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Full text of "Die Organisation der Trilobiten, aus ihren lebenden Verwandten entwickelt;"

^ 



4, 



Alez. Agassiz. 



OF 



COMPARATIVE ZOOLOGY, 



AT DARVARD COLLEGE, CAMBRIICE, HASS. 



J^ountJcl) bn pvfbatc suljscifptfon, (n 1S61. 



Depositedby ALEX. AGASSIZ. 



QJ^\1cAV^ 



I 



V 



H. Biirmeit^ter, 



r g a n i s a ti n ii n il U e b c r s i c Ii t 



der 



T r i 1 b n e II. 



Die 



Organisation der Trilobiten, 



aus 



ihren lebenden Verirandten ent^vickelt; 

uebst einer 

systcmalisclien Uebersiclit aller zeither beschriebenen Arten, 



Hermann Bnrmeisfer, 

Doct. d. Med. n. Phil, 
ordentl. ötfentl. Professor der Zoologie u. Director des zool. Musenms der vereinigten Friedriclis- Universität 
Halle -Wittenberg; Correspondenten der Königl. Academie d. Wissenschaften zu Turin, Mitgliede d. Kaiserl. 
Leop. Carol. Acad. der Naturf. , der Kaiserl. Russ. Gesellschaft der Naturf. zu Moskau, der phys. inedic. Soc. 
zu Erlangen, der naturf. Gesellsch. zu Halle, Altenburg, Hamburg u. des Harzes; p;hrenmitgl. d. Gesellsch. 
natnrf. Freunde zu Berlin und der cntomol. socieiy of Pennsylvania , wirkl, Mitglied der entomol. Gesellsch. zu 

London . Paris und Stettin etc. 




Mit 6 Kupfertafeln. 



Berlin, 

Georg Reimer. 

1843. 



Herrn 



EtfCoiiolfl von Bueli 



widmet diese Blätter, 



als 



aulriclitiges Zeichen seiuer llochaclituiig und Verehrung, 



der 



Verfasser. 



Vorrede, 



Jj^choii in der Einleitung habe icli die äussere Geschichte meiner Arbeit 
kurz augegeben, und brauche sie daher nicht breiter zu besprechen; dass 
die Behandhuig des »Stoffs bloss vom zoologischen Gesichtspunkte aufge- 
fasst ist, liegt eines Theils in der Natur der Sache, in sofern Verstei- 
nerungen des Thierreichs doch sicher eine zoologische Behandlung nicht 
bloss erlauben, sondern zu einer gründlichen Darstellung auch fordern j 
andern Theils in meiner eigenen durchaus zoologischen Richtung des Stu- 
diums. Zwar sind Arbeiten über Versteinerungen sicher um so gründli- 
cher und besser, je tiefer ihr Verfasser sowohl in die eine, als auch 
in die andere der beiden berührten Disciplinen eingedrungen ist, allein wer 
könnte sich seit Cüvier einer solchen Universalität rühmen? — icli zog 
es daher vor, die geognostische Seite ganz fallen zu lassen, und mich 
über die verschiedene Lagerungsfolge der Straten, die Trilobiten ent- 
halten, nicht weiter zu verbreiten. — Deshalb bitte ich meine Leser, auf 
die hie und da eingestreuten geognostischen Bemerkungen kein grosses Ge- 
wicht zu legen; sie mögen zum Theil gar auf missverstandenen An- 
sichten Anderer ruhen, und so gar keine Seite haben ^ die sie geniess- 
bar macht. Desto mehr wünsche ich dagegen, dass meine zoologische 
Gruppirung deren Beifall finde, und die Begründung der mancherlei 
schwankenden Ansichten zu einer einzigen, wahren, deren ich mich 
befleissigte, mü* gelungen sein möge. Dies sind die beiden Gesichts- 
punkte, welche ich vorzugsweise im Auge halte, denn für die Richtig- 
keit aller oft nur muthmasslich angezogenen Synonyme kann ich um so 
weniger einstehen, als es mir nicht vergönnt war^ die Originalstücke 



VIII 



vieler angeblich neuen Arten zu untersuchen. Von deutschen Schriftstel- 
lern habe ich zwar grosse Theilnahme erfahren, allein gerade von Dem- 
jenigen uicht, dessen Arten mir mit die unkenntliclisten zu sein scheinen. 
Ich musste daher oft dem Zufall meiner persönlichen Anschauung ihre Be- 
stimmung überlassen. Was in Berlin und Halle die Sammlungen ent- 
halten, habe ich gesehen; ausserdem erhielt ich von Hrn. Bocrsch in 
Schlesien, durch Hrn. Hauptmann v. Charpentieii, und von Hrn. Höninc- 
HAUS in Crefeld schätzbare Beiträge. Dagegen konnte ich nur wenige 
Amerikanische und Englische Originalstücke vergleichen. Schon aus die- 
sem Grunde ist meine Arbeit sichei- keine abgeschlossene; sie wird der 
weiteren Ausführung fähig sein, das bezweifle ich nicht, weshalb ich Zu- 
sendungen zum fernem Studium, besonders von Originalexemplaren mir 
unbekannt gebliebener Arten, gern und mit Dank, wenn auch nur zur 
Ansicht, entgegen nelimen würde. Wohl möchte ich mich auch mit gu- 
ten Abbildungen nebst ausführlichen Besclireibungen derselben begnügen, 
und da die ersten selten sind, so war es mein HauptbestreJ)en , den mei- 
iiigen die möglichste Vollenchmg zu geben. Ich habe das Glück gehal)t, 
in Hrn. A. Andorff zu Berlin einen Künstler zu treffen, dessen Talente 
und Leistungen nichts zu wünschen übrig lassen, und kann daher ohne 
Scheu die von ihm gearbeiteten vier mittleren Tafeln, als die genauesten 
Abbildungen meiner Originale, allen Zeichnern als Muster zur Nachahmung 
empfehlen. GeAiiss wird jeder Kenner mir zugeben, dass bessere, schö- 
nere und naturgetreuere Darstellungen von T'rilobiten nicht vorhanden sind. 

Halle, den 8. Mai 1843. 

H. Bnriiieister. 



lilteratur. 



(Die mit einem * bezeichneten Scbriften habe ich benutzt.) 

1698. Ed. Lhwyd (Luidius) in den Philos. Transact. Vol.20. no. 244. August. pag.i79. 

(Erste nnd älteste Mittheilung über Trilobiten.) 

1699. — — (— ) LHhophylac'ii Brltannici Idinograph'm, seu lapid. elc. Londini (auch 

Lipsiae.) 8. Ep. I. pag. 9ß. i- Ed. alt. Oxon. 1760. 8. 

1700. Car. Leigh, n natw. hislory of Lancashire , Cheshive and the Peack in Derbmhire. 

Oxford 1700. Fol. 

1702. J. J. ScHEUcHZKR, specvucn LUholog'me Helveliae. Turici. 8. 

1708. C. N. Lange, liMoria lap'idum figiiratonim Helveliae. Venet. fol. pag. 140. 

1709. — — Iraclatns de origine lapidum figtiratorum. Lucern. 4. 

1711. L.D. Herrmann, Maslographia. Brigae. 4. p.2U. 7io. öO. tab.9. f. oO, 11.44, 12.31. 
1718. J. J. ScHEucHZER, Orydogrupkiu , Turici. 4. pag. 21G. ad. fig. 131. 
*1729. M. V. Bromell, Lithograpliia suecana in den actis liier. Sneciae, Upsat. Vol. IL 4. 

pag. 408. .seq., andi besonders gedrnckt: Holm. Si' Lips. 1740. 8. pag. 76. 
-1732. Fr. E. Brückmann, centur. episl. itinerar. Wolfenb. 4. — epist. 23. tub. 2. jig. 1 — 7. 
(1732.) und episl. 64. lab. 3. fig. 5. (1737.) 
1745. C. LiKNAEi, Oeländska och Gothländska Resa. Stockh. och Ups. 8. 
1747. — — Wastgölha Resa. Slockh, 8. 
*1748. J. L. WoLTERSDORF, systeviu minerale, latein. und deutsch. Berlin. 4. S. 42. 
■'1750. Ch. Lyttelton in Aea Philosoph. Transact. Vol. 46. no. 496. Nov. ^' Dec. pag. 598. 
Ch. Mortimer ebend. pag. 600. 

1753. E. Mendez Da Costa ebend. Vol. 48. P. I. pag. 286. no. 42. 
* — C. Linke, Museum Tessinianum. Holm. Fol. pag. 123. lab. 12. 

■■■ 1754. Te. J. ToRRtBiA, aparato paru la historia natural Espanola. Tom. I. Madr. Fol. p. 83. 
§. XIII. no. 96. tub. III. no. 4. 
* (Dasselbe in's Deutsche übersetzt von Ch. G. v. Murr. Halle 1773. 4. S. 91. §. 96. 105. 4. 
Taf. 3. Fig. 4.) 
'1756. J.G.Lehmann, Versuch einer Geschichte \on Flötzgebirgen. Berlin. 8. S. 73. Taf. 1. Fig. A.B. 
1757. C. Linnaei, Skanska Resa, Stockh. 8. pag. 121. 

— Guettard, meinoir. sur les ardoises d' Angers, in den Histoir. de l'acad. des scienc. 

ann. 1757. nouv. ccnt. T. XV. p. 82. seq. 

(Ich benutzte den Nachdruck: Amsterd. 1768. 8. S. 76— 128. Taf. 7 — 9.) 

— Genzmar , Beschreibung einer versteinerten Muschel mit dreifachem Rücken. In den Arbeilen 

einer vereinigt. Gcsellsch. in der Ober- Lausitz von den Geschiclilen der Gelahrtheit. Lobau. 

8. II. S. 785. III. S. 185. Fig. 17— 21. 
1759. C. Linke, pelrificalet Enlomol. paradoxus etc. etc. beshr'ifcd in den act. Reg. acad. 

scicnt. Holmiens. S. ;jfl^. 19. tub. 1. /ig. 1 — 4. 
1763. Jon. WiLH. Baumer, Naturgeschichte des Mineralreiches. 
'1766. D. J. G. Lehmann, de Entrochis et Asieriis, in den Nor. comm. acad. scicnt. Iiiipcr. 

Pcrlropolit. Tom. X. pro anno 1764. pag. 42Ü. seq. .§'. 12. Taf. 12. Fig. 8—10. 
1767. Davila, calalogue systemalique et raisonne des curiosites de la nalure. Paris. 8. av. 

fig. Vol.l — lll. 



Neues Hamburger Magazin. 11. Stück. S. 410. 



II 



1768. C. F. W(iLCKKNs), Nculiriclit von selteuen Versteinerungen, in 3 Sendschreiben etc. Stralsun- 

disches Magazin. I. Bd. S. 2()7. flgd. 8. 

(Auch hesondeis abgedruckt unter obigem Titel. Ebeiid. 1769. 8.) 

1769. Zeno , Ton den Seevorsteincrungen und Fossilen bei Prag, in dessen neuen physikalischen Be- 

lustigungen. Prag 1769. u. flgd. 8. 
■1770. J. Th. Klein, specimen descr'/pt. pelrefacl. Gedanens. Nürnb. fol. Titf.XY. Fig.Z—T- 
■'1771. JoH. Ijim. Walch, Naturgeschichte der Versteinerungen, zur Erläuterung der Knorr'schen 

Sammlung. Nürnb. Fol. Theil II. S. 95. (1768.) u. Theil III. S. 120. flgd. (1771.) 
(Der von Knorr 1755 herausgegebene erste Theil enthalt keine Trilobiten.) 

1773. JoH. Beckmann, de reducHone verum f'ossitium ad genera luduraüa prolotyponim. In 
den nov. comnient. soc. lieg, scient. Göltlng. Tom. III. p. 2. pag. 100. seq. 
"1775. Gr. V. K(iNSKy), Schreiben an J. Edl. t. Born, in den Abhandl. einer Privatgesellsch. in Böh- 
men. I. Bd. S. 243. seq. mit Abbild. 8. 
"1781. M. Th. Brünnich, Bcskrivelse ovcr Trilobiten. In den Nya Sämling af det Koug. Danske 

Widensk. Selsk. Skrifter. Kiobenh. 4. I. S. 384. flgd. 
'■'1785. A. Modeer, Anmerk. über Märkische Versteinerungen. In den Schrift, der Berl. Gesellschaft 

naturf. Freunde. 6r Bd. S. 247. flgd. Taf. 2. Fig. 1 — 12. 8. 
'1793. J.C. Gehler, de qiühusdam rar'ioribus agrl Lipsiensis pclrifical'is , spec. I. Lips. 4. 
1807. JuL. De Tristan im Jouni. des Mines. Vol. 23. no. 133. pag. 21. 
"1810. Fr. Bluaienbach, Abbildungen naturhistorischer Gegenstände. I.Cent, Taf. 50. Götting. 8. 

— F. Fr. V. Schlotheim, über TrU. cornigerus in Leonhard's Tascheub. f. d. gesammte Mi- 

neralogie. 4r Bd. S. 1. Frankf. a. M. 8. 
'•'1811. Ja?.i. Parkinson, organic rema'ins of a former toorld. Vol.Ul. p. 263. pl. 17. f. 11 — 19. 

London. 4. 
'^'1820. E. Fr. v. Schlotheim, die Petrefaktenkunde auf ihrem jetzigen Standpunkte etc. Gotha. 8. 

S. 39. flgd. 
'1821. P. A. Latreille , affm'des des Tr'tlobUes. Mem. du rmis. d'hist. nalur. Tom. VII. />. 22. 

4. und Annal. den sc'ienc. pinjs. de Bruxelles. Tom. VI. 350. seq. 
'■' — V. AuDouiN, vcdterches snr Ics rapporls nidurels qui exislenl enire Ics Trilobiles 

el les an'imaux arücules. — Annal. des sc'ienc. pliys'/q. de Bruxelles. Tom. VIII. 

pag.n-i. 1821.— /sLs 1822. I. 87 — 104. Taf. l. 

— G. Wahlekeerc, , pelrificata tellur'is suecanae. No%m aclu lieg. soc. scient. Upsal. 

Tom. VIII. 4. pag. 18. seq. Tab. 1 §' 2. 
'•'1822. A. Brogniart, Ji'/sloire nalurelle des Crustaces fo.<tsiles. Paris. 4. 

1822. Cu. Stokes, in den Transacl. of Ihe geol. Soc. of London. F. I. no. 8. p. 208. pl. 27. 
'■'1823. E. F. V. Schlotheim, Nachtrage zur Petrefactenkunde. II. Abth. S. 1. u. flgd. Gotha. 8. 

1824. J. VV. Dalmann, in den Kongl. Swenska Academ. nga Handling, för är 1824. pug.d70. 

Entonioslr. adinurus. Taf. IV. fig. 1. 4. 

(Auch als besonderer Abdruck erschienen.) 

* — Dekay, in den annales of Ihe Lyceum of nalur. history of New -York. Vol.I. p.l74. 

(Daraus im Auszuge in der Isi.i. 1832. S. 1072.) und ebendaselbst Vol. I. p. II. pag. 375. 
1825. über Eurypierus. (Isis. 1832. S. 564. Taf. 9.) 

* — F. W. Hönikghavs, über Cahjm. macrophthalma. Isis. Bd. 1. S. 464, 534 u. 986. 

1825. König, Icones secüles elc. London. 4lo. 

— H. Brokn, in Leokhard's Tascheub. f. d. ges. Mineralogie, no. IV. Seite 317. Taf. 11. (Verf. 

unterscheidet hier Cal. lalifrons und Cal. Schlolheimii). 

— Graf K. \. Stkrneerg, Verhandlungen d. Gesellschaft d. vaterländischen Museums zu Prag. — 

3. Heft Taf. I. Fig. 3. — Uebersiciit der in Böhmen bisher aufgefundeneu Trilobiten. 

* — E. Eichwald, ob.<ierraHones geognoslico-zoologicae per Ingriani marisque baltici pro- 

vincias , nee non de Trilobiüs. Cusani. 1825. 4. c. fig. (Angezeigt in Leonhards 
Tascheub. 1828. 104.) 



XI . 

*1826. Bar. v. Schlotheim, in der Isis. pag. 315. Taf. 1. Fig. 8 u. 9. über Tr'il. Esniurk'ii und 

Tr. granum. 
'■' — G. Ue Kazoumowsky, (/iiequc» observaüons siir les Tr'dobites, in i\en atmales des scienc. 

nalw. pur. V. Ändouln 6f A. Brofpi/arl. Vol. VIII. pag. ISfi. .sc«/. /iL 28 §f 29. 

* — F. W. Dalmann, Olli Pdlacndertm euer de sd kailade TiilobUema. Stoekh. 1826. 4. 

c. fig. — Iii's üeiitsdic üiiersctzt von Fr. Ei\geluart. Nürnb. 1828. 4. (mit den Kupfern 
des Originals.) 

1827. Payton, on TiilobUes of Dudley. London. Alo. 

— Ch. Boek, rtolUaer t'd laeven oiii Tritobilern, im Magazin f'or Nalurv'idenskaberen. 

Forste liackkes. l. Band. I. Helt. (Angezeigt von Gr. Sternberg in den Verhandinngen 

d. Gesellscli. d. vaterl. Mns. zu Prag. 1833. S. 45.) 

— Stchegloff, Journal für neue Entdeckungen in der Pliysiol. , Clieni. , Natnrg. u. Technologie. 

St. Petersliurg. Nr. 1 u. 2. (russisch.) 

1828. lieber Boek's Untersuchungen, Auszug von Bronn in Leonhard's Zeitschrift. Jahrg. 1828. 

Seite 114. Note '. 

* — A. GoLDFuss, obserralions sur la place an' occnpent les TrUobiles dans le regne ani- 

mal. Annales des scienc. naiur. etc. foni. XV. pag. 83. 8. pl. 2. 
*1829. Fr. JuKEs, über einen neuen Trilobiten von Great Barr in Staffordshire (Bumastesbarriensis 
MuRCH.) in LouDON's 3Iag. of nat. hist. Tont. II. p. 41. u. daraus in Silli.vian anieric. 
Journ. of scienc. and arts. 1832. Vol. XXIII. No. 1. p. 203. Angezeigt in Leonhard's 
Zeitsclir. 1833. «. 

1830. E. Eichwald, über die fossilen Podozoen (Gliederthiere) und Cephalopoden, in den Russisch- 

Polnischen Provinzen; aus dessen zoolog. special. Ras.niae in Universum el Polonia in 
specie. Wilnae. 8. Vol.l. pag. 1 — 323. — (Nichts neues, einige Synonyme der vori- 
gen Arbeit verbessert.) Angezeigt in Leonh. Zeitschr. 1832. 122. (Vol.W. enthalt die Wir- 
belthiere. 1831. Ebenda angezeigt 1833. 708.) 

* — C. H. Pander, Beitrage zur Geognosie des russischen Reichs. St. Petersb. 4. c. fig. (Leip- 

zig, L. Voss. 1839.) 

* — HöNiNGHAUs in der Isis. Seite 95. Taf. I. Fig. 2. a— c. über Cal. macrophlhalma. — An- 

zeige davon in Leonh. Jahrb. 1831. S. 341. 

* — Gr. K. V. Stf.rnbero, üb d. Gliederung u. d. Füsse d. Trilobiten. Isis 1830. 516. Taf. V. Fig. 1—3. 

1831. ScouLER, ü])er Kidotea in Edinb. Journ. of natur. scienc. Tom.Wl. 

— Hünefeld, chemische Analyse der Deckeltheile der Entomostraciten od. Trilobiten. In Schwekj- 

cer's Journal etc. und Isis 1831. 976. 

— J. D. SovvERBY, über Englische TriloI)iten. In Lovvoy, Magaz. of natural hislory. Fo?. IV. 

pag. 53. seq. Angezeigt in Leonh. Zeitschr. 1833. 624. 

* — H. V. Meyer, über Calijiuene aegualis , in nora ad. phijs. med. a. C. L. C. n. c. XV. 

2. 100. 
*1832. Jac. Green, a monograph of Ihe TrUobiles of North -America. Pliilud. 8. (publ. by 

Jos. Brano, 12 Castle street) Angezeigt in Leonhardt's Zeitschr. 1836. S. 451. 
"1833. J. C. Zenker, Beiträge zur Naturgeschichte der Urwelt. Jena, (Mauke.) 4. c fig. 

* — Gr. V. Sternberg, in den Verhandlungen der Gesellschaft des vaterländischen Museums zu 

Prag. 8. S. 4.5. — Ueber böhmische Trilobiten. Angezeigt in Leonhard's Zeitschr. 1835. 
S. 727. seq. 
■' — EsMARK, in dem Magazin f. Naturridenskub. Anden Raekkes. I. 2. 268. Taf. yw. 

* 1834. J. V. Thompson, zoological researclies. ?io. V. Cork. 8. c. fig. 

* — K. F. Klöden, die Versleinerungen der Mark Brandenburg. Berl. (Lüderitz.) 8. S. 104. seq. 
— Fr. Jukes, in Lond. ^' Edinb. Pliilos. Mag. IV. 376. Ueber einen neuen Trilobiten aus 

dem Kohlengebirge von Coalbrook-dale. 

* — J. Green, Beschreibung einiger neuen nordamerikanischen Trilobiten, im Silli.m. amer.. Journ. 

ofsc. and arts. 1834. Jan. XXV. 2. 334 — 337. — Angezeigt in Leonh. Zeitschr. 1836. 
461. seq. Verf. beschreibt hier: (Cal. odontocephula. As. astragalotes. As. letrago- 
7wcephalus. Pur. Uurlani). 

— Beschreibung einer neuen Trilobiten- Art {As. cryplunis, ohne Kopf!) in Transacl. of the 

geolog. soc. of Pennsylvania. 1834. I. 37. 39. Angezeigt ebenda S. 462. 



XII 

*1835. H. G. Bronn, Leihaea geognoslica etc. Stuttg. 8. 2. Vol. c. fig. 

M. SARS, in der Isis. 333. seq. über einige neue oder unvollständig bekannte Trilobiten. Mit 

Abbild. Taf. 9 n. 10. — Angezeigt in Leonhard's Zeitschr. 1836. 463. 
=:■ _ HöNiNCHAUs, über Calymene araclmoides, Crefcld. 4. c. fig. 

* — R. Harlan, med'icnl and phys'ical researches. PliHad. 8. c. fig. (pr'mled by Lydia R. 

Bailey , north fiflh str. 26.) p. 400. {neio Tr'ilob.) u. pag. 297. {Euryptems) seq. (sy- 
nops of Tr'ilob. of N. Am.) 

* 1836. yy. BvcKLXtiv, Geology and M'ineralogy etc. London. 2. Voll. 8. w. fig. Dentsch durch 

L. Agassiz. 
' 1837. R. J. MuRCHisoN, the SUttr'ian System, foundcd on geologlcal rcsaarches etc. Lond. 4. 
2. Vol. c. fig. 

- — QuENSTEDT, in Wiegmann's Archiv. I. Bd. S. 337. n. flgd. (Zahlenverhältnisse der Trilobiten.) 

Angezeigt in Leonh. Zeitschr. 1838. 485. flgd. 
•1837. W. HisiNGER, Lethaea suecica etc. Uolmiae 1837. 4. c. snppl. I Sf II. (1840.) — (Aus- 
zug aus Dalmann's Schrift nebst einigen Nachtiilgen neuer Arten und Abbildungen.) 

— J. Green, über Cryphaeus in Sillim. Am. Journ. of scicnc. and arts. 1837. XXXII. 345 

bis 49. Angezeigt in Leonh. neu. Jahrb. 1838. 363. 

— Derselbe über 2 neue Trilobiten : Cal. phlyclainoides und Tr'm. platypletims, ebenda S. 167 

bis 69. und angezeigt daselbst S. 363. 

— MiLNE Edward's, .mr les affiniles des Trilobiles. — L'InstHul. pag. 254. 

1838. Chr. Boeck, Uebersicht der bisher in Norwegen gefundenen Trilobiten. Keilhau, Gaea Nor- 
icegka. 1. S. 138-145. — Mir nur aus der Anzeige in Leonh. neu. Jahrb. 1841. 724. bekannt. 

*1839. H. F. Emmrich, de Trilobitis , dissert. pelrcfact. inaug. etc. Berolhü. 7. c. fig. 

■■' — J. Green, remarks on the Trilobiles, in Sillim. amcr. Journ. of sc. and arls. Vol. 38. 
No. I. pag. 25. c. fig. Auszug aus Buckland's Geologie und Mineralogie. 

— Derselbe 0}i a new Trilobitc: Asaphus diuriis. Ebenda S. 40. — 

— G. Fischer De Waldheim, 7iotice sur l'Euryplerus de Podolie etc. Moscou. 4. c. fig. 

Angezeigt in Leonh. neu. Jahrb. 1840. 736. 

* 1840. L. V. Buch, Beiträge zur Bestimmung der Gebirgsformationen in Russland, in Karsten's Ar- 

chiv für Mineralogie etc. Bd. XV. und besonders, Berlin. 8. — Angezeigt in Leonhard's 
neu. Jahrb. 1810. 127. 
-' — MiLNE Edavard's , hisloire naturelle des Crustaces. Paris. 8. Vol. III. pag. 285. seq. 

- — G. Gr. zu Münster, Beitrage zur Petrefactenkunde. Bayreuth. 4. III. Heft. S. 34. seq. — 

Angezeigt in Leonh. neu. Jahrb. 1840. 135. 
'-1842. — — Desgl. V. Heft. S. 112. seq. 
*18J0. H. G. Bronn, über die mit Homulonolus verwandten Trilobiten -Genera. — In Leonhard's 

Zeitschrift. 1840. 445. flgd. 
"1841. A. GoLDFüss, Beitrage zur Petrefactenkunde, in nora acta phys. med. soc. caes. Leop. 

Car. n. c. Vol. 19. p. I. pag. 327. seq. — Vier neue Genera": Bostrichopits i'i) , Arges, 

Harpes, Brontes, Illaenus. — Angezeigt in Leonh. neu. Jahrb. 1841. 820. 

* — L. De Konjnck, memoire sur les Crustaces fossiles de Bclgique. Extr. de Mem. de 

l'acad. roy. de Bruxelles. Tom. XIV. 
'1812. J. Locke, über Isoldes megislos in Sillim. Amer. Joitrn. of scienc. and arls. Vol. 42. 
no. 2. pag. 366. 

— L APORTE DE Castelneau, Über die Füsse der Trilobiten, in L' Institut. 1842. pag. 74. — 

Daraus in Leonh. u. Bronn's neuem Jahrb. 1843. S. 504. 

"1843. J. Locke, über Ceraurus Crosolus , in Silli.m. Adi. Journ. of sc. and arts. Vol. 44. no. 
2. png. 346. — 

'■' — F. A. lloEMER, die Versteinerungen des Harzgebirges. Hannov. 1843. 4. 

— A. GoLDFrss, systematische Uebersicht der Triloi)itcn, und Beschreibung einiger neuen Arten, 

in Leonh. u. Bronn'3 neu. Jahrb. 1843. S. 537- seq. Taf. IV— VI. 



JBiiileituiig. 



§. 1. 

Unlersuchungen über vorwellliche Organismen anzustellen, ist für den Zoologen wie für 
den Geognoslen gleich anziehend und nothwendig. Freilich machen beide an die Darstel- 
huig dieser Gegenstände ganz verschiedene Ansprüche ; denn während es dem Geognosten 
in der Regel genügt, die Differenz oder Identität der in verschiedenen Schichten aufgefun- 
denen Ai'ten festgestellt zu sehen, verlangt vielmehr der Zoologe ein vollständiges Bild 
des fraglichen Thieres, um darnach die Modificationsweise bestimmen zu können, welche 
die gesammte thierische Organisation in den auf einander folgenden Perioden der Erdbil- 
dung erfahren hat. Schon aus diesen ganz verschiedenen Interessen der Beobachter er- 
giebt es sich gewissermassen von selbst, dass die Kenntniss untergegangener Thlere so 
lange eine lückenhafte und unvollständige sein musste, als noch kein genau unterrichteter 
Zoologe sich mit ihnen beschäftigt halte ; ja selbst ein solcher konnte nur dann genügende 
Aufschlüsse ertheilen, wenn er mit der Organisation verwandter lebender Körper bis in 
ihre Einzelnheiten bekannt war. Dies haben CuviEu's grossartige Leistungen im Gebiete 
der Paläozoologie zur Genüge bewiesen. — In der That hat auch sein Verfahren die 
neueren Geognosten, welche sich mit Versteinerungen beschäftigten, auf die Nothwendig- 
keit umfassender zoologischer Studien hingewiesen und dieselben überzeugt, dass die Un- 
tersuchung wenigstens der höheren Thiere nicht ohne genaue zoologische Kenntnisse ange- 
stellt werden könne. Nicht so bestimmt ist dies bei niederen Thieren und bei Glieder- 
thieren grade am allerwenigsten erkannt worden ; vielleicht weil deren Anzahl und Be- 
deutung für die Geognosie im Ganzen geringer ist, ihre Organisation aber nur von einzel- 
nen Zoologen der neueren Zeit speziell berücksichtigt wurde. Keine Familie hat jedoch unter 
den vorweltlichen Gliederthieren in jeder Beziehung so gegründete Ansprüche auf Beach- 
tung, als die der Trilobiten, und keine von allen wurde daher so vielfach bearbeitet, 

1 



_ 2 

als eben diese. Dennoch sind unsere Kenntnisse von ihrer Organisation lückenliaft, beson- 
ders Aveil alle neueren Bearbeiter entweder im Gefühl ihrer Unzulänglichkeit, die zoolo- 
gische Seite unerörtert Hessen, oder indem sie es thaten, die Mangelhaftigkeit zoologi- 
scher Vorstudien nicht verbergen konnten. Und doch ist in der noch unbekannten Orga- 
nisation dieser Geschöpfe eine ebenso grosse Klarheit erreichbar, wie bei den Mammalien; 
ja es lässt sich, da der Organisationsumfang eines Krebses offenbar kleiner ist, als der 
eines Säugelhicrcs, aus den vorhandenen Bruchstücken der Trilobiten ein ganzes Bild mit 
noch grösserer Vollständigkeit entwerfen, als dort, wo Cuvier ein solches verzeichnete. 

/r. ff 8" 

§. 2. 

Die Ausführung desselben nach allen seinen Theilen ist der Zweck vorliegender Ar- 
beit. Seit mehr als zehn Jahren mit dem Studium der Gliederthiere, zumal der In- 
sekten und Krebse, fast ausschliesslich beschäftigt, habe ich die Materialien, auf welche 
ich mein Unternehmen gründete, mit Fleiss und Umsicht gesammelt, alle Analogieen und 
entfernteren Beziehungen auf's Sorgfälligste geprüft, öfters mit Freunden und Bekannten 
über mein Thema verhandelt, und so dasselbe, ohne ihm grade immer nachzuhängen, im 
laufe der Zeit nieditirend und beobachtend weiter geführt, bis eben jetzt, wo Müsse mir 
erlaubt, seiner Bearbeitung mich ganz hinzugeben, die Ausführung zu der Form sich ab- 
gerundet hat, in welcher ich sie dem Publikum hiermit übergebe. Ehe ich indessen meine 
eignen Untersuchungen mittheile, lege ich eine kurze Uebersicht dessen vor, was bisher 
über die Trilobiten bekannt gemacht worden ist. — 

§. 3. 

Der erste Schriftsteller über diese merkwürdigen Geschöpfe warEo.LmvYD, Aufseher 
an Ashmole's Museum zu Oxford, welcher zwei Bruchstücke und ein ganzes wohl er- 
haltenes Exemplar der Ogi/gi'a Biichii bei Lhan Deilo in Caermarlhenshire auffand und 
in Abbildungen an den bekannten Zoologen M. Lister, mit ihm zugleich Vorsteher jener 
Sammlung, nach Oxford schickte. Durch letzteren wurden sie im zwanzigsten Bande 
der philos. Transacl.*} veröffentlicht. Lhwyd gesteht in seinem Schreiben selbst, dass 
er aus jenen Bruchstücken nichts zu machen wisse; indess erkennt man in Fig. 8. der 
beigegebenen Tafel ziemlich gut ein Kopfschild der Gattung Trimiclcus MuRcnis. {Crypio~ 
litlms Green), und die Ogygia (Fig. 15.) ist ganz deutlich; LnvvYD erklärt sie für 
den Skelettheil eines unbekannten Fisches. Im folgenden Jahre gab derselbe Verfasser 



<') Die ansfiilirlichen Titel der erwähnten Selirifteu fiadeii sich in der -vorangeLenden Uebersicht der 
Literatur. 



3 

seine Irlmographia Lilliophyl. hrilann. heraus und erwälnit hier bereits 30 von ihm 
beobachtete Exemplare; jene früheren Formen kommen wieder vor, und zwar die erste 
unter dem Namen irhmcteus fnuhrialus vulgaris, das spätere Dudleyfossil als buglossa 
curla slrigosa. Diese Meitlhelliingen, die iillcsten welche wir über die Trilobiten be- 
sitzen, wurden bald von anderen in fast allen Theilen Europas begleitet; allein wenn auch 
dadurch die Anzahl der Beobachtungen sich melirte , so gewann die Kenntniss dieser Ge- 
schöpfe noch keinen Zuwachs, besonders weil es an den riciitigcn Vergleichungspunklen 
mit lebenden Formen fehlte. Sic erscheinen daher bei den nächsten Schriftstellern bloss 
unter neuerfundenen, zum Theil sehr unpassende Vergleichungcn anstellenden Namen; 
deren Zwecklosigkeit indess zu entschuldigen ist, da die Beobachter des Continents nur 
verstünmielte Exemplare oder blosse Sclnvanzschilder kannten und deshalb sehr geneigt 
waren, diese Reste für Muschclsclialen zu halten. Einer (Hermann) nennt sie pectunculiles 
Irilobtis iinbricafiis , ein Andrer (Sciieuchzer) vergleicht sie mit Fatellen, ein Dritter 
(Bromell) glaubte Insektenreste in ihnen zu erkennen, ein Vierter (Brück.mann) verglich 
sie wieder mit Äluscheln und nannte sie armata f'cneris; und unter dieser Firma führte 
sie auch Woltersdorf als Conckilcs trilobus in seinem Mineralsystem auf, die verschie- 
denen Benennungen seiner Vorgänger in Käfermuschel und Muschelsteine zu- 
sammenfügend. Aber fast um dieselbe Zeit ward auch schon die richtige Ansicht über die 
natürliche Verwandtschaft der Trilobiten ausgesprochen. In England nchmlich, wo die 
schönsten und reinsten Exemplare von jeher vorgekommen zu sein scheinen, hatte ihre 
paradoxe Form von Zeit zu Zeit immer neue Sammler veranlasst, sie aufzusuchen, ihre 
vollständige Beschaffenheit aber der Ansicht, dass es Gliederlhiere sein müssten, leichte- 
ren Eingang verschafft. Wir hören von Dr. SiiAw, Lister's Nachfolger in Oxford, dass 
er sie für eine Raupe (eruca) hielt, und Cii. Lyttelton, welcher der Königl. Sozietät 
zu London neue Exemplare vorlegte, stimmt dieser Ansicht bei; dagegen sprach Ch. 
MORTi.MER bei Gelegenheit neuer von Dr. PococK eingesandter Exemplare des Diid/ei/- 
J'ossi/, wie damals die Trilobiten in England gewöhnlich nach ihrem Hauplfundorte 
hiessen, die Meinung aus, dass sie mit dem kurz zuvor von J. Tu. Klein in den Schriften 
der Sozietät (Vol. 40. pag. 150.) beschriebenen Monocidus ^pus LiNMi's am meisten 
übereinzustimmen schienen. Da Klein diesem Thier den Namen Scolopendra aqualica 
scitlahi gegeben halte, so schlug Morti.mer die Benennung Scolopendrae aquaticae 
scniatae affine anhnal pclrlficatum vor, welche indess schon Avegen ihrer Länge kei- 
nen grossen Beifall finden konnte. Daher bemühete sich der nächste Englische Schrift- 
steller über die Trilobiten, Em. Mendez da Costa, eine bessere zu finden, und indem 
er wiederum der Königl. Sozietät ein schön erhaltenes Exemplar vorlegte, erklärte er es 
nicht bloss für einen Krebs, sondern auch für nahe verwandt mit der Seelaus, es Pe- 

1 * 



— 4 — - 

diculus man'niis major lvilo!>\is nennend. Dieser Name bczeichnele damals ziemlich allj^cmeln 
verschiedene grössere Isopoden, welche schmarotzend an Fischen leben, und ans denen 
LiKNE seine Gattung Oni'sciis bildete. Likne, dessen Systematik und Reformation der 
Wissenschaft sich jetzt eben Bahn brach, hatte in demselben Jahre mit Mendez da Costa 
die Trilobiten besprochen (im Mii.s. C. Tcssini), alle Arten als verschiedene Abände- 
ruiigen seines Enlomolilhus parado.rus bezeichnet, und sich für ihre nahe Verwandt- 
schaft mit ßlonucuhts ./pus entschieden. Diese Ansicht des grossen Naturforschers, 
Avelche in allen Ausgaben des Syslcvm nalurac beibehalten ist, hätte die reinen Empiriker, 
denen doch in der Regel wenig mehr von den Dingen bekannt war, als die Bruchstücke, 
welche sie vor sich Jiatten, zu einer richtigen Auffassung der Afflnitüt bestimmen sollen; 
allein eben Aveil die Meisten den nächsten Vergleichungspunkt gar nicht kannten, mussten 
sie ihn auch übersehen. Bringen wir also nicht in Anrechnung, dass der mit LiMS'E und 
mit den Deutschen Schriftstellern ebenso unbekannte, wie er von ihnen später übersehene 
Französische Beobachter Guettard die Trilobiten von Angers richtig zu den Krebsen rech- 
nete und sie als Verwandte der Meerläuse (Onisci LiNN.) aufführte, so begegnen uns 
gleich wieder mehrere Stimmen, welche sich für die Muschelverwandtschaft erheben. Ich 
will kein grosses Gewicht darauf legen , dass in Spanien , wo die Wissenschaften schlum- 
merten, der Pater Jos. Toürubia die Trilobiten anfangs richtig für Krebse hielt, später 
sich aber durch den Anblick von Rümpfens Abbildung der Limnx marina {Cliilon acii- 
lenhis LiNN.) bestimmen liess, darin eine Schnecke zu sehen, — ich will vielmehr die 
Abhandlungen des Frohstes Genzmer zu Stargard, des Prof. D. J. G. Lejimann zu Peters- 
burg, des bekannten Ralhssekretärs zu Danzig J. Tu. Klein und des Prof. Zeno zu Prag hier 
als solche Beweise einer verkehrten Auffassung der Trilobiten -Natur bezeichnen. Ersterer 
nannte sie concJu'tae rvgosi tritobi, mid Lehmann*) wie Klein nahmen diese Benennung an, 
während gleichzeitige Schriftsteller die Namen K ä f e r m u s c h e 1 und K a k a d u m u s c h e 1 an- 
führen. Dies bestimmte einen anderen, aber aufgeklärteren Sammler, die LiNNE'schen Ansichten 
über die wahre Affinität der Trilobiten auch unter seinem Publikum zu verbreiten, und 
zu beweisen, »dass die Conchyliologislen eben keine Ursache mehr haben, das Petrefakt, 
»welches bisher unter der Benennung eines conchilae Irllobi rugosi bekannt geworden 
»ist, als einen Theil ihrer Wissenschaft anzusehen.« Der Verfasser dieses Aufsalzes, 
Cii. Fr. Wilkens, gab sich im folgenden Jahre namenkundig und liess seine Darstellung 
unter besonderem Titel als »Nachricht von seltenen Thierversteinerungen« 
erscheinen. Er bespricht darin die zahlreichen Trilobiten - Reste seiner Sammlung 



"") In dem Summarium dessellieii Bandes S. 56. tlieilt der Verfasser die Ansicht Liune's auch mit, 
lilsst aber ilu'e Richtigkeit unentschieden. 



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mit vielem Geschick, wenn auch uniiülhiger Weilscliwcifigkcit, und kommt endlich zu dem 
gut molivirlei) Hesulüil, diiss ihnen der Name EnlomoliUms brtinrJiiopodis caucriformis 
7mirimis beizulegen sei. Allein das Erscheinen dieser Arbeit in einer unbekannten Zeit- 
schrift war nicht geeignet, ihr Credit nnd Anerkennung zu verschafTen, und wenn sich 
nicht J. Imm. Walch in seiner Naturgeschichte der Versleinerungen besonders auf dieselbe 
bezogen hätte, Aver weiss, ob sie bis auf die späteren Autoren gekommen wäre. Sie 
entschied indess, so scheint es, auch Walcus Ansicht, und da dieser ileissige Gelehrte 
Alles zusammentrug, was bis dahin über die Trilobiten geschrieben war, so wurde seine 
umfassende Arbeit der erste Stützpunkt in dem Labyrinth der Bleimmgen für alle nachfol- 
genden Schriflsleller. Da er wohl einsah, dass die bisherigen Benennungen theils wegen 
ihrer Unrichtigkeit, theils wegen ihrer Länge, unpassend seien, so schlug er selbst eine 
neue vor, und nannte diese Gescliüpfe zuerst Trilobiten, eine Bezeichnung, die ihnen 
bei allen Nachfolgern, mit Ausnahme Dalmaw's geblieben ist, und deshalb auch von uns 
mit Recht als die älteste, keinesweges unpassende, beibehalten werden soll. — Uebrigens 
war Walch nicht genug praktischer Zoologe, um die WiLCKEw'sche Ansicht durch neue 
Gründe unterstützen zu können, er spricht überhaupt mehr von dem, was Andere dachten, 
als was er selbst meint, und scheint geneigter, die Onisci für die nächsten Verwandten 
der Trilobiten zu halten. Von jetzt an ward die Affinität der Trilobiten mit den Mollusken 
so ziemlich vergessen, und wenn nicht dieselbe nach fast 50 Jahren gerade von einem 
Zoologen, von dem man es am wenigsten, als genauem Kenner der Gliederlhiere, hätte 
vermuthen sollen, von Latreille nehmlich, wieder aufgefrischt worden wäre, so würde 
sie gewiss ganz unbekannt geblieben sein. Der nächste Schriflsleller nach AValch, Joh. 
Beckmakn, nennt die Trilobiten daher geradezu Oui'sci , und Graf v. Kiksky in einer Zu- 
schrift an Herrn v. BüUN gebraucht die LiKNE'scbe Benennung; JL Tu. BrÜnnicii dagegen 
Walch's Namen in einer von ihm gemachten Reduktion als Tri/obu.s; J. K. Gehler be- 
dient sich desselben in unveränderter Form. Neu, aber irrig, war endlich die Ansicht von 
A. Modeer, welcher in den Trilobiten Käfer, namentlich Cocc in eilen zu erkennen 
glaubte, wenigstens in Bultus und Olenus Köpfen, die er beschrieb. 

§. 4. 

Dies war der Zustand unserer Kenntnisse von den Trilobiten , als die grossen politi- 
schen Begebenheiten am Ende des allen wie Anfange des neuen Jahrhunderts sich ent- 
wickelten imd alle angestrengtere wissenschaftliche Thätigkeit unmöglich machten. Es be- 
gegnen uns daher in dem grossen Zeiträume von 1793 bis 1820 nur drei kurze Bemer- 
kungen über die Trilobiten, von welchen die erste in Blumenbacii's Abbild, naturhist. 
Gegenst. enthalten ist, die zweite in PARKI^'sON's organic rcmains of et fonner world, 



— e — 

die drille in Lr.ONiiARo's Taschen!), f. d. ges. Mineralogie, wo Herr Baron v. Schlotiieim 
eine neue Trilobilen-Art als Tr. roniigeriis beschrieb und nach Beckmann's wie BrüN- 
Kicn's Vorgange darauf aufmerksam machle, dass nothwendig mehrere Arten von Trilobilen 
unterschieden werden niiisslcn. Diese sehr richtige Ansicht führte er in seiner Petre- 
fakten künde 1820 weiter aus, und nahm hier fünf verschiedene Arten an, unter de- 
nen aber zwei verdächligen Formen angehören. Alle drei Verfasser sind übrigens der 
Meinung, dass die Trilobilen krebsartige Thiere seien, lassen indess ihre nähere Verwandt- 
schaft nut dieser oder jener Gruppe noch dahin gestellt. — 

§. 5. 

Das Jahr 1821 ist der Wendepunkt in der Literärgeschichte der Trilohiten; mit ihm 
beginnt eine neue Epoche, welche sich als die des gründlicheren Studiums bezeichnen 
lässt. Vier ausgezeichnete Beobachter: Latreille, Audouin, Wahleivberg und Brongniart 
verüfreutlichten in oder gleich nach ihm die Resultate ihrer Studien; die beiden erstem 
allein die Organisation der Thiere berücksichtigend, die beiden andern die Verschiedenheit 
der Arten. 

P. A. Latreille, der genaueste Kenner der Gliederlhiere im Ganzen wie im Einzelnen, 
hatte gewiss das grösste Recht, seine Stimme über die Verwandtschaft der Trilobilen zu 
erheben; allein er Ihat dies in einer Weise, die den Kundigen durchaus nicht befriedigen 
konnte. Nachdem er bereits früher sich für die Verwandtschaft der Trilobilen mit den 
Gliederlhiercn entschieden hatte (Cuv. rcgn. unim. ■prem. cd. Tom, IIL), widerruft er 
hier diese Ansicht geradezu, und sucht durcii den Mangel der Füsse zu beweisen, dass 
die Trilobilen am nächsten mit Cln'lon verwandt sein müssten. Er übersah also nicht 
bloss die durchgreifende Gliederung des Körpers, sondern auch die Augen völlig, behauptete, 
dass, wenn Füsse vorhanden gewesen wären, man dieselben erkennen müsstc. und zieht 
aus ihrem Mangel den Schluss, dass die Trilobilen Mollusken seien. 

V. AuDOLiix, welcher kurz zuvor seine Arbeit über das Skelet der Gliederlhiere vollendet 
haben mochte {annal. des scienc. natiir. pr. S. Tom. I. 182-1), war durch diese Studien auch 
auf die Trilobilen gefallen, und hatte alsbald ihre Arlikulaten- Natur aus den Panzerreslen 
erkannt. Allein er ging in der Uebertragung seiner bei den Insekten sehr leicht wahr- 
nehmbaren Resultate auf die übrigen Gruppen der Gliederlhiere offenbar zu weil, und 
suchte Analogieen, die in der That nicht vorhanden sind. Schon die Betrachtung des 
Ilintcrleibes der Blacruren, mit dem, wie mit dem Bruslpanzcr der Isopoden, er selbst 
sehr richtig den Panzer der Trilobilen vergleicht, hätte ihn überzeugen müssen, dass 
cpisfcrim und cpimcru, zwei durch besondere Nähte abgegrenzte Panzerslücke am Brust- 
kasten der Inseklen, bei den genannten Gruppen gar nicht vorhanden sind, und dass S4?lljst 



die Grenze zwischen Rücken- (Jergvm) und BruslplaUe {slermmi) eine künstliche ist. 
Dennoch sieht er die durch eine schiefe Furche bei vielen Trilobiten in eine vordere und 
hintere Hälfte gesonderten Scitenlappen ihres Panzers für die Analoga jener Theile an, 
und nennt den vordem episfermtm, den hinlern epimerum, den mittlem Theil jedes Gur- 
tes aber tergum; Bezeichnungen, die schon deshalb unpassend sind, weil mehrere Tri- 
lobiten {lU(ienxis) jene trennende Furche gar nicht besitzen, imd bei keinem einzigen die 
von ihm xmlerschiedenen Gegenden isolirte, durch Nähte verl)undene Stücke ausmachen. 
Er kommt übrigens , trotz dieser in der Natur nicht begründeten Spitzfindigkeiten , zu den 
richtigen, vierfachen Thatsachen, dass die Trilobiten 

TJ 1) sich bloss in Nebendingen von den Glicderthieren entfernen, und ohne Frage zu 
-Ifljy/ dieser grossen Gruppe des Tbierreiches gehören; 

2) die grössten Analogieen mit den Isopoden, besonders Ci/motitoa und Ligi'a zeigen. 
-'-' S) dass der Mangel der Füsse hier ein nolbwendiger Charakter ihrer Skeletbildung 
-' zu sein scheine, Avenngleich derselbe überhaupt noch fraglich bleibe; und dass 

-'' 4) diese Füsse, wenn sie vorhanden waren, am wahrscheinlichsten die Bildung von 
Kiemen tragenden Füssen besassen. — 

Mit Aufstellung und Begründung dieser vier Sätze war augenscheinlich ein wichtiges 
Resultat gewonnen, und besonders durch Beachtung der letzten Annahme schon die ganze 
Richtung vorgezeichnet, welche der kombinirende Scharfsinn eingeweiheter Forscher zu 
nehmen hatte. 

Georg Wahlenberg trat genauer in die Fusstapfen von Linke als irgend einer seiner 
Vorgänger, und suchte, wie er dessen Namen Enlomoiilhus bloss in Eulomoslra- 
ckes umänderte, so auch seine Ansicht über die Affinität der Trilobiten zu bewähren; 
allein da er kein spezieller Zoologe war, und überhaupt damals die Gruppen der Krebse 
noch nicht so scharf sich definiren und ihre bestimmenden Charaktere vor allen anderen 
sich hervorheben Hessen, so gelang es ihm nicht, eine über allen Zweifel erhabene Evi- 
denz festzustellen. Er glaubt, dass die Trilobiten am nächsten mit Limulus verwandt 
seien, und ist geneigt, diese Aehnlichkeit auch auf den Bau der Füsse zu übertragen; 
doch seien die der Trilobiten kleiner gewesen, als die von Limulus, und fehlten deshalb 
unseren Fetrifikalen. In einzelnen Schildern und Gürteln glaubt er bloss abgeschälte Häute 
EU erkennen, da es keinem Zweifel unterliege, dass diese Thiere sich nach Art der Ar- 
ticulaten gehäutet haben müssten. — Uebrigens lässt er noch alle Arten in einer Gattung 
beisammen und beschreibt deren vierzehn. — 

Al. Brongniart's ein Jahr später erschienene hfsf. naf. des CrusUtces fossiles ist die 
vollständigste Arbeit von allen. Sie war es, welche auf die generellen Verschiedenhei- 
ten unter den Trilobiten zuerst hinwies, und fünf meistens gut unterschiedene Gattungen 



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aufslelite; sie war es ferner, welche die Arien schärfer sonderte, und die damals be- 
kannte Anzahl derselhen auf 17 brachte; sie erörterte endlich die Verschiedenheit der 
Gesteins- Schichten, in denen Trilobilen angelroil'en werden, ausführlicher, als es in die- 
sen von Wahlei\'BERG angeregten Untersuchungen bisher geschehen konnte. Hinsichtlich 
der zoologischen Berührungen herrscht bei Bküngmakt die richtige Ansicht vor, dass die 
Trilobilen am nächsten mit den B ranchiopo den unter den Krebsen verwandt seien, 
und hiermit sowohl der Mangel sichtbarer Füsse, als auch sichtbarer Fühler sich ver- 
einigen lasse. Doch wird die Analogie mit den Isopoden nicht so weit in Abrede ge- 
stellt, wie dies nöthig und möglich ist. — 

Die Bedeutung und der Einlluss dieser vortrefTlichen Arbeit auf die Kennlnlss der 
Trilobiten zeigte sich sofort nach ihrem Erscheinen durch die neue Bearbeitung, zu wel- 
cher Ilr. v. ScHLOTiiEiM sich im Gegensatz gegen die früheren dürftigen Resultate seiner 
Petrefaktenkunde gedrungen fühlte (Nachträge. II. Ablh.), und in welcher er einen Aus- 
zug aus Brongniart's Werk lieferte , nebst Beschreibung einiger neuen Arten. Die un- 
genügend beschriebnen mitgerechnet betrug nach dieser Aufzählung die Anzahl aller be- 
kannten 29, von welchen aber 3, als entschieden nicht hierhergehörige Formen dar- 
stellend, zu streichen sind. 

§. 6. 
Nachdem so weit ir.i Einzelnen und fast vollständig die äussere Geschichte der Tri- 
lobilen verfolgt worden ist, verlasse ich jetzt dieses Verfahren, da die Menge der Schrift- 
steller mit jedem Jahre zunimmt, und deshalb ihre Aufzählung nicht bloss an sich ermü- 
dend wird, sondern auch überflüssig, weil der Beitrag jedes Einzelnen in der gesammten 
Richtung des Studiums untergehl, diese also nur hervorgehoben zu werden braucht. Wir 
finden aber, dass von nun an die Thäligkeil der Naturforscher ganz besonders auf Fest- 
stellung der Arten und Bekanntmachung neuer gerichtet ist, und dass in dieser Beziehung 
vielfältige Irrthümer begangen werden, die grösstenlheils in der mangelhaften Kennlniss 
des Körperbaus der Trilobilen, und den dürftigen Bruchslücken, die solchen neuen Arten 
zu Grunde gelegt wurden, ihre Ursachen haben. Es häuft sich daher zwar eine grosse 
Menge von neuen Namen und Besliunnungcn an, aber keincsweges in demselben Maasse 
die Menge wirklich neuer Thalsachen ; denn selbst Monographen einzelner Gebiete , in 
denen Trilobilenreste gefunden werden, haben sich der Verwechselungen schon bekannter 
Arten mit angel)lich neuen nicht erwehren können. Auf die nähere Nachweisung solcher 
Irrthümer schon jetzt einzugehen, würde mich in eine Unlersucluuig der Artunterschiede 
führen und dadurch zu Wiederholungen iiöthigen; ich beschränke mich daher auf eine 
kurze Angabe solcher Arbeilen . die Epoche machen und desiialb auch eine besondere 
Erwähnunff verdienen. 



9 

OITenbar ist Dalman's Abhandlung (1826) nach Brongniart's Monographie die be- 
deutendste Arbeit über die Trilobiten; allein wie sie im allgemeinen Theile keine entschie- 
den neuen Thatsachen hinzufügt, auch die zoologische Verwandtschaft der Trilobiten kei- 
nesweges zur Entscheidung bringt, so ist sie im Einzelnen bei Feststellung der Arten nur 
in Bezug auf Schweden reicher und vollständiger als jene frühere. Des Verfassers Vor- 
sciilag, statt des Familiennamens Trilobiten die Benennung Paläaden in Anwendung 
zu bringen, hat keinen Beifall gefunden, und verdient ihn auch nicht, da mit derselben 
nicht mehr gesagt wird, als mit dem altern, wenigstens einen Theil des Familiencharakters 
richtig bezeichnenden Namen. 

Fast gleichzeitig mit Dalman wurden übrigens die Trilobiten an sehr verschiedenen 
Orten in Betracht gezogen, und dadurch manche neue Formen und Ansichten näher erör- 
tert. DiKAY beschrieb zuerst (1824) die Nord -Amerikanischen Trilobiten in mehreren 
Aufsätzen, fand aber erst später Eingang bei den Gelehrten Europas mit seinen Resultaten. 
Graf Sternberg erörterte (1825) mit gewohnter Gründlichkeit die Trilobiten Böhmens, und 
hatte an Boeck (1827) einen ebenso sorgfälligen wie umsichtigen Nachfolger. Von ihm 
ging besonders eine richtige Würdigung der das Kopfschild durchziehenden Gesichts- 
linie oder Naht aus. In England bearbeitete Fayton zur selben Zeit (1827) die Trilo- 
biten; mit welchem Erfolge, vermag ich nicht zu sagen, da seine Schrift mir nie zu Ge- 
sicht gekommen ist. Russland beschäftigte über diese Materie in kurzer Zeit vier Schrift- 
steller hinler einander, und lieferte durch ihre Bemühungen manche schätzbaren Beiträge. 
EiCHWALD, der älteste von ihnen (1825), gab eine vollständige Monographie der Esthlän- 
dischen Trilobiten und verbreitete sich auch über ihre zoologischen Verwandtschaften. 
Indess war sein Bestreben, die Analogie der Trilobiten mit den Isopoden nachzu- 
weisen, ebenso erfolglos, wie ungenau die Bestimmung der dreizehn verschiedenen 
Arten, welche er annahm, da in ihnen eine sorgfällige Kritik nur vier wirklich ver- 
schiedene erkennen kann. Razou.mowsky's Bemerkungen (1826) sind aphoristisch, und 
verbreiten sich nur über einige Formen aus den Umgebungen des Ladoga-See's, die 
sämmtlich bereits bekannt waren. Stsciiegloff's in Russischer Sprache geschriebene (1827) 
Abhandlung über die Petersburger Trilobiten kenne ich nur aus Pander's Werk. Dieser 
sorgfällige Beobachter behandelte (1830) denselben Gegenstand mit grosser Ausführlichkeit, 
allein doch ohne bedeutende Resultate. Zwar gelang es ihm , die EiCHWALo'schen Arten 
theilweis richtig zu reduciren; aber er selbst verkannte nicht minder seine eigenen, als 
er sie für neu hielt, was bei keiner einzigen wirklich der Fall ist. Der allgemeine Theil 
zeigt zwar von der grösslen Emsigkeit in der Betrachtung und Unlersuchung, aber auch 
von einer vollständigen Ünbekannlschaft mit lebenden Cruslaceen, Aveshalb es dem Verfasser 
unmöglich W£ir, neue und sichere Aufschlüsse über den Bau der Trilobiten zu ertheilen. 

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Uebrigcns fanden Eichwäld, Razoumowsky und Pander die ei'genthümliche Anschwellung an 
der unleren Seile des Kopfschildes wieder, welche vor dem Munde liegt, zuerst von 
Stores gesehen war und dem chjpcns der Cruslaceen und Insekten entspricht. 

Ueber die Füsse der Trllobilen, welche bis dahin allen Beobachtern entgangen wa- 
ren, suchte inzwischen Goldfuss (1828) Auskunft zu geben, und wenn er gleich ihren 
Bau theoretisch richtig erschloss, so sind doch seine Abbildungen nicht geeignet, für das 
zu gellen, was sie darstellen sollen. Die Bemühungen, diese Organe noch an unseren 
fossilen Resten ausfindig zu machen, mussten stets erfolglos bleiben, da Theile von sol- 
cher Zartheit, wie sie nach lebenden Verwandten hier angenommen werden müssen, keine 
Spur ihres Daseins hinterlassen konnten. — Eben ihr völliger Mangel zeugt aufs Be- 
stimmteste für ihren vormaligen wirklichen Bau. — 

Zunächst nach Pander's Werk erschien (1832) Green's Monographie der Amerika- 
nischen Trilobiten, eine Arbeit reich an Namen und Worten, aber ebenso arm an brauch- 
baren Tbalsachen. Hätte nicht der Verfasser zugleich Gypsmodelle von seinen besten 
Handstücken anfertigen lassen, es würde unmöglich gewesen sein, auch nur die Hälfte 
der wirklichen neuen Arten in seinen Beschreibungen und Abbildungen zu erkennen. 
Ueberhaupl fallen in diese Zeit eine Anzahl von Schriften, deren Erscheinen für die wei- 
tere Förderung unserer Kenntnisse von keinem grossen Belang war, imd deren Werth 
L. V. Buch sehr richtig anschlägt, wenn er sie für unbedeutender hält «als zwei wichtige 
»Bemerkungen von Quenstedt in Wiegmatv'n's Archiv,« auf welche ich bald näher ein- 
gehen werde. — Zu diesen Schriftstellern gehörte übrigens Zenker, der neuere (1833) 
Bearbeiter Böhmischer Triloluten, dessen Resultate Graf Sterkberg bereits in demselben 
Jahre mit Erfolg beleuchtete. Auch Klödek's Angaben über den Bau imd die Lebens- 
weise der Trilobiten, bei Gelegenheit solcher Reste, die in der Mark Brandenburg vor- 
kommen (1834), enthalten nur irrige, auf Missverständnissen beruhende Tbalsachen. 
Dies ist zwar von Sars {Tsis. 1835) Blillheilungen nicht zu behaupten, aber neu sind 
wenigstens die Arten alle nicht, welche er hier als solche beschreibt. Leider lässt sich 
dasselbe von Mürchison's Schilderung der Englischen Trilo])ilen sagen, welche in seinem 
grossen und vorlrelflichen Werke über das Silurische System der Britischen Inseln (Lond. 
1837) niedergelegt ist. Der Verfasser, bloss Geognost, hat es vorgezogen, über die 
zoologische Affinität dieser Geschöpfe W. E. Mac Leay reden zu lassen; allein die eigen- 
Ihümlichen Ideen desselben passen nicht zur gründlichen Erörterung solcher Fragen. Eine 
Einthcilung der Cruslaceen, in welcher die Amphipoden (mit den Isopoden), 
Trilobiten und Entomostraca als drei gleicbwerthige Unterabiheilungen einer für 
natürlich gehaltenen grossen Ilauptgruppe aufgeführt werden, kann zu den systema- 
tischen Talenten ihres Verfassers kein grosses Vertrauen erwecken. Auch hier verwcch- 



— 11 — 

seit Mac Leay, wie so oft, die BegrllTe von Analogie und Affinität, welche in England 
zuerst unterschieden zu haben, mit Recht für sein grössles, dort allgemein anerkanntes Ver- 
dienst gehalten wird. Kurz vorher (1836) halte übrigens schon ein anderer Englischer 
Schriflslcller, W. Bucklani), denselben Gegenstand mit bekannter Genialität und Lebendig- 
keit erörtert. Er meint, dass Seroh's, Litiinhis und Branchijyus die drei Gattungen 
der lebenden Krebse seien, an welche die Trilobiten am meisten sich anschlössen, 
und lässt sie mit der ersten die Gesammlform, mit der zweiten die Bildung des Kopfschil- 
des, mit der dritten den Fussbau und die Beschaffenheit der Augen theilen. In wie weit 
diese Annahmen begründet sind, werden wir später untersuchen. — 

Indem ich die einzelnen Notizen gleichzeitiger Schriftsteller, wie solche von HönIg- 
HAUs, H. V. Meyer, Buoivn, Hükefeld, Thompson, Sowerby, Jukes, Esmark, Green und 
Harlan gemacht wurden, hier nicht weiter berühre, meine Leser auf die vollständige 
Uebersiclit der Literatur verweisend, wende ich mich zu einigen neueren, mehr umfassen- 
den, wichtigeren Leistungen, welche den Schluss der bisherigen Forschungen machen. 
Hisinger's Uehersicht der Schwedischen Trilobllen, der Zeit nach die erste unter diesen 
Schriften (1837), schliesst sich genau an Dalman und giebt wenig neues. Desto mehr 
verdient Quenstedt's Aufsatz in Wiegmann's Archiv (1837. 1.) Erwähnung*), besonders 
wegen des Gewichtes, welches hier zuerst auf die Zahlenverhältnisse in den verschiedenen 
Körperabschnitten, zumal im Rumpfe, gelegt wird. Die Darstellung der Augen, worin 
Verfasser zAvei Typen annimmt, muss ich als richtig bestreiten und ebenso die Behauptung, 
dass eine Eintheilung der Gruppe in Gattungen noch nicht nöthig sei. Denn die Aufgabe 
der beschreibenden Naturwissenschaften besteht keinesweges im Entwerfen schemalischer 
Register der Naturkörper, sondern im Aufdecken derjenigen einander untergeordneten Dif- 
ferenzen, durch welche es der Natur möglich geworden ist, die ursprüngliche Einfach- 
heit des Typus in so viele mannigfache Gestalten zu verändern. Ilaben wir solche ein- 
zelnen Modificalionsslufen richtig erkannt, ihre Modilicalionscharaktere scharf aufgefasst, so 
nehmen wir sie für Gattungen oder überhaupt für Abiheilungen, denen wir Namen geben, 
um bei Nennung derselben an die Eigenlhünilichkeit in der Modification des Grundlypus 
zu erinnern. Aus diesem und keinem anderen Grunde benennt man die Gruppen, wohl 
wissend, dass der Name im wissenschaftlichen Verkehr nichts anderes bezwecke, als die 



•"■) Zu deinsellien glanhe ich die Veranlassung geworden zn sein, indem ich dem Herrn Verfasser, da- 
mals Gehülfe am Mineralo£^ischen Mnsenm zu 13erlin, meine Ansichten über die Trilohiten, ilireo 
Bau und ihre Verwaudlschaften bei einem Besnche jenes Kabinets anseinandersetzte, und darin 
•namentlich auch die Wichtigkeit der Zahlenverhaltnisse hervorhob. Einige Monate nach diesem 
Gespi'iich erschien genannter ,4ufsatz. 

2* 



13 

Münze im Handel; eine Erleichterung für den Austausch und Umsatz der Ideen und 
Erfahrungen zu bewirken. — 

Dies haben denn auch Quenstedt's Vorgänger ebenso gut gewusst, wie seine Nach- 
folger erkannt, und sich die Feststellung guter Gattungen angelegen sein lassen. Boeck 
versuchte es nur, sel])ige anzudeuten (in Keiliiau's Gaea norwegica. 1838), die aus- 
führliche Darstellung für eine längst angekündigte, aber bisher immer noch nicht erschie- 
nene Monographie der Trilobiten sich vorbehaltend. Mit einer solchen kam ilim Emmrich 
zuvor, indem er als Gehülfe am Mineralienkabinet zu Berlin nach Quenstedt's Abgange 
auch ganz in dessen Fusslapfen trat, und die Trilobiten zum besondern Gegenstande sei- 
ner Studien wählte. In der fleissig ausgeführten Arbeit (diss. inaug. Berol. 1839.) ist 
zwar der allgemeine Theil nicht durch neue Thatsachen oder Ansichten bereichert, der 
specielle dagegen mit sorgfälliger Prüfung der vielfachen Synonyme abgefasst, und auf 
Quenstedt's in dieser Hinsicht grösstentheils richtiger Basis aufgeführt. Die von letzterem 
zuerst erkannte Gruppe der eilfgliedrigen grossäugigen Arten erhielt von Emjirich den 
Namen Phacops, und erscheint als Galtung neben acht anderen, von denen eine zweite 
{OdontopIeHr(i) auch neu und wohlbegründet ist, allein aus der sehr unklaren Abbildung 
nicht genügend sich erkennen lässt. Auch darin ist übrigens Ejlmricii seinem Vorgänger 
gefolgt, dass er die zuerst durch Murchison ausgesprochene Identität von Homulonolus 
und Trimerus , zu denen später (1840) Brokn auch Dipleura als Genossen richtig hin- 
zufügte, noch auf Cahjmenc ausdehnen und die Gruppe bloss als Unterabtheilung dersel- 
ben gelten lassen will; worin er jedoch ohne Frage zu weit geht, besonders wenn er 
Dipleura davon trennt, welche am meisten von allen 3 Formen an Calymene sich an- 
schliesst. — 

Dieser Arbeit zunächst folgte eine kurze Charakteristik der Russischen Trilobiten von 
L. v. Buch (1840) ; bündig und gehaltvoll, wie alle Leistungen des grossen Geognostcn, und 
mit richtiger Erkenntniss dessen, was hier Noth thut ; nehmlich ein vergleichendes Studium 
der Abhängigkeitsverhältnisse, in welchen Kopf, Rumpf und Schwanz zu einander und 
die einzelnen Theile derselben zum Ganzen stehen: 55 Dann erst«, behauptet er mit Recht, 
»können wir wirklich naturhistorische Classificationen erwarten, welche sich über den 
» einseitigen Zweck erheben, den Sammlungen und Verzeichnissen zur bequemen Einschach- 
»telung zu dienen.« 

Ueber diesen Zweck gehen leider die gleichzeitigen Arbeiten des Grafen v. Münster 
(1840 und 1842) nicht hinaus; denn sie liefern kaum eine einzige vollständige Schilde- 
rung der vielen darin aufgestellten neuen Arten, und verrathen nur dem Kenner in ihren 
höchst manierirlen Abbildungen ziemlich mangelhaft die wirklichen Formen, denen sie 
etwa angehören könnten. 



