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Full text of "Die physikalischen Heilmethoden in der Gynäkologie"

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Die 



physikalischen Heilmethoden 



in der Gynäkologie. 



Von 

Dr. Oscar Frankl, 

Frauenarzt in Wien. 



Nebst einem Vorwort 



von 



Professor Dr. Franz von Winckel, 

Geh. Ober-Medizinalrat, Direktor der kgl. Universitäts-Frauenklinik in Mflncben.* 



Mit 62 Textfiffuren. 



•• •• 
• • • • 

- • • • . 
• • • • 



•• 



• • * • 

• • • 



•• • • 

• • • 



1906. 

ürban & Schwarzenberg 

Berlin und Wien. 

y 



Die 



physikalischen Heilmethoden 



in der Gynäkologie. 



Von Dr. Oscar Prankl, 

Fraaenarzt in Wien. 



Oscar Frank], Die pliys, Heilmetboden in der Gynäkologie. 



VI 

Seite 

Fangotherapie 76 

Schlamm- und Limanbäder 77 

Künstliehe Bäder 77 

Literatur 78 

C. Statothermtherapie 81 

Sandbäder 82 

Statothermische Kompressen 82 

Statothermisehe Vaginalapparate 87 

Statothermische Intrauterinapparate 88 

Literatur 89 

n. Mechanotherapie 91 

Ä. Massage 91 

Bauchmassage 94 

Vaginale manuelle Behandlung -. 96 

a) Intravaginale Massage 99 

h) Dehnungs- und Lösungsbewegungen 100 

c) Hebungs- und Eedressionsbewegungen 102 

Inti'avaginale Vibration '. ' '. 110 

Literatur . . . • • 111 

B. Heilgymnastik .....' 115 

Anhang: Sport * ' 119 

Literatur 120 

G. Belastung . ..•........' 120 

Literatui- 127 

D. Lagerung 128 

Literatur 130 

E. Suktjon 131 

Literatur 133 

F. Pessartherapie 133 

Literatur ........... ^ 141 

G. Tamponade 143 

Literatm' 146 

If. Unblutige Dilatation... 146 

Literatur 149 

J. Bandagierung 150 

Literatur » 150 

m. Elektrotherapie 151 

Gralvaniseher und faradischer Strom 152 

D'Arsonvalscher Strom 160 

Sinusoidalstrom 160 

Undulatorischer Strom 161 

Kataphorese, hydroelektrische Bäder 161 

Franklinisation 161 

Mortonisation 161 

Litei-atur 161 

IV. Photo-, Röntgen- und Radiomtherapie . *. . 167 

Phototherapie . -. . ■ 167 

Röntgen- und Radiumbestrahlung -. . . - 168 

Literatur • 169 



SPEZIELLKR TEIL 171 

Hygiene. Physikaliache Prophylaxe 173 

VnlritiB ; 176 

BartholinitiB 1T5 

Proritus vulvae 175 

EraoroBis vulvae 176 

176 

Careinoma vulvae 176 

Vaginitis 177 

HyperaeaÖieBia vulvae. VagjnianwiB ■. . . . 177 

ProlapauB vaginae 178 

Deformiliten dei Scheide 178 

Urethritis 179 

Cyatitis 179 

Fnnktionsanomalien der Bliue 179 

Endometritis 181 

Metritis 183 

Atrophia uteri 185 

- - 186 

Anteversio uteri 185 

Antefleiio uteri . 186 

EetroverBio uteri 186 

Betroflezio uteri 187 

ProlapauB uteri 189 

190 

Metrorrhagie 191 

Myoma uteri 192 



^ 198 

202 

Meuarche 202 

Amenorrhoe 203 

DyBmenarrhae 204 

Menorrhagie 205 

EUmakterium 206 

SteriUtSt 207 

Anomalien der Bauehdeoken 208 

im Bereiohe des Seiualapparates 208 

Bastene 209 

... 210 

Anämie nnd Chlorose 210 

Adipositas 212 

Chroniaohe Obstipation 213 

Eooeygodynie 214 

Literatur 214 



VI 

Seite 

Fangotherapie . 76 

Sehlamm- und Limanbäder 77 

Künstliche Bäder 77 

Literatur 78 

C. Statothern^therapie 81 

Sandbäder 82 

Statothermisclie Kompressen 82 

Statothermisehe Vaginalapparate 87 

Statothermische Intrauterinapparate 88 

Literatur 89 

n. Mechanotherapie 91 

A. Massage 91 

• Bauchmassage . • 94 

Vaginale manuelle Behandlung •. 96 

a) Intravaginale Massage 99 

h) Dehnungs- und Lösungsbewegungen - • 100 

c) Hebungs- und ßedressionsbewegungen 102 

Intravaginale Vibration *.'......*. 110 

Literatur . . . ' • 111 

JB. Heilgymnastik •.....' 115 

Anhang: Sport ' * 119 

' Literatur 120 

G. Belastung . ..•........' 120 

Literatur 127 

D. Lagerung 128 

Literatur 130 

E. Suktio^ 131 

Literatur 133 

F. Pessartherapie . . , . . ^ 133 

Literatur 141 

G. Tamponade 143 

Literatm* ,•.•........•... 146 

H. Unblutige Dilatation 146 

Literatur . • , 149 

I. Bandagierung . löO 

Literatur » 150 

in. Elektrotherapie 151 

Galvanischer und faradischer Strom 152 

D'Arsonvalscher Strom 160 

Sinusoidalstrom 160 

ündulatoriseher Strom 161 

Kat^fcphorese, hydroelektrische Bäder 161 

Franklinisation 161 

• • • 

Mortonisation 161 

Literatur 161 

IV. Photo-, Röntgen- und Radiomtherapie *.*....' 167 

Phototherapie . •• . • 167 

Röntgen- und Radiumbestrahlung .....•...• 168 

Literatur • 169 



Die 



physikalischen Heilmethoden 



in der Gynäkologie. 



Von Dr. Oscar Frankl, 

Frauenarzt in Wißn. 



Oscar Frankl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 



Die 



physikalischen Heilmethoden 



in der Gynäkologie. 



Von Dr. Oscar Prankl, 

Frauenarzt in Winn. 



Oscar Frankl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 



EINLEITUNG. 



Die vorliegende Arbeit dient dem Zwecke, den Gynäkologen und 
den mit der praktischen Frauenheilkunde sich befassenden Ärzten die 
Methodik und Indikationsstellung der physikalischen Anwendungs- 
formen bei Erkrankungen des weiblichen Genitaltraktes darzulegen. 
Daß hiefür ein Bedürfnis faktisch besteht, scheint mir daraus hervorzu- 
gehen, daß gerade in den letzten zwei Jahrzehnten gleichzeitig mit 
dem Aufschwünge der allgemeinen diätetischen und physikalischen 
Therapie auch auf dem Gebiete der Frauenheilkunde die physikalischen 
Heilmethoden mit Glück angewendet wurden, ohne daß indes die 
Technik und die speziellen Anzeigen für die einzelnen Zweige des 
physikalischen Heilschatzes Gemeingut aller praktischen Gyniater geworden 
wären. Letzteres erklärt sich daraas, daß die Lehrbücher der physika- 
lischen Therapie dem Spezialfache der Gynäkologie keinen entsprechend 
breiten Eaum gewähren können, zumal sie meist in Einzeldarstellungen 
der verschiedenen Technizismen zersplittert sind, daß aber auch die 
gynäkologischen Lehrbücher infolge der grandiosen Fülle des zu 
schildernden Materiales für die physikalischen Heihnethoden keinen 
Eaum erübrigen. Dennoch ist die physikaUsche Behandlung durchaus 
kein zu verachtender Teil der Gyniatrie: Wenn sie auch nicht als 
Konkurrenzverfahren oder gar als Ersatz für die chirurgische und 
medikamentöse Behandlung aufzutreten vermag, so ist sie doch immer- 
hin im stände, günstigen Einfluß zu üben in zahlreichen Fällen, welche 
einer solchen unzugänglich sind, sowie geeignet, die operative, respek- 
tive medikamentöse Therapie aufs wirksamste zu unterstützen, einzu- 
leiten oder auch abzuschließen. 

Gleich hier muß ich, um Mißverständnissen vorzubeugen, betonen, 
daß der Tenor dieses Buches keineswegs dahin geht, daß jede Frauen- 
krankheit durch irgend einen Zweig der physikalischen Therapie geheilt 
werden kann oder doch mit einem solchen behandelt werden müsse. 
Im Gegenteil, ich beabsichtige in diesen Zeilen die Grenzen der 

1* 



IV 

In vier Abteilungen behandelt Verfasser I. die Thermotherapie, 
IL die Mechanotherapie, III. die Elektrotherapie und IV. die Photo-, 
Eöntgen- und Eadiumtherapie. Überall beginnt er mit einer Geschichte 
der Anwendung dieser Heilfaktoren, dann folgt Besprechung ihrer 
physiologischen Eflfekte, darauf ihre methodische Verwendung, und er 
schließt mit den verschiedenen Apparaten, die bei der letzteren in 
Gebrauch gezogen werden. Zum Schluß jedes Artikels ist ein gedrängter 
Auszug der wichtigsten Literatur über das bearbeitete Thema an- 
geführt. 

So ist es dem Herrn Verfasser in der Tat gelungen, eine Lücke 
in der gynäkologischen Therapie auszufüllen und für jedes Lehrbuch 
der Frauenheilkunde ein Brgänzungswerk zu liefern, welches in der 
Hand keines Frauenarztes fehlen sollte. Die kurze und doch vollständige 
Darstellung, die klare und fließende Diktion macht die Lektüre des 
Werkes zu einer erfrischenden und anregenden. 



F. V, Winckel 

München, 15. Mai 1906. 



Einleitung. 5 

der Schmerzen oder zumindest deren Reduzierung auf ein erträg- 
liches Maß. 

Wenn die physikalische Therapie gar nichts anderes leistete als 
die Verminderung unerträglicher Schmerzen, so verdiente sie schon 
darum vonseiten aller Gynäkologen eine eingehende Würdigung. Aber 
sie leistet, wie wir sehen werden, noch viel mehr. Darum hat sie auch 
nicht nur an den Wiener Kliniken, sondern auch an den bedeutendsten 
gyniatrischen Lehrstätten des Deutschen Reiches Aufnahme gefunden 
und wird in Bälde, was zu fördern Hauptzweck dieser Blätter ist, auch von 
den in der Praxis stehenden Frauenärzten allgemein akzeptiert werden 
müssen. Dann wird wohl auch die Zahl derjenigen sich verringern, von 
welchen Franz v. Winckel sagt, daß sie den alten Satz: „Qui bene 
distinguit, bene medebitur" zum Nachteile ihrer Schutzbefohlenen immer 
und um jeden Preis umwandeln in die Formel: „Qui cito et tuto 
incidit, bene sanabit." 



VI 

Seite 

Fangotherapie . 76 

Schlamm- und Limanbäder 77 

Künstliehe Bäder 77 

Literatur 78 

C, Statothermtherapie 81 

Sandbäder 82 

Statothermische Kompressen 82 

Statothermische Vaginalapparate 87 

Statothermische Intrauterinapparate 88 

Literatur 89 

n. Mechanotherapie 91 

A. Massage 91 

• Bauchmassage . • 94 

Vaginale manuelle Behandlung -. 96 

a) Intravaginale Massage 99 

h) Dehnungs- und Lösungsbewegungen • • 100 

c) Hebungs- und Eedressionsbewegungen 102 

Intravaginale Vibration *.'......*. 110 

Literatur . . . • • • 111 

5. Heilgymnastik *.....• 115 

Anhang: Sport * * 119 

• Literatur . 120 

C. Belastung . ..'........• 120 

Literatur 127 

D. Lagerung 128 

Literatur 130 

E. Suktjop 131 

Literatur 133 

F. Pessartherapie ............. . . , . . ^ 133 

Literatur 141 

Q, Tamponade 143 

Literatur .•••.-......••.. 146 

H, Unblutige Dilatation 146 

Literatur .- . • 149 

I. Bandagierung 150 

Literatur 150 

in. Elektrotherapie 151 

(jalvanischer und faradischer Strom 152 

D'Arsonvalscher Strom 160 

Sinusoidalstrom 160 

Undulatoriseher Strom 161 

Kat?iphorese, hydroelektrische Bäder 161 

Pranklinisation 161 

Mortonisation 161 

Literatur 161 

IV. Photo-, Röntgen- und Radiomtherapie \ \ \ . . -. 167 

Phototherapie . •. . 167 

Röntgen- und Radiumbestrahlung .....*...• 168 

Literatur • 169 



Begriffsbestimmung. Übersicht. 



U nter physikalischer Behandlung von Frauenkrankheiten versteht 
man die Verwertung physikalischer Potenzen zur Bekämpfung von 
Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates; es gehört dahin 
zunächst die Applikation von thermisch wirksamen Medien ver- 
schiedener Art, ferner die Wirkung von Muskel- und Schwerkraft in 
Gestalt mechanisch wirksamer Momente, wie Druck, Zug, Eeibung, 
weiters all die Kräfte, welche in Gestalt der diversen elektrischen 
Erscheinungsformen den menschlichen Organismus zu beeinflussen ver- 
mögen; auch der Wirksamkeit des Lichtes und der in neuester Zeit 
studierten Radium- und Böntgenstrahlen soll hier in Kürze 
gedacht werden. 

Ich muß bemerken, daß bei manchem der zu schildernden physi- 
kalischen Heilverfahren nicht bloß ein physikalisches Agens wirksam 
ist, sondern daß sich deren zwei oder mehrere vergesellschaften, und daß 
die Vereinigung der verschiedenen Kräfte den Heilwert der Methode 
begründet. Auch darf nicht verschwiegen werden, daß einzelne Me- 
thoden, welche den physikalischen beigezählt werden, nicht allein 
durch physikalische Faktoren wirksam werden, sondern daß sich diesen 
auch chemische Potenzen aktiv beigesellen. Trotzdem werden solche 
Methoden im folgenden ausführlich besprochen, weil die physikalischen 
Heilkomponenten in Präponderanz gegenüber der chemischen stehen. 

Wenn ich anderseits rein physikalische Methoden wie Pessar- 
therapie, unblutige Dilatation, Tamponade, Bandagierung nur ganz kurz 
bespreche, so hat dies seinen Grund einzig und allein darin, daß diese 
Heilmethoden in allen Lehrbüchern der Gynäkologie mit genügender 
Breite dargelegt werden. In diesen Blättern sollen aber vorzugsweise 
jene Methoden zur Erörterung gelangen, deren Technik und Indi^ 
kationsstellung in den gyniatrischen Lehrbüchern bisher stiefmütterlich 
behandelt wurden. 



8 Begriffsbestimmung. Übersieht. 

Die Ordnung des gesamten Stoffes ergibt sich ungezwungen aus 
dem Studium der Wirkungsart jeder einzelnen Methode. Wir fassen die 
Summe aller thermisch wirksamen Methoden zusammen unter dem 
Gesamtbegriffe der Thermotherapie (I). Je nach dem Medium, 
welches als Träger der dem Organismus zu applizierenden Temperatur 
dient, unterscheiden wir mehrere Unterordnungen. Ist die Luft das 
vermittelnde Agens, so spricht man von Agrothermtherapie (A). Da 
die Freiluftbehandlung für die Gynäkologie nicht in Frage kommt, 
ebensowenig die bewegte Luft oder die künstlich abgekühlte Luft 
bisher Verwendung fand, bleiben bloß a) die Heißluftbehandlung 
und h) die Klimatotherapie zu erörtern. Bei der ersteren kommt 
lediglich die thermische Wirkung in Betracht, bei der letzteren neben 
dieser noch andere wichtige Momente. 

Wird Wasser als Medium für die Übertragung der therapeutisch 
verwerteten Temperatur benützt, so spricht man von Hydrotherm- 
therapie (JB). Entfaltet lediglich reines Wasser thermische Wirkung, 
wobei freilich auch vielfach mechanische Prozeduren angeschlossen werden, 
so spricht man von rein hydrotherapeutischen Prozeduren (a). 
Hiebei gelangt das Wasser meist im gewöhnlichen Aggregatzustande 
zur Verwendung (a) und nimmt entweder die äußere Haut oder die 
Vagina, die Portio oder die Uterusschleimhaut zum Angriffspunkt. 
Gelangt das Wasser in dampfförmigem Zustand zur Anwendung (ß), 
so spricht man bei Applikation desselben auf die äußere Haut von 
Dampfbädern (Vaporisation), bei intravaginaler, respektive intrauteriner 
Applikation von Atmokausis. 

Ist nicht reines Süßwasser, sondern Gase und Salze enthaltendes 
Wasser bestimmt, neben der thermischen auch eine chemische Wirkung 
zu entfalten — mechanische Prozeduren werden hier seltener an- 
geschlossen — so spricht man von Balneo- und Thalasso- 
therapie (6). 

Den Übergang zwischen Hydrothermtherapie und jenem Zweige 
der Thermotherapie, bei welchem feste Medien die Temperaturträger 
sind und welchen ich als Statothermtherapie ^) (C) bezeichne, 
bilden die Moor-, Schlamm-, Liman- und Fangoapplikationen. Ich 
füge sie der Balneo- und Thalassotherapie an. Die Schwere der festen 
Medien bedingt es, daß neben der thermischen Wirkung in bedingtem 
Maße stets auch von einer mechanischen Komponente die Bede sein 
muß. Die statothermischen Körper können integumentär, endokolpisch 
und intrauterin appliziert werden. 

Die Summe aller mechanisch, das heißt durch Druck, Zug, 
Reibung, Spannung etc. wirksamen Methoden umfaßt der Gesamtbegriff 



^) Totr^fii, xh oratov 



Begriffsbestimmung. Übersicht. 9 

der Mechanotherapie (II). Dahin gehört zunächst die Massage (Ä)^ 
oft ganz fälschlich so bezeichnet. Wir haben sie zu sondern in 

a) manuelle, integumentäre Behandlung, id est Massage 
des ganzen Körpers oder eines Teiles desselben, in der Gynäkologie 
vorzugsweise der Bauchdecken, 

V) manuelle, intravaginale Behandlung, 

c) instrumentelle, integumentäre Massage mittels der ver- 
schiedenen Massageinstrumente, 

d) instrumenteile intravaginale Behandlung, vorzugsweise 
mittels Vibrationsapparates. 

Zur Mechanotherapie gehören ferner 
(B.) Die Heilgymnastik; 

(C.) Die Belastungstherapie, welche je nach der Angriffsstelle 
zu sondern ist in 

a) abdominale und 

b) intravaginale Belastung; 

(1>.) Die Lagernngstherapie, fast stets in Kombination mit 
anderen Methoden, wie Massage, Belastung, angewandt; 

(E.) Die Suktion. 

Weiters gehören zur Mechanotherapie die Pessartherapie (F.), 
die Tamponade (C), die nnUntige Dilatation (JBf.) und die 
Bandagiernng (J.), da diese Methoden fast lediglich durch die 
Wirkung der Druckkraft ihre Heilwirkung entfalten. 

Die Verwendung aller elektrischen Stromesarten, welche wir 
gyniatrisch verwerten, werden umfaßt durch die Elektrotherapie (III). 
Dahin gehört a) der galvanische Strom (Äpostolis Verfahren), 
6) der faradische Strom, c) der Arsonvalsche Strom, d) der 
Sinusoidalstrom, e) der undulatorische Strom, f) die Kata- 
phorese, g) die hydroelektrischen Bäder, fe) die Pranklinisation 
und {) die Mortonisation. 

Schließlich umfaßt eine vierte Gruppe die Wirkungen des Lichtes, 
der Röntgen- und Eadiumstrahlung und trägt den Titel Plioto-, 
KSntgen- und Badiumtherapie (IV). Die Phototherapie im engeren 
Sinne umfaßt die Methoden reiner Lichtwirkung mit Ausschluß der 
Wärmestrahlen. Auch bei der Eöntgen- und Eadiumbestrahlung ge- 
langen nur chemisch aktive Strahlen zur Wirksamkeit. 



ALLGEMEINER TEIL. 



L Thennotlierapie. 

Man findet in den Lehr- und Handbüchern der physikalischen 
Therapie stets das Kapitel „Thermotherapie" zusammenhanglos gegen- 
übergestellt der Hydrotherapie, Balneotherapie, Thalasso- und Klimato- 
therapie. Die Thermotherapie wurde eben bislang stets im allerengsten 
Sinne genommen. Wer sich aber „physikalischer Therapeut" nennt, 
muß auch die Grundelemente der Physik bei Bestimmung der Nomen- 
klatur berücksichtigen. Da geht es wohl nicht an, als thermische 
Wirkungen erst den Einfluß von Temperaturen über 35® anzusehen. ^) 
Wir können wohl in bezug auf die Diflferenz mit der Körpertemperatur, 
im Hinblick auf den Eeiz der Haut von einer differenten Thermowirkung 
sprechen und von einer indifferenten, und die differente wieder ein- 
teilen in eine positive, wärmesteigernde, wenn das Medium über 35 oder 
36® steigt, und von einer negativ-differenten, wärmeentziehenden Wirkung, 
wenn die Temperatur des betreffenden Mediums unter 34® sinkt. Aber 
zweifellos müssen wir die „thermische Wirkung" auch dem physika- 
lischen Sinne entsprechend mit „Wärme Wirkung" identifizieren und 
diese letztere beginnt bei 0®. Unter 0® beginnen die Kälteapplikationen, 
über 0® die kühlen Applikationen. 

Demgemäß läßt sich die Thermotherapie der Hydrotherapie nicht 
entgegenstellen; die Hydrotherapie ist vielmehr ein Zweig der Thermo- 
therapie und ich spreche in diesem Sinne von der Hydrothermtherapie. 
Das therapeutische Material, welches man bisher unter Thermotherapie 
subsumiert hat, gehört zum Teile der Hydi'otherm-, zum andern der 
Aerotherm- und Statothermtherapie an; ein Teil derselben gehört 
überhaupt nicht hieher, sondern in den Bereich der Phototherapie. 

