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Full text of "Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Belfort"






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3022 

H66 









EEANZOSISCHE STUDIEN. 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

e. KÖRTINe^ UND E. KOSCHTTITZ. 

V. BAND. 4. (SCHLÜSS-)HEFT. 



DIE OSTFRANZÖSISCHEN 

GRENZDIALEKTE 

ZWISCHEN 

METZ UND BELFOßT 

VON 

Dr. ADOLF HOElSriNG, 



OBERLEHRER AM LYCEUM IN STRASSBURG. 



MIT EINER KARTE. 





HEILBRONN. 

VERLAG VON GEBR. HENNINGER. 

1887. 



INHALT. 



Seite 

Einleitung 1 

Lantlelire. 

Vokale : A 7 

E (kurzes) 19 

E (langes) 26 

Excurs über e 34 

1 (langes) 37 

(kurzes) 40 

(langes) 48 

U (langes) 52 

Au (Diphth.) 55 

Anhang I (oe-Laute) 56 

Anhang II 58 

Konsonanten : H, C 59 

G, J 62 

Qu 63 

S, X 64 

R 68 

D, T 73 

L 75 

M, N 76 

Labiale 77 

W (deutsches) 80 

Z 80 

Anhang III (;^ u. §) 81 

Anhang IV "Z 84 

Verschiedenes 84 

Formeiilelire. 

Artikel und Pronomen 87 

Adjektivum 90 

Konjugation 102 

Syntaktisches 102 

Glossar 104 

Berichtigungen 122 



HU 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen 
Metz und Beifort. 



D. 



"as in den Jahren 1883 — 1886 gesammelte Material zu 
nachstehender Untersuchung stammt aus 67 Ortschaften Loth- 
ringens und der Vogesen, die an der Sprachgrenze zwischen Metz 
und Beifort liegen. Aufgabe dieser Abhandlung ist es nicht, die 
Sprachgrenze selbst festzustellen. Sind manche jener Ortschaften 
die äussersteu Vorposten des romanischen Sprachgebiets nach Deutsch- 
land zu, so sind an andern Punkten die Grenzorte selbst nicht in 
den Bereich der Untersuchung gezogen ; dagegen haben einzelne 
mehr westlich gelegene Orte Berücksichtigung gefunden. Das sprach- 
liche Material wurde von mir selbst gesammelt: doch bin ich in 
den mit einem Stern bezeichneten Orten nicht persönlich gewesen : 
meine Nachrichten verdanke ich aber immer Personen, die aus den 
betreffenden Ortschaften gebürtig sind, die über Courcelles-Chaussy 
meinem Kollegen, Herrn Dr. Galland, die über St. Am6 Herrn 
X. Thiriat in Görardmer, die über Neuweiler verschiedenen Frauen, 
die in Strassburg in mir befreundeten Familien dienen. Auch in 
Beziehung auf die Ortschaften, die ich selbst besucht habe, ist das 
Material ungleich: während ich einige, wie Provencheres, Neuf- 
viller s./F., Vanifosse nur streifte, verweilte ich fünf Wochen in 
Gerardmer, drei Wochen in Fouday. Die wichtigsten Erscheinungen, 
die hier zur Sprache gebracht werden sollen, habe ich oft und aus 
vieler Leute Mund gehört. 

Zunächst führe ich eine Reihe sprachlicher Merkmale auf, die 
dem ganzen Gebiet oder dem grössten Theil desselben im Gegensatz 
zum Francischen eigen sind: 

Im ganzen Gebiet findet man: 

1) fallende diphthongische Form in betonter Silbe oy' (auca). 

2) gedecktes e 1 = a (o). 

3) 1 + ny = ?ny (v?ny'), 1 + ly = ?y' (f?y'). 

4) vortoniges a im Hiat erhalten (meyv = maturus). 

Französische Studien. V. 4. .pq 1 



2 A. Horning. 

5) Die Laute /, 1i. resp. s, j, entstehen in bestimmten Fällen aus 
is (c), r. 

6) Die Nexus bl, pl, ti, gl werden zunächst zu by, py, fy, gy. 

7) Abneigung gegen den Laut ri. 

Im gros st en Theil des Gebietes (A — F) findet man: 

8) Die Endung -ata = ay' oder -ey'. 

9) Lat. ü im Hiat wird zu u (nicht v) ^). 

Sucht man nun nach einem sprachlichen Merkmal, auf Grund 
dessen das Gebiet sich in Gruppen eintheilen Hesse, so kann man in 
der Wahl desselben auch nicht einen Augenblick zweifelhaft sein. 
In einigen Strichen ist nämlich für betontes freies §. freies o und 
freies e (geschlossenes) nach Labialen (von den Infinitiven auf ie 
sehe ich hier ab) die diphthongische Form erhalten , während in 
andern der Diphthong zum Monophthong geworden ist. Danach 
zerfällt das Gebiet in 7 Gruppen, die ich mit den Majuskeln A B 
C D E F G benenne, während ich die einzelnen Ortschaften einer 
jeden Gruppe mit a^ a^, b^ b- . . . bezeichne. Ausser jenem wich- 
tigsten Merkmal erwähne ich noch für jede Gruppe diejenigen laut- 
lichen Eigenthümlichkeiten, die sich ungefähr über denselben Raum 
erstrecken. Dass fast für jede Gruppe mehrere solcher Merkmale 
vorhanden sind, spricht zu Gunsten des wissenschaftlichen Werthes 
des hier befolgten Eintheilungsprinzips-). Aber selbst wenn dieser 



^) Nur 2, 6 und, was r betrifft, 5 fehlen dem Wallonischen. 

2) Die Frage, ob es sogenannte natürliche, durch eine Reihe gemein- 
samer Merkmale bestimmte sprachliche Gruppen giebt, bat soeben erst von 
Groeber, Grundriss I 415 ff. ihre richtige Formuliruug erhalten. Nimmt man 
an, was gewiss häufig der Fall war, dass von einem Dorf oder einer Stadt 
als Mittelpunkt aus ein Dialekt sich über einen bestimmten Bezirk ausbreitete, 
so waren alle Bedingungen zur Bildung einer natürlichen Gruppe gegeben. 
Bei dieser historischen Betrachtungsweise ist die Fra.üe, ob an den 
Grenzpunkten einer derartigen Gruppe die verschiedenen lautlichen Merk- 
male genau an derselben Stelle anheben und abbrechen, von untergeordneter 
Bedeutung. Die Existenz zweier sprachlicher Gruppen wird durch die That- 
sache nicht widerlegt, dass auf der Grenzscheide die lautlichen Eigenthüm- 
lichkeiten beider ineinander übergehen und sich verwischen. Handelt es 
sich doch um organische Gebilde, die mit einander verwachsen und nicht 
mechanisch aneinandergefügt sind. Die besten Ansprüche, eine solche 
Gruppe zu bilden, hat C (aber auch bei D F A muss dlie Frage aufgeworfen 
werden). Freilich sagt G. Paris Roman. 10, 606: Jes grovpes qu'mi forme 
u Vaide de tel ou tel trait se re'solvent en de tont autres combirmisons, si on 
prenä un nutre crüe'mim. Als ein derartiges anderes Criterium Hessen sich 
gewisse oe-Laute (s. Anhang I) auffassen, die sich nur über einen Theil von 
C, dagegen aber auch über einen Theil von B und A erstrecken. Alier 
wenn jene o^-Laute modernen Ursprungs sein sollten (ich habe den Nach- 
weis dafür zu führen versucht), so kann auf Grund dieses Arguments die 
Annahme nicht erschüttert werden, dass C einst eine selbständige lautliche 
Gruppe bildete. Nachdem nämlich die historischpn Faktoren, die jene 
Selbständigkeit bediniorten. längst aufgehört haben, wirksam zu sein, entwickeln 
sich neuerdings lautliche Prozesse, die an die einstigen Grenzen jener 
Gruppen nicht gebunden sind. Dabei versteht sich von selbst, dass die 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 



Werth zweifelhaft wäre, würden wir aus praktischen Gesichtspunkten 
an der Eintheilung in Gruppen festhalten. Es kann, sobald es sich 
um die Darstellung der Dialekte eines grösseren Gebietes handelt, 
nicht genügen, die sprachlichen Merkmale einzeln zu verfolgen, wo- 
bei jede Gosammtanschauung verloren gehen würde. Pflicht der 
"Wissenschaft ist es auch, in synthetischer Zusammenfassung ein 
wenigstens annähernd richtiges Bild der lautlichen Eigenthümlichkeiten 
eines beliebigen Striches des durchforschten Gebietes zu geben. Bei 
der Feststellung der lautlichen Eigenthümlichkeiten der verschiedenen 
Gruppen folge ich dem von Joret Roman. 13, 118 aufgestellten Satz: 
il n'est powt ne'cessaire qu'un son plionetique ne se rencontre que 
dans un seid Idiome pour servir ä le caracte'riser, iJ suffit qn'il ne 
se trouve pas dans Ja region voisine. 

Die Untersuchung umfasst folgende Ortschaften: 



A. *Courcelles-Chaussy a^ ^). 
*Cheminot (Lougeville) a-. 
*Fr6mery a^. 

*Fresnes a*. 

B. Hampont b^ 
*Pattigny b-. 
*Gerbecourt b^. 
*Jüvelize b*. 

(Geistkirchen) 
Moussey b'^. 
Gelucourt b^. 

(Gisselfingen). 
*Guermange b'^. 

C. Schirmeck-Labroque c^. 
Framont er. 
Alberschweiler c^. 

St. Quirin c*. 
*Gondrexange c^. 
Avricourt (deutsch) c^. 
Verdenal c^. 
Rechicourt c^. 
(Rexingen) 
Raon s/Plaine c^. 



D. 



Rothau d^. 
Wildersbach d-. 
* Neuweiler d^. 
Bliensbach d*. 

(Blancherupt). 
Belmont d^. 
Solbacli d^ 

St. Blaise-la-Roche d''. 
Fouday d^. 
Bellefosse d^. 
Plaine d^^ 
Waldersbach d^^ ^). 
Saales d^^. 
Ranrupt d^^. 
Provencheres d^*. 
Ste. Marguerite d^-^. 
Neufviller s Fave d^*^. 
Lubine d^'^. 
Vanifosse d^^. 
*Urbeis (b. Weiler) d^ 
Saulcy d^o. 
Klein Rumbach d^^ 
Wiesenbach d^^. 
*Deutsch-Rumbach d'-^. 



„geographie des traits linguistiques" die erste Bedingung ist, die jede dialek- 
tische Untersuchung erfüllen muss. 

Was speziell das Lothringische betrifft, so lässt uns Adam hier völlig 
im Stich; er ahnt nicht einmal das Prinzip (Monophthong oder Diphthong), 
nach dem eine Eintheilung der Neu-Lothringischen Mundarten vorgenommen 
werden muss. 

^) Ueber einige Ortschaften von A erscheint demnächst eine Mono- 
graphie von C. This. 

2) Der Dialekt von Waldersbach ist der von Oberlin behandelte. 

1 * 



4 A. Horning. 

E. Gerardmer e^ St, Maurice f^. 
Gerbepal e^. *I.e Tliillot f*. 
Tendon e^. Rupt s Moselle f\ 
Fraize e*. 

Docelles e^. G. Le Puix g^ 

♦Bruyeres. e^ Giromagny g". 

♦Fröland e^ jung Münsterol g^ 

Aubure e^ Alt Münsterol g^ 

Passhöhe bei Markircb e"^). 

La Poutroie (Schnierlach) e^«. g^^^^gg 

*Orbey (Urbeis) e"^). Belval /. 

F. *La Bresse t'^ Jarmenil v. 
Bussang f^. *St. Arne co. 

Charakter istische Merkmale der einzelnen Gruppen sind : 

A. (das Metzische). 1) Diphthougirung von o, o. e, 

2) cie für freies bet. e nach Nichtlabial (sonst a, o). 

3) Die Endung -iliä, ijä in der 1. Plur. Praes. Ind. der Verba 
auf -ir. 

4) + y und o -j- y = f (sonst oe ) ; bet. e -f- y = i. 

B. Monophthongirung von 9, § ; e unsicher. 

C. 1) Diphthougirung von 0, §, e. 

2) Conjunctiv auf ^/ (sonst es). 

3) w-Yorschlag bei woy^ (auca), W9r (olea). 

4) V wird zu i. 

5) die Nexus br, pr werden zu r (sonst v). 

In Rechicourt sind diese Merkmale noch alle vereinigt ; in dem 
4 Kilom. entfernten Moussey ist keines mehr zu finden ; 3) (woy') 
findet sich auch in U'. 4) in d^ — d^, 5) in d^ 

D. 1) Diphthougirung von ^, 0, e in bestimmten Wörtern, in 

andern Monophthongirung. 
2) Lat. bet. ü im Hiat wird zu -ow', bet. I im Hiat zu -ey'. 

E. 1) Monophthongirung von 0, 9, e. 

2) ü und 1 im Hiat zu u', i' (im Gegensatz zu D, nicht zu F). 

F. 1) Diphthongirung von 0, 9, e. 

2) ego = i (im Gegensatz zu E, nicht zu G). 

3) 1. sing. Praes. Indic. endigt auf betontes e. 

4) Lat. betont, a wird in ofi'ener, französischer Silbe zu a (im 
Gegensatz zu E; derselbe Vorgang auch in g^ g-). 

G. 1) Monophthongirung von 0, ? ; e wird zu wa (sonst w^). 

2) Die Nexus cl, fl werden zu /, resp. sy. 

3) auslautendes r wird nicht mehr zu s (resp. /). 



') Genauer 1 Kilom. von der Passhöhe auf elsäss. Seite. 
2) Hier reiht sich der Rom. ^tud. II von Lahm behandelte Dialekt von 
La Baroche an. 

432 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 5 

4) Die Endung -ata wird nicht mehr zu -ay', -ey'. 

5) sc -h a wird nicht mehr zu s (resp. /), 

6) Lat. me, te werden in absoluter Stellung nicht mehr zu 
nii, ti. 

Die Zahl der unterscheidenden Merkmale zwischen F und G liesse 
sich noch vermehren (man vgl. z. B. die Behandlung von nachtonigem 
gl 173). Wenn irgendwo eine Grenze zwischen dem Lothringischen 
und dem Dialekt der Franche-Comtö gezogen werden darf, so liegt 
sie zwischen F und G, Grenzstein ist der wälsche Belchen. 

Die mit /< (Monophthong), r, xp, lo (Diphthong) bezeichneten 
Orte gehören zu keiner Gruppe oder zu Gruppen, die noch näher 
zu bestimmen sind. 

Die in Elsass-Lothringen gesprochenen Dialekte bilden, wie von 
vornherein wahrscheinlich war, keine einheitliche Mundart. Sie sind 
die Fortsetzung in östlicher Richtung der auf französischem Gebiet 
sich befindlichen Gruppen A B C D u. s. w\ und lassen sich mit 
u ß y d bezeichnen. Dies ist für die Geschichte des Landes von 
Interesse. Der Kamm der Yogesen wirkte hier nicht trennend. Die 
mundartlichen Unterschiede, die heute allerdings zwischen den dies- 
seits und jenseits der Vogesen gelegenen Ortschaften, namentlich in 
C und E, bestehen, haben sich m. E. erst in neuerer Zeit heraus- 
gebildet (vgl. 37. 87. 158 und Anhang I). 

Teber die durchweg phonetische Lautbezeichnung be- 
merke ich: 

a bezeichnet reines, zwischen o und § liegendes a; es ist also 
tiefer als das a der Pariser; ü steht dem o nahe, wie ^ (immer 
lang) dem e. 

ist geschlossen (frz. -eau), o offen (frz. moH). 

e ist geschlossen (frz. e'fe), § offen (frz. feve). 

i ist geschlossen (frz. ami), \ offen (norddeutsch bitter), an e 
anklingend. 

ä, T, o sind die Nasalvokale (frz. aw, m, on). 

u ist frz. ow, V ist frz. u (rmir), i^ (immer kurz) steht in der 
Mitte zwischen o und u. 

oe klingt geschlossen (frz. jew), cp offen (frz. peur), § dumpf 
(frz. cJiemin) ; trägt dieses ^ den Ton, so wird es e geschrieben. 

- w Länge, Kürze. Die Länge wird auch zuweilen durch bei- 
gefügtes 1. bezeichnet. Der Apostroph am Wortende ersetzt das 
sogenannte frz. e muet: zwischen zwei Buchstaben bezeichnet er eine 
kleine Pause. Kleine i, u bezeichnen tonlose, schwach nachklingende 
i- und u- (frz. ot<)-Laute. 

Den Ton, der übrigens wenig mehr markirt ist als im Neu- 
französischen, trägt der letzte Yokal eines jeden Wortes mit Aus- 
nahme des unbetonten ^. 

w klingt wie der erste Bestandtheil des Lautes oi in frz. toi. 

h ist die Aspirata. 

433 



6 A. Horning. 

y entspricht dem dtscb. y in Jahr. 

X bezeichnet einen Laut, der noch tiefer ist als ch im deutschen 
oc'/t, etwa /^ von Brücke; "h ist der diesem / entsprechende sanfte 
Laut (gewöhnlich irrthümlich mit h bezeichnet; es ist vielmehr ein 
y, dessen Artikulationsstelle möglichst weit hinten liegt). — / ent- 
spricht dtsch. ch in ic}x. 

\\ klingt wie n vor gutturalem g. c, k. 

j ist frz. j, ^ frz. ch (in champ). 

s bezeichnet den scharfen, z den sanften S-Laut. 

c klingt durchweg wie frz. c in cami), g wie frz. g in gargon. 

Ausser den bekannten Arbeiten von Oberlin, Lahm, Lorrain, 
Rolland, Adam (vgl. Paris Romania X 601) wurden noch zu Rath 
gezogen : 

1) La Valiöe de Cleurie, von X. Thiriat, Remiremont 1869 
(enthält ein Glossar und Sprachproben zu E und F). 

2) liCs Kedales et les Voinraux, Conte Saussuron, von X. Thiriat, 
Remiremont 1872 (gute Textprobe aus F). 

3) Ein Gedicht in der Mundart von Gerardmer in X. Thiriat" s 
G^rardmer et ses Environs S. 152. 

4) Essai sur un Patois vosgien (ürimenil) von N. Haillant, 
Epinal 1884. 

5) Die deutsch- französische Sprachgrenze in Lothringen von 
C. This (Beiträge zur Landes- und Volkeskunde von Elsass-Loth- 
ringen, Heft I), Strassburg, Heitz 1887. 



LAUTLEHKE. 

VOKALISMUS. 

(A betontes). 
Freies a. 

1. Freies a iu französisch offener Silbe wird von A — E 
und ausserdem in juvip in der Regel zu ^: by§ (Getreide) e^, inf. 
fram^, tsäte e^. cy^ (clarus) c'^c^, n^ (nasus) e^, t§ät^ p. m. e^, 
cas§, r?vy§ (vergessen), cy§ (clavis) e^ a^ i^, /w^ (essuyer) c*, pr§ 
(pratum) e^a^a^, sägy? (Eber) a^ p't§ (tragen), r'mw^, rut^ (öter), 
p§se (passer) a}. In D hält der Laut die Mitte zwischen e und § ; 
in meinen Notizen finde ich daher bald das eine, bald das andere 
Zeichen, z, B. §rmwe, sw§, ?/we d^, pre d^d^^, eye (clarus) d^, ne 
(nasus) d'^. Die Grenzen, innerhalb deren sich dieser Laut findet, 
habe ich nicht genauer untersucht ; in d-^ habe ich ihn noch für r^vie 
festgestellt ; auch in e^ notirte ich ne (nasus) neben al^, t§ät§, in 
b' päle (sprechen). Einen i-Nachklang nahm ich nur in wenigen 
Orten wahr: c§se^ (casser), tarnue^ (niesen), sol§' (Schuh), rabpr^' (pflü- 
gen), sädye'- (Eber) a^ ; spie', ble', inf. mune^ (führen) c^ ; c^seS ;^ade» 
(excalidare) b^; t§e' (clarus) t§e' (clavis) c^; ausserdem das ver- 
einzelte c?^ (qualis) e^. Fwg^g^ weisen hier a auf, und zwar reines, 
zwischen o und § in der Mitte liegendes a ^) : Inf. säta. pasa, mu/'na 
(moissonner), s'na (sonare) w ; pra, nä f^ g^ ; 2 plur. ind. t^äta, 2 pl. 
imper. a^a (gehet hinaus) . 2 plur. fut. t§ät'ra f^ ; pwöla (parier), 
/oda (excalidare). ^/ta (kaufen) f ^ ; cota (Seite) (o; sola (Schuh), §sa 
(genug), part. m. tsäta, p^sa f^. 

Nach einem secundären, aus 1 entstandenen y kommt jener 
Wandel nicht überall vor ^) : ty§ (clavis) f ^ ; ty?;^ (clarus) f* lo ; cy§ 



\) Derselbe Lautwandel wird für die im Gebiet von F liegenden Ort- 
schaften Saulxures, Thiefosse und Comimont durch die Erzählung Les Ke- 
dales et les Voinraux bestätigt. 

^) Ob jenes a aus lat. a erhalten oder erst aus ^ hervorgegangen ist, 
ob somit F zum franco-proven^alischen Gebiet gehört oder nicht, ist eine 
offene Frage. 

435 



8 A. Horning. 

(clavis) f^, typ w; /Mgye (Eber) co, sii^gye f^; vgl. auch rublie f^ 
und tyQ (tuer) f^ Dagegen infin. ^fya {enfler) f^, äfya, syfya (blasen) 
f*, aber auch hier robli^ und §ofye (heizen) ; bya (Weizen), part. m. 
äfya, suya (Schuh) g' ; sya (clarus und clavis) g^. — In g^ g^ zeigt 
sich hier überall »;: inf. t§Tt?, al?, sul§ (Schuh), /^ (clarus und 
clavis) g*; l?v? (lavare), by§, n?, pr^. ^y§ g^. — ^l'm? (anzünden), 
broel?, ariv? (o sind französirte Formen. 

2. Lateinischem a in französisch geschlossener Silbe entspricht 
in der Regel e : per', mSr' d^d^d^^d^^e^ aS frer' d^^ ; sev' (Saft) 
c^d^d^; das auch wallonische slv' kann ich nur für a^ bezeugen; 
vgl. auch 180. Mit i-Nachklang spricht man pe'r', me'r" e^ ; neben 
fev' (faba) kommt fw^v' f^ «) vor. P§r', m^r' hörte ich in g-, fr^r' 
auch f^ ; Uebergang in a nur in dem Wort frar' g-. Die Endung 
-ata wird in dem grössten Theil des Gebietes zu -ay" ; das y füllt 
den durch den Ausfall des t entstandeneu Hiat : fay' (Fee, fata), 
änay' (Jahr), f^may' (Rauch) w, |emina>' e\ p. f. framay' a^ e- d^ 
d*^, bway' (Wäsche) e*, p. f. §ätay' d^d^^; casay' d- : sinay' 
(sonata) d^^ ; §nay', p^say', s'nay' e*^; p?say', jonay' (journee) d}'^; 
f'may', broelay' (hrülee) e* ; pi'ray' (pourrie) a^ ; l§vay' (gewaschen), 
crovay' (creve'e), t^^mnay' f^. In f^ wird -ata zu -oy' : foy'. anoy', 
pasoy'. — Aye findet sich auch nach i aus 1 : äfyay' (geschwollen) 
d^d^-. — An die Stelle von -ay' tritt -ey' in ß und C- Ich gebe 
sämmtliche Beispiele, die ich aufgeschrieben habe: yadey' (ecliaiidee), 
c^sey', nwey' (Wolke), §ätey', p^sey' b*, cravey' (crevc'e) b-^c^; crovey', 
bwey* c'^ ; /wey' (essuye'e), p§sey', fimey' c^ ; siney', sätey' c^ c^ ; d^ 
schlägt sich hier, wie oft, zu C, framey', bacey' (gebückt). In D 
traf ich sonst -ey' nur in d^ framey', und in d'. Wichtig ist, dass, 
während die meisten Leute in d'^ jetzt /\\ey\ satey, twey', nwey, bwey' 
sagen, die älteren Personen, wie man mir ausdrücklich versicherte, satay'. 
tway', nway', bway' sprechen ; die -ay'-Formen sind noch allein üblich 
in dem 1 Kilom. von d' gelegenen Poutay; satey', uney' (Jahr) hörte 
ich auch in V- — In G scheint jene Bildung unbekannt zu sein: 
djw§n^§ (journee) g*, p^ äl'va (peow enlerce). djo' äl'va (joue enleve'e) g". 

3. a -f- 1: Qualis giebt im Masc. und Fem. ce : ce gm d^d^-, 
ce öm b', ce §aloe d^^, ce §älu b'^ — b'^c*, c^' tsalu e-'. ce vey' (qualis 
vita) a^, eye t§alt; g^, t/e tsalu g*. Te (talis) hörte ich nur in f^ 
(t). Ausserdem entwickelt sich regelmässig e aus -alem nur noch 
in natalis (Weihnachten): nue c^d^^e^e^, nu^' e^ naw^ a^ a'^. 
Sonst findet sich o: ?pto (Spital) a^; jpno (jornal, Morgen Acker- 
landes) a\ pto (hötcl, Wohnung) f^ ; so (Salz) f\ sä c'^d^'d^d^^, doch 
s^ a}. Mal um gibt ma (aber mal o pi, mal o eye/) d-, mä d^i//, mö 
(oe^i*: mo ä ca-r, mol o doe e-, po (palus, Stange) d^, (Stock) e^. — 
-ala giebt öl' oder äl', und zwar entwickelt sich der o-Laut in AE 
F g^ (0 r, dann auch in einigen der südlichsten Ortschaften von D, 
wie d^'^ und (nach 18 zu urtheilen) d-\ sonst a : /oV (scala) a-, 
/äV b*c'', /äV b^, §är c^, söl' f-f': abweichend verhalten sich et^ir' 

436 



Die ostfranzösiscbeu Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 9 

g2, et§i?r g"*, syci^r a* ; päl' (pala, Schaufel) b" c'' d^, päl' b'^ c-, pol' 
a^ är (ala) b^cM«, öl' a} d^'^ e^ eH^ i-(o , 91' g^. 

4. a-hvo,aH-go. Faw (fagus) begegnete mir nur a^. In 
clavus entwickelt sich ein o-Laut, der sich genau so verhält wie 
das von collum, fossa; vgl. 88: cyo" a^ c" d^ d^'\ t/o b^b*b*' 
c'^c'^, tyo i^to, tyce e^, cyoe e-, syoe g-, cyöi| e^. 

5. Die einsilbigen (proklitischen) Wörter. Dem fran- 
cischen ma, ta, sa entspricht von A — F ra^, tQ, sq ; Ui wird 1?, ä 
^ : ^ ti ä toi C*; l'öe/ 1^ die Thüre da ip; prät'g nal§ (bereit fort- 
zugehen) d^. Cela wird zu s'l^ c^c*c^, dagegen zu s'lp f'', sula f^, 
selo f"^. Jam gibt ja d-^ jo a^ J9 e^ (vgl. auch Thiriat s. v. ja), 
habes, habet e, e b*' d^ f"', in a^ 2. e 3. §. Ueber die secundären 
ce-Formen c^ — c^ (= habes, habet), die auf geschlossenem e beruhen, 
das überhaupt hier auffällig ist, vgl. Anhang I. Von vado notirte 
ich Is. v^ (? lang) b*c-d-d^-fo, vo f^, va g"a^; 2s. v§ c^d^, ve 
d^^co, 3s. ve e'^f-, v§ d^d^. 1 — 3 lauten in a^ va. Imper. 2s. v§ 
i/'d^d*, vatT c^, va g^ Hier schliesse sich die Bemerkung an, dass 
man p9P9 {papa) g-, popa d^ sagt. 

6. a + nasal. Die gewöhnliche Darstellung von panis, 
man US ist p^n,, m^ii, doch fällt häufig auch i; weg: f^ (q lang, 
faraes) d^d-\ p§ d^^ gr§ (granum), f§ e^ Die Nuancirungen sind 
zahlreich und schwer wiederzugeben ; auch I notirte ich, doch klingt 
es nicht ganz rein wie im Französischen: gri e*, /tri (stramen) d'^, 
tri d^^; d'mi, fi f-, etri g^, pT d*, ^n\ rp. -ana giebt -en', fot^n' 
d^, l§n^ d^, r^n' (Frosch) f^ o. Einen eigenthümlichen i-Nachklang 
vernimmt man in e^: p§S ni§\ dem^', 9rm^-' (heri mane, gestern), f^S 
1^'n'. Ueber canis s. 7. In lyii^ (ligamenj ist zwischen beiden 
y-Lauten e zu i geworden ; in e^^ sagt man le. — lieber Tm' (araat), 
grin' [graine) a^ s. 177. 

A in Verbindung mit einem Y-Laut. 

7. Die Gruppe ca = c4- freies a. Das sekundäre y ist noch 
vielfach erhalten, und, wo es geschwunden ist, zeigt der folgende 
Vokal eine Kürzung oder Schwächung: zuw^eilen scheint auch das i 
den folgenden Vokal verdrängt zu haben. Capra: syöev' d'^i//w; 
^yO'r c^, sy^r' c^ C* d^ ; tsöev' d^ d^ f^ f* ; sqiv' d^ d^\ scev' d^^, i|ev' 
d^ ; tsiv' e^e^e^'*, siv' e^; tsivr' g\ tsi^vr' g^, tsevr' g*. Canis: 
t§i d^d^d^OgS t^iii d^-5f2f4/^ii^ alc4c^l3d2ld2^'syT c^, §y§ w, ^e 
e^, t§e e^ — e^*'. ts? f^, tsT g^. ^) Carus: ^joe/ d*d^, sye/ d^, §e/ 
d^^, t§e f^ tsi g^ : cas(a) (bei) : s« c'*, si d^d^d-^e^ff>, §ii], b^, t§i 
f^; in f^ §tsi (no, le) neben t^v rai, tst' cicuv Cado: Is. §oe d^ 
(dadurch ist der Infinit. sa?r beeinflusst), §cj? a'. sye d^. §i d^-; Is. 



^) In t^irj, ist e zwischen den beiden y-Lauten zu i geworden, wie 
in lyiil. 



437 



10 A. Horning. 

t§v' e" ist nach dem Inf. t^vr' uniü^ebildet ; 2s. §oe d^. Ich schliesse 
hier auch carrus (Wagen) an, über carnem s. 16: §y? c^c-c^c^ 
c^Pd", §e a^i* b^ d^ d» di'2 fV^ ^:e' a"b^ §^ e^ t§?. e^e^*^, tse d^^ 
gl; t§;e f^, §a (o; §ö& d^d** — d**. 

A bei folgendem y-Laut: 

8. I. Wenn auf betonten Vokal ein y (primär oder sekundär) 
folgt, das im Hiat steht, so gilt für alle Vokale das Gesetz, dass 
sich y neben dem Vokal hält (über das Wallonische s. Zeitschrift IX 
481) und eine Verschmelzung beider Elemente nicht eintritt : pyay' 
(plaga, Wunde) a^d^d^-, py?y' e^^, bray' (braca) c'^, hay' (Hag) d^ 
d^^fi, h(?y' d^^e^"; ebenso verhält sich may (mui) a}, mtey d^; 
vgl. auch die Vertreter von stabulum, tabula (18) und die 
Partie, auf -ata (2)M. — Caco wird zunächst wie im Francischen 
zu §i", dann (nach 72) zu §ey' d- d** (inf. si). 

9. II. a H- y + Cons. wird zu a in aM^-e^ f-^Fg^ g^ : fär', 
trar', vra (wahr), mat" (magister), fa (facit), fa (factum); pä (pacem) 
e\ pala (palatium) «>, ma (magis), ä/ (aise) f^ ; Ti'ma (jamais), frän' 
(fraxinus), mäc' (magis quam, s. Gloss.) e^ f^ ; ra (radius\ äc' (ali- 
quid) ^), ma (magidem, Backtrog) e' ; pyar (placere), Is. pya, mar' 
(maire) d^"; v'ra (ich werde gehen) g^ ; yäc' (aliquid) a\ äc' (oi^. 
In B und G finden sich e- neben a-Formen, und zwar oft in dem- 
selben Ort: Is. f^, Is. pya (placeo), part. pya c*; fa (factum) b^ 
part. f^. (^. l.)b^; ma (magidem), pa/ (pacem), fe (facit), r^ (radius) c^ 
vra (wahr) c^ ; pär' (Paar) c^ ; auch in ip vrä (wahr), p. f^ (§ 1.) 
§c' (aliquid) c^ ; inf. f^r' c^ c^ ; x:/' c^. In d^ hörte ich : m^et', 
vr^e, fr^n', Fud^e, j'm^e (nie), f?, p§r' (Paar). Sonst herrscht in 
D ? vor : fer', me (magidem) d* ; r§ d'^ ; m§c', py^r' (§ 1. pla- 
cere), Is. pyg, fe (factus), trer', f^r', pe (pacem) d^; 3s. f§ d^ — d*; 
p. f. tr^t' d-i ; f§ (§ 1. facis und factum), r§ d''; ec' d^d^^d^^; aber 
auch in d^ mät' und v'ra (wahr); vrä d\ vne d'^; m^t' (? 1. magister) 
hat dagegen a^ nebst f^. (facit), f? (factum). Auch in E überwiegt 
§ : f^r' e'^e^e^*^; Is. f? e*, 3s. e^; vr§ e^; ^y^r' (placere) e*e^; §g' 
(acrem) e^ e^*^ ; m^c' (mager) e^*', p. f. tr§t'. Desgleichen in g^ g* : § 
(habeo) g^ g* ; 2s. py? ( places), Inf, f^r' g^ ; 3s. f§ g^ g"* ; dagegen frän' 
(fraxinus) und tsän' (Eiche) e^**. — M^c' (macrum), ^c' (acrem) e^ 
P sind vielleicht Lehnformen, ebenso m^c' (§ 1.) a^ ; mag', äg' hörte 
ich nur (o. Subst. tr^v^y notirte ich e^ o, tr^way f\ pey' (palea) 
f^; an Stelle des letzteren ist fast überall stramen üblich. Auch 
ar' Luft gehört hierher, das wohl auf aera = aira beruht, und 
malav', mal^v' : s. Gloss. u. Zeitschr. IX 499. 500. 

10. Die Verba, die dem Bartsch'schen Gesetz folgen. 



M Im Francischen ist Verschmelzung die Regel : knie, haie, rate, plaie. 
Die Aussprache j'€s.^ay\ je pay' etc. ist Anlehnung an die endungsbetonten 
Formen essayer, payer etc. 

-) Vgl. aües Ezechiel 96, 14. 



438 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 1 1 

Infinitiv und Particip. mascul. unterscheiden sich nicht in der Form. 
UeberalL wo -ie in pie (pedem) zu -i wird, wird die Verbalendung ier 
(ie) zu i. also in B, D, E. G : pasi (piscare) b^. miiyi b"*ly''. s(,^si (cap- 
tiare) bH'* d- d^ d*^ d^ e\ tsosi e'*, puhi (schöpfen) b"^, mnysi d^eS 
mwa/tyi (masticare), cu'hi (quietiaie) d'^, c^ji e^. ^yi (orpicare) eS 
artsie g3, ortsi g^g-; voe'di {lider) e**, voedi g^, tatsi, latsi (löcher) 
8^. abi'asi, prjie g^, mTdji g\ mlji d-^ cw^si (bedecken, coacticare) 
d^d^, r^br^syi d^ (über letzteres s. 31 A). 

Die i-Form findet sich auch in einem Theil von C, in dem 
sonst der Diphthong erhalten ist : miji, tcesi (husten) c^. m^ji ii^\ 
noji (schneien), cw^si, l?/i (lassen), mäsi (masticare), p. fasi, inf. 
miji, solii {charger), sTji c-, doch daneben Tvuye (schicken); ?b^;ä 
(abaisser). spti, cw^si c^. 

Dagegen ist der Diphthong durchweg (auch nach Palatal) er- 
halten in c^c^c'c'^ : s^sye c^c*, rTbr§sy§ m§i\jy^ c^, mijye, sahye, 
s^sye, ^rnoyc (negare), puliyv^ (schöpfen), culiy^ (schweigen) c"^; s^syöe, 
mijyöe, seyoe (secare), notyöe (nettoyer) c^; pyoyöe (plicare), tosyöe 
(saugen), tr§v§y(p c' (über die oe-Laute vgl. Anhang I). 

In A und F ist der Diphthong erhalten, ausgenommen nach 
Palatal : p^/yöe (harnenj, culiyöe (schweigen), mljöe a^ ; rabr^sy?, py^sy^ 
{placer), gy?sy§ (glacer)^ m'n?sy§, s?sy^, aber mije, sTj^, sar^§ 
(cfiercher), cw^s?, ?pras^, cu§§ a^ (über die scheinbar abweichenden 
prjy§, b^sy^ {haisser) a} s. Anhang III). Tosye (saugen), t.s^sye, 
men^sye f^; tcpsye (husten), m'n^sye, ^^br^sye, däsye, ]^sy e {lacer) f^^ ; 
midje f^f^f^f^; etse (erpicare), latse, pt^je (schöpfen), martse (gehen) 
f-^, t.s^je (beladen). tsTje f^. In f^ fehlt das i auch nach / und li: 
cwolie (schweigen), p'/e (harnen), pa/e {percer\ te/e (weben), doch 
pu/y^ (piscarej. Tsese (jagen), tsose (chausser) f^ beruhen w^ohl auf 
Analogiewirkung. 

In (0 sagt man m'n^sye, däsye, l^sye, sosye, busye (stossen); 
i-Formen zeigen sich nach s, j, % / : pvM, ?gra/i. p'/i, pa/i, ehä^i 
(anfangen), tosi (torcher), §§ji (beladen), 'esi (erpicare), cusi; auch 
hier weicht pu;^ye (piscare) ab. In ^p macht sich ein Schwanken 
bemerklich : remuliye (acutiare), tu/ye (husten), soye (secare) neben 
s§si, miji, cühi, pü/i (harnen); r gehört zu einer Gruppe (zu der auch 
der von Haillant behandelte Dialekt von Urimenil gehört), in der 
jedes ye zu e wird sose, .s^se. mTje, dagegen sät§. 

11. Dem Bartsch'schen Gesetze folgen noch: 1) die Verba 
auf Vok. + rer : tii'i (ziehen) d^d^^d^^e^, tiryöe c^a^. tiry? a}i^, tire 
f^; ?dtri (ei^diircr) d^d^^e'*. ?diri d^. ^dqn-ye f^ ädcpry^ a^ ; de/m 
(zerreissen) b^d'^dM^^, de/iri e-, d?/iry^ c*, de/iryöe c**c'^; ccvry^ 
(reinigen) a\ prcrri d^^: tiiitrrye (färben) f*: §terye (enterrer) o; 
jcpry? (jurare) a^ jiri d^e^: ?srryv (versichern) a^. ^/ni d^; auch 
fyeri (stinken, flagrare) d^ : eine Ausnahme macht m. W. nur d'mor^ 
d^, d'mar^ a^ (anders verhalten sich monstrare. intrare). 2) /afi 



12 A. Horning. 

(wärmen, die Grundform ist nicht klar) b^ b'' d^ d**. /afyde c^, sofy§ 
a\ ^otye f^f^, /ofye f^ 3) die Verba auf -er, wenn / aus rs her- 
vorgebt: ^rvye/i {renvcrser) d'^d^, r'v?/i e^ <^rve;^i e*. r§vy^;^e f^, 
r'vya/i d'^. byoe/i (tercer) d^*. bye/i d- d^, bi/yft a'^, bisy? a^ pa/i 
{percer) d*w, pa/e f\ pasi e^. 4) tOesi (husten), tt^sye cjP, tu/y^ 
t^. 5) /'ti (werfen, doch nicht überall; in a^ sagt man j"t^) 
d^d**, §'ti c-e^e^", j'ti c**, /tye f^ 6) nach einfachem s ohne 
y-Laut, puzyt« {poser), s'omrzy^ (s'amiiscr) a} ; Aehnliches bemerkte 
ich in keinem andern Ort. 7) in Fällen, wo der y-Laut aus 1 hervor- 
ging: inf. spfi (blasen) c^c^, spfyi d^ d**, spfyöe c^, p^pfyöe c'', sofy§ 
a^ ; /trai (strangulare) d^, /trayi d^, /tranye f^ ; dagegen behält 
r?bi^ (vergessen) d^g*, rlbi^ d*^, ryli§ e^ überall, so viel ich sehe, 
diphthongische Form; auch inf. ofye (ejiflcr) c\ iify^ c-. 8) sädy^, 
e§ädyy horte ich nur in c^. sonst /ade d^, tsoda g-, /ade' b'* (vgl. 
auch hhadier bei Adam). 

12. Das Particip. feminini zeigt die ostfranzösisclie i"-Form 
in BCE : miiyi' b*, §§sl' bH*c*c^e^ e^e*', t§§si' e^e*^, tiri', ralji' c'^, 
m^ji' c"* ; miji' c^c'-'e'*, mir^dji' e'', cpr'si' (coitrroiicee), §noi' {enmiyec) 
e^ In f* hörte ich mldji' ; t.s^si' f^f'' (vgl. f* ^i-^^nyi'. araignee); da- 
gegen f^ hiTsyq'y^ (herisse'e), m^ny^y' (Magd- afr. maisnie'e), corsy^y, 
daneben noeti' (afr. nuitice). In I) ist die regelmässige Form -ey' : 
latsey' {lächee) tsesey' d'"', ^rühey' (geschärft) d"'d". frayey' (fricata) 
d-^; s^sey' d-d*d*'cFd^*'d-M-^ ; nayey" (necata), r^br^syey', pyayey' 
(plicata) d''^ ; nur d^ schlägt sich zu C, s?si, miji; s^sey", frayey' 
s^t man auch in if. In a^ sagt man .s^syay', in a^ mijey'. Ueber 
G fehlen mir Nachrichten. 

13. Die Grundform ist m. E. das gemeinostfranzösische i'. Dies 
habe ich Zeitschr. IX 496 dahin erklärt, dass es durch Reduktion 
des Triphthongs ici entstanden sei, in welchem das zweite i ein an 
Stelle des ausgefallenen t getretenes Hiat-; ist. Dass iei auch im 
Osten zu i wird, zeigt cera = sir". Jenes Hiat-i war ursprünglich 
ein voller und eigentlicher Vokal und nicht bloss ein i-Nächklang, 
wie ein solcher auch bdm Iniinit. und Particip. mascul. vorkommt. 
Deshalb ist auch nur die Gruppe ici' =^ iata als Triphthong auf- 
zufassen, während ie' im Infinit, und Partie, masc. nicht als solcher 
gelten kann. Jedenfalls ist die Stellung im Hiat für die Entwicke- 
lung von i' maassgebend. Man könnte die Richtigkeit dieser Er- 
klärung mit dem Hinweis auf die Möglichkeit bestreiten , dass im 
Part. fem. ic(e) zu i geworden sei , wie in einem Theil des Gebietes 
pie zu pi, pier' zu pir' wird. Diesem Einwand wird durch die That- 
sache die Spitze abgebrochen, dass das p. f. auf i" auch da vor- 
kommt, wo wie in c^c*c'c'' weder pedem noch bovem noch 
mensem noch Infinit, und Partip. m. iet\ ie monophthongische 
Gestalt zeigen. Es ist also erwiesen (dieser Punkt ist von wesent- 
licher Bedeutung), dass das Gebiet, wo -iata zu i' wird, nicht mit 
dem zusammenfallt, wo ie zu i wird. Da das Francische jenes Hiat-i 

440 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 13 

nicht kennt, so kennt es auch das P. f. auf i' nicht. Aus dem 
Gesagten ergiebt sich ferner, dass jene Participia auf -i' erst ent- 
stehen konnten, nachdem das t der Endung geschwunden war. — 
Was die Endung -ey' in D (neben Infinit, u. Partie, m. auf -i) be- 
trifft, so darf sie nicht als Vereinfachung von iei' aufgefasst werden ; 
sie ist aus i' zu erklären , da nach 72 i' im Hiat in D zu ey' 
wird; s^syay' a^ ist eine analogische Form nach framay'. In 
hrrsy^y" f^ sehe ich nicht etwa die erhaltene ursprüngliche Form, 
sondern ebenfalls eine Analogiebildung nach dem p. m. hfrsye. Für 
diese Auffassung spricht noeti' f^ wo Anbilduug kaum möglich war. 
M^ny^y' f^ (auch o/) und c'nay^y' (quenonillee) o sind nicht so ein- 
fach zu beurtheilen, weil hier mouillirtes 1 und n im Spiele sind, 
die möglicherweise kein y an die folgende Silbe abgegeben haben. 

14. Suffix -arium, aria hat überall monophthongische Form, 
auch da, wo pedem, bovera, mensem und die Infinit, auf ier 
die diphthongische Form behalten — eine Thatsache, die ich nicht 
erklären kann. Ein masc. -i, fem. -ir' findet sich in A : pr^mii],, 
pr^mir a^ a^ : limir" a\ lemir' a^; p^mi (Apfelbaum) a^; minh\ 
(Müller) a^ a^ ; bläji, bnsi, pusir' a' ; hierzu schlägt sich auch mQtii\ 
(Kirche) a^a^. Diese Formen kommen auch noch in einem Theil 
von B vor, wenigstens notirte ich in b^ pc^mi, pw§ri, t/cpsi {docfier), 
buläji (daneben pr^mi, pr^mer'). Ueber b^ b^ fehlen mir Notizen. 
In dem übrigen Teil von B, in C und F ist die Grundform -e, f. 
-er' : preme , pr^mer' c*; p^rme, -er' f ^ ; mole (Apfelbaum), sel'he 
(Kirschbaum) c-; c'm9te (Apfelbaum), nehe (Nussbaum) c^ (über die 
öe-Formen premce, pemce, s^l^ioe b*, minöe (Müller) b^c^, c'mptöe, 
pworöe c^ etc. cfr. Anhang I), pome f^f*, §rver' (riviere), noej'le 
(Nussbaum), blpdj?, -er' (Bäcker), mtne (Müller), -er' f^, prome, 
-er' f'*; Suffix aris kann in F nicht zu Grunde liegen, da es zu a 
wird, z. B. spla (Schuh). 

In D und E kommt ebenfalls ein m. -e, f. -er' vor, daneben 
ist aber, besonders in den Bäumenamen ein masc. -i (wohl aus ie) 
allgemein üblich : p^rme, -er' d* d^ d^, p^rme , -er' d^, permei, -er' 
e^, pr^me», -er' e^, d^re (der letzte), -er' d", d^re', -er' e^ ; fedjer' 
(Rauch) d^d^^ f^djöer' d^, f^djoer' d^, f^mer' (Rauch) d^, erver' 
(riviere), b'zer' (Erbsenfeld) e\ cpzer' (Näherin) d^d^\ cozef d* 
d^d^^, cuzer' t//, lemer' d^d^, lemer', filer' (Spinne) d'*, aber filir' d-^; 
mine (Müller) d*, s. 94, bpleje (Bäcker), -er' d^d^, b9lidje d^, 
bpl^dje d", bulcäje d-K b\il?dje', -e'r' e^: sgle (Schuh) d'^d^ sc)l§ d^ 
kann auf Suffix -aris beruhen; vgl. 1; pwarmete (Schneider) d*^, p^r- 
met§^ e^; d'vete (Schürze), t^rmol^ (Zitterpappel, s. Gloss.) d'-, cole 
(Halsband), s^rpete d^, cytet^e (doclier) e^, cyoet§e^ e*. — Dagegen 
butsi (Metzger) d^\ busi, f. bu.ser' d^; sali (Salzfass) d^e'*; noehi 
(Nussbaum) d^ nui d^d^'; peri (Birnbaum, s. 67) d^, sel'hi (Kirsch- 
baum) d- d^, s'relii e", mäli (Apfelbaum) d* s. Gloss., trö^i (Hasel- 
staude), ha/'li (Weide) d^; c'mati (Apfelbaum), pwori (Birnbaum) 



14 A- Horning. 

d-\ pnri e^ ; (V schlägt sich hier, wie auch in andern Fällen, 
zu C : preme, -er', male, selelie, pure. In rp hörte ich c'moti, 
selelii nehen blose (Birnbaum). In e^ notirte ich neben den oben 
erwähnten Formen auf -er, Tmir' und popjr {pa%qm're)-^ in (o etrlji 
neben noej'le (Nussbaumj, preme, -er", Ije (leicht), d^re, pw^re. In 
G finden sich i-Formen, deren i in g^g* gegen e hinneigt : pomi g^ 
g-, ppmj g"*, pwaryi g-, pwarie g^, pwarj g"*, moni (Müller) g^ muni^ 
g^, fmi g^g^; neben suya (Schuh) g^ g- in g- auch suli: s'r^'ji g-; 
moti? g^ (über mote s. 36), peltir' (Nähterin) g^, pusir' g*. Cuyi 
(Löffel) zeigt die i-Form nicht nur in d'^ d*^, sondern auch in b^ und 
c^c*c^ neben e- und oi-Formen, s. Gloss. — C'mgt^'- sagt man in 
v (so auch in Urimenil). 

15. Cerasea. Ich fand s"lij' a^ s'rili' d-V s'li/ d^, s'loeli' V', 
s'rej' f"', s'reliVo, sel^j' g'^. 

(ifedecktes A. 

16. A -[- r -r c n s. : A beharrt in der Regel und wird nicht 
zu vor r, wie Haillant erkannt hat, und zwar auch in den Fällen, 
wo r jetzt geschwunden ist : saläd' d"' d"* e^*^ «> , solad' U', soladj' g^ 
(cfr. Zeitschr. IX 498; säl(,M-d' hörte ich seitdem im nördlichen Jura, 
in Tavannes und Sonceboz), tat' (Kuchen) d'^ f'^, ab' (Baum) co d^*, 
äbr' d'^f-, iirb' g^g^, r'nä (Fuchs) c^d^e^e^f^, r'nä wg^, tä (spät) 
d^e^f^, läj' (breit) d^d^d'^, pa (partem) e*^, pwa d*, pwä d'^d^-, po 
e\ barb' b''w, bärb' e^g^ bärb' e*f^ borb' e\ hcä (frz. liart) d^ 
e*", lä (Speck) gS Is. päts' (je pars) g-, cwat' (Spielkarte) d^, cwot' 
f^fij; ^ebr', b^erb' hörte ich in d*^, Kbr' auch in e'-, rerb' g*. In a^ 
a* b^ b'^ b* wird jedoch a H- r zu e ^) : eb' b*, §ber b^, t^r (spät) a^ 
aHH^ b?rb' q^k\ beb' b=^, r'ne b^b'^a^ p?r (Theil) b"*; m^er' (frz. 
mare) a"^, m^/' a^ ; cen§ (Ente) b^, tsen^^r b"* ; b'' hat bab', tär. Diesen 
Lautgesetzen folgt carnem nicht überall : sä a^b'^ — b^c^c^d^w, tsä 
g4gSgiuj-2^ dagegen tsye e^\ ste d^b^, s? a^a^b^, tse g^ g-, tsi^ g*. 
In G mag sich aus c ein i entwickelt haben wie in carrus. 

17. Meist ist das a auch in folgenden Wörtern gewahrt : gra 
(fett) c^ d^i fi, grä a^ d^ d^ d» c^ f. gras' b^— b^ d^ e^ c« ; grä, f. gras' 
g^ ; gr^, grtes' d^, gre\ f. gres' d-^; grses' a^a* (und wahrscheinlich 
auch in den Orten von B. wo ar + cons. zu ^ wird) ; hat' te {luUe-toi) 
d^, pyän' (platanus, Ahorn) e^°; mal' (masculus) c- d^ d* f"^ o», m^l' 
d-^' — pät' (Teig) f^c^d^d^V, pät' c^, pst' dM^^d^d^e^, p^t' d^ 
e*^. — Is. läts' (frz. lache) e^, lä§' c^c^d^^ (vgl. Inf. latsi d^, lätsi 
e^ e^, lätse f^ ke^i e^) ; Is. tä§' c- (inf. tatsi e^, sich bemühen); päc' 
(Ostern) d^-, psc' d*; Is. cäs' (ich zerbreche) c^ (vgl. Inf. cas^ e^ 



^) Das Gebiet, wo dieses § sich findet, ist ziemlich ausgedehnt, wie sich 
mit Hülfe der Beispiele tiainaird, tsche'nerd, tierpe bei Adam S. 22. 23 fest- 
stellen lässt. 



442 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 15 

e^e^e^d^, case c^c^, cäs(,^ a^d-*^). — Ich erwähne hier auch wa/ya, 
f. wa/yat' (grünlich) d^d*", m. wa/ya, byasya. griliya d'^. m. byäsät' 
d^, bya^ä, f. -ät', va§ä, f. -ät' a^, uorat' m. u. f. e^ e** : liegt -astrum 
zu Grunde, so sind die Formen auf a unorganische Gebilde; viel- 
leicht ist an -ardo, -arda zu denken. 

18. Aqua, caballus, gallus, fallit. salicem. cal- 
cea, tabula, stabulum, altus, spatula. calidus, allium. — 
Ich stelle diese Wörter zusammen , weil sich in denselben überall 
derselbe Vokal entwickelt, und zwar o da, wo ala zu ol' wird, und a, 
wo ala zu al' wird (vgl. 3) : ov' (aqua) d^^e^ — e'^e^f^j'o;, ov' g^, 
ow' a^a^d-\ äw' c*, aw' b^ dM^ d'' d'^ d*^. av' g^ ; djo (gallus) e-e^ 
€^'*f'^, jo e^e^, djä d", ja d^i^'. jäc^d^d^-, jac^c'c^d'^: fo (falcem) 
fif2, fä d^d^^. fo (^fallit) e«eiof5g2^ fa b^ c^ c^ d^ d^ g^ g^ ; ho e^ hä 
d', ha d^; tswo (caballus) e^e''f-, ts'vo g-, swo d-^, s'fo a^ s'wa 
b^c^c^V; Is. /of (ich heize) a^, /äf b' c'^'; töy' (tabula) a^ d^^ 
e^e^fof^f^ täy'd^ täy' lA'b'^d^d^-, taby' g^ ; stoy' (stabulum) d^^ 
e\ |töy' d^^e*, /täy' d^^); sos' (salicem) e^, stis' d^ : tsäs' (Hose) 
d^; dyär (diabolus) d^; o (diz, plur.. allium) a\ a (diz) d^d'; 
epär (Schulter) b'' c' , ^/pöF f^ (o, spol' e^ ; tso (calidus) £■*. tsä g*, 
§ä d^; m^rso (Hufschmied) a^e^; imp. sov' (salva) e^ ; gas' (links) 
c^ d^ d'' ; fyov' (fabula) f ^ co^ böl' (Kugel) e^, jän' (gelb) d-, djon' e^. — 
In äc', ec* (aliquid) muss das 1 früh geschwunden sein, da der Vokal 
wie a+ y behandelt wird, vgl. 9 und 173. 

19. Fabrica, Parabola. Das erste Wort wird zu fsvodj' 
d'^f^, fwoj' d^, im zweiten theilt a + b die Schicksale von o in 
Collum, fossa und von au (vgl. 88. 124) : pw^erol' f*. parol' e^, 
parcel' e^e-. 

20. a wird zu 9 : Ij im Suffix -aticum : sov^j' (o, säv^s' d^, 
sov^dj' f^, vil^dj' e^, fr^m^dj' e-, from^§' a^i//' f?i'öi?j' d^, or^s' a^. 
2) vor tt und t + cons : p^t' (fr. patte) e^. ret' (Maus) b^ (s. Gloss.), 
ts^t' (Katze) e^, s^t' d^, ts§ g*. cw^t' (quattuor) d-^, c§tr' g^, b|t' 
(hattre) d^(o. l^tr' (fr. Jatte) d^. 3) vor pp : s^p' m. (Tanne, s. 
Gloss.), dr? (Tuch) d^. 4) vor einem s-Laut : gyes' (Eis) c*d^v^, 
dy^s' e^, bre (bracchium) a^e*^w, pyes" (platea) e^. b^ (niedrig) e^, 
f. bfs' f"g^, m. u. f. b§/' c^, fem. b^/' c^; f^s' (Gesicht), m'n^s' 
(Drohung) a^. 5) vor einem Palatal : v^ts' (vacca) d'e^, v^s' d^d* 
e^; s^t^' (Sack) e^ s. 133, h?s' (Axt) d-'d^; rg' (Wuth) (» , c§j' 
(Käfig) (0, gr^s' subst. (Fett) b'^ f- g^ g'^ oder gr^;^' d^d^e^. 6) einzeln 
zu erwähnen ist mal^d' c'^d^ Abw^eichend sagt man cwät' (quattuor) 
f^. In g^ und g^ findet man a-Formen in : mäläd' g', väts' (vacca), 
sä (Sack) g^g^, säp' (Tanne), /am' (flamma), yas' (Eis) g^ doch f. 
b^s" (bassus) g^, bes' g-. Dagegen v^ts' g^, y^s', /§m' g^g*. br^ g^, 
br§, mal^d^ g*^). 

1) Tai', ;^tär in P weichen ab; vgl. 182. 

2) Zu Gunsten der Annahme , dass dieses § nicht aus a + sekundärem 
y entstanden ist, sondern der folgenden kiu-zen Konsonanz seinen Ursprung 

443 



16 A. Horoing. 

21. a H- n + Palatal. Die Grumlform ist T : pyls' (Brett) c* 
c^d'd^ pyit§' d-^e-g^, his' (Hüfte) a^ b' c'-» (abweichend lu"it§' g^), 
hTt§' d"', gris' (Scheune) a' c", gnj' n;fi, mTj' (Aerrael) e\ mT§' (Stiel) 
d\ Is. mlj' (ich esse) d^d^, 2s. midj' g^, etrij' (fremd) d^ d*^. Oft 
hört man bloss vok. + i\ oder den rein oralen Vokal : m^j' (er isst) 
c^, py?«' c^d^d-'\ py9H§' c', 1 s. m^§' d^, etr^j' c*, etr^dj' e^. In 
e** klingt i nach in h(;'t§', py^'t^'. Hier schliesst sich cannabis 
an, dessen ann unter dem Einfluss eines aus c entwickelten i (vgl. 
carrus 7 und carnem 16) ebenfalls zu i wird : §Tm' d^*^, sTb' e^ (vgl. 
185). Plangere giebt pyäz' d^d*, pyTs' c^, pyit' b^, pyäd' e^ (o, 
vgl. 214. Durch Angleichung an das Mascul. byä lautet das Femin. 
immer byäs' b'^c^d-^--, byä§' d^. byat§' g\ Umgekehrt scheint 
m. §tT (müde, it. stanco), durch das f. §tTt§' beeinflusst zu sein; das 
Wort hörte ich nur in e^". 

22. a + n, m + nicht Palatal giebt a, resp. ä : ^fa e^. efä 
d^i (s. 68); jäh' (Bein) d^', tsfib' (camera) e^ s. 176; byä (weiss) b«b^ 
d^i; gyä (Eichel) d^S sä (Blut) a^d^-eS grä w, pyät' (Pflanze) d^^ 
e^f^i/^', späd' (expandere) e^ Nur in g^g* entsteht auch hier i: 
degotl (de'goutant), bi (Bank) g*, djTb' g^g* (vgl. in unbetonter Silbe 
t§it? singen. 2s. Conj. t§Ttes', t§it§ro ich würde singen g^, ts^Ttf Sänger). 
Dagegen tsä (campus) g^g", tsäbr', bä, äfä g^. 

Mamma wird in a^ zu mtpm' (Euter). 

Unbetontes A. 

23. A im Hiat. Nach einem der wichtigsten Lautgesetze des 
Ostens ist unbetontes a, das im Hiat steht oder nach francischen 
Lautgesetzen im Hiat stehen würde, dem Ausfall nicht unterworfen. 
Im Herbst 1886 habe ich dasselbe noch für den nördlichen Jura 
festgestellt : meyc&, f. meyoer' d* (maturus, vgl. 113), say, say»' (sabucus, 
Holunder vgl. 113), r^i fem. Rettich (radicem) d* und daraus r§y a^ 
(rai e^*^ s. 194), tay (*tabonem, Bremse) d^ (neben tovo V^), tr^vii), 
a^ (in der Bedeutung etre en train de faire), f^yin' (fagina, fahie) 
c'' d^, fay^y' d^-. f?y^n' a^ au (august) a^^); /^yoer' (Stuhl, das 
freilich cathedra nicht genau wiederzugeben scheint; s. Gloss. u. 
32) d"* ; §Tr' (cathedra) a^ a^ bedarf einer besonderen Erklärung. Eine 
Ausnahme ist so (satuUus, trunken ) a^ f^, üblicher ist sulo (Trunken- 
bold) e^. In fytt^ d^^, frt^ (afr. flaiitcr s. Gloss. u. Zeitschr. IX 



verdankt, spricht 1) der Umstand, dass das a, das sich vor r + Cons. nicht zu 
? entwickelt, meist lang gesprochen wird, ebenso grä, gras' : 2) dass a -f y 
aus lat. c(y) in einem Theil des Gebietes, in dem jenes ? entsteht, zu a wird. 
Dagegen Hessen sich zu Gunsten der Annahme einer Entwickelung eines 
sekundären i jjarallele Erscheinungen bei andern gedeckten Vokalen anführen. 
\) Zum Wallonischen vgl. Zeitschr. IX 482. Ein weiteres Beispiel ist 
sayi (sagimen, Schmalz), wie mir Herr Dumont aus Huy bestätigt. In Lolh- 
ringen scheint die lautgerechte Form nicht mehr vorzukommen; ich hörte 
oft in I) se du; vgl. Gloss. v. g^t' und w. 



'Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 17 

504) war der Ausfall des a wohl durch die Häufung der Vokale in 
*fiayrte bedingt: in fv^f'te i//, fy^v^te c'' hielt sich das a, weil u 
konsonantirte. lieber die Particip. fvr, s^vf (habere, sapere) und 
die Inf. scer (cadere), ts§r, die durch die Is. .^oe, §§ beeinflusst sind, 
vgl. 214; 

24. Xach anlautendem c wird a vor einfachem Konsonant nicht 
zu dumpfem ^ wie im Francischen : tsevey' (Knöchel) e'^f^, t§Qvey' 
(,7 gö g7 fi £4^ ts§v?y' d^^, §?vey' c^ c- c^ c^ d^ d* d^, ^evey' d^ ; t^^mi e*, 
t§?mii], f^, s^mii], a^c^c^d-'d*, §emT d^^, ig^mT c^c^; tsavu (capillus) 
e^, vgl. 62;' salu b^d^^d^i, §alu c^ c'^ &\ tsslu f*, t^^lu f^^^ t§alu g* (vgl. 
noch 98); sevri (capreolus) d^d^, ^^vri' d'' (vgl. noch 184) ; §eva (chevet) 
d^d^^, ts^vae^*^; seminay' d^^, s^m'nay' d^. Ausnahmen sind: t^evirv 
(capreolus) e^, ts^vrv d'^; §'mT b''b' (vgl. 73), s'mii], b'*b'^, ^'mi d-*; 
s'f^y' a^, §^voey' a^, §'voey' d^^, s'vey' h^xp; ts^m'nay' f^, §'minay' 
d^^ ; Imper. ts^m^n' (chemine) g^, t§^mii]^ g*, t§'vey', ts'miix g^. Viel- 
leicht hat das Gesetz für G keine Geltung. In caballus wird das 
a überall syukopirt, vgl. 18, ebenso in ^'mi/J, ^'mv/' (vgl. 75); §9mi;^' 
nur in c^ d^, s'mi'hät' (Mäunerjacke) d^, .^^m'liät' d' ; desgleichen in 
den Vertretern von canicula, Raupe s. 75. Ueber a in gallina 
s. 141. 142. 

25. a + r : a + r + Vok. : pwarä (Eltern) d^-f^, pwarp d^ 
f^ f*, pwaray (ähnlich) f, parat' (Schwiegervater) f^ ; pw^rol' (Wort) 
f"* s. 19; f^r^n' (farina) a^ s. 74; m^rig Inf. (heirathen) e* s. 207 la. — 
a 4- r H- Kons. : über carruca s. 114; ^qM (charger) c^c^, ^pliyöe 
c'^, §otiyöe c^, soji e\ §§ji d^^w, ^aTiye c*, saji d^d^^, t§aji e^, t§^je 
f^. Die beiden letzten Beispiele, ebenso wie ts^rv' f ^ f ^ und g§so 
igargon), m^te (Hammer) a^ beweisen, dass unbetontes a vor r auch 
da zu e wird, wo betontes a vor r a, resp. giebt. Vgl. noch in 
f^ dj^dii], (Garten), h^di (hardi). Meist jedoch herrscht avor : wad§ 
{guarder) e^ s. 188; t§arbo (Kohle) d-^d'-*, sarbo d^; mart§e (gehen) 
f'; jadiix d^; jodiii,, §ado d'^; sgdo c^; m^te^ a^; über die Wörter 
auf rd und rt vgl. auch noch 166; ga/911, c*, ga;/o b^c*, gQ/o c^; 
päle (sprechen) a'', pal§ c^e^, pwale d^, pwöla f^; fade' (Last, fardeau) 
e^^; pwasi (par ici) g-, pa;ji e^, po/i r; m^rso (Schmied) a^e^. Ueber 
hone (Wäsche = frz. liarnais) c^ s. Gloss. 

26. a 4- 1 : a vor 1 + Vokal und a + 11 4- Vokal geht meist 
nicht in § über : salad' s. 16, tsalu (calorem) s. 24, mal§v' s. Gloss. ; 
mal§d' c'^d^g*, mäläd' g-^, mal^dey' s. 72; sala (salzen) f^, spie c'; 
mall (Apfelbaum) e^ s. Gloss. ; vola (valet) e^, vola w, väla a^ d^ d^^, 
välp c^; valäy' (Thal) d^^, d'val^ (herabsteigen) e^, devol^ c^; mo- 
l^pri (mal(q)pris) e^; Inf. al§ d* s. 214; Imperf. alay' (ich ging) 
e^; djale (Hähnchen) f\ jale d*^ (über gallina s. 141. 142); §le'u' 
(Atem) e^, neben al^n' d', s. 27. Ausnahmen sind : ^l'm^ (anzünden) 
d^, ^l'mgt' ((dlumette) ip und das zusammengesetzte cecu\c (qiielqu'im) 
a} d^ d'^, cicin f^, cicic, f. cic§n' d^^, c§ciri,c c^, cecic b''. — a vor 
1 + Kons, wird zu a oder : /afi (wärmen) b^d^d^, /afyöe c^, §ofye 

Französische Studien. V. 4. ... 2 



18 . A. Horning. 

f^f"*, /oiye 10 \ t^ose (diai4sser) f-, sosye f^, §osat' a^; äsi (at<ssi) c* ; 
sat'r^l' (Heuschrecke), favat' d'*; sav^ (retten), sot(j (springen) d^^, 
sota fM /*:ad? (excalidare) d^, esoda P; sov(?dj' f^ säv^s" d- — d* (was 
doch wohl auf salvaticus führt). An einem und demselben Ort ist 
die Lautfärbung in der Regel, doch nicht immer, dieselbe für be- 
tonten und unbetonten Vokal : vgl. f^ so (Salz) neben sala, djale 
neben fo (falcem) ; fare {il fmid)-a) e^ neben fo (fallit), auch spie 
(salzen) c', fore (il faudra) c^. 

27. a -+- V (p b) : sovtro (sabulonem) e^, savro w; bramp (viel) 
d^ ; pavyo (Schmetterling) d^- ; l^va (waschen) f^', P. f. l?vay' ; lave 
d^d^', lava o>, läev'ras' (Wäscherin) d^d^; über avena s. 57. Die 
Inf. habere, sapere haben immer a : avu, savu e^ ; awor, sawor 
c^, die Participien aber evi», s^vi' s. 214. Ueber fy^ve (flabellum) und 
fy^ver' (Farrenkraut) d^ s. Gloss.. über evo, avo 79, über ca -|- v 
24; dazu tpvo (Bremse) r//, tawo d^. 

28. Ausser den erwähnten Fällen findet sich a : 1) vor "h 
(=^ frz. is + Vokal) : mälio (Haus) d^, mwälioi), d^d^^d-'', mäjo g^ 
malio b^c^, mojo a^. malioi], c^c", moJ9 e^e^, mwolio f^, mwojo f^, 
mwojpn' f-, molioii e^w^). Die Vertheilung der a- und o-Formen 
gestaltet sich wie die der a- und o-Formen von aqua s. 18. Ferner 
ralip (rationem) d^, rolio f^ to, rojo f^, rajo a^, r§lio nur c" ; solio (sationem) 
f^ to, sajo a^, splipi], e^ ; bajy§ (küssen) aV balü d'^; r§pajy§ (r -{- 
apaiser) a^ ; laliad' (Eidechse) f o : dagegen elii (aisc) d^, py^lii (pla- 
cere) e^w. 

2) Die einzelnen baco (Speck) e^ ; batyi (taufen) d^ ; bato 
(Stock) d^, bpto tu, boto f^ ; Inf. batyi (bauen) d^ d^, Is. bati 
e^ Part. f. bäti' c^ P. m. bseti b^, P. f. b§ti' b^ Ipl. b^tspii b*; 
maso (Maurer) d^ b^ od, mpso e^ ; fa^i (fache) d^ c-, fosi d^^, fwa§i 
d^; Inf. cas§ e^, c§se' a^b*, cses? b^; Inf. lät§i (Idcfier). tat^i e^ 
s. 17; mwa^ti (masticare) d^; vgl. 207 la. 

3) cyowe (nageln) d^; zu cyaw§ a^ vgl. Anhang II; über nue 
(natalis) s. 3. 

4) findet sich in einer Reihe von Worten, die französisch 
oder doch durch das Französische beeinflusst zu sein scheinen : nosyo 
(nation) f^ opeti a^, s'omvzy^ (s'amuser), cozi (quasi) a^; cpbpr^ (cabaret) 
e^, tpboc (tahac) e^ Ich reihe hier popa, momä d^, popo g^ an. 

29. Ausser den schon genannten Wörtern findet ein Uebergang 
des a in e statt in : §b?/i (ahaisser) c^ e^, b^sy? a^ ; §gr^/i (engraisser) 
e^, ^gresi e^, gr^sy? a^ ; 1^/i (lassen) c- ; i^/oV (Windeln, fascia) d', 
^/i (Achse) s. 75; §§sy§ (captiare), pes^ (vergehen), äl^sy§ (enlacer) 
a} ; m§tii| (Morgen) a^ w, s§pii\ (Tanne) w, emi (amicus) d* d^ ; §se 
(genug) e*, Qsa f^ ; (^/oer (assedere) d*, r^zoe (Rasirmesser) d^^, p^ci' 
(Weide) §put§ d*, (bringen); ^se (Stahl), enye (Lamm) f * ; ^noe 



^) Das von mir irrthümlich gegebene moihon (Lat. C S. 52) beruht auf 
einem Lesefehler. 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 19 

(heute, ad noctem) f^, ^noe' e^; m'n^si (drohen) d-^; §^pe (Hut) 
d*, t§§pe f^f^; ^woey' (Nadel) s. 116; tr^v^yi (arbeiten) d^d*; p^i 
(bezahlen) e^ ; l'meso (Schnecke) w, lem^so f^ ; §Qcii\ (jeder) a^, ^pre 
(nach) P, ?bi (Kleid) d^e^f*; b^yi (geben, bailler) d^^d^^; ?syet' 
(Teller) d^^ ; ^§'t^ (kaufen) ; r^sin' ; Is. §p(prt§' (j'approche) ; Is. §§vr' 
(ich versichere) e^; c^to;^' (vierzehn) d^; §dusye (versüssen) f^. Ver- 
■einzelte a-Formen fand ich in w f^ und G : egra;^e, tr^waye f^ ; §gra/i, 
^ta§i (attacher) w, asa (genug) f^ ; at9d' (warten) co ; sap^i], g*, äbrasi 
■g^, apr§ g^, a§oe (Imper. assieds), t§ap§ g^ — Auf a + y beruht der 
tonlose Vokal in v^rät' (Kuhname, varius) d^; l§se (Milch, lacticel- 
lum) d^, l§se' e^e^, läse' c'^, läs§ g^ ; tr^t'la (Trichter, *tractellittum) 
d^, trat'19 1//, tr^toe' (tractorium) e^**. — Ausfall des a liegt vor in 
yme d^ (sofern das Etymon ramellus richtig ist) und in r'te (ras- 
tellum, Rechen) d^d*d^, dagegen r§§te' e^e^; rgte' bedeutet in d^ 
Krippe. 

30. a + n + Kons. : onay' (Jahr) d^, onay' d*, anay' d^^e^w, 
^nay' a^ e^, uney' 1//, anoy' f^. Pan§ (von pannus, kehren) g*, pana 
f^ ; säi^spi], (cantiouem) c^ ; §ätey' (cantabam) d*. — a, -{- n+ Palatal 
giebt dasselbe Ergebniss wie betontes a + Palatal : mTji c^d^w, midji 
d^", m^nji c*, mTj§ a^ mii],dji e^, mindje f^, miji b^, 2s. Konj. midj^s' 
g^, mij're (Is. Fut.) d*; §Tji wc^d^, §Tj§ a}. Diese Fälle sind nicht 
beweisend, da T aus der Tonsilbe übertragen sein kann; etriji we^, 
etridje f^ kann durch etrlj' beeinflusst sein ; vgl. noch pyäd' (plangere) 
s. 214. — Ueber T vor nicht-Palatal in g^g^ vgl. 22. 

E (betontes) = e. 

31. Ueber freies § vergleiche auch die Einleitung. — Der 
Diphthong ist durchweg erhalten in A C F (o y tp : py§ (pedem) a^ 
pye f^f^f^wt//; fye (ferus) i^w; pyfr' (petra) f^f^w, pyer' a^, pyer' 
rp\ fy|v' (febris) f ^ ; mye (Honig) i/^; lyev' (lepus) f^f^. Vereinzelte 
<B-Laute finden sich in lyöev' (lepus) 1//, ly(pf' a^, pyö&, ij^x (ferus, 
bitter), fy^l (Galle) a^. An die Stelle der e-Laute, welche in c^ — c* 
erhalten sind, treten in dem übrigen Theil von C regelmässig oe-Laute : 
pye, py|r', ly^r', fyev' c*, dagegen pyöe, py^r' c' (vgl. Anhang I). 
In B E G ist der Monophthong durchgeführt : pi (Fuss) ; fl/ (ferus, 
Galle) b^, fi/ e^ ; ml (Honig) e^ e^** ; liv' (Hase) e^ e^ e^, livr' g^ g^ ; 
pir' b^ e^ e^ e^'' g^ g^ g* ; fif b^ b'^, fiv' e^ e^ ; in fi^vr' g^, yi? (heri) g"* 
ist § ein Nachklang, der in jenen Orten beinahe auf jeden Vokal 
folgen kann; an eine Zurückziehung des Accentes auf das erste Ele- 
ment des Diphthongen ie ist hier nicht zu denken^). 



^) Ich glaube überhaupt nicht, dass der Wandel von ie zu i sich durch 
Zurückziehung des Accentes auf das i erklärt, sondern vielmehr durch Assi- 
milation des e an das i. Wäre die erste Erklärung die richtige, so würde 
man auch erwarten, dass bioe zunächst zu bi geworden wäre, s. 80 Anm. 
Ein vereinzeltes rebresyi (r -{- embrasser), das sich nur aus r^br^sye erklärt, 

2« 




20 ^^- Horning. 

In I) finden wir in einer Reihe von "Wörtern den Diphthongen, 
in einer andern den Monophthongen. Auch hier wechseln, jedoch 
nicht nach erkennbarer Regel, oe-Laute mit den e-Lauten. Di- 
phthongische Form liegt vor in : pyer' dM-d"d^^ py^r' d^d^'^d^-d^^ 
d", pvdT d-^d^ ly«r d^ lyOev' d^^d^^, ly^v' 6.^^ d^^ lyfr' d^ 
fygv" d=^d2\ fyoev' d^^. fy^y (bitter, ferus) d*^; raye (Honig) d^d^^ 
d" d^°, my(p d^, myöe d^ d^ — monophthongische in pi (überall) und 
vi (vetus) d^ d' d^. Es ist wahrscheinlich, dass sich der Diphthong 
in geschlossener Silbe hielt , während er in offener schwand ; man 
erinnere sich, dass die Infinitivendung ie in D ausnahmslos zu i 
wird^). Als Ausnahme bedarf dann mye einer besonderen Erklärung. 
Das 1 könnte erst nach Eintritt der Monophtbongirung geschwunden 
sein. Bemerkenswerth ist, dass man in d*- mi sagt, in d-^ myel. — 
u bildet zwischen C D V eine Enklave, in der der Monophthong voll- 
ständig durchgedrungen ist : mi, pi, pir', vgl. Einleitung. 

32. Besondere Fälle. Vetus wird, wie gesagt, in D regel- 
mässig zu vi; d^, das vye hat, schlägt sich, wie oft, zu C. Regel- 
rechtes vye haben i^rpco, vy§ a^, vi e^ e^*^. Vey' lautet das Femin. 
dM^ d^ d^ eM'^ 1// w, v^y' e^*^, das sich aus vetula-vecla erklärt; 
vyey' a^ ist an das Maskul. angebildet, sir' a^a^ (cathedia) bedarf 
einer besonderen Erklärung; in /ayoer' b^e'^, seyoer' b'' scheint Suffix 
-oria vorzuliegen, s. 101. — Die 3s. levat (frz. leve) ist loev' 
d^, Hv' d^d^^e^e^", loef a^ (vgl. Is. j(^t' werfe a^ d^-), daraus lev' 
d^-, crepat cräv' d^ d^d'^d^d^^e^, cräf a^, crcpf a^ i jal' (gelat) d^ 
d^, djäl' e^", jöl' c'^ cfr. 44. Per wird zu pa e^, pwa f\ polQ {par 
la) c^, tp pwa mi (allein, tout par moi) w, to pwar mi c*', pa mi e^, 
s. Gloss. V, pwa. — Ego wird zu je d-d^d^f«;, dje d-^, dje e^e^e^ 
e^*^, daraus je e^, dagegen zu i (auch vor Vokalen i a = habeo f^) in 
(1) F und G. Aus der Grundform *§ o konnte je durch Konsonantirung 
des i von ie, i aber durch Reducirung des Diphthongs hervorgehen. 

33. e im Hiat. In deus, wo e im Hiat steht, wird dieser 
Hiat nach lothringischer Weise durch Einfügung eines i(y) getilgt; 
so entsteht d§y, wo man Diphthongirung des e, die in dieser Stel- 
lung lothringisch in der Regel unterbleibt, nicht erwarten darf. Das 
in Jouve's Noels so häufige d^y hörte ich nur noch in den bereits 
veralteten Formeln do d^y (donet deus . .) e^^w, d§y vp gar' (behüt' 
euch Gott), § d§y vp c'mä (Gott befohlen) e^° und in ppdy^y (par 
dieu) e^, wo dy = rd ist, vgl. 166. Ueber d^• s. 80; dye d^ ist 



hörte ich in d^. Wie erklärt es sich, dass in einem und demselben Ort pier' 
zu pir', vermis aber zu vye, nicht vi wird? Ich glaube, dass das e von pier' 
(in ursprünglich offener Silbe) sich nach i hin bewegte, das von vermis (in 
vu-sprünglich geschlossener Silbe) nach e, a hin (in manchen Orten wird es 
ja zu ya). Einer besonderen Erklärung bedürfen die diphthongirten Formen 
in e*, s. 37. 

1) Ueber eine ähnliche Erscheinung bei ö und e vgl. 47. 78. 

448 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 21 

aus dem franz. dieu entstanden. Aehnlich erklären sich die Prono- 
mina, die in absoluter Stellung dem lat. meus, mea entsprechen: 
masc. mey d"d**d'-f', fem. mey' d"d^-f\, m. u. f. me e^e^''. \) 

34. e-+- ^asal. Hierher gehören auch rem (nichts) und f§- 
mus (Mist), das überall wie bene behandelt wird : fy§, by§ f^w, 
ty? (tenet), vyq (veni) f^ bye c*, byiii, fyTi^ c^, fyi ^; byi a}ipi^; 
fe e^e^^e^'^, be e^e^e^e^'', r^ e* 5 bii],, fii], d^ d^, \h\ (venis) d^, bi 
fin d«, fi d^d^ vi (veni) d^d^ ri d^d^d^i; b?y, f?y, r§y d^^ (nach 
74); bi g^g', vT (veni) g^, ri und rä g^; tq (rem) i^(o erklärt sich 
durch die Annahme, dass es die im Satze vor konsonantischem An- 
laut entwickelte Form ist (cfr. vq ventus). 

35. ^ + y. i-Formen finden sich nur in A; sie sind ein charakte- 
ristisches Merkmal des Metzischen : li (lectus), d'mi, XV. ^^ ^^^ ^^X 
(decem) a^, di§ a^, sis (sex), pri (pretium) a^^) Sequere wird hier 
zu /Lt a^a^, .^jt' a^. Von B — G ist die Grundform e, resp. e' : pe 
(pectus) c*. pe (pejus) g-, pre (pretium) c^d^^f^w, pri c^ und sonst 
oft ist französisch; le' (lectus) d^^e^, 1^' e^, le d^, le d"'' d^\ le d^w, 
1? g^g'g*; seV (sequere), Is. se' e^; ser', Part, se d*, s. 214; masc, 
u. fem. iter' d^d^, §ter' d^e''e^"; masc. äty^r' d* und fem. äty^r' f^ 
sind francische Formen; de'j' (decem) e^, df'/ e^, de/ d^d^d^^, des 
g^, d^s g*; d"me (halb) d^d-^c^, f. d'mey' cüf^f^, dem^ g^ ; §e' (sex) 
e^, /e'f\ /e/ c*, ^e§ c^, /e wd*, /e d^, §e g^, §§ g*; f. sey' (Sichel, Ver- 
balsubstantiv von sei = secare) c^ d^^ ; Is. pr^/ (pretio, ich liebe) w, 
te/ (texere, weben) e^, leV (legere) e^^ vgl. 214.^) In B und c^ 
bis c^ liegen oe-Laute vor : löe, demöe, poe (pectus) c'', y&x (sex), 
doch immer de/ (decem) : Genaueres s. Anhang I ; §oe' (sex, ob An- 
gleichung an oe't V) auch e^'*. — lieber das Metzische i vgl. noch This S. 30. 

36. Besondere Fälle. Monasterium gibt mqüii a^a^, 
mote d^d^^V^. mpte' d^^, mote c*d^^ mgtoe c^. Dem französischen 
piece entspricht p§s' d^e^f^w, pyöes' c^, pöes' d^e^^; melius möe b^ 
d*d^d^^f^fo, me (aus moe) d^e\ mycp a^. Nee .. nee (ni . . ni) 
lautet in f^ ne ne ; nis' bedeutet einfältig e^ (o, susceptible c^ e^ ; geht 
es auf nescius zurück, so ist auffällig erstens i statte, zweitens die 
Verwendung der weiblichen Form auch für das Maskulinum, was im 



1) So habe ich Zeitschr. IX 507 das altostfranz. meie gedeutet, dessen 
i sich nur als Hiat-i auffassen lässt. 

2) Diese i-Formen sind wahrscheinlich dem Francischen entnommen und 
nicht die ursprünglich Metzischen. Dafür spricht die Thatsache, dass 
e(i)-Formen in altmetzischen Texten vorkommen und dass das weibl. absolut. 
Pron. ley z. B. in a^ erhalten ist. Da in ley ey = e-[-y ist, so hätte bei 
lautgerechter Entwickelung zu i, li daraus werden müssen wie im Francischen. 

^) Dass § + y zunächst überall zu iei wurde, wie Cloetta (Poeme moral) 
meint, scheint mir unrichtig. Wäre dies im Osten der Fall gewesen, so hätte 
dieses iei zu i werden müssen, wie cera (durch cieira) zu sir' und Part. fem. 
iata (durch iei') zu i' geworden sind. — Die oben für d§y (deus) und m§y 
(meus) gegebene Erklärung setzt voraus, dass jenes BUat-y sehr alt ist, ja älter 
als die Diphthongirung von e zu ie. 



22 A. Horning. 

Lothringischen kaum vorkommt ; endlich erwartet man , dass s c i zu 
X geworden wäre. 

Im Hiat wird ? + y zu -ey' : Is. sey' (von secare, ich ernte) 
d' d^, Subst. f. sey' Sichel c^ d^^. Die Is. ^moy' (renego), Is. noy' 
(neco) C*, r'npy', n9y' i/^, näy', r'nay' d^^ sind nach Analogie der 
endungsbetonten Formen umgebildet, vgl. 42. 

(ledecktes 9. 

37. 9 + 1'+ Kons. Diphthongirung kommt in einem Theil 
des Gebietes vor, und zwar in demselben, in dem auch 9 vor r + 
Kons, diphthongirt, also in C, D, F, e'' — e", d. h. in dem östlich 
von dem Vogesenkamm gelegenen Theil von E; ausserdem in 1// 
und w : fy9 (ferrum) c^ — c^dM^t//, fy9 f^, fye f^; ty^r' (terra) d^, 
ty9r' e^f^f^f^, t§^r' c^ — c^, t^ser' c^; y^b' (herba) c^c^, yerb' e^, 
y9rb' d^ y9rb' ff*; laty9n' c^c^d^d^d», lat^^n' c«c', lät§^n' c^; 
lateV e^ weicht ab; vy9;^ (vermis) c^c^, vye/ c^c'', vy9 d^e^e^^ 
f^f^i//; myel' (merula) c*; C9vye§' (Deckel) e^, cevye;^' d^d^; pyed' 
(perdere), d9vyer (öffnen, vgl. 214 v. omrir), 9vye (Winter) d^ ; nye 
(nervus), sye (cervus) e^; n9rf d^d^c^, S9rf (cervus) d^c^f^ sind 
iranzösirte Formen; lye/ 9rpicem^) d^, lye/t d*; e§' 10 i^ weicht 
ab. In dem grössten Theil von D tritt a an die Stelle von e : 
diesen Lautwandel habe ich festgestellt für d*d'^d^^d^^d^^d^^d^^, 
ausserdem für (o : vyä, tyar' überall ; c^vya;^' d^^ ; fya, pyad' (perdere), 
Is. pya, r'vya/i {renverser), 9vya (Winter), d^vyar, Part, devya, f. 
d^vyat' d^^; latyan' d^d'^d^^; evya (Winter), fya, pyad' (o. In d^ 
d^, wo e-Formen üblich sind, sagt man doch c'ma tyar' (Kartoffel) ; 
letzteres hörte ich auch in d^ aus dem Mund einer Frau, die vy9, 
fy9, ly9rb', ivye, läty9n' sprach. Ein anderer Gewährsmann in d^ 
sagte y9rb' und yarb', tyar', pyad' (perdere), Is. pya, neben vy9, 
fye, läty9n', 9rvye/i {renverse). Das altfrz. hers (Wiege) lautet byoe 
d''d*^, bye d^d^, erpicem lyöe/ d*^. 

Die Diphthongirung findet sich nicht in A, B (doch fehlen mir 
Notizen über b^b^) und G : ter' a^b^b^b'^; fe a\ fer b*; V9/ (ver- 
mis) b^, ve;^ b^, ve^ a^'^; ped^' (perdere) b'', pet' a^; erb', t^ver a' ; 
ve, ter', erb', fe, ive g^ aber 1^' (erpicem), auch g^, die Is. h9rt§' 
(ich egge) g^ nach dem Infin. ort^i. In A finden sich in einer Reihe 
von Wörtern i-Formen vor ursprünglichem r + K n s. : hirp' (erpicem) 
a^ (inf. hirpy9); plr§' (pertica) a\ pi/ a^; pl§' (Pfirsich) a\ pe/a^; 
bi§' (Wiege), Inf. bi§y9 a^ ; bi/, Inf. bi/ycp a^ ; vgl. über dieselbe 
Erscheinung im Wallonischen Zeitschr. IX 483. In g^ g* wird der 
(in g^ geschlossene) e-Laut zu j, i : pirt§9, vi9, tjr', fit? g^ ; vj, t9r' g*. 



') Daraus erklären sich auch die rät. Formen bei Gärtner S. 46 besser. 
Groeber, Arch. f. lat. Lexic. III 270 setzt nur irpicem an. Vgl. noch 
hierche in Bartsch's Manuel -541, 18. 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 23 

Eine besondere Betrachtung erfordert der westlich von dem Vogesen- 
kamm gelegene Theil von E : in e^ sagt man ter', aber nach einer 
Labialis entwickelt sich ein w : fwe, vwe (vermis), pw§'^' (pertica), 
evwe (Winter), devwer (öffnen); fet' (Fest) zeigt jenes w nicht; über 
e^ e^ e^ e*^ fehlen mir ausführliche Nachrichten ; in e^ notirte ich tyar' 
und d'war'. Part. f. d'wat' (tyar' und d^var' auch in >'), in e- d'wer, 
part. d"w?, d'wet und in e^ dowet". Konsequent durchgeführtes i 
fand ich nur in e'* : fi, tir, vi, latin', pit' (*perta, Stange, vgl. Zeitschr. 
IX 502), pits" (Pfirsich). — Versus (gegen) giebt wa f d^, vq eS 
d'vä a^ 

38. Gedecktes ? mit Ausnahme von § + r H- Kons, 
und ? + n H- Kons. I. Die Wörter auf -ellum, -ellam, 
-ellem. Hierhin gehören bellus, sella, pellis und das Suffix 
-ellus. Diphthongirung zeigt nur das Maskulin, bellum in einem 
Theil des Gebiets : bye, f. bei' c^ä-—d^., by§, f. bei' d^e^e^». 
by?, f. b^r c'; bya, f. b^l' hörte ich nur in d^^. ^) Dagegen be, 
f. bei' b', be f^d^^ Bella wird in einigen Orten zu bal', bei' : 
bäl' (m. be, vgl. Subst. noval') f\ bal' (m. be, aber npv^l') f°, b9r 
(m. b§') e\ bal" (m. be, vgl. c'ral', querella) (o, bal' (m. b?) g^, aber 
be. b§r g^g^; bar' g\ — Pellis wird zu pe d^f^, pe w, p§ g^. — 
Säl' (Stuhl, sella) hörte ich nur in g\ sei' A^i^^d^^P, s?l' g^g* 

39. Suffix -ellus wird regelmässig zu e : ute (aucellum) d^ 
d^^d^i, uje f-; fune (Ofen) d^ ; t§§ped^f^f^ muze (Schnauze) d^; 
cuted^; se (Eimer, sitellum) d^^; ve (Kalb) e^w; noved^^f^; pu/e 
(porcellus) «j; mate aM^ ; m^te (Hammer) a^. Ein i-Nachklang war 
deutlich wahrnehmbar in e^ — e^** : tore' (Stier) e^, cute' e^e^°; e' 
l§se' (Milch), s§pn§' (Tanne), uj^\ r§§te' (Rechen); p9§e' e^e^®; size' 
(Scheere), föne' (Ofen) e^^ ; e^ : b'z?" (Erbse), cut§', olie', po/^', mp/?' 
(Stück) ; ferner c^ : oW, ve' (Kalb), läse' und d^^ cute', cw§' (cuveau). 
Vereinzelte Beispiele für diesen i-Nachklang liegen mir noch vor für : 
b^ cute'; d'^ mwate* (Hammer); d^ tote' (Kuchen), r§te' (Krippe), 
r'te' (Rechen); a^ föne' (Ofen); c® mat§e' (Hammer); g^ uje', noeje' 
(Haselnuss) neben m^tse, cute, mwo^e (Stück). In g^ g^ hat der Laut 
eine ausgeprägt offene Klangfarbe : uje, cut§, mat|9 g^; t|ap§, 
läse, pos? (Schwein) g^ ; dieses § findet sich auch in a^ n^w^. — 
Ein oe-Laut findet sich an Stelle des e in dem Worte uliöe (Vogel) 
d*d'd'' — d^ ^) neben mu/e (Stück), tone etc.; mu/öe hörte ich nur 
d^°. — Es findet sich auch eine Nebenform auf -yo, die ich für eine 
alte francische Lehnform halte und die nur in wenigen Worten er- 
scheint : buryo (Henker) f ^ ; ridyo (Gardine) a^e^^f^; b^tyo (Schiff), 
cr^byo (Rabe), sizyo (Schere) a^, aber size d^. 

^j bya mag ursprünglich die Form des Plurals gewesen sein ; das i wäre 
auf den Singular übertragen worden, daher bye. 

2) Diese oe-Laute sind im Steinthal mindestens hundert Jahr alt, da sie 
von Oberlin bezeugt sind. 

451 



24 A. Hornipg. 

Suffix -ella wird zu einem e, das zwischen e und ^ liegt, das 
ich daher bald mit dem ersten, bald mit dem zweiten Zeichen uotirt 
habe : punel' (Pflaume) d^^ ; pun^l', /nadr^l' (Eidechse), ;^adrQr (Schleh- 
dorn), sät'r^l (Heuschrecke) d^ ; nov^l' a^ ; abweichend ^rodral' ( Schwalbe) 
a^ Ueber dcmliäl' (Magd) d^ s. 63. 

40, IL Vor s, t wird vulgärlateinisches ^ in der Regel zu e : fnet' 
(Fenster) i\\ fnet' d-d^^d^i e=^e«fS fnef d^d^^d^Oc-, fenet' i^ (fnq^t' 
d^, f'nöet' d'-*) ; /'net' (gen^sta, Ginster) d^, j'net' d", j'net' c\ Irnet' 
d^ li'net' e^, j'n^t' V^; Inf. et' (essere) d\ s. 214; beV (besta) wf^ 
f^; fet' (Fest) d^e^e*, fet' i//; tet' d^e^o^; pret' (Priester) d^e^f^; 
vep' (vespa) f^, wep' a^c'. Septem wird zu set a^c^f'', set e^, s^t 
d^d^f'j, desQt (siebzehn) f^. Pre (nahe bei, pressus) d^, ^^pre d^ 
zwischen e und q. — Einen i-Nachklang hörte ich in te't' c^e^ 
e^", fe't' c-e*^, fne't' e^, j'ne't' c". — In g^ ist der e-Laut offen : t^t', 
fQt, b?t'. — Offen ist er immer in rq/.' (frz. reste) e-, vgl. 158. 
T r e d e c i m (vielleicht richtiger tredecim) wird zu träs" o (cfr. säs' = 
sedecim), zu troz' d^ d^ c^ e^. Doch hat das Wallonische , das den 
Wandel von e zu a (o) nicht kennt, ebenfalls träs', säs'. — Ueber 
es, est s. 58^). 

41. § + n + Kons, ta (tempus) a^c'^e^e^, tä d-^ to d^e^f^w; 
sä (centum) a^ ; va (ventus) g*, va d^, vo d^, vö d^ ; V9t' (ventrem) 
d^^w; mombr' (membrum) f^ mob' w; do (Zahn) (^ o. dö d^; s^rpo 
8^, s^rpö d**; top' (Schläfe) e^i^co-^ s'mgs' (Same) d^'^; ja (Leute) d^, 
dJ9 f ^ ; tod' (tendere) e^, tod' d-\ /dond' (extendere) f^, stod' d^S 
^tod' (warten) (o; morod' (merenda) ip, mar^d' d^; rod' (frz. renilre) 
(t), rpnd' e^ ; bromo (viel, hravement) f'', sir'mo (sürement) d^, malimo 
(maiivaisement) f^ ; tar' (teneram) a^ d^, tär d^. 



E (unbetontes) =^ e. 

42. ? + y wird im H i a t regelmässig zu ay, oy, doch kommen 
auch einige Abweichungen vor : mayu (meliorem) d^ d"* d^, moyu xp, 
muyoe d^^d^*^, mwayu (o, myö f\ myu a^ ; mit den beiden letzten 
Formen ist nya (nee entem) d^e^^'f^V^ zu vergleichen. Sayat' (Säge) 
d^ d^ d^, s^yat' f^ R'muäyi (remedicare, heilen) d^d^-, ^rmwayi d^, 
r'mai d'^e^, r'moyi d-\ An vielen Orten sind von secare, und 
zwar nebeneinander, zwei Verba mit verschiedener Bedeutung üblich, 
das eine mit dem Vokal e, das andere mit a oder o. Die e-Form 
beruht auf betontem e + y (cfr. 36), die a(o)-Form auf unbetontem 
^ + y : sei (ernten) d^ d*^e\ in d^- den Roggen schneiden; s^ye (mähen) 
f^, seyoe (mähen) c'^c'-'; sayi (sägen) d*'d^ (in d^"- das Heu abmähen), 



1) Ich vermuthe, dass das geschlossene e aus einer Zerdehnung des 
ursprünglichen e hervorging, auf welche Kontraktion folgte. Vgl. das häufige 
beerte im Bernhard und das 88 Anm. über eine ähnUche Erscheinung unter g 
Gesagte. 



452 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 25 

say? (sägen) a^, spyoe c'^c^, soye c^ ; in e^*' bedeutet sai mähen, sei 
mit der Sichel schneiden; über SQg? e^ vgl. 132. Wie sayi sind 
gebildet : ^rnoye (renegare), Is. ?rnoy' c*, Is. r'nay' (nego) d^d^- 
€^; Infinit, näye (ertränken), Is. noy' c"*, nayi d^d*, n^ye fS 
P. f. nayey' (ertrunken) d-^ In e/eyajt; (sitzend, asseyant jus) d** 
d^ findet sich nie ay (oyj, cfr. 214 v. asseoir. § + y, doch nicht 
im Hiat, findet sich in : ta/ra (Weber) d^d^d^-, tp/'rä i//, te/'rit 
e^ f^ CO (cfr. Inf. te/ e^), t(p§'ra (Inf. tcp§i) a^ ; pwase (pectus + ellum, 
Zitze des Euters) d'', pwQse d^, doch s. Gloss. ; oe!|ifyoe (exire 
foris, Frühling) i^, vgl. Gloss. : rau/o (Ernte) o , Inf. mu/'na f\ 
mus'na f-. Die Form dieses Wortes, wie auch oben die von muyoe 
scheint durch die Labialis m bedingt. — Hier reihen sich die mit 
medius zusammengesetzten AVorte an : medi f^w; m^noe d''d^^d^^ 
menoe' c'', meynt^ a^ ; über mweto f^ mita a^ vgl. Gloss. 

43. ^ im Hiat ist geschwunden oder hat sich wahrscheinlicher 
dem folgenden Vokal assimilirt in : mol' (medulla) s. 105, myol' nur 
g^; po" (peduculus) s. 103; bolät' (Birke, Deminut. von betulla) d^. 

48 bis. § + r + Konsonant wird bald zu e, bald zu a (o) : §rmT 
(gestern, heri mane) d^d'^d^^f^ ermi f'^, orme' e^, örmT e^°e^\ irniT 
e^, ^rmi e^; §/a (gestern, heri serum) d^d*, §|oe a^ a/oe' a^; patce 
(frz. pertuis) d^. petj; f^, vgl. 116; s^rpo e^, s^rpö d'^; /t^nwe 
(sternutare) d^, /tanye f^ s. 118; maryd' (merenda) d^, s. Gloss.; 
^'/i (erpicare) e\ (zu §rpuyi d*d'^ s. 207 P), ortsi g^g^, hirpye 
a^ (vgl. 22); sarpot' (serpette) P s. 151; über pwa/i (percer), Is. 
pwa;^' d*, byoe/i d*, §rvye/i (renverser) d^, vgl. 11; bemerkens- 
werth ist der y-Vorschlag in pyär/i (Petersilie) d^ — d*d^, dagegen 
par/ir|,wf^; pas^'n' (persona) e^, vgl. 100; mprsadiz' c'-*, mw§rt§ädiz' f-, 
morsa e^, s. noch 72; Inf. sar§ (frz. serrer) d^d^d'^d^e^ (Is. saer 
d^), sär^ d^-, sara f^, s^ra f^, s§r§ e^ ; cware (suchen) d^-, aber cw§ri 
b^ f^ yj. In pwedi {perdu) e^ ist w wohl aus der Tonsilbe übertragen, 
vgl. 37. 

44. § vor 1, vor und nach v: Inf. gdjala (gelare mit agglu- 
tinirtem Pronomen ? = ii) f^ ; m. jale, f. jalay' (gelee) d^, vgl. 32; P. f. cra- 
vey' (crevee) b'^c^, crpvey' c'^, crovay f^, vgl. 32; in dem letztgenannten 
Verbum scheinen die a(o)-Formen allgemein verbreitet zu sein, während 
sie mir für levare nur in F und co begegnet sind : Inf. lova (Is. 
love) f^, ^rlöve f^, Ipva o). — Ist in §rvt^/ti (revetu) d^, r'vi/ti d* 
der Lautwandel des e durch v veranlasst? Ueber den Einfluss eines 
auf den betonten Vokal folgenden v vgl. 180. Bernhard hat revistiz 
172, 36. 39. 

45. § + n-f-Konsonant scheint sich ebenso zu entwickeln wie 
vortoniges e + n + Konson. s. 68 : ITtey' (Linse) d- und ebenso regel- 
mässig nätey' a^, vgl. 75. In posa (denken) f^ liegt Einfluss des 
Tonvokals vor. Besonders zu merken ist väre {je viendrai) d^, väre 
e^ s. 214. 

46. § fällt aus in f net', s. 40, (fenef f^), p'sey' (vessica) d-, s. 72, 

453 



26 A. Horning. 

v'roe Riegel, s. 101, P. f. v'now' (gekommen) d^, P. f. defti' (ent- 
kleidet) c', Inf. l've e^ 

E (betontes) = lat. e i. 

47. Freies e. E nach Labialen. Von A— F ist die Ent- 
wickelung von e eigenartig, wenn ein Labial demselben vorausgeht; 
man vergleiche die Einleitung, lieber die Schicksale des Vokals in 
G, wo jener Unterschied fortfällt, sehe man 52. — Der Diphthong 
ist durchweg erhalten in ACFxfxo : \sev' (vitrum) a\ vw^r' f'f^w, 
w^r' a^; fwer" (Jahrmarkt) a^ fw^r' f ^ ; mwe (mensis) a}<')i^ 
f^, mw? f^; bwer' (bibere), Is. bw^ a^, bw^T' o, bwer' f ^ ; pw^ 
(picem) (0, pw§§ a\ pwe f-; pw^r' (Birne) oP; pwe (pilus) a^ f M 
Is. w? (video) a}io\ saw§ (sapere), aw^ (habere) a^ sawe, awe w, 
fw§ (vicem) a\ fwe (oi^P. In C herrschen wo-Formen vor : fwo 
(vicem) c'c^c'c^, aber fw^ c*c^; pwor' (pira) c^, pw9r' c^c^; pwos 
(picem) c^, pwö/ c^c' aber pw? c^; mw§ (mensis) c^c^c^; wgr' 
(vitrum) c^c^, wör' c'^ c* c^ c'' c^ ; Is. bwp c^, bwo (Imper.) c^, Inf. 
bwor' c"; awör (habere) c^, sawör c^c^; Is. vw^. (video) c^. Die 
^-Formen sind vielleicht francische Lehnformen. In yj fand ich pw^ 
(picem), mwa, fwo (vicem), pw^r', in y mwo. 

Nur in E ist die Monophthongirung konsequent durchgeführt : 
mu (mensis); mü e^; fu (fides) e"; fu (vicem); pü/ (picem) e^ — e^ 
e^, pu e^e^*^; für' (feria); ävu (habere), sävu (sapere); pu (pilus); 
vur' (vitrum); ovu (habebat) e^ ; vu (video) e^e^e^"; bur', Is. bue^; 
vor' (vitrum) e'^, vür' e" ; avuy' (habebam) e^, awu, sawu e- ; pur' 
(Birne) e^ ; pwa (Gewicht) ist französisch. 

In B herrscht Diphthongirung vor : fw§ (vicem) b^b'^ — b'^: mw? 
b^, mwa b^b''; pwe/ (picem) b^; pwel' (pilus) b^; awer, sawer b'^; 
bw§r' b^b''; pw^r' (pira) b^. Dagegen vor' (vitrum) b^ b^ ; vor', pö/ 
(picem) b'^. Angesichts der letzten Formen ist die Möglichkeit nicht 
abzuweisen, dass in B die monophthongischen Formen die lautgerechten 
sind und dass die andern französische Eindringlinge sind; für mwa 
ist dies wohl sicher. Es sei daran erinnert, dass freies bet. e und o 
in B monophthongische Form zeigen. 

In D ist, ähnlich wie bei 9, der Diphthong in einer Reihe von 
Wörtern erhalten, während er in einer andern Reihe dem Mono- 
phthong weichen musste. In den diphthongischen Gebilden ist, wie in 
C, häufiger als e : mwp d^d*'d^d^\ mwö d^d^, mwo d^*, mw^ 
d^"d^^; pw9/ (picem) d^d^M^^, pwö/ d^^, pw^ d^, pw§/ d-^d^; bwör' 
(bibere) d^d^ Is. bwp d^; wor' (vitrum) d'^d^, wör' d^ wor' d^, 
vor' d"^^ ; pwo (pilus) d^, pwo d^ (pw^l d'^ ist wohl französisch, 
ebenso fwQ, fides d''). Monophthongische Form findet sich in : pur' 
(Birne) d^ — d'*d' d^d^"; u (video) d'^ (dagegen \sq d^'); fü (vicem) 
d'^d^d'^ — d'^d^d^^ (fwo d^'' habe ich vielleicht aus Versehen so notirt); 
au (habebat), sau (sap(i)ebam), Inf. au (habere), sau (sapere) d^. In 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und ßelfort. 27 

d^", das auf der Grenze von D und E liegt, scheint der Monophthong 
durchgeschlagen zu haben : fu, mu, pupf. Ein ähnliches Schwanken 
unter ?, 9 (vgl. 31. 78) scheint sich, trotz einiger Bedenken, am 
einfachsten durch die Annahme zu erklären, dass der Monophthong 
sich in offener Silbe entwickelt hat, während der Diphthong sich in 
geschlossener Silbe hielt. Dann bedürfen freilich mwo, pwo, pur' 
einer besondern Erklärung \), Das erwartete pwor' hörte ich d^^ : 
für d-^ fehlt mir das Wort, aber pwori (Birnbaum) lässt auch hier 
auf pwor' schliessen. 

•A8. Folgte auf e ein yod, das im Hiat steht (s. 50), so ist in 
D die diphthongische Form erhalten in Tvwey' (in viam = abgereist) 
d^d^; dagegen lautet die Is. ^vuy' (ich schicke, Inf. §vuyi) d^ d^ d^*^ 
(so auch in c'e^). In viam wird zu ^voy' in e^; avay' a^ zeigt 
keine Beeinflussung durch die Labialis. 

49. Freies e nach Nichtlabialen (ich füge hier gedecktes 
e vor einem y-Laut gleich an) wird von B— F bald zu a, bald zu 
0, über A s. 51. An manchen Orten herrscht a vor, an andern 0, 
ohne dass einer von beiden Lauten irgendwo vollständig ausgeschlossen 
wäre: a herrscht vor in D : sa (serum) d^d^^, sä d^^; ta (tectum) 
d^^d'-, tä d^; tnä/ (tres) d^; sa (sitis) d-^ sä d^, sp d^^; nar' (ni- 
grum) d*d^d^-; fra (frigidus), f. frad' d^; /täl (stela), §adär (can- 
dela) d«; tal' (tela) d=^d«d^2^ täl' d^ j'nab' (juniperus) d^ vgl. 183; 
sä (sepes), da (debes) d^ ; I9 (Urem, Ratte) d^- ; ^/a, (heri -|- serum) 
d*, ?/o d^*'. Auch in F und w überwiegt a : rä (rigidus), da (Finger), 
ra (regem, an anderen Orten meist francisches rw§) f^ ; sä (sitis) f^ 
(0 ; fra, dra (directum), tä, cra (credo) co ; etra P ; ta f^ f^ ; tros (tres) 
f'' ; ausgenommen ist trö/ (tres) f\ tro/ o. Sonst herrscht vor. 
Beispiele für E : sä (serum) e*, sa e^, so e^ ; so (sitis) e^ e^ e^ ; tö 
e^e^e^; stoF (Stern) e\ §tor e^; tol'e^e^; mustol' (Wiesel) e^; dro 
e* e^ ; do (Finger) e"* e^ e^ ; tra e^, trp e^ ; fro, ro (rigidus), rp (regem) 
e^ ; nar' e'^e*, nor' e^e^. — Beispiele für C : sq (sitis) c^c* — c^c^; 
fra, ta c**, tä c-, ta c^ c^ ; tal' c^ c^ ; drät' f. (die Rechte) c^ ; so 
(serum) c^ c^ ; crä (credo), när' c^ c^. — Beispiele für B : lö (lirem) 
b'; tö b'', to b^b^, tp b^ ; sä (sitis), frpm'rä (Mist, Endung -etum) 
b^, so b^, sp b^ b-^ ; töl' b^ ; nör' b', npr' b^ ; sw^r b^ ist französisch. — 
In ip hörte ich : so (sitis), sä (serum), tra, cra, täl'. Eine 3s. p^z' = 
frz. pese hörte ich e^. 

50. Folgt auf e ein y im Hiat, so ist dasselbe erhalten : m'näy' 
(moneta), cray' (creta) e^, m'nay', cray' d^d^^; monoy', croy b'*f^; 



^) Ich glaube nicht, dass fu aus fue durch Zurückziehung des Accentes 
auf das u erklärt werden darf; dagegen spricht die Entwickelung von bioe zu 
hv (8. 80). Es fragt sich, ob nicht uo-Formen den monophthongischen vor- 
ausgingen; uo wäre durch Assimilation zu uu, dann zu u geworden. Vgl. 
die 31 Anm. vermuthete Entwickelung von pie zu pi durch pii. Cwod' 
(chorda) u. s. w. wurde nicht zu cud', weil hier das sich nach a hin be- 
wegte, vgl. 87 die o-, a-Formen; im Wallonischen sogar ?, cw^d'. 



28 ''^- Horning. 

muuay', croy' (», cräy' d'^; say' (seta, Schweineborsten) d'^e^^, soy' 
f ^ ; ray' (riga, Rinne) e^, räy' c-. Ausser den schon angeführten da 
und do entsprechen dem französischen doigt an vielen Orten Formen 
auf -ay" oder -oy', die, obgleich männlichen Geschlechts, doch un- 
zweifelhaft auf altfrz. doie (vulgärlat. *dita) zurückgehen : däy' d*d^^, 
däy' d\ day' d^d^d'^d^d^^. ^j^y' c^c^f^M^o^, döy' b'^, dpy' bV- 
In dwäy' c^, dwäy' c^c**c'^, dwoy^ c* erklärt sich das w durch Be- 
einflussung durch das Französische (vgl. 86), Is. pyay' (plico, nach 
plicas, plicat) d^d-^ pyoy' W\ abweichend Is. pyey' d^ (Inf. pyayi 
und pyeyi d^d^, pyai e^*^), Subst. pye (Falte) d^ — d-^d^, pyey' e^ 
(Infin. py?ye f^w, pyai d^, py(,'yi d'', pyayi e^). 

51. In A wird freies e, sofern es nicht im Hiat steht, wie 
im Wallonischen zu langem oe, resp. oe' : troe;^ (tres) a^, troes a^ ; 
soe (sitis) a^, soe' a^ ; a/oe' (gestern) a^, §soe a^ ; toe' a^ (in a^ 
tw§, tw^tt^r') ; roe (regem, im Kartenspiel, sonst rw§) a^ ; culioef 
(schweiget) a^ \ tonoer', srel' (Roggen, e stand hier in offener Silbe), 
toel' (tela) , dagegen §tw^l', dra (directum) , noer' (nigrum) , voer 
(Inf. videre) a^ ; näf (Schnee) a^ weicht ab. 

In folgenden Wörtern folgte auf e ein y im Hiat : doey (Finger), 
m'noey', ervy' (creta) a^; zu räy' (riga, Furche) a^ vgl. 48 avay'. 

52. In G wird e nach Labialen und Nichtlabialen zu wa : fwa 
(vicem) g^g^; mwa (mensis) g^ ; pwa (pilus) g"g^; pwär' (Birne), 
bwar', pwa (Pech), war' (Glas) g^g^; dagegen WQr' (Glas)g^g-; wa 
(videt) g- ; nwa (nigrum) g\ nwär' g" ; swa (sitis), twa (tectum) 
gi_g3. (j^va gig4; twal' (tela), etwal' g^; swar' (Roggen) g^ ; twa 
{toi) g-— g^ 

53. Die Wörter auf -iculum (itulura), -icula (itula). So 
(Eimer) e^ e^, sä d^d'^ ist wohl situlum; auf situla beruht dagegen 
say' d^ d^, säy' b'^, soy' c'^ ; s?y' a^ ist vielleicht nach s^ye (Melkeimer, 
sitellus) umgebildet. Für das Suffix -iculum fehlt es an sicheren 
Beispielen, wenigstens für das ganze Gebiet : s'lä a^ a^, s'ray g^ g* sind 
zwar sicher soliculum; aber s'lo b^ d^ d'^ d^ e^ e^ f ^ w, s'lö d^^ könnte 
sol-üculus sein ; namentlich in D würde man eine a-Form er- 
warten ; vgl. das wallonische solo Zeitschr. IX 484. Ueber die Ver- 
treter von au r icula s. 126; orcy' g-, c^n^y' (Spinnrocken) f\ bo- 
t?y' g^ g^ sind vielleicht französische Formen, dagegen b9tay' a^ f^ f- 
«), b9täy' d^^d^\ botoy' c-e^e■^V^ bf)toy' c'^; curbay' (Korb) f- 
s. 169; c'uay' (Rocken, collcula) b^'^d'^e^*^; cunay' (Rabe, cornicula) 
d^, cgnpy' e^ (s. noch 96) ; g^rnay' (Frosch) a^ ; §enay' (Rückgrat) 
e^. Auffallend ist s'müy (Schlaf) d^ d^, vgl. s'moya e** ; ist hier der 
u-Laut durch die Labialis hervorgerufen? Ob hierher auch ?rpuy' 
(ich egge) d'* gehört V S. Glossar. — Tegula giebt toel' b'c^d^d*- 
jl2i(i23^ toe'l' el^ tel' cM^ d^ työel' f^w, ti^V g^ til' a^. 

54. c + e. Bei vorausgehendem c wird e zu i wie im Fran- 
cischen. Da dieses i aus icl hervorging, so liegt hier der Beweis 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 29 

vor, dass auch im Osten der Triphtbong iei zu i vereinfacht 
wurde; vgl. 13 : sir' (cei'a) d^d■*f^ ich hörte nirgends eine von der 
französischen verschiedene Form; lalii (licere, freie Zeit) d*d''d^^; 
^rlilii (re -h lucere) d^; pyv^W (placere) d^e^f^c> s. 214; mulii (ver- 
schimmelt) d^d^'d^, mrji a^ ; pisii^ (Hühnchen) s. 107; Is. j'^rsin' 
(re H- ceno, Abendimbiss um 9 Uhr) (o, (Infinit, ersine f-^, ^rsin?, d^, 
r'sin§ d^e^), Substantiv r"sin w, ?rsin' i^. Racemus kommt fast 
nur in der französischen Form vor, vgl. 139. 

55. Besondere Fälle. Einen eigenartigen Einfluss hat in 
einigen Orten r, zuweilen auch 1 auf vorhergehendes freies e : cr^r' 
(credere), w^r videre), n^r' (nigrum) f^f^; §§r (cadere), ty§n§r' 
(tonitru), §/§r (sitzen), /t^V (Stern), t^l' (tela) f ^ ; ^ad^l', tpn^r' 
f^. In io crer', wer, ner, §?r, ^/er, sei' (Roggen), stel', tel'. In 
gSgio y^Yj ti§?r; cr§r' (danach Is. cr^) e^; aber ^töl', toi' e^e^**, 
t'nor', ngr' e^*^. In d® crer' (danach Is. cre), ver, aber nar' und 
t^r ; t§r in d^. In e^ wo e sonst in der Regel zu o wird, 
crar, t'när', s"e/ar', aber nor' und vor (videre). In d^^ tiner', §er, 
crer'; in c- ton^r', aber nar. Inf. soer (cadere) d^d^ ist nach der 
1. Sing, soe umgebildet. Vgl. noch 214 asseoir^ choir, croire, voir. 

Die Grundform der absoluten Pronomina me, te ist von A^F 
mi, ti, z. B. §vo mi, ?vo ti (mit mir, mit dir) : mi c* c^ d^ d^ d^ d^^ e^ 
g8 — e^'^f^w, ti c^c'^c^c^d^d'^d^e^e^'^f^wr; t§, m? a^ ist aus mi, ti 
entstanden (vgl. in a^ tos^ ici, gemeinlothr. t9si; m^ = Negation mica); 
aus mi, ti ist ferner, wohl durch die Mittelstufe me, te, möe b'^b^, 
toe b^, te b-^b*^ entstanden. Mit te d^^d^^, mi d" ist der Laut- 
wandel von -h\ zu -T zu vergleichen, s. 73. — In G sagt man twa, 
s. 52, und gewiss auch mwa, obwohl ich das Wort nicht notirt habe. — 
Die Vertreter von sebum s. Gloss. v. ;^oe. 

56. Eigenthümlich entwickelt ist das e in qu(i)etio (ich 
schweige) : Imperat : cu/' t^ d* d^^ e^, cu/' te d\ cus' te f^ (vgl. Infin. 
cu'hi d^d^^e**, colü e^, cujy§ a\ culiyöe a^; cwolie und 1. Sing, cwolie 
f^): in g^ Is. im' cäj", Imperat. ca;^' t^ (Inf. cäji?). — Aehnlich 
verhält es sich mit tycw^ (immer) f^ das ich aus totum und 
qu (i)etum erkläre, w vertritt lateinisches u^) : in tocü e^ e^e'*e^*^e^^, 
tucu e^ ist der Monophthong lautgerecht. Nördlich von E scheint 
das Wort nicht mehr vorzukommen^). 

57. e -|- Nasal. Auch hier entwickelt sich das e verschieden, 
je nachdem Labialis oder Nichtlabialis vorausgeht : Nach Labial : 
awon' d^ d'^ d^, ^vw9n' fo, ?w9n' fS ^wen' f^, ^w§n' f^ f* ; wpn' (vena) 

^) Man vgl. cwesi (coacticare) Gloss. 

2) In folgender Stelle Froissart's (Tresor Amoureux, ed. Scheler S. 119 
w. 23—24) 

. . . par sentement 
de fine amour, qui en recoy 
point ceux qui s'en taisent tout coy 
sind Sinn und Reim befriedigender, wenn man tout coy in der Bedeutung 
immer auffasst. 

457 



30 A. Horning. 

d^f\ wön' d*^, w?n' f*, vwpn' (o\ pwpn' (pena) d^d^f^w; fwp (fenum) 
d^f^w, fwpi; d^, fwi d^^, fwcp g^; mwp (minus) fco. Mono- 
phthongische Form bietet E : avön', von', mo e^ ; fo e^e**^; vpn', avon' 
e^; fö e^. In a* ist der Vokal nasalirt : wln' (T 1.), awln', mwin' 
(ich führe, inf. mwTn?), pw^n'. Mino (ich führe) hat bald mono- 
phthongische, bald diphthongische Form: Is. mpn' (inf. mgn^) d^d^; 
Is. p^rmpn' (gehe spazieren, Inf. p^rmpn^) d^; Is. mwan (inf. mwan^) 
d^^; Is. mw^n' (inf. rnw^n?) d^^ Ich füge noch die Vertreter von 
minor hinzu : mär' a^c'^c^, mwär' d^d^ mwgr' d^. Nach Nicht- 
labial : pyT (plenus) &^y(», pyTi], c*', py^ d^e^e^; fem. pym' d^d^^ 
xp 10, py§'n' e^, py§n' b'^ d^ d** e^ f^ ^) ; el^n' (Athem) d^, glen' c^, ^le'n' 
e^, al§n' d'^ ; s§ (sinus, Busen einer Frau) w. Spi), (sine, ohne) c^ 
d^^fS sä a' ist wohl ebenso zu erklären, wie r9, s. 34. lieber die 
Vertreter von insimul vgl. 175. 

Gedecktes e. 