— f» — 

Durch Vollendung in Darstellung und Beschreibung bilden hierzu die paradoxen Ge- 
stalten, welche Güldkuss bekannt gemacht hat (1841), ein glänzendes Gcgcnslück, und 
können Denen, die fortan über Trilobiten nach Bruchstücken sich verbreiten wollen, nicht 
genug als Muster empfohlen werden. — ■ 

Dagegen ist die jüngste. Alles umfassende Arbeit, welche Milne Edwards kürzlich 
geliefert hat (^Ilist. mtliir. des Crusfnces. |Tom. III. 1841), keinesvvcges des Namens 
würdig, den dieser ausgezeichnete Französische Naturforscher durch so viel treffliche Lei- 
stungen sich erworben hat. — Die Einordnung der Trilobiten zwischen Isopoden und 
Phyllopoden, welche Verfasser befolgt, huldigt allen bisher vorgetragenen Ansichten 
zugleich, und bringt dadurch die Sache nicht zur Entscheidung; denn die Wahrheit liegt 
hier keinesweges , wie oftmals , in der Mitte. Von den angenommenen 12 Gattungen 
sind mehrere, wie Plcunicanllms , Pellura und Olari'on, auf falschverstandenen Bnich- 
stücken gegründet und ermangeln aller Realität; und dasselbe gilt von vielen Arten, welche 
Verfasser ohne weiteres seinen Vorgängern nachschreibt. Es ist zu bedauern, dass ein 
so vielseitig gebildeter Zoologe, der mit Recht bei allen Nichtkennern für eine ausgezeich- 
nete Autorität angesehen werden kann, auf diesen Theil seines sonst so verdienstlichen 
Werkes keine grössere Sorgfalt verwendet und eine Arbeit geliefert hat, die höchstens 
als reine Compilation auf Werth durch ihre Vollständigkeit Ansprüche machen kann. In 
der Kenntniss des Baues dieser Geschöpfe hat sie uns freilich um keinen Schritt weiter 
gebracht. — 



Erstes Kapitel. 

Sichtbarer Körperbau der Trilobiten. 



§. 1. 

J-^er Leib aller Trilobiten besieht aus drei verschiedenartigen Abschnitten, welche die 
Benennungen Kopf (capui^, Brustkasten (Jihornx) und Hinter leih {ctbdomcti) er- 
halten haben. Schon daran sind sie als Gliederthiere kenntlich. Die beiden ersten 
Abschnitte pflegen sich bei manchen Gruppengenossen zu einem einzigen Kürpertheile, 
dem Cephalothorax, zu vereinigen; bei den Trilobiten bleiben sie indess gelrennt, 
imd dieser Umstand erleichtert eines Tbcils die specielle Betrachtung ihres Körpers gar 
sehr, andern Tbcils giebt er über die Affinität dieser Thiere zu noch lebenden bündige 
Aufschlüsse. Die Untersuchung derselben bis auf das folgende Kapitel verschiebend, be- 
trachten wir zunächst die von den Trilobiten noch vorhandenen Ueberreste, so wie sie 
mis vorliegen. — 



'O^ 



§. 1. 

Sänimlliche Ueberbleibsel der Trilobiten sind auf ihre Schaale und deren Abdrücke 
beschränkt, kein weicher Theil ihres Körpers hat sich erhalten und konnte sich füglich 
erhalten. Hiernach sclieint es mir gewiss zu sein, dass alle Tlieile, welche die Härte 
der Schaale besassen, oder wenigstens von einer ebenso harten Schaale bekleidet waren, 
in den Abdrücken der Trilobiten vorkommen müssen; alle wahrscheinlich vorhanden ge- 
wesene Theile also, welche wir in denselben Abdrücken vermissen, nicht die Consistenz 
der Schaale hallen, und eben deshalb fehlen. Wenn wir daher, wie sich später zeigen 
wird, die ganze Bauchfläche des Trilobitenkörpers mit allen daran hängenden Organen 
in unseren Abdrücken nicht mehr wahrnehmen, so folgt daraus, dass sie eine ungleich 
weichere haularlige Hülle und BescbafTenheit haben musste , keinesweges aber , dass diese 
Theile gar nicht vorhanden waren. Eine solclie Annulinie wird um so walirscheinlicbcr, 
wenn wir bei noch lebenden, ohnehin den Trilobiten ähnlichen Organismen, dieselbe Be- 
schairenheit der Bauchfläche und ihrer Organe wahrnehmen ; ja wir steigern dieselbe durch 



15 — 

nähere Vergleichung- der vorhandenen Trilobiten- Reste mit den Schaalen dieser Thiere 
zur positiven Gewissheit, wenn wir auch in diesen die allergrösste Uehereinslimmung er- 
kennen. Demnach ist die genaue Kennlniss der Trilobitenschaalo für den Beobachter erstes 
und wichtigstes Erforderniss. 

§. 3. 

Den Bemerkungen über diesen Gegenstand muss ich die Erklärung vorausschicken, 
dass sich die eigentliche Schaale keinesweges bei allen Trilobiten erhalten hat; sondern 
dass ein grosser Theil ihrer Reste bloss aus Abdrücken von der Schaale bestellt. So ist 
es bei allen Trilobiten der Grauwacke und des Thonschiefers , also besonders bei den 
Oleniden; erst bei Exemplaren aus dem Alaunschiefer zeigen sich unverkennbare Spu- 
ren der Schaale selbst, und bei den meisten in Uehergangskalk eingeschlossenen Indivi- 
duen ist dieselbe mehr oder weniger vollständig erhalten. An Individuen aus diesem Ge- 
stein, besonders an solchen, die als Geschiebe an vielen Stellen der norddeutschen Ebene 
gefunden werden und bereits völlig von dem sie vormals einhüllenden Kalksteine befreit 
sind, erkennt man aufs deutlichste, dass die Schaale wieder aus zwei Schicliten bestand, 
von welchen die äussere als ein sehr dünner, allermeistens heller gefärbter Ueberzug sich 
über die untere dickere, dunklere Schicht verbreitete. Dieser feine Ueberzug ist auf sei- 
ner ganzen äussern Oberfläche dicht mit kleinen ungleichen Ilöckerchen besetzt oder gra- 
nulirt, und hat also ganz das Ansehn, wie der Panzer unsrer Flusskrebse an einzelnen 
Stellen, besonders an den Scheeren. An den meisten Körpertheilen waren diese Granu- 
lationen so schwach, dass sie auf der zweiten unteren Schicht des Panzers gar keine 
Spuren zurückliessen ; an den erhabensten Stellen aber, z. B. am gewül])ten Vordertheile 
des Kopfes, auf den Körperringen, verrälh sich ihre Anwesenheit selbst beim Mangel der 
Oberhaut durch leichte aber grössere Hocker, welche diese Stellen bedecken. Sie er- 
reichen ihre grösste Enlwickelung bei der darnach benannten Cuhjmene variohiris, feh- 
len aber auch dem Dudley- Trilobiten nicht. Kur an diesem und zwar an den kleinern 
Exemplaren (var. yulchclhi) habe ich die äussere Schicht mit ihren Körnchen bisher wohl 
erhalten beobachten können; bei den granulirten Phacops-Arten fehlt die obere Lage fast 
beständig, mithin kann die allgemeine Granulation nur aus der Anwesenheit jener grössern 
Höcker der untern Panzerschicht erschlossen werden. In beiden Gattungen, Calymene 
und Phacops, scheint jedoch die granulirle Oberfläche eine allgemeine Gruppeneigen- 
scbaft gewesen zu sein und sämmtlichen Arten derselben zuzukommen. Für Phacops 
bestätigen diese Meinung die allermeisten und besten Abbildungen, bei Calymene ist 
die Granulation in der Regel übersehen worden, weil sie hier viel feiner und schwächer 
ist, auch gewöhnlich bloss an der Oberhaut selbst erkannt wird. Ist übrigens auch die 



16 

zweite Schicht des Panzers ahflrestossen, und von dem Trilohilen bloss noch der Abdruck 
seiner inneren Schaalenseite vorhanden, so fehlen begreiflicher Weise auch jene undeut- 
lichen gröberen Spuren der Granulation, und die Oberfläche erscheint glatt. Dies ist nicht 
bloss sehr oft bei Cnlymene Blumenbachü der Fall, sondern auch häufig genug bei Pha- 
cops macrophl/uilmus , und hat hier zur Aufitellung mehrerer Arten Veranlassung gege- 
ben (C«/. lafifi-ons und C- Srhlolhehnü Broxx.). Phac. proluberans und alle als glatt 
beschriebenen Arten dieser Galtung scheinen mir auf ßolcheu abgeschälten Individuen zu 
beruiien. — 

§. 4. 

Die so eben gescliildcrle Obcrliaut scheint nur eine Eigenlhümlichkeit der erwälm- 
ten Galtungen und einiger anderen {Ihtrpes, Odonlopicurn, Ilomalonolus) zu sein, 
den meisten Trilobiten aber zu fehlen. Nie zeigt sich auch die geringste Spur einer zar- 
teren, für sich ablösl)aren Schicht auf der Oberfläche des Panzers bei übrigens ganz wohl 
erhaltenen Resten der Galhmgcn Jsaphiis und Illaenus, so dass ich mich von einer ab- 
weichenden Beschaffenheit der Horndecke dieser Gattungen überzeugt halten muss. Hier 
nehme ich \ielnielir ])ei Individuen, deren äusserste Oberfläche stellenweis noch gar nicht 
beschädigt ist, feine eingerissene Linien walu-, welche ziemlich so verlaufen, wie die Fur- 
chen an der inucrn Seite der mensclilichen Hand, aber etwas entfernter stehen und feine 
eingestochene Punkte zwischen sich haben. Am deutlichsten sehe ich diese Beschaffen- 
heit der Oberhaut bei J.snphiis cxpansiis oder cornigcrus auf dem gewölbten Vorder- 
theile des Kopfes, und den erhabensten Stellen der Körperringe, oft genau da, wo auch 
bei Cahjmene und Phacops die Granulation am vollständigsten ist; dagegen bemerke ich 
auf den Seitenlheilen des Kopfschildes, den Seitenlappen der Körperringe und auf dem 
Schwanzschilde die feinen Punkte in grösserer Zahl und dichterer Stellung, aber nur ein- 
zelne, grobe, etwas erhabene Querrisse, welche indess ziemlich symmetrisch vertheilt 
sind. Auch diese Bildung hat bei lebenden Krebsen ihr Analogon, und findet sich, na- 
mentlich die Puidvtirung, am Brusipanzer des Hummers. — 

Diese Granulationen und Punklirungen gelten übrigens nur von derjenigen Fläche des 
Panzers, welche sicli auf der oberen Seite des Thieres befindet, oder nicht von benach- 
barten Panzertheilen bedeckt wird; denn die luitere Seite, so weit sich dieselbe erhalten 
hat, halte einen anderen Bau. Sie war ebenfalls eine eigenlhiiniliche aber stets dümicre 
Ilornlamelle , die jemehr nach der Mitte zu, um desto zarter wurde, von der oberen 
Seile des Scliildes überall durch eine Schicht der Körpersubstanz getrennt blieb und selbst 
aus einem zarteren Stoffe bestand. Diese Angaben lassen sich durch bestimmte Thatsachen 
erweisen. Denn eines Theils findet sich immer an Trilo])itenresten , bei welchen beide 
Panzerlagen vorhanden sind, eine den Abstand dersel])en von einander bezeichnende Schicht 



— tu 

des Gesteines zwischen ilinen; andern Tlieils sieht man an diesen geradezu die Dicke 
der versteinerten öchaaie und bemerkt, dass die untere dünner ist als die obere. Ich 
verweise zum Verständniss dieser Verliällnisse meine Leser auf die Abijückuig des grossen 
y/saphus-Sdnkhs, welche ich Taf. V. Fig. 4. gegeben habe. Dasselbe ist an der linken 
Seite noch von seiner alten, versteinerten, mit ihrer natürlichen Oberfläche verselienen 
Schaalc bedeckt, und zeigt daher eine ziendich starke parallele Streifung nur an demjeni- 
gen Theilc des Vorderrandes, welcher von dem Seitenlappen des letzten Bruslkastenringcs 
überragt wurde. Ein scharfer Bruchrand, welcher anfangs der Länge nach über die Mitte 
des Hinterleibes verläuft und sich dann nach liidvs wendet, giebt die Grenze der zerbro- 
chenen Schaale an. Was nach rechts daneben sichtbar wird, ist bloss der Abdruck von 
ihr auf die Gesteinmasse, welche in das Hinterleibsschild hineindoss. Von dieser Masse 
ist aber am Hiiiterrande ein beträchtliches Stück abgebrochen und neben dem Bruchrande 
nicht bloss ein Thcil der unteren Schaale sichtbar, sondern auch ihr Abdruck in das un- 
ter ihr befindliche Gestein an den Stellen, wo sie fehlt. Diese zufällige Beschaffenheit 
des fraglichen Schildes ergiebt ganz deutlich, dass die untere Schaalcnflache auf älmliche 
Weise, wie der bedeckte Theil der obern am Vorderrande, mit feinen parallelen Linien ver- 
sehen ist, dass sie aus einer dünneren Hornlamelle besteht als letztere, mid dass der Ab- 
stand beider Lamellen von einander in einer dem Umfange concentrischen Kante der un- 
teren Lage viel stärker war, als an den übrigen Stellen des ganzen Schildes, selbst stärker 
als am Ende des eigentlichen Hinterleibes, dessen lanzetlfürmige Spitze wenigstens in die- 
sem Falle flach gewesen zu sein scheint. Denn anzunehmen, dass dieselbe durch 
äussere Gewalten eingedrückt sei, und ursprünglich nach unten gewölbt war, scheint mir 
nicht räthlich zu sein, da die dem Umfange parallele Kante der Unterseite sich erhalten 
hat und nicht eingedrückt ist, was doch wohl der Fall sein wirde , wenn das ganze Schild 
einen starken Druck erhalten hätte. — 

So wie dieses Hinterleibsschild gebildet ist, so sind es auch die Scitenlappen der 
Rumpfglieder und das ganze Kopfschild. Man kann sich nehmlich an manchen zweck- 
mässig zerbrochenen Exemplaren auf's Bestimmteste davon überzeugen, dass die ganze 
untere Fläche des Kopfpanzers in der Umgebung des Vorderrandes mit eben solchen ein- 
gerissenen Parallellinien bedeckt war, und dass jene Fläche dadurch das Ansehn einer 
regelmässigen Streifiuig erhält, deren Furchen dem Umfange gleichlaufen. Ziemlich ähn- 
lich, wenn auch etwas verschieden, ist die innere wie äussere Fläche der Seitenlappen 
gebildet, soweit letztere von den vorhergehenden Lappen bedeckt wird. An diesen Lap- 
pen verlaufen die Linien indess der Länge nach, sind nicht so tief, öfter gegabelt, und 
überhaupt nicht so regelmässig, wie am Kopf- und Schwanzschüde. — Nirgends habe 
ich zwischen diesen Linien der Unterfläche die Punkte wahrnehmen können, welche auf 

3 



18 

der Oberfläche zwischen ihnen stehen, und an vielen Stellen, ganz allein, ohne die Linien 
vorkommen; sie fehlen hier eben so allgemein, wie die Körnchen an der Unterfläche der 
Cali/menae und Phacops - Arien , denen ül)rigens die beschriebene Streifung an der Un- 
lerfläche ganz ebenso zukommt, wie sie bei Asaplius und Illaemis gefunden wird. Man 
hat nur nicht so oft Gelegenheit, sie zu beobachten, da die meisten und grade immer die 
schönsten Exemplare dieser Gattungen zusammengerollt sind, und alle Theile der Unter- 
fläche dem Beobachter entziehen. ■ — 

Dies ist es, was ich über die Beschaffenheit des Trilobiten- Panzers mit Sicherheil 
ermitteln konnte. Bei den Oleniden vermuthe ich denselben Bau wie bei Asa-phitSf 
wenigstens habe ich mich von einer ganz ähnlichen Slreifung der Unterfläche bei ihnen 
überzeugen kömien. Auch hat bereits Zenker dieselbe gesehen, und in seinen Figuren 
angedeutet, z. B. Taf. V. Fig. C. D. 

§. 5. 

Wenden wir uns nun zu den formalen Eigenschaften der Körperabschnitte und begin- 
nen diese Betrachtung mit dem Kopfe, als dem ersten, so bemerken wir bald, dass der- 
selbe in einem grossen parabolischen, halbkreisrunden oder mondförmigen Schilde steckt, 
in welchem er selbst bloss den mittleren und deshalb höher gewölbten Theil einnimmt. 
Dieser mittlere Theil, der eigentliche Kopf, den ich fortan Kopfbuckel, (glabella 
nach Dalman) nennen werde , ist durch eine ihn ringsum bezeichnende Furche von grösse- 
rer oder geringerer Tiefe ziemlich deutlich abgesetzt, stets etwas länger als breit, vorn 
in der Regel am breitcsleii und hier dicker, höher gewölbt und stärker vorgequollen. In 
vielen Fällen zeigen sich auf der ganzen Anschwellung Eindrücke, die von der sie um- 
gebenden Furche ausgehen und mehr oder weniger weit in den Buckel eindringen, bis- 
weilen (bei Paradoxides und Oleiius) selbst zu ganz durchgehenden Querfurchen wer- 
den*). Höchstens giebt es drei solcher Furchen an jeder Seite, welche theils gleiche, 
theils ungleiche Lappen vom Seitenraiide des Kopfes abschneiden, und in dem letzteren 
Falle bald hinten {Calymcne Blumenbachii) , bald vorn (^Phacops sclerops) die breitern 
Lappen bilden. In andern Fällen fehlen sie ganz {lUaeims), oder sind bloss als leichte 
Vertiefungen und Ausbuchtungen des Kopfrandes angedeutet {Asaphus). Neben dem milt- 



") Wenn man diesem Charakter yieler vollständig erhaltenen Olenideu, dass die Furchen ihres Kopf- 
Jjuckels durchgehende Quereinschnürungen sind, trauen und für allgemeines Familienmerkmahl 
halten darf, so gehören mehrere bisher nur in nuTollkomraenen Exemplaren beobachtete Formen 
mit zu ihnen. Namentlich scheint deshalb Trilob. Sternbergü (Taf. III. Fig. 7.), welcher dem 
Kopfl)au nach am nächsten mit Olcnus scarabaeoidcs und Triarlhrus Bechii (yielleicht dasselbe 
Thier) Terwandt ist, zu den Oleniden gezählt werden zu müssen. 



19 

leren Kopfl)uckel breitet sich dann das Kopfschild aus, ist aber in der Regel nicht ganz 
flach , sondern ebenfalls leicht gewölbt, so dass es gegen den Umfang mehr oder weniger 
absteigt und dadurch eine Höhlung unter sich bildet. Von seinen beiden Rändern ist der 
vordere stets stärker gekrümmt als ' der hinlere , und jener oft eine sehr spitze Parabel 
oder Hyperbel (Isoldes), während der hintere bloss einen Kreisbogen darstellt. Letzte- 
rer wird um so tiefer, je mehr die öfters lang zugespitzten Seitenecken hervorragen. Der 
Saum dieses Kopfschildes ist thcils flach ausgebreitet {Asaphus , Isolelcs)^ theils ein 
deutlich aufgoAvorfener verdickter Rand, und in diesem Falle bald scharfkantig {Cafymene)^ 
bald abgerundet (^Phacops). Gewöhnlich pflegt wenigstens der mittlere Theil des Hinter- 
randes an der Stelle, wo er den ersten Körperring bedeckt, verdickt, aufgeworfen und 
selbst ringartig abgesetzt zu sein (^Jsaphits) , diese Absetzung, welche ich Gelenk- 
wulst isulcus verlicnlls Dalman's) nennen werde, sich aber nach beiden Seifen hin 
so schnell zu verlieren, dass sie kaum über die Mitte der Seitenlappen hinausreicht. In 
anderen zahlreicheren Fällen erstreckt sich der Gelenkwulst (lateinisch — spirri) in 
der Mitte des Hinterrandes gleichmässig stark, doch deutlich von dem mittleren Theile ab- 
gesetzt, bis zu den Seitenecken, geht um diese herum, und setzt sich am ganzen Vor- 
derrande hin fort, hier öfters noch viel höher, stärker und abgesetzter auftretend als am 
Hinterrande (Calymcney Phacops). Alle diese Unterschiede sind ziemlich konstante Gat- 
tungs- oder Gruppenmerkmahle , und bedürfen daher einer sorgfältigen Beobachtung; ganz 
besonders aber gilt dies von den Seiteneindrücken des eigentlichen Kopfes, da dieselben 
wahrscheinlich nicht blosse Zierden sind, sondern mit der Organisation des Mundes in 
Beziehung stehen dürften. Man findet nehmlich bei Gliederthieren gewöhnlich an den 
Stellen des Panzers Anschwellungen und Auftreibungen, wo sich inwendig starke Muskehi 
an ihn ansetzen, und es könnten daher leicht die zwischen den Quereindrücken befindli- 
chen Erhöhungen von solchen Anheftungen der Kiefermuskeln herrühren, aus ihrer Menge 
sich also ein Schluss auf die Anzahl der Kiefer machen lassen. Hiergegen scheint freilich 
der Umstand zu sprechen, dass die Organisation des Mundes innerhalb einer natürlichen 
Gruppe der Gliederthiere keinen grossen Veränderungen zu imterliegen pflegt, bei den Tri- 
lobiten aber die Eindrücke am Kopf so sehr verschieden sind ; aUein dieser Einwurf Hesse 
sich dadurch entkräften, dass man für die Formen mit mangelnden Eindrücken eine 
grössere Festigkeit und Dicke des Panzers, oder eine schwächere Entwickelung der Mus- 
kulatur, annähme, durch welche das Sichtbarwerden der Muskeleindrücke verwischt oder 
ganz verhindert worden wäre. Und in der That scheinen die Gattungen, denen solche 
Eindrücke fehlen {llluemis^ Asnphus und einige P/j«rop5- Arten), einen sehr kräftigen 
dicken Panzer zu besitzen, wahrend derselbe bei den Oleniden, welchen immer Ein- 
drücke zukommen, entschieden dünner war und deshalb ganz verlohren ging. Hieriij)ep 

3 - 



— so 

iiuless niil jSiclicrheil zu cutscheiden, erlauben die wenigen positiven Tliatsachen nicht, 
welche vom Bau des Mundes der Trilobiten vorliegen; wir müssen uns vielmehr damit 
begnügen, auf die Mügliclikeit des einen oder des andern Organisalionsverhällnisses hin- 
gcAviesen zu haben. — 

§. 6. 

Bei weitem sicherer ist die Zahl, Stellung und Bildung der Augen zu ermitteln, und 
daher auch grösslenlheils schon erkannt. Indess finden sich in den hierüber vorhandenen 
Kenntnissen noch manche Lücken, was aufFallend ist, da doch die positiven Wahrnehmun- 
gen eine vollständige Darstellung möglich machen. — 

Bei allen Trilo])iten, deren Augen sich bestimmt erkennen lassen, sieht man sie un- 
ter der Form von mehr oder weniger erhabenen Anschwellungen neben dem Kopfe, ziem- 
lich auf der Mille des von ihm ausgehenden seitlichen Schildtheiles. Sie treten hier als 
Stücke einer Kugelfläche oder Kegelzone unter einem halbkreisförmigen Vorsprunge (dem 
Augendeckel) der hornigen Kopfbedeckungen hervor, welcher von der später zu be- 
schreibenden Schläfen- oder Stirnnalit gebildet wird, und füllen eigentlich eine Lücke aus, 
die an der bezeichneten Stelle zwischen den beiden gegenüber liegenden Rändern der 
Naht sich befindet. Ist diese Lücke beträchtlich, so ragt das Auge als ein halber, oben 
abgestutzter Kegel hervor; ist sie geringe, so bildet es eine schmale mondförmige An- 
schwellung, welche bei einigen Arten so schwach ist, dass sie sich kaum über die ne- 
ben ihr befindliche Fläche des Kopfes erhebt. Solche Trilobiten hat man für blind gehalten, 
und dies bei Oh-nus , welche Galtung die erwähnte Bildung besitzt, mit als Gattungscha- 
rakter angesprochen. Massig gewölbte, mondförmige Schwielen sind die Augen der Il~ 
laeni, als höher angeschwollene Höcker oder Ilalbkugeln erscheinen sie bei Asaplnis, 
Calymcne und Phacops. — Während nun bei den übrigen Gattungen die äussere Ober- 
fläche der Augen durchaus glatt und selbst stärker geglättet ist, als die benachbarte Ilorn- 
decke, £0 erscheinen bei Phacops statt ihrer auf der ganzen Oberfläche kleine halbkug- 
lige Erhabenheiten in regelmässiger Anordnung, deren schmale Zwischenräume sich zu 
WTilstartig angeschwollenen Einfassungen der llall)kugcln geslalten. Deshalb pflegt man 
die Augen der Trilobiten als nach zwei verschiedenen Typen gebildete darzustellen, und 
ersteren eine glatte, letzteren eine fazettirte Horiduuit zuzuschreiben. — 

Diese von allen früheren Beobachtern gehegte Ansicht muss ich entschieden für un- 
richtig hallen, eines Theils Aveil es keine einzige noch lebende Familie der Gliederlhiere 
giebl, in welclier die zusammengesetzten Augen nach zwei verschiedenen Typen gebildet 
wären ; andern Theils aber auch , weil die BeschafTenheil der Fazelten bei Phacops ganz 
verschieden ist von der bei den Gliederthieren mit fazetlirter Hornhaut herrschenden Bildunij-s- 



— «1 — 

weise. Ich bin vielmehr der Meinung, tlass alle Tnlobileu zusamraeng'esetzte Augen 
mit glatter Hornhaut besassen, und dass die letztere bei denjenigen Galtungoii 
bloss verlohren gegangen ist, bei welchen wir Fazelten in ihr wahrzunehmen glauben. 
Zu dieser Annahme berechtigt mich, in Ue])creinslinimung mit den beiden vorher angege- 
benen Gründen, die Thalsache, dass die Hornhaut der meisten Trilobitcn wirklich glalt ist, 
und dass der Bau des Auges derjenigen Trilobitcn , welchen man eine fazeltirte Hornhaut 
zuschreibt, ganz so sich verhält, wie er sein muss, wenn auch ihre Augen eine ver- 
lohren gegangene, einfache glatte Hornhaut besassen. Es scheint daher hier der Ort zu 
sein, den Bau der zusammengesetzten ilugen mit einfacher glatter Hornhaut näher zu 
erörtern. — 

§. 7. 
Bereits vor acht Jahren*) habe ich den T^'pus dieser Augenform, auf welche J. 
Müller zuerst hinwies **) , an dem grössten lebenden Repräsentanten derselben , dem 
Branchipus slagncdis, ausführlich beschrieben, und gezeigt, dass dessen Auge aus vier 
aufeinander folgenden Schichten verschiedenartiger Beslandlheile bestehe. Die äusserste 
Schicht ist eine glatte, homogene, durchsichtige Hornhaut. Unter ihr liegt eine fazettirte 
Haut, welche in einer klaren Su])slanz etwas dunklere, festere, kreisförmige, gleichgrosse 
Fensterchen regelmässig auf die Weise vertheilt enthält, dass um jeden Ring 6 andere 
in gleichem Abstände sich herumlagern. Die dritte Lage des Aug-es besteht aus den ei- 
förmigen , Haren , sehr festen Linsen, von denen jede hinter einem der beschriebenen 
Fensterchen liegt, die Wand desselben mit ihrem stumpferen Ende berührt und mit dieser 
gewölbten Fläche etwas in die Höhe hebt. Die vierte Lage besteht aus einem länglich 
kolbigen Glaskörper, welcher mit seinem obern dickern Ende das spitzere Ende der 
eiförmigen Linse umfasst und durch eine zarte ihn umgebende Haut eingehüllt ist. Eine 
Fortsetzung dieser Haut überzieht auch die Linse und setzt sich an den verdickten Rand 
des Fensterchens vor jeder Linse an. Hinter dem Glaskörper folgt alsdann das dunlde 
Pigment als die Hauptmasse des ganzen Auges, durch welches die Sehnervenfasern zu 
den einzelnen Aeugelchen sich begeben und an den Grund des Glaskörpers sich anleh- 
nen, indem ihre Scheiden in die erwähnten Scheiden der Glaskörper und der Linsen über- 
gehen und durch diese sich gleichfalls an die fazeltirte zweite Haut anheften **'■''). 



'■') J. MüLLER's Archiv für Phjs. vergl. Auatom. u. wisseuscLafÜ. Med. Jahrg. 1835. 529 u. G13. 
■»■•) Meckel's Archiv etc. 1829. S. 38 flgd. 
*"") Vgl. die schematische Figur 4. Tai. VI. und deren Erklärung. 



— Ä« — 

Diese auf die Triloblteu mit glatter Hornhaut völlig anwendbare Darstellung*) des 
Auges zeigt mm, dass der Verlust der äusseren glatten Hornhaut sofort das Hervortreten 
einer fazettirten Hornhaut bedingt **) , und dass wir also bei Phacops bloss annehmen 
dürfen, ihre Hornhaut sei verletzlicher gewesen, als die der übrigen Trilobiten, um deren 
fazellirle BeschafTeniieit zu erklären. Auch hierzu liefern uns die Organisationsverhältnisse 
noch lebender Gallungen hinreichende Gründe an die Hand. Es ergiebt nehmlich das Stu- 
dium aller mit glatter Hornhaut begabten Krebse, denn nur bei solchen Gliederthie- 
ren finden sie sich, die wichtige Tiiatsache, dass die Anzahl der einzelnen Aeugelchen 
mit der Grösse des ganzen Auges keinesweges abnimmt, sondern dass die einzelnen 
Aeugelchen ebenfalls kleiner werden, ihre Menge aber ziemlich dieselbe bleibt, oder gar 
mit der Kleinheit des ganzen Auges wächst. Zugleich verdünnt sich die Hornhaut mit 
der Grösse des Auges , verdickt sich mit der Kleinheit, so dass sehr grosse Augen mit 
glatter Hornhaut eine dünne, sehr kleine aber eine dickere festere corne« besitzen***). 
Nun hat alier Phacops unter allen Trilobiten relativ die grössten Augen, mithin auch 
die grösslen Linsen und die zarteste Hornhaut; eine Thatsache, die entschieden fest steht, 
und den Mangel des glatten Ansehns der Augen dieser Gattung hinreichend erklärt. Un- 
terstützt wird übrigens die Wahrheit dieser Ansiclit noch dadurch, dass bei allen Krebsen 
und den meisten Gliederlhieren mit fazellirter Hornhaut die Fazetten unmittelbar an einan- 
der stossen, keine freien Zwischenräume lassen und einzeln weit weniger gewöll)t sind, 
als bei Phacops. Das Auge letzterer Gattung könnte, wenn es eine fazettirte Hornhaut 
besässe, bloss mit den Augen einiger Nachtinsekten, z. B. der Reduvien, oder einiger 
Parasiten, z. B. der Rhiphidopteren, verglichen werden, bei welchen grössere, stärker 
gewölbte und etwas entfernt von einander stehende Fazetten sich finden; oder man niüsste 
es für ein Aggregat einfacher Augen erklären, wogegen doch immer seine eigenthümliche, 
in sich selbst begrenzte Form spräche. Aggregate einfacher Augen, wie sie bei den 
Myriopoden und einigen Isopoden vorkommen, bestehen indess immer aus einer ge- 
ringeren Anzahl von Aeugelchen, während die Zahl, welche bei Phacops vorkommt, eine 



*) Yergl. QuENSTEDT in Wiegmann's Arcliiv f. Naturgesch. Jalir^. 1837. I. 340.; wo der Bau des 

Trilobiten- Auges mit glatter Hornhaut richtig erkannt und gestjiildert ist. — 
*■') lu Jou. MüLLER's eben erwähnter Schilderung vermisst man die fazettirte Haut und die Glas- 
körper. Man darf aber daraus nicht folgern , dass sie in einzelnen Augen fehlten , sie haben 
sich vielmehr nur liei jener ersten Untersuchung dem Beohachter entzogen , und finde« sich wohl 
bei allen Gliederlhieren mit der bezeichneten Angenform. 
■*'•■') Man vergleiche in diesen Beziehungen z. B. die Gattungen Bratichipus und Apus , oder Polij- 
phemus und Daphnia mit einander. 



«3 

sehr beträchtliche ist *). Ich glaube hiermit die Richtigkeit meiner Behauptung, dass diese 
Gattung ebenso gut, wie alle anderen Trilobiten, eine glatte Hornhaut besass, nachgewie- 
sen zu haben, und schliesse damit die Erörterung des Auges der Trilobiten, weil nach 
Darstellung seines Baues, wie er ist, nichts mehr zu sagen bleibt. Höchstens könnte ich 
noch auf das häufige wirkliche Felilen der Hornhaut und Linsen bei Calymcne Blumen- 
hachü hinweisen, und den Mangel der letzteren, welcher wegen der geringen Grösse 
eintreten musste, als Beweis für meine Ansicht hervorheben. Sie waren hier zu klein 
und die sie einschliessenden Hüllen zu zart, als dass sie, nach Verlust der schützen- 
den Hornhaut, mit petrificirt werden konnten. — 

§. 8. 
Wir kehren nun zu der bereits erwähnten Gesichtslinie oder Schläfennaht 
{linea facialis, sutura temporal Is) zurück , und verfolgen deren hauptsächlichste Ver- 
schiedenheiten. Dass sie ein Gemeingut aller Trilobiten sei, erleidet nach meinen Unter- 
suchungen keinen Zweifel ; auch bei Paradoxides und Olenus ist sie vorhanden. In der 
Regel wird sie am Vorderrande des gemeinschaftlichen Kopfschildes zuerst erkannt, und 
zwar in einer massigen Entfernung von dessen Mitte, so dass beide Linien etwas mehr, 
als der Querdurchmesser des Kopfbuckels an seiner breitesten Stelle beträgt, von einan- 
der entfernt bleiben. Aber bei Ogygia . Phacops , Homulouoliis und Jsaphus ziehen 
sich die Schläfemiähte am Vorderrande bis zur äussersten Spitze des Kopfschildes hin fort, 
und gehen hier unter einem Bogen oder Winkel in einander über. Bei den übrigen Gat- 
tungen biegen sie sich auf die untere Seite über den vordem Kopfrand bin um, und enden 
in dem Rande, welcher das Kopfschild von dem Munde sondert. Etwas nach hinten con- 
vergirend nähern sie sich nun vom Rande aus dem Kopfbuckel bis zu der Stelle, wo die 
Augen stehen, beschreiben hier den schon erwähnten, nach aussen gebogenen Lappen 
über dem Auge (operciihim ocrdPl , und ziehen sich hinter demselben wieder mehr nach 
aussen , um den Rand des ganzen Kopfschildes an einer zweiten Stelle zu erreichen. Der 
Punkt, wo dies geschieht, ist sehr verschieden gelegen, und findet sich theils am hintern 
Kopfrande, theils selbst am äusseren. Für jede Galtung ist dieser Punkt ein bestimmter, 
aber anderer, und es bezeichnet in dieser Beziehung Paradoxides das eine Ende der Formen- 
reihe, Phacops das andere. Bei Paradoxides liegt nehnilich der Endigungspunkt dem Arti- 
kulationswulst des Kopfschildes viel näher, als dem Seitenrande, und beide Endpunkte der 
Naht sind von einander nur ebensoweit entfernt, wie die Augen unter sich. Bei 
Illaenus ist zwar das letztere Verhältniss auch noch vorhandt^n , aber wegen des grossen 



*) An jedem Ange von Phacops arachnoidcs zäliUe ich 162 Linsenhalbkngeln. 



«9 



4 



AbslanJcs beidor Augen von einander, ist die Entfernung der Nahlcnden von der Mittel- 
linie viel grösser als von dem Seilenrande. Beide Gattungen haben indess in der Haupt- 
riclitung einander parallele hintere Nalitenden ; hei allen übrigen aber divergiren sie. Diese 
Divero-enz ist bei Ogi/gia. Jsnjylms, Paradoxides gibbosus und Cahjmene concinna, Ar- 
ten die den Gallungen nicht angehören, deren Namen sie führen, am geringsten, indess 
doch so gross, dass die Blilte jedes Seitenlappcns des hinteren Kopfrandes nach aussen 
zu überschrilten wird; steigert sich bei Calymene Bhimcnbachn mid den übrigen wirk- 
lichen Arten dieser Gattung bis zum unmittelbaren Auslaufen in die Ecke des Kopfschil- 
des selbst, inid geht bei Fhacops sogar auf den äusseren Rand des Kopfschildes über, 
Avie dies sclion Dalman bei Ph. scicrops, seiner Calymene sdcrops (Taf. II. Fig. 1. d.), ab- 
gebildet hat. In diesem Falle besc]u-eil)en die beiden Nalitenden zusammen ihrer Haupl- 
richtung nach so ziemlicli eine einzige, der Längendimension des Körpers rechtwinkelig 
enlfeo-engcsetzle gerade Linie, und sind also um 90" von der bei Paradoxides und 
lUaemis vorhandenen Richtung, als dem andern Extrem, entfernt. Es leuchtet ein, dass 
ein so konstanter und gesetzmässigcr Verlauf zu sicheren Gattungscharakteren sich ganz 
besonders eignen müsse. — Ausser dieser allen Trilobiten eigenen Schläfennaht habe ich 
noch eine zweite wirkliche Naht am Kopfpanzer walu'genonimen, die von den meisten Schrift- 
stellern übersehen worden ist*). Sie findet sich bloss bei den Gattungen Calymene und 
lllaemis gleicli unter der oberen Kante des vordem Umschlages, auf dessen nach unten 
gewendeler Seite, und verbindet die beiden über diesen Umschlag etwas geneigt nach in- 
nen verlaufenden Theile der Schläfennaht. Sie ist ülirigens nur bei sehr gut erhaltenen 
Exemplaren aufzufinden, hier aber ganz deutlich, und keinesvveges bei Calymene bloss in 
der beschriebenen granulösen Oberhaut, sondern auch in der darunter liegenden zweiten 
Panzerlage vorhanden. Bei allen anderen Gallungcn konnte ich von dieser zweiten oder 
Randnaht (^sulura inarginalis') keine Spur entdecken, und muss daher annehmen, dass 
sie diesen Galtungen fehle**). Icli finde überhaupt, dass in der Zusammensetzung des 
Kopfpanzers bei den Trilobiten drei ganz verschiedene Typen angetroffen werden, deren 
hauptsächlichste Unterschiede darin bestehen, dass dieser ganze Panzer, so weit wir ihn 
kennen, aus 2, 3 oder 4 Stücken bestehen kann. 

Im ersten Falle gehen die Schläfemiähte gar nicht auf die untere Seite des Kopf- 
schildes über, sondern laufen am Vorderrande desselben' fort, und treffen hier zusammen, 



*) In BucKLAND's Fig. 3. Taf. 46. und Murchison's Figur 7. Taf. 7. ist sie angegeben. 
**; Herr Emwrich spricht iu seiner „Dissertatio de Trilobi/is" (Berol. ISSü. 8.) pag. 8. anch 
von 2 füllten am Kopfscliilde , ])esclireil)t al)cr mir die Sclililfennaht genauer, die zweite (quae 
parietn inferiorem a snperiore separat) bezeichnet er bloss mit diesen Worten. Ich habe sie 
nirgand am ganzen Umfange des Kopfpauzers gesehen. 



«5 

so diiss beide nur die verschiedenen, nach links und rechts gehenden, Richtungen einer 
Naht sind. Diese Bildung henierke ich hei Ogt/gia, Phacops, yisaphus e.Tpansus\YMlL. 
uiid allen sluinpfköpfigen Arten dieser Gattung, so weit ich sie ufttersuchen konnte. Bei 
y/.9. cxpansiis, A. faevi'reps und yl. (Ntteiis) annadillo erfolgt dieser Ue])ergang, wie 
bei Ogi/gia und Phacops, unter einem naiie am Vorderrande verlaufenden Bogen; bei 
As, rnnt'ceps, A. anguslij'rons und A. cxlemudus degegen unter einem scharfen, mehr 
oder weniger spitzen Winkel. -Nie konnte icli eine von dieser Spitze ausgehende Naht, 
welche die untere Panzerfläche halbirt hätte, mit Sicherheit erkennen; indess Pander hat 
sie gefunden und für die Trennungslinie seiner Seitenkiefer gehalten (vergl. Taf. 4. B. 
seiner Schrift). Es besteht demnach der ganze Kopfpanzer bei diesen spitzköpfigen Asn- 
phis ebenfalls aus drei Stücken, einem oberen inneren, den Kopfbuckel bedeckenden, 
welches ich Mittelschild (scntuvi centrale) nenne, und zweien oberen äusseren, wel- 
che zugleich auf die Unterseile übergehen und diese bilden, so weit wir sie kennen. Ich 
"neinie sie R a n d s c h i 1 d e r {scula margimdia) oderW a n g e n s c lii 1 d e r {scida temporaliu). 
Im zweiten Falle gehen die beiden Schläfennähte über den vordem Rand des 
Kopfes fort, und erreichen getrennt denjenigen untern Rand des Kopfschildes, welcher die 
später zu beschreibende Mundgegend unifasst und vom Kopfpanzer abschneidet. In diesem 
Falle geht also auch das vordere Ende des Mittelschildes auf die untere Seite über und 
wir haben drei Schilder am Kopfpjmzer, ein einfaches Mittelschild und zwei Rand- 
schilder. Zu dieser Gruppe gehören dieOleniden. Bei ilmen nimmt das Mittelschild 
nur den mittleren Theil beider Ränder ein, und die ganzen Seilentheile füllen die Rand- 
Schilder aus. 

Im dritten Falle verlaufen die beiden Schläfennähle ebenfalls' ^anz getrennt, errei- 
chen hinten genau die Ecke des Kopfpanzers, werden aber vorn unter dem aufgeworfenen 
Rande dieses Panzers durch eine Quernaht verbunden, wclclu3 ein hier befindliches, vor 
der JMundgegcnd gelegenes Stück der unlern Panzerlläche abschneidet, so dass dadurch 
vier Stücke entstehen, ein Mittelschild, zwei Randschilder und ein vor dem Munde ge- 
legenes, welches ich Schnautzenschild {seid, roslrcde) nenne, so wie die dasselbe 
absondernde Naht die Schnautzennaht {suturu roslralis). Eine solche Bildung ist bei 
Cahjmene und Illaenus anzutreffen. ^ 

So viel von diesen Nähten des Kopfpanzers; ich habe nur noch zu bemerken, dass 
sicii ähnliche Verbindungen der PanzerstUcke durch Nähte bei keinem einzigen noch le- 
benden Krebse, sondern bloss bei wahren Insekten der Jelztwelt, nachweisen 
lassen, dieselben also eine höchst merkwürdige und wichtige Eigenthümlichkeit des Trilo- 
bitenpanzers ausmachen. Wir werden später sehen, dass sie auch an allen anderen 
Panzergürleln oder Schildern der Trilobiten nicht wieder vorkommen. Ueber ihren eigent- 



2& 

liehen ZAVeck lässl sich ohne genaue Beobachtung lebender Geschöpfe nichl_ gut elwas 
Befriedigendes äussern. Schwerlich ist Hrn. Pakdek's Meinung (S. 117.) begründet, dass 
in dieser Naht »der Zusammenhang der Theile vollkommen aufgehoben sei" und sie im 
lebenden Zustande des Thieres dazu gedient habe, die Seitenschilder von dem Mittelschildc 
zu entfernen , um einen nach Willkür des Thieres veränderlichen Abstand beider von ein- 
ander zu erlauben ; denn eine so grosse Beweglichkeit finden w ir heutzutage bei Glieder- 
Ihieren, deren Panzerstücke durch Nähte verbunden sind-, keinesweges, vielmehr ist die . 
Beweglichkeit der Platten gegen einander stets nur sehr gering, und eine beträchtliche 
Entfernung der Nahtränder von einander schon deshalb unmöglich, weil eine weiche Binde- 
haut vom Rande der inneren Nahtkanten ausgeht, und beide Nahtränder innig vereinigt. 
Daher können durch Nähte verbundene Skeletlheile der Gliederthiere höchstens etwas ge- 
gen einander verbogen, nie aber beträchtlich von einander entfernt werden. Wahrschein- 
lich erlaubte die Gesichlsnaht der Trilobiten ebenfalls eine solche leichte Biegung der Sei- 
tenschilder gegen das Mittelschild, und mochte dazu dienen, den Raum unter dem Kopf-' 
Schilde während des Zusanunenzügelns mehr zu wölben, damit für die dann unter dem 
Kopf- und Schwanzschilde versteckten Füsse die erforderliche Höhe gewonnen werde. 
Denn dass es darauf abgesehen Avfn-, beim Zusammenkugeln der Trilobiten alle unteren 
Theile möglichst genau unter dem Kopfpanzef zu verstecken, bezeugt die innige Einfü- 
gung der Seitenlappen tfer Rumpfglieder in einem ausschnitt an der hinteren Ecke 
des Wangenschildes. Ein solcher befindet sich nehmlich auf der unteren Seite der genann- 
ten Ecke, gleich hinter dem äusseren Rande besonders deutlich bei den Gattungen .-^s«- 
phus und Illacnus, schärft den Rand, welcher bis zu ihm dick, breit und abgerundet 
ist, sichtbar zu und 'verursacht dadurch eine der scharfen Kante parallellaufende Vertie- 
fung im Rande selbst, die zur Aufnahme des unteren Endes der letzten Seitenlappen vor 
dem Schwanzschilde bestimmt ist, wenn sich der Trilobit zusammenkugelt. Es befindet 
sich nehmlich die Achse, um welche sich das Thier kugelt, ziemlich genau an der Stelle, 
wo die beiden dem Seiten— und Hinterrande der Wangenschilder parallellaufenden Furchen 
vor der Hinterecke zusammentreffen, und ebenso weit pflegen sich auch die untersten 
Enden der Seitenlappen der Rumpfglieder unter dem Kopfschilde zu verstecken. Zu ihrer 
Aufnahme dient dann der beschriebene Ausschnitt hinter dem Rande und zeigt an, dass ein 
Trilobit, der ihn hat, sich zusammenkugeln könne. Umgekehrt werden wir aber nicht gut 
aus dem Mangel des Ausschnittes folgern dürfen, dass ein solcher Trilobit sich nicht zusam- 
menkugeln könne. Zwar habe ich ihn bei allen Oleniden stets vermisst, auch niemals 
Spuren von Zusaramenkugelungsvermögen bei eben diesen Trilobiten wahrgenommen ; allein 
ebenso wenig konnte ichv jenen Ausschnitt bei Phacops und Cahjmene entdecken. — 



8^ 

§. 9. 

Es bleiben nun von den vorbandenen Theilen des Triloblteii- Kopfpanzers »och die- 
jenigen Rcsle zu untersuchen, welche man auf seiner unteren Fläche hinler dem Rande 
und olTonbar vor 'dem Munde wahrgenommen hat. Der erste, welcher diese Gegend dis 
Kopfes bei Ofenus Tessiiii Dalm. beobachtete, war Waiilenber«; er hielt sie indess für 
den' Abdruck der Oberseite einer anderen Art und beschrieb sie als Eulomoslracites 
bucephdlus. (S. 37. 10. Taf. 1. Fig. 6. seiner Schrift.) Nach ihm Avurde dieselbe Ge- 
gend von Stokes bei Isoldes gi'gns (seinem Asafh. plafi/cephalus^ und von Eichwald 
bei Asuplms erpnnsus Wahl, (seinem Cryplonymns Pandcr!) gesehen und abgebildet, 
allein nicht gehörig beachtet. Dasselbe gilt von Pander, dessen Darstellung zwar aus- 
führlicher ist, aber ohne alle richtige Würdigung dessen, was diese Theile bedeuten*). 
Erst Sars erkannte sie für das, was sie sind, nehmlich die untere Anschwellung des 
Kopfes vor dem Munde, und beschrieb sie als solche bei den Gattungen lUaenus und Asa- 
phus. (Isis. 1835. S. 340. Taf. 9.) Ich selbst habe diese Gegend bisher nur bei Pura- 
doxides vollständig gesehen, bei Asaphiis und lUuenus indess so weit aufgefunden, dass ich 
an ihrer Anwesenheif und der Richtigkeit jener früheren Al)bildungen nicht zweifeln kann. 
Auch würde dafür schon genugsam die grosse Uebereinstimmung in den Figuren der 4 
nicht mit den Arbeilen ihrer Vorgängesr bekannten Schriftsteller sprechen. — Folgendes 
ist die beobachtete Bildung. — 

Gleich hinter dem verdickten Vorderrande des Kopfschildes, demselben, welchen Paeder 
Seitenkiefer nennt , zeigt sich eine .massig gewölbte Anschwellimg , welche in Grösse und 
Umfang so ziemlich dem vordersten Theile des Kopfes auf der Oberseite entspricht. Sie 
ist mit dem vorderen Kopfrande innig verbunden gewesen, und gewiss nicht frei beweg- 
lich , wie Pakder in Folge ihrer abgesonderten Lage bei einzelnen Individuen vermuthet. 
(Vgl. Taf. IV. B. Fig. 3. 4. seiner Schrift). Von vorn zieht sie sich mit ein Paar seitlichen, 
mehr oder minder deutlich vom minieren gelrennten Lappen am bezeichneten Rande nach 
aussen hin fort, und endet hier mit einem langen, spitzeren minder gewölbten Vorsprunge. 
Nach hinten findet sich hei Purndoxides ein auswärts gebogener, etwas aufgeworfener Rand 
und davor jederseits eine beträchtliche , schiefe Vertiefung. Bei Asaphus und IlUtemts 
ist dagegen dieser Rand tief ausgebuchtet und stark zweilappig. Bei allen dreien zeigen 
sich auf der ganzen Oberfläche dieselben eingerissenen concenlrischen Linien, welche die 



*) Pander sielit darin, Tvie in den umgeschlagenen Seilenrilndern des Kopfes, Kiefer wnd nennt 
letztere Seitenkiefer, die mittlere AnschV^'ellung hinte*- dem Vorderrande Mittel- oder Unter- 
kiefer nnd Termnthet in der.\nsclmelliiiig yor dem Munde Sogar Respirationsorgane. (Vgl. 8.124- 
u. 128. seiner' Schrift.) 
• - 4 * 



88 

Unterfläche aller Paiizerllieilc iiberzielien. S.VRS bildet solche Linien zwar nur auf den 
Seilenlappen ab, allein bei ParcuL bohemicus (Eni. bucephalus Wahl.) finde ich sie 
überall auf der ganzen Fläche, doch allerdings in der ölilte schwächer und vermuljie da- 
her, dass -sie Herr Saks hier übersehen habe. Auf Taf. I. habe ich in Fig. 7. diese 
Gegend von Parad. bohemicus abgebildet und Saus Figuren von ylsaphiis bei mei- 
ner Zeichnung Taf. VI. Fig. 8. benutzt. 

Es unterliegt nun wohl keinem Zweifel, dass diese Gegend die gewöhnliche An- 
schwellung vor dem Munde ist, welche man bei den Fhyllopoden wahrnimmt,- und 
KopfscJiild (rfi/peus) oder Untergesicht (hi/postomn) zu nennen pflegt. Gewiss zeugt • 
dieselbe so entschieden wie möglich für die Verwandtschaft beider Gruppen , und weist 
die Affinität mit Isopoden ebenso bestimmt zurück. Doch hiervon später. — 

§. 10. 

Der Brustkasten oder Rumpf der Trilobiten* zu dessen Darstellung wir nunmehr 
übergehen, besteht aus einer Anzalil gleichartiger Ringe, voii denen jeder einen ebenfalls 
hornigen Panzer besass. Letzterer hat, wie am Kopf- und Schwansschilde, seitliche frei" 
hervorragende Lappen an jedem Ringe, welche sich durch ihre flachere, allermeist ab- 
wärts gebogene Form von dem gleichmässig gewölbten, halbzylindrischen Körper sehr 
leicht unterscheiden. Diese Seitenlappen bestanden ganz wie die schon beschriebenen 
flacheren Ausbreitungen des Kopf- und Schwanzschildes, aus zwei Lagen, zwischen 
welchen sich eine dünne Schiciit der Kürpersubstanz befand , und waren auf der äusseren 
freien Oberfläche theils gbllt, theils granulirt, auf der unteren versteckten dagegen pa- 
rallel gestreift. DieS sieht man deutlich bei den Bruchslücken der AsapJii und llhtcni, 
bei welchen in der Regel beide Bedeckungen der Seitenlappen erhalten sind, und erkennt 
zugleich, dass die Zwischenlage an dem oberen und inneren Theile der Seilenlappen dicker 
war als an dem unteren und vorwärts gewendeten, woselbst jeder Lappen in eine scharfe 
Kante auslief, während er nacii aussen und oben einen breiteren abgerundeten Umschlag 
bildete. Verstehe ich diese Abdrücke richtig, so muss selbst der innere, waagrechte, 
noch nicht herabgebogene Theil jedes Seitenlappens mit seinen Nachbaren in -unmittelba- 
rer Verbindung gewesen sein, und diese ganze Gegend des Körpers am Schutze der un- 
ter dem gewölbten mittleren Theile befindlichen fleischigen Muskellage, welche theils zur 
Bewegung ,der Ringe gegen einander, theils zur Bewegung der an ihnen angebrachten 
Füsse diente, mit Antheil genommen haben, oder selbst mit Träger dieser Muskulatur ge- 
wesen sein. Denn an allen, selbst an den eingerollten Exemplaren, sind diese Gegenden 
der Seitenlappen nicht über einander geschoben, sondern in der gewöhnlichen Entfernung 
von einander; auch glaube ich an der vordersten Ecke jedes lunteren Ringes, wo sich 



29 — 

der äussere Tlioil des Scilciiliippcns lierabbicgt, eine Arl Arlikulatiou walu'Äunchmcn. 
Eine solche isl besliiunit vorliaiiden an der Stelle, wo der inilllere gewölbte Tlieil jedes 
Ringes mit den Seilcnlappen zusammentrifft, aber niclit /Avischen diesem Thcile und sei- 
nen Seitenlappon, sotulern zwischen den mittleren gewölbten Kürperringen selbst. Man 
bemerkt an der bezeichneten Stelle gleich vor dem freien Ilinlorrande des Rinjjes ^ineu 
starken halbkugeligen Gelenkkopl" an seiner unteren Fläcjie, welcher in eine nach ihm ge- 
formte Gelenkgrube des folgenden Ringes hiueinpassti Letztere ist auch am Vorderrandc 
des Schwanzschildcs Aorhanden, und in Fig. 4. der V. Taf. 'deutlich dargestellt. Das erste 
Paar der Gelenkköpfe findet sich dagegen am Hinterrande des Kopfschildcs. So hat also 
i jeder Körperring auf seiner oberen Seite am vordersten , in der Verbindung aller Ringe " 
vom vorhergehenden bedeckten Rande ein Paar Gelenkgrubeu, auf seiner unlercu, den 
folgenden Ring zum Theil überragenden freieren Seite des Hinterrandes dagegen ein Paar 
halbkugelige Gelenkköpfe. Rcsondcrs deutlich lassen sich diese Gelenkköpfe und Gelenk- 
gruben an grösseren Exemplaren der Phacops- Arien, deren hornige Hülle verlohrcn ge- 
gangen ist, erkennen ; in der Regel stecken alsdann die abgebrochenen Gelenkköpfe noch 
in den Gruben der unter ihnen befindlichen Gelenkpfannen. Dass endlich' ausserdem noch 
eine weiche Gelenkhaut die einander gegenüberstehenden Ränder der Ringe verband, er- 
leidet nach der Analogie lebender Giederthiere keinen Zweifel. — Uebrigens war jeder 
einzelne Ring ein ungelheiltes Ganze , dessen Seitenlappen unmittelbare Fortsetzungen von 
dem mittleren gewölbten Haupttheile sind und nirgends mit ihm durch Nähte zusammen- 
hängen. Zwar findet man bei gut erhaltenen Exemplaren von Ogi/gi(t Biichii und Cono- 
ccphalus Stilzeri tiefe Eindrücke an den Seiten des Rumpfes, welche die Seitenlappea 
jedes einzelnen Ringes von seiner Achse trennen, allein für JNähte, wofür Emmricu diese 
Furchen erklärt, möchte ich sie nicht halten, weil bei den übrigen Trilobilcnresten nichts 
der Art wieder vorkommt, auch es unbegreiflich ist, wie diese Lappen bewegt werden 
sollten, worauf ihre bewegliche Einfügung doch hinwiese; insofern nciunlich bei der Dünne 
der Seitenlappen nur eine höchst schwache Muskellage sich zu ihnen begeben könnte. 
Ich glaube daher, dass die bezeichnete nahtartige Furche nicht eine Naht anzeige, son- 
dern vielmehr von einer scharfen Kante herrühj-e, welche hier auf der inneren Panzer- 
fläche zwischen Achse und Seitenlappen hervorragte; denn dass wir in den Abdrücken 
beider Arten den Abdruck der inneren Schaalenlläche vor uns haben, erleidet bei dem 
völligen Mangel von Panzerresten selbst keine Frage. — Ebenso wenig lässl es sich recht- 
fertigen^ wenn Herr Emmrich die Ansicht Audolin's annimmt, dass die Seitenlappen ei- 
gentlich aus 2 Stücken beständen, welche dem epislernon und epimcron am Brustkasten 
der Insekten entsprächen; für eine solche Annahme ist nicht bloss gar kein Grund vor- 
handen, sondern sogar ein bestimmter Gegengrund in dem Unistande gegeben, dass die 



30 

«renannten Platlcn bei den Insekten slels Stücke des die Achse selbst einhüllenden Pan- 
zers sind, hier aber als seitliclie Ausstrahlungen desselben auftreten würden, ohne "'An- 
theil an der Bedeckung der Achse zu nehmen. Wo es aber keine besonderen Skelettheile 
an jedem einzelnen Ringe giebt, wie liier bei den Trilol)iten, da kann man auch nicht 
Benennungen in Anwendung bringen, die bloss für solche abgesonderten Skelettheile ge- 
macht sind , ja man darf diese Benennungen auch nicht einmal beispielweise benutzen, 
wenn sie für ganz anders gelagerte Tlieile erfunden wurden, ohne die allergrössten Ver- 
wirrungen zu veranlassen*); *ich niuss vielmehr wiederholen, dass die Seitenlappen nichts 
weiter sind als seitliche Ausläufer des die Körperringe bedeckenden Panzers, ohne selbsl- 
ständige Beweglichkeit und ohne alle andere Bedeutung, als die des Schutzes für die dar- 
unter befindlichen, zart gebauten Füsse. Hierüber kann ich indess erst im folgenden Ka- 
pitel sprechen, wo ich die fehlenden Organe der Trilobiten aus der Analogie lebender 
Krebsformen ergänzen werde. — Von dem mittleren Tlieile des Rumpfes, den eigentli- 
chen Körperringen, ist übrigens noch zu erwähnen, dass jeder in der Regel aus zwei hin- 
ter einander liegenden halbrunden Wülsten besteht, von denen der vordece kleinere in 
gestreckter Stellung des Köipers unter dem übergreifenden Rande des vorhergehenden 
Rino-es steckt, aber sehr deutlich gesehen wird, wenn der Körper sich gebogen oder ein- 
oeroUt hat. Anl Ende der Furche, welche beide Wülste abschneidet, ist jederseits die 
Gelenkpfanne; eine bei den Phacops- und Cali/mene - Ar[en mehr runde, bei den ^5«- 
phh und Illaenh etwas in die Quere gezogene Vcrtiefuitg, über deren Bedeutung bereits 
das Nötbige bemerkt wurde. Bei allen Arten und Stücken, denen die hornige Schaale 
fehlt , vermisst man sie ganz , indem beide Theile , d. h. der Gelenkkopf und die ihm ge- 
genüberstehende Gelenkpfanne, bloss den hornigen Bedeckungen angehören. Die Querfurche 



*) Au'douix nennt in seiner lieltannten Arl)eit üher die Sltelettlieilc der Inseliten (aual, des sciens. 
nalnr. priim. sei: Tom. I. 1824.) dasjenige Skeletstück epitneron, welches zwischen der frei 
beweglichen Hüfte und der Riickenplatte liegt, cpisiernon dagegen das vor dem epitneron hefiiid- 
liche Skeletstück zwischen der Brnstplatte selbst und der Rückeiiplalte. Bei den Trilobiten ist 
von diesen Sonderungen des Hautskelets in getrennte Stücke bloss am Kopfe ein Beispiel vorhan- 
den, an allen übrigen Körpertheilen durchaus gar nicht. Dies Verhivltniss ist ein höchst merkwür- 
diges, luid ohne alle Analogie bei lebenden Krebsen, deren Panzer an den einzelnen Ringen im- 
mer ein Continuum bildet und nie aus gesonderten, durch Nähte verbundenen Stücken besteht, selbst 
dann nicht, wenn er entschieden mehrere Ringe bedeckt. Dalman hat diese Ausnahme von der 
allgemeinen Regel, dass die Skelettheile lebender Crustaceen nie Nähte haben, schon erkannt 
und ausgesprochen {Palaead. S. 13.) und ich muss sie, als einen höchst singulilren 'Charakter der 
Trilobiten hier noch einmal ganz besonders hcrvorheßen; zugleich aber davor warnen, die Eigen- 
thümlichkeit, welche den Kopfpauzer dieser Thiere auszeichnet, auf die übrigen Panzerringe über- 
tragen zu wollen. 



31 

des Äliltolkörpers , Avodurch der vordere Wulst jedes Ringes von dem hinteren geschieden 
Avird, gehl übrijjens in den meisten Fällen mit auf die Seitenlappen über, imd verschwin- 
det erst an der Stelle, wo diese sicli a])wärts biegen, indem sie sich dem Hinterrande 
des Lappens nähert und in die vordere Kante der gewölbten Uandseitc des Lappens über- 
geht. Dass die Anwesenheit dieser Furche auf den Seitenlappen für die Organisation der 
Trilobilen, denen sie zukommt, von irgend einer wesentlichen Bedeutung sei, bezweifele 
ich gar sehr, denn in diesem Falle würde sie nicht einzelnen Gattungen, z.B. den Illae- 
nis, ganz fehlen köimeu; ich halte sie vielmehr für eine Nebensache, die, so scheint 
CS , durch die Anweseidieit der Querfurchc auf den mittleren Ringen sell)Sl bedingt ist 
und sich als solche auf die Seiteidappen hin fortsetzt. Diese Ansiclit lässt sich durch den 
Bau der Illacnt unterstützen, denen die Querfurche auf dem mittleren Hauptringe ehenso 
gut fehlt, wie auf den Seitenlappcn, und die daher einen viel flachöTen, gleichmässiger 
gewölbten Rüc4ten haben als alle andern Galtungen, deren Rumpfringe immer einzeln sehr 
stark gewölbt sind. Die Organisation des Hinterleibes der Macruren liefert unter den 
lebenden Krebsen ein genaues Seitenstück zu der gewöhnlichen Trilobitenbildung mit ge- 
furchten Ringen, die der Amphipoden- und 1 s o p o d e.n rümpfe repräsentirt dagegen die 
bei Illaemts vorhaudene Form. Beide Bildungsweisen schliessen übrigens das Vermögen 
des Einrollens in sich, wie es sowohl die Trilobiten, als auch die genannten lebendeu 
Organismen bestätigen. 



§. 11. 

Ein Verhältniss yow grosser Wichtigkeit ist endlich noch die Anzahl der Ringe, aus 
welchen der Brustkasten besteht. Bei den Gattungen mit grossem Schwanzschilde lässt 
sich dieselbe leicht bestimmen, schwieriger dagegen hei denen, wo der Körper mit einem 
sehr kleinen Schilde endet, in welchem nur wenige Ringe stecken. Hjer entsteht nehm- 
lich die Frage, oh man den Brustkasten wirklich bis zu diesem Schilde nehmen dürfe, 
oder ob man nicht nach der Analogie lebender Formen die Vermuthung aufstellen solle, 
dass ein Theil der Ringe vor dem Endschilde mit zum Hinterleibe gehöre, und dessen 
w^ahre Grenze durch die Lage der Geschlechtsöffnungen bestimmt werde, wie bei Jpus. 
Hierüber lässt sich natürlich bei dem Mangel aller weichen Tlieile nicht entscheiden, und 
es bleibt daher nichts anderes übrig als den Brustkasten bei den Trilobiten bis zum ein- 
fachen Endschilde zu rechnen und die in letzterem steckenden Ringe für den Hinlerleib 

zu nehmen. 

* 

Diese Ansicht, sei sie nun richtig oder falsch, fest hallend, finden wir in der An- 
zahl der Brustkastenrijige eine sehr grosse Verschiedenheit. Die kleinste Zahl scheint 



33 . 

fünf zu sein, wenigstens beliauplet Sars *) niclit nielir bei Ampyx rostraliis gesehen 
zu haben, nach Dalman dagegen besitzt Amptjx nasulus sephs Ringe, und da ich kei- 
nen beglaubigten Fall kenne , dass in einer und derselben Gattung verschiedene Zahlen- 
verlüiltnisse der Ringe sich fanden , so nuiss ich annehmen , dass die erstere Zahl unrich- 
tig sei. Die letztere Anzalil findet sich übrigens auch bei Cri/ptotithus Green {Tri- 
nucleus MüRCii.)- Sieben Ringe habe icli bisher noch nicht mit Sicherlicit wahrgenom- 
«icn , und wenn gleicli diese Zahl bei Ogijgia von einigen Schriflstellern angegeben wird, 
so streitet doch die Zahl acht bei anderen Individuen gegen die Richtigkeit dieser Zäh- 
lung. Acht Glieder besitzen ferner alle Arten der Gattung Asaphus in ihrem richtigen 
Umfange, dann Bronles, Arges und Odonfoptenra. Neun Ringe giebt Dauian bei IlUieinis 
cenfroliis an, doch könnte wohl ein Ring dem Beobachter entgangen^ sein, da dieselben 
bei dieser Art so aufTallend kurz sind. Mit Sicherheit finde ich diese Zahl bloss bei Archegonus. 
Die wahren lllaeni und Brontes haben zehn Ringe. Eben so viele besitzt DalAaa's Cahjmene 
concinna, und kann schon deshalb nicht zu C«/y»nene gehören ; aber auch nicht zu Illae- 
mts, wohin Emmrich sie bringt, da die Ringe gewölbt und gefurcht sind und das Ivopf- 
schild einen aufgeworfenen Rand 4iat; Charaktere, die den Illaenis nicht zukommen. Eilf 
Ringe haben alle Phacops- Arien, zwölf EUlpsoccphahis , dreizehn die Cnhjmenae; 
vierzehn Ringe Oleiius gihbosus und Conoccphahis , sechs zehn Olemis spi- 
nulosus und zwanzig Paradoxides bohemicus. Mehr Ringe scheinen nicht vorzu- 
kommen. — . » 

§. 12. 

Das Hinlerleibs- oder Schwanzschild, dessen Darstellung noch übrig bleibt, 
wurde als eine dem Kopfschilde analoge Erweiterung der Bedeckungen des eigentli- 
chen Hinterleibes schon oben besprochen, und daselbst gezeigt, dass es aus 2 La- 
gen bestehe, dass die obere dieselbe Beschaffenheit besitze, wie die übrige obere Pan- 
zerlläche und die untere zartere auf ähnliche Weise an ihrer freien Fläche liniirt sei; 
zwisclien beiden aber eine neben dem Umfange dickere Schicht der Körpermasse sich be- 
funden haben müsse. Hier bleibt also nur noch die in dem Schilde ste(;liende Achse, der 
eigentliche Hinterleib , zu erörtern. — Auch an ihm bemerkt man zwar in der Rogel 
eine Gliederung, aber nie sind die Ringe so deutlich und bestimmt abgesetzt, wie am 
Brustkasten. Es giebt hinsichtlich ilirer Deutlichkeit drei Stufen, Avelche sich als ditf Stufe 
. der völligen Deutlichkeit, der Andeutung und des Mangels von Ringen unterscheiden las- 
sen. Völlig deutliche Ringe zeigen die Gattungen Trinucicus, Ogygia , Cahyti^ene, 



'■0 Isis 1835. 335. 



33 

Phacops und Cahjmenc concinna Dalm. Auch bei Olenus gihbosus sind rechl deut- 
liche Ringe zu benierlien. In diesem Falle setzt sich die Wölbung des Rinkes selbst auf 
die Scitenlheile des Schwanzschildos hin fort, doch pflegt hier die Anzahl der Rippen um 
1 oder 2 geringer zu sein, als die Anzahl der Ringe in der Achse. Ich zählte wenig- 
stens bei Phncops macrophiluilmus stets nur 7 Rippen und doch 8, fast 9 Rin^e im 
Schwänze, von denen freilich die beiden letzten sehr klein und mit einander verschmol- 
zen sind. Cft/i/menc Jihmienfjachii hat jcderseits 5 Rippen auf dem Schwanzschilde, 
a])er recht deutlich 7 Glieder im Schwänze selbst. Bei Ogijgia Buchü zähle ich 11 
Rippen auf jeder Seite des Schwanzschildes, aber ziemlich deutlich 12 Ringe am Schwänze 
selbst, von denen der letzte eine länglich eiförmige Gestalt hat und aller Wahrschein- 
lichkeit nach nocli aus mehreren Gliedern besteht. Phacops vnicronntus hat jederseits 
1«3 Rippen und 14 deutliche Glieder, nebst einem eiförmigen Endgliede, was als ein Ver- 
ein mehrerer Glieder betrachtet werden kann; Phacops Haiismanni endlich die meisten 
von allen, nehmlich 19 in der Achse und 15 Rippen auf jeder Seite. Aehnlich ist das 
Endglied bei allen Trilobiten beschaffen und daher wahrscheinlich bloss oberhall) nicht ge- 
gliedert, weil der dicke Panzer das Deutlichwerden der Ringe verhinderte. Bei Cahj- 
mene concinna Dalm. zähle ich 7 sehr deutliche Glieder in der Achse, nehme aber doch 
keine Rippen auf den Seiten des Schwanzschildes wahr; bei Olenus gibbosus sind da- 
gegen 6 Ringe in der Achse und 5 Rippen auf dem Schilde nicht zu verkennen. — 

Zu der Form mit undeutlichen Ringen in der Achse des Schwanzschildes, aber ohne 
Rippen auf den Seiten gehört Asaphns expansits s. coi-nigerus , ich zähle hier 6 kurze 
Glieder und ein langes eiförmiges Endglied ; bei As. dHalalus glaube ich 9 Ringe und 
ein kürzeres, fast kreisrundes Endglied zu sehen; bei einer dritten sehr grossen Art, von 
welcher ich bloss das abgebildete (Taf. V. Fig. 4.), bereits besprochene Schwanzschild 
kenne, sind 9 GUeder nebst einem sehr langgestreckten Endgliede vorhanden, üeberhaupt 
scheint eine gegliederte Achse ohne Seitenrippen des Schildes bei den meisten Asaphtis-Av- 
ten vorzukommen, denn auch die zur Gruppe Isoldes gerechneten Arten dürften hierher gehö- 
ren, und deren Gliederung nur sehr schwach sein. Ich habe keine Asaphns- Av\ ohne 
Gliederung an der Achse gesehen. 