Ich hielt es für notwendig, endhch in diese verworrenen Begriffe 
etwas Ordnung zu bringen, in der Überzeugung, daß die klare Grup- 
pierung der einzelnen Zweige eine Bedingung für die richtige Indi- 
kationsstellung bedeutet. 
• 

^) Alle Temperaturen sind in diesem Buche in Celsius angegeben. 



14 Aerothenntherapie. — Heißluftbehandlung. 

A. ASrothermtheraple. 

Wie bereits in der Übersicht des gesamten Stoffes hervorgehoben 
wurde, bezeichne ich als Aerothermtherapie jenen Teil der durch ther- 
mische Einflüsse wirksamen Heilpotenzen, bei welchen die Luft dem 
menschlichen Organismus die differente oder indifferente Temperatur 
vermittelt. An erster Stelle figuriert hier für den Gynäkologen die Heiß- 
luftbehandlung. Daran schließt sich die Klimatotherapie, indem wir uns 
dessen bewußt sind, daß die Temperatur der Luft durchaus nicht der 
einzige wichtige Heilfaktor bei derselben ist; dennoch gliedern wir die 
Aerotherapie, wie Nothnagel sie genannt, der Vollständigkeit halber 
hier an. Liegt doch in dieser Bezeichnung schon die Hindeutung dar- 
auf, daß die Qualitäten der Luft es sind, welche bei der Klimatotherapie 
die wichtigsten therapeutischen Momente repräsentieren. 

d) Heißlnltbehandlung. 

Historisches. Wenngleich die Anwendung hoher Temperaturen bereits 
im Altertum verbreitet war, wie aus den Hippokratischen Schriften klar 
hervorgeht, so muß doch zugegeben werden, daß das Medium, welches dem 
Körper die Wärme zu vermitteln hatte, stets ein festes oder flüssiges war. 
Die Anwendung künstlich erwärmter Luft zu Heilzwecken ist eine Errungen- 
schaft der letzten Jahrzehnte. Die Dampfapplikationen und Bäucherungen, 
welche den Alten bekannt waren, haben mit der Heißluft nichts gemein. 
Sonnenbäder waren allerdings schon im Altertum vielfach im Gebrauch. 

Wenn auch Jules Guyot schon 1835 einen Heißluitapparat ange- 
geben hat, so gebührt doch zweifellos Bier das Verdienst, die Heißluft- 
behandlung nicht bloß als erster methodisch durchgeführt zu haben, sondern 
er ist es auch, der die Heilwirkungen dieser Methode auf wissenschaftliche 
Basis gestellt hat. 1893 beschrieb Bier in der Festschrift für Esmarch die 
von ihm seit zwei Jahren geübte Technik, deren allgemeiner Gebrauch 
durch die Tallermannschen Apparate (1894) weitere Verbreitung fand. 
Thomson berichtete 1896 zuerst in der St. Petersburger medizinischen 
Wochenschrift über die Heißluftbehandlung gynäkologischer Affektionen. 
Polano beschrieb 1901 genau die Technik und umgrenzte bereits damals 
das Indikationsgebiet genauer. Bald folgte eine Eeihe von Publikationen, 
welche die Bedeutung der neuen Behandlungsmethode für die Gyniatrie ins 
richtige Licht stellte. 

Physiologisches. Die wichtigste Wirkung der Heißluft ist die 
Erzeugung einer aktiven Hyperämie, welche sich nicht bloß auf die 
Gefäße der Haut, sondern nach Klapps experimentellen Untersuchungen 
auch auf die Baucheingeweide erstreckt, wenn der Apparat die Bauch- 
haut erhitzt. Trifft die Heißluft gleich zu Beginn die Haut brüsk, so 
löst sie vorerst eine flüchtige Kontraktion der Hautgefäße aus, der 
eine sekundäre Dilatation folgt. Ist die Erwärmung der Haut eine 
allmähliche, so tritt die Vasodilatation primär ein. 

Die Hyperämie ist eine arterielle (Bier), in der Zeiteinheit strömt 
ein größeres Blutquantum durch das Gewebe als de norma. Durch die 



Aerothenntlierapie. — Heißluftbehandlung. 15 

Erweiterung der Blutbahn kommt es gleichzeitig za einem Selbstschutze 
des Gewebes gegen übermäßige Durchhitzung, indem das kreisende 
Blut als Kühlstrom wirkt. Je intensiver die Hitzewirkung ist, desto 
wirksamer wird dieser Selbstschutz durch Verstärkung der aktiven 
Hyperämie. 

Erstreckt sich die Anwendung der Heißluft auf große Körper- 
partien, so wird durch die Schweißverdunstung einerseits, durch das 
Einströmen von Gewebssaft in die Gefäße und Eindringen junger Blut- 
körperchen anderseits das Blut in seiner Qualität verändert, und zwar 
verschieden je nach dem Überwiegen des einen oder des anderen 
Momentes (v. Ezetkowski, Krebs und Mayer). Bei der für uns 
einzig in Betracht kommenden, auf den Bauch beschränkten Heißluft- 
anwendung kommt eine Veränderung der Blutbeschaffenheit nicht als 
wirksamer Paktor in Frage. 

Die Vasodilatation kommt nicht auf reflektorischem Wege, sondern 
durch direkte Erregung zustande (Goltz, Lewaschew, Ewald). 
Die Hyperämie der Eingeweide entsteht ebensowenig reflektorisch, 
sondern einfach dadurch, daß das in den superfiziellen Geweben 
erwärmte Blut in die Tiefe strömt und hier eine Erweiterung der 
Blutbahn durch direkten Reiz der gefäßerweiternden Nerven und 
Ganglien zur Folge hat, welche Erweiterung sich auf das Gebiet der 
ganzen Bauch- und Beckeneingeweide erstreckt. Daß eine Hyperämie 
in letzteren besteht, gibt sich in der nicht selten zu beobachtenden 
Sukkulenz der Gewebe bei vaginaler Exploration kund (Salom, Frankl). 
Nicht nur der Kühlstrom des Blutes, sondern auch die mit Gasen 
erfüllten Därme verhindern eine intensive Durchhitzung der Eingeweide. 

Die Wirkung der arteriellen Hyperämie ist nach Bier eine bessere 
Ernährung des Gewebes, Steigerung des lokalen Stoffwechsels, also 
eine- Vergrößerung des zellularen Abbaues, aber auch eine Verstärkung 
der regenerativen Funktionen. Es rührt dies an die wichtigsten Probleme 
der Lehre von der Entzündung. Ob es durch die Hyperämie zu 
Coupierung der Entzündung oder zur Beförderung der eitrigen Ein- 
schmelzung kommt, hängt eben davon ab, ob durch die Wirksamkeit 
des infektiösen Agens die Zelle in ihrer Lebensfähigkeit stark oder 
unbedeutend herabgesetzt wurde. Ist sie noch lebenstüchtig, so wird 
durch bessere Ernährung der Zelle unter dem Einflüsse der Hyperämie 
und der Hebung nutritiver Funktionen die antitoxische Kraft erhöht 
und der Kampf gegen die Entzündungserreger wird für die Zelle erfolg- 
reich enden. Ist die Zelle hingegen bereits schwer geschädigt, so wird 
durch die Hyperämie und die hiedurch bedingte Beschleunigung und 
Verstärkung des Stoffwechsels die eitrige Einschmelzung der Zelle 
befördert werden. Die Praxis lehrt auch, daß die Wirkung der Heißluft 
in dem einen Falle Regeneration der fixen Gewebselemente, im anderen 



16 Aerothermtherapie. — Heißluftbehandlung. 

rascheren eitrigen Zerfall bewirkt. Auch auf pathologische Produkte, 
Infiltrate, wirkt die Hyperämie in gleicher Weise: Eesorption oder 
Suppuration. Maßgebend ist die biologische Dignität des pathologischen 
Produktes, ja die Heißluftanwendung kann von diagnostischem Werte 
werden für die Beurteilung von Exsudaten je nach dem Effekte, den 
sie erzeugt. 

Die direkte Eeizung der Schweißdrüsennerven durch Umspülung 
mit erwärmtem Blute bewirkt lebhaften Schweißausbruch, der bei einer 
Temperatur von 40 — 60^ am stärksten ist, dann schwächer wird und 
zirka bei 85® gänzlich schwindet (Schreiber): Es erfolgt Lähmung 
der Schweißdrüsennerven. Durch die Verdunstung des Schweißes an 
der Körperoberfläche wird der Haut eine bedeutende Wärmemenge 
entzogen ; diese Abkühlung der Haut ist es, welche die hohe Toleranz 
gegenüber erhitzter Luft, soferne sie trocken ist, möglich macht. 
Daneben kommt freilich das schlechte Wärmeleitungsvermögen und die 
geringe Wärmekapazität der Luft in Betracht. Gleich hier sei betont, 
daß die Toleranz der Haut für trockene Luft an einzelnen Hautstellen 
bis über 100® geht, während das Maximum der erträglichen Tempe- 
ratur fQr Wasser zirka 50®, für Wasserdampf zirka 60®, für Moor und 
Fango 50—55®, für Sand beiläufig 55—65® beträgt (Grünbaum, 
Eeitler u. a.). 

Die Pulsfrequenz kann bei Heißluftvollbädern stark ansteigen; 
bei lokaler Anwendung beträgt die Vermehrung in der Eegel bloß 
einige Schläge. Der Blutdruck erscheint etwas herabgesetzt. Die Atmung 
ist ein wenig beschleunigt, die glatten Muskelfasern der Eingeweide 
erschlaffen. Letzteres Moment mag die Ursache abgeben fttr das 
Schwinden der Schmerzen bei Anwendung der Heißluft gegen einzelne 
gynäkologische Erkrankungen; doch vermag auch die Hyperämie 
schmerzlindernd zu wirken. 

Leitet man die Heißluft in die Vagina ein, so daß sie die Portio 
umspült, so kommt es zu Hyperämie und Durchwärmung der Becken- 
eingeweide. Die Toleranzgrenze liegt niedrig, weil hier die Schweiß- 
verdunstung wegfallt (Frankl). 

Heißluftsysteme. Die vielen Apparate, welche von verschiedenen 
Autoren angegeben wurden seit der Zeit, da Bier seinen ersten, höchst 
primitiven, aber doch ganz zweckmäßigen Holzkasten mit Wasserglas- 
überzug publiziert hat, lassen sich in drei Gruppen einteilen. Der Typus 
der ersten Gruppe ist der Eothsche Apparat, welcher einen Asbest- 
zylinder darstellt, der von einem geschlossenen Heizkanal umgeben ist. 
Eine Verbrennung des in dem Zylinder steckenden Körperteiles ist 
ausgeschlossen, die Heißluftverteilung eine relativ gleichmäßige. Für 
gyniatrische Zwecke sind derartige Apparate ganz unbrauchbar, da das 
Hineinschlüpfen in den Zylinder höchst lästig ist. Die zweite Gruppe 



AerothermtlierapiG. — Heißluftbehandlung. 17 

umfaßt die große Zahl der kastenartig gebauten Apparate. Ursprünglich 
wurden dieselben aus Pappel- und Erlenholz verfertigt und mit Wasser- 
glas imprägniert oder mit Asbest tiberzogen. Später wurde statt dessen 
ein Gerüst aus Eisen- oder Messingdraht mit Asbestüberzug verwendet. 
Die Heizung geschieht mittels des Quinckeschen Schornsteines, in 
welchem sich ein Bunsenbrenner oder ein Spiritusvergasungsapparat 
befindet. In diese Gruppe gehört neben dem Apparat von Bier u. a. 
jener von Krause, von Klapp, von Eeitler und von Odelga. Auch der 
elektrisch geheizte Apparat von Lamberger, das neue Modell nach 
Hilzinger-Eeiner sowie das elektrisch geheizte, ältere Modell eben- 
dieser Firma zählen hieher. Für frauenärztliche Zwecke sind von diesen 
Apparaten besonders solche zu empfehlen, welche kein geschlossenes Ge- 
häuse darstellen, sondern sturzartig über den Bauch gebracht werden 
können; es sind dies die Modelle von Hilzinger-Eeiner, Lamberger 
und Odelga. Eine dritte Gruppe umfaßt diejenigen Apparate, welche aus 
einer Eeifenbahre von Holz oder Metall bestehen, die über den Bauch 
gestülpt und durch Überdeckung mit einer Wolldecke zu einem Eaume 
abgeschlossen wird, innerhalb dessen die heiße Luft den Bauch um- 
spült. Dahin gehört der Apparat von Kehrer (elektrisch geheizt) sowie 
das alte Modell von Hilzinger-Eeiner (elektrisch, mit Gas oder 
Spiritus geheizt). Diese Apparate sind leicht transportabel und eignen 
sich besonders für bettlägerige Kranke. 

Ich will von den vielen Modellen bloß einige wenige hervorheben, 
womit indes nicht gesagt sein soll, daß der Praktiker auch mit anderen 
Systemen günstige Eesultate erzielen kann. Das ältere Modell von 
Hilzinger-Eeiner besteht aus einem Holzbogengestell, das entsprechend 
der Größe des zu erhitzenden Bezirkes ausdehnbar ist. Dasselbe wird 
über den Bauch gestellt und mit einer NaturwoUdecke bedeckt. Durch 
eine Lücke derselben wird ein Thermometer eingeführt (Fig. 1). Zur 
Seite der Patientin steht auf einem Stuhle der sogenannte Heißluft- 
sammeikasten, ein halbkreisförmiger Holzkasten mit eingebautem Blech- 
gehäuse, das jederseits in ein Eohr endet. Das eine Bohr bezieht 'die 
Heißluft von einem Quinckeschen Schornstein, das andere gibt nach 
Passage des Sammelkastens die Heißluft in den durch die Decke abge- 
schlossenen Eaum ab, innerhalb dessen sich der Eumpf befindet. Fig. 2 
stellt durch Pfeile den Weg dar, welchen die Heißluft nimmt. Damit 
der Anprall kein brüsker sei, habe ich vor das abführende Bohrende 
eine Blechasbestplatte setzen lassen, um deren Band der Heißluftstrom 
in den durch die Wolldecke (D.) abgeschlossenen Schwitzraum 
eindringt. Der Eumpf (iZ.) liegt auf einem Kissen (E,) von 115 cm 
Länge, 40 cm Breite und 25 cm Höhe. Ich habe dasselbe beigefügt, 
weil die heiße Luft sich immer zunächst an der Kuppe des Schwitz- 
raumes sammelt, wenngleich bei der in Fig. 2 wiedergegebenen An- 

Oscar Frankl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 2 



Aerothermtherapie. — Heißluftbehandlung. 



21 




(Fig. 6, J.), welche die heiße Luft nötigt, auf dem durch Pfeile gekenn- 
zeichneten Umwege in den Schwitzraum zu gelangen. Die Anwendung 
dieses Apparates macht aber auch die Lagerung der 
Kranken auf das von mir angegebene, oben be- 
schriebene Kissen notwendig, da auch hier die 
Heißluft lange Zeit auf die Kuppe des Schwitz- 
raumes beschränkt bleibt und die Bauchdecken 
diesen Schichten möglichst genähert werden 
müssen. Mit der Verkleinerung des Schwitz- 
raumes durch das Kissen sinkt die üngleich- 
mäßigkeit der Temperatur an verschiedenen 
Punkten auf ein Minimum. Der Holzsturz ist für 
Feuchtigkeit nicht durchlässig, daher sammelt sich 
bei Verwendung dieses Modelles einige Flüssig- 
keit auf der Haut, da die vorne und rückwärts be- 
findlichen Decken nicht genug Wasser verdunsten 
lassen. Man erzielt mit diesem Systeme rasch hohe 
Temperaturen, ohne daß von den Patientinnen über Brennen geklagt würde. 
Für gyniatrische Zwecke wohl verwendbar ist auch das 
System Odelga. Die Lagerung der Patientin ist eine bequeme, doch 
muß man ein spezielles Lager, am besten eine eiserne Euhebank be- 
nützen, da hier die Wärme von unten zuströmt. Bei diesem Apparate 
sind die Temperaturunterschiede im ganzen Schwitzraume sehr gering 
(Grünbaum). Die Heißluft strömt durch die Offnungen m (Fig. 7) in 
den Luftverteiler, aus dem die Heißluft durch die Öffnungen e (Fig. 8) 



Fig. 6. Schematisoher 
Schnitt durch diesen 

Apparat. 
A. Blech-Asbestplatte. 







,.__^i,N^l.^^L4^. 



1 



Fig. 7. Schematischer Schnitt 
durch den Odelgaschen Apparat. 




Fig. 8. Derselbe Appai^at, Seitenansicht. 



22 Aerothermtherapie. — Heißluftbehandlung. ^ 

in den Schwitzraum gelangt, ohne daß zu befürchten ist, daß der Boden 
des Apparates zu heiß werde. Der Körper lagert auf Spagatgurten. 
Der aus Papierlamellen mit Wasserglas-Asbestüberzug bestehende Sturz 
ist von dem Heißluftverteiler abhebbar. Die Patientin kann hiedureh 
bequem in den Apparat steigen, ohne daß dabei die G6ne verletzt 
wird. Aber das Einströmen der Heißluft von unten bedingt es, daß 
man eine speziell gebaute Metallbank anschafft, anderseits bringt 
ängstUchen Frauen das Bewußtsein, über einer Flamme zu liegen, eine 
peinliche Empfindung. Die Absorption des Schweißes und der Ver- 
brennungsflüssigkeit erfolgt hier nach Eeitlers Idee durch Ohlor- 
kalzium, das in schmalen Schälchen am Boden des Schwitzraumes liegt. 

Sehr elegant ausgeführt und leicht zu handhaben sind die neuen 
Lambergerschen Heißluftapparate. Aber ihr Anschaffungspreis ist 
relativ hoch, was gewiß ihrer Verbreitung im Wege steht. Sie werden 
durch einen elektrischen Heizkörper erwärmt, besitzen eine waschbare 
Auskleidung und lassen sich bequem applizieren. 

Die vollkommen geschlossenen, kastenartigen Systeme sind für 
gyniatrische Zwecke nicht zu empfehlen. Die Temperaturen, welche der 
Thermometer anzeigt, sind bei denselben meist illusorisch (Schreiber, 
Grünbaum); daher kommt es leicht zu Verbrennungen, weil man die 
reale Temperatur, welche auf die Bauchhaut einwirkt, nicht kennt. Die 
Trocknung der Luft mittels Ohlorkalzium ist keine vollkommene, da 
nicht der ganze Heißluftstrom über das Salz hinwegstreicht. Da es, 
wie Lamberger richtig bemerkt, wesentlich auf die Flächen Wirkung 
der Heißluft ankommt, d. h. für uns auf die Einwirkung der hoch 
temperierten Luft auf die Bauchdecke, ist es zweckmäßig, letztere in 
die höchst temperierte Kuppe des Schwitzraumes zu bringen, und das 
gelingt am besten durch sturzförmige oder Eohrbogenapparate. 

Will man die gyniatrische Heißluftbehandlung mit einer aus 
irgend welchen Gründen erwünschten allgemeinen Heißluftbehandlung 
verbinden, so wendet man das Kelloggsche Glühlichtbad als Heiß- 
luftvollbad an. Für gyniatrische Zwecke kommen indes nur streng 
lokalisierte Bäder in Betracht, denn nur diese verbürgen eine möglichst 
geringe Alteration des Gesamtorganismus. 

Heißluftduschen gegen die Bauchdecke zu richten, ist zwecklos; 
intravaginale Heißluftapplikation halte ich für einen ungerechtfertigten, 
durchaus nicht gleichgültigen Eingriff. Abgesehen davon, daß Tempe- 
raturen über 50® schon schmerzhaftes Brennen erzeugen, konnte ich 
nach endokolpischer Heißluftdusche Epidermisierung der Vaginalschleim- 
haut, xerosisartige Zustände beobachten. So bleibt nur die Heißluft- 
dusche des äußeren Genitales übrig, deren man sich zur Coupierung 
entzündlicher Infiltrate der Bartholinischen Drüsen, oder aber zur Be- 
schleunigung der Suppuration bedienen kann. Auch gegen essentiellen 



Aerothermtherapie. — Heißluftbehandlung. 28 

Pruritus vulvae bringt man die Heißluftdusche zuweilen mit Erfolg in 
Anwendung. Die von Eudolph vorgeschlagene Einleitung der Heißluft 
mittels Eöhrenspekulums ist entbehrlich. Für die Heißluftdusche kommt 
der Apparat von Frei, Vorstädters Kalorisator, der Thermoaerophor 
nach ,Eeich, die heiße Kohlensäuredusehe nach Herz in Betracht. 
Übrigens leistete mir eine einfache Bohre von 10 cm Durchmesser, 
welche an den Quinckeschen Schornstein angefügt wurde, die gleichen 
Dienste. Der ihr entweichende Heißluftstrom läßt sich mit Leichtigkeit 
gegen jedes Ziel dirigieren. 

Technisches. Vor Beginn jeder Heißluftbehandlung ist das Herz 
genau zu untersuchen. Frauen mit Vitien, insbesondere mit Erkrankungen 
des Myokards, vertragen die Heißluftbehandlung nur dann gut, wenn 
dieselbe auf kleine Körperpartien beschränkt bleibt. Überhaupt wächst, 
wie E eitler richtig hervorhebt, die physiologische Wirkung der 
Heißluft nicht bloß mit der Höhe der wirksamen Temperatur, sondern 
insbesondere mit der Größe des der hohen Temperatur ausgesetzten 
Bezirkes. Daher ist die strenge Lokalisation auf den dem Krankheits- 
herd entsprechenden Hautbezirk zweckmäßig (Lamberger). 

Tuberkulöse Zerstörungen an den Lungen verbieten nur dann die 
lokale Heißluftbehandlung, wenn sie hochgradig sind ; ich habe wiederholt 
bei leichteren Spitzenaffektionen Heißluftbehandlung der Genitalorgane 
ohne Schaden für das Allgemeinbefinden durchgeführt. 