58. Ueber e + H und e -h n (m) + Kons. s. 62—64. Ich 
schicke voraus, dass gen^sta und ^rpicem unter ? zu suchen 
sind, dass lothr. pra (bereit) ein vulgäres presto voraussetzt (ital. 
freilich presto mit §) und dass das e der 2. und 3. Singul. von sum 
überall wie gedecktes e behandelt wird^). Gedecktes e wird von 
A — G zu a oder o. Wie bei freiem e herrscht bald a, bald o vor; 
an vielen Orten finden sich Wörter mit a neben solchen mit o. — 
Beispiele für D : prä, f. prät' d^d^, prg, prgt' d^^; fpsat' (Gabel) d^ ; 
/^rpat' (serpette) d^^; oyat' (Gänschen) d^; ^gs m. u. f. (siccus), crpc' 
(crista, Kamm des Hahns) d^^; /pa (spissus) d^; nehät' (Haselnuss) 
d^ d^ ; cra/' (crista) d^ d^ ; fem. fra/' (frisch, deutsches e \ macht den 
Lautwandel zu a , o mit) d^ ; cra;)^' (crescere) ; a (est) d^ ; främ' 
(schliesse) , 3s. dras' (er richtet auf) d^. E : wa^ (viridis) e^, vo/ 
e^ ; cra§t' (crista) e^, cras' e^, erat' e^e^; lät' (littera), pra, f. prat' 
e^, f. prpt' e^ ; vola (valet) e^ ; vov' (Wittwe), mp/pt' (Biene, musca + 
itta), fuypt' (Blatt), grupt' (Leber) e^ ; 9 (est) e\ a e^ e^ ; ci§at' 
(Glöckchen) eS cyoet^pt' e^; S9§' (siccus) e^, sa^' e^, sat§' e^e^; stro 
(strictus) e^ C : Ipt' (littera) c'^ c^ ; mgt' (mittere) c-c'^c^, my (mitte) 
c* ; crpt' (crista) c^ c'^ c*, crpc' c^ ; prp, f. prpt' c'' c^ ; vp/ (viridis) 
c^c^; mps' (die Messe) c^; Is. Ip^' (ich lecke), §os (siccus), nehpt' 
(Haselnuss), mu/pt' (Biene) c' ; /^rppt' (serpette), tsoe^pt' (Glöckchen), 
not' (nitida), Ipsp (Strick, um Vögel zu fangen) c''; c'mp (Apfel), 
^rpzpt' (Giesskanne) , j'p (ich bin, nach der 2. und 3. Sing.) c^; 

^) Altes plotn, phine beruht demnach lothr. und wallon. wohl auf 
Anbildung. Der Unterschied, den die heutigen Patois machen, ist schon im 
Ezechiel durchgeführt. 

") Den Anstoss zu diesem Lautwandel mag der Umstand gegeben haben, 
dass die Vertreter von est mit denen von habet zusammengefallen wären. 
Aus einem ähnlichen Grunde scheint man im Francischen as (= habes), a 
(= habet) statt es et gesagt zu haben, da auch hier die Formen von avoir 
imd etre zusammengefallen wären. 

458 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 31 

sinpt' (Schelle), §awat' (frz. chouette) c*; o (est) c^. B : trät'l^ (Trichter), 
^rpzpt', noe"h9t', mp/pt' b^; mät", lät' b^b^; robat' (Rock), miz'rät' 
(Maass), c^mräs' (Schaumlöffel), tinät' (Butterfass), sä§ (siccus) b'' ; 
a (est), bruat' (brouette)^ mp/at' b^. F : p (est), sp (siccus), f. s^t^' 
f^ f* f^ ; mu§9t' (Biene) f^ f' ; wäd' (viridis), epo (spissus) , cuz'rps' 
(Näherin, -issa), butsö (Bock, -ittus) f'' ; prp, f. prpt' f* ; ^arppt' f^ ; 
väv' (Wittwe) V-, In G finden sich a und o neben einander : in g' 
notirte ich a (est), ä und 9, ausserdem bütso (Bock), frät§' f. (frisch), 
•wädj' f. (viridis); und g^, 9 und a g^, a g*; pro, wa (viridis), 
f. wädj', so (siccus) g-; m^•r9 (Mauer) g^g^; mwä, ts'veyät' (Fuss- 
knöchel) g*. In A findet sich fast nur a : prä, erat' (crista), vä^ 
(viridis), ii|gyät' (Klaue des Schweins), pä (spissus), f. päs', väf 
(viduus) m. u. f. a^ ; mät', lät' a^ a^ ; pe/pt' {persette^ Kornblume) a^. 
In CO notirte ich : vov' (Wittwe), cra/' (crescere), sa§' (siccus), ä (est), 
mäs' (Messe), — m ip 895' (siccus), c'm9, pr9, m9 (setze), cyoe§9t', 
cöcpt' (Tannzapfen), bunö (honnet), trat'19, Is. t9s' (ich sauge, von 
t9sye), — in »' säs (siccus), W9/, c'mpt', cr9s' (Stall, crecJie). 

59. Besonders erwähne ich 1) soz' (sedecim, hat an mehreren 
Orten 0, wo sonst a vorherrscht) c** d^ d^ e*, söz' c', sas' w ; vgl. 40. 

2) Is. pu/' (ich fische) eS Subst. pu/' d^d^f, päs' a^ vgl. 66. 

3) 9 nädj' (es schneit) fS Subst. nädj' f^g^g*, naj' d^w, näf a}, 
noj' c^, Infin. naji d^\ nadji e^. 

60. Suffix -itia ist so gut wie nicht vertreten : ich hörte nur 
ret^äs' (Reichthum) f^, resäs' w, re§9s' eS veyas' (Alter) f^ hotas' 
(hautesse) e'*^; -itia = iz' kommt in marsädiz' vor, das ich für ein 
französisches Lehnwort halte, vgl. 172. 

61. Nicht lautgerechte Bildung zeigt f^s' (Hinterbacke) d^d^^ 
d^^f^, fes' e*. Liegt fissus zu Grund, so muss es frz. Lehnwort 
sein; in einigen Orten hörte ich im Sinne des französischen Wortes 
C(]p/' (coxa). 

62. e + 11 : -illum wird regelmässig zu u in capillum : §au' 
c'-c^d*, tsavu e'^e^f^, ts9vu f^, §9vu e^, sävu oj; der oe-Laut in 
s^vöe d^-d^^ ist sekundär: er kommt nur in dem Theil von D vor, 
in dem u (aus lat. ö) zu oe geworden ist, vgl. 98. — Eine ähnliche 
Entwickelung zeigt das Pronomen illos in 9va zu (mit ihnen) a^. — 
In p9se (paxillus, Rebpfahl) a^ ist -illus durch Suffix -ellus ver- 
drängt. 

63. D9ra'liar (Magd) d^d^d^, das überall mit a oder 9 auftritt 
(auch im Lothr. Psalter) , scheint auf d m i n i c i 1 1 a zu beruhen : 
dem'jal' a^ dem'liäl' d^, d^m'lial d^\ d9m'jar e^, d^m'liol' c', d^m'- 
liöl' o.', d9m'^9l e^. — Das Pronomen Konjunktum illa lautet 91' 
g^i ^j3 j^2i g8 f 1 £5 g3 j^ etc.; das masc. ist il und (vor Konsonant) i; 
masc. 9 f^ ist an das Feminin angeglichen. Lautgerechtes f. äl' (m. 
äl, a) hörte ich nur in g^g^; über el' vgl. 67. 

64. c-f Nasal H- Konsonant: s^t' (semita) d^^e^w, sät' e*; 
S9d' (cinis) o>, vgl. 179; m9m' (meme), aber nur in Verbindung mit 

459 



32 -^- Horning. 

einem Pronomen : ti mym', mi mpm' d^d*^, le mom' (er selbst) e^, li 
mom' (0, mi mom', ti mom' f^ mi mom' d^ ; in a^ mim' (T 1. wie in 
crim' creme); f^m' (femina) d^ e^ e^ g^ g^ f(^, föm' c^c'^c^, fom' c^, foni' 
d^, fäm' d^; 6t' (inter) fS At' lo; 9 (inde) e^ wird häufig als Pro- 
klitikon behandelt, s. 68; s'vp (oft) f^, dp (de intus) d'^f^; loi^g' 
(lingua) e*, lyg' f^ar. tpts' (tinca) f^; trpt' (triginta) e^f^w, trat' 
d-^ ; vyd' (vendere) d'^f*, vpnd' e^ f^ ; fyd' (Andere) d^oj, fpnd' f^ 
Hierhin ziehe ich auch prendere und descendere, deren e frei- 
lich ebenso gut offen wie geschlossen sein kann : über par', Is. prp 
vgl. 214; d^/pnd' d*^f\ de/pi^d' c^, de§i5d' c^, d^/pd' d^co, desod' 
f-f^, de;:;änd' d"*, de/an' d'^d^, d'sflt' a^. — 1. Sing, sem' (ich säe, 
Inf. s'm? d^^). — Cw^rom' (quadragesima), b^tpm' (Taufe) sagt man 
in a^; danach wohl vSdom' {vendangc) a\ Cptoj' (Kosten, altfrz. 
costange) scheint auf -emia zu beruhen. 

65. e + n + Palatal. Exstinguere giebt /t^d' d^, /t^ijd' 
f\ stTd' e\ vgl. 214; tingere (färben) dagegen tid' d^d'^d^", tiii,d' 
d^d* (vgl. tii\t9 07e^f'^, detiii,te f\ tii^twye f*); in letzterem Wort 
sehe ich eine französische Lehnform ; frz. T scheint bei dem üeber- 
gang ins Lothringische zu i]|, zu werden (vgl. 68). 

E (tonloses) = e. 

66. Wichtig ist die Frage, ob tonloses e zu a, wird. Bei der 
Untersuchung hierüber sind zuerst die Formen auszuscheiden, bei 
denen Uebertragung aus der betonten Silbe vorliegen kann : prate 
(leihen) d'' d^ nach der 1. Singul. prät' d^; 2s. Konj. mpt^;;' c^ 
nach mot' (mittere); fram§ (fernier) a^ e^, ^frpm^ e^, P. f. framay' 
d^^; P. f. /t§dow' nach pjt^n' (exstinguere) d^; tgsyöe (saugen) c'^, 
nach Is. tos'; mwane (minare) d^^, mune' c'^; naty§ (reinigen) a^ 
nach nä (nitidus); las^i (lecken) d^d^; pale (schälen, Is. pal' d^); 
fod^s' (Spalte) c^ nach fod'. — Ferner sehe ich ab von den Formen, 
in denen e -f- y vorliegt, das regelrecht zu oy, ay wird, wie § + y 
(s. 42) : pyoyoe (plicare) c'' s. 50; voyoe (vigilare) c'', wayi d'^, waye 
P, vwaye (»^ vwayi d^ ; §wuyi (schicken) d^; in veyo (Kalb) d^^ scheint 
Angleichung an ve (vitellus) vorzuliegen. Auch diejenigen Fälle sind 
noch abzusondern, wo sekundäres y bei folgendem ;^(s), li(j) auf den 
Vokal eingewirkt haben kann : lahi (licere) d'^d^d^^ (auffällig li^ji a\). 
In folgenden Wörtern ist ausserdem noch der mögliche Einfluss der 
Labialis in Anschlag zu bringen : pu/o (Fisch) d^d^d-^ pu/' (Fisch- 
fang) d\ pu;jo b'^ (Inf. pa/i) b'^, puso (pa§i) b'', pu;^o (pu/ye) o>f\ 
P9/0 e^, p9^9 e^, pu^so g^g'*, p'§o (Inf. pa^y?, pa§u == Fischer) a^ ; 
mpso (Ernte) a\ mu;i^o P w, Inf. mus'na f^, mup^'na f^w. Ich reihe 
S9nye f^f^ (signare, das Kreuz schlagen) an, sonyoe c" (vgl. s?ny f^ 
Kreuz). — Zu qu(i)etiare vgl. 56. 

67. Als beweisende Fälle für die Behandlung von tonlosem e 
bleiben übrig ; p^ri (Birnbaum) d- — d'' d^e'^e^*^; pwori d-^ d-'^, pwaryi 

460 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 33 

g-, puri d^, pworoe c^ sind analogische Bildungen. Peze (Erbse, 
*piselluni) d-d^w, noasc. t^l? f. /t^lay' (*stelatus, stelata, Rinder- 
namej d", §tele' e^", cfr. /üxV (Stern) d**. Aus fr^ma (schliessen) 
f^, f^rma f^ ist nicht viel zu folgern. Besonderer Erklärung bedürfen 
v?si, VQla {voici, voüä) f\ vasi eS vala d^eS vas' väl' a^ val' c^. 
Es bleiben die mit de- zusammengesetzten Bildungen : Af^y,^^' (de- 
scendere) w, vgl. 64, deme (? de-medius) d^, d^re (der letzte) d^oj; 
in däröe b'b*^ ist a wohl durch r hervorgerufen. In lautgerechter 
Entwickelung scheint demnach vortoniges lat. e weder zu a, o noch 
zu w^ geworden zu sein; ^1' (illa, s. 64) wird seine Form prok- 
litischer Behandlung des e verdanken. 

68. e + n (m) + Konsonant. In dem grössten Theil unseres 
Gebietes wird en (em) zuT oder 9 (e), nicht wie im Francischen zu 
a : §diri {endurer) d^e^, ?diri d^, ^d(^rye f ^ ; §fa (Kind) d^e^f^f^w, 
efa d^e*, efä d^d^d^S' ?dormi e^; ?vuyi e^, Tvuye, 1. sing. j'Tvuy' 
c^, ?voy' (in viam) e^ vgl. 48; ?töd' (hören), §t^r§ (enterrer)^ ^s^n' 
(insimul) e^ ; ^put§ (inde -|- portare) e^: r^vy?/e (renverser) , s^te 
{sentier) f^ ; r^pyi (remplir), Is, repey' d^, Part f. r^pyey' d* vgl. 
207 V: über ?nuy' (ich langweile) s. 83; ?gresi (engraisser) e^; Tvye 
(Winter) d^, evye f^, evya (o, evwe e^ (dagegen evy§ e^, ^vya d^-) 
beruht wohl auf *invernum , ive g^ ist durch das Französische beein- 
flusst; l^sr (Leintuch, linteolum) d^d^^, ITsyqe w, lesi d^, l^sr d^ ^); 
3s. Conj. Tpute/' (em2W)ie) c", Tput/e/' c^; ebenso ist auch inde in 
proklitischer Stellung behandelt : j'nT mij' pi {je n'en mange xilns) d^, 
va ti d^ c^, je ni yv pr d^, je m'§ ve le' e® ; in betonter Stellung 
wird es zu 9 e^ darnach wohl opute (empörter), Is. gput' e^; d§vyer' 
(öffnen) d^ (devyer e^), divy^r d^ kann auf Analogiebildung beruhen, 
vgl. 214, auch 197 ; auf einer Art Prefix vertauschung scheint riby§ 
(vergessen) d^, r§li e^ statt rubli§ f- zu beruhen. Feber Tter' (in- 
tegrum) s. 35; aty^r' d^f^ verräth sich durch zwei lautliche Ab- 
weichungen als francische Form. Part. f. vädow' (verkauft) d* ist 
analogisch gebildet. Immer a zeigen : at^r n^ {entre nons). Ster (ich 
trete ein) und 3s. afey (e>?//e) d^ vgl. 207 III u. 207 V. Die 
eigenthümlichen Lautverhältnisse, die hier eine Verlegung des Tones 
herbeiführten, werden sich erst ausgebildet haben, nachdem in unter 
dem Ton lautgerecht zu a geworden war; — i^väta (erfinden) und 
iiiporta (important) in 0;, augenscheinlich französische Lehnwörter, 
scheinen zu beweisen, dass französisches vortoniges T beim Uebergang 
ins Lothringische zu \\\ wird (vgl. 65, 73). — Der besprochene Laut- 
wandel findet jedoch in A B G nicht statt : adcpry^, acycem' (Amboss), 
anay^ {ennuyer), afä (infans), 2s. äbr^sy^s' (dass du umarmest), ävay' 
(in viam) a^; v§ t'Ji, äb§/ {en bas) b^; ätgnoe (Trichter), j'a ä (habeo) 
b^; die Grenze nach C hin kann ich nicht genau angeben; Inf, abrasi 



^) Darnach erwartet man im Francischen läcenl, auch wenn die Grund- 
form (s. Groeber, Vulgärl. Substr.) lenteus ist. 

Französische Studien. V. 4. ,«, 3 



34 A. Ilorning. 

g^, äfa gS i m'ä va g^ (i m'a vo auch f"^). — Eine eigenthümliche 
Entwickelung zeigt singularis (Eber) : sii^gy? c^ c^ c'^ d'^ d*^, sii^gye 
d^ifi, §iiigye f'^'i /"Igye ^^^ sSgyQ a^ sfidye' a^, sad/e b''^, sadye b^. 
Man erwartet in der ersten Reihe sTgy^, in der zweiten könnte Ein- 
wirkung des Französischen oder Gemeinsamkeit der Entwickelung 
vorliegen. Sollte dagegen die erste Reihe auf singularis beruhen, 
so würde man im Francischen swglier erwarten. 

69. Man beachte noch Folgendes : e scheint ausgefallen zu sein 
in ve (vitellus) e^fo, se (Eimer) d^-, dagegen s^ye a^ (Melkeimer). — 
Ausgestossen ist e in f'n^ (Heu machen) e^'^. m'n9 (wir führen) e**, 
mpt'läf (mustela) d'^. — Ueber er'so (Igel) vgl. 129. — Corbyo d'^ 
(Körbchen) ist corbiculus + onem; nicht ganz sicher ist, ob das 
i denselben Ursprung hat in curyat' (Riemen) d*^, wa/ya (grünlich) 
d^ s. 17, pu/ypii (von porcellus) d^, pu/y^ d^, b^cyp^ (Holzhauer, 
hoquiTlon) c^. 

Historischer Exkurs über e. 

70. Bei der Erklärung von ta (tectum), sa (sitis), da (digitus), 
tp, S9, dt? ist von dem auch ostfranzösischen Lautwandel bet. e = ei = 
oi auszugehen : oi vereinfachte sich zu o durch Schwund des i (Bei- 
spiele im Bernhard, im Poeme moral und in den Altburgundischen 
Texten Romania 6, 1); später wurde o in manchen Orten zu a. 
Demnach wären die o-Formen die ursprünglichen, die a-Formen die 
späteren^). Im Metzischen (A) fiel das i des Diphthongs oi nicht 
ab, und oi wurde zu ce, ein Wandel, der in der Geschichte der 
Sprachen oft genug bezeugt ist. 

Was die Schicksale des e nach den Labialen betrifft, so ist auch 
hier wieder von der Stufe oi auszugehen; aus oi wurde unter dem 
Einfluss der Labialis w^. Dass dem also ist, bew^eist die parallele 
Entwickelung von vocem zu w^, wo der Ausgangspunkt oi sein 
rauss. Die Form wo in B C D halte ich für eine spätere, sekundäre, 
aus w§ hervorgegangene; ich sehe darin eine Assimilation des e an 
das u oder w. Dass eine derartige Assimilation möglich ist, beweisen 
die Beispiele bei Roland : hhuo (essuyer), hhöuo (exaquare, waschen), 
auo (habere), sauo (sapere), tuo (töten), wo o auf e beruhen muss. 

Wie hoch reicht jener Unterschied in der Behandlung des e 
nach Labialen und Nichtlabialen hinauf? Aufschluss erhalten wir 
durch den Ezechiel ; vgl. Fr. Corssen, Lautlehre der altfrz. Ueber- 
setzung der Predigten über Ez. S. 14. 15. Mues^ muocs (neben mois), 
huevres neben boivres (vor Nichtlabialea findet sich nur oi) und die 



') Ich weiche hier von der Erklärung ab, die Schuchardt Kuhn's Zeit- 
schrift XX 226 giebt, in einem Aufsatz, in dem jener Forscher zuerst auf 
den eigenartigen Einfluss der Labialen, namentlich auf folgendes c, auch im 
Lothringischen hingewiesen hat. 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 35 

Thatsache, dass Lab. + e -|- n und Kichtlab, + e + n durch- 
weg verschieden behandelt sind {j^lcinc, aber pome), erlauben den 
sichern Schluss, dass jener Unterschied mindestens bis ins XII. Jahrh. 
zurückreicht. Auch der Bernhard hat oe nach Labialen (sonst oi) : 
poente 9, 13; moes (menses) 111, 20; iwes (Gewicht) 127, 38; foens 
(fenum) 62, 18. — Auch vor unbetontem e : mierrai Ezech. 109, 23; 
foentement Beruh. 77, 30. 

Was die Entwickelung von a. o aus gedecktem e betriöt. so 
nimmt man gewöhnlich an. dass a der ursiirüngliche Laut ist, der 
später zu o wurde (vgl. W. Foerster, Lj-on. Yzop. S. XXXII). Allein 
gegen diese Annahme liegen zwei Bedenken vor : Erstens wie kommt 
es, dass gedecktes q die Stufe a nicht erreicht (von einigen besonderen 
Fällen sehe ich hier ab), obwohl es von Hause aus dem a näher 
stand als eV und wie erklärt es sich, dass das nach a sich be- 
wegende e mit (j^ nicht zusammengefallen ist? — Zweitens hat das 
gedeckte e überall so ziemlich dieselbe Klangfarbe wie das freie e, 
hier überwiegend a, dort überwiegend o. Kimmt man die soeben 
für freies e gegebene Entwickelung an (zuerst o, dann a), für ge- 
decktes aber die Foerster'sche (zuerst a. dann o), so scheint es schwer 
zu begreifen, wie beide in demselben Klang zusammentrafen. 

Es giebt nun eine Erklärung, durch welche beide Schwierigkeiten 
beseitigt werden, die Annahme nämlich, dass das gedeckte e eben- 
falls diphthongirte , zuerst zu ei, dann zu oi, dass dann ebenfalls 
Vereinfachung zu o und dann Uebergang zu a eintrat, kurz, dass die 
Schicksale des gedeckten e mit denen des freien zusammenlielen. 
Eine Ausnahme macht das Metzische, wo gedecktes e sich anders 
entwickelte als freies, weil hier die Reduzirung des Diphthongs oi 
auf nur bei gedecktem e stattfand. 

Eine Stütze findet diese Erklärung an der Thatsache, dass wo 
heute gedecktes e zu o wird, die Vertreter von necare, negare eben- 
falls aufweisen (noyi etc.), dass, avo dagegen gedecktes e zu a wird, 
man nayi etc. hat. In der Entwickelung von negare zu noyi, nayi 
wird man aber doch wohl die Formen mit 9 als die älteren ansehen, 
da bei der Erklärung derselben allgemein vom Wandel von ei zu oi 
ausgegangen wird. 

Beachtung verdienen auch die Formen v^r', cr§r', ner", tel' 
(s. 55). Dass sich hier der ursprüngliche e-Laut gehalten haben 
sollte, ist äusserst unwahrscheinlich ; in der Mehrzahl der Ortschaften 
finden sich ja auch vor r und 1 a- oder o-Formen. Nimmt man an, 
dass zur Erklärung von v^r', ner' etc. von a-Formen ausgegangen 
werden muss, so muss man für eine Reihe von Ortschaften unter dem 
Einfluss von r (1) eine rückläufige Bewegung des a nach e ansetzen, 
während doch in den meisten die Bewegunci; nach hin eingehalten 
würde. Das Einfachste ist auch hier die Annahme, dass der ur- 
sprüngliche Laut war, dass später zu a wurde und endlich unter 
dem Einfluss von 1 und r zu e und e hinrückte. Die Möglichkeit 

463 ^ 



36 A. Horning. 

einer derartigen Fortbildung von o zu e lässt sich mittels der Ent- 
wickelung von olea zu el' (s. 86) erweisen. 

Auch i^avu, das überall aus capillus entstand (späteres oe 
in einigen Orten kommt hier nicht in Betracht), erklärt sich bei 
jener Annahme leichter. Wenn \ ursprünglich zu o wurde, so ent- 
star.d u regelmässig aus o + u (u aus vokalisirtem 1); ist dagegen 
a das ursprüngliche, so würde man da, wo a (aus e) heute vorherrscht, 
das Produkt von a -f- vokalisirtem 1 erwarten, also *savo oder *sava, 
was sich nicht findet. Mit andern Worten: savu setzt überall schon 
Uebergang von e zu o voraus. Da nun aber an vielen Orten a (aus 
e) heute vorherrscht, so kann a nicht älter sein als o. Sind diese 
Schlüsse richtig, so würde die Vokalisirung des 1 vor den Uebergang 
von zu a lallen. 

Diphthongirung des gedeckten e ist nichts Unerhörtes; G. Paris 
weist dieselbe Romania 7, 125 für den Dialekt von Berry nach; 
vgl. ferner leitrcs, hittre, moittre bei Goerlich, Die Südwestlichen 
Dialekte S. 54 (wo freilich der Lautwerth von ei, vi zweifelhaft ist) ; 
maitre (mittere) Amis 1396, Jourdain de Blaiv. 1223, meitcnt, cher- 
raitc, leitres bei Fleck (Der betonte Vokalismus einiger altostfranzösischen 
Sprachdenkmäler S. 29. 33. 34) und besonders cliavroit (*caprittum) 
Ezechiel 6, 4; 41, 27. 

Es erübrigt, noch über die wa-Formen in G zu urtheilen, die 
zweifelsohne aus einer Vorstufe wf hervorgingen. Zuerst bemerke 
ich, dass jenes wa, ausser aus freiem e und e + y, sich nur noch in 
wa (vocem), also nach einer Labialis entwickelt hat, nicht in au- 
cellum, crucem, nucem, auca, piscionem, vgl. 102. 125. 
66 ; jwayu (froh) g'' ist wohl französisches Lehnwort. 

Auf letztere Thatsache gestützt vermuthe ich, dass w^, wa sich 
zuerst nach Labialen herausgebildet hat und dann (die Wörter mit 
Labial + e sind zahlreich) durch Analogie auf die andern über- 
tragen wurde; die Thatsache, dass man in Tavannes, im nördlichen 
Jura, wie ich bezeugen kann, mwa, pwa, aber sa, täV (tela), da sagt, 
gereicht dieser Annahme zur Empfehlung. Ich vermuthe ferner, 
dass im Wallonischen die entgegengesetzte Wirkung vorliegt, dass die 
oe-Formen, die jetzt allgemein üblich sind, sich ursprünglich nur 
nach Nichtlabialen lautgerecht entwickelt haben, später aber verall- 
gemeinert wurden. Das ursprüngliche Verhältniss wäre ungetrübt im 
Metzischen erhalten, das die «-Formen nur nach Nichtlabialen kennt. 
Der Einfluss der Labialen im Wallonischen ist noch nicht verwischt 
in der Behandlung von e + n und in w^ vocem. 

Endlich muss die Frage aufgeworfen werden, ob nicht schon bei 
dem Lautwandel von ei zu oi die Labiale eine hervorragende Rolle 
spielten, in der Weise, dass ei zuerst nach den Labialen zu oi ge- 
worden wäre. Eine Thatsache lässt sich nicht anders erklären : der 
Unterschied nämlich in der Behandlung von Lab. -f- e + n Vok. 
und Nichtlab. -f- e-h n Vok., der schon im Ezechiel durchgeführt 

464 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 37 

ist (poine, aber pleine). In bwör' (aus bw^r') etc. hat der Wandel 
von e zu sicher einmal unter dem Eintluss einer Labialis statt- 
gefunden. Warum sollte nicht auch hoivre, aus ursprünglichem hehre, 
unter dem Einlluss der Labialis entstanden sein V 

Sollte die für die wa-Formen in G gegebene Erklärung Billi- 
gung finden, so liesse sich die Frage nicht abweisen, ob sich nicht 
auch im Francischen der Laut w^ zuerst nach Labialen entwickelte. 
Es wäre damit wenigstens die Entstehung des Lautes w und die 
Yerrückung des Accentes erklärt, wenn auch die Entstehung des 
^-Lautes dadurch nicht aufgehellt wird. Ausgedehnte Analogie- 
wirkungen wurden von dem Augenblick geradezu nothwendig, wo 
mau aufhörte, in betonter Silbe fallende Diphthonge (also öi) zu 
sprechen. Der Eintluss der Labiale auch im Francischen ist für foin, 
moins, avome gegenüber reine, haieine, xüeine unverkennbar, cfr. 
W. Meyer, Neutrum S. 125. 

Zu andern Resultaten kommt in der Frage über den Ursprung des 
Lautes w§ G. Paris Romania 11, 607. Wie man aber auch urtheilen 
mag, so ist die Thatsache von Bedeutung für die Geschichte der 
Laute w§, wa, dass wa in G nur freies e und e -+- y vertritt, nicht 
aber (mit Ausnahme von vocem) o + y und au -|- y. 

I (betontes) = lat. i. 

Freies i. 

71. Freies i hält sich im ganzen Gebiet, sofern es nach gemein- 
französischen Lautgesetzen nicht im Hiat steht : medi (Mittag) w, 
muri (sterben) c'^, ^dprmi e^ und alle Infinitive und Participien auf 
-i; liv' (libra) e^f^ liv' d-^d^; liv' d^ (liber, Buch, hat i als ge- 
lehrtes Wort), liv' (o; fi (filum) d^. Eine durchgreifende Trübung 
des auslautenden i zu e stellte ich nur für d^^ fest : fe (filum), poere 
(faulen), mure (sterben), noere (nähren), d^rme (schlafen), cw^are 
{que'rir), ferme (Ameise)^), aber rir' (lachen); s. auch unter i -h n ; 
vgl. auch 55 m§, te, das in d^^ aus gemeinlothringischem mi, ti 
entstanden ist. Man sagt ecrer' (schreiben) d^, rer' (lachen), der' 
(sagen) d^ d'*, aber Is. ri, di; in g^ notirte ich vjvr' (leben), in a^ 
tps^ (gemeinlothringisch tpsi, hier). 

72. I im Hiat wird in A und D nach wallonischer Art zu ey', 
zuweilen zu cey' ^) : p'sey' (vessica) d^dM'^d^^d^-^, f'sey' a^, p'soey' 
d*; utey' (urtica) d^d'^d'^; truadrey' (Faulheit) a^ teruadrey' d^ 



^) Jedoch nicht in den Verba auf -i = ier, läSi, trevpyi. 

2) Dieser Lautwandel findet sich übrigens auch nicht in allen wallonischen 
Mundarten (vgl. Zeitscbr. IX 481); von einem Wallonen, mit dem ich be- 
freundet bin, Herrn Dumont aus Huy, höre ich, dass man in Huy vesiy' 
(nicht vgsey') sagt; damit hängt es auch zusammen, dass in Huy das Parti- 
cipium femin. der Yerba, die dem Bartsch'schen Gesetz folgen, auf -iy' endigt, 
manyiy' (gegessen), naliiy' (müde); vgl. Zeitschr. IX 496. 

465 



38 A. Horning. 

(Suftix-ia); rn^rsadey' (altfrz. marchandie) a^, marsädey' d^d-\ 
mwar^adey' d*^d^, mwart^adey' d'-*; vey' (vita) a^ d-— d'^d^^d-^ (auch 
in 1//); raal^dey' d^d*d**d^^; ppsJ^n'rey' (Schweinerei) a\ cg^pn'rey' 
d^; Is. fey' (je me fiß) d^d*, foey' d-^; Is. r'm^rsey' d*; Is. natey' 
(nettoie) d^, natoey' d^^; Is. m^rey' (mark) d^, in^roey' d-^; Is. 
mwafjtey' (mastico) d'' ; Is. ley' (ich binde) d-d*d'^d^*, s. 207 I; 
ebenso im Part. f. der Verba auf -ire : gerey' (geheilt), garney', nerey' 
(ernährt) d^, batyey' (gebaut) d^d^d"^ (dafür in a^ g^rnis'. geris', riiplis'). 
Derselbe Lautwandel findet sich auch bei sekundärem Hiat-i : über 
Is. ribey' (vergesse) d'^d^, spfey' (ich blase) d'^d^, rlpey' (ich fülle) 
d^, vgl. 207 I"; über Is. ^ey' (caco) s. 8i über die Part, fem., die 
dem Bartsch'schen Gesetz folgen, vgl. 12. Aus dem unter 13 Gesagten 
erhellt, dass der Wandel von i' zu ey' (wahrscheinlich durch die 
Mittelstufe -iy') in eine verhältnissmässig späte Zeit fällt; dafür 
spricht auch der Umstand, dass ey' sich in französirten Formen 
tindet wie in Is.r'm^rsey d'^, P. f. garney', gerey d^. Amica scheint 
in lautgerechter Behandlung nicht vorzukommen; über formicus 
(nicht formica) s. 9.5; die Negation m.i (mica) d'^e^^e"t// wird wegen 
häufiger proklitischer Stellung nicht zu mey' : m§ a^d^^d^', ml d^*^, 
mce a^ b"^ sind sekundär, s. den Anfang dieses Paragraphen und 55. 
Heber die Reduktion von mi zu m s. 102. Wie weit im Anschluss 
an A dieses ey' nach B hineinreicht, kann ich nicht angeben; in 
D ist es für d^^d-^d^^ noch gesichert; d^ schlägt sich zu C; in 
rp notirte ich p'/ey'. Ich hörte f'sey' in b*. Beispiele für die 
i-Form sind : utl' (urtica) d^, pti' c*; spi' (spica, in D ist /pyat' 
üblich) e^e^e^^fo; vesi' d^, v'si' e^ o», p'si' e^e^e^e^°; mvvatsadi' nur 
f^, sonst tritt dafür marsadiz' a^, mor.sädiz' e^ ein; vi' (vita) c^c"* 
(jig4g8£if„. niäl^^di' c^, mol^ili' e^ ; Is. fi^ c*c''e"e'*w, Is. m^ri' c* 
c'^, Is. mari' e", Negation mi (mica) e^f^f^>^. 

73. i + Nasal. i-i-no wird zu einem Laut, den ich in 
Ermangelung eines besseren Zeichens durch u\ notire und den ich 
als ein geschlossenes i auffasse mit reducirtem n, das heisst mit dem 
blossen Ansatz zur Artikulirung des n : vii], a^ c^ d^ d^ f^ f* o ; cusii^ 
(Federbett) d'^; päpii^ (Grossvater) a^ ; §'miix b-^b*"% s^mii], a^c^, vgl. 
24; f§stii\, a^ (Gastmahl), i(}/ßr[ c*\ jadiij a\ jödii| c'^, vgl. 166; m^tii], 
a^fo; s^pii], (Tanne) und pii^ (o: CQzu\ (Vetter) a^ ; in d^ notirte 
ich reines i, li (linum), vi. Der Laut ii\ begegnet jedoch nicht 
überall : in b'^b'^ hört man französisches T: s'mT; j^dyT (Garten) b", 
li^djT, VI b^' (b'^ hQdjiij,, vii|); ebenso in g^g^ vT; ts'mi, pfsT (Hühnchen) 
g^ (aber in g^ \h\, ts'mii\, prsii\). In einigen Ortschaften in D 
glaube ich jedoch nicht, dass französischer Einfluss anzunehmen sei 
(vgL 55, 71, 98): möl? (Mühle), semT d^^ §§mT d^M^^; auch in e^^ 
hörte ich v? (vinum). — Der I^aut h\ entwickelt sich auch aus sekun- 
därem i 4- n (über pi'sii| vgl. 107) und aus i ohne folgendes n bei 
vorhergehendem Nasal. Den zuletzt erwähnten Lautwandel fand ich 
nur in a^ konsequent durchgeführt : Part, mir},, f. mir^z' (mis), Inf. 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 39 

t'ni]\, dr^miii (schlafen), v'nii^, ^mi^ (amicus), mr\ (nidus) a' ; nitnii\ 
(Müller), premi]], (der erste) a'a^. INIptiii (Kirche) a^ ist analogisch 
gebildet. Vgl. noch 177 ^ 

7-i. -ina wird in dem grössten Theil des Gebietes zu -in' : 
j^hn' b° s. 142; c^jin' (Küche) b' s. 93: cuzin' (Base) e^; pin' (spina) 
f*. In folgenden Orten findet jedoch eine Trübung zu e, resp. oe 
statt : crj^n' (Küche), C9z^n' (Base), f?yvn' (faine), p^'n' (spina), f^ryn' 
(Mehl) a^ •, j'l^y' (gallina), f^r^y' (farina). culi^y' (Küche), fuy^y' 
(fonine) d^-; culi^y', liM^y' (gallina) auch d". Ctjt^n' g^g-; farcpn', 
dj^rc^n' (gallina), tsj^men' [chemine) g-; dj^r^n' g^g*, /§n' (clinat, 
er neigt) g^, far^n', cyoej^n' g*, t/oej§n' g^. 

75. i -+- y. Ueber die Wörter auf -ica ist schon oben ge- 
handelt. Sieht man von denselben ab, so lässt sich folgende Regel 
aufstellen, die auch für das Wallonische gilt : i + y wird i, mit Aus- 
nahme von i + ly und i -f- ny. das vor folgendem lat. a zu e 
oder ^ wird, und zwar auf dem ganzen Gebiet : ti (tilius, Linde) d^, 
daneben ci d^d^; ^y\ (Achse, ob axiculusV) d* d^ f ^ oj i/^, §si a^ ; m. 
gri, fem. gri/' (grau, it. grigio) b■^d'e^ grij' a^g^; bl/' (Nordwind, 
vgl. it. higio) c'^d^e^ bij' g^ ; s'mi/' (Hemd) b'^d^d^e^w, s^mi/' d^ 
c^, s'mij' a^ dagegen, unter der Einwirkung der Labialis, s'mij' e^*', 
s'mr/' d'^d^d^^d^'^d^^ e-, beachte auch s^mls' b'^. — V§ny' (vinea) 
fM5,'veny' h'^, v?y' dM^d^d^d^^ei. i^y (Angelruthe) d^d"^; §"ney' 
(Raupe, e halboifen) xpio, ;^'ney' d^^ f^ ; l^tey' (Linse) e^, ITtey' 
c^c'd'-d", mtey' b^, nat^y' a\ nätey' a^-, nätiy' c^ ist durch das 
Französische beeinflusst ; grey' f. (craticula, der Rost) f ^ ; /trey' und 
/t^rey' (strigilat, er striegelt) d^; jätey' f. (artig) d-^; f^y' (filia) e^, 
ffy' a^, fey' f^g*, föy' g^. Filius ist wahrscheinlich an filia an- 
gebildet : fe c^f-^, fe e^f^w, f| a^, fö6 d^^. — Ueber tsevey' (Knöchel) 
s. 24. 

(Gedecktes i. 

76. Neben peti, f. petit' f^ hörte ich p'te g*, p'töe g-. — Is. 
pi/' (ich harne) d^. (Infin. pi/i d'^d^, auch pt/i d^, pü/i i//; v und 
u sind unter dem Einfluss der Labialis entstanden; in a^ p(¥§y?). — 
Quinque giebt sii\c a^c'^d^e^f^, sie d*, siii,c b^d^f\ sie b^ (vgl. 
73), &ii\cy g^, sent/' g^; quindecim : cii\z' w, ciz' a^c^d^f^; vi- 
ginti : vint f^, vii|t a^ e^ w, vit d-\ vit d^d^, v^nt e^**, v^t d*; lij' 
(Wäsche) d*, lii|j' e^ e^, lits' e^, lendj' g^ ; über die Vertreter von 
spinula (Dorn) spii^g' e^, pir^g' f^ s. 173. — Dem Französischen 
genisse entspricht j'nöes' e^e^", dj^noes' e*, /'noes' e^. 

I (unbetontes). 

77. Neben miroe (Spiegel) d^^, miru f^f^ finden sich Formen, in 
denen unter dem Einfluss der Labialis i zu v geworden ist : mwoe' 
e^e^v, mtroe d'd-^e^e*, mtrr g^; in mire c*d^ kann sekundäres i 

467 



40 A. Horning. 

aus V vorliegen. — i ist erlialteu in piiyc) (pipionem) e^f'', pii\s9i\ 
(Fink) c*, (iiiid9i| (Truthahn) P ; pi/i (harnen) d* (doch vgl. 155); 
filer' (Spinne) d'-* ; brilu' a^ s. Gloss.; vilijdj' e'' ; /pyat' (Aehre) d^d* 
d^d'"* lehrt, dass in D nur betontes i im Hiat zu ey' wird. Vgl. 
auch cyr 171, tya Gloss. T§'veyaf (Knöchel) g* und tr^y^ (striegeln) 
a^ sind analogisch gebildet; t^ya (Linde) a^ setzt wohl ein t^^y' (tilia) 
voraus. — i wird zu e in : perme (der erste), p^rmer' d*, p^rme d^, 
pr^me, pr^mer' ip, preme, pr^mer' c"*; re^äs' o (Reichthum, vgl. res' 
C-); telip (titionem) d^; l^m's^' (Schnecke) d^, l^m'si d-d^, l^m's^ e\ 
lem^so f\ — i ist geschwunden in : m'roe (Spiegel) rp; fler' (Spinne), 
v'lii (vicinus) f ^ ; l'mesr» o. — Ueber hiT's«') (ericionemj s. 129. 

(betontes) = o. 

Freies p. 

78. Man vergleiche das in der Einleitung Gesagte. — In A C F 
-i/y f (I) ist der Diphthong durchweg erhalten , und zwar in A und F 
in der Form yoe. In a^ sycp (soror), pyrr (ich kann, nach potes, 
potest), \yqi (volo), cplycpf (colobra), fyqe (foris) •, sonst ist der Laut 
mehr geschlossen, byöe (bovem) f-f'^a^, ycp (ovum), nyöef (novem), 
syöe 1/^, nyöef a^. In soe (soror) f* und /cß f^ ist das i zur Bildung 
des §, resp. / verwendet worden. Suffix -olus wird zu yoe in filyoe 
(filiolus) f^, doch notirte ich filyo, fem. filypr' o^ tseviröe (capreolus) 
f^, tseviröe f^. In C kommt eine do] pelte Form vor, c^ — c^ yoe^)r 
c^ — c* (wo jedes oe = e) ye : byöe, vyöe c^, yoe, nyöef c^ : bye, nye, 
(novus), nyef, vye (volo), sye, pye (possum) c^ ; vy^, coly^r', fye, zye 
(ovum) c^c*, §§vrye c^c**, ser (soror) c^c^, cer (cor) c* sind durch 
das Francische beeinflusst. 

In B E G /t< hat sich durchweg der Monophthong Geltung ver- 
schafft : hv, yv (volo), nrf (novem), nr (novus), f. ni'v', fc, colfv', 
Tv\ pt; (possum), ?• (ovum)-, crr (*crosus, hohl) e-e^e^"; si^ (soror) 
e^e' — e^^, dagegen /r e^e^, stg^; ts^virr e*^, tsQvin' e^; in g"* mit 
dort allgemein üblichem e-Nachklang br^-, v^. In b''^ und e^ wird v, 
auch sekundäres, zu i : si, f li (filiolus) cri, §§viri, nii|,f (novem), fi, 
ri' e^; coer ist französisch; i, cpliv', ni, f. niv' b'^e^; bi b'^; das 
wohlbezeugte ht! e^ ist vielleicht eine aus der Umgegend versprengte 
Form. 

In D ist in einer Reihe von Wörtern der Diphthong erhalten, 
in einer andern der Monophthong eingetreten : syöe, fyöe, cyöe/ (Herz), 
nyöef (novem), cplyöev'; syct' d^^ ; culyoev' d^. Das fem. nyöev' (nova) 
habe ich nur für d'^ und d^ festgestellt. Dagegen br, f, vi' (volo), 
pw (ich kann); muyi' (modiolus, Nabe) d^; l^si' (linteolus) d^d^-. 
lesv d^; ^evrf d* ; Ic^m'sr? (Schnecke) d'^d^-; cyr (Linde, tiliolus) d"^ 



') Ueber die Möglichkeit, dass in c^ — c^ yce zuerst zu ye und dann wieder 
zu yce wurde, vgl. Anhang I. 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 41 

^j5(j8jy^u. jjyj; (^novus) d'^d^d^*, aber nyöe d'' ; letzteres wohl nach 
dem fem. nyöev' umgebildet; cri* notirte ich nur in d'-*. In d^ — d^, 
wo jedes v zu i, jedes ioe zu ie wird, hat man : sye, fye (C9ly^r' 
d^), culyev', nyef, nye f. nyev' ; eye/ d- d^ ; filye, f. filyel' d^ — bi, 
i, vi, pi; l^msi d'^d^; cri d^; s^vri d^d^. 

Fragt man nach dem Grund der eigenartigen Schicksale von o 
in D, so wird man zunächst sein Augenmerk auf nyi' neben nyöef 
und nyöev' richten und auf die Vermuthung kommen, dass der Di- 
phthong sich nur in lothringisch geschlossener Silbe hielt, dass er 
dagegen in offener zu v wurde. Diese Annahme setzt freilich voraus, 
dass in syoe, fyoe r erst nach dem Uebergang von yoe zu v abfiel. 
Als gesichert kann diese Erklärung ausserdem erst dann gelten, wenn 
sie für ähnliche Erscheinungen unter § und e annehmbar erscheint. 
Filye d^ kann dem fem. filyel' angebildet sein, wie nye d^ dem fem. 
nyev\ 

Die sechsfache Kombination, in welcher die Laute, die sich aus 
freiem 9 entwickeln, vorkommen, veranschaulicht folgendes Schema: 
yöe syöe (f^). ye sye (c^). 

V syoe (d*). i sye (d^). 

V SV (e^). i si (e^). 

79. Besondere Fälle. Rota wird ursprünglich regel- 
mässig zu ricci', wo das letzte i den durch den Ausfall des t ent- 
standenen Hiat füllt. Ryoey'^) ist erhalten in a^f^fo; eine Verein- 
fachung des Triphthongs zu ny' findet statt in f^f* (wo im übrigen 
der Diphthong erhalten ist); in d'^d^^ sagt man roey', in b^d^d^e'^e^'^g^ 
Tv\ in d^ e^ ri' ; ri' aus rv' auch in c^ neben byöe, yöe, nyöef. — In 
celyev' f\ cely^v' co^) ist der e-Laut wohl durch das v hervor- 
gerufen (cfr. 180). — Ein aus mor(i)o lautgerecht entwickeltes mv 
hörte ich nur in e^e^e^^g-; die Is. mür b'^c^c^d^^ ist nach dem 
Inf. muri c^, moer g^ nach dem Inf. moäri gebildet^). — Apud hoc 
diphthongirt nicht wegen häufiger Proklisis : qvo d^d'^d^e^'f^ avo g^ 
g*, avo b'' c'^, avoi\ c*, §voi| c^ c^, eva a^ ; vgl. damit s'no (sine hoc) 
e^M. — Trcpf (ich finde) sagt man in a^ nach dem Infinit. trcpv§, 
trov' d^ — Opera kommt nur in der Verbindung W9 d'yöev' m, 
w^ d't^v' e^", wa d'rv' e^, wa d'iv' e^ vor; es ist wörtlich guere 
d'oeuvre und bedeutet eine Kleinigkeit, frz. pas grand' cJiose. In 
weitaus dem grössten Theil des Gebietes ist der Ausdruck un- 
bekannt^). — Rosa wird zu roz' f^ ruz' a^ — Ueber *plovit (es 

^) Vgl. häufiges rueie im Ezechiel. 

-) S. ähnliche Beispiele bei Adam S. 315. 

^) Ein selteneres lautgerechtes mice neben analogischem mur erwähnt 
Haillaut III. 

■*) Ein Beispiel bei Thiriat S. 413: Je posse qu'e n' fre vodduve de note 
Bautifs == Je pense qu'il ne fera pas grand' chose de notre ßaptiste. — Ked. 
u. Voinraux S. 13 kommt es in etwas verschiedener Bedeutung vor: On 
n'poyeye roctu dieu/ve voir de pu risible = on ne pouvait guere voir de 
chose plus risible. 



42 ^- Horning. 

regnet) und den Infinit, s. 214 v. Pleuvoir. Das Substantiv ist : 
pyow' a' d^ d'"^ d^, pyü c^ c- d^ e**, pyaj' o, pyoedj' f ^ g^ g^. 

80, Was das historische Verhältniss von v zu ioe betrifft, so 
unterliegt es keinem Zweifel, dass ioe die ältere Form ist. Für den 
Uebergang von i(je zu v lassen sich folgende, immerhin beweiskräftige 
Analogien anführen: 

1) cyoets^t' (Glöckchen) e^, cyoet§ät' e* wird e^ zu ci§ät', e' zu 
ci§ät' ; cyffitse' (Glockenthurm) e* wird in e^ zu cisq", in e^ zu cis^'. 

2) Von florere kommen neben den regelmässigen Formen wie 
die 3s. fyoere' i/^ auch solche mit v vor : 3s. frr' e- e^, fir' e^, Infin. 
frri 6^, 3pl. ftra e^, fira e^ (man vergleiche auch im Gloss. ftrya, 
fvryät'). 

3) Gott ist dv in g^ e*, \q bo dt' e^", df§ g^, das nicht aus lat. 
deus (cfr. 33), sondern nur aus dem französischen clieu hervor- 
gegangen sein kann. Aehnlich mosf e^**e^^ aus frz. monsienr. 

Daraus, dass v aus 9 an dem Wandel von v zu i theilnimmt, 
ergiebt sich, dass der Uebergang von ioe zu v älter sein muss als 
der von »• zu i ^). 

81- 9-|-^asal. Bonus, bona wird zu bwoi], bw^n' f^w, 
bw9 bw9n' d^, bwil bwpn' d^^ bwo]^ bw9n' f^, bwln a^ a^, bwi bw§n' 
d^^, bw§ bw§n' d^S bo c'^g^, bo bpn' e^e^e^°, bo bw9n' g-, f. bgn' 
d^. Das u ist durch die Labialis hervorgerufen. — Homo wird zu 
ä in a^, zu o in d^d*'d^g^. — Sonat und tonat werden zu s^n' 
tin' d^d^d^, sin' t|n' e^, sin' tin d^d^ d-^ e'-'e^'', sin' tin' c^, tin' c"*, 
s^n' aS ty§n' f^ sin' d^. 

+ y. 

82. Die Grundform aus 9 -h y ist von B bis G ce, resp. oe'; 
ebenso in i-i v \p w : noe (noctem) , oet (octo , zu yöet b^ — b'^ vgl. 
191), cöe (corium) , coer' {cuirc)\ poe (*p9teus) d^d'^d^^f^o>, poe' 
e^, poe' c'', pöe/ b'^; aliudoe (hodie) d^", oj'doe f'^wg^, aj'doe g*; 
vce (vocitus, leer) f^g^ — g*, fem. voed' d^^g^; oe (oculus sing. u. 
plur.) d* d^ ; sing, (p, plur. oey f ^ ; sing, oey m e^ ; plur. oey e^ g* ; 
öe/' (ostia) d*d^d^^; cay' (coxa), pq? (*posteum, pms) f^ d'pcp a^ 
Ein i-Nachklang ist wahrnehmbar in e^e^^ : noe', voe', f. voe'd', poe", 



V) Was den Uebergang von io3 zu v betrifft, so vermuthe ich, dass yoe 
zuerst zu ii' wurde (ähnlich wie pye zu pyi vgl. 31 Anm.) und dass darauf 
das i schwand, weil iv eine im Lothringischen missliebige Lautverbindung 
ist (vgl. fit(?, fyi't^; = afrz. flauter Zeitschr. IX 504). Dn< (phon. dir, deus) ver- 
zeichnet Oberlin S. 1-51, ebenso fin (foris) aus Luneville. Die Vorstufe zu yoe 
war vielleicht »0, nicht aber rf, da das Gesetz (es ist auch wallonisch), dem- 
zufolge vortoniges lat. ü im Hiat zu u, nicht r wird, gewiss alt ist, vgl. Zeitschr. 
IX 488. — Vereinzeltes yeire (opera) findet sich Ezechiel 48, 18. — Interessant 
ist, dass freies o ^ ioe auch im Wallonischen vorkommt, cfr. M. Wilmote, 
Note sur le Patois de Couvin S. 7 (Extrait de la Revue de Tlnstruct. Publ. 
en Belgique, Tome 29, 4'' livr.). 

470 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 43 

ce't. dagegen cyce (corium); nee' auch e^e', n&' c^. In fcey' (folia) 
f' g'*. %•' a^ liegt ebensowohl wie in den Vertretern von oculus 
reines y und nicht bloss i-Nachklang vor; in den meisten Orten ist 
übrigens das Deminutivum fuyät" allein üblich. 

In c^— c*, d^ — d^, e^ werden die oe-Laute zu e: ne, cer' c^c* 
d^ ; Is. ce, Part. m. ce, fem. cet' d^ ; e/*; pe (ppteus) d^c*; fem. 
ved' d^; ce (corium): ne (oculus) d^ : tret' (Forelle) d^ ; d'pe (depms) 
e^. Einen i-Nachklang vernimmt man in e^ : ^ne' (heute, ad noctem), 
c?' (corium), pw^'. tr§'t' (Forelle), c^' (coctus), dagegen e/', ce/' und 
Inf. cer'. Eine Ausnahme bildet ce't (octo). Denselben i-Nachklang 
notirte ich auch in c- in ne' und Part. f. ceV, dagegen cer'. P. m. 
ce und ce/' (coxa). — Für ppteus ist ein besonderer Einfluss der 
Labialis nur in pw^' e^ ersichtlich. 

83. Coxa wird regelmässig zu cce/' oder ce/' und bedeutet 
lothringisch Ast und Schenkel. An vielen Orten findet sich jedoch 
eine Nebenform ci/', der ausschliesslich die Bedeutung Schenkel zu- 
kommt, während c*/' dann nur den Ast bezeichnet. So sind cöe/' 
und Ol/" neben einander üblich in c^d^d^^, ce/' und ci/' in c*d^. 
Beide Bedeutungen vereinigt cö&/' in d^d^^-j//, ce/' in e^ In ci/' 
liegt theilweise Anbildung au das französische cuisse vor; vgl. 
Zeitschr. IX 502. In e^" ist neben cöes' (Ast) frz. cuisse ge- 
bräuchlich. 

In pus (poteus) g^ (neben noe, voe) wurde der y-Laut zur Bil- 
dung des s verwendet; es fand keine Kombinirung desselben mit 
statt (ce ist aus -f- y entstanden). — In g^ ist cyr (corium) neben 
noe, cet, tycer' (kochen) üblich. 

In Is. §nuy' (j'enmäe) d^^, ?noy' d^d'd^, §noy' e^° (vgl. Ipl. 
§noy9 d^, Inf. en9yi d^) hielt sich das im Hiat stehende y neben 
dem und verschmolz nicht mit demselben zu oe. 

84. In A wird + y zu v wie im Wallonischen : vt, oj'dr, 
cir' (kochen), crr (corium) a^; nr (noctem), vr f. vtd' ; Is. et- 
(koche): prs (p9teus) a^, pi/ a^. Ausgenommen sind c^/' a*; c(^s', 
(|?s (ostium), f§y (folia) a^; ausserdem, nach bekanntem Gesetz, Is. 
?pay' (apjniie, cfr. Inf. ?pay^) a^ und Is. änay' a^ (Inf. anaye). 

Zu beachten ist, dass von A — G 9 + 7 dasselbe Ergebniss giebt 
wie + y, wodurch die Diphthongirung des 9 in der Entwickelung 
der Gruppe 9 4- y ausgeschlossen erscheint. In A, wo v -\~ y regel- 
mässig zu i' wird, könnte man allerdings für rt, ctr' etc. ein ur- 
sprüngliches (francisches) vit, cvif vermuthen, und dies umsomehr 
als in A § -f- y. gleichfalls abweichend von der Behandlung in B — G, 
zu i wird. Allein diese i-Formen sind wahrscheinlich francische 
Lehnformen. Bei jener Annahme müsste man wenigstens für cq^/' 
und cps' eine Ausnahme annehmen; Is. ?pay' könnte nach dem In- 
finitiv umgebildet sein. ^Yahrscheinlicher ist mir, dass das v aus ur- 
sprünglichem oe hervorging wie auch im Wallonischen. In coxa, 
ostium wurde der y-Laut zunächst zur Bildung des /, resp. s 

471 



44 A. Horning. 

verwendet; ob ausserdem eine Verbindung desselben mit o stattfand, 
ist fraglich. Das schnell gesprochene 9 konnte spontan zu (^ werden. 
Zu Gunsten dieser Auffassung spricht das wallon. u/', cp/' neben 
nvt, vt. 

85. Focus, Locus, Jocus zeigen durchweg dieselbe Ent- 
wickelung wie 9 H- y : foe d'-^ e*f^ f'*g-w, foe' c**e^e^, föe^ g"*; joe c'* 
f\ Joe' c^ — fe c^ d^, je c^c*d^, jq', f§' e^ Locus ist an vielen 
Orten ungebräuchlich. Ich hörte nur löe f^w, loe' e^, 1§' e^ A hat 
fv, ji', die ich für a^ — a^ konstatirte. Es fragt sich, ob wir hier 
die francische Entwickelung anerkennen sollen oder ob nicht viel- 
mehr c, statt abzufallen, zu y wurde und mit zu ce zusammenfloss. 
Der i-Nachklang, der sekundär sein kann (vgl. 39). genügt nicht, 
um die Frage zu entscheiden. Für die letzte Auffassung spricht 
das Metzische fr, jv. 

Eigenthümliche Formen hat jocare in f^ und o entwickelt. 
In 10 lauten vom Praes. Indic. 1. 2. 5. jf, 3. 4. 6. jyp, in f^ 2. 3. 
djv , 6. djrt, \. dj§, 4. djo, 5. dji. Es fragt sich, ob für die 
1-Formen ein Typus *(d)jioei' zu Grunde zu legen ist, aus jocas, 
j c a t , der sich zu r vereinfacht hätte . wie ryoey' zu rr' ; rr' 
kommt freilich gerade in f^ und (o nicht vor. 

86. Olea giebt ül' a^ W9I' c^c^— c^ 9I' d^ öl' b^b^d^d^, 
wäl' g3, ^r fif2f4f5. üeber 9I' vgl. 70. In wäl', wgl' darf man 
nicht Diphthongirung annehmen; am einfachsten erklärt sich der 
w-Yorschlag aus der Einwirkung des Francischen. Vgl. das auch in 
C vorkommende dway' 50, woy' (auca) 125, woyi (audire) 126. 
Kombinirung des mit dem y-Laut schliessen alle jene Formen aus. 
Eine Ausnahme macht das von mir nur in e^e'*^ gehörte oeT, 
e^^ öT. 

Gedecktes 0. 
< 

87. Gedecktes 9 vor r diphthongirt in C, D, e^e^e^" (wohl 
auch in e^e^^; hier fehlt es mir an Beispielen), also in dem östlich 
von dem Vogesenkamm gelegenen Theil von E, in F (Beispiele aus 
f^ fehlen mir) und in w; über /n r xp kann ich nichts Bestimmtes 
sagen : cwod' (chorda) d^d^d^'^d^^ e*^, cwgt' c-c'^c^; fwo (fortis) e^ 
w, fwö d^S fem. fwot' d-d^; pwot' (porta) d^ d^'^ d^^ f^ ; /cwo/' 
(ecorce) d^d'^d^, scwo§' e^e^^, cwö/' c^c"; pwös' (porticus) c*. pwots' 
d^'^ ; cwon' (cornua) d-d^^d-\ cw9n' d^f\ cwön' o: pwö (porcus) 
c^ d^ d- d*, pw9 c* ; fwos' (Kraft) e^, fwö/' d^^ f^ ; mwö (mortuus) d'^ 
d^e'^e^; mwo (mortem) e*^; gwodj' (gorge) e^, gw'oj' d-^, gwos' c^, 
gw9§' c^ c^ ; wodj' (Gerste) e^, wos' c^ c^, wqs' c'^ ; mwod' (mordere) 
c^ d^ d^ d^^ e* f^ f*, mw9d' f^ w, mw^9d' d^ mw9d' c'^ c* c*^ c" -, tw9d' 
{tordre) c*^, tW9d' c^ c*^ c^, twod' c^ e^ ; ä notirte ich in twäd' c^, 
cwän' c^ und in d^^ in cwäd', pwä, fwä, cwä/' (Rinde). 

472 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 45 

Statt der diphthongirten Form braucht man /tod' (extoiquere) 
(j3j|5(j8^io^ ;.t9d' d-*. tod' f^ täd' d^^ — Das lautgerechte two {tort) 
hörte ich nur in e^; tor c'd^d^^ und auch to d" ist durch das 
Französische beeinflusst. Dasselbe gilt von cor (corpus) neben rich- 
tigem cwo e'e^. 

Die Diphthongirung fehlt in A, B, e' — e*^, d. h. in dem westlich 
von dem Vogesenkamm gelegenen Theil von E, und in g^ — g^; über 
g* fehlen mir Nachrichten: 

a^ : tur (fori), cud', cun', für (fortis), cur (corpus), nr§' (Gerste), 
put' (porta), aber mo" (mordeo, Ipl. m9da), mo" (mortuus), f. mo"t'; 
raod' (mordere) a^ ; ö;^' (Gerste) a^a'*; tid' (tordre) macht in a^ a^ 
a"* eine bemerkenswerthe Ausnahme. Mordere giebt ferner : moc' 
b*, mot' b^, mod^ b^ e^, mody' e^ müd' e*; tor quere : toc'. Is. 
to b*, tod' b^e^, stody' e\ stüd' e"*; chorda:cod§' b*, cod' e^e^; 
corn(u)a cön' e^ — e^; g^ hat po (porcus), pot§' (porta), ordj' ; g^ : 
pot§', cots', mots' (mortua), mo (mortuus); g^ dagegen gu^rdj', pu§ 
(porcus), fü§ (fortis), f. füet§', müt§' (mortua), pu^ts'. 

