägei', mager; säker, sicher; hüd- 
der, heiter; Idckcr, lecker; säig , zähe; nägel, nackt; bär, bloss, 
bar; mürrig, mürbe; dir ig , arg; äujnnet, ungezogen; fähs, unar- 
tig von Kindern; hüss, heiser; äiwen, 1. eben, 2. leise; gröttem, 
laut; künnig-, kundig; Idbben, lebhaft, lebendig; liderlick, lieder- 
lich; länig , biegsam; smiesig , geschmeidig; lustig, lustig; rigtig , 
richtig; wigtig , wdgtig, gewichtig; tvill, wild; meek, zahm; meek- 
lick. gemächlich; mjdlick , eingeengt, kümmerlich; ivädderlick, wi- 
derlich; umüick, freundlich; gründlich, freundschaftlich; aagtern, 
nüchtern; ähsrig, nüchtern d. h. nicht betrunken; dgt, echl; sldmm, 
1. schlimm, 2. klug, gescheidl; snüss, nett, sauber, flink; snaiid, 
schnöde; flink; snall, 1. schnell, 2. pfiffig; shlunken, eingefallen, 
vom Bauche; slöpp, schlaff, von einem Einlegemesser, wenn es 
im Stifte wackelt; bull, stumpf an der Schneide; ewig, ewig;smeel, 
schmal; snuirig, schnurrig; shnaask, schnakisch; snäwsk, rotzig, 
von Pferden; ndll, stössig von Rindern und Böcken; spötsh, spöt- 
tisch; trau, treu; klär, 4. klar, 2. fertig; fraam , fromm; mötig , 
geschäftig; däsig , albern; grültsh , aufgeblasen; stvdhsen, gesengt, 
angebrannt; snäsig , schneidig, pfiffig; steil, steil; stramm, straff; 
tönnn, zahm; hall, heW; hall, gerne; s/rmj, 1. stark, von Gewürzen 
und geistigen Getränken, 2. strenge, von Menschen; stmyim , stumm ; 
hijnn, schlecht, geringe; grimmig, grimmig; räirig , rührig; ätnen, 
offen; shief, schief; ihrlich, ehrlich; fair, stark; möglick, mög- 
lich; wieh , übel zum Erbrechen; bäish, bitter schmeckend; duf, 
laub; blinn, blind; rd, roh; räsh, rasch; rien, rein; glijnn, glü- 



75 

hend; gremet, schmutzig, russig; öwcl, übel; ndw, genau, knicke- 
rig; blank, blank; hdltcr , bitter; s/idrp, scharf; wälig , wältlig, 
stark; strujf, straff; rienlick, reinlich; rdiUick, redlich; saalig, se- 
iig; sälig, albern; sdllcn, selten; sidil, zu weit lierabhangcnd, von 
Kleidern; glübsh, reissend, grimmig; fälsh, falsch; slörrig, fahr- 
lässig; slänk, schlank; rank, rank; dristig , dreist; swäjtt, süss; 
fldw, flau; smdgtig , schmächtig; Idgt, leicht; laai, faul, träge; 
spie, zart, von neugebornen Kindern; i/mlick, einzeln; ihnsaam, 
einsam; spärsaam, sünig, sparsam; fugtig , feucht; orkel, ungestüm 
vom Wetter; slöiiig , schleunig; fier, l.fern, 2. zurückhaltend, von 
Frauenzimmern mit vornehm gezierten Geberden; stüjnsh, hoch- 
mülhig, höhnisch, von Frauenzimmern; kief, überdrüssig; stäsig , 
slätig; sivär-, schwer; hläckel, verschossen, von Farben; foss, bär- 
beissig, kurz angebunden; fri, frei; ndtt, nett; fjärsh, i. frisch, 
ungesalzen, 2. süss , vom Wasser ; rü^', verschwenderisch; trü/f\ bei 
guter Gesundheit; tähs, noch ziemlich gesund; gläi, glatt; jämsh , 
bezeichnet das ßefinden nach durchschwärmten Nächten, katzen- 
jämmerlich; aardig , artig; mal, toll; Idmplick, i. erträglich schlecht, 
vom Befinden; 2. glimpflich; auwerlänsh, buchstäblich: oberlän- 
disch, die Weise bezeichnend, wenn einer sich auf eine fremdar- 
tige Manier hervorthun will; stump oder stumpel, zu kurz, be- 
sonders von Kleidern; maai, erträglich, so ziemlich; raset, faul, 
verfault; wräweljyon Schafen, die in der Brunst sind, von Säuen: 
wru, von Stuten: wdllig (willig), von Kühen: ägsen oder aagsen; 
äselick, kläglich; witt, weiss; suhrt, schwarz; rüjdd, roth; gölil, 
gelb; gräin, grün; grd, grau; hrünn, braun; braucket, bunt; spaa- 
welt, gelb und weiss gesprenkelt; spötet, scheckig; placket, ge- 
fleckt; shrock, sagt man von den Vögeln, wenn sie keine Eier 
mehr legen können, und von Spielern , wenn sie kein Geld mehr in 
der Tasche haben; geest, sieg, güst, gelt, ist eine Kuh, die keine 
Milch mehr hat, mäilk, wenn sie Milch giebt; gäujd, gut; närig , 
erwerbsam, besonders in kleinlichen Dingen, und in allen er- 
werblichen Richtungen; Iiäppig , erpicht auf, versessen auf etwas, 
besonders auf Erwerb und Gewinn; shluck, plötzlich verlegen 
werden z. B. , he ivürd so shluck; träll, n. d. drall, fest ge- 
dreht, von Zwirn u. dergl. 2. en träll Fömmcn,^ n. d. en diallc 

10* 



76 

Deren, stätsh . stätig, statisch, von Pferden, die nicht von der 
Stelle wollen K 

Bildung des Hauplvoortcs aus dem Zeitworte. 

§. 56. Von den bereits oben §. 30 angeführten einsilbigen 
Hauptwörtern ohne bestimmte Endungen verdanken folgende ihre 
Enstehung dem Zeitworte, als: dät Bäd, von hahsen; dät Bünn, 



* Kier, kür, kürisch, ist hier ein reines, kein abgeleites Ad- 
jectiv und wahrscheinlich die Wurzel zu küren, die Kur, in 
Kurfürst, Kurmark u. a. Meek ist mit tömm sinnverwandt, be- 
zeichnet aber einen höhern Grad der Zahmheit bei Hausthieren, 
als tömm. Mötig, ist mit dem n. d. möten, dän. at raöde, et Mode 
(die Zusammenkunft) und dem deutschen »meuten" verwandt, und 
wird so gebraucht: dät sjögt me janner so mötig ütt, es sieht mir 
dort so bunt aus, wenn z. B. viel Menschen bei einem Unfall zu- 
sammen gelaufen sind, he het 't alt so mötig, er ist immer so 
geschäftig, macht so viel Aufhebens von etwas, dät sjögt noch 
mötig ütt, das sieht noch mühsam aus, die Sache steht noch im 
weiten Felde. Fair, dän, för (1. föhr) ist 4. stark von Körper- 
bau, 2. von Sachen, dick und stark, z. B. von Balken, im Ge- 
gensatz von klien, tenn und siväck, klein, dünn und schwach; 
o. sagt man bei einem Gewitter: dät ds fair Wähser. Diesem nach 
würde die Insel Föhr, die Grosse bedeuten, da sie im Nordfrie- 
sischen Fair heisst, wie sie denn auch wirklich die grösste unter 
den dortigen Inseln ist. Greinet, dän. grimet, mit schwarzen Strei- 
fen und Flecken im Gesicht, von Kesselruss u. dergl., aus dem 
dänischen Grim, der Russ an Pfannen; en gremet Ko , eine weiss- 
stirnige Kuh mit schwarzen Streifen. Das Wort: klien, dän. klein, 
entspricht nur dem deutschen »klein" in der Redensart: kaurt an 
klien magen , kurz und klein machen , n. d. kort un kleen raaa- 
ken; sonst ist es: dünn und schwach, aber wieder in einge- 
schränkter Bedeutung, indem es nur von runden und eckigen, in 
die Länge gestreckten Körpern gebraucht wird. So sind z. B. 
Beine, Arme, Finger, Zweige, Stäbe u. dergl. klien, wenn sie 
dünn und schwach sind, dagegen sind Bretter, Platten u. dergl., 
die eine breitere Fläche haben, tenn, dünn; flöhsig , n. flödig, leicht 
und schwach, ist mit klien auch sinnverwandt; swär. jö Swärk, 
schwer, die Schwere, und Wägt, Gewicht und Wucht, sind nicht 
einsdeutig; deMeke, dän. Mag, ist die Gemächlichkeit. Die Adjec- 
tive auf f lassen, bei der Verlängerung, diesen Laut in w über- 
gehen, wie shief, de shiewe Sträg, der schiefe Strich; jö Blöged, 
s. o., ist erst etwas Reschämendes, etwas, dessen man sich schä- 
men muss, als: dät as jd en Blöged, 2. die Blosse, die Schaam; 
jö het äi so faale, däCs har Blöged dirmd shöle kön, sie hat nicht 
so viel, dass sie ihre Blosse damit bedecken kann. 



77 

de Bijnn, von binnen, binden; de Bielk, von bijlken; dät ^lik, von 
ägen, langsam fahren; jö Bägg von hdggen, bauen; de ßähs von 
bitten, beissen; dät Döf yon düwwen, tunken; jö Dräft von driw- 
wen, treiben; de Fäll, jö Fäll, von fällen; jö Fauhr von fairen, 
führen; jö Fähr, von fairen; jö Fäil von faden; jö F/»y/f von 
flieen; jö /Väi von fräien; jö G/ö/t/ von glaaieti, glühen, in mW- 
glaaien, ausglühen; jö Gräjdd von gfmiew, dicht wachsen; de Gripp, 
de Grähp und de GräM;e von grippcn, greifen; de Göth von gijtten, 
giesscn; de Gong von gungen, gehen; dät Greef, jö Grauf von 
grewen, graben; de Gäihs von gäisen, düngen; jö Haur von /mM- 
ren; jö Hdx von haxen; jö //i«/; von hingen, hangen und hängen; 
jö üijll von hüjllen, halten, und hijllen wieder von jö Hyll, die 
Heide; jö Jagt von jagen; dät Jeß von jewen, geben; de Kähr, 
jö Kier von kieren, kehren; jö Kiek von kieken, gucken; de Klang 
von klingen; jö Ä'/arf(^ von klädden; jö Klamm von klammen; de 
Knähp von knippen, kneifen; jö Klatsch von klatschen, mit der 
Peitsche knallen; de ämws^ von kaanen, können; de Ai/pp von 
fcjtpjoew , kaufen ; }ö Lähs von /esew, laden; jö Lfe von //«>?, raiethen, 
dän. at leie; de Lupp von luppen; jö Licr von Heren, lernen und 
lehren; jö Mägt von magen oder maagen; de MttcA; von machen, küs- 
sen ; de Matird von maurden; jö Mö/'/f von maßten , messen ; dät Mäiijtt 
von mäjtten, begegnen; de ^/j^cä; von mucken, mucksen; jö Pleg von 
plegen; de jPm/^' von puffen; jö Präiic von präiiven, probiren, prüfen; 
jö Prung von prungen, tauschen; de Riljdd von räjdden, ratben, 
errathen ; de Rälnv von riwwen, reissen ; jö Räihs von räisen, reisen ; 
de Rinn von renen, regnen; de Ridd von ridden, reiten; jö Rull 
von rnllen; jö Rähg von ragen, n. d. raaken, dän. at rage; jö 
Säjk von säikken, suchen; dät Säjd von sim, säen; dät Sägt von 
sägten, zielen, 2. dät Sägt vom Adj. seg-f, seicht, die Seichte in 
einem Acker, kleine Niederung; dät Sill von sillen, fliessen, trei- 
ben V. n.; jö Shäiijn von shäien, geschehen; de Shär von sheren, 
scheren, schneiden; de Shin von shenen, scheinen; de Shöt von 
shijtten, schiessen, i. mit dem Gewehre, 2. der Schössling z. B. 
einer Weide, einer Haselstaude; jö Shiehs von shiescn, scheiden; 
dät Shöm' von shaamen, schämen; jö Shöhl von shölen, sich ber- 
gen vor Ungewitter, Schutz suchen, 2. furchtsam herumschlei- 
chcn, um nicht entdeckt zu werden; dat Shöf von shöwwen, vor- 



78 

schieben; jö Shrdft von slir'nvwen, schreiben; de Shräi von shräien, 
schreien; jö S/iräiv von shräwcn, schaben, scharren; de Släg von 
sluhggen, schlagen; de Slieck von derselben Wurzel; jö Släjnk 
von shlainken, schlucken, schlingen; jö SUng von slingen, schleu- 
dern; dät Toot von tijtten, laut schreien, tosen; de T/iög von 
tien, ziehen; jö Wägt von ivegen, wiegen, wägen; jö Wägt 
von Waagen, wachen; jö Waal von wälen; jö Waag von waa- 
gen, wagen; dat Wälrk von wirken; de Wiim von wäien, we- 
hen; jö Well von ivele?i, ausruhen, dän. at hvile; de Wräst von 
wrilissen, dän. at vride; jö Wäig von wäigen, auf und nieder wip- 
pen auf einem Brette, in einem Boote schaukeln; jö Stjäui von 
stjäiijen, in einer Schaukel; jö Wiilir von ivehren, \. sich wehren, 
2. abwehren, daher jö Wälir 1. die Gegenwehr, 2. Kraft, Stärke; 
de Wänsh von wänshen, wünschen; dät Bali, dat Bilt von hüten, 
beissen; jö Blähs von blasen, flammen, v, intr. , dän. at blusse, 
engl, to blaze, Subst. et Blus, a blazing; dat ßör von boren; dät 
Brak von bregen, gebrechen; de Brägh , de Brälk, de Bvöhk von 
bregen, brechen; jö Braalis von braasen, braten; de Brand, jö 
Brävjnn von brännen, brennen; jö Daahs, jö /)w/«s von cluhggen, 
thun; de Döws von dönsen, tanzen; de Drönk von drainken, trin- 
ken; de Drück von drücken, drucken; de Druhm von driemen, 
träumen; jö Färf von faren; de Fängst von fangen, fangen; de 
Frösf von friesen, frieren; dat Fri// von fresen, sich einfressen; jö 
Gaahs von gißten, giessen ; de /fäw von häwwen, hauen ; de Wärk von 
wärken, auch ivärrigen, schmerzen; de Knall von knallen; de AVic/i 
von kregen, kriegen; de LäcÄ; von lacken, lecken, leck sein; jö 
Lien von lienen, n. d. lenen, leihen; dat Pack von packen, 1. zu- 
sammen packen, 2. sich packen; jö /Ja?* und jö Rö von rauen, ru- 
hen; dät iiiess von riesen, dän. at reise sig, engl, to rise, to raisc; 
rudden, dät Riidd, s. o. ; dat Shjärd von slieren, scheren, schnei- 
den; dat Shöf s. 0. dat Sliüff, dat Ä'/n// von shöwwen, schieben; 
de Wdink von ivainken, winken; jö Waait von waaiten, winken; 
jö Spaait, de Spaait von spaaiten, spritzen; jö Slähiv von släwen, 
schleppen; de -S'näÄs von snesen, schneiden; dät Snöf von snüiv- 
loen, schnieben; dat Spdtt von spdhsen; de Spring von springen; 
de iS/äAr/ von siegen, stechen; dät Sffc/c von stegen, stecken; jö 
Spann yon spännen , spannen; dät Späi, auch Späiling , von späien. 



79 

speien; jü Stjürr von stjürrcn, steuern; de Spärk von spärken , 
slossen mit den Füssen; jö Själl von själlen, gleichen; dat Sjö/in 
von sim, sehen; dät Sjö/mk von sien, sehen; de Splähs von splU- 
ten, spleissen; de Slamp, jö Stämp von stämpen, stampfen; jö 
Slradd von slrädden, grätschen, engl, to stride; de Slijtt von sUjl- 
ten, stossen; de Slridd von stridden, streiten; de Sldip von släi- 
pen, schlafen; jö Siviep von swiepen, dän. at svöbe, engl, to swaddle, 
einwindeln; jö Önturd von önturden, antworten; jö Sivär von swä- 
ran, dän. at sväre; de Tijnst von ticnen, dienen; de Trähs, de 
Trälis von tresen; jö Trmv von trätven, traben'; jö Twöng von twin- 
gen, zwingen, dän. at tvinge; jö W'mn von ivmnen, winden; jö 
Drägt von dregen, tragen; de Stank von stjönken, stinken; jö Sigt 
von sien; dät Töch von tien; de Smälis von smitten, schmeissen; 
jö ^gt von ägten, achten; de Ndck von nacken, nicken; dät Spät 
von späten, spotten; jö Pägt von päglcn, pachten; de Wägs von 
ivägscn, wachsen; de Strulimm von str ihnen, strömen; dät Shöm 
von 5/mamew, schämen; de Strägh von stricken, streichen; dät Bödd 
von bijdden, bieten; de Knapp von knappen, knipsen, schnellen, 
also: der Knips, der Schneller; de Fünst von finnen, finden; de 
Shridd von shridden, schreiten; dat Smeel von smelen, lächeln, 
dän. et Smiil von at smile; dat Spdll von spälen, spielen; de 
Spring von springen; de Stand von stänjnnen, stehen; de Bjäws 
von bjdwscn, bellen, dän. at bjäffe; dät Löf \on löiven, \. loben, 
2. versprechen (einem etwas) dän. at love; de Hä/ts von hähsen, 
hassen; de Shrdck von shracken, schrecken; dat oder jö ^rw von 
ärwen [ihrwcn] erben; jö Bugt von bic-en, biegen; de Rebb von 
rebben, rülpsen, dän. at räbe; da Nucke pl. , von nocken, dän. at 
hikke, schlucksen, engl, to hickup; dät Kiff von kiwiven, keifen; 
de Kamp von kempen, kämpfen; de Glälis von glidden, gleiten; 
jö Fäifts von fäjdden, dän. at föde, ernähren, engl, to feed, a 
food; jo Häitv von Iiäiiven, wähnen, vcrmuthen; jö Kloß von klie- 
iven, klieben; jö //// von ililen, eilen; dat S/irubb von shrubben, 
kratzen, die Krätze; de Berigt von bäirigen, bergen; jö Bäick 
von bäicken, beuclien; de Stäp von stüpen, stapfen; de Hack, jö 
Hack, von hacken, hacken; jö Läjtt von läjlten, lassen; de Bjärst 
von bjärsten, bersten; jö Bräjdd von bräjdden, brüten, engl. 



80 

lo brood und to brecd; jö Lö/ir von lören, (lörren) lauern; de 
Graup von grewen, engl, groop '. 

§. 1)7. Folgende endigen sich aulc, als: de Luwe von liewen, 
glauben; de Spräike von spregen, sprechen; dat Alise von ähsen, 
essen; dat Drdinke von drainken, trinken; de Spilisse von spihs' 
sen, speisen; de Ihre von ihren, ehren; de Tjöge von tjögen, 
zeugen, der Zeuge; de Tagte von tanken, denken; de Fräthe 
von fresen, fressen; de NJütte von njütten, nutzen; de Läne von 
länen, lehnen; de Söpke, von süppen, nd. supen, saufen; de Grä- 



* Dät Bitt, ein gehauenes Loch im Eise (eine von selbst o£fen 
gebliebene Stelle ist: jö Wdnwaag, die Wuhne); däl Batt , die Pfei- 
fenspitze; de liähs, 1. der Biss, 2. die Schärfe einer Schneide; jö 
Daahs, die That; jö Düjns, viel Wesens; de Drück, der Druck 
eines Buches, drücken ist krögen; jö Greft, ein Graben um den 
Warf; dat Lddd, die Stürze, Topfdeckel, zum Pfeifenkopf: dät 
Hütt, sonst de Dackel; jö Bau und jö jRö sind völlig gleichbedeu- 
tend; dät Biess wird gewöhnlich nur von Hausthieren gebraucht, 
die nicht mehr aufstehen können, als: jö Ko as fönt Biess, die 
Kuh ist von den Beinen; dät Shuf, eine Gabengarbe. Wdinken 
und waaiten sind beide winken, sind aber nicht völlig gleichbe- 
deutend. Waaiten kann nur mit der Hand und dem Arme, mit 
dem Hute, einem Tuche und dergl. geschehen; wdinken dagegen 
auch mit einem Finger, mit den Augen, und de Wdink kann 
sogar durch Worte gegeben werden. Jö Waait, die Winke, ist 
ein weisses Laken auf einer Stange an einem Ende des Hauses 
aufgestellt, um damit die Arbeiter vom Felde nach Hause zu 
winken, wenn die Hausfrau das Essen gekocht hat. De Sndhs, 
ist l.eine Schnitte Brot, 2. der Pfiff; daher sndhsig , pfiflig, schlau. 
Dät Stick ist der Griffel, Schieferstift; jö Spann, die Spanne, dat 
Spann, das Gespann. Jö Stjürr, hüjll Sijürr! halte Steuer, oder 
steure der Unart, dän. hold Styr. Själlen ist mh licknen ver- 
wandt, und wird so gebraucht: dät sjället jd nint, oder dirr as nijn 
Själl äiijn, es gleicht ja nichts, ist kein Sinn darin. Dät Sivijtt 
\on stvdttcn, schwitzen, wird auch vom Blute geschlachteter Thiere 
gebraucht. Onlurden und sivären, so wie jö Önturd und dat Sivar, 
sind sinnverwandt. De Trähs, der Tritt, däTrähse, die Trethölzer 
am Webstuhle u. s. w. De Strähg , i. der Strich, 2. der Streich; 
de Glähs: nö ds 'tdw'e Gldhs, dän. nu er det paa Glid , nun ist es 
auf der Gleite, nun geht's. Jö Kluft, etwas Drolliges, Possierli 
ches; de Berigt, die Ernte; jö Läjtt, jö släit so to Läjtt, sie ge 
behrdet sich so zum Scheine, dass es lassen soll, als ob u. s. w 
Jö Bräjdd, 4. die Brut, als: en Bräjdd Sjöcklinge, eine Brut Küch 
lein, 1. engl, brood, 2. to breed, 2. die Braut, nd. Brut, dän 
Brud, engl, bride. Loren und lörren, so wie jö Lahr und ']öLörr, 
lauern, die Lauer, sind in der Bedeutung nicht verschieden. 



81 

we von grippen, nd. gricpcn, greifen; de Bare von bereu, alld. 
baren, dän. al bare, nd. boren, engl, to bear; de Böge von bien, 
biegen; de Dümpede von dumpen, — ; de Frage von fragen; de 
Plage von plagen , — ; de Fräude von fräuen ; de Röive von riiviven , 
reissen, kratzen; de Pähse von passen, pissen; de Graushe von 
gräien , wachsen , dän. at groe , engl, to grow ; de Klage von klagen ; 
de PJärse von pjärsen, pressen; de Slälise von slülden, schlittern, 
glitschen; de Slörre von slörren, hinstehen lassen; de Smäge von 
smagen, schmecken; de Swöme von sivömen, schweimen; de Laiike 
von laiiken, lugen; de Gaave von gäiven, geben; da Wäivle pl., von 
wewen, weben; de Döjnte von duhggen; de Rüge von ragen, nd. 
raaken, dän. at rage, engl, lo rake; de Stippe von stippen, stüt- 
zen ; de Krömpe von krömpen, krumpfen ; de Gäre von garen, 
gären; de Knote von kneten; de Kempe von kempen, kämpfen; de 
SItäse von sliäsen, schaden; de Bere von fceren, gebehrden, pl. da 
Bere, die Gebehrden; de Stäpe von stäpen, stapfen; de Jewe \on 
jewen, in Näiihrsjewe, Neujahrsgabe; de Färe von fären, die Ge- 
fahr; de Mäjtte \on mäjtten, messen; de Liewde von liewen, lieben; 
de Rese von 7'esp«, Rede stehen; de Spijlle von spijllen, dän. at 
spile , aufspeilern; de Tage von /cAe«, decken, ein Dach legend 
§. 58. Nur wenige endigen sich auf en , ent und el, als : dat Wäsen 



1 Liewen ist sowohl glauben als lieben; das sinnvollste Wort in 
der nordfriesischen Sprache, denn aus diesem Worte bildet sich 
de Liewde und de Liiwe, die Liebe und der Glaube, aus einer 
Wurzel, im Friesischen als unzertrennliche Brüder, ins Deutsche 
übersetzt als untrennbare Geschwister. Ich habe mich nicht ent- 
halten können, diese Bemerkung zu machen. Im Friesischen sind 
beide männlich , und also Brüder, im Deutschen männlich und weib- 
lich, daher Geschwister. Liewen, glauben und lieben, ist im Frie- 
sischen eins durch alle Zeitformen des Verbums. Gott gebe, dass 
es auch durch alle Zeilen und bei allen Völkern bis in Ewigkeit 
so wäre, und Menschenthum und Christenthum nur Eins sein möch- 
ten ! — Dumpen , sich rücklings niederwerfen , daher de Dümpede. 
De Slälise, der Schlitten. De Slörre, das Schlendern, die Fahr- 
lässigkeit. De Laiicke, der Blick: Iie het aji ßlen Laucke , er hat ei- 
nen bösen Blick, man sieht's ihm an, dass nichts Gutes in ihm 
steckt. De Bäge von ragen, i. zur Seite oder herunlerschieben, 
2. herumtappen, wie im Finstern, 3. rasiren , scheren, 4. faseln, 
von Kranken, die irre sind. In der letzten Bedeutung sagt man 
von irreredenden Kranken und Sterbenden; Dül as äwen Rage ma 



82 

von Wesen, sein; jö Lägen von Ijaagcn , lügen; dat Läwent von 
läwen, leben; de Kraingel von kringen, die Kringel, Brätzel; de 
Swämgel von sivingen; dät Kriiwel von krmveln, kriechen; de Rakel 
von reken, recken; de Grüppel von grewen, graben; jö Häwel, der 
Hobel, von häwen, heben; dät Räiel von räien, aneinander reihen, 
daher de Räiträjd, der Reidraht; dat Spännräiel, Spinnenwebbe ; 
de Tögcl von tien, ziehen; de Rögel von bien, biegen; jö Spdndel 
von spannen, spinnen; de Dackel von dacken, decken; jö Kapsel 
von kappen; jö Raingel von raingeln; de V^äcÄ-se/ von wacksein, 
wechseln *. 

§. 59. Folgende endigen sich auf ing und ling , als: jö Hijlling 
von hiijllen , halten , die Nachgeburt bei Thieren ; dät Wälling von 
wällen, aufwallen am Feuer, dän. Velling, dünne Grütze, Milch- 
suppe; de Pläfisr'mg von pläsern, plätschern; de Knöivring \on knö- 
wem, knopern; de Wällering von wällern, wällern; dal Tällng von 
tälen, hillen, die Hille legen; de u/rwing von ärwen , erben; jö 
Tiekning von tieknen, zeichnen; jö Liesin g , wie in Wä/iserliesing , 
die Wasserlösung, Wasserleitung, von liesen, lösen; jö Shiesing von 
shiesen, scheiden, wie in Lönshiesing , Land- oder Feldscheide; jö 
Gräwing von greiven, graben, ein grosser Wassergraben um den 
Warf, »de Wäii'ew", und ein Bach im Risummoor, der in Lind- 
holm jö Lönshiesing genannt wird. Ferner: jö Rüing von büen, 
arbeiten, der Frühlingsfeldbau; jö Rähsring von bähsern, bessern; 
jö Hijlling von Mjllen, neigen ; jö Dicling von dielen, iheilen ; jö Tering, 
Täring von tcrcn, zehren; jö Hieling von kielen, heilen ; jö Aaning von 
aawew, ahnen; jö Dölissing yon döhssen , deuten; jö Annering von an- 
nern, ändern; jö Näring von neren, nähren; jö Rädning von radden, 
reiten; jö Ißming von ijnnen, enden; jö Apdeging von apdegen. 



kam, er faselt schon; ferner wenn ein Zustand oder die Lage eines 
Menschen sich vcrschlinuncrt. De Stäp, ein langer Schritt, der 
Siapf; de Stäpe, der Eindruck vom Fusse, die Stapfe. Kneten ist 
einen Knoten schürzen; knesen, kneten, den Teig bearbeiten. Jö 
Mäjtt , ist das Maass , de Mäjtte , die Maassc, wie in : über die Maassen , 
mit Maassen; Inder Redensart: toMäjüe kamen, ist es: übel anlau- 
fen , wenn man z. B. einen werthvollen Gegenstand beschädigt oder 
zerbricht. 

' Die unter §. 4G angeführten Wörter auf ehe, als: Tdckelse, 
Tünnelse u. s. w. sind alle zeilwörtlicher Abstammung. 



85 

entdecken; jö Regienng von regieren; jö Stiering von stieren, stö- 
ren; jö Forlclli7ig von forlollen, erzählen; jö Telling von teilen, 
zählen; jö Betäling von hetälen; jö ßeställing von bestallen, bestel- 
len; jö Forstöpping von forstöppen, verstopfen; jö Forsägling von 
forsägeln, versiegeln; jö Sijnning von sijnnen, senden; jö Wij?i- 
ning von wijnnen, wenden; jö Apfäiring von ap fairen, aufführen; 
jö Beräiring von beräiren, berühren; jö Beshaaming von beshaa- 
men, beschämen; jö Beswäring von beswären , beantworten ; jö 
Rähkning von rägnen, rechnen; jö Ldnnering von lannern, lindern; 
jö Tieing von tie-en, ziehen; jö Sclting von selten, setzen; jö Aujn- 
wihssing von äujnwihssen, anweisen; jö Fordring von fordern (for- 
digen); jö Stdlling von stallen, stillen; dät Ställing , das Gestell, 
Gerüst; jö Gjärsing von gjärsen, grasen und grasen; jö Beshriio- 
wing von beshriwwen, beschreiben; jö Betiening von betienen, be- 
dienen; dat Späiling von späten, speien. So auch aus: formaanen, 
ermahnen; forwunnern, verwundern; mienen, meinen; fairen, füh- 
ren; feilen, füllen; kieren, kehren; spännen, spannen; öiven, üben; 
wihssen, weisen; begeren , begehren; bes/ieren, bescheren; mal- 
den, melden; Innen, lohnen; li'men, löhnen u. s. w. In einzelnen 
Fällen, wenn die Stammsilbe des Zeitwortes sich auf d oder t 
endigt , wird der Endung ein n vorgeschoben , wie in Rdddning 
von radden, Forivältning , Foräujnstaltning , was aber selten vor- 
kommt '. 

§. GO. Folgende endigen sich auf er , als : de Driwwer von 
driwwen, treiben. So auch aus: shriwioen, schreiben; rögten, rich- 



1 Hijllen, dän. at beide, im Oberdeutschen halden , sich nei- 
gen, daher nun: jö Tänn läil aw'e Ilijlling, die Tonne liegt auf 
der Neige; das zweite hijllen, von jö Hijll , die Heide, Halte, 
Fussfcssel der Pferde, ist: den letztern dieselbe anlegen. Jö Te- 
ring wird auch für Auszehrung gebraucht. Jö Näring , i. Nah- 
rung überhaupt, 2. guter Erwerb, Verdienst u. s. w. i'o Bestdlling 
gilt sowohl für Bestellung, als Bestallung eines Beamten. Dat Stdl- 
ling von stdllcn, stellen, als dat Swdckstdlling , das Zweckgestell 
einer Windmühle. Spdiling ist das Ausgespieene; dat Späiling 
von späilen, spühlen, ist das Spülicht, dän. Spöl (1. Spöhl). Be- 
sheren ist 1. bescheren, miilheilcn, geben, 2. bescheeren mit dem 
Scheermesser oder überhaupt beschneiden. Spännen ist von spän- 
nen, spinnen, wohl zu unterscheiden, so wie jö Spann, die Span- 
ne, von dat Spann, das Gespann. 



84 

len; kännen, kennen; spälen, spielen; sömmeln, sammeln; lesen, 
lesen; prälen, prahlen; jrtrfrfen, jäten: liieren, hören; stieren, stö- 
ren; Heren, \. lehren, 2. lernen; fdgten, fechten; dregen, tragen; 
dönsen, tanzen; dräien, drehen; röchen, rauchen; smoken, schmau- 
chen; slägfcn (slägtigen) schlachten; süppen , saufen; draijiken, 
Irinken ; ähseti , essen ; rädden, retten ; mingen , i . mengen , 2. zaudern ; 
njäsen, säumen, zaudern j tjäsen, schwatzen, waschen. Ferner: de 
Tjdwler, der Zänker; de Kreger , der Krieger; de Bonner, der 
Flucher; de Sliijnner , der Schänder; de Tanker, der Denker; 
de Maler , der Mahler ; de Mäjtter , der Messer ; de Släiper , 
der Schläfer; de Brauner, der Brenner; de Leser, der Leser; 
Lauwer , der Lader , von lamven, Garben und Heu auf dem 
Wagen zu einem Fuder bilden ; de Bdggei- , der Bauer von 
Gebäuden (der Ackermann ist de Bürre); de Händler, der Händ- 
ler; de Bedreger, der Betrieger; de Gnieser, der das Maul verzerrt; 
de Springer ; de Läker, der Lacher; de Helper, der Helfer; de Slip- 
per, der Schleifer; de Stricker, in Lönstricker, der Landstreicher; 
de Driemer , der Träumer; de Fräier, der Freier; de Kläger, der 
Kläger; de Brauer, der Brauer; de Stijtter, der Stösser; de Sie-er , 
der Seher; de Sjunger , der Sänger; de Tiener , der Diener; de 
Pägter, der Pächter; de Tjärs/icr, der Drescher; de Mager, der 
Macher; deGijtter, der Giesser, u. s. w. Man kann in diesen Haupt- 
Avörtern eben so leicht das Zeitwort wieder erkennen, als das 
Hauptwort aus den vorigen Zeitwörtern bilden. 

§. 61. Folgende, derselben Wortbildung angehörig, sind in 
Form und Bedeutung mehr oder weniger unregelmässig, als: de 
Liiper von lupen , reg. de Löper von hipcn, laufen, das Schnellkü- 
gelchen, der Schüsser; de Setter von settcn, setzen, i.der Setzer, 
2. eine flache Milchschüssel, nd. die Satte, Sette; de Ljögter von 
ijügten, die Leuchte, dagegen ist der Leuchter: de Stäujnner von 
stävjnnen, stehen, also wörtlich: der Steher; de Gljärder von glid- 
den, gleiten, der Brotschieber der Bäcker; de Plumper und de 
Pulsher von plumpen und pulshen , die Störstange; de Wihsser von 
wihssen, der Weiser überhaupt, wie in Wäiwilisser, Wegweiser, 
2. der Zeiger an der Uhr; de Stornier, der Ständer, von stäujnnen; 
de Twitter von Iwittcn, schnitzen, der Schnitzer: en flinken Twitter , 
ein flinker, junger Bursche; de Böger von bögen, klopfen, bläuein, 



8Ö 

der Bläuel zum Bläuein der Wäsche; de Kluseböijer , auch der 
Klopfer oder Hammer an einer Thür; de Slicrer von slterc7i , schnei- 
den, wie in Faas/ierer, Vorschneider; de Slijärder, der Schnitter, 
aus derselben Wurzel; de Fäger von fägen, rasch von der Hand 
arbeiten, dän. at figc, mit der Arbeit eilen; fägen ist fegen, daher 
de Fäger, z.B. in Shörstijnfäger , Schornsteinfeger; de Slömper von 
stämpen, stampfen, der Ladestock; de Ridder von ridden, 1. der 
Reiter, 2. der Ritter, 3. das Reitpferd; de Rötter oder liüller, der 
Reuter (Husar); de Ringster von ringen, läuten; de Ränsler von rä- 
nen, rennen ; de Grewster von grewen, der das Grab gräbt ; de Wäivster 
von wewen, weben; de Häjnger, der Henker, von hingen; de Drön- 
ker, der Säufer, von dräinken, trinken; de Süpper von süppen, 
saufen, dasselbe; de Teller, der Zähler, von ^e7/ew , zählen ; de Ndn- 
ner, der Nenner; dät Tänner, der Zunder, von tijnnen, zünden, 
dän. Tönder, engl, tinder; de Kieker \on kieken, gucken, daher das 
Fern- oder Sehrohr; de Jäger von jagen; de Maurder, der Mörder, von 
mjärden, morden; de Shruoher, der Kratzbesen, von shrubhen, krat- 
zen ; de Shicker von stucken , und dieses wieder von sluck , niederge- 
schlagen; de erme Slucker , der arme Schlucker; de Slubber, ein 
Scheltwort von Sliibb, dünner Strassenkoth, daher slubbern, wie 
die Enten im Schlamme, von Menschen gebraucht für schlürfen, 
ddn grolle Slubber! du grosser Kothhahn! oder so was; de Racker , 
der Bäcker, von tagen, backen *. 

§. 62. Die Nachsilbe äi, deutsch ei, dän. und nd. ie. Sie hat 
dieselbe Bedeutung wie im Deutschen und Dänischen , und ist 
meistens sächlich; nur da, wo sie den Ort der Handlung oder 



* De Kiltring, dän. en Kjeltring , wollen einige von dem alten 
Volke der Gelten oder Kelten herleiten. Im Friesischen hat man 
das Zeitwort kiltern, sich auf eine grobe Art mit einander herum- 
zanken und dabei überhaupt eine gemeine Denkweise verrathen; 
wie Hunde und Katzen mit einander leben. Solche Leute sind 
im Nordfriesischen: Killringe. In der Schweiz heisstdas sogenannte 
Fenstern (im Friesischen: dä.1 Nägtlupen) kiltern, und der Killer 
oder Fensterer geht auf den Kiltgang, auch Heimgärteln genannt. 
Obgleich nun das Fenstern auch bei den Friesen Sitte ist, so hat 
es doch mit dem Begriffe Kiltring nichts gemein, und ich muss 
daher die wahre Abstammung des Wortes hier unentschieden las- 
sen. Die Zigeuner in ihren Kneipen stellen ein wahres Bild von 
Kiltringcn dar. 



86 

den Umfang der Ausübung eines Rechtes bezeichnet, steht das 
weibliche Geschlecht, als: jö Lönshriwweräi, die Landschreiberei; 
jö Braneräi, die Brauerei; jö Lönfaagedäi , die Landvoglei ; jö 
Sukkerkögeräi , die Zuckersiederei ; jö Prdwstäi, die Probstei; jö 
Mäleräi, die Malerkunst; jö Präjtäi, die Predigt; jö Wäweräi, die 
Weberei; jö BauMrücheräi , die ßuchdruckerei ; jö Backeräi, die 
Bäckerei; jö Slaaweräi als Aufenthaltsort, sonst dät Slaaweräi; 
dät Bedregeräi, die Betriegerei; dat Spöteräi, die Spötterei; Tjaa- 
seräi. Schwätzerei; 5/iereräi , Koserei ; Smereräi, Schmiererei; Sldc- 
keräi, Näscherei; Baaseräi, Raserei; Mingeräi, Zauderei; Däsige- 
räi, Albernheit; Haxeräi, Hexerei; Drilleräi, Prellerei; Tjdiveläi, 
Zänkerei ; Ruwcräi , Räuberei ; Tliieweräi , Dieberei ; Driemeräi , 
Träumerei, u. s. w. Die sächlichen Hauptwörter auf äl führen 
meistens den Begriff der Geringfügigkeit, wenn nicht gar der Ver- 
ächtlichkeit mit sich, was bei den weiblichen nicht der Fall ist. 
§. 65. Aus dem Infinitiv jedes Zeitwortes kann man, wie im 
Deutschen, durch Vorsetzung des Geschlechtswortes dät, ein Haupt- 
wort bilden, als: dät Laken, das Lachen; dat Dräinken, das Trin- 
ken; dät Släipen, Gängen, Sjungcn, Shriwiven, Lesen, Tiesen (aus- 
einanderzupfen, dän. at täse) ; dät Gniesen (Maulzerren); Driemen, 
Träumen; Ringen, Läuten; Lieren, das Lehren und Lernen. Diess 
gestattet der Infinitiv eines jeden Zeitwortes ohne Ausnahme. 

Bildung des Hauptwortes aus Bestimmungswörtern. 

§. 64. Auch aus dem Bestimmungsworte (Adjectiv) lassen sich 
durch den blossen Vorsatz des sächlichen Geschlechtswortes Haupt- 
wörter bilden, als: dät (jjll an Näi , das Alte und Neue; dät 
Witt an Suhrt , das Weisse und Schwarze ; dät Wäjtt , das Nass , 
dagegen de Wäjl , die Nässe , ä\i]n e Wäjtte , im Nassen ; dät Aien 
as bähsere as dät Främd , das Eigne ist besser als das Fremde; 
dat Bögt, das Recht; dät Diej) , die Tiefe; dat Gäujd , das Gut, 
U.S.W. Aus Fürwörtern und allgemeinen Zahlwörtern: dät Min 
an Din , das Mein und Dein; dät FaaJe an dat Läiet, das Viel 
und Wenig; dät Sin an Hdrr , das Seine und das Ihre. Aus dem 
bestimmten Zahhvorle gehen die Namen der Zahlzeichen hervor, 
als : jö Jjn , jö Tfmg , jÖ Tric , jö Fjauer , jö Ficw , jö Segs , jö 



87 

Saawen, jö Aagt, jö Njögcti, jü Tien. — Andre Bildungen aus dem 
Zahlworte sind : de DnlUng , de Segsling , de Fierding , als Land- 
und Tonnenmaass ; dat ^gendijl, das Achtel , als Maass ; bei Bruch- 
iheilen setzt man Dijl , Theil, statt des Deutschen tel , als: ein 
Tredendijl , ein Drittel; en Ficrdendijl , Füßendijl, Segstendijl , 
u. s. w. Hier wäre es aber bequemer sich der deutschen Endung 
tel zu bedienen und dät Tredel, Fierdel, Füftel, Segstel, Saawen- 
tel, Aachtel , Njögcntel , Tiendel zusagen. De Twännling und de 
Trannling , der Zwilling und der Drilling , entstehen aus den Zahl- 
wörtern ttvdnne und tränne, dän. tvende og trende, zwei und drei. 
Aus dem bestimmungswörtlichen Bezeichnungen der Him- 
melsgegenden : ästen , ivesten , sülissen , naurden , entstehen erst- 
lich die Hauptwörter : dät ^sten , dät Westen , dät Sühssoi , dät 
Naurden , als : dät läit äujnt ^sten , Westen , u. s. w., es liegt 
im Osten, Westen, u. s. w. Der Ost, West, Süd und Nord, sowie 
der Osten , Westen , Süden und Norden , heissen : de u4ste , de 
Weste, de Sühsse, de Naurde. Anwendung: Dö shälit widdere tö't 
uisten, tö't Westen, Sülissen an Naurden, du sollst weiter nach 
dem Osten, Westen u. s. w. Ick gung dm'eu/ste, dm'e Weste, 
dm'c Sälisse, dm'e Naurde, ich gehe gen Osten, Westen u. s. w. In 
zusammengesetzten Ortsnamen endigen sich diese Wörter häufig 
auf er, als: ^ster , Wester, Sühsser, Naurder , wie ^stei'S7iotebüll, 
Westerhäwer , Sülisserläigem , Naurderhölt , wie im Deutschen : 
Oster-, Wester-, Süder-, Norder-. Diess ist jedoch nicht immer 
der Fall. — Die Adjective östlich , westlich , südlich , nördlich , 
heissen : ästlick , westlich , sühsserlick und näurdlick , aber auch 
ästerlick, westerlick , sühsserlick, naurderlick d.i. ein wenig nach 
Osten , Westen u. s. w. Süd ist im Altfriesischen Soss , wie noch 
in : Sossrihssem , Südriesum , und Sossionhalm , Südlindholm, 

Das Geschlecht der Hauptwörter. 

§. 65. Das Geschlecht der Hauptwörter besieht in der Eigen- 
thüralichkeit derselben , sich ausschliesslich mit einem der drei 
Geschlechtswörter de (der) , jo (die) , dät (das) zu verbinden ; die 
Mehrheit für alle Geschlechter ist dd (die). Hierüber lassen sich 
nur wenig bestimmte, meistens nur sehr allgemeine Regeln geben. 



88 

Im Allgemeinen gilt, dass ein Hauptwort, welches einen Gegen- 
stand bezeichnet, der ein natürliches Geschlecht hat, sich auch 
in der Sprache nach diesem Geschlechte richtet , als : de Mann , 
de Kräjddcr , de Käser (Käsere), de Wjäii, de Römm , de Bulle, 
de Sliriwwe7', de R6gte7\ de Shjärder u. s. w. , der Mann, der 
Hahn , der Kater , der Wirlh , der Widder, der Stier, der Schreiber , 
der Richter, der Schnitter, u. s. w. Ebenso: jö Hänn,]'6 Gaus, 
jö Wöß' , jö Ko, jö Fömmen , jö Bräjdd , jö ^nert , jö Tiveg u. s. w., 
die Henne, die Gans, das Weib, die Kuh, das Mädchen, die 
Braut , die Ente , die Quäne oder Färse, Ausnahmen machen 
hier: dät Sliäip , das Schaf; dät Ajk , die Stutte ; dät Geck; dät 
Mansch, das Mensch; dät ^nnerling , ein ein- bis zweijähriges 
Mutterlamm , und dät Ailanmm . ein Mutterlamm unter einem 
Jahre. 

Bei Thieren wird oft die Gattung und das Geschlecht zugleich 
bald durch ein männliches , bald durch ein weibliches Hauptwort 
bezeichnet, als: de Hünn, de Hdjnst, jö Hänn, jö Gaus, ]ö^ncrt, 
jö Kätt, u. s. w. Die Mehrheit lautet: da Hünne, Hdjnste , Hanne, 
Gäis, u/nerte und Kälte. Sie bezeichnen in der Einheit das männ- 
liche oder weibliche Geschlecht und auch die Galtung, aber in 
der Mehrheit nur diese allein. Beispiele : De Gramv hält manning 
Hünne , der Graf hält viele Hunde ; he het aagtäin Hdjnste mv 'e 
Stall, er hat achtzehn Pferde auf dem Stall; dd Hanne sdn all 
äiv 't Räch , die Hühner sind schon auf der Latte ; mjarne shdn 'e 
Gäis slägtigt worde , morgen sollen die Gänse geschlachtet werden; dd 
inerte kaane jdm sellew nere, die Enten können sich selber nähren ; 
da Kälte fange Müss, die Katzen fangen Mäuse. Bei andern wird 
die Gattung auch in der Einheit nur allein bezeichnet, wo man 
dann, wie auch in den vorstehenden Fällen, für das Geschlecht 
besondere Namen hat. Reine Gattungsnamen sind z.B. dät Stvinn, 
dät Griss, dät Shäip, dät Fäll, dat Bjdrn , dät Nüjtt, dät Bäist, 
dät Rähser, das Schwein, das Färkel, das Schaf, das Füllen, das 
Kind, das Rind, das Vieh, das einjährige Kalb, und dät Kulew, das 
Kalb, so wie auch dät Rce und dät Hjört, das Reh und der Hirsch. 
Wir wollen hier zuerst diejenigen anführen , welche den Gat- 
tungsnamen mit einem der Geschlechtsnamen gemein haben , und 
darnach diejenigen , welche allein besondere Gattungsnamen und 



89 

Geschlecbtsnamcn führen. Geschlechts- und Gattungsnaine zu- 
gleich, entweder männlich oder weiblich, sind: Jö Uänn, m. de 
Kräjdder, der Hahn, der Kräher; jö Gaus, de Gönner, engl, goo- 
se, gander; jö ^nert, m. de Urder , der Erpel, Enterich; dät 
Shäip, m. de Uömm, der Widder (de Wähser oder Wähsere ist der 
Hammel oder Schöps) ; jö Kätt , m. de Kä/tser oder Kahsere ; jö Döivw , 
m. de Doffer , der Tauberich; de Hünn, w. jö Tähw, die Tiffe, 
Petze, u. s. w. 

Gattungsnamen und Geschlechtsnamen mit verschiedenem Ge- 
schlecht: dät Swinn, de Örne, jö Söhg, Schwein, Eber und Sau; 
dät Nüjtt, dät Bälst, de Bulle, jö Kö', Rind, Stier und Kuh; 
de Hdjnst , de >Fri;«S/^e , dät Aik , Hengst und Stutte ; de 
Mänshe , Mensch, de Mann, jö Wöff, Mann und- Weib; de Kdr- 
men , jö Wüssed, Mannsperson und Frauenzimmer; dat Bjärn, 
Kind, de Dring, jö Fömmen, Knabe und Mädchen; de Jüngling 
oder de Jungmönn , jö Jümfer , der Jüngling , die Jungfrau ; 
da Spsshene, die Geschwister, de Brauser, jö Sästcr, Bruder und 
Schwester; da ^llerne, die Eltern, de Fidder , jö Mudder, Vater 
und Mutter; de Sahn, jö Dögter, die Kinder in Beziehung auf 
die Eltern; da Stjäpällerne, die Stiefeltern , de Stjäpfidder , ']ö Stjäp- 
mudder; Stjäpbjarne, Stiefkinder, de Stjäpsahn , jö StjäpdSgtcr; Hal- 
lewsösshene , Ualhgeschwisler, de Halleivbrauser, ]6 Hallewsöster ; da 
Förlöwede, die Verlobten, jö Bräjdd, de Bredgöme, Braut und Bräu- 
tigam; jö Wähs, de Wädder oder Wadderne, Wittwe und Witt wer; 
jö ^hl, die Grossmutter, de ^ttc, ^Itähte, Grossvater; de Ohm, 
der Oheim; jö Mädder, die Base, Muhme, Tante; Sösshenbjärne , 
Geschwisterkinder; Sivicgerällerne , de Swiegerfidder, ]'6 Swieger- 
mudder, Schwiegereltern, Schwiegervater und Schwiegermutter; 
de Swiegersähn , jö Siviegerdögfer , Schwiegersohn und Schwieger- 
dochter, und jö Snaar, die Schnur; de' Swaager, der Schwager, 
jö Swiegerinn, die Schwägerinn. 

Anmerk. i. Bei kleinen Vögeln kann man das Geschlecht durch 
He und Jö bezeichnen, und sprechen : dät äs en He untig en Jö, 
das ist ein Er oder eine Sie; oder wie im Niederdeutschen durch 
Heken und Seken , ein Erchen oder Siechen. Jö Sähg , die Ziege , 
hat im männlichen Geschlechte de Sägenbock. 

Anmerk. 2. Der Widder ist offenbar genug das friesische de 

12 



90 

Wältser [Wähscrc), das engl, a welhcr, und das dän. en Vädei^ aber 
immer in der Bedeutung zwischen Widder und Hammel wech- 
selnd. Der ^yiddeI^ dän, en Väder, ist das fries, Römm und das 
engl, ram, in der Bedeutung; und das fries, WäJisere, so wie das 
engl, welher, beissen im Deutschen Hammel oder Schöps, und im 
Dänischen en Bede, Aehnliche Verschiedendeutigkeiten findet 
man häufig in den verwandten Sprachen bei Wörtern von gleicher 
Urwurzel. — Ein verschnittener Stier ist im Fries, de Stier und 
de Ögse, wofür man in der Mehrheit auch das alte Colleetivura: 
da A'xne, dän. Oxen, Oxne gebraucht. Ein verschnittener Eber ist 
de Galt, dän. en Galt, der Borg. Dät Fall, das Füllen; de Plag- 
ge, ein jahriges Füllen, und de Fohle ein zweijähriges. Ein jun- 
ges Gänschen ist jö Gähsling, nd. Gösling, dän. Gjäsling, engl, 
gosling. Das Küchlein ist en Sjiickling, dän. Kylling. 

Anmerk. 3. Unter den Hauptwörtern mit nacktem Stamme 
sind die meisten weiblich, die wenigsten sächlich und die Mittel- 
zahl männlich. So finden wir unter der ersten Sammlung einsil- 
biger Wörter §. 50 , gegen 524 weibliche , 288 männliche und 2G0 
sächliche. Doch kommen auch in dieser Sammlung mehrere ab- 
geleitete vor. Einige der Endungen jener Wörter gehören zwar 
vorzugsweise einem bestimmten Geschlechte an, aber wir finden 
doch fast immer Ausnahmen, als: dät JJll, dät Dijl, dät Fijl, dät 
Gijl , aber jö Hijll; dät Lick, dät Rick, dät Stick, aber de Dick 
und jö Wick; aulis, weibl. als: jö Auhs, jö Danks, jö Praulis, jö 
Raulis; äst, männl. als: de Fräst, de Kräst, de Rast, aber jö 
Lcist; aug, männl. als: de Kravg, de Plmig , de SJiaucli; eess, sächl. als : 
dät Rleess, däi Leess, dätRcess, dät Siveess, dal Gleess, pl. Glähse; 
äst, m. , de Gast, deTwäst; all, w. , de Ball (Tanzball), de Fäll, 
de Stall, aber jö Fäll, die Falle, jö Sali, jö Själl , jö Täll; äi/is, 
w. , jö Rläihs, iö Falks, jö Kläihs, jö Räiks , aber de SäiJis; äujl , 
sächl. als: dät Bävjl, dät Gäiijll, dät Skävjl, däi Mäiijl; äjd, w. , 
jö Rräjdd, jö Gläjd,yö Mäjdd, aber wieder de Räjdd, de Träjdd , 
und dät Säjd; äitjnn, w. , jö Bräujnn, jö Skäiijn, iijö Hmjnn,]ö 
Päujmi, jö Mäujnn, aber wieder dät Läujnn , dat Sänjnn, de 
Siräujnn ; np,m., de Hupp, deKitp, deLnp, deStvp, mKrüdstiip, 
\md in Tjärestvp, die Theermeste ; ans, s., dät Baus, dät Maus, aber 
de Taus, jö Gaus; alt, s,, dät 3/«//, dät Salt, de Galt; dmi , s., dät 



Ol 

Tann, dat Sann, dät Kann , de Sdnn ; inn , m., de Rinn , de Winn, Wind 
und Wein , jo Rinn, die Rinde, dät Litin, der Hosenbund , de S/iinn ; 
dgt, w., jö Bdgt, jö Prägt, jo VFä///, dät .Sä^i; a«c/i , w., jö Krauch, 
iöRaiick, {\a.t Snauck , der Kesselhaken; eel, w.,jö Teel, jö Med, jo 
r?Te/, jö Weel, dat Tiveel; a/i, jö iüf?//, dat Tält,jö Gewalt; nlig , 
dat Fulig, dat Tw/i^, de Gif%; if/, dat ^i//^, d^i Krilt, dal Fritt, 
dät Sliitt; du, dät Fü'7i, Fell und Füllen, de Mi//, de Knall, 
de Sliall; öt, dal Gröt, dal Tot, ]6Röt;ähk, dä.1 ^hk, dal Bralik, 
dät Stahk, dät Snahk; äck, dat Räck, dät PacA;, de iYäfA:, der 
Nick, deMdck, dät Swdck, dal Krack; %s, jö ^ö»«, dät Flägs, dat 
VFäi^s; cS5, dät ^ss, dat Päss; ä/is, de Balis ^ jö Lähs; icp, jö 
5/i^p, jö Knie}), jö Liep, de Pie/j; öpp, de Tö/jp, de Ktiöpp, de 
Nöpp, der Zwack, jö Löp]^, de Kröpp; eck, dät FecA;, dät Ger/.:, 
dat Speck, de 6ecÄ;; m/W, dät Büjtt, dät iVw^'//, Shüjtt, Scliöss, 
dat Rüjtt, deSlüjtt, deKlüjtt; älis, de Glähs, deSplä/ts, jöNälis, 
jö Wäfis; äujtt, de Fäiijtt, de Kläujlt, auch jö Kläujtt, jö Länjlt, 
jö Räujtt, dät Säujtt; äujd, jö Fläujd, jö Läiijdd, de lläujdd , dat 
Mmjdd, dät Gäujdd; urst , jö Burst, de Turst; auck, siehe oben: 
^at Bauck, dat Daiick, dät Snauck, de Dauck, jö Bauck ; ump, ist 
m. , de Rntnp, de Khanp, de Bump, de Slunip, de Dump, aber jö 
Pump; järt, de Stjärt, de VF/'är/, de /ydr^, Furz, aber dät HJdrt ; 
älh, jö LaiA, dät Krath; ärreiv, jö Färrew,]ö Härrexv; äi, iöBdi, 
jö Fmi; dät J5/di, dat 5/äi, dat Sträi, de ßrdi; öck, de Foc/.-, 
de /JocA; , dät X/Oc/c , dät 5/oc/; ; ö?2gf , de Gö?«^/ , de Söw<; , jö Swöng ; dgg, 
jö Bdgg, jö Mdgg ; üss, jö L^m, jö i>/«is, jö Früss, de iVwss, dat 
Wwss, dät Grüss, dät Krüss; ing, de Dring, de ^m/^, jö Kling, jö 
5'/mg', jö Wwfgf; ö/, dät Dö/", dät ^nö/, dät 5/0/", de /fö/', dät -SV/ö/',- 
tic/:, de Bück, dät LwcA;, de Struck, de Pück^ de Brück, jö Krück; 
ümm, dät Sliümm, dät Rümm; ufimm, de Buhmm, de Sulimm; 
ünn, dal Bünn, de Granu, de Hilnn, de Lünn, de Tw««, dätPü?««, 
jö Smünn; iss, dät /ss, dät Griss, de Priss; ijt, dät Swfjtt, de 
Slrijtt; järn, dät Bjärn, de IfJjärn, jö Sjärn, jö HJdrn , dul lijürn, 
jö Twjärn, dät Shjdrn; dgt, jö ^ft/y/, de Knägt, dät »Va;/f, s. oben; 
ees^ dät Feest , dät Nccst , dät Weesf, jö Fees/; «ff«, de Plaan,]() 
Baan, iöFaan; ig, de B dir ig , dät Airig, das Arge; tV?r, dät ^/cr, jö 
A'icr, jö Lier, de »S7t>/', dät r/r/^r; ä/7, de .1;/, däl Fäjll, dal Mäjt, 
jö .S/m}7^; t;«, s. o., jö >1i////, dät »%'(///, de <S'//;7^- fyVf, de /^</7^ 

12 * 



92 

de Bäjtt, das Jucken; iek oder ieck, jö ßlieck, jö Dieck, jöKieck, 
jö Micck, yöSicck, da Lieck; ämp, deDänijj, deStämp, iöStamp, 
jö Lämp, dät Sivänip; ic, de Die, jö Lie, dät Pie; eef, dät Gree/', 
dät Heef, dät iJee/', dät Steef; öck, jö DöcA , de Plöck, de Stock, 
dät Block; öst, de Frost, jö Ä'Ö6/, jöNöst, iöRöst; änk, de Bank, 
jö Länk, jö Plänk, dät Plänk; de Türrew , dät Shürreiv; joFaurk, 
jö Staurk; aar, jö Snaar , jö Baar, jö Kaar ; deEnn, jö Fenn,]ö 
Penn: min, jö Ldnn, jö Hdnn, jö Ta/m, dät ra;«n, de Sdnn, dät 
Sann, dät Sfidtin, dät Kann; djnk, de Bldjnk, aber auch w. in 
jö Halleivbldjnk, de Ldjnk, jö Kldjnk; 6, jö -5ro, jö Zd, jö jRö; 
dät Brüjd, jö JSüjd; amn, dät Graimi, de Kaiimm, de Kraumm; 
i/f, dät Li^', dät A'i/f , dät Ä'^^//f; efti, jö Krebb, de i?e66, rfät 
IF^^fei; d, jö iä, dätRd; iill, f/ät t///, jö //m/^, dät Smull, jö 
iVw//, jöRull; önn, de Blönn , jö Kann, iöPönn, dät Sonn, altfries. 
für Säifjnn, Sand; iww, de Mw» und jö TfiwM, jö i?/«w, de iJiww, 
dät Sivinn; örn, jö P^rw, dät /ä?-w, dät Shörn; järd, dät Järd, 
dät Bjdrd, dät Swjärd, dät Shjärd, de TF/m/; «//«, de Trd/is, de 
Spidits, jö Smdlis, jö Wd//s; tmg', jö Bimg, jö Rung , jö Prung , de 
Pung; edd, dät ^ÄW, de G«Z(^; d/Ü, jö Drdft, jö Ä'm/i^, jö Shrdft, 
de -So-//, dät rd/lf; tV/, dät ^«7/, dät ^i//, jö iViV/, de A'i//; ör, 
dät ^% dät Pär, jö )5'«är, jö Swär , de /Sfär (im Auge); äi/i;, dät 
iijA;, jö ÄäyT;, jö Kräjk, dät Tö/'A-; a?tm, de Tanrn, dät Kaum, 
de Haurn, dät Haurn; ick, dät jLM-, dät Ay/icA;, dät7?/'cÄ, de i)icA;, 
jö Wic/i, u. s. w. Auch die verschiedenen Endungen des Haupt- 
wortes, wie z.B. e/, /iw(/, er, in;/, /mirf, äi, u. s. w. können fast 
nie oder doch selten ausschliessend ein gewisses Geschlecht be- 
stimmen. So heisst es: jö Sägel, die Sichel, und de Prägel; de 
Kägcl, und jö Fägel, der Fehler; de Kinning, der König, jö IJjlling , die 
Mulde, dät ]Föw«w?7, das Fenster, und so in vielen andern Fällen. 
Anmerk. 4. Obgleich die meisten der hier zusammengestellten 
Wörter schon §. 50. vorkommen, so bedürfen doch einzelne derselben 
einer nähern Deutung, als: jö Aulis und jö Kräik , Haken und Oebren; 
man sagt Kräike und Äuhse, Häkchen und Oebren; jö Kläihs, die 
Nägelkratze, das Kratzen mit den Nägeln beim Raufen; dät Tiveel, 
der Sabber, der Quiel; de Gült, der Borg, verschnittener Eber; 
jö Wccl, die Erbolung; jö Stiep von sliepen , das Lichtziehen; de 
Klüjtl, eine Klolhc Torf; de Rump, 1, der Rumpf, 2, das Brust- 



95 

luch; dät Bläi, die Farbe, als sloll'los gedacht, sonst Färrew; jö 
Sting, die Granne, wie ander Gerstenähre; jöDiek, das Grübchen; 
jö Faan, die Fahne; jö Plänk, die Planke, dät Plänk, ^ Kanne; 
du Sliürretv , die Räude, das deutsche Schürf; dä.1 Kann, das Kinn; 
de Kraumm, die Krampe; dät Srniill, der Staub vom Torf, Säge- 
späne und dergl. ; de Gklcl, der Hecht. 

Anmerk. 5. Unter den , von Zeitwörtern durch Abkürzung ge- 
bildeten, Hauptwörtern ist, wie im Deutschen, das männliche 
Geschlecht vorherrschend, und im Dänischen das sächliche, als: 
de Prdck von fracken, stechen, tüpfeln; de Rähw , der Riss; de 
Stijtt, deSlieck, de Släg , deHdw, deShähr, deSnälis, de Splülis, 
de Glähs , de Gong , de Song , de Klang , de Ltipp , de Kupp , de 
Grähp, de Gripp, de Bjdtvs , de Fäll, u. s. w\ Doch finden sich 
auch manche weibliche und sächliche darunter, wie: jö Bagg , jö 
Faur, jö Fähr, jö Gräjd , jö Hm, jö Kieck , u. s. w.; ingleichen 
dät u/hk , dät Bäd , dät Brak von bregen , mangeln ; dät Bünn , dät 
Döf, dät Jeft , dät Säjd, dät S/ijärd, dät Shüff, u. s, w. 

§. 66. Männlich sind alle Hauptwörter auf er, welche männ- 
liche Verrichtungen anzeigen, sie mögen von andern Substantiven 
oder von Zeitwörtern abstammen, als: de Meiler, de Glaaser, de 
Krauger, de Mäjdder , de Kutsher, de Driemer, Shriwwer, Hdjn- 
gcr , Leser, Dritvwer, Shjärder, Tjärsher, u. s. w. Ferner bestimmt 
die Endung e das männliche Geschlecht, wohin auch die Endun- 
gen ere, eine, ense und eise, zu zählen sind, als: de Kröge, de 
Mäge, de Krage, de Wähsere, de Vnncrne, de Tachclse, de Fie- 
rense, u. s. w. Eine Ausnahme davon machen: dät oder jöMö/Äe, 
die Milch; da Anne, collect, die Buttermilch; da Wäwle, der Web- 
stuhl, auch ein coUectivum ; däKndplinge, coli, die Spitzen, Kanten; 
da Beere, coli, die Gebehrden; da ^gne, coli, die Spreu; da Gm- 
bcnc, coli, die Graupen; da Träme, der Trumm. Ferner die § 46 
angeführten sächlichen auf eise, als: da Häckelse, dät Röckelse, 
Smökelse, Sldrkelse, Spauckelse; so wie dät Aehsc, dät Drajnke, 
dät Olde und jö Döjtte. 

Die Endung er ist zwar allen Geschlechtern gemein , als: 
de Fklder , jö Mudder , dat Jäddcr ; de Twitler , jö Dögter , dät 
Wähser , u. s. w. ; aber doch ist hier das männliche Geschlecht 
weit überwiegend. Dasselbe gilt von der Endung cl, wogegen 



94 

die Endung en so ziemlich glcichmässig durch alle Geschlechter 
vertheilt ist, und dasselbe möchte wohl auch von der Nachsilbe 
ling gelten. Bei der Endung em herrscht das männliche Geschlecht 
vor, als: de Bausem, de Bäisem, de Haulem, de Stierem, de Sivie- 
rem, de Täirem, de Airem; aber jö Fäihsem , jö Blossem, jö Gä- 
scm, die Gäspe, und dät Hulem, Langstroh; dät Etlem, Tag und 
Nacht, oder 24 Stunden, dän. et Etmaal, et Dögn (1. Döin oder 
Däun), nd. Etmaal. Die Endung ew kommt gleichfalls in allen 
Geschlechtern, aber nur in wenig Wörtern vor, wo das sächliche 
Geschlecht überwiegt, als: de Waireio, jö Häirew, dät Kuleiv , dät 
Suletv, dät Wierew, das Gewerbe , dät Sliürrew, dät Färrew. 
Auch die Endsilbe ig geht durch alle Geschlechter, als: de Bäi- 
rig, de Bielig, de Giilig , de Hallig; aber jö Fürrig , jö Spärrig, 
jö Swällig oder Sivielig, und dät Märrig , dät Fulig, dät Tiilig, 
siehe §. 39. 

§. 67. Männlich sind ferner die Namen der Tage, Tageszeiten, 
Monate und Jahreszeiten, als: de Sändäi, de Maundäi, de Täilts- 
däi, de Wensdäi, de Törsdäi, de Fräidäi, de Sänenne; ferner: de 
Januar, Februar, Marls, April, Mäi, Juni, Juli, August, Sep- 
tember, October , November, Dezember; ingleichen: de Däi, der 
Tag, de Mjärn, der Morgen, de Enn , der Abend, de Mäddäi, 
Faarnmddäi, Eftermaddäi; ausgenommen: jö Nagt, jö Managt, 
(richtiger Mddnägt); die Jahreszeiten, als: de U/irs, de Sdmmei', 
de Hdrreivst (auch Hirrewt,) de Wonter; die Feste, wenn sie in 
der Einheit stehen, als: de Jüll, die Weihnachten, dePaas/ie, die 
Ostern; dagegen da Päjngsdege, da Feste, die Fasten, sind coli, 
im pl. 

§. 68. Weiblich sind in der Regel diejenigen Hauptwörter, 
Avelche das natürliche weibliche Geschlecht der Menschen und 
Thiere bezeichnen, als: jö Wöff, jö Fömmen, jö Kinninginn, jö 
Ko , jö Söhg , jö Kätt, jö TäJnv, jö Hänn, Gaus, ^nert, Ttveg , 
u. s. w. Dät Aik und dät Shäip machen allein hiervon eine Aus- 
nahme. Weiblich sind ferner die Namen der Bäume, wenn sie ohne 
den Zusatz buhmm vorkommen, als: jö Hill, jö Bäjck, jö Hik, 
jö Birk, jö Fair, jö Aller, jö Lann, jö Iper, u. s. w. Die Sub- 
stantive auf häid sind weiblich, als: jö Saaliglmd, die Seligkeit, 
jö Säkerliäid, jö Fälshhäid, jö Möhglickhäid, u. s. w. , werden aber 



95 

auch oft sächlich gebraucht und führen dann nicht selten einen 
verächtlichen Nebenbegriff mit sich, wie dät Däsighäid, dät Äupi- 
nethäid, dät Föhlfiäld, u. s. w. Weiblich sind ferner alle Haupt- 
wörter auf ing oder ning , die unmittelbar oder geradezu aus 
der Wandelform des Zeitwortes gebildet sind, als : jö Anne- 
ring, jö Aaning, jö Rddnifig, jö Bähsering, jö S hiesing , Liesing, 
u. s. w. Desgleichen die auf äi ausgehenden , wenn sie Orts- und 
Geschäftsbezeichnungen sind, wie in: jö Lönshriwweräi , Lönfaa- 
gedäi, Prdwstdi, Slaaweräi, als Aufenthalt ; jö Türkäi, jö Ncgeräi; 
jö Bränneräi, jö Suckerkögeräi , u. s. w. Auch die Endung ed ist 
weiblich in jö Döged, Jöged, Blöged, Höged; aber de Faaged, dät 
Märked. 

Einzelne Wörter vom männlichen und sächlichen Geschlechte 
stehen auch für das weibliche zugleich, als: de Fähser [Fä/isere] 
Gevatter und Gevatterinn; de VTäwe, Freund und Freundinn; dät 
Geck, männlich und weiblich. Bei dem W or le Twännling, Zwilling, 
kann man sogar alle drei Geschlechter nach Belieben gebrauchen, 
je nachdem man auf die natürlichen Geschlechter Rücksicht 
nimmt oder nicht, und de Twännling , jö Tivdnnling und dät Tivdnn- 
ling sagen, so wie ich alle drei Geschlechter bei dem Worte Pflug- 
schaar im Deutschen gefunden habe, wo gar nicht einmal ein na- 
türliches Geschlecht Statt finden kann. — Bei einigen von Zeit- 
wörtern abgeleiteten Hauptwörtern, wo jene etwas Fehlerhaftes 
anzeigen, und wo man das männliche Geschlecht regelmässig 
durch die Nachsilbe er bildet, behält das weibliche bloss die Stamm- 
silbe des Zeitwortes , was besonders bei folgenden und ihnen ähn- 
lichen Wörtern der Fall ist, als: picsen oder piesern, gasen, tjä- 
sen, twittwädden, njäsen, stjäwen, u. s. w. , wo das männliche Ge- 
schlecht dePieser, de Göser , de Tjäser, de Tioitlivädder , deNjäser, 
de Stjäwer, und das weibliche jö Piehs, jö Göhs, jö Tjähs, jö 
Twittwäd, jö Njähs und jö Stjähw heisst. Piesern, gösen, tjäsen, 
und Uvitlwädden heissen rappeln, schwatzen, waschen, plappern, 
albern in den Tag hinein schwatzen; njäsen, säumen, zaudern, 
stjäwen, mit langen Schritten albern einhertreten oder stolpern 
und dabei mit Gleichgültigkeit oder Geringschätzung urahergaffen 
und auf andre herabsehen. Auch muss das männliche Geschlecht 
nicht selten das weibliche vertreten, als: jö as en gauhsen Wmv- 



96 

ster, Sfijärder, Sliriwwer , ii. s. w. , indem hier die Endung inn 
nicht wie im Deutschen gebräuchlich ist. Die übrigen Einzeln- 
heiten in Beziehung auf das weibliche Geschlecht der Hauptwör- 
ter sind in den vorhergehenden Wörtersammlungen und Zusam- 
menstellungen von Wörtern durch das vorgesetzte Geschlechts- 
wort angezeigt. 

§. 69. Sächlich sind die Namen der Erdtheile, der Länder, 
Städte, Flecken, Dörfer, Districte, Landschaften und Inseln, der 
Metalle , einzelner Buchstaben , der Himmelsgegenden , die Namen 
verschiedener Zahlenbcstimmungen , die als Maasse dienen, und 
die aus andern Wörterklassen zu Substantiven erhobenen Wörter, 
als: dät töwägsend Amerika, das anwachsende Amerika; dat gäujl- 
rick Australien, das goldreiche Australien; dat üjll an grott Asien, 
das alte und grosse Asien ; dat ünrauig Europa , das unruhige 
Europa; dät hijt Africa, das heisse Africa. Der Länder: dät 
läjtt Dannemark; dat grott Rusläujnn; dät wdnlick Italien, das 
freundliche Italien , u. s. w. ; aber jö Siveits. Der Städte: dRl sniuck 
Kupenliägen; dät üjll Köln; dät gröttartig Petersburg; dat Idjtt 
Arreskjöbing , u. s. w. So auch der Flecken und Dörfer und der Land- 
schaften: dät gjdrsrick Ahserstähs, das grasreiche Eiderstedt; dät 
fätt Holläujnn, das fette Holland; dät üjll Pollwäirem; dät kaum- 
rick Ongeln, das kornreiche Angeln. Der Weltgegenden: dät ^s- 
ten, Westen, Sühssen und Naurden. Der Zahlenmaasse, als: dat 
Hunnert, dat Dusend, dat Tdlt, ein Tult, Zwölfter von Brettern, 
dät Sniess, das Stieg, dat Shöck; aber jö Daulisenn, das Dutzend, 
und jö Tralnv, die Stiege, 40 bis GO Garben oder Bunde Lang- 
stroh. Der Metalle, als: dät Gävjll, dät Selwer, dat Kaawer, dät 
Blie, dat Tann, dat Mesing, dat Tomhack, dat Metall, dat Stäjll, 
Eisen, dat Staat, dat Sink, u. s, w. Aus andern Wörterklassen, 
als: dät Ridden an Kdiren, dat Släipen an Waagen, dät Büen an 
Welen, u. s. w. ; dat Üjll an Näi, dRtFaale an dat Läiet; dät JUin 
an Bin; dat Trinnammeruken , das Rundumsprechen, Salbadern; 
dat Apijnucfi späten, das gegen die Wand Spielen mit Schüssern; 
döLiBilling an Mjärne, das Heute und Morgen; dat Apdndähl, das 
Auf und nieder; dät Jd7itanjurt, das Hin und her; dat Tomäjtteka- 
men, das Uebelanlaufen ; dal Tofullekamen, das in Erfüllung Gehen , 
u. s. w. So zieht der Nordfriese die Wörter zusammen, wie sie 



97 

hier im Deutschen nachgchiklet sind. Auch viele Vcikloineiuni^&- 
wörtcr auf en, ken, (jcn^jcn sind sächUch, wie: dat Häitjen, das 
Stuhlkissen, dat J^iken, dat ^Ikcn, dat llühskcn , dat Kopken, 
dät Börtjen , so wie die auf slidpp , als : Lönshapp , Mönsliapp , Fninn- 
shapp u. s. w., und endlich die auf äi, wenn sie die blosse Handlung 
oder das Thun anzeigen und dabei den Nebenbegriff des Kleinlichen 
und Verächtlichen enthalten, als: dät NJäserdi, dät Smereräi, dät 
Tjäseräi u. s. w. Mehrere AVörter auf ling sind sächlich, beson- 
ders Ja, wo sie bloss verkleinernd stehen, als: dät Tjaulhifi , der 
Zwirnknaul, dät ^nnerling, dät Tivamiling, dät SJöckliiiy , dät 
Gälisling, Nimmt man aber Rücksicht auf das Geschlecht, so sagt 
man auch jö GälisUng, jö Sjöckling, de und jö TwannUng. End- 
lich kann man noch die männlichen und weiblichen Hauptwör- 
ter , welche wirkliche Dinge bezeichnen , durch den blossen Vor- 
satz des Geschlechtswortes dät alle zu Diminutiven machen, als: 
dat Wöfl', dät Hünn, dät Hdjnst, dät Dring, dät Tünn, dat Kaar, 
u. s. w. Dadurch drückt man aber immer Geringschätzung oder 
Verachtung aus, wie in dät Mansli , das Mensch, und dat Mans/ic^ 
das Menschlein, was bei andern Diminutiven nicht immer der Fall 
ist, die auch als Zärtlichkeitsäusserungen dienen, als: Päike, Füike, 
Baue, Sösse, Dojtte. Auch de Höjtte, Endscheibe des Brotes, de 
Mäjnte, das Männchen, de Döjnte, das Döhnchen, de Röjnle, ab- 
gestutztes Jäckchen, de Pöjntc, Würfclhölzchen , de llön'kc, der 
Hahn an einer Tonne, de Söpke, ein Schnäppschen , de Bäjnte, 
das Bündel, und dePrüjnte, eine Kaue oder Schrote Taback , sind 
lauter Diminutiva, die alle nichts Verächtliches bezeichnen. 

Die nordfriesischen Namen der Buchstaben sind der Reihe nach 
folgende, als: Aa-a, Be-b, Ce-c, Dc-d, E-e, Eff oder Aff-f, Gc-g, 
Haa-h, I-i, Jöt-j, Kaa-k, Ell oder A'11-1, Emm oder A'mm-m, Enn 
oder Ann-n, O-o, Pe-p, Ku-q, Err oder A'rr-r, Ess oder A'ss-s , 
Esszett oder A'sszätt-sz, ss, Esscehaa-sch, Esste oder A'sste-st, U-u, 
Fau-v, We-w, Iks-x , Ipsilon-ij, Zett oder Zdtt-z, Essess oder A'ssass-ss, 
EffclT oder A'fTäff-ff. — Von diesen sind die Vocale, so wie dieje- 
nigen Consonanten , welche den Vocal in ihrem Namen nach sich 
haben, weiblich, diejenigen, welche den Vocal zum Anlaut haben 
aber sächlich, daher: jö a, b, c, d, e, g, h, i, k, o, p, q, t, u, 
V, w, aber: dät f, 1, m, n, r, s, auch: dät j, x, z. Soll ein Ge- 
is 



98 

schlecht für alle gelten, so muss es das sächliche sein, indem 
das weibliche nur da gelten kann, wo der Name einen Vocal 
zum Auslaut, aber nicht, wo er ihn zum Anlaut mit dem Conso- 
nanten zum Endlaut hat. Es würde anslössig sein, wenn man 
z. B. jö A'mm, jö A'rr u. s. w. sagte, und dät a, b, u. s. w. sind 
dann Diminutive. 

Auch die meisten Stoff- und Mengenamen, letztere, wenn 
sie nicht ausschliesslich allein im Pluralis gebraucht werden , 
sind sächlich , wie die oben ( S. 96 ) angeführten Namen der 
Metalle u. a. als: dät Brüjd, dät Järd, dät Uli, dät Lijm, 
dät Limm, dät Wägs, dät Pack, dät Kritt, dät Iss, dät Dauk, 
dät Lauert, dät Glees, dät Haurn, dät Black (Blech), dät Bläk 
(Dinte), dät Flash, dät Speck, dät Hjärt (Harz), dät liatun, dät 
Summet, dät Mälil, dät Lähser, dät Pappier, dät Baal (Boi), dät 
Allöhn, dät Sucker, dät Sliibb, dät Mjögs, dät Shjärn, dät Maur 
(Moor), dät Slömm, dät Glaimim (der Glumm, das Trübe im Was- 
ser), dät Snote (Rotz), dät Spütt, dät Sivijt, dät Blmjdd, dät 
Waliser, dät Ö/ilc, dät Födder, dät Sträi, dät Täjk (Tang), dät 
Terrifj (Torferde auf dem Schlick), dät Sihssen, dät Spännräiel, dät 
Häier, dät Maus (Muss z, B. von Pflaumen), dät Salt, dät Färreio, 
dät Smähr, dät S/cp, dät rt<%, dät Neet (der Harn, altd. der 
Netz), dät Söss (die Suppe), dät Ijd (Torf), dät Kjärl, dät Wäl- 
ling, dät Späiling , dät Sulew, dät Süwwel, dät M)os, dät SÄi^f, 
dät Säujnn, dät Grüss, dät Hänep, dät Sänep, dät 6'ä/d, dät 
rrö/Vi (Zwirn), dät l?/;/?« (das Band), dät T/öV; (der Zeug), dät 
Saaken (coli, die Sachen, das Vieh), auch T/%, dät Twee/ (Quiel), 
dät Äjth (Essig) , dät Aelil (Addel) , dät Mudder (der Moder, Schlamm) , 
dät Jeest (der Gäscht), dät Shümm, dät Stvämp, dät Tänner (Zun- 
der), dät T/i-Mr/ (Lichldocht), dät Sierp, dät Märrlg , dät //öw- 
«iwr/, dät Mä?(y7 (Millerde), dät Smull, s, o., dät Swaawel, dät 
Rötekrüdd (Arsenik) , dät Wäi (die Molken) , dat Sfidmmel, dat Kaum, 
dät Grö^ dat TdYf, dät Sniehs, dät Ffmi//c (Volk, Leute), dät 
€järs, dät Ünfjög , dat Päft-er (Pfeffer), dat Shürrcw, dät Graumm 
(Eingeweide), dat Aimmerc (die Emmern , Glühasche), dat S/irubb 
(die Krätze) , dät L»/' (Laub) , dät Tammer (Bauholz) , dät Ünkrndd. 
§. 70. Mehrere Wörter von gleichem Geschlcchlc haben oft 
mehrfache und dobei ganz von einander abweichende Bcdoutun- 



99 

gen. Davon hier nur folgende, als: dat Ass, l.das Daus, 2. Name 
des Buchstabens S; dät Bmird, 1. das Brett, 2. die Borte, der 
Riegel, in Hillebaurd; jö Bäik, 1. die Buche, 2. die Beuche, 
auch de Bäjcke; de Brand, der Brand, in allen Bedeutungen des 
deutschen Wortes; jö Brö, 1. die Brücke, 2, jö Stijnbrö, das Stein- 
pflaster; dät Dijl, \. das Ding, 2. Dingelchen, 5. der und das 
Theil; jö Dräft, 1. der Trieb, 2. die Auffahrt nach dem Hause, wo 
das Vieh getrieben wird, 5. die Trift, als: en Drdß Swinn , 4. Kraft, 
Nachdruck, Wucht; jö Driihg , 1. die Traube, 2. die blecherne 
Milchseihe; de Fäiijtt, 1. der Fuss, 2. der Schuh odcrFuss, als 
Maass; jö Fährt, 1. die Fahrt, Schnelligkeit, 2. die Fahrt zur See 
auf einen Ort; jö Fingt, i. der Flug, 2. die Flucht; dät Gäujd, 
1. das Gut, als Landgut, 2. das Gut, der Schatz, z. B. Sünnhäid 
asengrött Gäujd, Gesundheit ist ein grosses Gut; iöllänjnn, 1. die 
Hand , 2. Handschrift , 5. eigenhändiger , schriftlicher Beweis, Schein ; 
jö Jagt, \. die Jagd, 2. die Jacht; jö Karst, 1. die Kisle , 2. der Sarg; 
de Klömp, 4. die Klampe, 2. grosse, länglich viereckige Schober 
Heu oder Getreide beim Hause; jö Käst, 1. die Kost, 2. Hochzeit; 
dat Krüss, 1. der Krug, z. B. Bierkrug, 2. das Kreuz in allen 
Bedeutungen; jö Lier, 1. die Lehre, Lehrzeit, 2. gute Kenntnis- 
se; dat Neet, d. das Netz, 2. der gesammelte Harn; jö Nähs, 
i. die Nuss, 2. die Niss, Läuseei; dät Säjd, 1, der Same, 2. die 
Rapsaat; jö S/iälil, i. die Schale als Gefäss, 2. der Unterschied 
beim Fordern und Bieten; jö Shälil, \. die Schale, z. B. von Ae- 
pfeln, Nüssen und Hülsenfrüchten ; bei Scholcngewächscn das dün- 
ne Oberhäutchen: jö Päld; dat Spdtt, 1. ein Spatenvoll, die Tiefe 
des Spatenblattes, 2. der Spiess, 5. der Späth der Pferde; jö 
Träw, i. der Trab, 2. eine Stiege Garben oder Langstrohbunde, 
40 bis 60; de Wjärt, i. der Wirth, 2. der Wcrth; de Wjärd, die 
Wahrheit; dät Uhr, 4. das Ohr, 2. die Taschenuhr, auch jö; 
dät Ahk , 4. das Scheuernthor, 2. die schräge Auffahrt an 
einem Deiche; dät Brak, 4. der Mangel, 2. die Noth , als: 
dät het m'jn Brak, hat keine Noth, nichts zu bedeuten; de Främ- 
de, 4. die Fremde, als Gegensatz der Hcimalh, de Hühs; de 
Krage, 4. die Krähe, 2. der Kragen; de Paurle, 4. die Pforte, das 
Thor, 2. der Kerker, 5. der Stachel der Bienen, Wespen u, s. w.; 
dät Sihssen, 4. die Seide, 2. das Zischen; jö Hüjlling, HijUing , 

13 • 



100 

von hiijUcn, liallcn, die Nachgeburt einer Kuh; jö Hylling von 
hijllcn, neigen, dän. at häldc, die Neige, als: jö Tann läit äw'e 
Hijlling , die Tonne liegt auf der Neige; da FäjUlinge, die Füss- 
linge an Strümpfen und Stiefeln; 2. das Fussende des Bettes, als 
Gegensatz der Raupten, de Haadlinge; de Drönk, 1. ein Trunk, 
2. ein Trank, 3. der Trunk, als Laster; dät Lüjdd, l.dasLolh, als 
Metall, 2. als Gewichtmaass, 5. das Gewicht an einer Uhr; de 
Tome, \. der Daumen, 2. das Zoll; de Shöl, \. der Schuss, 2. 
der Schoss, Schössling;^ da Feste, \. die Fäuste, 2. die Fasten; de 
Hölle, \. die Kiilte, 2. das Fieber; dät Sägt, \. von seegt, seicht, 
die Seichte in einem Acker; 2. von sagten, zielen, das Zielkorn 
auf der Flinte (das Ziel ist aber dät Miilil), 5. die Richtung nach 
dem Ziele; jö Fähr, \. die Fähre, 2. die Schaar, o. jeder auf- 
fallende Anzug, Aufzug, und dergl. , z.B. ein altmodisches Kleid , 
eine auffallende Kopfbedeckung; dät Töch, 1. der Zug, als Lick- 
tüch; 2. das Mal in ein Mal, zwei Mal u. s.w.; jö Sling^ 1. Schleu- 
der, 2. eine Schlucht im Wagcngcleise an der einen Seite; jö 
Klamm, 1. die Klemme, zum Festhalten, Klammer, 2. Klemme, 
Verlegenheit, Nolh; dät Sjö/in , 1. das Gesicht, als Sehver^ 
mögen, 2. Erscheinung, 5. Anblick, Wahrnehmung; jö Drägt, 
\. die Klcidcrlracht, 2. das Schulterjoch zum Tragen der Eimer 
u. s. w., 5. was man aufs Mal trägt, z. B. eine Tracht Holz, 
Prügel u. s.w., 4. die Wage an der Deichsel; de Slieck, 1. der 
Schlag, Hieb, 2. der Schlag, als Art, Gattung; de Släg , i. der 
Schlag , als Krankheit , Lähmung u. s. w. , 2. Schlag , Art , 
Gattung, Race; 'joBugt, l.dic Bucht, Krümme, 2. die Oberhand, 
der Obsieg; dät Tält , 4. das Zelt, 2. der Zwölfter Bretter; de 
Glöme, i. Gluth, 2. brennende Hitze in den Backen; de Bank, 
die Bank , in allen Bedeutungendes deutschen Wortes; dät liedd, 
4. Bett, 2. Gartenbeet; dät Bleess, das Blatt; de Bldss, der Bläss, 
an der Stirnc der Pferde; dät Fäll, 1. das Füllen, 2. das Fell; 
jö Tdnn, die Tonne; de Winn, \. der Wein, 2. der Wind; de 
Klump, \. der Kloss, 2. der Klumpen; de Priss, \. Preis der 
Waarcn, 2. Lob, Ruhm; jö Shäjl, die Schuld, Ursache; jö Skull, 
die Schuld, die man zu bezahlen hat; jö Länk, i. die Kette, 2. 
die Ketlcl; jö Wägt, \. die Wage zum Wägen, 2. das Gewicht, 
die Schwere. 



101 

§. 71. Andere sind verschiedenen Geschlechts und demnach von 
verschiedener Bedeutung, als: dät Bijn, das Bein, dat Bijnn, das 
Band als Stoff- oder Mengename; de Bijnn, das Band, ein ein- 
zelnes, wie Holisbijnn, Strumpfband, 2. der Band eines Buches; 
jö Birk, die Birke, dät Birk, Birkdistrickt, Bezirk; jö ßjärst, 
die Borste, de Bjärst, der Berst, Riss; dät Dank, das Tuch als 
Stoffnamc, de Dank, gestaltetes Tuch als Gattungsname, wie iVaas- 
(lauk, Shrockenaasdaiik , Taschennasen tuch u. s. w. ; dät Eesh, 
die Asche, jö Eesh, die Esche, de Ecsh, die Schachtel; de Fäll, 
der Fall, jö Fäll, die Falle; de Gast, der Gast, jö Gast, die 
Geest, als Gegensatz der Marsch; jö Häi, das Erinnerungsvermö- 
gen, dät Häl, die Lust, das Behagen an etwas, als: dät kämt 
me äujn Häi, es fallt mir ein, kommt mir in den Sinn, Ick Iiäivr 
m'jn Häi äjt, ich habe keine Lust dazu; de Haurn, das Hörn als 
Gattungsname, dät Haurn, als Stoffname; jö Hjärn, die Ecke, 
2. der Winkel , wie Kächelaimenshjärn , der Ofenwinkel , sonst 
de Wdinkcl, dät Hjärn, 1. wollenes Garn, 2. der Geier, wie in 
Hännchjärn, der Hühnergeier, Göselijärn , der Gänseaar; Keel, 
Name der Stadt Kiel , de Keel , der Schiffskiei ; de Klädd , der 
Kleks (Flecken), jö Klädd, die Kladde; de Kjärl, der Kerl, jö 
Kjärl, der Kern, dät Kjärl, der Quark beim Käsemachcn; de 
Krcefte, der Krebs, als Krankheit, da Krcefte pl. von jö Kraft; 
jö Läujdd, das Rammeln der Hunde und Katzen, dät Lätijdd, der 
Laich, von Fischen und Fröschen; de Wäjl, der Weiher, die 
Wohle, dät Wäjl, das Wohl; de Mjurjs, der Mist, dät Mjörjs, der 
Schmutz, Unrath; de Müss, der Mund, jö Mass, die Maus; dät 
Mark, das Merkzeichen, jÖ Mark, die Mark, 16 f; dät Mäsh, der 
Maisch, jö Mäsh, 1, die Made, 2. die Masche beim Stricken; jö 
Päiijnn, die Verpfändung, dat Päujnn, Pfandgut; de Räjdd, der 
Rath, jö Räjdd, inWönräjdd (Wahnralh), verkehrte Anschläge; jö 
Rdst, der Bratrost, de Rast, der Rest, 2. Nichts, als: dö shäht en 
Rasthewe, du sollst nichts haben, 5. die Rast; da Rinn, der Regen, 
iöRinn, dicKmdc; de Ragt, das Gericht Essen, dät Rögt, das Recht; 
de Saal, der Saal, jö Saal, die Sohle; jö Sähiu , das Mark aus 
einer Lampenbinse, um es als Docht zu gebrauchen, dät Sähw, 
das Sieb; de Sann, die Sonne, dät Sdnn, der Sinn, das Gemüth, 
jö Sann, der Sinn, als Organ; de Sahn, der Sohn, jö Sahn, die 



102 

Sehne , Flechse ; de Sill , der Kessel , dät Sill , das Siel , Wasser- 
rinne; de Sliätt , der Schatz, jö Sliätt, die Schätzung, Abgabe; 
de Sldjnk, der Schluck, jö Sldjnh , der Schlund; de Smälts, der 
Wurf, jö Smälis, die Schmiede; de Spot, der Fleck, dät Sj)öt, 
der Spott; de Spaait, der Spritz, Spritzstrahl, jö Spaait, die 
Spritze; de Stämp, der Stampf mit dem Fusse, jö Stämp, i. die 
Stampfe, 2. der Stempel; deSträdd, ein weiter Schritt, i'öSlrädd, 
die Grätsche, so weit man die Schenkel aus einander spreizen 
kann; jö Spar, der Sporn, dät Spar, die Spur; jö Spann, die 
Spanne, dät Spann, das Gespann; jö Stälis, die Stadt, dät Stälis, 
die Statt, die Stelle, der Ort; jö Tann, die Tanne, dät Tan7i, 
das Zinn; de Tung , die Zunge, jö Tung , die Zange; de Träjd, 
ein einzelner Faden, dät Träjd, der Zwirn; jö Tur, die Thräne, 
dät Tur, ein weinig, ein Tropfen (jenes ist dän. en Taare, dieses 
en Taar); dät Twjdrn, der Zwirn, jö Tivjdrn, die Quem, 1. eine 
llandmühle, 2. der Mahlgang in einer Mühle; AeWaaü, der Wink, 
jö Waait, die Winke; de Winn, 4. der Wind, 2. der Wein, jö 
Winn, die Winde; de Hagel, i. der Hagel, 2. die Ferse, 5. der 
Absatz am Schuh, jö Hügel, die Hechel; de Kräwel, jö Kräivel, 
dät Kräivcl s.o.; de Wä/iser, der Hammel, dät Wähser, das Wet- 
ter; jö Bäigel, die Regel, dät Räigcl, die Ordnung; de Häch, der 
Hack, z. B. mit dem Schnabel, jö Häch, die Hacke; dät Bjdrn, 
das Kind, de Bjärn, der Born, veraltet, aber noch in bjdrncn 
(hörnen), das Vieh tränken, jö Bjdrncköhl, die Tränke, de Bjär- 
netrög , Tränktrog, u, s. w. 

§. 72. Die Eigennamen der Menschen , welche die Friesen 
oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln , richten sich nach dem 
natürlichen Geschlecht. Hier einige derselben zur Probe: a. männ^ 
liehe, wo der deutsche Namen voransteht, als: Albert, Albrecht, 
albert; Andreas, Andräis , dim. Baisse; Bahne, Baanc , Baue; 
Bende , Benne ; Bruder, Broder, und Brörhe ; Detlef, Däjtleiv , 
Dietlew; Düe , Dü-e ; Danklef, Tungle ; Edlcf, Illwe ; Ehe, Aibe ; 
Fedder, Fäddcr; Nicolas, Klaai; Sibbern, Sibberne ; Sönke, Sän- 
ke ; Christian , Kristjen , dim. Tisse , liiche ; Jens , Jans ; Martin , 
Märten ; Jakob , Jaakeb , JcTpe ; Boie , Böie ; Karsten , diminutiv 
Käcke ; aus JSiss w ird Riss , Nie , Nickels , Nagels und Nashe ; 
Nane, Naane; Pai , Paaie; Peter, Päjler; Hemme, Häme ; Laf- 



105 

rcnz , Läwrans ; Ilarkc , ilärkc ; Lütjc, Lüjtlc ^ Lmjltc ; Jcss , 
Jöshe ; Ricklef ; Kctcl, Kille; Lauritz , Ldtvers ; Numcle ; Mumme; 
Sieivert ; Urban , Urbaan ; Jürgen , Juni ; Michel , Michel und Megaal; 
Heine , Häjnne ; Bcndix , BdntUx ; Samuel , Saamel , u. s. w. — 
hAveibliche,s\&: Annclien, ^jnte; Abel, Aahel \mi}i ^wcl ; Agatha, 
Aajt ; Botel, Böjlt; Dorothea, Dortig, Dortjen; Nijlk; Else, Illsh; 
Katharine, Getreen; Christina, Gestcen, Stine; Helena, Lene, Len- 
ken, Lin'k; Sieke , (die kleine Sie); Caecilie , Stile; Mämk; Am- 
mer; Sossei; Mathilde, Rldt ; Non'k ; Katharine, Trin'k; Elise, 
Lieke; Agniete , Angnäjt, Netjen; Beata , Beaajt; Herle , Helk , 
Hjärlig ; Engel, Ajng el ; Ges'ina , Gecsh; Susanna, Süsh; Laurette, 
Ldwräjl; Magdalena, Maläin ; Margare tha , Megräjt ; Maria, Mcrie , 
Merike, Micken, Miß; ^n'k; Pop; Kie; Hertha, Birte ; Hedwig, 
Hetjcn ; Mäjnt , u. s. w. *. 

Die meisten nordfriesischen Ortsnamen endigen sich auf um und 
hüll, demnächst auf siä//s und törp (Dorf), rup , trup , strup , törp, 
xm6.holm; andere Endungen, als lialm und /mm, kommen seltener 
vor , und kög (de Kug) bei allen Kögen mit den dazu gehörigen 
Vornamen. Die Endungen um und hüll {bäujl) sind bei weitem 
überwiegend , sowohl in den Ortsnamen des untergegangenen Nord- 
frieslands , als in dem noch vorhandenen Reste desselben , wel- 
cher, einer Propliczeihung der nordfriesischen Sibylle Hertje zu- 
folge , im Laufe der Zeiten , demselben Schicksal anheimfallen 
wird. Auf Helgoland , das im Jahre 800 noch über 40 Ortschaf- 
ten zählte, waren damals folgende auf um, als: Baddum, Haijen- 
sum, Dunum, Gunderum , Sellum und Siekum. Anno 1240 hatte 
Famgeholt noch 12 Kirchspiele und Süderslrand folgende auf 



') Unter den obenstehenden Eigennamen kommen viele Verkleine- 
rungen vor , welche Mütter und Kindermädchen den kleinen Kin- 
dern geben , die sie dann als Erwachsene oft noch beibehalten. 
Dahin gehören z. B. Baisse, Tissc , Kicke, Käcke , Klaai, ßaai (für 
Ingeburg) , Aait , ßoilt , Tine , Tijlte , Mie , Tienken , Mielijnkeu 
(Maria Catharina) und ähnliche , die alle keine Taufnamen , son- 
dern willkührlicbe Verstümmelungen derselben sind. Bei denje- 
nigen, die sich auf nk endigen, ist n kein Nasen-, sondern ein 
reiner Zahnlaut , und muss dem gemäss gelesen werden. Dahin 
gehören z. B. Sänke , Ank , Nonk , Trink , Link , zusammengezo- 
gen aus Sdnike (Sönken), Aitnike , Nonnikc , Trinekc und Linekc , 
lautrr Diminutiva. 



104 

um, als: Winnum (2 mal), Milium, Wotbekum , Bundum , 
Dcrtum , Busum und Siegbcrtura ; Nordstrand : Hijntuin , Eidum , 
Langum , Balum , Rullum , Gomorum , Falum , Hinnum , Appe- 
lum , Grodum , Horstum , Bellum , Mocsum , Arum , Hindrum , 
Bertum , Habekura , Hannum , Colum ; in Eiderstedt (lüjttc Ei- 
derstedt) Alversura , Walum , Tolum , Horstum ; im nördlicbcn 
Theilc von Nordfriesland (1240): Malberum, Silingsum, Rüslum , 
Hinnum, Berlum , Roddum, Birgum, Lijstum, SijUum , Blijdum , 
Udura , Osterkijlura, Panum, Kieptrum, Winnum, Eitum (2 mal), 
Braderum , Wiserum , Bartum , Eidum , Hünum , Tinum , Har- 
tum, Hamm, Steinum, Flüdum (2 mal), Hornum, Sledum, Hel- 
ium , Katura , Caapum , Arcbsum , Nijstum , Rijllum , Mijdum , 
Gatum, Lägum, Hellidum, Lickum , Nistum , Hattum, Apperum, 
Jordum (2 mal), Larpum, Knökum, Kixtum, Bundum, Trindsum, 
Bummelum , Upum , Tewecum , Wipperum , Wilsum , Bundum , 
Wellum , Bulum, Toftum, Gerdum , Brinkum , Harrum, Hunnum, 
Bindum , Strückum , Krückum , Frillura , Oddum , Klütum , Ar- 
num , Schallum , Knijpum , Mönrum , Satrum , x\ndura , Gnäpura , 
Bilkum, Dunsum, Lukum, Hanum, Kliium, Fludum. — In West- 
friesland (welche davon noch vorhanden oder untergegangen sind , 
weiss ich nicht , aber die aufgezählten nordfriesischen sind schon 
vor Jahrhunderten vom Meere verschlungen) , em und um , als : 
Jeppem , Beijem , Merum , Sixbirum , Pietersbirum , Osterbirum , 
Lidlum , Herbajum, Abnenum, Winaldum , Landum , Mailhum , 
Nitzum , Pingiura . Witmarsum , Hiddem , Engwierum , Makum , 
Sotterum, Workum, Hemelum, Woengium, Midum, Ruygelallum, 
Jerum, Hichtum , Wolsum, Arkum, Dedgura , Oldemardum, Ru- 
gahuysum , Nijemardum , Spannum , Winsum , Bairum , Schalsum , 
Aengjum , Beetgum , Menadum , Franjum, Marssum , Deinum , 
Blcssum , Hielum , Wcidum , Mantgum , Bosum , Deersum , Mer- 
rum , Hallum , Britzum , Cornium , Heinum , Hijlsum , Jelsum , 
Techum, Wirdum, Irnsum, Genum, Hijanum, Dockum, Leckum, 
Gentum , Roltum, Bergum, Driesum, Aclzum, Ocstrum, Rcysum, 
Collum, Burum, Doerum, Midhallum, Hallum, Bcusum. — In Ost- 
friesland: Oldersum , Borcum , Jemgum , Osterdum . Ackcrum, 
Vogum, Gorcum, Vorcum, Franum, Worrum , Collum, Winsum. 
Mackum , Engwicrura , Noilum auf Amcland, Lidlum , Bdcum, 



105 

Dockuni , WaiTum, Rottum , Bicruin , Farnisura, Risum, Bal- 
trum. — Die nocli vor/iandenen in Nordfriesland auf um, Am- 
rum (Insel) l. Auf der Insel Sijlt: Archsum, Keiturn, Rantum , 
Tinnum. 2. Auf der Insel Führ : Boldixum , Wrixum , Oeve- 
nura, Midlum, Alkersum , NieMum , Boigsum , Winsum , Hedde- 
hiisura, Dunzum, Ucttcrsum, Oldsura, Klintum, Toftum. — 5. In 
den Aemtern Tondern, Bredsledt und Husum, an der Westküste 
und auf der Vorgeest : Riesum , Stadum , Bargum , Klintum , Bor- 
lum, Husum, Ophusum, Breklum, Bondelum, Struckum, Kar- 
lura, Dörpura, Rantrum, Bodum (im Amte Hadersleben), und Bo- 
dum (im Amte Apenrade) , Bögelum; in Ditmarschen Büsum, und 
an der jütländischen Küste, südlich ßorum, Veirum, Ballum, Gu- 
lum, Bijrura. — Die Endung Bull, noch jetzt in Nordfriesland dal 
Bäujl oder Baul , die Hütte , wird im Dänischen zu hol , bölle , 
halle, und im Deutschen zu büUel, woraus auch das im Herzog- 
thume Schleswig gebräuchliche Bohl, ein Bauernhof mit einer 
Hufe Landes, hervorgegangen ist. Diese Ortsendung, die auf alten 
Landkarten über Ost- und Westfriesland gar nicht vorkommt, ist 
seit undenklichen Jahren im nördlichen Friesland heimisch. So 
hatte Helgoland im Jahre 800 unter seinen Ortschaften folgende 
auf hüll , als : Ottrebüll , Ticfkebüll , Farrcnbüll , Vestcbüll , Rod- 
büU , LowesbüU , Scheckenbüll , Holmbüll , Medenbüll , Leiebüll , 
Hijlgerbüll und Telligbüll. Im Jahre 1240 hatte Rungeholt in 
seinen 12 Kirchspielen folgende Oerter mit hüll, als: Ebensbüll, 
SockenbüU, Gaikebüll (2), Odenbüll, Akcnbüll, Obbenbüll; ISord- 
Strand: Luenbüll , Stintebüll , Wittcnbüll , llcrsbüll, Konigsbüll , 
Volgsbüll, Esbüll, Boienbüll, ünkebüll , Spalebüll , RickelsbüU , 
SrapenbüU, Stückbüll, Hulkebüll, Hulksbüll, Offebüll , Ulvcsbüll, 
Rensbüll, Iwensbüll, Adebüll, Haicnbüll; in lüjtle Eiderstedl: Fler- 
debüll, Norderbüll, Süderbüll. Im nördlichen Theile Nordfrieslands 
(1240): KlüffsbüU, Pebüll,KnipbüIl, Brüderbüll, Knockbüll,Frischbüll, 
Kirkbüll, Lückbüll, Borrenbüll, Rcckclsbüll, Keckelsbüll, Ratzebüll, 
WüppenbüU , Handingsbüll , Todingsbüll , Hatzerbüll , SpickcbüU , 
Juenbüll, TinnebüU, Wingbüll, GrisbüU, Maiensbüll, Tocksbüll, — 
Noch in Nordfriesland und den angränzenden Dislriclcn vorhan- 
dene Oerter dieser Namensendung, die man auf den Inseln nicht 
mehr antrifft, im Amte Tondern: Kuxbüll, Poppcnbüll , Rutte- 



106 

büil, Bösbüll, Ikilsbüll, Böhsersbüll (Buttcrsbüll), Grellsbüll, Kah- 
lebüll , Klixbüll , KrakebüU , Perebüll , Schardebüll , Schnate- 
büll , Spai'kebüll, StrucksbüU, WalsbüU, WimmersbüU , Törsbüll, 
Trasbüll , Niebüll , ülbüll , Deezbüll , Maasbüll , Dagebüll , Gahns- 
büll , Emraelsbüll , Horsbüll , Klanksbüll ; in Eiderstedt : Kot- 
zenbüll , Koldenbüttel , Poppenbüll , Tetenbüil , Ulvesbüll ; im 
Amte Husum: ScbobüII ; Bredstedt : Mircbüll, Ebüll (A. Tondern), 
Ebüll (bei Bredstedt), Efkebüli (A. Tondern), EfkebüU (in der 
Landschaft Bredstedt), Ellebüll, Büttebüll, Bremsbüll (Tondern); 
im Amte Haderslehen : Aabüll , Barsbüll , 2 mal , Grödebüll , Ans- 
büll, Slorsbüll, WeibüU , MoibüU, Kjärbüll , Kagbüll , Spallebüll 
(Eiderstedt), SprakebüU (Tondern), SpinkebüU (Bredstedt), Ster- 
debiill, Todsbüll, Tombüll, Trasbüll, u.v.a. Das Böl, Bolle und 
Balle ist auch im Dänischen häufig. — Die Endung Slähs (sted) 
kommt seltener vor, wie Ahserstähs , Eiderstedt; Bräistähs , 
Bredstedt; Buhmslähs , Bohmstedt; Tanningstähs , Tinninsstedt ; 
Räfstähs, Siewcrstähs, Wittstähs, Mildstähs, Jerpstähs, u. s. w. — 
Die Endung /<o/w, der Holm, Insel, ist im Nordfriesischen de Hau- 
lem, ^^ird aber auch fiolm und lialm gesprochen; so ist z. B. Lind- 
holm Lunhälm ; Ockhohn dagegen Okliaiilcm , und Soholm 5«- 
hölm. 

Bemerkung. 

Die Ortsendung um wird von den jetzigen Nordfriesen häufig 
in cm verwandelt, wie in Rihsem , Riesum , Hühssem , Husum, 
Ömrem , Amrum , u. s. av. Dasselbe ist bei den Namen Jeppem , 
Beijem und Hiddem (nach alten Karten) in Westfriesland der 
Fall, welches doch unstreitig dieselbe Endung ist. Dicss kann 
niemand auffallend sein , der da weiss , wie sehr der Friese 
Zusammenziehungen , leichte Lautverschraelzungen und , gleich 
dem Engländer , Verdrehungen nach seiner eigenen Mundart 
liebt. Der Dr. Clement von Amrum, also ein geborner Frie- 
se , der sich , wie man aus seinen milgetheilten Bemerkungen 
schliesscn kann , viel mit Wortforschungen beschäftigt , und 
dazu auch seine Kreuz- und Querzüge in England trefflich 
benutzt hat , behauptet (im Altonaer Merkur) die Endung vm 



107 

sei dieselbe , wie das englische Iiam in Chatham , Buckingharn , 
Chcltenliam , Bimiingham , Okcham , Nolllngham , Nolljcrliam , 
Oldliam , Durhani , u. s.w., aus dem Alifriesischcn staninicnd , 
was ieh nicht entscheiden kann ; aber auffallend ist es , dass 
man sie schon im Jahre 800 überall in um verwandelt findet. 

Die Zahl, {Numerus), Einheit und Mehrheit, oder Sitigidaris und 
Pluralis. 

Bildung der Mehrheit. 

§. 73. Die Bildung der Mehrheit aus der Einheit ist im Nord- 
friesischen sehr einfach und leicht, wenn man sich die weiter unten 
folgenden Abweichungen , Unregelmässigkeiten und Ausnahmen 
nur erst eingeprägt hat. Alle Hauptwörter, die in der Mehihcit 
vorkommen können, und eine hinzugefügte Endung erhalten, 
endigen sich, ohne Ausnahme, immer nur auf e, und behalten 
diese unverändert, wenn sie dieselbe schon in der Einheit haben. 
Die regelmässige Bildung der Mehrheit derjenigen Wörter, wel- 
che mit nacktem Stamme , oder ohne Nachsilben , da stehen , er- 
fordert bloss den Vorsatz des Geschlechtswortes da und die 
Anhängung des Buchstabens e, als: de Dick, da Dicke (Deich), 
jö ^rt, da Arte (Erbse), dät Bijn, da Biene (Bein), de Grünn, 
da Grümie (Grund), jö Klöck, da Klöckc (Glocke), dat BöJir, da 
BöJtre (das Bauer), de Klump, da Klumpe (der Klump, Kloss), 
jö Pump, da Pumpe (die Pumpe), dat Ljägt, da Ljägte (das Licht), 
de Säirk, da Säirke (Mannshemd), jö Wähg, da Wähge (Woche), 
dät Slot, da Slöte (Schloss). 

§. 74. Da alle Hauptwörter auf e dieselbe Endung im Pluralis 
behalten, so gehören dazu auch die mit den Endungen und Nach- 
silben eise, ense, ere und crne, als: de Dräge , da Dräge (Drache), 
de Krögc, da Kröge (Gräpen), de Käser e, da Käsere (Kater), de 
Wdnserne , da Wanscrne ( Besemer ) ; de Tachelse , da Tachclse 
(Deichsel). Einige Wörter, obgleich sie einen Plural haben, be- 
halten dennoch, wie im Deutschen, die Form der Einheit, wenn 
sie als Gewicht oder Zahlenmaassc stehen, z.B. fjauer Mark, tieu 
Pünn Flash, luhg Lüjdd Sihsscn, twellew Ihr üjll, u. s. w. 4 Mark, 
10 Pfund Fleisch, 2Loth Seide, 12 Jahr alt. 

H * 



108 

§. 75. Bei denjenigen Wörlern, die sich auf el, er, en und cm 
endigen, kann man nach Belieben das c vor dem Consonanten 
wegwerfen oder beibehalten, als de Fögel, da Fögele oder Fügte, 
de Färwcr , da Farwere. oder Fänvre, de Kögen, da Kögene oder 
Kögne , de Bäisem , da Bäiscme oder Bäisme , jö Fäihsem , da 
Fäiliseme oder Fäilisnie (Faden als Maass). Dasselbe gilt von der 
Endung ew, als: dät Wiereiv, da Wiereive oder Wienve (Gewerbe), 
jö ilärrew , da Härive (Egge), de Wäirew, der Warf (nicht die 
Werfte), de Kaurew (Korb), dat Färretv u. s, w. 

§. 76. Alle Wörter mit nacktem Stamme, mit Nachsilben oder 
andern Endungen , bekommen das e nur in der Mehiheit , wo- 
fern es nicht schon in der Einheit vorhanden war, von Avelchem 
Geschlechte sie auch immer sein mögen , als : Dögede , Faagede , 
Lönshriwweräie , Kinninge , Kinninginne , LonsJtappe , Kronkliäide , 
Wänigte , Hannernisse , Häiringe , Bocklinge , Sjücklinge , Bäirige , 
Spärrige , Fiirrige , Gulige , Stjülte , u. s. w. 

So wie es im Deutschen kein einziges weibliches Hauptwort 
mit der Endung en giebt, denn die Lehen, Pfingsten, Fasten 
und ähnliche sind Collectiva im PI. stehend , so giebt es im 
Nordfriesischen kein weibliches Hauptwort , das sieh auf e en- 
digt, denn das Diminulivum Döjlle, Töchterchen, ist, in sprach- 
licher Rücksicht betrachtet , eigentlich sächlich , wo man aber , 
wie bei Sühsse , Schwesterchen , auf das natürliche Geschlecht 
sieht , so wie wir im Deutschen nach den sächlichen Wörtern , 
Mädchen , Weib , Frauenzimmer u. s. w. , das weibliche Fürwort 
sie anstatt es gebrauchen. Die Friesische Endung e entspricht 
oft derselben Endung im Deutschen , bei männlichen Hauptwör- 
tern oft auch der Endung en. 

§. 77. Mehrere einsilbige Hauptwörter bleiben in der Mehr- 
heit ganz unverändert, und sind dann bloss kenntlich an dem 
Geschlechts Worte da, als: dat Swinn , da Simm , dän. et Sviin 
pl. Sviin, nd. Schwiin, pl. Schwiin, engl, swine, pl. swine; dat 
Griss, da Griss , dän. et Griis , pl. Griis {Ferkel) ; dät Sliäip, da 
Shäip, dän. et Faar, pl. Faar , nd. dat Schaap , de Schaap, 
engl, a sheep, pl. sheep; jö Müss , da Müss, dän. en Muus, pl. 
Muus, nd. Muhs, pl. Mühs, engl, a mouse, pl. mice; jö Lüss, da 
lüss, dän. en Luus, pl. Luus, nd. en Luss , pl. Lühs , engl, a 



109 

lousc, pl. licc; jö Bi, dii Bi, dän. en Bi, pl. Bier (zweisilbig), 
engl, a bee , pl. bees ; de Täis , pl. Täis , nd. en Täbn , pl. Tälin , 
engl, a toolh , pl. tceth ; dät llir , da Ihr , dän. et Aar , pl. Aar , 
nd. dat Jaar, pl. Jaar, engl, a year, pl. ycars; dät Paar, da Paar , 
dän. etPar, pl. Par, nd. en Paar, pl. Paar; dät Shdnn, da S/imm , 
dän. et Skind , pl. Skind , engl, skin ; dät Pünn , pl. Pünn und 
Panne ^ dän. et Pund , pl. Pund, nd. Pund, pl. Pund , engl, 
pound ; jö Mark, pl. Mark, dän. en Mark, pl. Mark, nd. Mark, 
pl. Mark, engl. mark. — Anwendung in einzelnen Beispielen: 
Ick Itäw Stvinn , S/iäip , Griss , Bi aji Shdnn haß , ich habe 
Schweine, Schafe, Ferkel, Bienen und Schinde (Felle) gekauft. 
De Jönge as aagt Ihr iijll , der Junge ist acht Jahr alt. Fawr en 
Trolling , dir man tien Pünn waug , häw ick thug Mark däjn , für 
ein Brot (Laib) , das nur zehn Pfund wog , habe ich zwei Mark 
gegeben. Man holde Täis det me sier, an ick häio all trä Täis 
iittijn lel , mein hohler Zahn thut mir weh , und ich habe schon 
drei Zähne ausziehen lassen. — Das Wort Pünn hat auch die 
Mehrheitsendung, als: dätwjän Lüjdde anPünne, es waren Lothe 
und Pfunde; hehet Pünne, er hat Pfunde, ist schwer an Gewicht. 
Von dem Worte Ihr, Jahr, hat man auch die alte Mehrheitsform: 
da Ihringe, und im Dänischen : Aaringer, In Lindholm spricht man 
de Taus in der Einheit , und nur Täis in der Mehrheit , was mir 
richtiger zu sein scheint. 

§. 78. Andere einsilbige Wörter unterscheiden sich in der Mehr- 
heit durch einen Umlaut, als: jö Gaus, da Gäis, dän. en Gaas , 
pl. Gjäs, nd. de Gohs, pl. Göhs, engl, a goose , pl. geese ; de 
Taus, da Täis (s. §. 77); de Fäujtt , da Fäjtl, nd. de Foht, pl. 
de Föht, engl, a foot, pl. feet; jö Ko , da Ke, nd. de Ko, pl. 
Kö und Köi , engl, cow, pl, kine; de Mann, da Mann, dän. en 
Mand, pl, Mänd, engl, a man, pl. men; dät Leess, da Lähs , dän. 
et Las, pl. Las; de Shauch, pl. da Shur, dän. en Sko, pl. Sko, 
nd. Schob, pl. Schob oder Shöh. — Das Wort Mö/m wird auch, wie 
im Deutschen, mit der Endung des zweiten Falles in der Re- 
densartgebraucht: Manns für etwas sein, als: Ick bdn'r de Mönns 
[aar, ich bin dir Manns dafür, u, s. w, 

§. 79, Von denjenigen Hauptwörtern, welche das j unmit- 
telbar nach dem i vor den Buchstaben / und n haben, verlieren 



HO 

folgende dasselbe Avieder in der Mehrheit, als: dät Dijl, <\ä Diele; 
i. Das Ding, 2. der Theil, 5. das Theil; dät Fijl , da Fiele, das 
Rad; dät Maß, da Mäile, das Mal, das Mahl; de Äjl, da Äile , 
der Aal; dät Päjl , da Päilc , Pfütze, Lache; jö Sprijn, auch 
Sprien, da Spriene, di&v Staar (Vogel); dät Bijn , da Biene, das 
Bein; de Stijn, da Slienc , der Stein; de Wäjl, da VFäi/e, der 
Weiher, die Wehle oder der Wehl. Alle übrigen Wörter, wohin 
auch Bestimmungs- und Zeitwörter gehören, behalten das j auch 
in der Mehrheit bei, wenn sie es in der Einheit haben, als: dät 
oder de Bijnn , da Bijiine , Bänder; jö Trijnn , da Trijnne , die 
Weife; glijnti , glüh, glühend, da glijiine Kohle; xvijnnen , wen- 
den; sijnnen , senden; hißunen , 1. mit den Händen auffangen, 
2. sich ereignen ; tijnnen , zünden u. s. w. Doch macht hiervon 
die Silbe äiijl eine Ausnahme , die meistens in aule übergeht , 
wie in: dät Bäujl, da Bank; de Stäiijl, da Staule , Stuhl; dät 
Sliäujl , da Sfiaule, Schule, u. s. w. 

§. 80. Einige Beispiele zu den Uebergängen der Yocale und 
Diphthongen in andere, als: äi in ege, ö in aa und ö, e in ä, äh, 
d in ä , ü in u , uh , äu in au, d in e , i in e, ä und äh in e, o 
in 07/ , u. s. w. , als: de Däi , da Dege und da Daage; dät Blök, 
da Blaage ; dät Stock, da Stöge ; dät Less, da Lä/ise; de Smdss , 
da Smdhse; de Süss, da Su/ise; gäujd , de Gause ; jö Kraß, da 
Krefte ; jö Stich, da 5^e^e; dät Swinn, Swenneßash; jö Stähs, da 
Stehse; dät Shrön , da Shröhninge. 

§. 81. Uebcrgänge der Consonanten in andere ergeben sich aus 
dem Folgenden, als: /"in ?«, /l; in//, t in ss, //s, c/i in g, pp in /t-, 
ff in w ^ u. s, w. Beispiele sind : dät Block , da Blaage ; dät 
Stock, da «S/öf/e; de i>äi, da Dege; de VFöt, da Vfe^e; jö Stich, 
da Stege; de Krich , da Krege; dät Bräif, da Bräiwe; jö Grauf , 
da Gratiwe; dät ßi«/", da Buive ; dät S/ee/", da Slawe; dät Greef , 
da Grawe; dät Fäi, da Fft//se; dät F^/, da Fähse ; dät iVeef, da 
iYä//se und iVe/e; dät Sjxi^ da Spühse; de T///>/', da Thiewe; dät 
/Jee/", da iJäiüe; dät AS^ä/zs , da Stehse; jö SMZ/s , da Stehse; de 
Swss, da Suhse; dät A7«<ss, da Kluhse; de Smdss, da Smdhse; jö 
Shicss, da Shiehse ; dät Shdpp, da Shdwe; dät ^ärf, da Bähse, 
u. s. w. Diese sind, der Reihe nach, folgende, als: der Block, 
das Stück , der Tag , Weg , Steig , Krieg , Brief , Graben , 



111 

Garnslrähnc , Fassdaubc , Grab, Schüssel, Botlicli, Netz, Spicss, 
Dieb, Fuchs, Statt, Stadt, Brunnen, Tuch, Schmied, Löffel, 
Schiff, Bad. — Von den vorstehenden dürfen folgende nicht 
mit andern , ihnen ähnlichen Wörtern verwechselt werden , als : 
dät Ruf, da Ruwe, die Strähne, und jö Ruliw , da Ruive , die 
Rulhe oder der Arm einer Windmühle; de Smass , da Smähse, 
der Schmied , und jö Smähs , da Smähse , die Schmiede , so wie 
de Smähs, da Smähse, der Wurf; jö Shiess , da Shiehse, die 
Scheide; dät Shdp^) , da Shäwe , das Schiff, jö Shaw, da Shäwe, 
die Schabe; da Rähse, die Bäder, da Bcihse, die Meister, nd. 
Baas, und de Bähse, der Nutzen; dät Sjultt , da Spähse, l. ein 
Spicss, wie: Härespatt, Ljägtspatt, der Dengelspiess , dän. Iläre- 
spid, Lichtspiess, 2. ein Spatenvoll, 3. Späth der Pferde am 
Knie, auch Spät genannt. 

§. 82. Folgende einsilbige Hauptwörter mit den Endbuchsta- 
ben ss, ff, m, n und r, bekommen in der Mehrheit die alte En- 
dung inge , als: dät Hüss, da Hühssinge (Haus); dat Krüss , da 
Krühssinge [Krug , als Gefäss); de Mass, da Mühssinge (Mund); dat 
Shüff, da Shüwwinge (Schubladen) ; dat Kniff, da Knmivmge (Messer); 
dät Liff . da Liivwinge (Taillen); dät Rmim, da Röhminge (Zim- 
mer); de Tünn , da Tühningc (Gärten); dät Shrünn, da Shrüninge 
(Lade, Kiste, Schrein); dät Ihr, da Ihringe (Jahre), dän. et Aar 
und Aaringer. 

§. 85. Folgende bckonmien in der Mehrheit die Endung cne , 
als : dat Uhg , da Ugene (das Auge) ; de Mdnshe , da Manshene 
(Mensch); deHögse, da /fö^/sewe (die Kniebeuge, Häckse); de Jönge, 
da Jöngense ; so wie die nur im Pluralis stehenden Collectiva : da 
^gene (Spreu); da ^Uerne (die Eltern); da Süskene; da Axene, 
die Ochsen. Nachstehende , welche sich auf ch endigen , behal- 
ten diesen Buchstaben in der Mehrheit , als : dat Lach , da Lache 
(die Schicht); dät Twich, da Twiche (der Zweig); jö Blech, da 
Bleche (das Laken); de Such, da Suche (der Zober); de Uch, da 
Uche (die Wand); jÖ Stich, da Stiche und Stege, s. o. , der Steig. 
Andere verwandeln ch in g, wie oben unter Krich, pl. Krege, 
blöch (blöde) in Blöged , u. s. w. 

Die Endung cne, erne , ist die bestimmte Mehrheitsform aller 
dänischen Hauptwörter, die in der Mehrheit gebraucht werden 



112 

können, als: Mand, Mann, en Mand , ein Mann, Mäiid , Männer; 
Manden , dei' Mann , Mändene , die Männer ; ebenso : Axene , die 
Aehren ; Aagene , die Joche ; Bordene , die Tische ; Husene , die 
Häuser ; Stuerne , die Stuben , u. s, w. Diese Endung ist aber 
auch angelsächsisch, wie in Edge , Auge, Genitivus Pluralis : ea- 
gena ; Steorra , steorrena ; Tunge , tungena ; Eare , earena , der Ohren ; 
Cliwe , cliwena , der Knäule ; Nama , namena , der Namen ; Cuma , 
cumena , der Gäste ; Lichoma , lic/iomena , der Leichname ; Wuce , 
wucena , der Wochen. Diese haben auch im Genitivus Singularis 
undimDativus a7j, als: Tungan, der Zungen, Sunan, der Sonnen, 
Wucan , der Wochen, Eordan , der Erden, woraus man zugleich 
die Herstammung dieser Formen im Deutschen erklären kann. 

§. 84. Die Namen abstracter Gegenstände können nur dann 
eine Mehrheitsform haben , wenn man sich dieselben vervielfäl- 
tigt denken kann, als: da Krönkltäide, Licknisse , Dögede , Lägene 
(Lügen), Tijnste , Wanshe, Wönräjdde, Dönse , Uttßügte , u. s. w. 
Auch manche Mengenamen können keine Mehrheitsform anneh- 
men , als : dät Saaken , dät Tjück , dät Fäujlh , dät Säjdd , dät 
Untjöch; wogegen andere nur allein in der Mchrbeitsform stehen 
können , und einige , die zwar auch als Gattungsnamen stehen , 
doch gewöhnlich nur als Mengenamen mit der Mehrheitsform 
gebraucht werden; wie z. B. dät Haler, das Haupthaar, 2. dät 
Haler, ein einzelnes Haar, pl. die Haare; dät Slräl coli, jö Strül, 
pl. da Slräie , die Halmen; dät Hulem coli, ohne Mchrbeitsform. 