Die Dauer jeder einzelnen Sitzung soll anfangs 20 Minuten be- 
tragen, später kann sie — je nachdem es der Fall erfordert — bis zu 
einer Stunde ansteigen. Zuweilen ist es zweckmäßig, einen kalten Um- 
schlag auf den Kopf zu applizieren, insbesondere bei anämischen und 
fettleibigen Individuen. Nach Schluß der Sitzung mache man eine 
kalte Abreibung der Bauchhaut (Dützmann), eventuell nach Lam- 
bergers Vorschlag statt dessen eine Abreibung mit Franzbranntwein. 
Jedenfalls muß die Kranke eine halbe Stunde nach der Beheizung 
ruhen. Nur hohe und große Zimmer gestatten die Verwendung von 
Gas oder Spiritus als Wärmequelle. Denn die in die Luft strömenden 
Verbrennungsgase (Kohlenoxydgas, Kohlensäure) verunreinigen die Luft 
und können, wie Lamberger betont, gelegentlich Beschwerden ver- 
ursachen, welche man auf die Einwirkung der Hitze zu beziehen ge- 
neigt ist, z. B. Schwindel, Flimmern vor den Augen, Angstgefühl etc. 
Bei elektrischer Heizung fällt dieses Moment weg. 

Man beginne in den ersten Sitzungen mit höchstens 70^, nämlich 
real in der Höhe der Bauchhaut gemessen, und steige prinzipiell nie 
über 95®. Es werden Verbrennungen sicher zu vermeiden sein, wenn 
man die Thermometerkugel bis an die Bauchhaut vorschiebt und dann 
um 1 — 2 cm hebt. Die Zahl der Sitzungen richtet sich selbstverständlich 
nach dem Falle ; die Behandlungsdauer kann sich auf Monate erstrecken. 



24 Aerothermtherapie. — Heißluftbeliandliing. 

An den Spinae anteriores superiores tritt manchmal Brennen auf, 
weil diese Hautstellen schwächer schwitzen und die Knochen nahe 
der Oberfläche liegen. Man lenkt den HeüJluftstrom ab oder bedeckt 
die betreffenden Stellen mit Watte. 

Jede Heißluftkur muß unter ständiger sorgfältiger Beobachtung 
der Temperatur und des Pulses, insbesondere der Temperaturschwan- 
kungen an dem der Behandlung folgenden Abend geschehen. Der 
Krankheitsherd ist durch Inspektion, Palpation, Perkussion und endo- 
kolpische Exploration zu kontrollieren. Dazu kommt eine häufige Unter- 
suchung des Blutes mit sorgfältiger Leukozytenzählung (Ourschmann). 
Nur so ist es möglich, unliebsame Zwischenfälle zu vermeiden und den 
Moment, in dem die Kontraindikation gegen die Portsetzung der Heißluftkur 
etwa eintritt, sicher zu entdecken. Ist die eitrige Einschmelzung un- 
erwünscht, so ist bei Auftreten von Fieber, Leukozytose, Verstärkung 
der Schmerzen am locus morbi die Beheizung sofort abzubrechen. Ist 
indes die Suppuration erwünscht, so ist es unsere Aufgabe, zu verhüten, 
daß der Durchbruch an ungünstiger Stelle erfolge. Lokalisierung des 
Heißluftstromes gegen eine bestimmte Stelle, eventuell Unterbrechung 
der Behandlung für einige Tage, wenn trüber Urin auftritt oder Blasen- 
beschwerden einsetzen, ebenso bei Brechreiz und Empfindlichkeit der 
Bauchdecken werden meist dem Durchbruche an unerwünschter Stelle 
auszuweichen ermöglichen. Über die Kombination der Heißluft mit 
Massage und Belastung habe ich bereits 1904 auf dem Balneologen- 
kongreß zu Abbazia ausführlich gesprochen. Darüber soll einiges 
unten folgen. 

Wirkungen der Heißlufttherapie. Die auffallendste Wirkung 
der Beheizung ist das Schwinden der Schmerzen bei entzündlichen 
Prozessen (Bürger). Mau erlebt es nicht selten, daß während der 
Sitzung hochgradig gewesene Schmerzen schwinden und mehrere 
Stunden fernbleiben. Freilich stellen sich die Beschwerden wieder ein, 
zumeist aber mit geringerer Heftigkeit und man hat oft die Freude, 
bei Exsudaten im Parametrium und Beckenperitoneum, bei entzünd- 
lichen Adnextumoren nach einer Reihe von Sitzungen vollkommene 
Schmerzfreiheit konstatieren zu können. Der objektive Befund wird bei 
Adnextumoren nur dann ein anderer, wenn daneben ein Odem oder 
ein Infiltrat im Parametrium, ein subseröses Ödem vorhanden war. 
Diese Erscheinungen schwinden und durch die Entspannung tritt 
gleichfalls Nachlassen der Schmerzen ein. 

Exsudate fallen der Lösung und Resorption anheim (Kehr er, 
Polano, Salom), oder aber sie werden zu eitriger Einschmelzung ge- 
bracht und sind dann durch Inzision zu entleeren. Ödematöse Schwel- 
lungen der Ovarien, Tuben, Parametrien schwinden nach wenigen 
Heißluftsitzungen. Ist indes Eiter vorhanden, so ist von der Beheizung 



Aerothermtherapie. — Heißluftbehandlung. ' 25 

nichts zu erhoffen. Die Eesorption eines frischen abgesackten Eiter- 
herdes ist weder erwünscht, noch ist sie durch die Heißluft zu er- 
zielen. Es liegt vielmehr die Gefahr der Buptur eines Eitersackes und 
des Eiteraustrittes ins Peritonealkavum vor. Darum ist bei Verdacht 
auf Eiterherde oder bei sicherer Erkennung derselben größte Vorsicht 
geboten. 

Adnextumoren im chronischen Stadium, die nicht mit Fieber- 
schwankungen einhergehen, deren Heißluftbehandlung auch kein Fieber 
hervorruft, können zuweilen durch Kombination der Beheizung mit 
Massage und Belastung zu bedeutender Verkleinerung gebracht werden. 
Tumoren, deren bloße Berührung vor der Beheizung große Schmerzen 
hervorrief, können nach derselben ohne nennenswerte Schmerzen einer 
Belastung oder Massage unterworfen werden. 

Die Hyperämie, welche durch die Heißluft erzeugt wird, macht 
sich deutlich bemerkbar bei der Behandlung von Narben und schwie- 
ligen Strängen im Parametrium und am Perimetrium, welche den 
Uterus und seine Anhänge dislozieren und an abnormer Stelle fixieren. 
Vorher hart gewesene Stränge werden durch die Heißluft sukkulent 
und ihre manuelle oder vibratorische Dehnung wird so ohne Schmerzen 
ausführbar. Es gelingt so nicht selten, eine Deviation des Uterus, 
welche man zuvor als durch flächenhafte Fixierung aussichtslose an- 
gesehen, nach mehreren Sitzungen zu beheben und die korrigierte 
Lage durch ein Pessar dauernd zu erhalten. 

Indikationen und Kontraindikationen. Als strikte Gegen- 
anzeige gilt nach den Erfahrungen aller Autoren Fieber: Ich möchte 
hinzufügen, Fieber, welches durch den Krankheitsprozeß am Genitale 
hervorgerufen wird. Denn wenn etwa eine gleichzeitig bestehende In- 
disposition leichte Temperatursteigerung hervorgerufen hat, so gibt dies 
noch keine Gegenanzeige der Heißluftkur ab. Blutungen aus dem Ge- 
nitale verbieten die Beheizung nur dann, wenn sie menstruell sind 
oder auf Erkrankung der Mukosa oder Muscularis uteri beruhen. 
Durch eine Affektion der Eierstöcke ausgelöste Blutungen verbieten die 
Heißluftbehandlung nicht. Schwangerschaft gilt als strikte Kontra- 
indikation. Leichte Spitzenaffektionen der Lunge verbieten die Beheizung 
nicht, denn die lokale Behandlung bewirkt keine Abmagerung. Schwere 
Lungentuberkulose, Herzfehler im Stadium der Inkompensation, ins- 
besondere Degeneration des Myokards lassen die Heißluftbehandlung 
unstatthaft erscheinen. 

Indiziert ist dieselbe bei ödematöser Schwellung der inneren 
Genitalien, bei nicht eitrigen, insbesondere alten, harten Exsudaten im 
Parametrium und Pelviperitoneum, bei nicht eitriger Entzündung der 
Adnexe im chronischen Stadium ; ferner bei geschrumpften Parametrien 
nach Ablauf einer Parametritis, bei der Infiltration der Sakrouterin- 



26 Aerothenntherapie. — Literatur. 

ligamente und der sogenannten Parametritis posterior, die bekanntlich 
in der Mehrzahl der Fälle die Bezeichnung Perimetritis Douglasi 
verdient; sodann bei Vorhandensein von narbigen Strängen, welche den 
Uterus und die Adnexe dislozieren, alterieren und an abnormer Stelle 
fixieren. Auch bei Laktationsatrophie des Uterus (Thomson) und 
chronischer Metritis sowohl im Stadium der ödematösen Schwellung 
als auch in jenem der Bindegewebshyperplasie ist die Heißluft von 
Nutzen. 

Die Versuche bei Amenorrhoe und Infantilismus fielen meines 
Wissens bisher nicht sehr ermutigend aus. Bei Fett- und Hängebauch 
ist eine auf größere Bezirke ausgedehnte Heißluftbehandlung nicht 
selten von Abmagerung begleitet. Doch muß gleichzeitig die Diät und 
sonstige Lebensweise reguliert werden. Ich bin in der Lage, über 
günstige Erfolge bei Infiltration der Blasenwand im Verlaufe und nach 
Ablauf von gonorrhoischer Zystitis sowie bei Perizystitis nach epi- 
typhlitischem Abszeß zu berichten. Die Heißluftdusche findet, wie 
bereits erwähnt, bei Bartholinitis und essentiellem Pruritus Anwendung. 

Literatur.*) 

B e 1 w, Die bisherigen Ergebnisse der elektrischen Liohttherapie. Zeitsehi*. f. diät. 

u. phys. Ther. Bd. I, p. 177. 
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f. Esmarch. 1893. 

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Bürger, Zur Heißluftbeh. gynäkol. Erkrankungen. Wiener klin. Wochenschr. 1902. 
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Ther. Bd. II. p. 160. 
Dützmann, Diagnose u. Behandlung der Exsudate. Monatsschr. f. Geb. u. Gyn. 

Bd. XVI, H. 

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Frankenhäuser, Über die sti*ahlende Wärme u. ihre Anwendung a. d. menschl. 

Köi-per. Zeitsehr. f. diät. u. phys. Ther. Bd. VH, p. 364. 
Frey, Die Heißluftdusche u. ihre Bedeutung i. d. Aerotherapie. Zeitsehr. f. diät. u. 

phys. Ther. Bd. HI, H. 8. 



*) Dieses und die folgenden Literaturverzeichnisse erheben durchaus nicht 
Anspruch auf Vollständigkeit ; sie nennen bloß die wichtigsten Arbeiten, welche für 
das Studium der betreffenden Themen unerläßlich sind. 



Literatur. 27 

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H. 10. 

Goldscheide r. Physiologisches zur Thermotherapie. Handb. d. phys. Ther. B. I. 
Goltz u. Ewald, Der Hund mit verkürztem Rückenmarke. Pflügers Archiv. Bd. LXIII. 
Grawitz, Klinisch - experimentelle Blutuntersuchungen. Zeitschr. f. Min. Medizin. 
1892, H. 21 u. 22. 

— Bemerkungen z. d. Artikel : „Neue Untersuchungen über Blutveränderungen nach 
thermischen Eingriffen" von Dr. W. Wintemitz. Zentralbl. f. innere Medizin. 1894. 

— Bemerk, z. d. Artikel des Dr. A. Löwy : „Über Veränderungen des Blutes durch 
thermische Einflüsse". Berl. klin. Wochenschr. 1896. 

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Zentralbl. f. innere Medizin, 1899. 

Grünbaum, Zur Physiologie u. Technik der Heißluftbehandlung. Zeitschr. f. diät, 
u. phys. Ther. Bd. NI, p. 439. 

Guyot (Empfehlung des ersten Heißluftapparates), Archives gene'rales de medecine, 
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Heinsius, Die Heißlufttherapie bei Frauenkrankh. Berl. Klinik. 1904, H. 194. 

Hoffheinz, Über das Verhältnis von Hyperämie u. Hyperidrosis bei lokaler Appli- 
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Winternitz, Neue Untersuchungen über Blutveränderungen nach thermischen Ein- 
griffen. Zentralbl. f. innere Medizin. 1893, Nr. 49. 



b) Klimatotherapie. 

Historisches. Die ersten Anfänge der Klimatotherapie reichen bis 
ins Altertum zurück. In den Hippokratischen und Gralenischen 
Schriften, auch bei Celsus, finden wir bereits beachtenswerte Indikations- 
stellungen für den Grebrauch klimatischer Heilfaktoren. Im XYm. Jahrhundert 
wurde die Klimatotherapie durch Friedrich Hoff mann zuerst auf wissen- 
schaftliche Basis gestellt, deren Festigung jedoch erst dem im XIX. Jahr- 



Klimatotherapie. 29 

hunderte erfolgten Aufschwünge der meteorologischen Wissenschafken zu 
danken war. Was die Klimatotherapie der Frauenkrankheiten anlangt, 
muß leider eingestanden werden, daß wir nicht bloß an zusammenfassenden 
Schilderungen, sondern sogar an Einzeldarstellungen Mangel leiden — eine 
Lücke, welche in Anbetracht der Wichtigkeit des Themas bald wird aus- 
gefüllt werden müssen. 

Physiologisches. Da eine direkte klimatotherapeutische Beein- 
flussung des erkrankten Genitales nicht möglich ist, haben wir uns hier 
nicht mit den bis heute unerforschten Wirkungen des Klimas auf den 
Urogenitalapparat zu befassen, sondern die Wirkung desselben auf den 
Gesamtorganismus zu berücksichtigen. Da ist zunächst daran zu denken, 
daß in der mittleren Wärme von 15—20^ der Stoffwechsel des schwäch- 
lichen Menschen geschont wird, die Kohlensäureproduktion geringer ist 
als bei kühlerer Lufttemperatur. Ungenügende Durchblutung der Haut 
erzeugt bei schlecht genährten Individuen Frostgefühl, wenn auch die 
Luft nicht kühl ist. Bei guter Durchblutung der Haut ist dies nicht 
der Fall. Auch der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist physiologisch von 
Belang. Mäßiger Feuchtigkeitsgehalt der Luft wirkt auf den Stoffwechsel 
leicht herabsetzend, auf das Nervensystem beruhigend. Bei starker 
Sättigung der Luft mit Wasserdampf kommt es zu mangelhafter Schweiß- 
verdunstung, dadurch Zurückhaltung der Wärme in der Haut und 
konsekutiver Vasodilatation (Eubner), soferne die Konstitution eine 
solche gestattet. Bei sehr fetten Personen ist aber letzteres eben nicht 
der Fall. Auch die Sonnenstrahlung (Insolation), mit ihr in Verbindung 
die Wirkung des Lichtes und der Sonnenwärme sind von maßgebender 
physiologischer Wirksamkeit. Die Luftbewegung wirkt bei mäßiger 
Intensität anregend auf das Nervensystem, indes heftige Winde erregend 
wirken, insbesondere wenn sie kalt und trocken sind (Kisch). Die 
Bedeutung der Reinheit der Luft, des Fehlens von Staub und Mikro- 
organismen, des Ozonreichtums ist allgemein bekannt. 

Die Wirkung der Höhenluft auf den Organismus äußert sich bei 
1000 — 1200 m Seehöhe (subalpines Klima) in Anregung der Atmungs- 
frequenz und Atemgröße, Beschleunigung des Pulses, Steigerung des 
Stoffwechsels, Vermehrung der roten Blutkörperchen und Erhöhung 
des Hämoglobingehaltes des Blutes, Erhöhung der Appetenz. Die 
Steigerung sämtlicher Funktionen des Organismus setzt aber voraus, 
daß der Körper einer solchen Mehrleistung noch gewachsen ist. Ist 
dies nioht der Fall, so treten Akklimatisationsbeschwerden auf, welche 
sich bei kräftigerer Konstitution erst in viel bedeutenderer Höhe ein- 
stellen. Sie bestehen in Schlaflosigkeit, nervöser Unruhe, Herz- und 
Atembeschwerden, Schwindel, Appetitlosigkeit und beruhen auf einer 
Inkongruenz zwischen Mehranforderung auf den Stoffwechsel und 
Leistungsfähigkeit des Organismus. 



30 Klimatotherapie. 

Das Gleiche gilt für die Nord- und Ostseebäder, sowie während 
der Monate Dezember bis Februar für einige Orte an der Riviera. 
Wenngleich das ozeanische Klima ein limitiertes ist, d. h. wenn die 
Tag- und Nachttemperatur auch nicht so schwankend ist wie auf dem 
Festlande, die Luftreinheit eine bedeutende ist (die Vermehrung des 
Ozongehaltes ist unerwiesen, der Kochsalzgehalt, ebenso die Anwesenheit 
von Jod und Brom in der Seeluft werden von Hill er negiert), wenn- 
gleich die Wirkung der chemischen Strahlen des Lichtes an der See 
eine besonders kräftige ist, darf doch nie vergessen werden, daß die 
Windstärke daselbst eine bedeutende, der Luftdruck ein hoher ist. 
Daher ist auch hier die Voraussetzung eines nicht zu sehr geschwächten 
Organismus maßgebend, um Störungen des Gleichgewichtes auszu- 
weichen. 

Bezüglich der klimatischen Beeinflussung der Menstruation wissen 
wir, daß durch warmes und Seeklima die Blutung verstärkt, durch 
kühles und Höhenklima die menstruelle Blutung abgeschwächt wird 
(Kisch u. a.). 

Indikationen. Wahl der klimatischen Station. Nicht die 
Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates an sich, sondern 
durch sie hervorgerufene Schädigungen und Allgemeinerkrankungen, 
anderseits auch Allgemeinerkrankungen, welche mit Symptomen am 
Genitalsysteme einhergehen, geben die Indikationen zu klimatotherapeu- 
tischem Handeln ab. Dahin gehören zunächst Schwächezustände nach 
Blutverlusten und gyniatrischen Operationen, sodann nervöse Kompli- 
kationen, welche aus dem Bestehen von Lageanomalien und Adnex- 
erkrankungen resultieren, ferner Neurasthenie im Gefolge unhygienischen 
Geschlechtslebens, sei es durch allzu häufig oder widernatürlich geübten 
Koitus, durch Onanie, durch Impotenz des Mannes. Von den Allgemein- 
erkrankungen, welche mit Erscheinungen am Geschlechtsapparat einher- 
gehen, ist die Chlorose, die Anämie und die Adipositas hier in 
Betracht zu ziehen. 

Hochgradig geschwächte, ausgeblutete, oligämische und chloro- 
tische Individuen vertragen weder das Höhenklima noch kühle, bewegte 
Seeluft. So bleiben nur die südlichen Küstenklimate an der Eiviera 
di ponente, allen Orten voran Bordighera, ferner Malta, Malaga, die 
Balearischen Inseln, in der Zeit außerhalb der Monate Dezember bis 
Februar auch Oapri, Ischia, Palermo, während dieser Zeit besser die 
Südküste Siziliens und Ägypten zur Wahl. Bei chlorotischen, aber dabei 
fettreichen, pastosen Individuen bewährt sich Meran, Gries, Arco, 
Abbazia ; wird tuberkulöse Veranlagung befürchtet, so kann bei erhal- 
tener Eesistenz Arosa, Davos, Samaden, vom April bis November 
Oapri, Ajaccio etc. empfohlen werden. Man zieht bei nervösen, un- 
ruhigen Individuen die feuchteren Orte (Abbazia, Ajaccio, Venedig, 



Klimatotherapie. 31 

Oapri) vor, bei torpiden die trockenen Orte (Bordighera, Kairo, Davos, 
Arosa, Meran). Höhenluft und Seeklima mit bewegter Luft ist erst 
dann vorteilhaft, wenn nach Gebrauch eines indifferenteren Klimas 
eine gewisse Besistenzfähigkeit erlangt wurde. Man wähle vor dem 
alpinen stets zur Vorbereitung subalpines Klima. Die Akklimatisations- 
beschwerden, auf welche der Arzt die Patientin schon früher auf- 
merksam machen muß, sollen nach längstens zwei Wochen geschwunden 
sein. Ist dies nicht der Fall, dann ist die Kranke unverweilt wieder 
in niedrigere Eegionen zu bringen. 

Fettleibige Personen, deren Herz keine Fettdurchwachsung auf- 
weist, befinden sich nach Überwindung der Akklimatisationsbeschwerden 
im Mittelgebirge meist sehr wohl. Zweckmäßige Bewegung, die syste- 
matisch in ihrer Qualität und Quantität gesteigert wird, fördert den 
Stoffwechsel und die Verbrennung des überschüssigen Fettes. Damit 
geht Hand in Hand eine Anregung der Zirkulation und Behebung der 
venösen Stase in den Abdominalorganen mit deren oft sehr lästigen 
Erscheinungen seitens des Genitalapparates (Druckgefühl, Blutungen, 
Kreuzschmerz), der Obstipation und allgemeiner Erscheinungen (flüch- 
tiger Wallungen, Kopfschmerzen, Flimmern vor den Augen, Brechreiz, 
Übelsein, Melancholie). Bein klimakterische Beschwerden sind klimato- 
therapeutisch nicht zu beeinflussen. 

