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Full text of "Die nordöstliche Steiermark: Eine Wanderung durch vergessene Lande"

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Die nordöstliche Steiermark. 

Eine Wanderung 

durch vergessene Lande 

von 

Ferdinand Krauss. 



Mit 68 Illustrationen grösstentheils nach Naturaufnahmen von 
Karl 0' Lynch und einer Special karte von Alfons Egle, k. k. Hauptmann. 



==®GRAZ 

Druck und Verlag „Leykam" 
1888. 



Söurch vergessene Lande will ich wandern, durch die 
W^ nordöstliche Steiermark will ich führen. Es ist ein 
gar herrliches Land zwischen dem mächtigen nördlichen 
Grenz wall der Steiermark, dem in der majestätischen 
Architektur des Urgebirges aufragenden langen Wechsel- 
zuge und dem fruchtreichen, breiten Thalboden der Raab, 
das wir durchwandern wollen. 

Aus tausend dem Wechsel entspringenden Quellen 
bilden sich rauschende Bäche, und diese wieder sich ver- 
einigend, reissende, wildschäumende Flüsse. Aus dunklen 
Waldschluchten brechen sie hervor mit trotzigem Jugend- 
rauth, die Kinder des Hochlandes, und bahnen sich den 
Weg durch schauerliche Felsenklammen. Weit hinauf an 
den Hängen flüchteten die lärchengezimmerten Höfe der 
Aelpler, ihre zierlichen Schmalgiebel dem Sonnenlichte 
zuwendend, vor den wilden Fluthen, die schützend die 
Felsenmauern umtosen, auf welchen vor Jahrhunderten 
Edelgeschlechter ihre Stammburgen bauten. Und allmälig 
erreichen sie den sonnigen Thalboden, wo sie, ruhig hin- 
wogend, das reiche Ackerland befruchten. Es ist ein grosses 
Bild der Steiermark in engem Rahmen ! Auf den herrlichen 
Alpenmatten weiden die Heerden, und in jauchzender Lust 
hallt der Jodler der Sennerin von Schwaig zu Schwaig, 
und in der Stille des Hochwaldes knallt die Büchse des 
Jägers, und im Todessprunge endet der König des Waldes, 
der stolze Edelhirsch, sein freies Leben. Auf den Höhen 
balzt der Schildhahn und schwebt der Geier, und aus den 



— IV - 

Thälern steigen hellgraue Rauchwölkchen von den Kohlen- 
meilern zum Sonnenlicht empor. 

Die Bergeshöhen sinken und zahllose Hügehvellen 
tauchen vor uns auf, und, von Acker und Wiese, Wald und 
Obstgeländen umrahmt, blicken zahllose schmucke Bauern- 
höfe zu uns herab. Und jetzt sind wir in der Obstkammer 
Deutschlands angelangt. Berg, Thal und Hang gleichen jetzt 
einem blühenden Garten, und wenn jeder Hang und jede 
Hügelwelle im Frühlinge im vollen Schmuck der rosigen, 
zarten Apfelblüthen prangt, und im Herbste die Winzerinnen 
mit frohem Lied die Rebe brechen, da jauchzt das Herz des 
Menschen. Breiter werden die Thäler, ruhiger fliessen die 
Wässer ; da wogen die Kornfelder, da klappern die Mühlen, 
und tausend und tausend mit grünem Laub umrankte Stangen 
der mächtig sich ausbreitenden Hopfenculturen verleihen der 
Landschaft wieder ein neues charakteristisches Gepräge. 
Nicht für den Hochgebirgstouristen, der mit dem Meter- 
stabe die Schönheit der Landschaft misst, hat Mutter Natur 
die nordöstliche Steiermark geschaffen, nicht die wilden 
Schroffen des Kalkgebirges hat dieser Landestheil zu bieten, 
denn nur die massigen Formen des Urgebirges und die 
Höhen des Mittelgebirges hat hier die Natur gebildet. 
Aber gleich dem Schwarzwaide und Thüringen liegt hier 
ein bezaubernder Liebreiz in dem steten Wechsel der 
Culturen und der üppigen Bodenplastik, in den Gegensätzen 
von stillen Waldthälern, blühenden Geländen, wilden Felsen- 
klammen und sonnigen Thalniederungen. Von jeder Hügel- 
welle schweift der Blick über ein Meer von Höhen und 
Tiefen, über zahllose Edelsitze, Burgen, Schlösser und 
Ruinen, und den um das Kirchlein geschaarten Dörfern, 
bis zu den blauen Conturen der Hochgebirge. Steigen wir 
höher, so weitet sich mit jedem Schritt der Horizont, und 
wenn wir mühelos den Hochgipfel erstiegen haben, so liegt 
ein herrliches Land mit all' seinen zahllosen Thälern und 
Höhen, im hundertfachen Wechsel der Culturen prangend, 
ringsum zu unseren Füssen. Die Urväter der ältesten und 
ruhmvollsten Adelsgeschlechter der Steiermark, die Stuben- 



- V -- 

berg, die Trautmannsdorf, die Herberstein haben hier in 
düsteren Waldschluchten oder auf stolzen Felsenzinnen 
ihre Stammburgen erbaut, und ungebrochen ragen noch die 
sagenumrauschten Mauern dieser Vesten in die Lüfte, und 
die Perle der steirischen Burgen, die mächtige Riegersburg, 
hält trotzig die Grenzwache über die steirische Ostmark. 
Vor weit über einem halben Jahrtausend hat der Orden 
der Augustiner Chorherren sich hier angesiedelt und in 
die verlorenen Waldthäler Christenthum und Cultur ver- 
breitet, und wunderherrliche Gotteshäuser sind entstanden, 
und der romanische Stil wie die Gothik, die Renaissance 
und die Barocke haben hier ihre schönsten Meisterwerke 
der Architektur und ihre tippigste Decoration geschaffen, 
und die bildenden Künste haben in ganz Steiermark nirgends 
grössere Triumphe gefeiert wie hier, wo Mathias v. Görz 
und Hackhofer in zahllosen Fresken eine Welt von Gestalten 
kühnster Phantasie uns hinterlassen haben. 

Und doch ist die herrliche steirische Ostmark 
heute noch ein vergessenes Land, ein vergessenes 
Land, weil noch kein Schienenstrang dieses Berg- 
land durchzieht, weil man seine Gaue nicht mit 
Dampfkraft durchfliegen und den ersehnten theuren 
Comfort des Grand-Hotels nicht vollends geniessen 
kann; gar schreckliche Uebelstände in unserer hastenden, 
verweichlichten Zeit. Wir aber meinen, gerade dieser Nach- 
theil ist ja vielfach der Vortheil dieses Landstriches. Noch 
sind hier die fremdartigen Elemente, die unzertrennlichen 
Nachzügler des Eisenbahn-Ingenieurs, nicht zersetzend in das 
Volk gedrungen, noch sind diese stillen Waldthäler von dem 
fiebeiTiden Pulsschlag der Grossindustrie unberührt geblieben 
und bei patriarchalischen, urwüchsigen Sitten hat die Specu- 
lation und die Theuerung hier noch keinen Eingang gefunden. 

Bei den von der Aussenwelt abgeschlossenen Märkten 
und Städten hat sich bei der auf sich selbst angewiesenen 
Bevölkerung ein hochentwickeltes geselliges Leben aus- 
gebildet und sie hat sich aus eigener Kraft alles geschaffen, 
was ein geistiger wie materieller Lebensgenuss erfordert. 



- VI - 

Nichts wäre daher irriger zu glauben, da hinter den Bergen 
der steirischen Ostmark sei die Welt mit Brettern ver- 
schlagen Jedes Märktlein und Städtlein hat rührige Ver- 
schönerungsvereine gebildet und da wurden in lauschigen 
Waldeswinkeln Ruheplätze errichtet, kühle Felsenklammen 
erschlossen, Wege markirt und ringsum freundliche Anlagen 
geschaffen. Dann kamen die Badeanstalten, die oft den Neid 
des Grossstädters erwecken können, und die aus frischen 
Bergquellen herabgeführten Wasserleitungen, dabei wurde 
aber auch für gute Musikcapellen, für Lese-, Gesangs-, 
Turner-, Radfahrer-, Feuerwehr-, Schützenvereine und Jagd- 
gesellschaften ganz ausgiebig gesorgt, und zuletzt machten 
auch die vielen schönen Gasthöfe ganz energische Fort- 
schritte, um die die nordöstliche Steiermark betretenden 
Gäste nicht nur mit guter Küche und Wiener und Grazer 
Bieren, sondern auch mit guten Betten bei Preisen aus 
der guten alten Zeit würdig zu empfangen. Und ein gar 
treuherziges Volk von kerndeutschem Stamme wohnt in der 
steirischen Grenzmark, gar viele Hinterländler haben das 
feurige Dampfross noch nicht schnauben gesehen, Aber- 
glaube und Einfalt haben noch vielfach die Herrschaft, und 
noch blickt das Landvolk mit Misstrauen auf alles Fremde ; 
aber unter dem Kittel des Bauers schlägt ein biederes, 
ehrliches Herz, was sich leicht erschliessen lässt, wenn 
man sich nur die Mühe nimmt, zu ihm zu sprechen, und 
das Bergland der Jackler um die Fischbacher Alpen war 
ja der Quellenboden, woraus der gemüthstiefe Dichter des 
steirischen Volkes, Peter Kettenfeier Rosegger, seine un- 
vergleichlichen Schilderungen und Charaktergestalten des 
steirischen Volkslebens geschöpft hat 

„Wer somit mühelos eine herrliche Natur 
geniessen und in voller Waldesruh' seine Nerven 
stärken will, wer sich aus der fiebernden Hast 
der Grossstadt hinausflüchten will auf sonnige 
Höhen und in lauschige Bergwinkel zu Menschen 
mit unverfälschten Sitten, und wer endlich einmal 
eine Sommerfrische sucht, wo man gut und billig 



VII 



leben und dabei alle Vorzüge des Landlebens im 
reichsten Masse geniessen kann, der greife zum 
Wanderstabe und komme in die steirische Ost- 
mark, dem Garten der grünen Steiermark." 



So ist denn endlich nicht nur ein langjähriger Lieblings- 
wunsch des Verfassers, sondern auch ein berechtigtes Ver- 
langen so vieler Bewohner eines von der Natur so reich, 
mit modernen, weltumfassenden Communicationsmitteln aber 
so stiefmütterlich bedachten Landestheiles zur That geworden 
und das erste Reisehandbuch über die steirische Ostmark 
tritt seinen Lebensweg an. Möge es seinen Zweck erfüllen 
und einem abseits vom Wege liegenden herrlichen Land- 
strich die materiellen Vortheile eines regen Fremdenverkehrs 
und damit auch ein geistig anregendes, belebendes Element 
zuführen. 

Es wird aber nun auch Ehrensache aller jener 
Factoren sein, die an der Hebung des Fremdenverkehrs 
mitinteressirt sind, den Anforderungen der die steirische 
Ostmark zur Sommerfrische wählenden Gästen, wie der 
Touristen, nach besten Kräften entgegenzukommen und 
ihrem berechtigten Verlangen nach gewohntem einfachem 
Comfort, nach unverfälschten und frischen Getränken und 
guter Küche, nach mit bequemen Ruheplätzen versehenen 
Waldpromenaden, nach Sitzgärten und Veranden bei den 
Gasthöfen, nach Fluss- und womöglich auch Warmbädern, 
geistiger Zerstreuung und freundlichem Entgegenkommen, 
thunlichst zu entsprechen, und dadurch den Zuzug eines 
immer grösseren Fremdenkreises anzubahnen. 

Es erübrigt mir nur noch allen jenen Kreisen, die 
mein vaterländisches Unternehmen in irgend einer Weise 
gefördert haben, meinen wärmsten Dank auszusprechen. 
Namentlich gebührt in dieser Richtung dem k. k. Haupt- 
manne Alfons Egle, der ohne jedes Entgelt die ange- 
schlossene mustergiltig ausgeführte Karte, welche nicht 
nur die erste vorhandene Karte der nordöstlichen Steier- 



— VlII ~ 

mark, sondern auch in jeder Beziehung einen ganz neuen 
eigenartigen Karten- Typus darstellt, gezeichnet und damil 
das Werk wesentlich gefördert hat, nicht nur der Danh 
des Verfassers, sondern aller Oststoirer überhaupt. 

Weiters spreche ich hiermit Sr. Excellenz Herrn 
Baron H eifert und k. k. Conservator Johann Graus 
für die liebenswürdige Ueberlassung mehrerer wichtiger 
Holzschnitte und Zinkographien aus den ^yMittheilungen 
der k. k. Central- Commission", beziehungsweise aus dem 
„Kirchenschmuck*, diesem trefflichen Quellenwerk für 
kirchliche Kunst, sowie der löblichen Verlagsanstalt 
^Leykam" für die reiche und gefällige Ausstattung des 
Buches meinen innigsten Dank aus. Noch fühle ich mich aber 
verpflichtet, jenen Herren aus dem Kreise der steirischen 
Lehrerschaft, wie der hochw. Geistlichkeit, die 
mich bei Verfassung dieses Wanderbuches besonders unter- 
stützt haben, wie dem Schuldirector F. Probe seht in 
Graz, dem hochw. Chorherrn Ottokar Kernstock in 
Voran (Reinberg), dem hochw. Pfarrer Ludwig Stampfer 
in Ebersdorf, Oberlehrer Herrn J. Gartier in Stuben- 
berg, Lehrer und Gustos Herrn Johann K r a i n z in Eisen- 
erz, den hochw. Herren Pfarrern J. Schanz 1 in Schäffern 
und A. Meixner in Kirchberg an der Raab, den Lehrern 
Herrn Oberhammer in St. Lorenzen am Wechsel und 
Herrn Peter Lueger in Waldbach, Herrn A. Sterin g 
in Gleichenberg, dann dem Herrn Franz Eckermann, 
Cassier in Güssing, Herrn J. v. K a 1 e r , Fabriksdirector in 
Burgau, und Herrn J. Reimoser, Fürst Liechtensteinischen 
Herrschaftsbeamten in Riegersburg etc. etc., meinen beson- 
deren Dank an dieser Stelle auszudrücken. 

GRAZ, am Tage der Sonnenwende 1888. 

Ferdinand Krauss. 



IX 



Inhalts-Verzeichniss. 



Routen-Eintheilung. 

Seite 

I. Grenzmarken der nordöstlichen Steiermark 1 — 3 

II. Gebirgsbau der nordöstlichen Steiermark 3—8 

ni. Gewässer der nordöstlichen Steiermark 8—11 

IV. Naturmerkwürdigkeiten, Jagd, Flora, Industrie- und 

Landwirthschaft 11—14 

V. Communicationsmittel 14 — 19 

Statistik 19—20 

Geschichte 20—83 

Burgen, Schlösser und Ruinen 33—34 

Culturgeschichtliche Daten 34—35 

Volks wirthschaftliches 36—36 

Eintritts-Routen: 

I. Wien-Aspang-Friedberg 37 — 40 

II. Kirchberg a. W.-Hoch Wechsel 41—42 

III. Steinhaus-Wechsel-Rettenegg 42 — 44 

IV. Spital-Stuhleck 44 

V. Mürzzuschlag-Stuhleck 44—45 

VI. Langenwang-St. Kathrein a. H 46 

VII. Krieglach-Rosegger's Waldheimat-Ratten .... 45—47 

VIII. Kindberg-Stanz-Fischbach-Birkfeld 47—49 

IX. Mixnitz-Breitenau-Birkfeld 49—50 

X. Mixnitz-Lantsch-Teichalpe 50—56 

XL Graz-Weiz 56 

XII. Graz-Passail 58 

XIII. Graz-Gleisdorf-Jennersdorf 59—61 

Route I. Friedberg. 

A. Friedberg und Umgebung 62—73 

B. Der Wechsel und seine Anstiege 73—80 

C. Friedberg-Hartberg 84—91 

D. Friedberg-Vorau 91—95 

E. Friedberg - Mönichwald - Waldbach - Wenigzell - Sanct 
Kathrein-Krieglach 96—111 

Route II. Voran 112—128 



— X - 

Route III. Gleisdorf. Seite 

A. Gleisdorf und Umgebung 129 — 135 

B. Gleisdorf-St. Ruprecht-Weiz 135-139 

C. Gleisdorf-Puch-Kulm-St. Johann 139— U3 

D. Gleisdorf-Pischelsdorf-Kaindorf-Hartberg 143—152 

E. Gleisdorf-Sinabelkirchen-Ilz-Fürstenfeld 152-166 

Route IV. Weiz. 

A. Weiz und Umgebung 166—182 

B. Weiz-Passail 182—191 

C. Weiz-Feistritzklamm-Stubenberg-Herberstein . . . 191 — 217 

D. Weiz-Anger-Birkfeld 218—222 

Route V. Birkfeld. 

A. Birkfeld und Umgebung . 223 -227 

B. Birkfeld-Fischbach-Teufelstein 227—232 

C. Birkfeld-Ratten-Rettenegg 232 238 

D. Birkfeld-Strallegg 238—241 

E. Birkfeld-Miesenbach-Vorau 241 

F. Birkfeld-Pöllau 241—242 

G. Birkfeld-Gasen-Mixnitz 242 

Route VI. PöUau 243—259 

Route VII. Hartberg. 

A. Hartberg und Umgebung 260 — 298 

B. Hartberg-Vorau 298—301 

C. Hartberg-Oberwarth 301—303 

D. Hartberg-Waltersdorf-Ftirstenfeld 303—304 

E. Hartberg-Gleisdorf-Graz 304 

F. Hartberg-Friedberg 305 

G. Hartberg -Wörth-Neudau-Ftirstenfeld 305 

Route VIII. Fürstenfeld. 

A. Localbahn Fehring-Ftirstenfeld 807—309 

B. Hopfenbau in der nordöstlichen Steiermark .... 309—311 

C. Ftirstenfeld und Umgebung 311—328 

D Fürstenfeld-Güssing. 329—333 

E. Fiirstenfeld-Burgau-Neudau-Wörth-Hartberg .... 333 

F. Fürstenfeld-Waltersdorf-Hartberg 345 

G. Ftirstenfeld-Ilz 345 

H. Fürstenfeld-Riegersburg 345 

Route IX. Kirchberg a. d. Raab-Paldau .... 347—354 
Route X. Feldbach. 

A. Feldbach und Umgebung 355—367 

B. Feldbach-Riegersburg 367 — 392 

C. Feldbach-Gleichenberg 392—418 

D. Feldbach-Gnas 418—422 

Route XT. Fehring und Umgebung 423-428 






Geographie und Geschichte. 

I. Grenzmarken der nordöstlichen Steiermark. 

for Allem mfissen wir den Leser und wanderlustigen Tonristen 
mit dem Gebiete, welches wir behandeln wollen, näher 
^ vertraut machen. Wir haben von der nordöstlichen Steier- 
mark gesprochen nhd haben nun diesen Landestheil geographisch 
zu begrenzen, nachdem aber fortlaufende natürliche Grenzen 
fehlen, so haben wir unser Wandergebiet überall bis zu den 
Wasserscheiden der Raab erweitert und können dasselbe nun 
kurzweg als das Flussgebiet der Raab bezeichnen. 

Die nordöstliche Steiermark in dieser Weise umschlossen, 
zeigt nachstehende natürliche Grenzen: Im Norden und Nord- 
westen finden wir den massigen Urgebirgszug des Wechsels, 
der in einer Ausdehnung von über 24 Kilometer vom grossen 
Pfaffen, 1519 M., über den Sattelberg, Rabenkropf, dann sich 
südöstlich wendend über den Weisseck-Kogel, ümschussriegel 
zu seinem Culminationspunkt dem Hochwechsel (Hoher Um- 
schnss, 1738 M.) hinanzieht, um sodann über den Niederwechsel, 
1668 M., Eckbauer Alpe allmählig und von hier im starken 
Gefälle über die „steinerne Stiege" nach Mönichkirchen, 980 M., 
sich niederzusenken und mit dem Spitzerriegel die Landesgrenze 
zu verlassen. Yom Spitzerriegel an finden wir in einer Luft- 
linie von circa 27 Kilometer keine natürliche Grenze der Steier- 
mark gegen Osten, erst bei dem Dorfe Lafnitz beginnt mit 
dem gleichnamigen Flusse wieder eine natürliche Landesgrenze, 
die bis hinter Fürstenfeld bis zur Dobersdorfer Mühle bei 
Gillersdorf läuft, um sodann willkürlich die Ausläufer des 



— 2 — 

zwischen der Raab und Lafcitz sich hinziehenden Hügellandes 
den sogenannten Binderberg durchquerend, sich etwas süd- 
westlich zu wenden, wo sie die Raab übersetzt und sogleich 
zu ihrer südlichen Wasserscheide, welcher Höhenrücken die 
Südgrenze unseres Wandergebietes bildet, hinansteigt. Kehren 
wir zur Nordgrenze zurück, und verfolgen wir vom Wechsel- 
rücken aus die Wasserscheiden der Raab, so finden wir sie 
zunächst vom grossen Pfaffen bis zum Stuhleck noch als 
nördliche und nordwestliche, sodann jedoch in den über den 
Teufelstein bis zum Plankogel hinziehenden Fischbacher- Alpen 
als westliche Grenzlinie, Beim Plankogel und der Lantschgruppe 
angekommen, sind wir auch bei dem Quellengebiet der Raab 
im engsten Sinne angelangt; es ist das Passailer-Becken, in 
welchem von dem unter den Osser liegenden Passailer Alpen 
die Raabquellen zusammenfliessen. Die Wasserscheide läuft 
nun vom Plankogel zum Osser und von hier weit nach West 
ausspringend und in weitem Bogen den schönen Passailer- 
Kessel umschliesend, zum Schöckel. Von diesem Culminations- 
punkt wendet sich nun die Wasserscheide, über den zwischen 
der Mur und Rabnitz ziehenden Hügelzug laufend, südöstlich 
zu dem nächsten Knotenpunkt, dem Schemmerl, um von hier 
nun in südlicher Richtung zum Hocheck, 471 M., zu ziehen. 
Von hier an nimmt der die Wasserscheide bildende Höhenzug, 
der unweit des Schlosses Kapfenstein die Landesgrenze ver- 
lässt, eine rein östliche Richtung und stösst hier mit der 
südöstlichen Grenze unseres Wandergebietes zusammen. 

Diese Höhenzüge und Wasserlinien bilden die Grenzen 
unseres eigentlichen Wandergebietes, aber diese erweitern sich 
wesentlich, wenn man die Eintrittsrouten in dasselbe berück- 
sichtigt und auf einige knapp jenseits der Wasserscheide der 
Raab liegende wichtige Punkte Bedacht nimmt. Auf diese Weise 
findet die nordöstliche Steiermark erweitert ihre natürliche 
Begrenzung: Im Westen durch das linksseitige Murufer von 
Brück bis zum Durchbruche des genannten Flusses bei Wildon, 
im Norden durch die Mürz und Fröschnitz, die Semmering- 
gruppe. Oestlich läuft die Landesgrenze zunächst über den 
Wechsel, dann über den Mönichkirchner-Sattel der Lafnitz zu. 



- 8 — 

Dem Laufe der Lafnitz bis zur Dobersdorfer Mühle bei Gillers- 
dorf folgend, überquert die Landesgrenze den Binderberg, über- 
setzt den : Lehenbach und mündet in's Haabthal zwischen den 
Dörfern Schiefer und Welten. Nach Ueberschreitung der Raab 
gelangt die Grenze auf die Wasserscheide zwischen Mur und 
Raab ; hier am Hofwald verlässt unser Gebiet die Landesgrenze 
und umfasst nun derart die Fortsetzung der genannten Wasser- 
scheide, dass noch südlich der Quellenbezirk der Lendva, die 
Gleich enbergerkogeln, die Einmündung des Fischabaches in den 
Gnasbach bei.Gnas, das Rosen-Schwarzau- und Stiefingthal ein- 
bezogen wird. Mit dem Hügelland zwischen dem letztgenannten 
Thal und der Mur bei Wildon rundet sich schliesslich unser 
Gebiet vollständig ab. Die nordöstliche Steiermark in dieser 
Weise begrenzt, liegt zwischen 32 ^ 56* und 33*^ 49' östlicher 
Länge von Ferro und 460 52' bis 47^39' nördlicher Breite. 

II. Gebirgsbau der nordöstlichen Steiermark. 

Den Nordosten des Landes durchziehen jene „steirischen 
Alpen", die den nördlichen Hauptkamm der centralen Ostalpen 
bilden und mit dem „Wechsel" ihr Ende erreichen. Die Mur und 
Mürz durchbrechen den Hauptkamm und begrenzen so mit dem 
Fröschnitzbach auf natürliche Weise unser in Betracht kommendes 
Alpengebiet. Zu den grössten Erhebungsmassen desselben ge- 
hören die Fischbacheralpen, die Semmeringgruppe, der Wechsel. 

Was Bau und Gliederung der Hauptkämme anbelangt, 
so zeigen dieselben keine geschlossene, continuirlich fortziehende, 
die Wasserscheide festhaltende Hauptrichtung, sondern es bilden 
die oberen Rücken meist gegeneinander orientirte, längere oder 
kürzere, auch wohl ring- oder hufeisenförmige Erhebungsmassen, 
die miteinander durch oft niedrige Sättel verbunden sind. Yon 
dieser Alpenregion mit breit gewölbten Hutweiderücken zweigt 
sich nun gegen Süden ein zum grossen Theil bewaldetes Berg- 
land mit zahlreicher Kuppenbildung ab, die Oberläufe der Raab, 
Feistritz, Safen und Lafnitz enthaltend, welches sich allmählig 
gegen Süden und Südosten in das sanft geformte und reich 
bewässerte steirisch-ungarische Hügelland auflöst. 



_ 4 — 

So stellt sich uns die nordöstliche Steier> 
mark als eine U ebergangslandschaf t dar, die 
zwischen den Gegensätzen vermittelt: Alpen 
and pannonische Niederung! 

Was die geognostische Zusammensetzung unseres Gebietes 
anbelangt, so gehört fast der ganze Nordost der Steiermark 
dem Urgebirge, und zwar den krystallinischen Schiefer- 
gesteinen an, unter welchen der Gneis vorwaltet. Im ausser- 
sten Nordosten gehört nur der Quellenbezirk 
derMürz in die Region des Alpenkalkes. Westlich 
zwischen der Feistritz (Birkfeld-Anger) und Mar, und nördlich 
den schönen Gebirgsstock des Hochlantsch (Teichalpe) ein- 
schliessend, findet sich eine ausgedehnte Eegion üeber- 
gangskalkund Thonschiefer. Das nördliche Urgebirge^ 
wie die üebergangsformationen (Grauwacke), finden ihren süd- 
lichen Abschluss am Tertiärgebiet derGrazerbucht. 
Zieht man eine Linie von Friedberg südlich gegen Hartberg, 
Kaindorf, dann westlich gegen Stubenberg und Puch, sodann 
südwestlich über Weiz, Kumberg, Maria-Trost nach Graz, so 
ist damit beiläufig die nördliche Grenze des Tertiärgebietes der 
nordöstlichen Steiermark markirt. Mitten aus diesen Regionen 
steigen ganz abnorme Bildungen vulkanischen 
Ursprunges: Trachyt und Basalt, meist in Form steiler 
Kegeln empor, als deren Centrum die Gegend von Gleichenberg 
angesehen werden kann. Der grossen Ausdehnung der tertiären 
Ablagerungen (Sand, Lehm, Mergel, Thon, Kalk und krystalli- 
nische Felsarten in Form von Schotter und Gerollen) verdankt 
die Nordost- Steiermark vor Allem ihre grosse Fruchtbarkeit. 

Bezüglich der Gesteins-Zusammensetzung charakterisirt 
sich unser Landestheil weniger durch vielfältige Formations- 
glieder, sondern durch unregelmässiges Auftreten und häufiges 
Ineinandergreifen derselben, so dass wir auch hier wieder eine 
Uebergangslandschaft sehen : zwischen Urgebirge und Gebilden 
jüngeren Ursprungs. 

Was den Aufzug unseres Alpengebietes betrifft, so be- 
merken wir im Allgemeinen, dass die mittlere Kammhöhe die 
Waldregion nicht übersteigt ; nur die höchst gelegenen Rücken 



— 5 — 

und Kuppen ragen mit 100 bis 200 M. Höhe in die Hntweide 
oder Alpenregion. Die Fischbacheralpen erreichen mit dem 
Stohleck, 1783 M., den calminirenden Gipfel. 

Nimmt man das Flussgebiet der Raab als natürliche 
Südgrenze der nordöstlichen Steiermark an, so liegt im .Aas- 
tritt des genannten Flusses nach Ungarn auch der tiefste 
Thalpunkt mit 248 M. Seehöhe. 

Wenden wir uns nach diesem Ueberblick den einzelnen 
grösseren Gebirgszügen zu, so kommen zunächst die Fisch- 
bacher-Alpen in Betracht. Sic erstrecken sich zwischen Mur, 
MOrz, Fröschnitz und Feistritz und haben ihren Namen von dem 
über 1000 M. hochgelegenen Dorfe Fischbach. Sie bilden breit- 
gewölbte Hauptrücken mit vielen Euppenbildungen, deren zum 
grossen Theil bewaldete Hänge steil auf die schluchtartigen 
Rinnen und schmalen Thalsohlen aufsitzen. Die Seitenthäler 
durchziehen wohl zahlreiche fahrbare Wege, doch übersetzt 
nur eine gut erhaltene, kunstgemäss erbaute Strasse den ganzen 
Gebirgszug und vermittelt den Uebergang vom Feistritzthal 
bei Birkfeld über Fischbach durch das Stanzerthal in das 
Hauptthal der Mürz bei Kindberg. Eine zweite durchgehende 
Verbindung führt als erhaltener Fahrweg von Birkfeld längs des 
Gasenbaches auf den Sattel ^Strasseck", dann über St. Erhardt 
'und St. Jakob durch den Breitenauergraben nach Mauthstadt 
zwischen Pernegg und Mixnitz, und so das Feistritzthal über 
die Fischbacheralpen mit dem Murthal verbindend. 

Zu den Fisch bacheralpcn gehört: das Rennfeld, 1630 M., 
bei Brück zwischen Mur, Mürz und dem Breitenauerbach, der 
Schwarzkogel, 1449 M., die Hedlalpe, 1308 M., der Serkogel 
1240 M., Hochschlag, 1582 M., Sauernkogel, 1449 M., Fürst- 
kogel, 1432 M., der breite Kogel, 1345 M. Letztere Kuppe ver- 
bindet der Sattel „Auf der Schanz", 1169 M., über den die früher 
erwähnte Hauptverbindung in's Mürzthal führt, mit dem Teufel- 
stein, 1499 M. Vom Teufelstein zweigt sich westlich die Sonn- 
bergalpe mit der Stangalpe, 1490 M., ab, während sich in nördlicher 
Richtung über den Sattel am „Ziesler- Anger" das Hauptmassiv der 
Fischbacheralpen zur Pretulalpe, 1656 M., fortsetzt und mit dem 
Stuhleck, 1783 M., seine grösste Erhebung und Ende erreicht. 



— 6 — . 

Diesen nördlichen Gruppen ist der Gebirgsstock des 
Hochläntscb, 1722 M., (Teichalpe), ein Glanzpunkt unseres 
Alpengebietes vorgelagert. Mit dein benachbarten Gebirge nur 
durch den erwähnten sehr schmalen Sattel »Auf dem Strass- 
eck", 1170 M., zusammenhängend, ist derselbe sammt seinen 
Nebengliedern auch bezüglich seiner Gesteinsart: Kalk und 
Thonschiefer, von der nördlich streichenden Urgebirgsformation 
deutlich geschieden. Häufig tritt hier das Kalkgebirge aus der 
sanftgeformten Thonschieferregion auffallend durch seine zer- 
rissenen Felspartien hervor. Als Ausläufer dieses interessanten 
Gebirgsstockes und weitere Nebenglieder sind hervorzuheben: 
die „rothe Wand", 1500 M., mit dem Rötheistein, 1234 M., 
(und der Drachenhöhle), der Patschaberg, 1285 M., der Zetz, 
1275 M., der Schöckel, 1446 M., Kulm, 976 M. 

Die Fischbacheralpen (Stuhleck) hängen durch eine 1368 M. 
hohe Sattelbildung mit der Gruppe: Kleiner Pfaff 1408'4 M., 
grosser Pfaff, 1519 M., und Harterkogel, 1506 M., zusammen, 
und vermittelt diese Gruppe östlich die Verbindung mit dem 
„Wechselgebiet*^, nördlich über den Fröschnitzsattel mit der 
Semmeringgruppe. Den Fröschnitzsattel, 1277 M., übersetzt 
eine Strasse von Kirchberg am Wechsel kommend und führt 
in's Fröschnitzthal zur Hauptverkehrslinie Wien-Graz. 

Vom genannten Sattel streicht, der Landesgrenze folgend, 
nördlich ein Gebirgszug mit der Poirshöhe, 1373 M., dem 
Alpkogel, 1411 M., und dem Dürrriegel, 1426 M. Der nord- 
westlich abfallende Rücken dieses Dürrriegels bildet mit dem 
Pinkenkogel, 1291 M. der Semmeringgruppe die Wasserscheide 
zwischen dem Quelleugebiet der Fröschnitz und der Adlitz und 
so den . uralten Semmering-Pass, eine der berühmtesten und 
besuchtesten transversalen Passagen der Ostalpen. Der Sem- 
mering-Sattel verbindet Niederösterreich und Wien sammt allen 
nördlich dieser Stadt gelegenen Ländern mit Graz, Laibach, 
Fiume, Triest und Ober-Italien. 980 M. beträgt seine Seehöhe 
und führt über ihn neben der doppelgeleisigen Bahn auch die 
Reichsstrasse, welche Verbindungen eben am Semmering-Sattel 
die Landesgrenze übersetzen. Letztere zieht über die Ochner 
Höhe, 1404 M., zur Kampalpe, 1535 M., der Rückenlinie folgend 



— 7 -- 

und führt dann weiter über eine . Kalkalpenregion, die ausser- 
halb unseres zu schildernden Gebietes liegt. 

Wie die Serameringgruppe ist qiuch der „Wechsel^ ein 
Grenzgebirge zwischen Steiermark und Niederösterreich. Von 
Mönnichktrchen bis zum mehrerwähnten Frösohnitz-Sattel läuft 
die Landesgrenze über die Hauptrückenlinie. Die südliche Ab- 
dachung des „Wechsels" ist begrenzt durch den Lafnitzbach 
mit dem Waldbach und hängt das Hauptmassiv mit den, am 
linken Ufer der genannten Bäche und der Feistritz sich er- 
streckenden Vorbergen durch den 982 M; hohen Sattel zwischen 
dem Eckberg und dem Wurzwallerkogel (westlich von Falken- 
stein) zusammen. Im Wechselgebiet uad zwar zwischen dem 
nordwestlichsten Seitenrücken desselben und dem grossen Pfaff 
liegt der Ursprung der Feistritz. Die Charakteristik des Gebirgs- 
baues ist ähnlich wie bei den Fischbacheralpen : breitgewölbte 
Hauptrücken, tief eingeschnittene Seitenthäler. Nur der Haupt- 
rücken: Nieder -Wechsel, hoher Umschuss und Kranichberger- 
halt ist unbewaldet und Alpen weide. Die Pyramide am „hohen 
Umschuss" hat eine Seehöhe von 1738 M. und gewährt dieser 
Punkt einen prächtigen Umblick, namentlich gegen Süden und 
Osten; in letzterer Richtung erblickt man den Neusiedlersee. 
Den östlichen Seitenrücken übersetzt beim Mönichkirchner 
Sattel, 939 M. eine Kunststrasse von Aspang kommend und 
so Niederösterreich mit der Ost-Steiermark verbindend. 

Vom Niederwechsel, 1668 M., zweigt sich der Hochkogel, 
1318 M., gegen Süden ab, setzt sich zwischen der Pinka und der 
Lafnitz in mehreren immer niedriger werdenden kleinen Rücken 
fort und überschreitet als Hügelland mit einer relativen Höhe 
von nur mehr beiläufig 100 M. die steirisch-ungarische Grenze. 

Die zwischen Lafnitz und Feistritz gelagerten Vorberge 
erreichen mit der Kuppe „Wildwiesen", 1256 M., dem Raben- 
wald, 1281 M., und dem Masenberg, 1.272 M., ihre bedeutendsten 
Erhebungen. 

Rabenwald und Masenberg, letzterer mit seinen beiden 
Ausläufern Wiesberg und Ringkogel, sind südlich die letzten 
grösseren, zur Urgebirgsformation gehörigen Bodenerhebungen 
der Nordost-Steiermark. 



— 8 — 

Ans diesem Bergland wie auch ans dem beoachbarteit^ 
zwischen Raab und Mar gelegenen, entwickelt sich nun ein 
Hügelland von massiger, theilweise auch von geringer Höhe, 
doch mannigfaltig in seiner geognostischen Zusammensetzung 
und sehr reich in seiner plastischen Gliederung. Von vielen 
Wasserlinien durchzogen und aufs Beste cultivirt, erstreckt es 
sich über die ganze südliche Hälfte unserer Nordost-Steiermark. 



III. Gewässer der nordöstlieheR Steiermark. 

1. Die Kaab. Auf der Heubodenhöhe der Passailer- 
Alpen entspringend, ist sie der westlichste Fluss dieses Gebietes 
und wird, alle übrigen Bäche und Flüsse der nordöstlichen 
Steiermark in sich aufnehmend, allmählig zum Hauptiluss dieses 
Landestheiles. Durch das reiche Quellengebiet des Passailer 
Kessels rasch gekräftigt, durchbricht südlich die Raab in tief ein- 
geschnittener, wildromantischer Waldschlucht den vom Plankogel 
südwestlich gegen den Schöckel ziehenden hohen Gebirgswall 
um nahe dem Schlosse Stadl das offene Thal zu gewinnen. 
Kurz darauf erhält sie den Weizbach, der sich durch düstere 
Felsenklammen Bahn bricht, und bei Gleisdorf den Rabnitz- 
bach. Von Gleisdorf wendet sich die nun flussartig grosse 
Raab etwas südöstlich bis Kirchberg, von wo sie eine rein 
östliche Richtung annimmt und an der Stadt Feldbach und 
dem Markt Fehring vorbeifliessend, nahe dem Schlosse Hohen- 
brugg die Landesgrenze erreicht. Das breite, fruchtbare Raabthal 
mit seinen wogenden Kornfeldern, den reichen Obstculturen seiner 
Gelände und den zahlreichen grossen Mühlen gilt als die geseg- 
netste Gegend Steiermarks. Die Raab bildet zugleich den grössten 
der auf steirischem Boden entspringenden Flüsse des Landes. 

2. DieFeistritz. Unter allen Flüssen der Ost-Steier- 
mark weitaus am längsten, entspringt die Feistritz in den 
westlichen Abhängen des Wechsels unter dem Weisseck- Kogel 
und vereinigt sich bei dem Dorfe Rettenegg mit dem von den 
beiden Pfaffen herabkommenden Pfaffenbach, um niin als reissen- 
der Gebirgsfluss südlich sich zu wenden. Vom Dorfe Ratten 



- 9 — 

an, so eng und tief zwischen dem Zug der Fischbacher- Alpen 
und dem vom Wechsel über den Eckberg, die Wildwiesen 
zum Babenwald streichenden Gebirgszug eingebettet, dass auf 
einer Strecke von circa 20 Kilometer keine Ortsbildung möglich 
ist, erreicht die Feistritz erst bei dem Markte Birkfeld eine 
kleine Thalweitung, um sich sodann neuerdings durch ein von 
prächtigem Hochwald bedecktes enges Thal mühsam Bahn zu 
brechen. Auf diesem zweistündigen Wege umrauscht die Feistritz 
die Felsenzunge, auf welcher die Burg Frondsberg thront und 
erreicht bald darauf beim Markte Anger eine schöne Thal- 
weitung. Nun wendet sich die Feistritz östlich und bald ver- 
engt sich wieder das Thal zu der wilden Freienberger Klamm, 
die eine Gehstunde lang ist und von der Feistritz durchbrochen 
wird. Am Ausgange der Klamm bei Stubenberg erreicht der 
Fluss das offene Thal, um jedoch bald wieder südlich sich der 
Herbersteinklamra zuzuwenden. Hier eng eingebettet zwischen 
den Abstürzen des Kulm und dem trotzigen Felsenriff, auf 
welchem die Burg Herberstein sich erhebt, erreicht die land- 
schaftliche Scenerie während des ganzen Laufes der Feistritz 
ihren Höhepunkt. Unmittelbar nach diesem letzten Durchbruch 
bei dem weithin sichtbaren, auf der Höhe gelagerten Dorfe 
St Jobann gelangt nun die Feistritz zum ersten Male in offenes 
Thal, welches sich bald mit Hopfenculturen bedeckt, und er- 
reicht, eine immer südöstliche Richtung nehmend, an dem 
Schlosse Feistritz und an der Stadt Fürstenfeld vorüberfliessend, 
nahe dieser Stadt die Landesgrenze. 

Die wichtigsten Seitenbäche der Feistritz sind am rechten 
Ufer: Der Niesnitz- der Kogelbach, dann später der Sulz-, 
Dissenbach und Weissenbach, südlich Birkfeld fliesst der sehr 
grosse Gasenbach und bald darauf der Naintschbach zu. Den 
nächsten wichtigen Zufluss erhält die Feistritz am rechten Ufer, 
sodann erst unter St. Johann mit dem Hömerbach und später, 
insbesonders bei Gross -Wilfersdorf, durch den Ilz-Fluss. Am 
linken Ufer erhält die Feistritz in Folge des steilen Abfalles 
der Thalwände keine erheblichen Zuflüsse. 

Einst hielten sich Biber in der Feistritz auf, wie aus einem 
Lehenspateni über das „Püber-Ghaid*' von 1694 hervorgeht. 



— 10 — 

3. Die Safen. Sie erhält ihre Quellenzuflüsse im 
PöUauer Kessel und nimmt bald einen südöstlichen Lauf. In der 
Nähe des Schlosses Obermayrhofen vereinigt sie sich mit dem 
am Ostabhange des Mäsenbergs, westlich von Grafendorf ent- 
springenden sogenannten östlichen Safenbach, um an der Landes- 
grenze, südlich des steirisehen Dorfes Bierbaum, sich in die 
Lafnitz zu ergiessen. 

4. Die Lafnitz. Als Grenzfluss der Steiermark von 
grosser Bedeutung, entspringt dieselbe jenseits des PöUauer- 
Kessels, in der durch den Höhenrücken Wildwiesen, Kreuz- 
wirth-Sattel, Filzmoos und Hinter-Eckbergen gebildeten, nach 
Nord gerichteten Mulde und fliesst daher zuerst, entgegen 
allen übrigen Flüssen der Ost-Steiermark, die sämmtlieh einen 
südöstlichen Lauf nehmen, in rein nördlicher Richtung bis . zum 
Dörfe Waldbach, wo sie den gleichnamigen Bach aufnimmt; 
nun wendet sie sich, den Wechselzug begleitend, südöstlich. 
Nachdem sie am linken Ufer alle die zahlreichen, dem Wechsel 
entströmenden, wasserreichen Bäche, darunter besonders den 
«tarken Festenburger Schlosßbach aufgenommen hat, erhält sie 
noch am rechten Ufer, unter dem hochgelegenen Dorfe. Rein- 
berg, den kräftigen Vorauerbach und erreicht nun, als reissen- 
der Fluss hinjagend, beim Dorfe Lafnitz die Landesgrenze. 
Von hier an bildet das Bett der Lafnitz bis unter Fürstenfeld die 
Landesgrenze, worauf sie bei dem Dorfe Rudersdorf nach Ungarn 
tibertritt, um sich mit der Feistritz und der Raab zu vereinigen. 

5. Immer von West nach Ost gehend, finden wir zuletzt 
noch den Pinggaubach (Pinka), dessen Quellengebiet in 
den östlichen Abhängen der Vorauer Kuhschwaig und der 
Hilm liegt. Er fliesst südöstlich, zieht am Fusse der hoch- 
gelegenen Stadt Friedberg durch das Dorf Pinggau, nimmt 
sodann noch den Schwarzbach und den Kogelbach, sowie den 
Tauchen und Schäffernbach auf, und wendet sich sodann bei 
Sinnersdorf nach Ungarn. 

Alle genannten Gewässer der nordöstlichen Steiermark 
sind in ihrem ganzen Oberlaufe reich an Forellen 
und Aschen, in den offenen Thalboden jedoch an Hechten, 
Karpfen und Barben. Mehrfach finden sich noch seeartig 



— 11 — 

grosse Teiche bis zu 48 Joch Flächeninhalt (so um Schloss 
Neu-Schieleiten, dann bei Gross-Steinbach und Neudau). 

Was die Mineralquellen betrifft, so finden sich 
mehrfach warme Quellen, so der sogenannte Stampflbrunnen 
bei Rettenegg, dann die Quellen im Breitenauerthal bei St. Jakob, 
die vom Landvolke benützt werden. Weiters finden sich kropf- 
erzeugende Quellen bei Arzberg und Mortantsch, dann in Urscha 
and Windisch-PöUau, und eine kropfheilende Quelle zu Keit, 
Gemeinde Unter-Dessau. Eisenhaltige Quellen finden sich bei 
Waldbach und Habersdorf, und eine Ausschlag erzeugende Quelle 
zu Erdwegen. Der Ulrichsbrunnen bei Gross -Wilfersdorf wird 
von Halsleidenden, und eine Quelle bei PöUau von Augen- 
leidenden benützt; hier befindet sich auch die Amesbauer- 
Schwefelquelle (bei Winzersdorf), Weitaus am wichtigsten 
sind jedoch die Gleichenberger Säuerlings-Quellen, 
die dem gleichnamigen Curort einen Weltruf 
verschafft haben. 

IV. Naturmerkwiirdigkeiten. Jagd. Flora. Bergbau. Industrie und 
Landwirthschaft. 

Von den Natnrmerkwürdigkeiten ist unser Wandergebiet 
ungemein reich an Höhlen, und fallen nahezu sämmtliche 
Höhlen der Steiermark in das Flussgebiet der Raab und dessen 
Umgebung. So die Drachenhöhle am Rötheistein, die prächtige 
Tropfsteinhöhle bei Rettenegg und die zahlreichen 
Höhlen in der zerklüfteten Uebergangskalkmasse des Sattel- 
berges, nördlich von Weiz, zwischen der Raab und dem Weiz- 
bache, unter welchen wegen ihrer herrlichen Tropfsteinbildungen 
die Grasseihöhle am schönsten ist. Eine durch regelmässige 
Säulenbildung ausgezeichnete Basalthöhle befindet sich beim 
Dorfe Stein, Bezirk Fürstenfeld. Künstliche, uralte 
Höhlen, sogenannte Frauenhöhlen, finden. sich bei Kaindorf. 

Was den Wildstand betrifft, so hausten bis vor 
wenigen Jahrzehnten in den damaligen Urwäldern am Wechsel 
ziemlich häufig Bären, Luchse und Wildkatzen, und auch der 
Wolf war in der steirischen Ostmark kein seltener Gast, die die 



— 12 — 

Schroffen des Kalkgebirges liebende Gemse ist hier jedoch nie, 
oder doch schon lange nicht mehr, heimisch gewesen. 

Noch findet sich zahlreich der Edelhirsch in den Fisch- 
bacher-Alpen und in den Wäldern der Lantschgruppe, seltener 
im Gebiete des Wechsels, während Rehe durch die ganze nord- 
östliche Steiermark verbreitet sind ; auch an Hasen ist nirgends 
ein Mangel. Yerhältnissmässig sehr zahlreich findet sich auch 
der Auerhahn und der Schildhahn, nebst Schnepfen, Schnee-, 
Hasel- und Rebhühnern vor, und geht der Auerhahn wie der 
Schildhahn bis in die Niederungen von Fürstenfeld herab. Seit 
einigen Jahren haben sich auch vom Schlosse Kornberg, wo 
die erste Fasanerie angelegt wurde, über die ganze nordöst- 
liche Steiermark Fasanen sehr stark verbreitet. Die schönsten 
und bestgehegten Jagdreviere der steirischen Ostmark sind jene 
des Grafen Adalbert Kottulinsky bei Schloss Neudau, weiters 
das bedeutende Revier der Hartberger Jagdgesellschaft und 
jenes des Königs Milan von Serbien um Gleichenberg. Die 
berühmtesten Hahnenjagden liegen um Strallegg und Wenigzell 
und sind dem Herzog von Parma verpachtet. Ein eigentlicher 
Thiergarten besteht jedoch nur beim Schlosse Herberstein, wo 
circa 100 Damhirsche gehegt werden. 

Die Alpenflora unseres Reisegebietes unterscheidet 
sich nur wenig von jener der Urgebirgszüge der Alpen über- 
haupt. Das Edel weiss findet sich nur selten, so z. B, 
auf der „hohen Alpe" nördlich von Gasen, in den Yerästungen 
der Fischbacher Alpen. Heilkräftige Kräuter finden sich zahl- 
reich, so insbesonders Arnica montana; namentlich reichhaltig 
ist die Lantschflora. Im Juni blüht auf den Alpenmatten das 
wohlriechende Kohlröschen (namentlich auf der Teichalpe) und 
bald darauf knospen die Rhododendron - Gruppen mit ihren 
prächtigen rothen Blüthen bis in den Herbstmonaten aus den 
Felsschluchten hervorleuchtend. Der ganze Wechselzug ist bis 
auf circa 1580 M. mit Nadelholzwäldern bedeckt, an welchen, 
der Krummholzregion entbehrend, sogleich die Alpenmatten sich 
anschliessen. In den tiefer liegenden Vorbergen des Wechsels 
und der Fischbacheralpen und ihren grossen südlichen Aus- 
läufern vermischt sich vielfach das Nadelholz mit Birke und 



— 13 - 

Buche. Diese Vermischung der Nadelhölzer mit den Lanhhölzern 
macht sich insbesondere auch im PöUauer Kessel geltend. 
Schöne, reine Nadelholzwaldungen finden sich an den Thal- 
geländen des Voran erbacbes und im Feistritzthal zwischen 
Anger und Birkfeld. Die Eiche findet sich nur mehr sporadisch 
vor, einst soll der ganze Masenberg mit Eichenwäldern bedeckt 
gewesen sein. 

Bergbau und Industrie. Aufgelassene Stollen 
eines Silberbergwerkes finden sich zu Arzberg bei PassaiU 
Ratten und Feistritzwald, und Schwefelkiesgruben zu Waldbach 
bei Voran. Grössere Lager von Steinkohlen sind um Rettenegg 
und um Hz, doch findet nur bei letztgenanntem Orte ein eigent- 
licher Steinkohlenbergbau statt. Talkstein wird nächst Anger 
am Rabenwald gebrochen, schöner Serpentin findet sich 
bei Schäffern nächst Friedberg, und Basalt nahe dem Dorfe 
Stein, Bezirk Fürstenfeld. Von den Industrie-Unternehmungen 
ist die k. k. Tabak -Fabrik zu Fürstenfeld mit über 
2000 Arbeiterinnen und Arbeitern weitaus am wichtigsten, wie 
auch die grossen Spinnfabriken zu Neudau und Burgau 
nördlich von Fürstenfeld von grosser Bedeutung sind. Ausserdem 
finden sich alte Sensenwerke zu Weiz, Arzberg, Rettenegg und 
in der Breitenau, Dampfbrauereien und Ringziegelöfen 
zu Fürstenfeld und Feldbach, eine Zündhölzchen -Fabrik 
zu Yorau - Brück, zwei Rosenkranzfabriken zu Weiz, 
grosse Käsereien für Tafeldesertkäse zu Kornberg und 
Kaisdorf, nebst zahlreichen Mühlen und Brettersägen. Eine 
sehr bedeutende Hausindustrie bildet in den Dörfern 
am Pinggaubache die Herstellung von Holzgefässen 
(Schaffein etc.) und Schindeln, und besteht im Dorfe Sinners- 
dorf eine grosse Schaffelbinderei. Im sogenannten „Jaklland", 
welches die Bezirke Pöllau, Vorau und Birkfeld umfasst, wird von 
der Landbevölkerung eine Gattung leichter Loden, „Wilfling", 
aus Leinen und Wolle erzeugt und zu Kleidungsstücken allge- 
mein in Verwendung gebracht. 

Die eigentliche Erwerbsquelle des Volkes bildet jedoch 
durchwegs die Landwirthschaft, und zwar sind die Waldbauern 
des Gebirgslandes von Vorau bis zum Wechsel und längs dem 



— 14 — 

Fischbacher Alpenzug in erster Linie auf die Alpenw.irth- 
Schaft, respective auf die Viehzucht angewiesen, während 
in den südlichen Gegenden der Ackerbau im Vereine mit der 
Obst-, Hopfen- und Weincultur mit bestem Erfolge betrieben 
wird. Was speciell den Obstbau betrifft, so sind namentlich 
die Bezirke Gleisdorf und Weiz das Centrum dieser Caltur, 
welche einen der wichtigsten Exportartikel des Landes bildet 
und hier für die Bevölkerung die Quelle eines relativ bedeutenden 
Wohlstandes ist. Was für die südwestlichen Gegenden der 
nordöstlichen Steiermark die Obstcultur bedeutet, das bedeutet 
für die südöstlichen Gegenden die H o p f e n c u 1 1 u r, die sich 
in den südlichen Theilen des Hz-, Feistritz- und Lafnitzthales 
zwischen Ilz-Burgau-Fürstenfeld concentrirt und deren Producte 
gleichfalls einen sehr wichtigen Exportartikel bilden. Von den 
Linien Weiz-Hartberg-Pinkafeld abwärts wird auf den südlichen 
Abhängen der Hügelzüge vielfach ein leichter „deutscher 
Wein" gebaut. 

V. CommunicationsmitteL 

Der ganze, über 48 Quadrat-Meilen grosse Landstrich 
der nordöstlichen Steiermark entbehrt heute noch voll- 
kommen der Eisenbahnverbindungen, indem nörd- 
lich sich nur die Kopfstation der Wien-Aspangbahn der Grenze 
unseres Wandergebietes bis auf circa 15 Kilometer nähert, 
während südlich am Fusse der unser Gebiet begrenzenden 
Wasserscheide, das Raabthal entlang, die Linie der ungarischen 
Westbahn zieht, von welcher im äussersten Osten noch eine 
kurze Flügelbahn von Fehring nach Fürstenfeld abzweigt. Unser 
Wandergebiet wird daher nur an seinen Grenzen von Eisen- 
bahnlinien tangirt, während die im Herzen der steirischen Ost- 
mark liegenden Orte durchwegs noch der Eisenbahnverbindung 
entbehren. 

Umso wichtiger sind daher die diesen Landestheil durch- 
ziehenden Strassen und Gebirgübergänge. 

Die beiden wichtigsten Strassenrouten der nordöstlichen 
Steiermark sind: 



— 15 — 

L. Die Strassenlinie von Graz über Gleia- 
dorf, Pischelsdorf, Hartberg, Friedberg nach 
Aspang; sie durchzieht den ganzen genannten Landestheil und 
bildet die directe Verbindung der Landeshauptstadt mit 
Wien; und 

IL die Strasse von Graz über Gleisdorf (wie 
oben), dann über Grossau, Sinabelkir eben, Hz, 
Gross-Wilfersdorf, Fürstenfeld an die ungarische 
Landesgrenze. Diese Strasse (alte Reichsstrasse, so- 
genante Ungarst rasse) ist schon vermöge ihrer bedeu- 
tenden Fahrbahnbreite von mindestens 5 Metern hervorzuheben, 
und stellt diese Route die kürzeste und beste Verbindung der 
Landeshauptstadt mit Ungarn dar. 

Der nun folgenden näheren Benennung der einzelnen 
Strassenzüge wird die Bemerkung vorausgeschickt, dass Bezirks- 
strassen 1. Classe eine Fahrbahnbreite von 3 — 4 M., Bezirks- 
strassen 2. Classe eine solche von 2y2 — 3 M. haben. 

L Der Strassenzug Graz-Aspang verlässt die 
Hauptstadt über St. Leonhard, gelangt über die „Ries^* auf die 
575 M. hohe Wasserscheide zwischen Mur und Raab, über- 
setzt zunächst die Rabnitz und dann bei Gleisdorf die Raab. 
Von Gleisdorf setzt sich diese Verbindung mit geringerer Fahr- 
babnbreite als Bezirksstrasse 1. Classe über Pischelsdorf, Hart- 
berg und Friedberg fort und überschreitet am Sattel von 
Mönichkirchen, 980 M., die steirisch-österreichische Grenze. 
Die Entfernung von Gleisdorf zur nächsten österreichischen 
Bahnstation Aspang beträgt 76 Kilometer. 

Von diesem Hauptstrassenzug zweigen folgende weitere 
Strassenzüge ab: 

1. Von Gleisdorf in nördlicher Richtung über St. 
Ruprecht nach Weiz. Dann von Weiz durch die Weizklamm 
nach Passail Bezirksstrassen 1. Classe. Von Passail führt ein 
erhaltener Fahrweg durch den Tyrnauergraben zur Südbahn- 
station Frohnleiten in's Murthal. 

2. Von Weiz über Anger nach Birkfeld Bezirksstrasse 
1. Classe. Von Birkfeld setzen sich nach drei Richtungen wichtige 
Strassenzüge, beziehungsweise Gebirgsübergänge fort. 



— 16 — 

a) Von Birkfeld über Fischbach zum Sattel „Auf der 
Schanz", 1169 M., Bezirksstrasse 1. Glasse, und dann 
aber Stanz zur Bahnstation Eindfoerg. Die Fischbacfaer- 
Alpen durchziehend, ist diese Strasse die praktikabelste 
Verbindung zwischen dem Feistritzthal und dem MOrzthal. 

h) Von Birkfeld über Gasen zum Sattel „Auf dem 
Strasseck", 1170 M., und von da über St. Eriiardt und 
St. Jakob durch den Breitenauergraben nach 
Mauthstadt, beziehungsweise den Bahnstationen P e r- 
negg oder Mixnitz. Bezirksstrasse 2. Glasse. Dieser 
Strassenzug verbindet das Feistritzthal mit dem Mur- 
thal. Endlich 

c) von Birkfeld aufwärts des Feistritzthaies über 
Ratten und R e 1 1 e n e g g auf den Pfaffensattel, 1368 M., 
sodann durch den Fröschnitzgraben zur Südbahnstation 
Steinhaus. Diese Verbindung, bis Ratten Bezirks- 
strasse 2. Glasse, von hier an jedoch ein nur strecken- 
weise erhaltener Gemeinde-Fahrweg von wechseln- 
der Breite führt somit vom Feistritzthal zum Fröschnitz- 
thal und zwar unweit des Semmering. 
Von der Hauptroute I zweigt sich weiter bei 
Hirnsdorf in südlicher Richtung 

3. eine Bezirksstrasse 2. Glasse nach Hartmanns- 
dorf und sodann das Feistritzthal überquerend nach Hz, und 

4. in nördlicher Richtung von Hirnsdorf eine Strasse 
von gleicher Gharakteristik über St. Johann bei Herberstein 
nach Stubenberg ab. Von Stubenberg setzt sich die Strasse 
durch die Freienberger Klamm fort und gabelt sich nach Aus- 
tritt aus der genannten Klamm einerseits in eine Verbindung 
mit Anger, andererseits mit Weiz. 

Ferner bildet auf der Route I Kaindorf einen 
Strassenknotenpun kt, und zwar führt 

5. in nördlicher Richtung eine Bezirksstrasse 2. Glasse 
nach Pöllau mit einer Abzweigung nach Hartberg. Bei 
gleicher Wegcharakteristik gabelt sich diese Strasse in zwei 
Züge und führt ein Strassenzug von Pöllau 



— 17 — 

6. über den 800 M. hohen Sattel des „Gschaid" den 
genannten Markt mit Birkfeld verbindend, während 

7. ein zweiter Strassenzug die nördlichen Hänge des 
PöUauer Thalkessels hinansteigt und zur Kreuz wir th-Höhe 
1038 M. führt. Von hier zweigt die Hauptverbindung nach 
Voran ab. In nördlicher Richtung zieht 

8. vom Kreuzwirth die Strasse längs des Haupt- 
rückens: „Wildwiesen*', „TodteMann" weiter und führt 
östlich nach Wenigzeil, nördlich weiter 

9. als Fahrweg zwischen Falkenstein und 
Ratten in's obere Feistritzthal. 2 Kilometer südlich, 
Ratten, verlässt dieser Fahrweg das Thal, gelangt nach S t. 
Kathrein amHauenstein, übersetzt die Fischbacheralpen 
am 1078 M. hohen Sattel „Am Alpsteig", um als erhaltener 
Fahrweg (Alpensteig) bei Krieglach das Mürzthal zu erreichen. 

Zum Strassenknotenpunkt Kaindorf der Route I rück- 
kehrend, zweigen sich in südlicher Richtung von Kaindorf ab : 

1 0. De rStrassenzug (Bezirksstrasse 2. Classe) 
Kaindorf, Ebersdorf, Neustift-Sebersdorf, Wal- 
tersdorf, Blumau, Bierbaum zur Route IL 

Die Bezirksstrassen 2. Classe: 

11. Sebersdorf - Gro s s-Hartmanns do rf und 

12. Blumau-Ilz 

verbinden das Safenthal mit dem Feistritzthale. 

Der Hauptroute I folgend, zweigen sich 
weiters von Hartberg ab: 

13. eine Bezirksstrasse 2. Classe über Lebing, 
Ober- und Unterbuch, Geisseisdorf nach Sebersdorf; 

14. von Hartberg über St. Johann in der Haide nach 
Fürstenfeld eine Bezirksstrasse 1 . Classe. Dieselbe, zuerst 
dem Lungitzthale, dann dem Grenzthale der Lafnitz folgend, 
berührt die Orte: Ober- und Unter-Rohr, Wörth, Neudau, 
Burgau, Bierbaum, endlich Fürstenfeld. 

15. Neudau ist über Ober- und Unter-Limbach durch 
eine Bezirksstrasse 2. Classe mit Sebersdorf in Verbindung. 

Die nächste Abzweigung von der Hauptroute findet 
bei Rohrbach statt und zwar führt : 



— 18 — 

16. eine Bezirksstrasse 1. Classe bis „Beigirtl" 
(Beigütel), an der Einmündung des Vorauerbaches in die 
Lafnitz. Hier gabelt sieb der Strassenzug und führt ein Zug 
mit gleicher Wegbeschaffenheit weiter nach Voran, während sich 

17. eine andere Verbindung als Bezirksstrasse 2. Classe 
dem Lafnitzthal aufwärts folgend, über Brück, Mönich- 
wald nach Waldbach fortsetzt, von wo sie als Fahrweg 
mit Wenigzell die Verbindung herstellt. 

18. Von Voran führt eine Bezirksstrasse 2. Classe 
gleichfalls nach Wenigzeil. 

Endlich als östlichste und letzte Abzweigung von der 
unser ganzes Wandergebiet durchziehenden Hauptroute I ist 
noch zu nennen : 

19. Die Bezirksstrasse 2. Classe (Theilstrecke) 
von P i n g g a u zur ungarischen Grenze nach P i n k a f e 1 d mit 
der Abzweigung nach Schäffern an die österreichische Grenze. 

Ausser der Hauptroute Graz-Gleisdorf-Friedberg 
führt eine Bezirksstrasse 1. Classe von Graz directe nach 
Weiz mit Strassenabzweigungen minderer Kategorie nach 

1. Radegund, 2. nach K umher g, 3. überGutten- 
berg, Garrach^ Arzberg nach Passail; und 4. über 
Eggersdorf zur Hauptroute nach Gleisdorf. 

Ferner führt von Graz eine Bezirksstrasse 1. Classe 
über Messendorf, Authal, die Wasserscheide zwischen 
Mur und Raab „am Schemmerl", 500 M., übersetzend, bei 
Studenzen in's Raabthal. 

Von der II. Hauptroute Gleisdorf- Sinabelk ir- 
chen-Ilz-Fürstenfeld — 30 Kilometer — deren Weg- 
charakteristik bereits Eingangs hervorgehoben wurde, zweigen 
folgende Strassen ab: 

1. Von Gleisdorf eine Bezirksstrasse 1. Classe das 
Raabthal entlang über Feldbach undFehring an 
die ungarische Grenze. 

2. Von Hofstätten im Raabthal über Windisch- 
PöUau durch's Ritscheinthal die Orte: Windisch-Hartmanns- 
dorf, Ottendorf, Walkersdorf, Söchau, Uibersbach berührend, 
als Bezirksstrasse 2. Classe zur Hauptroute. 



— 19 — 

3. Von Hz über Walkersdorf das Ilzthal mit dem 
Ritscheinthal verbindend, dann weiter über Riegersburg 
nach Feldbach, eine Bezirksstrasse 2. Classe. 

4. Von F e 1 d b a c h zweigen südöstlich und südwestlich 
die Strassen nach Gleichenberg als Bezirksstrasse 1. Classe 
and Guas als Bezirksstrasse 2. Classe ab. 

5. Von Fehring führen Strassen nach Riegersburg 
Bezirksstrasse 2. Classe, und über Uibers bach nachFür- 
stenfeld, anfangs Bezirksstrasse 1. Classe und später Bezirks- 
strasse 2. Classe. 

Mit der Benennung dieser Communicationsmittel will nur 
ein üeberblick über das Strassennetz der nordöstlichen Steier- 
mark im Allgemeinen geboten sein. Bei der Detailbeschreibung 
wird das Gesammt-Communicationsnetz soweit es touristisch 
von Wichtigkeit, seine entsprechende Würdigung finden. 



Höhen der wichtigsten Culminationspunkte ; 
Auffencapelle 448 M., Hocheck 471 M., Riegersburg 512 M., 
Schemmerl 546 M., Gleichenberger Kogeln 451 M. und 596 M., 
Ring bei Härtberg 795 M., Kulm 976 M., Masenberg 1272 M., 
Rabenwald-Kogel 1281 M., Hohe Zetz 1275 M., Jacober 
Eckberg 1214 M., Schöckel 1446 M., Teufelstein 1499 M., 
Kl. Pfaff 1408 M., Gr. Pfaff 1519 M., Osser 1549 M., 
Pretulalpe 1656 M., Hochlantsch 1722 M. , Hochwechsel 
1738 M. und Stuhleck 1783 M. 

Die Bevölkerung ist durchaus deutscher Nationalität. 
An der ungarischen Grenze entlang lebt der deutsche Volks - 
stamm der Hienzen, der sich dadurch charakterisirt, dass 
die von ihm bewohnten Höfe keine Vulgarnamen führen. Die 
deutsche Sprachgrenze überschreitet circa 2 Meilen die unga- 
rische Grenze. Der Sitten und Gebräuche, sowie der Sagen- 
welt, die sich noch heute im Volke der steirischen Ostmark 
erhalten haben , wird bei Besprechung der einzelnen Orte 
gedacht werden. Die steirisehe Ostmark in der anfangs bezeich- 
neten Begrenzung, umfas&t 10 Gerichtsbezirke mit 341 Orts- 

2* 



20 



gemeinden und 169.638 Einwohnern und 3 politische Bezirke 
mit dem Sitze in Weiz, Hartberg und Feldbach. 



Politischer 
Bezirk 


Gerichts- 
bezirk 


Quadrat- 


TT&n<iA* 


Orts- 
Gemein- 
den 

j 


Ein- 
wohner 


Einwohner 


Meilen "—-' 


pr.DM. 


pr. Hans 


f 


Gleisdorf 


5-3 


3583 


, 62 


1 23575 


4448 


6-5 


Weiz { 


Weiz 


6-7 


3336 


1 45 


21239 


3170 


6-4 


. 


Birkfeld 


5-3 


1835 


1 17 


10659| 


2011 


5-8 




Pöllau 


3-1 


1748 


' 22 


10835 


3500 


G2 


1 Hart- 


Vorau 


4-32 


1291 


11 


7897' 


1830 


6-1 1 


bergr 1 


Hartberg 


61 


4248 


51 


24088 


3947 


5-9 ' 




Friedberg 


3-4 


1198 


9 


7911 


2330 


6-6 


Feld- J 
bach 1 


Fürstenfeld 
Feldbach 


4-37 
6-3 


2746 
4582 


41 

1 56 


18885 
300361 


4330 
4766 


6-8 
6-5 


Fehring 


2-97 


2388 


1 28 


14513 


4886 


61 


47-86 


26955 


, 341 


169638' 

1 


3534 


6-3 



In kirchlicher Beziehung gehört die ganze nordöstliche 
Steiemuirk zur Diöcese Seckau und bestehen Decanate za 
St. Ruprecht, Weizberg, Pischelsdorf, Hartberg, Vorau, Birk- 
feld, Passail, Riegersburg und Waltersdorf, wovon Weizberg 
und Hartberg wieder Kreisdecanate sind. 

Gesciiiciite. 



Es liegt nicht in dem Rahmen eines Reisehandbuches, 
über einen kleinen Landestheil eine erschöpfende Geschichte 
desselben zu schreiben, da dieselbe doch nur eine Local- 
geschichte sein kann und somit mit den bei den einzelnen 
Orten angeführten historischen Daten zusammenfällt. Wir wollen 
daher nur jene historischen Momente skizziren, welche für die 
culturellen und materiellen Verhältnisse des behandelten Wan- 
dergebietes von besonderer Bedeutung waren. 

Die ersten Bewohner der nordöstlichen Steiermark, von 
welchen wir historische Spuren ihrer Existenz haben, waxen 
keltogermanischen Stammes, die von den Römern ans ihren 



— 21 — 

alten Wohnsitzen in Ulyrien und Oberitalien verdrängt, nörd- 
lich den Flussläofen der ßave, Dran and Mnr folgend, sich 
in unserer Steiermark beiderseitig des cetischen Gebirgszuges 
niedergelassen hatten. 

Aber im Jahre 30 n. Chr. drangen nach dem Siegiß 
der römischen Heere über die sässige Bevölkerung bei Pettau, 
die Cohorten des Weltreiches auch nach der nördlichen Steier- 
mark vor und unterwarfen die Bevölkerung dieses Landes- 
theiles, welcher unter Kaiser Octavius Augustus der römischen 
Provinz Panonien einverleibt wurde (34 n. Chr.). Diese Pro- 
vinz war durch den sogenannten cetischen Gebirgszug, der 
vom Kahlenberg bei Wien über den Semmering und den Fisch- 
bacher Alpenzug entlang lief, von der Provinz Noricum getrennt. 
Zahlreiche Denkmäler und Gräberstätten geben 
uns heute noch Zeugniss von der Herrschaft 
der Römer; so die Denk- und Grabsteine zu Anger, 
Altenmarkt, Dechantskirchen, Ehrenschachen, Ebersdorf, Eried- 
berg, Fürstenfeld, Gleichenberg, Grafendorf, Hartberg, Hainers- 
dorf, St. Johann ob Herberstein und St. Johann in der Haide, 
Kaindorf, Löffelbach (Ziegel), Pischelsdorf, Pöllau, Rabenwald 
(Meilensäule), St. Ruprecht, Semriach, Stubenberg, Walters- 
dorf (Kolossalstatue), Weiz und Voran, und weisen namentlich 
die vielen Gräberstätten im Schildbacherwald, zu Löffelbach, 
Grillberg und auf der Penzendorfer Höhe auf eine grössere 
Station in oder um Hartberg. 

Im Anfange des V. Jahrhundertes begann jedoch die 
Völkerwanderung die Weltherrschaft des Römerreiches zu 
erschüttern und die Westgothen (400) und die Hunnen unter 
Attila (448) welchen wieder die Avaren (568) folgten, wechseln 
nun in der Herrschaft über die ehemalige römische Provinz 
Panonien. 

Unter der Oberherrschaft der Avaren machten sich 
bojarisch- slavische Stämme sesshaft in der nordöstlichen Steier- 
mark, und zahlreiche Fluss- und Ortsnamen erinnern noch 
heute an diese Epoche der slavischen An Siedlung, so z. B. 
Windisch-Kölldorf, Windisch-Pöllau, Windisch-Hartmannsdorf, 
die Flussnamen Feistritz, Lafnitz etc. 



Um das Jahr 698 erschien der h. Rupert als Apostel 
der christlichen Lehre, welche schon unter der Römerherrschaft 
um das Jahr 200 Wurzel gefasst hatte, und 467 durch den 
h. Severin stark verbreitet wurde, und bekehrte den grössten 
Theil der Bewohner der nordöstlichen Steiermark zur neuen 
Lehre. Karl der Grosse vernichtete jedoch die Bojaren-Herr- 
schaft und unterwarf sich deren Gebiet, und nun begannen 
wieder deutsche Ansiedler aus Baiern und Franken die slavische 
Bevölkerung zu verdrängen, und abermals erinnern viele Orts- 
namen an diese Ansiedler, so Bairisch-Kölldorf , Baierdorf 
(deutsch) PöUau, Frankenberg, Sachsenberg etc., wie auch 
die Identität vieler Ortsnamen mit Ortsnamen an den Ufern 
des Inn in Baiern, wie Anger, Aschau, Birkenstein, Falken- 
stein, Fischbach, Miesenbach etc. auf diese Einwanderung 
hinweist. 

Karl der Grosse schloss mit dem Erzbischofe von 
Aquileja 810 einen Vergleich über die Abgrenzung der Kirchen- 
sprengel von Salzburg und Aquileja, nach welchem die nord- 
östliche Steiermark unter die kirchliche Gewalt der Erzdiöcese 
Salzburg gestellt wurde. Gegen Ende des IX. Jahrhunderts 
begannen die Ungarn sich innerhalb der heutigen Grenzen 
der Stefanskrone sesshaft zu machen und damit erschloss sich 
für das steirische Grenzland eine Quelle furchtbarer Bedräng- 
nisse, Noth und Elend, da diese unruhigen Grenznachbam 
jede Gelegenheit benützten, um sengend und brennend in die 
Steiermark einzufallen. So bezeichnen die Jahre 907, 926, 
932, 933 und 934 durchwegs Tage der Verheerungen durch 
ungarische Horden, bis Otto I. die ungarische Heeresmacht 
am Lechfelde 955 vernichtete. Nun blieb die nordöstliche 
Steiermark nahezu durch ein Jahrhundert von diesen Einfällen 
verschont, bis wir in den Jahren 1030, 1042 und 1053 neue 
Einfälle der Ungarn zu verzeichnen haben. Im Jahre 1056 
wird der Traungauer Markgraf Ottokar HI. unter Kaiser 
Heinrich IV. Markgraf von Stire, womit der Grund für das 
heutige Herzogthum Steiermark gelegt wurde. Im Jahre 1149 
erfolgt die Gründung der Pfarre St Thomas im Walde zu 
Voran, mit Erbauung der Pfarrkirche, 14 Jahre später (1163) 



- 23 — 

wurde das Augostiner-Chorherren-Stift Yorau gegründet, was 
für die nordöstliche Steiermark von grosser cultureller Bedeu- 
tung war. 1157 erscheint auch der erste Pfarrer in Hartberg 
und 1172 in Pöllau, und in Feldbach soll schon 1110 eine 
Pfarre bestanden haben. Gegen Ende des XII. Jahrhunderts 
können wir das Erstehen der Orte Friedberg, Hartberg und 
Ftirstenfeld als Grenzfesten mit Sicherheit annehmen und wurde 
die Entwicklung dieser Burgflecken als Grenzposten gegen 
Ungarn von den Landesfürsten, welche Besitzer dieser Grenz- 
burgen waren und sie theils durch Pfleger verwalten Hessen, 
theils als Lehen an adelige Freisassen vergaben, durch Verleihung 
wichtiger Privilegien, meist die Zoll- und Mauthfreiheit ihrer 
handel- und gewerbetreibenden Bürger betreffend , lebhaft 
gefördert. 

Am 15. Juni 1246 fiel Friedrich IL, der letzte Baben- 
berger und nun entstand ein heftiger Erbstreit, der auch für 
die Steiermark verhängnissvoll wurde, indem Ottokar IL und 
Bela IV. Ansprüche auf dieses Erbe machten. Bela besetzte 
die Steiermark und drängte Ottokar bis an die Ufer der 
Donau zurück. Papst Innocenz IV. vermittelte jedoch gegen 
den Willen der Steirer einen Ausgleich dahin, dass Bela die 
Steiermark und Ottokar Oesterreich erhielt. Der steirische 
Adel empörte sich jedoch gegen Bela und dieser erlitt eine 
derartige Niederlage, dass Steiermark wieder an Ottokar von 
Böhmen fiel (1260). Am 29. September des Jahres 1273 
wurde Rudolf, der edle Stammherr der Habsburger Dynastie, 
zum deutschen König gewählt, und nun fordert er Ottokar 
von Böhmen auf, seine Lande als Reichslehen zu nehmen. Da 
Ottokar H. sich dieser Forderung nicht unterwarf, so kam es 
zum Kriege, welcher mit der Entscheidungsschlacht am March- 
felde am 26. August 1278, worin Ottokar Reich und Leben 
verlor, endete Nan fiel die Steiermark wieder an das deutsche 
Reich zurück und damit beginnt nun eine verhältnissmässig 
ruhige Zeit für die steirische Ostmark. 

In dem Jahre 1271 war König Ottokar mit grossem 
Gefolge über Friedberg, Hartberg und Hz nach Graz gezogen, 
um sich hier als Herzog von Steiermark huldigen zu lassen. 



— 24 -- 

und Ende 3 280 zog Kaiser Radolf I. mit seinen Söhnen und 
einer Tochter zu gleichem Zwecke mit noch glänzenderem 
Gefolge, dem Erzhischof von Salzburg, den Bischöf^^n von 
Passau, Seckau und Lavant und vielen steirischen und öster- 
reichischen Edlen den gleichen Weg, bei welchem Anlasse er 
in Hartberg das Nachtlager aufschlug. Es zog somit damals 
die Hauptstrasse von Wien nach Graz durch die nordöstliche 
Steiermark. Mit dem Jahre 1278 brachen im Allgemeinen 
neuerdings friedliche Zeiten für diesen Landestheil heran, die 
nur durch die localen Einfälle Ivans von Güns 1278 gegen 
Hartberg, 1287 und 1292 unterbrochen wurden. 

Im Jahre 1312 gab das Gerücht, dass bei einem Jaden 
in Fürstenfeld eine Hostie mit zehn blutigen Stichmalen ge- 
funden wurde, Anlass zu einer grossen und grausamen Jaden- 
verfolgung in ganz Steiermark. 

In dieser Friedensperiode entstanden als Zeugen des 
materiellen Wohlstandes und des religiösen Sinnes der Bevöl- 
kerung herrliche Kircbenbauten, als deren Perle die gothische 
Kirche am Pöllauberg (1339) bezeichnet werden kann. 

Am 25. Jänner 1349 verkündete ein 8 Tage dauerndes, 
mit furchtbarem Brausen und Dröhnen verbundenes schreck- 
liches Erdbeben, welches in Steiermark, Kärnten und Krain 
über 46 Schlösser zerstörte, das Nahen des bisher nicht ge- 
kannten grässlichen asiatischen Gastes , des schwarzen 
Todes oder der Pest, und bald begann das grosse Sterben, 
welches ganze Landstriche entvölkerte. In Steiermark war es 
besonders das Vorauer Viertel, welches die eigentliche nord- 
östliche Steiermark umfasste, wo der schwarze Tod furchtbar 
wüthete, und zwar bis in das Jahr 1350 hinein, wo auch am 
3. Juni der Probst von Voran, Ulrich von Scheuchenstein, 
starb. Im Jahre 1368 erfolgte die Stiftung des Augustiner- 
Klosters zu Fürstenfeld. Mit dem Jahre 1418 beginnen die 
Einfälle der Türken, meist im Vereine mit den ungarischen 
Rebellen, die als schreckliche Geissei Gottes betrachtet wurden. 
Dieser erste Einfall unter Achmed Beg schädigte nur wenig 
die nordöstliche Steiermark. Von verheerenden Folgen waren 
jedoch die Raubzüge der Ungarn, 1446, die dem Kaiser den 



-^ 26 — 

Krieg erklärten, weil er ihnen den damals sechsjährigen König 
Ladislaus nicht aaslieferte. 

Im Jahre 1469 brachen in Folge der Ritterempörang 
anter Führang Andreas Baamkircher's, der bekanntlich vom 
Kaiser Friedrich IV. vergeblich die Zahlung grosser Soldrück- 
stände gefordert hatte, wieder schlimme Zeiten über die 
steirische Ostmark herein. Anfangs Februar 1469 überfiel 
Baumkircher eine Reihe Märkte and Städte der Steiermark, 
darunter auch Fürstenfeld, Hartberg and Feldbach und belegte 
diese Orte mit den Söldnern des steirischen Adelsbandes. Aber 
schon am 6. Februar erfolgte das kaiserliche Aufgebot gegen 
die aufrührerischen Edlen, doch erlitten die kaiserlichen, zur 
Wiedereroberung der besetzten Orte ausgesandten Söldner, 
meist empfindliche Niederlagen, so insbesonders unter deu 
Maaern Fürstenfelds, und es war der Ausgang des Streites 
nicht abzusehen, als das tragische Ende Baamkircher's am 
23. April 1471 eintrat. Im Jahre 1473 durchzog wieder die 
Pest verheerend die ganze nordöstliche Steiermark vom Raab- 
thale bis zum Wechsel. Im Jahre 1480 fiel das Heer des 
Königs Mathias Corvinus von Ungarn in Steiermark ein und 
wurde am 12. Mai die Stadt Fürstenfeld erstürmt, geplündert 
und niedergebrannt, und erst 1491 wieder den Kaiserlichen 
übergeben. Sieben Jahre später wiederholten sich diese Einfälle 
und unter Führung des Sohnes Andreas Baumkircher^s, Wil- 
helm (Pemkirch), verheerten und brandschatzten die Ungarn, 
nachdem sie Hartberg vergeblich belagert hatten, das ganze 
Vorauer Viertel in entsetzlicher Weise. Zu allem Uebel gesellte 
sich 1497, und zwar namentlich um Hartberg, wieder die 
Pestseuche. Auch das 16. Jahrhundert wurde besonders ver- 
derblich für die nordöstliche Steiermark. So erschien schon 
in den Jahren 1503 — 1505 wieder der schwarze Tod in der 
östlichen Steiermark. Dagegen haben wir im Jahre 1504 die 
Gründung des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu PöUau zu ver- 
zeichnen. Bald hierauf erschienen als grausame fanatische Feinde 
die Türken an der Lafnitz, die im Vereine mit ungarischen Frei- 
beutern von 1629-1708 keine Gelegenheit vorübergehen Hessen, 
ohne in die nordöstliche Steiermark verheerend einzufallen. 



— 26 — 

Schon am Landtage des Jahres 1528, am 7. Jänner, 
wurden 22.000 fl. für die Grenzbefestigungen bewilligt, wie 
überhaupt die steirische Landschaft die Vertheidigung der 
Grenzstädte leitete, indem sie dahin Waffen, Pulver und Blei 
und ab und zu einen Büchsenmeister sandte, und war auch 
das Landeszeughaus in Graz das Centraldepot für die Wehr- 
haftigmachung der steirischen Städte. Thatsächlich verheerten 
auf dem Rückzuge Solimans I., 1529, von Wien, türkische 
Streifcorps die östliche Steiermark. Viel bedeutender, ja am 
wichtigsten unter allen Türkeneinfällen war jener des Jahres 1532, 
wo ein Hauptchor unter Ibrahim Pascha im September über 
Friedberg, Dechantskirchen, Grafendorf, Kirchberg, Hartberg, 
Pöllau, Kaindorf, Pischelsdorf und Gleisdorf gegen Graz zog. 
Hunderte von Dörfern sanken in Asche, Tausende, Männer, 
Weiber und Kinder, wurden in die Gefangenschaft geschleppt, 
und zahllose Menschen, die sich meist in die Kirchen geflüchtet, 
wurden daselbst verbrannt oder niedergemetzelt. 

Während auf diese Weise von Osten immer neue 
Gefahren aufstiegen begann im Norden Deutschlands mit der 
Anschlagung der bekannten Thesen am 1. November 1517 
an der Kirche zu Wittenberg durch den Augustinermönch 
Martin Luther die riesige, die ganze civilisirte Welt erschüt- 
ternde Bewegung der Reformation. Trotz aller Gegenmass- 
regeln drang die Bewegung auch in die alten österreichischen 
Erbländer mit elementarer Kraft ein, und um circa 1550 be- 
kannte sich weitaus die Mehrzahl der Bevölkerung zur Lehre 
Luthers. In unserer nordöstlichen Steiermark fand die Refor- 
mation namentlich unter dem steirischen Adel die eifrigsten 
Anhänger und waren insbesonders die Dietrichstein auf Thal- 
berg, die Steinpeiss auf Eichberg, die Eindscheid auf Fried- 
berg, die Rindsmaul auf Bärnegg in der Elsenau, die Saurao 
auf Festenburg, die Herberstein (Georg Herberstein) auf Her- 
berstein, die Mindorf auf Feistritz und Hohenbrugg, die Rothai 
auf Neudau, Wörth und Ober-Mayrhofen, und die Stubenberg 
auf Guttenberg und Kapfenberg, der neuen Lehre zugethan 
und besetzten die unter ihrem Patronate stehenden Kirchen 
mit lutherischen ^Prädicanten*', wie auch die Bürgerschaft in 



27 



den Städten und Märkten, sich entschieden der Reformations- 
bewegung anschloss. Aber aach die katholische Geistlichkeit 
wandte sich vielfach der neuen Lehre zu, während andere, 
ohne ganz von der katholischen Kirche abzufallen, sich wenig 
an die kirchlichen Canones hielten. Namentlich verheirateten 
sich damals nicht selten die Capläne, so zu Hartberg und 
Thalberg. Auch im Stift zu Voran waren die Reihen der Chor- 
herren so gelichtet worden, dass bei der Visitation des Stiftes, 
1545, nur mehr ein Chorherr im Stifte gefunden wurde. 

Die Kriegswirreu dieser Zeit erschöpften auch den Säckel 
der Landesfürsten, wie der meisten Städte, und so wurde die 
landesfürstliche Stadt Hartberg 1568 vom Erzherzog Karl an 
Caspar Puggl verpfändet und damit für diese Stadt eine Quelle 
unsäglicher Bedrängnisse und Unbilden geschaffen, während 
1587 die Friedberger Bürger sogar ihr Landgericht mit vielen 
Rechten an Eberhardt Rauber auf Thalberg verkauften, auch 
Fürstenfeld wurde damals vom Landesfürsten wiederholt ver- 
pfändet. Im Jahre 1585 wird die erste Infectionsordnung in 
Steiermark erlassen. 

Noch vor dem Tode Herzog Carl IL am 10. Juli 1590 
erfolgte der erste Versuch zur gewaltsamen Ausrottung des 
Protestantismus in Steiermark, welcher jedoch erst auf Grund 
des Ediktes vom 30. September 1598 Kaiser Ferdinands des 
Katholischen durchgeführt werden konnte. Eine Gegenrefor- 
mations-Commission unter der Führung des Bischofs Martin 
Brenner von Seckau, der Ketzerhammer genannt, und begleitet 
von einer 800 Mann starken militärischen Bedeckung, durch- 
zog auch die nordöstliche Steiermark, anfangs Mai 1600 ihren 
Weg tiber Kirchberg, Feldbach, Riegersburg, nach Kaisdorf 
bei Hz nehmend, wo am 9. und 10. Juni die neue schöne 
protestantische Kirche zerstört wurde. Von hier begab sich 
die Commission nach Söchau , wo die neue protestantische 
Kirche den Katholiken eingeantwortet wurde, und weiter tiber 
Fürstenfeld, Burgau, Neudau nach Hartberg, wo 120 lutherische 
Bücher verbrannt wurden. Von hier setzte sie ihren Weg über 
Ebersdorf, Stubenberg, Birkfeld, Anger, Weiz, St. Ruprecht 
und Gleisdorf fort, um so endlich wieder nach Graz zurückzu- 



— 28 — 

kehren. Die Gegenteformations-Commission begann ihr Bekeh- 
rungswerk überall mit Predigten auf den Gassen and in den 
Kirchen, Verbrennung der lutherischen Bücher und Vertreibung 
der lutherischen Prädicanten. Wer nicht auf den katholischen 
Glauben schwur, musste auswandern, und zahlreiche Bürger 
zogen aus diesem Grande aus der Heimat nach Ungarn, wäh- 
rend die Zurückgebliebenen wieder zur katholischen Lehre 
sich bekannten, so dass es Ende 1600 kaum mehr einen 
öffentlichen Bekenner der lutherischen Lehre in der nordöst- 
lichen Steiermark gab. 

Aber das 16. Jahrhundert sollte auch nicht vorüber- 
gehen, ohne dass nicht abermals der furchtbare Gast des 
schwarzen Todes das ganze Vorauer Viertel verheerend durch- 
zog. Hatte schon 1585 die Pest PöUau und 1597 die Gegend 
der Fischbacher Alpen verheert, so blieb 1599 wohl kaum 
ein Ort der steirischen Ostmark von dem grässlichen Würger 
verschont. In der Pfarre Voran starben 620 Menschen und 
das Dorf Reinberg scheint ganz ausgestorben zu sein. In 
der Pfarre Pöllau starben 1200 Menschen; nicht minder 
heftig grassirte die Pest in Weiz, Passail, Fladnitz, Kathreiu 
und den Fischbacher Alpen entlang. 

Im 16. Jahrhundert wurden auch durch grosse Brände 
verheert: Fürstenfeld 1503, 1509, 1530 (Kloster) 1539, 
1589, Hartberg 1511, 1592, Feldbach 1509, Pöllau 1589, 
1599, Voran 1516, zweimal Gleisdorf 1511, 1588, Passail 
1584 und St. Ruprecht 1587. 

Kaum hatte das 17. Jahrhundert begonnen, so bedrohten 
auch schon wieder die Türken und Kuruzzen, wie die ungari- 
schen Freibeuter und Malcontenten genannt wurden, unsere 
steirische Grenzmark und im Sommer 1605 brachen diese 
Horden unter Stephan Botskai und Bethlen Gabor längs der 
Raab, Feistritz und Hz sengend und brennend in die Steier- 
mark ein, bis sie Sigmund von Trautmannsdorf wieder über die 
Grenze jagte. Das Stift Voran, wie Hartberg wurden vergeb- 
lich belagert, aber die Stadt Fürstenfeld und Feldbach wurden 
vom Haidukeu- Oberst Georg Nemety nebst vielen anderen 
Orten besetzt und niedergebrannt, namentlich wurde aber alles 



— 29 — 

erreichbare Vieh weggetrieben und was nicht nieth- und nagel- 
fest war, geraubt und viele Menschen mitgeschleppt. Im 
Jahre 1610 kaufte der Jesuiten-Orden in Graz die Herrschaft 
Thalberg und Hess sich hier nieder, wohl in der Absicht, die 
letzten Spuren des Protestantismus im Vorauer Viertel zu 
vernichten. Gegen das Jahr 1620 drohte wieder ein Türken- 
raid Kuruzzen - Einfall und von der steirischen Landschaft 
kamen wiederholt Befehle zur besseren Befestigung der Grenz- 
städte, wie auch Pulver und Blei und meist wälsche Truppen 
gesandt wurden, die jedoch fast ebenso schlimm wie der 
Feind in den kleinen Städten hausten^ auch die Kreuthfeuer 
auf den Höhen wurden in den Stand gesetzt, und so gerichtet, 
erwartete man den Angriff der ungarischen Malcontenten. 
Dieser Einfall, 1621, ging jedoch verhältnissmässig glimpflich 
vorüber, da nur einige Dörfer des Vorauer Viertels, so be- 
sonders Dechantskirchen, wo der Pfarrer Textor vom Thurme 
gestürzt wurde, geplündert wurden. Aber als Nachzügler dieser 
Senger und Brenner erschien 1621 wieder die Pest im 
Vorauer Viertel und wüthete bis in das Jahr 1626 hinein. 

Ueberhaupt blieb die Pest nahezu das ganze 17. Jahr- 
hundert hindurch ein treuer Gast der nordöstlichen Steier- 
mark, wenn sich auch ihr Charakter weniger bösartig zeigte, 
und waren weiters insbesondere die Jahre 1634, 1647, 1656, 
1659, 1668, 1669, 1670, 1674, 1675, 1676, 1679, 1680 
und 1684 sogenannte Pestjahre. 

Nach dem Jahre 1621 folgt eine verhältnissmässig lange 
Friedensperiode, an deren Ausgang der prunkvolle Bau der 
Vorauer Stiftskirche fällt. In diese Zeit fällt auch die Gründung 
des Franziskaner- Klosters in Feldbach, 1642, des Kapuziner- 
Klosters in Hartberg, 1654 und des Klosters unbeschuhter 
Augustiner zu St. Johann ob Herberstein 1652. 

Nachdem schon in den Jahren 1655 — 1656 einzelne 
türkische Horden kleine Streifzüge über die steirische Grenze 
unternommen hatten, bedrohte 1663 die östliche Steiermark 
ernstlich eine grosse türkische Invasion, da ein türkisches 
Heer von 120.000 Mann unter Achmed Köprili über Belgrad, 
Essek, der Raab entlang sich heranwälzte. 



— so- 
wohl waren alle steirischen Grenzvesten durch das 
grosse Landesanfgehot stark hesetzt, aher die Hoffnung auf 
Ersatz lag doch nur bei den christlichen Heeren, wovon das 
deutsche Reichsheer und die französischen Hilfstruppen unter 
Commando des Feldraarschalls Markgraf Leopold von Baden 
am 30. Juni 1664 bei Kaltenbrunn in Sicht von Fürstenfeld 
angelangt waren, um am 3. Juli über Fürstenfeld und Fehring 
gegen Eadkersburg zu ziehen, wo sie sich mit dem kaiser- 
lichen Heere unter dem Oberfeldherrn General Raimund Graf 
MontecuccuLi vereinigten. Von hier zog das vereinigte Heer 
wieder nordwärts und übersetzte die Raab, während das feind- 
liche Heer am rechten Ufer der Raab gegenüberstand. Nach 
vergeblichen Versuchen, die Raab zu tibersetzen, beschloss 
Achmed Köprili in der Nähe der Ebene von St. Gotthardt 
die Hauptschlacht zu schlagen und übersetzten in der Nacht 
vom 31. Juli grosse türkische Heeresmassen die Raab, um 
sich im Dorfe Mogersdorf zu verschanzen. Am 1. August 
wurde nun jene denkwürdige Entscheidungsschlacht geschlagen, 
die anfangs für die Armee Montecucculis so unglücklich be- 
gann, schliesslich jedoch mit einem entscheidenden Siege der 
christlichen Heere endete. Der hierauf erfolgte Friedensschluss 
schwächte jedoch nur wenig die türkische Macht, und schon 
1677 brachen wieder türkische Streifcorps und Kuruzzen- 
Schwärme bei Neudau in Steiermark ein, plünderten dieses 
Schloss nebst dem Dorfe Wörth und schleppten 1679 über 
150 Menschen aus der Umgebung Hartbergs weg; gleichzeitig 
brach wieder die Pest aus. 

Um diese Zeit feierte auch der Hexen-Irrglaube in der 
nordöstlichen Steiermark die furchtbarsten Orgien und die 
Archive der Schlösser Hainfeld und Gleichenberg bei Feld- 
bach bergen heute noch die schauerlichen Protocolle der 
Hexenprocesse, die sich damals abspielten. Namentlich war der 
Hochstradner Kogel und das Hatzendorfer Wegkreuz der Schau- 
platz raffinirter Bacchanale, als deren intellectuelle Urheber 
der Pfarrer Agricola in Hatzendorf angesehen werden muss. 
Wie damals überall, endete dieser weitverzweigte, unter grau- 
samster Anwendung der Tortur durchgeführte Hexenprocess, 



— 31 — 

mit der Verurtheilnng der Theilnehmer dieser nächtlichen üher- 
sinnlichen Orgien znm Scheiterhaufen oder znm Tode durch 
das Schwert. Diese Auto da Fe's hegannen im Jahre 1674 
and endeten am 23. Septemher 1675 mit der Hinrichtung 
der Katharina Paltauf, Pflegerin auf Riegershurg, des Weihes 
des Thorwartes Edlinger, der Schneidersfrau Grünwald und 
der schönen Maria Maurer. Auch in Fürstenfeld fielen Opfer 
dieses Processes. Kurze Zeit darauf, in den Jahren 1689 und 
1690, beginnen die Hexenprocesse in noch grösserer Zahl (34) 
beim Landgerichte zu Gleichenberg, welche abermals einer 
langen Reihe von Hexen den Tod am Scheiterhaufen brachten. 

Von grosser Bedeutung war der Türken- und Kuruzzen- 
Einfall von 1683 unter Tököly, wobei Eichberg, Klaffenau 
und Dechantskirchen verwüstet wurden. Hartberg war durch 
Valvasor, der über Burgau, Neudau und Wörth mit 200 Mann 
zu Hilfe geeilt war und den Saurau- Dragonern und Metternich- 
Kürassiren gut vertheidigt, auch in Friedberg vermochten die 
Feinde nicht einzudringen, dagegen wurden die offenen Dörfer 
gebrandschatzt. Hierauf blieb die Steiermark bis zum grossen 
Kuruzzen-Einfall von 1704 von diesen Drangsalen verschont. 
Im 17. Jahrhundert fanden grosse Brände, und zwar: 1603, 
1605 und 1699 in Fürstenfeld, 1605 in vielen Orten des 
Vorauer Viertels, 1606 in der Pfarre Riegersburg, 1633 in 
Vorau, 1683 Eichberg, Klaffenau, Gleisdorf statt. 

Mit dem 18. Jahrhundert (1701) beginnt der Bau der 
schönsten Renaissance-Kuppelkirche Steiermarks zu Pöllau, 
der 24 Jahre dauerte. Im Jahre 1704 erfolgte abermals ein 
grosser Kuruzzen-Einfall; verherrend streiften diese Freibeuter 
das Safen-, Feistritz- und liafnitzthal hinauf von Fürsten- 
feld bis Vorau und Friedberg. Hiebei wurde abermals Neudau 
niedergebrannt, in Hartberg die Grazer Vorstadt zerstört und 
viele Dörfer gingen in Flammen auf, doch wagten sich die 
Kuruzzen an die Stadt und das Stift Vorau nicht heran, 
ja hier brachte ihnen sogar der tapfere Chorherr von Adens- 
hofen, Pfarrer in St. Jakob im Walde, mit seinen Bauern- 
schaaren eine Niederlage bei. Trotz der Vernichtung dieser 
Rotten durch Feldmarschall Sigmund Graf Heister bei Raab 



— 32 - 

kamen aber 1707 schon wieder neue Kuruzzen - Schaaren 
nach Steiermark und wurde abermals die Kirche und der 
Pfarrhof in Dechantskirchen niedergebrannt. Der letzte Ku- 
ruzzen-Einfall geschah unter Eszterhazy, 1708, und endete 
abermals 1709 mit der Vernichtung dieser Raubschaaren 
durch Graf Heister. Von nun an blieb die nordöstliche Steier- 
mark von diesen Einfällen gänzlich verschont und auch die 
Pestseuche durchzog in den Jahren 1711 — 1714 zum letzten 
Male diesen Landestheil, und so war endlich dieses schöne 
Grenzland von den zwei Hauptübeln, welche durch mehr wie 
drei Jahrhunderte Städte und Dörfer, wie die Burgen und 
Kirchen verheerten, befreit, und in einer nahezu hundertjäh- 
rigen Friedensperiode hob sich allmälig der vollkommen zer- 
rüttete materielle Wohlstand dieses Landstriches wie auch der 
kulturelle Fortschritt wieder langsam Wurzel zu fassen begann. 
Auch von verheerenden Bränden blieb im 18. Jahrhundert die 
steirische Ostmark verhältnissmässig sehr verschont, da nur 1 708 
lind 1715 in Hartberg, 1717 in Fürsteufeld, 1737 in Wels- 
dorf, 1760 in Pischelsdorf, und 1-786 in Hz grössere Brände 
zu verzeichnen sind. 

Erst als Napoleon Bonaparte den Continent mit seinen 
welterschütternden Plänen in seinen Grundfesten zu bedrohen be- 
gann, kamen wieder drangvolle Zeiten für die entlegenen Wald- 
viertel der steirischen Ostmark. Anfangs December 1805 sah 
man zum ersten Male die Franzosen hier, und zwar kamen am 
12. December die ersten Truppen unter General Dezon nach 
Hartberg und im gleichen Monate auch nach Fürstenfeld, sie 
hielten treffliche Mannszucht, belegten aber die Gegenden mit 
fast unerschwinglichen Contributionen und Requisitionen. Aber 
noch viel schlimmer gestaltete sich für die nordöstliche Steier- 
mark die französische Occupation des Jahres 1809. Am 
5. Juni d. J. rückte die französische Avantgarde unter General 
Macdonald über Hz heran, drängte die österreichischen Vor- 
posten zurück und besetzte Fürstenfeld, während eine andere 
6000 Mann starke französische Heeresmacht am 1. Juli Hart- 
berg besetzte, um jedoch bald wieder über Friedberg nach Wien 
abzuziehen. Diese Durchmärsche dauerten bis 25. Juli und 



— 33 — 

kosteten nur dem Hartberger Bezirk über 15.000 fl., ausser- 
dem musste jedoch die Hartberger Section zur allgemeinen 
Kriegscontribution 100.000 fl. beisteuern. 

In Fürstenfeld dauerten die Durchmärsche bis 1. Jänner 
1810. Diese Invasion, die Finanzmassregeln des Jahres 1811 
nnd die Missernte des Jahres 1813 erschütterten abermals 
tief den materiellen Wohlstand des Landes. Aber die hierauf 
folgende lange Friedensperiode heilte auch diese Wunde, und 
heute ist auf der soliden Grundlage bürgerlichen 
Fleisses und bäuerlicher Wirthschaftlichkeit bei der 
Bevölkerung zwar kein Reichthum, wohl aber jener 
allgemein verbreitete erfreuliche Wohlstand heran- 
gereift, der, als volkswirthschaftliches Ideal, die 
sicherste Grundlage des zufriedenen Daseins eines 
Volkes bildet. 

Burgen, Schlösser und Ruinen. 

Die furchtbaren Verheerungen, welchen die nordöstliche 
Steiermark so lange ausgesetzt war, im Vereine mit Elementar- 
ereignissen, lassen es erklärlich erscheinen, dass sich heute 
von so vielen Burgen und Edelsitzen entweder gar keine oder 
doch nur wenig bemerkbare Spuren finden, und zwar von : 
Mühlhausen bei Gleisdorf, Ober- und Unter - Fladnitz, sowie 
Treuenstein bei Weiz, Kulmschloss am Kulm, Freienberg beim 
Dorfe Freienberg, Stubenberg (von König Ottokar zerstört), 
Vockenberg bei Vockenberg, Teuffenbach bei Untertiefenbach 
nahe Kaindorf, Burg am Ring bei Hartberg (Grottenstein?), 
Penzendorfer Thurm, Aichberger Thurm und die zwei Schlösser 
in Friedberg, Ehrenschachen bei Friedberg, Burgfeld bei 
St. Lorenzen am Wechsel, Purgstall am Schlossriegel nahe der 
Einmündung des Heidbaches in die Lafnitz (Sitz der Herren 
von Riegel), Schlag (Slag) nächst Thalberg, Reinberg bei 
Reinberg (diese vier befestigten Ansitze adeliger Freisassen 
lagen auf der Strasse Thalberg -Beigütel, nahe der Vorauer 
Strasse), Rottal am Rottalberg bei Waldbach, und Hertenfels 
in der Hauswiesen bei Waldbach, Wörth und Auffen, Falbenegg 
in Fürstenfeld, Lichtenegg auf Riegersburg, Unter-Mayrhtfen 



- 34 — 

(theilweise erhalten), Trautmannsdorf und Grabersdorf bei Grnas. 
Die Sage berichtet noch von versunkenen Schlössern bei Hart- 
berg, im Klinsergraben zu Fürstenfeld und im Göbesgraben bei Hz. 
Im Ganzen sind somit 28 befestigte adelige Ansitze verschwunden. 

Als Ruinen haben sich noch erhalten: Stubegg an der Raab, 
Sturmberg am Weizbache, Waxeneck, Neuhaus und Alt-Schieleiten 
an der Feistritz, und Thalberg bei Dechantskirchen, somit sechs 
Ruinen ; ausserdem bestehen nachstehende Schlösser : An oder 
nächst der Raab: Guttenberg, Stadl, Freiberg, Kirchberg, 
Kornberg, Riegersburg, Hainfeld, Gleicheuberg, Poppendorf. 
Bertholdstein, Johnsdorf, Kapfenstein. Hohenbrugg; am Weiz- 
bache: Radmannsdorf, Thannhausen; an der Hz: Minichhof en, 
ühlheim, Kaisdorf; an der Feistritz: Birkenstein, Frondsberg, 
Külbel, Stubenberg, Neu - Schieleiten , Herberstein, Feistritz. 
Welsdorf; an oder nächst der Safen: Pöllau, Lehenshofen. 
Neuberg, Klaffenau, Hartberg, Kirchberg am Walde, Reitenau. 
Ob.-Mayrhofen; an derLafnitz: Eichberg, Neudau, Burgau (nicht 
mehr Schloss); am Schaf fernbache: Bärnegg in der Elsenau 
(Halbruine). Im Ganzen waren somit ausser den Stiften zu 
Pöllau und Voran und den Klöstern zu St. Johann, Gleisdorf. 
Feldbach, Hartberg und Ftirstenfeld über 70 Burgen und 
Schlösser in diesem circa 48 Quadratmeilen grossen Land- 
strich, kleine adelige Ansitze, namentlich in den Städten und 
Märkten (Häuser mit Thurm) nicht gerechnet. 

Die nordöstliche Steiermark hat vier Städte: Feldbach, 
Friedberg, Fürstenfeld und Hartberg, und 14 Märkte: Anger, 
Birkfeld, Burgau, Fehring, Gleisdorf, Gnas, Hz, Passail, Pischels- 
dorf, Pöllau, Riegersburg, St. Ruprecht, Weiz und Voran. 

Culturgeschichtliche Daten. 

Schulgründungen: 1425 wird zum erstenmale eines Schul- 
hauses in Hartberg erwähnt; 1571 wird in Anger ein Schul- 
haus gebaut; 1580 errichtet Georg von Herberstein auf Schloss 
Herberstein eine protestantische Schule ; 1586 stirbt hier der 
Schulmeister an der Pest; 1597 wird das lutherische Schulexer- 
citium im ganzen Lande abgeschafft; 1630 wird in St. Jacob 



— 35 — 

im Walde eine Schule gegründet; 1638 erster bekannter Lehrer 
in Stubenberg, dann 1677 zu Strallegg; 1703 erster Lehrer 
ia Schäffern; 1707 erster Lehrer in Ebersdorf; 1715 erscheint 
Franz Josef Faber als erster Lehrer in Wenigzell und 1738 
J. Gruber in Fischbach; 1741 erhält Miesenbach eine Schule; 
1755 J. Odra^ek in Gasen; 1757 wird in ünterrohr eine 
Schule gegründet, Anna Schantl, erste Lehrerin; 1760 erhält 
Mönichwald eine Schule; 1767 wird eine Schule gegründet in 
St. Lorenzen am Wechsel; 1768 wird eines Lehrers in Birkfeld 
erwähnt. Schule jedoch bestimmt älter; 1774 erlässt Maria 
Theresia eine allgemeine Schulordnung ; 1780 wird in St. Johann 
in der Haide eine Schule gegründet, dann in St. Kathrein am 
Hauenstein, Grafendorf und Eichberg; 1783 in Wörth, 1787 
in Heilbrunn, 1788 in Kogelhofen, 1790 in Baumgarten und 
Yockenberg, 1796 in AuiFen, 1801 in Penzendorf undBlain- 
dorf, 1808 in Sparberegg, 1811 in Rübland, 1812 in Pon- 
grazen, 1820 in Haslau, 1825 inLafnitz; 1828 wird für die 
Kinder der Holzknechte und Köhler in Feistritzwald von den 
Forsteigenthümern die erste Schule gegründet; 1829 wird in 
Falkenstein eine Schule gegründet; 1831 in Schaueregg. 

Am 1. Mai 1881 wird im Dorfe Eggendorf bei Hart- 
berg der erste landwirthschaftliche Leseverein gegründet, am 
1. Mai 1883 erscheint in Hartberg die erste Nummer der 
oststeirischen Zeitung und am 8, September 1883 wird die 
erste ländliche Ortsgruppe des deutschen Schulvereines in 
Hainersdorf bei Hz gegründet 

Die Kirchenbauten und Pfarrgründungen sind 
bei den einzelnen Orten angeführt. 

Volkswirthschaftliche Daten. 

Im Jahre 1728 wird die Semmeringstrasse gebaut; 
1740 wird die dem Stifte Voran gehörige Eisenschmelz- 
hütte in Feistritzwald aufgelassen; im Jahre 1777 
erfolgte vom Staate der Bau der Fürsten felder Tabak- 
fabrik; im Jahre 1783 wird in Hz die erste Seiden- und 
Schönfärberei in der nordöstlichen Steiermark errichtet; 



— 36 - 

1788 legen Anton Haring, vulgo Mosmeier in Hz, nnd Graf 
Wildenstein in Kaisdorf die ersten Hopfengärten an; 

1789 errichtet Karl Graf Batthyany in Burgau die erste 
Baum Wollgarn- Spinnfabrik in Oesterreich; um 
das Jähr 1830 legt Raimund Graf Lamberg in Feistritz die 
ersten grossen Hopfengärten an; im Jahre 1845 
wird in Hartberg die erste Gemeinde-Sparcasse in 
der nordöstlichen Steiermark gegrtlndet 

Sparcassen in der nordöstlichen Steiermark: 



itz der Anstalt : 


GrÜndangsjahr : 


Einlagen Ende 1886: 


Reservefond: 


Hartberg 


1845 


fl. 


418.705 


fl. 224.180 


Fürstenfeld 


1861 


» 


367.309 


^ 122.347 


Feldbach 


1862 


» 


498.719 


„ 234.604 


Fehring 


1865 


7} 


144.522 


„ 53.204 


Gleisdorf 


1868 


» 


404.981 


„ 96.69B 


Weiz 


1869 


JJ 


415.916 


„ 101.254 


Pöllau 


1873 


J? 


153.686 


„ 35.135 


Friedberg 


1873 


» 


70.558 


„ 17.429 



fl, 2,464.396 fl. 884.851 

Weiters bestehen VorschussCassen in Gnas und Passail. 
1872 wird in Feistritzwald von G. Sigl ein Bergbau auf silber- 
haltiges Bleierz eröffnet; in diesem Jahre wird auch die die 
ganze nordöstliche Steiermark durchziehende Telegraphen- 
leitung hergestellt; am 1. Mai 1873 wird die ungarische 
Westbahn eröffnet; im Jahre 1876 erfolgt die Gründung des 
Hopfenbau verein es für die nordöstliche Steiermark in Fürsten- 
feld; im Jahre 1874 finden in Hartberg und 1878 in Fürstenfeld 
die ersten Regionalausstellungen statt; im Jahre 1876 wird zu 
Ftirstenfeld eine Dampfbrauerei errichtet; in Ausführung des 
Landtagsbeschlusses vom 14. April 1877 wird in vier Sectionen 
mit starker Subventionirung von Seite der interessirten Bezirke 
und Gemeinden der Bau der Weiz-Passailer Strasse durch die 
Weizklamm nach dem Projecte des Landesbauamtes im gleichen 
Jahre in Angriff genommen und im Jahre 1882 vollendet. Am 
1. October 1885 findet die feierliche Eröffnung der Fehring- 
Fürstenfelder Bahn statt und im Herbst 1887 jene der Be- 
zirksstrasse Birkfeld-Ratten. 



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HWtWWttiWttfWWWTft^r^t^tmffttt^^ffiWWWf^ttttHityf» 



Eintritts-Routen. 



I. Raute: 
II. Route: 

III. Route: 

IV. Route: 
V. Route: 

VI. Route: 

VII. Route: 



VIII. Route: 

IX. Route: 

X. Route: 

XL Route: 

XII. Route: 

XIII. Route; 



Wien-Aspang-Frledberg. 

Kirchberg am Wechsel, Kranichberger-$chwalg-Hoch- 
wechsel. 

Steinhaus durch das Fröschnitzthal, a) zum Hoch- 
wechsel, l) nach Rettenegg. 
Spital-Stuhlecic-Rettenegg. 
IMürzzuschlag-StuhlecIc-Rettenegg. 
Langenwang-Trabachgraben-St. Kathrein am Hauen- 
stein. 

Krieglach, a) Schwöbing-Rosegger's Waldheimat-Alp- 
stein, St. Kathrein a. H., l) Alpsteig-St. Kathrein- 
Ratten. 

KIndberg-Stanz-auf der Schanz-Fischbach-Birkfeld. 
Mixnitz-Breitenau-Strasseck-Gasen-Birkfeld. 
IMixnitz-Hochlantsch-Teichalpe. 
Graz-Welz. 
Graz-Passail. 
Graz-Gleisdorf-Feldbach, Fehring-Jennersdorf. 



I. Wien-Aspang-Friedberg. 

85 Kilometer, Eisenbahn Wien-Aspang, Bahnhof, Rennveg, 
"Wien, täglich vier Züge. Fahrpreise: I. Classe 4 fl. 27 kr., II. Classe, 
3 fl. 20 kr., III. Classe 2 fl. 14 kr. Retourbillets 3 Tage giltig. 
I. Classe 6 fl. 25 kr,, II. Classe 4 fl. 65 kr., IIL Classe 8 fl. 

Die Strecke Wien-Aspang (eröffnet am 28, October 
1881) ist diejenige Bahnlinie, welche sich mit ihrem Endpunkte 
Aspang im Norden unserem Wandergebiete am meisten nähert 



— 38 — 

und daher für dasselbe von grösster Bedeutung ist. Bis Wr.-Neu- 
stadt mit der Südbahnlinie, welche wir als bekannt voraussetzen, 
parallel laufend und hier diese Linie tangirend, wendet sich 
die Aspangbahn von dieser Station südöstlich, um längs der 
malerischen Vorgebirge des Wechsels über die Stationen Klein- 
Wolkersdorf, Erlach, Pitten, Seebenstein, Scheiblingkirchen und 
Edlitz, die derzeitige Kopfstation Aspang zu erreichen. Auf 
dieser Fahrt voll malerischer Ausblicke in liebliche Tbäler 
ziehen an uns, überragt von dem mächtigen langgestreckten 
Zuge des Wechsels, mitten aus üppigen Culturen aufstrebend, 
das Kloster Katzelsdorf, die Schlösser und Burgen Aichbühel, 
Frohsdorf, Pitten und das prächtige Seebenstein, die doppel- 
thürmige Kirche zu Schwarzau, der pittoreske Türkensturz, die 
idyllisch gelegene Kirche zu Scbaiblingkirchen und die Ruine 
Grimmenstein, wie ein herrliches Wandelpanorama vorüber. 
Endlich nach dreistündiger Fahrt von Wien ist Aspang, leider 
noch immer Endstation, erreicht. Bahnhof zwischen Ober- und 
Unter- Aspang. Omnibus zum, respective vom Bahnhof Ober- 
Aspang 10 kr, 

Ober-Aspang. Gasthöfe: „Goldener Adler ^, „Schwarzer 
Adler" mit grossem Garten, Touristenzimmer mit 8 Betten k 60 kr., 
„Aspanger Hof", grosser Garten, „Brauhaus" (Schwechater Bierdepöt) 
„(ioldener Brunnen", „Gemeinde-Gasthaus", „Hauer" (Casino), „Gol- 
denes Kreuz", „Goldener Löwe", „Post" (Fahrgelegenheiten), Bahn- 
hof-Restauration, „Weintraube", „Wochesländer-*, grosser Garten. 
In Unter-Aspang: „Kromans Garten", „Kaiserkrone", „Wein- 
traube'*. Jährlich über 500 Wiener Sommergäste. Post- und Tele- 
graphenstation. Apotheke. Doctor der Medicin, und Chirurge. Bade- 
anstalt mit grossem Bassin mit 27 Cabinen und Wannenbädern. Sehr 
rühriger Verschönerungs-Verein, Casino mit grosser Bibliothek. 

Aspang, uralter Markt mit 1200 Einwohnern, zerfällt 
in Ober- und Unter-Aspang, wovon Ober-Aspang als der eigent- 
liche Markt anzusehen ist, und zeichnet sich durch prächtige 
Lage und besonders günstige klimatische Verhältnisse aus. 
Aspang bietet nach allen Richtungen prachtvolle Spaziergänge, 
durch romantische Thäler, sowie durch schattige Wälder auf 
leicht zu erreichenden Höhen, mit überraschender Aussicht. 

Der äusserst thätige Verschönerungsverein hat Aspang 
mit einem Gürtel von Anlagen umgeben, als deren Perle die 



— 39 - 

wildromantische kleine Klause bezeichnet werden muss. Die 
empfehlenswerthesten dieser Wege, welche reichlich mit Ruhe- 
bänken versehen, bald schattige Waldpromenaden erschliessen, 
bald wieder zu prächtigen Aussichtspunkten hinanführen, sind 
grün oder mit grüner Einfassung markirt und mit Wegweisern 
versehen. 

VonAspang über Moni chkirchen, (Wechsel- 
aufstieg) nach Friedberg 20 Kilometer. Zweimal täglich 
Postverbindung. Abfahrt von Aspang um halb 11 Uhr Vor- 
mittags und Nachts, Ankunft in Mönichkirchen um halb 3 Uhr 
Nachmittags, beziehungsweise Morgens. Fahrtdauer vier Stunden. 
Fahrpreis 1 fl. 30 kr. Der Fussgeher braucht wenig mehr. 

Die schöne Strasse steigt in vielen Windungen mit präch- 
tigen Rückblicken über das Aspang-Thal den Möselberg hinan 
und erreicht 10 Kilometer von Aspang das höchstgelegene 
Dorf Niederösterreichs, Mönichkirchen, 980 M. über dem 
Meere. Ein 25 Minuten ausser Aspang von der Strasse ab- 
zweigender weiss-blau-weiss markirter Weg, der oft die 
Strasse übersetzend, sich mit ihr kurz vor Mönichkirchen ver- 
einigt, kürzt bedeutend. Entfernung für Wagen 2 Stunden, für 
Fussgeher 2 Stunden 15 Minuten. 

Mönichkirchen am östlichsten Abhänge des Wechsels 
reizend ausgebreitet, zählt 26 Häuser mit 160 Einwohnern. 
Gasthäuser: „Windbichler" und „Oberdorfer", mit je 30 Betten, 
mit Sitzgarten, Glasveranden etc. und mehrere Privatquartiere. 
Herrliche Fernsicht nach Nordosten, Osten und Südosten über 
das reichcultivirte Vorgelände des Wechsels gegen Niederöster- 
reich mit vielen Burgen, Kirchen und Dörfern, und die düsteren 
Waldthäler der steirischen Grenzmark, und namentlich über die 
Hügelwelt des Eisenburger Comitates. 

Von Mönichkirchen besteigt man in Folge der hohen Lage 
des Ortes, am bequemsten den Hoch-Wechsel, und zwar auf 
drei markirten Wegen in sy^ bis 4 Stunden. Unter diesen 
Wegen ist wieder der weiss -blau- w^eiss markirte (Markirung 
beginnt schon ausser Aspang) der leichteste. Er führt immer 
in sanfter Steigung über die Eckelbaueralpe zur Vorauer Kuli- 
schwaig (Gastwirthschaft mit 1 Zimmer mit 3 Betten zum 



— 40 — 

Uebernachten), um von hier über schöne Alpenmatten in ziemlich 
steilem Anstieg das Hochplateau zu gewinnen, hierauf führt der 
Weg nahezu eben über den breiten Rücken des Wechsels der 
Pyramide zu. Von dem 3 y<i bis 4 Stunden langen Wege 
bildet die Vorauer Schwaig ziemlich die Mitte. Der zweite 
roth markirte Weg führt auf das Lichteneck und sodann über 
die aus mächtigen bemoosten Schieferblöcken gebildete soge- 
nannte „Steinerne Stiege*' (nicht unbeschwerlich) auf den Nieder- 
und von hier auf den Hochwechsel. Zeitdauer gleichfalls 3y2 
bis 4 Stunden. 

Dagegen führt der gelb markirte Weg auf grossen Um- 
wegen zum Hochwechsel, indem er über die sogenannte ^Glas- 
hütte^ zuerst sich bis zur Thalberger Schwaig herabzieht, um 
von hier wieder in grossem Bogen über den Irrkogel zur 
Vorauer Schwaig, wo er in den blau markirten Weg mündet, 
emporzuführen. Vom Wechsel schöner Abstieg nach Friedberg 
über die Vorauer und Thalberger Schwaig, drei Stunden. Weg 
markirt. — Concessionirter Weschselführer in Mönichkirchen : 
Christian Wagenhofe r. 

Da in der Route Friedberg der Wechsel eingehend 
behandelt ist, so entfällt hier eine nähere Beschreibung der 
Aussicht und der einzelnen Wege des Hochwechsels. Weiters 
führen von Mönichkirchen in je zwei Stunden ein gelb mar- 
kirter Weg nach Zobern und ein roth markirter Weg nach 
Mariensee. Gleich nach Mönichkirchen überschreitet die Strasse, 
die sich nun nach Süden wendet, die Grenze der Steiermark 
und erreicht massig fallend in 1 y^ Stunden das grosse Dorf 
Pinggau, von wo sie wieder zu dem 75 Meter höher liegen- 
den Städtchen Friedberg hinanführt und damit ist einer der 
wichtigsten Endpunkte der Eintrittsrouteh in unser Gebiet 
erreicht. 

Von Aspang führt auch ein sehr schöner weiss-roth 
markirter Weg über das steirische Dorf Schäffern nach Fried- 
berg in circa ^y>i Stunden, auf welchen wir bei Route Fried- 
berg zurückkommen werden. 



— 41 - 



II, Kircliberg am Weolisel, Kranioliberger 
Sohwalfir-Hooliweclisel. 

Kirchberg, Markt mit 1200 Einwohnern, an der Strasse 
von Aspang nach Gloggnitz, im Feistritzthal, 577 M. über dem 
Meere, in windfreier Lage, erfreut sich eines milden Klimas, 
guten Trinkwassers und dichter Nadelholzwaldungen in un- 
mittelbarer Nähe. Von Wiener Sommergästen stark besucht. 

Postverbindung: Von Aspang nach Kirchberg täglich 
ab 11 Uhr Vormittags. Fahrpreis 80 kr. Gasthäuser: „Ziu* 
Linde"; M. Donhauser, „Zum goldenen Hirschen"; G. Traumüller, 
„Zum Löwen"; J. Donhauser, „Zum grünen Baum"; überall Salon, 
Garten, Fremdenzimmer, dann noch „Zum Kaiser von Oesterreich", 
„Zu den drei Rosen", „Zur Kaiserkrone" und „Zum Bock". Foto- 
grafische Ansichten bei Josef Eennhofer. Badeanstalt der 
Frau Wendel. 

Sehenswürdig: Die wegen ihrer reinen gothischen 
Bauart berühmte Halbruine der Wolfgangkirche über • dem 
Markt, seit 1865 wieder eingedeckt und thcilweise zum Gottes- 
dienst hergestellt, die Pfarrkirche mit Gruft, uralte Linde beim 
Gasthof „Zur Linde", und die ausgedehnte Hermannshöhle 
mit Tropfstein grotten, unterirdischen Teichen und fanta- 
stischen Felsengebilden. Sitz eines überaus rührigen Ver- 
schönerungsvereines, der rings um Kirchberg schöne Anlagen 
geschaffen und alle wichtigen Wege markirt hat. 

Aufstieg zum Wechsel. 

1 . Am bequemsten und kürzesten längs der weiss-rothen 
Markirung über den . Kreuzbauer {'^/^ Stunde), wo sich eine 
tausendjährige Linde befindet, zum Gmeinkreuz (^/j Stunden) 
am Saurücken, etwas steil, von hier ip 15 Minuten kalte 
Quelle und weiter in sanfter Steigung in einer Stunde zur 
Steyersberger Schwaig. Von hier an steigt der Weg steil hinan 
zur Kranichberger Schwaig in einer halben Stunde, von wo 
man über Alpenmatten über den Schöberlriegel und dem Kamm 
des Wechsels folgend über den Umschuss die PjTamide des 
Hochwechsels in stark 1 V2 Stunde erreicht. Somit im Ganzen 
5 Standen. 



— 42 — 

2. Zweiter Aufstieg durch den Mo Iz graben (weiss-gelbe 
Marke) längs des Molzbaches zu vulgo Moser's Meierhof, von 
da bergauf direct zur Steyersberger Scbwaig (3 Stunden). 

3. Dritter Aufstieg auf das Alpel, Aufstieg von der Loden- 
walke (weiss-blaue Marke) durch die Holzgasse zum Gmeinkreuz, 
zur Wolfgangi-Steinwand und auf den Gipfel (2 Stunden). 

4. Vierter Aufstieg auf den Kamp stein (1466 M.) 
über das Walfahrtskirchlein St. Corona, von hier prächtiger 
Blick in's Otter- und Feistritzthal, Marke weiss-blau, von hier 
zur Bärenlacke auf den Gipfel (rothe Marke) und weiter zum 
steinernen Kreuz und zur Kranichberger Schwaig. 

Besuch des Schlosses Feistritz. An der Strasse 
nach Aspang, circa % Stunden von Kirchberg gelegen, bietet 
dieses merkwürdige Schloss eine seltene Fülle von Kunst- und 
Alterthumssammlungen, so dass dessen Besuch allen Alterthums- 
freunden dringend empfohlen werden muss. Die prächtigen 
Burghöfe, die interessante Kapelle, der mächtige Waffensaal, 
die weit über den Rahmen einer Privatsammlung reichende 
Kunstkammer, sowie die überaus merkwürdige Schatzkammer 
stellen dieses Schloss in die erste Reihe der Schlösser der 
österr. Monarchie. Am interessantesten ist jedoch die That- 
sache, dass sich hier die einzige in der Welt existierende echte 
Original-Eiserne Jungfrau aus Nürnberg befindet, die 
unter Maria Theresia von ihrem Hofbanquier Freiherr v. Braun 
in Nürnberg für die Kaiserin erworben wurde, später aber ihm 
verblieb. Feistritz lässt sich auch von Aspang aus sehr bequem 
besuchen. Täglich Postverbindung Aspang-Feistritz-Kirchberg. 



III. Steinhaus durch das Fröschnitzthal 

einerseits über den Sattel mit Abstecher auf den Hochwechsel, 

andererseits über den Pfaffen, nach Rettenegg. 

Steinhaus, Station der Südbahn, 122 Kilometer von 
Wien. Fahrpreise: I. Classe 6 fl. 2 kr., 11. Classe 4 fl. 51 kr., 
III. Classe 3 fl. 1 kr., von Graz Fahrpreise: I. Classe 5 fl. 92 kr., 



- 43 - 

IL Classe 4 fl, 44 kr. III. Classe 2 fl. 96 kr. Gasthauser in 
Steinhaus: „Zum Hirschen", des J. Eggl, 5 Zimmer, Garten, 
Salon, „Steinhaus", der Frau J. Hauer (resp. H. Gesselbauer), 
9 Zimmer, Garten, Salon. Beide Gasthöfe gut. 

Wanderung im engen waldreichen Fröschnitzthal in 1 y^ 
Stunden zum Schmied (Wirthshaus Buchegger), nahezu eben: 

a) links abzweigend in Serpentinen hinan über Hansl 
im Greith zum Sattelkreuz 1 y^ Stunden. Der kleine Fahrweg 
führt vom Hansl im Greith an der gemauerten Kapelle vorbei, um 
in mehreren Windungen die Höhe des vom Sonnenwendstein sich 
gegen den grossen Pfaifen ziehenden Gebirgskammes anzustreben 
und erreicht in y^ Stunden (vom Buchegger) bei einem Kreuze 
die Fallthüre, bei welcher der vom Sonnenwendstein herabkom- 
mende sogenannte Weinweg einmündet. Yon hier beginnt die 
weiss-rothe Markirung bis zum Hochwechsel; nun östlich nahezu 
eben, theilweise durch schönen Wald auf dem Rücken des 
Sattelberges bis zum Sattelkreuz abermals ^/^ Stunden; hier 
kreuzen sich fünf Wege und zwar führt der Weg nördlich nach 
Trattenbach, östlich zur Kranichberger Schwaig, südlich nach 
Rettenegg, südwestlich auf den Harterkogel, nordwestlich nach 
Steinhaus. Als Eintrittsrouten wichtig sind die Wege vom Sattel- 
kreuz zur Kranichberger Schwaig und nach Rettenegg. Ersterer 
Weg zieht sich östlich vom Sattelkreuz zum Rabenkropf hinan, 
um bald den schönen Alpenboden auf der Höhe des Raben- 
kropfes zu erreichen. Hier angelangt markiren die weithin 
leuchtenden Spiegel dreier kleiner Seen, die Bärenlacken ge- 
nannt, die Lage der in einer Mulde liegenden grössten Schwaig 
des Wechselgebietes, der Kranichberger Schwaig, vom Sattel- 
kreuz bis hierher eine starke Stande. Yon hier zum Hochwechsel 
1 y4 Stunden. Letzterer Weg führt vom Sattelkreuz über Feistritz- 
wald nach Retten egg hinab. 

h) Beim Schmied rechts abbiegend, führt die jüngst neu 
hergestellte Strasse in 1 y^ Stunden zur Höhe des kleinen 
Pfaffen und von hier in abermals 1 y2 Stunden nach Rettenegg. 

Postbotenfahrt täglich Mittags von Spital nach 
Rettenegg über diesen Sattel und weiter über Ratten nach 
Birkfeld. 



41 



IV, Von Spital auf das StuWeck. 

Spital, Eisenbahnstation der Südbahn. Fahrpreis von 
Graz I. Classe 5 fl. 71 kr., IL Classe 4 fl. 29 kr., IIL Classe 

2 fl. 85 kr. — Gasthäuser; „Zum weissen Schwein*', des 
T. Nowatzi, Fleischhauer, 9 Zimmer, Gartensalon; „Goldener 
Hirsch", des Alois Yogelsang, 12 Zimmer, Salon, Garten; „Zur 
Krone", des Josef Linzbichler, 10 Zimmer, Garten, üeberall Fahr- 
gelegenheiten. Postboten fahrt täglich Mittags nach Ratten. 

Sehr beliebte und empfehlenswerthe Sommerfrische, alpiner 
Charakter. Preise per Zimmer über die Sommer-Saison 10 fl. 
bis 40 fl. Namentlich eignet sich die hochgelegene Villa des 
Bürgermeisters von Spital, Herrn A. Rigler für Sommerparteien. 
Sie enthält 9 Zimmer, Badehaus etc., ist stockhoch^ sonnseitig, 
trocken und mit allem Comfort eingerichtet. Prächtige Fernsicht. 

Der Weg, weiss-roth markirt, führt durch den Kalten- 
bachgraben in starker Steigung in 2 Stunden zur schönen 
Pfarrer-Alm und von hier in ^/^ Stunden auf die Höhe. In 
der Nähe des Gipfels, etwa 300 Schritte von der Pyramide 
nordwestlich abwärts die von Gustav Jäger 1868 erbaute Schutz- 
hütte. Prachtvolle Aussicht südwestlich über die ganze Schwaben^ 
gruppe, Oetscher, Dachstein, Bösenstein bis zu den Felsmauern 
der Karawanken, südlich bis nach Croatien, östlich bis tief nach 
Ungarn und über den Wechsel, nördlich theilweise nach Oester- 
reich. 10 Minuten schräg abwärts gegen Osten kalte Quelle. 
Vom Stuhleck südöstlich anfangs ohne Weg und Marke ab- 
steigend, gelangt man sicher in 1 y^ Stunden nach Rettenegg. 

V. Von MürzzuscMag auf das StuMeok. 

Mürzzuschlag. Hauptstation der Südbahn, 133 Kilo- 
meter von Wien, 95 Kilometer von Graz. Fahrpreise von Wien: 
I. Classe 6 fl. 57 kr., II. Classe 4 fl. 93 kr., III. Classe 3 fl. 29 kr. 
Retourbillets 3 Tage giltig : IL Classe 6 fl. 45 kr., IIL Classe 
4 fl. 30 kr. Fahrpreise von Graz: I. Classe 5 fl. 29 kr., IL Classe 

3 fl.97kr., in. Classe 2 fl. 6 5 kr. Retourbillets; L Classe Tfl.l2kr., 



— 45 - 

IL Classe 4fl. 96 kr., III. Classe 3 fl. 50 kr. 2 Tage giltig. Gute 
Bahnhof-Restauration. — Gasthäuser* ^Schwarzer Adler", 
8 Zimmer, „Goldener Hirsch", 8 Zimmer, „Post". 15 Zimmer, 
„Erzherzog Johann*', 30 Zimmer, „Krone •*, 6 Zimmer, (für 
einfachere Ansprüche empfehlenswerth). Grosser industrie- 
reicher Markt) bekannte Sommerfrische der Wiener. Reizende 
Anlagen, nach allen Richtungen die Wege markirt, Kaltwasser- 
Heilanstalt. Section des österr. Touristen-Clubs. Verschönerungs- 
verein. 

Der Weg, roth markirt, führt durch den Auerbachgraben 
in massiger Steigung über den Bettelbauer in 2^1^ Stunden 
zum kaiserlichen Jägerhaus, in weiteren V4 Stunden zu den 
Ochsenhütten am Schwarzriegel und in einer Stunde über 
schönem Almboden auf Stuhleck. 



VI. Langenwang- Trabachgraben -St. Kathrein 
am Hauenstein. 

Langenwang. Station der Südbahn nächst Mürzzu- 
schlag im Mürzthale. (Burgruine Hohenwang.) Gasthäuser: 
Siegl, 1 Zimmer, Steindl, 8 Zimmer, Zwing J., 4 Zimmer. Der 
Weg führt von Langenwang östlich in den Lang-IUachgraben, 
denselben übersetzend in den Trabachgraben, zweigt beim Alp- 
steiger ab und führt über das Höllkögerl, stets über hügeliges 
Waldland in 3 V2 Stunden nach St. Kathrein am Hauenstein hinab. 

VII- Kpieglach- 

a) Schwöbing-Roseggers Waldheimat -Alpsteig -St. Kathrein am 
Hauenstein - Ratten. 

K r i e g 1 a c h , schöner Markt im Mürzthal, Südbahnstation 
84 Kilometer von Graz. Fahrpreise: I. Classe 4 fl. 65 kr., 

II. Classe 3 fl. 49 kr., III. Classe 2 fl. 33 kr. Retourbillets 
2 Tage gütig, I. Classe 5 fl. 70 kr., II. Classe 4 fl. 45 kr., 

III. Classe 8fl. 14kr. — Gasthäuser: Höbenreich Maria, 
(Lese verein), 4 Zimmer, Maurer Leopold, 5 Zimmer, Hirsch- 



46 



vogel Georg, 5 Zimmer und Scholz Anna, 2 Zimmer. Ver- 
schönerungs- Verein. Prächtige Waldpromenaden. 

Der Weg führt östlich über Schwöbing in vielfachen 
Windungen über den Gölkberg und den Höllkogel hinab in's 
Thal in l^/^ Stunden, dann das neu erbaute Knauer'sche 
Jagdhaus rechts lassend, über den Grabenbauer in einer weiteren 




Rosegger's Waldheimat. 

Stunde zum Kluppenegger, der schönen Waldheimat des Dichters 
des steirischen Volkes, P. K. Ro segger (geb. am 31. Juli 1843). 
Das trauliche holzgezimmerte Häuschen mit den zierlichen Holz- 
galerien, auf einer Lichtung vom Tannwald umschlossen, war die 
Wiege, von wo das schmächtige Schneiderbürschchen seinen 
Lebensweg antrat und seine ersten Dichtungen mit der Kohle 
des Herdfeuers schrieb, bis seine gemüthstiefen Erzählungen und 
Dichtungen, die aber immer im Leben des steirischen Volkes 
fussen, hinausdrangen über die Weite der Welt, und Ruhm und 



- 47 - 

Ehren sich häuften um den sinnigen Poeten, der jedoch immer 
schlicht und selbstlos mitten im Volke seiner Heimat steht, die er 
über Alles liebt. Bis hieher schattiger massig ansteigender Wald- 
weg mit schönen Rückblicken auf die hohe Veitsch. Herrliches 
Waldpanorama mit herzerfreuenden, entzückenden Thalblicken. 
Vom Kluppenegger führt der Weg hinab in den Fressnitzgraben, 
beim Ziesslerkreuz hinauf über den Ziessleranger, und mündet 
beim Jäger, früher Stocker (gutes Alra-Wirthshaus), in die Alp- 
steig-Strasse {^/^ Stunden), von wo er in einer halben Stunde, 
immer über waldiges Hügelland nach St. Kathrein am Hauen- 
stein hinab führt: von hier noch eine Stunde nach Ratten. 

b) Aipsteig -St. Katlirein- Ratten. 

Kleine Alpenstrasse, Stellwagenfahrt, Montag, Donners- 
tag und Samstag. Fahrpreis 2 fl. per Person. Von Krieglach 
ab um 1 Uhr Mittags, Ankunft in St. Kathrein am Hauenstein 
nach 4 Uhr. Von Kathrein 6 Uhr 30 Minuten. Uebergangs- 
punkt 1078 M. Für Fussgänger von Krieglach nach St. Kathrein 
4 Stunden, von St. Kathrein nach Ratten eine Stunde, von 
Ratten nach Rettenegg 1 % Stunden. 

VIII, Klndbepg-Stanz- Auf der Schanz-Fischbacli- 

Birkfeld. 

Kindberg, grosser, industriereicher Markt im Mürzthale 
Eisenbahnstation, 73 Kilometer von Graz. Fahrpreise: I. Classe 
4 fl. 1 kr., U. Classe 3 fl. 2 kr., HL Classe 2 fl. 1 kr. 
Gasthäuser: Wolfbauer, 12 Zimmer; Wasservogel, 5 Zimmer; 
Körner, 8 Zimmer; Fremd enverkehrs-Comite. 

Die vielbefahrene Strasse zweigt, südlich von Kindberg, 
östlich in das schöne Stanzthal ab und erreicht an zahlreichen 
Gehöften (vielfach vor den Häusern prächtige alte Linden) den 
Hauptort des Thaies, Stanz, in 2 Stunden Gasthäuser: 
Gesslbauer Josef, Warnegger Ludwig, je 2 Zimmer. 

Ausser dem Dorfe gegen Kindberg, seitwärts der Strasse, 
die interessante ülrichskirche. Die zweischiffige , gothische 



— 48 — 

Kirche, um 1446 erbaut, misst 29*16 M. Innenlänge und hat 
ungleiche Zwillingsschiffe von 6*95 M. und 3*85 M. Breite. Eine 
Empore mit schöner Steinbrüstung, wie die in die Wand ein- 
gelassene Session, haben sich noch aus der Zeit der Erbauung der 
Kirche erhalten, ebenso Theile eines FlOgelaltars an der Session 
befestigt, als Predella mit Darstellungen von Christus und Aposteln 
und Spruchbändern. Der hübsche zierliche Renaissance-Hauptaltar, 
wie die zwei Nebenaltäre, wurden 1617 errichtet und geweiht 
Die Musikempore stammt von 1654. Hinter der Kirchthüre 
hölzerne Statue eines Gefangenen mit Ketten, welche an die 
Gefangennahme eines Herrn von Stubenberg durch die Türken 
erinnern soll. Dieser Stubenberg befreite sich später aus der 
Gefangenschaft und erbaute aus Dankbarkeit die Kirche. (Tradi- 
tionell.) In Stanz die der heil. Katharina geweihte, 1740 neu- 
erbaute Pfarrkirche, ein sehr freundlicher, einfacher Renaissance- 
bau in Kreuzform, von schönen Verhältnissen und schmucker 
Ausstattung. Hochaltarbild, die heil. Katharina darstellend, vom 
Hof-Kammermaler Johann Veit Hauck 1746 gemalt. Die Pfarre 
wurde am St. Lorenztage 1366 gestiftet. Die Bewohner des 
Stanzthaies hatten das Privilegium, gleich den Bürgern der Städte 
und Märkte im Herzogthume Steiermark, mauth- und zollfrei 
Handel und Gewerbe treiben zu können, und wurde ihnen die 
uralte Freiheit, die wahrscheinlich auf eine tapfere Vertheidi- 
gung der Türkenschanze des Stanzthaies rückzuführen ist, zu- 
letzt vom Kaiser Josef I. den 11. December 1706 bestätigt. 
In und um Stanz mehrere Eisen- und Stahlhämmer des Baron 
von Sessler-Herzinger, in welchen besonders Ambosse, Anker, 
Zeugwaaren und Maschinenbestandtheile erzeugt werden. Zu 
diesen Werken gehört ein sehr rationell cultivirter Waldcomplex 
von 8300 Joch (4772*5 Hektar) und eine grosse Meierei von 
circa 200 Stück Vieh. In der Nähe des stattlichen Herren- 
hauses befindet sich ein 4 Joch grosser Teich mit Karpfen- und 
Forellenzncht. 

Von Stanz immer im engen Waldthale dem schäumenden 
Stanzbache entgegen, erreicht man nahezu unmerklich anstei- 
gend, in einer Stunde den Fuss des Fischbacher Alpen- 
zuges. Von hier steigt die Strasse links an der Berglehne in 



- 49 — 

weitem Bogen der Sattelhöhe zu jäh hinan, um in circa ^/^ Stunden 
die Höhe (1169 M.) auf der Schanz zu erreichen. Ein Fuss^ 
weg, rechts am Beginne der Steigung bei einem Häuschen an 
der Strasse abzweigend und meist über Wiesen, zuletzt durch 
Wald ansteigend, kürzt, namentlich beim Abstiege von der 
Schanz ins Stanzthal. Strasse und Steig vereinigen sich auf 
der Sattelhöhe beim einfachen Wirthshause auf der Schanz, an 
die einst hier bestandene Türkenschanze erinnernd, die später 
noch oft der Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen Schmugglern, 
Deserteuren, Wildschützen und den Zollwächtern, Forstaufsehern 
und Gendarmen war. 

Von der Schanz in 1 Stunde nach Fischbach, und von 
hier nach Birkfeld in 2 Stunden. Von der Schanz auf den 
Teufelstein, Weg primitiv roth markirt, 1 Stunde. 



IX. Mixnitz-Breitenau-Strasseck, durcli die Gasen 
nacll Birkfeld, 39 Kilometer, 7 Stunden. 

Zwischen den' Stationen der Stidbahn Mixnitz und Per- 
negg liegt, von beiden Orten 1 5 Minuten entfernt, das Dorf Mauth- 
statt an der Ausmündung des Breitenauer Thaies in das Mur- 
thal. Das freundliche Alpenthal der Breitenau ist circa 3 Stunden 
lang und wird östlich durch die Wasserscheide der Raab be- 
grenzt, welche die Strasse an der Einsattlung am Strasseck, 
1170 M., übersetzt. Von Mixnitz oder Pernegg bis Mauthstatt 
15 Minuten, von hier bis zn den Schaffer'schen Sensenwerken 
% Stunden. Die schon im 18. Jahrhundert gegründete, seither 
aber immer vergrösserte und verschönerte Werksanlage bildet 
mit ihren vielen schmucken Baulichkeiten die Zierde des Thaies. 
Hier auch gute Restauration. Von hier führt östlich ein roth-blau 
markirter Weg ziemlich steil direct in 2 Stunden nach Schüsserl- 
brunn. Auf der Breitenauer Strasse fortschreitend, gelangt man 
in 30 Minuten nach St. Jacob; Gasthaus: Rosenkranz, und 
in weiteren 25 Minuten nach St. Erhart, 3 Gasthäuser. Von 
St. Erhart führt östlich, blau-roth markirt, ein sehr bequemer 

4 



^ 50 — 

Weg nach Schüsserlbrunn in 2 Stunden; dieser Weg ist zum 
Auf- wie zum Abstiege der empfehlenswertheste. Ein dritter 
Weg, weiss-roth markirt, führt in 30 Minuten nach St. Erhart 
östlich auf die Teichalpe, gleichfalls in circa 2 Stunden. Von 
St. Erhart zum Strasseck hinauf X^/^ Stunde, einfaches Alm- 
wirthshaus, von hier hinab nach dem Dorfe Gasen 1 Stnnde. 
Gasen, Pfarrdorf mit 245 Häusern und 1100 Einwohnern, 
auf 829 M. Seehöhe, 8 Gasthäuser. Tief eingebettet in enger 
Gebirgsschlucht, bietet die Umgebung Gasens nur beschwerliche 
Spaziergänge. Yon Gasen nach Birkfeld 2 starke Standen. 