§. 8S. Folgende Collectiva kommen nur in der Mehrheit vor , 
als: da Feste, die Fasten; da Pajngsdege, die Pfingsten; da Wleh- 
dege , die Schmerzen, Wehtage; da Mlddle , Vermögen, Reich thü- 
mer; da Mälhslmge, die Masern; da Bögslinge , die Beinkleider; 
da Anne, die Buttermilch ; dä^gene, die Spreu; däTwäge, die He- 
fen; da Häjdde , die Hede; da Axene, die Ochsen; da Beere, die 
Gebehrden ; da Söshene , die Geschwister ; da ^llerne , die El- 
tern; da Frünne, Verwandte; da Träme, der Lädel oder Drumm; 
da Lalise, die Gliedmassen; da KluJise, die Kleider; da Rönte, die 
Renten; da Häckelse, der Häckerling; da SUechc, die Prügel; da 
Stiirre, aufwärtsstehende Spitzenfalten als Kopfputz der Frauen- 
zimmer; da Flame, die Flaumen der fetten Schweine; da Rainke , 
die Ränke; da Sporlle, die Sportein; da Fcrle , die Ferien; da 



113 

Wätvle , der Webstuhl ; da Tontle , die Klöppel zum Band- und 
Spitzenklöppeln; da Nucke, nd. Nucken, dän, Nykker; da Träh- 
se, Trethölzer am Webstuhle; da Nocke, der Schlucken; da Ock- 
linge, die Räume unter dem Dache zwischen den Sparren, wo 
Dach und Boden zusammenstossen ; da Grille, die Grillen; da 
Kndppelse, die Spitzen. — Die nachstehenden kommen auch meistens 
nur in der Mehrheit vor, können aber auch in der Einheit ste- 
hen, und haben dann die Mehrheit neben sich, wenn sie als Ap- 
pellativa gebraucht werden, als: da Nöcke , die Häkchen an der 
Spindel; da Säle, die Kumpten; da Pocke, die Blattern; da Tonte, 
die Finnen im Speck; da Shäive, die Schaben; da Frönne, die 
Gefreundten; da Nöstringc, die Nüstern, auch von Menschen, die 
Nasenlöcher; da Slägge, die Schlacken; da Snijdde, die Grieben; 
da Flecke, die Arme der Spindel; da Grottemänns , coli, ohne Sin- 
gul., die "Vornehmen und Reichen; da Ldjtlemänns , das Gegentheil 
davon; da Haadlinge und FäjUlinge , zu Raupten und Füssen 
des Bettes. Von diesen können auch folgende, wie die im vori- 
geng zuletzt angeführten, als Gattungsnamen stehen, und ihre Ein- 
heit ist dann: de Pocke, die Pocke; jö S/iäw, de Frünn, jö Nö- 
string, de Slägge, de Snijdde, de Nöcke und de Flecke. 

Anmerk. i. Die einsilbigen Wörter, welche nur aus zwei bis 
drei Buchstaben bestehen, und sich auf einen Vocal endigen, ha- 
ben diesen immer stark betont, als: jö Bi, die Biene; jö L6, die 
Tenne; jö La, die Sense; jö Brö, die Brücke; jö Ko, pl. Ke, die 
Kuh, Kühe; dät Bd, die Reihe, Zeile; jö Bö, die Ruhe; dat Klie, 
die Kleie; de Die, der Teig; jö Lie, die Miethc und die Heuer; 
dat Pie, ein Untcrröckchcn der Frauenzimmer, und ähnliehe. 
Die Mehrheit ist hier regelmässig, und ist: da Löe, da Lde, da 
Bröe, da Bde, da Pie-e. Jö Bi und jö Ko, siehe oben. 

Anmerk. 2. Die Mehrheit der menschlichen Eigennamen ist 
regelmässig, als: Benne, Jdnse, Düe, Nickelse, Nägelse, Jauncsse, 
Tahse, Siewerte, Karstene, Släjnne, Hagle, Tungle, Kie-e, Geshe, 
Böjlte, Sössle, Getreue, Maläine, Ammere, Megräjtte , Poppe, Heike 
und Linke, oder: Benden, Jense, Düen, Nickkelse, Jonasse, T/taden, 
Siewerte (Siegwarle), Karsten , Stene , Högel, Dankle/fe, Kie-en , Gesehen, 
u. s. w. Die Stammnamen endigen sich gewöhnlieh auf sen (abge- 
kürzt aus söhn), wo man aber bei der Bildung derselben oft ziem- 

15 



ii4 

iieh willkührlich vcrrahrl; so wird aus Benne Bansen, aus Jeiu 
(fries. Jans) Jansen, aus Düe Dühssen, aus Sfflyw Stäjnsen, aus 
Gödber Gödbersen u. s. w. Im täglichen Leben giebt man so- 
wohl weiblichen als männlichen Vornamen ein t, wo es sich nur 
immer zwanglos anfügen lässt, und dem Stamranamen das Zei- 
chen des Genitivs, nämlich ein s, und spricht: Bennet Jansens, 
Bönet Gesliens, Mummet Andräisens, Andräist Megräjttens, Getrent 
Gödbcrs, Sieket Sankens. Klaait Päjtters, Jüskct Sankens, u. s. w. 
Diess ist eine Zusammenzichung aus äjtt (das englische at, zu, 
in), und ist soviel als in dem Hause des Vaters oder der Mutter, 
dazu gehörend, und löst sich so auf: Benne äjtt Jansens, Bonc äjtt 
Gexlietis, Andräis äjtt Megräjttens (nämlich Hause oder Familie). 
Man [fragt z. B, jemand: HuJim ging dirr faarbäiF Wer ging da 
vorbei? und die Antwort ist: dät was Klaait Päjtters, das war Ni- 
colas zu Peters. Fragt man dagegen nach dem eigentlichen Na- 
men einer Person, als: hörr hätthe? Wie heisst er? hörr IiättjöF 
hörr Iiätst döF so wird der wirkliehe Name genannt, als: he hat 
Carsten Paulscn,jö hat Sossei Hansen, ick liijlt Uwe Dühssen u.s. w. 
Ist man bei irgend jemand im Hause, zum Besuche, in Geschäften 
U.S.W, gewesen, so wird diess, wie im Dänischen, durch äjtt mh 
dem zeichen des Zweiten Falles ausgedrückt, als: Ick hähiv äjtt 
Melln-s, Faageds, Geshens , Andräisens tvähn, ich bin beim Mül- 
ler, beim Vogte, bei Gesche, bei Andreas gewesen; dän. Jeg har 
väret hos Prestens, Möllers, Doctcrens, Hansens u. s. w. , leb bin 
beim Prediger, bei Herrn Möller, dem Doctor, Herrn Hansen gewesen. 



Abänderung des IJauplwortes (Declinalio). 

§. 8C. Die Abänderung des Hauptwortes ist einfach und leicht, 
denn nur im zweiten Falle beider Zahlen, der Einheil und Mehrlieit, 
wird demselben ein * angehängt. Da wir die Bildung der Mehrheit 
bereits kennen gelernt haben, so brauchen wir hier keine beson- 
dere Abänderungsarien zu machen, indem sie sich im Wesentlichen 
alle gleichen. Zuerst wollen wir einige der einsilbigen und dann 
einige mehrsilbige Hauptwörter als Beispiele nehmen, wie: de 
Bijnn, der und das Band; dät Bijn, das Bein; jö Bai, die Beere, 



Uli 

Einheit. £^ in heil. 

männl. welbl. sächl. mäiinl. wcibt. säcliL 

N. de Bijnn, ']ö Bai, dal Bijn. N. de Kr ö(jc,']ö Säg el, dal Kr äivel. 
G. de Bijnns, }ö Bäis, dal Bijns. G. de Kruges, ']ö Sägeis, dal Kräwels. 
Dat. und Accus, wie der Nominativ. 

Mehrheit. Mehr heil. 

N. da Bijnne, da Bäie, da Biene. N. da Kröge, da Sägle, da Kräwle. 
G. da Bijnnes, da £äie*, da Bienes. G. da Kröges, da Sägles, da Kräwles. 
Dat. und Accus, wie der Nominativ. 

Eben so: de ^pel, de ^pels, da y4|j/e, da Aples; de Auwen, de 
Autoens, da Amw^hc, da ^Miü'we*; jö Meilen, jö Mellens, da Mell'ne, 
da MelVnes; dät Häigen, da Häigene, da Häig'nes; auf er, de Fid- 
der, de Fidders, da Fiddre, da Fiddres ; jö Mudder, jö Mudders, 
da Muddre, da Muddres; dät Jücker, dät Jückers, da Jückre, da 
Mckeres (die Gerte); auf em, de Bäisem, de Bäisems, da Bäis'me, 
da Bäismes; jö Blossem, jö Blössems, da Blössme, da Biossines; dät 
Hulem, dät Hulems, ohne PI.; auf e;e und er«e, de Kahsere, de 
Kahseres, da Kahsere, da Kahseres; de Wadderne, de Vfadrfeme*, 
da Wadderne, da Waddernes; auf e<, crf und erf, als: dät ^w^ef 
oder Huged, dät Hügels, da Hugede, da Hugedes; jö Döged, jö i)ö- 
yerf*, da Dögede, da Dögedes; de Faaged, de Faageds, da Faagede, 
da Faagedes; jö ^nerl, jö ^nerls, da inerte, da inertes; dät 
Läiget oder Läiged, dät Läigets, da Läigede, da Läigedes, u. s. w. 
Die hier angeführten Wörter sind der Reihe nach: Grapen, Sichel, 
Krüppel, Apfel, Ofen, Mühle, Kissen (Stuhlpolster), Vater, Mutter, 
Gerte, Besen, Blüthe, Langstroh, Kater, Wittwer, Anhöhe, Tugend, 
Vogt, Ente, Seichte oder Niederung. Auf igi, %, ic/i<,als: de 5ät- 
ri^, de Bäirigs, da Bäirige, da Bäiriges (der Berg); de Bieligs , da 
Bieliges (Blasebalg); de Berigls (der Ernte), da Berigtes (der Ern- 
ten); dät Märrigs (des Markes), jö Merrigls (der Motze), da #tr- 
rigi/es (der Menscher). Aufmw, ingf und /iw«/, als: jö Kinninginns, da 
Kinninginnes; dät Wannings, da W««/M>?^e*; da Pännings, da Pä«- 
ninges; de Knäihlings, da Knäihlinges (Königinn, Fenster, Pfennig, 
Knie). Auf duhm, shapp und ä«, als: dät Kaiserduhms , da Äa«- 
Äerrf«ÄmM;|dät Lönshapps, da L5nshaj>])es ; jö Vrdwstäis , da Pmw- 



116 

stäies. Aui eise, häid und Vocale, als: de Tacitelses, da Tacfielscs 
(Deichsel); jö Krönkliäids , da Krönkimdes u. s. w.; jö Las , da La es, 
s. o., jö Brö's, da Bröes; jö Bl's, da Bi-es; dät Pie's, däPie-es; 
dat (/Äö*, dät Ufigs, da Ugenes; de Högses , da Högsenes, u. s. w. 

Anmerk. Das unbestimmte oder nichtbestimmende Geschlechts- 
wort ist im männlichen Geschlechte (in, im weiblichen und säch- 
lichen en, wird aber gewöhnlich in allen Geschlechtern nur 'n 
ausgesprochen, wie 'n Mann, 'n Wöff, 'n Bjärn, pl. Mann, Wöffe 
und Bjärne. Auch hier steht bloss das s im Genitiv, als: en Mönns 
Wöff, eines Mannes Weib; en Wöffs Mönn; 'n Bjärns ^llei'ne; 
Manns Wöffe, Wöff es Mann, Bjärties ^llerne. 



Zusammenselzung der Hauptwörter. 

§. 87. a. mit Hauptwörtern. Hauptwörter werden mit andern 
zusammengesetzt , ohne irgend eine Veränderung zu erleiden , 
als: dät ^mthüss , de u^mtmönn, de Bikaurew , de Beddselme, 
die vordere Bettwand ; dät Brüjdkrüdd , der ^Kümmel (wörtlich 
Brotkraut) ; jö DÖhrkläink , die Thürklinke ; de Fdllberehser , 
der Fellbereiter , d. i. der Gerber ; de Feestpose , Fausthand- 
schuh; jö Fläiijddtidd, die Flulhzeit; de Frägtwäien; de Gicht- 
u'ärk , der Gichtschmerz ; de Hälsdauk , das Halstuch ; de 
Hecfkaube, die weisse Möve; jö Hüsstugt, die Hauszucht; jö Holt- 
mäujnn, der Holzkasten; dät Jjllfät, das Feuerfass; de Kaardspä- 
ler , der Karlenspieler; dät Keclwäfiser, das Kielwasser; de Kläi- 
pracker, der Kleipicker, Zwergstrandläufer (Tringa rainula); de 
Krüddstup, der Blumenstauf; dat Kraugshild, das Krugschild; dät 
Kumttüäirk; jö Ljägtshäier ; de Lötete, die Tennendiele; jö Lodpott, 
der Glückstopf; de Mästbuhmm; de Plaugstjärt, der Pflugsterz; 
dät Rinnwahser , Regenwasser; jö Saaldöhr , Saalthür; dat Sältfät; 
dät Siddstock, Seitenstuck; dät Killstiatick, der Kesselhaken über 
dem Heerde; dät Simllbauck, das Schuldbuch; dät Sniewahser, 
Schneewasser; de Ställbraiihser , der Stallbruder; de Täiswärk, 
Zahnschmerz; jö Theedaulis, die Theedose; de Wäiwihsser , Weg- 
weiser; Sdmmilisser , Sonnen weiser; dät Würmkrüdd , der Wurm- 
saainen; dät Wägsljägt; dät Snöträfiser, das Rotzniaul , Rotznase; 



117 

de Pdcklräjdd, der Pechdraht; de Diekfaaged, der Deichvogt; de 
Dickgraaw , der Deichgraf; dät Blmjdsluhggerjörn, das Lasseisen; 
de Stößwäst, der Spinnsläuber; dät Päujnngäujd, das Pfandgut; 
de Mjögsställe , der Misthaufen; de Gjärsglüpper , die Eidechse 
(Grasschliefer); de Gjarshöpper ; de Fänjttseck; de Stijnwäll; jö 
Staalkniep , die Stahlschnalle ; de Aasknaake , der Aasknochen 
(Schimpfwort); de Tjüdderwjarlse , Spannstrickwirtel ; de Liffrögl, 
das Leibgericht; jö Issspör, der Eissporn; de Naasdauck, INasen- 
tuch; de Gitshäls, der Geizhals; de Töllforwalter , Zollverwalter; 
de Krüsswäi, der Kreuzweg; dät Köhlwaser, Grubenwasser; dät 
Lüjnärbed, Lohnarbeit; jö Bliekugel, Bleikugel; de Köstgainger, 
der Kostgänger; de Kanntjäwse , der Kiefer, Kinnbacken; dät 
Bjärdsiep, die Bartseife; dät Bierglees; jö Fliegklapp, Fliegenklat- 
sche; de Mältpöse , Malzsäckchen; de Gijlpung , Geldbeutel; jö 
Möhrshiess, die Mauerkelle; jö Lickkärst, der Sarg; de Sällrieme, 
der Sattelriemen; de Küjlstijtter, der Kohlstösser; dät Beddstähs, 
die Bettstelle; de Släipdrdnk, der Schlaftrunk; dät Mislivähser, 
Nebelwetter; de Ailebitter, der Blutegel; de Trästgrünn , Trost- 
grund; dät Lußtiecken, Luftzeiehen; dät Bräifät, die Grützschüs- 
sel; jö Nägtmäh\ der Alp; jö Uchlüss, die Wanze; de Säjdlupper, 
der Säekorb; dät Hdrtbleess, das Herzblatt; dät Möhrswinn, der 
Kelleresel ; de Ufigäpel , der Augapfel ; de Küjlstrück , der Kohl- 
strunk ; jö Brüjdrinn , die Brotrinde ; de Bistöck , der Bienenstock ; 
de Faurmönn, der Fuhrmann; de Bauckbinner , der Buchbinder; de 
Ljägtgijtter , der Lichtgiesser; de Ißägtstiejier , der Lichtzieher; de 
Järdhupp, der Erdhaufe; jö Nüjdlägen, die Nothlüge; de Gjärs- 
tole, der Grasbusch; de Koßujtt, der Kuhfuss (ein Brecheisen); de 
Pickstöck ; de Pulsedder , die Pulsader ; jö Rinn fläg , der Regenschau- 
er; de Sannenne, der Sonnabend; dät ShäMJlhüss, das Sehulhaus; 
jö Fäjllslägt, die Feldschlacht; dät Shüjttshann, das Schurzfell; 
de Sniemönn, der Schneemann; de Springstöck; de Slahkpule, 
der Staketpfahl; de Stammbuhmm , der Stammbaum; dät Stünn- 
glees, das Stundenglas; dät Struhmmivahser , das Flusswasser; de 
Sweessbüjlke , der Schwadenbaiken beim Mähen; dät Stäpstähs, 
der Siegel ; de Winnbottel , die Weinflasche ; jö Wönräjdd , der 
Wahnrath, s. o.; de Kalktwäst, der Tüncherpinsel; de Fläshkhmp , 
der Fleisthkloss ; de Hmmujedd, der Hornhecht; dät Mähhlöf, 



118 

der Mchlstaub; de Winnljaalcv , der Weinkeller, u. s. w. 

Wörter, welche sich auf e, el, en, er, ein, ere, crne, ehe und 
ig endigen , Averden , in der Regel , mit andern unverändert ver- 
bunden, als auf c: dät Aiinewällmg , Buttermilchssuppe; de Bur- 
retöle, der Klettenbusch ; deBullepäse, der Ochsenziemer; da Foh- 
lefäilt, die Fohlenfüsse, d. i. der Huflattich ; de Gremetögel, der 
Ilalfterstrick ; de Uöckel/ijnn, das Garbenband; de Hömestöck, der 
Haraenstah, Reusenstab; dät Jöhseshäujl , die Judenschule; dät 
Kragenest, das Krähennest; de Mägesndps, der Magenschnaps; dät 
Örnespek , der Eberspeck; de Tömetiägel, der Daumennagel; de 
Sälering, der Kumptenring; dät Klobbelddd, der Koberdeckel; de 
Lönhepose, das Hüftpolster; dät Mönehäier, das Mähnenhaar; dät 
Näujttehauch , das Notenbuch; de Plünnemönn, der Lumpensamm- 
ler (Plundermann); jö Röggewopp, die Roggenähre; dät Wijttesträi, 
das Weizenstroh; jö Slängehüdd, die Schlangenhaut; de Tome- 
stock, der Zollstab; jö Thranekrnck, die Thrankrucke, u. s. w. 
Auf el: de Bibellescr ; de Kräwelstäujl ; jö Kägelbaan; de Pndel- 
hünn; jö Prägelholis, der Strickstrumpf; de Gichelboge, der Gei- 
genbogen; de Sägels7ndss, der Sichelschmied; jö Ddgelpott , der 
Tiegeltopf; de ^Iiseldriwwer , der Eseltreiber; jö Pieseldöhr, die 
Pieselthür; jö Fläielkäpp, die Flegelkappe; dät Shauwelbleess , das 
Schaufelblatt; de Stanppelijntie , das Stoppelende; de Ungelhäge , 
der Angelhaken. Auf en: jö Auwenshäivel , der Ofenschieber; de 
Wäienkaurew, der Wagenkorb; jö Kögetidöhr, die Küchenthür; jö 
Mellenruhw, die Mühlenruthe, Arm; dät Tiekenbauck, das Zeichen- 
buch. Auf er; de ^nkerr'mg ; dät Ekerfäjll, Ackerfeld; de Fdjn- 
gerhäujdd, der Fingerhut; de Hämmerstele, der Hammerstiel; de 
Thaserbrdi, Buchweizengrütze; de Lädderbüjlke , der Leiterbalken; 
jö Räkkerköhl, die Schindergrube; de Tjaalerhäls, der Kellerhals; 
de Klöiuiverstöck ; de Mudderivlts, der Mutterwitz; dät Fauserhdjn- 
ten, das Futterhemd; de Öferdäi, der Opfertag; de Wähscrgälle , 
die Wettergalle; dät Tännerkrück (jö), Zunderbüchse; dät Mäi- 
slerstock, das Meisterstück; de Böhserbüsh , die Butterbüchse; jö 
Süsterkäg, der Schwesterkuchen; dät Shullerbleess , das Schulter- 
blatt, u. s. w. Auf em: dät Akennläss, das Armgelenk; jö Bau- 
semdöhr, die Stallthür; de Blössemstele , der Blüthenstiel; dät Hu- 
lembünn, das Halmband; de Bäisembinner , der Besenbinder, u.s. w. 



119 

Aui cre und erne: dät Wähserefläs/i , das Hammelfleisch; dät Kä- 
sereshatin, das Katerfell; de Wadderneständ , der Wittwerstand ; 
dät Ponternehaad, der Wiesbaumkopf; dät Hijnscrnctjöch , der Brun- 
nen seh Avengel , u. s. w. Auf eise: de Tdclielsehäge , der Deichsel- 
haken; de Rückelsebush, Riechstrauss von Blumen; dät Räjddelse- 
bauck, dasRäthselbuch; de Läpelseluper , ein Pferd, das durchläuft, 
dän. löbsk , läufisch ; de Häckelsekämmer , die Häckselkammer ; 
Häckelsekdrst , Häcksellade ; Häckelsehiiff' , Häckselmesser ; dät 
Spaiickelsetähl , das Gespenslermährchen. Anf ig-, de Bäiriglöj)p, 
Bergspitze; dät Hälligläujnn , das Halligland; dät Tnligljägt, das 
Talglicht; de Fiüigeker , der Brachacker; de ßieligtölt, die Liese 
am Blasebalg; de Märrigknaake , der Markknochen. 

Die Endungen ing , ling und inn erfordern bei der Zusammen- 
setzung mit andern durchgängig den Buchstaben e, Avie in: jö 
Ämingeshäier , die Osenschere, welche gar nicht exislirt und viel- 
leicht nie existirt hat , womit die Strohdachdecker das untere Ende 
des Daches an der Traufe abputzen sollen. Zum Scherz schickt man 
einen Knaben zum Nachbar um die Traufenschere, wo er dann im- 
mer weiter zum nächsten gewiesen wird , bis er das Dorf entlang 
ist und als Geäffter zurückkommt; dät Wdnningeshurew oder -shiu- 
wing, die Fensterkerbung , eine eigene Bauart altfriesischer Häu- 
ser, die man nur noch selten und nur in alten Häusern antrifft. 
wo vom obern Ende des Fensterfutters breite, schräge Bretter 
bis an die Decke zusammengefügt sind, vormals gegen ücber- 
schwemmungen , um sich auf den Boden zu flüchten , der sonst 
zugleich mit der Mauer stürzen würde; de Shäivringehäge , der 
Haken an der Brunnenstange; dät Hijllingeshjärn , Nachgeburtsun- 
rath; Kinningeforsömling , Königsversammlung; jö Knäiblingetrel, 
die Kniescheibe; de Replingeplöck, die Wurstprickel ; dät ^nncr- 
lingeshann , das Lammfell von einem ein- bis zweijährigen Mutter- 
lamm; de Spillingebuhmm , der Spillingbaum (gelbe Pflaume); dät 
Twdnnlingepär , das Zwillingspaar, u. s. w. 

Die Endungen du/im, shapp und liäid erfordern ein eingescho- 
benes s, als: de Allerduhmskänner , der Allerthumskenner; jö 
Hiesenduhmstidd , die Heidenthumszeil; de Selsliappsbrauser , dev 
Gesellschaftsbruder; de Lönshappstiekner , der Landschaftszeiehner; 
dät Aienshappsiihrd , Eigenschaftswort; Näibershappsbrück , Nach- 



120 

barschaftssitte ; Krönkhäidstieken , Krankheitszeichen ; Sünnhäids- 
tösländ, Gesundheitszustand, u. s, w. 

§. 88. Diess sind die allgemeinen Regeln, welche sich über 
die Zusammensetzung der Hauptwörter mit ihresgleichen geben 
lassen. Wir wollen nun auf die Ausnahmen aufmerksam machen. 

Von den einsilbigen Wörtern, ohne bestimmte Endungen, be- 
kommen mehrere, wenn sie als Bezeichnungswort stehen, den 
Buchstaben e. Diess gilt besonders da , wo das Bezeichnungswort 
sich dem Grundworte ohne Sprachhärte nicht anschliessen kann, 
und allemal, wenn der Gegenstand des Bezeichnungswortes in 
der Mehrheit gedacht wird. Zu der ersten Art gehören folgende, 
als: de Alk, dat Älkeshann, das Iltisfell (auch Alringeshann) ; de 
Bläisehäls, der Blasenhals; dät Bosseslöt, das Büchsenschloss; de 
Driigesaß, der Traubensaft; dat Hänneäi, das Hühnerei; de Hä- 
gepule, der Heckpfahl; de Hdjnstestjärt , der Pferdeschweif; de 
Hingespicker, der Angelnagel; dät Hünnehüss, das Hundehaus; 
de Hillebuhmm , der Fliederbaum; de Klöckestring , der Glocken- 
strang; dät Lämpesnaiick , die Lampenkette; dat Pöppeliütt, der 
Pfeifendeckel; dät Pönneladd, der Pfannendeckel; de Pungetwäst, 
die Beutelquaste; de Römmclmurn , das Bockshorn; dät Ringelap- 
pen, das Ringeltappen (ein Abendspiel im Freien für junge Leute 
beiderlei Geschlechts); dät Rötekrüdd, das Rattenkraut (Arsenik); 
iö Säirkeslieiv , der Hemdärmel, an Mannshemden; p Smdckespung , 
die Hemdenspange, an Weiberhemden; dät Siepeivahser , das Sei- 
fenwasser; da Nüjltefläsh, dät Bäistcßäsh (dasselbe); dät Sliruwe- 
haad, der Schraubenkopf; dät Sndggehüss , das Schneckengehäuse; 
Söhgemolke , Saumilch; S/iäipetuUg , Schaftalg; dät Rauckenebb, 
der Rabenschnabel; dät Staurkenebb, der Storchschnabel; ']ö Strüc- 
keräujtt; dät Suhsewahser , das Brunnenwasser; de Sivunehals, der 
Schwanenhals ; dät Swinn , dät Swenneßäsh , Schweinefleisch ; de 
Tannehaupp , das Tonnenband; de Tunenägel, der Zehennagel; de 
Stjüttebüsshe, das Weizenbutterbrot ; dät Wäilewaliser , Weiher- 
wasser; de Kättestjärt, i. der Katzenschwanz, 2. die Blutähre (Ly- 
thrum Salicaria); de Stiere/taurn , das Ochsenhorn; de Faanesmass, 
der Fahnenschmied; dät Haadefläsh, das Kopflfleisch ; dät Liepeäi, 
das Kiebitzei; dät Nillebleess , das Nesselblatt; dät Rmvekriidd, das 



121 

Kübenkraut; dät Tweijcßäsh , das Quäncn- oder Färsenfleisch; jö 
Wuppesting , die Aehrengranne , u. s.w. 

§. 89. Bei folgenden ist die Mehrheit des Bezeichnungwortes 
deutlich angezeigt, als: de Baanetale, der Rainfarrenbusch; de 
Billekriemer , der Bilderkrämer; de Blöchedräier , der Block- oder 
Scheibendrechsler; de ßossesmass, der Büchsenschmied; dät Hdjn- 
sle- Bäiste- Swenne- Shäipe- an Göscmärked , der Pferde- Vieh- 
Schweine- Schaf- und Gänsemarkt; de Buhmmeiünn, der Baum- 
garten; jö Grauwedieling , die Grabenvertheüung; de Kniepcmäger , 
der Schnallenmacher, Spängier; de Glauwesmass, der Spaten- 
schmied; de Knöppemäger , der Knopfmacher; de KrebbeMtter, 
der Krippenbeisser; jö Pörnewöff, die Pornfrau; dät Bdbbeßäsh, 
das Rippenfleisch; dät Rausewahser , das Rosenwasser; dät Säihse- 
fet, der Käsehottich; dat Sliieliserdck, der Löffelriechel ; de Stäi- 
rekieker , der Sternguker ; jö Täweläujdd , das Petzenrammeln; 
dät Thieivepäck , das Diebspack; dät Thiegewärk , der Lenden- 
schmerz; dät HünneAäivent , das Hundeleben; jö Wöffesömmling , 
die Weiberversaramlung bei einer Gebährenden ; de Röshetale, 
der Binsenbusch ; de ^plebuhmm , der Apfelbaum ; de Peere- 
Plöme- Nähse- Kassebäiebuhmm , der Birn- Pflaumen- Nuss- und 
Kirschenbaum; deDdsheklüß, der Küchenhader; de Wuppesömmler , 
der Aehrenleser; Tanrnebusli , Dornstrauch; en Baatvlesemc , die 
Binsen- oder Simsenseime; Lähsewärk, Gliederschmerz; Wäwle- 
kaumm, der Kamm zum Webstuhl; de Stickelsbdiebush , Stachel- 
beerstrauch; dät Räujttemäiis , das Möhrenmuss, u. s. w. 

§. 90. Einige männliche Rezeichnungswörter auf er bekom- 
men, bei der Zusammensetzung mit andern, noch eine angehängt, 
was sehr richtig ist, wenn man den rechten Begriff mit diesen 
Wörtern verbindet, die dann meistens im PI. stehen, oder doch 
als in demselben stehend betrachtet werden müssen, z. B. dät 
Shöterehüjtt , das Schützenboot, ein Boot, wie es die Schützen 
gewöhnlich gebrauchen; jö Dikkerekaar, der Deicherkarren; jö 
Täterepönn, die Zigeunerpfanne, dän, en Jydepande; de Söttere- 
prijnn, die Schusterpfrieme; dät Gönnerenebb, der Gänserichschna- 
bel; jöFcts/jereÄ;ärs^, der Fischbehälter; dU Kriemmerehüss , die Krä- 
raerdüte;, dän. et Krämmerhuus; jö Kraugerewöff , die Krügerfrau; 
dät Shjärderelüjn , der Schnitterlohn; dät Rn/isereshann , das Kalb- 



122 

l'cll von einem cin-bis zweijährigen Kalbe; jö Sndjlterelierberg , 
die Tischlei'berbcrge ; de Sltrüjderesulimm , die Schneidernath; dät 
Prcslereliüss , das Pfarrhaus, und einige andre. 

§. 91. Nachstehende Composita bekommen bei der Zusammen- 
setzung ein eingeschobenes s, als: de Lönsmönn, der Landsmann; 
de Ujllingsmöiin , der Oldingsmann , Odelsmann, (dagegen aber: 
de Lönmönn, der Landmann; de Bdddmönn, der Betlehiiann; de 
Jungmönn, der Jüngling); de Kric/ismönn, der Kriegsmann; dät 
Bäisljägt , das Tageslicht; de Wälsldjngde , die Wegeslänge; de 
Wrällsijnne, das Wellende ; de Märkedsdäi , der Markttag; de 
lYäüIirsjewe , die Neujahrsgabe (Geschenk) , aber dät Ihrmärked 
ist nicht der Jahrmarkt, sondern das Marklgeschenk; de Wrälls- 
liipp, der Weitlauf; de Läiventskipp ; de Hdmmelshipp , der Him- 
melslauf; ]ö Krichstidd , die Kriegszeit; de Mönnslwgde, die Manns- 
höhe; jö Forsländsöwing , die Verstandesübung; jö Hdrtensängst , 
die Herzensangst; de Haurdstväll , der Kirchhofswall; jö Ijlsnüjd, 
die Feuersnolh; jö Walisersnüjd, die Wassersnoth (aber dat Wah- 
serbräh, der Wassermangel); dät Staatskldid, das Staatskleid; de 
Staatswäien , der Staatswagen; de Staalstiener , der Staalsdiener; 
dät ^rbcdslüjn, der Arbeitslohn; jö Bjdrnmnjd, die Kindesnöthen; 
jö Tvbacksdaufis, die Tabacksdose; Töbacksrick (Rauch); Töbacks- 
pose; Töbackspimg ; de Knpmönnssditn , der Kaufmannssohn; de 
Fidderläiijnsliewde, die Vaterlandsliebe; jö Gödds/iätin, die Golles- 
henne, Gotteslämmchen (Goccinella); jö Dicksläst, die Deichsla- 
sten; de Graufsiväll; jö Ihrstidd, die Jahreszeit; de Hierdsfaaged, 
der Hardesvogt; jö Fresensnnner/iöndling, die Friedensunterhand- 
lung; de Kniffsödd, die Messerspilze; de ^mtsforwäller, Amtsvei"- 
walter; dät Drillingsljägt , das Dreilingslicht; de Shdllingsstjütt , 
die Schillingssemmel , u. s. w. 

Anmerk. Nur wenn das Wort »Herz" uneigentlich für Gefühl, 
Gesinnung steht, heisst es Härtens in Zusammensetzungen, sonst 
bloss Hart, als: Hartklöppen, Hartklämmen , Herzgespann; Hart- 
kühl, Herzgrube, aber Hartensfräude , Hartcnsmiening , Hartenslicw- 
de, U.S.W. Auch mehrere andere, mit den Bezeichnungswörtern 
in §. 91, bekommen das s des zweiten Falles nicht, als: de Däi- 
driwwer, Tagetreiber; de Degewä/iler, der Tagewähler; dät Hani- 
nipJrick , Himiuelreich; dät oder jö MönntäU , die Mannszahl; de 



125 

Waliseiiüpe, die Wasserhose (Wasserzapfen); de Dickfimgcd, Deicli- 
vogt; Dickgraaw, der Deichgraf; dät ^ml/iüss, u. s. w. Vieles 
ist hier ganz so, wie im Deutschen. Oft lassen Grund- und 15e- 
zeichnungswort sich mit einander vertauschen, und gehen dem- 
nach einen verschiedenen Sinn, als: jo Ilüimelänk und Lankc/iünn, 
Hundkeltc, u. s. w. ; de Wa/iscrstrulnnm, dat Struhmmwahser , Was- 
serstrom, u. s. w.; dät Öferfest und dät Festöfcr, Opferfest; de 
Läncstäujl und SläujUane, Lehnstuhl; jö Fäjlslilägt und dät Slägl- 
fäjl, die Feldschlacht; dät ßoltelbur und de Bicrbotlcl, das Fla- 
schenbier und die Bierflasche, u. s, w. 

§. 92. Wenn folgende Substantiva als Bezeichnungswörter ge- 
braucht werden, so stehen statt derselben die jetzt nicht melir 
nackt oder einfach vorhandenen altfriesischen Namen dieser Dinge, 
als: dät Klüss, altfr. Kluss, pl. lüulise, Tücher und Kleider; de 
Süss, Suhs, pl. Sufisc , der Brunnen, nd. de Soot; de Ekcr , de 
Ager, der Acker; dät Läujnn, dät Lön, das Land; de Sträujnn, 
de Strön, der Strand; jö Bräujnn, jö Brön, die Feuersbrunst; 
jö Häujnn, jö Höh, die Hand; jö Sliäujim, jö S/iön, die Schand- 
that; de Shauch, pl. da SImr , der Schuh; jö Gaus, jö Gös; dät 
Sivinn, Swenn; dät Gäiijl, dät Göll, das Gold; dät Kaum, dät 
Körn, das Korn, u. s. w. Die Lautübergänge sind hier: ü in u, 
e in ä, k in g, äiij und äu in o, i in e, au in uh, äj in e. Beispiele: 
de Räjdd, der Rath; de Redmonn, der Rathsherr; de Sönmönn, 
der Sandmann; Soneker, Sandacker , Name zweier Dörfer, von 
denen eins im Kirchspiel Leck, das andere im Kirchspiel Rinke- 
nis liegt; de Sönkraug , der Sandkrug; de Sönbänk, die Sand- 
bank; dät Sönskjarl, das Sandkörnchen; dät Su/iseiva/iser , das 
Brunnenwasser; jö Sönköhl und jö Säujnköhl, Sandgrube, nd, de 
Sandkuhl, dän. en Sandkule; jö Agerhänn, das Rebhuhn, Ackcr- 
huha, dän. en Agerhöne; de Lönmonn, der Landmann; de Lön- 
faaged, der Landvogt; dät Lönrogt, das Landrecht; de Lönstricker, 
der Landstreicher; Löngraaw, der Landgraf; dät Lönßulk , das 
Landvolk; de Lönmäjller, der Landmesser; de Strön faaged, der 
Strandvogt; Strönrögt , Strandrecht; Strönsäujn , Strandsand; 
Strönfögel, Strandvogel, u.s.w.; de Brön/iage, Brandhuken; Brön- 
fäidk , Brandleute; Brönshätt , Brandschatzung; Brönkasse; jö 
Brönwägt, U.S.W.; de Hönstöck, der Ilandslock; d^t II önljim odev 



124 

-tjärn, die Handquehle; de Hönlänger, der Handlanger; dät Hön- 
wäirk, das Handwerk; de Hö7islieck, der Handschlag; jö Hön- 
klicss, der Handschuh; diit ShönJdütten, Schandflecken, Schirapfen; 
jö Sliurkuiep, die Schuhschnalle; de SImrbjärsel, die Schuhbürste; 
de S/nirrieme; de Shurfldcker , u. s. w.; de Gösejürder, Gänsehirt; 
GöseJJash , Gänsefleisch; Göseiving , Gänseflügel; Gösebraahs, Gän- 
sebraten; Göseäi , Gänseei; Gösekrölle, Gänseblümchen; Gösefäjtt, 
Gänzefüsse ; Gösekräse , Gänzekropf ; Gösesmähr , Gänzeschmalz ; 
GösesuH, Gänsestall; Gösehjän, Gänseaar; Swenneliaad, Schweins- 
kopf; -ßäsh, -regg, -bjärst, -ägel, -slagter, -jürder, -fäjtt, -stjärt, 
-kaum , -snütte, -gröjnten , -fleisch , -rücke, -horste , -igel , -schlächter , 
-hirte, -füsse, -schwänz, -körn, -schnauze, -grunzen; de Körnjür- 
der, Fcldhirte, Flurschütz; de Körnqiiänker , der Kornquinkler, 
d. i. die Wachtel, aber auch de Kaurnkug , Kornkog ; de Kaurn- 
eker, der Kornacker; de Kaurnli öndler ; de Göllsmass, 1. der Gold- 
schmied, 2. die gemeine Libelle, Wasserjungfer (Libellula vulgata) 
und überhaupt alle Libbelenarten ; de Göllring , dät Göllshümm , 
de Gölhtimge, die Goldstange; de Göllklump, aber de Gäiijledder, 
de Gäujlmäger , u. s. w. Die drei Wörter: de Stäujl, dät Shäujl 
und dat Bäujl gestatten eine zweifache Zusammensetzung , je 
nachdem sie in der Einheit oder Mehrheit stehen, als: dät Stäujl- 
liäigen, das Stuhlkissen; de Staulemäger, der Stuhlmacher; dät 
Shmjlgijl, das Schulgeld; jö Shauleforbä/iseiing , die Schulverbes- 
serung; jö Bäujldöhr , die Hüttenthür; da Baulewamiinge , die 
Fenster der Hütten. Das Wort Mäujl, altfries. Maul, Mill, Millerde, 
dän. Muld, engl, mould, bleibt unverändert in Mäujlwjärpel , wo- 
für man ganz unrichtig Mäujnwjärpel spricht. Vergleichen wir 
hier die Namen: Mäujhvjärpel , dän. Muldivarp, engl, mouldwarp , 
deutsch Maulwurf, so stellt es sich deutlich heraus, dass das Wort 
Maul in Maulwurf nicht Maul (Mund, Schnauze,) sondern Millerde , 
das altfriesische Maul, bedeutet; und wirklich wühlt der Maul- 
wurf immer nur Millerde auf, denn in der Thon- oder Kleierde 
findet man ihn nicht, (Beiläufig bemerkt, hat man auf der Insel 
Arröe keine Maulwürfe, obgleich man sie auf allen benachbarten 
Inseln, sowohl im Herzogthume Schleswig als auf den dänischen 
Inseln, findet), 

§. 93, Diejenigen Wörter, welche sich auf Z' endigen , und in 



121i 

der Mehrheit die Endung ive bekommen, behalten diese in der 
Zusammensetzung bei, wenn die Mehrheit angedeutet ist, als: 
dät Bräif, dät Bräiwebauck, das Briefbuch, der Briefsteller; de 
Bräiwepose , der Briefsack; dat Rcef, jö Räivejägt, die Fuchsjagd; 
jö Grauf, jö Gramvedieling , die Grabenvertheilung; dät Ruf, dät 
Ruwebünn, das Strähnenbund; dät Gref, da Greweliuppe , die Grä- 
berhaufen, Gräberhügel; dät Steef, die Fassdaube, jö Steivehäiücl, 
der Daubenhobel; StcweliöU; de Thief, dät Tliiewepäck, das Diebs- 
pack, u. s. w, 

§. 94. Die einsilbigen Wörter, welche in der Mehrheit die 
Endung inge bekommen, erleiden auch verschiedene Zusammen- 
setzungen , je nachdem sie in der einen oder andern Zahl stehen , 
als: de Hüssmönn, der Häusler, dät Hühssingerd , die Häuserreihe; 
de Krüssgräwe, der Krughenkel, da Krühssingeladde , die Deckel 
der Krüge; de Kniffsödd, die Messerspitze, da Kniwwingeblefise, 
die Messerblätter; dat Tünnstäk, das Gartengeslänge, da Töhn- 
ingethiewe, die Gartendiebe; dät Rümm , Zimmer, de Röhminge- 
mäler, der Zimmer- oder Stubenmahler ; de Shrönnborke , die 
Beilade in einer Truhe, da S/iröningeladde , die Deckel derselben; 
dit Ihrbauck, das Jahrbuch, de Ihrgöng, der Jahrgang, de 1/irsdäi, 
der Jahrestag, jö Ihrslidd, die Jahreszeit, jö Ihrläll, die Jahres- 
zahl, aber jö Ihringetäll, die Anzahl einer Reihe von Jahren, de 
Ihringeteller , der Jahrenzähler; dät Sliöff, de Shöffsgräwe, der 
Schubladengriff, da Shöwwingefeke , oder -fäge , die Schubladen- 
fächer. — Man spricht: dät's manning Ihr sunt, und dat ds manning 
Ihringe sunt, »viele Jahre her", beides richtig und gleichbedeutend. 

§. 95. Die Wörter, welche sich in der Mehrheit auf ene en- 
digen, kommen auch mit dieser Endung in Zusammensetzungen 
vor, als: de Ugenewärk, der Augenschmerz; dät Ugenewahser ; dät 
Mdnshen£ßash , Menschenfleisch; MdnsheneUetvde , Menschenliebe; 
de Mdnslienefrünn ; de Högsenewärk, Kniebeugenschmerzen ; da 
Jöngensesträge , die Knabenstreiche; dagegen aber wieder: de 
Uhgäpel, de Uhgcntiencr , dät Vhgenbldck, dät Uhgenldss, Augen- 
lied; deUfigenshinn; däit Uligimmäjtt, Augenmaass; dAtUhgetimärk, 
das Augenmerk; dät Ufigen/täter, die Wimpern und Brauen oder 
Braunen (Uberhäier?); de Uhgenedocter; dät Mans/ieäller , Menschen- 
alter; de If/anshelaurte , dci- Mcnschenkoth; jö Mansfiefiäujnn, die 



126 

.Mciiyclienliand; de Axenedriwwer (s. Axenc unter den Collectivcn) 
aber auch Ögsedriwivcr. Dät IJhrjcnhläck, der Augenblick, ist nur 
dann sächlich, wenn es den kürzesten Zeitlhcil bezeichnet, dage- 
gen männlich, wenn ein wirklicher Blick darunter verslanden 
werden soll, wie: de Liewdeblack , der Liebesblick. Jö Maßt, das 
Maass, ist nur in dem Worte dät UJigcnmäjU, sächlich, sonst 
überall weiblich. 



Gemischte Beispiele als Nachtrag zu dem Vorigen. 

% 96. De Tömestöch, der Zollstab; dat Wunnertiekcn , das VVun- 
derzeichen; de Möhrstijn, der Mauerstein; jö Sli-jnmöhr, die Stein- 
mauer; de Ohlhuhmm, dät Biihmmöhle, der Ölbaum, u. s. w. ; 
dät Fögclböhr, das Vogelbauer; jö Mölkko, die Milchkuh; de Pose- 
klump, der Mehlbeutel, Budding; jö Bühserhdx , die Butterhexe; 
jö Hdxeböhser , die Hexenbutter; de Slägbuhmm, Schlagbaum; de 
Bläiijdhünn, der Bluthund; dät Bläujdshöm, die Blutschande; jö 
Löftslrepp, die Bodentreppe; de FlUsböge, der Flitzbogen, kleine 
Armbrust; jö Brüjdkröhm, die Brotkrume; jö Hilleboss, die Ho- 
lunderbüchsc, aus der die Knaben mit zusammengekauten Werg- 
plVöpfen schiessen; dät und jö Höntrau, die sogenannte Handtreue 
der Verlobten ; dat ^iebier , Eierbier; dat ^irebier , das Ehrenbier, 
Begräbnissmahl ; dät Bröräck , das Brückengeländer ; de Dägen- 
kndpp, Degenknopf; de Järdbäll, der Erdball; de Uhreivärk, der 
Ohrenschmerz; jö Kräbbeshäicr , die Krebsschere; jö Pmvertwjärn, 
die Pfefferquerne ; de Ricksdäi , der Reichstag; de Ricksdaaler; 
de Räidetäge, das Rohrdach; dät Säjdkaurn, Saatkorn; dät Shüll- 
bräif, Schuldbrief; de Siemönn, 1, der Seemann, 2. der Sämann; 
jö Hefiüöff, das Meerweib; dät Siddstück , das Seitenslück ; de 
Sdmmihsser , der Sonnenweiser; de Spräiklicre, die Sprachlehre; 
dat Tobacksstaawling , das Ausräumsei aus dem Pfeifenkopfe; de 
Döhrdrempel, die Thürschwelle; de Slöhsedrempel, der Schleusen- 
drempel; jö Düssstünn, die Todesstunde; dät Fidderläujnn , das 
Vaterland ; dät Mudderläujnn , das Mutterland ; de Waaldäi , der Wahl- 
tag; dat Wähsergless, das Wetterglas; de Wajnkclhäge, der Win- 
kelhaken; de Wonterbähr, die Wintergerste; de Ullkaumm, der 



127 

Wollkamm; dät Urdebaiick, das Wörleibucli ; da Balsaamhic/isc, 
die Balsamblättcr vom Balsamrainlarrcn ; dat RäiijUebedd , das 
Möhrenbeet ; dät Tiddsäller , das Zeitalter ; jö Krogeshiess , der 
Grapenlöilel (nd. Sleef); de Siickerliiwjdd , der Zuckerhut; de ^r- 
bedsmönn, Arbeitsmann; dat Däilüjn, Tagelohn; dat KlöckeJiüss, 
4. das Uhrgehäuse einer Wanduhr, 2. das Glockengestühle der 
Kirchenglocken, anstatt eines Thurmes; de Döbstijn, der Taufslein; 
de ^Iterdauck, das Altartuch; de Föddcrivjärsing , der eingestri- 
chene Hauptschwaden beim Heuen (Swälen); de Härwclünne, die 
Eggenzinke; de Lühssekaumm, der Läusekamm; dät Bjärdsiep, die 
Bartseife; jö Winnmellen, die Windmühle; de Wimiljaalcr , der 
Weinkeller; de Sillefldcker , der Kesselflicker; de Mäjdli/isse, die 
Mähzeit; de Födderberigl, die Heuernte; de Fäujtstäpe, der Fuss- 
stapfen; de Maclielsdäi, der Michaelistag; dät Hdjnsterdck, die 
Heuraufe der Pferde ; dät Hämierdck , die Hühnerweimc; dät 
Biergijl, das Bicrgeld, Trinkgeld; dät Sollembkld, das Wochen- 
bett; jö SoUenmöff, die Wöchnerinn; dat Ailäujnn, das Eiland; 
dat AUaiimm, nd. Aulamm, d. i. Mutterlamm; dät Shältlwahser, 
Scheidewasser ; dät oder jö Potteslijärd , die Topfscherbe ; dät 
Nilkenpäwer , der Nelkenpfeffer; dät Gräjddeblöck , kurzer Rasen- 
acker am Dorfe; dät Wjärtshüss , das Wirthshaus; de Plömetünn , 
der Pflaumengarten; de Swmiowäjl, der Schwanenweiher (Name 
einer Wehle im kleinen Kohldammerkoge, sonst jö Swulm statt 
Swän); de Hiehslupper, der Heideläufer, d. i. der Brachvogel; de 
Ellemaiise, dän. Ellemose, das Erlenbruch, Erlenmoor, jetzt ge- 
meinschaftliche Dorfarbeiten; de Bankerütt , der Bankerot; da 
Hjürtetäcke, die Zacken am Hirschgeweihe; dät Wäirktjöch, das 
Werkzeug; dät Bäirigiväirk, das Bergwerk; dät Höniväirkstjöcfi , 
das Handwerkszeug ; de Lägenkriemmer , der Lügenkrämer; de 
Sivöwestele, nd. de Swäbstähl, Peitschenstiel; de Swöiveseme, die 
Peilschenseime; dät Wätvlebmird , das Wirkbrett zum Band\\ir- 
ken ; jö Knäppelkäg, der Lebkuchen; jö Kndppelsefömmen , die 
Spitzenklöplerinn ; jö Hiehsbäi, die Heidelbeere; dät Jillljöch, das 
Feuerzeug ; dät Tännerholt , das Zunderholz ; de Swaawelplöck , 
das Schwefelhölzchen; de Wägsboltcr , gewundene Wachskerze. 



128 



Zusammensetzung mit Bestimmungswörtern (Ädjecliven). 

§. 97. Diese werden ohne alle Veränderung mit dem Haupt- 
worte verbunden, wie in Ldgtsänn, der Leichtsinn; Diepsdnnig- 
häicl, Tiefsinn; jö Fristünn , die Freistunde; jö Kaurlswill, die 
Kurzweil; jö Gr ottli artig fiäid, die Hoffahrt; de Hucfm.äujd, der 
Hochrauth; dat Lungjörn, Langeisen, Sech, am Pfluge; dät Trinn- 
Jörn, das Rundeisen, eine runde Scheibe mit scharfer Schneide 
im Sech auf einer Axe; de Aiensann, Aicnsannigliäicl , der Eigen- 
sinn; de Äienliewde, die Eigenliebe; jö Kaurtsegtigliäid , die Kurz- 
sichtigkeit; de Lungbuhmm, der Langbaum; de Limgwäien, der 
Langwagen; dät Lungsträi, Limghulem, Langstroh; de Blinnemö' 
me, die blinde Mumme (»vermummen"), d. i. Blindekuh spielen; 
dät Näiihr, de Näii/irsdäi, de Näii/irsjewe, das Neujahr, u. s. w.; 
Wittbier, Brünnbier, Weissbier, Braunbier; de Wittbdcker, 4. der 
Weissbäcker, 2. die weisse Meerschwalbe (Sterna hirundo); de 
Wennbdcker, die blaue Mecrschwalbe (Sterna nigra); de Göfil- 
bdcker , die gelbe Bachstelze (Molacilla flava); jö Göhlsegt, die Gelb- 
sucht; deFrihiere, der Frexherv; ]& Sljogthäwel, der Schlichthobel; 
dät Rdlähser, das Rohleder, nicht genug gegerbtes; de Gröfstnass, 
der Grobschmied; de Kliensmass , der Kleinschmied, der Schlosser; 
de Twdrrdriivwer , der Quertreiber, ein quersinniger Mensch; de 
Twdrrbiijlke , der Querbalken; dät Krümmliölt, das Krummholz; 
jö Grdgäus, die Graugans; jö Ermmjd, die Armuth; de Plätßiijlt, 
der Plattfuss; da Gröttemänns , die Grossen, Vornehmen, nom. 
coli.; d'd Rickedege , wörtl. die reichen Tage, der Reichthum, auch 
ein CoUectivum ; Ä>wsse/wMn/, Krausemünze ; Bdttei'kliewer, Bitterklee. 



Zusammensetzung mit Zeitwörtern. 

§. 98. Diese behalten in der Regel nur die Stammsilbe , wenn 
sie als Bezeichnungswörter stehen, wie in jö Riddbaan, Reitbahn; 
dät Shriwbatick, Schreibebuch; de Bdddmönn, der Bettelmann; jö 
Bdddivöff, das Bettel weih; de Släipkämmer , die Schlaf kammer; 
de Kupmönn, der Kaufmann; de Spring ftdjn st , der Zuchthengst; 



129 

de Sjunyfögel; dat Drdinkkrüsa , der Trinkkrug; de Fällhäujdd, 
der Fallhut; jö Fällsegt, die Fallsucht; jö Mäjtsnaur, die Mess- 
schnür; de Striddhämmer ; da Söirigkluhse , die Trauerkleider; de 
Dönsmäister , der Tanzmeister; dät Strickjörn, das Plätteisen, Bü- 
geleisen; de Bägmäister, der Baumeister; de Flähspose, der Flips- 
beutel, d. i. der Ausplauderer; dät Shräwjörn, das Schabeisen, 
Scharreisen, die Scharre; deBdddpose, der Bettelsack; da.1 Braah- 
spdtt, der Bratspiess; jö Brännnill, die Brennnessel; dät Bränn- 
hölt , das Brennholz ; dät Känntieken ; jö Swummbläihs , die 
Schwimmblase; dät Bregjörn, das Brecheisen; de Tekstäujl, der 
Deckstuhl der Dachdecker; dät Wälkbaurd, das Walkbrett; jö 
Kläihskätt, die Kratzkatze, von balgenden Knaben, die mit den 
Nägeln kratzen, kläihsen; dät Hielmiddel, das Heilmittel; de 
Spärbüsh, die Sparbüchse; jö Bärmudder , die Wehmutter, Heb- 
amme; dat Bregmiddel, "das Brechmittel; de Brausill, der Brau- 
kessel; dät Göngtjöch, Räderwerk in Uhren, Mühlen, u. s. w. ; de 
Fellhaurn, das Füllhorn; de Slippstijn, der Schleifstein; de Sic- 
mönn, der Sämann; dät Spann fijl, das Spinnrad; de Dräibänk, 
die Drechselbank; de IhlbSse, der Eilbote; de Faurmönn , der 
Fuhrmann; de Süppbrauser , der Saufbruder; de Slijärdlihsse , die 
Schnitterzeit; de Spötfögel, der Spottvogel; Päckhüss. Dagegen 
aber auch: dät Lesebauck, Lesebuch; jö Fölgetidd, die Folgezeit; 
dät Räisegijl, das Reisegeld; jö ßjarneköhl, die Tränkgrube; dät 
Fragetieken, das Fragezeichen; de Plegcfidder, der Pflegevater; 
dät Gögelspdl, das Gaukelspiel; de Tänkesträg, der Gedanken- 
strich; de Babsegäst, der Badegast. Aber diese Fälle sind seltener 
als die mit der blossen Stammsilbe, wie: Blaasbielig , Blasebalg; 
de Brännwinn, der Branntwein; de Helstijn, der Heizstein, d. i. 
der Feuerheerd. 

Diejenigen Zeitwörter, welche sich auf ein und ern endigen, 
verlieren bloss ihren Endbuchstaben n, als: de Wallerbuhmm, die 
Mühlenwelle ; de Tdmmermönn , der Zimmermann ; dät Wddder- 
wähser, Wetter zum Wittern des Heues, der Kleider und Wä- 
sche ; jö Släsertäsh , die Plaudertasche ; jö Wjdrpelshauwel , die 
Worfschaufel; de Tontelstöck, der Klöppelstock; dat Neslelwierew , 
unnütze Nebengewerbe; jö Prdgelhohs , der Strickstrumpf; jö 
Shrdjngelboss oder Bajngelboss, von shrdjngeln, rajngeln, schellen, 



3 50 

klappern , die Kinderklapper , Schellenbüchse ; de Gögelmömi , wört- 
lich: Gaukelmann, die Gliederpuppe, Dralhpuppe, Hampelmann, 
u. s. w. Einzelne verwandeln die Endung ern in ere, als: dat 
Grdsterebaurd , das Gässelbrett, Brot- oder Ofenschieber, auch de 
Gljärder genannt. Wenn sie sich auf nen endigen, bleibt ihnen 
nur die Endung en, als: dat Rägenhauck, das Rechenbuch; dät 
Tieketibauck , das Zeichenbuch, u. s. w. Auch zusammengesetzte 
Zeitwörter werden, wie jedes Zeitwort, durch Vorsetzung des 
sächlichen Geschlechts, ganz wie im Deutschen, zu Substantiven 
erhoben, als: dät Trinnämmeruken , das Rundumsprechen, und de 
Trinnammeruk, wörtlich: der Runduradenschober; dat Mäjddeiväl- 
lern, das Mathwälzen; da Toläjtsluliggen , das Lamentiren; dät 
Tokiersguti{ien , das Zukehrgehen, u. s. yv. 



Mit Zahl- und Fürwör/er/t. 

§. 99. Jö Ijtibdgg , der Einbau, ein einzeln liegendes Haus, 
fern von andern, eine Einsiedelei, dän. enEnebolig; dät Ijnhauni, 
das Einhorn; de Tristäpe , von stäpen, stapfen, der Dreistapf, 
ein grosser hölzerner Dreifuss oder Tonnenbock , der besonders 
beim Brauen gebraucht wird ; de Trifäujtt , der Dreifuss ; dät 
Fierdingkär, dän. et Fjärdingkär, das] Viertelfass d. i. ^ Shipp; 
jö Saawenstäir, das Siebengestirn; dät ^gendijl, das Achtel, als 
Buttermaass; de Saawensläiper , der Siebenschläfer; dat Fierkänt, 
das Viereck; dät Tlmgmarksstock , das Zweimarkstück; dät Fjauer- 
Fiew- Aagt' Tim- Twellew- Segstäin- Twonlig- Fcertigshallingsstock , 
das 4- 5- 8- 10- 42- IG- 20- und Vierzigschillingsstück; de Dusend- 
kunstler, der Tausendkünstler; jö ^llmägt, die Allmacht; de ^11- 
ienehöndler , der Alleinhändler; da Twdnlingsbrauliscre , die Zwil- 
lingsbrüder; dat Twdnliiigepär , das Zwillingspaar; dät Triebleess, 
das Dreiblatt; de SellewHewde, die Selbstliebe; de Sellewmaurder , 
der Selbstmörder. 



131 



Leiste Zugabe vermischten Inhalts. 

% 100. De Shörstijn, der Schornslein; jö Mtong statt Jillong, 
die Feuerzange; de Faurtele , die Vordiele; dät Tunner wäh ser , 
Donnerwetter (dät ßir Wähser, Gewitter); dät Naurdljägt, das 
Nordlicht; de Faarbäirig , das Vorgebirge; dät Ihkhölting , die 
Eichenholzung; jö Stijnkldpp, die Klippe, Fels; dat Sämmetkldpj) , 
eine sammetne Kopf- oder Stirnbinde alter Weiber; dät Bögslinge- 
klapp, der Hosenlatz; de Rinboge, der Regenbogen; de Mählddwwe^ 
der Mehlthau; de Hönningddwwe , der Honigthau; de Födderruk, 
der Heudieraen, Schober; de Ultvefihss, wörll, der Wolfsfist, d. i. 
der Bovistkugelschwamm (Lycoperdon Bovista L.); jö Bai, die 
Beere; Taurnebäie, Brombeeren; Himbäie, Johannisbäie oder Hans- 
bdie; Saalbäie, schwarze Johannisbeeren; Stickelsbäie , Stachelbee- 
ren; Järdbäie, Hiehsbäie; dat Qudckselwer, das Quecksilber; de 
Adelstijn, Wetstijn, Slippstijn, Jilstijn, Flintstijn, Mellenstißn, Mag- 
netsiijn , Möhrstijn, u. s. w. ; jö Wällndhs , die Wallnuss ; de 
Magdndelbuhmm , der Wachholder; de Gälläpel; jö Ridderspör , 
der Ritlersporn; da udpelkrölle, Kamillen; jö MijH, die Melde 
(Atriplex); jö Pdwerräujtt, der Meerrettig; de Dünnhämmer, der 
Rohr- oder Teichkolben (Typha latifolia); dät ^iswitt, Ei weiss; 
de ^isdaaler, der Eidotter; dät Shaasenest, das Elsternest; jö 
Fögleköi, das Vogelkäfig; de Küjlwürm, der Kohlwurm; jö Shäi- 
petahg, Schaafzecfce; de Wällfdsh, der Wallfisch; de Siehünn, der 
Seehund; de Ellemboge statt JEllenboge, der Ellbogen; de Lönke- 
pose , das Hüftpolster; jö KnäibUngetrcel , die Kniescheibe; de 
Bekläirem, der After; jö Gijtlkönn, die Giesskanne; de Rollstöck, 
die Pflugreute; jö Wönnüjlling , die Schwingwanne, von wönnen, 
das Korn in einer flachen Mulde schwingen; de Bäckauiven, der 
Backofen; de Backtrog; dät WällerhoU, das Wellerholz; jö Setun- 
gel, die Setzangel nach Hechten; de Winnhünn, der Windhund; 
de Winntäper, der Weinzapfer; dät Ögsehaad, i. der Ochsenkopf, 
2. das Oxhoft; dät Kdmmesaul , das Kamisol ; jö Möhrsliiess, die 
Mauerkelle; da Wanningepöste , die Fensterpfosten; dät Bielaaken, 
der Bettvorhang ; dat Bläujdsluhggerjörn , das Lasseisen , der 
Schnäpper ; dät Hdjnstedäken , die Pferdedecke ; jö Thiewestich , 

17 * 



132 

der Diebssteig (im Riesummoor); de Stichbögel, der Steigbügel; 
de Drägtstring , der Zugstrang; de Rägenstijn, der Rechenstein, 
Schieferstein, sonst auch bloss: dät Brätt ; de Shäujlmäister , der 
Schulmeister ; de Shantpule , der Schandpfah! ; dät Brännmärk , 
das Brandmal; dät Tugt/iüss, das Zuchthaus ; de Lickbäre, die 
Leichenbahre; de Täshenspäler , der Taschenspieler; de Shurrelup- 
per, der Schlittschuhläufer; de Addelmönn, der Edelmann; de 
Ställmäister , der Stallmeister; jö Kättöhl, die Eule, nd. de Kat- 
uhl (Katzeule); dät Nellehäigen, das Nadelkissen; de Ljägtsnöwe , 
die Lichtschnuppe; de Wahserömmer , der Wassereimer; de Wält- 
kaum , das Waldhorn ; da Gichelstringe , die Geigensaiten ; dät 
Minggäujd, das Mengelgut; de Jßnnhör ringe , die Abenddämmerung, 
das Zwielicht; de Wdrkeldäi, der Werkeltag; de Hälligdäi, der 
Feiertag; Hälligenn, Feierabend, aber Hilligenne, die heiligen 
Abende ; dät Wonterkaurn , das Winterkorn ; de Sdmmerrögge , 
der Sommerroggen; de Hänepeker, der Hanfacker; jö Sdneptwjarn, 
die Senfquern (Handmühle); de Sällgortel, der Sattelgurt; de 
Wirkpule, der Zaunpfahl ; de Kantöffeläpel , die Samenäpfelchen oder 
Beeren der Kartoffeln; de Poppierboge , der Papierbogen ; jö Fdshere- 
wähs, die Wathe, grosses Zugnetz; de Präckerfaaged oder Pracke- 
refaaged, der Bettelvogt; de Stjörmönn , der Steuermann; de 
Repsläger, der Reifschläger, müsste heissen: de Tdwsluhgger , Tau- 
schläger, jenes ist nd, 

Anmerk. Die Benennungen der Himmelsgegenden erleiden , 
wenn sie bestimmungswörtlich mit andern Hauptwörtern verbun- 
den werden, folgende Veränderungen, als: Sössrihssem, Sösslon- 
halm, statt: Sühsserrihssem und Süksserlonhalm , Südriesum und 
Südlindholm. Aus Sühssen, Süden, macht man gleichfalls söhser, statt 
sühsser. Ferner: Nordrihssem, Nordionhalm, statt: Naurd oder Naur- 
der. Weiter heisst es: de udstemaure, de Westemaure, Oster- und 
Westermoor; dagegen sagt man aber: .Astersnötebüll und Wester- 
snötebüll. Oster- und Westerschnatebüll ; de ^sterhällig, Wester- 
hälHg, Söhserhällig, Naurderhällig, Naurderläujnn und Söhserläujnn ; 
Naurderhjärn, Norderhörn, Söhserlijärn, Süderhörn; Naurderuch, 
Norderoog; aber wieder Nordsträujn, Nordstrand; Noi'dhackstähs , 
Nordhackstedt; ^sterdick, Osterdeich; Söhserdick; Söhseruch, Sü- 
deroog; dät jfsierlmjnn und Westerlmjnn z. B. auf Föhr; uister- 



155 

häwer, Wester/iäwer , in Eiderstedt; ^sterhühssem , Osterliusum; 
^steriünn , Osterlund ; Westergärde ; ^sterijnne , Osterende ; de 
Nordijnne und Naurderijnne. 



Einige Laut- oder Klangsynonymen. 

§. 101. Jö ßäi, die Beere, bäi, Praep. bei ; dät Bauck, das Buch, 
ick bauk, ich buk; jö BläJis, die Flamme, von hlähsen , intr. , 
dät Bleess, das Blatt; de Bröhk, der Zahlenbruch, de Brock oder 
Brück, der Brauch, Gebrauch; de Dick, der Deich, jö Diek, das 
Grübchen; jö Döhr, die Thüre, döhr , Praep. durch, hindurch; 
jö Drdft, die Trift, he dräft, er treibt; de Fäll, der Fall, dät 
Fä//, 1. das Füllen, 2. Fell; jö Feesl, die Faust, dät'Feesf, das 
Fest; dät Faß, das Feld, jö Fäil, das Gefühl; jö Feel, die Feile, 
icA; feil, ich fiel; dät Fjärsh, der Vers, fjärsh, frisch, ungesalzen, 
fjärsh Wähser, süsses Wasser; de Galt, der Borg, verschnittener 
Eber, he gällt, er weint; de Gedd, der Hecht, ja t?ö ged! ja, du 
solltest wohl!; de Grünn, der Grund, ic/c grünn, l.ich mahle, auf 
der Mühle, 2. gründen; de GäiAs, der Dünger, da Gäis, die Gänse; 
jö Hänn, die Henne, jö Hdnn, das dünne Häutchen; dät Hart, 
das Herz, //ärcü, hart; dät Hierd, die Harde, ick hierd, ich hörte; 
de Hupp, der Haufe, de Iföpp, der Hüpf, von höppen, hüpfen; 
jö Hüll, die Mütze, dät Hall, der Hintere, das Gesäss; jö oder 
de Hill, der Holunder, jö Hijll, die Heide, Fussfessel; ^dat Ihr, 
das Jahr, ihr, eher, früher; de Jüll, die Weihnachten, ick jüll, 
1. ich wimmere, 2. ich gelte; dät Klapp, eine Kopfbinde, dät 
Klapp, der Hosenlatz; de Klömp, 1, die Klampe, 2. Schober, de 
Klump, der Kloss, Klump und Klumpen; de Knapp, der Knopf, 
de Knapp, 1. die Schwammdose, 2. kleine harte Erhöhung; da 
Kreße, die Kräfte, de Krefte, der Krebs, Krebsfrass, (das Thier 
ist de Krabbe); dät jLäcA;, der Lack, de Ldck, der Leck; jö Last, 
die Last, jö Last, der Leisten; dät Lick, die Leiche; dät ZieÄ. 
ein Knabenspiel mit Schüssern; jö Luft, die Luft, jö Löß, die 
Zimmerdecke und der Boden, dän. et Löft; dät Malt, das Malz 
jö Malt, die Milz; dät Mäujt, die Begegnung aus entgegengesetZ' 
tcn Richtungen, dät Mäujd, der Muth; jö Meel, die Meile, dät 



154 

Mäld, das Mehl; jö Muis, ein weiblicher Kopiputz, dät Muss, 
das Müssen, der Zwang; jö Möhr , die Mauer, mörr , mehr; de 
Mass, die Messe in der Kirche, mass, miss, fehl; jö Neil, die 
Nadel, jö Nill, die Nessel; dat Pack, der und das Pack, dät 
PAckf das Pech; dät Päss, der Pass, dät Pass, der Harn; dePms, 
der Preis, jö Priehs, die Priese; de Räjdd, der Rath, jö Räihd, 
das Rohr; de Rang, der Rang, jö Rank, die Ranke; dät Ref, der 
Fuchs, jö Reiü, der Rechen, die Harke; de Riek, der Rauch, dät 
Rick, das Reich; de Rock, der Spinnrocken, de Rock, der Rock; 
jö Snär , i. die Schleife, 2. die Schlinge, jö Snaar, die Schnur, 
Schwiegertochter, (jö Snaur, die Schnur zum Schnüren); de Stall, 
der Stall, dät Stdlling , das Gestell, auch in Swdckstdlling , um 
eine Graupenmühle, stall, stille, stallen, i. stillen, 2. stellen, 
daher Stdlling, Gestell; de Slähg , der Stich, jö Steeg , der Steig; 
de Stock, der Stock, dät Stock, das Stück; de String, i. der 
Strang, 2. die Saite, string, strenge; dät Tdw, das Tau, jö Thdw, 
die Tiffe, Petze; jö Wägt, die Wache, jö Wdgt, i. die Wage, 
2. das Gewicht, die Schwere; jö Waag , 4. die Woge, 2. die Wage, 
von waagen, wachen und wagen, äiijn'e Waag sette7i, in die Wage 
setzen z. B. das Leben, jö Wag, die Woche; de Rolle, die Beule, 
de Rulle, der Zuchtstier; de Jönge, der Junge, da Junge, die 
Jungen eines Thieres; de Läpe, der Lappen, de Ldppe, die Lippe, 
Lefze; jö Kuppel, die Koppel im Felde, de Kopjjel, der Rücken, 
wenn man jemand huckepack darauf trägt, daher koppeln, jemand 
auf dem Rücken tragen: eine Koppel Pferde (eine Schnur) ist: jö 
Käwel Hdjnste; de Shämmel, der Schemel, de Shdmmel , i. der 
Schimmel als Gewächs, 2. ein Pferd; de Racker, der Schinder, 
de Rdcker, der Rekel, Bengel; dät Wäsen, das Wesen, dät Weesen, 
das Sein; jö Däged, das Gedeihen, jö Döged, die Tugend; dät 
Fällig , die Brache , fällig , ordentlich , recht , fdliig , fällig von 
Geld und Zinsen, Schulden; dät S/idp, das Schiff, dit Shäp, der 
Schrank; de Shoot, der Schuss und der Schoss, dät Shott, das 
Schutzbrett; de A'lk, (Albering) der Iltis, jö A'lk, der Alk, ein 
Wasservogel (Alca torda), jö u/lk, die Dohle (Corvus monedula L.) ; 
jö Shröck, die Tasche in Kleidern, shröck, Adj. keine Eier mehr 
legend; dät Spdtt, 1. der Spiess, 2. ein Spatenvoll, dät Spätt, der 
Späth der Pferde; dät Jill, das Feuer, jö Jhl, die Eile; jö Shiess, 



1 ou 



der Löffel, jö Skie/is, die Scheide; de Bälise, der Nutzen, Vor- 
theil, da Balise, 1. die Bäder, 2. die es andern zuvorihun; jö 
Hieling, die Heilung, }öHijlling, die Neige, jö Hüjlling (Hijlling?), 
die Nachgebuit; jö ßestdlling, \. die Bestellung, 2. Bestallung 
eines Beamten, ]ö Beställhig , Bestallung der Viehstände; dät Ldss, 
pl. Lasse, Glieder, ääLähse, Gliedmaassen , ]öLähs, die Scheune, 
Scheuer, pl, da Lähse. 



Sinnverwandte Wörter (Synonymen) aus dem bisherigen. 

% i02. i. Jö -Bdgg, jö Bdgning. Jö Bdgg ist der Bau, be- 
sonders in Jjnbdgg , wörtlich; der Einbau, mit dem Zahlworte ein 
zusammengesetzt, dän. en EneboHg , ein einzeln liegendes Haus, 
z. B. auf einer Heide oder in einem Walde; jö Bdgning ist der 
Bau und das Gebäude. 

2. Dät Baurd und jö Plänk, das Brett und die Planke. 

3. Bdiigen, bijlken und teilen. Bäligen und bijlken ist beides: 
jemand sehr laut zu- oder nachrufen, damit er herkommen soll. 
Uebrigens scheinen beide Wörter in dieser Beziehung nur ihrer 
Abstammung nach verschieden, da bdiigen von bdlen, bellen, abge- 
leitetist. Teilen führt den Begriff des lauten Rufens nicht mit sich, 
und schliesst ihn sogar aus, wie in intellen, 1. jemand einrufen, 2. 
bei jemand vorsprechen, 5. mit dem Nebenbegriffe ihn mitzuneh- 
men , wenn beide nach einem und demselben Orte , z. B. zur 
Kirche, zu Markte, zur Schule, u. s. w. wollen; tötellen, 1. jemand 
anreden, 2. einem derben Bescheid sagen, 5. ihn aus dem Schlafe 
wecken, wieknen. Teilen ist auch zählen, und tötellen, zuzählen, 
als z. B, he telld harn dät Giß tö, er zählte ihm das Geld zu, 
daher nun: dmtellen, umzählen, eflerteUcn, nachzählen, aufteilen, 
abzählen, faartellen, vorzählen, forteilen, erzählen. 

4. Dät Bdtt, dät Mündstöck. Beide werden für Pfeifenspitze 
gebraucht: dat Mündstuck (Mundstück) ist dem deutschen Worte 
nachgemodelt, und findet sich auch an Blasinstrumenten; dät Bdtt 
ist von bitten, beissen, abgeleitet. 

D. Dät ^mt, dät Hierd, dät Birk. Dät ^~mt, das Amt, ist 
unter diesen dreien vom weitesten Umfange und schliesst die 



136 

Harden und Birke in sich. Dem Amte sieht ein Amlraann , der 
Harde ein Hardesvogt und dem Birk ein Birkvogt vor. So hat 
z. B. das Amt Tondern gegen 50 Kirchspiele, 40 Harden und nur 
einzelne Birke in den dänischen Streugründen. 

6. Bijlken , tijtten , shräien , shrulen. Daraus' entstehen : de 
Bijlk, ein Ruf, Nothruf; dät Toot, der Lärm, das Getöse; de 
Shräi, der Schrei; dät Shrulen, ungezogenes, lautes Weinen. 

7. Jö Blech, dät Laaken. Jö Blech ist überall das Laken, pl, 
Bleche; dät Laaken kommt nur in Rielaaken (Bettvorhang) vor. 
Von einigen wird auch Laaken statt Dauck (Tuch) als Stoffname 
gebraucht. 

8. Jö Boss, jö Flint, dät Gewähr, die Büchse , Flinte und 
das Gewehr. 

9. De Bräi, dät Wälling. De Bräi, der Brei, die gekochte 
Grütze, ist dicker und fester als dät Wälling, z. B. Mählbräi, 
Tahserbräi, Buchweizengrütze, Rihssebräi , Reisbrei; dät Wälling 
ist dünner und kommt von wällen, wallen, aufwallen, kochen, 
im Dan. und nd. Välling und Welling, eine Milchsuppe. 

40. Dat Brak, de Mängel. Dät Irak, von bregen, gebrechen, 
mangeln, wird so gebraucht, z. B. : Ick häiv Brak faar Gijl, ich 
bin des Geldes bedürftig, weil ich es gebrauchen muss; ick häw 
Mängel sagt man auch , wenn man überhaupt nur wenig hat. 
Ick häw wäjl Mängel äiijn Gijl, aurs ick liäw'r ock nijn Brak faar, 
ich habe zwar Mangel an Gelde, aber ich bin desselben auch 
nicht bedürftig; Gijlbräk, Wähserbräk, Gjärsbräk. He het nijn 
Brak, er leidet keinen Mangel; dät het nijn Brak, das hat keine 
Nolh, hat nichts zu bedeuten. 

\\. De Brück, de Wänigt, de Wihsse, de Shdcke. De Brück, 
der Gebrauch, die Sitte; de Wänigt, die Gewohnheit; de Wihsse, 
die Weise; de Shdcke (Sitte), nd. de Shick, dän. en Skik, Sitte; 
de Shdcke ist auch die Form, das Passende, als: dät het jd nän 
Shdcke, nd. dät het jaa keen Shick. 

12. Dät Brüjd, de Trölling, de oder dät Lief. Dät Brüjd ist 
Brot, als nomen materiale; de Trölling, ein geformtes Schwarz- 
brot, nom. appellativum ; dät Lief, der Laib, also gleichbedeutend 
mit Trölling. Dät Wittbrüjd, de Stjött, jö Käg, das Weissbrot, 



157 

die Semmel (nd. en Slulen), jö käij, der Kuchen, dät Witlbriljdi 
das Weissbrot. 

15. Jö Braahs, der Braten ; jö Smurepotm , die Schmorpfanne , zur 
Zeit des Schweineschlaehtens, allerlei Geschmortes vom Schweine^ 

44. De Brand, jö Bräupin, beides von bränncn, brennen, der 
Brand und die Feuersbrunst; auch sagt man: Dirrs Ijll lüsSy Sa 
ist Feuer los (ausgebrochen), woraus man im Dan. das sonderbare 
Substantivum: en Ildlös (ein Feuerlos) gebildet hat. 

45. De ßrödd, ein kurzer, spitzer Stift oder Stachel, dän. en 
Bröd, Bräad, daher das Verbum hröddcn, damit beschlagen, auch 
der Insectenstachel, der aber auch de Paiirtc genannt wird, Hufim 
bröddet sin Hdltshur, wdn't issläget het, man stachelt seine Holz- 
schuhe, wenn es geglatteist hat. 

46. Dät Loch, de Pmirte, das Gefängniss und der Kerker. 

47. De Bück, dät Liff, jö Wumm, der Bauch, der Unlerleib, 
der Wanst, u. s. w. 

48. BälBünn, dal Pack, dät Päckcnilken, de Bäjnlc, das Bund, 
der Pack, das Päckchen mit den Siebensachen, und das Bündel. 

49. De Bush, de Töle; de Bush, der Busch, wie Bauscbiish, 
Rosenbusch, u. s. w., de Töle wird nur von kleineren und kürzern 
Pflanzen gebraucht, als: de Röshelöle, Rinsenbusch, Gjärstöle^ 
Grasbusch, Baanetöle, Rainfarrenbusch, Klicvertölc, Kleebusch, aber 
nur wie sie auf dem Felde stehen, nicht abcerissen. 

20. De Bunk, de Ihrpp, de Flöse, dän. en ßunke, en Höh, en 
Flock, engl, a hcap und a flock. Im Deutschen heisscn alle drei 
Wörter der Haufen, aber jedes derselben in verschiedener Be- 
ziehung. De Bunk braucht man z. B. von Heu- Stroh- Erd- und 
Sandhaufen , die unordentlich zusammengeworfen sind. De Hupp 
ist das deutsche Haufe und das nd. Hup, daher huppen, häufeln, 
häufen, z. B- die Kartoffeln, dphnppcn, aufhäufen; de Flöse ist 
nur auf Menschen und Thiere anwendbar, nicht auf leblose Din- 
ge, wie: en Flöse Shälp, Jnngense, ÜJanshene, Gäis, Hanne u. s. w. 
Wird Huj)p auf Gattungsnamen bezogen, so ist es en Hupen, als: 
derivjärn'n Hupen Manshene, he liet'n Hupen Gijl, 'n Hupen Bjärne. 
De Mdingde, Menge, ist mit Flöse sinnverwandt. 

24. Jö Brö, jö Slöhs, die Brücke und die Schleuse, jö Stijn^ 
brö ist aber das Steinpflaster. 



lös 

22. Jö Daiilis, de Ees/i , de Bösli , de Kluhbe, die Dose, die 
Schaclitel, die Büchse und der Kober. De Kluhbe ist aber auch 
der hölzerne Klotz an der Fusskette der Pferde, die man ihnen 
anbindet, damit sie nicht über die Gräben der Fennen springen; 
auch das dicke Ende einer Keule, und dergl. 

23. De Dauli , du Klüss. De Dauk ist das Tuch als Gattungs- 
name, dät Davh als Stoffname, wie in: de Naasdauk, JNasentuch; 
de Sliröchoiaasdauk , das Taschennasen tuch, de Bördauk [Sliew- 
daiik), de Zickdauck, das Leichentuch; dat Kh'iss dient zum Um- 
schlagen oder um etwas darein zu schlagen, als: /le dregt 't äujn 
'n Klüss, er trägt's in einem Tuche. 

24. Jö Kohl, die Grube, jöD/eÄ, das Grübchen, z.B. im Kinne; 
jö Köld, dät Grcef, die Gruft und das Grab. 

25. Dät ^r , die Narbe, jö Shrämm, die Schramme, de Rähw, 
der Riss, de Häw, der Hieb, die Schmarre. 

26. De Dick, der Deich, wie: de Heefdick, de Käiedick, de 
Sdmmerdick , de Dämm, der Damm, nur über Graben, wo das 
Heck steht, de TdUdömm, ein aus Brettern über den Graben ge- 
legter Damm. 

27. Dat D5f, dat Däppelse, die Tunke; dät Döf ist eine dickere 
mit Mehl oder dergl. versetzte Tunke, daher döivwen, eintunken. 

28. De Dring, de Jöngc, de Twitlcr, der Knabe, der Junge, der 
flinke Bursche, im Uebcrgange vom Knaben- zum Jünglingsalter. 

29. De Drönk, der Trunk, z. B. en Drönk Bier, de Drdiiik, 
der Trank, wie Kräuterlrank, Arzneitrank; de Drönk ist auch der 
Trunk als Laster, als: Iic as äujn 'e Drönk forfellen, er ist dem 
Trünke verfallen, 

30. De Dröpp, dat Driipp, dät Tur, dän. cn Draabe, en Taar, 
engl, a drop. Man gebraucht alle drei Wörter ohne Unterschied 
um etwas Weniges an Flüssigem zu bezeichnen, als: dng/i mc en 
Dröpp Wa/iser, en Drüpp Winn, en Tnr Mölke, gicb mir einen 
Tropfen Wasser, einen Tropfen Wein, einen Tropfen Milch. 

31. Jö Düjns, dät Wäaen, dät Läwent ; jö Düjns von dufiggen, 
bezeichnet das Thun, und hier ein übermässiges Zuvielthun, wo- 
von das Halbe genug wäre; insofern ist es auch mit Läwont und 
Wäsen verwandt. Man sagt: dirr was en groll Düjns, en groll Wei- 
sen und en mal Lmvent, ein grosses Thun (viele Umstände), en 



1o9 

grolt Wäseu, viel Auriicbcns, Wichtigmacliens ii. s. w. ; cii aicrom 
Läivent, en mal Lüwcnt, ein lollcs Leben, und: dirr läit cn mal 
Hüss, da liegt ein böses Haus, da setzt es was ab! Y on Düjus hi 
de Döjnte, ein Dönchen, abgeleitet, welches auch für Anecdölchcn 
gelten kann. 

52. Dät Fdck, jö Shröch, jö Täsh\; dät Fach, die Ficke, eine 
Hosentasche; jö Shröch, eine Rocktasche, Westenlasche; jö Täsh, 
eine lose Tasche, die angebunden und abgelöst werden kann, als: 
jö Knipptäsh, jö Jag (täsh, aber da Rockshrocke. 

55. De Fäll, de Tu fäll, jö ßegäwenhäid , jö Hißnning , de Sliimp, 
der Fall, der Zufall, die Begebenheit, das Ereigniss, der Schlump. 
De Slump ist auch eine gute Menge, als: cn Slump Gijl, eine 
Menge Geldes. 

54. Dät Fat, de Setter , jö Shähl, de Ddsh, dät Näps. Dät Fat 
ist das deutsche Fass, das dän. Fad und das engl, fat und vat, 
wird aber meistens nur für Schüssel gebraucht, obgleich man 
auch grössere Fässer Fähse nennt; de Setter, eine irdene Milch- 
schüssel theils mit Füssen, theils ohne diese, zur Absonderung 
der Sahne; jö Shähl, eine Schale mit einem oder zwei horizon- 
talen Ohren oder Henkeln am obern Rande ; de Ddsh , eine klei- 
nere Schale von derselben Form zum Auffüllen, daher das Ver- 
bum dpddshen, damit auffüllen; dät Näps, der Napf, ein Schälchcn 
mit einem Henkel und Guss; jö Pott, ein Topf mit Füssen und 
einem Griff, oder Sterz; jö Rdjfigel, ein grosser Topf ohne Füssc 
mit einem oder zwei Henkeln. 

55. Jö Fäihs von fäjdden, dän. at föde, engl, to feed, ernäh- 
ren, unterhalten, ist das engl, food und feed, das dän. cn Föde, 
der Unterhalt; jö Käst, die Kost, in anderer Beziehung auch die 
Hochzeit. 

56. Dät Fäujlk, da ß/ans/tene; dät Fäujlk ist 1. das Volk, 2. 
die Leute, da Mdnshene, die Menschen, als: dirr was faale Fäujlk 
tö Märked, es waren viel Leute zu Markt, dir wjaru manning 
Manshene, viel Menschen. 

37. Dät Fijl, jö Treel; dät Fijl, pl. Fiele, ist jedes Rad; jö 
Treel, die Triele, eine runde Scheibe, die man auf der Kante fort- 
rollt oder trielet, daher trelen; jö Knäiblingetreel, die Kniescheibe. 

38. De Fihss , der Fist , dän. en Fiis , engl, a lizz , lizzle , 

Vi ' 



140 

foist, der Ilosenjuclizer; de Fjärt, der Furz, dän. en Fjärt, engl, 
a fart. Die frics. Verba heissen: fi/tssen und fjärten, die deutschen 
listen, ficsten und furzen, die dän. at fise und at fjärte, die engl, 
to fizz, lo fizzle und to fart. 

59. De Frünn, de Werne; de Frünn ist i. der Freund, 2. der 
Gefreundte oder Verwandte, als: Wal sän Frünne, wir zwei sind 
Verwandte. De Wane bezeichnet jeden, mit dem man sich gut steht, 
als: wdt sdti gaiilis Wane, wir sind gute Freunde. De Frünn ent- 
spricht dem deutschen Freund, und de Wane dem dän. Ven. 

40. Dat Geck, de Narr, der Geck und der Narr, ganz wie im 
Deutschen, daher die Zeitwörter gechcn und narren, so wie die 
Redensart: huhm faar'n Geck hewen, jemand absichtlich mit etwas 
täuschen, 

41. Jö GJäjcl, de Glöme, de Loge, dät Aimmere. Jö Gläjd, die 
Gluth, Kohlengluth, de Glöme, ein geringerer Grad der Hitze, de 
Loge, die Lohe, Flamme; dät Aimmere, die Emmern oder Am- 
mern, Glühasche. 

42. Dat Gröt, da Grubene; dät Gröt ist überhaupt geschelftes 
Korn, als: Bärgröt, Gerstengrütze, Tähsergröl, Buchweizengrütze 
im rohen Zustande ; da Grubene sind feiner geschelfte Graupen , 
wie Pälgrubene \on pälcn, schelfen, oder Pdrlgriibeiie, Perlgraupen, 
wegen ihrer Aehnlichkeit mit Perlen. Beide Wörter sind Men- 
genamen, Gröt ohne Mehrheitsform und da Grubene ohne Ein- 
heitsform. 

43. De Gäilis, de Mjögs; de Gäilis ist der Dünger, wozu vieles 
benutzt werden kann; de Mjögs ist der Mist. 

44. Dät Mjögs, dät Slubb, dät Shjdrn, dat Sndws, dat Slömm, 
dät Glaumm; dat Mjögs ist überhaupt Schmutz, dät Slubb ist dün- 
ner Strassenkoth und Aehnliches, dat Shjdrn, der Unrath, wie 
Kehricht und dergl. , dät Sndws ist Schmutz jeder Art, dät 
Slömm, der Schlamm, dat Miidder, der Moder, morastiger Boden, 
in welchen man tief einsinkt, dät Glaumm, der Glumm, das 
Dicke und Trübe im Wasser. 

45. Jö Grauf, jö Gräiving, jö Greß, dät Gref , de Slüjtf. Die 
vier ersten Wörter sind alle von grewen, graben, abgeleitet, de 
Slüjlt von slijUen, schliessen, einschliessen. Jö Grauf, ein trock- 
jier Graben zwischen Aeckern; de Slüjlt, der Wassergraben um 



141 

eine Fenne; jö Gräwing, ein breiter und tiefer Wasseigraben um 
den Warf; jö Grcft, ein etwas kleinerer, der niciit rings herum 
zu gehen braucht; dat Gref, die Gruft, das Grab; jö Gräwing 
ist auch der Bach im Riesummoor, der zur Ableitung des Was- 
sers und zur Landscheide zwischen dem Oster- und Westcrmoor 
dient , wesshalb man ihn in Lindholm auch jö Lönshiehsing nennt. 
Aus dem Worte jö Gra«/' bildet man das Zeitwort grauwen, solche 
Graben ziehen; es ist ein Intransitivum. 

46. De Graupp, de Grüppel, dat Sill. De Grmipp, die Mist- 
rinne im Vieh- und Pferdestalle; de Grüppel, ein schmaler, nicht 
tiefer Abzugsgraben auf Aeckern und in Fennen; dat Sill, eine 
Wasserrinne durch einen Weg gelegt, auch de Wähserlöfte von 
Töß, oder Wähsertögte von tieen, ziehen, abgeleitet. 

47. Jö Häg , dät Leess. Das Heck vor einer Fenne, in andern 
fries. Ortschaften dät Leess genannt , welches sonst auch das Fu- 
der heisst. 

48. De Hdw, de Slieck, von hdwwen und sluliggcn, hauen und 
schlagen, der Hieb und der Schlag. 

49. Dät Flägs, de Hjärl, da Häjddc; dät Flägs, der Flachs, 
de Hjärl, gehechelter Flachs, da Häjdde, die Hede, ist im Frie- 
sischen ein Collectivum und ebenso im Dänischen, wo es Blaar 
heisst. 

50. Dät Heef, de Siee; dät Heef, das Half, das Meer, dän. et 
Hav; de Siee, i. die See, 2. der See, dän. So, engl, a sea. 

51. Dät Kniß', pl. Kniwwinge, der Kneif, engl, a knife, dän. 
Kniv, das Messer; de Ämledder, das Einlegeraesser *. 

52. Jö Hüdd, jö Hmn; jö Hüdd, die Haut, dän, en Hud, engl, 
a hide, nd. de Hut; jö Hdnn, das dünne Häutchen, z. B. im Eie 
auf einer vernarbenden Wunde u. s, w. , dän. en Hinde. 



1 De Ämledder, von dmledden, umlegen, ist wörtlich, der Um- 
leger, welcher der Form nach nur als Activ gedacht werden 
kann, aber nicht das Umgelegte. Das üebertragen der activen 
Form auf den leidenden Gegenstand finden wir aber sonderbar 
genug in mehreren Fällen, wie nun hier in de Ämledder, de 
Hidder (Reiter act., und Reitpferd pass.) für beides; de Säter, 
s. N. 34; de Sortier, als: ds Slumer as en gaiihsen Sägkr; »Eilende 
Wolken, Segler der Lüfte", Schiller. 



142 

OD. Jö Hüdil, dat S/tann, jö Sii/ird, dat Fäll, de Puls. Jö 
Hüdd gilt hier nur von dickeren Thierbekleidungen , wie .von 
Rindern und Pferden, als Köhüdd ; dat S/tänn , von dünnern 
Fleischüberzügen, wie Laummeshänn , Sliäipeslidini, A'lleringeslidnn ; 
jö Sn/ird, die Schwarte, von Schweinen, und dat Fäll, Fell, 
kann sie alle umfassen, denn der Gerber ist de Fällberehser. De 
Päls ist ein mit zottigen Haaren bewachsenes Fell, zur Umhül- 
lung des Körpers. Von Fäll, Fell, kommt das Zeitwort fällen, 
fillen, schinden, abdecken. 

54. De Jewe, de Gaaive, dat Jeß. De Jewe und dät Jeft stam- 
men beide von jewen, geben, ab. De Jewe ist zwar die Gabe, 
aber nur in einer ziemlich eingeschränkten Bedeutung , wie in 
Näührsjewe , Neujahrsgeschenk, Märkedsjewe, Marktgeschenk. Dat 
Jeß ist ein Futter fürs Vieh, als: dii/ig da Häjnste en Jeß, gieb 
den Pferden ein Futter. De Gamve ist aus dem Niederdeutschen 
und hat keine Wurzel im Nordfriesischen, wird übrigens für Gabe 
gebraucht, als: dö kö/tst de erme Mann nög en Gaaive düjn, du 
könnlest wohl dem armen Manne eine Gabe thun, d. h. geben 
oder reichen, Gaawe steht sonst immer für Naturgaben, als: he liel 
gaulis Gaawe, he hei 'r nijn Gaawe tö, er hat keine Gaben dazu. 
Wenn geben so viel ist als darreichen, herlangen, so gebraucht 
man immer duhggen, thun, als: duhgmemin Bauch, gieb mir mein 
Buch. Das Geschenk, die Gabe, heisst sonst allgemein: jö Förih- 
ring, von forihren, schenken. 

55. Dät Jjd' , de Töriv, dät JjlUnge, dät Brännhöli. Jjd oder 
Jhdd ist der Torf als Stoffname, dät Jhllinge, Nom. collect, die 
Feuerung, de Törio {Törrew) die Flagge, ein abgestochener Hei- 
derasen, Brännhöli, das Brennholz, de Siijdde, der Torfsode, 
auch die Sode. 

56. Dät Stäjll, dat Jörn, dät Staal. Dät Släjll, das Eisen, 
der Stoffname dieses Metalles, dät Jörn, pl. Jörne, ist das Eisen 
als Werkzeug, wie Wirhjörn, Plaiigjörn, Slr'ichjörn u, s. w. ; dät 
Staal ist Stoff- und Gattungsname des Stahles, letzteres wenn 
es Werkzeuge oder Gerälhc bezeichnet , wie Wctstaal , Fürstaal 
u. s. w. 

57. Dät Jäck , die Jacke, dät Wams, das Wamms; de Röjnle 
ist eine kurze, unten rund abgcschnitlene Jacke; de Jäckcr, 



145 

das DiminiUivum von Jäch , mit etwas verändertem Schnitt ; 
dclt Fauscr/iajtiten , das Fullcrhcnul , de liump, das Brusttuch. 

58. De Kant, die Kante , de liänt, der Rand, de Egge, die 
Tuehseite. 

b9. Jö Karst, dät Slirünn, pl Shrünne und Shröninge, de 
Küsse, de Knfj'er; jö Karst, die Kiste, Truhe, dat Shrünn, das 
deutsehe Schrein, dän. Skrin, engl, shrine, die Lade, de Äasse, 
der Kasten, de Knjfcr , der Koffer, de Borke, die Beilade in La- 
den, Kisten und Koffern. 

()0. De Kähr, de Wdllhä/ir, jö Kiev, de IFa/^e, jö VTaa/. De 
Kä/ir und jö A'«>r bezeichnen beide ein freies Wollen: dö hä/ist 
dän Kähr oder din Kier, kannst thun, wie du willst; de Wdll- 
kähr entspricht in sprachlicher Rücksicht dem deutschen Will- 
kühr, aber noch mehr, dem Sinn nach, dem dänischen Vilkaar; 
de Walle, der Wille, jö Waal, die Wahl». 

61. De Klädd, de Pläck , de Spot; de Klädd, der Klecks, 
und klädden, klecksen, auch klittern, verklittern; de Pläck, der 
Fleck, und placken, flecken; de Spot, ein Spritzfleck, Stimmer spöte , 
Sommerflecke im Angesichte , Sommersprossen , sdmmcrspötig , 
sommersprossig. 

ö2. Jö Kiöck, jö U/ir. Wie im Deutschen Glocke und Uhr; 
doch kommt der letzte Name nur in dem Worte Täshemihr vor. 
Man fragt kurzweg: wäl's e Klöck? Was ist die Glocke? Ist aber 
vom Innern einer Uhr die Rede, sagt man dat U/mvälrk, nicht 
Klöckeiväirk. Dät U/ir, das Ohr, ist nicht mit jö U/ir zu ver- 
wechseln. 

03. De Knähp, de Töhg , de Slräg , da Rdjnke. Der Kniff, der 
Zug, der Streich und die Ränke. Sie werden alle meistens nur 
in der Mehrheit gebraucht, kommen aber auch in der Einheit 
vor, mit Ausnahme des Wortes da Rdjnke, ein Collectivum ohne 
Singularis. 



^ Ein altes Documcnt, das in meinem Jugendalter noch gültig 
war, und die Gerechtsame, Freiheiten und Einschränkungen der 
Interessenten des Ricsummer Kornkoges bestimmt , führt auch 
den JNamen »de Wallkäfir," obgleich dadurch die Willkühr ge- 
rade eingeschränkt wird, und bat hier den Sinn einer Ueber- 
cinkunft. 



144 

64. De Knä/ip, der Kniff, die Taille; dät Lijf, der Unterleib, 
hier in Beziehung auf seine Form, wenn das Wort mit Knähp 
sinnverwandt ist, Jö as smeel, untUj ienn äujn 'e Knähp, sie ist 
schmal oder dünn in der Taille; tjockUivtvet , dickleibig, siddliwivet, 
hangbäuchig. 

65. De Kläi, dät Liemm; deKläi, der Klei, die angeschwemm- 
te Marscherde, dät Liemm, der Lehm, den man auch auf der 
Geest findet. Beide Thonarten braucht man zum Ziegelbrennen; 
der Klei giebt lauter rothe Backsteine, der Lehm auch gelbe. 
Aus Kläi bildet man das Zeitwort kläien, kleien, im Klei arbei- 
ten, graben, und daraus wieder de Kläier, der Kleier. 

66. Jö Kniep, jö Spung ; jö Kniep entspricht 4. der Schnalle, 
und 2. in einzelnen Fällen, der Spange. Jö Spung, die Spange, 
dient bloss zum Zusammenhalten, wie Kragen- Hemd- und Arra- 
spangcn; die silbernen Hemdspangen der Frauenzimmer sind herz- 
förmig und haben nur einen Stift. In Riesum heisst das Flügelthor 
des Kirchhofes, das oben von einem Mauerbogen bedeckt und 
von innen vermittelst eines eisernen Ueberschlages an einen in 
den Mauerlöchein ruhenden Querbalken befestigt ist, da Spungc, 
wird aber, in dieser Bedeutung, nie in der Einheit gebraucht. 
Shurkniepe, Bienehiiepe, Schuh- und Knieschnallen. 

67. De Knapp, de Knosl; de Knapp, i. die Knospe, 2. die 
Schwammdose, 5. jede harte, knotenförmige Erhöhung, z. B. ein 
Ueberbein, ein Auswuchs an Baumstämmen und dergl. De Knöst, 
der Knast, im Holze, auch de Knäst, der Knorren, der Knorz, 
so auch das dicke Ende einer Keule mit dem Stiel in eins ver- 
wachsen, wofür man auch de Knuhhe sagt. Ein sehr schmack- 
hafter Käse aus Klunkermilch, jö Hamvcl, heisst de Haawelknust. 

68. De Kup, de Händel, jö Prung , der Kauf, Handel und 
Tausch, von ktipen, handeln und prungen. 

69. Dät Lilck, jö Döhr, dat Shoü, dät Shöf. Dät Lück, die 
Luke, jö Dölir , dicThür, dat SJwlt, \. ein Brett zum Vorschieben, 
2. Schutzbrclt an Schleusen und Wasserwehren; dat SJiöf, ein 
grösseres oder kleineres Brett zum Vorschieben, auch ein Deckel, 
der in Seitenfugen oder Gängen eingeschoben wird; dat Wän- 
ningesliöf, der Fensterschieber, Fensterladen, der von innen vor- 
geschoben, nicht vorgesetzt wird. Aus dät Liick wird lückcn, 



145 

zumachen, belücken, einsperren. Dät Sliöf von sliüwwen^ schieben. 

70. De Balis, dän. en Bas, nd. en Baas, de Mäisler; de Bälis^ 
vom alten Adjectivum bass , der Positivus von besser (bässer), 
bezeichnet einen, der es andern in einer Sache zuvorthut. Von 
derselben Wurzel stammt de Bältsc, der Nutzen, Vorlheil, und 
das Verbum ba/isen, nützen, Nutzen gewähren; de Mäisler, der 
Meister. 

71. Dät Lddd, de Dackel; dät Lädd ist ein Deckel, der bloss 
aufliegt , ohne anzuschliessen , die Stürze , Dackel jeder andere 
Deckel. 

72. Jö Läujdd, deFlolise, de Sldjtigde ; jö Läiijdd von läiijddeHi 
laichen, rammeln, sind zusammengelaufene Thiere in der Brunst- 
zeit, wie Hunde, Hasen, Katzen und dergl. , de Flolise, s. oben 
unter N. 20. De Mdjngde, die Menge. En Flöse Gäis, u/nertet 
Agerlmn7ie, SImip, Swinn, Spärrige, Mdnslie?ie , Fäiijlk {Leute) u.s.Wi 

75. Dät LifJ\ dät Läwent, Leib und Leben, wie im Deutschen, 
als: he waaget Liff' au Läwent dir äujii , er Avagt Leib und Leben 
daran, lie as'r faar md Liff an Läwent, md Liff an Siel, mit Leib 
und Seele. Dät gongt /tarn intö 't Läwent, es geht ihm bis ans 
Leben. De Läwentslup , der Lebenslauf, en mal Hüss häjllen, eii 
mal Läwent hüjllen. 

74. Jö Mähr , jö Merrigt , grobe Schimpfnamen für gemeine 
Weibsbilder; jö Mähr ist wörtlich die Mähre, dän. en Mär; jö 
Merrigt, die Metze, das Mensch; jö Nachtmahr, Nägtmähr, der 
Nachtmahr oder Alp. 

75. De Pack, de Körne. Beide sind sogenannte Hausgeister. 
Pück, oder gewöhnlich Ndshe Pück, ist guten Herrschaften und 
treuen Dienstboten gewogen, spielt aber den schlechten manchen 
Possen. De Körne, ein spottender Hausgeist. Hulim häi'e Käme 
fiijn, ist'jm Scherz jemand an der Nase zupfen. 

76. Dät Maß, pl. Mäile, jö Mäjltidd, das Mahl und die Mahl- 
zeit. En Maß Mölke, so viel Milch, als eine Kuh durch einmaliges 
Melken giebt, en Mäjl Wahser, so viel Harn, als man auf einmal 
lässt, en Mäjl Ahse, eine Portion Essen. 

77. iö Krönkhäid, jö Segt, jö Krängd; jö Krönkhäid, dieKrank-- 
heit, jö Segt, die Sucht und die Seuche, jö Krängd, die Vieh^ 
Seuche. 

19 



146 

78. Jü Miiujnii, dat Shrünn, de Kaurcw. Jü Mäiijnn bezeichnet 
sowohl einen grossen Korb mit zwei Seitengriffen, als eiöen Ka- 
sten ohne Deckel zum Aufbewahren gewisser Dinge, wie Holz, 
Torf, Kohlen, Knäule u. s. w. So heisst der hölzerne, unter den 
dortigen Garnwinden angebrachte Kasten, jö Mäujnn , und das 
Wickelholz, auf welches die Knäule abgewunden werden, heisst: 
de Mävjnneplöck , weil es seinen Platz in diesem Kasten hat. — 
Shrünn, s. o. 

79. De Mönu, de Kjärl, der Mann, der Kerl, en dügtigen Kjärl, 
ein tüchtiger Kerl, cn braawen Mann. Ick bän'r de ß/önns faar, 
ich bin dir Manns dafür. 

80. Dnt ß/uhl, dat Sägt; dat ß/ultl, das Ziel oder Ende einer 
Rennbahn, eines Wettlaufes, das man zu erreichen strebt; beim 
Spielen mit Schüssern eine bestimmte Gränze , die man nicht 
überschreiten darf; dat Sägt, das Ziel oder die Richtung, die 
man beim Schiessen nimmt , daher sägten, zielen nach oder auf etwas. 

81. Dat Mark, dat Känntieken, das Merk, ein eingeschnittenes 
Zeichen, z. B. in den Füssen der Gänse, den Ohren der Schafe 
und dergl., eingelegtes Merkmal bei einem Vogelneste, ein Zeichen 
in einem Buche bei irgend einer Stelle, daher: marken, merken; 
dät Känntieken, das Kennzeichen. 

82. Dät Ncet , dät Pdss; dät Neet, alter, gesammelter Harn 
zum Färben, altdeutsch: der Netz, vergleiche: netzen; dät Pdss, 
der Piss, der Urin von Menschen und Thieren; passen, pissen. 

85. Dat Nüjtt, dat Bäist; dät Nüjtt, dän. et Nöd (1. Nöhss), 
engl, a neat, das Rind, pl. Nüjtte, Rinder; dät Bäist, dän. et 
Beest oder et Bast , engl, a beast (Bestie) , wird auch als 
grober Schimpfname gebraucht und bezeichnet ebenfalls Horn- 
vieh. Man sagt Bäisteßäsh und Nüjttejläsli , und beides ist Rind- 
fleisch. 

84-. Dät Thier, dät Diert, dät Hiesendijl; dat Tliier, wie im 
Deutschen, dät Diert, nd. dät Deert, dän. et Dyr; dät Hiesendijl 
ist buchstäblich das Heidending, und bezeichnet jedes Thier, 
aber besonders die Hauslhiere von Seiten ihrer Vernunftlosigkeit , 
so wie das dänische et Umälende sie als die Sprachlosen bezeichnet. 

85. Jö Nohst, de Bjärnelrög; de Bjärnetrög , ist der Born- oder 
Tränklrog, von hjdnien, hörnen, tränken. Beide sind länglicht 



147 

viereckige Wasscrhchiillcr in Ställen, aus welchen das Vieh ge- 
tränkt wird, und in welche man das Wasser aus der sogenann- 
ten Schöpfgosse, jö Ufisgaa/is, von nhsen , schöpfen, einlaufen 
lässt. De ßjdrnctrög , auf welchen auch wohl der Name No/ist 
übertragen wird, ist immer aus Bieltern gemacht, wogegen jö 
No/ist nur aus einem einzigen Stein ausgehaucn ist. Der Sage 
nach sind die meisten derselben, zur Zeit der Ebbe, auf dem 
Schlick gefunden worden, und Uebcrresle der untergegangenen 
Ortschaften Nordfrieslands; man soll sie ehemals als Särge ge- 
braucht haben. Im Golhischen heisst eine Leiche Naiis, wor- 
aus sich das Wort Naust, jö Nolist, der Sarg, als Lcichenbehält- 
niss bildet. 

86. Jö Haurd, de Sjürkhaaw. Jö Hanrd, der Kirchhof oder 
Gottesacker, ist mit Hürde und Hort, Umzäunung, Schutz, ver- 
wandt. In der Rewaldungszeit des alten Frieslandes waren sicher 
die ersten Einfriedigungen der Begräbnissplätze nur Hürden. De 
Sjürkhaaw hört man zwar seltener, als jö Haurd, aber im Oster- 
moor sagt man noch überall: Ick ivdll tö Haaw, anstatt tö Sjürk. 

87. De Häge, dat Släi. De Häge, der Hag, ist eine starke 
und hohe Einzäunung aus Planken und Pfählen, in welchen das 
Hörn- und Wollenvieh von dem Flurhirten, de Körnjürder, einge- 
pfercht wird, wenn es sich vom Spannstrick, dem Tjüdder, losge- 
rissen hat, wofür dann eine kleine Brüche, oder ein Löseschilling 
an den Hirten, und wenn der angerichtete Schaden bedeutender 
ist, nach unpartheiischer Schätzung, an den Beschädigten bezahlt 
wird. De Häge wird dort der ScJtüUkoben , Schütkafen genannt, 
wenn man das Wort verdeutscht. Dät Stäi ist jeder Koben, als: 
Swennestäi, Shäipestäi, Gösestäi, Sehweine- Schaf- und Gänsekoben, 
dän. en Stie (einsilbig), engl, a sty. 

88. Dät Pläss, dat Rümm, dät Stähs. Der Platz, der Raum, 
die Stelle und der Ort. Da hast in Kjdrl äiv din Pläss! ein Kerl 
auf dem Platze. 

89. Jö Penn, dät Shoot, jö Sltaalis, jö Länk. Jö Penn, ein 
hölzerner, nur mit einem Nagel befestigter Wirbel, mit dem man 
Thüren und Läden von innen oder aussen verschliesst; dät Shö^ 
wird vorgesteckt, und hangt gewöhnlich an einem Bande neben- 
an; jö Sliaalis ist der Riegel, und jö Länk die Kettel und die 

13 ^ 



148 

iläspe; jö Penn ist das engl, pen, der Pferch, to pen tlie s/iecp, 
dd Sliäip inpenneii ; Jiähst 'e Döltr ^jenwe/ ? hast du den Wirhel 
vorgedreht? Die Yerba pennen, sliöten, shaaJisen und länken er- 
klären sich aus ihren Hauptwörtern. 

90. De Kopjjel, de Regg , de Puckel. Alle drei Wörter sind 
Benennungen des menschlichen Rückens, und de Regg der eigent- 
liche Name desselben. De Puckel entspricht dem deutschen Bu- 
ckel, und ist dasselbe aus dem Nd. entlehnte Wort: denn es hat 
keine W^urzel im Nordfriesischen. De Koppel ist der Rücken nur 
dann, wenn man jemand huckepack auf demselben trägt, und 
das Zeitwort ist koppeln. 'Aw 'e Koppel satten, dregen u. s. w. , 
auwer koppeln, auf dem Rücken hinübertragen. 

91. Jö Prauss, de Böller. Jö Prauhs, ein elendes, dünnes 
Licht, das wenig leuchtet, und oft nur aus einem Fetldochte 
besteht, weshalb man immer am Schnuppen oder der Schnuppe 
stochern , purren oder prausen muss. De Böller eine aus Talg oder 
Wachs gewundene Kerze in runder Form, zu welchem das alte 
Adjectivum boll (rund) die Wurzel ist. Das Zeitwort prausen, verb. 
intr. , hat eine so allgemeine Anwendung erhalten, dass man es 
von jedem gebraucht, der mit einer Handarbeit oder dergleichen 
nicht fortkommen kann; Iie stönt dirr tö prausen, ick liäiv 'r md 
prauset , habe aber nicht damit zurechtkommen können , liegt 
dann als Neben- oder Folgebegriff darin. Dö hast en Prauser, jö äs 
en Prauhs. Prausen ist dann auch mit mingen, njäsen und sömen 
verwandt, d. i. mit zaudern, zögern, säumen, davon die Haupt- 
wörter: Prauserdi, ßlingerdi, Njaseräi. Nö maust di söme, nun 
darfst du nicht säumen. 

92. Jö Rau, jö Rö, jö Weel. Jö Rau und jö R6 heissen beide 
die Ruhe; jö Rau bezieht sich aber nur auf körperliche Ruhe, 
jö Rö mehr auf innere, auf Gemüthsruhe, inneren Frieden. Sin 
Geivdten /et Jidm nijn Rö, sein Gewissen lässt ihm keine Ruhe. 
Das Adjcclivum ünrauig bezieht sich sowohl auf innere, als äus- 
sere Zustände. Die Unruhe, jö Unramv, ist auch die Unruhe an 
einer Uhr. Weelen ist ein wenig ausruhen, und ist das deutsche 
weilen, dän. at livile, daher jö Wecl. Uttrauen , ausruhen, be- 
?ei^hnet eine längere und gemächlichere Ruhe als weelen, das oft 



149 

nur einige Minuten dauert, und besonders von ermüdeten Fuss- 
gängern und Lastträgern gebraucht wird. 

95. Dät Reess, jö Steem. Dat Reess, dän. en Rost, die jedem 
Einzelnen eigenthümliche Stimme , an der man ihn erkennen 
kann; cn gröw, en fün Reess, grobe, feine Stimme. Da das deut- 
sche d am Ende einer Silbe im Friesischen so häufig in hs und 
SS übergeht, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Reess und die 
Rede, so wie das dänische Rede, at rede, dasselbe Wort sind. 
Jö Steem, die Stimme. 

94. Dät Jücker, dät Twich. Dät Jücker ist eine Gerte, ein ab- 
geschnittenes Reis, eine Ruthe, als dät Hillejücke7\ vom Holun- 
der, dät Mäijückcr von einem Weidenbaume, u. s. w. Dät Twich 
ist sowohl der Zweig, als der Ast. 

9§. Dät Röhn, dät Läpelse. DäI Rölm, das Rinnsal, Rinnsei, 
dät Läpelse, das Lab. Reides gebraucht man, um damit die süsse 
Milch gerinnen zu machen, besonders beim Käsen. 

96. Dät Sdnn, dat Hart, dat Haad, Sinn, Herz und Kopf, 
sind nur von Seiten ihrer Schlechtigkeit mit einander verwandt, 
als: he het en äirig Sdww, en hijnn Hart, an en mal Haad, er hat 
einen argen Sinn, ein schlechtes Herz und einen tollen Kopf; 
mäl/iaadet, tollköpfig, ldgtsa7inig , leichtsinnig. 

97. De Seck, de Pose, de Pung ; de Seck, der Sack, de Pose, 
nd. de Paas, dän. en Pose, ein kleiner Sack, ein Jäckchen; de 
Pung, 1. der Reutel, 2. der Hodensack. 

98. Jö Shätt, da Uttjefle. Die Schätzung, die Steuer und die 
Abgaben, wie in Lönshält, Landsteuer, Brönshätt, Rrandschat- 
zung; jö Köpshätt statt Haadshätt, die Kopfsteuer. Da Üttjefte 
sind 1. überhaupt Abgaben, die auf etwas haften, 2. Ausgaben 
oder Auslagen im Allgemeinen. 

99. Jö Shäl, jö Pal. Jö Shäl entspricht überall der Schale als 
Umhüllung, jö Pal dagegen der Hülse, der Schote und der Schelfe. 
Die Zeitwörter heissen s/iälen und palen. 

iOO. Jö Shäujn, jö Höndling und jö Daahs. Alle drei Wörter 
sind zeitwörtlicher Abstammung, jö S/iäiijn von shäien, gesche- 
lien, im zweiten Mittelworte (Parlicipium) sliäjn, und bezeichnet 
eine schädliche Handlung ; jö Daahs , von dtihggen , däi , däjn , 
ist die Thal; jö Hondlimj , von hdmleln, handeln. 



löO 

401. üät Shjärn, dät Sndws, dät Grilss. Üai Shjärn ist über- 
haupt der Unralh, wie z. ß. Kehricht und dergl., dät Sndivs, 
Schmutz, Unreinigkeiten und alles, was nichts taugt, dat Grüss, 
der Schutt, Gries und Kies. 

102. En Shjärn, en fölcn ßldnshe. Dät Shjärn ist ein Mensch 
von schlechter Gesinnung, der andern Unrecht thut und Schaden 
zufügt , doch bezeichnet en (ölen Manshe hier noch stärker. 

103. De Präcker , dän. en Prakker, nd. de Pracher, de £iller, 
de Kiltring. Präcker und Biller siehe im Vorhergehenden , KU' 
tring soll von den alten Gelten, Kelten, herstammen, und bedeutet 
jetzt ganz gemeine Leute , die sich zanken , schimpfen und raufen. 

104. Dät Sliörn, de Shämmcl, die Hitsche und der Schemel. 
Oft gebraucht man das eine für das andre , was indessen nicht 
immer geschehen kann. So nennt man die an den altmodischen 
Tischen angebrachten Bretter zwischen den Füssen derselben, da 
Fäujttshämle , Fussschemel, wo Shörn durchaus unpassend wäre, 
und dagegen den Bläuel tisch , zum Bläucln oder Klopfen der 
Wäsche, dät Böhgshörn, wo de Shämmel eben so verkehrt stehen 
würde. Bögen oder böligen ist klopfen, pochen. 

105. Dät Shöm', jö Blöged. Dät S/iöm, dän. en Skäm , engl, 
shame, die Schande. 5ö Blöged, von dem Adjeclivum blöcli , blöde, 
gebraucht man, wenn man sich in der Seele eines andern, oder 
einer unanständigen Handlung schämen muss; auch bedeutet 
Blöged, die Blosse, die Schaam. Die Zeitwörter heissen: liüm sltaa- 
men und hüm blögen, sich schämen und sich erblöden, beide sind 
verba reciproea. Wenn Shöm für die menschliche Schaam ge- 
braucht wird, ist es weiblich, sonst gebraucht man es sächlich, 
für Schande. 

106. Dät Shöhr, de 2njnfäll. Dät Shöhr ist der Schauer, 
als: he häi en swär Shöhr, er hatte einen schweren Schauer, z. B. 
vom Fieber: he het sin male an gauhse Shöhre, er hat seine tollen 
und seine guten Schauer. De Aujnfäll ist der Anfall, als: en 
Äujnßll fon'e Gigt, fon Lifjwärk u. s. w. und bedeutet noch be- 
sonders die Schwerenolh oder Epilepsie. 

107. Dät Shöhr, jö Tiddlong, jö Tidd. Dät Shöhr ist hier die 
Weile , und dieser Zeitbegriff ist auch schon in der Bedeutung des 
Wortes mit eingeschlossen, wenn es Scbauer heisst; die Zeitlang 



151 

ist jö Tiddlo7ig, und jö T'uld, die Zeit, Ick hww liirr all en gauhs 
Shühr tüä/in, ich bin hier schon eine gute Weile gewesen. 

108. Dat Shrübb , von shrubben , scheuern , reiben , ist die Krätze , 
dät Shürrew, die Räude der Schafe. 

109. De Kug, de Hämmc, jö Fenn, jö Koppel, jö Toft. De 
Kug , der Kog, ist ein grösseres, dem Meere durch Eindeichung 
abgewonnenes Stück Land; jö Fenn, ist die kleinste Abtheilung 
darin, und entspricht in so fern einer Koppel auf der Geest, nur 
dass die Fenne mit einem Wassergraben, de Slüjtt, die Koppel 
dagegen mit einem Walle oder Zaun, oder mit beiden umgeben 
ist. De Hämmc, der Hamm, die Hamme, Hemme, richtiger die 
Hänime, heisst eine Reihe neben einander liegender Fennen im 
Hcrrenkoge , die durch einen breiteren Graben von dem übrigen 
Lande getrennt oder abgehemmt sind. Der Hauptbegriff ist: Ab- 
trennung durch Zäune, Gräben, Einfriedigung, Gehäge. Mehrere 
Ortsnamen werden durch Ham , Ilem und Hemme bezeichnet , 
wie Hamdorf, Hammelef, Hamburg, Hem, Hemme in Eiderstedt, 
Hemme an der Trene, Hemmelmark bei Eckernförde, Hemming- 
hörn, zweimal in Eiderstedt, Hamberge an der Trawe, Hamdorf, 
Hamfeld, Hammoor, Hamwcdel, Hemme in Norderditmarschen, 
Hemdingen, Hemmeisdorf, Hemmerwurth, Hemmingstedt. Jö 
Toft, ist ein kleines eingefriedigtes Stück Land am Hause, das 
oft noch mit dem Warf, de Wäircw , in Verbindung steht. 

410. Jö Sliep, de Sliep, de Sndpp. Jö Sliep ist der Aufschlag 
an Aermeln , de Sliep , der Zipfel , de Sndpp , der Schnippel , 
Schnipp, 

ill. Dät Tweel, de Frolise, dat Spütt, dät Späüing. Tweel, 
der Quiel, der dünne Speichel, welcher kleinen Kindern und 
alten Leuten aus den Mundwinkeln, da Njäslie, lliesst, davon 
dat Tweelbörtjen , Sabbertuch; de Frohse, der Geifer, dän. Fraad, 
Fraade; dät Spütl, der Speichel, altd. die Spütze; dät Späiling, 
das Gespiene. Die Zeitwörter heissen: twelen, quielen, fro/isen, 
geifern, spülten, spützen, Marc. 7, v. 55, Marc. 8, v. 25. Johan. 
9, V. G, und späien, speien. 

H2. De Säirk, das Mannshemd, de Smöck, das Frauenzimmer- 
hemd; im dän. heisst letzteres en Särk, und das Mannshemd cn 
Skjörle. 



152 

Hd. De Sndpps, von snappen, de «yö/JÄe von snppen, nd. supen, 
bedeuten beide ein Glas Branntwein, Rum, Genever, Cognae und 
dergl. die nicht über einen Schluck betragen. Das Wort Söpke 
ist in der verkleinernden Form gebildet und also ein Diminutivura. 

114, Jö Snäi\ dän, en Snäre, engl, a snare, ist die Schleife, 
dän. en Slöife; jö Sling , engl, a sling, dän. en Slynge , die 
Schleuder; die Zeitwörter sind snärcn und slingen. 

115. Jö Sliär, die Schnarre, Rattel, engl, a rattle; jö Rdjngle- 
boss oder Shrdjiigleboss , von rdjngeln, sliräjngeln, dän. en Rängle- 
bösse, von en Rdngle, die Schelle, die Kinderklapper, Schellen- 
büchse ; jö Snürr , von smtrren , schnurren , die Schnurre , eine 
bleierne, am Rande ausgezackte, runde Scheibe, mit mehreren 
Löchern in der Mitte, durch welche man wollene Fäden zieht, 
die an den Enden mit einander verbunden werden, worauf man 
das bleierne Rädchen so lange um seine Achse schwingt, bis die 
Fäden sich fest zusammengedreht haben , und diese dann mit 
aller Kraft wieder zurückzieht , wobei das Rad wieder stark 
schnurrend zurückläuft. Jö RummcJpott , der Rumpeltopf , ein 
Topf mit einer straffgespannten Blase überzogen, in deren Mitte 
ein Stück Schilfrohr befestigt ist , an welchem man mit etwas 
angefeuchteten Fingern auf und nieder reibt, wodurch der hohle 
Rumpelton oder das Rummeln hervorgebracht wird'. 



1 Alle diese Dinge sind keine Synonymen, und nur als Spiel- 
sachen der Kinder hier zusammengestellt. Mit den sogenannten 
Löpern, Schüssern, Knickern, Marmeln und Schnellkugeln, Rnll- 
Jiiigle, werden mancherlei Spiele getrieben. Diese mögen hier 
zugleich einen Platz finden: 1. 'Aw'c Ring spülen, auf dem Ringe 
spielen, hier macht man eine kreisförmige Rinne auf ebener Erde, 
de Ring, innerhalb welcher die thönernen Schüsser gesetzt, und 
mit Marmelkugeln u. s. w. , vermittelst des Daumens und Zeigefin- 
gers ausgeschossen (geschnellt) werden, wobei viele Regeln zu 
beobachten sind; 2. äiijn't Longliek spdlcn, im langen Leik ; hier 
werden die Scbüsser in eine lange Reihe gelegt, etwa in der 
Entfernung einer Elle von einander, und mit Marmeln eben so 
geschossen ; 5. dpijnspälen oder jipijmich , ^pljnsmittcn , gegen 
die Wand werfen. Wer einem andern auf eine Spanne nahe 
kommt, der gewinnt einen Schüsser; 4. äiijn'c Gröttkölil späten, 
hier macht man ein grosses rundes Loch in der Form eines bau- 
'.higen Topfes, und wirft aus einer jedes Mal genau bcstinuntcn 



155 

146. Jö Spirr, de Shöt. Jö Spirr von spirren, dän. at spirc, 
en Spire, ist der eben hervoikomraende Keim, de Shöt, von sliijl- 
ten, schiessen, der Schoss, Schössling. 

117. Jö Stjörr, jö Själl, jö Rälgel, jö Ordning. Die Verba sind: 
stjürren, själlen, räigeln und ordnen. Hüjll Sljürr äw da, wille Jon- 
gense, steure den wilden Knaben; ick kön 'r nijn Räigel äujnJiüjlle, 
ich kann keine Regel (Ordnung) darin halten; dirr as nijn Själl 
äujn, dät sjället ja gaar nint, das hat ja gar keine Art; dät 
lickent ja nint, es gleicht ja nichts. Licknen und själlen sind 
sinnverwandt. 

118. De Spärk, deStijtt, de Puff. Verba: spärken, dän. at spar- 
ke, siijtlen, stossen, puffen. De Spärk, ein Stoss mit dem Fusse, 
de Stijtt, der Stoss überhaupt. 

119. De Bausem, de Stall. De Bausem ist diejenige Abihei- 
lung eines Bauernhauses, in welcher die Ställe oder Viehstände 
sich befinden; de Stall, ein einzelner Stand für Rinder oder Pfer- 
de, auch für zwei Stück. De Bausem ist sonst auch der Boden 
eines Fasses. 

120. De Splälis, von splitten, spleissen, spalten, also die Spleisse, 
Spalte, der Spliss; de Rälrw, von r'iwwen, reissen, der Riss. 

121. De Stier, de Ögse, de Bulle. De Stier und de Ögse sind 
beide verschnittene Stiere, de Bulle, der Zuchtstier, engl, a bull 
und a sleer. 

122. De Taus [Täis), de Käise. De Taus, der Zahn, de Käise, 
nd. Kuhs, der Backenzahn, Malmzahn. 

125. De Struhmm, dat Silllog, jö Wäfiserliesing, der Strom, 
der Fluss, die Au, wörtlich der Sielzug, jö Wäfiserliesing , die 
Wasserleitung oder Lösung, um das Wasser los zu werden; 
struhmmen , strömen , sillen , üiessen , treiben. Dät 5t//, das Siel, s.o. 

124. Dät Sivijt, dät Bläujd; ersteres ist das warme Blut ge- 
schlachteter Thiere, letzteres ist Blut überhaupt; 5'M'y7, der Seh weiss. 



Entfernung (dät ßluhl genannt) die Schüsser da hinein; 5. äujn 'e 
Lockpott, äiijn'e Idjtt KöIil unlig äw Tunnringe, d.i. nach der ton- 
derschen Weise, spulen. Hier dreht man mit dem Absatz des 
Stiefels eine kleine Höhlung in Form einer Halbkugel aus, und 
spielt darin Gerade oder Ungerade, Pär nntig (Jnpär. 



154 

125. Dät Swär, jö Onturd, die Antwort, von swären und ßnt- 
urden. Stvärcn und dät Swär kann überall für antworten und 
Antwort stehen ; öntiirden und jö Önlurd findet besonders beim 
Exarainiren und Abfragen Statt. 

■126. Jö Leen, de Faarriip, dät Reep, dät Tdiv. Jö Zeen, die 
Leine, besonders die Hinlerleine am Wagen, mit Avelcher der 
Wiesbaura auf Heu- und Getreidefuhren gebunden wird; de Faar- 
riip, die Vor- oder Vorderleine, welche über den Kopf des Bin- 
debaumes geht; dät Tdw, das Tau; dät Reep kommt nur noch 
in dem Worte Reepsläger , Reifschläger vor. Der Binde- oder 
Wiesbaum ist de Ponternc, und die Tritze oder Blockscheibe (His- 
seblock) heisst de Hauck. 

127. De Täms, dät Sälnv. De Tätns, ein Haarsieb, zum Seihen 
der Milch und zum Sichten des Mehles; dät Sä/m, das Sieb, engl, 
a sieve. Ein älteres Wort für Sä/nv hiess dät Säil, wovon noch 
das jetzt gebräuchliche säilen, sichten; aus Täms wird auch tätn- 
S€7i, wofür aber sällen gebräuchlicher ist. 