Die Neurasthenie wird zweifellos nicht durch klimatische Ein- 
flüsse allein geheilt, vielmehr ist das gleichzeitig eingehaltene physische 
und psychische Begime, die absolute Fernhaltung der zuvor wirksam 
gewesenen Schädlichkeiten, die zielbewußte Leitung der Patientin 
durch einen einsichtsvollen und sachkundigen Arzt die Hauptsache. 
Immerhin macht man nicht selten die Erfahrung, daß auch klimatische 
Einflüsse für die Heilung von hoher Bedeutung sind. Kein Geringerer 
als Nothnagel hat darauf hingewiesen, daß der einen Patientin Höhen- 
klima, der anderen das Klima einer sonnigen, warmen Küste, der 
dritten Niederwald Nutzen bringt, daß nicht allein die Beurteilung des 
somatischen Zustandes der Kranken maßgebend ist für die Wahl des 
Ortes, sondern auch die Neigungen der Patientin, äußere Verhältnisse, 
Ablenkung des Geistes und Anregung die ersehnte Heilung bringen. 
Daß selbstverständlich vor dem Versuche einer klimatotherapeutischen 
Beeinflussung der Neurasthenie ein lokales Übel (Lageanomalien, ent- 
zündliche Prozesse etc.) beseitigt werden müssen, ist selbstverständlich. 

Es ist bekannt, daß die Klimatotherapie durchaus nicht immer 
Heilung bringt. Das Beste leisten immer noch die Heilanstalten, 
welche eine beständige Beaufsichtigung der Patientinnen ermög- 
lichen und denen verschiedene Kurbehelfe, wie Hydrotherapie, 
Massage, Mechano- und Elektrotherapie etc. zur Verfügung stehen. 
Die Zahl dieser Anstalten ist in Österreich und Deutschland 



32 Hydrothermtherapie. — Hydrotherapie. 

SO groß, daß kein Arzt in Verlegenheit sein wird, wenn er in die Lage 
kommt, eine solche zu empfehlen. Natürlich ist die Lage des Etablis- 
sements zu berücksichtigen. Sehr geschwächte und fette Frauen mit 
Herzaflfektionen wird man nie in Anstalten, die über 800 m hoch liegen, 
bringen dürfen. 

Sonnenbäder werden vielfach in von „Naturheilkünstlern" gelei- 
teten Anstalten nicht bloß gegen Konstitutionskrankheiten, sondern 
auch gegen Genitalleiden vielfach angewendet. Doch steht die Ab- 
grenzung des Indikationsgebietes und die physiologische Fundierung 
dieser therapeutischen Methode derzeit noch auf zu schwachen Beinen, 
als daß sie in diesem Buche Beachtung finden dürfte. 

Literatur. 

Clar, Die Winterstationen im alpinen Mittelmeergebiete. Wien 1894. 
Determann u. Sehr öder, Die Einwirkungen des Höhenklimas auf den Mensehen. 

Volkmanns Samml. klin. Vortr. 1903, N. F. Nr. 337—338. 
Eiehhorst, Höhenlufttherapie. Handb. d. phys. Ther. 1901. 
He lim er, Heliotherapie. Zentralbl. f. d. ges. Ther. 1901, H. 1. 
Hill er. Klimatische Verhältnisse bei der Thalassotherapie. Handb. d. phys. Ther. 

Bd. I. 
Kisch, Klimatotherapie. Lehrb. der allg. Ther. Bd. I. 

Klein, Die Seereise als Heilmittel. Zeitsehr. f. diät. u. phys. Ther. Bd. I, p. 152. 
Lahmann, Das Luftbad als Heil- und Abhärtungsmittel. Ebenda, p. 112. 

— Das Luftbad. 1898. 

Löwy u. Eiehhorst, Höhenlufttherapie. Handb. d. phys. Ther. Bd. I, T. 1. 
Nothnagel, Klimatotherapie. Ärztliche Erfahrungen über Klima und klimatische 

Kurorte (Aerotherapie). Handb. d. phys. Ther. Bd. I, T. 1. 
Pagel, Histor. Einleitung zur Klimato- und Höhenlufttherapie. Ebenda. 
Rubner, Klimatologisches und Physiologisches. Ebenda. 
Sunderland, üterine Haemorrhagie as affected by the elimate of altitude. Lancet 

1898. 
Weber, Seereisen. Handb. d. phys. Ther. Bd. I. 

— Zur therapeutischen Verwertung von Seereisen. Zeitsehr. f. diät. u. phys. Ther. 
Bd. m, p. 18 u. 363. 

B. Hydrothermtherapie. 

a) Hydrotherapie. 

a) Verwendung des Wassers in gewöhnlichem Aggregat- 
zustande. 

Wie bereits bemerkt, bin ich nicht geneigt, die Einwirkung von 
Temperaturen unter 34^ als Kältewirkung zu bezeichnen. Weder im 
Sinne der Physik, noch nach landläufigen Begriffen geht es an, bei- 
spielsweise Wasser von 24—30^ als kaltes Wasser zu bezeichnen. Um 
Unklarheiten zu vermeiden, schlage ich vor, nur Temperaturen unter 
0^ als kalte, von 0—20^ als kühle, die nächst höheren als laue zu 
benennen. Die Psychrotherapie beginnt also bei Einwirkung von Tem- 



Hydrotherapie. 33 

peraturen unter 0^, wie solche z. B. durch Eis, Verdunsten von Äthyl- 
chlorid, flüssige Kohlensäure etc. erzeugt werden. 

Die Verwendung rein hydrotherapeutischer Prozeduren schließt 
nicht bloß thermische Wirkungen in sich, wenn auch diesen be- 
züglich der physiologischen Bedeutung die erste Bolle zufällt. Nebenher 
ist gewiß auch die mechanische Wirkung von Belang, welche teils 
durch die Applikationsform des Wassers selbst bedingt oder durch 
gleichzeitig vorgenommene mechanische Aktionen (Friktionen etc.) er- 
zeugt wird. Alle Prozeduren, bei welchen chemische Potenzen mit- 
wirken, sind in die Balneotherapie einzureihen. 

Historisches. Es ist bekannt, daß Hippokrates als der Erste die 
Hydrotherapie methodisch zu Heilzwecken verwertete, womit nicht gesagt 
sein soll, daß nicht vor ihm der günstige Einfluß kühler Wasserprozeduren 
schon vielfach bekannt war. Bei Asklepiades, Celsus, Gralenus finden 
sich Angaben über den Grebrauch hydro- wie insbesondere balneothera- 
peutischer Maßnahmen. Nach einer Periode schwerer Stagnation der Hy- 
driatik im Mittelalter trat Friedrich Ho ff mann in Halle zu Beginn des 
18. Jahrhunderts formlich als Neuentdecker der Hydrotherapie auf. Aber 
erst im 19. Jahrhundert wurde durch Wilhelm Winternitz der glück- 
liche Versuch unternommen, die Hydrotherapie auf wissenschaftliche Basis 
zu stellen und er ist als der Vater der auf physiologischer Grrundlage 
fußenden Hydrotherapie heute allgemein anerkannt. Erst durch Winternitz 
und seine Schule wurde die Bedeutung hydrotherapeutischer Prozeduren 
für die Gryniatrie in das richtige Licht gestellt. 

Die endokolpische Irrigation wurde durch Kiwi seh, welcher auch 
die erste brauchbare Irrigationskanne angab (1845), zum Gremeingut der 
Ärzte gemacht. Eunge schuf die physiologische Fundierung dieser Technik 
(1877). Doch steht fest, daß schon Galenus und Avicenna Scheiden- 
spülungen mit Dekokten verschiedener Art empfohlen haben. Nach Chrobaks 
Mitteilungen wurde die aufsteigende Dusche zuerst von Christian Bar- 
zizius (1450) und Konrad Gressner (1530) gebraucht. Die Bedeutung 
der intrauterinen Irrigation wurde von Landau (1875) und Windelban'd 
allgemein bekanntgemacht, nachdem schon vorher Vignerie und Lisfranc 
solche vorgenommen hatten. (Chrobak.) 

Physiologische Vorbemerkungen. Man hat in physiologischer 
Hinsicht scharf zu unterscheiden zwischen in tra vaginaler und zwischen 
integumentärer Einwirkung des Wassers. Der Unterschied besteht darin, 
daß bei der Scheidenspülung das die differente Temperatur vermittelnde 
Medium direkt an die Portio gelangt, respektive gelangen soll, daß die 
dem Scheidengewölbe ungemein nahe liegenden Teile des inneren 
Genitales bei einigermaßen längerer Dauer des thermischen Eeizes direkt 
erwärmt, respektive abgekühlt werden können, weil nur eine dünne 
Gewebsschicht und ein dünnes Gefäßnetz zwischen jenen und der 
Scheidenschleimhaut liegen. Dazu kommt die thermische, bei höherem 
Wasserdruck auch die mechanische Eeizung des dem Scheidengewölbe 
nahe gelegenen zervikalen gangliösen Nervenplexus, deren Effekte man 

Oscar Frankl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 3 



34 Hydrotherapie. 

durch Touchieren per rectum jederzeit leicht konstatieren kann (Frankl). 
Anders beim Bade, Umschlage und allen übrigen hydriatischen Proze- 
duren, welche die Haut zum Angriffspunkt nehmen. Der thermische 
Reiz wird gar nicht oder in gänzlich zu vernachlässigender Weise dem 
inneren Genitale vermittelt und nur die Beeinflussung der Zirkulation 
sowie des üterustonus ist maßgebend für die Wirksamkeit der an- 
gewandten Methode. 

Wie bereits früher erwähnt wurde, wehrt sich der Organismus 
gegen das Eindringen höherer Temperaturen durch die Haut in tiefere 
Gewebe und Organe mittels des Kühlstromes, welchen das Blut in den 
durch die Wärmeeinwirkung erweiterten Gefäßen repräsentiert. Gleich- 
zeitig wird die Wärmeabgabe vermehrt durch Erweiterung der Blutbahn, 
vermehrten Eiweißzerfall und Schweißabgabe. Gegen die Wärmeent- 
ziehung durch negativ diflferente Temperaturen, d. h. gegen tiefe Ab- 
kühlung bei kühlen Prozeduren, wehrt sich der Organismus gleichfalls, 
aber in viel geringerem Maße. Denn die durch den thermischen Beiz 
bewirkte Kontraktion der Blutgefäße, die Verengerung der Blutbahn 
bewirkt, daß der Wärmestrom, den das Blut nunmehr darstellt, nicht 
so vollkommen gegen die Durchkühlung des Gewebes ankämpfen kann. 
Hingegen wird die Wärmeabgabe durch die Vasokonstriktion vermindert, 
und die Wärmeproduktion erhöht durch Steigerung des StoflFumsatzes 
und Erhöhung der Oxydationsprozesse, was hauptsächUch durch Muskel- 
aktionen bewirkt wird (Liebermeister). 

Über die Beziehung der Eingeweidegefäße zu dem Kontraktions- 
zustande der thermisch gereizten peripheren Gefäße vergleiche man das 
im Kapitel „Heißluft" Gesagte. 

Auch die sogenannten indifferenten Bäder entfalten nach Engel- 
manns Untersuchungen bemerkenswerte Wirkungen auf das innere 
Genitale. Durch den Eeiz auf die terminalen Nerven werden reflek- 
torische üteruskontraktionen ausgelöst. Die Kongestion zur Haut er- 
niedrigt den Blutdruck in den Beckenorganen. 

Wichtiger ist indes das Studium der differenten thermischen Beize. 
Appliziert man ein Medium unter 34® auf die Haut, so erfolgt zuerst 
eine Vasokonstriktion, welche rascher auftritt und intensiver ist bei 
kühleren Temperaturen: Dieser Konstriktion folgt eine Dilatation, welche 
man als Eeaktion, reaktive Fluxion bezeichnet. Sie kommt nur zu 
stände bei kurzen Reizen und bei nicht zu sehr geschädigtem Orga- 
nismus (Reaktionsfähigkeit des Organismus, Winternitz). Bei länger 
dauernder Applikation und sehr kühlen oder kalten Medien kommt es 
zu primärer Gefäßerweiterung, welche mit der Reaktion nicht zu ver- 
wechseln ist. Ebenso kommt es bei Einwirkung warmer Medien primär 
zu Vasodilatation. Nur bei sehr intensiven Wärmereizen kommt es, wie 



Hydrotherapie. 35 

bereits erwähnt wurde (s. o.), zuerst zu flüchtiger Vasokonstriktion, der 
eine reaktive Erweiterung der Blutgefäße folgt. 

Unsere Fähigkeit, durch oberflächlich applizierte Reize auf den 
Gefäßbezirk gewisser Eingeweidegruppen zu wirken, ist beschränkt 
(Goldscheider). Man hat daher die Aufgabe, oberflächlich applizierte 
thermische Beize bei beabsichtigter Wirkung auf das Genitale in tun- 
lichster Nähe desselben einwirken zu lassen. Von der Intensität, Dauer 
und Ausdehnung des Temperaturreizes hängt gleichfalls viel ab (Gold- 
scheider). Gleich hier soll bemerkt werden, daß Fluxion zum Uterus 
erzielt werden kann durch warme Sitzbäder und warme Scheiden- 
spülungen, durch kurze, kühle Sitzbäder. Auch reflektorisch durch 
Eeizung gewisser Hautstellen mittels thermischer Anwendungen (Bux- 
baum), so durch intensive lauwarme oder wechselwarme Duschen der 
Oberschenkel und der Kreuzbeingegend, durch Applikation des Ohap- 
manschen Eisbeutels auf die Lendenwirbelsäule, durch warme Fuß- 
bäder, durch erregende Umschläge an den Oberschenkeln oder am 
Hypogastrium u. s. w. 

Ausgedehnte kühle Applikationen bewirken eine — wenn auch 
rasch vorübergehende — Blutdrucksteigerung und Pulsverlangsamung, 
warme hingegen Erniedrigung des Druckes und Pulsbeschleunigung 
(Schweinburg, Pollak). Kühle Reize bewirken Kontraktion, warme 
Relaxation der glatten Muskelfasern. Die Atmung kann sowohl durch 
kühle als auch durch warme Prozeduren angeregt werden (Gold- 
scheider). Die Körpertemperatur wird duch thermische Prozeduren 
nur dann alteriert, wenn große Körperpartien durch dieselben ge- 
troflfen werden. 

Das physiologisch Belangvolle soll überdies bei Besprechung der 
wichtigsten hydriatischen Anwendungsformen noch zur Sprache kommen. 

Die intravaginale Irrigation stellt eine der am häufigsten 
verwendeten hydriatischen Prozeduren dar; daher soll ihre Besprechung 
au erster Stelle erfolgen. Bei derselben kommt neben dem thermischen 
Reiz auch der mechanische in Betracht, und zwar umsomehr, je 
stärker der Druck ist, unter welchem das Wasser einfließt, und je 
dicker der in die Scheide strömende Wasserstrahl ist. 

Wenn die Spülflüssigkeit mit chemischen Agentien verschiedener 
Art versetzt wird, so geschieht dies in vielen Fällen bloß deshalb, weil 
adstringierende Flüssigkeiten von der Vaginalschleimhaut besser vertragen 
werden als reines Wasser. Doch tritt die reinigende und die thermische 
Wirkung des Wassers gegenüber der medikamentösen meist in den 
Vordergrund. 

Kühle Irrigationen von kurzer Dauer wirken anregend auf den 
Tonus der glatten und quergestreiften Muskelfasern; die gleiche Wir-- 
kung haben heiße Spülungen, jedoch nur dann, wenn ihre Dauer 

3* 



36 Hydrotherapie. 

keine lange ist. Der Kontraktionszustand der Gefäßmuskulatur wird 
durch heiße Spülungen intensiver und dauernder als durch kühle 
Spülungen; daher wirken die heißen Irrigationen hämostyptisch, jedoch 
nur dann, wenn sie nicht zu sehr prolongiert sind. Ich habe mich 
wiederholt davon überzeugen können, daß zu lange .(20 Minuten und 
darüber) ausgedehnte heiße Scheidenspülungen wieder sekundäre Re- 
laxation der Blutgefaßmuskulatur bewirken. Die Gefäßmuskelkontraktion, 
welche durch kurze, kühle Spülungen erzeugt wird, ist nicht genug 
intensiv und nachhaltig, um kräftig blutstillend wirken zu können. Die 
Wirkung auf die quergestreifte Muskulatur kann man bei heißen Spü- 
lungen mitunter leicht erkennen; die Muskulatur des Beckenbodens 
kontrahiert sich so lebhaft, daß ein Abfließen der Spülflüssigkeit aus 
der Scheide für einige Zeit unmöglich wird. Der vorsichtig in die 
Vagina eingeführte Pinger gelangt dann in ein ballonartig aufgeblähtes 
Kavum, das sich nicht selten auch nach Abfluß des Wassers noch 
etwa eine Minute erhält. 

Von hoher Wichtigkeit ist die durch warme und prolongierte 
heiße Spülungen erzeugte aktive Hyperämie der Beckenorgane. Mit der 
Dilatation der Blutgefäße geht eine Verstärkung des Lymphstromes 
Hand in Hand. Die Folge hie von ist Steigerung des lokalen Stoffum- 
satzes, Erleichterung der Resorption von Exsudaten, aber auch ander- 
seits die Beschleunigung eiteriger Binschmelzung von Infiltraten. Hiezu 
kommt die Erweichung von Narben und die der Wärme eigene ekla- 
tante schmerzstillende Wirkung (Eisen berg). 

Ich habe bereits an anderer Stelle eingehend erörtert, daß eine 
Scheidenspülung nur dann den gewünschten Erfolg haben kann, wenn 
sie lege artis ausgeführt wird. Die hockend auf dem Bidet durchge- 
geführte Vaginalinjektion ist meist wertlos. Man nehme sich die Mühe, 
jeder Patientin die Technik der Scheidenspülung auseinanderzusetzen 
und man wird oft überrascht sein von der Promptheit des Erfolges, 
der vorher trotz lange geübter, aber stets verfehlt ausgeführter Spülung 
ausgeblieben ist. Schon Ricord hat darauf hingewiesen, daß nur dann 
die ganze Scheiden wand von der Spülflüssigkeit benetzt werden kann, 
wenn die Patientin während der Spülung auf dem Rücken liegt. Aber 
nicht bloß die Vaginalwände, sondern auch die Portio und besonders 
das hintere Scheidengewölbe sollen ausgiebig berieselt werden. Darum 
mache die Frau stets die Spülung in der Weise, daß auf einem mit 
Wachstuch bedeckten Divan die Schale eines Bidets oder eine Leib- 
schüssel zu liegen kommt, auf welcher die Nates lagern. Das Irrigator- 
gefäß sei stets aus Glas, der Schlauch mindestens I72 Meter lang, an 
seinem freien Ende mit einem Sperrhahn versehen, an den mittels 
Ansatzstückes das gläserne Mutterrohr zu fügen ist. Letzteres soll in 
der Mitte abgeknickt, an seinem Ende geschlossen und mit seitlichen 



Hydrotherapie. 37 

rinnenfbrmigen Ausflußöflfnungen versehen sein (Pig. 9), damit der 
Plüssigkeitsstrahl nicht intensiv gegen den äußeren Muttermund ge- 
trieben werde (Braun, Ahlfeld, Kocks). Badespekula sind überflüssig 
und erzeugen zuweilen sexuelle Eeizung. Die Ausspülung während des 
Bades ist aus Gründen der Asepsis besser zu vermeiden. 

Das Irrigatorgeföß ist stets sorgfältig zu reinigen. Das Mutterrohr 
ist nach jedesmaligem Gebrauche auszukochen und in schwacher Soda- 
lösung aufzubewahren. Nie soll mit dem Mutterrohr die in der Irri- 
gationskanne befindliche Lösung umgerührt werden. Für gewöhnlich 
genügt es, wenn der Auslauf der Irrigatorkanne V2 — ^U Meter oberhalb 
des Vaginaleinganges der Frau schwebt. Die Spülung soll nicht allzu 
rasch erledigt werden. Man muß den einzelnen Portionen der Flüssigkeit 
Zeit geben, mit der Schleimhaut des Geschlechtsschlauches ausgiebig 
in Berührung zu kommen, um auf derselben ihre thermische und 



a 




Fig. 9. Matterrohre a aus Glas, vorderes Stück, b aus Hartgummi. 

chemische Wirksamkeit zu entfalten. Die mechanische Wirkung kommt 
hauptsächlich bei alten, harten Exsudaten und narbigen Verkürzungen 
der Parametrien in Betracht. Ansonsten verzichte man lieber auf Spü- 
lungen unter hohem Druck. 

Das lokale Bad der Portio, zuerst von Mayer angegeben, von 
Bandl technisch verbessert, wirkt selten durch die thermische, zumeist 
durch die chemische Komponente. 

Für heiße, prolongierte Spülungen (bis zu einer halben Stunde 
und darüber) mit großen Flüssigkeitmengen (30 — 50 Liter) wurde eine 
ganze Reihe von Apparaten ersonnen, welche es gestatten, die Vagina 
mit heißem Wasser lange Zeit zu berieseln, ohne daß die empfindliche 
Vulva, der Damm und die Oberschenkel mit dem heißen Wasser in 
Berührung kommen. Dahin gehören die Hartgummi birne von Walzer, 
die Hassesche Glasbirne, ihr ähnlich die Apparate von Kahnemann 
(Fig. 10), Stratz, Baumgartner, die selbsthaltenden Apparate nach 
Ohrobak, Eisenberg, schließlich das Spekulum von Suarez de 
Mendoza, bei welchem der die Vulva berührende Teil von kaltem 



Wasser dnrehströmt wird. Sie leisteo aUe gleich treffliche Dienste, weua 
maa sieh aa den Gebrauch eines derselben gewöhnt. Die Technik der 




Fig. 10. Heißwaaserspülapparat naob Eahnemann. 