X. Mixnitz - Lantscli - Teichalpe. 

Mixnitz, Südbahnstation. Graz-Mixnitz 38 Kilometer. 
Fahrpreise: I. Classe 2 fl. 12 kr., IL Classe 1 fl. 59 kr., 
III. Classe 1 fl. 7 kr.; tour und retour I. Classe 3 fl. 20 kr.. 
IL Classe 2 fl. 38 kr., IIL Classe 1 fl. 60 kr.; 2 Tage giltig. 
Sonn- und Feiertage nicht inbegriffen. 

Gasthäuser: Johann Schartner, vis-ä-vis der Station, 
beim Fuchs, beide gut. 

Ausgangspunkt für den Besuch der Drachenhöhle und 
des Hochlantsch. Schönster und nächster Hochgebirgsausflag 
von Graz. 

Mixnitzer-, auch Drachenhöhle oder Kogellncken 
genannt, 951 M., in der 1266-5 M. hohen zerklüfteten Röthel- 
steinwand. Sage von einem Drachen, der durch die List eines 
armen Bauernburschen, der Sensen und Sicheln am Wege, über 
den das üngethüm sich in .das Thal wälzte, aufstellte, getödtet 
wurde, und von einer Räuberbande, die hier gehaust haben soll. 
Aufstieg (nicht ohne Führer) anfangs durch Wald, später steil 
über Geröll in pittoresker Scenerie, 1 y^ Stunden bis zum mäch- 
tigen Portal der Höhle, von wo sich ein prächtiger Blick in das 
Murthal erschliesst Die berühmte Höhle hat zwei durch einen 
niedrigen Gang verbundene Abtheilungen und ist circa eine Viertel- 
stunde lang. Sie imponirt durch ihre mächtigen Raum Verhältnisse 
und durch die fantastischen Formen ihres mit Drusen überzogenen 
Kalkgerippes. In der schwarzen Erde am Boden viele Knochen 



- 51 — 

von Höhlenbären. Im Fels gemeisselte Wappen und Jahreszahlen 
(1439, 1515, 1682 etc.) und die Inschriften: Fridericus Dux 
Austriae affuit anno 1409, und Rudolphus I. Dux, zeigen, dass 
die Höhle schon lange bekannt war und als besondere Sehens- 
würdigkeit des Landes selbst von gekrönten Häuptern be- 
sacht wurde. 

Hochlantsch. Wegmarkirung von Schartner's Gasthaus 
beginnend, blau nach Schtisserlbrunn, roth nach Hochlantsch, 
weiss Teichalpe. Die mächtige Kalkalpengruppe des Lantsch, 
ein Glanzpunkt unseres Wandergebietes, liegt am südlichen 
Ende des Fischbacher Urgebirgszuges und trifft die von Norden 
nach Süden ziehende Kette nahezu im rechten Winkel, da sie 
sich, und zwar in einer Ausdehnung von nahezu drei Stunden, 
bei sehr geringer Breite, von Osten nach Westen erstreckt, um 
in dem nahezu senkrecht nach Norden abstürzenden Hoch- 
lantsch, 1722 M., zu culminiren. 

Aufstieg durch die Bärnschütz. Anfangs grün-blau- 
roth-weiss markirter Fahrweg durch die wildromantische Bären- 
schütz, durch welche in zahlreichen Cascaden über bemooste, 
von Farrenkräntern umwucherte Felsblöcke, in tief einge- 
schnittener Waldschlucht, der Mixnitzer Bach herabschäumt. 
Nach einstündigem steten Aufstiege erreicht die herrliche 
Scenerie bei dem Durchbruche der Wassermasse zwischen einer 
Felsenzinne und der Kreuzfelsenwand, und später bei dem über 
30 M. hohen, in einer Woge in eine düstere Felsenklamm 
stürzenden Wasserfall (Wegweiser) ihren landschaftlichen Höhe- 
punkt. Nun ist auch bald das Plateau, „im Burgstall" genannt, 
mit dem Schwagerbauerhof erreicht. Aber noch müssen wir 
den kahlen Wall des Sperrbichels in 4 Serpentinen (die ersten 
zwei kürzt ein Steig) ersteigen, bevor wir den König der 
Lantschgruppe zu sehen bekommen. An einzeln stehenden, 
prächtig bemoosten, uralten Wetterfichten vorbei, erreichen wir 
nahe mehrerer Alpenhütten, circa 3 Stunden von Mixnitz, ein 
Wegkreuz mit der Aufschrift: „Weg nach Schüsserlbrunn und 
zum Hochlantsch." Hier theilen sich die Wege, rechts setzt 
sich unser bisher verfolgter Fahrweg mit weisser Markirung fort, 
während in gerade östlicher Richtung ein anfangs wenig kennt- 

4* 



— 52 — 

lieber Weg über Almboden abzweigt. Dieser Steig, roth-blau 
markirt, zieht zuletzt hart an dem Grat des Lantschkammes 
hin mid fQhrt uns in einer halben Stunde nach einer scharfen 
Wendung nach links zum sogenannten oberen Wirthshaus, 
welches ein Bauer aus der Breitenau, Namens Schragl, valgo 
Sattler, vor circa 7 Jahren erbaute. Zehn Betten bieten uns 
in diesem, das ganze Jahr bewohnten Hause, ein ganz ent- 
sprechendes Nachtquartier, wie auch die Gloriette vor dem 
Hause, welche auf unserer Illustration noch sichtbar ist, eine 
entzückende Fernsicht erschliesst. Wir werden aber kaum in 
die Lage kommen, vorerst die Gastlichkeit dieses Hauses in 
Anspruch zu nehmen, denn mit dämonischer Macht lockt uns hier 
das wunderbar mitten im schauerlichen Abstürze der Felsen in den 
Wänden gebettete Wallfahrtskirchlein von Schüsserlbrunn 
(S. 58) mit dem traulichen Messnerwirthshaus in die Tiefe, üeber 
in den Fels gemeisselte Stufen, die Hand auf das schwanke 
Geländer gesttltzt, schreiten wir hinab, den Blick in den zu 
unseren Füssen gähnenden Abgrund verloren, und in wenigen 
Minuten stehen wir auf jener kleinen Plattform, auf welcher 
einst, wie die Legende erzählt, ein weidendes Vieh von schwin- 
delnder Höhe herabstürzte und unversehrt hier anlangte. Eine 
wundergläubige Zeit sah hierin einen Wink Gottes zur Er- 
bauung eines Wallfahrtskirchleins, und bald sehen wir, ge- 
schützt von einer überhängenden Felswand, einen frommen 
Einsiedler sich hier seine schlichte Klause zimmern, und da- 
neben eine kleine Kapelle sich erheben, und als nun auch aus 
einer kleinen Felsenmuschel ein frisches Wässerlein quoll, da 
war auch der Name für das Schwalbennest in den Wänden ge- ■ 
funden: „Schüsserlbrunn". Der fromme Klausner ist gestorben 
und hat keinen Nachfolger gefunden, aber über dem Kapellchen 
ist in jüngster Zeit ein gar stattliches Kirchlein gezimmert 
worden und da ist auch gerade noch soviel Platz geblieben^ 
dass daneben sich ein ganz treffliches Wirthshaus einnisten 
konnte, so dass für des Leibes und der Seele Wohl gleich 
gut gesorgt ist. Und ein gar gastliches Willkomm wird uns 
hier von einem jungen strebsamen Wirthe, Georg Häusler 
aus der Breitenau, geböten, so dass wir uns bald gar heimisch 




Schüsserlbrimn. 



— 54 - 

fühlen auf dem Adlerhorst Zehn reinliche gute Betten (ä 25 kr. 
per Nacht) in zwei Abtheilungen bieten vorzügliches Nacht- 
quartier, und schmackhafte kalte und warme Küche (auch Con- 
serven), Sandwirth- und Farracher-Bier, wie echt steirische 
Weiss- und Schilcherweine lassen uns bald das Mahl, das wir 
in der offenen Vorhalle des Hauses gemessen können, gut 
munden. Aber die Würze des Mahles liegt doch in der wunder- 
herrlichen Femsicht, die sich von unserer Felsenklippe er- 
schliesst ; über das zu unseren Füssen aus schauerlicher Tiefe 
her auf leuchten de freundliche Breitenauerthal schweift der Blick 
über zahllose Höhen und Tiefen bis zu dem stets von blauen 
Dunstschleiern umwebten Schneeberge in Niederösterreich. Am 
Tage der Sonnenwende, wenn von Berg zu Berg die Heiden- 
feuer lodern, da kommen die Schaaren der Wallfahrer zu dem 
Kirchlein in den Wänden und frommer Sang steigt da auf 
in stiller Nacht himmelwärts zwischen den Felsenmauern und 
wieder so am 2., 25. und 26. Juli. 

Zuverlässlich von unserem Wirthe am frühen Morgen 
rechtzeitig geweckt, um den Sonnenaufgang am Lantsch nicht 
zu versäumen, steigen wir wieder zum oberen Wirthshause hin- 
auf und folgen nun unter Beachtung der rothen Markirung dem 
Grate des Lantsch und erreichen auf den vom Wirthe G. 
Häusler mit grosser Mühe mitten durch die Krummholzregion 
gebahnten Weg über mehrere Senkungen und Hebungen in 
einer starken Stunde von Schtisserlbrunn den Gipfel des 
Hochlantsch. 

Aussicht: Die Grenzen der als eines der schönsten 
Panoramen Steiermarks bekannten Fernsicht sind : südlich Zug 
des Bacher ; südwestlich Velka Kappa, ürsulaberg und die den 
Koralpenzug überragenden Felsenzinnen der Oistrizza, Grintouz 
und Obir; westlich der Grössing und Speickkogel, Eisenhut, 
die Hochalpenspitze (3440 M.), Ankogel (3253 M.), dann der 
ganze zackige Zug der Tauern vom Seckauer Zinken bis zum 
Bösenstein ; nordwestlich der imposant aufstrebende Reiting und 
weiterhin die zackigen Schroffen des Reichenstein, des Trencht- 
ling, und über dem Rennfeld der Brandstein und Gross -Ehen- 
stein ; nördlich hier bildet der lange, in furchtbaren Wänden ab- 



— 55 - 

sturzende Zug der Hochschwab kette die Grenze des Horizontes 
and zugleich den Glanzpunkt des ganzen Panoramas, es folgen 
in langen Intervallen die hohe Yeitsch, die Schneealpe, die 
Rax und der Schneeberg ; nordöstlich der Sonnenwendstein, die 
Pretulalpe, Stuhleck und die beiden Pfaffen ; östlich der lange 
Zug des Wechsels mit seinen ruhigen Wellenlinien, an welchen 
sich seine südlichen Ausläufer bis zum Rabenwald anschliessen. 
Tief zu unseren Füssen erblicken wir die schönen Alpenmatten 
der Teichalpe mit dem Teichaip enwirthshaus. Es folgt der Zetz 
und der Patschaberg, und zuletzt der Blick über den Sattelberg 
bei Weiz in die Niederung des Raabthaies, aus welcher sich 
nur noch die Riegersburg und der Hochstradenkogel abheben. 
Von der Hochlantschspitze steigen wir östlich auf markirtem, 
nicht zu fehlenden Weg in circa 1 Stunde zur Teichalpe ab, 
wo wir beim Teichwirthe Einkehr halten. (Ländliche Kost, 
Mehlspeisen, selten Fleisch, aber immer treffliche Forellen, 
billig.) Die Teichalpe zählt zu den schönsten Alpen Steier- 
raarks und wird vom ganzen Raabgebiet hier das Vieh Mitte 
Juni aufgetrieben und erst Ende September wieder in festlicher 
Weise abgetrieben. Von hier wird auch der weithin sichtbare 
kahle Kegel des Osser, 1549 M., in circa 1 y. Stunden leicht 
erstiegen, indem man dem Mixnitzerbache nahezu bis zum Fusse 
des Osser entgegengeht und sodann über Almboden direct der 
Signalstange auf der Spitze des Osser zu ansteigt. 

Von der Teichalpe können wir, um den Fuss des Lantsch 
gehend, wieder nach Schüsserlbrunn zurückkehren, um von hier 
direct in die Breitenau in 1 y^ Stunden abzusteigen. Ausserdem 
stehen uns aber noch fünf andere Wege für weitere Wande- 
rungen zu Gebote, und zwar: 

1. den Mixnitzbach entlang, der weissen Markirung 
folgend, wieder durch die Bärnschütz zurück nach Mixnitz, 
3 starke Stunden; 

2. durch den Türnauergraben über den Schiderer- 
wirth zur Bahnstation Frohnleiten, mehrere Wege, am meisten 
begangen jener, welcher als kleine Strasse über das Aibel und 
den Bauernhof Hinterleitner, den Türnauergraben seiner ganzen 
Länge nach durchziehend, niederführt. Von der Teichalpe bis 



- 56 — 

Frohnleiten Abstieg 3 Yj Standen, Aufstieg zur TeichaJpe 4 bis 
4 Vg Stunden. Beim Aufstieg empfiehlt es sich, beim Schiderer- 
wirth einen Jungen als Führer zu nehmen; 

3. südlich nach Passail oder Fladnitz, bequem am 
schönen Wegen in 2^/^ Stunden; 

4. nördlich auf dem Kamm der Wasserscheide fort Hs 
Strasseck, 2 Stunden, und rechts hinab in die Gasen, und 
über dieses Dorf nach Birkfeld in 3 Stunden. Sehr lohnende 
Höhenwanderung von Strasseck, am Kamm der Wasserscheide, 
bis zur Schanz am Fusse des Teufelstein; 

5. nördlich in die Breiten au, weiss-roth markirt, über 
die Breitalmwiese zum Kreuz, Uebergangspunkt, ^/^ Stunde; 
von hier unter dem Kamm des Friesskogels in 2/4 Stunden in 
das Breitenauerthal, wo man beim Gasthause Gras sb erger 
herauskommt, von hier über St. Erhardt nach St. Jakob noch eine 
kleine Stunde, von St. Jakob nach Mixnitz oder Pernegg 2 Stunden. 

Der bequeme und kurze Aufstieg, die wildromantischen 
Scenerien der Bärnschütz, das so wunderbar in den Wänden 
der in schauerlicher Tiefe abstürzenden Lantschmauem gebettete 
Schtisserlbrunn, die überwältigende Fernsicht von der Spitze 
des Hochlantsch, die prächtigen Alpenmatten und die gute 
Unterkunft in allen Gasthäusern der Lantschgruppe machen den 
Besuch derselben zu den schönsten und lohnendsten der mittleren 
Steiermark. 

XL Qpaz-Weiz. 

Graz-Weiz, 30 Kilometer. Für Fussgänger 5 starke 
Stunden, zu Wagen 3^2 — ^ Stunden. Poststellwagen von Graz 
(goldener Engel, Griesgasse) täglich ab YgS Uhr Nachmittag, 
Ankunft in Weiz 7 Uhr. Abfahrt von Weiz täglich um 4 Uhr 
Früh, an in Graz 8 Uhr. Fahrgeld pr. Person 1 fl. 20 kr. 
Die Strasse führt über Maria Trost, sodann auf Umwegen 
einen Hügelzug übersetzend ins Rabnitzthal, um sogleich wieder 
gegen Albersdorf hinanzusteigen. Von Albersdorf zieht die 
Strasse über ein mit Obstcjilturen bedecktes Gelände, um end- 
lich die tief eingeschnittene Waldschlucht der Raab zu über- 



— 57 — 

setzen, worauf sie in östlicher Richtung, einen Hügelzug über- 
windend, gegen Weiz läuft. 

Der Fussgeher kürzt die Strasse an zwei Stellen be- 
deutend, und zwar ausser Maria-Trost, indem er, die neue 
Strasse links lassend, gerade aus die Berghöhe zum soge- 
nannten „alten Fassl** hinan- und jenseits zur Rabnitz hinab- 
steigt, wo man beim Bachwirth (gutes Gasthaus) wieder die 
Strasse erreicht. Von hier folgt man der Strasse circa eine 
gute Stunde bis zum Schnabelwirth, wo man wieder, die 
Hauptstrasse links lassend, dem direct nach Oberdorf führenden 
Steig folgt, hierauf eine kurze Strecke am linken Ufer der 
Raab fortgeht, von wo man, sich etwas rechts haltend, bald 
auf der alten Grazer Strasse unmittelbar vor Weiz heraus- 
kommt. Von Graz bis zum Fassl gelangt man auch auf schönem 
Waldwege, indem man den gewöhnlichen Maria-Troster Wald- 
weg, sich immer auf der Höhe etwas links haltend, weiter 
verfolgt, bis man das grosse hohe Gebäude des Fassl erreicht. 
Auf dem Wege nach Weiz eröffnet sich zuerst von der Höhe 
des Fassl ein imposanter Blick auf das Massiv des steil ab- 
stürzenden Schöckels, an dessen Fusse die bekannte Kalt- 
wasseranstalt Radegund mit ihren zierlichen Villen reizend 
gelagert ist; östlich von Radegund steigt über das Gelände 
das von vier Eckthürmen flankirte Schloss Kainberg, ein 
zierlicher Bau im Charakter des 17. Jahrhunderts, auf, Eigen- 
thum des Grafen Victor Wimpffen, der die Räume dieses 
Schlosses mit den Schätzen seiner berühmten Alterthums- 
sammlung, darunter besonders viele gothische Schränke und 
Truhen und kostbare venetianische Waffen und Rüstungen, ge- 
füllt hat. Beachtenswerth ist auch die zierliche Anlage des 
Schlosshofes. Von Kainberg rechts auf der Höhe das grosse 
schöne Pfarrdorf Kumberg. Rechts vom Bachwirth zeigt 
sich am linken Ufer der Rabnitz am Thalabhange, aus freund- 
lichen Obstgärten hervorschauend, das Schlösschen Dornhofen, 
nichts Bemerkenswerthes bietend. Vom Bachwirthe gegen Albers- 
dorf wandernd, wieder auf die Höhe gelangt, öffnet sich ein 
schöner Blick auf das Hügelmeer zwischen Raab und Feistritz, 
aus welchem die Riegersburg und die Gleichenb erger Kogeln 



• — 58 - 

emporsteigen. Besonders schön wieder das letzte Stück des 
Weges mit dem überraschenden Blick auf den von den dunklen 
Waldhängen des Patschaberges und der auf der Höhe des 
Weizberges imposant thronenden Weizbergkirche überragten 
grossen Markt Weiz. 

XII. Graz - Passail. 
4 Stunden zu Wagen, 6 Stunden zu Fuss. 

Fahrweg auf der Weizerstrasse über Maria Trost bis 
Gschwend. Von dieser Ortschaft zweigt links die Passailer 
Strasse ab und führt über Steinhauser nach Gutenberg und 
weiter über Garrach und dem GoUer nach Arzberg, immer in 
romantischer Waldlandschaft und längs der Haab nach Passail. 
Fussgeher gehen über den Annagraben oder schöner und näher 
über Maria-Trost- Rinnegg und Schöckelbarthl zum Schöckel- 
kreuz, eventuell auch über Radegund zum Schöckelkreoz, 

4 Stunden von Graz. Von hier östlich nach Plenzengreith 
und über Buchberg hinab auf die Passailer Bezirksti asse, 
2 Stunden. Weg nicht zu fehlen, immer Gemeindefahrweg. 

Radegund, berühmte Kaltwasser - Heilanstalt Gast- 
häuser: Mautner Johann, 4 Zimmer, und Pfleger Franz, 

5 Zimmer. Täglich Postverbindung nach Graz; Abfahrt von 
Graz, Brandhof Gleisdorfergasse, 8 Uhr Früh. Von Radegund 
zum Schöckelkreuz 1 Stunde. Die Partie nach Passail wird 
meist mit der Besteigung des Schöckels verbunden. Aufstieg 
am Schöckel über Andritz, Türkensimmerl, Kalkleiten - Möstl, 
Puch-, Göstinger- Alpenhütte und weiter zu dem vom steier- 
märkischen Gebirgs vereine errichteten und am 21. Juli 1872 
eröffneten Schöckelhause, 4y2 Stunden von Graz. Von hier 
noch 15 Minuten zum Hochplateau. Nahezu mehr begangen 
wird der hinter Andritz - Ursprung östlich abzweigende Weg 
durch den „Falschgraben", der sich in Puch mit dem erst- 
genannten Weg vereint; Steigung sanfter. Vom Schöckelhause 
Fahrweg nach Schöckelkreuz % Stunden, hier Wegtheilung; 
links nach Passail 2 Stunden, rechts nach Radegund y^ Stunden. 



59 — 



XIII. Graz - Qleisdopf - Fehring - Jennersdopf, 

Ungarische Westbahn. Die das schöne Raabthal 
durchziehende üng^irische Westbahn ist nebst der von ihr 
nach Fürstenfeld abzweigenden kurzen Flügelbahn, die einzige 
Eisenbahnlinie, die unser Wandergebiet, allerdings nur an seiner 
Südgren^e, durchzieht, und ist daher für die von Graz und 
Budapest nach der nordöstlichen Steiermark Kommenden von 
grösster Bedeutung. 

Graz- Jenner sdorf (Landesgrenze 77 Kilometer). Fahr- 
preise siehe letzte Seite. Die Linie der ungarischen Westbahn, 
(1873 am 1. Mai eröffnet), zweigt am Südbahnhof in Graz 
von dieser Bahn ab und wendet sich, Graz im Bogen süd- 
östlich umziehend und die Mur übersetzend, der Schönau zu, 
wo der eigentliche Bahnhof der Ungarischen Westbahn, ein 
gefälliger Ziegelrohbau am Ende der Jakominigasse sich erhebt. 
Von hier zieht die Bahn südsüdöstlich über das Grazer Feld 
der Station Messendorf zu, rechts das grosse Gebäude des 
k. k. Cadetteurlnstitutes Liebenau, links an der Berglehne von 
einer ausgedehnten Mauer umzogen, das Landeszwangsarbeits- 
haus Messendorf. Von der Station Messendorf prächtiger Blick 
auf das von den Hochgebirgen überragte Graz mit dem Schloss- 
berge. Von Messendorf biegt die Bahn, in starker Krümmung 
eine nahezu nordöstliche Richtung nehmend, in ein freundliches 
Thal ein, um nördlich an der meist bewaldeten Berglehne, 
mehrere Thalsenkungen auf hohen Dämmen übersetzend, an 
der Haltestelle Authal (1885 eröffnet) vorbei, zuletzt im 
grossen Bogen zur Wasserscheide der Raab^ dem Schemmerl- 
berg, hinanzusteigen. (Maximalsteigerung 1:75 = 13-33%). 
Hier durchbricht die Bahn in einem 530 M. langen Tunnel, 
in dessen Mitte sie ihren höchsten Punkt 474*3 M. erreicht, 
den Höhenzug, um unmittelbar darauf die Station Lassnitz 
zu erreichen, welche von den nach Nestelbach gehenden 
Grazer Ausflüglern stark frequentirt w^ird. Von der Station 
Lassnitz senkt sich die Bahn an dem nördlichen Gelände hin- 
ziehend, rasch in das Lassnitzthal (mit gleichem Gefälle 1:75) 



— 60 — 

wobei sich bald ein prächtiger Ausblick auf den grossen im 
Thale der Raab gelegenen Markt Gleisdorf eröffnet, um an 
der Haltestelle Lassnitzthal (eröffnet 1886) vorbei, die nftchste 
Station Gleisdorf zu erreichen. 

Unmittelbar vor Gleisdorf öffnet sich links ein schöner 
Blick auf die im Hintergrunde des Rabnitzthales gelegene 
Ortschaft Eggersdorf, und gleich darauf wieder links über das 
nördliche Raabthal bis St. Ruprecht und das von der Höhe 
herabschauende Kirchlein Breitegg. 

Mit dieser für den Personen-, wie für den Güterverkehr 
wichtigsten Station der steirischen Linie der Ungarischen West- 
bahn, erreicht diese Bahn das schöne, grosse und fruchtbare 
Raabthal, in welchem sie nun, eine südliche Richtung nehmend, 
hinzieht. Nächste Haltestelle T a c k e r n mit grossen Mühlen. 
Von hier an vielen schön gebauten, von Obstculturen um- 
gebenen Gehöften vorbeiziehend, erreicht die Bahn bald die 
wichtige Station Studenzen-Fladnitz mit hübschem Bahn- 
hof. Rechts vorher auf der Höhe die rein gothische Kirche 
St. Margarethen und weiterhin die Rückfront des Schlosses 
Kirchberg, links am Berge das Kirchlein Klein-Maria Zell. 
Von Studenzen nimmt die Bahn dem Raabthale folgend, wieder 
eine rein östliche Richtung an, wobei südsüdöstlich die Gleichen- 
berger und der Stradnerkogel über dem Thalgelände aufsteigen. 
Von Studenzen erreicht man zunächst die Haltestellen Rohr 
und Gniebing (1885 und 1886 eröffnet), letztere eine 
Schöpfung des Müllermeisters Meixner, der das Stationsge- 
bäude mit netten, um ein grosses Bassin mit Springbrunnen 
gruppirten Anlagen umgeben und mit elektrischer Glühlicht- 
beleuchtung versehen hat. Im Thale der Raab durchwegs grosse 
Mühlen mit stattlichen Herrenhäusern. Endlich nähert sich die 
Bahn der Stadt Feldbach. Unmittelbar vor dieser Station 
öffnet sich links ein flüchtiger Blick auf das von einem bewal- 
deten Hügel herabschauende thurmreiche alte Schloss Kornberg. 
Rechts der Calvarienberg ober Feldbach. Die Station Feld- 
bach, durch die schöne Franz Josefs- Strasse mit der Stadt 
verbunden, ist der Ausgangspunkt für die Routen nach Gleichen- 
berg, Gnas und Riegersburg und daher von grosser Bedeutung 



- 61 — 

för den Personen- und Frachtenyerkehr. Von Feldbach fahrt 
die Bahn in gerader Linie über die 1885 eröffnete Halte- 
stelle Lödersdorf dem Markte Fehring zu. Rechts im 
Thale Schloss Hainfeld, und weiterhin auf der Höhe Schloss 
Bertholdstein, links das Schlösschen Johnsdorf. Station 
Fehring, Markt. Hier zweigt die am 1. October 1885 eröffnete 
Bahn nach Fürstenfeld, im k. k. Staatsbahnbetrieb stehend, nord- 
östlich ab, während die ungarische Westbahn der Landesgrenze 
zueilt, die sie nahe dem Schlosse Hohenbrugg (links), Halte- 
stelle (1887 eröffnet), erreicht. Die nächste Station Jennerjs- 
dorf liegt schon in Ungarn; rechts erblickt man auf einejai 
Hügel die Kirche Maria Bild und weiterhin das schöne Schloss 
Neumarkt, worauf die Bahn an dem Denkmale zur Erinnerung 
der Schlacht von St. Götthardt, bei dem Dorfe Mogersdorf vorüber- 
ziehend, das Schlachtfeld durchquert, um bald hierauf den Markt 
St. Götthardt mit berühmter Cistercienser- Abtei zu erreichen. 
Wir lassen nun die Bahn weiter nach Ungarn gegen Steinam- 
anger ziehen und kehren nach dem Endpunkte der Wien- 
Aspang-Bahn zurück, um nun unsere eigentliche Wanderung 
durch die nordöstliche Steiermark von Friedberg aus zu be- 
ginnen. 






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4;+i|4^ 



Route I. Friedberg. 

A. Friedberg und Umgebung (Aspang-Friedberg). 

B. Der Wechsel und seine Anstiege. 

C. Friedberg-Hartberg. 
0. Friedberg-Vorau. 

E. (Friedberg) BeigUtel-Bruck-Mönnichwald-Waldbach-Wenigzell- 
St. Kathrein am Hauenstein-Krieglach. 



A. Priedberg und Umgebung. 

Gasthäuser: In Friedberg: „schwarzer Adler" mit 
6 Zimmern, „goldene Krone", Fleischhauerei, 4 Zimmer, „zum 
Hirschen", 1 Zimmer. Brauhaus mit Sitzgarten und Kegelbahn, 
städtische Schiessstätte mit Kegelbahn, Schweizerhaus , inPinggau: 
Prenner (Lederei), 4 Zimmer, Garten, Kegelbahn; Gassner, Fleisch- 
hauer, 6 Betten, „weisses Lamm", Fleischhauer, Post, 20 Betten; 
„zum Jäger", Fink, Sitzgarten. In Privathäusem Quartiere für 
40 Fremde. — Post- und Telegrafenstation in Friedberg. — 
Badeanstalt 15 Minuten südlich von Pinggau bei vulgo Steyer- 
hofermühle im Pinggaubach, 2 Bassins für fliessendes und stehendes 
Wasser, kalte und Warmbäder, 4 Kabinen, grosses Schwimmbassin, 
nett und rein gehalten. — Vereinswesen in Friedberg: Feuerwehr 
mit Kapelle, gegründet 1874, 60 Mitglieder; Verschönerungs- Verein, 
gegründet 1883, 60 Mitglieder; Ortsgruppe des Deutschen Schul- 
vereines, gegründet 1884, 30 Mitglieder; Scheiben schützen- Verein, 
gegründet 1885. In Pinggau: Feuerwehr, gegründet 1886, 40 Mit- 
glieder; Vorschusscasse, gegründet 1887. — Jahrmärkte: Lätari, 
25. Juli, Rosenkranz-Montag, Leopoldi-Montag. 

Postverkehr siehe letzte Seite des Buches. 

Friedberg, landesfürstliche Stadt mit 7 7 Häusern 
und 540 Einwohnern, 601 M. Seehöhe, und das Dorf Pinggau 
mit 75 Häusern und 517 Einwohnern, 529 M. Seeböhe, bilden 



— 63 ^ 

gleichsam einen Ort. Friedberg liegt am Abhänge des südöst- 
lichsten Ausläufers des Hilmberges, welcher gegen Südwest und 
Ost ziemlich steil abfällt, so dass man mit Ausnahme der nord- 
westlichen Seite, von allen Windgegenden, von wo man sich 
auch Friedberg nähert, zu diesem Städtchen steil hinansteigen 
muss, während das grosse schöne Dorf Pinggau am Pinggau- 
bache, östlich am Fusse jenes Hügelrückens, auf welchem 
Friedberg so freundlich gelagert ist, im Thalboden sich ausdehnt. 




Friedberg. 

Friedberg ist der Sitz eines k. k. Bezirksgerichtes sammt 
Steueramt, der Bezirksvertretung, des Bezirksschulrathes und 
einer Gemeindesparcasse. Volksschule dreiclassig. Es domicilirt 
hier ein Doctor der Medicin und ein Chirurg. Sehenswürdig die 
zweischiffige gothische Kirche, an welcher aussen zwei Römer- 
steine eingemauert sind, Seitenaltarbild mit aussergewöhnlicher 
Darstellung des heil. Sebastian (an ein Kreuz gebunden), schöner 
Weihbrunnkessel aus bei Schäfern gebrochenem Serpentin. Der 



— 64 — 

aus Quadern erbaute Thurm an der Westfront der Kirche ist 
uralt. Die lichte Länge der Kirche beträgt 31 M., die lichte 
Breite 9 M. Die Kirche, über deren Bau keinerlei urkundliche 
Nachrichten vorhanden sind, wurde aus der Pfarre Dechants- 
kirchen neugestiftet und im Jahre 1443 dem Stifte Vorau vom 
Erzbischof zu Salzburg P. T. Herrn von Emmersberg pleno jure 
einverleibt. Im Jahre 1682 brannte die Kirche ab und bei der 
Wiederherstellung derselben scheint die noch heute nicht be- 
hobene Verstümmelung des gothischen Baues durch Vermauening 
des spitzbogigen Fensters und barocke Umgestaltung der Altäre 
erfolgt zu sein. Vom alten Friedhof schöner Blick ins Pinggau- 
thal. Am Platze hübscher Brunnen mit dem Stadtwappen. Das 
ruhige kleine Städtchen, welches bisher in communaler wie 
touristischer Hinsicht nur sehr primitive Einrichtungen zeigte, 
beginnt sich in letzterer Zeit in Folge der Thätigkeit eines 
sehr rührigen Verschönerungsvereines in jeder Beziehung zu 
heben und zu verschönern, wie auch die in Ausführung be- 
griffene Hochdruck-Trink- und Nutz- Wasserleitung einem lang- 
gefühlten Bedürfnisse Rechnung trägt, so dass sich die Zahl 
der Wiener Gäste, die sich Friedberg und namentlich Pinggau 
zur Sommerfrische wählen, stets vermehrt. 

Pinggau am Pinggaubache, zwischen Hügeln einge- 
bettet, von den von Friedberg nach Aspang und Pinkafeld 
führenden Strassen durchzogen, ist Wallfahrtsort und der Sitz 
einer nicht unbedeutenden Industrie, wodurch ein lebhafter Ver- 
kehr geschaffen wird. Die Industrie umfasst drei Loden- und 
Kotzenwerkstätten mit 3 , Meistern und 40 Arbeitern, eine 
Bretter- und Foumiersäge und die allgemeine Verarbeitung des 
Holzes zu Weingartstöcken, Schindeln und namentlich Schaffein, 
und besteht im zur Gemeinde Pinggau gehörigen Dorfe Sinners- 
dorf, einer seit Jahrhunderten von Oesterreich und Ungarn hart 
lunstrittenen steirischen Enklave im ungarischen Gebiete, eine 
grosse Schaffelbinderei. Sehenswürdig die 1573 erbaute Wall- 
fahrtskirche Maria-Hasel (Maria in der Haselstaude). 

Die ersten Nachrichten über die Entstehung Friedbergs gibt 
uns der anonyme Leobner Chronist, welcher zum Jahre 1194 meldet, 
dass Friedberg vom Lösegelde Eichard Löwenherz erbaut wurde. 



— 65 — 

(Postea statim Nova civitas et Fridberch aedificataie et inunitae et 
circumvallatae sunt.) Nun ist es urkundlich erwiesen, dass Herzog 
Leopold wirklich 1194 zu Fischa in der Püttener Mark eine Mini- 
sterialen-Versammlung hielt, in der über die Erbauung Wiener-Neu- 
stadts berathen wurde. 

Die landesfiirstliche Grenzveste Fridberg ist also circa 
1194 zu bauen begonnen worden. Die erste Erwähnung eines fürst- 
lichen Castellans daselbst macht die Vorauer Chronik, die über die 
Schädigungen klagt, die das Stift in den letzten Regierungsjahreh 
Friedrichs des Streitbaren und nach dem Tode desselben 1246 von 
Wulfing von Fridberg und Anderen erlitten hatte. Alle die Herren 
von Fridberg, die Lazius, Caesar etc., vor diesem Wulfing anführen, 
waren nicht auf unserem Fridberg sesshaft, sondern gehörten dem 
Adelsgeschl echte derer von Vriberch (auch Friberc) bei St. Veit in 
Kärnten an, welche allerdings schon im 12. Jahrhundert in steier- 
märkischen Urkunden erscheinen. Fridberg in Steiermark war nie 
der Sitz eines gleichnamigen Geschlechtes. Die Burg gab den 
Kernpunkt ab, um den sich allmälig schutzbedürftige Ansiedler, die 
Bürger, ihre Wohnstätten bauten — es entstand der Burgflecken 
Fridberg. Diesem begegnen wir urkundlich zum erstenmale in einem 
Vertrage, in welchem Conrad, der Castellan von Fridberg, seine 
Gattin Hadmud und seine Kinder Conrad, Dietrich, Luitpold und 
Agnes dem Stifte einen Mansus in Schelleborn übergeben, theils als 
Seelgeräthe, theils als Entschädigung für Besitzungen, welche Vorau 
„usque ad.crucem penes castrum superioris Fridberg" (Ober-Fried- 
berg) besessen. Die Urkunde ist vom 28. Februar 1252 datirt. Unter 
den Zeugen erscheint zum erstenmal ein Pfarrer von Fridberg : Ulricus, 
und der Richter: Erhardus Pes judex civitatis. Bei dem Worte 
„civitas" an eine Stadt in unserem modernen Sinne zu denken, iHt 
keineswegs nöthig. Civitas ist im 12. und 13. Jahrhundert der Ge- 
meinbegriff für einen grösseren geschlossenen Ort — Burgflecken, 
wie oben angedeutet wurde. Das Stadtwappen von Fridberg, zwei 
sich umschlingende Hände, haben Manche verleitet, in Fridberg einen 
mons pacis, eine Stätte zu suchen, die nach einem dort gemachten 
Friedensschlüsse (mit Ungarn) so benannt worden sei. Das gehört 
natürlich in das Gebiet der Fabel, denn Fridberg hat mjt unserem 
neuhochdeutschen Frieden ebenso wenig gemein, wie Fridhof, Fridau, 
Fridland u. s. w. Das Praefix kommt vom althochdeutschen frit, 
frid, d. i. Schutz, und bedeutet in Verbindung mit obigen Suffixen 
ein durch Umgrenzung geschütztes und Schutz bietendes Territorium. 
Das erwähnte Stadtwappen ist ein sogenanntes redendes, welches 
gelegentlich einer- späteren Wappenverleihung (wohl erst im 14. oder 
15. Jahrhundert) ein phantasievoller Wappenherold aus dem Namens- 
kiauge der Stadt construirte. 

Friedberg hatte zwei stattliche, innerhalb einer Mauer liegende 
Schlösser, nördlich der Stadt, Ober- und Unter-Friedberg genannt, 



— 66 — 

drei bewehrte Thore, das Grazer, Wiener und Ungar-Thor, und war 
überdies südöstlich durch den sogenannten Aichbergerthurm geschützt 
welcher Thurm landesfürstliches Lehen war. Hart an der ungarischen 
•Grenze gelegen, war Friedberg den verheerenden Einfällen und Raub- 
zügen der Türken, ungarischen Malcontenten und Kuruzzen in erster 
Linie ausgesetzt, und blieb bis heute das „aime, kleine Greozstädtl'*, 
als welches sich Friedberg im 16. und 17. Jahrhundert so oft an 
die steirische Landschaft um Wehr und Waffen oder um Nachsicht 
rückständiger Steuern bittlich wandte. Das Schloss zu Friedberg kam 
gegen Ende des 15. Jahrhunderts an die Ferner von Schachen, Dietrich- 
stein, Heimb, Montfort und endlich an die Rindscheid, die 1599 das 
Schloss theilten; 1600 kaufte Rupert von Saurau das Obere Schloss und 
1635 kamen beide Schlösser an das Stift Voran. Beide Schlösser, die 
auf der Vischer'schen Ansicht von 1681 noch vollkommen erhalten 
erscheinen, derzeit aber nahezu spurlos verschwunden sind, wurden ak 
Baumaterial den durch die Brände von 1682 und den Kuruzzen-Einfall 
von 1708 arg geschädigten Bürgern vom Stifte Voran überlassen, die 
damit den grössten Theil ihrer Stadt wieder neu aufbanten. 

Geschichtliche Daten: Anfangs des 16. Jahrhundertes 
breitete sich die lutherische Lehre rasch über die Steiermark aus 
und griff auch in der Friedberger Pfarre stark um sich, da anch 
die Dietrichstein zu Thalberg, die Steinpeiss auf Eichberg, die Rind- 
scheid auf Friedberg, die Rindsmaul zu Bärnegg und die Saurau auf 
Festenburg der neuen Lehre zugethan waren, die sich trotz der strengen 
Verfolgung durch die Commissäre der Gegenreformation bis in die 
Mitte des 17. Jahrhunderts hier im Geheimen erhielt. 1529 brannte 
ein türkisches Streifcorps die Kirchen zu Friedberg und St. Lorenzen 
nieder. 1582 litt die nordöstliche Steiermark viel durch deu grossen 
Türkeneinfall unter Suleimann, der in der Nähe Friedbergs sein 
Lager aufgeschlagen hatte. Die Kirchen zu Dechantskirchen, St. Lo- 
renzen, dann Grafendorf, Kirchberg und Pischelsdorf wurden nieder- 
gebrannt. Die Niederbrennung der Kirche zu Friedberg geschah nach 
dem osmanischen Historienschreiber am 7. September (Svafen) umi 
wird von ihm in nachstehender Weise erzählt: „Nachdem nun be- 
schlossen worden, die welterobernden Fahnen in diese Gegend zo 
tragen, schlug der glorreichste Kaiser (dessen Regierung ewig dauern 
möge) am 7. Safer sein glückliches Gezelt nahe dem Schlosse und der 
Kirche Friedberg auf. Da die darin eingeschlossenen, zur Hölle be- 
stimmten Ungläubigen sich zu unterwerfen weigerten, liefen einige 
löwenmuthige Tapfere ohne Verzug Sturm, verbrannten in einem 
Augenblicke die Thore, opferten die Höllenhunde dem Säbel und 
reinigten den Ort von ihren Körpern." 

Auch Schloss Reitenau wurde damals verbrannt. Dagegen 
scheint Friedberg durch die Einfälle der ungarischen Malcontenten 
und türkischen Freibeuter in den Jahren 1605 und 1621 nicht ge- 
litten zu haben. 1634 starben 23 Einwohner an der Pest. 1644 



— 67 - 

starben abermals 141 Personen an der Pest in der Pfarre Friedberg, 
und scheint bald darauf die Stadt durch eine Feuersbrunst geschädigt 
worden zu sein. In der zweiten Hälfte des 17, Jahrhunderts war in 
Friedberg wiederholt Militär einquartiert, so die Regimenter Rauschen- 
berg (1649), Khielmanssegg (1665), Tschaky (1663), Neheimb (1682), 
Herberstein (1695). 1682 brennen 11 Häuser, die Kirche und das 
Schulhaus ab. 

Die Türken und Kuruzzen, die in den Jahren 1683, 1704 
und 1707 die nordöstliche Steiermark verheerten, schienen sich nicht 
an Friedberg selbst herangewagt zu haben. 

Eichberg und Klaffenau wurden dagegen zerstört und nament- 
lich Dechantskirchen wiederholt niedergebrannt. Dagegen wurde beim 
letzten Kuruzzen-Einfall unter Anton Eszterhäzy in die Steiermark, 
1708, Friedberg von ihnen bestürmt Die Bevölkerung der Pfarre 
flüchtete in das Schloss Ober-Friedberg und machte von hier aus 
einen erfolgreichen Ausfall, bei welchem viele Gefangene gemacht 
und Pferde erbeutet wurden. Vom 29. October 1765 bis 1784 war 
Aquilin Julius Caesar, der bekannte steiermärkischeGescbichtsschreiber, 
bier Stadtpfarrer. Am 21. October 1795 (ürsulatag) brennt Friedberg 
bis auf 14 Häuser ab. 1805 wird Friedberg von den französischen 
Truppen mit Contribution belegt. 1809 finden von Juni bis October 
Durchmärsche französischer Truppen statt. 1837 wurde an der West- 
seite der Pfarrkirche ein im Linngraben gefundener Römerstein ein- 
gemauert. Er zeigt das Brustbild einer jungen Frau, die Bulle in 
der Rechten, in der Linken die Chlamys haltend, und die Inschrift: 
•Optima Lucani an XXV. Das alte landesfürstliche Städtchen hatte 
nicht wenig wichtige Rechte und Privilegien, bis 1587 die Bürger an 
Herrn Andreas Eberhard Rauber auf Thalberg das Landgericht, 
Wildbann, zwei Theile Getreide-Zehent, das Fischwasser in der 
Pinggau und im Tanchenbach, sowie vier Mauthstätten verkauften. 
Damals kam auch das Hochgericht, welches auf jenem Hügel ausser 
Friedberg stand, der heute noch Galgenbüchel heisst, nach Thalberg. 

Der wichtigste Erwerbszweig der Bürger von Friedberg 
war gleich jener zu Pöllau und Vorau die Tuchweberei, und 
lebten noch um das Jahr 1750 herum in dem Städtchen 
von 70 Häusern nicht weniger wie 27 Tuchmachermeister, die 
insbesonders für das Militär Tuch lieferten. Sie hatten eine 
eigene Plandwerksordnung, die urkundlich zuerst anlässlich der 
Bestätigung der 25 Artikel durch Erzherzog Ferdinand IL 
im Jahre 1603 erwähnt wird. Diese Handwerksordnung wurde 
hierauf in 30 Artikeln vom Kaiser Leopold L am 4. Juli 1661, 
Josef L am 10. Februar 1706, Carl VL am 22. September 
1714 und Maria Theresia am 27. October 1742 bestätigt. 

5* 



— .68 — 

Promenaden vbn Friedberg und Pihggau. 

1. Nächste und lohnendste Promenade eben zur bürger- 
lichen Schiesst ätte mit Schweizerhaus und Kegelstätte, 
in 5 Minuten, prächtige Aussicht nach Süden über ein Meer 
von Hügeln bis zur tliegersburg und den Gleichenberger Kogeln 
(dreimal die Woche auch. Restauration, Sonntags Scheiben- 
schiessen) ; von hier weiter in tief eingeschnittener schattiger 
Waldschlucht, den Bärengraben aufwärts (überall Ruhebänke; 
bis zürn Bassin der Wasserleitung, dann noch etwas höher 
hinauf und rechts durch einen Fichtenwald zurück zum „alten 
Schlössl", von wo sich eine wundervolle Femsicht nach Ungarn. 
Rothenthurmschloss , Pinkafeld etc., dann Hartberg, (Thurra- 
spitze), Ring, Masenberg, JDechantskirchen, Eichberg, Riegers- 
burg bis Untersteier erschliesst. Von hier in 10 Minuten wieder 
nach Friedberg hinab, im Ganzen eine Stunde, 

2. Durch den Bären graben auf die Büheln ^J^ Stunden. 
Aussicht bis nach Yorau. 

3. Nach Pinggau längs des Waldes hinab ^j^ Stunde. 

4. Durch den P f a r r e r w a 1 d zur Pinggau, das 
Thal hinauf bis zum Zusammenflusse . zweier Quellbäche der 
Pinggau, rechts hinein wildromantische Klamm, reizender Ein- 
gang. Rechts eine kleine Mühle mit über, einer Wehre schäu- 
mendem Wasser, links und rechts hoher alter Wald, Von hier 
auf schönem, schattigem Waldweg (Mäuserlstillwald) an der 
entgegengesetzten Berglehne aufwärts zum alten Schlössl und 
von hier nach Friedberg 2 Stunden. 



Ausflüge für einen halben Tag. 

1. Zum „Guten", alleinstehendes Wirthshaus, schöne 
Aussicht, Weg eben, doch sonnig, über Felder, 1 yj^ Stunden 
hin und zurück.. 

. 2. Nach Ehrenschachen, ein Weg roth, ein Weg blan 
martert; sehr schöne Wege durch Wiesen, Wald und Auen. 
Wirthshaus \ jnit Kegelbahn, In ^Ehrenschachen Spuren des 



— 69 - 

Schlosses Ehrenschabhen. Rückweg eventuell über den ^Guten", 
1 y4 Stunden. : ^ 

3. Nach Stegershach und Dechahtskirchen längs 
der Fahrstrasse nach Hartberg, hin und zurück 2 Stunden. 
. 4. Nach dem Dorfe Schwaighof hinauf; Weg roth inar- 
kirt,' Bauernwirthshaus, schöne Aussicht, 1 y2 Stünden hin. 

5 . Nach S i n n e r s d r f ♦ steirische Enclave in Ungarn, . 
3 Wirthshäuser, 2 Stunden hin und zurück. 

Tagespartien. 

1. Ueber Sparberegg, Götzendorf nach Gschaid 
in Niederösterreich, 2 Stunden. Wirthshaus niit schöner Aus- 
sicht nach Ungarn. 

2. Nach Pinkafeld, grosser Markt in Ungarn. Gast- 
hänser: „Traube", „grüner Baum**, entweder über die Fahr- 
strasse oder bei trockenem Wetter durch die Wälder hin und' 
zurück 4 Stunden. 

3. Nach St. Lorenzen über Schwaighof,' weiss-roth' 
markirt, Feld- und Waldweg über Hügel und Thäler,. schöne 
Aussicht, 2 Stunden, zurück über Stegersbach (nicht märkirt), 
2 1/2 Stunden. / 

4. Nach.Aspang. Durch die Tauchen, roth markirt, 
zuletzt blaue Marke, 3^2 Stunden nach Asp^ng und zurück 
über Mönichkirchen (Aspang-Mönichkirchen) blaue Marke. 

5. Ueber Pinkafeld nach dem Bade Tatzmansdprf 
und zurück nur mit Wagen. 

6. Friedberg - Schaff ern. Von Friedberg über. 
Piiaggau auf blau markirtem Weg über Hügeln durch Wald 
und Flur mit reizenden Ausblicken nach Schäffern, 1 y2 Stunden, 
und von hier längs des Schäffernbaches durch die Elsenau über 
Schloss Bämegg, zurück nach Friedberg 2y2 Stunden. Auch; 
als Eintrittsroute oder als Ausflug von Aspang sehr empfeh- 
lenswerth, insbesondere für Jene, welche, die staubige Land- 
strasse vermieiden wollen. Weg, meist Bezirksstrasse, weiss-.' 



{ 



— 70 - 

roth markirt, 2^2 Stunden von Aspang, führt anfangs durch 
ein schönes Waldthal, später über Wiesen und Kornfelder zur 
Sattelhöhe, schöner Ausblick auf die umliegenden hochbebauten 
Berge, nun hinab in's Schäffernthal durch stattlichen Hochwald, 
bis man aus freundlichen Obstculturen hervorschauend, das 
schmucke Pfarrdörflein Schäffern erblickt. (Siehe Seite 71). 

Gasthäuser: Spitzer und Gruber, beide mit Fremden- 
zimmern. Einfach, doch gut und billig. 

Das freundliche Gebirgsdorf im Thale der Elsenau am 
Schäffernbache, südlich des Fuchsriegels, sehr anmuthig gelegen, 
hat 19 meist aus Stein gebaute Häuser, die sich um das 
schmucke Pfarrkirchlein gruppiren. Die innen und aussen gleich 
sauber gehaltene Kirche, 1777: — 78 in einfacher Kreuzform 
erbaut, hält sich frei von greller Bemalung und verwirrender 
Ueberladung und wird dadurch ein Muster guten Geschmackes 
einer Dprfkirche. Sie hat drei Altäre, wovon der linke Seitenaltar 
reizende geflügelte Engelsköpfchen zeigt. Das Altarbild (hl. Petrus 
und Paulus) und die hl. Familie sind gute Arbeiten des Grazer 
Malers P. C. Laubmann. Die schöne lebensgrosse Statue des 
Johann Nep. wurde 1750 geschnitzt. Die prächtige Orgel hat 
15 Register. Beachtenswerth auch die schöne Pflasterung der 
Kirche. Aussen an der Kirche sind 9 vom Pfarrer Herrn Schänzl 
aus der alten Nicolauskirche beim Schlosse Bärnegg gerettete 
Grabsteine, aus Serpentin gemeisselt, eingemauert, darunter jener 
des letzten Perner, mit nachstehender Inschrift: „Hie leut be- 
graben der wol geborn Herr Nicolaus Perner, Herr zu Pemegk 
in der Elsenau, der lest des Namens, ist gestorb. am 6. Tag 
Novembris A. 1550.** Die übrigen Grabsteine betreifen meist 
die Familie Rindsmaul. Herr Pfarrer Schänzl, weit bekannt 
als Dialectdichter, hat sieh nicht nur durch die Verfassung 
der in ihrer Art wohl einzig dastehenden drei Folidbände 
umfassenden Pfarrchronik, welche eine erschöpfende Darstellung 
der Sitten und Gebräuche des Volkes enthält, in der Cultur- 
geschichte der Steiermark einen Ehrenplatz gesichert, sondern 
er hat sich auch durch die ohne Hilfe der Gemeinde bewirkte 
Erbauung eines zweckmässig eingerichteten Pfarrarmenhauses, 
in den Herzen der Armen und Elenden, welchen damit in den 



— 71 — 

Tagen des Alters eine menschenwürdige Heimstätte gesichert 
wurde, ein unvergängliches Denkmal gesetzt. 







VonSchäffern führen zwei Wege nach Friedberg. 
Der nähere folgt der blauen Marke und führt über Hügel und 
Hochflächen in das Thal der Pinggau, während der weitere dem 



— 72 — 

Schäffernbaclie entlang durch die Elsenau über Schloss Bärnegg 
auf Umwegen nach Pinggaü führt. Diesen letzteren einschlagend, 
folgen wir 30 Minuten der Strasse (Holzsäge), und schlagen hundert 
Schritte hierauf rechts den anfangs eben hinziehenden Wiesen- 
fahrweg ein. Nach 15 Minuten steigt der Weg allraälig durch 
schattigen Buchwald hoch hinan, bis man nach 20 Minuten 
rechts das steil abfallende Schloss Bärnegg, nahezu schon 
ganz vom Wald umwachsen, erblickt, während links aus Waldes- 
dunkel die Ruinen der Nikolauskirche gespenstig heraufleuchten. 
Endlich stehen wir vor den morschen Thoren dieser sterbenden 
Burgveste, welche heute überall das Bild des Verfalles zeigt. 
Wie die einst so herrlichen, im harten Frohndienste geschaffenen 
Lustgärten von Wald und Gestrüpp umwuchert sind, so ist 
auch im Schlosshofe die verrostete Brunnenlaube von Unkraut 
umwachsen, der Brunnen versiegt und das Gemäuer zerklüftet 
und geborsten. Morituri, morituri. 

Die Erbauer und ersten Besitzer waren die Herren v. Ferner, 
deren Erster den Besitz vom Kaiser für treu geleistete Dienste er- 
halten haben soll. Ein Heinrich v. Ferner kommt schon 1347 vor. 
Nacb dem Aussterben dieses Geschlechtes, 1550, kam Bärnegg dui-cli 
Erbschaft und Kauf an das Geschlecht der Ritter, später Grafen von 
Rindsmaul zu Frauhaimb und von diesem Geschlechte, 1798 durch 
Kauf an den Grazer Advocaten Ignaz Holler, vom ihm auf dessen 
erblindete Shhwiegertochter Rosalia, geb. Kiendler, welche daselbst 
am 28. December 1879 starb und Bärnegg ihrer Nichte, Fräulein 
Rosalia Kiendler, vererbte. 

Riesen sollen das Schloss getragen und damit auf dem 
heutigen Platze gerastet haben, konnten es aber sodann nicht 
mehr fortbringen. Das mit Schindeln gedeckte, ein Stock hohe 
Schloss, bildet ein längliches geschlossenes Viereck, an dessen 
Südseite ein kleiner ürthurm angebracht ist. Ein Vorbau 
bildet mit dem Hauptgebäude einen kleinen Hof. Halbrande 
Thürme erinnern noch an die Wehrbauten der Burgveste. Die 
gut erhaltene Kapelle zeigt noch schönes Schnitzwerk und die 
Jahreszahlen 1703 und 1752. Rechts vom Eingang des Schlosses 
die uralte Schlossküche mit offenem Herd. Von der Halle fuhrt 
eine breite Treppe in das erste Stockwerk, prächtige Balln- 
strade aus Eichenholz, alte Truhe von 1561, mit den ge- 
malten Wappen der Eggenberg und Rindsmaul. Von den übri- 



— Ta- 
gen, nur theilweise mehr bewohnbaren Räumen des Schlosses 
erwähnenswerth : der Rittersaal mit schön getäfeltem Plafond, 
das Grafen-, Pfaffen- und Zwergzimmer und insbesonders die 
Bibliothek, die heute noch in 8 Kästen 993 Werke in 2387 
Bänden zählt. Das älteste Werk ist von Polydor Tirgüius 
Urhinus: de ini}entaribus rerum, Strassburg 1512. Der älteste 
Kalender von 1557, Wien. Seltene alte Pergamenturkunden 
wurden vielfach für Dunstobst - Einsiedgläser verwendet* In 
ihrem traurigen Zustande gibt aber immerhin noch diese 
Bibliothek ein beredtes Zeugnis, wie früher auf den Schlössern 
Künste und Wissenschaften gepflegt wui'den. Ausser dem Schlosse 
in dem gegen das Thal der Elsenau niederziehenden Wald 
liegen, wie erwähnt, die Ruinen der Nicolauskirche, welche 
eine Gruft hatte, in welcher die Besitzer der Burg beigesetzt 
wurden. Auch die Einsiedelei des Schlosses, deren Klausner 
die kranken Unterthanen mit heilkräftigen Kräutern zu ver- 
sehen hatte, ist dem allseitig vordringenden Walde zum Opfer 
gefallen, und bietet die einst so stolze Yeste heute überall 
nur das Bild gesunkener Macht und Grösse. Vom Schlosse 
folgen wir einem der vielen in das Thal ziehenden FussWege 
und erreichen bald wieder die Strasse, die wir noch 30 Mi- 
nuten längs des Schäffernbaches verfolgen, worauf wir die 
grosse von Ungarn nach Pinggau führende Strasse erreichen, 
auf welcher wir in einer Stunde das uns von der Höhe ent- 
gegenschauende Städtchen Friedberg erreichen. 



B. Der Wechsel und seine Anstiege. 

Der Wechsel, das Ostkap der deutschen Centralalpen, 
bildet die nordwestliche und nördliche Grenze der Steiermark 
gegen Niederösterreich in seiner ganzen Länge von circa 
25 Kilometer, und die sanft gewellte Contur seines lang- 
gestreckten Rückens begrenzt nördlich den Horizont von nahezu 
sämmtlichen Höhen unseres Reisegebietes. Der Zug des Wechsels 
beginnt in Fortsetzung des Stuhleckes und der beiden PfafFeii 
mit dem den grossen Pfaffen mit dem Wechsel verbindenden 



— 74 — 

Sattelberg, streicht sodann östlich zum Rabenkropf, um von 
hier, sich stark südwestlich wendend, über das Scböberl, Weisseck 
Kogel, Umschuss zum Hochwechsel, 1738 M., hinanzusteigeii, 
von wo er allmählich, eine rein östliche Richtung nehmend» 
zum Niederwechsel und über die steinerne Stiege, und Mönich- 
kirchen gegen die ungarische Grenze (Dreiländergren^e) sich 
ziemlich jäh niedersenkt. Der erste, wichtige Knotenpunkt des 
Wechselzuges ist bei der nördlich, von dem Weisseckkogel 
in Niederösterreich liegenden Kranichberger-Schwaig, von wo 
ein Zweig zum Sonnenwendstein, ein zweiter zum „Alpel" und 
Saurücken, und ein dritter zum Kampstein streicht, während der 
Hauptzug sich südöstlich fortsetzt. Weiters zweigen vom Hauptzug 
von der Höhe des Umschuss gegen Süd -West der Sauriegel 
und vom Hochwechsel der kurze Edelriegel und gegen Südwest 
die Laschhütteu und grosse Steinwand zum Blasenberg ab. Dea 
nächsten Knotenpunkt bildet der Niederwechsel, der zuerst 
gegen Süd den Hinterberg und liierauf den Irrkogel entsendet, 
welcher sich zuletzt wieder westlich in den Lorenz-Kogel und 
östlich in den Hilmberg spaltet. Die letzten Seitenzüge des 
Wechsels strählen von der steinernen Stiege nordöstlich gegen 
Aspang aus. Der ganze Wechselzug ist bis auf die Höhe von circa 
1580 M. dicht bewaldet, worauf sich unmittelbar, den ganzen 
breiten Rücken bedeckend, herrliche Alpenmatten anschliessen, nur 
selten unterbrochen von treppenartig aufragenden oder chaotisch 
auf einander gethürmten riesigen Felsblöcken, von den Berglern 
des Teufels Wirthschaft genannt, bei welchen der gigantische 
Bau des Urgebirges in grossartiger Weise zu Tage tritt. 

De.r Hauptstock des Wechsels besteht aus tneist krystal- 
linischem Schiefer, und zwar besonders aus Gneis, ausserdem 
kommt vereinzelt Hornblende, Talkschiefer, Gloritschiefer, 
Serpentin, Feldspath, Grauwackenschiefer, Eisenerz, Schwefel- 
kies und silberhaltiges Blei vor. 

Entbehrt auch der Urgebirgscharakter des Wechselzuges der 
fantastischen Scenerien der Kalkalpen, so beleben doch anderer- 
seits die dem Kalkgebirge meist fehlenden zahlreichen mächtigen 
Wasseradern, die von allen Seiten dem Wechsel entspringen nnd 
in tief eingeschnittenen wildromantischen Waldschluchten schau- 



— 75 — 

inend and tosend dem Thale ssojageu, in schönster Weise die 
Wechsellandschaften. Ohne Rivalen naqh Nord, Süd und Ost, bildet 
der Höhenzug des Wechsels eine Reihe nahezu unbegrenzter Fern- 
sichten, und die^ nahezu vierstündige mühelose Wandcrupg über 
seine herrlichen Alpenmatten gewährt einen harmonischen Natur- 
genoss, wie ihn kaum ein anderer Gebirgszug der Alpen in 
diesem Masse zu bieten vermag. 

Die wichtigsten Schwaigen (Sennereien) sind: 
Auf österreichischer Seite: 1. Steyersberger Schwaig, 
10 Betten; 2. Kranichberger Schwaig, vorzüglich ein- 
gerichtet, 12- Betten. Auf steirischer Seite: 1. Vorauer 
Knhschwaig, 3 Betten; 2. Thalberger Sch.waig, 
2 — 3 Betten; beide Schwaigen einfach, aber gut und billig. 
Bei allen diesen Schwaigen Grastwirthschaft mit Nachtquartier. 
Ausserdem noch mehrere Schwaigen, jedoch ohne Unterkunft und 
Gastwirthschaft. Alle vorher genannten Schwaigen sind durch 
einen gelb markirten Weg mit einander verbunden. 

Wechselaufstiege 

a) von österreichischer Seite. 

I. Von Kirchberg: 

1 . rothe Markirung über den Kreuzbauer und das Gemein- 
kreuz zur Steyersberger und Kranichberger Schwaig zur Pyramide 
(4 Stunden) ; 

2. gelbe Markirung (zuletzt roth) durch den Molzgraben 
zu vulgo Moser's Meierhof und von hier direct zur Steyers- 
berger Schwaig 3 Stunden, von hier über die Kranichberger 
Schwaig zur Pyramide 2 7^ Stunden. 

II. VonAspang: 

1. durch die romantische „grosse Klause^ Strasse nach 
Mariensee (auch zu Wagen) 2 Stunden, von hier a) auf weiss- 
blau-weiss markirtem Weg zur Aspanger Schwaig 1 y^ Stunden 
und zur .Pyramide y^ Stunden; h) oder zur Kranichberger 
Schwaig, gleichfalls weiss-blau- weiss markirterWeg, 2^^ Stunden, 
weiter zur Pyramide (weiss-roth-weiss markirt) l^/j Stunden. 
Der Weg, anfangs ^eiss-blau-weiss markirt, theilt sich in circa 



— 76 — 

2Ö'Mmxiten nach iMariensee, und zwar zweigt links der Weg 
zur Aspanger Sehwaig ab, während der andere Weg sich zur 
Kranichbefger Sehwaig fortsetzt; 

2. über Mönichkirchen, 2 Stunden von Aspang zu Fuss 
odör zu Wägen, 1. weiss-blau-weiss markirt, über die Eckel- 
baueralm zur Vorauer Euhschwaig, 2 Stunden, und von hier 
auf den Hochwechsel 1 ^j^ Stunden ; 2* weiss-roth-weiss markirt 
über die steinerne Stiege X^J^ Stunden auf den Niederwechsel, 
1 Stande, und von hier auf den Hochwechsel ^[^ Stunden. 

h) von der steirischen Seite. 
I. Von Friedberg: 

1. rothe Markirung durch den Koglgraben zur Thalberger 
Sehwaig, 2y2 Stunden, wenig Aussicht; 

2. blaue Markirung auf dem Hilmberg, 2 Stunden, von 
wo sich eine entzückende Aussicht über die Thaler der Liafnitz 
und der Pinggau erschliesst, von der Hilm zur Thalberger 
Sehwaig 1 Stunde und von hier zur Vorauer Sehwaig 1 1/4 Stunden 
(Marke weis-gelb) und von der Vorauer Sehwaig zum Hoch- 
wechsel 1 Yj Stunden, 

3 . weiss-orange markirt, über das Hilmthor zur Thalberger 
Sehwaig 2 y2 Stunden, wenig Aussicht, doch bequemster Weg. 

Bestö Art der Wechselpartie von Friedberg aus: 
Entweder früh fort über die Hilm zur Thalberger 
Sehwaig 3 Stunden,. von hier zur Vorauer Kuhschwaig 1 Stunde 
uüd über den Hochwechsel zur Kranichberger Sehwaig 3 Stünden, 
und nächsteh Tag zurück über Mönichkirchen ; oder Nachmittags 
fort zur Vorauer Sehwaig 3 y4 Stunden, Nachtquartier, morgens 
Sonnenaufgang am Stein wandel, südlich vom Niederwechsel, 
dann zur Pyramide zurück nach Friödberg 5 Stunden.- 

Untier allen Umständen sollte die Hilmpartie gemacht 
werden, da sie die schönste Fern&icht gewährt, und zwar durch 
den Koglergraben zur Thalbergeir Sehwaig und Nachmittags 
über die Hilm nach Friedberg in circa 5 ^j^ Stunden. 

n. Von Beigütel über St. Lorenzen zur Thal- 
berger Sehwaig, weis s-rothe Markirung, anfangs steil, später 
angenehm, bei jedem Schritt erweiterte Aussicht, der Schocke], 



- 77 — 

Kulm, Riegersburg, Koralpe, die Berge des Mur-. und Mfirz- 
thales werden sichtbar ; 2 y>i Stunden. Von der Thalberge^r 
Schwaig zur Pyramide, siehe oben. 

IIL Von Brück an der Lafnitz über Festenburg 
am Wechsel, blau- weisse Markirung, 3 Stunden zuj? Vorauer 
Schwaig, 4 starke Stunden zum Hochwechsel (via Brück), 
bequemer Anstieg. , 

IV. Von Mönichwald an der Lafnitz: 

a) über Dörfl und Laschhütten. Hinan „zum Pörfl", 
Gruppe von vier Bauernhöfen, Fahrweg y^ Stunden, dann 
zwischen den Höfen vulgo Luibl und Stindl „unter der Alm** 
hindurch gegen den Spitzbauerhof 1 Stunde, nun durqh Jung- 
wald auf oft steinigem Fahrweg stetig aufwärts zu einem Kreuz 
(Holzschlag), wo der zweite Weg von Mönichwald heraufkommt, 
endlich erreicht man den schönen freien Alpenboden der Gmein- 
eben, wo auch der Waldbacher Wechselweg heraufkommt; von 
hier weiss -braun bis zum Hochwechsel markirt, bei dem Rabl- 
Kreuz vorbei über die schöne Pedlwiese und auf der Schneide 
der Laschhtitten bis zur Steinwand fort, hier theilt sich der 
Weg, und zwar führt der eine rechts an ihrer südlichen Lehne 
zur Vorauer Schwaig, der andere jedoch zieht links am west- 
Heben Hang der Steinwand, beim Noibauer-Brunn vorbei am 
westlichen Abhänge des Hoch wechseis hin, übersetzt denGebirgs- 
kämm und führt zur Kranichberger Schwaig. Es existirt kein 
directer Weg von der Steinwand zur Pyramide, daher man 
rechts oder links gegen den Kamm ansteigen und auf dem- 
selben hin der Pyramide zugehen muss. Im Ganzen von Mönich- 
wald bis zur Pyramide syj — 4 Stunden. 

})) über Harmtodt und Laschhütten. Etwas näher aber 
steiler wie der vorgenannte Weg. Man hält sich ober Mönich- 
wald rechts an den Höfen Michl im Hof, Franz im Kiegl und 
Harmtodt durch den Breinwald zur Gemeineben, und von hier 
weiss-braun markirt weiter wie oben circa 3 — 3V2 Stunden 
zur Pyramide. 

V. Von Waldbach an der Lafnitz: 

a) weiss - grüne Markirung den Waldbach hinauf zur 
„Kumpfmühle**, sodann zum ;,alten Rohnbauer^ bis zum „Ra.bl- 



— 78 — 

Kreuz" auf der Gmeineben. Von hier weiss-braune Markirung 
zum HöchwechseL 

hj blau-rothe Markirung von der Kumpfmüble über Breiten- 
brunn auf die Geraeineben. Weiter zum Hochwechsd siebe Auf- 
stieg von Mönichwald, 4 Stunden im Ganzen. 

YI. Von Rettenegg: 

aj durch den Feistritzgraben auf ziemlich gut erhaltener 
Strasse, am „Kropf bründl" und Schulhans vorbei zum Hof er 
Wir ths haus und Kranichberger Forsthaus und weiter zum 
Sattelkreuz, 2 Stunden von hier weiss-roth markirt zur Kranich- 
berger Schwaig und Hochwechsel 2^2 Stunden; 

h) durch den Feistritzgraben direct auf den Wechsel, 
Anfangs gleichfalls den Feistritzgraben hinauf bis zur Ein- 
mündung des Muttiergrabens rechts „zur eisernen Hand*', 
prächtiges Försterhaus, nun den Mutlergraben aufwärts bis 
zur Thalspaltung; hier links über den Höllbach und den 
Rücken des Edelriegels auf gut kennbarem Pfad hinan durch 
dichten Tannenwald, später durch Jungholz und zuletzt durch 
einen majestätischen Urwald, den sogenannten Zwickelwald, 
der ein wunderbar erhabenes Bild des Webens der Natur, 
unentweiht durch Menschenhand, gibt; dem Urwald folgt ein 
Holzschlag, über welchen man ziemlich steil pfadlos zum 
Wechselkamm emporklimmen muss. Pyramide erst zuletzt 
sichtbar. Rettenegg, eiserne Hand, eine starke Stunde, von 
hier zur Pyramide 2 Stunden. 

VII. S teinhaus- Fr öschnitzgraben- Sattelkreuz - 
Kranichberger Schwaig-Hochwechsel. Durch das Frösch- 
nitzthal zum Schmied (Buchegger) 1 ^2 Stunden, von hier links 
zur Fallthür ^^ Stunden, und zum Sattelkreuz wieder % Stunden, 
von hier zur Kranichberger Schwaig 1 Stunde und weiter zum 
Wechsel Pyramide 1 ^^ Stunden ; somit von Steinhaus im 
Ganzen 5 ^/^ Stunden, durchwegs bis zur Kranichberger Schwaig 
Fahrweg. 

Aussicht vom Hochwechsel. 

Oestlich unbegrenzter Horizont; ein Meer von Tiefen 
und Höhen und grossen Ebenen durch vielseitige Culturen 



— 79 — 

und zahlreiche Bargen, Kirchen und Ddrfer heleht, liegt wie 
eine ungeheure Reliefkarte zu unseren Füssen; aus dem 
riesigen Steinfelde ragt Wiener-Neustadt deutlich hervor, näher 
liegen die Burgen Sebenstein und Ptltten, über dem grossen 
Kaiserwald und dem Leithagebirge leuchtet der von vielen 
Ortschaften smsäumte Spiegel des Neusiedler Sees hervor und 
schweift der Blick bis über Wieselburg. Zwischen dem Kamp- 
stem und Königsberg erblickt man das Schloss Aspang und 
die Kirche, das westliche Ende des Neusiedlersees und die 
Berge bei Oedenburg. Links vom Niederwechsel begrenzen 
gewöhnlich die Günserberge die Aussicht gegen Steinamanger, 
bei ganz reiner Aussicht erblickt man aber noch die dunklen 
Massen des Bakonyer- Waldes und einen Theil des Plattensees 
und über den Irrkogel die Hügeln des Eisenburger Comitates. 

Südlich; hier ragen aus dem ungarischen Tieflande das 
Schloss Rothenthurm und die Felsenburg Güssing auf, dann 
erblicken wir den Hochstradenkogel, die Riegersburg, den 
Ring bei Hartberg, den Donatiberg und den Wotsch, ja selbst 
das Ivanöiöagebirge in Groatien. Ganz nahe liegt in tiefer 
Bergschlucht das Schloss Festenburg und das mächtig sich 
ausdehnende Stift Yorau. Nun folgt nach rechts die ganze 
Bergwelt des Jackeilandes, aus welcher Wenigzeil und Heilbrunn 
freundlich heraufschauen ; über diesen Vordergrund schweift der 
Blick zum Bachergebirge und darüber weg wieder zu den Sulz- 
bacher Alpen, dem Schöckel und Koralpenzug, hinter welchen 
wieder die Riesen der Karawankenkette ihre Felsenhäupter 
emporstrecken. Auch der Dobratsch ist sichtbar. 

Westlich; dicht aneinander und durcheinander gedrängt 
steigen jetzt die Zinnen der Hochspitzen des oberen Mur-, 
Mürz- und Ennsthales in imponirender Masse vom Rötheistein 
und Rennfeld bis zum Dachstein und Grimming und darüber die 
Johnsbacher Alpen und die herrliche Hochschwabkette bis zum 
Oetscher und der Schneealpe vor uns auf. 

Nördlich; hier ziehen zuerst noch die Raxalpe und der 
imposante Schneeberg den Blick auf sich, dann aber wird die 
Femsicht gleich jener nach Osten nahezu unbegrenzt ; das Auge 
ahnt den Stefansthurm, und mit einem guten Fernrohr finden 



— 80 — 

wir alte Bekannte an der Wiener Heerstrasse Baden, Vöslau, 
Laxenburg und über das Donaubett hinweg die blauen Conturen 
der kleinen Karpathen. 

' Sitten und Gebräuche am Südgelände des Wechsels. 

1. Der originellste Gebrauch» der seines pa- 
triarchalischen Charakters wegen von hohem Alter sein muss, 
ist das sogenannte „Richtersetzen*^, welches sich ^ in 
mehreren Dörfern südlich des Wechsels (so in Schwaighol 
20 Minuten ob Friedberg) erhalten hat. 

Am Dienstag vor dem Faschingsonntag versammeln sich 
um 1 Uhr Mittags alle Bauern und Häusler des Dorfes bei 
dem abtretenden ^Richter'', der jetzt die Abrechnung halten 
muss, und zwar hat der Richter die Pachtzinse der an die 
Kleinhäusler verpachteten Gemeindegründe einzuheben, die Wege 
zu verbessern und kleinere Streitigkeiten unter der Dorf- 
gemeinde zu schlichten, und war sogar befugt, Widerspänstige 
ins „Strafjoch" zu sperren; hqute wohl nur mehr scherz- 
weise. Nun wird Abrechnung gehalten und sodann ein neuer 
Richter, \»elche Würde der Reihe nach zu allen Bauern 
der Gemeinde gelangt, eingesetzt. Nach erfolgter Abrechnung 
gibt es ein grosses Festmahl, bei welchem der antretende 
Richter den Ehrenplatz in der Stubenecke unter dem Hausaltar 
erhält. Das dritte Gericht ist stets eine riesige Schüssel voll 
Sauerkraut, reichlich belegt mit gesottenem Schweinefleisch. 
Nun kommt der abtretende Richter zur Thüre herein, im Sonn- 
tagsstaate, und stellt ein wassergefülltes hübsches Glas mit 
einem blühenden Rosmarinzweig auf den Tisch, während neben 
dem Glase ein künstliches Sträusschen liegt. Hierauf hält der 
alte Richter an den neuen eine „ wohlgesetzte " Rede, worin 
er ihm die Pflichten des Richters, ohne Gunst und Hass, un- 
parteiisch zu richten, ans Herz legt und ihm zuletzt Rosmarin 
und Strauss überreicht. In diesem Augenblicke stossen die 
Dorf buben mit dem Richterstock dreimal an die Hofthüre des 
alten Richters und später dreimal an die Hofthüre des neuen 
Richters, worauf er meist an der Tl^üre des Hofes des Richters 



— ^81 — 

aufgehängt wird. Dieser Stock vererbt sich als Attribut der 
richterlichen Würde von Richter zu Richter und besteht aus 
einem drei Meter langen dünnen Fichtenstock, in dem sechs 
Löcher gebohrt sind, in welche Querhölzer gesteckt sind, so 
dass er von zwölf Buben getragen werden kann. 

2. Heilige Dreikönigs-Spiel. Das in der ganzen 
christlichen Welt verbreitete heilige Dreikönigs-Spiel komn^t 
auch in der nordöstlichen Steiermark allgemein vor, und zwar 
insbesonders südlich von Hartberg. Meist wird es von drei 
armen Mädchen, wovon das eine weiss, das andere roth, das 
dritte schwarz gekleidet ist, und einem lustigen Jungen, „Zöger- 
bua", der einen grossen Tragkorb am Rücken hat, dargestellt. 
Sie ziehen in der Zeit vor dem heiligen Dreikönigs-Feste, darauf 
Bezug habende geistliche Lieder singend, von Hof zu Hof, wo 
sie überall mit Esswaaren, die der als Hanswurst herausgeputzte 
Zögerbua in seine Kraxe nimmt, beschenkt werden. In anderen 
Orten werden die drei Könige von Knaben dargestellt, wovon 
der eine auf einem Stocke einen hohlen Papierstern trägt, der 
innen durch eine Kerze erleuchtet wird und durch eine Vor- 
richtung bis zu zwei Meter vorgeschossen werden kann. 

3. Der Brecheltanz. Allgemein wird der Abschluss 
der wichtigsten ländlichen Arbeiten mit einem Festmahle, an 
welchem sich ein Tanz anschliesst, gefeiert; so nach Beendigung 
des Brechein des Flachses, des Drusches, der Heuernte etc. 
Am Wechsel wird der Flachs gewöhnlich Ende August aus- 
gezogen, „gerauft", worauf er auf den Wiesen ausgebreitet 
wird. Mitte October beginnt nun das Brechein, wozu alle 
Dirnen (Mägde) der Höfe der Gemeinde der Reihe nach bei 
den einzelnen Bauern zusammenkommen, um den Flachs zu 
brechein, wofür sie meist mit einem Bündel Flachs (Reisten) 
belohnt werden. Ist nun die Arbeit beendet, so folgt Abends 
das Brechelmahl, welches aus zehn bis zwölf Gerichten besteht, 
als deren Glanzpunkt die „Branntweinkrapfen" betrachtet werden, 
welche in einer riesigen, mit Branntwein gefüllten Schüssel auf 
den Tisch kommen. Hierauf folgt ein Tanz in der festlich ge- 
schmückten Brechelstube, der bis 11 Uhr dauert, worauf sich 
die Brechlerinnen auf drei Stunden schlafen legen, um um 

6 



— 82 — 

2 Uhr Morgens wieder beim nächsten Bauern das Brechein zn 
beginnen. In anderen Orten kommt ein mit Bändern und künst- 
lichen Blumen verziertes Lichtelbäumchen nach Art der Christ- 
bäume auf den Tisch; die Bänder erhalten die Dirnen, die 
Blumen die Burschen, worauf der Brecheltanz beginnt. Statt 
dem Bäumchen findet man auch oft einen riesigen Gugelhupf, 
aus dessen Mitte ein grosser Blumenstrauss herausragt. Oft er- 
scheint auch eine mächtige wohlverschlossene Schüssel auf dem 
Tische, bei deren OefFnung ein alter Kater unter die Brech- 
lerinnen springt. In einigen Orten besteht das Brechelmahl aus 
einer alten Henne, Rahmsuppe, g'schmierts (fettes) Kraut, Eier- 
knödeln, Rahmstrudel, gebackenem Reis, Schöberl etc. und zu- 
letzt Kaffee. Ebenso wird die Beendigung des Drusches mit 
einer Mahlzeit abgeschlossen, die meist der „Dreschhahn" oder 
„Stadelhahn" genannt wird. Vorher muss aber einer der Drescher 
der Bäuerin das Krapfenholz bringen, ohne dabei von dei 
Ilausdimen mit Wasser begossen zu werden. Dazu wird nni: 
ein Brett mit dem Dreschflegel in Stückchen geschlagen und 
mit Stroh in ein Bündel gebunden, worauf ein Drescher „Krapfen- 
holztragen" geht, um es der Bäuerin mit einem Spruch zu 
tiberbringen : „Frau Bäurin, da bring i s' Krapfenholz, dass a: 
die Krapfen nicht vergisst und alle alloan frisst." Hinter dei 
Thüren lauern aber die Dirnen mit wassergefüllten Gefässen 
um den Kräpfenholzträger auf diesem Wege zu begiessen, wo- 
durch die Drescher ihr Anrecht auf die Krapfen verlieren, 
daher wenden die Drescher alle List an, um diesem Ungemach 
zu entgehen, indem sie alle Dirnen plötzlich auf einen anderen 
Ort locken, durch den Rauchfang einsteigen, oder gar vo:. 
einer Dirne den Sonntagsstaat anziehen. 

4. Hochzeitsgebräuche. Unter den vielen Hoch- 
zeitsgebräuchen verdienen mindestens nachstehend erzählt- 
genannt zu werden: so das Versammeln der oft maskirten m 
mit komischen Pässen versehenen Ortsarmen „der Moasc- 
schützen" beim Festmahle, um eine Gabe zu erbitten, weitem 
der Kranzerltanz, nach Mitternacht des Hochzeittages, welchei 
die Braut mit dem Brautführer tanzt, und während w^elchem de: 
Brautführer der Braut den Kranz aus den Haaren nimmt uni 



— 83 — 

ilm dem Bräutigam reicht, meist unter heftigem Weiifcir der f 
Braut, und zuletzt das „Wiegenholzführen" am frühen Morgen 
nach dem Hochzeitstage. Ein Halbwagen oder Schlitten wird 
mit einem langen Seil bespannt, an welchem Querhölzer be- 
festigt sind. An diesem ziehen alle jungen Hochzeitsgäste 
unter Jauchzen und Schiessen, Musik und Gesang, das Gefährt 
in den Wald, um das Wiegenholz zu suchen. I§t endlich ein 
passender Baum gefunden, so wird er rasch gefällt und unter 
endlosem Jubel zum Hochzeitshaus geführt, worauf nun die 
Braut unter derben Witzen überredet wird, das Wiegenholz 
anzusehen. Oft begleiten den Zug auch Masken und gar son- 
derlich vermummte Gäste. 

5. Hexen und Aberglaube. Am Vorabend des 
Pfingstfestes werden die Hexen ;, ausgeschnalzt", indem sich 
die Burschen mit langen Peitschen Abends vor die Häuser 
stellen und tüchtig schnalzen, um die vorbeifliegenden Hexen 
zu vertreiben. Vom Abendläuten bis zum Morgen gebetläuten 
haben die Hexen ihre Macht, um üngewitter zu erregen, und 
namentlich die Kühe zu verhexen, dass sie keine Milch geben. 
Doch wenn man etwas Milch von einer verhexten Kuh mit 
einem dornigen Ast zu Schaum schlägt und in einem Gefäss 
vor die Stallthüre stellt, so kann die Hexe nicht hinein, 
ebenso wenn man die Stallgeräthe, Schaufeln, Besen etc. mit 
dem Stiele bei der Stallthüre an die Wand lehnt. Ebenso 
sichert ein in die Eingangsthüre des Hauses gestochenes 
Messer oder ein auf die Thüre gezeichneter Drudenfuss, vor 
der Drud, die wider ihrem Wissen und Willen sich in der 
l^acht auf die Brust der Schlafenden setzt: „Alpdrücken^. In 
den Gegenden des Wechsels kennt man das ;,graue Wald- 
mandl" mit einer eisernen Heugabel in langen Krallen, womit 
es die schlimmen Kinder abfängt und in einen pechigen Sack 
steckt, um leichter mit seinen Gaisfüssen über alle Klüfte 
zu setzen. 

6. Volksspiele. Charakteristisch unter den Volks- 
spielen ist das „Rekrutenfangen" und das „Schwärzerspiel", 
welche auf die Rechtsbegriffe der guten alten Zeit ein ziem- 
lich schiefes Licht werfen. Vom gesunden Mutterwitz der 

6» 



— 84 — 

Wechselbauern zeugen die oft köstlichen Juxpredigten und 
das Wettsingen. 

Volksfeste. Lichtbratl, am Michelimontag bei allen 
Handwerkern (Schmied ausgenommen), frei, Bratenauftischen. - 
Schmalzkoch-Kirchtag, im August in Ehrenschachen. Schmalz- 
kochessen bei Musik und Tanz. - Sauschädel-Kirchtag, im 
Fasching, in Ehrenschachen, gekochte Schweinsköpfe den Gästen 
frei, Tanz. - Grünbeten, am Ostersonntag, Hausleute gehen 
auf die Felder, und setzen geweihte Palmzweige. 

7. Alpenleben. Der Auftrieb der Heerden auf die 
Alpen des Wechsels erfolgt Mitte Juni und der Abtrieb zu 
Maria Geburt, anfangs September, . beidemale mit festlichem 
Gepränge und unter Bekränzung der Thiere. Die grösseren 
Schwaigen gehören Gutsinhab ungen und sind meist verpachtet. 
Es herrscht die Sitte, in den im Winter verlassenen Schwaigen 
etwas Brennholz rückzulassen, damit im Nothfalle einsame 
Wanderer sich Feuer machen können. 

8. Mahlzeiten. Das Frühstück der Bauern und 
Dienstleute besteht aus Milchsuppe mit eingerührtem Grersten- 
mehl und Brod, ihm folgt gegen 9 Uhr Vormittags die 
Jause, bestehend aus Brod und Most; zu Mittag kommt 

. regelmässig Kraut und eine Mehlspeise, und zwar besonders 
das. beliebte Schöberl auf den Tisch. Nachmittags folgt wieder 
eine Jause, abermals aus Brot und Most bestehend, und Abends 
eine Milchsuppe. Das Schöberl besteht ans zuckerhutförmig 
zusammengedrehten Teigflecken, die in Leinöl ausgebacken 
werden. 



0. Friedberg-Hartberg. 
23*7 Kilometer, 5 Stunden zu Fuss, 3 Stunden zu Wagen. 

Von Friedberg senkt sich die Strasse sogleich hinab 
in eine Thalschlucht, um an deren Lehne in einer Serpentine 
wieder jene Hochebene zu gewinnen, die hier den Ausläufern 
des Wechsels vorgelagert ist. Links an der Strasse das grosse 
Gebäude, Privatmädchenschule der Schulschwestern (eröffnet 
16. October 1883). Nun führt die Strasse unmerklich fallend 



85 — 



iber die freie Hochfläche dahin, mit prächtigen Ausblicken 
egen das Unterland, gerade vor sich (westlich) steigt aus 
em Waldesdunkel der Abhänge des Masenberges Schloss Eich- 
erg auf. Nach 30 Minuten erreicht man das freundliche Dorf 
itegersbach (Römergräber), wo sich die Strasse in eine Thal- 
iederung herabsenkt, um sodann gegen das Pfarrdorf Dechants- 
irchen wieder hinanzusteigen, % Stunden von Friedberg. 

Dechantskirchen. In Ritters Gasthaus leidliche 
Interkunft und bescheidener Comfort. Im Orte befindet sich 
ie Pfarrkirche St. Stephan, an der zwei Priester aus dem 
tifte Voran pastoriren, eine dreiclassige Volksschule, eine Post- 
altstelle, ein Arzt und eine freiwillige Feuerwehr. Das Dorf, 
reiches 43 Häuser und 230 Einwohner zählt, liegt sehr 
reundlich in einem Obstbaumwäldchen versteckt, am Fusse 
es Hilmberges, eines Ausläufers des Wechsel (1318 M.). 
eine Bewölkung gilt in der Umgebung als bewährtes Wetter- 
eichen; daher sein Name (Hilm: ein nebelreicher Ort). 

Dechantskirchen wird urkundlich zuerst um das Jahr 1155 
1 einer Admonter Tradition genannt, in welcher Archidiacon 
^takar als Nutzniesser erzbischöflich Salzburgischer Güter 
wischen der Pinka und Lafnitz erwähnt wird. Dort, im Ur- 
alde (in silva hactenus inculta) hatte er eine Kirche erbaut, 
on der das ganze Landgut den Namen „Techanschirche" 
^ermanisirt aus Diakons-Kirche) erhielt. Dieses Gotteshaus 
arde 1161 zur Pfarrkirche erhoben, deren Sprengel die 
eutigen Pfarren Friedberg, St. Lorenzen am Wechsel und 
'estenburg umfasste. Die gegenwärtige Kirche, ein spät- 
othischer Bau, hat durch verunglückte Restaurationen sehr 
elitten und birgt nichts Interessantes. Ihre alten Befesti- 
ungen: Wallgraben und Ringmauer, sind theilweise noch er- 
alten. In letzterer zwei Römersteine. Auf dem Föhrenhügel 
ber'm Friedhofe eine reizende Fernsicht. 

Nur der sehr eilige Wanderer wird sich die Kürzung 
es Weges durch Verlassen der Strasse bei Dechantskirchen 
nd Einschlagen des links abzweigenden Fussweges zu Nutze 
lachen, da er dadurch des Anblickes einer der schönsten 
*erlen der steirischen Burgen verlustig wird. 



Wir folgen somit der Strasse, die sich nun jäh nieder- 
senkt, ungefähr eine Viertelstunde, bis plötzlich uns zur 
Linken als drohende Wegsperre auf stolzer Höhe die mäch- 
tige, durch einen beispiellosen Yandalismus heute aber gebro- 
chene Burgveste Thalberg vor uns aufsteigt, und, den 
Burgfelsen umgehend, stehen wir bald vor dem in tiefer Thal- 
enge eingekeilten Neuschloss Thalberg. 




Ruine Thalberg mit Detail (romanisches Portal). 

Die herrliche Burgveste wurde aller Wahrscheinlichkeit 
nach schon im 11. Jahrhundert von den Rittern von Thalberg 
erbaut, welches Geschlecht um das Jahr 1100 zuerst urkund- 
lich erwähnt wird, und haben sich aus dieser Zeit, somit der 
romanischen Stilperiode, noch höchst charakteristische Thurm- 
bauten und Ornamente erhalten, die uns diese echt frühmit- 
telalterliche Burgveste zu einer der interessantesten des Landes 
machen. 

Während sich die meisten übrigen Burgen und Schlösser der 
Ost-Steiermark eines vieljährigen Familienbesitzes erfreuten, lastete 



— 87 — 

auf Thalberg ein eigenthümlicher Fluch des steten Besitzwechsels. 
So waren die Neuberg, Rottal, Lindek, Hertenfels, Dörr, Krumbach, 
Schitter, Unverzagt, Dietrichstein, Rauber, etc. längere oder kürzere 
Zeit Besitzer des Schlosses. Unter den Dietrichstein hielt die lutherische 
Lehre ihren Einzug in Thalberg, wo sich der Schlosscaplan sogar 
verheiratete. Im Jahre 1587 verkauften die Bürger von Friedberg 
ihr Landgericht sammt anderen vielen Rechten an Andreas Eberhard 
Rauber auf Thalberg, wo es bis Mitte unseres Jahrhundertes verblieb. 
Im Jahre 1610 kaufte der Jesuitenorden in Graz die Herrschaft 
Thalberg, und damit kamen erst ruhige Zeiten für die alte Burgveste, 
da erst mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 ein Besitzwechsel, 
bei welchem Thalberg dem Staate zufiel, eintrat, 1810 kam Thalberg 
in den Besitz des J. N. v. Erko und seit dieser Zeit wechseln wieder 
stetig die Besitzer, welche sich meist an Vandalismus bei Vernichtung 
dieser herrlichen, noch bis in den Fünfziger Jahren unseres Jahr- 
hundertes vollkommen bewohnten Ritterveste, die heute ein Bild grau- 
envoller Zerstörung zeigt, überboten. 

Gegenwärtiger Besitzer: Graf Terlago. 

Die auf einem circa 50 M. über der Strasse sich erhebenden 
isolirten Hügel erbaute Burg bildet von Ost nach West ein regel- 
mässiges Recliteck von circa 90 M. Länge und 23 M. Breite und ist 
von einer äusseren (jüngeren) und von einer inneren (älteren Ring- 
mauer) umzogen und an ihrem östlichen und westlichen Ende durch 
je einen mächtigen Bergfried mit Eckverfestigungen und Quadern 
geschützt. Der östliche schräg gestellte Bergfried von 24 M. Höhe 
ist mit einem Thorbogen, durch welchen der von der unteren Vor- 
burg in die Hochburg führende Fahrweg zieht, mit der inneren Ring- 
mauer verbunden und charakterisiren sich diese zwei Thürme, mit 
der inneren Ringmauer und dem Thorbogen mit ihrem ausgesprochen 
romanischen Stilgepräge und Steinmetszeichen als älteste Burganlage. 
Namentlich dieser Thorbogen und der damit verbundene Bergfried 
sind heute nebst dem mächtigen Bergfried der Frauenburg bei Unz- 
markt, ein Zeitgenosse Ulrich von Lichtensteins, die einzigen zweifel- 
losen architektonischen Denkmale romanischer Profan - Architektur 
Steiermarks, und verdienen daher das höchste Interesse jedes Be- 
suchers. Man beachte insbesondere den romanischen Thorbogen, das 
gekuppelte romanische Fenster in der Wehrmauer und das schöne, 
von zwei romanischen Säulen mit Knospencapitäl flankirte Pförtchen 
im Östlichen Bergfried, sowie die Steinmetzzeichen in den Quadern, 
insbesonders aber das mächtige von vier kräftigen Rippen (die auf 
prächtigen Consolen ruhen) getragene romanische Thurmgewölbe. 
Der östliche Bergfried bildet ein Quadrat von 9-75 M. Seitenlänge 
und hat im ersten Stockwerke 2*40 M. Mauerdicke; der westliche 
bildet gleichfalls ein Quadrat von 9 M. Seitenlänge und 2 M. Mauer- 
dicke. Beide Thürme hatten drei Stockwerke. Betritt man durch das 
romanische Portal den 50 M. langen Burghof, so erblickt man zuerst 



— 88 — 

rechts die Ruine eines langen schmalen, an die Ringmauer gelehnten 
Gebäudes mit ausspringendem Thorbogen, dessen Steinmetzzeichen 
auf eine gleichzeitige Erbauung mit dem Bergfried schliessen lassen. 
Haben wir den Hofraum durchschritten, so stehen wir vor den eigent- 
lichen Wohnräumen der Burg, die sich um einen zweiten kleinen Hof 
gruppiren. Beide Höfe sind durch einen spätgothischen zweistöckigen 
Bau getrennt. Die architektonische Perle dieses Baues bildete ohne 
Zweifel die zierliche im ersten Stocke des Mitteltractes gelegene 
St- Nikolaus-Kapelle, die sich nach aussen in eine anf den 
Pfeilern der Thorhalle basirte Loggia von drei auf zierlichen 
Säulen ruhenden Bögen öffnet und überdiess durch einen erker- 
artigen Ausbau decorirt ist. Im südlichen Seitentract befand sich 
im ersten Stocke ein grosser, durch eine gothische Säule getragener 
Saal und darüber das unter der Herrschaft der Jesuiten reichst 
decorirte Rectorzimmer. Die übrigen, den zweiten Hof umschlies- 
senden Gebäude tragen den Charakter der Spätrenaissance, welche 
mit zahlreichen Erkerbauten diesem Theil des Schlosses gleich- 
falls einen sehr malerischen Prospect zu verleihen wusste. Knapp an 
der Strasse liegt die Vorburg (das Propugnaculum), ein mächtiges, 
von vier Eckthtirmen und einem starken Thorthurm bewehrtes Yier- 
eck, das Neuschloss Thalberg. 

Von Thalberg zweigt nördlich der wenig empfehlens- 
worthe Fahrweg nach St. Lorenzen ab, der in 1 ^/^^ Stunden 
zu dem reizenden hochgelegenen Alpendörfchen hinaufführt. 

Wir verfolgen aber weiter die Hauptstrasse, die in 
sanftem Gefälle in circa ^//^ Stunden bei dem schönen Dorfe 
R h r b a c h die schäumend dahinjagende Lafnitz erreicht. 
Einkehrgasthaus : Josef Pichler. Post fährt täglich nach Voran 
im Anschlüsse an die Hartberg-Friedberger Post um 6 Uhr 
Früh ab und kehrt von Voran um 6 Uhr Abends zurück. 

Hier zweigt nordöstlich dieVorauerstrasse ab. Die Strasse 
tibersetzt nun die Lafnitz und zieht an ihrem rechten Ufer in 
dem ziemlich breiten, von waldigen Hügelzügen umschlossenen 
Tbale in 30 Minuten zu dem ausgedehnten Dorfe Lafnitz. 
wo sie das Lafnitzthal verlässt und jenen Hügelzug übersetzt, der 
die Wasserscheide zwischen der Lafnitz und dem Safenbach 
bildet. Die Strasse führt meist in sanfter Steigung durch 
Wald zur Sattelhöhe hinan und jenseits ziemlich jäh hinab 
direct zu dem im Safenthale am Fusse dieses Hügelzuges 
gelagerten grossen Pfarrdorfe Grafendorf. Von Rohrbach nach 
Grafendorf 1 V2 Stunden. 



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Grafendorf. Gasthäuser: Lorenz Gerngross, Fleisch- 
auerei, Sitzgärtchen ; Pichler, beide mit Fremdenzimmer; Fischer, 
iäckerei; Haas, Bäckerei; Kazianer, Meier, Bäckerei, zugleich 
'iaker. — Einspänner nach Hartberg 1 fl. 50 kr., Zweispänner 2 fl. 
ach Voran, Pinkafeld und PöUau 4 fl. — Post- und Telegraphen- 
mt. — Vereine: Militär- Veteranen- Verein, gegründet 1883; Safen- 
aaler Bauemverein, gegründet 1886. — Schule vierclassig. 

Grafendorf, Pfarrdorf mit 66 Häusern und 684 Ein- 
ohnern, erscheint schon Ende des 18. Jahrhandertes als 
slbstständige Pfarre. Die Kirche in Kreuzform mit der Front 
ach Westen im Renaissancestyle, wahrscheinlich im 17. Jahr- 
undert erbaut, zeigt aussen zwei interessante Römersteine, 
inen aber mehrere schöne Grabdenkmäler, und zwar des 
rrafen Georg Christof von Trautmannsdorf, f 9. Hornung 
650, der Gräfin Maria Salome Steinpeiss, f 8. April 1689, 
es Ebrenreich Grafen von Trautmannsdorf, f April 1669 
ad des Wolf Friedrich Grafen Wurmbrand, der 1704 von 
en Bauern als des Einverständnisses mit den ungarischen 
lebeilen verdächtig, ermordet wurde. Der Thurm der Kirche 
it unten viereckig, geht aber oben ins Achteck über und ist 
ie Kuppel mit Schindeln gedeckt. Hier wurde im Jahre 1716 
osef Deibel geboren, der 1793 in Dresden als churfürstlich 
ächsischer Hofgalerie-Bildhauer starb. Ein Student aus Grafen- 
orf, der Sohn des Schullehrers Gletthofer, brachte Ende 
origen Jahrhunderts zuerst seiner Schwester, dann seinem 
'ater und anderen Leuten in Grafendorf gewisse religiöse 
Irrlehren" bei, welche bald auch in den Pfarren Hartberg 
nd Kaindorf viele Anhänger fanden. 

Sie behaupteten, die Kirche, Ceremonien, der Gottesdienst und 
ie Sacramente seien unnütz, da Gott tiberall im Geiste und in der 
V^ahrheit, namentlich aber in freier Natur verehrt werden müsse. 
m Soldatenstande Feinde zu tödten hielten sie für unerlaubt; etwas 
u entfremden, was man zu seiner Nothdurft braucht, sei keine Sünde, 
s gebe kein Fegefeuer und keine Hölle. Sie nannten ihren Glauben 
en wahren katholischen und stützten ihn auf die heil. Schrift, welche 
ie dahin auslegten, dass aller Gottesdienst nur im Herzen vor sich 
eben müsse. Daher verwarfen sie den Katechismus mit all' seinen 
)ogmen, hielten jedoch viel auf das Evangelium. Diese Secte schloss 
ich bald dem im Rufe grosser Frömmigkeit stehenden Pfarrer Engel- 
ert Maurer in Loipersdorf bei Fürstenfeld an, und nannten sich die 



— 90 - 



SectirerMaureaner. Maurer soll oft verborgene Fehler, nicht gebeichtete 
Sünden und sonstige unbekannte Handlungen aufgedeckt haben, und 
wuchs die Zahl seiner Anhänger immer mehr. Um dem Umsichgreifen 
dieser Secte zu steuern, wurde Maurer zuerst als Ehrendomherr nach 
Graz, später (1808) aber gar nach Galizien in ein Kloster übersetzt. 
Aber auch dahin wallfahrteten seine Anhänger und brachten ihm Geld, 
welches er zum Ankauf für Medicamente, die er unter das steirische 
Landvolk vertheilte, verwendete. Nun schritt man zur gewaltsamen 
Unterdrückung der Secte, indem man viele ihrer Anhänger einkerkerte 
und mit Ruthen streichen züchtigte, die Männer abstellte und die Weiber 
verhinderte, nach Galizien zu wandern. Maurer starb 1817 zu Tinincz 
in Galizien, die Letzte dieser Secte, fest in ihrem Glauben verharrend, 
1856. Sie schöpften ihre Grundsätze aus den Büchern die „Morgen- 
röthe" und die Babel, beide von J. Böhm, die „Beichte vor Gottes 
Augen" und Elias artista. 

Im sogenannten Leberholz bei Grafendorf finden sich 
noch circa 50 Römerhügel, und kann von Grafendorf aus eine 
mit Legioüsziegeln gepflasterte Römerstrasse, circa ^/^ Stundeu 
lang, verfolgt werden. Die Ziegeln werden vielfach von den 
Bauern wieder bei Bauten benützt. 

Spaziergänge: nach den westlich am Gelände desMasen- 
berg malerisch gelagerten Schlössern Reitenau und Kirchberg 
am Walde, je y^ Stunde, und Eichberg, 1 Stunde, überall 
einfache Gasthäuser. Nördlich von Grafendorf angenehmer 
Spaziergang zu dem nahen Gasthaus des Patritz Hofer und nach 
Lafnitz und Neustift ^/^ Stunde mit guten Gasthäusern, und 
zwar in Lafnitz Halvax, vulgo Hackl und Louise Aftenberger, 
in Neustift, Kundner und Johann Leopold. Südlich nach Seibers- 
dorf, % Stunde zu Schieders und Koppler Gasthause. 

An Seibersdorf knüpft sich eine merkwürdige historische Episode 
aus der Zeit des grossen Kuruzzeneinfalles von 1704. Graf Woif 
Friedrich v. Wurmbrand, Besitzer des nahen Schlosses Reitenau, 
hatte sich mit den KuruzzenfUhrern durch Geldopfer abgefunden, so 
dass seine ünterthanen von den Verheerungen dieser Raubschaaren 
verschont blieben, während die Ünterthanen der angrenzenden Herr- 
schaft Kirchberg furchtbar gebrandschatzt wurden. Bei diesen Um- 
ständen entstand die Meinung, Graf Wurmbrand wäre mit den Rebellen 
im Einverständnisse gewesen und die erbitterten Bauern des Dorfes 
Seibersdorf fassten den Entschluss, dem Gutsherrn auf Reitenau bei 
dem Kreuze, wo der Weg nach Safen führt, aufzulauern und blutige 
Rache an ihm zu nehmen. Diesem verhängnissvollen Beschlüsse folgte 
die That auf dem Fusse. Graf Wurmbrand wurde im Walde über- 



— 91 — 

llen und von den Bauern enthauptet (nach Anderen erschlagen). 
ich der That sollen viele der Mörder sich zwei Jahre laug in 
•unnen versteckt gehalten haben, aber zuletzt wurden Alle, die 
cht entflohen waren, gefangen, und nun folgte ein furchtbares Blut- 
richt. Alle männlichen erwachsenen Bewohner von Seibersdorf (nach 
deren Mittheilungen alle erwachsenen männlichen Unterthanen der 
jrrschaft Kirchberg) wurden enthauptet, ihre Glieder auf weit im 
nkreise der That errichteten 16 Schnellgalgen aufgehängt, die 
)pfe der Gerichteten aber in einen eisernen Käfig gelegt und in die 
•de verscharrt und zuletzt zwei gemauerte Schandsäulen an der 
alle der That errichtet. Im Jahre 1823 legte eine üeberschwemmung 
?sen Käfig mit den Schädeln wieder frei und sollen auch die Schand- 
ulen erst in unserem Jahrhundert durch Hochwasser fortgespült 
►rden sein. (Nach anderen Mittheilungen sollen die Schädel der 
>rder am Grazer Thor in Hartberg aufgenagelt worden sein.) Die 
jchnung über die Galgen etc. datirt jedoch vom 15. August 1715. 

Von Grafendorf über wellenförmiges Terrain, darunter 
B wegen ihrer römischen Grabfelder bekannte Penzendorfer 
3he über Wiesen, Aecker und Wälder nach Hartberg, 1 yj Stunde 
Fuss. 



D. Fpiedberg-Vopau. 
}'2 Kilometer, 5 Stunden zu Fuss, 3 Stunden zu Wagen. 



Friedberg-Thalberg, 1 y^ Stunden. Von Thalberg ver- 
Igt man noch 15 Minuten die Strasse, bis man zu zwei Häuschen 
chts kommt, hierauf Brücke, wo man rechts von der Strasse 
►zweigend den Fussweg verfolgt, der über Ackerfelder und 
letzt durch Wald hinab zur Lafnitz und über eine Brücke zur 
grauer Strasse führt, 20 Minuten, starke Kürzung der Strasse, 
e von den zwei Häuschen nach Rohrbach hinab zieht, am 
m hier wieder der Lafnitz entgegen zu führen. In Rohrbach 
hliesst die Vorauer Post an die Hartberg -Friedb erger Post 
1 ; Abfahrt täglich um 6 Uhr Früh. 

Die Strasse führt nun in dem anfangs ziemhch breiten, 
)äter aber sich verengenden, von dicht mit Nadelholzwäldern 
3deckten Hängen umschlossenen Lafnitzthal, an dem rauschen- 
3n Flusse aufwärts, bis man 1 ^2 Stunden von Thalberg und 
3/^ Stunden von Friedberg das an der Vereinigung des Vorauer- 



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baches mit der Lafnitz gelegene, in der ganzen Ost-Steiermark: 
als trefflich bekannte Gasthaus Beigütel des Franz Lehner 
erreicht. Fremdenzimmer mit zwei Betten ä 40 kr., Küche 
und Keller vorzüglich, gastliches Heim. Von saftig grünea 
Wiesen und wildschäumenden Gebirgswässern umsäumt, ein- 
gebettet zwischen prächtigen Laub- und Nadelholzwaldungen, 
bildet das kleine, aber so wirthliche Beigütel ein vorzügliches 
Standquartier für eine ganze Reihe Thal-, Hügel- und Gebirgs- ' 
touren, und zwar: 

1. Nach Reinberg. Wenige Minuten von Beigütel, wo 
die donnernd daherstürzenden Wässer der Lafnitz unddes Vorauer- 
baches sich vereinigen, liegt hoch über den Thälern am Ende 
jenes Höhenzuges, der von den genannten zwei Wässern begrenzt 
wird, auf waldumschlossener kleiner Fläche das uralte Kirchlein, 
zu dem wir vom Eingange der Vorauerstrasse, rechts ein Gehege 
übersetzend, durch schattigen Tannenwald in 20 Minuten 
emporsteigen. Nicht immer war es so friedlich und waldeinsam 
hier, wie heute, stand doch einst auf dem nahen Felsgipfel, 
der, steil abfallend, wie eine Landzunge, von der Lafnitz und 
Voran bespült wird, die Hochburg, derer von Reinberg, von 
welchen sich schon 1217 ein Wulfing und sein Bruder Wolf- 
her, ein tapferer Kreuzfahrer, historisch nachweisen lassen. 

Ein Sohn eines dieser Brüder, Namens Heinrich, wird als 
schlimmer Raubritter bezeichnet. Später wurde die Burg von Schaffern, 
Pflegern oder Burggrafen verwaltet, als deren Erster, 1309, Hanns 
von Friedberg, Scheffer ze Ruembach, und als Letzter, 1403, Chunrat 
der Ferner ze Ruemberg erscheint. Von dieser Zeit verschwindet die 
Burg aus den geschichtlichen Annalen und dürfte daher gegen Ende 
des 15. Jahrhundertes den Mordbrennerschaaren Wilhelm Baum- 
kirchers, gleich vielen anderen umliegenden festen Edelsitzen, oder wie 
die Sage wissen will, einem Bauernaufstände zum Opfer gefallen sein. 

Die Hochburg war gegen Norden und Westen mit heute noch 
sichtbarem Wallgraben bewehrt, ausserdem markiren noch einige 
Bodenerhebungen die Conturen der ehemaligen Baulichkeiten, wie 
auch noch Reste von Parapetmauern an der Südseite und der Cisterne 
an die Hochburg erinnern. Die tiefer liegenden Gebäude des Unter- 
Schlosses, die sich bis zur heutigen Kirche ausgedehnt haben mögen, 
beschützte ein zweiter Graben. Der alte Burgweg führte an der Süd- 
seite des Schlosses empor und mündete in dem heute noch benützten 
Hohlweg, der unter der Friedhofsmauer im Westen ansteigt. 



- 93 — 

Das dem hl. Nico laus geweihte Eirchlein zeigt im Presby- 
terium ein spätromanisches Kreuzgewölbe mit steinernen Gratgurten 
tiberspannt, zweifellos der üeberrest eines Wartthurmes. An den 
Thurm clie^derten sich die alten Wehrmauern an, die den Thorweg 
vertheidigten. Als Reste davon haben wir die Süd- und Westwand 
der heutigen Kirche, die wir uns bis zum Friedhofthore, dem einstigen 
äusseren Burgthore, fortgesetzt denken müssen, zu gelten. Die Kirche, 
welche überall noch romanisirende Reminiscenzen zeigt, besitzt jetzt 
drei Altäre, von welchen aber nur der Hochaltar und der Seitenaltar 
an der Evangelienseite ursprünglich sind. Diese beiden waren mit 
schönen Flügelaltären ausgestattet. Die Seitenflügel derselben sind 
theilweise noch erhalten. (Jetzt im Stifte Voran aufbewahrt.) Die 
Statuetten, die im Mittelfelde und in den Giebelkrönungen standen, 
sind ebenfalls noch da, aber leider ibrer Fassung beraubt, mit häss- 
liebem Weisslack überzogen, und aus ihrer Zusammengehörigkeit 
gerissen, auf beiden Seitenaltären vertheilt. Das alte Hauptbild des 
Hochaltars, eine prächtig geschnitzte Statue des Kirchenpatrones 
St. Nicolaus, wird jetzt in der Sacristei aufbewahrt. Als der Zulauf 
des Volkes an gewissen Kirchenfesten (St. Nicolaus, St. Ulrich, am 
Kirchweihfeste, welches Sonntag nach Michaeli gefeiert wurde, und 
am St. Marcustage) mit der Zeit so stark wurde, dass die kleine 
Kirche die Menge nicht fassen konnte (wohl erst lange nach dem 
Falle der Burg), sah man sich genöthigt, vor dem Westportale im 
Freien Kanzel und Altar aufzurichten, die jetzt noch vorhanden sind. 
Zum Schmucke des letzteren spendete Stift Voran einen ausgemusterten 
Flügelaltar, dessen Theile — werthvolle altdeutsche Tafelbilder — 
jetzt in der Kirche aufgehangen sind. An ihre Stelle tra,t im Beginn 
des 18. Jahrhunderts eine moderne Flügelaltars-Imitation, ein plumper 
hölzerner Kasten, im Innern mit auf Leinwand gemalten Oelbildern 
überspannt, der jetzt ebenfalls entfernt ist. Um dieselbe Zeit wurde 
auch die Kirche mit Fresken ausgestattet. Das Plafondbild ist eine 
gute Darstellung der Krönung Marions mit den Gestalten des heil. 
Marcus, Nicolaus und Ulrich. Nicht zu übersehen ist ein kleines 
reizendes Bildchen an der Epistelseite des Hochaltares, die Madonna 
mit dem Kinde, wohl von Hackhofer. Das treffliche Hochaltarblatt 
(St. Markus) und die beiden Bilder an den Seitenaltären sind ganz 
modern. 

Neben dem Kirchlein liegt der kleine, lange verwaist 
gewesene Pfarrhof, der heute schmuck restaurirt, als Heim- 
stätte des durch seine ausgezeichneten literarischen und kunst- 
historischen Forschungen und Publicationen ehrenvollst be- 
kannten Chorherrn Ottokar Kernstock, einem der edelsten 
Priester, zu neuem Leben erstanden ist. Von Reinberg führt 
ein schöner Waldweg zur Vorauerstrasse, auf welcher wir 
bald wieder nach Beigütel gelangen. 



— 94 



2. Nach Voran 2 Stunden. 

a) Auf der Strasse im engen hohen Waldthal dem rai 
sehenden Vorauerbache entgegen, in unmerklicher Steigunj 
bis nach 1 y^^ Stunden plötzlich aus der Thalweituug die Osi 
front des mächtigen Stiftsgebäudes mit dem ausspringende 
Chorschluss der Kirche, zur Linken malerisch flankirt vo 
einem alten runden Wartthurm auf waldumsäumter Hol 
trohnend, majestätisch vor uns aufsteigt, namentlich bei Moi 
genbeleuchtung, ein überwältigend schöner Anblick. Von hi( 
rechts, den Stiftsberg umziehend, in den Markt Vorau, noc 
eine halbe Stunde. 

h) Landschaftlich schöner und kürzer ist nachstehende 
Weg (wird markirt): Anfangs wie bei a) auf der Vorau( 
Strasse circa ^/^ Stunden entlang, bis zur sogenannten Sai 
bachelbrücke (nach der Einmündung des Weissenbaches), nc 
rechts durch den romantischen Sauhaltgraben empor zum Platea 
der Kreuzkirche, ob Vorau, mit prachtvollen Ausblicken gege 
den Wechsel, ^/^ Stunden, und von hier hinab zum Marl 
Vorau. üeber Kreuzkirche und Vorau siehe Route II, Yorai 

3. Nach Schloss Eichberg 1 Stunde. Durchwegs dnrc 
schattigen Wald. Weg wird markirt. Ueber Schloss Eicbbei 
siehe Index. Im Schlosse Eichberg domicilirt der in d( 
ganzen Oststeiermark in Folge seiner ausserordentlichen Gas 
freundschaft rühmlichst bekannte Beneficiat Georg Poze 

4. Nach Thalberg über die „Sonnleiten" 1 Va Stunde 
Der schöne Weg (wird markirt) zweigt ober der Koglen 
von der Strasse ab, übersetzt den Burgbach und führt glei( 
jenseits des Baches links hinan durch schattigen Wald, u 
bei Thalberg wieder die Strasse zu erreichen. 

5. Nach St. Lorenzen 1 Stunde. Weg weiss-rol 
markirt. Anfangs y^^ Stunde ziemlich steil aufwärts, dar 
durch schönen grossen Wald zu dem freundlich gelegene 
Dörfchen Zehenthof (6 Häuser), wo sich der Steig bald ni 
dem von Thalberg heraufziehenden Fahrweg vereint; St.Lorenze 
erblickt man aber erst im letzten Augenblick. 

St. Lorenzen, Pfarrdorf am Fusse des Wechsels vc 
9 Häusern mit 63 Einwohnern, Pfarre 936 Einwohner, Gemeine 



— 95 — 

206 Häuser und 1350 Einwohner. Volksschule zweiclassig. 
Gasthaus: Franz Kogelbauer, hübsch gebaut, Saal mit Ciavier, 
2 Fremdenzimmern mit 1 und 5 Betten ä 20 — 40 kr.; F. S. Putz, 
guter Wein, Kegelbahn; Anton Wels, beide ohne Fremdenzimmer. 
Post- und Telegraphenstation für Loren zen in Friedberg, wohin 
Mittwoch und Samstag Botengang. Die Pfarre St. Lorenzen 
wird 1344 zum ersten Male urkundlich erwähnt, als nach 
Friedberg incorporirt. 1532 scheint die Kirche von den Türken 
niedergebrannt worden zu sein, 1700 wurde sie neu im zeit- 
gemässen Style in Kreuzform erbaut und von Hackofer mit 
einem trefflich componirten Hochaltarblatt, die Apotheose des 
heil. Lauren tius darstellend, geschmückt, wie auch dieser Künstler, 
wie in Festenburg, mit den einfachen Mitteln koulissenartiger 
Decorationen einen Altarbau von schönster Wirkung schuf. Das 
imposante Pfarrhofgebäude, wie die mächtigen Mauern, die heute 
noch den hoch gelegenen Friedhof umgeben, weisen auf hier be- 
standene Befestigungen. Das von Obstbäumen umkränzte Dörfchen 
liegt reizend in windgeschützter Lage an der Sonnseite des 
Wechsels. Saftig grüne Wiesen, goldene Kornfelder und schattige 
Waldschluchten, in welchen über riesige bemoste Felsblöcke 
klare forellenreiche Gebirgsbäche niederrauschen, folgen im 
bunten Wechsel; wohin wir aber auch unsere Schritte lenken, 
erschliessen sich bezaubernd schöne Landschaftsbilder, von der 
unbegrenzten ungarischen Tiefebene, bis zu dem langen Zuge 
der Fischbacher Alpen, vor Allem haftet aber der Blick, über 
das reich cultivirte Südgelände des Wechsels hingleitend, auf 
den mächtig sich ausdehnenden Bauten des Stiftes Voran. 

Sehr hübscher Spaziergang nach dem Dörfchen Burg- 
feld, y2 Stunde, zweifellos einst der Sitz derer von Burch- 
velde, die in nordoststeirischen Urkunden vorkommen. Gast- 
haus: Josef Strasser „zur eisernen Hand". 

Weiters nach Festenburg, blau- weiss markirt, 1 V2 
Stunde, nach Friedberg roth-weiss markirt, etwas steil, doch 
prächtige Aussicht, 2 Stunden, zur Thalberger Schwaig, 
roth-weiss markirt, 1 ^2 Stunde ; von hier zur Vorauer Schwaig 
1 Stunde und zum Hochwechsel 1 y. Stunde, somit 4 Stunden 
von St. Lorenzen. 



96 



E. (Friedberg) Beigtitl-Bruok-Mönnloliwald- Wald 

baoli - Wenigzeil - St. Kathrein am Hauenstein - 

Krieglach. 

Friedberg- Waldbach 29*7 Kilometer, Waldbach-Wenig- 
zell 5*7 Kilometer, Wenigzeil - St. Kathrein 13'3 Kilometer 
St. Kathrein - Krieglach 16-4 Kilometer. 

Von Beigütel zweigt, der Lafnitz entlang, die wichtige 
Bezirksstrasse von der Vorauerstrasse ab, die über Brück, 
Mönichwald, Waldbach, Wenigzeil nach St. Kathrein am Hau- 
stein und von hier über den Alpsteig in's Mürzthal führt. 

In der Mitte des 12. Jahrhunderts sandte das damals 
erstandene Stift der Augustiner Chorherren zu den wenigen, 
in den Urwäldern des Vorgeländes des Wechsels hausenden 
Menschen die ersten Priester ; sie bahnten sich die Wege dm-ch 
das Gestämme des Hochwaldes, sie fällten uralte Eichen und 
Tannen und zimmerten in aller Waldeinsamkeit an rauschenden 
Wässern ein Kirchlein, und von hier zogen sie wieder aus in 
die verlorenen Gräben und Winkel und verkündeten die Gebote 
Gottes und die Lehren des Evangeliums, und wenn nun das 
Glöcklein der Kirche erschallte, da kamen die Menschen aus der 
Einschiebt zusammen und schaarten sich um das Gotteshaus, und 
so entstand die Gemeinde, und Ende des 12. Jahrhundertes waren 
alle diese Colonien der Vorauer Chorherren schon vollkommen 
organisirt, deutlich erinnern aber noch heute ihre Namen an die 
Art ihrer Gründung: Mönichwald, Waldbach, St. Jakob im Walde, 
Thomas im Walde etc. Heute sind die Urwälder meist ausgerodet, 
und gebahnte Strassen durchziehen das Bergland, aber immer noch 
liegt der weihevolle Zauber der Waldeinsamkeit, über dieser 
Welt von Schluchten und Thälern, von verworrenen Höhenzügen, 
sonnigen Geländen und wildzerrissenen Flussbetten. Weitab 
liegen die Schienenstränge, und selbst die trauliche Melodei 
des Posthornes drang nie in diese Waldviertel. Rauschende 
Wässer, hie und da eine kleine Mühle treibend, fröhlicher 
Vogelsang und das melodische Geläute der verlorenen Wald- 



— 97 - 

kirchen zum Morgen- und Abendgebet unterbrechen hier allein 
die feierliche Stille, die über dieser Landschaft lagert. Der 
Freund der Natur, der ihrem Pulsschlag zu lauschen versteht, 
wird hier überall täglich neue Schönheiten entdecken und für 
manche Wunde des Herzens heilende Kräuter finden. 

Die wenigen Ortschaften, einfache aber gastliche Heim- 
stätten bietend, bestehen meist nur aus wenigen Häusern, denn 
die Bauern lieben das Leben in der Einschiebt. Wer somit 
einmal so ganz und voll ausruhen will in stillen Waldvierteln 
bei treuherzigen schlichten Menschen, weit abseits der Heer- 
strasse, der mag seinen Wanderstab nach diesen uralten Colonien 
des Stiftes Voran lenken. 



Beigütel-Bruck, 1% Stunden bequem. 

Die Bezirksstrasse führt im Thale der Lafnitz, welches 
von dicht bewaldeten Höhen umschlossen ist, aufwärts, zuletzt an 
mehreren, dem Stifte Voran gehörigen, aufgelassenen Hammer- 
werken vorbei, zu der Häusergruppe Brück, an der Vereinigung 
des Schlossbaches mit der Lafnitz. — Brück besitzt zwei statt- 
liche stockhohe Gasthäuser, und zwar Johann Robl, mehrere 
Zimmer mit trefflichen Betten, ä 30 kr., freundliche Wirths- 
leute, und Br.ückenwirth, gleichfalls mit Zimmern. — Brück 
ist die Station für den Besuch der Festenburg mit den 
berühmten Fresken Hackhofers, welche kein Kunst- 
freund am Wege liegen lassen soll. Dem kräftig dahinschäumen- 
den Schlossbache entgegen, wandern wir das prächtige Wald- 
thal aufwärts; Birken und Lärchengruppen bedecken die Hänge, 
während im Grunde des Thaies Erlen und Buchen unseren 
Weg beschatten. Da plötzlich, kaum eine halbe Stunde Weges 
von Brück, steigt aus der Thalweitung vor uns auf wald- 
umkränzter Höhe der schmucklose, massige Bau der Festen- 
burg empor; rascher streben wir nun diesem unserem Ziele 
zu, enger wird das Thal, lauter rauschen die Wässer und 
dichter und dichter umschattet der Wald unseren Pfad, bis 
wir zu dem malerisch am Fusse der Festenburg gelagerten 



- 98 — 

Dörfchen Demmeldorf gelangen, wo der stattliche Gast- 
hof des J. Schwarz „zum lustigen Schmied" uns zur East 
gar freundlich einladet, zwei hübsche Fremdenzimmer mit 
sechs Betten, k 30 — 40 kr. pro Tag. Von hier nach St. Lo- 




Schloss Festenburg. 



renzen 1 V2 Stunde, über den hübschen Aussichtspunkt Knappen- 
reith. Weg weiss-blau markirt, und ebenso markirt am Wechsel. 
Von Brück bis Demmeldorf 1 Stunde, nun rechts über die 
Brücke und den Bach links lassend den Wald hinauf; der 
schmale Fahrweg zieht sich in starker Steigung um den 
Berg, tritt zuletzt aus dem Wald auf einen freien Hang mit 



— 99 — 

prächtigem Blick auf den Wechsel ; links einfache Schlosstaverne» 
zwei Zimmer mit vier Betten. 

Schloss Festenburg, y2 Stunde von Demmeldorf. 
Jetzt unmittelbar vor dem Schlosse stehend, sehen wir erst 
dessen zur Vertheidigung gut gewählte Lage, auf dem äussersten 
Ende eines vom Wechsel niederstreichenden Höhenzuges auf 
einem durch eine Einsattlung hievon getrennten, nach allen 
Seiten steil abfallenden Felsgipfel. Endlich stehen wir vor 
dem Thorbogen der Burg, die uns mit ihrem ausspringenden 
viereckigen Thurme und dem reichlich mit Schiessscharten ver- 
sehenen Wehrgange drohend entgegenblickt Kaum haben wir 
aber die Schwelle der Burg tiberschritten, so prallen wir auch 
schon wieder schaudernd zurück vor dem grausen Anblick 
der Statue der heiligen Katharina, die uns den blutigen 
Stumpf des abgeschlagenen Halses entgegenstreckt, während das 
Haupt in der Luft darüber baumelt. Wir stehen in dem engen 
Burghofe, wo eine geisterhafte Ruhe herrscht, nur ein laufender 
Brunnen murmelt sein eintöniges Lied, endlich regt sich langsam 
eine menschliche Gestalt, es ist der Messner, der uns flüsternd 
um unser Begehr fragt und uns sodann in beschaulicher Einfalt 
in die Miste rien der Burg einführt. Aller Wahrscheinlichkeit nach 
von dem gleichnamigen Geschlechte, von welchen 1168 ein 
Weichard v. Vestenburg erscheint, erbaut, kam die Burg später 
an die Montfort und Saurau, und 1616 an das Stift Voran, wozu 
sie noch heute gehört. Der Zugang zur Burg war durch fünf 
Thore und Bollwerke stark vertheidigt und widerstand 1529 
der Belagerung durch die Türken, an welche noch die am 
Thore eingemauerten steinernen Kugeln erinnern. Aber einmal 
in Besitz des Stiftes Voran gelangt, machte die mittelalterliche 
Burgveste, die bei drohender Kriegsgefahr eine Zufluchtsstätte 
für das Kirchberger Nonnenkloster bilden sollte, eine merk- 
würdige Umwandlung zur Kirche, umgeben von vielen Passions- 
kapellen, mit, und zwar 1707 begonnen unter Probst Phillipp 
Leisl, 1723 vollendet unter Franz Sebastian Graf Webers- 
berg. Aber nicht diese bauliche Umgestaltung hat den Ruf der 
Festenburg begründet, sondern deren herrliche Ausschmückung 
durch Hackhofer. 



— 100 — 

Johann Cyriak Hackliofer, 1658 bei Inns- 
bruck geboren und in Italien ausgebildet, kam 1700 nacli 
Vorau, leider zu spät, um noch die Hauptfresken der Stifts- 
kirche ausfahren zu können, so dass er nur den neuen Capitel- 
saal und namentlicli die Sacristei mit den Gestalten seinei 
ktkhnen Fantasie verschönern konnte. Hierauf wurde Hackhofei 
Stiftsmaler und Bürger des Marktes Vorau, und nun findec 
wir ihn rastlos thätig, mit seinem genialen Pinsel die Kirchei: 
und Kapellen der dem Stifte Vorau incorporirten Pfarren ic 




J. C. Hackliofer's Selbstportrait, 

nach dem Gemälde in der Sakristei in der Stiftskirche in Voran. 



Fresko und Oelfarbentechnik verschönernd und das Leben dei 
Kirchenpatrone verherrlichend, bis er am 9. Mai 1731 zu Vorai 
starb, wo wir seine Grabstätte wieder finden werden. Seine 
Lieblingsschöpfung war jedoch zweifellos die Ausschmückung 
der vom Probste Leisl 1707 zu Capellen umgebauten Festen- 
burg, welche eine Apotheose des Märtyrerthums der heiligeB 
Katharina symbolisiren sollte. Der Rittersaal wurde zur Kirche, 
und 6 Zimmer zu Passionskapellen umgestaltet, und nnn kam 



— 101 ~ 

Hackhofer, der grosse Meister des Fresko, und Hess hier in 
dem weltverlassenen Bergschlosse dem kühnen Fluge seiner 
künstlerischen Phantasie freien Lauf. 

Wir steigen eine Treppe empor und heginnen nun den Gang 
durch die Passions-Kapellen, die uns düstere Bilder schwärmerischer 
Verzückung entrollen. Der Künstler, dem vielleicht nur spärliche 
pecuniäre Mittel zu Gebote standen, wandte hier alle malerischen 
Kunstgriffe an, um das Gemtith des Beschauers in eine mystische 
Stimmung zu versetzen, Gewitterwolken von Blitzstrahlen durchzuckt, 
jagen über uns dahin, Kerker mit geborstenem Mauerwerk, ver- 
morschten Decken, furchtbaren Eisenthüren und vergitterten Fenstern 
erfüllen uns mit Schauder und dort fällt wieder durch violettes Glas 
ein fahler Sonnenstrahl auf die düstere Scenerie der Blutschwitzung 
am Oelberg und auf den Erlöser. Endlich treten wir aus der letzten 
Kapelle und nun öffnet uns ein Sei tenpf Örtchen den Eingang in die 
Kirche; da ist nun der finstere Bann gebrochen, der uns befangen 
hatte, das Märtyrerthum ist beendet und eine Welt holdseliger Ge- 
stalten schwebt jetzt über uns in himmlischer Lust und Freude. Am 
Hochaltarblatte sehen wir jetzt die hl. Katharina gegen den Himmel 
schweben und nun setzt sich die Handlung in dem die ganze Decke 
der Kirche überziehenden Fresko fort. Mit diesem Decken fr esko 
der Festenburger Kirche hat Hackhofer sein Meister- 
werk geschaffen, ein Werk, welches unzweifelhaft zum Heitersten 
und Vornehmsten zählt, was die Barockmalerei geschaffen hat. Die 
hl. Cäciiie dirigirt das himmlische Orchester, die heiligen Jungfrauen 
horchen auf und gesellen sich nach dem Hang ihrer Seelen, und 
musicirende Engel umschweben wieder die edlen Gruppen holdseliger 
Frauengestalten in wallenden Gewändern , und zuletzt schliessen 
wieder jubilirende Schaaren himmlischer Genien, Blumengewinde 
tragend und Rosen ausstreuend, den Reigen. Den Meister der Decora- 
tionsmalerei finden wir aber hier wieder bei dem Altare, der sich 
uns auf einige Entfernung als pompöser, von glänzenden Marmor- 
säulen getragener Barockbau darstellt, thatsächlich aber nur aus 
mit feinem Verständniss der perspectivischen Wirkung gemalten 
Coulissen besteht. *) 

In einer starken Stunde erreichen wir wieder unser 
Quartier in Brück an der forellenreichen Lafnitz, > on wo wir 
auf weiss-blau raarkirtem Wege in 1 % Stunden n^ich Voran 
gelangen können. 



*) Vorzügliche Aufnahmen dieser Festenburger Fresken sind in mehreren 
Formaten heim k. k. Hof-Photographeu Leopold Bude, Graz, Alleegasse, zu bekommen. 



— 102 



Bruck-Mönichwald, 85 Minuten. 

jl Wir folgen jedoch weiter dem Lafnitzthal und erreiche 

in einer starken halben Stunde das Dorf Mönichwald, am Eir 
flusse des vom Wechsel kommenden Ledererbaches in die Lafnit 
lieblich in einer kleinen Thalweitung, von Obstcultaren amgebei 
gelegen. Gasthaus : Taverner 2 Fremdenzimmer, Karl im Dor 
Mönichwald, Pfarrdorf mit 10 Häusern. 597 M. Se( 
höhe. Die Ortsgemeinde Mönichwald mit 118 Häusern un 
844 Seelen. Die den Aposteln Petrus und Paulus geweiht 
Kirche wurde in ihrer jetzigen Gestalt 1716 im zeitgemässe 
Barockstile in Kreuzform erbaut und besitzt ein treffliche 
Hochaltarblatt, die Kirchenpatrone darstellend, von Hackhofei 
Nahe dieser Kirche steht noch die alte, am 23. Jali 158< 
durch Bischof Martin Prenner von Seckau consecrirte Ulrichs 
käpelle, die später als Schulhaus diente und jetzt, seit Erbaaun 
des neuen Schulhauses, als Todtenkammer benutzt wird. Di 
Pfarre wurde 1163 errichtet und dem Benedictinerstift Form 
bach in Baiern übergeben, bei welchem sie bis zur Säcularisirun 
dieses Stiftes 1804 verblieb, worauf sie dem Bisthume Secka 
einverleibt wurde. 

Aufstiege am Wechsel: Ueber Dörfl und Laschhütte 
oder über Harmtodt und Laschhütten, je Z^/^ Stunden bis zi 
Pyramide. 

Mönlchwald-Waldbach, 40 Minuten. 

Von Mönichwald ist abermals nur ein kleiner Spaziei 
gang nach dem reizend gelegenen Pfarrdorf Wald bach, w 
sich die von Süden heraufkommende Lafnitz mit dem von Weste 
heranziehenden Waldbach vereinigt, um sodann, in rechtei 
Winkel abbiegend, einen östlichen Lauf zu nehmen. Gasthäusei 
Witwe Saurer mit Schiessstätte, Fremdenzimmer; Matschinel 
Fremdenzimmer. 

Waldbach, Pfarrdorf mit 12 Häusern. 623 M. Seehöhi 
In der gleichnamigen Gemeinde mit 126 Häusern und 745 Eii 



103 



wohnern, eng eingebettet zwischen den Steierberg (westlich), Arz- 
berg und Rottalberg (nördlich) und den steil abfallenden Buch- 
wald (südlich), während östlich das Thal der Lafnitz gegen 
Mönichwald sich erstreckt. 

Die Pfarrkirche hat einen gothischen Chorschluss aus der 
Zeit der Erbauung, und einen Zubau aus dem Jahre 1700. 




Waldbach. 



Der hohe spitze Thnrm wurde in seiner heutigen schlanken 
Form 1873 hergestellt. Das dem heil. Georg geweihte Kirchlein 
war früher eine Filialkirche der Pfarre St. Jacob im Walde 
und wurde erst 1701 zu einer selbstständigen, dem Stifte Voran 
incorporirten Pfarre erhoben. 

Einst muss dieser Ort grössere Bedeutung wie heute be- 
sessen haben, da, wahrscheinlich bis gegen Ende des 15. Jahr- 



104 



hunderts, sich auf dem nahen Haus^iesenberg die Stammbai 
derer von Hertenfels sich erhob, und am Arz(Er2-)berg e 
lebhafter Bergbau auf Eisenerz und Schwefelkies betrieben wurd 
wie auch am Rottalberge die Rot taler als steirische Man 
und Bergherren ein Bergwerk betrieben, wohl im 15. und 
der ersten Hälfte des 16. Jahrhundertes, als sie Besitzer v( 
Thalberg waren, zu dessen Dominium diese Gegend bis zu 
Jahre 1848 gehörte. Hertenfels soll durch einen Bauernauf stai 
zerstört worden sein. Auch der sogenannte Galgenriegel, nal 
dem Pfarrhofe, erinnert an einen einst hier bestandenen Edelsil 
Das Gebirgsdörfchen mit seinen netten, sehr schönen, aus Ste 
gebauten Häusern eignet sich sehr gut zur Sommerfriscl 
für anspruchslosere Städter, da von hier aus, den Thälern d 
Lafnitz-, des Wald-, Weissen- und Oflfenbaches entlang und 
dem prächtigen Buchwald, reizende schattige Spaziergänge si 
erschliessen, gleichwie die umliegenden Dörfer Wenigzeil, St. Jaco 
sowie Markt und Stift Voran, sehr lohnende Zielpunkte grösser 
Ausflüge, durchwegs in 1 Y2 bis 2 Stunden erreichbar, bilde 
Die schönste Gebirgspartie, die von Waldbach jedo 
unternommen werden kann, ist die Besteigung des Wechsc 
über die G'meineben, auf markirtem Wege 

Das Land der Jackler. 

Wenn man vom Hochwechsel eine Linie südlich üb 
Waldbach und der Lafnitz entgegen bis zu dem nördlichen Greu 
kämm des Pöllauer Kessels, und von hier südwestlich über d 
Kammlinie bis zum Gschaid zieht, und diese Linie von hier z 
Feistritz hinab und jenseits wieder hinauf zum Kamme der Fisc 
bacher Alpen und über diesem bis wieder zum Wechsel bina 
verfolgt, so hat man so ziemlich die Grenzen des Jackelland 
berührt, und es zeigt sich ein unregelmässiges Geviert von cir 
je 6 — 7 Stunden Breite und Länge, die Pfarrdörfer Waldbac 
Wenigzeil, Strallegg, Fischbach, Ratten, St. Kathrein, Rettenei 
und die Hauptstadt des Jackeilandes, St. Jacob, einschliessen 

Es ist ein gar merkwürdiges Land, das Reich der Jackl( 
das man in ganz Steiermark nirgends wieder findet; es i 



— 105 




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kein Alpenland, und es ist keine Thalniederung, es hat keine 
Ebenen und keine Htigehi, es hat fast keine Thäler und keine 
Felsenzinnen in seiner Mitte. Ein merkwürdiges Gewirre von 



106 — 



tiefen Waldschluchten und steinigen Hängen, von kleinen Hoch- 
flächen und aufstrebenden Kuppen erfüllt das Land, nament- 
lich im weiten Umkreise von St. Jacob, Die Schönheit des 
Landes liegt in seinen wunderbaren Waldschluchten, durch 
welche tosende Wildbäche über mächtige mosige Felsblöcke 
dahinrauschen. Die Jackler, die in Rosegger einen so ausge- 
zeichneten Schilderer gefunden haben, könnten kaum ihr Lebec 
fristen, wenn sie nicht so aufgeweckt, rührig und genügsam 
wären, denn nur in harter Arbeit kann dem steinigen Bodei 
Hafer und Gerste, etwas Roggen und das nöthige Heu zui 
Viehzucht abgerungen werden. Die Bauernhöfe sind weit zer- 
streut an den Hängen und die Dörfer bestehen meist nur aus 
wenigen Häusern, unter welchen der Pfarrhof wie ein Herren- 
schloss sich ausnimmt. Die Höfe der Jackler in der Einschichl 
sind so ärmlich, wie der Boden unfruchtbar, worauf sie stehen 
und das tägliche Brod ist gar kärglich, das fette Kochen dei 
Speisen, wie in Obersteier, kennt man hier nicht, höchstens 
werden Mehlspeisen in Leinöl ausgebacken. Aepfel und Birnen 
die vereinzelt gedeihen, werden zu Spalten zerschnitten unc 
getrocknet und im Winter verspeist. Das tägliche Gericht is 
aber eine Art Milchsuppe, in welcher Mehl eingekocht wird 
Fleisch gibt es nur an hohen Festtagen, da alles gezüchtete Viel 
in's Mürzthal hinaus verkauft wird. Merkwürdig ist, dass in dei 
Sommer- und Herbstmonaten so viele Jackler in die Fremd« 
wandern, als Maurer, Weber und Zimmerleute, und zwar nacl 
Obersteier bis nach Niederösterreich hinaus, im Herbste kehrei 
sie jedoch mit wohlgefülltem Beutel wieder in das Jackellan( 
zurück. Zur Erntezeit ziehen auch viele Dirnen als Schnitterin 
neu ins Mürzthal hinaus, und bedingen sich die Mägde meis 
schon bei der Dienstaufnahme diesen drei- bis vierwöchentlichei 
Wanderzug aus, auf welchen sie sich ebenso viel verdienen, wii 
ihr Jahreslohn (15 — .20 fl.) beträgt. — Wie bei allen abge 
schlossenen Gebirgsvölkern hat sich auch bei den Jackleri 
eine tüchtige Hausindustrie ausgebildet und wird namentlicl 
in jedem Hause ein leichter Loden „Wifling" gewebt. 

Der Menschenschlag ist nicht unschön, mehr hochge 
wachsen als untersetzt, Cretins fehlen nahezu durchwegs. Trot: 



107 - 



liier Mühseligkeit des Lebens erreichen viele ein hohes Alter 
ind 70 — 80jährigen rüstigen Greisen begegnet man nicht selten. 

Die Jackler sind gute Christen, das kann man allwärt s 
eben an den vielen Wetterkreuzen auf den Höhen und an den 
Vegkreuzen an den Kirchsteigen und Strassen. Die letzteren 
ind gar schön gebaut und die vielen Kreuze von Mooskränzen 
mspannt. Auch die Kirchenfeste müssen stets mit grossem 
*omp gefeiert werden. Wie alle Gebirgsbauern, hängen die 
ackler zähe am Alten, sind aber dabei doch Neuerungen 
»icht zugänglich, wenn sie daraus einen praktischen Nutzen 
iehen können. So weicht auch das anfängliche Misstrauen 
em Fremden gegenüber, das aber bald in harmlose Neckereien 
herzugehen pflegt, in kurzer Zeit einer regen Mittheilsamkeit. 

Besonders charakterisiren im Gespräche einige Dialect- 
igenthtimlichkeiten den Jackler, er spricht schnell und dabei 
ird das o oft wie ou, das sp wie schwe ausgesprochen. Das 
.ussprechen des- o wie ou wird „jougln**' genannt, womit man 
ie Jackler-Mundart andeuten will. Das Wort Bach wird in 
er Mehrzahl zu Bäcker verwandelt, so spricht man von einem 
riesenbäcker Kirchthurm, von der Fischbäcker Strasse und 
in Waldbacher Einwohner erscheint als Waldbäker. 

Es führen keine rechten Strassen durch das Jackeiland 
nd namentlich nach seiner Hauptstadt, nur armselige Gemeinde - 
ihrwege verbinden die Ortschaften ; wozu auch die Strassen, 
enn nichts zum Verführen da ist, als ein paar Kohlenfuhren, 
ie gar mühselig ihre Last in's Mürzthal hinüberschleppen. 
Is v^'ird lange nicht anders werden im Jackelland, denn auf 
bsehbare Zeiten wird es ausser dem Weltverkehr liegen bleiben 
lit seinen romantischen Waldschluchten und steinigen Thal- 
ängen. 

Der fremde Wanderer jedoch, der einmal in 
inem abgeschiedenen Weltwinkel volle Ruhe und 
ollen Waldfrieden sucht, wird hier sein Ziel finden. 



— 108 — 



Waldbach - $t. Jacob, V/t Stunden Fahrweg. 

Von Waldbach gelangt man auch verhältnissmässig an 
bequemsten nach dem 915 M. hoch gelegenen Gebirgsdörfchei 
St. Jacob im Walde, einer der ältesten Colonien des Stifte: 
Voran, der Hauptstadt des Jackeilandes, indem man dem, den 
Waldbache entgegenführenden Fahrwege, der sich zuletzt recht: 
steil gegen St. Jacob hinaufzieht, folgt. 

Gasthäuser: Arzberger (Ferdl im Dorf), 2 Zimmer; Hans 
im Dorf. 