Dagegen vermisst man die Gliederung vollständig bei lUaemis und Ampyx ; bei letzterer 
nur zum Theil. Beide Gattungen repräsentirten also die dritte Form des Schwanzschildes. — 

Seiner Grösse und Form nach harmonirt das Schwanzschild mit dem Kopfscbilde 
fast völlig bei den Gattungen Asaphns, Ilfaemts, Ampi/x und Trinucleus s. Crtjptoli- 
thns; bei allen anderen Gattungen ist es kleiner, weil einige der für dasselbe bei jenen 
Gattungen verwendeten Körperringe hier isolirte selbstständige Ringe geworden sind. 
Daher nimmt seine Grösse mit der Zahl der Ringe ab, und wird bei den Gattungen Pha- 

5 



34 — 

cops, Calj/menc, Paradoxides, Conocephuhis , EllipsoccpJudus und Olcntis zusehends 
kleiner, bis es bei letzteren aus 1 oder 2 Rlng-en besteht. Calymenc concinna Dalm. , 
eine schon mehrmals als Typus einer eigenen Galtung erwähnte Art , eröfTnet diese Reihe. 
Hiernach scheint in der Anzahl der gcsammten Kürperringe eine bestimmte Grenze befolgt 
zu sein, und die des Hinterleibes zu wachsen, wenn die des Brustkastens abnimmt; auch 
hat Herr Emmricii bereits ein solches Vcrhältniss als ein gesetzmässiges betrachtet. Allein 
die nähere Untersuchung bestätigt dasselbe nicht; schon die blosse Vergleichung der P/i«- 
cop«- Arten unter einander zeigt die Irrigkeit einer solchen Annahme, in sofern dieselben 
nie mehr als eilf Bruslkastenringe besitzen, und doch in der Anzalil ihrer Hinterleibsringe 
zwischen 9 — 19 schwanken. Auch bei Cuhjmcne zeigt sich derselbe Fall, die Grenzen 
der Reihe liegen hier nur nicht so fern, sondern bleiben zwischen 7 und 11 {Cal. po- 
Ji/toma nach Daljian). Hiernach scheint zwar die Zahl 30 von den vereinigten Ringen 
des Brustkastens und Hinlerleibes in der Regel nicht überschritten zu werden, bei vielen 
Trilobllen aber die Summe beider Körperabschuitte nicht so viel zu ergeben. Wo endlich 
Gliederung am Hinterleibe nicht erkannt wird, ist die Gesammtmengc aller Ringe ganz 
ungewiss. Uebrigens muss ich hier noch bemerken, dass die Einschnitte an der Kopf- 
achse der Trilobiten ebenfalls nichts anderes als Andeutungen von Ringen sind, und doch 
sehr wohl mit meiner früher vorgetragenen Ansicht, sie als Auflreibung von den unter 
ihnen liegenden Kiefermuskeln zu betrachten, im Einklänge stehen; da bei allen Krebsen 
so viel Kürperringe vermisst werden, als wie viele accessorische Kieferpaare am Kopfe 
sich befinden ; woraus denn ersichtlich ist, dass jedes Kieforpaar an einem besonderen Ringe 
haftet, dieser aber durch sein inniges Anschlicssen an den Kopf seine Selbstständigkeit 
verliert. Da die Anzahl der seitlichen Kopffurclien nie grösser ist als drei, dadurch aber 
höchstens 4 Wülste gebildet werden, so würden wir eben so viele Kiefer bei den Trilo- 
biten annehmen dürfen und uns vorstellen können, dass in allen Fällen, wo diese Wülste 
fehlen und dann der vorderste Lappen alle anderen in sich enthält, ein (der Analogie 
nach das erste) Kieferpaar sehr gross geworden ist, dagegen die übrigen schwan- 
den, wenn auch nicht vollkommen verlohren gingen. Doch diese Betrachtung gehört ei- 
gentlich schon dem folgenden Kapitel an, da ich hier bloss den unmittelbar erkennbaren 
Körperbau schildern wollte, denselben aber so vollständig und allgemein, wie möglicli, 
nunmehr geschildert zu haben glaube *). — 



'■*) Man konnte ilalier die Lappen des Kopfl)uckels, auch wenn sie niclit durchgehende Al)schnitte sind, 
geradezu Ringe nennen, und zwar den vordersten Stirn- oder Fülilerring, den zweiten Au- 
ge nring, den dritten Kieferring, den yiertcn Unterlippenring; an ihm hafteten dann die 
acccssorischen Mundtheile. Der stets \orhandeiie Querwulst am Hinterrande ist schon als Gelenk- 
wulst erwähnt worden, könnte aher ebenfalls (ieleukring genannt werden. — 



Zweitem Kapitel. 

Beziehung der Trilobiten zu den jetzt lebenden Gliederlhieren. 



§. 13. 

Die bereits allgemeine Annahme, dass die Trilobiten Gliederthiere sind, über- 
hebt mich der Mühe, von ihrer Beziehung zu den Muscheln oder Mollusken über- 
haupt zu reden ; auch ist eine solche Untersuchung hier um so überflüssiger, als der Ver- 
lauf meiner Mittheilungen schon hinreichend gezeigt hat, dass jene ältere Ansicht den 
erkennbaren Bildungsweisen der Trilobiten widerstreitet. Denn Thiere mit Augen kömien 
keine Muscheln sein*), wenigstens dann gewiss nicht, wenn sie mit zwei symmetri- 
schen zusammengesetzten Augen versehen sind, und eben dieser Charakter ent- 
fernt sie auch aus den übrigen Orchiungen der Mollusken, wie er sie entschieden den Glie- 
derlhieren beigesellt. Unter den 4 Klassen der Gliederthiere haben aber die Insekten 
und Arachnoiden, sowohl die heteronomen {Arachiudae) , als auch die homonomen 
(Mi/riopod(t) einen so konstanten Typus, dass es unmöglich ist, die Trilobiten zu ihnen 
zu rechnen; selbst die scheinbar ahnlichen Glomeriden sind sogleich an dem konstanten 
Zahlcnverhältniss ihrer Körperringe, dem nicht schihlfünnigcn Kopfe, dem Mangel eines 
Hinterleibes oder Schwanzes, den Aggregaten einfacher Augen, den hornigen gegliederten 
zahlreichen Füssen, und vielen anderen Eigenschaften von den Trilobiten zu unterscheiden. 
Würmer (/^<?/7«e,$) können aber die Trilobiten ebenfalls nicht sein, ihr gepanzerter Leib, 
ihre zusammengesetzten Augen, ihr heteronomer Typus sprechen dagegen. Demnach sind 
sie Krebse (^Critslace(t) nicht bloss wegen dieser negativen, bisher aufgefürhrten Cha- 
raktere , sondern auch wegen ihrer positiven ganz lu-ebsartigen Eigenschaften. Um diese 
verstehen und würdigen zu können, muss ich einige einleitende Bemerkungen ü])er 
die Systematik der Gliederthiere, und über die Charaktere der Krebse vorausscliicken. 



*J Ich verwahre mich bei diesem Ausspruch gegen den Vorwurf, als wüsste ich nicht, wie man kürz- 
lich viele Augen hei Pccten-Arlen Leohachtet habe; schon vor Herrn Krohn's interessanter Mil- 
tlieilung hatte ich es aus dem Diel, des scietis, nalur. Toni, 38, p. 23ü. als wahrscheinliche Eigeu- 
schaft dieser Thiere erfalireu. 



36 

§. 14. 

Unsere gegenwärtige Systematik des Thierreichs leidet noch immer an einem Grund- 
fehler, der darin besteht, dass wir einzelne Merkmahle als Charaktere der Gruppen hin- 
stellen, statt vielmehr den stets ideellen Typus der Gruppe mit wissenschaftlicher Präci- 
sion zu bezeichnen. Diesem Uebclstande zu begegnen habe ich mich vielfach bemüht, 
auch die Grundziige meiner von aller subjectiven Betrachtungsweise möglichst unabhängi- 
gen Systematik bereits in meinem Ilandbuche der Naturgeschichte (Berl. 1837. 8. 2. Abth.) 
niedergelegt, und dabei wenigstens bei jüngeren Zoologen mancherlei Anerkennung ge- 
funden. Aehnliche Resultate hier niitzutheilen, würde mich zu weit führen, auch unnöthig 
sein, da ich die Hauptsachen schon dort puhlizirt habe, eine weitere Ausführung dersel- 
ben aber eben jetzt sel])stständig bearbeite *). Ich hebe daher hier nur heraus , dass für 
die Gliederthiere die Begriffe der gleichartigen (homonomen) oder ungleichartigen (he- 
teronomen) Ausführung des gegliederten Grundtypus die vorzugsweise bestimmenden 
sind, und dass mit dem ersten Begriffe immer ein schwankendes, unbestimmtes, mit dem 
zweiten ein unabänderliches konstmites Zahlenverhältuiss in allen oder einigen der ungleich- 
artigen Körperabschuille zusammenfällt. Dieses Zahlenverhältniss giebt sich im letzteren 
Falle gewöhnlich als ein Mulliplum einer Einheit zu erkennen, welche entweder die Drei 
(3) oder die Fünf (.5) ist, von denen bei niederen heteronomen Gliedcrthicren bloss 
jene , bei allen höheren dagegen nur diese in Anwendung gebracht zu sein scheint. 

Die Klasse der Krebse zeigt zwar überall einen heteronomen Typus, aber als 
Durchgangsgruppe der Gliederthiere keine allgemein gleiche Grundzahl der Körperringe, 
sondern mehrfach verschiedene. Die Eintheilung ihres Körpers in Kopf, Brustkasten und 
Hinterleib, von denen jeder als ein sclbstständiges Ganze nach cigenthümlichen Gesetzen 
behandelt zu sein pflegt, rechtfertigt die Heteronomität, welche ich als den wesentliclisten 
Klassencharakter der Crustaceen betrachte. Im Brustkasten, der hier, wie überall bei 
Gliederthieren, die grösste systematische Bedeutung für die Klassenunterschiede darbietet, 
herrschen bei den Krebsen beide Grundzahlen, und wie es scheint wohl immer in mehr- 
fachen Multiplis. Allein die Produkte dieser Grundzahlen sind dadurch stets bei erster 
oberflächlicher Betrachtung sehr unklar, dass immer so viele Brustkastenringe als räumlich 
isolirte Abschnitte fehlen, als wie viele derselben sich durch Umwandlung ihrer Bewe- 
gungsorgane in accessorische Mundtheile zum Dienste des Kopfes und seiner Organe be- 
stimmt haben. Man muss daher, will man die Grundzahlen der Brustkastenringe in iiirer 
Wahrheit erkennen, stets die accessorischen Mundtheile mit als Bewegungsorgane betrach- 
ten, dieselben zu den wahren Bewegungsorgauen des Brustkastens hinzurechnen und nun 



'') Als Yersncli eiuer rationellen Zoologie denlic ich sie nächstens zu Yeröffeutlichen. 



3»? 

erst die Summe durch 3 oder 5 tlieilen, wemi man die Grundzahl und ihre Multipla auf- 
finden will. Dies Verfahren fülirt sehr hald zu dem interessanten Resultate, dass alle hö- 
heren Krchse mit konstantem Typus der Fühler, Augen, des Mundes und der Bewegungs- 
organe auch ein ehenso unahänderliches Zahlenverhällniss in den Brustkastem-ingen besitzen, 
welches stets 2X5 oder 10 ist, mithin das einmalige Mulliplum der zweiten höheren 
Grundzahl ; dass dagegen alle anderen Krebse mit schwankenden Typen der Fühler, Augen, 
Mundtheile und Bewegungsorgane nie die Grundzahl 5 verrathen, sondern entweder gar 
keine allgemein gültige Grundzahl besitzen, oder doch für die Mehrzahl der Fälle, wenig- 
stens so weit ich mich durch genaue eigue Untersuchungen überzeugen komite, die 3 in 
verschiedenen, von 1 bis 4mal schwankenden Multlplis. — • 

Die schon angedeutete typische Uobereinstimmung beider Gruppen in mehreren Merk- 
mahlen macht es möglich, sie hiernach noch sicherer, als nach dem blossen Zalüenver- 
hällnisse, zu definiren und folgende allgemeine Charaktere derselben festzustellen. 

Die Krebse mit dem Zahlenverhällniss 2X5 haben nehmlich immer 2 Paar Fühler, 
zusammengesetzte Augen mit fazeltirler Horidiaut, keine Nebenaugen, mit wenigen Aus- 
nahmen (z. B. Mysis) gegliederte Gangfüsse am Bruslkastcn und stets Flossenfüsse am 
Ilinlerleibe, wenn dieser Körperabschnilt vorhanden ist; seine Gliederzahl fällt dann nicht unter 
3, und überschreitet nicht 7. Sie bilden die Gruppe der Mdlacoslraca früherer Eintheilungen. 

Die Krebse mit der Grundzahl 3 haben weniger allgemeine Eigenschaften , schon des- 
halb, weil sie eine niedrigere Abtheilung darstellen; doch finde ich bei ihnen stets zusam- 
mengesetzte Augen mit einfacher glatter Hornhaut *) , bisweilen zugleich noch Nebenaugen, 
oder diese hie und da, namentlich in der Jugend, allein und dann in einfacher Zahl; in 
der Regel bloss Flossenfüsse und dann meistens keine am Ilinlerleibe, der oft verkümmert, in 
anderen Fällen sehr gross ist; ferner eine auffallende Unsicherheit in der Bildung der 
Fühler wie Mundtheile, deren Typus daher schwaidit. Alle durchlaufen verschiedene 
Yerwandlungsstufen , mid zeigen viel grellere Unterschiede der einzelnen Perioden, als je 
Mitglieder der anderen Abtheilung. Ich nenne sie Oslracodermctla. 

Die Metamorphose scheint neben den mannigfachen Verschiedenheiten hier dasjenige 
Moment zu sein, welches bei der ferneren Eintheilung besonders zu berücksichtigen ist; 
insofern sie nehmlich theils als rückschreitend**) auftritt, theils als fortschrei- 



'■'') Bei mehreren Arteu, z.B. bei Limvhis, erseheiul sie im getrockneten Zustande fazettirt, wird aber 

durch Erweichen im Wasser wieder glatt. 
**) Die Erscheinung der rückschreitenden Metamorphose, über welche kürzlich Rathke ausführlicher 
gehandelt hat, benutzte ich schon in meinen Berliner Vorträgen als Eiutheilungsmoment, nnd habe 
dieselbe bereits Tor zwei Jahren in Eksch und Gruber's Encjclopildie, 1. Sect. Bd. 25. S. 119. 
öffentlich als Eintheilungsgrund angezeigt. 



38 

lend. Die rücksclireitende kommt indess nicht allen Mitgliedern in gleicher Strenge zu, 
da sie durch äussere Umstände überhaupt bedingt ist, und an sich die Natur keine Rück- 
schritte beabsichtigen kann. Fallen also die äusseren Bedingungen weg, so fehlt auch ihre 
Erscheinung. Deshalb ist sie kein allgemeiner Gruppencharakler, sondern bezeichnet nur 
einzelne Mitglieder gewisser Gruppen richtig. Wenn ich sie dennoch als Eintheilungs- 
moment gebrauche , so thue ich dies in derselben Weise, wie etwa die ovipare Fortpflan- 
zun"' als solche bei kaltblütigen Rückgralthieren gebraucht wird, ohne darum bei allen in 
bleicher Weise aufzutreten. Die Osiracodermatu zerfallen demnach in 2 Gruppen, und 
jede von ihnen in 3 Zünfte. Der Mangel eines deutlichen Kopfes mit wahren Fühlern 
und Augen ist für die erste Gruppe, deren Mitgliedern eine rückschreitendc Metamorphose 
eigen zu sein pflegt , ebenso charakteristisch , wie die Anwesenheit sehr grosser, oft enorm 
entwickelter Augen neben fortschreitender Metamorphose und in der Regel sehr entwickel- 
ten Fülllern, zumal wenn die Augen kleiner werden, für die zweite. Ihre ferneren Un- 
terschiede liegen in mehrfachen Eigenlieiten , deren Erörterung mich sehr lange aufhallen 
niüsste* ich habe sie vielmehr in einer tabellarischen Uebersiclit zusammengestellt, und 
indem ich darin alle höheren Kre!)Sgruppen nach ihren wichtigslen typischen Merkmahlen 
bezeichne, meine Leser in den Stand gesetzt, durch eigne Prüfung zu entscheiden, wie 
weit mit jeder, und mit welcher am meisten, die Trilobiten verwandt sind. (Siehe an- 
liegende Tabelle.) 

§. 15. 

Eine richtige Würdigung der für die Malacoslracu aufgestellten Charaktere ergiebt 
soo'leich. dass zu dieser zweiten Ilauptabtheilung der Krebse die Trilobiten auf keinen 
Fall gehören können; denn sie haben weder fazettirte Augen (vgl. §. 5.), noch eijien 
o-emeinsamen Brustpanzer, noch eine konstante Anzalü von fünf bis sieben Brust- 
rinwen, welcJie nolhwendiger Weise ihnen zukommen müsste, wenn der Bruslpanzer fehlt, 
wenigstens nicht überschritten werden könnte '"■). Aber auch der Mangel von hartschaali- 
o-eu Fühlern, der erweiterte schildförmige Kopf, der Mangel sichtbarer gegliederter glei- 
cher Füssc, das ungleiche Zahlenverhältniss des von einem gemeinsamen Schilde bedeck- 
ten Hinterleibes bestätigen diese Ansicht. Mit ihrer Gültigkeit fällt nun die von so vielen 
meiner Vorgänger behauptete Affinität der Trilobiten zu den Isopoden, und vor allen 
zu der Galtung Scroh's, über den Haufen. Ich habe, um diese vermeintliche Affinität. 



^'i Eiiiise Arihrosiraca , wie die Lacmodipoda , Laben nur sechs Brustkasteiiringe, einige hopo- 
ila iPiuniza) gar nur fünf; allein kein Mitglied dieser Gruppe zeigt mehr als sieben. Jene 
Ausnahmen lassen sich übrigens leichl erklären und ableiten. 



Tabelle «m S. 38. §. 14. 



Crustacea. 

Gliederthiere mit heteronomemTypus, eigenthümlichen allermeist gegliederten Bewegungsorganen und Kiemen, falls Respiration.sorgane vorhanden sind. In ihrem 
Brustkasten herrscht kein konstantes, allen gleiches Zahlenverhältniss, sondern es finden sich mehrfache*) Multipla einer Einheit, die entweder 3 oder 5 ist. 



I. Ostracoclermata. 

Die Grundzahl dei" Ring-e des Brustkastens ist drei (ob immer?) und die Multipla derselben 
wechseln von 1 — 4. Die zusammengesetzten Augen haben eine einfache glatte Hornhaut. 
Die Jmigen aller sind einäugig und bringen gewöhnlich bloss Fühler und Taster als Bewegungs- 
oro-aue mit auf die Welt. Sie bestehen eine Metamoq)hose und sind beständige AVasserbewohner. 



1. Ordn. Prolhesmia s. Pseiidocephala. 
Sie haben im reifen Lebensalter gewöhnlich keine 
Allgen. Die Anzahl der Bnistkastenringe ist da, wo 
sie deutlich nachgewiesen werden kann, 2X3. Der Hin- 
terleib fehlt, oder liat keine Bewegnngsorgane. Die 
Metamorphose ist rück seh reitend. 



2. Ordn. Asp'idoslraca s. Enloiiioslraca. 
Sie haben stets Augen und meistens Fühler. Die An- 
zahl der Brustkastenringe schwankt zwischen 1 bis 4 X 2. 
Die Geschlechter sind getrennt , die Metamorphose ist 
fortschreitend. Sie sind nie haftend oder Parasiten. 



Mit Zwitterbildnng und taster- 
losen Kiefern. 



1. Zunft. 

Rolaloria. 

ungegliederte, war- 
zenförmige Bewe- 
gungsorgane mit 
Wimpern oder Flos- 
senborsten. After - 
und Genitalienmün- 
dung faUen zusam- 
men in eine Cloake. 
Ein selten fehlender 
uiebrgliedriger, vom 
Darm niclit mehr 
durclibohrter Hin- 
terleib ; einfache od. 
keine Augen ; keine 
oder unTollkommene 
Metamorphose. 



2. Zunft. 

Cirripedia. 

Sechs Paar geglie- 
derter, rankenför- 
miger Bewegungs- 
organe. After- u, 
Genitalienniündiing 
getrennt. Kein Hin- 
terleib, keine Füh- 
ler H. Augen. Me- 
tamorphose vollstän- 
dig. Im Alter stets 
üxirt nnd von einer 
dicken Schaale oder 
Haut umhüllt. 



B. Getrennte Ge- 
schlechter, Taster 
am Kiefer: 
3. Zunft. 
Siphonostoma. 
Maul mehr odei we- 
niger schnabelför- 
mig. 2 Paar Fühler 
vor dem jMunde und 
ö Paar Bewegnngs- 
organe hinter ihm, 
wenn alle vollstän- 
dig sind. Haftende 
oder bewegliche Pa- 
rasiten , mit Meta- 
morphose; die mei- 
sten mit 3gliedrigem 
Hinterleibe. 



A. Lauter gleichartige, Iiloss zum 

Rudern geeignete Bewegungsorgane; 

wirkliche Kiefer und 1 — 3 Paar ac- 

cessorische Mundtheile. 



4. Zunft. 

Lophjjropoda. 

Füsse gegliedert , 
einfach oder gespal- 
ten, mit langen Flos- 
senborsten. Zahl der 
Ringe 1 bis 3X3. 

a) Gijmn oia s. 
Cupepudn. 

Ohne grosse .Schaa- 
le, mit gegliedertem 
Brustkasten nnd ge- 
gliedertem Hinter- 
leibe. Lange Fühler. 

b) s tr a codn. 
Mit grosser , zwei- 
klappiger Schaale, 
einfachem Auge und 
unJfegliedertemHin- 
terleibe. Kurze Füh- 
ler. 



5. Zunft. 

PhjjUopoda, 

Füsse ungegliedert, 
aber gespaltene, ge- 
lranzte Hautlappen. 
Zusammengesetzte 
Augen u. Nebenau- 
gen. Gegliederter 
Brustkasten u. Hin- 
terleib. Zahl der 
Ringe imßrustkasten 
4X3, im Hinterleibe 
2 bis 6 X 3. 

a) Mit Schaale. 
«) Schaale zwei- 
lappig. 

himnaiUidae. 
/?) Schaale schild- 
förmig. Apidne. 

b) Ohne Schaale. 
Brancliipidae, 



B. Gangfüsse am 
Brustkasten , Kie- 
menfüsse am Hin- 
terleibe ; jene zu- 
gleich Fühler und 
Kiefer. ZaJilenver- 
haltuiss in beiden 
Körperabschnitten 
2X3. 

Zusammengesetzte 
Augen und Neben- 
augen. Brustkasten 
und Hinterleih je- 
der von einer gros- 
sen schildförmigen 
Schaale bedeckt. 
6. Zunft. 
Poecilopoda. 



n. Malacostraca. 

Die Grundzahl der Brustkastenringe ist fünf, imd ihr Multiplum stels die einfache Verdop- 
pelung (2 X 5). Die zusammengesetzten Augen haben eine fazettirte Hornhaut und Nebenaugen 
fehlen. Die Jungen gleichen den Alten ganz oder doch theilweis und die Metamorphose ist fort- 
schreitend. Bewegungsorgane stets zwiefach, und der Hinterleil) beständig mit Flossen versehen. 



3. Ordn. Thoracoslraca s. Podophlhalma. 
Kopf unbcAveglich mit gestielten beweglichen Au- 
gen; Brustkasten ganz oder grösstentheils Ton einem 
einfachen Panzer bedeckt. Hinterleib stets sieben- 
gliedrig. 



4. Ordn. Avlhroslraca s. Edriophlhalmu. 

Kopf beweglieh , aber die Augen an ihm unbeweg- 
lich; kein gemeinsamer Brustkasten -Panzer. Von den 
10 Ringen des Brustkastens tragen immer 3 accessorische 
Mundtheile, also 7 Gangfüsse. Formel 3 -f- 7. 



Von den 10 Ringen des Brustkastens 
tragen 5 accessorische Mundtheile, 
also nur 5 Gangfüsse; deren Zahl 
daher zehn ist. Kiemen am Brust- 
kasten. Formel 5-f-5. Decapoda. 



7. Zunft. 

Brachi/ura. 

DieFlossenfüsse des 
vorletzten Hinter- 
leibsringes sind nie 
zur Bildung einer 
Endllosse benutzt, 
sondern fehlen ganz. 
Der Hinterleib ist 
gegen die Brust ge- 
klappt. 



8. Zunft. 

Macrura. 

Die Flossenfüsse des 
vorletzten Hinter- 
leibsringes sind nach 
hinten ausgestreckt 
und bilden eine gros- 
se Endflosse. Hin- 
terleib in der Regel 
nicht angeklappt, 
sondern gestreckt. 



Von den 10 Ringen 
des Brustkastens 
tragen nur 2 ac 
cessorische Mund 
theile, daher acht 
Füsse, von wel 
chen die hintersten 
oder alle Flossen 
ähneln. Formel 
2-}- 8. Kiemen 
variabel, doch mei- 
stens am Hinterlei- 
be, Dieser mit 
grosser Endflosse 
9. Zunft. 
Slomalopoda. 



10. Zunft. 

^mphipoda. 

Rumpf seitlich zu- 
sammengedrückt, 
mit verschieden ge 
stalteten Füssen. 
Hinterleib stets sie 
b e n gliedrig mit 
EndHossen aber oh 
ne Kiemen, die nur 
am Brustkasten si- 
tzen. Die Jungen 
gleichen den Aeltern 
vollkommen, nur 
nicht in der Grösse. 



II. Zunft. 
Laemodipoda. 
Rumpf rund , oder 
flach , der vierte 
Ring noch mit dem 
Kopf verwachsen , 
daher nur sechs 
freie übrig bleiben. 
Hinterleib fehlt oder 
eingliedrig und ganz 
verkümmert. 



12. Zunft. 
Isopoda, 

Rumpf flach ge- 
drückt, stets sie- 
ben freie Ringe mit 
Ruder- oder Gang- 
Füssen. Hinterleib 
klein , 1 — 7gliedrig, 
mit Kiemen tragen- 
den Flossen. Man- 
che von ihnen sind 
Parasiten und haben 
dann verkümmerte 
Augen und Bewe- 
gungsorgane. Die 
Jungen besitzen nur 
6 GangtTisse, und 
das letzte Paar folgt 
mit dem Rumpfringe 
später nach. 

NB. Die auf dem 
Lande lebenden Iso- 
poden baben Aggre- 
gate einfacher Au- 
gen. 



^) Dieser Umstand ist in sofern höchst wichtig, als alle anderen heterouomen Gliederthiere stets die Grundzahl nur ein Mal besitzen. Daraus folgt bei ihnen eine grössere Menge von Ringen für den Hinterleib, während 
aie Menge üer Ringe dieses Körperabschnittes bei den Krebsen stets kleiner oder höchstens ebenso gross ist als die des Brustkastens; die einzige Gattung ^pus ausgenommen. 



39 

auch jedem Nichtkenner deutlich zu machon, die Serolis parudoxa (O/iisc. paradoxus 
Fabr.) in Mitte der Phy Hop öden -Gattungen abbilden lassen (Taf. VI. Fig. 2.) und glaube 
schon durch den blossen Anblick dieser verschiedenen Formen jeden Unbefangenen zu 
überzeugen, dass von einer Aflinilät der Trilobiten zu Serolis nicht wohl die Rede sein 
könne. Keine einzige Trilobitongattung hat genau dasselbe Zahlenverhältniss , oder auch 
imr eine andere Achnlichkcit i\nl Sorot is, als die in den allgemeinen Klassen - Charakteren 
begründete, weshalb ich gegen die Einordnung der Trilobiten unter die Malacoslracu 
auf's Bestimmteste mich erklären muss, und für diesellie durchaus gar nichts zu sagen 
wüsstc. Auch die beweglichen Seitenlappen an den Brustkastenringen mancher Isopo- 
den lassen sich gar nicht mit den Seitenlappen der Trilobiten vergleichen; einmal weit 
sie beweglich sind, zweitens weil sie eigentlich zum Bein gehören, und dessen modifizirte 
Hüfte vorstellen, wie ich dies an einem anderen Orte zeigen werde, hier bloss bemer- 
kend, dass alle Isopoden, welchen die beweglichen Seitenlappen fehlen, dafür noch ein 
Grundglied am Beine oberhalb der Hüfte besitzen , was einen Seitenlappen im Rudiment 
vorstellt. — 

Nicht minder leicht liisst es sich zeigen, dass die Trilobiten auch mit Limiihis nichts 
anderes als eine flüchtige Aehnlichkeit gemein haben. Schon der Mangel eines ab- 
gesonderten Kopf- und Brusttheiles bei dieser Gattung nmcht die nähere Affinität un- 
möglich, noch mehr aber zeugen dagegen die harten kräftigen, hornigen Füsse, welche 
sich so gut bei den versteinerten Limuh's der Juraformation erhalten haben, und daher 
ihren Verwandten aus einer älteren Periode nicht wohl fehlen können. Auch wäre das 
bekannte Einrollungsvermögen der Trilobiten eine sehr unnöthige Zugabe gewesen, wenn 
sie Beine gleich denen der Livndi gehabt hätten; da diesellien viel zu gross sind, um 
beim Einrollen sich verstecken zu lassen, und viel zu kräftig, um des Schutzes durch 
Einrollen zu bedürfen. Dennoch liefert die allgemeine Form des Kopfschildes, der Mangel 
von Fühlern, die Stellung der Augen und die Anwesenheit eines einfaclien Hinterleibspan- 
zers nicht zu übersehende Data für eine zwischen beiden Gruppen beslehcnde Analogie an 
die Hand, vmd weist den Trilobiten weit eher in der Nähe dieser Gattmig eine Stelle an, 
als unter den Mcdacostrucis neben den Isopoden. 

§. 16. 

Hiermit glaube ich meine Leser zu der Ueberzeugung gebracht zu haben, dass die 
Trilobiten nur der ersten Hauptgruppe der Krebse, oder den Ostracodermen, angehö- 
ren können; es fragt sich noch, mit welcher von den beiden in dieser Gruppe angenom- 
menen Ordnungen sie im nächsten Zusammenhange stehen. Die Antwort auf diese Frage 
ergiebt sich sofort von selbst, wenn wir beachten, dass die Trilobiten im reifen Lebens- 



40 

alter grosse Augen besitzen und schon deshalb einer allseitigen vollständigen Beweglich- 
keit theilhaftig waren, mithin ohne alle Frage Jspidoslracn oder Enlomoslraca sein 
müssen. Dieses Resultat kann durch folgende Gründe als ein vollkommen unumstösslicher 
Salz bewährt werden. 

1) Alle Aspidoslraca haben zusammengesetzte Augen mit glatter Hornhaut, die Tri- 
lobilen ebenfalls. 

2) Sie sind häufig von grossen , die Körperachse weit überragenden Schaalen be- 
deckt, und eine ganz analoge Panzerbildung besitzen die Trilobiten. 

3) Diese Schaalen oder Panzer bestehen aus 2 Hautlagen mit einer dazwischen 
befindlichen dünnen Schicht von Körpermasse. Auch ist die untere Lage viel 
zarter als die obere, ganz wie wir sie bei den Trilobiten gefunden haben*). 

4) Die Aspidoslraca besitzen zarte , weiche , höchst verlclzlichc Füsse , und eben 
solche mussten die Trilobiten besitzen, wenn ihr völliger Mangel bei allen 
Petrifikaten derselben begreiflich werden soll. — 

5) Sie sind ausschliessliche Bewohner des Wassers, welche sich bloss schwimmend 
bewegen; diese]l)e Lebensweise müssen aber die Trilobilen gcfidirt haben, theils 
weil es in so früiier Zeit noch am Festlande auf der Erdoberfläche gebrach, theils 
weil ihnen keine harten, allein zum Kriechen tauglichen Bewegungsorgane zu- 
kommen. — 

6) Die Aspidoslraca, wenigstens die von Schaalen bedeckten, haben gewöhnlich 
ganz kleine oder gar keine Fühler, und es erklärt sich sofort, warum wir diese 
bei allen Malacoslracis sehr grossen , von harter Oberhaut bedeckten Organe 
bei den Trilobiten vermissen. 

7) Die verschiedenen Unterabiheilungen der Aspidoslraca zeigen verschiedene Men- 
gen von Rumpf- und Schwanzringen, deren Grösse zum Theil den Zahlenver- 
hältnissen der Trilobiten genau entspricht. Bei allen Pscudocephah's und 3Ia~ 
lacoslracis ist die Grundzahl der Brustkastenabschnitte genau dieselbe, und bloss 
relativ verschieden; je nachdem mehr oder weniger Ringe in den Kopf überge- 
gangen sind. 

Es scheint mir unnöthig, nach so vielen wichtigen Uebereinstimmungen zwischen 
den Trilobiten und Aspidoslracis noch mehr Beweisgründe für die Affinität derselben 
linden zu wollen, ich beschliesse daher diese Untersuchung mit einer kurzen Betrachtung 
über das wahre Affinitätsverhältniss , welches zwischen den beiden genannten Gruppen ob- 
walten dürfte. 



*) Bei allen Mulacostracis ist die Scliaale oder der Panzer durchweg solide gebaut, und tvo er frei 
hervorragt, zwischen seinen l)eiden 01)ei'flächen nur sehr wenig mit weicher Körpersubstanz angefüllt 



41 

§. 17. 

Am Eingänge dieser Betracliinng stelle ich als das Tiiema derselben, welches im 
Laufe der Darstellung bewiesen werden soll, die Behauptung auf: 

Dass die Triiobiton in keine einzige noch lebende Krebsfaniilie geiiüren, sondern sich 
als eine den Aspidoslracis am meisten verwandte Gruppe darstellen, deren Organisa- 
tion indess Momente in sich aufgenommen hat, welche heutiges Tages nie zusammen 
in einer Familie vorkommen, sondern vereinzelt über mehrere heterogene Gruppen ver- 
theilt sind. 

Haben wir nehmlich in dem vorigen Paragraphen dargelhan, dass die Trilobiten mit den 
Aspi'dos(rucis in vielen wesentlichen Organisationsverhältnissen übereinstimmen , und in 
Betraciit solcher Uebereinslimmun^en keiner einzigen nocli lebenden Krebsgruppe näher ver- 
wandt sind, als grade dieser, so dürfen wir doch niciit übersehen, dass auch zwischen 
den Aspnloslrncis und Triloblils manciierlei ^vichlige und sogar typische Unterschiede 
Statt finden. Diese Unterschiede liegen hauplsächlicli in den Zahlenverhältnissen der Brust- 
kastenringe, in sofern dieselben bei den Aspidoslrncis zwar schwanken, aber doch auf 
verschiedene konstante Grundzaiilen (6, 9 und 12) sich reduziren lassen; bei den Trilo- 
biten dagegen nur innerhalb jeder einzelnen Gattung eine konstante Zahl von Ringen vor- 
kommt, die sämmtlichen voriiandenen Zahlen aber nicht auf so sichere unabänderliche 
Grundzahlen oder Zalilentypen zurückgeführt werden kömien. Freilich tritt uns bei den 
Versuchen, die Menge der Brustkastenringe mit Sicherheit zu bestimmen, der Umstand 
hemmend entgegen, dass wir die Lage der Geschleclilsöffnungen, welche allein die Grenze 
des Brustkastens sicher angiebt, bei den Trilobiten nicht kennen und nie erfahren wer- 
den. Allein schliessen wir auch einstweilen die Oleniden mit vielgliedrigem Rumpfe 
und mangelndem Zusammenkugelungsvermügen von dieser Betrachtung aus, weil es ge- 
rade bei ihnen am wahrscheinlichsten ist, dass die Gesciileciitsüffnung sich nicht am letz- 
ten Ringe vor dem Schwanzschilde , sondern schon an einem früheren befunden habe ; so 
bleiben uns doch bei den übrigen Gattungen noch immer die konstanten Zahlen 6, 8, 9, 
10, 11 und 13, welche sich niclit auf eine gemeinsame Grundformel reduziren lassen. 
Wollen wir also nicht annehmen, dass die Geschlechtsöffnungen auch bei diesen Gattungen 
an einem gewissen Körperringe vor dem Schwanzschilde, etwa am sechsten (2X3) 
oder neunten (3X3) sich befunden haben, so sehen wir uns zu der anderen Annahme 
genülhigt, dass die Trilobiten in Bezug auf die Grundzahlen ihrer Brustkastenringe nicht 
nach demselben Gesetze construirt sind, welches wir als das Regulativ aller Krebsgeslal- 
len der Jetztwelt kennen gelernt haben. 

Dieses Resultat ist ein höchst wichtiges, 'es bestätigt die bereits mehrmals ausgespro- 
chene Ansicht vollkonmien, dass die untergegangenen Organismen älterer Perioden nicht. 



43 

in (las System der lebenden hineinpassen, sondern mit einzelnen Charakteren mehr oder 
weniger von dem Ideengange, welcher der jetzigen Schöpfung zum Grunde liegt, ab- 
weichen. Schon CuviER halte dies erkannt, aber nirgends weitläufiger verfolgt; später ist 
es besonders bei Gelegenheit der vorweltlichen Amphibien öfters berührt, aber, so viel 
ich weiss, auch jetzt noch von Niemandem ausführlich dargestellt worden, obwohl gerade 
diese Betrachtung am bestimmtesten zeigen würde, dass die organische Natur xmseres 
Erdkörpers zwar von vorn herein nach ein und demselben Plane geschaffen wurde, dass 
aber die Ideen der verschiedenen Organismen anfänglich keinesweges so klar und be- 
stimmt gefasst waren, wie sie in ihren heutigen Repräsentanten uns erscheinen, vielmehr 
die verschiedenen Eigenschaften glcichwerthigcr Gruppen mit einander verschmolzen auf- 
treten und eine Form ergeben, die gleichsam im unverarbeiteten Zustande die mancherlei 
Eigenschaften vereint besitzt, welche heutzutage als sehr wichtige Gruppenunlerschiede 
stets nur von einander gesondert angetroffen werden. Die Erfahrung bestätigt dieses Ge- 
setz vollkommen und fügt die zweite, ebenso wichtige Thatsache hinzu, dass diese Ver- 
schmelzung verschiedenartiger Typen in eine Form um so grösser, die aus der Disjunction 
der typischen Ideen abgeleitete organische Mannigfaltigkeit also um so geringer ist, je 
älter die Organismen waren , welche uns in den Erdschichten entgegentreten. — 

Demnach dürfen wir uns nicht wundem, dass die Trilobiten, die ältesten Glie- 
derthiere, welche man kennt, zu keiner Gruppe der noch lebenden genau passen; es 
würde vielmehr geradezu ein Wunder sein, wenn es der Fall wäre; ja es würde ihre 
Identität mit einer noch lebenden Familie alle Gesetze umstosscn, welche bisher mit so 
viel Mühe und Sorgfalt in der Untersuchung über die Organisation der vorwellliclien Ge- 
schöpfe gewonnen sind. Wenn daher Jemand behauptet, es sei in den südlichen Meeren, 
oder sonst wo, das leibhafte Ebenbild eines Geschöpfes entdeckt worden, dessen wirkliche 
Existenz viele Jahrtausende vor Beginn der jetzigen v\.era hinauszusetzen ist, so dürfen 
wir getrost, ohne jenen Findling jemals gesehen zu haben, behaupten, dass er das nicht 
sei , wofür man ihn ausgiebt. Leichtgläubigen Wundermännern oder orthodoxen Vertheidi- 
gern biblischer Schöpfungsgeschichten mag eine solche Fabel einleuchten; dem Forscher, 
der da weiss, dass sich die Natur überall, und nicht bloss am Firmamentc, »in ewige 
Gesetze gehüllt hat", wird es nie beifallen können, an die dermalige Existenz eines Tri- 
lobiten, so unbedeutend das Geschöpf auch sein mag, zu glauben. — 

Hiermit soll nun aber keinesweges behauptet werden, dass die Trilobiten von den 
Typen aller jetzt lebenden Krebse vollständig abweichen, es ergiebt vielmehr ihre Be- 
trachtung mancherlei wichtige Uebereinstimmungen, die wir bereits oben zum Theil erör- 
tert und angegeben haben. Eine richtige Würdigung dieser Uebereinstinnnungen setzt uns 
verbunden mit den Daten, welche sich an den vorhandenen Resten dieser Geschöpfe auf- 



43 

finden lassen, sogar in den Stand, die fehlende Seite der Organisation aus der Affinität 
zu noch lebenden Formen zu ergänzen, und die Lösung dieser Aufgabe soll hier zunächst 
versucht werden. — 

§. 18. 

Uni hierbei mit der nüthigen Umsicht und Sorgfalt zu verfahren, halte ich es für 
angemessen, den Inhalt derjenigen Krebsgruppe, mit welcher die Trilobiten am meisten 
verwandt sind, näher zu erörtern, besonders auch um daraus folgern zu können, ob sie 
vielleicht mit der einen oder anderen Unterabthcllung in einem näheren, oder zu allen in 
einem gleichen Aflinitätsverhältniss stehen. — Auf der bereits mitgetheilten tabellarischen 
Uebersicht erscheinen die Asp!doslraca in drei Zünfte aufgelöst, welche die Namen 
LopJii/ropodn, Plii/Ilopoda und Poeri/opoda führen. Diese Benennungen zeigen auf 
Hauplunlerschiede in den Füssen hin, die in der That auch vorhanden sind; denn die 
beiden ersten Abiheilungen besitzen weiche häutige , bloss zum Schwimmen eingerichtete 
Bewegungsorgane , die Poecilopoda zugleich harte , gegliederte Gangfüsse , deren Hüften 
die Stelle der Kiefer vertreten. Dieser Umstand wurde schon früher berücksichtigt (S. 39.) 
und daraus eine wichtige Differenz zwischen ihnen und den Trilobiten hergeleitet; auch 
stimmt die Gattung Litnulus, welche die genannte Gruppe ausmacht, bloss in einigen ha- 
bituellen Merkmahlen des Kopfschildes oder Cephalothoraxes mit den Trilobiten überein, da- 
her ich ihrer als einer nur theilweis analogen Gestalt hier nicht weiter gedenke. — 

Von den beiden anderen Gruppen neigen die Lophyropoden zu geringeren Kör- 
perumrissen und entwickelten Fühlern; haben dabei entweder ein einziges, bald grosses, 
bald kleines, oder zwei sehr kleine Augen und zeigen demnach Merkmahle, welche 
zum Typus der Trilobiten minder passen, als die beträchtlichere Körpergrösse , die um- 
fangsreichen Augen und die unentwickelten Fühler der Phyllopoden; daher ich keinen 
Anstand nehme, gerade in ihnen die allernächsten Verwandten der Trilobiten zu er- 
kennen und aus diesem Grunde nur ihre Organisation hier näher erörtere. 



•o* 



§. 19. 
Die Phyllopoden haben einen weichen fleischigen Rumpf, dessen Thorax allge- 
mein aus eilf Gliedern besteht und eben so viel flossenförmige Bewegungsorgane trägt. — 
Der Kopf ist ein für sich bestehender Abschnitt, an dem ausser den Fühlern und Kau- 
werkzeugen noch ein rudimentäres Fusspaar haftet, durch welches die Zahl aller Brust- 
füsse auf zwölf (4X3) gebracht wird. Seine übrigen Organe sind schwankend. Zwar 
findet man allgemein zwei Paar Fühler vor dem Munde, aber bald sind dieselben auffal- 

6 ■" 



44 

lend klein , wie bei Apus *) ; bald ist nur das eine ein deutlicber Fübler, das andere ein 
dem Kopulationsbcdiirfniss untergeordnetes Greiforgan, wie bei Brcnichipus; bald endlicb 
jenes ein gespaltener zwcirankiger Flossenfuss, dieses ein kurzer, fast gliederloser Fleisch- 
lappen, wie bei Lhnnudia. Aehnliche Unterschiede bieten die Augen dar. Zwar fin- 
den sich bei allen Phyllopodcn zwei grosse zusammengesetzte und ein einfaches 
Auge, allein bald sind jene lang gestielt und beweglich, wie bei Braurhipits, bald un- 
beweglich und dann theils in eine Kreisform vereinigt, wie bei Lhnncidiu , theils in 2 
getrennte Halbkreise gesondert, wie bei Apus. Das einfache Nebenauge steht zwischen 
ihnen an der Spitze der Stirn, und wenn sie dicht an oinandergerückt sind, dahinter. 
Auffallend ist es, dass Branchiims, die Gattung mit den grössten weit vorragenden be- 
weglichen Augen, gar keine schützende Hülle besitzt, während Apus und Limnttdia 
damit versehen sind. Dort ist es eine zu einem grossen Schilde erweiterte Kopfplatte, 
welche nur so weit wie der Kopf reicht, innig mit dem Körper des Thieres zusammen- 
hangt; hier eine zweiklappig wie bei Muscheln gebildete Schaale, die im Nacken des Thie- 
res, also auch eigentlich am Kopfe, festsitzt, und willkürlich nach unten geöffnet und 
geschlossen werden kann. Mit der Anwesenheit dieser Schaale harmonirt ein anderes 
wichtiges Verhältniss, der Bau des Hinterleibes. Derselbe unterscheidet sich nehmlich bei 
den von Schaalen bedeckten Gattungen formell vom Brustkasten nicht, trägt sogar, der 
einzige Fall in der ganzen Klasse der Krebse, ganz ebenso gebaute, nur suc- 
cessiv kleinere Füsse, und was noch merkwürdiger ist, nicht bloss ein Paar an jedem 
Ringe, sondern anfangs zwei an jedem, später selbst drei oder vier. Dadurch stei- 
gert sich die Anzahl der Bewegungsorgane ganz ausserordentlich, und der Unterschied 
zwischen Thorax und Abdomen schwindet bei der äusseren Betrachtung ganz. Nur die in- 
nere anatomische Untersuchung entscheidcl über die Grenze beider Abschnitte, und zeigt 
auch bei A^^iis die Geschlechtsöffnungcn hinter dem eilften Ringe, also genau da, wo sie 
bei Brrmchiptis liegen. Von dieser merkwürdigen Annäherung des Hinterleibes an den 
Typus des Brustkastens, deren, wie gesagt, die Klasse der Krebse kein zweites Beispiel 
aufzuweisen hat, sind jedoch die letzten Ringe wieder ausgenommen, sie behalten zwar 
die Form der früheren bei, aber tragen keine Bewegungsorgane mehr, und enden mit 
einfachen {Lhnnmlid) oder gegliederten {Apus) hornigen Anhängen, die an dem auffal- 
lend entwickelten letzten Körpergliede haften. Zwischen ihnen befindet sich die Darm- 
öffnung. Von allen diesen Merkmahlen zeigt Branchipus keine Spur, sein neungliedrio-er 
Hinterleib hat keine Füsse, und statt der hornigen Anhänge finden sich bei ihm zwei grosse 



•"-) ^pus, Branchipus und Limnadia sind auf Taf.VI. Fig. 1, 3 und 13 al)gei)ildet, welche Figuren 
man mit dieser Schilderung Tergleiclie. — 



45 

weiche oder gar keine {Jrleinia} Endflossen. Auch besitzen hier die Weibchen eine 
besondere Eierkapsel am Anfange des Hinterleibes, und die Männchen kleinere Saamen- 
laschen, wovon weder bei Jpvs noch bei Limnudia irgend etwas zu finden ist; bei cr- 
slerem gleichen die Miiinichen den Weibclien so selir, dass man noch vor wenigen Jahren 
die Männchen, welche zuerst llr. Kollar in Wien entdeckt hat*), gar nicht kannte '"*) ^ 
bei letzterer besitzen die Männchen (wenigstens von einer darnach als Gattung Lsiherut 
abgetrennten Art) Kopulationsorgane in den ersten modificlrten Füssen des Brustkastens. 
Die Weibchen von Jpus sind übrigens doch leicht an den Taschen zu erkennen, welche 
am eilflen Fusspaar sich befinden, und zur Aufnahme der Eier dienen, aber hinterwärts 
gegen den Rücken hin unter dem Schilde liegen. — 

Werfen wir nun noch einen Blick auf die Füsse, so zeigt sich in ihnen ein ähnlicher 
Unterschied, wie im übrigen Körperbau der schaalentragenden und schaalenlosen Galtun- 
gen. Bei allen bestehen sie aus weichen häufigen, bloss von Muskelbündeln unterstützten 
Lappen, deren Umfang durch Einschnitte mannichfach zerschlissen und am Rande mit 
langen, fein behaarten (gewimperten) Flossenborsten besetzt ist. An der Innenseite tre- 
ten 6 Hauptlappen hervor, von welchen bei Lhnnadia (Fig. 15. B.) die 4 ersten ziemlich 
gleiche Grösse haben, bei y/piis (Fig. 9, 10, 11.) der erste (B.) sola- abweicht, die fol- 
genden aber einander ähneln, doch vom Grunde zur Spitze hin grösser werden, bei Bran- 
chipiis (Fig. 12.) umgekehrt kleiner; der fünfte, vorletzte, ist bei Lhnmidta sehr lang 
und schmal, bei Branchi'pus sehr breit und abgerundet, bei Apus den früheren ähnlich. 
Der letzte, sechste, ist durch ein besonderes Gelenk mit dem übrigen Fusse verbunden 
und daher freier beweglich; er hat eine langgestreckte ruderartige Form und scheint der 
wichtigste aller Abschnitte des Fusses zu sein. An der gegenüberstehenden äusseren Seite 
trägt jeder Fuss eine blasenförmige Kieme (K der Abbildungen), und ausserdem breite 
Haullappen daneben. Bei Jpus und Lhnnadia findet sich nur ein sehr grosser Lappen 
unter der Kieme (L), bei Branchi'pus sind deren zwei vorhanden, die aber beide über 
den Kiemen sitzen, ein grösserer, ihr an Umfang gleicher (Fig. 12. L.) zunächst neben 
ihr, ein kleinerer noch höher hinauf. (1.) Die Kieme ist an ihrer Blasenforni , an dem 
Mangel von Muskeln, die zu ihr gehen oder in sie eindringen, und an dem Mangel von 
Flossenborsten an ihren Rändern leicht zu erkennen ; alle anderen Lappen sind sowohl von 
Flossenborslen umgeben, als auch von Muskeln, die zu ihnen gehen, unterstützt, und die- 



*) Isis 1834. 680. Froriep's Notizen 1833. Bd. 38. S. 148. etc. — Hr. Kollar hatte die Güte, 
mir ein solches Mitnnchen milzutheilen. 
*"') In einer ül)rigens sehr hübschen Arbeit von E. G. Zaddack {de u4pod. cancrtfortius anaiome 
et evolutione. Bonn. 1841. 4.) werden diese Thiere dalier als Zwitter beschrieben, was wohl 
nur einer mangelhaften mikroskopischen Analyse der Generationsorgaue zuzuschreiben ist. 



40 

nen mit zum Rudern. Die Lappen der äusseren Seite, obwohl die grüssten, sind doch 
die zartesten, am spärlichsten gewimperten , und am schwächsten mit Äluskeln versehe- 
nen, daher sie mehr zum Schutze der Kieme, als zum Rudern bestimmt zu sein schei- 
nen. Dafür spricht auch ihre umgekehrte Stellung zur Kieme bei den von Schaalen be- 
deckten und nackten Gattungen. Ich würde sie daher Schutzlappen nennen. 

Dass der Mangel oder die Anwesenheit einer Schaale der erste Ifauplgegensalz der 
Gruppe ist, ei-leidet keinen Zweifel, daher eine die natürlichen Differenzen einander 
unterordnende Eintheilung sie zuerst berücksichtigen, imd demgemäss folgendes Schema 
entwerfen muss. 

I. Gattungen mit Schaale. Charaktere: Augen unbeweglich, dicht aneinander 
gerückt. Körperringe zum Theil stachelig, die des Hinterleibes tragen ebenfalls Füsse; 
der letzte eine hornige, mit versciiiedenartigen Anhängen versehene Kapsel. Kiemen 
der Füsse über den Schutzlappen angebracht. 

A. Schaale zweiklappig. Augen zu einem Kreise vereint; vordere Fühler 
zweireihige Ranken, hintere einfach, alle mindestens so lang -wie der Kopf. Keine ac- 
cessorischen Mundtheile, 15 Hinterleibsringe, die beweglichen Endstacheln ungegliedert. 

Gattung Lhnnadia, Estheria. 

B. Schaale schildförmig. Augen halbmondförmig, bestimmter getrennt. Alle 
Fühler rudimentär, kaum erkennbar. 2 Paare accessorischer Mundtheile hinler den Kiefern. 
Erstes Fusspaar (das rudimentäre wirkliche erste nicht mitgerechnet) mit 4 langen viel- 
gliedrigen Fäden statt der Flossenlappen; Hinterleib aus mehr als 15 Ringen gebildet, 
die Endslacheln des letzten lange bewegliche und gegliederte Borsten. — 

Gattung Lepkhmts (mit einer Klappe zwischen den Endborsten), Apus (ohne diese 

Klappe). 
II. Gattungen ohne Schaale. Charaktere: Augen gestielt, beweglich. Fühler 
ungleich, die vorderen einfache Fäden, die hinteren zangenförmige Kopulationsorgane. 
Keine accessorischen Mundtheile hinter den Kiefern. Kiemen der Füsse unter den Schutz- 
lappen. Hinterleib ohne Füsse und glatt. Aeussere Eierkapseln und Saamenbebälter. 

Gattung Branchi'pus (Hinterleib 9gliedrig, mit 2 Endflossen), Artemia (Hinterleib 
6gliedrig, mit 2 Endlappen). — 

§. 19. 

Die nahe Beziehung der Trilobiten zu den Phyllopoden scheint mir nun be- 
sonders aus den schon früher angegebenen Uebereinstimmungen: den doppelten grossen 
Augen, den unentwickelten Fühlern und den ganz weichen, häutigen Füssen zu erhellen; 
am meisten aber scheint Branchipiis diejenige Form zu sein, worauf ihre Organisation 



4t 

sich anwenden lässt. Um diese Analogie recht einleuchtend zu machen, hahe ich um ei- 
nen Branchipus-Kör\Mir den Panzer eines Triiobiten gezeichnet, und so eine ideale 
Form (Fig. 16. Taf. VI.) erlialten, die kaum noch einen Zweifel über die nahen Bezie- 
hungen heider Gestalten zu einander übrig lassen dürfte. Wir sehen alsdann in dem Kopf- 
scliilde den eigentlichen Kopf als Kopfbuckel hervorragen, bemerken aber bei Branchi- 
■pxis einen Unterschied darin, dass derselbe bloss aus zwei Abschnitten besteht, deren 
vorderster, welcher die Fühler und Augen trägt, kleiner ist, als der zweite Abschnitt, 
an dem die Kiefer und accessorischen Mundtheile haften. Bei den Triiobiten ist der 
Kopfhuckel entweder einfach, oder in vier Abschnitte getheilt, und im letzteren Falle 
ist bald der erste der kleinste (z. B. bei Olcmis , TriuHhrus , Tril. Slernhergü und 
deren Verwandten), bald umgekehrt der erste Abschnitt der grüssle und die folgenden 
sind kleiner. Dieses Verhältniss zeigt auf sehr grosse Augen und Fühler hin, und da ge- 
rade die genannten Ölen i den kleine Augen, die ^saphi, llfacni, PAncops- Arten, 
Ogygiiic aber sehr grosse haben, so würde diese Ansicht durch die genannten Gattungen 
gerechtfertigt werden. Zugleich Hesse sich aus demselben Grunde auch auf entwickelte 
Fühler schliessen, und annehmen, dass ein Paar derselben vielleicht ähnlich wie bei Britn- 
chipiis Greiforgane waren. Zu dieser Annahme halte ich mich auch durch die Bildung 
der unteren Seite des Kopfes berechtigt; denn ein so grosses breites Kopfschild, wie bei 
Asapims (Taf. VI. Fig. S. a.) und Paradoxhles (Taf. I. Fig. 7.) zeigt auf entwickelte 
Organe zu seiner Seite hin. Vielleicht sind die vorderen Anschwellungen neben ihm (Taf. 
VI. Fig. 8. b. b.) Träger von zangenformigcn Fühlern gewesen, oder dieselben hafteten 
an der seitlichen Erweiterung neben dem Kopfschilde (Taf. VI. Fig. 8. c. c.) und jene vor- 
deren trugen kleine kurze wirkliche Füiiler, wie bei Bi-dnchipiis, Dann begreift man 
sehr leicht, warum die vorderste Abtheilung des Triiobiten -Kopfes so gross ist, mitunter 
(z. B. bei Phacops Al)th. A. und ytsaphnfi) alle folgenden verdrängle, und dadurcii ei- 
nen ungellieilten Kopfbuckel bewirkte. Auch würde der weite gewölbte Raum des Schil- 
des neben dem Kopfbuckel unter den Augen sehr gut zur Aufnahme solcher zangenformi- 
gcn Fühler sich eignen. Am hinteren Rande dieser unteren Kopfanschwcllung (des eigent- 
lichen dt/pciis) haftete entschieden die bewegliche Oberlippe (Taf. VI. Fig. 8. d.), deren 
Grösse von der Breite dieses Randes und der Grösse seines Einschniltos abhängig war; 
sie bedeckte, wie bei Apus und Branchipus, die Oberkiefer, deren Form mehr der von 
Apus als der von Branchipus ähnlich gewesen sein dürfte, da die harte hornige Schaale 
auch auf solidere Kauwerkzeuge hinweist. Wahrscheinlich entspricht der dritte Abschnitt 
des Kopfbuckels, in der Regel der grösste nach dem ersten, der Stellung der Kiefer; 
er war Träger ihrer Muskulatur und bezeicluiet den dem Typus nach selbstständigen Kör- 
perring, dessen Bewegungsorgane sich in Kiefer niodifizirlen. Da hinter diesem Abschnitt 



48 

höchstens noch ein kleinerer vor dem Arlikulalionswulst anftritt. so würden wir daraus 
auf accessorische Mundtheile schliessen dürfen, ein Schluss der deslialb einen hohen 
Grad von Wahrscheinliclikeit für sich hat, weil auch Apus liier zwei Paare von 
accessorischen Mundtheilen besitzt. Zugleich liegt in dem Bau von Limnadta und Bran- 
chipifs, die beide keine wahren accessorischen Mundtheile haben, die Andeutung, dass 
bei den Gattungen der Trilobiten mit einfachem Kopfbuckcl dieselben e])enfalls fehlen konn- 
ten. Solche Galtungen sind Asaplnis, Ni/eiis, Illacnns, Trinurleiis, Ogi/gia und Hui- 
cops Abth. A.; Trilobiten, bei denen hinter dem grossen einfachen Kopfbuckcl immer 
noch ein Paar Knötchen vor dem Articulationswulst in mehr oder minderer Deutlichkeit auf- 
treten. Diese Knötchen würde icli für die Spuren des Ringes halten , an dem die Kiefer 
haften, die accessorischen Mundtheile aber allen so gebildeten Trilobiten absprechen ; wor- 
aus sich dann ein entschiedener Grund darböte, die P/mrop«- Arten der ersten Abtheilung 
auch generisch von den übrigen zu trennen: eine Annahme, die von der gesamnilen 
übrigen Kör])erbildung unterstützt wird. 

Nach diesen Bemerkungen werden meine Leser ohne Zweifel mit mir die Ueberzeu- 
o-ung thcilen, dass die sichtbaren Bihlungsverhältnisse des Kopfes der Trilobiten sich 
ohne irgend einige Schwierigkeilen auf den Bau der Phyllopoden zurückführen lassen, 
und dass alle Schriflsleller eine völlig begründete Behauptung aufgestellt haben, welche 
beide Gruppen als nah verwandle Formen ansahen. Der Verlauf meiner Vergleichnng 
wird noch mehr Gründe dafür beibringen, besonders wenn wir zunächst einen Blick auf 
die Füsse werfen, da die schwankenden Zahlenverhällnisse der Rumpfringe bei den Tri- 
lobiten keine nähere Uebereinstimmung mit dem konstanten Numerus der Phyllopo- 
den (4x3 — 1) zu verstatten sclieinen. 

§. 20. 

Dass die Füsse der Trilobiten weiche, häutige Organe waren, lässt sich mit Evidenz 
beweisen. Schon der völlige Slangel auch der allerkleinsten Reste, welcher trotz einzel- 
ner entgegengesetzter Angaben*) jedem sorgfältigen Beobachter einleuchten muss, bestä- 
tigt diese Ansicht. Wie konnten auch harte hornige Bewegungsgorgane an einer weichen 
häutigen Bauchfläche haften; hier hätte ihnen ja die feste Basis gefehlt, welche alle soli- 
den Bewegungsorgane zu ihrer Wirksamkeit bedürfen. Und dass diese Bauchseite häutig 



•"•) Eichwald (/. l. 39.), Goldfuss und Graf Sternberc (siehe die Literatur) glaul)ten l)eliaiintlicli 
Füsse bei Trilol)itcn -Resten zu erkennen; allein die TOn ihnen vorgelegten Abbildungen und Be- 
schreibungen sind zu unbestimmt, als dass sich daraus irgend el>Yas Siclicres entnehmen Hesse. 
EiCHWALD's Beschreibung erwiihnt zwar die Zahl der Glieder (fünf) und die Grösse des Fusses (4 Lin.) 
genauer, allein so wie sie a. a. 0. lautet, ist sie doch immer noch ganz ungenügend und unklar. 



49 

war, wer wird es leugnen wollen, wenn ihr beständiger Mangel neben einer barlen hor- 
nigen, vielleicht selbst kalkigen Rückenfläche entschieden ist. Hatte sich diese erhalten, 
warum nicht auch die ebenso harte Bauchfläche, die wir stets vermissen, und darum mit 
Recht schliessen, dass sie weiclier und des Widerstandes unfähig war, welchen die härtere 
Rückcnnäche den zerstörenden Gewall en einer Erdumwälzung entgegensetzte. Ich bitte 
nicinc Leser nur einen genauen Blick auf die Ringe des Krebsschwanzcs zu werfen, welche 
in manchen Beziehungen den Panzerringen der Trilobitcn analog geformt sind, um zu der 
Ueberzeugimg zu gelangen, dass wenn am Bauche harte Bedeckungen vorkamen, diese 
ohne Zweifel, wie bei den heutigen Krebsen, unmittelbare Fortsetzungen des Rückenpan- 
zers bildeten, um mit ihm zusammen eine hinreichend feste Basis für die Bewegungsor- 
gane zu schaffen. Wie sollten aber diese soliden, wenn auch imr, wie bei unseren Kreb- 
sen, schmalen Bauchgürtel alle so regelmässig liaben abbrechen können, dass auch niclit 
die geringste Spur von ihnen ül)rig bliel)? wäre dies nicht eine Erscheinung, die an's 
Wunderbare gränztc? Und docli müssen wir diese Annahme machen, wenn wir behaup- 
ten, die Bauchseite der Trilobiten habe einen ebenso festen Panzer gehabt, wie der Rücken. 
Diese Annahme müssen wir aber machen, wenn wir die Anwesenheit horniger solider 
Füsse behaupten, da ohne eine solide Brust auch kein solides Bein bei Gliederthieren sich 
iindet. Nehmen wir nun mit in Berücksichtigung, dass die Spuren borniger wie aller an- 
deren Füsse völlig fehlen, so ist wohl der Schluss erlau])t, dass diese Füsse zu weich 
und zart waren, um auch nur in Abdrücken sich erhalten zu können. Und gerade so 
musslen sie sein, wenn die von mir behauptete Affinität der Trilobiten zu den Phyl- 
lopoden richtig ist. Sollten diese Betrachtungen und Schlussfolgen nicht schon Beweis- 
kraft genug ])esitzen? 