Heißwasserspülung erfordert durchaus keine komplizierten Apparate. 
Seanzonis Gloekendnsehapparat (Fig. 11) versinnlicht die dnrch 
fleberwirkung erzielbare prolongierte 
Irrigation der Scheide, wie sie von 
Fritsch geübt wird. Um Flüssigkeit 
von genau regulierbarer, konstanter 
Temperatur verwenden zu können, 
improvisierte ich mir seinerzeit einen 
Kessel, dessen durchbohrtes Dach mit 
einem gewöhnlichen Queeksilber-Ther- 
moregulator, wie er an den Brutöfen 
für wissenschaftliche Zwecke ange- 
bracht ist, ausgestattet war. Wenn der 
ablaufende Wasserstrahl nicht zu dick 
war, konnte ich mittels dieses Appa- 
o ■ «i'^u j L ^ i'ates leicht Konstanz der Temperatur 

erzielen. 
Ich brauche hier nicht von der Wahl der adstringierenden und 
antiseptischen Zusätze zur SpUlflüssigkeit zu sprechen, weil dies nicht 
in den Bereich der physikalischen Therapie föUt. Ebensowenig brauche 
ich mich speziell mit der intrauterinen Irrigation zu befassen. Insoferne 
sie styptiseh wirkt, ist sie zwar Bestandteil der physikahschen Therapie; 
ihre Technik ist aber in allen Lehrbüchern der Frauenheilkunde und 
Geburtshilfe genügend gewürdigt. Ihre physiologische Wirkung 
geht aus dem Gesagten klar hervor. Zu rein gynäkologischen Zwecken 
angewandt (Endometritis), wirkt die intrauterine Spülung zwar auch 
mechanisch und thermisch, vorzugsweise aber chemisch durch die 
medikamentösen Zusätze. 

Das Indikationsgebiet der endokolpischen Irrigation ist ein aus- 
gebreitetes. Kühle Spülungen werden angewendet bei Neigung zu Prolaps 



Hydrotherapie. 39 

und Deszensus, bei Hyperaemia uteri, klimakterischen Blutungen (Kisch), 
Metritis chronica (Skutsch). Laue Spülungen spielen eine große Bolle 
in der Behandlung der Vulvo-Vaginitis. Warme und heiße Duschen 
(bis zu 45®) werden ausgeführt bei Amenorrhoe, Menstruatio parca, In- 
fantilismus, Sterilität, chronischer Endometritis und Metritis (Kisch), 
Subinvolutio uteri, Atonia uteri. Kontraindiziert ist die warme und 
heiße Spülung bei Vorhandensein von Fieber über 38®, bei allen frisch 
entzündlichen Prozessen, bei vermutlichem Vorhandensein eitriger An- 
sanmalung, zumal bei Pyosalpinx; jedenfalls ist bei Leukozytenzahlen 
über 12.0(X) große Vorsicht geboten. Stellt sich nach einer heißen, 
prolongierten Spülung Fieber ein, so ist sofort mit weiteren Spülungen 
auszusetzen oder doch mindestens die Flüssigkeitsmeuge auf 1 — 2 Liter 
zu beschränken. Behufs hämostyptischer Wirkung werden heiße Irri- 
gationen, jedoch zweckmäßig mit geringeren Flüssigkeitsmengen 
(1 — 3 Liter) angewendet bei klimakterischen, atonischen und Myom- 
blutungen, Hämorrhagien im Gefolge von Stauungen bei Eetrodeviation, 
Menorrhagien. Warme Spülungen von 36 — 40® bewähren sich bei 
spastischer Dysmenorrhoe; man verwendet große Flüssigkeitsmengen 
(Kiwisch, Emmet). Bei freien Adnexen findet dieselbe Maßnahme 
Anwendung gegen Uteruskoliken im Gefolge einer chronischen Metro- 
Endometritis. Bei chronischer Endometritis werden heiße Vaginal- 
spüluDgen nicht selten mit heißen Eektalspülungen kombiniert (Emmet, 
Eeclus), so daß die inneren Genitalien gleichsam in einem warmen 
Bade sind. Sehr heiße, bis zu 50® temperierte Spülungen von prolon- 
gierter Dauer verwendet man bei narbigen Sclirumpfungen mit Dis- 
lokation der inneren Genitalorgane, auch bei harten, den Uterus ein- 
mauernden Exsudaten im fieberfreien Stadium. Die also geschaffene 
Hyperämie wirkt günstig präparierend für die Massage durch Erwei- 
chung starrer Narben und Stränge, bringt aber auch Exsudate leicht 
zu eitriger Einschmelzung. Auch bei Adnextumoren ist Vorsicht geboten. 
Fieberschwankungen, Auftreten von heftigeren Schmerzen verbieten die 
Fortsetzung der Heißwasserbehandlung. Immerhin erzielt man bei chro- 
nischer Salpingo-Oophoritis und obsoleter Para- und Perimetritis im 
Verein mit anderen Methoden nicht bloß Nachlassen der Schmerzen, 
sondern auch objektiv günstige Resultate. 

Für die Behandlung der Vulvo-Vaginitis passen kühlere Tempe- 
raturen bei frischen, wärmere bei älteren Fällen; jedoch gerade hier 
tritt die chemische Wirkung gegenüber der thermischen in den 
Vordergrund. 

Die Sitzbäder stellen gleichfalls eine ungemein häufig verwen- 
dete hydriatische Methode dar. Die Technik derselben ist höchst 
einfach. Das Sitzbad soll in einer niederen Sitzwanne, welche un- 
mittelbar neben das Bett zu stellen ist, genommen werden. Gegen die 



42 Hydrotherapie. 

Diese Bäder sind demnach indiziert bei hypoplastischen Genitalien, 
Amenorrhoe, Menstruatio parca, erschwertem Eintritt der Periode, 
spastischer Dysmenorrhoe. Behufs Anregung der Zirkulation dient diese 
Badeform bei chronischer Metro-Endometritis (Martin, Gottschalk), 
chronischer Para- und Perimetritis, harten Exsudaten, soferne das 
fieberhafte Stadium vorüber ist, Salpingo-Oophoritis, wenn lebhafte 
Schmerzen vorhanden sind ohne gleichzeitiges Fieber und wenn die 
Palpation und Blutuntersuchung das Vorhandensein von Eiter nicht 
annehmen läßt. Ferner wählt man derartige Bäder bei Blasenkatarrh 
im chronischen Stadium, Harnverhaltung durch Sphinkterkrampf, schmerz- 
haftem Tenesmus, bei Bartholinitis behufs Befördening der Suppuration, 
bei chronischer Vulvitus — nie bei der akuten Gonorrhoe. Die Kontra- 
indikationen sind bereits angedeutet ; dazu kommen noch als entschiedene 
Gegenanzeigen die Schwangerschaft, Menorrhagien und Metrorrhagien, 
Eiteransammlung in den Beckenorganen. 

Voll- und Halbbäder. Durch die ausgebreitete Anwendung der 
Sitzbäder werden naturgemäß die umständlicheren und bei gynäkolo- 
gischen Affektionen weniger den locus morbi treffenden Voll- und 
Halbbäder stark in den Hintergrund gedrängt. Zur Technik des Voll- 
bades möchte ich bloß betonen, was ich schon an anderer Stelle erwähnt 
habe, nämlich daß es sehr darauf ankommt, wie man eine schwer- 
kranke, bettlägerige Frau ins Vollbad bringt. Nie darf man das 
Herausheben einer Patientin aus dem Bette und das Einlegen in die 
Wanne einer Warteperson tiberlassen, sondern muß sich zu diesem 
verantwortungsvollen Dienste selbst bequemen. Man hebt schwere 
Frauen leicht aus dem Bette, wenn man nicht mit der Armmuskulatur 
alles leisten will, sondern hauptsächlich unter Inanspruchnahme seiner 
eigenen Röckenmuskulatur die Last erhebt. Der Arzt neige sich tief 
zur Kranken nieder, schiebe einen Arm unter die Skapula, den anderen 
unter das Kreuzbein der Frau und erhebe sich dann unter kräftiger 
Aktion seiner Eückenmuskulatur. Dabei muß jedes Stoßen und Schnellen 
vermieden werden. Auch beim Herniedersenken der Patientin ins Bad 
hat sich der Arzt tief zu beugen, bis die Fersen der Kranken den 
Wannenboden berühren. Dann muß ihr Körper sachte in die sitzende 
und hernach in die halbliegende Position gleiten, ohne daß das Gesäß 
der Kranken gegen den Boden der Wanne aufschlägt. 

Die Wirkung indifferenter und warmer Vollbäder (28 — 35^ 0) ist 
bereits oben erläutert worden. Zu der Dekongestionierung der Genital- 
organe kommt eine beruhigende und schmerzstillende, schlafbringende 
Komponente. Während der Periode angewandt, bewirken solche Bäder 
Verringerung der Blutung (Mironow). Daher ihre Anwendung bei 
kongestiven und nervösen Erscheinungen im Klimakterium (Kisch), bei 
spastischer Dysmenorrhoe (Baelz), Schlaflosigkeit, Krampf- und Erre- 



Hydrotherapie. 43 

gungszuständen (Schweinburg), auch behufs Wärmezuführung bei 
Ohiorose. Statt der heißen Vollbäder bedient man sich bei Exsudaten, 
wenn irgend möglich, lieber der Sitzbäder. 

Zur Fieberbehandlung zieht man, wie allgemein bekannt, von 
28 — 22® abgekühlte Vollbäder mit Prottierungen und Übergießungen 
heran. Die kühlen Vollbäder spielen eine Eolle in der Therapie der 
Adipositas. 

Bezüglich der Technik des Halbbades ist zu bemerken, daß die 
Höhe des in einer gewöhnlichen Badewanne befindlichen Wassers nicht 
30— 35 cm überschreiten soll. Beim Halbbade spielt neben der thermi- 
schen Komponente die mechanische behufs Hervorbringung einer 
ordentlichen Reaktion eine große Eolle. Daher sind Friktionen und 
Übergießungen ganz unerläßlich. Die Anwendung dieser Badeform für 
gyniatrisehe Zwecke ist sehr beschränkt. Chlorose, Neurasthenie, sexuelle 
Beiz- und Erregungszustände geben Indikationen für den Gebrauch von 
Halbbädern ab. 

Die Fußbäder sind ein altes Mittel, um die Periode zu beein- 
flussen, dessen Gebrauch ein ganz volkstümlicher geworden ist. Die 
empirisch gewonnene Erfahrung, daß von der Haut der unteren Extremi- 
täten her reflektorisch die Blutfüllung der Beckengefäße zu beeinflussen ist, 
fand durch Winternitz und seine Schule ihre wissenschaftliche Be- 
stätigung. Kühle Prozeduren bewirken Vasokonstriktion, daher empfehlen 
sich bei klimakterischen Blutungen mitunter kühle Fußbäder (Czempin). 
Weit sicherer ist der Erfolg, wenn man durch warme Fußbäder eine 
Vasodilatation der Genitalgefäße herbeizuführen sucht. Daher die alte 
Empfehlung warmer und heißer Fußbäder bei Amenorrhoe und Oligo- 
menorrhoe (Kisch, Fränkel). 

Die Teilwaschung spielt nicht allein in der Fieberbehandlung, 
zur Einleitung von Bäderkuren bei Chlorose und Fettleibigkeit, sondern 
auch in der Hygiene des Frauenlebens eine bedeutsame Eolle. Die 
kühle Waschung des äußeren Genitales dient nicht bloß zur Eeinhaltung 
und FortschaflFung eventuell angesammelten Sekretes an der Vulva, 
sondern auch zur Abhärtung, zur Vorbeugung hyperämischer und Eeiz- 
zustände, welche sich bei leicht erregbaren Individuen nicht selten an 
diesen Teilen einstellen. Die Waschung ist mit 12—15^ Wasser in 
halbsitzender Stellung auf dem Bidet vorzunehmen. Hiezu darf kein 
Schwamm verwendet werden, da ein solcher nie aseptisch zu halten ist, 
sondern stets ein Stück Watte, das nach jedesmaligem Gebrauche zu 
vernichten ist. Kommen Seifen zur Anwendung, so wähle man un- 
parfümierte Sorten, da die ätherischen Öle an der Vulva reizend wirken. 
Nach vollendeter Waschung ist die Vulva nicht durch Eeiben mit 
dem Handtuch, sondern durch Andrücken trockener Watte abzu- 
trocknen. 



44 Hydrotherapie. 

Die Tßilabreibung ist als erregende Prozedur anzusehen, 
welche reflektorisch eine Kontraktion des Uterus hervorruft (Beni- 
Barde). Sie wird vorgenommen, indem man ein in 12 — 15® Wasser 
getränktes Handtuch, das mäßig ausgewunden wurde, auf den Bauch 
legt und nun unter geliudem Drucke Reibungen auf dem Handtuche, 
nicht mit dem Handtuche ausführt (Schweinburg). Es muß nach 
wenigen Minuten eine ausgiebige Rötung der Haut auftreten (Reaktion). 
Bei Abreibung größerer Körperpartien ist das Aufsetzen einer kühlen 
Kopfkappe notwendig, um der Rückstauungskongestion des Kopfes 
vorzubeugen. 

Die kühlen Abreibungen werden nur selten verwendet. Auch ist 
es zweckmäßiger, die unteren Extremitäten zum Angriffspunkte einer 
solchen Prozedur zu nehmen, da auch bei mäßigem Druck auf den Bauch 
etwaige entzündliche Veränderungen im Becken verschlimmert werden 
könnten, und anderseits die reflektorische Vasokonstriktion mit reaktiver 
Dilatation der Beckengefäße bei kühler Abreibung der unteren Ex- 
tremitäten ebenso prompt auftritt wie bei kühler Abreibung der Bauch- 
decken. Ihre Anwendung ist beschränkt auf Menorrhagien, insbesondere 
wenn dieselben auf passiver Hyperämie beruhen (Beni-Barde, Bux- 
baum). 

Die Umschläge spielen in der physikalischen Gyniatrie eine 
große Rolle. Man unterscheidet kühle, warme und erregende Umschläge 
(Winternitz). Die kühlen (bis kalten) und warmen (bis heißen) Um- 
schläge müssen entweder oft gewechselt werden, oder auf der ursprüng- 
lichen Temperatur dadurch erhalten werden, daß Gummischlauch- 
kompressen in den Umschlag eingeschoben werden, durch welche ent- 
sprechend temperiertes Wasser konstant fließt. Die erregenden Umschläge 
sind kühle, feuchte Umschläge, welche mit einem trockenen Tuche, 
aber nicht mit einem impermeablen Stoflf bedeckt und 4— östündlich ge- 
wechselt werden (Buxbaum, Marcuse), oder man stellt sie mittels 
Prießnitzbinde her, einer 30 cm breiten Leinenbinde von 3 m Länge, deren 
erstes Drittel^in kaltes Wasser getaucht, mäßig ausgerungen und an den 
Leib appliziert und mit den trockenen zwei Dritteln in zirkulärer Tour 
bedeckt wird. 

Der [kühle (bis kalte) Umschlag über die Beckenregion wirkt 
wie ein prolongiertes, kühles Sitzbad depletorisch und antiphlogistisch 
auf die Genitalorgane; er stellt eine mildere Anwendungsform dar als 
jenes. Daher die ungemein häufige Verwendung des kühlen und kalten 
Umschlages bei hyperämischen und akut entzündlichen Vorgängen der 
Genitalorgane, wie akute Peri-Parametritis, akute Metro-Endometritis, 
akute Salpingo-Oophoritis und Pelveoperitonitis. Bei hohem Fieber 
appliziert man statt des kühlen Beckenumschlages einen kühlen Stanmi- 
umschlag. Auch bei Pruritus vulvae bedient man sich kühler Vorlagen. 



Hydrotherapie. 45 

Der erregende Umschlag übt anfangs die gleiche Wirkung wie 
der kühle Umschlag; alsbald erwärmt sich die feuchte Binde bis zur 
Blutwärme und sogar darüber, es kommt zu Hyperämie der Haut 
(Eeaktion), das in der Haut erwärmte Blut strömt in die Tiefe 
(Kowalski) und erregt daselbst gleichfalls eine Vasodilatation, eine 
Fluxion zu den inneren Genitalien. Bei mangelhafter Zirkulation bleibt 
diese Eeaktion aus, es kommt zu Kältegefühl, Frösteln unter dem Um- 
schlage. Man bedient sich der erregenden Umschläge als eines milden 
Mittels zur Anregung des Stoffwechsels und zur Beförderung der Ee- 
sorption im subakuten Stadium all der eben geschilderten entzündlichen 
Erkrankungen, bei Exsudaten, Hyperämie. Bei Amenorrhoe sollen sich 
nach Strasser erregende Umschläge auf die Oberschenkel und Waden 
bewähren. Jedenfalls bewirkt der erregende Umschlag an den unteren 
Extremitäten eine reflektorische Fluxion zum Uterus. 

Warme Umschläge bewirken Hyperämie der Haut und der Becken- 
organe, heiße nach einer flüchtigen Vasokonstriktion dauernde Gefäß- 
ektasie. Warme Umschläge werden verwendet bei Vulvitis, Bartholinitis, 
heiße bei idiopathischer Atrophia uteri, Menstrualkolik, bei alten, harten 
Exsudaten und im chronischen Stadium der genannten Entzündungen 
des Uterus und der Adnexe, wenn kein Fieber vorhanden ist und kein 
Symptom der Anwesenheit von Eiter vorliegt. Schwangerschaft verbietet 
heiße Umschläge, ebenso heftige Blutungen. Die Wirkung der heißen 
Umschläge ist in Bezug auf die letzteren völlig verschieden von der 
einer heißen Scheidenspülung. 

Die Duschen erfordern neben der Berücksichtigung der ver- 
wendeten Temperatur auch eine genaue Beachtung des Druckes, unter 
welchem sie appliziert werden. Es tritt das mechanische Moment hier 
ganz besonders hervor. Im allgemeinen kann man sagen, daß kurze, 
kühle und heiße Duschen stark erregend wirken, noch stärker die 
wechselwarmen (schottischen) Duschen, welche auf einem Alternieren von 
kalter und heißer Dusche beruhen. Laue und warme Duschen, insbesondere 
wenn sie unter geringem Drucke stehen, wirken beruhigend, setzen 
den Muskel tonus herab. 

Auf die kurze, kühle Dusche folgt eine intensive Eeaktion. Man 
bedient sich daher derselben, und zwar mit der Direktion gegen die 
Lumbaigegend und die unteren Extremitäten zur reflektorisch aus- 
zulösenden Hyperämisierung des Uterus bei Amenorrhoe (Skutsch, 
Grenell), auch zur Erleichterung des Eintrittes der Periode sowie 
behufs Tonisierung bei Parese des Sphincter vesicae. Hingegen benützt 
man bei Menorrhagien und Metrorrhagien laue und warme Duschen des 
Oberkörpers (Grenell, Gottschalk). Gegen Uteruskoliken empfiehlt 
Grenell heiße Duschen der Fußsohlen. 



Literatur. 47 

deren Ausführung einen solchen Apparat erfordert. Die heiße Komponente 
wird am besten durch Dampf geliefert. Man beginnt stets mit der 
heißen Applikation. Im ersten Moment wird die Haut blaß, sehr rasch 
aber rötet sie sich. Alsdann folgt der kalte Fächerstrahl, die Haut 
wird wieder blaß. Man hat diese kalte Applikation so lange fortzusetzen, 
bis die Haut sich wieder rötet. Ist dies geschehen, so folgt wieder die 
warme Dusche; und so geht es durch 2 — 4 Minuten fort. Man hat 
sich stets zu vergegenwärtigen, daß die schottische Dusche eine sehr 
energische Applikationsform darstellt. Ihre Anwendung ist nur dann 
erlaubt, wenn der Organismus kräftig und die Zirkulation genug leistungs- 
fähig ist, um prompt auf den Kältereiz mit einer kräftigen Reaktion 
zu antworten (Schweinburg). 



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p) Verwendung des Wassers in Dampfform. 

1. BampfbSder. 

Die Anwendung des Dampfbades spielte früher eine bei weitem 
größere Bolle, als dies heute der Fall ist. Die zweckmäßige Anwendung 
der hydriatisehen Prozeduren, der Heißluft und die noch zu schildernde 
Statothermtherapie haben die Dampfbäder, sowohl die allgemeinen als 
die lokalen überflüssig gemacht, umsomebr als letzteren noch mannig- 
fache technische Mängel anhaften, die bislang nicht überwunden werden 
konnten. 

Historisch mag festgestellt werden, daß schon Hippokrates und seine 
Schule den Gebrauch des Dampfes bei Erkrankungen der weiblichen Ge- 
schlechtsorgane vielfach lehrte. Entweder wurde aus einem Topfe mit heißem 
Wasser, dessen Deckel mit einer Eölu-e versehen war, der Dampf direkt 
in die Scheide geleitet, oder aber die Frau saß auf einem durchlochten 
Stuhl, unter welchem Räucherungen erzeugt wurden. „Russischen" und 
„römisch -irischen" Dampfbädern gleichende Badeeinrichtungen bestanden 
schon zur Kaiserzeit. 

Ofloar F ran kl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 4 



52 Atinokausis. 

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2. Atmokausis. 

Historisches. Die hämostatischen und kaustischen Wirkungen des 
heißen Dampfes sind wohl schon seit langer Zeit bekannt; gleichwohl ge- 
bührt Snegirew das Verdienst, die inti-auterine Anwendung desselben zuerst 
versucht zu haben (1886). Doch wurde die Methode erst durch die grund- 
legenden, rastlosen Arbeiten von Pincus in Danzig, der sich mit dieser 
Technik seit 1894 befaßt, Gemeingut der Gynäkologen, wie denn auch erst 
durch sein Instrumentarium die Möglichkeit gegeben wurde, die neue 
Methode prompt und gefahrlos in Anwendung zu })ringen. 

Physiologisches. Der Dampf, dessen Temperatur bei richtiger 
Ausführung des Eingriffes auch intra uterum gegen 100® heiß ist 
(Pincus), bewirkt eine energische Kontraktion, wenn das Myometrium 
seine Kontraktilität nicht vollends eingebüßt hat. Die Epithelien 
werden verbrüht, das Eiweiß gerinnt, es kommt zur Nekrose der 
Mukosa, bei dünner Schleimhaut oder bei Fehlen derselben nach voran- 
gegangener Abrasio zu Verbrühung und darauffolgender Nekrose der 
oberflächlichen Muskelschichten. Die Annahme bakterientötender Wirkung 
des Dampfes innerhalb weniger Sekunden, ja selbst während einer 
Minute läßt sich nicht aufrechterhalten. Gewiß wird eine Unmasse von im 
üteruskavum eventuell vorhandenen Mikroorganismen durch den heißen 
Dampfstrom abgetötet; doch kann von einer Sterilisation nicht die 
Eede sein, weil eine solche nur bei sehr intensiver und ungemein tief- 
gehender Verschorfung des Uterus erzielt werden kann, die gewiß nicht 
im Sinne der Methode liegt. 