Das kleine Pfarrdörflein besitzt ein uraltes, schon 1201 
urkundlich erwähntes Kirchlein, welches jedoch im 17. Jahr 
hundert vollständig umgebaut wurde ; der 1768 erbaute Thum 
brannte vor zwei Jahren ab, ist jedoch seither wieder her 
gestellt worden. Am Dorfplatze alte Linde. Die Pfarre is 
seit Bestehen dem Stifte Voran incorporirt. Der schöne, ge 
räumige Pfarrhof wurde 1732 erbaut. Die Schule ist einclassig 
In der Umgebung St. Jacobs mehrere Pestkreuze. St. Jacol 
nur wenige Häuser zählend, gilt als die Hauptstadt des Jackel 
landes, welches bekanntlich in Rosegger einen ausgezeichnete! 
Schilderer gefunden hat. 

St. Jacob liegt, vollständig abgeschlossen von allen Verkehrs 
ädern, mitten in den Bergen, und ist den Wechselwinden stark aus 
gesetzt; auf den Höhen balzt der Auer- und der Schildhahn un 
in den vielen Bächen tummelt sich die edle Gebirgsforelle, un 
wer daher, auf allen gesellschaftlichen Verkehr verzichtend, nn 
volle Waldeinsamkeit sucht, wird in dieser Einschiebt ein Asv 
finden. Dass die Gegend von Gesundheit strotzt, zeigt das hob 
Alter, welches die Bewohner, die nahezu ausnahmslos in de 
Einschiebt leben und in harter Arbeit dem steinigen Boden da 
tägliche Brod abringen müssen, erreichen. 

Von St. Jacob führen, meist über bedeutende Höhen, Uebei 
gänge, nördlich nach Rettenegg in 2 Stunden, und westlich naci 
dem von Wiener Sommergästen stark frequentirten grosse 
Dorfe Ratten (beide an der Feistritz) über das Jacobereet 
1137-6 M., in gleichfalls 2 Stunden, und südlich über Berg un 
Thal nachWenigzell in 1 V4 Stunden. Nach Fischbach 4 Stundet 



— 109 — 

lach St. Katbrein ^^/^ Standen, nach Strallegg 2 Stunden, 
^.ussichtspunkt Blasenberg (1 ^/^ Stunden), Eckberg (^/^ Stunden), 




St. Jacob im Walde. 

rrandhoferböh (1 Stunde), Prinzkogel (iy4 Stunden). Bergwerk 
uf silberhaltiges Bleierz. Am Hoch Wechsel, weiss-braun 
riarkirt, 5 Stunden. Kein Gasthaus unterwegs. Treffliche Jagd 
luf Rehe, Auer- und Birkhahn. 



— 110 — 



Waldbach -Wenigzeil, l^t Stunden. 



Bei Waldbach übersetzt die von Beigütel her immei 
am linken Ufer der Lafnitz führende Bezirksstrasse diesen Flusi 
tind folgt ihm nun am rechten Ufer noch circa 40 Minuten hh 
zu ihrer Vereinigung mit der von Voran heranziehenden Strasse 
Nun noch eine schwache Stunde zum Hochplateau von Wenigzel 
oder zur sogenannten „zottigen Buche" im Grassgraben unc 
Schmiedzenzel über die G'mein auf Fusssteigen stark 1 yj Stunden 

Gasthäuser in Wenigzell: Taverner (Weber) 2 Zimmer 
„zur Post", 2 Zimmer. In beiden Gasthäusern gute Küche und Bier 
— K. k. Postexpedition. —Fahrgelegenheiten: nach Krieglach 8 fl 
nach Voran 4 fl., nach Pöllau 6 fl. 

Wenigzeil, Pfarrdorf mit 15 Häusern, resp. 20HäuserE 
und 192 Einwohnern, Pfarre 136 Häuser und 1200 Einwohner, 
liegt ungemein lieblich auf einem 828 M. hohen Plateau, rings 
von waldigen Höhen eingeschlossen, 2 Stunden von Vorau, 
1 ^2 Stunden von Waldbach, ^/^ Stunden von St. Jacob. Schoc 
im Jahre 1209 stand hier eine Kapelle, in welcher der Seel- 
sorger von St. Jacob im Walde Gottesdienst halten musste. 
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts war aber hier 
schon eine eigene Pfarre. Die jetzige Kirche wurde jedoch 1735 
nahezu ganz neu umgebaut. Die Kirche hat fünf Altäre, dar- 
unter den heil. Patrizaltar, an welchem der Heilige an Fest- 
tagen und namentlich am 17. März stets von einer grossen 
Volksmenge verehrt wird. Die schmucke Kirche ist mit Fresken 
und Stuck reichst decorirt. Besonderes Interesse verdienen 
jedoch die von Hackhofers Meisterhand mit (heute leider schon 
stark verwitterten) Fresken geschmückten fünf Friedhofkapellen. 
Zwei Pestsäulen, von 1680, erinnern an die Anwesenheit des 
furchtbaren Gastes. 

Wenigzeil ist reich an Spaziergängen von meist ge- 
birgigem Charakter, und zwar 1. nach Vorau, 2 Stunden 
(Strasse); 2. nach Waldbach, Fussweg durch Wald 1 Yj Stunden, 
sehr lohnend; 3. nach Strallegg (2 Stunden), über den 
„todten Mann", eine Stelle, wo man die PöUauer Strasse bei 
den Wetterkreuzen überschreitet, oder über das Kerschenbauem- 



— 111 — 



ick; 4. auf die Wildwiese, 1256 M, mit Wallfahrtskapelle 
luf der Spitze, 1 y^ Stunden. Nur mit Führer. 

Schönstes Panorama der Umgebung: Norden: Der 
^ag von Stubleck über den Sattelberg zum Wechsel; Osten: über 
las Stift Voran hin die ungarische Tiefebene mit dem Neu- 
iedler-See; Süden: Rabenwald, Zetz-Schöckel; Westen: Pretul- 
Jpe, die prächtige Felsenmauer der Hochschwabkette, Schnee- 
ilpe und Eax. 

Interessant ist der Steinbruch in der nahen Ortschaft 
Jommersgut, in welchem schöne Mühlsteine gebrochen werden. 
>er Berg gleicht mit seinen vielen Stollen, Höhlungen und 
längen förmlich einem Labyrinth und verdient besichtigt zu 
werden. Herr G ei ssler, Miteigenthümer des Steinbruches, ist 
tets bereit. Fremde dahin zu führen. Um Wenigzell berühmte 
Luerhahnjagd, vom Herzog von Parma gepachtet; Jagdleiter 
lerr Simon Geissler. Von Wenigzeil Gemeindefahrweg, meist 
,uf den Kämmen der Berge hinlaufend, in das Feistritzthal, 
1 y4 Stunden; von hier noch 2/4 Stunden nach St. Kathrein, 
nd von hier 3 Stunden nach Krieglach. 



Route IL Vorau- 

Gasthäuser: Holler Franz, 4 Zimmer mit 6 Betten; Höller 
Ignaz, 2 Zimmer mit 4 Betten k 40 kr., gute Küche; Prettenhofer 
Alois, 8 Zimmer mit 6 Betten, gute Küche; einfacher Spitzbauer Paul, 
2 Zimmer, 2 Betten, gutes Getränk. Stiftstaverne vorzügliche 
Küche und Keller. — Post- und Telegraphenstation. Post- 
abfahrt täglich 6 Uhr Abends nach Rohrbach zum Anschlüsse an 
die Friedberg-Hartberger Post. 

Vorau. Orts-, Catastral- und Marktgemeinde mit 
97 Häusern und circa 700 Einwohnern. Sitz eines k. k. Bezirks- 
gerichtes saramt Steueramt, der Bezirksvertretung und des 
Bezirksschulrathes, sowie eines Doctors der Medicin und zu- 
gleich Decanatspfarre, incorporirt dem Stifte Voran. Der aus- 
gedehnte, aber unregelraässig gebaute Markt liegt am soge- 
nannten Marktbache eingebettet in einer Thalenge, 660 M. 
ü. d. M,, südwestlich tiberragt von dem 33 M. höher liegendeu 
Chorherren- Stifte Vorau, w^oselbst auch die fünfclassige Volks- 
schule, sowie die Gerichtsbehörden untergebracht sind. Im 
weiten Umkreise wird der Markt von jenem schönen , reich 
cultivirten Vorgelände des Wechsels, welches sich südlich sanft 
abdacht, um nach dem Durchbruche der Lafnitz, allmählig in 
zahlreiche Ausläufer verästet, wieder bis zu den Höhen des 
Masenberges anzusteigen, umsäumt, und erschliesst sich von 
jeder Höhe, namentlich aber vom Plateau des Stiftes aus, ein 
herzerfreuender Rundblick auf den durch üppigste Bodenplastik 
und reichsten Wechsel der Culturen wundervoll belebten Kranz 
reizender Bergformen. 

Der Markt, der von einer schlecht gepflasterten, ab- 
schüssigen Strasse durchzogen wird, zeigt am Plateau ein sehr 
altes Haus, derzeit Gemeindehaus, welches durch die steil auf- 



— 113 — 

ragenden Staffelgiebel ein festungsartiges Aussehen erhält und 
einst Eigenthum des berühmten Stiftsmalers J. C. Hackhofer 
gewesen sein soll. Etwas tiefer liegt die 1202 eingeweihte 
Filialkirche St. Egiden, die nach dem grossen Brande des 
Stiftes 1237 zur Pfarrkirche erhoben wurde und als solche 
bis zur Rückverlegung der Pfarre in das Stift 1783 diente. 
Die Kirche, ursprünglich romanisch, späijer gothisirt, wurde 
mehrfach, zuletzt, 1708, im Barockstile umgebaut. Die Decke 
der Kirche schmückt eine grosse Freske von Hackhofer, die 
heil. Dreieinigkeit, Maria als Himmelskönigin, und den heil. 
Augustin, Thomas, Florian und Egidius darstellend, während 
die Altäre, die Altarbilder heil. Egidius und heil. Agathe, 
dann heil. Donatus und heil. Erhard zieren. Ausser der Kirche, 
am ehemaligen Friedhofe, steht südlich noch das schmiedeiseme 
Kreuz des Grabes Hackhofers, welches rückwärts ein zu öffnen- 
des Thürchen hat, in welchem nachstehende, nur mehr schwer 
lesbare Inschrift steht: „Alhier lieget in Gott der Wohledle 
Kunstreiche Herr Johann Cyriach Hackhoffer weiland berühmter 
Mahler in dem Löbl Stift Voran und Stadt Hartberg nebst 
erster Frau Ehegemahlin, der Wohledelgebornen Frau Maria 
Katharina eine geborene Zötterin, beyde von Inspruck aus 
Tirol gebürtig, welche Fraii den 4. Jänner zwischen 11 bis 
12 Uhr Mittags 1725 ihres Alters 48 Jahr, und Herr Johann 
Cyriach den 9. May 1731 um 4 Uhr Nachmittag in dem 73. Jahr 
alt, beyde alhier in dem Chorherrn-Stift Voran in Gott seeliglich 
entschlaffen. Bethet für sie, damit sie im Frieden ruhen Amen. 
1819." 

Nicht lange duldet es uns jedoch in dem eng zusammen- 
gedrängten Markte, und nach kurzer Rast steigen wir anfangs 
auf ziemlich schlechtem Knüppelweg in einer Viertelstunde be- 
quem zu dem auf dem breiten Rücken eines sich abdachenden 
Hügelzuges mächtig ausgebreiteten Stiftsgebäude, 693 M. ü. d. M., 
empor. Oben angelangt, zeigen sich nach allen Seiten über- 
wältigend schöne Landschafts- wie Architektur-Bilder. Zur 
Rechten ladet uns eine herrliche dreifache Allee uralter 
Linden, vielleicht der schönsten in Steiermark, deren schon 
im 14. Jahrhundert, gelegentlich der Bezeichnung der Kirche 

8 



- 114 




Das Chorherrenstift Vorau (1888). 

S. Joannis sub tiliis gedacht wird, zu erquickender Rast, 
während zur Linken das riesige Stiftsgebäude mit seinen steilen 
Thürmen in stolzer Kraft, wie es im Laufe von über sieben 



115 - 



Jahrhunderten entstanden ist, vor uns aufsteigt. Lassen wir 
ins unter dem weithinschattenden Laubdache dieser ehrwürdigen 
Juden auf weicher Moosdecke nieder, so entrollt sich vor 
ms eines jener bezaubernd lieblichen Landschafts- 
>ilder, an welchen die nordöstliche Steiermark so 
eich ist. Ueber dem zu unseren Füssen liegenden Markte 
teigen höher und höher, die reich bebaute Sonnseite uns 
agewandt, hie und da durch ein Kirchlein und zerstreute 
läusergruppen belebt, die allseitig zu der kahlen Kammlinie 
[es Wechsels anstrebenden Höhenzüge vor uns auf, und dieser 
eiche Wechsel von Thal und Hügelformen, von düsteren 
Valdesmassen, bunt durcheinanderlaufenden Acker- und Wiesen- 
eidern bis zu den in blauen Fernen lagernden Alpenraatten, 
ereinigt sich hier zu einem wahrhaft herzerquickenden Bilde 
[er Mittelgebirgslandschaft. 

Wenden wir uns nun dem Stiftsgebäude zu, so begegnen wir 
orerst rechts eine von steinernen Statuen umgebene Mariensäule, 
welche, wie ihre Inschrift sagt, anlässlich der 1713 herrschenden 
i^est errichtet wurde. An dieser Votivsäule vorüberschreitend, 
tehen wir sogleich vor dem 1 1 B^lafter hohen Thorthurme des 
.619 erbauten stockhohen Vorgebäudes (siehe Seite 11 6), welches 
lurch seine zwei Seitenflügeln mit dem Stifte verbunden ist. 
nnerhalb dieses Thorthurmes, der in seiner heutigen Gestalt 
inter Probst Filipp Leisl, 1692, entstanden ist, weist uns 
lOch ein mächtiges Fallgitter seine eisenbewehrten Zähne. 
Nir stehen nun in dem weiten Hofraume, der auf drei Seiten 
on dem erwähnten Vorgebäude eingeschlossen ist, während auf 
ler vierten die Westfa^ade der Kirche, beiderseits flankirt von dem 
)tiftsgebäude vor uns aufsteigt. Bevor wir aber weiterschreiten, 
erlockt uns wohl zur Linken die im Vorgebäude befindliche 
»tiftstaverne, zur Rast, und gar traulich lässt sich's weilen 
11 den uralten Stuben bei trefflichem Klosterwein und gar 
chmackhafter Küche (Forellen), die uns die streng gehaltenen 
♦"astengebote leicht verschmerzen lassen. Setzen wir nun ge- 
itärkt unsere Wanderung fort, so stehen wir bald vor dem 
rhore, der von zwei sogenannten deutschen Thürmen, den letzten 
ehrwürdigen Resten der alten romanischen Basilika, überragten 

8* 



116 



Westfai^ade der Kirche, an \Yelcher rechts das zweistöckige 
Clausurgebäude und links das mit zierlichem Stuckzierrat 
fagadirte, gleichfalls zweistöckige Prälaturgebäude angebaut 



hd 



05 
00 




ist. In beiden Gebäuden umschliesst eine dreifach^ Reihe Arcaden 
den Hofraum. Bevor wir jedoch in das Stiftsgebäude und seine 
Kirche eintreten, wollen wir von den Geschicken des Stiftes 
erzählen : 



117 — 



Ottokar VII., Markgraf von Steier, gründete aus dem Erbe 
3S Grafen Ekbert III. von Putten, 1163 das Augustiner Chorherren- 
ift zu Voran unter UebiBrgabe des praedium Vorowe sammt Besitzün- 
m an der steirisch-österreichischen Grenze bis zum Semmering an 
m Erzbischof Eberhard I. von Salzburg. Da jedoch Eberhard 1164 
arb, so erfolgte die Bestätigung der Stiftung erst durch Erzbischof 
onrad 1168 und Papst Alexander II, 1170. Das Stift, welches 
ahrscheinlich durch das Chorherrenstift Seckau (1140 gegr.) mit Abt 
uitpold colonisirt wurde, vermehrte rasch seinen Besitzstand und 
[)ernahm die zwei in der Gegend von Friedberg bis zu den Fisch- 
Eicher Alpen einzig bestandenen Pfarren zu St. Thomas im Walde 
1 Voran und Dechantskirchen, wovon Erstere die heutigen Pfarr- 
>rengel von Voran, Wenigzeil, St. Jakob im Walde und Waldbach, 
tzteres die Pfarren zu Friedberg, St. Lorenzen, Festenburg und 
echantskirchen uinfasste. Am 21. November 1237 brannte das 
inze Stift sammt Kirche ab, wobei Propst Bernhard bei Rettung 
3n Urkunden und Handschriften den Tod fand. Anlässlich dieses 
randes wurde das Pfarramt in den Markt verlegt (bis 1783). Im 
3. Jahrhunderte litt das Stift viel durch die Brandschatzungen der 
aubritter auf den umliegenden Burgen zu Reinberg, Hertenfels, 
halberg, Eichberg, Statek etc. Am 25. October 1257 wurde der 
[ochaltar in der wiederhergestellten Stiftskirche durch Bischof 
Irich I. von Seckau eingeweiht. 

Unter der ökonomischen Verwaltung des Stiftsvermögens 
urch Propst Conrad II. und Hertnid von ^'opping mehrte sich auch 
n 14. Jahrhunderte ununterbrochen der materielle Wohlstand des 
tiftes wie nicht minder die handschriftlichen Schätze der Bibliothek, 
m Jahre 1385 brannte ein grosser Theil des Stiftes ab. Dagegen 
eigte sich durch Verschulden der Pröpste Johann Straussberger 
nd Nicolaus Zink in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein 
edeutender Rückgang im Wohlstande und Ansehen des Stiftes, 
elches bei sehr gelockerter Disciplin nur mehr eine sehr geringe 
nzahl Chorherren hatte." Es wurde hierauf vom Erzbischofe von 
alzburg Andreas v. Prombeck, aus dem Stifte Berchtesgaden zur 
[eorganisation des Stiftes Voran abgesandt, welchem es auch gelang, 
ie zerrütteten Verhältnisse in jeder Richtung wieder zu ordnen, 
►ieser Probst erbaute auch die Kreuzkirche am Marktfelde ausser 
em Markte, die am 29. August 1445 eingeweiht wurde. Er 
tarb am 15. März 1453, als einer der Letzten seines Stammes, 
^nter seinem Nachfolger Leonhard, einem Mann beschaulicher 
iscese, der zum Visitator und Superior der Kanonissinnen zu Kirch- 
erg am Wechsel bestellt wurde, verlieh Kaiser Friedrich IV. dem 
tifte das Wappen des ausgestorbenen Geschlechtes des früheren 
^ropstes Prombeck, den geflügelten Greifenfuss im goldenen Felde, 
reiche Wappenfigur im Vereine mit dem alten Stiftswappen, der 
1. Thomas die Seite des Heilandes berührend, noch heute das Stifts- 



I 



\ 



- 118 — 

Wappen bildet. Unter diesem Propste litt das Stift zum erstenmal 
durch die Auflage einer sogenannten Türkensteuer zur Befestigun 
der Grenzorte und namentlich des Grazer Schlossberges. Dab( 
musste mit Rücksicht auf die Einfälle der Ungarn unter Mathia 
Corvinus auch an die Verstärkung der Wehrbauten des Stiftes g€ 
Uacht werden, und wurden, 1458, die alten Befestigungen durch An 
läge von Schanzgräben und Wällen sowie von vier Thürmen wesentlic 
vervollkommnet, so dass 1487, als der Sohn Andreas Baunakircher: 
Wilhelm (Peinkircher), als Kriegsoberst Mathias Corvinus' Hartber 
besetzt und das ganze Vorauer Viertel entsetzlich verwüstete, da 
8tift unversehrt blieb. Um jedoch allen Gefahren vorzubeugen un 
die Stiftsunterthanen vor Tod und Plünderung zu schützen, zahlt 
das Stift wiederholt sogenannte Brandschatzungen an Corvinus. I 
den Jahren 1477, 1478 und 1480 verheerten Heuschreckenztige di 
Gegend um Voran, wodurch das Stift neuerlich Schaden erlitt, Leon 
hard starb am 29. October 1493. Von seinen nächsten Nachfolger 
ist wenig zu sagen. Unter dem im Jahre 1507 erwählten Propst 
Koloman wurden die Vorauer Pröpste zu Visitatoren der Domini 
Iranerinnen in Graz ernannt, weiters erhielt der Markt Voran von 
Kaiser Maximilian, 1517, das Privilegium zweier Jahrmärkte ai 
L Mai und 14. September mit fürstlicher Freiung und das Stil 
unterm 10. October 1517 das Hals-, Pann- und Blutgericht mit StocJ 
und Galgen. Unter seinem zweiten Nachfolger Propst Stefan Fellne 
brachen in Folge der grossen Türkeneinfälle von 1529 und 153 
sowie der Reform ations wirren schlimme Zeiten über das Stift herein 
Der vierte Theil aller beweglichen Güter und alle Gold- imd Silber 
gefässe des Stiftes und der incorporirten Pfarren mussten als Kriegs 
Steuer abgetreten und viele stiftische Aemter und Zehente verkauf 
werden. Ebenso lockerte sich mehr und mehr die Ordensdisciplin um 
neigten viele Chorherren entschieden zum Lutherthume hin. Widerriefe] 
auch bei der Visitation am 5. Mai 1528 die Anhänger, der Eeformations 
bestrebungen ihr Bekenntnis?, so scheinen sie damit wohl nur meh 
äusserlich einer Zwangslage sich unterworfen zu haben, denn da 
Stift entvölkerte sich demungeachtet rapid, so dass 1539 nur mehr zwe 
Chorherren und 1545 gar nur mehr ein Chorherr im Stifte v^raren 
Erst mit dem aus dem Chorherrenstifte Berchtesgaden ent 
nommenen Propste Johann Benedict Perfall (1593) trit 
wieder ein eifriger Reorganisator der wirth schaftlichen und interner 
Ordensverhältnisse auf. Perfall verstärkte im Vereine mit den 
Propst des Pöllauer Chorherrenstiftes die militärische Bedeckung 
der Gegenreformationscommission, die im Mai 1600 die österrei- 
(■bische Steiermark durchzog, auf Stiftskosten, von 100 auf 80O Manr 
und stellte die Ordensdisciplin im Stifte wieder her, andererseits 
vermehrte er die Bibliothek des Stiftes durch Erwerbung wichtigei 
Druckwerke und Handschriften. Weiters war die neue Ausstattung 
der Kirche mit Silbergefässen, die Vollendung des Glockenthurmes 



- 119 



ind der Ankauf des Schlosses Klaffenau bei Hartberg das Werk 
iieses Propstes. Nahezu noch wichtiger gestaltete sich die Thätig- 
[eit seines Nachfolgers Daniel Gundau aus Havelberg in 
Brandenburg, welcher der zweite Gründer des Stiftes genannt 
^ird. Unter dessen Regierung erwarb das Stift die Herrschaften: 
•"estenburg 1616, Liebenau bei Graz 1620, Friedberg 1635, sowie 
las Dörerische Haus in der Raubergasse in Graz (den Yorauerhof) 
ien Münichhof bei Hartberg und viele Weinzehente. Im Jahre 1619 
iihrte Gundau das Vorgebäude des Stiftes und später das Clausur- 
;ebäude auf. Unter seinem Nachfolger Mathias Singer, einem 
gebürtigen Vorauer 1649—1662, erfolgte der Neubau der Stiftskirche, 
ind 1654 die Erwerbung der Herrschaft Peckau. Unter seinen nächsten 
wei, wenig bedeutenden Nachfolgern Johann Michael Toll, einem 
illsässer, und Georg Christoph Pratsch aus Völkermarkt in Kärnten, 
itt das Stift wieder viel durch Kuruzzen-Einfälle und Tlirkensteuern, 
dagegen erlebte das Stift unter dem kunstsinnigen Propste Johann 
Philipp Leisl, einem gebomen Grazer, wieder eine schöne 
Blütbezeit. Er hielt mustergiltig die Ordensdisciplin und bewog da- 
lurch viele Adelssprossen zum Eintritt in das Stift. Er führte die 
»stliche Seite des Prälaturgebäudes auf, vollendete das Vorgebätide 
md den Thorthurm und veranlasste die künstlerische Ausschmü- 
kung der Stiftskirche und den Umbau der Festenburg zu Passions- 
:apellen, in welchen sich Hackhofer durch seine Fresken ein unver- 
gleichliches Denkmal gesetzt hat. Unter der Regierung Leisl's fallen 
luch die letzten Kuruzzen-Einfälle von 1704, 1707 und 1708. 

Diesem eifrigen und kunstsinnigen Propste folgte 1717 Graf 
^'ranz Sebastian Webersberg, welcher gleichfalls im Stifte 
ind in den incorporirten Pfarren grosse Bauten ausführte, so voU- 
mdete er das Prälaturgebäude durch Ausbau des nördlichen und 
restlichen Flügels, worauf das früher vor der Kirchenfront gelegene 
Lite Prälaturgebäude demolirt wurde. Weiters erfolgte unter der 
Regierung dieses Propstes der Bau des durch zwei Stockwerke füh- 
■enden he rrlichen Bib lio theksaal e s im nördlichen Flügel 
les Prälaturgebäudes, dann des Gartenpavillons zur Ausübung freier 
Cünste (1721), mehrerer Pfarrhöfe und der Pfarrkirche zu Wenig- 
:ell (1735) und der Filialkirche in der Pinggau. 

Sein Nachfolger Propst Lorenz Leitner, von Friedberg ge- 
)ürtig, 1736—1769, Hess die schönen Bibliothekschränke (1767) 
infertigen; unter seiner Regierung zeichneten sich mehrere Chor- 
lerren durch hervorragende literarische Thätigkeit aus, so nament- 
ich der „Vater der vaterländischen Geschichte" Aquilinua 
Fulius Cäsar, der berühmte Verfasser des ausgezeichneten Quellen- 
verkes Annales Ducatus Styriae. Diesem Propste folgte Franz 
jales I., Baron Tauferer, ein geborner Krainer, dessen Regierung 
n die stürmische Zeit der Josefinischen Reformationsbewegung und 
ler welterschütternden Epoche Napoleons I. fiel. Die Zahl der Stifts- 



— 120 — 



mitglieder begann rapid zu sinken, so dass anfangs des 19. Jafa 
hunderts nur drei Chorherren im Stifte waren, und in gleicher Wei 
minderte sich der Wohlstand des Stiftes, ja selbst die einst 
reichhaltige Eüstkammer des Stiftes leerte sich in dieser Zeit. I 
Jahre 1778 errichtete dieser Propst eine dreiclassige Haiiptsehu 
und rettete dadurch das Stift vor der Aufhebung. Im Jahre \7i 
wurde die Pfarre vom Markte wieder in das Stift verlegt und 17i 
kam Voran, welches bisher zum Erzbisthum Salzburg gehörte, i 
das Bisthum Seckau. Propst Sales I. starb am 11. Mai 1810; ih 
folgte Franz Sales II. Knauer, aus Mureck gebürtig, früher Pfarr 
zu St. Lorenzen am Wechsel, ein tüchtiger Oekonom, der sich au 
um die Hebung der Ordensdisciplin verdient machte. Er förder 
lebhaft das Studium der Naturwissenschaften und legte den Grui 
zu den Natur- und kunsthistorischen Sammlungen des Stiftes. 1 
Jahre 1812 eröffnete er ein vierclassiges Hausgymnasium und e 
Knabenalumnat. Diesem Propste folgte 1837 Gottlieb Kersci 
baumer, nächst Voran geboren, ein bedeutend angelegter Mann. I 
hielt strenge Ordenszucht unter reger Förderung der gelehrten Sti 
dien. Im Jahre 1842 löste er das von seinem Vorgänger errichte 
Hausgymnasium auf. Die Folgen des Jahres 1848 und 'namentlii 
die Aufhebung von Zehent und Robot schwächten empfindlich d 
Einkünfte des Stiftes und vereitelten dadurch manche weitreichend« 
Pläne dieses Propstes. 

Ihm folgte, 1862, Eusebius Rössl, ein geborner Vorauer, do< 
resignirte dieser Propst in Folge Siechthums schon nach zw 
Jahren. Hierauf wurde der derzeit regierende 50. Propst Isid( 
Allinger, geboren zu Preding, Pfarrvicar in Waldbach, am 21. N( 
vember 1866 gewählt, der auch durch längere Zeit das Landtag! 
mandat für den Wahlbezirk Hartberg besass. Als tüchtiger Oekono 
vermehrte er wesentlich den Stiftsbesitz und führte 1879 mit b( 
deutenden Kosten die gänzliche Restaurirung der Kirche durch. 

Sehenswürdigkeiten des Stiftes: Im Hofe de 
Clausurgebäudes schöner Brunnen mit zierlicher schmiedeisemc 
Laube. Neuer Capitelsaal im 2. Stock des Clausurgebäode: 
1708 von Hackhof er mit Fresken, die Glaubenskämpfer an 
dem Orden der Chorherren darstelllend, geschmückt, und de 
Bildnissen der Stifter des Klosters, einiger Erzbischöfe vo 
Salzburg und der römischen Kaiser Rudolf I. und Friedrich I^ 
Prälat urgebäude mit dem prächtigen, durch zwei Stockwerk 
reichenden Bibliotheksaal 1767 vollendet.*) 

Bibliothek. Betritt man dieselbe vom Corridor des erst« 
Prälaturgeschosses , so gelangt man in den sogenannten Manu 

*) Vorzügliche photographische Aufnahmen des Bibliothekssaales, der Kanz« 
der Sakristeigemälde. der Stiftsgebäude etc. , sind beim k. k. Hof- Photographc 
Leopold Bude, Graz, Alleegasse, zu bekommen. 



— 121 — 

cripten-Saal, in welchem die Handschriften und seit neuen r 
iCit auch dieincunabeln (ältesten Druckwerke) aufbewahrt sind, 
^in Unicum der Vorauer Manuscripten-Sammlung ist die reiche Serie 
iturgischer C o d i c e s *) (84 Stücke) vom Beginne des 12. bis in'a 
6. Jahrhundert. Eine reiche Fundgrube für kirchliche Hymnologie 
:nd die Entwicklungsgeschichte der heimischen Tonkunst, die 
ich noch bis tief in's 13. Jahrhundert mit den primitivsten aller Ton* 
eichen, den Neumen behalf, nachdem schon nahezu zwei Jahrhunderte 
orher die moderne Notentabulatur durch Guido von Arezzo und 
''ranco von Köln begründet worden war. 

Als Cimelien unter den Vorauer Manuscripten fieUen: Ein 
*lenar (Evangeliensammlung) Nr. 47, 12. Jahrhundert Folio, Per- 
ament, einst mit Edelmetall und Kleinodien verziert. Blattgrosse 
iiniaturen. Darüber Seiden schl ei er als Schutzdecken - eine paleo- 
raphische Rarität. - Ein vierbändiges Antiphonar, GrossfoliOj 
*erfament, aus einem böhmischen, von den Hussiten zerstörten 
[1 oster, mit herrlichem Bildschmucke aus der berühmten Pragfer 
liniatorenschule des 14. Jahrhundertes. — Als Pendant dazu drei 
Jände eines ähnlichen Choral Werkes von der Hand des Vorauer 
)horlierrn J. A. Zunggo, der das glänzend ausgestattete Werk nach 
nittelalterlichen Mustern 1766 als achtzigjähriger Greis vollendete. — 
Cine deutsche Chronik (1467) Nr. 8, Folio, Papier, mit vielen 
olorirten Bildern von hohem culturgeschichtlichen Werthe, liesonders 
ür Trachtenstudien. — Ein grosses medicinisches Werk, Antido* 
arius Nicolai, Nr. 213, Folio, Pergament, 13. Jahrhundert. — 
i]ine Sammlung arabischer Manuscripte mit einer Notiz aus 
lem 17. Jahrhundert: „Den diergischen Hundten zu Khanistha aue 
^ehert, aber an ietzö den Khristen." 

Dass \orau, der hart an die Grenze deutschen 
jebietes vorgeschobene Posten, seiner Missionr ein 
3ort deutscher Cultur und vaterländischer Geistesarbeit ku 
lein, getreulich nachgekommen, beweisen vor allem die vielen 
leutschen Dichtungen, die uns, theilweise noch vollständig, 
vie im Codex Nr. 11 (die vielgenannte Vorauer Handschrift 
ier Kaiserchronik und andere Gedichte aus dem Ih und 12. ijj 

fahrhundert) vorliegen, theilweise leider nur mehr in Ueberb leibsein ^ 

vorhanden sind. So die Fragmente des Wigalois, als Festschrift ^j« | 

lerausgegeben von Professor Dr. Schönbach 1877. Die Bruchstücke 
wn Poesien deutscher Minne- und Meistersänger^ ver- [ '• 

3ffentlicht von Ottokar Kernstock im Anzeiger des germa,nischen ' 

Museums 1877 etc. Die Gesammtzahl der Handschriften (vom Be- 
ginne des 12. bis zum Anfange des 16. Jahrhundertes reichend)^ 
beträgt 355 Stück. **) 

*) Die älteren Chorbücher des Stiftes Vorau v. O.Eernstock, EirclienschRtiictf 
1876. Nr. 1 und f. 

**) Hier ist das Choral werk Zunggo's, weil mittelalterliche Imitat i ob* nii.tEcz,ahU, 



J 



— 122 — 

Unter den älteren Druckwerken (Incunabeln) sind l 
inerkenswerth : Das „Artzeneybuch" Ortolphs von Baierlan 
Augsburg 1479, das zweite in Deutschland über Pflanzenkunde € 
ßchienene Buch. — Herbarius, Kräuterbuch, mit colorirten A 
bildungen, Augsburg 1485. — Breidenbach's Reisen in's he 
lige Land, mit interessanten Holzschnitten, Mainz, 1486. - 
Schedl'sWelt Chronik, deutsche und lateinische Ausgabe, Ntimbei 
1493, mit den prächtigen Bildern Mich. Wolgemuts, Albrecl 
Dürer's Lehrer. — Eine seltene Ausgabe des berüchtigt( 
Hexenhammers, Nürnberg 1496. — Die Werke der berühmt! 
Nonne Roswitha von Gandersheim in der von Conra 
Celtes besorgten Ausgabe 1501. Das Buch ist von besondere 
Interesse desshalb, weil es im Besitze der intimsten Freunde d( 
Herausgebers, der berühmten Wiener Humanisten Georg Tani 
stetter (der sein neucreirtes Wappen hineingeklebt) und Andrea 
Stiborius gewesen. — Die lAbri de situ orbis terrae des Ge( 
grafen Pomponius Mela in eleganter Ausstattung, Wien, Lucs 
Alantsee, 1518. Beigebunden merkwürdige Landkarten, Harn 
Zeichnungen und illuminirt, von Bonifa z Schwab aus !Neusta( 
circa 1564 angefertigt. — Die Werke Geile r's vonKaisersberj 
darunter die gefeierten Predigten über S. Brant's Narrenschiff. - 
Die Chronik Sebastian Frank's 1531, den Luther wegen dies« 
Buches ein Lästermaul und des Teufels liebstes Maul nennt un 
behauptet, der Autor sei darin durch allen Koth gewatet und i 
seinem eigenen erstickt. — Endlich eines der seltensten und or 
ginellsten Druckwerke: De vanitate scientiarum von dem „Zauberer 
Cornel. Agrippa (geb. zu Köln 1486, gestorben 1535), ein Bucl 
das mit dem Lobe des Esels endet und in dem unter dem Schelles 
geklingel mittelalterlicher Narrenweisheit dasselbe gepredigt wirc 
was zwei Jahrhunderte später Rousseau in seiner von der Dijone 
Akademie gekrönten Preisschrift und in der „Neuen Heloise" ver 
kündet hat: ^ Der Mensch ist umso glücklicher, je wenigerer v^reiss'* 

Die Fresken, welche den Manuscriptensaal schmücken, be 
ziehen sich auf das 13. Capitel des ersten Corintherbriefes und ver 
sinnlichen das schöne Wort des Apostels: „Wenn ich auch all 
Wissenschaft besässe, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 
Eine zierliche Doppelschnecken -Treppe führt hinab in den eigent 
liehen Bibliotheksraum. Die drei grossen Deckengemälde des letzterei 
stellen dar: Die Philosophie (die Königin von Saba bewundert Salo 
mons Weisheit), die Theologie (der Kämmerer der Königin voi 
Aethiopien wird von Philippus getauft), die Jurisprudenz (Salomon 
weises Urtheil). — Ganz vorzüglich ausgestattet ist der Bücherschat 
mit historischen und topographischen Werken zumal des 17 
und 18. Jahrhunderts. Unter letzteren die Prachtwerke: Civitatt 
orbis terrae, colorirte Städtebilder in Grossfolio, von Georg Braun un( 
Franz Hogenberg in 5 Bänden herausgegeben. Aus derBibliothel 



— 123 



lirzherzog Ferdinands von Steiermark, — Theatrum orhis 
errae, splendid ausgestattetes Kartenwerk der berühmten Geop^rafen 
^Vilhelm und Johann Blaeu, Amsterdam 1644 — 1646, 3 Bände, Gross- 
olio. - Homans Ätias novus, Nürnberg 1716, mit 126 illuminirten Tafeln 
n Grossfolio. — Topographia Bavariae, Querfolio, 4 Theile, München 
.701, mit zahlreichen blattgrossen Kupfern. — Nicht zu übersehen 
lie reiche Reiseliteratur vom 16. Jahrhundert bis auf die 
leueste Zeit. — Kunstgeschichte: Sandrarts „Teutsche 
Vcademie", 2 Bände, Grossfolio, 1675 und 1679, vorzüglich illu- 
jtrirt, mit interessanten Künstlerporträts. — Le piture antiche cPErco- 
ano, 7 Bände, Grossfolio, Neapel 1762. Kostbare Kupferstichsammlung. 
— Medicin: Die alten und seltenen Kräuter- und Arzneibücher 
ies Christoph Wirsung, 1568, des Adam Lonicer, 1587, 
los Johann von Beverwyck, 1674, des Adam Lebenwaldt, 
L695. — Die Werke des vielgenannten Theophrastus Bombastus, 
Paracelsus von Hohenheim, deutsche Ausgabe 1616. — Die 
lltere Literatur über Civil- und canonisches Recht, nahezu 
ückenlos. — Theologie selbstverständlich sehr reich. — Noch 
»rwähnenswert : Spee's liebliche Trutznachtigal in der seltenen 
jrsten Ausgabe, 1649. — Zwei für Sportsmen interessante biblio- 
;rafische Raritäten über die Reitkunst, 1570 und 1615, mit Ab- 
jildungen — Fronsperger's 5 Bücher vom Kriegsregimente, 
L558, mit den prächtigen Lands kne cht bil dem. — Gesammtzahl 
ier Druckwerke, einschliesslich der Incunabeln, circa 25.000. 

Stiftskirche: Baugeschichte. Schon die erste, am 13. De- 
zember 1149 eingeweihte Pfarrkirche Vorau's, zweifellos eine romani- 
sche Basilika, stand am gleichen Platze, wie die jetzige Stiftskirche, 
somit auf jener Höhe , wo heute noch das j2:anze Stiftsgebäude sich 
erhebt. Im Jahre 1163 erfolgte die Gründung des Stiftes der Augu- 
stiner Chorherren, und nun wurde die erste, dem hl. Thomas geweihte 
Kirche, bald zu eng und wurde die Vergösserung derselben (1172 bis 
1 228) sogleich in Angriff genommen, bei welcher Wandlung der Dorf- 
kirche zur Stiftskirche, die noch immer in die romanische Stylperiode 
fallt, wohl auch die heute die Kirchen front schmückenden zwei Thürme 
aufgeführt worden sein müssen. Im Jahre 1237 brannte das Stift 
sammt Kirche, die wir uns als eine dreischiffige romanische Basilika 
mit Krypta denken müssen, ab. Nach dem Brande wurde die Pfarre 
in den Markt verlegt, wo sie bis 1783 verblieb. Die wiederaufge- 
baute Stiftskirche, wurde am 25. October 1257 von Bischof Ulrich I. 
von Seckau eingeweiht, aber erst 1300 im Innern vollendet. 
Sie hatte einen Triumphbogen und ursprünglich vier Altäre, eine 
Zahl, die sich später durch Dedicationen bis circa 1371 auf 
zwölf vermehrte. 

Propst B. V. Perfall führte auf den romanischen Thurmunter- 
bau den heute noch unvollendeten Glockenthurm, an dessen Südseite 
noch die Jahreszahl 1597 zu lesen ist, auf; der ührthurm dürfte 



— 124 — 




Gmnilnss der Stiftskirebe in 
Voran (Kirthensthmack). 



seine heutige Gestalt unter 
der Regierung des Propstes 
Leonhard (1453—1493) er- 
halten haben. In den Jahren 
1660—1662 wurde die der- 
zeitige Stiftskirche, mit Be- 
lassung der zwei Thürme an 
der Westfront, neu erbaut, 
und am 1. November 1662 
vom Bischof zu Seckau J. M. 
Graf V. Altringen consecrirt. 
Die "glänzende Innen aus- 
schmtickung erfolgte jedoch 
erst 1697—1704. 

Baub 6 schreibang. 

Die Kirche, von Westen 
nach Osten gebant, zeigt 
sich als einschiffige, ba- 
rocke Hallenkirche, beider- 
seitig von je vier kleineren 
und einem grossen Kapel- 
lenraum üankirt und durch 
einen halbrunden Hoch- 
altarraum abgeschlossen. 
Ueber den Kapellen laufen 
vom Presbyterium Empo- 
ren in fester Verbindung 
mit dem Musikchor. Die 
äusserste innere Länge der 
Kirche beträgt 66-05 M., 
die Breite des Schiffes 
11-45 M., die Scheitel- 
höhe des Tonnengewölbes 
1710 M., Höhe der Ka- 
pellen 7-25 M., Tiefe 
4-75 M. Emporen und Ka- 
pellen haben eigene Fen- 
ster. Zu dieser klaren, an 
mustergiltige italienische 



125 



Bauten eiinnemde Kirchenanlage, gesellt sich aber nun eine mit 
ippigster Anwendung aller reichen Decorationsmittel des Barock- 
itiles, wie Fresko, Stuck, Marmor, Scalptur in Stein und Holz, 
Vergoldung, Polychromie und Intarsie glanzvolle Ausschmückung 
ler Kirche, wie sie in einer ähnlichen Weise bei keiner andern 
Kirche in Steiermark zu finden ist und welche auf den 6e- 
acher um so lebhafter wirkt, als das ganze Innere der Earche 
irst vor einem Decennium mit grossen Kosten restaurirt wurde. 
Die Restauration der Fresken wurde vom Gallerie-Director 
leinrich Schwach mit feinem Kunstverständnisse ausgeftthrt) 

Der später durch seine Festenburger Fresken so bertthmt 
ewordene Maler Johann Gyriak Hackhofer war leider nach 
^orau zu spät gekommen, um die malerische Ausschmückung 
er Kirche übernehmen zu können, und daher zeigen die Fresken 
n Kirchenschiffe keine Originalcompositionen, sondern meist 
rachbildungen von Miehelangelo's Fresken- Cyclus in der Sixtina 
a Eom, die von den Wiener Malern Karl Ritths und Josef Grafen- 
tein von 1700 — 1703 ausgeführt wurden, während die Kapellen 
nd Empore von Johann Kaspar Waginger ausgemalt wurden. 

Der Hochaltar, und namentlich die Kanzel, muster- 
iltige Arbeiten tippiger Barockdecorationen und 
chöner Fassung. Chor und Kirchensttihle mit schöner Ein- 
^gearbeit Originelle Rahmen eines Gyclus kleiner 
;ilder. Prächtiges Rauchfass sammt Schiffchen, nach 
er reizenden Composition des Architekten Robert Mikovics 
1 Graz. 

Die zwei Orgeln sind durch einen gemeinschaftlichen Spiel- 
sch zu einem prächtigen Werke verbunden, so dass sie jetzt 
3 Register, wovon 39 klingende Stimmen, 3 Manuale und 
in Pedal hat Die Kirche hat acht Seitenaltäre, und zwar an 
er Evangelienseite: 1. Frauenaltar mit schöner Marienstatue 
ater prächtig geschnitztem Baldachin. Der Plafond dieser und 
er gegenüberliegenden Kapelle ist mit Fresken Hackhofers 
emalt 2. Anna- Altar mit dem Titelbilde ünterhubers 1750. 
. Magdalena- Altar. 4. Michaeli -Altar mit prächtigen Stuck- 
rbeiten von Domenico Boscho 1700 und Titelbild von R. V. 
:oyin. Auf der Epistelseite : 1. Augustini- Altar mit dem Altar- 



126 — 



bilde von Hackhofer. 2. Sebastiani-Altar mit prächtiger 
Oelgemälde italienischer Schule und den Reliquien de 
heil.. Julius. 3. Fl oriani- Altar, und 4. Kreuz-Altar, gute Stuck 
arbeiten an der Decke. Ausserdem befinden sich rechts un 
links vom Haupteingange zwei abgesonderte Kapellen, die Loretto 
und die Kreuz-Kapelle. In ersterer, 1732 errichteter Kapelle 
ruht der 1840 vom Stifte erworbene Leib des heil. Fortunaiuj 
Die Kreuzkapelle zeigt prächtige Stuckarbeiten von vorerwähnter 
D. Boscho und das schöne Grabmal aus rothem Marmor de 
Christof V. Rottal und seiner Gemahlin von 1480. 

Das Hochaltarbild, die Himmelfahrt Maria's dar 
stellend, ist von dem Venezianer Antonio Peluzzi gemali 

In der unter dem Presbyterium befindlichem Graft, sei 
Kaiser Josefs Zeiten geschlossen, ruhen 65 Chorherren, ausser 
dem befinden sich in der Kirche die zum Theil sehr schönei 
Grabsteine von acht Pröpsten. 

Sakristei: Die künstlerische Perle des Stifte 
Voran finden wir jedoch in der Sakristei, dem ehemaligei 
Capitelhause, in der Darstellung des jüngsten Gerichtes un( 
der Hölle durch J. C. Hackhofer. Der geniale Künstler läss 
nahe den Fenstern an der Decke Christus als Weltenrichte 
thronen mit den himmlischen Heerschaaren, bald verfinstert siel 
aber der Horizont, düstere, von Blitzstrahlen durchzuckte Wolkei 
steigen drohend auf und es öffnet sich nun der Abgrund de 
Hölle, welche auf der den Fenstern gegenüberliegenden Schmal 
wand dargestellt ist. In grossartigster Composition voll kühnste 
Phantasie entrollt uns hier der Künstler ein grauenvolles Bild de 
Leidenschaften der Menschen und der Bestrafung der Todsünden 
Herrliche Rückenpartie des stürzenden Frauenkörpers mit den 
Pfauenwedel in der Hand. Weiters verdienen auch Hackhofer 
Bilder, das Abendmahl, und die Fusswaschung das grösste Interesse 
Prächtiges Schloss an der Sakristeithüre. Hier befindet siel 
auch ein Selbstporträt Hackhofers. Auch verdient die südöst- 
liche Aussenseite des Stiftes, an welcher noch ein alter Thum 
und Wehrmauern mit Schiessscharten die starke Befestigung 
des Stiftes ahnen lassen, sowie die Filialkirche St. Johami 
Baptist, vom Eingange in das Stiftsgebäude rechts im Friedhofe. 



- 127 — 

ie schon im 13. Jahrhundert erwähnt wird, später aber ganz 
mgebant wurde, mit eingemauerten Römersteinen, einen Besuch. 



Spaziergänge und Ausflüge. 

1. Nordwestlich durch Wald im stetigen massigen Anstiege 
ar Forsterhöhe, 923 Meter, mit sehr lohnender Fernsicht. 
^4 Stunden. 

2. Oestlich zur Kreuzkirche am alten Friedhofe, 1445 
irigeweiht, später in Kreuzform sehr freundlich umgebaut, mit 

Altären und 9 sehr beachtenswerthen Passionsbildern (in 
inigen Nischen an der Friedhofmauer Fresken Hackhofer's), 
ann an den sogenannten Pflanzbeeten vorbei, wo alljährlich 
er vielbesuchte Kraut- „Pflanzenmarkt" gehalten wird — ein 
orauer Wahrzeichen — zur alten Richtstätte mit den noch 
ohlerhalieüen Galgensäulen mitten im Waldesdickicht, und 
iirch den Gringwald sich immer rechts haltend zur Lechner- 
itihle am Vorauer Bache. Auf der Strasse zurück. Im Ganzen 

Stunden. 

3. Nördlich nach Bruck-Festenburg- Wechsel, Weg blau- 
eiss markirt. Entfernungen : Vorau-Bruck 1 ^/^ Stunden, Bruck- 
estenburg (Demmeldorf) 1 Stunde, von hier 2 Stunden am 
iTechsel. Zwischen Voran und Brück ein an der Südseite gut 
ebauter, an der Nordseite jedoch dicht bewaldeter Hügelzug, 
en man mühelos übersetzt. 

4. Oestlich mit dem Postwagen nach Beigütel 1 Stunde 
:u Fuss 2 Stunden), von hier über Reinberg wieder zur Vor- 
[lerstrasse bis zur Saubachel-Brücke, und hier rechts durch 
en schattigen Sauhaltgraben über die Kreuzkirche nach Voran, 
on Beigütel 2 Stunden. 

5. Südlich zur Oden-Höhe in Pucheg, ^/^ Stunde, mit 
rächtigem Blick auf das unten in der Vogelperspective 
egende Stift. 

6. NachPöllau. a) Strasse in 3 Yj-- 4 Stunden, meist durch 
^ald ansteigend, zuletzt nahezu eben auf der Kammhöhe der 
ordöstlich den Pöllauer Kessel einschliessenden Berge dahin- 
ihreod, mit herrlichem Ausblick nördlich gegen das Südgelände 



— 128 — 

des Wechsels, mit den Pfarrdörfern Wenigzell und St Jacob. 
Auf der Sattelhöhe Kreuzwirth dreifache Strassentheilung. 
Nördlich nach Wenigzell hinab, südlich auf Serpentinen nach 
PöUau, und westlich über Miesenbach nach Birkfeld (Gemeinde- 
fahrweg), durchwegs in circa je 2 Stunden. 

b) lieber die Zisser-Tafeme 3 Stunden. Circa 20 Minuten 
von Voran links im Walde Wegweiser „Fusssteig nach Pöllaü". 
(Weg wird markirt) anfangs durch Wald, später über Wiesen 
und Ackerland, an vielen Bauernhöfen und Wegkreuzen vorbei, 
zuletzt ziemlich steil zur Sattelhöhe mit der Zisser-Tafeme, 
907 Meter, einfache Gastwirthschaft, mit sehr interessantem 
Ueberblick auf die beiden Landschaftsbilder, die der Masenberg 
scheidet und die durch Klima, Vegetation, Formation und Boden- 
beschaffenheit lebhaft contrastiren. Von hier nach PöUau hinab. 
Weg weiss markirt, anfangs ziemlich steil, dann angenehm. 

Wer nach Voran zurückkehren will, kann, um nicht den 
gleichen Rückweg nehmen zu müssen, von der Zisser-Tafeme 
links die Eammhöhe des Masenberges, sich immer stark links 
haltend, bis zum „Scherf" (Gasthaus) weiter verfolgen und 
von hier nach Vorau absteigen. Bequem in einem halben Tag 
auszuführen. 

Yorau-Wenigzell, 2 Stunden, Strasse. 

Gleich ausser dem Markte trennt sich die Strasse nach 
Wenigzell von der Pöllauer Strasse (Wegweiser). Meist durch 
Wald über hügeliges Terrain hinführend, erreicht die später 
in einen kleinen Gemeindefahrweg übergehende Strasse beim 
Sagbauer die Lafnitz und den von Waldbach herabkommenden 
Fahrweg. Nun ziemlich steil nach Wenigzeil hinan. 



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^!yy^y^yyy!^y^ ! yyyyyy^^ i yyy!^!yyy:y ! ^:y^ ! y.^.yyM ^ 



Route III. Gleisdorf. 

A. Gleisdorf und Umgebung. 

B. Gleisdorf-St. Ruprecht-Weiz. 

C. Gleisdorf- Puch-Kulm-St. Joiiann. 

D. Gleisdorf-Piscilelsdorf-Kaindorf-Hartberg. 

E. Gleisdorf-Sinabellcirchen-Ilz. 

1. Ilz-Fürstenfeld. 

2. llz-Feistritz-Gross-Hartmannsdorf-Ober-IMayriiofen-Sebers- 
dorf- Hartberg. 



A. Gleisdorf und Umgebung. 

Gasthäuser: Anton Grabenhofer sen. , mit 15 Zimmern, 
am Platze; Anna Grabenhofer jun., 6 Zimmer, Sitzgarten, Kegel- 
bahn; Anton Schaffernak, 3 Zimmer; Franz Riedl , Lebzelter, 
6 Zimmer; Karl Achleitner, 4 Zimmer, Sitzgarten mit Veranda. — 
Kaffeehaus: Emanuel Lewetz, mit 2 Billards, höchst elegant, mit 
städtischem Comfort. — Eisenbahn-, Post- und Telegraphen- 
Station. Stets viele Fiaker am Bahnhofe. Zweispänner pr. Tag 
5—6 fl., für 1/2 Tag 3—4 fl., Einspänner pr. Tag 4 fl., y« Tag 
2 fl. — Die Posten nach Weiz, Hartberg und Hz gehen täglich 
nach Ankunft der Postztige um y2lO Uhr Vormittags und Abends 
um Vs^ Uhr (nur nach Hartberg und Weiz) ab. Fahrpreise nach 
Weiz 70 kr., nach Hartberg 1 fl. 30 kr., nach Hz 60 kr. — Vereine 
Freiwillige Feuerwehr, gegründet 1872; Leseverein gegründet 1873 
Turnverein, gegründet 1880, Männergesangverein, gegründet 1880 
Schützen verein, gegründet 1880; Veteranenverein mit Capelle, ge- 
gründet 1883; Bicycle-Club, gegründet 1884; Ortsgruppe „Gleisdorf 
und Umgebung des Deutschen Schul Vereines'*, gegründet 1884; 
Kathol. Gesellenverein, gegründet 1887; Filiale Gleisdorf der k. k 
steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft; Filiale Gleisdorf des steierm. 



— 130 — 

Bienenzucht- Vereines ; Verschönerungs-Verein. — Jahr- und Vieh- 
märkte: 14. Februar (Valentinimarkt) am Palmsonntag, H, Mai 
<Kreuzmarkt) am Montag nach Frohnleicbnam, am Montag nach Maria 
Heimsuchung; 10. August (Laurenzimarkt) ; 28. October (Simoni-Judi- 
markt) ; 10. November (Martinimarkt). 

Gleisdorf, grosser Markt mit 164 Häusern nnd 1900 
Einwohnern, Sitz eines k. k. Bezirksgerichtes sammt Steneramt^ 
der Bezirksvertretung, des Bezirksschulrathes, einer Gemeinde- 
Sparcasse, eines Doctors der Medicin und zweier Chirurgen, 
sowie einer Apotheke; 4classige Volksschule. Der aufblühende, 
ungemein belebte Markt (siehe Seite 131) liegt malerisch am 
linken Ufer der Raab, gegenüber der Ausmündung des Thaies 
der Rabnitz, die, von Nordwesten kommend, sich hier in die 
Raab ergiesst, auf dem sanft abdachenden Vorgelände des öst- 
lich Gleisdorf überragenden Hügelzuges und präsentirt sich der 
schöne Markt mit seinen zahlreichen Neubauten und den weithin 
sichtbaren zwei Kirchen überaus stattlich. Gleisdorf als Eisen- 
bahnstation bildet heute die Central- und Sammelstelle für den 
Frachten- und Personenverkehr der ganzen nordöstlichen Steier- 
mark und namentlich für den Obsthandel, die wichtigste Ein- 
nahmsquelle eines grossen Theiles der Bewohner dieses Landes- 
theiles. Eisenbahn Gleisdorf-Weiz concessionirt. 

Gleisdorf ist die wichtigste Obst-Exportstation 
der Steiermark, speciell für die Ausfuhr des ste irischen 
Maschanzkers (Eisapfel). Wenn derselbe auch mehr oder 
minder in ganz Mittelsteier und auch in Unters teiermark, wo jedoch 
seine Haltbarkeit wahrscheinlich durch die Bodenbeschaffenheit und 
anhaltende Hitze leidet, vorkommt, so erstreckt sich die geschlossene 
Cultur desselben doch hauptsächlich auf ein Gebiet der östlichen 
Steiermark, welches innerhalb der Orte Eggersdorf, Kumberg, Weiz, 
Anger, Birkfeld, Pöllau, Kaindorf, Hz, Windisch - Hartmannsdorf, 
St. Margarethen a. d. R. und Gleisdorf liegt. Am meisten producirt 
die Gegend von Weiz, Pischelsdorf und W.- Hartmannsdorf, welche 
als vorzügliche Obstlagen bezeichnet werden müssen. Innerhalb dieses 
Gebietes kommt der steirische Maschanzker in zwei Formen, in einer 
hochgebauten und in einer flachen Form vor, und wird erstere ihrer 
Schönheit wegen von Käufern vorgezogen. An Haltbarkeit sind beide 
gleich, und diese Haltbarkeit ist es, welche den Apfel zu einer 
Speculationsfrucht, zu einer Marktwaare ersten Ranges erhebt. Mit 
Anfang Jänner beherrscht der steirische Maschanzker den Wiener 
und Pester Obstmarkt, und noch im Mai, wenn kein anderes Obst 



— 131 — 

mehr sichtbar ist, linden wir den steirischen Maschanzker in einer 
Reinheit und Frische, als käme derselbe direct vom Baume. Wie 



k]di.i&ö!!Ä 




o 



sehr sich der Apfel für den Export eignet, beweist der Umstand 
dass seit Jahren der steirische Maschanzker über Triest nach Ale- 
zandrien und von dort nach Bombay verfrachtet wird. 

9* 



— 132 



In den letzten Jahren hat auch die Ausfahr nach Deutschlan 
bedeutend zugenommen und wenn auch zumeist mit Obst zur Mosi 
bereitung (Mostobst, Mostbirnen u. dgl.) gehandelt wurde, so nimn 
doch auch die Ausfuhr von feinem Tafelobst stetig zu. Die Ausful: 
an frischem Obst betrug in der Station Gleisdorf: 

1880 rund 120.000 Meter-Centner 

1881 „ 52.000 „ 

1882 „ 170.000 „ „ 

1883 „ 57.000 „ 

1884 „ 90.000 „ „ 

1885 „ 130.000 „ „ 

1886 „ 70.000 „ 

1887 „ 70.000 „ „ 

somit in acht Jahren 759.000 Meter-Centner = 7590 Waggons od( 
durchschnittlich jährlich nahezu 1000 Waggons — Zahlen , welch 
gewiss deutlich genug für die enorme Wichtigkeit des Obstbaues i 
Steiermark, speciell der Oststeiermark, sprechen, üeberdiess komme 
zu obigen Zahlen noch jenes Quantum Obst, welches insbesondei 
von den, von Gleisdorf westlich gelegenen, Ortschaften Wilfersdor 
Brodersdorf, Eggersdorf, Kumberg etc. und auch aus der Weiz( 
Gegend per Achse direct nach Graz verfrachtet worden ist, wie auc 
jene Obstquantitäten, die von den Gegenden südlich der Raab, s 
namentlich von Gnas nach der Station Feldbach verfrachtet werdei 
Der ehemals im mittleren Kaabthale stark betriebene Getreide 
bau ist seit Eröifnung der Ungarischen Westbahn und dem Niedei 
gange der Getreidepreise bedeutend zurückgegangen, da sich derselli 
nicht mehr lohnt. Er hat jedoch einer intensiveren Viehzucht Plal 
gemacht, welche nun nebst dem Obstbau als die wichtigsten Zweig 
der Landwirthschaft hier betrachtet werden müssen. 

Von dem schmucken Bahnhof-Gebäude führt eine schöne 
mit Kastanien bepflanzte Zufahrtsstrasse, mit Ruhebänken vei 
sehen, in 10 Minuten in den Markt, wohin man auch auf einei 
näheren, gleichfalls von einer Allee beschatteten Fusswege ge 
langt. Man erreicht auf der Strasse zuerst links die 1742 ei 
baute ehemalige Piaristen-Klosterkirche Maria-Reinigun 
mit dem daran gebauten alten stattlichen Ex-Piaristenkloster, i 
welchem jetzt das k. k. Bezirksgericht untergebracht ist. De 
mächtige Gebäudecomplex, der heute von reizenden, um eine 
zierlichen (artesischen) Brunnen gruppirten Anlagen umgebe 
ist, wurde 1744 vom Cardinal Sigmund Graf Kollonitz, Erz 
bischof von Wien und Besitzer der nahen Herrschaft Freiberg 
dessen Wappen mit dem Cardinalshute in stueco mehrfach au 



133 — - 



3m Gebäude angebracht ist, erbaut und dem Piaristen-Orden 
bergeben, welcher hier ein 6classiges Gymnasium errichtete, 
ieses Gymnasium bestand bis 1777, die Niederlassung des 
iaristen-Ordens jedoch bis in die Zwanziger- Jahre. Hierauf 
ente das Kloster bis 1850 als Armenhaus, in welchem Jahre 
» zur Unterbringung der k. k. Behörden von der Marktgemeinde 
mz neu renovirt und adaptirt wurde. Hier mündet die Grazer 
auptstrasse ein. Nun durch eine hübsche Allee und durch die 
errengasse zum Hauptplatze mit der erhöht stehenden, von 
ner alten Kastanien-Allee umgebenen, 1672 erbauten Pfarr- 
rehe mit 1875 neu errichtetem gothischem hohem Thurme, 
jssen edel geformte Spitze sich aus einem Kranze von acht 
iebeln erhebt. Hier erhebt sich auch die kunstvolle Marien- 
tule, die 1664 vom Pfarrer Johannes Haller, Sohn eines 
jichen Gutsbesitzers in Baiern, der auch 30.000 fl. zum Bau 
3r Piaristenkirche und zur Gründung des Klosters gespendet 
it, errichtet wurde. Am Platze befindet sich auch die Post 
it Telegraphenamt. Links zweigt hier die Weiz-Hartberger 
trasse ab, während längs des Kirchplatzes die Hauptstrasse 
im Florianiplatz, mit der anlässlich des grossen Brandes von 
633 errichteten Florianisäule und dem alten, aber unansehn- 
ehen Rathhause, führt. 

Bis zum Jahre 1885 wurden hier die Viehmärkte abgehalten, 
as zu vielen Unzukömmlichkeiten führte. In diesem Jahre beschloss 
doch die Gemeinde, über Initiative des damaligen Bürgermeisters 
errn R. Mayr, in der Gartengasse gegen den Bahnhof ein 1 % Joch 
mfassendes Grundstück behufs Errichtung eines neuen Vieh- 
arktplatzes anzukaufen, und wurde nun auf diesem sehr günstig 
mirten Platze, welcher mit parallel laufenden Barrieren zum An- 
ä,ogen des Viehes versehen, mit Pappelbäumen umsäumt und mit 
astanien regelmässig bepflanzt wurde, der Viehmarkt umgelegt, und 
itte sich die Anlage als sehr zweckmässig erwiesen. 

Von hier gelangt man durch eine jüngst angelegte 
Uee mit Ruhebänken, die „Rathhauspromenade", zu der 
efflich eingerichteten Schiessstätte. An der Fürstenfelder 
trasse liegt das nach den Plänen des Architekten Robert 
[ikovics in Graz erbaute stockhohe Armenhaus und Gemeinde- 
>ital, zu welchem Se. Majestät der Kaiser Franz Josef am 
, Juli 1883 feierlichst den Schlussstein legte. Das äusserst 



— 134 



zweckmässig eingetheilte, schöne grosse Hans zeigt in alle 
Räumen ein Bild musterhafter Ordnung und Reinlichkeit un 
hietet den Armen des Marktes ohne Ausnahme eine den Ge 
hoten der Humanität vollkommen entsprechende Heimstätte 
Ehenso ist die Klosterkirche der Dominikanerinnen (romanisch 
nach den stylgerechten Entwürfen Mikovics erhaut (Glas 
gemälde von Schirmer.) 

Für Freunde der Bienenzucht sind die Bienenstände de 
Herrn Apothekers Richard Mayr sehr sehenswerth. Derselb 
überwintert alljährlich 100 — 120 Bienenvölker in Dierzonstöckei 
welche im Frühjahre entsprechend vermehrt und im Herbste auf ohig 
Anzahl reducirt werden. Es werden vier Bienenracen, die Deutsche 
Krainer, Italiener und Kaukasier, darunter die letztere seit Eic 
führunp: derselben in Steiermark 1880 durch die steierm. Land 
wirthschafts- Gesellschaft, rein gezüchtet. Die Bienenzucht de 
Herrn R. Mayr ist dermalen die grösste in Steiermark 
Die Pfarre Gleisdorf ist uralt und wird 1229 arkund 
lieh erwähnt, wurde jedoch schon zwischen 984 — 1051 ge 
gründet. Am 25. Fehrnar 1479 erhielt Gleisdorf von Kaise 
Friedrich IV. das Marktrecht. 1532 wurde Gleisdorf von de 
gegen Graz ziehenden Türken verbrannt. Am 31. Juli 153- 
erhielt Gleisdorf von König Ferdinand I. das Privilegium eine 
Wochen- und zweier Jahrmärkte. Im Jahre 1588 und späte 
1683 wurde Gleisdorf von den Türken verheert. 

Anlagen und Spaziergänge: Ein rühriger Yer 
Schönerungsverein hat Gleisdorf mit einem Gürtel präch 
tiger Naturanlagen umgeben, welche den Aufenthalt i 
diesem geselligen Markte sehr angenehm machen. 

1. Mühlwald. 10 Minuten südlich vom Markte, ai 
Zusammenflusse der Rabnitz und Raab, heginnt der mächtig 
Waldcomplex der Marktgemeinde, der sogenannte Mühlwalc 
der sich über eine Reihe von Hügeln hinanzieht und dessei 
zur Raab abfallende Abhänge voll reizender Durchhlicke an 
den ruhig dahintreibenden Fluss in herrliche Waldpromenadei 
mit zahlreichen Ruhebänken verwandelt sind. 

2. Richardshöhe. Oestlich sogleich vom Markte übe 
Feld und Wiesenculturen ansteigend, erreicht man in 1 Minutei 
das sogenannte Gloriette, eine schattige Lauhe auf kleiner 



135 



ügel, mit überraschender Fernsicht über das nördliche Eaab- 
tal mit dem Imposanten Hintergrunde des Hochlantsch, des 
sser, des Rötheistein and den danklen Waldesmassen des 
atschaberges und des Zötz. Wenige Minuten aufwärts beginnt 
3r wieder von Anlagen durchzogene Wald. 

3. Auf den Hohenberg. Oestlich, 1 Stunde. Schönster und 
hnendster Aussichtspunkt der Umgebung ; unbeschränkte Ans- 
eht vom Wechsel bis zum Bachergebirge und von der Kor- 
id Kleinalpe bis zur Riegersburg und den Gleichenberger 
ogeln. Man geht über die Richardshöhe, Glasern zum Schiff- 
5rn-Weingarten, von hier kurzer steiler Weg zur Höhe. Rück- 
eg über Kaufmann (Gasthaus) auf der Hartberger Strasse. 

4. Nach Freiberg ^1^ Stunde, nordwestlich, schöner 
^aldweg mit Ruhebänken Siehe Seite 136. 

5. Auf den Frankenberg und nach Perlegg. Durch 
e Anlagen des Mühlwaldes hinan zur Höhe (Gasthaus Blöder) 
id weiter nach Perlegg, % Stunden, prächtige Aussicht. 

Von Gleisdorf strahlen die drei wichtigsten, die nordöst- 
3he Steiermark durchziehenden Strassenzuge aus, und zwar 
. Gleisdorf - St. Ruprecht -Weiz - Anger - Birkfeld- 
ettenegg; 2. Gleisdorf - Pischelsdorf - Hartberg - 
riedberg-Aspang; 3. Gleisdorf- Hz -Fürstenfeld. 



B. Oleisdorf - St. Ruprecht -Weiz. 

5 Kilometer, 3 Stunden zu Fuss, X^/^ Stunden zu Wagen. 
Postverbindung siehe Seite 129. 

Wenige Minuten ausser Gleisdorf zweigt links von der 
artberger Hauptstrasse die Weizer Strasse ab, die am linken 
fer der Raab, am Fusse des die Wasserscheide zwischen der 
aab und Ilz bildenden Hügelzuges hinzieht, und die schön 
^bauten Dörfer Albersdorf, Wollsdorf und Dietraannsdorf 
»rührt, um in 1 ^/^ Stunden den Markt St. Ruprecht zu er- 
ichen. Der Charakter der Landschaft mit ihrem breiten Thal- 
>den, besäet mit blumigen Wiesen und wogenden Kornfeldern, 
»iderseits umsäumt von waldigen Hügelzügen und belebt von 
attlichen, ans üppigen Obstculturen hervorschauenden Dörfern, 



- 136 — 

ist ein ungemein lieblicher, nur gegen Norden, wo sich mftchtige 
Gebirgsmassen mit ihren dunklen Waldhängen aufthtirmen, nimmt 
die Gegend einen ernsten Charakter an. Das Kirchlein auf der 
Höhe, das uns von fern entgegenblickt, ist das Wallfahrts- 
kirchleiu Breit egg, das von waldiger Höhe links herabschauende 
Schloss Freiberg, und der rechts über den Högelzug auf- 
steigende, isolirt stehende Berg, der Kulm. Weit schöner und 
kaum weiter ist für Fussgeher nachstehender Weg nach 
St. Ruprecht. Bei der Piaristenkirche abzweigend, auf der Grazer 
Strasse fort bis zur Raabbrücke, und jenseits der Brücke bei der 
Meilensäule sogleich den Wiesenweg rechts einschlagend, der 
sich in den Wald hinanzieht und sich bald in eine herrliche 
Waldpromenade mit Ruhebänken verwandelt. Schöne Lärchen. 
In einer starken halben Stunde ist die Höhe erreicht, links 
die nette Schlosstaverne mit reizender Aussicht, bald darauf 
alte Linde mit Ruhebank und durch eine schattige Waldallee 
zum Schloss Freiberg, prächtige Waldanlagen. Freiberg, auf 
einem 10 Meter den Höhenzug überragenden, mit Eichen, Lärchen, 
Buchen und Fichten dicht bewaldeten Hügel thronend, bildet ein 
längliches Viereck von 29 Klafter Länge und 1 8 y^ Klafter Breite 
mit je einem 9 Fuss vorspringenden, 25 Fuss im Quadrat 
messenden Eckthurme, und zwei von den beiden Langseiten 
aufsteigenden Mittelthürmen mit rothgestrichenen Zinkkuppeln. 
Das zweistöckige Schloss repräsentirt sich als ein Bau des 
17. Jahrhunderts, nahezu unverändert, wie er 1681 von Vischer 
von vier Seiten abgebildet wurde. Sehenswerth der grosse Ritter- 
saal mit kunstvollem Plafond, und die Ahnengallerie der im 
Mannesstamme 1874 erloschenen Familie der Grafen von 
Kollonitsch, die seit 1627, respective 1638, im Besitze Frei- 
bergs waren. Früher war das Schloss im Besitze des gleich- 
namigen, schon 1277 urkundlich erwähnten Geschlechtes der 
Herren v. Freiberg. Später kam das Schloss in Besitz der 
Wallsee und hierauf der Stadl, von welchen es an die Kollonitsch, 
die es in ein Fideicommissgut umwandelten, kam. Gegenwärtiger 
Besitzer ist Herr Franz Lambrecht. — Im Schlosshofe Römerstein. 
Das Schloss, von welchem sich eine bezaubernde Aussicht über 
die ganze mittlere Steiermark erschliesst, schwer zugänglich. 



- 137 — 

Nun längs des schönen Schlossgartens und den Wirthschafts- 
gebäuden den Fahrweg fort, der sich bald links hinabsenkt. 
Der Weg zieht kurze Zeit an der Berglehne hin, wendet sich aber 
sodann rechts an einem Gasthaus vorbei durch eine Einsenkung 
in's Raabthal, und erreicht zuletzt, überwiesen und Aecker hin- 
ziehend, Yj Stunden von Freiberg, den Markt St. Ruprecht. 

Gasthäuser: „Zum Florian" des Kammerer Florian, 
4 Zimmer; Hübler Florian, 4 Zimmer; Schwarz Johann, Fleischhauer, 
7 Zimmer; Gartier Martin, 7 Zimmer; Watzl Carl, 6 Zimmer; 
Oberer Anton, 6 Zimmer; dann König, gut und billig, ohne Zimmer, 
am £nde des Marktes, mit schattigem Sitzgarten. 

St. Ruprecht, Post- und Telegraphenstation, Markt und 
Sitz eines Decanats, hat 82 Häuser und 850 Einwohner und 
liegt an der Vereinigung des Weizbachthales mit dem Raab- 
tliale. Nahezu in der Mitte des Marktes erhebt sich die in 
ihrer jetzigen Gestalt 1730 erbaute Pfarrkirche mit hohem, 
weithin sichtbarem Kirchthurme und einem an der Westseite 
«ingemauerten Römerstein, das Grabdenkmal eines Soldaten der 
10. Legion, die nach der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts 
im Raab- und Feistritzthal ihr Standquartier hatte. Die Kirche 
dieser uralten Mutterpfarre soll schon 869 hier bestanden 
haben. Im Jahre 1462 wurde St. Ruprecht vom Kaiser 
Friedrich IV. zum Markte erhoben. St. Ruprecht erfreut sich des 
Rufes eines klimatischen Curortes, und war die Markt- 
gemeinde-Vertretung seit 1872 ununterbrochen bemüht, durch 
Anlage eines Curparkes an der Raab und einer mit ein- 
fachem Comfort eingerichteten Badeanstalt mit Fluss- und 
Wannenbädern, den Zuzug von Sommergästen, der sich jährlich 
auf circa 200 belauft, zu fördern. St. Ruprecht wird namentlich 
von Frauen des Mittelstandes, die, auf die theuren Genüsse der 
Modebadeorte Verzicht leistend, in der Stille des Landlebens 
Erholung suchen, frequentirt. 

Schöne Anlagen ziehen sich den circa 1 5 Meter westlich 
vom Markte entfernten Wald zu mehreren Quellen (Stefanie- 
quelle) hinan. Der sonst sehr ruhige Markt wird einigermassen 
durch die hier befindlichen grossen Mühlen belebt 

Von St. Ruprecht gelangt man in ^[^ Stunde, zuletzt durch 
eine Pappelallee das sich verengende Raabthal aufwärts, nach 



— 138 — 

Schloss Stadel, zweifellos der Stammsitz des schon 1138 mi 
Hartwik von Stadl urkundlich erwähnten gleichnamigen £del 
geschlechtes, welches von Erzherzog Ferdinand 1597 in dei 

f gj- Freiherrnstand erhohen wurde und am 25. Mai 1888 mit Ottoka 

i Freiherrn von Stadl im Mannesstamme erloschen ist Leopoh 

Ä|i Freiherr v. Stadel ist der Verfasser des 9 Bände starkei 

Manuscriptes : ;, Hellglänzender Ehrenspiegel des Herzogthmn 
Steyer" 1735. Yon den Stadl ging die Herrschaft an di 
Zollner, KoUonitsch, Trautmannsdorf, Dreyringen und von diesei 
1817 an die fürstliche Familie Arenberg über, welche jedocl 
das Schloss nicht selbst bewohnt, sondern an Sommerparteiei 
vermietet, während die Gutsverwaltung eine bedeutende Milch 
wirthschaft betreibt und namentlich Theebutter exportirt. Da 
zweistöckige Schlossgebäude, mitten in einem alten Parke gelegei 
dürfte in seiner heutigen Gestalt 1608 erbaut worden seil 
lieber eine gemauerte Brücke gelangt man durch einen frei 
stehenden Eingangsthurm in den Schlosshof, der nngsum vo; 
Arcaden umgeben ist. Das Portal dieses Thurmes ist reich mi 
Sculpturen geziert und von zwei überlebensgrossen geharnischtei 
in Stein gehauenen Rittern flankirt. Ueber diesen erhebt sie 
links eine sehr schöne weibliche und rechts eine männlich 
Gestalt. Zwischen diesen Figuren tragen aufsteigende Panthe 
die Wappen der Stadl und Kainach. Ober dem Thore steh 
die Inschrift: Hans Andree Freiherr von und zu Stadl Au 
^Riedtkersburg" Lichtenstein und Freiberg 1608 und Jacobim 
Frau von Stadl, ein geborne Freiin Khainach. Interessant di 

^1 { alte Kapelle und die 4000 Bände starke Bibhothek. Von Stad 

{ I gelangt man in 1 Yz Stunden auf der Strasse nach Weiz. 

1 1 Ruprecht -Weiz, l'/j Stunden zu Fuss. 

;|'Jj 1. Auf der Strasse längs des Weizbaches durch eii 

- Jij freundliches Thal au den Dörfern Unter-Fladnitz und Predinj 

,\| vorbei nach Weiz. In Unter-Fladnitz stand bis zum Jahre 172* 

V "^l das von den Rittern v. Fladnitz erbaute Schloss Unter-Fladnitz 

I;' in diesem Jahre, am 26. Juli, beschädigte jedoch ein fnrcht 
barer Hagelschlag und Unwetter das Schloss derart, dass de 

' l damalige Besitzer Graf Wurmbrand - Stuppach beschloss, dai 



— 139 — 

jhloss eingehen zu lassen und wurde das Baumateriale für 
IS Schloss Thanhausen versendet. 

2. lieber Breitegg. Weit schöner und kaum weiter 
t der Weg über dieses, auf der Höhe gelagerte Wallfahrts- 
Tchlein. Von St. Ruprecht am Ende des Marktes links an der 
riedhofmauer vorbei und sodann durch eine reizende Obstallee 
Dgs den Ereuzwegkapellen allmälig hinauf in den Wald, nun 
ächtige ebene Promenade mit schöner Aussicht. Am Ende des 
^aldes (nach der 10. Kapelle) verlässt man den Fahrweg und 
Igt dem längs den Kapellen hinziehenden Fusssteige, bis man zu- 
tzt, Y4 Stunden von St. Ruprecht, das Hochplateau mit dem weit- 
Dschauenden Filialkirchlein Breitegg zum gegeisselten Heiland 
reicht (ländliches Gasthaus und nächst der Kirche Cafeterie), 
m wo sich ein entzückender Rundblick erschliesst, nun längs 
in Kreuzwegtafeln jenseits den Fahrweg hinab, worauf man, 
ch immer links haltend, bald bei einer von Linden beschatteten 
apelle nächst dem Zweikilometer-Stein die alte Grazer Strasse 
reicht. Die Strasse senkt sich langsam gegen Weiz hinab, 
elches von hier aus, rechts flankirt von der hochaufragenden 
'"eizbergkirche und weiter dem Schlosse Thanhausen, und über- 
Lgt von gewaltigen Gebirgsmassen, einen imposanten Anblick 
iwährt. Weiz siehe Route IV. 



. Gleisdorf- St. Ruprecht -Unter-Fladnitz- Puch- 
Kulm-St. Johann (Pischelsdorf- Gleisdorf.) 

Gleisdorf-St. Ruprecht, 1 y2 Stunden. 

Von St. Ruprecht auf der Strasse längs des Weiz- 
icbes an vielen Mühlen vorbei nach Ünter-Fladnitz, ausgedehntes 
orf, 30 Minuten. Am Ende des Dorfes rechts Wegweiser nach 
uch. Nun rechts hinauf zur Wasserscheide zwischen Raab und 
z durch schattigen Wald 25 Minuten, und jenseits hinab in 
as Ilzthal, 1 Minuten zum Dörfchen Elzersdorf, mit Gasthaus, 
nks nahe der Strasse, mitten von Wald und Obstculluren 
msäumt, das reizend gelegene Schloss Minichhofen mit 
ekannter Musterwirthschaft. Minichhofen wurde erst Anfangs 



140 — 



des 17. Jahrhunderts zur selbstständigen Herrschaft erhoben, 
lind zwar war Wolf von Wülfersdorf der erste abgesonderte 
Besitzer derselben. Das Gut bildete zugleich ein Stubenberg'sches 
liehen. Spätere Besitzer waren die Rindsmaul, Stubenberg 
J. M. Panfilli und Mandell 1810, von welchen die Herrschaft 
an die freiherrliche Familie Berg überging. Gegenwärtigei 
Besitzer: Gustav Freiherr v. Berg, Landesausschuss 
welcher das Schloss wesentlich verschönerte und eine weil 
bekannte Musterökonomie schuf. Beim Gasthaus links 5 Minuten 
^veiter am Ende des Dorfes Wegweiser „nach Puch" 20 Minutei 
durch Wald zur Höhe, oben 100 Schritte links, dann beim 
Wegweiser rechts hinab im grossen Bogen zur Thalsohle und 
jenseits hinauf, anfangs durch Wald, dann an einem grossen 
Hofe vorbei, dann wieder massig abfallend in ein stilles Wald- 
thal, bis man plötzlich, mitten aus Obstculturen hervorlugend, 
(las freundliche Kirchlein Puch mit rothem Zwiebelthurm ganz 
nahe erblickt und hierauf in wenigen Minuten auf Umwegen 
erreicht. Von St. Ruprecht 2 gute Stunden, von Gleisdorf 
SV^ Stunden. 

Puch, Dorfgemeinde mit 64 Häusern und 250 Ein- 
wohnern, in idyllisch lieblicher Lage am Fusse des Kulm. 

Gasthäuser: FranzHager, 3Zimmer; Franz Meissl, 2 Zimmer: 
Cäcilia Meissl, 4 Zimmer; sämmtlich mit Kegelbahn und Sitzgarten. 
Per Bett 20 bis 80 kr. Unterkunft bescheiden. 

Das kleine Pfarrkirchlein soll 1444, welche Jahres- 
zahl an der Kirche ersichtlich, erbaut worden sein, doch moss 
die Kirche, die sich heute wie die meisten steirischen Dorf- 
kirchen, als einfache barocke Hallenkirche in Kreazfor/fl 
präsentirt, im 18. Jahrhundert vollkommen umgebaut worden 
sein. Das Kirchlein ist dem heil. Oswald geweiht, hat drei Altäre 
und ist sehr nett gehalten, bietet aber keine Sehenswürdigkeit. 
Puch ist der Geburtsort des Malers Mathias Schiffer (1744, 
t 1827), des letzten Freskomalers Steiermarks aus 
der Barockzeit. Puch bildet einen idyllisch schönen, lauschigen 
(Jebirgswinkel mit gesunder Luft, frischem kaltem Wasser und 
einer Fülle angenehmer Spaziergänge verschiedensten Charakters 
über sonnige, aussichtsreiche Höhen, wie durch einsame Wald- 



— 141 — 

thäler an forellenreiclien rauschenden Bächen. Die Gegend 
ist ungemein fruchtbar, und findet mit Obst und Most ein 
bedeutender Handel nach Obersteier statt, wie auch Schafwoll- 
wirkereien und Holzhandel in jedem Hause betrieben werden. Den 
Glanzpunkt der Umgebung bildet jedoch der Kulm, der Rigi 
Mittelsteiermarks, der mit grösstem Unrecht in den letzten 
Jahren stark vernachlässigt wurde. Weg roth markirt, 1 y2 Stun- 
den. Man verfolgt vom Dorfe 10 Minuten die massig ansteigende 
Strasse bis zu einer von Linden umschatteten Strasse und dem 
allgemein bekannten und beliebten Gasthause vulgo Feldseppel, 
hier beginnt rechts die Markirung (roth). Anfangs durch Wald, 
später durch mehrere Gehöfte über Wiesen, später im Zickzack 
durch Jungwald, immer stetig ansteigend, zum Gasthause Schober 
neben der Kirche, 15 Minuten unter der Spitze des Kulm, 
976 M., einfache aber nette und reinliche Gastwirthschaft, 
freundliche Wirthin, (keine Betten, doch wird am Heuboden 
eventuell ein primitives, aber reinliches Nachtlager bereitet). 
Neben dem Gasthause das Kirchlein Maria Brunn, 1720 
von einer Gräfin Wurmbrand erbaut, mit einem alten Votiv- 
Trachtenbild aus dieser Zeit. Hier werden jährlich drei Messen 
gelesen. Um den vollen Rundblick zu gemessen, steigt man 
noch zum Gipfel, wo einst das Schloss der Ritter von Kulm 
gestanden haben soll, heute aber sich ein sogenannter Wetter- 
thurm erhebt, in 15 Minuten empor. Aussicht überwältigend. 

Panorama des Kulm. 

Zur Richtschnur bei der Orientierung diene für den 
Norden der Rabenwald — den Westen der Markt Weiz — 
den Osten das Dorf „Kaindorf-' — den SüdenKirchberg an 
d. Raab, oder die Mitte zwischen Pischelsdorf und 
Gleisdorf. 

Im Norden: der Rabenwald, 1281 M.; Nordosten: Wechsel- 
stock, 1738 M.; Masenberg, 1272 M.; Günser Gebirgsstock, Schlar- 
ninger Berge (Ungarn); -- Osten: unbegrenzter Horizont (Ungarns 
Niederungen); — Südosten: Güssing (Ungarn); — Süd -Süd- 
osten: Ivandica (3354 Fuss, Kroatien), in der Richtung über 
Gleichenberg hervorblickend. — Süden: Ueber Kirchberg a. d. Raab 
das Matzelgebirge, 521 M. (croatisch-steirische Grenze), und Donatiberg 
884 M. Ueber Gleisdorf der Wotsch, 977 M. In der Richtung zwischen 
Ruprecht und Gleisdorf über den Schemerl, Wildonerberg hinweg, die 



— 142 — 

Radi, 988 M. und die Velka Kapa, 1538 M. — In der Richtung über 
St. Ruprecht über den Rücken der Schwamberger Alpen der Grintouz, 
8086 Fuss (Krain), und Karawankenzacken, etwas östlicher vom 
Grintouz die Ojstrica, 2347 M.; noch östlicher und vorliegend die 
runde ballenartige Kuppe des Ursulaberges, 1696 M. — Südwesten: 
lieber die Pack (über Graz) die grosse Saualpe, 6558 Fuss (Kärnten). 
Westen: üeber den südlichen Schöckelabhang der Zirbitzkogel bei 
Obdach, 2397 M., und nördlich des Schöckels, 1446 M., zwischen der 
Brucker Hochalpe, 1740 M. und dem Gleinalpen-Speik, 1984 M., der 
Zinken, 2344 M., bei Seckau und über den sogenannten Diebsweg, 
nahe der Hochalpe der Bösenstein, 2444 M. — Nordwesten: Nörd- 
lich der Brucker Hochalpe der Reiting oder Gösseck, 2207 M., bei 
Mautem. Vorliegend Hochlantsch. Vom Raabenwalde links der Teufel- 
stein mit 1499 M. 

Aussicht nach Orten: Von Graz sieht man die halbe 
Kuppe des Schlossberges; St. Martin, Strassgang. Raabthal: die 
zwischen Kirchberg und Gleisdorf liegenden Orte Ruprecht und Weiz. 
(Radegund). Ilzthal: Pischelsdorf und die bis Sinabelkirchen liegenden 
Dörfer. Feistritzthal nach Norden: Anger,Heibrunn; Westen: Puch; 
Osten: Stubenberg, Kaindorf, Hartberg, St Magdalena, St. Johann 
in der Haide, Bernstein und Alhauerdörfer in Ungarn. St. Johann 
bei Herberstein, Stainbach, Hainersdorf, Fürstenfeld und noch tiefer 
nach Ungarn. Safenthal : Kaindorf, Hartberg (oben bereits angeführt), 
Ebersdorf, Sebersdorf, Waltersdorf u. a. m. — Sehr hübsch über- 
sieht man die ganze Trace der projectirten Steirischen Nordostbahn, 
und wird man bei deren Verwirklichung einmal vom Kulme aus den 
Zug genau verfolgen können. 

Die Kulmaussicht umfasst somit die ganze mittlere 
Steiermark und zählt mit Rücksicht auf die geringe Mühe der 
Ersteigung unstreitig zu den lohnendsten des ganzen Landes. 

Vom Kulm kann man nach Stubenberg und nach St. Johann 
ob Herberstein in je 1% Stunden und nach Pischelsdorf in 21/2 Stunden 
bequem absteigen. 

Nach St. Johann und Stubenberg. Weg gelb markirt. 
Man gebt wieder zur Kirche hinab und folgt nun dem nördlich 
die Bergspitze umziehenden Weg, der später durch mehrere 
Gehöfte führt. Der Weg nach Stubenberg zweigt links ab. 
Dem Höhenrücken folgend, später aber gleichfalls links ab- 
zweigend und durch Wald ansteigend, erreicht man vom Kulm 
in 1 y4 Stunden die berühmte Aussichtswarte das „Kranzerl", 
Felsenkanzel über der düsteren Klamm, aus welcher drohend 
und gespenstig die uralte Stammburg der Herberstein auf 
zackiger Felsenzunge emporsteigt. Vom Kranzerl in 20 Minuten 



— 143 — 

hinab nach dem reizend auf sonniger Höhe gelagerten St. Johann, 
eine der schönsten landschaftlichen Perlen der Ost-Steiermark. 
Man kann auch vom Kulm, immer am Höhenrücken bleibend, 
über Siegersdorf direct nach Pischelsdorf in 2 y. Stunden ab- 
steigen (von Pischelsdorf zur Bahnstation Gleisdorf 2 y2 Stunden). 
Von St. Johann, entweder nach Stubenberg oder nach 
Pischelsdorf, oder über das Fieberbründl nach Kaindorf, durch- 
wegs in IY2 Stunden. Von St. Johann erreicht man in einer 
halben Stunde Hirnsdorf an der Gleisdorf-Hartberger Strasse. 



D. Qleisdopf-Pisclielsdopf-Kaindopf-Hartberg. 

Gleisdorf-Pischelsdorf, 13 Kilometer, 2y2 Stunden. 
Pischelsdorf-Kaindorf, 11-5 Kilometer, 274 Stunden. 
Kaindorf-Hartberg, 8*8 Kilometer, schwache 2 Stunden. 

Die Strasse beginnt bald nach Gleisdorf durch Wald 
zu der Wasserscheide zwischen Raab und Hz emporzusteigen, 
um sodann auf der Höhe „Nitschaberg" eine Weile hinzu- 
führen. Links schöner Ausblick auf das reich bebaute Gelände 
der Vockenberge mit vielen Ortschaften und Weingarthäusern, 
überragt von den mächtigen Gebirgsmassen des Rabenwaldes. 
Nun senkt sich die Strasse nach der Ortschaft Pesendorf zur 
Hz, um sodann wieder die Wasserscheide zwischen der Hz 
und Feistritz, resp. des Romerbaches hinanzufuhren, auf der 
Höhe die Häusergruppe Hart, nun ziemlich jäh nach Pischels- 
dorf hinab. Ein Fussweg schneidet die Strassenkrümmung ab. 

Gasthäuser: Johann Herbst, 4 Zimmer, Sitzgarten, bestes 
Gasthaus zwischen Gleisdorf und Hartberg; Falk's Erben, 2 Zimmer; 
Gerngross, 1 Zimmer; dann Friedrich, Gauper, Gartgruber und 
Grabner. — K. k. Post- und Telegraphenamt. — Fahr- 
gelegenheiten nach Gleisdorf: Einspänner 2 fl. 50 kr. bis 3 fl., Zwei- 
spänner 3 bis 4 fl.; nach Hartberg: Einspänner 3 bis 4 fl-, Zweispänner 
4 bis 5 fl.; nach Steinbach: Einspänner 1 fl. 50 kr. bis 2 fl., Zwei- 
spänner 2 fl. 50 kr. bis 3 fl.; nach Weiz: Einspänner 4 bis 5 fl., 
Zweispänner 4 fl. bis 5 fl. — Freiwillige Feuerwehr, gegründet 
1881 ; Kirchenbau- Verein. — In Pischelsdorf halten die Stellwägen 
bei Herbst. (Fahrt Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag) 
Taxe nach Gleisdorf 60 kr. 



— 144 — 

Pisclielsdorf, Markt mit 84 Häusern und 619 Ein- 
wohnern. Sitz eines 1786 errichteten Decanates, besteht aus 
einer steil die Wasserscheide zwischen dem Romerbache und 
der Feistritz hinanziehenden breiten Gasse, welche zu der hoch- 
gelegenen Kirche führt. Die einst stark mit Ringmauern als 
Tabor befestigte Kirche wurde in ihrer heutigen Gestalt 1665 
erbaut, nur der vom Viereck ins Achteck übergehende Thurm 
mit romanischen Reminiscenzen erinnert noch an die früher 
hier bestandenen alten Kirchenbauten. Die Orgel, 1799 ange- 
schafft, hat 16 Register. Die Innen reich ausgestattete Kirche 
mit schönem, 1767 errichtetem Hochaltar, bietet im Uebrigen 
wenig Bemerkenswerthes. An einem Strebepfeiler der südlichen 
Kirchenwand ist ein Römerstein mit nachfolgender Inschrift 
eingemauert: Maleius atres Fil an LXXX Blassia Q Fil. 
BRUTUXOR An FFO. Interessant ist die St. Johannes- 
Kirche am neuen Friedhofe, eigentlich nur das Presb5'terium 
eines 1747 begonnenen, grossartig geplanten Kloster-Kirchen- 
baues, welcher jedoch von Kaiser Josef II. sistirt wurde und 
bis heute unvollendet blieb. Am Hochaltare eines der besten 
Oelbilder Hackhofers, die Verklärung des heil. Johannes 
von Nepomuk darstellend. Im Jahre 1532 wurde Pischelsdorf 
von den Türken erstürmt und vollständig zerstört. 

Spaziergänge und Ausflüge. Meist durch Wald 
und über Wiesen und Fluren. 1. Oestlich über den Rosenberg 
nach Hartmannsdorf oder Höfing oder nach Blaindorf (alte 
Kirche), 1 V2 Stunden. 2. Nach Romatschachen {y. Stunde.) 
3. Nordwestlich nach Langegg am Fusse des Kulm, mit Kapelle, 
prächtige Aussicht. 4. Nach St. Johann bei Herbenstein, 1 y^ 
Stunden. Sehr hübsche Aussicht auch vom Friedhofhügel. Von 
Pischelsdorf ersteigt man auch den Kulm. 

Von Pischelsdorf senkt sich allmählig die Strasse in das 
schöne fruchtbare Thal der Feistritz zu dem Orte Hirnsdorf, 
wo bei einem einfachen Wirthshause die Gleisdorf-Hartberger 
Post Mittagsstation haltet (halber Weg zwischen Gleisdorf- 
Hartberg). Von hier durch Wald ziemlich steil hinan zur Wasser- 
scheide zwischen Feistritz und Safen. Eine halbe Stunde von 



— 145 — 

Hirnsdorf links an der Strasse ein Wegweiser „zum Fieber- 
bründl", wohin später noch mehrere andere Wegtafeln weisen. 

Fieberbründl: Diesen Weg einschlagend, erreicht 
man in wenigen Minuten das hübsche Gasthaus Prettenhofer, 
von wo man ganz nahe unter sich das mitten in einem idyllischen, 
lauschigen Waldwinkel versteckte Kirchlein mit den um ihn 
entstandenen drei Gasthäusern erblickt. An Stelle des heute 




Fieberbründl. 



so berühmt gewordenen freundlichen Kirchleins, zu welchem 
jährlich über 80.000 Menschen von allen Windrichtungen wall- 
fahren, stand vor wenigen Decennien noch, von Dornengebüsch 
umgeben, auf sumpfigem Moorboden ein hölzernes, primitiv 
gezimmertes Kapellchen, und die Legende weiss zu melden, 
dass hier vor vielen Jahren ein frommer Klausner seine Hütte 
aufgeschlagen habe und schon seit undenklichen Zeiten, von 
den Schaaren gläubiger Waller das Gnadenbild in der Kapelle 

10 



146 



als wundertbätig verehrt wurde, und dass Viele bei dem kleinen, 
in der Kapelle sprudelnden Wässerlein Heilung ihrer Leiden 
gefunden hätten. Als nun das holzgezimmerte Kapellchen sich 
für . den Andrang der Wallfahrer immer mehr als zu kleio 
erwies, schritt man über Initiative des Kaplanes in St. Johann, 
(jetzt Kogelhofer), Herrn Alexius Albrecht, im Sommer 1879 
zur Ausführung eines entsprechendf^n Neubaues, für welcher 
schon seit Jahren die Mittel gesammelt wurden. Und so ent- 
stand, nach den Plänen des Herrn Architecten R. M i k o v i c s 
in Graz, das sehr edel gehaltene heutige Kirchlein im modemeE 
Rundbogenstil, weh;hes am 26. October 1879 der heil. Jung- 
frau Maria im Elend unter Andrang einer ungeheuren Menschen- 
menge geweiht wurde. Das Brünnlein, welches dem Gnadenortc 
den Namen gab, wurde gefasst und fliesst jetzt aus den Händei 
der an der Aussenseite der Kirche angebrachten Marien statoe 
in eine Marmormuschel. Seither, meldet die Legende des 
Gnadenortes, fanden hier viele Gebetserhörungen, und zwar meisi 
bei Frauen und Mädchen der Umgebung statt. 

Ueber den bekanntesten Fall, der den Ruf des Fieberhründel 
als Gnadenort enorm verbreitete, meldet die Legende : Maria Kropl 
Grundbesitzerstochter aus Kaibing (nächst dem Fieberbründl), an 
25. August 1851 geboren, erkrankte November 1870 an Heiserkeit 
unter schmerzhafter Kehlkopfentzündung, und wurde der Zustand de 
Kranken ein chronischer. Am 29. August 1872 verschlimmerte siel 
derselbe nahezu bis zur Sprachlosigkeit, die thatsächlich auch 187: 
eintrat. Alle Versuche zur Heilung der Krankheit dieses Mädchen: 
blieben erfolglos, und tibereinstimmend lautete die Diagnose dahin 
„Unheilbar krank an einer chronischen Kehlkopfentzündung um 
Lähmung der Sprechwerkzeuge." Dabei war Maria Kropf imme 
bettlägerig. Nachdem der Zustand nun so über neun Jahre gedauei 
hatte, so verlangte die Kranke dringend, nach dem Fieberbründ 
gebracht zu werden, und wurde sie auch Freitags, den 20. Augus 
1880, dahin überführt, und, von vielen Leuten begleitet, in die Kapell 
getragen. Während des gemeinsamen Gebetes des englischen Grusse 
fing nun die Kranke plötzlich laut mitzubeten an, stand hierauf aui 
kniete am Altar nieder und dankte Gott mit lauter Stimme. Di 
Geschwulst im Halse und die Entzündung war verschwunden un 
Maria Kropf konnte wieder, wie vor fünf Jahren, laut Sprecher 

Die Legende berichtet von ähnlichen Gebetserhörungen b« 
Amalia Gruber aus Rosseg am 20. Juni 1881, Maria Mild au 
W.-Pöllau am 26. März 1882, Barbara Fritz aus Kirchberg, Johann 
Rabel aus Fürstenfeld und einer Frau aus St. Peter bei Graz, Heut 



147 



führen von allen Seiten r^ende Waldwege nach dem Fieberbründl, 
namentlich auch von St. Johann, dem Pfarrorte des Gnadenortes. 
Setzen wir unsere Wanderung nach Hartberg fort, so 
haben wir noch kurze Zeit anzusteigen, worauf die Strasse 
längere Zeit auf dem Hochplateau hinführt, um sich sodann 
langsam in das Thal der Safen nach Eaindorf hinabzusenken. 
Auf dieser Strecke links schöner Blick in den Pöllauer Kessel, 
rechts auf der Höhe die herrliche gothische Kirche Pöllauberg. 

Kaindorf. Gasthäuser: „Zur Post**, Josefine Schirnhofer, 
3 Zimmer, gute Küche; J. Thyr, Bäcker, 2 Zimmer; Lang, mehrere 
Zimmer; überall billig. — Postamt, Telegraphenamt im An- 
züge. Posthaltestelle. — Freiwillige Feuerwehr, gegründet 1874. 

Kaindorf. grosses Pfarrdorf mit 90 Häusern (10 zur 
Umgebung gehörig) und 560 Einwohnern, am linken Ufer der 
Safen , an der Berglehne sehr freundlich gelegen , wichtiger 
Kreuzungspunkt der Gleisdorf - Hartberger und der Pöllau^ 
Waltersdorfer Strasse. Sehr schönes, 1875 erbautes Schulhaus. 

Die bei Muchar angeführten (8), in der Gegenwart leider bis 
auf einen, der in die Pfarrhofmauer eingefügt wurde, verschollenen 
Römersteine lassen schliessen, dass Kaindorf schon zur Römerzeit 
bewohnt gewesen ist. 

Urkundlich erscheint der Name Chvnendorf im Jahre 1157 
zum erstenmale, im 14. Jahrhundert Chuendorff, auch Chundorff, und 
3rst seit dem 16. Jahrhundert Khaindorff und Kaindorf genannt. 

Wann die Pfarre gegründet wurde, ist nicht bekannt, ursprüng- 
lich war die Kirche zum heil. Jacobus eine Besingkirche zu Hart- 
berg; doch erscheint schon 1313 ein eigener, mit allen pfarrlichen 
Rechten ausgestatteter Vicarius perpetuus hier angestellt. 

Die gegenwärtige Kirche, eine barocke Hallenkirche, ist von 
Remigius Homer, dem Erbauer der herrlichen Stiftskirche in Pöllau, 
in den Jahren 1715 — 1717 errichtet worden; Pfarrer und Bauherr 
sv;^r Adam Melchior Ettinger (1689—1738). 

Als man das Pflaster der alten Kirche aufhob, fand sich 
ia runter eine bedeutende Menge von Gold- und Silbermünzen, die 
als willkommene Beisteuer in den Baufond floss. Wahrscheinlich 
bat sie ein Pfarrer vor der Türkeninvasion im Jahre 1532 verborgen, 
ind hat in derselben Leben oder Freiheit verloren, so dass er seinen 
jrerborgenen Schatz nicht mehr heben konnte. (Die Silbermünzen 
brugen das Zeichen Sigismimdi des Mtinzreichen von Tirol.) 

Das an der Aussenseite des circa 30 M. hohen, am Presbyterium 
Eingebauten, sehr alten Thurmes angebrachte Teuffenbach'sche 
Epitaphium (Mann und Frau, vier Söhne und zwei Töchter, 
kniend, Hochrelief), hat folgende Geschichte: Friedrich von Teuffen- 

10* 



148 



.bach, welcher wegen seiner Theilnahme am böhmischen Aufstande toi 

Beginn des dreissigjährigen Krieges im Jahre 1621 zu Innsbrucli 

.enthauptet wurde, wollte im Jahre 1615 in der Kirche zu Kaindorf 

(in welcher schon Härtl mit seinen Brüdern Rudolph und Dietricl: 

Teuffenbach um das Jahr 1380 ein Anniversar für seinen Vatei 

stiftete) eine Epitaphium für seine daselbst begrabenen "Vorfahrer 

. errichten, etiess aber beim Stadtpfarrer von Hartberg, Elias Henri« 

welcher Yogt- und Lehensherr über die Pfarre in Kaindorf war, aui 

heftigen Widerstand, einerseits aus dem Grunde, weil die Familie 

Teuffenbach protestantisch geworden war, und andererseits, weil ei 

die Anmassung des Patronatsrechtes von Seite der Teuffenbachei 

fürchtete. Die Existenz des Epitaphium's aber lässt uns schliessen 

-dass sein Recurs an das Ordinariat günstig entschieden worden sei 

lieber das Geschlecht der Freiherren v. Teuffenbach siehe Seite 164 

Im Jahre 1887, unter Pfarrer Joh. Strohmayer, wurde in de] 
Kirche ein nach den Intentionen des christl. Kunstvereines ausge 
führter Hochaltar aufgestellt, das Presbyterium durch eine neu( 
Communionbank aus weissem Marmor abgeschlossen, und die Kirchs 
consecrirt. (Sehr sehenswerth, Anfrage beim Messner,) 

Im Jahre 1532 ist Kaindorf von den Türken, und 17(W 
und 1708 von den Kuruzzen gänzlich eingeäschert worden. 171^ 
forderte die Pest einige Opfer. Alte Geschlechter in der Pfarre Kain 
dorf: Die meisten ünterthanen besassen die Stattekker vor 1400 
um 1400 erbten dieselben die Montforter, von denen sie später ai 
die Freiherren von Paar (Hartberg) durch Kauf übergingen. In dei 
Pfarre selbst sassen: Die Chundorffer (14. Jahrb.), die Teuffenbachei 
(13. u. 14. Jahrb.), Lehensmänner der Stattekker, die Vockenbergei 
(13. Jahrb.), die Hofkircher (14. Jahrb.), Lehensmänner der Stuben 
berger, die Frauenhofer (1443), Haselperger (1368), Erlspacher (1377, 

Besonders merkwürdig sind hier die in der Umgebung Kain 
dorfs liegenden sogenannten Frauenhöhlen, künstliche Erdhöhlen, 
die sich mehrfach in Oesterreich und Baiern bis Schweden und Süd 
russland vorfinden und deren Anlage ein merkwürdiges, einheitliches 
Grundprincip zeigt. Diese räthselhaften Höhlen, in welchen man am 
wahrscheinlichsten noch Cultusstätten der die Erdmutter verehrendei 
Urbevölkerung erblicken kann, beginnen meist mit einem steil in die 
Tiefe sich senkenden, sehr niedrigen Gang, der sich jedoch bald in 
eine Reihe aufwärts und abwärts führender Gänge, die sich oft 
kreuzen, aber im Ganzen eine geometrische Figur bilden, verzweigt, 
um aber zuletzt in einen grösseren Raum, die Kammer genannt, 
zu münden. Die Gänge wie die Kammer haben, zur Oberfläche der 
Erde führend, Luftlöcher und andere kaminartige enge Oeffnungen 
unbekannten Zweckes. Von den um Kaindorf liegenden Frauenhöhlen 
hat sich jene in einem Walde am sogenannten Hinterbüchel, ^f^ Stunde 
westlich von Kaindorf, am besten erhalten, und zeigt diese Höhle mit 
3 Kammern die ganze vorher skizzirte allgemeine Anlage dieser 



149 — 



Crdhöhlen. Mehrere Jahreszahlen, darunter die Jahreszahl 1685) 
»eweisen, dass die Höhle schon Jahrhunderte lang bekannt war. 
Im die neuerliche Aufschliessung und Durchforschung dieser Höhle hat 
ich Herr L. Stampfer, Pfarrer zu Ebersdorf, sehr verdient gemacht. 

Spaziergänge: Meist angenehme Natur- Waldprome- 
laden mit überraschenden Fernsichten von den Höhenrücken. 
Luf den sogenannten Schlossberg 10 Minuten, nach dem 
[adwald "^/^ Stunde, und nach dem Pfarrwalde '^/^ Stunde. 
Luf der Strasse nach Hartberg, ^/^ Stunde, das sogenannte 
(ankelkreuz, gutes Gasthaus daneben, mit prächtiger Aussicht, 
och schöner von der Hochstrasse gegen Pöllau. Südwestlich 
lach Pirchegg zum beliebten Gasthause des J. Lagelbauer, 
benfalls mit schöner Aussicht. 

Nordwestlich gegen Stubenberg über Riegelhof nach' 
lofkirchen, Gasthaus Hofer. Nördlich an der PöUauer Strasse" 
ias Dorf Diemersdorf, Gasthaus Honig, ^/^ Stunde. Südlich 
as Safenthal hinab nach dem nur eine kleine Stunde ent- 
Brnten Pfarrdorf Ebersdorf; Gasthäuser : Sitt und Gerngross, 
Q beiden gute Unterkunft. 

Ebersdorf ist eine sehr alte Pfarre, urkundlich um das 
ahr 1100 vorkommend, aber jedenfalls älter, was wir aus der 
?hatsache schliessen, dass der hiesige Pfarrer den '/3-Zehent 
n alten Pfarr-Rayon bezog. Um das Jahr 1570 verjagte der 
^atron Wilhelm von Rottal den katholischen Pfarrer und setzte 
inen lutherischen Prädicanten ein. Dieser wurde in Folge der 
regenreformation 1600 wohl entfernt, die Pfarre Ebersdorf 
ber, weil sie einen Priester nicht mehr ernähren konnte, der 
*farre Waltersdorf incorporirt. Dort blieb sie, bis auf Betreiben 
[es Patrons im Jahre 1676 wieder ein eigener Pfarrer ein- 
gesetzt wurde. 

Die Pfarrkirche, welche früher in der Nähe des Pfarr- 
lofes stand, war sowohl in Folge ihres Alters, als auch der 
iurch die häufigen Ueberschwemmungen verursachten Nässe, so 
laufällig geworden, dass sich die Patronin Antonia Gräfin Kottu- 
insky, geborne von Rottal, im Jahre 1756 entschloss, eine 
leue Kirche auf einem etwas höher gelegenen Orte zu erbauen. 

Interessante Römersteine an der Kirchenmauer (männ- 
iches Brustbild zwischen zwei weiblichen). 



150 



Kaindorf-PSIIau, 13-3 Kilometer, 272 Stunden. 

Post täglich ab um 3 Uhr Nachmittag, Fahrpreis 70 kr. per 
Person. Strasse: das schöne, fruchtbare Safenthal, von dem reizenden 
Pöllauer Kessel umschlossen, aufwärts. 

3/4 Stunden von Kaindorf, gegen Nordwesten, erhebt 
sich in lieblicher Lage die alte gothische Filialkirche St. Stephan. 
Die Gegend mit nur wenigen Besitzungen heisst Hofkirchen 
und gibt der ganzen ausgedehnten Gemeinde ihren Namen. 
Der Name Hofkirchen ist sehr alt, wir begegnen demselben zum 
erstenmal in einer Teuffenbacher Urkunde vom Jahre 1342, 
in welcher als Zeuge ein edler Mann, „Walchun von Hof- 
i'ldrchen", ein Dienstmann der Stubenberger, erscheint. Nach 
einem Theilungsvertrage zwischen den Brüdern Stubenberg vom 
Jahre 1396 besa^sen diese sowohl hier, als im nahen Maier- 
höf (im Yolksmunde Moihöf) ein Gut. Von diesem Gute oder 
Hofe und von der Kirche hat wohl die Gegend ihren Namen. 

Die Bauzeit der im gothischen Style erbauten Kirche ist 
unbekannt. Urkundliche Nachricht erhalten wir von derselben 
im Jahre 1384 in dem Testamente des Härtl von Teuflfenbacb, 
in welchem derselbe „6 phunt wiener phenning gein hofchirchen 
\'erschafft, daz man daz gotzhaws damit pezzern sol, oder daz 
man damit etwas stifte czu dem gotzhaws". 

Obwohl sich die Kirche nach Aussen als einheitlicher 
Bau darstellt, so weist doch die Architektur des Kirchenschiffes 
itinen auf zwei Bauperioden hin, und zwar erweist sich der 
Chor mit seiner edlen mageren Gliederung und dem einfachen 
Kreuzgewölbe als der weitaus (frühgothische) ältere, das später 
angebaute Schiff dagegen mit seinem Sterngewölbe als jüngerer 
(späthgothischer) Bau. Beide Theile sind aus Bruch- und Kiesel- 
steinen erbaut. Die Höhe des Chores beträgt 125 M., des 
Schiffes jedoch 16*5 M. Im Thurm befindet 3ich eine Glocke 
von 1543. Sehenswerth ist das stockhohe Bauernhaus Nr. 1 
von der Hofseite aus, da es das gleiche Baumaterial wie die 
Kirche und somit ein hohes Alter zeigt. Im Keller ist der 
Eingang zu einem noch gut erhaltenen Gangstücke, welches 
einst einen Theil der sogenannten Frauenhöhle zu St. Stefan 
gebildet hat. Von der Kirche haben sich zwei Sagen erhalten: 



— 151 — 

Die eine berichtet von einem Ritter im Schlosse am Vocken- 
;rg, der nur eine Tochter hatte, und in beständiger Fehde mit 
aem seiner Nachbarn lebte. Einstmals, in stürmischer Nacht, zog 

mit air seinen Reisigen aus, um seinen Gegner zu schädigen, nach 
jm er vorher sein Töchterlein in ihrer Kemnate sicher verschlossen 
Ltte. Aber auch sein Gegner war, von gleicher Absicht beseelt, in 
eser Nacht zur Burg seines Feindes geschlichen, und steckte die- 
Ibe in Brand. Als nun schon die Flammen beim Fenster der Kemnate 
jreinleuchteten, erwachte erst das Ritterfräulein. Vergebens rüttelte 
ö an der mächtigen Thtire, nirgends Hilfe, nirgends Rettung! Da 
ötzlich ersah sie ein starkes Hufeisen, sie erfasste es mit 
suem Lebensmuthe, und mit der Kraft der Verzweiflung sprengt 
5 damit die Thi\re Ihr heimgekehrter Vater, übei* diese Rettung 
?f ergriffen, gelobte den Bau einer Kirche und hing sodann 

derselben das Hufeisen am Altare auf, von wo es später an das 
jitenportal kam, wo es noch heute zu sehen ist. — Die zweite 
Lge meldet : Ein reicher Säumer, der mit Getreide nach Obersteier 
indelte, und Salz und Eisen herabführte, verlor bei PöUau einen 
tieil seiner Pferde mit reicher Ladung. Es lag ihm alles daran, 
B wieder zu finden, und da sein Suchen lange Zeit vergeblich war, 

machte er das Gelübde, an dem Orte, wo er seine Pferde treffen 
Irde, ein Gotteshaus zu bauen. Er fand sie wirklich, und löste 
in Gelübde durch die Erbauung der Kirche St Stephan. So wie allen 
Igen, dürfte auch diesen beiden ein historischer Kern innewohnen. 
ilr die erste spricht das Hufeisen, für die zweite ein sechsseitiges 
risma von Stein (Salzstock), welches an der Fronte, der Kirche zu 
hen ist. Berücksichtigt man die beiden Bauperioden der Kirche, 

lassen sich ganz gut beide Sagen in Einklang bringen. 

Bald erblickt man weithin leuchtend und strahlend die 
Bsige Kuppel der Pöllauer Stiftskirche , das Centrum des 
arktes, welchen wir in circa 1 y^ Stunden von St. Stephan er- 
ichen, markirend. 

Kaindorf- Hartberg, 2 Stunden. 

Die Strasse steigt sogleich ziemlich steil hinan durch 
^ald zur Höhe (Gasthaus), hübsche Aussicht auf den Ring 
id die imposant aufsteigende Ritterburg Neuberg, jenseits 
ieder hinab in das Thal und über eine Htigelwelle durch 
rald in das kleine Thal des Löffelbaches, links am Bache 
ne kleine vereinsamte Mühle, die Teufelsmühle genannt, in 
IV es oft um Mitternacht geistern soll; nun wieder hinan 
irch Wald bis zur Vereinigung mit der Pöllau - Hartberger 



( 



— 152 — 



Strasse und weiter nach dem tief gelegenen Dorfe Schildbach 
(in der Umgebung Löffelbachs und Schildbachs viele Römer- 
gräber), wo plötzlich der Thurm der Hartberger Pfarrkirck 
über den Horizont emporsteigt; ein Fussweg kürzt hier die 
Strasse, die rechts im Bogen die Schildbacher Höhe umzielit. 
Endlich erblickt man am Fusse des reich bebauten Vorgeländes 
des waldgekrönten Ringberges das reizend gelagerte Städtchen 
Hartberg, rechts flankirt von der mit uralten Lindenum- 
säumten Wallfahrtskirche Maria-Lebing, und dem imposantes 
Neubau des Landes-Siechenhauses. 



B. Qleisdorf - Sinabelkirohen - Hz - Pürstenfeld, 
36*2 Kilometer, 7 Stunden, Post taglich. 

Die Strasse zweigt unmittelbar am Ende des Marktes 
links von der Feldbacher Strasse ab und steigt die Wasser- 
scheide zwischen der Raab und Hz hinan (das hübsche Gebäude 
auf der Höhe mit Glockenthürmchen ist eine Privatvilla), nin 
hierauf längs der Höhe kurze Zeit hinzuziehen und sodann sich 
langsam in das freundliche Thal der Hz hinabzusenken. !Nach 
Passirung der Dörfer Ober- und Unter-Grossau übersetzt die 
Strasse die Uz und erreicht unmittelbar darauf das grosse 
Pfarrdorf Sinabelkirchen (Gasthäuser : Hammerschmied 
3 Zimmer; Klottinger, 1 Zimmer, und Fleck, 1 Zimmer), welches 
ausser seiner anmuthigen Lage nichts Bemerkenswerthes bietet. 

Hier wurde im Jahre 1882, bei Demolirung eines vom 
Fleischhauermeister J. Hammerschmied gekauften Gebäudes, 
ein grosser Schatz gefunden. Die Kupfermünzen wogen nicht 
weniger wie 7 1 Kilo, Silbermünzen fanden sich im Werthe von 
circa 1000 fl., und zwar 140 Thaler, über 1000 Zwanziger etc. 
Die jüngsten Münzen sind vom Jahre 1802, es muss der 
Schatz somit zur Zeit der französischen Invasion eingemauert 
worden sein. 

Die Strasse zieht, nun am linken Ufer der flz in dem 
freundlichen Thale, welches nördlich von sanft abdachenden 
südlich jedoch von ziemlich steil abfallenden Waldhängen be- 
grenzt wird, dahin und erreicht das zweithürmige, in den 



153 — 



chziger Jahren erbaute Neuschloss Uhlheim, gegenwärtig 
Besitze des Baron Emil Orczy, links lassend, in 2 Stunden 
n schönen, stattlich gebauten Markt Hz. 

Gasthaus er: Franz Zach, 5 Zimmer (strebsamer Besitzer, der 
n Gasthof mit modernem Comfort versehen hat), vorzügliche Betten, 
3öner Salon, Kaifeehaus, Zimmer bei längerem Aufenthalt 30 kr. 
.Tag; „Post", Heschl, 6 Zimmer, gleichfalls sehr empfehlens- 
;rth; Baumhakl; Masswohl, schöner, schattiger Sitzgarten. B ade- 
ist alt; Friedrich's Erben, gute Küche. — Post- und Tele* 
aphenamt. Postverbindiing : nach Gleisdorf 3 Uhr Früh, 70 kr. 
, Person; nach Fürstenfeld 1 Uhr Mittags, 60 kr.; nach Gr.-Stein- 
ch 2 Uhr Nachmittags, 40 kr. 

Hz, sehr schön gebauter Markt, mit 72, meist stock- 
hen Häusern und 700 Einwohnern, sehr freundlich, nahezu 
1 Ausgange des lieblichen Ilzthales an der Kreuzung von 
of Strassenztigen, die Hz direct mit Gleisdorf, Feldbach, 
irstenfeld, Hartberg und Burgau verbinden, gelegen. 

Sehr wichtige Hopfenculturstation. (Anton Haring, 
Igo Moosmeier, in Ilz und Graf Wildenstein in Kaisdorf legten 
88 die ersten Hopfengärten an.) Starker Obstbau. — Jahrmärkte: 
n 2. Montag in der Fasten, Montag nach Ostern, Pfingstdienstag, 
. Juli, 21. September, 21. December. — Vereine: Veteranen - 
Jrein mit Kapelle, gegründet 1877; Feuerwehr- Verein, gegründet 
67; Ortsgruppe des Deutschen Schulvereines; Zweigverein des 
then Kreuzes ; Filiale der landwirthschaftlichen Gesellschaft ; 
arktverschönerungs verein im Entstehen; Gesangsclub; Suppenanstalt 
r arme Kinder. — Aelteste oststeirische Seiden- und Schönfärberei, 
gründet 1783 von Mathias Pesch. 

Hübscher Hauptplatz, nördlich von der höher gelegenen 
farrkirche St. Jacob begrenzt, mit steinerner Frauen-Säule, 
it dem Wappen der Wildenstein, die dieselbe 1666 als 
esitzer der nahen Herrschaften Feistritz und Kaisdorf, nach 
jr Schlacht von St. Gotthard errichteten. Die sehr alte, wahr- 
heinlich ursprünglich romanische Kirche, zeigt heute nach 
rem barocken Umbau nur mehr wenige Spuren ihrer ro- 
anischen und gothischen Bauperiode. Im Innern hübsche 
irocke Kanzel mit Intarsien, und interessantes Votivbild ober 
im rechten Seitenaltar, mit alter Ansicht des Marktes. Be- 
)nders wichtig sind jedoch die zwei prächtigen Grabdenkmäler 
1 Presbyterium der Kirche, und zwar auf der Epistelseite 
nes des Johann Josef Wildenstein mit Medaillonporträt des 



— 154 -- 



Grafen Wildenstein und seiner Gemahlin von 1739, Srbane 
der Kirche in ihrer heutigen Gestalt. An der Evangeliamseit 
erhebt sich jedoch das prächtige Marmordenkmal des letzte 
Freiherrn von Mindorff mit der lebensgrossen Gestalt Mindorf] 
in voller Rüstung, mit dem Feldhermstab, mit dem Charakter 
stischen Haar- und Bartschnitt der Heerführer des 30jährige 
Krieges, in weissem Marmor kunstvoll in Hochrelief gemeissel 
mit nachstehender Inschrift: 

„Hie liegt begraben der wolgebome Herr Herr Hanns Christop 
Freyherr von Myndorff auf Hochenpruck und Feistritz der röm. kai 
Malest, wolbestelter obrister und ainer löbl: Landsch: in Steyr Her 
Landobrister über das Aufbott zu Boss und Fuss z. welicher de 
letzte seines Namens und Stammens gewesen den 21. De 
cemb. 1648 in Gott seliklich verschiden und hierher in sein Gruf 
conducirt und bestattet worden. Deme der Allerhöchste ein fröhlich 
Auferstehung verieichen wolle. Amen." 

Die Kirche soll schon llöO bestanden sein. Die Pfarn 
untersteht der Hauptpfarre Riegersburg. Neben der Kirche er 
hebt sich die fünfclassige Volksschule. Im Rathhause ünden sie 
die Originalurkunden des Marktprivilegiums vom 1 6. Jänner 1 62€ 
Im Jahre 1676 brannte Hz gänzlich ab. Am 25. Juli 170- 
wurde der Markt von den Kuruzzen verheert. In jüngster Zei 
hat sich der Markt sehr verschönert, so namentlich durch Anlag 
der sogenannten Kaiserallee vom Hauptplatze bis zum Rath 
hause anlässlich der silbernen Hochzeit des Kaisers. 

Braunkohlenwerke: Im Süden und Süd-Osten dei 
Marktes erhebt sich halbkreisförmig ein Kranz von Hügeln 
die Ilzberge, welche reiche Lager von Braunkohlen bergen, uü( 
sind vier Bergwerke im Betriebe, und zwar : 1 . jenes der Firm« 
G. Borkenstein & Sohn in Wien, 2 des Herrn Hammerschmied 
3. des Herrn Fruhwirth in Mutzenfeld, und 4. des Herrn Lampl 
Darunter ist am wichtigsten jenes der Firma Borkenstein ; es 
besteht ans 42 einfachen Feldmassen h 45*116 Quadrat-Meter 
welche in der Nähe von Hz sich ausdehnen, und zwar in dei 
Catastral-Gemeinden Reigersberg, Neudorf, Walkersdorf, Klee- 
graben und Ziegenberg. Das Kohlenflötz hat eine Mächtigkeil 
von Yz — ^ Vu Meter. Die Kohle ist ein dunkler Lignit, ii 
Qualität ungefähr der Köflacher Braunkohle gleichzustellen 
Der Bergbau wird mit circa 30 Arbeitern betrieben und werdei 



— 155 — 

die Kohlen nur zum Betriebe der beiden Spinnfabriken in Bargaa 
und Neudau verwendet, während die übrigen Bergwerke Fürsten- 
feld, Hz und Umgebung mit Kohlen versehen. Am 4. December 
feiern die Bergknappen solenn das Barbarafest. 

Sagen: Am Thurmfenstergesimse des Glockenthurmes der Ilzer 
Kirche ist ein Blutflecken, der nicht wegzubringen ist, da er teuflischen 
Ursprunges ist. Wer dreimal in der Christnacht, während der Wandlung 
bei der Mette, um die Kirche läuft, und noch vor Schluss der Wand- 
lung an's Speisgitter kommt, kann das Wtinschhütlein erlangen. Ein 
Halterbub wollte durchaus das Hütlein besitzen und lief dreimal um 
die Kirche, kam aber zu spät an's Speisgitter, worauf ihn sogleich 
der Teufel holte und mit ihm durch das Thurmfenster hinausfuhr, 
wobei der Knabe an dasselbe anstreifte, wodurch der Blutfleck 
entstand. 

Inmitten der Neudorfer Felder ausser Hz sieht man ein mit 
einem besonderen Zaun eingefriedetes Stück Land, es gehört zum 
Pfarrgrunde. Es wächst und gedeiht hier nichts, da hier einst die 
an der Pest Verstorbenen eingescharrt wurden. 

Zwischen Hz und Neudorf zieht sich der sogenannte Göbes- 
graben hin; hier stand ein Schloss, welches aber infolge schwel- 
gerischer Lebensweise seiner Bewohner einst an einem Palmsonntage 
spurlos verschwand. Noch sieht man oft Nachts Irrlichter — die 
Geister der lebendig Begrabenen — an der Stelle, wo einst das 
Schloss stand. Hier ruht ein reicher Schatz, der aber nur von einem 
an einem Neujahrssontage Geborenen gehoben werden kann. 

Die Umgebung von Hz ist ungemein reich an schattigen 
Promenaden durch Laub- und Nadelbolzwälder, wie an mühelos 
zu erreichenden Aussichtspunkten, und kann Sommergästen aus 
dem Mittelstande, die gut und billig leben und dabei in würziger 
Waldesluft Erholung suchen, bestens empfohlen werden. 

Spaziergänge: Nördlich. Von der Hartberger Bezirks- 
strasse, rechts der erste Weg führt zu dem hoch gelegenen Fried- 
hofe mit der gräflich Lamberg'schen und Czeike'schen Familien- 
gruft, der zweite Weg führt dagegen zu dem idyllisch gelegenen 
Bucbberg; 2 Gasthäuser, Hacker und Rath. Wendet man 
sich hinter dem Gasthaus Hacker rechts, so führt uns der 
Weg durch den sogenannten Buchwald, einen prächtigen 
Laubholzwald, nach dem grossen, reizend gelegenen Dorfe 
Hainersdorf. (Hainersdorf war das erste Dorf d^r mittleren 
Steiermark, wo eine Ortsgruppe des deutschen Schulver- 



- 156 — 

eines gegründet wurde.) Hinter der Ilzer Kirche, bergan zwische 
Feldern neben dem Pulvermagazin, zieht sich der Weg darc 
den gräflich Lamberg' sehen alten Hochwald nachDamhac 
and Gschmeier; hier Gasthaus Kober, beliebter Ausflugsoi 
der Ilzer. Südlich, anfangs an der Feldbacher Strasse, dan 
links den Steig verfolgend, durch Wald zur Höhe, links da 
Hammerschmied'sche Weingarthaus mit prächtigem Blic 
auf Hz, rechts vom Schlosse Kaisdorf flankirt, darüber ei 
herrlicher Kranz von Gebirgen vom Schöckel bis zum Wechse 
südlich prächtiger Blick auf die nahe Riegersburg, welche hie 
ans die beiderseits senkrecht abfallende Nordseite zeigt. A 
der Kaisdorf -Blumauer Strasse befindet sich links vor der 
Wald die Job anniskap eile an jener Stelle, wo früher di 
schöne protestantische Kirche stand, die am 9. und 10. Juni 160 
von der Gegenreformations-Commission zerstört wurde, nachdei 
der erste Versuch der Zerstörung dieser Kirche am 5. Mai 159i 
an dem Widerstände der Bauern scheiterte. estlich biete 
Reigersberg mit dem beliebten Gasthaus Zotter eine 
lohnenden Ausflugsort. Zehn Minuten westlich von Hz liegi 
im Walde halb verborgen, das von den Rittern v. Uhl erbaut 
Schloss Uhlheim, und eine Viertelstunde nord-östlich, auf der 
Ausläufer des zwischen der Hz und Feistritz sich ausbreitende; 
Höhenzuges Schloss Kaisdorf des Herrn Anton Czeike, tüchtige 
Oekonom. Das Schloss wurde der Inschrift über dem Thor 
zufolge 1579 von Otto v. Herbersdorf erbaut. Grosse Meier 
höfe mit ausgezeichnet geleiteter Musterökonomie und bekannte 
Käserei. Kaisdorf besitzt eine eigene Feuerwehr. 

1. Ilz-Fürstenfeld, 2 Stunden, zu Fuss, wenig lohnend. 



Die Strasse zieht das Ilzthal entlang, welches bald in da: 
breite Feistritzthal ausmündet, und übersetzt unmittelbar vor den 
Dorfe Gross- Wilfersdorf (% Stunden von Hz) die Feistritz, rechti 
begleiten bis Fürstenfeld die die Wasserscheide zwischen dei 
Feistritz und der Ritschein bildenden bewaldeten Hügelzügt 
die Strasse, während links die Gegend mit ihren unüberseh 
baren Waldungen sich immer mehr zu verflachen beginnt. 



— 157 — 



Gross-Wilfersdorf, grosses Dorf mit 95 Häusern, 
60 Einwohnern und zweiclassiger Volksschule, 

Gasthäuser: Thaller, 2 Zimmer, Fleischhauer; ,,zum grünen 
inger", sehr schöner Sitzgarten, tiberall frisches Fürstenfelder Bier. 
- Vereine: Feuerwehr, gegründet 1883; Schützengesellschaft, 
egründet 1887. 

Von Wilfersdorf schrieb sich ein adeliges Rittergeschlecht, 
welches 1487 zuerst erwähnt wird und 1697 mit Max Frei- 




Kirche zu Jobst. 

(Illustration ans dem Kirchenscliinack.) 

3rrn von Wilfersdorf ausstarb. Die Kirche wurde 1674 — 1682 
•baut und 1882 — 1883 vielfach umgestaltet, das Hochaltar- 
latt ist 1672 von M. Weber gemalt. Die Pfarre wurde erst 
754 durch den Pfarrer Lorenz Kummer gestiftet. Die Kirche 
acht im Innern einen sehr gefälligen Eindruck. 15 Minuten 
idlich an der Berglehne stand bis 1809 die jetzt demolirte, 
rosse schöne St. Ulrichskirche, an welche nur der von 
ten Buchen beschattete St. Ulrichsbrunnen, dessen Wasser 
)n Halsleidenden mit Erfolg getrunken wird, erinnert. An der 
ainersdorfer Strasse findet sich noch eine Pestsäule. 



— 158 — 

Spaziergänge: 1. Auf dem 380 Meterhohen Sacherbe 
südlich durch Laubwald, mit herrlicher Fernsicht, y^ Stun* 

2. 15 Minuten gegen Hz Auner's beliebtes Gasthans. 

3. Schöne Waldpromenade nach dem mitten in Nadelbo 
Wäldern versenkten Dörfchen Job st, einst Windisch-Steinbj 
genannt, mit sehr interessanter Kirche. Das originelle Kirchl« 
St. Anna zu Jobst (siehe Seite 157) wurde 1741 erbaut i 
verdient als consequent durchgeführter Centralbau mit vier Apsic 
die Beachtung aller Kunstfreunde. Reich geschnitzte Kanzel. 

Von Gross -Wilfersdorf zieht die Strasse weiter in si 
einsamer Gegend, beiderseits nahe von Wald begrenzt, nach d 
Dorfe Altenmarkt y4 Stunden. (Zwischen Wilfersdorf und Alt( 
markt kein Haus am Weg.) 

Altenmarkt, Pfarrdorf, mit 76 Häusern, 550 Einwohn( 
und einclassiger Volksschule. An der Kirche merkwürdij 
Römerstein mit zwei geflügelten Löwen und nachstehenc 
fragmentarischer Inschrift: ürbano Ressimari. F. An. IX 
Et Resillae. Adnamati. F. Con. An. LXI. Et Jantumaro. 

An. XXX .... JAE. F. An. XVIII In Altenmarkt vi 

artesische Brunnen. 1852 wurden in der Schratten bei Alt( 
markt 30 Römergräber geöffnet, in welchen Urnen, Münzen n 
Thränengläser gefunden wurden. 

Von Altenmarkt gelangt man gleichfalls in ^[^ Stund 
nach Jobst. Von Altenmarkt noch eine halbe Stande na 
Fürstenfeld, welches sich hoch über der Feistritz erhebt, al 
sich von dieser Seite weniger imposant* wie von der Nor 
Ost- und Südwest- Seite präsentirt 



2. Ilz-Schl088 Feistritz- Gross-Hartmannsdorf-SchlossOber-Ma] 
hofen- Neustift -Sebersdorf- Hartberg, 5 Stunden, auch für Fu 
geher lohnend. 

Die Strasse steigt von Hz sogleich in sehr mässi| 
Steigung hinan durch schönen Nadelholzwald (links drei ai 
getrocknete Teiche), und erreicht bald das schöne Hochplate 
in welchem die zwischen der Ilz und Feistritz sich ausdehnenc 
Hügel auslaufen. Rechts dicht an der Strasse Hochwald, lic 



— 159 — 

Q regelmässigen Abständen prächtige alte Fichten, darüber 
linaus ein leuchtender Saum hellgrüner Wiesen, überragt von 
trächtigem Nadelholzwald ; die herrliche, völlig ebene Wald- 




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lUee dauert über eine halbe Stunde. Nun massig fallend hinab 
n das breite, mit Obst- und Hopfenculturen bedeckte Feistritz- 
hal zu dem mitten in einem tiefschattigen alten Park gelegenen 
khlosse Feistritz (von Hz 1 Stunde). Schloss - Taverne. 



.^"^ 



— 160 — 

Das Schloss Feistritz trägt alle Merkmale eines uralten 
Familiensitzes : im äussersten Hintergründe ragt noch der finstere 
trotzige Thurm mit seinem Gewirre von engen Treppen und 
schmalgeschlitzten Fensterlucken, den vielleicht in seinen Grund- 
vesten die ersten Sprossen des Edelgeschlechtes der Herren 
von Feistritz, die schon 1141 (mit Ortwin von Feistritz) er- 
wähnt werden, erbauten, als Wahrzeichen längst entschwundener 
Zeiten über die Wipfel uralter Bäume auf, aber dem engen 
Thurme fügte jede Generation neue Bauten, immer wohnlicher 
und freundlicher an, bis in den Vierziger Jahren unseres Jahr- 
hunderts die Grafen Lamberg mit dem Ausbau der schon auf 
Vischer's Prospect des Schlosses von 1681 befindlichen Ost- 
front desselben, bis zu den Eckthtirmen, den Bau des Schlosses 
zum Abschlüsse brachten. 

Die langgestreckte Front des einstockhohen , von zwei Eck- 
thtirmen flankirten Schlosses, in dessen Thorhalle eine merkwürdige 
steinerne Löwenfigur' liegt, birgt die eigentlichen Wohnräume des 
Neuschlosses, die reich mit Rococo-Möbeln ausgestattet sind. Inter- 
essante Schränke mit reicher Einlegearbeit, prächtige Truhe aus 
dem 17. Jahrhundert, Familienporträts, Stammbäume etc. Beson- 
ders sehenswerth die den ganzen Corridor und ein Zimmer 
füllende Waffensammlung, die schönste der Ost-Steier- 
mark, namentlich die reiche Sammlung der Gewehre (prächtig ein- 
gelegte Radschlossgewehre etc.). 

Durchschreitet man die Thorhalle, so gelangt man in den 
grossen Hofraum, an dessen linker Ecke die grosse Kapelle, ein 
äusserlich schmuckloser Bau, liegt. Um diese Kapelle war einst ein 
Friedhof, und wurden vor einigen Jahren bei einem Umbau viele 
Knochenreste gefunden, bei welcher Gelegenheit man auch entdeckte, 
dass das Schloss ganz auf Piloten aufgebaut ist. Innen birgt die 
geräumige Kapelle zum heil. Michael, deren Steinpflaster bemost 
ist, interessante Grabsteine der Familie Mindorf, mit Relief bildern 
und protestantischen Bibelsprüchen reich versehen, durchwegs aus 
dem Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts. Den Hofraum 
begrenzt westlich ein unregelmässiges Gebäude, dessen Thorbogen, 
mit den steinernen Wappen der Mindorf, Trautmannsdorf und Eibis- 
wald geziert ist, welche Wappen sich auf Christoph Freiherrn von 
Mindorf und seine Gemahlinnen Sophie v. Trautmannsdorf und Maria 
Magdalena v. Eibiswald beziehen. Hat man die Thorhalle durch- 
schritten, so erblickt man den riesigen viereckigen Thurm, der die 
älteste Schlossanlage markirt. Der gewaltige Thurm, dem ein eine 
Wendeltreppe bergender Rundthurm vorgelagert ist, die angrenzenden, 
im rechten Winkel ausspringenden Arcadengänge und ein mächtiger 



— 161 — 



Rundthurm an "der südwestlichen Ecke der Ringmauer gewähren 
einen ebenso interessanten wie malerischen Anblick und ist jeder 
Eimstfreund dem jetzigen Schlossbesitzer, welcher mit grösster Pietät 
für die Erhaltung dieser ältesten Schlossanlage sorgt, zum Danke 
verpflichtet. Der gewaltige viereckige Thurm zeigt ober dem Portale 
die Jahreszahl 1579, welche jedoch kaum die Zeit seiner Erbauung, 
die wir viel weiter zurück versetzen möchten, andeuten kann, wahr- 
scheinlich geschah damals ein grösserer Umbau des Schlosses durch 
Mindorf. Der Thurm zeigt 
vier, resp. fünf Stockwerke, 
mit je einer grossen Halle. 
Durch sämmtliche Stock- 
werke zieht sich eine Oeff- 
nong, welche zweifellos 
zum Speisen- oder Wasser- 
aufzug diente. Die in dem 
kleinen Rundthurm ange- 
brachte Wendeltreppe zählt 
78 Stufen, davon jedoch 
nur 18 aus Stein, während 
der übrige Theil der Treppe 
wie ein Spiralgewinde aus 
mächtigen Eichenbalken 
sehr schön gebohlt ist und 
haben sich die Eichenstufen 
besser erhalten, wie die 
Steinstufen. In einigen 
Kammern in dem an dem 
Thurme angebauten Tracte 
hübsche alte Oefen. Sehr 
schön sind die in einem 
unbewohnten Saale depo- 
nirten Decorationsstücke 
eines Altars mit aus Silber 
getriebenen Rococo - Zie- 
rathen. 

Wie erwähnt, wird schon 1141 das Geschlecht der Herren 
von Feistritz erwähnt und blühte das Geschlecht bis um das Jahr 
1467, wo es mit Conrad von Feistritz ausgestorben sein dürfte, 
denn um diese Zeit fiel das Schloss dem Landesfürsten anheim. Im 
Jahre 1508 kam die Herrschaft zuerst pflegeweise, dann aber eigen- 
thümlich an Christoph von Mindorf, welcher auch die Herrschaft 
Hohenbrugg bei Fehring besass und sich im Staatsdienste so ver- 
dient machte, dass Kaiser Maximilian dem Dorfe Hohenbrugg das 
(seither wieder entzogene) Marktrecht verlieh (8. August 1515). Seine 
Tochter warAebtissin zu Göss. Das Geschlecht starb mit einem seiner 

11 




Partie aus Schloss Feistritz. 



— 162 — 

bedeutendsten Repräsentanten Christoph von Mindorf, der voi 
Kaiser Ferdinand II. am 22. October 1629 in den Freiherrnstan 
erhoben wurde, aus. (Siehe sein Grabdenkmal in der Pfarrkirche z 
Hz.) Christoph von Mindorf wurde später eifriger Protestant üb 
blieb es bis zu seinem Ende. Er besetzte als Patron der Kirche 
Hz und Hatzendorf dieselben mit lutherischen Prädicanten und baai 
die protestantische Kirche zu Kaisdorf. Mit Kaiser Ferdinand stau 
er im Briefwechsel. Von Mindorf ging Feistritz in weiblicher Lini 
an die Wildenstein über. Die Witwe des vorletzten Wildenstei 
Christine, verkaufte am 19. Jänner 1809 die Herrschaft an Mari 
Theresia Gräfin von Lamberg, womit die Herrschaft an die gräflic 
Lambergische Familie kam. Die neuen Besitzer folgten der Wandlui 
der Zeiten und schufen eine Muster- Oekonomie, wovon die grosse 
Hopfenculturen, eine neu erbaute Dreschmaschine, die Fasanerie m 
die rationell angelegten Wirthschaftsgebäude überall Zeugniss gebe: 
Derzeitiger Besitzer Karl GrafLamberg. 

Von Feistritz führt die lange, anfangs von einer Pappe 
allee beschattete Strasse, das ganze Feistritzthal durchqaerei 
nach Gross-Hartmannsdorf (y2 Stunde). Gasthänsei 
Meier, 1 Zimmer; Hörzer, 1 Zimmer. Hier theilt sich di 
Strasse, indem nordwestlich eine Strasse an der rechten Beri 
lehne das Feistritz thal über die Dörfer Gross-Steinhac 
Kroisbach, Blaindorf bis nach Kaibing an der Glei 
dorf-Hartberger Strasse (2 Stünden) hinaufzieht, die aodei 
aber nordöstlich gegen Neustift im Safenthale führt. Wer Har 
berg erreichen will, wird letztgenannte Strasse einschlagen, w( 
aber von Ilz über Feistritz-Pischelsdorf wieder nach Gleisdo 
gelangen will, muss erstgenannte Strasse benützen. Der Fas: 
geher, der von Feistritz nach Steinbach gehen will, las 
jedoch Hartmannsdorf rechts liegen und folgt dem von Feistrii 
direct auf Steinbach zu führenden Wiesenweg. 



a) Feistritz-Gross-Hartmannsdorf-Kaibing (ffimsdorf). 

Gross-Steinbach bietet ausgezeichnete Unterkunft ui 
zwar in den Gasthäusern: Neuner, Gemgross und Prettenhofer, . 
2 Zimmer,* überall Grazer und Fürstenfelder Bier. — Post- m 
Telegraphenstation. 

Gross-Steinbach, äusserst belebtes und gesellige 
Pfarrdorf von 67 Häusern mit 460 Einwohnern, bietet trot 
seiner verhältnissmässig ebenen Lage doch eine Reihe p r ä c l 



- 163 - 

tiger Waldpartien mit überraschend schönen Aussichts- 
punkten, so namentlich südwestlich nach Gschmeier und der 
Lichteneggkapelle (^/j Stunden), dann in gleicher Richtung zu 
der romantisch gelegenen Kapelle in der Schlapfen, Gasthaus 
Pilz, y4 Stunden, südlich durch Wiese und Wald zum Gasthause 
Kober in Gschmeier. Den Glanzpunkt der Aussichts- 
punkte zwischen derFeistritz nndSafen bildet 
jedoch die AuffenkapeUe (Wallfahrtsort mit den Gast- 
häusern: Fuchs und Haubenhofer), wohin ein schöner Wald- 
weg in einer Stunde hinanführt, (lieber Auffen siehe 
Route Hartberg.) Südlich von Auffen (10 Minuten) der 
28 Joch grosse, sogenannte Hardter Teich, wie ein kleiner Waldsee. 

Von Steinbach 1 Stunde nach Blaindorf. Hier 
^othische Füialkirche, 1504 erbaut, mit interessantem Votiv- 
gemälde, die von den Kuruzzen in Brand gesteckten Dörfer 
des Feistritzthaies darstellend, mit nachstehender Inschrift : 

„Anno 1704, am Festtage des heil. Jacobi, haben die hunga- 
pischen Rebellen alle umliegenden Pfarren mit Sengen und Brennen 
iergestalt angegriffen, dass viele tausend Häuser dadurch in Asche 
gelegt wurden. Diese Pfarre Steinbach ist durch die Fürbitte des 
heil. Florian befreit worden, dem, zur ewigen Dankbarkeit, hat der 
Pfarrer von Steinbach dieses Bild auf Blaindorf geopfert." 