128. Jö Tiern , de Bässe/, de Trans. Jö Tlem, der Fahrzaura 
bei Wagenpferden; de Hassel, der Reitzaum; de Trans, ein ein- 
lacher Kapzaum, die Trense. Aus Tiem wird tiemen, diemen, das 
Heu zum Diemen (Schober) vermittelst langer Leinen und eines 
schmalen Breites zusammenfahren. 

429. Dal Tjöc/i , Tjög, dät Sanken, das Zeug und die Sachen, 
Beide Wörter sind Collecliva ohne Mehrheilsform, und wei'den 
für Vieh und Sachen gebraucht. Beispiele: Wirr äs min Tjög' F 
nd. Wo is mien Tüg? dän, Hvor er mit Töi? meine Kleider und 
sonstige Sachen. IjUjög' , Feuerzeug, Wäirktjög', Räisetjög', u. s. w. 
Jag 't Tjöc/t inn! Treibe das Vieh ein; Iiä/ist 't Saaken infüngenF 
Hier umfasst Saaken alle Hausthiere mit einander, so wie alle 
drausscn liegenden Sachen, die herein sollen, wie Hühner, Enten, 
Tauben, Gänse, Schafe, Schweine, Rinder, Pferde, Pferdege- 
schirr, u. m. a. Läjtl min Tjög oder Saaken ladde , lass mein 
Zeug oder meine Sachen liegen. Ick Iiä/iw min Tjög' äujn 't S/irönn, 
ich habe mein Zeug in der Lade. Bin Saalcen dräft alt ämbäi, 
deine Sachen treiben immer herum. 

130. De Tö/i/e, de Sniitle, de Fläbbe, de Müss. De Müss, der 
Mund , de Fläbbe, die Fläbbe, Hängemaul , de Sniitle , die Schnauze, 



de Töhle, das Maul; de Frä/tle, die Fresse, Gosche. Ganz grobe 
Ausdrücke sind: Hüjll dun Töhle, hüjll 'c Snülle, de Fläbbe an 'e 
Frälite. De Frähte von freJiscn, fressen. Aus Fläbbe wird ßäbben, 
das Maul hangen lassen, aus Snütle, snäjttcn, schnauzen. 

131. De Tütt, de Göth, die Schnauze, an einer Kanne und 
dergl.; de Göth, der Guss, von gijlten, giesscn. 

152. Dät Träjd, der Zwirn, de Träjdd, der Faden, dat Gjdrn, 
wollenes Garn; de Träjdd ist auch ein einzelner Draht, de Pdck- 
träjdd, Pechdraht. 

i35. De Tröch, jö Ujlling, der Trog und die Mulde; beide heis- 
sen im dän. Trug (1. Truhg). 

434. De Thräs, von treesen, treten, der Tritt; de Stäp, von 
stäpen, stapfen, der Stapf, langer Schritt; de Stäpe, die Stapfe, 
eingedrückte Spur vom Fusse; dat Släpslähs, der Siegel, zum 
Uebersteigen ; de Tristape s. o. 

433. Jö Trepp, jö Lädder, die Treppe und die Leiter; de Lad- 
dei'büjlke, der Leiterbalken, da Sprdjnke, die Sprossen, Singul. 
de Sprdjnke. 

436. De Wäll, de Dick, de Dämm, de Shänse, der Wall, der 
Deich, der Damm und die Schanze. 

437. Dät Wäirk, dät ^rbed, das Werk, die Arbeit; arbeiten 
ist aber büen, daher de Büer, der Arbeiter, de ^rbedsmönn, der 
Arbeitsmann. 

438. Jö Wäig , von wäigen, auf und nieder wiegen; jö Wipp, 
von wippen; jö Stjöi, daher stjöien; jö Wägg, daher iväggen. Jö 
Wäig, ein langes Brett, in der Mitte auf einer hohen Unterlage 
ruhend, auf welchem sich zwei Personen, eine an jedem Ende 
derselben, abwechselnd zum Vergnügen auf und nieder wiegen. 
Jö Wipf, die Wippe, besonders eine Falle mit einer Wippe, zum 
Fangen der Mäuse und Ratten, die durch ein Stückchen gebra- 
tenen Speckes angelockt, in ein darunter stehendes, zur Hälfte 
mit Wasser gefülltes Gefäss fallen. Jö Sljöi, die Schaukel, jö 
Wägg, die Wiege. 

439. Jö Drägt, dät Jock. Jö Drägt ist die Tracht oder das 
Schulterjoch, an welchem Wassereimer, Milcheimer, Körbe und 
dergl. getragen werden; dät Jock jedes andere Joch. Jö Drägt, 
von dregen, tragen, hat übrigens alle Bedeutungen des deutschen 

20* 



Iü6 

Wortes Tracht , und licisst noch besonders die Wage an der Deich- 
sel mit ihren Schwengeln, da Sivdjngle. 

140. De y/tte, de ^Uähte, zwei verschiedene Benennungen für 
Grossvater. 

ii\. De Ba/ise, de Njütte, dät Gagen, de Fordijl. De Bahse, 
dän. en Baade, Verb, at baade, hatte; deutsch: baten, hatten, 
Nutzen bringen; de Njütte, der Nutzen; dat Gagen, dän. Gavn, 
engl, gain , das Frommen , der Nutzen , Verb, at gavne , fries. 
gägnen; de Fordijl, der Vortheil. De Läjtte kön all Gagen düjn, 
der Kleine kann schon nützliche Geschäfte verrichten; wdt tö Gä- 
gens düjn, etwas recht machen, so wie es sein rauss. Dät wall 
de äi faale baltse, das wird dir nicht viel baten. 

142. De Egge, jö Sidd, de Kant. De Egge kann nur durch 
Seite übersetzt werden, wobei aber der Begriff sehr unvollstän- 
dig bleibt. Diess Wort, welches auch noch im Dänischen, aber 
in einer weit eingeschränkteren Bedeutung, vorhanden ist, hat 
einen sehr umfassenden und vieldeutigen Sinn, der nur durch 
Beispiele klar gemacht werden kann. 'Aw 'e söliser Egge't Hüss, 
auf der Südseite des Hauses; äw 'e Nörderegge , auf der Nord- 
seite; mü 'e u^steregge, zu Osten, de Westeregge, die Westseite; 
äw 'e Leeßegge, zur Linken; äw 'e rögte Egge, auf der rechten 
Seite; äw 'e Hugeregge satten, über jemand sitzen, einen höhern 
Platz einnehmen, äiv'e Läigeregge, niedriger sitzen; de hirr Egge, 
oder umstandswörtlich: de hirregge, diesseit, de jänneregge, jen- 
seit. "J[w huhmsen Egge hast do ? Auf wessen Seite bist du? mit 
wem hältst du es? Dät Kniff as hlänk äw biese Egge, das Messer 
ist blank auf beiden Seiten; dät slijärt mä biese Egge, es schnei- 
det mit beiden Kanten, mit der Schneide und dem Rücken, oder 
es ist zweischneidig geschliffen. De bütter Egge, de bänner Egge, 
oder: äw 'e bütteregge, äw 'e bdnneregge, ausserhalb und inner- 
halb; de rögte Egge, de forkierde Egge, die rechte Seite und die 
Kehrseite von gewebten Stoffen. Das Zeitwort davon ist eggen, 16- 
eggcn, und bedeutet verlocken, anreizen zu etwas. Im Dän. heisst 
de Egge, en Egg', und wird nur auf die Schneide und die Tuch- 
kante angewandt; at egge nogen, ist einen aufbringen, zum Zorn 
reizen; engl, an rage, Verb, lo cdge. 



157 

145. De Främde, dät {JttlOujnn , die Fremde, das Ausland; 
främd an üUläitjnsh. 

144. Gäujd äujn Stände wesen, gut im Stande sein; en gaulis 
Däged heven, gutes Gedeihen , gute Gedeihlicbkeit haben, von 
däien, woraus jö Däged sich bildet, welches Wort man aber nicht 
mit Döged von daagen (laugen), die Tugend, verwechseln darf. 

145. De Kempe, de Riese. De Kempe, der Kämpe, bezeichnet 
den Riesen von Seiten seiner Stärke, seiner Tapferkeit und des 
kräftigen Körperbaues ; de Riese von Seiten seiner ungewöhnli- 
chen Länge; riesen heisst in die Höhe richten. 

146. DeKlönne, deKlöts, de Knolle, de Kldivwer. BeKlönne, der 
Klonz, bezeichnet den Menschen in Rücksicht auf seine Plumpheit 
Derbheit und Schwerfälligkeit; de Klöts, in Bezug auf seine Grob 
heit; de Knolle, ein vierschrötiger, derber und gedrungener Kerl 
de Kldivtver, von iöKldiv, die Klaue (Hand), einer, der tüchtig an 
fassen und arbeiten , oder mit den Klauen etwas los machen kann 

147. De Läpe, de Fldck, de Klütt, de Plünne. De Läpe, der 
Lappen, de Klütt, ein Lappen zum Flicken und Ausbessern, de 
Fldck, der Fleck, z. B. aus Leder, ein Absatzfleck, de ^'gter- 
fldck , de Plünne , der Lumpen ; die Verba sind läpen , fldcken 
und klütten. 

148. Jö Fortelling , die Erzählung, dät Tähl, das Mährchen, 
jö Faabel, die Fabel, de Döjnte, das Döhnchen oder Anecdötchen. 

149. Jö Regäivenliaid , die Begebenheit , dät ^ivertürr , das 
Abentheuer, äiventürrlick , abentheuerlich, auch gefährlich, gewagt. 

150. De Mänte , die Mühe , dät Unmeek , dän. Umäge , recht 
viel Mühe. 

151. De Paurte, die Pforte, dät Dohr, das Thor, dät ^hk, 
das Scheunenthor. De Paurte ist auch der Kerker und der Sta- 
chel , s. 0. 

152. De Stünner, der Ständer, de Piller, der Pfeiler, de Stip- 
pe, die Stütze. 

153. Jö Tivöng von twingen, jö Tücht von tie-en, ziehen, jö 
Kush , von kushc,n. Der Zwang , die Zucht , die Kusche , Ein- 
schüchterun«?. 

154. De Grünn, de Vrsäge, der Grund und die Ursache, 

lüü. De Slörrc, dal Mingen, dät Njäscn. De SWrre, von slör- 



lo8 

ren, hinstehen lassen, ist die Fahrlässigkeit, slörriy , fahrlässig; 
de Minger zaudert , weil er mit der Arbeit nicht recht fort- 
kommen kann, deNjäser, weil er nicht will; daher nun Mingetm 
und Njäseräi, von mingen und njäsen. 

ioC. De Spahse, jö Glauiv; diese ist ein gewöhnlicher Spa- 
ten, dagegen de Spahse ein Spaten zum Abstechen der Ileide- 
flaggen oder des Heidetorfes, dessen Blatt von der Mitte an ein 
schräg aufwärts stehendes Dreieck bildet. Selbst der Torfspaten, 
welcher an der rechten Seile des Blattes eine aufstehende, schar- 
fe, drei bis vier Zoll hohe, eiserne Kante hat, heisst jö Ijdglaim. 

157. Da Twäge, dät Jest, da Gäre. Da Tiväge (Colleclivum) 
sind die Unterhefen, dät Jest, der Gäscht, und da Gäre, jedes 
Gährmittel. 

458. De Brück, de Maude, de Wänigt, Gebrauch, Mode und 
Gewohnheit. 

159. De Wale, de Wällering, de Wjärsing. De Wale ist 4, die 
Strieme, z. B. nach einem Peitschenhiebe, 2. etwas zusammenge- 
rolltes, wie Heu, Grummet, Krummstroh, etwa von der Dicke 
eines groben Ankertaues, oder eines derben Oberschenkels; de 
Wällering, von wällcrn, wälzen und wällern, z. B, eine gekrem- 
pelte Flocke Wolle und dergl. ; de Wjärsing, der eingestrichene 
Hauptschwaden beim Heuen. De Tingwäle (verdreht zu Täjng- 
wale), ein kurzer, eiserner, walzenförmiger Stab, oben mit einem 
Ringe versehen, der von Haus zu Haus geschickt wird, um die 
Dörfler an einem bestimmten Ort zu gemeinschaftlichen Berathun- 
gen zusammenkommen zu lassen, hat seinen Namen von der wal- 
zenförmigen Form, obgleich man ihn auch viereckig hat, 

460. ^irig äujnluppen , to Mäjtte kämen, äujnkämen [hijnn). 
Airig äujnluppen, übel anlaufen; hijnn äujnkämen, übel ankom- 
men u. s. w. To /fJäjlle kämen, braucht man, wenn z. B. jemand 
auf der Strasse fällt und ein Bein bricht, oder beim Aufhängen 
eines kostbaren Spiegels denselben entzwei fallen lässt u. s. w. ; 
so sagt man: dirr kaumm ick elandlg to Mäjtte. En Ohling fuhg- 
gen, sagt man, wenn jemand, der es wohl verdient hat und 
dem man es gönnt, um bedeutende Summen betrogen wird, oder 
wenn ihm sonst irgend ein empfindlicher Streich gespielt wird. 
Dann heisst es: Dirr hcl'r en gauhs Ohling füiigen! En gauhs 



159 

Lorring, von lörren oder lören, lauern, auch jö Z/öVi«// , bezeichnet 
dasselbe; im Worte selbst liegt aber der Begriff des Absichtli- 
chen, des Lauerns, und das Wahrnehmen der Gelegenheit, jemand 
einen Streich zu spielen. H^dtm en Slräg späten, jemand einen 
Streich spielen. 

461. De Spicker, de Nägel, de Brödd. De Spicker, ein Nagel, 
dän. et Speger, Spiger, von einiger Grösse; de Nägel, ein klei- 
ner Nagel, wie Wdnningenägel , Fensternagel, auch der Nagel an 
Finger und Zehen ; de Jirödd , dän. en Brod , ein kleiner spitzer 
Stift. En Nägel, engl, a nail, verb. to nail. Spickern, mit grös- 
seren Nägeln befestigen, nägebi, mit kleinem, brödden, mit noch 
kleinern , ohne Köpfe. 

-162. De Slimgel, der Schlingel, de Bäjngel, der Bengel, de 
Slef, nd. de Slef, de Sliibber, de Köter, Schimpf- und Scheltwör- 
ter. De Slnhher, von Slubb, dünner Strassenkoth, slubbei^n, den 
Koth einschlürfen, wie die Enten; de Köter, der Köter, als 
Schimpfname, und ein Köterhund. 

463. En läjtt ivälsh Dijl, en Idjtt mjögsig Krät, en läßt däsig 
Dijl, en Idjtt däsig Krät, sind alle in der Bedeutung so ziemlich 
eins; wdlsh Dijl, quersinniges Ding, mjögsig Krät , schmutziges 
Gethier; Idjtt däsig Dijl, kleines albernes Ding; läjtt däsig Krät, 
kleines albernes Geschöpf oder alberne Kröte ; lauter Schimpf- 
wörter. 

404. Jö Bössei, jö Kugel. Jö Bössei, eine Kugel zum Werfen 
bestimmt, als: jö Kägelbössel, jö Issbössel, Kegelbossel, Eisbos- 
sel; jö Kugel, jede Kugel und die Bossel mit; bosseln, mit der 
Bossel werfen. 

465. Jö Käwel, jö Koppel, jö Snaur. En Käwel Hdjnsle , en 
Koppel Hünne, und en Snaur Hdjnste. Käwel und Koppel scheinen 
hier einsdeutig, doch wird Käwel nur von Pferden, Koppel von 
Hunden gebraucht. Bei der Schnur gehen die Pferde hinter ein- 
ander, was eben bei einer Kawel und Koppel nicht noth wendig 
ist. Da Hälskäwle sind die Halssiele der Wagenpferde. 

466. Jö Pott, jö Räjngel. Beide sind Töpfe, aber der eine, 
jö Pott, hat immer drei Füsse und einen Sterz; jö Räjngel ist 
ohne Füsse und hat einen bis zwei Henkel. Rdjngle heissen auch 
die Schellen am Schlittengeschirr und an der Schellenbüchsc, 



160 

daher rdjngeln, schellen, verwandt mit shrdjngeln , dän, at rangle, 
und en Rangle, en Rangleslange, die Klapperschlange, 

467. Dat Wunner, dät Wunnertieken , däl Miraakel. Das Wun- 
der, das Wunderzeichen, das Mirakel; letzteres wird aber mei- 
stens für verwirrten Lärm, Getümmel gebraucht, wie in den 
Ausdrücken: en grott Miraakel, faale ßliraakel mögen. 

d68. Jö Tihssing , Zeitung, Nachricht, jö Naarögt , dasselbe; 
dieses Wort ist dem Niederdeutschen nachgebildet. 

4 69. En Kink , en Kjirl , en Bdjtie , en Bröckling , en Läiet 
und en Lurlierläiet. En Kink und en Lurlierläiet bezeichnen den 
kleinsten oder unbedeutendsten Theil von etwas; en lijdrl, ein 
Körnchen, en Bdjtte, ein Bissen, en Läiet, ein wenig. Weniges, 
en Bröckling, ein Brocken; daraus wird bröckeln, bröckeln. 

470. Dät Öfer, das Opfer, de Gaawe, die Gabe, jö Forihring , 
das Geschenk. 

471. Verwünschungen und Flüche. Däi de de Segt, de Ramven^ 
de Däunei\ de Banker, deDäu/sher, deDäuwel, deBilivel, de Mäßi- 
ger, de Wünnen, da Fiewwünnen, de Kränked, de Rdcker! Dass 
dich die Sucht (Fallsucht) ergreife! de Hdjnger, der Henker, da 
Fiewwünnen, dass dich die fünf Wunden (Christi) brennen oder 
schmerzen mögen ! de Kränked , die Schwerenoth ; de Bdcker 
(sonst Racker), der Scliinder. Die übrigen Wörter sind lauter 
Namen des Teufels. 

472. B&t Päckliüss , de Kaurnspicker , der Kornspeicher und das 
Packhaus. 

473. Jö Formaak, ']ö Höhg. Jö Formaak, von formagen (wie das 
Lat. recreare, reficere), das Wohlgefallen: He het 'r sin Formaak 
iitt , wann 'r 'e Jöngense to wräseln füjn kön , er hat sein Wohlge- 
fallen daran, wenn er die Jungen zum Ringen oder Balgen brin- 
gen kann. )ö Hö/ig , von bögen, erfreuen, wird mit äiijn (in, an) 
verbunden, und so gebraucht: Birr het 'r sin Höhg äujn, daran 
hat er sein Behagen, seine Freude. 

474. Jö Währ, da Krefte, jö Formogt. Jö Währ, von weren, 
sich wehren, verlheidigen , braucht man besonders von Kindern, 
die einer Arbeit noch nicht recht gewachsen sind, daher nun: 
währig, en währigen Jönge, ein kräftiger Junge, he het tiijn Währ, 
keine Kräfte; jö Formogt, das Vermögen, aber nur in Beziehung 



161 

auf Körperkräftc , als: Höll an Haad nög , aurs läict Formögt^ Gc- 
säss und Kopf sind gross genug, aber wenig Kraft. Von einem 
stark gebauten Menschen, der dennocli nur wenig Kräfte hat. 
Da Krefte, die Kräfte, de Krefie, der Krebs, Krebsschaden. 

175. Dät Spalt, pl. Spähsc und Spalte, der Spiess; de Pick, 
die Pieke. 

176. De Eme, dän. en Eem, der Brodem, heisser Wasserdarapf; 
de Dämp, der Dampf überhaupt, daher emen und dänipen, brod- 
men und dampfen. Dämpen ist sowohl ein Verbum intransitivura, 
als ein transitivum, und heisst also auch dämpfen. Brodeln ist 
babbeln. 

177. De Wjärd, von wäir, wahr, die Wahrheit; de Wjärt, von 
wjärt, werth, der Werth; de Wjärth, der Wirth. 

178. De Gong, jö Träw, von gungen und träwen, der Gang im 
Schritt, und der Trab; jö Hünneträw, der Hundstrab. 

179. De Hdjt, von hißt, heiss, nd. hitt, daher die Hitze; de 
Wärmde, die Wärme, von wärm; hißten und wärmen, heizen und 
wärmen. Wärmen ist Wärme von sich geben; wiermen, erwär- 
men und sich erwärmen. 

180. Dät Färrew, dät Bläi, jö Kolör. Dät Färrew wird nur 
von gefärbten und gemalten Gegenständen, so wie von Farbe- 
stoffen gebraucht; dät £läi sowohl von natürlichen, als aufgetra- 
genen Farben, und Kolör besonders von starken, lebhaften Far- 
ben. Dö hähsl en gauhs Bläi, du hast eine gute , gesunde Ge- 
sichtsfarbe ; hocken Bläi het ddn näie Rock, ddn Riddhajnst an ddn 
junge HünnF was für eine Farbe hat dein neuer Rock, dein 
Reitpferd und dein junger Hund? 

181. 3öHäiw, jö Gdssing, jö Formausing. Jö Häiw, von häiwen, 
erwarten, dass etwas eintreffen oder geschehen werde, also die 
Erwartung in dieser Bedeutung; jö Gdssing, von gassen, dän. at 
gisse, aus gewissen Merkmalen oder Anzeichen schliessen; jö For- 
mausing, die Vermuthung. 

182. De Stuhpp, dät Stöp, de Ömmcr. De Stuhpp, der Stauf. 
kommt vor in Tjärestuhpp, die Tlieermeste, de Krüdstuhpp, Blu- 
menstauf, Sivennestuhpp , die Schweinsgelte; de Ömmcr, der Eimer; 
dät Slö]p, siehe Stuhpp. 

183. Jö Elms, de Gaawe, s. oben; jö Elms, das Almosen. 



162 

184. De Wifisse, de Mau/isc, die Weise, die Art, dän. en 
Maade; dät ds nö so sdn Wifisse, seine Weise, sdn Mause, seine 
Art; de Brück, de Wdnigt, siehe oben. 

iSo. De Tw'Uler, de Fäger. Beide Wörter bezeichnen einen 
jungen, flinken Burschen. Man sagt: dät ds en flinken Tivilter, 
und en dugtigen Fäger, von dem Adj. fäge, schnell, rasch, ge- 
schwind, welches noch im Dänischen vorhanden ist. 

iSG. Jö oder dät Molke, die Milch; dät Bjäst, die Biest, Bienst, 
die erste Milch nach dem Kalben, Neurailch; da Anne, Collect, 
die Buttermilch. 

i87. De Stele, de Stajngel, de Struck, Stiel , Stengel und Strunk. 

488. Jö Gäseni , die Gäspe; jö Häujnfoll, eine Handvoll. 

489. De Ä'mgöng, jö Segt. De ^'mgöng ist eine umgehende, 
grassirende Krankheit, jö Segt, die Sucht und die Seuche. 

190. De Rock, de Mämlel, dät IFäms, A&i Kdmmesaul , de Kittel, 
Rock, Wamms, Mantel, Kamisol und Kittel. 

191. Jö Hüll, jö Kapp, jö Kabuls, dät Hitt. Jö Hüll, die 
Mütze, jö Kapp, die Kappe, jö Kabuls, die Caputze, dät Hitt, 
die Kutte. 

192. De Ställbrauhser , de Kammeraat , de Mäcker , der Stall- 
bruder, der Kammerad, der Genosse. 

195. Namen einujer Fisc/ie. De Gedd, der Hecht; de Sötler, die 
Schleihe; de Piepfösh, der Schlammpitscher ; jö Kariiish, die Ka- 
raulsche; de Brässem oder Bräsmer, der Brachse; jö Ailemudder , 
die Aalmutter; de ^jl, pl. ^i/e, der Aal; de Baars, der Barseh; 
de Stöhr , der Stör; de Snäpel , der Schnäpcl; de Dorsh , der 
Dorsch; de Shdlfdsh, der Schellfisch; de Häiring , der Häring; 
jö S/io//, wozu alle Seitensehwimmer gehören; de Bldjnker, das 
Rothauge (Cyprinus Erylhrophthalmus); de Lax, der Lachs; de 
Sönbaars, der Sandbarsch; de jflandeVy der Alander; de Stint, 
der Stint, u. s. w. 

194. Namen einiger Insecten. Jö Pödd, der Käfer; jö Flieg, die 
Fliege; jö iVöpjs, der Floh; jö Lüss, die Laus; jö Uchlüss, die 
Wanze; jö Tälig, die Zecke, die Schaflaus; jö Bi, die Biene; 
jö Brdims, die Bremse; jö Mdgg , die Mücke; jö M;«, die 
Milbe; de Gölsmass, die Libelle; jö Hdjnstepödd, der Mistkäfer; jö 
Gödshänn, das Gottcslämmchen, u. s. w. 



165 

195. Namen ciniyer Feldfrüclitc. De Wijtte , der Weizen; de 
Rögge, der Roggen; de Bahr, die Gerste; jö Häwer, der Hafer; 
de Thaser, der Buchweizen; Sdmmerkaurn und Wonterkaurn , Som- 
mer- und Winterkorn; dä^rle, die Erbsen; da Buhne, die Bohnen; 
da Wicke, die Wicken; diBaane, l.der Rainfarren, 2. der Beifuss , 
jene heissen göhl (gelbe) Baane (Tanacelum vulgare), diese grä 
jßaane (Ärtemisia vulgaris); dät Mälkrüdd, der männliche Tüpfel- 
farrne (Polypodium felix mas); da Gösekrülle, Kamillen, ^pe/krüllc, 
die wohlriechenden Kamillen; dat Lawdndel, der Lavendel; jö 
Nilken, die Nelke, u. s. w. 



VIERTES CAPITEL. 

DAS BESTIMMUNGSWORT (Aujectivum) 



§. 105, Die Bestimmungswörter sind theils Wurzelwörter , 
iheils abgeleitete und theils zusammengesetzte. Die Stammwörter 
sind durchgängig sehr einfach , als : 



krönk, krank. 
sünn, gesund. 
fälsh, falsch. 
trinn, rund. 
surt, schwarz- 
witt, weiss. 
brünn, braun. 
gräin, grün. 
rüjdd, roth. 
göhl, gelb. 
wenn, blau. 
grd, grau. 
brauket, bunt. 
spaawelt, s. o. 
swäjtt, na SS. 
sörr, sauer. 



Salt, salz. 
bdtter, bitter. 
tenn, dünn. 
tjöck, dick. 
blinn, blind. 
duf, taub. 
löm, lahm. 
häli, hinkend. 
stärk, stark. 
grott, gross. 
Idjtt, klein. 
wärm, warm. 
hijtt, heiss. 
käujl, kalt. 
läi, lau. 
bärsh, barsch. 



hdrd, hart. 
uhk, weich. 
ßer, fern. 
widd, weit. 
long, lang, 
/lawr/, kurz. 
wieÄ, übel. 
bliek, bleich. 
munter, munter. 
sauber ^ sauber. 
junk, dunkel. 
hall, hell. 
klär, klar. 
Ijägt, licht. 
hädder, heiter. 
wieker, wacker. 

21 ^ 



164 



näi\ eng. 
spdss, spitz. 
idgt, leicht. 
swär, schwer. 
amen, offen. 
tagt, dicht. 
stiff, steif. 
länig , geschmeidig. 

smiesig, . 

gäujd, gut. 
hijnn, schlecht. 
gr5f, grob. 
fien, fein. 
düjdd, todt. 
läbben, lebend. 
fätt, fett. 
mager, mager. 
äirig, arg. 
äiwen, eben. 
äiwen, leise. 
s//d^/, schlicht, 
wi//, wild. 
iömm, zahm. 
sÄM, scheu. 
shdrp, scharf, 
feo//, stumpf. 
&M^/, stumpf. 
segt, seicht. 
fläck, flach. 
läig , niedrig. 
huch, hoch, 
t/iep, lief. 
shör, schroff. 
sle'U, steil. 
blank, blank. 
rien, rein. 
fy/äi, froh. 



shrädd, schräge. 
ndll, stössig. 
seeß, sanft. 
mill, mild, 
erm, arm. 
rick, reich. 
WöcA, blöde. 
roch, rauch. 
drögh, trocken. 
iväjtt, nass. 
fast, fest. 
/u$s, los. 
fri, frei. 
Ttdi, neu. 
wj//, alt. 
jung, jung, 
rög'^, recht. 
stall, stille. 
s%/, sacht, 
/aa^, faul. 
lick, gerade. 
krümm, krumm. 
shief, schief. 
trat, müde. 
füll, voll. 
lähsig, leer. 
wäir, wahr. 
rippf reif, 
wa/ef, welk. 
jä/^, satt. 
bär, bar. 
ftaor, bar. 
ewig, ewig. 
swäck, schwach. 
strömm, stramm. 
slruf, straff. 
säker , sicher. 



nägel, nackt. 
twdrr, quer. 
mürrig, mürbe. 
wdss, gewiss. 
trong, bange. 
frdck, frech. 
dien, eigen, 
nä^^, nett. 
tapper, tapfer. 
hastig, hastig. 
Idck, leck. 
Idcker , lecker. 
hüss, heiser. 
däsig, albern. 
edder, frühe. 
lähs, spät. 
aagtern, nüchtern. 
ähsrig , nüchtern. 
grottem, laut. 
sierem, sehr heftig. 
stolt, stolz. 
string, streng. 
ndg, gar, genug, 
ras/i, rasch. 
trau, treu. 
jöÄr, theuer. 
ftnj'rf, breit. 
smel, schmal. 
rd, roh. 
ndw, genau. 
gdw, geschwind. 
slSpp, schlaff. 
däik, alltäglich. 
meek, sehr zahm. 
hohl, hohl. 
sier, weh, wund. 
njöl, plump. 



It -i^ 



:!«V 



165 

käim, spröde. fäg , feige. kicr, kürisch. 

ylijnn, glüh. fair, stark. Hess, leid. 

kriess, keck. klomm, klamm. plump, plump. 

Ferner : 
bücket, bauchig, dick von Leibe; wälig , stark; skld, weit herab 
hangend, von Kleidern; stumpet, kurz, zu kurz, von Kleidern 
örkel , stürmisch , unruhig , vom Wetter ; gremet , schmutzig schwarz 
gestreift im Angesichte, auch von Kühen; fohl, boshaft; füll 
schmutzig; hällig , feier, heilig, hillg, heilig; fug {fuch), bange 
nögen, genügsam; sälig, nur halbklug, albern; fldw, flau; träwel 
nd.'hild, viel zu thun habend, dän. travel; liimsh, tückisch; klieti 
dünn und schwach ; mal , toll ; wriess , böse , zornig ; ägt , echt 
snüss, nett, sauber; snaud, schnöde; rank, schlank, schlank; säig 
zähe ; shäier , spröde ; härsh , ranzig , dän. härsk ; glöbsh , nd. glubsch 
dän. glubsk; shirr, schier; sdlten, selten; s/dmm, 1. schlimm, 2 
gescheidt; stäsig, stätig, slettisch, von Pferden, die nicht vom 
Fleck wollen; stähsig, stetig, anhaltend; knäp, knapp, geizig 
glatt, glatt; hämper, hart in der Rede; neesh, zart von Haut 
spie, neulich geboren, en spie Bjärn; fähs, unartig; äujmiet, un 
gehorsam; bäish, dän. beesk, unangenehm bitter, wie z. B. Wer 
muth; ßink, flink; swä//, schnell , schlau; fraam, fromm; tronglick 
ängstlich im Geben, geizig; önglick, ängstlich im Blick; könnig 
kundig; snäwsh, rotzig, von Pferden; shäll, schmutzig, von Scha 
fen und Rindern, die den Durchfall haben; dinkeit, i. einfach, 2, 
einzeln, nd. und dän. enkelt; döiveli, doppelt; iröwelt, dreifach 
gemien, gemein; sndhsig, schlau; bleehs, mild, freundlich; wdnlick 
freundlich; swäjit, süss; shrubbet, rubblig, rauh; lief, lieb; glaumig 
glumm, trübe, vom Wasser; Aöc^der, heiter; s/öwigf , schleunig ; /)är 
dkj, fertig; freuHck , fröhlich; drunken, trunken; grötsh, hoffär 
tig; grotthdrtig, stolz, aufgeblasen; hijl, ganz; meklick, bequem 
wiekne, wach; fägel, fehl; klauk, klug; fjdrsh, l.süss, vom Was 
ser, 2. ungesalzen, vom Fleische; plät, platt; trinn, rund; krühs 
set, kraus; swänger, schwanger; swdnlick, schwindlicht; klöftig 
spasshaft, drollig; spötsh, spöttisch; möhglick, möglich; kndpsh 
/cwips/i , schnippisch ; radlick, icdiich; faarndmen, yornehm; swdhsen 
gesengt, sengerig; söngeriy, von angebrannten Speisen; tünnen 
geschwollen; forkierd , verkehrt; sdnnig , 4. sinnig, 2. sonnig 



166 

sahnig, sehnig; gräulich, gräulich; kläivig , kleherig; röset , ver- 
fault; lieflick, lieblich; drdflick, weidhch, trefflich; ricklick, reich- 
lich; fälHg , ordentlich, recht wie es sein muss; iäwentig , leben- 
dig ; mjögsig , schmutzig ; rostig , ruslig ; näilick und näishirrig , 
neugierig ; üjllklauk , altklug ; shrmv/ick , kränklich und verküm- 
mert; geest, nd. güst, d. i. sieg, keine Milch gebend; mäjlk, melk, 
d. i. Milch gebend; ivägsen, evv/achsen; wüksen, ivügsen, gewachsen; 
shräjnkel, sehr dünn von Beinen ; shrädd, schräge; näi, nahe; wiss, 
weise, ünwiss, un weise, aber de wihsse Mann, der weise Mann; 
lihssig , reinlich, in Beziehung auf sich selbst, auf Kleider und 
Ungeziefer; ünlihssig, das Gegentheil davon; aagsen, aus de Ögse, 
ochsig, von Kühen in der Brunst; wru, von Säuen; wräwel, von 
Schafen; wällig, willig, von Stuten; länjdsh, von Katzen und Pel- 
zen; trüjf, recht gesund, wohl auf; täss, ziemlich gesund; kill, 
kitzlich, ein Primitivum , aus dem das Verbum killen, kitzeln, 
gebildet ist; bisier, aufgebracht, zornig; päll, platt auf einer Stelle 
festliegend; kief, dän. kjed, überdrüssig; stüjnsh, spröde, kokett, 
zurückstossend; tarnen, wer etwas nicht übers Herz bringen kann, 
he äs 'r so tarnen am , er kann sich nicht bezähmen es zu thun ; 
lämplick, von lämpen, glimpflich zu Werke gehen, heisst wörtlich: 
glimpflich , sonst schwach, besonders vom Befinden eines Menschen ; 
stu/f, dicht vor der Linie, ohne dieselbe zu berühren. 

Anmerkungen. 

Unter den Adjektiven mit bestimmten Endungen, deren Ab- 
stammung sich schwerlich nachweisen lässt, finden wir, wie im 
Hoch- und Niederdeutschen, im Dänischen und zum Theil im 
Angelsächsischen, nur die Nachsilben el, eh, en, er, em und ig, 
wie in träivel (vielleicht von träwen , traben) , wo alles geschwind 
oder im Trabe gehen muss, was den richtigen Grundbegriff giebt ; 
nägel, spaawelt, döivelt, sälten, aagtern, hädder, edder (früh), säm- 
per, hämper, shäier, walig, länig, sälig, stjüllig, geputzt, geschmückt, 
wiellig , ausgeschmückt, geziert mit Kleidern, u. s. w. 

Bei andern lässt sich die Wurzel nachweisen, wie in: sierem, 
von sier, weh, wehe; bätter, von bitten, beissen, wie bitter vom 
nd. hielten, bitt, was auf der Zunge beisst; gröttcm, von grott; 



1G7 

wieker, von tvieken, wiekne, wach; smiesig , von smUteu, was sicli 
leicht wirft. 

Das Wort wieh, übel zum Erbrechen, auch weh, in Wiehdege, 
Wehtage, wird gedehnt ausgesprochen, nicht wie das deutsche 
wie, daher hier das h als Dehnungszeichen, das aber wieder 
in der Mehrheit wegfällt, als: dd wie-e Dringe häwe ältefaale 
Winn drunken, an nö shdn 's jdm brege, utitig spdie, die Knaben, 
denen so übel ist, haben zu viel Wein getrunken und nun sollen 
sie sich erbrechen oder speien. Ick bdn 'r so wieh efier, mir 
Avässert das Maul so daiHiach. 



Die Ableitungssilben des Bestimmungswortes. 

§. 404. Diese sind; ägtig , baar, en, ern, et, ig, lick, ish, sh, 
saani. 

4. ^gtig, bezeichnet eine Aehnlichkeit, eine Annäherung zu 
etwas, und entspricht den deutschen Nachsilben haß, lieh und 
ischf als: fägelägüg, fehlerhaft, äiveägtig, äffisch, dringeägtig, jön- 
genseägtig, knabenhaft, surtägtig , schwärzVich , rüjddägtig, rölhlich, 
höltägtig, holzicht; auch entspricht es dem deutschen artig, wie 
slaurkügtig, storchartig, fäshägtig , fischartig, jörtägtig, hirschar- 
tig, u. s. w\ 

2. baar, entspricht der Silbe bar, als: frugtbaar, tönkbaar, ihr' 
baar, u. s. w. 

3. en oder ern, wie im Deutschen, nur bei Ableitungen von 
Stoffnamen, den Stoff eines Dinges bezeichnend, wie lärmen , lei- 
nen, häjdden, heden, aus Hede, selwcrn, silbern. 

4. et, entspricht bald dem dänischen et, und bald dem deut- 
schen ig, wie in bücket, dickbäuchig, bärbienet, barbeinig, dän. 
bärbenet, kaurthälsei, kurzhalsig, krümmregget , krumrarückig. 

5. ig, deutsch und dän. ig, wie bläiijddig , mävjddig , gitsig, 
mjogsig, u. s. w. 

6. lick, deutsch lieh, dän. Hg, wie ricklick, wdnlick , örntlick, 
ordentlich, auch ordentlick, mdnshlick, u. s. w. 

7. ish, sh, deutsch isc/i , di\s : stüjnsh , stolz zurückstossend , russ- 
ish, sachsish, spänsh, spanisch, steif, gezwungen, wdlsh, welsch, 



168 

quersinnig, holläujnsh, holländisch, stätsh, stettisch, von Pferden. 
8. saam, deutsch sam, dän. som , wie frügisaam , furchtsam , u.s.w. 

Bildung des Bestimmungswortes. 
a. Aus Bestimmungswörtern selbst. 

§. 105. Hier finden wir nur die Nachsilben lick und ägtig, als: 
kränk, krönklick, fälsh , fälshlick , trinn, trinnlick, suriliek, sur (ägtig, 
wittlick, wittägtig ,rüjddlick, rüjddägtig, hrünn, brünnlick, brünnägiig^ 
gräin, gräinlick , gräinägiig , grdlick , grdägtig , swäjtt , siväjttlick, 
siväjttägtig , sörr, sörrlick, hdtter , bdtteräck, härd, härdlick, näi^ 
näilick, üjll, üjUägiig , von Menschen: älleräglig , long, lönglick, 
long ägtig , kaurt, kaurtlick, när , närlick, när ägtig, swär, sivärlick, 
düjdd, düjddlick, i. tödlich, 2. sterblich, lick, gleich, licklick, 
ähnlich , tväir , wjärlick , wahrlich , wädderück , widerlich , von 
towädderne Avisen, zuwider sein; rienlick, ermlick, ricklick,rögtlick, 
swäcklick, säkcrlick, traulick, tronglick , onglick, u. s, w,; ferner: 
brijddägtig , smelägtig , orkelägtig , däikägtig , von däik, 1. alltags, 
2. schlicht und recht, geradezu, fägelägtig. 

b. Aus Hauptwörtern. 
1. Mittelst en oder ern. 

§. 106. Dät Gäujll, gälfjUen, golden; dät Dauck, daucken, tu- 
chen; dät Järd, järden, irden, u. s. w. Folgenden Substantiven 
wird bloss e7i angehängt, als: dät Liemm, der Lehm, jö Birk, 
die Birke, jö Ihk, die Eiche, jö Bäik, die Buche, jö Fair, die 
Föhre, jö Ldnn, die Linde, de Zdnn, der Lein, dät Flägs, der 
Flachs, da Häjdde , die Hede, de Drall, der Drillich, de Fief- 
kamm, der Fünfkaram (ein Zeug), dät Uli, die Wolle, dät Biirk, 
die Borke, Baumrinde, dät Hjärt, das Harz, dit Wägs, das Wachs, 
dat Silissen, die Seide, de Hänep, der Hanf, dät Pack, das 
Pech, de Stijn, der Stein, dät Tdnn, das Zinn, de Kalk, — , 
dät Holt, das Holz, dal Black, das Blech, de Knaake, der 
Knochen, dät Haurn, das Hörn, jö Hill, der Holunder, dät Kat- 
tun, — , dät Papier, — , jö Esh, die Esche, dät Kripp, der 
Krepp, de Kläi, der Klei, dät Hielis , die Heide, u. s. w. Fol- 
gende bekommen nur;^ als: däi Häier, häiern, hären, dMSehoer, 



169 

das Silber; d&tKaawcr, das Kupfer; iö [per , die Ulme ; ]ö A' llar , die 
Eller, Erle; dat Lä/iser, das Leder; dät Jücker, das Reis. Nach- 
stehende bekommen ern: dät Sträi, das Slroh; duBlie, das Blei; 
de Snie, der Schnee. 

2. Mil der Ableitungssilbe ig. 

§. 107. Wir wollen hier zuerst die wenigen unregelmässigen 
Bildungen hersetzen, da man dann den übrigen Wörtern nur die 
Silbe ig anzuhängen braucht, um das Adjectivum zu bilden. Un- 
regelmässig sind deR'mn, der Regen, renig; dät Stöf, der Staub j 
stowig; däl Bleess, das Blatt, hiehsig ; jö Gaus, die Gans, gasig; dat 
Smälir, dasSchmeer, smirrig. 'Folgende sind regelmässig, als: dät 
Blävjcld; bläiijddig , blutig; dät Uli, de Käut, dät Säitjn, dät Järd, dat 
Licmm, dät Klai, deKläi, de Turst, de Hunger, de Dunst, deDämp, 
de Riek, de Qualm, deWdinkcl, dät Sndivs, de Mjögs, dÄtWahser, 
de Wale, dät Edder, der Eiter, de Edder, die Ader; de ^adcl, 
der Adel; dät Ahl, Misijauche, altdeutsch auch A'ddel; de Walle, 
de Gits, jö ßlüss, miilissig, die Maus, de Müss, der Mund, eben- 
so: mülissig , wie in grottmühssig , grossmäulig; de Gnä/ise, de Geist, 
dät Gjärs, dät Sträi, dät Födder, de Saft, dät ßlähl, dät Kaa- 
wer, dät Hält, de String (hier die Faser, sonst Strang, Saite); jö 
Sahn, die Sehne; de Rolle, dat Flash, SHnim, jöHüdd, i'öHänn, 
dät Mudder, dät Shibb , dät *V/;t7i, de Fähser, dät Dann, Daunen, 
Flaumfedern; dät Shruhh, jö Burst , dat ^r, die Narbe; de i?M5^, 
deBrödd, dät Grass, grühssig , griesig; dVii Selwer , dälEsh, Asche; 
da ^gene oder "^gne, coli. Spreu; da Shätve, coli. Shäben, jö 
Sting, die Granne; jöIFwpp, die Aehre; de W/w??, Wind; i'öLuft, 
de Dw/if, de Ddwwe, de J/^is/, Nebel; jö Lisf, jö Böhser , dät 
Puhser, de Sann, die Sonne; dät Sümi, der Sinn; de Sjäme, 
Schatten; de Plünnc, de Lffjje, dät Forgdfi, de Träne, de Tjäre, 
dat ÄicÄ, dät Hjärt, dat /ss, ihssig , de Locke, de Knote, de 
Slägge, dät Kitt, dät Sie p , jö Prägt, de^lrom, ]ö Häujnn , Jiäujnnig 
(auch hantig, hijnnig), händig; de Fdinger ; ]öRäujtt, Wurzel; dät 
Seem, der Seim; dät Mos; de ßlaure , das Moor; jö Piinn, die 
Rinde; dät Bjdrd, der Bart; jö Kldwer, die Kralle; jö Kldw, die 
Klaue; de Ohme, der Odem; dat //«?/; de ^«s/,- de Bunk ; jÖ 
r«//; datPrtJDer, der Pfeifer; dat Sucker; de Rnhmme, der Rahm; 

22 



170 

dät Sliiimm; dät Smjll; de Galle; dät Uhr, das Ohr; jö Pal; jö 
ShüU; jö S/iäjl; de Frohse; de Pocke, da Pocke; jö Pdr^ (Perle); 
dät Jädder, das Euler; de Bäirig ; dat ///r; de Spläfis; de Shdm- 
mel; üc Klump; }öTkld; dät Twich ; jö J7äg'^, mdgtig ; deiiSwämp; 
dät Pünn; da Räide, das Rohr, Schilfrohr; de Puckel; jö (/rf, die 
Warze; dät VFür^, die Würze beim Brauen; jö -S//d/; jö F%f, 
Pürftig; jö ^?/^f; jö r«^'/; de Stand, ständig; jö Kraft; de Borre, 
die Klette; de i)/e//, diVzV/, teigig; jö A'öä^, die Grube; jö Diek, 
dickig, grübig; de Senne, die Sünde; jö Daahs, die That; de 
Bäjdd, der Rath; de Kläls; jö Gunst; de Forständ, for ständig ; jö 
Gewäld, gewdldig ; dät Mäiijdd; de .S'/i/w; jö Bläifts; dät Black; 
jö ^rtrf, aardig; jö Bränjn, hrmjnnig , brandig; jö Bjärst, die 
Borste; jö F/ö;/, der Regenschauer; dät GecÄ; dat Kalk, der Kalk; 
de Klädd, der Klacks; de Kiwst; dät /iTräf, das Gethier, ein 
Schimpfwort; dät Mäiijll , das Mill; dät Hiehs; jö iVä//s, die Niss 
(Läuseei) ; jö /?aw; dät VFäi; da j4«7?e; dät iS"»«-;;; jö Sling , kleine 
Schlucht im Wagengeleise; de SnäJis, der Schnitt, Pfiff; de Sjjöt, 
der Fleck, die Sommersprosse; jö Spirr, der ausbrechende Keim; 
dät Speck; de Spann, der Spann; de Splinn, der Splitter; jö 
Dräfi, drdflig, betriebsam; dät Tivel; da Finne, die Flossen; de 
Grause, die Gruse; de Klüse, der Büschel, die Traube; dat Mölke; 
de Pose; de Slauppel ; da Sliirrc, slnrrig , in aus- und aufwärts 
gehende Falten hervorstehend; dät Graum , Eingeweide. 

Mehrcrc der vorigen Adjcctive auf ig kommen nur mit andern 
verbunden vor, wie kaurtösmig , kurzathmig; tuhghmtjnnig, zwei- 
händig; li'fihijnnig , statt hiwjnnig , links, linkshändig; tjücksemig, 
dickseimig; tienilirig, zehnjährig; sliffbjärstig , steifborslig; jiöck- 
ärig , pockennarbig; wönräjddig , wahnräthig; grötlhartig , grossher- 
zig, d. i. stolz, 

Z. Durch die Endung ägtig , dän, äglig. Sie entspricht abwech- 
selnd den deutschen Nachsill.en artig, hafl , icht , isch , 
förmig und lieh. Vergl. §. 1015. 

§. 408. Sie kommt meistens bei Bestimmungs- und Hauptwörtern 
vor, drückt immer eine Vergleichung, Aehnlichkeit oder Annä- 
herung zu dem im Stammworte Bezeichneten aus, als: wennäg- 
tig , bläulich; tjöckägtig, dicklich; bliekägtig , blässlich; gröfägtig , 



171 

gröblich; fienäglig , fein, i'cinlicli; lUiihäijliij , alllagsmässig; mäl- 
ägtig , einem Tollen ähnlich; strimjäfjtig, etwas scharf von Ge- 
schmack; wäjttägtig , nässlich, u. s. vv. — Mönägiig, mannhaft; 
wö/fcäglig , weibisch; bjärnägtig , kindisch; t/iicwäglig und Ifiiewe- 
äglig , diebisch; fordijläglig , vortheilhaft ; mählägtig , mehliclit; 
A-aawerä(/%, kupfericht; lähseräglig , ledericht; ulläglig , wollichl; 
pereägtig, birnförraig; plömeägtig , pflaumenförmig; ruküglig , scho- 
berförmig; höckeagtig, garbcnförmig ; ijd [i/td) , ijdäglig , torfarlig; 
krittägtig ; stäjlägtig , eisenarl'ig; födderaglig , heuarlig, hcuichl; 7-isc- 
ägtig, riesenartig, riesenförmig; gjärsägtig , grasartig; Uemmagtig^ 
lehraicht, ihonartig; kläiägtig , kleiicht; 6«//mwjäj/%, baumartig; ai- 
ägtig, eiförmig; stäiijnneräglig , leuchterförmig; bösselagiig, bossel- 
oder kugelförmig; kugelägtig; ^re/ao^t^, scheibenförmig rund; /y/ä^- 
tig, radförmig; stäiräglig , sternförmig; häierägtig , haricht; swjärdäg- 
tig , schwevtiörmig; snd ggägtig, sclmeckenKrmig; ivürmagtig, wurm- 
förmig; sUjnagttg, steinicht ; mölkcüglig , milchartig; gäujlägtig, 
goldicht; sekverägtig, silberartig; winnäglig, weinartig, u. s. w. 

Da man diese Ableitungsilbc mit allen Hauptwörtern, die 
wirkliche Dinge bezeichnen , und zum Thcil auch mit andern 
verbinden kann, wenn eine Vergleichung Statt findet, so ist es 
einleuchtend, dass sie sehr fruchtbar zur Bildung neuer Adjec- 
tive sein muss. Sie wird zwar auch mit einigen Zeitwörtern, 
aber nur mit einzelnen, die etwas Fehlerhaftes oder Verächt- 
liches anzeigen, verbunden. So wird aus släsern (schwatzen, 
plaudern, klatschen), släserägtig ; aus tjäscn , tjäsagtig, rappelig; 
aus njäsen, njäsägtig und njäsig, zauderhaft; aus slörren, slörrig 
und slörrägtig; aus späten, spotten, spötägtig, spötig und spötsh. 

4. Durch die Silbe et, dän. et, deutsch ig. 

§. 109. Sie kommt meistens nur in Zusammensetzungen vor, 
so wie einzeln in einfachen Bestimmungswörtern, die von Haupt- 
wörtern abstammen, als: haurnet, gehörnt; placket, fleckig; nöu- 
pel, flockig; kröppet, beleibt; rültet, gewürfelt; töppet, mit einem 
Federbüschel auf dem Kopfe, wie en töppet Laash, die Hauben- 
lerche , en töppet Hänn , eine Henne mit einer Hülle , Holle ; 
bücket, bauchig, dickbäuchig; strippelt, gestreift, streifig; rauhsct, 
geblümt, vo&\g\ jälmet , gchelmt, von Kühen, mit einer weissen, 

22* 



172 

helmförmigen Zeichnung am Vorderkopfe; blehsei, von de Bldss, 
mit einer Blässe an der Stirn, von Pferden; piggei, gestachelt, 
stachlig, u. s. w. — Composita : siddlkmet, lang in der Taille; sällreg- 
<jel, hohl- oder sattelrückig; haurlhöAset , wenmtget, kurzhalsig und 
blauäugig; hdrdneket, hartnäckig; mälhaadet, tollköpfig, jähzornig ; 
spüssnaaset , spitznasig; sägelblenet , sichelbeinig; plätfäujdet oder 
plä/fäjitct , im pl. , plattfüssig; bärfäujttei , barfuss ; rüjddsiechet , 
rothbackig ; hrijdsliul/eri , breitschultrig; lönghienet , langbeinig; 
spdsstölet, spitzschnauzig; ijikkknöUet , dickknöchlich ; sluirphiaa- 
kct, scharf knochig; löngkdnnet, langkinnig; tjöcklappel, dicklefzig; 
brijdßähbet, breitmäulig; gröttölel, grossmäulig; /jocM/sse^, dick- 
gliedrig ; lönguhret , langohrig; stumpstjdrtet , stumpfschwänzig; 
buHwingei , slLirapfflügelig, wie der Kiebitz im Fluge; fjaueregget, 
vierseitig; ßerkantet , vierkantig; scgsiunet, sechszehig; ijöckhüddet ^ 
dickhäutig; witfsndppetf weissschnippig; tjöckkäiset, dicke Malmzähne 
habend; shdrptünnet , scharfzinkig; smelbleset, schmalblätterig; shdrp- 
iäisel, scharfzahnig; gröfkjdrlet, grobkernig; löngstinget, langgrannig; 
spdssöddet , mit einer spitzen Spitze versehen ; biiUöddct oder 
stumpöddet , das Gegen theil davon; kaurtsliewet , kurzärmelig; 
rüjddnöppel , rothflockig ; stiffbjdrstet , steifborstig ; blänkshdlet , 
blankschuppig; tennrdbbet , dünnrippig; trinnliwwet , rundleibig ; 
ijöckthiegct , dickschenkelig; kUcnbienet, shrdinkelbienet , dünnbei- 
nig; Imchivrdstet , hoch von Risten, dän. und nd. Wrist, fries. de 
Wräst; lönghägelct ,\angf er sig; Ikkstdmmet , geradstämmig; krümm- 
rcgget, krummrückig; gröfburket, grobrindig von Bäumen, grob- 
borkig; kaldstrükket , kahlstrunkig; spdsslönket, spitzhüftig; grött- 
kläset, grossbüschelig; tjöcklölet, dickbüschelig, vom Grase und dergl.; 
Ijöekspaulel , dickspuhlig; surtuget, schwarzäugig; fienhüddet , fein- 
häutig; sharpreggel, scharfrückig ; häddernget, Idbbenuget, heiter- 
äugig; iihkpäpet , weichbrüstig von stillenden Müttern, deren 
Milch sich leicht aussaugen lässt, lidrdpäpct, das Gegentheil davon; 
fäslfläshet, festfleischig; tennspeckct, dünnspeckig, u. s, w. 

Anmerkungen. 

Vergleichen wir die beiden Ableitungssilben ig und el mit 
einander, so ergiebt sich der Unterschied zwischen beiden am 
leichtesten aus einigen Beispielen, wie: de Rock as / ah serig , en 



175 

ß/iserigen liöck, ein Rock, an welchem Federn hangen, an witt- 
ßfiscret Gaus, eine weissgefiedcrte Gans; smig Flash, sehniges 
Fleisch, tjöcksänet LdÄse, dicksehnige Gliedniassen; shäwig Häjdde, 
schähige Hede, gröfshäwet, groh von Schaben; stingig, was Gran- 
nen enthält, löngstinget, lang von Grannen. Alle zusammenge- 
setzte Adjcctive auf et, die durch ein einfaches Merkmalswort im 
Worte selbst näher bestimmt werden, lassen sich hier durch von 
mit dem im Worte genannten Gegenstand auflösen, als: rüjddsie- 
het, roth von Backen, lönghälset, lang von Halse, u. s. w. Wer- 
den aber zwei Hauptwörter auf diese Weise mit einander zu 
einem Bestimmmungsworte verbunden, so steht das erste der- 
selben vergleichend , z. B. in sägelbienet, sichelbeinig, gekrümmt wie 
eine Sichel, sällregget, mit einem Sattelrücken, gäujlshälct, gold- 
schuppig, selwcrfänvet , silberfarbig, u. s. w. 

Wird das im Adjectiv enthaltene Hauptwort durch ein Zahl- 
wort näher bestimmt, so muss man bei den Zahlwörtern von eins 
bis drei auf das Geschlecht des im Bestimmungsworte enthalte- 
nen Hauptwortes, so wie auf das Geschlecht desjenigen Gegen- 
standes, dem man das Merkmal beilegt, Rücksicht nehmen. Diese 
drei Zahlwörter heissen ijn, tulig , trie im weiblichen und säch- 
lichen Gesehlechtc, dagegen im männlichen an, hväier, trd, daher: 
m, änstdmmet, t wäier stammet , trdstammet, ein- zwei- dreistämmig; 
w, ijnwingei , tuhgwinget , iriewinget , ein- zwei- dreiflügelig ; 
s. ijnblehset, tuhgble/iset , trieblehset, ein- zwei- dreiblättrig. En 
trdstdmmeten Buhmm, en tuligtvinget Gaus u. s. w. (Vergl, §. d25}. 
Die Wörter Fäujtt, Fuss, und Stäpc, die Stapfe, sind beide 
männlich, und da Fäujtt und Stäpe hier beide in der Einheit 
stehen, so müsste es de Trdfäiijtt und de Trdstäjje, der Dreifuss, 
heissen, obgleich man auch Trifimjtt und Tristäpe sagt, was aber 
aus dem Altfriesischen stammen muss, wo trie auch ire heisst. 
Man sagt richtig: en an- iwäier- trdtünneten Kauhmm , ein ein- 
zwei- dreizahniger Kamm; en ijn- tuhg- trietünnet Faurk, eine ein- 
zwei- dreizinkige Gabel; en ijn- tuhg- irieblehset Kliewerblehss , ein 
ein- zwei- dreiblättriges Kleeblatt, und so in allen ähnlichen 
Fällen. 

Die Bestimmungswörter auf et darf man nicht mit dem zweiten 
Mittelwerte des regelmässigen Zeitwortes verwechseln, das zwar 



174 

auch beslimmungswörllich steht, aber dabei immer den Begriff 
von einer vorausgegangenen Veränderung in der Zeit voraussetzt, 
was bei jenen nie der Fall ist, z. B. wdlet, von ivälen, welken, 
dröget, getrocknet, shräwel , geschabt, thieset, gezupft, böget, 
geklopft, u. s. w. Jene Adjective führen nie diesen Zeitbegriff 
mit sich, z. B. haurnet, gehörnt, regget, rückig, voller Rücken, 
kröppet, beleibt, öddct, mit einer Spitze versehen. 

c. Aus Haupt- und Zeitwörtern. 
1. Mit der Silbe baar, bar, diiii. bär. 

§. HO. Sie kommt nur als Ableitungssilbe bei Haupt- und Zeit- 
wörtern vor, und hat die Bedeutung von tragen, alldeutsch baren, 
dän. at bare, fries. beeren, engl, to bear. — a. von Hauptwörtern: 
jö Frugt, frugtbaar, de Tönk, tönkbaar , dät Wunner, wunner baar , 
de Ihre, ihrbaar, ehrbar, de S/iin , s/iinbaar, scheinbar, dcßJöiin, 
mönnbaar, de Gong, göngbaar, de Stridd, striddbaar , de Fägcl, 
ünfägelbaar, unfehlbar, de Toll, töllbaar, zollbar, deTijnsl, tijnst- 
baar, dienstbar, jö ^clit, ächtbaar, dät Middel, middelbaar , jö 
Sigt, sigtbaar {sjöltnlick, tosjölins), sichtbar, u. s. w. ; b. aus Zeit- 
wörtern: kielen, hielbaar , heilbar, teilen, tellbaar, zählbar, kosten, 
küslbaar , brännen , brännbaa?- , brennbar , brücken , brückbaar , 
brauchbar, sonnern, sonnerbaar, sonderbar, forilmen, forihnbaar , 
vereinbar, strafen, sträfbaar, drdjnken, drdjnkbaar, hieren, hier- 
baar, hörbar, fäilen, fäilbaar, fühlbar, u. s.w. 

2. Mit der Silbe Uck, lieh, dän. lig, engl. ly. 

§. 111. Sie steht bei Bestimmungs- Haupt- und Zeitwörtern, 
und ist, nächst ig, die fruchtbarste Ableitungssilbe. Beim Be- 
stimmungsworte vergleiche §. 105. Beim Hauptworte hat sie die 
Bedeutung von gleich , so ivie , eben so wie oder als. Beispiele : 
de Frünn, frünntlick, freundlich, de Wäne, wdnlick, auch freund- 
lich, deKrdst, krdsllick, christlich, deMdnshe, mdnshlick, mensch- 
lich, de Brauhser , braiihserlick, brüderlich, fidderlick , väter- 
lich , mudderlick , mütterlich , bjdrnlick , kindlich , ridderlick , 
fürstlick, jümferlick, jüngferlich , jungfräulich, presterlick, graaiv- 
Uck, gräflich, kdiserlick, dntlick, entlich, lönlick, ländlich, däg- 
Uck, von Däi, täglich, nägtlick, nächtlich, järlick, 1. jährlich. 



17i; 

2. ehrlich , ilirliek , ehilich , sliü/islick , schädlich , ugenbläcklick , 
augenblicklieh, sliömlick, schimpflich, s/mm//icA;, schändlich, shrdft- 
lick, schriftlich, liüsslick, häuslich, kunsllick, römmlick, geräumig, 
iifirslick, i. frühlingsmässig , 2, jedes Frühjahr, sdmmerlick, som- 
merlich, harrewstlick , herbstlich, ivönterlick, winterlich, punctlick, 
pünktlich, bauckstävHck , buchstäblich, nalürrlick, persönlick , angst- 
lick, hürgerlick , ämtlick, amtlich, nömentlick, namentlich, wräls- 
lick, weltlich, sdnnlick, sinnlich, mündlick, mündlich, stündlick, 
wäglick, wöchentlich, fiendlick, feindlich, hdrtlick, herzlich, nijd- 
lick, von jö Nüjd, die Noth, mdnierlick. 

Aus Zeitwörtern, als: marken, märklick, merklich, leserlick, 
leserlich, bewäglick , kuplick , käuflich, sl ir deklick , schrecklich, 
hähsen, hdssliek, hässlich, däien, dailiek , gedeihlich, kännen, 
kännlick, kenntlich, klagen, kläglick, kläglich, fordregen, fordreg- 
lick, verträglich, was man vertragen kann, forlicken, sich ver- 
gleichen , forlicknen , vergleichen , das eine mit dem andern , 
davon: ünforlickentlick oder ünforlickentHg , unvergleichbar, fähsen, 
fähselick, fasslich, prihssen , prihslick , preislich, trösten, träst- 
lick, tröstlich, hefinnen, hefmtlick, forbinnen, forbintück, räjdden, 
räjdlick, rathlich, dräwen, drd flick, trelTlich, shdcken, slidcklick, 
schicklich, liewen, glauben, davon Heivlick, glaublich, liewen, 
lieben, davon lie flick , lieblich, oder vom Adjectiv lief, lieb; 
forlrijtten, fortrijtlick , verdriesslich , formiesen, formieslick, ver- 
meidlich , bewihssen , bewilislick , beweislich, döhssen , döhslick, 
deutbar, zu deuten, dötlick, deutlich, bregen, gebrdcklick, gebrech- 
lich, fölligen, fölliglick, folglich, sörrigen, 4. sorgen, 2. trauern, 
srnriglick, begrippen , begriplick, begreiflich, tienen, tienlick, dien- 
lich, wnnnern, wunnerlick, wunderlich, fräuen, fräulick, fröhlich, 
forswären, forswärlick , verantwortlich, sieren, sierlick, zierlich, 
maagen, möglick, möglich, betanken, betänklick, bedenklich, for- 
dmoen, fordäwlick, verdaulich, behagen, behäglick, üttdrücken, ütt- 
drücklick, grihssen , grausen, grihslick , grässlich, gruen, grulick, 
gräulich, ärgern, drgerlick, ärgerlich, forgöngen, forgäinglick , hö- 
wen, Jiöwentlick, hoffentlich, fordnnem, fordnnerlick , veränderlich, 
grämen, grämlich, grämlich, belielpen, behelplick, besiegen, besteg- 
lick , i. bestechlich, 2. besteiglich , ersteigbar, bebögen, beböglick, 
bewohnbar. 



176 



5. Mit der Silbe ig. (Vergl. $. 107). 

§. 112, Sie steht nur bei Haupt- und Zeitwörtern und etwa, 
vier Bestimmungswörtern, als: kirnjU, kalt, daher häilig , kühl; 
rögt, recht, davon rigtig; äir, altfr. ämg , arg, Comparativus erre, 
Superl. irrigst; ijn (ilmn) ein, ihnig , einig. — 'Mit Zeitwörtern: 
wären, wärig, dauerhaft; cliirig , dauerhaft zum Gebrauche ; kilnnig , 
kundig; Jiäppeu, gierig mit dem Munde oder Maule nach etwas 
schnappen, daher happig, auf Erwerb erpicht, an sich raffend; 
neren, närig, nähren, nährig, übertrieben erwerbsam, besonders 
im Kleinen; tjäsen, tjäsig , rappelig, albern geschwätzig; vjäsen, 
tyäsig, säumig, rauderig; slörren, slörrig , nachlässig, saumselig, 
fahrlässig; prausen, praiisig , humpeln, hümplerisch, der mit der 
Arbeit nicht fortkommen kann; mingen, 1. zaudern, 2. mischen, 
mingig, zauderhaft; piescrn, albernes Zeug sprechen, picscrig ; ga- 
sen, gänseln.wie eine Gans sprechen, (/ösi^, gänsig, albern; stieren, 
slierig , schmeichlerisch, kosig; räiren, räirig , rührig; räjdden, 
räjddig, räthig, wer sich in Verlegenheiten immer zu rathen und 
zu helfen weiss; snäken, snähig , gesprächig, auch snüksaam; hieren, 
i. hören, 2. gehorchen, hier ig , gehorsam, auiverhierig , das Gegen- 
theil davon; iiercn, sich gcbchrden, Untier ig , ungebehrdig; ////sscm, 
leiden mögen, U/issig , reinlich in Kleidern, u. s. w. , iinU/issig, 
unreinlich; grihssen , grausen, gr'ihssig; läsen, necken, foppen, 
täsig , gricklich, von sich beissend; fläscn , ausplaudern, fläsig , 
ausplauderisch, klatschhaft; fällen, fällig, recht ordentlich, ganz 
wie es nur sein muss, dass es gut fällt; jewen, geben, joftig , 
ergiebig; tjäweln, tjdivlig, ränkisch; sprdweln, strampeln, sp^'divlig, 
stramplig, zappelig; stjürren, steuern (wehren), stjürrig , wie in 
bällsljürrig , dän. balstyrig, unbändig; dregen, dreglig , trächtig; 
händig, bändig, unbändig, unbändig; fällen, fällig, fällig, von 
Schulden; lätven, leben, läwentig , lebendig; belieiven, beliewig, be- 
liebig; daagen, taugen, dügtig, tüchtig; rddden, räddig, wer sich 
selbst retten kann, en rdddigen, wärigen Dring; strädden, gräten, 
grätschen, slräddig; slämmern, stottern, stämmerig, stotterig; spä- 
ten, spälig, von jungen Hunden und Katzen, die gerne spielen; 
sträwen , i. streben, 2. streiten, sträw'ig , \. strebsam, 2. streit- 
süchtig; Idivwen, keifen, kiwwig , keifisch; löwern, schwülen, vor 



177 

einem Gewitter, löwerig , gewitterschwül; Heren, 4. lernen, 2. Ichren, 
lierig, ldgflieri(j , leichtlernig, bildsam; lörcn, lörren, lauern, lör- 
rig, laurig, listig; sömjern, anbrennen, von Speisen, söiujerüj, an- 
gebrannt; huppen, häufen, fnipig, häufig; bjdwsen, bellen, bjdw- 
sig, von Menschen, die in einem bellenden Tone um sieh beissen; 
plummcrn, plummerig, Irübe, vom Wasser, durch starkes umrüh- 
ren; krdwiveln, kriechen, krdwUg , kriecherig; fdmmeln, tappen, 
fämmelig, läppisch; sjdmmern, schimmern, sjdmmerig, schimmerig, 
dämmerig, hervordämmernd. 

4. Mit der Endung ish oder sh (und er, inge). 

§. 'H5. a. Aus Hauptwörtern. Dät Swinn, swinsh, schweinisch; 
hünnsh , hündisch; gecksfi , geckisch; kinsh, kindisch, von alten 
Leuten, die wieder kindisch werden; slidhnsh, schelmisch; hdm- 
melsh, himmlisch; jdrdish, irdisch; bibelsh, biblisch; üUläujnsh, aus- 
ländisch; djngelsh, englisch; holläujns/i, holländisch; swedish, nissish, 
preusish , isläujnsh, sieläujnsh, seeländisch; f'mläujnsh, ionnersli , 
tonderiseh; kelsh, kieliseh, pommersh , arabish, holstensh, persish, 
indis/i , ungersh, römis/i, loiins/i, grie-isli , säksish, bdirish, bömisli , 
slamvish , sklavisch; tjüsh , deutsch; fränsJi, französisch; dänsli , 
dänisch; frdsh, friesisch; polsfi , polnisch; wdlsft , in käserwdlsli , 
kauderwelsch. 

Die Silbe er kommt nur bei Ortsnamen vor, als: Hamburger 
Wäre , Waaren ; Altonäer Bier ; Longhaurner Märked; Kcler ^mslieck , 
Kieler Umschlag; SInedammer Genewer; dät Hühssemer Märked; 
jö Arröer Böliser , die Arröer Butter; dät Glückstähser Tugt/iüss, 
das Glückstädter Zuchthaus; Hälliglävjnner Slidlfds/i , Helgoländer 
Schellfisch; Lübecker Krdjngle, Lübecker Kringeln, u. s. w. Aus- 
serdem hat man auch noch die alte Endung inge bei Ortsnamen, 
wie: LönJialm, de LönhalUnge; Fair, de Fäiringe; S^ll (Silt), de 
Sdllringe, der Silter; Ömrem, de Ömringe, der Amerumer; de 
Näibüllinge , der Niebüller; de Maure, de Mauringe, der Moringer; 
ßlaasbüllinge Bleuen, Maasbüllcr Mühle. Man sagt daher sowohl 
Rihssinge als Rihssemer, ick bau en lühssinge und ick bdn en 
Rihssemer. 

b. Aus Zeitwörtern. Bitten, biltsJi , beissig; knipsh , schnip- 
pisch; späten, spötsfi , spötliscli; gUibs/i , dän. und. nd. glubsk, 



178 

glubsch; snöxtnven, hier schnauben, snäws/i , rotzig, von Pferden; 
sprecjen, spräksh, 1. gesprächig, 2. gul oder schlechi zu sprechen; 
jämen, sich recken und gähnen , jäms/i , das Befinden nach einer 
verschwelgtcn ]Nacht, dän. janisk; w/ijnslien, wiehern, ivriensh , 
\. von geilen llengslen, 2. von einem einhodigen Hengst; lumsJi , 
liickisch, liinlcrlislig, dän. luinsk, nd. lumsch. 

r». Mit der Nachsilbe saam. 

§. 114. a. Aus Hauptwörtern, wie frär/isaam, furchtsam; ihr- 
saam, ehrsam; gewdllsaam ; mäutsaam , mühsam; b, aus Zeit- 
wörtern: belänksaam, belög/saam , bedachtsam; wirken, wirkmam; 
sparen, spärsaam; snäken, snäksaam, gesprächig; ägten, ägtsaam; 
(jrausaam; naujen, näigsaam, genügsam; c. aus Adjecliven: Idng- 
saam, langsam; i/insaam, einsam; sdlfcn, sdlisaam, seltsam; ge- 
iincnsaam , gemeinsam. 



Zusammensetzung des Bcstimmungsivorles. 

§. 115. Das Bestimmungswort wird auf mancherlei Weise mit 
andern Wörterklasscn zusamniengcsetzt, wie in: Gödfrügtig , got- 
tesfürchlig; wrällkünnig , wellkundig; wrällbekännd , weltbekannt; 
lönshierlick, landesherrlich; mönnshucli, mannshoch; bicligjunk, so 
finster, wie in einem Blasebalge; fräudcdrnnkcn , freudetrunken; 
haucklierd, buehgelchrl; liüsswdne , hausgewohnt; lüjddrögi , loth- 
rechl; ifirgilsig , ehrgeizig; fäulkrick, volkreich; sännbränd , son- 
nengebräunt; wäliscrldgt, wasserdicht; prlsswjdrdig , preiswürdig; 
liaadlüss, kopflos; fägelfri, fehlerfrei; gjärsgräin, grasgrün; hdm- 
melwenn, himmelblau; liönii'mgswäjll , honigsüss; isskävjl, eiskalt; 
slijnhdrd, steinhart; fähserldgt, federleicht; hdr/ensgänjd , herzens- 
gut; müssdüjdd, mausetodt; stöckmäyer , stockmager; spägelblänk ; 
hläujdrick , blutreich, fägelfri, vogelfrei; snaiirlick, schnurgerade; 
aadelsloU, adelstolz; sliölfjärdig , schussfertig; Iielprick, hülfreich, 
Iiiilplüss , hülflos. 

§ .110. Besonders gehören hieher noch die vergleichenden und 
verstärkenden Zusammensetzungen , bei denen die Betonung sich 
nach dem zu vergleichenden oder zu verstärkenden Gegenstande 
richtet, \\ie in: biifimmsiark , baumstark; bläujdrüjdd , blulroth; 



179 

blmjdjuiuj, blutjung; blävjihürr, blutsauer; hlimjdenn, blutann; 
itaal/idrd, stahlbart; äjt/isürr, essigsauer; slijnrick, stcinreicb; 
siijnüjll, steinalt; safrängöhl, safrangelb; pdcksurt^ pechschwarz; 
feesttjöck, faustdick; specktjöck, s^teckdick ; pdckjunk, pcchdunkcl; 
snieivitt , schnceweiss ; stämvenskrönk , sterbenskrank; slöckduf, 
stöckblmn, stöckdumm; speck fätt, Speckfett; bäirig/nich, berghoch; 
pläsliwäjU, platschnass; düssbhek, todtenblass; iss(jlatt, eisglatt; 
splinternägel , splitternackt, nagelnackt; splmtcmäi, sp/in/cr/mkel- 
näi, nagelneu; lierldjtl, lurlierhijlt, winzigklein; ijllrüjdd, fcucr- 
roth , u. s. w. 

Anmerkung. 

Viele zusammengesetzte Bestimmungswörter sind nur als abge- 
leitete (derivata) zu betrachten, wie z. B. gölilseglig von jö Gölil- 
segt, Gelbsucht; lönshierlick von Lönshiere, Landesherr; s/jäpmud- 
derlick , von Stjäpmiidder , Stiefmutter; pöckärig , von Pöckär, 
die Pockennarbe; sdmmerspötig , von Sdmmerspöte, Sommerspros- 
sen; lönshdplick, von Lönshdpp, Landschaft, u. s. w. 

§. H7. Mit einem Bestimmungsworte voran , wie in brünnrüjdd, 
hraunrolh; willfrämd, wildfremd; iijllklauck, altklug; hdllgrdin, 
hellgrün; Ijägtwenn , lichtblau, hellblau; bdtterwriess , bitterböse; 
bdtteriäiet, bitterwenig; äienk/anck, eigenklug; äienmäget, eigenge- 
macht, selbstgemacht; bUekrüjdd, blassroth; dufstumm; dummdris- 
iig ; gräingöhl , grüngelb ; lidrdneket , hartnäckig ; surtpläcket , 
schwarzfleckig; löngmönet, langmähnig; sljögtneked , schlichtnackig 
von kolbigen Rindern, die keine Hörner haben; wissiiäsig, nase- 
v/eis; tmnhännet , dünnhäutig; tennshdnnel, dünnfellig; tjöckshdlet , 
dickschalig; iäigsidmmet, niedrigstämmig; krümmhätsct , krumm- 
halsig; shiefhälset, schlefhalsig, u. s. w. 

§. 118, Ferner gehört hieher das zweite Mittelwort (Partici- 
pium) des Zeitwortes mit einem bestimmenden Substantiv oder 
Adjectiv voran , wie in sträitiggd , strohgedeckt ; surtswäsen , 
schwarzgesengt; wäjlläsen, wohlgclitten; släipdrunken , schlaftrun- 
ken ; stijnbeläid , steinbelegt ; krümmwrälisen , krummgedreht ; 
hnlldmwügsen , holzumwachsen; wütbetägen , weissbezogen; täglbe- 
bäggd , dichtbebaut; löngtägen, langgezogen; tennbesläien , dünn- 
beschlagen ; grdklähss , graugekleidet ; hdllbestraalet , hellbc- 

23 * 



180 

strahlt; fläujdämwaaget , flulhumwogt ; rickheläsen , reichbeladen ; 
frisltälim , freigeschaffen; rippbetägen, reifbezogen; ängslbenümmen, 
angslbenommen; ijUämlöget , feueruniflamnit; gldttsträgcn , glattge- 
strichen; Iidrcl fräsen , hartgefroren; siersläien , wundgeschlagen; 
fävgrünnen , feingemahlen; iä^thegräjn, dichtbewachsen; hucJislä- 
gen, hochgestiegen; diepspldn, tiefgesplissen; riensliräwen , reinge- 
schrieben; fästhünnen, festgebunden; wäjWürgen , wohlgeborgen; 
fictispünnen , feingesponnen; äjmmgnälisen, wundgerieben; s/idrp- 
släfim, scharfgeschliffen; wäjlgunnd , wohlgegonnt; wäjlbekünnd, 
wohlbekannt; Idgtwiinnen, leichtgewonnen, u. s, w. Auch das 
erste Mittelwort gehört hieher, welches sich, wie im Deutschen, 
auf e7id endigt, als: de ijlhpäiende JSäirig , der feuerspeiende 
Berg; de ihreliewende Mann, der ehrliebende Mann; da äieleddende 
Hanne, die eierlegenden Hühner; huchträivend Urde, hochtrabende 
Worte ; de fläsfiälisende Hünn , der fleischfressende Hund ; da 
iwitliväddende Wilsscde, die salbadernden Frauenzimmer, u. s. w. 

§. 419. Zusammensetzungen mit lüss, rick , fri, wjdrdig, füll, 
fast, girrig, wallig, klaiick, hdrtig , fjärdig , mäujddig, segtig , erm, 
faurmig , sdnnig , ragt, ivihsse, gleichen sehr den deutschen der- 
selben Art, als: kraftlüss, helplttss; Idhselüss, los in den Gliedern 
und Fugen; tranlüss, treulos; sdftlüss , gewätenlüss ; ärwlüss, erblos; 
sältlüss, salzlos; liälslüss, von Handlungen, die den Hals kosten; 
liflüss, leblos; i/irelüss , ehrlos; brüjdliiss , brotlos; brägenlüss, 
hirnlos; frugtlüss; fäillüss , fühllos; iäislüss; shömlüss, schaamlos; 
siellüss , seelenlos; mäujdlüss , täl/üss ; hdrtlüss, herzlos; urdlüss, 
wortlos; sdnnlüss, sinnlos; shäselüss, schadlos; tögtlüss, gedan- 
kenlos; gödlüss], gottlos; fidderlüss, mudderlüss ; twönglüss, zwang- 
los; raucklüss, ruchlos; tijnstlüss , dienstlos; bjärdlüss , bartlos; 
grüjinlüss, grundlos; smäylüss, geschmacklos: släiplüss, schlaflos; 
hüddlüss, hautlos; häierlüss, haarlos; hanrnlüss, hornlos; wärklüss, 
schmerzlos; ömclüss, athemlos; nömclüss, namenlos, u. s. w. — 
rick, reich: urdrick, wortreich; dögedrick , tugendreich; frugtrick, 
fdshrick , fäiilkrick ; ücrrick , lehrreich : kjdrlrick , kernreich ; 
Iiöltrick; tvinnrick, weinreich; sdflrick, sältrick, gjärsrick , bläujd- 
rick , wäliserrick , lällrick ; töglerick , gedankenreich ; sdnnrick , 
tiinnreich; ijdrick, torfreich, u. s. v,'. — fri: {all fri, zollfrei; sliällfn; 
s/iölfri, schussfrei; fögelfri , vogclfrei; gewätensfri , gewissensfrei; 



181 

t'ijnslfri, dienstirei; postfri; lavmjfri, zwangfrei, u.s. w. — ivjänlig: 
prisswjärdig , preiswürdig , lobcnswcrlli ; ägt ivjänlig , achtungswiirdig ; 
ihrwjärdig, ehrwürdig; sträßvjärduj ; bewunmrnswjärdüj , u. s. w. — 
füll: shdmfull, schaamvoll; saß füll, kraft füll, m^/ce/«// , ranke voll ; 
mäuiefull, mühevoll; forMjnstfull ; mmjddfull , muthvoll; kummcr- 
fiill, u.s.y/. — fast: sali fast, sattelfest; kapüclfäst; hönfäst, hand- 
fest; sliötfäst, schussfest; ijllfäst, feuerfest; änkerfä^t, grünnfäsi; 
bausemfäst, bodenfest, u, s. w. — girrig : (jijhßrrig, geldgierig ; hlmjd- 
girrig, maurdgirrig , mordgierig; ruivgirrig , raubgierig, u.s. w. — 
wdllig: tißnstwdUig, dienstwillig; frlwdllig, gäujdwdllig, äienwdllig, 
mäujdwdlUg , u.s.w. — klauck: äicnklauck, eigenklug; sellewklauck , 
üjllklauck, dummklauck , u. s. w. — Itdrtig : grotthdrtig , stolz ; traulidr- 
tig, äJimenhdrlig , bärm/idrtig , ünbärmhdrtig ; fdghdrlig , feigherzig, 
u.s.w. — fjärdlg: tijmtfjärdig , Idgtfjärdig , räisefjärdig , shötfjärdlg, 
sägelfjärdig , kiinstfjärdig ; spräickfjärdig , sprachfertig; müssfjärdig, 
maulfertig; huchfjärdig, holfährtig, u.s.w. — mävjddig: Imchmäujd- 
dig, hochmüthig; ijnmäujddig , einmüthig; /rtmäjyVMig', freimüthig; 
auwermäujddig , übermüthig; wielimäujddig , wehmüthig; wftsmäiyrf- 
dig , missmüthig, u. s. w\ — segtig, von Sogt, die Sucht, wie: 
swinnsegtig , göhlsegtig, tvälisersegtig , fällsegtig ; iwer segtig , eifer- 
süchtig; blieksegtig , striddsegiig , u. s. w. *. — erm: fäulkerm; 
blävjderm , i. blutarm, arm bis aufs Blut, 2. arm an Blut; kaum- 
erm, kornarm; urderm, wortarm; frugterm, u.s.w. — faurmig: 
ijnfaiirmig , einförmig; ijns faurmig , einsförmig; bog e faurmig , ku- 
g el faurmig , ring faurmig; sn dg ge faurmig , schneckenförmig; stongc- 
faurmig, stangenförmig; fäpe faurmig, zapfenförmig, u. s. w. • — 
sännig: Idgtsdnnig, shdrpsdnnig , slifsdnnig , starrsinnig; käujlsdn- 
nig, kaltsinnig; äiensännig , eigensinnig, u. s. w. — rögt: lüjdd- 
TÖgt, lothrecht; iväjnkelrögt, winkelrecht; räigelrögt , regelrecht, 
u. s. w. — wihsse: krüsswihsse , kreuzweise; lägivilisse, schicht- 
weise; dröppwihsse , tropfenweise, u. s. w. 



* Es gibt auch Zusammensetzungen mit segtig, welche herzu- 
leiten sind vom Vcrbum sie-en, sehen, wovon jö Slgt und dät 
Sägt, Verb, sägten, zielen; z. B. kaurt segtig , w/ddsegtig, klarsegtig, 
wonchen aber auch kaurtsigtig u. s. w. bestehen. Von dät Sägt 
gibt CS auch Zusammensetzungen mit sdgtig , wie: faarsdglig und 
faarsigtig, u. s. w. 



182 



Anmerkungen. 

Die Zusammensetzungen mit Umstands- Zahl- und Verhältniss- 
wortern kommen zwar häufig vor, aber die meisten derselben 
sind von Haupt- oder Zeitwörtern abgeleitet. Die Silbe iin (un) 
steht überall, wie im Deutschen, aufhebend oder das Gegcnlheil 
anzeigend, wie: ünklauck, unklug; Unnjüttig, unnütz; üniöfrehse, 
unzufrieden; ünrögt; unmänshlick , unmenschlich; ünnemöijlick , 
unmöglich; ün&iwcn , uneben; ünkrdstlick , unchristlich; ünpär, 
unpaar; ünlick, ungleich, u, s. w. Mit Zahlwörtern, wie in yn- 
fi'ijlUg, einfältig; twifärig , 1. zwiefertig, vom reifenden Getreide, 
2. misslich, zweifelhaft, bunt verwickelt; twißauget , zweifügig, 
von einem gewebten Zeuge ; ijnfänvet , einfarbig ; tuligbienet , 
zweibeinig; en segsfdjngerien Mdnshe, ein sechsfingriger Mensch, 
/räs/rm^-ef, dreisaitig, en tienihrigen Dring , ein zehnjähriger Knabe, 
m fieivihrs Ko, eine fünfjährige Kuh, u. s. w. 

Mehrere bekommen bei der Zusammensetzung ein eingescho- 
benes s, wie: gödsforjä/in, goltesvergesscn ; läwentsträt , lebens- 
müde ; läwentssätt , lebenssatt ; stäirwenskrönk , sterbenskrank ; 
wänslienswjärt, wünschenswerth; äujnddgtsfull, andachtsvoll, u.s.w. 
Besonders gehören hieher die von solchen Substantiven abge- 
leiteten Adjective, wo die Hauptwörter sich auf ing, sliapp und 
Itäid endigen, als: erfäringsrick , erfahrungsreich; Iiiershappsmäsig , 
hcrrschaftsmässig ; frihäidsliewend , freiheitsliebend. 

Das Adjectivum frdien, nd. friens, von frdien, steht als reines 
Bestimmungswort, ohne Zeitbegriff, und bedeutet: heirathssüchtig. 



Abänderung des Bestimmungswortes. 

§. 120, Nur wenn es vor dem Hauptworte steht, leidet es im 
männlichen Geschlechte und in der Mehrheit eine unbedeutende 
Abänderung, die bloss darin besteht, dass man demselben bei 
dem bestimmten Geschlechtsworte ein e anhängt, und mit dem 
unbestimmten ihm die Endung en giebt, z. B. de grötte Mann, 
en grötten Mann, da grötte Mann; weiblich und sächlich: jö grölt 
Gävs, dät grött Hüss, pl. da grötte Gäis, da grötte Hülissinge, en 
grölt Gaus, en grött Hüss, pl. grölt Gäis, grött Hülissinge. 



183 

Abänderung: Einheit, männlich, i Fall, de grötte, 2. Fall, de 
gröltes, wenn es absolut steht; weiblich, I.Fall, jö grött , 2. jö 
grötts; sächlich, dat grdtt, dat gratis; pl. da grolle, Genitiv, da 
gröttes. Weder mit dem bestimmten, noch mit dem unbestimmten 
Geschlechtsworte wird das Adjecliv je abgeändert, wenn es bei 
dem Hauptworte steht, und dieses bekommt dann in beiden Zah- 
len das Zeichen des zweiten Falles, nämlich ein s, angehängt, 
als: de ricke Mönns Sahn, des reichen Mannes Sohn; jö hijlt 
Fömmens Süsler , des kleinen Mädchens Schwester; dät snhrt 
Sliätps Laumme; da Idjlle Dringcs Fiddcre, der kleinen Knaben 
Väter. Auf diese Weise wird jedes regelmässige Adjectivum ab- 
geändert. 

Diejenigen, welche sich auf el endigen, bekommen im männ- 
lichen Geschlechte und in der Mehrheit die Endung de, wenn 
sie das bestimmte Geschlechtswort vor sich haben , wie z. B. 
brauche l : jö brauchet Köwel, der bunte Weiberrock; dät brauchet 
Bläi , die bunte Farbe; de brauchede Rock, da brauchede Kluhsc, 
die bunten Kleider. Ohne Geschlechtswort: brauchet Kluhse; mit 
dem unbestimmten Artikel: en brauchet Twehg , eine bunte Färse; 
en brauchet Kulcto, ein buntes Kalb. Dagegen beim männlichen 
Geschlecht: en braucheten Rock, en braucheten Hdjnst , ein buntes 
Pferd. Dasselbe gilt von dem zweiten Mittelworte auf et, wenn 
es beslimmungswörtlich steht, wie z. B. plaget: en plägelen Mdnshe, 
de plägede Mänshe, da plägede Mdnshene. 

Folgende, die sich auf /'endigen, verwandeln diesen Buchstaben 
\n w, als: duf, gröf, stiff, shief, kief, lief-, struf, taub, grob, 
steif, schief, überdrüssig, lieb, straff, als: de duwe Mann, jö 
duw Wöff, dat duw Bjarn, pl. da dmve Rjame, dät stiw Bijn, 
das steife Bein; de shiewe Slrüg , der schiefe Strich; de liewe 
Göd, der liebe Gott; da hiewe Stnnne, die langweiligen Stunden; 
dät gröw Lauert, die grobe Leinewand; da groive Kluhse, die 
groben Kleider; de sliiewe Hals; de struive Tögel , der straffe 
Zügel, u. s. w. 

Die beiden Wörter gäujd (gut) und häujl (kalt) verlieren den 
Umlaut und das j, wenn sie vor dem Hauptworte stehen, und bei 
gäujd geht das d in das sanfte hs über, als: de Mann as gäujd, 
de gauhse Mann , en gauhsen Mann; gaiihs Mdnshene, da gauhse Man- 



184 

sitene; dat gaulis Bauck, da gauhse ßaucke; de Wontcr as kiiujl , 
de kauh Wonler, en kaulen Wonter; jö kaul Hmjnn, da kaule 
Hänjiine. 

Nachstehende, die sich auf ss (sz) endigen, vei^Ueren den Um- 
laut, und lassen das ss in das weiche Iis übergehen; es sind: 
lüss, snilss, wriess, hüss, Hess, los, nett, zornig, heiser, leid, 
als: de hl Ilse Pule, de snuhse Mdnslie, de ivrehse Fidder, en wreh- 
seil Mönn, de liuhse Dring , u. s. w. 

Die Wörter hucli, roch, blöch, fuch, driec/i, hoch, rauch (be- 
haart), blöde, bange, verschlagsara , lassen ihr ch in g übergehen, 
wenn sie dem Hauptworte vorgesetzt werden, als: de huge Bäirig , 
jö liiilig Türm, dät Iiti/ig Hüss, pl. da Imgc Bäirlge, u. s. w.; de 
röge Rönim, der rauche Widder; de Möge Jönge, de fnge Ticner; 
de driege Trölling, das verschlagsame Brot. 

Adjective mit der Endung elt behalten ihr t, auch in der Mehr- 
heit, wie döivelt, als: de döivelte Sömc; de tröwelte Träjdd, der 
dreifach gezwirnte Faden; de spaaweHc Urder , der weiss und 
gelb gesprenkelte Enterich ; da prägelle Hösc , die gestrickten 
Strümpfe, u. s. w. 

Adjective auf en gehen nach der Regel, z. B. tiimen, wer sich 
nicht zu etwas bezähmen kann, als: de tämene Fidder, jö tarnen 
Miidder; de släjllene Häge, en stäjllenen Häge, eiserner Haken; jö 
stäjllen Faurk, die eiserne Gabel; en stäjllcn Faurk; da släjllene 
Faurke, stäjllen Faurke, eiserne Gabeln. Ebenso beim zweiten 
Mittclworte auf en, wie de grünncnc Rogge, der gemahlene Rog- 
gen ; jö brägcn ^gs, die gebrochene Axt, u, s. w. 

Diejenigen Adjective, welche sich auf einen Vocal endigen, 
werden regelmässig abgeändert, nur muss derselbe scharf betont 
werden, als: fri, frei, rä, roh, grä, grau, wie, übel, spie, zart, 
läi, lau, laai, faul, näi, neu, näi, nah, shu, scheu, wru, brün- 
stig, von Säuen. De fri-e Mönn, en f'r'ien Mönn, da frie lUänn; 
so auch de rae Slidjnkel, der rohe Schinken, en rden Slidjnkel, 
und ebenso bei den übrigen: degrde, engrden, de iviee, cn iviecn, 
de spiei!, en spieen, de läie, en läien, de laaie, en laaien, de näie, 
en näien, de näie, en näien, de shiie, en sliuen, da wrue Söge, 
die brünstigen Säue. 

Das einzige Adjeclivum stäkels, arm, bedauernswürdig, von 



185 

de Släkel, eiicidet nie eine Abänderung, in welchem Geschlechlc 
und welcher Zahl es auch stehen mag , als : de släkeh Dring , 
da stäkeis Dringe, en stäkeis ermen Mdnshe; jö stükels Wüssed, 
das arme Frauenzimmer, u. s. w. 

Hinter den Hauptwörtern oder nach denselben stehend, be- 
halten alle Bestimmungswörter ihre unveränderte Form , und eben- 
so im weiblichen und sächlichen Geschlecht in der Einheit, wenn 
sie denselben vorgesetzt werden. 

Die Abänderung ohne Geschlechtswort kommt meistens nur in 
der Anrede vor, als: gauhse Frünn, wät wäht? guter Freund, was 
willst du? üjlle Stäkel, kam md, alter Armer, komm mit! Lieive 
Braiihser, pl. liewe ßrauhsere, lieben Brüder; lieiv Süster, wehs 
äi ivriess, liebe Schwester, sei nicht böse. — Unverändert steht 
das Adjecliv, ohne Geschlechtswort, in der Mehrheit, wenn man 
allgemein spricht, wie z. B. huhg Mellene häwe de mäste Winn- 
fang, hohe Mühlen haben den meisten Windfang; üjll Fäulk kou 
harn äi sellew helpe; ahmen ßlöhre läjtte Win7t in, offne Mauern 
lassen Wind ein. 

Steht ein bestimmtes Zahlwort vor dem Bestimmungsworte, 
so wird das letztere nicht abgeändert, als: twäier grott Hanne, 
zwei grosse Hunde; tulig jung Kälte, zwei junge Katzen; trdbrünn 
Häjnsle, drei braune Pferde; fieiv üjll Secke, fünf alte Säcke; 
trd riijdd ^plc, drei rothe Aepfel; twäier ^nkre Bier, zwei An- 
ker Bier ; trd blank Daalere , drei blanke Thaler ; hunnert näi 
ßaucke, hundert neue Bücher. Nur das Zahlwort an macht hier- 
von eine Ausnahme, als: an Idjtten Fögel , ein kleiner Vogel; 
an gauhsen Mdnshe liäw ick dog fünnen, einen guten Menschen 
habe ich doch gefunden; an J/önn as nög faar ijn Wo ff, ein 
Mann ist genug für eine Frau. Der zweite Fall hat auch hier 
sein s, wie z. B. an gauhsen Manshcs Help as bähsere, as tien 
Slüngeles, eines guten Menschen Hülfeist besser, als die von zehn 
Schlingeln. Dasselbe gilt von dem allgemeinen Zahlwortc nän 
(kein), als: dät as nän üjllen Mann, das ist kein alter Mann; nän 
grotten Shäse, kein grosser Schade; ebenso: jö Kö hct nän lan- 
gen Stjärt, die Kuh hat keinen langen Schwanz; de Hilnn hei 
nän spassen Töle, der Hund hat kein spitzes Maul; hähsl nän 

24 



186 

näicn Bögger' hast du keinen neuen Roggen? nän näien Bahr? 
tiän üjllcn SäihsF u. s. w. 

Die zueignenden Fürwörter: man, mein, dein, dein, sän, sein, 
harren, ihr, im männlichen, und min, din, sin, harr, im weibli- 
ehen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit, so wie 
unken und junken im männlichen , imk und junk im weiblichen 
Geschlechte der Zweiheit (im Dualis), und ühsen (unser) im männ- 
liclien, so wie ühs, jdrringe und jßre im weiblichen und sächlichen 
Geschlechte und in der Mehrheit, bewirken dieselbe Abänderuns: 
des Bestimmungswortes, wie das Geschlechtswort, was ebenso 
in der Apposition beim persönlichen Fürworte: ick, do, härdät, 
hat, jo, pl. ICC, jdm, ja, wdt und jdi gilt, nur dass bei den letz- 
tem der zweite Fall fehlt. Einige Beispiele mögen diess erläu- 
tern, als: man erme ßrauhser, ddn witle lläujdd, sdn Idjtte Nor- 
hdcker, harren kränke. Sahn, mein armer Bruder, dein weisser Hut, 
sein kleiner Norbacker (Pony), ihr kranker Sohn; im Pluralis: 
min, din, sin, harr für alle. Weiblich und sächlich: min braaio 
Dögter, din iijll Hilss, sin jung Wöff', hdrr näi Kapp, pl. minbraaive 
Dögiere, din iijlle Hühssinge, u. s. w. Dualis: unken 7iäie Wäien, 
unser (beiden) Wagen; junken ricke Fidder, euer (beiden) reicher 
Vater; weiblich und sächlich: unk kränk Süster , junk witt Äjck, 
unsre kranke Schwester, eure weisse Stute; pl. unk näie Släiwle, 
unsre neuen Stiefeln ; junk gräine Rocke, eure grünen Röcke, u. s, w.; 
ühsen grotte Tiinn , unser grosser Garten; weiblich und sächlich: iUis 
grd Gaus, unsre graue Gans; ühs fätt Sivhin, unser fettes Schwein, 
pl. ühs gräii Gäis, ühs fälle Swinn; jdrringe grolle Klämp, euer 
grosser Schober; jdre gräin Hüss, ihr grünes Haus; jdrringe suhrt 
Shäip, euer schwarzes Schaf; jdrringe düjdde Shäip, eure todten 
Schafe, u. s. w. Ich erme ßlänn, ich armer Mann; me erme 
ßlänn, mir armen Manne, und: mich armen Mann; do erme Stäkel , 
du armer Wicht; üss erme Mann, uns armen Männern, und: uns 
arme Männer; de erme Mann, dir und dich armen Mann; de 
crem Fämmcn, dir armen und dich armes Mädchen; we erme 
Mdnshene, üss erme JIdnshene, ja erme S takle, sie armen Wichte, 
U.S.W. Dualis: wdi erme Dringe, wir zwei arme Knaben; jdt 
erme Jängens, ihr zwei arme Jungen; unk erme StäkJe, uns zwei 



187 

armen Wichten; jnnh ermo. Mdns/tcne, euch zwei armen Menschen, 
und: euch zwei arme Mensciten. 

Die allgemeinen Zahlwörter: alle, faalc, mdnning , liaaiv, nun, 
nijn , läiet , alle, viel und viele, einige, keinen, keine, wenig 
und Avenige, wohin auch sdm, etliche, gehört, werden so ge- 
braucht: all min rüjdde ivinn ds dninhen, all mein rother Wein 
ist getrunken; all min göhl Bö/iser ds dp, alle meine gelbe Butter 
ist auf, nämlich verzehrt; alle gauhse ßldnshenc bälisige an büß, 
alle gute Menschen beten und arbeiten; Jiälist dö- {aale suhrt 
Staurke säjnF hast du viele schwarze Störche gesehen? he liet 
manning sulirt Hdjnste käft, er hat viele schwarze Pferde gekauft; 
ick häw haaw will Spärrige säjn, ich habe einige weisse Sperlinge 
gesehen; ick häw all haaw jung Laumme säjn, ich habe schon 
einige junge Lämmer gesehen; he het nän grollen Tünn hdi 't 
Hüss, er hat keinen grossen Garten am Haus; jö het nijn näi 
Säirke an Smöcke sdid, sie hat keine neue Manns- und Weiber- 
hemden genäht; he het man läiet rüjdd Ke, aurs faale grd, er hat 
nur wenig rothe Kühe, aber viele graue; sdm üjll Mdnshene sice 
bähsere as manning 'n jungen Twiller , einige alte Leute sehen 
besser, als mancher junge Bursche; hähst noch mörr üjllen Win7iF 
hast du noch mehr alten Wein? 

Anmerkungen. 

i. Eine Eigenheit der nordfriesischen Sprache ist es, dass sie 
auch dem zueignenden Fürworte das Geschlechtswort dann vor- 
setzt, wenn nach jenem ein Adjectivum folgt, als: de man Idjlte 
Dring, mein kleiner Knabe; jö diu groll Dögter, deine grosse 
Tochter; de sän grolle äujnnete Jönge, sein grosser unartiger Jun- 
ge; de ddn grde Rock, dein grauer Rock; de hdrren kränke Brauh- 
ser, ihr kranker Bruder; jö min Idjtt Getreu, meine kleine Catha- 
rine; de ddn rüjdde Kräjdder, dein rother Hahn. Sogar wenn 
das Pronomen possessivum allein vor dem Hauptworte steht , 
setzt man oft demselben auch noch das Geschlechtswort vor, 
z. B, de man Dring, jö min Dögter, u. s. w. , was aber nicht zu 
billigen sein dürfte. Man sagt aber auch ohne Geschlechtswort: 
man Shauch, min Döiviv, harren Häujd, hdr Short, unken Wäien, 
junk Gijl, ühsen Hünn, jdrringe Bjdrne, ühs Jöngense. 

24* 



188 

2. Stehen mehrere Adjective vor einem Hauptworlc, welche 
dasselbe näher bestimmen, so werden sie immer wie das erste 
abgeändert, je nachdem Geschlecht und Zahl es erfordern, z. B, 
de tyilc, däsige Mann, der alte alberne Mann; de Idjtte, mhrte, 
wdnlicke Hünn, der kleine, schwarze, freundliche Hund; enldjUen, 
sukrten , ivdnlicketi Hünn, dät Idjtt mjögsig , fordünven Krät, das 
kleine, schmutzige, verdorbene Ding. 



Die Steigerimg (Comparalio). 

§. 121. Der gewöhnliche Stand des Bestimmungswortes (Posi- 
tivus) wird dadurch in den vergleichenden (Comparativus) erho- 
ben, dass man jenem die Silbe ere anhängt, und der höchste 
Stand (Superlativus) wird durch ein angehängtes st gebildet , 
wie: läig , läigere , läigst , niedrig; fast, fästcre , fastest, fest; 
slring , stringere, stringst, strenge; diep, diepere, diepst, tief, u- s. w. 

Folgende sind mehr oder weniger unregelmässig. 

driech , driegere, driechst , verschlagsam , lange vorhaltend, dän. 
dröi ; hlöch. Magere , blöclist , blöde; 7'öcli , rögere, röchst, rauch; 
huch, Imgere, huckst, hoch; fuch, fugcre, fuchst, bange; gäiijd, 
bähserc, beest, gut; käiijl, kaulere, käujlst und kauist, kalt; duf, 
duwere, dufst, taub; stiff, stiwwere, stifst , steif; gröf, gröwcre, 
gröfst, grob; shief, shiewerc, shiefst, schief; struf, slrmvere, strufst, 
straff; lüss, lusere, lusest, los; snüss, snuserc, snusest, nett; fier, 
fdrre, fdrrest, fern, auch fierere, ferst (im Räume, jenes in der 
Zeit); wriess, ivresere, tvresest, böse, zornig; äirig , erre, irrigst, 
arg; näi, nirre, näist, nahe; üjll, allere, älst, alt; lö7ig, längere, 
längst, lang; lähs, lähsere, lest, spät; faale, murr, mäst, viel; 
läiet, mdnnere, mdnnst, wenig; mdnning , mörr , mäst, viel, man- 
che; edder, ihr,jdrst, früh; öfting , 5 fingere, öftingst, oft; bück- 
ket, bückedere, bücketst, dick, und so bei allen, die sich auf ef 
endigen, wie braucket, braiickcdere , braucketst, bunt; und eben- 
so beim zweiten Mittelworte des regelmässigen Zeitwortes auf 
et , wie bedrvwwet, bedrüivwedere , bedröivwetst , betrübt; huppet, 
huppedcre, huppetst, gehäuft. Alle übrigen sind regelmässig und 
bekommen nie den Umlaut. 



189 



Einige Klang synonymen . 

§. 422, Witt, weiss, widd, weit; läi, lau, laai, faul, träge; 
junk, dunkel , JM«/;; , euch beide, euch beiden; hall, hell, Jiäll^ 
gerne; swär , schwer, swär! antworte; läbben, lebendig, lebhaft, 
läbben, släbben, aullecken; fätt, fett, dat Fat, das Fass, die 
Schüssel; segt, seicht, segt, gesucht, jö Segt, die Sucht; gläi, 
froh, glaai! schlüpfe; rick, reich, rieck! räuchere; satt, satt, 
satt, sitze; bär, cnlblösst, baar, haar vom Gelde; ivdss, gewiss, 
was, war; Idck, leck, dat Lack, der Lack; edder, früh, de Ed- 
der, die Ader; lähs, spät, leefis! lies; string , strenge, de String , 
der Strang; noch, noch, wö(/ , 4. genug, 2. gar, o. wohl, als: 
ick bdn kirr noch, ich bin noch hier; dät as nög , das ist 
genug; dät Flash as nög, das Fleisch ist gar; trau, treu, trau 
hdm äi! traue ihm nicht; sidd, zu lang, von Kleidern, jö Sidd, 
die Seite; sdnnig , sinnig, sahnig, sehnig; hüss, heiser, de Hühs, 
die Heimalh; stijnnen, steinern, ja stijnnen, sie standen, ick häw 
stijnnen, ich habe gestanden; dllern, ellern, aus Ellernholz, al- 
lem, altern, Verb,; kief, überdrüssig, dat Kiff , die Keife, von 
keiien ; fällig , ordentlich, gebührlich, fdllig, fällig, von Schulden; 
saalig, selig, sdlig , nur halb klug; ivägsen, wächsern, ivägsen, 
erwachsen, {ivüchsen, gewachsen); tvriess , böse, ick wriess , ich 
drehete, von wrihssen; rüjdd, roth, dä.1 Rüjt, eine Krankheit des 
Rindviehes, die vom Blute herrührt; trüff, recht gesund, trötviv! 
drohe; bdtter, bitter, bdlt 'r? beisst er; dät Lähser, das Leder, 
lähsere, später; deJönge, der Junge, Knabe, de Junge, der Junge, 
Jüngere; stäjllen, eisern, 7a stäjllen, sie stahlen. 



Sinnverwandte fVörter aus den Adjectiven. 

§.425. 4. Vom Befinden: maai, so ziemlich, erträglich; äselick, 
nur sehr mittelmässig; fdmplick, nur so so! hijnn, schlecht, 

2, Siitm, gesund, tähss, ziemlich gesund, trüß', kerngesund. 

3. Snurrig^ körtswillig , klöftig , drollig. Körtswillig, von jö Körts- 
will, die Kurzweil, beisst auch überhaupt spasshaft, scherzhaft; 
klößig ist am nächsten mit drollig verwandt, enthält aber zu- 



190 

gleich den Nebenbegriff des Sinnreichen , Unerwarteten und Uc- 
berraschenden in sich, wie jö Klöfl, aus welchem Worte es 
gebildet ist, dän. klögtig, von klög (klug), en Klögt, wörtlich die 
Klugt; snurrig und drollig, wie im Deutschen. 

4. Sörr, bäish , bdtter, struf, liärsh. Surr oder surr, sauer; 
bäish, widerlich sauer und bitter, wie z. B. der Wermuth, zu 
alt gewordner Rahm und die daraus bereitete Butter; bditer, bit- 
ter; struf, stramm, herbe; liärsh, ranzig. 

5. Trung , önglick, angst, fiich , sim , fäg, mäiijdlüss. Trung 
(tröng) bezeichnet besonders die Beengung der Brust, welche die 
Furcht mit sich führt, daher auch noch trungburslig für engbrü- 
stig; anglich, die innere Angst, und ein unheimliches Furchtge- 
fühl, das sich im Blicke zeigt, daher: helaucket so anglich, er 
sieht so angstvoll; angst, wie im Deutschen; fiicli, das plötzliche 
Erbangen, so auch forslirdcket , erschrocken; situ, scheu; mäujd- 
lüss, muthlos. 

6. Sharp, string , scharf, strenge; Shdrphäid, Stringhäid. 

7. Klien, Ihm, shrdjnhel. Klien ist dünn und schwacli, auch 
klein; sonst ist klein aber Idjit , ud. lüjtt, als: en Idjtten Hünn, 
en Idjtt Stock; tenn, dünn; shrdjnhel, dünn und schwach von 
Beinen; shräjnkelbienet , dünnbeinig; wdt kaurt an klien mägen, et- 
was kurz und klein machen. 

8. Gäitjd, ordentlick, trau, fällig, von Arbeiten, die man thut 
und macht. Ordentlick, trau und gäujd entsprechen den deutschen 
Wörtern: ordenthch, treu und gut; fällig und tö Gägens, so, 
dass nichts daran auszusetzen gefunden werden kann. 

9. Lüjddrögt, sdjnkrögt, lick dp an dähl, lothrecht, senkrecht, 
gerade auf und nieder. 

40. Strömtn, stramm, struf, straff, när, enge, knäp, knapp. 

^\. Trästlüss, trostlos, ünträstlick , untröstlich. 

12. Mal, wriess, bister, dpbrögt, ümvdllig, tdsig , hdftig, will, 
forbdttert. Mal, toll, mälhaadet, mal äiijn V Haad, tollköplig, 
jähzornig; en mal Läivent, ein tolles Leben; en malen Jönge, 
ein wilder Junge ; ivriess , zornig ; bister , ganz in Harnisch ; 
dpbrögt , aufgebracht ; ünwdllig , unwillig ; tdsig , gricklich , von 
tdscn, necken; hdftig, heftig, ?üi//, wild, forbdttert, erbittert. 

15. Hijnn, schlecht, eldndig , elend, grämlick, grämlich, klag- 



191 

lick, kläglich, von hlätjcn ; dät sjögt man/iijnn, elümlifj , grämlich, 
kläglich illt. 

U: Länig , biegsam, gelenkig; smiesig, geschmeidig. 

4a. Plump, plump; tijöl, limven fällig. Njöl bezeichnet den 
höchsten Grad der Plumpheit, Derbheit und Schwerfälligkeit; 
liäwcn fällig bezieht sich mehr auf das Ungeschlachte und Töl- 
pelhafte im Benehmen, 

dC. Däsig , albern, ijnßijllig , einfältig, Imlewbägen , halbge- 
backen, nur halb klug; wdlsh, welsch, quersinnig; auwerlänsh, 
wörtlich: oberländisch, womit man einen Menschen bezeichnet, 
der sich albern und übermüthig, kurz, Avie ein Narr geberdet, 
und Nichtachtung oder gar Geringschätzung gegen Andere dabei 
zeigt. 

17. Bedeget, üjll, aller ägüg , töihrs, ütüäivet. Bedeget, belagt, 
iijll, alt, ällerägtig, ältlich, töihrs, bei Jahren, üülmvct, abgelebt. 

48. Nätt , nett, snüss , geschniegelt, propre, sauber, fläid, 
geputzt, ivijllig, stjüllig, staatlich, stattlich; äpßäid, in Bezug auf 
die Kleidung , wijllig und stjüllig beziehen sich besonders auf 
den bunten Farben Wechsel im Schmucke oder Anzüge , staatlich 
auf Pracht und Kostbarkeit; dp/läid, aufgeputzt, herausgeputzt, 
von fläien, 1. ausbessern, 2, aufputzen; smnch, hübsch. 

19. Brauchet, bunt, spräjnhelt, gesprenkelt, spaatvelt, gelbge- 
sprenkelt auf Aveissem Grunde, spötet, scheckig, plächct, fleckig. 

20. Göddlüss, gottlos, gödsforjähn, gottesvergessen, raiichlüss, 
ruchlos, fohl, boshaft. 

24. Grihsslich , grässlich , hdsslich, hässlich , ahshäulick ^ abscheu- 
lich. 

22. Grötlsh, wörtlich: grössisch, grotlhdrtig , hnchfjdrdig , Ituch- 
mänjddig, lauter Bezeichnungen für die verschiedenen Arten und 
Grade des Stolzes, die sich leicht übersetzen lassen. 

25. Stüjnsh , zurückstossend stolz und kalt , dän. sprynsk ; 
knähpsh oder knipsh, schnippisch. 

24. Käim , geziert blöde ; sdmper , geziert , zimperlich , spar- 
sam im Zulangen, wenn etwas zum Genüsse dargeboten wird; 
käim ist auch empfindlich. 

29. Sdnnig, sinnig, faarsdgtig , vorsichtig, hetögtsaam, bedacht- 
sam. 



192 

26. Mäujddic) , mutliig, tdppcr, tapfer, forwaagen, verwegen, 
dristig , dreist, kriess, keck, kühn. 

27. Ünaardig, unartig, ünliö/flick , unhöflich, ünforsliaamel , 
unverschämt. 

28. Drimhen, trunken, besälim, besoffen, berühsset, berauscht, 
beshängd, wörtlich: beschenkt. 

29. Gäiijd, gut, iväjl, wohl, braaw, brav. 

50. Dägtig , tüchtig, drd flick, trefflich, von dräwen, ti^effen. 

51. Käserwdlsh , kauderwelsch, ündötlick, undeutlich. 

32. Tivdrr, quer, wrdhsen, verdreht, krümm, krumm, shief, 
schief. 

55. Käiijl, kalt, kjölig , käilig, kühl, Idi , lau. 

54. Tömm, zahm, meek, überaus zahm, khre, von Hausthie- 
ren, als: cn meken Hdjnst, ein Pferd, das sich jede Behandlung 
gefallen lässt, wenn sie nicht in Grausamkeit ausartet. 

ob. Klüm, klamm, fug Hg , feucht, wäjll, nass; de Wäjt, die 
Nässe. 

50. Klomm, stlff , forköUigl. Klomm, steif, vor Kälte, stiff, steif, 
forkölligt, fast vor Kälte umgekommen; forkülligen , vor Kälte 
umkommen ; forklaamen , von klomm. 

57. Kränk, krank, krönklick, siväck, schwach, swäcklick, ün- 
sünn, ungesund, shrdwlick, nichts vertragen könnend, ohne zu 
kränkeln. 

58. Wärm, warm, liijtt, heiss, Idi, lau; de Wärmd, de Laie, 
ein lauer, schützender Ort; de Hdjtt, die Hitze. 

0^. Ldbben, 1. lebendig, 2. lebhaft; häddcr , heiter, läwentig, 
lebendig, noch am Leben. 

40. Hastig, hastig, slönig , schleunig, wiecker, wacker, gdiv, 
"eschwind. 

41. ß/örrig , mürbe, nög oder nöcli , 1. genug, 2. gar, von ge- 
kochten Speisen; mörrig Flash, mürbes Fleisch, dät Flash as noch, 
das Fleisch ist gar; das Gegentheil von rd , roh. 

42. Mörrig, s. o.; raset, faul, verfault, bröglick, brüchlich; 
röset, vom Holze, morsch. 

45. Nägel, bär, bär, amen. Nägel ist nackt; bar, bär und 
amen, bloss, bar, unbedeckt; amen ist übrigens: offen, und ist 
das Gegenlhcil von dicht, und von zu oder geschlossen. Man 



195 

sagt : bärbienet und härfäujltet , so wie ämenfiaadet statt bür- 
oder iiägelliaadet. 

44. Läig, niedrig, diep, tief, s/iör, schroff, steil, steil. Die 
jähe Tiefe eines Sees oder irgend eines Gewässers ist dat 
Shör, und diess ist auch der ursprüngliche Hauptbegriff in dem 
englischen Worte a shore, nämlich ein schroffes oder jähes Ufer. 
Dät (jöiitjt shör dp an däJd, jähe auf und nieder. 

45. Jähr, theuer, kostbaar, kostbar. Aus jöhr wird de Jöhrke, 
der tlieure oder zu hohe Preis, welches Wort auch für Theurung 
gebraucht werden kann, sonst jähr Tidde, theure Zeiten, genannt. 

46. Dö^/icÄ;, deutlich, klär, klar, begripplick, begreiflich, fähse- 
lick, fasslich. 

47. Klär, fjärdig. Klär, fertig mit etwas, fjärdig, fertig in 
etwas, als: Ick bdn klär md min ^rbed, ich bin mit meiner Ar- 
beit fertig; he ds fjdrdig äujn't Rägnen, er ist fertig, geübt im 
Rechnen; tö 't Jhnne oder (6 't Ijnne, zu Ende. 

48. Äiwen, sljögt, fläck. ^iwen, eben, von Flächen; sljögt, 
schlicht; fläck, flach, seicht, vom Wasser: dw äiwen Slj6(/tc, ist 
ohne alle Veranlassung, ohne eine erkennbare Ursache, wie z.B. 
he slaug me dw äiwen SIjögte, er schlug mich ohne alle Veranlas- 
sung dazu; he feil div äiivcn Sljögle , er fiel ohne Ansloss; dät 
kaum dw äiiven SIjögte, es kam von selbst, u. s. w. Sljögt und 
läig steht auch für schlecht, niedrig, als: en sljögten, en läigen 
Strdg , ein schlechter, niedriger Streich. 

49. Äiwen, sägt, sdnnig , md Lampe, älläiwen. Aiwen , leise 
im Sprechen und Gehen ; beim Sprechen das Gegen theil von 
gröllem, laut, beim Gehen von gdw, hastig, geschwind; sdnnig, 
sinnig, ohne Geräusch; allähven, allmählig; efler 'e Häujnn, nach 
und nach; md Ldmpe, mit Glimpf, gelinde; huhm md wdt Idmpen, 
gelinde mit etwas verfahren, huhm eftcr en Ausern lämpen, sich 
nach einem fügen. Aiwen, als Adverbium, ist eben, neulich, als: 
he het hirr äiwen wähn, er ist eben hier gewesen. 

50. Sierem, swär, lidrd. Sierem, stark, nachdrücklich beim 
Schlagen, en siermen Slieck, ein heftiger, schmerzhafter Schlag; 
umstandswörtlich ist es: sehr, als: he ds sierem rick , sierem 
kränk, sierem mal, er ist sehr reich, krank, entrüstet; swär, 
schwer; hdrd, hart. 

26 



194 

M. Aiensännig, eigensinnig, äicnwällig , eigenwillig, äienräjd- 
iUg , eigenräthig, wähserwamiig statt wä/iserwijnnig , ■wetterwen- 
disch. Ferner: tivim-, quer, twär sinnig , quersinnig, härdneket, 
hartnäckig, starrköpfig. 

52. Jeftiy , von jeiven , geben , abwerfen , ist ergiebig , vom 
Getreide und von Feldfrüchten; frugthaar, fruchtbar, vom Boden. 

53. Tivifärig [tivißdrdig) , zwieferlig , ünlick , ungleich , brauchet , 
bunt. Twifjdrdig sagt man vom Getreide, das gleichzeitig gesäet 
worden ist, aber nicht gleichzeitig reift, z. B, Hafer auf einem 
und demselben Acker, Auch gebraucht man twifärig von Sachen, 
deren Ausgang noch zweifelhaft ist, und sagt dann: dät sjögt 
noch twifärig ütt! dät sjögt brauchet ütt! es sieht bunt aus. 

54. Laai , trang , löngsaam. Laai , faul , traug , träge , beson- 
ders von demjenigen, der schwer an die Arbeit zu bringen ist; 
löngsaam, langsam. 

55. Twidö/issig , zweideutig, forblömet, verblümt, nnäientlick, 
uneigenllich. 

56. ISäw , genau, gitsig , geizig, tt^önglick, fdzig, knauserig, 
knäp, karg. 

57. Graf, grob, ünforshaamet , unverschämt, sJiömlüss, schaam- 
los. 

58. Främd, fremd, üttiävjnsh , ausländisch, auwerlänsh , s. o. 

59. Jung, jung, frisli , frisch, näi, neu. 

00. Edder, früh, tiddig , zeitig, tisnög [tidsnög], früh genug; 
das Gegenlheil ist lälis, spät. 

Gl. Bloch, blöde, trung, bange, forlägen, verlegen, befangen; 
Gegentheil: dristig , dreist, frmäujddig , freimüthig. 

02. llijl, ganz, fuUständig, vollständig; hijl cn all, ganz und 
gar. 

05. Tjöglick, von Ijöck, dick, etwas beleibt, kröppet, beleibt, 
bücket, dick, däilick , von däien, gedeihlich, Subst. jö Däged; 
nnnersdtsig, untersetzt, vierschrötig, Ijöck, dick, nur von Sachen 
und Schwangern , bücket , von Menschen und Thieren , aus de 
Bück, der Bauch. 

64. Bequähm, bequem, meklici, gemächlich, töpäss, zupass. 

03. Magiern, nüchtern, wenn man des Morgens noch nichts 
genossen hat, ähserig. nüchtern, wenn man nicht besoffen ist. 



1915 

06. Hall, gerne, wdlliy , willig, (jäiijdwdlliij , gutwillig. 

67. Nijdlick {nüjdlicli) , Icmnmerlick, när , inknälim , sind besonders 
sinnverwandt, wenn von einem kümmerlichen Sitze die Rede ist; 
nijdlick, von Niijd (Nolh), wenn man sich nur mit genauer Noth 
hallen und bewegen kann; iiär, eng, inhnähm, eingeknilTcn. 

68. Löm, lahm, hält, hinkend, daher: laamcn, lahm gehen, 
forlaamen, erlahmen und iähmjn; liäjnkcn, auf einem Beine hüpfen; 

hallen, hinken. 

69. Wieh, übel zum Erbrechen, weh, owel, übel , hijnn 16- 
mmßs, schlecht zu Muthe. Wärk- an Wiehdege, Schmerz- und 
Wehtage. 

70. Ljägl, licht, hdll , hell, klär, klar; daher Ijöglen, leuchten, 
de Ljügter, die Leuchte; der Leuchter ist de SUiujnner , d.i. der 
Steher. 

71. Fälis, äiijnnet {ünnjöU), üngelaagen, will, ilUlel, forlägen, 
imaardig. Lauter Unarten der Kinder bezeichnend. Fähs, kin- 
disch albern aus Verzogenheit, äujnnel, ungehorsam und unnütz, 
üngelaagen, ungezogen, ivi'/, wild, üUlet, ausgelassen, forlägen, 
verzogen, ütiaardig , unartig. 

72. JSärsh, barsch, string , strenge, wriess, böse, unwillig. 

73. £oll, stumpf an der Schneide; stump oder stiimpel be- 
zeichnet den Mangel der Spitze an einem Dinge. Das Gegenthcil 
von bo/l ist shdrp, von slumpet und biUt, spdss, spitz. 

74. Gröf, grob, bull, grob und bärbeissig; he siväret ällidd 
so butt, ds so bull; bull, ist auch kurz und dick. 

75. Gläi, froh, dän. und engl, glad; fräulick, fi'öhlich, liäd- 
der, heiter, fornäigd , vergnügt, dprömd , aufgeräumt, dpläid , 
aufgelegt, töfrese, zufrieden, löcklick, glücklich. 

76. Rien, rein, rienlick, reinlich, lihssig , von Wissen, leiden 
mögen. Rien und rienlick kann überall angewendet werden, wo 
es im Deutschen steht; lihssig wird aber vorzugsweise nur von 
Menschen (bisweilen von Hausthieren) gebraucht. Wer sich rein 
und sauber, und von Ungeziefer frei hält, der ist lihssig; das 
Gegentheil ist ünlihssig. 

77. Aien, eigen, tvdlsh, quer, wunnerlick, wunderlich, 

78. Wäir, wahr, xvdss, gewiss, säker, sicher, löforlajlUg , zu- 

25^ 



196 

verlässig, üntwlwelbaar , unzweifelhaft. Von ivdss ist de Wasse, 
die Gewissheit. 

79. Plünnig, lumpig, forräiven, zerrissen, slörrig äujn e Kluhse, 
nachlässig in den Kleidern. 

80. ^gnig , spreuig, siingig , grannig, sliäwig , schäbig. 

8d. Eäjddig, räthig, wer sich immer zu ralhen und zu helfen 
weiss; äiijnshlägig , anschlägig. 

82. Sivär, schwer, pännig , pfundig, wdgtig , gewichtig. 

85. Pidgtig, verpflichtet, forbünnen, verbunden, shüllig , shäjl- 
lig , schuldig. 

84'. Strippelt, gestreift, rüttet, gewürfelt, gerautet, rauset, 
geblümt, von Geweben. 

85. Bällstjürrig, üntierig, ungebehrdig, unbändig, unbändig. 

86. Slämm, äirig , hijnn, sljogt, schlimm, arg und schlecht. 

87. Sldmm, klauck, sndll, wiss. Stamm ist hier so viel als 
verständig, lie as sldmme nög, er ist gescheidt genug; en stam- 
men Mdns/ie, kann daher heissen ein schlimmer und auch ein 
gescheidter Mensch, nach der jedesmaligen Geltung des Wortes; 
klaucti, klug; sndlt , dän. snild, pfiffig; wiss, 1. weise, 2. bei 
Verstände, Iiedsdi fällig wiss, er ist nicht recht klug; forstdndig , 
verständig, fornuftig und fornünftig , vernünftig, klöftig, snäsig , 
schlau, verschmitzt. 

88. Secß, sanft, tielis, gelinde, leise, sähgt , sachte. 

89. Forsläien, verschlagen, d. i. schaal, von Bier und Wein, 
u. s. w.; ßdw, flau, matt, von gleichen Getränken. 

90. Fldw, flau, trat, müde, ütthälet, wörtlich: ausgeholt, d. i. 
ganz erschöpft. 

91. Hößick , höflich, äujnstdndig , anständig, aardig , artig, 
wäjldpdrägcn , wohlerzogen. 

92. Hltsig, hitzig, iwrig, eifrig, happig, forliäppet dw, erpicht 
auf, glöbsh öfter; happig, von häppcn, gierig mit dem Munde 
oder Maule nach etwas schnappen, daher erwerbgierig, an sich 
raffend, verwandt mit närig. 

95. ^'prigtig, aufrichtig, ämenhdrtig, offenherzig, trauhdrtig, 
treuherzig, licktö, gerade zu, aane ^'mstandc, ohne Umstände. 
94. Ihrlick, ehrlich, rddlick, redlich, trau, treu. 



197 

95. JSdll, bald, strägs, stracks, gelick, gleich, slävjnnen FäjUs, 
stehendes Fusses, dm en läiet, über ein Kleines. 

96. Dristig , dreist , ünforsügt , unverzagt , ünforfjdrdel , uner- 
schrocken. 

97. Durig, wärig, driech. Durig und wärig sind beide dauer- 
haft, wobei diirig zugleich auf die Stärke und Festigkeit des 
Dinges Bezug hat; driech, ist verschlagsam , dän. dröi, was lange 
vorhält, ohne Rücksicht auf die Masse; das Gegentheil von dröi 
ist slöi, also unverschlagsam, fries. ündriech. 

98. Jfjmm, neesh, spie, ^jmni, ist wund, schmerzhaft, ohne 
Verletzung der Haut; neesh, zart, von der Haut; spie, zart, von 
neugebornen Kindern, dän. späd (1. spähs); äimkräjm, empfindlich 
gegen körperliche Berührung und Eindrücke , z. B. beim Ver- 
binden einer Wunde, u. s. w. 