Ftir c§to/' (quattuordecim) d^, c^to§' i^, c^tor lo ist mir eine 
diphthongirte Form nicht begegnet. — Is. put' (ich trage) ist in d^ 
üblich (Inf. put§). 

88. Gedecktes o, mit Ausnahme von 9 + r + Kons. 
und o-f-n + Kons. In Collum, colpum, mollem, dos- 
sum etc. wird in dem grössten Theil des Gebietes lat. ö zu 0, nur 
ausnahmsweise zu 0. Jenes ist jedoch nicht rein; es folgt auf 
dasselbe oft ein schwer zu definirender Nachklang, über dessen Wesen 
die Ansichten getheilt sind und den ich als einen u-Nachklang auf- 
fasse. Einige eigenartige Entwickelungen und besondere Fälle be- 
spreche ich zuletzt: 

co" (collum), co" (colpum) c^c^c^d^e*; co" (collum) b^d^'^, 09" 
o; mo" (mollis) cM^ fo"s' (fossa), do" (Rücken) a^e*; to" (bald) 
a^d^; bo" (Holz) a^d^^d^e^V; co"t' (costa) c'-»; o"s (Knochen) e^^. 
Bloss 0, resp. 9 notirte ich in : bo f^, bö c^; do w; co (Hals und 
Schlag) b«d2lf^ C9 g^; fös' cM^d^; to i//, to d^d^«; ös (;Knochen) 
d^fi, OS d«, 9 g3; cöt' (costa) c^d'^d'-\ — In e^e^o tritt a" an die 
Stelle von o" : ca" (Schlag) e^ ; ca"t' (costa, Rippe), cya"t§' (Glocke), 
a"s (Knochen) e^e^"; a"t' (hospitem) e^". — In e'^e^ trifft man eine 
nasalirte Form : in e^ notirte ich cyot§' (Glocke), di'n\ (Rücken), toi], 
(bald), coi], (Hals und Schlag), bon (Holz), cot' (Rippe), fori, (fou), 
^col' (Schule), ot' (hospitem). In e'^ fos' (fossa), doi\, coi], (Hals), 
coix (Schlag), cot', OS (Knochen). — Lat. ö wird zu oe in e^ — e^ 
und in g^ ^) ; voran stelle ich die Formen, die ich in den vier Orten 
aufgeschrieben habe : doe, coe (collum u. colpum), boe; bitoe (bald) 
g^ ; stoe be (vielleicht, si tot, cfr. Gloss.) e^; toe e^ ; ccBst' e^ coet' 



^) Auch in gi, wenn das einzige Beispiel boe (Holz), das ich in meinen 
Notizen finde, den Schluss gestattet. 



473 



46 A. Ilorning. 

e^e^;_oes e^ ; foes' e^e^; ^coel' e^e^; ty^s' (Glocke) e^, cyoets' 
e^; roes' (röche) e\ roets' e^; noe (noster), vce (*voster) e\ Das 
erwartete groe (grossus), f. groes' findet sich nur in g-; gro, gros' 
sagt man in e^ i gros' notirte ich auch in e^, gro"s' in e-. Sonst 
sagt man gro. gros' d-d^, gru d^eK Eine merkwürdige Nebenform 
des Wortes (wenn es dasselbe Wort ist) ist gwo c^c-c'-'e'-'e'^, fem. 
gwos' c^ c", gw9s' c^ ^). 

89, Mo lere giebt mor' c* d^ d'^ e^° f^ w, mur' a^c'^, mgr' b^, 
moer' g^ 3s. raoe, mod' f\ mood' e\ moedr' g^. Auffällig ist mwor' 
d*^, womit cwor' (Ulme) d^ (aus colyrus st, corylus) zu vergleichen 
ist. Sollte hier 1 vor r geschwunden sein , bevor es lautgesetzlich 
in u überging, und zwar so früh, dass stellenweise das nun vor r 
stehende 9 noch diphthongiren konnte? Duodecim wird zu dpz' 
d^f*, doz' c^, — Zu den bereits erwähnten Formen für *rocca 
und *clocca füge ich noch folgende hinzu : rpts' d^^, rots' f^; 
cyö&§' d*c^, t/öe§' c'c^, t^oes' b*^, tyoes' b'^, cyes' c^c^; cye^' auch 
in d^'d^d^^ wo sonst oe nicht zu e wird; 9 hat überhaupt eine Nei- 
gung, vor (t)s zu oe zu werden : ich erwähne noch : cröes (croc) d^ 
Is, §p(~erts' {approclie) e^, £epres' c-, epers' d^ ; hierhin gehört wohl 
auch bnt'/' (Bürste) f\ br&s' e'-*, bre/' d^. Ueber die dem franz. 
SOG (Pflugschar) entsprechenden Bildungen, die ebenfalls oe haben, 
vgl. 133. 

90. Noch in einer andern Reihe von Worten, und zwar zu- 
meist vor den Doppelkonsonanten tt, pp findet sich jener eigenthüm- 
liche o"-Laut nicht; dafür tritt 9. selten ein. Die Quantität (jene 
Vokale werden meist kurz gesprochen) scheint hier auf die Qualität 
der Laute eingewirkt zu haben : tr9 (zu viel) d^d** d-^ e^f^ f" f^g^g-, 
trö d^; C9t' (Unterrock) d'^d^e^f\ cot' c^ ; m9 (mot) d^e'^f^ mod^; 
n^t', V9t' (notre, votre in konjunktiver Stellung) c^c^e^. Eine Be- 
sonderheit von A ist, dass hier an Stelle von 9 a erscheint : trä, 
cät', (in a^ cat'j, mä, nät', vät'. Dazu schlagen sich äs (ossum), cväs' 
(Glocke) a^, und pya, f. pyät', sofern Suffix -ottus, -otta zu 
Grunde liegt (petiot) und nicht -ittus. Diese Formen kann ich 
übrigens nur für a^ a^ bezeugen. 

Schliesslich sei noch cwo (Hals und Schlag) in f^ erwähnt, wo 
sekundäres w sich nicht nur nach Labialen, sondern auch nach c 
einstellt. 



1) Man bat den Eindruck, als ob jenes 0" (oe, 0) aus einer Verdoppe- 
lung oder Zerdehnung des ursprünglichen o hervorgegangen sei. Bestärkt 
wird man in diesem Geiulil durch die Thatsache, dass unser o dasselbe Er- 
gebniss giebt wie a -p vo und dass der o"-Laut in do" aus d s s u m sich 
von dem 0" in co" nicht unterscheidet, wo doch eine Verbindung des mit 
einem aus 1 entstandenen u stattgefunden haben muss. Eine Stütze findet 
jene Annahme an hoos im Bernhard. Vgl. eine ähnliche Erscheinung unter 
f. Wie wäre eine derartige Verdoppelung wohl zu erklären? Etwa als Er- 
satz für die hier nicht, wie vor r -f- K n s., eingetretene Diphthongirung, also 
eine Art Analogiebildung? 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 47 

91. O-f-n-hKons. wird zu 9 oder zu (^^ : {tqi\ (frontem) 
c^f^e^, frQ d^; pc) (pontem) f-. poix d^, frpi],, ppi), d^^; fro notirte 
ich in e-. Aehnlich giebt soranus 59 d*. S9i\ c^ c'-, so e^fS ho- 
minem 9m' d^g'g^g*, ym' d'-. öm' d^, am' e^^, om' c*, Om' c'' 
b^. — Für longe (Join) notirte ich lä e^e^, lo f\ I9 d^ ; frz. hesoin 
entspricht b'zo f^ 

Unbetontes 0. 

c 

92. Einwirkung des betonten Vokals liegt vor in : Part. m. 
twädji (tordu), mwädji c^c^, twodji, mwodji c^; mw9di c^, vgl. 87; 
tw^djt' g^. mw^dji' g*; Ipl. rat;r9 (wir sterben) e^; tinar' c*. tinor' 
e*, tin^r' d^d-\ ty^n^r' f ^ ; P. f. sinay' (sonata) d^^ sin9t' (Schelle) 
c*. Eine derartige Einwirkung braucht man für noetey' (nuitce) d^ 
(s. Gloss.), Inf. voe'di e^ und ntjät' a^ (noisette) nicht anzunehmen, 
da vortoniges 9 + y regelmässig doch wohl auch zu oe, resp. v 
wurde ^). 

93. Ob und wie sekundäres y aus c und ty in *cocina und 
*poteare 9 beeinflusst hat, ist nicht recht ersichtlich : ersteres gab 
CJ'j^u' a^, cöeliin' b^b^b'^f^w. cejin b'', t^öeWn b*^. celiin' e\ ci'j(|in' 
gig2 (vgl. djredi g^. Donnerstag), cyoej§n' g*, t/oej^n' g^, aber da- 
neben culiin' c* c'-* d^ d^ d^^. Poteare wird zu pulii b'^, puliy^ c*. 
aber pilii d^d'^ff^ (danach wohl die Is. ptli' d''^), ptAe r, pt^je f^ 
(1. Praes. Indic. prje f^, pi/he f^), pi^jy^ aS pt'jie g^, pflii e^d*. 
Ob V unter dem Einfluss der Labialis p entstanden ist? 

94. Dem frz. meunier entspricht moni gS mvne, f. rnrner' P, 
mvniii a^ a^, mine' e^, mine c^d^d^d'^d'^d^d^^d^^. Ist mine aus 
mi'ne entstanden, und dieses aus mone (mune) durch Einfluss der 
Labialis? Man vgl. m9lii| (Mühle) c^e^ möl? d^^. ram9lu {remov- 
leur) a\ 

95. wird zu oe (e) in : i^rmi (Ameise) d^^e'^f^ (f^rmi d^d^, 
ähnlich f§rm^j' d^) — Inf. dr^mi f, d?rmi d^ — Inf. moeri e^f^g^, 
Ipl. mcpra a^, danach Is. raöer g^ — vor cc in cyoes9t' yj, cj-esat' d\ 
cyes9t' c* (s. das Weitere 80) ; byoesa (Block) d'^ ; ccersa (s. Gloss.) 
d^ ; Inf. §pq3rts? e^, 9pr9syoe c^, vgl. 89. 

96. ü, resp. 0, haben ausserdem : Inf. muri c^, Ipl. mur9 d^ 
(vgl. 214); part. mudi (gebissen) d^, m9dt^ e*, mudi' f*, modjt» g^ ; 
todi^ e*^; culycev' (col9bra) d^ neben C9lyoev', c?ly(pv' f'* (vgl. 78. 79); 
m9tii| (monasterium) a^, m9te d^ d^^ d^^ 1//, m9te' d^^ ; pose' (porcellus) 
e^, P9^e' e^, p9§9 g^, pu/e e^e^fV pu;fyo d^; mu/e (morceau) d^f^; 
Koni. 3s. Tput^s' (empörte) d^, Inf. put? d^ (darnach s. 169 Is. put'), 
put/e b^; C9rbay' (Korb); fuyat' (Blatt, an vielen Orten statt des 
einfachen folia üblich) b'd^d'^d^; ti^te (Kuchen) c^. t9te d^ ; nove 
(nouveau) w; C9nay' (Rabe, cornicula) d'^, auch cwonay' d^, cw9nay' 



^) Dasselbe würde dann auch von dem Wallonischen + 7= v gelten; 
s. Zeitschr. IX 486. 

475 



48 A. Horning. 

f^; monoy' (moneta) f\ munay' w; mpy^ (mouiller) a} ] cvye (cueülir) 
i^; cuyoe (Löifel) d^\ s. cmi Gloss. Ueber d^m^höl' (dorainicilla) 
vgl. 63. 

97. Ausfall hat stattgefunden in : Inf. s'n^ (sonare) a^ Part, s'ue 
d^, 3pl. s'nf) e^e^*^; p'§e (porcellus) a^ ; t'n^r' (Donner) e^, t'nor' 
e^'* ; c'nay' (quenouillc) b^d^'e^*^; p'tf (portare) a* ; m'nay' (moneta) 
d^^, m'nAy' e^, m'noy' b^. Die Ausstossung des Vokals in der ersten 
Silbe war nur möglich in unmittelbarer Anlehnung an ein anderes 
Wort (vgl. frz. la m'sure). Es liegt demnach hier ein Fall von 
Satzphonetik vor. 

(betontes) = ^eschloss. o. 

Fkeies o. 

98. Die bei weitem vorherrschende Form ist u : sälu (calorem), 
nu (nodus) ; mul' (niöra, müre) d^, mür' f-^ ; ju ( jugum) d^ ; ür' (hora) 
f'>g-; cu (cotem) a^ ; lu (lupus) f ^ ; su (sudorem) d^e^; m^yu (me- 
liorem) yj; tsolu g-. Von der Regel, dass freies ö zu u wird, giebt 
es zwei Ausnahmen : In einem Theil von D, d^^d^* und d^*' — d^'-* tritt 
für u oe ein : fyoe (florem), ijalöe, oer'; tsalcB d^^d^^; muyoe (meliorem) 
(ji2(ji9. gQgy' (^scopa, Besen) d^-. Beeinflussung durch das Französische 
scheint mir in diesen zum Theil abgelegenen Orten ausgeschlossen. 
In Ste-Marguerite (d^'^), in unmittelbarer Nähe von St-Die, von wo 
ein derartiger Einfluss hätte ausgehen müssen, findet man wieder u ^). 
In g^ traf ich regelmässig v : ti^alv, vr\ malerr. t&itv (chanteur); wie 
verhält sich dazu /w§ (florem)? In miri' (Spiegel) und mw^tijf 
(Taschentuch) kann v auch auf -orium beruhen. In g* notirte ich 
cu? (coda) neben mal^rv, in g^ nur u : syu (florem), ür', du (duo). 

99. Besondere Fälle. Florem wird nicht überall zu fjii 
wie in e^d^d^^; es lautet fyi^ f^w, fyo e^e^e^. — In e"^ hörte ich 
neben tsalu rr', in f^ myö (meliorem) und /p^vroe (*expavorosus, 
furchtsam; vgl. Thiriat s. v.). Scopa wird zu /cöev' d'^d'^d'^. Der 
Infin. lautet in d^ /cöev?, in d^d*^ /cove, Is. /cov'; das Subst. /cev' 
d" aus /coev'. Hier scheint Einfluss des v im Spiel zu sein. — In 
coda war der Hiat von Wichtigkeit für die Schicksale des Vokales : 
cu' e^ e^°, co" d^, t/oe b^, cüy' w. — Super giebt /n f\ sv g\ 
SV d^; pro pu c^d-d^d^f^ w, pö e^ e^. — Nos, vos wird zu np, 
V9 und zwar als absolutes und konjunktives Pronomen: avo no (mit 
uns) b'', tsi no (bei uns) f'^, si no d^ d^ e^ o. iiter no (unter uns) d^ ; 
sii), V9 (möget ihr sein) f'; vp Pron. conj. o-, vg r^mra tr^ f'^; no (o 
zwischen o und q) riipvceno (wir füllen) g^; abweichend noe noera 
g^ — Flor et wird zu fyer' d^, ficpr' (3pl. fycprp) w, Näheres s. 80. 
108. — Cubat wird zu cov' d^, cuv' d^, * demorat zu d'mor' d^ 



') Zu beachten ist, dass in denselben Ortschaften i dem gemeinlothr. 
V\ entspricht. — Die Ausdehnung jenes o = oe-Gebietes bedarf genauerer 
Umgrenzung. 



476 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 49 

d^ (Int. d'mor(,^ d^d'-'^); Imperat. donnv(,n'' b■^ d'niür' c^ (vgl. 3s. Perf. 
d'mure, 3s. Imperf. deniuri f^ Inf. d"mai\^ a^j. — Im Hiat wird o 
zu -ow' in now' (ich knüpfe, von nodus) d^ (Inf. nue). 

100. 4- Nasal. Aus o + n, m bei männlicher Endung ent- 
wickelt sich der rein französische Nasalvokal nur in A und in G : 
h(T^r'so (Igel), mojn, sajo, rajo a^ ; wie weit dieses o nach B hinein- 
reicht, muss noch festgestellt werden-, pu^^o (Fisch) g^g*, mäjo gS 
mojo g^. Sonst findet man durchweg -oi|, oder -o : malipi], c^ c*, 
mwälioi], d^-', mo1ioi| d-- ; ralioj^ c^; piii,djoi\ (Taube), diii,d9ii f"*; ga/911, 
pii|soi], (Finke) c* ; rahäi],, mwaliäi], d' ; mojo, baco (Speck) e^. ra1i9 
d^ d^. malio d^, t^arb^ d'', no (nomen) e^f\ säsp d*. Vereinzelt 
habe ich auch oi|,, ai^ notirt. moliori e\ noeraii (wir nähren) d'', doch 
liabe ich auf diesen Punkt nicht genauer geachtet; er bleibe einer 
eingehenden Untersuchung vorbehalten. Mir wird es überhaupt nicht 
leicht, zumal wenn schnell gesprochen wird, oi|, von ^n\ zu unter- 
scheiden. Rein orales n nach hörte ich nur in f^, und zwar nur 
in mwojgn', daneben rojoi|. Diese Singulärstellung nimmt möliön' 
auch im Wallonischen ein, vgl. Zeitschr. IX 486. 

Wir wenden uns zu den Schicksalen von -f- n, m bei weib- 
licher Endimg : d^n' (donat) d^ — d^ d^ d'-* e^ e^ e^, an vielen Orten tritt 
dafür b^^yi (baüler) ein, z. B. d^^; don' (donat) c^; n^n' (nona. Mit- 
tag, o 1.) a^ ; sarli^n' (er hustet) d^d'^; Is. sarlion' d^^ ist vielleicht 
nach dem Infin. sarlione umgebildet; s. Gloss. u. Zeitschr. IX 499; 
p^m' (poma, in D Himbeere, s. Gloss.) d^ d^ d'^ f ^ f'^ o>, §pöem' d^ (s. 
191), p(pm' a^a^, pom' f- (den Apfel nennt man meist c'ma, c'maf); 
Is. ors^n' (j'ourle) d^, ^rsin' d'' (s. Gloss. u. Zeitschr. IX 503); 
pa^e'n' (persona) e*^ ; in p^§un' a^, pwa/on' d'^, pap^on' d^ liegt viel- 
leicht Beeinflussung durch das Französische vor. 

101. + y zeigt dieselbe Entwickelung wie o -f- y; die Grund- 
form oe, resp. oe' wird in c^ — c*, d^ — d^, e^ zu e, resp. e' : cröe 
(crucem) b^'c^, crOe f^, cröe' e'' — e^*^, cre d^, cr§' e^ ; noe/ (nucem) b^ b^ 
d'^d*', ne/ c^c'd^d^, noe'j' e^e^*^. Suffix -orium liegt vor in : mo^oe 
(mouclioir) d^, mu^oe d^, mut§oe' e'-^, mu§oe' b'', mu§e d^ ; miTce (Spiegel) 
d^, mrroe' e^e^e'', mire c^d^; v'rOe (Riegel) d*d^, v'roe' f^, vre d^ 
(s. Gloss.), nur in c* v'ro, das auf -uculum zu beruhen scheint; 
t^^soer' (Peitsche, wörtl. chassoire) i^ ; r^zce (Rasirmesser) d^^; b^toer' 
(frz. un hattoir) d}^\ auch /ayoer' (Sessel) b^, /?yer' c^ ziehe ich 
hierher (s. Gloss.), wenn auch /ayer^ f^ und sir' a^ unmittelbar auf 
cathedra zurückgehen mögen; cöloe (Sieb) d'', coloe' e^". Die 3s. poeV 
(pourrit), Inf. poe'ri und Is. noe'r' {nourris), Inf. noeh'i e^, Part. fem. 
poeri' g*, 3s. peV c-, Is. ner', Ipl. nerp d^ (vgl. 207 II) erklären 
sich am einfachsten durch die Annahme, dass Verbindung von + y 
vorliegt, dass also Formen wie Is. pötrio, pötriunt, Konj. pö- 
triam, nötrio für die lautliche Gestaltung der beiden Verba 
maassgebend wurden. Merkwürdig sind Is. nyoer', 3s. pyoer' c^ (Inf. 
nyoeri c^c'-*, pyoeri und Ipl. nyoerp c^). 

Fr.anzösischc- Studien. V. 4. ,-_ 4 

4< / 



50 A.. Horning. 

102. In A wird o -H y zu v : crr (crucem), me;\v (Spiegel), 
mosf, bq^ttr' (Schlägel), Is. nt'r, p/r' (vgl. Inf. mri, ptri), b^s'n^r' 
(bassmoire) a} ; cplv (Sieb), brilu' {hrisoir, s. Gloss.) a^. Die 
r- Formen von notrire, potrire sind über A hinaus verbreitet 
und tinden sich in einer Reihe von Orten in B, wo sonst o + y zu 
oe wird : Is. n?r' (Inf. ntri, pt;ri, Ipl. nrro) b-^ neben croj, nöe/; 
Ipl. nt>ra b^ neben nwx u. s. w.; 3pl. piToi^ neben noer^ii b"^; aus 
V wird regelrecht i in b", niri, piri, Ipl. niro. daneben atpnoe 
(Trichter). — In G finden wir den f-Laut wieder in crr g^g*; 
dagegen nüs (nucem) g*, vgl. 83. — In Inf. c'nf);^' (cognoscere) d^d^w, 
cgnas' a^ Is. Praes. Ind. c'no d^i// scheint eine Verbindung des y mit 
nicht stattgefunden zu haben. — Yocem wird zu wq cM^d'd^* 
f^, vu e\ vw^ a^e^, wa g-g*. Es ist kein Zweifel, dass die ab- 
weichende Behandlung durch die anlautende Labialis bedingt ist. 
Das AVort theilt im Wesentlichen die Schicksale von freiem betonten 
e nach Labialis, vgl. 47. 

103. 4- ly und ny. Genuculum giebt j'noii^ c"^. j'np d^^ 
e^io, Vnp d^d^^e^f\ j'no c^ä^, dj'noy g*. j"nüy' g^. Die Nasalirung 
kann durch das vorhergehende n bewirkt sein, vgl. jedoch avo 79 ; 
j'nä a^ kann auf -iculus beruhen, vgl. g^rnay' a^; zu c'nay' und 
s'lg s. 53, zu v'ro C* 101: grenuy' notirte ich g^. g^rnuj-' d-. 
Pedüculus (Laus) giebt poi| e^. po" c-d^d^. p?~^ a\ puy Pi^; 
es hat hier Ausfall des e oder wahrscheinlicher unter dem 
Einfluss der Labialis Assimilirung des e an das o stattgefunden. 
Auch der d-Hiat verdient Beachtung. — Pugnus wird pwä e^, 
pwo d^d^, pwg d^, punctum pwö d^, pwo f\ puncta (frz. jpomfe) 
pw^t' d^^. Hier ist der Einfluss der Labialis unverkennbar. 

Gedecktes ö. 

104. Vorweg zu nehmen ist der I'all. wo auf o ein zu u ge- 
wordenes 1 folgte : hier zeigt sich überall u : cut' (cultrum) d- e^, mu 
(multum) f^w, pur' (pulverem) d^d^-f'^, ut' (ultra) d^, ^/cut' (er hört) 
d'. Sieht man von diesem besonderen Fall ab, so wird in der Regel 
gedecktes o zu p : ;:t9p' (stuppa) f\ stop' e\ top' a^; jp (diurnura) 
e^ d^^, tpjo w, djo e^g^g^; fos (furnus), tp (*tottus), f. tpt'. fots' 
(furca) e^ : co§ (kurz), bots' ( bucca) e'^, bps' d^ d^ e^ ; mps' (musca) 
a^ ; Is. dpt' (dubito, ich fürchte) e^; to (turris) w; to (tottus) 
c'^g^, f. tpt' a^e^g^g--, rpj' (rubeus) e^ w, rpdj' f^ rp^' a^ ; boc 
(houc) d^d^d'^d-^; p/ (ursus) d^; cpr' (currere) a^ eH*, Is. cp 
b* ; rpt' (Strasse) f^ ; cpt' (es kostet) d*' ; tp (die Reihe) . cpd' 
(cubitus), cp§ (curtus), cp (Hof) a^; /o (surdus) a^, sp a^ ; gp (gustus) 
a^ g^t' (gutta) aM^;' spp' (Suppe) a^g^ 3s. /oV (sufflat) a^; 
dpy (duplus) d^ e". Neben p findet man in D und C häufig i^ 
und sogar u : rai}/ (musca) c-d^, mü/' d^-; cut' (es kostet) d*; duy' 
c^d'd'^d-S duy' d^, duby' g*; cryt' (crusta) c^c- neben to (Reihe) 

47S 



Die ostfranzösisclien Grenzdialekte zwischen Metz und 1 Seifort. 51 

und jo: c\i/ (kurz) d-c'-'; syf (er bläst) c^e^; f. tyt' d^; puy' (Henne) 
b=^ b' (ppy' a^) ^). 

105. In einigen Orten entwickelt sich ein sekundäres u nach 
Labialen und c Ich gebe sämmtliche Beispiele, die ich notirt habe : 
cwi^r' d''d*F(L»; cwg/ d^d''d", C(^y, lo, cwp f-f"*; bwo/" (Börse) d^ 
f ' w, fw9/ (furuus) d'\ fa/ d^, während man in dem 1 Kilom. 
entfernten Poutay fwo/ sagt, fwo Pf-f^w; bwpt.s' (bucca) f\ — 
Wie cwQ (kurz) g* und tw? (Reihe) g^g* aufzufassen sind, ver- 
mag ich nicht zu sagen; man vergleiche damit /w^ (florem) g^ 
und djw?n§^ (jotrrnee) g*. — wird zu ce in crcpst' (crusta) e'^. 
crO&st' e'^, crq^s' e^, crce/' d-^, cröe/' d* d^d'-* neben cry/' d^, cri^t' 
c^ c^, crpst' e\ crot' e-. — Tq^s" Subst. (Husten), Is. töes" e^ (cfr. Inf. 
toesi), Subst. tes' e^. — Consuere (nähen) wird zu cus' a^ cuz' f^, 
cos", Is. CO d^d^", cudr', Is. cu g^g^. — So (satullus) f, so" c''. — 
MeduUa'giebt möl' d^d^d^d^d^^fi^^^ ^^^ d^ ma"l' el^ moel' e^ 
(wo geschlossenes o überhaupt zu oe wird), myol' g^; vgl. das 103 
zu peduculus Bemerkte-). Der Einfluss eines Nasals muss in 
Betracht gezogen werden in ton' ich drehe c^; f^n' (fuscina) a^'^, 
fcvn b^; por" (ponere) e^; j§d' (jüngere, anspannen) w; trai^ (truucus) 
e^; jän' (juvenis) a^ jon" c'^c'^d'^, jön' b^'c^, jpn' d^, djren' g*, j^n' f^to; 
letzteres findet sich in demselben Bezirk, wo olea (86) zu ^1' wird. — 
Höchst auffällig ist iiic' (ungula) a^ c'^ d^ d^ e'^ f- w , zii^c' c^c*; ein 
abweichendes oy' hörte ich nur g^— g*. Ein lat. ungula würde der 
i-Form besser gerecht; man vergleiche oclii], (Oheim) a^c^d^, ociii 
CO. Tor -ngl zeigt auch das i von singularis (68 Schluss) ab- 
norme Behandlung. 

ö (unbetont). 

106. + y wird auch in vortoniger Silbe zu oe, resp. v : noelii 
(Nussbaum) d", noeliat' (Haselnuss) d^f\ nojjot' f^; noejoF (Walnuss, 
nucem galam, vgl. Zeitschr. IX 505), noej'le (Nussbaum) f'' ; Inf. noeri, 
po?ri. Ipl. noero d*, Part. m. und fem. poeri g^g*; dieses oe wird 
regelrecht zu e in neliat' d-d^, neliot' c^, neTie c^; Inf. peri, neri d^, 
vgl. 101; noliat' d* und nui d^d*e^" weichen ab. Ebenso erhält 
man crijy^ (croiser), n^jät', prri, nrri a^ doch nöeliät' in a^. In 
pulio (Gift, potionem) ist eine Einwirkung des sekundären y auf o 
nicht wahrnehmbar; ebenso wenig in mühi (schimmlig, von *mücere?) 
d^ d^d^d~^ip, mtji a}, mceji e^". 

107. + 1 + Kons, wird zu u : cute (cultellus) aM^d^d'^d^* 
f^, cut§ g^, cute b", cut^' e^ ; scut? (hören) e^, ^/cutg d^; /pusa 
(Staub, s. Gloss. u. Zeitschr. IX 499). Besondere Beachtung verdienen 



^) Die Frage muss wenigstens autgeworfen werden, ob nicht auch in 
dieser Stellung o ursprünglich diphthongirte, wie dies für gedecktes e wahr- 
scheinlich ist; o wäre eine Vereinfachung aus ou, wie o, a als Vereinfachung 
von oi vorkommt. Beide Elemente wären in dem i^-Laut noch fühlbar. 

2) Schon der Bernhard hat wolle 9, 29. 

4* 

479 * 



52 -\- Horning. 

die Vertreter von puUicenum (Hühnchen) : ptsii], a^a^d^^f^g^, 
ptsT d^-g'^ poesiix f * ; pisii^ c^e^ (wo f =: i) findet sich auch da, wo 
V nicht zu i wird, nämlich b^d'^d^e-e^". Ob v unter dem Einfluss 
der Labialis entstand und aus r i wurde? vgl. 93 prlii, 

108. oe-Laute entstanden aus o ohne folgendes y : 3s. fyoerey 
(floret) yj (in d** P. f. fyerey', 3pl. fyerp); 3s. sya'ri, opl. syoero g^; 
über V- und i-Formen vgl. 80. Tu^si (husten) e'^, tcesye i^w:, scj'fri 
(leiden) Inf. u. Part. f. f''; pq^mi (Apfelbaum) b^b^; /ccev? d*, vgl. 99. 

109. wird zu 9 in folgenden Wörtern; ich gebe gleichzeitig 
etwaige Nebenformen mit \i, u, an : cpzir' (Nähterin, vgl. 14) d^^, 
cuz'ros' f-'^; t9Jo b^d^d^; cptre (Ellbogen) d^d'^f^; dpta (dubitare) 
(0, dot? d^e**; C9ta (kosten), Subst. cotoj' w; sole (Schuh) b'^d^d*, si,xla 
P ; fosat' (Gabel) d^, fusjat' d-^ ; mufjtol' (mustela) e^, mpstol' e^**, 
mpstodV eM Inf. sofyi d'^ (vgl. 207 I*^); mo/at' (Biene) b^d'^d^^d' 
d*, mp^ät' a^, miisät^ e'^, mu^^t' f^f^; botay' d^d'*f", botpy' e', butay' 
f^ ; tpte (Kuchen, tourteau) d'^ ; prsoi], (ourlet), Inf, 9rs'n9 d^ (vgl. 
Gloss.) ; colf (Milchsieb) a^, cöloe d'^ ; deg9tT (degoütant) g* ; 9ti' (urtica) 
c^ c*, utey' d^ d'' d'^ ; p9me f^, p9mi g^, p9m| g*. Ueber m9soe, musoe 
s. 101, über cognoscere 214. 

110. U, resp. u, notirte ich nur für : cuts9 (kurz) g^ cots9 
g- ; Inf. sula (satuUare) f ^ ; fune (Ofen) c^d^; tun^ (drehen) c-; nue 
(nodare) d^; über demorare vgl. 99. — ü hat näni (nein) c^. 

111. Man beachte noch fw9ne f\ fwone d*^ (Ofen); djw^n^e 
(journee) und mw^tsf g* (Taschentuch) zeigen die abweichende Be- 
handlung des 0, die wir auch in der Tonsilbe fanden. 

112. Ausfall des liegt vor (s. 97) in : Inf. d'na (donare) f^ 
Is. d'n? ; Inf. d'n? d^ d'^ ; c'ma (Apfel) s. Gloss. ; s'19 (Sonne), s'ray' 
vgl. 58; s'v9 (oft) f ^ ; in vortoniger Silbe in 9rs'ne, s. 109, und 
mu/'na (moissonner) f^ s. 42. 

U (betontes) = lat. 11. 

Freies u. 

113. Freies lat. ü, sofern es nach gemeinfranzösischen Laut- 
gesetzen nicht im Hiat steht, wird, mit Ausnahme der Orte, wo r in 
i übergeht, zu v : mi/ (murus), dr/ (durus) m. f. h*^ d^ d^^e'^P ip, 
mrs, dt? a^f^f^ rar' gM dr-, f. dir g^ ; pr (plus) aMM"fM"-^; 
nc (nudus) d-^e^; ;f?rjr (sedere, jusum) d'-^^ ; Part. m. V9dr e^, P. f. 
brs' (getrunken) d'^d^d^^ In b''Cd^ — d^ und e^ wird jedes r zu 
i : mi^ dl/ c^c^d^e\ sorji b'^, Part. m. v;ii|di c'*, pwedi (verloren) 
e\ pi (plus) d^, Is. ^/ir' (fassure) e\ Is. jir' (juro) d^. 

Besondere Fälle. Zum Yerständniss des Folgenden ist es 
nöthig. daran zu erinnern, dass in c^ — C*, d^ — d^, e^ jeder oe-Laut 
zu e wird : Neben sar (*sabucus, Holunder) d^. säyr d^d^d^\ seyf 
f^ s^yi d\ sayi d-d^ findet sich sayöe e^'^ip (vgl. Zeitschr. IX 504); 
neben f^r/<r' (fressurc, Leber) d'^ fer/oer' d-* und for/er' d^. Durus 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 53 

wird zu dyöe, f. dy(^r' g^g*, maturus zu m^yt- w, f. meyir' f-, meyce, 
f. raeyöer' d^d^^e**, ra. u. f. mey« e^^ meye c2d"e^ f. meyes' c-, 
f. mey^r' d'^, m. meyi c'c'-', f. meyis' c'-'; pjodun-' (BrenunesseL von 
excalidare) a^; Is. jc^r' (juro), adq;'r' a^; Is, o/yoer' (j'assure) \p, 
t^srr" a\ In liv' (über), iv', livr' (s. Gloss. u. Zeitschr. IX 501) 
wird u auch da zu i, wo dieser Lautwandel sonst nicht stattfindet, 
wohl unter Einwirkung des v; vgl. 180. — Tu wird als Pronomen 
conjunctura im Nominativ, und zwar vor dem Verbum, zu te d** e^ f^ f^ oj, 
te und te g-. te e^", vorausgesetzt, dass ein Konsonant folgt; vor 
Vokal findet Elision statt, t'e (tu as) f^. 

114. U im Hiat, also bei weiblicher Endung, wird in einem 
Theil des Gebietes, in ADw, nach wallonischer Weise zu o\v' oder 
pw'. aw' : s^rpw' (Pflug) a\ sarow' d'^d^d^d^-d-^ d'-'=^ V-'; row' (Strasse) 
d^; now' (nuda) a^ d'^d-' ; crow' (cruiia) d^d*d-\ in a^ tritt das 
unorganische cri't' ein; Is. tow' (tödte) d-— d*d^d"d^M-^; Is. r'mow' 
(je remiic) d*, §rmow' d'^ ; Is. sow' (ich schwitze) d^ ; Is. §/ow' (fessuie) 
d^tu; Part. fem. vän,dow', pedow' {perdue) aM^d-\ vädöw' d^ — d'^d^*^, 
bgvow' (getrunken) d^, v'now' (gekommen) a^ d^. Man beachte auch 
die Nebenform vädoy' d^^d-^. Diese Formen fand ich auch noch in 
b^ : sarow', now^ vadow', aber auch hier cr^•t^ und in b^ vadäw", 
Is. su' ifessuie), su' (schwitze), r'mu' in a^ sind Analogiebildungen 
nach Inf. sw^ u, s. w., ebenso Is. /u', tu' a^, wie Part. fem. vSdaw^ 
beweist. In D weicht nur d^ ab, wo man sarü' Subst. und Is. tu" 
sagt wie in C. In C und dem grössten Theil von B nämlich 
findet man statt ow' u' : saru' b^c^, saru' c^; Is. tu' b'^ b^ c^ c* c^, 
r'mu' c\ su' (sudo) c^, e/u' (wische ab) c*, §u b'^. Für cruda 
tritt das unorganische crrs' ein b'^ b^, cris' c^ c^ c^ — c^, dessen t;(i) 
durch das masc. crf, cri bedingt ist; so ist wohl auch fem. ni' 020*^ 
zu erklären ; f. nu' hörte ich in C nicht, ebensowenig ein Part. fem. auf 
u' : le v^s' a V{\n,di' (die Kuh ist verkauft) sagt man in c^ c» d^ Der 
Is. si' (sudo) c^c^c^ liegt vielleicht die francische Form zu Grunde, 
was für Is. sy' c'^ gewiss ist. 

In E hörte ich die Feminina : cru' (cruda), nu' (nuda, masc. 
nr). Part, vpdu' (masc. vpdr) e*^, dann Is. tu', r'mu' e^e^e^e*'e^, /u 
e^e^; Part. fem. vädu' e'^, vänduy', cpzuy' (genäht) e^*^, Vfiduy', pe- 
duy' (verloren) e*, vadi' e\ vädv' e-e^e^e^w, cuz^' e^ ; für cruda. 
nuda sagt man cri;' e^e*, nr' e^, nuy' e*; t§aru' e^e-e'-'e^"; Is. su' 
(ich schwitze) e^e*v, Is. t^'', r'mr' co. Die ursprünglichen u-Formen 
weichen hier allmählich vor den r-Formen zurück. In F und G 
finden wir t; : P. f. vädr' f ^ ; ts^ri;' fM'^f^, t^^wy' f*; 2s. r'mr' f- 
f^, r'miiy' f*; 2s. tt;y' (tödtest) ' f^ ; Imper. r^si;' (wische ab) g*; Is. 
St.'' (sudo) g2; f. jxv\ ort)' g^ ; hve (Wäsche) g^, nv^ (Wolke) g*-, 
t§arr' g^g^. 

115. U+ Nasal. Unus wird als Pronom. conjunctum i 
d*d^f°w oder ii^ d^d^-e^f-, T c^ (wo sich auch s^mT, vT findet) g' g^ 
g* — als absolutes Pronomen iric' a^a^d^, vgl. 26 cicic d^- u. s. w., 

4SI 



54 A- Horning. 

§?cir], a^ ; t\\ f-^. Una giebt ^n' von D — G (in G habe ich es nur 
in g\g- aufgeschrieben), ausserdem in c^ — c*; a>n' notirte ich in 
a^ b^ b*^ b^ c^ c** ; es wird wohl überall dort vorkommen, wo jene 
oi-Laute auftreten, über die Anhang I gehandelt ist. Py^m' (plunia) 
sagt man d^ d^ — d^d'' c^e^'^P o)},", pyiem' a^b'^; c^m' (Schaum) d'', 
scym' e'", /c§m' d^d"*; rlm' (Husten) d'*eM'*; fim' (er raucht) d'^e^ 
i//, fi^m' d*^, frem' a^ ; lin' (luna) c'^d^; acya-m' (Amboss) a^ 

116. U -f- y wird regelmässig zu v^) : Inf. codrr' a^ f \ P. f. 
codtt' a^; frj" a^b^e^^w, fnt' (cfr. ital. fmtta) g*; \v (hü) als 
Pronom. absolut. aHr'^d'^d*^e^"^g^g* (le e^ f^ scheint an das fem. ley 
angebildet); h' (lucet) w; brr (hniit) d*^e^^; tVr' (laufen, vgl. fuire 
Yzopet) g^ ; t^rtr (afrz. trestmt jilur.: sing, torto), jr^ (Juni) f\ in 
a' klingt das Wort wie franz. jjm. Dieses r nimmt an dem Wandel 
zu i Theil : li (hii), codir', t(,^rti e^ ; tri c'-'e^; li (lücet) a^ d^ ; bri e^ 
In a^ bildet dieses li eine Ausnahme. Dem frz. pertuis entspricht 
regelrechtes pwati' w, p^tt; f^ petr f -^ ; der oe-Laut in patöe d'^e^, 
pwatöe d'*d^^d^'''c^ e^ (pate d^, pwatye e^) beruht möglicherweise auf 
Suffix -orium. — Acücula (sofern diese Grundform hier anzu- 
nehmen ist) giebt awuy' c^ d^^ d-^, aw^^y' a^, ^woey' f^ lo, ^gty' g^, 
adyoey' g^. 

(iredecktes ü. 

117. Hier kommen nur wenige Wörter in Betracht : Tpw, f. pcet' 
(putidus) a^c'^f^g*, pöe, pöet' e^*^; djcfet' (justus, in dem Ausdruck cest 
juste) e^e^°, jt^t' a\ jet' c^d^d'''; hces' (huche) d*; Is. sq^s' a^ (Inf. 
sqesy?, sucer) a}. Der Wandel von v zu oe scheint durch die Kürze 
des Vokals mit bedingt zu sein. 

u (unbetontes). 

118. Nach einem der wichtigeren Lautgesetze des Wallonischen 
und Lothringischen wird tonloses lat. ü im Hiat nicht zu r, sondern 
zu u (w), resp. i : u findet sich von A — E und wird vielfach w 
gesprochen : /t^nw^ (sternutare) d^ d^, tanwe c^ ; cwel' (Schüssel) d^ 
d'-*, cw^4' a^; tw§, /w§ (abwischen) a-b-^c*d^e^, §w§ a^b''; sw^ 
(sudare) a^ ; dem Inf. sie c'^ liegt wohl dass frz. suer zu Grund; 
trua (faul) b-'b''d^e^, teruäi], d^d*^d^, terua d'^d^-; berwer' (hniylre) 
d^, Bruer' (ein Städtchen in den Vogesen, frz. Bniycres) e''; nway' 
(Wolke) d^d^e*^ (ausnahmsweise n9ay' e\ neuay' d^), nu§y' d^i/^i 
bwey' (Wäsche, huee) d^ i/^, in Poutay bei d^ bway', bway' auch e'"; 
cwe (cuveau) d^e\ cw^' d^^e^"; /derwel' (tmelle) d^; su (sudorem) 
d^ e^ steht für *suu. In F und lo findet sich i : /tanye f^ ; ty^ 



1) Die allen östlichen Dialekten gemeinsame Abneigung gegen vi muss 
alt sein. 



482 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 55 

(tödten) f^f^w, Is. Praes. Ind. ty§ f^f*; Inf. und Is. sy? (sudare) 
f, syu (Schweiss) PP; Inf. er/y^ (r + essuyer) (»-^ byey' f^, byay', 
nyay' f^. ny?y' w; g^ryat' (Leber, s. Gloss. v. gruät' e^) f\ griad' 
ausnahmsweise auch d'' ^). Der Inf. t§?r/ye (den Pflug führen) f'^ ist 
wohl durch ts^r»' beeinflusst; 2pl. r(,^mia f"", Inf. r'mt-^f^f-w lehnen 
sich an das Französische an. In G, also im Dialekt der Franche- 
Comte. hat jenes Gesetz keine Geltung mehr. 

119. Der Uebergang von v zu i findet sich auch in unbetonter 
Silbe : sirmp (sicher) d^, cire (Pfarrer) d^e^, Inf. jiri (jurare) d'^e^ 

120. U + sekundäres y : kliey (lucebat) to, Inf. ?rh1ii d^-, 
biho (buteonem, Hühnerhabicht) w; ^ruhi (r + acutiare) d^d^; s. 
auch Gloss. r^mulii d^, r^v'lii w; jt;l§ (Juli) f\ jvj^ a}. 

121. U statt francisches v zeigt sich in : muze (Schnauze) d-d^ 
d^d^^, dagegen möeze" e'^; /curo (Eichhörnchen) d^ — d^d^, §cura c* 
(dagegen ec^ro d^^f^, sc^ro e^, scrryii d^^, §cry^ a^) ; punel' (Pflaume, 
pnmeJle) d'^d'-'d^^ setzt ein *purner voraus (vgl. Adam und Zeitschr. 
IX 505), ähnlich punä (Pflaumenbaum), zu p^n^l' a^ s. Gloss. 

122. Vor Nasal zeigt u noch folgende Erscheinungen : §yoi], 
(Zwiebel) e^ d^ (vgl. 178), ^nygix i^i^«)'-, fijer' (Rauch, fumigare) d^, 
ä. Gloss. ; lemer' (Licht) d^, l^mer' d^ w, l^mir' a^ ; lfii,di f^ g^ w, 
lidi d^d^; fimey' c^d'', f^may' f'w, /'may' e^, f'may' e*; Inf. fim§ 
e-, fcpm§ a^ ; iildy^s' (Alaun, (al)nmen -\- glacia) d^, ii^gy^s' a^ (auch 
bei Thiriat) ; sc^m'räs' (Schaumlöffel) e*, cQ^m'räs^ a^ b'', c^m'räs' d^^ ; 
i]}giat' (Klaue der Schweine) a^. 

123. Ein CB-Laut entwickelt sich in jcpry§ (jurare), cqäry§ 
(frz. eurer) a} (Is. c^r'), aber ^stry? (assurer) a-' ; ^doerye (endurer) 
P, aber §diri d^d^^; brcple f^. 

Diplithoug au (betont). 

124. Au wird durchweg behandelt wie das gedeckte o in 
Collum, fossa, grossus; es sei deshalb hier ausdrücklich auf 
88 verwiesen. Die Grundform ist o", statt deren oft o eintritt : 
so" (caulis) c^d^, t^a" e^°; poV (pauperem) d^e^, pör' d^d^^e® 
f ^ w, cyor' (claudere) d'^d^d^^, tyor' P o) , Part, cyo d^, Imper. 
c\-o ip; .'jo^z' (causa) a^, .soz' d^d^^; Is. oz' (auso) d^d*d^^, 2s. 
oz' e^ ; tro" (Loch) a^. — §oe (caulis) e\ tsoe g-; pöer' (pauperem) 
e^e^g^; paroel' e'-^ ; cycer' e^; ^oez' e^, Is. oez'. — rob' (robe), Is. oz', 
Inf. cyor', Is. cyoij^ (vgl. auch den Infinit. oz§) e^; eine vereinzelte 
2s. oz' hörte ich auch c^; P. f. cy9"z' (clausa), Imper. cyo'' e^°. — 
ü-Laute kommen in a} und g^ vor : uz', rub' a^; Inf. /yur' (claudere), 
Part. fem. /nV g^. • — Dem französischen eneor entspricht co d^, cö 

1) Dj? (jocare) f , jy? w ist wohl aus ju? hervorgegangen. In dje wurde 
das y in bekannter Weise durch den Palatal absorbirt. Damach wäre die 
Annahme berechtigt, dass den i-Formen solche auf u vorausgingen. 

483 



56 A. Horning. 

c', ca a* ; man vgl. die Endungen des Imparfait procbain (s. 209 Y) 
or f'^, OB und oer' eS or e'^, welche die von G. Paris gegebene Er- 
klärung aus dem altfranz. Adverbium or{e) bestätigen. 

125. Au + y. Öy' (Gans) B D F a^ e^, uy' a^ oey' e^ üey' 
g^, wöy' c'^, woy' c'c-c'-*, wr)y' c^, zwpy' c^, zwäy' c*. Oy' ent- 
spricht der 1. u. OS. audio, audit, sei es, dass eine Form wie 
audio, audiunt. audiam raaassgebend wurde, sei es dass An- 
bildung an den Infinit, erfolgte: Is. oy' d* d^d'^e^e^^g-; 3s. c'^d-d^ 
d*d^e^; Is. üy' a^c-. Der Vorschlag w findet sich auch hier wieder 
in einigen Orten in C : woy' (audit) c'-*; Is. zw^y' c*, woy' rp: es fragt 
sich, ob man in diesem w Einwirkung des Francischen oder eine 
besondere Art, den Hiat im Satze zu beseitigen, sehen soll. — Djoy' 
(gaudia) e^, jöy' d^d^-. Ich füge hier po (paucus) an d^fc». 

au (unbetontes). 

126. Aucellum giebt ulie d^d^d-^f^ oj, uj§' e'^e^, uje f-, oW 
c'^, plie e-, uliöe d^d^; auricula aray' a^b'^f^g^g*, aräy' e^io, aroy' 
c^, 9r9y' e^, eray' d^, ^ray' d^d^, qr^f d^-c-c'-'. Tore (Stier) d^^, 
tore' e^ ; tpr?/ (Färse) d'^ ; robät' (Rock) d^, robgt' c" : soza (causari, 
schelten) w; na"ji (*nauseare, belästigen) e^*^; ocli^ (Oheim, sofern 
man aunculus, dreisilbig wie bei Plautus, zu Grunde legen darf) a^ 
ocya, ocy§' e^; Ipl. cyoli9i| (wir schliessen) d^, tyolio oj; joyu (froh) 
CO, jQyu d^; Inf. oyi (audire) d^, woyi c-*, zwayi c*, Ipl. oyp d^, 
Part, woyi c^, zwayi c*; oyaf (Gänschen) d^e^*^, uey'') g^, uso a^ ; 
r'poz^ (ausruhen) e^, rpoz§ c-. 



Anhang I. 

Die ce-Laute. 

127. oe-Laute entwickeln sich gemeinlothringisch aus freiem 
bet. 9, aus bet. 9 + y und 4- y. Daneben entstehen oe-Laute 
aber auch in einem Theil des Gebietes aus e (= lat. t^ und lat. a) 
und n H- Nasal ; von dieser zweiten a-Reihe soll hier allein die Rede 
sein. Dieselbe fand ich in a'^, B (doch fehlen mir ausführliche 
Nachrichten über b^ b- ) und c"' — c'*. In lothringisch offener 
Silbe findet sich oe : 

1) In den Verben, die dem Bartsch' sehen Gesetz folgen (vgl. 10) : 
mijdfe, p?/yöe (harnen) a^, s9liyoe (beladen), tosyöe (saugen), /afyoe 
(wärmen), S9yoe (sägen), seyoe (mähen), pyoj-oe (plicare) c'^. 

2) Bei Suffix -arius : pr^möe b* — b^c'c'"'; das Fem. ist pre- 
m^r' b'^c'^, premer' b^b'^; in b-^b" pr^möer' wohl analogisch nach 
dem Mascul. ; in b^ notirte ich als masc. premi (die Form von 
A), ebenso pw^ri, pc&mi (Apfelbaum) ; pr9möe. f. pr9moer' c^ ; c'm9taä 

484 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 57 

(Apfelbaum) b^c'^c^; pw^rtv b'', pwora^ c*^c'-'; p^möe b'^b'^, pemoeb'*; 
hgdoe (Sauhirt) c" ; selelicv c^: nulioe (Nussbaura), cordQnyoe (Schuster) 
c'-*; däröe (der letzte) b"''b''c'-' (fem. darer' c"). 

3) Bei freiem § : pyce (pedem) c^ c^ c'', myce (Honig) c^ — und 
? + y • P<£ (pectus, Euter) b''c', löe (lectus) b"* b^ c*^ c'^ c^, demÄ (halb) 
b^— b^c'. 

4) Die Verbalforraen habes, habet: t'öe (habes) c^ — c'*, öe 
(habet) b-'^c*^ — c'-*; die 1. Singul. lautet j'e c*^c^, j'oe c'^c^; in b^ 
1—3 j'a, t'e, l'e; in b'' j'a, t'e, l'e. 

5) Uebcr die Negation md' (mica) a^b'^ s. 72, über möe (me), 
töe (te) vgl. 55. — Merke noch s'ioe/' (Kirsche) b^. 

Dagegen sagt man : tw§ (tödten), t/e (hell), s^l^' (Schuh), sole 
(salzen) c", n? (nasus), spl^ c^, spl^', c^se' (zerbrechen), naw? (natalis) 
a^. Dieser e-Laut, den ich bald mit e, bald mit q notirte, steht in 
der Mitte zwischen e und §; er ist halboffen, und deshalb wohl 
wird er nicht zu oe. Die oe-Laute von 1 — 5 scheinen dagegen 
sämmtlich aus geschlossenem e hervorgegangen zu sein. 

In lothringisch-geschlossener Silbe entwickelt sich ein 
oe-Laut : 

1) In a'n' (una), pytpm' (pluma), cfr. 115. 

2) Aus freiem ^ : lycer' (Hase) c^c'', lycpr' c^— c"^; fyöef (febris) 
c*' — c^; fyct*/ (bitter), fycpl' (Galle) a^ ; pyöer' (petra) c-', pyc^r' c'^c^ — 
und aus § + y : ;^oer' (sequere) b*, /c^r' b^ (vgl. Is. xcß\ Imp. /os 
h*); pyces' {2)icce) c^ ; /&/ (sex) b^ b^ b^ c^ c'^ c^ t//, §öe§ b'; eine be- 
merkenswerthe Ausnahme ist de/ (decera) b^ b^ c^ c'' c^ i//, de'§ b'^ ^). 

3) Gedecktes ^ wird in der Regel nicht zu oe : Ausnahmen sind 
lat§^n' (Laterne) c^ (in e^ lat§^n') und poe§' (Stange) c''. Auch 
^syöet' (Teller) c^ mag erwähnt werden^). 

Es erübrigt eine wichtige Frage zu erörtern. In einem Theile 
des Gebietes, in dem die r-Laute zu i werden, werden sämmtliche 
03-Laute zu e (vgl. 82). Diese Regel gilt für d^ — d^, c' — c*, e^ 
Es scheint dies aber ein lautphysiologisches Gesetz zu sein, das nicht 
bloss für gewisse romanische Dialekte, sondern auch für deutsche 
(den Berliner, Strassburger , Leipziger), ja für alle Sprachen 
Gültigkeit hat. Eine Ausnahme würden c^ — c^ bilden, in denen 



1) Der Unterschied in der Behandlung beider Wörter scheint durch 
die Quantität der betonten Vokale bedingt. Ob die Quantität auch noch in 
andern Wörtern maassgebend war, ist schwer zu entscheiden. Die meisten 
OB-Laute sind freilich kurz in dem besprochenen Gebiet : zu den bereits er- 
wähnten Fällen füge ich hinzu : Is. äter' (intro)b^c^, 2s. Konj. siitf'/', Tpute/', 
Is. vyöe (volo), t/cvs' (Glocke) c\ cöe/' (coxa) b"' c'', q^y c^. — Doch fehlt es 
audi nicht an Längen, so : yoit (octo) b^— b" c^c''; poe' (Brunnen) c\ pce;^ b^'; 
cne (crucem) c', cro?' b^^ /(n (Talg); coer' (kochen) c'; §cer (fiiUen) c*^ c" ; nce^ 
(Nuss); toel' (Ziegel) b"'; /eywr^ (Sessel) c^, Seyiir' ; j'fitcer (trete ein) b'. 

-) Ueber sporadische u3-Laute aus lateinischem ^ in D und E vgl. man 
31, 39, 40, aus lat. i 72. 

485 



58 A. Horning. 

V zu i wird und trotzdem, wie soeben dargethan wurde, zahl- 
reiche tt'-Laute vorkommen, sowohl die gemeinlothringischen, als auch 
diejenigen, die in diesem Anhang besonders besprochen werden. Es 
fragt sich nun, ob man annehmen soll, dass in c^ — c'* jenes Gesetz 
gar nicht zur Geltung kam oder ob sämmtliche jetzt vorhandene 
a'-Laute in jenen Ortschaften erst entstanden, nachdem das Gesetz, 
demzufolge v zu i und oe zu e wurde, nicht mehr wirksam war. 
Ich halte die letztere Ansicht für wahrscheinlich. Die Thatsache, dass 
viele dieser oe-Laute sich aus e =^ lat. a. lat. § und ? -[- y entwickelt 
haben und deshalb verhältnissmässig jungen Ursprungs sein müssen, 
gereicht dieser Yermuthung zur Stütze. Darnach würden freilich die- 
jenigen Wörter, in denen der tü-Laut aus freiem bet. 9. 9 -f- y und 
+ y hervorging, in jenen Ortschaften ganz eigene Schicksale ge- 
habt haben. Bovem wäre in c"* — c^ zuerst zu byöe, dann zu bye, 
dann wiederum zu byöe geworden, ebenso noe (noctem), miroe. Auf 
Grund dieser Annahme würden sich folgende relative Zeitbestimmungen 
ergeben : 

1) Zuerst wurde -yOe = 9 zu i-, w^eil dieses sekundäre v an dem 
Uebergang von v zu i Theil nimmt. 

2) Darauf wurde v zu i und oe zu e. 

3) Zuletzt würden in c^ — c^ sämmtliche oe-Laute aus e her- 
vorgegangen sein. Gleichzeitig hätten sich in a^ und B diejenigen 
«-Laute herausgebildet, die in diesem Anhang besonders besprochen 
wurden ^). 



Anhang II. 

128. In einem Theil des Gebietes, der genauerer Umgrenzung 
bedarf, wird vortoniges (auch sekundäres aus au) im Hiat zu aw : 
nawi (Nussbaum), cyaw^ (nageln) und analogisch Is. ciaw', aber cyö" 
(der Nagel), naw? (knüpfen), Is. naw' aber nü (nodus), caw^ (secouer), 
nawyo (Kern) a^ (aber jue spielen, lu^ vermiethen) ; naw§ (Weih- 
nachten), traw^ (durchlöchern), Is. traw' a^ a^, aber Substantiv tro" 
a^; §awät' (cliouette) a^c*; t/awe' (nageln), Is. t/äw'. aber Subst. 
t/o (Nagel) b*. Besonders zu merken ist tr^naw^ (sternutare), Is. 
tr^naw' a^. 



1) Auch in e' giebt es eine Reihe von ce-Lauten, die aus gedecktem o, 
au, a + v hervorgingen, vgl. 88. Nach dem Gesagten wären auch diese 
oe-Laute erst nach dem Uebergang von r zu i und ce zu e entstanden. 



486 



KONSONANTEN. 

11. 

129. H ist erhalten in deutschen oder muthmaasslich deutschen 
Wörtern : h^§' (Axt) d'd^^; ha/^l' d^ (s. Gloss.) von hart. Vgl. 
überhaupt das Glossar, Littera H. — In Wörtern lateinischen Ur- 
sprungs findet sich h in ho (altus) e^, hä d'^, ha d^ — nicht immer 
in den Vertretern von ericionem (Igel) : hi'r'so, Inf. hrr'sye 
(lierisser) i'^ (0 -^ h<yr's~', h(pr'sy^ a^ ; hc^-r'so, har'si e^; dagegen ir's~'i\, 
h^r'si e^; er'so d^, er's^ d'', ur'spi; c^. Aehnlich steht es mit er- 
picem, vgl. 37 : beachte besonders die Is. h9rt§' neben dem Infinit. 
ort§i und dem Subst. I§' g^ und das Subst. hirp' a^. 

C. 

C vor a, 0, u und Konsonanten. 

130. In dem ganzen Gebiet wird c ausnahmslos vor a (au) 
zu t§, resp. §. s begegnet ausschliesslich in A — C. Das ursprüng- 
liche t§ fand ich 'in einem Theil von D (d^dVliid^^d^od^^), von E 
(e^e^e^^ — e^^) und in ganz F und G; Beispiele finden sich auf jeder 
Seite dieser Abhandlung. 

131. Vereinzelten Uebergang von s zu / stellte ich fest für: 
Inf. Q/ta (kaufen) f\ ^/t^, Is. ^ji' d^; /a (Fleisch) d*; pya'/ (Stange) 
a^, pi;^' a*. Der beliebte Laut / greift immer weiter um sich. Im 
nördlichen Theil des Gebietes wird auch das § von sado (Distel) d'^ 
zu / : ;fado a^a*, /adjo b'^, /adyo b^, vgl. noch 166. In d'^ notirte 
ich ;fdad'li (Leuchter). — Nach Konsonant wird inlautendes c zu li 
in ^gliyöe (charger) c', s. 25. 

132. Ueber den Einfluss von anlautendem c auf folgendes a, 
vgl. 7. 24. C ist im Inlaut als y erhalten in öy' (auca), s. 125, bray' 
(braca) s. 8. Ueber carrucas. 114. In soga (sägen) f^, s^g? e^, Subst. 
f. s^g' (Sagemühle), s^ggt' (Säge) e-, zegat' e^" ist Einfluss des deutschen 
sägen u. s. w. unverkennbar; s. 42 die lautgerecht entwickelten Formen 
von secare. Ueber acucula und acutiare s. 116 u. Gloss. v. 

4S7 



QQ A. Horning. 

ravu'hi ; über Qvp (apud hoc), wo c im Gegensatz zum Fraiicisclieu 
fällt, s. 79. Uebcr frem^dj' s. 141 ; über saliye {charger) s, 143; über 
cevye/' (Deckel, cooperculum ) s. 173. — C'l (g'l) in halbgelehrten 
Wörtern wird im Osten zu 1 : vgl. Gloss. sol' (seigle) ; q\iV (aveugle) 
a}\ tuel' (tegula) s. 5:). 