Von Blaindorf nach Kaibing an der Hartberger Strasse 
1 Stunde.. 



b) Gross-Hartmannsdorf-Schloss Ober-Mayrhofen-Neu- 
stift-Hartberg, 

4 Stunden, einsame Gegend, zuerst massig steigend, dann lange 
auf einem bewaldeten Hochplateau dahin, zuletzt sanft in das 
Safenthal abfallend, immer durch Wald, zuletzt in grossem 
Bogen nach Schloss Ober-Mayrhofen nächst dem Dorfe Neu- 
stift. Einfaches Dorfwirthshaus. 

Schloss Mayrhofen. Am rechten Ufer der Safen, an der 
Berglehne aufsteigend, ragt der massige düstere Bau dieses alten 
Schlosses drohend aus dem Waldesdunkel hervor. Sind auch die 
auf Vischers Prospect des Schlosses von 1681 sichtbaren statt- 
lichen Aussenwerke gefallen, so hat die uralte Burgveste sich 

11* 



— 164 — 

doch noch immer ein wehrhaftes Aussehen zu erhalten gewusst. 
Das zweistöckige Schloss enthält 25, meist alterthümlich 
möblirte Zimmer und eine Kapelle. Das Schloss ward, einer 
eingemeisselten Inschrift sammt Wappen zufolge, von den 
Teuffenbach in seiner heutigen Gestalt erbaut. Ursprünglich war 
es, wie die meisten steirischen Schlösser, im Besitze eines 
gleichnamigen Adelsgeschlechtes (der Mayrhofer). 

Der einstige Stammsitz der Freiherren von Teuffenbach zu 
Mayrhofen, eines von Härtl und seinem Sohne Leutold im 14. Jahr- 
hunderte gegründeten Zweiges des auf der gleichnamigen Veste im 
oberen Murthale ansässig gewesenen, von dem 1080 aus Sachsen 
eingewanderten Ortolf abstammenden, in der jüngeren Mass weger 
Linie noch fortblühenden, berühmten und um Kaiser und Reich hoch- 
verdienstvollen Adelsgeschlechtes der Ritter und Freiherren von 
Teuffenbach zu Tiefenbach lag zu Unter - Tiefenbach bei Kaindorf. 
Ein Hartneid (Härtl), Sohn Leutold's, war 1362 Verweser zu Graz, 
1366 Burggraf von Fürstenfeld, brachte 1377 das nach Conrad 
Mayrhofen genannte Stammgut käuflich an sich, woher dann auch 
die folgenden Glieder dieses Geschlechtes den Namen Teuffenbach- 
Mayrhofen führten, stiftete mit seinen Brüdern Rudolph und Dietrich 
in der Kirche zu Kundorf ein Anniversar für seinen 
Vater und starb ungefähr 1385. Dietrich von Teuffenbach - Mayr- 
hofen war der erste Mann der in der vaterländischen Sage fort- 
lebenden reizenden Anna von Eberstein, nachmaligen Gemahlin 
Günthers von Herberstein. Balthasar befand sich bei dem Aufgebote 
der Steirer, welche 1462 gegen Wien zogen; sein Sohn Bernhard 
spielte eine hervorragende Rolle unter den Edlen des Landes, trat 
1530 entschieden für die Vereinigung Ungarns mit den österreichischen 
Ländern zum Schutze gegen die Türken ein, und war einer der Kom- 
missäre, welche eine neue Land-Gerichtsordnung abzufassen hatten. 
Von Bernhardts Söhnen zeichneten sich insbesonders Andreas und 
Servatius aus ; letzterer war Kriegspräsident und verhandelte in Prag 
wegen der Vertheidigung der kroatischen, windischen und küsten- 
ländischen Grenze, ersterer aber waltete 1560 bis 1570 als Landes- 
verweser von Steiermark. Zu ihrer höchsten Bedeutung erhoben sich 
die Teuffenbacher der Mayrhofer Linie, welche mit den angesehensten 
Adelsfamilien des Reiches verschwägert waren und besonders im 
16. und 17. Jahrhunderte thätig hervortraten, aber auch den Schwer- 
punkt ihres ausgedehnten Familienbesitzes nach Mähren verlegten, 
unter Andreas' Sohne, Freiherrn Christoph. Dieser berufene, zu Witten- 
berg gebildete Kriegsmann, bewährte sich als Gesandter an den Sultan 
Selim IL, schloss 1568 den Frieden von Adrianopel, schlug 1593 die 
Türken bei Fülek entscheidend, und starb 1598 als kaiserlicher Feld- 
marschall und Ritter des Goldenen Vliesses; seine schwarze Rüstung 
befindet sich in der kais. Ambraser Sammlung zu Wien. Von Christophs 



— 165 — 

Söhnen mehrte Wolfgang Sigmund die Güter und ReichthÜmer des 
Hauses, Friedrich aber kämpfte 1619 und 1620 als eifriger Protestant 
und Befehlshaber der gegen den Kaiser rebellirenden Böhmen und 
Mährer und endete 1621 auf dem Blutgerüste zu Innsbruck. Ganz 
im Gegensatze zu seinen glaubenseifrigen protestantischen Brüdern 
erscheint der durch Friedrich v. Schiller's herrlicher Dichtung „Wallen- 
stein" in aller Munde als der Feldmarschall Tiefenbacher bekannte 
Rudolf Freiherr von Teuffenbach zu Mayrhofen, ein eifriger Katholik, 
welchen des Kaisers Gnade durch Verleihung des Ordens des Gol- 
denen Vliesses, der Grafenwürde und anderer namhafter Privilegien 
auszeichnete; in seinen letztwilligen Anordnungen fanden sich gross- 
artige Stiftungen zu Gunsten adeliger Söhne, verwaister Mädchen, 
Hausarmer und gefangener Christen in der Türkei. Mit ihm erlosch 
die Mayrhofer-Linie der Freiherren von Teuffenbach. 

An diese Burgveste knüpft sich nachstehende urkundlich be- 
glaubigte, romantische Begebenheit: Im Jahre 1405 starb plötzlich 
Dietrich von (Tiefenbach) - Teuffenbach auf Ober -Mayrhofen, eine 
junge schöne Witwe, Anna, geb. v. Eberstein, aus Kärnten, zurück- 
lassend. Die Schönheit und der Reichthum dieser kaum zwanzig- 
jährigen Witwe lockte viele Freier an, darunter auch den Ritter 
£mst von Lobming auf Eppenstein, bei Knittelfeld. Lobming bat 
nun den ihn eng befreundeten jugendlichen Günther von Herber- 
stein, für ihm als Brautwerber nach Mayrhofen zu reiten, und dort 
seine Sache zu vertreten. Die schöne Anna von Teuffenbach ent- 
brannte jedoch in heisser Liebe für den Brautwerber selbst, so 
dass seine Mission kläglich scheiterte. Enger und enger spannen sich 
die Fesseln der Liebe um Günther und Anna, und als nun Günther 
offen um die Hand der Schlössherrin warb, da erhielt er glückver- 
heissende Zusage. Günther sandte einen Boten an seinen Freund 
mit der Ladung zur Hochzeit, der leider sein Ziel nicht erreichte. 
Lobming, durch einen Knappen von allen Vorgängen auf Mayrhofen 
unterrichtet, hielt sich von seinem Freunde schmählich getäuscht 
und sann auf Rache. Mit einer Schaar Reisige zog er, meist in der 
Nacht, beim Tage sich in den Wälder verborgen haltend, gegen 
Mayrhofen, wo er eintraf, als eben die Hochzeitsfeierlichkeiten beendet 
waren. Um Mitternacht, als Alles im tiefsten Schlafe lag, rückte 
Lobming mit seinen Mannen gegen die Burg, die gegen den plötzlichen 
Ueberfall nicht gerüstet war, und in wenigen Minuten war er Herr 
des Schlosses. Anna, Günther und sein Bruder Georg v. Herberstein 
mit allen Knechten wurden gefesselt und fortgeschleppt. Wieder ging 
der Zug durch die düsteren Wälder gegen Eppenstein, wo die drei 
Opfer der Rachsucht des Lobminger* s getrennt in die Yerliesse eines 
in einer Wildniss stehenden Thurmes geworfen wurden. Vergebens 
waren die Bemühungen der Freunde Herberstein's, sein Geschick zu 
erforschen. Als jedoch Herzog Ernst der Eiserne die Regierung antrat, 
lud er den Lobminger nach Graz vor Gericht. Da entsank ihm der 



— 166 — 

Muth, er setzte die Gefangenen in Freiheit, flehte sie um Verzeihung 
an und versöhnte sich mit ihnen. Trotzdem jedoch Günther, Anna 
und Georg, Herzog Ernst um Milde für den Ritter von Lohming an- 
flehten, verfiel er in Acht und Bann. Seine Burgen wurden geschleift 
und sein Geschlecht ging des Adels verlustig. Günther starb 1421^ 

Spätere Besitzer waren die Fruetten, Burgstall, Eollonitsch^ 
Zebinger, Pfeilberg (Ruepp), Coloredo, Herberstein, von welchen es 
durch Kauf am 1. Juni 1788 an Josef Graf Kottulinsky überging, 
in dessen Familie es sich bis auf die Gegenwart weitervererbte. 
Gegenwärtiger Besitzer Adalbert Graf Kottulinsky. 

Jenseits der Safen, 15 Minuten von Ober-Mayrhofen liegt Unter- 
Mayrhofen, welches 1581 von Gabriel v. Teuffenbach, in Folge eines 
Erbstreites mit seinem Bruder, erbaut wurde. Später kam jedoch 
dieses Schloss, von welchem jetzt nur noch die weitläufigen Wirth* 
Schafts-Gebäude vorhanden sind, ab. Zu Mayrhofen gehörte auch das 
Steinpeisshaus zu Anger, ein Stubenberg'sches Lehen, welches der 
letzte Pfundan an Bernhard v. Teuffenbach vererbte. Nach derTheilung 
des väterlichen Stammgutes in Ober- und Unter - Mayrhofen wurde 
auch das Steinpeisshaus dementsprechend getheilt. 

Von Mayrhofen, wo sich beide Safen vereinigen, zieht 
die Strasse über Sebersdorf, Geiseldorf, Ober- und Unter-Buch, 
immer am Gelände des östlichen Ufers der Safen in 2 Stunden 
nach Hartberg. 

Wer von Hz nach Hartberg wandern will, kann auch 
über Feistritz nach Gross- Steinbach gehen, von wo der Weg 
über den herrlichen Aussichtspunkt Auffen, Sebersdorf etc., bis 
nach Hartberg markirt ist 



^ »>u»ii w iiu tUiUuut,muuMUuuauuiuUAU U 




Route IV. Weiz. 

A. Weiz und Umgebung. 

B. Weiz^Paeeail. 

1. Weiz-Weizklamm-Paesail. 

2. Weiz- Raabklamm- Paeeail. 

C. Weiz -Feietritzklamm- Stubenberg -(Herberetein). 

1. Stubenberg -Pöllau. 

2. Stubenberg -Kaindorf. 

3. Stubenberg -Hartberg. 

4. Stubenberg-Herberstein-St. Johann. 

D. Weiz- Anger- Birkfeid. 



A. Weiz und Umgebung. 

Gasthäuser: Haas „zur Krone", 6 Betten, schöne Laube; 
Grawatsch, Fleischhauer, 4 Betten; Heiter, Fleischhauer, 3 Betten; 
Friess (Wallner), 4 Betten; Leitner, 3 Betten, Preise per Bett 40 
bis 60 kr. per Tag; Brauhaus, gutes Bier, schattiger Garten; Probst 
(Lebzelter), gute Weine-, Cafe Merganz, mit zwei Billards, schönem 
Garten. — Post- und Telegraphen-Station. Post nach 
Gleisdorf täglich W Uhr Früh und 3 Uhr Nachmittag. Fahr- 
preis per Person 70 kr. St eil wagen direct nach Graz, täglich 
ab 4 Uhr Früh, von Graz nach Weiz: Abfahrt vom Hotel „Goldener 
Engel", Griesgasse, ^/^^ Uhr Nachmittag. Dann noch Montag, Mitt- 
woch und Freitag ab von Weiz um 9 Uhr Früh, und Dienstag, 
Donnerstag und Samstag von Graz (gleichfalls „Goldener Engel") 
ab %12 Uhr Vormittags, Fahrpreise 1 fl. 20 kr. per Person. Fahrt- 
dauer S'/a— 4 Stunden. Nach Passail täglich 1 Uhr 30 Minuten 
Nachm., 70 kr.; nach (Anger)- Birkfeld täglich 12 »/4 Uhr Vorm., 
1 fl. 20 kr. per Person. Für Fahrgelegenheiten sorgen drei con- 



— 168 — 

cesBionirte Fiaker und mehrere Privatfuhrwerksbesitzer; zweispännige 
Wagen per Tag 6—7 fl., einspännige 3—4 fl. — Bade-Anstalt: 
5 Minuten den Weizbach aufwärts von hübschen Anlagen umgeben , 
befindet sich die schöne, von der Marktgemeinde erbaute Badeanstalt 
mit grossem Bassin, welches mittelst einer Böhrenleitung mit dem 
Moosdorferischen Sensenwerk verbunden ist und dadurch beliebig 
erwärmt werden kann. — Vereine: Filiale der landwirthschaft- 
liehen Gesellschaft; freiwillige Feuerwehr, gegründet 1872; Lehrer- 
verein; Männer- und Frauenortsgruppe des deutschen Schul Vereines ; 
Schützengesellschaft ; patriotischer Verein ; Turnerriege ; Gabelsberger 
Stenographen- Club ; Gesangverein (im Entstehen); Jagdgesellschaft; 
MarktverschÖnerungs -Verein und Fremdenverkehrs-Comit^. 

Weiz (siehe Seite 169), Markt mit 160 Häusern und 
1700 Einwohnern; 478-2 M. Seehöhe. Sitz der k. k. Bezirks- 
hauptmannschaft für die Gerichtsbezirke Gleisdorf, Weiz und 
Birkfeld, eines k. k. Bezirksgerichtes sammt Steueramt, eines 
k. k. Aichamtes, der Bezirksvertretung, des Bezirksschulrathes, 
einer Gemeinde-Sparcasse, einer Apotheke. Domicil eines Doctors 
der Medicin und zweier Chirurgen. 

An malerischer und tÜeilweise auch pittoresker Lage wird 
Weiz kaum von einem anderen Markte Steiermarks übertroffen. 
Weiz liegt in dem nach dem Durchbruche der Weiz durch die 
Weiz-Klamm sich erweiternden freundlichen Weizthale, westlich 
bis am Fusse des Götteisberges hinanziehend, nördlich von 
sich aufthürmenden gewaltigen Bergesmassen, und östlich von 
der weithin in's Land schauenden, auf einer Abdachung des 
Landscha thronenden Weizberg-Kirche überragt, und erschliesst 
sich namentlich dem auf der alten Grazer Strasse Heran- 
kommenden ein prächtiger Blick auf den stattlichen Markt mit 
seinem grandiosen Hintergrunde. Die Hausbesitzer des uralten 
Marktes bilden drei altherkömmliche Körperschaften, und zwar: 
1. Die Bürgerschaft; 2. die sieben Kurfürsten; 3. die sieben 
Weizerbauern, deren jede gemeinsame Besitzungen hat. 

Geschichtliche Daten: Weiz, zweifellos Sitz einer römi- 
schen Niederlassung, wird urkundlich anlässlich der Erbauung der 
Pfarrkirche am Weizberge 1065 und deren Dotirung durch den Erz- 
bischof Gebhard von Salzburg zuerst erwähnt. Am 11. Mai 1188 
hielt Leutold Khuenring von Gutenberg mit vielen anderen steirischen 
Edlen in der Thomaskirche in Weiz eine Versammlung, und im 
Jahre 1200 Herzog Leopold in Weiz einen Hoftag ab. Um das 



— 169 — 

Jahr 1267 bildete Weiz nach dem steirischen Kammer-Rentenbuche 
einen geschlossenen Ort oder Markt. Aus einer Verkaufsurkunde, 




^ 



ausgestellt am Samstag nach dem Perchtag im Jahre 1288, gebt 
hervor, dass Weiz schon früher ein zur Herrschaft Gutenberg ge- 
höriger Municipalmarkt war, der unter den Stubenberg viele Frei- 



— 170 — 

heiten erhielt. Alleinige Gerichtsherren blieben jedoch die Guts- 
herren, die Stubenberg auf Gutenberg, und durfte die Marktgemeinde 
innerhalb ihres Burgfriedens nur durch ihren Marktrichter niedere 
Straffälle und Vergehen strafen, aber auch dieses Recht wurde der 
Marktgemeinde von der Gutsherrschaft nur bestandweise gegen Zah- 
lung einer Abgabe gewährt. Die Reihenfolge der Marktrichter 
beginnt im Jahre 1514 mit Andreas Perkh. Im Jahre 1599 grassirte 
in Weiz die Pest. Im Juni 1600 kam die Gegenreformationscommißsion 
nach Weiz und sperrte die den Protestanten Überlassen gewesene 
Thomaskirche und die Stubenberg'sche Filialkirche zu Gutenberg. 
Im Jahre 1636 wurde das Decanat Weizberg errichtet und 
1640 die Erweiterung der Thomaskirche beschlossen. Im Jahre 1675 
kommt Peter Pichler als erster bürgerlicher Schulmeister 
vor. Im Jahre 1718 Hessen sich Dominicaner an der Thomaskirche 
nieder, wodurch ein langjähriger Streit mit dem Decanat Weizberg ent- 
stand, der 1716 mit dem Abzug der Dominicaner beendet wurde. 
Am 22. Juli 1776 fand durch den Fürstbischof von Seckau Josef 
Philipp Graf Spauer die Fahnenweihe des „Thanhauser Bezirks- 
Bürger-Grenadier-Corps" statt. (Dürfte um das Jahr 1750 entstanden 
sein.) Am 20. Juli 1777 richtete ein furchtbares Hagelwetter enormen 
Schaden in Weiz und Umgebung an. Am 15. Mai 1809 sollte der 
Landsturm der Weizer Gegend ausrücken, die disciplinlose, vom 
üebergenusse geistiger Getränke erhitzte Menge revoltirte jedoch in 
einer Weise, dass zur Auflösung der Truppe geschritten werden musste. 

Am 13. Juni 1809 hörte man in Weiz den Donner der Kanonen, 
mit welchen die Franzosen den Schlossberg in Graz bombardirten. 
Bald darauf kam eine kleine feindliche Truppe nach Weiz, durch- 
wegs Württemberger, die jedoch musterhafte Disciplin hielten. Im 
Jahre 1812 wurde der derzeit noch benützte Friedhof errichtet. Im 
Jahre 1842 wurde das Erziehungshaus des vaterländischen Regi- 
mentes Nr. 27, damals Piret, jetzt König der Belgier, nach Weiz 
in das der Bürgerschaft gehörige Schloss Ratmannsdorf verlegt, von 
wo es im Jahre 1858 nach Strass verlegt wurde. Im Jahre 1850 
erhielt der Markt in der Person des Gewerken Balthasar Mosdorfer 
den ersten Bürgermeister und wurde Weiz gleichzeitig zum Sitze 
einer k. k. Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichtes be- 
stimmt. Am 20. Juni 1850 verheerte ein furchtbares Hagelwetter 
Weiz und Umgebung. Im Jahre 1873 wurde das hübsche stockhohe 
Armenhaus und Gemeindespital erbaut. 

In Weiz wurde der berühmte theologische Schriftsteller Johann 
Himmel im 15. Jahrhundert geboren, weiters Mathias Echter, ge- 
boren 1642, Maler, Lehrer Mathias von Görz und Anton Rochel, 
geb. 1767, eifriger Patriot als Anwalt und Bezirkscommissär in 
Hartberg während der französischen Invasion, in ehrenvollstem An- 
denken durch sein todesmuthiges Eintreten zur Hintanhaltung der 
Contributionen. 



— 171 - 

Wichtige Gebäude: 1. Am nordwestlichen Ende des 
grossen, darch eine Ehrensäule gezierten Hauptplatzes mit in- 
teressanten alten Häusern, erheht sich an Stelle der früheren 
düsteren Ringmauern, mit reizenden Parkanlagen umgeben, die 
uralte St. Thomaskirche am Tabor, in welcher die früher 
erwähnte Versammlung steirischer Edlen am 11. Mai 1188 
abgehalten wurde. Die auf einem natürlichen Hügel gelegene 
Kirche hat somit schon vor 1188 bestanden und bildete den 
Mittelpunkt eines sogenannten Tabors, eines Systems von um 
die Kirche gruppirten Webrbauten, hinter welchen sich bei 
drohender Kriegsgefahr die Bevölkerung flüchten konnte. Heute 
sind die Ringmauern längst demolirt, und erinnern nur die 
Schiessscharten in dem massigen, über dem Chorquadrate der 
Kirche aufragenden viereckigen, von einem Satteldache über- 
ragten, 26-5 M. hohen Thurme, der Hauptstütze des Tabors, 
an die einstige Bedeutung dieses Platzes. Das in Quadern er- 
baut« Schiff der Kirche, inclusive Chorquadrat, gehörten zweifel- 
los der romanischen Stilperiode an, von welcher jedoch nur 
mehr das Westportal der Kirche, welches Spuren des 
Uebergangsstiles zeigt, Zeugniss gibt. Zur Zeit der gothischen 
Stilperiode wurde Anfangs des 14. oder Ende des 13. Jahr- 
hunderts an Stelle der Apsis das polygone Presbyterium an- 
gebaut, dessen Gewölbe von 12 Rippen, deren Schlusssteine 
mit Schildern geziert sind, getragen wird. Im Jahre 1644 wurde 
das Kirchenschiff mit einem zopfigen Tonnengewölbe versehen 
und das Chorquadrat zum Thurme erhöht. Die düstere, überaus 
schmale und niedrige Kirche hat eine lichte Länge von 29 M., 
wovon auf den romanischen Theil (Schiff- und Chorquadrat) 
23-8 M. entfallen, bei nur 79 M. Breite und 7-8 M. Höhe. 
Das Schiff der Kirche wird nur an der Südseite von zwei halb- 
runden, schmal geschlitzten Fenstern und einem Rundfenster 
dürftig erleuchtet, ebenso das Chorquadrat von einem, und der 
Chorschluss von drei schmalen Fenstern. Interessant ist der 
Thurm als Mittelpunkt des Tabors ; er hat stockweise Reihen 
von Schlusslöchern, in welchen sich noch die hölzernen Bolzen 
zum Auflegen der Doppelhacken befinden. Das Hochaltarbild, 
den Kirchenpatron darstellend, wurde 1771 von Josef v. Molk 



— 172 - 

gemalt. Die Orgel stammt von 1664. An der Südwand der 
Kirche befinden sich noch zwei römische Inschriftsteine und 
zwei Reliefs ohne Inschrift eingemauert. Der grössere Inschrift- 
stein zeigt im obersten Felde zwei nackte, an einem Lorbeer- 
kranz zerrende Männer, die je einen Fuss auf eine zwischen 
ihnen liegende Kugel stemmen. Im unteren Felde zeigen sich 
laufende Jagdhunde, hierauf folgt die Inschrift (ergänzt) „Quintus 
Capitonius Potens vivus fecit Sibi et Belliciae Spectatae Con- 
jugi amorum 37 et Capitaniae Veneriae conjugi". Zu unterst 
zeigt sich noch ein fabelhaftes Thier, halb Fisch, halb Ziegen- 
bock darstellend. Der zweite Grabstein zeigt folgende Inschrift : 
^Adjutor Romani F. V. F. S. Et Saturniae Massae C. an. L. 
Et Attico F. Et L. Veturiae Potentine. P. an. XL.*^ Von den 
zwei Reliefs stellt das eine eine Nereide und das andere ein 
geflügeltes Seeungeheuer vor. 

2. Ratmannsdorf. Oes tlich , an der Grenze des 
Marktes, erhebt sich der malerische Bau des Schlosses Rat- 
mannsdorf, bestehend aus einem älteren, um das Jahr 1560, 
und einem jüngeren, gegen 1600 erbauten Theil. Der ältere 
Theil des Schlosses besteht aus einem zwei Stock hohen Viereck 
mit zwei vorspringenden stumpfen Thürmen, und wurde von 
Otto IX. von Ratmannsdorf erbaut. Das Innere war reich durch 
prächtige steinerne Kamine und mit herrlichen Intarsien ge- 
zierte kunstvolle Thürportale (jetzt meist im Besitze Professor 
Lachers in Graz) decorirt. Die schönen, durch eine Mittel- 
säule verbundenen Doppelrundbogenfenster erinnern an die 
Architektur des Landhauses in Graz und sind, wie die Thtir- 
stöcke, Kamine etc., durchwegs aus Muschelkalk gemeisselt 
Anschliessend an diesen Tract erhebt sich der sogenannte Jagd- 
gang, der 1842 zu Wohnungen umgebaut wurde. Mehrere Thor- 
thürme sind schon demolirt, doch verleihen die wenigen vor- 
handenen Thtirme mit ihren Schiessscharten dem Schlosse noch 
iiÄmer ein wehrhaftes Aussehen. Der 4 Joch grosse Schloss- 
garten war früher einer der schönsten Lustgärten unter den 
umhegenden Schlössern. Der Garten ist mit einer 4 M. hohen 
starken Mauer, mit Schiessscharten und Pechnasen versehen, 
umgeben. Das Geschlecht der Ratmannsdorf ist uralt und wird 



— 173 — 

schon 1293 urkundlich erwähnt, 1613 wurde Wilhelm von 
Ratmannsdorf in den Grafenstand erhoben, sein. Sohn Sigmund 
war der letzte seines Stammes. Am 2. Februar 1623 kam 
die Herrschaft in den Besitz der Jesuiten, bei welchen sie bis 
1773 verblieb. Nach Aufhebung des Jesuitenordens wurde Rat- 
mannsdorf vom Staate verwaltet, 1782 aber von Graf Job. 
Frz. Anton Khevenhüller verkauft. Später kamen die Gebäude, 
in welchen, wie erwähnt, von 1842 — 1858 das Erziehungshaus 
des 27. Infanterie-Regiments untergebracht war und in welchen 
jetzt die k. k. Bezirkshauptmannschaft und das Bezirksgericht 
domiciliren, theils in Besitz des Aerars, theils in Besitz der 
Bürger-Corporationen. 

3. Die Kunstmtihle des Herrn Johann Pichler, 
ausgezeichnet durch ihre auf die neuesten Erfahrungen basirten 
vorzüglichen technischen Einrichtungen, namentlich interessant 
die üebertragung der Wasserkraft des Wei^baches mittelst einer 
15 Minuten oberhalb der Fabrik etablirten Transmission auf 
die Maschinen der Mühle, die später theilweise wieder direct 
durch den Weizbach in Betrieb gesetzt werden. Die ganze 
Mühle, sowie alle Räume des Wohnhauses werden durch elek- 
trische Glühlichtlampen erleuchtet. Es werden wöchentlich vier 
bis ftlnf Waggons Mehl vermählen. 

4. Die Mosdorferischen Sensenwerke ausser 
Weiz. Die reich begüterte Gewerkenfamilie Mosdorfer reicht 
bis Anfangs des 17. Jahrhunderts zurück. Sie waren anfangs 
Klingen- und Schwertschmiede und lieferten anlässlich der 
Türkenbelagerung Wiens 1683 Klingen an das Aerar. Das 
Werkszeichen war und ist noch heute „drei Klingen" und ge- 
niesst einen ausgezeichneten Ruf. 1783 erhielt das Werk die 
Concession zur Sensenschmiede. Epochemachend war für die 
Sensenindustrie die Einführung des Bessemerstahles und war 
Balthasar Mosdorfer der Erste, welcher im Sichelwerke den 
Bessemerstahl mit bestem Erfolge einführte (1868). Seit dieser 
Zeit erweiterte sich die jährliche Production, die heute eine halbe 
Million Sicheln umfasst, ununterbrochen. Die Sicheln der Brüder 
Mosdorfer wurden auf der Ausstellung in Paris 1878 mit der 
goldenen, in Wien 1873 mit der Verdienst- Medaille ausgezeichnet. 



— 174 — 

Weitere bedeutendere indastrielle Etablisse 
ments sind: F.ranz Schlacher, Hackenschmiedund Maschinei 
bau-Werkstätte,mit 35Arbeitern; Johann St ein haus er, Gross 
zeugschmiede, 14 Arbeiter; Franz Luttenb erger, Constracteu 
landwirthschaftlicher Maschinen, 10 Arbeiter; drei Lederfabrikei 
der Anna, Franz und Valentin Gerth mit 40 Arbeitern, mi( 
Josef Deibler, renommirte Bierbrauerei; zwei Rosenkranz 
Fabriken des Josef Lenz mit einer jährlichen Prodnction toi 
über 100.000 ;,Beten", resp. Rosenkränzen, ordinärer bi 
feinster Gattung. 

An der Gleisdorfer Strasse erhebt sich eine Reihe schöne 
Villen, auch im Markte manche hübsche Neubauten, die den 
Orte ein städtisches Gepräge verleihe 

20 Minuten östlich vom Markte erhebt sich auf eine 
Abdachung des Landscha, auf dem freundlichen Hügel des Weiz 
berges, die weithin sichtbare Decanats-, Pfarr- und 11^ all 
fahrtskirche zur heiligen Maria am Weizberge, di< 
ursprünglich nach Mucha 1065 von den Herren von Ratmanns 
dorf errichtet worden sein soll, eine Annahme, die durch di 
Versicherung, dass über dem Portale der alten Kirche da 
Wappen der Ratmannsdorf mit der Jahreszahl 1065 sie 
befunden hätte, unterstützt wird. Die Pfarre am Weizberg 
wird gleichfalls schon 1068 urkundlich erwähnt. Im Jahre I63i 
wurde hier ein Decanat gegründet und war Johann Wampe 
von Sommersdorf 1641 der erste Dechant. Seit 1785 istWeii 
berg Sitz des Kreisdecanates über die Decanate St. Ruprecht 
Fassail, Pischelsdorf und Birkfeld. 

Die alte Kirche, vod deren letzter Gestalt das in Stein p 
meisselte Bild an der Vorderseite der Aufpangsstiege zum Haupt 
thore der jetzigen Kirche eine primitive Ansicht zeigt, war Anfang 
des 18. Jahrhunderts baufällig und zu klein für die grosse Pfarj 
geworden, und dachte daher zuerst der Dechant Franz Leopol 
Riedlegger an den Neubau der Kirche, sein früher Tod am -' 
Jänner 1755 vereitelte jedoch vorerst seinen Plan, doch schuf« 
indem er sein ganzes Vermögen für den Bau der neuen Kirche ^ 
stimmte, den Grundfond zu dem Kirchenbaue, den sein Nachfol?^ 
Paul Hieronymus Schmutz mit grosser Zähigkeit durchführte. J 
Jahre 1756 wurde die jetzt noch bestehende Ringmauer um a- 
Kirche aufgeführt und die Aufgangsstiege von 58 Stufen angele? 



-- 173 — 

hierauf wurde am 2. Mai 1757 der Grundstein gelegt, und unter 
Leitung des Grazer Baumeisters Josef Huber erhob sich die Kirche 
so rasch, dass schon am 8. December 1758 unter grossartigsten 
Feierlichkeiten und unter ungeheurem Menschenzulauf die Ueber- 
tragung der angeblich steingegossenen Marien sta tue, des Gnaden* 
bildes, auf den Hochaltar der neuen Kirche erfolgen konnte. Im 
Jahre 1766 wurden an der Fagade die zwei Tbürme, über 34 m 
hoch, angebaut und, 1771, und zwar vom 8. April bis lo. November, 
malte der unermüdlich thätige Hofkammermaler Josef Adam Bitter 
von Molk das ganze Innere der Kirche mit Fresken aus, deren 
Stärke jedoch mehr in der gemalten Architektur wie im Figuralen 
liegt. Für diese Fresken und sechs Oelbilder für die Altäre erhielt 
Molk 6000 fl. Die Decke der Kirche ist durch Bogenspannungen 
in fünf Wölbungen gegliedert, welche nachstehenden Fresken- Cyclus 
zeigen: 1. Wölbung ober dem Presbyterium, Himmelfahrt Mariens; 
2. unbefleckte Empfängniss; 3. kuppeiförmige Mittelwölbung, Fest 
der Beinigung Mariens und die Weissagung Simeons im inneren 
Tempel Jerusalems, an den Ecken die vier Evangelisten und die 
Kirchenlehrer; 4. Geburt Mariens; 5. Verkündigung Mariens. Die 
Kirche ist in Kreuzform im einfachen italienischen Benaissance- 
Stile erbaut und ist 51-19 M. lang, 20'86 M. im Schiff (und 27-18 M. 
mit den Kreuzarmen) breit und ebenso (2086 M.) hoch. Auf dem 
reich vergoldeten Hochaltare steht die (reich vergoldete) md^rfach 
genannte steinerne frühgothische Gnadenstatue, eine sogenannte 
Pietä- Darstellung. Die Orgel (von 1780) hat 24 Register, 6 Sei- 
tenflügel und 1 Positiv. Am 3. Juni 1792 Abends, während der am 
2. Juni verstorbene berühmte Aquifinus Julius Caesar auf der Bahre 
lag, schlug der Blitz in den Dachstuhl der Kirche, welcher sogleich 
gänzlich niederbraimte. Bald erhob sich jedoch wieder ein neuer 
Dachstuhl, während die Thürme das gleiche Nothdach erhielten, 
welches sie früher hatten und heute noch haben. 

Grabsteine im Innern der Kirche: Unter dem Musik- 
chor rechts vom Eingange Grabstein des Hanns Herrn von 
Stubenberg von 1565, daneben jener der Gräfin Rosina Eli- 
sabeth von Herberstein von 1703, links vom Eingange präch- 
tiger Grabstein von Otto III. von Ratmannsdorf von 
1400, daneben jener der Apollonia Gräfin von Ratmanns- 
dorf von 1525, in der Kreuzkapelle rechts Grabstein des Johann 
Wampel von 1641 (1. Dechant), weiters jener des Conrad Graf 
von Thannhausen von 1601. Ausser der Kirche: Grabstein 
A. J. Caesars f 2. Juni 1792, mit langer biographischer Inschrift. 
Hier auch die Gruftkapelle der Gewerkenfamilie Mosdorfer, mit 
Josef Mosdorfer f 1782 beginnend. 

An der Ringmauer westlich Röraerstein ohne Inschrift, 
ein geflügeltes Seeungeheuer darstellend. Um die Kirche mehrere, 



— 176 — 

auf den grossen Verkehr der Wallfahrer eingerichtete Wirths 
häuser, Lieb, Müller und Haas. 



Umgebung, Spaziergänge und Ausflüge. 

Umgeben von einem Kranze Schlösser und Kuinen, sowi 
von Bergen und Hügeln, deren waldige Hänge den Markt to 
allen Seiten umschliessen, bietet Weiz. gelagert am Ausgang 
einer imposanten, vom Weizbache durchbrochenen Felsenklamn 
und in unmittelbarer Nähe der in düsterer, tief eingeschnittene 
Waldschlucht hinziehenden Raabklamm, eine Fülle der landscbafi 
lieh lohnendsten Ausflüge verschiedenartigsten Charakters, ud 
würde sich daher diese Station in vorzüglicher Weise als touristi 
sches Standquartier eignen, insbesonders wenn ein untei 
nehmender, rühriger Gastwirth durch Adaptirung eine 
grösseren Anzahl mit modernem Comfort eingericl 
teter Fremdenzimmer dem von Jahr zu Jahr sie 
steigernden Frequenzbedürfnisse Rechnung trage 
würde. 

1. Fünf Minuten südwestlich, nahe der Grazer Strassi 
schöne Waldpromenaden im Grawatsch- und Radmannsdorfe 
Walde mit Ruheplätzen. 

2. Westlich am Götteisberg bei der Taborkirohe hinau; 
schöner Aussichtspunkt, 15 Minuten. 

3. Nordwestlich zur Zadach-Kapelle 1 Ö Minuten, Qfl 
weiter nach Birchbaum 15 Minuten, und dann« rechts hina 
zur Baumühle in der Weizklamm wieder 15 Minuten, imffl^ 
schöner Weg durch Buchen- und Fichtenwald. Zurück nach Wei 
30 Minuten auf der Elammstrasse. 

4. Nordwestlich Besuch der Weizklamm, unte 
keinen Umständen zu versäumen. Die schöne Strass 
durchzieht das reich mit Obstculturen. bebaute Weizthal (beidei 
seits stattliche Bauernhöfe mit meist auf vier gemauerten S&olc 
ruhender Vorlaube), welches sich 1 5 Minuten bei der pittores 
von der Höhe herabschauenden Ruine Sturmberg (si^^ 
Seite 177) plötzlich derart verengt^ dass der Weizbach dnrc 



— 177 







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178 



ein Felsentunnel, das sogenannte Türkenloch, geleitet werde 
muss. Die malerische Ruine, welche im Bergfried noch di 
Masswerk eines gothischen Fensters zeigt, ragt als drohenc 
Thalsperre am Ende eines isolirt* aus dem Thale anfragende 
Felsenrückens üher die Waldwipfel hervor, während das a 
nördlichen Ende des Felsenrtickens gestandene Sehloss gänzli( 
in Trümmer gesunken ist. 

Erbaut wurden die Sturmberger Schlösser von dem gleid 
namigen Rittergeschlechte, welches mit Otto Sturmberger 1302 u 
kundlich zuerst erwähnt wird. Von den Sturmberg kamen die Burg< 
an die Eatmannsdorf, welche sie 160 Jahre in Besitz hatten. Spät 
kam die Herrschaft an die Herberstein, Wurmbrand und Weber 
berg. Nach dem Tode des letzten Webersberg, 1760, kaufte s 
Johann Graf Khevenhüller-Metsch, 1761, und damit war das Schicks 
der alten Burgveste besiegelt, da der neue Besitzer nichts eiliger 
zu thun hatte, als die Burg um 30 fl. zur Herausbrechung der ei 
gemauerten Eisentheile an den Klingenschmied Mosdorfer zu übe 
lassen. Gegenwärtig im Besitze der Freiherrn von Gudenus. 

Fünf Minuten hinter Sturmberg Gasthaus Hinterbrüli 
daneben starke Quelle. Von hier immer längs des ranschendi 
Weizbaches in 30 Minuten zum Gasthause „zum FelsenkeU«^ 
wo man auch die Schlüsseln zur Clementgrotte eriiÄl 
Von hier beginnt nun die durch ihre wilden Felsei 
scenerien in Steiermark unerreicht dastehende Wei 
klamm. Beiderseits thürmen sich gewaltige Felsenmassen 
eigenthümlich schichtenförmigem Aufbau über 200 Meter h(W 
auf und umspannen eng die schmale Strasse und den schäumei 
den Weizbach (siehe Seite 179), die, dicht aneinandergedräni 
sich mühsam durch die schmale Felsenspalte zwischen de 
Sattelberg und dem Patscha fortwinden. Gewaltige entwnrzel 
Baumstämme, mächtige chaotisch übereinander geworfene Fei 
blocke und Spalten und Löcher in den zerklüfteten Fei 
wänden erhöhen noch vielfach die wilde Romantik diesi 
Scenerien. 

Circa 15 Minuten vom Felsenkeller links bezeichnet ei] 
Wegtafel den Aufstieg zur interessanten Giemen tgrott 
die man auf gut erhaltenen Zickzackwegen in 15 Minut« 
erreicht. Die erst vor wenigen Jahren durch einen Hirtei 
knaben entdeckte, seither gut zugänglich gemachte Grotte zeii 



— 179 — 




Weizklamm. 



12* 



— 180 — 

zahlreiche fantastische Felsenformationen, wie Hecht, Garfiolfi 
versteinerte Jungfrau, Schaf, betendes Kind, Luftballon, Türken- 
burg, Weihbrunnkessel, Vorhang, Herz, Muttergottes, Bären- 
tatzen, Wasserfall etc., dagegen wenig reine Tropfsteinsäulen- 
formationen. Der Rundgang durch die ausgedehnte Grotte 
dauert ^j-i Stunde. Von der Clement-Grotte aufwärts wird die 
Scenerie immer wilder und grossartiger, bis V^ Stande vom 
Felsenkeller beim Kreuzwirth die gewaltigen Felsenmauern 
sich wieder öffnen. Jeder Besucher der Weizklamm 
sollte bis hieher vordringen, da man erst bei derj 
ganzen Durchwanderung der Klamm den vollen 
Eindruck ihrer gewaltigen Dimensionen erhält 
Tüchtige Fussgeher, die einen anderen Rückweg nehmen wollen. | 
können den sogenannten Jägersteig benützen, der vom 
Kreuzwirth auf halber Höhe der Berglehne des Patscha am 
linken Ufer des Weizbaches hin zum Felsenkeller führt, in der l 
Mitte des Weges die Tropfsteinhöhle des R a b 1 1 o c h e s. 

Vom Kreuzwirth steigt die Strasse ziemlich steil hinan 
zur Passailer Hochebene (Kreuzwirth - Pas sail 1 V2 Stundeci 1 

Ein zweiter Fahrweg zieht längs des Weizbaches in eineis ! 
anmuthigen Thale bis zum Schmied in der Weiz (Gasthaus . 
3/4 Stunden, von hier eine halbe Stunde rechts hinauf nacb 
St. Kathrein. Vom Schmied längs des Weizbaches noch 
weiter Ya Stunde (Gasthaus Granitzer), von wo man einerseits 
in 1 Stunde über die Brandlucken, den Wallfahrtsort Heilbronn 
(2 Gasthäuser), andererseits den Plankogl (Sommeralpe, Sommer- 
hütte, Gasthäuser) erreicht. Von den Somnierhütten durch den 
Saugraben auf nicht zu fehlendem Weg gelangt man in 2V. 
Stunden auf die Teichalpe. (Siehe Seite 55.) 

5. Nordöstlich, entweder direct oder über die Weizherg- 
kirche amLandscha, 25—30 Minuten, mit überaus lohnende: 
Femsicht; schöner Blick auf das zu Füssen liegende Schlös? 
Thanhaus en. 

6. Nordöstlich. Noch schönere Aussicht bieten der Raa^ 
(iy2 Stunden) und der hohe Zetz (3 Stunden), zwei isoKr. 
aus dem die Wasserscheide zwischen dem Weizbache und der 



— ISl — 

Feistritz bildenden Gebirgszuge aufragende bewaldete Berg- 
bppen; ohne Führer schwer zu finden. 

7. Oestlich die We g s c h e i d e mit mehreren Gasthäusern, 
V4 Stunde, und V2 Stunde K r 1 1 e n d r f (Gasthaus), beliebte 
iusflüge der Weizer, in anmuthigen Obstgeländen gelagert. 

8. Oestlich über PuchamKulm,bis Puch 2 ^/^^ Stunden 
:u Fnss, 2 Stunden zu Wagen. Puch und Kulm siehe Seite 141. 

9. Oestlich nach Schloss Minichhofen im Ilzthale 
l Stande, Gasthaus. 

10. Südlich, y4 Stunde, Dorf Preding mit Gasthaus, 
veiter V2 Stunde Unter-Fladnitz mit Garten, schöne Thal- 
»artie ; Yj Stunde weiter nach St. R u p r e c h t. Rückweg über 
{reitegg. — I/2 Stunde von Weiz an der Fahrstrasse gutes 
fasthaus „zum Aug' Gottes" (Krones), prächtiger Aussichtspunkt. 

11. Südwestlich je 1 Stunde nach Kogl und Stein- 
erg (Weingebirge mit schöner Aussicht). Von Steinberg aus 
restlich y^ Stunde „Stoff", Gasthaus an der Weiz-Grazer 
trasse. Von hier gegen Weiz, 5 Minuten, Sausengmühle 
i der düsteren R a a b k 1 a m m , wo die Fahrstrasse nach 
rutenberg abzweigt. Weiter 5 Minuten, beim 19. Kilometer, 
bzweigung des weit näheren Fussweges nach Gutenberg, 
rutenberg, eines der ältesten Stammsitze des an Alter des 
eschlechtes allen steirischen Edlen vorangehenden Dynasten- 
Bschlechtes der Herren (Grafen) von Stubenberg, liegt hoch 
ber der Raab, die sich hier durch finstere, tief eingeschnittene 
Taldschluchten Bahn bricht. Schloss, Schule, Taverne und 
igerhaus liegen rings von Wäldern umschlossen auf einem 
'ochplateau, über welchem sich auch der schöne Schlosspark 
isdehnt. Die alte (äussere) Schlosskapelle wurde 1701, das 
igerhaus 1659 und der Meierhof 1637 erbaut, während die 
gentliche Kirche erst 1788 erbaut wurde. Der Altar der 
neren Capelle wurde 1365 geweiht. 

Am Kirchplatze erhebt sich die stockhohe Vorburg mit dem 
'ächtig, in Stein gehauenen Stubenberg'schen Wappen (Anker) von 
nem Stechhelm überragt, mit der Jahreszahl 1490, die eigentliche 
elfach umgebaute Burg bildet ein verschobenes, zwei Stock hohes 
iereck mit Erker und zwei Thurmanlagen. Üeber dem inneren 



— 182 — 

Thore meldet ein Inschriftsteiii, dass Hanns Herr v. Stubenberg^ 
1567 dieses „Gephei" vollendet hat. Die heute nur mehr nothdürftig^ 
erhaltene Burgveste wurde von dem gleichnamigen Rittergeschlechte, 
welches 1154 mit Albero de Guttenberch zum ersten Male urkund- 
lich erwähnt wird, erbaut, kam aber „sambstag nach dem perchtage 
1288" an die Herren von Stubenberg, bei welchem ruhmvollen und 
uralten Geschlechte es bis heute, somit 600 Jahre lang, verblieben ist. 

Yi Stunde nördlich von Gutenberg krönt eine Hügel- 
kuppe das mit einer Ringmauer mit Eckthürmen umgebene 
Lorettokirchlein mit herrlicher Aussicht. Alle die Partien 
nach Steinberg, Kogl und Gutenberg er^chliessen 
grossartige Bilder majestätischer Waldromantik; tief 
zu unseren Füssen rauscht die Raab, allseitig um- 
schlossen von dunklen Waldhängen, nur hie und da 
unterbrochen durch Felsenzinnen, die aus der engen 
Thalschlucht hervorleuchten. 

12. Besuch der Gr assihöhle mit prachtvollen Tropf- 
steinbildungen, 2 Stunden von Weiz. Siehe Seite 183. 



B. Weiz - Passail. 

1. Weiz-Weizklamm- Passail, 

13-56 Kilometer, 8 Stunden zu Fuss (zurück näher), 2 Stunden zu 
Wagen, täglich Post, siehe Seite 167. 

Weiz über S türm berg-Felsen kelle r -Weiz- 
klamm - Kreuzwirth, siehe Seite 176 — 180. 

Vom Kreuzwirth beginnt die bisher unmerklich steigende 
Strasse durch Wald ziemlich steil gegen das Hochplateau des 
Passailer Kessels anzusteigen, zuletzt in rein westlicher Rich- 
tung eben über die grüne Hochebene nach Passail. Beim Kreuz- 
wirth ungefähr der halbe Weg. 

2. Weiz-Raabklamm-Passail, 

nur zu Fuss passirbar, 4 starke Stunden, 

Von Weiz längs der Grazer Strasse circa 30 Minuten, 
dann den rechts abzweigenden, an der Berglehne des linken 
Ufers der Raab hinziehenden Fahrweg (näher der Kirchsteig 
von der Taborkirche über den Götteisberg, der dann wieder 



— 188 — 

auf der Strasse IterauskoiDint) . über die Ortschaften Leska, 
Hasfelbach und Dürenthal. Hier, schon nahe den immer impo- 
santer heraustretenden röthlifchen Gösser Wänden, liegt 
ober der Strasse die schönste Tropfsteinhöhle Steiermarks, 
die Grasselhöhl e. Beleuchtung und Führer stellt gegen 
sehr massiges Entgelt vulgo Lehbauer, Bauernhof an der 
Strasse in Dtirenthal, resp. Haselbach (1 V2 Stunden von Weiz), 
bei. Yon hier ziemlich steil, durch Wald über Geröll hinauf, 
15 Minuten, Eingang in ein circa 8 Fuss senkrecht in die Erde 
gehendes Felsenloch, in welches man auf einer Leiter hinab- 
steigt, nun ein circa 20 Schritte langer niedriger Gang, den 
man nur in gebückter Haltung passiren kann, worauf sich erst 
die gewaltigen Wölbungen der weitverzweigten Höhle erschliessen. 
üeberall zeigen sich prächtige röthliche Tropfsteinsäulen, bald 
dicht aneinander gereiht wie ein versteinerter Wald, bald ver- 
einzelt wie gothische Gewölbepfeiler, und eine einigermassen 
rege Phantasie wird in diesen wundervollen Stalaktitenbildungen 
zahlreiche Configurationen combiniren können, die als kühnes 
Spiel der Natur Vergleiche mit allen möglichen Dingen heraus- 
fordern. Der erschlossene Raum der innen stets feuchten Höhle 
beträgt inclusive aller Nebengänge nahezu ein halbes Joch 
(800 Quadratklafter). 

Noch % Stunden höher liegt das sogenannte Katerloch 
(nur mit Führer). Weg steinig. Plötzlich erblickt man das 
30 M. breite, riesige Portal des furchtbaren Felsenschlundes, 
der circa 190 M. zugänglich ist, worauf sich plötzlich ein 
furchtbarer Abgrund öffnet, der angeblich bis zum Spiegel 
der Raab hinabreichen soll. Vom Eingangsportale senkt sich 
der Höhlenschlund ziemlich jäh hinab. Die Höhe der Höhle 
wechselt zwischen 24 — 30 M. Merkwürdig ist die ungewöhnlich. 
niedere Temperatur, die in dieser Höhle herrscht und die es 
ermöglicht, dass den ganzen Sommer hindurch die 
Wände oft zolldick beeist sind. Mehrere kühne 
Forscher Hessen sich schon in den engen kraterförmigen 
Schlund hinab, konnten aber kein Ende finden. Kehren wir 
zo unserem Gemeindefahrweg zurück und wandern wir eine 
halbe Stunde längs den drohend über unseren Häuptern auf- 



— 184 — 

ragenden Gösser wänden dahin, so erblicken wir plötzlich 
tief zu unseren Füssen die malerisch im Thale gelagerte Ort- 
schaft Arzberg (siehe Seite 185) mit schmuckem Kirchlein 
und einigen sehr hübsch gebauten Gehöften, zu welcher unsere 
Strasse sich nun steil hinabsenkt. 

Arzberg, Hauptort, mit 26 Häusern der nahezu 
900 Einwohner zählenden Gemeinde Arzberg, an der Passail- 
Gutenberg - Grazer Strasse, mit der Localiekirche zum heil. 
Jacob, reizend am Zusammenfiuss der zwei Raabarme, am 
Eingange der Raabklamm gelegen, wird durch ein bedeutendes 
Sensenwerk (Director Eisele), welches über 60 Arbeiter 
beschäftigt, belebt. Seit dem Ende des 15. Jahrhundertes 
wurde hier mit öfterer Unterbrechung ein lebhafter Bergbau 
auf silberhaltige Bleierze betrieben, der jedoch gegenwärtig in 
Folge schlechter Absatzverhältnisse der Producte gefristet ist. 

Das neben der Kirche liegende, weit bekannte Gasthaus 
vulgo Baderwirth (Franz Pieber) bietet sehr gute Küche und 
Keller, eventuell auch annehmbare Nachtherberge. 

Von Arzberg zieht die Strasse nördlich, massig ansteigend, 
zum Markte Passail in % Stunden hinan. 

Passail. Gasthäuser: Urb. Steinwidder, Fleischhauer, 
mehrere Fremdenzimmer, gute Küche und Keller, Salon mit Ciavier, 
Sitzgarten, freundlicher, strebsamer Wirth, Fahrgelegenheiten; 
F. Tauschmann, Bäcker, Fremdenzimmer, Ciavier, Küche und Ge- 
tränke gut; F. Russ, y,z\im Almjäger", Fremdenzimmer; G. Pichler, 
Bäcker, Fremdenzimmer; F. Pfeiffer, Fremdenzimmer; Mathias Egler; 
Leop. Weberhofer (Zitherspieler); Küche und Getränke überall gut. 
— Post- undTelegraphenstation. Postverbindung täglich nach 
Weiz 6 Uhr Früh ab, 60 kr. per Person, von Weiz retour 1 Uhr 
30 Minuten Nachmittags, 70 kr. — Fahrgelegenheiten nach Frohn- 
leiten: Einspänner 4 fl., Zweispänner 6 fl.; nach Graz: Einspänner 
6 fl., Zweispänner 10 fl. ; nach Weiz : Einspänner 3 fl., Zweispänner 
5 fl. — Vereine: Spar- und Leihverein, gegründet 1872, jährlicher 
Geldverkehr 100.000 fl.; Krankenverein, gegründet 1875; freiwillige 
Feuerwehr, gegründet 1885, mit Kapelle. 

Passail. Markt (siehe Seite 187) und Sitz eines 
Decanates mit 96 Häusern und 620 Einwohnern, auf 664 M., 
somit über 2000 Fuss Seehöhe, liegt vollkommen windgeschützt 
am Südabhange des von der Teichalpe gegen den Passailer 
Kessel abfallenden Gebirges, am Ausgange des von dem Raab- 



185 




Arzberg bei Passail. 

bache durchströmten Raabgrabens, und ist der herrliche Passailer 
Kessel mit seinen saftig grünen, in sanften Wellenlinien hin- 
ziehenden Wiesenflächen ringsum von einem Kranze mit Nadel- 



186 



holzwalduDgen bedeckter Berge umschlossen, deren Abhänge 
vereinzelte freundliche Pfarrdörfer wie Fladnitz, Kathrein am 
Offenegg und Heilbrunn beleben. Die hohe und dabei wind- 
geschützte Lage, die vielen eisig kalten Quellen, das 
unmittelbare Angrenzen der Alpenregion des Hoch- 
lantsch, die Fülle der lohnendsten Spaziergänge durch 
prächtigen Hochwald zu wildromantischen Felsen- 
klammen, längs rauschenden forellenreichen Bächen, 
und auf mühelos zu erreichende Aussichtspunkte, die 
vollkommene Ruhe, die in diesem abgeschlossenen 
Waldkessel herrscht, endlich die bequemen Verbin- 
dungen nach Weiz, und, nicht zuletzt, die billige 
und gute Unterkunft und Verpflegung prädestiniren 
Passail, bei dessen Anblick der bekannte Natur- 
freund Bernauer immer ausrief: „0 Du herrliches 
Passail, endlich sehe ich dich wieder!", zu einer 
Sommerfrische ersten Ranges, für alle jene, welche 
reine, nervenstärkende Alpenluft und ruhigen Genüss 
einer majestätischen Waldlandschaft suchen. 

Der Markt hat einen regelmässigen Platz mit alterthüm- 
liehen Häusern sowie einer mit dem Marktwappen gezierten 
Frauensäule und zieht sich in den Raabgraben hinein, wo auch 
das schöne Schulhaus der vierclassigen Volksschule sich befindet. 
Der 14 Ar umfassende Schulgarten mit Baumschule liegt am 
Abhänge des Gaasberges. Westlich vom Platze erhebt sich die 
Pfarrkirche, deren 61 M. hoher schöner Thurm weithin sichtbar 
ist. Pfarre und Kirche wurden 1240 zuerst urkundlich erwähnt, 
die derzeitige Kirche wurde jedoch erst 1688 an Stelle der früher 
hier bestandenen demolirten Kirche erbaut Sie ist 43 M. lang 
im Schiff, 16*75 M. im Presbyterium, 10 M. breit, und stellt 
sich als eine barocke Hallenkirche dar. Von den vier Glocken 
wiegt die grösste 25y4 Centner. Die Kirche hat sieben Altäre 
mit dem Hauptaltar des heil. Veit, und eine schöne neue Orgel. 
Unter der Kirche befindet sich die Gruft der Stubenberg und 
jene der Geistlichkeit, beide noch vom alten Kirchenbau über- 
nommen; die Grabsteine gehen bis 1400 zurück. Erster Dechant 
war Wenzel Stöger 1757. Die erste Messenstiftung rührt von 



187 - 




04 



Herzog Albrecht 1349 her und besteht noch. Der Markt be- 
sitzt auch ein reich dotirtes Bürgerspital und ist der Geburtsort 
Peter Engelbrechts, des berühmten Lehrers Maximilians I. in 



— 188 — 

Latein. Hier bestand früher eine bedeutende Weberindustrie, 
die jedoch jetzt wie überall nahezu gänzlich aufgehört hat. 

Spaziergänge und Ausflüge. 

1. Nächster und sehr lohnender Spazier- 
gang westlich gleich vom Markt hinauf in ^j^ Stunde am 
Lindenberg mit dem 1510 erbauten, von uralten Linden 
beschatteten gothischen Votiv-Kirchlein St. Anna (Pest- 
kapelle) mit prächtigem Renaissance- Altar. Die Beichtstühle ausser 
der Kirche. Sakristei- Anbau vom Jahre 1648. Ruhebänke unter 
den Linden, herrlicher Rundblick auf die umliegende Gebirgswelt. 

2. Auf den Gaasberg nordöstlich von Passail ^/^^ Stunde, 
Weg über die „Hochbrücke** auf dem „Hochweg" zum Wald- 
kreuz durch den Gaaswald. Oben hübsches Hochplateau mit 
herrlicher Rundsicht auf alle umliegenden Gebirgszüge. Retour 
durch den Gaasengraben, bei der Heilbrunnkapelle vorüber, zum 
„Bachelwirth" (Kegelbahn). 

3. Auf den Hundsberg, südlich von Passail, Yj Stunde. 
Von dort hübscher Ausblick auf den Markt Passail mit den 
Passailer Alpen und dem Osser im Hintergrunde. Weg: beim 
Friedhofe vorbei geradeaus. 

4. Nach Arzberg (Kirchdorf lein) mit Sensengewerk in der 
Raabklamm, und Bleigruben, und Ruine St üb egg (siehe Seite 17 7) 
südlich von Passail. Wege sind zweierlei: a) längs der alten 
Raabstrasse bei der Dreschmaschine vorbei, den Raabbach 
entlang. Besonders im Sommer sehr hübscher, kühler, beschatteter 
Weg; &> längs der Grazerstrasse, beim Postmeister- und 
Hufscbmiedhaus vorbei zur Marienkapelle, darauf zum Neu- 
wirth und übern Kernbichlerwirth und Hofmühle, zum 
Sensengewerkshaus, dann links über die Moderbrticke zum Keller- 
wirth und Baderwirth (gutes Gasthaus). Von Arzberg zur 
nahen Burgruine Stubegg, einst ein Stammsitz der Herren 
von Stubenberg, dem ältesten Adelsgeschlechte des 
Landes, zu welcher heute noch ein Grundbesitz von 1688 
Joch (970*7 Hektar) gehört. An diese uralte Burgveste knüpft 



— 189 — 

sich die weitbekannte Sage vom Schöckelschatz 
der Stubenberg, die wir kurz erzählen wollen. 

Zwei Brüder aus dem Geschlechte der Stubenberg wurden 
vom Papste mit dem Kirchenbanne belegt und später auch vom 
Landesfürsten ihrer Güter verlustig erklärt. Da zogen sie mit all 
ihren reichen Schätzen, von wenigen Getreuen begleitet, von der 
Burg Kapfenberg nach den damals fast unzugänglichen Waldschluchten 
am Schöckel und bauten die Burg Stubegg. Um jene Zeit erliess 
Friedrich II. einen Aufruf zum Kreuzzuge. Diese Gelegenheit be- 
nutzten die Brüder, um sich vom Kirchenbanne zu erlösen, bevor 
sie jedoch die Heimath verliessen, brachten sie mit wenigen Vertrauten 
ihre Schätze in der Nähe des Schöckelkreuzes in eine dicht verwachsene 
Felsenspalte. Die Oeffnung wurde mit einer eisernen Thür verschlossen 
und mit Moos und Steinen verdeckt. Die Schlüssel zur Thüre und 
zur Truhe mit den Schätzen nahmen sie aber mit sich und mussten 
auch alle Mitwisser an diesem Familiengeheimnisse sich dem Heer- 
znge anschliessen. Zwei Jahre harrte schon der treue Burgwart auf 
Stubegg auf die Rückkehr seiner Herren, da kam endlich ein Pilger 
mit der Kunde, dass beide Stubenberg mit all' ihren Mannen umge- 
kommen wären und dass ihm einer der Brüder sterbend die Schlüssel 
tibergeben habe, mit der Entdeckung des Familiengeheimnisses. Aber 
trotz allen Suchens konnte weder der Burgvogt noch der Pilgrim den 
Schatz der Stubenberg finden, ja sie verloren auch die Schlüssel bei 
diesen Streifzügen. Hundert Jahre später fiel es auf, dass ein armer 
Bauer plötzlich sehr reich wurde, man inquirirte denselben und wendete 
schliesslich die Tortur an, um ihn zum Geständnisse zu bringen. Die 
urkundlich noch vorhandene Aussage des Bauers lautet: Er sei am 
19. December 1314 Schulden einfordern gegangen, da wäre ihm ein 
Bub begegnet und hätte ihn zu einer eisernen Thür mitten im Wald 
geführt und ihm zwei Schlüssel gegeben, mit der Weisung, die Thüre 
aufzusperren; sie gelangten in drei Gewölbe, in dessen letztem sieben 
eiserne Truhen standen. Der Bub wies aber den Bauer an, nur von 
dem zweiten Gewölbe, wo ein Haufen Kohlen lag, zwei Handvoll zu 
nehmen. Als der Bauer aber die Kohlen näher ansah, waren es 
Goldklumpen. So kam der Bauer durch achtzehn Monate zur Höhle 
und kaufte ein Gut nach dem anderen, bis er eingezogen wurde. 
Graf Stubenberg forderte den Bauer auf, ihn zur Höhle zu führen, 
aber in der vorhergehenden Nacht ging ein furchtbares Unwetter 
über den Schöckel nieder und der Bauer konnte die Höhle nicht mehr 
finden. Die beiden Schlüssel und mehrere Urkunden über diesen 
Schatz, der noch der Erlösung harrt, befinden sich noch heute im 
Besitze der Stubenberg. 

5. Nach Fladnitz (Kirchdorf) ^/^^ Stunde westlich von 
Passail. Weg: Strasse nach Westen über den Bühelriegel zum 
Meierhofe des Dechants, dann zum Postwirth (gutes Gast- 



— 190 — 

haus, Kegelbahn), zum Müllerhansl (Toberdorf), vom Möhl- 
hanse links zum Grasslwirth (gutes Gasthans, Kegelbahn), 
dann ober die Anhöhe. 

Gasthäuser in Fladnitz: Hatl, gutes Bier, Sitzgarten; 
Höfler, Fleischhauer, Fremdenzimmer. — In Fladnitz: Römersteine. 

6. In die Alm zum Raabursprung, nördlich von 
Passail 1 V2 Stunde. Weg : Obergasse beim Schillhaas vorbei, 
beim Zantschbach-Kreuz, links vom Wegzeiger Hannauer, statt- 
liches Mühlhaus; dann vom „Griesser" rechts, dem Raabbach 
entgegen. Beim Almschulhaus links bergauf, den Bach entlang. 
Ursprung sehr interessant: drei ziemlich mäch- 
tige Quellen fliessen zusammen. 

7. Alpenpartie auf die Teichalpe 27^ Stunden, 
und von dort auf den Osser, oder Plankogel, oder Hochlantsch, 
oder zum Wallfahrtskirchlein Schüsserlbrunn. Wege sind dreierlei: 
a) Ueber den Lindenberg, Luckabauer, Buchkogel zum Osser 
und Angerwirth; h) Westlich Postwirth, Müllerhansl, 
durch die Vordertober (Dorf), den Toberbach entlang in 
die Hintertober zum Angerwirth, am sichersten; c) Nörd- 
lich zum Raabursprung und aufwärts über den Bergrücken, 
oder vom Griesser links durch Buchthal aufwärts über den 
Buchberg. 

8. a) Durch die Weizklaram zur Clementgrotte 
(sehr leicht zugänglich, sehenswerth) 2 Stunden von Passail. 

h) Zur Grasslhöhle und Katerloch über Arzberg 
2 — 2V2 Stunden. 

9. Nach St. Kathrein am Offeneck (Pfarrdorf), 
nordöstlich 2 Stunden von Passail. Zwei Wege: a) über 
Hohenau ; h) vom Ausgange der Weizklamm (beim Kreuzwirth) 
rechts aufwärts. 

10. Nach Heilbrunn, nordöstlich von Passail, 3 Stun- 
den. Weg: nördlich bis zum Zantschbachkreuz, dann rechts 
über Hohenau (Dorf) zum „Schmied (Wirth) in der Weiz", 
dann aufwärts über die „Brandlucken". Heilbrunn wurde erst 
von Kaiser Josef H. zur Pfarre erhoben; bis zum Jahre 1672 
war hier eine Wildniss. In der Mitte des Urwaldes ragt ein 



— 191 — 

Felsen, aus welchem ein Brunnen quoll, daneben stand ein 
Kreuz, wo oft einsame Wanderer ihre Andacht verrichteten. Im 
Jahre 1672 wurde hier eine Kapelle und später, 1755, eine 
Kirche erbaut, die 1787 umgebaut wurde. Linker Seitenaltar, 
kunstvolles Gemälde (sterbender Josef). Nun frequentirter Wall- 
fahrtsort. Zwei Gasthäuser. Vom Friedhofe herrliche Aussicht 
bis zum Wechsel. 

11. Sehöckelpartie, südlich 3 Stunden. Weg: Neu- 
wirth, Moderwirth (am Fusse des Buchberges), über den Buch- 
berg (nicht der obengenannte, sondern der Buchberg bei Arz- 
berg) und fort zum Schöckelkreuz. 

12. Graz-Passail. Siehe Seite 58. 

Bemerkt sei noch, dass hier ein eigener Fremdenführer, 
wie Fahrgelegenheiten stets zur Verfügung stehen. 



C. Weiz-Feistritzklamm-Stubenberg-(Herberstein). 
3 Stunden, für Fussgeher lohnend. 

Von Weiz den Kirchweg östlich auf den Weizberg, dann 
rechts bei einem kleinen Gasthause hinab zum Schlosse Than- 
hausen, eines der schönsten Schlösser der Ost - Steiermark. 
Thanhausen, mit einem Grundcomplex von 2139 Joch 
(1230 Hectar), gehört der freiherrlichen Familie Gudenus, 
welche auch die Ruinen Sturmberg, Waxenek und Neuhaus 
und die Schlösser Frondsberg und Külbel in der Umgebung von 
Weiz besitzt. Das schöne Schloss, 1585 an Stelle des baufällig 
gewordenen, zweistockhohen Schlosses Ober-Fladnitz, von Johann 
Freiherrn von Teuffenbach zu Mayrhofen, Erblandjägermeister, 
im Charakter des Schlosses Ratmannsdorf erbaut, liegt mitten 
in prächtigen Parkanlagen, die es theilweise als lebende Mauer 
umziehen. 

Das Schloss enthält viele Säle und Zimmer im Style bester 
Renaissance, darunter namentlich den herrlichen Rittersaal mit vielen 
Rüstungen und Waffen, ist jedoch schwer zugänglich. Die Tochter 
des Erbauers brachte das Schloss durch Heirath an Conrad Freiherrn 
von Tbanhausen, von welcher Zeit an dasselbe den Namen Thanhausen 



— 192 - 

erhielt. Die Thanhausen werden 1390 urkundlich zuerst genannt. Im 
Jahre 1530 wurde die Familie in den Freiherrn- und am 6. April 
1624 in den Grafenstand erhoben. Das Geschlecht erlosch in der 
männlichen Linie um 1700. Von den Thanhausen kam die Herrschaft 
an die Grafen von Khevenhüller und 1799 an Karl August Fürsten von 
Bretzenheim, welcher sie jedoch 1806 wieder an Ferdinand Gudenus, 
Reichsfrei- und Panierherm, k. k. Kämmerer, verkaufte, welche Familie 
den Besitz noch stets vermehrte. Die weitläufigen, vorzüglich ge- 
haltenen Wirthschaftsgebäude sind mit festungsartig gebauten Mauern 
und Thürmen, mit Zinnen und Schusslöchem umgeben. 

Unser Weg führt, die Schlossmauern umziehend, zu einer 
Brücke, über welchewir schreiten und den links zu den Bauern- 
höfen auf der Berglehne hinanlührenden Steig einschlagen. Bei 
den ersten Höfen angelangt, wendet sich der Weg rechts und 
zieht an der Berglehne über mehrere Hebungen und Thal- 
senkungen, zuletzt durch Wald (immer rechts sich haltend) 
hinab zu dem grossen Gast hause Adam in Pesen, wo 
der viel begangene Kirchsteig wieder die Strasse erreicht. Nun 
circa 15 Minuten auf der Strasse, dann rechts den Fusssteig 
über Wiesen hinan, der die Strasse kürzt, auf der Sattelhöhe 
kommt man wieder zur Strasse, die, man nun wieder circa 
30 Minuten verfolgt, worauf Jene, die direct nach Stubenberg 
gehen, bei der Telegraphenstange 203/72 rechts über den 
Steg den Wald hinaufgehen, wo man zuletzt bei einem rotben 
Kreuz auf die alte Strasse kommt, nun etwas links, dann 
rechts die Strasse hinab bis zur Kapelle, hier links, resp. gerade 
hinab nach Ünter-Feistriz zu dem grossen Einkehr-Gast- 
hause Stixpeter mit prächtigem Gartensalon. Das Schloss 
Külbl und die weithin sichtbare Ulrichskapelle auf der 
Bergspitze bleiben links. Schloss Külbel im Besitze der Reichs- 
freiherren von Gudenus und Sitz des Oberforstamtes der Herr- 
schaften dieser Familie, liegt, von Obstgärten umgeben, auf 
einer kleinen Anhöhe und birgt das stockhohe, von alten Linden 
umschattete Schloss aus der Zeit der Pöllauer Chorherren, 
prächtige polychrome Oefen mit Kaiserbildern und dem Reichs- 
adler, reiche barocke Stuckoplafonds , hübsche Fresken, in 
welchen oft das Stiftswappen wiederkehrt, und zwei sehr 
schöne Thürportale mit in Eichenlaub auslaufenden Masken. 
Auch eine alte Ansicht des Schlosses mit vielen Thürmen ver- 



^ 193 — 

dient Interesse. Ober dem Thore die Jahreszahl des Um- 
baues, 1698. 

Es war Ende des 15. Jahrhunderts im Besitze der Draxler 
(Dräxler), kam jedoch 1650 an das Ghorherrenstift Pöllau, welches 
1688, 1697 und 1698 das Schloss ausbaute ; die neue Kapelle wurde 
am 2. August 1701 eingeweiht. Nach Aufhebung des Stiftes PöUau 
fiel die Herrschaft zuerst an den Staat, der sie wieder 1800 an den 
Seifensieder J. Oettel in Gleisdorf verkaufte. Endlich gelangte die 
Herrschaft nach mehrfachem Besitz Wechsel 1811 an den Vater des 
jetzigen Eigenthümers. 

Stixpeter, grosses Gasthaus, bildet den Knotenpunkt 
von vier Strassenzügen ; östlich zieht die Strasse nach Weiz, 
nördlich in einer Stunde nach Anger, südlich in ^/^ Stunden 
nach Puch, während westlich die Strasse durch die Feistritz- 
klamm in V4 Stunden nach Stubenberg führt. Dieser letzteren 
Strasse folgend, erreichen wir nach 15 Minuten den Eingang 
der verrufenen Feistritz- oder Freienberger Klamm, 
den Durchbruch der Feistritz zwischen den Abstürzen der 
Ausläufer des Kabenwaldes und dem Kulm. In der Klamm an 
der Strasse nahezu kein Haus. Die Strasse, meist von Laub- 
bäumen dicht umschattet, führt hoch über der Feistritz an 
ihrem linken Ufer hin, mit prächtigen Durchblicken durch das 
Walddickicht auf das wild zerrissene Bett der Feistritz, von 
deren zerstörender Kraft mächtige, chaotisch durcheinander ge- 
worfene Felsblöcke, entwurzelte Baumriesen und unterwaschene 
Berghalden zeigen. Anfangs links ein schwarzes Kreuz, zur 
Erinnerung an die hier erfolgte Ermordung eines Gendarmen 
durch eine Zigeunerbande mittelst 23 Messerstichen. Nach circa 
40 Minuten vom Eingange der Klamm steigt plötzlich links aus 
schwindelnder Höhe die schon früher flüchtig sichtbare Burg- 
ruine Neuhaus (siehe Seite 201) mit ihren meist von Dohlen 
umflatterten, zerklüfteten Mauern über die Baumwipfel empor, 
bald jedoch umschliessen uns wieder die düsteren Waldhänge der 
Klamm, bis sich endlich nach weiteren 20 Minuten plötzlich die 
Bergcoulissen auseinanderschieben und sich wie heller Sonnen- 
schein nach langen trüben Winternebeln der Ausblick auf das 
reizend am Südgelände des Rüblandes gelagerte Pfarrdorf 
Stubenberg öffnet, über welchem noch über die Gonturen des 

13 



— 194 — 

Horizontes die m&chtigeBurg Scliieleiten aufragt. Stehen wir 
aber am Ufer der Feistritz, am Fusse des Hügelgelftndes, auf 
welchem Stubenberg so wunderbar malerisch gelagert ist, und 
blicken hinauf zu der lieblichen Doriidylle, die sich hier vor nns 
entrollt, so zeigt sich uns von hier, aus die ganze harmonisclie 
Schönheit dieses reizenden Landsch'aftsbildes, Zur Linken starrt 
uns noch der Ausgang der finsteren Fei&tritzklamm, hoch über- 
ragt von den Mauern der Ruine Neuhaus entgegen, aber nnseni 
Blick nördlich wendend, wird die Landschaft immer milder und 
sonniger, reich bebaute Gelände von vielen kleinen Thälem 
durchzogen und mit Obst-, Wein- und Waldculturen im bnnteL 
Wechsel bedeckt, aber stets weit tiberragt von den mächtigea 
dunklen Waldhftngen des nahezu 4000 Fuss hohen RabeD- 
waldes breiten sich vor uns aus, bis zu jener gewaltigen Burg- 
ruine Schieleiten, die nordwestlich die Begrenzung des Hori- 
zontes markirt. Und mitten auf diesem Gelände, auf massige: 
Höhe, thront, von schönen Gehöften umgeben, das schmncke 
Kirchlein, deren Gruft die Sprossen der edelsten Geschlechter 
der Steiermark birgt, und, von Obstbäumen umsäumt das vod 
vier Eckthürmen flankirte Schloss Stubenberg, zu welchem wir 
noch eine Viertelstunde emporsteigen müssen. 

Gasthäuser: Treiber, Bäcker, mehrere Fremdenzimnisf 
besitzt auch das Schloss Stubenberg, welches ftlr Sommer 
gaste allerdings noch primitiv eingerichtet ist; Kulmer, „zumKrer 
mehrere Zimmer. Ueberall wird der Vockenberger (hiesiger Gegei"^ 
Natur -Wein geschenkt. — Naturbäder in der klaren Feistriu 
eine Badehtttte wird demnächst gebaut. Tägliche FussbotenverbindKi? 
nach Pischelsdorf. Fahrgelegenheiten: Einspänner 4 fl., Zweispännf 
6 fl. per Tag ohne weitere Spesen. — Vereine: Landwirthscha^- 
liehe Filiale, gegründet 1887 vom Oberlehrer Gartier. — Musi*- 
capelle, die an Festtagen am Kirchthurme Morgens concertirt. 

Stubenberg (siehe S. 195), Pfarrdorf mit 16 Häusert 
und 150 Einwohnern (Pfarre 300 Häuser, mit 1200 Seelen' 
auf 451 M. Seehöhe, ist die Wiege des ältesten Adelsgeschlechtei 
der Steiermark, der Herren von Stubenberg, welchem üradels- «D' 
reichbegüterten Dynastengeschlechte die meisten übrigen altet 
Adelsgeschlechter, so namentlich die Herberstein, lange Zeu 
lehenspflichtig waren. Der Ursprung dieses heute noch ijräfc' 
blühenden, wenn auch nicht mehr so reich begüterten Geschlecbtf^ 



^ 195 — 



reicht' in (eine Zeit zurück, wo es noch keine Adelsbriefe gab, 
und daher suchten auch die Stubenbierg nie um Erhebung in 
den Grafenstand an. 

Als Stammvater der Familie wird jedoch Wulfing von Stuben- 
berg (um das Jahr 1000 lebend) angenommen, der nach achtjähriger 
Abwesenheit von Palästina heimgekehrt, seine Braut, die schöne 
Agnes von Pemegg, eben im Begriffe fand, sich gezwungener Weise 
mit dem Ritter Kuenring zu vermählen. Als Gottesgericht fand am 




Stubenberg. 

iennfelde bei Brück der Zweikampf zwischen den beiden Bewerbern um 
lie Hand der Agnes von Pernegg statt, in welchem Kuenring fiel. Der 
Jaarzopf der Agnes von Pernegg, den sie Wulfing v. Stubenberg bei 
einem Auszuge nach Palästina als Helmzier gab, ging in das Wappen 
ler Stubenberg über (traditionell). Schon 1113 ist das Geschlecht 
ler Stubenberg mit der Gründung der Pfarre Stubenberg verwoben. 
Jm das Jahr 1268 Hess König Ottokar von Böhmen die Stammburg 
les Geschlechtes, welche fünf Minuten nordwestlich von der Kirche 
n Stubenberg, auf dem sogenannten Schusterpatritzkögerl, gestanden 
st und an welche nur mehr wenige Kellergewölbe erinnern, zerstören, 
üin Wulfing von Stubenberg war schon 1254 Landeshauptmann von 

13* 



— 196 — 

Steiermark, welche Würde später 1418—1419, 1436'-1449,- 1453— 
1460 und 1687—1703 wieder Stubenberg (Jacob, Hanns, Leutold und 
Georg) bekleideten, 1 322 am 28. September wurden zwei Stubenberg 
mit Herzog Friedrich dem Schönen in der Schlacht bei Mühldorf ge- 
fangen. 1412 zieht Ulrich Ton Stubenberg mit Herzog Ernst dem 
Eisernen nach Palästina. 1418 erscheint Wolfgang von Stubenberg als 
siegreicher Heerführer gegen die das erste Mal eingedrungenen Türken. 
1431 führte Eckhard von Stubenberg die steirischen Truppen gegen die 
Hussiten an. 1469 — 1470 betheiligt sich Hans von Stubenberg al& 
Schwiegersohn Baumkircher's an der steirischen Ritterempörung. Zur 
Zeit der Beformation schlössen sich die wichtigsten Glieder der Familie 
der neuen Lehre an, und wanderten Georg und Georg Sigmund mit 
dem grössten Theile des Familienvermögens und dem Hauptarchive 
nach Baiem aus. 

Mit dieser Auswanderung der wichtigsten Glieder der Herren 
von Stubenberg erlitt die Bedeutung dieses Geschlechtes in Steier- 
mark und Oesterreich einen Todesstoss, von welchem es sich nie 
mehr erholte. Von der Bedeutung dieses edlen Geschlechtes vor der 
vorerwähnten Auswanderung seiner Hauptglieder in Steiermark gibt 
den besten Beweis die auf Grund des Güterbesitzes berechneten Bei- 
stellungspfiichtigkeiten der steirischen Edlen, Stifte etc. zum Landes- 
aufgebot von 1565. Nach diesen Verzeichnissen hatten die Stubenberg 
52 Pferde und 162B0chsenschützen, die zunächst kommenden Windisch- 
grätz jedoch nur 16 Pferde und 59 Schützen, die Saurau 13 Pferde 
und 43 Schützen, die Herberstein 11 Pferde und 51 Schützen, die 
Teuffenbach 10 Pferde und 31 Schützen etc. beizustellen. Selbst der 
Erzbischof von Salzburg hatte nur 24 Pferde und 122 Schützen bei- 
zustellen, somit weit weniger wie die Stubenberg. 

Am 7. Juli 1708 wurde Leopold von Stubenberg in Graz, als 
er aus dem geheimen Rathe nach Hause fahr, in der Bürgergasse 
von Anton Graf Saurau und P>iedrich Graf Herberstein überfallen 
und zum Duell gezwungen, in welchem er ermordet wurde. Die 
Ursache ist nicht bekannt geworden. Das Geschlecht der Stubenberg 
bekleidet seit 500 Jahren die Erbmundschenkenwürde in Steiermark. 
Die Stubenberg besitzen derzeit noch Gutenberg, Stubegg, Obermureck, 
Oberkapfenberg und Wieden in Steiermark und Sz6kelyhid in Ungarn. 
Wenige Geschlechter der Steiermark sind so innig verwebt mit den 
Schicksalen des Landes, wie dieses ruhmvolle Dynastengeschlecht. 

Aber auch die erste Pfarrkirche stand nicht auf Stelle 
der heutigen, vielmehr muss sie tief unten in der „-A-u" sich 
erhoben haben, denn heute noch erinnern die uralten Namen 
„Freithofacker", „Frauenwiese" und „Thorwiese" und mehr- 
fach aufgefundene Mauerreste, dass einst auf dieser Au, zehn 
Minuten südlich vom heutigen Dorfe, ein Gotteshaus gestanden 



— 197 — 

ist, ja die Sage weiss gar von einer Stadt zu erzählen, die 
sich über der An ausgebreitet haben soll. Da kamen aber eines 
Tages mächtige Wassermassen aus der Feistritzklamm heraus- 
gewogt und brausten über das Thal dahin und zerstörten über 
Nacht) was die Menschen mühsam erbaut. Da flüchteten die 
Einwohner auf das sonnige Thalgelände und bauten eine neue 
Kirche und schaarten ihre Hütten um das Gotteshaus, das sie 
dem heil. Nicolaus weihten, dem Schutzpatrone in Wassergefahr. 
Das Vogtei- und Patronatsrecht blieb aber den Stubenbergern, 
bis sie es am 26. Juni 1656 an die Herberstein abtraten, 
die es noch heute besitzen. Aber allmälig war auch dieses 
Kirchlein baufällig und zu enge für die Pfarrgemeinde geworden, 
und so entstand 1757 — 1760 eine neue, grössere Kirche im 
freundlichen Barockstyle. Wer aber heute das schmucke Kirch- 
iein so freundlich auf der sonnigen Höhe thronen sieht, vermag 
kaum zu ahnen, dass wir in ihr das Pantheon edler Sprossen 
so vieler ruhmvoller Adelsgeschlechter zu suchen haben. Gehen 
wir vorerst aussen herum gegen Süden, so finden wir zunächst 
den prächtigen Grabstein aus dem 15. Jahrhundert 
von rothem Marmor, mit dem Wappen und Stechhelm des 
edlen und vesten Hanns Drächsler zu Neuhaus und seiner 
Hausfrau, von welcher Burgveste die Kirche auch eine schöne 
Marienstatue übernommen hat, und nahe davon ruhet wieder 
Georg Reichsgraf von Wurmbrand-Stuppach, Ober- 
Erbländ-Kuchelmeister etc. Und wieder nur wenige Schritte weiter 
ragt, sich mächtig ausdehnend, das imposante Grabdenkmal der 
Familie der Grafen von Herberstein auf. In der Mitte 
erhebt sich das prächtige, aus einem Blocke kararischen 
Marmors gemeisselte Crucifix, beiderseits knieen jedoch die 
lebensgrossen Gestalten, frei aus weissem Marmor gemeisselt, 
von je 7 Töchtern und 7 Söhnen, von dem Stammvater 
und der Stammmutter ausgehend. Die weiblichen Sprossen 
sind in der Frauentracht des 16. Jahrhundertes, mit Baret 
und Halskrause dargestellt, die Ahnfrau zeigt eine seltsame^ 
frühmittelalterliche Vermummung, sie knieen auf Polstern^ 
die männlichen Sprossen sämmtlich in voller Rüstung, mit 
dem Helm zu ihren Füssen. Das in seiner Art in Steiermark 



— 198 — 

einzig dastehende, wahrscheinlich von Bernhardin L, f 1^^^» 
errichtete Epitaphium wurde erst 1856 vom Schlosse Herber- 
stein hieher transferirt. Die 7 männlichen und 7 weiblichen 
Sprossen des Epitaphiums sollen wahrscheinlich die in der Sage 
erscheinenden 7 Söhne (die nur Eine Hose hatten), uDd die 
7 Töchter (die nur Einen Mantel hatten) des ersten Herber- 
stein synjbolisiren. Inner der Kirche finden wir noch nach- 
stehende Grabdenkmäler : Links vom Hochaltar, ohne. Jahres- 
zahl, den Grabstein Georgs A. Reichsgrafen von Wurmbrand- 
Stuppach, als mensa des rechten Seitenaltars : Grabstein der 
Margarethe Pfeilberg von 1574. Auf derselben Seite ein Stein 
mit einem Kreuze und dem Wahlspruche der Templer „non 
nobis due"» an der linken Wand: Grabstein der Maria 
Efferasina, Freyn geh, Maschbandterin von 164(. 
Weiters folgen die Grabsteine mehrerer Pfarrer von 1674 
und 1723, und zuletzt an der rechten Seitenwand: Epitaphium 
des Hans Jerg Stainpeis zu Aichberg von 1591. Iro 
Presbyterium der Kirche befindet sich weiter» noch die Graft 
der Schieleitner» von deren alten Burg die Kirche in Stubec- 
berg eine, 1583 gegossene, Glocke übernommen hat Inschrift: 
Aus dem Faver pin ich geflosen, Max Wening zu Graz Hat 
mich gosen. Auch Römersteine finden sich mehrfach bei Banem- 
höfen eingemauert, ein vom Oberlehrer Gartier aufgefundener 
Römerst^in wurde nach Herberstein gebracht. Wenige Minuten 
unter der Kirche erhebt sich das nur mehr nothdürftig er- 
haltene Schloss Stubenberg im massiven Viereck, mit aus- 
springenden Eckthürmen gebaut, wovon der nordöstliche Theil 
Wirthschaftsgebäude, der südwestliche Theil jedoch die Wohn- 
räume umfasst. Im Hofe liest man die Inschrift 15(3?)1. 
welche, mit Rücksicht auf die ganze Architektur des Schlosses, 
die Zeit der Erbauung mittheilen dürfte. Das Schloss zeigt 
in seiner Bauart und den architektonischen Details ganz den 
Charakter des 16. Jahrhundertes, mit nur spärlichen Sparen 
einstiger Pracht, so die schönen steinernen Thürportale. Im 
Rittersaale finden wir die Obstpresse etablirt, andere Gemächer 
dienen als Getreideschüttboden, und der Wind pfeift gar nn- 
heimlich durch die klaffenden Thürspalten. Dennoch wird Stuben- 



^ 199 -^ 

berg, das sich mit geringen Kosten restauriren Hesse, zweifellos 
wieder za neuem Leben erwachen, wenn einmal ein Schienen- 
strang die nordöstliche^ Steiermark durchziehen wird, denn es 
liegt im Herzen eines Paradieses, wie man es weit suchen 
kann in deutschen Landen. Das Schloss war im 17. Jahr- 
hunderte im Besitze der Freiherren Maschbandter von Schwanau, 
später kam es an die Herberstein und nach vielfachem Besitz- 
wechsel an den Gastwirth Josef Treiber in Stubenberg, der es 
für Sommerparteien vermiethet 

Eine Sehenswürdigkeit Stubenberg bilden auch 
die uralten riesigen edlen Kastanienbäume beim vulgo 
Karmelbaiier in Stubenberg, Purkarthofer in Floinz und Kälber- 
franziin in der Zeil. Bei letzterem misst ein Stamm in der 
Höhe von einem Meter vom Boden weg nicht weniger wie 
7 Meter 72 Centimeter im Umfange. 

Stubenberg liegt von den Nordwinden so vollkommen 
geschützt, dass hier ein ungewöhnlich mildes Klima herrscht, 
während auf den Höhen des nahen Rabenwaldes die Vegetation 
oft um Monate zurück ist, und konnten in Folge dieser ver- 
schiedenen klimatischen Verhältnisse dem Bischöfe, als er 
anlässlich einer Visitation nach Stubenberg kam, Kirschen und 
reife Trauben gleichzeitig auf die Tafel gebracht worden, dabei 
ist die Luft in Folge der vielen grossen Nadelholzwälder 
ungemein kräftigend. Ganz unerschöpflich ist aber die Zahl 
der Spaziergänge verschiedensten Charakters, die sich von 
hier aus erschliessen. Zwei herrliche Gebirgsklammen 
grossartigsten Charakters, drei Schlösser und Burgen, 
zwei der schönsten Ruinen des Landes, weiters zwei 
der lohnendsten Hochwarten der Steiermark (Kulnj 
und Rabenwald) nebst einer ganzen Fülle der herr- 
lichsten Waldpromenaden an über bemostes Gestein 
hinschäumenden Wässern liegen im Bannkreise des 
Dörfchens Stubenberg, und wären hier alle Bedin- 
gungen zu einem klimatischen Curorte ersten Ranges 
vorhanden, wie auch alle Sommergäste, die einmal in Stuben- 
berg waren, wiedergekommen sind, trotz mancher noch immer 
bestehender Uebelstände in der Unterkunft. 



— 200 — 



Spaziergänge und Ausflüge. 



1. Zur Ruine Alt-Schieleiten, 
kirt, führt vom Dorfe aus östlich an 



30 Minuten, grünmar- 
dem Friedhofe vorüber, 
durch den PfarrwaM 
zum „Mahrpeter" nnd 
weiter zu der auf einer 
Terrasse des Thalge- 
ländes thronenden ge- 
waltigen Burgruine. 

Staunend stehen wir 
vor dem gewaltigen 
Bau, der in den Zwan- 
ziger Jahren diese^ 
Jahrhundertes noch be- 
dacht, heute nur mehr 
als malerische Koine 
über die Waldwipfel 
aufragt. 

Die Anlage der Buri 
ist eine ungewöhnlicli 
regelmässige, m derMittf 
die eigentliche Burg im 
regelmässigen Viereck,ai: 
den Ecken von mächtiseü 
Kundthürmen flankirt 
und im grossen Abstan<lf 
von der Burg wieder im 
Viereck die starke Zvin- 
germauer, flankirt von 
viereckigen Eckthürmen und gegen Osten eine Art Vorbnrg, überragt 
von einem hochaufstrehenden viereckigen Bergfried. Ist hier aber 
auch Klang und Sang erstorben, sind die stolzen Mauern auch sf- 
borsten, so ist doch die Schönheit des Landschaftsbildes, welchfi 
sich von den Zinnen der Burg erschliesst, die gleiche geblieben, ^^ 
zu jener Zeit, wo die ersten Ritter von Schieleiten, welche schon 
1 134 mit Gottschalk von Schieleiten urkundlich erwähnt werden, hier iß 
Gestämme des Urwaldes ihre Stammburg bauten. Namentlich durcli 
einen Thorbogen der südlichen Zwingermauer genie^^' 
man einen bezaubernden Ausblick, gerade unter uns Heg^ 
von riesigen leuchtenden Wasserspiegeln umrahmt, das Schloss 5eu- 




Partie der Ruine Alt-Schieleiten. 



— 201 — 

ficbieleiten und in gleicher Axe taucht darüber am fernen Horizont 
die mächtige Riegersburg auf, aber weiter schweift noch der Blick 
bis Güssing in Ungarn und dem Gleichenberger und Stradner Kogel. 
Um das Jahr 1377 starb das Geschlecht mit Friedlein von 
Schilhnleyten aus. Die Sage knüpft an die Mauern dieser Burgveste 
folgende Legende; Die letzten beiden Sprossen der Schieleitner, der 
«mste ältere Eadbod und der jüngere Bruder Friedlein waren Jugend- 
Gespielen der schönen Gisela von Herberstein und hatten die Eltern 
der Kinder schon frühe die Verlobung Radbod*s mit Gisela beschlossen. 
Aber immer mehr neigte sich die Gunst Gisela's dem fröhlichen jün- 
geren Bruder zu und als ihr einst in Gegenwart beider Brüder der 
Beschluss der Eltern mitgetheilt wurde, da bekannte die schöne 
Gisela offen ihre Liebe zu dem blondlockigen Friedlein. Da loderte 
Jedoch hell auf der Hass Radbod's gegen seinen begünstigten Bruder, 
und er sann auf Rache. Micht lange darauf waren die Brüder heim- 
gekommen, als Radbod Friedlein einlud, den mächtigen Eber zu 
besichtigen, der im Keller in einem grossen Kessel gekocht wurde; 
arglos folgte Friedlein dem Rufe des Bruders, aber als Friedlein 
am Rande des Kessels stand, stiess ihn Radbod in die brodelnde 
Fluth, die ihn sogleich verschlang. Der Kessel wurde sammt dem 
Ermordeten sogleich im Keller vergraben. Radbod fand jedoch weder 
Kühe noch Rast und schenkte alle seine Güter dem Templerorden 
2ur Sühne des Brudermordes und zog sodann nach Palästina, von 
wo an er verschollen blieb. Vor circa 92 Jahren fand man thatsächlich 
in dem Keller der Burg einen riesigen eisernen Kessel mit dem 
Gerippe eines Mannes. — Vom Templerorden kam die Burg an die 
Pfeilberg, Ritter von Ruepp und später an die Rindscheidt, von 
iv^elchen sie wieder 1630 an Karl Graf Saurau und 1694 an Georg 
Andreas Graf von Wurmbrand durch Kauf überging, welch Letzterer 
am 13. März 1698 ein Fideicomiss errichtete, in Folge dessen 
Schieleiten noch heute im Besitze dieses alten und ruhmvollen Ge- 
schlechtes ist. 

2. Zur Ruine Neuhaus (siehe Seite 202), 35 Minuten, 
T^reisse Markirung. Westlich an den Bauernhöfen Hofstadtler und 
Wilfing vorbei, durch schattigen Wald über ein rauschendes 
Bächlein, welches in vielen Cascaden sein klares Wässerlein dem 
Thale zusendet, dann an Weingeländen hinauf, zur alten Ritter- 
Teste, 560 M. Seehöhe (Stubenberg 451 M.). Die trotzige Burg 
mit ihren riesigen Mauern und dem gewaltigen Bergfried wurde 
anfangs dieses Jahrhundertes durch einen Blitzstrahl zerstört, 
wobei sich der Besitzer Graf Wurmbrand nur durch einen 
Sprung aus dem Fenster das Leben retten konnte. Die Burg, 
hoch über der finstern Feistritzklamm, auf einst fast unzu- 



— 202 — 

gänglicher Höhe thronend, soll einst ein Raubritterscbloss 
gewesen sein nnd Neidhaus geheissen haben. 

Die ersten Besitzer und Erbauer dürften aller "Wahrschein- 
lichkeit nach eine Linie der Ritter von Neuhaus, die auch die gleich- 
namige Burg bei Cilli besassen, gewesen sein, ein uraltes Geschleclit, 
welches schon 1254 mit einer Witwe von Neuhaus und 1282 mit Gott 

Schalk von Neuhaus 
zuerst urkundlich er- 
wähnt wird. 164S 
wurden die Neuhaus, 
die mit Ferdinand 
Ignatz von Neuhaus 
1742 ausstarben, ii 
den Freihermstand 
erhoben. Den Ritten 
von Neuhaus folgte« 
die Stubenberg im Be- 
sitze der Burgveste.^ 
Im 15. Jahrhunderte 
waren die Drächsler 
Besitzer von Neuhaus. 
deren Letzter, Hanns 
Jacob Drächsler,1692 
im Duell erstochen 
wurde, worauf Neu- 
haus an die Wann- 
brand fiel, die es 180? 
an Josef Grengg ver- 
kauften, von dem es 
1817 durch Kauf an 
den jetzigen Besitzer 
Freiherrn Gordian 
Gudenus von Than- 
ha usen übergieng. Die 




Ruine Neuhaus. 



Burg besass auch eine grosse Schlosskirche, die nun gleichfalls zerstön 
ist. Die Sage erzählt Neuhaus sei schon vor Christi Geburt gestanden, 
und ein Bruder des Schlossherrn soll als römischer Krieger in Palästina 
gewesen sein zur Zeit der Kreuzigung Christi, welche er auch auf 
einer Birkenrinde folgendermassen beschrieben und in seine Heimat 
geschickt habe: „In Jerusalem hat sich eine seltsame Neuigkeit zu- 
getragen. Man habe nämlich den Sohn eines Zimmermannes gekreuzi^ 
und dabei habe sich die Sonne verfinstert." 

Von Neuhaus kann man in 25 Minuten in die Feistritz- 
klamm absteigen nnd dann zurück nach Stubenberg längs der 
Feistritz gehen. 



^ 203 — 

3. Nordwestlich am Rabenwald, 2y^ Standen, roth- 
weisse Markirung. Anfangs am reich cultivirten Gelände 
des Rüblandes vorbei an vielen Bauernhöfen, später durch 
dichten Wald aufwärts zur Höhe der mächtigen Gebirgsmasse 
des Rabenwaldes, 1281 M., der letzten bedeutenden Culmination 
der südlichen Wechselausläufer, von wo sich ein gewaltiges 
Gebirgspanorama nach Norden und Westen erschliesst, während 
südlich, bei gänzlich geändertem Charakter, wie eine Relief- 
karte, das ganze unübersehbare Hügelmeer der mittleren Steier- 
mark bis weit nach Ungarn und Croatien zu Füssen liegt. 

4. Am Kulm, bequem 2 Stunden, gelb markirt. Von 
Stubenberg zur Hofmühle hinab, dann über den Brunnerbauer, 
Kälberhansl, ürbansepl bis zum Wirthshause am Kulm, dem 
Eügi der Oststeiermark. Kulm siehe Seite 141. 

5. Zum Fieberbründl 1% Stunde. Der Weg durch 
Tafeln bezeichnet. Der schöne Weg zieht zuerst zum Neu- 
schlosse Schieleiten, ein 1730 von Rudolf Grafen Wurm- 
brand im italienischen Renaissancestile erbautes Schlösschen 
mit vielen steinernen Statuen auf der Balustrade des Daches, 
welches jedoch heute sich in einem ziemlich ruinösen Zustande 
befindet. 

Das Geschlecht der Wunnbrand zählt zu den ältesten, noch 
blühenden österreichischen Adelsgeschlechtern. 

Ein Poppe dieses Adelsgeschlechtes lebte um 1100, und 
1194 wird ein Leopold Wurmbrand von Stuppach genannt, 
welcher auch an der Synodal- Versammlung zu Wiener-Neustadt theil- 
nahm. 1427 erscheint ein Wolf gang von Wurmbrand. Dieses 
berühmte Geschlecht wurde 1518 von Kaiser Maximilian in den 
Freiherrenstand, und 1682 von Kaiser Leopold I. in den Grafenstand 
erhoben. 1704 wurde Wolf Friedrich Graf von Wurmbrand 
bei Grafendorf durch rebellische Bauern ermordet. Graf Johann 
Josef von Wurmbrand kaufte 1718 die Herrschaften ünter- 
fladnitz, Wurmberg und das Amt Dürrengreuth ; er war Erbland- 
küchenmeister in Steyer, k, k. geh. Rath, Kämmerer und Land-Vice- 
dom und starb 1750. Graf Johann Wilhelm von Wurmbrand- 
Stuppach, geboren 1 670 , war Oberst - Erbland - Küchenmeister, 
Ritter des goldenen Vliesses, Reichsconferenz-Minister und Reichs- 
hofraths-Präsident. Er gilt als der Vater der österreichischen Genea- 
logie, veröffentlichte 1705 sein Hauptwerk ,fColectanea geneatogico- 
historica*^ etc. Karl VI. liebte den gelehrten Mann besonders ; über 



— 204 — 

Prinz Eugens VeranlaBsüng und Auftrag des Kaisers stand Wurm- 
brand in beständigem Briefwechsel mit dem grossen Leibniz über 
zwei höchst wichtige Gegenstände, nämlich über eine kaiserliche 
Akademie der Wissenschaften zu Wien und über eine Vereinigung 
der Katholiken und Protestanten. 1741 führte Wurmbrand bei der 
Kaiserwahl die böhmische Ghurfürstenstimme. Er Terfocht auch die 
Rechte der bedrängten Kaiserin Maria Theresia, lehnte jedoch die 
ihm 1745 angetragene Fürstenwürde mit ehrfurchtsvollstem Danke 
ab und starb 1750. Seinem Sohne Gundaker Thomas, i.-ö. Guber- 
nialrath, Gommandeur des Stephans -Ordens u. s. w., gestorben 1791, 
setzte die Grazer Bürgerschaft am Steinfelder Friedhofe ein ehrendes 
Denkmal. Rudolf Graf von Wurmbrand war vermählt mit Maria 
Katharina Gräfin von Trautmannsdorf, er erbaute um 1730 dasSchloss 
Schieleiten. Casimir Heinrich Graf von Wurmbrand war Feld- 
zeugmeister und Inhaber eines Infanterie-Regimentes, und zeichnen 
sich insbesonders bei der Vertheidigung der Stadt Ath 1745 aus. 
Ein Graf von Wurmbrand war Major und blieb 1757 in der Schlacht 
bei Planian. Graf Franz Josef v. Wurmbrand-Stuppach, ge- 
boren 1753, Oberst-Erbland-Küchenmeister u. s. w., besass die Herr- 
schaften Raitenau, Ober-Radkersburg und Rothenthurm, war aach 
erster Gubemialrath, geh. Rath, Landeshauptmann und l.-f. Com- 
missär in Kärnten und Krain, und designirter Gouverneur von West- 
galizien; starb 1801. Sein Sohn Franz Karl Graf von Wurmbrand- 
Stuppach wurde als thätiger rationeller Gutsbesitzer eine Zierde der 
steierm. Landwirthschafts - Gesellschaft. Zwei andere Wurmbrand. 
Graf Ehrenreich und Graf Anton, leisteten ebenfalls Kriegs- 
dienste; ersterer blieb als Obristlieutenant 1813 in der Schlacht Ton 
Hochheim, letzterer verlor in der Schlacht bei Leipzig den rechtet 
Fuss. Graf Gundaker Heinrich v. Wurmbrand-Stuppach, k. k. Ober- 
Ceremonienmeister und Obersthofmeister der Kaiserin (Gemahlin 
Kaiser Franz^ I.) erhielt 1810 das Grosskreuz des Leopold-Ordens. 
Ferdinand Graf Wurmbrand-Stuppach war Obersthofmeister Erz- 
herzogs Franz Karl, Vater Sr. Majestät Kaiser. Franz Josefs. Sein 
Sohn Excellenz Erlaucht Graf Gundaker Wurmbrand, ein eifriger 
Förderer von Kunst und Wissen, sowie aller humanitären Institutionen 
des Landes, Autorität auf dem Gebiete der Pfahlbautenerforschiing; 
wurde mit kaiserl. Entschliessung zum Landeshauptmanne der Steier- 
mark ernannt. 

Yom Schlosse führt der Weg zwischen den grossen, das- 
selbe umgebenden fünf Teichen (der grösste misst 11 Joch 
243 □ Klafter), hindurch, zu dem prächtigen schattigen Buchen- 
haine, der sich eine Stunde lang über sanfte Hügelwellen 
hinzieht. — Fieberbründl siehe Seite 145. 

6. Nach Pöllau und Herberstein. Siehe 205 u. 207. 



-^ 205 -^ 



1* Stubenberg-Pöllau, bequem 2 Stunden, gelb markirt. 

Der früher sehr schwer zu findende Weg wird 
seit der Markirung wohl allgemein benützt werden 
und ist der üebertritt in den Pöllauer Kessel unbeschwerlich. 
Der Steig führt nordöstlich an den Höfen Wolfgraber, Kogl-- 
hofer, Freiberger zwischen Obst- und Weinculturcn zum 
Stoanzenzl hinauf^ Wirthshaus mit schöner Fernsicht, und, 
jenseits meist durch Wald, viele kleine Gebirgsschluchten durch- 
querend, in das Safenthal hinab, nach dem schönen, geselligen 
Markte PöUau. Siehe Route VI. 

2. Stubenberg-Kaindorf, 2 Stunden, Strasse. 

Die Strasse führt an Neu-Schieleiten vorbei, in ziemlich 
einförmiger Gregend, mit vielen Hebungen und Senkungen, an 
den Dörfern Ober- und Unter- Tiefenbach (hier stand das 
Schloss Teuffenbach) nach Kaindorf, und wird dieser Weg 
nur von Jenen benützt werden, die von Stubenberg nach Pöllau 
oder Hartberg fahren. 

Burg Teuffenbach. Am Beginn des unscheinbaren Fleckens 
Unter-Tiefenbach, gegen Ober-Tiefenbach und Stubenberg zu, sieht man 
links eine ganz eigenthümliche Bodenformation, die jedem Fremden auf 
den ersten Blick auffällt. Am Ende eines sanft abfallenden bewaldeten 
Hügels erhebt sich eine Plattform von massiger Ausdehnung, in Gestalt 
einer abgestutzten Pyramide, die durch breite Gräben auf drei Seiten von 
dem übrigen Terrain getrennt ist, oder vielmehr war — da ein Graben 
bereits ausgefüllt ist — und nur auf einer Seite mit dem Hügel zu- 
sammenhängt. Diese nahezu- isolirte Bodenerhebung, welche von der 
Basis bis hinauf etwa 8 — 10 Klafter messen mochte, haben in ihrer 
Vollständigkeit noch jetzt lebende Männer gesehen, nach deren 
Aussage die oberste Fläche noch vor 40 Jahren mit Weinreben 
bepflanzt war. 

Hier stand das Schloss Teuffenbach, das Stammgut 
jener Familie, welche sich bis 1377 „zu Teuffenbach 
aus demGehage" und später „von Teuffenbach zuMayr- 
hofen" nannte. Sowie dieses Terrain sehr wahrscheinlich der bilden- 
den Menschenhand seine Form verdankte, so war es wieder die zer- 
störende Menschenhand, welche nach und nach die Erhebung abtrug, 
und solche Veränderungen vornahm, dass die ehemalige Bestimmung 
dieses Ortes nur mehr in schwachen Umrissen zu erkennen ist. 



— 206 — 

Als in den Sechziger-Jahren dieses Jahrhunderts Nachgrabun- 
gen zur Gewinnung der in der Erde ruhenden Bausteine vorgenommen 
wurden, stiessen die Arbeiter auf unterirdische Räume, in welchen 
sie rerbranntes Getreide, einige Münzen und ein menschliches Scelet 
fanden. Wann die Teuffenbacher — Lehensmänner der Stattekker — 
in die hiesige Gegend kamen, ist unbekannt. Im 13. Jahrhundert 
erscheinen Hermann (1246), Wulfing (1250), Ricbbold, der 1271 an 
das Stift Voran einen Weingarten am Vöckenberg verkaufte. Von 
Leutold an (gestorben 1845) ist die ununterhrochene Reihenfolge der 
Besitzer his zum Erlöschen des Geschlechtes bekannt. Von Leutold 
steht es auch arkundlich fest, dass er in der Pfarrkirche zu Kaindorf 
hegraben ist. Berühmt ist sein Sohn Hartmann, gewöhnlich Hartlein 
oder Härtl genannt, welcher in Wahrheit der Mehrer seines kleinen 
Reiches genannt werden kann. 

Im Jahre 1377 kaufte er das Schloss Mayrhofen, von welchem 
er und seine Nachfolger sich „von TeufFenhach zu Mayrhofen" nannten. 
Doch scheint Teuffenbach noch immer von einem und dem andern 
Mitglied der Familie bewohnt gewesen zu sein, was aus dem Bruch- 
stücke eines Grabsteines geschlossen werden kann, den Herr Pfarrer 
Stampfer in Ebers dorf in der Kellers tiege des Pfarrhofes zu Kaindorf 
entdeckte, welcher aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen dürfte. 

Ende des 16. Jahrhunderts ging Teuffenbach an die Königs- 
berg über und diese verkauften das „öde Schloss Teuffenbach" mit 
dem daran stossenden Garten, dem grossen Weingarten am Yocken- 
herg sammt den Unterthanen, Leuten, Gülten, Ständen, Zinsen, Ge- 
rechtigkeiten, Obrigkeiten, Herrlichkeiteti, Freiheiten, Wäldern und 
Gjaiden^, im Jahre 1620 an Rudolf Freiherm v. Paar. 

Oede dürfte das Schloss geworden sein, als die Türken in 
Jahre 1532 diese Gegend heimsuchten. 

Auch die Freiherren von Paar scheinen sich der liegenden 
Gründe durch Verkauf bald entledigt zu haben, und so dürften die 
Euinen des altehrwürdigen Teuffenbach in Privathände gerathen sein, 
die des materiellen Gewinnes halber einen Stein um den anden 
abhoben, bis nichts mehr übrig blieb. An der Südseite des nocl 
übrigen Plateau's ruht in der Erde eine Mauer, die nach Aussage 
des jetzigen Besitzers wohl eine Klafter breit sein mag. Der Schloss- 
brunnen, der wahrscheinlich nur eine Cisteme war, wurde erst ii 
der neuesten Zeit verschüttet. 

Kaindorf siehe Seite 147. 

3. Stubenberg-Hartberg, 

gelb markirt, von Neu-Schieleiten an, 4 Stunden, lohnender 
Fussweg über Yoekenberg (schöne Aussicht), St. Stefan. 
Schildbach. Siehe Route Hartberg. 



— 207 — 

4. Stubenberg -Herberstein -St. Johann, 

Strasse V4 Stunden, Füssweg 1 Stunde, roth markirt« 

Niemand versäume^ diesen Weg, der wohl das 
Schönste erschliesst, was die nordöstliche Steier- 
mark an romantischen Landschaftsbildern zu bieten 
hat, einzuschlagen. 

Der erste Theil des Weges, über Wiesen und Auen, 
lässt nicht ahnen, welche Scenerien die enge Waldschlucht 
birgt, der wir entgegeneilen. Plötzlich hören wir wieder die 
Feistritz, die als stattlicher Fluss dahinwogt, in unserer Nähe 
rauschen, und mit ihr betreten wir eine kühle Waldschlucht. 
Erlen, Buchen und Birken neigen sich, ihr zitterndes Geäste 
in den Fluthen spielend, über die im märchenhaften Waldfrieden 
dahinrauschenden Wässer; während zu unserer Rechten ein 
prächtiger Hochwald den Berghang hinanstrebt, und mit seinen 
dunklen Fittichen unser Weglein beschattet. Es ist ein wunder- 
bares Wandern in diesem tiefen Waldfrieden, wo das Herz 
des Menschen aufthaut und au^auchzt in stiller Lust, es ist, 
als ob jetzt eine ganz neue Märchenwelt vor unseren Augen 
sich erschliessen würde, hier das Netz der Spinne, die im 
wunderbaren Rhythmus im Tannengeäste ihre Falle spinnt, hier 
eine Ranke wilder Rosen, die zwischen dem Felsengestein zum 
Sonnenlichte aufstrebt, dort ein Vöglein, das plätschernd am 
üfersaum sein Morgenbad einnimmt, und dort wieder eine 
murmelnde Quelle, von Farrenkraut um wuchert, die ihre Wässer- 
lein über moosiges Gestein dem Ocean zusendet. 

So erschliesst. sich, wie nur einmal unser Auge und 
unser Sinn für das Kleine empfänglich ist, eine neue Welt 
unsern Blicken, und so wandern wir hin unter dem schattigen 
Geäste, hart am Ufer der Feistritz, bis plötzlich aus der ver- 
lornen dunklen Waldschlucht, märchenhaft auf steiler Felsen- 
klippe, eine riesige Ritterburg vor uns emportaucht und, je 
weiter wir jetzt vordringen, desto kühner und ungeheuerlicher 
wachsen die wettergraueu Mauern wie mit dem Felsen ver- 
wachsen, in kühnster Weise dem Terrain folgend, in die Lüfte. 



— 208 — 



So stand sie vor uns, die ritterliche Burgveste^ in den Träimeu 
unserer Jugend und jetzt sehen wir sie vor uns mit Thor unil 
Thurni, mit Zinne und Erker. Ein langgestreckter, auf drei 
Seiten steil abfallender FelseßriflF, ringsum von den Flatbea 
der Feistrits^ umwogt, trägt die alte Stammburg der Herber- 
ßtein, hoch aufragend und doch wieder so tief versenkt m 




Burg Herberstein, 

der finsteren W^ldschlueht, dass Niemand sie erblicken kmi\ 
bis man nickt an ihrem Fusse steht. Das echte Dorurösclier 
unter allen steirischen Rittervesteu. . Und bald irits 
nocb ein drirtes Waldmarchen dazu, um unseren Traum von der 
Romantik des Ritter thums zu vollenden, der Hirsch park. Aof 
kleinen Treppen übersetzen wir das Gehege, und bald findel 
unser Auge die reizenden Damhirsch famiiien. hier maleriscli aaf 
kleinen Waldvviesen lagernd oder dort am Fehenhang grasend. 



— 209 — 

bis sie bei unserem Anblicke die schlanken Hälse hoch empor- 
strecken und dann mit ihren klugen Augen uns lange prüfend 
Qachblicken, oder sich langsam in die Büsche schlagen, aber 
immer eine herrliche Staffage in diesem wunderbaren Stück 
Waldromantik bildend. So wandern wir langsam dahin, immer 
im rechten Ufer der Feistritz, die sich um den granitenen 




Burg Herberstein. 



urgfelsen windet, und lassen uns durch die links abzweigende 
rosse Brücke nicht beirren. Steiler und steiler fällt aber jetzt 
e Thalwand zur Feistritz ab und hoch über der Fluth windet 
ch unser Pfad durch prächtigen Buchenwald an epheu- 
nrankten Felsenzinnen in wildromantischer Scenerie dahin, 
id immer freier schweift der Blick auf den Steinkoloss der 
(irgveste; am äussersten Ende des Felsenriffs ragt noch der 
ilb in Ruinen versunkene finstere Thurm auf, der wohl die 

14 



— 210 — 

ganze erste Barganlage gebildet haben mag, dann folgt aber 
noch, von trotzigen Maaem umschlossen, der langgestreckte 
Bau der Burg, wie ihn Geschlecht auf Geschlecht erweiten 
und verändert hat, bis Johann Maximilian Graf von Herber- 
stein mit der Erbauung der prächtigen florentinischen Galerie. 
die heute den Vorhof der Burg umschliesst, den Ban der 
Burg beendete. An vielen lauschigen Waldwinkeln mit moov 
umwachsenen steinernen Ruhebänken und Tischen und spradeln- 
den Quellen vorbei, leitet uns unser Pfad zuletzt wieder znr 
Feistritz, die wir auf kleinem Steg übersetzen und am Forst- 
hause vorbei, bald die Strasse erreichen, die von Stubenber? 
über Schloss Herberstein nach St. Johann und weiter im 
Feistritzthal führt. Bevor wir nach dem ganz nahen Dorfe 
St. Johann weiter wandern, steigen wir den zuletzt in Felsen 
gehauenen Burgweg hinauf und in 15 Minuten sind wir aocL 
vor den Thoren der Burg angelangt, deren Zugang durch eine: 
langgestreckten, reichlich mit Schiessscharten versehenen Wehr- 
gang vertheidigt wurde. 

Geschichtliches. Das Geschlecht der Herberstein zählt 
nebst den Stubenberg und den Trautmannsdorf als das älteste de: 
noch blühenden steirischen Adelsgeschlechter. Der Sage nach soÜ 
schon in der Schlacht am Lechfelde am 10. August 955 einer vo: 
sieben Brüdern sich ausgezeichnet haben, der später die Stammbmt 
erbaute und davon den Kamen Herberstein annahm; von allen Brüder: 
hatte nur Einer Hosen getragen, die Uebrigen aber nur Bauemkitteii 
Urkundlich lässt sich jedoch mit Bestimmtheit nachweisen, da.v 
Anshelm Herberstein im Jahre 1165 auf dem Turnier zu Zürid 
vom Baiernherzog Guelph IV. feierlich zum lütter geschlagen wurdt. 
worauf er eine Reihe abenteuerlicher Kriegsfahrten unternahm. Von 
Anshelm bis Otto I., der um das Jahr 1260 lebte, ist die Erbfol?^ 
nicht bekannt, daher wird auch der Stammbaum der Herberstein m:: 
Otto I., von dem an sich lückenlos die Erbfolge nachweisen lässt. 
begonnen. Die Stammburg kam vorübergehend in fremde Hände, dürft«' 
aber unter Otto I. wieder im Besitze der Herberstein gewesen sein 

Otto II. kämpfte 1322 in der Schlacht bei Mühldorf. Gftntkr 
von Herberstein heiratete die reiche und schöne Witwe Anna Ton 
Tiefenbach auf Mayrhofen, woraus sich eine Reihe romantischf: 
Begebnisse entwickelte, die Seite 165 erzählt sind. Im Jahre U^ 
belehnte Ernst der Eiserne Günther mit dem Wappen der Haae. 
einem goldenen Pferdekummet im rothen Felde. Günther starb H-' 
ohne männlichen Erben, worauf seine Vettern Georg und Andrea* 
sein Erbe theilten. Georg von Herberstein war einer der berühm- 



— 211 — 

testen Männer seiner Zeit, ausgezeichnet im Staats- wie im Kriegs- 
dienste, und wurde 1461 von Friedrich dem Friedfertigen auf der 
Tiberbr&cke in Rom mit dem Schwerte Karl's des Grossen zum 
Kitter geschlagen. In dem Streite Baumkircher's mit dem Kaiser 
Friedrich standen die Herberstein im kaiserlichen Heerlager. Der 
£nkel Georg von Herberstein's, Bernhardin I., war einer der ersten 
Bitter des St. Christoph -Ordens, der vom Landeshauptmann Sigmund 
von Dietrichstein gegen das viele Zechen und Trinken des Adels 
gegründet wurde. In Folge der vielen Verdienste Bemhardins gestattete 
Kaiser Karl V. im Jahre 1522 zu Gent die Einverleibung des erz- 
herzogl. österr. und königl. castilianischen Wappens in das Herber- 
stein'sche Wappen und die Aufnahme der Bildnisse des römischen 
Kaisers, des Königs von Spanien und des Czars als Helmzier, während 
1537 am 18. Kovember, dem Geschlechte noch der Freiherrntitel ver- 
liehen wurde. Bemhardin starb 1554 und hinterliess 8 Söhne und 
5 Töchter, wovon 7 Söhne auf dem Schlachtfelde fielen. Nur Georg, 
der Breite, widmete sich dem Staatsdienste, in welchem er sich 
rahmlichst auszeichnete. Im Jahre 1580 wurde Georg von Herber- 
stein zum Landeshauptmann der Steiermark erhoben, er war eifriger 
Protestant und richtete auf dem Schlosse Herberstein die sogenannte 
lutherische Schule ein. Unter ihm erhielten die Herberstein die 
erledigten Erbkämmerer und Erbtrudisessämter in Kärnten. 1648 
bekleidete wieder ein Herberstein, Johann Maximilian, unter welchem 
die Herberstein in den Grafenstand erhoben wurden, die Landes- 
hauptmannwürde in Steiermark, welcher auch 1654 das Augustiner- 
kloster zu St. Johann ob Herberstein und 1673 jenes zu St. Anna 
im Münzgraben in Graz stiftete. Dieser Herberstein erbaute auch 
die schöne Galerie vor dem Schlosse Herberstein und errichtete das 
Familien-Fideicommiss. Er starb 1680 am 18. Mai und ruht in St. Jo- 
hann. Nun folgt eine lange Reihe von Gliedern der Herbersteine, die 
sich als Heerführer theils im Dienste des Kaisers, theils in jenem 
des Maltheser- Ordens ruhmvollst auszeichneten, wie Johann Josef, 
Johann Franz, Johann Ferdinand I., der Lange, Johann Ferdinand IL, 
Johann Georg, Johann Gundaker. Gegenwärtig vereint sich nach 
Aussterben sämmtlicher Nebenlinien das ganze Herberstein'sche 
Majorat auf Graf Johann Sigmund, geb. am 14. Juni 1831 aus 
der steirischen Linie, erblicher Pair, k.k. Kämmerer, Major a.D., Land- 
tagsabgeordneter, welcher den Familienbesitz vielfach vermehrte und 
jährlich in den Sommermonaten auf Herberstein domicilirt. Sigmund 
Graf Herberstein hat drei Söhne: Max, Herbert und Albert, eine 
Tochter Marie, und zwei Brüder Heinrich und Ludwig, von welchen 
Ludwig wieder zwei Söhne, Friedrich und Heinrich, hat. Ausserdem 
lebt der Cousin des Majoratsherm, Josef Graf Herberstein. Das 
Majoi'at umfasst derzeit: die Herrschaften Herberstein mit 
856 Joch, Neuberg mit 458 Joch, Eggenberg mit 1030 Joch in 
Steiermark und 5 Häusern in Graz, sowie die grosse Herrschaft 

14* 



— 212 — 

Grafenort in Preuss. -Schlesien. Am bedeutendsten ist jedoch die 
Allod-Herrschaft Strilek mit Cetechowitz nächst Kremsier in Mähren 
mit circa 4600 Joch, Eigenthum des Sigmund Graf Herberstein. 

Wie wir früher erwähnt, theilten sich Georg und Andreas 
Herberstein in das Erbe des 1421 gestorbenen Günther von Herberstein, 
wodurch zwei Linien entstanden. Die ältere, von Georg von Herberstein 
ausgehende, die wir weiter verfolgt haben, und die von Andreas 
ausgehende jüngere Linie. Dieser Andreas von Herberstein erhielt 
bei dieser Theilung die Veste Mahrenfels in Istrien nebst vielen 
anderen Besitzungen. Er vermählte sich mit Ursula von Teuffenbach, 
welcher Ehe zwei Söhne und zwei Töchter entsprossen : Georg und 
Leonhard, Elisabeth und Dorothea. Hievon heiratete Leonhard 
1465 Barbara, Tochter Niclasens, Burggrafens von Luentz undLueg. 
Dieser Ehe entsprossen vier Söhne, darunter der 1486 zu Wippach 
in Krain geborene berühmteste aller Herberstein, Sigmund von 
Herberstein. Er war nicht nur ein heldenhafter Heerführer, 
sondern einer der berühmtesten Staatsmänner und Gelehrten seiner 
Zeit, der nebst vielen wissenschaftlichen Werken auch ein merk- 
würdiges Tagebuch seines thatenreichen Lebens hinterlassen hat. 
Er ward nicht nur bei jeder Gelegenheit zum Richter und Vermittler 
zwischen Landesherrn und Vasallen erkoren, sondern es wurden ihm 
auch die schwierigsten Missionen an allen Höfen in und ausser 
Europa übertragen, wie er auch von allen Königen und Fürsten mit 
Auszeichnungen überhäuft wurde. Er lebte unter fünf Kaisem aus dem 
Hause Habsburg: Friedrich dem Friedsamen, Maximilian I., CarlV. 
Ferdinand I. und Maximilian IL, Maximilian I. und Ferdinand I 
trug er auf seinen Schultern zu Grabe. Maximilian I. und H., Carl V. 
und Ferdinand leistete er wichtige Dienste. Er starb am 28. Mai 156t» 
zu Wien, 80 Jahre alt, und wurde bei den Michaelern beigesetzt. 

Dem Schlosse ist, wie erwähnt, eine im Stile floren- 
tinischer Renaissance zierlichst gebaute Galerie, welche den 
ersten Hof einschliesst, vorgelagert. Die Fagade dieser Galerie. 
von zwei schräg gestellten Eckthürmen mit Schiessscharten 
flankirt, zeigt in der Mitte das reich mit den Statuen Mars 
und Minerva und dem von zwei Löwen gehaltenen prächtigen 
Herberstein'schen Wappen decorirte Portal des Thores, übe: 
welchem eine lange lateinische Inschrift den Ruhm des Er- 
bauers dieser Galerie (1648), Johann Maximilian Graf Herber- 
stein verkündet. Zu oberst ein Marienbild. Die Galerie, welch? 
ringsum in einer von Säulenbalustraden umschlossenen Plattfon 
endet, zeigt innen eine Doppelreihe von Arcaden, welche iffi 
Sommer ganz von Guirlanden wilden Weins umwuchert ist, während 
die umlaufenden Corridore mit prächtigen alten Hirscligeweiheii 



- 213 — 

geziert sind. Erst der zweite schmale Hof wird von den Wohu- 
gebänden, deren spitzbogige Thore noch vielfach an das 15. Jahr- 
hundert erinnern, umschlossen. In dem Gewölbe des Thores, 
welches den ersten Hof mit dem zweiten verbindet, hängt ein 
ausgestopfter Hai, den wohl einst Sigmund von Herberstein von 
seinen weiten Reisen mit nach Hause brachte. Die lange Flucht 
Gemächer, die dieser Tract birgt, zeigt meist ein Gemisch 
alter Geräthe und oft sehr kostbarer Decorationsgegenstände 
in Gold, Silber, Elfenbein und Porcellan mit modernen Möbeln. 
Am interessantesten ist der Corridor, den man zuerst betritt, 
mit einer Sammlung alter Bauernwaifen, Pferdekummete, Sättel 
und historischer Bilder und der grosse Ritteraal mit schönem 
Stuckplafond, dem Stammbaume und den Ahnenbildern der 
wichtigsten Sprossen des Geschlechtes, darunter zwei Bilder 
Sigmund Herbersteins, mit Turban in orientalischem Costume, 
dann Johann Maximilian von Herberstein und Georg Herber- 
stein, Landeshauptmann. Im Bibliothekszimmer erscheint die 
Ahnenreihe bis auf die jüngste Zeit fortgesetzt, hier prächtige 
gestickte Wappen an den Wänden. Im Sommersalon beachtens- 
werth die sehr werthvolle Sammlung von Figuren aus altwiener 
Porcellan. Interessant auch das Schwert von 1622, in rother 
Sammtscheide. Die sogenannte Lutherschule ohne Bedeutung. 
Der hinterste Theil der Burg zeigt auf einer Seite fünf und 
sechs Stockwerke mit auffallend kleinen Zellen fenstern in den 
oberen Stockwerken. Die Sage verlegt in die Verliesse dieses 
Theiles der Burg „das heimliche Gericht", dess-en Opfer den 
Wellen der Feistritz überliefert worden sein sollen. Interessant 
ist noch die alte Georgskapelle. Oestlich vom Schlosse dehnen 
sich die Ziergärten und Wirthschaftsgebäude aus, die wie die 
ganze Burganlage von einer dreifachen Ringmauer umgeben waren. 
Schreiten wir wieder die Strasse hinab und folgen dem 
Thale der Feistritz, welches sich hier plötzlich von enger 
Waldschlucht zum freien breiten Thalboden weitet, so erreichen 
wir in wenigen Minuten das Gasthaus Prettenhofer, Fleisch- 
hauer, wenn wir es nicht vorziehen, den nächst der Brücke auf- 
wärts führenden Waldweg einschlagend, direct nach St. Johann 
in 15 Minuten aufzusteigen. 



214 — 




St. Johann ob Herberstein. 



Gas tliäuser : 
AlolsiaWilfinger,auf 
der Hüliej mitmebreren 
FremdenzimmerD, Sitz- 
parteu etc. ; J. l'retten- 
bofer, Fleischhauer im 
Thale an der Feistritz, 
mit Fremdenzimmern, 
Sitzgarteo. — Bade- 
anstalt: 2 Auskleide- 
Oabineo a. d. Feistritz, 
Prettenhofer geliörig, 10 kr. mit Wäsche, Freibad ober der Brftcke. 
— Poststation. Einspänner per Tag 4 fl., Zweispänner 6 ü,, bei 
den Wirthen. — Vereine: Veteranen- Verein mit Kapelle. — 

St. Johann ob Herberstein, Pfarrdoif nit46 filasen 
und 300 EinwohDem, 422 M., reizeod «af jesem Höhenrac^en 
gelegen, der südlich die Herbersteinklamm begreozt. Die herr- 
liche Lage St. Johanns am Uebergange einer wildromantisdieD 
düsteren Waldlandschaft za den anmuthigen Wein- and Obst- 
colturen der Hügelwelt der unteren nordöstlichen Steiermariu 
hat dieses reizende Dörfchen, wovon jedes der schmucken. 
netten Häuschen uns zur Rast einladet, schon lange zum Ziel- 
punkte von Sommergästen gemacht, so dass dasfidbe in deo 
Herbstmonaten von Sommerparteien überfüllt ist. Unsere Schritte 
lenken sich vorerst zu der schönen Pfarrkirche, die weithin voo 
ihrer sonnigen Höhe das ganze Feistritzthal beherrscht. Sie 
wurde um das Jahr 1652 gleichzeitig mit dem von Johann 



— 215 — 

Maximilian Herberstein gegründeten Kloster der anbeschuhten 
Augustiner an Stelle einer älteren erbaut und am 16. Mai 
1672, in Gegenwart nahezu des ganzen steirischen Adels, mit 
grossem Pompe von Wenzel Wilhelm Grafen Hofkirchen, Bischofs 
von Seckau, eingeweiht. Die freundliche, in Kreuzform erbaute 
Kirche besitzt einen prächtigen Tabernakel von kunstvoller 
Boularbeit, der zu den besten derartigen Arbeiten des Landes 
zählt. Aussen und am Friedhofe sind nicht weniger als siebzehn 
Römersteine eingemauert nämlich sechs loschriftsteine und eilf 
mit plastischen Eeliefdarstellungen, und zwar: 

1. Kackte weibliche Gestalt, die Hände nach oben an Ringe 
gebunden, die ein Mann mit der Ruthe züchtigt. 2. Minotauren im 
Kampfe mit Löwen. 3. Löwe, einen fliehenden Hasen fassend. 4. Vase 
mit Blumen und Zweigen, auf welchen Vögel sitzen. 5. Ceres mit einer 
Getreidegarbe unter dem Arme. 6. Stein mit Laubornament. 
7. Centauren im Kampfe mit einem alten Löwen, der 
sein Junges vertheidigt, prächtige Arbeit. 8. Perseus, die 
Andromeda befreiend. 9. Brustbild einer Frau mit Haube. 
10. Brustbild von Mann, Frau und Tochter. 11. Brustbild von 
Mann und Frau. 

Dass schon im 13. Jahrhunderte hier eine Kirche sich 
befand, geht aus einer alten Urkunde hervor, nach welcher 
1260, Erzbischof Ulrich H. von Salzburg ecclesiara S. Joannis 
prope Stubenberch den deutschen Ordensrittern in Graz übergab. 
Das Augustinerkloster wurde 1787 auf den Aussterbe-Etat gesetzt 
und starb im Jahre 1816 der letzte Augustiner als Pfarrer, 
P. Gelasius Krenn. Von besonderem Interesse ist, dass der 
berühmte Augustinermönch, P. Abraham a St. Clara, im 
Kloster zu St. Johann von 1670 — 1676 gelebt und bei 
der Einweihung der Kirche (am 15. Mai 1672) die Fest- 
predigt gehalten hat. Von hier wurde er als Hofprediger nach 
Wien berufen. 

Von P. Abraham a St. Clara erzählt man sich nachstehende 
Anekdote, die sich in St. Johann ereignet haben soll: Es i^t bekannt, 
dass im hiesigen Kloster immer Esel gehalten wurden, deren Auf- 
gabe es war, namentlich das Fleisch von Pischelsdorf hieher zu tragen. 
Da sassen eines schönen Sommertages die Klosterbruder im Refec- 
torium, welches zu ebener Erde war, bei offener Thüre beim Mittags- 
mahle beisammen, und P. Abraham unter ihnen. Auf einmal zeigten 
sich zwei Eselsohren an der Thüre und der Esel machte Miene, in 



— 216 — 

das Refectorium einzutreten. Die Klosterbrüder sprangen sofort auf 
und jagten den Esel davon. P. Abraham blieb aber sitzen und 
lachte, dass ihm die Thränen aus den Augen rannen. Da fragte ihn 
der Prior, warum er so unbändig lache? P. Abraham wollte lange 
die Ursache nicht angeben. Endlich sagte er: „Mir ist halt ein Text 
aus der heil. Schrift eingefallen, als man den Esel fortjagte." Der 
Prior war neugierig, was denn das für ein Text sein könnte, der 
so sehr zum Lachen reize. Endlich sagte P. Abraham, ihm sei der 
Text eingefallen : „Er kam zu den Seinigen und die Seinigen nahmen 
ihn nicht auf." 

Spaziergänge und Anlagen. 

Wie erwähnt, erfreut sich St. Johann mit seiner herz- 
erfreuenden Fernsicht, am Fusse des Kulm auf sonniger Höhe 
gelagert, einer bezaubernden Lage, die die wilde Romantik 
der Herbersteinklamm mit der Anmuth der rebenumkränzten 
Südgelände, der üppig cultivirten Htigellandschaft der steirischen 
Ostmark, in wunderbarer Weise vereinigt, und wurden die 
schönsten Punkte der prächtigen Umgebung St. Johanns 
durch eine Reihe grösstentheils von der Pfarrgeistlichkeit in 
munificenter Weise hergestellter Anlagen überaus bequem 
zugänglich gemacht. 

1. Zum heiligen Grab y2 Stunde, anfangs weiss, 
später weissgelb markirt. Durch schattigen Wald zu den auf 
cler Spitze eines Hügels thronenden zwei Kirchlein mit dem 
Grabe des Erlösers (getreue Nachbildung des heiligen Grabes 
in Jerusalem) in der Mitte. Hier erschliesst sich eine über- 
raschend grossartige Fernsicht. Hinter uns fällt der Berg als 
schroffe Felswand ab in dunkler Schlucht, vor uns liegt aber 
ein sonniges Gelände, mit Obst- und Weinculturen bekränzt, 
aus welchem hie und da schmucke Bauernhöfe hervorblinken. 
Gegen Osten sieht man die blauen Conturen der Berge bei 
Gtins, gegen Süden liegt ein ganzes Hügelmeer vor uns, über 
welchem die Riegersburg majestätisch aufragt, weiter östlich 
erblickt man die Gleichenberger Kogeln, südlich das Bacher- 
gebirge, und westlich den Koralpenzug. Noch 5 Minuten höher 
wie das heilige Grab liegt das sogenannte Kranz erl oder 
die Heinrichsruhe, ein gegen die Klamm ausspringender 
Felsen, 532 Meter, zu welchem jährlich Hunderte emporsteigen, 



— 217 — 

um das Auge an dem wunderbaren Rundblick, der sich bier 
erscbliesst^ zu erfreuen. 

Tief zu unseren Füssen in der finsteren Klamm erblicken wir 
die Burg Herberstein, und darüber wie heller Sonnenschein das reizende 
St. Johann. Darüber hinaus trifft aber unser Blick noch die Burg- 
ruinen Neuhaus und Altschieleiten, die Schlösser Stubenberg und 
Neuschieleiten, mit den blitzenden Wasserspiegeln, und weiter den 
Masenberg, Ring und Wechsel, dann St. Johann in der Haide, einen 
Theil Hartbergs, das Fieberbründl, Kaindorf, St. Magdalena bis nach 
Fürstenfeld, Güssing und St. Gotthard in Ungarn. 

2. Von der Kirche längs des Höhenrückens nach dem 
Dorfe Siegersdorf, nach 15 Minuten gelangt man auf die 
Anhöhe beim Burgarthof er Keller, mit Aussicht bis Ftirstenr 
feld, alle Ortschaften des Feistritzthales liegen dem Beschauer 
zu Füssen, in weiteren 10 Minuten ist Siegersdorf erreicht. 
Auf dieser Strecke liegt besonders reiner Augengneis zu Tage. 
In Siegersdorf gewinnt die Landschaft wieder einen anderen 
Charakter, indem schöne Weincnlturen das ganze Südgelände 
bedecken. Es ist der bekannte Vokenberger und Siegersdorfer, 
der hier gepflanzt wird. 

3. In die Herbersteinklamm von der Post hinab am 
sogenannten Katzensteig, Ruhebänke und Anlagen, und zurück 
bei der Feistritzbrücke über den Pfarrersteig durch Wald hinauf, 
nach St. Johann. 

4. Am Kulm 2 Stunden, anfangs weiss-gelb bis zum 
Kranzerl, von hier an nur gelb markirt, zuletzt ziemlich steil, 
gänzlich ungefährlich. Kulm, siehe Seite 141. 

5. Zum Fieberbründl '^/^ Stunden, hinab zu Pretten- 
hofer 10 Minuten und sodann die Strasse abwärts 10 Minuten, 
dann bei der Wegtafel links längs des Bächleins auf schönem 
Waldwege (Anlagen) in 25 Minuten zum Fieberbründl. 

6. Nach Stubenberg auf der Strasse und durch die 
Klamm zurück. Siehe Seite 194, 2 Stunden. 

7. Nach Hartberg Vj. — 5 Stunden, gelb markirt, über 
Nea-Schieleiten, Vokenberg und St. Stefan. Bald durch Wein- 
and Obstculturen, bald durch Wald, wellenförmiges Terrain 
mit entzückenden Aussichten und Durchblicken (entschieden 
der Strasse vorzuziehen). 



— 218 — 

D. Weiz-Anger-Birkfeld. 

Weiz-Anger 14*2 Kilometer, Anger-Birkfeld 12'3 Kilometer. — Weiz— 
Anger, Strasse 3, Fussweg 2 Stunden, Anger-Birkfeld 2'/« Stunden. 

Fussweg. Von Weiz zur Wegscheide östlich (15 Minuten) 
300 Schritte, von hier links durch die Allee des Schlosses 
Thannhausen (10 Minuten). Vom Schlosse gerade aus in nörd- 
licher Richtung durch den Einöd-Graben bis zur sogenannten 
Hand (Wegweiser und Holzkreuz), hier Strassentheilung ; 
30 Minuten geradeaus das Dorf Ponigl (halber Weg zum 
Zetz), rechts 5 Minuten eben, dann über das B&chlein bergan 
20 Minuten bis zur Angerer Zeil, auf der Höhe Ereuz, 10 Mi- 
nuten und von hier in gerader Richtung vorwärts durch den 
Buchwald nach Anger 30 Minuten. 

Gasthäuser: Thaller Alois „zur Post", 4 Zimmer, 8 Betten; 
Payer Alois, 2 Zimmer, 4 Betten ; Keller Franz, 2 Zimmer, 3 Betten ; 
Feich tinger Anton, 2 Zimmer, 4 Betten; Srb Josef, 1 Zimmer, 2 Betten; 
— Post- und Telegraphen-Station. Postverbindung täglich 
Morgens nach Weiz. — Naturbäder in der Feistritz. — Ve r e i n e : 
Veteranen verein, gegründet 1884. — 5 Jahrmarkt e. — Industrie: 
Von Bedeutung sind die grossen TalksteinbrUche ani Rabenwald, mit 
drei sehr interessanten Stubenbauten. Der Bau beschäftigt circa 
200 Menschen. Export über ganz Europa. Vielbenützte Wasserquelle, 
der Rodelbrunnen. 

Anger. Markt mit 79 Häusern und 500 Einwohnern, 
sehr freundlich, in einer Weitung des Feistritzthaies gelegen, 
ist uralt, und wird schon 1141 anlässlich des Kirchthurmbaues 
erwähnt. Der Markt besitzt zwei sehr alte Kirchen,, die Pfarr- 
kirche und die Kirche zu den 14 Nothhelfern. Erstere soll 
1141 erbaut worden sein, erhielt jedoch ihre heutige Gestalt 
unter Dr. Johann Michael Spitzer. In der Kirche Grabstein des 
Edlen Georg Freismuth v. Ktilbl, f 31. August 1634, und 
seiner Gemalin Maria Elisabeth, f 17. October 1638. Die Kirche 
zu den 14 Nothhelfern w^urde in den Jahren 1714 — 1719 
vollendet unter Christoph Laker. Beide Kirchen zeigen heute 
den Spätrenaissancestyl ohne hervorragende Detailbildung. 
Die Pfarrgült zu Anger wurde am 21. December 1379 gegründet. 
Die ältesten Besitzer des Freihauses zu Anger waren jedenfalls 
die Steinpeiss, woher auch dieses Haus bis auf unsere Zeit 



— 219 



i den Namen Steinpeissfaaas erhalten hat. Im Jahre 1851 
Jbeint jedoch schon Wilfing Pfundan, dem das Freihaus wahr- 
3inlich von seiner Gemahlin zugehracht wurde, als Besitzer. 
Jahr 1Ö07 starb der letzte Pfandan, Christoph Pfundan, und 
irte das Steinpeisshaus seinem Vetter Bernhard von Teuffen- 
li zu Mayrhofen. Das Steinpeisshaus blieb bis zur Theilung 
Teuffenbach'schen Besitzes (1591, resp. 1581) in Unter- 
Ober- Mayrhofen in Stubenberg'sches Lehen, im Jahre 1719 
den die Belehnungen durch die Stubenberg'sche Lehens - 
imer neuerdings aufgenommen. Die Theilung der Herrschaft 
rrhofen erstreckt sich auch auf das Steinpeisshaus. Im 
re 1617 verkaufte Friedrich Freiherr von Teuffenbach 
Thofen sammt dem Freihaus zu Anger an Frau Elisabeth 
iin Wurmbrand. Nun blieb das Freihaus im Besitze der 
rmbrand bis 1701, worauf es durch Kauf an Johann Josef 
iherrn von Webersberg überging, welcher es mit der Herr- 
ift Wachseneck vereinigte. Im Jahre 1760 starb Franz 
istoph Freiherr von Webersberg, worauf die Herrschaft 
3hseneck sammt Freihaus im Licitationswege an Johann 
nz Graf V. Rhevenhüller-Metsch am 30. März 1761 verkauft 
ie. Im Jahre 1799 wurde jedoch dieser Gütercomplex an 
. August Fürst v. Bretzenheim und am 17. December 1806 
•"erdinand Eeichsfreiberrn v. Gndenus weiterverkauft, dessen 
a derzeit im Besitze von Wachseneck und des Steinpeiss- 
$es in Anger ist. 

Spaziergänge. Westlich von Anger zieht sich durch 
tbtigen Buchenwald eine romantische, von einem starken 
le dorchrmnschte Bergschludit, massig ansteigend, dahin; 
i im Thalgrnnde eine malerisch situirte Mühle, rechts auf 
Höhen, vom Buchenwald umrauscht, die Ruinen der 
chsenecker Schlösser (siehe Seite 220), die man in 
r halben Stunde von Anger aus bequem erreicht Die 
re untere Burg ist schon stark verfallen, während die 
^ere, höher gelegene Burgveste in ihren umrissen 
L einigermassen erhalten ist. 

Aller Wahrscheinlichkeit wurde Wachseneck yoq dem 1214 von 
lar erwähnten Geschlecht der Wachsenecker erbaut. Urkundlich 



— 220 — 

erscheint jedoch Wachseneck schon anfangs des 18. Jahrhnndertes 
im Besitze des Erzhisthums Salzhurg, welches es als Lehen an die 
Ritter v. Ort vergaben. Hartnid v. Ort IL beeinträchtigte die Dotationen 
des seit 1219 neu errichteten Bisthums v. Seckau, wodurch sich ein 
langwieriger Streit mit den Lehensherren ergab, der mit dem Rückfall 
des Lehens an Herzog Friedrich endete. Hierauf erhielt Wachseneck 
das Bisthum Seckau als Afterlehen. Unter der kurzen Herrschaft 
Ottokars U. von Böhmen bedrängte Hartnid aber neuerdings das 




Die Waxenecker Ruinen bei Anger. 