99. Unihrlick , unehrlich , ihrlüss , ehrlos , bedregersh , be- 
trügerisch. 

dOO. Snaud, schnöde, hunish, höhnisch, sloH, stolz. 

101. Unrögt, unrecht, ilnrigtig, unrichtig, forkierd, verkehrt, 
fälsh, falsch, cn fachen Mdnshe, ein falscher Mensch. 

102. Sörrigfüjllig , ist wörtlich: sorgfältig, aber der Sinn ist: 
traurig, sorgenvoll, wo die Sorge oder Trauer das Angesicht in 
Falten wirft; hedröwivet , betrübt, forsläien , rauthlos , verzagt, 
dähhläien, niedergeschlagen. 

103. Mingig, njäsig , sömig, slörrig, säumig, zauderig, fahr- 
lässig. 

104. Wddderlick, widerlich, töivddderne, zuwider. 

105. Bürgen, geborgen, säker, sicher, hülpen, geholfen. 

106. Genäigd, geneigt, günstig, günstig, tö Walle, zu Willen. 

107. Hillig, heilig, hällig , heilig, feier; en hillig Läivent, ein 
heiliges Leben, en hilligen Mann, ein heiliger Mann, Göd ds hil- 
lig, Gott ist heilig; dagegen cn hälligen Däi, ein Feiertag, häl- 
lighüjllen, feiern, Hälligenne, Feierabend; aber Hälligläujnn , Hel- 
goland, heisst dem Sinne nach: das Halligland, von Hällig, de 
Hällig, wie noch alle kleinern Inseln der Westsee heissen. Da 
Hällig friesisch und vom männlichen Geschlechtc ist, so muss 
es auch der Hallig und nicht die Hallige heissen, welches der 
Plural von Hallig ist. 



198 

108. Twjtirj, züchlig, ihrbaar , ehrbar, äujnsldndiij , anständig. 

40Ü, Listirj , fiffig , snäskj , listig, schlau, verschlagen. 

diO. Ldgtsännig , leichtsinnig, Idgtfjärdig , leichtfertig, ünbe- 
tögtsaam, unbedachtsam. 

dll. Wiss7iaasig , naseweis, näishirrig , neugierig. Man spricht 
näi-shirrig , als ob es neuschierig wäre , d. h. der sich um alles 
Neue schiert; eine Erklärung, die wirklich dem Sinne des Wortes 
genau entspricht. Die richtige Abtheilung ist aber näis-girrig , 
d. h. neugierig. 

H2. Shömlick, schimpflich, shdndlkk, schändlich; dal ds ja cn 
Bluged, was Beschämendes. 

H5. Gä/isHck, von de Gäsing , was einem gerade passt, dät 
's man Gäsing oder dät ds me gähslick, das ist mir eben recht; 
döglick, von daagen, taugen; hrücklick, 1. zum Gebrauche be- 
quem, 2. gebräuchlich. 

414. KöUig, frostig, von Menschen, von de Köllc, die Kälte; 
käujl, kalt, forkäild, erkältet, forkolligt, erfroren, s. o. 

il5. Sörrigläss , sorglos, ünbesörrigt , unbesorgt, glickgüldig, 
gleichgültig. 

116. Glatt, glatt, glähserig , glitschig, schlüpferig. 

117. Kldivig, kleberig, iwdgig , zusammenklebend wie liefen, 
kldstrig , kleisterig, von de Kläster, der Kleister. 

118. Tilnnen, geschwollen, böllcn , böllent oder böUnet , ge- 
schworen, von de Bälle, Eiterbeule, Schwäre; iUtsläien, ausge- 
schlagen. 

119. Robbelig , rauh, uneben, shrübbet und shrübbelig, kratzig, 
krätzig, rauh, ünäiwen, uneben. 

120. Brösig, nd. brösig, wohl eigentlich brähssig , das Gefie- 
der sträubend, ivä/iserivdllig , widerwillig, wdlsh, twdvr, s. o. 

121. Duf, taub, von Nüssen; sioöng , leer, von Aehren; duhw 
Nähse an swöng Wöppe, taube Nüsse und leere Aehren, 

122. Widdluflig , weitläuftig , dmstdndlick , umständlich , üll- 
fjärlick, ausführlich (aber üttfäirlick, ausführbar). 

125. Ünräjddig , unschlüssig, tivitvlräjddig , zweifelräthig, nicht 
wissend was man thun. soll, ünwdss, ungewiss. 

124. Käujlbläujddig , kaltblütig, mlijärd, ungerührt, glickgül- 
dig, s. 0. 



199 

120. Barmhdrliij , barmherzig, mdlihssUj , mitleidig, tarnen^ s.o. 

•12G, Jijärnägtig , kindisch, kins/i , kindisch, nur von alten 
Leuten, die wieder kindisch werden. 

127. HdniUig , geschickt zu mechanischen Arbeiten; liäujnnig, 
händig, wie ijnhiwjnnig , tnlig/iävjnnig , ein-, zweihändig, u. s. w. ; 
lecßhijnnig , links . linkshändig , von hijnnen , mit den Händen 
aufTangen. 

428. Ldcker, lecker, wer immer nur Leckereien haben will; 
hier, kür, kfirisch, kürig, wer jeden Bissen kehrt, um sich den 
besten auszuküren. 

129. BeltelpHch, behülflich, befordcrlick, förderlich. 

150. Fälirlick, gefährlich , 7«fm/ic/^ , misslich, waagllcl; , waglich. 

134. Unsägt, entzweit, üiiijns, uneins, ünihnig, uneinig. 

452. Fläch, flach, i^Iäl, platt, brijikl, breit. 

435. Issgrd, eisgrau, sh'jnüjll, steinalt; on issgräen, stijmljllcn 
Mönn. 

454. Widdluftig , weitläuftig, hier verwandt mit ivill , wild, lie- 
derlich, liederlich, ültswäiüend , ausschweifend. 

453. Forgdiinjlich , vergänglich, forkrdinhUck , verkränklieh , 
verweslich, ünjbrg dinglich und ünforkräinklick. 

456. Bloch, blöde, befangen, befangen, shüglern, schüchtei'n, 
früglsaam, furchtsam, forshaamet, verschämt. 

457. Eftcrlä/isen, nachlässig, iinordenlHck , liederlich. 

4 58. Billig , billig , röglfjdrdig , gerecht , rddlich , redlich , ihrlick , 
du lieh. 

439. Fälsh, falsch, ilndgt , unecht, forfälsliet, verfälscht. 
4 40. Miiddenvilsig , mutter witzig, sldmm, sndll, klanck, s. o. 

444. Behaglich, gefällig, lief, lieb, lieflich, lieblich. 

442. Njüllig , nützlich , fordielägtig , vortheilhaft; lo Iiuhms Gagen. 

445. Hurtig, hurtig, hastig, hastig, gdw, geschwind, rash , 
rasch, ivieher, wacker. 

444. Unnalörlich, unnatürlich, auwernatörlich , übernatürlich, 
wähsernatörlich , widernatürlich. 

445. Däih, i. alltags, 2. schlicht im Umgange, nicht vornehm, 
min däihc Kluhse, meine Alltagskleider, cn däihen Mdnshe, ein 
alltäglicher Mensch, einfach im Beiragen, 5. einfällig, als: he ds 
man däik, en liriot däih, ein wenig einfältig. 



200 

446. Wä/ilig , slarl; ; wählig, sagt man nur von Menschen und 
Thieren, nicht von Sachen; stark, nur von den letztern, eher nie 
wählig, so wie man auch nie stark von Thieren und Menschen 
gebraucht, um ihre Kräfte zu bezeichnen: en wähligen Kjärl fon 
stark Knaakc an Lähsc, ein tüchtiger Kerl von starken Knochen 
und Gliedmassen. 



FÜNFTES CAPITEL 

DAS ZAHLWORT (iNumerale) 



1. Allgemeine Zahlwörter. 

§. 424. Durch die allgemeinen Zahlwörter fasst man nur eine 
kleinere oder grössere Menge gleichartiger Gegenstände zusam- 
men, ohne die Anzahl der Einheiten zu bestimmen. Diese all- 
gemeinen oder unbestimmten Zahlwörter sind folgende: 

^11, alle, alles, all, aller, e, es, pl. alle; haaivcn, haaw, einiger, 
e, es, pl. einige; säm, etlicher, e, es, pl. e; ärken, ärk, jeder, 
e, es, pl. jede; faale^ viel, vieler, e, es, pl. e; männing , viel und 
viele; läiet, wenig, er, e, es, pl. e; tiäiin, kein, er, e, es, pl. e, 
weiblich und sächlich, wie im pl. nijnn ; ^n'»^, nichts; wdt, etwas; 
mörr , mehr; ällemäle, allzumal, alle mit einander. 

^11, alle, alles. ^11 steht im Singul. und Plural von Stoff- 
Menge- und Gattungsnamen unverändert, immer mit dem eigent- 
lichen Fürworte oder dem Geschlechtsworte unmittelbar nach 
sich, wie z. B. all man gauhsc Winn äs spüllen, all mein guter 
Wein ist verschüttet, oder gespillt; all sin Fäiijlk was ntträihsd, 
alle seine Leute v/aren ausgereist; all hdr Shäip sän tlrüngd, 
alle ihre Schafe sind ertrunken; all min Böhscr äs dp, alle meine 
Butter ist auf; jö het all harren Hjärl spünnen , sie hat allen 
ihren gehechelten Flachs gesponnen. Das Geschlechtswort steht 
dann, wenn von einem bestimmten, eben erwähnten oder gegen- 



201 

Märtigcn Gegenstände die Rede ist, z. B, all de hijnnc Rüf/ge hH 
'r forkäß , an all de gaulisc lobälig behüUen, all den schleehlen 
Roggen hat er verkauft, und all den guten zurückbehalten; all 
da grotle Dringe sliäujn ült to tiencn, alle die grossen Jungen sollten 
aus zu dienen ; ick däi harn (wonlig Daalere , an all dät Gijl hei V 
forspälct, ich gab ihm 20 Thaler, und all das Geld hat er verspielt. 
^lle kommt allein in der Mehrheit ohne Zusatz vor, als: alle 
Mdnshene mäujn släirwe, alle Menschen müssen sterben; alle Swäl- 
hene sdn ivägtägen, alle Schwalben sind weggezogen; alle Slaurke 
sd7i noch äi kiemen, alle Störche sind noch nicht gekommen; he 
gongt alle Dege ütt, er geht alle Tage aus; alle ^gcne smätt 'r 
wäg. alle Acheln (Spreu) wirft er weg. Dass hier auch Bestim- 
mungswörter vor dem Hauptworte stehen können, versteht sich 
von selbst , wie : alle ßijitige Dringe , alle fleissige Knaben ; de 
A'llring hei alle junge Döwwe ahn, der Iltis hat alle junge Tauben 
gefressen; alle Mdnshene sedde so, alle Menschen sagen so; aber 
in dem Ausdrucke ^llcmdnshe säil so heisst ^llemänshc so viel 
wie jedermann , und steht daher auch in der Einheit. 

^lles steht allgemein, wie in folgenden Sätzen: däl ds alles 
tvät ick häw , das ist alles , was ich habe ; alles untig nint , alles 
oder nichts; Gödd wißt alles, Gott weiss alles; ick häw alles däjn, 
wdt ick köhs, ich habe alles gelhan, was ich konnte; he het alles 
forlähsen, wdt 'r äiijn 'e Shrock häi, er hat alles verloren, was 
er in der Tasche hatte, nämlich im Spiele; he het alles sldn, 
wdt 'r änjn 'e Shrock häi, er hat alles aus der Tasche verloren, 
was er darin hatte; he forkäft alles, ivdt 'r het, er verkauft 
alles, was er hat; jö säit alles, wdt "s wijt , sie sagt alles, was 
sie weiss. 

Haawen, haaw. Haaivcn, im männlichen Geschlecht vor Stoff- 
und Mengenamen, so wie in der Einheit vor männlichen Gat- 
tungsnamen, für irgend einen, jemand, irgend welchen; haaw im 
weiblichen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit. Bei- 
spiele: yi's 'r haawen Säihs , haawen Winn äujn 'e Tjaaler? Ist 
einiger Käse, einiger Wein im Keller? Hähst haaiven Rögge tür- 
shen? hast du einigen Roggen gedroschen? hähst haawen Mdnshe 
äujn 'e Fenn säjn? hast du irgend jemand in der Fenne gesehen? 
Haaw Böhscr het 's forkäft, jö auhser hol 's insläien, einige Butter 



202 

hat sie verkauft , die andre eingeschlagen , nämhch in Fässer. 
Ich häw all haaw Licppe säjn, ich habe schon einige Kiebitze ge- 
sehen; dirr sdn all haaw Spriene kiemen, es sind schon einige 
Staare gekommen; ick Itäw haaio Laumme slägtigt, ich habe einige 
Lämmer geschlachtet, '^w haaw Imnnert Daalere kämt 't häm äi 
äujn, auf einige hundert Thaler kommt es ihm nicht an. 

Sdni, dän. som, somt, pl. somme, steht durchaus unverändert 
in allen Geschlechtern, und hebt aus der Menge, so wie aus 
einigen oder etlichen, noch einzelne besonders hervor, als: ick 
Itäw hamv Spärrige shähn, aurs säm dirrauf wjärn noch äi diijd, 
äs ick 's dpsämmolt, ich habe einige Sperlinge geschossen, aber 
einige davon waren noch nicht todt, als icli sie aufsammelte. 
^iijn jü ForsömmUng wjärn liaaw, dirr nän Winn drunken, auhsere, 
dirr nun Säilts äjttcn, an säm mahn tvihsser Böhser unfig Brüjd, 
in der Versammlung waren einige, die keinen Wein tranken, 
andre, die keinen Käse assen, und etliche mochten weder Butter 
noch Brot. He hei faale Biihmmc äujn sdn Tünn, haaw sdn üjll, 
aurs sdm dirrauf drege noch gäujd, er hat viele Bäume in seinem 
Garten, einige derselben sind alt, aber etliche davon tragen noch 
gut. Säm Biihmmc wägse hastig, sdm äi so bdll , einige Bäume 
wachsen geschwind , einige nicht so bald. Ick häiv haaw Bauche 
Jungen , aurs sdm dirrauf liäw ick äi bestdlld, ich habe einige 
Bücher bekommen, aber etliche habe ich nicht davon bestellt. 
Sdm kann auch fürwörtlich stehen, als: sdm sedde so, da auhsere 
so; sdm häwc segs Tune äw drken Fäujt an segs Füjngre äw drk 
Iläujnn, einige (Menschen) haben sechs Zehen an jedem Fusse 
und sechs Finger an jeder Hand ; sdm Winn äs äi to drdjnken , 
einiger Wein ist nicht zu trinken. 

yJ'rken, drh. ^rhen im männlichen, und drk im weiblichen 
und sächlichen Geschlecht. Anwendung : alle Mdnshene liäwe en 
Tung, aurs drhen het sdn äiene Smäge, alle Menschen haben eine 
Zunge, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack; auf min tien 
Häjnsle ds drhen man fjauwer Ihr, von meinen zehn Pferden ist 
jedes nur vier Jahr; he was äujn drh Hüss, an het md ürh Föm- 
mcn snähet, er war in jedem Hause, und hat mit jedem Mädchen 
gesprochen; dirr äs en Ritig äujn drhen Ijnne, es ist ein Ring an 
jedem Ende; dät Slot hei en Turn äw drh Hjarn, das Schloss hat 



203 

einen Thurm auf jeder Ecke; däl du/ig ick drk Töcli, das ihue 
ich jedes Mal. Fürwörtlicli: Arkcn säit so, jeder sagt so; däl 
wijt drkenän, das weiss ein jeder, oder jedermann; drk ijUy eine 
jede, ein jedes'. 

Faale , viel, aber auch vieler, e, es, pl. e, steht vor Stoff- 
und Mengenaraen in der Einheit und vor Gattungsnamen in der 
Mehrheit, als: Ick häw faale Giß ütldäjn, ich habe viel Geld aus- 
gegeben; he drdjnkt faale Winn, er trinkt viel Wein; wäs'r faale 
Fäivjlk äiv't ^'phöd? waren viel Leute auf der Versteigerung? 
he rockt faale Tobäck dp , er raucht viel Taback auf; faale Wiim 
üs di to drdjnken an faale Böhser di to ähsen , vieler Wein ist 
nicht zu trinken und viele Butter nicht zu essen ; he Iiel faale 
Kantöffle bürgen, er hat viele Kartoffeln geerntet; de, dirr di 
faale het, kun ock di faale üttdäjn, wer nicht viel hat, kann auch 
nicht viel ausgeben -. 

Mdnning , dän. mange, engl, many, viel, viele, kommt nur in 
der Mehrheit vor Gattungsnamen, so wie mit an und ijn verbun- 
den in der Bedeutung von mancher, e, vor, als: Jie het mdnning 
Baucke läsen, er hat viele Bücher gelesen; lie hei mdnning Daa- 
lere forspdlel, er hat viele Thaler verspielt; hörr mdnning ^ie 
ladde dirr äujn't NestF wie viel Eier liegen da im Neste? änjn 
en Armee sdn mdnning Sdldaate, in einer Armee sind viele Solda- 
ten; hörr mdnning Bjürne hähslF wie viel Kinder hast du? mijm 
mdnning 'en Ermen däl man häi, wdl mdnning' en Ricken ivdgsmdtt! 
wenn mancher Arme das nur hätte, was mancher Reiche weg- 
wirft ! mdnningijn mijnt Wunner wdl 's ds , manche meint Wun- 
der, was sie sei; mdnning 'en braawen Mann ds dirr feilen, man- 
cher brave Mann ist da gefallen. 



' A'rken hat im zweiten Falle drkens , wenn es jeder, jeder- 
mann bedeutet, als: däl häi drhen däjn, das hätte jedermann 
gethan; he ds drkens Geck, er ist jedermanns Narr. 

Biese, beide, kann immer nur mit dem Dualis wdl und jdt, 
und mit alle voran oder ohne dasselbe gebraucht werden; wdl 
wjarn r btese; ja kaummen ällebiese; jdl sdn jd biese kränk, ihr 
seid ja beide krank. 

- Hörr faale F wie viel? und sü faale, so viel, werden auch zu- 
sammengezogen, hörr faale in hüllivc und so faale in süllwe. 

26* 



204 

Läiet, wenig, ist das Gegenlheil von faale und mann in g , und 
steht unverändert vor Stoff- und Mengenamen, so wie vor Gat- 
tungsnamen in der Mehrheit, als: dirr was man läiet Fävjlk to 
Haaw, es waren nur wenig Leute zur Kirche; läiet Mänshcne, 
wenig Menschen; ick kön man läiet Bränmvinn fordrege, ich kann 
nur wenig Branntwein vertragen ; dö hältst man läiet Bu/imme 
plantet, wenig Bäume gepflanzt ; ick Itäw alte läiet Ljägte to de 
grölte Saal , ich habe zu wenig Lichte für den grossen Saal ; 
läiet Gijl, wenig Geld; dät läiet, wät ick Iiäw, äs ball fortjärd], 
das Wenige, Avas ich habe, ist bald verzehrt; de ihne Jiet faale, 
de auliscre man läiet, der eine hat viel, der andre nur wenig. 

Nänn , nun, im männlichen Geschlechte vor Gattungs- Stoff- und 
Mengenamen, im sächlichen Geschlechle und in der Mehrheit 
nijnn, nijn, keiner, e, es, pl. e. Es ist aus dem bestimmten Zahl- 
worte an und ijn , durch Vorsetzung des Buchstabens n ent- 
standen, und heisst so viel als nicht ein. Beispiele: Jö Fömmen 
het noch nänn Bredgome, das Mädchen hat noch keinen Bräuti- 
gam; ick häw nänn Winn drnnken, ich habe keinen Wein ge- 
trunken; he häi nän Häujd äw an nän Rock äiijn, er hatte keinen 
Hut auf und keinen Rock an; dirr was nijn Böhser, nijn Brüjd, 
nijn Mahl, nijn Speck an Flash, an nijn Mölke äiyn't Hüss, es 
war keine Butter, kein Brot, kein Mehl, kein Speck und Fleisch 
und keine Milch im Hause; hältst nijn Ijllinge? hast du keine 
Feurung? de Säldaat häi nijn Boss an nän Saabel, der Soldat 
hatte keine Büchse und keinen Säbel, Von nän oder nänn ist 
nähn, nein, zu unterscheiden, welches weit gedehnter ausgespro- 
chen wird. 

Wät, was, etwas, ist unabänderlich und sieht unbestimmt, 
als: hähst wät äiijn'e Shrock? hast du etwas in der Tasche? wät 
wäht hewc? was willst du haben? Mt'r de tvät säid? hat er dir 
was gesagt? he hei wät market, er hat etwas gemerkt; wät untig 
nint! etwas oder nichts; dät äs wäjl wät, aurs dät 's äi nög , das 
ist zwar etwas, aber nicht genug. 

Mörr , mehr , steht im vergleichenden Stande , und ist der 
Comparativ von haaw, faale und männin g , wo der höchste Stand 
mäst heisst, als: ick häw haaw Baare säjn , he het mörr säjn, an 
man Brauhscr het da mäste säjti, ich habe einige Bären gesehen. 



205 

er hat mehr u. s. w. ; he het [aale Gijl, aurs säii Näiber het murr, 
an de rickc Jö/ise het mäst, er hat viel Geld, aber sein Nachbar 
hat mehr, und der reiche Jude hat am meisten; we häive man- 
ning Shäip, jäm häive murr, aurs jd häwe da mäste, wir haben 
viele Schafe, ihr habt mehr, aber sie haben die meisten. 

Auch läiet, wenig, ist steigerungsfähig, und hat folgende Stu- 
fenformen: läiet, männere , mannst , weniger, wenigst, oder minder, 
mindest. 

^Itemäle, alle, allzumal, alle mit einander, alles. Beispiele; 
San alle Shaidere klemmen? Ja, jd sän kirr ältemäle, sind alle 
Schüler gekommen? Ja, sie sind alle hier; he häi's ältemäle ütt- 
jaget, er hatte sie alle mit einander hinausgejagt; wähl 's ältemäle 
hewe? willst du sie alle haben? tväht't ältemäle hewc? willst du 
es alles haben? wirr ds dät Hält bläwenF ick häiu't ältemäle for- 
käft, wo ist das Holz geblieben? ich habe es alles verkauft. 

Die Wörter kijl, ganz, hulew, halb, djnkelt, einfach, döwelt, 
doppelt, und tröwelt, dreifach, bestimmen zwar auch die Grösse 
der Dinge, werden aber abgeändert, wie das Bestimmungswort. 

Anmerkung 671 über die Synonymen in den allgemeinen 
Zahlwörtern. 

i. ^lles , ältemäle. ^lles fasst auch das Verschiedenartigste 
zusammen, z. B. alles, wdt ick häio , ds Göds Gaawe; ältemäle 
nimmt bei Stoff- und Mengenamen auch den kleinsten Rest, und 
bei Gattungsnamen die letzte Einheit mit, als: dirr hähst't älte- 
mäle, da hast du es alles mit einander; we san ältemäle Senilere, 
wir sind allzumal Sünder. 

2. Haaw, sdm. Haaiv, einige, etliche, umfasst bloss eine un- 
bestimmte Anzahl von Dingen, von denen s«w wieder einzelne 
aushebt, z. B. he häi haaw S/iäip tö forkirpen, aurs sdm dirrauf 
wjdrn shürrewt, er hatte einige Schafe zu verkaufen, aber etliche 
derselben waren räudig. 

3. Faale, mdnning. Faale ist das deutsche viel, und umfasst, 
wie dieses, nur die Masse und die Menge; mdnning, das deut- 
sche manch, dän. mange, engl, many, entspricht dem deutschen 
vieler, e, es, pl. e, so wie mancher, e, es, pl. e, mit an und 
ijn verbunden, als: mdnning 'cn an, mancher, Jndnningijn , manche , 



206 

pU männiiiy. z.B. Dösäist, dö hähst faaie Dowwe , hört' mdnning hälist 
dann? du sagst, du habest viel Tauben, wie viele hast du denn? 
Mdnning Mänshene kaane nijn Böhser ähse , aurs faale kaane mdt- 
ijns en kiel Tdnn fortere , viele Menschen können keine Butter 
essen , aber viele (Menschen) können auf einmal eine ganze Tonne 
verzehren. 

4. Nänn, nijn, niemmen, nänne mänshe. Niermnen und nänne 
mdnshe sind gleichbedeutend, niemand, kein Mensch; nänn, kei- 
ner, ist männlich; nijn weiblich und sächlich, und steht auch in 
der Mehrheit. 

2. Bestimmte Zahlwörter. 

§. 125. Diese sind theils Grundzahlen, theils Ordnungszahlen; 
jene geben genau die Anzahl, diese die Ordnung und Aufeinan- 
derfolge gleichartiger Dinge an. Die Grundzahlen sind folgende: 

an \. twäier 2. irä 5. ) . ... /^ , , , 

un männlichen Geschlecht. 
an \. twdnne 2. trdnne o. \ 

. . , ^ . „ ) im weiblichen und sächlichen Ge- 

rm 1. tu/iq 2. Ine ö. ) , , , 

■^ -^ ) schlecht. 

fjauwer, 4, fieiv, 5, segs, 6, saawen, 7, aagt, 8, njögen, 9, üen, 
40, dllwen, 41, twellew, twelweji , 42, trdtäin, 45, fjauwertäin , 44, 
füftäin, 45, segstäin, 46, saaiventäin, 47, aagttäin, 48, njögentäin , 
49, tivontig , 20, dortig, 50, fertig, fäirtig , fjärtig , 40, füßig, 50, 
söstig, 60, söwentig, 70, tdc/i entig , 80, nägentig, 90, hunnert, 400, 
dusend, 4000, tiendusend, 40,000, hunnertdnsend , 400,000, dusend 
Töche dusend oder en Million, 4,000,000. 

Die daraus hervorgehenden Ordnungszahlen werden folgender- 
raassen gebildet, als: de järste, der erste, de lähsere oder de 
ausere, der zweite, de tredde, de fierde, de fäfte, de segste, de 
saawente, de aagte, de njögente, de i/ew^e oder de tijnde, de äZ/ejü- 
fc, de twellewte, de trdtäinste, de fjatiwertäinste , de füftäinste, de 
segstäinste, de saawentäinste , de aagttäinste, de njögentäinste , tivon- 
tigste, dortigste, fertigste, füftigste, söstigste, söiv entig ste , tdchentig- 
ste, nägentigste, hunnertste, dusendsle, u. s. w. Diese Ordnungs- 
zahlen , die sich alle auf e endigen , gelten nur allein für das 
männliche Geschlecht; beim weiblichen und sächlichen Geschlecht 
verlieren sie das e am Ende: jö jdrst, die erste, dat järsl , das 



^207 

erste; jö ired, die dritte, dat trcd, das dritte; jö fierd, dät ficrd, 
füft, segst , saawent , aagt, njögent, u. s. w. Bloss de läfisere, 
der zweite, bleibt unverändert in allen Geschlecbtern, als: de 
lähsere Mönn , jö lähsere Wöff, dät lältsere Bjärn , der zweite 
Mann, die zweite Frau, das zweite Kind. Statt lähsere gebraucht 
man auch de ausere, der andere, als: de ausere, jö auser, dät 
auser. De läJisere und de ausere werden nur aus Mangel eines 
andern passenden Wortes als Ordnungszahlwörler gebraucht, weil 
man aus tiihg (zwei) nicht de tiihgde , wie im Deutschen (der 
zweite) machen kann ; auch im Dänischen muss man hier der 
andre, den anden, gebrauchen, nd. de toe/e, altfries. the other und 
i/ie twede. De lähsere ist der vergleichende Stand von lähs, spät, 
und heisst der spätere, letztere, im Superlativ lest, de leste, jö 
lest, dat lest, da lesie, der, die, das letzte, die letzten. De ausere, 
von aiirs, anders, ist der andre, als: dug me de ausere Häiijdd, 
jö auser Urdll, dät auser Bauch und da ausere Stäiivle, gieb mir 
den andern Hut, die andre Brille, das andre Buch, und die an- 
dern Stiefel •. 

Die drei ersten Zahlwörter, dän. een, io, Ire, nd. en, tive, 
drc, engl, 07ie, iwo, three, altfrics. eti, twa, thrju oder en, twenc, 
thre, oder en , twa, thrid (nach Rask), haben im Nord friesischen 
folgende abweichende Formen: a. im männlichen Geschlecht: an, 
tiväier, trd, und an, twdnne, trdnne, b. im weiblichen und säch- 
lichen Geschlechte : ijn , luhg , trie. Twdnne ist im Dänischen 
tvendc , das ältere deutsche zween , und trdnne ist irende. Zählt 
man Gegenstände vom weiblichen oder sächlichen Geschlechte , 
oder in unbenannten Zahlen, so gebraucht man immer ijn, tuhg , 
trie, auch mit den Zahlen von zwanzig bis neunzig, oder wo sie 
nur immer vorkommen mögen. Sind aber die zu zählenden 
Dinge männlich, so muss man überall, wo sie nur immer stehen, 
an, twäier, trd, gebrauchen. Beispiele, weiblich und sächlich: 
ijn, tuhg, trie Gäis; ijn- tuhg- trieantwontig Hühssinge; he het ijn- 



* En Ausern steht auch für unser einer, unser eins, als: so wdt 
fäit en Ausern jd aller to sieen, so was bekommt unser eins ja nie 
zu sehen ; dirr wijl en Ausern jd nint auf, davon weiss ja unser 
einer nichts. 



208 

an/wontig , lu/igmitwontifi , trieantwonlig Puppe faar üiiantwontig , 
twäierantwontig an trdantwontig Daalere käj'i, er hat 21, 22, 25 
Pfeifen für 21 , 22 und 25 Thaler gekauft ; he däi nie änanfer- 
iig Jple faar ijnanfüftig Plöme, an trie Plöme faar twäier Jple ; 
ick iväll de iräansöstig ^yle faar iuhganfüfdg Plöme düjn. 

Tivänne und iränne wird immer nur von Personen , nie von Sachen 
gebraucht, als: Iiörr münning wjdrn's am IiamF Ja wjdrn twänne 
untig iränne am harn, wie viele waren sie um ihn ? zwei oder 
drei. Jd sän jd man tivdnne, sie sind ja nur ihrer zwei. Dirr 
wjärn man en tivdnne, irdnne kiemen, wdt wäjn jd wäjl ütirögieF 
was wollten die wohl ausrichten '? (Vergleiche die Anmerkung 
nach §. 409). 

Auch die Male werden bis drei aus den drei ersten Zahlen 
gebildet, wie im Englischen, als: ijnsen, iwäie, träie, engl, once, 
Iwice, ihricc, d. i. ein- zwei- dreimal. Ijnsen ist hier das deut- 
sche eins, in der Bedeutung von einmal, und iwäie, das deutsche 
zivi-er, Lucas 18: v. 12; im Alldänischen: iösscr, von iö, zwei. 
Zwischen dem Friesischen und Englischen ist hier die Aehnlich- 
keit am wenigsten zu verkennen. Träie mag vielleicht das alt- 
fries. tltria sein. Was über drei hinausgeht, bekommt Töc/ie, Male, 
zugesetzt, als: fjamver Töc/ie, iivoniig Töc/ie , mdnning Tdc/ie. 

Die deutschen Wörter: erstens, zweitens, drittens, viertens, 
u. s. w. , kann der Nordfriese nicht nachbilden, sondern muss sich 
der Form: fürs erste, fürs zweite u. s. w. bedienen, als: faar't 
järsi , faar'i lähscre, faar't auser, faar't tred, fierd, füft, segst, 
u. s. w. 

Die Namen der Zahlzeichen sind weiblich , und nehmen im 
Plural ein e an. Sic heissen: jö Ijn, jö Tulig , jö Trie, jö Fjauwer , 
jö Fiew, jö Segs, jö Saawen, jö y/agt, jö Njögen, jö Tien, jö Null K 



' Substantivische Zahlwörter , die als Grössen- oder Theilbe- 
stimmungcn dienen, sind folgende, als: en Dätijiien, 5 Schillinge; 
enDansenn, 12Stück, ein Dutzend; enSnielis, das Stieg ; jö Träw, 
eine Stiege Garben, 40 Stück; en Slwck, 60 Stück; dat Tdlt, 12 
Stück Bretter, der Zwölfter, Tult; dät Wdll, 80 Häringe; dät 
Hunnert, dat Dusend; ebenso: de Drilling, der Dreiling; de Segs- 
ling, der Sechsling; de Träsing , der dritte Theil eines Demaths; 
(\c Ficrding , ein Viertel desselben, so wie ein Viertel überhaupt; 



SECHSTES CAPITEL 

DAS FÜRWORT (Pronomen). 



§. 126. Das Fürwort vertritt die Stelle eines Hauptwortes. 
Aber nur das Pronomen personale steht allemal anstatt eines Haupt* 
Wortes, andere werden demselben auch vorgesetzt. Dieses per* 
sönliche oder eigentliche Fürwort ist im Nordfriesischen folgendes: 
Ick, dö, he, jö, hat, dät, im PI. ive, jdin,jä, im Dualis wdt und jdL 

Abänderung desselben. 

Einheit. 
|ste Person. 2'e Pers. 5'" Pers. männl 
IFall. ick dö 4 he 

2 — min din 2 sin 

3 u. 4 me de 3 u. 4 hdm 

Mehrheit. 
Iste Pers. 2'e Pers. 3"= Pers 

1 Fall. ivc jdm ja 

2 — ühs jdringe järe 

3 u. 4 üss jdm jdm 



weibl. sächl. 


sächl. 


jö dät 


hdt 


hdr sin 


sin 


hdr hdm 


hdm. 


Dualis. 




s. l«iePers. 


2tePers 


wdt 


jdt 


t unk 


junk 


\ unk 


junk. 



dät Jtgendijl, ein Achtel als Buttermass ; da Tivännlwge , die 
Zwillinge, Trdnnlinge, Drillinge. Dahin gehören ferner die Namen 
verschiedener Silbermünzen, als: cii Tredhäliven, ein Drittehalb- 
schillingsstück ; en Fjatiwer- Fiew- Jagt- Tien- Twellew- Twontig- 
Fertig shdlling stock , ein Vierschillingsslück, u. s. w. 

Die deutsche Endung tel (theil) zur Bezeichnung der Bruch- 
theile, als: das Drittel, Viertel, Fünftel, wird durch Dijl oder 
Part gegeben, wie: en hulwcn, männlich, ein halber; weiblich 
und sächlich en huleiv, de hulewe, jö Imlew , dät huleiv, pl. da huhve; 
en Tredendijl oder en Treddepärt, en Fierdendijl, en Fierdejjärt, 
en Jagtendijl, en Jagtepärt. Mit Dijl (Theil) zusammengesetzt 
bekommen die Ordnungszahlwörter ein n angehängt. Bei den 
Benennungen mit halb gilt die deutsche Weise, als: auserhältven , 
anderthalb, Iredhäbven, fierdhdlwcn, u. s. w. , d. i. die nächstvor- 
hergehende Zahl ganz, und von der nächstfolgenden das Halbe. 
Der Däne kehrt es um und spricht: halvanden, halvtredie, halv- 
fjerde , u. s. w. 



210 

Die Gleichheit mancher Fälle, so wie der gänzliche Mangel des 
zurückkehrenden Fürwortes sich fPron, reciprocum) , kann oft Un- 
bcslimmlheit und Zweideutigkeiten verursachen , besonders in 
nackten Sätzen. Sage ich z. B. He het kam stät, so kann diess 
heissen: er hat sich gcstossen, und: er hat ihn gestossen; jö het 
här shjärn, sie hat sich oder sie geschnitten; ick häiv jdm nög 
säjn, kann heissen: ich habe euch oder ich habe sie wohl ge- 
sehen. Diess ist indessen keine wirkliche Zweideutigkeit, denn 
der richtige Sinn geht immer aus dem Zusammenhange der Rede 
hervor. Spreche ich zu denen, die ich gesehen habe: ick häw 
jiim nög säjn, so heisst es: ich habe euch wohl gesehen; spreche 
ich von andern, so heisst es: ich habe sie wohl gesehen. Weit 
shäset dät BjärnF hat het häm't Haad äujnstöhg feilen, was fehlt 
dem Kinde? es hat sich den Kopf entzwei gefallen. Wirr auwer 
gällt cldn Brauhser? ho het hdm mä en Fawk äujn 't Uhg stägen, 
worüber weint dein Bruder? er hat sich mit einer Gabel ins Auge 
gestochen. Wir wollen hier kurz bemerken , dass der dritte und 
vierte Fall bei allen Personen und in den drei Zahlen das zurück- 
kehrende Fürwort sich vertreten, wie in folgenden Sätzen durch 
alle Personen in der Einheit, Zweiheit und Mehrheit, als: Ick 
häw nie forkäjld, dö hähst de — , he het hdm — , jö het här — . 
dät het häm — , hat het hdm — , zodt häwe unk — , jdt häwe junk 
— ^, ive häwe üss — , jäw häwe jdm — , jd häwe jdm — , ich habe 
mich, du hast dich, er hat sich, sie hat sich, es hat sich, wir 
zwei haben uns, ihr zwei habt euch, wir uns, ihr euch, sie 
sich erkältet. Dasselbe gilt für den Dativ der Person, als: ick 
häw me, dö hähst de, he het hdm, jö het här, hdt het häm, wdt 
häwe unk, jdt häwe junk, wc häwe üss, jdm häwe jdm, jd häwe 
jdm en Hüss käft, ich habe mir, du hast dir, u. s. w. ein Haus 
gekauft. Dät forstönt hdm, das versteht sich! 

§. 427. Beispiele zur richtigen Anwendung dieses Fürwortes: 
Ick häw min Shäip all slägtigt , dö hähst din jd noch dw 't Gjärs 
gongen, ich habe meine Schafe schon geschlachtet, du hast deine 
ja noch auf der Weide (dem Grase) gehen; he het sin Bjärd auf- 
nümmen, jö het harr Häier breset, dfi dät Bjdrn het sin Häiijnne 
twäien, er hat seinen (eigenen) Bart abgenommen, sie hat ihre 
Ilaare geflochten und das Kind hat seine Hände gewaschen ; ich 



211 

wäll me wat togause düjn, ich will mir gütlich ihun ; dö Ivlslel 
de surr wurde, du lassest 's dir sauer werden; he del liüm Mäute,_ 
er giebt (ihut) sich Mühe; jö hon lidr sellew lielpe, sie kann sich 
selber helfen; wirrfaar gällt dät ßjärn? weshalb weint das Kiwd? 
Swär: de Fäjnger del lidni sier, Antwort: der Finger thut ihm 
weh; de Hünn liä me äujn't Bijn bdn, der Hund hat mich ins 
Bein gebissen; jö Kätt het de Idäiset, die Katze hat dich gekratzt; 
de Hdjnst hat hdm släien, das Pferd hatte ihn geschlagen; he he- 
handelt hdr man hijnn, er behandelt sie nur schlecht; dät Bjärn 
het häm forähn, hat mäujt nö hungrc, wdn't hdm käme shäl, das 
Kind hat sich verfressen, es muss nun hungern, wenn es sich 
erholen soll; däi Swinn wall äi ddie, hdl het hdm'e Täis üttbdn, 
das Schwein will nicht gedeihen, es hat sich die Zähne ausge- 
bissen; we häwe ühsen Winn drunken, wir haben unsern Wein 
getrunken; jdm häive jdrringe Gijl fortjärd, ihr habt euer Geld 
verzehrt ; ja häive jdre Swinn dilling slägtigt , sie haben ihre 
Schweine heute geschlachtet; we mäge üss nint dirrütt, wir ma- 
chen uns nichts daraus; jdm häwe jdm forsäjn, ihr habt euch 
versehen; jd häive jdm sellew äujn 'e Ljägle stijnnen , sie haben sich 
selber im Lichte gestanden ; ick häw jdm dät Gijl däjn , ich habe 
euch oder ihnen das Geld gegeben , je nachdem es auf die zweite 
oder dritte Person in der Mehrheit sich beziehen soll; tvät kaane 
junk äi helpe , aurs jdi köhn unk nög helpe , wir beide können 
euch beiden nicht helfen, aber ihr beide könntet uns beiden wohl 
helfen ; läwe junk uillerne noch ? leben eure Eltern noch ? unk sdn 
all löngens diijd, unsre sind schon längst todt, im Dualis; ick 
wall junk tvdt sedde, ich will euch beiden was sagen; jdi kaane. 
man gonge, ihr zwei könnt nur gehen. 

§. 128. Die Fürwörter der dritten Person stehen nur dann 
unverändert, wenn unmittelbar nach denselben ein Zeitwort folgt, 
als: Man ßrauhser ds tö Bedd gingen, he wvrt tväjl krönk ivesen, 
mein Bruder ist zu Bette gegangen, er wird wohl krank sein; 
jö Hänn kägelt, jö het wdss en Ai läid, die Henne gackert, sie 
hat gewiss ein Ei gelegt; dät Läujnn ds so drökg , dann dät het 
all löngens nän Rinn fangen, das Land ist so trocken, denn es 
hat schon längst keinen Regen bekommen ; dd Hdjnste sdn so 
hungrig, jd häwe dilling noch nint lo ähsen fangen, die Pferde 



212 

sind so hungrig, sie haben heute noch nichts zu fressen bekom- 
men. Eben so nach einer Frage , wenn das Fürwort in der 
Antwort voran steht, als: ivirr ds man Häujdd? he läit äw 'e 
Slieiv, wo ist mein Hut? er liegt auf dem Tische; wdt mäget din 
SüsterF jö köget Utmerne, was macht deine Schwester? sie kocht 
das Mittagessen; wirr häwe jdt da Fdsh füngen? wdt häwe's 
ungelt , wo habt ihr beide die Fische her ? wir haben sie 
geangelt. 

§. 129. Stehen aber die Fürwörter der dritten Person selbst 
unmittelbar nach dem Zeitworte, so nehmen sie eine durchaus 
veränderte, nicht mehr kenntliche Gestalt an, und ihre ursprüng- 
liche Form geht gänzlich verloren. Dann werden die männlichen 
Fürworter he und hdm durch die angehängten Buchstaben r 
und n, das weibliche Geschlecht durch s, das sächliche durch t, 
und der Plural wieder durch s vertreten. Hier ein Beispiel zum 
vorigen und zu diesem §. De Fögel ds üttflägenf he mäiijl nö for- 
hiingre, der Vogel ist ausgeflogen, er muss nun verhungern, de 
Fögel ds üti flögen f nö mäiijt 'r forhungre; min Wöff ds kränk, dirr- 
faar kön 's äi mdkäme , meine Frau ist krank , daher kann sie 
nicht mitkommen; he kön sin Hüss äi längere beböge, auwer dät't 
so ahmen ds, dn dirrfaar shdl'r nö mjdrne ütttijn, er kann sein 
Haus nicht länger bewohnen, weil es so offen ist, und deswegen 
soll er nun morgen ausziehen ; min Ugene sdn nö bähsere , ick 
häio 's drken Mjdrn md läi Wäkser iwäien, meine Augen sind nun 
besser, ich habe sie jeden Morgen mit lauem Wasser gewaschen; 
hähst dö de male Hünn säjnF ja, ick säch 'n faar en läiet, hast 
du den tollen Hund gesehen? ja, ich sah ihn so eben; wdt shä- 
set ddn Hünn? kön'r äi gonge F was fehlt deinem Hunde? kann 
er nicht gehen? däi Bjdrn gällt, hei 't hdm forligt bränndF das 
Kind weint, hat es sich vielleicht gebrannt? dirr stönt en Mönn 
faar'e Döhr, frag hdm, wdt'r wdll, es steht ein Mann vor der 
Thür, frage ihn, was er will; dd Dringe siävjnne dirr dn iäiwe, 
tvdn's äi md? die Knaben stehen da und warten, wollen sie 
nicht mit? — Bisweilen stossen auf diese Weise zwei Fürworter 
zusammen und werden dann so ausgesprochen , als ob sie nur 
ein Wort ausmachten, als: he säit dät'rt (datiert) äi diijn kön, er 
sagt, dass er 's nicht thun kann ; jö sähs, däls t nög hewe wäjl, 



213 

sie sagte , dass sie 's wohl haben wollte ; dö hakst min Bjärne 
Spaltjüch löwet, häwesH ällfüngen? du hast meinen Kindern Spiel- 
zeug versprochen , haben sie 's schon bekommen ? dii Jöiigcns nüru- 
men man Släse, häwes'n all w'ihsser hrögt ? die Jungen nahmen 
meinen Schlitten, haben sie ihn schon wiedergebracht? hi der 
Frage: ^vät wähl? was willst du? wird dö (du) immer ausgelassen, 
wenn man jemand geradezu nach einem Begehren fragt, ohne 
Befremden oder Trotz ausdrücken zu wollen; ist letzteres der 
Fall, dann wird das Fürwort nicht im Zeitworte verschluckt, 
sondern mitgenommen und stark betont, wie: wät wähl dö F wdt 
wäht dö me iväjl düjn? was willst du? was willst du mir wohl 
anhaben? Ist eben die Rede von einem männlichen, weiblichen 
oder sächlichen Gegenstande, so fragt man: tvät ivüll'r,ivdt wdll's, 
ivdt ivdirtF PI, ivdt ivdn'm {ivännem}, wdt wän'sF und so mit allen 
Zeitwörtern, die damit in Verbindung gebracht werden können, 
als: dät kön'r nög , das kann er wohl, däi kön's, das kann 
sie , dät haanes , das können sie , dät kön 't , das kann es , 
dät kaancm, das könnt ihr. Soll aber Befremden dabei ausge- 
drückt werden, oder Zweifel, Erstaunen u. s. w. , so sagt man: 
wdt ivdll he, — jö, — hat, — jüm, — jd? kön he, — jö, — hdt, 
— jäm, — jd dät düjn? — Auf dieselbe Weise werden diese 
stellvertretenden Zeichen des Fürwortes in allen ähnlichen 
Fällen mit Zeit- Binde- und Umstandswörtern verbunden. So 
heisst z.B. ob er, sie, es, PI. sie, mit dem Fürworte, wirr he^ 
wirr jö, wirr hdt, wirr dät hall käme shäiijl, und im PI. wirr jd 
ball käme shäujn? bald kommen sollten; mit den Zeichen, wenn 
vorbei" die Rede von ihnen war, aber: ivirr'r (wirrer], wirr 's, 
wirr'l, Pl.ivirr's ball käme? Unpersönlich: wirr't äi gonge shäujl? 
ob 's nicht gehen sollte? tvirr 's wäjl wese maage, wo sie 
wohl sein mögen; wirr maages wäjl wese? wo mögen sie wohl 
sein? ickshdljdm frage, wirrem häne wdn, ich soll euch fragen, 
wo ihr hin wollt; ick shdl jdm frage, wirr 's häne wdn, ich soll 
sie fragen, wo sie hin wollen. Wirrem (statt wirr jdm) zeigt hier 
die zweite , und wirr 's (statt wirr jd) die dritte Person der 
Mehrheit an. 

Spreche ich zu einem: wäht md, so kaast käme, dann wird das 
Fürwort du von den Zeitwörtern wäht und kaasl (könst) ver- 



214 

schlungen. Sage ich: wälit dömü, so kaast käme, dann darf das 
Fürwort im Nachsatze nicht wiederholt werden; wenn ich aber 
das dö gleichsam hindeutend gebrauche und sage: wä/it dö md, 
so kaast dö öck käme, dann muss es im Nachsalze wiederholt 
werden. Sogar mit Fürwörtern werden diese stellvertretenden 
Zeichen verbunden, wie in folgenden Sätzen: da ^ie ivjdrn älte- 
mäle raset, an dirrfaar häiv ick's ültsmän , die Eier waren alle 
faul, und deswegen habe ich sie ausgeworfen; he liet sän beste 
Hdjnst forkäfi, er hat sein bestes Pferd verkauft; hetern forkäftP 
hat er 's verkauft? In dem Worte hetern, in welchem zugleich 
der Accusativ des männlichen Geschlechts bezeichnet ist, liegen 
die Wörter: hat er ihn, oder die friesischen: het he häm, einge- 
schlossen. Ick häw häm en Dualer bahn, aurs he wäjl'cn äi hewe, 
ich habe ihm einen Thaler geboten, aber er wollte ihn nicht 
haben; iväjlerti äi hewe? wollte er ihn nicht haben? wirr äs kdrr 
DögterP jü het's üll tö tienen sänd; hetscs üttsänd? hetses, hat sie 
sie, oder dieselbe? he/er'n , hat er ihn? heler's, hat er sie? im 
Sing, und Plur. , heter't, hat er es? kels'en, hat sie ihn ? hets'es, 
hat sie sie? Sing, und Plur., hets't, hat sie es? hetet'en, hat es ihn? 
hetet här, hat es sie? im Sing., hetetet, hat es es** hetet's, hat es 
sie? und so mit allen Zeitwörtern, die nur in solche Verbindun- 
gen treten können. 

§. 130. Die beiden sächlichen Fürwörter dät und hat heissen 
beide es; jenes steht aber nur unpersönlich und stellvertretend , 
für leblose Gegenstände oder Sachen, dieses hingegen bloss für 
lebende Wesen vom sächlichen Sprachgeschlechte, als: dät fröst, 
es friert, dät töit, es thaut, ist Thauwetter, dät ddwet, es thaut, 
es fällt Thau, dät rippet, es reift, dätlunnert, läidet, rinnt, snäiht, 
hagelt, tväit, staurmt, es donnert, blitzt, regnet, schneit, ha- 
gelt, weht, stürmt; dät händ häm, es begab sich; dät gomjt, 
es geht, u. s. w. Dät Bill äs klär, aurs dät lickent nint, das Bild 
ist fertig, aber es ist nicht ähnlich; dät Bijn äs tünnen, aurs 
dät det me äi sier, das Bein ist geschwollen, aber es thut mir 
nicht weh, u. s. w. Wäl shäset dät Shäip? hat läppt ja alt trinn- 
üm, was fehlt dem Schafe? es lauft ja ^immer rund um; dät 
Bjärn het sän Äirem brägen, hat mäujt tö de Lähsesettcr , das Kind 
hat seinen iVrni gebrochen , es muss nach dem Gliedsetzer (Ein- 



21g 

renker); ivirrauiver gällt däl Bjärnl hat het häm äw m Spicker 
räiven, worüber weint das Kind ? es hat sich an einem Nagel 
gerissen. 

Die Sätze: es war einst ein Mann, es wird erzählt, es brach 
Feuer aus, es giebt Menschen, u, s. w., werden aber nicht durch 
dät, sondern durch dirr (da) ausgedrückt, als: dirr was ijnsm 
en Mann, dirr wärt forlelld, dirr bräik Ij'll ült, dirr sän ßldnshe- 
ne, dirr nijn Böhser älise , die keine Butter essen. Dieses dirr 
entspricht dem dänischen der, z.B. der fortälles, dirr wärt for- 
telld; der siges, dirr ivört säid ; der var ingen hjemme, dirr was 
niemmen inne; der döer mangen ung Mand , dirr sterrewt mdnniu' 
gen jungen Münshe. 

Aber in den friesischen Ausdrücken: dirr sjönge's, dirr snäke's, 
dirr dänse's, dirr slu/igge's, dirr späle's u. s. w. ist das s am Ende 
des Zeitwortes das Zeichen der Mehrheit in der dritten Person 
für: ja, sie, und dirr sjönge's heisst: da singen sie. Diese darf 
man nicht mit den dänischen Ausdrücken : der synges , der 
snakkes, der dandses, u. s.w. verwechseln, so ähnlich sie einan- 
der auch in den Formen zu sein scheinen. Die dänischen lassen 
sich nur durch ivcrden , die friesischen nur durch ja, sie, in 
Verbindung mit dem Zeitworte auflösen. Der dandses, es wird 
da getanzt, oder da wird getanzt, dirr dänse's, da tanzen sie 
(nämlich die Leute). Ein paar Beispiele mögen diessklar machen, 
als: wät mägel dät Fiiujlk dirr? dirr riese's en Hüss, was machen 
die Leute da? da richten sie ein Haus; dirr släwe's en Stijn, 
da schleppen sie einen Stein; dirr luppe's to wedds, da laufen sie 
in die Wette. 

§. 151. Wenn die Fürwörter zurückkehrend gebraucht werden, 
so stehen die gewöhnlichen Fälle unverändert , das Fürwort mag sich 
nun auf Personen oder Sachen beziehen und in der Einheit oder 
Mehrheit vorkommen, als: ick me, da de, he häm, jö här , hat 
hdm, däl häm, pl. we üss, jäm jdm, jd jdm, im Dualis: ivdt unk, 
jdtjunk, d. i. ich mich, mir, du dich, dir, er sich, sie sich, es 
sich, wir uns, ihr euch, sie sich. Dual, wir (zwei) uns, ihr (zwei) 
euch (Vergl. §. 426). Beispiele: De Dring het sin Bijn stäl, däl det 
hdm sier, an nö ivdll'r hdm äi tofrehse jewe, der Knabe hat sein 
Bein gestossen, es thut ihm weh, und nun will er sich nicht 



216 

zufrieden geben; de Buhmm Itet liäm Med, der Baum hat sich 
gebogen; dät Hüss het lidm gäujd hüllen, das Haus hat sich gut 
gehalten ; jö het hdr forsäjn , sie hat sich versehen ; da Jöngens 
häive jcim bähset, die Jungen haben sich gebadet; dät iväll hdm 
nög finne, es wird sich schon finden; dät jeft hdm nög , das giebt 
sich wohl. — Stehen sie nicht zurückkehrend, so kommen die 
Fälle nach Geschlechtern und Zahlen vor, als: hähst dö de 
drunhne ßlönn säjn? hast du den trunknen Mann gesehen? ja, 
ick säch hdm nög, aurs ick wäjl nint md hdm iö duhggcn heive, ja, 
ich sah ihn wohl , aber ich wollte nichts mit ihm zu schaffen 
haben; hähst ddn näicWäien all füngenr Ja, ick häw'en tö de Smdss 
sänd , am' 671 beslüjn tö läjtten, an ivdner'en besläien het, shdUer'n tö 
de Maler bringe, hast du deinen neuen Wagen schon bekommen? 
Ja, ich habe ihn zum Schmied geschickt, um ihn beschlagen zu 
lassen, und wenn er ihn beschlagen hat, soll er ihn zum Maler 
bringen. Sächlich: ick häw dät Kulew gäujd fausert, hdt äs nü fätt, 
an dirrfaar wdll ick't ock mjärne slägtige, ich habe das Kalb gut 
gefüttert, es ist nun fett, und deswegen will ich 's auch mor- 
gen schlachten; dät Hüss ds iljll an for feilen, an dirrfaar ivdller'i 
dählbregc, das Haus ist alt und verfallen, und deshalb will er 's 
abbrechen. Pluralis: wirr sdn din Dötvive? Mdn Näiber sähs, de 
Allring häVs nümmcn, oder: dät de Ällring's nümnien Mi, mein 
Nachbar sagte, der Iltis hätte sie genommen, oder: dass der 
Htis sie genommen hätte. 

§. 132. Der Dualis wird im Nordfriesischen nur von Personen, 
seltener von Thieren und nie von Sachen gebraucht, es sei denn, 
dass man sich dieselben persönlich denkt und sie redend einführt, 
wie im Mährchen und in der Fabel. Sind zwei Menschen bei 
einander, so nennen sie sich nicht we , wir, sondern wdt, d. i. 
wir zwei oder wir beide; und redet man zwei zugleich an, so 
nennt man diese nicht j«m , ihr, sondern j«/, d. i. ihr zwei oder 
beide, wobei weder in dem einen, noch in dem andern Falle das 
Geschlecht berücksichtigt wird, als: wdt sdn hirr man älliene, 
wir beide; ^lirr häive jdt wähn? wo seid ihr gewesen? jdt kaane 
älliene gonge, wdt wän äi md, ihr beide könnt allein gehen, wir 
beide wollen nicht mit. Treibe ich zwei Lämmer, Schafe, Rinder 
u. s. w. vor mir her, so kann ich sagen: wän jdt gonge! ick wdll 



217 

junk nög stjörrc. So z. B. E71 läjuen Dring säks to sin twäier Perc' 
buhmmc: jät hinge sä füll auf Pere, ick wäll junk ijnscn shüdde , 
dät jät's fälle läjttc, ein kleiner Knabe sagte zu seinen zwei Birn- 
bäumen: ihr hanget so voll Birnen, ich will euch einmal schüt- 
teln, dass ihr sie fallen lasset. 

Der zweite, dritte und vierte Fall heissen immer unk wn&junk, 
als: dö dä/tsi unk Unrogt, du thust uns Unrecht; het de Bädd- 
mann junk bestellen F hat der Bettler euch bestohlen? wdt kaane 
unk äi ijn junk stäujmie; jdt kaane junk äi md unk mäjtte; huhm 
li et junk wdt däjnF wer hat euch was gethan'!* wdt wdn unk nög 
forswäre (verantworten) , an junk nint eflerjewe (nachgeben). 

§.433. Zu bemerken ist hier noch das persönliche Fürwort se/tet;, 
selbst oder selber , welches den bezeichneten Gegenstand in 
seiner ganzen Eigenlhümlichkeit darstellt, und die Verwechslung 
desselben mit andern unmöglich macht, als: icksellew, dö sellew, 
he, jö, dät, hat, we,jdm,jd, wdl,jdl sellew. Es ist unabänderlich 
und hat den Redeton, als: ick häw't selleiv hierd (gehört); wdt 
^vjärn sellew töslese (zugegen) ; he het me dät Bauck sellew for- 
ihrcl (geschenkt); jö het hdr selleiv ambrögt, sie hat sich selbst 
umgebracht oder entleibt; he spregt alt auf hdm sellew, er lobt 
sich immer selbst; dirr hähst de sellew äujn'e Ljägte stijnncn (im 
Lichte gestanden); dö bäst'r sellew Shäjl äujn (Schuld daran). Mit 
dem Geschlechtsworte zusammengesetzt, entspricht es den deut- 
schen Fürwörtern: derselbe, dieselbe, dasselbe, dieselben, als: 
männlich desell'we, weiblich jösellew , sächlich dätseüew, pl. dd- 
seU'ive. — Dät äs deselVive Mann, jösellew Wöff, dätseüew Bjdrn, 
dirr ick enjörsnc säch (gestern sah), dat sdn däselVwe Manshene. 

Wo das Wort selbst im Deutschen umstandswörtlicli steht, 
braucht man im Nordfriesischen sögaar, sogar. 

Anmerkung. 

§. 434. Die Nordfriesische Sprache hat das mit der dänischen ge- 
mein, dass sie auf die Frage: huhm ds dirr? wer ist da? weit öfter 
den vierten, als den ersten Fall der Person setzt, und spricht: 
dat ds me, das ist mich, statt: das bin ich; was aber nicht angeht, 
wenn das Fürwort in der Antwort voran steht, wo man antwor- 
ten muss: ick bän't, ich bin 's; he äs't, er ist's, u. s.w.. Die 

28 



218 

gewöhnliche Antwort durch alle Personen beider Zahlen ist daher 
folgende: cläl ds nie, de, Itdm, lidr, üss, jdm, unk, junk. Doeh 
kann man auch sagen: dät bdn ick, dät ds he, jö, dät sdn we, 
jdm, jd, ivdt, jdt. Auf die Frage: hast dö dirr? ds he, jö, dirr? 
antwortet man: ja, ick bdn hirr , lie ds dirr, u. s. w. Aber die 
Ausdrücke: dät was hdm selleiv , lidr seile tu , üss, jdm sellew, sind 
weit gebräuchlicher, und scheinen gewissermassen der Sprache 
cigenthümlicher zu sein als: Jie wäs'l sellew , er war es selbst; 
ick wusst di däl't de was (dass es dich war), aber auch: dät dö't 
wjdrst, dass du es warst, 

§. 155. Die deutschen Personwörter: jemand, einer, man, 
niemand, keiner, werden durch //?///m, jemand, einer, man, und 
iiiemmen, niemand, keiner, vertreten, als: liälist liultni säjnP hast 
du jemand gesehen? fiulim mäujtet doch däjn liewe , jemand (irgend 
einer) muss es doch gethan haben; dirr ds niemmen inne, da ist 
niemand zu Hause; dät kön jd niemmen lese, das kann ja niemand 
lesen; Inihm säit so, man sagt so; huhm kön 't di wdlise, man kann's 
nicht wissen; kön nie dät huhm sedde^ kann mir das jemand sa- 
gen? huhm köfis't nög 'länke , man konnte es wohl denken. Huhm 
hat im männlichen Geschlechte des Genilivs huhmsen, im weibli- 
chen, sächlichen und der Mehrheit hiihms, als: dät ds huftmsen 
diene Fordijl, wdn'm flijliig ds , es is eines (unser) eigner Vortheil, 
wenn man llcissig ist; de Jühse sähs: liuJnn mäiijl Jnilimscn diene 
Fordijl äiijn ^fjt ndnie, der Jude sagte: man muss seinen eigenen 
Vortheil in Acht nehmen; huhins dien Gagen, jemands eigener 
Nutzen; wdn'm {huhm) di sünig äs, so äs huhms Gijl ball forljdrd, 
wenn man nicht sparsam ist, so ist eines Geld bald verzehrt; 
huhms Läwent wäret man kaurl, eines Leben dauert nur kurz; 
huhms Däsigliäid mäujt 'm (1. mävjUem) öfting jöhr beläle , seine 
Thorheit muss man oft theuer bezahlen ; huhms Bjdrne Iddde 
huhm jd doch div't Hdrt, unsere Kinder liegen uns ja doch am 
Herzen; wörtlich: eines Kinder liegen einem ja doch u. s. w. ; 
huhms Tagte kön jd niemmen räjdde, eines Gedanken kann ja nie- 
mand errathen; huhm wdll hiihms dien jd doch nög tokuppe hüjlle, 
man will ja doch gerne das Seinige zusammenhalten. 

Niemmen hat im zweiten Falle niemmens, niemands, als: Ae 
wdll niemmens Tiener wese, er will niemands Diener sein; he ds 



219 

niemmcns Frünn, er ist nicinands Freund; dö sliälit niemmens 
gauhscn Nöme krdjnke, du sollst niemands guten Namen kränken 
(lästern). 

Das zueignende oder besitzanzeigende Fürwort 
(Pronomen possessiv um). 

§. 156. Die zueignenden Fürwörter licissen im männlichen 
Gesclilechte: tnän, dein, sdn, harren, sdn, ühsen, imhen , jiinken , 
jdrringe , jdre , im weiblichen, sächlichen und in der Mehrheit: 
min, din, sin, liärr, sin, Ulis, unk, jimk, jdrringe, jdre. Sie stehen 
sowohl vor, als hinter dem Hauptworte, sind aber sämtlich keiner 
Abänderung fähig. Anwendung: MdnHänjd, ddnRock, sdnWäien, 
hdrrcn Mann , de Häiijd äs mdn , de Rock äs ddn , de Wäien äs sdn , de 
ß/önn äs harren. Dät Kulcw hei sdn Hals fordrdid; we hÖAve ühsen 
WijUe bürgen; unken Fidder ds slürwen; junken Wäien äs dmsmdn; 
jdrringe Fäujlk äs tüfäjlle; jd häwe jdre Kälte drangd; junken ndie 
Sldhse äs kiemmen, u. s. w. Ferner: U/in Wöff, din Fömmen, sin 
Süster, hdrr Dögter, ühs Hüss, jdrringe Tünn, u. s. w. Dät Bjdrn 
hSi sin Naas räwen (gerissen) ; ühs Brüjd äs dp , unser Brot ist 
auf; xmt häwe unk Gijl üUdäjn (ausgegeben); jdt kaane junk Krämtn 
behüjlle (behalten) ; jdre Fäujlk ging md jdrringe to Fäjlle , ihre 
Leute gingen mit den eurigen zu Felde; — min Hüss, mdn Hünn, 
din Bjdrn, ddn Thäte, sin Bräif, sdn Plaug, harren y/irem , hdrr 
Fäjtt, ühs Läujnn, ühsen Eker , unken Spring stock, junk Wdnräjdde, 
eure Thorheiten; jdrringe Süss, jdre Frünne. De Wäien ds mdn, jö 
Swöhiv ds din, an dät ^jk ds sin, mdn Rock ds ndi, ddn äs üjll, 
din Glees ds tenn, min ds tjöck, ühs Tjöch ds fätt, jdrringe ds man 
mager, unser Vieh ist fett, eueres ist nur mager. — Dät Min an 
din, das Mein und Dein, wie im Deutschen. 

§. 137. Im zweiten Falle nimmt das Hauptwort beim zueignen- 
den Fürworte das Zeichen dieses Falles, nämlich ein s an; diess 
gilt für alle Geschlechter und beide Zahlen, als: Mdn Brauhsers 
Sahn, min Süsters Dögter, din ß/udders Wiehdege (Weh tage), ühs 
Bjdrnes Spaltjöch, unk Sösshenes ^rivepärt, unserer (zwei) Geschwister 
Erblheil; jdrringe Döimves Junge kaane all üttßijn, eurer Tauben 
Junge können bereits ausfliegen; üksen Kinnings ß/ddder ds nwjlke 
slürwen, unseres Königs Tante ist neulich gestorben. 

28 * 



220 

§. doS. Die drei Fürwörter: ühs , jarrirnje undjdre, sieben auch 
substantivisch, wie im Dänisclien, für Haus, Familie, z.B. dän 
liranhscr äs äjtl Uhs, min Süster äs äjtt Järritige, an äjll Jdre hä- 
we's Främde. Wirr was düt? oder wirr shäid dat? avo geschah es? 
Ajll Ulis, äjtt Jdrringe, äjtt Jdre, d. i. in unserra, euerem, ihrem 
Hause, oder bei uns, euch, ihnen. 

§. 159. Es ist ferner eine Eigenheit der Nordfriesischen Sprache, 
dass man, besonders beim Bedauern, Schelten und Schimpfen, 
statt des ersten Falles der zweiten Person den zweiten, nämlich 
das zueignende Fürwort dein und deine setzt, je nachdem das 
Geschlecht es erheischt, als: ddn läjtte stäkeis Dring , dein kleiner, 
armer Junge, statt: du kleiner, armer Junge; ddn gr ölte Slüngel, 
du grosser Schlingel; din stäkeis Fömmen! du armes Mädchen; 
diu Idjlt dasig Krät, du kleines, albernes Ding; ddn erme Stäket, 
du armer Wicht. Diess ist ebenso im Dänischen der Fall, als: 
din stakkels Dreng, din elendige Karl, u. s. w. 

§. 140. Es ist schon früher bemerkt worden, dass man nicht 
selten dem zueignenden Fürworte das Geschlechtswort vorsetzt, 
was noch häufiger geschieht, wenn das Hauptwort zugleich ein 
Bestimmungswort vor sich hat, als: de man Sahn, jö min Dögter, 
de hdrren Jönge, jö hdrr Fömmen, de man üjllc Hdjnsi, jö din 
jung Söhg , dät ühs näi Ahk , Scheunenthor (Vergl. die erste 
Anmerkung zu §. 120). 

Das hindeutende Fürwort (Pronomen demonslralivum). 

§. iii. Dies lautet im männlichen Geschlechte: de hirre, de 
dirre, dejdmier, d. i. dieser hier, dieser da, und jener; weiblich: 
jö hirr, jö dirr, jö jdnncr ; sächlich: dät kirr, dät dirr, dät jdn- 
ner; pluralis: dd hirr, dd dirr, da jdnner für alle Geschlechter. 
Anwendung : de hirre Biihmm ds man , de dirre ddn , an de jdnnei^ 
sd7i, dieser Baum ist mein, der da dein, und jener sein; de Ii irre 
Mönn kaast liewe, de dirre äi so gäujd, an de jdnner ds gaar äi to 
trauen, diesem Manne kannst du glauben, diesem da nicht so 
gut, und jenem ist gar nicht zu trauen; jö hirr Rauhs ds snmck, 
jö dirre ds smuckcre , aurs jö jdnner ds doch jö smnckst , diese Rose 
hier, diese da, aber jene u. s. w; dät hirr Hüss äs üjll, dät dirre 
äs allere an dät jdnner äs älst. Wät faw ird Fögh hähsl dirr gun- 



221 

gen.'' de Iiirre ds en Kiihuh, de dirre en yigerliäim, an de jdnner en 
Körnkwänher , dieser hier ist ein Kuckuk, der da ein Rebhuhn, 
und jener eine Wachtel. Plural: da hirr Gäis sdn fätt, dd dirre 
sdn {'altere, aurs dd jdnncr sdn doch fällst; dd hirr Häujdde sdn 
filiere as dd dirre an dd jämier, diese Hüte sind feiner, als diese 
da und als jene. — Wenn diese nicht als hindeutende Fürwörter 
stehen, so bedeuten sie auch: der hiesige, der dasige und dortige, 
als: de hirre Presler, der hiesige Prediger; de dirre Melier, der 
dasige Müller; jö jänner Sjürk, die dortige Kirche. Statt de jdn- 
ner, jö jänner, dät jdnner, sagt man auch: de jdnte , jö jdnte, dät 
jdnte, dd jdnte, welches sowohl die dortigen, als die jenseitigen, 
bezeichnet. 

§.'142. Obgleich die hindeutenden Fürwörter: de hirre, de dirre, 
de jdnner, u. s. w. , als solche, durchaus unabänderlich sind, so be- 
kommen sie doch das Zeichen des zweiten Falles, wenn sie zu- 
gleich das Hauptwort selbst mit vertreten , z. B. huhmseti Bibel ds 
dät? dät ds de hirrs, de dirrs, de jdnners, dd jdnners, wessen Bi- 
bel ist das? dessen hier, dessen da, jenes dort, jener dort; huhms 
Köwel ds dät? dät ds jö hirrs, jö dirrs, jöjd7i?iers, wessen Weiber- 
rock ist diess ? deren hier , deren da, jener da ; huhms Bauche sdn dät? 
dät San da hirrs, dd dirrs, dd jdnners Baueke, es sind die Bücher 
dieser hier, da, jener; wdt faaren Bjdrns Bälle ds dät? dät hirrs, 
dät dirrs, dät jdnners; eben so im Pluralis: dd hirr es, dd dirres, 
da jdnners. 

§. 143. Da die Nordfriesischc Sprache sich nicht zur Schriftsprache 
erhoben hat, so kommen die hindeutenden Fürwörter in den 
Nachsätzen nicht so vor, wie im Deutschen, wenn man nicht die 
bezeichneten Gegenstände wirklich vor Augen hat. Wenn daher 
drei Dinge mit einander vergleichend zusammengestellt werden, 
so muss man sich der Wörter: de jdrste, de lähsere an de teste, 
(der erste, der zweite oder letztere und der letzte) bedienen, 
als: Dät Reef, de Hünn an de Uleio {Olw) käwe faale md enauser 
tofdlle, aurs dät jdrst äs snäsig (schlau), de lähsere trau, an de 
leste fjlühsh (reissend). Aber hier, avo wir die Wörter im Satze 
vor Augen haben, kann man die hindeutenden Fürwörter alle 
drei gut und bequem anwenden, als: de Hünn, de Olw an't Reef 
häwc faale md enauser (o falle, aurs dät kirr ds listig, de dirre 



222 

glübsh an de jänner trau , der Hund , der Wolf und der Fuchs 
haben vieles mit einander gemein, aber dieser hier ist listig, 
dieser da grimmig, und jener treu, 

i)as vorwärtsdeutende Fürwort (Pronomen delerniinalivuni). 

§. 444. Dieses Fürwort ist, der Form nach, ganz dem Ge- 
schlechtsworte gleich, nur mit dem Unterschiede, dass es immer 
den Redeton mit besonderm Nachdruck hat , als : De Mdnshe äs 
locklick, dirr en rien Gewäten hei, der (derjenige) Mensch ist 
glücklich, welcher ein reines Gewissen hat; jö Tidd, dirr ijnsen 
spüllen äs, kämt äi wilisser, die Zeit, welche einmal verloren ist, 
kommt nicht wieder; dät Swinn, dirr ive enjö/stie slägtigten, käi 
faale Tonte, ivästontig, das Schwein, welches wir gestern schlach- 
teten, hatte viele Finnen, war finnig; dd Mdnskene, dirr nan GSd 
liewe, sdn aane Trust äiijn't Unlock, die Menschen, welche keinen 
Gott glauben, sind ohne Trost im Unglück; oder: dd, dirr äi 
äujn Göd liewe, sdn äujn't Unlock aane Trust, diejenigen, welche 
nicht an Gott glauben, sind im Unglück ohne Trost; de, dirr äi 
hieve wäll, mäujt fäile , derjenige, welcher u. s.w. (Hier kann 
auch hikm (wer) stehen, als: kukm äi kiere tväll, mäujt fäile, 
wer nicht hören will, muss fühlen); de, dirr gäiijd smjärt, kjärt 
gäujd, wer gut schmiert, fährt gut; dd twäier Hümie, dirr märling 
shäkn würden, wjärn biese mal, die zwei Hunde, welche diesen 
Morgen erschossen wurden, waren beide toll; jö Wöff, dirr faar 
Aagedege haadigt würden äs, käi karren Mann forjäwen, die Frau, 
welche vor acht Tagen enthauptet worden ist, hatte ihren Mann 
vergeben. 

Das zurüchdeutende Fürwort (Pronomen relativum). 

§. 145. Die zurückdeutenden Fürwörter sind; dirr, hufim und 
wät. Dirr entspricht den relativen Pronomen der, die, das, pl. 
die, und welcher, e, es, pl. e, z. B. Nero was en Mann, dirr du- 
send Ünsküllige pienige let , am häm äujn järe Ktvaal to liögcn, 
Nero war ein Mann, der tausend Unschuldige martern Hess, um 
sich an ihren Qualen zu ergötzen ; dät äs jö Wöff, dirr harren 
Mönn, harr wägsen Dögter an hdrr läjtt spie Bjärn forjätven het, 
das ist die Frau, die ihren Mann, ihre erwachsene Tochter und 



225 

ihr kleines zartes Kind vergeben liat; jö Släir , dirr üntmii" so 
klär shind, wäs'e [jö] Venus, der Stern, welcher gestern Abend 
so hell schien, war die Venus; dät Hüss, dirr he dät färre Ihr 
böggd, äs märling aufbrännd, das Haus, welches er im vorigen 
Jahre baute, ist diesen Morgen abgebrannt; dät Björn, dirr faar 
en läiet dähl äujn'e Süss feil, häive's noch Idbben wihsser dptägen, 
das Kind, welches vor einer kleinen Weile in den Brunnen fiel, 
haben sie noch lebendig wieder heraufgezogen; da wille inerte, 
dirr mädde ühs tömme gingen, sän nägtling wäg (lägen, die wilden 
Enten, die unter unsern zahmen gingen, sind diese Nacht weg- 
geflogen. — Huhm (vergl. §. loa), heisst wer, hat im zweiten 
Falle huhmsen und hiihms, wessen und dessen, deren: huhmsen 
beim männlichen , und huhms beim weiblichen und sächlichen Ge- 
schlechle, so wie auch in der Mehrheit, De Mann, huhmsen Airem 
aufshähn äs, kaum hirr näilke faarbäi, der Mann, dessen Arm 
abgeschossen ist, kam hier neulich vorbei; jö Wähs, huhms 
Dögter stüriven äs, wäll hdr nö wihsser befräie, die Wittwe, deren 
Tochter gestorben ist, will sich nun wieder verheirathen; dät 
Björn, huhms ^llerne siürwen sän, käw ich to me nümmen, das 
Kind, dessen Eltern gestorben sind, habe ich zu mir genommen; 
da Fögle, huhms Fäjlt ahmen sän, kaane äi swnmme, die Vögel, 
deren Füsse offen sind, können nicht schwimmen. Auch in all- 
gemeinen Sätzen, wo ein Hauptwort die ganze Gattung vertritt, 
steht huhmsen und huhms im Nachsatze, als: De Wällfüsh, huhm- 
sen Töle so grolt , an huhms Swällig so när äs, kön man Häiringe 
släjnke, der Wallfisch, dessen Maul so gross und dessen Schlund 
(Schvvalch) so eng ist, kann nur Häringe verschlucken; jö Gaus, 
mä huhms Dummhäid so öfiing spötet tvort, äs üss äi so {aale män- 
nere to grott Gagen mä. harr Fähsere an harr Flash, die Gans, 
mit deren Dummheit so oft gespottet wird , ist uns nichtsdesto- 
weniger von grossem Nutzen mit (durch) ihren Federn und 
ihrem Fleische; dd Ricke, huhms gause Dege huhm j dm ößing mds- 
gönnt, sän sälten so löcklick, äs we miene, die Reichen, deren 
gute Tage man ihnen oft missgönnt, sind selten so glücklich, als 
wir wähnen. — Wät, was, steht nur im sächhchen Geschlechte, 
aber nie nach einem eigentlichen Hauptworte, als: dät äs alles, 
ivdt ick häiv, das ist alles, was ich habe; dukg, wdt'r säit, thue , 



224 

was er sagt; dät us däl Best, ivät du düjn haast, das ist das Beste, 
was du lliiin kannst; all dät Gävjd an u4iri() , wU tve däjn Jiäive , 
kämt äw iihs iiien Rainung, alles Gute und Böse, was wir getlian 
haben, kommt auf unsere eigene Rcclinung; Iiidmi tört lU ältidd 
düjn, ivdt'em wäll, man darf nicht immer thun , was man will; 
alles, wät's Iiet, äs Göds Gaawe, alles, was sie hat, ist Gottes Gabe; 
alles, wät Ohme het, low ülisen liiere! alles, was Odem hat, lobe 
unsern Herrn ! 

Amnerkiingen. 

i. Hnhmsen richtet sich nicht nach dem Geschlechte und der 
Zahl des Grundwortes , wie im Deutschen dessen und deren, 
sondern allein nach dem Worte, vor welchem es steht, als: dät 
Kameel , Im/imsen Hals so läng äs, das Karaeel, dessen Hals so 
lang ist; Jö Law, huhmsen Stjart en Töle long Haler äujn't Ijnne 
het, der Löwe, dessen Schwanz einen Büschel Haar am Ende hat; 
im weibl, und sächl. Geschlechte und im pl. immer nur huhms. 

2. Dirr heisst auch da, was aber nicht leicht mit dem zu- 
rückdeutenden dirr verwechselt werden kann, wie im dem Satze: 
dirr äs de Mönn, dirr me släien het, da ist der Mann, der mich 
geschlagen hat; dirr äs dät Giß, dirr ick de löivel häw , da ist 
das Geld , welches ich dir versprochen habe. Ebenso heisst wdt 
nicht allein was, ettvas , sondern auch wir zwei, als persönliches 
Fürwort der ersten Person im Dualis, als: wät häwe wät Spältjöck 
mäbrögt to da Läjtte , wir (zwei) haben etwas Spielzeug mitgebracht 
für die Kleinen. Beide diese wät stossen beim weiblichen Ge- 
schlechte und in der Mehrheit oft mit dem Buchstaben s zusam- 
men, als: läj'lt's düjn, wät's wäll, lass sie thun, was sie will; 
lüjlfs mäge, wät's wän, lass sie machen, was sie wollen; ja frä- 
geten nnh, wirr wät's fiewe wjän, sie fragten uns beide, ob wir 
sie haben wollten; dirr sän haaw Röte äujn'c Kämmer, wirr wät's 
wäjl fange kaane? es sind einige Ratzen in der Kammer, ob wir 
(zwei) sie wohl fangen können? Der Satz: lüjtt's düjn, wät's tväll, 
heisst ohne Zusammenziehung, vollständig ausgeschrieben: läjtt 
hdr düjn, tvät jö wäll, und läjtt' s düjn, wät's tvän: läjtt jäm düjn, 
wät jd Wän. Dieser Fall tritt auch wirklich dann ein, wenn man 
zwei Parteien gegen einander stellt, als: ich dufig, wät ich wäll, 



225 

läßt fiär nö düjn, wät jö tväll; we duhgge, ivdt we wän, läjtt Jäm 
nö düjn, wät ja wän, wobei dann die Fürwörter allemal stark be- 
tont werden. 



§. 146. Noch ist hier das Fürwort: solcher, e, es, pl. e, zu 
bemerken. Es hcisst in allen Geschlechtern der Einheit vor Gat- 
tungsnamen, so wie vor männlichen Stoff- und Mengenamen: socken, 
vor weiblichen und sächlichen Stoff- und Mengenamen und in der 
Mehrheit söck, als: söckcn grotten Bulmim Iiäw ick noch oller säjn, 
einen solchen grossen Baum habe ich noch nie gesehen; socken 
üjll Meilen kaast ja äi mör brücke, eine solche alte Mühle kannst 
du ja nicht mehr gebrauchen; socken Hüss mähs ick nög hewe, ein 
solches Haus möchte ich wohl haben; s(>ch Tähle mäi'r liäll hiere, 
solche Mährchen mag er gern hören ; socken Winn häi he noch ol- 
ler smägei; socken ßär, socken Wijtte, socken Rögge, solche Gerste, 
solcher Weizen, solcher Roggen; socken ivitten Snie, solcher weis- 
ser Schnee. Dagegen: söck Tjöch, solches Vieh; söck Fäujlk, solche 
Leute, solches Volk; söck Gjärs, söck Födder, söck Sträi, solches Gras, 
Heu, Stroh, u. s.w. PI. söck hijn Klulise, solche schlechte Kleider; 
söck grott Plöme, solche grosse Pflaumen; söck läjtt däsig Krätc, 
solche kleine alberne Dinger; söck läjtt mjögsig Diele, solche schmut- 
zige Dingerchen. — Statt socken gebraucht man auch sann für alle 
Geschlechter der Einheit, aber dann in der Mehrheit wieder söck, 
als: süfinMönn, sünn Wo ff, sünnBjärn, pl. söck Mann, söck Waffe, 
söck Bjarne. Ein solcher, eine solche, ein solches, pl. solche, 
heisst söckenän, söckenijn, pl. söck, oder sünnän, sünnijn, pl. söck. 
Söck Speck, söck Flash, söck JSrüjd, söck Järd, söck Gröt, söck 
Häier, söck Häwer, söck Böhser, söck Liem, socken Kläi, solcher 
Speck, solches Fleisch, solches Brot, solche Erde, solche Grütze, 
solches Haar , solcher Hafer , solche Butler , solcher Lehm , 
solcher Rlei. 

Das Fragende Fürwort (Pronomen inlerrogaliviun). 

§. 147. Die fragenden Fürwörter sind: hukm, wer? huhmscn, 
huhms, wessen? und tvät, was? Beispiele: Huhm äs dirrF wer 
ist da? hiihm hei dät säidF wer hat das gesagt? hvhm hähst sprä- 
gen? wen hast du gesprochen? huhm häi dät lögt? wer hätte das 



226 

gedacht? hnlims IIüss ds üüt? Imlimscn Hilnn het de hän? wessen 
Jlund hat dich gebissen? huhms Bjarne sdn dät? wessen Kinder 
sind das? ick fünn hirr en Pung ma Gijl, hulimsen äs'tF ich 
fand hier einen Beutel mit Geld, wessen ist's? Wät wird so 
gebraucht: wät mägestF was machst du? wdt wähl? was willst du? 
wdt sähs'rF was sagte er? ivdt ds dätF was ist das? wdt faar'en 
Fdsh ds dät? was für ein Fisch ist das? ivdt faar'en Tot mägest 
dö dirr? was für einen Lärm machst du da? 

Die deutschen Ausdrücke mit welcher, bei Ausrufungen und 
beim Verwundern , als : welcher Glanz ! welch ein Held ! und der- 
gleichen werden durch hacken und hock ausgedrückt, als: hocken 
Tot! welch ein Lärm! hocken äujimeten Dring! welch ein ungezo- 
gener Knabe! hock gauhs Dege hähst dö, welche gute Tage hast 
du! hock göhl Böhser! welche gelbe Butter! hocken Hält hast dö! 
welch ein Held bist du! Wenn aber hock, hocken nicht in Aus- 
rufungen vorkommt, so wird es fragend gebraucht, wenn man 
die Beschaffenheit eines Dinges Avissen will, z. B. hocken Hdjnst 
hähst dö käft? en trklihrigen Brünnen, md fjauwer witt Fäjtt , en 
St dir faar't Haad, an en willen Sndpp äw'e Naahs, was für ein 
Pferd hast du gekauft? einen dreijährigen Braunen , mit vier 
weissen Füssen, einem Stern an der Stirn und einem weissen 
Strich auf der Nase; hock Böhser hähst to forkupenP näi Stäup- 
pelböhser, neue Stoppelbutler. So wie hocken, hock nach der Be- 
schaffenheit eines Dinges fragt, so giebt socken und söck die 
Antwort darauf, als: hocken Pupp wähl hewe? söckenijn, dsjö dirr, 
•was für eine, oder welch eine Pfeife willst du haben? eine solche, 
wie diese da. Man fragt auch mit höckenän, höckenijn, pl. hock, 
hünnän, hünnijn, pl. hock, und die Antwort darauf ist söckenän, 
söckemjn, söck, siinnän, sünnijn, söck, als: höckenän mähst liefst 
Uhsse? was für einen magst du am liebsten leiden? söckenän, ds 
de hirre, solch einen, wie diesen hier; hock äst md de? ist wört- 
lich: wie ist's mit dir, d, i. wie befindest du dich? 

Das deutsche tvie heisst höir, als: hörr wällt? wie wills? hörr 
qongt't de, wie gehts dir? hörr hähst 'el? wie hast du 's? 



227 



Anmerkung über die Zusaminenziehungen in der 
Nord friesischen Sprache. 

§. 448. Sic hat deren eine ungeheuere Menge, die man auf den 
ersten Anblick leicht für Zusammensetzungen halten könnte, was 
sie jedoch kcinesweges sind. Ohne dieselben wäre die Sprache im 
Umgänge weniger fliessend, und würde, an Kürze dabei verlie- 
rend, sehr abgebrochen und holperig sein, weshalb sie nothwen- 
dig sind. Dahin gehören nun besonders die Geschlechtswörter 
und Fürwörter in Verbindung mit Umstands- und Zeitwörtern. 
Ich will hier einige dahin gehörige Beispiele auf eine dreifache 
Art niederschreiben, erstens so, wie die Sätze gesprochen würden 
und werden müssten , wenn man jedes Wort vollständig mitnähme ; 
zweitens so zusammengezogen, wie sie im täglichen Leben lauten, 
und drittens mit der Andeutung der Zusammenziehungen, als: 
i.wdnn he äi mä wäll, so kön he dät läjtle, ^.wänner äl md ivdll, 
sä könnert läjlte, 5. wänu'r äi md wdll, sökön'r't läjUe; i. kön 
jö käme, so mäujt jö dät, 2. kons käme, so mätijts, 5. kön's käme, 
so mäujt' s; 1. wd7in huhm äi waaget, so wdnt huhm nint, 2. tvdn- 
ncm äi waaget, so wdntem nint, 3. tvdnn'm äi ivaaget, so wänt'm 
nint. Die Sätze heissen: l. wenn er nicht mit will, so kann er's 
lassen, 2. kann sie kommen, so rauss sie 's, o. wenn man nicht 
wagt, so gewinnt man nichts. — 1. Dirr he äi köhs, dirr ja äi 
köhn, 2. dirrer äi köhs, dirrs äi köhn, 3, dirr'r äi köhs, dirr's äi 
köhn, da er nicht konnte, da sie nicht konnten. 1. häwe ja dirr 
wähn? 2. häiveser wähn? 3. häwe's'r wähn? sind sie da gewesen? 
i.wirr he dät wusst, dät he dät hewe shäujlF ^. ivirrert iviisst, 
dättert hewe shäujlF 3. wirr'r't wusst, dät'r't hewe shäujl? ob er's 
wusste, dass er's haben sollte? i.tvirr huhm dät waage dort? 2. 
wirremt waage dort? 3. wirr'm't waage dort? oh 'man 's wagen darf? 
4. wirr slept he? 2. wirr slepter, 3. ivirr slept'r? wo schläft er? 
4. wirr slept jö? 2. ivirr slepts? 3. wirr slept' s? wo schläft sie? 
4. wirr slept hat? 2. wirr sleptet? 3. wirr slept 't? wo schläft es? 
4. wirr släipe ja? 2. wirrsläipes, 3. ivirr släipe's? wo schlafen sie. 
Die Buchstaben r, s, und t, sind die Abkürzungszeichen für die 
verschiedenen Geschlechter , r für 's männliche, s für's weibliche 
und die Mehrheit, und t für's sächliche Geschlecht; r steht für 

29 * 



de und he, s für jö, ja und cid, t für däl und hat, m für hulmi 
(vergl. §. 129). 

Da s das weibliche Geschlechtszeichen bei den Zusammenziehun- 
gen ist, so können die beiden Wörtchen äs, als und wie, und 
äs, ist, bei weiblichen Hauptwörtern kein ferneres Geschlechts- 
zeichen bekommen, und eben so wenig in der Mehrheit, z. B. 
äs kaum, stöhs'e Wäien all faar'e Dökr, als sie kam, stand der 
Wagen schon vor der Thüre; äs inne? ist sie zu Hause? äs kaiim- 
men, läi ick mvebed, als sie kamen, lag ich im Bette; äs gonge 
wäjl, als sie gehen wollte; äs smuck? ist sie hübsch? Im männ- 
lichen und sächlichen Geschlechte dürfen die Zeichen nicht fehlen, 
z. B. ös'r kaum, als er kam; wirr äs'rP wo ist er? In fol- 
genden Fällen steht das t hinter äs beim weiblichen Geschlechte 
anstatt dät (es), als: äs't här? ist sie es? oder auch: ist es ihr? 
(gehört's ihr?) äs't här sellew? ist sie es selbst? 

Auch bei den Verhältnisswörtern richten sich diese Zeichen 
nach dem Geschlechte der Hauptwörter, als: äiv't Hüss, auf dem 
Hause; äp äw't Hüss, auf's Haus; äio'e Tele, auf der Diele, dem 
Fussboden; äw'e Hau7'd, auf dem Kirchhofe; unner'e Shew , un- 
term Tische; vnner't Bkld, unterm Bette, unter's Bett; auwer't 
Wäkscr, über dem oder das Wasser; äujn'e Süss, in dem oder 
den Brunnen; äjt'e Hüks, in der Heimath; auf't Läss , aus dem 
Gelenke; eßer't Märked, nach dem Markte; häi'e Wäi^ am Wege; 
dör'e Waage, durch die Wogen; dör'l Wänning, durch's Fenster; 
jjn't Uck, gegen die Wand; ijn'e Wäll^ gegen den Wall; fon'e 
Jiühs, von der Heimath; fon't Li ff, um 's Leben; äm'e JSaiirdc, 
äm'e Süksse, gen Norden, gen Süden; äm't Asten , äm't Westen; 
faar'e Wäieii, vor dem Wagen, u. s. w. 



SIEBENTES CAPITEL. 

DAS ZEITWORT (Verbum). 



§. 149. Das Zeitwort ist iheils ein Stammwort, tlieils ein ab- 
geleitetes. Die Wörlerklassen, aus denen es vorzugsweise als 
derivatum gebildet wird, sind Haupt-, Bestimmungs- und Zeitwör- 
ter selbst, wodurch jedoch die übrigen Wörlerklassen, als Wur- 
zeln desselben, keinesweges gänzlich ausgeschlossen sind. Die 
einfachste und ursprüngliche Form desselben ist das Wandelwort, 
das sich, wie im Deutschen, allemal auf en oder n endigt, und 
auch die Endungen ein und erii mit dem deutschen Zeitworte 
gemein hat, als: läwen, leben; sträiven, i. streben, 2. streiten; 
shaamen, sich schämen; sägein, hintaumeln, in Ohnmacht fallen; 
prägein, stricken; ivjärpeln, worfeln; gräpeln, grapsen; läwem, 
liefern; bäwern, zittern; knabbern, klappern, u. s. w. 

Bildung des Zeitwortes. 
a. Aus Hauptwörtern. 

§. ioO. Da die deutschen Stammwörter sich hier leicht aus 
dem Zeitworle erkennen lassen, so soll dieses, mit Uebergehung 
der deutschen Substantive, bloss erklärend beigefügt werden, als: 

jö Aart, aarten, arten. de Bäirig , bäirigen, bergen, 

dät u/ller, allem, altern. dät Bedd, bedden, betten, 

de uinker, ankern, ankern. de Bjärsel, bjärseln, bürsten, 

dät u/r, ären, narben. dät Bläujd, bläjdden, bluten, 

jö u^rw, ärwen, erben. dät Bjärn, bjärnen, kindein. 

de ^we , äwen , nachäffen , efter- de Bjärn , bjärnen , börnen. 

äwen. de Bunk, bunken, aufhäufen. 

']ö Baan, baanen, bahnen. dät Bill, billern, bildern. 

de Bälle, ballen, den Ball auf- dät Bijn, bijnseln, abstiefeln. 

fangen. jö Blähs, blähsen , flammen , 
jö Bäik, bäiken, beuchen. lohen, 

de Bäjtlel, bäjttcln, meisseln. '\o Bläihs , bläi&en , Blasen werfen. 



250 



dat Bloss, blehscn , blätlcrn. 

dat Block, blocken, blocken. 

jö Blossem, hlossmen , blühen. 

de Bolle, böllnen, schwären. 

de Bössei, bösein, bosseln. 

dat Buhrk, biihrken, borken. 

de Brödd, brödden, stacheln. 

de Dämp, dänipen, dampfen. 

de Ddsh, ddsfien, auf- oder ein- 
füllen. 

de Ddwwe, ddtvwen, thauen. 

de Dick, dicken, deichen. 

de Dämm, dömmen, dämmen. 

de Dröpp, dröppen, tröpfeln. 

jö Drulig, driigen, seihen, sei- 
gen. 

de Driihm, driemen, träumen. 

de Drüpp, driippen, träufeln. 

de Ebbe, ebben, ebben, 

dat Edder, eddern, eitern. 

de Egge, eggen, anreizen. 

de Enn, ernten. Abend werden. 

de Eme, emen, brödmen. 

dät Färrew, färwen, färben. 

dät Fäll, fällen, fiUen. 

dät Fäll, fällen, nachlaufen. 

de Fäsh, fäshen, fischen. 

jö Fäig, fäigen, fügen. 

jö Fäifis, fäjdden, unterhalten. 

de Fähser, fähsern, mausern. 

dät Fäujlk , befäujlken, bevölkern. 

jö Feel, feien, feilen. 

']ö Fistel, fisteln , ützen , abfitzen. 

dät Fauser, fmsern, i. futtern, 
2. füttern. 

dat Feck, fecken, fachen. 

de Fläbbe, ßäbben, s, §, \M. 



]öFläg, /lägen, rcgcnschaucrn. 

de Flagge, flüggen, flaggen. 

]ö Flaait , ßaailen, flöten. 

jö Fläujdd, Fläujdden , fluthen. 

deFüJlle, füjllen, falten. 

füjlligen, die Hände falten. 

jö Fragt, fragten, frachten. 

duForgäft, forgäften, vergiften. 

jö Fragt, frugten, fruchten. 

jö Furrig, furrigeu, furchen. 

de Fläck, fläcken, flecken, flicken. 

jö Faurk, fälrken, aufgabeln. 

deFäujtt, fäjtteln, anfüsseln. 

deFäjnger, fäjngem, fingern. 

de Frünn, befrünnen, befreun- 
den (sich). 

deFaurme, faurmen, foi'men. 

jö Fäihsem, fäihsmen, fadmen. 

de Gaaive, begaawen, begaben. 

de Gäihs, gäihsen, düngen. 

dät Gäujl, forgellen, vergolden. 

jö Gaus (Gas), gasen, gänseln. 

de Grünn, grünnen, gründen. 

de Gjärd, gjärden, gürten. 

dät Graiim , gräimen , ausweiden. 

dät Grüss , grühssen , griesen , 
gröhsen, knirschen. 

de Gränse, gränsen, gränzen. 

de Gnähse, begnähsigen, begna- 
digen. 

dät Gjärs , gjärsen , 1 . grasen , 
2. grasen. 

jö Gunst, begünstigen, begünsti- 
gen. 

de Gläns, glänsen, glänzen. 

jö Grauf, grauwcn, graben. 

de Grüppel, grüppeln, s. §. 4ol. 



231 



de Gils, gitsen, geizen. 

jö Härrew, Iiärrcwen, eggen. 

de Hämmer , hämmern, hämmern. 

jö Häivcl, häweln, hobeln, 

dät Häier, liäiren, hären. 

de Haupp, hanppen, reifen. 

de Häge, hägen, haken. 

de Hagel, hageln, hageln. 

jü Hagel, hageln, hecheln. 

jö Hesp, hespen, haspeln. 

jö Hüdd, hüdden, häuten. 

de Hupp, huppen, häufen. 

de Hocke, hocken, garben. 

de Hunger, hungern, hungern. 

dät Haad , haadigeti , köpfen , 
enthaupten. 

jö Hähg , hägen , das Heck 
sehllessen. 

dät Hüss, hühssen, behausen. 

jö Häujnn [Hön) , handeln, han- 
deln. 

jö Häujnn, hijnnen, auffangen, 
hijnnigen, inhijnnigen, einhän- 
digen. 

jö Hijll, hijllen, beiden. 

jö Hjärn, hjärnen, s. §.451. 

de His, be-ihsigen, beeidigen. 

dät Iss, Hissen, eisen. 

de Ipine, ijnnen, enden. 

dät Jädder, jäddern, entern. 

dat Jöck, jögen, Jochen. 

de Jörder, jördern, (Hirte), hüten. 

jö Kaar, haaren, karren. 

jö Kaard, kaarden, karten (spie- 
len). 

de Kalk, kalken, kalken. 

dät Mann , kdnnen , kinnen. 



de Kant, känlen, kanten. 

de Kägel, hageln, kegeln. 

jö Käivcl, käweln, koppeln. 

de Kele, kelen, keilen. 

jö KiJhl, Wölken, s. §. d51. 

dat Kitt, kitten, kitten. 

dät Kldster, kldslern, kleistern. 

de Kläi, kläien, kleien. 

jö Kldink, kldinken, klinken. 

de Klömp, klömpen, klampen. 

de Khimp , klumpen, klumpen. 

de Klütt , klütten, flicken. 

de Kohle, forkohlen , verkohlen. 

de Kurde , kurden , karden , 

krämpeln. 
da Kluhse, kluhsen, kleiden, 
de Knepel, knepeln, knüppeln, 
jö Kniep, kniepen, schnallen, 
de Knopp, knoppen, knospen, 
de Knapp, knöppen, knöpfen, 
de Knote, kneten, knoten, 
jö Krdck, kracken, krücken. 
de Kräns, krausen, kränzen, 
dät Krümm, kramen, kramen, 
dät Kräivel, kräweln, krüppeln. 
dät Kritl, kritten, kreiden, 
dät A'rMSS, krühssigen, kreuzigen, 
dät Kuletv, kulwen, kalben. 
de Kläck, klacken, kläcksen. 
dät Kaum, kjarnen, körnen, 
jö Kjärl, kjdrlen, gerinnen, 
jö Kldw, kldivern, klauern, 
de Klönke, klöuken, werfen, 
de Kaumni, kiemmen, kämmen, 
de Koppel, koppeln, tragen. 
de Krapp, kröppen, sich bekör- 

pern, bcleibcn. 



232 



jü Kugel, kugeln, kugeln. 

de Kunst, kunstein, künsteln. 

dät Laager , laagern, lagern. 

dät Lack, lacken, lacken. 

jö Länk, länken, ketten. 

dät Läth, läthen, latten. 

de Lä'pe, läpen, ausbessern. 

dät Laumm, laummen, lammen, 

dät Läujnn, läujnnen oder läujn- 
nigen, landen. 

dät Lees, lesen, laden. 

dät Lös, lösen, losen. 

dät Limm, limmen, leimen. 

dät Lüjdd, lüjclden, löthen. 

dät Lüjn, Innen, lohnen. 

jö Last, lasten, leisten. 

dät Lock, locken, glücken, 

de Locke, locken, löckeln. 

jö Luft, lüften, lüften. 

jö Lüss, lülisscn, lausen. 

de Löper, löpern, schüssern. 

jö Lierk, lierken, s. §. 151. 

dät Lück , nicken , schliessen , 
belücken , einschliessen. 

dät Malt, malten, malzen, 

de Mäister, mäistem, meistern, 

jö Mäßd, mäjdden, mähen, ma- 
then. 

de ß/ist, misten, nebeln. 

de Mjögs, mjögsen, ausmisten. 

jö 31 Öhr, möhrcn, mauern. 

jö Müss, mühssen, mausen. 

dät Mudder, muddern, aufschläm- 
men. 

dät Münster, münstem, muslern. 

jö Munt, münten, münzen. 

jö Mölke, mölken, melken. 



de Näujtte, näujtten, raelodicln. 

dät Nebb, nebben, schnäbeln. 

jö Nill, nillen, nesseln, sich 
daran brennen. 

deitNest, nesteln, nisten, nistein. 

de JSjütte, njütten, nützen. 

jö Nüjdd, nijddigen {nijdsägen), 
durch Zwang nöthigen. 

de Narr, narren, narren. 

dät Öfcr, 3 fern, opfern. 

jö Öngel, ongeln, angeln. 

de Ohme, ohmen , athmen. 

dät Pack, iKigen, pichen. 

jö Pal, peilen, schelfen. 

de Päpe, jiäpen, an der Brust 
saugen. 

jö Pari, pdrlen, perlen, 

dät Päwer, päwern, pfeffern. 

dät Päss, passen, pissen. 

jö Päujn, päujnnigen, pfänden. 

jö Penn, pennen, mit dem höl- 
zernen Wirbel , der Penne , 
verschliessen, 

de Pick, picken, picken, stacheln. 

jö Pietsh, pielshen, peitschen. 

dat Pär, pären, paren (sich). 

de Pläck, placken, flecken. 

dät Piaaster , plaastem , pflastern, 

de Plang , plaugen, pflügen. 

jö Plönt, planten, pflanzen. 

jö Prauhs , prauscn , trödeln , 
lüntcln, iaseln. 

jö Pvchns, prdmsen, premsen, 

de Plöck, plöckcn, pflöcken. 

de Pöjnte, pöjnlen, würfeln. 

de Pose, pösen, bauschen. 

de Pung, üttpungcn, ausbeuteln. 



!D0 



de Prägel, prägobi, stricken. 
de Pule, aufpulon, abpfählen, 
jö Pump, pumpen, pumpen. 
de Präck, prächen, prickcn, 
de Prijnn, prijnnen, pfriemen. 
dät Puser, pusern, pudern, 
dät Qualster, quälstern, quäl- 

Stern, 
jö Rank, ranken, ranken, 
dät Rauser, nmsern, rudern, 
de Räjdd, räjdden, i. ralhen, 

2. errathen. 
jöRäigel, räigeln, regeln, 
jö Räsp, räspen, raspeln, 
jö Reew, reiven, harken, rechen, 
de Riech , riechen , räuchern , 

röchen, rauchen, 
de Rinn, renen, regnen, 
de Ripp, rippen, reifen, 
de Ruk, ruhen, schobern, 
de Rulimme, ruhmmeu, rahmen, 

abrahmen, 
dät Rümm , rünimen , räumen , 

röhmen, Gelass haben. 
de Rup, rupeln, ein Tau auf- 
reifen, 
de Rüss , berühssen , berauschen. 
deRimm, rimmen, reimen, 
jö Saal, forsaalen, versohlen, 
de Saabel, saabein, säbeln, 
jö Sähg , sägen, sägen, 
jö Sali, sällen, satteln, 
dät Säil (jetzt dät Sähtv), säilen, 

sichten, 
dät Salt, sälten, salzen, 
dät Sann, besännen, besinnen, 
dät Sägel, sägein, segeln. 



dat Sägel, forsägeln, versiegeln. 

de Senne, sennigen, sündigen. 

iVai Siep , sicpen, seifen. 

dat Selwer, forselwern, versilbern. 

dät Shäp, shäwen, schiffen. 

jö Sliaalts, sliaasen, verriegeln. 

de Shauch (SIio), shöien, schuhen , 
die Pferde ; ihnen Hufeisen 
unterlegen. 

jö Shauwel, sliauwcln, schaufeln» 

]6 Shäl, shälen, schälen. 

dät Shämmel, shämmeln, schini" 
mein. 

de Shänse, shänsen, schanzen. 

de Shäse, beshäsigcn, beschädig 
gen. 

de Shäne, sJiänen, beschienen. 

jö Shruw, shruiuen, schrauben. 

de Shöche, shochcn, hocken. 

AcSeck, Sechen, sächen, sacken. 

de Särhel, särheln, zirkeln. 

de Sämmer, sämmcrn, sommern. 

jö Själl, själlen, s. §. 151. 

dät Shümm, shümmen, schäu- 
men. 

jö Shüll, beshülligcn, beschul" 
digcn. 

jö Shäjl, bcsfiä/jlligen , beschul- 
digen, richtiger als beshüU 
ligen- 

dät Smähr , smeren, schmieren. 

dat Slubb, slubbern, schlürfen. 

de Snic , snäien, schneien. 

jö Sling, slingen, schleudern. 

jö Snär , snären, schnüren. 

jö Sjärn, sjärnen, buttern, 

de Säihs, säifisen , käsen, 

30 



234 



de Slump, slumpen, schlumpen. 

jö Spar, sparen, spornen. 

dät«9pör, sparen, spüren. 

de SUmm, slimmen, schleimen. 

de SJäme, sjdmmern, schimmern. 

de Slälise, slälisen, (der Schlit- 
ten). 

de Spicher, Spielern, nageln. 

dät S2)ägel, spägeln, spiegeln. 

de Shuller, shuUern, schultern, 

jö Spann, spännen, spannen. 

dät Slöf, slöwivcn, stieben. 

de String , bestringen, besaiten. 

dat Spät, spälisen, spiessen. 

de Siijn, stienigen, steinigen. 

de Slrüvjn, slränjnnigen, stran- 
den. 

de Slaurni, stnnrmen, stürmen. 

de Stamm, stammen, stammen. 

jö Stjöi, stjöion, schaukeln. 

dät Sulew, sulwen, salben. 

de Stall, Ställen, stallen. 

jö Spung, spungen, spangcn, mit 
der Spange befestigen. 

dät Staat, forstaalen, verstählen. 

de Späse, späsen, abspatcn. 

de Staapel, staapeln, stapeln. 

jö Shält, beshätten, beschatzen. 

dM Slönim, slömmen, aufschläm- 
men. 

de Snäjtter, snäjttern, tischlern. 

de Sötter, söltern, schustern. 

de Slirnjdder, slirnjddern., schnei- 
dern. 

dät Swaatvel, swaaweln, schwefeln, 
jö Spirr, spirren, keimen , spros- 
sen. 



de Straal, siraalen, stralilen. 

de Stümper, stümpern, stümpern, 

dal Smink, sminkcn, schminken. 

dät Smull, smullern, krümmein 
(to crumble). 

de Stäiivel, stäiweln, stiefeln, 
jö Spaul, Spanien, spulen. 

dät Spünn, spünnen, spunden. 

dat Spütt, spülten, spützen. 

jö Stjörr, stjörren, steuern. 

de Swierm, swiermen, schwär- 
men, 
dat Stälik, stäken, stakzäunen, 
jö Strädd, strädden, grätschen, 
jö Statirk , staurken, storchen, 
de Stelle, sielten, stelzen, 
dät Slräi, sträieln, streuen, 
de Suhmm, sulimmen, säumen, 
jö Swiep, swiepen, einwindeln, 
dat Siviert, swierten, schwärzen, 
de Stücke, stücken, aufstauchen, 
de Stippe, stippen, stülzen. 
dät Steef, stewen, daubcn. 
dät Sucker, snckern, zuckern, 
de Swdck, swdcken, zwicken, 
dät Swinn, swennen, Schweinen, 
dat Swijtt, swdtten, schwitzen, 
de Täms, tämsen, sieben, 
dat Tann, forldnncn, verzinnen, 
dät Tiecken, tiecknen, zeichnen, 
jö Tieni, tiemen, diemen. 
de Tögel, lögein, zügeln, 
de Toll, tollen, zollen, 
de Topp, läppen, s. §. \Vy\. 
jö Trel, treten, rollen, 
de Täpc, täpen, zapfen, 
de Tjäre, tjären , iheeren. 



255 



dät Tjüdder, tjüddeni, töddern , 

tüdcrn. 
de Tjäwse, tjdiveln, zanken, 
da Tontle , tonteln, klöppeln. 
de Trust, trästen, trösten, 
jö Träw, träwen, stiegen. 
de Träivel, träiveln, auftriescln. 
dclt Twel, twelen, sabbern, 
da Twäge, Iwäyen, ankleben, 
jö Trommel, trommeln, trommeln, 
de Trägter, trägtigen, trichtern, 
jö Trits, trüsen, tritzen. 
jö Twjdrn , tivjärnen, quernen. 
de Tiinne, tünnen, zinken, 
dät Ulig , ugen, äjtugen , slr eben , 



anlialten mit der Arbeit. 

de U/irs, uJirsen, lenzen, Früh- 
ling werden. 

jö Wägg, iväggcn, wiegen in der 
Wiege. 

dät Wägs, ivägsen, wichsen. 

dät Wältscr, iväsern, wässern. 

de Walle, beivälllgen, bewilligen. 

de Wärk, wärrigen, schmerzen. 

de Wjärt, bewjärten, bewirthen. 

dät Wirk , wirken , ein Wirk 
setzen. 

jö Wöß\ wöivwen, weihen, 

de Wonler, wontern, wintern. 



Bemerkungen über diejenigen der vorsiehenden Zeitwörter, 

welche nicht genau den deutschen entsprechen oder in 

der Bildung abweichend sind. 

§. 151. Bjärnen,vevh. pass., geboren werden, als: wirr bäst bjär- 
net? ivtinne bäst bjärnel? wo, wann bist du geboren? hähst't Tjüch 
bjärnetF hast du das Vieh getränkt? Buhrken , ist nicht allein 
abborken, sondern auch gerben, als: dät Lähser ds äi nög buhrket, 
das Leder ist nicht gar gegerbt. Brödden, mit kleinen scharfen 
Stiften beschlagen, um auf dem Eise stehen zu können. Dämpcn, 
ist sowohl dampfen, als dämpfen. Ddshcn, mit einer kleinen geöhr- 
tcn Sehale auf-, ein- oder umfüllen, diese heisst rfe jDäsÄ. Emen, be- 
zeichnet das Aufsteigen heisser Wasserdämpfc oder des Brodems. 
Fällen, von dät Fäll, das Füllen, ist einem nachlaufen, wie ein 
Füllen der Mutterstute. Die Wörter /t'cA"e?i, sacken, hocken, shöcken, 
werden nur vom Getreide gebraucht, und heissen fachen, sacken, 
garben und hocken, als beim Einfahren, dät Kaum (ecket gänjd, 
fällt gut im Fach oder füllt die Fächer gut; dät hocket gänjd, 
garbet gut; shocket gäujd, hocket gut; secket gänjd , träwet gänjd, 
schlägt gut in die Stiegen. De Fläbbc, fläbben, die Flabbe, dän. 
cn Flab, at flähc, das Maul herabhängen lassen. Fäjtteln, ist 

30' 



256 

vorschuhen, FüssHngc an Strümpfe stricken, dpfüjltcln. Grünnen, 
gründen, darf nicht mit fjrünneu (to grind), auf der Mühle mahlen, 
verwechselt werden. Grälissen, ist 1. zu Gries malmen, 2. mit 
Gries belegen, z.B. die Gänge im Garten. Gröhsen, bezeichnet den 
knirschenden Laut und die damit verbundene unangenehme Em- 
pfindung, den z. B. Sandkörner und kleine Steinbrocken zwischen 
den Zähnen verursachen. Grauwen, ist trockne Graben reinigen 
oder aufwerfen ; grüppeln, kleine Abzuchten graben. Hauppen, v. tr., 
ein Fass reifen. Hägen, das Heck zuschliessen. Hijllen, die Heide 
oder Fussfessel anlegen. Hjärnen, von jö Hjäm, die Ecke, der 
Winkel, ist Kranke besuchen, um sich nach ihrem Befinden zu er- 
kundigen , wo man dann gewöhnlich zu Häupten des Bettes im 
Alkovenwinkel (jö Hjäm) sitzt. Ijnnen, ist d. beendigen, voll- 
enden, 2. enden, 5. dem Ende sich sichtlich nähern, als: tvdnne 
kaasl'et ijnne? wann kannst du es vollenden? Jiörr wäll dät ijnne? 
wie wird das enden? dät ^rhed ätit nint, die Arbeit schreitet 
nicht vorwärts, dem Ende zu. Dai Jädder , jäddern , entern, gegen 
die Zeil des Kalbens, von Kühen: jü Kö jäddert nö gäiijd, die Kuh 
entert nun gut. Kolken, mit Schüssern oder Knickern (Löpere) in 
einem Grübchen spielen, iö Kldjtik, die Klinke, kldjnken, 1. die 
Thürklinke in die eiserne Falze fallen lassen oder drücken , 2. etwas 
zusammennieten. Klömpen, i. klampen, 2. die grossen Heu- und 
Getreideschober aufsetzen. Kldwcrn, klettern, aber mittelst der 
Klauen , d.i. der Hände , bei Menschen. Koppeln, jemand huckepack 
tragen. Jö Lierk , eine kleine , Hache , krause Brannteweinflasche , 
die man in der Tasche tragen kann, wovon die Liebhaber fleissig 
ein Schlückchen zu nehmen pflegen, was man licrken nennt: nü 
het'r all ütllierkct, wdt dirräiijn was. Dät Lück, lücken, die Luke 
zumachen, und überhaupt zuschliessen. Räjdden, l.rathen, einem, 
2. errathen, 5. zu befehlen, gebieten haben. BePiup, s. oben, engl, 
a roop, davon dbrupeln, das Tau in einen Kranz zusammenreifeln. 
Berülissen, i. berauschen, 2. verschüttet werden, z.B. vom Gerolle, 
einem Bergsturz und dergl. Sdcken, ist sich mehr nach unten 
ziehen. Själlen, nach etwas aussehen, etwas gleichen oder ähnlich 
sein, Jö SliüH, ist die Geldschuld; jö SIiöjl, die Schuld an einem 
Uebel, Ursache, und doch heisst beschuldigen immer hcshüllujen 
Statt besIiäJlHycn. Snären, ist auch in der Schlinge fangen. Sjdm- 



257 

mern, von Sjüme , wie im Deutschen sc/timmern, von Sche.ncn. 
Slähsen, ScliliUcnfahren. Spännen ist auch äiijnspännen , [aar spän- 
nen, aufspannen, an- vor- und ahspannen. Ställen, \. auf den 
Stall setzen, 2. von Pferden: pissen, Späsen, mit dem Spaten ab- 
stechen; späsen, dasselbe. Släiweln, stiefeln, nö stäiwett'r auf, nun 
stiefelt er ab; hijnseln, nun beinelt er ab, d.h. er läuft. Stjörren, 
steuern, wehren, hemmen. Stäken, ein Stak oder Staket setzen. 
Sträieln, von S/mi (Stroh, Streu), ist überall streuen, Stücken, ist 
Torf aufstauchen. Stewen, ein Fass mit Dauben versehen. Tiemcn, 
Heu zum Diemen oder Schober zusamraenschleifen , von jö Tiem, 
der Fahrzaum, Toppen, l.das Maass häufen; 2. mit einem Büschel 
auf dem Kopfe versehen, Dät Tjüdder, tjüddern, toddern, tüdern, 
d. i. an den Spannstrick mittelst eines kleinen Pfahles (de TJüd- 
derpule) aufs Gras setzen. Twägen, zusammenkleben, und zwar 
mit dickem Hefen, oder wie mit demselben gekleistert, Tünnen, 
von de Tünne (Zinke), etwas mit Zinken versehen, z.B. en Härreiv 
tünnen, eine Egge bezinken; sonst ist tünnen auch als verb. pass. 
anschwellen, aufschwellen. Wirken, ein Wirk, das ist, einen brel- 
ternen Zaun aus wagrechten Brettern machen, Jö Wöjf, wöwwen, 
wörtlich: weihen, d, i. dem Weibe beiliegen. 

Anmerkung. 

Ausser den unregelmässigen Bildungen des Zeitwortes aus 
dem Hauptworte, wie forgellen von Gäujl, bläjdden von Bläujd, 
kiemmen von Kaumm , u. s. w, , finden wir unter denselben nicht 
wenige, die auch sogar in der Zeitabwandlung (Conjugation) un- 
regelmässig sind, was bei den Zeitwörtern dieser Art im Deut- 
schen und Dänischen fast nie der Fall ist. Dahin gehören z. B. 
forgellen, fäirken, bläjdden, stöwwen, kiemmen, römen, teilen, von 
jö Täll, die Zahl; hijnnen, nämen, von de Ndme; kneten, beman- 
nen, von de Mönn, pl. Mann; gräimen, spännen, snäien, bäirigcn, 
fällen (fdlen), grünnen, shenen, ynnen, kolken, kluhsen. Wissen, 
reuen, smeren, slingen, stjöien , siviermen, fäjdden, räjdden, drie- 
mPAi, shöien. 



238 



§. 1d2. b. Aus Bestimmungswörtern. 
krönk, Ar öwÄe«, kranken, hräjn- stump, sfumpen, stumpCcn. 



ken, kränken. 

fälsh, forfälshen, verfälschen. 

gräin, gräinen, grünen. 

härd, fidrden, härten. 

grott, forgrottern, vergrössern. 

wärm , wiermen , wärmen , wär- 
men. 



billig, billigen, bilHgen. 
stiff, stiivwern, gerinnen. 
Itält, halten, hinken. 
löin, laamen, lahmen. 
röset, rasen, faulen. 
krüssed, krültssen, kräuseln. 
tagt, tagten, dichten. 



käujl, käilen, kälten, forkäilen, will, forwillern, verwildern. 



erkälten. 
blieck, bliecken, bleichen, Verb. 

tr. und inlr. 
hijtt, hijtten, heizen. 
ivitt, Witten^ weissen. 
blank, blanken, blanken. 
kanrt, kaurten, kürzen, 
r/pp , rippcn, reifen. 
klär, klären, klären. 
surr, surren, säuern. 
swäck, swäcken, schwächen. 
iihk, uken, weichen. 
sljögt, sljögten, schlichten. 
tick, licknen, gleichen. 
dröhg , drögen , trocknen. 
struf, strmven, straffen. 
stramm, strammen, strammen. 
widd, widden, erweitern. 
brijdd, brijden, ausbreiten. 
tjöck, tjöcken, verdicken. 
wäjtt, iväjlten, nässen. 
fugtig , fugtigen, feuchten. 
trau, trauen, trauen, 
üjll, üjlleti, älteln. 
tenn, fortcnnen, verdünnen. 
junk, junken, dunkeln. 
ftpäss, spdssen, spitzen. 



tvill, forwilligen, verirren. 
lief, liewen, lieben. 
bätter, forbättern, verbittern. 
shdrp , shdrpen, schärfen. 
hohl, ütthohlen, aushöhlen. 
krümm, krömen, krümmen. 
smel, smelen, lächeln. 
äiwen, äiivnen, ebnen. 
diep, fordiepen, vertiefen. 
Idck, Idcken, lecken. 
steil, steilen, sich bäumen. 
fiin, forfienen, verfeinern. 
shrädd, shrädden, schrägen. 
hillig, hilligen, heiligen. 
fjdrdig , forfjdrdigen , verfertigen. 
erm, forermen, verarmen. 
blöch, blögen, sich erblöden. 
dien, äinen, eignen. 
lüss, liesen, lösen. 
fri , befrien , befreien. 
frish, dpfrishen, erfrischen. 
Idgt, forldgtern, erleichtern. 
hiich , hie-en, erhöhen. 
ndl, fornäiern, erneuen. 
rick, berickern, bereichern. 
rigtig, berichtigen, berichtigen. 
rögt, rögten, rechten. 



259 

sldll, Ställen, slillcn. ßgel, fägeln, fehlen. 

saalig, besaaligcn, beseligen. swär, besiveren , beschweren, 

fiill, feilen, füllen. säker, säkern , sichern , forsäkern , 

sätl, sä/tsigen, sättigen. versichern. 

mörr, formeren, mehren. siumm, forstummen , verslummcn, 

eivig, forewigen, verewigen. männere, mdnnern und formdn- 

swänger,besivängern, schwängern- nern, mindern. 

jung , jungen , Junge werfen. ijn, Urnen, fori/men , einen. 

riin, rienigen, reinigen. sliirr, shirren, s. §. 155. 

händig, bändigen, bändigen. glatt, glätten, glätten. 

hing, forläjngern, verlängern. mill, miliern, mildern, 

hijl, hielen, heilen. nög, näigen, genügen. 

Bemerkungen. 

§. 155, Auch bei der Bildung des Zeitwortes aus dem Adjec- 
tiv, finden wir nicht allein mehrere unregelmässige Bildungen, 
sondern auch wieder irregulaire Zeitwörter vor. Die Verba: for- 
grottern, männern, formännern, fonvillern, berickern, forläjngern, 
stiwwern, sind aus dem vergleichenden Stande des Bestimmungs- 
wortes (dem Comparativ) gebildet, wie auch forbäsern aus bäscre, 
besser. Die Wörter härden, bliecken, uken , surren, klären, drögen, 
hielen, fiieen, können sowohl transitiv als intr. gebraucht werden, 
je nachdem der jedesmalige Sinn es erheischt, als: he härdet dät 
Stäjll, er härtet das Eisen, dät Staal härdet, der Stahl härtet, 
härtet sich; jö bliecket harr Länert , dat Länert bliecket, sie bleicht 
ihre Leinewand, die Leinewand bleicht; ick uhk da ^rtc, da 
Arte uke, ich weiche die Erbsen, die Erbsen weichen; jö surret 
de Dieh, de Dich surret, sie säuert den Teig, dieser säuert; he 
kläret Brännwinn, er klärt Branntewein, dät Wähser kläret, das 
Wetter wird klar; ick dröhg min Kluhsc, ich trockne meine Klei- 
der, min Kluhse dröge (trocknen); dät Piaaster hielet min Häiijnn, 
das Pflaster heilt meine Hand, jö Wünnen kielet nö, die Wunde 
heilt jetzt; ick wäll jö Shew en läiet hied hewe, ich will den Tisch 
ein wenig erhöht haben, dät Wä/iser hiet, das Wasser steigt oder 
schwillt an. Shör (steil), shören, steil werden, steil machen. 
Klär ist auch fertig, und das davon gebildete Wort klären giebt 
einen ganz andern Sinn, und gestattet eine vielfachere Anwen- 



240 

düng, als: haast'r älliene klär 7nä wordeF kannst du allein damit 
fertig werden? Hörr ging't hdm äiv't ^mlhüss? Oft, he kläret 
hdm gäiijd; ick iväll nie nög kläre, ich will mir schon helfen; will 
mich schon verantworten; he kläret lidm gäujd, er half sich gut 
aus der Klemme, u. s. av. Die mehr oder weniger unregelmässi- 
gen Zeitwörter sind hier: iviermen , käilen, hijiten, brijddcn, 
wäjtten, licwen, krörnen, hieen, stallen, meren, formeren, u. s. w. 

Käilen, ist 1. kalten, 2, kälten, 3. kühlen; hijiten, heizen, ist 
nicht mit hijtten, heissen, einen Namen haben, zu verwechseln; 
rippen ist hier reif werden; das andere rippen ist auch reifen, als 
Verb. Impersonale , und ein Fass reifen ist haiippen ; stiwwern 
(steifern) ist gerinnen, vom Blute, als: stiwwrel Btäujdd; will ist 
4. wild, 2. irre, daher: /bnüi/Zer«, verwildern, und h ii hm forwilligen , 
sich verirren; kicken ist hier einen Leck haben; hiümi blögen, 
sich schämen, erblöden; stallen ist hier stillen, sonst auch stellen; 
aus long oder hmg wird auch: lingen, 1. langen, und 2. sich 
sehnen, forlingen, dät Forlingen, das Verlangen; shirren, ist Eier 
schieren, um zu sehen, ob sie frisch oder faul sind, und zum Be- 
brüten taugen oder nicht. 

c. Aus andern Zeitwörtern. 

§. 154. Die eigentliclicn Vorsilben des nordfriesischen Zeil- 
wortes sind folgende: 

4. änjnt{eni), in einzelnen Fällen vor dem Zeitwortc önt, wie 
in öntnrden, antworten , dät Önlass, das Antlitz. Goth. and, 
althochd. ant, int, in, angels. ant und an, dän. und, in: äujntkä- 
men, entkommen, äujntgongen , entgehen, u.s. w, 

2. he (be), goth. hi, allhd. bi, pi, ba, pa, angels. eng. und 
dän. be, wie in begrippen, begreifen, beläwen, erleben, betälen, 
bezahlen. 

3. er (er) , nur in einzelnen , dem Deutschen entnommenen oder 
nachgebildeten Wörtern, wie in erklären, erfären, erkünnigen, 
erkundigen. 

4. for (ver), althd. far, fir , [er, angcis. und dän. for, wie in 
forjehsen, vergessen, forgongen, vergehen, forlingen, verlangen. 

Die vorzüglichsten Umstands- und Verhältnisswörtcr, welche 
zur Umbilduns des Zeitwortes gebraucht werden, sind diese: 



241 

4, Af (auf, herauf), mit dw verbunden , hinauf , engl, wp , wpon, 
dän. und nd. op, als: dpslmijnncn , aufstehen, äpgongen, aufgehen, 
äptoien, aufthauen, dpslüten, aufschleissen. 

2. Auf {ah), engl, off, of, dän. af^ heisst sowohl ab als von, 
wie in außieen, abziehen, auf/iälen, abholen, aufbregen, abbrechen, 
aufmägen, abmachen. 

5. "Aw (auf), engl, upon, dän. paa, als: äwsluhggen, aufschla- 
gen, darauf losschlagen; in einem Buche heisst es: dpsluhggen; 
äwgimgen, anfechten, äwselten, aufsetzen z. B. den Hut; dpsetlen, 
i. in die Höhe richten, 2. hinaufsetzen, 5. aufschieben. 

4. Bai (bei), goth. angels. dän, und nd. bi, engl, by , als: bäi- 
gongen, beigehen, sich etwas lassen, bäiblmwen, beibleiben, fort- 
fahren. 

5. Bohr oder dör (durch), angels. tlmrh, engl, througli . nd.dör, 
als: dörstegen, durchstechen. 

6. In (ein, hinein, herein), goth. althd. angels. und engl, in, 
dän. ind, als: ingongen, eingehen, inndmen, einnehmen, infriescn, 
einfrieren, inselten, einsetzen. 