133. CC nach betontem Vokal und vor lateinischem o wird zu 
ts oder s, und zwar überall da zu ts, wo nach 13U ts überhaupt 
erhalten ist : si^ts (saccus, Sack) e-e'^ — e^"f-f*P, s^s b^d-d-^e^: 
säts' (siccus) e-e'^, sas' b^d^w, sose\ und zwar dienen diese Formen 
für Mascul. und Feminin. ^). Besondere Formen für das Maskul. und 
Fem. fand ich in F, sä. sät§' f , so, söts' f-f'^f^. G scheint den 
besprochenen Lautwandel überhaupt nicht zu kennen : sa (saccus) g^ 
g'-; sa (siccus) g^ so g'-. Ferner S($t§ {soc, Pflugschar) e^e^e'*, 
suis d^"', sd^s e^e^, sos b^d-d*, sus d^i/', in c^f' söc; crces (Hacke 
mit zwei Zinken , croc) d'^ d^^, crä'ts e^". Nirgends fand ich die 
lautgerechte im wallonischen b^t^ erhaltene Form für b(^c (Schnabel) 
b'^, bec e'e^*^, bäcd^d^d^e^. Bes (Trog) (o (s. Gloss.) ist franz. 
hac^). 

134. Zu ts, s wird cc auch bei Ableitungen : ctprsa (croclief.) 
d^, byoesa (von hloc) d^, byoetsa d''. Ein lautgerechtes büts (Bock) 
hörte ich nur in e"e^e^'^. Statt dessen braucht man bütso g\ butso 
f"'. busa e^c), in a^a^ jedoch bocat' (Ziege); über das Wort in der 
Bedeutung Haufe s. Gloss. und Zeitschr, IX 500. An vielen Orten 
braucht man das Francische buc e^, bocb'd^ — d^d^d^-^?// -). 

135. Es erübrigt, eine merkwürdige Umbildung von saccus, 
siccus zu erwähnen : statt s^ts, s§§ sagt man ts^s d^^, s^s d^ d* 
d*^d^e^V^; ebenso tsas (siccus) d^^, sos d^"ip, sas (aber Infinit, 
sasi) d^ Als Bindeglied zwischen beiden Formen ist §^s, sys c^c^, 
§äs (siccus) a^ aufzufassen. Von S9s (soc) kann ich eine ähnliche 
Umbildung nicht nachweisen. Wahrscheinlich ist es mir. dass s§§ 
durch Assimilation zu s^s wurde (vgl. 152), dann durch Dissimilation 
wieder zu §^s. Mein Wirth in Raon s Plaiue vermochte in Folge 
eines Sprachfehlers das dort übliche ses nicht zu sprechen, er 
sagte s^s^). 

136. Porticus giebt pwös' c'^ (Hausflur), pwots' d^^. 

137. Cl. Der Nexus cl wird im Anlaut und im Inlaut nach 
Konsonant in dem ganzen Gebiet zunächst zu cy : vgl. clavus 4; cy§ 



1) Die Erscheinung ist auch wallonisch, also alt; es tragt sich, ob wir 
sie nicht schon in dem ciJfi eedre fn seche des Jonas erkennen sollen. 

-) Vgl. hauch, sach im Lothringer Psalter, bouchet im Lyon. Yzopet. 

3) Da im allgemeinen die im (französischen) Auslaut stehenden Schluss- 
konsonanten im Lothringischen schwinden, so fragt es sich, ob in s§§ 
etc. eine Ausnahme von dieser Regel vorliegt. Da ein Palatal nach gemein- 
französischem Gesetz nicht im Auslaut stehen kann, so musste, nachdem cc 
zu ts (s) geworden war, ein Stütz-e antreten, welches den Abfall der Konsonanten 
ts verliinderte. Demnach muss der Lautwandel cc— ^ts alt sein. 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte' zwischen Metz und Beifort. (jl 

(clavis) f--, cyor' (claudere) d^ s. 124; cyöes' (Glocke) d* s. 89. 
Dieses cy wird in e^ f^ oj regelmässig zu ty : utya (Oheim) f^ ; tyo 
(clavus) f^f'^ tyce e^ ; ty^ (clavis); ty^y (clarus) Po; tyos' (Glocke) 
(0, lyo^s' e^ ; tyor' (claudere) f^ (o, tycer' e' ; ty? (clavis) auch in f\ 
Ty ündet sich auch in c''— c^ und B, doch entwickelt sich daselbst 
das y zu einem /-Laut, der mir wie schwach gesprochenes deutsches 
ch in ich klang und den ich mit / notire : t/ces' (Glocke) b^b^b^b^ 
c'^c*, t/oe^pt' c', t/(p§i (clocher) b^; über clavus s. 4, dazu Inf. 
t/awe' (nageln), Is. t/aw' b*; t/§r (clarus) bn^b"*. t/er b*', t/e 
c^; t/e' (clavis) c® — c*^, t/e b*^; t/or' (claudere) b*. In b-b'^ habe 
ich mir keinen Fall von c 1 = t/ notirt, in b^ nur tyce§'. 

In g^g^g'* ist cl zu / geworden, dem oft noch ein y nachklingt : 
/JOS (Claude) g\ /yur' (claudere), P. f. /nV g^; /yp (Nagel) g^g'*; 
/y? (clarus) g^, /v g* ; /}'? (clavis) g^, /? g* ; /^n' (clino, ich neige) 
g^, — dagegen mit sy syrets' (Glocke), Demin. sycptsat' g*. Sy findet 
sich durchweg in g^ : sya (clarus und clavis), syoe (clavus). — Ueber 
cl im Auslaut s. 173. 

138. Nach c entwickelt sich y in einigen Orten auch vor ound r: 
cyr (Leder), tyCes' (Schenkel), tyrer^ (kochen), t/r (Hinterbacke) g\ 
aber cv g^; cyoejfn' (Küche) g^g*, aber cij<"&n' g^g^. In den Orten 
von B, wo cl zu t/ wird, entwickelt sich dieses t/ auch aus ein- 
fachem c : t/q?tiin' (Küche) b"* b*^, doch coeliin' b^ ; t/q?/' (Schenkel) 
b^ b* b^, in b^ auch ccp/', ebenso b^ ; t/cer' (kochen) b* b^, Part. m. 
t/ö6 b^, Part. f. t/oet' b* ; t^cer (Herz) b*' i) ; t/oe (Leder), t^oe 
(Schwanz) b**; t/§ner (Ente) b^, t/?nar b^ ; t/r (ad) bH^b*'; t/i 
und cuyi (Löffel) b^, cuyi auch b'*; t/ findet sich nie in co" (Hals 
und Schlag) b^ b^, co b*^, co/ (kurz"» b^, c^se' (zerschlagen) b*. 



C vor e, i. 

139. Nach Yokal und vor e, i wird c in dem ganzen Gebiet zuli, 
resp. j (s. Anhang III), also in dem Falle, wo es francisch zu sanftem 
s mit vorhergehendem sekundärem l wird. Im Auslaut verdichtet sich 
li zu /, j zu §. Da ciH- Yok. diesem Lautwandel nie unterliegt, 
so ist kein Zweifel, dass der Anstoss zu demselben von dem sekun- 
dären i ausging : Beispiele für den Inlaut : laliad' (Eidechse) (o; über 
py^lii (placere) d'", ^rltlii (re + lucere), lalii (licere), mulii (moisi) 
s. 54; über ulie (aucellum) 126; dpm'lial' (demoiselJc) 63; cöeliin' 
(Küche) 93-, d'lie (dicebam) d^; die 1. Plur. feyp, 3s. fäyey' (faciebat) 
(0 (s. 214) sind nach den entsprechenden Formen von videre, 



M Die Wertform ist bis auf den Anlaut durchaus französisch. Darin 
liegt der Beweis, dass der Wandel von c zu t/ nicht alt sein kann. Dafür 
sprechen auch Formen wie vin^t^ (Essig), scpt§ (Zucker), mrzit.s (Musik), 
Yit| (Ortsname Vic) b^. 



489 



62 -At Hoi-Liing. 

credere etc. umgebildet (dasselbe gilt vom Konjunktiv)^). — Neben 
dem seltenen, lautgerechteu r^lii (Traube) b'^, v'lii (vicinus) f, findet 
mau meist das francische w§zii\ a^, r^zi d'^. Beispiele für den Aus- 
laut : über noe/ (nucem), das überall / zeigt, s. 101 ; über pwö/ 
(picem) d^ s. 47 ; vereinzelte Formen ohne / wie pw§ co können fran- 
zösische Lehnformen sein; über de/ (decem) s. 35. Bei der Bin- 
dung sagt mau di'lu't' (achtzehn) a^, de'jam' (zehn Männer) e^", deliöm" 
d^d^d^^t^', dijom' a^ Statt des seltenen pä/ (pacem) c^, pas a^ 
gebraucht man fast überall die französische Wortform. / findet man 
nie in croe (crucem) 101 und w? (vocem) 102. 

140. Besondere Erwähnung verdienen : uso (oison) a}, mit scharfem 
s; ro/' (roncc) (o, ro^' a^. Weitaus in den meisten Orten sind diese 
Bildungen unbekannt, in d^- ras'. — Ueber rc=/ s. 165. 

Beispiele für die Behandlung von cy sind : maso s. 28, m'n^si 
(drohen) d^e^ men^sye f^, §br^sye, l^sye (lacer) f^. 



0, J. 

141. G, J sind in der ältesten Form dj überall da erhalten, 
wo c vor a zu ts wird, vgl. 130. G, J wird zu dj, resp. j vor allen 
Vokalen : djo (gallus), djoy' (gaudia) e^, djäb' (Bein) e^, dje (ego) 
d', dj? e'-^e^. In den Orten, wo sich regelmässig dj entwickelt, habe 
ich doch einige Ausnahmen notirt : in e^ j'lin' neben djiib', in e^ 
j'lin' und j'nues' (genisse) neben djo (gallus), in P j^lin', j'net" 
(Ginster) , noi^jol' (Nuss , nucem *galam) neben djo (Tag) , dJ9ta 
(kämpfen, jouter)\ in f^ djelin' und j'lin'; oj'doe (heute) g'; in e^** 
j'lin', j'net', j'ma, j'no, j'nöes' neben djo; es scheint sich also vor 
folgendem Konsonant dj zu j zu vereinfachen; djenet' f*. — Es sei 
an dieser Stelle noch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in den 
Orten, wo lateinisches g und j überhaupt zu dj werden, der Laut dj 
jedem französischen j entspricht, möge es einen Ursprung haben, 
welchen es wolle : frem^dj' (Käse) e^, midji (essen) d^**, rgdj' (rot), 
pycedj' (Regen), tsTndje f-, tsadji (beladen) e^. 

142. In einer Reihe von Orten wird anlautendes j, gleichviel 
welchen Ursprungs, zu li. Dieser Wandel ist jedoch überall da un- 
bekannt , wo lothringischem y und li s und j entsprechen : li'net' 
(Ginster) d^ d'* d*' d^ e-, dagegen j'net' d-d'"; li'nab' (juniperus) d^, 
Ti'novr' e-, dagegen j'navr' d^", j"nav' dM*, j'nab' d-; li'lin' (gallina) 
d^ — d^ d*^ d^ e^ r»;, aber j'lin' d^ djelin' e*, jelin' c*; li'mel' {jumeJle) 
d^; li'ma (jamais) e^ ; li'n^ (Knie) d^d-^e^ Zuweilen klingt dieses 
"h stärker, wie /, resp. s : /'ti (werfen) d^ d^, §'ti c- e^, /'tp (jeton, 
Bienenschwarm) d^ ; /'na^s' (genisse) e^, aber dj^noes' e*. In f^ 
notirte ich li'ma, li'no neben djale (Hähnchen), djelin', dj^dii], 



2) Vgl. faions Ezech. 35, 2, 19. 

490 



l)ie ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und ßelfort. (33 

(Garten). Jardin wird zu liadjT und li^djT b'', liadjT c^, li^djii], b^, 
dagegen jadyl c^, jfjdi^ a^, j^dyi b'^. 

143. Auch inlautend wird dieses j zu li : aliudoe (heute) d^^, 
alia'due d** ; /ar^lii c* (sich setzen, wo lii = jv =^ jusum) ist. Statt 
^aji (charger) d^ sind in C Formen mit li üblich, soliyd', s. 25. 

Der Wandel von j zu li findet nicht statt in einsilbigen Wörtern, 
auch nicht in zweisilbigen, wenn die letzte Silbe dumpfes e enthält : 
daher dj<l (gallus) d^ neben li'lin', und immer dji) oder jo (Tag), 
djab' etc. Nach Adam wird das j von j^ (ego) an mehreren Orten 
zu li, wohl in Folge häufiger proklitischer Stellung; ich hörte nur 
t^ d9 pT = ich habe Brot, 1iq de/t^ri = ich habe zerrissen in d^^ 
aus dem Munde eines Knaben, der nicht aus dem Orte selbst, sondern 
aus dem benachbarten Saulxures war. 

144. G ist als y erhalten in pyay' (Schlag) a^ s. 8, als g in 
agru (glücklich, augurosus) a\ — Nicht gehört wird g in ju (jugum) 
d^d^fo. — lieber die Vertreter von tegula s. 53; regula ist nur 
als re.fße bekannt. — Lo§' (lang) ist als Maskul. u. Femin. üblich 
in a^ ; über s in diesem Wort und in lärs' a^ s. Anhang IV. — Ueber 
ego s. 32. 

145. Gl. Der Nexus gl wird zunächst in dem ganzen Gebiet 
zu gy ; gyä (Eichel) d^, gy^^s' (Eis) a^ d^ d^^ e^ f^ f^, auch im Inlaut 
vor dem Ton : /ii^gye (Eber) o; vgl. 68. Wie cy = c 1 zu ty , so 
wird auch gy zu dy : dy^s' b^ b^ b'^ e^ f'' lo ; dyoryu (glorieux, eitel) ; 
sadye' (Eber) a^, stidye b'^ ; i^dyes' (Alaun, (a)lumen + glacia) a^ ^). 
In dem Theil von C und B, in dem jenes ty zu t^ wird (vgl. 187) 
findet auch eine Verdichtung von dy zu d/ statt : d/§s' b^c'', d^ä 
(Eichel) c'' c'', d/oryu b*, säd/e (Eber) b^. — In G wird anlautendes 
gl zu y : yäs' gS y^s' g^g*. 

In u n g u 1 a wird in dem Nexus u -f- g 1 1 nicht zu y, sondern 
schwindet : von A — F sagt man ii]^c' (s. 105); iijgl' ip ist durch das 
Französische beeinflusst. Abweichend verhält sich G mit oy' g^ — g"^. — 
Strangulare wird zu /tranye f^, träny§ a^ und nach 178 zu 
/trayi d^, /träi d^. 

Qu. 

146. Bei anlautendem qu ist der u-Laut erhalten von A — F : 
cw^t' (quattuor) a^a^d^d^d^^d-^f^r»), cwat' e^ aber c§tr' g^ ; cwer' 
(suchen) ä^d*d^^d^^(o, cw^r' if> und cweri (querir) e^, cw^ri b'''f^^, 
cware d^^; cwä (wann) d^e^; cw^rom' (careme) &}. Ueber qu(i)e- 
tiare und qu(i)etus s. 56. Doch zeigen mehrere Wörter das w 
nie oder selten : cas^ (quassare) s. 17 ist wohl durch das Francische 
beeinflusst, während cw^s' (HanflDrache) b^ von diesem Einfluss un- 
berührt blieb; zu ciz' (quindecim) vgl, 76; c^to;^' (vierzehn) d^, 
c^tos* f'^, aber cwetos' e^'* ; zu ce (qualis) vgl. 3. 

^) Auffällig ist Gyode a*, Dyod' f^w, Dyodi, Dyoda von Claude. 

491 



(34 A. ilorning. 

147. Qu im lateinischen Inlaut. Aqua ^vird zu ov', av', o\v', 
aw' s. 18; sequere zu ser' und yvx'' s. 21-i v. suivre\ cinque 
ausser zu siii,c' zu sn\cy g^ und sent/' g'^; das altfranz. mais qrte 
(magis quam) zu mäc' und m^c' ; altfrz. alqxies (aliquid) zu äc' und 
Qc' s. 9. 

S, X. 

148. In dem Nexus Vokal -j-sy, ssy -|- Vokal entwickelt 
sich s zu li, resp. j, ss zu /, resp. .'§ (vgl. Anhang III) und zwar in 
dem ganzen Gebiet ; im Auslaut wird liij) aus einfachem s + y oft zu /, 
resp. !j : ^lii {aisc) d^, oli^s' (aisance), ä/' (aise) f^ ; bajy§ (küssen) a^, 
bald d^ ; prijo (Gefängniss) a^, prilip d^; über die Vertreter von 
ma(n)sionem s. 28; über .s^mi;^', bi/ und fem. gri/' 75; über 
s'li/' (Kirsche) 15. 9gr?/i (ctHjraisser) d-M-^e\ ygra/i ci, Qgre.^i e**, 
gr^.sy? a^ und das Postverbal dazu gr^/' (Fett) d^d'^e^ gr^s' b'^f^g^ 
g"*; ^b^/i {(ihaisser) c^d^e^, b^sy^, a^ ; über mu/'na (moissonner) s. 42. 

149. S und ss vor und nach Vokalen und ohne y in 
ihrem Verhältniss zu /, resp. li und s. Dass s und ss ohne 
y zwischen Vokalen nicht zu /, li wird, beweisen folgende Beispiele : 
foV (fossa), gros' (grossa), s. 88; f. gras' (fett) 17; /päs' (spissa) 
d'^f^, Inf. pgs^ a^e^; soz' (causa), oz' (ich wage), r'poz^, s. 124. 
126; cuzin' (Base) e^^). Dasselbe gilt für den Auslaut : os (Knochen) 
s. 153. 

150. Doch giebt es eine Reihe von Ausnahmen : in e;^ar (*ass^- 
dere. s. asseoir 214) mag / aus s + sekundärem y des diphthongirten 
e gebildet sein. In §§iry9 a^, ?/iri d^, Is. <^/jf a^d^d^, ^sure (ver- 
sichere) f^ fragt es sich, ob nach Ausfall des c das tonlose e von 
adsecurare zu y werden konnte^). Interessant ist die erste sing, 
^/ycer', die ich nur in )/' hörte. Vessica wird zu p'/ey' nur in 
xp , vielleicht durch Angleichung an pü/i (harnen) vgl. 76. ?/ode 
(betäuben) d^, es9d^ a^ mit /o (surdus) a^, so a^ bleibt unauf- 
gehellt. ?syqet? (ads^ditare) sagt man a^, ?/yoet^ a^, a;fyet9, Is. 
je;;^yet' c-, vgl. Part. ra. syet^ g^, siete g*. Tu/y? (husten) ^, Is. tu/" d^^ 
ip (aus tussiare?), dagegen toesi c*^. Statt des regelmässigen Femin. 
bes' (bassa) d^g-. b§s' d^f^g^ sagt man in Angleichung an den Infin. 
b?§y? a^ u. s. w. : b^s' a^ b ' g^, b^/' c^, m. u. f. b^/ b^ c^ d^ In trö/ (tres) 
e^ trä/ d^d^ erklärt sich / ^-us s + sekundärem y aus dem di- 
phthongirten lat. e ^). In absoluter Stellung hat das "Wort überall / oder 



^) Von einer scharfen Aussprache des einfachen s zwischen Vokalen 
(abgesehen von dem Anhang IV besprochenen Fall) wissen die heutigen Pa- 
tois nichts; sie muss demnach auch der alten Sprache abgesprochen werden. 

-) Man vgl. das zweisilbige csiku (csleii = elu) in Froissart's Tresor 
Amour. S. 190, v. 2. 

^) Aehnlich würde sich maj' (Tisch) erklären, das nur mensa sein kann. 
Ich hörte das Wort nur in g^ ; es soll aber nicht in g' selbst, sondern in 
der Umgegend gebräuchhch sein. 

492 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 65 

^; vor Konsonant lautet es z. B. tra in d^, troe a^, bei der Bindung 
aber traz, traz öra' d^d"i/^, troez öm' a^a^, traz ?fa e^. 

151. Auch anlautendes s vor Vokal wird in der Regel nicht 
zu /, § : set, s. 40, saw§ s. 214, syp' Suppe a^ g^ ; vgl. Gloss. Littera 
S. Eine Reihe von Ausnahmen, die zum Theil der Erklärung 
Schwierigkeiten bieten, die jedoch, mit Ausnahme der beiden ersten, 
das Geraeinsame haben, dass sie nur in einem Theil des Gebietes 
vorkommen, vermag die Regel selbst nicht in Frage zu stellen. Von 
A — C entstehen aus sex in absoluter Stellung Formen mit doppeltem 
y, resp. .s • /i/ ^^ §*§ ^'5 /*J^/ b^c^i/^, y^y, c*. Ich glaube, dass 
die ursprüngliche Form *se/ lautete (x wird regelmässig zu /), woraus 
durch Assimilation /e/ wurde. Von D — G sind, gleichfalls in ab- 
soluter Stellung, Formen mit nur anlautendem / üblich : /e d'* d^ d^ 
w, ^e' e*^, §C3' e^'', §e f^, yß f\ §? g*, die durch Dissimilation aus 
yjdy entstanden sind, vgl. 135. Dies erklärt auch, weshalb unter 
den Zahlwörtern von 1 — 10 allein in yji, der auslautende Konsonant 
verstummt ist. Vor Konsonant wird das Wort überall nur mit einem 
/ gesprochen : z. B. /oe c'ma b^ ; bei der Bindung hörte ich /ez öm' 
d^d^d^^, siz öm^ a\ §oe'z am' e^"; /öe (sebum, sxdf) s. Gloss. ist 
afrz. sieu^ also / = sy. Ueber soror vgl. 78; im südlichen Theil 
des Gebietes zeigt das Wort /-Formen : in e^ si, in e^ e^*^ st^, da- 
gegen yv e^ e^, /yoe w, §oe f- f* f^, ^v g^ (/ aus s + y in syoe). Ueber 
siiigy? (Eber) s. 68 : /ii^gye o>, §iiigye f^. Ueber ser' (sequere) s. 
214 : /-Formen treten in A und B auf : /^r' b^, yvx' a^, svr' a^ 
und danach ä^vt', to d'§vt' a^ yyx (sicher) notirte ich a^f^w, in 
vielen Orten sagt man s^r. Sv (super) d^, aber §f g\ /u f^ Sar- 
pat' (ser2)ette) a}, /§rpät' d^d^d^d^d^^, /^rpgt' c', i^^rpät' e^**, ^ar- 
P9t' f^, /arpat' f^ Zu sudare, sudorem vgl. 114. 118 : Is. §f, 
Subst. ^v hörte ich nur g^. Zu suff lare (blasen) vgl. 207 I" : 
/-Formen kommen nur in A, B und einem Theil von C vor : /pfyoe 
c'^, 3s. /yf c^, /ofyi b^, ^pfy? a^ (exsufflare würde jede Schwierig- 
keit heben) ; /9 (surdus) a^, sg a^ ist selten , meist sagt man für : 
er ist taub, il oy' dvy (er hört hart)^); /oi (pfeifen) e^ §oey e^, 
s. Gloss., beruht auf subilare : an ex-subilare darf man nicht 
denken, da dies in Tavannes, im Jura, nicht zu svby§, sondern zu 
*e§vby§ geworden wäre. 

152. Von den erwähnten Fällen ganz verschieden ist das zu 
135 besprochene t§§s, §§s (Sack), t§äs, ^gs' (siccus). Ebenso ver- 
hält es sich mit |äj' (tu songes) d^, ^äj' d^^, wo der Palatal .^ durch 
Assimilation an den Palatal j entstanden ist ; dagegen soj' d^. Aehn- 
lich erklärt sich /?jät' (Käfig, casa) d^^ aus s^zpt' c*; zuerst §?jät', 
dann durch Dissimilation / für §. 

153. Auslautendes s nach Vokal ist in einigen Fällen erhalten, 
scheinbar als Ausnahme von der Regel, dass die auslautenden Kon- 



') hheude bei Thiriat S. 435 und Ked. u. Voinraux S. 13 ist wohl surdellus. 

Französische Studien. V. 4. .q, 5 



QQ A. Horning. 

sonanten schwinden : os (Knochen) d'^d^d^, ös f^ scheint mir auf alt- 
ostfrz. osse = ossa (im Bernhard) zurückzugehen, wenn mir das Wort 
auch nur als Masc. begegnete (vgl. das 50 zu day^ Bemerkte) ; nach 
Haillant III 6 soll es in Urimt^'nil weiblich sein; o g^ würde regel- 
recht von ossum kommen. In dus (zwei) a^c^f^w (vor Konsonant 
du d^^) ist der auslautende Konsonant wie in allen Zahlwörtern von 
1 — 10 erhalten wegen häufiger Stellung in der Pause; in g^ du 
auch in der Pause. In t^s (Husten) a^e^ kann Anbildung an tctsy? 
a^, töesi e^ vorliegen. 

154. In einigen Fällen entspricht lothringisches sanftes s einem 
francischen scharfen; es hat dann immer Anlehnung an einen sanften 
Konsonanten stattgefunden : d'zp (dcssous) d^f^, d«^z9 d^-', od'zo a\ 
d'zur {(lessus) f\ oz'be (missi hien) e^ ; vgl. 170. 

155. Sc (exe) vor a, e, i, x vor Vokal und ex -]- s werden zu 
/(|); X nimmt hier keine Sonderstellung ein wie im Wallonischen 
(Zeitschr. IX 491), dagegen wird sc vor o, u zu /c. Sca (exca) : /oV 
(scala) s. 3 ; et§ir' g^, et^j^l' g* zeigen, dass das Gesetz für G keine 
Gültigkeit hat; /pnd' (scandula, Schindel) f^ /ädr' d^, s. Gloss. ; 
fra;;' (f. frisca) d^d^d*, fra.s' a}, aber fräts' g^ ; /ad§ (excalidare) 
d^d^d^^, aber t§oda g^; /aii (ex -{- chauffcr) d^d^^; ^yßyaX' (e'che- 
vean) f ^ ; /?pi {ecliapper) d^ ; nw^y' (musca) d^ d*, my^' a^ und da- 
nach m9/at' b*^d^, mu/:ät' (o, m^/pt' e^; zu piscare vgl. 66. 

Sc (xs) + e, i: d^/pnd' (descendere) d^ s. 64; ^enay' (Rück- 
grat, skina) e^; c'np/' (cognoscere) und cra;^' (crescere) f^, cra/i d* 
s. 214, crä/ä (croissant, Sichel des Mondes) d^; pu/o (piscionem) 
d^^ s. 66; pi/i (harnen, *pisciare) d'*, p'/e f^ p?/yoe a^, p'pfi e^ w, 
f§/at' (Windeln, von fascia) d^ ; wa/e (Sarg, vascellum) f * ; zu /w^ 
(exsucare) vgl. 118; e§§yi (exsagiare, versuchen) e^, ^/^i d^, §/ei e^, 
abweichend findet sich in a^ das auch wallonische say?, Is. say^, IpL 
sayä. — lieber sc'r vgl. 163. 

x zwischen Vokalen : l'/iv' (lixiva, Wäsche) d', le/iv' d^, V/jv^ 
e\ 1? ;:iv' fS r§iv' a^ ; p?§e (paxillus) a^ \^/i (lassen) c2d^2e^ \^/e f\ 
Imper. 1?/' rp; te/' (texere) e^ ; zu ta/'ra vgl. 42, zu ct^/' (coxa) a^ 
s. 83. Lat^i (Idcher, s. 17) weicht ab und erklärt sich weder aus 
einem Typus läse- noch lacs-; es kann frz. Lehnwort sein. 

156. S (x) + Konsonant mit Ausnahme von y und c 
vor a, e, 1. In einem ersten Abschnitt wird vom Anlaut, in einem 
zweiten (158) vom Inlaut gehandelt. In den ersten Abschnitt ge- 
hören auch die Wörter auf ex + Konson., da das Lothringische 
dieselben wie die auf s -f- Kons, anlautenden behandelt; ähnlieh 
ergeht es dem Participiura von essere in einem Theil des Gebietes. 

I. Im Anlaut ist lat. s erhalten in einem Theil von E : spf 
(spica) e^ — e^; sti (part. von essere) e^, str e-, aber iv e^; stody* 
(extorquere) e\ stud' e*; stöy' (stabulum) eS stay' e^; sc^m'räs* 
(^Schaumlöffel, v. scuma) e^; spol' (Schulter), scut§ (hören), spwedi 
(eperdu), stld' (löschen), stod' (extendere), späd' (expandere), stro 

494 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 67 

(strictus), stol' (stela), spiti (exputeare, schöpfen) e^ Stoy' (stabn- 
lum) und scirpi; (Eichhörnchen) notirte ich auch in d^^ neben 
c^m'ras'. 

In dem östlich von dem Vogesenkamm gelegenen Theil von E 
tritt vor t s für s ein (für e^ und e'' fehlen mir Beispiele) : §t^nwe 
(niesen), Is. §t^nu' e^; §tör (stela), stöy' (stabulum) e^e^"-, §tro 
(strictus), §tr§ (stramen), ^trp (Koth) e^" (ausgenommen ist das Part, 
stf e^e^"); dagegen spi" (Aehre) e^e^'^e", spi^g' (Dorn), scwo§' 
(Rinde) e^e^^, spa (spissus), sc^m' (Schaum), scqep^ (spucken) e^''. 

S (x) wird regelmässig zu / in dem grössten Theil von D : 
/tri (stramen) d*d^; /t^nw^ (niesen) d^; /c^m' (Schaum) d^d*; ;^tra 
(strictus), ;<pa, f. /päs' (spissus), /tod' (extörquere), /träi (strangu- 
lare), /pidr' (Dorn) d^ ; /tay' (stabulum) d^ d** ; ;fcwer (Schüssel), 
/pyat' (Aehre) d^; ;:pQs' (spissa) tp; /cwo/' (Rinde) d-^; zu /cutq 
s. 121, zu ;fcö&v' (scopa) 99; in d-^ §töy' (stabulum), Part. str. 

In F fand ich / nur in f^ : /pye (epier), /tanye (niesen). ;4op' 
(stuppa), Inf. ;^topa. In to (der dortige Dialekt ist ein Mischdialekt) 
kommen Formen mit s und / nebeneinander vor : /tri, stri, stoy', 
/tra, spii^g', spol' und /pol', stel'. 

In B C f^ — f^ und G fand ich die francischen Formen : epal' 
b^c^, epol' f^; ecwo/' (Rinde) d^^ eciTo f^f^ (auch d^^), ^curä c"*; 
etra (strictus) c^ f^ ; epo (spissus) f^ ; ^twel' c^, etwal' g^ ; etäp' b^, 
^täb' b^ (^tob' auch a^), etäl" g^g^; etri (stramen) g^g^; et§ir' (scala) 
g^, et§i^r g*, aber tsoda (excalidare) g^. — Ueber etrij', etriji, das 
überall die francische Form zeigt, vgl. 21. 

Durch das zuletzt Gesagte ist die Frage nach dem Vorkommen 
des prosthetischen e schon erledigt. Die vom Einfluss des Francischen 
unberührt gebliebenen lothringischen Dialekte kennen dasselbe nicht; 
ja, sie behandeln die Wörter auf ex -|- t oder p nach Analogie der 
Wörter auf s + t (p). Doch kommen vereinzelte Fälle von e/- vor : 
§/cut§ d^, 3s. §;^cut' d''; ?;^pyi (epier), Is. §/pey' d''; ^/ppr' (afrz. 
esprendre, vom Feuer) d^, Part. §;^pri d^; vgl. auch /we 118 und 
9/§i s. Gloss. — In G ist, wie überhaupt in den Dialekten der 
Franche-Comtö, der e-Vorschlag lautgerecht. 

157. Es erübrigt, die Fälle zu erwähnen, wo s, resp. / ge- 
schwunden ist, ohne dass prosthetisches e sich eingestellt hätte. 
Regelmässiger Abfall findet sich in a^ und d^^ : pa, pas' (spissus) a^ 
d^^; tri, pey' (spica), coev? (scopare), p^V (Dorn) d^-; tr^y§ (strigi- 
lare), tpp' (stuppa), cw^l' (Schüssel), p^n' (spina), /träny^ (strangu- 
lare), cqem^räs' a^ Es weichen ab : stra (strictus) d^^, §troe a^ ; Part. 
stf d^^. In a^ notirte ich tarnwe' (niesen), Is. tarnu'. — Ausserdem 
giebt es Fälle von sporadischem Abfall , zum Theil in Orten , in 
denen die francischen Formen vorherrschen : ctpm'räs' b''; pin' 
(spina) f* ; pii],c' (spinula) c"^ f ^, pig' d-^ ; piy' (spica) f* ; tri (stramen) 
(1); pa (spissus) neben straf (stricta) v; in d^ hörte ich trö (estron, 
Koth), in d^ cwel', in d^^ neben /t^lay' (stelata, Kuhname) das Mask. 

495 ^ 



68 A. Horning. 

t?.lg-, t^lay', t^l?, tpc (estoc = souche), c^m' (scuma) in d^, wo ein- 
zelne Leute so sprechen, während andere /t u. s. w. sprechen ^). 

158. II. Im Inlaut fand ich nur in e^ s vor t erhalten, und 
zwar nur in crgst' (crusta), aber cräs' (crista, Kamm des Hahns), 
crest' (Rippe), mostody' (Wiesel, must(ela) 4- arda), nicht aber in 
tet, fet', pret' s. 40. In e'^ — e^", also östlich von dem Vogesenkamm, 
tritt dafür s ein : r^ste' (Rechen) e^e'* (vgl. r'te d^d*^); b9"§ti (hinken); 
d?.v?§ti (entkleidet); hoste* (Korb) e^*'; crcpst' (crusta) e'^ e^ e^°, cTCßs' 
e^; mu§tor (mustela) e^, mg^tol' e^*^; cra^t' (crista) e^e^", cras' e'; 
^^t' (ätre, Feuerheer d) e^ ^). Auch hier, wie überall, ist keine Spur 
des s nach lat. c, in f esta, testa u. s. w. erhalten, ebensowenig in caY 
(Rippe) e^". Eine eigene Behandlung erleiden crusta und crista 
noch in einem andern Theil des Gebiets : er«/' (crusta) d"^ d*" d^ d** 
d-\ cry/' d^, cros' d^^, cröt' c^ip; cra/' (crista) d^^d'^d^d^, erat' 
d^'-*, aber crgc' c^c^d'^, crac' d^d^. Eine Spur des s in rein volks- 
thümlichen Bildungen fand ich sonst nur noch in : ^rvf/ti (revetu) 
d^, r'vi/ti d^ ; mwa/tyi (masticare) , Is. mwastey' d', Inf. mwasti 
d^", ma/tyi d'^; d9m^/' d^ (domesticus, zahm; vgl. Gloss.); a/ta 
(ebensoviel, ob aussi -\- tant?) c*, o/tä f^. 

Lehnwörter können sein : f^/tii], c*, f^stii], a^, in d^ sagt man 
dafür dejin'; r?/" (der Rest) c^c* d^d"* d^d^d^M^i e^ e^fi (rj, r§§' a^ 
e*^, und das veraltete j(p/tis' (justitia) P. 

159. Beachtenswerth sind noch : prec' (presque) dM^ d'^ d^ e^ f ^ ; 
•j^c§ (jusqu'ä), jcet'mo (jtistement) f ^ ; über djq^t' (justus) vgl. 117, 

über w^t' (schmutzig) das Gloss. und Zeitschr. IX 498 , über et' 
(essere) 214. 

Ueber die Nexus s'r und ss'r vgl. 163, über sty 172. 

R. 

160. Anlautendes rund inlautendes einfaches und doppeltes 
r ist in der Regel erhalten; über li'me (Zweig, ramellus) vgl. Zeitschr. 
IX 502 ; über die Metathesis des r s. 164. R wird zu 1 in s'li/' 
(Kirsche) s. 15, sel^lii (Kirschbaum) d^, sePlie c^, s^l'liäe d^, sel^lie 
d^ (dagegen s'r^lii d^^, s^rji e^*') ; desgleichen in aläd' (hirundinem) f^, 
gläd' e^f'j; müF (mora, Brombeere) d"d*e-e^"; m^lf (Spiegel) a^ ^). — 
R ist durch Dissimilation gefallen in par' (prendere) s. 214. 

1) Nicht leicht ist es, über anlautendes /r und /l zu urtheilen; zu /r vgl. 
das Zeitschr. IX 510 zu rai Bemerkte. Was /l betrifft, so scheint Schwund 
des 1 oder Uebergang des / in z vorzukommen : frz. esUre entspricht in d^ /ler' 
(sortiren, tricr); Thiriat bemerkt S. 433, dass man neben liiere auch dere 
sagt. Statt /leda (Blitz) f^ sagt man e* zloda. Nach Thiriat S. 433 sagt 
man neben hhauyant (= glissant, vgl. Gloss. /ayi) auch hhloyou. Beachte 
auch /?lap' (Schlappe = Schlag) P. — Ueber deutsches seh = x vgl. An- 
hang III. 

2) Ueber brcest' (Bürste) s. 172. 
^) Ezechiel 75, 32 meleur. 

496 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 69 

Ueber r in der Schlusssilbe gelten folgende Regeln : 

A. Nach Yokal fällt auslautendes r in mehrsilbigen Wörtern: 
z. B. in den Infinit, der 1. und der 2. Konjug. dr^mi (dormire) c*, 
erv^ni {revenir) w; in den Wörtern auf -orium, s. 101 ; auf -crem, 
s. 98; auf -ardus, wie r'nä g^ (o. Ausnahmen sind ?mc/ (bitter, 
amarus) b' und der Inf. d^vyer e^, der zu B /^ erklärt ist. Dazu 
kommen in C und d^ die Infinitive awör (habere), sawör (sapere), 
sonst avu, savu u. s. w., s. 214. 

B. Im französischen Auslaut stehendes r nach Vokal (auch ur- 
sprünglich komplizirtes) in einsilbigen Wörtern wird entweder zu x (§), 
s. Anhang III, oder schwindet. Mit / kommen vor : dT/ (durus), mr/ 
(murus) «>, dis, mis f^, dl/, ml/ c-. Formen ohne / nur in G, s. 113. 
Ve/ (vermis) b^b*^,' ve§ a}h\ \y^x c^c'c"^, vye/ c^; von D — G 
finden sich Formen ohne x : vye d'^f'^, vy§ f^, ve gS vj g*. Fl/ 
(Galle, ferus) b^e\ fy^/ (bitter) a^ d*^. Väs (viridis) a^ wä/ d^ — 
d^ d-^ (0 , wä^ e^, vp/ e^ für Masc. und Femiu. ; in f^ f* lautet 
Masc. und Fem. w^a, f^ wäd', g^g-g* Masc. wa, Fem. wädj'. Cqx 
(kurz) b^d^e^w, cqs a^ e^, cw? g* ; 9/ (ursus) d^. Fp/ (Ofen) b^ 
d^. fps a^e^. Cyö&x (Herz) d*, cyex d^ d^ ist nur in D erhalten, 
s. 78, sonst ist das francische Wort üblich. Zu carus vgl. 7, zu 
clarus s. 137. — Ueber foris, soror, ferrum, serum s. 78, 
37, 49; zu byoe (Wiege) das Gloss. 

161. Die Ausnahmen von der aufgestellten Regel, d. h. die 
Fälle, in denen r vorliegt, bedürfen besonderer Erklärung: 

a) Das Mascul. nigrum lautet von A — F mit r noer' a^ oder 
ngr' b** oder njer' d*". nar' d^. ner' f^ ; ebenso giebt das Masc. integrum 
Tter', §ter' in den wenigen Orten, wo die volksthümliche Form noch 
fortlebt, s. 35. Man darf hier nicht Angleichung an das Feminin, 
vermutben, da das Lothringische sonst beide Formen auseinanderhält, 
selbst in Fällen, wo sie im Französischen zusammengefallen sind; vgl. 
206. Da in ni-grum, inte-grum gr Silbenanlaut bildete, so musste 
das Masc. wie das Femin. zu neire, enteire werden. Die lothringischen 
Formen sind also die uralten, lautgerechten, die im Francischen früh 
durch analogische verdrängt wurden. Ein dem französischen noir 
entsprechendes nwa fand ich nur in g^. — Ar' (Luft), für das ich 
wenigstens in einem Theil des Gebiets weibliches Geschlecht fest- 
gestellt habe (s. Gloss.). beruht auf aera^). 

ß) In den Infinitiven §öer (cadere), v§r (videre), ^x^r (assedere) 
s. 214 sehe ich Analogiebildungen nach ccer' (kochen), crar' (glauben), 
f^r', dir, ser' (sequerej, rir u. s. w.; ebenso in d^vyer, einer Neubil- 
dung nach dem Partie, deopertus s. 214. Aehnlich oder durch 
Einfluss des Französischen sind zu erklären in a^ : ploer' (können), 
v"lcer' (wollen), pycer (regnen). ■ — In den nach den Infinit, muri 



1) Nach Haillant III 5 ist är auch in Urimenil weiblich. 

497 



70 A. Horning. 

und raoeri analogisch gebildeten Is. mor und moer, s. 214, ist mit 
dem Vokal des Infinitivs auch das r mit herübergenommen; vgl. 
79 die lautlich richtige Is. mv e'e^. 

y) Die übrigen r-Bildungen sind francische Lehn^vörter , die im 
nördlichen Theil des Gebietes , in dem die Französirung weiter vor- 
geschritten ist, besonders häufig auftreten : t^r (spät) a^a^b*, tärb", 
aber tä d^d^f^; 3'er (heri) c*', vgl. yi g*; c^nar, renar b'^; sir (sur) 
d^ ; cyer (clarus) a\ vgl. sya g^; cvr (corium) a^ ; fer (ferrum), ver 
(vermis) b* ; sw^r (Abend) a^ b"* ; ser (soror) c* : fy^r (bitter, stolz), 
i'ver (Winter), cur (Körper), für (stark) a^ ; tör (Unrecht) d^, tur 
a\ vgl. 87; p^r (Teil), aber pwa d^; ör (aurum) f ^ ; cor (Körper), 
dagegen lautgerecht cwo {gilet, corpus) e^*^. Vgl. noch pu (ijour) d**f' ; 
st; (super) d*; wa (versus, gegen) f\ \q e^ 

162. C. R als letzter Buchstabe einerKonsonanten- 
gruppe vor dumpfem e. üeber r als ersten Konsonanten einer 
Gruppe sind 165 — 169 zu vergleichen. 

In der angegebenen Stellung schwindet r regelmässig : f net' 
(Fenster) d^ s. 40; b^t' (schlagen) a^e^; ot' (inter) i^<»-^ cot' (contra) 
c^, cpnt' f, cot' a^ ; dagegen at^r n9 (cnfre nous) d^d^, äter np e^, 
womit die Is. mot^r (monstro), ät^r (intro) e^, moter, at?r a^, atöer b^ (s. 
noch 171) zu vergleichen ist; ät' (altera) d^ ; cut' (cultrura, Pflugmesser) 
e^, dagegen cultr' d^ d^ ; m^c' (macrum) a^ ; m^t' (magistrum) a^, mät' 
e^ ; mät' (mittere) a^ f^ ; suc' (Zucker) d^, sCpc' a^ ; parat' (Stief- 
vater) f^; lät' (littera) d^d'-^," v9t', not" (euer, unser) als Pronom. 
coDJ. c^f^w; pet' (perdere) a^ ; mwpd' (mordere) c^ d^ ; die Infinitive 
fät', vät' a^, aber pär' (prendere) d*^ s. 214, da nach dem Schwund 
des d, r nicht mehr letzter Buchstabe einer Gruppe von Kon- 
sonanten war. Eine Ausnahme macht äbr' (Baum) f^ f^ ; dagegen ab' 
e' o, ^b' b^, s. noch 169. Andere Ausnahmen sind : Is. surt' (ich gehe 
hinaus) a^ ; ^lobr' (Schatten) d^f^ aber §lob' e^ Für G scheint das 
Gesetz keine Gültigkeit zu haben : ich notirte t§äbr' g*, aber t§äb'e^, sab' 
b^b^c^d*d^^, tsäbr' d'^ ; raoedr (meiere) g^, aber mod' f\ mor f^; 
tudr" (torquere), raudr' (mordere) g^, vgl. /tod' (extoniuere) d^ ; c^tr' 
(quattuor) g^, sonst cw^t'. Vgl. noch über die Nexus br, pr 183. 
In aerb' (arbor) g*, ärb' g^ mag man die beiden r gemieden haben. 

163. Die Wörter auf s'r, ss'r, sc'r (Ueber die Nexus 
m'r, n'r, l'r s. 175, 176, 179). Dieselben folgen der 162 gegebenen 
Regel, werden aber hier zusammengestellt, weil sie, was den Ein- 
schub des d, resp. t betrifi't, vom Francischen abweichen. Ein 
eingeschobenes t zeigt nur et' (essere"), s. 214, übrigens das einzige 
Beispiel mit ss'r. Consuere giebt c^s' s. 105, cudr' g^g^. 
Ueber cra/' (crescere), c'n9/' (cognoscere). die von A — F nicht mit 
t uud r vorkommen, s. 214; *nascere und pascere finden 
sich nicht; te/' (texere) hörte ich nur e\ tep^e (fisser) f^ 

498 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 71 

164. Metathesis des R, Entweder werden 1) die ursprüng- 
lichen Nexus b r , p r , c r , g r u. s. w. durch einen dazwischen tretenden 
Vokal getrennt — oder 2) diese Nexus werden durch Attraktion 
des r neu gebildet. 

Beispiele ad 1) : Fermä (fruinentum) d^, f^rmp f^ ; p^rlie (pre- 
tiare, lieben) f^ ; b^rbi (hrehis), pery^r' (prUre) f ; berwer' (bruyere) 
ä^ \ cersp (cresson) d*d^, cerso d^- (in dem Wort kann die Um- 
stellung nicht alt sein, sonst wäre rs zu / geworden); cqer^a (crochet) 
d*; /tyryi (strigilare), Is. /t^rey' d**; Is. ^pqerts' (approche) e^; 
g^ruoe {grenier) c^, g^rne d^ ; g^rnuy' (Frosch) c*d^, g^rnäy' aS 
g^rnuy' d^- : auch in den beiden letzten Wörtern kann die Umstel- 
lung nicht alt sein, sonst wäre r vor n geschwunden. Ueber p^rme 
(j^remie)-) s. 14; über t^rua (= trua) s. 118; über punel' {prunelle) 
&. Gloss. und Zeitschr. IX 505. 

Beispiele ad 2) : dr^mi (dormire), Is. drem' s, 214; cr^vi (be- 
deckt) g^ ; fr^bi {fourhir) c^ ; cr^bo (corheau) a^ ; dr^vi (deoperire) 
r •, cruway' (corvee) a}\ Is. s'r^v' (ich diene) d-*e^ (Inf. s^rvi e^); 
fremi (Ameise) a^ ; fram^ (schliessen) d^. 

Besonders zu beachten ist die Behandlung der Silbe re (ri, ro) 
im Anlaut : ^rpresi {reproclier) d^, erv^ni o>, ^rvv/\\ (revctu) d^, ^rb^t' 
(rebattre) d^, ^rnoye (renegare) c*, §rsin§ (recenare) f^, §rvye/i 
{renverser), ^rmw? {r emuer), Is. grmow', §rtyi {röür), Is. ?rtey', Is. 
je m'^rpe (ich bereue) d^; erver' (riviere) e^, §rver' P, dagegen 
rever' d' ; §rferbi (reinigen, refourhir) g^ ; ^rcwi (recurer) d^^ ; §r-, 
^r- ist die Gestalt des Anlauts in absoluter, r' in enklitischer Stellung ; 
vgl. 195, 212. 

165. Die Verbindungen R -f- Konsonant. Die Schicksale des 
r sind je nach dem folgenden Konsonanten verschieden : 

I. r -+- s (aus lat. s, c, ty) wird im französischen Inlaut im 
ganzen Gebiet zu / (^) : bo/' (Börse) d^; g^^o (gargon) a^ gä/o a^ 
l>^r gö/W c^; pu/e (porcellus) c^i^o, ppse' e^e", pp^^ g^; pas^'n' 
(niemand) e^ ; r§cu/i (raccourcir) d^ ; na/i (noircir) c^ ; mu/e (mor- 
ceau) d^f^w, mwpse g^; bye/i (hercer) d^; pa/i (percer) lo; fwo/J 
(Kraft) d^\ fwo^' e^ ; ^/& (gestern) d^ d* ; pa/i (par ici) e^, po/i 
c* y, pwa§i g^, pa^i e^*'; r'v§;fi (renverser) e^ ; c^tö/' (vierzehn) 
c^d^, c§to§' f'; /cwo/ (Rinde) d^d^. — Ueber ^rpicera vgl. 37; 
über pyär/i, par/ii],, das kein ganz volksthümliches Wort ist, 43 bis. — 
Nicht zu / wird rs in hrr'so (Igel) s, 129 und or'soi], (Saum) s. 
Oloss., da hier r und s ursprünglich getrennt waren; letzteres ist 
mit oresson , Loth. Psalt. , identisch , doch sagt man in a^ a§o. 
Dasselbe gilt für cursyey' (courrouce'e) P. M§rsi und Is. r'ra^rsey' 
d* sind durch das Französische beeinflusst. 

166. II. r -|- d, t wird in e^ zu dy, ty, in b* — b'^ und c^c^c^ 
2U dy, ty und oft zu d/, t^, in G zu dj tj; über a^a*b^ — b^ kann 
ich nichts Bestimmtes angeben; in dem ganzen übrigen Theil des 
Gebietes schwindet r regelmässig vor d, t : 

499 



72 -^- Horning. 

M^t/e (Hammer) b^b^, mat/e b"', mat/e' c^, matf^^ g^, m§t§e 
g^, m9tye c^. Put/e (portare) b'^c'^, puty? e^ 3s. Konj. Tput/e/' c^. 
JadyT (Garten) c^, JQdyT b^, liadjT b'^c", auch li^dji b\ liQdjiii b*"' 
(vgl. jpdii\ a^); §adyo {cliardon. vereinzelt in c^) b^, ;^adjn b"*, /adyo 
b'', tsadjo g' (vgl. /ädo a^). Hpdyi (hardi) e\ hadji c*^g^ Twäd' 
(torquere), aber Part, twadji c^, twod', twädji c^, Part, twodji o^, Inf. 
toc', Part, tpdjr, Konj. todjps' b'* (tod', todf b^), Inf. tod?', Part. t9dji^, 
Konj. tpdjes' b'', tod/', tod/i b'^, tudr', tw^djr g^, stody', Part, stodyi 
e^ Ped/' (perdere), Part, ped/i b", aber pwed'. Part, pwedi, spwedi 
e^ Mw9d' (mordere) c", Part, mwädji c^c^, mwodji c''; moc' b*, 
P. modjf b'*g\ Inf. mod§', Part, müdjr, Konj. mudj^s' b'^, mody", mödyi 
e\ raudr', mw^djv g^g*. Cw^t' (chorda) c^c^, cod§' b*b^, cot§' g^, 
Mädji (Dienstag) c*, m^dji g^. Vady^ (garder)^ pwatye (petitiis), 
rapstody' (must(ela) 4- arda), ppdy^y (i^ar dieu) e^. Poti§' (porta) 
g^ g^. Cut.s9 (kurz) g^ cotsp g-. Fem. wädj' (grün, m. wa) g"g^ 
g*. Pats} ipartir), Is. pats', mots' (mortua), soladj' (Salat, *salarda) 
g^. Fem. fu9t§§ (stark, m. fu(?) g'^. El^dj' (Eidechse, lac(erta) -|- 
arda) g^ g*. 

R ist geschwunden in : put^ (tragen) d^ e^*^ ; fade' (Last) e^" ; h9doe 
(Schweinehirt) c^; madi (Dienstag), wada (garder) f(o\ saläd' d'^e^*^; 
h^t§ Qieurter) 2} ; tote' (Kuchen, tourteaii) d^ ; uti' (urtica) d^ ; 
mwate' (Hammer) d^, m^te a^ ; syet' (certes) f^ ; cud' (chorda) 
put' (porta) a^ ; §ado d'^ ; h^di (hardi) f^; p^dr (verloren) e^ ; cwät' 
(Spielkarte) d^; tat' (Kuchen) f^; J9dii], c'', jadii], d^ ; zu patöe (Loch) 
vgl. 116. — Inf. surti, P. f. surtay' a^ ist durch das Französische 
beeinfiusst, ebenso arden' (Nordwind) c*^. In tertr (alle zusammen, 
afrz. trcshdi) f\ t9rt9 a^ ist die Metathesis erst nach dem Ausfall 
des r vor t eingetreten^). — Ueber lard vgl. 170. 

167. R vor 1, n schwindet: mel' (merula) a^, myel' c*i pwalu 
(parleur) d^; p§le' (parier) a^, pwal^ d^, pal^ e^, pwöla f^, 3s. pal' 
a^ ; J9nay' (journee) d^, dj^noy' f^ ; t9n9 (tourner) a^, t9na f^ ; 
fwone (fourneaii) d^, f9ne' a^e^, fwona g^, fune ((M/'; cw9nay' (cor- 
neille) f\ C9n9y' e^ ; cwön' (Hörn) d^d^^ cwön' d^; laty^n' c'-*, über 
lat^rm' s. 179. Part. f. garney' (garnie) d^ und Inf. tarnwe' (niesen) 
a^ sind durch das Französische beeinfiusst, vgl. /tanye (sternutare) 
f^, /t^nw^ d^, §tenwe e^. 

168. R vor §, j schwindet in den meisten Orten : tot§e (torcher) 
f^, to§i d^(o; f9§ät' (fourchette) d^, fu§at' d-^, f9t§ät' e^*^; pwot§' 
(porticus) d^"*, pw6§' c*; vwadj' (virga) f\ vwaj' o>, was' d^^, V9J' 
e^ ; läj' (breit) d^; pwe§' (pertica) or, fwöj' (fabrica) d^, fwodj' und 
Infinitiv fwodje f ^ ; mwat§ä (marchand) und mwätsädi' f^ (sonst ist 
das r in diesem Wort erhalten, vgl. 72, ebenso in m^r§o Hufschmied 



1) Aus der Vergleichung mit dem 16 und 20 Gesagten erhellt, dass in 
dem grössten Theil des Gebietes r erst schwand, nachdem gedecktes a zu e 
geworden war. 



500 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 73 

a* e^ f' und mar.'^i mit Füssen treten d^, mart^e gehen f''). lieber 
wodj' (Gerste) vgl. 87, über f^aji 143; j, resp. s wird zu / in ö/' 
(Gerste) a^a^b^. — R ist erhalten in a^ und in G : ür^' a^ ördj' g^ ; 
Icär^', var§' a^ ; gu^rdj^, pirt§?, art§i^ (erpicare) g^, ort^i g^g^. 

169. R vor Labialen (m, b, p) ist durchgängig erhalten : irmi 
e^ s. 43 bis; cprbay' aM^d^d", ci,irbay' fM'^, curbay' a^f^ cprbpy' 
6^, corbyo d'^ ; zu f^rmi (formica) s. 95 , zu s^rpp und i^rpuyi s. 
43 bis, zu /^rpät' s. 151, zu t^^rpceny' s. 178; s^^rpete (charpentier), 
parmete (Schneider) d-, p^rmete' e^"; §§rmii|, (carpinus) d^. Beson- 
dere Beachtung verdienen barba und herba: meist treten sie mit 
r auf, vgl. 16. 37; yqh' ohne r notirte ich nur c^c'^c'^, bäb' b'^b'', 
b§b' b^. — Ueber arborem vgl. 162 : arb' e^*^, arp' a^ sind laut- 
gerecht. — Ich erwähne noch s^rf (ich diene) a^ a^ c^ c^ d*', s§rv^ d^. 

D. 

170. D ist gefallen im Inf. pär' (prendere) d^, s. 214. — 
Vergleicht man das weit verbreitete lärd d^ d'*d'^d^^e^ e^f^ f^i//, lart 
d^ d^ mit r'nä (Fuchs), so ist kein Zweifel, dass dasselbe ein fran- 
zösisches Lehnwort ist. Lardum hätte lä ergeben, das ich nur in 
g^ hörte. Ein Typus larda wäre zu *lad', in e^ zu *lady' geworden. 
Das echt lothringische Wort für Speck ist wohl bäco, das ich nur 
noch e^e^*' hörte. 

In Folge von Angleichung des d an den scharfen s-Laut sagt 
man t'sv (dessus) d''e^°, t'si d'^e^, vgl. 154. 

Wandel von d zu c (wohl durch die Mittelstufe t) liegt vor in 
moc' (mordere, Part, modjf), toc' (torquere, P. todji/) b*; vgl. bei 
Adam S. 362 pauque (porta) und S. 376 toque (torquere). 

Ein sekundäres y entwickelt sich nach d in dyöe (durus), f. dycpr' 

Der durch den Ausfall des d entstandene Hiat wird durch y 
nur in (o in dem Wort cuy' (coda) ausgefüllt. Man vgl. die Vertreter 
von medulla, peduculus 103. 105, nuda, cruda, sudat 
114, sudorem 118. 

In dem Nexus Vokal + d^c + Vok. wird d'c zu y, nicht zu 
j : vgl. r'mwayi (remedicare) 42, und rayi (*exradicare, s. Gloss. und 
Zeitschr. IX 510). 

In dem Nexus -nd schwindet d in d'^d^ : yi^n' (löschen), de/an' 
(descendere), vgl. 64 auch mo (t9 1') = monde, in d^. — Ueber 
rd s. 166. 

Ueber den scharfen Laut in cw^t' (chorda) c^ c^, öy" (hordeum) 
a^a^b^ vgl. Anhang IV. 

T. 

171. Eine wichtige Rolle spielt im Lothringischen das an 
Stelle eines geschwundenen intervokalischen t getretene y : über die 

501 



74 A.. Horning. 

Endung -ata s. 2, über seta, moneta, creta 50, über rota 
79, über maturus 113. In natalis 3, scutella 118, betulla 
4- itta 43 und in der Endung -uta 114, also nach dunkeln 
Vokalen, findet sich y nicht. Nicht ganz klar ist die Bildung von 
ve (vitellus), se (sitellus), s. 69; das erwartete s?ye findet sich in a^ 
Auch so (satullus) weicht ab, s. 23. 

Ein sekundäres y entwickelt sich nach t vor i in bätyi (bauen) 
und ?rtyi, s. 207 1% und zu batyey' 72. 

T wird zu c vor i, resp. y in : ci (tilius, Linde) d^ d^ und dem 
Deminutivum cyr d* d"* d^, cyo f* ; cy^r' (neben ty^r' = terra) f* ; 
cyQ (töten) f. 

T + sekundäres y wird zuweilen zu ts in t§^r', lats^n' s. 37, 
b§t§9i|, (wir bauen) b*. 

Das Participium fem, von cadere zeigt durchweg t : §oet' u. s. w. 
s. 214 V. choir (durch Angleichung an cocta, lecta, dicta, 
facta entstanden). 

B't wird zu t in ^cpta (stützen, accouder) f\ ^cptoe (Baum- 
stütze) d^. 

Nach / klang t meinem Ohr wie d in ;fd^ts' (afrz. estache), 
/derw^r (tnicJle) s. Gloss. ; /dpnd' (extendere) f^ 

T t ist geschwunden in pvä, f. pvät' a^, das wohl pettot, petiote 
ist '). 

lieber rt s. 166. — Ueber die Behandlung von st in crusta, 
crista, reste s. 158. In der Gruppe tr tritt bei folgendem ton- 
losen e Diärese ein : Is. ät?r (intro) s. 207 III, auch at^r np (inter 
nos) e^, at^r ng d^d^, dagegen cot' (contra) c^, vgl. 162, aber cot^r- 
fycß d^ (s. Gloss.). 

Ty. 

172. Ty wird (ähnlich wie c) zu li, resp. j, im Auslaut zu /, 
resp. §, überall, wo es sich gemeinfrz. zu is entwickelt : sgtgix 
(Jahreszeit) e^ ratp d^, sajp, rajp e^; pilii (schöpfen) eM piAw 
(Gift) f^ (0 ; pr^lii (pretiare, lieben) e^ oj, p^rlie f ^ ; bi1i9ri, (buteonem, 
Hühnerhabicht) w; r^tilii {attiscr), Is. r^ti/' und Subst. te1i9 (tison) 
d^; ^rulii (schärfen, re -|- acutiare) d^d'^d^; über ppteus s. 82, 
poteare93, quietiare 56. Man vgl. damit t§?si (cap tiare) e^; 
fw9/' (fortia) f^ ist nach 165 zu beurtheilen. 