Bisthum Seckau, so dass Bischof Ulrich v. Seckau dem zuletzt ii 
Gefängnisse gestorbenen Hartnid das Begräbniss verweigerte, bis seir- 
Schwester den Schaden vergütete. Um das Jahr 1339 wurdeWachsenetk 
ganz landesforstlich und wurde durch Pfleger verwaltet, als welcb^ 
die Draxler, Herzenskraft, Pollheim, Herberstein und Kuendorf er- 
scheinen. Im Jahre 1502 verpfändet König Maximilian die Herrschan 
an Graf Christoph zu St. Jörgen und Pösing. Aber schon 150S er- 
scheint Sigmund Freiherr von Dietrichstein als Besitzer derselbe:, 
jedenfalls aber nur pfandweise. Erst seinem Sohne Adam Freibern 
V. Dietrichstein gegenüber hob der Landesfürst alle Lehensverbinu- 
lichkeiten auf und überliess ihm frei und erblich am 28. Mai 15>' 
die Herrschaft. Dietrichstein verkaufte jedoch die Herrschaft sogleic: 
an Georg Kleindienst. Dieser hatte drei Söhne, Georg, Sigmund ur: 
Christoph, die am 18. März 1571 die Herrschaft, welche auch Birkfe!^ 
umfasste, theilten, wobei Birkfeld nun unter dem Namen Birkenster 
zur eigenen Herrschaft erhoben wiu*de. Bei dieser Gelegenheit scli 



^ 221 -- 

auch das untere Schloss dem Verfalle preisgegeben worden sein. 
Im Jahre 1663 ging Wachseneck an Hans Georg v. Webersberg über. 
Am 13. Juli 1723 erwarben die Webersberg auch das Steinpeisshaus 
in Anger, welches nun mit Wachseneck, dessen oberes Schloss im 
Jahre 1761 abgedeckt wurde, vereint wurde und dessen Geschicke 
theilte. Siehe weiter: Das Steinpeisshaus in Anger, Seite 219. 

Vom Schlosse kann man durch prächtigen Buchenwald 
einen anderen Rückweg nach Anger nehmen. 

Andere schöne Spaziergänge führen nach der Burg 
Frondsberg (1 Stunde) und Kogelhof, ein reizendes Pfarrdorf 
an der Gasen, 1 y^ Stunden, nach dem Wallfahrtsort Heilbrunn 
1^2 Stunden, längs der Feistritz nach Stubenberg 1% Stunden, 
am Habenwald 2 Stunden. 

Die Gegend ist hier noch fruchtbar und obstreich und 
bieten die schönen ausgedehnten Buchen-, Tannen- und Fichten- 
wälder mit ihren alten Beständen eine Reihe der lohnendsten 
Ausflüge. 

Circa 30 Minuten von Anger schliesst sich wieder die 
kleine Thalweitung, so dass kaum für Strasse und Fluss Raum 
bleibt. Beiderseits sind die hohen Thalhänge dicht mit Nadel- 
holzwald bedeckt, nirgends ein Haus, nur das Rauschen der 
forellenreichen Feistritz unterbricht hier die Stille der maje- 
stätischen Waldlandschaft. Endlich 1 Stunde von Anger erblickt 
man links, auf stolzer, von der Feistritz umspülter Felsen- 
zinne thronend, das Schloss Frondsberg, zu welchem die 
Strasse, langsam steigend, hinanzieht. Oben rechts Taverne, 
links ein Häuschen, hier anfragen wegen des Schlüssels zum 
Schlosse, welches unbewohnt ist. Von hier 8 Minuten zum 
Schlosse, dem ein malerisch mit Epheu umwucherter Zwinger- 
thurm vorgelagert ist. 

Wahrscheinlich von einem gleichnamigen Geschlechte erbaut, 
später Lehensgut der Erzbischöfe in Salzburg, wechselte diese Veste 
vielfach ihre Besitzer, als welche theils lehensweise, theils eigen- 
thümlich die Losen stein, Stattecker, Montfort, Sari, Lembach und 
CroUolanza erscheinen. Im Jahre 1750 erscheint Maria Anna v. Schick 
als Besitzerin von Frondsberg, 1810 erwarb käuflich Joh. Nep. Edler 
v. Saflfran die Herrschaft, die im Jahre 1823 wieder öffentlich ver- 
steigert wurde. Ersteher blieb Valentin Ferdinand Reichsfreiherr 
V. Gudenus, dessen Sohn nun im Besitze derselben ist. 



— 222 — 

Auf Ff ondsberg wurde am 1. Jänner 1787 Carl Scliiniitz, 
der Verfasser des ersten topographischen Lexikons von Steier- 
mark, geboren. 

Das Innere des Schlosses sehr sehenswürdig, 
namentlich die prachtigen Thürportale, deren schöner 
architektonischer Aufbau mit herrlichen Intarsien reichst 
geziert ist. Diese Vertäfelungen, sicher aus dem 16. Jahr- 
hundert stammend, gehören wohl zu den besten kunstgewerb- 
lichen Arbeiten, die sich in Steiermark aus dieser Zeit er- 
halten haben. Die Doppelrundbogenfenster, sowie die Thür- 
portale lassen es kaum zweifelhaft erscheinen, dass die nahen 
Schlösser Thanhausen, Ratmansdorf und Frondsberg von eioen 
Baumeister in der Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut, beziehungs- 
weise umgebaut und innerlich im Style bester Renaissance aus- 
geschmückt wurden. Sehr interessant sind auch die prächtigen 
alten polychromen Oefen. 

Von Frondsberg senkt sich die Strasse nun wieder in 
das enge Feistritzthal; links auf der Höhe, reizend gelegen. 
das Pfarrdörflein Kogelhof, von der 1480 erbauten, seither 
vielfach umgebauten Kirche malerisch tiberragt. Die vor einigen 
Jahren stylvoll restaurirte Kirche wurde erst 1788 zur Pfarr- 
kirche erhoben, bis dahin war sie eine Filiale der alten, 
1397 erbauten Kirche St. Georgen. Hier befindet sich auch 
eine zweiclassige Volksschule. Nun in dem herrlichen stillen 
Waldthal aufwärts in unmerklicher Steigung, an vielen 
sprudelnden Quellen und stattlichen Wegkreuzen vorüher. 
nach Birkfeld, 1 Stunde von Frondsberg, 15 Minuten vorher 
links Einmündung des grossen Gasenbaches. Birkfeld, siebe 
Seite 223. 



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Route V. Birkfeld. 

A. Birkfeld und Umgebung. 

B. Birkfeld - Fiscilbach - Teufelstein. 

C. Birkfeld -Ratten -Rettenegg. 

D. Birkfeid-Strallegg. 

E. Birkfeld - IMiesenbach - Kreuzwirth - Vorau. 

F. Birkfeld -Gschaid-Pöllau. 

G. Birkfeld - Gasen - Strasseck- Breitenau - IMixnitz. 



A. Birkfeld und Umgebung. 

Gasthäuser: „Post" Höfler - Hutter , viele Zimmer mit 
40 Betten (sehr strebsamer, intelligenter Besitzer) ; Brauhaus. Zimmer, 
Sitzgarten; Prettenhofer, mehrere Zimmer mit 6 Betten, Fleisch- 
hauer; Gartlgruber, 6 Betten, Billard ; Pregetter, 4 Betten, Freibad; 
Reithofer, 4 Betten. Sämmtliche Gasthöfe haben Sitzgärten. — Bade- 
anstalt des Höfler- Hutter an der Feistritz mit drei Cabinen, für 
Warm-, Loh- und Fichtennadelbäder, sehr zweckmässig eingerichtet, 
wenige Schritte davon prächtiger alter Nadel- 
holzwald mit Anlagen. — Post- und Telegraphen- 
station. Postverbindung nach Weiz-Anger, täglich im Sommer 
V23 Uhr Früh ab, im Winter 4 Uhr. Fahrgeld bis Anger 60 kr.; 
bis Weiz 1 fl. 20 kr.; nach Pöllau täglich 5 Uhr Früh ab (im 
Sommer). Seit I.Mai 1888 sehr bequeme Postverbindung über 
Ratten nach Spital am Semmering, und zwar täglich von 
Spital ab 12 Uhr 30 Minuten Mittags, 5 Uhr 30 Minuten ab 
von Ratten, und VaO Uhr Abends an in Birkfeld, retour von Birk- 
feld 9 Uhr Morgens, nach Ratten 12 Uhr Mittags an, jedoch erst 
nächsten Tag 4 Uhr Früh weiter nach Spital, hier Ankunft um 9 Uhr 
Morgens. Fahrpreise: Birkfeld-Ratten 80 kr., Ratten-Spital 1 fl. 
20 kr. per Person. Fahrgelegenheiten auf der Post nach Wunsch. 



— 224 — 

Einspänner 4 fl., Zweispänner 6 fl. per Tag. (Einspänner nicht 
empfehlenswerth.) — Vereine: Freiwillige Feuerwehr, gegründet 
1873; Lehrergesellschaft, gegründet 1880; Ortsgruppe des deutschen 
Schulvereines, gegründet 1884; Fremdenverkehrs- Comite, gegründet 
1887, sehr thätig. 

Birkfeld, Markt mit 110 Häusern und circa 900 Ein- 
wohnern, 623 M. Seehöhe. Sitz des k. k. Bezirksgerichtes 
sammt Steueramt, der Bezirksvertretung und des Bezirksschul- 
rathes, sowie eines Decanates, liegt am Ausgange der Thal- 
enge, welche von der Feistritz in tief eingeschnittener Wald- 
schlucht südlich von Ratten durchbrochen wird, am rechten 
Ufer der Feistritz auf dem Rücken eines Hügelzuges, der 
malerisch in das Thal ausspringt. 

Am äussersten Ende dieses Hügels erhebt sich die 
Kirche der Decanatspfarre im Barockstyle» in Kreuzförm er- 
baut. Südlich ausser der Kirche das schlichte Grabdenkmal 
des berühmten Parlamentariers und Landeshaupt- 
mannes der Steiermark, Moritz Ritter von Kaiser- 
feld, t am 14. Februar 1885, dessen Grabschrift mit 
den Worten schliesst: „Ruhe sanft, Unsterblicher.*' 
Westlich von der Kirche erstreckt sich der regelmässige 
rechteckige Platz mit dem Rathhause, in welchem ein alter 
Zinnhumpen aufbewahrt wird. Südlich an der Grazerstrasse 
erhebt sich das freundliche Schloss Birkenstein, wo Kaiser- 
feld starb. Die Herrschaft, zu welcher jetzt ein Grundbesitz 
von 4230 Joch (2432 Hektar), davon 3284 Joch Waldungen 
gehören, war früher (1571) im Besitze der Kleindienst, welchen 
die Steinpeiss und Trautmannsdorf folgten. Nach mehrfachem 
weiteren Besitzwechsel kam Birkenstein an Moritz Ritter von 
Kaiserfeld und nach dessen Tode an dessen Stieftochter Anna 
Gräfin Wurmbrand. 

Interessant das alte Hochgericht mit den drei gemauerten 
Galgenpfeilern an der Fischbacherstrasse rechts im Walde. 

Der Markt Birkfeld wird schon 1265 urkundlich er- 
wähnt; laut einer Privilegiums Urkunde dto. 24. April 133Q 
untersuchte Landschreiber Johann in Steiermark auf Befehl 
Herzogs Albrecht H. den Stand der Befugnisse des Marktes 
„Pyrchveld", dessen alte Handfeste verbrannt w^ar, und an- 



— 225 




erkennt über den Schwur der Bürger deren Weinschankbann, 
die Competenz ihres Richters bei Schuldklagen wider Fremde, 
die Strafübung bei Gewaltthaten Ansässiger etc. Im Jahre 
1360 dto. 25. Februar Graz, bestätigt. Herzog Rudolf IV. dem 

15 



— 226 — 

Markte das Privilegium seines Vaters und fügt noch die 
Berechtigung des alleinigen Weinschankes durch die bestehen- 
den 4 Wirthe auf eine halbe Meile im Umkreise hinzu. Im 
Jahre 1571 wird das Gut Birkfeld unter dem Namen Birken- 
stein selbstständige Herrschaft. Die Bürger Birkfelds schlössen 
sich nahezu ausnahmslos der Keformationsbewegung an und 
kam es 1584 und 1587. in welchem Jahre dem Pfarrer 
Josef Petulat die Kapsel mit der Hostie vom Halse gerissen 
wurde, zu turbulenten Auftritten. 

Bietet auch der Markt selbst wenig Interesse, so ent- 
schädigen doch dafür die hohe Lage und die vielen von 
hier ausstrahlenden Gebirgsausflüge reichlich den 
Touristen. Rauschende, forellenreiche Bäche, grosse alte 
Nadelholzwälder und schöne Aussichtspunkte finden sich ringsum 
Birkfeld, welches daher Freunden von Gebirgslandschaften, 
die täglich tüchtig Bewegung machen wollen, warm als Sommer- 
frische empfohlen werden kann. Ebene Spaziergänge gibt 
es sehr wenige, eigentlich nur das schöne, dicht von Nadel- 
holzwäldern umschlossene Thal der Feistritz, abwärts gegen 
Anger und aufwärts gegen Ratten, da Birkfeld rings von Bergen 
umschlossen ist. Berühmt ist hier die Hahnenjagd, und zwar 
namentlich die Jagd auf Auerhähne. Auch die Fischerei ist 
sehr lohnend. Jagd und Fischerei sind im Besitze des Grafen 
Wurmbrand, der bei seiner allgemein bekannten Liebenswürdig- 
keit jedoch gerne bereit ist, die Erlaubniss zur Fischerei zu 
gewähren. 

Spaziergänge. 

Spaziergänge grttn-weiss markirt, weitere Wege roth-weiss markirt, 
Wegtafel am Platze. 

1. Zum Grafensteig im Wienerwald, schöne Wald- 
promenade. 

2. Esserkreuz westlich, 20 Minuten bis zur Höhe, 
prächtiger Rundblick. 

3. Zum Putzen ho f, südlich V4 Stunden, uralte Linde, 
hübsche Aussicht. 

4. Lorenziberg, alte gothische Kirche mit schöner 
Fernsicht. Weg markirt. 



— 227 — 

5. Nach Koglhofen 1 Stunde, dann längs der Gaisen 
nach der alten, 1397 erhauten, gothischen Kirche St. Georgen 
mit Zubauten von 1686; zwei alte gothische Statuen auf 
Consolen, Yj Stunde, und über den Bergrücken zurück nach 
Birkfeld meist durch Wald, % Stunde. 

üebergänge und grössere Ausflüge: Nach Fisch- 
bach 12*3 Kilometer, 2y2 Stunden; nach Ratten 18 Kilometer, 
4 Stunden; nach Strallegg ^^/^ Stunden; nach Miesenbach- 
Kreuzwirth 2^/2 Stunden; Kreuzwirth-Yorau 1 74 Stunden; 
Birkfeld übers Gschaid nach Pöllau zy^ Stunden. 

B. Birkfeld -Fisohbäoli. 

12*3 Kilometer, 2% Stunden. 

Die Bezirksstrasse steigt nach einer tiefen Thalsenkung 
sogleich steil durch Wald hinan. Die Lieblichkeit der Land- 
schaft der nordöstlichen Steiermark ist hier vollends ver- 
schwunden, der Charakter der Scenerie wird ernster und 
herber , Hochgebirgswälder wechseln mit Alpenmatten und 
Viehweiden, die hohen und schlanken Stämme des Fichten- 
iind Tannenwaldes der Niederungen werden knorrig und ästig, 
lind weisser Moosbart umspinnt die furchige Rinde und das 
Oeäste der Waldbäume. Menschenverlassen sind die schmalen, 
düsteren, tiefeingeschnittenen Waldschluchten, und hoch auf 
den Hängen der Sonnseite der Berglehne dehnen sich die 
schönen Höfe der Bergler aus. Die weissen Fronten der Gehöfte 
des Hügellandes sucht hier das Auge vergebens, dafür tauchen 
aber aus den Baumwipfeln die schmucken Schmal-Giebel mit 
den zierlichen Holzgalerien des obersteirischen Bauernhauses 
auf An den Strassen und Steigen zeigen sich überall grosse 
Wegkreuze, die vier Kreuzarme mit schönen Mooskränzen 
umwunden. Auch der Menschenschlag wird stämmiger und 
knorriger, im Charakter aber auch zäher und härter. Die 
Tucbjacke weicht der Lodenjoppe und auf den Hüten der 
Bursche prangt jetzt gar lustig die Schildhahnfeder. 

Die Strasse steigt vom Fischbach anfangs stetig durch 
Wald hinan bis zu einer Art Hochebene, hier rechts die 

15* 



- 228 — 

scKönen, uralten Wieden-Höfe, auf steinernem Unterbau 
ihr braunes Lärchen gebälke erhebend, tiberragt von dem 
zierlichen Schmalgiebel. Nun wieder durch Wald, rechts Gast- 
haus Gallbrunner, gleichfalls schöner Bauernhof. Nun wieder 
lange durch Wald, zuletzt ziemlich steil abwärts und über 




Wegkreuz, Motiv bei Fischbach. 

einen Höhenrücken nach dem malerisch auf einer Hochfläche 
am Fusse des Teufelstein gelagerten Alpendorfe Fischbacb 
mit 66 Häusern, und 372 Einwohnern, 1050 M. Seehöhe. 

Gasthäuser: üebeleis Franz, 2 Zimmer mit 2 Betten, gut 
und billig; Schneidhofer Ig., 1 Zimmer, 3 Betten; Stadlhofer J., 
2 Zimmer, 5 Betten; (ausserdem bei Privaten: Wiesinger S., 
2 Zimmer, 5 Betten; Lenberger C, 3 Zimmer, 5 Betten.) 



22a 



Die wahrscheinlich im 17. Jahrhundert erbaute Kirche 
wurde 1783 bedeutend erweitert und in ihrer heutigen Gestalt 
umgebaut. Beiderseit des Hochaltars die Grabmäler der 
Maria Rosalia Gräfin Trautmannsdorf, von 1774, und der 
Maria Anna Kassanetin, von 1680 Besitzerin von Birkfeld. 

Fischbach mit seinen noch zahlreich erhaltenen holz- 
gezimmerten, ausspringenden Häusern, den hübschen oft gemalten 




Motiv aus Fischbach. 



Holzgalerien an den Wirthschaftsgebäuden und den lustigen laufen- 
den Brunnen hat noch mehr als viele andere Dörfer das charak- 
teristische Gepräge eines echten obersteirischen Alpendorfes sich 
erhalten und eignet sich als Sommerfrische für Jene, die reine 
Alpenluft und die Stille eines ruhigen Gebirgsdorfes suchen. 
Bietet schon der Kirchplatz und noch mehr die Höhe 
bei vulgo Hönigshofer eine prächtige Fernsicht, so erschliesst 
sich doch erst von der Höhe des Teufelstein, den man von 



— 230 — 

Fischbacb in 1 y2 Stunden besteigt, eine volle Rundsicht ober 
die ganze steiriscbe Gebirgswelt. 

Der Weg, nicht markirt, kaum zum Fehlen. Man verfolgt 
die zur Schanz führende, steil ansteigende Strasse circa eine 
starke halbe Stunde bis zum Zeller-Kreuz mit Wegweiser 
„nach Maria Zell", hier folgt man nun rechts abzweigend dem 
Zeller Weg circa 20 Minuten bis zu einer Stelle, wo eine 
sumpfige Stelle mit grossen Steinblöcken überbrückt ist, dud 
rechts den Waldweg fort zu der Halterhütte und von hier 
gerade hinauf. Uebersieht man die Abzweigung, so geht man 
am Zeller Weg fort, bis man rechts die Halterhütte erblickt, 
welcher man nun zugeht. 

Endlich erblicken wir, durch stark bemoostes schüttere? 
Nadelholz emporklimmend, plötzlich die zwei riesigen eratischec 
Felsblöcke, die aufeinandergethürmt , gespenstig über 
kleine Hochplateau, welches die Spitze des mit Ausnahme 
der Ostseite nach allen Richtungen sanft abdachenden Teufel- 
Steins bildet, aufragen und der herrlichen Hochspitze de: 
Namen gegeben haben. Ein ganzer Sagenkreis hat siä 
naturgemäss um diesen Steinkoloss, der wie geschaffen war. 
den Altar eines heidnischen, auf schlichte NaturanschaonD: 
gegründeten Gottesdienstes zu bilden, gesponnen, in welches 
Meister Uriel regelmässig überlistet wird, wir freuen uns aber 
der freundlichen Fürsorge des Herrn Baron Sessler-Herzinger. 
welcher den Teufel stein mit einer hübschen Galerie umschlösset 
hat, 'ZU welcher eine Treppe hiuanführt. 

Auf der circa 5 M. hohen Terrasse angelangt, erschliesst sii 
uns plötzlich ein grossartiges Gebirgspanoraraa in der ganzen Aus- 
dehnung von Südwest über West und Nord und Nordosten. Gebiß; 
reiht sich hier an Gebirge, Wand an Wand, Gipfel an Gipfel, eitt 
ununterbrochene Kette bildend. Als interessanteste Spitzen wär?^ 
zu nennen: Der Rabenwald, der Kulm, der hohe Zetz, der Pla^- 
kogel, der Hochlantsch, die Petzen, die Koralpe, Theile der Stuf- 
und Gleinalpe, das Rennfeld, die Wenzelalpe, die Seckauer Alpt? 
mit dem Zinken, die hohen Tauern, der Griesstein, der Bösenste:i- 
der Reichenstein, der Dachstein, der Grimming, die Johnsbad-'* 
Alpen, die Eisenerzer Alpen, der Buchstein, der Braunstein. >i' 
herrliche Hochschwabgruppe, die Aflenzer und Zelk 
Staritzen, die hohe Veitsch, der Oetscher, die Schneealpe, die He-- 



231 



kuppe, die Kaxalpe, der Schneeberg, das Stuhleck, die beiden 
Pfaffen und der Wechsel. Der Osten wird durch die Wasserscheide 
zwischen Feistritz und Lafnitz in der Aussicht beschränkt und 
gewährt nur eine theilweise Einsicht in das Gebiet der erstereu; 
der Anblick ist daher weniger erhaben als idyllisch und friedlich. 
Die Thalaussicht vom Teufelstein ist eine beschränkte, da 
man keinen Einblick in Längsthäler hat und das einzige, welches 
man theilweise tiberblickt, das Feistritzthal mit seinen vielfachen 
Windungen und seiner geringen Breite, keine geschlossenen Ort- 
schaften bilden lässt. Zu unseren Füssen, lieblich auf grüner 
Matte gebettet, liegt das Dorf Fischbach (1050 M.), uns gegenüber 




Die Spitze des Teufelstein. 

Strallegg (849 M.), weiter unten Miesenbach; über dem „Gschaid" 
erblicken wir die Wallfahrtskirche am Pöllauberge und rechts vom 
Weberkogel sehen wir Kirche und Schulhaus von Birkfeld. Weiter 
unterscheiden wir noch tief unten im Süden Schloss Kirchberg an 
der Eaab und erblicken westlich, über das Thal des Stainzbaches 
hinaus einen kleinen Theil des Mürzthales zwischen Kindberg und 
Allerheiligen, bei geeignetem Wetter vermögen wir von dorther in 
der Morgenstille auch das Pfeifen des Dampfrosses zu unterscheiden. 

Vom Teufelstein können wir nach St. Kathrein am 
Hauenstein absteigen, 1 V2 Stunden, in anfangs rein östlicher 



— 232 — 

später nordöstlicher Eichtong, oder längs der aaf Stangen 
primitiv angezeichneten rothen Markirung (immer sich links 
haltend) südwestlich in ^j^ Stunden auf die Schanz. Siehe 
Seite 49. Von der Schanz in die Stanz 1^/2 Stunden und 
hinaus nach Kindberg. Siehe Seite 47. 

Eine überaus lohnende und wenig beschwerliche Höhen- 
wanderung lässt sich von der Schanz südlich inuner auf der 
Schneide des Gebirgsrückens fort gegen Strasseck (2 y^ Stnndeni 
antreten. Der herrliche Weg voll prachtvoller Ausblicke über die 
beiderseitigen Thäler und Höhen ist nicht zum Fehlen, wenn 
man immer geni^u den Gebirgskamm verfolgt. In 2^/^ Stunden 
erreicht man den Gebirgssattel am lieber gang von der Breitenaa 
in die Gasen, Strasseck mit Gasthaus. Von hier kann man nun 
entweder am Gebirgskamme fort auf die Teichalpe in 1 y^ Stün- 
den gelangen, oder man kann durch die Gasen in 3 Stunden 
nach Birkfeld oder in gleicher Zeit durch die Breitenau nacii 
der Station Mixnitz wandern. Am lohnendsten ist die Höhen- 
wanderung zur Teichalpe. 

C. Birkfeld - Ratten - (Rettenegg), 

18 Kilometer, 4 Stunden, Postverbindung siehe Birkfeld. 

Die ungefähr 18 Kilometer lange Fahrstrasse von Birkfeld- 
Ratten im Feistritzthale wurde in den Jahren 1884 — 1887 in ein:: 
Länge von rund 13-2 Kilometer mit einem Kostenaufwande von eins 
46.500 fl. ö. W. als sogenannte Bezirksstrasse H. Classe mit ebe: 
Fahrbreite von 4 Meter unter der Leitung des landschaftliche!: 
Ingenieurs Herrn Herwelly ganz neu gebaut und hiedurch das Thul 
des Feistritzbaches in einer Strecke, welche bis zum Jahre 18?^ 
dem allgemeinen Verkehr ganz unzugäuglich war, eröffnet. Das Tl:i 
selbst ist zumeist schmal, wenig bevölkert, und dürfte erst jeti: 
durch die Schaffung einer gut fahrbaren Verkehrsader in seinti 
vollen Werthe gewürdigt werden. 

Die neue Strasse führt vom Markte Birkfeld, respective vi-: 
der Strasse nach Fischbach abzweigend, zuerst im Waisenbachthaif 
dahin und verlässt dasselbe sehr bald, eine kleine Wasserscheide 
übersetzend, um in das Thal des Feistritzbaches überzugehen. 

Bietet schon die erste Strecke im Waisenbachthale durch di- 
sich entrollenden Landschaftsbilder für den Reisenden einiges Interessr 
so steigert sich der Effect der wechselnden Naturbilder mit des 



— 233 — 

Betreten des Feistritzthaies, wo die Strasse, meist an den Ufern des 
Baches sich fortziehend, theils auf steilen felsigen Hängen, theils in 
schattigen Wäldern und grünenden Fluren, sich entwickelnd und sich 
eng au das wechselnde Terrain anschliessend, mit massigen Steigungen 
bis zum sogenannten ^ Hausbauer im Wasser" fortführt, von wo aus 
sie ihre weitere Fortsetzung in den alten, theilweise schon in Recon- 
struction begriffenen Fahrweg bis Ratten findet. 

Obwohl die Thalhänge keinen Hochgebirgscharakter an sich 
tragen und jener gewissen pittoresken Formen entbehren, die wir 
staunend bewundem, so haben dieselben doch einen eigenthümlichen 
Reiz für Jedermann, der, ein Freund des sogenannten Mittelgebirges, 
Gefallen an den abgerundeten, reich bebauten ürgebirgsformen mit 
ihrem saftigen Wiesengrün, den dunklen Schatten der Tannen und 
Fichtenwälder und den einzeln zerstreuten Bauerngehöften findet. 

Es herrscht noch Ruhe in diesem Thale, keine rauchenden 
Fabriksschlote stören den Frieden und nur das Rauschen des Gebirgs- 
baches oder das Klappern einer vereinsamten Mühle oder Säge unter- 
brechen die majestätische Stille dieser reizenden Landschaft. 

Die neugeschaffene Verbindung dürfte in Hin- 
kunft auch dem freundlichen Markte Birkfeld all- 
jährlich eine Schaar von Fremden zuführen, die sich vor- 
läufig gewissermassen als die Pionniere der zur erhoffenden Sommer- 
frischler, welche sich vom Semmering und dem Mürzthale aus nur 
bis Ratten vorgewagt hatten. Die an der Strasse liegenden wenigen 
Gasthäuser sind bis nun sehr primitiver Art und dürften erst mit 
dem steigenden Verkehr sich entwickeln. 

Ungefähr am 5. und 10. Kilometer von Birkfeld zweigen ziemlich 
gut fahrbare Wege zu dem auf domin ir ender Höhe reizend gelegenen 
Kirchdorf Strallegg ab, woselbst in Albert's Gasthof eine ganz vor- 
treffliche Unterkunft geboten wird, die selbst anspruchsvollen Touristen 
genügen wird. 

Ratten. Gasthäuser: Albert „zur Post", 5 Zimmer, 
15 Betten, Sitzgarten; Haindl vulgo Tatzhof, 4 Zimmer, 10 Betten; 
Arzberger, I Zimmer, 2 Betten (Neubau in Ausführung), Bad bei 
Albert. — Poststation. Fahrpost nach Spital am S. täglich 
4 Uhr Früh, 1 fl. 20 kr., nach Birkfeld 5 Uhr 30 Minuten Abends, 
80 kr. Einspänner nach Rettenegg 1 fl. 50 kr., nach Krioglach oder 
Birkfeld je 4 fl. 

Ratten, grosses Pfarrdorf mit 144Häusern und 900 Ein- 
wohnern, in Folge seiner idyllisch schönen, ruhigen Lage (tief 
eingebettet zwischen alten Nadelholzwaldungen) und der treff- 
lichen Unterkunft in den Gasthäusern, von Wiener Sommer- 
gästen stark besucht. Interessant die 1664 erbaute Kapelle. 
Die Pfarrkirche zum heil. Nikolaus, 1709 erbaut, mit alten 



— 234 — 

Thunn. Ober dem Hochaltarbild befindet sieb ein bis jetzt 
unbekannt gebliebenes Wappen. 

Aus einer im steiermärkischen Landes-Archive befindlichen 
Handschrift ist zu lesen, dass ein Herr von Pircher in Hollstein 
und Zeiss, anno 1467 geboren, erzählt, wie er als junger Mensch 
solche Lust zum Wandern empfand, dass er seine Eltern, deren 
einziger Sohn er war, verliess (sein Vater war Regent über die 
Herren Gottwalt Stubenberg' sehen Herrschaften) und sich mit einem 
Kameraden auf die Wanderschaft begab; er führte ein abenteuer- 
liches Leben, arbeitete auch viel in Bergwerken, und kehrte erst 
nach achtzehnjähriger Abwesenheit heim; seine Eltern vearen todt. 
Sie hatten jedoch das Landgut Ratten gekauft, dessen Bewirth- 
schaftung er als alleiniger Erbe sofort antrat. Das unvergleichlich 
schöne Gebirge herum erregte den Gedanken, ob nicht ein Bergwerk 
anzulegen sei; er durchstreifte es und als er zu einem Berge kam, 
so man den Rattenberg nennt, sah er aus kleinen Oeffnungen Ratten 
aus und ein springen. Das kam ihm wunderlich vor, und beim 
Betrachten einiger Steine, welche sich vom Berge losgerissen, sah er. 
dass sie silberhaltig waren. Zu einem anderen Berg gekommen, der 
Weissenberg genannt, fand er ingleichen, dass sich reiches Erz allda 
befand. Noch nicht eingerichtet, Erzproben vornehmen zu können, 
sandte er das gefundene Erz durch einen Diener seinem alten 
Kameraden nach Reiflfenstein, wo derselbe ein Silberbergwerk angelegt 
hatte. Nach acht Tagen wurde ihm die Antwort, dass es sich lohnen 
würde, einen Bau anzulegren. Der Centner Rat tenb erger Erz 
enthalte 15 Mark Silber, der von Weissberg 9 Mark. 
Er legte den Bau an, entzauberte die Ratten und arbeite mit 3 Berg- 
geistern 7 Jahre hindurch getreulich, wo er einen Schatz von 300. OW 
Gulden ansammelte. Nach seinem Tode im Jahre 1539 fiel sein 
ganzes Vermögen, da er ohne Leibeserben starb, einer kaiserlichen 
Hofkammer zu, welche Bergleute aus Tirol und Kärnten kommen Hess, 
und wurden noch bis 1619 zwei Bergwerke dazu erhoben, nämlich 
der unter- und der Ober-Taub-Berg, so an der Feystritz. Anno 1693 
wurde aber die Herrschaft Ratten sammt den Bergwerken denen 
Herren Grafen v. Trautmannsdorf von weiland Ihrer kaiserlichen 
Majestät Leopold dem Ersten geschenkt. Diese Grafen Hessen das 
Bergwerk aber aufgehen und ist nicht mehr im Bau. 

In der Umgebung von Ratten sind auch grosse Kohlen- 
lager und wurde auch der Steinkohlenbergbau hier wiederholt 
betrieben, zuletzt aber wegen Mangels an Verwendung der Kohle 
wieder eingestellt. Auch von hier besteigt man den Teofel- 
stein, und zwar, indem man die Alpsteigstrasse bis zum 
Jägerwirth (1 Stunde) verfolgt und dann links am Gebirgs- 
kämm zum Teufelstein aufsteigt, 1 Stunde. Alpentour (mit 



— 235 — 

Proviant versehen) vom Alpsteig, Jägerwirth, immer nördlich 
am Gebirgskamm über die Predulalpe auf das Stuhleck 4 Stunden 
und von hier nach Kettenegg. 

üebergänge: 1. Ueber St. Kathrein und Jägerwirth 
(Alpsteig) nach Krieglach, 4 Stunden. 2. Nach Wenigzeil, 
Strasse 3 Stunden. 3. Nach St. Jakob und nach Fischbach 
je 2 Stunden. 

St Kathrein am Hauenstein. Eine halbe Stunde vor 
Ratten zweigt links der mehrerwähnte Alpsteig ab und erreicht 
in 1 V2 Stunden das Dorf St. Kathrein mit 53 Häusern und 
411 Einwohnern, 822 M. Seehöhe. 

Gasthäuser: Hausteiner, Bäckerei, grosses altes Einkehr- 
gasthaus, 3 Zimmer, schöne Kegelbahn; Gesselbauer, 2 Zimmer; 
Guschlhofer, keine Zimmer, gutes Getränk. Omnibusverbindung drei- 
mal die Woche nach Krieglach, 2 fl. die Person. Siehe Seite 47. 

St. Kathrein wird pittoresk überragt von der 1712 
erbauten Localiekirche St. Katharina. Von hier besteigen 
Jene, die vom Wechsel kommen, über Rettenegg den Teufel- 
stein auf zwei Wegen. Erster Aufstieg: 20 Schritte von 
Guschhofer geht links ein Fussweg über einen Steg neben 
Zäunen hinauf in den Wald zum Hochkamper (Bauernhof), 
dann zum Kleinschlagbauer und weiter hinauf zum Waldtoni, 
von da zum rothen Kreuz, nun steil hinauf. 2 Stunden von 
Kathrein. Zweiter Aufstieg: Zum Alpsteigwirthshaus „zum 
Jäger", 2 Fremdenzimmer, nun links eben die Strasse fort 
bis zum Ziesler- Anger, von hier längs einem Zaune, mehr links 
halten, später Kohlweg bis zum rothen Kreuz, dann steil hinauf. 
Von St. Kathrein besucht man auch bequem Rosegger's Wald- 
heimat, indem man auf der Alpsteigstrasse zum Jäger- Wirths- 
haus und dann noch 15 Minuten die Strasse abwärts verfolgt, 
links das Markus Heidenbauer Haus, und, durch einen Graben 
getrennt, Lenz im Kluppenegger (Rosegger's Waldheimat), 
30 Minuten vom Jäger (Stocker). 

Rettenegg. Gasthäuser: „Zur Post", J.Simml, 3 Zimmer, 
und Johann Schicker, 1 Zimmer, 3 Betten ; in beiden Gasthäusern 
reinliche Betten und gute Küche. Veranden. — Poststation. 
Tägliche Postverbindung über Ratten nach Birkfeld circa 4 Uhr Nach- 
mittags ab, nach Spital am Semmering gegen 5 Uhr Morgens. 



— 236 — 

Eettenegg, Dorf mit 153 H&asern und 1300 Ein- 
wohnern, 853 M. Seehöhe, liegt überaas freundlich am Za- 
sammenflnsse des Pfaffenhaches und der Feistritz, mit seinen 
meist ans Holz gebanten, . sehr schmucken Hänsern, an der 
Berglehne eines engen Waldthaies gelagert, 1 V4 Standen von 
Ratten entfernt. Domicil eines praktischen Arztes. Die Localie- 
kirche zam heil. Florian warde 1805 im modernen Rund- 
bogenstyl za baaen begonnen, aber erst 1833 vollendet and 
am 3. Febraar 1834 eingeweiht. 

Das kleine Alpendörfchen verdankt seine Existenz einer ver- 
liältnissmässig sehr starken Industrie, indem hier die Kunstsäge 
des Ritters v. Wacht 1er (in Feistritzwald) mit 58 meist verheirateten 
Holzknechten und Köhlern, die Sensenwerke der Herren Josef 
Gruber, Ignaz Zeilinger und die Brettersägen des Erz- 
bisthumsWien im Betriebe stehen, namentlich erfreut sich davon 
das schon 1711 gegrtindete Sensenwerk des Herrn Zeilinger mit 
der Marke G. S. und einem aufwärts gerichteten Pfeil eines bedeuten- 
den Kufes io Russland, Ungarn, Eumänien und den Donauländern. 
Die Production schwankt zwischen 50.000 und 80.000 Sensen per Jahr. 
Herr Zeilinger besitzt auch ein Hammerwerk, welches Pflugeisen aus 
bestem Bessemerstahl erzeugt. 

Umgebung und Uebergänge: 

Rettenegg besitzt keine künstlichen Park- 
anlagen, ist aber dafür überaas reich an reizenden 
Naturanlagen und Waldpromenaden, überall schänmen 
von den Höhen klare forellenreiche Bäche dem Thale zn und 
beleben Wald und Flur, die Luft ist ungemein rein und 
kräftigend und die Bewohner sind dem Fremden gegen&ber 
höflich und entgegenkommend. Besonders wichtig dürfte für 
dieses Dorf einst die prächtige warme Quelle des Stampfl- 
brunnen werden, der am Ende des Dorfes in einer zwei- 
bis drei mannsstarken Wassersäule aus der Erde mächtig 
hervorbricht mit einer Temperatur von 13 — 14® R. (die sicher 
bei gehöriger Fassung noch gesteigert werden könnte) und die 
leider noch der Fructificirung harrt. 

Eine zweite Merkwürdigkeit der Umgebung Ret- 
teneggs ist die Tropfsteinhöhle im Seeriegel. Man geht 



— 237 — 

längs des Pfäfferibaches den Fahrweg aufwärts bis zum Wirths- 
hause Posch, 1 Stunde, (prächtiger Anblick der drei 
Thürme), von hier links ein Büchsenschuss zur Höhle. 

Sie wurde im Jahre 1826 vom Gewerken Josef Zeilinger entdeckt, 
der darin schöne Stalaktiten und das Skelett eines Höhlenbären vor- 
fand. Die Seehöhe beträgt bei 3700 Fuss (1169-2 Meter). Das Portale 
ist mehr als mannshoch und auch sehr geräumig; schnell senken 
und verengen sich die Felswände bis zu 2, dann 1^/% Fuss Höhe 
und Breite hernieder, so dass man nur kriechend vorwärts gelangen 
kann. Nach einem Durchbruch von circa 28*5 Meter gegen Norden 
öffnet sich eine grosse, 3*8 Meter hohe, kuppeiförmige Rundhalle, 
deren Decke und Wände theils aus blendend weissem, kohlensaurem 
Kalksinter, theils aus korallenförmigen Tropf steinge weben bestehen; 
rechts aufwärts gegen Osten zweigt eine hohe Seitenhalle ab. Gerade 
fort gegen Norden senkt sich die Decke wieder zu einem gewölbten 
Schlauche von IVa Fuss (47*5 Centimeter) Durchmesser und man 
schlüpft auf lehmigem Boden und losem Trümmergestein in unbe- 
deutenden Wendungen etwa 75*8 Meter fast eben vorwärts. Nach 
Passirung einer in der Kluft dahinziehenden Wasserlache gelangt 
man zu einer Stelle, wo die Höhe und Breite des Feisschlauches 
durch Tropfsteingebilde so vorhangartig überwachsen ist, dass ein 
weiteres Vordringen unmöglich ist. Wissenschaftlich interessant ist 
demnach die merkwürdige Thatsache, dass an dieser Stelle der Process 
der Tropfsteinbildung seit Zeilinger's Besuch, 1826, so energisch 
stattgefunden hat. Die oberwähnte Seitenhalle steigt terrassenförmig 
auf, hat eine Breite von 2*8— 3-8 Meter, eine Höhe von 4-7— 5*7 Meter 
und ihre Wände wölben sich zu manch' wunderlich geformten Kuppeln. 

Aufstieg zu den beiden Pfaffen oder auf das 
Stuhl eck. Längs des Pfaffenbaches an der Strasse, bis zumWirths- 
hause Posch, 1 Stunde, nun weiter die nach Steinhaus führende 
Strasse fort bis zur Sattelhöhe, von hier nun rechts zu den 
beiden Pfaffen oder links auf das Stuhleck, 2 y^ Stunden von 
Rettenegg, immer massig ansteigend. Weg über die Pfaffen, 
vom Gasthaus Posch an, vom österreichischen Touristenclub 
röth -weiss markirt. Ein zweiter kürzerer, aber sehr steiler 
Aufstieg führt in % Stunden auf das Stuhleck, nur mit Führer. 

Auf den Wechsel führen zwei Wege. Entweder 
längs der durch das Thal des Pfaffenbaches führenden Strasse 
zum Gasthaus Posch und hinauf zum Sattel und von hier rechts 
längs dem Gebirgsrücken zur Kranichberger Schwaig und weiter 
am Hochwechsel. Weg 4 Stunden, vom Wirthshause Posch 



— 238 — 

an weiss-TOth-markirt. Oder längs der Feistritz in genaa öst- 
licher Richtung nach Feistritzwald, einer grossen ausgedehnten 
Holzknecht-Colonie mit einer 1828 vom Erzhischofe in Wien 
gegründeten Schule, üherall Köhlerhütten und Kohlenmeiler, 
zum Wachtler'schen Forsthause (hier beginnt die Wegmarkirung 
weiss-roth). Von hier nun rechts durch den Mutlergraben bis 
zur Thaltheilung, nun wieder links über den Höllgraben und 
sogleich hinan auf leicht erkenntlichem Pfade, dem sogenannten 
Jägersteig, auf den Bücken des Edelriegels, durch danklen 
alten Wald, unterbrochen durch Lichtungen, direct zur Pyramide. 
Von Rettenegg 3% Stunden. 

Uebergänge: 1. Nach Steinhaus 4 Stunden längs des 
Pfaffenbaches, über die Einsattlung zwischen Stuhleck und 
kleinen Pfaff durch das Fröschnitzthal hinaus, durchwegs 
Fahrweg. 2. Längs der Feistritz nach Kirchberg am Wechsel 
ß Stunden. 

D. BiPkfeld-Strallegg. 

Fahrstrasse, 2 Stunden, Strallegg-Birkfeld 1% Stunden. 

Die Strasse zweigt von der Bezirksstrasse nach Ratten 
beim 5. Kilometerstein rechts ab und steigt massig nach 
Strallegg hinan. 

Gasthäuser: Albert, 5 Zimmer, hübsche Kegelbahn 
mit Salon, schöner Neubau, 1 Zimmer 1 Bett 40 kr., 1 Zimmer 
2 Betten 60 kr., mit 3 Betten 80 kr., auch höheren Anforderungen 
vollkommen entsprechend; Hausbauer, einfacher. — Fahrgelegen- 
heiten: Einspänner 3 fl., Zweispänner 5 fl. per Tag. — Feuer- 
assecuranz -Verein, welcher Korn , Holz und Roboten seit 
vielen Jahren gewährt. Dreimalige Fussboten-Postverbindung nach 
Birkfeld, 

Strallegg, Pfarrdorf mit 21 Häusern und 150 Ein- 
wohnern, 849 M. Seehöhe, liegt sehr malerisch an der Sonn- 
seite des von der grauen Steinwand südlich abdachenden Ge- 
ländes. Die meisten Häuser sind aus Holz (auf steinernem 
Unterbau), mit schön geschnitzten Galerien geziert und ringsum 
mit grossen Obstgärten, in welchen Aepfel (Weiss-Kohl, Spitz, 
Maschanzger, Taffent, Gold-Leder, Herbst und Winterreinetten) 
«nd Birnen cultivirt werden und reichlich gedeihen, umgeben. 



- 239 — 

\ei jedem Hanse frisches Quellwasser. Der Getreidebau deckt 
en Bedarf der Bevölkerung, wichtig ist der Kleeanbau mit 
[alkdüngung. Der Gesundheitszustand muss als ein sehr guter 




zeichnet werden, da sehr viele Menschen ein Alter von 
• — 80 Jahren erreichen. Im Sommer wandert ein grosser 
eil der Bevölkerung, und zwar besonders Weber, Maurer 
d Zimmerleute, nach Obersteier und Niederösterreich, um 



— 240 — 

im Spätherbste mit wohlgefüllter Börse wieder heimzukommen, 
ebenso ziehen von hier viele Schnitterinnen in's Mürz- und 
Murthal, bei der Ernte Arbeit suchend, üeberall rauschen 
forellenreiche Bäche, viele Hausmühlen treibend, durch Wald- 
schluchten dem Thale zu. 




Bauernhof bei Wenigzell. 



Die Kirche zeigt noch ein gothisches Mittelschiff, wäh- 
rend die Seitenschiffe 1667 im Spätrenaissance-Stile erbaut 
wurden. Der überaus schön construirte Thurm der Kirche ist 
von Holz. Am Platze steht das 1716 erbaute und von Hack- 
hofer mit herrlichen Fresken gezierte sogenannte Floriani- 
kreuz, von zwei uralten Linden, zwischen welchen eine Sitz- 
bank angebracht ist, beschattet. Die Schule ist zweiklassig unti 
besitzt eine schöne Naturaliensammlung. Berühmt ist di^ 
Hahnenjagd der Umgebung (3 — 4 Auerhähne an einem 
Morgen Abschuss), verpachtet an Herzog von Parma. Schöne 
Spaziergänge über durchwegs gebirgigen Terraic 



— 241 — 

erschliessen sich nach allen Seiten^ wenn auch keine 
eigentlichen Anlagen gebahnt sind. Der schönste Aussichts- 
pnnkt der Umgebung ist die mit einer Kapelle gekrönte 
Wildwiese, 1047 M. hoch, in 2 — 2y2 Stunden leicht er- 
reichbar, Weg aber ohne Führer kaum zu finden. Der Weg 
führt über die „Dorf schmiede", „Hofstätter", Mosbacher und 
Gmoanlouis. Aussicht von der Wild wiese, siehe Seite 111* 
Interessant nördlich die nahe graue Steinwand mit ihren 
chaotisch übereinander gethürmten riesigen Felsblöcken. Weg- 
entfernungen : nach Ratten ^^/^ Stunden, nach Wenigzeil 
2 Stunden. 



E. Birkfeld - Miesenbacli - Kreuzwirtli -Voran. 

Gemeindefahrweg bis Kreuzwirth 2% Stunden, von hier Strasse nach 
Vorau 1^2 Stunden. 

Von Birkfeld hinab nach dem reizend gelegenen Dorfe 
Edelsee, und nun steil hinauf durch Wald (interessanter Blick 
auf den in der Vogelperspective liegenden Platz von Birk- 
feld), später an mehreren Höfen vorbei nach Miesenbach, 
Pfarrdorf mit sehr alter, ursprünglich wahrscheinlich romani- 
scher, später aber gothisirter Kirche St. Kunigund (zwei 
Gasthäuser), nun über Wiesen, Wald und Fluren hinan zum 
Kreuzwirth, üebergangs- und Kreuzungspunkt der Strassen 
von PöUau nach Vorau, Wenigzell und Birkfeld. Nach Vorau 
Bezirksstrasse, in 1 V2 Stunden. 



F. Birkfeld - Qsoliaid - PöUau. 

Täglich Postverbindung 5 Uhr Früh Sommer ab, 1 fl. per Person. 

Gleichfalls über Edelsee, dann rechts hinauf durch Wald 
(ein markirter, links abzweigender Fussweg kürzt) und stetig 
ziemlich steil aufwärts, zuletzt in sanfter Steigung an ver- 
einzelten Höfen vorbei^ prächtiges Gebirgspanorama, zu dem 
schönen breiten Sattel des Gschaids, nahezu 2 Stunden, grosses 

16 



— 242 — 

Gasthaas (einfach), 809 M. Seehöhe, zwischen den Gschaider 
Kögerln und dem Zeiseleck (1078)' Ausblick in den schönen, 
reich cultivirten PöUauer Kessel, von gänzlich geändertem 
Charakter, wie der Rückblick auf die ernste, düstere Gebirgs- 
welt der Fischbacher Alpen. 

Hinab nach PöUau ly^ Stunden. ^2 Stunde unter dem 
Gschaid senkt sich die Strasse in mehreren grossen Serpen- 
tinen hinab; die man auf Fusswegen kürzt. 



O. Birkfeld - Gasen - Strasseck - Breitenau - IQxnitz. 

89 Kilometer, 8 Stunden. 
Selten begangen, siehe Eintrittsroute Breitenau, Seite 49. 



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Route VI. PöUau. 



Der schöne grosse Markt liegt, mächtig überragt von 
der riesigen, weithin blickenden Kuppel der herrlichen Stifts- 
kirche, nahezu in der Mitte des reizenden Pöllauer Thal- 
kessels, 427 M. über dem Meere an der Safen, die den Markt 
in zwei Armen durchzieht und sodann den merkwürdigen Ge- 
birgskessel südöstlich durchbricht. 

Dieser interessante Kessel hat in seiner Contiguration eine 
merkwürdige Aehnlichkeit mit den Grenzmarken des Königreiches 
Böhmen. So finden wir hier südwestlich an Stelle des Böhmerwaldes 
den Zug des Rabenwaldes, an den sich auf der Nordseite (analog 
dem Fichtelgebirge) das Zeiseleck anschliesst. Für das Erzgebirge 
setzt sich nordwestlich das Verbindungsglied mit dem an der nörd- 
lichsten Spitze liegenden Eckberg fort; das Riesengebirge wird uns 
durch den zwischen Eckberg und Masenberg nordöstlich bis zu 
einer Höhe von etwa 1000 M. sich einschiebenden Gebirgszug ver- 
anschaulicht und statt des böhmisch-mährischen Grenzgebirges haben 
wir östlich den Rücken des Pöllauberges. Um die Aehnlichkeit mit 
Böhmen noch auffallender zu machen, vertritt hier in der Reihen- 
folge die Stelle des Dreisessels der Vockenbergerkogel (707 M.), des 
Plöckensteins, der Buchkogel (856 M.), des grossen Arber der Raben- 
waldkogel (1281 M.), die Einsattlung zwischen Böhmerwald und Fichtel- 
gebirge wird hier durch das Gschaid ersetzt, die Schneekoppe heisst 
hier Zeilberg, statt des Altvaters und Schneeberges finden wir hier 
in gleicher Himmelsrichtung den Gebirgsstock des Masenberges 
(1153 M.); endlich liegt auch hier der Hauptort „Pöllau** fast in der 
Mitte des ganzen grossen Kessels wie dort die Hauptstadt Prag. Eines 
jedoch stört die aufgestellte Aehnlichkeit: in Böhmen finden sämmt- 
liche Gewässer durch die nach Norden fliessende Elbe ihren Ausgang, 
während unser Ländchen nur nach Südosten sich öffnet, d. h. senkt. 

Pöllau wird somit von einem Kranze sanft ansteigender 
und nahezu bis zu ihren Kammlinien reich cultivirter Berge 

16* 



- 244 — 

von circa 1000 M. Durchsclinittshöhe von drei Seiten um- 
schlossen, und erfreut sich daher einer sehr windgeschütztea 
Lage. Während der Thalboden meist mit Nadelhölzern bedeckt 
ist, ziehen sich an den Berghängen Wiesen, Wald, Aecker 
und Obstculturen ununterbroclien und im reichsten, buntestcD 
Wechsel hinan und geben die vielen, von allen Seiten herab- 
blickenden stattlichen Bauernhöfe ein harmonisches Bild der 
Wohlhabenheit dieser paradiesisch schönen und ungemeio 
fruchtbaren Landschaft. Und wie die Landschaft im Grossen 
ein Bild reichsten Culturwechsels zeigt, so zeigt sich aucli 
wieder bei den Wäldern eine merkwürdige Mischung tod 
Laub- und Nadelhölzern, wodurch im Frühjahre, wenn da? 
bläuliche Gefieder der Lärche und die hellgrünen Reiser 
des Tannwaldes sich mit den zarten Blättersprossen der Birken 
und Buchen mischen und im Spätherbste, wenn bei erster 
bender Sonnengluth die goldigen Blätter der Birke und da> 
feurige Roth des Laubes, der Buche zwischen dem dunklen 
Geäste der Fichten und Tannen hervorleuchten, sich des 
Auge überall ein wunderbares, farbenprächtiges Bild erschliessi. 
Kräftige wasserreiche Bäche, wie der Safen, Prätis, Zeiler. 
Kapellen, Rausch und Breitenbach schäumen in tief einge- 
schnittenen Waldschluchten, von den Höhen herab, um zuletzt. 
im sanften Gefälle von Erlen, Birken und Fichten umstot 
und beschattet, bald murmelnd über stille Waldwiesen ruhi? 
hintreibend, bald in dämmerigen Schluchten über von Farren- 
kraut umwucherten bemoosten Felsblöcken hinschäumend, die 
Thalsohle zu erreichen, wo sie sich sämmtlich mit der Safea 
vereinigen. 

Trotz der nach Ost, West und Nord geschützten Lage. 
die dem Pöllauer Kessel ein mildes Klima verleih« 
hat die Natur jedoch in diesem kleinen Kreise eine scharfe 
Vegetationsgrenze gezogen, so dass, während im Süden di? 
Traube ausgezeichnet reift und die Gelände mit Obstcultureü 
bedeckt sind, nördlich des Marktes meist nur mehr Koru. 
Hafer, und Gerste gedeiht. 

Zu den vielen Vorzügen Pöllau's, welche diesem 
:geselligen Markt zu einer Sommerfrische ganz be 



— 245 — 

nders geeignet machen, gehört nebst der treff- 
hen und sehr billigen Unterkunft und Verpflegnng, 




:0 



man hier findet, wohl auch, in Folge gänzlichen 
ngels eii^er Grossindustrie, die friedliche Ruhe, 



— 246 — 

die über der idyllisch schönen Landschaft lagerUnd 
.die würzige, von Kohlenstaub vollkommen freie Lnft. 

Gasthäuser: Leop. Pfann, 4 Zimmer, 10 Betten; Jost* 
(Telegraphenstation, Kaffeehaus), 3 Zimmer, 6 Betten; Gra- 
watsch, Fleischhauer (auch einige Fremdenzimmer mit trefflick 
Betten, gut und billig.) Bräuhaus, Sitzgarten, 2 Zimmer, 4 Betten: 
Knar, Sitzgarten, einige Zimmer; Fröhlich, Gast- und Kaffeehaus. 
Foirs mit Sitzgarten; Adelmann, Gast- und Kaffeehans; Schiek- 
hofer, Rodler, Gasthaus. Nahezu sämmtliche Gasthäuser 
Pöllaus zeichnen sich durch sehr gute Unterkunft und 
Verpflegung bei billigen Preisen aus. — Badeanstalt: 
3 Badehütten im Markte, an einem Seitenarme des Safenbachei. 
dessen Wasser von auflösender Wirkung ist. Warmbäder beb 
Färbermeister Leonardo. — Post- und Telegraphenstatioi 
(Tagesstation). Postverbindung täglich nach Hartberg ab 4 Ur 
Früh, nach Kaindorf i/gll Uhr Vormittags, Fahrgeld je 60 kr. p^- 
Person, nach Birkfeld 1 1 Uhr Vormittags, Fahrgeld 1 fl. per PersoL 
— Vereine: Freiwillige Feuerwehr, gegründet 1874, mit eigenec 
schönem Spritzenhaus und Feuerlöschgeräthen neuester Constnictis 
im Anschaffungswerthe von 4100 fl.; Militär -Veteranen -Verein, r^ 
gründet 1883; Vorschusscassa- Verein, gegründet 1872, jährl. ümss: 
800.000 fl.; Gemeinde-Sparcasse, gegründet 1871 (von dem strebsame: 
hochverdienten Bezirks -Obmanne Dr. Schrittwieser), circa 700,000 i 
Einlagen; Ortsgruppe des deutschen Schulvereines; Verschönemci* 
verein, gegründet 1887. — Jahr- und Wochenmärkte. Jab- 
und Viehmärkte zu Georgi, St. Veit und Leopoldi, ein Jahrmarkt as 
21. December, und jeden Dienstag sehr bedeutender Fruchtmarkt. 

Pöllau, sehr regelmässig gebauter Markt mit 140 mei^^ 
stockhohen Häusern und 11 54 Einwohnern, mit schönem Hanp> 
platze und mehreren Nebengassen, Sitz eines k. k. Bezirksgerich- 
tes sammt Steueramt, der Bezirks Vertretung, des Bezirksschi- 
rathes und eines Dekanates, Domicil eines Doctors der Medien 
und zweier praktischer Aerzte, sowie einer Apotheke. Bf' 
Markt wird seit Jahrhunderten in drei Viertel, eingetheiltusd 
zwar in das Platzviertel, bis zum Stift reichend, das Lederer- 
viertel östlich vom Stifte aufwärts und das alte Viertel, ^ 
Häuser an der Hauptstrasse umfassend. Der Platz bildet eii 
regelmässiges Rechteck von 115 Schritt Länge und 44 Schris 
Breite, auf drei Seiten von stockhohen Häusern anf<if- 
vierten jedoch von einem mit Fresken gezierten niedrige! 
•Vorgebäude des Kirchhofes begrenzt, über welchem sich lüf 
.herrliche Kirche in riesigen Dimensionen erhebt. An dieKirdi^ 



— 247 — 

schliesst sich nördlich das mächtige einistige Stiftsgebäude 
(nun Schloss) mit seinen prächtigen durch Doppelreihen von 
Arcaden gezierten Hofanlagen, Eigenthum des Grrafen Julius 
Lamberg, an. In der Mitte des Platzes befindet sich ein 
Wasserbassin mit laufendem Brunnen und am nördlichen Ende 
desselben erhebt sich in guter Spätrenaissance eine Frauen- 
Säule, treffliche Arbeit von 1681, mit den Wappen des Stiftes 
und des Erbauers der Säule, Prälat Michael Josef Meister, 
wahrscheinlich zur Abwehr der drohenden Ttirkengefahr er- 
richtet. Rechts, an der Ostseite des Platzes, steht auch das 
ursprtlnglich sehr alte Rathhaus, wie es aus dem Brande von 
1824 neu hergestellt wurde. Die einfache aber sehr ge- 
schmackvolle Fa^ade ist im Renaissance-Stile gehalten und 
gibt dem innen und aussen gleich musterhaft nett und rein 
gehaltenen Gebäude ein sehr schmuckes Aussehen. 

An der Front des Rathhauses befindet sich in einer 
Nische die aus rothem Marmor sehr zierlich gemeisselte, 
wahrscheinlich um 1600 errichtete Prangersäule, neben welcher 
früher auch die Ellen und sonstigen Masse aufgehangen waren. 
Weiters ist an der Front des Gebäudes eine Tafel aus rothem 
Marmor eingemauert, deren Inschrift uns die Ortschronik wie 
nachstehend meldet. 

„Anno 1585. Tempestas Poellensis, Pestis Nam in der Pfarr 
Pöllan, Acht Zehnhundert Weib und Mann, 1587 27. Juli Ain 
Wolkhenbruch fiel in der Pfarr, Hat Hauss, Holz, Grund vil er- 
trenkht gar. — 1589 19. Juli Gross Feuer in Markht Pöllau war, 
Hat Viertzig Häuser abgeprennt gar. — 1599 20. Nov. Wie man 
zölt gleich Neinzig und Nein, finf Hauss im Markh abrene sein. — 
1599. Dis Jar Pestis kham in die Pfarr, zwölf hundert es bracht in 
die Paar. Lucas Zaerl Modo Judex Pollensis Fecit Cal. Junii Me 
fieri MDC. M. W.« 

Betreten wir das Rathhaus, so finden wir zunächst in 
der Vorhalle eine üebersichtstafel über die von mehreren 
Herren in Pöllau im ganzen Bezirke, und zwar zuerst in der 
ganzen Oststeiermark durchgeführten Wegmarkirungen, und 
im Amtsiocale die grossen, musterhaft verfassten Detail- und 
Situationspläne des Marktes, sowie die Ortschronik, beides 
Dedicationen des k. k. Hauptmannes Alphons Egle an die 
Marktgemeinde. Im ersten Stocke befindet sich der Raths- 



— 248 — 

saal und das Archiv mit der schönen Gerichtslade von 1693. 
die Marktprivilegien enthaltend. Interessant die vollständigen 
Rathsprotokolle von 1582 angefangen. Die älteste hier aufbe- 
wahrte Urkunde datirt vom 8. Jänner 1577. Merkwürdig ist 
auch das sogenannte Freiungs - Schwert (nicht Richtschwert 
in rothsammtener Scheide mit folgender Inschrift: 

„Zur Ewigen Gedsechtnuss. Dem leblichen Gericht Bella Habt: 
Richter und Rat So Mit Namen Begriffen Seint Ze Em Vnd Zier Die^' 
Schwert Machen Lassen : Christoph Mitterhausen, Richter ; Partlmä Ar- 
hofer; Stefan Wolf Sauer; Andre Weizer; Philipp Weissenperger; Philip 
Schaurer; Christoph Schnell; Lucas Zarl; Mathias Probus; Christof 
Senkler; Christoph Gleichenperger ; Wolf Gleichenperger 1590 Jar. Pete: 
Wainer, Wolf Zach; Hanns Jager; Mert Khlain.« 

Der Markt ist reich an schönen Frescobildern, so be- 
finden sich am gemauerten Kreuz im unteren Markte und am 
nebenstehenden Hause sehr interessante Fresken, auch as 
unteren Brauhause. 

Geschichtliches des Marktes: Die furchtbaren BräDde. 
die Pöllau wiederholt verheerten, zerstörten auch alle Urkunden über 
die Geschichte des Ortes, so dass wir bis zum Jahre 1589 nur aui 
ein spärliches Quellenmaterial angewiesen sind. Urkundlich viri 
Pöllau 1170 zuerst erwähnt. Im Anfange des 14. Jahrhundertes in: 
Besitze der Grafen von Cilli, kam die Herrschaft Pöllau später a: 
die Stubenberg, von welchen Hanns von Stubenberg sie an Heinric: 
von Neuberg verkaufte, welcher als letzter seines Stammes starl 
1482 aus seinem Erbe das Chorherrenstift Pöllau gründend. Ic 
Jahre 1532 wird Pöllau von den Ttirken verheert. Im Jahre 15?5 
wüthete die Pest, 1589 erfolgte der furchtbare Brand, der 40 Häuser 
und alle alten Urkunden des Marktes vernichtete. 1599 starben 
1800 Menschen in der Pfarre Pöllau. Die Reformationsbewegun? 
ging an Pöllau nahezu spurlos vorüber. Um das Jahr 1607 hatte 
Pöllau ein uniformirtes Bürgercorps. 1713 starben 66 Mensches 
an der Pest. 1785 erfolgte die Aufhebung des Stiftes und die Üeber- 
nähme der Stiftsherrschaft in das Staatseigenthum. Im Jahre Ifc^il 
und 1805 wurde Pöllau von den Franzosen besetzt. In den Jahres 
1822, 1824 und 1837 verheerten grosse Brände den Markt. Im Jahr* 
1826 kauften die Bürger für den Rentmeiater Karl Freiherm tö: 
Kulmer die Staatsherrschaft Pöllau, dessen schlechte Wirthscban 
aber schon 1831 zum executiven Verkaufe der Herrschaft an Ant'^t 
Ulm führte. Dieser verkaufte die Herrschaftt 1834 wieder an Raimuni 
Graf Lamberg, dessen Sohn Julius Graf Lamberg derzeit im Besiue 
derselben ist. 

Pöllau hatte eine sehr bedeutende Tuchindustrie und 
waren 1811 hier noch 16 Tuchmachermeister, eine Zahl, die heute 



— 249 — 

allerdings sich sehr verringert hat, immerhin geniesst jedoch noch 
der Pol lauer Loden einen guten Ruf, wie auch die Lederei und 
Töpferei von Belang ist. 

Pöllau ist eine der wichtigsten Mittelstationen für 
den Getreidebau, und zwar zwischen Ungarn und dem 
Mürzthale, und sind die Pöllauer Getreidepreise massgebend für 
die ganze Gegend. Das Pöllauer Getreidemass ist das „Wecht" zu 
16 Massl k 4 Mass. 

Schreiten wir vom Platze nördlich durch das Portal 
des ebenerdigen Vorgebäudes, welches die Kirche von zwei Seiten 
umschliesst, so stehen wir im Schlosshofe, welcher östlich 
von der Fagade des vielleicht herrlichsten Gotteshauses der 
Steiermark begrenzt wird. 

Gründung und Baugeschichte der Kirche: 

Ort und Pfarre erscheinen urkundlich 1163 zuerst erwähnt 
und mag wohl Ende des 12. Jahrhundertes jenes unweit der jetzigen 
Kirche gestandene Gotteshaus sich erhoben haben, welches erst circa 
1716 nach Vollendung der neuen Stiftskirche abgerissen wurde. 
Im Jahre 1482, am 6. December, erfolgte die Stiftung eines Klosters 
von 24 Argusiiner Chorherren durch den damaligen Besitzer des 
Schlosses Pöllau, Hanns von Neuberg, und seiner Schwester Elisa- 
beth, Letzte ihres Stammes, doch wurde die Stiftung erst 1504 
vollzogen. Die dem Stifte Voran entnommenen Chorherren wählten 
als ihren ersten Probst Ulrich von Trautmannsdorf. Aber erst der 
kunstsinnige Probst Michael Josef Meister (1669 — 1696) plante nicht 
nur den Ausbau des Stiftsgebäudes, sondern den Neubau der Kirche 
in gewaltigen Dimensionen nach dem Vorbilde der Peterskirche in 
Rom. Der edle, genial beanlagte Probst M. J. Meister erlebte jedoch 
nur die Vollendung des Stiftsgebäudes, welches durch seine zier- 
lichen Bogenhallen, den reizenden originelle^ Treppenanlagen und 
dem reichen Freskenschmuck seiner inneren Bäume, als eine be- 
deutende künstlerische Schöpfung betrachtet werden muss. — Aber 
erst unter seinem Nachfolger Johann Ernst von Ortenhofen wurde 
der Bau der neuen Stiftskirche, zu welcher die Erbschaft von 
150.000 fl. zweier in das Stift eingetretener Herren von Werteisberg 
in erster Linie den Baufond lieferte, begonnen, und zwar unter dem 
Baumeister Joachim Karion (Carlon), Glied einer zuerst im 16. Jahr- 
hundert in Italien auftretenden, sodann aber als Maler, Bildhauer 
und Architekten über ganz.Oesterreich und Italien sich verbreitenden 
berühmten Ktinstlerfamilie. — Im Jahre 1701 wurde mit dem Bau 
begonnen und 1709 war derselbe unter Dach gebracht. Die male- 
rische Ausschmückung wurde anfangs dem mehrfach in Steiermark 
beschäftigten Künstler Antonio Materna übertragen, als jedoch der 



— 250 - 

wahrscheinlich um das Jahr 1670 in PöUau geborne Mathias von 
Görz, Sohn eines gegen die Türken gefallenen Kriegers, der im 
Stifte erzogen und vom Probst M. J. Meister 1686 nach Graz uod 
1692 nach Italien zur Ausbildung in der Malerei, für welche der 
Stiftszögling aussergewöhnliche Begabung zeigte , gesandt worden 
war, um das Jahr 1700 heimkehrte, übernahm dieser geniale Künstler 
anfangs mit Materna gemeinsam, später aber bald allein die Aus- 
schmückung der ganzen Kirche mit wundervollen, in Composition wie 
im Colorit gleich meisterhaft behandelten Fresken, die lebhaft an die 
venetianische Schule erinnern. Wie die Chronographica entnehmen 
lassen, wurde 1712 zuerst die Kuppel bemalt, das Gewölbe des 
Presbyteriums 1715 und hierauf 1718 das Gewölbe des Schiffes. 
(„Von ersten May bis zu Ende des Monat November ist diese Mahlerei 
des Gewölbes verfertigt von G. Mathias von Görz 1718"). — Im 
Jahre 1732 wurde noch die Sakristei mit Fresken geschmückt Am 
13. August 1731 starb der Künstler und wurde in der Stiftsgnifi 
unter der von ihm so wundervoll geschmückten Kirche beigesetzt. 
Prälat Ortenhofen benedicirte die Kirche am 12. Juni 1716, con- 
secrirt wurde sie erst spät durch Bischof Graf von Waldstein 1804 
— Im Jahre 1785 wurde das Stift, das damals 29 Chorherren zählte. 
unter dem Prälaten Maria Anton v. Rain aufgehoben und die Pfan? 
mit Weltpriestem besetzt. 

Baubeschreibung: Die auf eine mächtige Innen wirkunf 
berechnete Kirche ist einschiffig und mit einem halbkreisförmigeD 
Altarraum abgeschlossen, zwischen Schiff und Altarraum ist ein 
Kreuzgewölbe, welches sich beiderseits in zwei halbkreisförmige 
Ausbauten öffnet, und über welchen sich die 37'/2 M. hohe, 13-35 M., 
breite Kuppel erhebt, eingeschoben, so dass dem Beschauer, wenn ' 
er bei dieser Kreuzung angelangt ist, nach allen Bichtungen über- 
wältigende Raumverhältnisse entgegentreten. „Das Innere wirkt 
wie die vaticanische Peterskirche in verjüngtem Mass- 
stabe." Ichkennein der That keine schwung- und mass- 
vollere,keine getreuere und zugleich selbstständigere 
baulicheRemini s cenz andieselbe al s diese, so schreib: 
ein geistvoller, weit gewanderter Kunstkritiker über 
den herrlichen Kuppelbau. Beiderseits des Schiffes befinden 
sich noch je drei Kapellenräume. Ober dem Eingange, am Westende 
der Kirche erhebt sich auf 4 Pfeilern und 6 Kreuzgewölben der 
jetzt als Musik- Empore dienende Betchor der Chorherren. Von des 
zwei Thürmen, die die Westfa^ade schmücken sollten, ist nur der 
südliche, in dreifacher Etage aufsteigend und sodann vom Viereck 
ins Achteck tibersetzend, ausgeführt worden. — Unter dem Pres- 
byterium der Kirche befindet sich die von Aussen zugängliche 25 M- 
lange und 3 M. breite Gruft der Chorherren. Was die Dimensionen 
dieser Kirche betrifft, die mit jenen der Herz Jesu-Kirche in Graz 
in merkwürdiger Weise tibereinstimmien, so finden wir: äussersre 



— 251 — 

nere Länge der Kirche 62-25 M., lichte Breite des Schiffes 12-95 M. 
öhe desselben 21-50 M., Seitenkapellen je 5*76 tief, 8*60 M., hoch 




Durchschnitt der Stiftskirche in PöUau (Kirchenschmuck). 



M. breit. Grösste Breite der Kirche 35 M. Alle Flächen und 
i>lbuDgen der Kirche sind mit Fresken geschmückt, die zu den 



— 252 — 

besten zählen, die Steiermark überhaupt zu bieten hat. Eine Welt 
kühnster architektonischer Gliederungen und fantastischer Orna- 
mentik, umschlungen von reizenden Laubgewinden und Fruchtfestons 
Hess Mathias von Görz hier erstehen, um diesen von ihm hinge- 
zauberten Wunderpalast mit der Glorie des Himmels zu beleben. 
welche gewaltige Compositionen mit den in dem Kuppelraume dar- 
gestellten, aufschwebenden Schaaren der 9 Chöre der Engel ihren 
künstlerischen Höhepunkt erreichen. 

Was die einzelnen Theile der Kirche betrifft, so finden wir: 
1. um das Haupt^iesimse, am ganzen Schiffsgewölbe fortlaofend 
eine Arkadenstellung mit Kolossaldarstellung von Heiligen; 2. am 
Tonnengewölbe des Hauptschiffes die Glorie des Himmels 
mit einer zahllosen Schaar Heiligen; 3. ober dem Hauptaltare 
Erhebung des hl. Veit in den Himmel; 4. am Musik eher, musi- 
cirende Engel und Scenen, auf die Stiftung der Kirche sich be- 
ziehend; 5. in den Emporen 30 Darstellungen aus dem neuen 
Testamente; 6. an den Kapellen wänden Bilder, auf das Leben 
des betreffenden Altarheiligen Bezug habend ; 7. an den vier Zwi- 
ckeln der Kuppel die vier Evangelisten; 8. in der Kuppel die 
neun Chöre der Engel. Mathias v. Görz hat an Regie- 
rungsrath Prof. Wastler einen ausgezeichneten Biogra- 
phen gefunden, welcher sein Urtheil über diesen Künstler in nach- 
stehenden Worten zusammenfasst: „Görz hat als Frescomaler einen 
kecken geistreichen Pinsel, der auf den ersten Blick die venetia- 
nische Schule erkennen lässt, flüchtige Zeichnung, etwas zu grosse 
Köpfe, das Colorit aber immer interessant. Besonders schön malt 
er Blumen, die er auch überall mit Vorliebe anbringt und bei wel- 
chen er eine an niederländisches Stillleben erinnernde Wirkung 
selbst im Fresco erreicht." 

Die sehr schöne Orgel, 1739 angeschafft, hat 2 Manuale, 
24 Register und 1461 Pfeifen. Die grosse Glocke, „Veitsglocke-. 
wiegt 44 Centner 10 Pfund. Von den Bildern der Kirche verdienen 
besondere Beachtung: Ein schönes Kreuzbild von Altomontein 
der dritten Kapelle links, ein kleines Bild vom h. Josef in der ersten 
Kapelle rechts, und das Altarbild im linken Querschiffe, das Rosen- 
kranzfest 1722 von Hackhofer gemalt (bestes Oelbild dieses 
Meisters). Das grosse Hochaltarblatt (St. Veit) wurde 175' 
von Molk gemalt. Auch der grosse Metall-Luster zu 24 Kerzen 
verdient seiner schönen Arbeit wegen Beachtung. 

Interessante Grabsteine: 1. goth. Grabstein des 
Hanns v, Neuberg f 1603 (dessen sowie seiner Schwester Leick 
in der Kirche beigesetzt sind); 2. goth. Grabstein Ulrichs von 
Trautmannsdorf; 3. colorirtes Epitaphium des Prälaten 
Michael Josef Meister f 1696 und des Prälaten Mich aei 
Praithofer f 1641. — Genau unter dem Mittelpunkte 
der Kuppel gibt jedes Wort ein achtfaches Echo. 



— 253 —. 

Geschichte des Stiftes: Die Gründung des Stiftes er- 
folgte, wie erwähnt, durch den letzten Neuherg (Neyperg) und seine 
Schwester mit Testament vom Nikolaitage 1482. Dem ersten Prä- 
laten Ulrich V. Trautmannsdorf des vom Chorherrenstifte Voran 
colpnisirten Stiftes folgte 1512 der Stiftsdechant Lorenz Handl, der 
jedoch resignirte, worauf Johann Mistelberger zum dritten Prälaten 
gewählt wurde. Er starb 1530, worauf Leopold Bachmann nach- 
folgte, der jedoch schon 1534 starb. Sein Nachfolger war Christoph 
Trückl, Stadtpfarrer zu Graz, welcher in stürmischer, drangvoller 
Zeit sein Amt 28 Jahre bekleidete. Unter seine Regierung fällt der 
üeberfall des Stiftes durch Weickhart von Pollheim am 9. Mai 
1541, der jedoch durch die Marktbewohner, die auf den Schall der 
Sturmglocke dem Stifte zu Hilfe eilten, abgeschlagen wurde. Die 
Ursache dieses Ueberfalles war ein Streit um das Vogteirecht über 
PöUau. Dem Christoph Trückl folgte 1560 Georg Steinhauser, der 
jedoch schon 1565 starb. Hierauf wurde Stefan Mitterhauser zum 
Prälaten gewählt, welcher 20 Jahre seines Amtes waltete und am 
2. October 1585 starb. Sein Nachfolger wurde Dr. Peter Muchitsch, 
Stadtpfarrer zu Graz, früher Domherr zu St. Stephan in Wien und 
Rector magnificus der Wiener Universität, einer der eifrigsten 
Gegner des Protestantismus. Er starb 1600, am 29. April. Ihm 
folgte Valentin Ritter, der während seiner 23jährigen Regierung das 
Stiftsvermögen wesentlich vermehrte. Er starb am 1. November 
1623. Sein Nachfolger Michael Praithofer, gleichfalls ein Mehrer 
des Stiftsvermögens, regierte bis 1641. Ihm folgten Vincenz Neu- 
hold und Caspar Kolb 1641-1643 und 1643—1645. Der nächste 
Prälat Pankratius Perkhofen vermehrte wesentlich das Stiftsver- 
mögen, so namentlich durch Ankauf der Herrschaft Külbl. Mit seinem 
Nachfolger Michael Josef Meister (1669—1696) erreichte 
das Stift seine schönste Blütheperiode ; dieser treffliche Mann, von 
ungewöhnlichen Geistes- und Herzensgaben, erwarb u. a. das Frei- 
haus in der Herrengasse (jetzt Nr. 26) in Graz, baute das Stifts- 
gebäude vom Grunde aus neu auf, sowie den Pfarrhof zu Pöllau- 
berg, Hess Mathias von Görz in Italien ausbilden und entwarf die 
Pläne zum Neubau der Kirche, wie er auch viele reiche Sprossen 
alter Adelsgeschlechter zum Eintritte in das Stift veranlasste. Er 
starb am 7. November 1696. Ihm folgte, in die Fussstapfen seines 
Vorgängers tretend, Johann Ernst v. Ortenhofen, unter dessen 
46jähriger Regierung der Neubau der Kirche und die Erwerbung 
des PöUauerhofes am Mehlplatze in Graz (jetzt Oberlandesgericht) 
und der Herrschaft Welsdorf fällt. Er starb am 29. Juli 1741. 
Sein Nachfolger Karl Josef Graf v. Brenner, lebte während seiner 
32jährigen Regierung zumeist in Graz, er war landständispher De- 
putirter und vernachlässigte die Interessen des Stiftes. Ihm folgte 
als letzter Prälat 1776 der Pfarrer in Miesenbach, Maria Anton 
Edler von Rain, unter ihm wurde das Stift, welches damals 29 Chor- 



— 254 — 

herren zählte, mit EntSchliessung K^aiser Josefs 11. vom 22. Juli 
1785, welche durch den kaiserlichen Commissär Wolf, Herrn y. 
Stuhenherg, vor dem versammelten Convent publicirt wurde, aufge- 
löst. Die nicht in der Seelsorge beschäftigten Chorherren wurden 
mit je 300 fl. pensionirt. Merkwürdiger Weise ist seit dieser Zeit 
die gewiss reichhaltige Bibliothek mit allen Urkunden spurlos ver- 
schwunden. Der Stiftsbesitz fiel dem Keligionsfonde zu und kam 
in Staatsverwaltung. Heute beherbergen die weitläufigen Stiftsgeb&ude, 
die zwei Höfe umschliessen, ausser den Appartements des Schloss- 
eigenthümers Grafen Julius Lamberg (mit interessanter Antiquitäten- 
und Waffensammlung), die Pfarrgeistlichkeit und das k. k. Bezirks- 
gericht sammt Steueramt. 

Ausser dem Markte befinden sich mehrere interessante 
Kapellen und Pestkreuze, so steht eine Viertelstande unter 
dem Markte, an der nach Kaindorf führenden Strasse eine 
Kapelle, das Galgenkrenz genannt, weil auf dem runden Högel- 
vorsprunge hinter derselben, links von dem Fusswege, bis 
1830 die drei gemauerten Pfeiler des Hochgerichtes standen. 
Unweit davon befindet sich auf einem Hügel eine Gedächt- 
nisssäule mit der Inschrift: „Im Jar 1713 hat die leidige 
Pest von Markht Pöllau allhier 66 Persohnen weggerissen, 
die Alle hier begraben liegen.^ 

Spaziergänge und Ausflüge: 

Die Umgebung Pöllau's ist ungemein reich an 
herrlichen Thal- und Bergpartien verschiedensten 
landschaftlichen Charakters, dabei sind durchwegs 
die Wege markirt und bieten gute Gasthäuser an den 
Zielpunkten überall bequeme Rast. 

1. In die Au 5 Minuten, mit Ruhebänken unter ural- 
ten Linden. 

2. In den herrschaftlichen, prächtigen, tiefschat- 
tigen Schlosspark, der in munificentester Weise von 
Herrn Grafen Julius Lamberg dem Publicum zum Be- 
suche geöffnet ist. 

3. Längs des Safen- und Pretisbaches aufwärts 
und längs des Safenbaches abwärts durch den Haiden- 
wald nach Schönau-Hofkirchen und zur schönen, rein 



— 255 — 

gothischen Kirche St. Stephan. (Siehe 149) Diese dicht 
von Nadelholz und Lauhholzwald umschatteten Wege 
an den kristallhellen rauschenden Bächen im kühlen 
Thalgrunde, oft unterbrochen von saftig grünen kleinen 
Waldwiesen und kleinen Scenerien bemoster Fels- 
blöcke, erschliessen eine.wunderbare Waldidylle und 
zählen zu den lieblichsten Landschaftsbildern der 
Oststeiermark. Aehnlich der Weg durch den Leutsch- 
graben, dann weiter durch die Halt zum Aussichtspunkt 
Heureck. Der Höhenrücken zwischen Safenthal und Breiten- 
bach bester Aussichtspunkt auf den Markt. 

4. Zum Calvarienberg 20 Minuten, blau-roth mar- 
kirt, östlich über die Wiesen den Wald hinauf, bis man 
plötzlich mitten im heiligen Waldfrieden auf kleinem Wiesen- 
plan, umschlossen von zwei rauschenden Bächen, den mächtigen 
Felsen ragen sieht, auf welchem das Kreuz mit dem Erlöser 
sich erhebt, ein ergreifend schönes Bild weihevoller 
Waldpoesie, welches unwillkürlich zur Andacht stimmt. Rück- 
weg über die Ziegelei. 

5. Nach PöUauberg 752 M., 1 Stunde, roth markirt. 
Ueber den Calvarienberg durch Wald, später unterbrochen durch 
Wiesen und Aecker, in stetiger ziemlich starker Steigung, zuletzt 
an interessanten Betsäulen aus dem 17. Jahrhundert vorbei zu 
der weithinschauenden herrlichen gothischen Kirche St. Maria 
am PöUauberg (siehe Seite 256). Hoch auf stolzer Berges- 
höhe ragt als wahrer Lug-ins-Land weitausblickend die durch 
ihre originelle Anlage und reiche Detailbildung ausgezeichnete • 
gothische Wallfahrtskirche Maria am PöUauberg über dem 
Markte PöUau empor. 

Eine erblindete Markgräfin von Mähren soll hier Heilung 
gefunden und 1290 das wunderherrliche Gotteshaus gegründet 
haben, aber da alle diesbezüglichen Urkunden bei dem Kirchen- 
brande von 1674 zu Grunde gingen, so müssen wir uns mehr an 
die stilistischen Merkmale des Baues halten, welche die Entstehun<^ 
der Kirche um die Mitte des 14. Jahrhundertes versetzen, womit 
auch die Angabe der vom Pfarrer Kamer verfassten Monographie 
des Stiftes Pöllau „Katharina relicta quondam domini Henrici de 
Stubenberg", welche 1339 ihr Gut Radaun bei Baden dem Pfarrer 



— 256 — 

von PöUau „ad fabricara tarn ccclesiae^ parochialis quam capellae 
(B. M. V. in monte prope Pöllau)" schenkte, sei die Gr&nderin der 
jetzigen Kirche am Pöllauberg gewesen, tibereinstimmt. 

Der Bauplatz der Kirche ist so beschränkt, dass sie nach 
West, Süd und Ost über den Berg herausgebaut werden musste und 
18 Stufen zu dem Haupt-(West)portale hinaufführen. Das Portal. 




[St. Maria am Pöllauberg. 

wie die ganze Mittelpartie der Fagade, ist in Haustein ausgeföhrt 
und das Portal selbst durch Giebel, Fialen, Riesen, Krabben uni 
Masswerk reichst decorirt und erinnern die den Tympanon, der 
leider weder durch Gemälde noch durch Sculptur ausgefüllt ist 
umschliessenden Hohlkehlen mit ihren den Kehlungen folgendes 
Baldachinen auffällig an das Portal der Mariazeller Kirche. Vom 
Hauptportale gelangt man zunächst in die Vorhalle, die zwei 
mächtige, reich profilirte Scheidepfeiler in drei Bäume theilen. Die 



— 257 — 

Vorhalle und die darüber liegende Empore erschliessen sich mif je 
drei spitzbogigen Durchlässen gegen das Innere der Kirche, deren 
Schiff wieder 6 Stufen höher liegt, wie die Vorhalle. Die Länge der 
Kirche beträgt 37-30 M., ihre lichte Breite 13-80 M. Das Schiff 
der Kirche wird durch drei ungemein schlanke, 12^35 M. 
hohe Pfeiler in zwei gleiche Theile getheilt, und- corre- 
spondiren die Pfeiler mit Bündeln von je 5 Diensten an den Lang- 
wänden, welche vereint die 17-50 M. hohen spitzbogigen Rippen- 
gewölbe tragen. Ungemein interessant ist der Uebergang des zwei- 
schiffigen Kircheninnern zu dem Achteck des durch vier luftige Pfeiler 
in drei Schiffe gethejlten Chorschlusses, wodurch sich streng geome- 
trische Formen ergeben, leider ist die edle Schönheit dieser archi- 
tektonischen Gliederung derzeit, durch den weit später entstandenen 
unförmlichen Altarbau, vollends entstellt. Dieser Altar räum ist 
aber noch weiters ganz besonders durch umlaufende 
Blenden, mit Steinbänken decorirt, und überraschen diese 
Blenden und namentlich die Session durch die reiche Detailbildung 
der aus Spitzbogen, Fialchen, Krappen, Kreuzblumen und Baldachinen 
bestehenden Bekrönung und Bedachung. Aber auch damit begnügte sich 
der Baumeister in dem Bestreben einer möglichst reichen Decoration 
des Baues nicht und so finden wir, wo es nur immer thunlich war, so 
namentlich an den Diensten, noch überall Consolen, von schönen 
Baldachinen tiberragt, und die Schlusssteine der Gewölbrippen mit 
Schildern geziert. Die nur südlich und östlich angebrachten Fenster 
zeigen noch in den Verhältnissen wie im Masswerk den edlen Charakter 
der Gothik der Mitte des 14. Jahrhunderts. Leider haben der Brand 
von 1674 und spätere Stilwandlungen die Innen- wie die Aussen- 
wirkung der Kirche in ungünstigster V^eise beeinflusst; so entstellt 
schon der hölzerne, ganz unpassende Thurm (an Stelle des alten) 
die Fagade, während die Innen Wirkung des Kirchenbaues durch den 
Einbau einer zweiten Musikempore und durch stilwidrige monströse 
Altarbauten im hohen Grade beeinträchtigt wird, endlich verschwanden 
auch die feinprofilirten Gliederungen der Baldachine und Spitzbogen 
ober den umlaufenden Mauerbänken in Folge wiederholten Weissens 
unter einer dicken Kalkkrüste. Aber selbst in ihrer Ver- 
stümmelung zählt die Kirche zu Pöllauberg zu den 
schönsten, edelsten gothischen Kirchenbauten des 
Landes und liegt hoffentlich die Zeit nicht mehr ferne, wo die seit 
einem Decennium angestrebten Restaurationsarbeiten energisch in 
Angriff genommen werden können. 

Pöllauberg ist Wallfahrtsort, und sorgen drei Wirths- 
häaser für des Leibes Wohl. Auch eine Schule befindet sich 
hier für die Kinder der Gemeinde Pöllauberg. Hier wurde am 
8. Juli 1821 Jakob Gschiel, der Altmeister der 
steirischen Bildhauer, geboren, in dessen Werkstätten 

17 



— 258 — 

nahezu sämmtliche jüngere Bildhauer von Graz, darunter 
auch der von der Akademie der bildenden Künste in Wien 
wiederholt preisgekrönte, weit bekannte Bildhauer Hanns 
Brandstetter, der Bildner der ^Waldlilie" im Stadt- 
parke zu Graz, ihre Lehrjahre absolvirten. Gschiel freqneE- 
tirte von 1852 — 1855 die Akademie der bildenden Künste 
und widmete sich sodann ganz der kirchlichen Kunst, nod 
besitzen zahlreiche Kirchen in Steiermark aus dem Atelier 
Gschiel s hervorgegangene tüchtige Arbeiten. 

6. Nach St. Anna, 1 y^ Stunden, (Weg bis Hartberg 
roth markirt); über ünterneuberg, die Point (Tutterer's Wirths- 
haus), das Muttenthal, den Schwitzberg, dann weiter auf dem 
Fahrwege nach St. Anna, 597 Meter, hübsche Kirche in freier 
Lage mit prächtiger Aussicht Im Jahre 1633 stürzte die alte. 
1499 erbaute Kirche während des Gottesdienstes ein nnc 
verunglückten dabei viele Menschen. Von hier erreicht ma: 
in y4 Stunden die Burg Neuberg und in weiteren ^/^ Stunden 
Hartberg. 

7. St. Johann bei Herberstein 3 Stunden, gell 
markirt. Durch die Hai den über Lombach zum Stoanzenz! 
(Wirthshaus) bei den fünf Steinen links vorbei über den Küni- 
seppl zum Wetterkreuz, schöne Aussicht, über das Safen- nni 
Feistritzthal, Ruine Schieleiten, Neu-Schieleiten, dann nacl 
Burg Herberstein und über den Katzensteig nach St. Johani 
hinauf. Sehr lohnend, mühelos. St. Johann siehe Seite 214 

8. Stubenberg 2 Stunden, gelb markirt. Von dei 
fünf Steinen rechts aufwärts oder vom Wetterkreuz über dir 
Ruine Schieleiten. Stubenberg siehe Seite 194. 

9. Rabenwald, 1281 M., 2 Stunden stark, orange- 
gelb markirt. Herrliche Waldwanderungen in den riesige: 
Nadelholzcomplexen des Rabenwaldes, wie kaum in einer andere: 
Gegend Steiermarks möglich, lieber die. Halt (Wirthsha^- 
Haltpeter) und das Heureck zur Schwaig (Wirthshaus Jage-- 
michl), von hier rechts über die Gschaider Kögerln ao^- 
Gschaid (Wirthshaus) 2 Stunden und zurück auf der Bezirke- 
Strasse nach Pöllau 1 % Stunden, üeberaus lohnende Tagespartie. 



-- 269 — 

10. Zeiselegg, 1078 M., aufs Gschaid, Bezirksstrasse, 
2 Stunden, von hier rechts y^ Stnnde aufs Zeiselegg, dann 
über die Wolfsgrube zur Fichte 1 ^/^ Stunden, und zum Kreuz- 
wirth y^ Stunde, herrliche Höhenwanderung, nicht zu fehlen, 
aber immer am Höhenrücken bleibend, vom Kreuzwirth auf 
der Strasse nach PöUau lyj Stunden. 

11. Masenberg, 1272 M., 2y2 Stunden, blaue Marke. 
Vom Calvarienberg nördlich über Thalhofer, Friedenmichl. 
Abstieg über den Wiesberg und Pöllauberg. 

Uebergänge: 1. Nach Yorau, Bezirksstrasse über 
den Kreuzwirth, 4 Stunden für Fussgeher, die steile Stei- 
gungen vermeiden wollen; 2. nach Voran über die Zisser 
Taverne, 907 M., weiss markirt, 3 Stunden, anfangs auf 
der Strasse, dann rechts Wegweiser und Markirung meist steil 
hinan, Fussweg, schöner durch den kühlen Pretisgraben, be- 
sonders an heissen Tag^n (später vereinigen sich die Wege). 
Oben bei der Zisser Taverne schöner Blick auf Voran, mii 
dem Wechsel im Hintergrunde; 3. nach Birkfeld übers 
Gschaid, Be^irksstrasse, 3 Standen. Wer die Strasse möglichst 
vermeiden will, geht anfangs so lange als möglich (mindestens 
eine halbe Stunde) längs des Safenbaches aufwärts, schönes 
kühles Waldthal, dann rechts hinauf, wo man zur Strasse 
kommt; 4. nach Hartberg, siehe Seite 258, Nr. 6 oder Strasse. 



17* 



i4iUAi U ilUUUiiUUiIlUi UA i UA i Ä i'i A \i 






ImmuHHMm ii Minm i mi iii iinninmMn^uMHihtutimM^m 



Route VII. Hartberg. 

A. Hartberg und Umgebung. 

B. Hartberg -Voran. 

1. Hartberg -Reitenau- Voran. 

2. Hartberg -Kirchberg -Voran. 

B. Hartberg-Eichberg-Beigiitel-Voran. 
C Hartberg-Allhan-Oberwarth. 
D. Hartberg -Waltersdorf- Fiirstenfeld. 
E« Hartberg -Gleisdorf- Graz. 

F. Hartbfrrg-Friedbergv 

G. Hartberg -Wörth-Neudau-Bnrgan-Filrstenfeid. 

Sitten, Gebränche nnd Sagen des Volkes in den sudlichen 
Gegenden der pordostliclien Steiermark. 



A. Hartberg und Umgebung« 

Hart am Fusse des reich bebauten Südgeländes des 
durch viele Weingarthäuschen belebten Hartberges, ungemein 
malerisch gelagert und von der waldumkränzten Kuppe des 
stattlichen Ringberges mächtig überragt, gewährt die Metro- 
pole der Ost-Steiermark, von welcher Seite man sich ihr 
auch nähert, einen überraschend schönen Anblick, der von der 
Grazer Strasse aus, wo sich die gewaltigen Bauten des 
Landes-Siechenhauses und der Landes-Bürgerschnle 
am stattlichsten präsentiren, mehr einen imposanten, von der 
Friedberger und Fürstenfelder Strasse jedoch mehr eineß 



— 261 — 

lieblichen Charakter annimmt. Hartberg bildet naturgemäss 
das Herz der nordöstlichen Steiermark, denn es liegt 
im Centrum der drei gewaltigen Lungenflügel dieses Landes- 
theiles, Gleisdorf, Fürstenfeld, Aspang, und hat es die Metropole 
der nordöstlichen Steiermark, in welcher sich heute die zwei 
weitaus grössten Humanitätsanstalten der Ost-Steiörmark nebst 
einer Reihe wichtiger Bildungsanstalten, wie die politischen 
Behörden für die Gericbtsbezirke Pöllau, Voran, Hartberg und 
Friedberg, und das Kreisdecanat für die Decanate Pöllau, 
Voran, Hartberg und Waltersdorf concentriren, stets verstanden, 
zielbewusst und opferwillig ihrer Mission in hohem Grade 
gerecht zu werden, wie auch die kleine Stadt ein communales 
Leben aufzuweisen hat, wie es sich kaum eine zweite Stadt 
der Steiermark erfreuen kann. 

Gasthäuser: Josef Knar „zur Post", 13 Zimmer, 30 Betten, 
Eestauration und Kaffeehaus; Anton Glatz, 6 Zimmer, 12 Betten, 
schönster Garten, vorzügliche Küche, Frühschoppen; Franz Rath „zum 
Brandhof**, 8 Zimmer, 12 Betten, Sitzgarten mit Kegelbahn; Fuith 
Ignaz (Brauhaus), 6 Zimmer, 14 Betten, sehr elegant möblirt; Franz 
Grossschedel „ungarische Krone", 10 Zimmer, 25 Betten, Sitzgarten; 
Cäcilia Kundegraber „zum grünen Baum"; Anton Gerlitz „zur 
Sonne"; Karl Wild; Anton Schönherr; Karl Hall amay er; Mader etc. 
Zimmerpreise meist 30 — 50 kr. per Bett. Die Zimmer sind in den 
erstgenannten Gasthäusern mit allem modernen Comfort möblirt, 
vortreffliche Betten. — Badeanstalten: Am östlichen Ende der 
Stadt, von Parkanlagen umgeben, die prächtige, von der Stadtgemeinde 
1877 errichtete, grosse Badeanstalt, mit grossem Schwimmbassin, 
Springbrunnen, zahlreichen Cabinen. Neben das gleichfalls von der 
Stadtgemeinde erbaute, schöne Warmbad mit einer Reihe Bade- 
cabinen, Bouchevorrichtungen, reizendem Wintergarten. — Post- und 
Telegraphen Station. Postverbindungen: Täglich zweimal nach 
Gleisdorf, Abfahrt um 11 Uhr Vormittags und- V2II Uhr Nachts. 
Fahrgeld 1 fl. 50 kr.; nach Friedberg (Aspang), Abfahrt um 8 Uhr 
20 Minuten Vormittags und 8 Uhr 15 Minuten Ahends, Fahrgeld 
bis Friedberg 1 fl. 30 kr. Nach Pöllau, Abfahrt 8 Uhr Früh, Fahr- 
geld 70 kr. Nach Oberwarth, Abfahrt 7 y, Uhr Früh, Fahrgeld 
80 kr. Nach Waltersdorf, Abfahrt S^ Uhr Früh, Fahrgeld 70 kr. 
Nach Fürstenfeld (über Neudau)^ 8 Uhr Früh, Fahrgeld 1 fl. 40 kr. 
Stellwägen nach Gleisdorf Montag und Donnerstag 11 Uhi^ Mittag 
1 fl. 50 kr. Fahrgelegenheiten stehen jederzeit und in reicher 
Auswahl zur Verfügung. Preis per Tag für Zweispänner 6 fl., für 
Einspänner 4 fl. —Vereinswesen; Jagdgesellschaft, gegründet 
1860; Lehrerverein der nordöstlichen Steiermark, gegründet 1871; 




— 262 — 

freiwillige Feuerwehr, gegründet 1872; Verein der Aerzte der nord- 
östlichen Steiermark, gegründet 1874; Männergesangverein, gegründet 
J882; Militär -Veteranen -Verein mit Capelle, gegründet 1883; 
Casino -Verein, gegründet 1885 (hält 12 Journale) und Leadtifcb 
(hält 15 Journale etc.); Ortsgruppe des deutschen Schul verdnü^«* 
Jahrmärkte: Aschermittwoch, Pfingstdienstag und Katli^4lij 
cemher). Jahr- und Viehmärkte: Johanni (12. Juni) und 
(2. Septemher). — Industrielle Unternehmungen: Ne 
richtete Gerberei des Herrn Ernst Mock mit Dampfbetrieb. 
Dampfmotor in Hartberg, System Friedrich.) 

Hartberg, landesfürstliche Stadt mit 193 HänsMI-'Wi 
1700 Einwohnern auf 360 M. Seehöhe, Sitz der k. k. Besfafc- 
hauptmannschaft für die Gerichtsbezirke PöUau, Hartberg, Voran 
und Friedberg, eines k. k. Bezirksgerichtes sammt Steaeramt. 
der Bezirksvertretuhg, des Bezirksschulrathes, einer Landes- 
bürgerschule, verbunden mit einem gewerblichen Fortbildungs- 
curs, einer vierclassigen Knaben- und Mädchen-Volksschule and 
eines Kreisdecanates, Domicil zweier Doctoren der Medicin und 
zweier praktischer Aerzte, sowie einer Apotheke. Gemeinde- 
Sparcasse, gegründet 1845 als Zweitälteste der Steier- 
mark, mit einem Keservefond von 224.180 fl. (Ende 1886j. 

Hartberg, malerisch am Ufer des Südgeländes des 
gleichnamigen Berges, in vollkommen windgeschützter Lage 
sich ausdehnend, zählt zu den geselligsten und freundlichsten 
Städten der Steiermark und bietet diese Stadt, von einem 
Gürtel reizender, theilweise an die alten Stadtmauern gelehnter 
Parkanlagen umgeben, mit ihren ausgezeichneten commanaleD 
Einrichtungen, einen überaus angenehmen Aufenthaltsort. 

Geschichtliche Skizze. Wie schon in der historischen 
Einleitung erwähnt, weisen zahlreiche Funde von Römersteineo« 
namentlich aber die vielen Gräberstätten in der unmittelbaren Um- 
gebung Hartbergs darauf hin, dass hier eine grössere römische Nie- 
derlassung, welcher vielleicht schon eine keltische vorausging, be- 
standen war. Urkundlich wird jedoch Hartberg erst 1128 anlässhcb 
(}er Schenkung eines Gutes in Hartberg Leopolds des Starken an seinen 
Ministerialen Rudiger erwähnt. 1157 kommt schon ein Pfarrer (Er- 
kenger) von Hartberg vor. 1166 hielt sich die Witwe Ottokars, Koni- 
gunde, in Hartberg längere Zeit auf. 1194, am 26. December, sprach 
ein Pfarrer von Hartberg Leopold den Tugendhaften, welcher sich 
beim Turniere in Graz den Fuss brach und sich denselben selbst 
amputirte, vom päpstlichen Banne los. Im Jahre 1280 hielt Rudolf 1. 



— 263 — 




03 



— 264 — 

mit grossem Gefolge, auf seiner Keise nach Graz zur Erbhuldigang 
Nachtlager in Hartberg. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts litt die 
Stadt viel durch räuberische Einfälle der Ungarn. Im Jahre 1310 
verlieh Herzog Friedrich der Schöne den Bürgern Hartbergs auf 
ewige Zeiten das Eecht, sich selbst einen Bürgermeister zu Y&blen 
und in der Pfingstwoche einen Jahrmarkt zu halten, wie er ihnen 
auch das Jurisdictionsrecht gewährte. 1330 verlieh Herzog Albert 
den Bürgern der Stadt die Freiheit, in seinen Landen maathfrei 
Handel treiben zu dürfen. In diesem Jahrhunderte erscheinen zahl- 
reiche fromme Stiftungen, darunter die noch heute bestehende von 
1310, Todtenmessen, Opfer für die Armen und Priester und sogenannte 
ewige Lichter betreffend. 1401 bestätigt Herzog Wilhelm der Freund- 
liche die Stadtrechte. Das Bürgerspital war schon 1417 mit einer 
Gülte dotirt und war die Stadt sehr wohlhabend. 1436 brennt aber 
die ganze Stadt ab. — Am 2. Februar 1469 wurde Hartberg von 
den Verbündeten: Andreas Baumkir eher, Hanns von Stuben- 
berg, Christoph und Andreas Närringer, Ulrich Gessnitzer, Ludvis 
Hausner etc. in der Nacht überrumpelt und eingenommen („am Frauen- 
tag der liechtmess (wurden) ettlich stet mit Namen Hartperch, Fürstei- 
feld, Marchpurg, schloss Wildoni vrbaring (plötzlich) vnd vnbevart 
abgeslichen ingenomen vnd haben die inne"). Der Ueberfall geschah 
gegen Mitternacht (circa medium noctis) berichtet eine Notiz ia 
Vorauer Cod. CCXX. In Folge des Ausgleichsvertrages zwischer 
Kaiser Friedrich und Baumkircher ddto. Völkermarkt 1470, 30. Jur- 
wurden alle eroberten Plätze, darunter auch Hartberg, wieder vcn 
den Aufständischen geräumt und dem Kaiser zurückgegeben, der am 
7. Juli 1470 den Grafen Wilhelm von Tierstein zum CommandantfC 
von Hartberg und Fürstenfeld ernannte. Durch diese Verheerungen 
und Brände war Hartberg ganz herabgekommen und viele Häu>er 
standen verödet, so dass Kaiser Friedrich der Stadt das Privilegiuin 
(1473) ertheilte, dass Jedermann, der die verödeten Häuser vieiif.' 
aufbauen und an sich bringen würde, dazu berechtigt sein sollt 
Bald fielen jedoch die Ungarn wieder ein und im Jahre 1487 vunif 
Hartberg vom Sohne Baumkirchers, Wilhelm Baumkircher, eines 
Vasallen König Mathias Corvinus' von Ungarn belagert, erobert oru 
durch längere Zeit (longo tempore, sagt die Vorauer Chronik) "t 
Besitze behalten. In einer Urkunde ddo. 1489, 10. Jänner, erscheinJ 
Wilhelm Baumkircher als Freiherr von Slening, Hauptmann ^t^- 
Hartberg und Fürstenfeld. Erst 1490, nach dem Tode König Mathias 
fiel Hartberg wieder in die Hände der Kaiserlichen. Die Wieder- 
eroberung leiteten die Feldhauptleute Mundpratten und "Weisse'- 
burger und Engelhard von der Haid, der spätere StadtcommandacL 
welcher 1497, als er als Pfleger auf Neuberg (nächst Hartbenr 
sass, an König Max eine Bittschrift richtete, in der er ihn erinntr'^ 
wie sie dazumal, „Harperg stat und sloss zu Euer kö. gn. banden t- 
den Hungerischen brachten mit wenig kost". 



— 265 — 

Kaum begann sich Hartberg unter der Kegierung Kaiser 
Maximilians etwas zu erholen, so vernichtete ein furchtbarer Brand 
1512 abermals den grössten Theil der Stadt, worauf Maximilian 
Hartberg das Privilegium eines Jahrmarktes in der Fastenzeit mit 
jedesmaliger vierwöchentlicher Freiung (ddo. Erhardstag 1612) 
verlieh. Im Jahre 1525 wurde für Steiermark eine Türkensteuer von 
8500 Pfund Pfennige ausgeschrieben, wovon auf Hartberg 120 Pfund 
entfielen. Im Jahre 1529 berannte ein türkisches Streifcorps Hart- 
berg; schon stand ein Muselmann mit der Fahne auf der erstürm- 
ten Ringmauer, berichtet die Ueberlieferung, als ein Bäckerjunge, 
der eine zerbrochene Silbermünze in seine Büchse geladen hatte, 
ihn herabschoss. Der Türke stürzte Über die Mauer, die Fahne 
aber fiel in die Stadt, Wo sie später bei allen feierlichen Umzügen 
bis in die Dreiissiger Jahre unseres Jahrhunderts herumgetragen wurde. 
Beim grossen Türkeneinfall 1532 zogen die türkischen Heerhaufen 
an Hartberg vorüber, ohne einen ernstlichen Angriff zu unternehmen. 

In dieser drangvollen Zeit verpfändete der Kaiser Stadt und 
Schloss Hartberg um 4000 Pfund Pfennige an Herrn Hanns Sigis- 
mund. von Dietrichstein „auf ewigen Widerruf"; um das Jahr 1546 
war jedoch Stadt imd Schloss wieder landesfürstlich. Aber Erz- 
herzog Karl IL, Sohn König Ferdinands, dem bei der Ländertheilung 
Inner Österreich zugefallen war, war bald gezwungen, zu den Kriegs - 
rüstungen gegen die Türken grosse Geldsummen aufzubringen, was 
zumeist durch Verpfändung landesfürstlicher Güter bewirkt wurde. 
Und so wurde auch Hartberg an einen gewissen Caspar Puggl 
verpfändet und zwar um das Jahr 1569. Aber leider nur zu bald 
entstanden Streitigkeiten zwischen dem Pfandinhaber und der ihre 
Privilegien wahrenden Stadt, welche endlich durch den berüchtigten 
PuggTschen Vergleich, welcher am 20. März 1572 Jandesfür stlich 
bestätigt wurde (resp. 1569), scheinbar beigelegt wurden. Dieser 
Vertrag wurde zur Quelle imsäglicher Unbilden für die Stadt, und 
wir müssen ihn daher hier auszugsweise anführen: 

„1. Jeder neuerwählte Richter ist durch Rathsbürger Kaspar 
Puggl oder seinen Nachfolgern vorzustellen. Im Falle der Inhaber 
wichtige Bedenken gegen die Wahl hat, und die Bürger davon nicht 
abstehen, ist er berechtigt, den Act an die Landesobrigkeit zu leiten. 
2. Bei der Vorstellung des Richters ist zugleich die Liste neu auf- 
genommener und verabschiedeter Bürger zu überreichen. 3. In Bezug 
auf Bergrecht (Weinzehent) und Fertigung der Weingartbriefe (Kauf- 
briefe) verbleibt die Bürgerschaft bei ihrem alten Herkommen, jedoch 
mit der Beschränkung, dass in Zukunft den Bergholden Briefe nur 
binausgegeben werden dürfen, nachdem sie sich zuvor dem Pfand- 
inhaber behufs Richtigstellung der jährlichen Bergrechtsfälle im 
Urbar gestellt. Das Absterben von Bergholden ohne Leibeserben ist 
jederzeit gebührenden Ortes anzuzeigen. 4. Das Stadtgericht ist com- 
petent, in den Privatforderungen Puggl's gegen die Mitbürger als 



— 266 — 

erste Instanz zu entscheiden ; das Appellationsrecht an den Yicedom 
in Steier bleibt den Parteien vorbehalten." 

Um die durch den Puggl'schen Vertrag erfolgte Beeinträch- 
tigung der landesfürstlichen, der Stadt Hartberg verliehenen Privi- 
legien vollends würdigen zu können, recapituliren wir hier diese 
Stadtrechte: Den 25. Mai 1310 gibt Herzog Friedrich den Bürgern 
das Recht, ihre Richter selbst zu wählen, und erweitert die Com- 
petenz des Stadtgerichtes auf Klagen betreffs in ihrer Stadt contra- 
hirten Schulden. Herzog Wilhelm verfügt am St. Margarethentage 
1401, dass alle Streitigkeiten und Rechtsverletzungen der Bürger 
von den Bürgern selbst geschlichtet und die mit Arrest Bestraften 
nur zu Hartberg in Gewahrsam gebracht werden dürfen. Damit 
war dem Stadtgerichte im Bereiche des Burgfried die volle Juris- 
diction zugesichert. Ja gegen Erlag des jährlichen „Remanenz" war 
die Stadt sogar im Besitze des Landgerichts, dessen Gerichtsbarkeit 
sich bis nach Vorau erstreckte, bis letzteres 1517 von Hartberg ab- 
getrennt wurde. Die Rathsverwandten oder Magistratualen 
hatten in ihren Häusern eigene Kerker, wie sie z.B. im Res- 
savar'schen und Schickh's Hause noch heute zu sehen sind. Diese 
Rechte der Bürger blieben unbestritten, so lange die landesfürstlichen 
Güter durch Pfleger verwaltet wurden, erst mit der Verpfandung 
dieser Kammergüter an Adelige begann die Beeinträchtigung der 
Stadtrechte durch die Pfandinhaher. 

Am 5. März 1572 übernahm Johann Baptista von Paar das 
Pfandrecht auf Schloss und Stadt Hartberg mittelst Vertrag von 
Puggl, der später am 10. März 1574 mit Erzherzog Karl direct 
erneuert wurde. Mit dem vorher genannten, sogenannten Puggl'schen 
Vertrage und der üebernahme der Pfandinhabung durch die Herren 
J. B. von Paar, erschloss sich für die Stadt Hartberg und ihre 
Bürgerschaft eine Quelle massloser Unbill und Beeinträchtigung ihrer 
Freiheiten, die zu den traurigsten Capiteln der Rechtsgeschichte des 
17. Jahrhunderts zählen. Paar Hess sogleich nach Üebernahme der 
Pfandinhabung die Geschütze der Stadt in das Schloss führen, be- 
handelte die Bürger wie seine Unterthanen, und setzte den Stadt- 
richter in Arrest. Vergebens beriefen sich die Bürger auf ihre landes- 
fürstlich bestätigten Freiheiten, und gelang es ihnen auch, eine günstige 
Entscheidung in erster Instanz zu erwirken, so kümmerte sich Paar 
nicht im Geringsten um die behördlichen Weisungen oder er erwirkte 
von den obersten Hofbehörden, wo seine ganze Schwäger- und Ge- 
vatterschaft hohe Aemter und Würden bekleidete, sicher die Aen- 
demng des Urtheils zu seinen Gunsten, und so waren die Bürger 
Hartbergs schutzlos der Willkür Paar's preisgegeben. Paar machte 
neue, immer grössere Eingriffe in die Stadtrechte, und blieben die 
wiederholten, von der Landesregierung zur Schlichtung dieser Streitig- 
keiten abgesendeten Commissionen regelmässig ergebnislos. Im Jahre 
1612 forderte der damalige Pfarrinhaber Rudolf von Paar von der 



— 267 — 

Stadt vier weisse Rosse und zwei Zeugrosse, was die Bürgerschaft 
auf das Aeusserste erbitterte. Bald darauf verbot Paar den Bürgern 
jede Zusammenkunft, und dem Magistrate, das Rathhaus zu öfPnen. 
In dieser Zeit tauchen die Gestalten des Stadtschreibers Hanns 
Pressl und des Stadtrichters Mathias von Wels als energische, 
todesmuthige Verfechter der Stadtfreiheiten auf, die bald Märtyrer 
ihrer üeberzeugung werden sollten. Um die Bürger ihrer geistigen 
Führerschaft zu berauben, Hess Paar Pressl im October (1612) durch 
den Landprofosen in den Stadtthurm werfen und „verschmietten", ein 
unerhörter Eingriflf in die Stadtrechte. Pressl entkam jedoch aus demGe- 
fangniss und entfloh zum Erzherzog und erwirkte von ihm sicheres Ge- 
leit. Ende October wurde wieder eine Commission abgehalten, die 
ganz zu Gunsten Paar's entschied. Der Stadtrichter Wels recurrirte 
aber dagegen, was Paar so erbitterte, dass er Wels in den Malifizthurm 
werfen und in Eisen legen liess, wo er durch 22 Tage in Haft ge- 
halten wurde, während welcher Zeit er nur täglich um Mitternacht 
ein Stück Brod und Wasser mit einem Strick hinabgelassen erhielt. 
Mit diesem furchtbaren Gewaltact noch nicht befriedigt, liess Paar 
überdies noch die Stadtsiegel, die Urkunden und Gassen gewaltsam 
in's Schloss bringen und das Rathhaus ganz sperren. Am Aller- 
seelentage kam Pressl Abends von Neustadt zurück nach Hartberg 
wo er sogleich zu dem von Paar eingesetzten Stadtrichter Leonhard 
Forstner ging. «Herr von Paar", sagt eine alte Schrift, „davon unter- 
richtet, schickte sogleich seinen Anwalt nebst neun armirten, mit 
Püxen und Wöhren wohlversehenen Dienern dahin. Dieser ist mit 
entblösten Wöhren in die Stuben getreten mit diesen Worten: „Finde 
ich dich da, du ehrbarer Vogel etc." und hat darauf die Pistolen 
dem Stadtschreiber an das Herz gesetzt, und ob gleichwohl Stadt- 
schreiber gebetten, man solle ihme nur am Leben nichts thuen, er 
wolle sich gerne gefangen geben und mit der Hand die Pistolen ab- 
gewandt, hat doch nichts geholfen, sondern der Anwalt haut ihme 
mit ainem Pallasch, desgleichen auch ein anderer Diener mit ainem 
Rappier in den Kopf zwo Wunden Chreuzweiss. Die anderen Diener 
haben sogleich auch zugestochen, und ihme mit Helleparten, als er 
sich, mit seinem Stilet hernach salviren, und damit Stich und stich 
auffangen wollen, durch und durch gestochen, bis er in der Stueben 
todter auf dem Fletz gelegen, an welchem der Anwalt noch nicht 
ersettigt gewest, sondern den armen todten Körper mit den Füssen 
noch zween tritt auf den Hals gethan, und also die Seele ganz von 
ihme ausgetrieben hat — ist also der arme Mensch ellendigkhlich 
in seinen khlaidern eingenähet und begraben worden, den niemandt, 
ausser des gerichtsdieners zur Erden belaitten dürfen, dass in Gott 
zu erbarmen ist." 

Trotz des Verbotes jeden Gespräches über diesen Mord, be- 
schwerten sich die Bürger beim Gubemium ; es wurde hierauf wieder 
mit bekanntem Erfolge commissionirt und zuletzt von Kaiser Fer- 



— 268 — 

dinand die Bürgerschaft mit ihren Beschwerden gänzlich abgewiesen, 
ja überdies noch zur Strafe der Abgabe des zehnten Pfennigs als 
Besitzveränderungsgebühr an Paar verurtheilt und ihr bei Strafe m 
20 Mark löthigen Goldes das ewige Stillschweigen über alle 
vorhergegangenen Yorfölle aufgetragen. 

So endete eine der charakteristischesten Bechts- 
Streitigkeiten zwischen der Bürgerschaft einer landes 
fürstlichen Stadt und dem Pfandinhaber, ein überaui 
ungünstiges St reif lieh tauf die traurigen Rechtsverhältnisse 
des 17. Jahrhunderts werfend. 

In unserer chronologischen Skizze fortfahrend, finden wir 
zunächst die Einwirkung der lutherischen Lehre auf die Bell 
gions- und Sittenverhältnisse Hartbergs. So machte namentlich unter 
dem Stadtpfarrer Balthasar Weidacher die neue Lehre reiss 
Fortschritte in Hartberg und Umgebung, sowohl bei Weltlichen, als 
bei Geistlichen und kommt 1580 sogar eine „elliche Hausfrau de« 
Kaplans zu Hartberg" urkundlich vor. Dagegen wirkten für lüe 
Wiederherstellung katholischen Glaubens eifrigst die Stadtpfarrer 
Caspar Plank, Lorenz Hainfelder und namentlich Hanns Türk, l):s 
die Ende Juni 1600 nach Hartberg gekommene Gegenrefonnationr 
Commission die letzten Spuren des Protestantismus vernichtete. 

Am 6. Februar 1603 wurde die Bürgerschaft mili 
t ä r i s c h organisirt und jeder 5. und 10. Mann zum Auszuf 
commandirt und die Mannschaft in 10 Rotten getheilt. Charget 
waren der Stadtrichter Hauptmann, Lieutenant, Fähnrich, ^'ach: 
meister und Führer. Die 10 Rotten waren bei Kriegsgefahr vertheil: 
1. Rotte 11 Mann, beim kleinen Thürl; 2. Rotte 11 Mann, teiß 
Reckthurm; 3. Rotte 11 Mann, beim Ungarthurm ; 4. Rotte llMani. 
beim Schölbinger Thurm; 5. Rotte 11 Mann, beim Stauberthunn; 
6. Rotte 12 Mann, Abwasserthurm ; 7. Rotte 11 Mann, beim Graze: 
Thurm; 8. Rotte 11 Mann, beim Steinpeiss (Haus oder Thunn' 
9. Rotte 12 Mann, beim Thurm des Veit Fleischhacker; 10. Bont 
11 Mann, TJhrthurm. 

Um das Jahr 1620 wurde der Stadtmagistrat organisir:: 
er bestand aus dem Stadtrichter, 12 Rathsfreunden, 4 Führem 
4 Amtsausschüssen, 4 Viertelmeistem , 3 Sperrherrn der Stadtlade 
3 Sperrherrn zum Thurm (Uhr?), 1 Sperrherm zum Grazer in^ 
1 Sperrherrn zum Ungar-Thor, 1 Sperrherm zum Thürl, mehrer« 
Fleischauem, 4 Förstern im Ghart und 2 Förstern im Walde ol<| 
der Stadt. Die Würdenträger dieser Stellen wurden zum Ne«i*^' 
entweder abermals bestätigt oder sie wurden durch neue ersect 
Die 12 Rathsfreunde, 4 Führer, 4 Ausschüsse mit dem Stadtriclitf' 
und Stadtschreiber hiessen die Rathsverwandten. 

Im Jahre 1645 wird der Reckthurm (am Stadtparke) urkunt; 
Hch erwähnt. Im Jahre 1624 kaufte Rudolf von Paar Schloss us«^ 
Stadt Hartberg, sowie die Herrschaft Fürstenfeld vom Kaiser. 1- 



— 269 — 

Jahre 1636 verfiel Hanns Christoph Freiherr von Paar in eine schwere 
Krankheit, in welcher Paar die Stadt von der drückenden Verpflich- 
tung der Zahlung des 10. Pfennigs Besitz veränderungsgebtihr enthoh. 

Im Jahre 1605 überflutheten wieder die ungarischen Bebelleu 
im Vereine mit türkischen Truppen die steirische Grenzmark. Mord, 
Brand und Eaub bezeichneten die Wege dieser Horden, die auch 
Hartberg schwer bedrängten. Namentlich wurden die ausser der Stadt 
gelegenen Häuser, Maierhöfe, Keller und Scheuern der Bürger bis 
vor die Stadtthore niedergebrannt und das Vieh geraubt; in die 
Stadt konnte der Feind nicht eindringen, da dieselbe durch „Herrn 
Rindscheid zu Kopreinig und seiner Ritterschaft" (Reiterschaft), der 
von Burgau der Stadt zu Hilfe eilte, gut vertheidigt wurde. Den .er- 
littenen Schaden bezifferten die Hartberger mit 3000 fl. und schul- 
deten sie überdiess noch 40 Startin Wein und 280 Viertel Hafer. 

Bei diesen drohenden Zeitläuften erhielt die Stadt wiederholt 
Garnisonen, und zwar 1621 italienischer und 1672 spanischer Truppen, 
die jedoch in dem kleinen Städtlein nahezu ebenso arg hausten als 
der Feind. In die em Jahrhundert wurde auch die Pest zu einer 
furchtbaren Geissei der Stadt, so forderte sie schon 1621 die ersten 
Opfer, bis sie in den Jahren 1679 — 1680 ihren Höhepunkt erreichte. 
In dieser Zeit erscheint der erste Stadt-Physicus Ferdinand 
Vogelmayer, Dr. der Med. u. Phil. (1676) in Hartberg, ebenso wird 
1677 zum ersten Male eines Apothekers erwähnt. Kaiser Leopold 
bestätigte 1660 die Stadtprivilegien. 

Die Stadtpfarre zu Hartberg zählte zu den reichsten und 
angesehensten Pfründen des Landes und waren die Stadtpfarrer, 
unter welchen auch zwei Pröbste von PöUau vorkommen, meist 
Doctoren der Theologie und Träger höherer geistlicher Würden. 

In diesem Jahrhunderte erfolgten ungewöhnlich viel Stiftungen ; 
so stiftete Mathias Khielnhofer mit einem Capital von 1400 fl., welches 
von der Bürgerschaft später auf 2000 fl. ergänzt wurde, zwei Frei- 
plätze für Studirende am Ferdinandeum in Graz (von den Jesuiten 
geleitet), welche Stiftung später in Handstipendien umgewandelt 
wurden. 1631 stiftete Stadtpfarrer Anton Auanzin vier Freiplätze am 
Ferdinandeum. Im Jahre 1617 wurde das Hartberger Bürgerspital 
regulirt und bestimmt, dass darin zu Ehren der 12 Apostel immer 
12 Arme verpflegt werden sollen. Im Jahre 1626 legirte Stadtpfarrer 
Eb. Henrizy einen landschaftlichen Schuldbrief von 6000 fl. den 
Spitälern und den Hausarmen Hartbergs. 

Am 1. October 1609 übergab der Stadtmagistrat Rudolf Frei- 
herm v. Paar die vermeintliche Vogt- und Lehenschaft über die beiden 
Beneficien an Karner und Lebern mit der Bedingnis, dass er dafür 
auf einem beliebigen Platz aus eigenem Vermögen ein Kloster auf- 
baue, was Paar auch versprach. Paar dachte jedoch bald nicht mehr 
daran, sein Versprechen zu erfüllen, und so floss nahezu ein halbes 
Jahrhundert dahin, ohne dass die Klostergründung in Angriff 



— 270 — 

genommen wurde, bis Wolfgang Rudolf Graf von Saurau, Eigec- 
thilmer der Stadt Hartberg, Oberstlandmarschall in Stein etc., der. 
Entschlnss fasste, ein Kapuziner-Kloster in Hartbei^ za gründen 
Zu diesem Zwecke suchte er bei dem Pro?inzial-Capitel der Kapuzin^^r 
in Graz um die Aufnahme eines Ordenshauses in Hartberg an, welchen: 
Ansuchen auch entsprochen wurde. 

Nun bereitete aber Julius Paar sammt Anhang der Kloster- 
gründung Schwierigkeiten, die jedoch mit dem am 13. April 1651 
erfolgten Tode Paar's beseitigt wurden. Nun wurde die Kloster 
grttndung rasch durchgeführt ; es wurde zu diesem Zwecke ein mr. 
der Stadtmauer gelegener Acker als Bauplatz angekauft und ar. 
14. Juni 1664 wurde feierlichst von dem delegirten Abt zu Voran 
Dr. Mathias, der Grundstein gelegt. Rasch erhob sich, mit opf^r 
williger Unterstützung der Stadt, der streng nach den Regeln d?^ 
Ordens angelegte einfache Bau, und höchst wahrscheinlich t 
Jahre 1656 wurde die Kirche eingeweiht. Consecrirt wurde dieKircii' 
am 4. Juli 1658 durch Johann Markus Graf v. Altringen, Bbck 
zu Seckau. Sie hatte ausser dem Hochaltar einen Seitenaltar qc- 
zwei Kapellen. Das ursprüngliche Hochaltarblatt , gegenwärtig i:: 
Betchor, ist ohne Zweifel ein Geschenk des Stiftes Vorau, da es dir 
nämliche Darstellung der Himmelfahrt Maria's zeigt, wie das Hocb 
altarblatt der Vorauer Stiftskirche, und überdies noch das Stiftswappec 
Das Kloster hatte 17 genau nach den Regeln des heil. Francisfc 
eingerichtete Zellen für die Familie und zwei für Kranke oder Gast? 
Das Hauptfest des Klosters ist das jährlich stattfindende Portiunculv 
Fest. Im Jahre 1785 wurde das Kloster aufgehoben, später ak 
wieder neu constituirt, ist aber derzeit nur von drei Ordensgeisi- 
liehen besetzt. 

Das 18. Jahrhundert begann abermals für Hartberg mit ds 
furchtbaren Einfällen der Kuruzzen von 1704, 1706 und l"f-' 
Namentlich der Kuruzzeneinfall von 1704 schädigte im höchstr-. 
Grade die Umgebung Hartbergs, indem nicht nur die umliegend;! 
Dörfer, sondern auch die Vorstädte Hartbergs und die Kirche: 
Lebing in entsetzlicher Weise verwüstet wurden. Hörten auch i' 
KuruzzeneinfÄUe mit dem Jahre 1708 auf, so vernichtete doch li?' 
furchtbare Brand vom 7. März 1715, der die Stadt bis a: 
13 Häuser einäscherte, neuerdings den kaum einigermassen gehoben^^ 
"Wohlstand derselben. Bei diesem Brande verloren auch 18 Mensche: 
das Leben. Mit Unterstützung des damaligen Schutzherm der StaJ'- 
Josef Karl Reichsgrafen von Paar, erhob sich dieselbe jedoch un?' 
wartet rasch aus ihren Ruinen, und in der hierauf folgenden 1m&' 
Friedensperiode hob sich wesentlich die Wohlhabenheit der SwJ: 
1768 erfolgte die erste Häusernumerirung. 

An Stiftungen finden sich in diesem Jahrhundert: l^^ 
Priesters Andreas Fröhlich vom 30. November 1728, mit eine" 
Capitale von 6000 fl. für drei Alumnatplätze im damals bestandeo?:^ 



— 271 — 

k. k. Convicte zu Graz ; 2. des Priesters Leopold Thonner vom 
26. Jänner 1653, mit einem Capital von 2000 fl. für das Armeninstitut, 
und 3. der Maria Amschel per 800 fl. für das Armeninstitut. 

Im Jahre 1751 wurde der Calvarienberg angelegt und 1750 
die Stadtpfarrkirche in ihrer heutigen Gestalt umgebaut. 

Um das Jahr 1800 grassirte eine Typhus-Epidemie in Hartberg, 
die viele Opfer forderte. Am 12. December 1805 besetzten zwei 
Bataillons französischer Truppen mit dem Regimentsstabe 
unter General Dezon die Stadt, welchen am 16. Decpmber grössere 
Truppenmassen folgten. Wie tiberall, hielten die Franzosen gute 
Mannszucht, belegten aber die Stadt und den Bezirk mit starken 
Contributionen, die jedoch nur zum geringen Theil eingebracht werden 
konnten. Von grösseren Folgen war für den Hartbergerbezirk die 
französische Invasion von 1809. Die ersten feindlichen Truppen 
langten am 1. Juli, 6000 Mann stark, über Hz kommend, in Hart- 
berg an, und verursachten dem Bezirke einen Schaden von 15.000 fl. 
Die Truppen zogen jedoch bald nach Aspang ab ; die Durchmärsche 
dauerten bis 25. Juli, kleine Abtheilungen Franzosen durchzogen 
jedoch Hartberg bis November. 

Die Hartberger Section hatte zur Landes-Kriegscontribution 
nicht weniger wie 100.000 fl. beizutragen. In dieser drangvollen Zeit 
zeichnete sich der herrschaftliche Anwalt Anton Rochel, wie der 
Syndicus Jakob Koschaker durch energischen, zähen Widerstand 
gegen die Kriegscontributionen aus. Namentlich Rochel's Verdienst 
war es, dass manche auferlegte Contribution unerfüllt blieb; zuletzt 
schleppten ihn die Franzosen gefangen weg, doch der Einschüchterungs- 
versuch misslang und wurde Rochel bald wieder freigegeben. In 
edelster Weise feierte Hartberg das grosse Friedensfest 
von 1814, unter Verzichtleistung auf alle prunkvollen Festlichkeiten, 
durch Veranstaltung einer Sammlung zur Errichtung eines 
Gemeindespitales. 

Von besonderer Wichtigkeit für die Besserung der ungünstigen 
sanitären Verhältnisse Hartbergs war die 1839 durchgeführte Ent- 
sumpfung der südöstlich von der Stadt gelegenen grossen Mooswiese. 

Im Jahre 1845 erfolgte die Gründung der Gemeindesparcasse. 
Im Jahre 1850 wird das Ungarthor und 1872 das Grazer Thor 
(siehe S. 281) abgetragen. Im Jahre 1870 erfolgte die Errichtung der 
Bürgerschule in Hartberg und 1877 wird eine öffentliche Schwimm- 
und Badeanstalt erbaut. Im Jahre 1878 wird für Erwachsene ein land- 
wirthschaftlicher Fortbildungscurs errichtet, am 1. December 1883 
feierlich das grosse öffentliche Krankenhaus, und am I.September 1887 
das Landessiechenhaus eröffnet. Im Jahre 1880 erhielt Hartberg die 
schönen öffentlichen Parkanlagen und Trottoirs, in diesem Jahre 
erfolgte auch der Ausbau des Rohrnetzes der Wasserleitung. 



— 272 — 



Auf der letzten Terrasse des s&dlichen Abbanges ilt:i 
Ringbaches, hoch über dem ThalgrnEde gelegen, bildet hi 
i^on den Nordwinden wohl geschützte Städteben, welcbes in den 
an Wein- und Obstcultnren reichen Geläuden des waldgekröaten 
Ringberges einen überaus malerischen Hintergrund findet, ein 
regelmässiges, östlich und südlich sich niedersenkendes RecM* 
eck, die Schmalseiten nach Ost und West gekehrt. Yergleicbt 
man das heutige Stadtbild mit der interessanten Yiscberscheo 




VI scher' 3 Ansicht vom Jahre 1680, 

Ansicht von 1680, so findet man, dass die Gemarkung der 
Stadt sich wenig verändert liat; dagegen ist das thnrmts«* 
wehrte Grazerthor (siehe Seite 281), sowie das Ungartbef 
gefallen, die Stadtmauer östlich und westlich bis auf jt 
einen alten Kundthnrm nnd die auf Vischer's Bild östlich aflf- 
ragende thurmlose Kirche, wahrscheinlich die später zu einei 
Spital e umgebaute Kirche zum beil. Kreuz, sowie der zwdtt; 
über der Vierung der Stadtpfarrkirche erbaut gewesene Thin» 
verschwunden, im Uebrigen scheinen selbst die grossen Bräöii 
von 1512t 1^^^^ und namentlich von 1715 den ursproa^ 
lieben Bauplan der Stadt wenig verändert xu haben. Nähert 



— 273 — 

wir uns auf der Strasse von der Grazer Seite der Stadt, 
so zieht vor Allem die rechts in imposanter Ausdehnung uns 
entgegen schauen de Front des neuen Landessiechenhauses 




ff 



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nebst der angrenzenden Wallfahrtskirche Lebing mit ihrem 
Gürtel uralter Linden die Aufmerksamkeit auf sich. 

Die erste Kapelle Maria am Lebing wurde 1309 durch 
Bischof zu Seckau, Bernecker, eingeweiht, woran eine Gedenktafel in der 

18 



— 274 — 

Kirche mit lateinischer Inschrift erinnert. Im Jahre 1472 wurde die 
Kapelle erweitert und mit neuen Reliquien versehen; im Jahre 1514 
wurde anlässlich der Pest die noch bestehende spätgothische drei- 
eckige steinerne Pestsäule nächst der Kirche errichtet. Im Jahre 1532 
wurde die Kirche von den Türken verwüstet und namentlich der 
Hochaltar entweiht. Die Consecrirung der Kirche erfolgte erst am 
27. Juli 1588 durch Bischof Martin Brenner, zugleich wurde die 
Kirche mit Reliquien des heil. Rupert und von anderen Heiligen 
versehen. Im Jahre 1772, gelegentlich der 800jährigen Säcularfeier, 
malte Hofkammermaler Molk (um 1700 fl.) die Kirche neu aus. 
Der Thurm der Kirche zeigt aussen die Jahreszahl 1732, in welchem 
Jahre gleichfalls ein Umbau der Kirche stattgefunden haben dürfte. 
Beachtenswerth an der Kirche ist aussen der Fries unter dem Kirch- 
dache mit originellen Fratzen und Maskenköpfen in vielen Variationen. 
Innen zeigt sich die Kirche derzeit als einschiffige barocke Hallen- 
kirche mit zwei ausspringenden Kapellenbauten, wodurch sich die 
Kreuzform bildet. In der rechten Seitenkapelle Oelgemälde mit alter 
Ansicht von Hartberg aus dem 17. Jahrhundert. Alle Flächen der 
Kirche sind mit den Mölk'schen Fresken, die 1867 von Rath restaurirt 
wurden, im reichsten Rococostyle gehalten, geziert. In einer Freske 
ist auch eine alte Ansicht Hartbergs einbezogen. Auf dem schönen, 
von herrlichen alten Linden beschatteten Wiesenplan um der Kirche 
wurde die letzte Regionalausstellung abgehalten. 

Der Kirche gegenüber, jenseits der Strasse, die breite 
Front nach Westen gekehrt, erhebt sich der imposante Bau 
des Landes-Siechenhauses. 

Gründung des Landes-Siechenhauses. Im Jahre 1883 
fasste der steierm. Landtag den Beschluss, zur dauernden Erinnerung 
an die 600jährige Zugehörigkeit des Landes zur Dynastie des Kaiser- 
hauses in der Östlichen Steiermark eine Siechenanstalt zu errichten, 
aus welchem Anlasse auch die steierm. Sparcasse in munificenter 
Weise den Betrag von 50.000 fl. diesem Zwecke widmete. Die Wahl 
des Ortes fiel durch die eifrigen Bemühungen ihres verdienstvollen 
Bürgermeisters, Herrn Josef Res savar, auf die Stadt Hartberg. 
Der Bau der Anstalt, welche nunmehr die fünfte und 
grösste im Lande ist, wurde im Frühjahre 1886 begonnen und 
im Sommer 1887 vollendet, so dass am 17. October 1887 die Anstalt 
feierlich eröffnet werden konnte. Auf einem Grundcomplexe von circa 
7 Joch, mit dem Kostenaufwande von circa 125.000 fl. her- 
gestellt, besteht dieselbe, einen Belagraum für 150 Pfleglinge 
umfassend, aus einem Haupt- und drei Nebengebäuden, durch schöne 
Gartenanlagen von einander getrennt, und wird dieselbe von einer 
eigenen, 1200 M. langen Wasserleitung, welche unter einem Drucke 
von 4*5 Atmosphären steht, mit gutem Trink- und Tsutzwasser ver- 
sehen. Die Anstalt ist canalisirt und werden die Abfuhrcanäle durch 



— 275 — 

<lie Wasserleitung bespült. Da bei diesem, vom Landes- 
ingenieure Herrn Adolf Rossmann in exacter Weise 
geleiteten Baue alle Erfahrungen der Neuzeit Bertick- 
sichtigung fanden, so kann diese Siechenanstalt mit 
Recht als eine der schönsten Wohlthätigkeitsanstalten 
des Landes bezeichnet werden. 

Setzen wir unsere Wanderung gegen Hartberg fort, 
so gelangen wir bald zu dem von Kastanien beschatteten 
und reichlich mit Ruhebänken versehenen Fusswege, der die, 
Strasse begleitend, zu ihr hinanzieht. Auf diesem Wege, durch 
die Grazer Vorstadt, an dem schlichten Bau diss Capuziner- 
klosters vorbei, fällt uns zunächst der mächtige, zweistöckige, 
wir möchten fast sagen Monumentalbau der vereinigten Volks- 
und Bürgerschule ins Auge, der in den Jahren 1873-1874 
mit einem Kostenaufwande von über 120.000 fl. von der 
Stadtgemeinde unter Subventionirung von Seite der Gemeinde- 
sparcasse aufgeführt wurde und wohl das schönste Schul- 
gebäude der nordöstlichen Steiermark repräsentirt. Es bildet 
die Form eines Trapezes, dessen längere Seite die Turnhalle 
einnimmt. Das Gebäude hat Hochparterre und zwei Stockwerke, 
und umschliesst dasselbe einen Hofraum. Oestlich desselben 
ist die Turnhalle, westlich die Sparcasse, südlich die Volks- 
schule und nördlich die Bürgerschule situirt. 

Die Bürgerschule umfasst 4 Lehrzimmer und 1 Zeichen- 
saal, 1 Conferenzzimmer (zugleich Bibliothek), 1 ehem. Laboratorium, 
1 Präparateuraum, 1 naturh. und 1 physik. Cabinet. Anstossend an 
diese Cabinete, welche sich im 2. Stockwerke befinden, ist ein Zimmer 
für die historische Abtheilung des Localmuseums, eröffnet am 2. Juli 
1883, bestimmt. 

Localmuseum. Meldung beim Schuldiener. Im Jahre 1883 
gegründet, bietet das Localmuseum, sowohl in seiner naturhistorischen 
wie in seiner culturhistorischen Abtheilung, dank dem regen Local- 
patriotismus des Bezirkes Hartberg, eine Reihe sehr interessanter Objecte. 
In der naturhistorischen Abtheilung, welcher auch die Sammlungen 
der Bürgerschule einverleibt sind, verdient die reiche Cerithien- 
kalk Sammlung aus den nahen Muschelkalksteinbrüchen 
in Schildbach, Löffelbach etc. eingehende Beachtung. Wichtiger sind 
die historischen Sammlungen, die jedoch noch nicht systematisch 
geordnet sind. Auch hier interessiren zumeist die zweifellos rein 
localen Funde aus den reichen Gräberstätten der Umgebung der 
Stadt, wohl nahezu ausschliesslich römischen Ursprunges. Chrono- 
logisch schliessen sich daran in langer Reihe die Stadtprivilegien 

18* 



— 276 — 

mit ihren mächtigen Siegeln an den Pergamenten und alten Siegel- 
stöcke, die prächtigen Innungsladen und Zunftbecher, schöne schmied- 
eiseme Handwerksschilder, eine kleine Trachtensammlung, darunter 
die reichgestickte Weste eines Bathsherrn, Taufhäubchen etc. Sehr 
reich sind die Rechtsdenkmäler vertreten, die meist aus der Burg- 
yeste Neuberg stammen, so finden sich an Strafwerkzeugen eine 
Fidel, eine eiserne Schandmaske, Handeisen, Handschloss und Leib- 
eisen, sowie ein Stuhl mit auffallend kurzer Lehne, der zu Hin- 
richtungen mit dem Schwerte gedient haben soll. Auch die Freiung 
und der hübsch geformte Richterstab von 1662 gehören zu dieser 
Abtheilung. Die Waffensammlung ist relativ noch klein, doch finden 
sich auch hier manche hübsche Stücke, so zwei Parad«-Degen mit 
reich gravirten Klingen und figuralem Griffe. Die frühe, eingravirte 
Jahreszahl 1414 ist verdächtig. Auch die hübsche Münzen- und 
Bankozettel - CoUection wird ihre Freunde finden. Wahre Pracht- 
stücke, welche dem Museum einer Grossstadt zur Zierde gereichen 
würden, ist der mit Rothstift gezeichnete Carton Dr. Schöpfer 's 
„Einzug Christi in Jerusalem'^, welche geniale Gomposition 
an Schärfe der Charakterisirung und Schönheit der Gruppirung leb- 
haft an Kaulbach's gewaltige Schöpfungen erinnert, und der präch- 
tige Stich „Diogenes mit der Laterne" von Veit Kauperz. Sehr 
schön ist auch das grosse Fahnen - Doppelgemälde aus der unter 
Josef IL demolirten Magdalenen- und Johannes-Kirche gegenüber 
der heutigen PostPschen Mühle. Einen würdigen Abschluss finden 
die Sammlungen des Museums durch das Album mit den von biogra- 
phischen Skizzen begleiteten Porträts aller um Hartberg verdienter 
Männer. Ist heute das Museum auch noch mehr Sammelstätte als 
Museum, so hat es doch damit seine Aufgabe zum weitaus grössten 
Theile erfüllt, denn heute handelt es sich in erster Linie um Rettung 
der letzten Reste des Volksthümlichen, der historischen Erinnerungen 
und Alterthümer überhaupt; ein systematisches Ordnen der Ob- 
jecte kann später erfolgen; eine wahre Lebensfrage der 
Localmuseen ist jedoch die Wahrung ihres localen 
Charakters, denn hievon hängt ihre Existenzberech- 
tigung ab. 

Nebenan befindet sich die Directionskanzlei und die Dienstes- 
wohnung des Directors der Bürgerschule, 3 Zimmer sammt Zugehör 
umfassend. Die Cabinete sind verhältnissmässig gut mit Lehrmitteln 
versehen, die auch für jede ünterrealschule ausreichen würden, Inven- 
tarswerth circa 9000 fl. Mit der Landesbürgerschule ist seit drei 
Jahren auch eine gewerbliche Fortbildungsschule für Lehr- 
linge verbunden. Sie ist Pflichtschule für Lehrlinge und wird dieselbe 
vom Staate, vom Lande, von der Handelskammer und der Stadtgemeinde 
Hartberg subventionirt. Den Unterricht ertheilen die Fachlehrer der 
Bürgerschule, und zwar an Sonntagen Vormittags und an Werktagen 
Abends. Der von circa 70 Schülern frequentirte Fortbildungscurs 



— 277 — 

omfasst 1 Vorbereitungs- und 2 Schulclasseh, während die eigent- 
liche Bürgerschule 3 Classen umfasst, die durchschnittlich von 50 
Schülern frequentirt werden. Das Lehrpersonal besteht aus 3 ordent- 
lichen BürgerschuUehrem und 3 Nebenlehrern. 