7. Paar (vor und für), goth. faur, faura, angels. fore, dän. /br, 
engl, fore, nd. för oder vor, als: faarmägen, vormachen, faarbie- 
en, vorbeugen. 

8. Hdne (hin), angels. hin, dän. und nd. hen, als: hdnehüjllen, 
hänegongen, hingehen, hdnesldwen, hinschleppen. 

9. Juri, jurte (her, zu, herbei), angels. hüler , engl, hither, zu 
einem heran, als: jurlhämen, herkommen. 

10. Bäht (nieder, herab, hinab), nd. daal, engl, down, als: 
dählsluhggen , erschlagen, dähl fällen, niederfallen, dählshriwwen, 
niederschreiben *. 

\i. Aujn (in, an), angels. ojj, dän. i und paa, engl, o«, als: äiijn- 
kämen, ankommen, äujnlieen , anziehen sich, äujnsluhggen , an- 
schlagen, äßjjnsmitten , hineinwerfen. 



• Bähl steht auch in Verbindung mit äujn (hinein) , äw (auf) 
und dm (um): dähl äujnt Greef, ins Grab, dähl äw'e Teele, auf 
den Fussboden, dähl dm't Törp, unten ums Dorf, Wenn dähl 
bloss den Ort des Befindens bezeicbnet, so heisst es dele, als: gong 
dähl! geh hinunter! ick bdn all dele, ich bin schon unten. 



242 

■12. Mass (raiss, fehl), in den alten verwandten Sprachen miss; 
daher mässen, fehlschlagen, und mästen, missen, entbehren: wie 
in mässlöcken , misslingen, missglücken. 

io. Md (mit), golh. mitli, angels. mid, dän. mcd,s\%: mähämen, 
mitkommen, mdspälen, mitspielen, 

14. Efter (after, nach), goth. aflra, angels. äßer, engl, after, 
als: eflerläwen, nachleben, efter fülligen , nachfolgen. 

■15. Auxver (über), angels. ofer und ufer, dän. over, engl, over, 
nd. över, als: huhni aiiiverilen , sich übereilen, auwerledden, überle- 
gen. 

46. Am (um), altfries. umbe, dän. orn, omme, nd. um, als: am- 
fällen, umfallen, dmledden, umleiten, daher: de A'mledder, das 
Einlegemesser; dnibringen, 1. umbringen, tödlen , 2. etwas zum 
Machbar bringen, es ihm umbringen, sonst aniv erbringen. 

47. Wdg {\\eg),ti'äg kippen, y>eg\auicn, ivdgbliivwen, wegbleiben. 

48. Wihsser (wider und wieder), xvähser (wider), goth. vithra, 
althd. wider, tuidar, angels. vidhcr, dän. vcder, nd. w edder , als: 
wihsserledden , widerlegen, iviJ isser kamen, wiederkommen, u. s. w. 
Wähser nur bei Hauptwörtern, als: de Wä/iserwälle, wä/iserwällig , 
der Widerwille; 16 ivädderne, zuwider, %väddcrlich , widerlich. 

49. Jjn oder ijnn (gegen), äpijn (gegenan), äujntijn, entgegen, 
angels. gegn, geän , dän. gjen, engl, against, als: dpijngongen, ge- 
genangehen; äiijntijngongen , 4. entgegengehen, 2. zuwidergehen. 

20. Tö (zu), goth. du, althd. za, ze, zi, zuo, altfries. te, engl. 
to, nd. to, als: tüüngon, 4. zulangen, 2. hinreichen; töstäujnnen, 
de Töständ, der Zustand. 

24. Faurt (fort), angels. fortli , als: faitrliigen , fortarbeiten. 

22. Unner (unter), goth. nndar, a\ihd. iintar , altfries, dän. und 
engl, nnder, nd. unner, als: unnergongen, untergehen ; unner- 
säjcken , untersuchen. 

23. Äjti, engl. «/, dän. ad, als: äjttdregen , sich gebehrden, be- 
iragen, djttmägen, fortmachen, äjltugen, forlarbeiten. 

24. f/ii (aus), golh. und nd. xd , angels. ut, dän. ud, engl, om/, 
als: üttsluhggen, ausschlagen, ültledden, auslegen, auch deuten. 



243 



Beispiele zur Anwendung. 

§. 455. liäggen, bauen, he- for- dp-ült- [aar- auwer- dmb- und 
dmbdggen. 

Bddden, bitten und betteln, auf- iill- f'orbädden. 

Bijdden, bieten und gebieten, for- dp- ütl- in- md- äujn- amver- 
tobijdden. 

Bicen, biegen, for- faar- dmbieen. 

Binnen, binden, be- for- äw- dp- bäi- in- auwer- dm- unner- 
töbinncn. 

Blaasen, blasen, auf- ätv- dp- ütt- inblaasen. 

Biiivwen, bleiben, for- auf- bäi- auwer- efter- wäg- innnebliwwen. 

Bringen, bringen, for- faar- auf- dp- bäi- ütt- in- jurt- häne- dähl- 
äujn- md- efter- auwer- dm- wäg- toi f isser- tö- faurt- unner bringen, 

Bregen , brechen , for- auf- dp- ütt- döltr- inbregcn. 

Brünnen, brennen, /br- auf- dp- ütt- in- dählbrännen. 

Brücken, brauchen, for- auf- dpbrüchen. 

Daawen , toben , aufdaawen. 

Dielen, theilen, for- auf- ült- in- mä- dm- tödielen. 

Dregen, tragen, be- for- auf- äw- dp- ütt- bäi- äujn- md- efter- 
autver- dm- tö- äjlt- faardregen. 

Drdjnken , trinken , be- for- auf- dp- ütt- mddrdjnken. 

Dräwen, treffen, be- äujndräiven. 

Dräien , drehen , for- auf- dp- ütt- faar- in- dmdräien. 

Dühssen, deuten, be- üttdühssen. 

Drogen, trocknen, auf- dp- ütt- indrögen. 

Drücken, drucken, be- for- äiv- ütt- efter- dmdrücken. — Das 
deutsche drücken ist im Nordfries, krögen. 

Driivwen, treiben, be- for- faar- auf- äw- dp- häne- dähl- äujn- 
md- efter- auwer- dm- wäg- faurt- tödriwwen. 

Drillen, \. drillen, 2. prellen, necken, dör- indrillen. 

Ennen, Abend werden, töennen, ganz Abend werden. 

Ahsen, essen, for- auf- dp- üttähsen. 

Aiwnen, ebnen, üttäiwnen. 

Annern, ändern, for- auf- dmdnnern. 

Ainen, eignen, töäinen. 

Füren, fahren, 4. einherfahren, 2. schiffen (auf dem Wagen fah- 

31* 



244 

ren heisst häiren), he- er- for- auf- dp- dähl- ütt- dör- in- äujn- 
viä- efter- amver- dm- wäg- tö- wihsserfären. 

Fairen, führen, for- auf- dp- ütt- in- faar- jurt- häne- dähl- äujn- 
aiiwer- wag- wihsser- töfäiren. 

Fäirken, mit der Heugabel auflangen, dpfäirken. 

Fällen, fühlen, be- faar- äujn fallen. 

Fällen, fallen, be- for- auf- dp- ütt- bdl- dör- faar- dähl fällen, l. 
herunterfallen, 2. sich todtfallen; äujn- ivdg- töfällen. 

Fähsen , fassen , besonders mit dem Verstände , be- äujn- dp- 
infähsen. 

Flleen, fliegen, be- for- auf- ütt- in- dör- auwer- dm- wdg- tö- 
flleen und tößijn. 

Fölllgen, folgen, be- for- efterfölllgen. 

Finnen, finden, be- auf- dpßnnen, erfinden, 

Fialen, i. aufputzen, 2. ausbessern, 5. zurichten, dp- ütt- tö- 
fläien, sich beschmutzen. 

Felle7i, füllen, for- auf- äw- dp- ütt- äujn- tö feilen. 

Flijtten, fliessen, beßjtten, i. befliessen, 2. befleissen, for- auf- 
ütt- dör- in- auwer- dm- töflijtten. 

Fresen, fressen, for- auf- dp- üttfresen. 

Fausern, füttern und futtern, auf- dp- ütt- nnnerfausern. 

Gäwen, gaflfeii, be- for- auf- dp- in- ütt- dmgäiven. 

Gijtten, giessen, be- for- auf- äw- dp- ütt- in- äujn- dm- tö- 
wdggijtten. 

Gongen f gehen, be- for- auf- äw- dp- ütt- bäi- dör- in- md- eßer- 
auwer- dm- häne- jurt- apijn- äujnt- faurt- tö- unner- äjttgongen, 
anfechten. 

Grewcn, graben, be- for- auf- dp- ütt- dmgrewen. 

Grippen, greifen, be- for- dp- ütt- in- faar- auwer- dm- efter- 
unner- tögrlppen. 

Glldden, gleiten, auf- ütt- inglidden. 

§. 456. Um die Beispiele nicht ferner unnöthigerweise zu ver- 
mehren , da die vorstehenden hinreichen werden , die Anwendung 
der Vorsilben und der vorzusetzenden ümstands- und Verhältniss- 
wörter zu zeigen, wollen wir nur die einfachen Zeilwörter her- 
setzen , und bei einzelnen der bildungsfähigsten uns eine etwas 
ausführlichere Behandlung erlauben, als: hälen , i. holen, 2. ein 



24S 

Seil oder Tau straffer anziehen; harken, 4. horchen, 2. gehorchen; 
liieren, 1. hören, 2. gehorchen; häwiven, 1. hauen, 2. mähen; hel- 
fen, helfen; hüjllen, halten; häxen, hexen; hielen, heilen; hingen, 
hängen; hieen, 1. steigen, anschwellen, vom Wasser, 2. erhöhen; 
höwen, hoffen; hijnnen, 1. mit den Händen auffangen, 2. sich er- 
eignen, sich begeben; hijnnigen, händigen, mit in- einhändigen, 
auf- abhändigen; ijunen, Lenden, beendigen, 2. gut fortschrei- 
ten mit der Arbeit; jagen, jagen; jäbben, jappen; jeu>ew, geben, 
wie z. B. Karten geben, 2. dem Vieh ein Futter geben, o.ickjeivr 
nint dm, ich gebe nichts darum, mag es nicht; da Uttjeße, die 
Ausgaben; jüdclen, gälen ; jögen, jochen ; jüllen, 1. gelten, 2. wim- 
mern; käiren^ fahren, mit dem Wagen; kämen, kommen, de A'p- 
kämst, das Emporkommen; de Äujnkdmst, Ankunft; kieren, keh- 
ren; künnigen, kündigen z.B. ein Kapital; kaanen, können; kiem- 
men, kämmen; kanten, kanten, mit dm; kapern; kringen, drän- 
gen; kaaren, karren; kaarden , kartenspielen ; kupen , kaufen; 
käwwen, kauen; kägeln, kegeln; kiwwen, keifen; knippen, kneifen; 
kieken, gucken; killen, kitzeln; kldiven, kleben; klädden, kladden, 
klittern; kloppen, klopfen; kluhsen, kleiden; knöppen, knüpfen; 
knäsen, krachen; kriepen, kriechen; käilen, kühlen; kögen, ko- 
chen; krdwweln, krauein, kriechen, besonders von ungeflügelten 
Insccten; klammern, klettern; kliwwen, klimmen, auch überstei- 
gen; kräweti, mahnen; läivern, mit dp- auftrieseln, z. B. einen 
Strumpf; Idwen, leben; läjtten, lassen; läken, lachen; lacken, la- 
cken; löwern, verb. neutr., schwülen, schwül werden; läntern, l.das 
Steigen der Beete in einem gewissen Kartenspiel, 2. so hinschlen- 
dern, als: dät läntert so auf!; länen, lehnen; Iddden, liegen; led- 
den, legen; laukken, lugen, sehen, gucken; läujnnen, landen; 
lesen, 4. lesen, 2. laden, beladen; Uesen, lösen; lienen, leihen; 
Heren, lernen und lehren; jo Lier, i. Kenntnisse, 2. die Lehre; 
lunnern, das Hullern oder Lodern des Feuers im Stubenofen; lingen, 
1. langen, reichen, 2. mit efler , sich sehnen; Ijägten, hellen, er- 
hellen; Ijögten, leuchten, deLjögter, die Leuchte, Laterne; liewen, 
1. lieben, de Lieivde, die Liebe, 2. glauben, de Luwe, der Glaube; 
Ijaagen, lügen, jö Lägen, die Lüge, dät Lägenier, der Lügner, 
verächtlich stall Lägner; luhnen, lohnen ^ dat iLü/w, der Lohn; 
lupen, laufen, de Lup, der Lauf , de Löper, däl Läpelse, das Laab 



246 

oder Rinsel beim Käsen; lören, oder lörrm, lauern, jö Lu/ir und 
jö Lörr , die Lauer; lücken, zuschlicssen ; läwern, liefern; läjn- 
km, leicht einherhüpfen ; mägen, machen; maagen, mögen; mah- 
len, mit Farben; marken, merken; maßten, 1. messen, 2. begeg- 
nen; mäujtlen, müssen; miesen, meiden; mienen, meinen, jö Mie- 
tling; meren, mehren; mitigen, d. mengen, 2. zaudern; mjdrncn, 
morgnen, Morgen werden (wie degen, tagen); mören, mauern, jö 
Mölir ; mölken, melken; mjögsen, misten; münstern, mustern; mi- 
sten, nebeln; muddern, aufschlämmen, baggern; nämen, nennen; 
nämen, nehmen; neren, nähren; ndcken, nicken; öfern, opfern; 
Ohmen, athmen, de Ohme, der Odem; ordnen, ordnen; ördielen, 
urlheilen ; öwen , üben ; pären , sich paren , galten ; packen , 1 . pa- 
cken , 2. sich packen, dät Pack, i.der Pack, 2. das Pack; passen, 
passen; pägen, pichen; palen, schelfen; päiijnnigen, pfänden; piet- 
sheti, peitschen ; piesern , albernes Zeug schwatzen ; picken , l. picken , 

2. pieken z. B. den Schlitten mit der Pieke oder dem Piekstabe 
vorwärts treiben; plagen, jö Plag, die Plage; plaugen, pflügen; 
plirren, blinzeln; pläsern, plätschern; planten, pflanzen; plöcken, 
pflöcken; plucken, pflücken; plummern, trüben; pochen, auf sei- 
nen Reichlhum, (pochen v. a., schlagen, klopfen, ist kloppen und 
bögen); prälen, 4. sehr laut rufen, schreien, 2, mit etwas prahlen, 

3. glänzen, scheinen; präjten, predigen; präiwen, prüfen, probi- 
ren; prausen, mit einer Arbeit stümpern, humpeln; im Dochte 
stochern; prihssen, preisen, rühmen, de Priss, d. der Preis einer 
Waare, 2. Lob, Ruhm; pumpen, pumpen; pulsen, putzen; ^mc&m,. 
pricken; prägein, d. prickeln, 2. stricken; räjdden, d. ralhen, 2. 
errathen, 5. über etwas zu gebieten haben; ragen, d. den Bart 
scheeren, 2. hervorragen, 3. raken: töhupperägen , dählrägen; raasen, 
rasen; räbben, rupfen ; r«new , rennen, AcRänster, der Renner; rau- 
en, ruhen; raaieln, taumeln; räieln, riegeln, bei den Schneidern 
mit Riegelfäden heften, die wieder ausgezogen werden, davon 
nun: dat Spännräiel, Spinnewebe; räiren, rühren; ranken, sich 
ranken; räisen, reisen; rägnen, rechnen; reken, recken, daher 
dä.iRdck, nd. dät Rick, als: Hännerdck, die Hühnerweime, Fähse- 
rdck, das Schüsselbrett, dät Häßisteräck , die Heuraufe, u. s. w; 
rasten, i. das ausgedroschene Stroh mit der hölzernen, zwieseli- 
gen Gabel aufschütten, damit das Korn aus den Halmen fällt. 



247 

:2, rasten, 5. ick ivdll de ivdt raste! ja, ich will dir was anderes! 
4. auf dem Rost braten, als: Alle rasten, Aale rösten; resen, ur- 
sprünglich 4. reden, daher dat Reess, die Stimme, als: en fien, en 
gröw Reess, dän. en Rost, 2. die Haare auskämmen, o. (mit ütt) sich 
aus einer verwickelten Sache herausfinden oder herausreden; be- 
resen, bereiten, töresen , zubereiten; riehen, räuchern; rücken, 
rauchen; ridden, reiten; riesen , sich in die Höhe richten, erhe- 
ben, aufstehen, en Hüss riesen, ein Haus richten, davon: de Riese, 
der Riese; riwiven, reissen; rummeln, rumpeln; rösten, rüsten; 
ringen, läuten, de Rimjster; ragten, rechten und richten, de Rög- 
ter , der Richter; rudden, wild im Belte sich hin- und herwerfen, 
von ungezogenen Kindern; aus Muthwillen einen Gang über einen 
Wall oder ein Schlupfloch in einen Zaun machen , da Kluhse fon 't 
Liff rudden; rasen, faulen; sägen, sägen; sällen, satteln; sälten, 
salzen; säjnken, sinken; sänken, senken; satten, sitzen; setten, set- 
zen; sännen, l. sinnen, 2. sonnen; sägnen, vermissen; säicknen, 
auch vermissen, nicht finden können; säjcken, suchen; smjnnen, 
sanden; sägein, l.hinlaumcln, 2. sabbern; sliaamen, verb. rec. , sich 
schämen; sliäfen, schaffen, in beiden Bedeutungen ; shänke7i, schen- 
ken; sliälen, schälen; s/ielwen, zittern; s/iäwen, 1. schiffen, 2. von 
Schaben reinigen ; sftdivwen, den weiblichen Hausvögeln unterm 
Steiss fühlen, um zu erfahren, ob sie bald ein Ei legen werden; 
shdckcn, i.Iiuhm — , sich schicken, 2. schicken , senden; shijtten, 
schicssen; s/nese?», scheiden; s/ieren, schneiden; sliijmien, schänden; 
shenen, scheinen; shellen, schelten; shempen, schimpfen; shräien, 
schreien; shräwen, schaben; shriwwen, schreiben, jö S/iräft, die 
Schrift; shuddcn, d. schütteln , 2. schütten, 3. schüttern; shruwen, 
schrauben; sennigen , sündigen; süppen, saufen; shöiviven, schieben, 
dat Shöff , dät SItöf, dat S/iuf, da Shäive; sluhggen, schlagen, 
de Slleck, de Släg ; släipen, schlafen; släsern, plaudern, schwat- 
zen; släiven , schleppen; stieren, schmeicheln; stippen, schleifen; 
säien, nähen; slitten, i. aus der Tasche verlieren, 2. schleissen , 
3. jemand auf die rechte Art zu behandeln wissen, jö kön häm 
nög slitte, forstönt kam gäujd tö slitten; slingen, I. schleudern, 
2. schlingen; smöken, schmauchen; smickeln, schmeicheln; smeren, 
schmieren; siecn , sehen; sieen , säen; smolten, schmelzen; sungern, 
gellen; söngern^ anbrennen, von Speisen, sengern; sömen, i. sich 



248 

ziemen , 2, säumen , zaudern , 5. aufsummen , als : dät sömet dp ; 
sögen, saugen; smwre», schmoren; shriddeti , schreiten; shrielen, 
schrillen; sillen, treiben, auf dem Wasser; sühssen, sausen; süp- 
pen , saufen ; sihssen , zischen ; stiaucken , stöbern ; snägen , schlei- 
chen ; sleken , löschen ; siegen , i . stechen , de Stälig , 2. stecken ; stellen , 
stehlen; späten, speien; shunigen, schonen; sonnern, sondern; 
snäjtten, schnauzen, die Nase; sören, siechen, kränkeln; shräien, 
schreien; sijnnen, senden; snäppen, schnappen; spälen, spielen; 
spijllen, 1. spalten, '2. üUspijllen , speilern, de Spijlle, der Speiler; 
spännen, spinnen; sparen, sparen; späilen, spühlen ; slürren, schlü- 
ren, schlören; stammen, 4. stimmen, 2. herstammen; spregen, \. 
sprechen, jemand, 2. auf wdt spregen, es herausstreichen, rüh- 
men, davon de Spräike, die Sprache; stäujnnen, de Stand; be- 
stäiijnnen, de Bestand, hesländig , Bestdndigliäid , Unbeständig, Un- 
beständig häid; for stäujnnen , de Forständ, forstdndig , ünfor ständig ; 
äpsläujnnen , de Apständ; bäistäiijnnen , de Bdiständ; üttstäujnnen ; 
faar stäujnnen , de Faarständer ; ävjnstäiijnnen , de Änjnständ, äujn- 
ständig, ünänjnstdndig , Aujnstdndigliäid, Unäiijnstdndighäid ; äiijnt- 
stäujnnen , auwerstävjnnen , wifisser stäujnnen , unner stäujnnen , tö- 
stäujnnen, de Töständ, de A'mständ , pl. Amstände; forstijnnig , 
ünfor stijnnig , huhm forstijnigen , sich verständigen, forstöntlick , 
verständlich, ün forstöntlick ; de Stäujnner, der Leuchter; de Stön- 
ner, der Ständer. Diess als Beispiel für die Behandlung der übri- 
gen hier vorkommenden Zeitwörter. — Sprijdden, spreiten; spä- 
ten, spotten; springen, springen; splähsen, splissen, ein Tau ins 
andre; siväwen, schweben; swiermen, schwärmen; swälken, schwal- 
ken, sich herumtreiben, sowohl zu Wasser als zu Lande, u. s. w,, 
daher de Swälker; sivätlen, schwitzen; sivummen, schwimmen; 
sivennen, Schweinen; swäjngeln, schwindeln, taumeln; spännen, 
spannen; spifissen, speisen; stöÄriven, sterben; stijtten, stossen; 
swegen, schweigen; sjöngen, de Song, singen; stoppen, stopfen; 
staurken, storchen , mit ämbäi, herumslorchen, wie ein Storch 
auf langen Beinen; straalen, strahlen; snubbeln, stolpern; stjärten, 
stürzen; stricken, streichen; strägen, die Sense streichen, um sie 
zu schärfen; staurmen, stürmen; stjäwen, gaffend unherstorchen ; 
sträwen, 1. streben, 2. streiten; strulen, struUen; läsen, foppen; 
täiwen, warten; leren, zehren; teilen, zählen; läpen, zapfen; tie- 



249 

seil, aus einander zupfen; tienen, dienen; tie-en, ziehen; tier?n, 
sich gebehrden; tjögcn, i. sich anschalTen, nd. lügen, 2. zeugen, 
vor Gericht; tijnnen, zünden; trdcken, am Stricke ziehen, z. B. 
ein Rind; twingen, zwingen; tiviivweln, zweifeln; tjäsen, rappeln; 
tjäddern, trampen, trampeln; träwen, traben; trögein, abbetteln; 
tröwwen, drohen; tappen, häufen, das Mass; waagen, l. wachen, 
2. wagen; wegen , wiegen und wägen; wirken, wirken; wannen, gewin- 
nen; wjärpeln, worfeln; wällern , walzen ; ivippen, wippen; wiirigen, 
erwürgen; wijnnen, wenden; ivierwen, werben; wdddern, wittern 
an der Luft und der Sonne; wichen, weichen; winnen, winden; 
wähsen, wissen; wällen, wollen; wählen, welken; wällen, wallen; 
wunnern, wundern; wänshen, wünschen; wjärdigen, würdigen; 
wräseln, ringen mit einander; ivringen, Wäsche ausringen; wrihs- 
sen, reiben, drehen; wrölen, wühlen, u. s. w. 

§. i57. Noch ein durchgeführtes Beispiel der vorstehenden 
Wortbildungsweise, als: gongen, de Gong, hegongen; dät Begäing- 
niss; äjttgongen, anfechten; äujngongen, de Anjngöng ; äujntgongen; 
forgongen, forgdinglick, jö Forgäinglickhäid , ünforgäinglick, jö Ün- 
f'orgdinglickhäid ; de Gdinger, de Gangster ; aufgongen, de Aufgang ; 
dpgongcn, de Äpgöng ; üttgongen, bdigongen, ingongen, de Jngöng ; 
de Üttgöng ; dörgongen, [de Dörgöng, i. Durchgang, 2, Durchfall; 
faargongen, jurtgongen, hdnegongen, dählgongen, de Faargöng, de 
Dälilgöng ; dmgongen, de A'mgöng, i. Umgang, 2. grassirende Krank- 
heit; ijngongen, tögongen, de Tögöng , de Ajltgöng ; faurtgongen, 
de Fa^lrtgöng ; unnergongen, de Unnergöng ; gängs tvesen; gdjngig, 
gäng und gebe; tögöngs, zu Gange sein; dmgdlnglick, umgänglich; 
t^gdinglick, üntögdinglick , Tögdinglickhäid, Untügdinglickfiäid. 

Thierlaute und JSalurlöne. 

§. \ 38. Kdgeln , gackern ; krdien , krähen ; bjdwsen , belfern ; bäten , 
bellen; knurren, knurren; brummen, brummen; holen, heulen; 
bldsern, blocken; gröjnten , grunzen; riijtten, muhen; mjdwwen, 
miauen; shrielen, schrillen und quieken; brulen, brüllen; nögern, 
wiehern; knabbern, klappern, aber nur mit den Zähnen und dem 
Schnabel ; äw cn Stock Sucker , cn Pdwertralling knabbern , an einem 
Stückchen Zucker, einer Pfeffernuss knabbern; dd Staurkc kndb- 
Ire, die Störche klappern; dd Täis knabberten hdm äujn'e Rolle, 

32 



2üO 

die Zähne klapperten ihm im Fieber, oder in der Kälte; auch 
hnurpen und hnorj)en, vom Zerbeissen harter Speisen, knarpeln 
und knorpeln ; jö Meilen klappert ; silissen , zischen ; snäsern , 
schnattern; sühssen, sausen; brühssen, \ brausen, 2. das Gefieder 
sträuben, daher de Brüsskräjdder , der Kampfhahn (Braushahn), und 
das Adj. brösig. Brösig h äid ; rummeln, rumpeln; knäsen, krachen; 
tnnncrn, donnern; tijtten, laut schreien, daher dät Tot, Lärm, 
Getöse; jüllen, wimmern; stähnen, si'öhxxcn; pläsern, plätschern; 
shrögen, das dumpfe Klingen irdener oder ihönerner Gefässe, die 
einen Riss oder Sprung haben; gröhsen, knirschen, wie z. B. Sand 
zwischen den Zähnen malmen; shrajngeln, rdjngeln, Schellenge- 
klingel und dem Aehnliches bezeichnend, daher jö Shrdjngelboss 
und Rdjngleboss, die Schellenbüchse, nd, de Klöterbüss oder Klö- 
terbücks, von jö Rdjngle, die Schelle (dän. en Rdngle), 2. ein Hen- 
keltopf; kldjngern, hell klingen; ringen, läuten; baiern, beiern; 
shräien, schreien; näiijUen, sich eine Melodie (de Näujtte, Noten) 
einüben; nöcken, schlucken, den Schlucken haben; sichten, i. 
seufzen, 2. schluchzen, beim heftigen Weinen, dät Sicken, der 
Seufzer; stämmern, stottern und stammeln; läken, lachen; fniesen, 
niesen; hosten, husten; sjungen, singen; flaaiten, 1. flöten, 2. 
pfeifen; snöiviven, schnauben, schnaufen, auch schnupfen, daher 
dät Snöf, der Schnupfen, und S7täwsh, rotzig, von Pferden; Itär- 
ken, räuspern, dphärkcn, ausräuspern, den Qualster; snärken, 
schnarchen; snurren, schnurren; kndppen, knipsen; bögen und 
klöj}pen, klopfen; Kiulise bögen, Wäsche klopfen oder bläucln, 
daher de Klii/iseböger , der Bläuel, und dat Böhgsliörn, der Bläuel- 
lisch; knallen, knallen; kldtslien, mit der Peitsche knallen; daa- 
wen, toben; bummern, bezeichnet den Ton, der entsteht, wenn 
man auf dem Hohleise gehl oder sclilittert; daher dat Bummeriss, 
Ilohlcis ; de Bummcrfjdrt, der Bummeifurz; hinnern, hullcrn, lo- 
dern, vom Feuer im \\ mdofcn ; sjn'ägcln , prasseln, knistern, vom 
Feuer; pölshen, mit der Störstange ins Wasser plumpen und stö- 
ren, luii die Hechte ins Netz zu treiben, daher de Pölsher und 
de Plumpstöck; sjäppen, sappen; s/iurwcn, nagen, von Mäusen, mit 
knisperndem Ton; liären, dengeln, die Sense; sUppen, schleifen; 
picken, wie die Taschenuhr; s/nilpen, Flüssigkeiten umschütteln; 
pöslen, pausten; hdchcn, bauchen; blaa^sen, blasen; slubbern und 



2ol 

lubbern, schlüifen, von Enten im glunimen Wasser; knöwern, Ino- 
pern , das kurze Gras ganz knapp an der Erde abbeissen , von 
Pferden besonders , wovon ein Rasenslricli im Ilerrenkogc de 
Knöwrincie heissi; bubheln, von Sumpf blasen, die mit Geräuscb auf 
die Oberfläche des Wassers steigen; sunrjcrn, gellen, in die Obren 
hinein, und nachgellcn; knirkcn, knirren, wie der Schnee im 
harten Froste unter den Füssen; trämpcfi, trampen, trappeln, 
hart aufireten; sfnirrcn, schurren, auf dem Eise, u. s. w, 

Endungen des Zcilivortes. 

§. 159. Dass die Wandelform desselben sich, wie im Deut- 
schen, allemal auf en oder n endigt, ist schon §. 449 bemerkt 
worden. Ausser dieser Uebereinstimmung finden wir aber auch 
noch die Endungen ncn, igen, ern und ehi in beiden Sprachen 
wieder, wie z. B. rägnen, rechnen; renen, regnen; räiknen, nach- 
suchen; sägnen, säicknen, lieknen, Ucknen, sägnen, skknen, twe- 
nen, luhnen, ränen, kränen, reckhalsen (vergl. das deutsche der 
Kralm und der Kranich), u. s. w. 

Viele von denen, die sich auf igen endigen, sind nicht allein in 
beiden Sprachen von ähnlicher Bildung, sondern auch oft in der 
Bedeutung gleich , als : begnäsigen , begnadigen ; beshäsigen , beschädi- 
gen ; bewdüigen , bewilligen ; äujntlähsigen , entledigen ; \sennigen, sün- 
digen; künnigen ,]i^nn^\^en',inhißnnigen, einhändigen; sälisigen, sät- 
tigen; u. s. w. Oft hat aber auch das fries, Zeitwort die Endung 
[igen, wo das deutsche nur gen hat, wie in bäirigen, bergen, fäl- 
ligen, folgen; märrigen, merken; sörrigen, sorgen; baurigen, bor- 
gen; wirrigen, würgen, u. s. w. 

In andern Fällen sind die friesischen Zeitwörter dieser Endung 
von den deutschen abweichend, als: bäligen, jemand sehr laut 
rufen; swieligen und swälligen, i. verschlingen, 2. ersticken, das 
deutsche schwelgen, dän. at svälge; jö Swielig oder Swällig , 
der Schlund, das dän. Svälg und das deutsche Schwalg; fälligen, 
fidigen oder fieligen, feigen, einen Acker brachen; Iitilnn bedärri- 
gen, sich sammeln, besonders wenn man aus dem Schlafe oder 
einer Ohnmacht erwacht; fm/im forwilligen, sich verirren; H/issi- 
gen, reinigen; haadigcn, köpfen, enthaupten. 

Die Silbe ern zeigt eine Steigerung, Wiederholung, Fortsetzung 

32* 



232 

oder Andauer der im Zeitworle liegenden Handlung oder Verän- 
derung an, wie in hJdmmcrn, klettern; wällern, wälzen; shillern, 
nögcrn, tögern, snäsern, pläsern , släsern , plaudern und ausplau- 
dern, piesern, rappeln, xvägern, smäsern, schmettern, plummern, 
plempern, löwern, läwern, auftrieseln, hnöwern, släjngern, schlen- 
kern , baumeln, kldjngern, glUtern, hlälisern, jägtern, hinnern, 
simgern , gellen , söngern , sengern , anbrennen , biUer?i , bildern , 
sjdmmern, tdmmern, läwern, flönkern, flackern, süwwern, gerin- 
nen, kndbbern, knöwern, dnncrn, äntcrn , entern, hänlern, etwas 
über die Kanten wälzen, z. B. einen Balken, kentern, umstülpen; 
ilät Büjlt häntert, das Boot kentert; hldwivern, slubbern, lubbern, 
blubbern, Idnnern, lindern. 

§. 160. Bei manchen adjectivischen Zeitwörtern geht die Bil- 
dung desselben aus dem Comparativ des Bestimmungswortes her» 
vor, wodurch die Endung ern hier bewirkt wird, die dann den 
Steigerungsbegriff dem Zeitworte selbst mittheilt, als: formännern, 
männern, mindern; forgrottern, berickern, allem, forwillern, for- 
läjngern, forbäsern , miliern, u. s. w. [Hiervon unterscheide man 
jedoch diejenigen Zeitwörter , welche von solchen Adjectiven 
stammen, denen die Silbe er schon eigen war, wie: bdtter, säker, 
munter, Idcker, vmjer, edder u. s. w. , als: Iiäddern, heitern, von 
hädder; forldckern, verleckern, u. s. w. In den von Geschäftsna- 
raen abgeleiteten Zeitwörtern rührt die Endung ern ebenfalls 
von der Endung des Hauptwortes her, wie in glaasern, gläsern; 
shrüjddern , schneidern; sndjttern, tischlern; süttern , schustern; 
kriemern, krämern ; kraugern, krügern; ebenso in forswaagern, 
forbrausern , forsöslern, verschwägern, verbrüdern, verschwistern , 
von Swaager, Brauhser, Sösler. 

§. 461. Die Endung ein steht meistens wiederholend und mit- 
unter auch verkleinernd, wie in sticheln, ddjngeln, baumeln; rdj7i- 
gehl, rasseln, hellklingend; nesteln, nistein; sdgeln , rummeln, 
grximmeln, wimmeln; ujdrpeln; sjöhssehi, pässeln; shrummeln , wie 
z, B. eine hohllönende Trommel; shulnpcln, schultern, z. B. ein 
Wagen auf einem holprigen Wege; gräpeln, grapsen; tvrässcln , 
ringen; shrdjngeln , humpeln; fest ein , vorfausten, von Handschu- 
hen; fäjlteln, vorschuhen, von Stiefeln; ficheln, höckeln, heucheln; 
bijnseln , abstiefcln , davonlaufen; swdjngcln, schwindeln; krdw' 



wein, sprdwweln , sUampeln mit Händen und F'üssen; säppeln, 
zappeln; sträieln, staaweln, die Tabackspfeife ausräumen, daher 
dät Staawling, das Ausräumsei; spaucl.eln, spucken; fämmeln, 
urahertappen; rubbcln, über eine rauhe Fläche mit etwas hinfah- 
ren; tjäwweln, sich zanken. 

§. 162. Einige Zeitwörter verlieren bei der Umbildung in 
andre ihren Stammlaut, und diese bekommen dann eine ähnliche 
oder abgeleitete Bedeutung, wie in Iiöiven, jö Höw, hoffen, häi- 
tve?i, jö Häiw, vermuthen ; fähren, jö Faur, jö Färt, fairen, 
jö Fähr, führen; rocken, rauchen, riechen, räuchern; säicken, 
suchen, sägnen, vermissen; hungen , hangen, hingen, hängen; 
drdjnken , trinken, dränken, ertrinken und ertränken; sdjnken, 
sinken, sänken, senken; tanken, denken, täjnken, däuchten; lad- 
den, liegen, dät Lädd, der Deckel, ledden, legen; satten, sitzen, 
Seiten, setzen; winnen, winden, wijnnen, wenden; üjllen, älteln, 
allem, altern; siegen, stechen, sticheln, slicheln; springen, springen, 
spränken, sprengen, besprengen; grewen, gramven; klingen, kläjn- 
gern; grippen, grdwwen; slingen, sldjngern, d.wenn der Wagen von 
vielen kleinen Höhlungen und Unebenheiten in den Geleisen immer 
von einer Seite nach der andern geworfen wird , 2. schlenkern z. B. 
mit den Händen und Armen; smilten, schmeissen, werfen, smdt- 
ten , beim Weben der Leinewand den Kleister auf die Kette wer- 
fen, um ihn einzubürsten, davon dät Smdlting, der Weberklei- 
ster; kränken, kräjnken, kränken; iv armen , wiermen , wärmen; 
fällen, feilen, fällen, einfallend machen. 

Zusammensetzung des Zeitwortes. 

§. 463. Das Zeitwort wird nicht allein durch Vorsilben, Verhält- 
niss und Umstandswörter und durch die Verwandlung seines 
Slammlautes umgebildet, sondern auch mit Haupt- und Bestim- 
mungswörtern aller Arten zusammengesetzt, wie z. B. hüsshüjllen , 
haushalten; br önsli alten , brandschatzen; bläujdsliihggen , Ader lassen; 
räjdslägen, rathschlagen; mäjddetvällern , sich mit jemand in der 
Math wälzen; iss-slägen , glatteisen; rönsägen, bis zum Rande, 
d, i. bis aufs Aeussersle nachsuchen; efterräjknen , überall naeh- 
kramen, herumforschen; killhalen, kielholen; bauckhüjllen , buch- 
halten; öhveläußden , wörtlich: wolflaichen, d. i, der Reihe nach, 



254 

wcchselswcise über einander springen, ein Knabenspiel; strücke- 
Stelen, strunkenstehlen, nämlich Kohlstrünke, gleichfalls ein Spiel 
der Knaben; hältspälen, die Katze spielen, auch ein Knabenspiel; 
päujnsetlen, verpfänden; lönsetten, ans Land setzen; lönmäjllen, 
landmessen; shövklütten , Schandflecken; äilebilten, egelbeissen , 
von Blutegeln, de AilebiUer, der Blutegel; uhgwiltigen, einem 
gerade zu, gleichsam in die Augen hinein, die bittersten Vor- 
würfe machen; sämmerbüen , wörtlich: sommerbauen, brachen, ein 
Feld; dickteken, deichdecken , den Deich mit Stroh besticken; 
ringetdppen, aus dem Ringe tappen, ein Vergnügungsspiel unter 
jungen Leuten beiderlei Geschlechts; pönterneshijtlen , purzeln, 
Purzelbäume machen; grauwedielen , Gräsungsgraben vertheilen, 
jö Grainvedieling , die Grabenverlheilung; sliömbijdden, schandbie- 
ten; winndrögen, windtrocknen; kapselten, schröpfen; tiijdsägen, 
durch Noth dringen, nijdsäget, nothgedrungen; spägelfägten , spie- 
gelfechten; hömesetlen, Hamen oder Reusen setzen; kröhnspälen , 
kronspielen, ein Knabenspiel mit Sechslingen; issbösseln, eisbos- 
seln, eine Winterbelustigung; ringridden, ringreiten; räujtlsetlen , 
räujltsluhggen , wurzeln; gnüslelbitlen , im Schlafe mit den Zähnen 
knirschen, wörtlich: knorpelbcissen. Einige dieser Wörter bilden 
echte oder untrennbare, andre unechte oder trennbare Zusam- 
mensetzungen. 

§. 464. Mit Bestimmungswörtern werden unter andern zusam- 
mengesetzt: frikännen, frispregen, freisprechen; hillighüjllen , hei- 
lighalten, feiern; sljöglliäweln, schlichthabeln ; twdrrplaiigen, quer- 
pflügen, quieren; ställJiüjllen ; gäujdsedden , gutsagen, d. i. für 
etwas borgen; plätsluhggen , plattschlagen; wäirsedden, wahrsagen; 
grotlmägen, tjöckmägen, dickmachen, schwängern; wäjl füren, wohl- 
fahren; Ir'mdmmeruken , rundum sprechen, salbadern, eigentlich 
rund um den Diemen oder Schober laufen , daher nun de 
Trindmmeruk, ein fader Schwätzer; grollspregen, grosssprechen. 

§. i6ö. Ausser den bereits angewandten ümstands- und Ver- 
Lältnisswörtern sind noch folgende bei der Zusammensetzung des 
Zeitwortes zu berücksichtigen, als: foll, voll; mdss, miss; banne, 
binnen, inne; dmbäi, 1. vorbei, vorüber, 2. umher, 3. zu Ende; 
faarbdi, vorbei; töfaar, zuvor; lüss, los; töbähg , zurück; töfolle, 
U.S.W. Beispiele: follbringen, foll fairen , folllie-en, voflführen und 



vollziehen; mässgunnen ; bdnnehüjllen , bei sich behalten; banne' 
säien, binnennähen, beim Dachdecken, mit Seimen aus Stroh oder 
Simsen und Binsen*; dmbäigongcn, dmbäistjäwen , gaffend umher- 
gehen; Iiulim töfaarkämen, jemand zuvorkommen; lüssgongen, los- 
gehen; dät Tjüch gongt lüss, das Vieh geht los; 7iö gongt' t gelick 
lüss, nun geht's gleich los; töbäh g kamen , zurückkommen; tö folie- 
kämen, in Erfüllung gehen; dmkämen, ist l. zu seinem Nach- 
bar umkommen, weil man gewöhnlich um das eine Ende des 
Hauses herum gehen muss, als: dö kaast nög elling en läiet dm- 
käme; liegen die Nachbarhäuser aber so neben einander, dass die 
Thüren derselben sich auf gleicher Seite befinden, so ist es: kam 
en läiet Itäne, hin; liegen die Hausthüren einander gegenüber, 
so spricht man: kdm en läiet auwcr , komm ein wenig herüber; 2. 
umkommen, ums Leben kommen, als: dirr sdn mdnning dmkiem- 
men äujn dehirre Kolle, es sind viele in dieser Kälte umgekom- 
men. 

Das Wort dähl, nd. f/aa/,heisst nieder, aber auch todt, in dä/il- 
sluhggcn, dältlsliijtten , sonst: herab, herunter, wie in dählkämen, 
dählgongen, däfil fällen, de Mist släitdähl, der Nebel schlägt nieder. 

Echt und unecht zusammengesetzte , oder untrennbare und 
trennbare Zeilwörter. 

§. 466. Unter den §. 163 und 464 vorkommenden Wörtern 
bilden folgende echte Zusammensetzungen, als: brönshätlen, räjd- 
slägen, mäjddewällern, issslägen, r ansägen, öliveläujdden , lönsetten, 
päitjn selten , äilebitten, sdmmerbüen, dicideken, ringetdppen, winn- 
drögen, kapselten , nijdsägen, shömbijdden, spägelfdgten , issbösseln, 
trinndmmcniken. So auch tivittwädden , Gewäsch machen; tjisstjä- 
sen, salbadern, dummes Zeug schwatzen; nijdiugtigen, nothzüch- 
tigen; kävjttebäujtten, kaupeln, u, s. w. Unecht oder trennbar 
ist die Zusammensetzung dann, wenn das zugesetzte Wort den 
Hauptton bekommt; echt oder untrennbar, wenn die Betonung 
auf der Stammsilbe des Zeitwortes ruht, wovon bloss die beiden 



* Eine solche Seime heisst jö Täifig, pl. Täihge, von tie-en, 
ziehen; dagegen heisst das Band an der Peitsche: de Seme, die 
Seime, und ein Slroliscil im Dänischen en Sime. 



256 

Wörter: mdsslockcn, misslingen, und dgterfläcken, hinterflecken, 
eine Ausnahme machen, indem sie echt zusammengesetzt sind, 
und doch den Ton auf dem zugesetzten Worte hahen. Besonders 
bei den Zeitwörtern, die mit dm, um, dö/tr, durch, amver, über, 
tmner , unter, und wilisser , wider, zusammengesetzt sind, ändert 
die Betonung alles ab, als: dmbäggen, umhanen, kmbdggeti, um- 
bauen: he bdggd sin Hüss dm, er baute sein Haus um, jö kiel 
Haurd ds md Hühssinge ambdggd, der ganze Kirchhof (Hort) ist mit 
Häusern umbaut; he jeße Kaarde dm, er giebt die Karten um, 
dät Äiläujnn ds md Wähser dmjäwcti, das Eiland ist mit Wasser 
umgeben; dö shäht amjewe, du sollst umgeben, noch einmal, 
hähst dmjäwen? hast du dem Vieh im Stalle von einem Ende zum 
andern ein Futter gegeben? ick jew'r ninnt dm, ich gebe nichts 
darum , mag es nicht ; ämhacken , wwdiacken , dät hiel Bedd dm- 
hacken, das ganze Beet umhacken, he dmhäcket de hiele Töle, 
er umhackt den ganzen Busch; dmwäien, mwwchen, jö i'ijll Meilen 
ivdit dm, die alte Mühle weht um, kmwdicn, de Winn dmwdit me 
fon arken Egge, der Wind umweht mich von jeder Seite; so auch: 
dmslegen, «mstcchen, ämslegen, umstechen; ämstruhmmen, um- 
strömen, kmslruhmmen, umströmen; ämtie-en, mnziehen, amtie-en, 
umziehen: de hiele Hdmmel ds dmtägen; dmplönten, umpflanzen, 
ixmplönten, dät Hüss md Buhmme, das Haus mit Bäumen; dm- 
shriwwen, ttmschreiben , kmshriwwen , umschreiben; ämgongen, 
wmgehen , ämgongen , wdi wdn't Hölting dmgonge , wir wollen 
die Holzung umgehen. — Döhrh'iUcn, durchhcisscn , döhrbitten, 
durchbeissen ; döhrgongen, de Träjdd gongt di döhr't Nelluhg , der 
Faden geht nicht durchs Nadelöhr, dohygongen , dmchgehen, he 
wäjl't Hölting liewere döhrgonge ds döhrkäire, lieber durchgehen 
als durchfahren; döhrhörcu, durchbohren, döhvbören, durchbohren: 
dö borest döhr dät Baurd, Brett, he döhrböret hdm md an Sfähg , 
mit einem Stich u, s. w. — ^«M'erbijdden, Anerbieten, auwerbijd- 
den, überbieten: he bjött amvcr, he auwerbjött me; a?»i;erbringen 
und auwcvhringen; autverWen und auwerilcn , sich übereilen: he 
auwerilet hum, asr amver't Marked ilet, er übereilte sich, als er 
über den Markt eilte; auwer^äiren , überhhreu mit dem Wagen, 
auwerAäire«, überfahren; «wt'erfahren , überiahrcn (zu Wasser), 
he fauv auwer , er fuhr über, he auwer fahrt sin Jrbed, er über- 



257 

fährt seine Arbeit; au w er Mlcn , überhMcn: he feil auwer äw me, 
er fiel auf mich über; auwerf allen, überfallen: ja auwer feilen 
lidm äw'e Lömlraalc ; auwer^xccn , überü.\tgcn : jö Staurk fljögt 
auweft Hüss, der Storch fliegt übcr's Maus, dät Ilännefijärn au- 
werßug dät Fögelnest, die Hühnerweihe überflog das Vogelnest; 
aMwerfdiren , überKihrcn, auwev fairen, iihav führen ; auwerjcwen, 
übergaben, auwerjewen, übergeben, auch sich erbrechen; anwer- 
fellen, wterfüllen, von einem Fass ins andre; auwerfe//e/«, über- 
füllen ; a?««;ergongen und auwergow^e?»; dirr dshdnien groll Ünlock 
amvergingen, es ist ein grosses Unglück über ihn ergangen, hat 
ihn betrollen; de Ihne auwergöngl de Ausere, der eine überirilFt den 
andern; dö hähsl hdin aiiwergingen, übersprungen; so auch auiver- 
gijtten und auwergijlten ; awM^erhingen und aviwerhingen ; auwer- 
jagcn und anwevjagen; au^uerhieren und auwerhiercn; amverkamen 
und auwcvkdmeii; au w eiiesen , und anwerlescn, überladen und 
überladen; auwerVäiiicn und anw er läj lle7i , MÖerlassen und übcr- 
lassen; amverluppen und auw er liipp en ; auwerlawen, he Idwet de 
Wonter äi auwer, er lebt den Winter nicht über; anwerläwcn, de 
Ihne amoerläwet de Ausere; auwerledden und auwcrledden; auiver- 
nämenundauwer/zdmen/amtJersijnnen und auwers/;nwen; auwerdriw 
wen und auy^erdriwwen ; auwerirescn und anwcrtresen ; auwerdre- 
gen und auwerdregen ; auwerswummen und auw er swummen, über- 
schwimmen und überschwemmen ; auwersiecn und anwersieen ; auwer- 
setten und anw er selten ; auiverspannen und auwerspännen; ainver- 
spännen , wierspinncn: de Könker spannt auwer to jö auscr Skid, 
der Kanker spinnt über nach der andern Seite; he auwcrspdnnt 
dät kiel Rätt,er überspinnt die ganze Raute, d. h. Fensterscheibe; 
ainverlieen und anwertieen; «Mwersläujnnen und auwcrstdujn}ie7i , 
u. s. w. Einige mit auwer zusammengesetzte Zeitwörter sind 
durchaus untrennbar, als: auwertjögen , überzeugen, auwer wontcrn, 
überwintern, auwerwdnnen, überwinden, amverönlurden , überant- 
worten, auwerähsen, überfressen. — Unnerb'mncn und unncrblnnen ; 
unnergrcwen und unner^/rewew; imwerhüjllen und nnncrhüjllen; 
tfMMershriwwen und unncrsZ/rfw^CM; Mwnerstäujnncn und unner- 
stänjnnen; Mwnertiecn und unncrlieen; unner\up\)en und unnerluppen : 
he läppt unner'e Bnhmme; de Nägel ds md Bläujdd unnerlähin, der 
Nagel ist mit Blutunterlaufen, u. s. w. — Alle mit wihsser znsam- 

33 



258 

raengcselzlc Zeitwörter sind untrennbar, wenn es ivider bedeu- 
tet, und trennbar, wenn es die Bedeutung von ivieder (nocb ein- 
mal) hat, wie in; v^ihsscv/ahren, y> ihsser ledden, legen, wilisser- 
ledden, wieder hinlegen; wihssermjVWen , ralhen; wihsserseWe« , 
setzen, wihsserstävjnncn , stehen; wihssersjjre^cM, sprechen; — 
ivUisserkamen , wiederkommen. — Wibsser/m/cM , w iederholen , ist 
untrennbar. — Bei Subslaniiven wird ivilisser zu wäliser, als: de 
Wähserwdlle , der Widerwille, wähserwällig , widerwillig, wäliser- 
sdnnig, widersinnig, dät Wähserspdll, das Widerspiel ; wäliserivdn- 
nig , wellerwendisch; widerlich dagegen ist: tvddderUck, jö Wdd- 
derlick/iäid , towddderne wesen, zuwider sein. 

Klasseneinlheiluntj des Zeitwortes. 

§. 467. Das Zeitwort zeigt entweder ein Bestehen, wie in 
dem Worte seiti, alllings ivescn, oder ein Geschehen an, was die 
Erklärung desselben ziemlich genau erschöpl't. Aus dem Geschehen 
gehen nun drei verschiedene Zustände hervor, nämlich der ihäiige, 
der leidende und der unlhälige Zustand, und das Zeitwort zer- 
fällt demnach in das thätige (verbum aeiivum) , in das leidende (ver- 
bum passivum) und in das unlhälige Zeitwort (verbum neutrum). 
§. 168. Das thätige Zeitwort zeigt an, dass irgend ein Gegen- 
stand selbslwirkend ist, wie in den Wörtern: gongen, gehen; büen, 
arbeiten; luppen, laufen; stridden, slveiien isliihggen, sehlagen; shriw- 
wen, schreiben; ivrässeln, ringen; fangen, fangen; Ueiven, lieben; 
ringen, läuten; äjtiigen, anhalten, u. s. w\ Diesem Zustande ist nun 
zunächst der unlhälige entgegengesetzt, wie in: Iddden, liegen; 
satten, sitzen; rauen, ruhen; welen, ausruhen, u. s. w. In beide 
Zustände kann ich mich willkührlich versetzen und sie wieder 
aufheben, sobald es mir gefällt, 

§. 169, Der leidende Zustand, welcher dem thäligen geradezu 
enlgegengesetzt ist, unterscheidet sich sowohl von diesem, als 
auch von dem unlhätigen dadurch, dass er von meinem Willen 
durchaus unabhängig ist, z. B, in: worden, werden; ivesen , sein; 
äujnlstäujnnen , entstehen; forgongen , vergehen; u-ä/e« , welken; 
stäirwen, sterben; dränken, ertrinken; wägsen, wachsen; üjllen, 
allein; sören, siechen; bjdrsten, herslen ; sdinken , s'mken; ütlgongeuj 
ausgehen, erlöschen; aufsliiesen , \erscheiden , u. s. w. Hier ist über- 



259 

all reines Leiden, durchaus unabhängig von den Gegenständen, 
die demselben unlerworfcn sind, wie auch in: röchen, rauchen; 
dämpcn, dampfen; högen, kochen; wärhen, schmerzen; wärrigen, 
dasselbe; sivieligen, crslicken; driwweti, treiben, auf dem Wasser; 
sillen, sielen, treiben; s/idmmebi, schimmeln; gären, gären; liäiren, 
haaren; fähsern, mausern; Inkklen, häuten; böUnen, schwären; 
iünnen, schwellen; bräunen, brennen; brausen, braten; forstienen, 
versteinern; forliölten, verholzen; rösen, faulen; dprösen, verfau- 
len; blieken, bleichen; bdwern, beben; sheliven, zittern; bläjdden, 
bluten; forbläjdden, verbluten; friesen, frieren; töicn, thauen; 
dptöien, aufthauen; fiungen, hangen; swdtten, schwitzen; rüsten, 
rüsten; drögen, trocknen; forwälen, verwelken; gähsmcn, gähnen; 
insläipen , einschlafen ; äpivaagen , aufwachen ; swöhmen , in Ohnmacht 
fallen, schweimen, u. s. w. Mehrere Zeitwörter mit der Vorsilbe 
for (ver) zeigen auch reines Leiden an, wie: forkämen, vor Kälte 
und von zu starker Anstrengung fast umkommen; fo> kolligen, \oi' 
Kälte umkommen; forernien, verarmen; forbliekcn, verbleichen; 
for stummen , forlwiwweln , forünlokken , forwdddern, verwittern; for- 
smägten ; forböUnen , verschwären ; fordrögen ; forwillern , ver- 
wildern. 

Viele der leidenden Zeitwörter haben den wirkenden Zustand 
neben sich, so wie auch manche Activa intransitiva den zielenden 
oder transitiven Zustand zur Seite haben, als: dränkcn, de Mann 
dränkt, ick dränk man Hünn; dät Holt drdft, ick driw da Axnc; 
dät Hüssbrännt, jö brännt Kaffebune; dät Wahser köget, ja Fömmen 
köget Soos , Suppe; jö Gaus brauset, ick braas en Hase; ddKluhse 
dröge, ick dröhg min Kluhse; de Shörstijn rockt, ick rock Tobäck; 
dät Wahser liie't, he hiet sin Shew en lätet; dät Länert blicket, jö 
blicket hdr Länert; jÖ Böhser smolt, ick smolt Blie; da Arte uke, 
jö uket Kluhse , Wäsche ; dät Födder wdddert , jö wdddert hdr 
Khihse; dät Ljägt gongt ült, de Mann ds üttgingen; dät läiijn7i 
forgongt, dö hähst de forgingen; jö Wünnen kielet, die Wunde heilt, 
dät Plaasler hielet jö Wünnen. — Dass diese Zeitwörter, welche 
reines Leiden anzeigen, nicht mit der Leidensforra aus dem zie- 
lenden Zeitworte zu verwechseln sind , bedarf kaum des Er- 
wähnens, indem sie nicht den wirkenden Zustand voraussetzen, 
der jene Form bedingt, z. B, släien worden, geschlagen werden, 

33* 



-2G0 

und forlammn, erlaliraen; sldppen, los im Stifle sitzen, besonders 
von Einlegemessern , und fanget worden. 

§. 170. Das thätige Zeitwort zerfallt nun wieder in das zie- 
lende (v. Iransitivum), und in das tliätige, ziellose (verb. aet. in- 
transitivum). Beim zielenden Zeitworte gebt nämlicb die Tbätig- 
keit, welcbc dasselbe ausdrückt, immer als Wirkung unmittelbar 
auf einen andern Gegenstand über, der diese Wirkung leidet, und 
das Ziel oder das Object genannt wird , das ieb daber nennen oder 
mir wenigstens denken rauss, wenn der Sinn des Zeit\\ortesricbtig 
aufgefasst werden soll, wie z. B. bäggen, bauen; rähben, rupfen; 
slägtigen, scblacbten; drngen, seihen; mägen, macben; letalen, 
bezahlen; duhggen, ibun und geben; als: lie häggfn Häss; jö 
räbbct Iidr Gäis; jd slägtigc en Ögse; jö Fömmen dniget ß/ölhe; 
de Sütter mäget Stäiivle; dö belälest dinSItüU; Itedäi nie en Bauch, 
er gab (tbat) mir ein Buch. — Das tbätige, ziellose Zeitwort 
(v. act. inlr.) zeigt ebensowohl reine Thätigkeit an, aber diese 
geht nicht, wie beim zielenden Zeitworte, unmittelbar auf einen 
andern Gegenstand über, der die Wirkung dieser Handlung leidet, 
wie z. B. in gongen, swummen, sträiven, stridden, springen, büen, 
U.S.W. Hier muss ich ein Umstands- oder Verhältnisswort zu 
Hülfe nehmen, wenn diese Zeitwörter richtig verstanden werden 
sollen, als: ick gong lö Hüss, ich gehe nach Hause; he gongt äjtt'e 
Hülis, er geht daheim; ick gong ült äiv' t Fäjll , ich gehe aufs Feld; 
he gongt äiv't Fäjll, auf dem Felde; ick gong gätu, lägt,löngsaam, 
flink u. s. w. ; ick gong dmbäi, Iiänc, dp äjtt'e Bäirig , den Berg 
hinan; dp äiv'e Bäirig, auf den Berg; äiv'e Bäirig, auf dem Berge. 
He sivu7nmt ütt ävjn't Heef, aiiwer'e Sie-e, döhr'e Haaiven, ins Meer, 
über den See, durch den Hafen. Jö sträwet md hdr ^^rbed, sie 
strebt mit ihrer Arbeit; he sträwet ijti'e Wjärd, er streitet wider 
die Wahrheit; jd. stridde am Jllin an Bin, sie streiten ums Mein 
und Dein; he sprdingt ütt ävjn't Waliser, ins Wasser; he sivumrnt 
ävjn't Wahscr, im Wasser; auiver'e Slüjtt, über den Graben; dp 
äiv'e Wäien , auf den Wagen; tösidde, zur Seite; faärütt, voraus; 
dähl, nieder. Ick bü dw en Shäp, en Pär Stäiwle, ich arbeite an 
einem Schranke, an einem Paar Stiefel. 



261 



Anmerkunfjen. 

\. Einige thätige , ziellose Zeilwörter nehmen die Art des 
zielenden Zeitwortes an, wenn man den Gegenstand der Wirkung 
ausser ihnen setzt, als: en Dons dönscn, einen Tanz tanzen; en 
Kamp kempcn, einen Kampf kämpfen; lie slept en ünrauigen Släip, 
er schläft einen unruhigen Schlaf; dö luilistcngauhscn Stridd slrdn, 
du hast einen guten Streit gestritten. Mehrere zielende Zeitwör- 
ter können, umgekehrt, ohne den bestimmten Gegenstand ihrer 
Wirkung gebraucht werden, wenn man bloss die Art der Be- 
schäftigung ausdrücken will, als: wdi mägest? ick s/triiviv, icklces, 
ick ticken, ick mal, ick plant, ick spdl u. s. w. ich schreibe, lese, 
zeichne, mahle, pflanze, spiele u. s. w. Dass aber auch der Gegen- 
stand der Handlung hinzugefügt werden kann, versteht sich von 
selbst, als: ick shriivw en Bräif; ick lees dät Wägebleess (Wochen- 
blatt); he tiekent en Rauhs (eine Rose); jö malet en Fögel; ick grew 
en Kohl (Grube); %ve plante ßnhmme; ich bähsig dät Vaterunser' ; 
jö spannt Sihssen, sie spinnt Seide, u. s. w. 

2. Oft beruht es nur auf der Anwendung eines Zeitwortes, 
ob es zielend oder ziellos ist, wornach es denn bald mit hewen 
und bald mit wesen verbunden wird, als: dirr ijögt Fäirwähser dp, 
es zieht ein Gewitter auf, ds dptägen, ist aufgezogen ; ,/ö Wägt 
tjögt dp, ds dptägen, die Wache zieht auf, ist aufgezogen; ick 
tie min Klock dp, hähw dptägen, ich ziehe meine Uhr auf, habe 
aufgezogen; sin Bjärne dptieeti, seine Kinder auferziehen, hähw 
dptägen u. s. w,; ridden, reiten, he rdtt ütt, äs ültrdn, ist ausge- 
ritten; ic&nc?t?rfä/4//t, ich reite die Stute, habe geritten; käiren, 
fahren, he kjdrt änjnt Fäjll, äs kjärd, ist gefahren , ick käir Gäihs, 
ich fahre Dünger, häkiv kjärd; dät Hännehjärn shüjtt dähl äw en 
Sjückling , die Ilühnerweihe schoss auf ein' Küchlein herab, ds 
shähn>; de Jäger shüjtt en Bef, einen Fuchs, het shähn; bregen,de 
Stock bregt, der Stock bricht, ds brägen, ist gebrochen; ick breg 
man Airem, hähw brägen; riivwen, reissen, dät Tjöch rdfl, der 
Zeug zerreisst, ds räiven; ick riiviv min Kluhse, hähw räwen; smöl- 
ten, schmelzen, de Snie smoltet, ds smolten; he smoltet Blie, het 
smolten; blieken, jö Färrew blieket, ds blicket; jö blicket Lauert, 
het blieket; kögen, dät Wahser köget, ds köget; ick kög Soos (Suppe), 



262 

tiähiv köget; brausen, jö Gäiis braaset, ds braaset; jö brauset Speck, 
het braaset; tresen, de Urder Irel jö friert, hei trälin; Iie träjt in, 
ds inträ/m; dät Hüss brännt, ds bränd; jd bränne Sliene, Iiäwe 
bränd; ütUieen, dät Liefäulk tjörjt üit, dsütttägen; he tuch me en 
Taus ütt, het ütllägen; anfslävjnnen, he stöhs auf'e Wäien, ds 
aufstijnnen; he stont me sin Ragt auf, het aufstijnnen, u. s. w. 

§. 171. Unter den zielenden Zeitwörtern giebt es nun wieder 
mehrere, die ihr Ziel allein in dem Gegenstande haben, von 
welchem die Wirkung ausgeht, und diese heissen zurückzielende 
Zeitivörter (verba reciproca), als: he shaamel hdm, er schämt sich; 
dö grämst de, du grämst dich; ick besdnnme, ich besinne mich; 
ick blöget me, ich schämte mich dessen; huhm shäjnten, sich spu- 
ten; huhm behelpen, sich behelfen ; kuhm weren, sich wehren; 
huhm unnerslänjnnen, sich unterstehen; huhm div ivdt forläjtten, 
sich auf etwas verlassen; ke forwunnert hdm dirrauwer, er ver- 
wundert sich darüber; huhm forkäilen, sich erkälten; huhm kämen, 
sich erholen; he kämt kam, er geneset; huhm äjttdregen, sich ge- 
behrden; huhm tirren, sich wunderlich gebehrden; htihm äujn ^gt 
nämen, sich hüten, in Acht nehmen; huht» ivären, sich hüten ', dir r 
ivdll ick me nög (aar wäre, davor will ich mich schon hüten; dö 
maust de icäre, aus dem Wege gehen; huhm ütlnämen, sich her- 
ausnehmen. — Dahin gehören besonders alle Zeitwörter mit der 
Vorsilbe for, wenn sie etwas Fehlerhaftes anzeigen, wie in: huh7n 
forsieen, forspregen, forrägnen , forsläipen , forteilen (sich verzählen), 
u. s. w. Diejenigen Reciproca, welche im Deutschen das unper- 
sönliche es vor sich haben, bekommen im Friesischen häm, als: 
sich ziemen, häm sämcn, es ziemt sich nicht, dät sömet hdm di; 
sich passen, hd^n passen; es giebt sich wohl, dät jefl hdm nög ; es 
trifft sich so, dät dräivet hdm so; sich ereignen, zutragen, hdm 
tödregen; u. s. w. 

§. 472. Bei den bisher angeführten Zeitwörtern gehen die 
Veränderungen, welche durch dieselben ausgedrückt werden, 
immer von einem Gegenstande aus oder an demselben vor, den 
ich daher nennen oder durch ein Fürwort ersetzen muss, z. B. 
de Fögel läit ^ie, aurs labben Junge fäit'r äi, der Vogel legt Eier, 
aber lebendige Junge bekommt er nicht;' dät Wahser fröst, aurs 
de Wärmde töit't wihsser dp. — Wird aber das Geschehen einem 



263 

unbekannten Gegenstande oder einer Ursache zugeschrieben., die 
man nicht nennen kann, so gebraucht man das sächliche Fürwort 
dät (es) als: däl rint, es regnet; dät snäit, es schneiet; dät iväil, 
es weht; hagelt, hagelt; friisl, friert; tunnerl, donnert; läidet, blitzt; 
staurmt, stürmt; degel, taget; jimket, dunkelt; ddivwet, thaut (es 
fällt Thau); töü, thaut auf; urset, lenzet; sämmert, sommert, und 
wonlert, wintert. Dieser Einiheilung nach zerfällt nun das Zeit- 
wort in das persönliche (verbum personale) und in das unpersön- 
liche (verbum impersonale). 

Anmerkung. 

Die unpersönlichen Bildungen: es heisst, es verlautet, es wird 
gesagt, es wird dort getanzt, gespielt, geschwärmt, geschlachtet 
u. s. w. , werden im Friesischen durch dät und bald durch dlrr 
ausgedrückt, als: dät hält so, es heisst so; dät het nint tö sedden, 
es hat nichts zu sagen; dirr slönt shräwen, es stehet geschrieben; 
dirr wurt nint däjn, es wird nichts gclhan; dirr wort dönset, spa- 
let, slägligt. Vergl. §. 150. 

§. 173. Ausserdem haben wir noch die drei Hülfszeitwörter: 
wurden, wesen und hewen, werden, sein und haben, so wie die 
Zwitterhülfszeitwörter: dürren, dürfen, den Muth haben; tür- 
ren, dürfen, verpflichtet sein, die Erlaubniss haben; ÄYrnwe«, kön- 
nen; läjllen, lassen, niänjtten, müssen; maagen, mögen; shdllcn, 
sollen; wällen, wollen, die mit den übrigen Zcitwöriern eigene 
Verbindungen eingehen. Diess sind die verba auxiliaria. 

§. 174. Es giebt ferner unter allen bisherigen Arten von Zeit- 
wörtern einige, die in der Abwandlung nach Personen, Zahlen 
und Zeiten einer genau bestimmten Regel folgen , wobei ihr Stamm- 
laut immer unverändert bleibt, und diese bilden das regelmässige 
Zeitwort (verbum reguläre) ; und andere , die in Personen , Zahlen und 
Zeilen sowohl mit ihren Stamm-, als Nebenlauten abweichen, 
und diese bilden das unregelmässige Zeiltvort (verb. irreguläre) , 
wovon die nordfriesische Sprache eine bedeutende Menge und 
mehrere Arten hat. 

Bestimmung des Zeilwortes durch die Ausdrucksweise [Modus). 
§. 175. Die erste und ursprüngliche Form des Verburas ist 



264 

das Wandelivort, wie in: Urnen, leben; liewen, lieben, glauben; 
träwen, traben; sillen, treiben, schwimmen, fliessen; grdwwen, 
kläiscn , krauen und kratzen, mit den Nägeln, u. s. w. Wenn wir 
das Wandehvort bloss als Art des Ausdrucks betrachten, so steht 
dasselbe in der Unbeslimmtiteü (Infinitivus), als: stäirwen mä Ihre 
äs bähsere, dann Urnen mä Shöm, sterben mit Ehre, ist besser, 
als leben mit Schande. Da Urbebögere äiijn Ostindien, da Gcnloos 
sedde: släujnnen äs bähsere äs gongen, lädden äs bähsere äs satten, 
släipen äs bähsere äs luaagen , an stäirwen äs däl best aufäUes (stehen , 
gehen, liegen, sitzen, schlafen, wachen, sterben) u. s w, Ahsen 
an dräjnken, planten an sieen, sammeln an sprijdden, alles het sin 
Tidd; ähsen, dräjnken an släipen, äs alles, wät'r det, essen, trin- 
ken und schlafen ist alles, was er thut. Paar bär Huchmäujd 
huhm sellew äi kännen; sin ^llernc liewen an ihren, äs 'e Bjarnes 
Shüllighäid (Pliicht). 

Andere Formen der Unbestimmtheit sind: ick bliw satten; he 
hlief lädden; ick fänn häm släipen; ick fäil man Puls sluhggen ; dö 
hältst ijäujd snäken (reden); he helpt nie dregen; jö liert dönsen, 
lesen, shriwwen; hirr äs't äi gäiijd faiirt tö kämen; he gongt töbäd- 
den, er geht betlein, u. s. w. 

Das Wörtchen tö (zu) vor dem Wandclworte bildet mit' demsel- 
ben keine streng gerundische Form, sondern steht eigentlich mehr 
als Ergänzung des Sinnes bei Haupt- Beslimmungs- und Zeitwör- 
tern, als: he pleget edder tö Bedd tö gongen, er pflegt zeitig zu 
Bett zu gehen; dat äs swär tö dregen, das ist schwer zu tragen; 
ick häw nint tö ähsen, ich habe nichts zu essen; ick fräu me , de 
n'ihsser tö sieen, ich freue mich, dich wieder zu sehen; ick bän äi 
kiemen, am mä de tö tjätvweln, ich bin nicht gekommen, um mit 
dir zu zanken; he het noch en Bräif tö shriwwen , er hat noch einen 
Brief zu schreiben; jö het gaar nint tö duhggen, sie hat gar nichts 
zu ihun, u. s. w. 

Zu bemerken ist noch , dass das Wörtchen tö bei echtzusam- 
mengesetzten Zeitwörtern, wie bei einfachen, immer vor densel- 
ben steht, bei unecht zusammengesetzten aber so eingeschoben 
wird, dass es unmittelbar vor das eigentliche Zeitwort zu ste- 
hen kommt, als: dö hähst me nint tö uhgwilligen, nichts vorzu- 
werfen; dät fanget änjn tö issslägen , es beginnt zu glatteisen; he äs 



2Gi; 

äi to auwcrwännen, zu überwinden; unecht: de T/iief dsmtöfänyen, 
der Dieb ist oinzufangen; dät ds äi ntUähüjUen; so auch: wdgtö- 
dregcn, dplobrcijen , häitöliämcn , u. s. w. 

§. 176. Spricht man aber von einem bestimmten Gegenstande, 
so muss sic'i auch die Form des Zeitwortes darnach richten, als: 
ick bdn kränk; de Hünn hjdwset; man Braultscr sterrewt ; de Maune 
skint; man Näiber ds rick, anrs ick bän en ermen Mann; de Snie 
Idit noch tjöck äivt Fä,jll; dät Hüss wort bdygd. Hier ist in dem 
Ausdrucke überall Gewissheit , weshalb auch diese Form die 
Gewisskeit (Indicativus) genannt wird. 

§. i 77. Obgleich die nordfriesische Sprache für die Ungewisskeit 
(Dubitativus) keine eigene Form des Ausdrucks hat , so liegt es doch 
in der Natur der Sache, dass man die Ungewissheit nothwendig da 
denken muss, wo man die Gewissheit einerAussage nicht verbür- 
gen kann, z.B. He säks,ke käi'r ninte /b?i//j<?rrf, er sagte , er hätte 
nichts davon gehört; en wikssen Mönnsälts, de Mdnske käi dirrfaar 
man an Mass an tukg Ulire, däfr manncre snähe, an mörr liiere skäujl 
(hören solle). Daher gebraucht man , wo es angclit, häufig die gewe- 
sene Gegenwart (das Imperfectum) zur Bezeichnutig des Dubitati- 
vus, als: ick käw kierd , dät dö lägen käkst, ich habe gehört, dass 
du gelogen hast,d. h. ich bin Zeuge deiner Lüge gewesen; ick käw 
kierd, dät dö lägen käist , ich habe gehört (von Andern), dass du 
gelogen hättest; ke säit, dö käkst lägen, er sagt, du habest gelo- 
gen; ja serft/e, «//sew Pres/er ds kränk, sie sagen, unser Prediger sei 
krank; ke skdll kränk wese, er soll krank sein. 

§. 178. In den Sätzen: körr löcklick kökn 'e Mdnskene wese, 
wdns man bäksere wjärn! wie glücklich könnten die Menschen 
sein, wenn sie nur besser wären! ke köks bäksere Idwe, wdn'r 
äi so faale forspälet! kommt die bedingende Art des Ausdrucks 
(der Conjunctivus) vor. Wird aber die Bedingung als erfüllt 
betrachtet, so tritt auch die Gewissheit wieder ein; als: Ick 
mäks käll en Räiks tö man Braukser mäge, tvdnn iclir man Gijl 
tö käi; aurs ick räiks, söbdll ds ick Gijl fangen käw, ich möchte 
gerne eine Reise zu meinem Bruder machen , wenn ich nur das 
Geld dazu hätte; aber ich reise, sobald ich Geld empfangen habe. 
§. 179. Bei der befehlenden Ausdrucksweise (Imperativus) 
wird das Zeitwort möglichst abgekürzt, und die einfachen behal- 

34 



206 

len nur ihre Slammsilbe, als: gong! lup! stäiijn! ähs! gripp! füll 
üi! dräjnk! u. s. w. Hierher gehört auch die wünschende Art, 
als: u-dnn'r doch häme wäjll! die erlaubende Art: he mäi nög 
shriwwe ; die nölhigende Art: he mäiijt shriwwe ; die wagende 
Art: he türi't düjn , er darf es zu ihun wagen; die verpflichtende 
Art: he shdll shriwwe; die vermögende Art: hc hön shriwwe; die 
vertretende Art: he let shriwwe. 

Beslimmung des Zeilwortes durch Zeiten (Tempora). 

§. 180. Die drei Hauptverhältnisse der Zeit sind: die Gegenwart 
(Pvaesens) , jö Nötidd (Jetztzeit); die Vergangenheit (Pcrfectum), For- 
gingcnhäid; und die Zithunft {Futurum), jö tökämen Tidd. Darnach 
richtet sich das Zeitwort in seiner Abwandlung (Conjugation), als : 
ick rögt , ich richte; ickword rögtet , ich werde gerichtet; ick häw 
ragtet, ich habe gerichtet ; ick hdn rögtet ivorden; ick ivord rügten , ich 
werde richten; fc/i; ward rögtet worden , ich werde gerichtet werden. 

Zeiten ohne Beziehung. 

§. 481. Zeiten oline Beziehung sind: die Gegenwart, die Ver- 
gangenheit , die geschlossene Vergangenheit (Perfectum praeteritum) 
und die Zukunft. In allen diesen Zeiten drückt das Zeitwort ein 
Geschehen ohne alle weitere Beziehung auf irgend einen Umstand 
aus , als : ick rögt , ick häw rögtet , ick häw rögtet häjd , ick tvord 
rögtcn. 

§. d82. Die Gegemvart sagt aus, dass etwas jetzt, von jeher 
oder immer geschieht, als: ick law, ich \ehe;he sATä/if, er schreibt; 
jö säit, sie näht; he hdggt en Jlüss, er baut ein Haus; de Tieger 
äs cn giübsh T/iier, der Tiger ist ein reisscndes Thicv; da Staurke 
tiee tö auhser I.äujnnc ; dirr ds tiint Näis unnefe Sann , es ist 
nichts Neues unter der Sonne. — Die Bildungsform dieser Zeit 
ist die blosse Stammsilbe des Wandelwortes ohne die Endung 
en , und bei den auf ein und cm ausgehenden , ohne den Buch- 
staben n , als : gongen , ick gong , dö gongst , he gongt , pl. we 
gonge; kldwwern , ick kldwwer , dö kläwwerst, he kldwwert, pl. 
WC hldwre ; ddjngeln , ick däjngl , dö ddjngeht , he däjngelt, pl. 
we ddjngle. 

Für den Lcidcnssland des zielenden Zeitwortes sieht das zweite 



267 

Millclwort mit dem Wandelworle ivordcn (werden), v,\c: slrien 
worden , geschlagen werden , ick word släicn ; drä'jen worden , 
gelragen werden; dät Lieh worl dräijeu, die Leiche wird gelragen. 
Für den daraus hcrvorgelienden Zustand in der Gegenwart , als 
andauernd und bleibend gedacht, sieht das zweite Mitlelwort 
mit dem Wandelworle wesen , z. B. släien wescn, geschlagen 
sein ; ick bdn släien , u. s. w. 

Anmerkuncj. 

Der Leidensstand der zielenden Zeitwörter zerfällt daher in 
einen doppellen Zustand, nämlich a. in den werdenden, entste- 
henden , anhebenden oder beginnenden , und b. in den bleiben- 
den , fort- oder andauernden Zustand , wobei die Wandclwörter 
worden und wescn mit dem zweiten Mittclworlc beslimmungswört- 
licli zusammengcslcllt werden , jedoch immer mit Beibehaltung 
des Nebenbegriffes von einer vorausgegangenen Veränderung in 
der Zeit, wie z. B. Ick bdn en släienen Mönn, ich bin ein ge- 
schlagener Mann ; dö bdst C7i liülleneu Kjdrl ! du bist ein gehal- 
tener Kerl, d. i. einer der sich gul slchl; lie ds enplägeten Mdnshe. 

§. 185. Die Vergangenheil. Hier wird der Zustand ohne wei- 
tere Beziehung geradezu in die vorige Zeit gesetzt, als: Ick häw 
ahn , drunken , gräwen , släipcn , ich habe gegessen , gelrunken , 
gegraben, geschlafen; und beim leidenden Zeilworic , so wie 
beim verb. act. inlransitivum, wenn eine Richtung dadurch be- 
zeichnet wird , mit wesen , als : ick bdn feilen , ivügsen , drängd , 
sunken , ich bin gefallen , gewachsen , ertrunken , gesunken ; he 
ds kjärd , gingen , fägcn , wagtägcn , er ist gefahren , gegangen , 
geflogen , weggezogen ; jö ds dujn 'c Süss Sprüngen , sie ist in den 
Brunnen gesprungen. 

Anmerhunri . 

Die Bildungsformen dieser Zeit sind ebenfalls das zweite Mittel- 
wort mit den Hülfswortern hcwen und wesen, wie: Idwet hewen , 
gelebt liabcn ; shrdtven hewen , geschrieben haben ; tuügscn , slür- 
iven, drängd wesen, gewachsen, gestorben, ertrunken sein. Das 
zielende Zeitwort hat hier im Leidensslande doppelte Bildungs- 
formen , eine für den anhebenden , und eine für den dauernden 



2G8 

Zustand; für jenen das zweite Miüelwort (Parlicipium) mit wwrfle« 
Wesen , als : gram würden wesen , gegriffen worden sein ; fanget 
würden ivesen , gefangen worden sein , als : lie äs fanget würden , 
er ist gefangen wd^den; für diesen das zweite Mittelwort mit 
tvähn /lewen, gewesen haben, statt gewesen sein, als: fanget wähn 
hewen , gefangen gewesen sein ; ick häw fanget wähn ; de Fögcl 
het all twäie fanget wähn , anrs Iie äs ärk Tdch wihsscr icägßägen , 
der Vogel ist schon zweimal gefangen gewesen , aber er ist jedes 
Mal wieder weci^eflocren. 

§. 184. Die geschlossene Yergangenheil. Es giebl Handlungen 
und Zustände , welche die Yergangenheil schon als völlig abge- 
schlossen darstellt , indem keine Fortdauer derselben mehr denk- 
bar ist, als: ich häiv de Gönner slägtigt, ich habe den Gänserich 
geschlachtet ; he hei en Hase shähn (geschossen) ; man Fidder äs 
stüriven, mein Vater ist gestorben; dät Bjärn het häm düjdfellen, 
das Kind hat sich todi gefallen. Andere Zeitwörter setzen nur 
den Anfang eines dauernden Zustandes in die vorige Zeit, deuten 
aber zugleich eine Forldauer des Ausgesagten an , als : ick häw 
min Fähserhniff slän , ich habe mein Federmesser vejloren; ick 
häw me faarset , ich habe mir vorgesetzt ; ick bän feilen , ich 
bin gefallen ; das Messer ist nun verloren , der Vorsatz gcfasst , 
und ich liege nun da. Noch andere zeigen zwar die Vollendung 
der Handlung an , bestimmen aber zugleich das Dasein dessen , 
was durch diese Handlung bewirkt worden ist, als: He het 'n 
Bräif shräwen , en Kaie mäget , en Büjll tämmert , en Kohl gräwen, 
en ShruiD dräid , en Meilen bäggd ; der Brief, der Schlüssel, das 
Boot, die Grube, die Sehraube und die Mühle sind nun vor- 
handen. Soll aber etwas in jeder Rücksicht beendigt und abge- 
schlossen gedacht werden , so tritt auch eine neue Form dieser 
Vergangenheit ein , nämlich : häjd hewen und wähn hewen mit 
dem zweiten Mittelwortc , wohin auch die letzten Beispiele der 
vorigen Anmerkung zu §. 183 gehören, als: Ick häw man 
Gijlpung slän häjd, ich habe meinen Geldbeutel verloren gehabt; 
dät Shäp het sunken wähn , das Schiff ist gesunken gewesen ; ick 
häw miridden ivähn , bin ausgerilten gewesen ; der Geldbeutel 
ist nun wieder gefunden, das Schiff aus der Tiefe gehoben, und 
ich bin wieder nach Hause gekommen. 



269 

§. 185. Die Zukunft. Die beziehungslose Zukunft zeigt gera- 
dezu an, dass künftig etwas geschehen Averdc , als: lie xvorl 
mjdrne räise , er a\ iid morgen reisen ; lie wort äjt Sävdäi präjlc , 
er wird am nächsten Sonntage predigen ; jö wart dilllng noch 
häme ^ sie vtird heule noch kommen; ick ward innebliwwe , ich 
werde zu Hause bleiben. Diese Zeit wird aus dem Wnndehvorle 
des Zeilwortes und worden (werden) gebildet, als: släirwen wor- 
den , släicn worden . släipen worden. Diese Bildungsform gilt 
sowohl für den Wirkungsstand, als bei allen ziellosen Zeilwörtern. 
Beim anhebenden Zustand des Leidensslandes setzt man das zweite 
Mittelwort zwischen worden ivorde7i {v>cvdcn weixleu): worden släien 
worden , worden fordräwen worden , worden fängel tvorden , als : ick 
Word släien worden , wc worde fanget worden , ja, worde fordräwen 
worden. Beim andauernden Zustande tritt das zweite Mittelwort 
zwischen worden urui when , als: ivorden äiijnlägen wesen , ja ivorde 
äujnlägcn wescn, he ivorl släien tvesen , däl Hüss wort bdggd wesen. — 
Auch bei Mulhmaassungen wird diese Form gebraucht, als: he 
wort forligt mägonge , he wort wäjl faale Gijl fortiene , ick liew , 
jö wort här nög hcfräie , sie wird sieh wohl vcrhcirathcn; he wort 
nög äpkäme , er wird wohl aufkommen u. s. w. Siatt worden 
gebraucht man auch wällen (wollen), wenn der Wille des Men- 
schen daran Theil nimmt , als : ick wäll anrdemjärnc ütträise 
(übermorgen verreisen) ; he wäll sin Hüss forkuppe ; jö wäll har- 
ren Mann forläjtte , sie will ihren Mann verlassen. 

Zeiten in Beziehung. 

§. 486. Diese sind: 1. die Gegenwart in der Vergangenheit 
oder die gewesene Gegenwart (Imperfeelum) ; 2. die gewesene Ver- 
gangenheit (Plusquamperfeclum); 5. die geschlossene , gewesene Ver- 
gangenheit (Plusquamperfectum finitum), und 4, die Vergangenheit 
in der Zukunft oder die gewesene Zukunft (Futurum exactum). 

§. 487. Die gewesene Gegenwart. Dieser Zeit bedienen wir 
uns, um anzuzeigen, dass wir bei etwas Vergangenem gegen- 
wärtig gewesen sind , oder wenn etwas als gleichzeitig gesche- 
hend dargestellt werden soll, wovon das eine sich auf das andre be- 
zieht, weshalb dann auch der Salz allemal durch einen zweiten 
zu ergänzen isl , der mit als anfängt , und den man sich auch 



270 

da immer hinzudenken rauss , wo er nicht angcgehen ist , z. B. 
Ick was tö haaiv , ds 'e Prdwst präjtet , ich war zur Kirche , als der 
Probst predigte ; ick licwd min Süsler {äs noch Idwei) , ich lieble 
meine Schwester (als sie noch lebte) ; ich släip in , ds ick Opium 
fangen fiäi , ich schlief ein, als ich Opium erhalten halle; de 
Bürre ging jüst faarbäi, ds jö Mellenrultw aufßng, der Bauer ging 
gerade vorbei , als die Mühlenruthe herabflog. Frage ich : huhm 
sähs däl? wer sagte das? so setze ich voraus, dass der Gefragte 
die Aussage des Andern geiiört habe , sehr verschieden von : 
hulim hei dal säidP wer hat das gesagt? wo bloss nach etwas 
Vergangenem oline alle Beziehung gefragt wird. Diese Zeit wird 
häufig beim Erzählen längst und jüngstvergangener Begebenheiten 
und Ereignisse gebraucht, um dieselben lebhafter darzustellen, 
z. B. »An Jesus slrigd sin Hmijnn üll , hjärd hdm äiijn , an sähs: 
ick wdlit düjn , wes rien !" Matih. 8 v. 5. y>Än Gödd magel en 
groll Ljägl , diiVe Däi regiercl , an cn IdjU Ljägl , dirr 'e Nagt regie- 
ret ; dirtö og Släire. i Mos. 4 v. 46. 

§. 488. Die gewesene Vergangenheit. Die gewesene Gegenwart 
setzt uns so in die Vergangenheit zurück, dass etwas in derselben 
gleichsam vor unsern Augen oder in Gegenwart des Erzählenden 
vorgegangen ist, wogegen aber die gewesene Vergangenheit etwas 
angiebt , was vor der Zeit geschehen ist, in welche wir versetzt 
werden , wie z. B. He häi däl liräif all äw'e Post brögt, äs ick 
äujnkanm , er halle gebracht, als u. s. w. He häi me dät all 
ihnsen ihr säid , er hatte mir das schon einmal früher gesagt 
(als eres mir zum zweiten Male sagte). — A's ick ültkjärd, häi 'lall 
ävjnfänget lö renen ; de Thief ivax all änjnihiemen , ds efter hdm 
sägten ; he häi ütlriddcn wähn , äs wäi tö Iidm kaumen ; de Jäger 
häi dät Reef all shähn , äs Paul sin Fängjörn [aar 't Haaling 
stdlld , der Jäger hatte den Fuchs schon geschossen , als Paul 
sein Fangeisen vor die Oeffnung der Grube stellte, 

§. 489. Die geschlossene, gewesene Vergangenheit. Wenn ich 
erzähle: he het sän A'mledder sldn häjd , er hat sein Taschen- 
messer verloren gehabt , so unterscheidet sich diese Form nur 
dadurch von der der geschlossenen Vergangenheit, dass het in häi, 
[hat in halle und hätte) verwandelt wird. Z. B. He häi dilling all 
ijnsen üttridden tvähn , ds wdt (er und ich) md enauser iö angeln 



271 

gingen , er war heute schon einmal ausgerillen gewesen , als wir 
mit einander gingen, um zu angeln; sän sihssene Gijlpiing , dirr'er 
all träic shin Jiii'ul Iiäi , was nö wilisser wäg , sein seidener Geld- 
beutel, den er schon dreimal verloren gehabt hatte, war nun 
wieder weg; man Sahn fortelld,ds Paul äujnl Sfiäujl hiemen was, 
häi 'r sin Bauche forjähn häjd , an dirrfaar wihsscr tohüss gonge 
möst, am 's tö halcn , mein Sohn erzählte, als Paul in die Schule 
gekommen wäre , hätte er seine Bücher vergessen gehabt und 
deshalb wieder nach Hause gehen müssen, um sie zu holen; 
he häi sän Lachse forjähn häjd, äs 'r dpsedde shäujlt /mi, er hätte 
seine Lection vergessen gehabt, als er hätte aufsagen sollen. 

§. i90. Die gewesene Zuhnnft. Wir können uns eine Vergan- 
genheit in der Zukunft schon als beendigt und abgeschlossen 
denken, wofür die nordfriesische Sprache sehr bestimmte und 
geläufige Zeitformen durch ihre drei llülfszeitwörter wesenjieiven 
und worden zu bilden vermag , die sie alle drei in einigen der- 
selben mit einander verbinden kann , was in den ihr verwandten 
Sprachen nicht möglich und daher auch in denselben nicht nach- 
zubilden ist. Die Formen dafür sind folgende: 1. worden hewen; 
2. worden würden wesen; 5. worden ivähn hewen; 4. worden wähn 
würden wesen; 5. worden wähn häjd hewen; aber nur in Verbin- 
dung mit irgend einer andern Vorstellung können wir diese For- 
men anwenden, als: he wort ahn hewen, ihr du wilisser lobdhg 
kämst, er wird gegessen liabcn , ehe du wieder zurückkommst; 
he wort ävjnset würden wesen, wän 'e Kinning hirr kämt, er wird 
angestellt w orden sein , wenn der König hier kommt ; ja worde 
longens ült 't Rick wähn hewen , ihr't 'e Kaiser äujnhäi kämt , efter 
jäm tö säjcken , sie werden längst aus dem Reiche g('^^ esen sein , 
ehe es dem Kaiser in den Sinn kommt, nach ihnen zu suchen; 
we ivorde fanget wähn tvürden wesen , wörtlich : wir werden gefan- 
gen gewesen worden sein; wc worde dirr wähn häjd hewen, ihr't 
Ihr dm äs, wir werden da gewesen sein (gehabt haben), ehe 
das Jahr um ist. — Ferncrc Beispiele : Ick ward ültsläipen hewen , 
ihr dö klär tvorst , ich werde ausgeschlafen haben , ehe du fertig 
wirst ; de Slägicr wort dät Laumm fälld hewen , wän 'e Klöck licn 
släit , der Schlächter wird das Lamm gefillt haben, wenn die 
Glocke zehn schlägt; he wort wälihl würden wesen, ihr 't Mdddäi 



luorl , er wird gewählt w orden sein , ehe es Mittag wird ; däl 
Hüss wort häggd würden wescn, wdn 'e Amtmann inlijn sltall, das 
Haus wird gebaut worden sein, wenn der Amtmann einziehen soll. 

Annier/cung, 

In dem Satze : dät Hüss ivorl bdggd wesen , wird der Zustand 
des Hauses als andauernd in einer Zeit der Zukunft, die wir 
uns gleiclisam gegenwärtig denken , oder als bleibend in der 
Gegenwart der Zukunft, bezeiehnet, entsprechend der Form der 
Gegenwart: dät Hüss äs bdggd! das Haus ist gebaut. Bat Hüss 
wort bdggd würden wesen, drückt nur geradezu die Vollendung 
des Bauens in einem Zeilpuncte der Zukunft aus, wodurch erst 
der andauernde Zustand bedingt wird, entsprechend der Form: 
dät Hüss wort häggd worden , wird gebaut werden. — Bat Hüss 
lüort häggd ivälin Itewen , bezeichnet die Vergangenheit als abge- 
schlossen in der Zukunft , entsprechend der Form : dät Hüss het 
häggd iväfin , ist (hat) gebaut gewesen. Bat Hüss ivort bdggd wähn 
häjd Itewen, drückt die geschlossene, verdrängte Vergangenheit in 
der Zukunft aus, entsprechend der Form: dät Hüss het bäggd 
wähn häjd, wörtlich: das Haus hat gebaut gewesen gehabt, 
d. i. ist gebaut gewesen. Der nordfriesischen Sprache sind 
diese Zeilformen eigenlhümlicii und leicht , weil sie sowohl 
hewen und wesen , als auch in vorkommenden Fällen alle drei 
Hülfswörter , ivorden , ivesen und hewen , mit einander verbinden 
kann. 

Personen des Zcilworfes in beiden Zahlen. 

§. 191. Das Zeilwort verändert seine Endungen, je nachdem die 
ihm vorgesetzten Haupt- und Fürwörter in der Einheit oder Mehrheit 
stehen, als: de Kräjdder hräit , der Hahn kräht, de Gönner snascrt , 
der Gänserich schnattert , da Hünne bjäwse , die Hunde bellen , 
da inerte swumme , die Enten schwimmen. Nach den Personen 
bekommt es folgende Abänderungen. 

Einheit. 

Erste Person. Hier verliert das Zeitwort die Endung seiner 
Wandelform en , als: ick liew , ich liebe, glaube; ick law, ich 



273 

lebe; ick gong, gehe; ick rldd, reite; ick ä/is, esse; ick s/iriww , 
schreibe, ii. s. w. Die Zeitwörter mit den Endungen ein und ern 
verlieren bloss ihren Endbuchstaben n, als: sprdiveln, icksprdivel, 
ich strample; sjühsseln, ick sjültsscl, ich pässlc; bäivcrn, ickbäwer, 
ich bebe , u. s. w. 

Zweite Person. Der Stammsilbe des ganz regelmässigen Zeit- 
wortes wird hier die Silbe est angehängt ; die mehr oder weniger 
unregelraässigen , so wie auch die auf ein und er«, bekommen nur 
den Buchstaben st als Zeichen der zweiten Person, als: dö borest, 
du bohrest ; dö klagest, du klagst ; dö fragest , du fragst ; dö dräivest , 
A\xiT\ü&i\döträivest, du trabest, u. s. w. Unregelraässig: (ZöAämsf, 
du kommst ; c?ö sjögst, du siehst; Jö bräjngst, du hringst; dö gongst, 
du gehst, u. s. w. Shellewen , dö shellewst ; kldjngern , dö kldjngerst; 
rdjngeln , dö rdjngelst ; gräpeln , dö gräpelst, u. s. w. 

Dritte Person. Hier bekommt das Zeitwort die Endung et , 
oder auch nur ein / am Ende, Die ganz regelmässigen bekom- 
men et, die übrigen bloss t; als: he Idivet, er lebt; jö kälct, sie 
holt; hdt kröget, es drückt; dät rippet, es reift. Unregelmässig: 
fie gongt, er geht; jö sdtt, sie sitzt; hdt gällt, es weint; dät 
rint , es regnet ; he stämmert , er stottert ; jö bjdrselt , sie bürstet. 
Diejenigen Zeitwörter, welche sich auf nien endigen, wie gähs- 
men , gähnen; brähsmen , sich erhitzen, vom Heu; fäiksmen , 
fadmen ; shwiermen , schwärmen ; stiermen , riechen ; Hermen , här- 
men, und ähnliche, bekommen das e vor dem m, als: he gäsenit, 
dät Födder bräsemt, he fäisemt , he shwieremt dmbäi, Jö sHeretnt, 
he hei^emt ham , er härmt sich. 

Zweiheit und Mehrheit. 

Die erste und zweite Person im Dualis sind den drei Personen 
in der Mehrheit gleich ; das Zeitwort verliert hier seinen End- 
buchstaben w, und behält das e bei; als: ivdt , jät , we , jdm ^ 
jd spdle , greive , snäke , hdrke , bdgge , stäujnne , gonge , u. s. w. 
Diess gilt ausnahmlos für alle Zeitwörter ohne Unterschied in 
der Mehrheit der Gegenwart ; wogegen die Mehrheit der gewe- 
senen Gegenwart , das Imperfectum , auch ohne Ausnahme , die 
Endung en bekommt, als: tvdt , jdt , we , jdm, jd spähten, grau- 
fen, snäketen, hdrketen, bdggden , sfijnnen , gingen, gräpelton, kl djn- 



274 

gfrten , ddjngerten u. s. w. , wir spielten , gruben , sprachen , 
horchten , bauten , standen , gingen u. s. w. , für alle Personen 
der Zweiheit und Mehrheit. 

Anmerkung. 

In altern Zeiten fehlte auch das End -e im Hochdeutschen bei 
der ersten Person der Gegenwart , wie z. B. ich geh , ich bleib , 
ich dien, u. s. w. , wie noch jetzt im Oberdeutschen , wo man es 
hiäufig wTglässt. Im Platt- oder iNiederdeutschen findet man es 
so wenig, wie im Friesischen, als: ick slaap , ick ivaak , ick schriew , 
iek lato u. s. w. Dagegen fügt der Däne seinem Wandelworte hier 
in allen Personen der Einheit den Buchstaben r zu , wie z. B. : 
at leve (leben) : jeg lever , du lever , han lever , det lever , welches 
bei allen drei Personen in der Mehrheit wieder wegfällt, als: 
vi leve , 1 leve , de leve. 

Eigene Bildungen durch die fVandelform des Zeitwortes. 

§. 192. Wie im Deutschen , geht die Wandelform des Zeit- 
wortes mit den Hülfswörtern Äewjßw , wesen und u'on/e«, vermittelst 
des Wörtchens tu {zu), neue Verbindungen ein, als: tö lesest heiven, 
zu lesen haben; tö lesen ivesen, zu lesen sein; tö fordäwwen wor- 
den , zu verdauen werden ; tö mäjlte kämen worden , übel anlaufen 
werden. — Anwendung: dö bdst tö beklagen; dät ds äi ütttöspre- 
gen, nicht auszusprechen; dirr ds äi klaiick Uli tö worden; ick 
häw faale tö sfiriwiven ; ja häwe nint tö bitten an tö brännen ; dät 
Holt ds äi tö brücken ; dirr äs noch klär mä tö worden ; dät Rümm 
äs äi dptötviermen , das Zimmer ist nicht zu erwärmen ; dirr 
worl wdt tö grcwen worden ; dirr ds nint lö hälen ; dirr ds man 
läiet tö fortienen ; dö hähst hirr nint tö sedden; de Kolle ds äi 
ütttöhüjllen ; dirr ds en Biese tö sieen , u. s. w. 

Die Mittelwörter. 

§. 195. Die Mittelwörter entstehen aus dem Zeitworle, und 
machen den Uebergang von diesem zu dem zeitwörtlichen Bestim- 
munssworle , indem sie mit beiden , dem Zeit- und dem Bestim- 
mungsworte , etwas gemein haben , weshalb sie eben den Namen 
Mittelwörter führen; z, B. de liewende Fidder , der liebende Vater; 



27Ö 

de ihrekrönede Mönn , der elirengckrönle Mann. Das erste Aliüel- 
wort wird dadurch gebildet , dass man dem Wandelworte ein 
d anhängt, wie im Deutschen, als: liewend, sjöngcnd , dönsend , 
spälend , u, s. w, Ihr Gebrauch ist folgender: de jliecnde Füget; 
de dönsende Dring ; de sivummende Fäsh ; jö läkend Fömmen ; dät 
bräunend Hüss ; de släir wende ^U/iäte (Grossvater) ; en flicemlcn 
Fögel ; en swiimmenden Fäsh; en brännend Hüss; en liewend Mod- 
der; en släirwenden ^It/täle. Hinter dem Haupt- und Fürworte 
stehen sie unverändert , als : de Fögel äs flieend ; de Fäs/i ds 
swummend; he äs släipend , dö hast häjnkend. 

§. d9i. Das zweite Mittelwort endigt sich bei ganz regelmäs- 
sigen Zeitwörtern allemal auf et , und bei denjenigen , die mit 
den Endungen men, igen, etn und ern versehen sind, auf t, wo 
dann die Endung men in enit verwandelt wird. Beispiele: läwel, 
gelebt; släivet , geschleppt; ägtet, geachtet; dröget, getrocknet,- 
plaiiget, gepflügt; betätet, bezahlt; gässemt, gegähnt; slieremt, 
gerochen; hunigt, gehöhnt; wänigt, gewöhnt; häwett, gehobelt; 
kräivelt , gekrüppelt; rupett , aufgewunden; släsert, geklatscht, 
geplaudert ; hännert , gehindert ; Idtinert , gelindert. Das halb 
regelmässige endigt sich auf rf, als: bekännd, bekannt, eingestan- 
den; brännd, gebrannt; dräid, gedreht; fetld, gefüllt; tetld, ge- 
zählt; bühd, gearbeitet; töid, gethaut, u. s. w. 

Bei dem ganz unregelmässigen Zeitworte finden wir eine Menge 
abweichender Formen und Endungen, als: slängd, geschlungen; 
shäss, geschieden; ret, gerathen , errathen ; häjtten, geheissen; 
bahn f gebeten; gräm, gegriffen; stähm, geschliffen; säjn , ge- 
sehen; täien, gelegen; gldn, geglitten; dräwen, getrieben, u. s.w. 
(Siehe das unregelmässige Zeitwort). 

§. 195. Ein besonderer Ausdruck ist hier zu erwähnen, wel- 
cher, ebenfalls wie im Deutschen, die Bedeutung eines Participii 
Futuri Passivi hat. Er ist der Form nach dem ersten Mittel- 
worte ähnlich, mit vorgesetztem tö, als; de tö liewende Fidder, 
der zu liebende Vater; de äi tö forbäsernde Sahn, der nicht zu 
bessernde Sohn; de huchtöforihrende Hiere, der hochzuverehrende 
Herr; de tö bresende Seme, die zu flechtende Seime; de tö grün- 
nende Wijtte, der zu mahlende Weizen; de tö betälende Söme , die 
zu bezahlende Summe; da tö bdggende Hühssingc , die zu bauenden 



276 

nauser;f/ft tö bctviinnernde Wüssedc ,Vrauenz'\mmcr ; da tö forägtende 
Bcdregere, ßetrieger. Aber nur das zielende Zeitwort gestattet 
diese Form. Bekanntlich ist sie entstanden aus dem alten von 
tö regierten Dativ des Wandclwortes [to liewene), mit euphonisch 
eingeschobenem d. 

Abwandlung (Conjiigalio) des Zeitwortes. 

§. 196. Das Hülfszeilworl weseii [sein). 

Mittelwörter: Istes: wesend, seiend; 2tes: tvähn, gewesen. 
Wandelivorl : wesen , sein. Vergangenheit : tväfin heiven , gewesen 
haben, statt sein; Zukunft: wesen worden, sein werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Gewissheit in der 

Gegenwart (Indicativus) : 

Einheit: Ick bän , dö hast, he,jö, hat, dät äs; bin, bist, ist. 
Mehrheit: Wdt, jät , ive, jdm, ja sdn; sind, für alle Personen. 

Vergangenheil. 

Einh. Ick hähw ivähn, dö hähst wähn, he,jö, hat, dät het ivähn. 
Mehrh- Wdt, jät, we, jäm, ja häwe wähn. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw wähn häjd, dö hähst wähn häjd, he het ivähn häjd. 
Mehrh. Wdt, jät, we, jäm, ja häwe wähn häjd. Die Bildungsform 

ist hier: ivähn häjd hewen (gewesen gehabt haben), die man 

im Deutschen nicht nachbilden kann. 

' Bedingung. 

Einh. Ick ivörd weseti, dö wördst wesen, he, jö u. s. w. ivörd ivesen. 
Mehrh. Wät , jät , we , jätn , ja ivörden ivesen. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick was, dö wjärst, he, jö, hat, dät was. 

ßlchr. Wät, jät, we,jdm,jä wjärn; waren, für alle Personen. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi ivähn, dö häisl wähn, he, jö, hat, dät häi wähn. 
Mehrh. Wät, jät, we,jäm,jä häjn wähn; (hatten, statt waren). 



277 



Geschlossene , gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi wähn häjd, dö häist wähn häjd, he liäi wähn häjd. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm,jä häjn wähn häjd. Die Bildungsform: 

ivähn häjd Iicwen (gewesen gehabt haben , gleichsam ; waren 

gewesen gewesen) ist nicht nachzubilden. 

Bedingung. 

Einh. Ick ward ivähn hewen , dö wardst wähn hewen , he wörd wähn h. 
Mehrh. Wdt, jdt, we,jdm,jä worden wähn hewen, würden ge- 
wesen haben, statt: würden gewesen sein. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd wähn häjd hewen, dö wardst wähn häjd hewen, 

he, jö, hdt, dät wörd wähn häjd hewen. 
Mehrh. Wät, jdt, tve,jdm, jd worden ivähn häjd hewen, wörtlich: 

würden gewesen gehabt haben. 

Befehl. 

Einh. Wehs! sei! ivehs dö, he,jö, dät. 
Mehrh. Wehs! seid! wehse jdt , jdm , jd ! 

§. 197. Das Hidfszeitwort worden (werden). 

Mittelwort, Istes: ivordend, werdend, 2. worden, worden. 
Wandelform : ivorden , werden. Vergangenheit: tvörden ivesen, wor- 
den sein; Zukunft: ivorden ivorden, werden werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Die Gegenwart (Praesens). 

Einh. Ick word, dö warst, he, jö, hdt, dät wort. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jäm, ja worde, werden. 

Vergangenheit. 

Einh. Ick bdn worden, dö bäst worden, he ds worden u. s. w. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jdm, jd sdn worden. 

Zukunft. 

Einh. Ick word worden, dö worst worden, he wort worden u. s. w, 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd worde ivorden. 



278 



Bedingung. 

Einli. Ick wörd ivorden, dö tvördst tvorden, he wörd worden u. s. w. 
Mehrli. Wdt,jät, ive , jäm , ja worden worden. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einli. Ick wörd, dö wardst, he, jö, hat, dät wörd. 
Mehrh. Wdt,jät, ive,jdm,jä worden, wurden. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick was ivörden , dö wjärst worden, he, jö, hat, dät was worden. 
Mehrh. Wät , jdt , we , jdm , ja wjärn worden. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word worden wesen , dö warst worden wesen , he wort 

worden wesen. 
Mehrh. Wdt, jät, we , jdm, jd worden worden wesen, werden 

worden sein. 

Bedingunfj. 

Einh» Ick wörd worden wesen, dö tvördst worden wesen, he, jö, 

hat, dät wörd worden wesen, würden worden sein. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd worden worden wesen. 

Befehl. 

Einh. Word! werde! word dö, he,jö, hat, dät! 
Mehrh. Worde jdt, jdm, jd! 

§. 198. Das Hülfszeitwort liewen {haben). 

Wandelform: hewen. Vergangenheit : häjd hewen, gehabt haben. 
Zukunft: hewen ivorden, haben werden. 

1. Zeilen ohne Beziehung. Die Gegenwart. 

Einh. Ick hähw, dö hähst, he, jö, hat, dät het; habe, hast, hat. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd häwe, wir u. s. w. haben. 

Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw häjd, dö hähst häjd, he, jö, hat, dät het häjd. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd häwe häjd, wir u. s. w. haben gehabt. 



ild 



Zukunft. 

Einh. Ick word hewen, clö ivorst hewen, he, jö, liät wort hewen. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jäm, ja worde hewen, werden haben. 

Bedi7igung. 

Einh. Ick wörd, dö wardst, he wörd heiven. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jäm, ja worden hewen. 

2. Zeilen in Beziehung. Die gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick häi, dö häist,he, jö, hat, dät häi, hatte. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja häjn, hatten. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi häjd, dö häist häjd, he häi häjd, halle gehabt. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd häjn häjd, halten gehabt. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word häjd heiven, dö worst häjd heiven , he wort häjd hewen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd worde häjd hewen, werden gehabt 
haben. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd häjd heiven , dö wardst häjd hewen , he wörd häjd hewen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd worden häjd hewen. 

Befehl. 

Einh. Hew! habe! hew dö, he, jö, hdt, u. s. w. 
Mehrh. Heive jdt, jdm, jd, ii. s. w. 

Anmerkungen. 

i. Die Abwandlung der beiden Hülfswörter worden und hewen 
ist mit der deutschen Conjugation dieser beiden Wörter, werden, 
haben , übereinstimmend; nur endigen sie sich in der Mehrheit 
auch häufig auf e, und werfen das n ab, und nur bei Verrau- 
thungen behalten sie allemal die Endung en, was ebenso von 
wesen gilt, als: ick wdll dirr di tvese, jd wdn dirr diwese; als 



280 

Vermuthiing heisst es aber: he wort dirr wesen, ja worde dirr 
wesen, ja worde dirr wälin hewen, u. s. w. Das Word wesen hat 
zwei Zeitverhcältnisse und eine bedingende Form mehr, als das 
deutsche sein, die aus der Verbindung desselben mit Itewen 
entstehen. Altlings hiess diess Wort auch wesen im Hochdeut- 
schen, wie noch jetzt im Niederdeutschen und Friesischen ; daher 
das Wesen, die Wesenheit, wesentlich, Verweser, u. s. w. 

2. Die deutsche Sprache hat darin einen Mangel, dass sie die 
Vergangenheit durch die Zeitformen des Hülfswortes sein nicht 
als völlig abgeschlossen darstellen kann. Z. B. er erzählte, der 
Prediger sei schon in der Kirche gewesen, als der Küster ankam. 
Hier bleibt es durchaus unentschieden, ob der Prediger noch hei 
der Ankunft des Küsters in der Kirche verharrte, oder ob er 
sich vor derselben wieder entfernt hatte. Nach dem Friesischen: 
he fortelld, de Prester häi all äiijn 'e Sjürk wähn, äs 'e Küster 
kaum , muss er noch da gewesen sein ; und wenn er sich vor 
des Küsters Ankunft wieder entfernt hätte, würde es heissen 
müssen: de Prester häi all äujn 'e Sjürk wähn häjd, äs 'e Küster 
kiemen was, wodurch die Vergangenheit völlig abgeschlossen wird. 
So auch in der geschlossenen , gewesenen Vergangenheit , als : 
he häi 'r all twäie wähn häjd, äs 'r dät tred Töch Bohse kaum, 
er war schon zwei Mal da gewesen (gewesen) , als man zum drit- 
ten Male nach ihm schickte; in der Bedingung der geschlossenen 
Zukunft, oder richtiger in der geschlossenen Vergangenheit der 
Zukunft, als: ick wiyrd V all longens wälin häjd hewen, wän ick 
äi kränk wähn häi, wörtlich: gewesen gehabt haben. — Ich 
würde schon längst da gewesen sein, ist wieder unbestimmt, 
weil hier die Andauer, so wie der AbscJiluss des Seins zweifel- 
haft bleibt. Andere Formen entsprechen wieder einander in bei- 
den Sprachen, wenn auch die Hülfswörter verschieden sind, als: 
wän ick dirr wähn häjd hähw, so wäll ick tö de käme, wenn ich 
da gewesen sein werde, so will ich zu dir kommen. Der Nord- 
friese kann die verwickeltsten Zeitverhältnisse in seiner Sprache 
mit Leichtigkeit anwenden. As 'r sin Hüss träie tvihsser djibäggd 
häjd häi, brännd 'et Jiäm dät fierd Töch auf, als er sein Haus 
drei Mal wieder aufgebaut gehabt hatte, brannte es ihm zum 
vierten Male ab. 



281 



§. 199. Abwandlung des regelmässigen zielenden 
Zeitwortes vermittelst der IJülfswürter. 

Wandelform : ragten , richten. 
Mittelwörter: Istes: rögtend, 2tes: rögtct. 

A. Wirkungsstand (Äctivum). 

Abgeleitete Bildung s formen. Gegenwart: rögten, richten. 
Vergangenheit: rögtet hewen, gerichtet haben. 
Geschlossene Vergangenheil: rögtet häjd hewen, ger. gehabt haben. 
Zukunft: rögten worden, richten werden. 

Geschlossene Vergangenheit in der Zukunft: rögtet häjd hewen ivor- 
den, gerichtet gehabt haben werden, 

1. Zeiten ohne Beziehung. Die Gegenwart. 

Einh. Ick rögt, dö ragtest, he, jö, hat, dät rögtet, ich richten, s.w. 
Mehrh. Wät, jdt, ive, jdm, ja rögte , wir richten u. s. w. 

Vergangenheit. 

Einh. Ick hähiv rögtet, dö hähst rögtet, he, jö, hat hei rögtet. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja häwe rögtet, haben gerichtet. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw rögtet häjd , dö hähst rögtet häjd , he het rögtet häjd. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jdm, ja häwe rögtet häjd, haben gerichtet 
gehabt. 

Zukunft. 

Einh. Ick word rögten, dö worst rögten, he ivort rögten. 
Mehrh. Wät, jdt, we, jdm, ja worde rögten. 

f^ergangenheit der Zukunft. 

Einh. Ick word rögtet häjd hewen, dö worst rögtet häjd hewen, he 

wort rögtet häjd hewen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja worde rögtet häjd hewen, 

Bedingung. 

Einh. Ick tvörd rögten, dö wördsl rögten, he wörd rögten. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja worden rögten. 



282 

Einh. Ick ivörd rügtet Iiäjd hewen, dö ivördst , he wSrd ragtet häjd hewen. 
Mehrfi. Wdt,jdt, we, jäm, ja ivörden rögtet häjd hewen. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick rögtet, dö rögtetst, he, jö, hat rögtet, richtete. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jäm, jd rögteten, richteten. 

Gewesene F'ergangenheit. 

Einh. Ick häi rögtet, dö häist rögtet, he häi rögtet, hatte gerichtet, 
Mehrh. Wdt, jdt, ive,jdm,jd häjn rögtet, hatten gerichtet. 

Geschlossene, gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi rögtet häjd, dö häist rögtet häjd, he häi rögtet häjd. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jäm, ja häjn rögtet häjd, hatten gerichtet 
gehabt. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word rögtet hewen, dö worst rögtet hewen , he wort rögtet h. 
Mehrh. Wdt, jdt, we, u. s. w. worde rögtet hewen, -werden gerichtet 
haben. 

Bedingung. 

Einh. Ick ivörd rögtet hewen, dö wardst rögtetheiven, he wördrögtcth. 
ßlehrh. Wät, jdt, we u. s. w. worden rögtet hewen, würden ge- 
richtet haben. 

Befehl. 

Einh. Bögt! rögt dö! he,jö, u, s.w. Mehrh. Bögte jdt, jdm, u. s. w, 

B. Leidensstand (Passivura). 

I. Anhebender Zustand. Abgeleitete Bildung s formen. 

Gegenwart: rögtet ivorden, gerichtet werden. 
Vergangenheit: ri)gtet tvörden wesen, gerichtet worden sein. 
Zukunft: rögtet worden worden, gerichtet werden werden. 

1. Zeilen ohne Beziehung. Gegenwart. 

Einh. Ick word rögtet, dö ivorst rögtet, he wort rögtet, u. s. w. 
Mehrh. Wät, jdt, we u. s. w, worde rögtet, werden gerichtet. 



Vergangeuheil, 

Ein/t. Ick bau ragtet worden, dö hast rügtet ivörden, he ds rügtet 

worden. 
Mehrh. Wdtjät, tve u. s. w. sdn rügtet worden, sind gerichtet worden. 

Zukunft, 

Einh. Ich Word rügtet worden, dö ivorst rügtet worden, he wort 

rügtet ivorden. 
Mehrh. Wät, jdt, ive u, s. w. worde rügtet loorden, werden gerichtet 

werden. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd rügtet worden, dö wardst rügtet ivorden, he wörd 

rügtet worden. 
Mehrh. Wät,jdt, ive worden rügtet worden, würden gerichtet werden. 

2. Zeilen in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick ivörd rügtet, dö wördst rügtet, he wörd rügtet, wurde ge- 
richtet. 
Mehrh. Wdt, jät, we u. s. w. worden rügtet, wurden gerichtet. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick was rügtet worden, dö wjärst rügtet worden, he iväs rügtet 

worden. 
Mehrh. Wdt, jät, we u. s. w. wjärn rügtet worden, waren gerichtet 

worden. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word rügtet worden ivesen, dÖ ivorst rügtet worden wesen, 

he Wort rügtet worden wesen. 
Mehrh. Wdt u. s. w. woi'de rügtet worden ivesen, werden gerichtet 

worden sein. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd rügtet worden wesen, dö wördst rügtet worden wesen, 

he wörd rügtet worden ivesen. 
Mehrh. Wdt, jdt, ive u. s. w. worden rügtet worden wesen, würden 

gerichtet worden sein. 

36* 



284 



Befehl. 

Einh. Word rögtetl word dö, kc,jö, hat rögtet! werde gerichtet. 
Melirh. Worde rögtet, worde jät, tvdt, jäm, ja rögtet! 

IL Andauernder Zustand. Abgeleitete Bildungs formen. 

Gegenwart: rögtet wesen, gerichtet sein, 

Vergangenheit: rögtet ivähn hewen, gerichtet gewesen sein. 

Zukunft: rögtet wesen ivorden, gerichtet sein werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Die Gegenwart. 

Einh. Ick bdn rögtet, du hast rögtet, he äs rögtet, ich hin, u. s, w. 

gerichtet. 
Mehrh. Wät,jät, ive u. s. w. sdn rögtet, sind gerichtet. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Einh. Ick hähiv rögtet wähn, dö hähst, he hei rögtet wähn. 
Mehrh. Wät, jät, ive u. s. w, häwe rögtet ivähn, sind gerichtet 
gewesen. 

Geschlossene, nochmalige Vergangenheit. 

Einh. Ick hähiv rögtet wähn häjd, dö hähst, he het rögtet ivähn 

häjd. 
Mehrh. Wdt,jät,we u. s. w. häwe rögtet wähn häjd, sind gerichtet 

gewesen gewesen , oder wörtHch: haben gerichtet gewesen 

gehabt. 

Zukunft. 

Einh. Ick ivord rögtet wesen, dö worst, he wort rögtet loesen. 
Mehrh. Wät, jät, we u. s. w. worde rögtet wesen, werden gerichtet 
sein. 

Bedingung. 

Einh. Ick ward rögtet wesen, dö wardst rögtet wesen, he wörd rögtet 
wesen. 

Mehrh. Wdt, jät, we u. s. w. ivörden rögtet ivSscn, würden ge- 
richtet sein. 



285 



2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Einh. Ick iväs, dö wjärst, he,jö, hat was rügtet, war gerichtet. 
Mehrh. Wdt,jät, we u. s. w. ivjärn rögtel, waren gerichtet. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häl, dö häist, he häi ragtet ivähn , war gevichlel gewesen , 

und wäre gerichtet gewesen. 
Mehrh. Wdt,jdt, we häjn ragtet tvähn, waren und wären gerichtet 

gewesen. 

Geschlossene, gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick hat, dö häist, he häi ragtet wähn häjd, war und wäre 
gerichtet gewesen gewesen. 

Mehrh. Wät, jdt, we u. s. w. häjn rögiet wähn häjd, wären ge- 
richtet gewesen gewesen. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word, dö ivorst, he wort rügtet wähn hewen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we worde rügtet wähn hewen, wir werden ge- 
richtet gewesen sein. 

Bedingunq. 

Einh* Ick wörd, dö tvördst, he wörd rügtet wähn wesen, w-ürden 

gerichtet gewesen sein. 
Mehrh. Wdt, jdt, we ivörden rügtet wähn wesen. 
Einh. Ick wörd, dö wördst, he wörd rügtet wähn hewen. 
Mehrh. Wdt, jdt, ive ivörden rügtet ivähn hewen. 
Einh. Ick wörd, dö wördst, he ivörd rügtet wähn häjd hewen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we worden rügtet wähn häjd hewen, wörtlich: 

wir würden gerichtet gewesen gehabt haben. 

Befehl. 

Einh. Wehs rügtet! sei gerichtet! ivehs dö, he, jö rügtet! 
Mehrh. Wehse jdt, jdm, jd rügtet! 

Die Formen: rügtet ivälm häjd wesen, rügtet wähn häjd hewen, 
worden rügtet wähn häjd wesen , und worden rügtet wähn häjd 
hewen , lassen sich im Deutschen nicht nachbilden , weil das 



28G 

deutsche Zeitwort seine drei Hülfswörter nicht auf einmal ein- 
ereifen lassen kann. 

Nur das reine, vorwärtszielende Zeitwort gestattet dieSe Ab- 
wandlung durch alle Zeiten und Hülfsformen , und kann daher 
auch nur allein als Musterwort dienen. Die reinen Passiva, wie 
sterben, verwesen, ivelken u. s. w. , die Neutra, wie ruhen, liegen, 
u. s. w. , die Activa Intransitiva, wie gehen, arbeiten , kleUern , diG 
Reciproca und die unpersönlichen Zeitwörter haben alle keinen 
Leidensstand. Die Anwendung des rein zielenden Zeitwortes mag 
an folgenden Wörtern nachgewiesen werden, als: rögten; bresen, 
flechten; hielen, heilen; drögen, trocknen; plaugen, i)üügen;grewen, 
graben, und ähnlichen, wie: Gö^Zrf rd^fef drA-ew, Gott richtet jeden; 
dö rögtest nint ütt , du richtest nichts aus; he wörd da Hünne 
aufragte, wän 'r 't man forstöhs, er würde die Hunde abrichten, 
wenn er's nur verstände; he wort's aufrögtet hewen, wän 'e Jagt 
mijngo?igt, er wird sie abgerichtet haben, wenn die Jagd angeht; 
he wwd's all aufrögtet hewen, wän 'r 's man ihr fangen häi, er 
würde sie schon abgerichtet haben, wenn er sie früher bekom- 
men hätte; he wörd's all longens aufrögtet häjd hewen , wän'rmän 
äi kränk worden was , er würde sie schon längst abgerichtet ge- 
habt haben, wenn er nur nicht krank geworden wäre; rögt 
dö da Hünne auf! richte du die Hunde ab; rögte jäm efter me, 
richtet euch nach mir; de Senner wort dilling rögtet, der Sünder 
wird heute gerichtet; he xuort mjarne rögtet worden, er wird mor- 
gen gerichtet werden; he äs enjörsne rögtet worden, er ist gestern 
gerichtet worden; he wörd dilling rögtet worden, wän "r äi kränk 
worden was, er würde heute gerichtet werden, wenn er nicht 
krank geworden wäre; he was all rögtet worden, äs ick faarbäi 
rijdd, er war schon gerichtet worden, als ich vorbei ritt; he wort 
rögtet worden wesen, ihr 'e Sann unnergongt, er wird gerichtet 
worden sein, ehe die Sonne untergeht; he wörd rögtet worden 
wesen, wän 'r äi wäglähm was, er würde gerichtet worden sein, 
wenn er nicht entlaufen wäre; he wörd longens rögtet wähn hewen, 
wän 's häm shüllig fünnen häjn, er würde längst gerichtet gewe- 
sen sein, wenn sie ihn schuldig gefunden hätten; he wörd rögtet 
wähn hewen, wän 'e Shärprögler äi kränk worden was, er würde 
gerichtet gewesen sein, wenn der Scharfrichter nicht krank gc- 



287 

worden wäre. — Ick hähw man Seme breset, ick habe meine Seime 
geflochten; ick hat 'cn all breset, ds Paul tö me kaum; ick häi 
'en all ijnsen breset häjcl, aurs he was wihsser dpläfim, ich hatte 
sie schon einmal geflochten gehabt, aber sie war wieder aufge- 
laufen; he häi all tiväie breset wähn häjd, äs 'er en wihsser dplä- 
wert häi, er hatte sie schon zweimal geflochten gehabt, als er 
sie wieder aufgetrennt hatte, — JöWünnen dsläelet, die Wunde ist 
geheilt; jö het all ijnsen kielet iväJin, aurs nö äs wihsser dpbrägen, 
sie ist schon einmal geheilt gewesen, aber nun ist sie wieder 
aufgebrochen; jö wort kielet wescn, ihr dät Piaaster dpbrückt ds, 
sie wird geheilt sein, bevor das Pflaster verbraucht ist; jö wörd 
kielet ivesen, häist 'r man ihr wät faar brückt, sie würde geheilt 
sein, wenn du nur früher etwas dafür gebraucht hättest; jö häi 
longens kielet ivähn häjd, ds 'e Docter's wihsser dpshjärd, sie war 
längst geheilt gewesen, als der Arzt sie wieder aufschnitt; jö 
häi longens kielet wähn häjd, wdn dö man Räjd fölligt häist, sie 
wäre längst geheilt gewesen, wenn du meinem Rathe gefolgt 
wärest; jö was all hielet, ds ick 's wihsser dpstät, sie war schon 
geheilt , als ich sie wieder aufstiess. — De Rock häi all twäie dröget 
wähn häjd, ds jö fierd Fläg kaum, der Rock war schon zweimal 
getrocknet gewesen gewesen, als der vierte Regenschauer kam. — 
He plauget sdn Eker , ds ick faarbäi ging, er pflügte seinen Acker, 
als ich vorbei ging; de Eker häi all twäie plauget wähfi, ds 'r 
auwerswumd wörd, er war schon zweimal gepflügt gewesen, als er 
überschwemmt ward. — En Spöicr sähs faarült , de Fijnd tvörd träie 
släien wähn ivesen, ihr de KricJi dphüll, ein Wahrsager sagte vor- 
aus, der Feind würde dreimal geschlagen gewesen sein, ehe der 
Krieg aufhöre. — Wdn dö tagen wähn häist, so häist ockävjn'e Krich 
möst, wenn du gezogen gewesen wärest, so hättest du auch in 
den Krieg müssen; ivdn dö tagen ivörden wjärst, so häist u. s. w. , 
wenn du gezogen worden wärest, so hättest du u. s. w. — Bei 
Vermuthungen: he wörd wäjl all twäie fanget tvähn hewen, tvdn 'r 
äi so snäsig wähn häi, er würde wohl schon zweimal gefangen 
gewesen sein, wenn er nicht so verschmitzt gewesen wäre. Statt 
der Bedingung setzt man auch , wie im Deutschen , sehr häufig 
die gewesene Gegenwart, als: häi 'r bähsere präjtet, so was > 
ock wähld worden; was V di tö Market gingen, so häie'r sin Gijl 



288 

äi forspälet, wäre er nicht zu Markte gegangen, so hätte er sein 
Geld nicht verspielt; liäi 's 't hierd, so was ivriess worden, hätte 
sie es gehört, so wäre sie böse geworden. 

Verbindung der Zeilwörler in der Fergangenheil 
mit hewen und wesen. 