Technik und Wirkungsweise. Ich hatte vor Jahren an der 
Klinik Winckel reichlich Gelegenheit, mir darüber klar zu werden, 
daß es bei der Atmokausis in ganz besonderem Maße darauf ankommt, 
wie man den Eingriff durchführt; ich kann mich der Überzeugung 
nicht begeben, daß einige von den in der Literatur verzeichneten Miß- 
erfolgen auf Nichtbeobachtung der technischen Winke, die wir Pincus 
verdanken, zurückzuführen sind. Andere unglückliche Ereignisse fallen 
allerdings der zu weiten Ausdehnung des Indikationskreises zur Last. 
Immerhin mag die Atmokausis ihren — wenngleich derzeit eingeengten 
— Wirkungski'eis in der Gyniatrie behaupten und es wäre gewiß ein 
Fehler, wegen der bekanntgewordenen üblen Zufälle die Methode 
gänzlich verlassen zu wollen. Vor allem aber ist es von Belang, der 
Technik volle Aufmerksamkeit zu widmen. 



AtiiiakAiiriB. 53 

Der Apparat von Pineus (Fig. 14) besteht aus einem Kessel 
von Messingblech (K), dessen Dach mit einem Thermometer (T) aus- 
gestattet ist. Nebst einem Ventil (F) sieht man das Ansehlaßrohr, 
welches zn dem mit einer StoffhDile versehenen Schlauche (S) führt; 
zwischen Schlauch und Uteruskatheter betindet sich der Doppelhabn 
nach Guerard-Stapler {H,). Ist der Hahn quergestellt, so kann der 
Dampf durch das Sohr (L) ins Freie gelangen; ist er gerade gestellt, 



Fig. 14. Inatrumentarium zur AtmokauaiB naeh Pineus. 

SO Streicht der Dampf in den Katheter; befindet sich der Hahn in 
Mittelstellung, so verbleibt der Dampf im Kessel, Vom Kathetermantel 
zweigt überdies das Ableitungsrohr (A) ab, welches den Dampf, Blut- 
gerinnsel und Niederschläge aus dem Uteras abzuleiten hat. Der Katheter 
ist mit einer Hülle von Celluvert (Fibre, C) umgeben, welche bis über 
den inneren Muttermund vorgeschoben werden muß. Der Katheter (E) 
kann verschiedenartig gestaltet sein ; meist trägt er seitliche, schlitzartige 
Öffnungen, durch welche der Dampf ins Cavum uteri streicht. Über 
den Zestokauter soll im Kapitel „ State thermtherapie" gesprochen werden. 



54 Atmokausis. 

Zunächst ist dafür zu sorgen, daß der Halskanal bequem für 
einen Finger zu passieren ist, was entweder durch vorangegangene 
Laminariadilatation oder durch Hegarsche Stifte zu bewirken ist Nach 
der Ansicht vieler Autoren soll der Atmokausis eine Abrasio mucosae 
vorangehen. Pincus leugnet diese Notwendigkeit für die Atmokausis 
bei Frauen im zeugungsfähigen Alter, gibt sie aber für die Atmokausis 
bei präklimakterischen Blutungen zu. Doch soll das Ourettement der 
Atmokausis nicht unmittelbar vorhergehen, sondern es ist am besten, 
5 — 8 Tage vor Ausführung der Atmokausis die Abrasio vorzunehmen.^) 
Man bewirkt damit, daß der Dampfeinwirkung nicht etwa eine dicke, 
hypertrophische oder gar polypös entartete Mucosa entgegensteht, 
sondern eine in Eegeneration begriflfene, dünne Schleimhautschicht 
vorliegt. Auch ist es trotz sorgfältigsten Abtrocknens des Uterus- 
kavuras nicht leicht möglich, einen wirklich trockenen Hohlraum für 
die Atmokausis zu gewinnen, wenn man die Abrasio unmittelbar voran- 
geschickt hat. Darauf kommt es aber sehr an und sowohl Pincus als 
auch Fritsch und andere Autoren legen auf die exakte Austrocknung 
der Gebärmutterhöhle (eventuell mit Hilfe 17o Wasserstoflfsuperoxyd- 
lösung) vor Durchführung der Atmokausis das größte Gewicht. 

Pincus schreibt hohe Temperatur (gegen 115*^ 0) und kurze 
Zeitdauer der Einwirkung (15, höchstens 30 Sekunden) vor. Von 
anderen Autoren wird bis zu 2 und 3 Minuten gedämpft. Danach sind 
denn auch recht verschiedene Wirkungen verzeichnet worden. Pincus 
behauptet, daß bei so kurzer Dauer der Atmokausis gleichmäßige Ätzung 
des Cavum uteri ohne unerwünschte Stenose der Zervix sicher zu 
erzielen sei. Doch stehen ihm — trotz mannigfacher bestätigender 
Berichte — auch viele gegenseitige Erfahrungen von sehr maß- 
gebender Seite entgegen, welche über höchst ungleichmäßige Einwirkung 
des Dampfes auf die Schleimhaut trotz Beachtung aller Kautelen be- 
richten; in Anbetracht dessen kann nicht davon die Rede sein, daß die 
Atmokausis anderswo als in Kliniken und Sanatorien praktiziert werden 
darf Denn die Methode birgt mannigfache Klippen, deren sichere üm- 
schiflfung nur dem mit der Technik vollkommen vertrauten, gewandten 
Operateur zuzumuten ist. Wohl aber ist die Atmokausis auch ohne Narkose 
ausführbar. Es ist ein Erfordernis, daß die Abstoßuug des Schorfes im 
Bette abgewartet werde. 

Die Atmokausis wird nach Pincus in der Weise ausgeführt, daß 
bei der in Steißrückenlage liegenden Patientin die Portio mittels 
Bandischen Spekulums oder mit Holzspiegeln freigelegt wird; nach 
gründlicher Austrocknung der Uterusschleimhaut mittels Wattesonden 
(eventuell mit H^ OJ, wobei es mitunter günstig ist, eine intrauterine 

^) Ein Standpunkt, den auch Bai seh in einer nach Abschluß dieser Arbeit 
veröffentlichten Schrift vertritt. 



Atmokaiisis. 55 

Ausspülung voraozuschicken, wird zunächst bei dem Bohre L durch 
geeignete Stellung des Hahnes {H^) das Kondenswasser abgelassen; 
dann wird der Katheter in den Uterus vorgeschoben, so daß die 
Oelluverthülle bis über den inneren Muttermund reicht. Man führt das 
Instrument bis an den Fundus uteri und zieht es sogleich um ein 
Stückchen zurück. Nun erst stellt man den Hahn (H^) gerade, wodurch 
der Dampf durch den Katheter in den Uterus strömt. Man läßt von 
einem Assistenten, der die Uhr in der Hand hat, genau die Zeit be- 
stimmen. Der Katheter ist im Uterus leicht zu bewegen, insbesondere 
wenn die Gebärmutter sich heftig kontrahiert. Der Dampf zieht nebst 
Kondenswasser und Sekret aus dem Uterus bei A ab. Nach Ablauf 
der festgesetzten Zeit bringt man den Hahn wieder in die Ausgangs- 
stellung, so daß der Dampf bei L abströmt, entfernt rasch den Katheter 
und macht eine kühle Spülung. Nach 2—3 Tagen stellt sich bei der 
Patientin, die im Bette liegt, ein starker Fluor ein, die verbrühte 
Schleimhaut geht in Fetzen, zuweilen als Ausguß nach weiteren 
2-3 Tagen ab. 

Indikationen. Die große Beihe von Indikationen, welche Pincus 
der Atmokausis vindiziert hat, wurde durch unbeabsichtigte Obliteration 
des Oavum uteri und andere üble Ereignisse ganz wesentlich einge- 
schränkt. Die desinfizierende Wirkung wird heute kaum mehr anerkannt. 
Doch bleiben zwei wichtige Indikationen übrig, denen zu liebe die 
Methode nicht fallen gelassen werden darf, wenn wir uns nicht eines 
wirksamen Heilmittels selbst berauben woUen. Gerade durch Einengung 
des Indikationsgebietes gewinnt die Atmokausis erst eine ganz be- 
sondere Bedeutung. Sie ist gewiß nicht passend für Myom- 
blutungen, hämorrhagische Endometritis im zeugungsfähigen Alter; 
wohl aber bleibt unangefochten die Indikation der Atmokausis bei 
Hämophilie sowie bei schweren, präklimakterischen Blutungen nach 
Ausschluß einer malignen Neubildung durch vorausgeschickte Abrasio 
und digitale Austastung. Durch die Atmokausis kann eine sonst unaus- 
weichliche Hysterektomie umgangen werden. Doch hat man sich zu 
vergegenwärtigen, daß trotz Anwendung des Zervixschutzes und Beachtung 
aller Eegeln ungleichmäßige Verätzung vorkommen kann. 

Die Verödung der Schleimhaut ist im zeugungsfähigen Alter 
durchaus kein gleichgültiges Ereignis ; stellt sich Amenorrhoe nach einer 
Atmokausis im zeugungsfähigen Alter ein, was wiederholt vorgekommen 
ist, so ist durch den Eingriff eine dauernde Schädigung der Kranken 
hervorgerufen worden, welche bei Anwendung der Ourettage sicher hätte 
vermieden werden können. Denn es kann nicht angezweifelt werden, daß 
trotz aller gegenteiligen Behauptungen die Dosierung der Abrasio in 
bezug auf ihre Intensität und Extensität doch viel genauer und sicherer 
ist als jene der Atmokausis (Stiasny). Darum sieht man im zeugungs- 



56 Literatur. 

fthigen Alter — abgesehen von dem einzigen Falle der Hämophilie 

— von der Atmokausis am besten gänzlich ab (Ohrobak). 

Eontraindikationen der Atmokausis sind Adnexentzündungen aller 
Stadien sowie maligne Neubildungen. Nur bei Hämophilie, wo die 
Atmokausis einer Indicatio vitalis entspricht, könnte sich der Fall 
ereignen, daß man trotz manifester Adnexentzündung eine Atmo- 
kausis wagt. 

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()0 ßalneo- und Thalaseotherapie 

Mineralquellen. Doch reihen sieh alljährlich nene Arbeiten in stattlicher 
Zahl an die bereits vorliegenden, und so ist sicher zu erwarten, daß die 
noch bestehenden Lücken in absehbarer Zeit werden ausgefüllt werden. 

Physiologisches. Vorbemerkungen. Neben dem thermischen 
Keiz, welchen das Mineralbad auf den Körper ausübt, kommt der che- 
mische ßeiz in Betracht, welchen die im Mineralwasser enthaltenen 
(jase und Salze verursachen, sowie die physikalische Komponente, die 
bei Moorbädern aus der Konsistenz des Bades hervorgeht. Das im 
Kapitel „Hydrotherapie" über die thermische Wirkung des Bades Gesagte 
ist nicht unmittelbar auf die Balneotherapie übertragbar; es muß hier 
berücksichtigt werden, daß durch die Anwesenheit von Gasen und 
Salzen sowohl der Indiflferenzpunkt als auch die Toleranzgrenze um ein 
bedeutendes gegenüber dem Süßwasserbade verschoben werden, und zwar 
umsomehr, je mehi' Gase und Salze im Mineralbade enthalten sind. 
Gleichwohl sprechen wir auch hier von indifferenten, wärmeentziehenden 
und wärmesteigernden Bädern. 

Gleich hier mag erwähnt werden, daß das Eindringen gelöster 
Salze durch die unverletzte Haut nicht möglich ist. Nur gewisse Gase 
und flüchtige Stoffe vermögen die intakte Haut zu penetrieren. Auch 
durch die kleinen, mikroskopischen Verletzungen der Epidermis, wie 
deren im Moorbade unzählige entstehen, können Salze in nennenswerter 
Menge nicht eindringen. Anderseits ist eine Imprägnierung der Haut 
mit gewissen Salzen, die sodann in der Epidermis auskristallisieren, 
nicht zu leugnen. Die Konzentration der Salzlösung ist nicht belanglos, 
weil ihr die Intensität des Hautreizes direkt proportional ist. 

Der Hautreiz bewirkt reflektorisch Steigerung des Stoffumsatzes 
(Kl seh), Beschleunigung der Oxydationsprozesse. Auch konmat es zu 
reflektorischer Eeizung des Vasomotoren Zentrums und des Vagus, woraus 
sich die Wirkungen der Mineralbäder auf Pulsfrequenz und Blutdruck 
erklären. Spezielle Untersuchungen über die Beeinflussung der Zirkulation 
im inneren Genitalapparat liegen nicht vor, doch steht eine solche 
sicher fest. Es ergibt sich dies nicht bloß aus der selbstverständlichen 
Wirkung der thermischen Komponente, sondern auch aus tausendfaltigen 
empirischen Erfahrungen bezüglich therapeutischer Erfolge. Die heute 
leider noch stark spekulativ kombinierten, wenig physiologisch und 
biochemisch fundierten Anschauungen über die Einwirkung der in den 
Mineralwässern enthaltenen Stoffe auf den Organismus und auf das 
Genitale sollen in den einzelnen Kapiteln mitgeteilt werden. 

Man beachte vor allem, daß die Balneotherapie nur dann zu voller 
Wirkung gelangen Jkann, wenn nicht bloß das erkrankte Genitale, 
sondern die kranke Frau behandelt wird. Man vermeide möglichst die 
lokale Behandlung während der Badekur, denn es handelt sich, wie 
Dührssen richtig bemerkt, meist um Patientinnen, welche bis un- 



Balneo- und Thalassotherapio. (jl 

mittelbar vor Beginn der Kur lange Zeit örtlich behandelt, geätzt, 
massiert worden sind. Muß man — z. B. bei Lageveränderungen, Be- 
siduen nach Entzündungen — die Badekur mit Massage verbinden 
(siehe speziellen Teil), so übe man die letztere nicht täglich aus. Ebenso 
dürfen Atzungen höchstens einmal wöchentlich vorgenonmien werden 
(Dührssen). Nicht zu unterschätzen ist die den Patientinnen durch 
den Badeaufenthalt aufgezwungene sexuelle Euhe. Auch ermüdende 
Spaziergänge und gesellschaftliche Aufregungen sind zu vermeiden. 
Der ärztliche Einfluß hat dahin zu wirken, daß sich die Kranke einem 
behaglichen, ruhigen Leben hingebe. Eine leicht verdauliche, stuhl- 
befördernde Kost nebst passender Trinkkur, welche der speziellen In- 
dikation entspricht, d. h. der abdominellen Plethora, Obstipation ent- 
gegenzuwirken oder anderseits die Blutbeschalfenheit zu verbessern hat, 
unterstützen den Heilefiekt einer Badekur auf das wirksamste. 

Im allgemeinen sind während der Menses keine Mineralbäder 
zu gebrauchen. Sie erregen einmal den Widerwillen der Frauen 
wegen der Verunreinigung des Badewassers, dann aber bewirken 
sie, zumal die warmen, im Gegensatze zu warmen Süßwasserbädern, 
eine Verstärkung der menstruellen Blutung. Ist gerade eine solche 
erwünscht, so begnügt man sich mit Sitzbädern. Der Gebrauch 
von Badespekulis ist auch hier zu widerraten. Eindringen größerer 
Mengen von Moor in die Scheide bringt nicht selten die heftigsten 
Eeizungszustände mit sich, das Epithel stößt sich in Petzen ab, ja, man 
erlebt es zuweilen, daß unter lebhaften Schmerzen ganze Scheiden- 
ausgüsse abgehen (Fei In er). Wenn während des Bades Moor in die 
Scheide eindringt, so ist dies ein zwar schwer zu vermeidendes, aber 
doch unerwünschtes Ereignis. Absichtliche Einführung des Moores in 
vaginam ist nicht zu rechtfertigen. 

Hingegen sind Irrigationen mit Mineralwässern vielfach in Ge- 
brauch. Keinesfalls soll die Irrigation während des Bades vorgenommen 
werden, ein häufiger Abusus, der nicht genug zu verurteilen ist. Die 
Verunreinigung des Badewassers mit Scheidensekreten ist gewiß für 
die Haut und die Analöflfnung gefahrbringend. Während der Schwanger- 
schaft ist keine Mineralbadekur angezeigt. 

Nach Abschluß der Badekur ist ein klimatischer Kurort zur Nach- 
kur empfehlungswert, dessen Wahl aus der Berücksichtigung der 
Konstitution, aber auch der Neigungen und äußeren Verhältnisse der 
Kranken hervorgeht. Die als Nachkur so beliebten Seebäder sind bei 
inzwischen eingetretener Schwangerschaft gänzlich zu wideiTaten, der 
Aufenthalt an der See, und zwar im Sommer an der Nordsee und 
Ostsee, im Spätherbst bis Ende Oktober an der Eiviera zu gestatten; 
bei geschwächtem Organismus ist statt dessen der Aufenthalt in 
waldreicher Gegend zwischen 600 und 1000m Seehöhe zu empfehlen. 



64 ßalneo- und Thalassotherapie. 

glühende Eisenstücke ins Badewasser). Es geht bei dieser Prozedur 
natürlich eine große Kohlensäuremenge verloren. In Pranzensbad nennt 
man die auf solche Weise erwärmten Bäder „Louisenbäder" oder „Mineral- 
bäder". Bei der Schwarzsehen Methode hat die Wanne einen Doppel- 
boden, zwischen dessen beide Platten der Dampf einströmt. Diese Methode 
hat wieder den Nachteil ungleichmäßiger Erwärmung des Badewassers. 
Am besten und ohne starken Verlust an Kohlensäure wird das Mineral- 
wasser mittels Kalorisators nach Ozernicki erwärmt. Das Mineralwasser 
strömt durch einen Ballon, in welchem sich eine Dampfschlange be- 
findet, und fließt schon erwärmt in die Wanne. Die mittels der beiden 
letzteren Methoden erwärmten Bäder nennt man in Franzensbad „Stahl- 
bäder". In Anbetracht des eventuellen Gasverlustes ist also die Er- 
wärmungsart von hoher Bedeutung. Den Gasgehalt kann man durch 
Zusatz von Sole leicht variieren. Je weniger Sole man zufließen läßt, 
desto mehr CO2 bleibt frei und aktiv. In jedem Stahlbade muß für 
genügende Ableitung der überschüssigen Kohlensäure gesorgt sein, da 
sonst leicht Übelbefinden bei den Badenden eintritt. 

Man verweile ruhig im kohlensäurehältigen Bade, denn durch 
Bewegung wird viel Gas zum Entweichen gebracht. Von Zeit zu Zeit 
kann man die Gasblasen, die sich an der Haut ansetzen, abstreichen, 
um neuen Bläschen das Ansetzen zu ermöglichen. Die Dauer beträgt 
5 — 20 Minuten, die Temperatur schwankt zwischen 30 und 36^0. 
Da die Kohlensäure ein angenehmes Wärmegefühl erzeugt, ist es bei 
anämischen Individuen mit geringer Reaktionsfähigkeit möglich, nied- 
rigere Temperaturen zu applizieren als im gewöhnlichen Süßwasserbade. 
Die Haut bedeckt sich alsbald mit einer dichten Schicht kleiner Gasr- 
bläschen, es entsteht angenehmes Prickeln und Wärmegefühl, insbeson- 
dere am Perineum und in der Genitalregion, die Tastempfindlichkeit 
wird gesteigert (v. Basch); die Haut zeigt sich gerötet, die glatten 
Muskelfasern der Brustwarzen sind kontrahiert. Der Puls ninmat anfangs 
ein wenig an Frequenz zu, bald wird er langsamer, merklich kräftiger 
und voller, die Respiration langsamer (Stifler), das Atemvolumen 
durch reflektorische Erregung des zentralen Atemzentrums infolge des 
intensiven Reizes der sensiblen Hautnerven vergrößert (Winternitz). 
Mit der Anregung des Stoffwechsels geht eine Vermehrung der Appetenz 
einher; die zentrale Temperatur ist herabgesetzt, jene der Peripherie 
erhöht (Jacob). Durch die energische [periphere Vasodilatation kommt 
es zu Entlastung des Herzens, Verminderung der Widerstände, dabei zu 
verbesserter Speisung des Herzmuskels, Verstärkung der Herzaktion wie 
bei internem Gebrauche der Digitalis (Grödel). Der Blutdruck ist ge- 
steigert. Die Frauen verspüren im Bade üteruskontraktionen. Das 
Kohlensäurebad bewirkt reflektorisch eine Erregung der glatten Musku- 
latur des Geschlechtsapparates. 



Baineo- nnd Thalassotherapie. 65 

Die Indikationen der Säuerlings- und Stahlbäder beziehen sieh 
demnach vorzugsweise auf allgemeine Schwäche, Anämie, Chlorose, 
Unteren t Wicklung des Genitalapparates und aus alledem resultierende 
Amenorrhoe, wobei es auf Hebung des gesamten Kräftezustandes und 
Anregung der Funktionen des Organismus, wie auch jener des Sexual- 
systems ankommt. Dahin gehört auch die Therapie des Fluor albus bei 
anämischen Individuen, Sterilität infolge allgemeiner Schwäche, chro- 
nische Endometritis auf nichtgonorrhoischer Basis, frühzeitiges Zessieren 
der Menses; vor allem sind die Herzmuskelschwäche und die von ihr 
ausgehenden Erscheinungen eine Anzeige für den Stahlbäder gebrauch. 
Bei sexueller ünterempfindlichkeit, Dyspareunie, kommen eventuell nach 
dem Vorschlage von Kisch neben Bädern vaginale Irrigationen mit 
kohlensäurehältigem Wasser in Gebrauch. Schließlich gibt die Parese 
des Sphincter vesicae eine Indikation ab. 