Die gewerbliche Fortbildungsschule, die einzige der 
Ost-Steiermark, welche Freihandzeichnen nach omamentalen und 
architektonischen Motiven und nach Draht- und Holzmodellen, dann 
einfache Bau- und Constructions - Zeichnungen, Copien einfacher 
Maschinen - Bestandtheile , Modelliren, gewerbliche Correspondenz, 
Buchführung und gewerbliches Rechnen umfasst, bildet ein wichtiges 
Uebergangsglied zu den Staatsgewerbeschulen und fördert wesentlich 
die Veredlung des Kunstgewerbes am Lande. Die Landes-Bürger- 
schule sowie die gewerbliche Fortbildungsschule stehen unter der 
bewährten Leitung des Bürgerschul-Directors J. Borstnik, 
der, auf dem Gebiete der Mechanik unermüdlich thätig, hier nicht 
nur interessante theoretische, sondern auch höchst wichtige prak- 
tische Erfolge errungen hat. Von den zahlreichen sinnreichen Con- 
structionen Herrn Borstnik's hat sich insbesonders das 
von ihm erfundene Ligroin-Gebläse trefflich bewährt, 
und liefert Herr Borstnik dieses für chemische Laboratorien, 
Gold- und Silberarbeiter, Apotheken etc. sehr wichtige, ratio- 
nellst construirte Gebläse, welches das Leuchtgasgebläse 
vollkommen entbehrlich macht, in drei Arten um den geringen 
Preis von 16—18 fl. per Stück. 

An der Bürgerschule wirkt auch der Bürgerschullehrer Jo- 
hannes Simmler, der seit Jahren durch seine eifrigen kunst- und 
culturhistorischen Forschungen und Publicationen wichtige Beiträge zur 
Heimatskunde geliefert hat. Herr Simmler ist auch der Schöpfer eines 
Unternehmens, welches auf den edelsten und idealsten Impulsen auf- 
gebaut, leider nach wenigen Monaten dem IndifFerentismus der Masse 
der Bevölkerung und vielleicht auch der Rivalität zwischen den ein- 
zelnen Orten zum Opfer fiel: der „Oststeirischen Zeitung". 
Am Auferstehungstage 1883 erschien die erste Nummer in Hartberg 
und am 31. März 1884 die letzte Nummer dieser Zeitung. Das 
Blatt erschien monatlich zweimal und setzte sich zur Aufgabe, in 
erster Linie die localen Lebensfragen der Ost-Steiermark, die Eisen- 
bahn und landwirthschaftlichen Fragen eingehend zu behandeln, in 
zweiter Linie aber im Feuilleton durch gemeinverständliche Autsätze 
über Kunst, Geschichte, Literatur, Sage und Dichtung und vor Allem 
über Heimatskunde, auf die Hebung der allgemeinen Culturbestre- 
bungen und auf die Förderung der Liebe zur engeren Heimat der 
Oststeirer anregend und veredelnd einzuwirken. Die Sprache des 
Blattes, an welchen sich nebst Simmler die besten literarisch 
thätigen Männer der nordöstlichen Steiermark, wie der Vorauer 
Chorherr Ottokar Kernstock, der Director der Bürgerschule 
in Ftirstenfeld, Hanns Lange, der Lehrer August Artner in 



— 2,78 — 

Fehrihg, der Lehrer August Allitsch in Sinnersdorf etc. etc. 
betheiligten, war eine ruhige und würdige, die Tendenz eine edle 
und culturfördemde im besten Sinne des Wortes, und so kurz auch 
das Bestehen des Blattes war, so wird demselben doch stets ein 
Ehrenplatz in der Culturgeschichte der nordöstlichen 
Steiermark gesichert bleiben. 

Volksschule. Die je vierclassige Knaben- und Mädchen- 
schule, unter gesonderter Leitung stehend, umfasst je 4 Lehrzimmer, 
zu welchen noch 2 E^anzleien, 1 gemeinsames Conferezzimmer (zugleich 
Lehrmittelsammlung), 1 Industriezimmer und l Wohnung von 3 Zimmern 
für den Oberlehrer kommen. 

Die im 1. Stock untergebrachte Sparcasse besitzt 2 grosse 
gewölbte Zimmer. 

Im zweiten Stocke befindet sich der zu öffentlichen Zwecken 
(Wahlen, festlichen Versammlungen etc.) dienende Bürgersaal. 
Derselbe ist 14 M. lang, 10 M. breit und 5*8 M. hoch, somit von 
sehr stattlichen Dimensionen. Der Turn s aal ist 21 M. lang, 9^« M. 
breit und 6 M. hoch. 

Herr Bürgerschuldirector Borstnik ist auch Beobachter der 
Beob ach tungs Station für atmosphärische Niederschläge. — Von beson- 
derem Interesse ist auch der Schulgarten, ein Muster seiner Art. 

Verlässt man das schöne Schulgebäude, so befindet man 
sich der anmuthigen, in Terrassen aufsteigenden, durch den 
epheuumrankten alten Reckthurm malerisch unterbrochenen 
Anlage des Stadtparkes (siehe Seite 279) gegenüber. Diese 
reizende, von einer kräftigen Fontaine belebte, 1881 nach 
Dr. Schöpfer's Plänen an Stelle eines morastigen wüsten 
Schuttplatzes entstandene Anlage, bietet mit ihren schattigen 
Alleen, den tippig wuchernden Nadelholzgruppen und wohl- 
gepflegten, mit Ruhebänken reichlich versehenen Wegen eine 
Promenade, wie man sie für ein Landstädtchen kaum an- 
muthiger wünschen kann. Verfolgt man diese Anlage, so gelangt 
man zu der schönen Kastanienallee, die sich dicht vor der 
nördlich noch wohlerhaltenen Ringmauer über den ehemaligen 
Stadtgraben, der heute noch die Stadt von den Geländen des 
Hartberges trennt, hinzieht. 

Betreten wir endlich die Stadt an jener Stelle, wo sich 
bis 1872 das Grazerthor (siehe Seite 281) erhob, so fällt zur 
Linken zuerst eine Kapelle mit zwei interessanten goth Ischen 
Holzstatuen auf. Weiter schreitend, gelangt man bald zu 
jener Gasse, die nördlich, von einem breiten, aus Gement- 



279 



platten gebildeten Trottoir durchzogen, zu dem Schlosse des 
Fürsten Paar, welches an der nordwestlichen Ecke der Stadt- 
mauer in dominirender Lage sich erhebt, hinanführt. 

Man betritt das Schloss durch einen Thorbogen, über 
welchen sich von zwei, das Paar'sche und Reichenstein'sche 
Wappen tragende Löwen flankirt, ein bei Abbrechung der 
Schlosskapelle hierher versetzter Stein mit nachstehender In- 
schrift erhebt: „Johann Baptista von Paar, Fürst Durchlaucht 




Partie des Stadtparkes in Hartberg. 



Erzherzog Carls zu Oesterreich 1589 Reichsrath, Afra von 
Paar, geborne von Haim zu Reichenstein, seine Gemahlin." 
Die Zahl 9 ist undeutlich und kann auch 4 bedeuten, da der 
Umbau des Schlosses thatsächlich zwischen 1584 — 1589 
stattfand. Das Schloss, welches zu Vischer's Zeiten (1680) durch 
den durch die Herren v. Paar 1584 — 1589 erfolgten Umbau 
seinen mittelalterlichen Charakter verloren hatte, zeigte gleich- 
wobl noch gegen die Stadt Wall und tiefen Graben und 



— 280 — 

nur über die Zogbrücke konnten die Hartberger in das ScUoss 
gelangen, von wo nahezu durch ein halbes Jahrhundert so viel 
Gewalt und Unbill über sie gekommen. An den erwähnten 
Umbau erinnert heute nur mehr der früher genannte Thor- 
bogen, Wall und Graben sind einer reizenden Parkanlage 
gewichen und die Reste des Schlosses bergen heute ein 
Eünstlerheira, wie es malerischer kaum gedacht werden kann: 
links die alte verwitterte Stadtmauer und der schon in Rninen 
versunkene westliche Schlossflügel anschliessend an die doppel- 
reihigen, rebenumrankten Arcaden des allein noch erhaltenen 
Mitteltractes des Schlosses, rings umgeben von einer alten, 
tief schattigen, von einer frisch sprudelnden Quelle durch- 
rieselten Parkanlage mit reizender Eremitage, bildet dieser 
Besitz heute ein trautes Tusculum für den durch seine genialen 
Compositionen weit über die Landesgrenzen bekannten AdTO- 
caten Dr. Friedrich Schöpfer. Im Jahre 1825 zu Bozen geboren, 
aus einer durchwegs künstlerisch beanlagten tirolerischen Familie 
stammend, ist Dr. Schöpfer seit 1852 in Hartberg als Advoca: 
ansässig und Ehrenbürger der Stadt, und, seinem Genius folgend, 
entstanden seit dieser Zeit zahllose Compositionen, die ge- 
waltigsten Momente der Weltgeschichte und Motive 
aus Mythe, Sage und Dichtung behandelnd, die sict 
bald durch die Ungeheuerlichkeit der Phantasie, bald 
durch die sarkastische Schärfe der Charakterisirung. 
bald wieder bei wildester Bewegung der Massen de: 
in rasenden Wirbeln aufschwebenden oder stürzen- 
den nackten menschlichen Körper durch richtige 
Durchbildung der Anatomie der Leiber in dea 
schwierigsten Stellen und Verkürzungen, bald endlicli 
wieder durch den unwiderstehlichen feinen Humor 
auszeichnen und von Piloti, Kaulbach und Amerlin: 
bewundert wurden. (Zwei seiner genialsten Com- 
positionen, die berühmten Cartons: ;,Zeitstrom*^ uni 
„Walpurgisnachttraum", hat der Künstler in generösester 
Weise dem historischen Landesmuseum in Graz ge- 
widmet. Dr. Schöpfer, aus dessen freundlichen Zügen onsHmnor 
und Gemüth entgegenblickeu, ist stets in liebenswürdigster Weise 



— 281 — 

it, seine unerschöpfliche Mappe, die Geistesarbeit 
3S Menschenlebens bergend, mit den meist zwei Meter 
en and über einen Meter breiten, stets nur skizzenhaft 
tndelten Cartons den ihn besuchenden Kunstfreunden zu 




Grazerthor, Innenansicht (demolirt). 

1, und so möge Niemand, der das freundliche Hartberg 
t, versäumen, das traute Künstlerheim, von wo sich eine 
ide Aussicht erschliesst, aufzusuchen. 

Setzen wir unsere Wanderung durch die sauber gehaltenen 
urehwegs mit Trottoirs versehenen Gassen der ^Stadt fort, so 



— 282 — 

gelangen wir bald za dem geräumigen und regelmässigen, aber 
theilweise etwas abschüssigen Hanptplatze, an welchem das 
vollkommen schmackiose Rathhaas liegt. In der Mitte des 
Platzes erhebt sieh eine hübsche Frauensänle von 1675 mit 
polychromirten Wappen und den Namen : Rudolf Graf v. Falni- 
berg, Maria v« Paar, geb. v. Paar und Maria Anna Gräfin v. 
Falmberg, geb. Paar. 

Nahe dem Rathhause erhebt sich das hübsche stockhobe 
Gebäude des Feuerwehr-Depots, dessen reiche Bestände 
abermals Zeugniss von den mnstergiltigen communalen Ein 
richtungen dieses verhältnissmässig kleinen Städtchens geben. 
Das Inventar der Feuerwehr, über 8000 fl. im Werthe, m- 
fasst derzeit unter Anderen 1 Wiener Patent-Abprotzspritze, 
zweistrahlig, mit Vorderwagen etc., per 1715 fl.; 2 Land-Fahr- 
spritzen, einstrahlig, 700 fl.; 1 Abprotzspritze, einstrahlig. 
400 fl.; Fahrspritze und Kemreiter, zweistrahlig, 1200 i 
700 M. Schläuche, 1260 fl.; Hydrofor, 500 fl.; Mannschafts- 
wagen, 500 fl. ; Feuertelegraph 350 fl. etc. etc. 

In der Nähe des Hauptplatzes finden wir auch die 
Presslgasse und den Welsplatz, welche so bei der 1884 
durchgeführten Gassenbenennung zu Ehren dieser beiden Mär- 
tyrer Paar'scher Willkür benannt wurden. Bei diesem Anlasse 
wurde auch die Strassenbezeichnung mittelst schöner Zink- 
gusstafeln durchgeführt. 

Südlich des Platzes, aber von ihm leider durch eine 
Häuserfront getrennt, erhebt sich die Stadtpfarrkirche, deren 
Kirchplatz von schönen cementirten Trottoirswegen durch- 
zogen ist. 

Ursprünglich ein romanischer Bau, später gothisch eingewölb:. 
wurde die Kirche Mitte des vorigen Jahrhunderts (1756) mit Durcl:- 
brechung der Mauer des Hauptschiffes, durch den Bau von zre: 
Seitenschiffen erweitert und im Zopfstyl umgebaut, so dass sieh d:-- 
Kirche heute im Innern als eine dreischiffige Hallenkirche präsentir. 
Bei einem früheren Umbaue wurde die Kirche auch gegen Weste: 
derart erweitert, dass der bis dahin freistehende Uhr- und Stau'- 
Thurm, ein mächtiger Quaderbau, an der Westfronte der Kirctf 
als Kirchthurm zu stehen kam, wie es auch heute jedem Besucht' 
der Kirche sogleich auffällt, dass der Kirchthurm mit der Kirct- 
in keinem organischen Zusammenhange steht. Dieser Thurm bildete 



— 283 — 

den "Mittelpunkt der Stä,dtbefestigung und gehörte der Stadt, der 
Bürgerschaft und wurde bei Kriegsgefahr von einer „Botte" besetzt, 
wie auch hier bei diesem Anlasse die Stadtprivilegien etc. einge- 
mauert wurden. Zwei unterirdische Gänge führten von ihm aus in's 
Freie. Die Verbindung der Kirche mit diesem Thurm muss jedoch 
jedenfalls vor 1680 erfolgt sein, da die Vischer'sche Stadtansicht 
aus diesem Jahre schon deutlich diesen Thurm, an der Westfagade 
der Kirche aufstrebend, zeigt. Bei dem Umbaue von 1756, dem der 
früher über der Vierung aufragende alte Kirchthurm zum Opfer fiel, 
erhielt der Thurm auch seine heutige Gestalt, und zählt die schöne 
Thurmkrone, nach deren Muster der Grazer Stadtpfarrthurm 1781 
gebaut wurde, als eine mustergiltige Construction zopfiger Thurm- 
bauten. Im Innern zeigt sich im Mittelschiffe noch ein späthgothisches 
Netzgewölbe. Die Hallen der Seitenschiffe wurden 1772 von Molk 
flüchtig mit Fresken ausgemalt. Die vielen, meist überladenen Altäre 
sind Schöpfungen üppigsten Zopfstyls. Das schöne Hochaltar- 
blatt stammt von der Meisterhand Hackhofers. In der 
Kirche mehrere Grabsteine der Steinpeiss aus dem 17. Jahrhundert. 
Römersteine: Bei der Einfahrt in den Pfarrhof, linker Seite be- 
findet sich ein Römerstein mit der Inschrift: Finitus. Ac Cepti. An. 
L. GRP. ELVIMA. 0. V. ¥^E. SIB. Ausser der Kirche, oben beim 
Eingange in die Sakristei, mit dem Brustbilde eines Mannes in der 
Toga mit der Unterschrift: ET. SACRETIO FINITO ANN. XXX. Diese 
beiden Steine gehören zusammen, und bilden eine Grabschrift, welche 
lautet: „Finitus des Aceptus Sohn, 50 Jahre alt (und) die Gattin Cirp 
Eluima (haben diesen Grabstein) sowohl sich, als den Sacretius Finitus, 
30 Jahre alt, (gesetzt)/' Auf der anderen Seite der Sakristei ist ein 
Römerstein eingemauert mit den Brustbildern von Mann und Frau, 
in deren Mitte ein Kind, mit der Inschrift: Tl. JULIUS AUITUS. 
ET. CAIXU. RANTILLI. F. U. F. SIB Tl. lULIO. ^NNAMO AN. 
IX. = „Tiberius Julius Avitus und (die Gattin) Cayxu, Tochter Rantills 
(haben diesen Grabstein sich und) dem Tiberius Julius Parnamus, Q Jahre 
alt (gesetzt)." Die Namen Cirp, Caixu und Rantill sind eingeborene 
keltische Namen. Weiters befindet sich an der Aussenwand der Rumpel- 
kammer der Kirche noch ein stark verstümmeltes Relief mit drei 
nackten, hüpfenden Gestalten. 

Südlich der Kirche erhebt sich der romanische 
Karner, welcher ehrwürdig aus altersgebräunten Quadern 
aus Muschelkalk gefügte Bau, seiner räumlichen Ausdehnung 
nach, wie auch mit Bezug auf seinen architektonischen Schmuck, 
zu den bedeutsamsten romanischen Rundbauten der 
österreichischen Monarchie zählt 

Die Todtenkapelle, welchem Zwecke die Karnerbauten 
dienten, besteht aus einem Rundbau mit östlich angefügtem Kreis- 



- 284 — 

Segment der Apsis, die merkwürdiger Weise jedoch nahezu einen 
vollständigen Kreis bildet, welcher als Altarraum dient. Aeusserlich 
stellt sich der Kundbau (siehe S. 284), als ein einheitlicher Bau dar, 
innerlich gliedert er sich jedoch in zwei übereinander liegende 
Gewölbe , wovon das obere den eigentlichen Kapellenraum, da? 
untere jedoch das Gruftgewölbe bildet (siehe S. 285). Der Eingang 




Romanischer Karner in Hartberg. 



der Grabkapelle, der leider noch durch das angebaute Messnerhan^ 
maskirt ist, liegt seitwärts. Was den äusseren Schmuck des Rund- 
baues betrifft, so wird die Fläche desselben durch neun Pfeilerbündel 
gebildet. Jeder Pfeilerbündel besteht aus drei Halbsäulen mitCapitiüer 
Zu Oberst schliesst ein reich profilirter Rundbogenfries, von eineL 
sogenannten Zahnschnitt und dem Dachgesimse überragt, den Ba: 
(siehe S. 286). Circa 2 M. 80 Centim. vom Boden umzieh: 
ein zweiter Rundbogenfries den Bau, die Scheidung des Gror.- 
raumes von dem Kapellenraum markirend. Das romanische Portio 



— 285 — 



ngt sich von aussen nach innen in zwei Stufen, in deren Ecken 
len gestellt sind, und sind die Eckpfeiler wie auch die Säulen 
CapitäleninPflaiizenfonnen, welche in mit Köpfen gezierten Knorren 




Durchschnitt des Karners (k. k. Central- Commission.) 

hen, geschmückt. Darüber liegt ein gemeinsames, reich geglie- 
3 Deckgesims, über welchem sich die Pfeiler und Säulen in 
3n fortsetzen und so die Einwölbung des Portales bilden. Das 
e des Kapelle n raumes wird durch sieben (resp. acht) Halbsäulen mit 
ihem Knospencapitäl, gegliedert. Die Kuppelwölbung (siehe S. 286) 



— 286 




l^mmniiüiimmmiii 




Eundbogenfries mit 
(K. k. Central- 



Zahnschnitt (Karner), 
Commission.) 



wird durch acht einfache Gurtbänder getragen. Aehnlich ist das Gruft- 
gewölbe construirt. Der Altar im Altarraum ist ohne jede Bedeutung. 

Diese Todtenkapelle des früher 
um der Kirche befindlichen Fried- 
hofes mit ihrem als Beinhaus 
bestimmten Gruftgewölbe, weist, 
namentlich bei der Construction, der 
zu förmlichen Diensten ausgebil- 
deten Pfeilerbündel und den schon 
mit dem Kleeblattbogen gemischten 
Rundbogenfries, die Merkmale des 
spätromanischen Styles und ist 
kaum daran zu zweifeln, dass 
dieser hochinteressante Karner, 
der demnächst endlich beigelegt 
und restaurirt werden soll, unter 
dem Einflüsse der Bauhütte der 
nahen berühmten romanischen 
Kirche St. Jack in Ungarn in der 
ersten Hälfte des 13. Jahrhun- 
dertes und nicht, wie die Tradition 
wissen will, 1167 entstanden ist. 




Romanische Säule des Karners 
(k. k. Central-Commission). 



Schreitet man vom Hauptplatze östlich die Strasse hiiiah, 
so gelangt man bald zur Grenze der inneren Stadt, welche 
hier gegen die Ungarvorstadt ebenso schön, wie westlich gegen 



— 287 — 

Grazer Vorstadt abgeschlossen ist. Zur Rechten erhebt 
der grosse, schöne, stockhohe Bau des erst vor wenigen 
ren nach den trefflichen Plänen des landschaftlichen In- 
ieurs Herrn Rossmann ausgeführten städtischen Armen- 
ses, an welchen sich die reizend um eine mächtige Fon- 
e gruppirte Anlage des Kinderspielplatzes anschliesst. 




Partie nächst der Badeanstalt in Hartberg. 

An den Kinderspielplatz fügt sich wieder die grosse 
'' von der Stadtgemeinde an Stelle eines Morastes ge- 
j Bad- und Schwimmanstalt, mit Schwimmbassins, Fon- 
a und vielen Cabinen äusserst zweckmässig eingerichtet, 
via auch hier das mit allem Comfort höchst elegant ein- 
htete Warmbad mit prächtigem Wintergarten situirt ist. 

Zur Linken der Strasse erhebt sich jedoch das mit 

rlicher Entschliessung vom 24. October 1882 als offen t- 

erklärte grosse Krankenhaus, welches am 4. December 

; eröffnet wurde. Wie bei der Gründung des Landes- 



— 288 — 

Siechenhaoses, so hat auch hier die Stadtgemeiode Hartberg 
durch eifrige Bemühungen und materielle Förderung durch 
Ueherlassung der früheren Gehäude des städtischen Armen- 
und Krankenhauses um den geringen Kaufpreis von lO.OOO ä. 
diese wichtige Anstalt, das einzige öffentliche Kranken- 
haus der nordöstlichen Steiermark, zu erwerben ge- 
wusst. Wie sehr diese unter der Leitung des Landesans- 
schusses stehende Humanitätsanstalt einem tief gefühlten Be- 
dürfnisse entsprochen hat, zeigt ihre starke Frequenz, die 
1887 schon 1390 Kranke mit 28.449 Verpflegstagen mn- 
fasst. Unter diesen Pfleglingen waren 245 aus Niederöster- 
reich, 141 aus Böhmen, 120 aus Mähren, 153 aus Ungarn, ete. 
und 611 aus Steiermark. Der normale Belagraum der Anstalt 
beträgt 83 Betten, doch steigt im Winter der tägliche Kran- 
kenstand bis zu 140 Köpfen. 

Die Anstalt, an der Herr Dr. Franz v. Schaller als 
Ordinarius und praktischer Arzt, Herr Theodor Barth als 
Hilfsarzt, sowie Herr Josef Sermonet als Verwalter sehr 
verdienstlich wirken, ist mit Telegraphen- und Wasserleitung 
und mit eisernen Betten mit Drahtnetzeinsatz versehen. Die 
Krankenpflege besorgen mit opferwilliger Hingabe barmher- 
zige Schwestern (Schwestern der christlichen Liebe vom 
hl. Vincenz v. Paul). 

Von hier vermittelt eine in jüngster Zeit an SteDe 
eines Strassengrabens geschaffene hübsche Parkanlage den 
Uebergang zu der Ungarnvorstadt 

Schliesslich müssen wir eines Mannes gedenken, de: 
die Seele aller in den letzten Decennien geschaffenen Neuerongec 
undInstitutionenbildet,Herr Josef Res savar, Bürgermeister, 
Bezirksobmann und Landtagsabgeordneter. Ressavar. 
dessen edles Herz dem Wohle des letzten Armen der Stadt 
ebenso warm entgegenschlägt, wie den Interessen des ganzes 
Bezirkes, war seit seiner Amtsthätigkeit unermüdlich nml 
in selbstlosester Weise bestrebt, nicht nur die Stadt zu 
verschönern, sondern er erkannte auch mit weithinschauendem 
Blicke zuerst die Nothwendigkeit, in erster Linie die sani- 



— 289 — 

u Verhältnisse der Stadt auf das günstigste zu 
alten, und so entsprangen die wiederholten Versuche, der 

frisches Quellwasser zuzuführein, und so namentlich das 
iie Grösse der Stadt gewaltige Unternehmen der soeben 
isführung begriffenen .Trinkwasserleitung von der vorzüg- 
1 Siebenbrunnquelle mittelst einer 3 Km. langen eisernen 
3nleitung und Dampfbetrieb zu einem 20 M. über der Stadt 
enen Reservoir, ein Unternehmen im Kosten voranschlage 
iber 55.000 fl., der Initiative Ressavar's. In gleicher Weise 
ind es jedoch auch dieser wackere Mann, stets unter- 
; durch den seltenen Gemeinsinn der Bürgerschaft und 
stattlichen Mitteln der Gemeindesparcassa, durch opfeir- 
es, conciliantes Entgegenkommen bei den massgebenden 
rden, in Hartberg eine Reihe wichtiger Unterrichts- und 
initätsanstalten, wie sie, was letztere betrifft, keine zweite 

der nordöstlichen Steiermark besitzt, zu concentriren. ; 

Das rege gesellige Leben der Stadt, die reizen- 
Parkanlagen die sie umsäumen, die trefflich ein- 
3hteten Badeanstalten und die vielen von hier 
trahlenden romantischen Spaziergänge machen 
berg mit seinen vorzüglichen Unterkunftsver- 
lissen wir geschaffen zu einer Sommerfrische 
Jene, welche die Vorzüge des Landlebens mit 
Unterhaltungen einer geselligen Landstadt ver- 
1 wollen. 

Namentlich angenehm ist für Jagdfreunde die in liebens- 
gster Weise geübte Gastfreundschaft der seit 1860 

Mitgliedern bestehenden Jagdgesellschaft, die unter 
lustergiltigen Leitung des Jagd-Directors Hermann Knar 
id, bei einem Jagdgebiet von circa 20.000 Joch, jähr- 
lurchschnittlich 24 Rehe, 1360 Hasen, 1100 Rebhühner, 
uerhähne, 100 Fasanen, 10 Füchse, 20 Schnepfen, 10 
hühner etc. zum Abschüsse bringt. 



19 



290 — 



Umgebung. 

Ein rühriges Comite hat alle Wege der Umgebusg bis 
anf 30 Kilometer im Umkreise markirt und hat der onermädiicli 
in gemeinntltziger Weise tbätige k. k. Hauptmann Alfons £gie 
in Pöllau in mustergiltiger Ausführung eine Tonristenkarte yod 
dem Gebiete der markirten Wege gezeichnet, welche eine klare 
Uebersicht aller lohnenden Ausflüge gewährt. 

1. Brühl. Folgt man der Stadtparkanlage, so gelang! 

man bald zu dem rao- 
schenden Bächlein der 
Lausnitz, die, von des 
Abhängen des Ringberge^ 
herabgeleitet, zuerst eine 
Reihe Bergmühlen treib:, 
sodann eine romantisde 
Waldschlucht durchbriclii 
um zuletzt alle Canäl' 
der Stadt zu durchspüle: 
Geht man einige Mijiate: 
dem Bächlein entgege: 
so zweigt bald ein a: 
seinem Ufer hinziehende: 
schöner Fussweg red'j 
von dem Fahrwege a 
(Wegweiser.) Zwische: 
sanft abdachenden Häng£ 
eingebettet, schlängelt sich der reizende Bachweg, von Erle: 
und Buchwald umschattet, idyllisch längs dem rauschende: 
von hohen Gräsern und Buschwerk umsäumten friscfce: 
Wässerlein dahin durch die sogenannte untere Brühl. Ueberal 
finden sich Ruhebänke und Tischchen, kleine Stege a:: 
Treppen in lauschigen Waldwinkeln, die zur Rast einladen 
Namentlich bei einer kleineu Waldmühle (siehe Abbildung obe: 
erreicht die liebliche Scenerie ihren landschaftlichen Höb^ 
punkt. Bald weicht jedoch das Laubholz dem Tannwald, m- 
das anmuthige Thalgelände pittoresken Felsenschroffen. Tie:^* 




Untere Brühl. 



i 



291 



senkt sich die Waldschlacht in das Felsengehänge und der 
idyllische Charakter der unteren Brühl verwandelt sich in der 
oberen Brühl zu einer romantischen Gebirgsschlucht, in 
welcher es sichs an heissen Sommertagen auf den vielen Ruhe- 
plätzen an dem über bemostes Gestein hinschäumenden Wässerlein 
im kühlen Schatten wunderbar gut ruhen lässt. Die ganze 
reizende Brühlanlage, circa 15 Minuten lang, ist 
Eigentbum der Stadtgemeinde, die diese landschaft- 
liche Perle Hartbergs treu behütet. 

2. Ringkogel, 
795 M., IV2 Stunden, 
orange markirt. Weg durch 
die Brühl, zuletzt beim 
Bruhlbründl, in 20 Mi- 
nuten in einer Serpentine 
zur Terrasse am Wald- 
saume des Ringkogels bis 
zu der Bergmühle, wo sich 
schon ein herrlicher Blick 
über das Unterland er- 
schliesst. Hier treffen wir 
wieder die Lausnitz, die 
uns nun zur Linken bleibt. 
Wir schreite» geradeaus 
durch Jungwald und mitten 
durch ein vorgeschicht- 
liches Grabfeld, biegen zur 

Spielstatt, einem breiten Sattel zwischen Ringkogel undFuchs* 
stein, der einst der Sage nach den Rittern auf der Burg am Ring 
als Tummelplatz gedient haben soll. Hier kreuzen sich fünf Wege 
und nochmals treffen wir die Lausnitz, die in einem künstlichen 
Bette über das Gebirge von Hochwart her geleitet wird. Oft so 
klein, dass sie ein Fuss aufhalten kann, treibt sie auf ihrem 
zwei Stunden lagen Wege eine Säge und zehn Mühlen, speist 
dann noch die Wasserleitung und das Bad, reinigt die Canäle 
und bewässert zuletzt noch die Wiesen. Von hier zieht sich 
unser Weg kurz, aber steil zur Pyramide hinan, die, aus 

19* 




Obere Brühl. 



— 292 — 

Trockeninanerwerk erbaut, sich circa 6 Meter über dem Plateau, 
dessen Jungbolzbestand immer niedergehalten' wird, erhebt. 
Der Ringkogel (795 M.), das Wahrzeichen von Hart- 
berg, zweigt vom Gebirgsstock des Masenberges frei aas- 
springend nach Osten ab, und ermöglicht somit seine isolirte 
Lage nach drei Seiten, und zwar nach Nord, Ost und Süd, 
eine unbeschränkte Fernsicht. 

Zu unseren Füssen erblicken wir das sogenannte „Habers- 
dorfer Moos", dn feuchter Moorgrund, der einst ein grosser See, 
der Edelsee genannt, gewesen, und in dessen Fluthen ein Schloss ver- 
sunken sein soll. Im Norden gewahrt man den Wechsel, die Hilm, den 
Hartberg, den Spitzriegel, den Sparbereggerkogel, die Schlösser Rei- 
tenau und Kirchberg im Walde, dann Grafendorf, die Ruine Thal- 
berg, die Stödt Friedberg, Schloss Bernstein, Schmiereith und Rech- 
nitz in Ungarn; im Osten die Günser Berge, Allhau, Oberwarth, 
Wolfau, die Gegend um Steinamanger (an besonders reinen Tagen 
soll man die Kuppel des Domes sehen), St. Johann ; im S ti d e n 
Güßsing, St. Gotthard, Neudau, Waltersdorf, Fürstenfeld, die Riegers- 
burg, die Gleichenberger Kogeln, Wotsch und Donatiberg, den Bacher, 
Possruck, die windischen Büheln, den Koralpenzug, die Petzen etc. 
Die Aussicht ist somit überraschend lohnend. Die Sapre 
berichtet, auf der Höhe des Ringkogels sei das Schloss 
Krottenstein gestanden, und weisen thatsächlich ein ring- 
föimiger Erdwall, Reste von Grundmauern, sowie die Localnamen 
der Umgebung, Spielstätte und Pflanzenstätte, auf einen hier bestan- 
denen befestigten Ansitz. Von den vielen Sagen, die sich an den 
Ringkogel knüpfen, ist weitaus am interessantesten nachstehende, 
an den altgermanischen Hertha-Cultus erinnernde Sage: 

„Am Sylvestertage, alle sieben Jahre, konnte man auf 
der südwestlichen Seite der Mauer, am Ringberge, (!) gegen das 
fruchtbare Feistritz- und Safenthal, ein grosses Loch bemerken, aus 
dem jederzeit gegen 12 Uhr Mitternacht ein Schwein hervorkam. 
War dieses dürr und mager, und hatte es nur Stoppelhalme im 
Maul, so hatte man sieben Jahre voll Sorge und Elend zu 
erwarten Es bedeutete dies für diese Zeit hindurch nicht nur keine 
fruchtreiche Fechsung der Feldfrüchte, sondern -auch Seuchen, Hagel, 
Wassergüsse u. dgl. Kam aber das Schwein „foast" und mit gol- 
denen Aehren im Maul, so konnte man einer segensreichen 
Zeit entgegenblicken. Das Schwein machte um den- Berg herum 
die Runde längs der Mauer; nur wenn eine Ortschaft von Ungemach 
betroffen wurde, liess das Schwein die Richtung, in der die Ortschaft 
lag, unpassirt und kehrte wieder in seine Höhle zurück. — Das 
dürre Schwein liess stets ein jämmerliches Grunzen hören, machte 
niemals die Runde, und kehrte gleich wieder in das Innere des 
Berges zurück." 



— 293 ^ 

Um nicht den gleichen Rückweg nehmen zu 
müssen, führt dieselhe Markirang längs dem östlichen 
Abhänge des Ringberges über die Pflanzstätte nach 
Hartberg zurück. 

3. Masenberg, 1272 M., 8y2 Stunden, blau markirt. 
Der Weg führt bis zur Spielstätte, gemeinsam mit dem Ring- 
wege. Von hier folgt der Weg der Lausnitz mit prächtigem 
Ausblick bis zu den Karawanken, durch herrlichen Buchenwald 
in sanfter Steigung gegen die Kammhöhe des PöUauer Kessels. 
Die Strasse ist uralt, ja sehr wahrscheinlich eine Römers trasse; 
im Mittelalter ein Saumweg, wird sie noch heute die Samer- 
s trasse genannt. Auf der Kammhöhe angelangt, eröffnen sich 
die prächtigsten Ausblicke in das Safenthal, und über den 
düsteren riesigen Rabenwald hinweg auf die ganze obersteirische 
Gebirgswelt, aus welcher wieder die graue Steinmauer der 
Hochschwab kette weit aufragt. Bei der Berner Hube über- 
setzt der Weg wieder die Schneide und führt an der Ostseite 
dahin, mit reizenden Ausblicken vom Wechsel bis tief nach 
Ungarn. Zuletzt steigen wir durch prächtigen, tiefbemoosten 
Hochwald hinan, an der Hütte des Waldsimmerl vorüber, zum 
„aeuen Schlag" der letzten Höhe, von wo der Blick frei vom 
Wechsel über die ganze Bergwelt des Oberlandes schweift. 
Die herrliche Aussicht des Masenberges. der leider 
noch zu wenig gewürdigt wird, und dem noch eine 
dominirende Aussichtswarte mangelt, ergänzt durch 
den freien Blick auf das Oberland somit die Aussicht 
des Ringberges, bei welcher gerade durch den Masen- 
berg der Blick auf Obersteier maskirt ist. Von Masen- 
berg führt ein gleichfalls blau markirter Weg weiter nach Pöllau 
und anschliessend an den grün markirten Weg nach Voran. 

3. Burgveste Neuberg, 1 Stunde, roth markirt. 
Entweder durch die Brühl zur Mühle und dann längs dem Berg- 
abhange auf reizendem Waldweg dahin, oder auf dem Fahrweg 
über Löffelbach. Neuberg zählt zu den wenigen Burgvesten der 
Steiermark, die ihr mittelalterliches Gepräge noch rein 
bewahrt haben. Auf dem Kammer eines sich jäh niedersenken- 
den Hügelzuges derart gebaut , dass die Burg nur von der 



294 



Südostseite augreif bar war, grnppirt sich die mächtige Borg- 
anläge um einen hochanfragenden Bergfried von riesiger Maaer- 
stärke, welcher Befestigung ein zweiter, weit später erbanter 
Thurm mit vielen Schiessscharten ati ihrer verwundbaren Seite 
vorgelagert ist. Zwischen diesem heute nun zur Kirche adap- 
tirten Thurme mit Lorett okapelle , auf welcher zwei riesige 
wilde Männer mit Keulen gemalt waren, und der Burgveste. 




Burg Neuberg bei Hartberg. 

dehnt sich ein prächtiger Wiesenplan aus, zur friedlichen Rasi 
einladend. Von Epheu umwuchert, hie und da schon geborsten, 
macht die Burgveste mit ihrer reizenden Hofanlage und dec 
gewaltigen trotzigen Thurmbauten nach allen Seiten einec 
ebenso malerischen, wie imposanten Eindruck. Die Räume de? 
Schlosses sind durchwegs leer, nur ein Jäger und ein Beut 
ficiat beleben die gewaltige Burganlage, deren Wandschmuck 
vollends verschwunden ist. 

Die Burg wurde erbaut von dem gleichnamigen alten Djuastec 
geschlecht, deren Stammväter Rudolf, Luitold und Gottschalk vc« 



— 296 — 

Neitberg aus Deutschland eingewandert sein sollen und deren letzte 
Sprossen Hanns und Elisabeth von Neiperg, gestorben am 
22. October 1483 und am Barbaratag 1503, das Chorherreustift 
Pöllau gegründet haben, woselbst sie auch in der Stiftskirche bei- 
gesetzt sind. Mit dem Tode Hanns' von Neiperg wurde das Stamm- 
schloss des erloschenen Edelgeschlechtea landesftirstlich. Die Herber- 
stein trachteten nun die Herrschaft durch Kauf zu erwerben, und 
wurde am 21. November 1524 die Herrschaft von vier Commissären, 
von welchen zwei der Landesfttrst und zwei die Herberstein er- 
nannten, geschätzt. Hierauf wurde der Kauf bald abgeschlossen und 
König Ferdinand unterfertigte in Wien ddo. 14. Jänner 1525 den 
Kaufbrief, kraft dessen er „mit freiem wohlbedachtem Muth, Recht 
und zeitlichen Rath, auch als regierender Herr und Landesfürst den 
Gebrüdern, getreuen Georg und Sigmund, seinen Räthen, Hanns und 
Wilhelm von Herberstein und allen ihren Erben seine Herrschaft 
Neuberg im FtIrsteBthmn Steier gelegen, mit allen und jeden ihrer 
Leuten, Holden, ünterthanen, Gütern, Gründen, Renten, Gülten, Zin- 
sen, Nutzen, Gefällen, Einkommen, Diensten, Roboten, Steuern, Fisch- 
weiden, Marchfutter, Bergrecht, Hölzern, Wäldern, Feldern, Wiesen, 
Aeckern, Weingärten, Viehweiden, Grund und Boden, gestift und un- 
gestift, besnchts und unbesuchts, niit allen und jeden Herrlichkeiten, 
Obrigkeiten, Gerechtigkeiten, Freiheiten, guten Gewohnheiten, sammt 
dem niederen Gericht, G^othen, Verbothen, Pönnen, Strassen, 
Bussen und Wandeln auf allen seinen Bauten, Gütern und Gründen, 
wo ihm solches Gericht zugehört, den schlechten Wildbann, die Obrig- 
keit der Behtitung zweier Kirchtage auf unseren Frauenberg und 
zu St. Anna, auch die • Lehenschaft der Kaplanei bei dem Schlosse, 
und alles andere, das von Recht und altersher dazugehöret, seine 
Vorherdem und auch er bisher in ruhigen Nutz und Gewähr her- 
gebracht, genossen und gebraucht hat, zu einem steten und 
ewigen Kauf — für freies Eigen — gegeben habe". Das Wappen 
der Neuberg, nämlich einen schwarzen Schild mit aufsteigendem 
weissem Wolf mit goldenen Klauen und rother ausgeschlagener Zunge 
und auf dem Helm eine Krone, daraus ein schwarzer Adler mit aus- 
gebreiteten Flügeln und goldenem Gefieder aufsteigt, verlieh König 
Ferdinand I. am 15. December 1542 den Herberstein, gleichzeitig 
mit dem Titel Freiherrn zu Herberstein, Neiperg und Gutenhaag. 
Die Herrschaft Neuberg gehört noch heute zum Fideicommiss der 
Herberstein. 

Das Neuberger Hochgericht war unweit der Schild- 
bach'schen Kalkgrube, wo die Strasse über den Löffelbach 
nach Pöllau führt, auf der ersten Anhöhe, etwas rechts; das 
dortige Feld heisst noch jetzt der Galgenacker. 

Hartberg hatte zwei Richtplätze und zwar einen 
für die Hinrichtungen mit dem Schwerte, welche nahe der 



— 296 — 

Strasse nach St. Johann auf einer kleinen Anhöhe bei dem 
ZschoVschen Stadl in der üngarvorstadt Nr. 174 (alt), m 
ein gemauertes Kreuz steht , welches noch jetzt das Köpf- 
kreuz genannt wird, und einen Ricfatplatz für die zum Galgeo 
Verurtheilten, welcher unweit des Wasenmeisters in der Ungar- 
Vorstadt Nr. 184 (alt), wo sich eine Sandgrube gebildet hat. 
gelegen war und an welchen noch die Namen, „Galgenschneider-. 
„Galgenbach" etc. erinnern. 

5. Nach Pöliau oder Pöllauberg, roth markirt. 
3 V4 Stunden. Durch die Brühl über Neuberg und de: alten 
gothischen Kirche St. Anna, oder aber über LöflFelbach nacb 
St. Anna, prächtige Aussicht, sanfte Steigung, nur der letzte 
Aufstieg nach Pöllauberg etwas steil. Dieser schöne üeber- 
gang in den PöUauer Kessel ist der Strasse weit vorzuziebeL 

6. Nach Stubenberg, beziehungsweise St. JohaDii bei 
Herberstein, circa 3 y^ resp. 4^^ Stunden, gelb markirt. De: 
Weg führt über Schildbach, abwechselnd über Wiesen, klelie 
Wälder und Hügelwellen zur gothischen Kirche St Stefan 
(siehe Seite 150), zwei Gasthäuser. Von hier sanfter Aufstie: 
durch Wein- und Obstculturen sowie niederes Gehölz t 
heblichsten Wechsel auf die Höhe des Vockenherges. Die 
Aecker erscheinen ganz übersät mit runden, veissen. nusv 
grossen Steinchen. Vom Schulhause überblickt man ein bj 
Fürstenfeld sich ausdehnendes, wellenförmiges Hügelland. I- 
1 Stunde gelangt man von hier nach Neu- Schielleiten, wo die 
Markirung südlich gegen St. Johann läuft. 10 Minuten vor 
Neu - Schieleiten liegt Stubenberg, während man nach de:: 
reizenden Aussichtspunkte St. Johann von Nea-Schieleiten cL'^:- 
35 Minuten hat. lieber St. Johann (siehe Seite 214), übe: 
Stubenberg (siehe Seite 194). Mit diesem Ausfluge kann df 
Besuch der Frauenhöhle am Fusse des Vockenberges. i- 
Walde des Bauers „Jagerhofer** verbunden werden, lieber dier 
interessante, 40 M. lange, künstliche Höhle, siehe Seite 14^ 

7. Nach Auffenberg (Auffenhof) 3 Stunden, grünnii:- 
kirt. Der Weg führt über Wiesen und Felder, kleine Hög^-' 
wellen übersetzend, zuletzt durch Waid zu der veriiältnissmäsi ? 



— 297 — 

niedrigen, die Gögend aber weithin beherrschenden Höhe des 
Auffenberges, berühmter Aussichtspunkt auf derWasserr 
scheide zwischen der Feistritz einerseits und Safen, und dem 
Norningbach andererseits. Der ganze breite, meist bewaldete 
Rücken heisst „Auffen", die höchste Erhebung jedoch Auffen- 
berg oder Auffenhof, und zwar nach dem in Vischers Schlosser- 
buch von 1680 abgebildeten, hier bestandenen Gute Auffenhof. 
Dieser Auffenhof scheint aber nur der Rest eines hier be- 
standenen Schlosses, welches von den Türken zerstört worden 
ist, zu sein. Am höchsten Punkte des von der Feistritz zur Safen 
sich hinziehenden Rückens, der gegen Süden sanft sich in die 
Ebene verliert und als Südgrenze der nordöstlichen Steiermark 
im engsten Sinne angesehen werden kann, liegt die Auffen- 
kapelle (448 M.). Hier stossen drei Gemeinden zusammen, so 
dass das neue hübsche Schulhaus in einer anderen Gemeinde 
liegt als das nahe Gasthaus, und dieses wieder einer anderen 
angehört als das gegenüberliegende; an der Wallfahrtskapelle 
stossen die Grenzen zusammen, so dass der Hochaltar zu 
einer anderen Gemeinde gezählt wird als der Eingang. Um 
Auffen bedeutende Hopfencultur. Von der Höhe der Auffen- 
kapelle erschliesst sich ein überraschend freier Ausblick nach 
allen Richtungen. 

Man erblickt Friedberg, Hartberg, Pöllau und 
Ftirstenfeld auf einem Standpunkte. Der Wechsel und der 
Koralpenzug sind in vollster Klarheit zu schauen, über den Gschaid 
sieht der Teufelstein hervor; der Pöllauberg, Rabenwald und Kulm, 
der Zetz und der Schöckel treten in den Vordergrund ; die Riegers- 
burg taucht gespenstig gross, die steinerne Stirne uns zugewandt, 
im Süden auf. Die Aussicht von der Auffenhöhe ist auch 
besonders lohnend durch den ungehinderten Einblick 
in das Quellengebiet der Safen und di e inmitten des 
Pöllauer Kessels abfallenden Ausläufer der Umsäumung 
desselben, und ein Ueberblick von hier lehrt uns das 
ganze wellenförmige Hügelland des Ostens und dessen 
^Stellung zu einander kennen. 

Zwei Gasthäuser: Fuchs und Haubenhofer mit Fremden- 
zimmern. 

Von Auffen nach Gross - Steinbach hinab zu den in der 
ganzen Ost - Steiermark rühmlichst bekannten Neuner-Wirth 
V;^ Stunde. 



— 298 — 

8. St. Magdalena am Lemberge, 456 M., roth mar- 
kirt» 2 Standen. Gleichfalls sehr lohnend ist die Ersteignug 
dieses relativ sehr niedrigen, aus dem breiten Rücken der 
Wasserscheide zwischen der Safen und Lafnitz aufragenden Hügels, 
auf dessen Kuppe nun Kirche, Pfarrhof und Schalhans mit 
drei Classen, und zwei Gasthäuser liegen. Die Localie wurde 
erst unter Kaiser Josef IL aus Theilen der angrenzenden 
Pfarre errichtet und diente ihr zuerst die früher hier be- 
standene gräflich Kottulinsky'sche Jagdkapelle als Kirche. Die 
liebliche kleine Häusergruppe liegt schon mitten im Wein- 
gebirge. Einen freien Ausblick geniesst man erst vom Kirch- 
thurme; das weite Gesichtsfeld ist im Allgemeinen dasselbe 
wie jenes am Ringkogel, daher wir auf diese Fernsicht ver- 
weisen. (Siehe Seite 292.) Die zwei hier bestehenden Gast- 
häuser genügen bescheidenen Ansprüchen voUkoaUBen. 



B. Hartberg -Voran. 

Kach Vor au: 1. über Reitenau, grün markirt, 4 Stunden: 
2. über Grafendorf und Kirchberg nach Vorau, gelb markirt. 
4% Stunden; 3. über Grafendorf und Eichberg nachBeigütel 
und weiter nach Vorau, gelb markirt, 5 Stunden (von Hartberg aus», 

Strasse über Grafendorf- Rohrbach -Beigtitel -Vorau (Post- 
verbindung) zu Fuss nicht unter 5*2 Stunden. Siehe Seite 84. 

1. Hartberg -Reitenau -Vorau. 

Dieser früher sehr schwer zu findende Weg wird jetzt 
nach seiner Markirung von Fussgehern, die von Hartberg aof 
dem nächsten Weg nach Vorau gelangen wollen, wohl 
vielfach benützt werden. Der Weg übersetzt eine ganze Reihe 
oft tiefeingeschnittener Thäler und führt wechselweise durch 
Wälder, Obstculturen , Wiesen und Ackerland an mehrereo 
Mühlen vorbei, zuerst nach Schloss Reitenau, welches mitten 
aus einer alten Parkanlage sich erhebt. 

Das Schloss, von zwei gewaltigen Rundthürmen flankirt, ist 
noch ringsum von dem tiefen Wassergraben umzogen, der nur an 
Stelle der Zugbrücke einen den Graben übersetzenden Damm zeigt. 



- 299 — 

Rückwärts ist die Schlossanlage, in welche. auch ein grosser festungs- 
artig gebauter SchUttkasten einbezogen ist, gleichfalls durch mehrere 
kleinere RundthUrme geschützt. Ein Vergleich mit der Vischer'scheii 
Ansicht von 1680 zeigt, dass sich seither äusserlich an diesem Baue 
nahezu gar nichts geändert hat. Im Innern birgt dieses Schloss keine 
Sehenswürdigkeiten, da der gegenwärtige Besitzer Graf Wimpffen, 
dem auch das nahe Eichberg gehört, alle Kunstschätze im Schlosse 
Kainberg vereint hat. Die Herrschaft, zu welcher jetzt ein Grund- 
besitz von 439 Joch 500 Quadratklafter (252-6 Hektar) gehört, war 
. früher im Besitze der Edlen von Zebing, die urkundlich zuerst 
1169 mit Heinrich v. Zebing genannt werden. Ende des 17. Jahr- 
hundertes ging dieselbe an die Grafen Wunnbrand und von diesen 
erst in jüngster Zeit an Franz Graf Wimpffen über. Von Franz 
Graf Wimpffen vererbte sich dieselbe an seinen Sohn Victor Graf 
Wimpffen, dem derzeitigen Besitzer des Schlosses. 

Von Reitenau zieht der Weg nun allmählig nordwestlich 
an dem nördlichen Gelände des Masenberges aufwärts und 
jenseits hinab nach Voran, immer mit schönen Ausblicken nach 
Nordost. 

2. Hartberg - Grafendorf- Kirchberg -Vorau, 

gelb markirt, eigentlich nur eine Variante des früher genannten Weges. 

Dieser Weg erlaubt den 1 Vg Stunden langen Weg nach 
Grafendorf zu fahien, eventuell mit der Post, worauf man von 
Grafendorf in 30 Minuten das "Schloss Kircbberg am Walde 
erreicht. (Der Weg von Hartberg über Reitenau nach 
Kirchberg ist ermüdend, daher diese Variante für bequemere 
Fussgeher vorzuziehen.) Das Schloss Kirchberg, viel ge- 
nannt bei den Türken- und Kuruzzen-Einfällen, bei welchen 
es wiederholt erstürmt und niedergebrannt wurde, liegt auf 
dem Kamme eines beiderseits jäU abstürzenden Hftgelrückens, 
und bildet das zweistöckige, schmucklose Gebäude ein unregel- 
mässiges Viereck. 

Ober dem Thore das Auersperg'sche Wappen, von einer eisernen 
Ordenskette umgeben. Das Schloss, zu welchem man durch eine alte 
Ijindenallee hinanschreitet, war einst von einer prächtigen altfranzö- 
sischen Parkanlage, an welcher noch vielfach steinerne verschnörkelte 
Urnen und Reste mythologischer Statuen erinnen, umgeben, während 
heute hier nur rein landwirthschaftliche Zwecke gepflegt werden. 
Ueber die ersten Besitzer des Schlosses fehlen alle Nachrichten. Im 
15. Jahrhunderte sollen es die Zebinger, die auch Reitenau besassen. 



— 800 — 

im Besitze gehabt haben. Im 18. Jahrhunderte war es im Besitze 
der Auersperg, ohne dass es jedoch bekannt ist, wie und wann es 
an dieses Geschlecht kam. Im Jahre 1795 verkaufte Siegmund Grat 
Auersperg die Herrschaft an Josef Neubauer und dieser wieder 
1810 an Hieronymus Wolf, dessen Familie noch jetzt die Herrschaft 
besitzt. 

Von Kirchberg (Schlosstaverne) führt der Weg die Höhe 
hinan, um sich auf derselben mit dem grün markirten Weg 
zu vereinen. 



3. Hartberg-Grafendorf-Eichberg-Beigütel-Vorau, 

gelb markirt, von Grafendorf bis Beigütel. 

Dieser Weg ist am unbeschwerlichsten und nahezu aic 
schönsten, wenn auch etwas weiter. Man erreicht Eichberg 
von Grafendorf in I Stunde. Das Schloss Eichberg ist 
seiner Lage wie seiner Bauart nach das interessanteste 
und schönste unter den drei zwischen Hartberg und Vorac 
liegenden Schlössern. 

Das ausgedehnte Schloss liegt auf stattlicher Höhe mitten im 
Waldgebirge, auf einem kleinen, nach drei Seiten steil abdachende:. 
Plateau und macht mit seinen Vor- und Zubauten, Thftrmchen 
und unregelmässigen Fenstern und Lucken einen überaus male- 
rischen Eindruck. Ober dem ersten Schlossthore zeigt sich di" 
Jahreszahl 1715. einen späteren Umbau bezeichnend, weit älter 
ist der südliche Gebäudecomplex, welcher im Viereck einen enger 
Hofraum umschliesst. Beide Tracte trennt ein grosser Hofraum. 
An den westlichen Flligel des älteren Schlosses lehnt sich die erst 
später angebaute Kapelle mit Thürmchen. Die Gruft dieser Loretlo- 
Kapelle, welche jetzt zur gräflich WimpflPschen Familiengruft be- 
stimmt ist, barg bis vor zwei Decenien die Särge der alten Besitzer 
Eichbergs, der Steinpeiss. An der südlichen Abdachung des 
Schlossberges erhebt sich, wenige Schritte vom Schlosse, von uralten 
Linden traulich umschattet, das interessante, 1400 erbaute gotbische 
Johanneskirchlein, dessen Gruft jetzt die 12 Särge der hier beige- 
setzten Steinpeiss birgt. An dem Kirchlein sind mehrere interessante 
Grabsteine der Steinpeiss, darunter jener des „Hans Christopi: 
Steinpeiss, Freiherr und Herr auf Aichberg und Kirchberg a. li. 
Raab, geb. 18. Februar 1604, pest. 1662.« 

Die ältesten Besitzer und wohl auch Erbauer des Schlosses 
waren die Herren v. Aichperg, von denen Wülfing der Aichperger 
1384 in der Vorauer Chronik erwähnt wird. Schon im nächstec 
Jahrhunderte ist das Schloss in Besitz der Familie Steinpeiss ee- 



— 301 — 

kommen, bei welcher es bis 1768 verblieb. Hierauf vererbte 
sich die Herrschaft an Freiherm v. Weidmansdorf, und von diesem 
nach mehrfachem Besitzwechsel an Franz Graf Wimpffen, dessen 
Sohn Victor GrafWimpffen derzeit Besitzer derselben ist. 

Die Steinpeiss, welche in der nordöstlichen Steiermark viel- 
fach begütert waren (Kirchberg a. d. Raab, Birkfeld, das Frei- 
hausen Anger, Dornhofen, dann Grabenhof, Trautenberg waren in 
ihrem Besitze) wurden 1640 in den Freiherrn- und 1676 in den 
Grafenstand erhoben und waren Oberst-Landes-Falken- 
m eist er. Die Herrschaft umfasst 423 Joch (243.225 Hektar). 

Auf Eichberg waltet Herr GeorgPozeuals Beneficiat seines 
Amtes, dessen liebenswürdige Gastfreundschaft in der 
ganzen nordöstlichen Steiermark rühmlichst bekannt 
und gewiss ein Magnet mehr ist, um viele Touristen nach dem 
herrlich gelegenen Schlosse zu führen. 

Von Eichberg meist durch schattigen prächtigen Buchen 
wald hinab nach Beigütel, vorzügliches Gasthaus, üeber 
Beigütel und von hier nach Voran, siehe Seite 94. 

Kleinere hübsche Spaziergänge führen in je 30 
Minuten zum Schiederer Wirth am östlichen Fusse des Ring- 
berges, am Calvarienberg, nordwestlich und nach Schloss 
Klaffenau, südöstlich, seit 1607 im Besitz des Chorherrnstiftes 
Voran; ein interessanter Bau aus dem 16. Jahrhundert; durch- 
wegs beliebte und lohnende Ausflüge von Hartberg. 



0. Hartberg, St. Johann in der Haide, über Allbau 
nach Oberwartb 

4% Stunden, täglich Postverbindung, Abfahrt VsÖ ühr Früh, 80 kr. 
per Person. Zu Fuss nicht lohnend. 

Die Strasse zieht über einförmiges, wellenförmiges Terrain 
durch St. Johann in der Haide zur Lassnitz, überschreitet die 
ungarische Grenze und übersetzt längs der ausgedehnten Ort- 
schaft Allhau den breiten, meist bewaldeten Hügelrücken 
zwischen der Lafnitz und Pinka, in welch' letzterem Thale der 
grosse Markt Oberwarth (Felsö-Eör) freundlich gelagert ist. 

Hotel: „König von Ungarn"; Gasthof: „zum grünen 
Baum", „zum wilden Mann", „zur ungarischen Krone", „zum Adler", 
„zum Löwen", „zum Hirschen", „zum goldenen Stern" (ausserdem 
noch 30 G a s th äu s e r). Ein K a f f e h au s mit bürgerlichem Lesevereiu 



— 302 -- 

mit Garten und Kegelstätte ;Bräuhaus mit Garten. — Postverbin- 
dung nach Steinamanger, Bad Tatzmansdorf, Hartberg und über 
Pinkafeld nach Friedberg, sowie nach dem alten Markte Schlaining, 
der einstigen Burgveste Andreas Baumkirchers. Eisenbahn von 
Steinamanger nach Pinkafeld im Bau. — Vier Jahr- 
märkte und die stärksten Vieh- und Wochenmärkte im 
Comitate. — Post- und Telegraphenstation. — Vereine: 
bürgerlicher Lesevereine gegründet 1884; freiwillige Feuerwehr ge- 
gründet 1883; Beamten- Casino ; Section des Rothenkreuz ^ Vereines 
gegründet 1884. 

Markt mit 609 Häusern und 3193 Einwohnern, auf 
375 M. Seehöhe, mit je einer helvetischen, evangelisch Augs- 
burger nnd katholischen Kirche und einem israelitischen Bethaas. 

Hier erscheint das in der ganzen nordöstlichen Steier- 
mark weit verbreitete Oberwarther Sonntagsblatt, welches 
gut redigirt, sich vielfach mit der steirischen Ostmark be- 
schäftigt und auch hier zahlreiche Mitarbeiter hat. Eigea- 
thümer und Herausgeber ist Herr Ludwig Schodisch, 
Besitzer einer auf mehreren Ansstellangen prämiirten, sehr 
gut eingerichteten Druckerei, aus welcher u. A. auch die Chronik 
der Stadt Fürstenfeld v. Hanns Lange hervorgegangen ist. 

In Folge Mangels eines Archives fehlen verlässliche 
historische Daten über diesen Markt. Von Interesse ist ein 
unscheinbarer Hügel am Eingang des Ortes „Vörösdomb" 
rother Berg, nach dem hier bei einem Kuruzzen- Einfalle 
geschehenen Blutbade so benannt. Bei diesem Einfalle ver- 
theidigten die Einwohner diesen Hügel so tapfer, dass die 
ganze Gemeinde aus diesem Anlasse adelig wurde. Im Jahre 
1848 wurde der Ort von den Kaiserlichen gebrandschatzt. 

Das charakteristische Treiben eines ungarischen Volks- 
festes kann man bei dem Volksfeste „Röke** kennenlernen. 
Röke heisst auf deutsch Falbe, und auf dem Platze, wo 
dieses Fest jährlich am Pfingstdienstag gefeiert wird, 
haben einst die vom Markte heimkehrenden Bauern einen 
Falben vertrunken. Dieses an und für sich harmlose Ereig- 
niss gibt den Oberwarthern seit undenklichen Zeiten Anlass, 
das Erinnerungsfest, welches meist mit blutigen Schlägereien 
endet, zu feiern. 



— 303 — 

Die weitere Umgebung des Marktes ist reich an 
historischen Erinnerungeu^Alterthümern, Naturs chön- 
heiten und Sehenswürdigkeiten, welche eingehen- 
der zu berühren» wir uns jedoch für eine zweite 
Auflage des Wanderbuches vorbehalten müssen. 

IV. Hartbepg -Waltersdorf - (riirstenfeld). 

13-3 Kilometer, 2V2 Stunden. Nur zu Wagen, für Fussgeher nicht 
lohnend. Post täglich um iy,9 Uhr Früh nach Waltersdorf 70 kr. 

Die Strasse zieht an Lebing vorüber, übersetzt eine 
Hügelwelle und erreicht bei der Ortschaft Oberbuch das 
Thal der Safen, welches sie nun nicht mehr verlässt. Von 
Oberbuch, zieht die Strasse durch Unterbuch, Geisseidorf 
nach Sebersdorf, w^o sich die beiden Safenbäche vereinigen, 
oben am Waldessaume Schloss Ober - Mayrhofen (siehe 
Seite 163). Noch 20 Minuten nach dem sehr freundlich ge- 
legenen, von Obstbäumen umsäumten grossen Pfarrdorfe 
Waitersdorf. 

Gasthäuser: Spöck, 4 Zimmer, sehr empfehlenswerth; Radler, 
mit Zimmer, gleichfalls gut. — Postverbindung nach Hartberg 
täglich Vii Uhr Nachmittags, nach Fürsten feld über Blum au 
täglich 11 Uhr Vormittags. Fahrpreis nach Blumau 40 kr., von 
Blumau nach Fürstenfeld 40 kr. — - Vereine: Ortsgruppe des 
deutschen Schulvereines, gegr. 1884, Feuerwehr- Vereinigung 1886. — 
Jahrmärkte: am 4. Montag in der Fasten ; am 20. Juli ; am 
1. Montag nach Michaeli und am 11. November. 

Waltersdorf. Pfarrdorf mit 112 Häusern und 500 Ein- 
wohnern. Sitz eines Decanates (Hauptpfarre) mit berühmten 
Eömerdenkmälern. Schule fünfclassig. Die urkundlich schon 
1211 erwähnte, aber damals sicher schon lange bestandene 
Pfarre St. Margarethen in Waltersdorf zählt zu den ältesten 
der Steiermark und war bis 1787, wo mehrere umliegende 
Localien von Kaiser Josef IL zu selbstständigen Pfarren er- 
hoben wurden, der Pfarrsprengel weit ausgedehnter als jetzt, 
wo er circa 3500 Seelen umfasst. Um das Jahr 1630 wurde 
Waltersdorf zum Sitze eines Decanates erhoben. Bei den 
Kuruzzen-Einfällen von 1683 und 1704 wurde Waltersdorf 



— 304 — 

sammt Pfarrhof (1683 auch die Kirche) niedergebrannt Die 
jetzige Kirche wurde 1689 — 1690 ganz neu erbaot. Die 
Kirchenuhr stammt von 1726 und die Orgel von 1730. Als 
erster Schulmeister wird 1624 Paul Wözling genannt. Der 
Pfarrhof birgt eine ungewöhnlich reichhaltige Bibliothek. 

An der Aussenseite der Kirche sind nachstehende Rö- 
merdenkmale zu sehen: 

1. Ein Löwe mit einem Widderkopfe zwischen den Vor 
derpfoten. 2. Die Colos salstatue eines sitzenden Ei- 
mers mit Toga, jedoch mit abgeschlagenem Haupte und sonstigen 
Zeichen der Verstümmlung. 3. Ein Kopf, wahrscheinlich zu einen: 
Brustbild gehörend. 4. Stein mit zwei auswärts schauenden Loven. 
zwischen ihnen in der Mitte ein Menschenkopf mit einer Tiara. 
Locken und langem Barte, gerade wie sie in St. Kunigond in deu 
windischen Büheln und in Strassgang bei Graz gefunden wurden. Eu 
von Muchar erwähnter Inschriftstein findet sich jedoch nicht mehr vor. 

Spaziergänge von dem lieblichen Charakter der Hügel- 
landschaft, meist durch Wälder wechselnd mit ObstcultureL. 
erschliessen sich nach allen Seiten. Eine herrliche über- 
raschende Aussicht gewährt das gräflich Kottulinsky'sche 
Weingarthaus, allgemein das Pernerhaus genannt, östlich aut 
einer Hügelkuppe, mit umlaufendem offenem Corridor, in eine: 
halben Stunde leicht erreichbar. Andere angenehme Spaziergänse 
führen nach Hohenbruck, V2 Stunde, nach Blumau 1 ^i StundeE. 
nach Unterbuch y^ Stunden, nach Ilz zwei Stunden, schöße: 
Waldweg, nach St. Magdalena am Lemberge hinao: 
1 Yj Stunden, nach Burgau oder Neudau 1 ^/^ Stunden, ineiN 
durch Wald, nach Schloss Ober-Mayrhofen 20 Minuten et: 

Von Waltersdorf zieht die Strasse weiter das Safentha! 
hinab über das freundliche Pfarrdorf Blumau (starker Hopfec- 
bau) nach Bierbaum, wo sich die Strasse mit der von ßurgai: 
herabkommenden Strasse vereint, um nun an der westliche: 
Lehne des Lafnitzthales nach Fürstenfeld hinzuziehen. 

Entfernungen: Waltersdorf- Blumau 1 % Stunden, Blumao- 
Fürstenfeld IV2 Stunden. 

E. Hartberg -Qleisdorf- Graz, 
beziehungsweise Graz -Gleisdorf- Hartberg, siehe Seite 59, 143 



— 805 — 

P. Hartberg - Priedberg, 

eziehungsweise Friedberg - Hartberg, siehe Seite 84. 

Ttberg - Wörth. - Neudau -Burgau rPürstenfeld. 
siebe Route VIII, Fürstenfeld, E. 

n, Gebräuclie und Sagea des Volkes iii den 
clien Oegenden der nordöstliclien Steiermark. 

Obwohl die deutsche Sprachgrenze über zwei Meilen in das 
»che Gebiet vordringt, so hat doch andererseits wieder die 
le Bevölkerung äusserlich Manches von ihren Grenznachbarn 
mmen. Die Dörfer sind nicht mehr so schmuck und freundlich, 
den westlichen und nördlichen Gegenden, so um Weiz, Stuben- 
Pöllau, im Jackeiland etc. Die einzelnen, oft nur nothdürftig 
:ten Höfe liegen zerstreut, wodurch die Orte sich unverhältniss- 

in die Länge dehnen, grosse Wasserlacken, als Tummelplatz 
Insen und Enten, durchziehen vielfach die Orte und in den 
häusem mangelt nicht selten die Reinlichkeit. Die weite 
;che Leinenhose bei den Männern und grellfarbige Brusttücher 
i Frauen und Dirnen fallen tiberall auf. Besonders aber tritt 
sfarische Einfluss bei den Schuljungen hervor, die mit ihren 
Röhrenstiefeln, der blauen, nie fehlenden Schürze, dem „Für- 
und dem runden schwarzen Hütchen, im Vergleiche zu der 
;end anderer deutschen Orte, ein ganz fremdartiges Bild geben, 
h werden von den Männern wie von Kindern Holz schuhe 
ederröhren getragen, wodurch sehr häufig „Plattftisse" 
cht werden. Die Nahrung des Volkes ist nahezu kümmerlich, 
s u p p e und Mehlspeisen bilden das . tägliche Gericht, dabei 
imer „mager-* mit wenig Fett gekocht. Eine grosse Rolle spielt 
en kargen cullinarischen Genüssen dieser Gegenden das Kraut, 
1 theils als „Fasslkraut" (Sauerkraut), theils als „Grubenkraut^ 
. und aufbewahrt wird. Als sehr gesundes Getränk wird 
in der „Most" (Obstwein) getrunken, vereinzelt auch ein 

Wein. 
Unter den spärlichen Resten der alten Volksgebräuche müssen 
3r Reihe die Todtenmahlzeiten, die Todtenzehrungen, wie 
gt, genannt werden, da sie noch allgemein üblich sind. Da die 
ibegängnisse stets Vormittags stattfinden, so beginnt die Todten- 
it meist um 11 Uhr und dauert bis Abends. Hiezu wird die 
erwandtschaft und Nachbarschaft geladen, so dass dabei selten 
lundert, wohl aber auch bis zu zweihundert Menschen ver- 

20 



— 306 — 

sammelt sind. Die Weiber tragen bei den Leichenbegängnissen luiI 
Todtenmahlzeiten einen blaugedruckten Kattunrock, schwarze Jopp^ 
und schwarzseidenes Kopftuch. 

Ein anderer Volksbrauch wird im Fasching gefeiert, di? 
Blockziehen, und zwar in jenen Jahren, wo in der Gemeinde ii 
Fasching keine Hochzeit stattfand. Das Blockziehen findet an eioes 
der letzten zwei Faschingstage statt; zu diesem Zwecke fallen einis» 
lustige Bauemburschen einen schlanken hochgewachsenen Nadelholz- 
baum, hacken alle Aeste ringsum ab und verkürzen das „Bloch- auf 
6—8 Meter Länge. Nun wird ein zweirädriger Karren geholt, dis 
eine Ende des Bloches daran befestigt und am Stamme noch eü 
mit allerlei Flitter geputztes Bäumchen aufgeputzt. Inzwischen habe: 
sich eiii Gespann, die Musikanten, die DorQugend und allerlei lastiges 
Volk in möglichst komischen Verkleidungen eingefunden und m 
beginnt unter Musikbegleitung und Hailoh der Dori^ugend dti 
eigentliche Blockziehen zum Dorfwirthshause, wo der Wirth die 
Musikanten mit Gratiswein regalirt und seine grosse Freude über 
die Einkehr der Blockzieher in seinem gastlichen Hause aasspridt. 
Ein witziger Bursche, so komisch als möglich herausgeputzt, besteir 
nun einen Tisch und bietet den Block unter marktschreieriscber 
Anpreisung seiner seltenen Vorzüge feil, wobei selbstverständlich der 
Besitzer des Waldes, aus welchem der Stamm geholt wurde, ein Aw 
zudrückt oder sich mit einer geringen Summe abfinden lässt. De: 
erzielte Erlös, weitmehr als der Werth des Stammes, fällt nnn des 
Wirthe zu, welcher, so lange das Geld reicht, dafür Wein auftischt 
Ein Tanz beschliesst den alten Volksgebrauch, bei welchem schos 
die Paare bestimmt werden, die sich nächstes Jahr verheiraten sollen 
denn das Blockziehen, ein Jahr ohne Hochzeit in der ganzen Gemeinde 
bedeutend, gilt eigentlich als eine Schande für das Dorf. 

Zur Zeit des heiligen Dreikönigsfestes kommt die„Budl- 
muata** Abends zu den Kindern. Sie ist gar wunderlich angezogfs 
und trägt einen Sack voll Nüsse und Aepfel mit sich. Auf ihr Pochf: 
öffnet die Bäuerin die Stubenthür, worauf sie eintritt mit frommen 
Grusse und die Kinder Gebete aufsagen lässt. Waren die Kindtr 
folgsam, so wirft die Budlmuata einige Hände voll Nüsse und Aepft 
unter die Kinder. 

Wie der Wechsel von dem gespenstigen Wechselmännchts: 
bewohnt wird, hat die südliche Gegeind der nordöstlichen Steiermt't 
in dem Lutscherl oder Lutschi eine andere sagenhafte Spii- 
gestalt. Das Lutscherl hat Gänsefüsse und ist von Gestalt gar vilo. 
dick und zottig. Unverbesserlichen Leuten, namentlich schlimmfs 
Kindern, schneidet es ein dreieckiges Stück Fleisch von der Ferse ans 
Die Lutschi soll einst unter den Menschen geweilt haben, hatte abe: 
von diesen, ihrer üngestalt wegen, viel Unbilden zu erleiden, ofl' 
rächt sich nun dafür, indem sie Unheil anrichtet und Schaden bringt 



^^^^M^^^^^^^^^I^M^^^^^^^^^^ 




>Äp?^T*T*T^p^T*?iTJ^J^if?S'?^f^^jfjsjfj^^ 



Route VIII. Fürstenfeld. 

A. Localbahn Fehring -Fiirstenfeld. 

B. Hopfenbau in der nordöstiiciien Steiermaric. 

C. Fiirstenfeld und Umgebung. 

D. Fürstenfeld -Güssing. 

E. Fiirstenfeld - Burgau - Neudau - Wörtii - Hartberg. 

1. Fürstenfeld-Burgau. 

2. Burgau -Neudau. 

8. Neudau -Wörth- Hartberg. 

F. Fürstenfeld - Waltersdorf > Hartberg. 

G. Fürstenfeld -Hz. 

H. Fürstenfeld -Riegersburg. 



Ä. Localbalin Peliring - rürstenfeld. 

Als einzige Bahn der nordöstlichen Steiermark, welche aus- 
schliesslich auf steirischem Boden führt und ihren Centralsitz in der 
Landeshauptstadt Graz hat, ist diese Localbahn eine überaus wich- 
tige Lebensader dieses Landestheiles und bei naturgemässer Ent- 
wicklung gegen Hartberg berufen, noch eine bedeutende Rolle in der 
volkswirthschaftlichen Entwicklung der nordöstlichen Steiermark zu 
spielen. 

Die Bahn zweigt von der Station der ungarischen Westbahn 
Fehring nördlich ab und wendet sich im Bogen in das Grazthal, 
um daselbst knapp neben der Strasse zu der ersten Station, dem 
Pfarrdorfe Hatzendorf zu führen. (Von hier aus eine Stunde nach 
Riegersburg.) Hier verlässt nun die Bahn das westlich weiterziehende, 
breite Grazthal und tritt in das nördlich herabkommende enge Tiefen- 
bachthal, in welchem sie, in stetiger Steigung fortführend, bald die 

20* 



— 808 — 

Haltestelle Unter-Tiefenbach erreicht. Von hier aus beginnt 
nun die landschaftlich schönste Strecke der Bahn, die die Wasser- 
scheide zwischen der Raab, resp. Grazbache und dem Ritscheinthaie 
zu übersetzen hat. In relativ überaus starker Steigung zieht dul 
die Bahn in gewaltigen Curven und Schlingen, vielfach in mächtigec 
tiefen Einschnitten und über hohe Dämme die Berglehnen durcli- 
queren d, den Hof berg hinan und jenseits wieder hinab in das freunil- 
liehe Ritscheinthal zu der Station S ö c h a u (schönes Pfarr- 
dorf). Prächtiger Blick auf den westlich gerade über der Thalweitan? 
in schönen blauen Conturen aufsteigenden Schöckel bei Graz. D:e 
Bahn zieht nun, eine rein östliche Richtung nehmend, das trei:^ 
fruchtbare Ritschein entlang, zur Haltestelle üebersbach uDii 
von hier um die Ausläufer der Gerichtsbergen im Bösen nordöstlict 
nach Fürstenfeld, woselbst die Station am äissersten EDCr 
der Ungar -Vorstadt situirt ist. 

Das Bahngebiet umfasst somit die Strecke von der Statin: 
Fehring bis zur Station Fürstenfeld mit einer Schleppbahn zu: 
dortigen k. k. Tabak - Fabrik. Die Baulänge der Bahn beträi:: 
19-999 Kilometer, die Betriebslänge 20*128 Kilometer. Den Betnt: 
besorgt die k. k. General- Direction der österr. Staatsbahnen. C<^l- 
cessionirt wurde die Bahn am 2. Juli 1864 und dauert die Concessi«: 
90 Jahre, von 1. October 1885 an gerechnet. 

Das Gesellschaftscapital beträgt 1,055.000 fl., vertheilt iL 
3025 Stück Prioritäts-Actien ä 200 fl. ö. W., und 2250 Stamn 
Actien ä 200 fl. ö. W. 

Die Prioritätsactien- Coupons pr. 1885 und 1886 wurden r> 
sammen am 1. Juli 1887 mit 9 fl. eingelöst, wobei jedoch nicht :: 
übersehen ist, dass die Bahn erst am 1. October 1885 eröffnet wurdr 

Die Baukosten stellen sich auf 949.000 fl. 

Die Coursdiöerenz bei Fundirung der Actien . 106.000 «_ 

1,055.000 fl. 

Die Brutto - Betriebseinnahmen inclusive Landes - Subventii: 

betrugen vom 1. October 1885 bis 31. December 1885 fl. 24.017-3? 

hievon ab 50% Betriebskosten an die Staatsbahn . . „ 12.00 8;'?^ 

Netto-Einnahmen der Localbahn per IV. Quartal 1885 fl. 12.00Sn' 

1886 Brutto-Einnahmen inclusive Landes-Subvention . fl. 47.039-2: 
hievon 50% Betriebskosten an die Staatsbahn . . . . „ 23.519^-^ 
Netto-Einnahme der Localbahn 1886 ~f[r2S.h\9-^' 

Befördert wurden auf dieser Bahn vom 1. October 1885 hu 
30. December 1886: IL Classe 5339 Civilpersonen, III. Clas^' 
50.341 Civilpersonen und 82 Militärpersonen, zusammen 65.762 P» 
sonen. — An Güter wurden in dieser Periode 16.267 Tonnen befordtrt 

Trotzdem die Consolidirungsarbeiten des vielfach durch Rntstl- 
terrain geführten Bahnkörpers, sowie die Erbauung eines eigenf' 



— 809 — 

Bauinwoll-Magazins in Fürstenfeld im ersten Jahre unerwartete Aus- 
lagen verursachten, so waren die Betriebsergebnisse doch äusserst 
günstige und werden sich dieselben, nachdem seit October 1886 die 
grossen Spinnfabriken von Burgau und Neudau, die früher ihre Güter 
nach St. Gotthard verfrachteten, nun dieselben über Fürstenfeld 
instradiren, künftighin zweifellos noch vortheilhafter gestalten. 

Der Verwaltungsrath dieser Localbauten besteht derzeit aus 
den Herren: Julius Krepesch, Präsident; Dr. Alexander Wannisch, 
Vice-Präsident ; Moriz Fröhlich Edlen v. Feldau ; Dr. Leopold Link, 
sämmtlich in Graz ; Josef Sutter in Fürstenfeld. 

Wie sehr diese Bahn einem langjährigen Herzenswunsche der 
Bevölkerung entsprach, zeigte der Verlauf der Eröffnungsfeier am 
1. October 1885, welche in Fürstenfeld in Anwesenheit des Handels- 
ministers Baron Pino, des Statthalters Baron Kühe ck^ des Landes- 
hauptmannes Grafen Wurmbrand, der Landes- Ausschüsse Dr. von 
Schreiner und Dr. A. Wannisch, des Sectionschefs Czedik 
etc. etc. abgehalten wurde. 



B. Hopfenbau in der nordöstliclien Steiermark. 

Obwohl in der nordöstlichen Steiermark schon seit Jahr- 
hunderten sporadisch Hopfen gebaut wurde, so gab doch erst die 
Anlage grosser Hopfen culturen in den Dreissiger Jahren durch den 
damaligen Besitzer der Herrschaft Feistritz bei Hz, Raimund Graf 
Lamberg, den ersten Anstoss zu einer allgemeinen Cultur des Hopfens 
welcher jetzt einen wichtigen Factor landwirthschaftliclier Production 
der nordöstlichen Steiermark bildet. Zuerst folgten die Herrschafts- 
besitzer von Kahdorf bei Hz und Welsdorf bei Fiirstenfeld sowie 
einige Bürger dieser Orte mit der Anlage von Hopfengärten, die sich 
jedoch Anfangs langsam vermehrten, so dass um das Jahr 1850 erst 
circa 100.000 Stöcke gepflanzt waren, was leicht erklärlich ist, wenn 
man die ungünstigen Verhältnisse erwägt, mit welchen der Absatz 
des damals noch wenig bekannten steirischen Productes zu kämpfen 
hatte. Die steirischen Hopfenbauer hielten jedoch zähe aus, und 
endlich kamen in den Sechziger Jahren die ersten Händler und Agenten 
der Brauer um steirischen Hopfen direct von den Producenten zu 
kaufen und heute hat der steirische Hopfen der nordöstlichen Steier- 
mark auf allen Welthandelsplätzen einen sehr ehrenvollen Ruf er- 
worben. Der steirische Frühhopfen hat sich zu einer 
Constanten Varietät ausgebildet, welche dermalen zu 
den vorzüglichsten Europa's zählt und reift, im hiesigen 
Hopfenlande 14 — 21 Tage früher, als der Frühhopfen Böhmens und 
des Deutschen Reiches; er hat daher, abgesehen von der Qualität 
schon deshalb einen grösseren Werth nicht nur für den Producenten, 



— 310 — 

sondern auch für den Brauer, der Anfangs August wenigstens theil- 
weise auf die neue Ernte angewiesen ist. 

Von grosser Wichtigkeit für ein einheitliches rationelles Vor- 
fi^ehen in aUen Fragen der Hopfencultur wurde der 1876 gegrandete 
Hopfenbauverein für die nordöstliche Steiermark, dessen Obm&cn 
Herr Landtagsabgeordneter Sutter, einer der grössten mi 
strebsamsten Hopfenbauer Steiermarks, sich grosse Verdienste im 
die Förderung des ausgezeichneten Kufes des steirischen Hopfeos 
erwarb. Namentlich erzielte der Verein mit der Collectiv-Beschickunf 
verschiedener Ausstellungen mit steirischem Frühhopfen die schön- 
sten Erfolge, und wurden die Proben steirischen Hopfens nicht bü 
auf allen Regional- und steirischen Landesausstellungen, sonder: 
auch auf den beiden Weltausstellungen in Paris und auf jener i: 
Wien, auf der Hopfenausstellung in Nürnberg und Hagenau, son 
auch auf der Landesausstellung in Triest meist mit den höchstec 
Preisen ausgezeichnet. Die dem Vereine, vom Staate und k 
k. k. steirischen Landwirth Schafts • Gesellschaft zugewiesenen Su^ 
ventionen ermöglichten endlich, den schon lange angestrebten Ver- 
suchshopfengarten in der Stadt Fürstenfeld in's Leben zu ruffi 
in welchem auf circa 40 Ar Musterpflanzungen alle anderswo be- 
währten Hopfensorten mit aUen neueren Ciüturmethoden angeler 
wurden, um den Hopfenbauem die Möglichkeit zu bieten, erprob-' 
Versuche in weitere praktische Anwendung zu bringen und so e: 
der Cultur anderer Länder gleichen Schritt zu halten. 

Das nordoststeirische Hopfenland bildet ein geographiscl:^ 
Ganzes, nämlich die unteren Theile eines den Fischbacher Alf- 
entspringenden Flussgebietes , welches nahe der Landesgrenze \<- 
St. Gotthard in Ungarn sich zu einem einzigen Thale vereinn^ 
und in Steiermark aus dem südöstlich fast parallel laufenden Thäler. 
der Lafnitz, der beiden Safen, der Feistritz, der Dz, der Rittschei- 
der Graz und der Raab, sowie aus den dazwischen liegenden Hü^* 
ketten besteht. Dasselbe umfasst in politischer Beziehung den gn»^ 
ten Theil des Gerichtsbezirkes Hartberg, den südlichen Theil d^ 
Gerichtsbezirkes Pöllau, die östlichen Theile der Gerichtsbeziri 
Weiz und Gleisdorf, die nördlichen Theile der Gerichtsbezirke hl; 
bach und Fehring, und den ganzen von den obgenannten Bezirken - 
Nord, West und Süd umschlossenen Gerichtsbezirk Fürstenfeld. P-* 
Hopfenland dehnt sich über 173 Ortsgemeinden mit 110.728 Hekta.'^ 
Flächenmass aus und sind 1883 von dieser Fläche 1090 Heb-' 
Hopfengärten mit 4,464.324 Stöcken. Die Gesammtfläche obgenani*^ 
Bezirke beträgt 200.525 Hektar in 304 Ortsgemeinden, wovon - 
Gerichtsbezirke Hartberg 5 Ortsgemeinden mit 4387 Hektar Fläfb' 
im Gerichtsbezirke Pöllau 11 Ortsgemeinden mit 11.279 Hektf 
Fläche, im Gerichtsbezirke Weiz 36 Ortsgemeinden mit 34.656 Hektf 
Flächenmass, im Gerichtsbezirke Gleisdorf 30 Ortsgemeinden n' 
12.182 Hektar Flächenmass, im Gerichtsbezirke Feldbach 36 Or^- 



— 311 — 

gemeinden mit 21.460 Hektar Flächenmass und im Gerichtsbezirke 
Fehring. 13 Ortsgemeinden mit 5808 Hektar Flächenmass keinen 
Hopfenbau treiben, während im Gerichtsbezirke Fürstenfeld in jeder 
der 41 Ortsgemeinden Hopfen gebaut wird. 

Nach Thalgebieten betrachtet, ist das der Feistritz mit 
371 Hektar Hopfengärten und 1,483.849 Stöcken in 20 Ortsgemein- 
den und 15.542 Hektar Gesammtfläche das Centrum der Hopfen- 
cultur, dem sich östlich das Thalgebiet der beiden Safen mit 
248 Hektar Hopfengärten und 994.501 Stöcken in 45 Ortsgemein- 
den und 28.376 Hektar Gesammtfläche > und westlich das der Hz 
mit 162 Hektar Hopfengärten und 647.289 Stöcken in 31 Ortsge- 
meinden und 15.546 Hektar Gesammtfläche anschliesst. Oestlich des 
Safen-Thalgebietes bietet das Thalgebiet der Lafnitz, bis zur Lafnitz 
selbst, welche zugleich Grenzfluss ist, mit 90 Hektar Hopfengärten 
und 363.230 Stöcken in 12 Ortsgemeinden und 10.647 Hektar 
Gesammtfläche den Abschluss des nordsteirischen Hopfenlandes 
gegen Ungarn, während an das Hz- und Feistritz-Thalgebiet östlich 
und südlich das Rittscheinthalgebiet mit 133 Hektar Hopfengärten 
und 534.972 Stöcken in 24 Ortsgemeinden und 13.338 Hektar Ge- 
sammtfläche, das Grazbach-Thalgebiet mit 44 Hektar Hopfengärten 
und 178.615 Stöcken in 7 Ortsgemeinden und 0243 Hektar Gesammt- 
fläche, und endlich das Thalgebiet der Raab mit 39 Hektar und 
161.868 Stöcken in 84 Ortsgemeinden und 21.031 Hektar Gesammt- 
fläche sich angliedert. 

O. Pürstenfeld und Umgebung. 

Eihkehr-Gasthäuser: Brauhaus der Brüder Pferschy 
(serbische Hoflieferanten), 18 Zimmer; „zur Stadt Triest", 20 Zimmer, 
Fleischhauer Pferschy; Josef Kogelmann, mit Zimmern, Fleischhauer; 
G. Josef Sitt, mit Zimmern, Lederergasse ; Belvedere mit Sitzgarten ; 
Elisabeth Fürpass, Grazerplatz, Sitzgarten; Georg Pferschy junior, 
Ungarvorstadt, mit Sitzgarten; Baumann, mit Sitzgarten; Bahnhof- 
Restauration mit Veranda, (in den erstgenannten Gasthöfen sind die 
Zimmer mit allen modernen Comfort eingerichtet), 2 Kaffeehäuser. 
— Ankunft: Bahnhof 15 Minuten südöstlich ausser der Stadt, mit 
derselben durch eine schöne Fusswegallee verbunden. Omnibus zum 
Brauhaus und Wagen „zur Stadt Triest" 20 kr. per Person. Bahnhof- 
Restauration neben dem Bahnhof. — Zweimalige Bahnverbin- 
dung nach Feh ring (ungar. Westbahn), von Fürstenfeld ab 7 Uhr 
15 Minuten Früh und 3 Uhr 45 Minuten Nachmittags, Ankunft von 
Fehring 11 Uhr 35 Minuten Mittags und 8 Uhr 55 Minuten Abends. 
Fahrgeld II. Classe 65 kr., III. Classe 45 kr., tour und retour, 3 Tage 
giltig, IL Classe 1 fl. 10 kr., HL Classe 70 kr. — Post- und 
Telegraphenstation. Postverbindungen : Nach Burgau ab täglich 
um 12 Uhr 45 Minuten Mittags und 10 Uhr Abends, Fahrgeld 60 kr. ; 



— 312 — 

nach Hz ab täglleli um 10 übr SO Minuten Narhts, Fahrgeld 60 kr. : 
nach WaUersdorf ab täglich um 12 üfar 45 Minuten Mittags, Fahr- 
geld 80 kr. ^-' Fahrgelegenheiten bei den Gasthäusern und 
Fiakern : Einspänner per Tag 4 fl., per halben Tag 2 fl., Zweispänner 
5 — 6 fl. per Tag^ stets zu haben. — Sehr schöne Badeanstalt 
mit Flussbädem in der Feistritz und Wannenbädern, eine de: 
wichtigsten Schöpfungen des Stadtverschönerungsvereines. — Jahr- 
märkte: 6 Jahrmärkte (niit Viehmarkt): am dritten Montag in der 
Fasten, Montag nach Rogate, 24. Juni, 28. August, 28. October. 
Montag nach Nicolai. Weiters 2 Viehmärkte am 15. April ncd 
15. November. Jeden Dienstag Wochenmarkt, im August und September 
auch Hopfenmarkt. 

Das Tereinswesen ist hier sehr entwickelt, nnd gewährt 
nachstehende gedrängte Uebersicht der bestehenden Verein? 
einen Einblick in das rege gesellige und sociale Leben voa 
Ftlrstenfeld. 

Vereinswesen: Männergesangverein, gegründet 1862: frei- 
willige Feuerwehr, gegründet 1869; landwirthschaftliche Filitl-'. 
gegründet 1854; Militär-Veteranenverein, gegründet 1873; Hopfenbac- 
verein für die nordöstliche Steiermark, gegründet 1876; Unterstützunfi« 
verein für dürftige und würdige Bürgerschüler, gegründet 1875: 
Männerortsgruppe des Deutschen Schulvereines, gegründet I88-: 
Frauen- und Mädchenortsgruppe des Deutschen Schulvereines, ge- 
gründet 1885; Lehrerveiein Fürstenfeld, gegründet 1870; Beziriü- 
museums verein, gegründet 1882; katholischer Frauen verein, ge- 
gründet 1881 ; Gehilfen-Kranken-Unterstützungsverein, gegründet 1867. 
bürgerlicher Kranken verein, gegründet 1868; Schützen verein, ge- 
gründet 1880; Stadtverschönerungsverein, gegründet 1879; Radfahrer- 
club, gegründetl886; Bezirksvorschnssverein, gegründetl874; Arbeiter- 
Fortbildungsverein, gegründet 1877. 

Industrie: K. k. Tabakfabrik mit über 2000 Arbeiterinnen 
und Arbeitern (siehe später). Dampfbrauerei der Brüder PferscL;. 
mit 9000 Hektolitern Jahresproduction, Ringziegelofen des Her- 
F. Wiefler, drei Mühlen mit bedeutender Wasserkraft. 

Fürstenfeld, landesfürstliche Stadt mit 384 Hansen 
und 4000 Einwohnern, auf 276 M. Seehöhe, Sitz eines k. t 
Bezirksgerichtes sammt Steueramt, der Bezirksvertretung, d« 
Bezirksschulrathes, einer 1861 gegründeten Gemeinde-Sparcasf? 
und einer Apotheke. Domicil von zwei Doctoren der Medicö 
und eines praktischen Arztes (Militär-Oberwnndarzt). Ausser- 
dem befinden sich hier eine vorzüglich eingerichtete Landen 
btirgerschule mit Bezirksmuseum und Schulgarten, ek^ 
ftinfclassige Volksschule und die Centralstelle des Hopfe-- 



— ai8 — 

tfauvereines für die nordöstliche Steiermark saihmt Hopf eh- 
yersuchsgarten, und dieBezirksobstbaunißchule mit circa 
10.000 B&umchen, In der Bevölkerung überwiegt das weibliche 
Geschlecht tim nahezu 500 Seelen in Folge der vielen, in der 
Tabakfabrik beschäftigten Mädchen (circa 1800) das männliche. 
Unter den 4000 Einwohnern, sind circa 100 evangelischer 
Religion. Fürstenfeld hat, wie bisher keine zweite Stadt Steier- 
mark s in dem Masse, in dem Bürgerschuldirector Hans Lange 
einen Chronisten gefunden, der auf' Grund des von ihm ^ ge- 
sichteten urkundlichen Quellen-Materiales in emer Reihe Publi- 
cationen und namentlich in seiner „Chronik von Fürstenfeld" 
eine Geschichte der Stadt verfasst hat, die, sich durch ihre 
eingehende Behandlung des Zunftwesens, des Gerichtsverfahrens 
ipi 17. Jahrhundert, vieler Rechtsstreitigkeiten etc. weit über 
den Umfang und Werth einer Localchronik erhebend, 
einen überaus werthvoUen Beitrag zur Cultur-, Rechts- 
lind Sitten-Geschichte der Steiermark bildet. Wir ent- 
nehmen dieser interessanten Chronik nachstehende historische 
Daten: 

Geschichte der Stadt. Das Geschlecht der Edlen von 
Fürstenfeld (Fürstenveld) wird urkundlich 1202 zuerst erwähnt, 
während aus der Bestätigung der uralten, den Bürgern in Fürstenfeld 
vom Herzog Leopold VI. dem Glorreichen (reg. 1198— 1230) gewährten 
Privilegien durch Kaiser Rudolf I. 24. Februar 1277, hervorgeht, 
dass auch schon um das Jahr 1200 Fürstenfeld ein geschlossener 
Ort war. Das Siegel der Stadt zeigt die uralte seltene Dreieckform 
und stammt aus der Zeit um 1296. Gleichzeitig mit den ersten 
historischen Nachrichten über die Stadt taucht auch der hier sess- 
hafte Johanniter- oderMaltheser-Orden (1048 zu Jerusalem gegründet) 
auf, welcher sich manche Eingriffe in die Vorrechte der Stadt erlaubte 
und dadurch zu vielen Streitigkeiten Anlass gab. — Im Jahre 1278 
siedelten sich hier Juden an, aber schon 1312 brach hier eine blutige 
Judenverfolgung aus, entstanden durch das alte Märchen, dass ein 
Jude in Fürstenfeld eine Hostie durchstochen hätte, wobei aus den 
10 Stichmalen Blut geflossen wäre, und dehnte sich diese Juden- 
verfolgung über ganz Steiermark und Kärnten aus. Schon im 13. und 
14. Jahrhundert erhielt die Stadt sehr wichtige landesfürstliche 
Privilegien, meist in Zoll- und Mauthfreiheiten fi\r ihre handel- und 
gewerbetreibenden Bürger bestehend, die die Stadt gegen die Ein- 
griffe des Johanniter- Ordens und des Adels immer mit grösster 
Energie zu vertheidigen wussten. Im Jahre 1362 beginnen die Ver- 



— 314 — 

handlungen des Stadtmagistrates mit dem Provinzial des Augustiner- 
Eremiten-Ordens Niklas de Laun ord. Eremit. S. Aug. in Wien zur 
Errichtung eines Augustiner-Klosters in Fürstenfeld, für welches die 
Stadt einen schönen Bauplatz abtrat. Herzog Budolf lY , der Stifter, 
Übernahm die Stiftung dieses Klosters, welches ursprünglich för 
12 Zellen bestimmt war. Der Bau des Klosters verzögerte sich jedoch 
in Folge Einsprache des Johanniter - Ordens, so dass erst 1366 
10 Augustiner- Eremiten das Kloster beziehen konnten. Die feierliche 
Einweihung der Augustinerkirche erfolgte jedoch erst 1368 durch 
Ortolf Erzbischof von Aponien. Das Aügustinerkloster erhielt bald 
sehr bedeutende Schenkungen. Am 2. Februar 1469 wurde Fürstenfeld 
nebst vielen anderen festen Plätzen Steiermarks von den Truppen 
Andreas Baumkirchers, der sich in Folge verweigerter Zahlung grosser 
Soldrückstände gegen Kaiser Friedrich IV. empört hatte, besetzt, 
und erlitten am 21. Juli d. J. die kaiserlichen, zur Wiedereroberung 
der Stadt ausgesandten Truppen unter den Mauern Fürstenfelds 
eine empfindliche Niederlage. Das traurige Ende Baumkirchers am 
23. April 1471 zwischen den beiden Grazer Murthoren ist ebenso 
allgemein bekannt, wie dessen heldenhafte Vertheidigung der Brücke 
zu Wiener-Neustadt (am 28. August 1452), wodurch Kaiser Friedrich 
vor der Gefangenschaft durch die Ungarn bewahrt wurde. Diese erste 
Besetzung der Stadt durch die Soldtruppen des aufständiscben Adels 
war jedoch nur das Vorspiel zu weit blutigeren Ereignissen. Am 
2. Jänner 1480 erklärte König Mathias von Ungarn dem Kaiser 
Friedrich IV. den Krieg, und bald standen die theilweise unter der 
Führung des Sohnes Baumkirchers, Wilhelm, stehenden feindlichen 
Schaaren vor der Stadt, die am 12. Mai d. J. nach tapferer Ver- 
theidigung erstürmt und niedergebrannt wurde, während die Bürger 
gefangen nach Ofen geführt wurden. Namentlich litt auch damals 
das Augustinerkloster viel durch die Plünderung der ungarischen 
zuchtlosen Soldaten, die bis 1491 die Stadt besetzt hielten. Am 
27. November 1509 gewährte Kaiser Max I. der Stadt zwei Jahr- 
märkte mehr, zu Floriani und Sebastiani. Im Jahre 1503 brannte 
das Augustinerkloster und 1504 die ganze Stadt nieder. Im Jahre 1509 
gab es wieder grosse Brände in der Stadt und wurde hierauf die 
Augustinerkirche in ihrer heutigen Gestalt neu erbaut. Diese Ver- 
heerungen durch Feuer und Schwert verödeten die Stadt vollends. 
Im Jahre 1527 und 1530 bewilligte der steirische Landtag wegen 
drohender Invasion der türkischen Heere undEinfölle derBatthyanischen 
Soldtruppen die Befestigung Fürstenfelds, doch hatte die Stadt ?on 
den Türkeneinfallen von 1529 und 1532 wenig zu leiden. Im Jahre 1539 
brannte ein grosser Theil der Stadt nieder. Im Jahre 1586 verheerte 
die Pest die Stadt und 1588 gab es wieder grosse Brände. Die 1517 
von Wittenberg ausgehende Reformationsbewegung ergriff 
bekanntlich auch Steiermark mit elementarer Gewalt, und um das 
Jahr 1549 war auch der grösste Theil der Bevölkerung der Stadt 



— 315 — 

Fürstenfeld ^lutherisch", ja es wurden in diesem Jahre vom Magistrate 
der Stadt sogar die Augustinermönche vertrieben, wie auch zwei 
Pfarrer von Fürstenfeld lutherische Prediger wurden, und zwar 
Max Weilhauser (1556) und Thomas Mylius (1571). Mit der gewalt- 
samen Massregelung der Bürger durch die unter starker Bedeckung 
das Land durchziehenden Gegenreformations - Gommission, die am 
6. Mai 1600 hier anlangte, erlosch, nachdem Viele zähe an der 
neuen Lehre hängende Bürger der Heimat für immer den Kücken 
kehrend, über die ungarische Grenze gewandert waren, auc h hier die 
neue Lehre. — Kaum waren aber die Reformationswirren überstanden, 
als mit den nun beginnenden Einfällen der ungarischen Malcontenten 
und Insurgenten, im Vereine mit Türken und Tartaren, den steiri- 
schen Grenzlanden eine neue Gefahr drohte. So verheerten 1605 
diese Schaaren unter Botskai und Bethlen Gabor das Raab- und 
Ilzthal, während der Haiduckenflihrer Georg Nemethy u. a. auch 
Fürstenfeld eroberte, gänzlich ausplünderte, und zuletzt niederbrannte, 
namentlich wurden dabei auch die Kirchen verwüstet. Bei diesem 
Anlasse müssen auch die Rathsprotokolle und das ganze Stadtarchiv 
verbrannt sein, da die vorhandenen Rathsprotokolle durchwegs erst 
mit dem Jahre 1605 beginnen. — Im Jahre 1625 begann ein charak- 
teristischer Rechtsstreit zwischen dem Magistrate und Hans Wilhelm 
von Mindorf, der beweist, wie zähe die Bürger ihre Privilegien zu 
hüten wussten. Mindorf hatte von einem Bürger ein Haus gekauft, 
der Magistrat verweigerte ihm aber rundweg die Besitzergreifung des- 
selben, da er fürchtete, dass der adelige Herr von Mindorf daraus 
ein Freihaus machen und keine Steuern und Abgaben davon leisten 
wolle, und trug dem Verkäufer auf, den Kauf bei 100 Dukaten 
Strafe und sonstiger Stadtverweisung mit Weib und Kind, rück- 
gängig zu machen. Mindorf erbot sich vergeblich, alle Abgaben zu 
tragen und den Bürgereid zu leisten, man schlug seinem Diener 
das Stadtthor vor der Nase zu und der Magistrat lehnte jede Ver- 
handlung ab, bis Mindorf des Streites müde, das gekaufte Haus, 
ohne je in seinen Besitz gekommen zu sein, wieder verkaufte. — 
Im Jahre 1641 begann der Streit zwischen der Stadt und der bathy- 
anischen Herrschaft Güssing, um die sogenannten Bauigigründe, 
welche früher zu Steiermark gehörten, aber durch Aenderung des 
Bettes der Lafnitz, jenseits dieses Grenzflusses zu liegen kamen. 
Dieser Streit, der zu vielen blutigen Händeln Anlass gab, endete 
erst nach 78 Jahren mit dem Vergleiche vom 29. März 1719. Im 
Jahre 1644 und 1652 verheerten grosse Brände die Stadt. Wieder- 
holt kamen von Graz Befehle zur Verproviantirung der Stadt, wie 
auch die Bürger stets im Exerciren sich üben mussten. Mit Rücksicht 
auf den drohenden Türken- Einfall wurde die Garnison, die meist 
aus schwerer Cavallerie bestand, beträchtlich vermehrt. Als im Jahre 
1663 die Anzeichen eines grossen Türkeneinfalles sich mehrten, 
wurde beschlossen, mittelst Sammlung am Hauptplatze eine Marien- 



-. 316 — 

Säule, welche vom Bildhauer Fellner in Hartberg gemeisselt wurde, 
2ur Anwendung der Türkengefahr zu errichten. In diesem Jalire 
mussten auch auf Befehl des Hofkriegsrathes das in der Grazer 
Vorstadt gelegene Schloss Falbenegg, sowie sämmtlicfae Häuser der 
Grazer Vorstadt, nebst den dieselben umgebenden Mauern demolirt 
werden« Aber erst im nächsten Jahre setzten sich die türkischen 
Heeresmassen in Bewegung und zwar allmählig gegen den Raab- 
fluss. Aber auch die kaiserlichen Truppen im Vereine mit dem 
Reichsheere und dem französischen Hilfscorps zogen sich *um Fürsten- 
feld mehr und mehr zusammen, und wohl kaum je zu einer anderen 
Zeit mag hier ein so reges Leben geherrscht haben, aber anderer- 
seits hatte auch die Stadt durch die Brutalität einzelner Heerführer 
viel zu leiden, doch vertheidigte der Stadtrichter Ackermann im 
Vereine mit dem Magistrate energisch die Rechte und das Ansehen 
der Bürger. Endlich am 1. August kam es bei Moggersdorf nächst 
Gotthard, wenige Stunden von Ftirstenfeld, zu der bekannten Ent- 
scheidungsschlacht (siehe Seite 30), welche nach wechselvollem Ver- 
lauf mit einem vollständigen Siege der christlichen H^ere endete. 
Mit Bangen hörten die Bürger auf den Wällen der Stadt den Donner 
der Kanonen und das Getöse der Schlacht, die auch über ihr Schick- 
sal entscheiden sollte, und begeisterter Jubel folgte daher der Kunde 
von ihrem Ausgange. Aber eine Seuche, die von dem Schlachtfelde 
sich verbreitete, folgte den abziehenden Heeren und wüthete bis 
November in der Stadt und Umgebung. 

Im Jahre 1677 forderte der berüchtigte Feldbacher Hexen- 
process auch in Fürstenfeld mehrere Opfer, die theils am Scheiter- 
haufen endeten, theils der mit äusserster Grausamkeit angewandten 
Tortur erlagen. Als im Jahre 1679 die Pest sich der Stadt näherte, 
wurden Wallfahrten angeordnet und wurde am Eck des Stadtwaldes 
eine Pestsäule errichtet. Eine Reihe furchtbarer Unglücksfalle traf 
die Stadt im Jahre 1683. Am 13. Juni um 3 Uhr Nachmittags 
schlug der Blitz in den Pulverthurm, entzündete die hier ge- 
lagerten 250 Centner Pulver und wurde durch diese Explosion die 
Stadt in furchtbarer Weise verwüstet. Aber schon acht Tage später 
schlug der Blitz neuerdings in ein Haus in der Stadt ein und 
brannten acht Häuser am Hauptplatze nieder. Zu diesen ÜnglQck- 
fällen gesellte sich noch der Schreck vor dem drohenden Einfalle 
der ungarischen Insurgenten im Vereine mit türkischen Truppen. 
Und schon am 17. Juli erschienen die ersten Rebellenhaufen in der 
Umgebung der Stadt und brannten mehrere Mühlen und Meierhöfe 
nieder, worauf zur grössten Bestürzung der Bürger die Oamison der 
Stadt nach Hartberg abzog. Aber bald kamen neue Truppen in 
Garnison und die Stadt setzte sich nach Kräften wieder in einen 
wehrhaften Zustand. Die RathsprotokoUe wurden nach Graz gesandtund 
in einem Keller des bischöflichen Palais, die Stadtprivilegiumsurkiinden 
in zwei Truhen jedoch beim Bildhauer beim eisernen Thor in einem 



— 317 — 

Gewölbe verwahrt. Am 24. August traf Freiherr Johann Weichard 
Valvasor mit 400 krainerischen Schützen in der Stadt ein und seinen 
energischen Yertheidigungsmassregeln ist es wohl zu danken, dass 
die Kebellen sich nicht an die Stadt heranwagten, ja die Oberste 
Graf Saurau und Graf Dietrichstein mit ihren Dragoner- und Kü- 
rassier-Regimentern brachten den Rebellen empfindliche Niederlagen 
bei und jagten sie über die Lafnitz, wobei mehrere ungarische 
Dörfer niedergebrannt wurden. Im Jahre 1684 spukte abermals der 
Hexenglaube und taucht in den Yerhörsprotokollen die harmlosere 
Species der Höllengeister, der „Schrattl", auf. — Im Jahre 1694 
wurde aus dem Legate des Herrn Schedenck die Josefi-Kapelle in 
der Grazer Vorstadt erbaut und am 10. April 1701 darin die erste 
Messe gelesen. Im Jahre 1699, am 16. Juli, schlug der Blitz in ein 
Haus und brannten in Folge dessen 44 Häuser nieder. : — Der 
grosse Kuruzzen-Einfall im Jahre 1704 schädigte nur wenig die 
Stadt in Folge des klugen Vorgehen des Stadtrichters, welcher den 
Kuruzzenführer Alexander Kärolyi, welcher von der Stadt starke 
Contributionen forderte, solange hinhielt, bis die croatischen Truppen 
in der Stadt anlangten. Doch litten die Augustiner durch die Ver- 
nichtung und Beraubung ihrer ausser der Stadt liegenden Höfe am 
25. Juli bedeutend. Die Croaten brannten dafür als Repressalie das 
ungarische Dorf Kaltenbrunn nieder und plünderten, im Vereine mit 
den erbitterten Bürgern Fürstenfelds, Rudersdorf. Im Jahre 1705 
lag Graf Heister mit 3000 Mann vier Monate in der kleinen Stadt. 
— Im Jahre 1718, am 17. August, schlug abermals der Blitz ein 
und es brannten acht Häuser ab, bei welchem Anlasse die Bürger 
eine jährliche Procession nach Maria-Zeil gelobten. — Am 29. März 
1719 wurde endlich der alte Bauigl-Process durch einen für die 
Stadt günstigen Vergleich zwischen ihr und der Familie Graf Bat- 
thyany beendet. Am 18. Februar 1720 brannten einige Häuser ab, 
am 22. Juli jedoch 72 Häuser. — Im Jahre 1725 kaufte die Stadt 
das Liscutinische Haus (Fabrikskaserne) um 2450 fl. — In den 
Jahren 1725 und 1727 drangen Heudorfer (ein nahes Dorf in Un- 
garn) raubend über die Landesgrenze, wurden aber bald zurückge- 
jagt. — Im Jahre 1729 übernahm die Stadt die Tabak-Fabrik in 
eigene Regie, es waren damals darin circa 100 Arbeiter beschäftigt 
und durfte in ganz Steiermark nur in der Umgebung Fürstenfelds 
Tabak gebaut werden. — Am 14. Mai 1738 wurden die noch heute 
stehenden Grenzsteine im Bauigl gesetzt. Im Jahre 1750 wurde die 
Wieskapelle erbaut. — Im Jahre 1760 kamen 364 gefangene Preussen 
hieher und 1761 abermals preussische Gefangene. — Den 15. Mariy 
1778 Ist Von Michael Fürpass Staat-Pfarr-vicarium alhier Zu den 
Neuen Kirchen-Gebäu in der Stadt-Pfarr der erste grund Stein 
unter trompeten und Baukhen-schall geleget worden. (Es war ein 
Umbau, der die Vergrösserung der Kirche bezweckte). Am 12. Mai 
1774 wurde der Pranger vom Hauptplatze an die Platzecke verlegt 



- 318 — 

und das Narrenhäusl am Platz abgeschafft. Im Jahre 1775 wurden 
die Festungswerke aufgelassen und der Stadt geschenkt aber das 
Ungar und Grazerthor 1776 neu erbaut. — In diesem Jahre wurde 
auch von der Regierung zur Errichtung einer ärarischen Tabak- 
fabrik geschritten und zu diesem Zwecke das Paarische Schloss an- 
gekauft und 1780 der Bau der neuen Fabrik beendet. — Im Jahre 
1779 wurde der Bau der Stadtpfarrkirche vollendet. Im Jahre 1782 
kam ein Heuschreckenzug über Hz nach Fürstenfeld. — Im Jahre 
1788 äusserte sich die medicinische Facultät anlässlich der Frage 
der Errichtung eines Bades in der Feistritz, dass deren Wasser 
sehr gesund sei. Im Jahre 1790 besass das Brauhaus Frau Po- 
totschnig, deren sehr gebildete Tochter Marie, eine ausserordent- 
liche Schönheit, einen Baron von Schimmelpenning und nach dessen 
Tode den letzten Landgrafen von Hessen - Homburg heiratete. -- 
Am 31. Mai 1792 stiftete Franz Hofstetter (Stadtrichter) das 
städtische Krankenhaus. Ende 1796 kamen die ersten 
Franzosen als Gefangene hierher und im December 1805 be- 
setzten zum ersten Male die französischen Truppen unter General 
Delzon, ausgezeichnete Mannszucht haltend, die Stadt und musste die 
letztere 5000 fl. Contribution erlegen und Schuhe liefern. Am 9. Juni 
1808 wurde hier die Landwehr errichtet. — Am 30. Mai 1809 traf 
Erzherzog Johann mit 40.000 Mann in Fürstenfeld auf seinem 
Marsche nach St. Qotthard ein und am 8. Juni Früh folgte die fran- 
zösische Avantgarde unter General Magdonald, die österreichischen 
Vorposten zurückdrängend. Diese Durchmärsche dauerten bis Jänner 
1810. Die Stadt musste alle Lieferungen beistellen und starke Con- 
tributionen leisten, eine Plünderung oder Misshandlung einzelner 
Bürger fiel jedoch nicht vor. — Am 15. März 1811 kam ein Com- 
missär des Kreisamtes von Graz nach Fürstenfeld, welcher das be- 
rüchtigte Finanzpatent vom 20. Februar 1811 mit sich brachte, 
wodurch der Werth der damals bestandenen Bankozetteln auf den 
fünften Theil des Nominalwerthes reducirt wurde. — Am 23. August 
1811 löste sich das Augustiner-Kloster freiwillig auf aus Mangel 
an Ordensmitgliedem ; der letzte Augustiner-Prior Patritz Treherr 
starb 13. September 1817, 72 Jahre alt. Am 30. Juli 1811 und am 
18. Jänner 1813 fanden allgemeine Wolfsjagden statt. Im August 
1815 wurde der noch jetzt bestehende Friedhof eingeweiht. Am 
30. März 1816 wurde die Augustiner-Kirche sammt Paramenten der 
Stadtgemeinde um 1200 fl. überlassen. — Im Jahre 1832 wurde ein 
Musikverein gegründet und 1837 die Stadtbeleuchtung eingeführt. 
1839 wurde das üngarthor abgetragen. Im Jahre 1848 bildete sich 
auch hier eine Nationalgarde- Compagnie mit Jägerabtheilung. 1849 
wütheten Typhus und Cholera hier und starben 200 Menschen. Im 
Jahre 1851 wurde das k. k. Zollamt und das k. ung. Dreissigamt 
aufgelöst gleichzeitig mit allen Grenzwachhäusem gegen Ungarn. 
Am 12. April 1858 wurde der evangelische Friedhof errichtet. 



^ 319 — 







CO 



I 

2 

CO 



— S20 — 

Am 12. Juli 1869 wurde der Bau der Landesbürgerschule begonnen 
und die freiwillige Feuerwehr errichtet. Am 7. Juli 1878 wurde der 
StadtverschönerungsYerein vom Obmanne Dr. OarlBayer gegründet 

Fürstenfeld, die stramme, wackere Grenzwacht 
deutscher Cultur und Sitte, liegt 20 Minuten von der 
ungarischen Grenze auf einer 22 M. hohen, nördlich gegen 
das offene Feistritzthal steil abfallenden Terrasse, welche der 
die Wasserscheide zwischen der Feistritz und dem Ritschein- 
bache bildende 60 M. hohe Htigelzug gegen die Feistriiz 
entsendet. 

Oestlich am Ende dieses Hügelzuges stand das Hoch- 
gericht und daher erhielt der ganze Hügelzug den Kamen 
Oerichtsbergen. Fürstenfeld hat zwei Vorstädte, die Grazer und 
Ungar -Vorstadt, wie auch die am rechten Ufer der Feistritz 
in der Ebene liegenden Häuser der Mühl und Mitterbreitec 
die sogenannte Lederergasse am linken Ufer der Feistriiz, nnd 
zerstreut an den Stadtbergen liegende Häuser, zur Stadt Fürsten- 
feld gehören. Die Stadt mit der Grazer Vorstadt bildet ein 
geschlossenes längliches Viereck, welches sich auf der früher 
erwähnten Terrasse mit den Langseiten nach Nord und Söd 
gekehrt erstreckt. Nördlich stürzt die Terrasse steil zur Feistritz 
ab, während sie sich südlich an die Gerichtsberge lehnt, m 
welchen sie jedoch durch einen die innere Stadt gegen Ost. 
Süd und West umziehenden, tiefen künstlichen Graben, der 
nun mehrfach überdämmt ist, getrennt wird. 

Die sehr regelmässig gebaute Stadt hat drei Plätze, 
unter welchen der 92 M. breite und 106 M. lange Haapt- 
platz zu den schönsten und regelmässigst angelegten Plfttzei 
der steirischen Landstädte zählt. In der Mitte des Platzes 
erhebt sich die 1664 von der Bürgerschaft anlässlich de: 
drohenden Türkengefahr errichtete Mariensäule^ und zwar im- 
gefähr an der Stelle, wo früher der sogenannte Narrenkott^r. 
ein auf einer Spindel drehbarer Lattenkäfig stand, in weicheis 
Verbrecher öffentlich ausgesetzt wurden. Hier erhob sich aach 
früher der SchneUgalgen. 

Das Haus Nr. 29, welches einst ein protestantisches Bei- 
haus gewesen sein soll, war Eigenthum der Grafen von Kollonitsch 



~ 324 — 

der Stadt erhebt sich das grosse aber schmacklose Gebäude 
der C o mm ende mit maleiischen, von Arcaden umschlossenen 
Hofanlagen, und daran anstossend die Pfarrkirche, welche 
früher zwei Thürme hatte, einen an der Westfront und einen 
an der Südfront, wovon ersterer bei dem 1773 — 1779 
erfolgten Um- und Erweiterungsbau der alten gothischen Kirche 
demolirt wurde, während der südliche Thurm nun in das Scbif 
der Kirche einspringt. Im Innern zeigt sich die Kirche als eine 
geräumige barocke Hallenkirche mit einem Haupt- und sechs 
Nebenaltären , welche durch die meist nach den Plänen des 
bestbekannten Architekten Robert Mikovics 1879 ausgefuhre 
Restaurirung sehr gewonnen hat. An den 4 Oratorien die 
Wappen von 4 Ordens-Commandeuren. Von den 4 Glockea 
zeigt die älteste die Jahreszahl 1643. 

Der Kirche gegenüber erhebt sich einerseits das zwei 
Stock hohe Gebäude der fünfclassigen Volksschule mJ 
andererseits östlich, ein ganzes Stadtviertel einnehmend, dif 
grossartige Anlage der k. k. Tabak- Hauptfabrik, 
ein Areal von über 6 Hektar bedeckend, als weitaus ^^ 
deutendstes industrielles Etablissement der nordöstliches 
Steiermark. 

Tabak-Haupt-Fabrik: Im Jahre 1776 wurde vom Staate 
das fürstlich Paar'sche Schloss angekauft und daraus die derzein^ 
Tabakfabrik erbaut, welcher Umbau 1780 vollendet war; dieFabrk 
hatte damals 32 deutsche Spinner, 14 ungarische Spinner, 11 Packe.- 
binder, 5 Presser und 6 Rollenbäcker, somit zusammen 68 Arbeits 
Das jährliche Einkommen der Tabakspinner betrug 50 fl. — !• 
Februar 1812 machten die Fabriksarbeiter Strike, behufs Lob 
erhöhung. Im Jahre 1839 wurde das grosse Blätter -Magazin in c^ 
Ungar- Vorstadt erbaut und 1859 der 100 Klafter lange Tabakblätw- 
Schoppen an dieses Magazin angebaut, der jüngst gänzlich umgelu^ 
wurde. Im Laufe der Zeit derartig fortwährend vergrössert, bestA 
die gewaltige Fabriksanlage dermalen aus 20 Objecten auf ei:« 
Areale von circa 6 Hektar, und ist das Fabriks- mit dem Ungi> 
magazins -Territorium mittelst einer im Jahre 1884 erbauten eisend 
Brücke, welche eine Länge von 66 M., eine Breite von 2 M. j^ 
20 M. Höhe über dem Stadtgraben besitzt, verbunden. Ausserü« 
gehört zur k. k. Tabak-Hauptfabrik das sogenannte Josefi-Kapeilf- 
Magazin in der Grazer Vorstadt. In der Fabrik befinden sich ^*- 
artesischer Brunnen und eine Wasserleitung, die alle Gebäoli«^ 
keiten der Fabrik und der Ungar-Magazine durchzieht. — ImJat^ 



— 325 — 

1886 betrug der Beamtenstand 1 Inspector der VII., 1 Sekretär der 
VIII., 3 Adjuncten der IX., 4 Officiale der X., 4 Assistenten der 
XI. Rangclasse, ferner 8 beeidete Diener, Werkführer und 11 Ar- 
beiter- Aufiseher, nebst einem Arbeiterstande von 2037 Köpfen. — 
Die Arbeiter sind fast durchgehends Mitglieder des Kranken-Insti- 
tutes und nach 15 Jahren provisionsfahig. Im Jahre 1886 wurden 
nachstehende Mengen an Fabricaten erzeugt, und zwar: a) An Rauch-, 
tabaken 1,377.792 Kg. Landtabak, grobgeschnitten, 14.630 Kg. Land- 
tabak, feingeschnitten, 1907 Kg. Grenztabak I, 44.921 Kg. Grenz- 
tabak III, 5100 Kg. Czecbeltabak, 88.061 Kg. Limitotabak, 1329 Kg. 
feiner Ungar, kurz, 1116 Kg. feiner Ungar, lang, 1 1 .400 Kg. mittel- 
feiner Ungar; h) an Gespunste: 2827 Kg. Hanauer Rollen, 6889 Kg. 
Rollen, 67.498 Kg. Stämme; c) an Cigarren: 310 mille Stück Re- 
jjalitas, 1538 mille Stück Yara Trabuko, 2266 mille Stück Havanna 
Britannica, 203 mille Stück Havanna, .5197 mille Stück Cuba, 
21.030 mille Stück Cuba-Portorico, 8727 mille Stück Portorico, 
37.576 mille Stück gemischte Ausländer, 7653 mille Stück Inländer; 
d) an Cigarretten, 4960 mille Stück Drama, 24.005 mille Stück Un- 
garische. — Da an Gehalte, Löhnungen etc., ohne Material- und 
Frachtkosten circa 360.000 fl. jährlich in loco gezahlt werden, so 
ist ersichtlich, dass dieses Etablissement, das grösste der nordöst- 
lichen Steiermark, für die Stadt und deren Umgebung auch von 
grösster Wichtigkeit ist. — Von den 2037 Arbeitern entfallen nur 
134 Köpfe auf Männer, dagegen 1903 auf Mädchen und Frauen. 
Die Aufnahme in die Fabrik erfolgt nach vollendetem 14. Lebens- 
jahre, und müssen die aufzunehmenden Arbeiter und Arbeiterinnen 
unbescholten sein. Der Verdienst richtet sich zumeist nach der in- 
dividuellen Leistung (im Gedinglohne) und beträgt bei Männern 
60—90 kr., bei Mädchen und Frauen dagegen 35-80 kr. per Tag. 
Der Aufzug der 1900 meist jugendlichen Fabriksarbeiterinnen mit 
ihren buntfarbigen Kopf- und Brusttüchern zur Fabrik belebt stets 
ungewöhnlich die Stadt Die meisten Fabriksmädchen wohnen in den 
nahen Dörfern Rudersdorf, Kaltenbrunn etc., jenseits der ungarischen 
Grenze, und recrutiren sich aus dem deutschen Volksstamme der 
Hienzen, der einen sehr schönen Menschenschlag bildet. Obwohl 
deutschen Stammes, mischt sich hier schon ungarisches Blut mit 
dem deutschen Naturell, wodurch eine sehr schöne hochgewachsene 
Race entsteht. Nahezu sämmtliche Fabriksmädchen sind von relativ 
sehr zierlichem Wuchs, mit dunklen, grossen Augen und Haaren, 
ovalem Gesichtsschnitt und mehr blassem Teint. — Der Besuch 
der sehr interessanten Fabriksanlage ist jederzeit ge- 
stattet. Meldung beim Portier. 

Oestlicb der Stadt breitet sich noch die in drei Strassen 
ausstrahlende Ungar -Vorstadt aus, welche erst nach dem 
Jahre 1664 entstanden ist. Das wichtigste und schönste Ge- 



— 326 — 

bände dieses Stadttheiles ist die Lande sbürger schale mit 
freistehender Turnhalle, zwischen welchen zwei Gebäuden sich 
der über 300 Pflanzenarten enthaltende, interessante, Schul- 
garten ausdehnt, an welchem sich die von einer schattigen 
Kastanienallee umzogenen reizenden Anlagen des Stadtparke« 
ausdehnen. 

Das zweistöckige Gebäude wurde 1869/1870 erbaut, euthäl: 
3 Lehrsäle, 2 ZeichnungssSle, 1 chemisches Laboratorium und Prä- 
paraten- Cabinet, 1 physikalisches Cabinet, 1 Conferenz- und Bibli«- 
theks-Zimmer , die Directionskanzlei und die Dienstwohnung de$ 
Directors. Die Anstalt, welche unter der bewährten Leitung (iw 
Directors Hanns Lange steht, wird durchschnittlich von 50 Schüler? 
frequentirt und wirken ausser dem Director noch 3 Bürge^schulleh^: 
an derselben. Die Schule verfügt über eine vorzügliche Lehnnitifi- 
Sammlung und eine Bibliothek von circa 800 Bänden. 

Im zweiten Stocke sind in zwei geräumigen, lichten Säles :: 
Glaskästen die reichen instructiven Sammlungen des 1881/1882 Er- 
gründeten Bezirksmuseums -Vereines zu Fürstenfeld, welche ei- 
hervorragende Sehenswürdigkeit der Stadt bilden, aufgestellt. Nach i '. 
der Statuten setzt sich der Bezirksmuseums- Verein zu Fürstenfeld, c-' 
seinen Sitz in Fürstenfeld hat, die Sammlung und systematische A-i 
Stellung von Gegenständen, welche für die Cultur des Menscht: 
geschlechtes wichtig oder interessant sind, in einem Museum r. 
Fürstenfeld und nebstbei die Betheilung der Volksschulen des B- 
zirkes Fürstenfeld mit kleineren, dem Lehrziele derselben entspreclir- 
den Sammlungen zum Zwecke, und wurden im Sinne des § 4 folger -' 
Abtheilungen gebildet: 1. Die historische Abtheilung, welch? 
die vorgeschichtlichen und geschichtlichen Alterthümer, ürkund»^. 
Münzen, Medaillen, Siegel, Waffen, Kleidungs- und Einrichtungsstüä; 
und überhaupt Gegenstände von ethnologischem Interesse in si; 
fasst; 2. die naturwissenschaftliche Abtheilung, welo^ 
sich mit den naturgeschichtlichen Sammlungen (Geologie, Mineralor 
Botanik, Zoologie) und mit den physikalischen Sammlungen (Prär* 
raten, Apparaten u. s. f.) befasst; 3. die artistische Abth^- 
)nng, welche alle Kunst: als Zeichnungen, Gemälde, Kupfersticli'. 
plastische Arbeiten, Bauwerke, beziehungsweise deren Abbildanf-: I 
Pläne, und überhaupt Vervielfältigungen von Kunstwerken aller i-i 
dann die Erzeugnisse der Kunstindustrie in sich schliesst; 4. ^ 
landwirthschaftlich-industrielle Abtheilung, welche'i 
Erzeugnisse der Landwirthschaft und Industrie, sowie die Instri 
mente und Werkzeuge zur Erzeugung derselben, sowie auch «i 
auf den Handel bezüglichen Gegenstände in sich begreift; 5. «1 
Bibliotheks-Abtheilung, welche sich mit der Sammlung ^ ' 
Druckwerken, Handschriften, Kartenwerken u. s. f. abgibt. 



— 827 — 

Sehr reich ist die historische Sammlung mit interessanten 
Trachtenstücken , prächtigen Innungsbechern , der Schale eines 
Alchymisten, Kartabatsch vom Landgerichte in Burgau, hübscher 
Münzensammlung und vielen Funden aus Hömergräbern, zumeist 
Ergebnisse der im Jahre 1882 auf Kosten des Museums -Vereines über 
Anregung von Anton Kokalj und Hanns Lange in Dietersdorf, eine 
Stunde südöstlich von Fürstenfeld, vorgenommenen Durchforschung 
der Tumuli; zu dieser Abtheilung gehört auch die Urkunden- 
Sammlung und das Archiv der Stadt Fürstenfeld, letzteres mit 1609 
beginnend. Unter der naturhistorischen Sammlung überrascht durch 
ihre Reichhaltigkeit die Mineralien-Sammlung, aus welcher 
alle Schulen des Bezirkes mit Mineralien-CoUectionen (und Insecten- 
sammlung) ausgestattet werden. In dieser Abtheilung befindet sich 
auch ein prächtiger, bei Fürstenfeld geschossener Aasgeier. In der 
artistischen Abtheilung verdient ein schöner seltener Kupfer- 
stich „Christus" darstellend, von Cauperz, besondere Beach- 
tung, ü^beraus instructiv ist auch die industrielle Abtheilung, welche 
in interessanter Miniatur-Darstellung das ganze Productionsverfahren 
von der Gewinnung des Rohmaterials bis zur versandtbereiten Waare, 
einer Reihe der wichtigsten Indus trieproducte, wie Baumwolle, Wachs, 
Leder, Salz, Sensen und Sicheln, Bleistifte etc. umfasst. 

Das Museum ist Sonntag von 9—12 Uhr Vormittag dem allge- 
meinen Besuche unentgeltlich geöffnet. Fremden wird dasselbe gegen 
Anmeldung in der Directionskanzlei ausser den Schulstunden bereit- 
willig geöffnet. 

Ist auch die Umgebung Fürstenfelds wenigerreich 
an Spaziergängen und pittoresken Scenerien, wie manche andere 
Gegend der Steiermark, so bietet doch der südlich der Stadt 
aufsteigende Hügelzug eine Reihe mühelos erreichbarer über- 
raschender Aussichtspunkte und freundliche Spaziergänge durch 
Wald-, Wein- und Obstculturen, uamentlich auch in das Ge- 
biet des lieblichen Ritscheinthaies. 

1. Südlich zu den drei Kreuzen nahe dem Grazer 
Thor, den Fussweg hinauf zu den drei Kreuzen, neben das 
neu hergestellte Parapluie mit Bänken, überraschende Aussicht; 
von hier jenseits hinab in 5 Minuten nach Schloss Wels- 
dorf im Besitze Dr. Carl Bayers, ein stattlicher Bau aus 
den ersten Jahren des 18. Jahrhund ertes, mit drei Eckthürmen, 
vielen Sälen und Zimmern und einer Kapelle. Ursprünglich 
wahrscheinlich von den Herren von Welsdorf, die im 14. 
Jahrhunderte auftraten, erbaut, kam die Herrschaft später 



— 328 — 

an die Herren von Wilfersdorff und Gera, und von diesen an das 
Stift PöUau. Nach Aufhebung des Stiftes 1785 vFurde Wels- 
dorf Religionsfondsherrschaft, bis es 1817 an Karl Grafen 
Batthyany verkauft wurde. Nach weiterem mehrfachem Besitz- 
wechsel kam es endlich 1840 an die Familie Bayer. Tom 
Schlosse prächtige Aussicht auf die Riegcrsburg nnd Gleichen- 
berger Kogeln etc. Von Welsdorf hinab nach üebersbach 
y>i Stunde, und mit der Bahn zurück nach Fürstenfeld. 

2. Auf den Hofberg 383 M., südwestlich der SUdL 
entweder durch den Buchenwald, oder über die drei Kreuze am 
Hügelrticken der Stadtbergen rechts fort, 1 Stunde, mit gross- 
artigem Rundblick, und zwar: 

Gegen Nordost: Schloss Welsdorf und darüber Fürstenfeli 
Rudersdorf, Kaltenbrunn, Thunn in Burgau, Bernstein. Nordwest 
Friedberg, St. Magdalena, weiters nahe das Kirchlein Jobst, Wech- 
sel, Ringkogel, Burg Neuberg, Masenberg, St. Anna, Pöllauber?. 
hierauf prächtiger Blick über das Feistritzthal bis St. Johann uoi 
Ruine Schieleiten, Rabenwald, Kulm, Zetz, Schöckl, Gleinalpf. 
Südwest : Stubalpe, Hochgrössing, Rosenkogel, Koralpenzug und neb« 
die Zinken der Sulzbacheralpen, neben links die Riegersburg, dam 
Velka Kapa, der Bacherzug, Schloss Gleichenberg, die Gleiches- 
berger Kogeln, der Stradner Kogel. Südost: Schloss Bertholdstei:. 
Kapfenstein und näher Söchau und das Ritscheinthal, St. Gotthard. 
Königsdorf, hl. Kreuz, Dobersdorf und Eltendorf. 

3. Auf die Gross-Kögeln 409 M. (höchster Berg des 
Bezirkes) im Süden der Stadt, über die Bachmühle jenseits de? 
Ritscheinthaies, 2^l*i Stunden. Aussicht noch umfangreicher 
wie vom Hofberg. 

4. Nach Rudersdorf in Ungarn, 1 Stunde, schöner 
Blick auf die imposant aufsteigende Stadt Fürstenfeld. 

5. Nach dem Dorfe Stein über die Bachmühle, süd- 
östlich von Ftirstenfeld, mit hochinteressanter Basalthöhli 
mit sehr reiner Säulenformation (2^2 Stunden). 

6. In das Julerlthal in den Stadtbergen, reizendes Hod« 
thal, zwischen Wein- und Obstgärten eingebettet, Weg über 
die drei Kreuze ^/j Stunden. 



~ 329 — 

D. Fürstenfeld - Qüssing, 

üeber Bad Sulz nach Güssing in Ungarn, 4 Wegstunden 
in 21/2 Fahrstunden. 

Dieser interessante Ausflug ist fast nur von Ftirstenfeld zu 
machen. Man fährt oder geht über Rudersdorf auf der nach Kalten- 
brunn führenden Strasse, 85 Minuten von Rudersdorf, und zweigt 
dann rechts ab, der Weg zieht sich den Berghang hinauf und führt 
über Weichenberg nach Hahrthal und Neusiedel, wo der Fahrweg 
das Rechtenbachthal erreicht, durchwegs freundliche Hügellandschaft, 
nun auf der Strasse das Thal entlang bis Geresdorf, S'/t Stunden 
von Fürstenfeld, nun an der Berglehne dahin nach Bad Sulz, im 
Besitze der Witwe Julie Schaflfer aus Wien, mit sehr wirksamer 
Säuerlingsquelle, Wannen- und Gesellschaftsbad. Von hier noch 
eine starke halbe Gehstunde nach Güssing, mächtig überragt von der 
sich nach West überraschend imposant repräsentirenden Burgruine 
auf steil aufsteigendem vulcanischem Felskegel. 

Güssing (Nemetujvär) im Eisenburger Comitat. Gasthöfe: 
„Zur Krone", „zum Hirschen", „zum grünen Baum", alle drei mit 
Fremdenzimmern (1 fl. per Tag), ,.zum Nordpol". — Post- und 
Telegraphenamt. Carriolpost nach Körmend 1 fl., Fiaker nach 
Körmend (Eisenbahn-Station, 21/2 Stunden) 4—5 fl. Nach St. Gotthard 
(Eisenbahn-Station), 2 Stunden) 4fl. — Vereine: Freiwillige Feuer- 
wehr, gegründet 1885; Schützenverein, gegründet 1887; Mannschafts- 
verein der gräflich Paul Draskovich' sehen Forstverwaltung für Unter- 
stützung und Consum, constituirt 1886; Selbsthilfeverein, gegründet 
1886; Leseverein, gegründet 1873 (im Verfall). — Jahrmärkte: 
Am 3. Februar, 19. März, 4. Juni, 13. Juli, 2. August, 30. October 
und 6. December. Industrie: Dampfsäge und Friesbödenfabrik des 
Grafen Paul v. Draskovich mit 24 ständigen Arbeitern, erzeugt sehr 
schöne Eichen-Parquetböden, dann Bretter und Pfosten. Absatz meist 
nach Graz. 

Güssing (Nemetujvar), Markt mit 245 Häusern (in- 
clusive der angrenzenden Dörfer Langzeil und Rosenberg) und 
1959 Einwohnern, davon 1524 Rom. Katholiken, 92 Calvinisten, 
SReformirte und 340 Israeliten, mit den zweiCastells des Grafen 
Paul V. Draskovich und des Grafen Karl von Batthyany, sowie 
dem Kloster und der Kirche der P. P. Franziscaner, überaus 
malerisch am nördlichen Fusse des interessanten vulcanischen 
Felskegels gelagert, der, 85 M. über dem Markte ansteigend, 
von der an historischen Erinnerungen so reichen, imposanten 
Ruine des Batthyany'schen Stammschlosses gekrönt wird. Die 



330 




Die Hochburg zu Güssing. 

Hochburg Güssing spielt seit Jahrhunderten unter den Grenz- 
Vesten Ungarns eine der wichtigsten Rollen, und von diesem 
unzugänglichen Felsennest, dem würdigen Rivalen der stelrischen 



831 



Grenzveste Riegersburg, zogen immer und immer wieder die 
Söldner der stolzen, damals in ihrer Haltung gegen Kaiser und 
Reich stets schwankenden und zweideutigen Grafen Batthyany 
zum fröhlichen Raubzug gegen die steirische Grenze. 

Die ersten historischen Spuren von Güssing finden sich um 
das Jahr 1157, wo G^za IL, Graf Wolfer, hier eine Benedictiner- 
Abtei, die Bergabtei genannt, gründete. Allein kaum waren Kloster 
und Kirche fertig geworden, so wurden sie von B61a III. zur Festung 
— castrum — umgewandelt, während die Benedictiner im Tauschwege 
1263 dafür üägnyhely nebst einigen Dörfern erhielten. Die neu 
geschaffene Grenzburg kam in den Besitz des Grafen Heinrich von 
Kanisay, welcher auch die nahen Grenzburgen Güns und Bernstein 
besass und von hier aus wiederholt Raubzüge nach Steiermark und 
Oesterreich unternahm. Dem Grafen Heinrich folgte sein Bruder Ivan, 
die von Heinrich begonnenen Einfälle in die nahen Grenzlande in 
noch grösserem Massstabe fortsetzend, bis endlich Herzog Albrecht 
von Oesterreich beschloss, die Macht dieses stolzen Magnaten, der 
sich bisher weder um die Macht des Königs von Ungarn, noch um 
jene der Herzoge von Oesterreich gekümmert hatte, für immer zu brechen. 
Nach einigen Niederlagen der mit der ungarischen Kriegs weise nicht 
vertrauten Feldhauptleute Albrechts und des Abtes von Admont als 
Landeshauptmann der Steiermark, sammelte Albrecht mit Hilfe der 
Bischöfe von Bamberg, Seckau, Freising und Passau im Winter 
1287/1288 ein Heer von 15.000 Mann und nun begann im Frühjahr 
der Rachezug gegen Ivan, Herrn auf Güns, Güssing und Bernstein. 
Die Veste Martinsdorf, St. Margarethen, Eckendorf, Chobolsdorf, 
Rechnitz und Schlaining fielen nach der Reihe und wurden mit 
starken Besatzungen belegt. Altenburg wurde erstürmt und Albrecht 
war eben im Begriffe, den Siegeszug fortzusetzen, als seine Ritter 
und Edlen die Verschiebung des weiteren Angriffes auf das nächste 
Jahr verlangten. Der Herzog willigte ein und benützte den Winter 
zu neuen Rüstungen, um hierauf im Frühjahr 1289 vor der Haupt- 
veste seines Feindes, Güns, zu erscheinen. Vergebens Hess Ivan mit 
barbarischer Grausamkeit 500 gefangenen Deutschen Hände undFüsse 
abhauen, um die Belagerer zu schrecken, enger und enger schloss 
sich der Ring der auf das furchtbarste erbitterten deutschen Truppen 
um die Veste. Wurde die Veste von Männern und Weibern mit 
Fanatismus vertheidigt, so erfolgte mit noch grösserem Muthe der 
todesmuthige Angriff der Deutschen. Güns fiel, und nun mag blutige 
Rache für die Unmenschlichkeit Ivän's genommen worden sein. Mit 
Güns fielen 34 Ortschaften in die Hände Herzog Albrechts, der den 
Ritter v. Emmerberg in Güns einsetzte. Damit war die Macht der 
ungarischen Grenzgrafen gebrochen. Nach zwei Jahren forderte jedoch 
der König Andreas IIL von Ungarn Herzog Albrecht auf, nun, 
nachdem die Macht der Grenzgrafen gebrochen war, das besetzte 



— 332 — 

ungarische Gebiet wieder zu räumen. Da Herzog Albrecht sich 
weigerte, das Gebiet herauszugeben, so kam es zum Kriege, der 
jedoch ziemlich unblutig war und mit dem Frieden zu Ha in bürg 
vom 28. August 1291 endete, in welchem Herzog Albrecht zum 
grossen Schmerze der steirischen Edlen versprach, die festen Plätze 
Pressburg, Tymau und Güssing, sowie alle übrigen Adelsbargen mit 
der Bedingung zurückzugeben, dass diese Plätze geschleift werden. 
In diesem Kriege war Ivan im Lager Andreas' III.; er starb 1305. 

Unter Karl I. erscheint wieder ein Heinrich Graf v. Güssing. 
Im Jahre 1440 wurden die Grenzorte von der Königin Elisabeth au 
Friedrich sammt der h. ungarischen Krone verpfändet, was zu mehr- 
jährigen Kriegen Anlass gab, wobei der tapfere Johann v. Hunyady 
die Grenzorte wieder zurückeroberte, bis auf Eisenstadt, Forchtenstein 
und Kobelsdorf, die in Händen Friedrichs blieben. Güssing war jedoch 
nicht unter den verpfändeten Orten. Die Familie Kanisay stari* 
zwischen 1452 — 1457 aus, und fielen hierauf deren Güter an den 
königlichen Fiscus, respective an die Krone. Als solche wurden die- 
selben 1463 zur Redimirung der h. Krone an Friedrich III. verpfändet. 
Schlaining erhielt Andreas Baumkircher, der sich hier ein festes 
Schloss baute. In den Kriegen Mathias Corvinus' mit Friedrich blieb 
anfangs letzterer Sieger, später fielen aber die zum grossen Theile 
im Heerlager Friedrichs gestandenen Magnaten von ihm ab und 
gingen zu Corvinus über, worauf Friedrichs geschwächtes Heer am 
14. April 1459 bei Pinkafeld unterlag. Die ungarischen Magnaten 
wurden hierauf von ihrem Könige reichlich belohnt, wobei Güssing 
Nikolaus v. üylaky erhielt. Diese Familie dürfte bis 1525 Güssin? 
besessen haben, da in diesem Jahre Güssing von König Ludwig dem 
Franz Graf Batthyany de Köväzö, königlichen Mundschenk und 
Banus von Croatien, donirt wurde. Derselbe nahm hierauf auch das 
Prädicat „von Güssing" an. 

Seit dieser Zeit blieb Güssing ununterbrochen im Besitze der 
Grafen Batthyany, welche auf dieser starken Burgveste ihren Haupt- 
sitz und in die Gruft der Franziskanerkirche die Familiengrabstätte 
des fürstlichen und gräflichen Stammes der Familie verlegten. 
Endlos waren die Grenzfehden, die nahezu stets von Güssing aus- 
gingen, bald war die Veränderung des Flussbettes der Lafnitz, bald 
die Zehentstreitigkeiten bezüglich der jenseits der Grenze gelegenen 
Besitzungen der Batthyany Ursache dieser Grenzfehden, und wenn 
auch hie und da die Batthyany'schen Hussaren als Freunde jenseits 
der steirischen Grenze erschienen, so hausten sie wie die „Spaniolen^ 
kaum besser wie als Feinde. Das gewaltsame Ausdreschen der 
Ernte in den Tennen, das Schlachten von Vieh, die Brandschatzung 
der Bauern auf alle mögliche Weise, war damals an der Tages- 
ordnung. Das Einheimsen der Ernte in dem streitigen Grenzgebiete 
konnte daher immer nur unter starker militärischer Bedeckung 
geschehen. Wie sehr die von den Batthyany stets geförderten Kunizzec- 



-> 333 — 

Einfälle und Raabztige ausarteten, geht aus den vielfachen Berichte» 
hervor, welche sogar den Raub der Kirchenglocken melden. 

Die alte romantische Burg Güssing ist lieute grössten- 
theils in Ruinen versunken, nur der Familiensaal der Burg 
muss laut^ testamentarischer Bestimmung des Fürsten Philipp 
y. Batthyany (f 1870) für alle Zeiten erhalten bleiben. Hier 
befinden sich eine Reihe Familienportraits ohne künstlerischen 
Werth. Interessanter sind die drei Thurmzimmer mit einer 
Sammlung ungarischer Rüstungen und Waffen und einigen 
werthvoUen Gemälden, wie auch hier in Glasschränken eine 
Reihe Werke der Kleinkunst, wie Elfenbeinschnitzereien, alte 
Glaspoeale etc. zu sehen sind. Auch die alte Kapelle mit 
einem künstlerisch geschnitzten Altare wird erhalten ; sie ist 
zugleich Wallfahrtsort „Maria-Schnee'* und wird in ihr 
jätirlich mehrmals Messe gelesen. 