§. 200. Mit hewen werden verbunden: a) alle zielende Zeit- 
wörter, sie mögen vorwärts- oder zurückzielend sein; b) alle 
thätige ziellose Zeitwörter, bei denen keine bestimmte Richtung 
angegeben wird; c) diejenigen, welche einen unthäiigen Zustand 
anzeigen, wie liegen, ruhen u. s, w. und d) alle unpersönliche 
Zeitwörter. Z.B.: minern, ändern; bäggen, bauen; binnen, hmdew, 
beren, Geld einnehmen oder heben; bitten, beifsen; bädden, bit- 
ten und betteln; bräjdden, brüten; bringen; bäirigen, bergen; 
bägen, backen; bäicken, beuchen; bannen, fluchen (das deutsche 
bannen u. das dänische at bände); dönsen, tanzen; dielen, thei- 
len; driwiven, treiben; duliggen und düjn, ihun; büeti, arbeiten; 
fügten, fechten; brausen, braten; baanen, bahnen; slräwen, stre- 
ben , streiten ; hempen , kämpfen ; twjäweln , zanken ; wräseln , 
ringen; stridden, streiten; tanken, denken; sännen, sinnen; grü- 
beln, grübeln; njäsen, mingen, sömen, tögern, säumen, zögern, 
zaudern; Iielpen, helfen; Iiämmern , hämmern; tdmmern, zimmern; 
bäwern, beben; bläjddcn, bluten; driemen, träumen; riehen, räu- 
chern; rocken, rauchen; söttern, schustern; shrüjddern, schneidern; 
glaasern, gläsern; sndjttern, tischlern; fdshen, fischen; shenen, 
seheinen ; f/aaJt^ew , tohcn; bräshen, i. schreien, sehr laut sprechen, 
2. prahlen, von Farben; spanckeln, spucken; läken, lachen; snie- 
len , lächeln; gälten, weinen; fniesen, niesen; liöstcn , husten; 
harken, räuspern; ,/Vi//m, \. wimmern, 2. gelten; brulen, brüllen; 
holen , heulen ; tijtten , sehr laut schreien ; shräien , schreien ; 
twihssen, zischeln, flüstern; sihssen, zischen; stiermen, riechen; 
stjunken, stinken; brännen v. tr., brennen; shellewen, zillern, dän. 
at skjälve; hulim grämen, sich grämen; auch als Impersonale: 
dät grämt me, es thut mir leid; dät grämt nie am de, esthutmir 
leid um dich, du dauerst mich; huhm Mögen, sich schämen einer 
unsittlichen Handlung; huhm shaamen, sich überhaupt schämen; 
reuen, regnen; hageln, hageln; tonnern, donnern; sndien, schneien; 



289 

fjräwwen , krauen; kläism, mit den Nägeln kratzen; swäweu, 
schweben; ivälgefi, sich auf und nieder wiegen; fläggcrn, flat- 
tern; snuhbeln, stolpern, straucheln; raaicln, taumeln; räieln, 
einen Faden einriegeln ; wällen , wallen , brodeln ; däjngeln , 
baumeln; sljöien, schaukeln; raucn, ruhen; lädden, liegen; sd//ew, 
sitzen ; Illingen , hangen ; Iiingon v. tr. hängen ; stäiijnncn , ste- 
hen ; welen , ausruhen; swegen, schweigen; kläwen, v. tr. ankle- 
ben ; släipen , schlafen ; waagen , wachen ; läwen , leben ; sprätvivebi , 
strampeln ; slämpen , stampfen ; trampen , trampeln ; waaiten , win- 
ken; wdjnken, winken; häiwen, wähnen, vermuthen; höwen^ 
hoiTen; täjnten, däuchten,- micnen, meinen; gdssen, dän. at gisse, 
aufs Gerathewohl schliessen, oder aus gewissen Merkmalen ver- 
muthen; läjtten, lassen; sören, siechen; kernen, nd. hiemen, 
hieben, keichen; hächen, hanchen; jjösten, pausten; blaasen, bla- 
sen; wäien, \. wehen, 2. ein Brautpaar trauen, das deutsche 
weihen, und das dän. at vie. 

§. 201, Mit wesen werden verbunden: a) alle Zeitwörter, wel- 
che reines Leiden anzeigen; h) diejenigen ihätigen, ziellosen Zeit- 
wörter, bei denen eine Richtung auf irgend einen Gegenstand 
oder nach einem Orte angedeutet ist, und c) diejenigen, welche 
ein Hervorgehen aus dem bisherigen Zustande anzeigen, als: 
stäirwen , sterben ; bregen , brechen ; riwwen , reissen ; smollen , 
schmelzen; bjärsten, bersten; lünnen, schwellen; sdjnhen, sinken; 
dränken, ertrinken; gräien, wachsen, von kurzem Grase, Haaren, 
Wolle u. dergl. ; wägsen, wachsen; fallen, fallen; slitowern, gerin- 
nen; rüsten, rosten; priesen, 1. frieren, 2. gefrieren; üjllen, älteln; 
allem, altern, u. s. w. Besonders gehören hiezu diejenigen Zeitwör- 
ter mit der Vorsilbe for , welche reines Leiden anzeigen, als: for- 
gongen , vergehen; forrösen , verfaulen; forbläjdden, verbluten; 
fortvälen, verwelken; forböllenen, verschwären; forsivinnen, ver- 
schwinden; forkämen, 1. wegkommen, 2. verkommen; foriölligen, 
vor Kälte umkommen; forfriesen, erfrieren; forstijnnen, verstei- 
nern; forsnäien, verschneien; forhölten, verholzen; forünlocken , 
verunglücken; fordierwen, verderben; forßiee7i,'verüiegen; forstüw- 
wen, verstieben; forermen, verarmen; fordrögen, vertrocknen ; /br- 
smägten, verschmachten; for fällen, verfallen; forbliecken, verblei- 
chen ; forwägsen , verwachsen. Eine Richtung andeutend , als : 



290 

gongen, lupen , springen; ränen , rennen; klammem, kleüern; 
hriopcn , kriechen; fUeen, fliegen; swäwen, schweben; sillen, trei- 
ben, fliessen; driwwen, treiben; Iiöppen, hüpfen; räisen, reisen; 
sljärlen, stürzen; tieen, ziehen. Das Hervorgehen aus einem Zu- 
stande andeutend, als: änjnlhämen, entkommen; äujntspringen , 
entspringen; äujntßieen, entfliehen; änjntglaaien , entschlüpfen; in- 
släipen, einschlafen; aptvaagen, erwachen; äujntslävjnnen , entste- 
hen; worden, werden; dpliämen, aufkommen; dpslmjnnen, auf- 
stehen; iUtgongen, ausgehen; iittgliddeti, ausgleiten; dptöien, auf- 
ibauen; dpstegen, aufsteigen; dpsdtten, aufsitzen; üttbregen, aus- 
brechen (der Krieg bricht aus); üttdämpen, ausdampfen; ütt fällen, 
ausfallen. Dieser Gegenstand lässt sich hier nicht erschöpfen, und 
man wird immer noch auf Ausnahmen stossen. So werden sören, 
smägten und krönken mit Iiewen, dagegen rösen und shdmmeln 
mit ii'esen verbunden, als, he het long söret, smägtet an kränket; 
de Säilts ds raset an de Trolling ds shdmmell. Nicht selten tritt 
auch heu'cn anstatt ivese7i beim rein leidenden Zeitworte ein, 
wenn man den bezüglichen Gegenstand selbst als mitwirkend 
gedacht wissen will, als: dät Födder liet dilling man läiet dröget, 
das Heu hat u. s. w. ; dät Sänep het da leste Dege gäiijd rippet, 
der Senf hat die letzten Tage gut gereift. 

Diejenigen Zeitwörter, welche sowohl zielend als ziellos ge- 
braucht werden, bekommen im ersten Falle Iiewen, im letztern 
wesen, als: bregen, brechen: de Stock äs brägen, dö liähst de Slöck 
hrägen; riwwen, reissen: de Dauck i'dß'l, ds räwen; ick rief de 
Dauck, kä/nv räwen; blicken , bleichen: jö Rauhs ds blicket, jö het 
harr Lä«er/ (Leinewand) blicket; shiesen, scheiden: he ds aufshäss, 
er ist verschieden; de liögter shäss jdm fon cnanser,het shäss,dev 
Richter scheidctc sie von einander; fällen: dät Glees äs äujnstöhg 
feilen, he het 'e Naas äiijnslölig feilen; iicen, ziehen: dd Staurke 
sän wdglägen, jö Wägt ds dptägen; dd Hdjnsle tiee de Wäicn,häwc 
tagen, ick häkw 'e Klöck dptägen; mäjtten, i. begegnen einem, 
2. messen: he ds me meet, ick hähw Kaum met; clrögen, trocknen: 
dät Födder ds dröget, ick hähiv min Kluhsc dröget; fordierwen, 
verderben: de Winn ds fordürwen, dö hähst diu Baiick fordürwen; 
dpsdtten, aufsitzen: dd Uüttere sän wihsscr dpsähn, die Reiter sind 
Avieder aufgesessen, ick hähw V hicl Nagt dpsähn, ich habe die 



291 

ganze Nacht auigcsc&scn; au fstäujmien: jd sdn all wußUjnnen, he 
hct me sin Hüss aufstijnnen; üUlupen, auslaufen: dät Säujn äujnt 
Stünncglees ds üttlähm; de stürwene Böse fiel ütllähm, der gestor- 
bene Bothe hat ausgelaufen, läuft nicht mehr; ütttresen, austre- 
ten: de Slru/im ds üUlrähn; dö hälist d'in Fofße ütUrähn; üUbrän- 
we», ausbrennen: dät Öhle ds iittbrännd; ick häliiv man Kachle- 
uwen üUbrännd; üttlieen, ausziehen: dät Liefäulk ds üUlägen, die 
Micthsleute sind ausgezogen, he hei me cnTäus ütttägen ; inbregen, 
einbrechen: jö Nagt was all inbrägen; dd Thiewe häjn 'e Möhr 
inbrägen; dählsluhggen , niederschlagen und todtschlagen: de Rieck 
släit dähl, ds dählsläien; he släit de Ögse dähl, het dählsläicn; 
ütlbregen , ausbrechen , u. s. w. (Vergleiche die 2te Annierk. zu 
§. 170). 

§. 202. Die Anwendung der Zahlen, Personen, Zeilen und 
Arten (Modi) ist übrigens, mit wenig Ausnahmen, wie im Deut- 
schen. Die Formen der Einheit und Mehrheit beim Zeitworte 
richten sich nach der Zahl , in welcher die Haupt- und Fürwörter 
stehen, als: de Kukuk bdiigt sdn diene Nöme ütt; dd Hanne ledde 
^ie, die Hennen legen Eier; dd Laashe sjonge, jd sdn ältid 
edder dp, die Lerchen singen, sie sind immer früh auf; tvdt wdn 
töbedd, wir beide wollen zu Bette; he wdll äi md, er will nicht 
mit; läßt jäm gonge, lass sie gehen; ja kaane sägt, sie können 
leicht auskommen mit ihrem Vermögen, stehen sich gut; auch; 
jd stäujnne jdm gäujd, u. s, w. 

Antnerkungen. 

i. Der Nordfriese redet jeden mit dö (du) an, weil er kein 
anderes Fürwort dazu gebrauchen kann. Nur zu ganz alten Leu- 
ten sagt man J^, Ihr, welches im zweiten, dritten und vierten 
Falle jau (englisch you, ye, nd. ji , ju, dän. jer und eder) lautet. 
Diess gilt fürs weibliche und sächliche Geschlecht, so wie für 
die Mehrheit, im männlichen Geschlecht heisst es jauen, als: 
hörr üjll sdn E? wie alt seid Ihr? ds jau Wöff inne? ist Eure 
Frau zu Hause? hirr ds jauen Stock, hier ist Euer Stock; jaw 
Dögler lel jau faale Gäujds sedde, Eure Tochter lässt euch viel 
Gutes sagen , d. h. sie lässt euch grüssen ; de Fdsher het jau en 
liväsmcr brögl , der Fischer hat Euch einen Brachsen gebracht; 

37 ' 



292 

ick liä/iw jaucn Sahn sprägen, ich habe Euern Sohn gesprochen; 
sän jau Bjärne ältemäle befräid? sind Eure Kinder alle verhei- 
ralhet ? jm. Sjöhn äs noch gäiijd, an E brilche noch nijn ßrall. 
Euer Gesicht ist noch gut, und Ihr gebraucht noch keine Brille; 
wirrmä hön ick jau tiene? womit kann ich Euch dienen? 

2. Bei Grössen, die als Masse in der Mehrheit stehen, wenn sie 
auch die einheitliche Form behalten, setzt man das Zeitwort in die 
Mehrheit, als: dirr sän twontig Mann; segs Mark sän twäier Daa- 
lere; fjatiwer Pilnn Tohäck kosteten fieiv Märk;nö sän 'r all trie 
Ihr forgingcn, sunt dö hirr lest wjärst; dirr worden twellew Tämie 
Rögge äiijnmeet ; trie Glase Bier sän spüllen ; dirr feilen twäier Secke 
Häwer auf 'e Wäien; tuhg Sniese ^ie sän 'r f orbrückt; twontig 
Träwe Longhiilem; saatvcn Füge Kaum; söstig Jaurde long; tien 
Ellnc hrijd; hunnert Fäjtt huch; twellew Fäisme diep; trie Lüjd 
Sihsscn; ßeiv Baucke Papier, u. s. w. 

§. 205. Kommen mehrere Grundwörter in der Einheit vor, 
die in gleichem Verhältnisse zur Aussage stehen, so muss das 
Zeitwort die Mehrheitsform haben , z. B. De Bäddmönn an 'e 
Kinning sän biese Mänshene; de Gedd an 'e Sillhünn kaane gäujd 
swomme, der Hecht und der Seehund können gut schwimmen; 
Mann an Wo ff wjärn forräisd, Mann und Frau waren verreist. 
Diess gilt jedoch nur von Gattungsnamen und solchen abstracten 
Gegenständen, die man unter eine und dieselbe Aussage zusam- 
menfasst, als: Gauhshäid, Fraamhäid an Linve sän Dögede, dirr 
'm äi ällerivägne fänt, Güte, Frömmigkeit und Glaube sind Tu- 
genden, die man nicht allerwegen findet; Gils, Mäsgunst an Näi- 
gongenhäid sän Lästere, dirr arken miese mäujtt , Geiz , Missgunst 
und Nahegängigkeit sind Lasier, die jeder meiden muss. Bei 
Stolf- und Mengenamen, so wie bei abstracten Gegenständen, die 
sich nicht auf die vorstehende Weise zusammenfassen lassen, steht 
dagegen das Zeitwort in der Einheit, z. B. Salt an Brüjd mäget 
'e Sieche rüjdd, Salz und Brot macht die Wangen roth; Liem , 
Kläi, Kläster, Limm, Kalk an Twäge bannt gäujd, Lehm, Klei, 
Kleister, Leim, Kalk und liefen bindet gut. Setzen wir aber 
diesen Wörtern das Geschlechtswort vor, so muss das Zeitwort 
in der Mehrheit stehen, als: dät Liem, de Kläi, dät Limm an da 
Twäge hinnc rjäujd, weil Twägc ein Collcctivum ist, das in der 



295 

Mehrheit steht. Fläs/i , Speck an Lrüjd /et (jäujil, Fleisch, Speck 
und Brot nährt gut; Slaal, Släjll an Glces ds härd, Stahl, Eisen 
und Glas ist hart; Sicp an Tulüj äs smirrig, Seife und Talg ist 
schmierig; Mahl an Gröl äs äp, Mehl und Graupen sind auf , Mehl 
und Grütze ist auf, d. i. verzehrt; Päwer an Salt äs äi to foväg- 
ten, Pfeffer und Salz ist nicht zu verachten; KrüJd an Lüjdd äs 
forsltä/in, Pulver und Lolh ist verschossen; Pulwer an Blie äs 
äp. — Dirr äs Maiird an Diljdsläij , da ist Mord und Todtschlag; 
dirr äs Tot an Slägeräi, es ist Lärm und Schlägerei da; tulig an 
trie äs fieiv, zwei und drei ist fünf, aher nur in unangewandten 
Zahlen; twänne an trätme sän fiew; ßeiv an fiew Shällinge säntien, 
u. s. w, Dät Höppen an Springen fällt me sivär, das Hüpfen und 
Springen fällt mir schwer , u. s. w. Wenn zwei Hauptwörter in 
der Einheit durch und verbunden werden, und die Aussage von 
jedem einzelnen gelten soll, als: De Üjlle an de Junge het sinäien 
Wräll, der Alte und der Junge hat seine eigene Welt, aber auch: 
de Üjlle an de Junge Jiäwe biese järe äien Wräll , der Alte und 
der Junge haben beide ihre eigene Welt; ägt an fälsh Frünnshapp 
wort öfling mä enauser forivackselt , echte und falsche Freundschaft 
wird oft mit einander verwechselt. Ebenso, wenn das Zeit- 
wort sieh auf mehrere Grundwörter im Singularis mit verschiede- 
nen Aussagen bezieht, als: Tongle liiert lö da hijnnere, Andräis 
tu da hähserc, an Karl tö da beste Shaulere, Danklef gehört zu 
den schlechtem, Andreas zu den bessern und Carl zu den besten 
Schülern. — Steht das erste von zwei Subjecten in der Einheit, 
das zweite in der Mehrheit, oder umgekehrt, so muss das Zeit- 
wort in die Mehrheit gesetzt werden, als: dät Shäip an da Laura- 
me sän wäg, und: da Laumme an dät Shäip sän wäg; wihsser 
Gödd noch Mänshene hiane kam helpe, und: ivihsser Mänshene noch 
Gödd kaane häm helpe, obgleich diess, streng genommen, keines- 
weges sprachrichlig ist. 

Anmerkung. 

Stehen zwei Personen des eigentlichen Fürwortes als Subjecte, 
so werden diese durch den Dualis zusammengefasst, wonach 
dann das Zeitwort die Mehrheitsform bekommt, als: du an ick, 
wäl häwe biese nög füngen, du und ich, wir haben u. s. w; ick 



294 

an (lö, will sdn biese erm, arm; dö an hc, jdt maa(je bicse nän 
Küjl, Kohl; min Wo ff an ick, wät wdn biese tö Märked; luat biese, 
wdt twdnne, jät biese, jdt twdnne, wir beide, wir zwei, ihr beide, 
ihr zwei; aber nicht: ive biese, und jdm biese, weil we (wir) und 
jdm (ihr) immer mehr als zwei Personen bezeichnen, als: ick, dö 
an he, we Iiätve all trdnne de Kolle, ich, du und er, wir haben 
alle drei das Fieber; dö, he an jö, jdm häwe ällemäle nijn Gijl, 
du, er und sie, ihr habt alle drei kein Geld. 

§. 204. Der Gebrauch der Zeiten ist wie im Deutschen, und 
die gewesene Gegenwart vertritt auch im Friesischen häufig die 
Bedingung der Zukunft, als: dät däi ick äi hall, das ihäte ich 
nicht gern, statt: dät wörd ick äi hall düjn, und so in ähnlichen 
Fällen. Ebenso steht die gewesene Vergangenheit statt der Be- 
dingung der gewesenen Zukunft, als: ick häi hdm bäsere Be- 
shiess säid, ich hätte ihm derber Bescheid gesagt , statt : ick 
ivörd hdm bäsere Beshiess säid hewen. Auf eine Zeit ohne Bezie- 
hung folgt auch im Nachsatze wieder eine beziehungslose Zeit, 
als: ick help de, auwei' dät dö nie hülpen hähst, ich helfe dir, 
weil du mir geholfen hast; ick hülp de, auwer dät dö me hülpen 
häist, ich half dir, weil du mir geholfen hattest. — Oft muss 
man sich aber beim Erzählen und Erklären zu einer andern Zeit 
wenden, die nicht mehr in Beziehung steht, als: ick kännd hdm 
jö Tidd äi so gäujd, «'s ick hdm nö kann, ich kannte ihn damals 
nicht so gut, als ich ihn jetzt kenne; dilling säch ick de Mann, 
dirr dö fon snäket hähst; — märlinrj was 'r man ijn Bauhs iütsprün- 
gen, nö sdn 'r all tien ; — ick wijt, dät jdt enauser lief häjn, ds 
jdt noch läjtt wjärn ; — he' hei 't dilling äi söträwel,ds'er'lenjörsne 
häi (nd. he het 't hüt nich so hilt, as hc 't güstern had). 

§. 205. lieber den Gebrauch der Arten hier noch Folgendes. 
Die Gewissheit steht überall wie im Deutschen, Da man aber für 
die Ungewissheit keine eigene Form hat, so wird diese durch die 
gewesenen Zeiten oder andre Hülfsmittel ausgedrückt, wo es thun- 
lich ist, als: he fortelld, he häi V bäi wähn, ds de Manrder haadigt 
wörd, er erzählte, er wäre dabei gewesen, als der Mörder ent- 
hauptet ward. Bddd hdm, dät 'rme äi forjese mäi, bitte ihn,dass 
er mich nicht vergessen möge. Kaumst dö wäjl tö me, wann ick 
de so bchondclt häi:-' kämest du wohl zu mir, wenn ich dich so 



29!5 

beliandclt Iiällc? Dät was, ds wann wdt cnaiiser all long hännd 
häjn, es war, als ob Avir einander schon lange gekannt hätten. 
He tankt, ärken wort Jidm sellcw näist wesen, er denkt, jeder wird 
sich selbst der nächste sein; he tankt ältidd, drken äs häm sellcw 
näist, er denkt immer, jeder ist sich selbst der nächste. Kö/is 
man Brauser dög käme! könnte mein Bruder doch kommen! Was 
ick dög man ütt 'e Nüjd! wäre ich doch nur aus der Noth! Häi 
ick min Gijl dög behilllen! hätte ich doch mein Geld behalten! 
Häi ick dög de Pung häi me stägenhäjd! hätte ich doch den Beutel 
zu mir gesteckt gehabt! Was 'r dög man äi kränk worden! wäre 
er doch nur nicht krank geworden! Wann 'r dög man äi kränk 
worden was! 

Die regelmässigen Zeilwörter. 

§. 206. Das ganz regelmässige Zeitwort endigt sich in der ge- 
wesenen Gegenwart (Imperfectura) und in der Vergangenheit (Perfec- 
lum) allemal auf et, und diese beiden Zeilen sind sich in der 
Form immer gleich, als: rasen, raset, faulen, faulte, gefault; 
fügen, füget, fegen; so auch plagen; sägnen, vermissen; braasen, 
braten; shaasen, yervicgeln; pennen, denWirtel vordrehen; s/öppe», 
stopfen; blieken,h\e\chen;riecken, räuchern; spirren, keimen; drö- 
gen, plaugen, mügcn; Imhppen, häufen; mören, mauern; hürrewen, 
eggen; hären, bohren; wälen, welken; lücken, glücken; kägen, 
kochen; stäjcken, in der Asche braten; rippen, reifen, von Früch- 
ten, so wie vom gefrornen Thau; hauppen, reifen, einFass; /cj'ä- 
wen, mahnen, Bezahlung fordern; mölken, melken; sögen, saugen; 
rögten, richten; feien, feilen; rddden, retten; plegen, i. v. tr. pfle- 
gen, 2. die Gewohnheit haben; hären, baren oder dengeln, Sen- 
sen und Sicheln; küntcn, kanten v. tr. ; suhmmen v. tr. , säumen, 
ein Tuch; sälten, salzen; fangen, fangen; hielen, heilen; häwen, 
hoffen; hälen \. holen, 2. ziehen, in der Seemannssprache, an 
einem Tau; hucken, hacken; sörren, s'iuern; jügen; späten, spie- 
len; spijllen i. spalten v. tr. 2. speilern; mülen, mit Farben; jüd- 
den, gäten; drücken, drucken; krögen, drücken ; jihicken, pflücken; 
placken, pflöcken; shrüwcn , scharren, kratzen; fldcken, flicken, 
flecken v. tr.; smöken, schmauchen; kliwiven, klimmen, klettern; 
brescn, flechten; Innen, lohnen; shürren, scheuern; tjögen, \. sich 



290 

anschaffen, 2. zeugen, vor Gericht; spUissen , speisen; pjärscn, 
pressen; bäjcken, beuchen; säilen, sichten; drugen, seihen; ihren, 
ehren; ivären, \. v. rec. sich wahren, ausweichen; 2. währen, 
5. verwahren, aufheben; stjärlen, stürzen, u. s. w. Die übrigen 
regelmässigen Zeitwörter mit den Endungen ein, ern, igen, men, 
und einige auf nen, werfen das n weg und bekommen bloss den 
Buchstaben t statt et, und die aui igen verlieren die ganze Endung 
en und bekommen das t unmittelbar nach dem g (Vergleiche 
§. 191 über die Personen beim Zeitworte), als: gräpeln, grapsen, 
ick gräpel, ick gräpelt, ick hähwgräpelt, ich grapse, ich grapsete, 
ich habe gegrapset. — Ebenso : träweln , iräwcU ; spräivweln , spräw- 
weit; rummeln, rummelt u. s. w.; piesern, piesert; wällern, ivällert; 
stämmern, stämmert u. s. w. ; shunigen, slmnigt; hunigen, hunigt; 
sträujnnigen , strmjnnigt u. s. w.; gähsmen , gäsemt ; fäiltsmen, fäi- 
semt; bldssmen, blössemt; sägnen, sägent; rägnen, rägenl; sicknen, 
sikkent (segnen, rechnen, seufzen); u. s. w. 

Wenn das zweite Mittelwort dieser Zeitwörter bestimmungswört- 
lich gebraucht wird, so werden diejenigen Participia , welche 
sich auf et endigen, so abgeändert, wie die Bestimmungswörter 
auf et (Vergleiche §. 120 nebst der Anmerkung). Im weiblichen 
und sächlichen Geschlechte behalten sie die Endung et unverän- 
dert, und bekommen im männlichen Geschlecht, so wie in der 
Mehrheit, die Endung ete oder cdc, wo das t sich dem e nur hart 
und gezwungen anschliesst, als: tappet, gehaubt, von Vögeln: jö 
töppet Hänn, die gehaubte Henne; dät tappet Sjücklitig , das ge- 
haubte Küchlein; de töppedc Kräjdder, der gehaubte Hahn; da 
töppede Fögle; jö raset Liwwer, die verfaulte Leber; ew raset Liw- 
iver ; dät raset Speck ; de rösete Sliäjnkel , der verfaulte Schinken; en 
röseten Shäjnkel, da rösete Shdjnkle; und so mit allen dahin gehö- 
rigen Wörtern. Die übrigen mit den vorerwähnten Endungen be- 
kommen im Masc. und Flur, bloss tc, als: de sträielte Bär, die 
gestreute Gerste, da sträielte Arte, Erbsen; de grüppelte Eker, 
da grüppelte Fenne; de sträujnnigle Sliöner , da sträujnnigte Ma- 
trose, u. s. w. 

Die unre.fjelmässigen Zeitwörter. 
§. 207. Die am wenigsten unregelmässigcn Zeitwörter sind 



297 

diejenigen, die im Impcifecluui und Perlectura, stall der Silbe 
et oder t, den Buchslabcn d unmittelbar nach ihrer Stammsilbe 
zugesetzt bekommen, als: büggcn, bägcjcl; brauen, braiid; büen, 
bülid u. s. \v. , wobei der Stannulaut unverändert bleibt, — begännen, 
beganud u. s. \v. Die übrigen unregelmässigen Zeitwörter sind so 
irregulär, dass es schwer hält, sie auch nur einigermaasscn nach 
einer bequemen üebersicht zu ordnen, weshalb ich es noth wendig 
finde, hier einige Bemerkungen vorauszuschicken. Schon bei der 
Bildung des Zeitwortes aus dem Haupt Worte finden wir über 
dreissig, die mehr oder weniger unregelmässig in der Abwandlung 
sind (siehe §. 451 Anm.), wie römen oder rümmen , l. in einen 
Raum aufnehmen, 2. denselben verlassen, frei machen, ick römd, 
oder rümd , hähw rümd; teilen, l. zählen, 2. jemand rufen, ick 
telld; nämen, nennen, ick nämd; bemannen, bemannen, ick be- 
männcl; spännen, spannen, ickspänd; snäien, schneien, dät snäilul, 
liel snäilul und Iiel snäjn, geschnicen; fällen, fillen, ich fälld; 
grünnen, i. gründen, 2. mahlen auf der Mühle, ick grünnd ; s/tenen, 
scheinen, ick .shiml; kolken, ick kölked, Uähio kolket; Wissen, 
lausen, ick lühssed, Iiälnv lühsset; sijöien, schaukeln, ick stjöihd; 
driemen, träumen, ick driemd; shöien, Pferde beschlagen, behufei- 
sen , ick sliöid; forgänjllen und forgellen, vergolden, ick forgelld; 
fäirken, mit der Heugabel nuüan gen , ick für k , hähio fürken ; bläjd- 
den. bluten, ick bleet; bäirigen , bergen, ick bürg, hähw bürgen; 
ijnnen, i. enden, 2. dem Ende näher schreiten, personale und 
impers. , ick änd. dät änd; hijnnen, \. mit den Händen auffan- 
gen, 2. sieh begeben, ereignen; pers. und impers., ick händ, dät 
händ Iiäm, es traf sich; kneten, einen Knoten schürzen, ick kneet, 
hähw kneet; kluhsen, kleiden, pers. und impers., ick kläss, hähw 
Mass, dät kläss här gänjd, es kleidete sie (stand ihr) gut; renen, 
regnen, dät rind; smeren, schmieren, ick smjärd; slingen, milder 
Schleuder werfen, ick slängd; swiermen, schwärmen, swärmd; 
fäjdden , ernäliren , unterhalten, ick fet; räjdden, i. rathen, 
jemand etwas, 2. errathen, 5. zu gebieten haben, ick ret; gräimen, 
ausweiden, gräimd. — Wo hier nur allein das Imperfectum steht, 
da ist die Form der Vergangenheit dieselbe. Kolken, lühssen kön- 
nen auch regelmässig gehen; bäirigen hat ausser der obigen Ab- 
wandlung auch: ickberrigt, hähw berrigt. Das Wort fallen, einem 

38 



298 

Avie ein Füllen nachlaufen, von dät Fall, das Füllen, ist nicht 
mit fallen, schinden, von ilät Fall (Fell), zu verwechseln; jenes 
ist regelmässig: fie fallet me efter , er läuft mir nach. 

Da die einfachsten Zeil\^örtcr wenigstens allemal zweisilbig sind, 
so ist es ein wenig auffallend, dass folgende Wandelwörter, als: 
flieen, fliegen, siecn, sehen und säen, tiecn , ziehen, sliicn oder 
sliüicn, geschahen, duliggcn, ihun, fuhggen , enipfahen, sluliggen, 
schlagen, und fif/zj/r/i-/», waschen , ihre ursprüngliche Form verlieren 
und eine ganz fremdarlige bekommen: aus flieen — flijn, aus 
sieen — sijn; aus ticen — tijn; aus sliien oder fJtäien — sin'jn; aus 
dufiggcn — düjn ; aus fuhggen — fäjn ; aus slnhggen — slüjn; aus tuhg- 
gen — tüjn; wenn sie mit f/rörre«, dürfen, den Muth haben, türren, 
die Erlaubniss oder die Verpflichtung haben , haanen , können , lüjtten , 
lassen, mäujüen, müssen, maagen, mögen , sli allen, sollen, wällen, 
wollen, veibunden werden. Beispiele: de Fögel wäll ßijn; he darrt 
't äi sijn, seilen; haust cd sijn? he tvdll sän Rögge sijn (säen); de 
ihne Häjnst hön dal swär Leess äi tijn; läjtt 't shijn; dät shäll 
äi shijn! ick hont düjn; du mähst 't nög fiijn. (bekommen); 
dö wälJi fiijn; mäi ick 't fiijn? wälh ine slüjn? he wäjl mc 
diljd slüjn; jö shäll hur tüjn, u. s. w. Wahrscheinlich stam- 
men diese abweichenden Formen aus dem Angelsächsischen, von 
den nächsten Nachbaren der wailandigcn Nordfriesen, worauf 
auch die Aehnlichkeit der obigen Wörter hinzudeuten scheint. 
Im Angels, ist ftieen, fleon [flijn); sieen, seon [sijn); tieen , leon 
{tijn); dahggen , dön [düjn); sluhggen , slean {slüjn); tuhggen, 
thvean {tüjn). — Bemerkenswerlh bleibt es immer, dass hier die 
Zeitwörter beider Sprachen einsilbig sind, was sonst im Nordfrie- 
sisclien nie, und im Angelsächsischen auch wohl nur selten vor- 
kommen mag. 

Ausser den obigen Hülfswörtern , haanen, maagen u. s. w. . 
können wir audi noch andere Zeitwörter mit einander verbin- 
den, die aber keine weitere Veränderung in den gewöhnliehen 
Formen dadurch erleiden, als: gongen sieen; lädden bliwwen; spü- 
len hieven; dregcn helpen u. dergl. 

Die Mehrheit der gewesenen Gegenwart endigt sich immer auf 
en, als: ick ging, pl. we gingen; ickläkel, we lähcten , lachten; ick 
sluHch , WC sluuchcn , schlugen, u. s. w. Aber bei den folijenden 



299 

Wurlern: maagen , /lewcn, du/iggcii , sedden , wällen, liaanen ,stäujn- 
nen und shdllen, wird die Mehrheit des Imperfectums auf folgende 
Weise gebildet, als: maagen , ick inähs , pl. wc mahn; hewen, 
siehe §. 198; du/iggcn, ick däi, pl. däjn; sedden, ick sälis, pl. we 
sahn, sagten; wällen, ick iviijl, dö wäisl, du wolltest, pl. wäjn; 
kaanen, ick köJis, pl. kühn, konnten; sUlujnnen, stehen, ick stöhs, 
pl. slijnnen, standen '); shällcn, ick shäiijl , pl. shäujn, sollten; dö 
shäust, du solltest, vergl. dö tväist. 

Der Befehl (Imperativ) wird immer nur aus den Stammsilben 
der Zeitwörter gebildet, als: gongen, gong! stäiijnnen,stävjn! steh, 
u. s. w. ; daher wir dessen nicht weiter erwähnen. 

Unter denjenigen Zeitwörtern, die in der gewesenen Gegenwart 
und in der Vergangenheit sich gleich bleiben , linden wir nun 1) eine 
Menge von solchen, die sich in beiden Zeiten auf elendigen, und 
meistens ein a, äi, i, äj, ij oder jd zum Hauptlaule haben; 
2) solche, die in beiden Zeiten ein gedehntes ä oder 5 erhalten; 
5) mit dem liefen e in beiden Zeiten; 4) mit ij und ie im I 
perf. und ein- oder zweisilbigem Mittelwort, das sich auf en, 
oder m endigt; 5) mit üj, ij, und äi, äj im Imperf. , mit zwei- 
oder einsilbigem Mittelworte auf n; 6) mit au, an, u und ü in 
der gewesenen Gegenwart und meistens zweisilbigem Mittel- 
wort. — Die nachstehende Tabelle über die Abweichungen macht 
diess deutlicher. 

Tabelle über die Abweichungen der unreijelmüssigen ZeiU 

Wörter. 

§. 208. Die Striche in der zweiten Spalte deuten an , dass 
die Personen der Gegenwart regelmässig sind; die Zahlen zeigen 
an, dass ein und dasselbe Wort verschiedene Bedeutungen hat. 

Die mit einem Sternchen bezeichneten Wörter können auch 
ohne Ansloss regelmässig abgewandelt werden. 



ra- 
n 



') Der Plural müsste heissen: wo stöhn, stall we stijnnen. Letzteres 
ist aber ganz allgemein , und stöhn hört man selten oder nie. 



3«* 



500 



Wandel- 


1^'«, 2'c und 3'-^ Person 


1 Gewesene 


Zweites 


Uas deutselie 


■wort. 


der Gegeinvait. 


1 Gcgcnwai L 


Mittelwoit. 


Wandelwort. 


hingen 


hing, liängsl, hängt 


hüngd 


hüngd 


hängen v. ir. 


Iiijnnen 2. 


— Iiänst , liänt 


hnnd 


hünd 


auüangen. 


ißmicn 2. 


— änst, änt 


Und 


Und 


enden , beenden 


kicmmen 


— kämst, kämt 


kamd 


kümd 


kämmen. 


hinrjcn 


— krängst, krängt 


krängd 


krängd 


drängen. 


lingcn 2. 


— längst , längt 


lungd 


lüngd 


reiehen. 


mingen 2. 


— mängst , mängt 


müngd 


müngd 


mengen. 


räncn 


— rannst , rannt 


rund 


rmd 


rennen. 


nijnnen 


— sännst , sännt 


sänd 


sänd 


senden. 


s/njnncn 


— shännst, shännt 


sJüvnd 


shdnd 


scliänden. 


sVingen 2. 


■ — slängst , slängt 


slängd 


slängd 


schlciulein. 


lijnnen 


— tännst, tännt 


fand 


tänd 


zünden. 


trijnnen 


— trännst , tränvt 


travd 


tränd 


scheren, v, eilen 


wijnncn 


— wannst , wannst 


wand 


wand 


wenden. 


wrhigcm 


— wrängst , wrängt 


ivrTvngd 


wrängd 


ausringen. 


ihrwcn 


— ärrewst , ärrewl 


arrcwd 


ärrewd 


erben. 


[äiijn] strin- 


— strängst , strängt 


stvTwgd 


sirängd 


ansirengcn. 


gen 










dränkcn 


— dränks! , dränkt 


dräng d 


drängd 


ertrinken. 


Uvenen *■) 


— twännst , twänt 


twänd 


twänd 


zwirnen. 


leddeii 


■ — läist , läit 


läid 


läid 


legen. 


reken *) 


— — 


riggd 


riggd 


recken. 


renen 


— däl rinnt 


rind 


rind 


regnen. 


shenen 


— shinst . shint 


shind 


shind 


scheinen. 


sleken *) 


— 


sliggd 


sliggd 


löschen. 


slreken *) 


— 


striggd 


striggd 


strecken. 


tcken *) 


— 


liggil 


liggd 


ein Dach decken 


lienen 


— lijnst , lijnt 


lijnd 


lijnd 


daclien. 
leihen. 


mienen 


— mijnst, mijnt 


mijud 


mijnd 


meinen. 


ringen 


— rdjngst, rdjngt 


räjngd 


rdjngd 


läuten. 


klingen 


— klängst , klängt 


klünqd 


klängd 


klingen. 


dielen *) 


— 


dijld 


dijld 


theilen. 


beren 


— hjärsl , bjärl 


hjärd 


bjärd 


Geld heben. 


legeren 


— hegjärst, begjärl 


bcgjärd 


begjärd 


begehren. 


fairen 


— fjärst, fjärl 


fjdrd 


fjärd 


führen. 


gräten 


— gräist, gräii 


gräid 


gräid, gräjn 


Avachsen. 


käircn 


— kjärsl, kjärt 


'kjärd 


kjärd 


fahren. 


meren 


— mjärst , mjärt 


mjärd 


mjärd 


mehren. 


veren 


— njärst , njärl 


njärd 


njärd 


nähren. 


siccn 


— iäist , säil 


säid 


säid, säjn 


säen. 


sliäienMiiecn 


— dät shäit 


shäid 


shäid, shäjn 


geschehen. 


shercn 


— shjärst , shjclrt 


shjärd 


shjärd 


scheren , schnei- 
den. 


smercn 


— smjärsf , smjdrl 


svijärd 


smjärd 


schmieren. 



oOl 



AVaiidcl- 
form. 

sweren 
teren ') 
weren 2. 
sw'mgcn 



spränken *) 



Personen d(;r Ge- 
genwart. 

— swjärst , swjärt 

— tjärst , tjäri 

— nijärst , wjärt 

— swängst, swängt 

— swjängst , sxvujnst 

— spränkst, spränkt 



Iiiipcilec- , Perleuluiii. 
tum. 1 



SWjÜrd 

tjärä 

wjitrd 

swängd 

swdjngd 

sivüng 

sprüngd 



swjärd 
tjärd 
wjärd 
swängd ) 
swdjngd i 
swiingen J 
sprUmjd 



Deutsclies 
Wandehvorl. 

scliwören. 

zehren. 

wehren. 

schwingen. 

sprengen , hespr. 



II. 



hrijdden 


— brätst, brät 


brät 


brat 


ausl.ireilen. 


kupen 
shiehscn 


— käfst, käft 

— shäst , shälts 


käft 

shahs 


käft 
shahs 


kaufen, 
scheiden. 


sprijdden 
stijllen 


— sprätst, sprät 

— slätst , stät 


sprät 
stät 


sprät 
stät 


spreilen. 
siossen. 


maagen 


mäi, mähst , mäi 


mälis 


mäht 


mögen. 


bringen 
kaanen 


— bräjngst, brdjngt 
kön, kaast , kön 


brögt 
kö/is 


brögt 
kühl 


bringen, 
können. 


mmjtlcn 


— maust , mäiijl pl. 


möst 


möst 


njüssen. 


säicken 
tanken 2. 


we mäujn 

— segsl , segt 

— tankst, tunkt 


sögt 
tögt 


sögt 
tögt 


suchen, 
(lenken. 


swöhmcn *) 




swömd 


swömd 


sehweimen 


sieen 


— sjögst , sjögt 


säch 


säjn 


sehen. 



III. 



berehsen *) 

hläjdden 

bräjddcn 

hrijdden 

fällen 

fäjdden 

forgäujllen 

fielen 2. 

hijtten 

kneten 

täjtten 

mäjtten 2. 

räjdden j. 

selten 

snäjtten 

wäjtten 

sprijdden 2. 



beret 

bietst, biet 
bretst, bret 
bretst , bret 

feist, fct 
forgellst , forgellt 

helst, het 

letsl, IM 
meist, met 
reist , ret 

sei 

snetst , snet 
weist, wet 
sprcdst, spret 



berrt 

biet 

bret 

bret 

feil 

fct 

forqeiiil 

fiel 

het 

knet 

Ict 

med 

ret 

sei 

sncl 

wel 

sprcl 



hercl 

biet 

bret 

bret 

feilen 

fei 

fon/elld 

fiel 

het 

knet 

Ict 

mcel 

ret 

sei 

snet 

wel 

spret 



ol)en. 



bereiten. 

bluten. 

bi'üten. 

breiten, ; 

fallen. 

ernäliren. 

vergolden. 

s. g210. 

heizen. 

knoten, schürzen. 

lassen. 

messen. 

rathen. 

setzen. 

schnauzen. 

netzen. 

spreiten. 



7,02 
IV. 



Wandel- Personen der Gegen- Imper- 

form. wart. fectuni. 

litten — beutst , hält bijt 

cjUdden — glältsl , fjlätt glijd 

grippen — grdppst . gräppt gricp 

riddcn — rdtsl , rät rijdd 

shrkidcn — shrälsl, shvät shn'jdd 

slidden — sldddst , sldtt slijd 

sUtlen 5. — sldltst , sldlt slijt 

shilten ; — slidltst, s/idtt s/iijti 

smitten ] — smällst, smäü smijtt 

spUtten ; — spUHtst , spldll splijtt 

slriddeii [ — slrdltsl , strdtt strijdd 

twilten ; — tivdttst , twdtl twijtt 

bliwwen I — bldfst, blaß blief 

driwwen j — drdfst, dräfl drief 

gnihssen \ — gndst, gnäsl gnicss 

lihssen | — last, last Hess 

s/irmwen \ — s/irdfst, slirdft s/irlef 

r'rwwen I — räfst, rdß rief 

slippcn j — sldpplsl, aläppl sliep 

strichen \ — slralist, slrdckt strieh 

swifissen | — swdst, swdst swicss 

prilissen *) j — präsl, präst pries 

wri/tssen i — wräst , lirdst ! wriess 



Ferfccliini. 



bann 

gldnn 

grdm 

rdnn 

slirdnn 

slänn 

shinn 

slidnn 

smdnn 

spldnn 

st rdnn 

Iwdiin 

bläwen 

drdwen 

gnusen 

läJisen 

s/iräwcn 

räwcn 

sUiltni 

slrägen 

swdseit 

präsen 

wruhsen 



ichlit- 



üeutsclies Wan- 
dehvort. 



beissen. 

i^lcilcii. 

greifen. 

reiten. 

schrciicn. 

gülselien, 

lern, 
verlieren, 
scheisscn. 
schincissen. 
spleisseii. 
slreilen. 
scliniizen. 
bleiben, 
treiben, 
reiben, 
leiden, 
selireiben. 
reissen. 
scbleii'en. 
sireichen, 
sengen. 



preisen, 
entwinden 



rin- 



bijdden 
beßijtten 2. 

flijttcn 

fovtrijüen 

gijllen 

mjtten 

shijtten 

slitten 5. 

tijllen 

bddden 2. 

bregen 

ä/isen 

dii/iggen 

l'rehsen 

/lijtteit 



bjötst , bjött 


büjd 


bahn 


bieten. 


befljöttst, bc/ljött 


beßüjtt 


beflä/tn 


befleisscn 2. be 
fliessen. 


ßjöttst, jljiUt 


flüjtl 


{lähn 


fliessen. 


däl forlrölt 


fortriijtt 


forträhn 


verdriessen. 


gütisl , galt 


giljlt 


gähn 


giessen. 


njöttsl , njött 


iiiljll 


nältn 


geniessen- 


s/iöllst , sliötl 


sfiüjtt 


shähn 


scliiessen. 


sijötlst , sljött 


slüjtt 


slähn 


scliliessen. 


tjütlst, Ijött 


tüjtt 


lähn 


schreien. 


bdddst . bddt 


bäid 


bahn 


bitten. 


bregst. bregt 


bräik 


brägen 


brechen , gebr. 


etst , et 


äjl 


ahn 


essen. 


dälist , det 


däl 


däjii 


thun- 


freist, frei 


fiäjt 


fr ahn 


IreSflCii. 


fiäflst, hall 


hüjtt 


häjllen 


beissen 



rsonen der Gcgcn- 


Impei- 


Pcifectaiii. 


Deutsches Wan- 


nart. 


fectum. 




delwort. 


— 


jälf 

knüjl 


jäwcn 
knähn 


geben, 
kneten. 





säjll 


sälin 


sitzen. 


siepsl , slept 


släip 


släipen 


schlafen. 


— 


spräik 
stäik 


sprägen 
slägen 


spieehcn. 
siechen nnd stee 
ken. 


— 


SllÜQ 

släjl 


stägen 
sleüen 


steigen, 
stehlen. 


tretst, tret 


träjtt 


trähn 


treten. 


läist, läit 


läi 


läien 


liegen. 


— 


siüäig 


s wägen 


schweigen. 





wäif 


wäwen 


wehen. 


forjelst , forjet 


forjäjt 


forjälm 


vergessen. 



släist , släit 
twäist , tiväit 



fljögst, fljögt 
dögst , dögl 
kröpst , krüpt 
Ijogst, Ijögt 
lapsl , läppt 



snöfst , snöß 
stöfst , stuft 



— Ißgsl, ijögt 



Yl. 

bauk 

drauch 

faur 

grauf 

kaimm 

hau 

laus 

slanch 

tauch , 

twäid 
wauch 

burst 

duhrst 

druiik 

fhich 

duck 

krnp 

lucli 

lüpp 

shuf 

shuf 

slunk 

smif 

stuf 

sup 

sunk 

tucli 

türsli 



bägen 
d ragen 
fären 

gräwen 

kiemmen 

hauen 

läsen 

släien 

Iwäien 

tvägen 

bürsten 

duhrst 

dvunken 

{lägen 

dägcn 

kr ahm 

lägen 

lähm 

shäwen 

shähm 

slunken 

snäwen 

Slawen 

sähm 

sanken 

tagen 

türshen 



backen, 
tragen, 
fahren, einher 

u. s. w. 
graben, 
kommen, 
hauen, 
lesen , 2. 
schlagen, 
waschen. 



laden. 



V. iegen und wä- 
gen, 
bersten. 

dürfen , w-agen. 
trinken, 
fliegen, 
taugen, 
kriechen, 
lügen, 
laufen, 
schieben. 
erschalTen. 
verschlingen, 
schnieben. 
stieben, 
saufen, 
sinken, 
ziehen, 
dreschen. 



Wandel- 
foim. 

türvcii 

wäfisen 

hinnen 

bäiriiien 

fordienven 

filDlPU 

fnicscn 

friesen 

forliesen 

fuhgqen 

heipen 

himfien 

hüjllen 

grünnen 2. 

sjuiifjon 

shcllewen 

Spillen 

spännen 

springen 

släirwen 

swimien 

stjnnhcn 

tünnen 

Iwenen ") 

tvorden 

swingen 

twingen 

nämen 

leflcn 

fäirhen 

wlnnen 

ivdnnen 

ivierwen 

wiuhlen 

gungen 

smöllen 

krumpen 

slirumpen 



Personen der Gegen- 
wart. 



wijt, wiest, tvijl 

— bannst, bannt 

— herigst , berigt 

— forclercwst, — ewl 

— fdnnst , fännt 

— fröst , l'röst 

— forljöst , forljöst 

— fähsl . fäit 



— lullst , Iiält 



— spätist , spällt 

— spräjngst,spräjngt 

— sterewst , sterewt 

— swännst , sivänt 



Iwänsl , twänt 
rvorst , tvort 
swäjngst , swäjngt 
iwäjngst, twäjngt 
nämmst , nämmt 



ivännst, ivänt 



— ivüddest , ivüddet 



504 

Iniper- 

ibctuni. 

rurst 

wiis!, 

bann 

bürg 

foriiiirw 

jiinn 

fnüss 

früss 

forlüss 

füng 

hülp 

hiutq 

hüll 

gründ 

süng 

sliülw 

spüll 

spüirn 

Sprung 

stürw 

swünn 

slünk 

tünd 

iwünn 

würd 

swüng 

twüng 

niUnm 

lüß 

fürh 

xcünn 

wann 

ivilrw 

ivüdd 

smölt 

krimp 

sbrump 



Pcrfectum. 



lurst 

ivust 

bünnen 

bürgen 

fordürwen 

fünnen 

fnäsen 

fräsen 

forläsen 

fangen 

hillpen 

hilngen 

bullen 

grünnen 

süngen 

shülwen 

spülten 

spünnen 

Sprüngen 

siünven 

siiiuinen 

stünkcn 

tünnen 

twünnen 

würden 

swüngen 

twüngen 

nünunen 

lüflen 

füricen 

wünnen 

wunnen 

tvürwen 

ivüdden 

gingen 

smolten 

krumpen 

slirumpen 



Deutsches Wan- 
del wort. 

dürfen. 

wissen. 

binden. 

ern(en, bergen. 

verderben. 

finden. 

niesen. 

frieren. 

verlieren. 

eiupfahen. 

helfen. 

bangen. 

halten. 

mahlen. 

singen. 

zillern. 

spilien. 

spinnen. 

springen. 

sterben. 

sehwinden. 

slinken. 

scliN^ eilen. 

zwirnen. 

werden. 

schwingen. 

zwingen. 

nehmen. 

lieben. 

aufgabeln. 

winden. 

gewinnen. 

werben. 

waten. 

gehen. 

schmelzen. 

krimpen. 

schrumpfen. 



Noch sind zu erwähnen 



formielisen 
wällen 

shätlen 



wähl , wäll , i> 

wän 

sliäht, sliätl 



formahsd 
wäjl , pl. 

iväjn 
iibäiijl, pl. 

shänjn 



formahsen 
wäjlt 



sliävjlt sollen 



vermeiden, 
wollen. 



30!> 

§. 209. Die durch Vorsilben oder ümstandswörler u. s. w. 
zusammengesetzten unrcgelmässigen Zeitwörter riehten sich nach 
ihren Stämmen in der vorstehenden Tabelle, wie z. B. forbijdden 
nach bijdden; begrippen nach giippen; äujntstäujnnen nach slmpi- 
nen ; bedregen, fordregen, äjtdregen nach dregen, u. s. w. 

Bemerkungen über einige der vorstehenden Zeilwörter* 

§.210. 4. Hijnnen heisst 4. mit den Händen auffangen, z.B. den 
Ball; 2. sich ereignen, begeben, zutragen. Ijnnen \. beendi- 
gen, vollenden; 2. sich zusehends dem Ende mit der Arbeit nä- 
hern, wenn es mit derselben gut fortschreitet. Lingen 1. langen, 
reichen; 2. sich sehnen, mit nach, aber nicht zurückzielend (re- 
ciprok), z. B. ick ling efler mein Sahn, ich sehne mich nach mei- 
nem Sohne. Mingen l. mengen, mischen; 2. zaudern, säumen. 
Slingcn l. mit der Schleuder werfen; 2. wie im Deutschen, aber 
nicht schlucken, verschlingen, welches släjnkcn heisst. Dränhen, 
ertrinken , steht auch zielend für ertränken , als: he dränld sdn Ilünn 
an sin Kätt. Gräien , dän. at groe , engl, to groiv , wovon das 
deutsche und englische Grass, Gras, und das dänische Gras ab- 
stammt, so wie en Grvde, die Gruse, wofür ich das Wort grusen 
als das entsprechendste gewählt habe. Man gebraucht gräien nur 
von dichtem, kurzem Grase, kurzen krausen Haaren und krau- 
ser Wolle, und sagt von der letztern: dät Uli äs gäiijd unncr- 
gräjn , die Wolle ist gut unierwachsen. Das daraus gebildete 
Hauptwort heisst de Grause, entspricht dem dänischen Gröde , 
und dem deutschen Gruse, Saft und Trieb des Pflanzenwuchses; 
auch kommt es in dem Worte Edgrause , Nachgras, dän. Efler- 
gröde, vor. Weren, 4, v. rec. , sieh wehren; 2, v. act. intr. , weer 
da Häjnsle , wehre den Pferden u. s. w. Sheren h. überhaupt 
schneiden , daher de Shjärder , der Schnitter ; mit der Schere 
schneiden ist klappen, dän. at kuppe. Tanken l. denken; 
2. im Gedächtniss behalten. Fielen 4. die im Tüdder stehen- 
den Schafe und Rinder auf einen andern Rasenfleck setzen; 2. 
umziehen von einem Hause in ein anderes, dän. at flötle , nd. 
flutten. Mäjtten h. nicht allein messen, sondern auch einem be- 
gegnen, mit ihm zusammentreffen. Räjdden, 4. rathen , einem 

39 



306 

etwas; 2. erralhen; 3. befehlen, z. B. dö hältst kirr nint räjdden, 
du hast hier nichts zu sogen, zu gebieten, zu herrschen u. s. w. , 
in mehrfachen Beziehungen. Snäjlten , von de Snütte, Schnauze, 
Avird nur von der Nase und der Lichlschnuppe gebraucht, woher 
auch de Sil öle , dül Siiöte, der Nasenschleim, Rolz, stammt. Sprijd- 
den, spreiten, z.B. Mist spreiten oder streuen. Sliltcn 1. aus 
der Tasche, vom Wagen, auf dem Wege verlieren; 2. schleissen, 
aufsehleissen , z. B. die Kleider; 5. jemand auf die rechte Weise 
zu nehmen wissen, um mit ihm durchzukommen. Twitten h. 
auch überhaupt in Holz, oder Späne abschneiden. GnUissen, ein 
Stück Zeug oder dergleichen zwischen den Händen reiben. Wrihs- 
sen 1. sich krümmen wie ein ATurm; 2. die Hände ringen; 5. ei- 
nem etwas drehend entwinden. SliijUen , verb. irapers., wird auch 
so gebraucht : dät könr me nint dm sliijtte , ich schere mich nicht 
darum, mag es nicht u.s. w. ; ivdt kön de dät shijlte? was geht das 
dich an? was schiert es dich? Bddden 1. bitten, 2. betteln. 
Bregen, v. pass. und v. tr. , ferner: mangeln, fehlen, gebrechen; 
2. sich erbrechen. Fre/isen , fressen , wird nur von Menschen ge- 
braucht , wenn sie sich übermässig anfüllen , sonst von Men- 
schen und Thieren äfisen , essen. Frelisen, v. reg. trans. , heisst 
friedigen. Jewen, geben, hat nicht die umfassende Bedeutung 
des deutschen Wortes, und wird nur vom Kartengeben und Yieh- 
füttern gebraucht, als: du shäht jewe , nämlich Karten; hältst Jä- 
wen? hast du dem Vieh den ganzen Stall hindurch ein Futter ge- 
geben? Huhm jeft träie, man füttert dreimal herum. Ick jeiv'r 
nint dm, ich gebe nichts darum, mag es nicht. Das gewöhnliche 
Geben heisst duhggen , als : diihg me dät Bauck , thu mir d. h. 
gieb mir. Spregcn h. mit jemand sprechen, als: hähst heim sprä- 
gen? hast du ihn gesprochen? an f huhm selleiv spregcn, sich sel- 
ber loben; das Sprechen überhaupt heisst snäken. Tresen, treten, 
wird auch vom Begalten der Vögel gebraucht. Shafcn h. auch 
herbeischaffen, zu Wege bringen, und ist dann regelmässig [shü- 
?üm,v. reg. , b. bilden, formen, eine Gestalt geben; he wijt 'tnög tö 
shütven , zu bilden, zu gestalten; 2. sich gebehrden; hörr shä- 
west de? wie hast du dich?). Snöwiven h. nicht allein schnieben, 
sondern auch schnupfen, nämlich Taback, Tieen, h. ziehen in 
allen Bedeutungen des deutschen Wortes , ausser da , wo man 



307 

ein Thicr an einem Stricke zieht; dieses Iieisst: Irdckcn, dän. 
at träkke , jö Trdckpott, wörtlich der Zichtopf, d. i, der Thee- 
topf, weil der Thee ziehen muss. Bäirigen hat auch die etwas 
regehnässigere Wandlungsform: berirjt , im Imperf. u. Perf. FoV' 
lieseu i. im Spiele, im Handel; zur See verlieren, untergehen, 
scheitern; 2. entbinden, erlösen, eine Gebährende. In dem letz- 
teren Sinne ist es regelmässig. Grünnen, engl, to grind, h. auf 
der Mühle mahlen. 

Slillcn , aus der Tasclie verlieren, und süücn , schliessen, irt 
allen Bedeutungen des deutschen Wortes, sind wohl von einander 
zu unterscheiden. Ebenso siee«, sehen, und sieen, säen; ersteres 
hat im Imperf. sach, dieses sdid. Ferner hijtlen , heizen, und 
hijlten , heissen ; ersteres hat: het und halt, in beiden Zeiten, 
dieses häjttxmd IiäjUen. Aus fiet , heizte, geheizt, wn-d : de Hct- 
stijii , wörtlich der Heizstein, d. i. der Feuerherd. Hungen, han- 
gen, V, n., ist von hingen, hängen, v. tr. , wohl zu unterscheiden, 

2. Bei mehreren Zeiiwörlern von gleicher Bedeutung hat man 
verschiedene Vocale zu Slammiauten, als: fieligen, fälligen und 
fuligen, folgen, den Acker; das Hauptwort hcisst : düt Fulig ; for- 
gäiijllen und forgellen, vergolden; swiennen und swärmen, schwär- 
men , von Bienen , Ameisen , Mücken u. s, w. ; stiermen und sldr- 
men, riechen; die Substantiven heissen: de Swierem, Schwärm, 
und de Stierem, Geruch; swijtten und swälten, schwitzen, Subst. 
dät Swiji ; ihrwen und ärwen, erben, Subst. jö yirw , de u/rwing, 
das und der Erbe ; shieen und shäien , geschehen , Subst. jö 
Shäujn ; bäirigen und herrigen , bergen ; wärken und wärrigen , 
schmerzen, Subst. de Würk, der Sehmerz, wie Gigtwürk , Gicht- 
bruch , Lähsewürk , Gliederreissen ; swieligen und swcilligen, \. hinun- 
terschlucken , 2. ersticken , verb. pass. ; Subst. jö Swielig und jö 
Sivällig, der Schlund, der Schwalg, die Schwelge, dän. at 
svälge , et Srälg ; daher: schwelgen, engl, lo swallow; bäligen 
und bijlken , laut rufen , bäligen , zurückrufen , bijlken , auch 
laut nachschreien, daher Subst. de Bijlk ; marken und mürri- 
gen, merken, Subst. f/äf Mark, Merk, Merkzeichen; beide bedeu- 
ten: merken überhaupt, und mürrigen gebraucht man noch beson- 
ders von Hauslhieren, denen man ein Kennzeichen macht, z. B. 
Schafen, in den Ohren oder mit Farben, Gänsen in den Füssen, 

30» 



508 

Rindern mit dem Brenneisen in den Hörnern. Wirken h. i. über- 
haupt wirken, daher dät Wäirk, das Werk; 2. einen bretternen 
Zaun setzen, davon dät Wirk, das Wirk; wirrigen , 4. wür- 
gen, wäl dälihvirrigen, hiniinterwürgen , 2. erwürgen, einem die 
Kehle oder Gurgel (jö Slraahs) zuschnüren. 

Es mag in diesen Wörtern das eine Wandelwort aus einer 
Zeitform des andern hervorgegangen sein. Wir haben ähnliche 
Fälle im Deutschen, wie trügen und tricgen, beirügen und betrie- 
gen , schnauben und schnieben, stäuben und stieben, sprossen und 
spriesscn , träufen und triefe?i , u. s. w. , so wie in der Zeilform 
der gewesenen Gegenwart , als : barst und borst , drasch und 
drosch, hob wnd hub, schwor und schwur , spann und spow«, schlang 
und schlung , stand und stund u. s. w\ 

3. Folgende der obigen Zeitwörter werden unpersönlich ge- 
braucht, als: bregen , mangeln, gebrechen: dät bregt mc; shieeti 
oder shüien : dät shäit oller; renen , regnen; fortrijlten, verdries- 
sen ; täjnten , däuchlen, dünken; shijtlen, sich scheren, küm- 
mern; und bitten, wenn es jucken bedeutet; dätbütt nie, es juckt 
mich. 

4, Die Leidensform des zweiten Mittelwortes ist in einigen 
Fällen von der activen abweichend, als: ick liäliw twünd , aber 
de Träjdd ds Iwünnen; ick hähiv de Bär shjärd, aber dät Kaum ds 
sheren. Selbst beim leidenden Zeitworte ist diess der Fall, als: dö 
bäst wügsen. gewachsen, ick bdmvügsen , ich bin erwachsen; eben- 
so bei shäid und sliäjn , gräid und gräjn u, s. w. Ebenso : ick 
hähiü rann, habe geritten, ick bdn ridden , bin geritten, d. i. zu 
Pferde; ick hähw gingen, habe (statt bin) gegangen, ick bdn gun- 
gen, d. i. zu Fusse bin ich hicher gekommen; ick hähw kjärd , 
habe gefahren, bdn käiren, zu Wogen; häw agel , gefahren, bän 
ägen , zu Wagen; Jiör bäst färm? wie bist du daran? 

§, 211. Die abgeleiteten Wortbildungen aus dem unregelmäs- 
sigen Zeitworte sind bald aus der Wandelform , bald aus der Ge- 
genwart und bald aus der Vergangenheit hervorgegangen. Durch 
Vergleichung mit den genannten Zeitformen kann man leicht er- 
kennen, welcher derselben sie ihre Entstehung verdanken, als: 
hingen: jö Hing , die Thürangcl, de Häjnger, der Henker, de Häng, 
der Hang; hijnnen : jö Hijnning , das Ereigniss; kämen: da Kämst , 



309 

Wäßkämst , der Willkommen, Aiijnkdmst , die Ankunft; kringen : 
jo Krängd , die Viehseuclie , Pest ; forUngcn : de Forlangsl , das 
Verlangen; ränen: de Ränster , Renner, in Faarränsler ; wijnnen: 
jö Wijnning , Wendung; Ujnncn : dät Tänner, der Zunder; slin- 
gen : jö Sling , Schleuder; sliiescn : de Aiifsliiess , Abschied, jö 
Shiesing , Scheide, Feldscheide, Sclieidung ; sh'jtten: de StijU , 
Stoss; sieen: jöSigt, dat Sjöfin, 1. Sehvermögen, 2. Erscheinung; 
sliiccn: jo Shäujn ; bräunen: de Brand, jö Bräiijn, Feuersbrunst; 
gräien : jö Gräjdd , der Rasen, de Grause, dät GJärs; fähren: jö 
Fähr, \. die Fähre, 2. der Aufzug; räiren: jö Mir, A'präir, Auf- 
ruhr; sheren, de Sliälir, Schnitt; dat S/iJärd , die Scherbe; de 
S/ijärder , der Schnitter; glidden: de Glälis, der Glitt, ?2Ö ds'täw'e 
Glähs, nun ist's im Schub; de Gljärder, Brotschieber; sieen: dät 
5ä/(/, 1. Samen, 2. Saat, 5. Rapsaat; /erew; jö Tering ; ringen: de 
Ringsler, der Läuter; bregen: de Brähg , Bruch; siegen: de Slälig, 
Stich, dat Släjk, der Griffel; ähscn: dät ^//se, das Essen, die 
Speise; drdjnken: dät DrdJ)ike, deDrönk, de Drönker, der Säufer; 
frehsen: de Frällie , die Fresse, das Maul (gemein); Iddden: dät 
Lddd , der lose, flache Deckel, 2. der hölzerne Teller; ledden: de 
A'mledder, Einlegemesser (ümleger); dnhggen: jö Düjns, dasThun, 
viel Wesens ; Je/i^ew ; dät e/e/i, eine Gabe Futter, de Jeu'e , nur in 
Näiihrsjewe , Neujahrsgabe; selten: de Setter, die Setze, eine ir- 
dene Milchschüssel; spregcn: de Spräjcke, Sprache, de •^prök, der 
Spruch ; ivewen : da IFäir/e , JNom. collect. , der Webstuhl , de TFä/<;sfer , 
Weber; trescn : de Trälts , der Tritt, da Trä/isc, Trelhölzer am 
Webcrstuhle; fällen: de F(7//, der Fall, jö /^ä//, die Falle; fäjd- 
den: jö Faihs, der Unterhalt; läjtten : de Läjlte, in toUljtsluhggen ; 
mäjUen : jö 3!äjtt, das Maass , r/e Mäjtte, die Maassen : rfjrr «s ^a 
wä« Mä/7/e ?Hä, dän. der er jo ingen Maade med, ihr haltet ja 
kein Maass , übertreibt es ; räjdden : de Räjdd , de Räjdder , in 
Wönräjdder , wörtlich: der Wa/mrällier , einer der tausend ver- 
kehrte Anschläge macht; de Räjddelse , das Räihsel; bitten: de 
jßii/er (Beisserlein, Zahn), dät Bitt , eine gemachte Oeffnung im 
Eise zum Tränken des Viehes (eine vom Winde und der Strö- 
mung offne Stelle h. jö Wdnivaag) , dät Bdtt , die Pfeifenspitze, 
auch dät Müntstöck (Mundstück) genannt; de Bäfis, i. der Biss, 
2, die Schärfe der Schneide ; splitten : de Sp/äfis , die Spleisse , 



510 

Spalte; ridden : de Bidd , der Ritt, de Ridder , i. der Reiter, 
2. das Reitpferd selbst ; der Reuter beim Militair b. de Rät- 
ter ; shridden : de S/iridd , der Scbrilt; smiften : de Smä/is , der 
Scbmiss , Wurf; dät SmüUhig , Wcberklcislcr ; twilten : de Tivil- 
ter , der junge Bursclie ; driwwen : jö Dräft, i. der Trieb, 
2. Nacbdruck , 5. Trift: grippen: de Gripp, ein Griff mit der 
Hand, de Grawe, der Griff, als [landbabe an einem Dinge; shriiv- 
wen: jö Sliräß, 1. jede Scbrift , 2. die beilige Sebrift ; de S/iriw- 
wer, Schreiber; stricken: de Slräy, der Strich, deSlräge, Strei- 
cher zum Schärfen der Sensen; riivwcn: deRä/nv, der Riss; icrihs- 
scn: de Wrdsf, der Rist, der Spann, dän. en Vrist, von at vrie ; 
shenen: de Silin, Schein; reuen: de Rinn; giingen : de Gong, de 
Gajnger, der Gang und der Gänger; säiken: jö Säi/i, das Vermis- 
sen; tanken: de Tagte, der Gedanke, gewöhnlich nur im Plural, 
f/d Tagte; u'diinen : deWdnst, der Gewinn und der Gewinst; kaa- 
nen: de Kunst, die Kunst; släujnnen: de Släujnner , der Leuc!uer; 
de Slünner, der Ständer; de Stand, der Stand; ä;(/?i Stände ice- 
sen, in Stande sein; ^iecw; rfäf Töc/;, 4. der Zug, 2. das Mal; 
kniepen, kneipen: jö Kniep, die Schnalle; bjärsten, de Räirsl, der 
Burst, Sprung, Riss; kriepen: dät Kräwel, wie im Deutschen der 
Krüppel, vom niederdeutschen kriippen , und im Dänischen en 
Kröbling von at krybe , kröb , kröben ; söppen: de Söpke, der 
Schnaps; IJaagen : jö Lägen, die Lüge; snöivwen: dät iS/Jö/", der 
Schnupfen; döiviven : dät .Dö/', die Tunke; säjnkcn und sänken: jö 
Sfly'//A- und jö Sank, das Untersinken und Senken; sliüwwen : dät 
Shiiff, pl. Shöivwinge , Scbieblade; dät ;^S'//ö/', ein Vorschiebebrett; 
dät S/inf, ein Schaub, ein Schoof Langslroh , eine Dienst - 
oder Lohngarbe, Zehntengarbe; binnen: dät Bünn , das Bund; 
dal Bijnn , das Band überhaupt, de Dijnn , ein einzelnes Band 
zum Umbinden, als: de Hösbijnn, pl. da Bijnne {dät ^0«. das 
Bein, pl. da j5/wp), 2. der Band eines Buches; de ßänn, die Bande, 
als: de Bännslöck , der Bandslock, Haselsläbe zu Tonnenbändern 
oder Fassreifen; de Ränn/iünn , der Kettenhund; finncn : deFünsl, 
der Fund; forliesen : de Forljüst , der Verlust; fordierwen: jö 
Fordicreiv , der Verderb , das Verderben ; friesen : de Fräst , der 
Frost; Itelpen: jö //c/;;. Hülfe; kippen: de !-?/;>, der Lauf; Löper, 
der Knicker, Schüsser; dat LUpelse, das Laab, Rinnsei, de La- 



311 

pelse , das Durchlaufen der Pferde: da Häjnste kippen Läpelse , 
sie liefen durch; In'jllen: jö Ilijllinfj: i.die JNeige; 2. die Nachge- 
burt ; jö llijll , die Heide , Fussfessel der Pferde ; Inljllcn : jö 
Hüjlling , die Haltung; sjnngcn : de Söug , der Sang; häirujcn: de 
Berrigt , die Ernlc ; iünnen: de Tünnehc , die Geschwulst; sljun- 
ken: de Stönk , der Slank; hijddcn : dal i?«i/(/, das Gebot auf et- 
was; ßijUen : jö Fläiijdd , de Flüt/ic, der Fluss als Krankheit, 
fliessende Fistelgeschwüre u. dergleichen; gijllen: de Gö7//, Guss, 
Schnauze an einer Kanne u. s. w. , jÖ Gaa/is, die Gosse, in Ulis- 
gaa/is, die Schöpfgosse, durch welche das Wasser in den Tränk- 
trog läuft; sln'jlten: de Shot, der Schuss und der Schoss, de S/iö- 
ter, der Schütze; forlrijUen : dät Forln'jt, der Verdruss ; fahren: 
jö Faiir, die Fuhre; Iidwwen: de /iä^f , der Hieb; grewen : dät 
Gre/", das Grab, jö Greft, ein Wassergraben um den Warf, jö 
Grauf, ein Graben zwischen Aeckern , jö Gräwitig , ein grosser 
und liefer Schulzgraben; de Grewster , der Gräber, de Grauwer , 
von jö Grauf; de Grüppel, schmaler Abzugsgraben, de Graiip, die 
Mislrinne im Stalle; sluliggen: de Stiek, der Schlag, Slieke pl, , 
Prügel; de Slüg , d. der Schlag, Gattung. 2. als Krankheit; we- 
gen: jö Wägt, 1. die Wage, 2. das Gewicht, u. s. w. 

§. 212. Es folgen liier einige Zeilwörlcr, welche, in Ueberein- 
stimmung mit §. 207, nur dadurch von den regelmässigen ab- 
weichen, dass sie in der gewesenen Gegenwart und der Vergan- 
genheit statt der Silbe et nur den Buchstaben d bekommen, der 
ihrer Stammsilbe unmittelbar angefügt wird, weshalb es ganz 
überflüssig wäre , diese Formen bei jedem einzelnen Worte wei- 
ter auszuführen. 

'Aien, ick äid , ick Itäluv aid , einem die Backen streicheln; be- 
Jiähven , bedürfen; belieiven , belieben; beräiwen (beniwen) berau- 
ben; beraiien , beruhen; beruh ssen , i. unter Schult begraben 
werden , 2. berauschen ; betrauen , anvertrauen ; bieen , biegen ; 
h'ülen , bilden; bräunen, brennen; brauen, brauen; brüggen , 
pflastern, mit Steinen, Suhsl. jö Stijnbrü ; büen, arbeiten, jö /?mw^, 
die Saatzeit im Frühling; däien, gedeihen, Subst. jö Däged, das 
Gedeihen, die Gedeihlichkeit; dieen , überhaupt Heisses vertragen 
können, als heisse Speisen und Getränke, heisses Eisen anfassen 
können , ohne sich daran zu brennen , u. s. w. ; dielen , theilen ; 



312 

dräien, 4. drehen, 2. drechseln; dricmen , träumen, Subst. de 
Druhm , der Traum; chillen, 4. prellen, 2. drillen; dät Drillbör , 
der Drillbohrer; düllen, dulden; fallen, schinden; de Fdllbereh- 
ser , der Fellbereiter, d. i. der Weissgerber; fäilen , fühlen, jö 
Fäll, das Gefühl; feilen, füllen, jö Felling , die Füllung; fläien , 
putzen, schmücken, ausbessern, machen; fonldwwen , verdauen; 
forgellen, vergolden s. forgäiijlleii ; fnrjüllen, vergelten; forkieren, 
verkehren v. tr. ; fornäigen, 1. vergnügen, 2. v. rec. , sich vernei- 
gen ; forlieiven , v, rec. , sich verlieben ; forsmöien , verschmähen ; 
forteilen, 1. erzählen, 2. v. rec, sich verzählen; fr dien , freien: 
fr dien , als reines Adjeclivum, hcirathssüchtig, manngierig; fräu' 
en, ii'cuen , de Fräiide ; gällen, v>'c'mcn; glaaien, scblüpfen; gniesen, 
das Maul nach einem verzerren ; jö Gnieskätt , Zerrkatze , d. i. 
Fratzengesicht als Schimpfwort; gräten, wachsen; grähnen , wim- 
mern , ächzen , engl, to groan , und wahrscheinlich von gleicher 
Wurzel mit dem deutschen greinen und dem dänischen at gri^ie; 
grälisen, schauern , jö Grälising , der Schauer, z. B. im Fieber; grihs- 
sen , grausen; grdwwen, krauen, kratzen; gröhsen, 1. zermalmen, 
2. einen knirschenden Laut geben , wie z. B. grober Sand unter 
den Zähnen; grälmen, ausweiden, von dät Granm, Eingeweide; 
gruen , grauen ; gunnen , gönnen ; lidien , engl, to Inde , einem 
die Wahrbcit verbergen, mildernd für Ijaagen , lügen; häiwen, 
wähnen, muthmassen; hieen, v, pass. , anschwellen vom Wasser, 
steigen; 2. v, tr. , ein wenig erhölien ; liieren, hören; hdiowen, 
\. hauen, 2. mähen, und dann unregelmässig (siehe die Ta- 
belle); Julien, \. gelten, 2. wimmern, winseln; kännen , ken- 
nen; käilen , kühlen; kdwwen, kauen; kiercn , \ kehren, v. tr. , 
2, V. rec. z. B. huhm änjn wdt kieren, sich an etwas kehren; klap- 
pen, mit der Schere schneiden, 2. klappen, als Klangwort; klam- 
men, klemmen, Subst. jö Klamm; kliewen , klieben , spalten; 
knippen , kneipen; krdien , krähen; lieen, \. mieihen , 2. heuern; 
jö Lie, die Miethe und die Heuer; lienen, leihen, to Lien , zur 
Leihe; Heren, 4. lernen, 2. lehren; jö A/fr, die Kenntnisse, de Lee- 
rer, der Lehrer; liesen, lösen, ]ö Lie sing , in Wäfiserliesing ; liewen, 
\. lieben, 2. glauben; de Liemlc, die Liebe, de Luwe, der Glau- 
be; mienen, meinen, jö Miening ; mjdivwen , mjauen; nämen, nen- 
nen; näigen, v. rec., sich neigen, 2. sich genügen lassen: läjtt de 



315 

dirrmämige , lass dich damit begnügen; päilen, dän. at pole, pla- 
schen, platschen, im und mit Wasser, nd. polen und sölen, engl, 
etwa to puddle, davon däi Päjl, dän. cn Pol (gedehnt, also Pohl), 
das deutsche Pfuhl, aber in sehr verjüngtem Maasstabe; eine 
kleine Lache im Wagengclcise , selbst verschüttetes Wasser bildet 
en Päjl. Präiwen , prüfen, probiren; raucn, ruhen, Subst, jö Rau 
und jö Rö; rehcn , recken, s. oben ; rä/ira , rennen; raison, reisen, 
jö Räilis; riesen, 1. sich erheben, aufstehen, 2. emporrichten, 
als : en Hüss riesen ; dät Riess , das Vermögen oder die Kraft zum 
Aufstehen, fön 7 Riess wesen, von den Beinen sein, von kran- 
kem Vieh, das nicht mehr aufstehen kann; römen, räumen; röien, 
riemen, ein Boot mit dem Riem oder Treibruder schieben; säien, 
nähen; sillen, nd. sielen, treiben, v. pass. , vom Wasser selbst, in 
und auf demselben ; dät Sill, das Siel, dät Silllöch, der Sielzug, 
Fluss , Au, u. s. w, , de Sillliünn, Seehund; shänken, schenken; 
sfiälen , differiren , jö Sliähl , der Unterschied im Fordern und 
Bieten beim Handeln, jö Forshälil , der Unterschied; jö Shähl h. 
sonst die Sehale als Gefäss; shellen, schelten; shäivwen , die Hüh- 
ner unterm Steisse befühlen, ob sie zeitig sind ein Ei zu legen; 
sliöien , Pferde beschlagen; shrielen , i. schrillen, 2. quicken, von 
Ferkeln; sftirren, schieren, Eier und Butter; sliräien, schreien; 
smöien , aufstülpen z.B. die Aermel; snöien, drehen, ein Rad, 
den Schleifstein, sich; späilen , spülen, dät Späiling , Spülicht; 
spännen, spannen, jö Spann, die Spanne, dät Spann, das Gespann; 
späien , speien, dät Späiling, das Gespieene ; spöien, wahrsagen, 
de Spöier; spieen, verfitzen, wirren, v. tr. ; stallen, i. stillen, 
2, stellen; dät Sldlling , das Gerüst, jö Ställing , die Stellung; 
släwwen, stauen, das Wasser; staurmen, stürmen; stä/mcn, stöhnen, 
dän. at stönne ; stiepen , Lichte ziehen , durch wiederholtes Ein- 
tunken, sonst gijtten , giesscn, als: stiept an gähn Ljägte , gezo- 
gene und gegossene Lichte; stieren, stören, jö Stier, Störung; 
sliermen, riechen; stjöien, schaulveln, jö Stjöi, die Schaukel; stjürren, 
steuern, wehren, jöStjürr; slraaien, gemächlich gehen; swäaien, 
schwenken, flattern lassen, dän. at svaie; swiepen, einwindeln, 
jö Swiep, die Windeln; swiermen, schwärmen; swummen, schwim- 
men; täiiven, warten, nd. töwen, dän. at töve; teilen, l. zäh- 
len, 2. jemand rufen; tieren, v. rec. , sich zerren, gebehrden; töi- 

40 



514 

cn, ihaucn, aufthauen; trauen, trauen (einem); uhsen, schöpfen; 
ulilmen, glimmen; wäien, 4. wehen, 2. (weihen), ein Paar trauen; 
wihssen, weisen, zeigen; wräicn , die Bettdecke aufdecken, zu- 
rückschlagen; waarslmen, wanien; wärmen, wärmen. 

Eine kleine Sammlung regelmässiger Zeitwörter i). 

§. 213. Aanen, ahnen, jö Aaning , die Ahnung; ägen, langsam 
fahren; ägten, achten; ännern, ändern. Balisen, haden ; bähsen, 
Nutzen, Vortheil bringen, davon: de Bähse, Vortheil; das Subst. 
von bähsen (baden) ist dät Ball, pl. da Bähse , und ebenso lau- 
tet die Mehrheit von de Bähse; bäsen, birschen , von Rindern 
in der Hitze; bäligen, rufen; bänken, klopfen; bägen , backen; 
bäsern, bessern; baurigen, borgen; befähsen , v. rcc. , sich befas- 
sen mit; bedröwwen , helrühen; befangen, v. rec., befangen mit et- 
was; befrien, befreien; behagen— ; behöndeln , behandeln; be- 
jäen, bejahen; bekümmern, v. rec, sich bekümmern um; belenen, 
belehnen; belaagern, belagern; beläwen, erleben; bemündigen — ; 
bemägtigen , v. rec., sich bemächtigen; begnäsigen , begnadigen; 
belingen, belangen; berägnen , berechnen; berauen, beruhen; be- 
rauigen, beruhigen; beröglen , berichten; berigligen — ; beshäsi- 
gen , beschädigen ; beshdcken , beschicken ; " bcshaamen , beschä- 
men ; beshülligen , beschuldigen ; beklawen , bekleben ; behuppen , 
behäufen; besldcken, belecken; bemalen — ; bemärken, bemerken; 
beslönigen , beschleunigen ; bespären , ersparen ; beslräiven , bestre- 
ben; tesiar/im, bestärken; bestjärlen , ht&imiQw; belälen, bezahlen; 
belähmen [läjtlen — ), einen nur machen lassen, z.B. läjll kam man 
belähme, lass ihn nur machen, allein darum sein; auch: läjll me 
belijn, lass mich allein darum; belingen, bedingen; belrägten, be- 
trachten; betjögen , bezeugen; blähsen, verb. act. intr. , unter etwas 
flammen, um es zu kochen, mit lodernden BrennsloiTen, wie 



1) Wo in diesem §phen die friesischen Wörter ganz so lauten, 
wie die ihnen entsprechenden deutschen , ist nur ein kleiner 
Strich beigefügt. Diejenigen derselben , welche früher unter ei- 
ner andern Abwandlungsforin vorgekommen sind, haben neben 
dieser auch die regelmässige, wie z. B. bägen, ick baiick, ick 
häliw bägen und ick bägct, hähw bäget. 



ol5 

Stroh, Späne und dcrgl., davon: jö Blähs, dieses Flammen, diin. 
af. Müsse, et Blus, engl, to blaze, a blaze ; blaasen, blasen; 
bläcken, v. pass., bleichen, vcrschicsscn von Farben, dän. at blak- 
ke ; bögen, wohnen; bannen, fluchen, bannen; blünen , v. pass., 
starke Hitze in den Backen haben; bläjnken, mit den Augen 
winken, knicken; bedühssen, bedeuten; bcwunnern, bewundern; 
beivären, bewahren; bewändern — ; bewälligen, bewilligen; be- 
ivaagen, bewachen; bewägen, bewegen; blieken, v. tr. und pass., 
bleichen; brisen, flechten, engl, to braid ; blögen, sich schämen; 
bäjcken, beuchen; bummern, Schallwort, Bummeriss, Hohleis, en 
Bummer fjärt , ein Bummerfurz; boren, bohren; brüsken, prahlen 
mit Farben, laut sprechen; bröckeln, bröckeln; bläsern, blocken; 
brüsten, y, rec. — ; brähsscn, \. brausen, 2. das Gefieder sträuben, 
daher: de Brüsskräjdder, der Kampfhahn, Braushahn, und das 
adjectiv brösig, Brösighäid; brulcn, brüllen; billigen — ; braasen , 
braten; büffeln, büfi'eln. Dämpcn, 1. dampfen, 2. dämpfen; däc- 
ken, decken; dulmen, nachlassen von Schmerzen; drönen, dröh- 
nen; drögen, trocknen; drücken, drucken; dricgen , blühen, von 
Getreide und Gräsern, jö Drieging , 1. die Zeit der Kornblüthc, 
2. die an den Aehren hangende Blüthe selbst; däjngeln, bau- 
meln; dräwen, treffen; daadein, tadeln; (%ew, tagen, von de Däi, 
der Tag, pl. Dege; dönsen , tanzen ; digten, dichten ; döweln, doppeln; 
dopen, taufen, de Düpe, die Taufe; drugen, seihen, von jö Druhg , 
blecherne Milchseihe , 2. Traube ; dröppen , tropfen ; däwiven , thauen , 
de Ddwwe , der Thau; döwwen, tunken; dölissen, deuten, jö Döhs- 
sing ; dötlick , deutlieh; dören, bethören; ducken, tauchen. Jörnen, 
aufsteigen, von heissen Wasserdämpfen, de Jbme ; ebben, ebben; 
ennen, abenden, Abend werden; eggen, 1. anreizen, 2. verleiten, 
verlacken. Fähsen, fassen; fügen, fegen; fällen, einem überall 
nachlaufen; fangen, fangen; für wen, färben; fele7i, feilen; fes- 
ten, fasten, da Feste, 1. die Fasten, 2. pl. von jö Fest, die 
Faust; ßhssen, listen, fiesten, finseln, dän. at fise, engl, to fizz, 
to fizzle, to foist; Subst. de Fifiss, dän. cn Fiis, engl, a fizzle, 
a foist, deutsch: der Fist oder Fiest; fisteln, fitzen; fjärtcn , fur- 
zen, Subst. de Fjärt, dän. at fjärte, en Fjärt, engl, tofart, a fart, 
der Furz; fiedeln — ; fläsen , ausplaudern; fläbben, das Maul (die 
Flabbe) hangen lassen; flönkcrn , flimmern, auflodern; fauserii, 

40» 



316 

futtern, füllern; fäigen, fügen, auch rec.; flächen, mit dmbäi, 
dmhäiflächen, sich herumtreiben , umherstreichen; fläshen, vorwärts- 
gehen mit der Arbeit, mit dem, was man unter Händen hat; /?■«//- 
f CM, fruchten; /am we/n, herumtappen; /ag-e/w, fehlen; //icAew , spal- 
ten; füjllen, falten; frügten, fürchten; fölligen, folgen. Gäsmen, 
gähnen; gäwen, gaffen; gären, gären; gässen,. dan, al gisse, at 
gjätle,engl. to guess , vermuthen, aufs Oimgelahr schliessen; ga- 
sen, gänseln , albern sein ; gtiudden , sich schütteln vor Ungeziefer ; 
gesten, v, tr,, eine Kuh aufsiegen; gulpen, gussweise herausstür- 
zen; gummeln, gäumeln, gnaupeln, knaupeln, muffeln; gjärden, 
gürten; gecken, narren; gj^äinen, grünen; grummeln, wimmeln; 
gilsen , gehen ; gögeln, gaukeln; gicheln, geigen; gräpeln, grapsen; 
grubein, grübein; grölen, grüssen. Hälen, holen; hallen, hinken; 
hdjnken, auf einem Beine hüpfen; hacken, hacken; hägen, 1. ge- 
fallen, behagen, 2. an- oder aufhaken ; //äs/ew, eilen, hasten; hdxen, 
hexen, jö Hdx, dieKe'ie; h äiven ,hcl)eii, erhebcB; harken, 4. hor- 
chen, 2. gehorchen; kämmen, i. säumen, v. ti\, ein Tuch, 2. ein- 
hegen; kämmen, hemmen; käkseu, hassen; kernen, hieben, kei- 
chen, nd. hiemen; kermen , v. rec, sich härmen; kielen, heilen; 
/i?j7/e« , fessein ; kögen, v. tr., erfreuen; kappen, hüpfen, de Uöpp; 
köwen, hoffen- köndeln, handein; kölen, heulen; köcken, sich nie- 
derkauern, de Hocke ^ ätijn'e Böcke sältcn, in dieser Stellung sit- 
zen; kosten, husten; Jiühssen, behausen; klimmen, zu Pferden, 
wenn sie Platz machen sollen. Jöscn, dem Vieh auf dem Stalle 
morgens und abends dreimal ein Futter [Jefl] nebst Wasser geben ; 
jagen, \. jagen, 2. eWen; jähhen , mit offnem Maule gaffen; jäppen, 
nach Luft schnappen; jasfisn, einsühlcn, beschmutzen; jammern, 
jammern; jucken, iauchzen; iwern, eifern , dät Iwer: ihnen, einen; 
ilen, eilen; ihrwen , erben. Kappen — ; kempen, kämpfen; käiveln, 
zusammcnkoppeln von Pferden ; Maren , karren ; klagen — ; klüiv- 
wen, klauben; klären, klären; killen, kitzeln; kläiscn, mit den 
Nägeln kratzen; kloppen, klopfen; klüsen, v. rec, sich büscheln, von 
de Klähse, die Traube, der Büschel (racemus und fasciculus); 
kldtshen , mit der Peitsche knallen, in die Hände klatschen, jö 
Kldtsk, die Schmitze an der Seime (de Seme) einer Peitsche, wel- 
che den Knall verursacht; kläwen, kleben; kldwwern, klauern, 
klettern, überklettern; kliwwen , klimmen, über einen Zaun slei- 



517 

gen; klammern von klammen, klemmen , in die Höhe klettern , daher 
gewöhnhch mit dp, äphldmmern, hinaufklettern; klüjngern , klin- 
geln , schellen ; klücken , klecksen, Subst. de Kläck; kcujcln, gackern ; 
kiecken, gucken, jö Kieck, der Ausguck, äiv'e Kieck släujnnen, auf 
dem Ausguck, auf der Warte stehen; kiwwen , keifen, dät Kiß\ 
die Keife; knasen, krachen; knacken, 1. knacken, 2. knicken, de 
Knack, ditv Knack und der Knick; knüppeln, Spitzen klöppeln, da 
Kndppelse, ein Collectivum im Plural, dän. Kniplinger; Band klöp- 
peln h. /ö/i/c/«, und die Klöppel Töntelslöcke; klönken , \ondo Klönke, 
der Erdklurap, Erdkloss, jemand damit werfen; klömpen, v, tr., 
klampen, von de ä7öw;j , die Klampe; /./rtWen, flicken, ausbessern, 
von de Klütt, der Lappen, Fleck; krdwweln, kriechen, kraucln, von 
Insecten, 2. von Menschen und Kindern, auf allen Vieren krie- 
chen; sonst heisst es kriepen, s. o. ; kranen , reckhalsen, vergl. 
der Kranich und der Krahn , engl, a crane für beides, dän. at 
krane, en Kran , der Krahn; klucken — ; kräicken, zuhaken, mit Ha- 
ken und Ochsen oder Gehren [Kräicke ati Ause, Singul. jö Kräick , 
jö Auh&)\ krüllen, kräuseln; Ä-ff?<r/en, kürzen, de Kaurte, die Kürze; 
kräwen, mahnen, um Bezahlung anhalten; kregeu, kriegen, de 
A'n'f/?. der Krieg, pl. da Krege; kosten, kosten, da Ünköstc, die 
Unkosten; kräjnken, kränken; kröppen, an Leibesfülle zunehmen; 
künnigen, kündigen, ein Capital, dpkünnigen , 1. dasselbe, 2. ein 
Brautpaar in der Kirche aufbieten; kräweln, krüppeln; knurren — ; 
knappen, knüpfen, z. B. den Rock; hiöppen, 1. knospen, 2. zan- 
ken; krTimen — ,* killen — , Laagern , lagern; /äsj^e?« , einladen; 
länen, v. rec. , sich lehnen, de Läne, die Lehne, de Läneslänjl 
oder Länstäujl; läiven , 4. einlecken, wie die Hunde das Wasser, 
2. laben ; Idjnken , leicht einherhüpfen ; läwern , liefern ; Idn- 
«erw, lindern; lüpen , läppen, flicken; Idspcn, lispeln, dän. at 
läspe, engl, to lisp; lasten, leisten, wird nur da gebraucht, wo 
man, aus Mangel an Vermögen, etwas nicht leisten oder ertragen 
kann, z.B. beim Auflegen zu schv,erer Abgaben: Ite kön 't äi 
laste, er kann es nicht ertragen; ITiiden, blitzen, de Luid, der 
Blitz; /änAen, ketten; läwern, auftrieseln, v, lT.,dpläwern, als verb, 
pass., fasern; lören und lörren , lauern ; löwen , geloben; locken, loc- 
ken , verlocken ; locken , glücken , gelingen ; licknen {Uckenl}, glei- 
chen, ähneln; lögen, lohen, flammen, lodern, de Löge, die Lohe; 



518 

löhnen, launen, maulen, de Löhne, die Laune; IJögten, leuch- 
ten, de Ljögter, die Leuchte, nicht Leuchter, de Stäujnner ; Her- 
ken , wedeln; laummen, lammen, von Schafen; limmen, v. tr. , lei- 
men; lullen — ; Immen, v. tr. , Heu und Getreide auf den Wagen 
laden (/(Mwew, als Adject.,kalm, windstill); laken, lachen; lacken, 
lacken, versiegeln; läiven, leben; lacken, lecken, einen Leck ha- 
ben; lecken mit der Zunge heisst sldcken; lilhssen , lausen. 
Maanen, malmen, vergl. kräiven ; formaanen, ermahnen; mägen , 
machen; malen — ; mrdten , malzen; mangeln, i. mangeln, gebre- 
chen , Subst. de Mängel , 2. Wäsche mangeln , mangen , rollen , 
sie mit der Handrolle (dät Mängeljöch , Mmgelbaurd an Mängel- 
stock) glätten; mätteji, matten, wie der Müller das Korn; mashen, 
maschen ; mäistern , meistern ; mdcken , küssen , de Mdck , der 
Kuss (auch npjjcn); marken, merken; mälden , melden; mässen , 
fehlschlagen, missen; auch Gottesdienst halten und vor dem 
Altare singen, de Willermdss , während der Messe; mästen, mis- 
sen, entbehren; männern, mindern; mäjdden , mähen; misten, ne- 
beln , de Mist , der Nebel , mistig ; mjögsen , misten , ausmisten , 
huhm tömjögscn , einsudcin, rcc. ; mölken, melken, mäilk, Adject. , 
milch , eine milche oder melke Kuh , die Milch giebt , sonst ist 
sie gest , sieg ; münten , münzen ; münstern , mustern ; mucken , 
mucksen; mören, mauern. Nacken, nicken, de Ndck; näujtten, 
trällei^n; nijddigen , durch Noth zwingen; so auch mjdsägen , zu 
etwas genöthigt sein ; zum Essen und Trinken nothigen heisst : 
krösen; njülten, nützen, de Njülte, Nutzen; nillen, sich an oder 
mit Nesseln brennen; vjäscn , zaudern; m'jdtugtigen , nothzüchti- 
gen ; nocken , schlucken , den Schlucken haben , da Nocke coli, 
pl. ; nöppcn , zwacken, kneipen, in die Haut; davon jö Nöpp , 
der Floh , de Nöpp , ein Zwack , Kniff mit den Fingern ; nebben , 
sich schnäbeln ; nünnen , lullen , trällern ; näigen , neigen , jö 
Näiging. Ohmen, athmen, de Ohme, der Odem, Athem ; 5 fern , 
opfern; ordnen — ; önlurden , antworten, jö Önturd, die Ant- 
wort, sonst auch dät Sivär , von swären; orten, vom Stallvich , 
wenn es das vorgeworfene Heu und Stroh nicht rein auffrisst , 
orten , also : am Orte liegen lassen ; ölen , öhlen , jö OUng , die 
Oehlung , braucht man so : dirr het 'r cn gauhs Oling oder Lör- 
ring füngen , da hat er brav was weg gekriegt; altern, äussern. 



519 

Packen , packen ; fägeti , pichen ; ;jä/)ew , an der Brust saugen ; 
-pärcii — ; palen, schelfcn; picken, \. picken, 2. picken, mit 
der Pieke ; inesen und piesern , rappeln ; pennen , verschlies- 
sen; pdrien , perlen; passen, 1. passen, 2. im Kartenspiele; pas- 
sen, pissen; plagen — ; placken, pflöcken ; j^/wc/ce/t , i)flücken; plau- 
gen, pflügen; pläshen, plätschern; placken, flecken, Flecke set- 
zen; plumpen — ; plünnern, plündern; pläscrn , im Wasser herum 
platschen, plätschern; plegen , pflegen, jo Pleg , die Pflege; plir- 
ren, blinzeln, dän. at plire ; polen, v. tr. , dän. at pille ; pösen, 
bauschen , von Kleidern , Aermeln u. s. w. ; piriijlen , predigen : 
das Subst. heisst jö oder |dnt Präjtäi, die Predigt; präcken, dän. 
at prikke, engl, to prick , de Prdck , i. der Stich mit einer Na- 
del oder dergl. 2. der Tüpfel, Punkt, z.. B. über dem i; pochen, 
trotzen; piepen — ; prungen , lauschen , jö Prung , der Tausch; jjraw- 
sen , unübersetzbar, humpeln, pfuschern, stümpern, aus Unge- 
schicklichkeit mit einer Arbeit nicht fortkommen können und sie 
dadurch verderben; äujnhupprausen , einem eine Sache , eine Arbeit 
so verwirren, dass sie nicht wieder gut gemacht werden kann; 
jö Prau/is, \. eine elende Rennkerze, bei der man immer im 
Dochte stochern [prausen oder purren) muss , 2. ein Frauenzim- 
mer, das prauset; dePrauser, der prauset; piirreti , A. stochern, 
im Lichte , an den Zähnen , daher , 2. aufwecken , 5. reizen ; 
forpiirren, tr. , vereiteln, einem sein Vorhaben; prdnten, dän. at 
prente, mit Fraeturbuchstaben schreiben; pulsen, putzen, jö Puls^ 
4. der Putz, 2. der Possen; prälen , prahlen; pumpen — ; pjärsen , 
pressen; pulshen, im Wasser stören, de Pulsher oder Plumpstöck, 
die Störstange; pulen, pfählen, einen Zaun; pictshen , peitschen; 
prägein , i. stricken, da Prägle , die Stricknadeln, Singul. de 
Prägel, 2. prickeln, 5, vertauben, von den Gliedmaassen. Ragen, 
d. den Bart scheren, 2. iöhuperägen , zusammenraffen, schieben, 
dählrägen , herunterschieben , z. B. vom Tische , dmrägeii , etwas 
umrühren, z. B. Korn, tordgen , das Feuer verwahren, es mit 
Asche bedecken; jö Rähg , die Ofenkrüeke, dän. en Rage, engl. 
a rake ; de Rüge wird so gebraucht : wenn jemand in seinen 
Vermögensumständen nach und nach so zurück kommt , dass er 
sich nicht mehr zu helfen weiss , so sagt man : dät ds äw'cn Rüge 
mä häm , gleichsam auf dem Leeren , Nackten ; ferner , wenn ein 



520 

Kranker faselt , oder ein dem Tode Naher das Bettzupfen be- 
ginnt , dann ist es äiv 'cn Rüge mit ihm; rächen, mit lö, einsu- 
deln, übel zurichten; räspen , i'aspeln; rddden,vellen; raasen, ra- 
sen ; raaieln , taumeln ; räicknen , nach etwas herumkramen ; rdn- 
sägen, dän. at randsage, überall, bis zu Rande, nachsuchen, 
forschen ; rullen , rollen , jö Ridl ; röchen , dän. at rokke , vom 
Fleck rühren, bewegen; rewen , rechen, harken, von jö Rew ; 
rebben , rülpsen ; rausern , rudern , steuern ; riehen , räuchern ; 
rägnen , rechnen ; rüjtten , muhen ; rimmcn , reimen , de Rimm , 
der Reim; rauhen, ranken; rabben , rupfen; rippen , i. verb. im- 
pers. , reifen ; 2. v. pass. , reifen , als : da Plüme rippe ; rühssen , 
ültrühssen , ausstürzen , ausrüllen , von alten Wällen , Mauern , u. 
dergl. ; rüsten — ; rasen , faulen ; töhupperulten , zusammenrotten ; 
ritsen , ritzen; röwen , vernarben, von Wunden; ruhen, schobern, 
V. a. inlr. Sägen, sägen; sägnen , vermissen; sällen, satteln; sä- 
sigen , sättigen; sacken, mehr zusammensinken, vom Korne und 
dergl.; säiijmien , sanden; sannen, sinnen; sömen, v. rec, sich zie- 
men ; sören , siechen ; siepen , seifen ; själlcn , gleichen ; sällen , 
salzen ; sulwen , salben ; sechen , sacken , im Sack füllen : de Rar 
sechet gänjd , die Gerste sacket gut; shälen , schälen; shüfen , 
schaffen, herbei; shäcken , 1. v. rec. , sich schicken, 2. tr. , schic- 
ken , senden ; shaanien , v. rec. , sich schämen ; sliänhen {shängd) , 
schenken ; sägnen . segnen ; säppen , vom AVasser , das sich aus 
feuchtem, nassem Boden und Rinnen in eine Grube zieht; daher, 
jö Säpphöhl ; shäsen, schaden, de Shäse; säg ein , segeln; sihssen, 
zischen; sähern, sichern; slächen, lecken; sluchen , mit anfsluc- 
hen , wdgsliichen , sich beschämt und muthlos davon schleichen ; 
sliläbben , schlabbern; summen, schleimen; slägiigen , schlachten; 
slubbern , schlürfen ; slieren , schmeicheln , liebkosen ; sögen , v. tr, , 
saugen ; sögen , v. pass. , de Rräi slönl an söget , von der am Feuer 
stehenden Grütze , in welche die Milch allmählig eingesogen wird ; 
shräwen, 1. schaben , 2. striegeln; shudden, schütteln ; sfiäwen, schif- 
fen ; shölen , 1. gesenkten Blickes, wie ein Hühnerdieb, ein- 
herschleichen: he gnngt an shölet , 2. an einen Ort gehen, wo man 
vor Wind und Regen geschützt ist, daher jö Shölil ; shäjnlen 
[hiihm), V. rec, sich spulen; slmlpen , 1. Flüssigkeilen in einem 
Gefässc umschütlcln, 2. auwerslinlpen , überschwäppern , z. B. das 



521 

Wasser im Eimer, wenn er zu voll ist; shunigen, schonen; shär- 
pen , schärfen; s/ieinpen , scliimpfen ; snurren , schnurren; siiareu, 
bestricken, in' Schlingen fangen; snägen , schleichen, davon jö 
Sndgg, die Schnecke; shrulen , brüllen, aus vollem Halse schreien; 
shräckcn , sehrecken, de Shrdck; shrädden , mit tö , einen Richt- 
steig gehen, oder schräg hinüber; shrämmen , schrammen, jö 
ShrUm ; shöcken , hocken, in Hocken setzen; shrdjnken, mit in, 
einschränken; s/iraaien , 1. v. tr. , nur halb gar kochen, 2. 
schroten; shrubben , v. tr. , schrubben, scheuern, kratzen mit 
steifen Bürsten und Besen , z, B. den Fussboden (de Tele) und 
die Milchbottiche (da Fdlise , sing, dät Fei); släntern, schlendern; 
släseni, plaudern, klatschen; släiven, schleppen; shiMen, besteuern; 
shären, kratzen, wenns einen wo juckt, jucken; sfiäwen , sich 
gebehrden; shiirwen , zernagen, wie die Mäuse; shröckcn , etwas 
kränklich sein , von Menschen und Hausvögeln , die dann auch 
keine Eier raeiir legen ; shrögen , bezeichnet den unreinen Ton 
eines irdenen Gefässes , das einen Riss oder Sprung hat; sägein, 
in Ohnmacht sinken; sicknen , seufzen; släsen, im Schlitten fah- 
ren; slöppen, schlaffen; slürren , aufschieben, hinstehen lassen, 
de Slürre , die Saumseligkeit; smägen , schmecken; snidUen, 
V. tr., schmitzen , bei den Webern, die Schmitte (dät Smdtling) 
auf den Aufzug werfen und einstreichen; smelen, lächeln; 
smöken [smökt) , schmauchen; snäken, sprechen; sndrken , schnar- 
chen, auch snürrigen; spälen , spielen; sparen — ; spaaiten , 
spritzen; sparen, spüren; spirren , 4. keimen, 2. sprossen; spds- 
sen , spitzen; sprdivweln , strampeln; spdhsen^ spiessen; spijllen, 
V. tr. u. pass., spalten; spucken, v, tr., Speichen, ein Rad; sonnern, 
V. tr., sondern; spihssen , speisen; späten, \. spotten, 2. flecken, 
Flecke setzen, davon spölsh, spöttisch, und spötig , fleckig, wie 
in säm/nerspö%, sommersprossig; splähsen, v. tr., splissen, ein Tau; 
splintern, v. pass. u. tr., splittern, splinternäi, dän. splinterny , na- 
gelneu , splinternägel , splitternackt , nagclnackt , ein Doppelwort ; 
sprdinken, v. tr., sprossen, eine Leiter, \on Sprdinke, die Sprosse; 
spülten, ausspucken; spünnen, v. tr., spunden; staaivebi, mit ült , 
die Pfeife ausräumen , dät Staaivling , das Ausräumsei ; släjcken , 
in der Asche braten; släpen , stapfen; forslaalen , verstählen; 
stammen, v. n. — ; slämmern, stottern; stämpen, stampfen, de Stämp, 



«in Stampf mit dem Fusse, jö StämjJ, die Stampfe, Stempel, de 
Stömper, der Ladestock, und slämpeln, stempeln; manchen, stö- 
bern, de Snauckliünn , der Slöberhund; (dät Snaiick in Killsnauck, 
der Kesselhaken über dem Feuerheerde , und Lämpesnauck, die 
Lampenkette zu einer Hängelampe, sind nicht von snaucken, stö- 
bern, sondern von einem andern Worte snaucken, welches auf- 
ziehen und niederlassen bedeutet , abgeleitet) ; snavppen , schnau- 
pen , sagt man vom Yieh , wenn es über dem vorgeworfenen 
Futter steht, ohne davon zu fressen; ebenso von Menschen, wenn 
man etwas Angebotenes , besonders Essen und Trinken , aus- 
schlägt : wällt nint Itewe , so kaast snauppe , willst du nichts ha- 
ben, so kannst du zusehen; stoppen, \. stopfen, 2. steppen, 
jö Stöppnell , die Steppnadel; staurken, mit dmbäi , herum stor- 
chen, von jö Staurk , der Storch; stiften — ', strafen — ; sttiwen, mit 
dp, aufstofen , z.B. Kartoffeln, Birnen, gestofte Speisen; straa- 
len , strahlen ; strammen , strammen , von stramm , stramm , was 
nach allen Richtungen seiner Weite stark gespannt ist, z. B. ein 
vollgepfropfter Sack, stramme Hosen; bloss der Länge nach stark 
gespannt heisst struff , straff; sträiijnnigen , v. pass., stranden; 
slringen, mit äiijn, anstrengen; sträwen, i. streben, 2. streiten, 
zanken; strulimmen, strömen; striilen , slrullen , gewaltsam in ei- 
nem dicken Strahle herausfliessen ; stocken , anstücken ; slückcn , 
Torf stauchen, daher de Stücke, eine Stauche Torf; Stumpen ^ 
von slump , stumpei , stumpfen , v. tr. ; staurmen , stürmen ; senni- 
gen, sündigen, de Senne, die Sünde; forsnnvjen , versöhnen; 
forslmnigen , verschonen; sjühsseln, dän. at sysle, süsseln, pässeln; 
swieren, in Trinkgelagen schwärmen; sliivwen, v. tr., steifen; stiiv- 
wem, gerinnen, vom Blute; spickern , annageln; sörrigen , i. sor- 
gen, 2. trauern, jö Sörrig , i. die Sorge, 2. die Trauer; steilen, 
sich bäumen , von Pferden , aber nicht rcciprok ; sülten , sülzen , 
gekochten Speck in Salzlake legen; dät Sohl heisst die Salzlake, 
davon dat Sülll, die Sülze; swdcken, zwicken; swäcken, schwä- 
chen. Taageln , v. tr. , zagein, von de Taagel, der Zagel; tacken, 
V. tr., auszacken, de Tack; täJilen , einen losen Boden legen, 
die Hille , also hillen , zu Heu und Getreide : dat Täling , die 
Hille ; tdlten , v. a. intr. , zelten, Zelte aufsehlagen, wie beim 
Eindeichen eines Koges, im Feldlager, u.s, w. ; tarnen ^ z.B. hekönt 



523 

äi tarne, er kanns nicht übers Herz bringen, sich nicht bezäh- 
men, CS zu ihun ; adjccliv tarnen, Tämenliäid, ohne Zcilbegrilf, 
wie fräien , manngierig ; täpen , zapfen ; tä$en , necken , reizen , 
anzapfen, täsig , gricklich , leicht gereizt, Täsighiüd; tienen , die- 
nen , de Tijnst ; iicmcn , diemen , das Heu , von jö Tiem , der 
Fahrzaum ; taakeln , takeln ; tiescn , auszupfen ; täinsen , von de 
Täms, die Seihe aus Haartuch, auch Haarsieb, daher seihen und 
sieben, sichten; tirren, v, tr., aufreizen; turen , thränen; tjäsen , 
albern schwatzen; tagten, dicht machen; tieknen, zeichnen; tnig- 
ten , trachten; trägtigen, trichtern; trampen, trampen; trümmcln , 
wälzen, rollen, purzeln; trästen, trösten, dcTräst; träwen, traben, 
jö Träw , der Trab; treten, trillen; trüiviven, di'ohen; tweien, sab- 
bern, quielen; tuten, tuten; tugtigen, züchtigen; twihssen, flüs- 
tern, wispern; träckcn, ziehen; tingen, dingen, feilschen; tun- 
nern, donnern; twägen, kleben; twcigen, mit auf (ab), außivägen, 
z.B. ein dickes Stück Brot; träten, zaubern; tönken, danken, de 
Tönk, der Dank; twenen, verb. regul. und irreg., zwirnen, davon 
dät Twjärn, der Zwirn; ttvjärnen, quernen, von jö Twjärn, die 
Querne, Handmühle. Ugen, v. a. intr., arbeiten, beschäftigt sein, 
ä/«M^e«, fortarbeiten ;M//se«, v. tr., schöpfen; uken, v. tr. und pass., 
weichen, einweichen; ursen, lenzen, Frühling werden, von de 
Uhrs. Wären, 1. währen, dauern, 2. v. tr, , aufbewahren, 3. v. 
rec, sich wahren; ivälen, welken; wäjnken, winken; wandern, 
wandern; wä//erw, 1. wälzen, 2. wällern ; wadrferw , sonnen, wittern, 
durch Luft, Wind und Sonne trocknen, z B. Betten, Kleider, Heu 
u. s. w. ; ivaatern , v. tr., einen Zeug wässern ; wähsern , wässern ; iväck- 
seln, wechseln, deWdcksel; icaaitefi, winken; ivärken, schmerzen; 
wärrigen, dasselbe; wirr igen, erwürgen; wirken — ; wichen, wei- 
chen; Witten, weissen; wählen — , jö Waal; waagen, 1. wagen, 
2. wachen; ivdnshen, wünschen; wäggen, wiegen, von jö Wägg, 
die Wiege; wönnen, wannen, das Korn in der Schwingwanne, jö 
Wönnüjlling ; wjärdigen, würdigen; ivjdrpeln, worfeln; ivippen — ; 
tvelen, ausruhen; wuppen, ähren, Aebren setzen, von jö Wupp, 
auch: die Aehren mit dem Aehrenbesen (de Wttpper) abfegen; 
wöwiven, weihen, von jö Wöfj', d.i. beiliegen, beiwohnen; wrölen, 
wühlen, von Schweinen, Maulwürfen u. s. w. ; wäigen, auf und 
nieder wiegen ; it'c/c«, wetzen; walken, walken; widden, üttividden, 

•11 ♦ 



ausweiten, erweitern; ivönterti, wintern, auwenuäntern , überwin- 
tern; forwirren, verwirren; wunnern, wundern, u. s. w. 



Sinnverwandte Wörter aus den Zeitwörtern, 

§.214. i. Aujnägtnämen , in Acht nehmen; shunigen, schonen. 

2. Aujngiingen, angehen; shijUen, scheren, kümmern; bäihämen. 

5. Sieen, sehen; laiicken, das deutsche lugen, engl, to look; 
kiecken, gucken; de Laiicke, der jedem Menschen eigenthümliche 
Blick: he fiet cn fölen Laucke, einen bösen Blick, sieht verdächtig 
aus den Augen. 

4. Riesen, sich aufrichten; äpstäiijnnen , aufstehen; auwerijnne- 
släiijnncn, aufstehen, wörtlich: überendestehen. 

5. Finnen, finden, ültfintien, ausfinden, dpfinnen, erfinden; äp- 
degen, entdecken. 

6. Utt fairen , ausführen ; ijnnen, beendigen , vollenden ; fiill fairen. 

7. Tjäsen, piesen, piesern , gasen, släsern , Iwittwädden , tistjäsen, 
snicksnäken, trindmsnaken , trinämmeruken , lauter Wörter für al- 
bernes, leeres Schwatzen; die weibliehen Hauptwörter sind hier 
folgende: jö Tjähs, i'oPiehs, jö Göhs, jö Twittivädd; die männlichen 
bekommen meistens die Endung er, als: de Tjäser, Pieser, Göser, 
Släserer, Twiltivädder, Trindmsnäker , en Trinämmeruk. 

8. Fläsen, ausplaudern; släsern, klatschen; eßersedden, nach- 
sagen; de Fläspöse, der Ausplauderer; jö Släsertäsh, die Plauder- 
tasche, Klatscherinn. 

9. Ültmägen ^ ausmachen; bdilMden ,ht\\egex\', aufmägen, abma- 
chen; sljögten, schlichten; äujnt Rögtbringßn, zu rechte bringen, 

40. Blaasen, hhsen; pusten, pusten; ahmen, athmen; hdchen, 
hauchen; de Hdch, de Püsl. 

\l. Snöwwen, schnaufen; snäiveln , durch die Nase sprechen. 

42. Hemen, hieben; trungbursiig wesen, engbrüstig sein; kaiirt- 
ohmig wesen, kurzathraig sein. 

4 5. Tjögen , anschaffen , äiijntjögen, dasselbe ; daher alle Kleidungs- 
stücke, alles was man auf einer Reise mit sich führt, alles Vieh 
mit dem Colleclivum dat Tjöch bezeichnet wird, nd. dat Tüg. 

Tjögen ist auch vor Csericht zeugen, de Tjöge, der Zeuge, 



14, T6ledile7i, zulegen, Kälber, Läniraer, Füllen; dpiiocn, auf- 
ziehen, gross ziehen; dpfmiscrn, auilütlcrn u, s. w. 

45. Befä/isen, v. rec, sich befassen mit; aufjewcn, v. rcc., sich 
abgeben. 

IG. Behäiwen, bedürfen; brücken, i. brauchen, 2. gebrauchen; 
nölissig hetven; jö Beltäitv, der Bedarf; de Brück, der Gebrauch. 

i7. Befälen, befehlen; bijdden, gebieten; forordnen, faarshrm- 
wen; de Befahl, dät Bödd , jö Forordnmj , jö Faarshrdß. 

48. ßcspränken, besprengen; bespaailen, bespritzen; be&pölen, 
beflecken (sonst aucTi bespotten), betüpfeln; deSpaait, der Spritz; 
de Spot, der Fleck, dat Spät, der Spott. 

49. Befrien, befreien; forliesen , vcrb. reg., erlösen, entbinden; 
rädden, retten; {forliesen, v. irreg., verlieren, de Forljüst); aus 
jenen) : jö Forliesing, die Erlösung; jö Bdddning. 

20. Bcsörrigen , besorgen ; besldllrn, bestellen; üttrögten, ausrichten. 

24. Begercn, begehren ; forlingen, fordigen, verlangen und fordern. 

22. Bdgtigen, beichten; bekänncn, bekennen; töstäujnnen, ein- 
gestehen; jö Bdgt, die Beichte ; löslävjnnen ist auch zustehen , daher 
de TöstUnd, der Zustand. 

25. Bliwivcn, bleiben; täiiven, warten; Imlim dpitiijllen, sich 
aufhalten; dat A'pimjll, der Aufenthalt, die Hemmung; dät A'p- 
äiijnthüjll, der Aufenthaltsort. 

24. Belesen, beladen ; befragten, befrachten ; bepacken, bepacken. 

25. VFaanjäwew, wahrnehmen; Ugljcioen, Acht gehen \ äwmärken , 
aufmerken; dpmärken und dpliieren , lioch aufhorchen; dphieren 
ist auch einem seine Lection überhören. 

26. Bjdrsten,hevs{ex\; riiviven , \'e\%scn; springen, springen. 

27. Beräiren, berühren ; befallen, befühlen ; begrabbeln, begrabbeln. 

28. Besieen , besehen ; besigtigen ; bclrägtcn ; jö Belrägtning. 

29. Huhm besdnnen, sich besinnen; huhn betanken, sich beden- 
ken; hiihm sömmeln, sieh sammeln; lö liulimsellew kämen, zu sich 
selbst kommen; huhm bedärrigen, sich sammeln, wenn man 
plötzlich aus einem tiefen Schlafe, einer Ohnmacht, oder dem 
Rausche erwacht; vom Ungcwiiter gebraucht, heisst es sich legen. 

50. Beken, recken; tieen, ziehen; streken, strecken; dät Töch, 
4. der Zug, 2. das Mal; de Töhg , pl. Thögo, der Zug, Streich. 

34. Hdm sömen , sich ziemen; häm passen, sich passen; hdni. 



526 

shäcken, sich schicken; hdm äujnstäujnnen , anstehen. 

52. Beren, Geld heben; iwwämew, einnehmen; häwen, jö Uäiving , 
die Hebung auf einer Amtslube, u. s. w. 

35. Tönken, danken, tönksedden, danksagen, fortönken, verdanken. 

54, Gunncn, gönnen; wdnshen, wünschen, einem etwas. 

35. Häiern, haaren; fähsern, mausern; hüdden, sich häuten. 

36. Siridden, streiten, rechten; slräwcn, bloss mit Worten über 
etwas streiten; tjdivweln, sich zanken. 

57. Dukggen, ihun; magen, machen; forrögten, verrichten. 

58. Binnen, binden; kneten, anknoten, durch einen Knoten. 

59. Heipen , helfen ; häisläujnnen , beistehen ; jö Help , de Bäiständ. 

40. i?e(/jere«, regieren; räjdden, freie Handhaben; ivättösedden 
heiven, was zu sagen, zu befehlen haben. 

41. Holen, heulen; U'jllen, aus vollem Halse schreien; shnilen, 
brüllend schreien; briilen, brüllen; dät Töl, Getöse, Lärm, Gezänk u.s.w. 

42. Lärmen, lärmen; daaiven, toben; rabdllern, schmetterndes 
Geräusch machen; dät Ldrm, dät Bdbdller. 

45. Hdxen, hexen; trölen, zaubern; forhäxen, behexen. 

44. Hieren, hören; lidrken, horchen; lijren oder lörren, lauern; 
liieren und harken heisst auch gehorchen. 

4ö. Höppen, hüpfen; hdjnken, auf einem Beine hüpfen; halten, 
hinken, hinkend sein; de Höpp, der Hüpf. 

4(i. Kldjngern, klingern (Veröfterungswort von klingen); rdjn- 
gehl , rasselnd klingen oder klingend rasseln , als verb. pass. ; shrdjn- 
geln , dasselbe als v. act. intr. Alle drei Wörter bezeiclinen das 
hell oder klar Lautende im Tönen klangbarer Körper, besonders 
der Metalle und des Glases. Kldjngern geht aber mehr auf das 
andauernde Erzittern des klingenden Körpers; rdjngeln mehr auf 
die Wiederholung des Klanges, und shräjngeln zugleich auf die 
veranlassende Ursache. Ein hingeworfenes Silberstück auf eine 
harte Unterlage, eine freihangende Stahlslange, die man durch 
einen Schlag mit dem Hammer erschüttert, und ähnliche Dinge 
Mäßigem; ein auf der Landslrasse daher fahrender Wagen, mit 
weiten Achsenbüchsen und lossitzenden Lünsen [Lensc), rdjngell; 
so auch die Schlittenschellen, und insofern sie durch die Bewe- 
gungen des Pferdes oder durch eine Menschenhand zum Klingen 
gebracht werden , shrujngelt man damit; daher nun auch jö RdJn- 



327 

cflcboss und jö Sliröjnglcboss, in diesen beiden Beziehungen für 
Scliellenbüchse, dän. en Ranglebösse , von Rangle, die Schelle, 
fries. jö Rüjngel, und ein Hcnkellopf mit zwei Henkeln, Das 
deutsche Ä/m<;eM heisst auch im Fries, klingen; aber nur ein, etwa 
zum Nolhbehelf gebildetes, Veröfterungswort hungern könnte dem 
fries. Worte kläjngcrn entsprechen. 

47. Bögen, Möpfen, bänken, heisscn alle drei klopfen, pochen 
u. s. w'., jedoch in verschiedenen Beziehungen ; bänken bezeichnet 
ein starkes Klopfen; vom Pochen an eine Thür braucht man bäti- 
ken und bögen; Klu/ise bögen, Wäsche klopfen; dät Bögsliörn, der 
Bläueltisch; de Kluseböger , der Bläuel, das Bläuelholz; huhm äw'e 
Shullere kloppen, äiijn'e Häiijnne kloppen, u. s.w. 

48. Lienen, leihen , fd /jew , zur Leihe; faarshijtten , vorschiessen ; 
ültledden, auslegen. 

49. Länen, lehnen; stippen, stützen. 

50. Lieren, lehren; unnerrögten, unterrichten; unnerwihssen. 
M. Prifissen, preisen; ült strick en , herausstreichen; prahlen — ; 

gröttspregen, 

52. Locken, locken; eggen, töeggen, verleiten, anreizen zu, 

53. Hii/im äjltdregen , sich gebehrden , betragen; äjttbcren , 
dasselbe; Imlim tieren. 

54. Daadein, tadeln; äw wdt ütlsetten, aussetzen; hijn mägcji, 
schlecht machen, herabsetzen. 

55. Huhm tvdt uhgivittigen , einem Vorwürfe machen; huhm wdt 
iinner'e Naas riivwcn, einem was unter die Nase reiben; shönklüt- 
ten, verläumden, einem Schandflecke anhängen; beshönklütlen, 

5ß, ßldlden, melden; bekänd mägen , bekannt machen; wähse 
läjtten, wissen lassen; mddielen, mitlheilen, 

57. Mdmägen, mitmachen; eflermägen, nachmachen; efteräwen, 
nachäffen; efterduhggen, nachlhun. 

58. Mosern, modern; form ösern, vermodern; forivesen, yerwesen; 
rasen, faulen, morschen; forrösen, verfaulen; dprösen, durch- 
faulen. 

59. Mienen, meinen; gdssen, engl, to guess; häiiven, wähnen; 
formausen ivesen, vermuthend sein, vermulhen, ]6 For mau sing ; 
tanken, denken; liewen, glauben; tdjnten, däuchten; faardriwwen, 
einem vorschweben. 



528 

CO. Dräien, drehen; kieren, kehren; wijnnen, wenden; snöien, 
drehen, z.B. den Schleifstein, ein Rad u. s. w., dän. at snoe. 

61, Dullen, dulden; lihssen, leiden; iUtslänjnnen , ausstehen; 
üühiijUen; düllig , jö Dülligliäid, Geduld, Duldsamkeit. 

62. Ilen, eilen; hasten, haslen; jagen; Im/im shäjnten , sich spu- 
ten; jö IM, jö Hast, jö Jagt. 

'63. Inprmiten , einprägen ; inshnrpen , einschärfen ; ätv 't Hart 
Icdden, ävjn't Geiväten shdrpen. 

64. Insläipen, einschlafen; tösläipen, einschlafen; äujn Släip fäl- 
len, in Schlaf fallen. 

65. Inwijnnen, einwenden; wilisserspregen, widersprechen. 

66. Fuliggen, füjn, kriegen; erhüjllen, erhalten; erlingen, erlan- 
gen; beLämen, bekommen. 

67. Äiijntgongen , entgehen ; äujntkämen, enikommen ; änjntivegen , 
äiijntu/äig , äiijnttvägen , entweichen; äiijntluppen , entlaufen; äiijnt- 
springen , entspringen. 

68. Mjärden , morden ; dmbringen , urahringen ; diijdsluhggen , 
todtschlagen ; dählsluhggen , erschlagen; dm'l Liff bringen, ums 
Leben bringen; fönt Liff bringen, durch ewiges Plagen und Quä- 
len; wirrigen, erwürgen. 

69. Hufi.m ävjntsetten, sich entsetzen; Iiu/im for fairen, erschrec- 
ken; flieh oder trong worden, erbangen. 

70. Stellen, stehlen; rmvcn, rauben; mühssen, mausen. 

71. Äphppen , einholen, jemand; inhtilen , einholen. 

72. Fällen, fallen; stjärten, stürzen; dählsdjnken, niedersinken. 

73. Fdgten, fechten; stridden, streiten; kempen, kämpfen; wräs- 
seln, ringen; deStridd, de Kamp; de Kempe, der Kämpe, Heune, 
Riese, Recke. 

74. Sillen, sanft dahin fliessen; flijtten, fliessen; struhmmen, 
strömen; strulen, strullen, de Struhl , der Wasserstrahl; dRi Sill, 
der Fluss, jö Fläiijdd, die Fluth, de Strnhmm, der Strom. 

75. Achsen, essen, von Menschen und Thieren; spihssen, spei- 
sen; frehsen, fressen, allein von Menschen; de Fräthe, grober, 
gemeiner Ausdruck für Mund, die Fresse. 

76. Miesen , meiden ; formiesen, vermeiden ; ävjntgongen, entgehen. 

77. Bldjnken, blinken; gh'mnern, glimmern, glittern; gldnsen, 
glänzen; shenen , scheinen; glimen, hervorschimmern; sjämmern, 



329 

schimmern, dämmern; davon: de Bläjnk, de Gldns, de Sli'm, de 
Gläme, engl, a glcam. 

78. Fairen, führen; lijddcn, leiten; stjürreu, steuern, lenken; 
jö Fähr, jö Faur, jö Stjürr. 

79. Fäjdden, gebären; hjdrnen, geboren werden , kindein; äujn't 
Söllembedd kämen, ins Wochenbett kommen; io Iddden kämen, zu 
liegen kommen, geliegen, 1 Sam. 4. vs. 19, 1 Kön. 5, 17; äujnhup- 
smilten; min Mudder fiet me feel, geboren; ivdnne bdsl bjärnct? 
wann bist du geboren? fäjdden heisst sonst auch ernähren, un- 
terhalten; daher jö Fäihs, der Unterhalt. 