Doch wir können noch weiter gehen, und die Affinität noch näher, noch bestimmter 
darthun. indem wir bei der bekannten Fähigkeit des Einrollens verweilen, auf welche frü- 
her schon beiläufig hingewiesen wurde. Die allermeisten Trilobiten ])esassen diese Fähig- 
keit und viele von ihnen finden sich häufiger im eingerollten als im gestreckten Zustande 
aufbewahrt. Die Thiere wölbten da])ei den Rücken, klappten das Schwanzschild gegen 
den Kopf und versteckten so alle unteren Theile unter den harten hornigen Panzerstücken 
der Oberseite. Was hat dieses Vermögen für einen Zweck, wenn wir annehmen, dass 
die Organe der Bauchseite ebenso kräftig gebaut waren, wie die des Rückens? — gar 
keinen! es wäre eine Kunstfertigkeit ohne Absicht, und eine solche giebt es nicht in der 
Natur. Wohl aber ist sie uns begreiflich, wenn wir für alle Organe der Unterfläche eine 
zartere Beschaffenheit annehmen, denn dann erldärt sie sich sogleich aus dem Bestreben 
der Natur, diese weichen und daher mehr verletzlichen Tlieile gegen äussere Gewalten 
zu schützen. Man wird mir vielleicht einwerfen, dass die Odontopleuriden, Ogygien, 

7 



50 

Oleniden u.a.m. diese Fähigkeit nicht besassen, und dass daher aus ihr kein allgemein 
gültiger Schluss abgeleitet werden könne; allein dieser Einwurf wäre ein unpassender. 
Es ist nehmlich aus dem gewöhnlichen Mangel aller Schaalenreste bei den Ogygien und 
Oleniden ziemlich sicher zu entnehmen, dass deren Panzer weicher und zarter beschaf- 
fen war als der Panzer aller übrigen Trilobiten; auch glaul)e ich dies geradezu aus den 
Spuren desselben folgern zu dürfen, welche ich bei Exemplaren von Olenus gibbosus 
im Alaunscliiefer von Andrarum vor mir habe. War also hier der Panzer überhaupt dünn, 
etwa dem von Jpus gleich, wozu noch das Einrollungsvermögen, es schützte ja nur 
weiche Theile durch weniger weiche ; auch sind die Seitenlappen dieser Tbiere so gebaut, 
dass sie sich beim Einrollen nicht unter einander schieben konnten, mithin überall Lücken 
Hessen , durch welche die weichen Organe ebenso gut verletzlich waren , als wenn sie 
unbedeckt blieben. Es widerstreitet also der Mangel des EinroUungsvermögens der An- 
nahme nicht, dass auch da, wo es fehlte, die Füsse ihre gewöhnliche weiche Beschaffen- 
heit hatten. Gewiss würden wir härtere Füsse von der Consistenz der Schaale neben den 
Abdrücken der Oleniden finden, wenn etwa bloss bei ihnen härtere Gliedmassen vorhan- 
den gewesen wären. — 

Betrachten wir nun, um in dieser Vergleichung weiter zu kommen, die Füsse der 
lebenden Pbyllopoden, so finden wir bei ihnen einen einzigen, bereits erörterten Grund- 
typus, der je nachdem der Körper ganz nackt oder von einer Schaale bedeckt ist, eine 
Modifikation in der Lage der Kiemen erleidet. — Bei den Trilobiten, deren Leib von 
oben bedeckt und sogar mit schützenden Seitenlappen [versehen war, werden wir zwar 
diejenige Modifikation eher vermulhen, welche den bedeckten Phyllopoden zukonnnt, allein 
im Ganzen auf keine völlig genaue Uebereinslimmung rechnen dürfen, da verechiedenar- 
tige, wenn auch nah verwandte Thierfamilien immer ihre eigenthümlichen Formen nicht 
bloss auf das eine oder das andere Organ, sondern auf alle gleichmässig übertragen und 
daher in jedem einzelnen Körperlheile ihre Difl"erenz behaupten. Die Anwendbarkeit die- 
ses Gesetzes erhellt aus den sichtbaren Körperresten der Trilobiten zu bestimmt, als dass 
wir an seiner Allgemeinheit zweifeln dürften, und wenn ich daher in meinen Figuren 7 
und S. (Taf. VI.) den Füssen eine bestimmte Form gegeben habe, so geschah dies bloss, 
um sie verzcicimen zu können, nicht in der Al)sicht, um die gewühlte Form als die wirk- 
liche darzustellen. Ich behaupte daher von den Füssen der Trilobiten weiter nichts, als 
dass sie weiche häutige gefranzte Schwimmblätter waren, die an der Bauchseite des 
Rumpfes sassen und seitwärts ausgestreckt unter den Seitenlappcn der Rumpfringe lagen, 
wie dies der ideale Durchschnitt in Fig. 7. andeutet. An der freien unteren Seite waren 
diese Füsse durch Einschnitte in mehrere Lappen getheilt, und jeder Lappen für sich am 
. Rande mit Flossenborsteu besetzt. Der letzte äusserste Lappen (c.) mochte läng-er, schmä- 



51 

ler und bewegliclier sein, bis ans Ende des schützenden Panzerlappcns (a.) reichen, und 
neben sich nach innen zu eine blasenförniige Kieme (b.) tragen. Die Schutzlappen der 
Phyllopodenfiisse fehlten den Trilobitenfüssen wohl ganz, weil der harte Panzer hinreichen- 
den Schutz gewährte und der Raum unter seinen Seitcnlappen eben nicht sehr gross ist. 
Wie weit die Füsse am Rumpfe liinal) vorkamen, muss ich ebenfalls unentschieden las- 
sen; ich bin jedoch geneigter, auch am Ilinterleibe noch Füsse, wie bei Apus, zu ver- 
muthen, da das Schwanzschild oft dieselben Eindrücke, wie die Seilenlappen des Brust- 
kastens, zu besitzen pflegt und diese Eindrücke ohne Zweifel zu der Anwesenheit der 
Füsse in Beziehung stehen. Vielleicht deutet die schiefe Querfurche auf jedem Seitenlap- 
pen an , dass hinter ihr in dem breileren , vom Achsenringe ausgelienden Tlieile der Fuss 
lag oder selbst auch an Ihm mit haftete, während der schmälere vordere Theil jedes 
Lappens zur Arlikulation mit dem vorhergehenden beslimmt war, wenigstens bei den Gat- 
tungen mil EinroUungsvermögen. Bei ihnen scheint sich nehmlich eine um so innigere Einfü- 
gung an der Stelle, wo der Seitenlappen sich abwärts biegt, zu befinden, je entwickelter 
das EinroUungsvermögen ist, und da zugleich die vordere schiefe Fläche der Seitenlap- 
pen, welche beim Einrollen untergeschoben wird, nie weiter als bis zu diesem schein- 
baren Artikulationspunkte reicht, so dürfte dieser Umstand noch mehr für eine innigere 
Verbindung der Seitenlappen unter einander von der Achse bis zu dieser Stelle sprechen. 
Zuletzt könnte noch die Frage aufgeworfen werden, ob die Füsse der Trilobiten alle 
einander in Gestalt und Grösse genau glichen, wie bei BvnncJn'piis , oder ob die vor- 
dersten in der Bildung abwichen, und die hintersten nach und nach kleiner wurden, wie 
bei Apus. In der That ist es schwer, diese Fragen positiv zu beantworten, indess bie- 
ten gewisse Umstände doch Mittel an die Hand, auch darüber mit einiger Wahrscheinlich- 
keit zu entscheiden. Zunächst glaube ich nicht, dass irgend ein Trllobit mit vollständigem 
EinroUungsvermögen die zu langen Fäden verwandelten Schwimmblättcr am ersten Fuss- 
paar besitzen konnte, welche wir bei Apus wahrnehmen, weil ihm dieselben beim Ein- 
rollen hinderlich sein mussten. Wie wollte er schnell und sicher so lange Anhänge, die 
weit über den Umfang seiner Bedeckungen hervorragten, unter denselben im Moment der 
Kugelung verbergen? — bedurfte er dazu nicht besonderer Anziehungsorgane? Auch 
konnten sie selbst in diesem Falle kaum so lang wie bei Apus sein, da sie dann sclnver- 
lich unter den eingekrümmten Panzerringen Platz gefunden hätten. Ich vermuthe daher, 
dass bei den Trilobiten mit EinroUungsvermögen das erste entwickelte Fusspaar dem 
folgenden völlig ähnlich war und auch in dieser Beziehung die Trilobiten sich mehr an 
Branchipus als an Apus anschlössen. Diese grössere Aehnlichkeit scheint mir ferner aus 
der Gleichheit aller Bruslkastenringe unter einander, sowohl bei Branchipus. als auch 
bei vielen Trilobiten mit Kugelungsvcrmögen. zu erhellen, und für letztere zugleich die An- 



5« 

nähme zu geslallcii, dass die Fiisse, welche an diesen gleichen Bruslkastenringen hafte- 
ten, ebenfalls eine gleiche Grösse besassen. Da nun Branchipus am Hinterleibe keine 
Füsse trägt, so würde man, die Analogie weiter ausdehnend, auch bei den genannten 
Trilobitcn einen solchen Mangel erwarten dürfen; eine Ansicht, welche mir in der That 
für die Gattungen mit kurzer Achse und ohne Seitenrippen des Schwanzschildes QAsaphus, 
Illaemis, Nileus, Ampi/x) die wahrscheinlichere zu sein scheint. Von den übrigen Gat- 
tungen mit Kugclungsvermögen {CnJymene, Iloinalonoliis und Phacops), und denjeni- 
gen, nicht der Kugelung fähigen Gruppen, deren Brustkastenringe gleich gross sind (den 
g y g i i d c n und d o n t o p 1 e u r i d e n) , vermuthc ich aus demselben Grunde eine gleiche 
Bildung der Füsse des Brustkastens, und glaube aus den Seitenfurchen des Schwanzschil- 
des vielleicht auf Hinterleibsfüsse sclilicssen zu dürfen. Die Grössenabnahme der Brust- 
kastenringe von vorn nach hinten, welche öfters mit dem Mangel der Rollfähigkeit ver- 
bunden ist, macht es mir dagegen wahrscheinlich, dass die Oleniden und Campylopleurl 
keine überall gleichen Füsse besassen; viehnelir die letzteren mit den Dimensionen der 
Körperringe nach hinten abnahmen , und die Brustkaslenringe in die Hinlcrleibsringe 
ebenso allmählig wie die Brustfüsse in die Hinterleibsfüsse übergingen. Dasselbe ist der 
Fall bei ^2'"'^ "i'fl Limnmlia, ihre Rumpfringe wachsen anfangs zwar etwas, nehmen 
aber von der Mille des Brustkastens an wieder ab, mid geben langsam kleiner werdend 
in die des Hinterleibes ü])er. Bei einer solchen Analogie würden sich daher auch Fäden 
statt der Flossen an den ersten Bruslfüssen der Oleniden und Campylopleuri erwarten 
lassen, oder wenigstens grössere Fühler am Kopfe, wie Lhnnaclia solche besitzt; denn 
bei den übrigen Trilobiten- Gattungen uuissten die Fühler aus demselben Grunde, welcher 
die Entmckelinig der Lappen des ersten Fusspaares zu Fäden verbot, kurz und klein blei- 
ben, und durften nicht über die Ränder des Kopfscliildes hervorragen. — 

§. 21. 

In der Ueberzeugung , dass die angeslellten Betrachlungen für jeden unbefangenen 
Leser hinreichende Beweiskraft haben müssen, leite ich aus ihnen nachstehende Folge- 
rung ab : 

Die Trilobiten bilden eine eigenlhümliche , den heutigen Phyllopoden am meisten 
verwandte Krebsfamihe, welche sich zunächst an die Gattung Branchipus anschliesst und 
in gewisser Beziehung die Lücke ausfüllen dürfte, welche in der heutigen Formen- 
reihe der Krebse zwischen den Phyllopoden und Poecilopoden angetroffen wird. 

Zur näheren Würdigung dieser Verwandtschaft der Trilobiten und Pliyllopoden darf 
es jedoch nicht ausser Acht gelassen werden, dass: 



53 — 

die Tr nobile 11 durch das sclnvaiikcndo Zahlen vcrLallniss ihrer Brustkastenringo nicht 
bloss von den hcuUgen Phyllopoden, sondern auch von allen übrigen lebenden 
Krebsfamilien, wesentlich verschieden sind und in dem genannten Charakter eine Ei- 
genschaft besitzen, welche in gegenwärtiger Zeit weder bei den Kre])sen, noch bei 
den gesammlen heteronomen Gliederthieren innerhalb einer natürlichen Familie als Dif- 
ferenzirungsprinzip auflritt; sondern lediglich und allein in der zweiten Ordnung der 
Crnslaccu (den Aspidoslracis) als Familien unterscheidender Charakter, doch in 
veränderter Weise, angetrolfen wird. Immer ist aucli in diesem Fall die vorhandene 
Verschiedenheit der Zahlenverhällnisse auf eine Grundzahl, die in mehreren Produkten 
auftritt, reduzirbar; bei den Trilobiten dagegen scheint auch dieses Gesetz keine An- 
wendung zu finden. — 

Hiernach stellt sich für die Trilobiten mein- ein Verhältniss der Analogie zu leben- 
den Krebsen, als eine innige Affinität zu ihnen heraus, und ihre ganze Gruppe könnte 
füglicher für eine den gesanimten heutigen Aspidoslracis in ihrer formellen Blannigfallig- 
keit entsprechende Abtheilung gehalten werden, als eine an diese oder jene Zunft von ihnen 
zunächst sich anschliessende, ilmen gleichwerthige Gruppe. (Vergl. §. 17.) — Die Ana- 
logie dürfte aber, mit Ausschluss des bei den Trilobiten, so scheint es, keine Anwen- 
dung findenden, auf konstante Grundzahlen reduzirbaren Numerus, eine sehr innige und 
allgemeine gewesen sein, da alle anderen Organisalionsverhältnisse , so weit sie sich ver- 
folgen lassen, übereinstimmen. Nur die harten hornigen gegliederten Füsse, welche einer 
Unterabtheilung der heutigen Aspidoslrnca zukommen, dürften den Trilobiten völlig ge- 
fehlt haben; im Uebrigcn aber alle typischen Gruppencharaklere in entsprechenden Modi- 
fikationen sich nachweisen lassen. Eine Betrachtung, die darüber noch einiges Licht ver- 
breiten könnte, scheint mir deshalb hier am richtigen Orte zu sein. 

§. 22. 

Zunächst versteht es sich von selbst, dass die Trilobiten, als Gliederthiere, einem 
periodischen Wachsen durch Häutung untervrorfen waren und ihre alten Schaalen daher 
öfters mit neuen vertauschten. Wahle^berg hat diese Ansicht schon ausgesprochen, und 
hinzugefügt, dass manche Fetrifikate auf solchen leeren Schaalen beruhen möchten. Ich 
bin jedoch nicht geneigt, dieser Annahme beizupflichten und halte es zur näheren Begrün- 
dung meiner Meinung für angemessen, die Iläutuiigs- und Entwickelungsverhältnisse der 
Phyllopoden hier kurz zu erörtern. — 

§. 23. 
Alle Phyllopoden sind einer wahren Verwandlung unterworfen, und zwar einer fort- 
schreitenden. Sie verlassen das Ei als ein ungegliedertes Thierchen von birnförmiger 



54 

Gestalt, an dessen vorderem dickerem Ende ein einfaches Auge, 2 Paar ungleiche 
Ruderfiisse, die späteren Fühler, und ein drittes Bewegungsorgan, das sich später in 
den eigentlichen Kiefer verwandelt, hemerkt werden*). Immer sind diese Jungen ganz 
nackt, schaalenlos, die Alten mögen Schaalen hesitzen oder nicht. Ist das Letzlere der 
Fall, so erhält das Junge niemals eine schützende Hülle; hahen aber die Aeltern Schaa- 
len. so treten die ersten Spuren derselben in der Form einer vom Nacken ausgehenden 
Haulfalte, die schon die Hälfte des Rumpfes hedeckt, unmittelbar nach der ersten Häutung 
au!'. Das Junge ist nach dieser Periode beträchtlich grösser geworden, sein Leib hat sich 
verdickt, und zeigt seitliche Einkerhungen hinter dem dritten Bewegungsorgane, aus de- 
nen sich nach und nach die späteren Füsse entwickeln. So lange dieselben noch imvoU- 
kommen sind, behält das junge Thier seine drei ersten Paare von Bewegungsorganen ohne 
Aenderuno- ihrer Form bei; wenn aher die seitlich aus dem Rumpfe hervorwachsenden 
Füsse ihre relative, den Dimensionen des Thierchens adäquate Ausbildung erlangt haben, 
fanden die früheren Bevvcgungsorgane an sich zu verkleinern und ailmälig rückschreitend 
zu der späteren, oft höchst rudimentären Form sich umzubilden. Man sieht dann deutlich, 
dass sie die wahren Fühler des ausgebildeten Krebses sind, und je nach ihrer Grösse in 
diesen späteren Lehenssladien mehr oder weniger sich verkleinern und verändern. Wil 
dieser Umbildung hält die Gestaltung des Auges gleichen Schritt. Anfangs ein einfaches 
Pünktchen, erscheinen um die Zeit, wo etwa die vordere Hälfte der Brustkastenfüsse als 
isolirle Organe sich gestaltet haben, ein Paar andere dunkle Flecken nehen demselben im 
Kopfe , und diese bilden sich gleichmässig mit den übrigen Organen nach und nach zu den 
zusammengesetzten Augen aus. Geraume Zeil übrigens ist zu der formellen Entwickelung 
aller Theilc nicht erforderlich, denn schon sind die späteren Gebilde räumlich isoliri und 
vollständig abgeformt, wenn das junge Thierchen kaum den hundertsten Tlieil seiner spä- 
teren Dimensionen erlangt hat. Von dieser Zeit wächst es daher mit beibehaltener Form 
gleichmässig fort, und häutet sich dabei fortwährend, in hald kürzeren, bald längeren Pe- 
rioden, wie CS die Schnelligkeit seines Fortschritts in der Grösse fordert. Eine solche ab- 
gestreifte Haut ist der Länge nach am Rücken gespalten, und aus dieser Spalte zieht der 
Krehs nach und nach alle Theile so hervor, dass jedes Härchen, auch das kleinste, an 
der allen Haut haften Lleibt und an der neuen neu sich bildet, üebrigens besteht die ab- 
gestreifte Haut bloss aus der Epilheliallage, nie aus der wirklichen Cutis, und hat daher 
eine sehr dünne, zarte Bcschaifonheit. Demnach könnten die Trilobiten- Reste, welche 



--) Auf Tal. VI. stellt Fig. 14. das Junge eines Branchipus gteicli nach dem Ausscliliiiifen aus dem 
Ei dar, Fig. 13. das Junge von ^piis nach der erslen Hiiulung; a. bezeichnet die kleinen Fühler, 
1). die grossen, c. den Kielerfuss, d. die Rudimente der spateren Fiissc, 



55 

aus solchen abgestreiften Häuten entstanden sein sollten, blosse Abdrücke sein, nie Reste 
der Schaale selbst an sich trag-en; auch müsste sich die Spur der Ilüulung durch einen 
Längsriss in der Mitte des Rückens erhalten haben, und da ein solcher Riss bisher bei 
keinem Trilobiten beobachtet worden ist, so halte ich die von Wahlenberg ausgesprochene 
Ansicht, als hätten wir in manchen Trilobitenschaalen bloss die abgestreiften Hüllen vor 
uns, für unrichtig. — 

§. 24. 

Dagegen entsteht eine andere sehr natürliche Vermuthung aus der vorgetragenen 
Metamorphose der Phyllopoden; die nehmlich, dass auch die Trilobiten eine solche 
Metamorphose bestanden. Ich zweifle keinen Augenblick an der völligen Richtigkeit die- 
ser Vermuthung und bin sehr geneigt, in den rälhselhaften Schildern, aus denen man die 
Gattung yfgnoslus oder Baftiis gebildet hat, die Spuren solcher jungen Zustände ver- 
schiedener Trilobiten, anzuerkennen. Untersucht man die Abdrücke der Agnostus - Arien 
genauer, so findet man nicht bloss eine ganz auffallende Schwankung in der Grösse, denn 
sie wechseln von dem Umfange eines Senfkornes bis zur Grösse einer Erbse ; sondern 
auch eine sehr merkliche Verschiedenheit in der Form ihrer einzelnen Bestandlheile. In 
dieser Beziehung glaube ich 4 Differenzen, die sich unter 2 Hauptgi-uppen bringen lassen, 
bestimmt unterscheiden zu können. Bevor ich diesellien erörtere, werde ich das Agnoslus- 
Schild im Allgemeinen beschreiben , und mich dabei auf die Abbildungen Taf. V. Flg. 5 
bis 8. beziehen. — 

Die Schilder, welche als Repräsentanten von AgnosUts angeschen werden, haben 
einen kreisförmigen Umriss, der indess nicht vollständig ist, sondern nach hinten von einer 
ziemlich geraden Linie begrenzt wird, die V* der Kreisfläclio abschneidet. Der übrigblei- 
bende Theil ist hoch gewölbt, fast halbkugelig und hat einen flachen, gleich breiten Rand. 
Auf der Mitte der Wölbung erliebt sich ein mehr oder weniger parabolischer Buckel , dev 
durch einen tiefen Umriss voin übrigen Raum des Schildes getrennt wird, und mit seinem 
breiten Ende an die gerade hintere Seite des Schildes anslösst. Diese Verhältnisse sind 
allen Agnoslis gemein, die übrigen aber unterliegen melirfachen Unterschieden. 

Bei Einigen (Fig. 6.) ist der erweiterte Seitenrand an seinem vorderen Theile, der 
Abstutzungsfläche gerade gegenüber, mit zAvei hervorragenden Ecken versehen, die in 
gleicher Entfernung von der Mittellinie symmetrisch aus dem Rande hervortreten. Diese 
Bafti, in der Regel die grössten, haben in ihrem Schilde einen nach vorn sehr breiten, 
fast parallelseitigen und dort bloss zugerundeten Längsbuckel, auf dessen Fläche hinter dep 
aiitte in der Regel ein Ideiner nach vorn scharfer Höcker hervorragt. Unmittelbar vor 
diesem Höcker bemerkt man eine seichte Querfurche, dahinter zeigen sich zwei schief 



56 

nach innen und hinten von den Seiten nusgeliende andere Querfiirchen , und am Hinter- 
randc selbst ist ein deutlicher Querwulst aufgeworfen, welcher in den Saum des Schildes 
an eben diesem Rande übergeht. 

Eine zweite stets kleinere Form (Fig. 5.) unterscheidet sich von der beschriebenen bloss 
diu'ch die o-eringere Grösse, die undeulliche Trennung des Längsbuckels in Abschnilte, und 
den Mano-el oder die liüclist rudimenlarc Beschaffenheit des mittleren kleinen Höckers. Es 
unterlieo-l wohl keinem Zweifel, dass wir in dieser Form einen weniger ausgebildeten, 
jüngeren Zustand der vorigen anzuerkennen haben. 

Die drilte Form (Fig. 7.) unterscheidet sich von der ersten sehr wesentlich. Zunächst 
ist der mittlere Längsbuckel nach vorn immer sehr stark verschmälert, fast zugespitzt, und 
durch eine von seinem äussersten Ende ausgehende Läiigsfurche mit dem Eindrnck vor 
dem erweiterten Rande verbunden. Dieser erweiterte Rand hat nicht die vorspringenden 
beiden Ecken, und ist also eine ununterbrochene Kreislinie. Der Längsbuckel hat einen 
tiefen Quereindruck bald hinter der Spitze und hinten vor dem geraden Rande zwei er- 
habene Knötchen neben sich, die ihn ebenfalls zugespitzt erscheinen lassen. Dann ist in 
der Regel auf dem mittleren Theile des Längswulstes noch ein kleiner Höcker sichtbar. 

Die vierte Form (Fig. 8.) verhält sich zur vorigen, wie die zweite zur ersten; sie 
ist ein jüngerer Zustand, daher kleiner, die Eindrücke des Längswulstes sind schwächer 
und der mittlere kleine Höcker fehlt, was übrigens auch mitunter bei grossen Individuen 

der Fall ist. — 

Meiner Ansiclit nach sind nun die beiden auf solche Weise unterscheidbaren Arten 
der Galluno- Agnoslus die Kopfschilder zweier jungen Trilobiten. In Fig. 5 und 6. erkläre 
ich den milllercn Längswulst für den Kopfbuckel, an dem sich durch Einschnürungen die 
einzelnen Abschnilte desselben erst ausbilden, während der kleinere milllere Höcker das 
anfangs zu schwache und daher imdeulliche, einfache Auge des jungen Trilobiten dar- 
slellt, das verschwindet, wenn sich mit zunehmendem Alter die zusammengesetzten Augen 
auf den Wanoen gestaltet haben. Der hinlere Querwulst ist der Artikulatiohsrand dieses 
Kopfs childes mit dem ersten Rumpfringe, und die Höcker vor demselben sind die hinterste 
Abtlieihmg des ganzen Kopf])uckels. Der Gesammtform des Buckels wegen könnte dieser 
Agnoslus am füglichslen das Junge von Olemis scarcihacoidcs sein, wofür ich ihn auch 
deshalb halle, weil beide in demselben schwarzen Alaunschiefer von Andrarum so häufig 
«^ich finden. — Der zweite BaUus (Fig. 7. 8.) ist dann sicher auch das Kopfschild eines 
jmiljen Trilobiten. aber von einer anderen Art, vielleicht von Olenus gibhosiis. Ich 
stelle diese Vermulhung deshalb auf, weil der Kopfbuckel der üenanntcn Species eben- 
falls nach vorn viel schmäler ist. inid ausser Olenus gihbosus keine andere Trilobiten - 
Art in den Grauwackengliedcrn Schwedens in hinreichender Blenire vorkommt, um der uu- 



5V 

geheuren Anzahl dieser Jungen zu enlspreclien. Offenbar isl nehnilich die zweite Haupt- 
form der Balli die iiäufigere, daher auch die, welche bisher am meisten dargestellt wurde. 
Dalmmv's Abbildung der ersten Form (Pahtend, Taf. VI. Fig. 5.) ist von jungen Individuen 
enliiommcn und nicht ganz genau; dajjcgen hat IIisingkr von älteren Exemplaren eine 
etwas unlvlare Abbildung (Taf. IV. Fig. 6. seiner Lelhaea sneci'ca) gegeben. Uebrigens 
linden sich gar häufig beide y/gnosfi mit einander gemischt, während eine Mischung von 
IJruclislücken der beiden Ofeni unter einander sehr selten ist. Aus diesem Unislande 
könnte, meiner Meinung luich, ein Einwurf gegen meine Annalune abgeleitet werden, den 
ich selbst durch Gegenangaben nicht entkräften kann. 

§• 25. 

Wenn es nach diesen Betrachtungen nicht unwahrscheinlich ist, dass die Trilobiten 
auch die Art der Enlwickelung mit den Phyllopoden theillen, so dürfte an einer völlig 
analogen Organisation beider Gruppen kaum noch zu zweifeln sein. Ein Umstand, der 
bisher ebenfalls ganz übersehen wurde, scheint diese Analogie noch mehr zu unterstützen. 
Es scheinen nehmlich unter den Trilobiten ebenfalls die drei Ilauptmodifikationsstufen des 
Grundlypus sich wieder zu finden, welche in den drei oben erörterten Familien der Phyl- 
lopoden gegenwärtig exisliren. — Wir sahen dort, dass es unbedeckte Phyllopoden 
giebt {Branchipvs) , Phyllopoden mit einem einfachen, waagrechten Schilde {Apus) 
und Phyllopoden mit einem zweiklapp igen, senkrechten (L/m/ir/dm). Ganz dieselben 
Bildungsunterschiede finden sich auch in den Krebsen, welche zur Zeit der Trilobiten leb- 
ten, wieder und bewähren dadurch die Analogie jener ersten Typen mit den heutigen 
Repräsentanten derselben, den Phyllopoden, auf's Ueberraschendste. — 

Ausser den ächten Trilobiten, deren breiter flacher, waagrechter Panzer gar 
keinen Zweifel lässt, dass wir in ihm das Analogon der einfachen waagrechten Schaale 
von Apus anzuerkennen haben, finden sich nehmlich in Schichten der Uebergangsforma- 
tion die Reste von zwei krebsartigen Thieren, von welchen das eine {^Cylherinci) mit 
einer zweiklappigen , der von Eslheriu völlig ähnlichen Schaale bedeckt war, während 
das andere {Etin/pterus) durchaus gar keine Schaale hatte, und dem Brandt ipits analog 
sein dürfte. Von Cytherina hat sich nichts weiter als die Schaale erhalten ; sie hat nach 
Hisinger's (Lethuca suecicci) Abbildung eine so vollständige Uebereinstimmung im Bau 
mit der schon erwähnten Gattung Eslheria*^ , dass es kaum noch nölhig ist, ein Wort 
über die Verwandtschaftsverhältnisse beider Formen zu reden. Jedem Kenner niuss es 
einleuchten, dass die frühere Annahme, in diesen Schaalen die Reste der Galtungen Ci/pris 



*) Vgl. Strauss im 31itseum Senkenhergianum, Tom, II. p. 119. Taf.l. und die noch vortrefflichere 
Darstellung Ton Joly, in den annal.des scienc.nalur.nouv.ser. Tom.ll. p.293. p/. 7— 9. 1842. 

8 



58 

oder Cylhere zu vermuthen, weniger passend sei, als die von mir ausgesprocliene Ver- 
wandtschaft. Dagegen dürften die späteren Formen aus dem Süsswasserkalk, welche man 
als Ci/pris fdhu aufführt , dieser Galtung wirklich angehört haben. 

Schwieriger mag manchem Leser die Beweisführung erscheinen, dass Eiirypterus ein 
schaalenloser Trilohit sei, wie Branchiptis ein scliaalcnloser Pliyllopod ist; allein auch in 
dieser Annahme glaube ich keinesweges zu irren. Die Abbildungen, welche kürzlich Har- 
lan in seinen mcclical and physic. rescarches. png. 298. gegeben hat, lassen darüber 
keinen Zweifel; aus ihnen und aus der ähnlichen Figur von G. Fischer {nolice sur 
f Euri/plerus de Podolic. Mose. 1839.) habe ich meine Ansichten zusammenge- 
stelll. Das Tiiior bcsass hiernach einen Kopf, der zwar breiter erscheint als der Kopf- 
buckel der Trilobiten, weil er weicher war und plattgedrückt ist, ihm aber sonst in 
dci' Form entspricht. Man erkennt daran zwei grosse mondförmige Augen, in denen das 
schwarze Pigment des Zentrums noch sehr gut von den über demselben verbreiteten Glas- 
kugeln und Linsen sich unterscheiden lässt, wie die Figuren IIarlan's deutlich zeigen. 
Ohne Zweifel waren auch diese Augen zusammengesetzte mit einfacher glatter Hornhaut. 
x\n der Untcrlläche dieses Kopfes scheinen 3 Paare von Organen zu haften ; zwei ziem- 
lich kurze, ungleiche am Vorderrande, deren Gliederung nicht mehr erkennbar ist, wohl 
aber erscheinen die langen Borsten, mit denen sie besetzt waren, deutlich. Ich halte sie 
für die Fühler, welche den 2 ersten Bewegungsorganen der jungen Phyllopodcn entspre- 
chen. Das dritte Bewegungsorgan des Kopfes war länger als die beiden anderen, derber, 
deutlicher gegliedert, borslenfrei, aber am Ende mit Haken bewehrt; es dürfte der ac- 
cessorische Mundtheil gewesen sein, dessen sich das Thier zum Ergreifen seiner Beute 
bediente. Hinter ihm folgte nun am ersten Bruslringe, dies geht aus Harlan's Figur 2 
entschieden hervor, ein Paar grosser, breiter, gegliederter, doch ebenfalls weicher Ru- 
derfüsse, deren Gliederzahl 5 gewesen zu sein scheint. Ohne Zweifel trugen auch sie 
Borsten an ihrem Rande, aber die Feinheit derselben vcriiinderte wohl den Abdruck. Mit 
diesem ersten Brustringe zähle ich in Harlain's Fig. 1. zwölf Ringe, in Figur 2. sind 
nur zehn deutlich, aber das Ende des Hinterleibes ist beschädigt; Fischer hat vier- 
zehn Ringe dargestellt, und eine weitre Menge durch seine Figur noch angedeutet. Ueber- 
haupl scheint dieser Abdruck, wegen der scharfen Scitenzacken der Rumpfringe, auf spe- 
zifische Unterschiede hinzuweisen. Lidess könnte man in diesen Seitenlappen auch die 
äussersten Enden der übrigen Ruderfüsse vermuthen, und dabei annehmen , dass dieselben 
nach der Analogie von .4pus (Taf. VL Fig. 1.) viel kleiner waren, als das erste Paar. 
Dieser Ansicht bin ich ganz entschieden und glaube, dass in d*en Figuren von Harlan 
und Dekay die Füsse nicht sichtbar sind, weil das Thier durch die Steinmasse bei seiner 
Umhüllung zu breit gedrückt wurde, um auch die äussersten Enden der Füsse hervortre- 



59 

teil zu lassen. Vielleicht war auch gerade bei diesen Exemplaren die weichere Bauchseite 
des Rumpfes mit den Füssen bereits abgeschält, was wohl denkbar ist. Uebrigens glaube 
ich, dass man von den sämmtlichen Ringen 9 auf den eigentlichen Brustkasten rechnen 
müsse, die folgenden aber dem Ilinlerlcibe anheiin geben. Dafür spricht eines Theils die 
starke Verschmächtigung dos Rumpfes vom neunten Ringe an, und die nunmehrige gleiche 
Breite der folgenden, anderen Theils die abweichende Bildung dieser ersten Ringe in 
Fisciier's Figur. Hier erscheinen zwar die ersten 6 noch viel eigenthümlicher als die ih- 
nen zunächst folgenden 3, allein man darf bei der übrigen Gleichheit des Baues zwischen 
dieser Art und den nordainerikanischen wohl annehmen, dass beide ein gleiches Zahlen- 
verhällniss im Brustkasten gehabt hal)en müssen. Dann kommen auf den Hinterleib 3 oder 
vielleicht 6 Ringe, und dieses Verhällniss würde dem herrschenden Typus der Trilobilen 
lind Phyllopoden enlsprcchen. ludcss ist auch eine Theilung beider Kürperabschnitte in 
6 und 6, oder in G und 9 Ringe denU)ar; ja durch die Analogie von Jpxis und Plin- 
cops Ahlh. II. sehr wohl erklärlich. 

§. 26. 

Nach so vielen Analogieen und Uebereinstiminungen des Baues zwischen den Tri- 
lobiten und Phyllopoden ist es ohne Zweifel erlaubt, auch eine Aehnlichkeit in der 
Lebensweise beider Familien anzunehmen; ich schliesse deshalb einige dahin gehörige Be- 
trachtungen hier noch an. — 

Die Phyllopoden leben in stehenden süssen Gewässern, denen nur eine kurze Zeit- 
dauer vergönnt ist, besonders in Gräben, Lachen oder Pfützen, welche im Frühjahr schnell 
sich bilden, höchstens je nach der Jahreszeit bis in die Mille des Sommers bestehen und 
dann austrocknen. Während dieser Zeit sieht man sie gewöhnlich in zahlreichen Gesell- 
schaften bei einander, unermüdlich im Wasser herumschwimmend, bald tiefer bald höher: 
lirriHcJuptis am liebsten dicht unter der Oberfläche. Sie wenden dabei den Rücken nach 
unten, den Bauch nach oben, so dass die Füsse die Oberfläche des Wassers berühren, 
uud BrancJiipus trägt seine Augen in der Stellung, in welcher ich sie Fig. 3. Taf. VI. 
abgebildet habe, nicht rechtwinkelig vom Kopfe ausgehend. Durch diese Stellung der 
Augen kann das Thier sowohl nach oben, als auch nach unten blicken; y-Zpus dagegen, 
welcher unbewegliche Augen hat, sieht bloss nach unten, wenn er rücklings schwimmt, 
und muss sich drehen, Avenn er nach oben sehen will. Dies Verhällniss ist übrigens ganz 
natürlich, da beide Gattungen in ihrer normalen Stellung dicht unter der Oberfläche des 
Wassers ihre etwanigcn Feinde nur unter sich, nie über sich haben können, und also bloss 
von unten her sich gegen Nachstellungen zu sichern brauchen, denen sie übrigens in den 
bezeichneten Gewässern nicht gerade sehr ausgesetzt sind. Denn ihre Beule, die in an- 
deren kleinen Wasserlhierchen besieht, wird ihnen durch die beständige Schwimuibe^N e- 



— ^ eo — 

giing' von selbst zugeführt, und gelangt durch den Strudel des Wassers gerade zum Munde, 
üaher ist die Mundgegend und Mundhöhle bei vielen im Weingeist aufbewahrten Thieren 
mit Schmutz und Uuralh oft ganz bedeckt oder erfüllt, Ruhen aber können die Phyllopoden 
nie, eines Theils weil es ihnen durchaus ganz an Organen fehlt, mit denen sie sich irgend- 
wo festhalten könnten, anderen Theils weil ihre Schwimmbewegung auch zugleich die 
respiratorische Bewegung ist, und diese, als eine automatische, nie sistirt werden kann. 
Limnadia und Esllieria habe ich noch nicht im Leben beobachten können, doch ver- 
hallen sich beide Gattungen ohne Zweifel ebenso; ob sie rückwärts schwimmen, weiss 
ich freilich nicht mit Gewissheit. — 

Die anderweitige Uebercinstimmung der Trilobiten mit den Phyllopoden lässt mich 
nun keinen Augenblick zweifeln, dass sie dieselbe Lebensweise wie letztere führten, mithin : 

1) bloss schwimmend sich bewegten, und zwar dicht unter der Oberfläche des Wasser- 
spiegels; aber gewiss nicht auf dem Grunde umherkrochen, wie Herr Klöden (vgl. 
Verst. d. Mark Brandenb. S. 104.) vermuthet. — 

2) In umgekehrter Stellung die Bauchseile nach oben, den Rücken nach unten schwammen 
und das Zusammenkugelungsvermögen zum Schulz gegen alle Angriffe von oben her 
benutzten. — 

3) Von kleineren Wasserlhierchen, und in Ermangelung anderer, von der Brut ver- 
Wandler Arten sich ernährten. 

4) Am Avahrscbeiiilichsten wohl nicht auf dem hohen Meere, sondern in der Nähe der 
Küsten, an flachen Stellen über Untiefen sich aufhielten imd hier in zahlloser Menge, 
doch nicht in sehr vielfach verschiedenen Arten, bei einander lebten. 

5) Dass die Anzahl der Species an einer solchen Stelle nie sehr gross war, beweist auch 
die Art ihres Vorkommens im fossilen Zustande ; in sofern nicht leicht irgendwo mehr 
als 6 — 8 Arten zugleich in einer Schicht sich finden. 

6) Die Anzahl der Arten ist überhaupt nicht sehr gross gewesen , wohl aber die Menge der 
Lidividuen ungeheuer; dafür spricht ebenfalls die Analogie der lebenden Phyllopoden, 
von denen man bis jetzt kaum ein Dutzend Arten kennt, die dennoch über ver- 
schiedene Gallungen vertheilt sind. 

7) Die grossen Dimensionsunlerschiede heuliger Phyllopoden je nach ihrem Aller lassen 
auch solche Differenzen bei Trilobiten erwarten ; daher sehr grosse Lidividuen , wenn 
sie keine anderen Unterschiede darbieten, noch keine eigue Art anzeigen. 



Drittes Kapitel. 

Systematische Ueber sieht der Arten. 



Die Einordmmg der Trilobiten und ihrer Verwandten in das System der Krebse hat 
nun keine Schwierigkeiten mehr, sie dürfte sich am Schicklichsten in folgender Weise 
darstellen lassen : 

Zieht man, wie es den früheren Bemerkungen nach nölhig zu sein scheint, die Gat- 
tungen Cylheriuu und Eury-plevus mit den Trilobiten in eine Abtheilung zusammen, so 
erhält man eine den heutigen Phyllopoden an Umfang entsprechende Gruppe, für welche 
ich den DvuiAN'schen Namen Palaeadae in Anwendung zu bringen vorschlage*), und 
sie folgendermaassen charaklerisire. 

Die Pal äa den sind krebsartige Gliederthiere aus der zweiten Ordnung dieser Classe" 
{^Cfustacea Oslracodcnnuta Aspldoslraca s. Enlotuoslracft) ^ welche sich durch zwei 
grosse zusammengesetzte Augen, den Mangel einfacher Nebenaugen, kurze unentwickelte 
Fühler, nebst weichen, blattförmigen, Kiemen tragenden Füssen auszeichnen und durch 
diese Charaktere sich unmittelbar an die Phyllopoden anschliessen , vielleicht gar mit 
ihnen in eine Zunft vereinigt werden könnten. Ihr Ilauptunlerschied besteht alsdann in 
dem Mangel des allen Phyllopoden gleichen Zahlenverhältnisses von eilf Brustkastenringen, 
welches schemalisch durch die Formel 4X3 — 1 ausgedrückt werden muss. Statt dessen 
zeio-en die Paläaden schwankende Zahlenverhällnisse im Brustkasten, über deren Re- 
duktion auf konstante Formeln sich nichts Bestimmtes sagen lässt, weil wir weder die 
Zahl der accessorischen Mundtheile, noch die Lage der GescblechlsöiTnungen bei ihnen 
kennen. Sie bestanden eine fortschreitende Metamorphose, und bewegten sich bloss schwim- 
mend, wahrscheinlich rücklings, an flachen Stellen des Meeres über Untiefen sich aufhallend. 

Die ganze Gruppe zerfällt nach der Schaale in 3 Familien. 

*) Man \ergleic1ie meinen Artikel /f«/o»jo«/>oco in Ersch und Gruber's Enrjklopädie. I. Sect. Bd. 35. 
S. 134-, wo ich die BezieliungeB der Palaeadae zu den lebenden Plnllopoden zuerst angedeutet habe. 



69 

1. Familie. £ HR YPTEIKAUJiE. 

Eine Schaale ist nicht vorhanden. Der deutlich abgesetzte Kopf trägt zwei Paar 
borstiger Fühler, und ein Paar accessorischer Muudtheile. Im Bruslkasten finden sich 
wahrscheinlich neun (?) Ringe, von welchen der erste ein Paar sehr grosser, ruderfor- 
miger, fünfgliedriger Fiisse trägt; die folgenden kleinere, ähnliciie, gleich grosse Blatl- 
fiisse getragen zu ha])en scheinen. Der Hinterleib bestand aus 3 oder 6 Ringen und en- 
dete — mit ein Paar Ruderflossen? 

Hierher die einzige Gattung 

Eiirypterus Dekay, 

wovon drei Arten bekannt zu sein scheinen: 

1. IL. reinipes; ziemlich schlank, das Endglied der grossen Flossenfüsse ebenso lang 
wie das vorhergehende. Länge des Kürpers S'A'S Breite oben l'/a". 

Dekay, iii den aimal. of Uie Lyc. of nal. h'isl. of New-York. I. 12. 291. pl. 14. ii. 375. pl. 29. 
(1826.) — Froriep's Noüz. 1827. XYIII. 1—3. — Holl Pdrcf. 155. — Bronn Leihacu. 
I. 109. Tab. IX. F. 1. — Harlan med. et phys. res. 297. c. fig. — Mitschell, Am. viouulli. 
Magaz. III. 291. 
Im Thonschiefor (?) von Westmorcland, Oneida und New-York. 

2. E. lacHslris; breiter, das Endglied der grossen Ruderfüsse viel kleiner als das 
vorhergehende; Länge des Kürpers fast 5", Breite 27,". — 

Harlan a. a. 0. 298. c. fig. 
In Grauwackenschichlon bei WlUiamsville , 7 Engl. Meilen von Buffalo. — 

o. E. lelragonopJilhalimis ; Augen ferner von einander, viereckig (?); der ganze 
Bau sehr schlank, besonders der Hinterleib, die Glieder vielleicht scharfeckig. Länge fast 
2 Zoll, Breite y,. 

G. Fischer im Diillel. d. l. soc. hup. d. Natur, de Moscou 1839. II. 127. pt.T. f. 1. und des- 
sen NoVtce sur VEurypt. de PodoUe. clc. Moscou 1839. 4. — 
Im Uebergangskalke oder Grauwacken-Sandslein Podoliens beim Dorf Zvilevy, 20 Werst 
südlich von Kamenelz. — 

Es ist wahrscheinlich, dass die von Scouler unter dem Namen Eidotea beschriebene 
Versteinerung einer Art dieser Galtung angehört. Man kennt davon bloss Bruchstücke, 
die auf den Kopf und den Anfang des Brustkastens von Eurypterus passen, indess dann 
gewiss einer verschiedenen Art angehören. Man sehe darüber nach;-CliEEK's Edinb. 
Journ. of nal. science. 1831. June N. S. HL 352. pl. 1. — Leomi. u. Bboms's Jalirh. 
1S32. 251. - BiiOio, Lelhaea I. 109. 98. Tab. IX. Fig. 2. und Hibbeut in den Transacl. 
of ihe Royal soc. of Edinburgh. 1834. , welche ich nicht vergleichen konnte. — 



63 

9. Familie. ClTTllERIMIIlAi:. 

Die Thiere steckten in zweiklappigen bolinenförniigen Schaalen, welche sich allein 
erhalten haben. Gegen den äusseren weiteren Rand sind sie mehr oder weniger zuge- 
schärft, am geraden oder Rückenrande etwas verdickt. Sie wechseln in der Grösse von 
'/j_V^", seltener 1". 

Die einzige hierher gehörige Gattung Ci/therina bedarf noch emes genaueren Stu- 
diums, da es mehrere zeither verwechselte Arten zu gehen scheint. Wahrscheinlich sind 
jedoch nur die Exemplare aus dem Bergkalk wirldiche Gattungsgenossen , und die späteren 
auch zu Ct/pris gezogenen Arten aus der Kreide- und Terliärformation eine ganz andere, 
eigenthümliche Gruppe. Einstweilen kann man hierher ziehen: 

1. C. ballicn; Hisinc. Leih, suec'ica 10. tob. I. fig. 2. und lab.ZQ. (ig. 1. — 

2. C. phdseohts; Hising. ibid. tab.l. fig.i.— und dessen Anleckning i Phys. och Geogn. 
V. lab.S. fig.d. — KiöDKN Verst. d. Mark Brundenb. 102. Taf.l. Fig. 10 — 11. 



€4 

S. Familie. TKai^llIsaTAI^. 

Der Körper isl von einem angewachsenen Panzer bedeckt, Avelclier aus so vielen Ringen 
heslehl, als wie viele Glieder der Bruslkaslen (?) hat; Kopf und llinterleih umkleidet ein 
einziges grosses Schild, das gleich den Panzerringen des Rumpfes, einen seitlich frei her- 
vorragenden breiten Saum besitzt. Die grossen Augen liegen im Seitenlheile des Kopf- 
sciiildes , entfernt vom eigentlichen Kopfe. Eine eigenlluirnliche Naht durchzieht das Kopf- 
scliild, und tlieilt dasselbe in 2, 3 oder 4 besondere Stücke. — 

Die zahlreichen Mitglieder dieser im ersten Kapitel ausführlicli beschriebenen Familie 
erlauben eine fernere Einlheilung in natürliche Gattungen , deren passendste Grnppirung 
die folgende sein dürfte. 

I. 
Trüobiten oliitc IiHi^;'eiimg'svermög;eii. 

Die Trilobiten dieser Abtheilung scheinen entschieden älter zu sein als die folgenden, und 
finden sich vorzugsweise in den imtersten Silnri sehen oder obersten Cambrischen Schich- 
ten, haben indess auch einzelne Arten der folgenden Gruppe als Begleiter neben sich. Man 
erkennt sie leicht an der Bildung der Seilenlappen des Rumpfes, in sofern dieselben immer 
in ihrem ganzen Verlaufe gleiclie Breite besitzen und nie sich auf der nach oben und aussen 
gewendeten Seite gegen den Rand hin verschmülern , was immer bei den Mitgliedern der 
zweiten Gruppe der Fall ist. Die Seitenlappen der hierher gezogenen Trilobiten stellen 
didier parallelseilige schmale Streifen dar, die durch eine schiefe Furche in diagonaler 
Richtung getheilt zu sein pflegen. Es herrschen aber bei genauerer Untersuchung in ihrer 
Conüguralion zwei verschiedene Typen, die zu neuen Unterscheidungen die Hand bieten, 
daher ihre allgemeine Schilderung in keine näheren Details eingehen kann. Durch die 
Kleinheit der Augen, deren flache Wölbung und mehr langgestreckte Form zeichnen sich 
die Arien dieser ersten llauptgruppe noch ferner aus. Fast von allen (die Gattungen 
Odontoplcura, Bvonlcs und Harpcs ausgenommen) und namentlich von den in Grau- 
wacke, in Thonschiefer und Alaunschiefer abgedrückten Individuen, kennen wir bloss die 
Innenflüche der Schaale, nie die versteinerte Schaalc selbst mit ihrer wirklichen Ober- 
llächc. — Wie schon erwähnt wurde, zerfallen sie nach den Seilenlappen in 2 Unter- 
ablheilungen. 



65 



1. 

Die Seilenlappen der Rnmpfr'mge liegen durchaus in einer tind derselben Ebene, 

knunmen oder biegen sich nichl nach unten, enden aber hinterwärts in eine mehr oder 

weniger hervorgezogene, mitunter sehr lange Spitze, die in ihrer Hauptrichtung mit 

der Richtung des Lappens einen etwas stumpfen Winkel bildet. 

Auch hier giebt es noch mehrere Unterablheikingen, die sich sehr leicht von einander 
unterscheiden lassen ; sie sind in dem Mangel oder der Anwesenlieit eines grossen Schwanz- 
schildes begründet. 

A. 

Mit einem einfachen, grossen, dem Kopfschilde an Umfang wenig nachstehenden Schwanz- 
schilde , dessen Achse vielgliedrig ist und die Länge des Rumpfes erreicht, 
oder gar übertrifft. — OGYGIIDAE. 

Zu dieser Gruppe gehören die beiden Gattungen Trinucleus (mit 6 Ringen) und 
Ogygia (mit 8 Ringen). 

1. Gatt. Trinucleus MuRCH. 

Cryptolithus Green. 

Kopf Schild ziemlich halbkreisförmig, mit ringsum erweitertem warzig punktirfem 
Rande und in einen langen Stachel ausgehender Hinterecke ; der mittlere Kopfbuckel hoch- 
gewölbt, hinten vor dem Rande stark verengt, ohne Seitenlappen oder Furchen. 

Augen und Gesichtslinie noch nicht beobachtet. 

Rumpf kurz, die sechs Ringe schmal, kaum halb so breit wie die Seitenlappen; 
letzlere mit deutlicher diagonaler Furche und feiner kurzer Ecke. — 

Schwanzschild dreiseitig; die Achse sechs oder mehrgliedrig, die Seiten mit 
radialen Furchen, deren Zwischenräume am Umfange durch einen neuen kurzen Radius 
gespalten sind; der Rand aufgeworfen, scharfivantig. — 

Anmerkung. 
Man kennt mehrere Arten ans den unteren Silurischen Schichten Englands, Nord -Amerikas, 
Schwedensund Böhmens. Einige Schriftsteller geben nur fünf Runipfringe au, was indess auf einem 
Irrthume oder fehlerhafter Conservation des ludividuuuis beruhen dürfte. — 
1. Tr.Cataracli: limbo scuti cephalici orbiculari, concentrice pimclalo ; angulis poslicis 
subrecUs, longe spinosis; caudae basi annulala, limbo scuti elevato. Long. V4 — l'A". 

Taf. I. Fig. 1. 

9 



66 

Trin. Cataracü Murchis. S. S. II. 659. pl. 23. fig. 1. a. b. c. d. e. — Brock. Cr. f. pl 4. 
fig. 7. Ä. B. C. pag. 145. — Lhwoyd PliU. Tr. Vol. 20. pag. 243. pl fig. 8. — Bigsby 
Amutl. of Ihe Lyc. of n. h. of New-York. I. 214. pl. 15. f. 1. — Emmr. diss. 51. 6. — 
MiLNK Edw. Crusl. III. 331. 1.— Asaph. Cyllarus Uisivg. Leih. suec. sitpp. IL tab. 37. f. 3. 

Kopfschild ziemlich halbkreisförmig, breiter als lang, der erweiterte Saum mit 5 — 6 
concenlrischen Reihen von Grübchen besetzt, in denen sich kleine Warzen erheben; Hin- 
terecken schief vorgezogen , in einen langen (dem Körper gleichen), spitzen, runden Sta- 
chel auslaufend. Kopfbuckel fast zweimal so lang wie breit, vorn ziemlich halbkugelig, 
hinten zusammengeschnürt, mit der Andeutung eines Höckerchens jederseits an dieser Stelle. 
Sechs deutliche Körperringe, die Achse derselben noch nicht hall) so breit wie die Lap- 
pen. Schwanzschild dreiseilig, mit am Aussenrande leicht erhabener, scharf abfallender 
Kante; die Achse in ihm nur bis etwas über die Mitte hinaus gegliedert, mit 6 Ringen, 
dann einfach; die Seitcnlappen mit sechs radialen, gegen den Rand gespaltenen Streifen. 

In einer gelblichen Grauwacke , nacii Exemplaren (26, 1 und 2.) des Berl. Museums 
beschrieben. Findet sich in den unteren Silurischen Schichten Englands, Schwedens, Nord- 
Amerikas (Montreal) und falls die Abbildung von Sternberg (Verhandl. d. vat. Mus. 1833. 
Fig. 2. b.) zu dieser Art gehört, auch in Böhmen. 

2 Tr. granulatus : limbo scuti eephalici orbiculari, punclato; angulis posticis lobato- 
producUs, breve mucronatis; scuto caudae subsemicirculato, rhachide tota annulata, annulis 

8—9. Long. 73 ". 

As. grunulahis Wahl. n. ad. Ups. VIII. 30. 5. lab. 2. fig. 4. — Dalm. Pal. 43. 4. Taf. 2. 
Fig. 6. — Brogn. Cr. f. 36. pl. 3. f. 7. — Milne Edw. Cr. III. 332. — Boeck. Gaca 
norw. 41. — Tritt. Lloydii Murch. S. S. II. 6G0. pl. 23. fig. 4. — Emair. diss. 53. 9. — 
MiLNE Edw. /. /. 4. — 
Kopfschild der Form nach \vio bei der vorigen Art, aber die Hinlerecken sind in breite, 
einander parallele punklirte Lappen vorgezogen, welche hinterwärts noch über die Körper- 
ringe hinausragen und zuleizi in eine feine Spitze ausgehen, die kürzer ist, als der Lap- 
pen. Rumpfringe (angeblich fünf) schmal, kaum halb so breit wie die Seilenlappen. 
Schwanzschild kreisabschnillförmig, kürzer als ein Halbkreis, die Achse ganz gegliedert, 
die Seilen mit C — 7 Rippen. — 

In einem schwarzen Kalkstein aus den oberen Straten der unteren Silurischen Schich- 
ten; selten. 

3. Tr.fimhrialus: liinbo scuti eephalici dilatato, radiatim granulato; angulis posllcis irre- 

gulariter granulalis, subreclis, mucronatis; cauda tota annulata, annulis 12 — 13. Long. 1". 

MuRCHis. l. l. pl. 23. fig. 2. — Luid. lehn, brill. cpist. I. pag. 29. fig. 23. — Emmr. diss. 52. 

7. — MiLNE Edw. /. /. 2. — Asaph. seticornis, Hisinger Leih. sacc. 2. supp. Tab. 37. 

Fig. 2. ~ Sars Isis 1835. Taf. VJIl. Fig. 4. d. (gewiss nicht das Sclnvaiizschild eines Ampyx). 



67 

Kopfschild kürzer und breiter als bei den vorigen Arten , der Saum vorn und an den 
Seilen mit Poren in radialer Stellung ; die Hinterecken nicht eingezogen , ziemlich recht- 
winkelig , unregelmässigcr porig granulirt , mit langem, ziemlich geradem Endstachel. Der 
Kopfbuckel nach hinten wenig verschmälert, mit schwachen Spuren von Seiteneindrücken, 
nur w euig länger als breit. Rumpfringe undeutlich , Schwanzschild länglich dreiseilig, die 
ganze Achse bis zur Spitze gegliedert, lang, besteht aus 13 und mehr Ringen; die Sei- 
len mit 12 radialen Rippen, der Rand scliarfkantig. — 

Alimerk. Tr'm. 7mdiis Mürch. ihid Fig. 5. halte icli für dieselbe Art, deren Siuim am Kopf- 
scliilde abgebro'heii ist. Man vergleiche damit E.mmrich's Figur '^. — 

4. Tr. ornafus: llmbo scuti cephalici antice augusto, exlus posliceque lato, sed cou- 
stricto ; angulis poslicis acuminalis , longe spiiiosis. 

Tril. onudits Sterne. Veilt. 1833. 53. /ig. 2. u. — Tr'm. rad'iahis Murch. /. /. fig. 3. — 
Emmr. diss. 52. 8. — Milne Edw. /. /. 3. uml 332. — Boeck Gaea nonc. 42. 
Kopfschild ebenso kurz und breit wie bei der vorigen Art, aber der Saum am Vor- 
derrande schmäler und die Warzen nicht in Strahlen, sondern in (4 — 5) concenlrischen 
Reihen; die Seiten sehr stark erweitert, mit 5 — 6 Porenreihen, aber gegen den Ilinler- 
winkel wieder stark eingezogen, so dass diese Gegend des Randes Sfürmig wird. Der 
Endstachel lang, dünn, spitz. Der Kopfbuckel eiförmig, vorn höher und stumpfer, mehr 
kugelig. Rumpfringe und Schwanz noch nicht genau bekannt. 

Aiimerli. Ich halte die Angabe von Murchison, dass der erweiterte Rand nur 2 Reihen Warzen 
habe, für unrichtig; Graf Sternberg bildet auch 4 — 5 ab. Tr'ui. asuphoides Murch. /. /. Fig. 6. 
scheint mir dieselbe Spezies mit abgehrochenem Saume des Kopfschildes zu sein. Wenn diese Vermu- 
thuiig richtig ist, so würde das Schwanzschild dieser Art kürzer dreiseitig, aber die Aclise e])enfalls 
vielgliedrig sein luid etwa 10 — 11 Seitenrippen haben. Vielleicht gehört indess dieser Rumpf eben- 
falls zur vorigen Spezies. — 

Beide finden sich selten bei Builth in Lhandeilo Schichten und in Böhmen. Graf 
Sternberg's Exemplare lagen in einem sehr mit Sclwefelkies durchzogenem Gestein aus 
der Gegend zwischen Zebrak und Proskai es. Aehnliche Bruchslücke bemerkt man auf 
den von Zenker (Beitr. Taf. IV. Fig. N — 5.) abgebildeten Kalkkonglomeraten von Karl s- 
h litten und Beraun, aus denen, wie aus den Schwanzschildern einer ganz anderen Art, 
Verfasser sein Olctrion diffraclum zusammengesetzt hat. Diese Gattung ist daher aus 
der Trilobiten -Liste völlig zu streichen. — 

5. Tr. tesselldlus: limbo scuti cephalici parabolico, tessellato-punctato; sculo cau- 
dae triangulari. Long. V2 ". 

Cryptol. lessell. Green. Mo7i. 73. fig. 4. — Modell no. 28. — Bronn Leih. I. 117. 105. 
Taf. IX. Fig. 13. — Emmb. disserl. 50. 2. — Harlan Zool. res. 304. — 

9 * 



6§ 

Nach Al)bildung und Gypsabguss zu urlheilen länglicher und schmäler als die übrigen 
Arten ; die Form des Kopfschildes mehr parabolisch, die Seitenlappen der Körperringe mehr 
gewölbt; das Schwanzschild dreiseitig, ziemlich spitz. — 

In einem schwarzen Kalkstein von Trentonfalls und Glenfalls in New-York ; auch auf 
der Insel Montreal. — 

Weder die Abbildung, noch die Beschreibung geben bestimmtere Unterschiede als 
die erwähnten an, daher ich die Art für unsicher halte. Dasselbe gilt noch mehr von 
Tr. Bi'gsby {^Geolog, of llie Island of Montreal , im Lyceum of naltir. hisf. of New 
York, pag. 214. und Green/, l.) und Nuttainia concentrica Eaton (geolog. text booTi)^ 
die ich daher übergehe. — 

2. Galt. Ogygia Brogn. 

Kopfschild halbkreisförmig oder parabolisch, flach; der Kopfbuckel massig gewölbt, 
nach hinten verengt, mit 3 schwachen Seiteneindrücken; Wangenschilder in eine mehr 
oder weniger lang ausgezogene Ilinterecke verlängert. 

Augen massig gewölbt, halbkreisförmig, in der Mitte neben dem Kopfbuckel angebracht. 

Gesichtslinie sehr deutlich, läuft dem Vorderrande parallel, zwischen ihm und dem 
Kopfbuckel, in einem Bogen nach links und rechts, w^endet sich dann unter einem abge- 
rundeten beinahe rechtem Winkel zum Auge, bildet über dem die bekannte Platte, und 
wendet sich von da Sförmig gekrümmt und in der Ilauplrichtung dem Hinterrande parallel 
zu ihm hin, auf etwa Vs seiner Erslreckung vom Kopfbuckel in ihn mündend. 

Rumpf entschieden achtgliedrig*), die Glieder kurz aber ziemlich breit, doch schmä- 
ler als die halben Seitenlappen; letztere gerade, flach, am Ende stark nach liinten gebo- 
gen, zugespitzt. — 

Schwanzschild dem Kopfschikle entsprechend, seine Achse so lang wie der Rumpf, 
vielgliedrig, seine Seiten mit radialen Furchen, deren Zwischenräume durch kleinere halbe 
Radien wieder getheill sind. 

Vorkommen. In den ältesten Versteineruns'en führenden Lasen. 

A u 111 e r k u ii g. 
Diese Gattung steht ia einem so aiiifallemleu Venvandscliaftsverhältniss zur vorigen, dass es wahr- 
haft ülierraschend ist, sie bisher öfters mit den ganz heterogenen Asaphus-Xrttn ziisamracngeworfen 
zu finden. Man sieht deutlich, dass auch genaue Beobachter, wie Emmrich und Boeck, die zoolo- 
gische Seite dieser Petrificate nicht immer richtig würdigten. — 



*) QuENSTEDT Teftheidlgte die nach defekten Exemplaren gemachten 7gliedrigen Figuren; alle gut 
erhaltenen Exemplare die ich sah, hatten acht Ringe. 



69 

1. O. Bucfu'i: scuto capilis caiulaeque scmicirculato ; illius angulis posticis acumi- 

natis. Long. 3 — 5". Taf. I. Fig. 2. 

Lhwoyd phil. Tr. Vol. 20. 279. iub. add. fig. 15. — lehn. hril. Ep. I. lab. 22. f. 4. (sec. 
Brunn.) — Tiil. dllalalus Brunn. Kjobcnh. Widensk. Selsk. S)v/7. 1781. I. 393. IV.— 
Parkins. org. reviams elc. III. pl. XVII. f. 13. 15. (?) — As. d. Dalm. Palaeud. 67. 8. 
lab. III. fig. 1. — E.>imr. diss. 28. 5. — Sars Isis. 1835. 336. /«6. VIII. fig.ö. — Isot. 
ditut. MiLNE Edw. Cr. III. 302. 9. — Asaph. de Buchü Brogn. Cr. f. 20. 2. pl. II. ßg.^. 
A.B.C. — ScHLOTH. Nachlr. II. 34. 8. — Dalm. Pulaead. 68. 9. — Murch. &U Sys/. 
II. 662. pl. 25. /". 2 e< 3. (jung.) — Emmr. diss. 28. 5. — Milne Edw. Cmst. III. 309. 5. 

Kopfscliild ziemlich genau halbkreisförmig, der Längsradius vielleicht ein wenig kürzer 
als der Querradius ; Kopfbuckel flach gewölbt, vorn am; stärksten, hier abgerundet, nach hin- 
ten verengt, mit jederseils drei leichten Quereindrücken, wodurch zwei vordere schmälere, 
und ein dritter hinterer breiterer Seiteidappcn undeutlich begränzt werden; der Hinterrand 
ziemlich bemerkbar aufgeworfen. Augen nicht gross, halbkreisförmig, entsprechen in ih- 
rer Stellung den beiden vorderen schmäleren Lappen des Kopfbuckcls. Wangenschild mit 
einer dem Aussenrande concentrischen kanalartigen Vertiefung und stark vorgezogener llin- 
lerecke, die bei kleineren Exemplaren bis zum dritten, bei grösseren bis zum sechsten 
Hinlerleihsringe reicht. — Rumpf deutlich achtgliedrig, bisweilen durch Verschiebung 
zweier Ringe nebeneinander siebengliedrig (vgl. d. Anm. 2.), die Ringe schmäler als die 
halben Seitenlappen, massig gewölbt; die Seitcnlappen ganz flach, am Ende bogig nach 
hinten gekrümmt , mit starker Diagonalfurche , die aber die Endecke nicht ganz erreicht. 
Schwanzschild wie das Kopfschild geformt, doch sein Läiigsradius grösser als der Querradius, 
daher der parabolischen Form angenähert; die Achse nach hinten allmälig verjüngt, am 
Ende zugerundet, deutlich gegliedert, die Zahl der Ringe in ihr nach dem Alter verschie- 
den, gewöhnlich 13 mit dem etwas längeren Endgliede , bei jüngeren Exemplaren 11, bei 
älteren bis auf 17 gesteigert; die Radien neben der Achse auf dem Schilde gewöhnlich 
um 2 klemer als die Gliederzahl der Achse, bei 13 Gliedern also 11, mit den schwachen 
Spuren eines zwölften Strahls neben den beiden auch undeutlicher gesonderten Endgliedern ; 
die Zwischenräume zwischen den Strahlen durch eine schiefe Diagonalfiu-che wieder ge- 
Iheill, mithin den Seitenlappen der Rumpfringe ganz ähnlich. — 

Au merk. 1. Asaph. dilalaius nnd Buchn der Schriftsteller sind gewiss nicht von einander ver- 
schieden, sondern eine und dieselbe Art. Die Abbildung bei Dalman ist nach einem Gypsabguss ge- 
fertigt und eben deshalb so undeutlich. Ans diesem Grunde habe ich auch die spätere Benennung 
vorgezogen, weil nur unter ihr die Art deutlich dargestellt worden ist. Parkinson's, Brogniart's 
und Murchison's klare Figuren lassen über die Identität derselben Art keinen Zweifel. Auch Lhwotd's 
älteste Figur in den phil. Tr. stellt diese Art ziemlich gut dar, daher sie auch ans der lehn. brit. 
von Brünnich zitirt wird. Die Individuen wechseln übrigens gar sehr in der Grcisse; ich habe an ei- 



KO 

nein Haiulstiick der Hallenser Sammlung (Nr. 639.) ein Scliwanzschild vor mir , das kaum die Grösse 
eines Silbersecliscrs besitzt, aus 11 Gliedern in der Achse, einem ziemlich laugen ungetlieilten Ead- 
gliede und 10 Iladien besteht. Durch fortschreitende Theilung dieses längeren Endgliedes hei zuneh- 
mendem Alter vermehrt sich die Zahl. Ein anderes Exemplar desselben Gesteins (eine schwarzgrane 
Grauwacke von unbestimmtem Fundort) wurde von mir dargestellt und mit ganz vollständigen Stücken 
des Berliner Museums (Nr. 9. 8. und 9. 9.) verglichen. 

Anm. 2. Hr. Quenstedt vertheidigt die siebengliedrige Bildung dieses Triloliiten, und slützt 
sich dabei auf die Abl)ildungen von Dalman und Brogmart (2. A.), so wie auf Originalexemplare. 
Allerdings giebt es im Berl. Museum zwei gut erhaltene Stücke (Nr. 9. 1. und 9. 5.) mit nur sieben 
deutlichen Gliedern, aber auch andere, völlig so deutliche mit acht (Nr. 9. 8. und 9. 9.), daher jene 
Zahl lediglich durch Verschiebung zweier Ringe untereinander entstanden sein kann. Bedenkt man, 
dass es blosse ScJiaalen waren, welclie die uns aufliewahrten Abdrücke veranlassten, so ist ein sol- 
ches Verschieben sehr wohl begreiflich und um so leichter, je schlechter die Hülle sicli erhalten hatte. 
Dasselbe gilt von der folgenden Art. 

2. O. Gtiellardi: sciilo cnpitis caiidaeque parabolico ; illius angiilis poslicis longissime 
acuminalis. Long. 3 — 6 Zoll. Taf. I. Fig. 3. 

Brogn. Cv. foss. 28. 1. pl.3. ficjA. A.B. — Bronn Leih. I. 119. lab. IX. (ig. 19. — BrcK- 
LAKD M'iner. et Geol. pl. 46. /'. 9. — Milke Edw. Crusl. III. 337. 1. — Dalm.. Pulnead. 
72. 1. — Emmr. disHeti. 27. 1. 

T/7/. Guell. ScHOTH. Peivf. Nttchlv. II. 93. 1. und 35. 13. 

Ogyg'm Mwch'isoni Murch. SU. Syst. 664. pl. 25. /". 3. a. (die unlere Figur ü. gehört nicht zu 
Of/ygiu, sondern zu einem Astiphii.'i.) — Milke Edw. /. /. 338. 3. 

Kopfscliild länglich paral)olisch , ziemlich spitz; der Kopfbuckel, soweit er sich er- 
kennen lässt, wie bei der vorigen Art gebildet; die Augen länglich elliptisch, die Hin- 
lerecken des Wangenscliildes so lang wie alle Runipfringe zusammen genommen, oder 
noch länger. Acht Rumpfringe, ihr Querdurchmesser grösser als die halbe Breite der Sei- 
tenlappen, beide relativ länger als ])ei der vorigen Art. Schwanzschild länglich parabolisch, 
ziemlicii spilz, mit breiter Achse, die nur ])is auf V« der Länge des Schildes reicht und 
aus neun Ringen besteht; die Seltenlheile mit 8 radialen Streifen. 

Im schwarzgrauen Thouschiefer von Angers; nach Exemplaren des Berl. Mus. (Nr. 10. 1.) 

Anmerk. 1. In Guettard's Abhandlung über die Schiefer von Angers (Mem. de l'ncud. de 
sc'ienc. 1757. S. 82.) findet sich keine Figur dieser Art, höchstens könnte Taf. 7. (V.) Fig. 3. hier- 
her gezogen werden. 

Anm. 2. Murchison beschreibt in seinem mehrmals erwälinten Werke mehrere Trilobiten, welche 
von anderen Schriftstellern zu Ogyg'ia gezogen worden sind, allein nicht hierher gehören. 

Asaplt, comdens'is 663. pL 25. fig. 4. schlicsst sich zwar durch manche Verhaltnisse an O. Buch}} 
an, ist aber wahrscheinlich ein achter Asaphus, wenn anders die Scitenlappen der Rumpfringe rich- 
tig dargestellt sind. 



— 71 — 

Dagegen ist Asaph. dttplmüus ihid. Fig. 8. wohl nichts als ein breifgedrücktes SchwanzscLild der 
Ogygia Buch'n im jugciidliclieii Alter. 

Asaph. lyrantms. 662. ^^/. 24. u. /^/. 25. f. 1. gehört auch nicht zn Ogygia, sondern ebenfalls 
lu Asaphus. — 

Anm. 3. Ogygia Desmuresfi Brocn. l. l. 28. 2. pl. III. fig. 1. — Schloth. Nachlv. 23. 
2. u. 35. 14. — Dalm. Palaed. 72. 2. — Milne Edw. Crusl. 338. 2. — Emmr. diss. 27. 2. 
Abdruck eines Bruchstücks von der unteren Seite, daher die parallele Steifuiig des Kopfschildes, bietet 
zu wenig Merkniahle dar, als dass es sich ycrioliiite, darauf eine eigne Art zu gründen. Vielleicht 
gehörte dasselbe bloss einem sehr grossen Exemplar der Ogygia Buch'ii an , dessen Ringe theilweis 
über einander geschoben sind, und deshalb so schmal erscheinen. Zu Ogygia gehört es indess sicher. 
Guettard's Figuren, die MiliXk Edward's zitirt , beziehen sich auf eine ganz audere Art, meinen 
Illaenus giganlcus. 