Unstreitig nimmt Güssing unter den Grenzorten Ungarns 
gegen , Steiermark von Nieder-Oesterreich bis zur Raab in 
landschaftlicher Beziehung den ersten Rang ein. Güssing ist 
für Ungarn, was die Riegersburg für Steiermark, eine stolze 
trotzige Grenzwacht, die ihr Felsenhaupt majestätisch empor- 
hebt über einen mächtigen Horizont. 

Von Güssing kann der Rückweg nach Fürstenfeld über 
St. Gotthard (berühmte Cisterzienser -Abtei und Schlachtfeld) 
und von hier per Bahn über Fehring -Fürstenfeld genommen 
werden oder über Burgau-Fürstenfeld. Wagen nach Burgau oder 
St. Gotthardt circa 2% Stunden. 



E. Fürstenfeld-Burgau-Neudau-Wörtli-Hartberg. 

36-7 Kilometer, 7 Wegstunden. 

Fürstenfeld -Burgau, 

15 Kilometer, 23/4 Wegstunden. 

Postbotenfahrt täglich um 12 Uhr 45 Minuten Mittags und 
Abends um 10 Uhr bis Burgau (Fahrpreis 60 kr.), hier zweistündiger 
Aufenthalt, ab von Burgau um 2 Uhr Nachts nach Hartberg. 

Die Strasse durchschneidet in gerader Linie die durch 
die Vereinigung des breiten Feistritzthaies mit dem Lafnitzthal 



334 



entstehende aasgedehnte Niederung und tritt nun, einen Föhren- 
wald durchschneidend, in das Lafnitzthal, sich stets am Wald- 
saume der westlichen Högellehne haltend, wobei sie wiederholt 
der ungarischen Grenze his auf wenige Schritte nahe kommt. 
In einer starken Wegstunde erreicht man auf der in das 
Safenthal einbiegenden Strasse das grosse Dorf Bierbaum, am 
Ausgange des Safenthales ; bei den ersten Häusern des Dorfes 
zweigt jedoch die Strasse rechts wieder in das Lafnitzthal ab 
und zieht nun wieder am Waldessaum der westlichen Thalhänge 
dahin, immer rechts begleitet von der nahen Lafnitz. Eine 
halbe Stunde von Bierbaum, beim sogenannten Rahrbrunneai- 
schlösse], wendet sich die stets die Grenze gegen Ungarn bildende 
Lafnitz, welche von Fürstenfeld herauf stets längs der west- 
lichen Hügelkette fliesst, plötzlich der östlichen Wasserscheide 
zu, so dass von hier an die Thalniederung wieder nach Steier- 
mark fällt. Bald erblickt man nun Burg au, von den mächtigen 
Fabriksgebäuden und der auf der westlichen Hügelkette weit- 
hinschauend gelegenen Kirche überragt. 

Gasthäuser: Carl Prettenhofer und Maria Pfingstl (Einkehr- 
gasthöfe), beide mit Fremdenzimmern; Gasthaus ohne Zimmer, 
Josef Weinseis, alle drei in der Herrengasse, und Johann Wagner 
am Platze, ausserdem noch neun Gasthäuser. — Post- und Tele- 
graphenstation. — Postbotenfahrten: Um 12 Uhr Mittags 
Abfahrt nach Blumau und Fürstenfeld, Fahrtaxe 60 kr.; Anschluss 
in FUrstenfeld an die Bahnfahrt nach Fehring. Ankunft von Fürsten- 
feld 3 Uhr Nachmittags, Abfahrt nach Fürstenfeld 6 Uhr Nachmittags 
und Ankunft von Fürstenfeld 11 Uhr Nachts, Fahrtaxe 60kr. ; Ab- 
fahrt nach Hartberg 2 Uhr Nachts, Fahrtaxe 80 kr.; Abfahrt von 
Hartberg nach Burgau 8 Uhr Früh, Ankunft in Burgau ^2! 1 ühr Vorm., 
Fahrtaxe 80 kr.; Ankunft von Stegersbach 5 Uhr Nachmittags, 
Rückfahrt nach Stegersbach 5 Uhr 16 Minuten Nachmittags, Fahr- 
taxe 30 kr. — Fiaker nach Fürstenfeld : einspännig 2 fl., zweispännig 
3 fl. ; nach Hartberg: einspännig 3 fl., zweispännig 4 fl. — Vereine: 
Freiwillige Feuerwehr, gegründet 1875; Schützen -Verein, gegr. 1875; 
Musik -Verein, gegründet 1881; Rothe Kreuz- Zweigverein, gegründet 
1881 (36 Mitglieder). — Jahrmärkte: Am 7. Jänner, 2. Mai und 
15. October. 

Burgau, grosser ausgedehnter Markt mit 168 Häusern 
und 1300 Einwohnern, sehr freundlich an der Berglehne der 
westlichen Wasserscheide gelagert, ist als ein Centrum des 
Hopfenbaues und als Hauptsitz der grossen Borckenstein'schen 



-> 335 — 

Baumwollgarn- Spinnerei von grosser volkswirthschaftlicher Be- 
deutung nicht nur für den Bezirk Fürstenfeld, sondern für die 
nordöstliche Steiermark überhaupt. Die Geschichte des bei allen 
Kuruzzeneinfällen verheerten Ortes ist innig verknüpft mit jener 
des Schlosses Burgau, welches, am Nordende des Marktes ge- 
legen, heute halb in Ruinen versunken, kaum mehr ßeine einstige 
Bedeutung als wichtige Grenzveste ahnen lässt. 

Die (ßinstige Herrschaft Burgau war ein landesfürstliches 
Lehensgut und umfasste fünf Lehensstücke: 1. das Schloss, 2. den 
Markt Burgau, 3. das Landgericht mit Stock und Galgen, 4. den 
Burgauer Wald, 5. den Wilfersdorfer und Riegersdorfer 2/3-Getreide- 
zehent. Diese Herrschaft wurde den Brüdern Weichard und Erhard 
Ritter von Po 11ha im (Bolheimp) als Belohnung für die grosse 
Waffenthat, wodurch sie anfangs 1500 den üeb ergang der Türken 
über die Drau bei Pettau verhinderten und dieselben nach Ungarn 
zurücktrieben, anfangs des 16. Jahrhundertes geschenkt. Jedenfalls 
besassen jedoch die Pollheim Burgau schon vor 1500 lehens- oder 
pfandweise. Ein Nachkomme dieser Pollheim, Michael Pollheim, baute 
das wahrscheinlich bei den Türkeneinfällen von 1529 und 1532 be- 
schädigte Schloss, wie eine in Stein gehauene Inschrift an der Innen- 
seite des Thurmgebäudes : „Dieses Gepeh isd durch Michel Hern 
zw Pollheim gepavi vorde Jahr 1558" meldet, neu auf, und gibt uns 
die Vischer'sche Ansicht von 1680 ein getreues Bild dieser wichtigen 
Grenzveste, welche heute, zwar all' ihres Schmuckes beraubt, doch 
noch ihre einstige Gestalt leicht erkennen lässt. Ganz gleich wie 
Neudau gebaut, war die ganze Schlossanlage von einem breiten 
Wassergraben umgeben. Die Schlossgebäude gliederten sich in zwei 
Theile, und zwar in das nördlich situirte eigentliche Schloss, und in 
das südlich situirte, an den beiden Ecken durch je einen massigen 
niedrigen Rimdthurm und eine Bastion stark befestigte Oekonomie- 
gebäude, mit dem Schlosse nur durch einen ebenerdigen Tract zu- 
sammenhängend. Das Schloss zeigt ausser einigen Erkerbauten und 
dem viereckigen, an seiner Südfront aufsteigenden Thurme keinerlei 
Befestigungen. Der prächtige Schlossgarten, von dem Vischers Schlösser- 
buch von 1681 sogar eine Reihe eigener Ansichten bringt, lag am 
anderen (südlichen) Ende des Marktes. Vergleicht man heute das 
Schloss mit dem Vischer'schen Prospect von 1681, so findet man 
nicht nur.den Wassergraben verschwunden, sondern auch das Schloss 
seines Thurmes, der bei dem furchtbaren Sturm und Hagelwetter im Jahre 
1778 zum Opfer fiel, beraubt. Von denOekonomiegebäuden ist ein grosser 
Theil ganz verschwunden, der übrige Theil jedoch in einem ruinösen 
Zustande und wird nur das Thurmgebäude, woselbst sich heute die 
Gendarmerie-Caserne befindet, nothdürftig erhalten, während im ehe- 
maligen Schlossgebäude die zweiclassige Volksschule und das Gemeinde- 



— 336 — 

anit untergebracht ist. Das traurigste Bild vom Verfalle dieser einst 
so bedeutende Grenzvesten bietet der ehemalige zierlich gepflegte 
Lustgarten, einer der schönsten der steirischen Schlösser, nach alt- 
ft-anzösischem Geschmacke angelegt, dessen ruinöse Umfassungsmauer 
jedoch heute nur mehr Hopfenfelder einschliesst. 

Die Pollheim besassen auch das nahe Neudau, welches sie 
▼on den Neuberg erbten; das Geschlecht, dessen Stammschloss auf dem 
Leibnitzer Berge bei Seckau lag, war in Steiermark reich begütert, 
wie auch Raspach in Oestreich und Güteis in Kärnten den Pollheim 
gehörten. Nach dem Tode des letzten Neubergers, dem Stifter des 
Stiftes Pöllau, erhoben die Pollheim einen langwierigen Erbstreit 
mit dem Chorherrenstifte Pöllau. — Der letzte dieses Stammes war 
Maximilian ; dieser Hess auf das bevorstehende Erlöschen seines Hauses 
eine Medaille mit einem sehr sinnreichen Bilde prägen; sie ist tod 
Silber und hat die Grösse eines Guldensttickes, der Avers zeigt das 
Brustbild eines Ritters im Wamms mit breitem Halskragen uoi 
Spitzbart, und die Legende: Maxim. Her z. Pollhaim u. Raspach. 
a. 42 (d. h. im 42. Jahre seines Lebens); der Revers zeigt einec 
Baum, welcher auf der einen Seite schon ganz entwurzelt ist, ar 
einem dürren Aste hängt das Wappen der Polheim mit der Krone, 
daneben ist ein Kopf, mit vollen Backen aus den Wolken auf de:. 
schon stürzenden Baum blasend, dessen Stamm gebrochen und dessen 
Krone im Sinken ist, auf der andern Seite spriessen drei Todter- 
blumen aus dem Boden, dabei die Umschrift: „Mea sorte contentns. 
MDCXV." — ich bin mit meinem Lose zufrieden, 1615. Diese äusserst 
seltene Medaille ist im Besitze des historischen Museums (Münz- ucd 
Antiken-Cabinet) in Graz. Im Jahre 1565 verkauften die Pollheic 
jedoch die Herrschaft Burgau an die Trautmannsdorf, die si^ 
bis 10. August 1762 im Besitze behielten. Auch an diese Besitz- 
periode erinnert ein Inschriftstein und das Wappen ober dem Thort 
des Thurmgebäudes. Die Inschrift lautet: „Maximilian Graf vor 
Trautmannsdorf und Weinsberg, Ritter des gold. Vliesses, röm. kais 
Majestät Ferdinand III. geheimer Rath, Kämmerer und Oberstho:- 
meister." Am 10. August 1762 ging die Herrschaft um 72.000 i 
durch Kauf an Adam Graf Batthyany über. Dieser übergat 
schon 1770 seine Güter seinen drei Söhnen, Franz, Johann und Eari 
wobei Burgau nebst anderen Besitzungen an Karl Graf Batthram 
fiel, welcher Besitzer 1789 (nach einer anderen Mittheilung anfan^^ 
1780) die erste Baumwollspinnerei im Österreichischen Staate errichtete 
Er starb den 20. Jänner 1814, unverehelicht, und fielen seine GQtK 
seinen Brüdern Franz und Johann zu. Johann überliess die Ver- 
waltung Franz, welcher als kinderloser Witwer im März 1821 star. 
Hierauf gelangte Graf Johann Batthyany, und nach dessen im Jahr: 
1831 erfolgten Tode seine Witwe in Besitz der Güter. Mit dem b 
Jahre 1839 erfolgten Tode dieser Witwe fielen, da keine mftnnliciitn 
Nachkommen vorhanden waren, alle Graf Adam Batthyany^sch« 



..- 337 — 

Güter, laut dessen Testament, den neun Grafen Batthyany der Seiten- 
linien zu, welche sich im Jahre 1841 durch Verlosung darin theilten, 
wobei dem Grafen Ludwig Batthyany Burgau zufiel. Ludwig Graf 
Batthyany, 1849 ungarischer Ministerpräsident, wurde am 6, October 
1849 auf Befehl Haynau's erschossen. Hierauf wurden seine sämmt- 
lichen Güter vom Fiscus eingezogen und erst anlässlich der grossen 
Amnestie im Jahre 1867 den Erben zurückgegeben. Diese verkauften 
nun stückweise die ganze Herrschaft Burgau, theils nach Neudau, 
theils der Marktgemeinde, theils nach Fürstenfeld, so dass heute 
eine Herrschaft Burgau, die im Jahre 1820 1498 Joch 816 Quadrat- 
klafter umfasste, nicht mehr besteht. Der Markt besteht aus zwei 
Theileii, dem unteren Markt und dem Kircheck. Im unteren Markte 
steht am Platze eine schöne, jüngst renovirte Marienstatue auf einer 
hohen Steinsäule, die durch ein prächtiges barockes Capital gekrönt 
wird. Die auf der Säule angebrachte Jahreszahl 1778 erinnert an 
das furchtbare Sturm- und Hagelwetter im Juli dieses Jahres, welches 
nicht nur alle Feldfrüchte total vernichtete, sondern auch fast alle 
Gebäude mehr oder weniger beschädigte. Bei diesem Anlasse wurde 
auch die Mariensäule umgeworfen und zertrümmert. Anlässlich dieses 
beispiellosen Unwetters wurde eine Stiftung gemacht, nach welcher 
an jedem zweiten Sonntage im Juli eine solenne Procession, die soge- 
nannte Donatiprocession, abgehalten wird. 

Das Kircheck wird durch die auf der Anhöhe erbaute Kirche 
gekrönt. Die Kirche mit gothischem, nach Osten gerichtetem Pres- 
byterium, hat an der Südseite einen Thurm angebaut, ober dessen 
Pforte das Trautmannsdorf sehe Wappen und die Jahreszahl 1679 
zu sehen ist. Im Innern ist das prächtige Grabmal Erhard's von 
Pollheim, Feldhauptmann Max' I. von 1494, welcher die Kirche erbaut 
haben soll, sehr bemerkenswerth. Von der Kirche ein schöner Blick 
über das Lafnitzthal bis zum Wechsel. 

Wenige Minuten von der ungarischen Grenze gelegen, war 
Burgau den Einfällen der meist verbündeten Ungarn und Türken 
stets in erster Linie ausgesetzt. Im Jahre 1529 spielten nicht nur 
die Türken, sondern auch die zum Schutze der Grenze aufgestellten 
Hussaren und „Spanioler" der Herrschaft Burgau übel mit. Das noch 
erhaltene, von dem jungen Pollheim verfasste, von Dr. Krones 
Kitter v. Marchfeld publicirte Schadenverzeichniss weist speciell 99 
die Herrschaft Burgau treffende Fälle nach. Diese vertheilen sich auf 
den Markt Burgau und die drei Ortschaften Leitersdorf, „Plumaw" 
(Blumau) und „Stainpach", und wurden im Ganzen 76 Menschen in 
türkische Gefangenschaft geschleppt, 7 Personen erschlagen etc. 

Unter den 26 den Markt Burgau treffenden, am 18. October 
entstandenen Schadenfällen sind bemerkenswerth: Der Limpeckin 
erschlugen sie ihren Mann, der Pognerin ihren Sohn. Dem Peter 
Macher wird ain knabl bei 9 jaren wegkhgefüert. Michel Kutting 
verlor ein Dieml, Jörg Tangkl sein Weib, einen Buben und eine 

22 



— 338 — 

Diern, die seine kindt gewessen sein. Gestetnerin, ain wittib, ist hart 
von den turgken verwandt worden vnd jr ain sun wegkhgefuert, der 
Ir den hoff versehen hat. Hanns Stain ist sein aidem vnd sein tochter 
wegkhgefuert worden vnd ain dieml, aber sein aidem ist in 14 tages 
darnach herwider kumen. Pritz Steffel ist gar von den turgken er 
schlagen worden, dto. Abel Hanns. Pogner Andre ist sein weib vegkh- 
geftlert worden, ist grosz schwanger gewesen. Der Gmaindel und den; 
Ekharter wurden die Dienstdierln geraubt^ etc. etc. — Gewiss ein 
furchtbares Bild von den Drangsalen dieser Zeit. 

Bei dem TUrkeneinfalle von 1683, wo Valvasor die Vertheidignnc 
der steirischen Grenze leitete, wurde Burgau mit 175, NeudaumitTö. 
Hohenbrugg mit 30, Kapfenstein und Hainfeld mit je 10, Fürsteofelii 
mit 100 Mann besetzt. Bei dem grossen Kuruzzen-Einfall von \'^^ 
schlössen die ungarischen Bebellen unter Kärolyi um den 20. Juli di> 
Schloss Burgau ein. Der Verwalter des Schlosses, nur auf seine Dieiü*. 
leute angewiesen, konnte an eine Yertheidigung desselben nicht denke: 
und bewilligte daher die Forderung Karolyi's, bestehend aus: Erlsj 
von 1000 fl., 2 Stück Seidentuch und ein Pfund Goldfaden, wodüp: 
er wenigstens Schloss und Markt vor der Niederbrennung durch d:" 
zügellosen Rebellenschaaren bewahrte. 

Wie erwähnt ist der Hopfenbau um Burgau, sowobi 
mit Rücksicht auf die Produetion überhaupt, wie mit Bezog ai: 
die vorzügliche Qualität des Hopfens, der sowohl auf der Wel: 
aussteliung in Wien 1873, als auf der internationalen Hopfec- 
ausstellung in Hagenau 1874, mit den ersten Preisen aiü- 
gezeichnet wurde, von grosser Bedeutung für die steirisd' 
Hopfenproduction. In industrieller Hinsicht nimmt jedoch t 
mit den neuesten technischen Einrichtungen versehene, vor- 
züglich geleitete Baumwollgarn-Spinnfabrik nächst der 
k. k. Tabakfabrik in Forstenfeld den ersten Rang unter afo 
industriellen Unternehmungen der nordöstlichen Steiermark ei: 

Die Burgauer Baumwollgarn-Spinnfabrik der Firiii 
G. Borekenstein & Sohn in Wien ist die älteste Spinner- 
der österreichisch-ungarischen Monarchie. — Sie wur-- 
gegründet im Jahre 1789 vom Herrn Grafen Karl Batthyanv, ^< 
damaligen Besitzer der Herrschaft Burgau. — Die Maschinen wuni- 
aus England mit grosser Mühe und wegen den in jener Zeit besuv 
denen politischen Verwicklungen mit vielen Schwierigkeiten. -•' 
daher auch mit bedeutenden Kosten herbeigeschafft. — Diese ei^**' 
Fabriks- Anlage war auf 864 Feinspindeln gemacht, entsprach i^' 
nicht den angehofften Erwartungen; trotz aller Mühe konnten kei'- 
günstigen Resultate erzielt werden, und nach einigen Betriebsjabn* 
trat ein gänzlicher Stillstand ein. — Ungefähr 30 Jahre stand <i*^ 
Etablissement ausser allem Betrieb, darauf wechselte es mehrniÄ- 



— 339 — 

die Eigenthtimer, ohne aber in Gang zu kommen, bis es endlich im 
Jahre 1831 in das Eigenthum des Wiener k. k. priv. Grosshändlers 
Herrn Georg Borekenstein tiberging. — Dieser unternehmende 
Besitzer begann zuerst mit der Herstellung und Vergrösserung der Ge- 
bäude, entfernte die vorhandenen unbrauchbaren Maschinen und schaffte 
neue Maschinen an ; — es kam die Fabrik im Jahre 1835 mit 3080 
Feinspindeln in regelmässigen Betrieb, und wurde von da an succes- 
sive vergrössert und vervollkommt. — Im Jahre 1853 trat der Sohn 
Herr Karl Borekenstein als öffentlicher Gesellschafter in die Firma 
ein, welche von da an bis heute „G. Borekenstein &Sohn" lautet. 
— Nach dem Ableben des Herrn Georg Borekenstein, 1863, war 
Herr Karl Borekenstein alleiniger Besitzer mit Beibehaltung der 
Firma, und auch gegenwärtig, nach dem Ableben des Herrn Karl 
Borekenstein, 4. Februar 1887, wird von dessen Erben, den Söhnen 
Herren Georg und Eduard Borekenstein die Firma „G. Borekenstein 
& Sohn" unverändert beibehalten. — Unter der Firma G. Boreken- 
stein & Sohn wurde die Fabrik fortwährend vergrössert und Be- 
triebs-Verbesserungen eingeführt; es ist dieselbe heute mit Maschinen 
neuester Construetion eingerichtet, welche bestehen aus: Motoren: 
1 Turbine, System Girard, von 88 Pferdekräften, 1 horizontale Com- 
pound-Dampfmaschine von 140 Pferdekräften, 4 Flammrohr- Cornwall- 
Kesseln, Baumwoll-Spinnerei-Maschinen (meist aus England), 7 Putze- 
rei-Masehinen. Carderie- und Vorspinn-Maschinen: 53 Gar- 
den^ 4 Schleifmaschinen, 4 Streckwerke, 25 Vorspinnmaschinen mit 
2092 Spindeln. Feinspinn-Maschinen : 14 Selfaetoren mit 7752 Feiii- 
spindeln, 53 Garnhaspeln, 5 Garnpressen. Weiters gehört zu dem 
Etablissement eine mechanische und eine Tischler- Werkstätte, eine 
chemische Dampf- Weissbleiche etc. — Die Jahreserzeugung der 
Burgauer Spinnfabrik beträgt circa 240.000 Bündeln Garn ä 5 Pfd. 
englisch, in den Nummern 3 — 20, oder circa 540.000 Kilo Netto. 
An Rohstoff werden jährlich versponnen circa 670.000 Kilo Baum- 
wolle, die direet bezogen wird, theils aus Ostindien, von den Stapel- 
plätzen Bombay und Calcutta, theils von Amerika. Arbeiterzahl 
190—200 beiderlei Geschlechtes. 

Burg au hat, wie erwähnt, eine anmuthige Lage im 
Lafnitzthal. Jenseits der Lafnitz in Ungarn zieht sich längs 
der Grenze eine productive Hügelkette hin, mit zahlreichen, 
vereinzelt stehenden Wohnhäusern, wodurch die Gegend ein 
sehr freundliches Bild erhält. 

Von Burgau aus sind schöne Spaziergänge zu machen, 
namentlich in die nahen Waldungen, mit mehreren grossen Teichen. 

In der Nähe des Försterhauses im Waldesdunkel be- 
findet sich das sogenannte Galgenkreuz, von Stein und 
Ziegeln gebaut, mit einer schönen Marien-Statue; — es war 

22* 



— 840 -- 

demselben gegenüber in nächster Nähe die Richtstättp. 
Bnrgan war Landgericht, und haben bis unter der Regierung 
der Kaiserin Maria Theresia Hinrichtungen stattgefunden. Die 
Letzte der Gerichteten, Maria Roth, wurde wegen Kindesmord 
enthauptet. — Das Galgenkreuz war dazu bestimmt, dass die 
zum Tod Verurtheilten dort ihre letzte Andacht verrichteten 
Jenseits der Lafnitz führen hübsche Wege nach üngarD. 

— Der nächste grössere Ort in Ungarn ist Stegers- 
bach, in einer starken Gehstunde oder in V4 Fahrstunden zd 
erreichen. — Der Weg oder die Strasse dahin führt auf der 
Höhe der Hügelkette und bietet einen prachtvollen Ausblick. 

— Von Stegersbach weiter über Rauchwart, Pusta Michael. 
erreicht man in 2 Fahrstunden, also von Burgau in 3 FahrstüDdes. 
Güssing. Siehe Seite 329. Es führt noch eine andere, etwas 
kürzere Strasse, die aber nur bei anhaltend trockener Witte 
rung fahrbar ist, nach Güssing, nämlich über Sulz, wo eine 
Mineralquelle ist. Nach Sulz führt die Strasse über Rohr noc 
Heugraben. — Für Fussgeher berechnet, erreicht man vo: 
Burgau in ^/^ Stunden Neudau, in einer Stunde Blumau. ii 
2 Stunden Waltersdorf, in 1 V^ Stunden Wörth und in 1^ 
Stunden St. Magdalena mit einer sehr schönen Fernsicht 

2. Burgau- Neudau, 4*7 Kilometer. 3/4 Stunden. 

Eine kleine Gehstunde an der Lafnitz aufwärts, liegt i: 
der Thalniederung das grosse Pfarrdorf Neudau, dessen schöne. 
imposanten Fabriksgebäude schon von Burgau aus sichtbar sin;! 

Gasthäuser: Lechner Karl, 2 Zimmer; Weinseiss, 2 Zimmer 
Ruth und Lassl je 1 Zimmer. — Postbotenfahrt: täglich nacii 
Hartberg %% Uhr Früh, 70 kr. ; nach Fürstenfeld V2I2 LTir Mit- 
tags, 80 kr. — Vereine: Militär- Veteranen- Verein, gegründet 1876 
freiwillige Feuerwehr, gegründet 1880. — Patronatsfest ur: 
Märkte: Patronatsfest am St. Andrätage, am 30. November; Jahr 
markte am 16. Mai, 20. August und 30. November. 

Neudau, grosses, ausgedehntes Pfarrdorf mit 101 Häu- 
sern und über 700 Einwohnern, mit gräflich Kottulinsky- 
schem Schlosse und einer Filiale der Borckenstein'schei: 
Baumwollgarnfabrik in Burgan, welche beide Complex^ 
durch die Häuserzeile des Dorfes getrennt sind. 



— 341 - 

Am Nordende des Dorfes liegt der Kirchplatz mit einer 
1765 errichteten Frauensäule, eine sehr originelle Arbeit 
des Zopfstyles. Die Kirche ohne Bedeutung, enthält in einem 
Zubau die gräflich Kottulinsky'sche Familiengruft. 

Unmittelbar an den Kirchplatz grenzt der prächtige 
alte Park des Schlosses, der heute an Stelle des früher hier 
bestandenen Wassergrabens, bestens cultivirt, die ganze Schloss- 
anlage umzieht. Die Strasse führt zwischen den Mauern des 
Schlossparkes und den in grossartigem Massstabe neu erbauten 
Stallungen der Herrschafts Ökonomie zu der Zufahrtsstrasse des 
Schlosses. Diese führt über einen den ehemaligen Wassergraben 
übersetzenden Damm zuerst in das Oekonomie-Gebäude, welches, 
wie überhaupt das ganze Schloss, dieselbe Anlage wie das 
Schloss Burgau zeigt. So flankirt auch hier ein mächtiger 
gedrungener Rundthurm, der, heute von wildem Wein umrankt, 
die freundlichen Räume der Gutsverwaltung birgt, den iso- 
lirten Gebäudecomplex der Oekonomie-Gebäude. Ebenso ist 
das zweistöckige Schlossgebäude, welcher heute seines auf 
Vischer's Prospect von 1680 (siehe Seite 343), sich so statt- 
lich präsentirenden viereckigen schönen Thurmes an der Süd- 
fagade des Schlossgebäudes verlustig geworden ist» mit der 
Langseite nach Westen, nördlich der Wirthschaftsgbäude 
situirt. Ein doppelter Wassergraben, durch eine von mehreren 
Thtirmen unterbrochene Ringmauer, umzog das etwas erhöht 
stehende Schloss. Der einzige Zugang des Schlosses führte über 
eine abnehmbare Brücke, deren letztes Stück aufgezogen werden 
konnte, durch den gewaltigen Rundthurm an der südwestlichen 
Ecke der Schlossanlage, der eine dreifache Reihe für Büchsen 
und Kanonen eingerichteter Schiesslucken zeigt und dessen 
Zinnen bis in jüngster Zeit mit kleinen Kanonen armirt waren. 

Die ersten bekannten Besitzer Neudau's waren die Neuberg, 
deren letzter, Hanns Neuberg, bekanntlich am 22. October 1483 
starb. Bei dem hierauf entspringenden Erbstreite kam die Herr- 
schaft Neudau an die PoUheim, die auch Burgau besassen. Unter 
den Pollheim's erhielt das Schloss, um die Mitte des 16. Jahr- 
hundertes, aller Wahrscheinlichkeit nach seine heutige Gestalt. Noch 
im gleichen Jahrhunderte ging die Herrschaft jedoch an die Rottal 
über und von dieser durch Antonia Maria, Gräfin v. Rottal, 1744 



— 342 — 

an deren Gemal Franz Karl Grafen v. Kottulinsky, von welchem es 
sich in gerader absteigender Linie auf den derzeitigen Besitzer Adal- 
bert Graf Kottulinsky, Landtagsabgeordneter und vermalt seit Jänner 
1884 mit Baronesse Theodora Mayr- Meinhof vererbte. 

Mit der Uebernahme des Schlosses durch Graf Adal- 
bert Kottulinsky ist eine neue Blütheperiode für 
Neudau eingetreten, die sich bei den an allen Kcken und 
Enden in Angriff genommenen Restaurationsarbeiten, bei welcheu 
überall der feine Kunstsinn und der distinguirte Geschmack 
des derzeitigen Besitzers und seiner Gemahlin zu Tage tritt. 
vortheilhaft geltend macht Schon die zwei mächtigen schmied- 
eisernen Thorflügel, die beiderseits des Dammes in den 
reizend arrangirten Schlosspark führen, aus der Kunstschlosser- 
werkstätte des Herrn Kerl in Graz hervorgegangen, verdienen 
ihrer prächtigen Ausführung wegen eingehendste Beobachtung. 
Im Innern ist das Schlossgebäude, das man durch ein mit 
dem Kottulinsky'schen Wappen geziertes Portal betritt, zum 
grossen Theile schon restaurirt und tritt überall vornehme 
Eleganz dem Beschauer angenehmst entgegen. Unter der langen 
Flucht von 34 Zimmern und Sälen des Schlosses verdienea 
das Rauchzimmer des Grafen mit einer Sammlung reichst 
und kunstvollst mit Elfenbein eingelegter, auf Feuer- 
steinschloss umgearbeiteter Radschlossgewehre, da^ 
reizend arrangirte Boudoir der Gräfin mit einer CollectioL 
kostbarer Alt-Wiener Porzellans (Figuren etc.) und der 
Speisesaal mit den seltenen vollständigen, alte hin esischen 
Speiseservicen und der überraschend reichhaltigen, sehr 
werthvoUen Sammlung kunstvoll geschliffener Glaspocale. 
und das geschmackvollst decorirte Schlafzimmer mit den Fa- 
milienporträts besonders erwähnt zu werden. Die reiche Waffen- 
sammlung ist soeben in Aufstellung begriffen, wie auch der 
grosse, reich getäfelte Speisesaal im zweiten Stocke noch nicht 
vollendet ist (März 1888). Im zweiten Stocke liegen auch 
die Gastzimmer, die mit guten alten Kupferstichen und einigen 
werthvoUen Oelgemälden, darunter „alter Mann, ein Hündchen 
neckend^, besonders erwähnenswerth, geziert sind. 

Da Graf Kottulinsky in kürzester Zeit auch äusserlich 
das Schloss einer Umgestaltung zuzuführen beabsichtigt, so 



348 



haben wir von Neudau vx)rläufig die interessante Vischer'sche 
Ansicht von 1680 gebracht, die, wenn mau sich die Wasser- 
gräben und Ringmauern, sowie den viereckigen Thurm an der 
Südseite des Schlosses wegdenkt, ein instructives Bild der 
Schlossanlagen zu Bnrgau und Neudau gibt, und behalten wir uns 
vor, bei einer zweiten Auflage des Buches, als Pendant auch eine 
Ansicht des Schlosses in seiner künftigen Gestalt zu bringen. 
Die Schicksale des Schlosses sind nahezu die gleichen, wie 
jene Burgau's. Von den von Pollheim anlässlich der Verheerung des 




Neudau nach Vischer's Prospect vom Jahre 1680. 

Lafnitzthales am 18. October 1529 specificirten Schadenfällen der 
Herrschaft Neudau, welche 20 Ortschaften um fasste, entfielen 
auf dieselbe 210 Schadenfälle, wovon circa 130 Fälle Menschen- 
raub betreffend. Kaum besser als die Türken hausten damals auch 
die Batthyany'schen Hussaren. Die letzten Verheerungen Neudau's 
durch Feuer und Schwert erfolgten bei den Kuruzzeneinfällen von 
1704 und 1708. 

Graf Adalbert Kottulinsky besitzt derzeit nicht nur eines 
der grössten und bestgehegten Jagdreviere der nord- 
östlichen Steiermark, sondern widmet auch der künstlichen 
Fischzucht, die in den grossen Setz-, Brut- und Streckteichen 
(der grosse Fuchsschweif-Teich umfasst allein 48 Joch, weiters 
der grosse Neudauer Teich, 38 Joch und der Lindegger Teich, 



— 344 — 

24 Joch) rationellst betrieben wird, sein Augenmerk. Der 
Grundbesitz des grftflich Eottulinsky'schen Gutes Neadau, zu 
welchem auch das Schloss und Gut Ober-Ma3Thofen gehört, 
umfasst zusammen 1884*58 Hektar. 

Nächst dem Schlosse verdient besonderes Interesse die Neu- 
dauer Baumwollgarn-Spinnfabrik der Firma 6. Borckenstein 
& Sohn in Wien; dieselbe wurde 1845 von Herrn Georg Borkenstein, 
k. k. priv. Grosshändler in Wien, gegründet und seither in gleicher 
Weise eingerichtet, wie die Burgauer Spinnfabrik (mit Turbinen 
und Dampfbetrieb). Die Fabrik hat 47 Garden, 3 SchleifmaschiDen. 
4 Streckewerke und 26 Vorspinn-Maschinen mit 2554 Spindeln. An 
Feinspinn-Maschinen: 14 Seifactoren mit 9496 und 10 Bing-Throsselc 
mit 3504 Feinspindeln, etc. — Jahreserzeugunjr:. circa 220.000 Bündel 
Garn ä 5 8" englisch in den Nummern 16 — 30, oder circa 495.000 Ko. 
Netto. An Rohstoff werden versponnen circa 600.000 Ko. Baumwolle. 
die directe von Ostindien und Amerika (Savannah, New - Orleans, 
New-York etc.) bezogen wird. Arbeiter circa 170 — 180 beiderlei 
Geschlechtes. 

Spaziergänge. Ein hübscher Spaziergang ist der Fnss- 
weg von der oberen Lafnitzbrücke über die Badewiese zur 
Ortsmühle, von da über die Mühlwiese, bis zur unteren Lafnitz 
brücke (ungarische Grenze), sowie der vom herrschafüicbeü 
Jägerhause längs der Setzteiche und des sogenannten Schaoz 
bächleins bis zur Spinnfabrik. — • Der schönste Aussichts- 
punkt ist von dem Michl-Sommer'schen Hause aus, 15 Mi- 
nuten westlich vom Orte, von welchem aus man thalaufwärtj 
die Orte: Wörth, Unter- und Oberrohr, St. Johann, ja aact 
die Stadt Friedberg und den Wechsel steirischerseits , und 
uttgarischerseits die Ortschaften Wolfau und Allhan siebt: 
thalabwärts liegen schön sichtbar steirischerseits Burgao 
ungarischerseits die Orte Rohrbrunn, Kaltenbrunn, Ruderi- 
dorf. Gegenüber auf ungarischer Seite liegt der Hochkogel.eii: 
prächtiger Aussichtspunkt. Schön, aber etwas entfernter ist die 
Partie nach Unterlimbach auf der Bezirksstrasse, oder durch dir 
Wälder, bei trockenem Wetter leicht in y^ Stunden zurücklegbar 

3. Von Neudau über Wörth, Unter- und Oberrohr nach Hartberg. 

17 Kilometer, Syi Wegstunden. 
Die Strasse, im Lafnitzthale aufwärts führend, erreicli: 
in % Stunden das Pfarrdorf Wörth, wo bis gegen das Jahr 



— 845 — 

5chIoss stand, welches im Besitze der Neuberg, 
d Rottal war, bei den Kuruzzen-Einfällen jedoch 
stört wurde. Schon 1313 stifteten die Neuberg hier 

und Pfarre. Zur Reformationszeit besetzten die 
h die Pfarre mit einem lutherischen Prftdicanten, 
)0 gewaltsam vertrieben wurde. Nach der Zer- 
Ortes durch die Türken und Kuruzzen 1683 (?) 
Te nach Neudau, und erst im Jahre 1818 erhielt 
r eine eigene Pfarre (St. Georgen). Das schöne 

Hausnummern und 600 Einwohner, Die Volks- 
iclassig. 

örth biegt die Strasse in das Lungitz-Thal ein, um 
mdlich gelegenen Dörfer Unter- und Ober-Rohr, 
m in der Haide, das schon von ferne sichtbare 
3lches mit seinem schönen Gebirgshintergrunde 
chend malerischen Anblick gewährt, zu erreichen. 

rstenfeld -Waltersdorf- Hartberg. 

(Siebe Seite 303.) 

a. Fürstenfeld -Ilz. 

(Siehe Seite 156.) 

I. Fürstenfeld - Riegersburg. 

überaus lohnende Tagespartie lässt sich jetzt 

der Localbahn nach Fehring sehr bequem aus- 

man bis zur Station Söchau fährt und von hier 

•erg gegen Breitenfeld, welches östlich bleibt, 

starken Stunde erreicht man die Bezirksstrasse 

(n später Riegersburg. (Ueber Riegersburg siehe 

n Rückweg kann man entweder über die Station 

imen (1 Stunde von Riegersburg) oder über Hz 

m letzteren Falle ist es dankbarer, die Partie 

nachen, und zwar von Fürstenfeld nach Ilz, nur 

, Standen, und von hier nach Riegersburg, die 

mit ihren senkrechten Abstürzen einen gigan- 

gewährt, 2 Stunden. 



VAAAArAAAAAAAAA-^A:^AAAAAAAAAAAAAAAAAA"A-A"A"A|/ 




Das Thal der Raab. 



Das einzige Thal der nordöstlichen Steiermark, welches 
von einer Eisenbahnlinie durchzogen wird, ist das breite frucht- 
bare Raabthal, und wird der Besuch desselben durch die vor- 
theilhaften Einrichtungen der ungarischen Westbahn, welche 
nicht nur an allen einigermassen wichtigen Punkten Haltestellen 
errichtete, sondern auch von Samstag (eventuell den Tag vor 
einem Feiertage) bis Montag (bis den Tag nach dem Feiertage i 
geltende, äusserst ermässigte Tour- und Retourkarten ausgibt 
und in der Saison jeden Sonn- und Feiertag um V26 ühr 
Morgens von Graz einen Yergnügungszug ablässt, der erst nm 
9 Uhr Abends zurückkehrt, wesentlich erleichtert und gefördert. 

Der Besucher dieser anmuthigen Hügellandschaften findet 
keine grossartigen scenischen Ueberraschungen, aber reizende 
Waldthäler, mühelos zu erreichende Höhenzüge mit prächtiger, 
weiter und wechselvoller Fernsicht, Schlösser und Burgen mit 
vielen Sehenswürdigkeiten und gute, äusserst billige G-asthäuser. 
Alle Touren lassen sich zur Noth in einem Tage ausführen, 
weit angenehmer und lohnender ist die Ausführung in 1 y^^ Tagen, 
da gerade der Morgen am Lande den schönsten Naturgennss 
bietet Namentlich eignet sich der von Graz um y^fi Uhr 
Nachmittags abgehende Zug für die Raabthal-Touren. 

Preise der Toor- and Betoorkarten Tom Grazer Weitbahnhofe ab Dach : 



Station der ungarischen 
Westbahn 



An Wochentagen giltig 
■i Tage 



II. Ciasse ', III. Glaste 



In der Sommersaison 
giltig 3 Tage *) 



II. Classe 1 lU. Clas«e 



Lassnitz ...... 

Gleisdorf 

Takern 

Stndenzen-Fladnitz . 

Feldbach 

Fehring 

Jennersdorf . . . . 



70 
10 
20 
30 
50 
80 






50 


— 


70 


— 


80 





9Ö 


• 1 





1 


20 i 


— 





*) Und zwar von dem einem Sonn- oder Feiertag rorhergehenden Tage bis den T«p ii»-fe 
dem Sonn- oder Feiertage. 



— 347 — 



Route IX. Kirchberg a. d. Raab. 

Kiroliberg a. d. Raab - Paldau. 

Station Studenzen- Kirchberg 20 Minuten, Kirchberg- 
Paldau l'/j Stunden, Paldau Haltestelle-Gniebing 1 Stunde. 

Wenn man von Gleisdorf abwärts fährt, so ist es namentlich 
das Stidgelände des Raabthaies, welches, eine Reihe anmuthiger 
Landschaftsbilder entrollend, das Interesse des im Waggon 
dahinfliegenden Reisenden erregt. So steigt schon bei der ersten 
Haltestelle Takern an der Berglehne das uralte, rein gothische 
Pfarrkirchlein St Margarethen, von schönen, aus Obstgärten 
aufstrebenden Bauerngehöften umgeben, an der Horizontlinie 
empor, und nicht lange darauf zieht schon wieder von Ferne 
ein auf der Höhe thronendes Schlossgebäude, von einem Kirch- 
thurme tiberragt und von Gehöften flankirt, die Aufmerksamkeit 
auf sich und bald haltet der Zug unmittelbar zu Füssen 
dieses Kirchdorfes, Kirchberg a. d. Raab, bei der Station 
Studenzen-Fladnitz. 

An der ausgedehnten schönen Heinrichsmühle und der 
malerisch gelegenen Clementmtihle vorbei, zieht die Strasse, 
zuletzt durch eine Pappelallee, in 20 Minuten zu dem Höhen- 
rücken, auf welchem sich das grosse Dorf, welchem am Nord- 
ibhange des Thalgeländes das Schloss Kirchberg vorgelagert ist, 
lusdehnt. 

Gasthäuser: Ferdinand Lehr, nette Fremdenzimmer, gute 
Küche; Paul Maier, Fleischhauer, Zimmer einfacher. Preise in beiden 
Gasthäusern sehr massig. Kaffeehaus: Wiefler, Sitzgarten. — 
Post auf der Clementmühle, Telegraphenamt auf der Station. 
- Wägen stellen Lehr und Kaufmann Judmaier bei. — Vereine: 
Conservativer Verein, gegründet 1872; Schützenverein, gegründet 1874; 
Militär- Veteranenverein, gegründet 1874; Vorschusscassa. Feuerwehr 
im Entstehen. Jahrmärkte: 4. M:\i, 31. August und 1. Montag nach 
Martini. 

Kirchberg, grosses, gewerbereiches Pfarrdorf mit 
36 Häusern, auf 400 M. Seehöhe. Domicil eines Doctors der 
Medicin und eines praktischen Arztes, in malerischer Lage 



— 348 — 

auf waldumki'äuzter Höhe über dem Tliale der Raab, mit alter 
Pfarrkirche, stattlichem Pfarrhofe, Schloss, und 1883 erweitertem 
schönem Schulhause der vierclassigen Volksschule. 

Die den Ort und die Gegend weithin beherrschende Pfarrkirche 
ist von dem geräumigen Kirchhofe, dem ehemaligen Friedhofe, um- 
fangen und macht mit ihrem kräftigen Thurme in ihrer äusseren 
Restaurirung (1885 — 1887) einen gefälligen Eindruck, erweist sich 
jedoch für die an 4000 Seelen umfassende Pfarre als zu klein. 
Sie hat zwei Seitenkapellen, fünf Altäre und das Grabmal Siegberts 
Grafen v. Heister, f 22. Februar 1718. In seiner langen lateinischen 
Grabschrift heisst es: „Mirum! Septuagenarius miles hie jacet, nee 
tarnen armis confectus, sed annis.'^ Er focht unter den Kaisern 
Leopold I., Josef I. und Carl VI. in 50 Feldschlachten und Treffen. 
zeichnete sich bei Zenta, Salancament, Temesvar und Belgrad aus, 
und focht als kais. Feldmarschall 1704—1705 gegen die ungarischen 
Malcontenten und besiegte Rakoczi bei Tymau. Die Kirche war im 
Schiffe, welches um 1700 nach Beseitigung der flachen Holzdecke 
sehr tief eingewölbt wurde, ursprünglich romanisch, im Presbyterium 
gothisch, beide Theile wurden später, wahrscheinlich um 1700, barock 
umgebaut. 

Der Sage nach stand einst an Stelle der Kirche ein heidnischer 
Tempel, was 1885 durch Auffindung einer heidnischen Opferstätte \m 
der alten Friedhofmauer bestätigt wurde. Oestlich der Kirche erhebt 
sich das Schulhaus, welches in seinem ältesten Theile der letzte Resi 
des uralten Schlosses Ober-Kirchberg ist. Schon 1217 wird hier 
eines Scolarius, eines Schullehrers, erwähnt. 

Die Pfarre St. Florian in Kirchberg ist von bedeutender Aus- 
dehnung und umfasst die politischen Gemeinden Kirchberg, Wörth. 
Oberdorf, Studenzen, Erbersdorf, Altfladnitz (grösstentheils) und 
Vorderberg mit nahezu 4000 Seelen. Die Gegend war schon früher 
cultivirt, es wurden in den Dörfern rings um Kirchberg, wie Alt- 
Fladnitz, Berndorf, Studenzen, Siegersdorf, Mehltheuer etc. antike 
Funde gemacht, und sind in vielen Häusern Römersteine eingemauen. 
Im Mittelalter war fast jedes Thal durch eine Befestigung oder ein 
Schloss gest hützt, nachweisbar sind die Verschanzungen in Scharfenegg 
und zu Hof, die Schlösser Alt-Kirchberg, Alt-Fladnitz und Siegersdorf. 
(Das Siegersdorfer Schloss soll 1610 von Wolf Ehrenreich v. Schärfen- 
berg erbaut worden sein, und zwar auf dem Platze, wo jetzt das 
Haus Nr. 2 des Bauern Niederhold steht.) Wie schon der Name 
Kirchberg andeutet, ist die (2.) Christianisirung der Gegend und 
damit die Gründung einer Kirche und Pfarrgemeinde durch deutsche 
Missionäre geschehen, also nach St. Rupertus bis Karl dem Grossen 
800 n. Gh., wo noch Deutsche und Slaven beisammen wohnten. 
(Studenzen und Fladnitz sind slavische Ortsnamen.) um 1268 gehöne 
noch nahezu die ganze dermalige Pfarre zur alten Mutterpfarre 



— 349 — 

St. Ruprecht a. d. Raab. Nach Muchar sollen 1271 die Chorherren 
zu Kirchberg a. d. Raab Kirche und Haus gehabt haben. Kirchberg 
dürfte um 1400 zur Pfarre erhoben worden sein. Zur Zeit der 
Reformation wurde der katholische Pfarrer vertrieben und die tabor- 
artig befestigte Kirche von den Protestanten besetzt. Am 4. Juni 1600 
nahm sie jedoch der Hauptmann der Bedeckung der Gegenreform ations- 
commission, Hans Christoph v. Prank, mit Gewalt und räumte sie so- 
dann dem Pfarrer von St. Marein wieder ein. — Die Kirche besitzt 
eine schöne Monstranze, angeblich aus dem Brautschmucke der Gräfin 
Heister gegossen. 

Sage. An Stelle des heutigen Dorfes Studenzen stand einst 
eine Stadt, deren Bewohner die Goldwäscherei in der Raab emsig 
betrieben und dabei so reich wurden, dass sie sich eines schwelge- 
rischen, sündhaften Lebens hingaben und ihre Zimmer und Viehställe 
mit Gold pflasterten, daher folgte ein furchtbares Strafgericht; die 
Stadt versank mit Mann und Maus, nur ein Gerechter, ein Bauer, 
vrurde gerettet. Als man nach vielen Jahren wieder den Boden, wo 
einst die Stadt gestanden war, zu bebauen begann, und allmälig 
ein Dorf entstand, nannte man es Stund enzen (hier [stand], stund- 
enzen), woraus allmälig der heutige Ortsnamen Studenzen entstand. 

Südlich unterhalb der Kirche liegt auf einer Terrasse 
das verwaiste Schloss Kirchberg, der spSirliche Rest jenes 
prunkvollen Schlosses, welches Graf Heister 1698 fast neu 
erbaute und von dessen grossartiger und reicher Anlage die 
drei vom Grazer Maler Johann B. Scheidt um 1745 aufge- 
nommenen und von J. M, Kauperz und B. Hermann in Kupfer 
gestochenen Prospecte des Schlosses mit seinen Statuen, Imst- 
gärten, Teichen und Anlagen Zeugniss geben. Nur die Front 
dieses Schlosses, welches zwei Höfo und vier Thürme hatte, 
ist erhalten geblieben. Von zwei Seitentracten flankirt, erhebt sich 
rückspringend der Mittelbau des Schlosses, dessen Fagade mit 
prächtigen, in Stucco ausgeführten Kriegstrophäen geziert 
und mit einem kuppeiförmigen Bau überwölbt ist. Dieser Mittel- 
traet umfasst den stattlichen Ritter- oder Jagdsaal, der jedoch 
lieute mit all' seinem reichen Freskenschmuck durch Ein- 
schieben einer Holzdecke, 7 Fuss unter der Plafonddecke, gänz- 
lich verstümmelt ist. (Wer die Deckenfresken sehen will, muss 
beute am Dachboden gehen.) Der ganze Bau ist einstöckig, und 
wird der linke Schlossflügel von Fürst Lichtenstein'schen 
Pensionisten bewohnt, der rechte Flügel jedoch als Filiale 
und Ferien- Colonie des Vincentinums in Graz, jenes 1872 



— 342 — 

an deren Gemal Franz Karl Grafen v. Kottulinsky, von welchem es 
sich in gerader absteigender Linie auf den derzeitigen Besitzer Adal- 
bert Graf Kottulinsky, Landtagsabgeordneter und vermalt seit Jänner 
1884 mit Baronesse Theodora Mayr-Melnhof vererbte. 

Mit der üebernahme des Schlosses durch Graf Adal- 
bert Kottulinsky ist eine neue Blütheperiode für 
Neudau eingetreten, die sich bei den an allen Ecken und 
Enden in Angriff genommenen Restaurationsarbeiten, bei welcheu 
überall der feine Kunstsinn und der distinguirte Geschmack 
des derzeitigen Besitzers und seiner Gemahlin zu Tage tritt, 
vortheilhaft geltend macht Schon die zwei mächtigen schmied- 
eisernen Thorflügel, die beiderseits des Dammes in den 
reizend arrangirten Schlosspark führen, aus der Kunstschlosser- 
werkstätte des Herrn Kerl in Graz hervorgegangen, verdienen 
ihrer prächtigen Ausführung wegen eingehendste Beobachtung. 
Im Innern ist das Schlossgebäude, das man durch ein mit 
dem Kottulinsky'schen Wappen geziertes Portal betritt, zoin 
grossen Theile schon restaurirt und tritt überall vornehme 
Eleganz dem Beschauer angenehmst entgegen. Unter der langei: 
Flucht von 34 Zimmern und Sälen des Schlosses verdieneL 
das Rauchzimmer des Grafen mit einer Sammlung reichst 
und kunstvollst mit Elfenbein eingelegter, auf Feuer- 
steinschloss umgearbeiteter Radschlossgewehre, das 
reizend arrangirte Boudoir der Gräfin mit einer Collectior. 
kostbarer Alt-Wiener Porzellans (Figuren etc.) und der 
Speisesaal mit den seltenen vollständigen, alte hin esiscliei: 
Speiseservicen und der überraschend reichhaltigen, sehr 
werthvoUen Sammlung kunstvoll geschliffener Glaspoeale. 
und das geschmackvollst decorirte Schlafzimmer mit den Fa- 
milienporträts besonders erwähnt zu werden. Die reiche Waffen- 
sammlung ist soeben in Aufstellung begriffen, wie auch der 
grosse, reich getäfelte Speisesaal im zweiten Stocke noch nicht 
vollendet ist (März 1888). Im zweiten Stocke liegen auch 
die Gastzimmer, die mit guten alten Kupferstichen und einigen 
werthvollen Oelgemälden, darunter „alter Mann, ein Hündchen 
neckend^, besonders erwähnenswerth, geziert sind. 

Da Graf Kottulinsky in kürzester Zeit auch äusserlidi 
das Schloss einer Umgestaltung zuzuführen beabsichtigt, ^" 



343 



laben wir von Neudau vorläufig die interessante Vischer'sche 
insicht von 1680 gebracht, die, wenn man sich die Wasser- 
gräben und Ringmauern, sowie den viereckigen Thurm an der 
Südseite des Schlosses wegdenkt, ein instructives Bild der 
5chlossanlagen zu Burgau und Neudau gibt, und behalten wir uns 
or, bei einer zweiten Auflage des Buches, als Pendant auch eine 
Ansicht des Schlosses in seiner künftigen Gestalt zu bringen. 
Die Schicksale des Schlosses sind nahezu die gleichen, wie 
ene Burgau's. Von den von Pollheim anlässlich der Verheerung des 




Neudau nach Vischer's Prospect vom Jahre 1680. 

^afnitzthales am 18. October 1529 speeificirten Schadenfällen der 
lerrschaft Neudau, welche 20 Ortschaften umfasste, entfielen 
11 f dieselbe 210 Schadenfälle, wovon circa 130 Fälle Menschen- 
aub betreffend. Kaum besser als die Türken hausten damals auch 
ie Batthyany'schen Hussaren. Die letzten Verheerungen Neudau's 
urch Feuer und Schwert erfolgten bei den Kuruzzeneinfällen von 
704 und 1708. 

Graf Adalbert Kottulinsky besitzt derzeit nicht nur eines 
ler grössten und bestgehegten Jagdreviere der nord- 
östlichen Steiermark, sondern widmet auch der künstlichen 
i^ischzucht, die in den grossen Setz-, Brut- und Streckteichen 
der grosse Fuchsschweif-Teich umfasst allein 48 Joch, weiters 
[er grosse Neudauer Teich, 38 Joch und der Lindegger Teich, 



— 344 — 

24 Joch) rationellst betrieben wird, sein Augenmerk. Der 
Grundbesitz des gräflich Eottuiinsky'schen Gutes Nendau, zn 
welchem auch das Schloss und Gut Ober-Mayrhofen gehört, 
umfasst zusammen 1 884*68 Hektar. 

Nächst dem Schlosse verdient besonderes Interesse die Neu- 
dauer Baumwollgarn-Spinnfabrik der Firma G. Borekenstein 
& Sohn in Wien ; dieselbe wurde 1845 von Herrn Georg Borkenstein, 
k. k. priv. Grosshändler in Wien, gegründet und seither in gleicher 
Weise eingerichtet, wie die Burgauer Spinnfabrik (mit Turbinen 
und Dampfbetrieb). Die Fabrik hat 47 Garden, 3 Schleifmaschinen. 
4 Streckewerke und 26 Vorspinn-Maschinen mit 2554 Spindeln. An 
Feinspinn-Maschinen: 14 Seifactoren mit 9496 und 10 Ring-Throsseln 
mit 3504 Feinspindeln, etc. — Jahreserzeugung:. circa 220.000 Bündel 
Garn ä 5 flf englisch in den Nummern 16—30, oder circa 495.000 Ko. 
Netto. An Rohstoff werden versponnen circa 600.000 Ko. Baumwolle, 
die directe von Ostindien und Amerika (Savannah, New - Orleans, 
New-York etc.) bezogen wird. Arbeiter circa 170—180 beiderlei 
Geschlechtes. 

Spaziergänge. Ein hübscher Spaziergang ist der Fuss- 
weg von der oberen Lafnitzbrücke über die Badewiese zur 
Ortsmühle, von da über die Mtihlwiese, bis zur unteren Lafnitz- 
brücke (ungarische Grenze) , sowie der vom herrschaftlicben 
Jägerhanse längs der Setzteiche und des sogenannten Schanz- 
bächleins bis zur Spinnfabrik. — Der schönste Aussichts- 
punkt ist von dem Michl-Sommer'schen Hause aus, 15 Mi- 
nuten westlich vom Orte, von welchem aus man thal aufwärts 
die Orte: Wörth, Unter- und Oberrohr, St. Johann, ja ancli 
die Stadt Friedberg und den Wechsel steirischerseits , nnti 
ungarischerseits die Ortschaften Wolfau und Allhau sieht: 
thalabwärts liegen schön sichtbar steirischerseits Burgao. 
ungarischerseits die Orte Rohrbrunn, Kaltenbrunn, Rnders- 
dorf. Gegenüber auf ungarischer Seite liegt der Hochkogel,eiD 
prächtiger Aussichtspunkt. Schön, aber etwas entfernter ist die 
Partie nach Unterlimbach auf der Bezirksstrasse, oder durch die 
Wälder, bei trockenem Wetter leicht in ^/^ Stunden zurückleghar. 

3. Von Neudau über Wörth, Unter- und Oberrohr nach Hartberg. 

17 Kilometer, Syi Wegstunden. 
Die Strasse, im Lafnitzthale aufwärts führend, erreicht 
in 3/4 Stunden das Pfarrdorf Wörth, wo bis gegen das Jahr 



— 345 ~ 

1677 ein Schloss stand, welches im Besitze der Nenberg, 
PoUheim and Rottal war, bei den Kuruzzen-Einfällen jedoch 
gänzlich zerstört wurde. Schon 1313 stifteten die Neuberg hier 
eine Kirche und Pfarre. Zur Reformationszeit besetzten die 
Rottal jedoch die Pfarre mit einem lutherischen Prädicanten, 
der erst 1600 gewaltsam vertrieben wurde. Nach der Zer- 
störung des Ortes durch die Türken und Kuruzzen 1683 (?) 
kam die Pfarre nach Neudau, und erst im Jahre 1818 erhielt 
Wörth wieder eine eigene Pfarre (St. Georgen). Das schöne 
Dorf hat 80 Hausnummern und 600 Einwohner. Die Volks- 
schule ist einclassig. 

Von Wörth biegt die Strasse in das Lungitz-Thal ein, um 
über die freundlich gelegenen Dörfer Unter- und Ober-Rohr, 
und St. Johann in der Haide, das schon von ferne sichtbare 
Hartberg, welches mit seinem schönen Gebirgshintergrunde 
einen überraschend malerischen Anblick gewährt, zu erreichen. 

F. Ptirstenfeld -Waltersdorf- Haptberg. 

(Siehe Seite 303.) 

a. Fürstenfeld -Ilz. 

(Siehe Seite 156.) 

H. Fürstenfeld - Riegersburg. 

Diese überaus lohnende Tagespartie lässt sich jetzt 
mit Benützung der Localbahn nach Fehring sehr bequem aus- 
führen, indem man bis zur Station Söchau fährt und von hier 
über den Loiberg gegen Breitenfeld, welches östlich bleibt, 
geht ; in einer starken Stunde erreicht man die Bezirksstrasse 
und 30 Minuten später Riegersburg. (üeber Riegersburg siehe 
Seite 372.) Den Rückweg kann man entweder über die Station 
Hatzendorf nehmen (1 Stunde von Riegersburg) oder über Hz 
(2 Stunden). Im letzteren Falle ist es dankbarer, die Partie 
umgekehrt zu machen, und zwar von Fürstenfeld nach Ilz, nur 
zu Wagen, IV2 Stunden, und von hier nach Riegersburg, die 
gegen Norden mit ihren senkrechten Abstürzen einen gigan- 
tischen Anblick gewährt, 2 Stunden. 



JiAAAilrAA;^i^;^^A'*'«^;^AAihAAAAA^AAA;ftAAAAA^Aj^ 




Das Thal der Raab. 



Das einzige Thal der nordöstlichen Steiermark, welches 
von einer Eisenbahnlinie durchzogen wird, ist das breite frucht- 
bare Raabthal, und wird der Besuch desselben durch die vor- 
theilhaften Einrichtungen der ungarischen Westbahn, welche 
nicht nur an allen einigermassen wichtigen Punkten Haltestellen 
errichtete, sondern auch von Samstag (eventuell den Tag vor 
einem Feiertage) bis Montag (bis den Tag nach dem Feiertage i 
geltende, äusserst ermässigte Tour- und Retourkarten ausgibt 
und in der Saison jeden Sonn- und Feiertag um V26 Uhr 
Morgens von Graz einen Vergnügungszug ablässt, der erst um 
9 Uhr Abends zurückkehrt, wesentlich erleichtert und gefördert. 

Der Besucher dieser anmuthigen Hügellandschaften findet 
keine grossartigen scenischen üeberraschungen, aber reizende 
Waldthäler, mühelos zu erreichende Höhenzüge mit prächtiger, 
weiter und wechselvoller Fernsicht, Schlösser und Burgen mit 
vielen Sehenswürdigkeiten und gute, äusserst billige Gasthäuser. 
Alle Touren lassen sich zur Noth in einem Tage ausführen, 
weit angenehmer und lohnender ist die Ausführung in 1 Yj Tagen, 
da gerade der Morgen am Lande den schönsten Naturgenass 
bietet Namentlich eignet sich der von Graz um ^/cfi, Uhr 
Nachmittags abgehende Zug für die Raabthal-Touren. 

Preise der Toar- und Retourkarten rom Grazer WestbahnhoFe ab nach : 



Station der nngarisclien 
Westbahn 



An Wochentagen giltig 
•i Tage 



II. Classe ' III. Clas»e 



In der Sommersaison 
giltig 3 Tage *) 



II. Classe 



III. aas«^ 



Lassnitz ...... 

Gleisdorf 

Takern 

Stadenzen-Fladnitz . 

Feldbach 

Fehring 

Jennersdorf . . . . 



90 
60 
90 
40 

60 
40 



50 



80 
90 



•) Und zwar von dem einem Sonn- 
dem Sonn- oder Feiertage. 



oder Feiertag vorhergehenden Tage bis den Tag ntcb 



— 347 — 



Route IX. Kirchberg a. d. Raab. 

Kirolibepg a. d. Raab - Paldau. 

Station Studenzen- Kirchberg 20 Minuten, Kirchberg- 

P aldau l'/a Stunden, Paldau Haltestelle-Gniebing 1 Stunde. 

« 

Wenn man von Gleisdorf abwärts fährt, so ist es namentlich 
das Südgelände des Raabthaies, welches, eine Reihe anmuthiger 
Landschaftsbilder entrollend, das Interesse des im Waggon 
dahinfliegenden Reisenden erregt. So steigt schon bei der ersten 
Haltestelle Takern an der Berglehne das uralte, rein gothische 
Pfarrkirchlein St Margarethen, von schönen, aus Obstgärten 
aufstrebenden Bauerngehöften umgeben, an der Horizontlinie 
empor, und nicht lange darauf zieht schon wieder von Ferne 
ein auf der Höhe thronendes Schlossgebäude, von einem Kirch- 
thurme tiberragt und von Gehöften flankirt, die Aufmerksamkeit 
auf sich und bald haltet der Zug unmittelbar zu Füssen 
dieses Kirchdorfes, Kirchberg a. d. Raab, bei der Station 
S tudenzen-Fladnitz. 

An der ausgedehnten schönen Heinrichsmühle und der 
malerisch gelegenen Clementmühle vorbei, zieht die Strasse, 
zuletzt durch eine Pappelallee, in 20 Minuten zu dem Höhen- 
rücken, auf welchem sich das grosse Dorf, welchem am Nord- 
abhange des Thalgeländes das Schloss Kirchberg vorgelagert ist, 
ausdehnt. 

Gasthäuser: Ferdinand Lehr, nette Fremdenzimmer, gute 
Küche; Paul Maier, Fleischhauer, Zimmer einfacher. Preise in beiden 
Gasthäusern sehr massig. Kaffeehaus: Wiefler, Sitzgarten. — 
P ost auf der Clementmühle, Telegraphenamt auf der Station. 
— Wägen stellen Lehr und Kaufmann Judmaier bei. — Vereine: 
Conservativer Verein, gegründet 1872; Schützenverein, gegründet 1874; 
Militär- Veteranenverein, gegründet 1874; Vorschusscassa. Feuerwehr 
im Entstehen. Jahrmärkte: 4. Mai, 31. August und I.Montag nach 
Martini. 

Kirchberg, grosses, gewerbereiches Pfarrdorf mit 
5 6 Häusern, auf 400 M. Seehöhe. Domicil eines Doctors der 
Medicin und eines praktischen Arztes, in malerischer Lage 



— 356 — 

mittags und 7 Uhr 30 Minuten Abends. Fahrpreis per Person 80 kr. 
Extrapostwägen gleichfalls stets bereit. Feldbach-Gnas ab 10 Uhr 
30 Minuten Vormittag, 3 Uhr 45 Minuten Nachmittag, Fahrpreis 
50 kr. Feldbach-Riegersburg, am Dienstag, Donnerstag und Samstag 
9 Uhr 30 Minuten Vormittag, Fahrpreis 80 kr. Fahrzeit bei allen 
drei Routen 1 Stunde 30 Minuten. — Badeanstalt. Vier Badehütten 
an der Raab, gegen vorherige Meldung beim Eigenthümer für Jeder- 
mann zugänglich. — Vereinswesen: Gemeinde - Sparcasse , ge- 
gründet 1862, Reservefond 235.330 fl.; Freiwillige Feuerwehr, ge- 
gründet 1869, 65 Mitglieder; Männergesang- Verein, gegründet 1852. 
22 Mitglieder; Militär -Veteranen -Verein, gegründet 1866, 94 Mit- 
glieder; Stadtverschönerungs-Verein, gegründet 1883, 100 Mitglieder: 
Stadtkapelle, 16 Mitglieder, Kapellmeister Georg Gross; Ortsgruppe 
des deutschen Schulvereines und Ortsgruppe des Schulvereines für 
Deutsche. — Industrielle Etablissements: Hold's Brauerei, 
mit circa 30 Arbeitern und über 15.000 Hektoliter Jahresproductior. 
Absatz- Gebiet des Bieres (von vorzüglicher Qualität) über die nord- 
östliche Steiermark, Graz und Ungarn; städtischer Ziegel-(Rin£'- 
Ofen, mit durchschnittlich 25 Arbeitern und (1886) 600.000 Mauer-. 
100.000 Dach-, 2000 Hohl- und 4000 Pflasterziegeln; Kornberger 
Delicatessen-Käse, in kleinen Ziegeln als feiner Dessertkäse, in der 
Käserei des nahen Schlosses Kornberg erzeugt. — Märkte: Air. 
25. Jänner, 10. März, 1. Mai, 25. Mai, 29. Juni, 26. Juli, 24. Sej- 
tember, 6. November, Jahr- und Viehmärkte; wenn auf diesr 
Tage ein Sonn- oder Feiertag fällt, so findet der Markt am nächstt: 
Werktag statt, mit Ausnahme des 29. Juni ; jeden zweiten Diensta: 
im April, August, October und December Viehmarkt, und jed-: 
ersten Montag im April und September Pferdemarkt. — VTaK- 
fahrten und Kirchenfeste: Am 6. Juli zur Erinnerung an dti 
grossen Brand Ende des vorigen Jahrhunderts nach Kirchberg a. 1 
Kaab; am 26. Juli Annafest am Calvarienberg; am 10. Augn;' 
Laurenzifest am Satzkogel, und Jakobisonntag Fest in PauracL 

Feldbach, mit kaiserl. Entschliessung vom 30. Jänce: 
1884 zur Stadt erhoben, zählt 1480 Bewohner in 148 Hä:- 
Sern. Seehöhe 284 Meter. Sitz der k. k. Bezirkshauptmann- 
Schaft ftir die Bezirke Feldbach, Fehring, Fürstenfeld ui-: 
Kirschbach, des k. k. Bezirksgerichtes sammt Steueramt, der 
Bezirkvertretung und des Bezirksschulrathes. Als Knotenpunlr 
des Verkehres nach Bad Gleichenberg, Gnas und Riegersbcr: 
wichtigste Station des unteren Raabthaies. 

Die freundlich gelegene Stadt breitet sich am rechte: 
Ufer der Raab, nahezu bis zum Fusse des südlichen Tha.- 
geländes, welches wieder von ansehnlichen bewaldeten Höhe: 



— 357 — 




TS 



Mi'i^^ 



— 358 - 

überragt wird, aus. Von dem am linken Ufer der Ra^b ge- 
legenen, hübsch gebauten Bahnhofe fahrt über die Kronprinz 
Rudolf-Brücke die schöne, breite, mit Kastanien bepflanzte 
Franz Josef-Strasse, beiderseitig von Fnsswegen flankirt, in 
10 Minuten mitten durch die Stadt, gerade auf das Rathhans, 
auf den regelmässigen, nahezu dreieckigen Hanptplatz der 
Stadt zu. An der nordwestlichen Grenze der Stadt, bei der Ein- 
fahrt zur Rechten, erblickt man die von dem, trotz seiner 
mehrfachen Zerstörung noch immer am vollkommensten erhal- 
tenen Tabor Steiermarks umgebene Pfarrkirche, welcher ein 
Hügel vorgelagert ist. 

Der Tabor bildet ein regelmässiges Viereck, an^ dessen Nord- 
seite die Kirche gelehnt ist. Nach aussen zeigt der Tabor ringsum 
nur eine hohe Mauer wand, mit unregelmässigen schmalen Schuss- 
scharten versehen, im Innern gliedert sich derselbe jedoch in vielen 
aneinanderstossenden hohen schmälen Häusern, die unten Keller- 
gewölbe, sodann von Pultdächern überragt, Corridore und zahlreiche 
kleine Kammern, bestimmt zur Beherbergung vieler Familien, ent- 
halten. Auf zwei gothischen Inschriftsteinen kommt die JahreszaM 
1474 vor.*) An der Aussenseite des Tabors sind mehrere steinerne 
Kugeln eingemauert. Die düstere und für die Seelenzahl der Pfan^ 
viel zu kleine Kirche hat nachstehende Baugeschichte. Aeltester Thei: 
der Kirche, das romanische Schiff, wahrscheinlich im 12. Jahrhunder: 
erbaut, ohne Stylmerkzeichen. Beginn des 15. Jahrhunderts wurde die 
Kirche Östlich durch Anbau des Presbyteriums , und südlich durch 
Anbau eines Seitenschiffes vergrössert, letzteres erfolgte durch Auf- 
brechen der Hauptmauer des Schiffes in drei Bogen. In diese Zeh 
fällt auch die Westempore und der schmale Gang an der Nordwand. 
der wahrscheinlich in den alten Pfarrhof oder in die Taboranlage 
führte. Auch der Unterbau des Thurmes fällt in diese Periode. — 
Für den Cultus des Protestantismus wurde am Westende des süd- 
li.'hen Seitenschiffes und zum The^l auch von dem Hauptschiffe selbst 
eine s p ä t e s t - gothische Kapelle mit 2 Jochen Sterngewölbe ohn** 
Rippen vorgebaut. Im Beginne der Zopfzeit, und zwar wahrscheinlich 
1688 wurde sodann noch an der Nordseite des Presbyteriums ein 
Seitenraum und an der Südseite die Sakristei angebaut, zugleich das 
gothische Gewölbe des Presbyteriums, wahrscheinlich weil es zu 
nieder war, herabgeworfen und durch ein modernes Flachgewölbe 
ersetzt. Lichte Länge der ganzen Kirche 32 M., und lichte Breite 
des Schiffes sammt Seitenschiff 15 M. — An der Südseite der Kirche 
ist aussen das schöne Epithaphium aus weissem Marmor, Wolfgang 

*) Fundator hujus domns vose pia peiit nnnm ayj Maria. A. 1474. Christiana'' 
Sappler 1474. 



— 359 — 

Zwickels, Herrn auf Schrattenberg, Heinfeld etc., 17. Febrjuar 1582 
und seiner Gemahlin Amalay, eine geb. Winklerin, letzt ^ ihres 
Stammes, gestorben 1575, eingemauert. Am Kirchplatze die spböne, 
1857 von der Marktgemeinde Feldbach errichtete Christusstatue. 

Diese Platzseite wird durch eine nette Parkanlage mit 
schönen Nadelholzgruppen, aus welcher sich die erzgegossene 
Kaiser Josef-Statue und mehrere zierliche gusseiserne Brunnen 
mit laufendem Wasser erheben, geziert. Am Platze die Frauen- 
säule, 1717 errichtet, mehrere Brunnen und der steinerne 
sogenannte reissende Motzen, angeblich ein zur Erin- 
nerung au die Anfangs dieses Jahrhunderts herrschende 
Theuerung aufgestelltes Wahrzeichen; den Sockel bildete 
früher ein Römerstein mit der Inschrift: 

SECUNDINUS C. AN. LX. ET. lULIA. LITV. ET. SECUNDINAE. F. A. 

Dieser Stein ging jedoch verloren. An der Südfront 
des Platzes das stattliche Rathhaus mit den Repräsentations- 
und Amtslocalitäten der Stadt und der Sparcasse. Rechts am 
Ende des Platzes das Post- und Telegraphen-Amt. Hier theilt 
sich die Franz Joseph-Strasse in die links nach Fehring und 
Gleichenberg und in die rechts nach Graz und Gnas führende 
Strasse. Verfolgen wir letztere Strasse, so gelangen wir zum 
Grazerthor, welches sich jedoch nur als ein Wohngebäude 
mit Thordurchgang repräsentirt , immerhin aber noch daran 
erinnert, dass der alte Markt mit Mauern und Gräben um- 
geben war. Ausser dem Grazerthore liegen, von reizenden 
Alleen und Parkanlagen umgeben, das 1642 gegründete, 1793 
von Kaiser Joseph wieder aufgehobene Franziscaner-KIoster 
nebst der 1647 vollendeten Ordenskirche, welche nach Auf- 
hebung des Klosters den Bürgern der Stadt um 1060 fl. über- 
lassen wurde, während ein Theil des Klostergebäudes, in welchem 
auch das Steueramt untergebracht ist, zu der jüngst eröffneten 
vierclassigen Mädchenschule umgebaut wurde. Nebst diesen alten 
Klosterbauten, welchen der starke, der Kirche vorgelagerte 
Thurm ein wehrhaftes Gepräge verleiht, erhebt sich das statt- 
liche freistehende Gebäude der Bezirkshauptmannschaft und 
mit ihm in einer Flucht, der für die Grösse der Stadt ausser- 
ge wohnlich gross und schön 1875 aufgeführte Bau des Be- 



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zirksgerichtes mit Zellengefängniss. Etwas westlich dieses 
schönen Gebäudecomplexes liegt der in 15 Minuten erreich- 
bare Calvarienberg mit schöner Aussicht nach Norden. 

Geschichtliches. Die Pfarrkirche St. Leonhard erscheint 
schon 1110, die Pfarre wurde jedoch erst 1387 gegründet und steht 
seit jeher unter dem Decanate Riegersburg. Der jeweilige Pfarrer 
zu Feldbach hat das Wahlrecht in der Curie des Grossgrundbesitzes. 
Feldbach kommt im Rationarium Styriae als Vellenpacb, auch als 
Velimpach, Veldbach etc. vor. Im Jahre 1265 hatte der Ort 12 De- 
nare Stadtrecht zu bezahlen, worauf die irrige Annahme basirt. 
dass Feldbach damals schon eine Stadt im heutigen Sinne gevesen 
sei; siehe über den damaligen Begriff „Civitas" Seite 65. - 
Am 29. Mai 1810 dto. Grätz gab Herzog Friedrich den Bürgere 
der Stadt Feldbach alle Rechte und Freiheiten, wie anderen Städten 
des Landes, das Niederlagsrecht ausgenommen. Herzog Rudolf IV. 
befreite am 26. Februar 1362 die Bewohner von Feldbach, weicht 
an die Wallsee verpfändet waren und sich selbst ausgelöst hattec. 
auf fünf Jahre von allen Steuern und Gerichtskosten, und erlaubtr 
ihnen, ddo. 2. April 1362 Wien, den Markt Feldbach mit einer 
Mauer zu umgeben, und ertheilte ihnen weiters das Blutgericht mit 
Stock und Galgen und freien Verkehr mit der Kaufmannschaft d»»? 
ganzen Landes. Diese wichtigen Privilegien wurden von den folgender. 
Landesfürsten stets bestätigt. Am Sonntag nach St. Andrae 1441 
ertheilte Kaiser Friedrich dem Markte Feldbach auf ein Jahr 
Steuerfreiheit als Ersatz für die Beschädigungen im Kriege gegen 
Christoph Wolfsauer und Genossen, und bestätigte den Bürgern am 
Samstag vor St. Nicolai alle ihre alten Rechte und Freiheiten. Am 

2. Februar 1469 überfiel und besetzte Andreas Baumkircher unü 
Genossen nebst Hartberg und Fürstenfeld auch Feldbach; die viel- 
fach verbreitete Annahme, Feldbach hätte aus diesem Anlasse sein«- 
Stadtrechte verloren, entbehrt jedoch historischer Grundlage. Im 
Jahre 1510 brannte Feldbach nahezu gänzlich nieder. Der Refor- 
mations-Bcwegung schlössen sich die Bürger Feldbach's eifrigst a: 
und wurde der von den delegirten Doctoren Jöchlinger und Fische: 
1 589 eingesetzte katholische Richter, wie auch der katholische Pfarre; 
wiederholt misshandelt, verwundet und am Leben bedroht, bis die an 

3. Juni 1600 eingelangte Gegenreformations-Commission, wie übera 
den Protestantismus gewaltsam unterdrückte. Neun Bürger bliebe: 
der neuen Lehre treu und wanderten aus der Heimat. 

Circa 72 Jahre später begann beim Landgerichte zu Feld- 
bach eine lange Reihe von Hexenprocessen, die zahlreiche Opff" 
forderten und ganze Familien am Scheiterhaufen brachten. Von grosser, 
psychiologischen Interesse ist, dass aus den unter grausamster Ar- 
wendung der Tortur den Verführten entpressten Geständnissen her- 
vorgeht, sie wären in voller üeberzeugung gewesen, ÜbernatOrlicLe 



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Kräfte zu besitzen, Schauer, (Hagel) und Wetter gemacht zu haben 
und durch die Luft geflogen zu sein, wie andererseits es unerklärlich 
ist, dass an der Schwelle des 18. Jahrhunderts bei den vielen bei 
der Ürtheilsschöpfung und der Urtheilsbestätigung betheiligten hoch- 
gelahrten Richtern nicht ein einziger Manne des gesunden Menschen- 
verstandes schützend eintrat für die Bethörten und Verblendeten, und 
gerade gegen diese meist hochbejahrten Opfer mit äusserster Strenge 
vorgegangen wurde, während die Verführer meist frei ausgingen, mit 
Ausnahme des Urhebers aller dieser Hexengesellschaften, des Pfar- 
rers zu Hatzendorf, Agricola. 

Die Hexengesellschaften nahmen ihren Ursprung im Huberhofe 
bei Riegersburg um das Jahr 1672, wo Hauptpfarrer Zirkelius mit 
seinen drei Vicaren zu Hatzendorf, Paldau und Hartmannsdorf 
Zusammenkünfte hielt, bei welchen die damals in ganz Europa auf- 
tauchenden Fragen der geheimnissvollen Naturkräfte, welche zu dem 
seltsamen Mysticismus führten, welcher nahezu das ganze 17. und 
18. Jahrhundert an den Höfen des Continentes eine so grosse Rolle 
spielte, Gegenstand eifrigster Erörterung bildeten. 

Gewiss fehlte damals dem Hauptpfarrer wie seinen beiden 
Vicaren zu Paldau und Hartmannsdorf jede böse Absicht, und erst 
der unheilvolle Einfluss des Pfarrers Agricola zu Hatzendorf, der, 
durch und durch sittenverderbt, ein Verspötter seiner Religion und 
blinder Gläubiger des Teufelscultus, der Allmacht des Bösen, war, 
zog auch diese Kreise in den Bannkreis seiner Verführungskünste. 
Diesen Trinkgelagen wurde bald auch weibliche Gesellschaft bei- 
gezogen, allerdings vorerst wenig verführerische alte Weiber, mit 
deren Hilfe jedoch der Kreis der Gesellschaft sich bald erweiterte. 
Namentlich waren es zwei Familien der Hatzendorfer Pfarre, die den 
Grundstock der späteren nächtlichen Gesellschaften in den Wäldern 
an Wegkreuzen bildeten, und zwar die Familie Kropf und die Familie 
Kren, erstere aus Vater (Richter zu Oberstang), Sohn, Eheweib 
(und drei Töchtern), letztere aus Hanns und Leonhard, Eva die ältere, 
und Eva Kren die jüngere bestehend, zu welcher noch die alte 
Stesslin, die Stindlin und die Ursula Peuerin von Lambach, der 
70jährige Zotter und der 40jährige Hans Pugl kamen. Alle waren der 
Ueberzeugung, sich durch Verleugnung der heiligen Dreifaltigkeit, Ent- 
heiligung der Hostie, Verschreiben ihrer eigenen Seele oder jener eines 
ihrerKinderan den Teufel, welchesVersprechen durch das Teufelszeichen 
(eingekratzte- Ritze in der Hand oder am Körper tlberhaupt) besiegelt 
werden musste, die Macht des Bösen, des Teufels, dienstbar machen 
und sodann Hexerei tlben und namentlich ihren Feinden Schaden 
zufügen zu können. Bei diesen nächtlichen Zusammenkünften, welche 
immer weitere Kreise umfassten, wurde gar herrlich getafelt, getanzt 
und jubilirt, aus einer hohlen Eiche Wein gezapft, und zuletzt die 
trunkenen Weiber in Schaukeln oder auf eine Art Ringelspiel gebracht, 
so dass sie nachher die feste Ueberzeugung hatten, sie wären durch 



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die Luft geflogen, dabei führten sie Säckchen mit kleinen Steinchen 
mit sich, womit sie „Schauer" (Hagel) machten. Zuletzt fuhr die 
ganze Sippschaft in „Kobelwägen" nach Hause, wobei es in Folge 
einer einfachen Vorrichtung im Wagen „pumperte", was die Hexen 
in dem Glauben an ihre Zaubermacht wesentlich bestärkte. Der Satan 
oder böse Geist, wie er in den Verhörsprotokollen genannt wird, 
„schnofelte", trank und tanzte mit den Weibern und benahm sicli 
ihnen gegenüber überhaupt sehr menschlich. Diese nächtlichen Orgien 
konnten nicht lange geheim gehalten werden, und zur Schnittzeit 1672 
traf die Katharina Lorenzerinn, als sie in den ersten Morgenstunden 
in den Wald Schwämme suchen ging, die saubere Bande beim Trink- 
gelage nächst dem Hatzendorfer Wegkreuz. Sie wurde bald von der 
Hexengesellschaft bemerkt, herbeigerufen und zum Trinken genöthigt, 
als sie sich dessen aber weigerte, gar jämmerlich geschlagen, so dass 
sie längere Zeit krank darnieder lag. Zuletzt sah sie ein Wölkleia 
aufsteigen und plötzlich war die Gesellschaft verschwunden und sie 
hörte nur mehr ein Geschrei als „wie die Habich und Krhraen" in 
den Lüften. Das Wölklcin lässt sich leicht erklären, wenn man 
berücksichtigt, dass die Gesellschaft einen Feuerwerker in ihrer 
Mitte hatte. 

Die so jämmerlich Misshandelte wagte anfangs nicht, ihr 
Erlebniss zu erzählen, später machte sie darüber aber manche Mit- 
theilungen in den benachbarten Orten und allmälig drang die Kunde 
von diesen Hexengesellschaften auch zu dem Landgericht in Feldbach, 
und nun wurden allmälig die Theilnehmer dieser Orgien in Han 
gebracht und sodann gütlich und peinlich inquirirt, und beginnen 
diese Verhöre im Februar 1674. Die alte Valtlin starb im Gefäng- 
nisse, wohl an den Folgen der Tortur. Die ersten Todesurtheile 
wurden am 23. Februar 1674 vom Landgericht zu Feldbach über 
Hanns und Jacob Kropf gesprochen, es lautete bezüglich Hanns Kropf : 
„Haubtl Vrtl den 23. Februar. Vber diese dess Malefikanten ge- 
thanene bekhandtnuss weiller Er auf vilmahliges Zuespröchen, in 
kheinen Puncten wideruefen, ist Er in Bedenkhung seiner Jugeni 
vnd das Er von dem Gregor Pfarrer und seinem aignen Vatter 
verfürt worden: nicht weniger der Voraugenstehunden Gefahr einer 
desperation vnd grossen Vorbith, mit dem schwerth von Leben zum 
Todt verurtheilt, vnd sodann den Cörper auf dem scheiderhaufen 
zu staub vnd Asche verprenth worden. Gott seye Genedig vnd Barm- 
herzig seiner Armen Seele. Amen." Folgen die Namen des Land- 
richters, der 13 Beisitzer und des Landgerichtsschreibers. Nebst 
Hanns Kropf wurde am gleichen Tage dessen Vater Jacob Kropf zur 
Erdrosslung am Scheiterhaufen verurtheilt. Sein Eheweib wurde jedoch 
weiter in Haft behalten. Mitte Februar 1674 wurde die Eva Kren 
(die ältere) von Habeck peinlich verhört und Ende März Jacob Pagl, 
Michael Zotter, Magdalena Stesslin, Martha Stindlin, Elisabeth Krop- 
finn, Eva Kren die jüngere, Ursula Peuerinn und Gregor Hollenperger 



^ B63 ^ 

aus Hartmannsdorf, welche alle gegen den Pfarrer Agricola aussagten^ 
mit demselben confrontirt, welchen übereinstimmenden Aussagen 
Agricola ein starres Leugnen entgegensetzte. Die nächsten Hinrich- 
tungen wurden an der älteren Kren, dem Leopold Kren und dem 
alten Valtelin vollzogen. Hollenperger war entflohen. 

Zweifellos wären auch die übrigen Angeklagten sogleich hin- 
gerichtet worden, wenn nicht durch die Protestation des Erzpriesters 
von Graz im Namen des Erzbischofes von Salzburg wider alle 
weiteren Confrontationen des Pfarrers Agricola mit den Angeklagten, 
der Abschlnss des Processes plötzlich gehemmt worden wäre. 
Namentlich war der Pfarrer in Feldbach bestrebt, Agricola dem 
Arme der weltlichen Gerichtsbarkeit zu entziehen, bis endlich mit 
kaiserlicher Resolution vom 28. Juni 1674 die Inquirirung des Agricola 
durch geistliche Commissäre anbefohlen wurde, welches Examen zur 
Folge hatte, dass Agricola mit Excommunicationsdecret des Con- 
sistoriums von Salzburg ddo. 17. Mai 1675 der weltlichen Gerichts- 
barkeit überlassen wurde (allerdings zu einer Zeit, wo er schon 
lange gerichtet war). Inzwischen hatten einige der Angeklagten ihre 
Aussagen widerrufen, was zur Folge hatte, dass ihnen neuerdings 
auf der Folter die gewünschten Geständnisse erpresst wurden^ welcher 
Marter die Ursula Peuerin erlag. Die Stindlin und die jüngere Kren 
hatten sich durch Flucht ihr Leben gerettet, die übrigen vier Ange- 
klagten Elisabeth Kropfin, die Stesslin, Michael Zotter und Jacob 
Pugl wurden am 27. April 1675 in Feldbach mit dem Schwerte 
gerichtet und ihre Körper verbrannt. Am gleichen Tage und zur 
selben Stunde wurde Agricola, die Seele aller Hexengesellschaften, 
gerichtet, aber nicht vor den Augen der Menge, sondern vielmehr 
in den Mauern seines Gefängnisses wurde er erdrosselt und zum 
Kerkerfenster ein Rabe hinausgelassen, damit das abergläubische 
Volk die Ueberzeugung bekomme, der Satan hätte dessen Seele geholt. 
Aber noch gab der in der Kerkerzelle liegende Leichnam Agricola's 
Anlass zu für die JRechtsverhältnisse des 17. Jahrhunderts höchst 
interessanten, überaus langwierigen Verhandlungen. Noch war Agricola 
Priester und die Frage des Verfügungs rechtes über dessen Körper 
war sehr schwer zu lösen. Man sandte einen Boten an den Erz- 
priester in Graz, aber auch dieser wagte keine Entscheidung zu treffen, 
und sandte einen Boten an den Erzbischof in Salzburg, der endlich 
mit Decret vom 17. Mai Agricola, dessen Leichnam schon drei 
Wochen in der Kerkerzelle verweste, excommunicirte und dessen 
Leichnam der weltlichen Gerichtsbarkeit überlieferte, aber als nun 
der Leichnam endlich verbrannt werden sollte, weigerten sich wieder 
die Bürger, die Kosten zu zahlen, und neuerdings entbrannte ein 
Streit über die Tragung der Kosten des Scheiterhaufens zwischen 
der Bürgerschaft und dem Pfarrer zu Feldbach, während welchem 
der Leichnam Agricola's noch immer im Kerker liegen blieb, bis 
endlich am 7. Juli die Entscheidung erfolgte, dass die Gerichtskosten 



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die Regierung tragen würde. Die Excommunication Agricola's als Ketzer. 
Apostat, Zauberer, Hexenmeister und Gottesräuber musste der Pfarrer 
von Feldbach von der Kanzel verkünden. 

Aber noch war mit den Hinrichtungen der letzten in Haft 
befindlichen Theilnehmer der Hexengesellschaften der langwierige 
Process nicht beendet, vielmehr erfasste derselbe plötzlich auch jene 
Kreise, die bisher von allen Verurtheilten und Hingerichteten geschont 
wurden. Jacob Pugl bezichtigte eben in letzter Stunde, zwei Tage 
vor seiner Hinrichtung, aus Rache verschmähter Liebe, die Katharina 
Kropf der Theilnehmerschaft an den Hexengesellschaften am I.Juli 1672 
und 9. Juni 1673, und diese rächte sich wieder dafür, dass sie Fugls 
Muhme, die alte Bäckerin von Riegersburg, gleichfalls der Theil- 
nähme der Hexengesellschaften anklagte. Der Verwalter von Riegers- 
burg spannte beide Bezichtigte sogleich auf die Folter und erpresste 
ihnen mühelos nicht nur die gewünschten Geständnisse, sondern auch 
neue Anklagen gegen die Schwester der Katharina Kropf, der schönen 
Maria Kropf, dem jungen Weibe des Schulmeisters Maurer, und de 
Pflegerin von Riegersburg, Katharina Paltauf, und am 7. Mai waren 
Beide schon in Haft gebracht. Die alte Bäckerin wurde am9. Junil673 
gerichtet Dafür kamen aber wieder zwei alte Weiber in Riegershur?. 
die Ursula Kochin, herrschaftliche Köchin, und die Schneidersfran, 
die Grünwaldin, in Haft und bekannten sich, von dem fanatischen 
RegieruDgscommissär Calucci auf die Folter gelegt, der Theilnehmer- 
schaft schuldig, während die Paltaufin hauptsächlich auf die drei Vicare 
zuPaldau, Fehring und Hartmannsdorf und die schöne Mauerin 
aussagte. Letztere, dieeinzigeedleGestalt unter allen Angeklagten. 
war nur zweimal auf Andrängen ihrer Eltern und Geschwister bei 
diesen Hexenversammlungen ohne jede böse Absicht anwesend und 
ihr keuscher Sinn trieb sie zu jedem verlangten Geständnisse, nur 
um die Entblössung ihres so schönen Körpers bei der peinlichei: 
Befragung zu vermeiden, womit sie auch die geheimen Pläne de: 
auf das reizende jugendfrische Weib lüsternen Commissäre durd- 
kreuzte. Was die Pflegerin Paltauf betrifft, so gibt ihr ganzer Process 
nicht den geringsten Anhaltspunkt zu der Annahme, ihre Kunst, ii 
Winter Blumen zur Blüte zu bringen, hätte sie auf den Scheiterhaufec 
gebracht, vielmehr war es ausschliesslich nur ihre Anwesenheit un: 
Mitwirkung bei den Hexengesellschaften, welches ihr wie allen Änderet 
den Tod brachte. 

Am 23. September 1675 flammten nochmals die Scheiterhaufer 
um die letzten Opfer Agricola's, die Pflegerin Katharina Paltau: 
die Thorwarthin Edlingerin, die Schneiderin Grünwaldin und «Üf 
schöne Maria Mauerin, welche sämmtlich vorher mit dem Schwerte 
gerichtet wurden. Wie wenig aber damals mit Feuer und Schwert 
der Hexenirrglaube zu bekämpfen war, beweisen die 14 Jahre später 
im angrenzenden Gleichenberg in noch weit grösserer Zahl süie- 
marisch durchgeführten Hexenprocesse, die in ihrem Charakter mi^ 
den Feldbacher Processen vollkommen identisch waren. 



— 365 - 

Umgebung, Spaziergänge und Ausflüge. 

Feldbach im schönen Raabthale, in der Mitte zwischen 
zwei der anerkannt schönsten Punkte der Steiermark, der Rie- 
gersburg und Gleichenberg gelegen, zeigt eine gleichmässige, 
ziemlich hohe Jahrestemperatur und in Allgemeinen beständige, 
nur von kurzen Gewittern unterbrochene Witterung, daher 
sich diese lebhafte kleine Stadt mit ihren guten ünterkunfts- 
verhältnissen auch als Sommerfrische eignet. Es erschliessen 
sich nach allen Richtungen angenehme Thal- und Hügelpartien^ 
die oft schon bei geringer Höhe eine überraschend gross- 
artige Rundschau gewähren. An allen Wegen sind einfache, 
aber relativ gute Gasthäuser; man begehrt am besten einen 
leichten steirischen Wein, der, mit Sauerbrunn genossen, ein 
sehr erfrischendes Getränk liefert. Backhühner sind zum min- 
desten überall zu haben. 

1. lieber die Allee am Schaar'schen Berge zum Fie- 
berbrtindl, ^/^ Stunden. 

2. In die sogenannte „Fiss" und am Rückweg zum 
Schaar'schen Gasthaus „zum Ungarthor", 1 Stunde. 

3. Nach Baumbuch und am Rückweg zu Bauer's Gast- 
haus, 1 Stunde. 

4. Ueber den Calvarienberg (sehr schöner Aussichts- 
punkt) zum Gasthaus Niederl in Weissenbach, 1 ^/^ Stunden. 

5. Längs der Raab bis zur Rabaumühle und über 
Gasthaus Hüttler zurück, 1 Stunde. 

6. Nahezu eine halbe Stunde östlich von Feldbach, an 
der Fehringer Strasse, liegt mitten im Thalboden das durch 
vier mächtige viereckige Thürme flankirte, schöne Schloss 
Hainfeld. 

Das interessante uralte Schloss und seine Umgebung hat durch 
das Wirken und Schaffen des grossen Orientalisten und Gelehrten Josef 
von Hammer (f 1856 in Wien), der Erbe des letzten Purgstalls, 
besondere Wichtigkeit und das charakteristische Gepräge der Lieblings - 
richtung dieses Gelehrten erhalten, üeberall begrlissen den Besucher 
Sprüche orientalischer Lebensweisheit oder Citate aus den Dichtungen 
aller Völker, wie auch die südlich durch herrlichen alten Buchenwald 
führenden Wege zu Felsenaltären, Quellen und Höhepunkten führen^ 



— 3G6 — 

die Hammer's Phantasie, wie aus den goldenen Inschriften hervor- 
geht, den Grazien, Musen und Hören weihte/ Die Bibliothek wie 
das Archiv des Schlosses (letzteres die Protokolle der Hexenprocesse 
bergend) gehören zu den wichtigsten des Landes. Auch die Gemäldc- 
gallerie mit den meist künstlerisch gemalten Familienporträts der 
Purgstall, darunter das beste Porträt der Katharina Elisabeth- 
Gallerin und den Bildern der letzten Purgstall, ist vom grössten 
Interesse, wie auch die alten Gobelins und Tapeten von Kunstwerth 
sind. Im Hofe prächtige alte Linde. 

Wie erwähnt, ist der ganze südlich des Schlosses gegen den 
Buchkogel sich ausbreitende Wald von Hammer in einen den Musec 
und Hören geweihten Hain umwandelt worden, und so stossen vir 
bald auf Druidensteine mitten im mystischen Waldesdunkel, auf 
Felsenaltäre in dämmerigen Gebirgsschluchten, zu Steinpyramiden 
an murmelnden Quellen, bis man zuletzt das Hochplateau des Buch- 
kogels erreicht, wo einst die Hexengesellschaften ihre Bacchanale 
feierten, heute aber von einer Hochwarte eine bezaubernde Aussicht 
sich erschliesst. 

Der letzte Purgstall starb 1817 als Jüngling, seine Mutter. 
Witwe des Grafen Wenzel Johann Gottfried Purgstall war Johanna 
Anna v. Cranestoun, aus einem altberühmten schottischen Geschlechte, 
eine Frau von seltener Geistes- wie Herzensbildung. Der Erbe der 
Purgstall war der Orientalist Josef v. Hammer, dem später gestattet 
wurde, seinem Namen den Namen Purgstall als Prädicat beizufiigen. 
so dass sich nun die Hammer (Freiherren) v. Hammer- Purgstall 
nennen. 

Von Hainfeld durch die Allee zum Steinbergkogel bis 
zur halben Höbe, bei der ersten Wegtheilung rechts fort zum 
Plateau mit prächtiger Aussicht; sammt Rückweg 2 Stunden. 

7. Auf den Auersberg und sodann zu den Korn- 
bergerteichen bis zum Taferngasthaus, X^/^^ Stunden, 

8. Nach Schloss Kornberg, 1 Stunde. 

9. Zur Yilla Knittelfelder zu Gross' Gasthaus. 
y^ Stunde. 

10. Nach Gniebing, Paurach, Edelsbach, tiberall gate 
Gasthäuser, 2 Stunden. 

11. Nach Rabau, Lödersdorf und Schloss Johns- 
dorf, 2 Stunden. 

In allen diesen Orten und unterwegs sind gute Gasthäuser. 

12. Nach Schloss Bertholdstein (sehr sehenswürdig). 
1 Stande. 

13. Nach Schloss Trautmannsdorf, 2 Stunden. 



- 367 — 

14. Auf den Konixberg nach Schtitzing und retour, 
1 Stunde. 

15. Auf den Satzkogel, 1 Stunde. 

16. lieber Oedt zum Prädibauer und über Ober- 
weissenbach retour, 3 Stunden. 

B. Feldbach-Riegersburg. 

13*5 Kilometer, 2% Stunden auf der Strasse, ly^ Stunden auf dem 

Fusssteige. 
Postbotenfahrt Dienstag, Donnerstag und Samstag, 10 Uhr 
30 Minuten Vormittags ab, Fahrpreis 80 kr. per Person. Fahr- 
gelegenheiten von Feldbach nach Riegersburg und retour ; am Bahn- 
hofe (in grosser Anzahl wartend) : Einspänner 2 fl. 50 kr. (nicht zu 
empfehlen), Zweispänner 4 fl. 

Feldbach-Kornberg-Riegersburg (lohnend zu Fuss). 

Man schlägt vom sogleich den Bahnhofe östlich abzwei- 
genden Wiesenweg ein, welcher nach einigen Minuten den 
Bahndamm untersetzt und hierauf bald die gegen das schon 
vom Bahnhofe sichtbare thurmreiche Schloss Kornberg führende 
Strasse erreicht. Längs einer Reihe ausgetrockneter, theilweise 
noch mit Schilf bewachsener Teiche zieht sich die Strasse 
zuletzt in starker Krümmung, die ein an der rechten Hügel- 
lehne hinziehender Fussweg abschneidet, gegen die Maierhöfe 
des Schlosses. Kreuz, von einer prächtigen alten Linde umschattet ; 
zuletzt Allee. Die grossen, mustergiltig eingerichteten Oekonomie- 
gebäude enthalten nicht nur ausgedehnte Rindviehställe, sondern 
auch die Käserei, aus welcher der bekannte Kornberger Dessert- 
käse hervorgeht, wie auch hier eine grosse Fasanerie eingerichtet 
ist, von welcher aus sich die Fasanen, die man überall auf den 
Wiesen und Aeckern zu sehen bekommt, über die ganze nord- 
östliche Steiermark verbreitet haben. 

Schloss Kornberg. Das ungemein malerisch als Ab- 
schluss des von Feldbach nördlich ausstrahlenden Thaies auf 
schön gerundeter, dicht bewaldeter Hügelkuppe aufsteigende 
thurmreiche Schloss Kornberg zählt zu den schönst gelegenen 
Schlössern der nordöstlichen Steiermark. 



— 368 — 

Aller Wahrscheinlichkeit nach von dem gleichnamigen Ge- 
schlechte der Kornberger, wovon ein Heinrich der Komberger 116ö 
zuerst urkundlich erwähnt wird, erbaut, kam das Schloss später an 
die Ritter von Graben, welche um das Jahr 1314 eine Stiftung für 
den Burgcaplan zu Kornberg machten. Nach dem Aussterben der 
Herren von Graben vererbte sich die Herrschaft an die Stadl, wotoa 
Gottfried Christoph v. Stadl, 1581, als erster Besitzer von Komberg 
erscheint, und nahm Karl v. Stadl das Kornberg'sche Wappen an. 
Im Jahre 1636 kam Kornberg in Besitz der KoUonitscb, und später 
vorübergehend noch in jenen der Kainach und Neuhaus, aber schon 
1664 fiel Kornberg wieder an die Stadl, die es sodann ununterbrochen 
bis zum Tode des Georg Freiherrn v. Stadl am 26. September 1822 
besassen. Einen laugjährigen, ja durch Jahrhunderte sich hinziehenden 
Streit zwischen den Besitzern Kornbergs und der Hauptpfarre Riegers- 
burg bildete eine uralte Messenstiftung, nach welcher der Haupt- 
pfarrer in Riegersburg oder einer seiner Kapläne jeden Dienstag 
und Freitag in der Schlosskapelle zu Komberg des Apostels Andrea? 
Messe lesen musste, wofür jedoch der Hauptpfarrer Getreidezehent. 
ein Quantum Wein und den Besitz einer Wiese beanspruchen durfte 
Wiederholte Versuche, diese lästige Stiftung abzuschütteln, bliebe: 
immer ergebnisslos und scheiterten an der hartnäckigen Weig!>roii: 
der Riegersburger Hauptpfarrer, diese Stiftung in irgend einer Weis- 
zu alteriren. 

In der Schlosskapelle zu Komberg befinden sich nach- 
stehende Grabschriften: 

1. Des Ferdinand Freiherrn v. Stadl der r. k. Majestät I. Or. 
Hoflvriegsrath, f am 14. August 1665, und dessen Gemahlin Frau Susanr.u 
Katharina, -j* 4. Februar 1666. 2. Sibi et suis curavit hoc monumentu"-. 
fieri illustrissinms dominus Johan Rud. L. B. de et in Stadl S. C Maf 
Leop. Imi., Cammer. et Aust. interivaris consiliarius belli cus. av. i6S^. 
3. Den 29. April 1694 ist in Graz gestorben Ferdinand Freiherr v : 
und zu Stadl auf „Ridtkherspurg", Lichtenegg und Freiberg, General-Feli- 
marschall, Hofkriegsrath, Präsident etc. etc. Dessen Gemahlin war Hedwi. 
Augusta Gräfin v. Oettin und ist hier begraben worden. 4. Den 28. M: 
1696 starben in Graz Hanns Rudolph Freiherr von und zu Stadl ai- 
Riedtkherspurk, Lichtenegg und Freiperg. Herr zu Komberg, Rorpach 
Frestorf, Krottendorf und Jansdorf, Kammerherr, Obrister etc. etc. 5. Hie 
liegt begraben Maria Klara Freyin v. Stadl., geb. G aller in, Gemahli-i 
des Hanns Rudolf Freiherrn v. Stadl, -j- am 24. Juni I711. 6. De" 
27. December 1716 starb zu Fürstenfeld Sigmund Freiherr von und - 
Stadl auf Ridkherspurg, Lichtenegg und Freyberg, Lieutenannt und deutschrr 
Ordensritter etc. 

Franz Leopold Freiherr von Stadl errichtete am 20. August 
1746 eine zweite Kapellenstiftung, auf Grund welcher ein Caplas 
Montag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag Messe zu lesea 



- 369 — 

hatte, 80 daes nun in der Schlosskapelle täglich Gottesdienst ge- 
halten wurde. 

Im Jahre 1747 errichtete Freiherr Franz Leopold v. Stadl 
ein Fideicommissgut, welches auch Kornherg umfasste. 

Nach dem Tode des letzten Fideicommissbesitzers Georg Frei- 
herm v. Stadl, der 1815 die Schlosscaplanei einstellte, am 26. Sep- 
tember 1822, kaufte Johann Josef Fürst Liechtenstein die 
Herrschaft um 83.000 fl. CM. und vergrösserte wesentlich den 
Besitzstand. Im Jahre 1871 ging Kornherg jedoch wieder durch Kauf 
an den jetzigen Besitzer Charles GrafBardeau über, welcher 
die früher erwähnte Muster-Oekonomie, und aus dem Schlosse einen 
der reichst eingerichteten Edelsitze der nordöstlichen Steiermark schuf. 

Hier wurde am 30. September 1886 der Architekt August 
Ort wein als der Sohn des Fürst Liechtenstein'schen Kentbeamten 
Josef Ortwein geboren. Ortwein absolvirte in Graz die technische 
Hochschule, wurde hierauf kurze Zeit Assistent an derselben, kam 
aber dann an die Akademie in Wien, wo er unter Yan der Null, 
Siccardsburg und Friedrich Schmidt studirte und 1863 den 
Rosenbaum'schen Preis erhielt. Im Jahre 1864 kam Ortwein nach 
Graz und trat in das Atelier Essenwein (jetzt Director des germani- 
schen Museums in Nürnberg) ein. Im Jahre 1865 vermählte sich 
Ortwein mit Louise Koberer. Im Jahre 1866 erhielt Ortwein einen 
Ruf als Professor der Architektur an die Kunstgewerbeschule in 
Nürnberg, wo er bis 1873 wirkte. In dieser Periode entstand das 
grossartig angelegte Werk „DiedeutscheRenaissance^, welches 
im Verlage von £. A. Seemann in Leipzig lieferungsweise erschien. 
Mit diesem Werke, welches in erster Linie die von Ortwein selbst 
aufgenommenen , interessantesten Denkmäler der Renaissance in 
Deutschland, und namentlich in Nürnberg umfasst, wurde die Bahn 
für die ganze Fluth derartiger kunstgewerblicher Sammelwerke, mit 
welchem heute der deutsche Büchermarkt überschwemmt wird, ge- 
brochen. Ortwein gebührt jedoch das unbestreitbare Verdienst, mit 
diesem grossen Sammelwerke zuerst die Kunstfreunde auf die Fülle 
mustergiltiger Arbeiten deutscher Renaissance aufmerksam gemacht 
zu haben. Das Werk war bis, zum Rücktritte Ortweins von der Redacf- 
tion 1878 auf 78 Lieferungen gediehen. 

Im October 1873 wurde Ortwein als Director der neu errich- 
teten k. k. Staatsgewerbeschule nach Graz berufen, wo er bis 1878 
als solcher höchst verdienstlich wirkte. In diesem Jahre trat in Folge 
Ueberanstrengung bei dem vielfach beschäftigten Künstler ein heftiges 
Nervenleiden auf, welches ihn zwang, durch volle drei Jahre sich 
jeder Arbeit zu enthalten, und seinen Uebertritt in den Ruhestand 
veranlasste. Vom Jahre 1881 begann jedoch, von immer seltener 
auftretenden Rückfällen unterbrochen, die Wiedergenesung des so 
reich begabten, genialen Künstlers, der heute seine erstaunens- 
werthe Schaffungskraft vollends wieder erlangt hat. Ausser zahllosen 

24 



— 370 — 

Entwürfen für profane und kirchliche kunstgewerhllche Arbeiteo, die 
vielfach in den Fachblättem reproducirt wurden, wurden alle Restaii- 
rirungsarbeiten an der Stadtpfarrkirche in Graz, von den Gewölbe- 
rnalereien bis "zu der prächtigen Monstranze, nach Entwürfen Ort- 
weins ausgeführt. Von Ortwein rühren auch interessante Projecte 
für den Herz-Jesu-Kirchenbau und den Rathhausbau in Graz her. 

Seit Jahren ist Ortwein vom k. k. Unterrichtsministerium mit 
Entwürfen mustergiltiger kunstgewerblicher Objecte für die verschie- 
denen Fachschulen betraut, und gehören diese bald Silberfiligran- 
schmuck, bald in Bronze gefasste Glasnippsachen, bald wieder Kunst- 
schmiedearbeiten oder Thongefösse behandelnden Entwürfe zu den 
schönsten und originellsten, die überhaupt in neuerer Zeit componirt 
wurden, und hat damit Ortwein ohne Zweifel einen massgebendec 
Einfluss auf die Veredlung des österreichischen Kunstgewerbes g^ 
nommen. Bahnbrechend wirkte auch Ortwein in Graz auf die Ein- 
führung polychromer, künstlerisch decorirter Oefen, die, heute in aller 
Varietäten erzeugt, den kalten weissen Ofen schon vielfach ver- 
drängt haben. 

Die Domäne Ortweins ist das Kunstgewerbe und das Ornament, 
und zählt hier Ortwein überhaupt zu den ersten deutschen Ornamen- 
tisten. Mit einem seltenen Sinn für Harmonie der Formen, und einea 
für graziöse, edle Schönheit wunderbar beanlagten Auge begabt, 
componirt Ortwein spielend, mit nie versiegender, ursprünglicher 
schöpferischer Kraft die verschiedenartigsten kunstgewerblichen Ent- 
würfe vielfach mit freier, selbstständiger Behandlung des Styles. 
namentlich aber nach Motiven der Ornamentik deutscher Renaissance 

Von dem Maierhofe Kornbergs zieht nun die Strasse 
steil den Höhenrücken hinan, um sodann auf demselben, zwi- 
schen Obstcultoren und kleinen V\räldchen mit reizenden Aus 
blicken in die umliegenden Thäler, über schwach gewelltes 
Terrain dahinzuführen. Weiter und weiter schweift de: 
Blick über die auftauchenden Hügelwellen, bis plötzlich de: 
mächtige Felskoloss der Riegersburg gerade vor dem Wan- 
derer emporsteigt und alles Interesse beansprucht. Obwoli 
man von hier aus die schönste Seite der Burgveste, die 
Nord Westseite, wo die Felsenmauern von schwindelnder Höhe 
senkrecht in die Tiefe abstürzen, nicht zu sehen bekommt 
so bietet doch der Blick auf die langgestreckte Südwestseite 
der von Südost gegen Nordwest langsam ansteigenden Bon: 
mit ihren gewaltigen Bollwerken einen instructiven Vorbegriff 
der Wunder dieser Riesenveste, und mit beschleunigtem Schritte 
eilen wir immer auf der freundlichen Höhe bleibend vorwärts. 



— 371 




OD-, 






P^ 



.Id verschwindet die Burg, bald taucht sie wieder plötzlich 
spenstig gross vor uns auf, bis sich endlich die Strasse 
ch einer von Linden umschatteten Kapelle durch dichten 

24* 



— 872 — 

Wald gegen das Thal hinabsenkt, aas welchem jenes merk- 
würdige Massiv aufsteigt, welches den Sockel der g^^walügeii 
Felsenveste bildet. Je tiefer sich die Strasse senkt und je 
freier der Blick ausschweifen kann, je gigantischer wächst 
jetzt die stolze Riegersburg in die Lüfte empor. Wir aber 
sfi-eben auf dem die letzten Strassenkrümmungen abkürzenden 
Fusswege hinschreitend, vorerst dem gastlichen, am südöst- 
lichen Fasse der Burg gelagerten Markte Riegersburg, zu 
welchem wir wieder emporsteigen müssen, zu. 

Gasthöfe: Karl Neuhold mit mehreren Fremdenzimmern, 
schönem Salon, schattigem Sitzgarten, gedeckter Kegelstatt, gut and 
billig; Julius Wagner mit Fremdenzimmern, Sitzgarten, Kegelstatt. 
Zimmerpreise in beiden Gasthäusern 30 kr. per Bett; Franz Maurer's 
Gasthaus. — Poststation: Postbotenfahrt nach Feldbach Dienstag, 
Donnerstag und Samstag um ^/%l Früh 50 kr. pr. Person. Fahrgelegen- 
heiten bei den Gasthöfen, nach Feldbach Einspänner 1 fl. 80 kr., 
Zweispänner 3 fl.; nach Hatzendorf Einspänner l fl. 50 kr., Zweispänner 
2 fl. 50 kr.; nach Hz oder Fehring Einspänner 2 fl., Zweispänner 4 fl. 
— Vereine: Prinz Alfred Liechtenstein Militär- Veteranen- Verein, 
gegründet 1853; freiwillige Feuerwehr, gegründet 15. September 
1887. — Krämer- und Viehmärkte: am 17. März (Patriciustag), 
am 2. Montag im Monate Juli, am 29. September (Michaelitag) ; 
Krämermarkt allein am IK November (Martini). 

Riegersburg, Markt mit 77 Häusern und 600 Ein- 
wohnern mit vierclassiger Volksschule, Sitz der uralten Ilaupt- 
pfarre hL Martin, welcher die Pfarrer zu Hatzendorf, Fehring, 
Feldbach, Paldau, Edelsbach, Hartmannsdorf, Hz, Söchau. 
Loipersdorf und Breitenfeld incorporirt sind. Der Markt, an 
dessen westlichem Ende die erhöht stehende Pfarrkirche sich 
erhebt, liegt auf einer kleinen langgestreckten Terrasse, die 
gürtelförmig sich südöstlich um den Fuss der steil aufstei- 
genden Burgveste schlingt und sich in gleicher Richtang sanft 
gegen den Thalgrund abdacht. Die Terrainverhältnisse bedingen 
die unregelmässige Anlage des kleinen Marktes, dessen Häuser 
vielfach zerstreut, von freundlichen Obstgärten umgeben, um 
den Fuss des Burgfelsens gruppirt sind. Reizende Rosen- 
culturen erfreuen in den meist gut gepflegten Gärten überall 
das Auge. 

Die Geschichte des Marktes, dem erst Kaiser Ferdinand 
ddo. 24. Februar 1838 die Abhaltung der obangeführtes 



— 373 — 

4 Märkte bewilligte, hängt so innig mit jener der Burgveste 
zusammen, dass wir dieselbe bei Besprechung der Burgveste 
behandeln werden. 

Die Gründung der Pfarre fällt jedenfalls vor das Jahr 1110, 
wo sie zuerst urkundlich erwähnt wird. Die Herzoge von Oester- 
reich beschenkten, als Steiermark zu Oesterreich fiel, die Pfarre 
reichlich, daher auch der Landesfürst das Patronatsrecht ausübte. 
Im Jahre 1514 machte jedoch der damalige Burgbesitzer Hanns v. 
Reichenburg eine Stiftung für 5 Kapläne, 2 Gesellen und 1 Schul- 
meister, die am 24. Mai vom Kaiser Maximilian bestätigt und gleich- 
zeitig das Besetzungsrecht der Pfarre alternativ dem jeweiligen 
Burgbesitzer übertragen wurde. Im Jahre 1629 machte zuletzt Kaiser 
Ferdinand IL von diesem Recht Gebrauch und verlieh die Pfarre 
unter gleichzeitiger Erhebung derselben zum Dekanate seinem Hof- 
kaplan Johann Reichl. lieber wiederholtes Ansuchen der Freifrau 
Elisabeth v. Galler auf Riegersburg ertheilte Ferdinand IIL ihr und 
allen folgenden Besitzern des Schlosses das alleinige Patronatsrecht 
mit Gnadenbrief vom 12. Juli 1653 unter der Bedingung, dass jähr- 
lich am 19. October in der Schlosskapelle drei solenne Aemter für 
das Haus Oesterreich abgehalten werden. 

Die Reihe der Pfarrer beginnt im Jahre 1377 mit Johann 
Graf Pernstein. Unter den Hauptpfarrern ist besonders Magister 
Wolfgang Strobl erwähnenswertb, in Folge seines langjährigen 
Streites mit der Gallerin auf der Riegersburg (im Volksmunde die 
schlimme Liesl genannt), die nicht nur diesen Pfarrer, den Erbauer 
des Gnadenkirchleins St. Salvator in Breitenfeld, seine Wirthschaf- 
terin und seine Kapläne unversöhnlich verfolgte, sondern auch gegen 
den Erzpriester von Graz, Jacob Kegler, bald beim Landesfürsten, 
bald beim Bischöfe v. Seckau Klage führte. Unter dem Nachfolger 
Strobl's, der sich nach 30jährigem Processiren, endlich des Streites 
müde, auf den von ihm erworbenen Huberhofe zurückzog, Dr. 
Michael Zirkelius (Zirhackl), 1665 zum Hauptpfairer ernannt, 
begannen die vom Pfarrer zu Hatzendorf, Agricola, inscenirten berüch- 
tigten nächtlichen Orgien beim Hatzendorfer Wegkreuz, deren Theil- 
nehmer später, der Hexerei angeklagt, nahezu durchwegs am Schei- 
terhaufen endeten. Es ist nicht festzustellen, inwieweit Zirkelius, 
der mit Vorliebe das Studium der Mathematik und der Naturwissen- 
schaften pflegte, in dieser mystischen AflFaire verwickelt war, sein 
Tod durch eigene Hand mittelst Gift spricht jedoch für die Rieh" 
tigkeit der auf der Folter von mehreren „Hexen" gemachten Aus- 
sagen, dass Zirkelius bei diesen Hexengesellschaften mehrmals 
anwesend gewesen sei. Nach Zirkelius' Tode wurde 1674 Johann 
Anton de Gabrielis als Hauptpfarrer in Riegersburg eingesetzt, bei 
welchem die Vicare von Fehring, Paldau und Hartmauusdorf, als 
mit den Hexengesellschaften mitverflochten, in Haft gesetzt und 



— 374 — 

gehalten wurden. Unter den späteren Hauptpfarrem erscheint auch 
ein Leopold Graf v. Kobenzl 1700-1707, Gundaker Herr v. Stu- 
benberg 1707—1729, und Graf Suardi. 

Die eiuschiffige gotbische Pfarrkirche mit dem Presbyte- 
rium nach Osten gebaut, wurde unter dem Hauptpfarrer Wein- 
reber (1517 — 1554) bedeutend erweitert, und später Ende 
des 17. Jahrhundertes abermals barock umgestaltet. Die uener- 
liche Einweihung der Kirche geschah jedoch erst 1633 dur.h 
den Bischof Eberlein von Seckau. Im letzten Decenninm unter 
dem gegenwärtigen Hauptpfarrer Dr. H. A. Lehmann, wurden 
in der Kirche mehrfache Restaurirungsarbeiten vorgenommen, 
die jedoch noch nicht zum Abschlüsse gebracht sind. Die 
Kanzel und der Hochaltar, wahrscheinlich aus dem 18. Jahr- 
hundert stammend, sind von rothem Marmor. Von grossem 
Interesse sind die vielen und schönen Grabsteine in und ausser 
der Kirche und die Wenzelskapelle mit der Gruft der ausge- 
storbenen Grafen v. Purgstall. Den Altar dieser Capelle üess 
die Witwe Gräfin Johanna Anna, geborne v. Cranstoun, aus 
Wien bringen; das Altarbild ist eine gute Arbeit Kupelwiesers. 
In der Gruftkapelle befinden sich die drei Grabsteine der letzten 
Grafen Purgstall, Grossvater, Vater und Sohn. Zwischen den 
Grabsteinen sind auf schwarzem Marmor die drei Reliefpor- 
träts aus weissem Marmor angebracht, nämlich des im 39. 
Jahre seines Alters verstorbenen Grafen Wenzel Gottfried, 
seines 19jährigen, am 7. Jänner 1817 gestorbenen Sohnes 
und letzten Purgstall, Wenzel Raphael, und seiner Mutter 
Gräfin Johanna Anna, von dem alten schottischen Geschlechte 
der Cranstoun abstammend, gestorben zu Hainfeld am 23. März 
1835. Unterhalb lange lateinische Grabschriften. Der Kanzel 
gegenüber erhebt sich das schöne Epithaphium aus weiss- 
grauem Marmor, welches 1578 für Erasmus v. Stadl errichtet 
wurde. Das prächtige Grabdenkmal im Style bester Re- 
naissance zeigt unterhalb in künstlerisch ausgeführter Relief- 
behandlang eine Reitergefechtdarstellung, wahrscheinlich ita- 
lienische Arbeit. Die Inschrift enthält nebst mehreren prote- 
stantischen Bibelsprüchen die eigentliche Grabschrift: 

„Dem Edlen und Gestrengen Kitter Herrn Erasmus Stadl zu 
Riegersburg, Krottendorf, Liechteneck, Freiherrn v. Kornberg, fürstl. 



— 375 — 

Durchlaucht. Erzherzog Karl zu Oesterreich Ratb, Wielcher in Gott ent- 
schlafen ist den 30. März 1578 Jahr." 

Ausserdem befinden sich in der Kirche die Grabmäler 
dreier Hauptpfarrer von 1734, 1775 und 1776. An 
der Aussenseite der Kirche (südlich) befindet sich das durch 
Architektur und Ornamentik gleich hervorragende Grabdenk- 
mal des Georg Christoph Freiherrn V. Ursenbeckh, nördlich der 
Margaretha Anna, geb. v. Horchheim seiner Gattin, vom Jahre 
1619, leider in einem ziemlich ruinösen Zustande. Der Pfarr- 
hof liegt seltsamer Weise nahezu eine Viertelstunde von der 
Kirche entfernt, ausser dem Markte, am äussersten nordöst- 
lichen Ende der Burg, und macht es diese exponirte Lage 
nicht unwahrscheinlich, dass hier, wie die Sage berichtet, einst 
die Pfarrkirche stand. Der freundliche, schöne Pfarrhof bietet 
nichts Bemerkenswerthes. 

Am Wege von Neuhold's Gasthof zum Pfarrhofe wird jedem 
Wanderer ein Anwesen auffallen, das sich schon äusserlich durch 
originelle Anlage und Decoration als Ktinstlerheim charakterisirt. Es 
enthält, wie die schmucke Tafel an der Schmalfront des Hauses 
meldet, die Post, birgt aber auch die Werkstätten des Kunsttischlers 
und Decorationsbildhauers (zugleich Postmeisters) Karl Fischen t in, 
der stets auf das freundlichste bereit ist, Kunstfreunden seine hübschen 
Arbeiten zu zeigen. Karl Fischentin wurde am 21. September 1842 
zu Riegersburg geboren, erlernte hier im Elternhause das Tischler- 
handwerk, kam später dann auf seiner Handwerksreise nach Wien, wo 
er sich der Kunsttischlerei und Decorationsbildhauerei widmete und 
dabei unermüdlich bestrebt war, durch Besuch von Kunstsammlungen, 
Vorlesungen etc. sich autodidakt höher auszubilden. Anlässlich der 
1872 begonnenen Restauration der Innenräume der Riegersburg dahin 
berufen, führte Fischentin mit Geschick die schwierige Restauration 
der Holzvertäfelung des Plafonds des mächtigen Rittersaales, sowie der 
reichst mit Intarsien gezierten riesigen Thürportale durch und machte 
sodann nach dieser mehrjährigen Arbeit eine Studienreise nach Süd- 
deutschland, um sich hierauf bleibend in Riegersburg niederzulassen. 
Unter seinen späteren Arbeiten, deren Stärke immer in den Einleg- 
arbeiten mit verschiedenen Holzgattungen liegt, ragt besonders die 
zierlichst eingelegte Thtir im weissen Saale des Schlosses hervor, 
für welche Fischentin auf der Landes-Ausstellung in Graz eine 
Medaille zuerkannt erhielt. Fischentin ist unstreitig eine echt künst- 
lerisch beanlagte Natur, die bei entsprechender akademischer Aus- 
bildung gewiss zu noch weit bedeutenderen Leistungen auf dem Ge- 
biete der Kunsttischlerei berufen gewesen wäre, als es ihm bis jetzt 
bei seiner vielfachen Beschäftigung als Postmeister und Landwirth 



- 876 — 

zu schaffen möglich war. Befriedigen auch seine Arbeiten, in der 
Composition und- namentlich in der architektonischen Gliederung nicht 
immer, so ist doch der zweifellos genial beanlagte Künstler unbe- 
stritten Meister der Intarsia (Einlegarbeit), mit welcher er bei 
mustergiltiger Technik die schönsten Farbenstimmungen erzielt. 

In Riegersburg wurde auch am I. Mai 1830 als der Sohn 
eines Rentbeamten der bekannte Lustspieldichter Karl Gründorf 
in Wien geboren. Derselbe bekleidet eine höhere Beamtenstelle bei 
der Nordbahn in Wien, widmet sich aber nebenbei der Schriftstellerei 
und namentlich auch üebersetzungen aus dem Französischen und 
Englischen. Seine bekanntesten Theaterstücke, von welchen auch 
einige am Burgtheater in Wien aufgeführt wurden, sind: Don Quixote, 
Oper (1879); Unsere Emporkömmlinge, Drama (1882); dann die Volks- 
stücke und Lustspiele: Trau, schau, wem? Ein Guldenzettel; Eine 
Schlange; Ein Freund, wie er sein soll; Opfer der Consuln; Noblesse 
oblige; Zu Dreien; Er soll sich austoben; Eilgut: und Ein Nihilist. 

Schloss Riegersburg. Unter allen ßurgvesten der 
Steiermark (und nahezu von ganz Oesterreich) nimmt die stolze, 
wie eine riesige Sphynx über das Hügelmeer der nordöstlichen 
Steiermark gigantisch aufsteigende Riegersburg durch maje- 
stätische Lage und die Reihe grossartiger Wehrbauten, die sich 
weit über den Rahmen der Befestigungen eines adeligen An- 
sitzes ausdehnen, unbestritten den ersten Rang ein. Schon 
Vischer, der in seinem berühmten Schlösserbuche von 1681 
das Schloss von den vier Weltgegenden aufnahm und überdies 
nach seinen instructiven vier Aufnahmen einen Grundriss an- 
schloss, charakterisirt die länderbeherrschende Lage dieser 
merkwürdigen Burgveste scharf mit den Titelüberschriften seiner 
vier Ansichten, welche lauten: Schloss Reggersburg, wies 
von Orient vnd Tyrc Key her gesehen wirdt. Schloss 
Reggerspurg, wie es von Mittnacht und Österreich 
gesehen wirdt. Schloss Reggerspurg, wie es gegen Nieder- 
gang vnd von Carnthen her gesehen wirdt. Schloss Reggers- 
purg, wie es gegen Mittag und der windischen March 
zu sehen ist. So riesig und gewaltig ist der Horizont, den 
dieser imposante Felskoloss beherrscht, und seine Lage knapp 
«in der ungarischen Grenze, wie seine furchtbaren, für die Zeit 
des 17. Jahrhundertes unbezwinglichen Bollwerke, machten 
diese Veste zu der wichtigsten Grenzburg der Steiermark. 



— 377 — 

Auf einem sanft allseitig aus dem Thalgrunde bis zur Höhe 
des Marktes ansteigenden Massiv erhebt sich, von Südost gegen 
Nordwest terrassenförmig ansteigend, nach West und Nord in senk- 
rechten Wänden abstürzend, der gewaltige Basalttuff-Kegel, der wie 
der finstere Keil des Nordcaps Über die Wellen eines Hügelmeeres 
gespenstig emporsteigt. Nur gegen Osten senkt sich der Burgfelsen 
allmählig dem Thale zu, um aber zuletzt gleichfalls nach allen Seiten 
senkrecht abzustürzen. Die Ausdehnung des Burgfelsens (über 25 Joch 
umfassend) ist eine so grosse, dass auf ihm der Bedarf der Besatzung 
an Getreide, Heu, Wein und Obst geemtet werden konnte, wie auch 
mehrere Cisternen und Felsenbrunnen stets hinreichend Wasser 
lieferten. Die Besatzung des Schlosses konnte somit weder durch 




Vischers Prospect der Riegersburg vom Jahre 1681. 



Sturm, noch durch Hunger bezwungen werden. Durch sieben Thore 
und über zwei tiefe Felsengräben führt der Weg in das Hochschloss 
Kronegg, und acht Bollwerke, wie das Leopoldi-, St. Antoni-, St. Jo- 
sefi-, St. Maria, St. Xavery-, St. Michaely-, St. Reginae- und St. Catha- 
rina-Bollwerk, drei Basteien, wie die Hochegg-, die St. Johannes- 
und die „alte" Bastei, sowie die „alte Defension" vertheidigten den 
Aufstieg zum Hochschlosse in wirksamster Weise. Vergleicht man 
die Benennung der Thore im Jahre 1681 mit der jetzigen, so zeigt 
es sich, dass sie sich vielfach geändert hat; so wird das Burgthor 
jetzt vielfach Cilli-Thor, das St. Johannes-Thor Anna-Thor, das 
Hochegg-Thor Lichtenegger Thor etc. genannt. Das System von 
befestigten Thoren, Bollwerken und Basteien ist mit aller Umsicht 
nach den Regeln der Defension im 17. Jahrhundert so geschickt 
angelegt, dass jeder Punkt meist von drei Seiten beschossen werden 
kann, wie auch die gegen Riegersburg ziehenden Strassen von den 



— 878 — 

Kanonen der Burg vollständig beherrscht wurden. Man durchschreitet 
den Markt bis zur Kirche, von wo sich sogleich, rechts ganz auf 
den nackten blaugrauen Felsen hinführend, der steile Weg gegen das 
erst 1690 erbaute Marktthor, an dessen Thorbogen die Buchstaben 
J. R. G. V. P. (Johann Rudolf Graf v. Purgstall) zu sehen sind, 
wendet. Dieses Thor ist nur schwach gebaut, doch wird dessen Zu- 
gang durch die über demselben aufsteigenden Bollwerke sehr stark 
vertheidigt. Hat man den von kräftigen Rustiken umschlossenea 
Thorbogen passirt, so wendet sich die durchwegs in Felsen gehauene 
Strasse zwischen einer von prächtigen alten Laubholzbäumen über- 
schattete Felswand und einer niedrigen, mit Zinnen verseheneD 
Mauer westlich gegen das überaus stark gebaute Burgthor, dessen 
Gebäude eine Doppelreihe Schiessscharten, einen erkerartigen Vorbao 
und eine auf dem Felsen aufsitzende kleine Bastion zeigt, welche 
Befestigungen den Zugang zu diesem Thore, welches die Jahreszahl 
1678 zeigt, in formidabler Weise vertheidigten. Nun erreicht di<^ 
Strasse eine kleine Terrasse, von einer mit Schiessscharten reichlich 
versehenen Mauer umschlossen, und zieht hierauf steil zu dem dritten 
Thore, dem Anna-Thore hinan. In der Felswand, die hier die Strasse 
zur Rechten begrenzt, befindet sich am Fusse des Anstieges eine 
Marmorplatte mit nachstehende Inschrift eingelassen: 

Dum regit Imperium Leopoldus I. et augens, 

Quae cernis sumptu facta fuere meo, 

In multis normam transgressus non tibi mirum 

Sit; cogor montes aedificando sequi 

Job. Em. Com. a Purgstall Cam. et Cons. act. int. et int. dilec- 

tissima conjux ejus Catharina Comitissa de Purgstall 

nata Baronissa Galler. I685. 

Die steil abstürzende Felswand ist der ganzen Länge nach 
mit einer mit Schiessscharten versehenen Bastionsmauer gekrönt. 
während von dem massigen Thorgebäude 4 für Geschütze bestimmte 
grosse Schiesslucken dem Wanderer entgegenstarren. Hat man die 
Tborhalle, deren Portal wie bei allen Thoren von kräftigen Rustiken 
gebildet wird, durchschritten, so steht man abermals auf einer kleinen 
Terrasse, von welcher sich zwischen den kräftig aufstrebenden, weit- 
geästeten uralten Buchen, Eschen und Ulmen prächtige Durch- 
blicke auf die Zinnen der höher liegenden Wehrbauten erschliesseo. 
Hier ist noch das aus dem Felsen gemeisselte Bett der ehemaligen 
Rossschwemme deutlich erkennbar. Von hier wendet sich die wie 
erwähnt immer in Felsen gehauene Strasse in einer steilen Serpen- 
tine dem vierten Thore zu; dieses.Stück des Aufstieges zu dem 
Hochschlosse ist von wunderbarer malerischer Schönheit. 
Zur Linken umschattet das Blätterdach der im starren Fels wurzelnden 
Laubbäume den Weg, zur Rechten aber begleitet uns eine hohe Mauer 
mit einer ununterbrochenen Reihe langgeschlitzter Schiessscharten. 
Jede dieser Schiessscharten, solide, ganz aus Stein gefügt, und nacj 



— 379 — 

aussen abgeschrägt, bildet den schmalen engen Bahmen zu einem 
wunderbar schönen Landschäftsbild, welches einen riesigen Horizont 
umschliesst. Auf diesem befestigten engen Weg, wo die westlichen 
auf Felsen ruhenden Mauern hoch über die östlichen hinausrasten, 
gelangt man zum vierten Thore mit zwei Durchgängen, wovon jedoch 
nur das östliche, das eigentliche Lichtenegger Thor ursprünglich 
gebaut, das westliche jedoch erst in späterer Zeit errichtet wurde. 
Ober dem Thore zieht sich eine Reihe Schiessscharten hin, wie auch 
das östliche Thor von Schiesslucken flankirt wird. Nach innen zeigt 
das Thor vier für statuarischen Schmuck bestimmte Blenden. Das 
westliche Thor fnhrt zu den Stallungen, an welche jedoch nur mehr 
eine Cisterne erinnert. Zur Linken breitet sich jenes Hochplateau 
aus, auf welchem die untere Burg Lichtenegg gestanden haben soll; 
dieses Plateau ist von einer alten Mauer umzogen, deren Thorbogen 
die kaum mehr kenntliche Inschrift zeigt : 

w r n V p J* 

rechts: ^' ^* ^' ,V „ und links: R. H. M. C. V. 
E. G. G. V. H. j Q ^ j^ , 

im Schlussstein liest mau die Jahreszahl 1697 und am Pförtchen: 
I. E. G. V. P. 1676. Diese Inschriften erinnern somit an W(enzel) 
C(arl) G(raf) v. P(urgstall) und J(ohann) E(rnst) G(raf) v. P(urgstall). 
Zweifellos stand hier einst ein grösseres Gebäude, ob jedoch dasselbe 
jenes Lichtenegg war, welches im Güterbesitze der Pollheim vorkommt, 
ist sehr zweifelhaft. Vischer benennt 1681 das Thor nicht Lichtenegg 
sondern Hocheck-Thor und das links anstossende Gfebäude den Reitstall. 
Die breite Strasse zieht nun nördlich hinauf zu dem fünften Thore, 
dem Garten- oder Pyramiden-Thor. Dieses reichverzierte Thor diente 
nur decorativen Zwecken, zwei Blenden flankiren das Thor, über 
welchem sich, von einer Pyramide gekrönt, das Wappen des Carl 
Wenzel Graf v. Purgstall und seiner Gemahlin, eine geb. Mörsperg, 
erhebt. Ist dieses Thor passirt, so schweift der Blick frei auf das 
gerade vor dem Wanderer aufsteigende Hochschloss Kronegg. Ein 
15 Schritt breiter, mit riesigen Steinblöcken gepflasterter offener Gang 
der bis in die Fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts von einer Wein- 
laube beschattet war, 250 Schritte lang, führt nun, ein mit Wein- 
gärten bebautes Hochplateau durchschneidend, empor zu der eigent- 
lichen Hochburg. Auf der Höhe angelangt, zieht rechts an einem 
schmalen Wiesenhang längs dem tiefen Felsengraben, der hier die 
Burg umzieht, ein Fussweg zu einer Bailustrade, bei welcher ange- 
langt, man hart an dem senkrechten Absturz des Burgfelsens steht; 
wundervolle Aussicht nach Norden. Wir verfolgen aber weiter die 
Strasse und gelangen nach wenigen Schritten zu dem Castellans- 
häuschen (früher Feigenhaus und Weinpresse), an welchem auch die 
Besuchsordnung des Schlosses angeschlagen ist. (Besuch in Begleitung 
des Castellans, der eine entsprechende Gratification erwartet, immer 
gestattet, jede Art Besckädigung selbstverständlich verboten.) Nun 



— 380 — 



H 
o 



t33 




stehen wir aber auch schon dem sechsten Thore, dem Wenzeslaus- 
Thore gegenüber, aber um zu diesem prächtigsten aller Thore der 
stolzen Burgveste zu gelangen, müssen wir auf der auf einem riesigen 
Steinpfeiler ruhenden, 20 Schritte langen Brücke, den 18 M. tiefen 



- 881 — 

und circa 16 M. breiten, ganz aus dem Felsen gehauenen „trockenen^ 
Graben überschreiten, der sich um die ganze Süd- und Ostseite der 
Burg, beiderseitig bis zu ihren senkrechten Abstürzen, herumzieht. 
Dieser Felsengraben gehört zu den grössten Merkwürdigkeiten der 
Burg; die Sage lässt gefangene Türken das Riesenwerk vollbringen, 
und sie hat alle Wahrscheinlichkeit für sich. Heute ist der ganze 
Graben dicht mit alten Nussb&umen, Ulmen und £schen bewachsen 
und gerade an der Brücke strebt eine kräftig wuchernde Esche 
auf und breitet ihr Geäste über die Wappen und Inschriften ober 
diesem prächtigen, von den in Blenden ruhenden Marmorstatuen 
Mars und Bellona flankirten Thore. Am Gesimse, welches -über die 
ganze Breite des Thorgebäudes läuft, stehen folgende Inschriften: 

1. Eines Jedweden siein Ein und Aus Gang 
Der geschehe in Jesu unseres Herrn Namb 
Durch seiner Hülff und seiner Gab 

Ich dieses Haus öherkhummen hab 
Gott Verleihe ferhner sein Genad. 

2. Gott fier Alles allezeit zu ehrn 

Den Rom. Kay. erkennen fier ein Schuz Herrn 
Kein Feint noch Thirckhen nicht firchten, 
Ein guettes Gewissen vnd vn verzagt, 
Hat manchen starken Feint verjagt. 

3. Me licet plectra sileant, loquitur post funera 
Saeculi sumtibus ista meis structa domus. 

(Verstummen auch im Tode die Saitenspiele, so sprioht dooh nach dem 
Leichenbegängnisse des Jahrhunderts dieses auf meine Kosten aufge- 
führte Haus.) 
lieber der Statue der Bellona (im Vergleiche zu den präch- 
tigen Figuren am Portale des Landes - Zeughauses in Graz, sehr 
schwache Arbeiten): 

4. Was ich in l6 Jahren hier hab lassen paven 
Das ist woll zusechen und anzuschaven 
Kein Heller mich nicht reven thuet 

Ich meins dem Vaterland zu guet.. 
Anno Domini 1653. 
Ueber der Statue des Mars : 

Auf Gottes Genad und reichen Segen 
Steht air mein Hoffnung und mein Lewen 
Katharina Elisaweth Gallerin, geb. Wechslerin 
Freiin Frav zum Stain auf Riegkherspurg und 
Liechtenegkh. 
Oberhalb dieser Inschriften, welche den gottesfürchtigen und 
patriotischen, andererseits aber auch stolzen und selbstbewussten Sinn 
der Gallerin charakterisiren, zeigt sich das von Löwen gehaltene 



— 382 - 

Wappen der Wechsler. Zu beiden Seiten der schildtragendenThiere 
sind Brustbilder (Medaillons) von Kaiser Ferdinand II. und Gemahlin 
angebracht. Ueber alle diese Sculpturen aus weissem Marmor breite; 
ein Engel seine Fittige aus. Eine Reihe zu oberst aber noch uns 
«ntgegenstarrender Schiessscharten zeigt, dass man bei Erbauuns 
dieses Prunkthores auch auf seine Vertheidigung bedacht var. Ist 
dieses Thor passirt, so befinden wir uns in einem schmalen Hofraum. 
der steil zum letzten Burgthor, dem Hausthore hinaufzieht. Zur Linkes 
zeigt sich ein mächtiges, mit gewaltigen Riegeln bewehrtes Thor. 
welches zum Eselsteig hinabführt. Der Fahrweg zieht zwischen zwei 
Reihen von je 25 in den Felsen gehauenen Stufen hinan. Ober deia 
Thore (Wenzeslausthor) ist ein gedeckter nach rückwärts offener 
Gang für Kanonen, die den weissen Gang und das ganze obe:^ 
Plateau beherrschten. Diese Gallerie sammt dem anstossenden Boll- 
werk war ehemals mit 24 Kanonen und zwar 8 eisernen und 16 me- 
tallenen armirt. Von diesem Thorgebäude zieht sich eine kurze Streck? 
östlich und dann nördlich unter einem rechten Winkel ausspringenc. 
ein Felsenwall zwischen den dem 6. und 7. Thore vorliegenden Felsei- 
gräben dahin. Am Ende desselben stehen grosse Mauerreste de 
einstigen Pulverthurmes, der an dieser Stelle sehr sicher angeleft 
war. Auf diesem Walle wurden auch im Jahre 1848, als man em 
Einfall der Ungarn fürchtete, 2 Kanonen aufgeführt. 

Innerhalb des Wenzel sthores lagen links das Officiersqoartie: 
und weiter aufwärts die Rüstkammer, an deren Bestimmung jedctl 
nur mehr das hübsche Schltisselschild, einen Landsknecht vor- 
stellend , erinnert. Auch dem 7. Thore ist ein ganz in Felsen ^■ 
hauener Graben von ebenso riesigen Dimensionen, wie der erst- 
Graben, vorgelagert. Dieser Graben, welcher gleichfalls die gan- 
Hochburg an ihrer einzig angreifbaren Süd- und Ostseite umzieb. 
war der Wassergraben, im Gegensatze zu dem ersten Graben, dff 
^drucknen** Graben. Nur der Umstand, dass der Graben ga::: 
im Felsen gehauen ist, macht es einigermassen erklärlich, dass t; 
möglich war, ihn mit Wasser zu füllen. Eine Zugbrücke führte üh-- 
dem Graben zum letzten, stark mit Eisen beschlagenen Thore, ai 
welchem eine trotzige Landsknecht- Gestalt gemalt ist. Auch die>^ 
Thor ist heraldisch, und zwar wieder nur mit dem Wechslerschc: 
Wappen geziert und hat die Ueberschrift : 

Jesus und Maria sey mit mir! 
Katharina Gallerin Freyin, geborne Wechslerin, Freyin Frav zum St.' 
Rieglxherspvrg und Liechteneckd. 
Wyttib, anno 1653. 