80. Shänken, schenken; forihren, verehren; ]6Fonhr'mg, Geschenk. 

81. Hägen, gefallen; behagen — ; äujnstäiijtmen, anstehen. 

82. Lötven, geloben; forspregen, versprechen; tösedden, zusagen. 

83. Kläisen, mit den Nägeln die Haut zerkratzen; riwwen , 
reissen; grdivwcn, mit den Nägeln aller gekrümmten Finger packen, 

84. Shnimmeln und rummeln, Klangwörter, rumpeln, u. s. w.; 
jö Rummelpott, Rurapeitopf, ein Spielzeug der Kinder, ein mit 
einer strammen Blase überzogener Topf. 

85. Mummeln, murmeln, nörgeln; knurren, knurren. 

86. Krügen, drücken; pjärscn , pressen; klammen, klemmen; de 
Pjärse, die Presse; jö Klamm, die Klemme, der Kloben. 

87. Säjcken, suchen; räicknen und r ansägen, s. §.213, S. 320. 

88. Rippen, regen; räiren, rühren: lie kön hdm äi rippc an 
räire, d.i. regen und bewegen. 

{Rippen, reifen, 1. als v. pers., reif werden, 2. als impers. , es i*eift , 
sind die beiden andern Bedeutungen dieses Wortes). 

89. P/e^e?j, pflegen; huhm tö Cause duhggen, sich gütlich thun. 

90. Nijddigen, durch Noth zwingen; nijdsagen, nothgedrungen 
sein. 

91. Späien, speien; hukm bregen, sich erbrechen; huhin auwer- 
jewen, sich übergeben; dät Späiling , das Ausgespieene. 

92. Ldjnken , leicht einherhüpfen; höppen, hüpfen; springen — ; 
glaaien, schlüpfen; de Ldjnk , de Ilöpp , de Spring. 

{Glaaien heisst auch glühen ; üttglaaien, v. tr., ein Eisen ausglühen). 

95. Dregen, tragen; leflen, heben; beren, baren, nd. hören, 
dän. at bare; jö Dragt, Tracht; de Bare — ; da Bere, nora. coli, 
pl., die Gebehrden; hnhni äjHberen, sich gebaren und gebehrdcn. 



530 

94. Friesen, frieren; kölligen, starke Kälte empfinden, von de 
Kolle, die Kälte; de Fräst, der Frost. 

95. Tünnen , schwellen , v. pass. ; dptüntien , anschwellen ; dp- 
luppen, dasselbe; de Timnelse, die Geschwulst. 

96. Häm hijnnen, sich ereignen; hdm dräiven , sich treffen; 
Iiäm todregen, sich zutragen; jö Hijnning , das Ereigniss ; de T6- 
fäll, der Zufall; de Sliimp , der Glückstreff, sonst auch: Menge, 
Masse, 

97. Hijnnen, v. tr., mit den Händen auffangen; dpfängen. 

98. Ijnnen, faurtshridden , fortschreiten mit der Arbeit, dem 
Ende zu. 

99. ßlingen, säumen; njäsen, zaudern; tögern, zögern; sömen, 
säumen; jyraiisen , aus Ungeschicklichkeit mit einer Arbeit nicht 
fortkommen, 

100. Shdcken, v.tr., schicken; synnen, senden; jö Sijnning, Sendung, 

101. Huhm slidcken, sich schicken; Iinlim dp fairen, sich auffuh- 
ren; huhm äjttdregen, sich betragen; jö Apfäiring. 

102. Begännen, beginnen; äiijnfängen, anfangen, de Avjnfäng. 

105. Begännen, avjnfängen , dpstdllen, als: wdt shdll ick nö ävjn- 
fängeF he wijt äi, wdt'r nö dpställe sliäll; ivdt begannst döF was 
beginnst du da? 

104. Begeren, begehren; foiiingen , \-cr\angen ; fordigen, fordern; 
dat Begeren; dät Forlingen; de Forlängst, die Sehnsucht; jö For- 
dring , die Forderung. 

iO^. Neren , nähren, ernähren; fäjdden, beköstigen, füttern; 
unnerhüjllen, unterhalten; jö Näring, jö Fäihs. 

106. Huhm leeren, sich wehren; huhm forsivären , sich verant- 
worten, veriheidigen; ]6\\ähr , Kräfte zum Veriheidigen; ]6 Faar- 
sivär, die Fürsprache, 

107. Tresen, v, tr., treten; de Urdcr tretjö ^nert , der Erpel tritt 
die Ente; überhaupt vom BegaUen der Yöge\; springen, v.tr., von 
grössern Säugethieren ; von Menschen , in der rohen Gcsindel- 
sprache: wöwwen, weihen, und miecken, von jö il/Zec/,;, die Mutter- 
scheide, Die weibliche Schaam heisst im Allgemeinen jö Puhss; 
das männliche Glied, de Pille; der Hodensack, de Pung (Beutel), 
und die Hoden , da Stiene, Steine, 

108. Bdggen, bauen; opbäggen, aufbauen; dpfäiren , aufführen; 



551 

af selten, aufsetzen; jö Ijnbdgg , ein einzeln liegendes Haus. 

409. Fölligen, folgen; eßerkämcn, nachkommen; jö FölUy, die 
Folge, de Eßerkdmst, die Nachkunft. 

HO. Waageti, wagen; dürren, dürfen; hiihm fordristen, sich er- 
dreisten; dät Liff äuju'e Waag selten, das Leben wagen. 

411. Tresen, v. a. intr., treten, schreiten; släpen, stapfen; de 
Trälis, der Tritt; de Trä/is, gewöhnlich im Plural, du Trälise, 
Tritthölzer wie am Webstuhle, an der Orgel u. s. w. ; de Stäip, 
der Stapf, ein langer Schritt; de Släpe, die Stapfe, in Fäujtt- 
stüpe , Fusstapfe , Eindruck vom Fusse ; de Trisläpe , ein hölzerner 
Bock juit drei Füssen; dat Släpstähs, der Stegel zum Ueberstei- 
gen; strädden, greten, grätschen, jö Slrädd, die Grätsche, engl. 
to stride, Subst. a stride. 

112. Fielen, umziehen in ein anderes Haus; dmtieen, umziehen; 
däi Fletgäujd, \]mzugsgut; deBäjtllinge, collect, sing., dieFahrniss; 
auch die fahrende Habe einer Braut als Morgengabe, von deBäjtle, 
das Bischen, also: die Bisslinge, Kleinigkeiten. 

115. Swömen, schweimen; ämsägeln, ohnmächtig hinfallen; de 
Swöme , die Ohnmacht. 

114. Kriepen, kriechen; krdiviveln, krauein, von Insecten, und 
von Menschen, auf allen Vieren kriechen; kldwwern, klauern, 
hinankriechen, von jö Kldiv, die Klaue; davon wieder de Kldw- 
wer, der Klauer. 

115. Ljaagen, lügen; Iiäien, die Unwahrheit sagen, um die 
Wahrheit zu verheimlichen, engl, to hide; jö Lägen, die Lüge, 
de Lägner und Lägenier. 

116. A'mbäisnöivwen, dmsnöwioen , dpsnöwiven , dpsnaucken, alle 
herumstöbern, aufstöbern, auswittern, 

117. Sldjnken, schlucken, hinunter; swälligen , mit dähl, ver- 
schlingen; jö Sldjnk, jö SivTiUig, Schlund, Schwalg; auch wohl 
jö Sivielig : vergl. schwelgen, dän. at svälge, engl, to swallow. 

118. Shellewen, zittern; bäwen, beben; bäwern, das Veröfte- 
rungswort von bäwen; ]6Bäweresp, die Zitterpapel, Espe. 

119. Mäjdden, mähen, von i'öMäjd, die Math; hdivwen, hauen; 
de Mäjdder, der Mäher. 

120. Rudden, rdwweln, budden. Rudden und rdivweln heisst wild 
auf und niederfahren, z. B. von Kindern im Belle, über einen 

42* 



pw m r\ 

Wali, durch einen Zaun und dergl.; davon nun dät Rudd , ein 
solches Loch in einem Zaun, eine Schlupfstelle über einen Wall, 
wo Menschen und Thiere durchkriechen und übersteigen: vergl. 
engl, lo rout, a rout und a rut; bndden, sich im Staube balzen, 
wie die Hühner. 

-121. Slieren, liebkosen; ficheln, nd. fiecheln ; smicheln, schmeicheln. 

122. Kränken, kranken; segen, siechen; sören, quienen, hinsie- 
chen; jö Segl, 4. die Sucht, 2. Seuche: Stvinnsegt, Göhlsegt, Wäh- 
sersegt. 

425. Plirren, blinzeln; bldjnhen, blinken, mit den Augen. 

424. Sungern, gellen; kldjngern , s.o. 4G. 

425. Släjcken, in der Asche braten, rösten; braasen, braten; jö 
Braalts, der Braten; jö Snmrepönn, von smuren, schmoren, Ge- 
schmortes. 

426. Laken, lachen; smelen, lächeln. 

427. Drönen, dröhnen; knüsen, krachen; shrögen, schadhaften 
Klang haben. 

428. Spürren, spüren; äp fragen, erfragen. 

429. Kräjcken, spungen, knappen, von jöKräjck, die Oehse, das 
Oehr, jö Spung, die Spange, de Knapp, der Knopf; von jöKniep, 
die Schnalle, kniepen, damit befestigen. 

450. Klülten, läpen, fläcken, von de KlüU, de Läpe, de Fläck, 
ausbessern, flicken. 

451. Läspen, lispeln; snäweln, näseln; stämmern, stottern. 

452. Twelen, quielen, sabbern; fräsen, geifern; von dät Twel, 
der Quicl, Sabber, und de Fräse, der Geifer, Schaum. 

455. Fläien , ütlbäsern , in Stand setzen, ausbessern. 
434. Fldien, ausschmücken; pulsen, putzen. 

453. Sägnen, vermissen, was man nicht mehr hat, noch haben 
kann; säiknen, vermissen, was man nicht wieder finden kann. 

456. Gfignen , bähsen , njülten, von dal GägeJi , de Bühse , de Njütte , 
— womit auch noch de Fordijl, der Vortheil, verwandt ist — 
heissen alle Nutzen , Vortheil gewähren , nur in verschiedenen 
Beziehungen und mit feinen unterschieden, die nur aus Beispie- 
len und dem täglichen Gebrauche derselben zu erlernen sind. 

457. Sliälen und shijtten, dilTeriren, dät sfidll , dät shült äi faale, 
differirt nicht viel. 



353 

iöS. Wällern, wälzen; Irümmeln, wälzen, wällern; rullcn, rol- 
len; käntern, käntern. Kantern kann man nur, was Kanten hat, 
z. B. einen Balken; das Boot känlert; jö Trümmel, die Ackerwalze; 
de WTillcrbulmim , die Welle oder der Wellbaum in der Mühle , 
die grosse Axc. 

139. Bändigen, bändigen; sljürren, steuern, regieren. 

i^O.Primgen, tauschen; dmsettcn , umsetzen; käujllehmijlten , 
kaupeln, das Eingetauschte immer wieder gegen etwas anderes 
und Schlechteres vertauschen; jö Prung , der Tausch; de A'msäts. 

141. Erklären, forklüren, ültledden, auslegen; dölissen, deuten. 

142. Forihnbaaren , vereinbaren, v. rcc; äi(jntspregen , entspre- 
chen ; auwerijnskämen , übereinkommen , de Auwerijnskdmst , die 
Uebereinkunft. 

145. Raasen, rasen; daawen, toben. 

144. Betanken, bedenken; auwerledden , überlegen. 

145. Betijn läjtten, räjdde läjtten: läjtt me betijn, lass mich al- 
lein darum; läjtt me räjdde, lass mich freie Hand haben. 

146. Auwertellen, überreden; tösnäken, bereden; bewägen, bewegen. 

147. Uttwirken, einem Pferde die Hufe, davon dät Wirkjörn, 
das Wirkeisen; ütlwirken, auswirken, einem etwas, eine Sache, 
die Freiheit, eine Pension und dergl. 

148. Inräcken, töräcken: beide Wörter werden 1. von tief ein- 
gefahrenen und kothigen Wegen gebraucht , 2. von übelbehandel- 
ten Sachen, die eingesudelt und in Unordnung gebracht sind. 
Aus diesem Zeitworte rücken ist der Name Bäcker, der Schin- 
der, dän. en Bakker , entstanden, welches Wort aber wieder nicht 
mit Bäcker [dän grotte Bäcker!) zu verwechseln ist. 

149. Dräjnken, trinken; süppen, saufen; de Drönk, der Trunk, 
de Drönker, Trunkenbold; de Süpper, der Säufer, de Söpke, der 
Schnaps. 

150. Tökiersgungen , zu Kehr gehen; töläjttsluhggen , ein grosses 
Klaggeschrei über etwas erheben; sin Säge äujngungen, rührend 
und mit leidenschaftlichem Gefühl und Heftigkeit reden. 

Anmerkung. 

Wo die deutschen Wörter in der Uebersetzung zurückzielend 
stehen, da sind auch die friesischen rcciprok, jedoch mit cinzel- 



00^ 



nen Ausnahmen. Das Zeitwort grämen, grämen, hat, ausser der 
zurückzielenden Form , noch folgende unpersönliche, als: däl grämt 
me dm de, dm hdtn, dm hdr u. s, w., wörtlich: es grämt mich 
um dich, ihn, sie u. s. w. , d.h.: es thut mir leid um dich. 

Das zurückzielende Zeitwort, v, rec., hat, wenn es allgemein 
steht und persönlich gebraucht wird, allemal hulim bei sich, 
als: Imhm shaamen, sich schämen; hnhm mäiijtt huhm jd blöge, 
man muss sich ja entsehen; huhm kön huhm Idgt forwillige, man 
kann sich leicht verirren; huJim mäujlt huhm doch järst betanke, 
man muss sich doch erst bedenken; huhm kön huhm Idglere for- 
sprege, ds forähse, man kann sich leichter versprechen, als ver- 
essen ^ 

Wird aber das Reciprocum unpersönlich gebraucht, so hat es 
allemal hdm nach sich, als: dUt fdnt hdm nög , das findet sich 
wohl; dät drüwet hdm nö so, das traf sich nun so; dät hünd hdm, 
es begab sich; dät sömet hdm di, es ziemt sich nicht; dät fäiget 
hdm wdjl, es fügt sich wohl; dät kön hdm Idgt käme, es kann 
sich leicht treffen. 



ACHTES GAPITEL 

DAS UMSTANDSWORT (Adverbium) 



§. 215. Das Umstandswort bestimmt überhaupt, wie die Aus- 
sage zum Grundworte (Subjecte) gedacht werden, oder in wiefern 



1 Es ist schon früher bemerkt worden, dass huhm, wenn es 
nicht zu Anfange des Satzes steht, zu 'm zusammengezogen wird. 
Ich füge noch einige Beispiele hinzu, als: dat säit'm, das sagt 
man; dät kön'm di ivdhse, das kann man nicht wissen; dät mäi'm 
jd man di düjn, das mag man ja nur nicht thun; dirr snäket'm 
dm, davon spricht man; wdt slidU'm'r [lies shdllemer) dp md stdlle, 
was soll man damit aufstellen? wdt fäit'm'r faar? was bekommt 
man dafür? wdt mäujlt' m' r jd doch bdi düjn, etwas muss man ja 
doch dabei thun; wdn'm'r dmhdne köhs, wenn man umhin könnte. 
Vergleiche §.448, über die Zusaramenziehungcn. 



ööii 

sie gelten soll, z.B. man Branser ds näilke, kaiirtlick, Mling, mär- 
ling, dntvmie, dnjörsne, löngens, äiwen, nö, [aar en läiet kicm- 
men, mein Bruder ist neulich, kürzlich, heut Abend, heute Mor- 
gen, gestern Abend, gestern, längst, eben, jetzt, vor kurzem 
gekommen; Iie kaum doch dnllick an tölost, er kam doch endlich 
und zuletzt; he ds hirr noclidi äujnkiemmen , er ist hier noch nicht 
angekommen; hc kdmt hijl an all di, er kommt ganz und gar 
nicht; he ds forligt klemmen, vielleicht; he ds wdss, säkor kiem- 
men, gewiss, sicher; he kdmt oller, er kommt nie, u. s. w. 

§. 216. Wir haben Umstandswörter 4. Der Zeit, als: löngens, längst, 
long, lange, faar l5ngetis,\oryängst; ihr, eher, früher; üjllings,\or 
Alters, weiland; ihrtidds, vormals, in früheren Zeiten ; ijtisen, 1. ein 
Mal, 2. einst, dereinst, in Bezug auf Vergangenheit und Zukunft ; aurs, 
sonst , anders ; dilling , elling , märling , jdrling , heute , heut Abend , 
heute Morgen, heuer, in diesem Jahre; lähs, spät; edder, früh; 
tiddig , zeilig; dntenne, gestern Abend; dnjörsne, gestern; dnihr- 
jörsne, vorgestern; dnjörsne Mjdrn, gestern Morgen; dnjörsne Mäd- 
däi, gestern Mittag; dnjörsne Ihr emdddäi , gestern Vormittag; Ihre- 
mdddäi, heute Vormittag; Faaremdddäi, Vormittags, heute Vor- 
mittag; eftermdddäi, auf den Nachmittag; dnjörsne enne, gestern 
Abend, siehe dntenne; dnihrjörsne enne , vorgestern Abend; mjdrne, 
morgen ; mjärnedder , morgen früh ; mjdrnenne , morgen Abend ; 
mjdrne Eßermdddäi , morgen Nachmittag; nägtling , in dieser Nacht; 
aurdemjdrne, übermorgen, zusammengezogen aus: auwer de Däi 
mjdrne (über den Tag morgen); all, schon, bereits; ?iö, nun, jetzt; 
noch di, noch nicht; gelick, gleich; äujn't Ugenbldck, im Augen- 
blick; strägs, stracks; äiwen, eben, soeben; näis, neulich; näilke, 
jüngst; kaurtlick, kürzlich; faar en Idiet, vor einer Weile, vor 
kurzem; dm en läiet, über ein kleines, nach einer kleinen Weile; 
dm Däiem, des Tags, am Tage; dm Nägtem, des Nachts, in der 
Nacht; dm Mjdrnem, des Morgens; dm Ennem, des Abends; dm 
Mdddäiem, des Mittags; dm Eßermdddäiem, des Nachmittags; 
dm Faaremdddäiem , des Vormittags; dm Wontrem, des Winters; 
dm Sdmmrem, des Sommers; dm Ursem, im Frühling; dm Hdrre- 
stem, im Herbste; öfting , oft; sdlten, selten; auf an tö, ab und 
zu; ddn an wdn, dann und wann; mdljdrst, mit dem ersten; 
däglick, täglich; nägtlick , nächtlich; forgingen Ihr, voriges Jahr; 



536 

dät färre Ihr, das vorvorige Jahr; tökämen Ihr, künftiges Jahr; 
forgingen Wäg, vorige Woche; tökämen Wäg; ülteedder, alzufrüh; 
ältelähs, zu spät; bdll,ha\d;älUidd, allezeit; sö/a2<rf, sofort; fanrts, 
gleich; tissnög , früh genug; slrügs efter, gleich darnach; hirrtö, 
bisher; jämmer, immer; oller, nie, niemals, nimmer; ollermör , 
nimmermehr; will und ivillert, während; sunt, seit, altd. sint, 
noch in sintemal; wUisser, wieder; äntlick, endlich; jölidd, da- 
mals; efterdäis, nach diesem; Willems, bisweilen; nnnermd, mit- 
unter; järst, erst; lest, letzt ; tolest, zuletzt; järstkämend , näist- 
kämend , erst-, nächstkommend; eßer , nach; hirreßer, hernach, 
nachher; middlertidd, mittlerweile; knüp, kaum; bit, bis; wanne? 
wann? dann, dann; söbäll us, sobald als; hörr ball? wie bald? 
tiväshe in, mitunter, zwischen durch; noch alt oder noch älllidd, 
noch immer; änjörsne Aagedege, gestern vor acht Tagen; dilling 
Aagedegc , heute vor acht Tagen, oder über acht Tage; mälijns, 
sogleich; ößinge nög , oft genug; dm mdtiügteni, um Mitternacht; 
noch so ößing , noch so oft; dät^s noch en läiet häne, es ist noch 
etwas — einige Zeit — bis dahin; hörr limg äs't sunt? wie lange 
ist es her? dirr's noch wdt tö, es ist noch lang bis dahin. 

§.217. 2. Des Ortes, als: ivirr ? wo? dirr, da; hirr, hier; 
jdnner, dort; auiver, über; amvcräll, überall; ällerwägen, allerwe- 
gen; ndrrrnge , nirgends; baawen, baawne, oben; baawen ätv, oben 
auf; unner , unter; nnner mdddc, dazwischen; dele, unten; bütte, 
aussen; ütte, draussen; banne, binnen; bütte an bdnne , aussen und 
innen; tivdshe, zwischen; ivirr, irgendwo; unnerwäis, unterwegs; 
büttendicks, aussendeichs; bdnncndicks, binnendeichs; widd, weit; 
widd wag, weit weg; uidd auf, weit ab; widd fon, weit von; 
fi,er, fern; fon fierense, von ferne; stuf, hart daran; trindm, rings- 
um; näi, nahe; tdgtebäi, dicht dabei, dicht daran; dnföre, 
vorne; änädre, hinten; fo7i'e biittne, von aussen, auswendig; fon 
'ebdnnene, inwendig, von innen; äjtt, in, zu, bei; äjtt'e Hiihs, 
zu Hause; inne, zu Hause; faurde, im Stalle oder der Scheuer; 
triage, in der Stube; lömväis , landwcgs; bdnne f aar , innerhalb; 
bütte faar, ausserhalb; üttfaar, ostwärts vom Dorfe; dpfaar, west- 
wärts vom Dorfe; bäitö, beiher, neben her; büttebäi, nebenan; 
anwerfaar, gegenüber; föreäujn, vornean; äderäiijn , hintenan; 
äderefter, hinten nach, hinter her; delebäi, untenan; hirr fon , 



von hier; stuf ijn, hart an; före, vorne; hefte, hinten; aurs wirr, 
sonstwo; äive/ürregge , dics$e\t; äwejärincreyge , jenseit; r 6g t , rechts; 
left, links; äiwenst , eben, im Augenblick. 

§. 218. 5. Der Ricldung und Bewegung von und nach einem 
Orte, als: ämhuch , aufwärts, hinauf ; ftm/äj(7 , niederwärts, herun- 
ter, hinunter; dp, auf, hinauf; dähl, nieder; dp andäfil, auf und 
nieder; aufstähs, fort, vorwärts; tö, zu; ivdg , \\eg;faurt, in den 
Stall oder nach dem Stalle ; trüch ,'in die Stube oder nach der Stube; 
in, ein, herein, hinein; äujn, hinein; häne, hin; ji<r/, her, auch 
jiirle; jdnt an jurt, hin und her; hdnetö , hinzu; hirrin , liierein; 
hirrütt, heraus , hinaus ; hirrdm, herum; dmbäi , umher; faarhdi , 
vorbei, vorüber; äujnt mäujtt, entgegen ; äm/m«e, umhin ; /«h/eäm, 
hinum; loirrhdne F dirr- Inrr-jdnnerIiäne,dR- hier- dorthin; dirrtö, 
ddizxx', hirrtö , hierzu, bis hieher ; äpäw , hinauf; dpef ter , UAch oben; 
dählefter, nach unten; ütteßer, nach aussen; inefler , einwärts, 
nach innen; dmefter, um nach; aiiwerefter , über nach; ädere ftcr, 
hintennach; tosidde, seitwärts; /ota//;/, zurück; ärfem/^, hintcnaus; 
föreült, voraus; fon förne, von vorne; fon äderne, von hinten; 
töhüss, nach Hause; dpäiijn , hinauf und dann hinein, auf, in mit 
dem Acc. idpamver, auf über, auf der Geest; dm 'e ^ste , Weste, 
Sühsse, Naurde, gen Osten, Westen, oder ost- west- süd- und 
nordwärts; äujnt ^sten , Westen, Süfissen an Naurden , im Osten 
u. s. w. ; efler't Asten , Westen , nach dem Osten u. s. w. ; regglings, 
rücklings; Iiaadlings, haüptlings (hinfallen) ; sTillrings ridden , wie im 
Damensattel zu Pferde sitzen ; töhäujnne, heraus, aus einem Loche, 
einer OefFnung; töliffs, zu Leibe; flw/rö//, umfallend, dän. omkuld; 
siddlongs , seilVings ; bütterbijns und l)dnticrbijns dw'e Sfiurre luppen, 
binnen-und aussenbeins auf Schlittschulicn laufen; aussenbeins, im 
Bogen; unnerbdnne mä [kämen), hinter etwas (kommen); dpijn, ge- 
gen, gegenan; längs, längs; äiijnflängs, entlang; bäi wäilöng , 
weglängs, z. B. plaudern; bdnnei ichs , binnenrcichs ; büttericks , aus- 
senreichs; bdnnedörs, innerhalb der Thüre; öwer/icÄ-, oberlich, nach 
oben zu; näserlick, nach unten zu, niederlich; tdllhävjnninge an 
fonfiänjnninge , von Wagenpferden, zuhändig oder linksgebend, 
abhändig oder rechtsgehend ; hielir ! sagt man , wenn am linken 
Zaumstrang gezogen wird, und am andern: förrig ! — Der Pflüger 
sagt zu seinem Pflugtreiber: fo de ! zu dir ! wenn er hiehr , und fon de, 

43 



538 

von dir, wenn er förrig lenken soll. Beim Antreiben der Pferde 
heisst es nd .' nd ! ; beim Stillhalten sagt man : prrr. ! 

§. 219. 4. Des Umfanges und der Zahl, als: toglick , zugleich; 
mdenauser, miteinander; äjnkell , einzeln; sdmtlick , sämmtlicli ; 
ältemcüe , allzumal, alle mit einander; dijls , theils; faale, viel; 
läiet . wenig; mdnning , viele; mörr , mehr; hüpig , häufig ;m«s^, 
meist; mästendijls , meistentbeils ; Imlew , halb; hijl , ganz; TiUhijl , 
ganz; liijlanäU, ganz und gar; [aar 't järst, für 's erste: faar 't 
lähsere , für 's zweite ; faar 't tredd , für 's dritte ; faar 't fierd , füft, 
segst , saawent u. s. y^-.; tölest , zuletzt; äw't hug st , höchstens ; äiijn't 
mdnnst, wenigstens, mindestens; tölmp , zusammen; alte faale, 
allzuviel; älteläiet , allzuwenig; bäinäi , beinahe ; dmentränt , un- 
gefähr; Ungefähr , dasselbe; gär äi , gar nicht; nint, ninte , nichts; 
nög , i. genug , 2. wohl ; man , nur , bloss ; sierern, sehr ; hürrfaale? 
wie viel? liüllwe? v^'ie viel? so faale, sülbve, so viel; fonenanser , 
von einander; eflerenauscr , nach einander; dmenauser , umeinan- 
der; ijnsen , twäie, träie , ein- zwei- dreimal; ötterst , äusserst; 
dörütt , durchaus; gaar, gar; sog aar , sogar; gaar äi, gar 
nicht; ball, bald, fast; üllicksö, ebenso ; efter 'e Häiijnn, nach 
und nach ; so näi , bis auf; bäi widdem äi , bei wxitem nicht ; widd 
häne , weit hin ; long häne , lange hin ; rickUck , reichlich ; knäp , 
knapp, kaum; auwerflöhsig , überflüssig; pur, bloss; döwelt , dop- 
pelt; tröwclt , dveiiach ; dörgdjngig , dörgongs, durchgängig; dör 'e 
Bank, durch die Bank; imner 'e Häujnn , unter der Hand; au- 
iver 'e Mäjtte , über die Älassen ; Ungeheuer , ungeheuer; en lurlierläiel , 
ein winzig klein Bischen. 

§. 220. 5. Der Gewissheit und Ungewissheit , der Bejahung und 
Verneinung , der Beschaffenheit , der Vergleichung und des Zwei- 
feins, der Ausdehnung und Beschränkung u. s. w. , als: jd , ja; 
nähn , nein; ivirklick , wirklich; äi , nicht; forldgt und forligt , 
vielleicht; äw nän Wihsse, auf keine Weise; hijl an all äi, 
ganz und gar nicht, 'keinesweges ; rigtige nög , zwar; wäjl, 
wohl, zwar; ^väss , gewiss; säker , säkerlick , sicher; tojärlick , 
wahrlich ; rigtig , richtig ; höwentlick , hoffentlich ; swürlick, schwer- 
lich; ^m/ra/i^,7, walirhaflig; sömöd, bei Gott; — eine Bekräftigung; 
bäi Gödd ! dasselbe; segott !Golt segne die Mahlzeit; söged , pröstl 
prosit ! jätväjl , jawohl ; sömijn , allerdings ; faarwäir , fürwahr , 



339 

älk äs, so wie, als ob; üiijnslühg , entzwei; amverüU, über aus; 
forjäws , Vergehens; dmensonst , umsonst; äujnhiip , ganz in Unord- 
nung, in Verwirrung; lägt, leicht; sägt, 1, leichtlich, 2, sachte; 
jüst , just; mdsslick , misslich; aselick , schlecht, mittelmässig ; 
maai, ziemlich, ertraglich; /lijn , schlecht; älückwäjl , gleichwohl; 
sä iwäshe biese , so zwischen heiden ; äw't best, auf's heste ; äl- 
werlick , ernstlich; kiemlick , geheim; äs wann, als oh; so, so; 
so so , so, so; südäin ig , a] id. solhanig, dän. saadan ; liörr !* wie? 
hörrdäinig P dän. hvordan, wielhanig , wie ? md Lampe , glimpflich; 
ünforsiens, oder ünforsäjns , unversehens; amverordentlick und 
ütterordentlick , ausserordentlich; gemien , gemein mit einander; 
üngemien, ungemein; drdfUck , dlxn. drahelig, weidlich, tüchtig; 
forträfflick , vortrefflich ; töldinglick , hinlänglich , zureichend ; äußt 
Körtswill, im Scherz, zur Kurzweil; löpäss , zupass; tö fülle , in 
Erfüllung; tö fälle , mit einander gemein, dän. tilfälles ; tokaurt 
[kämen], zu kurz (kommen) , Verlust leiden ; tömäiijds , zu Muthe ; 
töiväi, zu Wege (bringen); töwäis , auf den Weg; unnerwäis , unter- 
wegs ; tökup , zu Kauf, feil ; sdns , gesonnen ; gängs , (gäng) versehen 
mit; aimerijnne , aufgerichtet; äiijnhäi , in den Sirn, im Sinne; 
faaraane , eniohmgi ; nd^v , genau, geizig; purig ,\avg;l6wddderne, 
zuwider; befaar , bevor; boppe, oben; amverhijnnig , überhands , 
dän. overhaands; /üwm/e, zuniclite; tömä, zumal; dirrlömd, über- 
diess ; älliene , allein ; aiirs , i . anders , 2. aber , 3. sondern , 4. sonst ; 
hall, gerne, hültere, lieber; u. s. w. 

Anmerkung . 

Die Adverbien //«// , gerne, pä// (dän. pal), flach und fest auflie- 
gend, und stuf, hart an , sind steigerungsfähig; als: hüll,hällere, 
hallst; päll, pällere, pällst;stuf, stnß'ere, stufst. 



Bildung des Umslandsworles. 

§.221. Die Umstandswörter sind, wie die andern Wörterklassen, 
iheils Wurzelwörter, als: läJis , spät; äi , nicht; noch, noch; nög , 
genug; ball, bald, u. s. w. ; theils abgeleitete , als: löngens, von 
long ; märling und mjdrne , von de Mjdrn ; dilling , von Däi ; regg- 
lings, von de Regg ; iheils zusammengesetzte, als: mjärneddcr ,. 



340 

morgen früh ; aurdemjcirne , iibermorger. ; auiverütt , überaus; ämköU, 
über den Haufen ; bäinäi, beinahe. 

§. 222. Bei den abgeleiteten finden wir die Endungen: e, s, 
ing , ings, ig , t , iick , st, elt , em , ne, nebst noch andern, und 
vielfällig den Umlaut, der oft ganz unregelraässig ist, so wie die 
oft unentbehrlichen Vorwörtchen: an, dm, bäi , tö, u. s. w. 

(e). A'j}, auf, hinauf, — tippe, auf, aus dem Bette sein; in, 
ein, hinein, herein, — inne, binnen , im Hause; ütt , aus , hinaus, 
heraus, — üUe , draussen; faurt , in den Stall, nach dem Stalle 
zu , — faurde , im Stalle oder der Scheune ; trocfi , aus dem Stall in 
die Stube , — traage , in der Stube ; dähl, hinunlei-, herunter , — dele, 
unten; [aar, vor, für, — före , vorne. Wenn diese das e nicht ha- 
ben , so zeigen sie immer eine Ortsveränderung an , bei der man 
im Deutschen die Verhällnisswörter mit dem vierten Fall ge- 
braucht. — Beispiele : stäiijnn dp ! steh auf! nämlich aus dem 
Bette, ick bdn all dppe , ich bin schon auf; kam innl komm 
herein! ins Haus, he äs inne, er ist innen, d. i. zu Hause, im 
Hause; ivältt Uli? willst du aus? nähn , ick kältw rdl ülte wähn, 
nein, ich bin schon draussen gewesen; he hing faurt, er ging in 
den Stall , he ds faiirde, er ist im Stalle ; gong tröch! geh in die Stube 
aus dem Stalle, jö ds traage, sie ist in der Stube; ick mal Uetvere 
faurde äs traage wese, ich mag lieber im Stalle , als in der Stube 
sein; kam dähl! komm herunter! tvdl shdll ich dele F was soll 
ich unten? trehs faar me häne, tritt vor mich hin, ick mal äi 
före gonge, ich mag nicht vorne gehen. So auch baawcn und 
baaiü7ie, als: he ivdll älltidd baaweniUt, er will immer oben hinaus, 
he sät dirr baawne,ev sitzt da oben. Ferner: mjärne , von de 
Mjdrn ; äntenne , von de Enn', näilke ,sox\näi ; twäshe,yom altfries. 
twä; tiväie , von tivä ; tr äie \on trä , engl, twice , thrice ; töliäiijnne, 
von jö Häujtin ; bulle, fon'ebültne, auswendig. 

(s). Gangs, von gongen: hörr bdst gängsP wie bist du versehen, 
z. B. mit Gelde , mit Mitteln zum Forlkommen? sdns, gesonnen , 
von dät Salin , der Sinn; löngens , längst; längs, längs, von läng; 
üjllings , yon üjll;regglings, haadlings , sällrings , \on Regg , Haad 
und Süll; tissnög , von Tidd, also: tiddsnög ; ijns, von ijn. 

[ling , ing). Dilling , von de Däi ; järling , von dät Ihr, altfr. dat 
Jer ; elling , de Knn ; märling , de Mjarn ; oft, nfdng. 



341 

{ig). Tiddig , purig , lörrig , von lörren , lauern ; södäinig u. s. w, 

{t, elt , ert). WiU , läiel , läjltel , von Idjlt , klein ; djnkelt , döwelt , 
tröwelt, ivillert. 

[lick). Kaurtlich, von haurl ; däglick , von Däi ; nägtlick; dntlick, von de 
Ijnne , düt änt ; järstlick ; ricklick, von rick , reich ; mässHck , drdf- 
lick , äselick. 

{st). Järst , lest, mäst , mannst , längst , liucJist , uttersl, dnnerst , 
hdnnerst , lauter superlativische Formen und Endungen. 

{em). Am Däiem , dm IJnnem , dm Mjdrnem , dm Sdmmerem , des 
Sommers. 

{ne). Antenne, dnjörsne, dnihrjörsne. 

§. 223. Folgende mit tö zusammengesetzte Adverbien endigen 
sich auf s, als: tö ßj tis, zu Fusse; togöngs , in Gang; tobijns (dän. 
tilbeens) , flink zu Fuss; tüliffs^ zu Leibe; tösjöns , 'ixxm Vorschein; 
töwäis , auf den Weg; iödijls, zum Theil; tölupps , zu Lauf; togägens, 
dän. tilgavns ; töwdirks , zu Werke; tokiers , zu Kehr; töldgs , in 
den Zug , im Zuge ; töivedds , in die Wette ; tvdäis , zu Tage ; 
tönüjds, zur Noth. 

Dahin gehören auch folgende umstandswörtliche Ausdrücke , als : 
tö Ankers, vor Anker; tö Bauks , zu Buche; tö Bausems, bis 
auf den Grund; tö Dörs , zur Thür ; tö Läujnns , zu Lande; tö 
Wäsers, zu Wasser; tö Mönns , auf den Mann; tö ßJu/ils , nach 
dem Ziele; tö Wäiens, zu Wagen; tö Hdjnsls , zu Pferde; tö 
Slidpps , zu Schiffe; töBüjtts, zu Boote; tö Grefts , zu Grabe; tö 
Köis, zu Kois. 

Andere mit tö verbundene haben dieses s nicht , als : töbälig , 
zurück; tödüjdde, zu Tode ; töfäjtle, zu Füssen; töfulle ,' in Er- 
füllung; töfdlle, gemein mit einander; töhäiijnne , heraus, aus 
einem Loche, oder dergl. ; töhup, tölmppe, zusammen; töhiiss , 
nach Hause (äj/f 'eHüfts, zu Hause, in der Heimath); tökaurt , tö- 
kaiirte, zu kurz; tömäjtte, d. übel an, 2. zupass, zu Danke; tö- 
päss, zupass; töstelise , zur Stelle, anwesend, zugegen; töivege , 
zu Wege; tömd , dazu noch, überdiess ; töwälle , zu Willen; tö- 
kämen, zukünftig; töläjt , mit grossem Klaggeschrei; töhälgens 
uud töhtdwens , zur Halbschied ; ^j/.m/j , zu Kauf; iögause, zu Gute; 
töwddderne, zuwider; löbedd, zu Bette; töglick, zugleich; tömäujd, 
zu Mulhe; löi/irs , bei Jahren; töwedd, in die Wette, u. s. w. 



542^ 

§. 224. Verbindungen mit den Wörtern : äujn, amver , unner , 
ütt, fon, äw, dp, dm, md, in , alte [ällö) , dähl, dele , bütte , banne , 
sind folgende : 

Aujn : äupistöfig , entzwei ; äujnhup , in Unordnung ; äiijn'tfjn , ent- 
gegen , zuwider; äiijnälles , in allem, insgesammt; äujntmännst , 
mindestens, wenigstens; äujnhnäujt , entgegenkommend; äujn 
'e Gong, in Gang, im Gange; ävjntrögt , zurecht (bringen). 

Aiaver : auiverijns , überein ; aimerfaar , gegenüber ; mmerütt , 
überaus; auwerhäne , überhin; auwenväg, darüber hinweg ; aw- 
werä//, überall; aiiiverhyimig , überhand. 

Unner: unncrdör , unterdurch ; ww?«ermft, mitunter ; unnerbdnne 
md, hinter eine Sache (kommen); tinnerwäis , unterwegs ; unnermddde, 
zwischen unter; nnnerült , unten heraus. 

ijit: üllbdi , längs; üttdm , aus dem väterlichen Hause zu frem- 
den Leuten , aus zu dienen , oder auf Schulen u. dergl, ; üttfaar , 
in die Fennen hinaus; üUlängs , entlang; ütlfon, ab, abstehend. 

Fon : fon äderne , von hinten ; fon före , fon förne , von vorne ; 
fon 'e bültne , von aussen, auswendig; fon 'e bdnnene, von innen, 
inwendig ; fon l aawno , von oben ; fon näserne , von unten ; fon 
fierense , von ferne ; fon ansere , fon cnauser , von einander , auseinan- 
der. 

'Aiv: äw 't Töch, i. auf's Mal , 2. im Zuge ; äw'e Sljögte , auf der 
Ebene; äw äiwen Sljögte, ohne Veranlassung; äw 'e Zdjngde, auf 
die Länge ; äw 'e Hdlleft , auf der Hälfte , auf halbem Wege ; äw 
'e Ldgte, auf eine leichte Weise; äw 'o Nätgde , in der Nähe ; 
äw 'e Droge, ins Trockne, auf dem Trocknen; äw 'n Sliimp , 
schlumpsweise. 

Ap: dpäw , hinauf, und oben auf; dpäiijn, erst hinauf und dann 
hinein ; dpbäi , obenbei , erst hinauf und dann bei oder neben ; äpijn^, 
gegenan ; üpamver , auf und hinüber; dpunner , auf unter , z. B. 
auf unters Dach; dpmd, mit auf; dpäm , auf um; dpfaar , auf 
vor, auf die Acker hinauf; dptö , auf zu; dpfon. 
Am : dm 'n läiet , über ein Kleines ; dm 'n tränt , ungefähr ; dm'- 
tijns , mit Vorsatz, gerade deswegen ; dmhuch , in die Höhe ; dmläig , 
nach unten ;ämiäi, I. herum, und umher, 2. vorbei, vorüber, zu 
Ende, 5. aus mit, gestorben; dmefter, um nach; dmhäne, umhin; 
dmfaar , um vor ; dmtö , umzu ; dmhöll , über den Haufen. 



Md: md 'lijns , miteins ; md'lenne , zur Vesperzeit ; md 'tunnerne , die 
Zeit des Vormittags , wenn die Ari)citer ihr Zwischenessen halten. 

In-.inäujn, hinein; i«Mi, in, an der Seite liinein ; indm, ins Haus 
hinein; inimner , unter, mit dem Acc. ; inauwer , erst ein und dann 
über; ick hon 't äi inauwer filjn , ich kann's nicht hinunter brin- 
gen, nicht schlucken , z. B. eine widerliche Arznei; inäio, ein auf; 
inkvdshe, zwischen hinein; twäske in, mitunter; i«fWr, hindurch, 
durchbin. 

^Ue {älto) : TiUemäle , allzumal , alle mit einander ; älteäirig , zu 
arg; ältehijnn, allzu schlecht; ältcfaale, allzu viel; älteläiet, 
allzu wenig; ältelähs , allzu spät; älteedder , allzu früh. 

Üähl: dähläw , niederauf; ddhläujn , hinunter in; f/ä///ku, hin- 
unter bei; däliläm , unten um; dählauf, herunter von; dählfaar , 
nach dem Dorfe zu , als Gegensatz von üUfaar und dpfaar; dähl- 
unner , nieder unter; dählijn , nieder gegen; dähltwdslic, nieder 
zwischen. 

Dele : deleunner , unten unter; delebäi , iinlen bei, unten längs; 
delefaar , unten vor, unten am Dorfe; deledm, unten um,- dek' 
äiv , unten auf. 

Bütte und bdnne: bütledw , aussen auf; MWeiät , nebenbei ; 
hiittefaar , aussen vor, ausserhalb; büttedm, aussen um; bdn- 
ne faar , binnen vor, innerhalb; bdnnedujn, binnen in, innerhalb, 
inwendig. 

§. 22b. Mit wjdrls, würts , und w Hisse , weise, werden folgende 
Umstandswörter gebildet, als: üttwjdrts , töwjdrts , dj)- dähl- sidd- 
äster- wester- naurder- oder nörder- söhser- rögt- leftwjdrts ; stock- 
wihsse , stückweise; krüsswi/isse, kreuzweise [auwerkrüss, über- 
kreuz); lägivilisse , schichtweise; dröppivi/isse , tropfenweise [bäi 
Dröppe , bei Tropfen); stijttivilisse , stossweise , u. s. w. 

§. 226. Besonders zu berücksichtigen sind die mit Itirr, tvirr und 
dirr zusammengesetzten Umstandswörter, als : hirräiv , hirräujn , 
hirrdm, hirrfaar, hirrbiii, hirrdür , hirrßuwer, hirrunner , Idrrijn , 
hirrfon, hirrnäist , hirrtü; — tvirräw, ivirräiijn , wirräm , wirrmd , 
wirr faar , wirraimer , wimmner , wirrdör, tvirrijn , ivirrbdi, wirr- 
näist, wirrauf, wirrfon , wirrtö ; — dirrdw, dirräujn , dirrauf, dirrdm, 
dirrbäi , dirrauwcr , dirr faar , dirrfon , dirrdör , dirrijn , dirrtö , 
dirrtömd. 



544 



Wenn diese Wörter Ortsverhältnisse , eine Richtung im Räume 
und dergl. bezeichnen , oder geradezu auf sinnliche Gegenstände 
Bezug haben , so ruht der Ton auf dem letzten Worte, und die 
Zusammensetzung ist dann unecht oder trennbar , als : Ledd düt 
Bauck liirr äiv , lege das Buch hier auf (oben auf die andern 
Sachen); dät Büjtt kön kirr äl auf käme, das Boot kann hier nicht 
ab kommen ; kmn kirr dm lö me , komm hier herum zu mir ; dirr 
tvijt ick nint auf , davon weiss ich nichts ; dirr ds nint bäi iö 
mär/en, dabei ist niclils zu machen; dirr hast dö Shäjll äujn, 
daranbist du schuld ; kaast dö dirr wdt bäidüjn? kannst du etwas 
dabei thun ? hältst dö dirr ivät ijn? hast du etwas dagegen? oder: 
hälist 'r ivdt ijn <* ^mt /lädst dirrijn ? — wirr kämt he fon ? wo 
kommt er her ? wäl iväht dirr md ? was willst du damit ? oder 
wät wäht'r md? kaast dirr nöfj dör kämet kannst du da wohl durch 
kommen ? nähn , ick kön 'r {dirr) äi dör käme ; dirr bdn ick fon 
auf, damit bin ich ab, bin darum gebracht; auch: auf md: dirr 
bdn ick auf md , damit bin ich ab; ick hälitv ijnsen äujnfanget tö 
tieknen , aurs ick bdn > wihsser fon auf kiemen , ich habe einmal 
angefangen zu zeichnen , bin aber wieder davon abgekommen. 

Stehen aber diese Wörter nach etwas Vorhergegangenem , be- 
sonders zu Anfange des Nachsatzes als folgernd , schliessend , 
grundangebend , auf eine Ursache hindeutend , so sind sie echt- 
zusammengcsctzt oder untrennbar, und dann haben die Wörter 
hirr , dirr und wirr die Betonung, als: hirräw swäret 'r, hierauf 
antwortete er ; hirrauf köhs'm nög iUtnäme , hieraus konnte man 
wohl entnehmen; aurs hirrävjn kön's doch äi Shäjll ivese , aber 
hieran kann sie doch nicht schuld sein ; hirrbäi was noch tö 
bemärken , hierbei war noch zu bemerken; hirrdm wäjns nint 
hiere , hiervon wollten sie nichts hören ; an hirrmä was 't dann 
ock ältemäle faarbäi , und hiermit war es denn auch alles vorbei ; 
hirrauwer würden 's mal äujn 't Haad , hierüber wurden sie bös 
im Kopfe ; wirrijn 'm ja doch egentlick nint inwijnne köhs , 
wogegen man ja doch eigentlich nichts einwenden konnte ; /«Vr- 
näist fortelld 'r, hiernächst erzählte er; dirrnäist'Jiäjtl 7, demnächst 
hiess es; he het drken bedrägcn, dirrdör het 'r sin ricke Dege, 
er hat jeden betrogen , dadurch hat er seine reichen Tage (Reich- 
thum) Eben so zu Anfange einer Frage, als: wirrbäi kdhn 's 



345 

dät wahse? woran konnten sie das wissen? wirrdm wäjn's ui 
ma? warum wollten sie nicht mit? wirrfaar dähstdütF weswegen 
thust du das? ivirr auf wiest dät? woher wcisst du das? 

Erläuleruncjen nebst Siimverwandtschaftlich kciien. 

§. 227. \. Näis , dnnäis , näjUce, kaurlUcks. Die drei ersten 
Wörter stammen alle von näi, neu, und näis bezeichnet hier 
die kürzeste Zwischenzeitdauer. Darnach folgt dnnäis , und näjlke 
und kaurllichs fallen so ziemlich mit einander zusammen. Näis 
und dmtäis beziehen sich nur auf Stunden und Slundentheile; 
näjlke und kaurtUcks gestatten längere Zwischenräume von Tagen 
und Wochen. Eine kürzere Zeit als näis und dnnäis bezeichnen: 
äiwen, eben, äin'cnst, ebenst , und faar en Ugcnbläck. — Näis li. im 
Dänischen: nys, und näjlke h. nylig, — neulich, jüngst, kürzlich, 
unlängst. 

2. Faurt h. l.fort, als: faurtmd hdm ! fort mit ihm; mag faurt, 
mach fort, 2. nach dem Stalle zu, Iie gongt faurt. 

o. Tissnög sollte eigentlich hcissen tiddsnög , was man aber 
nie hört. As H noch tissnög tö haaw F ist 's noch früh genug in die 
Kirche? — Uneigentlich: dirrhäst tissnög kiemmen, dabist du früh 
genug gekommen. 

4. Efter , nach (after) , efter 7, nachher, zusammengezogen aus 
efter dat^ nach diesem, als: efter 't wäll ick de't sedde, nachher 
will ich dir 's sagen, oder: efter 't wäll ick't de sedde, nachher 
will ich 's dir sagen. Im letzten Satze muss die Abkürzung durchaus 
stehen, denn man darf nicht sprechen: efter 't wäll ick dät de sedde ; 
aber im ersten Satze darf ich auch sagen : efter 't todll ick de dät 
sedde. Auch: ickwdll't de efter 't sedde, ich will's dir nachher sagen. 

5. Fan 'e büttne , auswendig, von aussen, wird auch vom Lernen 
gebraucht, als: fon 'e büttne Heren, auswendig lernen; ick kön 't 
fon'e büttne , ich kann's auswendig: fon'e bdnncne Heren, inwen- 
dig , im Buche lernen , bis man 's fertig lesen und verstehen kann ; 
dän. indenad und udenad. 

6. A'mhuch, in die Höhe, dmläig , niederwärts, nach unten 
zu. Tie de Seck dp, so gongt 'r dmhucli; läjtt 'n dmläig, so gongt'r 
däld, lass ihn herunter, so geht er nieder. 

7. A'mbäi , faarbäi. A'mbäi hat einen umfassenderen Sinn als 

u 



346 

j'aarhäi , als ; he käml widd (inihäi , er kommt weit umher ; he kdml 
de dmbäi, er überholt dich ; ämbäistjäwen , herumstreichen; dät 
äs iiü äjnbdi, das ist nun nicht mehr so; dät 's dmbäi md hdni, 
es ist aus mit ihm ; dät 's faarbäi mä hdm , hat denselben Sinn. 
He ging Jiirr dilling faarbäi, er ging hier heute vorbei; dät äs 
nö faarbäi , das ist nun vorbei ; äs wdt töwedds löppen , kaum 'r 
me ijnsen faarbäi , aiirs he köhs ine doch üi ämbäiluppe , als wir in 
die Wette liefen , kam er mir einmal vorbei , aber er konnte mich 
doch nicht überholen. 

8. A'päiv, dp ävjn,dpdm. — A'p, auf, bezeichnet immer nur die 
Richtung nach oben, äw , aui , bloss den Ort des Befindens oder 
Hingelangens , als : ling me dät dp , reiche oder lange mir das auf ; 
laiik dp! sieh auf! de Sann kämt dp, die Sonne kommt auf; dät 
£rüjd ds äp , das Brot ist auf; dät Bauck läit ätv'e Shew , das 
Buch liegt auf dem Tische; nw't Bedd, auf dem Bette, div 't 
Hüss, auf dem Hause; Ikld dät Tjauling dp äw'e Shew, lege 
den Knaul auf den Tisch, Avenn er nämlich auf dem Fussboden 
liegt; sonst häneäw , hm?i\xi , dähläw , wenn er höher liegt, als der 
Tisch steht; dpäiijn,aui in, erst hinauf und dann hinein; als: feil 
de Bär dp ävjn'c Tann, fülle die Gerste auf in die Tonne; ndm din 
Köwel äp dm de , zu einem Frauenzimmer , das im Kothe oder 
Regen geht : nimm deinen Rock auf um dich ; steg dät Mddsäm- 
merskrüdd dp unner 'e Löß , stecke das Johanniskraut (Sedum 
Telephium) auf unter den Boden. Hieraus lassen sich die übrigen 
Zusammensetzungen mit äp schon erklären. 

9. Före äujn , faarütt, före ütt. Före äujn , voran im Zuge; 
faarütl, voraus; he ds faarütt gingen, er ist voraus gegangen; dö 
hähst faale faar me faarütt , du hast viel vor mir voraus ; före 
ütt, vorne hinaus. 

40. Siddlöngs , siddlängs, sällringe. Siddlöngs , seitwärts gehend , 
als: de Krabbe krüppt siddlöngs, der Krebs kriecht seitwärts; 
siddlängs, an der Seite hin; sällringe, zu Pferde sitzend mit beiden 
Beinen auf einer und derselben Seite. 

41. A'mköU , anwerijnne. Diese beiden Wörter sind einander ent- 
gegengesetzt, denn man spricht: ick fäll dmköll, an ick stävjn an- 
werijnne, ich falle um (umkollernd) und ich stehe überende, 
d. i. ich stehe wieder auf. Die friesischen Bauernjungen singen : 



547 

nÄs ick en läjUen Jürder was, dann säjt ick äujn'e Graufsijnne; A's 
ick en läiet grottrc ivürd , dann stöhs ick amverijnne , als ich ein 
kleiner Hirte war , sass ich im Grabenende ; als ich ein wenig 
grösser ward, da stand ich überendc. Im Nd. würde diess etwa 
so lauten: As ick cn lüjtten Härder was , daa seet ick^in'e Gröfsende; 
as ick en lüjttet fjröttcr word , daa sinn ick överende, und im Dä- 
nischen: Da jeg en liden Hyrdevar, sad jeg i Gröflens Ende; da 
jeg en Smttle starre blev, da stod jeg ov er ende. — A'mköll ist im Dan. 
omkuld, und amverijnne ist överende, nur mit dem Unterschiede, 
dass överende im Dänischen zv/ei einander entgegengesetzte 
Bedeutungen hat, da es gleichbedeutend mit omkuld ist, und 
dann wieder das Gegentheil davon bezeichnet ; denn man sagt : 
at falde omkuld und at (aide överende , und wieder : at staae 
överende. 

d2. Ijn , gegen, mijntijn , entgegen, zuwider, dpijn , gegen an, 
häneyn , gegen, von der Zeit gebraucht, als: ijn 'e Winn sillen , 
gegen den Wind segeln ; de Winn äs äujntijn, der Wind ist entge- 
gen; enauser äiijntijn gongen, gegen einander an gehen, in entgegen- 
gesetzten Richtungen; äujntmäujt gongen, entgegengehen; dpißn 
Ucfi smitten , gegen die Wand an v,erfen 4); hc gongt lick dpijn 
'e Wjärd, er geht gerade gegen die Wahrheit an. 

13. Bütterhijns oder hiUlrehijns , hdnnerhijns oder bdnnerehijns , 
etwa aussenbeins und binnenbeins. — Beide Wörter kommen nur 
beim Schlittschuhlaufen [äio 'e Shurre kippen) vor. ßättrebijns 
Iuppe7i ist: sich von einer Seite auf die andre legen und aus- 
wärtsgehende Bogenzüge machen; hdnnerhijns, nur gerade weg, 
um weiter zu kommen. 



\) Verschieden sind die beiden Ausdrücke: dpijn Uch smitten 
und dpijn 't Uch smitten. Ersleres , Avelches auch bloss dpijn 
smitten genannt wird , ist ein Knabenspiel , wo man mit Schnell- 
kügelchen (Schüssern, Knickern, Löpcrn) , Zahlpfennigen, me- 
tallenen Knöpfen , Dreilingen , Sechslingen und dergl. gegen eine 
beliebige Wand wirft , wobei die Spanne das Maass für den Ge- 
winn abgiebt. Von jedem andern Gegenstande , den man gegen 
eine Wand wirft, sagt man: dpijn' t Uch, als: smiltjö Pott äpijn't 
Uch , wirf den Topf gegen die Wand an ; he smijt me dpijn 't Uch , 
er warf mich gegen die Wand an. 



44* 



548 

i4. Unnerhänne mä wät kämen , ist der eigenthümliche Ausdruck 
für : hinter eine Sache kommen , als : ick wäll 'r nög unnerhiinne 
mä käme, ich will schon dahinter kommen. 

\ 5. ^lles , äUemale , 7nä etimiser , ällhijl , hißl an all. ^lles , 
alles; ältemrdc , ^hne den kleinsten Rest; ma e?;a;fser, mit einander, 
das eine mit dem andern; ällhijl, ganz; Iiijl an all, ganz und gar; 
dm' hältst 't ällhijl, da hast du es ganz; dirr liähst 't hijl an all, 
da hast du es ganz und gar , für immer. 

46. Tö hälgens {hälwens) , tö hulinge , zur Halbschied , zur Hälfte 
mit einander haben; letzteres besonders von liegenden Gründen, 
die der Eigenthümer einem Andern für die Bearbeitung und 
Besäung derselben überlässt , wo jener dann die Hälfte des Ertrages 
dafür erhält. 

1 7. Bai näi äi und bäi Widdern äi , kann beides nur durch bei 
weitem nicht übersetzt werden. Ersteres ist im Dänischen: ikkepaa 
noget när , letzteres: langt fra ikkc. 

48. Gaar, sögaar. Gaar steht bisweilen {ixr sögaar , wie im Deut- 
schen , als : huhrn wäjl gaar sedde , man wollte gar sagen ; sögaar 
steht überall für: sogar, als: huhm säit sögaar, man sagt sogar; 
he sögaar oder sögaar he het 't däjn , er sogar oder sogar er 
hat es gethan. Gaar äi , gar nicht; gaarütt äi, durchaus nicht; 
absolut äi. 

49. ^Ik äs, ällicksö. ^Ik äs, eben so, so wie, kann nie ohne 
äs (als, wie) und also nur in Beziehung stehen, als: ich mag 't 
älk äs dö , ich mache es wie du; dagegen kann ällicksö, auch 
ohne äs, absolut stehen, als: ickmäg't ällicksö, ich mache es eben- 
so. ^Ik äs wann, und äs wann, als ob, als wenn. Ick bän ällicksö 
gäujd äs dö ; he dregt häm äjtt , älk äs wann 'r drunken was , er 
beträgt sich, als ob er trunken wäre. 

20, Pur, man, bloss, nur; ick hähw man an Shälling , ich habe 
nur einen Schilling ; an he het pur en DrilVmg , und er hat bloss 
einen Dreiling. 

24. Sömöd , söged, sömijn , faarwäir , wjärlick, sind lauter Be- 
kräfligungswörter, von denen nur faarwäir, fürwahr, \xx\d ivjärlick , 
wahrlich, übersetzbar sind. Ja, dö ged! ja du! du solltest wohl! 
Jäiväil, jäwäs, jawohl; ja was ock! warum nicht gar? du wolltest 
wohl! ja nög , eine bejahende Einwilligung. 



349 

22. Forjäws, dmensonst, faar nint an wihsser ninl. Forjiiws, \. unent- 
geltlich, umsonst, als: he lieft me forjiiws däjn , cy hat es mir um- 
sonst gegeben ; däl wä& forjäws , das war vergebens ; faar nint an 
ivlhsscr nint , für nichts und wieder nichts ; dmensonst ist immer 
umsonst. 

23. Aitjnhup , in Unordnung , in Verwirrung , äujnhupprausen , 
äujnJinfbrinrjen ; ävjnhupsmiUen ist noch besonders : die Wehen be- 
kommen , gebären , kreissen. 

24 Gangs, füren. Hörr hast gängs? wie bist du daran? he äs 
man hijn fären, er ist nur schlecht daran; he äs gäujd gängs, 
unlig äujn gauhs A'mslätide , an ick hdn ock gäujd fären. 

25. Äiijnhäi, dän. ihn. Dätwdllme äi äujnhäi käme , es will mir 
nicht beifallcn ; äujtit Sann, im Sinn; nö hel'r wät äujnhäi, nun 
hat er was vor , im Sinne ; auch : loät äujnt Sann. 

26. T6 fälle, gemien, gemein mit. Ja stämmere biese, dät häwe 
'smä enauser tö fälle, sie stottern beide, das haben sie miteinander 
gemein; ick hähw nint mä de gemien, ich habe nichts mit dir 
gemein. 

27. A'm't äiwenst , nid ndwwer Nüjd. — Kaumst tissnög F kamst 
du früh genug? i\ntw. Dät was man dm 't äiwenst , es war nur 
so eben. Köhst dedörkringe? konntest du dich durchdrängen? üät 
ging md ndtvwer Nüjd , es ging mit genauer Noth. 

28. Uttdm , aus dem Hause heraus , siehe oben §. 224 ; iiidm . 
in 's Haus hinein : hähst dät Tjöch indm fangen F 

29. Inaiiwer , dähl , iölifs. Inamver, erst hinein und dann über; 
dähl , hinunter; tölifs, zu Leibe. Von widerlichen Speisen , Geträn- 
ken, Arzneien u. s, w. sagt man: ick kön 't äi inauwer füjn, wo 
das Wort Zunge ausgelassen ist. Vollständig sollte es heissen : ick kön 
'täi inawver 'e Tung füjn, ich kann 's nicht hinein, über die Zun- 
ge bringen; ick kön 't äi dähl füjn, ich kann's nicht hinunter 
bringen ; he hei cn hiel Fat füll Bräi tölifs set , er hat eine ganze 
Schüssel voll Grütze zr. Leibe gesetzt; aber Ite ivdll nie tölifs, er 
will mir zu Leibe. 

30. Töfäjtts , töbijns. He äs lägt töfäjtts , er ist leicht zu Fusse , 
geht leicht; he äs flink töbijns, flink auf den Beinen ; huhm töfäjtle 
fällen, einem zu Füssen fallen. 



550 

31. Tögöngs , tütögs , tölups , äw'e Glähs. Togöngs , in Gang; 
äujti 'c Gong , im Gange ; wät mäujti tögöngs , wir müssen gehen , 
uns auf den Weg machen ; fuhg jö Klöck tögöngs , setze die Uhr 
in Gang; tötögs, in Zug, im Zuge; läßt hdm man järsl tötögs käme, 
lass ihn nur erst in Zug kommen ; Iie äs gäujcl tötögs , er ist gut 
im Zuge; he äs äiv 't Tag, im Zuge; tölups, zu Lauf setzen , 
Reissaus nehmen; ätv '<? Glähs, von glklden , gleiten; ivdt äiv 'e 
Glähs bringen, etwas in Gang, auf den Glitt bringen; nö äs't äw'e 
Glähs, nun ist 's im Gange , im Fortrücken; ild Häjnste selten tölups , 
ds'e Trommel hierden, die Pferde gingen durch, als sie die Trom- 
mel hörten. 

52. Töhäujnne, hirrütt. Töhäujnne, wörtlich: zu Händen, aber 
aus einem engen Behältnisse, einem Loche, einer Rinne u. s. w. 
hervor, als: kam töhäujnne! komm hervor! hähst 't töhäujnne 
fangen ? hast du es herausgebracht , hervorgezogen ? hirrütt , 
heraus. 

55. ^Aw äiwensljögte , fon hdm sellew. ^Aw äiivensljögte , ohne alle 
Veranlassung , ohne eine erkennbare Ursache , als : he feil äiv 
äiivensljögte , er fiel ohne Veranlassung dazu ; he slaug mo äiv 
äiwensljögte , er schlug mich ohne die geringste Ursache dazu ; 
dät kaum äiv äiwensljögte , es kam von selbst , z. B. ein Leibes- 
schaden , ein Seitenstich , ein geschworener Finger u. dergl. ; fon 
hdm sellew , oder auf hdm sellew , von selbst. 

54. Delewäis , delebäi. Delewäis , niederwegs , unterhalb des 
Weges; delebäi, unten an, entlang, unten längs hin; shdn wdt 
dör 't Törp, unlig delewäis? sollen wir durch 's Dorf oder unten hinum 
gehen ? deleiväis bogen , niederwegs wohnen. Das Gegentheil von 
delebäi ist baawen dm , oben um. 

5o. Dähläujn, erst nieder und dann hinein, als: ledd'tdähläujn't 
Shüff , leg es in die Schublade nieder, nd. daal in. Dähläujn 
(untrennbar) ist der eigenthümhche Ausdruck für einplumpen , in 's 
Wasser fallen , als: he feil dähläujn, er plumpte hinein ; bäi 't Shurre- 
luppen hähiv ick öfling däliläujn ivähn , beim Schlittschuhlaufen 
bin ich oft eingebrochen gewesen. 

56. Aujtitlängs , längs, üttbäi. Aujntlängs , entlang; längs, längs; 
üttbäi, gerade aus und zugleich an der Seite von etwas hin. 



351 

Davon nun die Ausdrücke : längs 't Törp , üUbai't Törp , und HTörp 
äujntlängs gongen. 

57. Ä'm'tijns, dm 't seUew, faar't sellew. Alle drei Wörter 
bedeuten etwa: gerade darum, eben deswegen (dän. for det 
samme), sind aber unübersetzbar. Anwendung: ick räisd am'tijns 
tö Sldswick , äs jö Catalani dirr sjonge sliävjl , icb reiste bloss des- 
wegen nach Schleswig , um die Catalani zu hören ; he det H am'- 
ty«s, er thut 's vorsätzlich, aus Trotz; lüjlt unk dni" tijns hänegonge , 
lass uns bloss deswegen hingehen ; dm 't sellew , eben deswegen ; 
faar 't sellew, 4. darum, 2. mit in den Kauf. 

58. Dirr faar , dirrdm. Dirr faar , 4. daher, deswegen, 2. dafür, 
und davor ; dirrdm , deshalb. 

59. Ja und ja! Jd bejahet unbedingt , jä oder jäh bedingt 
und zweifelnd, wie das dänische ja und jo ! — Wäht ddnn gaar äi 
indF willst du denn gar nicht mit? Antw. Jäh, ick liew , ick 
gong doch md , ja, ich glaube, ich gehe doch mit. 

40. ilift IFa//e , mit Willen , faarsdtslick, vorsätzlich; am' /(;«s, s. 57. 

41. Bei Ortsveränderungen hat man meistens bestimmte Umstands- 
und Verhältnisswörter, als: dm tö mdn Näiber, um zu meinem 
Nachbar , wenn man um das eine Ende seines eigenen Hauses 
gehen muss ; auwer tö mdn Näiber, über zu meinem Nachbar, 
wenn die Thüren einander gegenüber liegen; aiiwer tö Näibäujl , 
über nach Niebüll , weil der Weg über 's Feld geht ; dp tö Näibäujl, 
auf zu, weil man es sich dann als höher liegend denkt; dähl tö 
Nördrihsscm , hinunter nach Nordriesum ; iltt tö Företöft , weil der 
Weg dem Meere zu gehl; ütt äujn'e Knch oder Kiig , in den Koog; 
dp dw 'e Gast, auf die Geest hinauf; dm tö Lönhälm, um nach 
Lindholm ; dähl äiv 'c Sträujnn , hinunter auf Nordstrand ; dw 
Pöllwäirem , nach Pellworm ; dähl dw 'e Hällige , hinunter auf die 
Halligen ; tö Tunner, tö Flänsburrig , nach Tondern , nach Flensburg. 
Andere sind wieder wie im Deutschen, als: he ging hirr faarbdi , 
er ging hier vorbei; he gi^ig faarbdi min Hüss, er ging an meinem 
Hause vorüber; he ging min Hüss faarbdi, er ging mein Haus vor- 
bei, übersprang es, nahm es nicht mit, übersah es; dät'snö faarbdi, 
es ist nun vorbei ; dät 's faarbdi md hdm, es ist aus mit ihm. 



352 

§. 228. Bei den ümslandswörlern und uinstandswörüichen Re- 
detheilen überhaupt haben wir , nach dem Vorausgegangenen , 
nur noch von der Stellung derselben im Satze und von ihren 
Verhältnissen zu andern Wörlerklassen das Wesentliche anzu- 
führen. 

Sie stehen nämlich bei Haupt- und Fürwörtern, bei Beslim- 
raungs- und Zeitwörtern, so wie bei allgemeinen Zahlwörtern, 
und zwar vor oder nach denselben, im Satze, als: Gödd ällieno 
de ihre ! Gott allein die Ehre ! dö maust de besonners äujn äyt 
itäme , du musst dich besonders in Acht nehmen , oder : besonners 
dö maust u. s. w^; tvänn he man järst ijnsen kamt, wenn er nur 
erst einmal kommt; däl äs dmentränt en Ellen long, 'das ist 
ungefähr eine Elle lang; dät's nö ball en Ihr sunt, es ist nun bald 
ein Jahr her (seit); dät's bäinäi, ungefähr Aagedege sunt, es ist 
beinahe, ungefähr acht Tage her; he was en läiet bcdröwwet , er war 
ein wenig betrübt; jö was sierem llehs, sie war sehr mild; dätds 
grihsslick kävjl , es ist gräulich kalt; he wort bull erm, er wird bald 
arm ; jö äs iingemien flijttig , sie ist ungemein fleissig ; he kämt 
ball, am en läiet, mjärne, was, forligt , noch elli7ig , noch ijnsen, 
er kommt bald, nach einer Weile, morgen, gewiss, vielleicht, 
noch heut Abend, noch einmal; jö slürw näjlke, sie starb neu- 
lich; hc lüpp hirr dmbäi, er lief hier umher und herum; jö wäll 
äi mä, sie will nicht mit; dät Brüjd äs dp, das Brot ist auf; 
jö Döhr äs äp, oder amen, die Thür ist auf oder offen; de Song 
äs ütt, das Lied ist aus; de Häiijdd äs wäg, der Hut ist weg; 
de Häujdd äs äio , der Hut ist auf; jö Hüll äs auf, die Mütze ist 
ab ; jö Tkld äs am , die Zeit ist um ; de Dring äs mä , der Knabe 
ist mit; de Hünn äs noch äw äderegge, der Hund ist noch hinten; 
he äs noch löbähg, er ist noch zurück; de Paiirte äs tö, die Pforte 
ist zu; dät Battrd äs dör , das Brett is durch; jö Shaahs äs faar, 
der Riegel ist vor ; man Stäiwel äs äujn , mein Stiefel ist an ; 
he äs äujnstöhg , er ist entzwei ; jö Fläg äs auwer , der Regen- 
schauer ist vorüber ; he äs änföre , er ist vorne an , u. s. w. — 
Zusammengesetzte Zeiten bewirken eine andere Stellung des 
Umstandswortes, als: he äs dilling slürwen , er ist heute gestor- 
ben ; jö shäll änjörsne Memmen wcse , sie soll gestern gekommen 



sein; ick häkw hayn oller säjti , ich habe ihn nie gesehen; ickfiäliw't 
de all öfling säid, ich habe es dir schon oft gesagt. — Fangt das 
Umstandswort den Satz an, so folgt das Zeitwort unmittelbar 
darnach, als: kaurllicks stürw man Fidder, kürzlich starb mein 
Vater; md wdn's äi , mit wollen sie nicht; wäg iväs'r , weg war 
er; äujnnet sdn's älllidd, ungezogen sind sie immer, oder: älltidd 
sän's äujnnet , immer sind sie u. s. w, — Fangen Mittelwörter 
oder Bestimmungswörter den Satz an , so tritt das Umstandswort 
an 's Ende desselben, z. B. fornäigd äs'r oller, vergnügt ist er 
nie; fähs hast älllidd, unartig bist du immer (nur zu Kindern); 
allere wort'r tösieens, älter wird er Zusehens; ütlsläipen häi's all 
longens , ausgeschlafen hatte sie schon längst; fläid ds'r öfting, 
geputzt ist er oft; ndilick sdn's sierem , neugierig sind sie sehr; 
dpstijnnen sdn's noch di , aufgestanden sind sie noch nicht. 

§. 229. Durch die Stellung der Umstandswörter wird der 
Sinn der Rede oft verändert, worauf man genau achten muss, z. B. 
dö ülliene kaast dät düjn , oder : älliene dö kaast 't düjn , oder : 
dö kaasl't älliene düjn: du allein kannst es thun; allein du kannst 
es thun, und: du kannst es allein thun. Wäirdftig , mdn Brauscr 
het lägen, wahrhaftig, mein Bruder hat gelogen; mdn Brauser 
hei wäirdflig lägen , mein Bruder hat fürwahr gelogen. Dö for- 
mausentlick hälist hdm en Sträg spälet , du vermuthlich hast ihm 
einen Streich gespielt; formausentlick dö liähsl Iidm u. s. w. , ver- 
muthlich du hast u. s. ^y. ; dö Jiähst hdm formausentlick u, s. w. , 
du hast ihm vermuthlich u. s, w. He het long di släipen , er hat 
lange nicht geschlafen; di he het long släipen, aurs de ausere, 
nicht er hat lange geschlafen, sondern der andere; he het äi long 
släipen, er hat nicht lange geschlafen. Tö ^rbed, di lö Lähsiggong, 
zur Arbeit, nicht zum Müssiggang; tu ^rbed di, tö Lähsiggong, 
zur Arbeit nicht, zum Müssiggang. Gödd, di de Mänshe, regieret'e 
Wräll , Gott, nicht der Mensch, regiert die Welt; Gödd äi, de 
Mdnshe regieret 'e Wräll, Gott nicht , der Mensch regiert die Welt. — 
Obgleich selten Wortverbindungen der angeführten Art vorkom- 
men, die nicht in beiden Sprachen übereinstimmen, so giebt es 
doch immer einzelne Ausnahmen , wie z. B. der Satz : « du hast 
auch dieses gesagt," kann im Friesischen nicht heissen : dö kähst 
ock dät säid ; denn diess wäre ganz krebslings gesprochen ; son- 

45 



5ä4 

dern es rauss heissen : ock du liähsl't säid, oder du inifist't ock 
säid, oder: dö ock hähst't säid, je nachdem der wahre Sinn her- 
vorgehoben werden soll. Dagegen aber wohl : dö Iiülist ock dal- 
sellei'j säid, du hast auch dasselbe gesagt, wieder verschieden von : 
dö hähst't ock sellew säid, du hast es auch selbst gesagt, 

§. 250. Wenn die Wörter wirr, wo, und wäiinc , wann, so 
wie die meisten mit wirr zusammengesetzten, den Satz anfangen , 
so stehen sie allemal fragend, als: wirr ds lie? wo ist er? wirr 
hähst wähn F wo bist du gewesen? frag hdm, wirr'r wähn het , 
frage ihn , wo er gewesen ist ; wirräw hältst 't läid , worauf hast 
du es gelegt? ivirrävjn het 'r 'tßklF worein hat er 's gefüllt? 
wirrdm loäht äi md? warum willst du nicht mit? wirrdör ds he 
rieh xvürdcn? wirrauf wiest dö düt? wirrfon käme's? woher kom- 
men sie? wirrmd hähst dät mäget? womit hast du das gemacht? 
wirrbäi kaast dät tvähseP woran kannst du das erkennen ? wirrtö 
wäht 't brücke? a\ ozu willst du es gebrauchen ? — Wanne kämst 
töbähg? wann kommst du zurück? wanne wäht räise? wann willst 
du reisen ? u. s. w. 

§. 231. Bei Fragen setzt man, wie im Deutschen, oft das 
Umstandswörtchen äi, nicht, als: tväht äi md? kaast äi gonge? 
äs't äi sä? köhs ick't axirs möge? konnte ich es anders machen? 
höhst' t äi aiirs mäge? wälit inkäme? iväht äi inkäme? kön dät 
Bjärn äi släipe? äs't äi wäir? kön de Jönge dünn gaar äi kdrke? 
wäht dö't me äi sägt scddel mäi's äi ähsc? mag sie nicht essen? 
het's't äi heive wäjlt? hat sie 's nicht haben wollen? — Auch in 
Sätzen, Avie folgende: hörr klauck dö äi bäst? wdt dö äi alles 
wiest! wie klug du nicht bist! was du nicht alles weisst! 

§. 252. Wenn man durch die Wörter: nint , oller, niemmen, 
nän und m'jn — nichts, nie, niemand, keiner, kein und keine — 
etwas verneint, so gebraucht man diese Wörter im Nordfriesischen 
bald richtig, bald unrichtig, als: ick hähw nijn Gijl , nän Rock, 
nijn Briijd an nijn Frünne, ich habe kein Geld, keinen Rock, 
kein Brot und keine Freunde. Aber fehlerhaft sind folgende 
Sätze, wie man sie täglich und allgemein sprechen hört, als: 
he säit oller nint, er sagt nie nichts; he wäll oller nint, er will 
nimmer nichts; Jic het me oller nint däjn , er hat mir nie nichts 
gelhan; jö wäll oller nint sedde , sie will nimmer nichts sagen; 



dirr's oller niemmcn inne, nie niemand zu Hause; idi hä/iw oller 
mn Gräinläujnner siijn, nie keinen Grönländer; he wijl oller nint , 
er weiss nie nichts u. s. \v. liier müsste statt wm/ — iviit , statt 
niemmen — hiihm, und statt nän — an oder en stehen. Von reisenden 
deutschen Handwerksgesellen habe ich indessen die INordfriescn 
hierin noch übertrelfen hören, indem sie z. B. sagen: da \s\, nie 
keiner nicht zu Hause. — Dagegen spricht man immer richtig: 
he dsäi inne, er ist nicht zu Hause; he äs oller äjli'e Hühs, er ist 
nie zu Hause, oder nie daheim, sondern abwesend, oder auswärts. 
Dasselbe gilt von verneinenden Zeitwörtern, als: forbijclden , 
verbieten; löchnen, leugnen; Iwiwweln, zweifeln; forhännern, 
verhindern u. s. w. He forbüjd me, dät ick't äi düjn shävjl, 
er verbot mir, dass ich 's nicht ihun sollte; hier müsste äi wes- 
fallen. Dagegen sind folgende Sätze richtig: he forbüjd me 't tö 
duhcjgen, er verbot mir 's zu thun; ick twiwwel , dät'r kämt, ich 
zweifle, dass er kommt; he löchnet, dät'r't säid hei, er leugnet, 
dass er 's gesagt hat; lie forkdnnert me, dät töduhggcn, er verhin- 
derte mich (daran) , es zu thun, 

Zusammenziehungen . 

§. 255. Bei vielen Umstandswörtern finden dieselhen Zusam- 
menziehungen statt, die wir bei den Für- und Zeitwörtern vor- 
gefunden haben, und es sind hier wie dort die Geschlechts- und 
Fürwörter , die abgekürzt und den Umstands- und Verhältniss- 
wörtern angehängt werden. Ein angezogenes e steht hier als 
Zeichen für das männliche und weibliche Geschlecht und für die 
Mehrheit, so wie für die Fürwörter derselben Geschlechter und 
derselben Zahl, anstatt de, jö und dd, so wie für he, jö. Ein 
angezogenes r hezeichnet die dritte Person im männlichen Ge- 
schlecht, und vertritt das Fürwort he; ein angefügtes s bezeich- 
net das weibliche Geschlecht und die dritte Person der Mehrheit , 
anstatt jö, dd und jd; und t das sächliche, anstatt dat und hat; 
ein zugefügtes m vertritt das Fürwort huhm (man und wer). 
Man muss die angezogenen Buchstaben immer so lesen, als ob sie 
mit dem Worte, dem sie beigesellt sind, wirklich verbunden 
wären, wie z. B. änjn'c, lies: äujnnc; nnner't, 1. unnert; äw't, 1. äwf; 



äw's, 1. üu'S ; wlrr'e, 1. wirre; ivirr'r, 1. wirrer; dirr'e, 1. dirre ; 
dirr'r, 1. dirrer; dirr'l, 1. dirrt; dirr's, 1. dirrs; wirr's, 1. lüirrs 
u. s. w. — Beispiele: 

ihr, ehe: ihr'e, ilir'r, ilir's, ihr't, ihr'm. 

sunt, seil: sunt'e, sunrr, siinl's, sunt'l, sunl'm. 

bitt, bis: hitt'e, biU'r, Ulfs, hilft, hitfm. 

ds , als: äs'e, äs'r, äs, äs't, ds'm. 

hörr , wie , wenn: Äorr'e, Iiörr'r, hörr^s, hörr't, Itörr'm. 

wirr, wo, ob: luirr'e, wirr'r, ivirr's, ivirr't, wirr'm. 

wann, wenn: tvänn'e, ivänn'r, wänn's, wdnn't, wänn'm. - 

dirr , da: dirr'e, dirr'r, dirr's, dirr't, dirr'm. 

Anwendung. — He kaum ihr'e Tidd dm iväs , er kam, ehe die 
Zeit um war; ihr'r dät däi , ehe er das ihäte; jö möst hdr järst 
äiijntijn, ihr's häme köhs, sie raussle sich erst anziehen, che sie 
kommen konnte; ihr's dal filngen häjn, bevor sie das empfangen 
hatten; ihr's't füngen, ehe sie's empfingen; ihr'm käme, bevor 
ihr kommt; ihr'm so ivdt det , mävjlf m huhm doch järst betanke, 
ehe man so was thut, muss man sich doch erst bedenken; 
lie stöhs dp, ihr't Däi würd, er stand auf, ehe es Tag ward; 
ihr't Enne , vor Abend; ihr't ällclähs worl, ehe es zu spät wird; 
sunt'e Paashe, seit Ostern; sunfr äupfe Mäislinge läi , seit er 
an den Masern danieder lag; sunl's töbähg kiemmen ds, seitdem 
sie zurückgekommen ist; sunt't sndid het, seitdem es geschneit 
hat; sunfm'r nint fon hierd het, seitdem man nichts davon gehört 
hat. Ebenso mit hörr, wirr, dirr, u. s. w. Bei den übrigen, 
die auch als reine Verhällnisswörter stehen, finden wir nur die 
beiden Geschlechtszeichen e und / vor, als: äw't Ekre , auf den 
Aeckern; ätv'e Shew, auf dem Tische; unner'e Bank; unner't 
Wünning, Fenster. Das Wörtchen ds (als) bekommt im weiblichen 
Geschlechte und in der Mehrheil kein weiteres Geschlechtszeichen, 
weil es sich schon auf s endigt; as dirr wähn häi, als sie da 
gewesen war; äs dät säiden, als sie das sagten, u. s. w. Das 
Zeilwort giebt hier allemal die Einheit oder Mehrheit zu er- 
kennen. 



NEUNTES CAPITEL 

DAS VERHÄLTNISSWORT (Praepositio) 



§. 234. Das Verhältnisswort ist eigentlich ein Umstandswort, 
hat aber das Eigene an sich, dass es Gegenstände mit einander 
in ein gewisses Verhältniss setzt, und mit den Endungen e, t, 
und cn verbunden wird , als Zeichen des Geschlechts und der 
Zahl, als: äw'e Tele, auf der Diele, dem Fussboden; äw't Hüss , 
auf dem Hause; äw'e Hültssinge , auf den Häusern; ätv'en Priick, 
auf ein Haar, u. s. w. 

Die Verhältnisswörter sind folgende: 

1. Aane , ohne; 2. dnädre , hinter, hinten; ö. an före ,' \or , vorne, 
voran; 4. dm, um; trinndm, ringsum; ^.äjtt, z-i, in, an, engl, at; 
djyäjtt , iiiäjU, däliläjtt; 6. dp, auf, in die Höhe; dpäw , aufauf; 
dpdm, aufum; dpbäi , aufbei; 7. auf, ab, von, dän. af, engl, of; 
8. äiijn, in, ein, hinein, an; inätijn, dpäujn, dmäiijn, faaräujn , 
bdnrieiwjti, dählmjn; 9. miwer, über, dän. und engl, over , nd. 
öwer; dpauwer, dählautver; autverbäi, amverijn, auiverfaar, baa- 
wenaiiwer, oben über u. s. w, ; 10. auiverfaar, gegenüber, nd. 
öwerför, dän. overfor, engl, over against; 11. amverijn, übcrgegen — 
auch gegenüber. 12. dw, auf, am Orte befindlieh; dpäw, aufauf, 
dän, op paa, engl, upon; 13. äwehirregge, diesseit; 14. dwejdnner- 
egge , jenseit, auch bdijante , engl, beyond ; 13. baawenäw , oben 
auf, nd. baawen op , dän. oven paa; 16. baaivne , oben, nd. baa- 
wen , engl, above ; auch oberhalb; 17. bdi , bei, nd. bi , dän. 
ved , hos, bi , engl, by; 18. bdnne , binnen, innerhalb; \9.bdnne- 
faar , innerhalb; 20. büttefaar , ausserhalb; büttebdi, bülteäw , 
bütlcäm; 21. dör {dölir), durch, nd. dör ; 22. delebäi , unterhalb; 
deledm, unten um; 23. eßer, dän. efter, engl, after; 24. faar, 
vor und für, dän. for; äujntstälis faar, anstatt; 25. faaraane, 
ausser, ohne; 26. fon, von; 27. faarbdi, vorbei; 28. formiddelst , 
vermittelst; 29. hänijn , gegen, engl, against; besonders von der 
Zeit ; 50. 'ijn , gegen ; dpijn , gegenan ; ÖAijnfijn , engl, against ; 



358 

ilujuhnäujl , entgegen; ZI. längs, längs, dän, längs med , engl, 
along, alongst; 32. wd, mit; 53. näist, nächst; iönäist, zunächst; 
näistbäi, näisteßer; 54. sunt, altd. sint, dän. siden , engl, since; 
DO. tö, zu, nd. to , engl, to; 36. töäw, zuwärts; tömä , awlö , 
i. auf zu, auf los; 2. als Zugabe (etwas bekommen); töwädderne, 
zuwider; 57. iUt, aus, dän. ud , nd. ut, engl, out, out of : 
ütthäi, ültfaar , iilldm, ültmjn, üiläw, üUlängs, ütlauf, üUauwer ; 
38. trots, trotz, dän. trods; 59. unner, unter; unnermädde , 
nnncnnd; 40. m, ein, dän. ind , engl, into; iiiäujn. 

§. 235. Da die Ycrhältnisswörter, im eigentlichen Sinne ge- 
brauclit, immer Raum- und Zeitverhältnisse anzeigen, so könnte 
die Anzahl derselben , durch eine Menge einfacher und zusam- 
mengesetzter Umstandswörter, welche diese Verhältnisse bestim- 
men , noch bedeutend vermehrt werden , was hier aber über- 
flüssig sein würde, indem das Wichtigste davon bereits vorge- 
kommen ist. Wir wollen daher den Gebrauch der vorstehenden 
hier etwas näher kennen lernen. 

§. 236. ''Ali', auf; dän. paa, engl. on. 

i. ^Aw bezeichnet erstlich die obere Stelle eines Gegenstandes, 
wo sich etwas befindet, als: äw'c Bäirig ; de Bälle läit äw't 
Hüss; he feil tm't Jss; jö gongt äw'e Straate; äw'e Stijnbrö, auf 
dem Pflaster; äw't FäJ/l, dem Felde; äw'e Löfl, dem Boden; lie 
äs äw'e Jagt, he läit äw'e Bäilis , äs äw't Shäiijl, ist auf der 
Schule; fie sdlt me äw'e Begg ; ick spät äw't Klavier; he äs äw'e 
Baan , ätff't Spar, äw sin Pläss; dd Siälre äw'e Hammel, am 
Himmel; he hei nijn Kluhse uw'e Kröpp, er hat keine Kleider am 
Leibe; he slönt äw'e Spring, er steht auf dem Sprunge; Shur 
äw'e Fäjtt hewen, Schuhe an den u. s. w.; dät Bark äw'e Buhmm, 
die Rinde am Baume; jö slönt, läit, blaß äw ijn Stähs , sie steht, 
liegt, bleibt auf einer Stelle; dät Bill ds äw't Uch kläwet , an 
die Wand geklebt; huhm äw wdl brännen, sieh an etwas brennen; 
he Vieri äw sdn Lachse, äw'en Song, er lernt an seiner Leclion , 
an einem Liede ; dd Hinge äw'e Bohr, die Angeln an der Thür; 
jö Tdnn läit äw'e Hijlling , die Tonne liegt auf der Neige; Böhser 
äw't Brüjd ; äw'e Droge wesen, in oder auf dem Trocknen sein; 
äw'e Dick käiren, auf dem Deiche fahren; äw't Wähser sillen, 
auf dem Wasser treiben; äw'e Icefl Häujnn , zur Linken; äw'en 



359 

Spicker hängen, an einem Nagel hani^en ; äw'e Bare dre<jon , auf 
der Bahre fragen; äw'c Slidmmel ruhlen, auf dem Schimmel reiten; 
mv'e Sidd hiddcn, auf der Seile liegen; mv'n Sfidp bdgqen , 
an einem SehifTe bauen; äiv'en Höhs prägein, an einem Strumpfe 
stricken; aw'cn Briüf sliriwwcn , an einem Briefe schreiben; dät 
sliäid äw'cn Sandäi , es geschah an einem Sonntage; dät ds thv't 
Market , äw 't Apotliek , dw 't Pöstlims tu fuhggen ; hulim mv 'en 
Knöppnell r'mxven, sich an einer Stecknadel ritzen; itiv'c Käst bäi 
hufim wesen , bei jemand in der Kost sein. Dät ds äiv'en Rage 
mä kam, 4. er faselt, redet irre; 2. er ist ganz herunter ; äiv wät 
hächcn , ohmen, pusten, blaasen , liieren, sluliggen, fallen u. s. w,, 
auf etwas hauchen, alhmen , pusten, blasen, hören, schlagen, 
fühlen. 

2. Eigentlich und uneigentlich bezeichnet äw eine Richtung 
auf einen Ort zu, oder auf einen Zeilpunkt hin, und erleidet 
eine mannigfaltige Anwendung, als: l>e ds äw'e Wönter belögt, 
er ist auf den Winter bedacht; Iie jaget iin Tjöch inv'l Gjärs , 
er treibt sein Vieh auf's Gras; äw huhm täiwen, auf jemand 
warten ; Iie lörret äiv jölir Prifisse , er lauert auf theure Preise ; 
forläjtt de äw Gödd ; äw de Linve ds'r krästent , auf de7i Glauben 
ist er getauft, wörtlich: gechristnet; äw din Urd wäll ick't xvaage, 
auf dein Wort will ich's wagen; Iie lijnt äw Päujn , er leiht auf 
Pfänder; he baurigt äw man Nome , er borgt auf meinen Kamen; 
äw ivdt üglen , auf etwas achten; äw huhm sh eilen , kiwwen, auf 
jemand schelten , keifen ; he äs wriess äw me , er ist böse auf 
mich; dät ging äw gauhs I.öck, das ging auf gutes Glück; äw'en 
In fäll kämen, auf einen Einfall geralhcn; äw ßedregeräi tanken, 
auf Betriegerei denken; he släit't äw tien Daalere äujn , er schlägt 
es auf zehn Tlialer an; dät gongt äw Düss an Läwent , das geht 
auf Tod und Leben; ivät äiv't A'pböd selten, etwas zur Versteige- 
rung (zum Aufgebot) stellen; äiv'l ^/rbed gongen; forpäkket äio 
wät wesen, erpicht auf etwas sein; äw tjüsk , äw dünsh , äiv 
holläiijnsh , äw frdsh, äw aingeJsh , auf deutsch, dänisch, hollän- 
disch, friesisch, englisch; äw'en Prdck dräiven, auf ein Haar 
treffen; äw'e tred Jläujnn , auf die dritte Hand; ,/ägf (hü /uint, treibe 
ihn an; wät äw tö käwwcn hcwcn; äw sin üjlle Dcge , auf seine 
alten Tage; hr fahrt äw Hollänjnn, er fährt auf Holland; äw längs 



560 

ledden, der Länge nach legen; äw twdrrs, der Quere nach; äw'e 
Shrädde , auf der Schräge; äiv'e Gichel, äw'e Flaait spälen , auf 
der Geige, auf der FJöle spielen; du hast äi äw dän Sträg, bist 
nicht bei Laune; äw'e Glähs wesen, im Schub sein; jö Döltr 
stönt äw'e Kldink, die Thür steht angelehnt, auf der Klinke; 
äw Räjdd fintien , Ralh, Auswege finden; äiv huhmsen Post wesen, 
auf seinem Posten sein; äw'e Ldjngde, auf die Länge; äiv Aagcdege, 
auf acht Tage; äw'en Ihr, auf ein Jahr; äw drhen Fäll, auf jeden 
Fall; äw't Redhüss, auf dem Ralhhause; forläjtt de äw me, äio 
lidm, verlass dich auf mich, auf ihn. Abweichend sind folgende: 
he äs ätv'e Näigde , in der INähe; hörr gongt 't äw'e Nänjlte? 
nach welcher Melodie geht es? äw'e Lägte, auf eine leichte 
Weise, leichten Fuss; äw'e Mall, auf der Mitte; äw'e Nirregge , 
diesseit, näher; äw'e widderegge, jenseit, weiter ab; äiv't näist, 
auf's nächste; äiu't best, auf's beste; he läit hdm äw'e Spräiche , 
er legt sich auf die Sprache , oder auf die Sprachen ; im 
Dänischen legt man sich darnach [efler): at lägge sig efter Viden- 
skaberne, sich auf die Wissenschaften legen. 

§. 257. A'päw , aufauf; dän. op paa , engl, lipon. 

A'p bezeichnet immer die Richtung nach oben und äw hier, 
in diesem Compositum, das auf der Oberfläche eines Gegenstandes 
ruhende oder sich befindende , woraus sich zugleich das aufauf 
erklärt, wo das erste auf A'ie, Richtung, das zweite den Ort des 
Hingclangens und dann des Defindcns bedeutet, wo wir im Deut- 
schen beides zugleich durch den vierten Fall bezeichnen ; auch 
kann äpäw immer nur von wirklichen Dingen oder Gegenständen 
im Räume gebraucht werden, als: help me apäw'e Hajnst, hilf 
mir aufs Pferd; he ds äpäw'e Löft gingen, er ist hinauf auf den 
Boden gegangen; äpäw't Hüss, auf's Haus; ick wäll dpäw'e Bäirig, 
ich will auf den Berg (hinauf), Vergl. äj)äjU, dpäujn , öpbäi , 
dpijn , dpfaar , dpauwer , dpunner : s. % 227, N. 8. 

§. 258. Am, um. 

Am, um, steht 4. wie im Deutschen, als: dm't Hüss gongen; 
dm't Haad binnen; huhm äm't LiJJ nämen , jemand um den 
Leib fassen ; dm Gnähse bädden ; am Gijl spälen ; dm' e Ihre 
kempcn , um die Ehre kämpfen,- dm Gunst bddden; äm't Bögt 
stridden; dm't Min an T)in , um's Mein und Dein; dm Forlöf fragen, 



561 

um Erlaubniss ; ja sträwe dm en Urd, sie streiten um ein Wort; 
hörräsH de äm'l HdrtP wie ist's dir ujii's Herz? dät tvüs dm jösel- 
lew Tidd, es war um dieselbe Zeit; de Hanpp sät dm'e Tann, 
der Reif sitzt um die Tonne; dm'e Iljäru kieken, um die Ecke 
gucken; dm'e Wäjl gongen, um den Weiher gehen,- dm Tdles äujn'c 
Wräll di, um alles in der Welt nicht; lie gälU dm sin Banck , er 
weint um sein Buch; däl grämt mc dm de, es grämt mich um 
dich, oder: du dauerst mich; dm nint an wilisser ninl, um nichts 
und wieder nichts; dm ivdt säjcken, um etwas suchen; dm Imhm 
Wesen, um jemand sein. 

2. Bezeichnet dm einen Verlust, eine Beraubung, als: dm' l Li ff 
harnen, um's Leben kommen; lie kdmt dm'n Hüls, er kommt um 
den Hals; he fiet me dm alles brSgl, er hat mich um alles gebracht. 

3. Steht dm für von, nach, als: he driemd dm gäiijllen Bäirige , 
ihm träumte von goldenen Bergen; he hei groll Tögte dm hdm sei- 
low, er hat grosse Gedanken von sich selber; liähst wdl dm'e Krick 
hierdF hast du etwas vom Kriege gehört? j(i snäkelen'r dm, sie 
sprachen davon; wirr segst dm? oder: dm iväl segst döF um was, 
oder wornach suchst du? ick säjk dm mdn Slöck, um oder nach 
meinem Stock. 

4. Am Däiem, dm Näglem, dm Mdddäiem, dm Ennem, dniMjdr- 
nem, dm Sdmmerem , dm Wonterem u. s. w. , am Tage, oder des 
Tages, in der Nacht, oder des Nachts, des Mittags, des Abends, 
des Morgens, des Sommers, des Winters. 

ö. Ferner: Ja Treel läpl Irindni hdr sellew , die Triele (runde 
flache Scheibe) läuft rings um sich selbst; dd Buhmme stäujnne 
trindm'l Hilss; dmentränt, ungefähr. Umstandswörtlicli: hier dm! 
kehre um! binn de Daiick dm, binde das Tuch um; dm an dm, 
um und um; tie de dm, zieh dich um; sie de dm, sieh dich um; 
hejeß'r ninl dm, er giebt nichts darum, mag es nicht; dö snäkest 
trindm, du sprichst rundum, im Zirkel; daher: dät Trinndmsnäk, 
der Rundumschnack; de Trinndmsnäker , der Rundumschwätzer, 
und das Verbum Irinndni'erukcn, so wie das Subst. de Trinndm'e- 
ruk, wörtlich: der Rundumdenschober. — A'm't lest kdmt'r doch, 
endlich und zuletzt u. s.w. A's'r wdl dm? ist etwas daran? 
nämlich wahres an einem Gerüchte. Jö Tidd äs dm, die Zeit ist 
um. — Am so faale ihr, dm so faale mörr , Idgtere, bähsere , 



liijunerc, um so viel eher, mehr, leichter, besser, schlechter; 
dm en Stünns Ticld, am Aagedege , dm en Aagcdege , nach Verlauf 
einer Stunde, nach acht Tagen, nach etwa acht Tagen. 

Die Ausdrücke: du hättest es um ein Haar (breit) getroffen, 
um einen Tag zu spät, um einen Zoll zu kurz u. s. w. , kann man 
wörtlich nachbilden, und auch dm hier weglassen, als: dät 's dm 
en hiel Jollen ällelöng , oder en Ellen ältelöng. 

§. 2Ö9. ^Aw, fon, aime7\ efter, bäi und faar sind in verschiedenen 
Beziehungen mit dm sinnverwandt, als: I^e gTdlt ihn sdn Brauscr 
und he gällt auwer sdn Brauser, er weint nm seinen Bruder, weil 
er ihn verloren hat, und er weint über ihn, weil dieser ihn etwa 
beleidigt hat. Am en Urd und auwer en Urd sträwen , um und 
über ein Wort streiten, jt'm wdt fragen und efter wdt fragen , 
um und nach etwas fragen. Ick frägW nint efter, ich frage nichts 
darnach; dät kön' r menint dmshijtte, ich mag 's nicht, schere mich 
nicht darum. Hähst'r wdt dm hierd? hast du etwas darüber 
erfahren? hähst'r wdt auf hierd? hast du selbst etwas davon mit 
angehört? hähst'r ivdt fon Inerd? hast du überhaupt davon spre- 
chen hören? ick hierd' t auf hdm , unmittelbar von ihm, aus sei- 
nem Munde; ick hierd' t dm liäm, es betraf ihn; ick hierd' t fon 
hdm, ich hörte es von ihm sagen, andere sagten 's von ihm. Am 
wdt säjcken und efter wdt säjcken, um und nach etwas suchen; 
dm huhmscn Ihre kempen, um seine Ehre kämpfen , die Ehre ist 
hier das zu erringende Ziel; faar sdn Ihre stridden , für seine 
Ehre streiten, um sie zu bewahren, oder um sie nicht zu ver- 
lieren; dm en Daaler gongen, um einen Thaler gehen, ihn zu 
holen: faar en Daaler gongen, um ihn zu verdienen; hdi en Prdck 
drdwen , um ein Haar breit treffen; dw en Prdck, auf ein Haar, 
gerade auf den Punkt. Am en läiet , nach einer kleinen Weile; 
efter en läict, dasselbe; faar en läiet, so eben; dm'e Naurde, dm'e 
Sühsse, Weste, ^ste, gen Norden, nach Norden, Süden, Westen, 
Osten. 

§. 240.4;«; dän.ad, engl. rt«. 

Ajtt steht 4. für««, als: dirr's nint äjtt hdm, es ist nichts an ihm; 
zweideutig. Dirr's nint äjtt de Säihs, es ist nichts an dem Käse, heisst 
entweder: er taugt nichts, oder er ist so klein, dass er nichts ver- 
schlägt. — Eine von den beiden Bedeutungen hat äjtt immer, sobald 



365 

es in (lieser Verbindung vorkommt , und es ist dann aus dem Zu- 
sammenhange leicht zu erkennen, welcher Sinn jedesmal gelten soll. 
Zwei Beispiele können diess einleuchtend machen, als; hörr goncjt't 
demd ddn näie Plaugdrkvwer? wie geht 's dir mit deinem neuen Pflug- 
treiber? Antw. de Jönge äs gaiihse nög, aurs he ds man so Idjtt an klien, 
dirr's nint äJU hdm, der Junge ist gut genug, aber er ist so klein 
und dünn; es ist nichts an ihm. — Hier ist der Wille des Knaben 
gut, aber es fehlt ihm an Fleisch, Knochen und Kräften; dän. 
der er ikke noget ad kam. Aber: Jiörr häget de ddn näie Bökndgt? 
wie gefällt dir dein neuer ßauknecht (Grossknecht, Ackerknecht)? 
Antw. dät ds en grollen wähligen Kjärl, aurs dirr's aurs nint äjU 
hdm, es ist ein grosser wähliger (starker) Kerl, aber es ist sonst 
nichts an ihm. Das erste aurs im letzten Nachsalze, welches statt 
aber steht, ist ganz tonlos, das zweite, für sonst oder übrigens, 
ist dagegen stark betont. 

2. Steht äjlt bei Orlsverhältnissen , wo es dann entweder das 
Befinden an einem Orte, oder das Bestreben, nach demselben zu 
gelangen, anzeigt, als: he äs äjtt'e Hühs , engl, he is at home ; 
äjlt ühs, bei uns, in unserm Hause; äjlt Järringe, bei euch, eurer 
Familie; äjlt jure, bei ihnen; äjlt Presters, in des Predigers Hause, 
beim Prediger; äJU Faageds, beim Vogte; üjtt Meilers, beim 
Müller; äjtt Kriemmers , zu Krämers. Auch nennt man bloss die 
Vornamen der Hausbesitzer, und spricht: äjtt Sietverts, äjtt Geshens, 
äjtt Mommens , äjtt Sdnkens, u. s. w.; äjlt hnhms hähst wähnP bei 
wem , in wessen Hause bist du gewesen ? 

Bewegung nach einem Orte zu, als: j(t kaummen in äjlt'e Döhr, 
äjtt't Wdnning , äjlt't u/hk, äjlt't ^Ikenier, sie kamen ein durch 
die Thür, durch 's Fenster, durch 's Scheunenthor, durch die Er- 
kerluke ; äjtt 't Wdnning inslegen , engl, to enter at the ivindow . 
dän. at stige ind ad Vinduet. Äjlt huhm läken, engl, to laugh at 
one, dän. at lee ad Een , über jemand lachen. A'päjtt'e Bäirig 
gongen, den Berg hinan gehen; dähläjtt'e Bäirig, den Berg herab; 
dpäjtt 't Uch kriepen , die Wand hinan kriechen ; dät shrdt äjtt 't 
Jjn7ie, es schreitet dem Ende zu; äjtt't lest, engl, at last; äjtt't 
mannst, engl, at Icast, wenigstens. Umstandswortlich bei trennbaren 
Zeitwörtern: ivdt gongt de äjtt? was ficht dich an? dän. hvad 
gaaer der ad dig? Jiörr dregst de äjlt? wie gcbehrdcst du dich? 



364 

hier äjtl ! merk auf; he iiget TiUtidd äjtt , er strebt immer fort. 

§. 241, Mehrere andere Vcrhältnisswörler sind hier sinnver- 
wandt, als: äujn, auwer, auf, dp, bäi, dm, als: he ds äjtt'e llühs, 
er ist zu Hause: he ds hdi'e Hühs, er ist in der Hcimalh, nicht 
auswärtig ; äjtt hiihm läken und auwer wdt läken , efler wdt läken : — 
Ich läk äjtt de, dich betrifft das Lachen, aber: ick läk dirr- 
auwer, däl dö de so däsig äjttdregst . ich lache darüber, dass du 
dich so närrisch beträgst; eßer huhm läken, würde heissen , die 
Lache eines Andern nachahmen, oder ihm nachlachen, wenn er 
wegginge. So sind auch die Ausdrücke; äujn't Ijnne, üjtt't Ijnne, 
häi't Ijnne, dem Sinne nach verschieden: äujn't Ijnne, im Ende, 
äjtt'l Ijnne, gegen das Ende zu, häi't Ijnne, beim Ende, und 
zu Ende. Verschiedene Ausdrücke sind auch: äjtt't Lest, äujn'l 
Lest , äw ■/ Lest und dm 't Lest. 

Apäjtl , hinan, dpäw , hinauf; dähläjtt, auf der Fläche abwärts, 
dählauf, herunter , von einem erhabenen Standpunkt ; äjtthdr- 
ken , aufmerken, um etwas zu fassen, dphdrken, aufhorchen; 
aufmägen , mag auf, streben, dass man fertig wird; e« Säge auf- 
mägcn , eine Sache mit jemand abmachen; äjttugen , anhaltend, 
stetig fort arbeiten , aber ohne Eile. 

§. 242. Auf, ab, von; dän. af, engl, of und off. 
i. Auf, von, ist mit fon am nächsten verwandt, und heisst: un- 
mittelbar von , als : dät liräif fon man Brauser filng ick auf min 
Dögler , den Brief von jneinem Bruder erhielt ich aus den Hän- 
den meiner Tochter; de Fiddcr hält faale auf sdn Sahn, der Vater 
hält viel auf seinen Sohn, hat ihn lieb; de Häujdd auf't Ilaad 
nämen, den Hut vom Kopfe nehmen; he däi't auf sin äien Hijtling , 
er that es von selbst, aus eigenem Antriebe; wörtlich: von seinem 
eigenen Geheisse; he baurigt en Daaler auf me, er borgte einen 
Thaler von mir , wenn er denselben unmittelbar von mir selbst 
erhalten, /b« nie, wenn ein Anderer ihm den Thaler gebracht 
hat ; auf hulnn hähst dät Baiick fangen.^ wer hat es dir unmittelbar 
gegeben? fon huhm liähU'l füngen? Antw. fon mdn Brauser, he 
het't me md de Post sänd. — Dät äs auf ijn Bläi, das ist von einer 
Farbe ; de Ömmer ds füll auf Wähser , der Eimer ist voll von 
Wasser; dähl auf'e Löß kämen, vom Boden herabkomraen ; duhg 
me wdt auf dän ^pel , gieb mir etwas von deinem Apfel: an 



565 

auf da twiinne mäujt't doch wähn hewe ^ einer von den beiden 
muss CS doch gewesen sein; lie läwet fon sin liünte, aurs auf Ahse 
an Dräjnke , er lebt von seinen Renten , aber durch (unmittelbar 
von) Essen und Trinken ; he plncket drk Plöhm auf'e JBuhmm , 
er pflückt jede Pflaume vom Baume; kam dähl auf'e Buhmm , 
komm herab von dem Baume; gong fon'e Bu/imm, geh von dem 
Baume weg ; ick wijt ninl auf järc Düjns , ich weiss nichts von 
ihrem Thun und Treiben; lie stüriv auf Forgdfl, er starb an Gift; 
jö US mager würden auf'e Kölle, sie ist mager geworden vom Fieber; 
dät Shdnn da auf en Baar, das Fell (Schind) ist von einem Büren; 
dät 's Brüjd auf man äine (äiene) Rögge , das ist Brot von meinem 
eigenen Roggen; ißn auf min Baiicke, eines meiner Bücher; auf'e 
Häjnst stäiijnnen, vom Pferde steigen; auf'e Wräen fällen, vom 
Wagen fallen ; dät ds auf en gauhsen Släg , von gutem Schlage. 
2. Steht auf für aus, als: de Airem ds anf'l Luss, der Arm ist 
aus dem Gelenke ; he kämt auf'e Sjürk , er kommt ans der Kirche, 
wenn er zur Kirche gewesen ist, aber; he kämt fon'e Sjürk, wenn 
er bei derselben gewesen ist, etwa als Arbeiter, Handlanger u. s. w.; 
dru ds auf'e 31aude, aus der Mode; jö Shiess ds auf Blie , auf 
Tann , auf ßlesing , auf Selwer , auf Gäujl , der Löffel ist aus 
Blei, Zinn, Messing, Silber, Gold; en Iläujdd auf Sir di, en Mann 
auf Snie , en Seme auf Baatvle , en Snanr auf Ilänep , ein Hut 
aus Stroh , ein Mann aus" Schnee , ein Seime aus Seebinsen 
''scirpus lacustris), eine Schnur aus Hanf; Iie lumt dähl auf't 
Hüss , vom üausc herab; dähl auf'e Bäirig , wenn er auf dem- 
selben gewesen ist: dähl äjlt'e Bäirig, den Abhang hinunter, 
dähl fon e Bäirig , von dem Berge her, nach einem niedrigem Orte; 
he däi't auf Föltlhäid , anfingst, auf Nüjd, auf Ldglsdnn'ighäid , 
er that es aus Bosheit, Angst, Noth, Leichtsinn; dät ds me auf'e 
Töjte kiemen , es ist mir aus den Gedanken gekommen ; auf de 
Säge ds äi klauck l6 worden , aus der Sache ist nicht klug zu 
werden ; ick ivijt 't auf Erfäring ; auf'e Tijnst gongen , aus dem 
Dienste gehen; auf'e Sltew ndmen , vom Tische neraen, abdecken; 
näm de Stäujl auf'e Shew , nimm den Stuhl vom Tische herun- 
ter: num'en fon'e Shew, wenn er dabei oder daran steht; he 
wäjl't auf mewäse, er wollte es von mir wissen; säg en Stock auf 
dät Baurd, säge ein Stück von dem Brette ab : säg en Stock ütt't 



366 

Baurd , säge ein Stück aus demselben; dpauf'e Süss, aus dem 
Brunnen herauf, u. s. w. — Unistandswörtlich: ndm dän Häiijdd auf,. 
nimm den Hut ab ; dirr ivorl nint auf, es wird nichts daraus ; 
iviest 'r wät auf , Aveisst du etwas davon ? auf an tö , ab und zu ; 
sedd häm auf, sage ihn ab ; tie dm Kliilise auf, zieh deine Kleider 
ab. — Aiif ist der reine Gegensatz von äw (auf) , dälilauf von 
äpäiv. In Zusammensetzungen , besonders mit Zeitwörtern , ent- 
spricht auf durchgängig dem deutschen ab , als : aufmägen , auf- 
nämen , auftanken , aufdrügen , auß'innen u. s. w. 

§. 245. IJtt und fon (aus und von) sind mit aw/' sinnverwandt , 
als : ült 't Hüss gongen , aus dem Hause gehen : ütt auf't Hüss tie- 
en, aus dem Hause wegziehen; ütt't Shdnn gongen, aus der Haut 
fahren: auf't Sluinn gongen, dasselbe, aber in Beziehung auf das 
Verlassen derselben ; auf sin Urdc tö slitten, und ütt sin Urde tö 
slitten , aus seinen Worten zu schliessen ; ick kam auf'e Wägt , 
ich komme von der Wache , wenn ich selbst Wache gestanden 
habe: Iie kämt fon 'e Wägt, er kommt von der Wache her; 
auf't Shäujl bliwwen , aus der Schule bleiben : ütt 'l Shäujl bliw- 
wen , eben so, fon't Shäujl bliwiven , nicht in die Nähe dersel- 
ben oder an dieselbe kommen; bliw fon'e Shihv ! bleibe vom 
Tische weg ! bliw auf'e Shew, du darfst nicht auf denselben kom- 
men ; Gödd help üss auf jö liirr Nüjd ! Gott hilf uns aus dieser 
INoth : Gödd bewär üss faar sön Nüjd, Gott bewahre uns vor 
solcher Noth ; en Stock fon twöntig Ellne , ein Stück von zwanzig 
Ellen: en Stock auf twöntig Ellne, würde heisscn: ein Stück, das 
von zwanzig Ellen abgeschnitten wäre ; he würd shähn auf en 
Säldaat, er ward von einem Soldaten erschossen; fonjö Tidd auf, 
von der Zeit an ; fon nö auf äujn , von nun an ; fon min sögst 
Ihr auf, von meinem sechsten Jahre ab: fön min segst Ihr äujn, 
von meinem sechsten Jahre an ; auf häm ivort nint, und ütt häm 
wort nint, aus ihm wird nichts;«?« Bräif auf liväier Böge fon scgstäin 
Sidde , ein Brief aus zwei Bogen von sechzehn Seiten ; de Mänshe 
läwet äi alliene auf Brüjd, der Mensch lebt nicht allein von Brote: 
he läwet fon sdn Brauser , er lebt von seinem Bruder ; ijn auf 
tuhg! eins von beiden: ijn fon tuhg bläß ijn, eins von zwei bleibt 
eins; wirr bläfst anf? wo bleibst du ab? auf nint kämt nint, aus 
nichts kommt nichts; ütt auf't Sellshäp gongen, aus der Gesell- 



567 

Schaft treten : fon 't Sellshdp gongen , davon weggehen ; clät Soos 
eis auf, die Suppe ist aus oder auf. 

§. 244. Äuj?i , inäujn. 

Aiijn steht 1. da, wo wir im Deutschen in mit dem dritten 
Falle bei Zeit- und Raumverhältnissen gebrauchen, als: äiijn'e 
Stälis bögen , in der Stadt wohnen ; üiijn Toffle gongen , in Pan- 
toffeln gehen; Giß äujn'e Shröck hewen , Geld in der Tasche ha- 
ben; äujn en Stünn, in einer Stunde; äujn'e Jüll, in den Weih- 
nachten; äujn'e Paashe , in den Ostern; äujn 'e Pdjngsdege, in 
den Pfingsten ; äujn 'e Tagte hewen ; he hei en läiet äujn 't Haad , 
er hat was im Kopfe; äujn Frehse läwen , in Frieden leben; äujn 
'e Gong tvesen ; dät Tjauling läit äujn 't Shrönn , äujn 'e Borke , 
äujn 'e Mäujnn , der Knaul liegt in der Lade , in der Beilade , im 
Kasten der Garnwinde. 

2. Steht es für an, als: äujn din Stähs, an deiner Statt; dät 
läit äujn de, es liegt an dir; he läit äujn'e Kolle, äujn'e 3Iäislinge, 
äujn'e Bjärncpöcke , äujn'e Spdjnkel, äujn'e Wähsersegt u. s. w. , 
er liegt am Fieber , den Masern , Kinderblattern , dem fleckigen 
Faulfieber , an der Wassersucht danieder ; he et hdm satt äujn an 
Rögt , er isst sich satt an einem Gerichte; Dijl äujn wdt nämen, 
Theil an etwas nehmen; Sniage äujn wdt ßnnen , Geschmack an 
etwas finden ; dö hast Shäjll äujn min Unlöck , du bist schuld an 
meinem Unglücke; höjr faale hähsl äujn Gijl? wie viel hast 
du an Gelde? 

3. Bei Zeitwörtern, die eine Richtung anzeigen, steht äujn, 
inäujn, üttäujn, dähläujn , dpäujn u. s. w. , da, wo wir in mit dem 
vierten Falle gebrauchen, als: ick lieiv äujn Gödd, ich glaube an 
Gott; he gongt inäujn 'e Sjürk, er geht in die Kirche hinein; trehs 
inäujn' e Dörnsh, tritt in die Stube; huhm äujn't Önldss sluhggen, 
jemand in 's Angesicht schlagen; dähläujn' e Tjaalcr gongen, hinun- 
ter in den Keller gehen; üttäujn'e Luft gongen, an oder in die 
freie Luft hinaus; dähläujn 'e Slüjtt fällen, in den Graben fallen; 
äujn't Slübb fällen, in den Koth; ick däi't hdm äujn'e Häujnn, ich 
gab's ihm in die Hand. 

Gemischte Beispiele: äujn'e Kluhse wesen, in den Kleidern sein; 
äujn 'e Ljägte släujnnen , im Lichte stehen ; huhm äujn 'e Rock tie- 
en, einen am Rocke ziehen; witt äujn'e Hüdd ivesen, weiss in der 



368 

Haut sein ; ävjn min Tidd , äujn iljll Tiddc , zu meiner Zeit , in 
alten Zeiten; äiijn "e Junhe , im Dunkeln; äujn't Zätvent ivesen , 
am Leben sein. — ümstandswörtlich: dirr's nint äujn, es ist nichts 
darin; tie de äujn, zieh dich an; wirr läit't äujnl woran liegt es? 
däl let gäiijd äujn, es lässt gut an; dät gongt nög äujn, das geht 
wohl an; dirr häJist Bögt äujn, daran oder darin hast du Recht. — 
In Zusammensetzungen entspricht es dem deutschen an, als: üujn- 
fangen, äujngongen, äujnshingen, äujnsieen , äujnivijnnen , äujnbr In- 
gen u. s. w. 

§. 243. Uli und auf (aus und ab) sind oft i'eine Gegensätze 
von äujn, als: liuJim äujnlieen , sich anziehen: huhm auflleen , sich 
abkleiden; inäujn't Hüss an üUauf't Hüss gongen, in 's Haus und 
aus dem Hause gehen. Dagegen sind auf, äiv und bäi auch bis- 
weilen mit äujn sinnverwandt, als: Ite liet Fräude äujn sin Bjärne, 
die Kinder selbst sind seine Freude: he liet Fräude auf sin Bjärne, 
sie machen ihm Freude; Jie slürw äujn'e Mäislinge, er starb an den 
Masern: he slürw anf'e Mäislinge, an den Folgen derselben; he 
et kam satt äujn an Bögt, an einem Gerichte: auf an Bögt, von 
einem Gerichte; he fdnnt Smäge äujn't Tieknen, er findet Gcscbniack 
am Zeichnen: nö het'r Smäge äw man gause Winti fangen, nun 
hat er Geschmack an meinem guten Wein bekommen; he tuch 
me äujn 'e Bock und bäi 'e Bock , er zog mich am und beim Rocke. 

§. 246. A'nföre, dnädre, före, befte. 

A'nföre heisst eigentlich vorne, und dnädre hinten, före und hefte 
eben so; sie stehen aber auch statt vor und hinter, als: he gongt 
dnföre mc, dö gongst dnädre me, an ick gong tiväshejunk, er geht vor 
mir, du gehst hinter mir, und ich gehe zwischen euch beiden; gong 
dö dnföre , so wäll ick dnädre bliwive. — Sinnähnlich sind hier: förelö 
und föreüujn , voran; faarüti, voraus; föreütt, vorne aus, voraus; äwe- 
föregge, wörtlich vorseits , wie in diesseit und jenscit; äderäujn, hin- 
tenan; äderüll, hintenaus; fitt'«V/er<'r/rye, hinterseits, hinter. Mehrere 
dieser Wörter werden aber nur umstandswörtlich gebraucht. 

§. 247, Auiver , über ; dän. und engl, over, nd. öwer. 

Auwer entspricht dejn deutschen wier mit dem dativ und accus. , 
als: düt Bohr himgl auiver "e Sliew, das Dauer hangt über dem Tische; 
jö Naas sät auwer 'e Müss, die Nase sitzt über dem Munde; auwer 't 
Lesen insläipen, über dem Lesen einschlafen; he sprang auwer 'e 



369 

Sliijlt , er sprang über den Graben; auwer't Hüss smilten, über 's 
Haus werfen; ainvcfe Tele straaien, über den Fussboden gehen; 
dät gongt aiiwer man For stand; ledd on Tdller auwer däl Flash; he 
äs äiijn'e S/mll dp anwerbt Uhre, er ist in Schulden bis über die 
Ohren; dät wegt äi amver segs Pünn , es wiegt nicht über sechs 
Pfund; dät kästet aawcr ficw Mark, anrs dät's och amver tien Ellne 
läng, es kostet über fünf Mark, aber es ist auch über zehn Ellen 
lang; ich feil amver cn Stijnn, ich fiel über einen Stein; ich würd 
Irong amver de, ich ängstigte mich über dich; dirr äs älltidd Hiere 
amver Hiere, es ist immer Herr über Herr; Gödd let sdnSdnndp- 
gonge amver da Airige an Gänse, an let't rene auwer da Rögtfjdrdige 
an ilnrögtfjdrdige, (lolt lasset seine Sonne aufgehen u. s. w.; au- 
wer ivdt eftertUnhen, gälten, sörrigen, lähen , tjdwweln, über etwas 
nachdenken u. s. w. ; huhm auwer an erbarmen, shaamen, blögen, 
fräuen, grcimen, sich über einen erbarmen, schämen, entsehen, 
freuen, grämen. Vergl, dm, % 259. 

Umstandswörtlich. De Rinn ds amver, der Regen ist vorüber; 
dät läpl auwer an amver, es läuft über und über; dät köget auwer, 
CS kocht über; riw't auwer, reiss es über; jö kiel Nagt amver, die 
ganze Nacht hindurch; dät gongt nög auwer , das geht wohl vorüber; 
he ds auwer äjlt Jdrringe , er ist drüben bei euch, in eurem Hause. 
^.248. Auwer faar, gegenüber; dän. overfor, engl, over against. 
He sät lick amver faar me,- er sitzt mir gerade gegenüber ; shrädd 
auwer faar me, schräg gegenüber; dät Hüss Idit lick amver faar 'e 
Sjürk, das Haus liegt der Kirche gerade gegenüber. 

§. 249. Amverijn , gegenüber, gegen einander an; engl, over against. 
Da Fijnde släujnne lick auiverijn enauser , die Feinde stehen ein- 
ander gerade gegenüber, gegen einander; ja feilen amverijn en- 
auser, sie fielen gegen einander an; he feil auwerijn'l JJch, er fiel 
gegen die Wand über. 
§. 250. Aane, ohne. 

Aane bezeichnet die Abwesenheit eines Gegenstandes, und, um- 
standswörtlich gebraucht, die Abwesenheit eines Zustandes, oder 
die Unterlassung einer Handlung, als: he kaum aane Häujd, rät 
aane Spore, gongt aane Fairer, ds aane Sörrig , er kam ohne Hut, 
reitet ohne Spornen, geht ohne Führer, ist ohne Sorge; aane Gijl 
let hdm nint ütlrögte , ohne Geld lässt sich nichts ausrichten. — 

47 



570 

Acine lö welen an lö släipen , räisden ice twäicr Doge, ohne auszuruhen 
und zu schlafen, reisten wir zwei Tage; aane me ivät iö sedden 
an aane häni dmtösien , ging > fon me , ohne mir was zu sagen und 
ohne sich umzusehen, ging er von mir. 

§. 2oI. Wiveliirrerjge , äwejänncreggc , dicsseit , jenseit. 
Awe/iirregge't Gref, diesseit des Grabes; äiucjdnncregge' t Gref, jen- 
seit des Grabes; ätvehirregge an awejänneregge de >Fäi, diesseit und 
jenseit des Weges , u.s.v.'. Für äwojdnneregge gebraucht man auch das 
liüvzcve bäijänte , engl, bcyond, \on jänte , jänncr , welche beide dort 
bedeuten, als: dät Törp lliit bäijanle de Bäirig, oder awejdnneregge, 
das Dorf liegt jenseit des Berges. — Die übrigen mit Egge 
zusammengesetzten, Raum- und Flächenverhältnisse bezeichnenden 
Wörter sind: äwuweregge, äivem'ihseregge , oberhalb, unterhalb; fhi^- 
ännereggey äwütteregge , innerhalb und ausserhalb; äwchänneregge , 
(hvebiitteregge , auf der Binnenseite, binncnseits und aussenseits; 
dwehaawcregge , oberhalb; äweläigcrcgge , unterhalb, niederhalb; äwe- 
föri'gge, vorderhalb, vor; äwäderegge, hinterhalb, hinter; äwcnirr- 
egge, näherhalb, näher bei; cnveßeregge, fernerhalb, ferner von; 
divästeregge, äweivesleregge , äivenördegge , äwesöhseregge , an der Ost- 
West- Nord- und Südseite; äwelnigeregge , höherseits, höherwärts; 
dwerögltgge, äiveUftegge , zur Rechten, zur Linken (Vergl. §.102. 
N. U2). 

§. 252. Baawen, haawne, baaiven äiv, über, oben; nd. baaiven, 
baawen op, engl, above. 

He Iiet sin Haad baawen' t Wa/iser, er hat seinen Kopf über dem 
Wasser; baawen' t ^Ikenierlück ds en Swälhennest , über der Er- 
kerluke ist ein Schwalbennest; jö Naas sät baawne Mass, die Nase 
sitzt über dem Munde. — Baawen Avird in Verbindung mit äw, 
äiijn und auwer gebraucht: baawen aw, oben auf; baaiven äujn, 
oben an; baawen avwer , oben über; fon baaivne, von oben. Als 
blosse Ortsbezeichnung heisst baawen, baawne, auch boppe, beson- 
ders in Lindholra. Baawne ist der reine Gegensatz von dele, so 
wie dp von dähl. 

Avwer ist mit baawen sinnverwandt, nur mit dem Unterschie- 
de, dass baawen bloss einen höheren Ort bezeichnet, ohne das 
Wechselverhältniss zwischen autver und nnner anzudeuten, z. B. 
he sät baawne me, er nimmt einen höheren Platz ein, als ich 



371 

anwer nie, kann auch heisscn , er sitzt so über mir, dass ich den 
Kopf unter seinen Füssen habe; ik hiihw nü all trie Nagte auwei' 
de Kränke sahn, ich habe nun schon drei Nächte über den Kran- 
ken gesessen. — Daher ist auch der Sinn in folgenden Sätzen 
nicht ganz derselbe, als: jö Naas sdt bamvne de Müss und jö sdt 
anwerbe Müss; Iie hälft Haad baawen't Wähser und auiver'tWähser. 
Derselbe Unterschied findet im Niederdeutschen zwischen baaiven 
[baaben] und öwer statt. He äs bäawne, er ist oben; de I/ine ds 
baaiven äw, an de Ausere dele unner , Atv Eine ist oben drauf, der 
Andere unten. — DIU Lick ds noch baawen't Gref, die Leiche ist 
nocli über dem Grabe, oberhalb des Grabes; hier würde anwer 
ganz unrichtig stehen, und einen verkehrten Sinn geben, 

§. 255. bäi, bei, an. 