B. 

Mit einem einfachen, ebenfalls noch ziemlich grosse?! Schwanzschilde, dessen Achse jedoch 
aus icenigen Gliedern besieht und immer kürzer ist als der Rumpf. 

Man kann die hierherg-eliörig^en Gallung-en nach der Anzahl der Runipfringe in die 

acht gliedrigen und zehn gliedrigen theilen. 

a. 

Acht gliedrige Trilobitcn mit kurzer gegliederter Schica7izachse und mangelndem 

Kugelungsvermögen. — ODONTOPLEURIDAE. 

3. Gatt. Odonfo])leura Emmr. 

Acidaspts MURCII. ? 

Diese merkwürdige GalUing schhcsst sich im Habitus unmittelbar an die vorige, und ist 
schon deshalb zoologisch höchst interessant, weil ihre beiden Arten sich habituell auf die- 
selbe Weise von einander unterscheiden, wie die der vorigen. 

Das Kopf Schild ist kreisabschnitlformig , nehnillch der Längsradius viel kürzer als 
der Ouerradius; der ziemlich gewölbte Kopfbuckel ist der Länge nach ungetheilt, hinten 
verengt und mit einem starken Artikulationswulst versehen; seitlich erweitert er sich, und 
hat hier drei andere kleinere Buckel in 2 Reihen neben sich. Die Gesichtslinie ver- 
läuft ganz ähnlich wie bei Ogygia^ bildet vorn einen Bogen vor dem Kopfbuckel, zieht 
sich dann nach innen zum Auge, wendet sich von da zum Hinterrande, und dringt auf 'A 
von der Endecke in ihn ein. Die Wangenschilder sind daher breit, am ganzen Aussen- 
rande verdickt, aufgeworfen, ziehen sich vorn vor dem Mittelschilde vorbei, und tra- 
gen oben an ihrer erhabensten Stelle, nach hinten zu neben dem hinteren Rande des 
äusserstcn Kopfbuckellappens, ein sehr kleines Auge. — 



— ^^ — 

Die Rumpfringe, acht an der Zahl*), sind schmal, aber stark gewölbt, und die 
Seilenlappen liegen in einer Ebene; jeder hat eine erhabene Querwulst, und einen lan- 
gen, schief nach hinten gerichteten Endstachel. 

Das Schwanz Schild hat eine kurze zweigliedrige Achse, nur eine erhabene 
Seilenrippe, aber grosse starke Randstacheln am äusseren Umfange. 

Die Oberfläche des Körpers ist mit Warzen imd Höckern regelmässig bekleidet. 

Vorkommen; in den oberen Silurischen Schichten (dem Kalkstein von Wenlock 
entsprechend): Eifel, Schlesien, England. — 

1. O.ovaUi. Corpore ovalo, dilatalo, undique fimbrialim spinoso; lobis trunci bispi- 
nosis, scuto caudae duodecics spinoso. Long. '/» Zoll. Taf. II. Fig. 1. 

Emmr. dhs. 53. adj. lab.fiy.Z. — BuUus luberadulus Klöden, Verst. d. Mark Branden- 
burg. 112. Taf. I. Fig. 16-23. 

Dieses ausgezeichnete Thicr liegt in einem gelblich leberbraunen Kalkstein, der als 
Geschiebe in Schlesien vom Herrn Bocksch gefunden wurde. Durch Herrn v. Decheiv 
o-elangle das einzige bekannte Exemplar in die Berliner Sammlung, und von ihm entnahm 
ich Beschreibung und Abljildung. 

Der Umfang ist eine breite Ellipse, deren Querdurchmesser über Vs des Längendurch- 
laessers belrägt. Die Länge des Kopfschildes nimmt davon etwas mehr als Vo fort; der 
Hauplbuckel ist in der Mille glalt, an den Seiten granulirl, die beiden folgenden kleine- 
ren Buckel neben ihm haben viele kleine Körnchen , der drille äussere hat vor der Augen- 
gegend 3 grössere Höcker und viele kleinere ; die Wangenschilder sind gleichmässig gra- 
nulirl und ihr äusserer aufgeworfener Rand ist zugleich mit einer Reihe Höcker und Stacheln 
"■ezierl. die ich nur in der Mille des vordersten Endes vermissle. Auf dem Arlikulalions- 
wulst sieht in der Mille ein sehr grosser Höcker, neben ihm jederseils ein etwas klei- 
nerer, und um diesen mehrere ganz kleine. Die Achsentheile der Rumpfringe haben ne- 
ben der Mille zwei ziemlich grosse Höcker, und neben diesen »nach aussen jederseils 2 
kleine. Auf den Seitenlappen zeigt sich ein erhabener Wulst, welcher am Rande in einen 
Stachel ausgeht, und auf seiner Fläche mit 7 abwechselnd grösseren und kleineren Höckern 
i)osel/A ist; vor ihm bemerkt man, wie hinler ihm, eine Querreihe anderer sehr kleiner Höcker, 
und am Rande vor dem Stachel einen zweiten Ideineren, welcher der vorderen Höckerreihe 
enlspricht. Diese kleine Stacheln sind alle gleich lang, die grösseren werden nach hin- 
ten zu allmälig länger. Das Schwanzschild ist etwas kleiner als das Kopfschild, von 



•') Herr Emmrich giel)l nur sieben an, liat aber, weil vom fünften Gliede beide Seitenlappcu al)ge- 
l)roclieD sind . dieses ül)erselien «nd dalier beim Ziililen ausgelassen. Man vergleiclie seine und 
meine Figur, 



TS 

grösseren und kleineren Höckern bedeckt und am Umfange slachelig; die Stacheln, deren 
Anzalil 6 auf jeder Seite ist, sind gleich lang und gleich gross, zu dem dritten von der 
Mitte wendet sich der vom ersten Achsenringe ausgehende Wulst. — 

An merk. 1. Ballns lubcrcuUüus Klüdew's l)enilit eiitscliieden auf Kopfbnichstiicken dieser Ar«- 
Fig. 16— 19. siml Abdrücke ohne Scliaaleiiieste, Fig. 20— 23. hesser erlialtciie Stücke mit dcrScIiaale- 
Fig. 22. a. ist am deiitliclisteii erkannt, die anderen Formen mehr oder weniger ungenügend. 

Anmerk. 2. Vielleicht gehört Grak v. Mü^ster's Trtnrtclms gibbosus, Beitr. III. 47. Taf. V. 
Fig. 27. als Bruchstück des Kopfscliildes zu dieser oder der folgenden Art. 

% O. elllplica: elongato-elliplica , lohis Irimci uiiispinosis, scuto caudae dccies spi- 
noso. — Long. 'A". Taf I. Fig. 4. 

Pitmdoxides ■l-mucromilus. MvtxCe. Sil. Stjul. U. C^öH. pl.ii. j'kj. 10. — Ac'hI(ix))/s Bviijhlu, 
ibid. f. 15.? — Arges armulus , juv, Goldf. n. ad. ph. med. soc. Caes. Lcop. Cur. n. c. 
Vol. XIX. ;). I. pug. 355. iub. 33. pg. 1. d. e. — 

In einem grauen Kalkstein der Eifel; nach einem Exemplar der S.vcK'schen Samm- 
lung. Das Kopfschild ist nur in einem kleinen Theilc vorhanden, gleicht aher so weit 
dem der vorigen Art; indess ist der sichtbare Theil des Vorderrandos mit dickeren Knöt- 
chen besetzt und die Lappen neben der Stirn scheinen mir schmäler zu sein. — Rumpf- 
ringe sämmtlich vorhanden (8.), aber nur die 2 letzten vollständig, auf jedem 2 kleine 
seitliche Knötchen; die Seitenlappen schmäler als der doppelte Ring, jeder ebenfalls mit 
2 Knötchen, und einem langen von dem Wulst ausgehenden Stachel; einen zweiten vor- 
deren Randstachel bemerke ich nicht. Schwanzschild viel kleiner und schmäler als bei der 
vorigen Art, die Achse mit 2 Ringen, Der erste sendet einen lappigen Wulst zum Hin- 
lerrande, der in den vierten grössten Randstachel jederseils ausgeht; die 3 früheren 
nach vorn successiv kleiner, die beiden mittelsten (der fünfte jeder Seite) so gross wie 
der zweite. — 

Anmerk. Dass die von Goldfuss gelieferte Figur hierher gehört, ist ganz sicher; sie ist 
auch zu sehr yon den übrigen seines Arges arvutlus Terschieden, als dass eine Arleinerleiheit denk- 
bar iviUe. MuRCHiso.\'s Fig. 10. stellt ebenfalls unzweifelhaft diese Art vor, ob aber Fig. 15. das 
Kopfschild ist, wie ich mit Emmrich vermuthe, muss noch dahingestellt bleiben. — 

4. Gatt. Arges Goldf.*). 

Da ich diese Gattung nicht aus eigner Ansicht kenne, so theile ich hier einen Aus- 
zug aus Herrn Goldfüss Beschreibinig mit. 



*) Der Gattungsname ist nicht gut gewählt, da es schon eine von G. Fischkr aufgestellte Milbengat- 
tuug Argas giebt; auch die anderen Namen desselben Verfassers leiden an ahnliclien Uebelstiinden. 
Harpes erinnert zu sehr an Harpa oder Harpax, und Brontes nannte schon Fabricius eine 
Kafergattung. 

10 



Kopfs cliild hoch gewölbt, auf der Mitte des Buckels zwei sehr hohe rückwärts 
o-eboo-ene divergirende Stacheln; die Seiten hinter dem Wangentheil ebenfalls mit einem 
Stachel bewehrt, der Rand schmal, hinterwärts in eine den Rumpfgliedern an Länge gleiche 
o-eboo-ene Ecke hervorgezogen. Unten eine gewölbte stark herabhängende Mundplatte, 
die bogenförmig den vordersten Kopftheil hinter dem Rande (den Clypeus) umfasst. 

Auo-en und Gesichtslinie nicht erkennbar. 

Rumpf wahrscheinlich achtglicdrig (in der Figur sind mir sieben Ringe deutlich 
dargestellt) ; die Ringe und die Seitenplalten hoch gewöDjt, nach hinten breiler, der Quer- 
durchmesser jedes Ringes grösser als die Breite der Seilenlappen, letztere am Rande in 
einen Stachel ausgezogen ; die einzelnen Ringe nach hinten successiv breiter und grösser. 

Schwanz Schild gross, mit fast einfacher, scheinbar ungegliederter Achse, auf 
welcher ein lauger rückwärts gebogener Stachel sitzt; der äussere Rand abwechselnd mit 24 
o-rösseren und kleineren Stacheln bewehrt ; die Seilentheile mit undeutlichen radialen Wülsten. 

Die ganze Oberfläche fein granulirt, auf dem Umfange, da wo Stacheln ent- 
springen, grössere Höcker. — 

Vorkommen, im Uebergangskalk der Eifel. 

Die einzige bekannte Art ist 

yi. nrmatus, GOLDF. in nova acta ■phys. med. soc. Caes. Leop. Carol. n. cur. 
Vol. XIX. p. I. p. 355. Tab. XXXIII. Flg. 1. — «c. — Vollständig bis 2 Zoll lang, 
der Rumpf etwa 10 Linien, — Die Granulation scheint gleichmässig zu sein, sie bildet 
auf den Ringen und Seitenlappen eine Querreihe grösserer Höcker, welche kleinere be- 
gleiten. Das Schwanzschild zeigt radiale Wülste, die zu den grösseren Randstacheln jeder 
Seite sich begeben; zwischen dem ersten und zweiten derselben findet sich ein kleinerer 
Stachel, zwischen den drei folgenden jedesmal zwei; die beiden mittelsten Hauptstacheln 
unmittelbar am Ende haben keine kleineren Stacheln zwischen sich. 



V5 

b. 

Zehngliedrige Trllobllen mit kurzer ungegliederter Schioatizachse und mangelndem 

Kugclungsvcrmögen. 

5. Gatt. Brontes Goldf. 

Die Schwanzschilder dieser Gattung sind häufig genug, alles übrige aber ist so selten, 
dass ich nie mehr als jene untersuchen konnte. Daher dürfte die Charakteristik der Gruppe 
noch mangelhaft sein. 

Am Kopf Schilde sind immer die Wangenschilder abgebrochen, und daraus sclilicsst 
GoLDFUSs auf ihre wirkliche Abwesenheit, die mir aber nicht zulässig zu sein sclieint; 
der übrige Theil hat vorn und liinten einen aufgeworfenen Rand, einen vorn mit dem 
Rande zusammenstossenden stempelfürmigen flacli gewölbten Buckel, der durch seitliche 
Einschnitte in vier von vorn nach hinten successiv kleinere Lappen getlieilt und an der 
Stelle des dritten und vierten stark verengt ist. Die Gesichtsnaht, welche nach meiner 
Ansicht das Kopfschild an beiden Seifen begrenzt, entspringt vorn vom Rande dicht neben 
der Ecke des Kopfbuckels, läuft an beiden Selten parallel geradlinigt zum Auge, das ne- 
ben dem dritten Lappen des Kopfbuckels zu liegen scheint, bildet über ihm die bekannte 
Deckplatte, inul wendet sich c/5 förmig gebogen zum Hinterrande, in den sie auf der Mitte 
jedes den Seitenlappen der Rumpfringe entsprechenden Abschnittes einmündet. 

Die zehn Rumpfringe sind kurz, fast ebenso breit wie ihre Seitenlappcn, in die 
Quere gewölbt; die Seitenlappcn nach aussen flach, stark hinterwärts gekrümmt. 

Das Schwanzschild ist sehr gross, kreisrund oder etwas parabolisch; es enthält 
vorn eine ganz kurze eingliedrige Achse, von der radiale Furchen und Leisten ausgehen. 

Vorkommen, im Uebcrgangskalk der Eifel und des Fichtelgebirges bei 
Ebersreuth. 

1. Br. ßuhcUifcr: superficie tota granulala; cosfis scutae caudalis cjuindecim. — 
Long. VU—VU". 

Goldf. /. /. 361. fig. 3. — Br.rudialus Gr. Münster. Be'dr. III. Nr. 1. Taf.N. Fig. 13. a. b 

Die Granulation besteht auf dem Kopfschilde aus ziemlich grossen Höckern, zwischen 
denen noch ganz kleine vorkommen; die Rumpfringe und Seitenlappen haben eine Quer- 
reihe von Höckern; das fast kreisrunde Schild zeigt 15 erhabene Rippen, die durch ziem- 
lich ebenso breite Zwischenräume getrennt sind, und auf jeder Rippe viele ziemlich kleine 
gleich grosse Höcker, je 2 oder 3 neben einander. Die Mitte des ganzen Scliildes ist 
gewölbt, gegen den Rand verflacht es sich und breitet sich in einen waagrechten Saum aus. 

Aumerk. 1. Die Tora Herrn Grafen t. Münster abgebildeten Scliwanzscbilder scheinen etwiis 
breit gedrückt zu sein und dadurch ilu* mehr elliptisches Ansehu bekommen zu ha])en. 

10"' 



^G — 

A u m. 2. Derselbe bildet a. a. 0. Fig. 14. 15 u, 16. noch drei Bruchstücke ab , welche Schwanz- 
scliildeni dieser Gattung ähuelu; Fig. 15. Br. suhradialus scheint mir von Br. flabelUfer kaum 
verschieden zu sein; Fig. 14. Br. coslulus nnd Fig. 16. Dr. Neplimi haben eine längere Achse, und 
ersterer zwar dieselbe Zahl der Kippen wie Br. flabelUfer , aber eine so abweichende Grösse nnd 
Bildung, dass ich darin gar kein ß»-o?j/cs- Schild erkennen kann; Br. Nepluni schliesst sich durch 
9 flache Rippen ganz an Eni. lulicmidu Wahl, und scheint davon nicht verschieden zu sein. 

2. Br. laticaudct : superficic glabra ; costis scutao caudalis tredecim. Long. ? 
Wahl in 7i. ad. Ups. VIII. 28. 3. — Brogn. Crusf. foss. 24. 5. pl. III. fig. S. — Sühloth. 

Pelref. Nachtr. II. 22. 5. 35. 12. — Dalm. PaUtead. 52. 13 u. 71. 18. 
VVaiileaberg beschriol) seine Exemplare aus einem weissen Kalkstein von Osmunds- 
berg in Dalekarlien, und in einem ganz ähnlichen lagen dicht gedrängt die Bruchstücke 
lieben einander, welche ich im Berl. Mus. (Nr. 7, 1 — 4.) untersuchte. Das Kopfschild 
bestand bloss aus dem Mittolstiick, zeigte in diesem einen vorderen und hinteren stark 
aufgeworfenen Rand, der dort breit und fast gerade, hier noch breiter und in der 
Mitte stark nach aussen gebogen war, welche Biegung den Rumpfringen entsprechen 
dürfte. Eni einfacher länglich elliptischer ungetheilter Kopfbuckel erfüllte die ganze Mitte 
desselljen, blieb aber vom Vorderrande entfernt. Etwas vor der Mitte bemerkte man an 
der Gesichtsnaht, die in ihrer Ilauptrichtung nach hinten divergirend verläuft, die Deckel- 
platte über dem Auge als Ausbiegung des Randes ; die Abschnitte vor imd hinter derselben 
waren S förmig. Wangenschilder fand ich nicht. Das Schwanzschild war mehr parabo- 
lisch, halte eine ziemlich gleichseitig dreieckige Achse, und 13 radiale, von der unpaa- 
reu mittleren nach den Seiten hin kürzere feine Leisten, von welchen die unpaare allein 
gerade ist, die paarigen seitlichen aber S förmig gebogen sind. — 

A n m e r k u n g e n. 
1. Wahlene"erg bildet a. a. 0. ein Kopfstück ab, welches dem meinigen völlig gleicht; auch das 
Schwanzschild ähnelt dem von mir abgebildeten sehr, hat aber nur 9 feine Leisten, welche indess so 
unsymmetrisch stehen, dass schon hieraus die Falschlieit der Abbildung sich ergiebt. Ol) dennoch 
Graf v. Muasters Br. Aei)lu)i'i (s. d. vorige A.) hierher gehöre, wage ich nicht zu behaupte». 

2. Die ganze Kopfliildung dieser Art ist übrigens so wesentlich von der vorigen (Br. flabcUifer) 
verschieden, dass ich die geiierisclie Uel)ercinstimmung beider noch selir bezweifele, und Br.lulkauda 
bloss hier aufführe, weil ich ihm keine iiessere Stellung anzuweisen wusste. Die ganze Gattung 
bedarf nocli einer viel genaueren Prüfung, wozu mir indess die nöthigen Materialien fehlen. 

3. Die Gattung Lichas DaliM. (Palaead. o3. IV. und 72.; Enlomoslr. lachiialus Wahl./. /. 
34. 8. fab.2. f. 2.; — Brogn. l. l. 35. 3. ;>/. 3. /jfiT. 3.; — Schloth. Nachlr. II. 36. 19.; — 
ÄIiL^E Edw. Cr. III. 344. 3.) übergehe ich, weil die davon bekannten Bruchstücke keine Charakteristik 
erlauben. Ein einfaches, aber 31appig an jeder Seite eingeschnittenes Schwanzschild mit halber ein- 
gliedriger Achse scheint sie dem Br. laücauda zu nähern. — 



— t^ — 
c. 

31U einem einfachen, aber sehr kleinen Schu-ati'ischilde j dessen Achse mehrgliedrifj , 
aber stets r/el kiirxev ist als der Rumpf. — OLENIDAE. 

Die beiden hierher gehörigen Gallungen, Paradoxides und Olenus, wurden bisher 
von den Schriftstellern vereinigt, unterscheiden sich aber leicht und sicher am Schwanzschilde, 
das bei Paradoxides keine seitliche Erweiterung am Grunde hat, bei Olenus dagegen 
hier erweitert und dadurch im Allgemeinen dreiseitig gestaltet ist; jene Gattung hat 16 
bis 20, diese 14 Runipfringc. — 

6. Gatt. Paradoxides Brogn. 
Olenus secl. I. Dalm. 

Kopf Schild halbmondförmig, mit verdicktem aber nicht aufgeworfenem Rande; der 
Kopfbuckel kolben- oder eiförmig, massig gewölbt, nach vorn verbreitert, von der Ver- 
jüngung an durch 3 geschwungene Querfurchen in vier Abschnitte getheilt, deren hin- 
terster der Artikulationsrand mit dem Rumpfe ist. — Untere Kopfflache (Taf. I. Fig. 7. 
Eni. hucephalus Waiil. claulor.') mit einem schwächeren, dem vordersten Abschnitt des 
oberen analogem Buckel, der hinten mehr verschmälert und durch einen bogigen aufge- 
worfenen Rand begi-enzt ist, vor dem sich jederseits ein schiefer Quereindruck befindet. 

G e s i c h t s 1 i n i e n in ihrer Ilaupirichtung ziemlich parallel, beginnen am Vorderrande in 
der Höbe der Augen, wenden sich S förmig geschwungen zum Auge, bilden einen leicht 
gebogenen Deckel, und laufen wieder S förmig zum Ilinterrande zurück. 

Augen länglich mondförmig, flach gewölbt, entsprechen dem zweiten Ä.bschnitt des 
Kopfbuckels , reichen aber nach vorn bis fast zur Mitte des ersten, nach hinten etwas über 
den Anfang des zweiten hinaus; Augendecke etwas höher gewölbt, als der benachbarte 
Wangentheil. 

Wangenschild schmäler als die halbe Breite des Kopfschildes, vor dem Seiteu- 
raude mit einem bogigen Eindruck versehen, der auch am Hinterrande fortläuft und mit 
demselben Eindruck am Hinterrande des Kopfschildes zusammentrifft ; der Aussensavmi flach 
gewölbt, hinten in einen langen, wenig nach innen gekrümmten Stachel verlängert. 

Rumpf vielgliedrig , wie es scheint nur mit bestimmter Zahl bei den einzelnen Ar- 
ten (16 — 20.), die Glieder nach hinten allmälig schmäler und kürzer; die Seitenlappen 
anfangs in die Quere gezogen, und in diesem Theile etwa so breit wie die Rumpfriiige, 
dann in eine nach aussen und hinten gewendete lange Ecke hervorgezogen ; auf dem Quer- 
Iheile ein tiefer diagonaler Eindruck, der von der vordersten innersten Ecke nach hinten 
zum Anfange des Stachels läuft. 



78 . 

Schwanz Schild kreis- oder eirund, ohne (?) Seitenlappen und erweiterte Seiten 
am Grunde; mit kurzer aber gegliederter Achse, und flachem bloss nach hinten ausge- 
dehntem Saume. 

Vorkommen in sehr alten (canihrischen Schichten) der Grauwacke, des Thonschie- 
fers und Alaunschiefors ; bisher nur in Böhmen, Schweden und bei Petersburg beobachtet. 

Anmerkung. 
Ich kenne \on dieser Gattung nur zwei wirkliche Arten durch eigene Untersuchung genauer, und 
führe daher nur diese hier als solche auf; alle übrigen einstweilen ül)ergehend, ohne damit über ihre 
Artrechte ein entschiedenes Urtheil fällen zu wollen. Naturforscher, die Gelegenheit ha])en, vollstän- 
dige Exemplare der \on mir nicht zugelassenen Spezies zu untersuchen, werden entscheiden können, 
wie weit dieselben von den beiden hier aufgeführten in der That abweichen, 

1. P. hohemlcus: protuberantia capitis clavala; angulis sculi cephalici dimidio cor- 
pore lougioribus; trunco vieles annulato. — Long. 1 — 6". 

Var. luven.: annulis trunci 18.; lobo laterali secuudo in spinam longissimam extenso. Tab.I. Fig.6. 

Taf. I. Fig. 6. 
Olcmis pyrdiiiidaris , Zenker Be'ilr. etc. 41. Taf.lY. Fig. T. U.V. — Tril. gracU'is Boeck, 

Mmux: f. Nalnrw. I. fiy. 15. — Graf Sterneerg in d. Verhandl. d. caleii. ]\Jus. 1825. 

Tat'. I. Fig. 4. C. und 1833. S. 47. 
Aelale paulo provcdior (?) Tril. minor. Boeck /. /. fig. 12 — 14. — 

Var. senilis: annulis tniuci 20.; lobo laterali sccundo reliqiiis aequali. Tab. I. Fig. 5. 

Trilob. bolteniicus Boeck /. l. Fig. 2. — Graf Stebnberg /. l. 1825. 83. tab. I. fig. 4. A. B. 

1833. 46. — KiKSKY in Borns Abhundl. elc. I. 246. Fig. 4. 5. 7. 
Tril. longicatuhdm Zenker Beitr. 37. Tiif.ö. Fig.A. — F. — E.>imr. dissert. 48. 4. — Milke 

Edw. Crusl. III. 341. 2. 
Olenus Tessini rar. 1. Dalm. Valaead. 73. 
MiUellheil des Kopfschildos ziemlich quadratisch , aber der Durchmesser zwischen den 
Auo-enplaüen ehvas grösser als der Längsdurchmesser; der vorderste runde Lappen am 
Konfbuckel länger als die drei anderen zusammengenommen. Endstachcl des Wangen- 
schildes länger als der halbe Rumpf; der Endstachel des zweiten Körperringes in der Ju- 
o-end el)cnso lang, nach und nach kürzer, und zuletzt nur den Stacheln der übrigen Rumpf- 
rino-e an Länge gleich. Rumpfringe in der Jugend minder zahlreich (bisweilen 10, ge- 
wöhnlich 18), im reifern Lebensalter wohl immer 20 (wenigstens habe ich nie mehr an 
vollständigen Exemplaren gesehen). Schwanzschild ganz eiförmig, nach hinten etwas brei- 
ter, fast abgestutzt, die Achse in der Jugend gliederlos, dann eingliedrig, im reifen Al- 
ler fünfgliedrig. — 

In einer schwarzgrünen Grauwacke Böhmens, bei Horrowic und Ginec; auch in 
Norwegen und Schweden, hier im Alaunschiefer, bei Olstrog, Dämmen und Carlsfors. 



V9 

Anmerkungen. 

1. Ol. pximmhlaUs Zenker, Tiil. gracilis Boeck kann ich in Uebercinstimmnng mit Graf 
Sternberg's illterei- Ansicht nur für jnnge Exemplare des Tr. lonykuiiJulm nnil bohemims der- 
selben Schriftsteller halten. Nicht bloss die völlig übereinstimmenden relativen Verhaltnisse des Kör- 
pers, auch die Zartheit der Hülle nnd die langen feinen Stacheln sprechen dafür. Die auffallende 
Verlängerung des zweiten (nicht dritten, wie schon Boeck u. Sternberg richtig gegen Zenker 
bemerken) Seitcnstachels weist auf irgend eine besondere Beziehung zu den jugendlichen Verhältnissen 
des Thierchcns Iiin (in sofern er mit dem laugen Stachel des Kopfschildes eine Scheere zum Anklam- 
mern gebildet zu haben scheint); seine Lilnge nimmt nach und nach ab, wenn die ührigen grösser 
werden, ist aber auch an halb erwachsenen Individuen deutlich. Für solche halte ich den TiH. mi- 
nor BoECK's. Dass die Ringe vielgliedriger Grus taceen mit dem Alter zunehmen nnd erst nach 
und nach ihre gehörige Zahl erreichen, ist jedem Kenner lebender Formen bekannt genug, als dass 
ich noch darauf hinweisen niüsste; ich beziehe mich dabei besonders auf eigene Untersuchungen der 
Phyllopoden nnd die ausführlichen neuen Arbeiten von Zadback und Joly {annales des sclenc. 
nalur. n. ser. 1840 und 1842.) — Oleniis lalus Zenker ibid. fig. W. X. — Milne Edw. l l 
441. 3. ist entschieden dieselbe Art und bloss breit gedrückt. — 

2. Auch Paradox, s. Olenus Tessini (Enlom. paradoxissimus Linn. 31iis. Tcss. 98. (ab. 3. 
ßg_ 1. _ Wahlenb. 7ioi\ ad. Ups. VIII. 34. tiib. I. fi(j. 1. — Brogn. Crast. foss. 31. pl. 4. 
fig. 1. — ScHLOTH. Pclref. Nachtr. II. 23. 1. — 35. 15. — Dalman Puluead. 54. 1. 73. 1. 
lab. VI. fig. 3. — Boeck Mag. for Nularw. I. 26. — BucKt. Miner. and Geol. pl. 46. f. 8. 
— Bronn Lclliaea I. 120. lab. IX. fig. 16. — Quenstedt m Wiegimmns Archiv 1837. 348. — 
EmiR. disscrf. 48. — Milne Euw. Crust. III. 340. 1. pl. 34. /. 11. — Hisinger Lcllutea suc- 
cica. 18. tub. IV. fig. 1.) scheint mir nach den aufgeführten Abbildungen und Beschreibungen kaum 
von P. bohemicus verschieden zu sein; wenigstens finde ich keinen sicheren und brauchbaren Unter- 
schied, In Linne's ältester Figur sind höchstens 17 Riimpfriuge angegeben und das Schwanzschild ist 
hier deutlich ohne Seitenlappen dargestellt. Wahlenberg bildet 21 Rurapfringe und 22 Seitenlappen 
ab, von welchen das letzte Paar am Schwanzschilde selbst haftet. DalxMAn's Figur zeigt zwar em 
ganz ahnliches Schwanzschild, aber nur 20 Ilumpfringe; beide versichern, nur unvollständige Bruch- 
stücke untersucht zu haben und gedenken des Schwanzschildes nicht nilher. Brogniart kopirte von 
Wahleneerg; Buckland, Bronn, Milne Edwards und Hisinger von Dalman. Ich halte demnach 
Linne's Figur des Schwanzschildes und Daljian's Zahlung der Rumpfglieder für richtig, und schliesse 
darum auf eine spezifische Uebereinstimmuug von P. bohciiiicas und Tessini. 

3. Den Abdruck der Unterseite des Kopfschildes (Taf. I. Fig. 7.), den eigentlichen Chjpeus hat 
Wahlenberg als eine eigene Art abgebildet (/. /. 37. 10. tab. I. fig. 6.) und Enlom. bucephulus 
genannt. Ihm folgten Dalman (Palaead. 55. 2.), Schlotheim {Nachlr. II. 37.), Boeck (Mag. 
f. NaluriD. I. fig. 16.), Milne Edward's (Cr. III. 341.) und Hisinger (/. /. 18.) mit mehr oder 
minderen Zweifeln gegen diese Ansicht. Später erkannten Sars (Isis 1835. 342.), Quenstedt 
(Wiegni. Archiv 1837. I. 349.) u. A. den Zusammenhang beider Gebilde, wie er sich an einzelnen 
gut erhaltenen Exemplaren des P. bohemicus noch vollständig nachweisen lässt. Sehr instruktive 
Handstücke davon zeigte mir Herr v. Buch. Ich habe Fig. 7. Taf. I. die Abbildung einer solchen nn- 



80 

teren Kopffliltlic gegeben; die darauf sichtbaren coucentrisclien Linien sind allen Unterflilclien der Tri- 
lohiten eigen und wurden bereits von Zkxker a. a. 0. Fig. C. und D. angedeutet. — 

2. P. spinulosus: prolubcrantia capitis parabolica; angulis sciili cophalici dimidio 
corpore brevioribus ; truiico scdecies annulato. Long. 1". 

Linke, acta Holm. 1759. 22. iub. l. f'ig. 1. — Wahlekb. n. u. Ups. YIIL 38. lab. l. /ig. 3. — 
Brogn. Cr. f. 32. pl. 4. /'. 2. 3. — Schloth. NacIUv.ll. 25. 2. 36. Iß. — BAtM.PdIaead. 
56. 2-, 73. 2. tab. V. f. 2. — E.mmr. disserl. 47. 5. — Quknstedt , IVieym. Aicltir. I. I. 
349. — MiLNE Ediy. Cnisl. IIL 342. 5. — Hising. Leih, sttec. 19. tab. IV. /. 2. — 

Ich habe von dieser Art nur einige nicht ganz deutliche Excniphu-e gesehen, die mit 
Waiilenberg's und Brogniart's Figur in der Hauptsaclie ilbereinsliminlen. Das Kopfscbild 
zeigt einen nach vorn nicht breiteren, vichuehr dorlliin aUinälig zugcruiideten Kopfbuckel, 
mit drei leichten Eindrücken an jeder Seite. Im Rumpfe zählte ich sechszehn Ringe, 
und ebenso viel scheint Dauian gesehen zu haben, während in seiner und Waiilenbeug"s 
Figur 17 angegeben sind. Die sehr gute Abbildung bei Bkogmaht zeigt 16; wohl die 
richtigste Zahl. Die Seitenlappen der ersten Rumpfringe sind sehr breit, breiter als die 
Achse, verschmälern sich aber nach hinten schnell, so dass die letzten schmäler als die 
Achse werden. Das Schwanzschild ist Idein, rundlich, (juerelliplisch, und hat keine Sei- 
tenlappen. — 

An denselben Orten mit P. bohcmiciis und Tessi'ni ; auch im Thonschiefer von 
Angers mit Ogygla GucUardl (vgl. Guettard. Mem.de Tacfid.d. scienc, Tom. XIV. 
iinn. 1757. pl. (VI.) 8. fg. 3. 4. 5.) — 

Anmerkungen. 
Verschiedene Arten, die noch ungenügend bekannt sind, scheinen übrigens dieser Gattung anzuge- 
hören, als solche erwähne ich: 

1. Eine Figur, die Graf Razumo>vsky in den annal. des scienc. luitnr. Tom. VIIL pl. 28. 
I'ifj. 11. mitgetheilt hat, und die bei übrigens gleicher Bildung mit Ölen, bohem'icus sich durch einen 
langen Stachel am Ende des Schwauzschildes auszeichnet. — In Cambrischen Schichten zwischen Pe- 
tersburg und dem Ladoga-See. 

2. Parad. Bolloni Dlgsby, Green 31on. of Tril. 60. fig. 5. — .Journ. of iJie acad. 
of nat. scienc. of Philitd. Vol. 4. pag. 365. pl. 23. — Harlan %ool. res. 303. — Milne Edw. 
Cumsl. III. 344. n. 1. — Gleicht am meisten dem P. sphmlosus, hat aber 14 Rumpfringe und 
Seitenlappen nebst einem kleinen Schwanzschilde, und scheint keine Stacheln am Kopfsthilde zu 
besitzen. Dieses war jedoch beschädigt. In einem schwarzen Kalkstein bei Lockport (New-York.) 

3. Calgm. aclinura, Dalm. Kon. Vel. Acad. Hand. 1824. 370. tab. IV. fig. A.B. C. — 
HiäiNGER Leih. SHcc. 11. lab. I. fig. 7. — Milne Edw. Cr. III. 321. — mit 15 (?; Seiteulappcu 
und Rumpfrillgen, gleicht Im ganzen Ansehn dem Pur. Bolloni so vollständig, dass ich beide zu ei- 



81 

ner Art ziehen möclite. Sie sclieinen eine Lesoudere Gattung oder wenigstens UnteraLtlieilung vorzu- 
stellen, deren Charaktere jedoch sich noch nicht sicher feststellen lassen. 

4. Parad. Harlani, Green SiUim. Am. Jour. of sc. and arls. Vol. 23. pag. 336. — 

HaRI. l. l. — MllNE Edw. l. l. 

5. Alle übrigen zu Paradoxides oder Olenus gebrachten Arten dürften der folgenden Gattung 
angehören. — 

7. Gatt. Olenus. * 
Paradoxides et Olenus aul. 

Kopf Schild wie bei Paradoxides gebaut, aber relativ breiter und kürzer; der 
Kopfbuckel parabolisch, nach vorn nicht breiter, vielmehr etwas schmäler und zugerundet, 
jcderseifs mit drei leichten Einschnürungen, die ihn in vier Abschnitte theilen, wovon 
der hinterste schmälste mit dem Rumpfe artikulirt. Augen länglich bogenförmig. Ge- 
sichtslinie entspringt vom Vorderrande in der Gegend des Auges, wendet sich von da 
winkelig gebogen, doch beide unter sich ziemlich parallel, zum Auge, bildet über demsel- 
ben eine bogige Platte und läuft dann S förmig geschwungen zum Hinterrande, beide in 
divergirender Richtung sich von einander entfernend. 

Wangen Schild ziemlich breit, mit aufgeworfenem Rande und spitzer aber nicht 
sehr langer Hiutereckc. 

Rumpf achse vielglicdrig (ob immer 14?); die Glieder schmäler als die Seitenlappeu, 
kurz, massig gewölljt; die Seitenlappen geradlinigt fortlaufend, bloss am Ende in eine 
kurze Spitze nach hinten ausgezogen; jeder mit einer diagonalen Furche von vorn und 
innen nach hinten und aussen. 

Schwanz Schild viel breiter als lang, kreisabschniltförmig, vorn gerade, hinten 
bogig oder stumpfwinkelig dreiseitig, mit deutlich gegliederter Achse. 

Vorkommen, in sehr alten Schichten mit Arten der vorigen Gattung. — 

1. O. gibbosus: scuto capitis inter suturam facialem et umboncm luberculo Irans- 
verso signato; rhachi corporis (juaterdecies annulata, caudae quinquies. — Long. 1". 
Taf. III. Fig. 9. 

Tr. trtmcutus Brükn. n. ad. llafn. I. 391. — Modeer in Berl. GcseUsch. Schr'/ft.Yl. Tal- 2. 

Fig. 3 — 5. — 
Enlom. giObosns Wahleke. n. a. Ups. VIII. 39. 12. lab. I. fig. 4. — Brogk. Cr. foss. 35. 

pl. 3. f. 6. — 
ScHLOTH. Auclär. II. 26. 4. 36. IS. — Dalm. Palacad. 56. 4. 74. 4. — Boeck Mag. f. Xal. I. 

24. — Emmr. disserl. 45. 1. — Mune Ediy. Crusl. III. 343. 4. — Hisikg. Leih, siiec. 

19. lab. lY. fig. 3. — 

11 



88 

Kopfschild wohl viermal so breit wie lang, die Achse desselben auffallend schmal; 
neben ihrem vordersten Ende findet sich links wie rechts ein erhabener elliptischer Buckel, 
welcher bis an die Gesichlsnaht anreicht (und durch seine Stellung ganz zu der Annahme 
berechtigt, als ob unter ihm in einer Vertiefung des Schildes ein Ideines, vom Kopf- 
buckel ausgehendes Fühlhorn gelegen habe). In der Rumpfachse vierzehn Glieder; die 
Lappen der ersten doppelt so breit wie die Achse, der letzten nur wenig breiter als letz- 
tere. Schwanzschild kreisabschniltförmig ; die Achse fünfgliedrig, mit eüiem vorderen Ge- 
lenkrande; die Seitentheile flach, ohne Strahlen, der Rand etwas aufgeworfen. — Sehr 
häufig im Alaunschiefer und Stinkstein von Andrarum. 

A u m e r k u u g e n. 

1. In allen älteren Besclirelbungen und Abbildungen fehlen die Wangenschilder am Kopfe, weil 
sie Lestiüidig abgebrochen sind; indess liegen sie häufig genug neben den übrigen Resten, so dass 
an ihrer Anwesenheit nicht wohl gezweifelt werden kann. Bei Abdrücken junger vollständiger Indivi- 
duen zählte ich bestimmt 14 Rumpfglieder. 

2. Asaph. lelragonocephalus, Green SlUbn. am. Joum. etc. Vol. 25. /). 336. — 
Emmk. dissert. 46. 4. — Miine Edav. Cr. III. 330. — ist dem OL gibbosiis zum Verwechseln 
ahnlich, so dass ich nach dem Gjpsmodcll, welches ich zu Beilin untersuchte, nicht im Stande war, 
genügende Artunterschiede aufzufinden. Ich zählte daran 14 Rumpfringe, und bestimmt 3 Schwanz- 
ringe, doch waren die letzten undeutlich und nicht vollständig. — Die Art fand sich im Alannschie- 
fer von Lockport. 

3. BoECK hat in Keilhaus Gaca norwey'ical. (Leonhardt n. Bronn 2r<??/sc/u'. 1841. S. 727.) 
zwei mit Ol. cj'ibhosus nah verwandte Arten charaktcrlsirt, die ich nicht kenne, und daher mit sei- 
nen Angaben (aus Leonh. Zcitschr.) hier erwähne : 

O. alalus. l. l. HO. 38. steht dem t/ibbosiis nahe, aber der Kopfbuckel (den man allein kennt) ist 
verhältnissmässig viel schmäler, und die von seinem vordersten Ende ausgehende Querwulst geht nicht 
so gerade hinaus, sondern ist mehr rückwärts gezogen. — 

O. latus, l. l. no. 39. ist viel grosser als Ol. g'ibbosiis und das Stück (wohl der Raum) zwischen 
Kopfbuckel und Augendecke ist beträchtlich breiter. — 

Ich weiss nicht, ob solche Unterschiede an so uavollständigen Bruchstücken zur Aufstellung neuer 
Arten berechtigen können. — 

4. Auch Emmrich's Par. aciini'nKtlus (cUsserl. 46. 2.), welcher sich von Ol. gibbo.ms durch 
eine stärkere Winkelnng des Gesiclilslinicnabscliuittes vor dem Auge, und eine Biegung dessell)en nach 
innen am hinteren Ende unterscheiden soll, sclieint mir bloss eine individuelle, durch die Conscrvation 
bedingte Verschiedenheit anzudeuten, wie solche bei Alidrücken zarter Theile sehr wohl erklärlich sind. 

Uebrigens variirt Ol. gibbo.ius, gleich seinen Verwandten, sehr in der Grösse, wie es das ver- 
schiedene Alter mit sich bringt; ich sah Exemplare von V/^" Länge und andere von kaum •/,". 

2. O. forficula. Sars Ms 1835. 333. /«6. VIII. fig. 1. — Milne Edw. Cv. IIL 343. 1. — 

gleicht im Habilus des Kopfes, den Al)l)ilduiigen nach, am meislcn dem Parad. spiniilo- 



83 

sus, bat aber einen nach vorn etwas breiteren Kopfbuckcl, der durch zwei Einschnü- 
rungen in 3 fast gleiche Abschnitte g-elheilt wird; auf dem vordersten zeigt sich ein schwa- 
cher Längseindruck, auf dem dritten ein kleiner Ilücker; hinter ihm folgt die Randan- 
schwellung als vierter Abschnitt. Die Gesichtslinic verläuft wie bei Ofemis , die Endeckc 
des Wangenschildes ist lang ausgezogen. Das Schwanzschild ist kreisabschnillfürmig, vorn 
gerade, hinten bogig begrenzt; die Achse besteht aus 5 — 6 Ringen, von ihr geht ein 
Wulst zum Ilinterrande , der dasell)st in einen grossen Stachel hervortritt. Dies ist alles 
was man von dem Thier kennt. Seine Bruchslücke linden sich in einem kalkhallio-en 
schwarzgrauen Alaunscbiefer von Rusiclökhackcn bei Chrisliania. — 

A II 111 c r k u 11 g e ii. 

1. Nach BoECK (Gaea nonc. I. no. 18.) gehört diese Art nicht hierher, sondern bildet mit 
Ceraurns filetivexunihemxis Grken {Mon. 84. fuj. 10. — Brois^ Lelh(tea I. 117. lab. IX. /". 12. 
— MiLNE Edw. Cr. III. 346.) ein eigenes Geschlecht. Diese Angal)e hat sehr \iel Wahrscheinlich- 
keit für sich; da ich aber keine \ou beiden Arten durch Autopsie kenne, so muss ich ihre nähere Be- 
gründung Anderen überlassen. Dass Ccnmrus eine den üleniden nah verwandte Form darstellt, 
leidet keinen Zweifel. In Green's Figur sind 11 Kunipfringe dargestellt, und ein breites Schwanz- 
schild, welches noch an der einen Seite einen Stachel trägt, ganz wie das von Oletiiis forfiaila. 

2. MuRCHisoN hat in seinem Sil. Syst. Vol. II. pag. 658. pl. 14. f. 8. die Abbildung eines 
sehr grossen Schwanzschildes gegeben, dem er den Namen Paradoxides (/iiadrimucronulus beilegt, 
und das in manchen Beziehungen die Mitte zwischen dem Schwanzschilde der yorigen und folgenden 
Art zu halten scheint; es ist \orn gerade, gegen einen Zoll Iireit, und mit einer dreigliedrigen 
Achse \ersehen, über welche nach vorn noch ein Artikulationslheil hervorragt. Von jedem Ringe geht 
ein Wulst zum Rande, welche drei, wie die Ringe selbst, nach hinten kleiner weiden, so dass der 
freie kreisalischnittforniige Rand mit 6 paarig gleichen, etwas gebogenen Zacken besetzt ist. — 

3. O. scurnhacoides : scuto , capitis convexo , vertice non clevato sublohato ; sculo 
caudali utrinqne tridentato, axi biarticulata. 

Bromel in ad. Uli. Ups. 1729. 521. 7i. 3. et pag. 528. 6. c. figg. — Wahl. h. «. Ups. VIII. 
41. 13. tab. 1. fig. 2. — Brogx. Cr. foss. 34. 3. pl. III. /". 5. — Schloth. Nachtr. II. 
25. 3. 36. 17. — Dal.m. Pulaed. 57. 5. — Em.mr. dissert. 47. 6. — Milke Edw. Cr. 
III. 344. 1. Pellttra scarab. 
Von dieser Art kenne ich nur zerbrochene Köpfe und vollständige Schwanzschilder, 
daher ich sie für eine mir zu ungenügend bekannte erklären muss, um über ihre syste- 
matische Stellung entschieden aburlheilen zu können. Der Kopfbuckel gleicht dem der er- 
sten Art, ist aber relativ kürzer, breiler, mehr gewölbt, und die ähnlich verlheilten Ein- 
schnitte sind schwächer. Der vorhandene Thcil des Kopfschildes neben ihm fällt stark ab, 
und zeigt dadurch auf eine sehr hohe Wölbung der Wangen hin. In der Gegend des 
ersten vordersten Einschnittes glaube ich die Spur der Augendecke zu erkennen: hinten 

11 • 



^84 

ist ein deutlich aufgeworfener geschwungener Rand sichtbar; aber weder den vorderen, 
noch den seitlichen Rand habe ich je deutlich gesehen. Das Scbwanzschild hat eme kurze 
zweigliedrige Achse, und einen Artikulalionsrand vor dem ersten Gliede; ist beiderseits 
mehr als nach hinten ausgehreitet, dort vor dem geraden Rande mit einer tiefen Quer- 
furche versehen, und an jeder Seile in drei spitze Randzacken ausgezogen, welche tiefer 
stehen als die Fläche, und vom abgebogenen Rande ausgehen. — 

In demselben Alaunschiefer von And ramm. 

A II m e r k u n g e n. 

1. Wahlenberg, der in Kopenhagen ein vollständiges Exemplar dieser Art gesehen Laben will, 
bildet an ihm 12 Rumpfgiiitel mit selir kurzen, hinterwärts zngespitzten Seitenlappen ab, hat aber den 
Kopfljuckel und die Schwanzachse viel zu breit dargestellt; weshalb ich auch die Rumpfachse für zu 
breit halten muss. — 

2. Harlan beschreibt in den niecUc. and phys'ic. research. 400. seq. zwei neue, mit dem Pur. 
scarabaeoides nah verwandte Formen, als 

Parad. triarlhrus ibid. 401. 1. fig. 5. und 

Parad. arcualus ibid. 402. 2. fig. 1. 2. 3. 
Beide aus Kohlenschichten (?) von Utica in New -York. — Es sind unvollständige Köpfe, die aller- 
dings den Bruchstücken von Ol. scarabaeoides ähneln, allein ihrer wahren Organisation nach einer 
weiteren Begründung bedürfen. Verfasser vergleicht sie mit Triarlhrus Deckii , Green Mon. 87. 
fig. 6., mit dem sie allerdings verwandt zu sein scheinen. 

3. Ueber Triarlhrus Beckii und Trilobites Slcrnbcrgi, welche zu den Oleniden gehören 
dürften, werde ich mich im Anhange näher ausspi-echen. — 

4. Ich mache meine Leser noch einmal darauf aufmerksam, dass ich Paradoxides spinulosus, 
Olenus forficula und Oleti. scarabaeoides als mir ungenügend bekannte Arten erklärt habe, für 
deren richtige Einordnung in den systematischen Verband ich nicht einstehen kann; noch mehr gilt 
dies von den übrigen Arten anderer Schriftsteller, die ich bloss hypothetisch hier anführte. — 



§5 



2. (Vgl. S. 65.) 

Die Seilc}iluppe7i der lUmpfvhujc sind nicht in ihrer gayi'ien Länge iraagrechl misgehr eilet, 

sondern biegen sich von der Mille an abwärts, und schliessen 7iichl mit einer Spitze, 

sondern mit einem bogig abgerundeten Ende. Auf ihrer Fläche sind sie der ganzen 

Länge nach gefurcht. — CAMPYLOPLEURL *) 

Von den drei hierhcrirczosrenen Gatlungen kenne ich nur die beiden ersten vollslän- 
dig ; sie sind an ilirem kleineren halbmondförmigen Kopfschilde , ihrer geringeren Glieder- 
zahl (12 — 14.) und dem einfachen, krcisabschnillförmigen Scliwanzschilde kenntlich. Die 
eine, Conocephahis hat 14 Ringe, die andere EUipsocephcdus 12. — Die drille Gat- 
tung: Harpes, hat ein sehr grosses hufeisenförmiges Kopfschild mit langen llinlerecken 
luid angeblich 28 Ringe. 

8. Gatt. Conocep/ialtis Zenk. 

Kopfs child einem Halbmond nicht unähnlich, aber der hintere innere Rand mu' 
wenig gebogen. Kopfbuckel durch eine tiefe Furche von den Seiteulappen gesondert, 
nach vorn verschmälert, durch drei Einschnitte jederseits in vier von vorn nach hinten 
breitere Lappen getheilt; hinter dem vierten noch ein aufgeworfener Arlikulalionsrand. 
Seitentheile mit dem Wangenschilde zusammen hoch gewölbt, von einer Furche und ei- 
nem aufgeworfenem Rande umgeben. Augen klein, aber vorhanden, theils vorn neben 
den Ecken des Kopfbuckels, theils auf der Mitte der Seiten angebracht. Gesichtslinie 
entspringt vom Vorderrandc weit nach aussen, wendet sich gebogen nach innen zum 'Auge, 
bildet eine kleine Deckplatte und läuft dann zur Hintcrecke , vor welcher nach innen zu 
sie den Hinterrand durcli])richt. Die Ecke selbst mit einem kurzen geraden Stachel bewehrt. 

Rumpf vierzehngliedrig, die Achse schmäler als die Seitenlappen, hochgewöllit; die 
Seifenlappen ganz waagrecht, gleich breit, der Länge nach tief gefurcht, von der Mitte 
an fast rechtwinkelig abwärts gebogen, am Ende zugerundet.; am Grunde durch eine liefe 
Furche von der Achse gesondert**). 

Schwanzschild kreisabschnitlförmig , hoch gewölbt nach vorn, mit fünfgliedriger 
Achse und schwachen Furchen auf den Seitentheilen. 



""■) Der naclifolgende Gattungsname und der davon abzuleitende Gruppeuname sind schou für Heu- 
schreckenformen in Anwendung gel)raclit. 
**) Zenker (a. a. 0.) und nach ilim Quenskedt wie ExMmrich halten diese Furche für Andeutung 
einer Artikulation oder Naht ; da iudess der Abdruck aller Individuen bloss ein Abdruck der in- 
neren Schaalenoberfliiche ist, so muss man die Vertiefung vielmehr für Abdruck einer erhabenen 
Leiste ansehen , die wahrscheinlich Muskeln der Beine zum Ansatz diente. Gegen die Anwesenheit 
einer Naht streitet die Analogie aller ührigen Trilobiten. — 



8C 

Vorkommen, in der Grauwacke Böhmens bei Ginec. 

1. C. Snlzeri: oculis juxta opicem tuberciüi frontalis. — Long-, 1 V2 — 1". 
Tab. I. Fig. 10. 

KiNSKY hl Born's Abh. etc. I. 246. fig. 1. 2. 3. — TrUob. Sulz. Schloth. Nachlr. II. 28. 1. 
und 34. 5. iab. 22. fig. 1. — Dalm. Pnlaeud. 75. 1. — Sterne. Verhandl. d. ralerl. 
Mus. 1823. 81. 4. lab. 2. fig. 1. A. — Bokck 3Iag. f. Ncdurw. I. fig. 20. 21. TrUob. 
ZippU. — Couoc. coslulus Zekk. Beilr. 49. 15. Tu f. IV. Fig. G — K. — Milne Edw. 
Cvusl. III. 336. 
Conoc. Sulzcri Bronn Lethaea I. 121. 110. iab. IX. fig.lö. — Emmr. dlss, 43. 1. — Quenst. 
in Wiegm. Arch. 1837. I. 347. — 
Kopfbuckcl nach vorn sehr slark verschmälert, fast zugerundet; davor hinter dem 
aufgevs^orfenen Rande ein eigenlhümlicher Ouerwulst. Augen klein, auf Höckern unmit- 
telbar neben den vordersten Ecken des Kopfbuckels, von wo aus die Gesichlsnaht quer 
über die Seiten fortläuft und das schmale Wangenschild abschneidet. Rumpfringe und 
Schwanzschild ohne Eigenheiten. — 

2. C slrialus: oculis in mcdio partium lateralium sculi cephalici. Long. IV2 — 2". 
Tab. I. Fig. 9. 

Emmr. disseri. 43. 2. c. fig. — TrUob. Sulz. rar. ß. y. Sterne. /. /. II. 1. A. und Taf. I. 
fig. 3. — QtENSTEDT l. l. 348. 

In Grösse, Habitus und übrigem Bau der vorigen Art ähnlich, aber das Kopfschild 
völlig verschieden. Der Buckel vorn breiter, gerade abgestutzt und bloss mit abgerundeten 
Ecken ; davor kein Querwulst. Die Augen deutlicher, auf der Mitte der Seitentheile des 
Kofpschildes angebracht und ebenso zur Gesichtslinie sich verhaltend ; aber von den Ecken 
des Kopfbuckels geht eine scharfe Kante zu ihnen hin. Die Wangenschilder sind daher 
nicht schmal imd lang gezogen, sondern kurz und breit, und reichen nur halb so weit 
nach vorn wie bei der vorigen Art. — 

BOECK sprach die Dilfereuz dieser Art, die übrigens Graf Sternberg schon ahnte, 
zuerst aus, verwechselte a])er durch einen Irrthum die Namen, indem er den wahren 
C. Sulzeri für die neue Art hielt. — Quekstedt kannte die Artunterschiedc an, ohne 
seiner Vorgänger zu sredenken, und Emmrich belegte sie endlich mit einem neuen Namen. 



§-5- 

9. Galt. Ellipsocephalus Zenk. 

Kopf Schild dem der vorigen GaUiing iihnlicli im Uinriss, aber ganz verschieden im 
Bau, flacher und ohne hintere verlängerte Ecken; der vordere Rand nicht erhaben ''). 
Der Kopfbuckel durch eine leichte Vertiefung vom Schilde getrennt, gleich breit, vorn 
zugerundet, ohne Querfurchen, selbst ohne hinteren Artikulationsrand. Augen länglich 
mondformig, sehr schmal und nach aussen gerückt; Gcsichtslinie kurz, entspringt vorn 
vom Rande vor den Augen, und wendet sich über sie zur Ilinterecke. — Rumpfglieder 
zwölf, die Achse ziemlich so breit wie die Seitenlappen, flach gewölbt. Die Seitenlappen 
anfangs waagrecht, ziemlich flach und fast ohne Furche; dann herabgebogen, tiefer ge- 
furcht, aber die Furche nach unten zugespitzt und verflacht; mit einer schief angesetzten 
Vorderfläche, welche auf schwaches Zusammenkugelungsvermögen hinweist ; das Ende da- 
durch stumpfwinkelig. 

Schwanz Schild klein, lu-eisabschnitlförmig. Die Achse eingliedrig. 
Vorkommen; in derselben Grauwacke Böhmens. 
Die einzige bekannte Art wird gegen IV4 Zoll laug und ist 
E. Hoffii: Taf. I. Fig. 8. 
KiNSKY in Born's AbhuncU. I. 246. fig. 6. — Trilohiles Hoff. Schloth. Naclilr. II. 30. 2. und 
34. 6. Iah. XXII. fuj. 2. u. b. — Graf Sterziberg Verhandl. d, vulcrl. Mus. 1825. 83. 
Taf. II. Flg. 4. und 1833. 50. — Dalm. Paluead. 76. 2. — Boeck Mag. f. Nulurw. I. 
fig. 14. 17. 19. — 
Ellipsocephalus amb/gnus Zenk. Beilr.öi. tab.IY. fig. G—K. — Milke Edw. Cr.III. 334. — 
Ellips. Hoffii. Bronn Ldhuea I. 122. 111. lab. IX. f. 18. — Emmr. disseii. 44. YI. 1.— 
Culijmene dccipiens König , Icon. sect. I. 2. lab. III. fig. 32. — 

10. Gatt. Ilarpes GoLDF. 

Kopfschild sehr gross, hufeisenförmig gestaltet, in der Mitte hochgewölbt, am gan- 
zen Aussenrande flach ausgebreitet, die Ilinterecken lang und bis über die Mitte des Rumpfes 
hinaus vorgezogen. Der Kopfbuckel ragt stark hervor, ist eiförmig, erreicht den Vor- 
derrand nicht, ist hinten vor dem Artikulationsrande verengt und mit einem doppelten Ein- 
druck versehen, der zwei elliptische Seitenlappen von seiner hinteren Hälfte abtrennt; 
neben diesen nach aussen noch die schwächere Spur eines dritten bogigen Eindrucks und 
Lappens. — • 



■■•■) Die Abdrücke kommen luiter z^vei Formen \ov, einige haben gar keinen erliaLenen Rand, andere 
zeigen den Abdruck desselben als Vertiefung in der Grauwacke. Hiernach scheint ein aufgewor- 
fener Rand bloss auf der Unterseite des Kopfschildes vorhanden gewesen zu sein. — Mir scheint 
dasselbe auch bei Conoceiihalus Statt zu finden. 



ISS 

Allgen undeullicli , klein, erscheinen als Hocker zu beiden Seiten neben der vor- 
deren Hälfte des Kopfbuckels. 

Gesichtslinie imklar, ich sehe nur einen leicht vertieften Bogen, der von der 
Gegend, ^vo vorn Saum und Miltelschild an einanderstossen , herkommt, sich zum Augen- 
höcker wendet, und aus diesem hinten hervortretend unter einer noch stärkeren Krüm- 
mung über die hintere Hälfte der Seiten sich zum Winkel wendet, den der freie Hinter- 
raud und der Lappen der Ecke bildet. 

Rumpf vielgliedrig (über 20 Glieder), die Achse hochgewölbt, nach hinten ver- 
schmälert, übrigens eben so breit wie die Seitenlappen; beide kurz, die letzteren anfangs 
waagrecht, leicht gefurcht, am Ende stark herabgebogen stumpf zugespitzt. 
Schwanzschild noch nicht beobachtet. 

Vorkommen, in den untersten (?) Silurischen Schichten der Eifel, des Fichtelgebir- 
ges und Böhmens. 

Anmerkungen. 
1. Von clieser Gattung Iial)e ich nur ein einzelnes, docli grösstenllieils erhaltenes Kopfscliiltl vor mir; 
es liegt in einem gell)lich lel)erl)raunen Kalkstein, wohl c1enisell)en woi-in auch Odoiilopleuru Ovula sich 
findet, und hat wie dieser Trilobit seine wirkliche petrificirte Schaale zum Theil erhalten. Letztere ist an 
allen unverletzten Stellen grubig punktirt, doch ungleich, so dass die grössten Grül)chen unmittelbar 
am Umfange des wirklichen Kopfschildes, da wo der flache Saum von ilini ausgeht, stehen und sie 
von hier nach innen und aussen an Grösse abnehmen. Rings um den freien Rand des Saumes läuft 
eine feine Randleiste und vor ihm eine Reihe grosserer Grübchen. Augen fehlen an meinem Exemplar, 
iiber ihre Stellen sind angedeutet. 

2. Graf Sterkberg beschrieb zuerst eine Art dieser Gattung als Triloh. wigulu (in den Ver- 
handl. d. vaterl. Mus. 1833. 52. fig. 1.), woran wenigstens 20 Körperringe deutlich waren. Hernach 
stellte GoLDFuss die Gattung auf (nova ad. pliys. med. soc. Caes. Leop. Cuvol. nul. cur. Vol. XIX. 
p. I. 358. Uib. XXXIII. /('(/. 2. a. b. c.) und berichtigte die bereits bekannte Organisation durch eine 
genauere Darstellung; nach ihm sind 28 Rumpfringe vorhanden. Graf Münster suchte die Gattung 
durch neue Arten zu bereichern (Beilr. z. Petref. Heft III. u.V.), sclieint mir indess nur individuelle 
Unterschiede als Artcliaraktere aufgefasst zu haben. Dies ist um so eher möglich, als seine silmmtli- 
ehen Exemplare, wie anch das STERNBERr.'sche, nur in Abdrücken, ohne Schaalenreste, den Abbil- 
dungen nach, bestehen dürften. Demnach erkenne ich vor der Hand nur eine Art an: 

//. ungiila: limbo scuti cephalici antice latiori, punclato; punclis internis majoribus, 
foraminulosis. Long, sine corp. l'/s — 2", cum corp. 2— 2V5". Tab. L Fig. 11. 

a. Ohne Schaalenreste und deshalb mit undeutlicher abgeriebener Skulptur des Saumes und Kopfschildes. 

Der Kopfbuckel zeigt keine deutlichen Eindrücke und Lappen, weil die Schaale fehlt. 

Tril. unynlu Gr. Ster.nberg /. /. — Harpes spcciosus Gr. Mükster /. /. III. 43. f. 19. Taf.\. 
und Trhniclciis (/raälh ibid. 44. 1. Taf. V. fig. 20. — Ti: IVilkeusii /(V/. 22. und V. 117. 



89 

Taf. X. fig. 3. - Tr. elliplkus. Tuf. V. fig. 23. — Tr. laevis fig. 24. sind Individuen ver- 
schiedener Grösse in ungleichen Graden der Conservation. 
b. Mit Schaalenresten, oder wenigstens mit deutlichen Abdrücken ihrer Skulptur; am Kopfbnckel sind 
die Einschnitte und Lappen erkennbar. — 
a. Ganz junge, aber \erstiimmelte Individuen scheinen mir zu sein : Otar'ion pygmaeum Gr. MiJn- 

STER /. /. V. 115. lab. X. fig. 11. und etwas iUtere: Olar. clegans ibid. 1. Taf.X. fig. 2. 
ß. Ausgewachsene vollständige Individuen stellen dar Uarpes macrocephalus Goldf. /. /. 359. 
tab. XXX. fig. 2. «. b. c. und meine AbJjildung. 

Die Beschreibung bei Goldfüss ist ausfübrlicli und wahr, daher ich sie mittheile, weil 
mein Exemplar unvollständiger erhalten ist: 

»Der verkehrt eiförmige Körper ist niedergedrückt, der Kopf aber hoch erhaben und 
»nimmt mehr als ein Drillheil von der Länge des ganzen Thieres ein. Er hat einen halb- 
» zirkelfürmigen Umfang und ist mit einem breiten Rande umgeben, welcher vorn hori- 
»zonlal liegt, an den Seiten aber mehr eine senkrechte Stellung annimmt und an jeder 
» Seite in eine nach hinten bis zum letzten Viertel verlängerte Spitze ausläuft. Der Saum 
» desselben ist etwas verdickt und bildet sowohl auf der oberen, als auf seiner unteren Dupli- 
n catur eine erhabene Einfassungslinie. Aus dieser hufeisenförmigen Randausbreitung wölbt 
»sich der Kopf vorn und seillich ziemlich steil und hoch empor, hat in der Mitte seiner 
»Höhe eine ovale Stirnerhebung, die mit einer eingedrückten Furche umgeben ist, und 
»nicht bis zur Randausbreilung herabsteigt. Sie bildet auf ihrer Höhe einen (sehr schwa- 
»chen, Bii.) Kiel und zeigt vor der Scheitclfurche eine schwache Falte. Fast am vorderen 
»Ende derselben und ihr genähert steht auf jeder der grossen Wangen ein kleiner halb- 
» kugeliger Augenhöcker. Auf diesem erkennt man schon mit unbewaffnetem Auo-e eine 
»grössere runde Warze im Mittelpunkte und zwei ovale von gleicher Grösse zu beiden 
»Seiten*). Zwischen ihnen findet man durch die Vergrösserung noch mehrere kleine War- 
»zen in regelmässigen Reihen. Das Hinlerhaupt endigt sich mit einem Amisligen schma- 
»len Halbringe, an welchen sich die Schienen des Millelkörpers anschliessen. Die Stirn- 
» erhebung und die Höhe der Wangen über den Augen sind glalt, und nur auf der Furche 
» der ersteren machen sich einige kleine Körnchen bemerklich. Die ganze übrige Fläche 
»des Kopfes ist dicht gekörnt, wobei die Grenze gegen die glatte Slirn hin ganz scharf 
»gehalten ist<^**)- 



■•*) An meinem Exemplar fehlen diese Theile. Der Abbildung nach scheinen mir bloss die beiden ova- 
len Stellen Augen zu sein; die Warzen aber Höckerchen der Schaiile. Diese Galtung hillte dann 
4 Augen, 2 an jeder Seile. 

*•*) GoLDFUss beschreii)t einen Abdruck ohne Schaale, einen Kern, und daher erscheinen ihm alle 
Grübchen der wirklichen Schaale iils Erhal)enheilen, als Körnchen; ebenso schildert sie Graf 
MrnsTER bei den jungen Individuen, seinen Triitnclcis, 

12 



9» 

»Die Randaushreitung ist auf der Oberfläche ihrer oberen und unteren Platte, am 
»äusseren und inneren Rande, mit einer Reihe grösserer Körnchen zierlich eingefassl 
»(d. h. in Abdruck, an der wirklichen Schaale sind es keine Körnchen, sondern Grüb- 
» chen. « Rr.) 

»Vom Kopfe bis zur Schwanzscito zählt man 28 Segmente, welche nach hinten all- 
»mäligund gleichförmig kürzer werden. Ob noch ein kleines einfaches Schwauzschild ohne 
»Rippen vorlianden ist, lässt sich bei den vorliegenden Exemplaren nicht erkennen. Der 
»hocii convexe Rückgrat (die Achse) hat ein Dritlheil der ganzen Breite und seine Seg- 
»mente sind ringförmig convex; die Rippen (Scitenlappen) dagegen haben nur eine sehr 
»flache Längsfurche, schliessen dicht an einander und bilden jederseits eine Ebene. Eire 
»kurzen Enden sind stumpf zugespitzt und winkelig nach abwärts gebogen, so dass der 
»Körper dadurch eine schmale Randeinfassung erhält. Die vordem Rippen (Seitenlappen) 
» nehmen bis zum siebenten und achten allmälig an Länge (Breite , von links nach rechts) 
»zu, und die übrigen verkürzen (verschmälern) sich allmälig hinter diesen wieder. Das 
»Rückgrat ist gekörnt, die Seiten aber sind ganz glatt.« (Mein Exemplar hat keine Spur 
von Rumpfringen ; ich vermulhe indess nach der Analogie des Kopfschildes, dass auch die 
Ringe der Achse keine Körnchen tragen, sondern mit Grübchen geziert sind. Br.) 