Auch sty wird zu ;^, da sich in der Gruppe sekundäres y 
entwickelt : öe^ e^ (ostium, oder richtiger ostia, da für einen Theil 
des Gebietes wenigstens weibliches Geschlecht festgestellt ist, s. 
Gloss.). — *Posteum (puis) wird zu pöe d'^ w. — Nicht ganz 
sicher ist es, ob bröe§t' (Bürste) e^e^, br^§' e^, bröe/ c^d^d^^ 
br9/' b^, brtp/' f\ bre/' d^, br9s' g* von einem Typus auf -sta 
oder -stya abzuleiten ist. 

^) Von Diez wird Gr. 1 127 lothr. 2)etiat als mit i)etit identisch aufgefasst. 

502 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und ßelfort. 75 

Dem francischen Suffix -ise müsste lothring. ili', i/', resp. ij', 
i§' entsprechen. Dies findet sich nie. In einigen Orten begegnet 
an Stelle von -ise das alte -ie, vgl. 72. Mar^ädiz' a^, mart^ädiz' 
e*, mprsädiz' e^ und in vielen andern Orten halte ich für ein 
Lehnwort. .Vgl. Zeitschr. IX 503. 

L. 

173. Ueber die Nexus bl, pL fl, gl vgl. 182, 186, 145. L 
schwand in pt- (plus) a^ d^^ d^^f^ f^, pi d^ — d^, vielleicht in mwor', 
cwor" 89 und in ^c' (aliquid), vgl. 9, das sonst wohl zu äc' und *öc' st. 
^c' und ac' geworden wäre. L -f- K o n s. scheint sich sonst wie im Fran- 
cischen vokalisirt zu haben. Säv^, sät'r^l', fävat' (s. 26) beweisen 
nichts für den Ausfall des 1 ; denn überall, wo man sat'r^l' u. s. w. sagt, 
zeigt sich der a-Laut konsequent in einer ganzen Wortreihe, in der 
kein 1 ausfallen konnte (vgl. 3 und 18) und die in einem andern Theil 
des Gebiets durchweg o zeigt. Auch pisin, 107, wo doch wohl o zu 
Grunde liegt, erklärt sich nicht leichter bei Annahme des Ausfalls 
des 1. Ebenso scheint die Behandlung von vortonigem o -f- 1 107 
die Vokalisirung des 1 zu fordern. 

Ueber fyit§, ftt? (afrz. fkiuter) vgl. 23, Zeitschr. IX 504 u. Gloss., 
über cr§ät' (Glöckchen) und fir', fir' (floret) s. 80, über Is. cdcey' 
(ich kitzle), sofey' (ich blase) s. 207 I^ 

Auch in der Gruppe -ngl findet vor dem Ton Uebergang des 
1 in y statt, vgl. sii^y^ 68, doch weicht oc\u\ (Oheim) a^ c*, ocli d^ 
ab; dagegen ociix (o. 

In dem Nexus Kons. -|- c(g)l schwindet 1 nach dem Ton : säe' 
(circulus) a^ ; c?vye§' (cooperculum, Deckel) e^, cevye/' d^ d^, c^vya/' 
d^^; zu ii^c' (ungula) vgl. 105, oy' g^ — g* zeigt eine andere Behand- 
lung von g*l; iii^gl' t/^ ist durch das Francische beeinflusst. Statt 
spii\g' (? spinula, Dorn) e^ «i, /pii\g' d^*, /pic' d'^, pii\g' f\ p?'c' d^^ 
sagt man /pindr" d*' d^, /pidr d^. *Scandula (Schindel) giebt 
/ad' d''^, /ond' f^ /ädr' d^. 

L ist zu n geworden in nat^y', vgl. 75, und in ni §n e (il y en 
a) d^d^, nii\ öe c^ — zu r in arm^l' (lamina) f^, orm^l' w, dagegen 
9lm§r e^ ; ferner in arman^c (almanacli) c^; Is. robrey' (vergesse) 
ip', savro (sabulonem) co, sovrr9 e*; rabpr?' (pflügen) a^, rabor§ a^ 
vgl. 190, raburg" d^^; fiyoer (filiolus) a^. Eine grössere Ausbreitung 
gewinnt der "Wandel von 1 zu r in G : dj^rcfen' (gallina) g^, dj^r§n' 
g3g4. ^j.1 (^g^io^ g2. Ij^j,' (peiie^ gi^ aber bal' g^; etsir (scala) g^, 

aber et§j^r g*; s'ray (Sonne) g^g*; swär' (Roggen) g\ aber sw^l' g^ 
und sär (sella); sgrsir (supercilium) g\ Der Lautwandel ist nicht 
durchgeführt, wie sola (cda), wäl' (Oel), twal', al', myol' (medulla) 
in g^, sul§ (Schuh), malert-, mal^d', pula (Hahn) in g* zeigen. 

174. Ly wird regelmässig zu y : in filyoe (fiUeid) e^'^i^i^, filye, 
f. filyel' d^, filyp lo liegt Einfluss des Französischen vor, dagegen 

503 



76 A. Horning. 

fiycer a\ Aus dem Französischen entlehnt, und zwar zu einer Zeit, 
als lothr. ly schon zu y geworden war, sind wohl auch famil' 
(familia) , ji»!? (Juli) f\ g^rnuP e^"; eine französisch sprechende 
Frau aus dem Volke sagte in d^ mwral' (Mauer). — Auffällig ist 
P9y^ (? puUa, Huhn) a^, puy' b^b', das man als eine versprengte 
wallonische Form auffassen würde, wenn nicht auch Thiriat pouyate, 
poyote =^ jmnc j^oiile hätte. 

Auslautendes 1 fällt : über sal, mal um, qualis, talis s. 3; 
in wie weit das Fem. qualis vor folgendem Vokal mit 1 gesprochen 
wird, kann ich nicht sagen; ein cel'ur' notirte ich nur g^ Pilus 
giebt pw^^ i^(o, pu e^e^^ pwa g^g^, pwo d^; pwel' b^ ist frz., eben- 
so fycfcl (Galle) a=^; fi (filum) d«, fe d^^ fil e^. Ueber mel vgl. 
31; syel (caelum) f^f^ ist kein rein volksthümliches Wort; in e^ 
sagt man dafür to (tempus)^). — Das Pronomen il, sing. u. plur., 
wird vor Konsonant zu i : i fo e", in'fo e^", in'fam {ü ne faut pas) 
V\ im'fa d^; i pal' a^; i tin' (tonat), i so (Us sont) c* : i djäl' 
(gelat) e^**; § fäy?y' (faciebat) (o; q, t|at§, aber §1 avw? f^: Im' t'i 
(liebt er) a^ — Ueber CQcii],c vgl. 26. 

175. In dem Nexus Tr wird in der Regel kein d eingeschoben: 
pur' (pulverem) a^d^d^^f^; 3s. vure [vondra), fare (faudra) d^, for§ 
a^; über Inf. molere s. 89 : an Formen mit d hörte ich : mod' f^, 
moed' e\ moedr' g^g^. Med', das e^ ,besser' bedeutet, kann nur 
altfrz. mieJdre melior sein. — Ueber r'l vgl. 167. 

In dem Nexus m'l wird kein b eingeschoben : ^s^m' (insimul) 
d-d^^e^ Ts^n' d'^d®, ^soi; c\ qsQXi' f lo, Inf. rs^n^ (ressemhler), 2s. 
r's^n' d^, 3s. Perf. ^samye (asscmbla) f^ ; tromul^ (zittern) e\ tra- 
mQ\q, Is. trampl' d^^, tramul?, Is. tramul' e^'', t^rmol? (Zitterpappel) 
d", t^rmole d^, tramuloe' e^'^ vgl. Gloss. ; Inf. trobye f^ ist frz. 
trembler. — Ueber n'l vgl. 173 spiijg'. 

M, N. 

176. Ueber den Nasal m ist überall zugleich mit n gehandelt. — 
Ueber die Labialis m s. 180. — In dem Nexus m'r ist durchweg b 
eingeschoben : sab' (camera) b^ dM^-, tsäb' d^e'^e'-'. 

N (m) ist bei Besprechung der einzelnen freien und gedeckten 
Vokale ein eigener Abschnitt gewidmet und damit die Frage der 
Nasalirung zum grössten Theil erledigt. Hier sei noch auf folgende 
Punkte hingewiesen : 

177. a) In a^ kommt die Nasalirung in vortoniger Silbe und 
bei weiblichem Wortausgang in Fällen vor, wo sie sonst geschwunden 
ist : Tm' (amat), (Inf. Tm^), mim' {mime), wTn' (vena), frin' (fraxinus), 
grin' (Korn), Mad'lTn' ; T ist hier durchweg lang. Vereinzelt Is. ton' 
(ich drehe) c^, fom' (femina) c^ vgl. 100; pyTu (plena) s. 57, In 



1) In Huy, im Gebiet des Wallonischen, ist es durch er (Luft) vertreten. 

504 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 77 

vortoniger Silbe : mamii], (Grossmutter) aS sonyoe (sich bekreuzigen) 
c^; über iinay' s. 30; Is. änay' {j'ennuie), Inf. Snay§ a^ ; P. f. mä- 
nay' (minata) d^ ; Tyo (Zwiebel) d^. 

b) lieber den eigenartigen Einfluss eines Nasals auf folgendes 
i s. 73 ; hierhin gehört auch sev^nir), (soiivenir) f^, i\u\i (novem) e^, 
^^mis' (Hemd) b", mwlty^ (Hälfte) a^ mlc^rdi (Mittwoch) f^, und 
vielleicht j'no s. 103. 

c) Vielfach ist jede Spur des Nasals geschwunden : pro (nimm), 
vpdv (verkauft), Af (enfle)., s^dj' (er träumt) e^; §ter' (integrum), 
v'rp (wir werden gehen), py§ (plenus) d^ ; m§j' (er isst), t^di (aus- 
gelöscht), py^s' (Brett), etr§j' (fremd) c^; ppr' (ponere) e^. 

d) Seltener ist die Erhaltung des rein oralen n : fändi^ e^, mwo- 
J9n' (Haus) f^, d^/pnd' d**, sgnd' (cinerem) f^ maränd' e^*^. 

Einfaches n schwindet im frz. Inlaut in culi^y', f^r^y' u. s. w. 
d^^ s. 74 und vgl. p§', m§' 6. 

178. Wie ly, so reducirt sich in einem Theil des Gebiets auch 
ny zu y : über v^y', l§y' s. 75, p§y' (Kamm), ^jq (Zwiebel), ;^trai 
(strangulare , vgl. /tranye f^) d^d^, vgl. 122; cpya (Ecke eines 
Zimmers, cuneus) d^, cwaya d*, cw^yo d^^; t§aroy' (cliarogne) e'^; 
cäp§y' {campagne) 6? d^*, vgl. auch t^^rp^y' (Korb) d^ mit t§§rp^ny' 
d^. Eine eigene Behandlung des ny begegnet in e^*^, wo man vTi],, 
lii],, t§arjii^, t§arpTi], sagt. Frz. montagne entspricht mpt^y' d^^, mot§n' 
c^c^e^ moti e^^fS mit letzterem vgl. Al'mi (Elsass) f^. — Sim' 
(de 1§ cr<£) f^ f^ scheint das unter Einbusse der Mouillirung herüber- 
genommene franc. signe zu sein; vgl. famil' 174 und s^ny" (Zeichen 
des Kreuzes) P. — Y entwickelt sich nach n in nyv (nudus), f. 
nyi^' g^g'. 

179. In dem Nexus n'r wird kein d eingeschoben : vare (je 
viendrai) d^ s. 214; über mar' (minor) s. 57; tär' (tenerum) d^ 
s. 41; pw9r' (ponere, Eier legen), Is. pwo d^, ppr' e^; vär'di a^f^ 
w; j^r' (generum) f^, jer' e^fo. Eine Ausnahme macht, wie im "Wal- 
lonischen, cinerem : sand' e^°, sgnd' e^f^, sod' <o , söndr' d^, 
sad^ a^ 

D stellt sich dagegen in dem Nexus n g ' r ein : j§d' (jüngere, 
anspannen) w; über /t§d' (exstinguere) s. 65. 

Ueber den Nexus rn s. 167; in lat^rm' d^'^d^** liegt das fran- 
cische Wort zu Grund, wie das nichtdiphthongirte § zeigt; das 
unsympathische rn liess man in das mundgerechte rm übergehen. 

Ueber ii),c' (unus) s. 115. 

Die labialen Konsonanten. 

180. Nach den labialen Konsonanten m, p, b, v, f entwickelt 
sich vor vielen betonten und unbetonten Vokalen der Laut w. Wie 
tief dieses w in die Schicksale der Vokale bestimmend und umge- 
staltend eingreifen kann, zeigt am besten das über Labial -f- 

505 



78 A. Horning. 

freies e Gesagte, s. 47 und Excurs 70. Man vgl. ferner zu den 
betonten Vokalen : zu a : fw^v' (faba) , nur f^ w, fwodj' (forge) und 
Inf. fwodje, fwoy' (fata, Fee), pw:i (partem) s. 16, bwarb' (barba) 
d^ mwa (mansum, Garten) (o; zu pwa (per) s. 32, zu pwa§i 165; zu 
9, pw^' (Brunnen) e^ ; zu o p\v9r' (ponere), Is, pwo d^, d^mw^r' 
(er wohnt) b^ ; zu e diemw9J' (Sonntag) oj, marway' (Wunder) f^ — 
Zu den unbetonten Vokalen vgl. man : mwojo 28 , pwar9 (Eltern) 
25, pw^rol' 19, pworT {})arrain) ^ mwor^n' i^, bwa^i (hecher) d^, 
pwaray' (pareil), mwarca (marque), pwaliu (friedfertig), tr^way^ (ar- 
beiten), Subst. tr^way, mwatsä (marcliand), mwat^ädi' f^ mwarse, 
mwarsä ü>, mw§rt§ädiz' f^, vgl. noch 72; über pwal§ (parier) s. 
167. Vgl. noch 37 (am Ende) und 42, ferner nirroe 77. s'mi/' 75, 
pi'sii\ 107, mör 105, mine 94, ptlii 93, pwarmete Gloss., fw9/ 
(furnus) 105, tVvone 111. Vgl. noch 187. 

Zuweilen scheint v (aus b, p, v) den vorhergehenden Vokal 
in eigenthümlicher Weise zu beeinflussen : s. stv^ 2, /cöev' 99, iv' 113, 
cräv' 32, celyev' 79; vielleicht auch den folgenden Vokal in ^rw/ti, 
r'vi/ti s. 44. 

B, P. 

181. Anlautendes p wird zu b durch Angleichung an einen folgen- 
den sanften Konsonanten : b^ze' (Erbse, pisellum) e^e^, b'ze f\ b'zer' 
(Erbsenfeldj e\ aber peze s. 67; b'za (schwer) d^fS Inf. b'za 
(peser) ; Part, b'dw (perdu) f^ Der umgekehrte Fall liegt vor in 
p'§a (pichet, altes Getreidemaass) a^ — In c'ma, c'mät' s. Gloss. 
ist anlaut. p zu c geworden. 

Inlautendes p ist lautgerecht behandelt in den Vertretern von 
scopa s. 99 und papilionem, s. Gloss. v. pavy9. P, b ist zu 
w geworden in den Formen von habere, sapere, in denen sie 
vor betontem e standen, vgl. 214, dagegen Part, ^w, s^vr. Ueber 
§au (capillus) s. 62. — Auslautendes pp hat sich in s^p' (Tanne), s. 
Gloss., unter dem Einfluss von s^pii], gehalten. 

182. Die Nexus bl, pl werden anlautend im ganzen Gebiet zu 
by , py : py«"^ (plumbum) w , py^m' (pluma) d*, by? (Getreide) g^. 
Im Inlaut findet derselbe Wandel statt : vgl. Gloss. v. ;^oi (subilare); 
rubli? (vergessen) c-, r^vy^ e^, r^ly§ e^ (s. 207 I*") ist kein rein 
volksthümliches Wort; nur die Is. i rqey^ co wäre lautgerecht. 
Im Inf. r^pyi (remplir) stand ein Konsonant vor pl; s. 207 
I\ In der Schlusssilbe wird intervokalisches bl, pl zu y : töy' 
(tabula), §töy' (stabulum) s. 18, ;::t9y' (*stupula, Stoppeln) d^, dpy' 
(duplus) d^e^e^, duy' d^^, duy' d^ ^). Dies setzt voraus, dass b, p, 



^) Da einfaches 1 zwischen Vokalen nicht zu y wird, so ist kein Zweifel, 
dass, als 1 in y überging, v (aus b, p) noch nicht zu u geworden, resp. ge- 
schwunden war. Taule, doule im Bernhard ist also tavle, dovle zu lesen. — 
Sofi, sofyi (s. 11) beweist, das?, der Uebergang von 1 zu y älter ist als die 
Reduktion von ie zu i. 



506 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 79 

vom Francischen abweichend, zuerst zu v wurde. Eine abweichende 
Behandlung zeigt von A — F nur f^ mit ^noel' (Wolke, ?nubila, in 
f* ?noey'), täl', /iäV, d&V (duplus). Eine eigene Entwickelung hat 
G : tal' (tabula) g^g*, täby' g^ duby' g* (vgl, r?by?), etäl' (stabu- 
lum) g^g^. 

Anlehnungen an das Francische sind : dpp' (duplus), ?tob' a\ 
?täb' b^, sab' (Sand) d^ tröb', trab' (Klee) s. Gloss. Ebenso das 
kirchliche Wort d i a b o 1 u s : dyäl' a^ d^ d** e^ P w, dyap' c^ c^, dyab' d^^. 

183. Br, Pr vereinfacht sich in der Schlusssilbe nach 162 zu 
v, resp. f, und zwar in A, B, D— F. Ueber febrem, leporem 
s. 31, capra 7, colobra 78, libra und librum 71, über 113. 
In C jedoch (d^ schlägt sich hier zu C) werden diese Nexus zu r. 
Es ist damit der Beweis erbracht, dass diese Labiale im Inlaut, wie 
vor 1, so auch vor r eine Neigung hatten, zu schwinden oder sich 
in u aufzulösen. Diese Neigung konnte nur in C durchdringen, da 
in dem übrigen Gebiet das r früher ausfiel : ly^r', §y^r', C9ly^r' c^ — 
c*d^, §yQer' c^c^, cplyöer' c^, lycpr' c^ — c^; dagegen ausschliesslich 
das nicht rein volksthümliche fyef (febris) c^, fyöef c^ — c^ ; ebenso 
wenig findet sich ein *lir' aus librum oder libra, für beide sagt 
man livr' d^. — Nicht lautgerecht entwickelt ist j'nab' (juniperus) d-, 
li'näb' d«, j'navr' d^^ Vnovr' e^ \). — Cuvr' (Kupfer) f^, cor' e^» 
sind Lehnwörter. — In G ist der Nexus erhalten : livr' (leporem) 
g^, livr' (über) g^ g*, livr' (librum) g^ ; fivr^ (febris) g^, fi^vr' g^ ; 
über capra s. 7. — Nirgends ist v erhalten in poV (pauperem), s. 
124; unter dem Einfluss des vorhergehenden labialen Vokals ist es 
früh zu u geworden. 

184. Vortoniges vr = lat. pr ist eigenthümlich behandelt in 
^^v^rf (capreolus, Reh) d^, §§virv d^^, t^^virt; e^, t§eviroe f^, t^evrvoe 
f*, t§^virv e^*^, vgl. 24; ähnlich sovixp (Sand) e^, vgl. savro o)^). 

185. In caballus wird fast überall b zu w : §wa d^, t§wo 
e^ s. 18, in a^ §'vo, §'fo. Ueber sabucus s. 113. Debebam 
wird zu d'way' e"*. Tao (*tabonem, Bremse) d*, tpvo c'' s. Gloss. 
Zu sebum vgl. Gloss. v. /ce. Cannabis giebt ^Tb' d^e^, ^iv' <o 
f^, §Tf' a^, §^n' b^, §Tm' d^d^^. 

F. 

186. Der Nexus f 1 wird zunächst in dem ganzen Gebiet zu fy : fyov' 
(Erzählung, aus fabula, flabla, flaba) e^w; in fyav' (schwach, 
flebilis, s. Gloss.) ist durch Dissimilation das zweite 1 geschwunden, 
nicht das erste wie im Francischen. — In G wird fl zu sanftem ^ 
oder zu sy : /am' (flamma) g\ /§m' g*; Inf. ^yoetra (pfeifen, afrz. 



^) Dies ist bei Pflanzennamen öfters der Fall, vgl. oben tröb', auch 
pyar;^i 43 bis und vielleicht cannaUis. 

^) Vgl. chyveron (= chevron) Gloss. der Geste de Liege, und (iui€ver<yns 
b. Bartsch, Recueil de textes anciecs 527, 41. 



507 



80 A. Horning. 

flautet), Is. /ycetr' g^ Inf. /yot? g^, 3s. /yot', Subst. /yota (Pfeife) 
g* — dagegen 3s. äfy', Part, äfya (geschwollen) g^, aber 3s. su^/ 
(souffle), Ti/' (enfle) g*. In g^ : t(? syoetroe (du würdest pfeifen), Inf. 
syoetra, syu (flos), 3s. syoeri (floret), 3pl. syoero. Man vgl. damit 
f. byäts' (weiss) , bya (Getreide) g^, by§ , py§ (du gefällst) g^. — 
Auch in /'may' (Rauch) e^ scheint anlautendes f zu / geworden zu 
sein. — F ist durchweg erhalten in foris, s. 78. 



V. 

187. Der wichtigste Lautwandel ist der des v zu w (auch vw) : 
am häufigsten kommt er vor e vor : über awpn' (avena), wpn' (vena). 
s. 57, wer' (vitrum) 47, war (videre) 214, wä/ (viridis) 58 und 
160 B, vwaj' (virga) 168, wayi (vigilare) 66, wa (versus) 37, w§ 
(vocem) 102, wep' (vespa) a} ; zu cwe (ciiveai() s. 118; vgl. noch 
188. — V ist erhalten z. B. in vy§ (verrais), s. 160, vye (vetus) 
32, vyoe (volo), w s. 214, doch sagt man ycfe fPo. 

In Folge von Angleichung an einen scharfen Konsonanten sagt 
man p'sey' (vessica), p'si' s. 72, in a^b* f'sey' ; ähnlich fei (leben), 
§'f§y' (dieville) a} und d^f'ti (devetu) c'^, vgl. s'fo 185. — In d* 
sagt man m'nv, f. m'now' für venu, vemie. — Umgestellt ist v in 
ivre für vire (ich werde gehen) c^, s. 214. v. aller. 

Im Inlaut ist v geschwunden in : bramai^ (hravement) d^. bromp 
f^, bramp d^; zu benyil (afrz. hien veigngnt) und da (aus davant) 
s. Gloss. ; zu d'ra, Condit. von devoir, s. 214. 

Vy wird lautgerecht zu dj, j in pyoedj' (Regen) f^, pyoej' (o, s. 
79. Näf (Schnee) a\ neben uaj' m scheint durch nav? a^ (schneien) 
beeinflusst. 

Auslautendes v = f ist erlialten in ny<1ef (novem) c^, ni'f e^°, nlf 
b'', vgl. 153. Lautgerecht ist es geschwunden in nyffi (novus). nye, vgl. 
78. Wahrscheinlich in Folge von Aubildung ist es erhalten in sgrf 
(ich diene) a^a^c^c^d*', s^rv' d^, s'rev' d-^e^; durch das Fran- 
zösische beeinflusst sind n^rf, s^rf, s. 37. 

W (deutsches). 

188. Ist nur in wenigen "Wörtern erhalten : wada (garder) P 
0), wad§ e^e^, w?d^ aS vady? e^; wer' (guere) c^ vgl. auch wp 
d'yöev' 79; w?te (gäteau) a}; s. auch wes' Gloss. — Analogisch 
gebildet sind w^ (vadum) a\ wi/ (viscum) d^. W^t' s. Gloss. scheint 
durch ,wüst' beeinflusst. — P. f. garney', gerey' (geheilt), gar' (Krieg) 
Bind francische Lehnformen. 

z. 

189. Baptizare wird zu batyi d^, bätye f^ 

508 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 81 

Anhang III. 

Ueber das Yerhältniss der Laute /(li) zu §(j). 

Die Quellen der Laute /(1i) sind: 

1) s + y, SS + y, sc (x) H- a, e, i. 

2) s •+• t, p, c (vor 0, u). 

3) rs im Inlaut, r im Auslaut (165. 160). 

4) j + Kons. (142). 

5) Sporadische Fälle, die meist 132. 151. 152 besprochen sind. 
In unserem Gebiet tritt nun an Stelle von /(1i) §(j) in folgenden 

Orten : a^ b' c^ e^— e" P—i^ und G. Ein Blick auf die Karte zeigt, 
dass s, j nicht nur nach Westen zu vorkommt, wie Adam meinte, 
sondern ebensowohl im Osten, in unmittelbarer Nähe des deutschen 
Sprachgebietes. Berücksichtigt man das von Adam beigebrachte 
Material, so gelangt man zu der Einsicht, dass das /-Gebiet ein ge- 
schlossenes ist und dass an den Grenzen desselben, im Westen, im 
Süden und im Osten (vgl. noch This S. 29) s erscheint ; über den Norden 
liegen zuverlässige Mittheilungen nicht vor. !§ neben / fand ich in 
einem und demselben Ort nur in d'^ (mwa/tyi masticare, Is. mwagtey') ; 
auch in d^° Inf. mwa§ti, Is. mwa§tey', neben sonstigem /. Ausser- 
dem noch in d-^ : /e (sex), /'ney' (Rauie), aber §töy' (stabulum), 
Part, sto : da indessen d^^ auf der Grenze des § und /-Gebietes im 
Oberelsass liegt, so kann hier eine Kontamination stattgefunden haben, 
ohne dass man daraus weitere Schlüsse ziehen darf. Es kommt 
dazu, dass mir dort nur von einer einzigen Person Auskunft ertheilt 
wurde. 

Welches ist nun das historische Yerhältniss von /(li) und s(j)? 
Apfelstedt (Lothr. Psalt. XLIII) meint, dass s der ältere, / der 
jüngere Laut sei. G. Paris theilt diese Ansicht Rom. X 607. Ich 
habe (Zur Geschichte des lat. C) mich ebenfalls zu derselben bekannt, 
bin jedoch seit längerer Zeit von der Unrichtigkeit derselben über- 
zeugt. Auf eine Begründung seiner Meinung lässt sich Apfelstedt 
eigentlich nicht ein; er weist nur darauf hin, dass s nur durch 
die Mittelstufe § zu / werden könne. 

Vor allem thut es Noth zu bestimmen, in welcher Verbindung 
oder Stellung /, resp. § zuerst entstanden ist. Denn es steht fest, 
dass der im Neulothringischen so beliebte Laut nicht überall gleich alt 
ist. Diese Frage lässt sich unschwer beantworten. Dabei muss auch 
auf das Wallonische Rücksicht genommen werden, das jenen /-Laut 
ebenfalls kennt und dessen /-Gebiet mit dem lothringischen /-Gebiet 
räumlich zusammenhängt. Da nun das Wallonische den Wandel von 
r und r s zu /(§) nicht kennt, da ferner dem Wallonischen ebenso wie 
dem grössten Theil von E der Uebergang von s zu / vor p, t (in E 
auch der von sc + o, u) unbekannt ist, da endlich die oben unter 4 

Französische Studien. V. 4. c^o 6 



82 -^' Horning. 

und 5 erwähnten Fälle nur sporadisch vorkommen, so unterliegt es 
keinem Zweifel , dass / , resp. .^, zuerst aus s -f- y, s s + y, sc, x 
hervorging. Nicht s oder ss entwickelte sich zuerst zu jenem Laut, 
wie Apfelstedt meinte, sondern s in Verbindung mit einem y, da 
man aber nicht wissen kann, wie in ältester Zeit jene Lautgruppe 
gesprochen wurde, so lässt sich a priori auch nicht behaupten, dass 
sie zuerst zu s. später erst zu / werden musste. Der Ansicht Apfel- 
stedts steht diejenige von Adam und Andern gegenüber, die eine 
Schwächung [adoucisscmcnt) von ursprünglichem / zu späterem ^ 
annehmen. Gründe werden auch hier nicht beigebracht. 

Voraus muss ich noch schicken, dass. selbst wenn ^ der ältere 
Laut wäre, derselbe doch nicht als identisch mit dem francischen 
und auch lothringischen § aus lat. ca zu setzen wäre. In der That 
giebt es eine Reihe von Ortschaften e'' — e'^, f^ — f'' und G, in denen 
c(a) noch den ursprünglichen Laut t.s gewahrt hat. In denselben Orten 
entspricht jedem gemeinlothringischen / ein s, nie aber ein ts. Da- 
mit ist die verschiedene Natur beider Laute erwiesen. 

Für das höhere Alter von / gegenüber s sprechen folgende 
Gründe : 

1) In a}, wo jedem /(Ti) ein ^(j) entspricht, sagt man ^Tj^ 
(changcr), mTj§ {manger) , sars§ (chercher) , cw§.s? (cacher) , §pra§9 
(approclier), cu§§ — dagegen pt'jy^ (p)uiser), r^pajy^ {apaiser), crfjy? 
{croiser) , gr^sy^ (graisser) , b^sy^ (baisser), pasy§ (pecher). Ich 
bemerke noch, dass man in der Umgegend von a^, z. B. in Thi- 
court (diese ]Mittheilung verdanke ich Herrn C. This), ebenfalls mljoe' 
ohne y, dagegen pdiy<i'' {jniiser), b?;^yöe' (paisser), u. s. w. sagt. 
Es ist kein Zweifel, dass das y nach s ^= / und j = li erhalten ist, 
während es nach den gemeinfranzösischen Palatalen ^ und j geschwun- 
den ist, genau wie im Francischen. Diese verschiedene Behandlung 
des y erklärt sich nicht bei der Annahme, dass §( j ) = /(li) der ursprüng- 
liche Laut ist. Denn wenn man auch einst in a^ statt mTj^ midj(y)§ und 
statt cw^§§ cw§t§(y)§ gesprochen haben muss, so kann doch in jenemt (d) 
der Grund der verschiedenen Behandlung des y nicht liegen. Nimmt 
man dagegen an, dass ;^('h) der ursprüngliche Laut ist, so schwindet 
jede Schwierigkeit. Nur nach den Palatalen wurde y aufgegeben, und 
zwar zu einer Zeit, als xiln) noch nicht zu s(j) geworden war. Da- 
mit gewinnen wir zugleich eine relative Zeitbestimmung für den 
Uebergang von / zu s : derselbe kann erst eingetreten sein, nachdem 
y nach den Palatalen geschwunden war; er ist also verhältniss- 
mässig jung. 

2) Ist s das ursprüngliche, so erwartet man für scala eine 
Form mit sekundärem i und zu oe geschwächtem a (man vgl. 7 die 
Entwickelung von carus), kurz, eine Form wie ^ytj;!', das allerdings 
in a^ üblich ist, aber auch nur da; sonst sagt man /oV (auch in 
a^), /äl', s. 3 (aus ursprünglichem syqäl' hätte aber nur *;^yoer oder 
*/cßV werden können), in c^ säF, f-f^ söl' (für die übrigen Orte, 

510 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 83 

wo / = s, fehlt mir das Wort); sy^l', das man demnach gegen die 
Priorität des /-Lautes nicht anführen darf, halte ich für eine fran- 
cische Lehnform ^ ). 

Sicher ist es freilich, dass ein Lautwandel von j zu li vorkommt 
(vgl. oben Kr. 4. vgl. auch saln 2b), aber ich halte denselben nicht 
für alt; auch erstreckt er sich nur über einen kleinen Theil des 
Gebiets, 

Dass deutsches seh lothr, durch / wiedergegeben wird, ergiebt 
sich aus Beispielen wie /it'l^ (schütteln), /lit^ d*^ (mit dem Schlitten 
fahren), /bV s. Gloss., u. s. w. Dagegen wurde Zeitschr. IX 509 
an einigen Beispielen gezeigt, dass dtsch. cli lothring. in der Regel 
durch l: wiedergegeben wird. 

Was das Alter jenes /-Lautes betrifft, so geht aus dem Bern- 
hard hervor, dass er als Vertreter der Gruppen sy, ssy, sc, x min- 
destens bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht : in jenem Text kommt 
nämlich x fast ausschliesslich in Worten zur Verwendung, die noch 
heute den /-Laut haben oder ihn nach den Lautgesetzen haben würden, 
falls sie in den Patois erhalten wären : exapat 92, 12; graixe 108, 
36; ixiiye 4, 34; conisxance 6, 6; poixans 6, 18; naixre 67, 25; 
dexiriez 17, 6; pesxier (piscare) 161, 5; puijxeres 61, 30; coixe 
(coxa) 52, 30; dexens 4, 26; vaixeJs 106. 27 u, s. w. Dagegen 
kann ich x als Bezeichnung für rs erst aus Philippe von Vigneulles 
belegen. — Auf ein hohes Alter des / lässt auch noch folgende 
Erwägung schliessen. Es ist wahrscheinlich, dass in einem Wort wie 
musca, das zu mo/' wurde, / sich entwickelte, bevor ca zu t§ 
wurde, also auf der Stufe scj oder sty. Die Annahme, erst most§' 
sei zu mo/' geworden, lässt sich durch Nichts stützen, während ein 
Wandel von scy oder sty zu / der Regel entspricht. 

Wichtig ist noch die Frage, ob / vor dem folgenden Vokal ein 
y abgeben kann. Auf Grund des soeben über /öl' (scala) Bemerkten 
scheint diese Frage verneint werden zu müssen. Aber wie erklärt 
sich dann ^rvye/iV Ein altfrz. renversier ist mir nicht bekannt. 
Entstand ein y nach / etwa bloss vor hellen Vokalen V 

Wenn die Annahme richtig ist, dass im Lothringischen / älter 
ist als s, so bedarf die Ansicht, dass sich im Spanischen j(/) aus s 
entwickelt habe, einer erneuten Prüfung. Dass sich sp. / im Inlaut 
unter denselben Bedingungen gebildet hat wie das Lothringische /, 
habe ich Lat. C, S. 49 gezeigt^). Die zur Stütze jener Ansicht bei- 
gebrachten Gründe sind keineswegs durchschlagend : Namentlich spricht 



*) Ich nehme an, dass überall, wo s inmitten des /-Gebietes vorkommt, 
/ der ältere Laut ist. Ich verkenne nicht, dass es daneben ein zusammen- 
hängendes s-Gebiet geben kann (vieU. G), in dem s nicht aus / hervorging. 

-) Schuchardt sagt Zeitschr. V 315 : Das neusp. /, altsp. "s darf man 
nicht als ein Beispiel von Stellenvertauschung anführen; ^ ist ein guttural- 
dentaler Laut, dessen Natur freilich noch nicht vollständig aufgehellt ist; 
indem die dentale Enge gelöst wird, bleibt der gutturale Reibelaut übrig. 

511 ^ 



84 ^- Horning. 

der Umstand, dass arabisches seh im Spau. durch x wiedergegeben 
wird, nicht für den Lautwerth x = §. / ist recht eigentlich der Vertreter 
von sc, auch von deutschem seh, im Lothringischen, warum also nicht 
auch von arabischem, im Spanischen? Andererseits wird dtsch. ch 
lothringisch durch k wiedergegeben : es folgt daraus durchaus nicht, 
dass beide Laute identisch oder auch nur ähnlich sind. Auf manche 
Schwierigkeiten, auf die man bei jener Annahme stösst, hat schon 
Diez hingewiesen (R. G. I 372). Wahrscheinlich ist es mir, dass / 
schon altspau. war und dass das portug. s eine Abschwächung des- 
selben ist, wie neulothr. s eine Abschwächung von altlothr. / ist. 
Lnmerhin mag ein Unterschied angenommen w'erdeu zwischen der 
Artikulation des heutigen span. / und der des älteren. 



Anhang IV. 



Die östlichen Dialekte haben eine Neigung, im Wortende die 
sanften Konsonanten scharf zu sprechen , auch wenn auf dieselben 
ursprünglich stummes e folgte. Diese Neigung wird im nördlichen 
Theil unseres Gebietes geradezu zur Regel, während im südlichen 
die sanften Konsonanten meist erhalten sind. Beispiele sind : cylytpf, 
pef (perdere), sif (Hanf), d'^at' (descendere), vaf (Wittwer und 
Wittwe), fif, lif, arp' (arborem). vars' (virga) a^ ; la'f (levat), crq^f 
(crepat) a^a^; cw^t' (chorda) c'^c^, cots' g- ; vif (leben) c^; dyap' 
(Teufel) c^c« (dyab' d^^). gtap' (Stall) 'b-^ (§täb' b^); näs' (Schnee), 
i nils' (es schneit) d^^ ; lart (Speck) d^ d^ ; wo^' (Gerste) c^ ; was' 
(virga) d^^ (vwaj' (o); yos' (undecim) b'', dagegen yoz' c^. Vgl. noch 
die Vertreter von pl auger e 214, colobra 78, leporem, febrem 
31, levat, crepat 32, descendere 64. 



Verschiedenes. 

190. Den Verben mit vokalischem Anlaut wird häufig ein r 
vorgesetzt, ohne dass dadurch die Bedeutung des Verbums geändert 
würde : r^vy? (vergessen) e^, Part. m. r^bye g*, rubliöe a^ ; rot^ 
(wegnehmen) e^, rut§ a^ ; ratr? (hineingehen) e^ ; r§§r^ (wische ab) g* ; 
rapy§ni g'*; r'nai (leugnen) d^^; r'moyi (heilen) s. 42; rabr^sy? (um- 
armen) a\ r(,>br§syi d^, r^br^si d'^; r^sevi (vollenden) d^ s, Gloss. ; 
rQtilii {attiser) d^ ; in rab9r§ (pflügen) a' , rabor(^^' a^ scheint Uebergang 
von 1 zu r vorzuliegen. 

191. Folgende Fälle von Epenthese kommen vor: 

a) von r oder § (agglutinirter Artikel) : lo liv' (über), 1? lyöe/' 
(erpicem), s. Gloss. v. iv', lyöe/' ; 1? ly^rb' (herba) f*-, l'flob' (umbra) 
e\ (jlobr' d^f^ §lorb' (o; ^/avat" (eclieveau) f^ (umgekehrt le /iv' = 

512 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 85 

Wäsche, statt 1§ le/iv' P) ; ?p^m' (Himbeere) d'', gpoem' d^ ; viel- 
leicht auch in §n' grps' ?noey' (Wolke, nubila) f*. 

b) von n (von dem unbestimmten Artikel herübergenommenj : 
?n^ noy' (auca), ^ne nur' (hora) b*; h\ ne (oculus) d^. 

c) von z (ob Plural-z des Artikels'.-* doch auch bei Verben) : 1? 
ziii,c' (ungula) c-c*; §n' zwäy' (auca) c^c*; ii^ zye (ovum) c^c*; 
Inf. zwayi (audire), Is. zwoy', Particip. zwäyi c*. — Im Satz : 9-z- 
^/to man kaufte, pu-z-9 fär' pour en faire f^. — Die Bindung 
kommt nur vor bei dem Plural des Artikels und Pronomens und bei 
den Zahlwörtern tres, sex, decem, s. 139. 150. 151. Ausserdem 
hörte ich nur in f^ : sat' asa (es ist genug) und foä t' ^bad'na. 

d) von y (das häufig als hiattilgender Buchstabe verwendet 
wird; es liegt also hier ein Fall von Satzphonetik vor) : ytt (octo) 
a^ yöet b^b^b^c'', yos' (uudecim) b'^, y^z' c^, yäc' (aliquid), yüt' 
(ultra) a^ — Im Satz : § y ^n' sev^t' devQsyö {ä une pareille de- 
votion), § y et' (a etre) f^ 

e) von d (im Satz, zum Zweck der Hiattilgung nur in f^) : 
dp d'ii| momä (in einem Augenblick); d§to d'§n' t§^vey' (avec une 
cheiMe)\ /u d'§n' /ay^r' (auf einem Stuhl). 

192. Schwund eines ursprünglich betonten Vokals in Folge von 
Enklisis : 

Die Xegation mi wird zu m : je ne m' flm' § t§ {fic) b* ; je u' 
lo cränr (glaube es nicht) c^c^; j^ n' vyöem' (ich will nicht) c^, 
vrm' (will nicht) b^b^; §n' f§y^m' s'l§ (thut das nicht) c*; j^ n' 
pt^m' (ich kann nicht) b^; §n' lo sev^m' (folgt ihm nicht). ■ — Aehn- 
lich wird in G die Negation pa behandelt : §n' fap' rir' (man darf 
nicht lachen) g*, §n' /en^p' trö (neiget nicht zu sehr), §n' fap' f^r' 
sola (man muss dieses nicht thun) g^. 

Interessanter noch ist die Erscheinung bei zweisilbigen Wörtern, 
die den Ton auf der zweiten Silbe hatten : v§na t^s' (für t^si, komm 
hierherj a^c'^c'^; Is. jät^r tQs' (j'entre ici) b^, dpmw^r' tgs' (bleibe 
hier) b^; — pä/' (= pa/i, par ici) a^, pp/' c'^; — väl' (voila) 2^ 
c*^, väs' (voici) a} ; — tpdj?- (= todjp, immer) g^. 

193. Die gemeinromanische Einschaltung eines r nach t, d 
(vgl. Schuchardt, Zeitschrift V 318 Anm.) liegt in folgenden Fällen 
vor : mar§adrey', terwädrey' d^, truadrey', erodral' (Schwalbe) a^; 
syoetra (pfeifen, afrz. flauter) g^, /yoetra g^ ; l^tr' (latte) d^ ; CQtre 
(cubitus + ellus) d^d^f^ 

194. Eine Zurückziehung des Accentes findet dadurch statt, 
dass ursprüngliches pau (pavorem) zu paw a^ wurde ; ebenso r^y 
(radicem) a^ aus r^i. Aehnlich ist wohl äy' (ja) zu erklären c^d^° 
e^^xp aus je oder iL 

195. Die Negation lautet vor folgendem Konsonant ?n : ^n feye 
mi s'la d^d^d'', oder ^n : §n I9 sev^m' (folgt ihm nicht) C*, ^n feye 
pa s'l§ c^ (vgl. noch 192). Es ist dies als eine Verstärkung der 
in enklitischer Stellung wie n' klingenden Partikel zu betrachten. 

513 



86 A. Horning. 

196. Dem francischen fa c'est entspricht das häufige säzä : saza 
bo e-e*, bwpii P, wa/' d^'*, dj^t' e^'* (aber s'a djq?t\ c'cst ji<ste e^^), 
saza duy' (dies ist doppelt) d^. Ist der zweite ursprünglich scharfe 
s-Laut durch Dissimilation sanft geworden? 

197. Nasalirung eines anlautenden Yocals kommt zuweilen vor, 
auch wenn ein Nasal weder voiausgeht noch folgt : P. f. dTvyes' 
(geöffnet) d-, divyet' c"^, T/eyaJL' (sitzend) d'*, itöle (anspannen), 3s. 
Ttöl' neben ^töl' c'^. Vielleicht liegt Beeinflussung durch die zahl- 
reichen mit T, g (= in) anlautenden ^Yörter vor. 

198. Statt des sogenannten e muet vernimmt man zuweilen 
scharf ausgeprägtes ?, ja ^ : §n^ lyöev' (ein Hase) d^-, ?n^ spi' e^ i 
bpng fr (guter Hunger), bpn^ scoevey' e'^". 

199. Verdoppelung des auslautenden Konsonanten vor anlauten- 
dem Vokal hörte ich in g^ : äl' V-A bar' (sie ist schön); umgekehrt 
asqet' t^ (setze dich) für as« te. 

200. Vorschlag eines v : vusce vpz e (wo habt ihr) f^oj. 



514 



FORMENLEHRE. 

Während die Lautlehre eine gewisse Vollständigkeit anstrebt, kann ich zur 
Formenlehre und zur Svntax nur lückenhafte Materialien beisteuern. 



ARTIKEL UND PRONOMEN. 





201. 


Artikel. 








Masculinum. 




Femininum. 




Sing. 




Sing. 






Nom. 


I9 A— E, le ff-f^w, lo 
g\ vor Vokal V. 


Nom. 


1§, r pass., la g^ 




Gen. 


d^ (s^p' e^, mye d^) D E, 


Gen. 


d§ sa d^, d§ crow' 


/ß 




do (metzisch) a^a^, di f^ 




(de la chair crue) d*, 


d? 




f5 (0, dv g3. 




dM^s, de l'ov' d^fip, 
le cröe f^. 


de 



Dat. passim ; i (medisy§) , i 
(pret') fS i CO (am Hals) 



Plur. 
Nom. 



Gen. 



li day' d*, liz e (Augen) 
d^, Ijz oey b^, lez oey e^, 
liz oe d* c^, l^z öm' d^ ; läz 
§fa CO, la loe (Orte) f^ 
diz OS d*, di, diz in D ; 
d^ pisii], e^, di /ac e*, 
dez 9m' g^ ; da b'ze f^ 



Dat. az Al'ma f^. 



Plur. 
Nom. 



Gen. 



\\ pass.; la fpm' w. 



di p^m d^, di fgm' d**, diz 
^pöem' d^, diz utey' d^ d^ ; 
de j'lin' P, de fom' g^; 
da li'lin' 0, da foy' f\ da 
pyfr' f^. 



515 



g8 A. Horning. 

202. I. Pronomen Personale. 

A. Fronomen Conjunctum. 

a) Proklitisch. 

«jSubstantivum. 

Dj^ (ego) e^ dje d^, je c^d-d*d^ j<? b* b-^ c*^ c'-* ; i (auch vor 
Vokal, i atr' g') F G : im' cäj' (taceo) g'^, i me love f"^; vgl. 32. 

te (tu) d-^ dM'i f 2 f-5 g2 r„, t§ d^ig^^ (t(? m' py§ g^); t' (auch vor 
Konson.) : c§ t' t'?y^s' e^ (fasses)^ § ce c§t' §äj' b^d^d^; t'ävoe 
g^. — Als Objekt : te v§ t^ r'p§t' f\ t§ d^°. 

il (ille), vor Konson. i d^d^e*; i §ät§ d^* ; i djäl' e^° — ? 
m'oy' (er hört mich) e^ § pyu e^, §1 § f^f^f^w, § fa (i2 /a/f) g*, § 
fa (iZ /aw^) g^, 9 f§ g^, §n' fo mi f^; a fa, a pyoe g^; al a (er 
ist) g^ 

§r (illa) pass., auch g^g*, äl' nur g^g^; '1 a bgl' (sie ist schön) 
g^, '1 § (sie hat) a^. 

li (Dativ masc.) f^. 

Acc. masc. le ty§ {le tuer) f ^ ; lo (ihn) c* ; lo cra (glaube es) 
c^, Ip crär' c^. 

Reflexivum : se pyädr' f^, se .^osye (o. 

Plural : no, npz ; noe du no rapytpno (nous deiix nous rem- 
plissons) g^. 

vo, vgz d^d*d-^. 

i, il o d^; e, ez f^; Dat. lozi f^ 

ß) A dj 6 c t i V um. 

Sing. masc. mp aM^d^d^d^^, tp d^; s'am'per' (c'est mon 
pere), sa t' per', sas' per' a\ 

Fem. m^ d^ e^, t§. 

Plur. rai d^ d* ; ngt', vpt c^ d^ ; nöe, vöe e^ ; lye (ihr), per' d^ ; 
lö (sT) ihr Heiliger f^. 

b) enklitisch. 

b§y' m§ d'' e^, ata m? g^, evröem' (ouvrez-moi) g^ — rot' t§ (öte- 
toi) d^^; cu;;' t§ d^d^^, cu/ te d\ cu§' te f^; sov' te e^ ; bä§' t^, asoe 
t§ g^ ; cat§§ t§, ca§^ t^ g^ ; Im' tp (liebst du), d'mäd' tp, nach Vokal 
't, vyfßt, pycpt (kannst du), w§t (siehst du) a^ — imt'i (liebt er) a^ ; 
b^y* li d', b^yce zi (donnez-lwi) a^ — cel' ur' c'a lö (was ist die 
Uhr) ? g^ — pvoef (habt ihr), d'joef (sagt ihr), cu'hoef (schweiget) a^. 

B. Pronomen Äbsolutum. 
a) Substantivum. 

mi, s. 55, mi mom' f^ f», mi mom' d^. 

ti mpm' d^ vgl. 55 (über m§, mi, möe; t?, te, toe vgl. 72). 

516 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 89 

Masc. \v m9m' d'^d^ {\v mÖm' d^), If d-^e^e^^, li raom' w, cot' 
11 c^, ?v9 le i\ le mom' e^ f^ 

Fem. ley (^vg) a} h^h'^ c*c^f (o, ley 1119111' d^ (auch ley mom'), 
avo li? g^. 

Plur. 119 a^c^e^ Y9 a^S I9 (= eux), §V9 lo fS avo zu b-^, 
§ zu (« eux) a^ zör c^ ; ?V9 zut, Z9 mom' (eux-mcmes) d^. 



b) Adjectivum. 



Masc. fem. mey, me, s. 33. 
Fem. 1§ tey', lg sey' d^. 
Masc. mu\, tln, sin g^. 



1 — 3plur. nät', vät', züt a^ 
I9 lye (der ihrige) d^. 



203. IL Pronomen DemonstratiTum. 

a) Substantivum. 



Sing. 


m. Tot-si dieser 


Sing. 


m. 


l'ät'si dieser 


Plur. 


sosi diese 


Sing. 


f. 


rät'sit' diese 


Sing. 


f. Tot'sit' diese 


Plur. 


m. 


sot'sit' 


Plur. 


sal'si 


® • Plur. 


f. 


sot'sit' 


Sing. 


m. loflät' jener 








Plur. 


sola jene 









el 



S. m. Tat'sit' dieser 

Plur. m. sot^sit diese 

Sing. f. l'ät'lat' 

Plur. f. sofläl' 



d^ 



Sing. m. sit^l dieser, l'ot^l 

jener 
Sing. f. s^t^r diese. 
PI. m. f. set^l. 



L. 



d\ 



Sing. m. f. l'ät'sit' dieser, ] 

diese > d^^. 

Plur. m. f. sot'lät. ) 



Sing. m. f. l'at'si \ 9 
Plur. sot'si ) 



Sing. m. l'ot'lät' dieser d-^. 



Neutrum : s'le dieses c^c^d^\ s'la d^d*^, sula f^ selo f^, sola 

g^g^g^- 

Bei folgender Präposition : lo si d' (celui de), I9 si d' 
(ceUe de) d^, s'a l'su d? m'frer' (c'est celui de mon frere) 2} ; so 
d' lö nosyo {ceux de Icur nation)^ so d' §i lo (ceux de dies eux) P. 

Bei folgendem Relativpronomen: 
Sing. m. I9 SV ce derjenige, Plur. sv ce d^". 

welcher d' d^^. Plur. m. li sv ce d'^. 

Sing. f. 1§ SV ce diejenige, Neutrum su c? (ce que) e^°f^. 

welche. 
Sing. m. lo sf c'a (celui qui 

est) d-3. 

I9 su c? (celui qui) a}. 

517 



90 A. Horning. 

b) Adjectivum. 

Das Adjektivum wird durch Umschreibung gebildet von A — F : 
I9 niQtin, si d^^ (dieser Morgen); in g* lautet das Femin. s'te. 

204. III. Prouoiueu Relativiim. 

Sing. m. f. ce d^d^d^^. Sing. m. c<? a^ 

Plur. ce d'^d^''. Neutram c^ e^^f^ 

Vor Vokal c', c'a (qui est) d-^e^'^g*, c'awi {qui avait) f^ 

205. IV. Pronomeii Iiiterrogativum. 

c^ (qnoi) a} ; puce (warum) f^ ; § ce c^t' saj' d^- (woran 
denkst duV). 

206. ADJECTIVUWI. 

Während die Flexion des Substantivs im Lothringischen ge- 
schwunden ist (Singular und Plural sind einander vollständig gleich), 
ist der Unterschied zwischen Masculinum und Femininum der Ad- 
jectiva auch in Fällen gewahrt, wo das Francische denselben auf- 
gegeben hat: 

b^ (bassus) e^, f. b^s' d^, daneben m. f. b^;:' d^; vgl. 20. 150. 

crr (crudus), f. crow', cris', crSs', s. 114, crtt' a^b^g\ cw' f^ g^. 

m. f. dt'/' (durus), s. 113, dt', f. di-r' g\ dyöe, f. dytfer g^g*. 

fra (frigidus), f. frad' d^. 

f. frä/' (frisch) d^d«, frät§' g^ 

grä, f. gras' (fett) d\ s. 17. 

gri, f. gri;:' (grau) eS s. 75. 

Tter' (integrum) s. 35. 161 «. 

/pä, f. /päs' (spissus) d^fS ;/pQ, /pgs' xp, pä, päs' a^ 

m. f. los' (longus) a^ 

m^jv (maturus), f. meyvr', meyes', meyis', s. 113. 

m. f. nar' (nigrum), s. 161a, m. nwa g^ 

nyöe (novus), f. nrv', nyöev', u. s. w., s. 78. 

nv (nudus), f. now' s. 114, f. ni^n' f\ nv g^. 

pya f. pyät' (klein) a^ 

pyl (plenus), f. pym', s. 57, f. pyit' a^c^. 

pöe, f. pc^t' (hässlich), s. 117. 

prä, f. prät' (bereit) d*^, prg, prQt' f*. 

rä (rigidus) d^d^f\ f. rad' d^ d^. 

s^, f. s^ts' (trocken) f-f^ m. f. sqs e^ s. 133, S9s' m. u. f. 
d^2, s. 133. 135. 

vye (vetus), f. vey', s. 32. 

voe (leer) g^ voe' e^ f. voed' d^^g"^, vce'd' e^ ; m. f. voe'd' e^^ 

518 



Die ostfranzösischen Gren2dialekte zwischen Metz und Beifort. 91 

wä, f. wädj' (grün) g-g*, wa m. f. fi f*, s. 160 B. 
wa/ya , f. wa/yat' (grünlich ) d^ d*^ : s. 17 über ähnliche Bil- 
dungen. 



KONJUGATION. 

207. ludicativ Praesens. 

I. Eine Reihe von Verben, deren Stamm auf primäres oder 
sekundäres i ausgeht, haben in 1 — 3 in D und zum Theil auch in 
A die Endung ey' (zuweilen oey'). Es sind: 

a) Is. m^rey' (heirathe) d^d^; 4. m^rio d^, Inf. m^rie d^; 
1. m^rcey' d-^. Inf. m^ri? c-e*; 1. m^ri' c^; 1. ra^rie f*. 

1. mwa/tey' (raastico, kaue) d'*, mwastey' d''d^, ma/toey' d^^. 
Inf. mwa/tyi d^d^, ma;^tyi d^'-*, mwasti d^. 

1- ?/pey' (fme), Inf. §/pyi d^ 

1. crey' (crie), Inf. creye d^. 

1. sarey', Inf. saryi (cliarrier) d'. 

1. natey' (reinige) d^— d'^d^d^-, natoey' d-^ natiy' a\ nati' e^. 
4. naty9 d^ d-^ Inf. naty§ a\ uatyi d^d'^d^-. nati e**. 

1. fey' ifie) d^d^i^ fi' e«. 

1. ?rtev' (röiis), 4. ?rtyo. Inf. ^rtvi d^, r§ti c^ c-. 

1. ley'\binde) d^d^d^'^^d^S li' V, Inf. Ivi d^d^d^^, li e^ 

1. §er (caco) d^d'^di^^ ^^^^^ 2. sies' d*. Inf. si d^d*. 

1. batey' (baue) d^d^, bati e^e^. 4. batyo c^d^d^e^, batyo 
e- e^, batyä e^, W^soil b*, batyoi; c^ c^, Inf. batyi d^ d^. 

Eine verschiedene Behandlung (ob unter dem Einfluss der 
Labialis?) erfährt ^rpuvi (erpicare) d'* — d'^. r'puyi d^, ^rpuyi d^ 
dl^ 1. §rpuy' d2d^^ ?rpuy' d*. 

b) Eine besondere Klasse bilden die Verba auf Konson. + 
y aus 1 : 

1. spfey' (blase) d^d^d^d^, sijfey' d^, sofcey' d^^d^'-^d-\ spf^y' 
a^ 1—3 si^f cic2d\ su^f g*, sgf c^e^e^ü', /gf b-^^ ; 4. sofyo 
a}, spfyp d^. Inf. spfyi d^ d*^, s^fy^ d^'' e^ m, sofi c^ c-, sofyoe c^, 
yoiji b^, X^iyce c\ ^pfy? a^ 

3. äfey' (enfle) d^ d% äfoey' d^-d^i, ofi' c^c^ äfi" b^c^e», af 
g*; Inf. afv^ c". ofve c^ afye b^, pfva f^, äfya f*. Part. masc. afy§ 
d^% äfi' d\ 

3. gofey' (gonfle) d^. 

1. r§bey' (vergesse) d^, ribey' d-d^d^, r^voey' d^^d-^, robrey" 
ip, rq?y§ (», rubll" c^d\revi' e^, r^li' e' ; 2. rubli' f'*; 4. riby9 d^, r^lia 
e^, rublipix c'^. 4, 6. r^vyp d-^ Inf. riby§ d^d*^, ribyi d^, rublie 
c-, robli^ d^, r?vy§ d-^ e^. rublicp c^, P. m. ribye d-, r^by§ d^ g*, 
rubli^ f-, robli^ f*, r^li^ e^. 

519 



92 A. Horning. 

1. npey' (ich fülle) d^, r^pej' d^, r^poey' d^^, r^p' e'e*, 2. rlpli 
d^, 4. r^pyp d^d^^, rgpä e\ r^pp e^f^, r^pligix c*c^, 5. r^pe, 
6. r9p9 e**. Inf. r^pyi d^d^^, rlpyi d*, r§pi f^. Vgl. auch Gloss. 
V. py?n?. 

1. rof^y' (schnarche), Inf. r^fy? a^. 

1. cac§y' (kitzle) a^, cocey' rp, cäcey' d^, Inf. cacy^ a^ cocye 
ip, cäcyi d^. 

1. jabey' (wanke). Inf. jSbyi? a^ 

Ich schliesse an : /t^ryi (strigilare), Is. /trey' und /t^rey' d^. 
Zwei ursprünglich nicht volksthümliche Verba, in denen 1 nicht 
in y übergeht, erleiden folgende Behandlung: 

3. hab^r (er spricht, habler), Inf. habl§ e^, 4. habla d^. 
1—3. trabel' (zittern) c^d^ trabel' c^, träbel' d^, Inf. träble d'. 

II. Die Iterativbildungen auf -isco scheinen der wahrhaft 
volksthümlichen Rede von B — G abzugehen: 

1 — 3. noeyr' (nutrit) e^, uolt' d-^g'-^, ner' d^, 4. noeyrp e^, 
noer9 d^d^d^d^^ e^e^'^f^ f'^g^f^, noero e-g^, noeroi], f^, nyoerp c^, 
neroi| e^c^, nero d^ ; 5. nere d^, noer^ e^^. 6. ntroi], b^, Inf. noeyri 
e^, noeri d^d^d^j nyoeri c^, neri c^ ^), 

1 — 3 poeyr' (fault) e^, poer' d^f*, pcpr' w, 6. poeyr9 e^, p§rä 
e*, poeroi]^ f-^, poert f^. Inf. poeyri e^, poeri d*. 

Ueber diese beiden Verba vgl. auch 101. 102. 

3. fyc.er (floret) (o, syoeri g^. 6. fyero d^, syoero g^ ; vgl. noch 
frr' u. s. w. 80. 

Ueber §rtyi (rösten), batyi, ripyi vgl. den vorigen Abschnitt. 

2. batise/' c^ (Konjunkt. du bauest, vgl. batye/' c^), räplise/' 
c'-^, batise/' c^ sind durch das Französische beeinflusst ; französisch sind 
augenscheinlich Inf. batir, 6. batis' f*, 4. finiso f^. 

In A dagegen und in einem noch näher zu erforschenden an- 
grenzenden Theil von B sind die Iterativbildungen volksthümlich und 
haben dieselbe Form wie im Wallonischen : in a^ : 4. batilio, fini'ho, 
byasiTin, aber apyiso; a^ : 1 — 3. grildija, gradijoe, grädm' ; b^ : 4. ra- 
piliä, b^etilia; b^ rap^tä, aber ntrpn. Nvri, p^'ri zeigen auch hier 
die Iterativbildungen nicht : in a^ sagt man 1 — 3. nrr', prr', 4. nwä, 
pträ, 6. nir', pi'r' ; vgl. noch 102. — Auffällig sind li und j, während 
sonst lothring. dem lat. sc der scharfe Laut /, resp. s entspricht. 