Kontraindikationen sind alle psychischen Erregungszustände, ins- 
besondere solche im Beginne der Menopause (Kisch), akute und sub- 
akute Entzündungen am Genitale, Meno- und Metrorrhagien, Hyperaemia 
uteri, Hämoptoe. 

Für den Bädergebrauch eignen sich die folgenden einfachen 
Säuerlingsquellen: ApoUinaris (Ahrtal), Cudowa (Schlesien, Ober- 
brunnen), Flinsberg (Schlesien, Queisquelle), Franzensbad (die vielfach 
als Trinkquelle verwendete Stephaniequelle), Gleichenberg (Steiermark, 
Klausenquelle) , Karlsbad (Dorotheenquelle) , Königswarth (Eichards- 
quelle), Liebwerda (Böhmen), Marienbad (Karolinenbrunnen u. a.), 
Nauheim (Hessen-Darmstadt, Säuerling), Neudorf (bei Karlsbad, Sauer- 
brunn), ßeinerz (Schlesien, kalte Quelle), Eippoldsau (Schwarzwald, 
Prosperschachtquelle), Schwalbach (Hessen - Nassau, Lindenbrunnen), 
Tarasp (Engadin, Karolaquelle) u. a. m. 

Die wichtigsten Stahlquellen sind : Alexisbad (Harz, Alexisbrunnen), 
Alexanderbad (Bayern), Bartfeld (Ungarn, Spradelquelle), Bocklet 
(Bayern, Stahlquelle, durch Mischung mit heißem Wasser erwärmt), 
Buziäs (Ungarn, Josefsquelle), Brückenau (Unterfranken, Stahlquelle), 
Cudowa (Preußisch-Schlesien, Eugenquelle, Schwarzsehe Methode), 
Driburg (Westfalen, Hauptquelle), Elster (Sachsen, Moritzquelle), 
Franzensbad (Stahlquelle. Herkulesquelle; die vier letzten durch 
Schwarzsehe Methode erwärmt), Homburg (Nassau, Stahlbrunnen), 
Königswarth (Böhmen, Viktorquelle), Liebenstein (Sachsen-Meiningen, 
alte Quelle, durch Mischen mit heißem Wasser erwärmt), Marienbad 
(Ambrosiusbrunnen , Karolinenbäder), St. Moritz (Schweiz, Fontana 
Surpunt, Pfriem sehe Methode), Pyrawarth (Niederösterreich), Pyrmont 
(Waldeck, Haupt- und Helenenquelle, Stahl- und Brodelbrunnen, 
Schwarzsehe Methode), ßeinerz (Preußisch-Schlesien, laue Quelle, 
17-5^0, Schwarzsehe Methode), Eippoldsau (Baden, Wenzelsquelle, 

■ -Oscar F ran kl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 5 



QQ Balneo- und Thalassotherapie. 

ebenso erwärmt), Schwalbach (Nassau, Paulinenbrunnen, Wein- und 
Stahlbrunnen, ebenso erwärmt), Stehen (Bayern, Tempel- und Wiesen- 
quelle, Pfriemsche Methode), Szli4cs (Ungarn, Lenkeyquelle, 23^0, 
naturwarm). Dazu kommen viele andere. 

* * 

Hier sind gleichzeitig zu besprechen die kohlensauren Gas- 
bäder, welche sich in bezug auf ihre Wirkung den Säuerlings- und 
Stahlbädern anschließen. Die natürlichen Gasquellen, welche neben 
Kohlensäure auch andere Beimengungen, wie z. B. Schwefelwasserstoff, 
in geringen Mengen enthalten, strömen in Bassins ein, in welchen die 
Frauen bekleidet, aber ohne Beinkleider, stehen. Auch in geeckten 
Wannen mit einem Ausschnitte für den Hals werden die Kohlensäure- 
bäder verabreicht. Jedenfalls muß der Kopf den oberen Rand des 
Bassins oder der Wanne tiberragen, da sonst Unwohlsein auftritt. Das 
Gas durchdringt die Kleider, an der Haut und an den Genitalien stellt 
sich dasselbe Gefühl ein, welches bei den Säuerlings- und Stahlbädern 
geschildert wurde; dazu gesellt sich Harndrang. Die Harnmenge am 
Tage des Bades ist vermehrt. Puls und Respiration werden langsamer 
und erst bei längerem Verweilen im Bade (über 20 Minuten) be- 
schleunigt. Auch mittels einfacher Spekula oder des Loimannschen 
Spekulums mit Tonerzeuger, bei welchem der Gasstrom in seiner 
Quantität durch den Ton erkennbar wird, kann man die Kohlensäure direkt 
an die Portio bringen. Sie erzeugt hier Hyperämie des Uterus, Anregung 
zu Kontraktionen. Die Menstruation tritt früher ein und wird stärker 
(Kisch). Die Dauer des trockenen Kohlensäurebades soll nicht über 
10 Minuten erstreckt werden. 

Der Gebrauch trockener Kohlensäurebäder und Duschen ist ange- 
zeigt bei Amenorrhoe, Dysmenorrhoe, sowohl infolge von Ohiorose als 
auch infolge von idiopathischer Atrophia uteri (Gottschalk), als 
Aphrodisiacum bei Frigidität (Loimann), bei Dysmenorrhoe und 
Sterilität infolge schlechter Durchblutung der Gebärmutter, bei Inkon- 
tinenz der Harnblase durch Sphinkterparese, bei Enuresis. Kontraindiziert 
ist die Applikation der trockenen Kohlensäure insbesondere bei 
Schwangerschaft, während der Menses, bei Metrorrhagien, im Klimak- 
terium, bei Neigung zu Blutungen und bei nervösen, reizbaren Frauen. 

Natürliche kohlensaure Gasquellen finden sich in Franzensbad, 
Homburg, Kissingen, Marienbad, Meinberg, Pyrmont, Szlidcs etc. 

Alkalische Quellen. Dieselben werden häufiger zu Trinkkuren 
als zu Badekuren verwendet, doch kommt auch dieser Gebrauch zu- 
weilen in Betracht. Es kann indes die Bedeutung der alkalischen 
Quellen zu Trinkzwecken hier nicht vollständig übergangen werden, 
da ja die Trinkkur zumeist von der Badekur nicht zu trennen ist. 



Balneo- und Thalassothei^pie. 67 

Die "kalten alkalischen Wässer enthalten meist ziemlich viel Kohlen- 
säure, die wannen weniger. Man unterscheidet drei Arten von al- 
kalischen Quellen. 

d) Einfache Natronquellen. Die kalten Natronquelleu ent- 
halten neben kohlensaurem Natron große Mengen freier Kohlensäure. 
Sie werden daher gelegentlich zu Badekuren verwendet wie einfache 
Säuerlinge, in seltenen Fällen auch zu Scheidenspülungen. Das kohlen- 
saure Natron löst die Hautsekrete uud macht die jSpidermis quellen, 
verschafft dem Wasser eine besondere Weichheit. Eine Imprägnation 
der Haut mit dem Salze findet nicht statt, \^ie dies beim Kochsalz der 
Fäll ist (Braun). Die warmen Quellen sind, soferne der Kohlensäure- 
gehalt gering ist, den Akratothermen gleichzustellen. Zu Trinkkuren 
werden die kalten Quellen vorzugsweise bei harnsaurer Diathese ver- 
wendet, finden aber auch bei chronischem Blasenkatarrh vielfach Ver- 
wendung. Es gehören hieher u. a. die Quellen von Bilin, Fachingen, 
Gießhübel (König Ottoquelle), Gleichenberg (Johannisbrunnen). Krondorf, 
Preblau, Eadein, Vichy (Celestin). Zu den warmen alkalischen Quellen 
gehören Neuenahr (großer Sprudel, 40®, mit erheblichen Mengen 
freier Kohlensäure), Vichy (L'Hopital 31 ^ Grande Grüle 41% Lipik 
(Slavonien 64®). 

b) alkalisch- muriatische Quellen. Natronwässer mit geringem 
Kochsalzgehalt, reich an Kohlensäure und kalt, oder warm mit spär- 
lichem Kohlensäuregehalt. Sie werden bei katarrhalischen Aflfektionen 
des Eespirationstraktes zu Inhalationen und Trinkkuren verwendet, die 
eisenhaltigen Wässer bei Anämie und Ohiorose getrunken. Zu Bädern 
eignen sie sich weniger, sind eventuell den Säuerlingsbädern gleich- 
zustellen. Dahin gehören die kalten Quellen von Luhatschowitz (Mähren, 
Johannisbrunnen, Luisenbrunnen, Amands- und Vinzenzbrunnen), 
Gleichenberg (Steiermark, Konstantin- und Emmaquelle), Selters (Nassau) 
u. a. m. Die wichtigsten warmen Quellen sind in Ems (Neue Quelle, 50^) 
und einige in Prankreich. 

c) Alkalisch-salinische Quellen. Sie enthalten nebst kohlen- 
sauren Verbindungen des Natriums, Kalziums und Magnesiums auch eine 
Menge von Chloriden und Sulfaten. Die kalten sind zum Teil ungemein 
reich an Kohlensäure, die warmen enthalten weniger freie (70^. Zu 
letzteren zählen bloß die Wässer von Karlsbad und Bertrich. Die Be- 
deutung der kalten Quellen zu Trinkkuren ist auch für den Gynäko- 
logen eine große, da die Glaubersalzwässer eine sichere Abführwirkung 
entfalten, die Zirkulation der Bauch- und Beckeneingeweide im Sinne 
■einer Depletion beeinflussen, und daher für die Behandlung der Ab- 
dominalstase und Obstipation einen wichtigen Faktor darstellen (Kisch, 
Kleinwächter). Die eisenreichen Wässer (iJTeuquelle in Franzensbad u. a.) 

jBpielen bei der Behandlung der Chlorose eine große Bolle für Trinkzwecke. 

5* 



QQ Balneo- und Thalassotherapie. 

Wir bedienen uns der Glaubersalzwässer, zumal jener von 
Marienbad bei Menstruationsstörungen, insbesondere Menorrhagien fett- 
leibiger Frauen (Kisch), aber auch bei Amenorrhoe fetter Frauen, 
wo sich ein kleiner, harter Uterus vorfindet (Fraenkel), bei Ver- 
stopfung im Gefolge venöser Stase in den Abdorainalgefäßen und damit 
verbundener chronischer Scheidenentztindung (Gottschalk). Auch auf 
die Sterilität fettleibiger Frauen hat die Marienbader Trinkkur günstigen 
Einfluß (Eöhrig). Der Gebrauch von Bitterwässern zu Hauskuren kann 
den Gebrauch der Glaubersalzwässer an Ort und Stelle nie vollkommen 
ersetzen. 

Die wichtigsten kalten, alkalisch-sahnischen Quellen befinden sich 
in Elster (Albert-, Marien-, Königs-, Salzquellen), Marienbad (Ferdinands- 
und Kreuzbrunnen), Franzensbad (Kalter Sprudel, Wiesen-, Franzens-, 
Salz-, Luisenquelle, reich an Glaubersalz, Neue Quelle, Stahl- und 
Loimannsquelle reich an doppeltkohlensaurem Eisen), Tarasp (ürsus-, 
Luzius-, neue Badequelle), Eohitsch (Styria- und Tempelquelle). 

Kochsalzquellen« Nebst Kochsalz und anderen Chlorverbin- 
dungen sind dieselben gelegentlich reich an Jod- und Bromverbin- 
dungen. Die kohlensäurereichen werden als Kochsalzsäuerlinge, die 
kohlensäurearmen, an Kochsalz reichen, als Solen bezeichnet. Auch warme 
Kochsalzquellen können größere Mengen von freier Kohlensäure ent- 
halten ; man nennt dieselben kohlensäurereiche Thermalsolen. Die wich- 
tigsten derselben sind: Rehme-Oeynhausen in Westfalen, Nauheim in 
Hessen und Soden am Taunus. 

Die physiologische Wirkung der Solbäder ist zur Zeit noch Gegen- 
stand des wissenschaftlichen Streites. Indifferent warme Solbäder von 
32 — 36® sollen nach Angabe einer Eeihe von Autoren nicht anders 
als Süßwasserbäder von gleicher Temperatur und Dauer wirken. Andere 
Autoren sind der Meinung, daß die hautreizende Wirkung des Salzes 
(welche von einzelnen Autoren, darunter Winternitz, gleichfalls ge- 
leugnet wird), eine Erhöhung des Stoffwechsels zur Folge habe. 
Baltusewics führte in letzter Zeit eine Eeihe von Untersuchungen 
mit 32® warmen, 30 Minuten lange dauernden Bädern bei verschiedener 
Konzentration der Salzlösung (3 — 12®/o) aus und gelaugte zu folgenden 
Eesultaten. Bei schwacher Konzentration ist der Stickstoflfumsatz quan- 
titativ herabgesetzt, bei stärkerer (von 97o an) gesteigert. Qualitativ 
wird der Stickstoflfumsatz bei Bädern von schwacher Konzentration ge- 
bessert, von 9% aufwärts verschlechtert. Die Assimilation der 
^-haltigen Bestandteile der Nahrung wird bei schwach konzentrierten 
Bädern erhöht, bei stark konzentrierten vermindert. Bei mittlerer Kon- 
zentration (um 9% herum) zeigt sich ken merklicher Einfluß. Bei 
schwacher Konzentration wird die tägliche Harnmenge geringer. Bei 



Balneo- und Thalassotherapie. 69 

schwacher Salzlösung merkt man höhere Pulsfrequenz als bei starker. 
Ein Einfluß auf die Atmung kommt der Konzentration nicht zu, ebenso- 
wenig wird die Körpertemperatur durch die Konzentration der Salz- 
lösung beeinflußt. Die Hautsensibilität wird durch Solbäder gesteigert. 
Baltusewics meint, es seien darum schwächer konzentrierte Solbäder 
zur Hebung des Kräftezustandes schwächlicher Individuen geeignet; 
soll aber durch Steigerung des Stoffwechsels die Eesorption patho- 
logischer Produkte, Exsudate, gefördert werden, so sei mindestens eine 
97o Konzentration des Solbades anzuwenden. Harren auch noch einzelne 
Punkte der Nachprüfung, so dürften doch die Schlußfolgerungen dieses 
Autors unangefochten bleiben. Jedenfalls steht fest, daß weder das 
Kochsalz, noch Jod oder Brom durch die Haut aufgenommen werden. 
Daß stärkerere Kochsalzsolutionen auf die Haut reizend wirken, ist 
sicher, desgleichen ist die Imprägnation der Epidermis mit Kochsalz 
erwiesen. Der respiratorische Gasaustausch wird in Solbädern mittlerer 
Konzentration gesteigert, auch wenn dieselben indifferent temperiert 
sind (Zuntz). Durch schwache Solbäder wird die Assimilation ge- 
steigert, bei günstigen Ernährungsverhältnissen und Aufenthalt in 
Wald- und Höhenluft nimmt das Körpergewicht merklich zu. Die Wärme- 
abgabe in 3 — 57o Bädern von indifferenter Temperatur ist keine be- 
deutendere als in gleich warmen Süßwasserbädern (Jacob, Lieber- 
meister). Die kohlensäurereichen Kochsalzthermen wirken vermöge 
ihrer Temperatur wie auch vermöge des Gasgehaltes stark erregend 
und finden daher die gelegentlich der Säuerlingsbäder bereits erwähnten 
Gegenanzeigen. Trotz Kellers Empfehlungen sind die Solbäder während 
der Gravidität und der Menses nicht zu verordnen. 

Die Indikationen für die schwächeren Solbäder beschränken sich 
auf die Bekämpfung anämischer Zustände bei Personen mit lympha- 
tischem und skrofulösem Habitus und gleichzeitiger Amenorrhoe, Steri- 
lität und Neigung zu Abortus. Eine Verkleinerung der Myome des 
Uterus ist durch Solbäder nie zu erzielen, wohl aber kann die Hyperämie 
der Beckenorgane vermindert und die Blutung hiedurch günstig beein- 
flußt werden. Stärker konzentrierte Solbäder sind zu empfehlen bei 
chronischer Metro-Endometritis, chronischer, insbesondere exsudativer 
Para- und Perimetritis, Perioophoritis und Perisalpingitis (Dührssen). 
Schwache Solbäder macht man durch Zusatz von Mutterlauge konzen- 
trierter. Die Bäder sind jeden zweiten Tag und nie über 30 Minuten 
lang zu gebrauchen. 

Kontraindiziert sind Solbäder bei Erregungszuständen und im 
Klimakterium (Kisch). Vom Gebrauche der kohlensauren Kochsalz- 
thermen soll, wie Braun richtig bemerkt, nicht zu viel für die Gyniatrie 
erwartet werden. Ihr Gebrauch hat sich auf Amenorrhoe und Sterilität 
anämisch-pastoser Individuen zu beschränken. 



72 Balneo- und Thalassotherapie. 

Von den vielen atlantischen und mittelländischen Seebädern seien 
bloß genannt: In Österreich Abbazia, Brioni, Lussin, Pelagio, Porto- 
rose, Portore, Triest. In England Brighton, Dover, Hastings, Wight. 
In Frankreich Biarritz, Boulogne, Dieppe, Dünkirchen, Havre, Marseille, 
Mentone, Nizza, Trouville. In Italien Alassio, Oastellamare, Oapri, 
Ischia, Livorno, Lido- Venedig, Messina, Neapel, Pegli, Eapallo, San 
Eemo, Sorrent. 

Schwefelbäder. Dieselben konnten bisher für die Gyniatrie keine 
Bedeutung erlangen. Erst in den letzten drei Jahren wurde von fran- 
zösischen Autoren der Gebrauch von Schwefelbädern und Scheiden- 
spülungen mit Schwefelwässern empfohlen. Doch sind die mitgeteilten 
Eesultate nicht genügend nachgeprüft, als daß sie hier wiedergegeben 
werden dürften. 

EisenbSder. Die Stahlquellen wurden bereits zugleich mit den 
Säuerlingsb ädern besprochen; so erübrigt es hier bloß, einiges über 
die schwefelsauren Eisenwässer zu sagen. Nebst Eisenvitriol enthalten 
sie Alkaiisulfate und Spuren freier Schwefelsäure sowie Arsen in 
geringen Mengen. Die Wässer, welche Arsen reichlicher enthalten, 
werden vielfach zu Trinkkuren bei Anämie und Chlorose mit sicherem 
Nutzen verwendet. Dahin gehören die Wässer von Levico, Eoncegno, 
Srebrenica (Guberquelle) u. a. Die arsenarmen Wässer werden ge- 
legentlich zu Bädern verwendet und sollen sich bei chronischen 
Katarrhen der weiblichen Genital organe sowie bei anämischen und 
chlorotischen Individuen bewähren. Kisch bezieht diese Wirkung auf 
die adstringierenden und antimykotischen Eigenschaften der Vitriol- 
wässer. Zu den arsenarmen, respektive -freien Wässern gehören jene 
von Alexisbad, Mitterbad, Muskau, Farad u. a. m. 

Moorbäder, unter Mineralmoor versteht man einen von Mineral- 
wasser durchströmten und durch dasselbe chemisch veränderten Torf, 
der durch Vermodern von Pflanzen unter Luftabschluß entstanden ist; 
die Sulfate des Mineralwassers werden im Torf zu Sulfiden reduziert, 
welche bei der Einwirkung auf das Eisenbikarbonat Schwefeleisen 
erzeugen; unter dem oxydierenden Einflüsse der Luft auf der Halde 
entstehen Eisensulfat und freie Schwefelsäure (Ludwig). Die oberen 
Schichten des Franzensbader Moores stellen eine schwarzbraune Masse 
dar, während in der Tiefe gelbbraune Schichten von dicht verfilzten 
Torfpflanzen, mit Doppelschwefeleisen durchwachsen, hinziehen (Loi- 
mann). Der Moor wird im Herbst aus den unermeßlich großen Torf- 
lagern ausgestochen und bleibt bis zum nächsten Frühjahr auf der 
Halde liegen, woselbst er der Verwitterung anheimfällt. Der Moor wird 
in Torfmühlen gemahlen, in der Badewanne mit Mineralwasser gleich- 
mäßig verrührt und die Konsistenz je nach Bedarf durch Zusatz ver- 
schiedener Flüssigkeitsmengen dicht, mitteldicht oder dünn gemacht. 



Balneo- und Thalassotherapie. 73 

Die Erwärmung geschieht durch Einströmen von Dampf in die Wanne 
oder Zufluß heißen Mineralwassers. 

Der Mineralmoor enthält neben Kohlensäure und Spuren von 
Schwefelwasserstoff organische Substanzen (Ameisensäure, Humin, Humin- 
säure, Essigsäure, Harzsäure), nach Ludwigs Analyse des bei 110° 
getrockneten Bademoores von der halbjährigen Halde 53*63 Volum- 
prozent; dazu kommt: 

Prozent 

Kieselsäureanhydrid 0*08 

Schwefelsaures Eisenoxydul . . . 32-30 

Aluminiumsulfat 1*12 

Kalziumsulfat 2*05 

Magnesiumsulfat 0*81 

Kaliumsulfat 0*22 

Natriumsulfat 0*62 

Schwefelsäureanhydrid 9*34 

Mangansulfat 



Lithiumsulfat 
Phosphorsäure 
Chlor 
Titansäure 



in Spuren. 



Es sind demnach hautreizende, adstringierende und antimykotisch 
wirksame Substanzen reichlich im Moor enthalten (Eeinl); dazu kommt 
seine Konsistenz und das schlechte Wärmeleitungsvermögen als bedeutsame 
Faktoren; nach Oartellieri verhält sich die Wärmekapazität des luft- 
trockenen Moores zu jener des Wassers wie 0931 : l'O. Die Fülle der 
uns bekannten wirksamen Faktoren vermochte gleichwohl bis heute 
die physiologische Wirkung des Moores nicht zu voller Klarheit zu 
bringen, ja, es bestehen auch heute noch vielfach Meinungsverschieden- 
heiten über die Wirkung des Moorbades auf Blutdruck, Stoffwechsel 
und Körpertemperatur! Die Ursache hievon ist wohl darin gelegen, 
daß die Experimente unter allzu verschiedenen Voraussetzungen gemacht 
wurden, sowohl was das Bademedium als was die untersuchten Personen 
betriflFt. Es steht indes zu erwarten, daß diese Fragen in Bälde geklärt 
sein werden. 