11. 
Trilobiten mit Kng^eliing^svcrmög^eii. 

Der Charakter dieser zweiten zahlreicheren Ilauptgruppe der Trilobiten liegt in der 
Bildung ihrer Seiteiilappen an den Rumpfgliedeni, welche zwar anfangs immer noch waag- 
recht abstehen, dann aber sich mehr oder weniger senkrecht nach unten herabbiegen. An 
der Biegungsstelle scheint zwischen zwei auf einander folgenden Gliedern eine Art Ge- 
lenkung, wenigstens eine sehr genaue Einfügung beider in einander sich zu befinden. 
Von hier wird nun der Lappen nach aussen und unten breiter, hängt nicht mehr mit sei- 
nen Nachbaren zusammen, und wendet sich, um neben dem vorherigen Platz zu gewinnen, 
mit seiner vorderen Kante schief nach innen. Er erhält dadurch eine etwas vorwärts ge- 
wendete, schief gestellte, nach unten immer breitere Fläche, welche sich hier bis an den 
hinteren Rand des Lappens hin ausdehnt , und der eigentlichen oberen oder äusseren Seite 
nur einen ganz schmalen Raum übrig lässt, welcher sich von dem bemerkten Artikulations- 
punkle zweier Lappen an immer mehr verschmälert und zum hinteren Rande hinzieht. 
Gevvölinlich ist dieser Raum, die eigentliche Aussenfläche, ziemlich stark gewölbt, und 



91 — - 

zugleich durch eine diagonale Furche, die von der vordersten Ecke dicht neben den Ach- 
scngürtchi ausgclit und ebenfalls sich zur äussersten Iliulcrecke wendet, gclheilt. Der vordere 
schärfere Rand dieser Furche bildet zugleich die Kante, in welcher die schiefe aber stets 
flache Vorderfliichc mit der gewölbten hinteren oder oberen Fläche zusammeutrifFt. Kugelt 
sich nun das Thier, so schieben sich die Seitenlappen vom Artikulationspunkte an unter 
einander und jeder vorherige bedeckt die schiefe Fläche des folgenden so vollkommen, 
dass von ihr gar nichts am eingerollten Thiere zu sehen ist, sondern bloss die gewölbte 
hintere Fläche erkannt wird. Ich werde nun immer die beim Zusammenkugeln unterge- 
schobene Fläche die vordere nennen, und die äusserlich sichtbar bleibende im Gegen- 
salz die äussere; jene stellt sich auch daran als eine zum Verslecken bestimmte kennt- 
lich dar, dass sie mit den parallelen nadelrissigen Furchen bedeckt zu sein pflegt, welche 
bei allen Trllobilen auf der freien unteren Fläche der Panzerstiicke angetroffen werden. — 
Letztere Nadelrisse fehlen bei gut erhaltenen Exemplaren nie, dagegen vermisst man bei ei- 
nigen Galtungen (^Illaenus und Ni/cus^ die schiefe Diagonalfurche auf der Oberseile der 
Ringe. In solchem Falle ist auch die Grenze zwischen den Achsengürteln und den Sei- 
tenlappen undeutlicher. — 

Mit dem Zusanimenkugelungsvermögen sind übrigens noch andere Eigenschaften mehr 
oder weniger allgemein verbunden. Dahin gehören: 

Die bei weitem grösseren, aus der Fläche des Kopfes mehr hervorragenden 
Augen. Dieser Charakter hat, da er der vorigen Gruppe abgeht, zu der Behauptung 
geführt, dass ihre meisten Milglieder blind seien; ich habe indess bei fast allen (nur 
nicht bei TrimicJeus) die Augen erkannt, und somit die Angabe von blinden Trllobilen 
wohl ziemlich genügend widerlegt. 

Die festere Beschaffenheit ihrer Ilornhülle. Es ist wenigstens auffallend, 
dass dieselbe bei fast allen Mitgliedern dieser Gruppe sich petrificirt uns erhalten hat, bei 
der Vorigen nur dann, Avenn sie im Kalkstein liegen. Indess kommen die Trllobilen die- 
ser zweiten Gruppe fast nur im Kalkstein vor*), und daher mag die Conservation ihrer 
Schaale rühren. . . 

Die dem Kopfschilde ziemlich entsprechende Grösse und Gestalt des 
Schwanzschildes, Sie findet sich zwar auch bei Ogygia und zum Theil bei Tri- 
imcleus, aber minder allgemein als hier. Nur sehr selten werden uns Formen begegnen, 
bei denen das Schwanzschild viel kleiner ist als das Kopfschild. Dagegen werden wir auf 
Arien slossen, wo es sogar einen grösseren Umfang hat. Aus der Grösse des Schwanz- 



'■*) Calijmene Tristani aus dem Thoiischiefer TOn Angers und äh Homalonofi sind meines Wissens 
die einzigen Trilobiten dieser Grnppe aus tlionigen Gesteinen. 

12 -^ 



93 — 

Schildes kann daher nur im Allgemeinen, und nie sicher, auf Zusammenkugelung ge- 
schlossen werden. 

Da die meisten Mitglieder dieser Gruppe in Kalksteinen sich finden, so scheinen sie 
im Ganzen jünger zu sein , als die vorigen ; die ältesten Formen sind die aus Kalksleinen 
des cambrischen Systems, also die Galtungen Ampyx, Asaphus und lUaenus in ihrer 
richtigen Begrenzung ; von denen man auch einzelne Arten im Tafelschiefer gefunden ha- 
ben will. Dann folgt Crtli/mene, deren verschiedene Arten indess durch alle Glieder der 
ganzen GrauwackenformaÜon hindurch gehen. Entschieden jünger sind die grossäugigen 
Phacops - Arien , sie scheinen das Schlussglied iii der Schöpfungsreihe dieser Formen zu 
bilden. — 

Die Eintheilung dieser sehr natürlichen Gruppe in untergeordnete Gattungen betreffend, 
so stellt sich bei genauerer Untersuchung ein Moment heraus, welches bisher immer über- 
sehen wurde und doch das bedeutendste zu sein scheint; ich meine die Beschaffenheit der 
Schaale. Schon in der allgemeinen Darstellung habe ich den Unterschied derselben ge- 
zeigt und nachgewiesen, dass viele Trilobiten, die uns nun glatt erscheinen, im Le- 
ben mit einer eigenen graniilirtcn Schicht versehen waren; dass dagegen andere eine 
eigenlhümliche Skulptur und Punktirung in der Schaale selbst halten, welche mit der An-" 
Wesenheit einer besondeni Oberhaut unverträglich ist. Folgt man diesem Fingerzeige, so 
findet sich, dass Trilobiten mit deutlicher Granulation immer eine nach hinten ver- 
schmälerte, mehr als lOgliedrige Bumpfachse besitzen, dio anderen ohne Granulation 
nie mehr, und in der Begel weniger Glieder, von gleicher Breite im Bumpfe. Demnach 
glaube ich annehmen zu dürfen, dass alle nach hinten allmälig schmäleren, mit mehr als 
10 Gliedern in der Achse versehenen Trilobiten eine granulirte Oberhaut besassen, die 
weniger gliedrigen dagegen eine in sich selbst punklirle oder skulptirle Schaale. Indess 
giebt es in beiden Gruppen auch Gattungen mit zehn Gliedern. Dieser Unterschied wird 
dadurch noch bedeutender, dass die nicht granulirten Ti"ilobiten bloss cambrisch zu sein 
scheinen, die anderen aber vorzugsweise silurisch. Ich benutze diese Bildungen als kon- 
stante Theilungsgründe , und zerfalle die Trilobiten mit Zusammenkugelungsvermögen in 2 
Unterabtheilungen. 



93 

1. 

Tr'ilobHcn mit Ztmtnimenkugelung.werniögen , nach hinten verschmälerter Rum-pfachse, 
granulhicr Schaute und gncöhnlich mehr als zehn Rumpfringen^^. — 

CALYMENIDAE. 

Diese nalürliche Ablheilung zerfällt wieder nach der Zahl der Körperringe iu 13- 
gliedrige, llgliedrige und lOglicdrige. Die ersteren sind bereits in mehrere Gattungen: 
CaJymene, Trlmerus, Homalonolus und Dipleiira aufgelöst worden, die zweiten bil- 
den die Gattung Phacops EjhMR. , die dritten entbehren noch einer generischeft Benennung. 
Ich werde sie zunächst nach jenem Zahlenverhältnisse der Rumpfringe in Gruppen brin- 
gen, und die zu jeder gehörigen Gattungen daselbst weiter betrachten**). • — 

A. 

Dreizehngliedrige Trilohilen mit Zusammenkugelungsvermögen. 
In dieser Unterabiheilung scheinen nur zwei Galtungen bestehen zu können, für 
welche ich die Benennungen: Cahjmene und Homalonotus in Anwendung bringe; sie 
unterscheiden sich am Kopfschilde, das bei Cahjmene mit einem aufgeworfenen Rande 
versehen ist, über den das vordere Ende der Gesichtslinie wegsetzt; während bei Ho- 
malonotus sich ein flach ausgebreiteter Rand findet, und die vorderen Enden der Gesichls- 
linie in der Mitte des Slirnrandes, vor dem Kopfbuckel, sich treffen. Andere Unterschiede 
uuterslützen diese Hauptdifferenz und rechtfertigen die Gattuugslrennmig***). 

11. Gatt. Calymene Brogn. 

Amphion und ZelJius Fand. 
Kopf Schild halbmondfönnig, ziemlich stark gewölbt, mit einem ringsum aufgewor- 
fenen Rande versehen, dessen grössler vorderster Abschnitt gewöhnlich abgebrochen ist. 
Der Kopfbuckel, welcher nach vorn immer etwas verschmälert ist, hat zunächst hinten 



*) Cahjmene concinna und diops, die nur zehn Kftrperringe besitzen, scheinen doch dieser Abthei- 
hing anzugehören. 
«») Wahrscheinlich bildet Caljjmene variolaris ein eignes Geschlecht dieser Ahtheilung, wie dies schon 
BoECK {Gaea norw.l. no. 13.) ausgesprochen hat. Ich kenne leider die genannte Art nicht durch 
Autopsie, und \on C. punciaia Dalm., die Boeck mit dahin rechnet, nur Schwanzschilder; muss 
daher auch hier die Charakteristili der Gruppe Andern überlassen. 
»••'■"■) Wenn Murchison's Figur TOn Caljjin. variolaris (Sil. Sj/sf. pl. 14. fig. 1.) richtig ist, so hat 
das Thier 13 Rumpfriuge, und gehört hierher; die älteren Schriftsteller, als Parkinson {Org. 
rem. III. pl. 17. f. lü.) und Brogmart (CV. foss. pl. 1. fig- 3.) zeichneu nur 11, was auf eine 
Verwandtschaft mit Phacops hinweist. Nach dem ganzen Bau gehört Cal. variolaris jedoch mehr 
zur ersten Gruppe als zur folgenden, und scheint sich zu Calijmene zu Terlialten, wie die Phacops- 
Arten mit einfachem Kopfbuckel, zu denen mit gelapptem. Yergl. den Anhang. 



94 

einen hohen . stark aufgeworfenen Arlikulalionsrand , und ausserdem immer an jeder Seile 
zwei oder drei Einschnitte, wodurch er in 3 oder 4 Lappen getheill ist. Sind nur 2 
Einschnitte vorhanden, so felilt der vorderste. Der hinterste Lappen jeder Seite ist der 
grösste und hedeutend für sich gewölht, ihm folgt an Umfang der zweite von liinten; der 
dritte von da ist gewöhnlicli der Ideiiiste, und oftmals sehr unvollständig von dem letzten 
oder vordersten gesondert, so namentlich hei der gemeinsten Art, der C. Bhimvuhdrhli. 
Nehcn dem Kopfbuckel breiten sich die Wangen als selbstständige gewölbte Platten aus, 
imd traiTcn stark hervorragende, aber nicht eben grosse Augen, deren Hornhaut fehlt oder 
eingedrückt ist. Sie stehen theils auf der Mitte (C. Blumcnbachii) , theils auf der vor- 
deren Hälfte der Wangen, und sind dann bald mehr nach innen (C Tnslanf), bald mehr 
nach aussen gerückt. Die Gesichtslinie kommt in der Hohe der Augen über den vorde- 
ren Kopfrand hervor, ist.aljer an dessen nach unten oder vorn abwärts gewendeter Seite 
dm'cb eine dem Rande selbst gleichlaufende Quernaht mit der Nachbarin zur andern Seile 
verbunden. Von der Stelle, wo beide über den Rand treten, gehen sie fast unter sich 
parallel zum Auge, bilden über ihm die Deckelplatte, und wenden sich von seiner hin- 
teren Grenze in diagonaler Richtung S förmig geschwungen über die Seiten der Wangen 
forllaufend zur hinleren Ecke des Kopfschildes, die sie genau in ihrem Winkel schneiden. 
Dadurch bekommt das Wangenschild eine schmale, vorn stumpfe, hinten zugespitzte Form, 
Die hintere Ecke des Kopfschildes ist stets stumpf, abgerundet, und nicht ausgezogen. 

Die dreizehn Rumpfringe haben eine hochgewölbte Achse, deren einzebie Gürtel 
für sich sehr stark gewölbt sind; sie werden nach lünten allmälig schmäler. Die Seiten- 
lappen sind sehr scharf von der Achse gesondert, ebenfalls hoch gewölbt, und ihr schie- 
fer Eindruck ist zwar stark, aber nur kurz. 

Das Schwanz Schild ist stels schmäler, aber mitunter länger als das Kopfschild, 
und wird beim Einrollen von dem aufgeworfenen Rande des letzteren umfasst; es hat 
eine deutliche, hohe 7-, 9- oder llgliedrige, schnell nach hinten verjüngte, abgerundete 
Achse und ebenso viele, oder um 1 geringere Seitenwülste, die von der Mitte an gespalten 
oder gabelförmig erscheinen. Der freie Rand des Scbwanzschildes ist nur wenig erweitert. 

Die Oberseite des ganzen Rückens war im Leben mit einem ziemlich starken, 
überall ungleich granulirten Ueberzuge bedeckt, den man bei wohlerhaltenen Individuen 
slellenweis noch sehr deutlich wahrnimmt, im Ganzen aber häufiger vermisst. Die Gra- 
nulation scheint auf dem Kopfschilde und der Rumpfachse am deutlichsten gewesen zu sein. 

Die Arien finden sich schon im Thonschiefer (C«/. TrisUmi), demnächst in cambri- 
schen Kalklagcrn (^Cah poli/toma Dalm.) und im ganzen silurischen System bis zu den 
obersten Straten. Die gemeinste Art: Ca]. Blumcnbachii, hat eine sehr weile Verbrci- 
tunn-, und findet sich in Europa so gut, wie in Süd -Afrika und Nord- Amerika. 



95 

1. C. Tilslani: limbo sculi cephalici antico valde reflexo, inlegro; oculis allissi- 
niis inlernis; luberculo capitis utriiiqiie ([uadrilobalo. Long. 2 — 3". Taf. II. Fig. 7. 8. 

Tristan, Jownti. des piines. Tom. 23. pag. 21. — Brogn. Cr. foss, 12. pl. I. fig.2. A — Ä. 

— ScHLOTH. Nnchlr. 11. 14. 2. 33. 2. und 40. tab. 22. f. 5. — Dalm. Palaead. 62. 3. — 

Em-hr. disserl. 39. 4. — Milne Edw. Crust. III. 320. 5. — 
ZelhuH verrucosus Pahder BcUr. elc. 139. lab. IV. C. fig. 4. und tab. V. fig. 6. — 

Kopfscliild bei gut erhaltener Schaale stark granulirt, höckerig; sonst glatt; der Kopf- 
buckel nach vorn verschmälert, mit ziemlich gerade abgestutztem leicht gebogenem Ende ; 
an jeder Seite drei deutliche Einschnitte, w^elclie ihn in 4 fast gleiche, bloss nach vorn 
etwas schmälere Lappen theilen ; die Seitentheile ganz auffallend hoch gewölbt , die Augen 
dicht an den Kopfbuckel gerückt und neben dem zweiten Lappen von vorn angebracht; 
der erweiterte Kopfrand auffallend stark hervorgezogen, die Mitte des Vorderrandes auf- 
gerichtet oder aufgeklappt, die Seitenlappen desto stärker herabhängend; sie nehmen in 
eingerollter Lage das Schwanzschild zwischen sich, so dass dasselbe in die weite Lücke 
zwischen ihnen und der aufgeklappten Mitto hineinpasst. Rückenringe hochgewölbt; übri- 
gens ohne Eigenheiten. Schwanzschild länglich dreieckig, die hintere Spitze mehr her- 
vorgezogen, ragt beträchtlich über die Achse hinaus; letztere siebengliedrig, mit einem 
undeutlichen Endgliede; die Seitentheile mit erhabenen, bis über die Mitte hinaus gespal- 
tenen, radialen Wülsten. — 

Im Thonschiefer von Angers (Berl. Mus.), Nantes, Cottentin, auch bei Va- 
lognes und Cherbourg; im Uebergangskalk Esthlands bei Reval und Zarskoe 
Selo, auch als Geschiebe (Hall. Samml.). 

Anmerkungen. 

1. Dass Zellius verntcosus Pander's mit Calymene Trhlani identisch ist, erleidet durchaas 
keinen Zweifel ; die Bihlung des Kopflnickels ist ganz dieselbe. 

2. Das Ton Schlotheim a. a. 0. al)gebildete Schwanzschild gehört wahrscheinlich zu dieser Art. 

1. C. poh/toma: limbo scuti cephalici antico crenato; luberculo capitis antice latiori, 
in apice quadrilobato. Long. 2 — 3". 

Dalm. Palaead. 37. tab. I. fig. 1. a — c. — Emjir. dissert. 38. 2. — Milne Edw. Crust. III. 

321.6. — L. T. Buch, Beilr. 45. — Asaphus Fischeri, Eichwald dissert. 52. §. 58. 

tab. III. fig. 2. a. b. 
Calymene fronlUoba Stschegloff. 
Amph'ion fronlHobiis Pahder BcHr. 139. tab. TV. fig. 1. lab. IV. B. fig. 5. 6. 7. tab. V. fig. 

3. a. b. und 8. 

Kopfschild minder gewölbt als bei der vorigen Art und die Seitenlappen weniger her- 
abgezogen; der Kopfbuckcl nach vorn breiter, mit zwei Seiteneinschnitlen, die ihn in 3 



9G 

nach vorn breitere Lappen theilen; zwischen den beiden vorderen Lappen noch drei ra- 
diale nach innen gegen die Mitte des Kopfes gericlilete Einschnitte, welche zwei kleinere 
mittlere Lappen von den äusseren absondern. Der erweiterte Saum am Vorderrande durch 
8 Einschnitte in 9 ziemlich spitze Kerben oder Zähne getheilt, die leicht abbrechen und 
bei vielen Exemplaren fehlen. Augen von massiger Grösse, stehen in der Ilölie des hin- 
tersten Seiteneinschnittes sehr weit nach aussen gerückt, und werden durch die vertiefte 
Gesichtslinie umfasst. Unter ihnen scheint noch eine dem Umfange concentrische Furclie 
sich zu befinden. Rumpfringe stark gewölbt, ziemlich kurz. Schwanzschild lang, dreisei- 
tig, ziemlich spitz, die Achse vielgliedrig (nach Dalman's Zeichnung und Eichwald's Zäh- 
lung 11), erreicht fast das Ende, die Seitenwiilste vielleicht nicht gespalten (wenigstens 
geben die Zeichnungen keine Theilung an). 

Im rolhen Uebergangskallv Ostgothlands und Eslhlands; mir nicht durch Au- 
topsie bekannt. 

Anmerknng. 
Pas von ÜAtMAN a1)gel)il(lete Exemplar hatte keinen Kopfrand mehr, nnd ebenso das ron Pander 
Taf. V. B. Fig. 3. dargestellte. Die Anwesenheit dieses gezahnten Randes und die etwas andere Bil- 
dung des Kopibuckels rechtfertigen schwerlich die Aufstellung einer besonderen Gattung, wie das 
Pakder, der übrigens auch seine Art für verschieden von der ÜALMAN'schen zu halten scheint, vor- 
geschlagen hat. Seine Zahlung der Körperringe (20 im Rumpf, 4 im Schwanz) ist irrig; Eichwald 
hatte sie schon richtig gesondert. 

3. C. Blumcnbachii: limbo scuti cephalicl anlico integre; tuberculo capitis sub- 
quadrilobo, lobo anlico sivc ultimo uiaximo, penultimo appendiculato. Long. IV2 — 3". 
Taf. IL Fig. 1 — 3. 

Ch. Lyttelton, in Phil. Tr. VoL 46. pug. 598. -pl. I. et 2, — C. Mortimer, ibid. 600. — 
Em. Mendez da Costa, Phil. Tr. Vol. 48. pag. 286. — J. Torrubia, app. p. l. last. n. 
Espan. pag. 83. el 13. n. 96. Com. IIL n. 4. — Guettard, Mein, de l'acud. roy. d. sc. 
Toni. XV. pl. 9. (VII.) /. 2. — WILKEJ.S, im Stralsund. Magaz. I. 4. lab. I. fig.A — Q. — 
Klein, spec. descr. pelref. Gedan. Tab. XV. fig. 5 — 7. — J. J. W'alch, im Text zu Knorr's 
Abbild, d. Verslein. Vol. III. p. 222. Taf. IX. fig. 1—5. — Beckmann, noi\ conim. soc. 
reg. GöUing. Tom. III. pag. 101. 2. — Tril. tubcrculatus Brünnich, nga Suml. elc. I. 
389. 1. — Gehler, progr. elc. 6. fig.l — \. — Blumenbach ^ Abbild, naturh. Gegenst. l. 
Taf. 50. Enlom. paradoxus. — Parkinson, org. rem. III. pl. 17. fig. 11. 13. 14. — 
Schlotheim, Pelref S. 39. 2.— Wahlenberg, n. a. L>s.VIII. 31. 6. Eni. luberculahis. — 
Calymene Blumcnbachii , Brogn. Cr. foss. 11. 1. pl. 1. fig. 1. A — C. — Schloth. Nachlr. 
II. 13. 1. und 33. 1. — Razoumowsky, annal. des scienc. nalur. VIII. pl. 28. fig, 4. — 
Dalman, Pulaead.'iä. 1. lab.l. fig. 2.^. a — c. — Payton, on Trilob. of Dudley. fig. 14. — 
— Zethus uniplicnlus, Pander, Beilr. elc. Tab. V. fig. 7. — Cal. Blunienb. Green, ßlon. 
28. — Klöden, Versl. d. Mark Brand. 105. — Harlan, 7ued. el phys. research. 300. — 



97 

MuRCHisoN, SUiir. Syst. II. 653. pl. 7. f. 5 — 7. — Buqkland, Minor, et Geolog, pl. 46. 
/'. 1— 3. — Bronn, Lelliaea l. 110. 99. Tab. IX. fig.^.— Hisinger, Leih, sitec. 10. Tab.l. 
Fig. 3. 4. — ßoECK, Gaeu 7ioni\ I. no. 16. — Quenstedt, in Wiegmanns Arch. 1835. 
1. 342. — Em.mrich, disserl. 39. 3. — L. v. Buch, Bcilr. ss. Geogn. Russl. 47. — Milnb 
Edw. Criisl. III. 318. 1. — 

Kopfschild mondförmig' , der Rand slark aufgeworfen, aber einfach, nach imten ver- 
dickt; Kopfbuckel undeutlich vierlappig, der erste vorderste Lappen grösser als der zweite, 
welcher von ihm viel weniger abgesondert ist, als vom dritten, dieser hoch 
gewölbt, aber kleiner als der vierte hinterste. Augen auf der Mitte der Wangen, nicht 
sehr hervorgezogen, in der Höhe des dritten Lappens angebracht; hinterer Artikulations- 
widst schmäler als der ihm vorhergehende Lappen. Im Rumpfe dreizehn successiv kleinere 
Ringe, ohne besondere Eigenheiten. Schwauzschild beträchtlich kleiner als das Kopfschild, 
die Achse kurz, breit, siebengliedrig, die 2 letzten Glieder undeutlich gesondert; die Sei- 
ten mit sechs radialen Furchen, von welchen die vier mittleren der Länge nach vom Rande 
aus gespalten sind. — Die ganze Oberfläche bei wohl erhaltenen Stücken fein granulirt 
(t'rtr. pitichella Dalman, l. l, /ig. 3.^, bei den meisten glatt, weil die oberste Schicht 
der Schaale fehlt. — 

Anmerkungen. 

1. Die citirten Schriftsteller habe ich sämmtlich, so weit sie mir zugänglich waren, yerglichen, 
und mich überzeugt, tlass sie von dieser Art handeln. Nur die Abl)ildungen bei Brogniart unter 
A. B. und l)ei Murchison sind ziemlich genau; in allen anderen erkennt man die Grenzen vom Schwanz 
und Rumpf nicht bestimmt genug. Dalman's Figur mit zehn Rumpfringen ist falsch, und ebenso von 
Hisinger wieder kopirt. — 

2. Zetlnis vemicosus Pander's, den Herr v. Buch zu dieser Art zieht, habe ich lieber zu 
Cal. Tvislani gebracht; dagegen dürfte dessen Z. tiniplicalus , mit welchem die Abbildung von 
Razujiowsky Fig. 4. übereinzustimmen scheint, hierher gehören. Der Kopfhiickel weicht zwar ab, 
möchte aber bei den Exemplaren genannter Schriftsteller unvollständig erhalten gewesen sein. — 

3. Cal. plalys Green. 31on. 32. — Milne Edw. /. /. 320. 4. — halte ich nach dem Gypsab- 
giiss des Berl. Mus. für ein grosses Exemplar von Cal. Blumenbachii mit vollständiger Granulation. 

4. Schon die vielfachen Citate beweisen das ausgebreitete Vorkommen dieser Art ; man findet sie 
jedoch nur in Kalksteinen, nnd wenn das Verhalten derselben in England als allgemeines angenommen 
werden darf, besonders in den oberen und mittleren (Lndlow, Dudley, Wenlock) Silurischen 
Schichten. In Schweden findet sie sich im Kalkstein Gottlands, in Esthland in den Petershurger 
Hügeln eben darin. In Deutschland scheint sie nur als Geschiebe vorzukommen und aus Skandi- 
navischen Gebirgen zu stammen. In Spanien fand sie Torrueia an der Grenze von Pardos, zwei 
Stunden von Molina de Arragon. In Nord- Amerika findet sie sich an verschiedenen Orten, na- 
mentlich bei Le])anon im Staate Ohio, und bei Trenton Falls in New-York. Ml'rchison er- 
wähnt auch Exemplare aus dem Cedar Gebirge vom Vorgebirge der guten Hoffnung. — 

13 



98 

4. C. caUicephaJfi: linibo scuü cephalici incrassato; oculis altis externis, margi- 
nem superantibus; tuberculo capllis utrinquo Irilobo: lobis posticum versus majoribus. — 
Long. 2 'A ". Taf. IL Fig. 9. 10. 

Green Mori. 30. — Milne Edw. Criist. III. 319. 2. 
Im ganzen Habitus der vorigen Art am ähnlichsten , aber das Kopfschild relativ kür- 
zer und breiter, die Seiten stärker geschwungen, die Hinterecken mehr zurückgezogen. 
Der aufgeworfene Saum ist nicht sehr stark, am wenigsten vorn, wo er sonst am höch- 
sten zu sein pflegt. Die Augen sind ziemlich klein, stehen aber ganz auffallend weit 
nach aussen, so dass sie bei der Betrachtung von oben über den äusseren Rand des 
Schildes hinausragen; sie stehen vorn neben dem äussersten Lappen des Kopfbuckels. 
Dieser ist klein und sehr schmal, der zweite zwar wenig breiter, aber doch mehr nach 
aussen gerückt, der dritte ist auffallend breit, gross, halbkugelig und nicht bloss vom 
vorhergehenden, sondern auch von der Kopfachse durch eine Furche grösstentheils ge- 
sondert (wie bei Cal. Trislani). Den Rumpf und Schwanz habe ich nicht gesehen, nach 
Green bestehen beide zusammen aus 14 Ringen, wornach nur ehier auf den Schwanz 
käme ; die Achse des letzteren ist fast gleich breit, hinten also sehr stumpf, und die Sei- 
tenrippen sind nicht gespalten. 

In Nord -Amerika von Hampshire inVirgiuien, den Ufern des Miamis bei Cincinnati, 
und aus Indiania, in einem schwarzgrauen Kalkstein. Bei Iren ton falls, wo Cal. Blu- 
menbachii so häufig ist, findet sich diese Art nicht. Ich sah ein Gypsmodel des Kopfes 
(Nr. 2. Green) im Berliner Naturalienkabinet. 

A 11 ni e r k u u g e n. 
Die übrigen zn Cuhjmene gezogenen Arten stehen hei mir unter anderen Gruppen. 

1. Cal. bcUulula Dalm. und Cul. condnna Dalm. sind die Repräsentanten zweier besonderen 
Gattungen; C aclinura ist schon erwähnt (S. 80.); C. sderops ist ein Pluicops ; C. pimdula 
kenne icli bloss im Schwanzschilde, sie bildet nach Boeck (Gaea noriccg. l. l. 13.) eine eigene 
Gattung mit Cal. rar'iolans. (Vergl. S. 93). 

2. Ueber Green's verschiedene Arten kann ich folgende Aufklärungen geben: — C. selenoce- 
phula (S. 31. — MiLNK Edw. /. /. 320. 3. — Emmr. d'iss. 40. 6.) habe ich in einem Gjpsabgnsse 
in Berlin (Nr. 3. Green's) gesehen , mich aber der schlechten Conservation des dazu benutzten Haiid- 
stückes wegen nicht von sicheren Artmerkmahlen überzeugen können. Sie scheint mit C. Trisiuni am 
nächsten verwandt, ja vielleicht identiscii zu sein. — C. mlcrops Green (S. 34. Model 6.) ist eine 
PJuicops- Art, und soll unter dieser Gattung niilier besprochen werden; eben dahin gehören C an- 
dtiops CS. 35. Model 7.), aber nicht C. d'iops (S. 37. Fig. 2. Model S.), welche vielmehr mit 
Cal. condnna Dalm. eine eigne Gattung bildet. — C. macrophlhalma (S. 39.) ist ein Phacops 
und C. bufo (S. 41.) dicsellie Art. — C. odonloccphnla (Gr. Suppl. pag. 9. Milne Edw. /. /. 
322. 8.) ist ebenfalls ein Pluicops, aber selbststaudige Spezies. 



99 — 

3. Murchison's Calym. Downingii. (Sil. Syst. II. 635. pl. 14. f. 3.) nnd Cal. luherculala 
(ibid. f. 4.) gehöreil zu Phncops, seine C. indelerminala (fig, 5.) ist vielleicht das Schwanzschild 
der letzteren, und dann einerlei mit Pli. lalifrons, wohin C. luherculala entschieden gehört. 

4. MitNE Ediyard's Arten (a. a. 0. S. 318 — 328.) sind durch die früheren Angaben schon mit 
erklart, die einzige Cal. Slokesii (S. 324. no. 13. nicht Asaph. Slokesii Mürchis. /. l. fig. 6.) 
ausgenommen, welche unser Phacops lalifrons ist. Aaaphus Slokesii Murch. ist \ielleicht eine 
zweite Art der Gattung Harpes (S. 87.), wenn nicht gar ein kleines, schlecht conservirtes Indivi- 
duum Yon //. ungida. — 



12. Galt. Homalonotus König- 

Trimerus Green. Murciiis. — Dipleura Green. 

Kopf Schild hyperbolisch, die Vorderecke ziemlich scharf, die Seilenränder sanft 
geschwiuigen , der Ilinlerrand ziemlich gerade, ohne rückwärls vorgezogene Ecken; die 
ganze Oberfläche sanft gewölbt, aber die Gegend am Aussenrande zlenilleh flach ausge- 
breitet, der Saum am Hinterrande durch eine Furche abgegrenzt, leicht gewölbt. Der 
Kopfbuckel ungelhcilt, nach hinten etwas breiter als vorn, nimmt dort etwa Vs des hin- 
teren Randes ein, verjüngt sich dann etwas, und rundet sich vorn zu; ohne Seltenlappen 
und Einschnitte, allein die Andeutung einer von der Gegend, wo die Augen neben dem 
Buckel stehen, ausgehenden, nach hinten gegen die Miltellinle gezogenen Furche findet 
sich noch 'ziemlich deutlich. Beide Furchen entsprechen den hintersten Furchen am Kopf- 
buckel der vorigen Gattung, und sondern die vo^^ere Kopfgegend, den Stirntheil, von der 
hinteren oder Kiefergegend ab. — 

Augen neben der Mitte des Kopfbuckels mitten auf den Seitenlheilen des Schildes 
angebraclil, vielleicht etwas mehr nach hinten gerückt, flach gewölbt, relativ noch kleiner 
als bei Caly?nene; gewöhnlich ebenfalls eingefallen. 

Gesichtslinie vorn dem Rande des Kopfschildes parallel, doch von ihm entfernt, 
scharf winkelig, auf der flachen Ausbreitung des Kopfschildes verlaufend; von da unter 
einem Bogen sich zum Auge wendend, über dem sie die bekamite Deckelplalte bildet, 
und dann S förmig geschwungen sich zur hinteren Seitenecke wendet, die von der 
Naht entweder im Winkel selbst , oder etwas vor der Spitze nach aussen zu halblrt wird. 

Rumpfachse dreizehnglledrig, entschieden nach hinten verschmälert; die Achse 
selbst wenig gewölbt, daher die Seilenlappen, deren Querdurchmesser kleiner isl als der 
Querdurchmesser der Achse, nicht so stark wie sonst von der Achse abgesetzt zu sein 
pflegen; der hintere Rand jedes einzelnen Achsenringes scharfkantig vorgezogen, mll- 

13* 



unter (bei Di'pleurci) sogar etwas aufgeworfen ; der vordere oder Arlikulaüonslheil durch 
eine mehr oder weniger vertiefte Ouerlurche von dem hinteren Thelle des Ringes geson- 
dert. Dieser Charakter kommt keiner anderen Triloliitcngattung zu und scheint mir des- 
halb der wichtigste und eigenthiimlichste zu sein'''). 

Schwanzschild hyperbolisch, länglicher aber viel schmäler als das Kopfschild und 
im Ganzen kleiner; die Achse darin gar nicht oder deutlich gegliedert, sehr schnell nach 
hinten verjüngt, gleich anfangs selbst ein wenig schmäler als der letzte Rumpfring; die 
äusserste Endecke mehr oder weniger hervorgezogen. 

Die Arten dieser Galtung gehören zu den grüssten, aber auch zu den seltensten Tri- 
lobilen, und scheinen den oberen oder mittleren Silurischen Schichten eigen zu sein. Ich 
habe leider nur Blodelle oder unvollständige Exemplare untersuchen können. An beiden 
erkannte ich die Granulation, sobald noch Schaalenreste vorhanden waren, bestimmt; die 
abgeschälten Exemplare erscheinen dagegen stets ganz glatt. Nach dem Verhällniss von 
Achse und Seitenlappen ergeben sie 2 Unterabtheilungen, welche die meisten Schriftstel- 
ler als besondere Gattunffen aufführen. 



'o^ 



A. Di-plenrn Green. Das äussere Ende der Gesichtslinie halbirt die Ilinterecke 
selbst. Die Achsenglieder sind nicht breiter als die Seitcnlappen , und sehr deutlich von 
denselben abgesetzt; letztere haben am unteren äusseren Ende eine Ausschweifung, mit 
welcher sie sich beim Zusammenkugeln unter den freien Saum des Kopfschildcs schieben. 
Der hintere Rand jedes Achsenringes ist stark aufgeworfen und der Ring selbst für sich 
allein hoch gewölbt. Schwanzschild wenig zugespitzt oder vorgezogen, die Achse unge- 
gliedert, die Seiten eben, rippenlos. 

1. //. Decajl: scuto capitis dilatato, dimidia latitudine vix longiori ; oculis ellipticis; 
annulis trunci convexis, in margine poslico reflexo-dilatatis. Long. 2 '/o". 



'•'') Man niiiss bei Deutung der Briirlisfiiclie dieser Gattung gar sehr darauf achten, oh die Ahdiikke 
der Gürtel von der oberen freiem Hückeiifliiol.c lierrühren, oder von der inneren, gegen die Fleisth- 
masse des Tliieres geitelirleu. Im ersten Fall erscheint die Qnerfiirche, welche den Artikiilalions- 
theil •vom Ringe seihst sondert, als feine Linie, und so ist sie auch in Murchison's Figuren 
Taf. YII. und VII. bis, Fig. 1. 2. angegeben; im zweiten Falle dagegen ist es eine tiefe breite 
Furche, welche von einer nach innen heral)hangenden Hornleiste des Ringes herrüiirt, und da diese 
dick ist, auch so breit und tief in die Umhüllungsmasse sich eindrückte. So erscheinen Murchi- 
soN's Figuren 3. und 4. auf Taf. VII. Es zeigen daher auf die angegebene Weise von einander 
abweichende Alidrücke nicht verscliiedene Arten au, sondern verscliiedene Seiten des Panzers einer 
und derselben Art. Meine Figuren Taf. IV. erläutern den Unterschied im Bau der Pauzerriiige 
von Homaloiw/us und Calijmciie genauer und verweise ich über ihre Bedeutung den Leser auf 
die Erklärungen der Tafeln. 



— 1®1 — 

Diplenra Dehixj'i Gruen, Mon. 79. fig. 8. 9. — Bronn, Lclhaea. I. 113. 101. /}/. IX. f. 6. 7. 
— Harl. med. und. phys. res. 304. — Emmr. diss. 42. IV. — Milne. Edw. Cnist. III. 
316. — Bronn, in Leonh. und lir. Jahrb. 1840. S. 447 see/. 

In vorscliicdeiicn Gegenden Nord-Amerikas, unter andern l)ei Lockporl, Madison, Steu- 
ben, Cazenovia, Uoclicstcr, alle inNew-York; ferner bei Nortlmmberland in Pennsylvanicn, 
Mounl Ilope in der Gegend von IJallimore. leb habe bloss die beiden Gypsabgüsse (Nr. 30 
nnd 31.) von Greek's Handstiickcn untersuclicn können, und muss daher eine genauere 
Beschreibung unterlassen. Die deutliche Granulation und die scharfen Ränder der Körper- 
ringe lassen keinen Zweifel , dass die Kalkschaale noch an den natürlichen Exemplaren 
vorhanden war, womit der Mangel von Gliedern an der Schwanzachse sehr gut harmo- 
nirt. Sie fehlen wohl nur auf der Oberfläche, und sind auf der Innenfläche sichtbar; wie 
es die glatten Individuen ohne Kalkschaale zeigen. Gueen's Angabe von 14 Ringen be- 
ruht auf einem Irrthuni, die ModfcUe haben nur 13; denn der scheinbare erste ist der 
aufgeworfene Iliaterrand des Kopfschildes. 

B. Trimerus. Das äussere Ende der Gesichlslinie Irifl"! den Rand etwas vor der 
Ecke des Kopfschildes nach aussen zu. Die Achsenglieder sind breiter als die Seiteulap- 
pen, sehr wenig von letzteren abgesetzt, und am Hinterrande nicht aufgeworfen; eine 
deutliche Querfurche, die auch über die vordere Fläche der Scitenlappen sich fortzieht, 
trennt den Artikulationsrand vom eigentlichen Ringe. — Schwanzschild am Ende lang vor- 
gezogen, die Achse deutlich gegliedert, die Seiten mit Rippen. 

a. Arten ohne Stacheln und Höcker. Trimerus Green, Jlomulonolus König. 

2. II. Knighin: scuto caudae acuminato, annulis rhachis S — 9, costis lateralibus 6, 
Long. corp. 3 — 4." 

König, kones secl'/l. I. 4. pl. VII. ^17.85. — Bronn, Leih. I. 119. 107. Tab. IX. fuj. 14. — 
MiiRCHis. üil. Syst. II. 631. pl. VII. fuj. 1—2. — Milnk Edw. Cr. III. 315. — Eomalon. 
Ludensis Murch. ibid. fig. 3—4. — Emmr. dissert. 41. 8. — Milne Edw. Ca III. 315. — 
Bronn, in Leonh. neuem Jahrb. 1840. 445. 

In Grauwackenschichten der Eifel bei Dann (nach Exemplaren der SACK'schen Samm- 
lung), und in den oberen Silurischen Schichten Englands. — 

Von dieser Art habe ich bloss zwei Schwanzschilder aus genannter Sammlung vor 
mir ; sie sind relativ kürzer und breiler als das der folgenden Art, die Achse ist flacher 
gewölbt, und am Ende bestimmter durch eine begrenzende Furche zugespitzt. Man unter- 
scheidet daran ausser dem nur theilweis erhaltenen Artikulationsrande 7 deutliche Gürtel, 
und einen achten, ja sehr schwach einen neunten, dem die kurze dreieckige Spitze folgt. 



10» — 

Auf den Seiten stellen sechs starke breite Rippen. Die Spitze des Schildes ist zwar abge- 
brochen, allein man sieht deutlich, dass sie hervorgezogen war. — 

3. //. delphinocephalus : scuto caudae acuminato, in apice reflexo; annulis rhachis 
11 — 12, costis lateralibus 8. — Long. corp. 3 — 6". 

Trivi. delph. Green 3Jon. 82. f. 1. (Model no. 32.) — Emmr. d'iss. 41. 7. — Bronn, Le- 
Ihaea I. 112. 100. Taf. IX. fig. 5. — Homulon. delphinocephalus Murch. S'd. Syst. II. 
651. pl. YII. bis, fig. 1. 2. — Milne Edw. Crust. III. 314. 1. 

In einer gelben, stark eisenhaltigen Grauwacke aus der Eifel (nach Exemplaren der 
SACK'schen Sammlung). Ferner im üebergangskalk Nord -Amerikas (Williamsvllle, Nia- 
gara, New- York) und Englands (Wenlock, Dudley). — 

Die reichhaltige Sammlung des Herrn Sack besitzet wohl ein Dutzend Schwanzschilder 
in verschiedener Grösse (von 'A — 2" Länge) nebst Bruchstücken aller Theile des Kopfes, 
und einigen Rumpfgliedern, die mit Murchison's klarer Figur in der Hauptsache überein- 
stimmen. Das Schwanzschild, welches mir die besten Artcharaktere darzubieten scheint, 
ist relativ länglicher, spitzer dreiseitig, am Ende sehr stark in eine Spitze ausgezogen, 
und hier etwas flach ausgebreitet. Die Achse ist zwar höher gewölbt, aber nach hinten 
nicht so scharf begrenzt wie bei der vorigen Art; ihre Ringe sind entschieden kürzer, 
aber höher und emzeln viel schärfer. Ich zähle ohne den Artikulationsrand 11 deutliche 
und einen sehr undeutlichen zwölften; auf den Seiten sind 8 gleich deutliche Rippen vor- 
handen, die weniger nach aussen und mehr nach hinten stehen. 

b. Arten mit dicken svinmetrischen Stacheln auf der ganzen Rückenflkche. 

Hoinalonotus Murch. 

4. //. armalus: tuberculo capitis octies spinoso, lateribus scuti cephalici bispinosis; 
annulis Irunci bispinosis, rhachi caudae mulica. Long. corp. 3 — 6". Taf. IV. Fig. 1. 

In Grauwackenschichten der Eifel bei Dann. — Dieselbe Sammlung besitzt einzelne 
Bnichstücke dieser Art, aus denen ich das mitgetheilte , näher zu beschreibende Bild zu- 
sammengesetzt habe. Relativ breiter als die übrigen Arten, das Kopfschild hyperbolisch, 
am Umfange leicht aufgeworfen; der Kopfbuckel mit 8 Stacheln bewehrt, 6 grösseren in 
2 Reihen, 3 auf jeder Seite, und 2 kleineren dicht neben einander in der Mitte vor den 
beiden hintersten. Wangenschilder mit einem grossen hohen Stachel seitlich und etwas 
hinter den Augen, ausserdem noch 1 Stachel jederseits auf dem erhabenen Theile des 
Hinterrandes. Rumpfringe mit 2 Stacheln, einem an jeder Seite dicht vor der Stelle, wo 
sie in die Seitenlappcn übergehen. Schwanzschild kurz und klein, die Achse sechsgliedrig, 



103 

unbcwchrt ; die Seiton jede mit drei Rippen , von denen die erste auf jeder Seite einen 
Stachel trägt; das Ende des Scliildes lang zugespitzt, stachelfürmig. — 

5, H. llerschelii: annulis trunci quadrispinosis , lobis lateralibus unispinosis; rhaclii 
caudae in basi 4-spinosa, laleribus muticis. 

MuRCHis. Sil. Syst. II. 652. pl. VII. bis fig. 2. — Milnr Edw. Crust. III. 315. 

In oberen Silurischen Schicliten der Cedarberge in der Kapkolonie, mit Cal. Blu- 
menhachii und C. Trislani. (?) — 

Nach Mukchison's Abbildung besteht die Schwanzachse bei dieser Art aus 14 Glie- 
dern, die beiden ersten tragen jederseits einen Stachel; die Seiten scheinen eine den 
Gliedern gleiche Anzahl von Rippen, aber keine Stacheln zu besitzen. Von den Rumpf- 
ringen sind sieben vorhanden; sie scheinen mit vier, je 2 und 2 den Seitenlappen etwas 
mehr genäherten Stacheln besetzt zu sein, und ausserdem mag noch einer auf den Seiten- 
lappen selbst stehen. Das Kopfschild fehlt. 

B. 

Eilfgliedrige Tr'ilohilen mit Zusammenkugehtngsvermögen. 

Die Gruppe der eilfgliedrigen Trilobiten, welche Quenstedt zuerst absonderte und 
Emmrich weiter begründete, bestand bisher bloss aus der einen, von letzlerem benannten 
Gattung P/iftcops, scheint indess ebenfalls mehrere Genera zu umfassen. Ich habe nehm- 
lich wohl erhaltene Exemplare der Cnhjm. chivifrons Dalm.*) vor mir, die deutlich 11 
Glieder besitzen, und nicht mit zu Phacops gehören, da ihnen weder die grossen Augen, 
noch die vorn vor dem Kopfbuckel verbundene, hinten die Seitenränder durchbrechende 
Gesichtslinie zukommen. Ich stelle sie daher als eigne Gattung Ci/phctspis hier auf. 

13. Gatt. Ci/p7i(ispis. * 

Ccdijmene Daui. Sars. 
Kopf Schild fast halbkreisförmig, etwas kürzer, die Seiten stark herabgezogen, der 
Rand ringsum verdickt (daher bei blossen Abdrücken verlieft), der KopfI)uckel auffallend 
hoch gewölbt, einem halben Ei ähnlich, ohne alle Furchen, aber mit 2 Längswülslen 
neben dem hinteren schmäleren Ende. Die Oberfläche bei abgeschälten Individuen glatt, 
oder sehr schwach einzeln granulirt, bei bedeckten, deren Schaale mit pelrificirt wurde, 



*) Calymene clavifrons Dalm, ist tou Sars riclitig gedeutet, und nicht mit Cal. speciosa dessel- 
ben Tenyecliselt , wie Boeck meint; das Citat aus Sternberg bei DaliMAN entsclieidet und wi- 
derspricht der Definition, die üalman von Cal. speciosa gegeben hat. Offenbar hat Dal.mak selbst 
eine Yerivechselung der Kamen begangen. 



104 — 

dicht und grob granulirt. Augen klein, auf hohen Hockern neben dem Kopfbuckel. Die 
Gesichlslinie durchschneidet den Vorderrand in der Höhe der Augen, wendet sich von da 
geradlinigt zum Auge, zieht sich hinler demselben nach aussen und durchbohrt den Hin- 
lerrand ziemlich nahe an der Aussenecke; letztere in einen Stachel hervorgezogen. 

Rumpf ringe, eilf an der Zahl, glatt, bei wohl erhaltenen Exemplaren fein gra- 
nulirt, die vordersten 5 mit fein zugespitzter Hinterecke, die übrigen abgerundet; alle 
nach hinten allmälig schmäler. 

Schwanz Schild sehr klein, mit gegliederter Achse, undeutlichen Rippen und 
stark abfallendem, von den Rippen nicht mehr erreichtem Umfange. — 

Anmerkungen. 

1. Die Exemplare, worauf diese Gattung sich grüntlel, sind selten, und noch viel seltener wohl 
erhalten. In der Regel felilt der hohe Kopfbuckel ganz, was sich jedoch leicht au der Brucliflache 
erkennen lilsst. Solche Individuen ergeben Cahjm. belhtlula Dalm. ; ich habe 2 derscll)en vor mir. 
Bei Exemplaren mit dem Kopfbuckel ist gewöhnlich nur dieser allein vorhanden und dann meistens 
abgeschält. {Cal. dav'ifrons Dalm. Sars.) 

3. Dalman's Zilhlung von 13 Rumpfringen, der Quenstedt gefolgt ist, beruht darauf, dass 
Verfasser die beiden ersten Schwanzglieder zum Rumpfe rechnete, und das dritte dem Schwänze allein 
Hess; mein eines Exemplar (aus der Haitischen Uuiversitats- Sammlung) entscheidet über die richtigen 
Zahlenverhilltnisse sehr bald. 

3. Demnach kann ich vor der Hand nur eine Art in dieser Gattung annehmen. 

1. //. clavifrons: Taf. HI. Fig. 3. 4. 

a. Grosse Kopfschilder mit abgeschältem Buckel. 
Cal. clavifrons Dalm. Palacud. 75. 2. capitis luleribus puncüs impressis; glabella magna 
ovali convexa laevi. — Hising. Leih, suecica 12. Calym. ? speciosa, welcher Artuame 
also in Cal. clavifrons umzuändern ist. — Sars, Isis 1835. 339. VII. Taf. IX. Fig. 8. — 
BoECK, Gaca noriv. I. ?iO. 14. Trib. sphacricus. — Emmr. dissert. 20. ^. Phacops sphaC' 
ricns. — Asaph. dabius Graf y. Münst. Beilr. V. 113. Tab. X. Fig. 12. — 

b. Individuen mit abgebrochenem Kopfbuckel. 
Calym. belMula Dalm. Palaead. 36. 2. lab. I. fig. 4. a. d. — HisiNß. Leih, siiec. 11. lab.l. 
fig. 5. «. b. — MiLNE Edw. Crtist. III. 321. 7. — Emmr. disserl. 38. 1. 
In einem grauen Kalkstein Ostgothlands bei Husbyfjöd, bei Ladegaard's Ocn in 
Norwegen, wid in einem ganz ähnlichen Kalke aus der Eitel, nach Exemplaren der 
SACK'schen und Hallischen Akademischen Sammlung. 

Zum näheren Verständniss meiner Zeichnung muss ich bemerken, dass von 5 Exempla- 
ren 2 fast vollsläiulige (aus der Akad. Samml.) keinen Kopfbuckel und keine Kopfschaale 
hatten; die Rumpfrhige erscheinen bei ihnen glatt, und die Endspitzen der vordem sind 
undeutlich; dagegen zeigt das Schwanzschild des einen sehr bestimmt eine feine Granu- 



105 

lation. Die 3 Exemplare der SACK'schen Sammlung bestehen bloss in 2 vollständigen Kopf- 
schildern ohne Schaale und Granulation, von welchen das eine noch Reste der Schaale 
und namentlich den wohlerhaltenen Endstachcl besitzt; das dritte ist ein blosses Miltelstück 

mit dem Kopflnickel, der hier seine Schaale mit den grossen Höckern noch trägt. Aus 

allen 5 componirte ich meine Zeichnung. 

14. Gatt. Phacops Emmr. 

Cfdymcne autor. 
Pleuracanilms und Pellura MiLNE Edwards. 

Kopf Schild halbkreisförmig oder etwas parabolisch, mitunter, wenn die Hinferecken 
stark hervorragen, mondförmig; am Ausscnrande scharfkantig oder etwas auso-ebreitet 
am Hinterrande verdickt; der Kopfbuckel hochgewölbt, theils einfach, theils durch Seiten- 
einschnitle in mehre Lappen getheilt, vorn stets breiter als hinten, und dort breiter oder 
ebenso breit wie der Abstand beider Augen. Gesichtslinie läuft in einem Bogen dem Vor- 
derrande concentrisch um den Kopfbuckel herum, wendet sich zum Auge, bildet die Deckel- 
platte, und geht S förmig geschwungen vom hinteren Augenwinkel zum Seitenrande, den 
sie eine beträchtliche Strecke vor der Hinterecke theilt. Augen auffallend gross hoch 
gewölbt, bilden ein Stück einer Kegelzone, und haben grosse halbkugelige Linsen in be- 
trächtlicher aber verschiedener Zahl. Hinterecken des Kopfschildes bald stumpf, bald lan» 
ausgezogen. — 

Rumpf ringe stets eilf, die Achse etwas schmäler als die Seitenlappen, beide für 
sich gewölbt; die Endecken der letzteren bald abgerundet, bald stachelartig zugespitzt; 
die Glieder der Achse nach hinten sichtbar verschmälert. 

Schwanzschild theils stumpf, theils spitz, parabolisch, die Achse deutlich geglie- 
dert, die Seiten stark gerippt. 

Die Oberfläche bei allen wohl erhaltenen Lidividuen granulirt, bei den ihrer na- 
türlichen Schaale beraubten aber glatt; auch die Rumpfringe häufig durch Reibung schon 
geglättet, wenn noch die Schaale vorhanden ist. — 

A. Arten mit einfachem ungetheilten trapezoidalem Kopfbuckel , der hinten einen kurzen Stiel 
und daneben 2 Knötchen hat. Kopfecken stuuipf^, das Schwanzschild am Ende abgerundet. 

1. Ph. lallfrons: lateribus tuberculi capitis rectis; rhachi caudae 7 — 9-annulata, 
costis lateralibus 5 — 7. Long. 1 — 3". Taf. H. Fig. 4 — 6. 

Calymenc macrophUuUma Brocn. Criist. foss. pl. I. fig. 5. A — C. — Schloth. Pelref. 
Nachlr. II. 15. 34. — Knorr et Walch. Nahtrgesch. d. Verst. Siippl. Taf. 1. Fig. 4. 
5. — Zeno, neue phys. Bei. Tu f. I. fig. 2. — Höninghaus, in Nögger. Rheml. ii. Westph. 

14 



106 

291. m. Abb. — Derselbe in der Isis. 1824. S. 464. 534 n. 986. Taf. 5. Fig. 1—4. und 

1830. 95. Taf. I. fig. 2. a—c. — Gr. Sterne. Verh. d. vaterl. Mus. 1825. 75. 1. Taf. I. 

fig. \. A — D. — Dalm. Palaead. 63. 8. — Bronn, Lf//t. I. 111. 2. /«&. IX. fig. 4. a. 6. 

— Green, 3Ion. of Tril. 39. — Murchis. Sil. Sijsl.ll. 655. ?>/. 14. f2. — Buckl. 3im. 

et Geol. pl. 46. /(jf. 4. — Emmr. dissert. 19. 1. — 
Ca/, lalifrons und Schlolhcimii Bronn in Leo«/t. Zeilschr. f. d. Miner. 1825. 317. Taf. 2. 

^(,. i_8. _ Dalm. Palaead. 64. 10. 11. — 
Crt/. hufo, Green, i>/on. o/" Tri/oft. 41. — Milne Edw. Crust. III. 327. 19.— 
Cal. luberculata Murch. S. S. II. 656. pl. 14. f 4. — Milne Edw. Cnisl. III. 325. 14. — 
Cal. gramilula Graf v. Münster Beilr. III. 36. 3. Taf. V. F/jf. 3. a — d. und Ca/, /aer« 

iiid. 4. F;</. 4. — 
Ca/. Slokesü Milne Edw. Cras/. III. 324. 13. — 
Trimcleits (?) laevis Gr. v. Münst. ßfi/r. V. 116. 1. Taf X. Fig. 6. ? 

Im Uebergangskalk der Eifel, des Harzes, des Ficlitelgebirges , Böhmens, Englands 
und Nord -Amerikas. 

Dieser häufige Trilohit ist ebenso selten gut und vollständig erhalten, daher die vie- 
len Benennungen, die er führt. Vollständige Exemplare mit ihrer Schaale haben überall 
eine starke Granulation, so wie ich sie abbildete. Am kräftigsten ist sie auf dem Kopf- 
buckel und den Augendecken; minder stark auf den Rumpfringen, schwächer überall auf 
den Seiten, wo sie gewöhnlich ganz fehlt. Ebenso vermisst man sie, wenn die petrifi- 
cirte Schaale verlohren gegangen ist. Solche Individuen bildeten Buogniart, Bronn und 
MuRcnisON als die Normalform ab. Die Achse des Schwanzes hat an abgeschälten Exempla- 
ren nur sieben Gürtel und fünf Rippen; an der Schaale sieht man zwei Gürtel und Rip- 
pen mehr, doch sind die beiden letzten sehr schwach, mitunter kaum zu kennen. Das 
Auge hat nach genauer Zählung 99 — 104 Linsen, indem häufig einige in der Mitte am 
oberen Rande fehlen, die bei anderen Individuen vorhanden sind; vorn stehen 5, hinten 
2 Linsen in der ersten Reihe, dann wachsen die Reihen jederseits um 1 bis auf 7 Linsen 
in der senkrechten Reihe, worauf Reihen von 6 und 7 einige Male mit einander abwech- 
sehi; gewöhnlich sind 16 — IS solcher Reihen an jedem Auge vorhanden. 

Anmerkungen. 
1. Brogniart beschrieb als Cal. macrophlhalma eine ganz andere Art mit gelapptem Kopfbnckel, 
bildete aber niclil nur diese, sondern auch die Cal. macrophlhalma der späteren Schriftsteller als 
verschiedene Individuen seiner C. macrophlhalma neben einander ab. Da letztere viel häufiger ist, 
als erstere, so wurde sie fast allgemein für die BROcNiART'sche Art genommen, wovon sie jedoch 
sehr verschieden ist. Höninghaus und die Bonner Naturforscher scheinen diesen von Brogniart selbst 
veranlassten Irrthum zunächst begangen zu hal)en, und ihnen folgte Graf Sternbbrg. Bronn, an- 
fangs richtig seine Cal. Schlolhcimii und lalifrons für verschieden haltend, kehrte später znm Irr- 
thum seiner Vorgänger zurück. Murchison und Emmrich erkannten die Verschiedenheit von Fig. 5 



107 

nnd Fig. 4. der BROGNiART'scIien Al)l)ildungen, Hessen aber der nicht beschriehenen Fig. 3. den von 
Bkogkiart vergebenen Namen. Erst Milne Edwards sprach den BHOcNiARi'schen Irrthum 
ans (Cnist. III. 323. nol. 2.), und gab der C. mucrophlhalma ihren alten Namen wieder, allein 
die Erfindung eines neuen Namen für die zweite Art war überflüssig, da sie schon durch Bronn zwei 
erhalten hatte. Ich ziehe daher die eine, schickliche Benennung dieses sorgfältigen Forschers schon 
deshalb allen anderen vor, weil sie auch die älteste ist. — 

2. Im ersten nnd zweiten Kapitel habe ich übrigens unter Phacops macropMhulmus immer die 
hier als Ph. lalifvons beschriebene Art aufgeführt, indem ich mich dem herrschenden Gebrauch an- 
schloss und die Art so nannte, wie sie bisher gewöhnlich genannt wurde; was indess nach meinen 
jetzigen Auseinandersetzungen ferner nicht mehr geschehen sollte. — 

2. Ph. ■protuberans: laleribus tuLerculi capitis suhangulatis sive arcuaüs; ociüis mi- 
nutis, externis. Long. 2". Taf. III. Fig. 6. 

EaiMR. d'isseri. 19. 2. — Sternb. Verh. d. valerl. Mus. 1825. 77. Tuf. I. Fig. 2. a—c. — 
Cal. prolub. Dalm. Pulacad, 63. 9. 

In einem grauen Kalkstein vom Branikberge bei Prag, nach Nr. 2. 18. des Berliner 
Museums , — nach Graf Sternberg aus Westphalen. — 

Diese Art steht der vorigen nahe, unterscheidet sich aber leicht von ihr. Der übri- 
gens ähnliche Kopfbuckel ist vorn nicht ganz so breit wie bei Ph. laUfrons, und seine 
Seiten sind etwas winkelig, oder doch gebogen, während sie bei jenem durchaus gerade 
verlaufen; die kleinen Augen stehen neben dem vorderen Schenkel des Winkels ganz in 
der Nähe des Kopfrandes, und haben nur wenige (2 — 3 Reihen) Linsen; der Umfang 
des Kopfschildes ist breiter aufgeworfen und nicht ganz so scharfraudig, der hintere Rand 
scheint weniger zurückgezogen zu sein. Rumpf und Schwanzschild kennt man noch nicht; 
das Individuum, welches ich sah, war abgeschält, und daher ganz glatt. — 

B. Arten mit gelapptem Kopfbuckel ; ihnen fehlen die isolirten Knötchen in den Hinterecken 
neben dem Stiel des Kopfbuckels, statt ihrer erscheint ein Querwulst. 
a. Der Kopfbuckel hat nur zwei Seitenlappen zwischen dem grossen trapezoidalen Vorderlappen 
nnd dem hinteren Artikulationsraude. 
o. Die Hinterecken des Kopfschildes sind abgerundet oder stumpf. 

3. Ph. anchiops: tuberculo capitis elevato, lobis lateralibus obsoletis (s. mutilatis); 
oculis maximis; rhachi caudae 12-aimulata, costis decem. — Long. 2 — 4". 

Culym. auch. Green, Mon. of Tril. 33. Mod. 7. — Emmr. dissert. 22. 8. — Milke Edw. 

Cnist. III. 325. 15. — 
Var. minor. Asuph. Welhcrilli Green, Mon. hl. Mod, 20. 

In einem schwarzen Kallistein Nord-Amerikas von Ulster und Murron (New-York.) — 
Der Gypsabguss, den ich im Berl. Mus. untersuchte, eriimert an die vorigen Arten, und 

14" 



108 

unlerscheidet die vorliegende besonders durch einen längeren, nach hinten zusammenge- 
schnürten vasenförmigen Kopfbuckel, an dem ich jedoch keine deutlichen Seitcnlappen , in 
scharfen Umrissen, wie sonst, wahrnehme; vielmehr ragt neben dem Augenhöcker nur 
ein unvollständiger Lappen am Kopfhöcker isolirt hervor, und statt des Stieles sehe ich 
vor dem Gelenkrande einen kurzen, wenig abgesetzten Querwulst. OiTenbar war aber das 
Urbild des Models hier beschädigt, — Der Rumpf hatte deutlich 11 Glieder, die 12 des 
Schwanzschildes und die 10 Seitenrippen waren nach hinten etwas undeutlich. Green zählt 
daher im Ganzen nur 20 Ringe, was 9 für den Schwanz geben würde. — 

Anmerkung. 
Asaph. Wclher'iUi , woyou ich einen Gypsabguss zu Berlin untersuchte, schien mir ein kleineres 
ludividiuim derselben Art zu sein, welche Green als Cal. anchiops beschrieben hat. Der Kopf ist 
leider so undeullich, dass eine genaue Entscheidung meiner Annahme unmöglich wird; die eilf Rumpf- 
glieder konnte ich mit Sicherheit erkennen. 

4. Ph. rolundifrons: tuberculo capitis antico ovalo, lobis secundis triangulainbus, 
terliis minutis spiraeforniibus ; oculis maximis; rhachi caudali 7 — 8-annulata, costis late- 
ralibus sex. — Long. 2". Taf. IV. Fig. 2. 
Emmr. disscrl. 23. 10. c. fig. 
Nach einem Gypsabguss des Berliner Museum; das Original war am Kalauer Berg 
in der Dietzhatze auf dem Westerwald unfern Dillen bürg gefunden. 

Der vorigen Art im ganzen Habitus höchst ähnlich , aber der vorderste grosse Kopf- 
buckel etwas länglicher, kurz eiförmig; der zweite ein starker dreiseitiger Lappen, der 
drille ein schmaler, nach vorn gestielter Querwulst, der vom Gelenkrande an Breite über- 
troITen wird. Die Augen ganz enorm gross , nehmen die ganzen Seiten des Kopfschil- 
des vom Vorderrande ])is zum hinteren ein. Eilf Rumpfringe. Schwanzschild länglich 
dreiseitig, ziemlich sclunal, die Achse mit sieben deutlichen Ringen und einem dreieckigen 
Endgliede , die Seiten mit sechs kurzen Rippen , das Ende spitzwinkelig. — 

5. Ph. -proaevus: tu])crculo capitis antico rhomheo, secundo et tertio sensim mino- 
ribus, hoc a spira articulatoria longius dislanle; i'hachi caudali 8-aunulala, costis late- 
ralibus Septem. — Long. 2 ". Taf. IV. Fig. 3. 
Emmr. disscrl. 25. 14. 

Aus Böhmischer Grauwacke von Ginec. — Relativ kürzer als die vorige Art und 
breiter; der vordere Kopfbuckel eine hoch gewölbte, granulirte querrautenförmige Platte, 
an welche der zweite keilförmige Kopfbuckel ebenso dicht sich andrängt, wie an ihn der 
dritte , schmälere , seitwärts nach aussen verjüngte. Dann folgt hinter einem etwas grösse- 
ren Abstände der Arlikulalionsrand. Die Augen sind verhältnissmässig nicht gross und 
entsprechen ganz dem zweiten Kopfkippen, über den sie nach vorn gar nicht, nach 



109 

hinten ein wenig herausragen. Den Rumpf kenne ich nicht , das Schwanzschild ist di'ei- 
scitig herzförmig, gewölbt, am Endo zugespitzt, und hat 8 successiv schmälere Ringe 
nebst einem eiförmigen Endgliede; auf den Seiten sind sieben breite, der Länge nach 
etwas vertiefte Rippen sichtbar. — Der kleinere vordere Artikulalionsrand ist in dieser 
Zählung ausgelassen ; er würde, mitgezählt, die Zahl der Ringe mit dem Endgliede auf 10 
steigern. — 

A n m e r k u u g e 11. 

1. Cal. Doioningil Murchis. SU. Sijsl. II. 655. pl. 14. f. 3. — Buckland^ Geol. and 
Min. pl. 46. f. 5. — MiLNE Edw. Cnisl. III. 324. 12. — scheint allerdings, wie Herr Emjirich 
schon vermuthet, dieselbe Art zu sein, allein die mangelhafte Zählung der Sclnvanzglieder lasst keine 
sichere Entscheidung zu; auch ist das Schwanzschild am Ende ahgeruudet dargestellt, bei Ph. pro- 
aevus aber spitz. 

2. Cid. sclerops Pander, Beilr. 138. Taf.i. B. fig.9. Tuf.5. fig.4. Tu f. 6. fig. 10. scheint 
auch hierher zu gehören, wenigstens passen die Abbildungeu des Kopfliuckels yiel besser zu vorliegen- 
der Art, als zu Dalman's Cal. sclerops. Selbst die Angabe, dass der Kopfbuckel nach \'orn spitz 
zidaufe, ist Daljian's Beschreibung völlig zuwider. 

3. Cahjm. dac'ifrons Hising. Leih. succ. svppl. lab. 37. fig. 1. scheint auch in diese Gruppe 
(B. a. «.) zu gehören; ich wage sie indess nicht zu deuten. — 

ß. Die Hinterecken des Kopfschildes sind zugespitzt. — 

6. Ph- conopJdhahnns : protuberanlia frontali antice latissima, poslicum versus valde 
coarctata; oculis mluutis; rhachi caudae lO-annulata, costis lateralibus 9. — Long. 2V2". 
Taf. lY. Fig. 5. 6. 

Em.mr. disscrt. 21. 7. — Boeck, Gaea norw. I. 4. 

In einem gelblich- grauen Kalkstein von Reval und Ladegaards Oen hei Christiania, 
auch als Geschiebe von Gussow in Mecklenburg; nach Exemplaren des Berl. Museums. — 
Diese eigenthümliche Art gleicht der vorigen in der Bildung des Kopfbuckels, mitcrschei- 
det sich aber leicht an den zugespitzten Ecken des Kopfschildes. Der vorderste grosse 
Lappen des Buckels hat ein quer rautenförmiges Ansehn mit ahgermideten Ecken; der 
zweite ist stumpf dreiseitig, nach hinten verschmälert; der dritte ist der kleinste und et- 
was schmäler als der auf ihn folgende Artikulalionsrand. Die ziemlich kleinen Augen ent- 
sprechen bloss dem zweiten Kopfhippen. Die Gesichtslinie ist sehr deutlich. Das an den 
Seiten sehr breite, vom abgenmdete Kopfschild ist hinterwärts in eine scharfe Spitze vor- 
gezogen, die etwa so lang ist wie die 4 ersten Rumpfringe; das Schwanzschild hat eine 
lOgliedrige, hinten stumpfe, abgerundete Achse, und 9 diagonal gefurchte Seitenrippen; 
es ist viel kleiner als das Kopfschild, und am Ende nicht spitz, sondern bemerkbar ausge- 
buchtet. Mit dieser Biegung legt es sich im eingerollten Zustande genau an den untern 
Kopfrand an. (Fig. 6.) 



— tio 

Anmerkungen. 

1, Zu dieser Art ziehe ich auch ganz entschieden das von Schlothkim in Lkonhard's Taschen- 
buch 1810. Taf. I. Fig. VI. abgeliildete Kopfschild aus dem Uel)ergangskalk von Reval. Es ist daher 
allerdings möglich, dass Pander's Cuhjmcne sclerops, welche ich zu Pli. proueviis (Nr. 5.) ge- 
rechnet habe, zu dieser Art gehöre, dauu aber müsste man annehmen, dass Abbildungen und Beschrei- 
l)ungen im gleichen Grade \erfehlt seien, denn weder die eine noch die andere giebt die Beschaffen- 
heit des Kopfschildes genau so an, wie es bei vorliegender Art gefunden wird. — 

2. Qiliimene inicrops Grkkn, 31o7i. pag. 34. — Milne Edw. Cri(st. III. 326. 17. steht der 
eben beschriebenen Art sehr nahe und ist vielleicht dieselbe. — 

b. Der Kopfbuckel hat drei oder gar vier*) Seitenlappen zwischen dem grösseren vorder- 
sten Eudlappen und dem hinteren Articulationsrande; der zweite und dritte dieser Lappen 
pflegen kleiner zu sein und dem Artikiilalionsrande au ähneln. 

a. Die Hintereken des Kopfschildes sind abgerundet, und ragen nicht hervor, 
aa. Kopfl)uckel mit 3 mittleren Seitenlappen. 