III. Die Verba, deren Stamm auf tr ausgeht, schieben 1 — 3, 
zwischen t und r § ein : mot^r a^ e^, moter d^ ; rat^r d^^, äter 
d^, atöer b^c'^, atoer c^, atoer b''; — dagegen 1. i atr g^, 4. ätr9 
d^, Inf. ätr§ d^, ratr§ d-^ m9tr^ e^. 

IV. In F endet die 1. Pers. Sing, auf betontes ^ oder e (der 
Laut liegt zwischen § und e), und zwar bei Verba aller Konjugationen, 
auch bei den unregelmässigen : 



^) Ich zweifle sehr, ob das von Lahm, Rom. Stud. II Angeführte 1 — 3. 
noeri, 4. 6. noerisö volksthümlich ist. 



520 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 93 

1. cas?, Qst^ (kaufe, Inf. ?§ta), l^w§ (wasche), de^gde (Inf. 
despd', descendere), t§§sy? (Inf. t^^sye), syg (schwitze) f^; t§ät? 
f-f'', t§5ite f"*; ty§ (tödte, Inf. ty§) f^f^; moere, mldje, väd? (ver- 
kaufe), eure (laufe) f^; m^rie f'*^ a'^9 (Inf. Q3§i, exire) f^; cra/§ 
(cresco), f^y^ (facio), py^i? (placeo), p/lie (schöpfe), t'ne (halte), 
v^ne (komme), v'cg^ (lebe), /od? {j'cchaude), yoh^ (heize), dagegen 
yq^ (volo) f^ In der 2. und 3. Person Sing, findet sich dieses e nicht : 
te t§rit' f-, e tsat' f^, pr/' (du schöpfest, er schöpft), fa (facis, facit), 
]iya (placet) f^ ; nur einmal wurde mir 2. te tsat? f^ angegeben, was 
vielleicht auf einer Verwechselung beruht. Auf G scheint sich dieser 
Gebrauch nicht zu erstrecken : 1. i t§at' g^. 

V. In dem westlichen Theil von E hat eine Reihe von Verben 
dieselbe Form für die 1. Sing. Ind. und den Infinitiv : bo"§ti 
(hinken), fdi (helfen), na"'ji (lästig sein) e^*^, s'ti (werfen) e^e^*^. 

VI. In vielen Verben klingt derselbe Vokal verschieden, je 
nachdem er an betonter oder unbetonter Stelle sich befindet. Ausser 
den Fällen, die man unter I findet, erinnere ich an Folgendes: 

mv (mor(i)o), Inf. moeri, s. 79. 214. 

Inf. twod', Part, todi-, s. 87. 96. 166. 

1. tow' (tödte), Inf. twQ und Aehnliches, s, 114, 118. 

1. mo" (beisse), 4. modä a\ vgl. 87. 96. 

1. now', Inf. nwe (nodare) d'', dagegen cyow' (nageln), Inf. 
cyow§ d'^. 

1. pya (verliere), Inf. pyad', Part. fem. p^dow' d-^ s. 37. 

Ueber 1. jv (joco), Inf. dj?, vgl. 85. 

Der unbetonte Vokal fällt aus in : 4—6. s'np (nous sonnons), 
s'n?, s'no, vgl. 81. 97 und 1. sin'. 

3. d('n' (donat), Inf. d'n?; saA^n', ors^n' 100. 112. 

1. l^v', Inf. l'v§ e^. 

1. mpn' (mino), 4. m'no e^, s. 57. 69. 

1. cgr^^' (j'ecorclie), Inf. cor'§(j a^ 

1. fygvet' (pfeife), Inf. fy^f't? 1//, s. Gloss. 

VII. Für die 2. Pluralis fand ich eine andere Endung als e 
nur in zwei Orten, wo die Endung etis der 2. lat. Konjugation er- 
halten ist : in a^ 5. f?yoe (faites)^ mijoe (vous mangez), s^soe (voits 
cliassez)^ ^vce (vous avez), u. s. w., und in e^^ : vo t§äto, vo rab'jo 
(ihr schärfet), dagegen vo ncer^ (ihr nähret) e^°, V9 t§äta (a = §) 
f^. — Eine 5. auf -i notirte ich in f^ in dji (ihr spielet), v^ci (lebet), 
v'li (wollet), pdii (schöpfet), f^yi (thut). 

VIII. Die 3. Plur. gleicht meist der 1. Plur. : z. B. je rgvyg, 
i r^vyg (vergessen) d^S ng t^atgii,, e i%»Xq\\ f^. Eine Ausnahme 
macht : a^ wo man 4. mijä, aber 6. mij', 4. §§sä, aber 6. §§s', 
(jagen) sagt. In a^ haben die starken Verba eine eigenthümliche 
Endung auf n : cröen (creduut), wgn' (vident), §cen' (cadunt), doen' 
(debent), cran' (crescunt), ct-n' (coquunt), vyin' (T 1., veniuntj, brän' 
(v. brär', schreien), rln' (rident), sen' (sapiunt). Auch die Verba, 

521 



94 -^- Horning. 

die die Iterativbildung aufweisen, haben in 6. -n, gerin' (sie heilen), 
grädin" (üs gra7idissent)a^. 

In f^ endigen viele, sowohl schwache als stai'ke, Verba auf -t 
(ausgenommen sind so = sunt, fo = faciunt; ob noch andere weiss 
ich nicht) : 6. t.'jat't (singen), batit (bauen), m^rit (heirathen), pcert 
(faulen), cr§'t (glauben), wet (sehen), pyöfert (können), pya/t (gefallen), 
pi;/t (schöpfen). 

208. Futiirnm. 

Das Fut. hat die Endungen des Praes. von habere, daher 
1. tsat'ra, 2. tsat're, 3. t.sat"re, 4. tsatT9ix, 5. tsfit'ra, 6. tsat'roii f'^. 
In a^ hat 2. geschlossenes, '■'>. offenes e : (1. sat'ra) sätVe, sat'r§. Wo 
a + y zu e wird, lautet 1. e. fare, pure d^, — 5. endigt in a^ auf 
ce (s. 207 VIII). free (ihr werdet thun), in e" auf o (= etis) 
t^at'ro. Auch die 5. des Praes. Indic. von avoir und des Futur, 
von aller hat die Endung a = etis (vgl. 214 avoir, aller); ob 
dieselbe im Futurum aller Verba vorkommt, habe ich nicht untersucht. 



209. Imperfectum Indic. nud Couditioiialis. 

Die Imperfektendungen, die ich hörte, sind: 

I. 1. m^jey' (ass). sätey' (sang), 2. 3. §ät§, 4 — 6. sät§n' ; 1. j'a- 
wey\ 2. t'aw^, 4 — 6. aw^n' d^^ — 1. §ätey', f§yey' (faciebam), awey' 
(habebam) d"^; sat^y^ d^; d^liey' (dicebam), satey', avey' d^; beryey' 
(brach) d*' ; 4. satin d^, sätln' d*; Is. avey', 4. aviijc**; 1— 3. t§ät?, 
4 — 6. tsatii],, 3. avw§ f^;'! — 3. satey', 4— 6. satiix, 3. aley', py^iey' 
(placebat) , kliey' (lucebat) , fayey' (faciebat) , awey' (habebat) co ; 
1 — 2. awey', 3. awi, 4 — 6. awii| (daneben 6. awet', trovet', tet' 
etaient), 3. demuri (er wohnte) f^. 

IL 3. alay', feyay' (faciebat), dway' (debebam) e^. 

III. 1, avuv' e^e^°, 4. aviön' e^^ 1. awu d^, 3. au (habe- 
bat) d^ 

IV. 1. satoey' a^ ; 1 — 3. f^yoe (facere) , raijoe, 4 — 6. f?yiii, 
mijii^ a^; 1. avo g*; 1 — 2. avoe, 3. ava, 4. 6. avT g"^ ; 2. syoetroe 
(du pfiffest) g2; 1. t§atoe e^^ei^; 2. 3. tsato, 4. tsatän' e^^ 

V. VV^ährend die bis jetzt aufgeführten Formen das sogenannte 
.,Imparfait distant" bezeichnen, bezeichnen die folgenden das sogenannte 
„Imparfait prochain", das man durch „ich that soeben" umschreiben 
könnte. Es ist kein Zweifel, dass in manchen Orten beide Imper- 
fecta neben einander üblich sind : in d" j^ deliey" ?/o (ich sagte 
gestern) und j(j d^liör (§ator) tQ mit'na (ich sagte soeben); in f^ i 
t§ät§tor' tpt § l'ur' neben i tsät^. In andern Orten (wie es scheint, 
in C) ist die Form auf or allein üblich : 1 — 3. sator, mijor, 4 — 6. 
§ätiii, c^, 1 — 3. sätor, 4 — 6. satinor c". In e'' hörte ich t^atazor, 
r^viazor (or 1., vergass), 4. satii^zor o; sat^zoe (auch cer) e^ Die 

522 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 95 

Phonetik bestätigt die von G. Paris gegebene Erklärung von or : 
es ist altfrz. g>\ (>»•'. 

VI. Die Endungen des Conditionalis sind : 1. f'ray' e'^, m^- 
j^ray' (essen), 2. mQJ^ro, 4 — 6. mgerfn' d^^ 1. ^at'ra d^d^. mij'ra 
d^^, 1. beli'ra (würde küssen) d^, 4 — G. §at'rii| d^; 1. s'ra {sai(rais) 
(j6 — (j8^ yj^j,g^ (kommen) in d^, wo noch eine zweite Form auf -oy', 
vorkommt, |at'roy', vSroy', s'roy' ; 1. t§ät'ro, 2. pedro (verlieren), 
3. pedra f^; 1. 2. ti^at'rce, 3. t^iit'ra, 4. 5. t^at'ri g^, 1. s'roe (sau- 
rais) g^, sat'roe a\ 3. §r(p (aurait) f^ Eine 6. If/'rot (würden 
lassen) hörte ich f^ — Vgl. noch 214 v. Devoir. 

Die Formen 1 — 3 in III. IV. VI erklären sich aus lat. -ebam, 
u. s. w. Nicht so die unter I : ey' beruht lautlich weder auf -e(b)am 
noch auf a(b)am (daraus wäre -ay' geworden), noch auf i(b)am 
(daraus konnte wohl in D, nicht aber in F ey' werden). Ich ver- 
muthe, dass das lautgerechte awey', sawey', u. s. w. (also e nach 
Labial) zu Grunde liegt und dass dann -ey' auch auf andere Verba 
übertragen wurde. — Ob die 3. auf i auf altes faisivet^ taisivet, 
plaisivet zurückgeht, wo das i lautgerecht aus e entwickelt ist? In 
d^'^ hörte ich auch eine 1. Sing, auf -i : sati, miji, avi. 

210. Perfectiim. 

Perfektformen gelang es mir nur, in (o und f^ zu hören : 1 — 3. 
§ate, 4—6. §ato or, 3. feye, delie, waye (vidit), demure, f^ auch 
hier endigen 4 — 6. auf -o. 

211. Koujunctiv. 

Die Endungen des Konjunktivs sind : 

1. 2. culies' (schweigest) , si^s' (cacare) , pi/^s' (harnen) d*y 
§at^s' d^^d^'^d^^i//, r^br^s^s' (umarmen) d^^, Tputes' {empörter) d'^, 
^put^s', mlj^s' d^^, eures' ijj. In d^ — d^ (wo jedes oe = e) ^ätes', 
mijes' ; 5. §atis', d^nis' (geben) d^. Neben regelmässigem -es' notirte 
ich vereinzeltes ^p^rn^s' (du mögest lernen) d^ und bpv^s' (du mögest 
trinken) d^^. 

Ausser in D und t^' traf ich diese Endung noch in : 2. f§y«s' 
(thun) a^, u. s. w. (für a^ stehen mir zahlreiche Beispiele zu Gebote) : 
|at^s' b^ — b'^, sprt^s' b^, 2. cpj^s' (schweigen) e^, mTdjes', 5. mid- 
j(pns' e^", 2. t§at^s' e^^ ; 2. tsTtes', midj^s' g^. 

II. Mit der soeben erwähnten e-Form in d^ — d^ dürfen die 
e(9)-Formen nicht verwechselt werden, denen man in den Orten be- 
gegnet, wo die oe-Laute nicht zu e werden : 

2. |ates' a^e^, t^at^s' g^ ; fey^s' «>, f^y^s' e^; mijes' a^; mTdjes', 
pyädes' (klagen), §§eyes' (sitzen) f-^; §Tjes' e^ ist nicht beweisend, 
da hier viele oe-Laute zu e werden; 2. ^atgs' b^, CQr^s' (laufen) b^. 

III. Die Endung -(?/', resp. -e/' oder -e^' traf ich nur in C : 



96 A. Horning. 

3. Tput/e;^' (empörte) c^, sat^/' c'' — c'-*, §äte/' c^c-c*, sätes' c^; 
f?y^/'' batise/' (bauen), ?t^/' (sein), gve/' (haben) c^, 2. se/' (sein), 
e/ (haben) c^; 2. mure/' (sterben), pyaze/ (klagen), je/yete/' 
(sitzen) c-. 

Konjunktivformen ohne die Endungen -es' (§s'), -e/\ und zwar solche 
die auf den lateinischen Conjunct. Praes. zurückgehen, fand ich nur 
in einigen Orten für essere und habere. Dass die Endungen -es'. 
-ex' auf dem lat. Plusq. Perf. beruhen, ist wohl sicher, dunkel aber 
ist der Ursprung des oe-Lautes; e (sofern es nicht aus oe geworden) 
und § könnten -assem sein. Indessen ist auch dies fraglich, da das 
Perfektum und der Konjunktiv sicher einander gegenseitig beeinflusst 
haben (vgl. W. Meyer, Zeitschr. IX 243). 

Auf Grund der von Oberlin und von Haillant III S. 26 gegebenen 
Mittheilungen dürfen wir annehmen, dass, wo der Konj. auf -^s' 
endigt, das Perfekt von 1 — 3. die Endung ce hat. Dieses oe kann 
den francischen Perfektendungen nicht entsprechen. Es fragt sich, 
ob dieses oe nicht auf fui beruht, das nach Adam zu fce geworden 
ist und ob wir den so entstandenen oe-Laut nicht im Perfekt auf oe 
und im Konjunktiv auf -es' wiedererkennen sollen ^ ) V 

In f^ hörte ich die 3. Pers. Plur. nalest (gehen), ic^st (sein), 
s'§mi;z§st. 

212. lufliiitiv. 

Einige Infinitive sind Neubildungen, bei denen vom Particip. 
Perfecti ausgegangen wurde : das häufige d^vyer s. 37 und 214, 
vom Part, d^vy? (deopertus); r'sM'' (empfangen) e^, ^rsir' e^^, §rsir d^ 
(4. §rsiv9) , vom Part, tsv e^, ^rsi d^ ; einen Infinit, v'lii haben 
Thiriat S. 436 und Haillant III 62, letzterer auch poeyu III 58 : 
Damit identisch sind in d^ (wo v = i) v'li und p?yi. 

Merkwürdige Bildungen sind Inf. r§p' (füllen) e'^ ; r'p§t' (bereuen) 
d^d'^d^^'d^^e^f^ fo neben erp^ti d**, r'p§ti d*w (1. Sing. Indic. r'p§ 
(j4(j5(ji0gi . Futur. 2. r'p^tre d'^, r'petre w; Part. r§p§ d-^ r'poe, 
r'pe d^); /§p' {cchapper), Part, /^pr d'^, dagegen Inf. /^pi d^. Die 
Infinitive sind Neubildungen nach dem Praes. Indic, 

Endlich notirte ich die Infinit. : moli (mahlen) c^, crasi (wachsen) 
e^, uye (hören), cw(pye (pflücken) f^ 

213. Participium Perfecti. 

Ueber die Particip. auf -ata, -iata, -ita, -uta vgl. 2. 12. 
13. 72. 114. 

Bemerkenswerth ist, dass die starken Participia bi', v^ nirgends 
ein Fem. *bow', *vow' bilden, dass also jene Endung den Yerbalstamm 



ij Die konjunktivische /-Form scheint schon in entrexiez, opresixies 
Bernh. 118, 34 vorzuliegen; / könnte aus ss + i der Pluralendung hervorgehen. 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 97 

nicht afficiren kann. Selten ist P. f. von videre, doch sagt man vis' 
und veyey' d^, eben dort auch bpvow' und le/", von ler', lesen; 
von ler' auch leliow' d-^ Diese Formen sind gewiss selten und 
wurden von den Personen, die ich befragte, zum Theil erst nach 
längerem Zögern gebildet; sie zeigen aber, dass ein *bow', *vow' gegen 
alles Sprachgefühl ist. Part. f. bi^s' ist dagegen sehr häufig, vgl. 
bwer" ; tras' (zu trar', melken) a^ ; c^-nt^s' (von co7inaUre), cödfs' 
(führen) f^ ; s. auch devyer 214 v. ouvrir. In A haben die regel- 
mässigen Verba auf - i r e ein P. f. auf -is' : geris' (geheilt) a^ a^, 
g(j^rnis', riiplis' a\ rapyis', batis' a^. — Das P. f. von soer (cadere), 
^/oer (assedere) hat ein unorganisches t; das P. f. von et' (sein) 
ist regelmässig nach der 4. Konjugation gebildet. 

214. Unregelmässige Verba. 

Aller. Infinit. n'al§ e^e^^, n'ala f^w, 0I9 c^c^, al§ d^. — Praes. 
Indic. 1 — 6. j' ma va, t? ta va, i sa va, j'ä alJi, v'a aloe, i s'a vo 
a^, 1. v^ b*, v§ cM-w, ve d^-, i m'ä vo f^, i m'a va g^, i nale f^. 
2. v§ c^d^, ve d-^f^w; 3. v? d^d^, ve e^f^f-; 4. vpi], c^ al? f^ 
5. ale cS ali f. 6. voi], c\ vo f^ — Imperf. 3. n'alay' e^, aley' 
CO. — Imper. 2. v§ d^d^i//, va g^, va ti c^. — Konjunkt. 1. al^s' 
d^, ol^/' c^. — Futur. 1 — 2. j'ivre, t'ivre d^d^c^c^, vir§ d*; 1. v'r§ 
d^; 3. il ivre c^d^, i v're c^, vire d*; 1 — 3. v're d'^; 1. v're 
c"*; 1 — 3. v'ra, v're, v'r§ a^ ; 1 — 3. v'r^, v'röe, v'roe c^; 1. j§ m'§ 
(inde) vir§ d-^; 1 — 2. j'ä virä, t'ä vire e^ vira, v^re f^; 1. i vira 
oder v'ra g^, vir^ g^g*, vira f^ 4. 6. ivroi^ c^, vrgix c^d^, ivr9 
d^, 6. viräi| d*, v'rarj, d'^; 5. ivra c^d^, v'rä c^c^d^ (das v des 
Fut. ist eine Anbildung an das Praesens). 

Ässeoir. Inf. ^;^oer d'^d'^d^'^, a/oer d'^, /^vjv (jusum) d^d^^, 
/erji d^d^d^, s^rdjf e^e^'', ^/er e^co, ^/ar e^, /areW c* (mp te /ar^i 
assieds-toi), §/ar c^ (motev' ^/ar mettez-vous), /arji (va ti t^ mät') d^, 
§orji b^. — Praes. Indic. 1. ^xod d^d**, m'a/oe d'^. — Imper. 2. §/oe 
t? d*, x^ djv e'^, asoe t§ g^, a§(^t t^ g^, 5. sey^djv e^. — Konjunkt. 
2. §>^ey^s' d'*, ^seyes' f^. — Partie. Praeterit. ?/oe, f. §;:oet' d*d'^ 
d^'^e^, §;^ce, §/oe't' e^, §/oe' v, f. §/oet' w; §/^', §/§'t' e^; m. u. f. 
§/t;t' a^b\ matev' §/t;t' b^, j§ v§ m^ mät' ^/vt\ ja ^x^V b*; §§t^, f. 
?sfj' f^, f. §/is' f^; syet§ g^; a§ti g^, auch f. s't§ fgm' a asti g^ 
In einem Theil des Gebiets dient ?/ar auch als Part. Praet. : ja 
^/ar^lii c^, J9 ^;^ar c'', ja ^/ar c^; ra. u. f. ja p^arji d^ — Gerun- 
dium. Merkwürdig ist eine alte Form des Gerundiums, die in der 
Bedeutung des frz. assis gebraucht w-ird : j'a (ich bin) e/eyä jv d^ — 
d^ ; die ursprüngliche Verwendung zeigt sich noch in : je m' bgt' 
e/eyäji d^ ; ich hörte noch : T/eyäji^ d*, ^/^yajv d^^, ^x^jMjv e*, 
?/eyäjt; d^'^, ^/iädjv f^; eseyadjf e^*^, ^siädji» e'^, eseadjr e^. 

Ävoir. Inf. aw§ a^, awe f^ w, awer b'^, awor c^ c'^ d\ awgr c*, 
avu d^^e^, ävu eS au d^d^, awu e^. — Praes. Indic. 1. a a^b'^b^ 

Französische Studien. V. 4. c-.c 7 



98 A. Horning. 

eif2f4f5gig2^„^ e (e zwischen e und ?) c^c^d^d^d^ e d^d^^e^, ^ gS 
66 c'c«. 2. e a^bn^d^d^f^. 3. ? aM^od-^e«, e bM^fMS e d^ 
2. 3. öe c^ — c^ 4. jo c*^ d-^ d^ £•* g2, pi^ f', a d^, j?vä a^ 5. vpz a 
c^'d^d^d^f^, e f^ 9voe a^. 6. o a^f', a d''. — Imperf. Indic. 1. awey' 
d*w, avuy' e^e'", awu d^, ?vce a\ avor d\ 3. au d^. 4, aviön' 
e^^ 4. 6. avlnor d''. — Konjunkt. 1. ay' a^ 2. a d*^, os' d'^d^^. 
1. es' c^. 2. e/' c*, §v^/ c^. 4. cßi|s' d^, is' d^^, ii\s' f^ (als 
Optativ : ir),s' V9 mäc' o;;ta de py^lii : möchtet ihr nur ebensoviel 
Vergnügen haben). — Fut. 3. ^re d'^. — Condit. 1. ^roe a^ — 
Part. Praet. §vr a^^d^^e^, avf g\ §vi c*c^d^. 

Boire. Inf. bwer' a^ f^, bw§r' w, bw^r' c'', bwör' d^d^, bwar' 
g^, bur' e^e-'e^". — Praes. Indic. 1. bwe P, bw§ a^w, bwp c^d^, 
bu e^ e^. 4. b9V9ix c^? bowo d^ d^. 5. bowe d^ d^. 6. bow9 d^. — 
Konjunkt. 2. b9wes' d^. — Part. m. hv (ist Grundform) ; bi d^ ; 
Part. f. br-s' a^-* d^ d^ d-i d22 e2, bis' c2d^ bis' d\ fem. bt-' f^, bi' 
e^ ; b9vow' d^ ; blt' hörte C. Tliis in Gross Moyeuvre westlich von 
Metz. 

Choir. Inf. soer d*, §(pr c^, §oer a^ d'' d^ y, t§oer d'^ f^, s§r w, 
§er c^c*d^d^S t§§r e^e^°f^, t§er d^°, ^ar c^d^^e^. — Praes. Indic. 
1. §oe a^d^, §i d^^, t§9 e^, §ye d^; 2. s^oe d^; 4. §§yä a^, ^ey9 d^ ; 
5. §eye d^; 6. §^n' a^. — Imperf. §?yoe a^. — Part. m. ^öe d^d^ 
di2(i2i, f. ^cßt' d^d^iw, t§oet' d^e^f^ f^ (in f^ auch t^oez'); m. t^oe' e^, 
f. t^oeV e^e^; m. §e c*d^, §9 e\ f. set' d^d^, se't' c^, §9't e\ 

Clore. Inf. cyor' d^^, tyor' (o. — Praes. Indic. 1. tyo, 4. tyo- 
11911, u). — Fut. 6. tyoro f^. 

Connaitre. Inf. c'n9/' d^ d^ d^^ co, c'no;^' c*, c'na^i e^, c'nas' 
e^^, C9na§' a^. — Praes. Indic. 1. c'n9 c*d^, c'no d^i//, C9na a^, 
c'nä d^, c'no d^^; 4. c'n9/9 d^d^^. — Konj. 2. c^no/^/' c^. — Part. 
Praet. c'n9/v d*, c'nö/i c*, f. c'n9/ow' und c'n9/ey' d^. 

Croire. Inf. crär' c^d^^, crör' b'^, crer' d^d^d^^w, cr^r' e^. — 
Praes. Indic. 1. cra d^d'^d^^i/^o^, in d^d^^ auch cre (nach dem 
Infin.), cr9 e^; 4. cr^yä a^ ; 5. creye d^^ ; 6. crey9 d'^. — Fut. 
1. crare d^. — Part, cre d^e^^ cra d^-, crv f. 

CroUre. Infinit, cra/' d^ f^ (o, cras' a^ e^*^, cra^i e^, cra/i d^. — 
Praes. Indic. 1. cra a^e^w, cra/9 f^ — Part. m. cra/f d'^, cra;^i 
d^, cr9/i c^, cra§i a^. 

Cuire. Inf. coer' d^e^f^, cer' c*e^, cw' a}, t/oer' b^, ty(pr' 
g^ — Praes. Indic. 1. cqfh^ f^ — Part. Praet. m, t/ö6 b^, 09' e^, 
f. coe't' e«, coet' c^pi, c9't' e^, cet' d^ 

Devoir. Inf. doer' a^. — Praes. Indic. 1. da c^c^c^d^. 4. d§v9ii, 
c\ dw9ii c^; 1. dra d^d^. 3. dra d^^. 4. dwo d^, drin d^, 1—3. 
dray', dro, dro d^^e^, 4 — 6. dran', dran', dran' e^, drsn' d^^ Die 
r-Formen sind eigentlich Konditionalformen, die Praesensbedeutung 
angenommen haben. Dieser Wandel ist acht volksthümlich, wie das 
häufige s'ra {sanrais, ich kann, in negativen Sätzen) zeigt. — Imperf. 
1. dway' e^, dwe d^. — Part, d'w a^ 

526 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 99 

Dire. Inf. dir' a\ der^ d^. — Praes. Indik. 1. di d^, d'li? 
f\ — Imperf. 1. d'lie d^, d'jce a\ — Konjunkt. 2. delies' d^. 

Bormir. Inf. dr^mi a^c'^d-^f^ d^rmi d-, dermi d^, dr^mi 
c^. — Praes. Indic. 1. do d'd^, do" d^, drcpm' a^d^^e^, drem' c^ 
c*, 4. d^mipi], d''. — Imperat. 5. dr^mi f^ 

Envoyer. Inf. ^vuyi d'd'^e^, Tvuyi c-. — Praes. Indic. 1. Qvuy' 
d^d''d^-e'^. Tvüy' c-. — Fut. 1. ^vwire d^. 4. JQVuy^ra, d'-. 

Eteindrc. 'inf. /t§d' d=^ d"*, ;rt?nd' d^, /ßd' f\ tid f^, tTiid' c-, stTd' 
e\ /t^n' d^d**, — Praes. Indic. 1. /ß d^", tii], c^; 4. ;^t^d9 d^. — 
Part. Praet. /t^du, f. /t^dow" d^*^, t^di' c^. 

Etre. Inf. et' a^c^d^d^e-fS ei:' e^. — Praes. Indic. 1. soe 
Ji2jji7(i23e4fif2f4f5g3g4f^^ sce' B^, SV a^ g^ g^, se' e^eiö, s§' e\ se 
e^y. Die folgende Form von 1. ist nach 2. 3. analogisch gebildet : 
a d^— d'^d'^d^, 9 b^ c- c* c** 1// (si b'^ scheint französirt). 2. t'aa^b'c^ 
d*fS t'9 f2f*c2c^ 3. a aHM^d^d^fi, 9 c^c-^f^f^^ 4. ata aS 59 
d^d*f^ S911 c*. 5. V9Z a d^— dM^d«, ät' c*fS atoe a^ 6. so a^ 
c*d'f^, so d^d*. — Imperf. 1 — 3. j'er, t'er il y er. 4. j'in. 5. V9 
lyln (auch lyatin). 6. 11 y in (yatin) d'^ (daneben 1. ator' underor'); 
1. ator, 4. atln c*; 1—3. etor, 4—6. etinor c^; 1—3. atoe, 4—6. 
atiii a^; 3. ta, 6. tet' f^;_l. dj'ir, 4. 6. dj'in e^. — Perfektum. 
1—3. fQ?, 4—5. f(pt', 6. f(prt f^ — Konjunkt. 2s. so e^, sa dM^ 
sey' b^ et^;^' c^, se/' c*, soe a^ föes' d^^ ; 3. sa d^ ; 4. sii], a^ ; 
5. s?/' b'^, s§yi a^ ; 6. s^yi a\ f(pst f^ — Part. Praet. stf d^- d-" 
d2ie2eSeio, sti e^ qtv n^ d'K etv a.^dU\^ d^d-^, §ti c^cM^d^, eti 
d^, tf d-^e^fM^f^ ti c^c^. 

Faire. Inf. f?r d^eH^e''', f^r' d^d^d^d^e^, f^r' d^^, far' d^^ 
fif5g2_ _ pj-aes. Indic. 1. fe e^, f§ c*, f^ e*e^ f^ d^d^i, f^y^ 
fS 2. fa i\ 3. fa b«d^2eifig2. i_3^ f^ a^w. 4. f^ya a^ f?y9 
f ^ w. 5. f^yoe a^ f^yi f^o;. 6. fo a^f^ f^y9 d^d^^e^w. — Imper. 
5. f§y§ d^d^d^^, §n f^y^m' s'l§ (thut das nicht) c^. — Imperfekt. 
1. feyay' e^, f^yey' d^; 3. fäyey' w; 1—3. f^yoe, 4— 6. f^yiix a^ — 
Fut. 1 — 3. fra. fre, f r^, fra, f'roe, f'ro a^ — Kondition. 1. f^ray' 
e^. — Konjunkt. 2. f^y^s' d^d'^d-'e^, f^y?/' c^c^, fey^s' 10, feyes' 
f^; 4. 5. f?yii],s' f^w; 6. f§yii],s' w, f^yest' f^ — Part. Praes. f^ya 
a^ — Part. Praeter. f§ d^e», f^ b-5d'd2\ fa f m. 

Fälloir. Futur. 3. fare d^e^, for^ a^ 

Ftnr. Inf. fui e^, fuji d^, fi;r' (fuire, Lyon. Yzop. 691) g^g^. — 
Praes. Indic. 1. dj<? m' füy' e^, je m' fuv' d*, füy' d^ d^ i 4. 5. fuy9, 
fuy^ d^; 2. fi- g^; 4. fyi g^. — Part, fr g-. 

Gesir. Inf. jer' d^, ejer' (adjacere) d^^. — Praes. Indic. je m' 
§je; 4. je'h9; 5. jelie d^. — Part. §jr d^, j'm'a ?je d^^. 

Lire. Inf. 1er' d^ d^ d^- d-' e^ f^ (o, le'r' e^. — Praes. Indic. 

1. le w, le1i§ fi; 2. le f^; 4. I§li9 d«, l"h9 d^, l"ho f ^ ; 6. le/t f^ — 

Imperf. 1. l^tey' i\ 4. l^Wii, d^ — Gerund, leliä f^. — Part. Praet. 

m. le' d^d^-, 1^' eS le d^, fem. (selten) ley' e^, le/' d^, leliow' 

d^^ — Kompositum /1er' (afrz. eslire), 1. je /le d'"^. 

7* 
527 ' 



100 A. Horning. 

Meitrc. Inf. mät', niQt' s. 58. — Praes. Indic. 1 — 3. mä d^. — 
Part. Praet. raate d- d^. 

Mourir, Inf. moeri f^g^w, muri d^d^^. — Praes. Ind. 1. mv 
g7g8giOg2^ möer g^, mt&r a^, moer^ f\ mwQr e^, mür c'^d'^d-^. 
4. moerg e**^, murp d^, mrera a\ mero g^, mvYQ e^. — Part. m. 
mwo d'^d^e^. 

Ouir. Inf. uye c"fS oyi d*, zwayi c*. — Praes. Indic. 1. uy' 
c-, oy' d^d^^ zwoy' C*, -i. oya d^-. — Part. Praet. uye f^ zwäyi c^ 

Ounir. Inf. (neu gebildet nach dem Particip. deopertus) : 
div\(^v d^ d^, d^vyer d^, devyer c^, dfvy^r c'', d^vyer e^, d^vy^r 
e^, devyar d"*, d^vyar d^^ — d-^, dewer e\ d'wer e^, d'war e-^, d?var 
>', d^ver a^ — dr^vi (deoperire) f\ vgl. cr^vi (cooperire) — evri 
g^ — Praes. Indic. 1. d^vye, 4. d^vyejp e^, 1. d^vya, 4. d^vyalip 
d^^, d^vyeyo d^^, 1 — 3. d§vye, 4. 6. d^vyer^, 5. d^vyere d^, 1 — 3. 
dove, 4 — 6. doveya, doveyoe, doven' a}, 1. d'we e^. — Futur. 
1. d§vyere d^, 4. devyarp d^. — Imper. oevr' g^. — Part. Praet- 
m. d^vye d^, d^vye e'^, d^vy? e^e^*^, devya d^, d'w§ e^, dpve 
a^; f. d^vyet' e^ d^vy^t' e^e'', devyet' c\ d§vyeV c^, d^vyat' d^^ 
d^^, d§- und divyet' c'^, d'wet' e-, dowet' e^, d'wät' e-^; divyes' d^ 
d^ d^, dgvyes' d^, d9ves' a^ — f. evri' g^ g^ ; f. plur. drevi' P (vgl. 
cr^vi fem. sing. f^). 

Perdre. Infin. py^t' c^, pyet' c^ pyad' d^d-^ pwed' eK — 
Praes. Indic. 1. py§ c^, pya d^d^^d^\ 4. pedoix c-, p^d^ d^, p^dä 
d^^. — Kondit. 2. pedro, 3. pedrä f^. — Part. Praet. f. p^dow' 
d^i, p^duy' e*. 

Plaindre (se). Inf. pyäd' d^S se pyädr' f^, pyäd' e^ (o, pyit' a^ 
b^, pyäz' d^d*, pyaz' d^, pyas' cS s§ pyls' c^. — Praes. Indic. 
1. pycä d^d^d-S pyT c^, 2. pya d^ 4. pyäiizoii c\ pyTz9ix c^, 
pylda a^ 5. pyaze d^, pyidoe a^, 6. pyazp d^. — Konj. 2. pyäzes' 
d^, pyTze;^' c^, pyäze;:' c^ pyädes' f^. — Futur, e s'pyädre f'^. — 
Partie. Praet. je m'e pyäix c\ qV s'e pyädi" d^S pyidt' a^ P. m. 
pyä d^. 

Piaire. Inf. py§r' d^e*, pycär' a^c^d^^e^. — Praes. Ind. 1. py^ 
d^, pya d^^, 1—3. pya c^, 4. py^lig d^, 4. 6. py^lio, 5. py^lie c**. — 
Part. Praet. pyä a\ d^pya f^ 

Pleuvoir. Inf. pyoer' c^, pyür' c^ c^, pyui e^ e^°, pyowi d^S 
pygwi d^, pyuv' e*. — Praes. Ind. 3. i pyu e^, i pyü d\ i py(^ a^, 
§ pyoe f^, a pj'oe g^, § pi e^, i pygw' d^^ i pyow' d^ d^^ d^^, daneben 
^yv d^. — Fat. i pyur^ e^'*. 

Poiwoir. Inf. ploer' a^ (nach v'loer), p^yi d^. — Praes. Indic. 
4. pyoe f^ 1 — 3. pyq? a} co, pv d'^d^'^d^^e^, 1. pye c^ pi d^e\ 
1. p^yp d^d^d^*^d^2, 5. p^yi d^°, peye d^ 6. peyg d^^. — Imperf. 
6. pwayet' fK 

Prendre. Inf. par' d^d^f^w, por' e^, Kompos. ^por' (apprendre) 
e^ Qpjlr' f^ copor' e^ copär' fS ?/p9r' (afrz. esprendre, vom Feuer) d^. — 

528 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 101 

Praes. Indic. 1. prg, ^prp, coprp d^, 4. p^rn? d®. — Imper. prp e^. — 
Perf. 3. p^rne f^ — Fut. 6. päro f^ 

Qiierir. Infin. cw^ri c*rp, cw^r' rp (in der Verbindung v? t'i 
cw^r'). cwer' c^, cware d*^. 

Becevoir. Inf. r'str' e^, r'soer' a^ — Praes. Indic. 1. r^sf e^, 
j'^rsi d^, 4. r^s'vp e^. — Imperf. 1. j'^rsive d^. 

Savoir. Infin. sawer b^, savwe f^, saw^ a\ sävu eS sawu e^, 
savu d^^e^e^, sau d'^. sawör c-c^d^ sawgr c*. — Praes. Ind. 1 — 3. 
s^ e^f\ se d'^, 4 — 6. s^v^, s^vi, s^vo d^, savwo. savwi. se't' f^ — 
Kondit. 1. s?ro b^, s^rcß f^, s'rä d^d*^. — Konjunkt. 2. s^v^s' d^^, 
s^ves' d^. — Part. Praet. s§vr a^ sevi c*d^. 

Souffrir. Inf. sefri f^, sufri c^ — Part. Praet. sefri f\ 
sufri c^. 

Suiwe. Inf. ser' c'^c^d^d^d'^d^-d^^ w, seV e^; /it' a-a^, %vr:' 
a\ /oer' b*, /$r' b^. — Praes. Indic. 1. se d^, se' d^e^, /oe' b*, 
4. sewo d^. — Imperf. 1. sevwe d^. — Imper. 2. /ce b*, 5. §n I9 
sev^m^ c^ (folget ihm nicht). — Part. Praet. se c^d'^d'^d^^, se' e^. 

Tenir vgl. venir. 

Tisser. Inf. te/' e^ te/e f\ 

Traire. Part. fem. tr§t' e^d^^, tr^s' d^, tras' a^ 

Venir. Inf. v'ni g^. — Praes. Indic. 1. vi d^, 2. viix d^d^, 
3. vi d-^ vyTc^, 1. 2. vTy d^-, 1. v'ne f^ (ähnlich t'ne = teneo). — 
Imperat. 2. vy^ f^ vyT e'^, vi d-^ vT g^ 5. ven^ d\ Für die 2. 
Sing, braucht man in mehreren Orten v'nä in Verbindung mit tpsi 
(hierher; vgl. das französische ga venons ici), v'nä t9si d''. v'nä tösi 
1/.', v'nä tQs' c^c^. Bei einer an zwei Personen gerichteten Auf- 
forderung hörte ich das mir unverständliche : vito (war videre) c'^, 
venez (voir), vito tg le düs c^, venes tous les deux. — Konjunkt. 
2. vene/' c^, v^n^s' d*. — Fut. 1. väre d^^e^, 2. väre d^, 1 — 8. 
väre c^d^d^, 1. vyira a^. — Part. Praet. v'nr d^^'d^', m'nr d*, v'ni 
c^d« (vgl. t'ni d^). v'nii| a^ (vgl. t'nii], a^). 

Väir. Part. m. ^rvi/ti d^, r'vi/ti d*^, P. f. d§fti c''. 

Vivre. Inf. fei a\ vif er, vivr' g*, v'c§ co. — Praes. Indic. 
1 — 3. vic', 4. 6. v'cp, 5. v'ci w; 1. v'c§, 2. 3. vec', 4—6. v'cp, 
v'ci, vect' f^ ; 1. v^c', 4 — 6. v^cä, f'coe, v§c' a^; 1. vi c^. — Part. 
Praet. vice (ja) d^d^^, vic§ e^ 

^21 (j23^ vwer w. var c^ 
aes. Indic. 1. u d^d^d^, 
w, 4. v^yo d^ — d*, veye 
d^. — Imperf 3s. waj-i f^. — Part, m, vi, f. veyey' d^. 

VonJoir. Inf v"li d^, v'lwr a^ — Praes. Indic. 1. vy(p a\ vye 
c^ vy? c*, vr b4d*di2(i2ie8ei0g2^ ^^ d^d^e^ 1—3. j? yoe, te 
yoe, e yoe w; 1. i yoe f\ i n'yoe mi f^, 4. 5. v'lg, v'li wf^, 6. v'lo 
w, yoert' f^ 4. veloix f^, v'lo d^. — Fut. 3. vure d^. 



529 





Voir. Inf v^r d^ d^ d'^ e^ e^°, wer c 


d^ 


war c*c^d^^, wor e\ voer a^ — Pr 


vu 


e^e^'^d*, wo d'^, wo d^^, w§ a^c'', vw? 



102 A. Horning. 



215. SYNTAKTISCHES. 

1. Das Adjektiv steht in der Regel vor dem Substantiv : d? 
nar', d? jän' pwo/; ^n di/ vey' d^; i nar' .'^§pe d*; d§ fra;^' aw' a^ 
d^ d* ; ii\ cri ab' (ein hohler Baum) e^ ; ii[ nv ^bi d'^ e**, Qn' nv\' rob', 
dl,' cru' t§ä e^ ; iii nye §bi c^ ; d? tär' §a (zartes Fleisch) d^ ; i mwär' 
§wa (ein böses Pferd), dp nar' s§pii|, dp /pa l^se (geronnene Milch), 
§n' sav^j' cwor' (Ulme) d^ ; noer' p^n' (Schlehdorn) a^ ; i säv^j' pwo 
(Eber) d'^ d'^, sovydj' p9§e' e^", do cy^^ (clarus) läse (petit lait) s} ; 
1§ drat' ml d'^ ; \q bya§' mä, Ip nor' mä (weisse und schwarze See) 
d^^. — Die Stellung des Participiums entspricht gewöhnlich der 
francischen; doch heisst ein IJerg in der Kähe von d^ 1q palay' tet' 
(Kahlkopf). — Ob Beeinflussung durch das Deutsche anzunehmen ist, 
lässt sich erst entscheiden, wenn zuverlässige Nachrichten über den 
Sprachgebrauch der Mittel- und Westfranzösischen Dialekte vorliegen. 

2. Dem Verbum folgt oft ein Adverbium, welches bloss einen 
Begriff schärfer betont, der in dem Yerbum selbst schon liegt : ^?si 
fyoe (herausjagen) d^d^°. s^si fye d^, ts^si fyöe d'^; /topp fyoe (aus- 
spucken) d'^; n'alp bp (heruntergehen), tiri bp (herabziehen, von der 
Wäsche) d^^ ; über spr djr (sich niedersetzen) s. 214 v. asseoir, über 
oesifyoe (exire foris) das Gloss. — Etwas anders aufzufassen sind : 
tiri fyöe (herausziehen) d^^ ; säte fyöe herausgehen c^ e^*^, sota fyoe f^ ; 
/ti pvwey' (in viam) wegwerfen d^. 

Die Erscheinung ist gemeinromanisch, wie it. cacciar fuori lehrt ; 
doch ist deshalb eine Beeinflussung durch das Deutsche in bestimmten 
Fällen nicht ausgeschlossen. Sicherheit kann nur eine sorgfältige 
Vergleichung des Sprachgebrauchs aller älteren und neueren Dialekte 
geben (vgl. in Moliere's Avare II, 1 chasscr deJiors). 

3. Das Participium der Reflexivverben wird mit avoir kon- 
struirt : pl' s'e pyä (sie hat sich beklagt), pl' s'e nayi (sie hat sich 
ertränkt) d^. 

4. Die Umschreibung des Praesens von possum durch den 
Konditionalis von s apere ist acht volksthümlich : je n' s'ra mi lo 
crpr' d*d^, o n' s'ra ri vpr d^, i n' s'roe patsi (ich kann nicht ver- 
reisen) g". 

5. Das Participium von c ädere wird mit avoir und mit etre 
konstruirt, um die Momente des Fallens und des Gefallenseins zu 
bezeichnen : i a t§oe (j'ai tombe), i soe t§a {je suis tombe) f^; Ip 
fpm' e ^e (a tombe) d^, e soe d^, a set' (est tomhee) d^. 

6. In g^ wird (wie auch im Jura) das Partie, praet. von avoir 
statt des Part, praet. von äre gebraucht : Ip sop' a avi' midji' (die 
Suppe ist gegessen worden). 

7. Die Frage wird meist durch Umschreibung mit Hülfe eines 
Relativums gebildet : was' c' ta (wo bist du V) d-, dewas' ce te deviii, 
(woher kommst du?) d^; dwasce devi d^ ; cwä ce t' väre e^, cä ce 

530 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 103 

t' väre (wann wirst du kommen?) d'^e-, ^ ce c^ t' saj' d^^ (woran 
denkst du'?). 

8. ;^apa (cclmpper) hat faktitive Bedeutung (laisser e'chapper) in 
(0 : te ve l'/apa. 

9. pra (bereit) wird häufig mit der Praeposition pö (pour) 
konstruirt : pra pö n'al^ c^d^e^, pra pu n'ale d'', mit q ö.^. 

10. Statt des francischen s'en aller sagt man n'al§ d^d^e^, 
n'ol^ c^, n'ala w; Praes. qV o (eii) ve, 9 n'ale (Perfekt), ez 9 
r'nalo (ils (s)'en allerent f^ 

11. Der Gebrauch der doppelten Präposition pu fär' q cwpr' 
laz ur' {pour faire conrir les heures) V- ist aus dem Altfranzösischen 
bekannt. 



531 



GLOSSAE. 



Man findet hier nicht alle in der Abhandlung vorkommenden Wörter wieder, 

sondern nur seltenere und wichtigere, zumal solche, die in der Lautlehre 

keine Verwendung finden konnten : eine Anzahl derselben habe ich Zeitschr. 

IX 497 besprochen. — y folgt auf h, § auf s. 



aclii| Tischgesellschaft, ce ac- 
lii^! a^ 

a^o m. Saum eines Kleides a^ 

ajy§l' f. Eidechse e^^. 

aliudoe heute d^^, alioedce d^. 

aläd" f. Schwalbe d^^fi^, 
pläd' e^ 

AlmT das Elsass f\ 

al^hay' f. Eidechse c*. 

ätijät' f. Hahn (am Fass) d^, 
o^at' d^, a§' f. a\ os' c*'; in d'^ 
das elsäss. rib^rle. 

jld^rvye m. Blindschleiche d^ 
d^ abr^vya d^*^, äv^rya d^^, 
äixg?rvy§ e^^ 

ähal' f. Eidechse, in Poutay 
bei d^ 

änar' (tot) vollständig (von 
einer Versammlung) d^; tpt' §när 
(von einem Brot) c^. 

ane m. Erle d^, one w, one' e^". 

äp'ni m. Himbeerstrauch d'' d^, 
äbri e^. 

äves' (§ r) li Venvers a}. 

ävöe m. Blindschleiche f^ P. 

ar' Luft a^ d^ (o ; weibliches 



Genus (l'ar a bwyn'. frad') habe 
ich festgestellt für ar' dM^d^d^\ 
§r' d^^ e^^ ; ar' di jo Morgenröthe w. 

arm?r' armoire d^. 

arholat' f. Eidechse d^^. 

arm^r f. Klinge f^ orm^l' o, 
^Vm^V e^ 

art§i^ eggen, s. ort§i. 

avyo m. Obstkern d--, avyä 
d^^; avyo d'r^t^' d^^, avyg d'röt§' 
d"^ Salamander. 



bas? schlagen, Part. ba§^ to- 
que (irrsinnig) a\ 

bac' Schnabel d^ d^. 

bace f, bacey' gebückt d^ d^ 
(von bücken?), 

bac^s^ hinken, 3s. bac^s\ auch 
bacot§ d^. 

bac9 m. Speck e^e^'*. 

bäd^rvy^ m. Blindschleiche d^, 
bäd^rvya d^ ; s. äd^rvye. 

barje' m. Fässchen (Wein) e^''. 

bas' Mädchen e'^e^'^, basel' a^ 
c*c^, b^sel' a^, b§§ot' g^. 



532 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 105 



basye graben (bcchcr), bas' f. 
(heche) (o. 

bretye bauen P. 

batu Scheune (o. 

bäw9t' f. ganz kleine Mücke, 
bwat' e^°. 

b§ la lä has d'd^e^*^, b? t9la 
d^, hqx 1^ d^ 

b?y?s' Mädchen d^ dM^ d^^ e^ 
bwpy^s' f^. 

b^yi geben (hailler) d^^ 

benyä (afrz. hienveignant) e^° ; 
• — sii], V9 bromp t^i np (^ hien- 
venu soyez-vous teauconp cliez nous. 

bsr' f. Zaun eines Obstgartens 
(harre) g*. 

b^rä m. Widder a^ 

b^rye zerbrechen P. 

b^rye kämpfen (von Ziegen- 
böcken) f^ 

b^rji' f. (hrise'e) gebrochene 
Bahn, z. B. durch Schnee e^°. 

b^rliöe m. ausgerodete Stelle 
d'^ w, auch br^lice (o. 

B§r/in' f. die Breusch, Bach 
im Steinthal d^. 

b^rner Hitzblitz e^" (dtsch. 
Brenner '?). 

bert§9 m. Brunnenröhre e^^, 
b^rt^ät' f. männliches Glied (ob 
hraqueüe?). 

b^s' f. Thal P<o. 

b^s' f. Melkkübel mit Ein- 
schnitt auf jeder Seite e^*^. 

b^sät' Adj. f. niedrig (vom 
Zimmer) d^^e^*^. 

b^§ m. Trog (hac) o, Becken 
{hassin) ip, mota d' b§t§' Brunnen- 
stock e^°. 

b^toer' f. Schlägel des Dresch- 
flegels d^. 

b^toej' Buttermilch i//. 

byäsi verwunden d'* d^°. 

bic' f. Hacke mit zwei Zinken 
d'-*, bicl§ ein Kartoffelfeld jäten, 
biclät' Jäthaue d^. 



biscpp Kuhname (elsäss. "Wiss- 
kopf) e^". 

bye Wiege (afrz. hers) d^d^ 
d'^. by« d^, bi/ a'^; Vb. byoe;ji 
d^ d*^. bye/i d^ d^, h\/jv^ a^. 

byd't^a m. Block d'^, bycE^a 
d^ d^ 

blac' f. Schweinsblase c*. 

blöd' f. hlonse d^. 

blys' Pflaume d^ blose V Birn- 
baum. 

blos' f. Schweinsblase b''. 

b'ney' (da) gelegentlich (par 
moments) P. 

bö m. Kröte d^d^^e^°, böc ip. 

bö m. erste, ungeniessbare 
Milch der Kuh, die geworfen hat 
1/^, ba e^", afrz. het Roman. 8, 
452, neufrz. heton; e ist also ge- 
schlossen. Adam hat hoc. 

böblä m. Kobold (wörtlich 
Schwätzer) e-* (V elsäss. bable = 
schwatzen). 

bobi Interject. des Erstaunens ; 
ma bobi s'? fo dir' tprtp P „doch 
der Tausend, soll ich alles sagen". 

bpc Bock d^ d^. 

boc§ m. von einer Blume c*. 

bpcyp Holzhauer d'*, bocyo c^, 
bQCypii c^ 

b9/a m. Buche d^d^, b9;^o e^, 
bu;^9 d^^, b9|9 e^''. 

bolaM m. (hon loisir) ein 
Faulpelz e^, bolaji e^^, dje bo 
laji ich habe Müsse e^*^. 

bolät' f. Birke d^ 

bos' e^ und b9s' de mu/at' f^ 
Bienenkorb, bos^l' d^^ Korb mit 
Henkel. 

b9§te' m. Korb (am Arm ge- 
tragen) e^°, hoste' d^^. 

b9"sti hinken e^^. 

bot^na Plur. Knospen g". 

bu^a m. Haufe (z. B. Steine) 
d^ d- d^^ ; bu§a Ziegenbock e^ f^ <o, 
but^ö f'"^; bocat' Ziege a"^, b9cat'b^b'^. 



533 



106 



A. Horning. 



budät' f. Kabel d^; cfr. hou- 
dine Baud. de Cond6 II 457. 

budu m, Lügner d^, b9du e^ e^", 
bpd' f. Lüge {bourde) e-e^°, Inf. 
bpd? e^*^, 

bulo m. giftige Pilzart e^" ; 
vgl. horlot Haillant II 31. 

bunö m. Mütze ip. buna d^. 

buri m. Ente d^ borät" d'^, 

buric" f. Esel d^e^°f^ (nirgends 
asinus). 

busi stossen (2}ousscr) d^ d^ 
d'^ — d'^d^^d-^e^. busye ci. busy§ 
a}. Is. bus' rp. 

butrey' f. Besteck (('tid) für 
den Schleifstein der Sense d^*', 
bu/tri f. d'*. bceti m. e^'^. 

bräc' f. Hanfbrache a^b'^w. 

bray' nqV (reveni) revenir les 
hraies ')iettes c'^. 

braypt' f. Hosenschlitz e^''. 

bralii umarmen d^. 

bramai], d^, bramo d^ viel; — 
cra/i d^ stark gewachsen. 

bras' (di c'ma tyar^) Kartoffel- 
staude d^d^. 

brat' (da) Schnittlauch f^ 

br§ (d'n;') Radspeichen d^ (ob 
bras?). 

bre Buchs e^, bi co. 

breb^l' Heidelbeere d^d^, br§- 
b?r e^^, br^b'li e^^ die Staude. 

br§r' weinen d^ d^, brar' f^ (o. 

br^s^r Scheren des Wagens 
(hrancard) d^ (ob von bras?). 

brilii' m. Instrument zum Bre- 
chen der Hanf Stengel a^. 

brö m. kleiner, zweiräderiger 
Karren zum Mistführen d*. 

brob' Kot a^. 

brocät' f. käseartige Stücke 
der Molken e^" (dtsch. Brocken?) 

bröe/' 3s. er brüllt (vom Stier, 
von einem Menschen, der tobt) d^. 

brot' f. Kot c-, brut' c^. brod' 
d^ bröd' d^M^s. 



brov^ brav f^ 

b'ze' m. Erbse, s. 181. 

br-^ f. Wäsche g^. 

brli^n' 3s. er langweilt sich f^ 

btlio Hühnerhabicht (o. 

hvf fem. Butter f" o , bq^r' 
aMS her' d^ 

bwal' 3s. brüllt (von der Kuh), 
4, bwal9:| wir schreien d^, Inf. 
bwale. 1. bwäP d^; 3, bw^l' (vom 
Hund) e^ö. 

bwob' Knabe (dtsch. Bube) 
d^ fi OK bub' e^ f^ gK bueb' g^ 

bw^n' f9m' f. Hebamme f^ 

bwön' blind d-^. 

Cfebr' de m^y Maikäfer d^. 

cabri m. junge Ziege e^*^. 

cabul^ umwerfen e*. ci'bul^ a^ 

cäy' f. Stück (z. B. Brot) b*' 
d^d^^eSeio. 

caloes^ f. Baumstumpf (souche) 
CO, calffit.^' gespaltener Stamm e^**. 

camada etwas durch Klagen 
zu erlangen suchen f^ 

cäp' f. der lederne Besatz am 
oberen Ende des Dreschflegels d^. 

caram^nj'ä Kesselflicker a\ 
zusammengesetzt aus cara(?) und 
magnie, s. Zeitschr. IX 510. 

caz'mat' f. Tisch zur Käse- 
bereitung e^'^. 

c^riol' f. Natter i^. 

c^rme m. crcmaülere d'^. 

c^rsa m. Haken, zum Entfernen 
der dürren Zweige der Bäume d^. 

c^rsät' f. kleiner Hühner- 
habicht e^'* (vgl. frz. crecerelle). 

cerso m. Kresse d^. 

c^s' f. Kessel e', c^spt' (cas- 
serole) d'^d^d^, c^sat^ e^. 

cevye/' m. Deckel d^ d^, vgl. 
173. 

ci m. Linde d- d^. 

cyä m. Linde d'^d^, cyp d^^, 
cyö f*, tyo e^, cyr d^. 



534 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 107 



cyTs' Hahn (am Fass) ip, cye|' 
d' (frz. clcnche). 

cyöe/ Herz. s. 78. 

cli^se m. Deckel a^ 

c'mä m. Apfel d-— d*d^d^^, 
c'nia tyar' Kartoffel d-d^; c'mät' 
f. e^e^y 

CO Hahn g-, von A — F ist 
gallus allein üblich. 

cocät' gusseiserne Pfanne a^ d''. 

coeät' f. Tannzapfen d'^, cpcat' 
d*, cocot' d-^t/.'. Mit welcher 
Berechtigung übersetzt Jouve Koels 
S. 113 cacattc durch noisettc? 

cocye kitzeln t^', cAcvi d^, s. 
Zeitschr. IX 506. 

cce/', ci/', Baumast, Schenkel 
s. 83, cöesät' kleiner Zweig e^**. 

Cf)ya m. Ecke eines Zimmers 
s. 178, cenya, Vb. r'c^ny^ {rcn- 
coignier) a^ 

cöloe' ra. Milchsieb d'^e^*^, coli' 
a^, cole b^. 

cot^rfyöe m. Frühling c^d^d^ 
d^, cotrefye d\ 

cor m. Ofenröhre a^, C9r dp 
fune d^, cwo (d'fune) c^, cwo 
Brunnenröhre d^. 

cpray' f. (1§ — si Lina) Regen- 
bogen e^'*. 

cot' tosi (contra) hier in der 
Nähe c^ 

cozer' Nähterin d^. 

cpv'räs' couveuse a^ 

cu Wetzstein für die Sense a^. 

cuya d? lard Speckschwarte d^. 

cuyi f. Löffel b^b^c^c^c^d^ 
e^e'^e", cui d'^e^'*, cuyoe d^^, ct^ye 
f^, t/i b^, cy§ und c?y§ a^. 

cuyi pflücken d^, cui e^", cceye 
M, cwq?ye f^ 

cujey' f. Peitsche (afrz. cor- 
giee) d^d^d^d^, cudjey' d'^. 

ci^lm' f. essbare Pilzart e^". 

curil m. kleines Schwein d^, 
cprä a^. 



curyat' f. Riemen d^. 

cu59i[ Schwein b*^c*, cas' f, 
Sau (0 , cps' f^, cä.s' kastrirte 
Sau a^ 

cuz' nähen i/^ cos' d^, cuz'ros' 
Nähterin f^. 

cutsQ kurz g^ 

cutsi|?t' f. kleiner Gemüse- 
garten vor dem Haus d^''. 

cuvr' Kupfer f\ cur' e^^, 
cit' a}. 

crä m. Rabe c-. 

cra/n Knospe d'^. 

cravQs' f. Spalte c^d*^. 

craw^ klettern, Is. craw' c^ 
d^, Inf. crawi d^^. 

cr§vi bedecken f^. 

cr^'s' f. Spalte (auch obscöu) 
e^^ 

ert^g m. kurze, zweizinkige 
Hacke zum Ausgraben von Kar- 
toffeln d^d^^, cril'ts e^^ 

cromye herumirren (von Ge- 
spenstern) f^ 

crps' Stall c''. 

crpts' f. Wassereidechse (triton) 
f^, crats' schwarze Eidechse e". 

cr^' hohl e^", cri) d"^, cri d^ e^. 

cj' {h\ bya) Schwalbe d'^. 

ci'la ni. Bezeichnung des Irr- 
lichtes f^ 

ct/§?' Glockenthurm , Cf sät' 
Glöckchen e^, vgl. 80. 

cwAya Ecke d*, cw^yo d^^, 
s. cpya. 

cwar' f. Ecke (eines Zimmers) 
d^d^d^d^^d^^e«. 

cwaryoe schwatzen , Subst. 
cwaröy' Geschwätz c'^, in V gß" 
seilige Zusammenkunft am Tag im 
Gegensatz zur lur' ; dasselbe be- 
zeichnet in f^ cwor^dj'. 

cw^je' m. Kalbsmagen, bei der 
Käsezubereitung verwendet e^"; 
vgl. co^he Haillant II 38. 

cw§§i (cacher) bedecken c^d^ 



535 



108 



A. Horning. 



d^e^ r'cwftsi e^*^. cwati^e f ^ ; tg 
cwaf^i bedeckter Himmel w; cw§§' 
t^ versteck dich i//, cats' t^ g^. 

cwes' f. b'' dasselbe was brilif. 

cw^tsam. Deckel (von cw^tsi) e^. 

cw^tu eilig, dringend (afrz. 
coitier) f. 

cwo Weste (güet, corpus) e^°. 

cwor' f, (fn' sav^j') Ulme d^, 
cwpr' e^*^, cur' a^ 

cwpra schnell; s'fqä cwprä 
ta i\ 



da l'öe/ vor der Thür d^d^^ 
e*e^y, dan e/ e^ da i'oes f^, da 
le vor ihm, dii ce (arant qne) f^. 

davwa m. Blindschleiche g^ g*. 

dfc^z^ zerreissen (von einem 
Kleid, und zwar durch Riss, nicht 
durch Abnutzung) d'^, dec?z§ d'^ 
(Part. f. dec^zay') d^ ; c§z§ d- e^ 
e^e^**, caza ro. 

d?y' Gott, s. 33; bo dv e^ 
fet' dr e'^, f§t' dt' gK 

dedjoene Frühstück und Mit- 
tagsmahlzeit P. 

defi m. ein Gelüste : — nach 
Aepfeln defi d' c'mät' e^". 

dejin' f. (§n' b^n' dejin') ein 
Festmahl d^, d'jin' d^. 

de/rri zerreissen (durch Ab- 
nutzung), s. 11. 

d^ma f. Pflaume (ob Da- 
mas?) c^. 

dem'här Magd d'^, s. 63. 

dfr' (le gra — ) alte Bezeich- 
nung des Teufels f^ 

d§re d^ w, därce b-^ b^, der 
letzte, f. d^rer' d^, d^ye P, trg 
d§r^' zu spät e^. 

d^to mit; — d'^n' s^vey' avec 
une clieville f^ 

d^vyer öffnen, s. 214 ouvrir. 

deviij 2s. Praes. Indic. von 
einem Inf. *deveni ^ veni : de 



wasce te devii^ woher kommst 
du ? d^ d^ ; d? wpsce t' d^vyi c^. 

dgvo mit P ; dov^ twa mit dir 
g^, davo \v g*. 

d^vor^ zerreissen e^ (das afrz. 
"Wort bedeutet zerstören, vgl. Bau- 
douin de Conde I S. 383). 

diemodj' Sonntag f\ diem- 
W9dj' (i>. 

dina also (comme cela) w, 
dii\si, to dii|si tout ainsi (qne) f^. 

dila also d^d^, s'a dTla so 
ist's d^d'^d'-^g^ dil? yj. 

dJ9i (gaudere) können, Inf. u. 
Part, e^o 

d'le bei a^ (de latus). 

dra (t'e) du hast recht d^\ 

dra ha, dra jr oben, unten 
(wörtl. droit haut) d^. 

drape m. "Windel f^ 

dr^vi öffnen f^ 

d9 masc. Zahn w. da m. e^". 

doe ma Interject. eh hicn ! f^. 

doy' doppelt d^ e-. 

dom§/' zahm (von einem 
Thier) d^ ; cfr. domieste Geste de 
Liöges. 

donay' Sommer (o. 

dota fürchten w. 

dr/ in der Bedeut. sehr, heftig : 
i tu/' (hustet) dv/ ip'\ häufig ist 
il oy dv/ d^^, oy' di/ d^ er ist 
taub. 

dis m. Leber e^ e^^, im Gegen- 
satz dazu I9 mo" (mollis) die 
Lunge e^*^. 

d'veye der Herbst m. 

d'vete' Schürze d^, d'vete d^ 
d^, devote m. f^ 

d'voeda m. Haspel d'-^. 