Büi giebt 1. die Nähe eines Gegenstandes in Beziehung auf 
einen andern an, als: he slönt bäi me, er steht bei mir; de 
Prins rät bäi'e Kinning , der Prinz reitet bei dem Könige; dät 
Swjärd himgt bäi'e Skid; jö sdt bäi'e Döhr ; he ds bdi't ^rbcd, bei 
der Arbeit; he gongt bäi'e Krache, er geht auf Krücken; bäi'n 
Stock, an einem Stocke; he stönlbäi't Rauser, ersteht am Ruder; 
Gödd ds bäi de, Gott ist bei dir; de Buhmm stönt bäi'e Tünn, der 
Baum steht am Garten; bäi'e Kricmmer sdn Wäre, bei dem Kra- 
mer sind Waaren; he gongt bäi Däi an Nagt, er geht bei Tag und 
Nacht; bäi Ljägt, bei Lichte (lesen z. B.); huhm bäi huhm betan- 
ken, sich bei jemand bedanken; wdt bäi'e Häiijnn hewen, etwas 
bei der Hand oder zur Hand haben; hiüim bäi'e Häujnn nätnen, 
jemand bei der Hand fassen; bäi üss äs dät äi Maude, bei uns 
ist das nicht Mode. -nTrau släujnne jdt me bii, bäi'e Shew an bäi'e 
Bräi," treu stehet ihr mir bei, bei dem Tisch und bei dem Brei. 
He bläß äi bäi'e Sage, er bleibt nicht bei der Sache; bäi gauhs 
Sünnhäid, bäi Forständ, bäi Gijl wesen, bei guter Gesundheit, bei 
Verstände, bei Geldc sein; bäi Gödd! bei Gott! bäi min Siel an 
Saalighäid! bei meiner Seele und Seligkeit! bäi'e Türke ds dät 
Brück (Sitte); he böget bäi'e Wäjl, bäi't HöUing, bäi'e Slräujnn, 
er wohnt am Weiher, am Gehölze, am Strande. 

2. Uneigenllich, als: bäi sacken Krönkhäid ds nint ütllördgten, 
bei einer solchen Krankheit ist nichts auszurichten; bäi't Lesen 
gidld's, beim Lesen weinte sie; jö gälid bäi't Lesen, sie weinte 

47» 



372 

beim Lesen; bäi't Slelleii kamt nint ütt, beim Stehlen komnii 
nichts heraus ; bäi unk Frünnshap beswer ick de , bei unserer Freund- 
schaft beschwöre ich dich; dal äs bäi Strafe forbähn, es ist bei 
Strafe verboten. 

5. Gemischte, zum Theii abweichende Beispiele, als: huhmbäi't 
Urd nämen, /«yV/ew, jemand beim Worte nehmen, halten; he hält 
hdm bäi't Häier; huhm bäi't Uhre fuliggen, Jemand bei den Ohren 
kriegen; bäi en Präck dräwen, bei einem Haar treffen; nö äs'r 
bäi't Ijnne, nun ist er beim Ende [lö't Ijnne, zu Ende). Aber der 
Ausdruck: dät's bäi't Ijnne, heisst: es ist vorbei, es ist aus da- 
mit, als: dät äs bäi't Ijnne mä Iidm, es ist aus, vorbei mit ihm. 
He böget bäi'e Prester, kann heissen: in dessen Hause oder ne- 
ben an; Iie böget bäi'e Preslers [Hilss), in der Nähe des Predi- 
gers; he böget äjtt Presters , in dessen Hause. — Üttbäi heisst der 
Länge nach an einem Gegenstande hin, längs, als: üttbäi'l Törp, 
längs dem Dorfe; üttbäi' t Rä käireti, längs der Reihe fahren, 
beim Einfahren des Getreides; bäi Wäilö7ig lädden bliwwen, am 
Wege liegen bleiben. Hänebäi, gegen, Itäncijn, gegen, als: dirr 
wjdrn hänebäi en twontig ßlünshene, es waren gegen zwanzig 
Menschen da; häneißn't Enne, gegen den Abend. Sinnverwandte 
Ausdrücke sind : bäi 't Ijnne , äiijn 't Ijnne , äjlt 't Ijnne , tö't Ijnne. — 
A'mbäi 1. vorbei, 2. umher; faarbäi, vorbei; bütlebäi, aussen vor; 
delebäi u. s. w. 

§. 254. Banne, binnen, innerhalb, inner. 

Banne Dö/ir wesen, inner der Thür sein, d. i. im Hause; banne 
en Ihr, binnen einem Jahre, oder innerhalb eines Jahres; banne 
Aagedege, binnen acht Tagen; banne Ihr an Bäi, binnen Jahr 
und Tag, binnen Jahresfrist; dö shäht nie äi mör banne Bohr 
käme, du sollst mir nicht mehr inner der Thür, über die Schwelle, 
kommen. — Bütte an banne blank, aussen und innen blank; butine- 
(aar, binnenvor, innen vor; bdnneäujn , nd. binnenin; bänneto, nd, 
binnento; fon'e bännene, nd. van binnen; unnerbdnne mä kämen, 
hinter etwas kommen. 

§.255. Bör [döhr], durch, hindurch; nd. dör , engl, througlt. 

\. Eigentlich, als: dör 't Kauren, dör't Säujnn, dör't Slicbb , 
dör'e Snie gongen, durch das Getreide, den Sand, den Koth, den 
Schnee gehen; dör't Ijll, dör'e Stähs, dör'e Kuck tieen, durch 's 



375 

Feuer, durch die Stadt, den Koog ziehen; dör't Wdnnmg , dör'e 
Fdjngre lauckcn, durch's Fenster, durch die Finger sehen, u.s.w. 

2. üneigenllich, ein sclbstwirkendes Mittel oder eine Einwir- 
kung andeutend, als: ick let't clor man Brauser besörrige, ich Hess 
es durch meinen Bruder besorgen; dät sliäid dör en Unloch , es 
geschah durch ein Unglück; dör Ünfaarsägtighäid, durch Unvor- 
sichtigkeit; dör s'm GröU/tdrlighäid an sin Huchmäujdd ds'r dm sin 
Friinne kiemmen, durch seinen Stolz und seinen Hochmuth ist er 
um seine Freunde gekommen; dör Middlc kaast de noch käme, 
durch Mittel kannst du dich noch erholen; dör Händel würden' s 
rick, durch Handel wurden sie reich. — Umstandswörtlich: gong 
dör! geh weg! scher dich fort; rfe Träjdd gongt äi dör, der Faden 
geht nicht durch ; ick kön äi dör käme; huhm dörkringen, sich durch- 
drängen; dördringen, durchdringen, lie drängt dör oder drdjngt dör. 

Sinnverwandt sind hier bisweilen auf, fon und 7nä, als: heivürd 
liaadigt dör'e Slidrprögter md't Sivjärd, er wurde durch den 
Scharfrichter mit dem Schwerte enthauptet; he würd haadigt auf'e 
Shärprögler, vom Scharfrichter. Dör'e Wüin h et de Meiler sin r icke 
Lege, auf'e Winn worde da Ruwe dräiven, an dirrfaar säit'm, dät 
de Meiler fon'e Winn läwet, durch den Wind hat der Müller seinen 
Reichthum, von dem Winde werden die Flügel getrieben, und 
daher sagt man, dass der Müller vom Winde lebe. Jö Kaar würd 
shäwen auf en Slaawe mcl da Häujnne formiddelst't Fijl, der Kar- 
ren wurde von einem Sklaven mit den Händen und vermittelst 
des Rades geschoben. 

§. 256. Delebäi, dählbäi, deleäm, dähläm, delefaar, dählfaar. 

Delebäi'e Wäi, unten am Wege, unterwegs, untenwegs, nieder- 
wegs, als Gegensatz von oberwegs, baawemväis, wovon der reine 
Gegensatz wieder deleiväis heisst. Vergl. §. 227. N. 54. Delebäi'e 
Dick käiren, unten am Deiche fahren; dählbäi' e Dick käircn, vom 
Kamm des Deiches das sogenannte ^hk hinunter fahren; deledm, 
unten um; deledm harr Köivel äs en bi-ijddcn Stijtt , unten um 
ihren Rock ist ein breiter Stoss, Besatz, Borte aus breitem Bande; 
dähläm, herabhangend, als: dd Köwle hotige här, an'e Bogslinge 
hdm dähläm, die Röcke hangen ihr und die Hosen ihm herunter; 
glidde dähläm, gleiten herab; delefaar, am untern Ende eines 
Ackers dem Dorfe zunächst; dpfaar, nach dem obern Ende zu 



0/4 



oder an demselben ; üttfaar , vom Dorfe ab , in die Fennen hinaus ; 
dählfaar gongen, dem untern Ackerende zu. 
§.237. £fter, dän. efter, engl. aßer. 

1, £fter bezeichnet das spätere Dasein oder Wirken eines Ge- 
genstandes in Beziehung auf einen andern , und ist der Gegen- 
satz von faar, vor, als: he kämt efter me , er kommt nach mir, 
ist doppelsinnig, je nachdem es betont wird, und kann heissen: 
er kommt später als ich, oder, wenn der Ton auf eßcr ruht, er 
setzt mir nach, um mich zu greifen; efter' e Sändäi föUigt'e Mann- 
däi, nach dem Sonntage folgt der Montag; he stürw eßer sinWüf]', 
er starb nach seiner Frau; eßer huhm snaken, gongen, jmijten, 
nach einem spi^echen, gehen, predigen, d. i. nachahmen; eßer'e 
Caplain ßUigt'c Lieulnant; eßer jü Tidddäi'r nlnt, nach der Zeit 
thal er nichts; eßer Mdd&ämmer , nach Johannis; eßer'e Jilll, nach 
Weihnachten; eßer dät hirre Läivent fölligt en aiiser, nach diesem 
Leben folgt ein anderes ; eßer hunnert Ihr sdn da mäste nü Ld- 
wende düjdd. Umstandswörtlich: dö kämst ja iväjl eßer ? du konnnst 
ja wohl nach? hirre ßer , dirrcßer , wirreßer. 

2. Deutet eßer die Richtung eines Gegenstandes auf etwas an, 
als: ick rögt me eßer de, ich richte mich nach dir; hiihm Cßer'e 
Klöck röglen; jö Blöhm dräit här eßer'e Sünn, die Blume dreht 
sich nach der Sonne; ja dönse eßer'e Gichel, sie tanzen nach der 
Geige; he gongt eßer Brüjdd, er geht nach Brot; he sjöngt eßer 
Näujtte, er singt nach Noten; eßer min Miening , nach meiner 
Meinung; eßer sdn Räjdd, eßer hdrrcn Wänsh, nach seinem 
Ralhe, ihrem Wunsche; eßer Göds Wdlle, nach dem Willen Got- 
tes; eßer'e Maiide, nach der Mode; eßer sin Ihringe ds'r mänldjtt, 
nach seinen Jahren ist er nur klein; eßer huhm Ungen, sich nach 
jemand sehnen; eßer ivdt Ungen, auch nach etwas reichen, lan- 
gen; he klammert eßer en Fögelnest, er klettert nach einem Vo- 
gelneste; ivdt frag ick eßer de? was frag ich nach dir? ick fräg'r 
nint efter, ich frage nichts darnach; efter 't Swjdrd grippcn; he 
shüjtt eßer en Rauck, er schoss nach einem Raben; jö slauch eßer 
me, sie schlug nach mir; dät kämt nög eßer'e Iläujnn, das kommt 
schon nach der Hand, nach und nach; efter' t A'mstdnde, den 
Umständen nach; jö het't eßer'e Möddcr, sie leidet an Mutlerbe- 
schwerden, hat hysterische Zufälle. 



37;; 

Am, um, ist hier oft synonym: dm wdt säjcken und cfter todt 
säjcken, um und nach etwas suclicn; am und cßcr wdt fragen, 
um und nach etwas fragen; he gongt dm Wü/iser und cßerWähser, 
er geht um Wasser (zu holen) und nach Wasser; Iic shrdft efter 
en Bauck, er schrciht nach einem Buche, nämlich ab: Ite shrdft 
dm en Bauck, er schreibt darnacli, um es zu bekommen. 

§. 2Ii8, Faar, vor und für; dän. und engl, for, nd. vor. 

a). 4. Steht faar bei Raum- und Zeitverhältnissen, als: he 
stönt faar me, er steht vor mir; dd Buhmme stäiijnne faar't Hüss, 
die Bäume stehen vor dem Hause; binn Iidm ivdt faar't Ugene, 
binde ihm etwas vor die Augen; dirr's nijn Döhr faar'e Kämmer, 
es ist keine Thür vor der Kammer; m'jn Slot faar't Gijhhrön , 
kein Sehloss vor der Geldlade. — Faar tuhg Ihr, vor zwei Jah- 
ren; faar min Tidd, vor meiner Zeit; sliöw jö Shaahs faar'e 
Döhr, schiebe den Riegel vor die Thür; ick liew häm faar haawen 
Äiisern, ich glaube ihm vor irgend einem andern. 

2. Eine Ursache, ein Hinderniss, einen Zwang andeutend, als: 
ick kön äi faurt faar jdm käme, ich kann vor euch nicht durch- 
kommen ; he flügtet faar 'e Fijndc , er floh vor den Feinden ; jö ds 
trong faar'e Düss, ihr ist bang vor dem Tode; hejüllt faarWärk, 
er wimmert vor Schmerz ; jö köhs faar Jlngst di snäke , sie konnte 
vor Angst nicht sprechen; faar bär Träivclhdid kön'r äi üttkdme, 
vor lauter Geschäftigkeit kann er nicht auskommen; faar Fräude 
gälten, vor Freude weinen; he wijt häm faar ^ngst di tö lüjtten, 
er weiss sich vor Angst nicht zu lassen. 

b). Steht es 1. wenn es für vertritt, da, wo angezeigt werden 
soll, dass zum Besten oder zum Schaden und Nachtheil etwas 
für einen Gegenstand gesciiehe; als: dät's gäiijd faar de, das ist 
gut für dich; dät's en Mkldel faar'e Kölle , das ist ein Mittel für 's 
Fieber; jö ds en ßlünster faar Äusere, sie ist ein Muster für An- 
dere; ick bdn Faarmünner faar sin Bjdrne, ich bin Vormund für 
seine Kinder; clüt sömet hdm äi faar de, das ziemt sich nicht für 
dich, es ziemt dir nicht; gong dirr hätte faar me, gehe für mich 
dahin; he det faale faar me, er thut viel für mich; he stürw faar't 
Fidderläiijnn ; ick ging dör't Ijll faar hdm, ich ginge durch's Feuer 
für ihn ; he sörrigt faar sin Bjdrne , er sorgt für seine Kinder ; aber 
he sörrigt arnver sin Bjdrne, er trauert über seine Kinder; he 



376 

sörrigt am sin Bjärne, um seine Kinder. Gödd sörrigl faar drken, 
Gott sorgt für jeden; ick bdti faar me sellew, ich bin für mich 
allein, habe keinen Haushalt; he ds faar'e Krich, aurs ick bdn 
faar'c Frese, er ist für den Krieg, aber ich bin für den Frieden; 
S7}äk dö faar lidm , sprich du für ihn, ist doppelsinnig, wie im 
Deutschen. 

2. Sieht faar bei Erstattungen, Ausgleichungen, Sicherstellun- 
gen u. s. w. , als: faar en Gaawe tanken, für eine Gabe danken; 
ick wall de faar ddn Mäiilc heläle, ich will dir für deine Mühe 
bezahlen; faar Gijl kvpen , für Geld kaufen; faar hiilim instäiijnnen , 
für jemand einstehen, bürgen; an faar alle, an alle faar änMönn, 
einer für alle, und alle für einen Mann stehen. 

5. Zweckanzeigend, als: en Banck faar Bjärne, ein Buch für 
Kinder; Ijllinge faar'e kiele Wonler, Feuerung für den ganzen 
Winter; Faarräjd faar Aagedege, Vorrath für acht Tage. 

4. Beim Dafürhalten und Ausgeben für, als: /le liTilt kam sei- 
leiü faar en grölten Mann, er hält sich selbst für einen grossen 
Mann; ick hüll hüm faar en A'mhiper, ich hielt ihn für einen 
RefTträger oder Tabuletlenkrämer; he jeft hdni iltt faar en Doctor, 
er giebt sich für einen Arzt aus; ick nimm dUt Stock Gijl faar en 
Daaler, ich nahm das Stück Geld für einen Thaler an; he erkännd 
hdni faar sdn Sahn , er erkannte ihn für seinen Sohn ; huhm faar en 
Shdlm, en Bedreger , en Thief, en Äsel iltishellen, jemand für einen 
Schelm, einen Betrüger, einen Dieb, einen Esel ausschelten. 

V). Für wegen, als: faar nie mähst' t hcdl diijn, meinetwegen 
darfst du es gern thun; ick ägt häni faar sin Ganshäid, ich 
schätze ihn seiner Güte wegen; faar din Shäjll wall ick't düjn, 
deinetwegen will ich 's thun. 

Gemischte Beispiele: Faar'e Düss ds nijn Kriidd wügsen, für den 
Tod ist kein Kraut gewachsen; he dräft faar'e Winn, er treibt 
vor dem Winde; he kön hdm äi liüjlle faar Laken, faar Gallen, 
er kann sich des Lachens, des Weinens nicht enthalten; ivdt 
faar'e Täis hewen, etwas für die Zähne haben, z.B. einen guten 
Schinken. — Umstandswörtlich: Ick bdn'r faar, he äs'r ijn, ich 
bin dafür, er ist dagegen; wät hähst faar? Avas hast du vor? wät 
dähst me\dirrfaar ? was giebst du mir dafür? dirr kön ick nint 
faar, ich kann nichts dafür; wdt faar en Mann, ivät faar en Fö- 



577 

gel ds dät? was für ein Mann, was für ein Vogel ist das? Jö ftet 
en Short faar, sie hat eine Schürze vor, u. s. w. 

Sinnverwandt sind hier bisAveilen dm und auf, als: faar Gijl 
shriivwen, für Geld schreiben; he shrdß dm't Ihre, er schreibt um 
die Ehre, d. i. der Ehre wegen, um sie zu erlangen; dm Gijl 
shriwwen, um oder nach Gelde schreiben; faar Stölthäid und auf 
bär Grölshhäid niemmen kännen, vor Stolz und aus Stolz niemand 
kennen; faar Lieivde und auf Lieivde blinn wesen, vor und aus 
Liebe blind sein. 

Steht faar zweckanzeigend, so stimmt es nicht immer mit für 
überein, als: en Bauck faar Bjärne, ein Buch für Kinder geschrie- 
ben; aber: ich liabe ein Buch für dich gekauft, das du haben 
sollst, heisst: ick hähw en Bauck tö de käft; — hirr sdn haaiv Fögle 
tö de, hier sind einige Vögel für dich (zu dir); dirr's en Rock tö 
ine, da ist ein Rock für mich; war dät tö mjäriie, hebe das für 
morgen auf; ick hühiv Stjütte tö jäm küß, ich habe Semmel für 
euch gekauft; ick hähio wdt tö de; nd. ebenso. 

Wenn faar die Bedeutung von vor hat , so wird es gedehnter 
ausgesprochen und stärker betont, als wenn es anstatt für steht, 
z. B. dö stönst jd faar me, du stehst ja vor mir; dö stönst ja faar 
me, du stehst ja für mich, an meiner Statt. 

§.259. Foraane, ohne, ausser; dän. foruden. 

Ick Word nög klär foraane de, ich werde schon ohne dich fertig; 
foraane häm kön'r't niemmen mäge. — He rdtt foraane Spore, er 
reitet ohne Spornen (die er wohl bedüi'fte, oder sonst zu gebrau- 
chen pflegt); he rdtt aane Spore, er reitet ohne Spornen anzu- 
haben. Foraane tvesen heisst wörtlich: entohnigt sein, aber der Sinn 
ist: entbehren, als: ick mäiijtt so faale foraane wese, ich muss so 
vieles entbehren ; Gijl kön'm äi foraane wese , des Geldes kann man 
nicht bar sein. 

Foraane hdm was niemmen tö Stehse, ausser ihm war niemand zu- 
gegen ; foraane en Bauck däi'r me ock noch ensmuck Bill, ausser u.s.w. 

§.260. Fon, von. 

Fon bezeichnet die Entfernung eines Gegenstandes von einem 
andern, und ist dann das Gegentheil von bäi, als: da Staurke 
tiee wach fon üss , die Störche ziehen von uns weg; ick kam fon 
Järringe , ich komme von euerm Hause; he gongt fon me, er geht 



57! 



von rair; fon Mjärnem tö't Innern, von Morgen bis an den Abend; 
we käme fon't Unnerne, wir kommen vom Mittagessen; fon'e 
Hü/is, vom Hause, von der Heimath; fon't Fäshen, fon't Dicken, 
fon't Märked, vom Fischen, vom Deichen, vom Markte; fon'e 
Slä/ts, von der Stadt; sin Hätijnn fon huhm außieen, seine Hand 
von einem abziehen; fon'e Säge aufgongen, von der Sache abge- 
hen; he gongt fon't Stock, von Sinnen; fon Forständ, von Ver- 
stände; fon üjll Tklde, von alten Zeiten; fon't segst Ihr auf, vom 
sechsten Jahre an; fon forgingen Ihr, vom vorigen Jahre. 

Fon und auf müssen hier wieder in Beziehung gebracht wer- 
den. Auf ist nämlich der reine Gegensatz von dem deutschen 
auf, und würde am besten durch ab, im Sinne dieses Verhält- 
nisswortes, bezeichnet werden, als: ick kam fon't Märked, vom 
Markte her: ick kam auf't Märked, komme ab dem Markte, wo 
ich als Krämer gestanden habe; näm de Häiijdd auf't Haad, nimm 
den Hut ab dem Kopfe; aber: de Rinn dröppet fon'e Häujdd, der 
Regen tröpfelt vom Hute; gong fon'e Häjnst, geh von dem Pferde 
weg: stäujnn auf'e Häjnst, steige ab dem Pferde; dät Shilmm 
hängt de Häjnst bäi'e Töle, anfällt häm fon'e Töle, aursde Rütter 
fällt auf'e Häjnst, der Schaum hangt dem Pferde am Maule, und 
fällt ihm vom Maule, aber der Reiter fällt ab dem Pferde; bliw 
fon'e Wüten, komme nicht an den Wagen; aber: blito auf'e 
Wäien, besteige ihn nicht; huhm nämt auf'e Shew, wät'r äiv 
läit, fon'e Shew, ivät'r bäi stönt, man nimmt ab dem Tische, 
was darauf liegt, von dem Tische, was daran sieht. — Wenn 
fon bloss auf die Entfernung eines Gegenstandes von einem an- 
dern geht, so bezieht auf sich allein auf das Verlassen des ge- 
genwärtigen, obern Standpunktes, als: de Matrose feil dähl fon'e 
Mäslkaurew, der Matrose fiel vom Mastkorbe herab: he feil dähl 
auf'e Mäslkaurew , er fiel ab demselben; de Blieteker feil dähl 
fon'e Timm und dähl auf'e Thürn, der Bleidecker fiel von dem 
Thurme und ab dem Thurme; he feil dähl auf't Hüss, ab dem 
Hause: he kaum dähl fon't Hüss, er stand am Hause, oder kam 
aus dem Hause und ging nach einem niedrigem Standpunkte, 
z. B. den Warf hinunter; de Snöte hängt häm dählfoti'e Naas, 
der Rotz hangt ihm von der Nase hinunter; dröhg dät ßläujdd 
auf'e Naas, wische das Blut von der Nase ab; dät was äi auf'e 



579 

Wäi, das wäre nicht aus dem Wege; ült auf'e Nüjd kamen; fon 
Fierense, von ferne; fon und auf'l Shmjll kämen ^ von und aus 
der Schule kommen. 

Bei Bestandtheilen von Dingen steht alleraal auf, wenn man sie 
als solche betrachtet, z. B. jö Burst aiif't Laumm, oder en Barst 
auf en Laumm, die Brust ab dem Lamme, oder eine Brust ab 
einem Lamme ; en Fähser auf en Kräjdcler, cn Sliänn auf en Sill- 
hünn, en Wing auf en Swuhn, eine Feder ab einem Hahne, ein 
Fell ab einem Seehunde, ein Flügel ab einem Schwane. Im Dä- 
nischen und Englischen ebenso, als: Brystet af Lammet, oder et 
Bryst af et Lam, t/ie breast ofthe lamb, oder a breast of a lamb. — 
In der Bedeutung von aus, wenn ein Gegenstand in einen andern 
umgebildet wird, steht gleichfalls auf, als; en Shew auf Hält, 
ein Tisch aus Holze; jö mäget en Häujdd auf Sträi, sie macht 
einen Hut aus Stroh; ew Swöhw auf JücUere, eine Peitsche a:is 
Weidenruthen; en Böltr auf Wirr, ein Bauer aus Eisendraht; auf 
hdm wort nint, aus ihm wird nichts; wdl wäll'r doch auf wordeF 
was wird doch daraus werden? 

Bei Herstammungen steht fon, als: ick bdn fon Bihssem, ich bin 
von oder aus Riesura; he äs fon Aadel, er ist von Adel; jö äs fon 
Hälligläujnn , sie ist von Helgoland u. s. w. — Ferner: alle gauhse 
Gaawe käme fon Gödd, alle gute Gaben kommen von Gott; en 
ßräif fon Altona, fon Berlin u, s. w. — De Bäger hähw ick noch 
fon man ^llhäte füngen, den Becher habe ich noch von meinem 
Grossvater bekommen, wenn er ihn mir nämlich geschickt hat; 
ick hähw en auf hdm füngen , wenn er ihn mir selbst gegeben hat. 

In folgenden Fällen steht /o?j, als:/ow läjtt dp, von klein auf; 
fon Bjärns Biene, von Kindesbeinen an; fon Bögts wägen, von 
Rechts wegen; fon ungefähr; ick bdn fon drken forlet, ich bin 
von jedem verlassen; fon huhm kön'm dät seddeP von wem kann 
man das sagen? eti Mann fon hunnertdusend Daalere, ein Mann 
von hunderttausend Thalern; he ds man klien fon Knaake, er ist 
nur klein von Knochen (dünn); dät äs't Ijnne fon't Stock, das ist 
das Ende vom Liede; en Gong fon en Stünn; enWäi fontienMele, 
ein Weg von zehn Meilen; en ^ Her fon hunnert Ihr, !ein Alter 
von hundert Jahren; swär fon VTa^^, schwer von Gewicht; he ds 
lägt fon Begripp, leicht von Begriff; fon't Bddden Idwen, vom 



580 

Betteln leben; lie wijt fon alles mätösnähen, er weiss von allem 
mitzusprechen ; kc tjärtfon sin Gijl, er zehrt von seinem Gelde , u.s.w. 

Urastandswörllich steht an/, als: diiT wijt ick nint auf, davon 
weiss ich nichts; dirr wort nint auf, es wird nichts daraus. 

§.261. Am und auiver sind mit fon sinnverwandt, als: he 
snäket dm drken, er spricht von jedem, über jeden; he hält hdm 
auiver drken dp, er hält sich über jeden auf; en Tähl dm Rübe- 
zahl, ein Mährchen von Rübezahl (handelnd); en Song dm huhm 
mägcn, ein Lied auf oder über jemand machen; de Song äm'e 
Klöck auf Schiller, das Lied von der Glocke von Schiller; wät 
snäke dm'e Erich, wir sprechen vom Kriege; he kön dm alles ma- 
snäke , er kann über alles mitsprechen ; he wijt wät dm drken , er 
weiss an jedem etwas auszusetzen; he wijt wdt fon drken tö for- 
teilen, er weiss von jedermann etwas zu erzählen; äw alles kön'r 
en Song mäge, auf alles kann er ein Lied machen; hähst'r wät 
fon hierd? hähst'r wdt dm hierd? hähst'r wdt auwer hierdF hast 
du etwas davon, darum, und darüber gehört? 

§. 2G2. Faarbäi, vorbei, vorüber. 

He ging me faarbäi, he kaum me faarbäi, er ging, er kam mir 
vorbei; he ging faarbäi me; he ging min Hüss faarbäi, er ging 
mein Haus vorbei; he ging faarbäi min Hüss, an meinem Hause 
vorbei; he kaum hirr faarbäi, er kam hier vorbei; jö Fläg ds 
faarbäi, der Schauer ist vorüber. 

§.263. Ijn, gegen, wider. 

Ijn , als gegen, bezeichnet den Gegenstand der Richtung, als lüidei; 
zugleich das Ankämpfen gegen denselben, als: ijn'e Wijm gongen, 
gegen den Wind gehen; ijn'e Struhmm swummen, gegen oder wi- 
der den Strom schwimmen; ijn'e Wjärd snäken, wider die Wahr- 
heit reden; wdt ijn't Ljägt hüjllen, etwas gegen das Licht halten; 
ijn'e Sämi laucken, gegen die Sonne sehen; hähst wdt ijn hdm? 
hast du etwas gegen ihn? hörr bäst sätis ijn hdrF wie bist du 
gegen sie gesinnt? he hexvihsst Liewde ijn sin ^llerne, er beweist 
Liebe gegen seine Eltern; ijn sin Bjärne , gegen seine Kinder; 
ijn drken, gegen jeden. Bisweilen zeigt es eine Abneigung oder 
Missbilligung an, als: he ds ijn'e Krich, ijn'e Dons, ijn't Ljaagen, 
er ist gegen den Krieg, den Tanz, das Lügen. 

Wo zwei Gegenstände einander mit den zugekehrten Flächen 



381 

berühren , bekommt es dp vor sieh , als : fie hüll dät Bill dpijn 't 
Wänning, er hielt das Bild S^gcn das Fenster an; smill de Slijn 
dpijn' t Uch, wirf den Stein hin an die Wand; hc hüll luhrj Pläte 
dpijn enaiiscr , er iiielt zwei Platten gegen einander an; set dd 
Läte dpijn't IIüss, setze die Latten gegen das Haus an; he gongt 
lick dpijn' e Wjärd, er geht gerade wider die Wahrheit an; he 
fing tick dpijn me, er flog gerade gegen mich an. 

Gegensätze bilden hier faar und md, für und mit, als: md de 
^Yinn sillen, faar'e Winn driwwcn, an ijn'c Wiiin sägein, mit und 
vor dem Winde treiben, und gegen den Wind segeln; de dirr di 
md me ds, he ds ijn me, wer nicht mit mir ist, der ist wider 
mich; huhm di faar me ds, he ds ijn me, wer nicht für mich ist, 
der ist wider mich. 

§.264. Hdnijn, gegen. 

Wird meistens von der Zeit gebraucht, und zeigt eine Annähe- 
rung an, als: hdnijn Enne, gegen den Abend; hdnijn' e Mdddäi, 
gegen den Mitlag; dät ds nö hdnijn Imnnert Ihr, es ist nun gegen 
hundert Jahre her; hdnijn Däi, gegen Tagesanbruch. So auch: 
dät kostet hdnijn twontig Daalere; dät ds hdnijn' t Ijnne auf't Törp, 
es ist gegen das Ende des Dorfes zu. 

§.265. Aujntijn, äiijntmütijt , entgegen. 

Aiijntijn heisst entgegen, zuwider, dän. imod , und bezeichnet, 
als entgegen, nur die Bewegung zweier Gegenstände, die in ge- 
rader Richtung auf einander zu kommen; äujntmänjt enthält zu- 
gleicli den Begriff des Begegnens, dän. imöde, nd. in e Möt. — De 
Winn ds üss aujntijn, der Wind ist uns entgegen; hiihm äujnt- 
mäujt gongeti, einem entgegen gehen; äujntmäujl kamen, entgegen 
kommen ; he ds me aujntijn , er ist mir entgegen , sucht mein Voi'- 
haben zu hintertreiben; aber: lie ds me töwddderne, er ist mir 
zuwider, ich kann ihn nicht ausstehen'). 

§. 266. Längs, äujntlängs, längs, entlang; dän. längs, engl, along. 



*) Töwddderne wird nur da gebraucht, wo widerliche Eindrücke 
auf das Gefühl und die Sinne Statt finden, als: de Brännwinn , jö 
ß/edicin, dät Kütteläujdden ds me töwddderne, der Branntwein, die 
Arznei, das Katzengeschrei ist mir zuwider; daher de Wdhser- 
wdlle, der Widerwille. 



582 

Längs heisst der Länge nach an, neben oder auf etwas hin, 
als: längs' t Törp gongen, längs dem Dorfe gehen; längste Slnihmm 
sillen, längs dem Strome treiben, oder auf demselben; längs' c 
StäJis käiren, längs der Stadt fahren; en Eher längs lupen, längs 
einem Acker gehen, d. i. hier: der Länge nach auf demselben 
hin , oder an der Seile desselben auf einem Fusswege. Wenn es 
neben oder an der Seite eines Gegenstandes bezeichnet, wird es 
gewöhnlich mit md (mit) verbunden, als: längs md't Törp, längs 
mal Mire, längs md de Slruhmm gongen. 

Aiijntlängs zeigt an. dass man der ganzen Länge nach, bis an's 
Ende des bezeichneten Gegenstandes gelangt, als: kaast längs de 
Büjlke gonge? kaast de Biljlke längs gonge? kaast längs md de 
Biijlke gonge? kaast de Büjlke äujnllängs gonge? Ick bdn't liiel Törp, 
jö hicl Stähs, dät kiel Hölting , de kiele Dick änjntlängs kiemmen, 
ich bin das ganze Dorf, die ganze Stadt, den ganzen Wald, den 
ganzen Deich entlang gekommen, oder: ick bän dät Törp, jö 
Stä/is u. s. w. ällhijl änjntlängs kiemmen. 

Dör (durch) und ültbäi, neben dem Gegenstande hin, sind hier 
sinnverwandt, als: dör't Törp gongen, längs' t Törp an üttbäi Törp 
gongen, durch, längs und neben hin; üttbäi'e Dick käiren, den 
Weg unten am Deiche fahren. Uttbäi Törp gongen, wird meistens 
nur da gebraucht, wo das Dorf aus einer Häuserreihe besteht; 
dör't Törp, wenn es der Länge und nicht der Quere nach ge- 
schehen soll, kann man nur sagen, wxnn das Dorf wenigstens 
zwei Häuserreihen hat; üttbäi Törp gongen, gebraucht man auch 
von Klatscherinnen, die von einem Hause zum andern im Dorfe 
herumlaufen. — Mw längs, der Länge nach, äw twdrs, der Quere 
nach; dö mäust't äw längs ledde, der Länge nach legen. 

§.267. ß/ä, mit; dän. med. 

Md bezeichnet i. ein Mittel, als: he släitmd en Stock, he shräft 
md en Fähser, tänt sin Pupp tnd en Brämiglces , smätt md Stiene, 
jaget md Hünne, säit md Sihssen, späjlt md Wähser, er schlägt 
mit einem Stocke, schreibt mit einer Feder, zündet seine Pfeife 
mit einem Brennglase an, wirft mit Steinen, jagt mit Hunden, 
näht mit Seide, spühlt mit Wasser. — 2. Zeigt es eine Vereinigung, 
eine Verbindung, ein Versehensein mit etwas an, als: ick gong 
md de, he ging tobedd md Stäiwle an Spore, he felU'e Botlei md 



383 

Brännwinn, besläil sän Ridder mä selwern Häjnsteshiir , ich gehe 
mit dir, er ging zu Bette mit Stiefeln und Spornen, er füllt die 
Flasche mit Branntwein, beschlägt sein Reitpferd mit silbernen 
Hufschuhen; he forsjögt kam sellew md Gijl, bekläivet de Uch mä 
Bille, er versieht sich selber mit Gelde, beklebt die Wand mit 
Bildern; ick liä/iw en Pung md Gijl sldnn, ich habe einen Beutel mit 
Gelde verloren; huhm md wdtbefälisen, sich mit etwas befassen; md 
huhmsnäken, handeln, ähsen, drdjnken, mit jemand sprechen, han- 
deln, essen, trinken. — 5. Bei Zeitverhältnissen bezeichnet wjd das 
Gleichzeitige, das allmählig Fortschreitende , als: md de Sdnn 
dpstäiijnnen an töbedd gongen, mit der Sonne aufstehen und zu 
Bette gehen; mdJEnnanäll, mit dem Einbruch des Abends; md'e 
Tidd, md't Ihringe, md't järst, md'tijns, mit der Zeit, mit den 
Jahren, mit dem ersten oder nächstens, mit einemmale. — 4. Steht 
es statt wider, gegen, als; wdt sträive md enauser, wir streiten mit 
einander; wdt späle md enauser dm Gijl, wir spielen mit einander 
um Geld; dd Russe an Pole krege md enauser, die Russen und Po- 
len kriegen mit einander. — 5, Steht es, wenn etwas gleichzei- 
tig und mit einander verbunden vorfällt, als: jö Fömmen feil md 
hdrren Ömmer, das Mädchen fiel mit ihrem Eimer; he smijt dm 
md dal hiel Lees, er warf um mit dem ganzen Fuder; jd dräng- 
den md enauser, sie erlranken mit einander. 

Gemischte Beispiele: Md Ldmpe töwäirks gongen, mit Glimpf zu 
Werke gehen, glimpflich verfahren; he gongt noch md en üjll- 
7naudsh Pürück, er geht noch mit einer altmodischen Perüke; 
Biigt md hiihm fuhggcn, mit einem fertig, seiner Meister oder 
Herr werden; unnerbdnne md wdt kämen, hinter eine Sache kom- 
men; ick füng tien Bräiwe md de lesle Püst, ich bekam zehn 
Briefe mit der letzten Post; düt Alk ds md Fall, jö Kö ds md 
Kulew, dät Sliäip md Laumme, de Hünn an'e Kätt sdn md Junge, 
die Stutte, die Kuh, das Schaf, die Petze (jö Tähw , die TifTc) 
und die Katze sind alle trächtig; md wdl sivegen, mit etwas 
schweigen; md wdt prälen; huhm md wdt trästen, sich mit etwas 
trösten; huhm md wdt helpen, zweideutig: i. sich mit etwas hel- 
fen, 2. einem andern mit etwas helfen, z. B. mit Gelde; huhm 
md wdt behelpen ist immer reciprok; hörr ds't md de? wie befin- 
dest du dich ''. 



584 

Umstandswörtlich: wäht md^ willst du mit? dät gongt alles md, 
es geht alles mit; ick hälm min Dögter md, ich habe meine Toch- 
ter mit; dirrtömd, überdiess, ausserdem. 

§.268. Näist, nächst; dän. näst, engl, next, next io. 

Näist bezeichnet das Nächste in Beziehung auf einen andern 
Gegenstand, als: dät Hüss Idit näist' e Sjürk, das Haus liegt nächst 
der Kirche oder zunächst; mist't JJöhr , nächst dem Thore; näist 
Gödd hälm ick de dirrfaar tö tanken, nächst Gott habe ich dir 
dafür zu danken; näist' e Kinning Jiet he mäst tö sedden, nächst 
dem Könige hat er am meisten zu sagen (gebieten); he sdt me 
näist, er sitzt mir zunächst; dät Törp läit'e Stähs näist, das Dorf 
liegt der Stadt zunächst. — Näist steht auch bisweilen statt de 
lähsere, der zweite, als: ick hdn jdrst, dö bdst näist, beim Spie- 
len. 'Aiv't näist, nahe daran, beinahe, bald; dw't näist sdn't nög 
tien Daalere, es sind wohl nahe an zehn Thaler; dö hähst't äw't 
näist dräwet, du hast es beinahe getroffen. Näislbäi, näisteftcr. 

§.269. Sunt, seit; altd. sint, engl, siwce, dän. siden, nd. södder. 

Sunt bezeichnet den Anfang von der Dauer einer Zeit oder 
eines Zustandes , als : sunt forgingen Ihr het 'r hirr äi wähn , seit 
dem vorigen Jahre ist er hier nicht gewesen; sunt dät fdrre Ihr 
hähw ick nijn Swiine säjn, seit dem vorvorigen Jahre habe ich 
keine Schwäne gesehen; sunt jö Bräiijnn ds'r so forsläien, seit der 
Feuerbrunst ist er so niedergeschlagen; sunt hdrr SöUembedd hei's 
nint dägen, seit ihrem Wochenbette hat sie nichts getaugt, d. h. 
sie hat seitdem gekränkelt; sunt märling, sunt dnjörsne hähw ick 
shräwen, seit heute Morgen, seit gestern habe ich geschrieben; 
sunt äntenne, seit gestern Abend; sunt ivdnne bdst dö hirr? seit 
wann bist du hier? min Wöff het läien, sunt dö hirr wähn hähst, 
meine Frau hat gelegen, seit du hier gewesen bist, d.i. sie hat 
ihre Wochen gehalten '). 

Als Umstandswort heisst es her, als: dät ds nö all long sunt, 
das ist nun schon lange her; dät ds man en hulew Ihr sunt, 
ds'r dirr lest wähn het, es ist nur ein halbes Jahr her, seitdem 
er zuletzt da gewesen ist. 



1) Kämt din Wöff ball äujn't SöUembedd Fkomml deine Frau bald 
in's Wochenbett? und: shdll's ball tö Iddden? wird sie bald gelie- 
gen ? sind gleichbedeutende Redensarten. 



§. 270. T6, zu; engl, to, nd. to. 

Tö hat unter allen Verliältnisswörtern den vieldeutigsten Sinn 
in seinen verschiedenen Verbindungen mit Haupt- und Fürwör- 
tern, und bezeichnet 1. das Ziel einer Richtung, als: Iie kierd kam 
tö me, er kehrte sich zu mir; tö liär , tö unk, tö junk, zu ihr, 
zu uns beiden, zu euch beiden; jö such hänc tö lidrr Dögter, sie 
blickte zu ihrer Tochter; ick kam tö de, ich komme zu dir; he 
gongt tö de Süss, er geht zu dem Brunnen; ick tank me Iiäne tö 
mdn Frünn, ich denke mich hin zu meinem Freunde; huhm to 
Döfirs fälligen , jemand zur Thür begleiten, wenn er weggeht; 
fmhm tö 'e Döhr fölUgen, ihn bis zu der Thüre eines Hauses hin 
begleiten. — 2. Wird ausser dem Ziele auch oft noch ein bestimm- 
ter Zweck angedeutet, wo tö dann dem Hauptworte ohne weitere 
Geschlechtszeichen zugesetzt wird, oder wo das Hauptwort ein 
s als Zeichen des zweiten oder dritten Falles bekommt, als: tö 
Meilen bringen, zur Mühle bringen; tö Haaiv gongen, zur Kirche 
gehen; tö Hdjnst satten, zu Pferde sitzen; tö Lick, tö ÄireUer, tö 
Ringslerenne, tö Kost, tö Dons, tö Cotnedie wesen, zur Leiche, zum 
Ehrenbier (Begräbnissmahl), zum Läutungsabend, zur Hochzeit, zum 
Tanze, zur Comödie sein; iö Fäujtts, tö Wäiens, tö Shdpps räi- 
sen, zu Fusse, zu Wagen, zu Schiffe reisen; tö Dicks käiren, zu 
Deiche fahren; tö Stäujls gongen, zu Stuhle gehen; töWedslupen, 
in die Wette oder um die Wette laufen; tö Wäis mäujttcn, auf 
den Weg müssen; tö Siee gongen, zur See gehen; tö Hüss kamen, 
nach Hause kommen; tö Läiijnn räisen, zu Lande reisen; tö Bedd 
lädden, zu Bette liegen; tö Sheiv sdtten, zu Tische sitzen; tö Ktip 
hewen, zu Kauf haben; tö Pöpier bringen, zu Papier bringen; tö 
liaucks fairen, zu Buche tragen; tö Fäjlle tieen, zu Felde ziehen. 
— 5. Deutet tö eine Vereinigung oder etwas mit einander Ver- 
bundenes an, als: Iie et Speck tö't Brüjd, er isst Speck zum Brote; 
Ruhmme tö de Bräi, Rahm zur Grütze; Winn tö'e Braa/is, Weiu 
zum Braten; dirr ds Päwer tö de Slidjnkel, da ist Pfeffer zum 
Schinken; Päwerräiijtt tö't Flash, Mecrrettig zum Fleische. — 4. 
Steht es bei Verwandlungen und Umbildungen, als: ivdt tö Gijl 
mägen, etwas zu Gelde machen; Hält tö Eesh bränrien, Holz zu 
Asche brennen; tö Mahl, tö Gröl grünnen, zu Mehl, zu Graupen 
mahlen; tö Maus kögen, zu Muss kochen; Kork tö Döbbe sheren, 

49 



586 

Kork zu Pfropfen schneiden; Holt tö Pldcke twiUen, Holz zu Pflö- 
cken schnitzen; tö Wä/iser worden, zu Wasser Averden; Häwer iö 
Hächelse sheren, Hafer zu Häcksel schneiden; wät tö Puliver slijl- 
ien, etwas zu Pulver stossen. — o. Dasselbe gilt, wenn irgend 
jemand in ein neues Verhältniss gesetzt wird, als: y£n tö Bunjer- 
mäister, tö Prester, tö Faaged, tö Organist, tö Küster, töPrdwst, tö 
Shäujbnäister ivählen, einen zum Bürgermeister, zum Prediger, 
zum Vogte, zum Organisten, zum Küster, Probst, Schulmeister 
wählen ; sin Tijnstfömmen tö en Wöff nämen , seine Dienslmagd zur 
Frau nehmen; en Wöff tö en Hüssliüjller , eine Frau zur Haus- 
hälterinn; sd7i Kndgt tö en Forwälter mägen, seinen Knecht zum 
Verwalter machen; ^n tö en Lügner, en Thief, en Shdlm magen, 
jemand zum Lügner, Diebe, Schelm machen; tö en Maurder, en 
Riese, en Geck worden, zum Mörder, Riesen, Gecken werden; 
hnJim an tö Frünne mägen , sich jemand zum Freunde machen. — 
6. Steht es hei Verhältnissen des Angehörens, als: de Kaie tö'e 
Döhr, der Schlüssel zur Thür; jö Sliaahs tö't Slot, der Riegel 
zum Schlosse; de Böge tö 'e Glcliel, der Bogen zur Geige; de Döbbe 
tö't Läiling, der Pfropf zum Lägel; de Tächelse tö de Wäien, die 
Deichsel zum Wagen; de Trog tö de Slippstijn, der Trog zum 
Schleifsleine; de Sliäwring tö't Hijnsernetjöch , die Zichstange zum 
Brunnenschwengel; dät Lück tö't ^Ikenier , die Lücke zum Erker. 
— 7. Giebt es den Gegenstand an , der für einen andern bestimmt 
ist, als: Gijl tö Brüjd, tö Köpshätt [Ilaadsltätt] , tö Tohäk, Geld zu 
Brot, zur Kopfsteuer, zu Taback; en Pung tö Gijl, en Shöff tö 
Bräiive, en Neet tö Fäshen, tö Tjaulinge, ein Beutel zu Gelde, 
eine Schublade zu Briefen , ein Netz zum Fischen , zu Knäulen. — 
8. Steht tö, wenn einem etwas zum Vortheil oder Nachtheil ge- 
reicht, als: dät's tö man Shäse, tö ddn Fordijl, tö din äien Best, 
dät ds me lö Last, tö ddn Ihre, tö min grölt Fortrijlt, das ist zu 
meinem Schaden, zu deinem Vortheil, zu deinem eigenen Besten, 
mir zur Last, dir zur Ehre, zu meinem grossen Verdrusse. Eben- 
so in ähnlichen Fällen, z. B. ick kaum tö Shäse, ich kam zu Scha- 
den; he mägct de tö Sliömm, er macht dich zu Schanden; he 
brögt hdm tö Forstünd, er brachte ihn zu Verstand; jö hülp hdm 
tö Gijl, sie half ihm zu Gelde; he beret hdm tö de Düss, er be- 
reitet sich (oder ihn) zum Tode; dät Kaum ds ripp tö de Berrigt, 



387 

die Saat ist reif zur Erndte, oder tö de SlijärdUhsse , zur Schnit« 
tcrerndte; he fäit füßig Daalcre tö Liljn, er bekommt 50 Thalcr 
an Lohn; jö fang cn Rinnshirm 16 Forifiring , sie bekam einen 
Regenschirm zum Geschenk. — 9. Steht es bei Grössen- und Ge- 
wichtsbestimmungen, als: en Fierding tö ficivan fertig Jaurde, ein 
Vierteldemalh zu 45 Ruthen; en Mark tö segstäin Shdllinge, eine 
Mark zu 10 Schillingen; cn Iläiijdd tö trd Daalere, ein Hut zu 
o Thalern; c?i Träiv tö fertig Hocke, eine Stiege zu vierzig Gar- 
ben. — 40. Bezeichnet es den Ort des Befindens, als: he gongt, 
sät me tö Sidde, er geht, sitzt mir zur Seite; dät ds me di tö 
Häiijnne, es ist mir nicht zur Hand; he feil hdm tö Fäjtt, er fiel 
ihm zu Füssen; he gongt hdm tö de Häiijnn, ergeht ihm zur Hand, 
an die Hand, ist ihm behülflich. — li. Verbindet es die Zeit des 
Seins und Geschehens, als: dö kaast't tö drk Stünn füjn, du 
kannst es zu jeder Stunde bekommen; kam tö rögter Tidd, komm 
zu rechter Zeit; nö tö Däis gongt' t so, heut zu Tage geht es so; 
nö tö Tidds, zur jetzigen Zeit; he läwet tö jö Tidd, er lebte zu 
der Zeit ; alles ivdt shdil, mäujt doch tö en Tidd shijn, alles 
was geschieht, muss doch zu einer Zeit geschehen ; tö Mdddäi 
wdU'r käme an tö Maundäi kirr bliwive, zu Mittag will er kom- 
men und bis zum Montag hier bleiben. — 12. Steht es statt für 
und an, als: ick hähiv tö hdm shräwen, ich habe ihm, odec an 
ihn geschrieben; he kierd hdm dm iö't Fäiijlk, er wandte sich an 
oder gegen die Leute; binn de Häjnst tö de Buhmm, binde das 
Pferd an den Baum; dirr ivort en Gulig tö hdm hdggd, es wird 
ein Galgen für ihn gebaut; jö müget en Böshe tö me, sie macht 
ein Butterbrot für mich; hier de dm tö't Uch, tö de Seime, wende 
dich nach der Wand, gegen die Vorderseite des Bettes. — dS. Statt 
nach und aiif, als: jd gingen tö Kost, sie gingen auf die Hoch- 
zeit; he räist tö Hamburg, er reist nach Hamburg ; jd gonge tö LönAdlm, 
tö Hühssem, sie gehen nach Lindholm, nach Husum; huhm häne 
tö wdt hüjllen, sich auf etwas beziehen; ick hüjll me tö diu Urd, 
ich halte mich an dein Wort; he hält hdm tö me, er hält sich 
zu mir, und er hält sich an mich; dagegen: er hält sich an 
mir, damit er nicht falle, he hält hdvi bdi me; he längt dp tö'e 
Löß, er reicht bis an die Decke. 

Tö steht im Nordfriesischen nicht in folgenden Redensarten, 



388 

wo man im Deutschen zu gebraucht, als: er hat Geld zu Scheffeln, 
zu Tausenden, he het Gijl hiii Sheppe, bäi Dusende; die Störche 
zogen zu Schaaren fort, dd Staurke tuchen wäg bäi hiel Flölise, 
oder äujn (in) hiel Flöfise; ich hahe sie zu Hunderten gesehen, 
ick käfiw's bäi Hunnerte säjn. — Zur Schule gehen heisst nicht 
töShäujl, sondern äujn'l Sliäujl gongen. 

Gemischte Beispiele: T6 de Nagte, auf die Nacht; eigentlich: 
zu den Nachten; tö Prester, tö Adfekät, tö Docter studiren, Theo- 
logie, Jurisprudenz und Medicin studiren; tö FoJle kämen, in Er- 
füllung gehen, wörtlich: zur Fülle kommen; ke hei alt so faale 
tö Klip, der hat immer so viel zu Kauf, soll immer seinen Senf 
zu allem geben; Liewde tö hnhin hewen, Liebe zu jemand haben; 
Aujnläge tö wäl hewen, Anlage zu etwas haben; wannt tö.'t Stock 
kämt, wenn 's zum Stück kommt; gäujd tö Mmtjds wesen, gut zu 
Muthe sein, — Ferner unterscheide man noch: tö'e Meilen, bis 
zur Mühle, und tö Meilen, zur Mühle; tö Märked käiren, zu 
Markte, tö't MUrked, bis an den Markt; tö Döhrs und tö'e Döhr, 
s. o.; tö Hüss gongen, nach Hause, tö 't Hüss, bis an 's Haus; tö 
Sjürk, zur Kirche, tö'e Sjürk, bis an dieselbe. — Die Ausdrücke: 
huhm tö en Thief, en Shälm mägen u. s. w. lassen sich nur durch 
tö mit dem unbestimmten Geschlechtsworte auflösen. — Folgende 
Sätze: ick hähw Iidm shrätven, ich habe ihm geschrieben; ick hähw 
tö kam shrätven, ich habe zu ihm geschrieben, wie ich zu ihm 
schicke; ick hähw't hdm shräwen, ich habe es ihm geschrieben; 
ick hähw't tö hdm shrätven, ich habe es zu ihm oder an ihn ge- 
schrieben; ick hähw't hdm töshräwen, ich habe es ihm zuge- 
schrieben (gemeldet); ick hähto hdm min Middle töshräwen, ich 
habe ihm mein Vermögen zugeschrieben (verschrieben); ick hähiv 
äujn hdm shräwen, ich habe an ihn geschrieben; ick hähiv efter 
hdm shräwen, ich habe nach ihm geschrieben, d.h. dass er kommen 
möge; ick hähto äjtt hdm shrätven, ich habe an ihn selbst ge- 
schrieben, d.h. dass er kommen solle; ick hähtv dtn hdm shrätven, 
an einen andern, dass dieser ihn mir verschaiTen möchte: — sind 
alle mehr oder weniger sinnverwandt, und können zum Beweise 
der Mannigfaltigkeit des Ausdrucks durch die Vcrhältnisswörter 
und als Beispiel ähnlicher Zusammenstellungen dienen, 
ümstandswörtlich : auf an tö, ab und zu; jö Döhr ds tö, die 



389 

Thür ist zu; hörr faale dähst töF wie viel giebst du ^u? jeio me 
dät tö, verzeihe mir das; cläl gongt wunnerlich lö , das geht wun- 
derlich zu; hier nö tö! hör nun zu! hiihm liiert dät tö? wem ge- 
hört das zu? 

Zusammensetzungen mit tö sind: ämtö, äptö, amvertö, häitö, 
däfdtü, mvtö, 4. hei einer Zugabe, 2. bei einer Richtung; ütttö, 
mdtö, mitunter, u. s. w. 

§. 271. Trots, trotz. 

Wie im Deutschen: Trots min Trüwwen däi'r't doch, trotz mei- 
nes Drohens that er's doch; he lUppt trots de beste Hdjnst, er läuft 
trotz dem besten Pferde; he bönnet trots en Matrose, er flucht 
trotz einem Matrosen; trots dät örkel Wähser ging'r ütt tö bähsen, 
trotz des schlechten Wetters oder trotz dem schlechten Wetter 
ging er aus zu baden; trots min Waarshicing gingen da Jöngense 
ütt äw't I'ss an drUngden, trotz meiner Warnung gingen die Jun- 
gen auf's Eis und ertranken. Aber: he det 't me tö Trots, er 
ihut's mir zum Trotze. 

§. 272. Ütt, üttaiif, aus; dän. udaf, engl, out of. 

Utt bezieht sich im eigentlichen Sinne bloss auf das Erschei- 
nen eines Gegenstandes, der so eben das Innere eines andern 
verlässt oder verlassen hat, und wird, in den meisten Fällen, 
noch mit auf verbunden, als: he kämt ütt'e Tünn, ült'e Döhr, 
ütt'e Kohl, ütt'e Süss, ütt't Hiiss, er kommt aus dem Garten, 
aus der Thür, der Grube, dem Brunnen, dem Hause, d. h. er 
verlässt in diesem Augenblicke den Garten, die Thür u.s.av. Spre- 
chen wir dagegen: he kamt üttauf'e Tünn, üttauf't Hüss u. s. w., 
so wird der Sinn etwas verändert, und aitf mit ült verbunden 
erweckt hier zugleich die deutliche Vorstellung in uns, dass der 
verlassene Gegenstand den Verlassenden umschlossen oder in sich 
gefasst hatte, was im Deutschen nur durch ein zweimaliges aus, 
aus — heraus, und dennoch nicht so bestimmt ausgedrückt werden 
kann; denn »er kam aus dem Hause heraus" erweckt noch 
immer jene Vorstellung nicht so leicht und richtig wieder, als 
üttauf. 

Utt't Shäujl bliivwen, nicht in die Schule hineingehen: auf't 
Shäujl bliwiven, aus der Schule wegbleiben, wenn man dieselbe 
besuchen sollte; en Bless ütt en Bauck, üttauf en Bauck und 



590 

auf en Bauch riwiven, ein Blatt aus einem Buche,' aus einem 
Buche heraus und von einem Buche reisscn; en Stock iilt en 
Büjlke , ültanf en Büjlhe und auf en Büjlke sägen, ein Stück aus 
einem Balken, aus einem Balken heraus und von einem Balken 
sägen; de Pläck gongt ütt't Tjöch, der Fleck geht aus dem Zeuge, 
wenn er darin sitzt: lie gongt auf't Tjöch, wenn er darauf sitzt; 
de Airem äs ütt't Ldss und aiif't Ldss, der Arm ist aus dem Ge- 
lenke und ab dem Gelenke. — Utt ^ngst, auf ^ngst und faar 
^ngst, aus Angst, von Angst getrieben, und vor Angst; dät äs 
me ütt'e Tagte kiemmen, es ist mir aus den Gedanken gekommen, 
nämlich auf eine Zeitlang: dät's me auf'e Tagte gingen, aus dem 
Gedächtniss. — Hiilim üllmägen und huhm aufmägen, ist beides ihn 
schelten, aushunzen; he magel't ült mä häm, er machte es mit 
ihm aus; ick wäll de Säge ndg aufmüge, ich will die Sache schon 
abmachen. 

Umstandswörtlich: he ivdll ütl, er will aus; dät I-jägt gongt 
ült, das Licht geht aus; dirr wort nint ütt, es wird nichts dar- 
aus; Iie slauch en Rüll ült, er schlug eine Scheibe aus; ült an in 
gongen, aus und ein gehen. — Uttüm,üttbui, ütt faar, u, s.w. 
§. 275. Untier, unter; dän. nnder , nd. unner, engl, under. 
Unner, das Gegentheil von aiiwer und baawen, baaivne, boppe, 
zeigt einen tiefern oder niedrigem Standpunkt in Beziehung 
auf einen höhern an , als : tinner 'e Bank lädden , unter 
der Bank liegen; unner 't Ausing slüvjnnen, unter der Traufe ste- 
hen; unner segs Ihr ivesen, unter sechs Jahren sein; iväl unner 'e 
Hävjnn forkuppen, etwas unter der Hand verkaufen; he slönt un- 
ner' e Kinning , unner 'e Btirgcrmäistcr , unner' t ^mtmönn, er steht 
unter dem König, dem Bürgermeister, dem Amtmanne; he for- 
släik sin Föhlhäid unncr'e Shin fon Liewde, er verbarg seine Bos- 
heit unter dem Scheine der Liebe; dät kaaget unner't Lädd, es 
kocht unter der Stürze. — Steht unner bei räumlichen A^erhält- 
nissen, wo es im Deutschen mit dem vierten Falle gebraucht 
wird, so nimmt man andere Umstandswörter zu Hülfe, als: häne, 
dähl, dp, auiver, u. s. w. als: dät Bjärn krüpt unner' e Shew, das 
Kind kriecht unter dem Tische herum: hat krüpt inunner'e Shew, 
es kriecht unter den Tisch; ebenso häneiinner'e Sheiv; unner't 
Spägel hängen, unter dem Spiegel hangen: äpunner't Spägcl 



391 

hingen, unter den Spiegel hängen; dät Mddsdmmerkrüdd sät un- 
ner'e Büjlkc, das Johanniskraut (Sedum Telcphiuni) sitzt unter 
dem Balken: wäl dpunner'e Büjlkc siegen, etwas unter den Bal- 
keq stecken; unner'e Tage Iddden, unterm Dache liegen: auwer- 
unner'e Tage &millen, unter 's Dach hinüber werfen; de Könker 
krup dählunner'e Shew, die Spinne kroch hinab unter den Tisch: 
he krüpt unner'e Shew, sie kriecht unter dem Tische, üneigent- 
lich gebraucht steht bloss nnner, als: unner't Aiiwerrögt släujn- 
nen, unterm Obergerichte stehen; unner't Amverrügt kamen, unter 's 
Obergericht kommen; dö kämst unner'e Fäjll, du kommst unter 
die Füsse, von den Beinen; he äs unner'e Sdldaate gingen, er ist 
unter die Soldaten gegangen; he äs bekännd unner de Nüme, er 
ist bekannt unter diesem Namen ; Brüjd unner da £rme üttdie- 
len, Brot unter die Armen verlheilen; huhm unner't Airme grip- 
pen, einem unter die Arme greifen; unner Julien an Granen, unter 
Wimmern und Aechzen. 

Umstandswortlich: dirr sltgt luät unner, es steckt etwas dahinter; 
auch he het'r ivdt unner, er hat etwas darunter, nl. verborgen. 

§.274. Sinnverwandt sind hier büi, mddde, tiväshe , äiv und 
äujn, als: dät äs unner swär Strafe forbähn und bui swär Strafe, 
unter und bei Strafe; he stönt unner't Militair, he äs bäi't Mili- 
tairy he gongt unner'e Säldaale , er geht unter die Soldaten; he 
gongt mädde da Säldaate, er geht unter den Soldaten umher; he 
rät twdshe twäier Ilusaare, er reitet zwischen zwei Husaren. Un- 
ner, äujn, ätv und bäi huhmsen Nöme, unter, in, auf und bei 
eines Andern Namen, als: he gongt unner de an de Nöme, er geht 
unter dem und dem Namen; äujn Gödds Nöme wäll ick't düjn, in 
Gottes Namen will ich es thun; unner en främden Nöme baurigen, 
unter einem fremden Namen borgen; äujn en Auserns Nöme, im 
Namen eines Andern; äw en Auserns Nöme baurigen, auf den Na- 
men eines Andern borgen ; äw Jesu Nöme und äujn sän Nöme krästent 
worden, auf und in Jesu Namen getauft werden; dö shäht äi swere 
bäi Gödds Nöme , du sollst nicht schwören bei dem Namen Gottes. 

De Sann gongt unner, die Sonne gehet unter: de Sann gongt 
dähl, die Sonne gehet nieder, wenn 's über Mittag ist. 

§. 275. Mädde, twdshe. 

Mädde heisst unter, wenn dieses das Befinden in der Menge 



bezeichnet, als: dirr ds Unhrüdd mädde de Wijtte, es ist Unkraut 
unter dem Weizen; 7nädde min Baucke kön ick't ai ßnne, unter 
meinen Büchern kann ich 's nicht finden; ivät mädde enauser min- 
g^n, etwas unter einander mengen; dät läil mädde enauser ds 
Födder an Sträi, äs Krüdd an Röwe, es liegt unter einander wie 
Heu und Stroh, wie Kraut und Rüben. — Twäslic ist in der Mitte 
von zwei Gegenständen, z. B. twäshe Holt an Burk satten, zwi- 
schen Thür und Angel sitzen, wörtlich: zwischen Holz und Rin- 
de; he sät ds en Lüss twäshe twäier Nagle, er sitzt wie eine Laus 
zwischen zwei Nägeln; de Spräikliere stönt twäshe de Bibel an't 
Söngehanck, die Sprachlehre steht zwischen der Bibel und dem 
Gesangbuche. Hörr stönt't? wie steht's? so twäshe bicse, so zwi- 
schen beiden; dirr's nnk ivät twäshe klemmen, es ist etwas zwi- 
schen uns beiden vorgefallen, in die Quere gekommen. 

Man kann sagen : unner da Erme üttdielen und mädde da Ermc 
üttdielen, unter die Armen vertheilen. 

Noch Einiges über die Ziisammenziehimgen , besonders in Fällen, 
die von der gegebenen Regel abzuweichen scheinen. 

§. 27 G. Es gilt zvv'ar als feststehende Regel , dass die angehängten 
Geschlechtszeichcn sich durchgängig nach dem Geschlechte der 
Hauptwörter richten, und dass man dieselbe bei allen Zusammen- 
ziehungen und Abkürzungen befolgen muss. Doch wird man 
auch hier noch hin und wieder auf Ausnahmen stossen, die mir 
selbst anfangs unerklärlich waren, indem ich fälschlich hier das 
sächliche Geschlecht als untergegangen voraussetzte. Bei genau- 
erer Forschung und einer vergleichenden Zusammenstellung der 
abweichenden Fälle dieser Art, ergab sich folgendes, in der Spra- 
che begründete Resultat. Alle Hauptwörter, die sich mit einem 
Grund- oder Doppcllantc (Vocal oder Diphthongen) anfangen , bekom- 
men, ohne Unterschied des Geschlechtes und der Zahl, den Buch- 
slaben t als ^usammenziehimgszeichen, ganz so, wie beim sächlichen 
Geschlechfe , weil z-ivci Vocale, hier das e, sich nicht zwanglos und 
ohne Absatz an einander anschliessen können. Solehe männliche 
vmd weibliche Hauptwörter sind z. B. folgende, als: jö ^gs, die 
Axt; jö Auhs, die Oese; de Auwen, der Ofen; da Aune n. coli., 
die Buttermilch; da ^rle, die Erbsen; de Junker, der Anker; de 



595 

^rwing, der Erbe; ]öyirw, das Erbe; da ^nnerlinge , die jährigen 
Mutterläramer; de Ajl, der Aal; dkAatvente, die Schnürleiber; da 
-^ie\ die Eier; de Airem, der Arm; de J^pel, der Apfel; ']ö^nert, 
die Ente; de J^dder, die Ader; de £ker , der Acker; de £nn, der 
Abend; jö Elms, das Almosen; jö Ellen, die Elle; de Eesh, die 
Schachtel; jöEesh, die Esche; da Ennliörringe, die Abenddämme- 
rung, das Zwielicht (wörtlich : die Zwielichten , denn es ist im Frie- 
sischen ein Nom. coli.); de Eme, derBrodem; de Elefant; de Egge, 
die Seite; jö I/:h, die Eiche; jölfiper, die Ulme; de Ilis, der Eid; 
de Ijnne, das Ende; de Illger, der Aalstachel, Aalgabel; de Ihre, 
die Ehre; de Ödd, die Spitze , z. B. eines Messers ; de Otter, die Otter, 
Fischotter; de Ohme, der Odem; de Ohm, der Oheim; deÖrne, der 
Eber; deögse, der Ochse; deÖmmer, der Eimer; jö Orgel; jö Ujl- 
littg , die Mulde; de Uch, die Wand; deUhrs, der Frühling; iöUrt, 
die Narbe; deUrsäge, die Ursache; deUnnerne, das Mittagessen; da 
iijllingsmänn, die Odelsmänner, genannt Oldingsleute. 

§. 277. Wenn die vorstehenden , so wie andere ihnen ähnliche 
Wörter mit Umstands- Binde- und Verhältnisswörtern in Verbin- 
dung treten, bekommen sie das erwähnte Zeichen, als: de Stele 
sät bäi't ^pel, der Stiel sitzt am Apfel; dät Klüss läit äw't ^ple, 
das Tuch liegt auf den Aepfcln; diihg Sierep äiijn't Anne, ihue 
Syrup in die Buttermilch; jö Krüjk sdt änjn't Anhs, der Haken 
sitzt in der Oese; he gongt aw't Ehre, er geht auf den Aeckern; 
änjn't Ennhörringe satten, im Zwielicht sitzen; huhm wdt äw't 
Airem binnen {äiv'e Slieiv), einem was auf den Aermel binden; he 
släingert mä't Airme, er schlenkert mit den Armen; he sogt äm't 
Jlnnerlinge, er sucht die jährigen Mutterlämmer; äm't, bäi't, äw't, 
amver't, faar't, änjn't, äjtt't, imner't Ijnne; he slaiich Haaling 
äw't Edder, er schlug Loch auf die Ader; he shüjtt dät Reef änjn't 
Ugene, er schoss den Fuchs in die Augen; he sägtet efter't Urder, 
er zielte nach dem Enterich; he spälet äiv't Orgel, er spielt auf 
der Orgel; to't Uhrs wäll ick Buhmme plönte, zum Frühjahr will 
ich Bäume pflanzen; jö Söhg shäll to't Örne, die Sau soll zum 
Eber; he was üttauf't Ohme, er war ausser Alhem; sfjärt da, 
Jtrte äujn't Ujlling , schütte (stürze) die Erbsen in die Mulde; ja 
satte bäi't Unnerne, sie sitzen beim Mittagessen; dd Aile Iddde 
äujn't Ömmer , die Aale liegen im Eimer; häneijn't Enne, gegen 

50 



394 

den Abend; dät Bijnn läit äujn't Esh , das Band liegt in der 
Schachtel; jö mUget Snaurhaalinye äujn't Aawenle, sie macht Schnür- 
löcher in die Schnürleiber , u. s. w. 

Wird aber nicht zusammengezogen , so rauss das rechte Ge- 
schlechtswort stehen, und besonders wenn ein Bestimmungswort 
vorhergeht, als: de JJrder tret jö J'nert; he tret jö spaaivelt J'nert; 
da sihssene Bijnne Iddde äujn de gräine Esh, die seidenen Bänder 
liegen Inder grünen Schachtel; he släingert mä de ihne Airem, er 
schlenkert mit dem einen Arme; de Stele shäll tö de näie Illger, 
der Stiel soll zu dem neuen Aalslachel; de Awe rätt aw de grötte 
Elefant. Ebenso erfordern allgemeine und Ordnungszahlwörter 
das volle Geschlechtswort vor dem Hauptworte, doch jene nicht 
in allen Fällen, als: he segt am jö lähserc Anert, er sucht nach 
der zweiten Ente; all da rüjdde Aple sdn röset , all die rothen 
Aepfel sind faul; aber: alle rüjdde Aple; nijti ripp Plöme, keine 
reife Pflaumen; haaw göhl Pere, einige gelbe Birnen, u. s. w. 

Anynerkung. 

Ohne die gebräuchlichen Zusammenziehungen würde die nord- 
friesische Sprache, sowohl im täglichen Verkehr, wie auch als 
Schriftsprache, zu der sie sich zwar nie ei'hoben hat, den jetzi- 
gen Friesen sehr schwerfällig vorkommen; die Zusammenziehun- 
gen machen sie dagegen geläufig, aber erschweren auch das Er- 
lernen derselben den nicht gebornen Friesen, woraus es sich er- 
klärt, dass Nicht-Einheimische sie so schwer und selten lernen. 



ZEHNTES CAPITEL 

DAS BINDEWORT (Conjünctio) 



§.278. Das Bindewort ist eigentlich ein Umstandswort, welches 
seinen Namen davon erhalten hat, dass es Wörter und Sätze mit 
einander verbindet, und anzeigt, in welchem Verhältnisse diesel- 



593 

ben zu einander gedacht werden sollen. Die gewöhnlichsten und 
wichtigsten derselben sind folgende: 

Dät [dät'r, dät's, dät't, dät'm, pl. dät's), dass; dät äi, damit 
nicht. 

An, und; biese — an, beides — und; ai älliene — aurs ock , 
nicht allein — sondern auch; ocksögaar, auch sogar; ockäi, auch 
nicht; äi hüllcre oder hällere äi, auch nicht, dän.ikke heller oder 
Jieller ikke. 

Untig , oder; äujntwihsser {dntwihsser) — untig , entweder — oder; 
Avihsser — noch, weder — noch. 

Aurs, aber; aurs doch, aber doch. 

Wann — dann, wenn — dann (denn); söbäll äs, sobald als; äi 
söbdll — ds, nicht sobald — als, kaum — als, knäp — äs, kaum — 
als; bit, bis; willert, während. 

A's, als, wie; so — ds, so — wie; ällicksö — ds, eben so als; so 
ds, sö's, so wie; söiväjl — ds, sowohl — als; ds wann, als ob; efler 
ds, nachdem, so wie; je — je und je — desto, ganz wie im Deutschen. 

Dirrfaar, daher, desswegen ; dirrauwer , desshalb; dirrdm, darum; 
also, also; dirr — so, da — so; dann, denn; anwer dät, (über das), 
weil. 

Wdnti — so, wenn — so; hörr — so, wenn — so; wann ock — so 
doch, wenn auch — so doch; wäjl — aurs doch, zwar — aber doch; 
hörrwäjl — so doch, obgleich — so doch; ällichwäjl, gleichwohl, 
dennoch. 

Wirr, ob. 

Anmerkung. 

Die Zusamnienziehungcn mit r, s, t, m u. s, w. kommen nur bei 
denjenigen Bindewörtern vor, die unmittelbar vor den persönli- 
chen Fürwörtern stehen können, und finden nur dann Statt, wenn 
die Personen und Gegenstände, welche das Fürwort vertritt, eben 
vorher erwähnt worden sind , und als völlig bekannt vorausge- 
setzt werden können, als: Man Frünn shrdft me, dät'r dilling äi 
käme kön, an dät sin Wo ff säid häi, dät's mjärne mä kaum, aurs 
dät't Wähser'r jd dilling äi efter ivüs dm ütt tökäiren, mein Freund 
schreibt mir, dass er heute nicht kommen könne, und dass seine 
Frau gesagt habe, dass sie morgen mitkäme, dass ja aber heule 

50 ♦ 



596 

das Wetter nicht darnach sei , um auszufahren. — • Unmittelbar 
vor Hauptwörtern werden diese Bindewörter, wie die Umstands- 
und Verhältnisswörter, mit den Geschlechtszeiehen der Hauptwör- 
ter zusammengezogen , als : wann 'e Rinn dpliält , wenn der Regen 
aufhört; wänn'e Sjürk hdggd äs, wenn die Kirche gebaut ist; 
wänn't Hüss klär ds, wenn das Haus fertig ist; wdnn'r't Hüss 
klär fiel, wenn er das Haus fertig hat. 

j^moendung der Bindewörter. 

§.279. Dät, dass. — He mijnt dät'r'r (1. dättcrer) näcj klär md 
wort, er meint, dass er wohl fertig damit Avird. Das erste 'r 
nach dd,l steht statt des persönlichen Fürwortes he (er), das zwei- 
te statt dirr (da), welches von md (mit) getrennt wird. Wollte 
man diesen Satz dem deutschen nachbilden, ohne die Eigenthüm- 
lichkeit der nordfriesischen Sprache zu berücksichtigen, so würde 
er vollständig also lauten , und trotz seiner schwerfälligen und 
zwangvollen Form auch von jedem Friesen eben so gut verstan- 
den werden: he mij7it, dät he dirrmä tiöcj klär worde wäll; aber 
so hört man keinen Friesen sprechen. — Jö sähs, dät's käme wäjl, 
sie sagte, dass sie kommen wollte; jö lögt, dät's'r {\. dätscr) ragt 
wdt fünnen häi, sie dachte, dass sie da etwas Rechtes gefunden 
hätte {dät's'r, statt: dät jö dirr); dät't shief gonge wäjl, hähw ick 
Uli longens tagt, das es schiefgehen würde, habe ich schon längst 
gedacht; hiihm imjt jd nög , dät'm äi mdtelld worf^), man weiss 
ja wohl, das man nicht mitgezählt wird; dät'r't säid het, ds 
wäir, dass er 's gesagt hat, ist wahr; jö wdll't äi töslmijnne, aurs 
däl's't düjn het, kön ick betjöge, sie will's nicht gestehen, aber 
dass sie's gethan hat, kann ich bezeugen; jd häjn säid, düt's md 
wäjn, sie hatten gesagt, dass sie mit wollten. 

§.280. Dät äi, dass nicht, damit nicht. — Ick bäjd häm inne 
tö bliivwen, ddt'r äi ävjn cn Unlock käme mähs, ich bat ihn, zu 
Hause zu bleiben, damit er nicht in ein Unglück gerathen möge; 



1) Das 'w steht als Zusamraenziehungszeichen für die Pronomina 
jdm und huhm, als: wdnn'm md wdn, so mäujn'm käme, wenn 
ihr mit wollt, so müsst ihr kommen; wdnn'm nint hierd an siijn 
het, so kiJn'm ock nint betjöge, wenn man nichts gehört und ge- 
sehen hat, so kann man auch nichts bezeugen. 



397 

ick inöst de Hünn dränke, dät'r m'jn Lmimnie mörr bijtt, ich mas:?' 
te den Hund ersäufen, damit er keine Lämmer mehr bisse; sijnn 
hdm ditt Baiick, däl'r't äi lungere sägne sliäll, sende ihm das 
Buch, damit er's nicht länger vermissen möge. 

§,281. An, und, wie im Deutschen. — Dö an ick, du und ich; 
Mönn an Wöff an Bjärne, Mann und Weih und Kinder; an he 
kaum an such an forfjard hdm, und er kam und sah und ent- 
setzte sich; an dät wällt an köget an hrühsset an sihssct, »und 
es wallet und siedet und brauset und zischt." 

Biese — o«, beides — und. — Biese he an ja, beide er und sie. 

§.282. Mi älliene — aurs ock — sögaar, nicht allein — sondern 
auch, sogar. — ^Ai älliene sin Wöff, aurs ock sin Dögter äs slürwen, 
nicht allein seine Frau, sondern auch seine Tochter ist gestor- 
ben; äi älliene de Shämmel, aurs ock de Foss äs hält, nicht allein 
der Schimmel, sondern auch der Fuchs ist lahm; he het hdm äi 
älliene üttshelld. aurs ock sögaar släien, er hat ihn nicht allein 
ausgeseholten, sondern auch sogar geschlagen. 

§. 283. Ock äi, auch nicht. — Jät mäujn 'r äi auf ähse an de 
Buhmm ock äi äujnräire, ihr (zwei) dürft nicht davon essen, und 
den Baum auch nicht anrühren; dät wäs't ock noch äi ältemäle, 
wdt'r forlängd , das war's auch noch nicht alles, was er verlang- 
te; lajtl de nint marke [aar Jiäm an ock äi faar här , lass dich 
nichts gegen ihn merken und auch nicht gegen sie. 

§.284. Hällere äi oder äi hällere, auch nicht, eben sowenig. — 
Järst büjdd ick hdm fieiv Daalere, an tölest tien, aurs dät wäjl'r äi 
hällere, erst bot icii ihm fünf Thaler und zuletzt zehn, aber das 
wollte er eben so wenig. Eben so wenig wird aber auch wört- 
lich so übersetzt: 'dät kön'r ällicksö läiet, das kann er eben so 
wenig; dät kön'r äi hällere, das kann er auch nicht, wörtlich: 
dät kön'r ock ai. 

§.285. Untig , oder. — Ick untig dö, ich oder du; he untig en 
aiisern, er oder ein anderer; wdt untig nint, etwas oder nichts; 
wäht untig äi? willst du oder nicht? bring me en Glees Bier untig 
en Glees Winn, bringe mir ein Glas Bier oder ein Glas Wein. 

Aujntwihsser [äntivihsser) — untig, entweder — oder. — Dö maust 
äujntivihsser sellew käme, untig me ock shriwivc, du musst entwe- 
der selbst kommen, oder nur auch schreiben; aujntwihsser äs'r en 



598 

Geck, imtig ock man Imleiv klauk, enlweder ist er ein Geck, oder 
auch nur halb klug ; jü äs ävjntwihsser kränk , untig ock düjdd , 
sie ist entweder krank, oder auch todt; he mäujU äujntwihsser he- 
täle, untig ock äiijn't Loch üiu Wähser an Brüjd, er muss ent- 
weder bezahlen, oder auch in's Gefängniss auf Wasser und Brot. 

§. 286. Wihsser — noch — aurs man , weder — noch — sondern 
nur. — He äs wihsser gitsig , noch rüff, aurs man sünig, er ist 
weder geizig , noch verschwenderisch , sondern nur sparsam ; dät 
Wähser ds ja wihsser küiijl, noch tvorm, aiü's man läi, das Wasser 
ist ja weder kalt , noch warm , sondern nur lau ; dd Slänge kaane 
wihsser gonge, noch flijn, aurs man kriepe, die Schlangen können 
weder gehen, noch fliegen, sondern nur kriechen; de Sütter kön 
wihsser Holt , noch Glees, aurs man Läkser tö Shur an Stäiwle brücke , 
der Schuster kann weder Holz, noch Glas, sondern nur Leder zu 
Schuhen und Stiefeln gebrauchen. 

§. 287. Aurs, aber. — Ick ivdlVt de nög sedde, aurs dö maust 'l 
äi ivihsser forteile, ich wiH's dir wohl sagen, aber du darfst es 
nicht wieder erzählen; ick forlhr de dät Bauck, aurs dö mäiist'r 
ock äujn lese, ich schenke dir das Buch, aber du musst auch 
darin lesen; aurs dirr'r't nö äi aurs mäge köhs, aber da er es nun 
nicht anders machen konnte; he bäjd nie dm man Stock, aurs ick 
wäjl'n häm äi düjn, dann aurs häi'r'n behüllen, er bat mich um 
meinen Slock, aber ich wollte ihn ihm nicht geben, denn sonst 
hätte er ihn behalten. Aurs, wenn es aber vertritt, muss immer 
zu Anfange des Vorder- oder Nachsatzes stehen, und kann nicht, 
wie im Deutschen, versetzt werden. 

Aurs doch, aber doch. — He ivusst me äi tö räjdden, aurs he 
mijnd doch, dät ick't man düjn shiiujl, er wusste mir nicht zu 
ralhen, aber er meinlc doch, dass ich 's nur thun sollte; kann 
auch heissen: aurs doch mijnd 'r u. s. w. Eben so steht es, wie im 
Deutschen, wenn man nach einigem Ueberlegen auf einen glück- 
lichen Einfall geräth, als: aurs doch! aber doch! 

§.288. Wann — dann, wenn — dann (denn). — Wdnn'e Nüjdgröttst 
äs, dann kriepe dd müste tö Krüss, wenn die Noth am grössten ist, 
dann kriechen die meisten zum Kreuze; wanne Klöck twellew släit, 
dann wäll ick bäi de wesc; wann, he kämt, dann kaust dö gonge, 
wenn er kommt, dann kannst du gehen. 



599 

Jdrsl me, dann de, erst mir, dann dir; wüt wähl dö dann? 
was willst du denn? Iiä/ist dö dirr dann och wähn? ivät swärei'r 
dann? Nö, sä mäi't'r dann am wese! nun, so raag's denn darum 
sein, sein Bewenden haben. Dirr dann! da denn! nimm's hin! 

§. 289. Söbdll äs, sobald als. — Söhdll bestimmt immer die 
näehste Zeilfolge, und muss immer da nach sich haben: söhäll äs 
ick man käu, sobald ich nur kann; söbdll ds dö kämst; söbdll äs 
ick klär bän, sobald als ich fertig bin; söbdll ds dät Hännehjärn 
da Sjöcklinge säch , shüjl't'r dähl dw, sobald als der Hühnergeier 
die Küchlein sah, schoss er auf sie herab. 

§.290. "Ai söbdll — äs, nicht sobald — als, kaum. — He iväs 
äi söbdll inkiemmen, äs'r ock all ävjn fanget Tot tu mägcn, er w^ar 
kaum hereingekommen , als er auch schon anfing Lärm zumachen, 
oder: er war nicht sobald hereingekommen, als u, s. w. Hier kann 
auch knäp (kaum) stehen: knäp häi'r dät säid, äs'r ock all änifell, 
kaum hatte er das gesagt, als er auch schon umfiel; ick was knäp 
inkiemmen, äs'r huhm äiv'c Döhr böget, ich war kaum hereinge- 
kommen, als jemand an die Thür pochte. 

§.291. Bit, nd. bit, bis, wie im Deutschen. — Täiio , bitickwihs- 
ser töbähg kam, warte, bis ich wieder zurückkomme. 

§. 292. Willert, während. — He et BraaJis an dräjnkt Winn, 
willert ick knäp dröhg Brüjd an Wähser hähiv, er isst Braten und 
trinkt Wein, während ich kaum Irocknes Brot und Wasser habe. 

§.295. As, als. — He läwet äs en Biller, er lebt wie ein Bett- 
ler; he stürw äs Brest er, er starb als Prediger; he kaum äs en 
Thief, er kam wie ein Dieb. Auch: ds ick üttging, fanget' t änjn 
tö renen, als ich ausging, fing es an zu regnen. A's bezeichnet 
die Vergleichung und Zeitverbindung am allgemeinsten. 

§.294, So — äs, so — wie, ällicksö — ös,alswie, eben so als. — 
He äs so gäujd ds huhm, er ist so gut wie einer; ick bän so grött 
ds dö, ich bin so gross wie du; he äs so gäujd äs rögtfjärdig , er 
ist so gütig als gerecht; dät äs so faale äs nint, das ist so viel 
wie nichts; min Giß jüllt so faale ds din, mein Geld gilt so viel als 
das deine; en Shälling jüllt so faale ds tiväier Segslinge, ein Schil- 
ling gilt so viel als zwei Sechslinge. — Dät äs ällicksö 'n Bock 
ds man, das ist eben ein solcher Rock, wie der meinige; he äs 
ällicksö rick äs dö, er ist eben so reich wie du. 



400 

So äs, als, ^^ie. — Dirr sdnmdmmig SlägsFögle, so as: Slaurke, 
Spärrige, Spriene, Laaslie, Rauhe, Krage an so ividdere, es gicbt 
Tielerlei Vögel , als : Störche , Sperlinge , Staaren , Lerchen , Raben , 
Krähen u. s. w. 

So ds he hdm äjUdregl , dät ds jd doch alte äirig , so wie er sich 
gebehrdet, das ist ja doch gar zu arg. So ds wird auch in sö's 
zusammengezogen: sö's he tokiers gongt, slimjVtn jd lieive, dät'r 
mal ivüs, so wie er zu Kehr geht, sollte man ja glauben, dass er 
toll wäre; he tvdll di, sö's ick, er will nicht so wie ich. 

§. 29d. Söwäjl — ds, oder — ds ock, sowohl — als auch. — Sö- 
iväjl ick ds dö, sowohl ich als du; söwäjl iö Wähser ds tö Läujnn, 
sowohl zu Wasser als zu Lande; söwäjl ävjn Krichs- ds äiijn Fre- 
senstidde, sowohl in Kriegs- als in Friedenszeiten; de Shrüjdder 
hrückt söwäjl Träjdd an Sihssen, ds Säinelle an Shäire, der Schnei- 
derbraucht sowohl Zwirn und Seide, als Nähnadeln undScheercn; 
dd tvllle Jlnerte kaano söwäjl sivömme ds ock gonge an flijn, die 
wilden Enten können sowohl schwimmen als auch gehen und 
fliegen; de Bürre brückt söiväjl Plauge ds ock Hürreive an Rcwe, 
der Bauer gebraucht sowohl Pflüge als auch Eggen und Rechen; 
he hei me söwäjl lühsset ds ock släien an bann, er hat mich sowohl 
gezauset als auch geschlagen und gebissen; he het hdr söiväjl be- 
shönklütlct ds ock belägen, er hat sie sowohl beschandlleckt als 
auch belogen; söiväjl harren Mann ds ock harr Bjärne möst's for- 
läjtte, sowohl ihren Mann als auch ihre Kinder musste sie verlassen. 

§.296. As wann, als ob. — He Hipp, ds wdnn'r mal wähn häi, 
er lief, als ob er toll gewesen wäre; he säch iltt, ds wdnn'r di 
tö fiew teile köhs, er sah aus, als ob er nicht bis fünf zählen 
könne; dö mägest jd en Tot, ds wdnn'r twontig ivjärn, du machst 
ja einen Lärm, als ob zwanzig da wären. 

§,297. ±^fter ds, nachdem, so wie. — Efter ds he säit, mäiijl't 
doch wäir wese , nach dem, was er sagt, muss es doch wahr sein; 
efter äsickhierd hähw, nach dem wie ich gehört habe; efter äs'r 
so rieh ds, det'r man läiet gäujd, nachdem er so reich ist, thut 
er nur wenig Gutes. Bei Zeitbestimmungen aber steht ds nur 
allein, wo im Deutschen ebenfalls nachdem stehen kann, als: äs'r 
hdm satt ahn häi, nachdem er sich satt gegessen hatte; ds ick 



401 

Imig täiwd Im, nachdem icli lange gewartet halte. Eflcr ds würde 
hier unrichtig stehen. 

§.298. Je — je und je — desto. — Je mörr, je bähsere, je mehr, 
je besser; je rdlere, je tüsigere, je älter, je gricklicher; je ihr, je 
lieivere; je bähsere Kaum, je sliwwere Hulem, ']e besseres Korn, je 
steifere Halme; je mörr dö de bähsest, desto bähsere ds't, je mehr 
du dich badest, desto besser ist es; je mörr'r fäit, desto mörr 
lüäll'r hewe. 

§.299. Dirrfaar, daher, desswegen; dirranwer, desshalb; dirrdm, 
darum; also, also. — Dirrfaar und also bezeichnen beide eine 
Folge; dirrfaar bezieht sich auf das Ursächliche, also auf das 
Verpflichtende, als: jd köhn äi forlicke, dirrfaar tuchen's fon en- 
auser, sie konnten sich nicht vertragen, daher zogen sie von ein- 
ander; dö hähst'l forsprägen, also maust' t och hüjlle. — Jd köhn 
äi ijns, dirramver leten's jdm shiese, sie konnten nicht überein- 
stimmen , desswegen Hessen sie sich scheiden. 

§.500. Dirr — so, da — so. — Dirr'r äi hiere iväjl, so möst'r 
fäile, da er nicht hören wollte, so rausste er fühlen; dirr ick hierd, 
dät's krönk was, so wäjl ick'r hdr nint fon sedde, da ich hörte, 
dass sie krank sei, so wollte ich ihr nichts davon sagen ;^ä iväjn 
hall mdspäle, aurs dirr 's nijti Gijl häjn, so mösten's't bliivwe läjtte , 
sie wollten gerne mitspielen, da sie aber kein Geld hatten, so 
mussten sie es bleiben lassen; dirr ick nint hähw, so kön ick ock 
nint düjn', da ich nichts habe, so kann ich auch nichts geben. 

§.501. Dann, denn. — He köhs äi mdkäme, dann he was krönk, 
er konnte nicht mitkommen, denn er war krank; he wäjl'r nint 
äujn ivaage, dann dirr was nint tö liälen, er wollte nichts daran 
wagen, denn da war nichts zu holen (gewinnen); de Docter ging 
gelick, dann dirr iväs nint bäi tö mägen, der Ai'zt ging sogleich, 
denn es war nichts dabei zu machen. 

§.502. Anwer dät, wörtlich: über das; aus der Ursache, dem 
Grunde, daher für weil, als: wirrfaar kön'r äi betäleF aiiiver dät'r 
nijnGijlhet, wesshalb kann er nicht bezahlen? weil er kein Geld 
hat; jö Klöck slönl, amver düt's äi dptägen äs, die Uhr steht, weil 
sie nicht aufgezogen ist. 

§.505. Wann — so, wenn — so. — Wann dö mä iväht, so maust 
käme, wenn du mit willst, so musst du kommen; wann ick'r Hat 



402 

äjU häi, so spälel ick md, wenn ich Gefallen daran fände, so 
spielte ich mit; ivänn'r'r ivdt auf wiisst häi, so würd'r't de säid 
heive, wenn er etwas davon gewusst hätte, so würde er's dir ge- 
sagt haben; wdnn's man äi so Idgtliewig was, so würd's äi so öf- 
ting bedrägen, wenn sie nur nicht so leichtgläubig wäre , so würde 
sie nicht so oft betrogen; ivdnn's man Giß häjn, so wäjn's nög md- 
mäge, wenn sie nur Geld hätten, so würden sie schon mitma- 
chen; wdtm'm äi ivdn, so kaane'm't bliwwe läjtte, wenn ihr nicht 
wollt, so könnt ihr's bleiben lassen. 

Ick häi hdm diso hehöndelt, ivdnn ick hdm bähsere kännd häi, ich 
hätte ihn nicht so behandelt, wenn ich ihn besser gekannt hätte; 
wdnn'r doch man käme wäjl! wenn er doch nur kommen wollte! 

Anmerkung . 

Das deutsche Adverbium wdnn heisst im Nordfr. wdnne, als; 
wdnne hähst dirr wähl? wd,nne tväs dät? ivdnne kdmVr? wdnne 
ivorst klär? — Hörr und wdnn (wenn) sind oft sinnverwandt, und 
können in manchen Fällen für einander stehen, als: hörr dö md 
wähl, so maust 't me tissnög wähse läjtte, wenn du mit willst, so 
musst du es mich zeitig genug wissen lassen; körr'r'r {\. hör- 
rerer) ivdt auf ivijt, so säit'r't de nög, wenn er etwas davon weiss, 
so sagt er's dir wohl; hörr'm äi wdn, so ivdll ick'r jdm nög tö 
tiüinge, wenn ihr nicht wollt, so will ich euch schon dazu zwin- 
gen. Hier kann in allen Sätzen auch ivdnn statt hörr stehen, 
aber beide Wörter können einander nicht in jedem beliebigen Falle 
vertreten. Ick ridd dilling ütt, hörr't man drög Wähser bläß, 
oder wdnn'i man u. s. w. ; hörr't me möglick ds, oder tvdnn't »ne 
möglick ds; aber nicht; hörr ick'r Häi äjlt häi — hier muss wdnn 
ick stehen; wohl aber; hörr'r'r Häi äjtt füjn shäujl. Wdnn's man 
Gijl häjn, so würden' s de nög beiäle; hier würde hörr nicht pas- 
sen, dagegen aber: hörr's Gijl häwe, so wort't hdm nög wihsse, 
wenn sie Geld haben, so wird es sich schon zeigen, ist richtig. 
Wdnn's man äi kränk wjärn, so wäjn's jdm nög infinne, wenn sie 
nur nicht krank wären , so würden (wollten) sie sich schon ein- 
finden; hörr's ällicksö gilsig äs, äs harr Süster, so det's de nint, 
wenn sie eben so geizig ist, als ihre Soliwesler, so giebt sie dir 



403 

nichts; wann loe man nijn Kluhse, nijn Hüss an nijn Fäiks brück' 
tcn! wenn wir nur keine Kleider, kein Haus und keine Nahrung 
brauchten, so u. s, w. ; harr 's wdt nö/issig häive, kaast's wdt düjn, 
wenn oder falls sie was bedürfen (nöthig haben), kannst du ilinen 
etwas geben. 

Hörr ist mit hock sinnverwandt, wenn es bloss umstandswört- 
lich statt ^vie steht, und hock ist eigentlich kein Bindewort. 

§. 304. Wann ock — so doch, wenn auch — so doch. — »Wann V ock 
so faaleDäuwle wjärn, äs Panne äw'e Tage, söivdllick'r dochhäne," 
»wenn auch so viele Teufel da wären , als Ziegel auf den Dächern, so 
will ich doch dahin" (Luther). An wdnn'r ock noch ijnsen so grott 
was, ds'r ds, so wäjl ick hdm doch nög füjn , und wenn er auch noch 
einmal so gross wäre, als er ist, so wollte ich ihn doch wohl 
kriegen ; nö, wdnn't dann ock so was, nun, wenn's denn auch so wäre. 

§. 305. Wäjl — aurs doch, zwar — aber doch. — Wäjl het de 
Slänge nijn Fäjtt, aurs he kön doch hastig aufstähs kriepe, zwar 
hat die Schlange keine Füsse, aber sie kann doch schnell fort- 
kriechen; dd Kälte fange wäjl Müss, aurs männing Hünne fange 
doch noch mörr, die Katzen fangen zwar Mäuse, aber manche 
Hunde fangen doch noch mehr. 

§. 306. Hörrwäjl — so doch, obschon , obgleich , wiewohl. — Hörr- 
iväjl de Strauss en Fögel ds, an Winge het, so kön'r doch di flijn, 
obgleich der Strauss ein Vogel ist und Flügel hat, so kann er 
doch nicht üiegen; hörrwäjl ick't hdm befälen häi, so däi'r't doch 
äi, obgleich ich's ihm befohlen hatte, so that er's doch nicht. 

u/llickiväjl, gleichwohl, dennoch. — Ick tröivwet hdm md Ütt- 
päujnnigen , aurs he betälet ällickwäjl äi, ich drohte ihm mit Aus- 
pfändung, aber er bezahlte dennoch nicht. 

§. 307. Wirr , ob. — Ick wijt äi, wirr'r kiemmen ds , ich weiss 
nicht, ob er gekommen ist; wirr'r 't wäjl düjn shäujl? ob er's 
wohl thun sollte? wirr 's bdll kämt? ob sie bald kommt? wirr 's 
hall käme? ob sie bald kommen? wirr'm't wäjl waage dörrt? ob 
man 's wohl wagen darf? ick wijt äi, wirr'm't däjn häwe, ich 
weiss nicht, ob ihr's gethan habt; dät ds me dätsellew, wirr'r' t 
det, untig äi, es ist mir einerlei, ob er's thut, oder nicht. 



er 



404 



f^'ermischte Beispiele. 

%. 508. Ick kön söwäjl sijn ds hierc, ich kann sowohl sehen 
als hören, Wann'e Sann äpgongt, so worl'l Däi, wenn die Sonne 
aufgeht, so wird es Tag. Dd Sliewe sdti äiijntwif isser trinn 
nntig kantig, die Tische sind entweder rund oder eckig. En 
Kugel untig Bössei ds wilisser long noch kantig, aiirs trinn, eine Ku- 
gel oder Bossel ist weder lang noch kantig, sondern rund. DdNüjtte 
älise di älliene Gjärs, aitrs ock Födder an Slräi, die Rinder 
fressen nicht allein Gras, sondern auch Heu und Stroh. Hörr- 
wäjl dät't nö Uhrs ds, so ds't doch noch siercm käujl, obgleich es 
jetzt Frühling ist, so ist es doch noch sehr kalt. En dpsmdnenen 
Stijn fruit wihsser däJil, auwer däl'r sivär ds, ein in die Höhe ge- 
worfener Stein fällt wieder herab, weil er schwer ist. Düt Iss 
wort dm so faale tjöckcre an fästere , je stringere de Fräst ds , an je 
längere he wäret, das Eis wird um so dicker und fester, je strenger 
der Frost ist, und je länger er währt. De Wimi drdft'e Shäwe 
dw 't Heef, an ds dirrfaar dd Shdppere wäjlkiemmen ; aurs wdnn'r 
Täte stärk wdit, so mäget'r't Heef ünrauig an orkel, der Wind 
treibt die Schiffe auf dem Meere, und ist daher den Schiffern 
willkommen; aber wenn er zu stark weht, so macht er das Meer 
unruhig und ungestüm. Dät ds nö en hulew Ihr sunt, dät sdn 
Fidder stürw, es ist nun ein halbes Jahr her, dass sein Vater 
starb. He spdlet oller aane tö wdnnen, er spielt nie ohne zu ge- 
winnen. He snäket ds wdnn'r däsig was, er spricht, als ob er 
närrisch wäre. Als ob heisst immer ds wann, nicht ds wirr; ob 
heisst aber überall wirr. 



ANHANG. 



I. 



BENENNUNGEN ALLGEMEINER GEGENSTAENBE. 



i. Das Haus mit sei?ie)i Abtheilungen, Geräthen u. s, w. 



Dill Hüss, das Haus. 

jö Möiir, die Mauer. 

jö Döhr, die Thür. 

jö Auwerdöhr, die Oberlhür. 

jö Näserdöhr, die Unterlhür. 

jö Hing, die Thürangel, 

de Häge, der Haken. 

dät Slot, das Schloss. 

de Kaie, der Schlüssel. 

de Kohle, der Stift eines Vor- 
hängeschlosses, 

de Drempel, die Thürsch welle. 

de Faurtele , richtiger de Faar- 
tele, die Vordiele. 

de Dörnsh, die Wohnstube. 

jö Kldjnk, die Klinke. 

de Tele, die Diele, der Fussboden. 

de Bank, die Bank. 

de Släujl , der Stuhl. 

dät Häigen, das Stuhlkissen. 

de Länsläujl, der Lehnstuhl. 

jö Shew, der Tisch (das deut- 
sche Scheibe und das dänische 
Shive). 

dät Shüff , die Schublade. 

de Shämmel, der Schemel. 

dät Shörn, der Schemel. 



dät Spügel, der Spiegel. 

dät Shillcräi , die Schilderei , das 

Gemälde. 
dät Bill, das Bild. 
dät Wänning, das Fenster. 
dät Rillt, die Fensterscheibe (das 

deutsche Raute, dän. Rüde, 

nd. Rul). 
jö Ramm, der Rahmen. 
da Spräjnke , die Sprossen. 
dät Kitt, der Kitt. 
dät Blie, das Blei. 
jö Länk, die Kettel, Hespe. 
de Wänningebänk, der untre Theil 

des Fensterfutters. 
de Uch , die Wand. 
jö Löß, der Boden. 
de Büjlke, der Balken. 
jö Klöck, die Stubenuhr. 
de Perpendikel , der Perpendikel. 
da Lüjdde, die Gewichte. 
jö Unrau, die Unruhe. 
dät Klöckchüss, das Uhrgehäuse. 
dät Sofa, das Sofa. 
de Käch/auwen, der Stubenofen. 
de Stuwe, das Feuerstübchen, die 

Feuerkieke. 



408 



dät Shäp, der Schrank. 

da Gardine, die Gardine. 

da Rielaahene, die Bettvorhänge. 

dät Beddstähs, die Bettstelle. 

dät Bedd, das Bett; dät Auwer- 
bSdd, dät Unnerbedd. 

de Dümpede, das Kopfkissen. 

jö Blech, das Laken. 

de Seime, die Vorderseite des 
Bettes. 

de Uch, die hintere Bettseite. 

de Fäjttlinge, das Fussende des 
Bettes. 

de Haadlinge, das Kopfende. 

de Picsel, der Piesel oder Pesel , 
unmittelbar hinter der Wohn- 
stube. 

de Kliffer, der Koffer. 

jö Karst, die Kiste, Truhe. 

de Borke, die Beilade. 

dät Shrünn, die Lade (das deut- 
sche Schrein, dän. Skriiii, 
engl, shrine). 

de Saal, der Saal. 

de Bamem, \. der Boden eines 
Behältnisses; 2. der Stall, als 
Abtheilung des Hauses, in wel- 
cher die Rinder und Pferde 
stehen. 

de Kögen , die Küche. 

de Shörstijn, der Schornstein. 

deHelstijn, der Feuerheerd, wört- 
lich: der Heizstein. 

de Smühsse, die Esse. 

dät Säiijt, der Russ. 

dät Eesh, die Asche. 

dät Ijll, das Feuer. 



dät Jjllinge, die Feuerung, 

dät Ijd, der Torf. 

de Türw, die Plagge, der Hei- 
derasen. 

jö Gläjd, die glühenden Kohlen 
(das deutsche Gluth, dän. Glöd). 

de Loge, die Lohe, Flamme. 

de Riek, der Rauch. 

dät KiUsnauck, der Kesselhaken. 

de Sill, der Kessel. 

de Kröge, der Grapen. 

jö Pott, der Topf. 

dät Lddd, die Stürze , der Deckel ; 
2. der hölzerne Teller. 

dät Täller, der Teller. 

dät Fat, ^X.Fähse, die Schüssel. 

jö Späilkiimm, die Spülkumme. 

dätFeet, pl. Fähse, der Bottich. 

de Setter, ein irdenes Milchge- 
gefäss , die Setze. 

jö Räjngel, der Henkellopf. 

de Wdiiserne, die Schnellwagc. 

jö Shälivdgt, die Schalwage. 

jö Druhg, die Milchseihe. 

de Täms, das Haarsieb. 

jö Sjärn, das Bulterfass. 

de Sjärnstöck , der Butterstempel, 
Buttersterl. 

dät Mölke, die Milch. 

dät Ruhmnie, der Rahm, die 
Sahne. 

jö Riihmmcshiess , die Rahmkelle, 
der Rahmlöffel. 

jö Böhser, die Butter. 

da Anne, coli, die Buttermilch. 

jö Ujlling^ die Mulde. 

jö Ijdmätijn, der Torfkasten. 



409 



jö Praus, diui. cn Praaa, ein 
elendes, dünnes Licht. 

de Boltcr, ein dünnes, gewun- 
denes Talgliclit. 

dät Ljägt, das Licht. 

de Stäujnner, der Leuchter , wört- 
lich: der Steher. 

de Ljögter , die Leuchte. 

jö Ljäfjtshäicr , die Lichtschere. 

dät Tioürt , der Docht. 

de Snöwe, die Schnuppe. 

dät Tänner, der Zunder. 

jö Tänner krück, die Zunderbüchsc. 

dät Fürstaal, der Feuerstahl. 

de Ijlstijn, der Feuerstein. 

de Flintstijn, der Flintenstein. 

jö Nist, der Funke. 

de SwaaioelpUck oder Stvaawel- 
stdck , das Schw^efelholz. 

dät Ijltjög, das Feuerzeug. 

dät Läiling , das Lägel. 

de Döbbe, der Pfropf. 

de Such, der Zuber. 

de Ömmer, der Eimer. 

dät Stöp, die Gelte. 

de Tjärestup, die Theermeste. 

de Krüddstupf der Blumenstauf, 
Bluraenvase. 

jö Pönn, die Pfanne, 

jö Tälercpönn, die Zigeuner- 
pfanne, aus schwarzer Erde 
in Jülland gebrannt. 

de Stall, der Stall, ein einzelner 
Stand für's Vieh. 

jö Krebb, die Krippe. 

de Greine, die Halfter (dän. 
Grimc). 



de Tögel, der Zügel. 

dät Häjnsterdck, die Heuraufe 
der Pferde. 

de Graitp , die Mistrinne im Stalle, 
engl, groop. 

dat AJd, die Mistjauche (alt- 
deutsch: der J^ddel). 

de Mjögs, der Mist. 

jö Mjögskaar, der Mistkarren. 

de Mjögsställe, der Misthaufen. 

de Gäilis, der Dünger. 

jöNoost, der steinerne Tränk trog. 

de Bjärnetrög , der Börntrog, 
Tränktrog. 

de Süss [Sühss), der Brunnen. 

de Shäwring , die Brunnenstange. 

dät Hijnsernetjög , der Brunncn- 
schwengel. 

jö Uhsgaalis, die Schöpfgosse. 

dät Hdjnstetjög , das Pferdege- 
schirr. 

de Trans, die Trense. 

de Bässcl, der Reitzaum (dän. 
Bklsel). 

jö Tieni , der Fahrzaum. 

da Slöpe, die Sielen. 

dd Säle, dicKumpten, Kumten. 

dd Pulte, die Kumtenkappen aus 
Binsen. 

jö Hälskäivcl, die Halskoppel der 
Pferde, an der sie die Deich- 
sel tragen. 

de Wäien, der Wagen. 

dd Fiele , die Räder. 

dd Spucke, die Speichen. 

dd Shäne , die Schienen. 

de Lense , die Lünse. 

52 



410 



jö Rmtg, die Runge. 

jöDrägt, die Wage an der Dcicli- 

sel. 
da Swäjnglc, die Schwengel an 

der Wage. 
de Tächelse, die Deichsel. 
dät Jlgehaurd, das Wagenbrett. 
de u^gestäujl oder Wäiaistäujl , 

der Wagenstuhl. 
de Trähs, der Tritt. 
de Ponterne , der Wiesbaura, oder 

der Bindebaum. 
de Faarrup , die Vorderleine, 
jö Leen, die Hinterleine. 
de Hauch, die Blockrolle an der 

Ileuleine. 
de Kräivelstäujl , der Krüppelstuhl 



vorne am Wagen beim Ilcu- 
fahren. 

de Plmg , der Pflug. 

dal Plaugjörn , das Sech. 

dät Longjörn, das Langsech, 

dät Trinnjörn, das Rundsech, 

de Plaugstjärt, der Pflugsterz. 

de Rulhtöck, die Pflugreute, 

de Plaugiväien, das Pflugwägel- 
chen. 

de Eher, der Acker. 

de Longeker , das Gelänge, 

jö Brijd, das Gebreite. 

jö Ftirrig, die Furche. 

jö Härreiv, die Egge. 

dd Tünne, die Zinken. 

jö Trümmcl, die Ackerwalze. 



2. Beschäftigungen in und ausser dem Hause, Werkzeuge v.s.w. 



Prägein , stricken , von de Prägel, 
die Stricknadel. 

hresen, flechten. 

säien, nähen. 

ß Säinell, die Nähnadel. 

jö Knöppnell, die Knopfnadcl. 

jö Stöppncll, die Stopfnadel, 

stoppen, stopfen, steppen. 

suJtinmen, säumen z. B, ein 
Tuch. 

uinnen , Garn winden , jö Winn , 
die Garnwinde, 

jö Mäiijn, der Kasten unter der 
Winde, 

de Mävjnneplöck , das Wickelholz, 
auf welches die Knäule gewun- 
den werden. 



dät Tjauling, der Knaul. 

dät Ruf, pl. Ruwe, die Strähne, 

jö Fistel, die Fitze, 

dät Shrölk, ein Kränzchen aus 
einer Gänsegurgel , mit einigen 
Graupen oder Erbsen gefüllt, 
zum Aufwickeln des Garns. 

jö Hecsp, die Haspel, 

hespen, haspeln, 

dät Spann fijl, das Spinnrad. 

de Rock , der Wocken. 

jö S2}ändel, die Spindel, 

dd Flecke, die Arme der Spindel. 

däNocke, die gekrümmten Stifte 
aus Eisendrath an den Spindel- 
armen. 

de Träjd, der Drath. 



411 



de FlägSy der Flachs. 

dd Iläjdde, nom. coli., die Hede. 

da Sltäwe , die Schüben. 

dd Hagle, die Hecheln; hageln, 
hecheln. 

dd Kurde , die Krämpeln ; kiirden , 
krämpcln. 

de Bäisem, der Besen. 

fügen, fegen. 

de ßjärsel, die Bärste; bjärseln, 
bürsten. 

jöShräw, die Striegel; shräivcn, 
1. striegeln, 2. scharren. 

wdddcrn, auswittern, v. tr., z, B. 
Betten und Kleider. 

surren, v. tr., den Brotteig ein- 
säuern. 

lägen, backen. 

de Bakauiven, der Backofen. 

dät Brüjd, das Brot. 

de Dich, der Teig. 

de Gljärder, der Brotschieber. 

jö Läujt , die Ofenkrücke. 

jö Auwenshäwel, die Brotschaufel. 

grdslern, gassein, gässeln , gar- 
ben , die rohen gcfonuten Brote 
mit gequirltem Eiweiss be- 
schmieren, und sie dann ei- 
nige Minuten in den Ofen schie- 
ben, damit sie eine braune, 
glatte Kruste bekommen. 

jö Auwenpönnckäg , der Ofenpfan- 
nekuchen ; ein grosser drei bis 
vier Zoll dicker Speckkuchen , 
in einer Schüssel im Ofen ge- 
backen , wo er eine dicke 
bräunliche Kruste bekommt. 



braaseii, braten ;jö Kraahs, der 

Braten. 
smuren, schmoren. 
jö Smurepönn, die Schmorpfanne. 
kögen, kochen. 
stäiken, rösten, 2. in der Asche 

braten. 
jö Rast, der Bratrost. 
späilen , spühlen, 
dptuhggen, aufwaschen. 
de Däsheklättf der Küchenhader. 
bäiken, beuchen. 
jö Bäik, 1. die Beuche, 2. die 

Buche. 
sjdrnen, buttern. 
jö Sjdrn , das Butterfass. 
säisen, Käse machen; de Säihs, 

der Käse. 
aufruhmnicn, abrahmen, die Milch. 
de Tjaaler, der Keller. 
de Tjaalerhäls , der Kellerhals. 
jö Tann, die Tonne. 
de Hönke, der Hahn an der Tonne. 
deTäpe, der Zapfen,- täpcn, zap- 
fen, 
de Mähs, der Meth. 
de Winn , der Wein. 
drd Bier, das Bier, 
dät Ajth, der Essig. 
slägligen , schlachten, 
de Repling , die Blutwurst. 
de Ahsderbijn , richtiger 'Islerhijn, 

die Fleischwurst, 
de Repling eplöck , die Wursl- 

prickel, 
de Replingehaurn , das Wurst- 

horn. 



412 



däl Sji^ck, der Speck, 

äät Flash, das Fleisch. 

de Bang, der Bug. 

de Shäjnkel, der Schinken, 

dät 'Ister, die Fiaumen. 

du Snißdde, die Grieben. 

sälten, salzen. 

riehen, räuchern, 

dät Siirr , das Schwarzsauer. 

sliürren, scheuern. 

aufstöwiven, absläiiben. 

jösm, das sämrntlicheVieh füttern, 

jewen , ein Futter herumgeben. 

07'len, einen Theil des Futters 
ungefressen liegen lassen. 

snauppen, mit dem Maule über 
dem Futter stehen, ohne da- 
von zu fressen. 

hjärnen, hörnen, das Vieh trän^ 
ken. 

dräjnhen, trinken. 

iihscn, fressen und essen. 

Ställen, stallen, harnen von 
Pferden. 

jö L6, die Tenne. 

tjdrshen , dreschen. 

jö Fläiel , der Dreschflegel. 

de Hönstöck, der Handstock, 
Stiel am Flegel, 

de Swdjngel, der Schlägel, 

jo Kapp, die Kappe. 

de Hocke, die Garbe. 

dät Lüg , eine Schicht zum Aus- 
dreschen. 

de ^sher , die hohle Schaufel. 

shauweln, schaufeln. 

Wonnen, schwingen. 



jö WönnüjlUng , die Scliwing- 

wanne oder Mulde. 
wjdiyeln, worfeln. 
jö Wjärpelshamvel, dieWurfschau- 
fcl, 

de Raster, die hölzerne Schütt- 
gabel. 

de Wupper, ein Besen zum Ab- 
fegen der ausgedroschenen 
Aehren, 

dät Sähw , das Sieb. 

säilen, sichten, sieben. 

dimisten, das Stroh aufschütten 
und zusammenbinden. 

dät Swennestdi, der Schweine- 
koben. 

däl Shäipestäi , der Schafstall. 

dät Täling], lose Bretter und Lat- 
ten , auf den Balken ruhend , 
über die Fächer gelegt , zu Heu 
und Getreide ; iälen , diese le- 
gen. 

jö Lädder , die Leiter. 

dd Sprdjnke , die Sprossen. 

dd Zädderbüjlke , die Leiterbäu- 
me. 

bdggen, bauen, 

mören, mauern. 

tdmmern, zimmern. 

teken, decken. 

de Möhrünker, der Maueranker. 

dät Liem, der Lehm. 

de Kdlk, der Kalk. 

dät Säiijn, der Sand. 

de Möhrstfjn , der Mauerstein , 
Backstein. 

jö Möhrsliiess, die Mauerkelle. 



415 



däi Lönghulcm, Löngsträi, das 
Langstroh. 

(1(1 Räide, Dachrohr (Phragmitcs 
vulgaris oder Arundo phrag- 
raites). 

(Id Jäle , der Rohrkolben (Typha 
latifolia und T. angusliiblia). 

da Baawle , Teichbinsen , Simsen 
(Scirpus lacuslris). 

jö Täihg, die Slrohseime, Bin- 
senseime zum Dachdecken. 

de Tekstäujl, der Dachstuhl der 
Decker. 

jü Teknell, die Deckernadcl, 
Dachnadel, vermittelst welcher 
die Strohseiraen eingesteckt 
und durch's Dach gezogen wer- 
den. 

de Fräst, die Dachfirste. 



pi Krauck, die Dachkclile, der 
Dachwinkel. 

de Süjdde, die Rasensode, zum 
Belegen der Dachfirste. 

de Süjddeslähse , der Sodenschlit- 
ten, ein etwa drei Ellen langes 
Brett , mit einem hölzernen , 
vier Zoll vorstehenden Pflock 
am obern Ende , auf welchem 
die Soden festgehakt und dann 
auf den dazu angebracliten 
Leitern hinaufgezogen werden, 

däl Neet , das Netz. 

de //öwe, der Hamen, die Reuse, 

jö Wähs , die Wathe , Zugnetz. 

de Illger , die Aalgabel zum Aal- 
stechen. 

jö Ongel, die Angel. 

de Pölsher, die Störstange. 



5. Handwerker, Gewerbleute und andere Arbeiter. 



De Bäujtery der Böttcher. 
de Snäjtler, der Tischler. 
de ßJ eller , der Müller. 
de Bäcker, der Becker, 
de Krauger, der Krüger. 
de Kriemmer, der Krämer. 
de Kiipmönn, der Kaufmann. 
de Handelsmann, der Handels- 
mann. 
de Slägter, der Schlächter. 
de Fäslier , der Fischer. 
de Jäger, der Jäger. 
de Sliöter, der Schütze, 
de Wäiver, der Weber, männlich. 
de Wäwstcr, männl. u. weiblich. 



de Grewster , der Gräber. 
de Ringsler, der Läuter. 
de Dicker, der Deicher, Deich- 
arbeiter. 
de Kläier, der Kleier. 
de Brauer, der Brauer. 
de Bränncr , der Brenner. 
de Bäisemb'mncr, der Besenbinder. 
de Bägmäister. der Baumeister. 
de Möhrmönn , der Maurer. 
de Tämmermönn, der Zimmermann. 
de Tekcr, der Dachdecker. 
de Smdss, ipl.Smähse, der Schmidt, 
de Gröfsmdss, der Grobschmidt,. ■ 
de Klicnsmäss, der Schlosser. 



414 



de GöUsmdss, der Goldschmidt. 

de Müler, der Maler. 

de Breuer, der Drechsler. 

de ShälersHpper, der Scheren- 
schleifer. 

de liävjtter, der Hütner, Hulraa- 
chcr. 

de Saadler, der Sattler. 

de Fdllberehser , der Fcllbereiter, 
d. i. der Gerber. 

de Satter, der Schuster. 

de Shrüjdder, der Schneider. 

de Apotheker, der Apotheker. 

de Für wer, der Färber. 

deBmickdrücker, derBuchdruckcr. 

de Baiickbinner , der Buchbinder. 

de Särjelmäger, der Segelmacher. 

de PUrückmäger, der Perücken- 
macher. 

de Kaureivmägcr, der Korbmacher. 

de Glaaser, der Glaser. 

de Orgelbdgger, der Orgelbauer. 

de Kaummmäger, der Kammma- 
cher. 

de Klöckemäger oder Uhrmäger. 

de^nkersmdss, der Änkerschmidt. 

de Faanesmdss, der Fahnen- 
schmidt. 

de Ljägtgijtter, der Lichtgiesser. 

de Ljägtstieper, der Lichtzicher. 

de Repsläger, der Reifschläger. 

de Lönmäjtter, der Landmesser. 



de Jürder, der Ilirtc. 

de Täigelbräimer , der Zicgelbren- 
ner. 

de Dralliväiver, der Drillichwebcr. 

de Barre, der Bauer. 

de Lönmönn, der Landmann. 

de ^rbedsmönn, der Arbeitsmann. 

de Däiluncr, der Tagelöhner. 

de Bdddmönn, der Bettelmann. 

jü Bdddwöff, die ßettelfrau. 

de Präkerfaaged, der Pracher- 
vogt , Bcttelvogt. 

de Shjärdcr, der Schnitter. 

de Mäjdder, der Mäher. 

de Sliörstijnfäger , der Schorn- 
steinfeger. 

dd Shörstienekiekere , die Schorn- 
steingucker (untergeordnete 
Brandleute). 

de Prester, der Prediger. 

de Küster, der Küster. 

de Faaged, der Vogt. 

de Lönfaaged, der Landvogt. 

de Hierdsfaaged , der Hardesvogt. 

de Strön faaged, der Strandvogt. 

de Dick faaged, der Deichvogt. 

f/e Amtmann , der Amtmann. 

de Rögler, der Richter. 

de Prdwst, der Probst. 

f/e Körnjärder , der Flurschützc 
oder Feldhüter , Fcldwäch- 
ter. 



4. Münzen, Maasse und Gewichte. 



De Fänning, der Pfennig. 
de Drilling, der Dreiling. 



f/e Segsling , der Sechsling. 
de SltdUing, der Schilling. 



415 

düt TwäiershäUingslöck, das Zwei- TwcUeiv- Twuntig- an Feerlig- 

schillingstück. shdUing stock, 

dät Tredlidlwcn , das Driltehalb- jö Mark, die Mark. 

schillingstück. de Daaler, der Thaler ; de Specks- 
de Däujtteii, drei Schillinge. daaler, der Speciesthaler. 

dät Fjautver- Fiew- Aagt- Tien- de Dukaat, der Dukaten. 

Alle diese Münzsorten existiren noch, und gelten im lägliehen 
Verkehr, aber das Königliche Ministerium für das Herzogthum Schles- 
wig hat unterm 8. Juli 1853 befohlen, dass vom 1. Octob. d. 
J. an in den Schulen nicht mehr nach Courant, sondern nur al- 
lein nach dänischem Reichsbankgelde gerechnet werden darf. Der 
dänische Reichsbankthaler, en Rickshänkdaaler, gilt 50 Schillinge 
Courant, und hat 6 Reichsbankmark oder 96 rbf. Eine Reichs- 
bankmark hält 5 f. Schleswig-Holsteinisch in Courant. Die Fünf- 
telreichsbankschillinge , mit denen einst Christian der Achte das 
Land überschwemmte , sieht man jetzt nicht mehr; sie waren fast 
gänzlich werthlos. 



Maasse zu flüssigen Sachen. 



Jö Tann, die Tonne. 
de ^nher, der Anker, 
jö Kann, die Kanne. 



de Büttel, eine halbe Kanne. 
dät Plänk, eine Viertelkanne. 
en Imleio Plänk , Vs Kanne. 



Zu trocknen Sachen. 



Jö Last, die Last. 

jö Tdnn, die Tonne. 

jö huleiv Tänn , die halbe Tonne. 

jö Shepp, das Schipp, der Schef- 
fel. 

dät Fierdingkär, ein Viertelschef- 
fel. 

en^^gendijl, statt Aagtendijl , ein 
Achtel Butter. 

de Bälle, der Ballen (Papier). 

dät Riss, das Ricss. 



dät Bauk, das Buch. 

de Böge, der Bogen. 

dät Ilunnert, das Hundert. 

dät Dusend, das Tausend. 

en Dausenn, ein Dutzend. 

en Sniehs, ein Stieg. 

en Träiv, nd. en Draff, eine Stiege 

Garben oder Langstrohbunde, 

20, 40 bis 60 Stück. 
dät Tält, ein Tult oder Zwölfter 

Bretter. 



416 

Das Landmaass. 

Dät Dämel, das Demath (180 D jö Ellen, die Elle. 

Ruthen ')). de Fäujtt , der Fuss. 

cn Jaurd, die Ruthe (9 Ellen). de Tome, der Zoll. 

II. 

MUNDARTLICHE EIGENHEITEN ODER SOGENANNTE IDIOTIS- 
MEN, UND SPRICHWÖRTLICHE REDENSARTEN, 



Männitigcn an , manch einer. 

Bai wdt gongen , an etwas gehen , 
an eine Arbeit. 

'Aiü äiwen Sljögte , nd. op eben 
Sucht, ohne eine erkennbare 
Ursache , von selbst , ohne Ver- 
anlassung. 

Ile däi't auf sin äicn HijUing, 
wörtlich: er that's auf sein 
eignes Geheiss, aus freien 
Stücken. 

He däi't auf häm sellew , er that 
CS von selbst. 

Dät ds Ijnduhggen, nd. Eendön, 
einerlei. 

Hijl an all äi, ganz und gar nicht. 

Faar en läiet , vor einer Weile, 

Am cn läiet , über ein Kleines. 

HttJim wdt uligwitligcn , jemand et- 
was vorwerfen. 



Jd sdn ansagt, sie sind uneins. 

Huhm beshönklüllen , jemand be- 
schandflecken , ihn gröblich 
verläumden. 

Ick würd 'r äi ivär dm , ich ward 
es nicht gewahr. 

3Id Enn an all , mit dem Einbruch 
der Nacht. 

Aiijn't Ennhörringe sdtlcn , im 
Zwielichte sitzen. 

Dät ds cn Balis, nd. äat is en 
Baas , dän. en Bus. 

Huhm faar en Geck hewen, je- 
mand zum Besten haben. 

He ds so jnirig , er ist so knau- 
serig. 

Hc ds'r so happig äw , er ist so 
erpicht darauf; so happig ef- 
ter, so happig, gierig darnach , 
z. B, nach Erwerb. 



^) Auf Silt hat ein Demath iO Ammersaat, ein Ammersaal i8 
Ruthen ; ferner 4 Lcstall Wicscngrund , und ein Lestall i\i G Ru- 
then. 



417 



Dät sdn Groliemänns , d.s. grosse 
Leute, vornehme Herren; 
Ldjttemänns , geringe Leute. 

He kdmt'r alt so /lüivcn fällig md, 
er platzt immer so plump und 
unbeholfen damit heraus. 

Auf ivdt spregen, sich einer Sache 
rühmen , als : he spregt ältidd 
auf hdm selleiv, er lobt oder 
rühmt sich immer selbst; he 
spregt auf alles, tvdt'r het, er 
rühmt sich alles dessen , was 
er besitzt. 

Ick kön'l äi tanke, wörtlich: ich 
kann's nicht denken; das ist 
hier: ich kann's nicht behalten. 

Dät wall me nö di äujn Hai käme, 
es will mir jetzt nicht beifallen, 
ich kann mich dessen nicht 
entsinnen. 

Jö smdtl 't äiijnhup , sie bekommt 
die Wehen. 

Dirr äs Wöffesömmling , es ist 
Weiberversammlung da, näm- 
lich um einer Kreissenden 
beizustehen. 

Jö äs gröf swnnger an gongt äw fäl- 
lende Fäjtt, sie ist grob schwan- 
ger und geht auf fallenden 
Füssen, wird bald gebähren. 

Jö shdll bdll tö Iddden , sie wird 
bald geliegen. 

Jö läit ävjn't Sollembedd, sie liegt 
im Wochenbette. 

Jö shdll Fähser stäujnne an ds 
ock mä to Sollme bahn , sie 
soll Gevatterinn stehen , und 



ist auch zum Kindlauf- 
schmause mit eingeladen. 

Jö het't äw'e Kluhse, wörtlich: 
sie hat's auf den Kleidern , 
d. i. sie hat die Regeln , die 
monatliche Re