7. Ph. viacrophthahmis : Lobo antico capitis acutangulo, lobis sccpienlibus aequa- 
lil;us ; rhachi caudae 10 — 12 articulata , scuto in apice acumiiialo. Long. 1 — 1 'A ". 

Cuhjmcne niacr. Brogn. Criist. foss. 14. pl. 1. fig. 4. A. B. — Milne Edw. €rusl. III. 323. 
11. — Pander, Beilr. ns. Taf. 4. B. flg. 8. Taf. 5. fig. 5. Taf. 6. fig. 9. 
Im älteren Uebergangskalk von Ilunaudiöre in der Bretagne und den Petersburger 
Hügeln. — Diese Art sieht der vorigen im ganzen Habitus nahe, sie ist aber schlan- 
ker, der Kopfbuckcl vierlappig, und die Augen sind viel grösser, fast so gross wie bei 
Ph. roiimdifvons. Der vorderste Kopfbuckel ist quer rhombisch, vorn ziemlich scharf- 
eckig ; die drei folgenden Lappen zwischen ihm und dem Articulationsrande werden suc- 
cessiv ein wenig kleiner und der hinterste ist von ihnen am stärksten gewölbt. Die holien 
Augen reichen vom Vorderrande des Kopfschildes bis zum Hinlerrande. Das Schwanz- 
schild hat nach Pain'der 10 — 12 Glieder in der Achse, schwache Seitenrippen und eine 
kurze, aber scharfe Endspilze. — 

8. Ph. odonfocephaJus: prolubcrantia fronlali anlica ovala, lobo secundo constriclo; 
linibo ante protuberantiam oclies dentato. — Taf. IV. Fig. 4. 

Culym. odontocephula Green, SUl. am. Journ. of scienc. and aiis. Vol. 25. pag, 334. — 
Harlan, med. and phys. res. 301. — 

In einem grauen Sandstein aus Ulster in New-York. — Von dieser Art sah ich ein 
Kopfschild im Gypsabguss zu Berlin. Der Kopfbuckel ist in seinem vordersten Theile kurz 
eiförmig, massig gewölbt; der zweite Lappen ist nierenförraig überall abgeschnürt und 



*) Da Cali/mene sclerops die einzige Art mit vier Kopflappen zwischen dem Endbuckel und Artiku- 
lationsrande ist, so stehe ich nicht an, sie mit dieser Gruppe zu verbinden. 



— 111 — 

hängt bloss durch einen kurzen Stiel mit der mittleren Achse zusammen; der dritte ist 
eine schmale Querwulsf, hinter welcher eine etwas breitere vierte, die dem Artikulations- 
rande völlig ähnelt, folgt. Die grossen Augen entsprechen dem nicrenformigen Buckel, 
erreichen weder den vorderen, noch den hinteren Rand, und stehen weit vom Aussen- 
rande ab. Letzteren umgiebt ein breiter flacher Saum, in dem vorn vor dem Kopfbuckel 
acht gleiche stumpfe, von einer vertieften Furche (der Gesichtslinie?) umschriebene Zähne 
sichtbar sind. Die Ilinterecken waren undeutlich, schienen aber stumpf zu sein; Rumpf- 
und Schwanzschild fehlen. 

bb. Kopfbuckel mit vier mittleren Seltenlappen. 

9. Ph.sclerops: protuberanliae frontalis lobo antico maximo reniformi, lobo quarlo 
niinulo, reliquis abrupte angusliori; rhachi caudae 8-annulata, costis lateralibus sex. — 
Long. IV2 — 2". 

Calym. sclerops Dalm. Palaead. 39. 5. — Milne Edw. Qnist. III. 322. 9, — 
Phac. sclerops Ejimr. disscrt. 22. 8. — 

In Schwedischen Kalksteinen bei Husbyfjöd in Ostgotbland (grauer Kalk), bei Skar- 
pasen (rother Kalk), bei Furudal in Dalekarlien (rother Kalk). — Diese ausgezeichnete 
Art ist an der eigenthümlichen Form ihres Kopfbuckels leicht kenntlich. Er besteht nehm- 
lich aus fünf Lappen, nicht wie gewöhnlich aus vier, von welchen der vorderste grösste 
eine auffallende Breite besitzt und über die Augen seitlich hervortritt; der zweite mid 
dritte sind schmäler und successiv kleiner, ihnen entspricht das Auge; der vierte ist ein 
sehr lUeiner schmaler eingezogener Lappen, und der fünfte hat mit dem auf ihn fol- 
genden Artikulalionsrande ziemlich gleiche Grösse. — Die Augen sind gross und hoch, 
die Gesichtslinie ist deutlich , und wurde an dieser Art zuerst von Dalman als in den Sei- 
tenrand ausmündend beschrieben; die hinleren Kopfecken sind stumpf. Die Schwanzachse 
besteht aus vier deutlichen und vier mehr verwachsenen Ringen, und hat 5 — 6 Seitenrip- 
pen; ihr Ende ist stumpf, gleichwie das Schild. 

ß. Die Hiuterecken des Kopfscbildes ragen als ausgezogene Spitzen hervor; Kopfbnckel vierlappig. 

aa. Das Schwanzscliild ist am Ende zugespitzt, hat aber keine Seltenstacheln. — 

10. P/t. Ilfitismanni: oculis maximis, usque ad limbum scuti cephalici extensis; 
rhachi caudae 19 — 20-anmdata, costis lateralibus 15. — Long. 3 — 5". 

Asaph. Hmism. Brogn. Cr. foss. 21. 3. pl. 2. fig. 3. A. B. — Schloth. NacJitr. II. 20. 35. 

tab. 22. f. 7. — Sterne. Verhandl. 1825. 77. tah. 2, fig. 3. A—C.~ Dalm. Palaead. 

66. 4. — 
Phac. Haiism. Emmk. dissert. 24. 13. 



118 

Im grauen Uel)ergangskalkslein Böhmens, auf dem linken Ufer der Beraun bei Karlslein 
und an den Ufern der Moldau bei Kosorz und Branik. — Die grüssle Art der Gattung 
und durch die sehr grossen Augen, deren Linsen jedoch aulfallend klein sind, besonders 
ausgezeichnet. Der Kopfhuckel ist kürzer und breiter als bei den übrigen Arten dieser 
Gruppe, die drei mittleren Lappen sind ziemlich gleich gross, und das Auge reicht so- 
wohl über den zweiten, als auch über den vierten hinaus, fast bis an den breiten flachen 
Randsaum. Die Ilinterecke Ist massig zugespitzt, etwa so lang wie 4 — 5 Gürtel. Das 
grosse dreiseitige Schwanzschild hat eine 19 — 22gliedrige Achse, und 14 — 15 Seiten- 
rippen, ist übrigens massig gewölbt, und am Umfange in einen flachen Saum ausgebreitet, 
der am Ende einen spitzen, aber nicht vorgezogenen, gekielten Winkel bildet. Die Ober- 
fläche ist überall, wo sich die Schaale erhalten hat, fein granulirt, wenn letztere fehlt, 
glatt; dann erscheinen auch die Seitenrippen auf der Höhe kaum gefurcht, sondern bloss 
abgeplattet, mit der Schaale haben sie einen doppelten, ungleich hohen, granulirten Kamm. 

Anmerkungen. 

1. Brogniart, tter diese Art bloss in Bruchstücken kannte, bildete das Sclmanzschild hinten ab- 
gerundet ab, was wohl dem sclilechteu Zustande seines Originals zugeschrieben werden darf. Ich 
halte daher nicht, wie Muke Edward's (/. /. 312.), dieses Schwauzschild von den bei Sternbjbkg 
und ScHLOTUEi.y abgebildeten, verschieden. — 

2. In Graf Sterneerg's Figur fehlen die Ecken des Kopfschildes, bei vollständigen Exemplaren, 
die ich in Berlin sah, waren sie vorhanden. Wohlerhaltene Köpfe gehören übrigens zu den Selten- 
heiten. — 

3. AsapJi. auricnlalus Dalm. (Palacnd. 6. 6. 3.), der auf Graf Sternberg's unbenanntem 
Individuum (cbend. S. 80. Taf. II. Fig. 2.) beruht, ist ganz gewiss ein kleineres jüngeres Exemplar 
des Pli. Haiismanni, und daher einzuziehen. — 

11. Ph. caudafns: oculis niinoribus, nee anticum nee posticum limbum scuti cepha- 
lici attingentil)us ; rhachi caudae 14-annulata, costis lateralibus octo, limbo in apice acu- 
minato. — Long. 2 — 3". 

Trilob. caxidül. Brünn. Kjob. Sellsk Skr'iß. N. S. I. 392. 3. — Parkins. org. rem. pl. l?. 

f. 7. — ScHLOTH. Nachtr. II. 35. 11. (oder 21. 4.) — 
Asuph. cmid. Brogn. Criisl. foss. 22. 4. pl. 2. p.g. 4. a — c. pl. 3. fig. 9. — Dalm. Pulaead. 
42. 2. uud 65. 2. tuh. 2. fig. 4. — Green, Mon. of Tril. 50. — Bucki. Geol. and Min. 
pl. 45. fig. 9—11. n. pl. 46. f. 11-12. — Murchis. üil. Syst. II. 654. pl. 7. fig. 8. a. 
Asaph. tubcrculato - coslatus Mukchis. SU. Syst. II. 654. pl. 7. fig. 8. b. — Milke Edw. 
Crusl. III. 308. 2. (Individuen mit wohl erhaltener Granulation). 

In einem grauen Kalkstein Englands (Dudley, Ludlow), Schwedens (Gothland) und 
Nord -Amerikas (Lockport). — Diese Art steht der folgenden nahe, unterscheidet sich 
jedoch sicher; der vorderste Kopfbuckel ist sehr gross und seitlich vorgezogen, wodurch 



113 — 

die Augen hier zurücktreten ; letztere sind klein, gehen über den vorderen Rand des zweiten 
Kopfi.ippens nicht hinaus und erreichen hinterwärts den dritten nur so eben; die Ilinter- 
ecken des Kopfschildes reichen bis zur Mitte der Ruinpfringe, letztere spitzen sich nach 
hinten mehr und mehr zu. Das Schwanzschild hat eine hinten deutlich abgerundete, etwa 
14gliedrige Achse, die nicht in den Endstachcl übergeht, auf den Seilen sind acht durch 
eine Diagonalfurche gethcilte Rippen vorhanden; der breite flache Saum ist hinten in 
eine massig lange Spitze hervorgezogen, die der halben Achse an Länge gleich zu 
kommen pflegt. — 

13. Ph. mucronalus : oculis niajoribus, lobum capitis sccundum et tertium superan- 
libus; caudae rhachi 14 — 15-articulata, costis lateralibus 8 — 9, sculi apice mucronato. 
Long. 3—4". 

Asaph. vnicronnlus Brocn. Cr. foss. 24. pl. 3. f. 9. — Dal.m. Palacad. 42. 1. 65. 1. lab 2. 

fig. 3. a — b. — Schloth. NacJdr. II. 37. 2-1. — Milne Edw. Crusl. III. 308. 4. — 
Enlomostr. caiidalus Wahiekb. n. a. Upsal. VIII. 28. 4. lab. II. /lg. 3. — Joiini. d. phys. V. 

91. pag. 34. fig. 4. — 
Phacops miicron. Emmr. dhsert. 24. 11. — 
Asaph. long'icaitdalus Murch. Sil. Syst. 656. pl. 14. fig. 11—14. — Mil.mi Edw. Cr. III. 308. 3. 

''^'^In den Uebergangskalken Englands (Dudley, Wenlock), Schwedens (Ostgothland bei 
Borenshult; Schonen bei Rostanga), im Thonschiefer von Mosscberg ; auch in Grailwacken- 
schichten der Eifel bei Daun (Sack's Samml.) neben Ilomalonoius armalus. — Diese 
Art nähert sich im Kopfbau der zehnten, im Schwanzschilde der elften, und hält also 
zwischen beiden die Mitte. Sie hat nach Murchison's Figur ein in der Mitte des Yorder- 
randes zugespitztes Kopfschild und einen nach vorn nicht so breiten Kopfbuckel, dessen 
erster Lappen entschieden kleiner ist, als bei den vorigen Arten, aber vorn mit einer schwa- 
chen Spitze in die Randspitze des Schildes hineinragt. Das Auge , grösser als bei Ph. 
caudatus, aber kleiner als bei Ph. Hnusmcmni, reicht vorn über den zweiten, aber 
hinterwärts nicht über den dritten Kopflappen hinaus; die langen Stacheln der Hinterecken 
sind schärfer abgesetzt und reichen über die Mitte des Rumpfes hinaus. Die Seitenlappen 
der Rumpfglieder sind zugespitzt. Die Schwanzachse ist länger und schlanker als bei 
ph. ccmdalus und besteht aus 14 — 16 Ringen, indem die 3 letzten bald mehr bald min- 
der deutlich gesondert sind; an den Seiten finden sich nur 8 Rippen, von welchen die 
5 — 6 ersten eine tiefe diagonale Querfurche zeigen, die besonders bei Abdrücken ohne 
Schaale deutlicher werden, der Saum ist viel schmäler als bei Ph, caudatus und nach 
hinten nicht breiter , woher es kommt , dass der lange Endstachel plötzlicher vom Scliild- 
rande auszugehen pflegt; er dehnt sich als gewölbter Wulst bis gegen das Ende der 
Achse hin aus und wird so lang wie ihre säramtlichen Glieder. 

15 



114 

Anmerkungen. 

1. Ich kenne diese Art bloss aus den angeführten Schriftstellern nnd dem erwähnten Kopfschilde 
der SACK'schen Sammlung, halte mich indess von ihrer Selbstständigkeit überzeugt. Früher (S. 33.) 
habe ich ihr 13 Seitenrippen auf dem Schwanzschilde zugeschiieben, allein die vordersten 5 wegen der 
diagonalen Querfurche, wie ich nun sehe, doppelt gezahlt; es sind in der That nur 8 Seiteurippen 
vorhanden. 

2. In Green's Monographie nnd den Nachträgen dazu kommen eine Menge Arten vor, die von 
Ph.caudalits oder Ph. mucronaltts nicht verschieden zu sein scheinen; ich beschränke mich darauf, 
dieselben hier namhaft zu machen ; sie sind grösstenthcils auf Schwanzschilder gegründet. 

Asaph, cryplurus Green, Transacl. of the geolog. soc. of Pennsylv. I. 37. pl. 6. — 
Harlan, med. et phys. res. 303. — Milne Edw. III. 313. ein Schwanzschild mit 12 Achsenrin- 
gen und 10 Rippen, scheint der Form nach zu Homalonolus zu gehören. 

Asaph. liniulurus Mon. 48. — Milke Edw. III. 307. scheint mit Hi. mucronatus iden- 
tisch zu sein. 

Asaph. pleuroplyx ibid. 55. gehört entweder ebendahin, oder vielleicht zu Ph. Hausmanni, 

Asaph. micrurus ibid. 56. ist auch ein PItacops mit spitzem Schwanzschilde, dessen Art- 
charaktere sich nicht näher angeben lassen, und der wohl zu einer der drei hier beschriebenen Arten gehört. 

Etwas abweichender sind einige auch wohl dieser Gattung zugehörige Schwanzschilder mit 2 End- 
spitzen neben einander; ich sah davon Gypsabgüsse zu Berlin wenigstens von der zweiten Art: 

Asaph. sclenurus Green, Mon. 46. — Ealon geol. Text book 31. — Harlan, med. 
et phys. research. 302. — Milne Edw. Cr. III. 309. 

As. lalicostalus Green, Mon. 45. Das Schwanzschild gleicht dem von Ph. conophlhul- 
tniis (Nr. 6.) und kann immer zu Ph. odonloccphalus oder einer ähnlichen Art gehören ; es hat 

12 kurze Glieder in der abgerundeten Schwanzachse, nnd 9 Seilenrippen, von welchen die beiden 
letzten zu den stumpfen Endspitzen laufen. 

Asaph. myrmecoides Green, Sill. Joiirn. Vol. 23. pag. 397. — Harlan, med. et 
phys. 7'es. 303. — gleicht noch mehr dem Schwanzschilde von Ph. conophlhalinns , ist nehmlich 
eben so kurz, breit und am Ende ausgeschweift, allein viel grösser, über 3 Zoll breit. Die stumpfe, 
aber relativ nicht sehr breite Achse besteht aus 17 — 18 Ringen, und auf den Seiten bemerkt man 

13 Rippen; beide sind mit grossen runden Höckern besetzt. 

Asaph. uslrugalolcs Green, S///. Journ. Vol. 25. pag. 325. — Harl. ibid. halte ich 
für das Scliwanzschild eines grossen Individiuinis \ou Phacops luüfrons oätr Culym. bufo Green's; 
es hat 7 — 8 Achsenringe und 5 Seitenrippen. 

3. Eine räthselhafte Art dieser Gruppe scheint mir noch Calym. speciosa Dalm. Pnlaead. 74. 
1. (Phac. davifrons , Emmr. disserl. 21, 6.) zu sein, wohin Sars Isis 1835. 339. 6. Taf. IX. 
fig. 7. und Hisinger, Lelhuea suec. snppl. lab. 39. fig. 2. a. b. geliüren. Sars Al)l)ildung ist 
wohl verfehlt, denn der Kopfhuckel erscheint nach vorn verschmälert, was bei keiner Phacops- \rt 
der Fall ist; Hisinger's treffliche, von Wright angefertigte Figur erinnert an Phacops sclerops ■ 
(Nr. 9.) und Ph. conophlhalmus (Nr. 6.);, denn mit jenem harmonirt die Bildung des Kopfbuckels, 
mit diesem die der Endecken des Kopfschildes am meisten. Vollständigere Exemplare müssen über die 
Artrechle und ihre Verwandtschaft entscheiden, die bisherigen Bruchstücke genügen dizu nicht. 



115 

4. Noch weniger rermag icli den Axaph. Poxcisü Mürch. Sil. Syst. II. 661. pl. 23. fig. 9. a. b- 
zn iJeuteii, der ficiluli eiilscliieden ein Phacops ist und mit Ph. anchmps oder Ph. rotund'ifrons 
in dieselbe Gruppe gehört (B. a. «.) , aber ganz auffallend kleine Augen hat. Der Rumpf (c.) scheint 
mir wenig zum Kopfschilde zu passen, die Hinge sind viel zu breit gegen den Artikulationsraud des 
Kopfschildes. 

hb. Das Schwanzschild hat an seinem ganzen Umfange lange Stacheln, — 

13. Ph. tiruchnoidcs: sculo capitis in medio marginis aiitici acuto , angulis poslicis 
valde produclis; linibo scuU caudalis decies spinoso. Long. 1 — l'A". Taf. IV. Fig. 7. 

HüNiNGHArs, episl. Cref. 1835. — Emmr. dissert. 55. — Pleuracanllms avachn. Milne Edw. 
Ci-usl. III. 329. 

In einem asciigrauen Kalkslein der Eifel, nach Exemplaren der IIöNiXGHAUs'schen und 
SACK'schen Sammlung. — Kopfschild länglich parabolisch, die Milto des Vorderrandes 
spitz und etwas aufgekrümml; der vorderste Kopflappcn sehr gross, auf der Höhe ein 
wenig abgeplattet, die drei folgenden successiv kleiner; Augen hoch, stark gewölbt, ge- 
nau so lang wie die drei hinteren Kopflappen, jedes einzelne Auge mit 162 Linsen; hin- 
tere Kopfschildsecken lang ausgezogen, reichen bis zum nemiten Rumpfringe. Letztere 
bis zum fünften allmälig etwas breiter, und von da an wieder schmäler, die Seitenlappen 
beträchtlich breiter als die Ringe, am Ende in einen Stachel ausgezogen, der an jedem 
folgenden Gliede grösser ist als am vorhergehenden. Schwanzschild parabolisch , ziemlich 
flach; die Achse fein, 13gliedrig, die Seiten mit 5 erhabenen in den gewölbten Umfano- 
mündenden Rippen und jederseits fünf von vorn nach hinten kürzere Stacheln, die den 
Rippen entsprechen ; der erste Stachel doppelt so lang wie der Stachel des letzten Rumpf- 
glicdes. Die ganze Oberfläche granulirt. 

Anmerkung. 
In Hrn. Honinghaus übrigens sehr schöner Figur fehlen die Seitenecken des Kopfschildes und der 
Rumpf erscheint 13gliedrig; allein die yoUstaiidigen Exemplare, welche derselbe mir durch meinen 
Kollegen Germar zur Untersuchung anvertraute, halten die von mir angegebnen Verhältnisse. Aus 
ihnen erkannte ich auch die Identität derselben mit 3 Bruchstücken der SACK'schen Sammlung. 

14. Pfi. slellifer: scuto capitis in medio marginis antici acuto, angulis posticis lon- 
gissime productis; scuto caudae undecies radiato. Long. l'A". Taf. IV. Fig. 8. 

In einem aschgrauen Kalkslein der Eifel, nach Exemplaren der S.vcK'schen Sammlung. 
Das Kopfschild, von dem ich ein ziemlich vollständiges Exemplar vor mir habe, gleicht 
dem der vorigen Art völlig, allein der vordere Lappen des Kopfhuckels ist relativ grösser, 
und daher das ganze Schild ein wenig länger; im üebrigen scheinen die Verhältnisse bei- 
der dieselben zu sein. Von den Rumpfgliedern kenne ich nur Bruchstücke, upd kann da- 
her das Ausgehen derselben in seitliche Stachehi nur als Vermuthung aussprechen. Vom 

15 * 



116 

Schwanzschildc habe ich drei Exemplare vor mir, die eine allseilige Charakteristik erlau- 
ben. Es ist relativ kleiner als bei der vorigen Art, die Achse bloss vorn deutlich in fünf 
Glieder getheilt, dann zwar noch sichtbar, aber undeutlich gegliedert (an den Seiten un- 
terscheidet man noch sechs Einschnitte). Von den vorderen Gliedern gehen fünf Rippen zum 
Umfange, der ebenso aufgeworfen ist, wie bei der vorigen Art, aber die von ihm aus- 
gehenden Stacheln sind gleich lang, relativ viel kürzer und dicker, stossen am Grunde 
zusammen, und zwischen den beiden hintersten ist noch eiu unpaarer eilfter, der die 

Lijcke genau ausfüllt. 

A u m c r k u u g e n. 

1. Vielleicht gehört zu dieser Art das tou Wahlknberg (Nov. ad. Ups. VIII. 30. 5. tab. II. 
fig. 4.) iiiul Brogniart (Cntsl. fosstil. pl. 3. fig. 7.) al)gebildete Schwanzschild, welches schon 
Dalman (Palaead. 66. 5.) von dem dabei abgebildeten Kopfe zu trennen wünscht. — 

2. Peüura Bucklandl Milnk Edw.. Cr. III. 345. 1. ;;/. 34. f. 12.), womit die Abbildung bei 
Brogniart {Cr. fossil, pl. 4. fig. 9.) yoUkommen übereinstimmt, gehört yielleicht ebenfalls zu dieser 

. Art; ich zähle wirklich an der linken Seite bei beiden Figuren 11 Ringe, aber fast 13 au der rech- 
ten; der mittlere Endstachel des Schwanzschildes scheint entschieden für Phuc. slelüfer zu sprechen. 

c. 

, . Zehnglledrige Trllohiten mit nach hinlen verschmülerler Rumpfachse und Zusammen- 
, ., . kugelungsvermögen. 

15. Gatt. Aeonia. * 

Calymcne Dalm. Green, y^saphtis Em.mr. 

Kopf Schild hall}kreisrund , von einem verdickten Rande umgeben, die Hinterecken 
nicht bemerkbar vorgezogen; der Kopfbuckel hoch gewölbt, parabolisch, vorn zugerundet, 
uugetheilt, oder mit schwachen Seilenfurchen, hinten ebenso breit wie der Artikulations- 
rand, an den er unmittelbar anstösst. — Gesichtslinie kommt über den vorderen 
Kopfrand in der Höhe der Augen hervor, wendet sich von da zum Auge, bildet die Deckel- 
platte und geht S förmig zum Hinterrande, den sie über die Mitte hinaus nach aussen zu 
schief durchbricht. 

Augen massig, stark gewölbt, glatt, ziemlich dicht an den Kopfbuckel gerückt. 

Rumpfachse zehngliedrig, die Glieder nach hinten allmälig verschmälert, stark 
gewölbt, scharf durch einen besonderen Einschnitt von den Seitenlappen gesondert; letz- 
tere mit schiefem Eindrucke. ■.'•■* 

Schwanzschild dem Kopfschilde entsprechend, aber kleiner, die Achse kürz, 
deutlich gegliedert, die Seiten mit schwachen Furchen oder sanften Rippen, der Rand eben 
oder sehr schwach scharfkantig. 



— 117 — 

Die Schaalcnobcrfläclic fasl glatt, aber mit scliwachcu SpiU'en der Granulation auf 
dem Kopfbuckel und auf den Wangen unter dem Auge. 

1. A. diops: protuberantia verlicis ulrinqiie lobata, rhacbi caudae altiori.' Long. 2 ". 
Taf. III. Fig. 5. 

Calijin. diops Green, Mon. 37. fig. 2. — Mounlhl. amcr. Jouin. of (ieoL 559. pl. 14. f. 2. 
— MiLNE Edw. Cr. III. 323. 10. — Harl. ined. et phijs. res. 301. 
In einem schwarzen Kalkstein Nord - Amerikas , aus dem Staate Ohio. — Nach' 
dem Gypsmodel des Berliner Museums, von welchem meine Abbildung entnommen wurde, 
hat diese Art alle Bildungsverhaltnisse der folgenden, ist jedoch etwas grösser. Der Kopf- 
buckel ragt stärker hervor und erreicht den aufgeworfenen Rand des Kopfschildes , den er 
noch überschreitet; au jeder Seite hat er drei schief nach hinten gezogene Querfurchen, 
deren hinterste sich besonders weit nach innen erstreckt; das Auge entspricht diesem hin- 
tersten Einschnitt in der Stellung, es ist ausserhalb von einem vertieften Ringe umgeben. 
Die Runipfringc Hessen nichts auszeichnendes wahrnehmen; die hohe Schwanzachse besteht 
aus 6 Ringen und einem grössern Endgliede, die Seiten des Schwanzschildes halten 6 Furchen. 

2. A. concinna: protuberantia verticis integra, rhachi caudae depressa. Long. 1". 
Taf. III. Fig. 1. 2. 

Cuhjm. conc. Dalm. Palucad. 40. 7. tab. 1. fig. 5. a—c. — Milne Edw. Cr. III. 325. 16. — 
Asaph. conc. Em.^r. dissert. 35. 19. — 
In einem gelbgrauen Kalkstein der Eifel bei Blank enhe im; nach Exemplaren der 
S.vCK'schen und Akademischen Sammlung; auf Gottland" bei Ejsta. — Kopfschild nicht 
ganz so stark gewölbt, ohne Seiteneinschnitte, erreicht den aufgeworfenen Vorderrand 
nicht; Augen etwas hinter der Mitte, nach aussen von einem vertieften Ringe umgeben, 
die Wangen darunter deutlich granulirt. Rumpfringe ohne Eigenheilen ; das Schwanzschild 
ziemlich klein, wie die Achse flach, letztere fast achtgliedrig , aber die letzten Glieder 
undeutlich abgesetzt, die Seiten mit 6 abwechselnd tieferen und schwächeren Furchen. 

Anmerkungen. 

1. Herr Emmrich hat zwar diese Art zn einer hesoiideren Selition seiner Galtnng Asaphus er- 
hoben, und nehen Jllacnus gestellt, allein doch sowohl darin, als auch in ihrer Verbindung mit Asaph. 
globiceps die wahre Natur derselben verkannt. Letztere Art hat eine skulpirte gleichbreite Rumpfachse 
nebst neun Rumpfgliedern, und gehört der folgenden Gruppe an. 

2. Es ist mir nicht unwahrscheinlich, dass Cabjmcne margmala Gr. t. Münster Be'ilr.y. 112. 
Taf. X. Fig. 1. 4. 5. 7. 8. in diese Gattung gehört, und eine dritte, mit der ersten durch die Fur- 
chen des Kopfl)uckels zunächst TerAvandte Art bildet. — As. Dalmanni Emmr. disserl. 36. 21. aus 
dem Rheinischen Suhiefcrgebirge tou Rattiiigen scheint dieselbe oder eine ähnliche Art zu sein; die 
Bruchslücke, welche ich davon in Berlin sah, und nach deneu Verfasser seine Art aufstcllle, erlaub- 
ten keine nähere Entscheidung. 



11§ 



2. 

Tr'ilobilen m'd Zusammenkugelungsvermögeti, aber nach hinlen nichl verschimiterler Rtimpf- 
achse und glatter, in sich skiilpirter Sehaale. — ASAPHIDAE. 

Von der Schaalenbildung dieser Gruppe habe ich schon früher (S. 16. §. 4.) das Nö- 
thio-e bemerkt, ein anderer gemeinsamer Charakter scheint übrigens noch in dem stets lap- 
penlosen einfachen Kopfbuckel zu liegen, an dessen hinteren verengten Theile nur zuweilen 
undeutliche Spuren von Seitenlappen erkannt v^^erden. Auch die Schwanzachse hat öfters 
gar keine und in der Regel nur undeutlich abgesetzte Glieder, während die Rippen auf 
den Seiten des Schildes fast immer ganz fehlen, und höchstens durch feine Leisten oder 
Linien angedeutet sind. Was übrigens die gleiche Breite der Rumpfringe betrifft, so muss 
ich bemerken, dass wohl die mittleren Ringe etwas breiter werden, als die vordersten und 
hintersten, mithin die Achse dann nur vorn und hinten eine gleiche Breite zu haben pflegt. 

A. 

Die Rumpfachse besieht aus zehn gleichen Ringen. 

16. Galt, lllaenus.* 

l/laemis und Bumasles. 
Kopfschild gleicht am meisten dem vierten Theil einer Kugelffäche, ist also am 
hinteren und vorderen Rande von einem Bogen begrenzt und dazwischen stark gewölbt; 
nur am hinteren Rande erkennt man den Kopfbuckel als leichte Wölbung der Fläche; der 
vordere Rand ist dagegen scharfkantig, etwas vorgezogen und nach unten abgeplattet. 

Die Gesichtslinie kommt schief über die abgeplattete Randfläche hervor, steigt unter 
einer leiclüen Schwingung bis zum Auge hinauf, bildet über letzterem die Deckelplatte 
und wendet sich von da leicht gebogen zum Ilinlerrande, den sie nicht weit von der Achse 
durchbricht. Auf dem abgeplatteten Vorderrande sind beide Linien durch eine Quernaht 
Verbunden. — 

Die Augen sind halbmondförmig, niedrig und glatt. 

Der Rumpf besteht aus zehn kurzen, aber breiten, auf den Seitenlappen nicht mit 
einer schiefen Querfurche versehenen Ringen. 

Das grosse, fast halbkreisförmige Schwanzschild ist hoch gewölbt und mit der Andeu- 
tung einer kurzen Achse, wie bei Brontes, versehen. 

Die Oberfläche aller Panzer stücke hat feine concentrische unregelmässige 
Leistchen j zwischen denen, wie an den nicht gestreiften Stellen, vertiefte Punkte stehen. 



- — 119 

A. Rumpfachse nicht breiter als die Seitenlappen und deutlich von ihnen abgesetzt. — 
ILLAENÜS, aut. 

Die Arten finden sich in den untersten Schichten der Grauwackenformation. — 

1, lU, crassieaudu: oculis margini postico scufi cephalici approximatis. Long. 1 — 3". 
Taf. V. Fig. 2. 

Enlom. er. Wahlenb. n. a. Ups. VIII. 27. 2. lab. II. ßg. 5. 6. — Dalm. Palaead. 51. 12. 
lab. V. fig. 2. «. f. — Brokn, Leih. I. 115. C. 3. lub. IX. fig. 9. a. b. — Boeck, Gaea 
nono. I. 34. — Emmr. diss. 34. 17. — Fand. Bcili: 137. tab.W. fig. 9. 10.— L.v. Buch, 
DcHr. 43. — Trilob. Esmarkü Schloth. Ms. 1826. 315. Taf. 1. fig. 8. — 

Cryplonymus Rudolph'ü Eichw. ob.sen\ elc. 50. ,§. 56. lab. II. f. 1. a. b. — Cr. Rosenberg'ii 
ibid. 48. lab. III. /?</. 3. a. b. — Cr. Parkinsonii ibid. 51, §. 57. lab. IV. fig. 1. «. 6. 
— Cr. Wahlenbcfgii ibid. 50. fig. 3. «. 6. 

Isoleles crassicaiida Milne Edw. Cr. III. 300. 6. — 

Junge Individuen scheinen zn sein : 
Illaenus perovalis Murchis. S. S. III. 661. pl. 23. f. 7. 

Im Uebergangskalk Schwedens bei Ilusbyfjöd in Ostgothland, bei Osmuds- 
berg in Dalekarlien; in Esthland bei Reval und Petersburg; in England 
aus den Caradoc- Sandsteinen bei Salop und Montgomery. — Dieser häufige Trilobit 
ist an seinem eigenlhiimlichen Habitus leicht zu erkennen und unterscheidet sich spezifisch 
von der folgenden Art sogleich an den weit nach hinten bis dicht an die Kopfgrenze ge- 
rückten Augen. — 

2. III. gigauleus: oculis in medio lafere scuti cephalici, — Long. 3 — 6". 
Taf. in. Fig. 10. 

GuETTARD, Mem. de l'acad. roy. elc. 1757. Tom. XV. Taf. 7. fig. 2. Taf 8. fig. 1. Taf 9. fig. 1. 

Im Thonschicfer von Angers ; nach einem Exemplare der Hallischen Akademischen 
Sammlung. Diese Art scheint selten und seit Guettard von keinem Beobachter wieder 
gefunden zu sein, sie ist indess so selbstständig, wie irgend eine Trilobitenspezies. Das 
prachtvolle Handslück der genannten Sammlung, von dem ich eine völlig naturgetreue Ab- 
bildung gebe, zeigt den blossen Abdruck des Thieres, aber daran alle Kennzeichen von 
Illaenus mit dem spezifischen Unterschiede, der in der Stellung der Angen liegt, und 
sogleich sich verräth. Von ihnen ist übrigens nur die Deckelplatte an jeder Seite des 
Kopfschildes sichtbar, das Wangenschild mit dem Auge selbst fehlt; ich habe es durch die 
punklirte Linie anzudeuten gesucht, — 

B. Die Rumpfachse ist relativ breiter und von den Seilenlappen nur sehr unvoll- 
ständig durch eine leichte Längsverliefung abgesetzt. — BU3IASTES, MußCH. 



190 

3, IlL (ßum.') barriensis: oculis niargiiii poslico sculi cephalici approxiinalis. — 
Long. 2 — 3". 

MuRCHis. SU. Sysl. II. 656. pl. Yll. bis, fig. 3. a. b. c. /?/. 14. f.7. — Jükks u. Sowerey iu 
Loinl. 3J<igaz. of nut. Msl. II. 41. — Sillhu. americ. Journ. of scienc. 1832. Vol. 23. 
1. f. 203. — Emmr. dhsert. 33. — Milne Edw. Cr. III. 295. 
In den niitllereu Silurischen Schichten Englands, hei Barr in Staffordshire, bei 
Brand-Lodge. und Presteign. -r— Dieser Trilohit gleicht, mit Ausnahme des Rumpfes, 
dessen breite Achse von den Seitenlappen nicht scharf abgesetzt ist, so vollständig dem 
///. cra.ssicaudn , dass ich lange anstand , ihn für spezifisch verschieden zu halten. Ein- 
zelne Kopf- und Schwanzschilder möchten sich kaum von jenen unterscheiden lassen. 

Anm. Nileus (flonientms Dalm. Ärsbcrall. 1828. p. 136. — Hisikg. Leih. suec. 16. scheint 
dieselbe Art zu sein. — 

B. 

Die Riimpfachse besieht aus nenn gleichen Ringen. 

Die Mitglieder dieser Gruppe kommen nirgends zahlreich vor, und sind daher nicht 
leicht vollständig zu beobachten. Sie scheinen sieb durch den Lauf der Gesiclitsnaht, die 
Ideinen flacher gewölbten Augen und die kurzen Rumpfringe unmittelbar an lUaenus Sh- 
zuschliessen; allein auch ebenso sehr durch die höhere Wölbung des Kopfbuckels und die 
wenigstens häufig längere, gewölbtere Schwanzachse der folgenden Gruppe zu nähern. 
Vorläufig behandele ich alle mir bekannten Arten in einer Galtung, ihre ferneren Unter- 
schiede bloss als Gruppenmerkmahle gelten lassend; glaube indess gern, dass sie zu selbst- 
ständigen Gattungen sich wohl eignen. Wenn wir mehr Arten kennen gelernt haben, 
wird sich darüber sicherer entscheiden bissen. 

17. Gatt, ^rchegonus.^ 

lUaenm Dalm. Asaphus Emmr. Culymcne IL v. Mever. 

Alles, was ich als Gattungsmerkmahle dieser Gruppe erwähnen könnte, ist bereits 
gesagt, daher ich sogleich zur Absonderung der Sektionen mich wende. 

A. Kopfscbild gewölbt, parabolisch mondförmig, die Ilinterecken in lange Spitzen 
ausgezogen, der Kopfbuckel kamn deutlich umgrenzt; Rumpfringe kurz, die Seitenlappen 
luigefurcbt; Schwanzschild flach gewölbt, herzförmig, mit kurzer, ungegliederter Achse, 
die kaum bis zur Mitte reicht. — DYSPLANUS. * 

D, centroius; Asaph. (Illaemts) cenlrot. Dalm. Palaead. 51. 11. (ab. V. fig. 1. a—c.—' 
BoECK, Gaea nonc. I. no. 35. — Em.-ur. dissert. 34. 18. — Isoldes cenlr. Milne Edw. Crusl. 
III. 301. 7. — 



7 



1«! 

Im Uebergangskalk Oslgothlands bei Husbyfjöd, aber selten ; auch bei 
C h r i s t i a n i a. 

B. Das Kopfschild hat eine mclir kreisabscbnillfürmige Geslalt und die Ecken sind 
nicht in Spitzen ausgezogen; die Gesichlslinle läuft schief über den abgeplatteten breiten 
Kopfrand hinab, ^vie bei Illacmis. Der Kopfbuckel ist hoch gewölbt, ziemlich deutlich 
abgesetzt; die Augen sind klein und stehen in der Mitte neben ihm. Die Seitenlappen 
der Rumpfringe haben einen schiefen Eindruck. Die Achse des Schwanzschildes ist hoch, 
und reicht weit über die Mitte des Schildes hinaus. — ARCIIEGOjNUS. * 

1. J. ncqtialis: scuto capitis caudae(pie subparabolico, angulis illius rotundatis; axi 
caudae duodecies annulata , sulcis sculi lateralibus 8. — Long. 1 ". Taf. V. Fig. 3. 
Cuhjniene (?) acf/yuHs H. v. Meyer in nova ad. phys. med. soc. C. L. C. n. c. Tom. XV. 
p. 2. pug. 100. lab. öß. f. 13. — 
Im Grauwackenscbiefer am geistlichen Berge bei Herborn (IL v. Meyer) und iu 
demselben Gestein bei Altwasser in Schlesien (IL BocKscn), nach Exemplaren, die mir 
durch Hrn. Berghauptmann v. CirAiiPEiSTiEU milgetheilt wurden. — Ilr. v. Meyer hat diese 
Art schon besclirieben, allein nur unvollständige Bruchstücke vor sich gehabt, ich sah die 
ersten vollständigen Exemplare im Berl. Museum (Nr. 27. 1.) , woselbst sie Hr. v. Buch 
niedergelegt hatte, und erhielt später aus derselben Quelle grössere nicht ganz so voll- 
ständige Stücke durch die Vermittelung meines obenerwähnten hochgeehrten Gönners. Das 
Kopfschild ist etwas länger als breit, der Kopfbuckel hoch gewölbt, vorn etwas breiter 
(nicht schmäler, wie in IL v. Meyer's Abbildung), in der Gegend der Augen zusammen- 
gezogen und hier mit einem undeutlichen Seitenlappen versehen, dem das Auge in der 
Stellung entspricht; es ist klein und wenig gewölbt. Hinten ragt der Artikulationsrand 
etwas vor, im Uebrigen hat aber das Kopfschild keinen verdickten Rand und abgeriuidete 
Ecken. — Seine Oberfläche ist mit den erhabenen Leistchen, wie bei 1/laenus bedeckt. 
Die neun Runipfringe sind kurz, ihre Seitenlappen etwas breiter als die Achse und sehr 
deutlich von ihr abgesetzt; die schiefe Querfurche ist recht deutlich. Das Schwanzschild 
ist parabolisch, ziemlich gewölbt, besonders die Achse, und stumpf zugerundet. Man un- 
terscheidet an ihr iO — 12 fein abgesetzte Ringe und etwa 8 tiefere Seitenfurchen, zwi- 
schen denen noch die seichteren Diagonalfurchen angedeutet zu sein pflegen. — 

A n m e r k n II g e u. 

1. In (lemselheu auffallend milden, stark Ihonigeu Grauwackenscliiefer liegen hreitcre flaciiere 
Schwaiizschilder einer grösseren Art, die sich alsbald durch den völligen Mangel von Furchen und 
Ringen als eigenthümliche Form nnterscheiden. — "•"' • 

2. Ausserdem findet sich im genannten Gestein noch das Schvvanzschild, ivelches bereits Broomakt 
(Cr. foss. pl. 4. fig. 12. a. b.) abgebildet hat, und ihm von Stokes aus einem schwarzen 

16 



IS« — 

Kalkstein bei Dublin mitgetheilt ward. Es hat eine hyperbolische Form, eine hohe stumpfe 16gliedrige 
Achse und mindestens 10 Seitenrippeii, die den flach ausgebreiteten Saum nicht erreichen; beide, Ach- 
senringe und Rippen, sind mit kleinen Höckern besetzt. Es scheint mit Schlotheim's Trilob'it. puslu- 
laliis (Nuchir. II. 42. Tof. 22. Fig. 6.), wie letzterer selbst vermuthet, identisch zu sein, allein 
zu welcher Gattung oder Art es gehört, schwerlich bestimmt werden zu können, so lange man weder 
das dazu gehörige Kopfschild, noch die Zahl der Rumpfgiieder kennt. — Am meisten scheint sich 
sein Bau an den Typus von Phacops anzuschliessen. — 

2. J(. globiceps: sciito capitis caudaetpie semiorbiculalo ; angailis illius posticis acu- 
tis , axi caudali undecies annulata , coslis lateralibus 7. — Long. 1 V? — 2 ". 

As. globiceps Phill. Geol. of Yorksh. II. p/. 22. fig. 16 — 20. — Emmr. diss. 35. 20. fig.8. 

Aus dem Kohlenkalkstein von Kildare in Irland. — Etwas kürzer und breiter als 
die vorige Art, der Kopfbuckel relativ höher, und die Lappen, Avelche zum Auge gehen, 
bestimmter angedeutet; der Saum etwas verdickt. Rumpfringe in Zahl und Form noch 
unbekannt; Schwanzschild kaum länger als breit, hoch gewölbt; die Achse stark abge- 
setzt, stumpf, lOringelig mit undeutlichem Endgliede, die Seiten mit 7 deutlichen Fur- 
chen, von denen die mittleren 5 feine Diagonalfurchen neben sich haben, woraus mit 
Bestimmtheit schiefe Furchen auf den Seitenlappen der Rumpfringe gefolgert werden können. 

Anmerkungen. 

1. Die grosse Uebereinstimmiing im Bau des Kopf- und Schwanzschildes mit der vorigen Art 
berechtigt, trotz dem Mangel der Rumpfriiige, auf generische Verwandtschaft zu schliessen. 

2. In dem hellgrauen Kalkstein des Berliner Museums, welcher die Bruchstücke dieser Art ent- 
hillt, findet sich unter letzteren auch ein abweichendes Schwanzschild von grösserem Umfange, höherer 
Wölbung lind mehr zugespitzter Achse, welche aus 16 deutliclien Gliedern besteht, wahrend die Sei- 
tenflächen 13 hohe Rippen ohne Diagonalfurchen tragen, und vor dem flachen ausgebreiteten Rande 
enden. Höcker sehe ich weder auf den Rippen, noch auf den Ringen. Dieses Schwanzschild verhalt 
sich also ähnlich zu dem von Arcliegonus globiceps, wie das beschriebene Schild von Asaphus pu- 
sltilahis zu Arch. aeqitalis; beide sclieinen analogen, mit Arcliegonus gesellig lebenden Arten ei- 
ner besonderen Gattung angehört zu haben. — 



c. 

Die Runipfachse besieht aus acht gleichen Ringen. 
18. Gatt. u4sa2}hus Brogn. 

Asaphus et Nilens Dalm. Isoldes Dekay. Hemicrijplurus Green. 
Wenn man diese Gattung nach der Zahl der Rumpfringe bestimmt, so hat sie einen 
sehr weiten Umfang und zeigt ausserdem nur noch ein zweites allgemeines Merkmahl, 
■welches im Verlauf der ganzen Gesichtslinie auf der Oberseite des Kopfschildes besteht. 



183 — 

Hinten den Rand in der Mitte der Seitenlappen durchliolirend , wendet 'sie sich wie ge- 
wöhnlich S förmig geschwungen zum Auge, bildet über dem die Deckelplatte, und gehl 
von da unter einem Bogen zur Mitte des Vorderrandes. Ist letzterer stumpf, so gehen 
beide Enden unter einem Bogen in einander über; ist er spitz, so bilden sie mit einan- 
der einen Winkel. — Die Augen selbst sind gross, hoch und am stärksten hervorge- 
quollen, wenn auch nicht ganz so lang wie bei Phacops; ihre dicke Hornhaut ist glatt, 
doch sieht man nicht selten die Linsen hindurch schimmern. — 

Die Rumpfachse ist gleich broit, gegen die Mitte Avohl etwas breiter, und in der 
Regel von den Seitenlappen deutlich gesondert; dami sind auch immer die schiefen Dia- 
gonalfurchen sichtbar. 

Das Schwanz Schild gleicht dem Kopfschilde an Umfang und Gestalt entweder 
ganz oder grösstentheils, und hat nicht immer eine hervorragende Achse, doch pflegt die- 
sell)e, wo sie deutlich sichtbar ist, gegliedert zu sein. — 

Man kann in dieser grossen Galtung mehrere Unterabtheilungen aufstellen, oder die- 
selbe in ebensoviele Untergattungen auflösen. — 

A. Die Seitenlappen sind durch keine Furche von der Rumpfacbse gesondert und 
haben keine diagonalen Furchen; im Schwanzschilde fehlt die Spur einer Achse so voll- 
kommen, wie im Kopfschilde die Andeutung des Buckels. Die Gesichtslinie beschreibt vorn 
einen Bogen ; die Augen sind gross, niondförmig, aber nicht sehr hoch. — NILEUS Dalm. 

1. J. (NU.) armadillo: scuto capitis caudaeque convexo brevi dilatato; angulis 
capitis posUcis obtusis; tlioracis axi lobis laleralibus latiori. — Long. 1 — 2". 

Dalm. Palaead. 49. 10. lab. 14. fig. 3. a—e. — Milne Edw. Crml. III. 294. 1. pl. 34. f.i. 
2.— P.iND. Be'är. 132. lub.N.f. 1. — L. v. Buch, DeiU: 50. — Hisixc. Ldh. siiec. 16. 
lab. 3. fig. 3. — Asaph. armad. Em.mr. d'issert. 33. 15. 
Y a r. minor: 
Nllms cMion. Pakd. Beih: 132. lab. V. /". 2 — Milne Edw. Cnisl. III. 295. 2. — 
Im Uebergangskalk Oslgolhlands bei Husbyfjöd und Skarpasen; in Dalekarlien 
bei Rüttwik; in Esthland bei Petersburg. — Kopfschild kurz, kaum halb so breit 
wie lang, gleichmässig gewölbt, ziemlich scharf gerandet; die Augen weit von einander, 
erreichen fast den vorderen und hinteren Kopfrand, aber niedrig, mit grosser Deckelplatte, 
Rumpfringe kurz und ohne Trennung zwischen Achse und Seitenlappen, indess ist erstere 
angedeutet und fast doppelt so breit wie die letzteren; diese ohne Diagonalfurchen. Schwanz- 
schild kurz, breit, am Grunde geschwungen, ohne Spur einer Achse. — 

Anmerkungen. 
1. Von DumasU'S, mit welcher diese Gattiing die uiclit von den Seilenlnppea gesonderte Achse 
gemein hat, unterscheidet sie sich durch die Zalil der Körperringe leicht; nicht minder durch die 

16* 



flS4 

Stellung und Grösse der Augen, wie durch die relativ geringere Grösse und Wölljung des Kopfschildes. 
Sie verhalt sich indess zu folgender Gruppe, nie Bumaslcs zu Illaenus, und wie jene so sind diese 
beiden analoge Gestalten. — 

2. NU. glomerlnus Dalm. (Arsberält. 1828. 136. — Hisinger, Leih. suec. 16. — Nil. gla- 
berriinus Milne Edw. Cr. III. 295.) mit kleinen Augen und 10 Rumpfringen möchte wohl mit Bti- 
viastcs barriensis identisch sein. Dalman's Exemplare waren hei Husbyfjöd gefunden, 

B. Die Seiteiilappen der Runipfringe sind durch eine tiefe Längsfurche von der 
Achse gesondert; die Diagonalfurchen der ersteren scheinen immer vorhanden zu sein*), 
a. Die Gesichtslinie beschreibt vorn einen Bogen ^ keinen Winkel, 

aa. Der Kopfbuckcl und die Schwanzachse sind undeutlich begrenzt, letztere ist ungegliedert und 
sehr kurz. (?) Die Augen sind el)enfalls noch flach und niedrig, aber sehr lang, mondförmig, 
und an ihrem unteren Rande von einem Theil des Wangenschildes, das sie trägt, unterstutzt; 
die Diagonalfurchen der Seitenlappen scheinen schwach zn sein, — 

2. As. palpebrosus : vertice tuniido, marginem crassum sculi cephalici superante; 
oculis longissimis. Long. 1 V2 — 1 74 ". 

Dalm. Palaead. 48. 9. lab. 4. fig. 2. a—e. — Emmr. dissert. 32. 14. — Milne Edw, Crust. 
III. 299. 4. — HisiNG. Leih. suec. 15. lab. 3. fig. 1. a. b. 
Im Uehergangskalk Oslgothlands bei Husbyfjöd. — Da ich von dieser und der 
folgenden Art kein Exemplar luitersuchen konnte, so muss ich auf Dalman's ausführliche 
Schilderung verweisen, — 

3. As. hieviceps: scuto capitis caudaeque in margine dilatato, acutangulo, axin su- 
perante; oculis brevioribus. Long. 2", 

Dalm. Palaead. 47. 8. lab. 4. fig. 1. a—d. — Emmr. d'issert. 32, 13. — Milne Edw. Crust. 
III. 300. 5. — HisiNc. Leih. suec. 15. lab. 2. f. 8. a. b. 
Ln Uehergangskalk Oslgothlands hei Husbyfjöd; aber, gleich der vorigen Art, selten. 

bb. Der Kopfbuckel und die Schwanzachse ragen deutlich als selbstständig gewölbte, von Ver- 
tiefungen umschriebene Theile hervor; letzlere ist auch gegliedert. Die Augen sind hohe 
aber kürzere Höcker, welche nur hinten bis an die Furche des Wangenschildes reichen. — 
Die Ecken des Kopfschildes sind abgerundet. Die Runipfachse ist schmäler als die Seiten- 
lappen und letztere haben eine deutliche diagonale Furche. HEMICRYPTURUS Green. 

4. A. ejcpansus: protuberantla verticis postice coarlata, utrinque juxta spiram arti- 
culatoriam nodosa; angulis sculi cephalici caudaeque ohlusis. Long. 2 — 3". Taf. V. 
Fig. 1. a — c. 

Enlomol. paradoxus a, expa7isus Linn. Sf. nat. III. 160. — It. oel. 147. e. fig. — Roberg, 
d'issert. de Aslac. p. 19. 20. — Klein, spec. petr. Gedun. lab. 15. fig. 3. 4. — Schloth. 



'') Bei Asaph. pulpebrosus und lueviccps sind sie in Dalman's Figur nicht angedeutet, in der Be- 



schreibung aber als schwach angegeben. 



1«5 

in Lconh. Tnschenb. 1810. 1. lab. 1. fig. i, III. — Razoumowsky, unnal. d. sclenc. nat 

Tom. VIII. vi- 28. f. 2. 3. 5. 6. 7. — Enlomoslr. expans. Wahlenb. n. a. Ups. VIII. 25. 

1. — Äsaph. expans. Dalm. Palaead. 45. 6. tab. 3. /ijr. 3. a—d. — Klöd. Fers^eJn. d. 

Mark Brandenb. 108. — Bronn, Leih. I. 114. 1. /«6. IX. fig. 7. — Emmr. disserl. 30. 

10. — HisiNG. Leih, stiec. 14. /a6. 2. fig. 6. — L. v. Buch, Beitr. 41. 
^sö/j/t. conügei-us Brogn. Cr. /bss. 18. p/. 2. ^^r. 1. a. 6. pl. 4. ^jf. 10. — Fand. Beilr. 135. 

<rt6. 6. fig. 1 — 7. <«6. 7. /igr. 1 — 4. Taf. 8. 
rrJ/o6. covnUjcr. Schlote. Pelref. 38. 1. ii. Nachlr. II. 16, 34. — Trllob. Schroetcn ibid. 

35. 10. lab. 23. /". 3. (grosses Schwaiizscliild.) 
Cryptonymns Lichlensleinii Eichw. 47. §. 53. /a6. 2. ^^. 3. a. b. — Cr. Panderi ibid. 47. 

^. 52. lab. 3. /ijf. 1. a. 6. — Cr. Schlolheimii ibid. 45. fa6. 4. /ijr. 2. «. 6. — Isoteles 

expans. MiLNE Edw. Cnisl. III. 304. 12. — Isol. Lichlensleinii ibid. 303. 11. 
Hemicryplwus Rasouinowskii Grken, 31on. of Tril. 20. 

Im Uebergangskalk Schwedens bei Husbyfjöd und auf Oeland; in Esthland 
bei Rewal und Petersburg, in Norwegen bei Christiania; als Geschiebe in 
Nord-Deutschland (die Abbild, bei Wilckens im Strals, Magaz. I. Taf. 2. Fig. 5. 
Taf. 3. Fig. 11. scheinen zu dieser Art zu gehören.) — Kopfschild hinten doppelt so breit 
wie lang, stark gewölbt, der ganze äussere Rand senkrecht abfallend, durchaus nicht her- 
vorgezogen. Kopfbuckel deutlich abgesetzt, vorn am breitesten, nach hinten verschmälert, 
slielartig vor dem Arlikulalionsrande zusammengezogen und dort auf der Mitte in einen 
Höcker erlioben; daneben jederseits ein anderer flacherer Höcker, der sich zum Auge 
hinzieht. Eine tiefe Furche trennt den Arlikulationsrand an der Kopfachse mid der hinteren 
Hälfte der Seitenflächen von der übrigen Fläche, verschwindet aber gegen die stumpfe, 
abgerundete Kopfecke. Augen kurz, aber hoch. Rumpfachse massig gewölbt, gegen die 
Mitte breiter als an beiden Enden, die einzelnen Ringe stark für sich gewölbt. Schwanz- 
schild am Grunde breiter als lang, am Ende ziemlich stumpf, massig gewölbt, die Achse 
gleich anfangs etwas schmäler als der letzte Rumpfring, hinten stumpf; vorn gegliedert, 
doch bald mehr bald minder deutlich, je nach der Grösse des Individuums, im Ganzen 
8 deutliche Ringe, selten mehr; die Seiten ohne Rippen. Die ganze Oberfläche der 
Schhaale nicht glatt, sondern mit erhabenen feinen Leistchen, die schief nach aussen und 
hinten laufen, bedeckt; dazwischen vertiefte Punkte, welche hie und da zu Wellenlinien 
vereinigt sind; auf den Seiten des Schwanzschildes gewöhnlich 7 — 8 grössere Streifen, 
die den Gliedern der Achse entsprechen. — Schlecht erhaltene Exemplare sind ganz ab- 
gerieben und erscheinen daher glatt. — 

Aumerknng. 
Vollständige Exemplare sind selten grösser als 3 Zoll, doch zeigen Tiel grössere Schwanzschilder, 
die namentlich als Geschiebe vorkommen (Hallische Sammlung) und wohin auch Trilob. Schroeleri 
ScHLOTH. gehört, auf einzelne sehr grosse Individuen von 6 Zoll Länge hin. 



— i«e — 

5. A. lyrannus: protuberanlia capitis ovala; angulis scuti cephalici posticis caudae- 
que acutis vel acuminalis. Long. 6 — 10". Taf. V. Fig. 4. 

MuRCHis. S. S. II. 662. ]ü. 24. — Emmr. disscrt. 29. 6. — Milne Edw. Cr. III. 310. 7. 
In den Llandeilo Schichten Englands, Caerniarthenshire, Pembrokeshir e; 
auch als Geschiebe in einem rolhen Kalkstein (Hallisch. Samml.). — Das Kopfschild ist 
noch ungenügend bekannt, doch lässt Murchison's erwähnte Figur keinen Zweifel, dass 
die Gesichtslinie vorn einen Bogen beschrieb und die Hinlerecken lang zugespitzt waren. 
Das grosse Schwanzschild, welches ich abbildete, gehört ohne Frage hierher und zeigt, 
dass MuRCHisO!\'s Ergänzung etwas zu spitz gemacht ist. Die Skulptur der obern Fläche 
scheint nach Mürciiisos's Abbildung genau wie bei der vorigen Art, nur gröber, zu sein; 
sie fehlt bei meinem OandslUck, und wurde in der Zeichnung nach BIlrciusoiv's Figur er- 
gänzt. MuRCHisoNS Taf. 25. Fig. 1. ist übrigens eine ganz andere Art. 

b. Die Gesichtslinie beschreibt vorn einen Winkel, keinen Bogen, 
aa. Die Sclnvauzachse ragt hervor, und ist durch eine Furche im Schilde deutlich abgesetzt. 

6. A. raniceps: scuto capitis parabolico, acuto, angulis posticis subacutis; rhachi 
caudae subarticulata. Long. 3 — 4". 

Dalm. Palaead. lab. III. fig. 4. — Cnjpion. Wem'ii Eichw. ohserv. 46. §. 51. lab. 2. ficj. 2. 
a. b. — MiLNE Edw. Cnisl. III. 304. 13. — Pander, Bdb: lab. IV. C fig. 3., tub. VI. 
fig. 3. 8. , lab. VIII. fig. 7. — 

In Gesellschaft von A. expnnsus. Diese Art vdrd von vielen Schriftstellern für eine 
Varietät von As. expanstis gehalten, sie ist aber sicher verschieden. Das ganze Kopf- 
schild und besonders der Kopfbuckel ist flacher, der Aussenrand scliarfkantig hervorgezo- 
gen, die Vorderecke spitz. Dabei sind die Augen stets höher, die Rumpfringe relativ 
flacher, das Schwanzschild parabolisch, hinten zwar nicht spitzwinkelig, aber doch viel 
mehr verlängert; es ist viel flacher gewölbt und die Achse hat nur sehr schwache An- 
deutungen von Ringen. Wollte man selbst alle diese Differenzen für relative, und deshalb 
für Varietätencharaktere erklären, so würde doch die aufl'allend spitzwinkelige, neben dem 
Winkel geschwungene Gesichtslinie einen guten positiven Unterschied bedingen. Auch 
stehen die Augen etwas dichter an einander. 

7. A. extenualus: scuto capitis parabolico, acuto, angulis posticis in cornua pro- 
ductis; rhachi caudae subarticulata. Long. 4 — 10". 

Enlom. extenualus Wahlenb. ji. ad. Ups. VIII. 295. lab. VII. fig. 4. — 

A.wph. exten. Dalm. 43. 3. tab. II. fig. 3. — Hisikg. Leih. suec. 13. lab. 2. f. 3. — 

Isoleles exten. Mil.ne Edw. Cr. III. 301. 8. — 



— 187 — 

Individoa maxinha. 
AsapJi. grandls Sars Isis 1833. 338. tab. IX. fig. 6. a. h. — Milne Edw. C^-usl. III. 311. 9. 

In einem grauen Kalkstein Ostgolhlands bei Iliisbyfjöd und Ilela; ira schwarzen 
Kalkslein von Aggersbakken bei Christiania. — Die eigenlhiiniliche langgestreckte 
Form des Kopfschildes, die weit ausgezogenen Ilinterecken desselben, das lange parabo- 
lische, aber doch eigentlich nicht spitze Schwanzschild zeichnen diese schöne und seltene 
Art sehr aus. Die Wölbung des Kopfbuckels ist massig, die Zusammenschnürung zwi- 
schen den Augen nicht sehr stark, und der aufgeworfene Artikulalionsrand schwach. Die 
Achsenringe sind viel schmäler als die Seitenlappen , und sehr kurz gegen die Grösse des 
Schwanzschildes. Letzteres hat eine lang parabolische Form und eine schwach erhabene 
Achse, an welcher die Ringe, wie bei Asaph. tyrannus, durch erhabene Querleistchen 
in der Hornschaale angedeutet sind; auch auf den Seiten erscheinen ähnliche, den Ringen 
entsprechende feine radiale Leistchen. Dies koiuite ich am Gypsabguss des Berliner Mu- 
seums von Sars grossem Lidividuum noch ganz gut erkennen. Letzteres scheint mir bloss 
durch seine Grösse abzuweichen, die Exemplare von Dalman mid Wahlenberg aber ihre 
Schaale oder doch die Skulptur derselben verlohren zu haben; auch ist dieselbe aller Ana- 
logie nach bei kleinen Individuen relativ viel schwächer, als bei grösseren. 

I)b. Die Sclnvanzaclise ragt nicht oder sehr wenig aus dem Schilde hervor. ISOTELES Dekay. 

8. As. (Isoi.) plnti/cephalus: scuto capitis caudacque parabolico, acute; Iho- 
racis axi lobis lateralibus laliori , axi caudae obsoleta. Long. 2 — ". Taf. IL Fig. 12. 
Asaph. platyceph. Stokes, Transacl. of the geol. soc. of London I. 8. 208. fl. 27. — 
Isoldes g'tgas Dekay, annul. of Ihe Lijc. of mit. hist. of New-York. I. 176. pl. 12. 13. /". 1. 
— Dalm. Palacad. 70. 13. — Green 3Ion. of Tril. 67. — Bronn, Leih. I. 115. pl. IX. 
f. 8. — Emmr. dlsserl. 32. 12. — Milne Edw. Cnist. III. 298. 1. — 
Brogniarlia isotela. Eaton, geol. textb. pl. 2. f. 19. — 
In einem schwarzen Kalkstein von Trenlonfalls in New-York, bei Cincinnati im 
Ohioslaat und an anderen Stellen. — Meine durchaus naturgetreue Abbildung stellt den 
Abdruck von der unteren Schaalenfläche dar, und zeigt daher Spuren von Lappen am 
Kopfbuckel und Gliederung im Schwänze, die auf der oberen Schaalenfläche nicht mehr 
erkennbar sind. Reste derselben an dem Ilandstück, das meiner Zeichnung als Original 
diente, überzeugten mich von der Anwesenheit einer eigenen, aus vertieften Punkten be- 
stehenden Skulptur, was wieder auf eine nahe Verwandtschaft mit Asaphus expnnsiis 
hinweist. Ausser dem abweichenden Uniriss unterscheidet übrigens die scharfe Wiukeiung 
der hinteren Kopfecken und Seitenlappen des Rumpfes Isoteles von Asapims B. a. 

Anmerkungen. 
1. Asapims anguslifrons Dalm. Palaead. 44. 5. lab. 3. fig. 2. a. b., Ton dem ich in Berlin 
ein Gypsmodel gesehen habe, schien mir ein Mitglied dieser Gruppe zu sein; doch ragte die Schwanz- 



t«8 

achse aus dem Sdiilde etwas hervor und war vorn nicht schralller als der Rumpf. Diese Verschmille- 
rung, welche durch die Furchen und Grübchen an der Unterseite der Schaale angedeutet zu sein 
scheint, ist eine besondere Eigenheit von Asaphus plulyccphulus. 

2. Green's Isoldes planus Mon. pag. 68., stegops 71. und megalops sind Individuen in ver- 
schiedenen Graden der Conservation und Grösse, die alle zu Isol. gigas gehören. Dagegen scheint 
dessen Isot. Cyclops, pag.ß9. auf eine eigene, dem Asaph. anguslifrons nahe stehende Art hinzu- 
weisen oder gar mit demsellien identisch zu sein. — Der Isotel. megalops ist auf Individuen gegrün- 
det, die mit dem von mir abgebildeten am meisten übereinstimmen. — 

D. 

Sechsgüedrige TriloUlen mit Ziisummenliugelungsvermögen imd gleich bveller Ruiiipfachse.-, 

19. Gatt. Ampyx Dalm. 

Von dieser Gattung kenne ich weder Originalexemplare, noch Modelle, und kann 
daher keine genügende Aufklärung über sie ertheilen; den Abbildungen und Beschreibun- 
gen der Schriftsteller zu Folge schliesst sie sich zunächst an die Jsayhus-kvXew mit 
spitzem Kopfschilde, hat verlängerte, gewöhnlich abgebrochene Eudecken, unterscheidet 
sich jedoch von ihnen durch den höher hervorragenden Kopfbuckel und die nicht hervor-, 
rao-enden Auffen. Die Achse besteht nach Dalman aus sechs, nach Saks nur aus fünf 
Rumpfringen, die kurz sind aber breite Seitenlappen tragen, auf denen (nach Saus) die 
schiefen Furchen bemerkt Averden. Das Schwanzschild gleicht dem Kopfschilde und hat 
eine deutlich vorragende, verjüngte, stumpfe Achse, an der 6 — 8 Ringe angedeutet zu 
sein pflegen; Rippen auf den Seilen scheinen zu fehlen. 

Die Arten fmden sich in sehr alten Schichten des Uebergaugskalkes ; man kennt drei 
verschiedene Species, über deren Unterschiede ich auf die citlrtcn Schriftsteller verweise. 

1. A. nnsttüis, Dalm. Palaead. 54. 1. — Emme. disserl. 49. 1. — Milne Edw. Cnist. 
III. 296. 1. — BoECK, Gaea norw. I. no. 47. 

In einem grauen Kalkstein Ostgothlands bei Skarpasen und Husbyfjöd, im rothen Kalk 
vom Billinger Berge bei Sköfda. — 

2. A. mammiUalus, Sars, Isis. 1835. 335. 3. lab. 8. ftg. 4. a — c. (das Schwanzschild 
d gehört wohl zu Trinudeiis.) — Emmr. diss. 49. 2. — Milne Edw. l l. 3. — Boeck, /. /. ?io.46. 

Im Uebergangskalk von Ladegaarts Oen und Hjorlnaestangen bei Christiania.' 

3. A. roslvaliis, Sars ibid. 334. 2. lab. 8. /". 3. a—e. — Emmr. d/sseii. -id. 3. — Milne 
Edw. /. /. 2. Bokck, /. /. no. 4. 5. 

An denselben Orten mit der vorigen Art, aber seltener. — 



Anhang. 

1. 

JJie naclistehendcu Arleu sind in mir unzugänglichen Schriften aufgeführt, und konnten 
daher in meiner Uebcrsichl nicht mit berücksichtigt werden. 

Aiupyx incertus, Deionchamps, Metn. de la soc. Linmenne de Calvados II. 316. pl. 
20, /. 5. — MiLNE Edwards Crusl. III. 297. 

Asaphtis Brogniurlii, ibid. pl. 19. f. 1. 3. — Milne Edw. /. /. 313. — 

Asaphus quadrilimhaliis, Phillips (icol. of'Yorkslüre. Vol. II. /}. 239. pl. 22, flg. 1. 2. 

Asaphus obsolettis, Phill. ibid. /?(/, 3 — 6. 

Asaphits gramillfer^is, Phill. ibkl. fuj. 7, 

Asaphus semin'ifcrus, Phill. ibid. fig.S—iO. 