^c' etwas, b^y' li §c' dp pi 
d'' gieb ihm etwas Brod. 

§cä auch (encore) m, und, § 
foe §ca ^ sä f^ ä feu et ä sang. 



536 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 109 



^cmosye anfangen f\ ^cmäsi 
e^°, ^cmpsi d^-d-^, Is. Qcmos' 
d^^; Ipl. Imper. gcm^sp d^. 

^cpta (s') sich stützen f^ ^cptoe 
Subst. Baumstütze d**. 

^de immer (afrz. ades) d^d^**. 

^d^ji (t'a) du bist zu spät ge- 
kommen d^. 

^dusye versüssen f^ 

efeji räuchern d^. 

^fwpy' f. (*adfocata) Heerd- 
feuer, 3s. Perf. gfwe es loderte 
auf fi. 

^g§s' Elster a\ 

§gya Eichel hörte ich nur in e^ 

§graw§s' Krebs e^^. 

§hätsi e^^, ehä§i co anfangen; 
Subst. ehä|' CO, §hot§' f^ ; 3s. im- 
perf. §hüt|i f^. Ob identisch mit 
dem Metzischen ähosoe' (so von 
C. This notirt in Thicourt) em- 
poigner ? 

§/avät' Strähne f\ /^vat' 
d^d^^. 

5/§i (essayer), von einer Speise, 
kosten d^d^. 

^/eyädjv^ s. 214 v. asseoir. 

^/(^ d'^, §§a e^° gestern; ^/a, 
Ip sa gestern Abend d^. 

§/9de betäuben d^. 

§;^9nye eifrig, geschäftig sein f^ 

^/pwarca etre plante lä a re- 
garder d'un air hebete V-. 

el^dje Eidechse g^g*. 

§loey' f. Hausflur e^ ; vgl. 
aleoir Aucass. u. Nicol. 

?lobr' f. d*fi Schatten, ?lob' e^. 

encje' heute e^*^, §noe f\ §ne' e^. 

§noey' f. Wolke f^, §noel' f^ 

§p^m' f. Himbeere d^. 

§r"hi le bet' den Thieren Streu 
geben (ob arranger?) d*. 

^rital' f. Spinngewebe d'', §ra- 
toer a\ ^vpt^r f^ (auch bei Thiriat 
S. 427) ; ?l?t'le (ob fle = *telaris ?) 
masc. e^*^. In d^^ bezeichnet ^r§- 



tal', in V-' ^ntal' die Spinne selbst; 
daher tal' d'^rTtal' ip. 

grlgdj' Uhr f''. 

grpzyt' f. kleine Giesskanne b^. 

§rpc/' f. Fläche von 10 Ar 
d^ ; ?rpyey' f. Breite einer Egge a^. 

frpuyi eggen, s. 207 1*. 

(,n-sin^, s. 54. 

^ru heftig (von einem Ge- 
räusch) f^. 

§s^n' = insimul, s. 175. 

^sway' f. eine Remise, fui 
§§way' se mettre ä Vahri e^^. 

§§t' (ätre) Feuerheerd e^. 

§tt1io frz. artison, larve de la 
teigne f ^ ; auch bei Thiriat S. 416 
teignes et autres insectes qui ron- 
gent les etoffes. 

etsir' f. Leiter g^. 

etse eggen f^ e^i <o, e§' Egge 
f-^ 0) ; Inf. ortsi g^ g^, artsi^ g^ ; 
Is. hprts' g^ ; Subst. f. i§§^ g^, 
I§' g^g^. Inf. hirpy§, Subst. 
hirp' a^. Vgl. lyöe/'. 

§vri ahri, dj^ se' §n §vri e^*^. 

^valoer' f. der hintere Theil 
des Pferdegeschirres d^. 



fade' m. Last, Bündel e^^; 
f§de m. Büschel gerösteten Hanfs (o. 

fäl' f. eine Falle e^. 

fal^yer' f. Farnkraut d^ fp- 
l§yöer' ip, faler' o) foughre aquatique 
(Pteris aquilina). 

fay' Fee o, foy' f^ ; dasselbe 
Wort bezeichnet das harzige Holz 
in (0. 

fav'tÖ m. Hülse von Bohnen, 
Erbsen e^*^. 

faw' Buche a^. 

fe m. Mist e^^, fi d^ s. 34. 

f^yat' dünnes Bret (ob feuü- 
lette?) a^ 

fejer' f. Rauch d^d^d^d^^, 
fedjer' d^ ftjer' d^ d' i//, f^djöer' d^ 



537 



110 



A. Homing. 



f^yin' f. Buchecker d^, s. 23. 

i^X&i' f. Wickelzeug, Windeln 
d^, f?;:Qt' d'^e^ (lat. fascia). 

f?/tii|m. Festessen c*, f^stii|,a^ 

f^l'räs' Spinnerin a\ 

f^n' f, eiserne Gabel, um Heu 
aufzuladen a^ d'^, iVpn' b^ ; f^nat' d^ 
Gabel zum Ausbreiten des Mistes. 

f^r/tr' f. Leber d^, f^r/cer' 
d^, f^r/^r' (l^ d^, fer^ür' e^** ; il 
§ §n' bQu' f^r^lr' sagt man 
e^^ von einem Mann , der keck 
und forsch auftritt; dieselbe Be- 
deutung hat it. fcgato, sp. Mgaclo. 

fi fem. Tanne (epicea) e^e^u), 

fy9t' (", fyey' f^- 

fi])^ be sehr schön a^ 

fyas^ welk (von einer Blume) 
d^^, fyäts' und fyes' d^ ; fyäs^ 
schwach (o. 

fy^f'te xjj , fy^v^te c^ pfeifen, 
Is. fy^v^t' c'^c^rp, Subst. fy?f'tö 
c'^ip. 

f}-^r' f. erzürnt (fdchee) P. 

fyerey' {fleurie) Kuhname, 
daneben fvryat', vom Ochsen 
fiTya d^ ; von einem roth und 
weissen Ochsen firya d^^ 

fyeii m. Aschentuch (franz. 
nennen es die Leute cendrier) d^, 
dient auch dazu, das gemähte 
Gras nach Hause zu schaffen; 



fyeri 
ao. 



e^ {linceuil) ; 



ft'ri d' bway' 
florere zu- 



e'"; scheint mit 
sammenzuhängen. 

fy^ri Inf. stinken d^. 

fy^ve m. Dreschflegel d^ d^ d^ 
ifj; fyeje' m. e^*^. 

fy^ver' f. Farnkraut d^. 

filät' Kuhname d^^. 

filer' f. Spinne dM^e^", 
d23, fler' fi; s'a ?n' filer' 



filir' 
sagt 



man d' von einer unreinlichen 
Person. 

filyce, f. filyoez' {filleul, ßleule) 
e^", fily9, fily9r' (o. 



fis'. 



fi 



fij' 3s. es raucht ip. 

fyöe tQ m. Frühling f^ fyoe 
tä d-^^, iv tS e^*^. Im bairischen 
Hochgebirge nennt man den Früh- 
ling die , Auswärtszeit- (vgl. Ros- 
egger, Buch der Novellen Bd. I 
S. 319). 

fyo m. Aufschneidereien {Ma- 
gue, hourde) e^". 

fyov' Erzählung e^ f ^ ; in f^ 
auch fyom'. 

fypv' schwach e^, fyav^ d^, 
s^r fyav' in Ohnmacht fallen f^ (o. 

üifi spitz d^ d*^ V-'? ii^ d^ auch 

fiüs' f. Oelkuchen a\ 

f'le (ob -acium?) m. Faden 
). 

fod^s' f. (-?s'=acia) f. Spalte 
d^^, fod^s' c^. 

foeyäi], m, Maulwurf d^^e^, 
foeyä e^", fyä d^, fyä f^. 

fceynat' Wiesel d^^, foenyat'd--. 

fQsoe m. breite Schaufel d^. 

fgt' Inf. (foutre) werfen f^, 

fuyät' f. Blatt d^ d' d»e«, fuygt' 
e^ fcßy' g'^. 

fulg m. Hummel d^, fglp e^'' 
Art Hornisse. 

funa/' (fournaise) pierre de 
seuil du fonr (o. 

funo (wohl -ittus) Ofen gS 
fwona g^. 

fral^ zerquetschen (ecraser) d^ 
d^; Part. m. efral§ eingestürzt 
{ccroiäe) f ; Subst. f. fralay' Ab- 
hang, der in Folge der Winter- 
fröste ins Rutschen geräth d^ ; Subst. 
frales' Zusammensturz (ebotdemcnt), 
auchDurchfalle^'^(von fragilis?). 

frayey' f. Butterbrod d-d^^, 
frpyey' d^", fr9yi' r\ frayi' e^". 

frat§i zermalmen, zerquetschen 
e'e^ö. 

fric' (m?) ma foi d^c^. 

fric'le 3s. Perfecti, von dem 



538 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen ^letz und Beifort, m 



Irrlicht, das auf der Nase eines 
Spötters herumtanzt (petiller) F. 

fr^bi (foiirhir) mit einer Bürste 
reinigen c'*; ^rf^rbi d^. 

fr^mjn Malve a' (fromageon, 
elsäss. Käsekraut). 

frcByu fröstelnd {frileux) e'*'. 

froytrö e^" von fricare und 
trö s. muströ. 

frc)m'ra Mist b', f9m'rüe a^ 

fr^pe m. verkümmerte Hanf- 
stengel (I). 

ixv d' sey' {fruit de scie) 
Sägemehl d**, frv d'zec' e^"; frig- 
sey' sprach ein Hirte in d'. 

frrt' Früchte g'* ; vgl. it. frutta 
und fruite Baudouin de Condö I 
S. 110 v. 91. 

ft'r' laufen g^ g^. 

ivt^ pfeifen d^d^^d^^, Is. ht' 
d-^d^ fyrt§, Is. iyvV d^^; fit? 
d^, Is. fit' d^; Inf. fvtta f^ 
Subst. frtä m. Pfeife d^^, fita d^ 

fware d^ schlagen. 

gadii], junger Stier a^. 

gays' f. Ziege a^. 

gaza m. Gänserich f^. 

gene m. Kern f\ 

gin? schielen c^ 

g}-9 ein eitler, eingebildeter 
Mensch e^*^ (ob afz. (ßoz?). 

gploy' f. Mundvoll i\ 

gome m. Becken, mit dem 
man die "Wäsche begiesst f^. 

gpt' (d§) f. Schmalz a^ 

guJ9 m, Kropf der Hühner 
und Tauben d^ (von gorge?). 

guri m. Schwein f^ 

ga§' weisser, unschmackhafter 
Pilz d** (auch cü§'), cis^' d'^, 

gwo, f. gwos' dick, s. 88. 

gräl' f. Hagel d^g^. 

grä (t9 di) entspricht dem 
Französischen tout du long\ — 
da lur' tout le long des veülees f^ 



gre ra. d^d'^ Kübel mit einer 
Handhabe, die sich über den Rand 
erhebt. 

grebat' d'^d'd^^ Kuhname; 
Masc. grebi d" schwarz und 
w'eiss mit einem Stern auf der 
Stirne. 

gr?P9 (Part, masc.) gekratzt 
(von der Katzej g*; s. Diez I y. 
grapi^a. 

grm' f. d^'^ mittlere Theil der 
Scheune, wo die Wagen einge- 
stellt werden. 

grituz' (?r a) Adject. sie hat 
Heimweh d*^. 

grobuye sich hin und her be- 
wegen c^. 

groz§ Inf. Gras mähen; Subst. 
groz' f. das gemähte Gras (dtsch. 
Gras) e^«. 

groz^r Johannisbeere w. 

gru f. Leber d^. grü b'^, gruät' 
a^e^, gruot' e^ g^riat' f\ griad' d''. 

grt- Kleie a^ d'^, crcp m. e^*^ ; 
grt' d' sey' d^^, was frf d' sey'. 
Mit welchem Recht giebt Jouve 
Xoels S. 102 gni mit avoine 
wieder ? 

hä f. (liart) Riemen eines Trag- 
korbes d^; in e^*^ Seil. 

hä la dort oben d^, ha 1? d^ 
c', hotola e^*^, vgl. b? la. 

hable sprechen d^ (ohne die 
frz. Nebenbedeutung); hablat' f. 
Schwatzbase d^. 

ha/ Kartoffeln in der Schale d^. 

ha/§r f. Weidenruthen, ha/'li 
m. Weide (Baum) d^d^. 

hcäy' f. Hag, Hecke, Demin. 
hayat' d^». 

hay' Imper. vorw-ärts (aUons, 
marche) f* f^ ; hay' tosi komm 
hierher d\ 

hal^r^ m. Hühnerhabicht a^ ; 
in Thicourt (nach einer Mitthei- 



539 



112 



A. Horning. 



lung von C. This) 1er', in Gross 
Moyeuvre la'r' (vgl. ebenda pa'r' 
p a t r e m , ma'r' m at r e m ) , ist 
latro. 

hal'räs eine Art Pflaume a^ 

ha m. Euter der Kuh e^ ; I9 
hsid' e^**, I9 ad' e'^; Thiriat hat 
S. 436 Jian. 

häd'l? kehren (halaycr) b^ d^ 
d'^, häd'ler' f. Besen d^ had'loer' 
b^ b-^, häd^hr' a^ (wohl nach dem 
deutschen hantieren gebildet). 

häp^ propfen (greffer) e^*^ ; ob 
verwandt mit frz. empcau? 

harlad' f. eine Rede f^ 

hawQ bellen d^d^d^^d^^e^", 
3s. haw' d"^e^*', eine Onomato- 
pöie; das Bellen des Hundes ist 
im Journal Amüsant vom 19. De- 
cember 1885 S. 4 mit liow be- 
zeichnet. 

häx' f. Hexe (elsäss. Hax) d^ d*. 

h§p' m. Haspel e^*^. 

h§rsa§i eggen b''. 

hgrtslu von einem Knaben, 
der einen Krauskopf hat d^. 

h^rsa m. kleine Küchenlampe 
(ji2(j23^ hertsa e^e^°, h^r^p ifj. 

h?§' f. Axt d^ Dem. h^tsät' e^". 

li^toer' f. Schlägel, Wasch- 
bläuel d^, /§toär' d**; es ist wohl 
heurtoirc ; dem frz. heurter ent- 
spricht hctJt^ a^ ; für damit iden- 
tisch halte ich hata, das in 10 von 
dem Abschlagen der Samenkörner 
des Hanfs gesagt wird und das 
nach Haillant Noms de lieu des 
Vosges S. 14 eigentlich hattre be- 
deutet; vgl. haretast Bernhard 
55, 4. 

hirpy^ eggen a^. 

hö6§i rufen d^^, Vb. transit. 

hod§ müde c^d^d^^, fem. ho- 
dey' d^^; Inf. s§ hod? d^. 

hpdoe Schweinehirt c''. 

hol' hohl d-^e^^ 



hpne m. Leibwäsche c^ c^ c'^ d^ 
d^, hpn^ d^, hane d', h^n^ b'^, 
h^ne a^b'''; in a^ bedeutet das 
Wort auch cff^ets dliabülement. 
Es ist Jiarnais mit nicht ganz 
klarem Suffix. Bei Thiriat S. 433 
hat ha'>m, hane die Bedeutung 
chose, aff'airc: S. 405 in tas 
d'hana inutiles. Vgl. Adam v. 
liahits. 

höy' f. Weihe {Mse) c*. 

hotas' (cap' d^) Sonn- und 
Festtagsmütze e^*^. 

höt? aufhören d^d^d^^i//, hota 
f^ hut? a\ h9"t§ e^«; 3s. höt' d^^. 

how' f. Spaten d^. 

hwoda jubeln, frohlocken f^ 

/ä dürr, trocken, xa to trockene 
Jahreszeit, f. /ä/' dürr, von einer 
alten Frau, co f^ ; daneben sä (sic- 
cus). 

/ädr^r f. Schlehdorn d^— d» 
(ob vom nordisch, gaddr? vgl. 
Roman. 8, 440). 

/advr f. Brennessel (v. /ade' 
echauder) b^, /odcl-r' q}. 

/ayi gleiten, rutschen (glisser) 



/oi d- 



soi e' 



d^, /ayoe c 
§oy^ a^ 

/ayoer' f. Stuhl b^e'^, /ayer' 
f^, /§yer' c*d^, /?yoer' 1//, sey^r' 
^^ '■) /?yoer' Kanzel d*^. 

/ala m. Walnuss a^, §ala a^. 

/alwät' f. Hobelspäne (bild- 
lich = bagatelle) f\ salwat' a^ 

/ad' f. Schindel d^, /ädr' d^, 
/pnd' f\ 

/ära Part. m. verloren, ver- 
irrt (ob esgare) f\ 

/awat' f. Waschbläuel d*^. 

/awe waschen (exaquare, schon 
bei Lorrain) d^d**-!//, §ow^ e^*^. 

/awoe m. Brett, auf dem ge- 
waschen wird am Bach d*^, sowoe' 
e^*^; /awffir' f. Art Schleuse auf 



540 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 113 



den Wiesen zur Regulirung der 
Bewässerung d"d^; sowoer' f. 
Waschbläuel e^'*. 

/cart" 1. Hülse der Bohnen d^ ; 
scaf f e^"; carfay' d-^ Eierschale; 
scwot" Rinde «i ; /cafyo d'^, cafyQ 
d^ Hülse, Schoote = frz. escofßon. 

/C9V5 (scopare) d-, /coev§ d^. 

/cöep§ spucken d^, /tQp^ fyoe 
d*, sccpp? e^^. 

/cvLTi} Eichhörnchen, s. 121. 

/cwo/' f. Rinde d^ d^ ; /cwo/a 
m. das erste zersägte Brett mit 
der Rinde d**. co/a d^ 

/derw§l' f. Maurerkelle d^. 

/d^ts' f. Brunnenstock (afrz. 
estache) d^, t^s' ip. 

/^n§ (afrz. cliner) neigen g*. 

/§pi {(Icliapper) d^, Inf. /§p' d*. 

/9rjt' sitzen, s. 214 v. asseoir. 

/^rpät', s. 151. 

/§ti ra. ausgerodete Stelle (von 
essari) m. 

'/n\g\Q Eber, s. 68, 

/inö m. Fasern des Hasel- 
strauchs, mit denen Körbe ge- 
flochten werden d^. 

/ycetra pfeifen, s. 186. 

/lab§ schlagen d^^, ^lab^, 
^lapoer' f. Peitsche e^^, /^lap' f. 
Schlag (elsäss. Schlapp) f^ 

/lät' f. Hobelspäne d^, ;f'nät' d^. 

il?da Blitz f^ 

/lef f. Abhang, auf dem man 
rutscht (dtsch. Schleife); in über- 
tragener Bedeutung Reihe {serie): 
^hots' de le /lef Anfang der 
Reihe (von Liedern) f^. 

/1er' aussondern, sichten, z. B. 
Samenkörner d^. 

y\ii^ rutschen d^. 

/'me dicker Ast d^,'h'me d^ d'"^ d^. 

/nadr^r f. Eidechse d*d'-*. 

/o m. Schooss (giron) d^. l 

/öe m. Talg cM^d^d^^d^^, 
/o' e^, /e d^f^, ^oe' e^, f^v g*. i 

Französische Studien. V. 4. t.. 



/QU ni. Luftzug a^. 

/oi pfeifen e^, soey e®e**^, 
Is. ^ay' e**, Ipl. Indic. §oeyQ e^, 
§oeya m. Pfeife e^**. 

/oV f. Schelle der Kühe e^, 
säl' e'-*. 

/o m. d\ XQ d**, das zweite 
zersägte Brett eines Baumstammes, 
dessen Rand Spuren der Rinde 
zeigt und nicht geglättet ist. 

/patser Sperling d^. 

/p^vroe furchtsam f^ 

/pindr' f. Dorn, s. 173. 

/pinyu empfindlich {prüde) 
f^ (von Spina + ill -f- osus). 

/pyc^r f. grosse Abendunter- 
haltung (veillee) aller Familien 
des Dorfes f^, 

/pis spitz d^, ;/pits d^. 

/pyat' f. Aehre, s. 77. 

/püsa m. Staub d^ — d^d^, 
Ijusa d^^e^°. 

/pwö m. Röhi'e, aus der das 
Wasser fliesst (gotilot) d^. 

/tay' masc. Stall d^, stay' e^, 
stoy' e^. 

/t§lay' f. grau und weiss ge- 
fleckt (Kuhname) d", steley' e^*^; 
masc. t^le (von einem Rind) d^^. 

/t^ryi striegeln d^. 

/t9C m. Baumstrunk, tpc d'; 
= afrz. estoc (von Haillant Noms 
de Heu des Vosges S. 16 nicht er- 
klärt). 

/toy' (*stupula) Stoppeln d^, 
/t9yo d^. 

/to m. Bienenschwarm (jeton) 
f^, /'to d' m9/at' d^. 
/tranye erdrosseln f^ 
/trofa (se) sich rühmen, brüsten 
(extriumphare) f ^ ; an t r i u m - 
phare hat zuerst Jouve gedacht, 
/we trocknen d*', /we trocken 
c^ d^, swe e^, fem. /way' d^ ; 
Subst. /9 m? d^^, /woer' Hand- 
tuch f. d«. 

8 



114 



A. Horning. 



i]],c*, s. 105, iiigyät' f. Klaue 
der Schweine a^ 

ii|dy?s' Alaun a^ d^ (alumen + 
glacia). 

in9 (s'a inp c' s'l§, so ist 
es) e\ 

yOfev' (w9 d'), s. 79. 

i§' Egge g^ g2, ie^' g^. 

iv' m. Euter to, iv' f^ f"*, liv' 
d^d^d-'d^-'d-^ livr' g^g*. 

ja schnell d**. 

jäc m. Häher a^ d^. 

jäc (et' 9) sitzen (vom Vogel) a^ 

jJxbvQ. Is. jabQy' hin und her 
wanken a^ 

jäbay' f. Schritt e^ 

jäse m. weiss und schwarz 
gefleckt d'' d^, djäse' e^". fem. 
jasät' d'^; in d^^ roth und schwarz 
gefleckt; djasät' e^" (Rinder- und 
Kuhname). 

j^d' (jüngere) anspannen lo. 

j^dras' Behälter zum Begiessen 
der Leinwand auf der Bleiche e\ 

jig'le, Is. jig^r herumspritzen 
(mit Wasser, mit Holzschnitzeln) d^. 

j'navr' Wachholder, s. 183. 

j'ne't' f. Ginster c-, s. 40. 

j'nöes' Färse, s. 76. 

jo Hahn, s. 18, djale Hähnchen 
i\ jale d^ 

Joe/' f. AVange d^, djoe/' d^f\ 
djoedj' f^ djoe'j' e^^^ j?/' e\ je/' 
d- (vgl. jouxhe Gloss. der Geste 
de Liege), djo' g-. 

jön' (juvenis) b'^c*^ Vogel. 

J9t' f. kleiner Kohl a^ d^^, 
ji?t' e^ 

jvifräs' eine Jüdin f^ 

la Ratte d-d^f"\ 
läf f. gemeiner Ausdruck für 
Mund: cg^' t? läf e^**. 
laliad' f. Eidechse f «k 



läse Milch f^ läs^ g\ d^ cy^ 
läse Molken a^ 

lä§i lecken d^. 

Itev'räs' Wäscherin d' d^. 

lawo Brett g'^. 

l^mer' f. Fasern der Fichte 
oder der Buche, die zur Beleuch- 
tung dienen to. 

l^m'tre m. Art Eidechse d^, vgl. 
vTi),tre und bei Oberlin mentre de 
fontaJne. 

l§m'sf Schnecke d^. s. 77. 

l§sr m. Handtuch e^**, s. 68. 

lezät' f. Eidechse c**. 

lirhe m. Esche mit kleinen 
Blättern d^. 

ly«/' f. Egge d•5d^ lye/' d^, 
lye/t d*, li§', Vb. li§i e^", 1?"/' e^ 

lyoev' Hase ist fem. d^^, 
lyq?v' d22, lyev' d^f^ ly^v' i\ 
liv' e^ e' e** ; masc. lytt-r' c^, wo 
das Weibchen häz' heisst. 

livrä Hase b^— b^b*'. 

rm9t§' f. mit Artikel l'^rmgt^' 
Docht e^*^, en' el'mus' d-^ (ob 
durch allnmcr beeinflusst? Agglu- 
tination des Artikels vor Kon- 
sonant kommt sonst kaum vor). 
Nicht von myxa, dessen x in 
e^*' zu §, in d-^ zu / geworden 
wäre. 

lod' (i) es blitzt d^. 

lur' f. Spinnstube {veillee) f^; 
zu lür' d^e^ habe ich das Genus 
nicht notirt: lür' masc. d^xp. Im 
Jura hörte ich lovr' m. 

Ifr' f. Mistjauche a^; Thiriat 
hat S. 438 lohire, louhere, louhie. 

raa f. Backtrog a^e\ me d*. 

ma Tümpel. Pfütze, auch Teich 
c', mä b^c^, mö e\ m§r' a*, m?/ 
a^, mar?/ a^ Koth. Byä§' mä, 
nor' mä der weisse und schwarze 
See in den Vogesen d^-. 

malial' f. Eidechse d'. 



542 



Die ostfranzösiscben Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 115 



maj' Tisch in der Umgegend 
von g*; vgl. 150 Anra. 

mal' der weibliche Hanf w. 

raSr f. Tasche a\ 

mal?v' krank d* d^ d» d^» d^i 
^j23g2g4gS_gii ,y,^ malav' d^^w, 

mplav' e^ m^lav' f-, mal§d' c'^. 
Gedruckte Zeugnisse für malave 
finden sich K6d. u. Voinr. S. 15. 18. 

mnli m. Apfelbaum d^ — d'^ 
d" — d^'' d-^ e'* e^", male d^ mole c^. 

malt" f. Mörtel e^^ Koth c^ 
(wenn m a 1 1 a , so ist es Avohl von 
italienischen Arbeitern eingeführt). 

mJimii], Grossmutter a^ 

mano Sperling (vgl. Conte- 
jean) c*. 

marca Kater e^. 

margo m. grosse Schnecke d^. 

margol^ e^" kauen. 

märu f. morille (Morchel) 
e^^ 

mazäi^dj' Meise e^". 

mäz^t' Kuhname d^; in d^^ 
eine schwarz-weiss gefleckte mit 
einem Stern auf der Stirn; 
mazyo e^*^. 

mätsay^s' e^^ Vogelname, zu- 
sammengesetzt aus mäts und ay^s' 
Elster; Thiriat hat S. 440 haute 
manquaiesse = ortolan, hesse man- 
quaiesse = fauvette. 

maw' (?) stumm c^. 

m^ m. Garten b^c^d-, me b® 
b'^ Gemüsegarten, m^ d^ e^*^, mwe 
e^, mwa w, m§ze' e^^ 

m§c' häufig in Aufforderungs- 
sätzen b^e^'*; cu/ t? m^c' d^, 
?/?y vp m^c' (setzen Sie sich 
nur) d'' ; mäc' f^ : v^si mäc' le myo 
pas^j' das ist gerade die beste 
Stelle. 

medisy§ Arzt f^ 

meyöe reif, s. 113. 

m^ny^y' Dienstmagd f^, Diener- 
schaft (0. 



m^rpda 4 Uhr Brot essen 
(goüter) P, morode rp, Is. mar9d' 
d^, Subst. maryd' d^, morod' i//, 
maräd' d^, marand' e^". 

m^t' f. Mörtel (Sand und 
Kalk) c». 

m^tir' f. Eiter e^^. 

mytel' fem. Amsel d**, myel' 
c*; mel' (Genus nicht notirt) a^ 

milyar' m. das Jahrtausend 
(miUesime) f^ 

mine Müller, s. 94. 

min' m. (T 1.) Stiel eines Werk- 
zeuges d'^d^. 

mis' m. Honig b''b'', rayt|!s' 
m. a^. 

miz' f. am Riemen der Peitsche 
befestigte Schnur (meclie) e'' e^^, 
mij' f^ 

mis9 m. dasselbe was bö II 
ist, d^s. 

mitey' f. Stiel des Dresch- 
flegels d^, müi^t^ii' f. e^*^; vgl. 
maintagne bei Adam. 

myo m. Stückchen (z. B. Speck, 
mica) (0. 

m'raw Kater d^. 

moc'sa s'fa (comment que cela 
se falt), mp sc§r pAvayet' so gut 
sie konnten f^ 

moerzgt' Maass b^, moez'rät' 
d^ (kleines Maass für trockene 
Gegenstände), miz' rät' b'^. 

moez' n. hay' Zaunkönig a^ 

möes' Laibbrot d^^, m(^t§' e^". 

rap/ät' Biene b*^, nuisat' e^, 
mp^at' kleine Mücke (Schnacke) a^ 

mola m. Kuhkrankheit e^*^. 

mpl'to Maikäfer a^ 

mpryo Ochsenschnauze (als 
Ochsen-Maulsalat) e^^. 

mps' Moos d'^. 

mpstödy' f. Wiesel e^. 

mot'lät' Wiesel d^d^ mpt'- 
Ipt' c^ 



116 



A. Horniug. 



moto m. weisser Käse ip, mpto 
c^, mato m. geronnene Milch a^ 

mulii schimmelig, s. 106. 

muyi' Xabe d^. 

mixl' f. Brombeere d^' d^* d'^ e^, 
mür' f'. 

mure (afrz. morel), f. murät' d'^ 
schwarz, von Kühen und Rindern. 

mustro schwarzer Mistkäfer 
(von ? musca und tro = afrz. 
estron) d^. 

muze m. Schnauze d^, s. 121. 

muso m. Feuerbrand w, mus^ d^. 

mutey' f. Hälfte d^d'^, mwe- 
tyey' f. f^. 

mwa m. Haufe (Steine) d", 
mwä d^, myo e^*^, muyo d-^ (viel- 
leicht von meta + ittus). 

mwa/tjd, s. 207 I*". 

mwar' (minor) schlecht, mwär' 
fw^ z^ mauvmsc foi d'' d^ , mar' 
mager c^. 

mwetä m. Mitte d^^ d^^, mwetä 
d', mwoetä d^-, mwQta e^, mwetg 
f^f^, mntä d^, mitä a^, mitä c^. 
Auf medium tempus weist 
auch mit^n , meitan bei Häfelin 
Patois du Canton de Fribourg 
(Gloss. u. S. 18). Mitanier ver- 
hält sich dazu wie printanier zu 
2»'tntemps. 

minyot' junges Mädchen g^ 

ravYQ Mauer g'^, mrra g*. 



nani nein ce'. 

navroy' Part. fem. zerquetscht f ^ . 

na"ji Inf. belästigen , geniren 
(nauseare) e^*^. 

nis' thöricht e^ w, empfindlich 
(einer, der sich nichts sagen lässt) 
c^ e^ 

nyä nein f\ 

nyo Nestel (nidalem) a^e^ 

nyo m. Halsbinde g^, ni'a 
noeud g^. 



no m. Wassertrog d^. 

nceyu Kern d^, nayä c*^, npyo 
c'^, nceyp d'-* (vgl. nouuiJlon Beruh. 
109, 10). 

noeje' Haselnuss g^. 

noejol' f. "Wallnuss e^f^w, 
nejol' e^ uoej'le Nussbaum f^'w, 
noe/'le f\ n^joli e*^, noeli^li d^. 

noet^y' (tpt' 1§) Nacht d^d^, 
noeti' e'^f^ neti' d^c^ 

nym' nicht wahr d--. 

n^iiät' Stecknadel a\ 

npnon Oheim o. 

ja (oui) f^ 

obr§vi ra. Blindschleiche e*, 
obr^vya d^^d^^; vgl. äd(?rvye; 
bei Metz böny'. 

9d' {\\z) fete du villaqe (Kilbe) 
e2e^ lez 9t' el^ \\z ud' d^^d^s. 

odjoedoe' heute e^, aTioedoe d^. 

öe/' Thür fem. in d^ d^ d" d'' d^ 
d^^, 06/ framay' d^, e/' d^vyes' d^. 

(p|i Hinausgehen, Is. i (ß§§ 
f5, 3s. Q^/ f^ 

oesifyoe Zeit gegen den 23. April 
f'^5 9/ifyoe Frühling m. 

oyät' Gänschen d^ d^. 

onay' Sommer d* d^. 

oclii), Oheim C^d^, ocii| w, 
ocya, ocy§' e^, otya f^. 

or'sp Saum eines Kleides d^, 
9r'säi| d^e^, or'soi), d^; Inf. or'sne 
säumen d^ d^, or squ^ d^e\ ^r'sin^ 
d'^; Is. ^r'sin' d'^, or's^n' d'^. 

or'säix Igel d^, er'so d*^, s. 129. 

ort§i eggen g^g^, Is. hprt^' g^ 
Inf. artsie g^. 

9to m. (flötet) Wohnung f\ 

ücä Gänserich a^ 

uje' d^ j'lin' Hühnerhabicht e^*'. 

pä m. Geräusch (peditum), 
Vb. pata i\ 

pafy9 m. Hebel d^. 
pa/i par ici e-. 



544 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 117 



pal' m. Wohnzimmer d^"e^"f^ 

palgf Kartoffelschale d^, pa- 
li?f dM^ 

pana kehren (balayer) f^, pan^ 
>'. pän^ e^"d-^; panur" Besen f^, 
päncer" d-^e^"»'. P^nn^ g^, pann§ 
g* reinigen. 

pättti, Is. pati'/' d^ keuchen, 
ausser Athem sein, patilii, Is. 
päti;^' d^ (c^ nur von Thieren). 

päpiri Grossvater a^ 

päpiT' Augenlid d^. 

parmete Schneider d^ e^", pwar- 
raete d^. parmete' Klette e-e^°. 

pavyp m. Schmetterling d^d^-, 
pavyo c'^, pavilypix d^, povj-o e^*^. 

p§ci; m. Weide (päturage) d* 
d* d^^. p^ci d^. 

ped'di Rebhuhn t'-^. 

p§y' f. Sägemehl (palea)c^. 

p^yT Gevatter neben p^vori f^. 

pe/9t' Kornblume a^ ; perselle 
in Schelers Gloss. zu Froissart. 

p^/tenya Bärenklau (Hera- 
cleum sphondylium) d^, Grundform 
ist pastinaca. 

peF f. Bratpfanne e*. 

p^ltir' Nähterin g^ (vgl. Conte- 
jean peletie). 

p^m' f. Himbeere d^ d* d^, 
p^mi Himbeerstrauch d-^ e^^, p^m'- 
ri d^. 

p^rlie {priser) lieben f^ ; Inf. 
und Particip. prelii fo, pr^W e^ ; 
Is. Praes. Ind. pr§/', ich liebe (o, 

peze m. Erbse d^ ; s. b'ze' 
181. 

p^se m. Rebpfahl a^, p^se' e^*'. 

p^t' f. Lumpen {chiffon) d'^e^^ 
(elsäss. Schpat, Schpättel; so ge- 
deutet von Contejean ; aber s. auch 
Diez I V. joatta). 

p§tir9 kleiner Knabe, p^tir^t' 
kleines Mädchen d^-; vgl. Jouve 
Noels S. 2-4 pte'ro und peterine 
Beruh. 92, 28. 



d». 



p'/i harnen w, p'/e f^ s. 155. 
picyH (d"s('p") Nadel der Tanne 



pi/' mit der Negation n§ = 
nicht mehr c^ c^. 

pii| Fichte (o\ pin^s' (?s' = 
acia) Tanne (epice'a) d^(o. 

piiyo wilde Taube e^. 

pis'ne' Fink e^*^. 

pyay' Streit d^. 

pyii Klage fS pyad^s' e^ 

pyätoe m, plantoir d^. 

pyar/i Petersilie, s. 43 ''^' 

py^ blau, afrz. pers f^ 

py^mi roth- d^, roth- und 
weissgefleckte Kuh d". 

Py?il (to) viel c^, t9 pyi v. 

py^n§ füllen e^, räpy^ni, Ipl. 
apy^no g'* ; Is. i rapytpn', Ipl. 
räpy(pno g^g^. 

pyet' f. Stange d^d-^; Stütze 
eines Baumes d^ d-^ ; zum Auf- 
hängen der Wäsche d^- ; pit' e* e^, 
zum abschlagen der Nüsse. 

p'lät" Fruchtschale e^'*. 

pody^y' bei Gott e\ 

poetsät' d§ bo" Kochlöffel e*. 

po" Laus, s. 103. 

pgm' § cy^r' Kartoffel f^. 

popä m. impiillc de l'oeil d^ d*, 
pupä d-^fi^ (poKpard). 

popiry^s' Seufzer f^ 

P9s^ Spanferkel in g^, wo 
man für Schwein po sagt. 

ppsohr' Vogel, der Jagd auf 
Forellen macht e^°. ppso ist 
Fisch und hr' wohl lutra, also 
wörtlich Fischotter : Oberlin hat 
loure, im Jura in Tavannes 
hörte ich lar' ; frz. loutre ist 
halbgelehrt. 

P9t' Lippe, far' ^n' pQt' faire 
la mone f^. 

pudä m. der Riemen, welcher 
beide Theile des Dreschflegels 
verbindet d®. 



545 



118 



A. Horning. 



pu§ m. Knabe (pullus) g*. 

pü/ Pech der Schuhmacher 
und Harz der Tanne e^. 

pu/ypi], junges Schwein (j;or- 
cülon) 'd^— d* d^ 

pula m. Hahn g^g^. 

punä m. Pflaumenbaum d^ 
d^d^^ 

pun^r Art gelber Pflaume d^ 
d^d^^; P9n§r e^° ; p?n§r a^ 
Frucht des Schlehdorns (ncer' 
p^n). 

pwa (t9 — mi) ich ganz allein 
d^, t9 pw§ mi (0^ t9 pa mi e^ ; 
tp p§ le er ganz allein f^ 

pwaliu friedlich f^ 

pwara f. Mauer g^. 

pwar9t' f. Kartoffel F. 

pwäts' Tasche e-. 

pw^se m. Zitze des Euters 
d^ d"^ d^, pwQse' d^, pwäse d^ i//, 
päse' e^°. 

pw^tä spitz e^^ 

pw^tyelii, Is. pwatye/' durch- 
bohren (j^ercer) e^. 

pwös' m. Hausflure*, pwots' d^'^. 

pwot' f. d^d^^P, pw9t' c^, 
das Thor des Hofes, der Scheune, 
im Gegensatz zu öepf' der Haus- 
thür. 

p'sey' f. Blase, s. 72. 

p'sa ein Maass (hichet) a}. 

prac9 sprechen e'^ e^ ; dazu ist 
prac'la schwatzen f^ Iterativform. 

prat§i sprechen (nicht predigen) 
e^, pro§i ft>, 3s. Imperf. pros^i f^ ; 
pros' Kanzel w, cpn' pr^s' b^. 

praz'rt^ m. Ort, wo die Heerde 
Mittagsruhe hält, gewöhnlich unter 
einer Linde d^. 

prer' dv zu Gott beten e*. 

prine ra. Gitterthür (eines 
Gartens) ä daire voie d^. 

pt'y^ stinken ü}. 

prs'lät' Art Pflaume {mira- 
hellc) a}. 



rab'ji schärfen (aiguiser), s. 
ravulii. 

rabja'j' f. Wetzstein e^'^. 

radic Winterrübe d^, ratic 
d^d*. 

rai ausreissen, auch rai iv e^", 
rayi d-d*'d^'^e^, räyi, Is. räy' 
d*, räyi fyöe d'^, räye c^, roye 
fyoe iK 

ra'te' m. Zaunkönig e^**, 

ray' f. Rinne d^d^, roj' e^ 
r9y' Furche d^^. 

rayr fem. Rettig d^d^^. 

rä f. Schweinestall d'^e^'^. 

räd^r Kuhname e^*^. 

räpy§ni, s. py?n?. 

räp^ m. Epheu d'^ e^", nipa m. a^ . 

rav9n^t' f. kleiner Rettig d'^ d^. 

ravulii schärfen d-^, r^v'lii o>, 
r^mi e^ (re 4- acutiare), rab'ji 
e^o, rab'ji e"; ?ru1n dM^d^d^, 
Is, ?ru/' d^ (aus ravulii umgestellt) ; 
r^mulii d^, r^muliye V^ scheint 
durch häufiges gleichbedeutendes 
m9l§ beeinflusst. 

r'c9r' Inf. Beschälen (vom 
Stier) e^^ 

r§ m. Zweig der Tanne (r? 
d's^p') d'^d^e^'^, ra e^ 

r^coetse sich erbrechen f^ (ob 
elsäss. kotzen?). 

r^ga Kröte a^. 

r^/' der Rest, s. 158. 

r^i Rettich d^, r^y a^, rai e^*^. 

rey m. galium aparine (klettern- 
des Labkraut) d^. 

r^m^s' f. Besen g^, r^m^s' g*. 

r§n' Frosch i^ (o. 

r^sevi zu Ende führen (acJiever) 
d^, §sevi fS ^se'vi, Conj. 1. ^s^'- 
v^s' e^^ (ist wohl *adsequire ; 
resevi c^, r^s'vi a^ ist vielleicht 
durch adiever beeinflusst). 

r^ste' Rechen e^, r'te d^ d**. 

r^t' f. Maus b^'d-d^fM-^ und 
passim. 



546 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 119 



r9talb9/e Inf. wiederausbessern. ' rf m. Schmalz e^" (vgl. Adam 
ausflicken f^ (Thiriat hat S. 408 i v. remi). 



retdbaqua). 



rtlioe (d'§Tv') m. Ort, wo der 



revwosi das Oberste zu unterst ' Hanf geröstet wird f^ ; \\\ bw9 



kehren (reverticare) «k 

r'janQ brüllen (vom Rind) e\ 
ric^ zerreissen, Subst. f. ricys' «k 
ri/ reich d^, rets, Subst. 
retsäs' f^ 

ri/ der Reis (it. riso) d-. 
ridje abnagen {rongcr) f^. 
ris' m. rundes Sieb zum Rei- 
nigen des Getreides d**. r^s' a^, 



rffits' 



vgl. rege bei Grand- 



rilict' sagt man von einem Spass- 
vogel in f^ 

rr/yfi d^ reissend (von einem 
Bach); nj'/e Bach f^ 

rim' fem. Husten d-^ ; rim' 
(genus nicht erfragt) d*e^f^ 

sä f. Gehege (afrz. soif) d^. 
sayey' f. ein Eimer voll d^. 
säyf m. Holunder, s. 113. 
saiäd' Salat d^ d^^ f„, soladj' g^, 
sailione Husten, Is. sarlipn' 
d^^; sar1ian§ und sar'n^, 3s. sar- 
li^n' d^; Is. sar^liön' d^ sarli^n' 
d'"'; Subst. sarelio f. d\ sarlio d^. 
sasiTOi], kleiner essbarer Pilz d^. 
sat' f. Fusspfad d-^ e^, sgt' «) ; 
pyesot' sagte eine Frau aus der 
moey' d^^ (vgl. niment Bernhard | Umgegend von Epinal. 
99, 22; lat. mn = m). | sc^m^räs' f. Schaumlöffel e*, 

r'näda sich erbrechen f^. coem'räs' a^ b^ d-^. 



gagn., rege bei Thiriat und in 
Gartuer's Rätisch. Gramm. S. 16 
drat/, rät/. 

rit^ laufen g*. 

r'lgj' masc. Uhr d^. 

r'mäi heilen e^", ^rmwayi. 3s. 
^rmway" d'^ vgl. 42. 

r'mi wiederkäuen e^". os. er- 



ro m. Kater a^. 
robät' f. Kleid b^d«. 



sc(^p§ spucken e^^, 

scoevey' f. Bündel Futter (sco- 



roci f. kleines Maass Brannt- 1 pata) e^". 
wein (Hälfte des Fünftels) lU. j scöj" f. Peitsche e^ (vgl. engl, 
roeyä f. Rost, s"a eroeyä es ! scourge). 



rostet e^°. 

royi, os. roy' abnagen {ron- 
ger) d^. 

ro/' Dorn (o. 

TQzv m. Rose und Rosen- 
strauch e^. 

rosi schnarchen d^, rotsi d^, 
Is. rots' d'^. 

i'9t' f. kleiner Fusspfad fo. 

rüp' f. Raupe c^ d^ d^. 

ruT m. Wagengeleise d^. ruä e^". 

rw^'ti betrachten e''^, Imperat. 
?rw§t' d^^. 

rv m. Giessbach (kleineres 
Gewässer als die r'ver') d^d^d-^ 
d^^fifSf^, ri d^. 



scw^ {secouer) fegen, Subst. 
scü Besen, scwäf Löffel zum 
Durchrühren der Molken bei der 
Käsebereitung e^*^. 

s^ sagt man zu den Ochsen, 
wenn sie zurückgehen sollen, Vb. 
s^si. ses"li d''. 

s^g' f. Sägemühle e-, sey' f. 
d^ ; s^ge sägen e^ e^, soga f^ ; 
s^ggt' Säge e^ e^, s^yät' f\ sayät' 
d*^, say' a^. 

sey' f. Sichel cUU-. 

seyo Melkeimer d'-^. 

s^j'noer' f. hölzerner Löffel, 
dessen man sich bei der Käse- 
bereitung bedient e^". 



547 



120 



A. Horning. 



s?l' f. Stuhl d'^A^'eHH\ 

senyo m. Kübel (baquet) e^**. 

s^p' m. Tanne (neben si^pii],) 
d*d^d-^e^e-e^"f<^ säp' g^ ; jati 
s?p' m. Rothtanne (epicea) d^ 
(vgl. gentil corre bei Thiriat 
S. 132). 

sgp'na m. Tannenwäldchen 
(sappinetum) d^. 

s?p'n§' m. kleine Tanne e^e^*^. 

ser' folgen, s. 214 v. suivre. 

s^rji Arzt (afrz. surgien) d*^ d^, 

s§rv§soey Augenbrauen (vgl. 
das durch ceil beeinflusste soiirgosl 
in Schelers Gloss. z. Froissart) f^ 

sev^t' Adj. fem. ähnlich f^ 
(ist wohl si fcäte, doch ist v = f 
auffällig). 

sin^t' f. Glöckchen c"*, sinät' 
d23. 

sip (sie est) doch c'^. 

sin f. Russ c^. 

s'ie kleiner Keller f^. 

s'muy m. Schlaf d^ d^, s'moya 
e^; Vb, s'muyi, Is. s'muy' d'-^. 

s'nyo Sahne f^. 

s'no ohne (? sine hoc) (<> ; s'np 
le ohne sie e^, s'no mi d-^ 

so f. Weide a\ sos' f. e^e^°, 
Weidengerte d^^, sosi m. Weiden- 
baum d-^, 

sgca zerschmettern, Part. f. 
spcoy' f^ 

soey' f. Russ e^*^, suy' d^^, 
so" d^ 

soe§' Russ (Ji). 

sol' m. Korn eS sei' w, säl' 
d^, soel' a^, sw^V g^, swär' g^. 

spl? d' boe Holzschuh e^ 

spie Speicher d'^f\ spl^' lo. 

sorm§dr§r f. Haspel e^*^. 

sprsyoer' Augenbraue d^. 

sovtrp Sand e^, savro ro, dp 
söl'vp d^^. 

SU f. Schweiss e^. 

s'ray' Sonne g^g'*. 



s're m. Kamm, zum kämmen 
des Hanfs rp. 

SY>^' ra. Specht e^°. 

spyni aufziehen (ein Thier, 
eigentlich entwöhnen) e^^, sppnoe' 
m. das aufgezogene Thier. 

stoe be vielleicht e^ e^, sto 
i^fo (vgl. Rom. 1.3, 138). 

strobd' Tannzapfen d*^. 

stTsenoe ausgerodete Stelle m. 

^adpnyp m. cJiardonneret d\ 
sadronye C^ (durch Volksetymo- 
logie mit c/(ai/fZro^2»7>r verwechselt). 

san' Eiche c". tsan' e^^f'^ 

igapte Ort eines Stelldichein 
{rendes-vous, z. B. der Hexen) f^, 
vgl. cliampete Renart ed. Martin 
V 281. 

§ar m. Meissel des Schreiners 
(Scheere) e^". 

§äsin' Kalk (it. caJdna) c^. 

§awät' f. Käuzchen c*. 

§e m. (d'fi) Tannzapfen e^ (o, 
tse' e^". 

senay' f. Rückgrat e^. 

s^n'wa Hanfsamen (o. 

s§rmir|, cliarme d^, t§arm§li 
e^** (Thiriat hat S. 102 diermine). 

f^pzpt' f. Käfig c^, /;?jät' d^^. 

s^t' myaw' Maikäfer c^. 

^gter' f. Bienenkorb d^, §^tri 
m. Bienenstand d^d^. 

sii],d9 chiendent d^. 

sTb' fem. Hanf d^, vgl. 185. 

^ir' f. Stuhl a^a^ 

§lawp schlagen d^. 

§'miliät' Jacke (eines Mannes) d^. 

§'moce (elsäss. schmake = 
schmecken) herumschnüffeln , wo 
man nichts zu suchen hat i//. 

s'ua§' Hexe e^^, s'no/' und 
h'no/' f\ P. f. sna;^ey' behext 
(ob von carne s. Gloss. d. G. de 
Liege ?). 

l'npr Raupe e'e^e^*'. 



548 



Die ostfranzösischen Grenzdialekte zwischen Metz und Beifort. 121 



§^b' hohl (v. Baum) P, /^h' «>. 

§9C f. Brennessel d^, d| /äc' 
e*, socQs' e\ sac?s' e^", /ac^s' d^^, 
/9c?s' e-; Inf. §90^ d^, sac? e^°, 
sich an den Nesseln brennen: ja 
sacey diz utej-' d", dj? soe /acay" e*. 

§(£ ein mit Ochsen bespannter, 
vierräderiger Wagen d'', vgl. 7. 

s^za schelten w, S9zu pol- 
ternd f^ 

subf die Aebren gegen einen 
Tisch abschlagen, um die Halme 
zu schonen a^ (ob schaben?). 

suya schlüpfrig f*. 

sti, f. stits' müde e^". 

.Ställe Fässchen (Sauerkraut) 
e^*^, /täd' d-^ (elsäss. Schtändel). 

strp m. merda (d^ strp p9 
ti merde pour toi) e^*^, trö d^. 

tac^ schlagen d^, zuschlagen 
(die Thür) e^^ 

trib9t' f. Butterfass ip. 

talmuto m. Art Hummel e^*^. 

tag Bremse d^, tgvo c'^i//, 
tavp e^°. 

tasi saugen d^d^^, täs' v§t§' 
Eidechse e"^, Salamander e-, tgs' 
v^ts' P. 

tata Tante o. 

te/ weben e^, te/'ra s. 42, 
t'/i Webstuhl e^ 

tey' taie d^. 

t^m' dünn e^'^ (vgl. Oberlin). 

t^n§ inständig bitten f^ 

ter' fest stehen auf den Füssen a^ . 

t^rmgl^ m. Pappel, s. 175. 

t^rtg alles f^ 

t^rwä träge d'', s. 118. 

t^c^ Löffel a^. 

t/r (I9 — tgt' nv') ganz nackt 
(von einer Frau) g\ t/r tg ni;' b^ ; 
'1 a t/r to now' sie ist ganz nackt b^. 

tiixd' färben, s. 65. 

tinat' (tina ) Sauerkohlfässchen 
a^, grosses Butterfass b'', tingt' b^. 



tiryce melken c" ; 1§ bi/' tir' 
der Nordwind bläst w; bij' tir 
fn^ bläst heftig g^. 

tita m. Zitze des Euters d^. 

tya m. Linde f^ 

tya Röhre d^. 

tg (tempus) Himmel e^ 

tpcwg immer, s. 56. 

tcpmg umwerfen, leeren a\ 
ttmg renverser co. 

tqesye Husten f\ tOesi e^*^. 

tgla dort d'-e\ folg d^^i/^, 
tösi hier xp, tgsi d^^ e**. 

tor^/ f. Färse d'^. 

tote Kuchen d^, tute d^^ 

tgtgvo überall a^ ( a d v a 1 1 e m ; 
vgl. aval = dans toute Vetendue 
d'un pmjs Schel. Gloss. Froiss.). 

triis' f. Stück eines quer zer- 
sägten Stammes (Vüle de bois) d^, 
tros' e^°, tros' eS Demin. trosa m, 
tro^g e^. 

tr^ma (od. drgma) m. Haspel d^. 

tr^t'la m. Trichter dM^d^, 
trät'lg b^i//, tr^toe d^^, tr^tce' e^". 

trg bi d' fwo/' viel Kraft d^^ 
tro by^ii ec' sehr viel Dinge c^. 

tröb' fem. Klee c^, tnäb' d'^d* 
d23; tr^f f. d\ 

trobye zittern f^ 

troet^ f. Forelle d^ trcet' f% 
trg't' e^ 

trö^i m. Haselnussstaude d^, bei 
Fouday heisst ein Weiler lo Trusi ; 
vgl. Littre v. trocliet und wallon. 
trgc" Weintraube (Zeitschr. IX 496). 

trgt" f. Form zum Pressen der 
Käse e^^ (ob elsäss. Trgt' =Kelter?). 

tsarle' m. Bettstelle e'^e^'^. 

tigrpieny' Korb d^, t§§rp§y' 
d^, §9rp9y' d^d^, t^arpT und t^ar- 
pyat' e^". 

ts^soer' f. Peitsche e^*^ f^, t§9- 
soe'r' e'^, s^soer' Peitschenschnur d'. 

ts^t" f. Katze f^ und s^t' — 
passim. 



549 



122 



A. Horning. 



t§ot§i (calcare) zusammen- 
drücken, meist vom Coitus e^". 

väy' mal (ein) a^ 

väyo Kalb c'^ (nur um höhnend 
eine junge Kuh zu bezeichnen, die 
nicht viel besser ist als ein Kalb). 

vahv ryt' Fledermaus d"^ 

väd'räs' Verkäuferin a^ 

vat^ryl Schürze a'. 

vQyp Kalb d-e'*e''; ver^ d^-, 
venyp e^°, vela m. g'"^. 

v^lmä Blindschleiche c^, vcx-lma 
^5 (j7 (.8 ( V e r m i s und ma = m a - 
lus?). 

velotruz' f. gutwillig P; vgl. 
volentos, volcntrin Loth. Psalt. 

vep' Wespe P. 

v§rät' schwarzweiss (Kuhname) 
d-ni«. 

v^rle (nor' d§) m. nor' d? 
v^rlay' f. Rinder- und Kuhname 
(schwarz- und weissgefleckt) e^^. 

v^rm^so "Würmchen a^. 

v^tsat' kleiner, gelber, css- 
barer Pilz, vgl. ital. vescia e^°. 

vii|,tre (d'fot^n') schwarze, 
gelbgefleckte Eidechse d^'-*. 

voe leer; in g'* hohl. 

voedi leeren; in g^ giesseu. 

v'r§ das männliche Schwein c^ 

v'roe Riegel d'^e*^, v'roe' P, v'ro c^. 

wä m. Stiel der Sense d^e^"; 
das Zeitschr. IX 507 vorgeschla- 
gene Etymon (von wad^) gebe 
ich auf. seitdem ich im Jura in 
derselben Bedeutung wo^rnV (Pon- 
tenet), värm' (Montier) hörte. 



wadQ, s. 188. 

wa/e (vascellum) Sarg f^. 



wayiij m. 
w?yi 



Herbst c^d^ 



wayi 
v§yi 



(U, w^yi d^ d*. wpyi W\ 
Spätheu (regam) f^, r'wanyi Spät- 
heu einbringen e^*^. 

Av^y^ f. Kuchen e^. 

w^y' ja c^ e^ w. 

we}ii], m. Feuerschaufel t//. 

w^yu (c'la) wo er ist a^. 

w^re Stier d^, worey c'^. 

wes' f Wespe d'' d ' d^, wes' 
e^", w^s' d"*e^e^d^^, wep' a^c^. 

w^t' Adj. masc. und fem. 
schmutzig c^ d2 d^ d^^ ^ps gio f2^ 
Subst. wgtin'r§y' Schmutz d^^. 

wi/ m. Mistel d^. 

wis f. Schraube (vis) e^". 

wön' f. Wehr aus Steinen in 
einem Bach (harragc) d^ (vgl. 
Diez 11" V. vanne). 

zämas' m. sichelförmiger Haken 
an einer langen Stange, zum Ab- 
brechen der dürren Zweige der 
Tanne, auch rämas' und ram^s' 
(elsäss. Rabmesser) d^. 

zec' f. Sägemühle, zegat' Säge e^^, 

zet' f. Sester d'^d^e^''. 

zii^g^ zusammenschlagen (z. B. 
zwei Flaschen) e^°. 

zii|gl§ (1§ f^s') den Hintern 
bearbeiten d^, ^rzii|gl§ 1§ f?s' d^. 

zloda (de) Blitze e* (vgl. lod'), 
zla"da e^o, i zlgM' (es blitzt) e^''. 

zoc^ stossen d^. 

zwii|g^ Nüsse abschlagen d^ 
(dtsch. schwingen). 



Berichtigungen. 

S. 8 Z. 1 statt siiigye lies §iiigye. — S. 21 Z. 15 pe (^pectus) bedeutet 
„Euter" — S. 29 Z. 18 st. d^d« 1. d^d\ — S. 30 Z. 11 st. t^oe^gt' 1. 
t/oe.^9t\ — S. 32 Z. 5 v. u, gehört mo§o unter §. — S. 40 Z. 1 st. pii^jp 
l.'piildjp. — S. 51 Z. 11 v.u. fehlthinterpulio — fifo — S. 51Z. 7v.u. st. 
cute b^ 1. cute\ — S. 61 Z. 12 st. /yoe 1. /jce. — § 94 fehlt minöe (Müller) 
c^, § 181 fehlt nach b'zafS § 188 nach gerey' d'^, nach gar' f\ 



Pierer'sche Hofbnchdrnckerei. Stephan Geibel & Co. in Altenburg. 
550 



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Horning, Adolf 

Die ostfranzösischen 
Grenzdialekte 









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