Ober dem Thore belebt noch ein Erker die Fagade des Tbc:- 
gebäudes, über welchem auch das einzige Thürmchen der Riegersbiir: 
das sich über der Kapelle erhebt, in überaus bescheidenen Dirne: 
sionen aufstrebt. Das ursprüngliche Thürmchen wurde 1799 durcl 
Blitz zerstört, das neu erbaute ist weit niedriger als das ursprün?- 



. — 383 — 

liebe und gereicht der Burg kaum zur Zierde. Eechts längs des 
Wassergrabens liegt die ehemalige Waffenschmiede. Dieser schmale, 
steil ansteigende Hofraum, welchen die zur Rechten aus dem Felsen- 
praben aufsteigenden uralten Laubbäume eine ungemein malerische 
Staffage verleihen, zeigt nach allen Seiten die herrlichsten architek- 
tonischen Perspectiven. Haben wir die Thorhalle des Hausthores 
durchschritten, so betreten wir endlich die eigentliche Hochburg, 
ein zwei Höfe umschliessendes rechteckiges Gebäude, welches den 
von Süd gegen Nord ansteigenden Burgfelsen, der nach West und 
Nord senkrecht abstürzt, so theilweise überhängt, krönt. Mit äusserster 
Kühnheit folgt der gewaltige Bau dem Terrain, immer auf den 
äussersten Rand des Felsens hinausgebaut, nicht selten auf Fels- 
klüfte überbrückende Gewölbe fundirt. Die Burg zählt 108 Fenster 
und hat 2 Säle, 34 Wohnzimmer, 4 Cabinete, 8 Gänge, 9 Vorsäle, 
13 Kammern, 4 Küchen, 10 in den Felsen gehauene Keller, Arreste, 
eine gothische Kapelle u. s. w., im Ganzen 150 Räume. Mit der 
Errichtung des Fürst Liechtensteinischen Secundogenitur-Fideicom- 
missea und der Bestimmung Holleneggs zum Familiensitz kamen 
schlimme Zeiten für die Riegersbnrg, deren gewaltiger Gebäude- 
Complex bald mehr und mehr in Verfall gerieth. Aber nicht nur 
die Mauern zerbröckelten an allen Ecken und Enden, sondern auch 
die Rüstkammer, die Kapelle und alle Innenräume des Schlosses 
leerten sich allmälig meist zu Gunsten der Schlösser Hollenegg und 
Sebenstein, und namentlich nach Aufhebung der Patrimonialgerichte 
bedrohte die stolze Burgveste ein rapider Verfall. Ueber Intervention 
der Ober - Fideicommissbehörde und namentlich der thatkräftigen 
Verwendung des damaligen Feideicommiss-Anwärters Fürst Alfred 
Liechtenstein begann jedoch um das Jahr 1872 unter der gewissen- 
haften und kunstverständigen Leitung des fachwissenschaftlich als 
Architekt gebildeten Gutsverwalters Victorin Pfisterier, eine 
durchgreifende Restauration der ganzen Burgveste, und zwar mit 
einem durchschnittlichen Kostenaufwande von jährlich circa 2000 fl., 
die die Riegersburg wohl für immer dem Verfalle entrissen hat. 

Der Castellan führt die Freniden meist zuerst rechts auf 
den Aussichtsbalcon, um ihnen die herrliche Augenweide der 
von diesem Punkte sich erschliessenden bezaubernden Rund- 
schau zu verschaffen. Von hier geleitet nun der Castellan den 
Wanderer in die Schlossräume, mit nachstehender Reihen- 
folge. Durch den ersten Schlosshof in den zweiten, zu den 
von einer prächtigen schmiedeisernen Laube tiberdeckten 
alten Ziehbrunnen, wo dem Besucher die Aufgabe gestellt 
wird, das in der Brunnenkrönung eingeflochtene Hufeisen zu 
suchen. Der Brunnen ist 27 Meter tief im Felsen gehauen 



~ 384 — 



und mit zwei den halben Schlosshof umfassenden Cisternen 
verbunden, und liefert das ganze Jahr hindurch eisig kaltes 
Wasser. 

Nun zurück in den ersten Schlosshof über die Treppe 
zur mit einem Pechkranz, Küstungsstticken etc. decorirten Vor- 
halle, von wo nun die eigentlichen Wohnräume des Schlosses 
betreten werden. 

1. Das Fürstenzimmer. Dieses schöne getäfelte Zimmer 

mit Holzplafoud, dessen 
Casetten mit einem über- 
reichen Intarsienmuster 
bemalt sind, ist voll- 
ständig restaurirt und 
macht dasselbe durchaus 
den traulichen Eindruck 
eines reich ausgestatteten 
Wohnraumes im Style 
deutscher Benaissance. 
Hier befindet sich ein 
Himmelbett mit Sticke- 
reien der Gallerin, wel- 
ches vom ICastellan als 
ihr Ehebett bezeichnet 
wird. Von diesem Zimmer, 
in welchem Erzherzog 
Karl am 8. Juli 1568 
übernachtete , gelangt 
man unmittelbar in das 
2. Sibyllen-Zimmer, 
auch Hexenzimmer 
genannt, welches an der 
nördliclien Ecke des 
Schlosses , gerade über 
jener Stelle des Burg- 
felsens, der überhängt, 
situirt ist. Hier hängen 
die Bildnisse von zwölf 
Sibyllen und jenes der „Hexe von Riegersburg" Katbarina Paltauf, 
Pflegerin daselbst. Dieses interessante, jüngst vom Akademie- 
Director H. Schwach in Graz glücklich restaurirte Porträt, gibt ein 
charakteristisches Bild jener leidenschaftlichen und sinnlichen Gattin 
des Pflegers auf der Riegersburg, Johann Paltauf, die am 23. Sep- 
tember 1675 mit drei anderen Hexen in Feldbach auf dem Scheiter- 
haufen endete, als letzte Opfer jenes grossen Hexenprocesses, der 




Katharina Paltauf, 

Pflegerin zu Riegersburg, am 23. September 1675 
zu Feldbach als Hexe verbrannt. 



- 385 — 

vier Jahre dauerte. Wohl deuten die zwei Blumensträusse, mit welcher 
der Maler das Porträt der Paltauf zierte, auf ihre Blumenliebe, 
aber die Sage, sie wäre in Folge ihrer Kunst, im Winter Blumen 
zum Blühen zu bringen, als Hexe verbrannt worden, ist ohne jede 
historische Grundlage, dagegen geht aus den im Schlosse Hainfeld 
vorhandenen Verhörsprotokollen zweifellos hervor, dass die Paltauf, 
wie alle übrigen damals in Feldbach verbrannten Hexen, nur in Folge. 
Theilnahme an den vom Pfarrer in Hatzendorf, Agricola, arran- 
girten nächtlichen übersinnlichen Hexengesellschaften, angeklagt und 
hingerichtet wurde. (Siehe Feldbach.) Die Sibyllenbilder zeigen nach- 
stehende Inschriften: 

1. Sibilla cumana. D. Stirpe Juden. 2. Sibilla persica. Fit salus 
in gremio virginis. 3- Sibilla elespontica. D. Virgine hebrea. 4. Sibilla 
aegjrptica. D. Mater deus. 5. Sibilla erytraea. Jacebitur in Foeno. 6. Sibilla 
saniia. Wascetur D. paupercula. 7. Sibilla phrygia. Anonciabit virgo. 8. Si- 
billa cumea. Jam redit virgo. 9. Sibilla lybica. Tenebit in gremio virginis. 
10. Sibilla tirburtina. Obelix illa raater. 11. Sibilla delphica. Sine maris 
evitu. 12. Sibilla europea. Egreditur D. Vtero virginis. 

Von diesem kleinen Zimmer Öffnet sich eine wahrhaft be- 
zaubernde Aussicht über den ganzen riesigen nördlichen Horizont 
der Burgveste. Im Jahre 1848 waren diese beiden und noch drei 
daran anstossende Zimmer von einer aus 13 Artilleristen, 45 un- 
berittenen Kürassieren und 32 Jägern und 2 Officieren bestehenden 
Besatzung belegt. 

3. Das Bilder-Zimmer. Dasselbe hat mehrere Decken- 
gemälde. In der Mitte die Parzen, an den Ecken die vier. Jahres- 
zeiten allegorisch dargestellt, an den Wänden befinden sich mehrere 
Oelgemälde, wahrscheinlich Copien guter Originale, u. zw. Amazonen- 
schlacht mit der Chiffre G. A. E. 1648, der Raub der Proserpina, 
badende Nymphen, die Enthauptung Johannes', eine ruhende Diana 
etc. Die meist beschädigten Bilder sind von geringem Kunstwerth. 

4. Das Römerzimmer. Die Wände sowie die einfach ge- 
täfelte Decke sind mit Gemälden geziert, wovon jedoch nur die 
Wandgemälde von einigem Kunstwerth sind, während die die Helden- 
thaten aus der römischen Geschichte darstellenden Deckengemälde 
in Gouachemanier ziemlich dilettantenhaft gemalt sind. Wand- 
gemälde: 1. Romulus und Remus, 2. allegorische Figur, Roma, 3. Sa- 
lomons Urtheil, 4. Daniel in der Löwengrube, 5. Enthauptung des 
Königs Cyrus, 6. heil. Magdalena (gutes Bild), 7. der Evangelist 
Marcus, 8. Diana etc. Deckengemälde: Im Westen: Marcus Curtius 
stürzt sich in einen Abgrund, ein Rabe setzt sich auf den Helm 
des mit einem Gallier kämpfenden Valerius (Corbus) und blendet 
durch seinen Flügelschlag die Gallier. Im Norden: Mucius Scävola 
hält seine Hand ins Feuer, nachdem er statt des Porsena dessen 
Geheimschreiber erstochen hat. Horatius Codes vertheidigt die 
Subliciusbrücke über die Tiber. Im Osten: Der dritte Horatier erschlägt 

25 



— 386 — 

die einzeln nacheilenden Curiatier. Titus Manlius (Torquatus) über- 
windet einen Gallier und entreisst ihm seine goldene Kette. Im 
Süden: Romulus und Remus an einer Wölfin saugend. Remus 
wird von Romulus erschlagen; im Hintergrunde Erbauung Roms. 
Die Mitte des Deckengemäldes zeigt Scipio's Triumphzug. Die Hand- 
lung jedes dieser Gemälde wird durch vierzeilige, ziemlich hol- 
perige Verse erklärt. Daran stösst 

5. Das Tnrkenzimmer, welches nur einen hübschen Kamin 
aus Sandstein mit der Jahreszahl 1588 und einige Porträts enthält. 
Diese Flucht Zimmer ist mit einem offenen Corridor direct mit deu 
eigentlichen Festräumen des Schlosses, dem Rittersaal und dem 
„weissen Saal" verbunden. 

6. Der Rittersaal. Dieser mächtige glänzend, decorirte Saal 
ist über 20 M. lang, über 8 M. breit und 5V2 M. hoch und wird 
durch sechs Doppelfenster gut beleuchtet. Die Decke des Saales 
zeigt eine prächtige Vertäfelung, deren reich profilirte Casetten 
und Felder durch vergoldete Zapfen, stylisirte Waldfrüchte dar- 
stellend, geziert sind. Von höchstem Kunstwerthe sind jedoch die 
drei herrlichen Thttrportale dieses Saales, die überhaupt das 
Schönste sind, was Steiermark in dieser Richtung besitzt. Im Style 
noch guter deutscher Renaissance gehalten, ist ihr ganzer reichst 
gegliederte architektonische Aufbau auf das Ueppigste mit Schnitzwerk 
und ornamentalen Intarsien (Einlegearbeit) geziert; wie auch die 
prächtigen Schlösser im Einklänge mit dem ganzen künstlerischen 
Werthe dieser Thürportale stehen. Decke und Thürportal wurden 
in den Jahren 1872 — 1874 von dem schon erwähnten, sehr talen- 
tirten Kunsttischler in Riegersburg, Karl Fi scheut in, mit grossem 
Geschicke einer gründlichen Restauration, bei welcher ein grosser 
Theil der Vertäfelung erneuert werden musste, unterzogen 

In der Ecke des Saales erhebt feich der gewaltige viereckige 
Kachelofen, der, sich einmal verjüngend und oben schön bekrönt, 
nahezu zur Decke reicht. Der Ofen ist durch farbige Glasuren von 
sehr ruhigen milden Farbentönen belebt und verdient eingehende 
Beachtung. Eine hübsche Renaissance-Truhe zeigt die Jahreszahl 1620, 
während am Fussboden des Saales die Jahreszahl 1676 zu lesen 
ist. In einer Fensterscheibe des Saales ist nachstehender (wiederholt 
erneuerter) eingeritzter Spruch zu lesen: 

Anno 1635 den 6. April hat ssich dass ssauffn angehbt Vnd 
AU Tag ein Ravsch geben biss Auff den 26. detto. 
An den Wänden befinden sich mehrere Familienporträts frttherer 
Besitzer der Burgveste, darunter das lebensvolle Porträt der Schöpferin 
der Riegersburg in ihrer heutigen Gestalt, der Katharina Elisa- 
beth Freifrau v. G aller, geb. Wechslerin, der Letzten ihres 
Geschlechtes, deren Name wie kein anderer mit dieser Burgveste 
innig verbunden ist. (Siehe Geschichte der Burg.) ^ Auch die lebens- 
grossen Porträts der Brüder Ursenbeck, unter welchen der Castellan 



— 387 — 

den Besucher den „bösen Bruder" suchen lässt, finden sich hier. 
Ohne allen Grund werden die Bröder in Verwechslung eines im 
Jahre 1484 auf Schloss Reichenburg stattgefundenen Brudermordes 
als „feindliche Brüder" bezeichnet, der Brudermord fand jedoch 
zwischen Niklas v. Reichenburg und seinem Bruder statt, die 
allerdings auch Kiegersbnrg besassen, nicht aber unter den Ursen- 
beck. Ausserdem befinden sich hier die Porträts mehrerer Purgstall, 
des Freiherm v. Galler, ersten Gemahls der Katharina Elisa- 
beth Wechslerin, der dieser Ehe entsprossenen Tochter Regina 
(stets Fräulein Regerl genannt), des Freiherrn v. Stadl, der herkulischen 
Gestalt der Margaretha v. Ursenbeck, mehrerer Regenten etc. 
Die meisten dieser Gemälde besitzen Kunstwerth. 

Der Rittersaal wurde 1600 von Hanns Freiherrn v. Stadl erbaut. 
Vom Rittersaale tritt man in ein Nebenzimmer, das sogenannte breite 
Zimmer, in welchem ein prächtiger Ofen, ein wahres Meisterwerk 
der modernen Keramik, erst vor zwei Jahren aufgestellt wurde. Der 
nach Professor Ortweins reizendem Entwürfe vom Hafnermeister 
Wudia mit einem Kostenaufwande von circa 2000 fl. künstlerisch 
ausgeführte Ofen zeigt vorne in reichster Polychromie das Fürst 
Liechtenstein'sche Wappen und auf den beiden anderen sichtbaren 
Seiten Medaillonporträts, während die vier Ecken von Rittergestalten 
flankirt werden. 

Dieser prächtige Ofen gibt einen erfreulichen Beweis, in welchem 
Massstabe Fürst Alfred Liechtenstein die Restaurirung dieser Burg- 
veste durchzuführen gesonnen ist. 

Durch eine andere Thüre gelangt man vom Rittersaale in 
den sogenannten weissen Saal, der, im Gegensatze zu den warmen 
Holztönen des Rittersaales, vom weissen Marmorflies des Fussbodens 
bis zu der reizend mit Stucco verzierten Decke überall nur einen 
blendend weissen Farbentoh zeigt. Der schöne, gewölbte Saal diente 
als Speisesaal und ist eine echte Schöpfung der Gallerin, woran der 
an der Decke zu lesende Spruch erinnert: 

Baven ist ein schöner Lust 
Was es mich kost ist mir bewusst. 
MDCLVIIL 
und gegenüber: Katharina Elisabetha Frav Gallerin, Frei Frav 
geborne Wechslerin. Wittib. 

An der Decke zeigen sich noch mehrere schöne Fresken, die vier 
Menschenrassen symbolisirend. In der Mitte des Saales befindet sich 
eine vom Kunsttischler Fischentin nach seinem eigenen Entwürfe aus- 
geführte, zierlichst eingelegte Thüre, deren schöne Farben wirkanj? 
jedoch von dem weissen Farbenton dieses Saales beeinträchtigt wird. 
Am Ende des Saales steigt eine doppelte Freitreppe, von einem zier- 
lichen schmiedeisemen, einst vergoldeten Geländer begleitet, zu einer 
in andere Gemächer (Credenzzimmer etc.) führenden Thüre empor, 
l^un die Treppe hinab zur Kapelle, welche im Thorgebäude des 

25* 



— 388 



Hausthores liegt und im Gewölbe noch die gothischen Rippen, als 
einzige Erinnerungen an die mittelalterliche Bauperiode des Schlosses, 
zeigt. Hier stand ein prächtiger Flügel altar mit dor Inschrift : Hanns 
V. Reichenburg und Maria Ungnadin 1428. der mit so vielen anderen 
Kunstschätzen der Riegersburg nach Hollenegg kam. 

Der Hochaltar zeigt schöne Renaissanceformen, noch besser 
ist der Seitenaltar mit langer Inschrift, welche meldet, dass K. 

Elisabeth Gallerin, geborne 
^-1f>?f^^^'3S^ Wechslerin, Wittib, diesen 
Altar 1658 errichten Hess. 
Auch zwei spätgothische 
kleine Heiligenstatuetten und 
einige kunstvoll Antipendien, 
eine Eirchenfahne von 1628 
etc., verdienen Beachtung. 
Damit scheiden wir von der 
Hochburg, aus deren Fen- 
stern wir überall eine unbe- 
grenzte , wunderbare Aus- 
sicht von Ungarn bis Kärn- 
ten und von Niederösterreich 
bis nach Croatien genossen 
haben. 

Hat man wieder das 
siebente Thor im Kücken, 
so öffnet der Castellan die 
Pforte, die zum Eselssteig 
führt, und wir empfehlen 
den Besuchern, über diesen 
ganz in den Felsen gehauenen 
Steig den Rückweg in den 
Markt zu nehmen. 

Nach Aussen weisen die 
noch vorhandenen Rollen , 
dass das Thor mit einer 
Zugbrücke versehen war. 
Auf 121 in den Fels ge- 




Pforte zum Eselssteig. 



hauenen Stufen führt der Eselssteig, zur Linken von einer starken, 
mit Schiessscharten versehenen Mauer flankirt und durch drei 
befestigte Thore vertheidigt, an der Westseite des Burgfelsens zu 
seinem nördlichen Fusse Linab. In 10 Minuten gelangt man, zuletzt 
an verfallenen Bollwerken vorbej, in einen schönen Nadelholzwald, 
dem „Hauswaldc*. Blickt man jetzt aufwärts, so steigt senkrecht 
über dem Beschauer in grauenhaften Abstürzen der gewaltige, von 
der Hochburg gekrönte Burgfelsen auf und man lernt erst hier die 
ganze Kühnheit des Baues dieser Perle der steirischen Burgen schätzen. 



— 389 — 

Wenige Schritte zur Rechten führen uns zum Pfarrhofe, von welchem 
wir auf der Strasse in einigen Minuten wieder den Markt erreichen. 

Geschichte der Riegersburg. So gewaltig die Burgveste 
ist, so dürftig sind die Nachrichten ihrer Geschicke, die die Geschichte 
uns überliefert hat. Schon die Römer sollen der Sage nach den Burg- 
felsen befestigt haben, der Römerstein, auf welchen sich diese Ver- 
muthung stützt, ist jedoch verloren gegangen. Erst im 12. Jahr- 
hundert wird zum erstenmal ein Otto v. Riegkhersburg als Besitzer 
des Schlosses, und 1143 Hartneid urkundlich erwähnt. Im Jahre 1238 
vertheidigte sich hier längere Zeit Agnes von Meran, Gemahlin Friedrichs 
des Streitbaren, nachdem Kaiser Friedrich den Flerzog in die Reichs- 
acht erklärt hatte. Hierauf kam das Schloss in den Besitz des 
Landesfürsten, der es theils durch Burggrafen verwalten Hess, theils 
als Lehen vergab, und erscheint 1393 ein Steinpeiss als Burggraf; 
später aber finden sich die Walsee als Lehenbesitzer bis 1478, wo 
Reinprecht von Reichenburg Riegersburg eigenthümlich erwarb. Diese 
Familie blieb nun über ein Jahrhundert im Besitze der Burg bis 
zu ihrem Aussterben, worauf die iRiegersburg durch Vermählung der 
letzten Reichenburg, Margaretha, mit Ruprecht Welser, an die reich- 
begüterte Familie Welser, und von dieser wieder durch Erbschaft 
1571 an Erasmus Ritter v. Stadl überging. Der neue Besitzer baute 
viel an dem Schlosse und gründete das Marktspital. Auch sein Nach- 
folger Hanns Freiherr v. Stadl führte auf der gewaltigen Burgveste 
viele Neubauten auf, darunter auch den Rittersaal. In seinem Testa- 
mente wird nun auch eines unteren Schlosses erwähnt, im Gegensatze 
zu dem oberen Schlosse. Allein noch vor seinem Tode verkaufte 
Hanns Freiherr v. Stadl am 30. Juli 1618 die Herrschaft Riegersburg 
an Georg Christoph v. Ursenbeck (Urschenpekh) um 115.000 fl. rhein. 
Nach dem Tode Ursenbeck's erhob sich ein verwickelter Erbstreit, 
der damit endete, dass im Vergleichswege Freiherr Seifried von 
Wechsler um die Summe von 105.000 fl. rhein. die Herrschaft erwarb. 
Nach dem Tode Seifried's 1638 gelangte die Herrschaft Riegersburg 
in den Besitz seines Onkels Sigmund Freiherrn v. Wechsler, dem 
letzten männlichen Sprossen der Wechsler. Dieser starb 1648 und 
nun fiel die Riegersburg an seine Nichte, der Schwester Seifried's, 
Katharina Elisabeth, seit Frühjahr 1630 vermählt mit Hans 
Wilhelm Freiherm v. Galler, k. k. Hofkriegspräsidenten und Festungs- 
commandanten in Kopreinitz, und mit dieser Burgeigenthümerin tritt 
die interessanteste und wichtigste Gestalt unter der langen Reihe 
der Besitzer der Riegersburg auf. 

Katharina Elisabeth, allgemein bekannt als die „Gallerin^, 
im Volksmunde die schlimme Liesl genannt, wurde wahrscheinlich 
um das Jahr 1607 als die Tochter des Obristen Freiherrn Hanns 
Wechsler, seit 1606 vermählt mit Katharina Haslinger, geboren, und 
zeigte schon in ihrer Jugend einen starken männlichen Geist und 
grosse Vorliebe für die Geschichte der Vorzeit, der Heldenthaten 



— 390 



berühmter Rittergeschlechter und der Wappenkunde. Eine ebenso 
kühne Reiterin wie Jägerin, zog sie stets die Gesellschaft der 
Gavaliere der Stille des Frauengemaches vor, und so bildete sich 
bei ihr schon in der Jugend jener selbstständige willensstarke Geist 
aus, der sie Zeit ihres Lebens in eine endlose Reihe von Processen 
verwickelte. Schon der Heiratscontract beschränkte den Mitbesitz 
ihres Gemahles bezüglich Riegersburg sehr, und als derselbe aus d» r 
Waffenkammer ohne ihr Wissen einige werthvolle Stücke veräusserte, 
errichtete sie den Vergleich vom 1. Mai 1649, nach welchem sie 

gegen Zahlung von 15.000 fl. 
an ihren Gemahl alleinige Ei- 
genthtimerin der Burg wurde. 
Wenige Monate hierauf starb 
ihr Gemahl. Nun war Freifrau 
Katharina Elisabeth Galleriu 
„Wittib" und diese Periode 
ihresWitwenthums war die wich- 
tigste ihres Lebens. Jetzt voll- 
endete sie ihren alten Lieblings- 
plan, hier eine Burgveste zu 
bauen, wie sie, höchstens Eggen- 
berg ausgenommen, im ganzen 
Lande nicht wieder zu finden 
sein soll. Prunkvoll, und doch 
wehrhaft wie kein anderer Edel- 
sitz in Steiermark, sollte die 
Riegersburg werden und damit 
wollte sie sich ein Denkmal 
setzen, das sie Jahrhunderte 
überleben sollte. Alle Inschriften 
im Schlosse sprechen deutlich 
von ihrem Wunsche, derNachwelt 
zu verkünden, dass nur sie, die 
Wechslerin allein als Wittib den 
ganzen Umbau der Riegersburg 
ausgeführt hat, wie sie auch nur immer ihr Hauswappen und nie 
jenes ihrer drei Ehegatten am Schlosse anbringen liess. Eifrige 
Patriotin und strenggläubige Katholikin, stand sie doch, ihre Rechte 
als Herrschafts-Eigenthümerin übereifrig wahrend, durch über 40 Jahre 
mit der Geistlichkeit, dem Adel und dem Militär in stetem Streite, 
aus welchem sie in letzter Linie zumeist als Siegerin hervorging, 
wenn auch die unteren Behörden gegen sie entschieden. 

Da die Regierung immer energischer auf eine Besetzung der 
Burg als Grenzveste durch eine Militärabtheilung drang, so vermählte 
sich Katharina Elisabeth am 20. October 1660 mit dem kaiserlichen 
Obristen Freiherrn Detloff v. Kapeil, wodurch sie zwar die Belegung 




Katharina Elisabeth Freifrau v. 
Galler, geb. Wechslerin. 



— 391 — 

der Burg mit einer landesfürstlichen Besatzung nicht verhindern 
konnte, wohl aber der üebertragung des Commando^s an einem ihr 
unbequemen Officier begegnete. Kapell fiel jedoch in der Schlacht 
bei St. Gotthardt im Jahre 1664 und Frau Katharina Elisabeth war 
nun abermals „Wittib'*. In dieser Zeit erreichte sie von den Ständen, 
dass sie wenigstens die Verpflegung der Besatzung bestritten. Schon 
nach 10 Monaten war jedoch die nun schon 58jährige Wittib aber- 
mals vermählt und zwar mit Hanns Rudolf Freiherrn v. Stadl. Diese 
Ehe war aber eine undttckliche, und musste die stolze „Gallerin" 
zuletzt die rohesten Misshandlungen von Seite ihres um mehr wie 
30 Jahre jüngeren Gemahls erdulden. Diese Umstände führten zur 
Scheidung, worauf die Gallerin ihre ganze Liebe ihrer einzigen, 
aus ihrer ersten Ehe hervorgegangenen Tochter Regina (Frl. Regerl), 
die an Johann Ernst Freiherrn v. Purgstall vermählt war, zuwandte 
und auch mit Testament vom 31. Mai 1669 die Herrschaft Riegers- 
burg dieser ihrer Tochter und ihren Leibeserben vermachte. So 
kamen nach dem am 12. Februar 1672 erfolgten Tode der Freiin 
Katharina Elisabeth ihre Besitzungen an die Purgstall, und zwar 
zunächst an dem Erbauer der ausgedehnten Befestigungen und Vor- 
werke Johann Ernst, seit 9. December 1670 Graf v. Purgstall. Nun 
blieb die Riegersburg in dem Besitze der Purgstall bis zum Erlöschen 
dieses Geschlechtes mit Wenzel Raphael v. Purgstall am 7. Jänner 
1817. Die Erben verkauften hierauf in öffentlicher Versteigerung 
die Herrschaft Riegersburg sammt dem Schlosse am 28. October 
1822 um 150.000 fl. an Fürst Johann v Liechtenstein, der dieselbe 
wieder zum Secundogenitur-Fideicommisse bestimmte und im Jahre 
1836 seinem Sohne Franz Fürst von Liechtenstein hinterliess, von 
welchem es in direct absteigender Linie an den derzeitigen Fidei- 
commiss-Besitzer Alfred Fürst Liechtenstein überging. Mit dem Besitz= 
antritte Alfred Fürst Liechtenstein^s, der erst vor wenigen Jahren 
erfolgte, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach die herrliche Burg- 
veste, die Perle der steirischen Schlösser, die einst zu Gunsten 
HoUenegg's so grausam beraubt wurde, zu neuem Leben, zu neuer 
Blüthe erwachen; schon macht sich überall ein regeres Tempo in 
der Wiederherstellung der einst so prunkvollen Innenräume bemerkbar 
und alle Kunst- und Vaterlandsfreunde könnten es gewiss nur dank- 
barst begrüssen, wenn der neue Fideicommiss-Besitzer sich unent- 
wegt die Wiederherstellung der stolzesten Burgveste des Landes, 
und damit die Vollbringung einer wahrhaft patriotischen und echt 
fürstlichen That zum Ziel setzen würde. 

Umgebung. Die Umgebung Riegersburgs, welches sich 
auch als Sommerfrische sehr gut eignet, ist reich an schönen 
Nadelholz- wie Buchenwäldern, und erschliessen sich daher 
viele schattige Spaziergänge durch den Hauswald, den Haupt- 
pfarrwald und durch die Santen nach Hofberg, nach Breiten- 



— 392 — 

feld, Altenraarkt und Schloss Johnsdorf. Schönster Spazier- 
gang auf den Schlossberg mit herrlichen Laubgängen und 
wundervoller Aussicht. Wer nicht den gleichen Rückweg 
nehmen will , kann in 1 ^/s^ Stunden zur Station Hatzendorf 
gehen und von hier tiber Fehring die Eisenbahn benützen. 
Nördlich führt die Strasse in 2 Stunden nach Ilz, östlich 
erreicht man in iy2 Stunden Söchau. Historisch interessant 
ist auch der ürtlteich bei Riegersburg, die Richtstätte des 
Ortes. Der Ausflug nach Riegersburg zählt zu den 
lohnendsten der mittleren Steiermark. 

0. Feldbaoli-Gleiolienbepg. 
Gleichenberg. 

Gleichenberg, eine Perle unseres Wandergebietes, bietet 
mit seinem entzückend schönen Curorte, seinen interessanten 
vulcanischen Felsenkegeln, den romantischen Waldschluchten, 
den prächtigen Schlössern der Umgebung, und vor Allem durch 
seine mühelos erreichbaren Hochwarten mit überraschend gross- 
artiger Rundschau, auch in touristischer Hinsicht so viel des 
Lohnenden und Angenehmen, dass es zu den dankbarsten Aus- 
flugsorten, welche von Graz in 1 -- 1 y2 Tagen überhaupt besucht 
werden können, gezählt werden muss. Namentlich empfiehlt es 
sich von Graz Nachmittags mit dem um ^/cfi Uhr abgehenden 
Zug abzufahren und nächsten Tag Abends rückzukehren. 

Wien: Abfahrt 7 Uhr 15 Minuten Früh, Graz: an 12 Uhr 
35 Minuten Nachmittags, ab 1 Uhr 20 Minuten Nachmittags, Feld- 
bach : an 3 Uhr 36 Minuten Nachmittags. -- Wien über Steinamanger, 
ab in Wien: 7 Uhr Früh, Steinamanger: an 10 Uhr 42 Minuten 
Vormittags, ab 3 Uhr 12 Minuten Nachmittags, an in Feldbach: 
5 Uhr 33 Minuten Nachmittags. — Graz -Feldbach täglich drei Züge. 
Sonntag und Feiertag ein Extrazug morgens ab von Graz um ^/^^ Uhr. 
Täglich zweimalige Postverbindung im Anschlüsse an den Morgen- 
postzug und an den Nachmittagzug, per Person 80 kr. — Fiaker, 
stets in grosser Anzahl am Bahnhofe, nach Gleichenberg : Zweispänner 
3 fl. 80 kr., Einspänner: 2 fl. 50 kr., Fahrtdauer 60—70 Minuten. 

Fussgeher gehen in 1 % Stunden auf nachstehendem Wege 
nach Bad Gleichenberg. Durch Feldbach, sodann beim Rathhause 
links auf der Ungarstrasse einige hundert Schritte bis zu dem Weg- 



— 393 — 

weiser mit der Aufschrift : „Fussweg nach Gleichenberg." Nun rechts 
hinauf an der Thallehne und jenseits hinab, wo man bei einem 
Wirthshause wieder die Strasse erreicht. Nach circa 20 Minuten 
beginnt die Strasse in mehreren Serpentinen die Wasserscheide 
hinanzusteigen (die Serpentinen kürzt ein unscheinbarer schmaler 
Fusssteig). Auf der Höhe angelangt, verlässt man abermals die Strasse, 
die rechts bleibt, und schlägt den links abzweigenden breiten Fussweg 
ein. Strasse und Fussweg vereinigen sich noch einmal bei der Klausner 
Stahlquelle im Thale, trennen sich aber hier sogleich wieder, indem 
die Strasse rechts fortzieht, der Fussweg aber geradeaus durch die 
Gehöfte dieses Bades in den Wald führt und, ziemlich hoch ansteigend, 
in gerader Richtung gegen Bad Gleichenberg zieht, zu welchem man 
zuletzt direct durch eine schattige Allee absteigt. 

Fahrt nach Gleichenberg. Anfangs circa 10 Minuten 
im Raabthale auf der Fehringer Strasse, dann rechts in einem kleinen 
Thale fort zur Wasserscheide zwischen Raab und Mur hinan, meist 
durch Wald (meist Buchen und Birken). Von der Höhe senkt sich 
die Strasse zu der Häüsergruppe der Klausner Stahlquelle, welche 
von reizenden Anlagen umgeben ist. Nun durch ein wildroman- 
tisches enges Felsenthal; rechts tritt plötzlich auf steiler Höhe 
Schloss Trautmannsdorf mit dem sogenannten Hexenthurm, einer 
eigenthümlich schmalen, langen Bastion, überraschend heraus. Präch- 
tiger Nadelholzwald, gemischt mit schattigen alten Buchen und Eichen, 
mächtige bemoste Felsblöcke und ein rauschender Bach verleihen 
der Landschaft einen ebenso malerischen wie pittoresken Charakter. 
Nach 15 Minuten von der Klausner Stahlquelle öffnet sich bei dem 
Dorfe Gleichenberg der schöne gleichnamige Thalkessel, in welchem 
reizend an seinem nördlichen Rande die Villengruppen emporstreben, 
die die weltberühmten Heilquellen des Curortes Gleichenberg um- 
schliessen. Vom Dorfe Gleichenberg bis Bad Gleichenberg 10 Minuten. 
Die Strasse erreicht zuerst, ziemlich steil ansteigend, das Hotel 
Mailand und die Villa D'Orsay und senkt hierauf zu dem sogenannten 
Vereinshause hinab, welches das Centrum des Curortes bildet. Curort 
300 M. Seehöhe. 

Hotels und Gasthöfe für den Touristen: Stadt Mailand 
mit schattigem Sitzsrarten, Billard, auch im Winter; Baumerts Gast- 
hof; Wallnerhof; XJng. Krone (Dorf Sulz); Hirschenwirth ; Zampa; 
Klause; überall Sitzgärten. 

Lage und Klima. 

Wie die Natur als Abschluss einer heftigen vulkanischen 
Thätigkeit hier der Erde Säuerlings-Heilquellen entspringen 
Hess, welche mit den berühmtesten übrigen Säuerlingen Europas 
erfolgreich in Concurrenz treten können, so sorgt sie auch 



394 









? 




^ 396 — 

in wunderbarer Weise durch eine überaus günstige Confi- 
guration der die Heilquellen umschliessenden Gebirgsmassen 
für die möglichste Förderung der Heilkraft dieser Quellen. 

Diese Gebirgsmassen umschliessen nämlich mit ihren 
dicht bewaldeten Höhen und Thalgeländen, 200—300 Meter 
über dem Thalboden aufsteigend, das Bad Gleichenberg huf- 
eisenförmig derart, dass nur nach Süden das freundliche Thal 
offen bleibt, nach West und Ost, namentlich aber gegen Nord 
ein Hügel wall den Curort vollkommen vor rauhen Windströmungen 
derart schützt, dass Gleichenberg damit alle Vorzüge eines 
klimatischen Curortes erhält. Den Mittelpunkt des Hügeiwailes, 
der Gleichenberg auf drei Seiten umschliesst, bildet der grosse 
Gleichenberger Kogel (596 M.) gerade im Norden des Cur- 
ortes, denselben um circa 300 Meter überragend. Von ihm 
strahlt westlich und allmählig südlich ziehend ein Hügelzug 
aus, der mit dem schon südlich des Curortes liegenden, steil 
abfallenden Rudorfkogel (348 M.) endigt, während südöstlich 
ein zweiter Gebirgsarm, der mit dem gleichfalls bastionsartig 
abfallenden Wierberg resp. Hermannskogel im Süden des Cur- 
ortes endigt, im Bogen jenes kleine Becken umzieht, in welchem 
auf mehreren nahezu isolirt aus dem Thalboden aufsteigenden 
Hügelwellen so entzückend die mitten aus dem Grünen auf- 
ragenden zahlreichen Villeggiaturen des Curortes gelagert sind. 
Die bastionsartig abstürzenden Endpunkte dieser zwei im flachen 
Bogen Gleichenberg umspannenden Hügelzüge, der Rudorfkogel 
und der Hermannskogel, nähern sich südlich des Curortes derart, 
dass sich eine förmliche Thalenge bildet, welche von dem Sulz- 
bache durchbrochen wird. 

Erst nach diesem Durchbruche des Sulzbaches öffnet 
sich ein relativ breiter Thalboden nach Süd. Wichtig für die 
klimatischen Verhältnisse Gleichenbergs ist auch der lang- 
gestreckte, dicht bewaldete Höhenzug des „Hochstraden'', der 
mit 607 Metern culminirt, im Südosten des Bades, wodurch 
der Eintritt der Windströmungen von dieser Richtung ver- 
hindert wird. 

Das Klima ist demgemäss ein mildes, südlich - alpines, 
massig feuchtwarmes, mit den mittleren Sommerwerthen von 



— 396 — 

735 Millimeter Luftdruck, 18-780 Temperatur und 76% 
Feuchtigkeit. Es zeichnet sich vor Allem durch den Mangel 
jener raschen Wärmeschwankungen aus, die dem Hochgebirge 
mit seinem alpinen Klima eigen sind, und verhindert durch 
seinen höheren Gehalt an Feuchtigkeit das Austrocknen der 
gereizten Schleimhäute der Respirationsorgane. Der günstigen 
klimatischen Lage entsprechend, ist die Vegetation eine über- 
raschend tippige, wie auch ausgedehnte Nadelholz- wie Laub- 
holzwälder mit schönen alten Beständen nach allen Richtungen 
in unmittelbarer Nähe des Curortes sich ausbreiten, schattige 
Waldpromenaden erschliessend. 

Geologische Verhältnisse. 

Von ganz besonderem Interesse sind die höchst merkwürdigen 
geologischen Verhältnisse der Umgebung Gleichenbergs, über welche 
«ine eigene reichhaltige Literatur besteht ; namentlich hat sich damit 
der derzeit älteste Brunnenarzt Dr. Clar in neuerer Zeit eingehend 
beschäftigt. 

Aus den wogenden Fluthen im Innern der noch schwachen 
Erdrinde erhob sich vor Jahrtausenden eine feuerflüssige Masse und 
bildete erstarrt den Trachyt-Centralstock des Gleichenberger Kogels, 
der wie eine Insel über seine Umgebung emporgeragt haben muss. 
Mächtige Wassermassen flutheten um den Kogel und setzten Schichten 
von Sand, Tegel und Kalk an seinem P'usse ab, welche reichliche 
Reste der Bewohner dieses Meeres, und zwar der Schneckengattung 
Cerithium, deren spitze Gehäuse nebst anderen Muschelgattungen sich 
zahlreich vorfinden, enthalten. Abermals öffnete sich der vulcanische 
Spalt, aus welchem der Gleichenberger Kogel emporgestiegen war, 
und verlängerte sich nach Norden, Osten und Süden, und neue isolirt 
aufstrebende Bergkogel begannen sich aus dem Meere zu erheben, 
so die Basalttuffe der Riegersburg, des Steinberges, des Kapfen- 
steinerkogels, des Rohrkogels und des Wierberges, und im äussersten 
Osten des Felsenkogels von Güssing, welchen später weitere Er- 
hebungen folgten, so namentlich der Hochstraden. 

Mehr und mehr erhob sich die Gegend um Gleichenberg und 
damit verliefen sich auch die grossen Wassermassen, nur einzelne 
kleine Südwasserbecken zurücklassend, und nun begann sich eine 
reiche, nach unseren heutigen Begriffen tropische Vegetation zu 
bilden, welche, in Schotter, Lehm und Sandschichten eingebettet, in 
so wunderbar vollständiger Weise uns überliefert würde, dass Prof. 
Dr. Unger daraus genau die fossile Flora Gleichenbergs bestimmen 
konnte. Namentlich in Waldsberg und Absetz zeigen sich Blatt- 



— 397 — 

abdrücke im Lehm, während im MUhlsteinbruche, am südöstlichen 
Fusse des Gleichenberger Kogels, ganze verkieselte Baumstämme 
als Holzopale zahlreich vorkommen, die, geschliffen, deutlich die Jahres- 
ringe, Zellen und Saftcanäle des Stammes erkennen lassen. Der 
letzte Act vulcanischer Tbätigkeit ist die Bildung der freien Kohlen- 
säure, die man überall, aus den Eruptionsspalten entweichend, an- 
trifft und der alle die vielen im Umkreise befindlichen und tief nach 
Süden reichenden Säuerlinge, und daher auch die wichtigsten der- 
selben, die Gleichenberger alcalisch-muriatischen und Eisen-Säuerlinge 
entspringen. 

Geschichtliche Entwicklung des Curortes. 

Die Entdeckung eines vollständig erhaltenen römischen 
steinernen Brunnenschachtes, auf dessen Grunde man im Jahre 1845 
74 römische Münzen aus der Zeit von 14—284 n. Ch. (nebst einigen 
Haselnüssen) fand, liefert den Beweis, dass schon die Römer die 
Heilkraft der Gleichenberger Quellen kannten und sich zu Nutze 
machten. Später scheinen aber die Quellen ganz in Vergessenheit 
gekommen zu sein, bis Ende des vorigen Jahrhundertes mehrere 
Aerzte, und zwar namentlich Dr. Gleissner, wieder die Aufmerksamkeit 
auf diese Säuerlinge zu lenken suchten, leider ohne nennenswerthen 
Erfolg. Erst um das Jahr 1819 begann sich mindestens der Flaschen- 
versandt zu heben, eine Badeanstalt, ein Curort war aber noch immer 
nicht entstanden. Erst mit dem edlen Gouverneur der Steiermark^ 
Sr. Excellenz Mathias Constantin Reichsgrafen v. Wicken- 
burg, dessen Andenken stets ehrenvollst im Herzen des steirischen 
Volkes fortleben wird, entstand dem vergessenen wüsten Brunnen- 
thaie ein Retter und Gründer. 

lieber Anregung des Arztes Dr. Ignaz Werle in Graz entschloss- 
sich Graf Wickenburg im Frühjahre 1833 die Quellen selbst zu be- 
suchen. In Gleichenberg angekommen, war er von der paradiesischen 
Landschaft, mit welcher die Natur so fürsorglich den köstlichen, aber 
noch in der Erde schlummernden Heilquell umgeben hat, so entzückt, 
dass er mit dem Entschlüsse nach Graz zurückkehrte, seinen ganzen 
Einfluss aufzubieten, Gleichenberg zu einem Curorte umzugestalten. 
Wohl waren die Heilquellen in primitivster Fassung zum Theile 
schon bekannt, aber sie waren im Besitze von Bauern, überall fehlten 
Communicationen, Moräste und Sümpfe erfüllten die Niederungen, und 
eine elende Schenkhütte bildete die gastliche Oase in der felsigen 
Wildniss. 

Aber mit der ihm bei Verfolgung gemeinnütziger Zwecke stets 
eigenthümlichen Energie und ausdauernden Thatkraft schritt der 
edle Graf sogleich zur Verwirklichung seiner weit ausgreifenden Pläne,, 
und im Jahre 1834 (10. Juni) bildete sich unter seiner Aegyde ein 
Actien-Verein zum Ankaufe sämmtlicher Quellen. Es wurden 800 



- 898 — 

Actien h 100 fl. CM. ausgegeben, die schnell vergriffen waren, so 
dass noch eine weitere Emission von 200 Stück gleichwerthiger Actien 
erfolgen konnte, und bildet dieses relativ kleine Actiencapital von 
105.000 fl. ö. W. heute noch das einzige Stammcapital des „Gleichen- 
berger- und Johannisbrunnen- Actien -Vereines", welcher heute nicht nur 
Eigenthümer sämmtlicher Quellen und der ausgezeichneten Curmittel 
ist, sondern auch durch Anlage von 60.000 Metern theilweise bis zur 
Mur geführter Gräben und Canäle das ganze Brunnenthal, die Sulz- 
leiten vollständig trocken gelegt, und durch Herstellung guter Zufahrts- 
strassen und zahlloser reizender Fusswege den Curort bequem zu- 
gänglich, und dessen paradiesisch schöne Umgebung den Leidenden, 
wie den Touristen erschlossen hat. In der ersten Generalversammlung 
am 15. Jänner 1835 wurde einstimmig beschlossen, die Hauptquelle 
zum bleibenden Andenken an den Schöpfer des Gurortes Constautin- 
quelle zu nennen. Nach Vollendung aller projectirten Vorarbeiten 
konnte am 1. Mai 1837 unter Leitung des Brunnenarzies Dr. A. Werlö 
die erste Saison eröffnet werden und es erschienen 118 Fremde 
zum Curgebrauche, welchen 2009 Bäder verabreicht wurden, während 
333.460 Flaschen zum Versandt kamen. 

Seither hat sich der Curort, der jetzt einen Weltruf geniesst, 
unter der zielbewussten Leitung der Direction des Actienvereines, 
welcher heute der Sohn des Gründers des Bades, Graf Ottokar V^icken- 
burg, von den gleichen hochherzigen und menschenfreundlichen In- 
tentionen, wie sein unvergesslicher Vater beseelt, präsidirt, zur 
schönsten Blüthe entfaltet, und verstand es die Direction des Vereines 
die ausser Graf Ottokar Wickenburg, aus dessen Sohn Graf 
Max Wickenburg als Vicepräsidenten und den Ausschüssen Dr. 
J. Sock, Dr. Konrad Clar, Dr. Höffinger, Dr. juris Saria und 
G. Holz er besteht, nicht nur alle Arten der Curmittel stets auf 
dem neuesten Standpunkte der Wissenschaft zu erhalten, sondern 
vielmehr durch Schaffung oft mit den grössten pecuniären Opfern 
durchgeführter mustergiltiger Einrichtungen, so namentlich bei der 
Quellsool-^erstäubung, den Inhalationen, den Respirationsapparaten 
und der pneumatischen Kammer, bahnbrechend für die Vervollstän- 
digung der Curmittel ähnlicher Curorte zu wirken. 

Um die Verbreitung und wissenschaftliche Begründung des 
Rufes des Curortes für Lungenleidende machte sich insbesonders 
Dr. W. Praäil, der von 1843 — 1870 als Vereinsarzt wirkte, verdient, 
während in neuerer Zeit namentlich die Brunnenärzte Dr. Konrad 
Clar und Dr. Karl Höffinger durch Publication erschöpfender Be- 
schreibungen des Curortes (siehe: „Der Curort Gleichenberg" von 
Dr. K. Clar, Wien 1886, W. Braumüller, und „Vademecum für Be- 
sucher des Curortes Gleichenberg" von Dr. C. Höffinger, 5. Auflage, 
Gleichenberg 1885) für die Verbreitung des Rufes des Curortes, sowie 
seiner Organisation Sorge trugen. Im Jahre 1875 beschloss die General- 
versammlung des Vereines die Verlegung des Sitzes des. Vereines, 



— 399 — 

der bis dahin in Graz war, nach Gleichenberg selbst, womit eine 
einschneidende Reorganisation desselben verbunden wurde, um welche 
sich Graf Oscar D'Orsay, ein Bruder der Gräfin Wickenburg, welcher 
die Stelle eines leitenden Directors bekleidete, in hohem Grade 
verdient machte. Seit 1883 fungirt Herr Karl Wolf als leitender 
Director des Curortes, zugleich als k. k. Cur-Inspector die politische 
Behörde repräsentirend, und hat sich Herr Wolf in seiner schwierigen 
Stellung, welche eine ebenso gewandte Repräsentation, als Umsicht 
und Thatkraft erfordert, gleichfalls viele Verdienste um das Auf- 
blühen des Curortes erworben. Im Jahre 1875 wurde der Curort 
Gleichenberg als selbständige, eigene Gemeinde vom Dorfe Gleichen- 
berg ausgeschieden und fungirt nun Graf Ottokar Wickenburg als 
erster Gemeindevorsteher. 

Die Cunnittel. * 

Hierzu gehören in erster Linie die Mineralquellen, und zwar: 

1. Die Constantin- und die Emma-Quelle unmittel- 
bar nebeneinander im Curorte selbst. Alkalisch-muria tische 
Säuerlinge. 

2. Der Johann isbrunnen, ^/c^ Stunde vom Curorte im 
Stradnerthale. Alkalisch-muriatischer Eisensäuerling. 

3. Die Klausen • Stahlquelle, 40 Minuten vom Curorte 
und die Natalie- Quelle (oder Faulsulz im Schmalisthale), 
45 Minuten vom Curorte. Reine Eisensäuerlinge. 

Eine Vergleichhng der Analyse der Constantinquelle mit 
dem berühmten Emser Kränchen zeigt, dass die Constantin- 
quelle gerade doppelt so viel feste Stoffe (namentlich Natron- 
salze), wie freie Kohlensäure, als die Emser Quellen enthalten. 

Als kräftigste Quelle kommt somit die Constantinquelle für 
Heilzwecke in Betracht, während die schwächere Emmaquelle mehr 
für Kinder und besonders empfindliche Kranke sich eignet. Der an 
freier Kohlensäure reichste Johannisbrunnen wird meist als mous- 
sirendes Luxusgetränk getrunken und versandt. Die Klausen-Stahl- 
quelle endlich eignet sich besonders zur Förderung der Blutbildung. 

Bevor wir in der Beschreibung der Curmittel fortfahren, müssen 
wir vorerst den Kreis der Krankheitserscheinungen präcisiren, für 
welche sich dieser Curort eignet; diese sind vor Allem: Katarrhe 
der Schleimhäute, und zwar sowohl der Athmungs- und Verdauungs- 
ais der Harn- und Geschlechtsorgane. Insbesonders indicirt sich 
Gleichenberg für Nasen-, Rachen-, Kehlkopf-, Luftröhren- und Bron- 



— 400 — 

chial-Katarrhe und deren Folgezustände, wie beginnendes Em- 
physem und kartarrhaliscbe Lungenentzündung. Dagegen eignet 
sich Gleichenberg durchaus nicht für Tuberculöse, für 
Schwindsüchtige. Weiters eignet sich Gleichenberg besonders 
für Magen- und Darmkatarrhe, für Blasenkatarrhc und für 
Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, sowie für Bleich- 
sucht junger Mädchen in der Entwicklungszeit und Blutarmath ver- 
schiedener Provenienz,*) 

Die Heilkraft der Quellen wird weiters durch nachstehende 
Cureinrichtungen gefördert : 

1. Die Molkencur. Ein Appenzeller Molkensieder besorgt 
unter ärztlicher Leitung die Bereitung von Ziegenmolke, welche einen 
wichtigen mildernden Zusatz zu den kräftigen Quellen bildet. 

2. Nebst der Molkencur wird auch die Milch- und Kefircur 
nach erprobten wissenschaftlichen Grundsätzen mit Erfolg angewandt 
und liefern 30 Ziegen, sowie die Kühe der Schweizer Meierei und 
einiger Hotels etc. hinreichende Mengen frischer Milch. 

3. Die Inhalationen. Die rationellst nach den Angaben 
Dr. Clar's ausgeführten Inhalations- Einrichtungen gehören zu den 
wichtigsten Curmitteln Gleichenbergs. Sie zerfallen in die Quellsool- 
Zerstäubung und in die Inhalation von Fichtennadeldämpfen. Für 
die Quellsoolzerstäubung bestehen ein 18 Personen fassender 
Saal und 14 Separat-Cabinen, elegant eingerichtet. Die Zerstäubungs- 
maschinen ermöglichen es , das Wasser der Constantin - Quelle in 
einen bis in die feinsten Bronchien dringenden Nebel aufzulösen. 
Sitzungsdauer y? Stunde. — Bei der Fichteninhalation werden 
täglich aus frischen Fichtenzweigen die ätherischen Oele abgesondert 
und dieselben sodann mittelst eines kräftigen Luftstromes aufge- 
nommen und in die Inhalationssäle weiter geleitet. Sitzungsdauer 
1 Stunde. 

4. Die Pneumatische Cur, pneumatische Kammer, welche 
mit einem Kostenauf wände von 12.000 fl. erst 1885 hergestellt wurde, 
hat 3 M. Durchmesser und bietet Raum für 9 Personen, ihre sinn- 
reichen, complicirten Einrichtungen, nach der Angabe Dr. Clars 
ausgeführt, sind die interessantesten des Curortes. Die Luftpumpen 
werden durch eine Dampfmaschine von 10 Pferdekräften in Betrieb 
gesetzt. Die Comprimirung der Luft wird durch einen Sachverstän- 
digen genauestens überwacht. Sitzungsdauer 2 Stunden. — Zur pneu- 
matischen Cur gehört auch der grosse Respirationsapparat 
im Füllhause, welcher 300 Liter Luft fasst. Jeder Besucher erhält 
ein Mundstück, welches die Einathmung verdichteter Luft und die 
Ausathmung verdünnter Luft wesentlich befördert. 



*) Gleichenberg eignet sich auch unter allen österreichischen Garorten am 
be«ten als üebergangsstation nach und von klimatischen Winter-Curorten, so nament- 
lich Gries, Bozen, Arco etc. etc. 



- 401 — 

5. Warme Bäder. Diese zerfallen wieder in einfache Süss - 
wasserbäder, in Sauerwasserbäder und in Bäder mit verschiedenen 
chemischen Zusetzungen, wie Klausner-Wasser, Fichtennadel-Ab- 
kochung; Malz, Kleie, Salz und Seife. Dem Badegaste steht die Ca- 
bine nur für 1 Stunde zur Verfügung. Alle Bäder werden in elegant 
eingerichteten Cabinen in Wannen genommen. 

6. Kaltwasser- Cur. Hydrotherapie. In dem Kaltbade mit 
Bassin werden alle hydropathischen Curen von einer geschulten 
Dienerschaft vorgenommen. 

Organisation des Curortes. 

Die Saison wird jährlich mit klingendem Spiele am 1. Mai 
eröffnet und endet mit 1. Oetober. In dieser Saisondauer unter- 
scheidet man wieder die Hochsaison, welche die Zeit vom 
10. Juni bis 10. August umfasst, während welcher die Zimmer- 
preise sich um circa 30 bis 40 Percent erhöhen. In der Regel 
benöthigen die Kranken eine 6 — 8-wöchentliche Cur, während 
einzelnen Leidenden das Verbleiben während der ganzen Saison 
in Gleichenberg sehr zuträglich ist. 

Curtaxen. Wer sich nur zwei Tage in Gleichen berg aufhält, 
hat keine Curtaxen zu zahlen. Wer mehr wie zwei Tage, jedoch 
weniger wie fünf Tage in Gleichenberg sich aufhält, hat für sich je 
1 fl. Cur- und Musiktaxe zu bezahlen. Kinder und Diener sind für 
diese Dauer frei. Curtaxe bei einem Aufenthalt über fünf Tage: 
Für eine Person 10 fl. ; für jede weitere Person, derselben Familie 
angehörig, 6 fl. ; für Kinder von 5—15 Jahren je 4 fl.; für Dome- 
stiken je 2 fl. 

Mineralwässer-Benützung: Für die Benützung der 
frischen, imprägnirten und gewärmten Mineralwässer der Gleichen- 
berger Quellen ist nichts zu entrichten. Für die Benützung der Bäder, 
Inhalationen, pneumatischen Kammer bestehen fixe Taxen. 

Wohnungen. An Fremde werden 80 Häuser und 
Villen mit 1160 Zimmern vermiethet. Bezüglich der Woh- 
nungen lasse sich Niemand durch die Reclame der Fiaker für einzelne 
Hotels und Miethhäuser beirren, sondern wende sich vielmehr in erster 
Linie an die Brunnendirection, welche jederzeit bereitwilligst jede 
Auskunft gratis besorgt. Die Ziramerpreise betragen in der Hoch- 
saison per Zimmer mit einem Bett 1 fl. bis 3 fl. per Tag, in der übrigen 
Saison 80 kr. bis 2 fl. per Tag. Service für eine Person 20 kr., für 
zwei Personen 30 kr., für drei Personen 40 kr. per Tag. Jedes 
weitere zur Benützung gelangende Bett kostet per Tag 40 kr. 
Kerze 10 kr., einmaliges Heizen 20 kr. 

26 



— 402 - 

Das combinirte Post- und Telegraphen-Amt be- 
findet sich im Vereinshause. — Postverkehr von der Station 
Feldbach der ungarischen Westbahn täglich fönfmal, von der Station 
Purkla der Südbabn täglich zweimal. Zu jedem Zuge stehen ausser- 
dem noch elegante bequeme ein- und zweispännige Wagen bereit. 
Die Fahrt von Feldbach bis Gleichenberg dauert ungefähr 1 V4 Stunde, 
jene von Purkla ungefähr 2 Stunden. Fahrpreis per Postwagen von Feld- 
bach für eine Person 80 kr. und von Purkla 1 fl. 20 kr. ohne Gepäck. 
Preise per Separatwagen von Feldbach: Einspänner 2 fi. 50 kr., 
Zweispänner 3 fl. 30 kr., von Purkla 4 fl. 50 kr. ohne Gepäck. 

Taxordnung für die Lohnkutscher in Gleichen- 
berg: a) Für Fahrten nach der Stunde im Curorte, ohne Einkehr, 
für V2 Stunde Zweispänner 90 kr., Einspänner 60 kr., für 1 Stunde 
Zweispänner 1 fl. 20 kr., Einspänner 80 kr. ; b) für die Fahrt nach 
der Klause Zweispänner 2 fl. 50 kr., Einspänner 1 fl. 60 kr., nach 
Trautmannsdorf Zweispänner 2 fl. 50 kr., Einspänner 1 fl. 60 kr., 
nach dem Bauernhansel Zweispänner 3 fl. 50 kr., Einspänner 2 fl. 
30 kr., nach Feldbach (Bahnhof) Zweispänner 3 fl. 80 kr., Einspänner 

2 fl. 50 kr., nach Straden und Johannisbrunnen in einer Tour Zwei- 
spänner 4 fl. 50 kr., Einspänner 3 fl., nach Kapfenstein Zweispänner 
5 fl., Einspänner 3 fl., nach Fehring Zweispänner 5 fl., Einspänner 

3 fl., nach Bertholdstein Zweispänner 5 fl., Einspänner 3 fl., nach 
Purkla Zweispänner 5 fl., Einspänner 3 fl., nach Radkersburg 
Zweispänner 6 fl. 50 kr., Einspänner 4 fl. 30 kr., nach Brunnsee 
Zweispänner 7 fl. 50 kr., Einspänner 5 fl., nach Riegersburg Zwei- 

' spänner 7 fl. 50 kr., Einspänner 5 fl. Ausserdem stehen Reitthiere 
und Kutschirwägen, Rollwägen und Tragsessel zur Disposition. 

Die Brunnendirection hat ihren Sitz im Vereinshause, 
und fungirt der Brunnendirector zugleich als k. k. Curinspector. 

Wohnungen der Herren Brunnenärzte: Dr. Conrad 
Clar, Villa Clar; Dr. Alexander Zävori, Villa Grazerhaus; Dr. Carl 
Höffinger (fungirt im Winter in Gries bei Bozen), Villa d'Oi-sav; 
Dr. Paul Hönigsberg, Villa Wienerhof; Dr. Eduard Brühl, Villa Max; 
Dr. Willibald Rauch, Villa Triestina; Dr. David Kaufer, Villa 
Streichenwein; Dr. Max Kuntze, Villa Brünnerhaus; Dr. M. Läzär, 
Villa Max; Dr. Stanislaus Bulikowski, Villa Possenhofen; Dr. Franz 
Fischer, Villa Ftillhaus; Dr. Josef Kentzler, Villa Annahof ; Dr. Emil 
Ziffer, Villa Charlottenburg; Dr. Martin Szigeti, Villa Garlsruhe. 

Obwohl Gleichenberg in keiner Weise ein Luxusbad ist, 
entbehrt es doch keineswegs der geselligen Unterhaltungen, welche 
geeignet sind, den Leidenden angenehm zu zerstreuen und depri- 
mirende moralische Einflüsse ferne zu halten. So bietet der Curort 
täglich zweimal Curmusik (treffliche Musikkapelle von 32 Mann); 
dann wöchentlich fünfmal Theater, einen Lesesalon mit über 
100 Zeitungen, Musiksalon, Reunionen, Concerte von bedeutenden 
Künstlern, Cafe's, Tombola etc. 



— 403 — 



Statistik. 



Im Jalirti 



Flasclienverkauf 



Constantiu- 



Johannis' 
hrunnen 



Klauäen- 
Quelle 



Zusammen 




1837 
1840 
1850 
1860 
1870 
1880 
1884 
1887 



25.054 
37.884 
98.860 
178.829 
234.520 
239.140 
319.339 



41.638 
127.774 
137.390 
118.954 
107.829 

68.231 
105.236 



2.148 
2.727 
2.774 
7.227 
11.250 
6.387 
4.787 



68.840 
168.385 
239.024 
305.010 
353.599 
313.758 
429.362 
480.000 



118 
137 
1.033 
1.213 
2.049 
3.979 
4.920 
5.103 



Curgäste bis Scbluss 1887: 101.180 Personen. 

Dem Gleichenberger und Johannisbrunner Actienverein wurden 
für die Wasserfüllungen und Cureinricbtungen wiederholt die höchsten 
Auszeichnungen zuerkannt, so unter Anderem 1878 Paris goldene 
Medaille, 1880 Graz und 1882 Triest Ehrendiplom, 1883 Amsterdam 
goldene Medaille. 

Auszeichnung des Curortes durch Besuch fürst- 
licher Persönlichkeiten und wissenschaftlicher Cor- 
porationen. Im Jahre 1844 besuchte Se. Majestät der Kaiser 
Franz Joseph als Prinz mit seinen Brüdern den Curort. 1847 verweilte 
die Grossfürstin Helene von Russland mit ihrer Tochter Katharina 
und zahlreichem Gefolge zwei Monate in Gleichenberg, ferners weilten 
in diesem Jahre in Gleichenberg die Prinzen August und Friedrich 
von Würtemberg, die Prinzessin von Wasa, der regierende Herzog 
von Nassau etc. Ende der Saison besuchte auch Kaiser Ferdinand 
mit Gemahlin und Erzherzog Johann den Curort. Seither besuchten 
nahezu jährlich auf kürzere oder längere Zeit Mitglieder der kaiser- 
lichen Familie den Curort, so namentlich Se. kais. Hoheit Erzherzog 
Albrecht. Vom Jahre 1882-1884 erschien jährlich, und zuletzt aber- 
mals 1 887, Se. Majestät König Milan I. von Serbien zur Cur, und gilt 
der reizende Curort überhaupt als Lieblingsaufenthalt dieses Regenten. 
Eine besondere Auszeichnung widerfuhr dem Curorte am 9. Juli 1883 
durch den Besuch Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. 

In den Jahren 1843 und 1875 besuchten die deutschen Natur- 
forscher und Aerzte anlässlich ihrer Jahresversammlung in Graz den 
Curort in corpore. Ebenso wurde Gleichenberg 1880 von der Ver- 
sammlung ungarischer Aerzte und Naturforscher in Steinamanger 
besucht. 

2G* 



404 -^ 



Beschreibung des Curortes. 

Zwischen dem Südgelände des Gleichenberger Eogels 
und seinen beiden im flachen Bogen gegen Südost and Südwest 
ausstrahlenden Armen, die mit dem Rudorf-Eogel and dem 
Hermannskogel enden, weitet sich ein kleiner Thalgrond, 
aus welchem zwei sanft ansteigende Hügelwellen durch eine 
tief eingeschnittene Waldschlucht, von dem südöstlichen Aus- 
läufer des grossen Gleichenberger Kogels getrennt, nahezu 
isolirt aufsteigen. Auf diesen zwei Hugelwellen und den angren- 
zenden Waldbängen breiten sich nun, mitten aus grünen Hainen 
aufstrebend, die 100 Villeggiaturen des Curortes in unver- 
gleichlich malerischer Weise aus. Zwischen der östlichen 
Hügelwelle und den Abhängen des Wierberges zieht sich ein 
schmaler Thalgrund hin, den eigentlichen Curpark bildend, 
an dessen nördlichem Ende, hart am Ausgange einer wild- 
romantischen Waldschlucht, die Hauptquellen des Curortes, der 
Constantin- und der Emma- Brunnen liegen. Jede dieser Villen 
ist umsäumt von schönen Parkanlagen, und nirgends findet 
das Auge beengende Gitter oder die Aussicht hemmende Zäune, 
da seit Gründung des Curortes mit Consequenz nur die Um- 
friedung der Ansitze mit lebenden Zäunen, mit grünem Busch- 
werk gestattet wurde, so gleicht jetzt das ganze Brunnenthal 
einem grünen blühenden Garten, einem einzigen grossen Parke 
als Asyl für die leidende Menschheit. 

Den Mittelpunkt des Curortes bildet gleichsam die statt- 
liche Villa Wickenburg, die 1837 erbaut, den östlichen Hügel 
krönt. In ihren reizenden Parkanlagen, die in munificentester 
Weise dem Publicum vollkommen zugänglich sind, befindet sich 
ein Pavillon mit ganzen versteinerten Baumstämmen. Neben 
der Villa Wickenburg liegt mit der Front gegen die Vereins- 
terrasse das grosse zweistöckige Vereinshaus mit der Curdirection 
An dem Vereinsbaus grenzen südlich einerseits das Gebäude 
der Vereinsrestauration, andererseits das zweistöckige schöne 
Curhaus, während südlich, dem Vereinshause gegenüber der 
1869 aufgeführte stattliche Bau der Villa Höflinger sich erhebt. 



~ 405 — 

Diese vier Gebäude umgeben eine von Alleen umsäumte Park- 
anlage mit Musikpavillon. 

Das 1871 erbaute stattliche Curhaus enthält im Parterre 
elegante Kaifeehauslocalitäten , im ersten Stockwerke jedoch 
den mit distinguirtem Geschmacke decorirten 30 Schritte langen, 
20 Schritte breiten Cursalon mit Musikloge, und den Terracotta- 
Busten Sr. Majestät des regierenden Kaisers und der Kaiserin 
nach den Tilgner'schen Modellen, üeber der Thür zum Lesesaal 
zeigt eine Marmortafel die Inschrift „Zur Erinnerung an den 
Allerhöchsten Besuch Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef L, 
am 9. Juli 1883." An den Cursalon stösst der Musiksalon, 
weiters der Conversationssaal und der Lesesalon , mit über 
100 Journalen, Witzblättern und illustrirten Zeitungen. In drei 
Schaukästen befinden sich hier auch die in der Umgebung 
Gleichenbergs gefundenen Stein-, Bronze-, Eisenwerkzeuge und 
Waffen, dann römische hübsche Glas- und Thongefässe, die 
im Römerbrunnen gefundenen römischen Münzen und Hasel- 
nüsse, und eine interessante Sammlung Gleichenberger Gesteins- 
arten mit Edel- und Halbopalen, Laven und Bimssteinen, ins- 
besonders aber auch von versteinerten Hölzern aus dem Mühl- 
steinbruche mit instructiven Schliffen, Blattabdrücken etc. Im 
zweiten Stockwerke des Curhauses befinden sich Wohnungen. 
Vis-ä-vis dieses Häuser - Complexes , respective des Vereins- 
hauses liegt die sogenannte Vereinsterrasse mit der Apotheke, 
dem k. k. Postamte etc. Von der Vereinsterrasse fülirt eine 
Treppe durch ein kleines Weingebirge zum Hospiz, wo ge- 
wöhnlich 3 Cleriker und drei bis vier Laienbrüder des Franziskaner- 
Ordens wohnen und curbedürftige Priester gegen eine geringe 
Entschädigung gastlich aufnehmen. Neben dem Hospiz erhebt 
sich, einen Hügel krönend, die 1841 gleichzeitig mit dem 
Hospize von Graf Constantin Wickenburg erbaute Kirche, 
welche unterhalb die Familiengruft der Wickenburg birgt. 
Die Kirche zeigt im Innern eine blau-cassettirte Decke und 
als Altarbild das von Josef Thunner gemalte Votivbild, die 
gesammte Familie Wickenburg in Anbetung der Muttergottes 
mit dem Jesukinde darstellend. Ober dem Altare liegt das 
grosse Oratorium der Familie Wickenburg, mit den Wappen- 



— 406 — 

schildern dieses Geschlechtes geziert. Man heachte die gass- 
eisernen Thorflügeln mit Darstellungen der 12 Apostel nach 
den Modellen des Bildhauers Carl Meixner. Die Kirche, von 
deren Plattform man eine entzückende Aussicht geniesst, bildet 
zugleich die Schlussstation eines Calvarienberges von ganz 
besonders schöner Anlage. Immergrüne Mauern von gestutzten , 
dicht verwachsenen Fichten begrenzen den Weg und in dieser 
das Auge entzückenden grünen. Wand wölben sich wieder 
aus Fichtenreisig reizende Kapellen, in welchen auf von wilden 
Reben umrankten Steinsäulen die Kreuzwegreliefbilder in gelb- 
lichem Sandstein nach den tüchtigen Modellen Meixners sich 
erheben. In unmittelbarer Nähe der Kirche sind auch in domi- 
nirender, besonders schöner Lage der Wallnerhof und das 
idyllische Haus am Raine (beide im Besitze der Familie Dr. 
Saria) situirt. Schreitet man westlich den Promenadeweg von 
der Kirche hinab, so gelangt man in einigen Minuten zu der 
grossen Villa d'Orsay, dem regelmässigen Absteigquartier Sr. 
Majestät König Milan's. Rechts zweigt ein Weg zu dem hübschen 
Schulgebäude der fünfclassigen Volksschule, in welchem auch die 
Depots der mit Feuerlöschgeräthen reichst ausgestatteten Feuer- 
wehr placirt sind. Gegenüber der Villa d'Orsay erhebt sich, 
weithin sichtbar und durch ihre italienische Bauart auffallend, die 
Villa Suess, welche erst jüngst der Verein augekauft hat. Von 
dieser stattlichen Villa schlängelt sich ein anmuthiger Weg in das 
Albrechtswäldchen, welches die westliche Hügelwelle bedeckt. 
Durch schattigen Wald ansteigend, erreicht man, an dem Brünner- 
haus und der Louisenvilla, beide Villen ebenfalls Eigenthum des 
Vereines, vorbei, bald das Hubertushaus, ein pittoresker 
Steinbau, von Schlinggewächsen umwuchert, Privatbesitz des 
Prinzen Emmerich Thurn-Taxis, welcher mit seinen Erkern, 
Thürmen und eisen beschlagenen Thoren in seinem Verstecke 
von alten Buchen, Eichen und Tannen an die Schilderungen Walter 
Scott's schottischer Edelsitze erinnert. Es birgt hochinteressante 
kunsthistorische Sammlungen. Nun senkt sich die herrliche 
Waldpromenade zum von prächtigen alten Eichen, Buchen und 
Fichten dicht beschatteten Waldhause des Erzherzogs 
Albrecht, ein Hospiz für kranke Officiere der öster- 



407 



^hischen Armee. Tiefer im Thalgrunde liegt wieder 
grössere Villengruppe, wie das Herrenhaus Stadt Venedig, 




tel Venedig und die Villa Possenhofen. Das Albrechtswäld- 
m wird aussen von einer Ringstrasse umzogen, an welcher 
ir ungünstig situirt das israelitische Hospital liegt. Verfolgt 



— 408 — . 

man diese Ringstrasse in östlicher Richtung, so gelangt man an 
«ine Reihe am Saume des Wierberges gelagerter Villen vor- 
bei, in den eigentlichen Curpark, in welchem sich nicht nur 
die Heilquellen und alle eigentlichen Cnrgebäude, sondern 
auch die vielen Monumente zur Erinnerung der um den Cur- 
ort besonders verdienten Männer sich concentriren. 

Am äussersten nördlichen Ende des Curparkes liegt der 
Constantinbrunnen, aus dessen 9 M. tiefem Schachte aus einer 
Trachytspalte der moussirende kräftige Heilquell hervor- 
sprudelt, ein Wasserquantum von über 1000 Hektoliter in 
24 Stunden liefernd. Eine Druckpumpe treibt das Wasser 
theils in eine hohle Säule, von welcher es aus drei Röhren 
in die Gläser der Curgäste fliesst, theils in die Fallapparate 
und Badereservoirs. Brunnennixen credenzen den Heiltrank. 
Neben der Constantinquelle fliesst in einem vertieften Räume, 
zu welchem man auf einigen Stufen hinabsteigt, die schwächere 
Emma quelle aus einem Rohre, das vom Füllhause, wo die 
Quelle entspringt, herübergeleitet ist. Zwischen beiden Quellen 
steht der Molkenpavillon des Appenzeller Molkensieders. Daran 
reiht sich weiters die schöne lange Wandelbahn, das Füll- 
haus, der mit eleganten Kaufläden ausgestaltete Bazar, das 
grosse (Warm-) Badehaus und das Kaltbad. Diese Reihe von 
hübschen Neubauten liegen reizend eingebettet zwischen zwei 
dicht bewaldeten Hügelzügen, einen grünen Wiesenplan um- 
schliessend, so dass der Gebrauch der Heilquellen innigst mit 
dem Genüsse einer entzückend lieblichen Natur verbunden ist. 
Hat aber schon die Natur dieses anmuthige Brunnenthal reich- 
lichst bedacht, so erhielt es auch in jüngster Zeit durch ein 
herrliches Denkmal einen künstlerischen Schmuck der nicht 
nur dem Curorte, sondern dem ganzen Lande zur Zierde ge- 
reicht. Es ist die lebensgrosse Statue des edlen Schöpfers des 
Curortes, Grafen Mathias Constantin Wickenburg, die, 
am 22. Mai 1887 feierlichst enthüllt, in carrarischem blendend 
weissem Marmor, aus ihrem Rahmen von dunklem Waldesgrün 
gar wunderbar dem Beschauer entgegenleuchtet. Wer den 
Festtag, der die geistige Elite der Steiermark in Gleichenberg 
versammelte, miterlebt hat, wird die -Üeberzengung gewonnen 



— 409 — 

haben, dass das herrliche, vom akademischen Bildhauer Anton 
Schmiedgruber in Wien künstlerisch ausgeführte Denkmal nicht 
nur dem Schöpfer des Curortes errichtet wurde, sondern dass 
es der Attsfluss der Liebe und der Verehrung des Volkes eines 
ganzen Landes für seinen hochherzigen Freund in drang- 
voller Zeit bildet, dessen Wirksamkeit überall unvergessliche 
edle Schöpfungen zur Wohlfahrt des Landes hinter- 
lassen hat. (Mathias Constantin Graf Wickenburg wurde am 
16. Juti 1794 als Sohn des kurpfälzischen Generals Anton Graf 
Wickenburg bei Düsseldorf geboren. Nach Absolvirung der juri- 
dischen Studien in österreichischen Staatsdienst übergetreten, 
wurde er später Gouverneur der Steiermark, welche Stellung ihm 
Gelegenheit gab, seine Pläne zur Verschönerung von Graz, wie 
zur Hebung des Volkswohles, was ihm so theuer war, zu verwirk- 
lichen. Nach Beendigung der Wirren des Jahres 1848 legte er 
sein hohes Amt nieder und zog sich in das Privatleben zurück. 
Erst nach Verleihung der Verfassung im Jahre 1860, betheiligte 
sich Graf Wickenburg wieder am öffentlichen Leben als Prä- 
sident der Wiener Stadterweiterungscommission und des Baues 
der Hofoper und wurde zum Ehrenbürger Wiens ernannt. Im 
Jahre 1861 wurde er zum Minister für Handel und Volks- 
wirthschaft ernannt, und trägt die Verfassungsurkunde vom 
26. Februar 1861 auch seine Unterschrift, worauf er immer 
stolz war, wie Graf Wickenburg auch immer ein intimer Freund 
Schmerlings blieb. Am 22. Octobbr 1863 schied Graf Wicken- 
burg jedoch wieder aus dem Ministerium und wurde lebens- 
längliches Herrenhausmitglied. Noch einmal gab ihm die Stelle 
eines Präsidenten der österr. Commission für die Pariser Welt- 
ausstellung Gelegenheit der österreichischen Industrie die wich- 
tigsten Dienste zu erweisen. Von dieser Zeit an verbrachte 
er den Abend seines thatenreichen Lebens in seinem geliebten 
Gleichenberg, wo er am 26. October 1880 ruhig entschlief). 
Ausser dem Wickenburg-Denkmal erheben sich in lauschigen 
Wäldeswinkeln und auf grünen Rasenhängen die schlichten 
Monumente Dr. PrasiTs und des Orientalisten Hamm er- 
Purgstall, wie auch eine prächtige Eiche, die Königs- 
eiche, an den Besuch des Curortes dur^ch König Milan erinnert. 



— 410 — 

Von dem Carparke gelangt man, bei der schmackea Tilla 
„Clar^ vorbei, anf scbönem cementirten Fosswege wieder znr 
Vereinsterrasse und dem Vereinshause. Mit diesem Randgange 
hat man eine instroctive Uebersicht über den Kern des eigent- 
lichen Carortes gewonnen. 

Promenaden. 

Wegmarkirungen. Wegmarkirungstafel amVereinshaase. 

Scbweizerei, Cafe. Restauration: blaa-rotb, 8 Min.; Constantin- 
höbe: schwarz- weiss, 12 Min.; Parapluie: weiss-grOn, 20 Min.; 
Wierberg: blau-gelb, 40 Min.; Taferl: Gasthaus im Walde, roth, 
20 Min.; WaUweg über Betty's Ruhe: schwarz-blau, 40 Min.; 
Mühlsteinbruch (Versteinerungen): weiss-roth, 40 Min.; Traut- 
mannsdorf: grün, 40 Min.; Faulsulz: roth-blau- weiss, 50 Min.; 
Albrechts warte : schwarz- gelb, 45 Min.; Bauemhansel: weiss-blau, 
45 Min.; Hofbinder, roth-blau- weiss, 70 Min.; Erzherzog Johann- 
Monument: 10 Min.; Kaiser Franz Josephs-Eiche: 15 Min.; 
Rudolfkogel: roth-gelb, 40 Min.; Schloss Gleichenberg: 50 Min.; 
Schloss Kapfenstein : 2 Stunden ; Tirolerwirth : 80 Min. ; Waltrafelsen 
und Teufelsmtihle : 2 Stunden ; Hochstraden : Tagespartie. Gnas und 
Poppendorf: P/* Stunden. 

Die seltene landschaftliche Schönheit Gleichenbergs er- 
schliesst sich aber erst dem Blicke des Wanderers, wenn er 
eine jener vielen massig ansteigenden Promenaden einschlägt, 
die zu den Hügelrücken hinauf führen, die den Carort um- 
säumen. Hat man am Constantinbrannen den prickelnden Heil- 
quell getrunken^ so erschliessen sich dem Curgaste zwei 
Promenadewege von ganz merkwürdigem landschaftlichem Con- 
traste. Die Waldschlucht und die Promenade über dem 
Erzherzog Johann-Denkmal, der Ottokarsbuche und der Kaiser- 
eiche zum Parapluie am Wierberg. Die Waldschlucht, tief 
eingeschnitten in den Trachytfelsen, von alten Buchen und 
Eichen, die ihr dichtes Blätterdach über prächtige bemoste 
Felsblöcke breiten, umschattet, und von einem schäumenden 
Wässerlein durchrauscht, gilt als die landschaftliche Perle des 
Curortes. Wenige Schritte vom Constantinbrunnen umgibt uns 
schon die Kühle der felsigen Waldschlucht, die mit ihren wild- 
romantischen Scenerien, ihren prächtigen pittoresken Felsen- 
partien und den schäumenden Cascaden uns mitten in eine 



411 — 



Hochgebirgslandschaft versetzt. Treppen und Stege erschliessen 
stille waldeinsame Ruheplätze und führen zuletzt zu einer 
idyllischen, auf steiler Felsenklippe erbauten Eremitage, anderer- 
seits an einem Pavillon vorüber, zu einer kühn ausspringenden 
Felsenkanzel, der Milan -Ruhe, von welcher ein gewaltiger 
Flaggenmast, mit den serbischen Farben bemalt, aufsteigt. 

Oeifnet sich nördlich vom Constantinbrunnen die herr- 
liche düstere Wald- 
schlucht, so zieht von 
ihm südlich in sanfte- 
ster Steigung ein son- 
niger Pfad zur luftigen 
Höhe des Wierberges 
hinan. Auf Zickzack- 
wegen zieht der Weg 
an dem in einer apsis- 
förmigen Nische ange- 
brachten Erzherzog Jo- 
hann-Monument vorbei 
zur Ottokars - Buche , 
und, sich nun am 
Bergesrücken nördlich 
wendend, zur Kaiser- 
eiche. Mit jedem 
Schritte aufwärts weitet 
und entfaltet sich über- 
raschend der Horizont 
gegen Westen ; über 
(las liebliche Brunnen- 
thal hin trifft der 
Blick zuerst das imposant auf stolzer Höhe thronende Schloss 
Gleichenberg und darüber hinaus ein Meer von Hügelwellen, 
reich belebt mit schmucken Dörfern, Kirchen und Schlössern, 
bis die blauen Conturen der steirisch-kärtnerischen Grenz- 
gebirge, namentlich der lange Koralpenzug, den Horizont 
begrenzen. In sanfter Steigung den Hügelrücken weiter verfolgend, 
gelangt man bald zu der Aus sich ts warte , zum Parapluie 




Die Waldschlucht. 



— 412 — 

(25 Minuten vom Constantinbrnnnen), und nun erschlies^ sieb 
dem Auge eine mächtige Rundschan mit einer ununterbrochenen 
Reihe der wechselvollsten Landschaftsbilder, und zwar zeigen 
sich, von Süd gegen West laufend, nachstehende markante Punkte : 

Straden, Maria-Schnee, St. Wolfgang, Bacherzug, St. Urban, 
Heil. Kreuz, Heil. Geist, Velka Kappa (1542 M.), St. Peter, Ü.Kappel, 
Ursulaberg (1696 M.), Sulzbacher Alpe, Radi, Petzen, Hühnerberg, 
Kitzegg, Temmerkogel, Jagerberg, Koralpe, Dorf Trautmannsdorf, 
Gloiach, Pack, Hirschegg, Grössing, Rappelkogel, Sigleck, Ofnerkogel, 
Lichtenegg, Texenbach (1657 M.), Rossbach, Gleinalpe, Lamalpe, 
Fensteralpe, Schloss Gleichenberg, Schöckel, Albrechtswarte 
am grossen Gleichenberger Kogel, nun maskirt ein langgestreckter 
bewaldeter Hügelzug die nördliche Aussicht bis gegen den vom 
Schlosse Kapfenstein gekrönten Kapfensteiner Kogel, an dessen Süd- 
abhange die Kirche sich in scharfer Contur abhebt, weiter Schloss 
Neuhaus in Ungarn, das Dörfchen Bairisch-KöUdort* in unmittelbarer 
Nähe, der düstere Hochstraden, Macel-Gebirge in Croatien, Heil. Drei- 
faltigkeit, Donati, St. Anna, Johannisbrunnen und der Wotsch bei 
Rohitsch. 

Der mühelose Genuss so gewaltiger Fernsichten auf 
zahlreichen, in wenigen Minuten erreichbaren Höhen, zählt zu 
den besonderen Vorzügen Gleichenbergs, welches in dieser 
Richtung kaum überboten werden kann. In unmittelbarer Nähe 
der Aussichtswarte liegt der reizende Besitz des Curdirectors 
Wolf, die Albrechtshöhe, mit ebenso entzückenden Ausblicken 
gegen Süden und Westen. Am Rückwege in das Brunnenthal 
kann man noch die hübsche Schweizerei mit Sinnsprüchen 
älterer steirischer Dichter und Naturfreunde besuchen. 

Damit ist aber die Zahl der Spaziergänge und Prome- 
naden keineswegs erschöpft, wie sich aus der früher ange- 
führten Uebersicht der markirten Spaziergänge ergibt. 

Touristen, welche Gleichenberg besuchen und Nachmittag 
daselbst eintreffen, um am nächsten Tage Abends wieder in Graz 
zu ßein, können nachstehende Touren besonders empfohlen werden. 

1. Tag. Gegen Sonnenuntergang über der Kaisereiche zum 
Parapluie, zurück zur Schweitzerei, Abends im Curorte. 

2. Tag. Früh Morgens am Schulhause vorbei, dann links 
hinauf (schwarz-gelb markirt) zur Albrechtswarte auf den grossen 
Gleichenberger Kogel, höchster Punkt um Gleichenberg, 45 Minuten, 
von hier zum Eauernhansel abermals 45 Minuten, und sodann auf 
der Strasse hinab und durch die Waldschlucht; am Aufgange der- 
selben den Felsenhang hinauf zur Milanruhe, und sodann zur Kirche 



— 413 — 

und längs des Calvarienberges zur Stadt Mailand, Frühschoppen 
und Mittag. Letzteres eventuell auch beim Taferl (Stangel), vorzüg- 
liches ländliches Gasthaus auf der Höhe der zwischen Gleichenberg 
und Trautmannsdorf sich hinziehenden Hügelwelle. Nachmittag 
Trautmannsdorf, Schloss Gleichenberg- Feldbach 2*4 Stunden. Der 
Weg zur Albrechtshöhe zweigt nach dem Schulhause links ab und 
steigt über Wiesen an mehreren Bauernhäusern hinan; in 20 Mi- 
nuten erreicht man eine romantische Waldschlucht, in der nun der 
Weg längere Zeit hinführt, rechts grosser Holzschlag, bald zweigt 
nun links der Waldweg zur Albrechtshöhe ab und steigt sodann 
in einigen grossen Serpentinen die Kogelhöhe hinan. Zuletzt eine 
Waldblösse, über welche im Zickzack der Weg zu der weitauf- 
ragenden Albrechtswarte (596 M.) hinanführt. Aussicht nach drei 
Seiten unbeschränkt, nur nach Norden durch Wald maskirt. 

Das Landschaftsbild, welches sich von dieser Hoch- 
warte dem Auge erschliesst, gehört zu dem Schönsten^ 
Reichsten und Wechselvollsten, was man in Steiermark 
überhaupt schauen kann. Ein gewaltiger Kranz von Hochgebirgen^ 
in welchen sich die Schroffen des Kalkgebirges mit den imposanten 
Massen des Urgebirges vermischen, umschliesst den fernsten Horizont^ 
aber innerhalb des gewaltigen Ringes, der vom Hochschwab bis zur 
Velka Kappa und Oistrizza sich ausdehnt, ruht das Auge auf blitzen- 
den Wasseradern, reich bebauten Thälern, langgestrekten Hügel- 
wellen, Schlössern, Burgen, Kirchen und Kapellen, und je länger man 
den Blick in dieses herrliche Rundgemälde versenkt, desto reicher und 
reicher beginnt es sich zu beleben. 

Wie eine Reliefkarte liegt die Landschaft von Gleichenberg 
dem Beschauer zu Füssen und von hier aus lernt man erst die ganze 
landschaftliche Schönheit Gleichenbergs schätzen. 

Im Süden, am Fusse der Bergeshöhe, auf welcher wir stehen^ 
lagert sich idyllisch der Curort in seinem Parke, rechts ragt als 
Schutzwehr die prächtige alte Veste Gleichenberg empor, während 
links die den Kapfensteiner Kogel krönende gleichnamige Burg die 
Wache gegen Osten hält, in dem breiten gegen Süden laufenden 
Thale steigt aber noch wie eine gewaltige Hochburg, der den Markt 
Straden tragende Felsenkogel mit seinen drei Bergkirchen auf, so 
dass der liebliche Curort nach allen Richtungen treu bewacht erscheint. 

Aussicht von Westen nach Norden: Koralpe, Gloiach^ 
Wildoner Berg, Osterwitz, Schloss Gleichenberg (in der Vogelper- 
spective), Rosenkogel, Pack, Hirschegg, St. Anna, Grössing, Rappel, 
Ofnerkogel, Buchkogel, St. Johann und Paul, daneben rechts die 
Texenbachalpe, Schloss Plankenwart, Plabutsch, Gleinalpe, Ruine, 
Gösting, Lustbühel, Kroisbach, Lammalpe, Fensteralpe, Kainbach,. 
Geyerkogel, Roiting (2215 M.), St. Marein, Kirchberg a. d. Raab, 
Schöckel, Radegund, Kumberg, Schloss Kainberg, Satz-Kogel, Rothe 
Wand, Hochschwab, Hochlantsch, Breitegg, Klein-Maria-Zell, Weiz- 



->- 414 — 

berg, Plan-Kogel, mm Wald. — Osten: Jeniiersdorf, Mogersdorf, 
St Gotthard, St. Michael, Kethely, St. Martin, Neumarkt, Schloss 
Kapfenstein, Silberberg, Schloss ^euhaus, Ober-Limbach, Pecsaköc, 
Piicine, St. Anna a. A., Bairisch Kölldorf, Hochstraden, Warasdiner 
Gebirg, Curort, Steinhof, Schloss Negaii, Ivanica, Schloss Freudenau, 
Macel. — Süden: Hl. Dreifaltigkeit, St. Anna a. H., Donati. Straden 
(prächtiger Anblick), Wotsch, Maria-Schnee, Schloss Ober-Miireck, 
St. Wolfgang, Bacher, Trautmannsdorf, Schloss Weinburg, Schloss 
Poppen dorf, Schloss Spielfeld, Hl. Geist, Velka Kappa, Schloss 
Ehrenhausen, Ober-Kappel, XJrsulaberg, Oistrizza, Radi, Petzen, 
Frauenberg, Hühnerberg, Schloss Seggau, Kitzegg, Jagerberg, Temmer- 
kogel, Dreieck-Kogel, St. Anna, Schloss Hollenegg. 

Vor der Warte ragt noch der morsche Stumpf der Hexeneiche, 
die vor zwei Jahren der Blitz zerschmetterte, gespenstig in die Luft, 
an jene geheimnissvollen nächtlichen Versammlungen der berüchtigten 
Hcxengesellschaften erinnernd, deren Theilnehmer nahezu sämmtlich 
gegen Ende des 17. Jahrhunderts am Scheiterhaufen endeten. Auch 
den fürstlichen Gast des Curortes, König Milan, hat die bezaubernde 
Lage dieser Hochwarte verlockt, im Herbste 1887 hier ein Nacht- 
fest im grossen Style zu feiern. Von der Albrechts warte steigt man 
wieder auf dem gleichen Wege durch Buchenwald hinab zu dem Hoch- 
thale, durch welches man vom Curorte heraufgekommen ist, in circa 
10 Minuten wendet man sich aber nun links, dem kleinen Fahrweg 
folgend, der sich bald östlich wendet. Der Fahrweg zieht allmälig 
fallend an dem nördlichen Hang eines Hügels hin, man hält sich 
immer mehr rechts, und vermeidet die links abzweigenden Strassenmar- 
kirung weiss-blau. Circa 40 Meter durch dichten Wald (mit schönem 
Rehstande), dann noch 5 Minuten auf freiem Wiesenplan, worauf man 
das weit bekannte nette Gasthaus zum Bauernhansel, mit hübschem 
Gartensalon, erreicht. 

Die Aussicht, die sich von hiererschliesst, ergänzt genau die Lücke 
gegen Norden, in der Rundschau von der Albrechtswarte ; sie beginnt 
nordwestlich mit dem Schöckl, an welchem sich nun anschliessen : 
Burgstallhöhe, Rothe Wand, Rennfeld, Hochlantsch, Klein-Maria- 
Zell, Breitegg ober Ruprecht, Osser, Patscha, Plankogel, Raisberg, 
Hz, Teufelstein, Kulm, Rabenwald, Gossendorf, Pretulalpe, Steinberp, 
Stuhleck, Kirche Pöllauberg, Hl. Grab ober St. Johann, Pfaff, 
Massenberg, St. Anna, Wechselzug, Riegersburg, Ring ober Hart- 
berg, Grafendorf, Ruine Thalberg, Stadt Friedberg, St. Magdalena 
am Lemberg, Hochneukirchen, Forstkogel, Schloss Bernstein, Schloss 
Bertholdstein, (Minaret sichtbar), Todte Mann, Fehring, Schloss 
Hohenbruck, nun langgestreckte Hügelkette, an deren Ende Kapfen- 
steinerkogel mit Schloss und tiefer die Kirche. 

Vom Bauernhansel nun rechts die von Sefer Pascha auf 
Schloss Bertholdstein angelegte Strasse hinab durch Wald, dann 
links durch die wildromantische „Waldschlucht" zum Curort. 



— 415 - 

Nach Dorf Trautmannsdorf, 80 Minuten. Vom Hotel 
Stadt Mailand, hinab die Strasse, dann rechts durch eine Eschenallee, 
zuletzt durch Wald zum Gasthaus Taferl (Stangel) auf der, Glei- 
chenberg von Trautmannsdorf scheidenden, Hügelwelle ; beliebter 
Ausflugsort, gute Küche. Von hier hinab und jenseits hinauf nach 
dem freundlichen Pfarrdorfe Trautmannsdorf, der Wiege eines der 
ältesten und ruhmvollsten steirischen Adelsgeschlechter, dessen Stamm- 
l)urg an jener Stelle gelegen war, wo sich heute der Bauernhof 
^Borger** erhebt. Die jüngst schmuck restaurirte Kirche, auf einem 
Hügel in Mitte des Dorfes gelegen, enthält eine Reihe höchst merk- 
'würdiger Grabsteine, und zwar: 1. in der nördlichen Wand einge- 
lassen 2 M. lang und 80 Ctm. breit, zeigt ein Dreieckschild mit 
sechsblättriger Rose, überragt von einem Kübelhelm. Das Mittel- 
feld umgibt eine Inschriftleiste mit Majuskel Legende, wovon noch 
lesbar sind die Worte: „Harrandi de Travtm. . . ." Der Stein 
stammt wahrscheinlich aus dem Ende des 13. Jahrhundertes ; 2. gleich- 
falls an der nördlichen Wand, prächtiges Renaissance Epitaphium 
in röthlichem Marmor des am 14. April 1614 gestorbenen Freiherrn 
Hanns Friedrich von Trautmannsdorf, Vaters Maximilians von Traut- 
mannsdorf. Weiters noch zwei jüngere Grabsteine der Trautmannsdorf. 
Von Trautmannsdorf 20 Minuten hinauf zum Forsthof, Aus- 
sichtspunkt. Nach Gnas Strasse 1 Stunde. Nächst Trautmanns dorf 
liegen auch die Friedhöfe des Curortes. 

Nach Schloss Gleichenberg 40 Minuten. Der schöne Wald- 
weg zweigt vom Dorfe Gleichenberg links ab und zieht sich, zuletzt 
in eine alte Kastanienallee übergehend, durch Buchenwald hinan zu 
der auf einem steil abfallenden Trachytfelsen aufragenden mächtigen 
Burgveste, deren düsterer Charakter (furch reichen Blumenschmuck 
einigermassen gemildert wird. Gewaltige Bastionen beschirmen den 
Zugang, der durch zwei Thore und doppelte Zwingermauern bis in 
den inneren Burghof führt. 

Die merkwürdige, zweistockhohe Burg ist ebenso reich an 
glänzenden Prunkgemächern, wie an düsteren Gelassen, in welchen 
Aberglaube und Wahnwitz schauerliche Orgien feierten. Zu ersteren 
zählt besonders der herrliche, durch zwei Stockwerke reichende 
Rittersaal mit seinen prächtigen Stuccoarbeiten, weiters das Jäger- 
zimmer mit allegorischen Bildern, Diana belauscht im Bade, die 
Jahreszeiten etc. Die vier grossen Säle im zweiten Stockwerke mit 
prächtigen Vertäfelungen, der Bibliothekssaal etc. Zu den letzteren zählt 
die Goldmacherküche und der sogenannte Hexenthurm, jene eigen- 
thümlich hohe und breite, aber unverhältnissmässig schmale Bastion, 
die von einem Thürmchen überragt, dem von Feldbäch nach Gleichen- 
berg gehenden Wanderer so drohend entgegenblickt, das Archiv mit 
den Verhörsprotokollen der vielen hier summarisch abgeführten 
Hexenprocesse, deren Opfer, im gleichen Irrwahne wie ihre Richter 
befangen, sich selbst für Hexen oder Zauberer hielten, und sämmt- 



— 416 



lieh mit dem Schwerte gerichtet und sodann am Scheiterhaufen ver- 
brannt wurden. Im allgemeinen sind die Aussagen der Gerichteten 
identisch mit den in Feldbach abgeurtheilten Hexen, nur dass hier 
der Gieichenberger und Stradnerkogel der Versammlungsplatz der 
Hexen fijesellschaften war. Das Verschreiben der Seele an den Bösen, 
das Verleugnen der hl. Dreifaltigkeit, das Schauermachen, das 

Fliegen durch die Luft 
von Kogel zu Kogel, das 
Schnofeln des bösen 
Geistes etc. wiederholt 
sich hier genau wie bei 
den Feldbacher Pro- 
cessen. Ausserdem birgt 
das Schloss zahlreiche 
interessante Porträts 
der Trautmannsdorf , 
ein Richtschwert und 
das Schlachtschwert 
Max Sigmund Graf 
Trautmannsdorfs. Von 
ganz wunderbarer, be- 
zaubernder Schönheit 
ist die entzückende 
Rundschau, die man von 
den Fenstern der Burg 
geniesst. 

Die Geschichte der 
uralten Burg verliert 
sich in die Nebelschleier 
der Sage; wahrschein- 
lich von einem gleich- 
namigen Geschlechte 
^ erbaut, kam es im 13. 
'4 Jahrhundert an die 
,.i Herren von Wildon, 
1 später an die Pettau, 
4« Schaumberg, Walsee, 
Reichenburg , Welzer 
und 1573 an Hanns 
Friedrich Freiherrn v. 
ruhmvollen Geschlechte das zum 
Schloss bis heute ver- 




Schloss Gleichenberg. 



Trautmannsdorf, bei welchem 
Stammsitze der Trautmanns dorf erhobene 
blieb. Der derzeitige Besitzer Graf Max Weichard Trautmannsdorf 
(geb. 1842) führte in den Jahren 1863-1864 eine gründliche Re- 
stauration des Schlosses durch und umgab dasselbe mit einem 
Gürtel reizender Parkanlagen. 



— 417 — 

Das Geschlecht der Trautmannsdorf-Weinsberg. 
Die Trautmannsdorfer sind nächst den Grafen Herren von Stuben- 
berg das älteste Adelsgeschlecht der Steiermark. 1336 bestätigte 
Kaiser Ludwig seinem Kammermeister Hector v. Trautmannsdorf ein 
Adelsalter von 352 Jahren dieser Familie, und im Diplome Kaiser Fer- 
dinands IL, welcher die Brüder Maximilian, Sigmund Friedrich und 
Hanns David in den Grafenstand erhob, wird für das „uralte herr- 
liche Geschlecht deren von Trautmannsdorf" über 780 Jahre adeliger 
rittermässiger Stand ausgewiesen. Zahllos . sind die Ruhmesthaten 
dieses Geschlechtes, das insbesonders in den Kämpfen gegen die 
Feinde des Kaisers und des Reiches sich hervorthat. In der Ent- 
scheidungsschlacht auf dem Marchfelde am 26. August 1278 fielen 
13 aus dem Hause Trautmannsdorf ritterlich auf ihre Schilde. Bei 
Mühldorf kämpften 23 Trautmannsdorf für Friedrich den Schönen; 
4 davon fanden den Heldentod und 16 wurden schwer verwundet 
und gefangen, unter den Letzteren auch obgenannter Hector von 
Trautmannsdorf, der Leidensgefährte seines Herrn auf der Veste 
Trausnitz, der später nach der Versöhnung mit König Ludwig dem 
Baier von diesem zum Lohne für seine seltene Treue in den eigenen 
Dienst berufen wurde. Christoph von Trautmannsdorf war Domherr in 
Salzburg, wurde 1477 Bischof von Seckau und starb 1480. Erasmus von 
Trautmannsdorf (1526—1551) war auch Landesverweser in Steyer. 
Adam von Trautmannsdorf, geb. 1579, ein berühmter Krieger, glänzte 
durch seine Tapferkeit an der Kulpa, bei Fileck, Raab und Erlau, 
wurde unter Kaiser Ferdinand IL Hauptmann der Hatschieren und 
Oberst an der croatischen Grenze, dann General, that sich im Uskoken- 
und im friaulischen Kriege gegen . die Venetianer besonders hervor 
und leitete auf das Umsichtigste die Vertheidigung von Görz gegen 
die übermächtigen Venetianer, wobei er 1617 durch einen Schüss 
aus einer feindlichen Feldschlange tödtlich getroffen wurde. Sein 
Bruder Maximilian, Ritter des goldenen Vliesses u. s. w., 1584 geb., 
war Obersthofmeister der Kaiserinnen Anna und Eleonora und des 
Kaiser Ferdinand IL, schloss 1620 zu München den wichtigen Bund mit 
Maximilian von Bayern, schloss nach dem Siege bei Nördlingen 1635 
den berühmten Prager Frieden und beendigte, indem er als erster 
Botschafter und die Seele des Ganzen den westphälischen Frieden 
zu Osnabrück mit den Schweden, und mit Frankreich 1648 zu Münster 
unterzeichnete, den dreissigjährigen Krieg. Zum Lohne für diese 
wichtigen Dienste wurde Maximilian mit seinen Brüdern in den erb- 
ländischen Reichsgrafenstand erhoben und erhielt u. A. auch die 
Herrschaft Weinsberg, wovon dieses Geschlecht noch jetzt den Namen 
führt. Er starb 1650. Sigmund Friedrich Graf von Trautmannsdorf- 
Weinsberg war um 1660 Landeshauptmann in Steiermark. 1664, in 
der Schlacht bei St. Gotthardt blieb unter zahlreichen tapferen 
Kriegern auch Karl Graf von Trautmannsdorf, Capitain der Leib- 
Guardie, auf dem Felde der Ehre; Graf Maximilian v. Trautraanns- 

27 



■— 418 — 

dorf-Weinsberg befehligte 1683 bei der zweiten Belagerung Wiens 
darch die Türken als Oberst vier Fähnlein und als General betheiligte 
sich derselbe an dem Siege über die Türken bei Nissa 1689. Maria 
Thaddäus Graf von Trautmannsdorf- Weinsberg^ Sohn des k. k. geh. 
Raths Weikard Graf von TrAutmannsdorf und der Marianna Gräfin 
von Wurmbrand, geb. 1761, wurde 1793 Bischof von Triest, 1794 
von Königgrätz, 1811 Fürst-Erzbischof von Olmütz und 1816 Cardinal. 
Er war k. k. geh. Rath und erhielt das Grosskreuz des österr. 
Leopold-Ordens, starb 1319. Dieses berühmte Geschlecht blüht noch 
gegenwärtig und ist Graf Ferdinand von Trautmannsdorf -Weinsberg, 
Oberstkämmerer Sr. k. k. apostol. Majestät, Präsident des Herren- 
hauses etc. etc. 



D. Peldbacli - Gnas. 

9 Kilometer, 1 yi Stunden zu Fuss (lohnend), zweimal täglich Post- 
verbindung. 

Die Strasse läuft anfangs westlich dem Raabthale entlang, 
an dem grossen Hold'schen Bierdepot vorbei, wendet sich aber bald 
links, an der Thallehne ansteigend, über die Ortschaften ünter- 
und Ober -Weisseinbach (stattliche, villenartige Bauernhöfe) in 
ein kleines Thal, welches von der Wasserscheide der Raab 
herabzieht. Die Strasse übersetzt den niedrigen Höhenrücken 
in mehreren Serpentinen, die ein Fusssteig kürzt, führt sodann 
auf der Höhe eine Weile dahin (grosses Gasthaus), um sich 
bald südlich in das Fischachthal hinabzusenken, in v^elchem 
sie nun bis Gnas fortläuft. 

Gasthöfe: Franz Pichler, Schwarz Ignaz, Hütter, Civrani 
Anton, Kiesslinger, Thaller, Tentschert etc., durchwegs geräumig, 
mit nett eingerichteten Fremdenzimmern, nicht theuer. Kaffeehaus: 
Alois Haas. Post- und Telegraphenstation. Jahrmärkte: 9. Fe- 
bruar, 15. April, 15. Juni, 5. August, Montag nach dem 8. September, 
nach dem 9. October und am 25. November. — Vereine: Vorschuss- 
casse; Feuerwehr- Verein; Veteranen -Verein ; Verschönerungs- Verein ; 
Musik und Theater- Verein ; Ortsgruppe des deutschen Schulvereines; 
Domicil eines Doctors der Medicin und eines Wundarztes. 

Gnas, schmucker, stattlicher Markt mit 73, meist in 
neuerer Zeit erbauten Häusern und 700 Einwohnern, lieblich 
eingebettet im Gnaserthale, zwischen mit Nadelhölzern bewal- 
deten, sanft ansteigenden Hügelketten, besitzt mehrere alte. 



419 



interessante Bauten nebst überaus stattlichen Neubauten, 
unter welchen das prächtige neue Schulhaus der fünfclassigen 
Volksschule dem schulfreundlichen Orte zur Zierde und seinen 
Bürgern zur Ehre gereicht. Von den alten Gebäuden nimmt 
die sogenannte „Burg" die erste Stelle ein. Sie war der be- 




Gnas. 



festigte Ansitz der Ritter von Grabersdorf, dessen uralter 
winkelhafter Bau durch den gegenwärtigen Besitzer, Bürger- 
meister Richard Haas, in ein freundliches Wohnhaus um- 
gestaltet wurde, jedoch so, dass dem Aeussern nach der alter- 
thümliche Charakter des Baues auf das Glücklichste gewahrt 
blieb, und wird der Besucher dieses Ortes durch den Anblick 
dieses merkwürdigen Gebäudes mit seinen Staffelgiebeln, Erkern, 
Zinnen und Schiessscharten überrascht und an längst ent- 

27* 



— 420 — 

schwundene Zeiten erinnert werden. Weiters ist das alte 
Rathhaus, bis zu seinem Umbau im Jahre 1744 ein fester 
Thurm, von Interesse, da es mehrere historische Erinnerungen 
birgt, so den alten Zinnhumpen der Rathsbürger von 1587, 
die vom Rathsbürger Tatzel bei den Kuruzzeneinfällen erbeutete 
Fahne, einen alten Teppich von prächtiger, milder Farben- 
stimmung, die Anfänge eines vom Bürgermeister R. Haas 
unter Widmung seiner Münzensammlung ins Leben gerufenen 
Localmuseums etc. 

Die stattliche, von Nadelholzanlagen umgebene Kirche, 
ursprünglich gothisch, später im 17. Jahrhundert durch barocke 
Zubauten erweitert, in jüngster Zeit nach den Plänen des 
Architekten Robert Mikovics in Graz wieder sehr glücklich 
gothisch restaurirt (neuer Hoch- und zwei Seitenaltäre), gehört 
zu den schönsten Kirchen der Umgebung im weiten Umkreise, 
und birgt nebst dem schönen, 1689 von dem Maler Mathias 
Echter aus Weiz gemalten Hochaltarblatte, interessante alte 
Grabsteine. Vor der Kirche eine hübsche, 1678 errichtete 
Frauensäule. 

Gnas besitzt auch ein von dem Grafen von Trautmannsdorf 
gestiftetes Spital für sechs Arme. 

Die Pfarre ist sehr alt, wenn sie sich auch erst seit 1417 
urkundlich nachweisen lässt. Die Marktprivilegien, beziehungsweise 
ihre Erneuerung, datiren vom Samstag nach Maria -Himmelfahrt 1516, 
8. April 164.S und 20. April 1785. Am 19. Jänner 1552 ertheilte 
König Ferdinand dem Markte Gnas ein Wappen mit einem nach 
rechts springenden, gekrönten blauen Wolfe mit ausgeschlagener 
Zunge. Gnas brannte 1500, 1796 und 1826 gänzlich nieder und 
wurde 1770 und 1805 durch furchtbare Wolkenbrüche verheert. 

Im Jahre 1532 brandschatzten die italienischen und spanischen 
Hilfstruppen Gnas und Umgebung, und 1683 und 1704 verheerten 
die Kuruzzen den Ort. Am 27. Juni 1809 lagerte Feldmarschall- 
Lieutenant Ignaz Graf Giulay mit 40.000 Mann fünf Tage in und 
um Gnas. 

Gnas war die Wiege eines gleichnamigen Adelsgeschlechtes, 
von welchem ein Ulrich von Gnas 1348—1871 lebte und welches 
bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhundertes verfolgt werden kann. 
Auch die Ritter von Grabersdorf, deren nun verschwundene Stamm- 
burg in dem nahen Dorfe Grabersdorf stand (im 14. und 15. Jahr- 
hundert vorkommend), hatten in Gnas, wie erwähnt, einen befestigten 
Ansitz. 



— 421 — 

Gnas ist der Geburtsort des bekannten Mathematikers Manis 
(1758 — 1800). In neuerer Zeit domiciliren hier drei heimische Kunst- 
handwerker, Naturtalente, die sich selbst bis zu einer relativ be- 
deutenden Stufe der Kunst herangebildet haben, so der in ganz 
Steiermark bekannte Grossuhrenmacher (Thurmuhren etc.) Bert- 
hold, der Kunsttischler Meixner und der Orgelbauer Konrad. 

Gnas hat sich, dank der rastlosen Bemühungen seines 
wackeren Bürgermeisters, Herrn Richard Haas, in letzter 
Zeit in jeder Richtung sehr gehoben, so sind die neue Canali- 
sirung, die Schaffung freundlicher Parkanlagen und Alleen, 
Trottoirs und üebergänge, die Förderung des Vereinswesens, 
die Anlage eines Localmuseums etc. durchwegs Schöpfungen 
dieses im Dienste des öffentlichen Wohles eifrigst thätigen 
Bürgermeisters, welcher in Würdigung seines langjährigen, 
verdienstlichen Wirkens in der Gemeinde, wie in der Bezirks- 
vertretung, mit dem goldenen Verdienstkreuze ausgezeichnet 
wurde. 

Gnas kann mit Rücksicht auf seine in jeder Beziehung 
günstigen Unterkunftsverhältnisse, seinem kräftig pulsirenden 
Vereinsleben, der bequemen Eisenbahnverbindung und der 
Fülle hübscher Spaziergänge seiner waldumkränzten Umgebung, 
besonders „minderbemittelten^ Sommerfrischlern wärmstens 
empfohlen werden. 

Spaziergänge: 

Oestlich anfangs durch Obstgelände ansteigend, gelangt mau in 
15 Minuten zu dem in eine prächtige Naturparkanlage umgewandelten 
Kalvarienberg, welcher 1609 von einem Bürger Namens Ernst nach 
einem Traumbilde angelegt wurde. Dichter Nadelholzwald umschattet 
die Kapellen und Ruhebänke, während von der Hochfläche des Berges 
und von der erst in jüngster Zeit errichteten sogenannten „Martha- 
Ruhe" sich ein herzerfreuender Rundblick auf die umliegenden 
Thäler erschliesst. Noch etwas höher liegt ein Weingarthaus mit 
Aussichtsthurm, von wo sich nach Westen ein gewaltiger Horizont 
bis zu den kärntnerischen Grenzgebirgen dem Auge erschliesst, 
während östlich in fast erschreckbarer Nähe das Schloss Gleichen- 
berg vor dem Beschauer aufsteigt. Andere nahe Aussichtspunkte 
sind das „Kaskögerl", der „Hammerberg", der „Ringelschneiderberg", 
die „Alpen", das „Hötzlegg" (Hirswirth), der „Hofberg", der „Thienegg- 
Berg" etc. Freundliche, meist durch schattige Laub- und Nadelholz- 
wälder führende Spaziergänge bietet die anmuthigeUm gebung, namentlich 
nach dem 1 '/2 Stunden entfernten Bade Gleichenberg mit den Zwischen- 



— 422 — 

Stationen „Binderhansl" und „Reicht", zum „ülp", „Schoberwirth", 
„Hirlswirth" und zu dem kaum 3/4 Stunden entfernten Schlosse 
Poppendorf (Poppendorfmüller). Schloss Poppendorf: Auf einer 
massigen Höhe mitten in englischen, in einen Waldpark übergehenden 
Anlagen thronend, beherrscht das zweistockhohe, im italienischen 
Renaissancestyle 1676 erbaute Schloss weithin die Gegend. Im Innern 
überraschen die prächtigen italienischen Stuccoarbeiten der Plafonds 
mit ihrem Freskenschmucke, darunter besonders der grosse, durch 
beide Stockwerke reichende Saal mit 12 Gemälden Alessandro Bassano's, 
die Himmelszeichen darstellend. Auch die freistehende, um das Jahr 
1740 erbaute Schlosskapelle birgt ein werthvolles Altarbild, die heil. 
Barbara, deren Gesichtszüge das Porträt der Erbauerin der Kapelle, 
Eleonora Gräfin Mersberg darstellen soll. Erbauer der ersten Burg 
waren wohl die Poppendorf er, ' die schon 1150 urkundlich erwähnt 
werden, doch schon im 14. Jahrhunderte traten andere Geschlechter 
in den Besitz der Burg, die mehrmals vollständig umgebaut wurde 
und jetzt im Besitze der Frau Anna Stadler von Wolfersgrün ist. 
Andere lohnende Zielpunkte grösserer Ausflüge bilden Straden, Ober- 
Gnas (Ertler) etc. 

An allen Wegen finden sich gute Landgasthäuser, in welchen 
dem Wanderer freundlicher Empfang und „gut Speis und Trank" 
um ein „Spottgeld" zu theil wird. 



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^ yyy^.!|p!jj p y!|! ! ^^yyt^^yy ! ^yyy^ ! j n yy ! ^yy ! ^ 



Route XL Fehring. 



Gasthöfe: „Brauner Hirsch", 12 Zimmer, Sitzgarten ; Wagner 
Fleischhauer, 4 Zimmer, gute Küche, Sitzgärtchen vor dem Hause, am 
Platze. Weiters noch 8 Gasthäuser, davon 5 mit Sitzgärten und 3 zugleich 
mit Caf^'s (2 Billards), 5 gedeckte Kegelbahnen im Orte. Preise überall 
sehr billig. — Eisenbahn-, Post- und Telegraphenstation 
(letztere am Platze Nr. 50). 4 zweispännige Fahrgelegenheiten und eine 
einspännige stehen jederzeit zur Verfügung. — Warmbad mit 2 Ca- 
binen im Fabriksgebäude des Herrn F. Sinzinger; Kaltbad in dem 
10 Minuten entfernten Raabflusse. — Vereine: Freiwillige Feuer- 
wehr, gegründet 1872; Veteranenverein, gegründet 1882; Deutscher 
Schulverein, Ortsgruppe Nr. 220. — Jahrmärkte: Faschingmontag, 
Dienstag nach Lätari, Dienstag in der Bittwoche, 6. August, 21. Sep- 
tember und 21. December. — Industrielle Unternehmungen: 
Rationellst eingerichtete Gärberei mit Dampfbetrieb des Herrn Franz 
Sinzinger. 

Fehring, landesfürstlicher Markt mit 95 Häusern und 
943 Einwohnern. (Gemeinde 123 Häuser mit 1043 Ein- 
wohnern.) Sitz eines k. k. Bezirksgerichtes saramt Steueramt, 
der Bezirksvertretung, des Bezirksschulrathes, einer Gemeinde- 
sparcasse, zweier Doctoren der Medicin und eines Wund- 
arztes, liegt 20 Minuten von der Bahnstation und 10 Mi- 
nuten von der Raab an ihrem rechten Ufer sehr freundlich 
am Fusse des Thalgeländes, welches, beiderseits mit ausge- 
dehnten dunklen Wäldern umzogen, gerade hinter Fehring mit 
Obstculturen bedeckt ist. 

Der Markt, beziehungsweise Fehring wird 1265 zuerst urkund- 
lich erwähnt. Im Jahre 1362 verlieh Herzog Rudolf den Bürgern des 
Marktes einen ewigen Wochenmarkt, was beweist, dass damals 
Fehring schon ein grösserer Ort war. Am 16. Mai 1494 bestätigte 
Kaiser Maximilian die Rechte und Freiheiten des Marktes und am 
8. Juli 1550 verlieh Kaiser Ferdinand dem Markt im Wappen einen 
Föhrenbaum im blauen Felde. Im Ganzen sind die über Fehring 



— 424 — 

urkundlich vorhandenen historischen Nachrichten sehr spärlich nnd 
dürften die bezüglichen Urkunden und Protokolle bei den vielen 
Türken- und Kuruzzeneinfällen, welchen das nur eine Stunde von der 
ungarischen Grenze entfernte Fehring in erster Linie ausgesetzt war, 
verbrannt sein. — Noch erinnert ein erhalten gebliebener Theil des 
die Kirche einst umschliessenden Tabors mit Schiessscharten und 
aus kräftigen Rustiken gefügtem Thor mit der Jahreszahl 1615 und 
den Bollen der Zugbrücke, die einst über den früher den Tabor 
umziehenden Graben führte, an die wider die Türken und Euruzzen 
errichteten Befestigungen. Die Bauart des Tabors nach innen ist die 
gleiche, wie beim Feldbacher Tabor. Nächst dem Tabor erhebt sich, 
am Nordende des Marktes, an der Rückseite von hübschen Anlagen 
umgeben, die Kirche der Pfarre St. Josef (Decanat Riegersburg). Die 
Kirche gliedert sich in zwei Theile, der nach Osten gekehrten 
gothischen Kapelle, offenbar das Presbyterium der ursprünglichen, 
wohl im 14. oder 15. Jahrhunderte erbauten Kirche nnd der nach 
Abreissung des alten Kirchenschiffes, mit dem Chor nach Norden 
1716 erbauten und am 23. Mai 1737 eingeweihten, sehr geräumigen, 
einschifBgen jetzigen Kirche. In der erwähnten Kapelle, von welcher 
eine Innschrift, offenbar irrig, meldet, sie wäre 1111 erbaut worden 
(wahrscheinlich 1411), war bis 1888 der prächtige riesige Grabstein 
des Edlen Berthold von Emmerberg, gestorben 1403, aus rothen Marmor 
mit der lebensgrossen Gestalt des Ritters, eingemauert, leider ist 
diese Perle der Fehringer Kirche in jüngster Zeit nach Schloss 
Bertholdstein gebracht und daselbst in einem Corridore eingesetzt 
worden. Eine andere Inschrift erinnert daran, dass einst die När- 
ringer Herren auf Johnsdorf hier ihre Grabstätte hatten. Das Hoch- 
altarblatt, der sterbende hl. Josef, wurde vom Tiroler Maler Ignaz 
Kern gemalt. Neben der Kirche erhebt sich das 1873 erbaute, be- 
ziehungsweise erweiterte zweistöckige Schulgebäude der fünfclassigen 
Volksschule. Südlich der Kirche dehnt sich der grosse breite Haupt- 
platz des Marktes, geziert mit der jüngst renovirten 1693 errichteten 
Frauensäule aus. Der Markt besitzt auch ein Armen- und Versorgungs- 
hans mit 14 Zimmern, gegründet vom Bürger Jacob Wendler. 

Der ruhige, aber sehr gewerbsreiche Markt Fehring hat sich 
in den letzten Jahren unter seinem intelligenten Bürgermeister Herni 
Franz Sinzinger in jeder Beziehung verschönert und gehoben, und 
eignet sich heute besonders als Sommerfrische für Jene, die an dem 
anmuthigen Hügelcharakter des Raabthaies Genügen finden und unter 
angenehmen gesellschaftlichen Verhältnissen gut und billig leben wollen. 

Umgebung. Fünf Minuten östlich vom Markte zieht 
sich der 117 Joch umfassende Domwald (im Besitze der Gemeinde 
Fehring) über die Hügelkette dahin, mit seinen vielen Baheplätzen 
und Aussichtspunkten eine präclitigeWaldpromenade er- 
schliessend. 



— 425 — 

Spaziergänge und Ausflüge. 

Fehring ist im Umkreise von 1 — 1 ^/>^ Stunden mit 
einem Kranze interessanter Schlösser und Burgen umgeben, 
zu welchen meist durch Wald oder über aussichtsreiche Wein- 
gebirge angenehme Fusswege führen, sehr lohnende Zielpunkte 
bietend. 

1. Bertholdstein. 1 Stunde zu Fuss, 35 Minuten zu 
Wagen. Nahezu ^/^ Stunden westlich von Fehring liegt das 
Dorf Pertlstein, von wo links, an mehreren Gehöften vorbei 
(Rosenzucht), die Strasse in 15 Minuten an der alten Schloss- 
Taverne (gegenüber uralte Linde) vorüber, zu dem herrlichen 
Schlosse aufsteigt. Je näher man dem Schlosse kommt, je 
mehr kommt die wundervolle Lage dieser aus prächtigem altem 
Buchenwald hoch aufsteigenden, langgestreckten Burgveste zur 
Geltung. Endlich stehen wir an den Pforten der südlichen 
Schmalfront des Schlosses, welche mit ihren Pechnasen und 
Schiesslucken, den Bollen der Zugbrücke und dem poly- 
chromirten Wappen der Lengheimb von 1582*) noch ihr 
volles mittelalterliches Gepräge erhalten hat. Treten wir aber 
durch ein Seilenpförtchen in den Burghof, so finden wir einen 
Fürstensitz, der üppigst orientalische Pracht und Glanz mit 
verfeinertem Geschmack europäischer Civilisation in einer 
Weise vereint , wie sie kaum auf einem anderen Edelsitze 
Oesterreichs oder Deutschlands sich wiederfinden mag. 

Der erste der Ritter von Emmerberg, Berthold zu Berthold- 
stein, soll von Herzog Otto im 11. Jahrhundert geadelt wordeu sein, 
und haben sich über den Anlass . dieser Adelserhebung Bertholds 
zwei Sagen erhalten. Die eine meldet, dass der riesenstarke Hirte 
Berthold einst im Ürwalde Herzog Otto aus der Gewalt seiner Feinde 
gerettet und sodann in einen alten Römerbrunnen in einem Eimer 
versenkt habe, wodurch er den Nachstellungen feindlicher Raubritter 
entgieng. Herzog Otto schlug hierauf zur Belohnung dieser That 
Berthold zum Ritter und baute um den Römerbrunnen die Burg 
Bertholdstein. Die zweite Sage meldet, dass Herzog Leopold VI. 



*) Links: Quid valet hie mundus, quid g-loria quidque triumphus 
Post miserum funus pulvis et umbra »utnus. 

Adam v. Lengheimb. 
Bechts: Omnia si petdas Christum sörvare memento : 

Ümisso Christo, postea nullus eris. Helena v. Lengheimb nata 

de Weissene gg. 



— 426 — 

(1193) einst auf der Jagd sich im Urwalde verirrte und, zum Tode 
ermattet, nach einem Trunk frischen Wassers lechzte, da sei ein 
fröhlicher Hirte mit einem Eimer frischen Wassers des Weges 
gekommen und hätte des Herzogs gewaltigen Durst gestillt. Der 
Herzog fand Gefallen an dem Jungen, liess ihn ritterlich erziehen 
und erhob ihn später in den Adelsstand. Der Wassereimer, der in 
beiden Sagen die Ursache der Adelserhebung bildet, ging aber in das 
Wappen der Emmerberg über. Noch meldet die Burglegende mehrere 
interessante Sagen über das Geschlecht der Bertholdstein von Emmer- 
berg. So sollen sieben Frauen der Bertholdsteiner der Eifersucht 
ihrer Männer zum Opfer gefallen und die letzte im Schlosshofe, wo 
jetzt der Stumpf eines uralten Nussbaumes steht, als Hexe verbrannt 
worden sein. Aber auch eine Schlossfrau von Bertholdstein, ein 
jugendliches Weib, mit dem alten Ritter von Bertholdstein vermählt, 
aber noch in heisser Liebe an ihrem Jngendgeliebten hängend, stiess, 
als sie denselben überraschte, wie er ihrer schönen Stieftochter seine 
Liebe gestand, Beiden den Dolch in's Herz, um sodann auch sich 
selbst die tödtliche Waffe in die Brust zu stossen. Der Letzte der 
Bertholdstein soll 1278 mit Seifried von Mah]^enberg König Ottokar 
von Böhmen am Marchfelde getödtet haben. Im Jahre 1512 kam das 
Schloss Bertholdstein an die Lenghaimb, die es bis 1838 besassen, 
worauf es durch Kauf an die Trautmannsdorf und 1870 an den 
jetzigen Besitzer, Sefer Pascha, kam. Sefer Pascha, oder Graf Ladislaus 
Koszielsky, ist in Posen geboren, quittirte in Folge eines Duells 1848 
als preussischer Rittmeister und machte sodann einen Feldzug in 
Algier mit, wo er Oberstenrang erlangte. Hierauf Vandte er sich 
nach Constantinopel, wo er in türkische Militärdienste trat, und 
zwar als erster Christ, der seine Religion beibehielt. Sefer Pascha 
wurde bald der Vertraute Abdul Medschid's und blieb es durch 
14 Jahre, von ihm mit Ehren und Reichthümern überhäuft, bis zu 
seinem Tode. Sefer Pascha domicilirt seit 1870 jeden Sommer in 
Bertholdstein, von wo er nahezu täglich nach Gleichenberg fährt. 
Seit der Besitzergreifung der alten Burgveste durch Sefer Pascha 
hat dieselbe, unter vollkommener Wahrung ihres äusseren, so hoch- 
interessanten mittelalterlichen Charakters, im Innern eine Wandlung 
zu einem orientalischen Fürstensitz von märchenhafter Pracht er- 
fahren, wie sie glanzvoller und sinnebestrickender kaum gedacht 
werden kann. Die Burg hat zwei Höfe, einen grossen, ein stumpfes 
Dreieck bildenden langgestreckten Hof, der Sage nach der ehemalige 
Turnierplatz der Burg, und einen zweiten, unregelmässigen, kleinen 
Hof. Die Ostseite des Hanpthofes bildet ein prächtiger, in einer 
Doppelreihe mit wildem Wein umrankten Arkaden (83 Bogen) auf- 
steigender Corridor, die sich nach Aussen als mit Schiessscharten 
bewehrte Ringmauer darstellt. Die Corridore dieses 165 Schritte 
langen Arkadenganges geben mit ihren Trophäen orientalischer Waffen 
und Draperien persischer Teppiche schon einen kleinen Vorgeschmack 



— 427 — 

des Charakters der Innenräume des Schlosses. In der Mitte des Hofes 
uralter Nussbaum. An der Westseite des Hofes liegen die von Sports- 
männern viel bewunderten Stallungen, welche nicht nur durch die 
Eleganz der Ausstattung und die Pracht der Sättel und Geschirre, 
sondern insbesonders auch durch die Schönheit ihrer Bewohner, meist 
16 blendend weisse arabische Vollbluthengste reinster Rasse von 
unschätzbarem Werthe, das grösste Interesse beanspruchen. Am Süd- 
ende des Hofes liegt die Schlosskapelle, an deren Eingang der riesige 
herrliche Grabstein aus rothem Marmor des 1408 gestorbenen 
Berthold von Emmerberg, Truchsess, der jüngst aus der Kirche von 
Fehring hierher versetzt wurde, sich erhebt. Im Innern der Kapelle 
die alten Grabsteine der Lenghaimb. Die Burg enthält ausser den mit 
fürstlichem Luxus ausgestatteten Privatgemächern Sefer Pascha's über 
ein Dutzend reizender Fremdenzimmer, und, nebst den Wohnungen der 
zahlreichen Dienerschaft, fünf Prunksäle von durchwegs verschiedenem 
Charakter. Der erste Saal zeigt uns eine gothische, reich mit Schnitz- 
werk und polychromirten Wappenschildern geschmückte mittelalter- 
liche Halle von jener gediegenen Pracht, von jener kräftigen Con- 
struction, die uns Walter Scott auf altschottischen Edelsitzen so 
bezaubernd schildert. Der nächste Saal führt uns ohne gefahrvollen 
Kreuzzug vom mittelalterlichen Ritterthum in die Märchenwelt des 
Orients mit alP seiner berückenden Decoration, den schwellenden 
Divans und Ottomanen, den prächtigen exotischen Farren und Palmen, 
den weichen Teppichen Persiens und Arabiens mit ihrer trotz aller 
Buntheit so wunderbaren Farbenharmonie, mit ihren entzückenden, 
goldig warmen Tönen, den kostbaren japanesischen Bronzen etc. 
Wieder öffnen sich die Pforten eines dritten Saales, dessen Mitte 
ein Billard einnimmt, dessen Wände aber ein Museum prunkvoller 
orientalischer Waffen, damascirt und tauschirt, Pferdedecken, Trachten- 
stücke, ägyptische Alterthümer etc. bildet, das zu bes< hreiben es uns 
an Raum fehlt. Im vollen Gegensatze steht der nächste Saal, der 
Salon, im reichsten Spätrenaissancestyle französischen Charakters 
gehalten, ein Triumph moderner Kunsttischlerei und Holz- 
schnitzerei. Den Abschluss dieser Flucht Säle bildet der Speise- 
saal. An der nördlichen Schmalfront des Schlosses springt eine 
grosse Terrasse über die Wipfeln des Buchwaldes aus, von wo sich ein 
bezaubernder Blick über die ganze nordöstliche Steiermark erschliesst. 
Noch wäre Manches zu beschreiben, so der alte „Römerbrunnen", die 
geheimen Gänge und Thüren der Burg, ihre schauerlichen Verliesse, 
die eiserne Maske, welche ein eifersüchtiger Rittersmann seiner Gattin 
bei Gastgelagen anlegte, um ihre Schönheit zu verbergen, etc. Wir 
müssen uns hier darauf beschränken, nochmals zu betonen, Berthold- 
stein ist nicht nur der Magnet Fehrings, P'eldbachs und Gleichen- 
bergs, sondern überhaupt ein Juwel unter den österreichischen 
Schlössern, welches die märchenhafte Pracht des Orientes mit dem ver- 
feinerten Geschmack europäischer Civilisation in seltener Weise vereint. 



— 428 - 

Von Bertholdstein 2 Stunden nach Gleichenberg bequem 
1 y4 Stunden nach Feldbach, 1 Stunde nach Fehring. 

2. Schloss Kapfenstein, 1 V2 Stunden (südöstlich), die 
südliche Spitze des 470*2 Meter hoch isolirt aufsteigenden, 
ans Basalttuff und Gonglomeraten bestehenden Eapfensteiner 
Kogels krönend, und daher weithin sichtbar, bildet einen 
lohnenden Zielpunkt eines Spazierganges von Fehring. Hat auch 
das Schloss, bis um das Jahr 1550, im Besitze eines gleich- 
namigen Rittergeschlechtes, heute aber nach vielfachem Besitz- 
Wechsel Eigenthum Herrn Wimraer's, keine Sehenswürdigkeiten 
aufzuweisen, so bietet doch das am Südfasse des Kogels gelagerte 
Pfarrdorf gute Herberge, und die Umgebung mit ihren grossen 
alten Buchenwäldern eine Fülle angenehmer Waldpromenaden. 

3. Schloss Johnsdorf und Schloss Hohenbruck, 
ersteres 1 Stunde nordwestlich, letzteres 1 Stunde nordöstlich 
von Fehring, bilden diese beiden kleinen, aber reizend am Nord- 
gelände des Eaabthales situirten Schlösser gleichfalls hübsche 
Ausflugsorte Fehrings. 

Johnsdorf, von einem gleichnamigen, um 1539 ausgestorbenen 
Rittergeschlechte erbaut, ist seit 1882 im Besitze Victor Baron 
Herring's, der es wesentlich verschönerte. Von hier schöner schattiger 
Waldweg nach Riegersburg, 3/4 Stunden. 

Hohenbruck wurde, wie die Portal-Inschrift meldet, 1594 in 
seiner jetzigen Gestalt erbaut. „Dis Haus haben von Grund aus 
erbaut der edel und gestrenge Herr Bernhardin v. Mindorff zu 
Feistritz und Hohenbrugg, auch die edle und tugendhafte Frau 
Regina v. Mindorff, eine geborene v. Ratmannsdorf, im 1594 Jar.** 
Unter Christoph v Mindorff ertheilte Maximilian am 8. August 1515 
dem Dorfe Hohenbrugg das seither wieder entzogene Marktrecht. 
Nach vielfachem Besitzwechsel kam das Schloss an den jetzigen 
Besitzer William Baron Morsey (seit 1874), der es das ganze Jahr 
bewohnt und zu einem mit modernem Comfort eingerichteten Land- 
sitz umgewandelt hat. — Im Dorfe mehrere einfache Gasthäuser. 

4. Gleichenberg, 2 Stunden, prächtige, mühelose Höheu- 
wanderung, nicht zu fehlen, zuletzt über'n Bauernhansel hinab 
in den so entzückend schön gelagerten Curort. Siehe Seite 392. 
Eine überaus lohnende Rundtour zu Wagen oder zu Fuss bildet 
nachstehende Route : Feldbach - Gleichenberg - Bertholdstein - 
Fehring - Riegersburg - Feldbach, in 2 Tagen zurückzulegen. 



— 429 — 



Orts- und Sach- Register. 



Seite 

llhau 301 

Ipsteig 47 

ItenmarJct 158 

uger .• 218 

nna, St., bei PöUau 258 

rzberg 184 

spang 38 

ufFenberg 296 

ärnegg i. d. Elsenau. 72 

ärnschütz 51 

eigütel (Beigürtel) . 92 

ertholdstein .... 425 

irkfeld 223 

laindorf 163 

treitegg 139 

ireitenau 49 

{ruck a. d. Lafnitz . 97 

rühl bei Hartberg . 290 

iurgau 334 

;urgfeld am Wechsel 95 
lementgrotte . . . .178 

)echantskirchen. . . 85 

»emmeldorf 98 

)ornbofen 57 

)rachenbölile (Kogel- 

lucken) 50 

Ibersdorf 149 

:ichberg 300 

Uchkögel 352 

Erhard, St 49 

'ebring 423 

■'eistritz am Wechsel 42 

'eistritz bei Hz . . . 159 

'eistritz-Klamm . . . 193 

'estenbürg 99 

'ieberbründl .... 145 

'"ischbach 228 

Hadnitz J89 

'ranenhöhlen .... 148 

•'reiberg 136 

Treienbergerklamm . 193 

Triedberg 62 

?'rondsberg 221 

'■'ürstenfeld.Localbahn 307 

Türstenfeld, Stadt . . 311 

jasen 50 



Seite 

Geisseldorf 303 

Gleichenberg, Carort 392 

Gleichenberg, Schloss 415 

Gleisdorf 129 

Gnas 418 

Grafendorf 89 

Grasslhöhle 183 

Gross-Hartmannsdorf. 162 
Gross-Steinbach . . .162 

Gross-Wilfersdorf . . 157 

Güssing 329 

Gntenberg 181 

Hackhofer 100 

Hainersdorf 155 

Hartberg 260 

Heilbrunn 190 

Herberstein 208 

Hirnsdorf 144 

Hochlantsch 54 

Hofberg 328 

Hofkirchen 150 

Hohenbruck 428 

Hopfenbau ind. nord- 
östlich. Steiermark 309 

Hz 153 

Jackler, das Land der 104 
Jacob, St., in der 

Breitenau 49 

Jacob, St., im Walde 108 

Jobst 158 

Johann,St.,ob Herber- 
stein 214 

Johnsdorf 428 

Kainberg 57 

Kaisdorf 156 

Kapfenstein 428 

Katerloch 183 

Kathrei n ,St. ,a. Hauen- 
stein 180 

Kindberg 47 

Kirchberg a. d. Kaab 347 

Kirchberg am Walde . 299 

Kirchberg am Wechsel 41 

Klaifenau 301 

Kogelhofen 227 

Kornberg 367 



Seltn 

Krieglach 45 

Kulm 141 

Kumberg 57 

Lafnitz (Dorf) .... 88 

Langenwang .... 45 
Lorenzen,St.,ft. Wechsel 94 
Magdalena, St., am 

Lemberge 298 

Masenberg 259 

Mauthstatt 49 

Mayrhofen 163 

Miesenbach 241 

Mindorf, die 162 

Minichhofen 139 

Mixnitz 50 

Mönichkirchen ... 39 

Mönichwald 102 

Mtlrzzuschlag .... 44 

Neuberg bei Hartberg 293 

Neudau 340 

Neuhaus 201 

Oberbuch 303 

Oberwarth 301 

Obstbau 130 

Osser 55 

Paldau 352 

Passail 184 

Pinggau 62 

Pischelsdorf 143 

Pöllau 241 

Pöllauberg 255 

Poppendorf 422 

Puch 140 

Raabthal 346 

Baabursprung .... 190 

Raas 180 

Rabenwald 203 

Rablloch 180 

Radegund 57 

Ratmannsdorf . . . .172 

Ratten 233 

Reinberg 92 

Reiteuau 298 

Rettenegg 235 

Riegersburg 372 

RingkogelbeiHartberg 291 



430 — 



Seit« 

Bohrbach 88 

Bosegger'sWaldheimat 46 

Bndersdorf . . 

Buprecht, St. . 

Satzkogel . . . 

Sch&ffern . . . 

Schanz, auf der 

Schieleiten, alt 

Schieleiten, nen 

Schöckel . . . 

Schöckelschatz 

Schfisserlbrann 

Siegersdorf . . 

Sinabelkirchen 

Sitten und Gebräuche 
am Sfldgel&nde des 
Wechsels 

Sitten und Gebräuche 
in den sfidlichen 
Gegenden der nord- 
östlichen Steiermark 305 



328 
137 
354 

70 

49 
200 
201 

58 
189 

52 
217 
152 



80 



Seit« 

Spital am Semmering 44 

Stadel 138 

Stanz 47 

Stefon,St.,beiKaindorf 150 

Stein bei Fflrstenfeld 328 

Steinhaus 42 

Strallegg 238 

Strasseck 50 

Stubegg 188 

Stubenberg, Dorf . . 194 

Stubenberg, die . . . 195 

Stuhleck 44 

Sturmberg 178 

Teichalpe 55 

Teufelstein 230 

Teuffenbach, die. . . 164 

Teuifenbsch-Burg . . 205 

Thalberg 86 

Thannhausen .... 191 

Trautmannsdorf, Dorf 415 

Trautmannsdorf, die . 417 



S«ite 

Tflrnauergraben ... 55 

Uhlheim 153 

Unter-Feistritz . . .192 

Voran 112 

Waldbach 102 

Waltersdorf 303 

Waxenek 219 

Wechsel 78-80 

Weiz 166 

Weizberg / 174 

Weisklamm .'■.... 180 

Welsdorf 1*27 

Wenigzeil 110 

Wildwiese. . . . 111,241 

Wörth 344 

Wurmbrand-Stuppach, 

die 203 

Zeiselegg 259 

Zetz 180 

Zisser-Tayeme ... 128 



— 431 — 



Verzeichniss der benützten Quellen. 



Im Mannscript. 

OjftermHy'Cl^ Geographie il Geschichte 
der nordbSsilichen SteiermaTlc. 

Prob08cht F., chronoL-hist. u. cnltnr- 
hist. Daten. j 

Pfarrchronllr^von Har^erg (von J. N. 
Weigel)?^U8ziig. ' 

Pfarrehronlk Ton Schäffern, von Pfarrer 
J. Schänzl, 3 Bde. 

Schnlchronik von Stubenberg. Ober- 
lehrer Gartier. 

Ortschronik von Friedberg, von 0. Ain- 
spinner. 

Ortschronik von Pöllan, von A. Eggle. 

Gedruckte Quellen. 
Ansichten (Burgen, Schlösser etc.)« Graz, 

Leykam's Erben. 
Artner Aug., Heimatskunde des Bezirkes 

Fehring, 1883. 
Anfmerksame, verschiedene Jahrg&nge. 
Beitrage zur Kunde st. Geschichtsquellen, 

17. Jahrg. 
Clar C.,Dr.,Curort Gleichenberg, Wienl 886. 
Einst nnd Jetzt, von Carl Beichert, 
Selbstverlag 1864. 
I tioth, Dr., Schloss Feistritz, Mitth. d. bist. 
V. f. St., Heft 1. 

PöUau, Heft 6. 

' Biegersburg, Heft 2. 

GescIiichtsblStter, steirische, von Dr. J. 
— V. Zahn, II. u. III. Jahrg. 

/ Grans Johann , Chorherrenstift Yorau, 

, Kirchenschmuck, Jahrg. 1882. 

— Chorherrenstift PöUau, Kirchenschmuck, 
Jahrg. 1886. 

— Pöllauberg, Mitth. d. Cent.-C. 1878. 
Hammer-Purgstall, F. v., Gallerin a. d. 

Biegersburg, Darmstadt 1845. 
Hanns v. d. Sann, Sagenschatz des 

Steirerlandes, München 1887. 
Hofrichter J. C, Privilegien der Stadt 

Fflrstenfeld 1857. 
HöfTioger C, Dr., Vademecum f. Besucher 

Gleichenbergs. Gleichenberg 1885. 
Hofler J., Kapelle z. h. Maria in Fieber- 
• bründl. 
Jaeger Gustav, Der Wechsel u. s. Gebiet, 

Wien 1874. 
Janisch J. A., Lexikon von Steiermark, 

Leykam 1873-1887. 



Ilirof, Dr., OsmaneneinfSUe in Steiermark, 
Mitth. d. bist. V. f. St.. 9., 10., 11., 15. 
u. 32. Heft. 

Kernstock Ottokar, Beiträge zur Zeit- 
u. Culturgeschichte der nordöstlichen 
Steiermark. Mitth. d, bist. V., 26. Heft, 
Burgveste Thalberg. Mitth. d. bist, V. 
f. St., 35. Heft. 

Kirch enschmuck, siehe Graus J. 

Krones, Dr. v., Landschäden von 1529. 
Mitth, d. bist. V. f. St., 16. Heft. 

Knmar, Geschichte der Familie und der 
Burg Herberstein, Wien 1817. 

Lange Hanns, Ausgrabunge n in Dieters- 
dorf, Mitth. d. bist. V. f. St., 29. u. 30. Heft^ 

— Kuruzzeneinfall von 1704. 

— Jagdbuch von Burgau. 

— Chronik der StadtFarstenfeld, Fflrsten- 
feld 1883. 

Hacher, Dr. Med., stat.-top. Lexikon von 
Steiermark, Graz 1860. 

— Bömergräber bei Hartberg. Mitth. d. 
bist. V. f. St., 2. Heft. 

— Abriss der Geschichte der Stadt Hart- 
berg, steierm. Zeitschrift, 6. Jahrg. 

Oststeirische Zeitung, red. v. J. Simmler. 

18S3/1884. 
Proboscht Franz, Aus meiner Beisemappe, 

Päd. Zeitschrift 1880. 
Peinlich B., Dr., Geschichte der Pest in 

Steiermark. Graz 1877. 
Bathofer A., Chorherrenstift Voran. 

Würzburg 1882. 
Bo segger P. K., Die Jackler. ,Heim- 

garten'^, 6. Jahrg. 
Schlossar A., Dr., Cultur- u. Sittenbilder 

aus Steiermark, Graz 1885. 
Seidl J. G., Wanderungen durch Tirol 

u. Steiermark, Leipzig. 
Sclimntz, Hist.-topog. Lexikon v. Steier- 
mark, Graz 1822. 
Stampfer L., Frauenhöhle bei Kaindorf. 

Mitth. d. bist. V. f. St , 35. Heft. 
Wagner B., Der Hochlantsch. Graz. 
Wallner J., Maria amWeiiberge,Grazl852. 
Wastler J., steir. Künstler - Lexikon, 

Leykam, Graz 1883. 
Zahn J. V., Dr., st. ürkundenbuch, steir. 

Geschichtsblätter, II, u. III. Jahrg. 
Ziviedineck • Sndenhdrst, Dr. v., Auf- 
gebot von 1565, Mitth. d. bist. V. f. St., 

25. Heft. 




1 



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