Asaphus gemmif'erus, ?hili. ibid. fig. 11. — Buckl. Geol. and Mineral, pl. 46. f. 10. — 
Ist nach Buckland's Al)l)ilchiiig >yo1i1 dieselbe Art, welclie Brogniart Cr. fo^s. pl. 4, fig, 12. abbil- 
det und die icli neben Archegomis ueqrtulis S. 121. bereits erwähnt habe. — 

Asaphus iruncatus, Phill. ibid. fig. 12. 13. 

Asaphus mcgalophthahnus, Troast, Mem. de la soc. geol. de France. UI.94. pl. 11. f.i. 

Asaphus her OS, Dalm. Arsberülf. om nya zool. Arbelen 135. SiocM. 1828. — Hising. 
Leih. suec. 13. — Milne Edw. Cr. III. 309. — Stellen die Schriftsteller neben Phac. caudalus. 

Asaphus plalynolus, Dalm. ibid. 135. — Hisikg. Leih. suec. 13. — Milke Edw. 
Crusl. III. 304. — 

Calymene ornala, Dalm. ibid. pag. 134. — Hising. Leih. suec. 11. — Milne Edw. 
Crusl. III. 319. Ist nach Milne Edward's Versicherung nahe mit Calym. Blumenbachii verwandt, 
aber durch die Bildung des Kopfl)uckels verschieden. Sollte Zelhus uniplicalus Pander's, den ich 
fragweise zu Calym. Blxunenbachii zog, dahin gehören? — 

Calymene verrucosa, Dal.m. ibid. 134. und Paluead. 76. — Brogn. Crusl. j'oss. pl.4. 
fig. 11. — Hising. Leih. suec. 11. — Wohl ein Pluicops, nach Brogniart's Abbildung und Hisingek's 
kurzer Definition, die ich allein kenne. 

Enlomolilhus derbiensis, Martin pelrificala derbiensia, pl.io. f.l. — Nach Milne 
Edwards Vermuthung (Crusl. III. 313.) einerlei mit Asaphus globiceps VniLi., meinem Archegomis 
globiccps, S. 122. 

Calymene phlyclaenoidcs, Green, Sill. Am. Journ. of sc. and arls 1837. Vol. 32. 
1. pag. 167. — Leonh. u. Bronn, Jahrb. 1838. 363. 

Trimerus platypleurus, Green, ebend. pag. 168. und daraus a. a. 0. 
Trimerus Jacksonii, Green, ebend. pag. 347. und daraus a. a. 0. S. 364. 
Cryphaeus (vielleicht die Abtheilung B. b. ß. bb. von Phacops) Boolhii, Green, ebend. 
pag. 344. und daraus a. a. 0. S. 363. 

Cryphaeus Collilelus, Green, ebend. pag. 346. und daraus a. a. 0. S. 364, 
Asaphus Tri mbH, Green, ebend. pag. 348. und daraus a. a. 0. S. 365. 



130 

2. 

Es folgen nun noch einige Bemerkungen üLer Arten, die sich noch nicht mit Sicher- 
heit in das von mir aufgestellte System einordnen lassen, theils weil ich sie selbst in na- 
tura nicht untersuchen konnte, theils weil überhaupt noch zu wenig von ihnen bekannt ist. 
Die Eigenschaften, welche bis jetzt sich ergeben haben, sollen hier schliesslich milge- 
theilt werden. — 

Asaphus fronlalis Dalm. Palaead. 46. 7. — Emmr, disserl. 29. 7. — Milne Edw. 
Cr. III. 311.— aiigiilis scuti ceplialici postieis rotnndatis, protuheraiitia capitis bis bi-impressa, oculis 
distaiitibus ; sciito caudae rotuiidato, costis utriiique sex radiautibus. — Im rotheii Kalk Ostgothlands 
bei Ljung. — Diese Art ivird vom Verfasser mit Ogygia Bitchii verglichen und neben .4s. expunsKS 
gestellt. Die Abdrücke ihrer unteren Schaaleiiseite sollen keine Streifen haben, wie bei As. expansus; 
doch ist wohl nur die innere Wand der oberen Schaaleuoberfläche gemeint, und diese ist überall glatt. 
Jene Streifen finden sich bei allen Trilobiten auf der freien luitern Oberfläche der Panzerstiicke. Nach 
QuENSTKDT {Wie(jmunn' s Archiv 1837. I. 345.) ist diese Art mit Asaph. angustifrons identisch. 

Asaphus Vulcani Murchis. SU. Syst. II. 663. pl.2o. fig. 5. — Milne Edw. Cr. III. 
314. — vermag ich uidit zu deuten; sollte er 9 Ringe haben, so würde ich ihn unbedenklich mit Cu- 
lymene acquulis H. v. Meyer's zusammen stellen, und zu Arcliegonus bringen. 

Asaphus corndensis Murchis. SU. Syst. IL 663. pl. 25. f. 4. — Emmr. disserl. 27. 
3. — Milne Edw. Crust. III. 310. — wurde bereits oben (S. 70.) erwähnt, aber noch nicht gehöri- 
gen Orts eingeschaltet. Eine Ogyg'ut, wohin ihn Emmrich bringt, ist er gewiss nicht; die winkelig ge- 
stalteten Diagonalfurchen der Seitenlappen, und deren vorwärts gewendete Zurundnng zeigen denllich, 
dass sich das Tliicr ziisammenkugeln konnte, was iiei den Ogygieu nicht der Fall ist. Ich möchte viel- 
mehr in dieser Art ein junges Individuum von Asaphus Tyrannus vermutlien, und die augenscheinlich 
kürzere Bildnng des Schwanzschildes durch die Jugend des Individuums erklären, da es liekanut ist, dass 
viele spitzeckige Theile der lebenden Crustaceen in der Jugend stumpfer sind, als im Alter. Die viel 
längere Endecke des Kopfschildes würde freilich gegen die Richtigkeit dieser Annahme Zweifel erheben, 
allein, wenn man an die langen Stacheln des jungen Paradoxides hohemlcus (Oleniis gracUis Zenk.) 
denkt, so möchte sicli wohl eine solche längere Form der Kopfeckeu gerade umgekehrt als Jiigendtypns 
aufstellen lassen. — 

Asaphus Tyrannus ibid. pl. 25. fig. 1. ist schon oben (S. 126.) als nicht zur Typusform 
pl. 24. gehörig angesprochen worden, und scheint mir fast gar kein Asaphus zu sein, da ich keine 
Art mit so stark hervorragenden Seitenlappen auf dem Schwanzschilde und mit so breiter Rumpfachse 
kenne. Sind beide Theile vielleicht in der Zeichnung nicht ganz richtig dargestellt, so könnte man ver- 
sucht werden, die Figur zu AsapJnis extenualus zu bringen, mit dessen Gesammtiimriss sie am mei- 
sten harmonirt. — 

Calymenc var'/ol ar'is Brogn. Crust. foss. 14. 3. pL 1. /'"//• 3. a—c. — Parkins. organ. 
rem. III. pl. 17. fig. 16. — Dalm. Palaead. 61. 1. — Buckl. Geol. and Mineral, pl. 46. fig. 6. 
— Graf V. MüNST. BeUr. III. 34. 1. Taf. V. fig. 1. — Murchis. Sil. Syst. 6.55. pl. 14. fig. 1. — 
Milne Edw. Crust. III. 326. — TriloO. vuriolar. Schlot«. Xachlr. 11. 34. 3. — Phacops ra- 



131 

r'iol. Emmr. (V/xscvt. 20. 4. — ist sclioii oben (S. 93.) als eine mir iiiil)ekaiinte Form berührt ivordeii. 
Sie liat ein liali)kreisfOriniges Kopfscliild mit liocIigewüll)tcm, vorn breiterem ungetheiltem Knpfituckel und 
lil(ilzli(li in lange Spitzen ausgezogenen Endecken. Die Augeu stehen in der Mille neiicn dem Kopf- 
liutkel, auf der Flache der Wangensdiilder, ziemlich ivie Lei Calymene Bluincnbucliii , und hahen 
deren Form. Der Rumpf wird nach hinten schmäler und hat in Murchisok's Figur deutlich 13, in 
Brogmart"s nur 11 Hinge. Die Schwanzachse besteht nach letzterer Zahlung aus 12 Ringen und auf 
dem Schilde finden sich 9 Seitenrippen, in Murchison"s Figur zähle ich nur 7 Scitenrippen und 8 — 9 
Glieder in der Achse. Dabei ist die ganze Oberfläche des Korpers mit grossen starken Höckern bedeckt, 
die in MuRCHIS0^'s Figur am Rumpfe beinahe fehlen, auf der Schwanzachse aber in mehreren Reihen 
stellen, während Rrogniart's Figur starke Hocker auch auf dem Rumpfe zeigt und nur eine mittlere Reihe 
auf der Schwanzachse. Buckland's Figur harmonirt mit letzlerer und ist davon wohl nur eine Kopie. 
Die Art findet sich in den mittleren Silurischen Schichten Englands und des Flchlelgebirges, woraus sie 
Graf V. Münster in ßruchstückeu beschreibt; seine Aiiliildiing harmonirt mehr mit Murchisok's Fiour 
als mit Brogxiart's; auch fehlen an ihr die lang zugespitzten Ecken des Kopfschildes, die ich auch 
bei MuRCHisoK vermisse ■■•)• — 

Fast möchte ich, nach diesen Angaben, die verschiedenen Formen für spezifisch nnferschiedeu hal- 
ten, und MüRCHisoN's Art für eine ächte Cahjmene, Brogniart's und Parkinsom's für einen Pha- 
cops erklären. Dieser Annahme widerspricht jedoch Boeck's Behauptung, dass Culymcne variolaris 
eine eigene Gattung bilde, zu der auch Culymcne puncltUa der Schriftsteller gehöre. Vgl. Keilhaus 
Gaea norweg. I. TrUoh. no. 13. — Was die letztere Art betrifft, so handeln von ihr fol«>-ende 
Schriftsteller : 

Tr'il. pimduhis Brükis. Kjöbcnh. Sellsk. Skrlvt. nyc SmnJ. I. 394. 5. — Schloth. Nuchir. 
II. 37. 23. — Enlomoslr. ptmctiil. Wahlekb. n. a. Ups. YIII. 32. 7. — Linke, ad. Heg. ac. 
Holm. 1759. 22. 24. (ab. 1. fig. 2. — Lehmann, }ioi\ comin. Pelropol. X. (ab. 12. f. 10. — 
Beck.m. iwv. comrn. Gö((ing. III. 102. — Wilck. Sdals. Magaz. 4. St. (ab. 3. fig. 12. — 
Calym. pimd. Brogk. Cr. foss. 36. — Dalm. Paluead. 64. 12. — Murchis. ä. &'. II. 661. 
pl. 23. /■. 8. — MiLNE Edw. Cnis(. III. 327. — 

Alle beschreiben bloss Schwanzschilder, nur Wahienberg bildet daneben das Mitlelslück eines 
Kopfschildes ab, welches deutliche Charaktere von Calymene an sich trägt, zumal den aufgeworfenen 
vorderen Kopfrand und eine Lappenbildung des Buckels, die au Cul. Blumenbadt'ü erinnert. Dass 
dasselbe wirklich zu dieser Art gehöre, möchte ich bezweifeln. Das Schwauzschild hat nach den Anga- 
ben aller Schriftsteller eine vielgliedrige Achse, deren Ringe längs der Mitte eine Reihe von Höckern 
tragen, und 7 — 8 Seitenrippen, von denen jede auf der Mitte auch einen Höcker hat. Die daneben 
TOn DaliMan abgebildeten 10 Rumpfringe erscheinen glatt. Solche Schwanzschilder kommen in einem 
hell weisslich- grauen Kalkstein auf Goltland häufig vor, und ein daher stammendes Handstück meiner 
Sammlung enthält 2 Exemplare, die leider ihre innere Schaalenseite nach oben wenden und mit der äus- 
seren so fest im Gestein sitzen, dass eine Ablösung unmöglich ist. Ich erkenne indess an der Achsa 
deutlich 6 mittlere Höcker, ebenso viel wie Dalman abbildet, und daneben jederseits die Vertiefungen 



"•) Cal. intermedia Gr. v. Münst. a. a. 0. .35. 2. iab. V. fig. 2. soll 4 Einschnitte jederseits am Kopfbuc kel 
haben, gleicht aber sonst der C. variol. so vollständig, dass ich ihre Artrechte noch bezweifeln muss. 

17 * 



133 

für 28 — 30 Ringe, während die Mittelgegend, da >T0 die Höcker stehen, ungeringelt ist. Jedem Hocker 
entspricht ein Ring, dann zähle ich zwischen dem ersten und zweiten Höcker 2 Ringe, zwischen dem 
zweiten und dritten 3, zwischen dem dritten und vierten wieder 2, zwischen dem vierten und lünften 3, 
allein zwischen ihm und dem sechsten 4, und hinter letzterem etwa noch 6 — 7, doch mögen auf der 
o])ern Seite, wo die Ringe allemal deulliclier sind, noch mehrere vorhanden sein. Seitenrippen finde 
ich an meinen hier beschädigten Exemplaren nur 8, und erkenne daran keine Spuren von Hockern, die 
also wohl nur auf der äussern Schaalenfläche sich erkennen lassen. Mit der oben beschriebenen Bildung 
stimmt nun das Schwanzschild von Cahjmene var'wlarls nach Brogniart's und Buckland's Abbildun- 
gen (Parkinsox's Figur habe ich leider nicht mehr zur Hand) so vollständig überein, dass ich nicht 
zu irren glaube, wenn ich Calymene punclala der Schriftsteller für einerlei mit der Cal. varwlarh 
der zuletzt genannten Autoren erkläre, und demnächst, da Murchison's Cal. rariolaris wohl eine 
andere Art ist, für diese den Namen Cal. varlolaris lieizubehalten vorschlage, auf die Calym. ra- 
riolaris Brogriart's al)er, die freilich früher als solche bekannt war, den noch älteren Namen C. pundala 
übertrage. Ob nun wirklich diese Cahjmene punctata zu einer eigenen Gattung oder zu Phacops 
gehöre, muss ich wegen Mangels eigener Untersuchungen noch unentschieden lassen; die Calymene 
varioluris in meinem Sinne scheint dagegen in der That zur Gattung, deren Namen sie trägt, am besten 
zu passen, und in ihr den Phacops -Avlm mit ungetheiltem Kopfbuckel zu entspreclien, wie C. Diu- 
menbuchii, Trisiuni, etc. denen mit gelapptem analog sind. Letztere Hessen sich ferner, nach Zahl 
und Form der Lappen, wie d'ie Phacops- Arien, gruppiren, wenn eine gi-össere Menge von Gattungs- 
genossen solche UnterabtheJlungen bereits nöthig machte. 

Lichas lacinialus habe ich Seite 76. aufgeführt und kurz charakterisiit. Später fand ich 
unter den Trilol)iten der Hallisclien Akademischen Sammlung ein fast vollständiges Schwanzsdiild dieser 
Art, das in demselben gelbgrauen fast erdigen Thonscliiefer von Mösseberg in Westgothland lag, 
worin dieselbe gewöhnlich vorzukommen pflegt. Die nähere Untersuchung dieses Exemplars überzeugte 
mich, dass die Achse des Schwanzscliihles aus 7 deutlichen Ringen und einem ovalen Endgliede besteht. 
Die Seiten des Schildes bestehen kcinesweges ans einzelnen Lappen, sondern aus einer zusammenhän- 
genden Fläche, auf welcher sich 10 — 12 radiale, abwechselnd gleiche oder vielmehr ähnliche Furchen 
befinden. Die vordere Furche jedes Paares ist starker gekrümmt als die hintere, beide erreichen den 
Umfang und stossen hier unter einem Winkel zusammen. Auch au der Achse entspringen sie dicht neben 
einander von der Furche zwischen je 2 Ringen ; beide beschreiben mit einander kleine mondförmige 
Wülste, die mau für Rippen nehmen kann, und deren Zahl 5 — 6, also wie gewöhnlich um 1 — 2 ge- 
ringer, als die Anzahl der Aehseniinge sein würde. Zugleich ergicbt sich, dass Dal.maä's und Wah- 
leneerg's Figuren von unvollsläudigeu Exemplaren entnommen wurden; auch scheint mir die Schwanz- 
aclise zu breit und zu kurz dargestellt und überhaupt die Art viel näher mit Ogyyia als mit Olemis 
verwandt zu sein. 

Trilobilcs Stcrnbergii erhielt seinen Namen von Boeck im May. for Nalurvidvnsk. 
I. I., das ich nicht kenne. (Vgl. Sternberc, Verh. d. raterl. Mas. etc. 1833. 51.) Hierher gehört 
nehmlicb Gr. Sternberg's Figur in den Verh.d.valerl.Mus. 1825. Taf. 1. Fig. ö., welche am Schlnss 
seiner Abhandlung kurz l)eschricl>en wird (S.S5.). Meine Abbildung Taf. 111. Fig. 7. 8. zeigt eine völlige 
Uebereinstimmung mit jener Figur, allein die hintere Kopfecke ist nicht so stark vorgezogen, und die 
Waiigengegenden tragL'u ein deulliches Auge neben dem zweiten Kopfgürlel. Die Gesichlslinie habe ich 



133 — 

nicht gesellen, sie ist Ikenl'iu pidorh , und konnte ohne Gefahr, das schone Bild zu triihen, nicht gut 
wieder entfernt werden. Sternberg sagt von den Wangen, dass sie höckerig seien, ich glauhe im Ab- 
druck nur Vertiefungen gesellen zu haben. Das Auge war, wie bei Stkrneerg's Exemplar, abgebro- 
chen, seine Stelle und Grosse aber nicht zweifelhaft. Der ganze Umfang hatte einen aufgeworfenen ab- 
gerundeten Rand. Der schwarze Kalkstein vom ßranikberge, worin Pliucops lal'ifvons sich findet, ent- 
halt auch einzelne Kopfschilder dieser seltenen Art. — Dalman hat bekanntlich die SiERUBERG'sche Fi- 
gur zu seiner Culymenc spedosa (Pttldcad. 76. 3.) gezogen, die ein Pliucops ist, wie aus Hisin- 
ger's Figur {Leih. succ. suppl. ((ib.'ii). jUj. 2.) hervorgeht; allein die 2 vorderen Furchen des Kopf- 
buckels sind nicht durchgehend und die dritte ist jederseits neben der Mitte eingebuchtet, was bei Tv'ü. 
SlenibergU sich nicht findet. Ausserdem sind die Kopfschildecken lang zugespitzt, hier bloss winkelig. 
Dagegen scheint Graf v. Münster's Cahjiu. Slernbergn {Be'ilr. III. 37. 5. lab. V. fig. 5.) und Cal. 
prophujua (ebendas. 38. 6. fig. 6.), wenn anders die Kopffurchen in der That nicht durchgehen, eher 
zu jenem Pliucops speclosus zu gehören, und Culipn. avlhuluki (ebendas. 7. fig. 7.) mit durchge- 
henden aber roh gezeichneten Kopffurchen, doch nicht von jenen andern beiden verschieden zu sein, 
weil bei allen dreien der Kopfbuckel nach vorn breiter wird, wie bei Phacops, bei Tr'itobUes Sleni- 
bergU dagegen vorn und hinten gleich breit ist. Ueber die natürliche Stellung dieser Art im System 
weiss ich auch jetzt nichts anderes, als das schon Seite 18 u. 84. bemerkte, zu äussern, und wiederhole 
es daher lieber nicht. — 

Triurlhriis Bcck'n, Green, Mon. of Tr'ü. 8ß. sei/. — Mounlh. Amer'ik. Jown. p. 560. 
— Harl. 7ned. and phijs. reseurch. 305. — Bvogniarlia carcinokleu , Eaton, geol. Texlb. — 
Bronn, Leih. I. 117. lub. 9. /". 10. — Paradoxides Ir'mrlhrus, Harl. t)ied. and phys. res. 401. 
1. fuj. 5. — Parad. armalus ibid. 402. 2. fig. 1 — 3. — Milne Edw. Crii.ü. III. 345. — Man 
kennt von diesem Trilobilen das Mittelstiick des Kopfschildes mit dem kurz parabolischen Buckel, woran 
hinten durch eine Querfurche der Artikulationsrand angedeutet ist, seitlich aber zwei Einschnitte, die in 
schiefer Richtung nach hinten gezogen sind , drei ziemlich gleiche Lappen absondern. Hierin stimmt er 
ganz mit dem Kopfe von Ol. scarabaeoides (S. 83.) überein. Da die Wangenschilder aller untersuch- 
ten Exemplare fehlen, die Rumpfringe bloss in Brnchstücken bekannt sind, und das Schwanzschild 
noch nicht aufgefunden wurde, so lässt sieh über die systematische Stellung der Art nichts Genügendes 
sagen oder vermuthen. Zwar leuchtet ihre Verwandtschaft mit Ölen, scarabaeoides, die schon Harlan 
nachwies, bald ein, allein auch diese Form ist noch ungenügend bekannt, mithin aus ihr kein Schluss 
auf die vorliegende möglich. Harlan nimmt übrigens bei Parad. triarlhriis 4 Rumpfringe und ein 
kurzes , am Umfange abgerundetes Schwanzschild an , stellt die Seiteulappeu der Rumpfglieder schmä- 
ler als die Achse dar, und letztere dajieben gleich breit, während die Seitenlappen schnell nach hinten 
kürzer werden. — 



134 

3. 

Gänzlich unbrauchbar für die systematische Einordnung scheinen mir die Beschrei- 
bungen und Abbildungen nachstehender Arien zu sein; ich fülire sie ])loss der Vollstän- 
digkeit wegen an, und wage daher auch keine muthmasslichc Deutung. — 

Asaphus Cawdori Murchis. SU. Syst. II. 635. pl.T. /(</. 9. — Gr. v. Mixsi. Bc'üv.lW. 
38. 1. ttth. V. fiy. 8. — 

A.'iaphns diurus, Grekn, Sill. Amcr. Joum. de. 1839. Vol.2i7. pug. iO. Eine mit As. 
selenwus venvandte Art, also ein Phacops mit zweispitzigem Ende des Schwanzscliildes. Vgl. S. 114. 

Asaphus sub-caudattis, Murchis. ibid. fig. 10.; wohl nur ein grösseres Individuum der 
vorigen Art. — 

Asaphus pusillus, Gr. v. Mükst. Beilr. III. 39. 2. Iah. V. /?(/. 9. 

Asaphus brevis ibid. 39. 3. fig. 10. 

Asaphus grandis, ibid. 39. 4. iab. IX. fig. 1.; Bruchstück eines Scliwanzschildes, das 
von Sars gleichnamiger Art (S. 126.) verschieden sein wird. — 

Paradoxides brevimiicronalus ibid. 40. 1. tab. V. fig. 12. Scheint Lichas lucinia- 
lus zu sein. — 

Bumastes franconicus, ibid. 42. 1. iab.Y. fig. 17. Kopf- und Schwanzschild ohne alle 
specifischeu Merkmahle. — 

Bumastes planus, ibid. 43. 2. fig. \%., grösseres flacher gedrücktes Individuum der vo- 
rigen Art. — 

Trinucleus^ Nilsoni ibid. 46. 5. lab. V. fig. 25. und Trinucl.? Olarion. 6. fig. 26. und 
Trinuclcus inlcrmedius ibid. V. 116. Taf. X. fig. 10. — sind ganz unkenntliche Bruchstücke, aber 
schwerlich Trinuclei. 

Calymene furcata Graf v. Münster, Beilr. \. 113. 2. Taf. X. fig. 9. — ein halbkreis- 
förmiges, granulirtes Scliwanzschild mit vielgliedriger Achse und 7 bis zur Hälfte gespaltenen Seitenrippeu. 



Nachträge. 



Als ich die ganze Arbeit bereits vollendet hatte und eben mit der Anfertigung des 
Registers beschäftigt war, erhielt ich auf dem Wege des Buchhandels das längst für mich 
yerschriehene Magazin for JVaturvidensAaberne, Chrisliania, 8., aber nur die zweite 
Serie {Anden RaeJiAes, von 1832 an, Bd. I. u.U.), nicht die frühere, in welcher sich 
Boeck's Aufsatz {Tom. I. 1827.) befindet. Diese zweite Serie enthält nur einige Be- 
merkungen von EsMARK (I. Bd. S. 268. Taf. VII.) über folgende 5 Trilobiten : 

1. Tril. Ase litis, ein zehnglleeliiger Tiilobit ohne ZusamraeiikiigeluiigsYermögen, mit grossem 
Sclmauzscliilde, dessen Aclisc zwar fehlt, aber doch Tielgliedrig zu sein scheint. Das Thier scheint 
luit Ogijyia am nächsten verwandt zn sein, und sich besonders durch die Zalil der Rnmpfringe von die- ■ 
ser Gatlnng zu unterscheiden. Boeck stellt in Keilhau's Gaeu norweg. I. Tr'/l. no. 36. diese Art 
neben Illaenus cenlrolus Dalm., womit aber Esmark's Abbildung keine Aehnlichkeit hat. — 

2. Tril. elliplifrons, pag. 269. ein Phacops mit nngetheiltem schmalem KopOjuckel, der 
sich unmittelbar an Pli. küifvons auzuschliessen scheint, aber spezifisch durch die schmale Form des 
Kopfbuckels verschieden sein dürfte, wenn anders die Abbildung richtig ist. — Boeck, der a. a. 0. 
sub no. 1. diese Art annimmt, unterscheidet sie ebenfalls „durch den weit (lang?) gedehnten elliptischen 
Kopfbuckel" von Ph. luüfrons, seinem Tril. clcgans Sars, ebend. no. 2. Beide finden sich auf Mal- 
mofekalveu. — 

3. Tril. sphaericus, nach Boeck (a.a.O. sub no. 14.) einerlei mit Tril. durifrons Sars, 
worüber ich bereits S. 103 u. 104. mich ausgesprochen habe, indem ich ihn mit Dalman's gleichnamiger 
Art verbinde. Allein in Esmark's Figur sind 3 Einschnitte am Kopfiiuckel angegeben , daher ich noch 
zweifle, ob der Tr. sphaericus wirklich Sars Tr. clarifrons sein kann. Wüix er es dennoch, so 
würde er als synonym zu Cyphuspig clarifrons (S. 104.) gehören. 

4. Tr. semilunaris, nach Boeck's Vermuthung (a. a. 0. sub no. 10.) nur ein kleines In- 
dividuum von Phacops caudatus (S. 112.). 

5. Tr. denlaliis , fig. 10. ein grosses Schwanzschild mit vielgliedriger (15 Ringe und ein ei- 
förmiges Endglied sind in der Figur angegeben) Aclise und 3 grossen , nach hinten gebogenen Seiteu- 
rippeu, die als stumpfe Stacheln über den Rand des Schildes hervorriigeu. Boeck fügt hinzu (a. a. 0. 
siil) no. 1.), dass der hall)cjiindrische vorn abgerundete Kopfbuckel drei Seitcneiuschnitte habe, und die 
hinteren Ecken des Schildes gleich den Seiteulappcu der Rumpfringe in Stacheln ausgehen. Hiernach ist 
diese Art entschieden ein Phacops der Abtlieilung B. b. ß. bb. und steht dem Phac. uruchnoidcs oder 
slelUfcr nahe. — 



136 

Ebenfalls erhielt ich erst vor einigen Tagen die am Schluss der Literatur erwälmle 
Schrift von F. A. Römer. Verfasser beschreibt darin folgende Trilobilen: 

1. Bro7iles flabellifer, S. 37. Taf. 11. Fig. 1. 

2. Br. signattis, ebend. Fig. 2. 3., wohei Phillips, palaeo%oic fossils, lab. 57. flg. 255. 
citirt wird, ein Schwanzscliild von liüizerer, luelir kreisförmiger Bildung. 

3. Dr.? glubralus, ebend. Fig. 6. Das Mittelstück eines Kopfscliildes mit abgelöster Scliaale, 
allein ül)rigens ohne genügende Kennzeichen. 

4. Ca ly VI eile Jordani, ebend. Fig. 4., ohne Zweifel nichts als Phacops Mifrons. Ich 
halle ein gut erhaltenes Exemplar dieser Art aus der Hallischen Akademischen Sammlung vor mir, wel- 
ches im Klostergrunde bei Michelsteiu nn>Yeit Blankeuburg gefunden wurde. Auf dasselbe bezieht sich 
auch Herr Römer Seile XVIII. seiner Sclirift. 

5. Cal. Schuslcri, S. 38. Taf. Xll. Fig. 42. Das Schwanzschild eines kleinen Individuums 
von Phacops hdifvom. 

6. Cul. subornula, ebend. Fig. 40. 41. Beide Bruchstücke gehören schwerlich zusammen. 
Fig. 40. gehört zu Phacops, Fig. 41. eher zu Äsuphus; die Arten lassen sich ans den Figuren 
nicht erkennen. 

7. Cnl. Jiydrocephala, ebend. Taf.^l. Fig. 7. Ganz entschieden das Mitlelstück eines 
Kopfschildes von Cijpha.^pis chtvifrons. 

8. Asaphas Z inkenii, ebend. Fig. 8.; abgeschältes Mittelstiick des Kopfscliildes von P/(rt- 
cops latifrons. 

9. Paradoxides Grolei, S. 39. Taf. XL Fig. 11. a. b. Deutliche Bruchstücke von Pha- 
cops arachnoides. 

10. Ilomalonolns Ahrendii, ebend. Fig. 5. a. b. Gewiss von Hom. Knighlii Murch. 
nicht verschieden, denn die angegejjcnen Unterschiede rühren von der veränderlichen Krümmung der 
Ringe gegen einander her, und sind individuelle. 

11. Hom. ptnictatiis , ebend. Fig. 9. und Hom. gigas Fig. iO. sind wohl nur Bruchstücke 
anderer Individuen derselben Art; die Punklirung deutet die vorhanden gewesene Granulation an. 

Eine etwas ältere, mir so eben zugegangene Notiz findet sich noch in Sillhn. Am. 
Jowu. of sc. ct. arls. Vol. 42. pag. 366. 1842. Herr J. Locke beschreibt hier eine neue 
Trilobilen- Art, als: 

Isoleles megislos , und liildet sie auf pl. 3. ebend. ab. Dieses fast einen Fuss lange Bild 
ist dennoch sehr unvollständig, indem auf den Seitenlappen der Rumpfringe keine schiefen Querfnrchen 
angegeben sind und auf der liinteren Hälfte des Kopfschildes alle positiven Eigenschaften fehlen. Dabei 
hat die Figur genau die Verhältnisse von Asaph. plahjcepJialus (Isol. giga.i), aber kurze Endslacheln 
au den Seilenecken des Kopfscliildes. Hiernach scheint sie allerdings selbstständige Art zu sein, welche 
sich von As. plalycephaliis eben dadurch, von As. anguslifrons durch die breite Stirn unterscheiden 
würde, wenn schiefe Furchen auf den Seitenlappen vorhanden sind; fehlen diese wirklich, was ich be- 
zweifle, so gehörte sie zu yUeus. Das vordere Ende der Gesichtslinie beschreibt einen Winkel, und 
weist auf die Abtlieilung B. b. von Asaphus hin. 



13T 

Da die pnrofällig'e Aiisfüliriing der Kiipferlafcln einen ungleich grösseren Zeitaufwand 
erforderte, als ich glaublc, so hat sich die Herausgabe meiner schon anfangs May 
im Druck vollendeten Arbeit bis jetzt (Ende Novembers) verzögert, allein nur zu ihrem 
Vorllieil, weil es mir dadurch möglich geworden ist, noch mehrere seitdem erschienene 
Aufsätze benutzen und mit meinen Ergebnissen in Vergleich stellen zu können. 

l. Zunächst erwähne ich die mir bisher unl)ekannt gehliebene Abhandlung von L. 
De Koiv'I^ck in den Mcm. de lacad. ro\j. de Briix. Tom. XIV. idier die fossilen Krebse 
Belgiens. Verfasser beschreibt darin zuerst die Gattung Brontcs Goldf. (vergl. S. 75. 
d. Abb.) mit der einen Art Br. jUibelllfer , ändert aber ihren Namen in GoLDius um 
weil Brontes schon eine Käfergattung von Fabricius genannt sei*)- Dann folgt 

Asuph. yemmuHferus {nohhi Asaph. gmnuUfevus und As. gemmuUfcms Phill. Geol. 
of Yorksh. geliörcn; vgl. den Aiiliaiig S. 129.), welcher sicli auf das bereits von Brogniart (Taf. IV. 
Fig. 12.) al)gebildete Scliwanzscliild gründet, dessen idi Leililufig unter Archegorius aeqiialis (S. 121.) 
Anm. 2. gedaclit luil)e. Da Trilob. pusluhdus Schloth. dasselbe Thier ist, so müsste dieser Artnanie 
als der älteste, bleiben; die Gattung aber, der die Art beigesellt werden soll, ist so lange unbestimm- 
bar, als Kopf und Rumpf noch fehlen. — 

Asaph. Brogn'iarl'ii Fisch. Orydogn. du Gouvern. de Moscou p. 121. pl. 12. Eine lange 
Reihe mir grösstentheils unliekannt gebliebener Synonyme beweist, dass diese Art identisch ist mit As, 
obsolellts Phill. (Anhang S. 129.) oder Asaph. Dalmunn'i Goldf. , welchen ich anhangsweise bei 
Äconia conclnna (S. 117.) erwähnt habe. Die Beschreibung und Abbildnng, welche Hr. üe Komnck 
(a.a.O. Fig. 6.) giebt, scheinen dieser Anuahme günstig zu sein, da der Rumpf aus zehn Ringen besteht, 
und die OI)erlIäche des Körpers granulirt ist, allein der nach vorn breitere Kopfbuckel und das mit viel- 
gliediiger (14 Ringen) Achse versehene Schwanzschild widersprechen dem Typus \on Aeon'/a; ich möchte 
diese Art jetzt weit eher mit der vorigen (Asaph. gemmuHferus oder pusluluius) zusammenbringen, 
und aus beiden eine besondere Gattung bilden, zu deren sicherer Begründung indess mehr Thafsachen, 
als bis jetzt vorliegen, erfordert werden. Eine dritte Art dieser Gattung möchte das bei Archcgomis 
glohiceps (S. 122. Anm. 2.) angedeutete Schwanzschild mit IGgliedriger Achse vorstellen. 

Die übrigen fossilen Krebse der genannten Abhandlung übergehe ich, da sie den Inhalt meiner 
Arbeit nicht weiter berühren. 

2. In dem neuesten Heft von Silliman's Americ. Journ. of scienc. and arts. 
J^ol.M. pag. 346. (1843.) finde ich wieder eine Trilobitcn-Art als 

Ceraurus Crosoliis von J. Locke beschrieben und in Holzschnitt dargestellt, aus welcher 
mit der positivsten Gewissheit hervorgeht, dass dieselbe zur Gattung Odonlopleuru (S. 71.) gehört, und 



*) Allenfalls liesse sich indess die GoLDFtss'sche Benennung bei])ehalfen, weil Fabricius Gattung 
Brontes synonym ist mit Latrf.ille's Vleiola, und letzterer Name früher als der jetzt gewöhn- 
lich angenommene Name von Fabricius (%sI. Elcniih. ISOl.) für dieselbe Gattung aufgestellt 
wurde (1799 in dem Prc'cis de characl. genc'r. des Insectes Seite 46.). 

18 



13S 

wahisclieiulich eine dritte eigenthümlinhe Art derselben bildet. Wenn nun wirklich Greejj's Ceraiinis 
mit der hier beschriebenen neuen Art in dieselbe Gattung gehören sollte, was allerdings nicht unwahr- 
scheinlich ist, so würden die Gattungen Cerattrus und Odonloplcura zusammenfallen und jener Name, 
als der altere, den Vorrang verdienen. Ich bin zu dieser Annahme um so mehr geneigt, als den äusse- 
ren Umrissen nach Ccraur. pleurexaiilhennts und Cei: Crosoius in ganz ahnlichen Beziehungen zu 
einander zu stehen scheinen, wie Odonl. ovala und O. clüplku. Mit Olenus forficula Sars (S. 82.) 
würde dann freilich Ceraunis keine grosse Uebereinstimmung besitzen können. (Vgl. S. 83. Anm. 1.) 

3. Systematische Uebersiclit der Trilobilcn und Beschreibung einiger neuen Arten, 
von Prof. Dr. A. Goldfuss. In Leonh. und Bronn's Neuem Jahrb. etc. 1843. Seite 537. 
u. fgg. Taf. 4 — 5. 

Die hier gebotene Uebersicht der Trilobiten ist eine Arbeit, welche sich füglich mit Milne Ed- 
WARD's ahnlicher Aufziihhing der bekannten Trilobiten vergleichen lasst, aber nicht so rein conipilato- 
risch gehalten zu sein scheint, sondern auf einer tieferen Kenntuiss der Gegenstände beruht. Indess hat 
die Seite 540. gebotene synoptische Tabelle der Gattungen dieselben doch so durch einander geworfen, 
dass ihre Gruppirung keinen Kenner befriedigen kann. Zellnis , Aniphion, D'ipleura und Cnlymcnc, 
Formen, von denen drei {Zellnis, Amph'ion und Calymene) nur eine einzige Gattung ausmachen, 
während die vierte (Dipleuru) der allernächste Verwandte dieser Gattung ist, erscheinen hier in 4 ver- 
schiedene Hauptabtheilungen getrennt, und eine (Zelhus) sogar in einer Section, die als augenlos an- 
gegeben wird; doch wolil mir weil an den Bruchstücken, die Hr. Pakder zur Aufstellung seiner Gat- 
tung benutzte, die Augen al) gebrochen waren. Auch Ulsst es sich sicher nicht vertheidigen, wenn 
Vei'fasser Parudoxides und Atnpläon, zwei Gattungen, die in allen ihren Organisationsmomenten ver- 
schieden sind, neben einander stellt, und Formen wie Zvihus und Olar'wn in Beziehung bringt. Beide 
Genera beruhen ja nur auf Bruchstücken, deren wahre Beziehungen den Urhebern jener Gattungen ganz 
imbekannt geblieben sind, oder überhaupt, wie Otarion, aller Realität entbehren. Ich kann mich übri- 
gens mit einer ausführlichen Kritik dieser Uebersicht jetzt nicht befassen, sondern muss es meinen Le- 
sern zur Entscheidung ül)erlassen, ob sie oder die meinige das Prädicat einer naturgemässen Einthei- 
lung in Anspruch zu nehmen habe. Ebenso berühre ich die bloss von anderen Schriftstellern herüherge- 
nommenen Gattungen und Arten nicht weiter, sondern bleibe bei denen stehen, die der Verfasser hier 
neu aufstellt, der von ihm gewählten Reihenfolge mich anschliessend. 

4. Arges S. 543. 

A. radlalus Goldf. n. sp. Taf. 4. ftg. 1. Ist das nicht ganz naturgetreu dargestellte Schwanz- 
schild von Odoiüopleura ovala. 

5. Anlhes S. 544. Diese neue Gattung gründet sich auf £?j/o/HOs/r. scarataeoWes Wahleke., 
einer noch so nngenügend bekannten Art, dass ich es vorzog, sie bloss fragweise einzuordnen. Der 
gebrauchte neue Gattungsname erinnert ebenso auffallend an Anlhus , wie Arges au Argus, und ist 
nicht gut gewählt. — 

7. Zelhus S. 545. Schon Hr. v. Buch hat gezeigt, dass diese Gattung nicht von Culgmene 
verschieden ist. — 

9. Paradoxites S. 5i6. Brogkiart schrieb Paradoxides. 



139 

12. Bronfeus S. 548. In Folge von üe Koninck's Malnning ändert nun Verfasser seinen 
Galliuigsiiamen so um, nnd meint, dass diese Umänderung passender sei, als die Corruption Goldius 
aus GoLDFUssius, welche Hr. Dk Komnck vorgeschlagen hatte. Von den aufgeführten neuen Arten 
halte ich Ur. aluluceus (Taf. 6. Fig. 1.), Bi\ (jrunulalus (Fig. 2.) nnd Br. intermedius (Fig. 4.) für 
individuelle Abweichungen von Br. flabelüfer (Fig. 3.), mit dem sie in allen Hauptsachen, zumal im 
Formenverhilltniss der Rippen, übereinstimmen. Als Typus einer zweiten Art ist Br. signalns Phill. 
(Taf. 6. Fig. 7.) anzusehen , wovon wiederum Br. canaUculalus (Fig. 6.) und Br. seither (Fig. 5.) nnr 
individuell abweichen. Das dazu gehörige Kopfschild (Taf. 5. Fig. 4.) scheint die Differenz dieser zwei- 
ten Art zu unterstützen. — • 

18. Sy iiiphysiirus. So nennt Verfasser Asaph. laericeps und As. palpebrosus, die er 
als besondere Gattung mit Tr'/I. Itiev'is, inlerined'ius und oblomjalus Boeck absondert. Ich habe die- 
selben als besondere Unterabtheiluiig von Asaplms (S. 124.) aufgeführt. 

23. Odonloplcura. Die neue Art: O. denlata, von der Fig. 4. Taf. 2. das Wangenschild des 
Kopfes dargestellt ist, scheint dem Ceruurus Crosohis Locke's sehr nahe zu kommen. 

25. Geraslos. Diese Gattung ist identisch mit meiner Gattung Aeon'ia S. 116., welche dnrcli 
die Mittheilungen des Verfassers einen wesentlichen Zuwachs in der Beobachtung von Granulation auf 
dem Kopfbuckel erhalten hat; dadurch ist auch die von mir gewühlte Stellung im System vollständig ge- 
rechtfertigt. Was die 8 aufgeführten Arten betrifft, so ist 

G. laev'igulus {Proleus Curieri Steininger, Mem. geolog. pl.^l.f.G.) Taf. 4. Fig. 3. nichts 
als Cidyni. conchmu DalxVi., Aeorüa concinna mihi S. 117. und der 

Ger. grunulosiis Taf. 4. Fig. 4. vielleicht ebendieselbe Art mit wohl erhaltener Granulation auf 
dem Kopfl)uckel. 

Ger. conmlits Taf. 5. Fig. 1. mit schwächerer Granulation nnd verlängerten Ecken des Kopfschil- 
des, ist wohl neu; er erinnert einigermassen an Culyiii. margimdu Gr. v. Münster. 

Ger. globiceps , Asaph. ylob. Phill. habe ich zu Archegonus gezogen. 

Ger. Schiisler't, Calyin. Schust. Roem. halte ich für Pliacops lulifrons. 

Ger. sphacrlciis , Cal. clarifrons Sars ist des Verfassers Pliacops ceratophlhalmus Taf. 5. 
Fig. 2. oder meine Cyphasp'is clarifrons. 

Ger. BvoyniarUi De Koninck. Nach Goldfuss von Asaph. Dahnanni sibi verschieden. — 

28. Asaphus. So nennt Verfasser die Phacops - Arten mit gelapptem Kopfbuckel und auf- 
geworfenem Randsaum des Schwanzschildes, zu denen er auch seinen As. Dahnanni zieht. Die Art 
ist daher von dem bei mir als As. Dulmanni erwähnten Trilobiten, welcher vielmehr zu As. Broymarlii 
De Komnck gehört, wesentlich verschieden. Taf. 5. Fig. 3. ist eine massig gute Abbildung des Asaph. 
(Phacops) arachno'ides gegeben, übrigens aber keine neue Art aufgestellt. 

29. Acasle. Wieder ein Name, den schon Leach als Acusla zur Bezeichnung einer Crusta- 
ceen (Cirripedieii) Gattung benutzte. Verfasser versteht übrigens darunter diejenigen Phacops -Arten 
mit gelapptem Kopfbuckel, deren Sthwanzschild keinen aufgeworfenen Randsaum hat. Als Typus der 
Gruppe führt er Cal. Doicn'ingü Mürch. Sil. Syst. lab. 14.' /'. 3. auf, und verbindet mit ihr Caiym. 
macrophlhalnia Brogn. Cr. foss. lab. 1. fiy.4.a., worin er allerdings Recht hat. Calymene Dow- 
ningii Murch. besitzt nicht zwei, wie ich früher durch die a.a.O. gegebene Zeichnung verleitet an- 

18 * 



140 

nahm, sondern drei mittlere Lappen am Kopfbnckel, und ist mit Cul. macropMhalma Brogn. iden- 
tisch, wohin sie also als Synonym gebracht werden muss, nnd nicht zu Ph. proaevus, wie ich S. lOD. 
gesagt habe. — 

30. Phacops. Diesen Gattungsnamen beschränkt Verfasser auf diejenigen Arten Emmrich's, de- 
ren Kopfbuckel ungetheilt bleibt. Typns-Art ist also Ph.M'ifrons, die hier als Ph. macrophllmlnms 
beschrieben wird, welcher Name ihr indess nicht zukommt. (Vergl. S. 106. Anm. I.) — Ph. ceralo- 
phthalmus, den Verf. Iiierher zieht, ist meine Cyphaspls danfrons (S. 104.) und gewiss kein Pha- 
cops, da die Augen eine glatte Hornhaut ])ehalten. Dieselben sind allerdings sehr hoch, aber so hoch, 
wie sie Hr. Goldfuss Taf. V. Fig. 2. abbildet, doch nicht, vielmehr darf ich meine Figur (Taf. IIL 
Fig. 3. 4.) für richtiger erklären. Auch hat Verf. die Stacheln an den ersten Rumpfringen übersehen, 
dagegen den Stachel am Kopfschildc etwas zu gross dargestellt. — 

4. Herr Laporte Graf De Castelnau hat im Vlnstilul. (1842. S. 74.) Bemerkungen 
über die Füsse der Trilobiten mitgetlicilt, welche er an zusammengerollten Individuen aus 
Nord-Amerika beobachtet haben will. Da seine Angaben durchaus mit meinen auf dem 
Wege der Analogie gewonnenen Resultaten übereinstimmen, so scheinen die Beobach- 
tungen allen Glauben zu verdienen; gleichwohl kann ich niclit umhhi, an ihrer Richtigkeit 
zu zweifeln. 



Uebersicht der Abbilduuseo. 



Taf. I. 

Fig. 1. Trinudeus Calavacü. 
„ 2. Ogygiu Buchü. 
„ 3. — GueilardL 
„ 4. Odontoplcitra clUpüca. 
„ 5. Puradoxldes bohenucus, alt. 
„ C. Paradoxides bohemicus, jung. 
„ 7. Paradoxides bohemicus, Kopfscbild von 
nnlen ibuccphalus). 

„ 8. Ellipsocephaltis Hoffii. 
„ 9. Conocephalus slrialus. 
„ 10. — — Sulzeri. 
„11. Harpcs ungula. 

„ 11 a. Ein Tiieil der Skulptur des breiten Ran- 
des, vergrössert. 

^Taf. II. 

Fig. 1. Calyniene Blumenbachii , zusammenge- 
rollt \on der Seite, nach einem vollstän- 
dig erhaltenen Exemplare aus Herrn Ed. 
Anton's Sammlung hieselbst. 

„ 2. Dieselbe gestreckt von oben. 

„ 3. Dieselbe von vorn. 

„ 4. Phacops lulifrons , zusammengerollt 
von der Seite. 

„ 5. Derselbe gestreckt von oben. 

„ 6. Derselbe von vorn. 

„ 7. Kopfschild von Calyniene Tristam von 
oben. 

„ 8. Dasselbe von der Seite. 

„ 9. Kopfschild von Calymetw callicephala 
von oben. 

„ 10. Dasselbe von der Seite. 

„ 11. Odoyüopleura ovata. 



Fig. 12. Asaphus plalycephalus. 

Taf. III. 

„ 1. Aconia condnnu, zusammengerollt von 

der Seite. 
„ 2. Dieselbe gestreckt, von oben. 
„ 3. Cyphaspis clavifrons sive bcllatula. 

Tr.spliacriciis Esmark, zusammengerollt, 

von der Seite. 
„ 4. Dieselbe gestreckt, von oben. 
„ 5. Aeonia diops, Calyniene diops Green. 
„ 6. Phacops protuberans. 
„ 7. Tril.Slernbcryii, Kopfschild von der Seite. 
„ 8. Dasselbe von oben. 
„ 9. Olentis gibbosus. 
„ 10. Illaenus giganleus. 

i 
Taf. IV. 

Fig. 1. Homulonolus ur malus, 

„ 2. Phacops rolundifrons. 

„ 3. — proaevus. Kopf- u. Schwanz- 
schild. 

„ 4. Phacops odonlocephalus (Kopf). 

„ 5. — conophlhalmus. 

„ 6. Derselbe gekugelt. 

„ 7. Phacops urachnoides. 

„ 8. — slellifer. 

„ 9. — candatus, 

„ 10. 4 Rumpfriiige vou Ilomalonolus im Durch- 
schnitt. 

„II. 4 llumpfringe von Culymene im Durch- 
schnitt. 
NB. In diesen beiden Durchnitten zeigt 
der vordere kleinere Abschnitt den 



143 



Aitikulationswulst an, der hintere 
grössere den eigentlichen Ring, un- 
ter dem der Artikiilationswnlst in 
gestreckter Lage des Körpers sich 
versteckt. Bei Calijmenc ist an 
der Stelle, wo i)eide zusammenstos- 
sen, bloss eine scharfe Kante sicht- 
bar, bei Hoiiittlonolus dagegen 
eine dicke, senkrecht absteigende 
Leiste. 

Fig. 12. Auge von PItacops lalifrons ohne Horn- 
haut, ums Doppelte vergrossert. 

' Taf. V. 



Fig. 



1. Asaphus exp(msus. 

a) gestreckt. 

b) gekugelt von vorn. 

(■) gekugelt von der Seite. 

2. lllaemis crassicamla. 

&) gestreckt. 

b) gekugelt von vorn. 

c) gekugelt von der Seite. 

NB. Bei beiden Figuren ist die Sculptur 
besonders i)erücksichtigt, und da- 
lier der Körper bloss im Umrisse 
dargestellt. 

3. Archeyonus aequulis. 

4. Schwanzschild von Asnph. Tijvamms. 
ft— 8. !?«//»« -Schilder und zwar 

5. Kleine Form der folgenden Art. 
ti. Grosse Form mit 2 Ecken. 

7. Grosse Form der zweiten Art. 

b. Kleine Form der zweiten Art. 

ü a. Dieser neue Trilobit liefindet sich in Hn. 
Sack's Samoihmg, der ihn bei Bensberg 
in der Eifel aufiand. Seiner unvolhtau- 
digen Bcschaffeiiheit wegen, wage ich ihn 
iiiclit naher zu beschreüien , sondern be- 
gnüge mich mit dieser Abbildung, die in 
uatüi lieber Grösse gegeben ist. DieSthaale 
sclieint Reste einer Skulptur, me Asaphus 
und Illdcmis zu besitzen; die grossen 
Augen sind glatt. Einstweilen mag er den 
Namen Trilob. rerlicalis führen, mit dem 



ich auf die sonderbare flache und breite 
Form seines hinteren Kopfbuckellappens 
hinweisen will. 
Fig. ü b. Das Seite 121. Anmerk. 1. beschriebene 
Schwanzschild von Altwasser in Schle- 
sien, welches sich neben Archcgonits 
aequuUs findet. 
„ 10. Phacops Haiismannl. 

NB. Im Grauwackenkalkstein Böhmens 
kommen zwei Formen des Schwanz- 
schildes dieser Art vor, von denen 
die eine seltnere einen mehr lang- 
gestreckten Umriss mit 21 Achsen- 
gliedern hat, auf welchen neben 
der Mitte sich 2 grössere Höcker 
der Granulation bemerkbar machen. 
Die Seitenrippen, 15 an der Zahl, 
sind breiter, oben flacher, minder 
deutlicli der Liiuge nach vertieft 
und zerstreuter granulirt. Die an- 
dere, hier dargestellte Form ist 
kürzer, breiter und stumpfer, be- 
steht nur ans 18 — 19 Ringen in 
der Achse, hat 13 höhere schmä- 
lere, auf der Kante deutlich ge- 
furchte Seitenrippen und eine 
sehr feine, auf der Achse gleich- 
massige Granulation. Ich vermuthe, 
dass jene Form den ni ii n n 1 i c h e n , 
diese den weiblichen Individuen 
angehört habe. 

^ Taf. VI. 

Fig. 1. Apus aincnfonii'ts . von unten, natüvli- 
liche Grosse, sclir alt. 

2. t^crol/s purndoxa, von oben, cl)enso. 

3. Urancli'iptis sliiytialts, von unten, (',mal im 
Durchmesser vergr()ssert. 

„ 4. Schema der Augen von Brandtipus. 

a) Cornea extern, hier'is. 

b) Cornea areoluta. 

c) letis. 

d) corpus v'/lreuin- 

e) Anfang des schwarzen Figments. 

f) nerv, opiicus. 



143 



Fig. 5. Muiidtlieile von Apus. 

A) Kiefer. 

B) 1. P. (1. acc. Mundtheile. 

C) 2. P. — — 

D) Rudiment des ersten Fusses. 

„ 6. Mundtheile Branchipus. 
A) Kiefer. 
D) Rudiment des ersten Fusses. 

„ 7. Idealer Durchschnitt eines Asaphus. 
a) Seitenlappen des Panzers, 
1)) Kiemen. 

c) Aeusserster Ruderlappen. 

d) Innerer Ruderlappen. 

„ 8. Ansicht eines Asaphus cornigevus vou 
unten. 

a) clypeus. 

bb) lobt antenmgeri. 

cc) lob} laterales. 

d) labnwi. 

ee) mandibulae. 

ff) Die Vertiefungen , worin sich beim 
Znsammenkugeln die unteren Enden 
der Selteulappeu hineinlegen. 

h) After. 



Fig. 9. Fuss von Apus cancr'iformis ans der 
Rumpfgegend, sehr vergrössert. 
„ 10. Fuss desselben aus der mittleren Schwanz- 
gegend. Ebenso, 

„ 11. Allerletzter Fuss von ^;}Ms cancrJ/brm«. 

Ebenso. 

„ 1 2. Fuss von Branchipus slugnulis. Ebenso. 
Die Bezeichnung aller Füsse wie folgt: 

A) Basis, wo er am Rumpfe sitzt, 

B) Basis interna libera. 
1 — 5) lluderlappen. 

K) Kieme. 

L) Schutzlappeu neben ihr. 
1) Zweiter Schutzlappeu. 
„ 13, Junges Tiiier eines Apus. 

a) Kleine Fühler. 

b) Grosse Fühler. 

c) Kiefer. 

d) Rudimente der Füsse, 

„ 14. — — eines Branchipus. 

Ebenso bezeichnet. 
„ 15. Linmadia maurilianu, vergrössert. 

B) Fuss von Linmadia; wie oben be- 
zeichnet. 
„ 16. Bj-ßnc/»;««s mit Trilobiten-Fanzer, von oben. 



tfi » 



Register 

der G a 1 1 u n g s - und A r t n a ni c n. 



Acasle Seite 139. 
Acidusp'is MuRCH. 

Bviglün S. 73. 
Aconia 116. 

coiichmu 117. 

d'iops 117. 
Agnostus 56. 
Amph'ion Pakd. 93. 

fronlUobus 95. 
.4jH;jyx Dalji. 128. 

incerhis 129. 

inunn)nllaU(s 128. 

na.^nlus 128. 

rostraliis 128. 
Antlies 138. 
^jj?<s 46. 
Arche (j 0)1 u s 1 20. 

cenlroliis 120. 

acqimUs 121. 

globiceps 122. 

^)\9t'.S GOLDF. 

ariiKihis 73. 74. 

radial US 138. 
i4 )' / c /" / n 4(i. 
^4.s-«;j/nf.s' Bkogn. 122. 

anguslifrcns 127. 

arntadtlto 123. 

aslragaloles 114. 

uurmdahia 1 1 2. 



6)nvs 134. 
Brogniarln 129. 137. 
ß?/c/iä 69. 
caudalus 112. 
Cawdori 134. 
ccnlrolus 120. 
corndensis 70. 130. 
corn'igerus 125. 
crass'icauda 119. 
cryphirus 114. 
Cißarm 66. 
üalmanni 117. 137. 139. 
dilalalus 69. 
diwas 134. 
dubhis 104. 
duplk(tlus 71. 
cjcpanms 124. 
exlemialus 126. 
Fischeri 95. 
froiilal/s 130. 
gemmulifcrui; 129. 137. 
«/^(/«s 127. 
globiceps 122. 
grandis Sars 126. 

— Gr.Y.MiiNsT.134. 
gramdahis 66. 
gramdiferiis 129. 137. 
Hausmanm 111. 142. 



Asaphus 

hercs 129. 
lachüalns 76. 132. 
laei'keps 124, 
laticuiida 76. 
laiicos((dus 114. 
Uniuhirus 114. 
longicaitdahis 113. 
megalophtltalnius 129. 
vticrunis 114. 
7micronahis 113. 
TiiyvDieco'ides 114. 
obsolchts 129. 
palpebi'osits 124. 
plalijcephahts 127. 
pUdijnolus 129. 
plcuropliix 114. 
Poirisi'i 115. 
pusillus 134. 
pusluluUts 122. 137. 
quadrWiDibatuü 129. 
runict'ps I2!i. 
seletuinis 114. 
sermiiiferus 129. 
gei'icorn'is 66. 
tilohc's/} 99. 
subcaudalus 134. 
lelragonophUialmus 82. 
Trhiib'/'i 129. 



145 



Asaphiis 

Inmcalus 129. 

lubcrculalo-candahts (im 
Text steht cos/«/?<s) 112. 

Tijrannm 71. 120. 1.30. 
Vukatü 130. 

JVcllierilln 107. 

Z'mckenü 136. 
Bai Ins ,56. 

luberculntus 72. 
Branchipus 46. 
Brogniartla isotclea 127. 

carc'mo'idea 1.3.3. 
Bronles Golpf, 

coslahts 76. 

flabellifer Ib. 136. 137. 

glabtalus 136. 

laiicaiida 76. 

Neplunl 76. 

radialus 75. 

s'ignalus 136 

subradialiis 76. 

Bronteus 139. 

ahdaceus 139. 

canalicidalus 139. 

flabellifer 139. 

granidalus 139. 

miermedhis 139. 

scaber 139. 

signalus. 139. 
Bumastes 119. 

barriensis 120. 

frunconicus 134. 

planus 134. 

Calt/mene Brocn. 93. 
ad'mura 80. 98. 
anchlops 98. 107. 
arachnoides 114. 
belhUtda 98. 104. 



Calymene 

Bhtmvnbachii 96. 
fc?//b 106. 
caUiccphiiht 98. 
clav'ilrons 103. 104. 109. 
concinnn 98. 117. 
dedpiens 87. 
dJo/js 98. 117. 
Down'mgt'i 99. lOf). 139. 
furcala 134. 
granuUda 106. 
hydrocephala 136 
indelerminuta 99. 
itder media 131. 
Jordanl 136. 
/«ei'js 106. 
lalif'rons 105. 
viucrophlhulma 98. 105. 
marg'mata 117. 
microps 98. 110. 
odontocephala 98. 110. 
ornata 129. 
phhjclaenoides 129. 
plutys 97. 
pohjtoma 95. 
propinqua 133. 
protuberans 107. 
pundala 93. 98. 131. 
Schlotheimü 106. 
Schusleri 136. 
sclerops 98. 109. 111. 
selenocephala 98. 
speciosa 104. 114. 133. 
Sternberg'ü 133. 
Slokesü 99. 106. 
subornala 136. 
TrisUnii 95. 
luberculala 99. 106. 
varioluris 93. 98. 130. 
verrucosa 129. 



Ceraurus Green. 

Crosolns 137. 

pleurexuniheinus 83. 137. 
Conocephalus Ze>k. 

cosUdus 86. 

slrlalvs 86. 

Sidzeri 86. 
Cryphaeus Green. 

CollHeles 129. 

Zioo/Ztii 129. 
Cry ptolithus Green. 

B'njsbü 68. 

tessellulus 67. 
Cryplonyvius Eichw. 

L'icldensteinü 125. 

Panderi 125. 

Purkinson'ii 119. 

Ilosenbergü 119. 

Rudolphii 119. 

Schlolhelnui 125. 

Wuhlcnbcryn 119. 

irms« 126. 
Cyphaspis 103. 

clai'ifrons 104. 
Cypris faba 58. 
Cytherina 63. 

balllca 63. 

phaseolus 63. 

Dipleuru Green 99. 

I>t'fcaji 100. 
Dysplamis 120. 

centrot US 120. 
Eidotea Scoul. 62. 
Ellipsocephalus Zenk. 

amb'iguus 87. 

i?o/7l^ 87. 
Entomolilhus Lixn. 

Derb'iens'is 129. 

expansus 129. 

paradoxisslmus 79. 
19 



146 



Entomollthiis Linn. 

paradoxus 96. 

pisiformis = Agnoshis. 
Enlomoslrucites Wahl. 

adinurus 80. 98. 

bucephalus 79. 

cmidatus 113. 

crasslcmida 119. 

expansus 124. 

exlenualus 126. 

(j'ibhosus 81. 

graiiulahts 66. 

lac'mhttus 76. 

lalicmtdu 4. 

paradoxissimus 79. 

pisiformis = Agnoslns. 

puncli'liis 131. 

scarabaeoides 83. 

spinulosus SO. 

tnberctilalus 96. 
Eslheria Strauss. 46. 
Euryplerus üekay 62. 

lacustris 62. 

remipes 62. 

ielragonophlhidnnis 62. 

Sconleri siehe Eidolea. 
Gerastos 138. 

Brogniarlii 138. 

cormttus 138. 

globiceps 138. 

gramüalus 138. 

laevigatus 138. 

Sihusleri 138. 

sphaericus 138. 
Goldius 137. 

flubellifcr 137. 
Harpes Goldf. 87. 

macrocephuhis 89. 

speciosus 88. 

iingnhc 88. 



Hewt Jcrj//)tMrMsGREKNl24. 

Rasoumoivskii 125. 
Homulonotus KöiNia 99. 

Ahrendii 136. 

urmalus 102. 

I>c/i«jl 100. 

delpliinocephalus 102. 

^i^«s 136. 

HerscheUi 103. 

Kiiighüi 101. 

ludensis 101. 

punclalus 136. 
lllaenus Dalm. 118. 

barriensis 120. 

centrolus 120. 

crassicuuda 119. 

gigunleus 119. 

perooaüs 119. 
Isoldes Dekay. 127. 

unguslif'rons 128. 

cenlrolus 120. 

crussicauda 119. 

cyclops 128. 

dilulalus 69. 

expansus 125. 

exlenualus 126. 

jfjjr«« 127. 

laeviceps 124. 

Lichlensleinii 125. 

megulops 126. 

megislos 136. 

palpcbrosus 124. 

planus 126. 

slegops 126. 
Lepidurus 46. 
Lieh US Dalm. 76. 

lacinialus 76. 132. 
Limnadia 46. 
Limulus 39. 
Nile US Dalm 123. 



Nileus Dalm. 

armadillo 123. 

chilon 123. 

glaberrimus 124. 

glomerinus 120. 123. 
Nultainia Eaton. 

concentrica 68. 
Odonlopleura Em. 71.137 

elliplica 73. 

ovrt<a 72. 
Ogygia Brogn. 68. 

ßj/c/(« 69. 

Desmuresli 71. 

Gueüardi 70. 

Murchisonii 70. 
Olenus Dalm. 81. 

alalus 82. 

bohemicus 78. 

bucephalus 79. 

forficula 82. 

gibbosiis 81. 

gracilis 78. 

tofjis 79. 82. 

pyramidalis 78. 79. 

scarabaeoides 83. 

spinulosus 80. 

Tessini 79. 
Otarion Zenk. 

diffraclum 67. 

elcgans 89. 

pygmaeum 89. 
Paradoxides Brogn. 77. 

acuminalus 82. 

alalus 82. 

arcualus 84. 

armalus 133. 

bimucronalus (im Text 
steht irrig (/uadrimu- 
cronalus) 83. 

Bolloni 80. 

bohemicus 78. 



14V 



Paradoxides Brogn. 

brevinmcroiuUus 134. 

bucephahis 79. 

forficuta 82. 

ylbbosus 81. 

gracilis 78. 

G'/o/ei 1.36. 

Harlanl 81. 

laciniulus 70. 132. 

/«<MS 82. 

longicaudalns 78. 

pyramidalis 78. 79. 

9Hrtd/7//i»c)-o?i«<?<s 83.148- 

scarabaeoides 83. 

spinulosus 80. 

Tessini 79. 

Iriarlhrus 84. 133. 
Pellura M. Edw. 

Bucklandi 116. 

scarabaeoides 83. 
Phacops Emmr. 105. 139. 

anchiops 107. 

arachnoides 115. 

caudalus 112. 

cerutophlhulmus 139. 

cUwifrons 114. 

conophlhulmus 109. 

Hausmaiini 111. 142. 

latifrons 105. 

macrophlhalmiis 110. 

imicronahis 113. 

odonlocephalus 1 10. 

proacvus 108. 

protuberans 107. 

rolundifrons 108. 

sclerops 111. 

stein fer Wo. 
Pleuracanlhus M. Edw. 

arachnoides 115. 



Serolis Leach. 39. 

Symphysurus 138. 

Triarlhrus Green. 
Bt'c/iii 84. 133. 

Asellus 135. 
Blumenbuchii 96. 
bohemicus 78. 
Buchü 69. 
bucephahis 79. 
caudalus 112. 
cornigerus 125. 
crassicauda 119. 
denlatus 135. 
Desmuresli 71. 
dilalatus 69. 
elliplifrons 135. 
Esmarkii 119. 
gibbosus 81. 
Guetlurdi 70. 
Uausmaniü 111. 
Ho//ii 87. 
laciniulus 76. 132. 
laticauda 76. 
latifrons 105. 
longicaudatus 78. 
macrophlhalmus 105. 110. 
minor 78. 
mucronulus 113. 
ornatus 67. 
puradoxus 96. 
pisiformis^ Agnostus. 
punclalus 131, 
puslulatris 122. 
scarabaeoides 83. 
Schroeleri 119. 125. 
semilunaris 135. 
sphaericus 104. 135. 



Trilobiles 

sphaerocephalusScuiojn. 
(ein unbestimmbares BrucIistiicJt.) 

spinulosus 80. 

Slernbergii 84. 132. 

Sulzeri 86. 

Tessini 79. 

Trist ani 95. 

Iruncalus 81. 

tuberculatus 96. 

iingula 88. 

variolaris 130. 

verlicalis 142. 

Zippii 86. 
Trimerus Green 99. 

delphinocephulus 101. 

Jacksonii 129. 

plalypleurus 129. 
Trinucleus Green 65. 

usuphoides 67. 

Cataracli 65. 

elliplicus 89. 

fimbriatus 66. 

gibbosus 73. 

gracilis 88. 

gramdatus 66. 

inlermedius 134. 

/«etvs 89, 106. 

Lloydii 66. 

Nilsonii 134. 

nudus 67. 

ornatus 67. 

Otarion 134. 

radialus 67. 

tessellatus 67. 

lVilke7isii 88. 
Zelhus Pander 93. 

uniplicalus 96. 97. 135. 

vernicosus 95. 



Druckfehler. 

Seite 32. Zeile 10. von oben streiche Brotites. 

Auf der Tabelle zu Seite 38. setze in der zweiten Hauptspalte links (Zeile 11, v, oben) 1 bis 4 X 3 

statt I bis 4 X 2. 
Seite 66. Zeile 2. von oben setze Fig. 6 u. 7. statt Fig. 7. 

— 66. — 19. - - - rhnchi st. rhnchide, 

— 66. — 21, - - - Entom. st. ^4-. 

Ebenda schalte vor Daim. Palaend. ein Asnph, granul. 

— 72. — 10. - - lies Fig. 11. st. Fig. 1. 

— 83. — 19. - - setze h i mucronntus st. quadrimucronatns. 

— 83. — 25. - - streiche hinter scuto das Komma. 

— 100, — 11. - unten lies freien st. freiem. 

— 104. — 17. - - setze C. statt H. 

— 109. — 7. - oben Cal. Downingii Murch. gehört nicht zu dieser Art, sondern wahrscheinlich 

zu Nr. 7. Ph. macrophthnlmus, Vergl. S. 139. 

— 112. — 5. - unten lies tuherculnto-cnudatus st. tubcrculato-costalus. 

— 113, — 2. - oben setze vierten st. dritten. 
Ebenso Zeile 10. von unten. 

Seite 114. Zeile 19, von oben setze hinter Berlin ein Komma. 

— 121. — 20. - - lies breiter als lang st. langer als breit. 

— 121. — 22. - - setze statt: dem das Auge, dem das hintere Ende des Auges. 

— 121. — 3. - unten setze an's Ende der Anmerkung 1, das Citat: Vergl. Taf. V. Fig. 9 b. 

— 124. — 7. - - lies coarctata st. conrtnta. 

— 129. — 12. - - - gcmmtiliferus st. gemmiferm. 



(Gedruckt bei W. Plötz in Halle.) 






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