Folgendes steht fest: Im kühlen Moorbade (30—35^ 0) erblaßt 
die Haut anfangs, rötet sich jedoch bald und es stellt sich Wärme- 
gefühl ein (Loimann). Temperatur, Atmung und Puls werden herab- 
gesetzt (Fellner), die Herztätigkeit infolge der ihr aufgezwungenen 
Überwindung des außen lastenden mechanischen Druckes angeregt, 
die Pulsverlangsamung durch Vergrößerung der Pulswelle wett- 
gemacht (Bornstein). Diese Pulsqualität hält noch 20 Minuten 



74 Balneo- und Thalassotberapie. 

nach dem Bade an. Wegen der geringen Wärmekapazität des Moores 
werden höhere Temperaturen vertragen als im Süßwasserbade; der 
Indiflferenzpunkt liegt höher. In dichteren Bädern verspüren die 
Frauen nicht selten wehenartige Uteruskontraktionen. An der Haut 
kommt es bei reizbaren Individuen zu Jucken, eventuell zu Erythemen 
und Exanthen;ien, die auf Basis zahlreicher mikroskopischer Exkoria- 
tionen der Haut entstehen. Das Moorbad erzeugt einen sekundären 
Afflux zu den Becken organen, Steigerung des Hämoglobingehaltes des 
Blutes, Vermehrung der Erythroeytenzahl. Der Atmungsakt verwandelt 
den auf dem Integumente bestehenden Druck des Moores zu einer 
faktischen Massage. 

Sehr heiße Moorbäder (über 40®) von dichter Konsistenz regen 
den Stoffwechsel bedeutend an und bewirken rascheren Abbau des in 
pathologischen Ablagerungen deponierten, Ei weiß. Die Körpertemperatur 
wird gesteigert, der Blutdruck erhöht, Puls und Atmung beschleunigt. 
Das 40® warme Moorbad hat nach Nenadovics noch keine Temperatur- 
steigerung zur Folge. Auch werden Puls und Blutdruck noch herab- 
gesetzt. Nach dem Reinigungsbad erfolgt indes Blutdrucksteigerung, 
welche direkt proportional ist dem Unterschiede zwischen der Tempe- 
ratur des Moorbades und jener des Eeinigungsbades. Man habe also 
in der Vergrößerung dieser Differenz ein Mittel zur Steigerung 
der Wirksamkeit. Nenadovics ist. der Anschauung, daß die Wirkung 
des Moorbades in einer wellenartigen Beeinflussung der physiologischen 
Vorgänge des Körpers besteht. „Einem primären Sinken oder Steigen 
der Temperatur, des Pulses, der Atmung und des Blutdruckes folgen 
sekundär als Eeaktion die entgegengesetzten Erscheinungen," Damit 
dürfte auch in der Tat der Kern der Frage getroffen sein. Aus seinen 
Untersuchungen folgert Nenadovics, es sei nicht notwendig, Tempera- 
turen über 40^ anzuwenden; da der Einfluß des Moorbades auf die 
Temperatur des Rektum sich bereits nach fünf Minuten ad maximum 
zeigt, der Einfluß auf den Blutdruck nach zehn Minuten seinen Höhepunkt 
erreicht hat, sei auch die allzulange Dauer der Moorbäder sinnlos. Die 
Wirkung des Moorbades steigt sicher mit seiner Temperatur, Konsistenz 
und Dauer. Je höher Temperatur und Konsistenz sind, desto kürzer 
muß die Dauer sein. Wünscht man die Massage Wirkung zu steigern, 
so muß die Konsistenz dicht sein. 

Es sind demnach niedrigere Temperaturen bei Gebärmutter- 
blutungen, höhere Temperaturen (nie über 40®) bei Adnextumoren, 
exsudativen Prozessen etc. anzuwenden. 

In Bezug auf die Technik des Moorbades ist noch hinzuzufügen, 
daß bei klaffender Vulva durch den Druck der Moormasse, und zwat 
meist im Momente des Niedersetzens, Moor in die Scheide gepreßt 
wird. Dieses unerwünschte Ereignis ist möglichst hintanzuhalten, da 



ßalneo- und Thalassotherapie. 75 

es mehr schädigend als etwa antikatarrhalisch wirkt. Will man die 
adstringierende Eigenschaft des Moores verwerten, so empfehlen sich 
eher Scheidenspülungen mit Moorsalzlösungen nach Klein Wächter. 

Neben der Moor wanne steht die Wanne mit dem Reinigungs- 
wasser. Die Temperatur des letzteren ist um 1 — 2^ niedriger als jene 
des Moores. Nur wenn man die Reaktion erhöhen will, nimmt man um 
einige Grade kühleres Wasser. Bei Individuen mit empfindlicher Haut 
empfiehlt es sich, dem Reinigungsbade Kleie zuzusetzen. Das Moorbad 
soll nicht länger als 20 bis höchstens 30 Minuten, das Reinigungsbad 
5 Minuten dauern. Für Frauen mit Herz- und Lungenkrankheiten oder 
mit apoplektischem Habitus empfehlen sich entweder bis zu den Hüften 
reichende Moorbäder oder der von Kisch angegebene Moorgürtel als 
Ersatz des Moorbades. Je nach dem Falle wird die Temperatur des 
Moorbades zwischen 30 und 35^, höchstens auf 40® gebracht werden. 
Letztere Temperatur bleibt auf torpide, alte Exsudate beschränkt; hiebei 
wählt man kühlere Reinigungsbäder behufs Erhöhung des Effektes. 

Die für den Gebrauch von Moorbädern aufgestellten Indikationen 
sind sehr mannigfach; es kann nicht geleugnet werden, daß bei 
zweckmäßiger Anpassung der Qualität des Bades bemerkenswerte objektive 
Besserung im Palpationsbefunde schwerer Veränderungen zu erzielen 
ist, gar nicht zu reden von der fast immer zu erreichenden subjektiven 
Besserung. Daß die begleitende Trinkkur, das zweckmäßige hygienisch- 
diätetische Regime, die Fernhaltung mannigfacher Schädlichkeiten, 
welche das Gesellschaftsleben daheim mit sich bringt, die Abstinenz 
vom Koitus teilhaben an dem Erfolge, sei unbestritten. Dennoch ist 
auch deni Moorbade für sich eine erhebliche Wirksamkeit zuzusprechen, 
denn die Erfahrung lehrt, daß bei sonst gleich zweckmäßigem Ver- 
halten in einem Sanatorium oder Kurorte ohne Moorbäder minder 
günstige Resultate erzielt werden. 

Anämie, Ohiorose, verzögerter Eintritt der Menses, Amenorrhoe 
im Gefolge mangelhafter Entwicklung des Genitalapparates oder an- 
ämischer Zustände, Frigidität umfassen die erste Gruppe der Moorbäder 
indizierenden Krankheitsformen. In die zweite Gruppe gehören chronisch 
entzündliche Zustände des Uterus und seiner Anhänge, des Parametrium 
und Beckenperitoneum (Dührssen), wobei zu bemerken ist, daß auch 
erhebliche Verkleinerung von Adnextumoren gelegentlich durch den 
Moorbädergebrauch zu erreichen ist. Das fieberhafte Stadium muß 
jedoch unbedingt vorüber sein; alte Herde eingedickten Eiters geben 
keine Gegenanzeige der Moorbehandlung ab. Jedenfalls ist in solchen 
Fällen regelmäßige Temperaturmessung während der Kur geboten. 
Besteht Blutung bei Metro-Endometritis, so sind kühle Moorbäder zu 
verabreichen. Die dritte Gruppe umfaßt die große Zahl jener Fälle, wo 
narbige Bindegewebsschrumpfungen und entzündliche Adhäsionen mit 



76 Balneo- und Thalassotherapie. 

Lage- und Gestaltsverändeningen des Uterus und der Adnexe ver- 
bunden sind. Objektive Besserung des Befundes ist hier nicht zu erwarten, 
doch können die Beschwerden sich wesentlich bessern. Dührssen ist 
geneigt, diese Besserung auf die Heilung der fast stets vorhandenen 
Endometritis zu beziehen. Ich glaube, daß durch die erhöhte Durch- 
blutung narbiger Stränge Verringerung deren Eigidität, damit Ver- 
minderung des Druckes auf eingeschlossene Nerven, wohl auch Ver- 
ringerung der Zerrung am Uterus, an den Tuben und Ovarien zu stände 
komme. Es sind dies die Fälle, in welchen eine Verbindung der Massage 
mit der Badekur gerechtfertigt ist. Man verwertet hiebei die Fluxion, 
nimmt die Massage möglichst bald nach dem Bade vor, denn die 
Dehnung eines derben Stranges ist naturgemäß leichter ausführbar und 
erfolgreicher, wenn er gut durchblutet, weich, sukkulent ist, als wenn 
er hart, fest, anämisch ist. Leider wird aus äußeren Gründen in den 
meisten Bädern in dieser Hinsicht vielfach gefehlt. 

Kontraindikationen gegen die Moorbäder sind alle frisch entzünd- 
lichen Prozesse am Genitale, Schwangerschaft, Menstruation, hochgradige 
Schwäche, Lungenemphysem, Tuberkulose mit Neigung zu Hämoptoe, 
inkompensierte Herzklappenfehler und Gefäßerkrankungen. 

Die wichtigsten Eisenmoorbäder sind: Bocklet, Brückenau, Cudowa, 
Elster, Franzensbad, Königswarth, Kohlgrub, Langenau, Liebwerda, 
Lobenstein, Marienbad, Muskau, Pyrmont, Eeinerz, Spaa, Stehen, Tatz- 
mannsdorf. 

Von salinischen und Schwefelmoorbädern wären zu nennen: 
Driburg, Ilidze, Meinberg, Wipfeld. 

Fangotherapie. Am Hügel von St. Elena (Battaglia) liegen fünf 
heiße Seen, in welchen zirka 40 Fangokrater fortwährend tätig sind. 
Aus dem Erdinnern bringen sie eine mit heißem Wasser gemischte, 
graubraune Masse hervor, welche am Boden der Seen abgelagert wird. 
Der aus diesen Seen gehobene Schlamm stellt in getrocknetem Zu- 
stande ein gelbgraues, ungemein feines, gleichmäßiges, sehr schmieg- 
sames Pulver dar, welches nach Klob Spuren freier Kohlensäure, 
Kieselerde, Eisenoxyd, Tonerde, Phosphate und Alkalien enthält. Doch 
sind nicht die chemischen, sondern die physikalischen Eigenschaften, 
insbesondere die Feinheit, das sehr schlechte Wärmeleitungsvermögen, 
die Schwere und der Gehalt an feinen Kieselpanzern von Diatomeen, 
welche hautreizend wirken, von Belang (Oeffinger, v. Aufschnaiter). 

Bei Mengung des pulverförmigen Produktes mit 607o seines 
eigenen Gewichtes (5 leg Fango + 3 Liter Wasser) und Erwärmung der 
Masse auf dem Wasserbade erhält man eine plastische Masse von 
mittlerer Salbenkonsistenz, die in folgender Weise appliziert werden 
kann. Man legt auf ein Bett eine Wolldecke, darüber einen GummistoflF 
und darauf ein Leintuch. Auf dem Leintuche liegt die Patientin. Der 



ßalneo- und Thalassothempie. 77 

entsprechend temperierte Fango (anfänglieh 40®, nach mehreren Sitzungen 
bis 50® steigend) wird in mehrere Zentimeter dicker Lage auf die 
Bauehdecken gestrichen, darüber das Leintuch, der Gummistoff und 
die Wolldecke zusammengeschlagen. Die Dauer der Packung soll nie 
über 45 Minuten ausgedehnt werden; es folgt eine laue Dusche oder 
Abwaschung, danach eine Stunde vollkommener Euhe wie nach dem 
Moorbade. 

Die physiologische Wirkung zeigt als das wichtigste Moment 
primäres Sinken der Pulsfrequenz, nach 10 Minuten Erhöhung der- 
selben. Der Blutdruck wird anfangs erhöht bei gleichzeitiger ober- 
flächlicher Vasokonstriktion durch Eeizung der gefäßverengernden 
Nerven und Erblassen der Haut. Sehr bald tritt aber ausgiebige und 
nachhaltige Fluxion gegen die Bauchdecken, alsbald auch gegen die 
Bauch- und Beckeneingeweide ein, ähnlich wie beim warmen Umschlag, 
nur noch intensiver. Die Körpertemperatur steigt bei Einbeziehung 
größerer Körperpartien in die Packung um 0*5 — 1*0^ empor (Maggiora 
und Levi). Infolge des schlechten Wärmeleitungsvermögens werden 
ungemein hohe Temperaturen (über 50^) ohne Beschwerden vertragen. 
Es folgt lokaler, eventuell allgemeiner Schweißausbruch. 

Die Fangopackung wird erst seit kurzer Zeit für gyniatrische 
Zwecke verwertet, doch liegen bereits mehrfach günstige Berichte vor. 
Insbesondere scheint die schmerzlindernde Wirkung bei Exsudaten 
eminent zu sein (Davidsohn). Doch kann durch Fangopackung auch 
die Suppuration befördert werden. Die Belastung der Bauchdecken 
kommt hier therapeutisch in Betracht; Mory verwertet diese, indem 
er ein Heißwasserspekulum mit Fango gefüllt in die Vagina legt. Bei 
chronischer Salpingo-Oophoritis im fieberfreien Stadium soll sich das 
Verfahren bewähren. Als Kontraindikationen gegen Fangotherapie gelten 
alle Gegenanzeigen der Moorbäder. 

Der Fango wird hauptsächlich in Battaglia, Abano, Acqui und 
Montegrotto gewonnen. 

Schlamm- und Limanbäder. Die Niederschläge schwefelhaltiger 
und kochsalzhältiger Mineralquellen (Acqui, Aix-les-bains, Battaglia, 
Mehadia, Pistyan, Warasdin) oder der südrussischen Salzseen (Limane, 
Saki in der Krim, Odessa) liefern ein dem Fango ähnliches Produkt, 
dessen Wirkung auf den Organismus jener des Fango sehr ähnlich ist. 
Die Schlammbäder werden häufiger gegen Gelenkserkrankungen ver- 
wertet, die Limanprodukte bei den Erkrankungen des weiblichen Ge- 
schlechtsapparates scheinbar mit Erfolg verwendet. 

Künstliche Bäder. Die aus Abkochungen von Kiefernadeln be- 
reiteten Bäder, Fichten- und Kiefermoorbäder, haben lediglich haut- 
reizende Wirkung infolge des Gehaltes an ätherischem Öle. Ihr thera- 
peutischer Wert wurde früher stark überschätzt. 



78 Literatur. 

Künstliche Kohlensäurebäder werden nach verschiedenen Methoden 
bereitet. Nach Struve durch Einwirkung roher Salzsäure auf Natrium 
bicarbonicum. Nach Quaglios Anweisung ergießt sich die Salzsäure 
allmählich unter dem Wasserspiegel gegen das Salz. Nach dem System 
von Sandow wird zunächst doppeltkohlensaures Natron im Badewasser 
gelöst (vier Päckchen) und dann acht in Bleifolie gepackte Platten von 
doppeltschwefelsaurem Natron in der Nähe der zu behandelnden Körper- 
partie auf den Wannenboden gelegt. Die (70j5 -Entwicklung dauert zirka 
20 Minuten und ist sehr energisch. Allen Systemen haftet der Nachteil 
au, daß das Gas rasch entweicht, da es nicht an das Wasser gebunden 
ist. Viel besser ist es, komprimierte COg durch eine Leitung dem 
Badewasser zuzuführen (System Fischer und Kiefer). 

Für künstliche Solbäder verwendet man zu einem 37o Bade auf 
300 Liter Badewasser 9 leg Salz. Es ist daher die Herstellung von 
Badetabletten zwecklos. Ähnlich verhält es sich mit den Moorsalz- und 
Laugebädern, doch kann man letztere in der Praxis schwer entbehren. 

Für künstliche Eisenbäder verwendet man Globuli martiales. Sie 
können ein natürliches Eisenbad nie ersetzen. 

Von vegetabilischen Bädern sind bloß solche mit Kleienzusatz zu 
erwähnen ; man bedient sich derselben bei reizbarer Haut, insbesondere 
für das Eeinigungsbad nach dem Moorbade, bei Pruritus vulvae, Ek- 
zemen im Klimakterium. 

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C. Statothermtheraple. 

Mit diesem Namen belege ich die Heilbestrebungen mit thermisch 
wirksamen Medien fester Natur, welche die ihnen eigene Temperatur 
dem menschlichen Organismus durch direkten Kontakt vermitteln, sei 
es, daß dieser Kontakt auf der ßumpfhaut, in der Vagina oder gar im 
Uteruskavum hergestellt wird. Doch zählen hieher auch Medien, welche 
selbst fester Natur sind, aber einen flüssigen Inhalt als Träger der 
wirksamen Temperatur bergen, wobei der menschliche Körper indes mit 
der Flüssigkeit nicht in Berührung kommt. 

Historisch ist bemerkenswert, daß die Statothermtherapie bereits 
in der Hippokratischen Medizin eine große EoUe spielt. Lederne 
Schläuche, Eindsblasen, tönerne Gefäße wurden mit warmem Wasser ge- 
füllt und als Wärmemedien verwendet, ebenso warme Lämmerfelle. Auch 
war Hippokrates die schmerzstillende, zerteilende und erweichende 
Wirkung solcher Applikationsformen bekannt. Ebenso kannten die Alten 
bereits die Anwendung der Sandbäder; bei Plinius, aber auch bei 
Herodot, Celsus und anderen finden sich diesbezügliche Angaben. Das 
Sandbad wurde als bibula (= Feuchtigkeit leicht aufsaugendes Medium) 
bezeichnet ; es wurde meist der von der Sonne erwärmte Sand am Meeres- 
gestade benützt. Der neuerliche Grebrauch der lange in Vergessenheit 
gebliebenen Sandbäder datiert erst aus dem XIX. Jahrhundert. 

Die physiologische Wirkung der statothermischen An- 
wendungsformen unterscheidet sich, soferne sie integumentäre Appli- 
kation betreffen, nicht wesentlich von jener der kalten, respektive 
warmen Umschläge. Nur die Sandbäder wirken anders, insoferne sie 
als ungemein schlechte Wärmeleiter und dadurch, daß sie den sezer- 
nierten Schweiß sofort aufsaugen, die Anwendung recht hoher Tempe- 
raturen (Toleranzgrenze zwischen 55 und 65® 0) gestatten. Auch kommt 
hiebei die abdominale Belastung in Betracht. 

Die vaginalen Anwendungsformen lehnen sich bezüglich ihrer 
Wirkung an die prolongierten Irrigationen an, wobei das Moment der 
intravaginalen Belastung nebenher in Betracht au ziehen ist. 

Die intrauterine Anwendung der elektrothermischen Sonde und 
des Zestokauters ist von verschiedener Wirkung je nach dem ange- 
wandten Hitzegrade. Jedenfalls kommt es zu Hyperämie und Kontrak- 
tionen des Uterus. Bei hohen Temperaturen äußern sich kaustische 

Oscar F ran kl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. Q 



g2 Statothermtherapie. 

Effekte, die je nach iDteasität uad Dauer der Applikation verschieden 
tiefgreifende Läsionen des Endometriuta bewirken. 

AUea statotbermischen ADwendungsformen ist in Anbetracht der 
strengen LokalisatioD der thermischen Applikation auf den Erankheitsort 
oder in seine unmittelbare Nähe gemeiusam, daß die Funktionen des 
Oesamtorganismus durch sie wenig oder gar nicht alteriert werden. 
Es gilt dies auch für den heißen Sand, da für gyniatrische Zwecke 
nie Vollbäder, sondern bloß Lokalbäder der Bauchdeeken oder Leadeu- 
region in Betracht kommen. Am Orte der Applikation kann jedoch 
wesentliche Temperaturerhöhung oder -erniedrigung, bemerkenswerte 
Alteration der Zirkulatiou und des lokalen Stoffumsatzes bewirkt werden. 
Der Organismus vermag durch seine kompensatorischen Kräfte diese 
lokalen Änderungen wettzumachen, so daß die Gesamtfunktioaen keine 
wesentliche Alteration erfahren. 

SandbSder. Dieselben schließen sieb eng an die Fango- und 
Sehlammbäder an, es fehlt ihnen blofi die chemische Komponente. 
Neben der thermischen tritt indes die mechanische id Form der Be- 
lastung in den Vordergrund. Auch die Indikationen decken sieh mit 
jenen der Pangoao Wendung. Der Sand wird auf Eiseuplatten k&nstlicb 
erwärmt. Durch Beimischung kalten Sandes wird die gewünschte 
Temperatur erreicht. Der Gebrauch des Sandbades — auch des lokalen 
— ist an der frischen Luft gut möglich und wird auch meist im Freien 
geübt. Dadurch werden Kopfschmerzen, Beklemmungen ausgeschaltet. 
Die Temperatur des Sandes beträgt zirka ÖO", die Dauer der Applikation 
sehwankt zwischen einer halben uud mehreren Stunden. 

Gute Einrichtungen für den Gebrauch von Sandbändern finden 
sich in Baden (bei Wien, Gutenbrunn), Berka, Berlin, Blasewitz, 
Casamieciola (Ischia, doch ist meines Erinnerns dort bloß natürliche 
Erwärmung des Sandes an der Sonne in Gebrauch), Dresden, FOrstental 
(Halle a. S.), Köstritz, Lobenstein, Margaretheninsel (bei Budapest, 
Verwendung feuchten Sandes), Neuwittelsbach, Wiesbaden, TravemOnde. 
Statothermlsche Kompressen. Es sind hierunter zu subsu- 
mieren die alten, heute selten gebrauchten Kataplasmen, sodann die 
trockenen, warmen Kompressen, trockene Kompressen mit inliegen- 
den Wärmekapseln (Quincke) und Schläuchen, welche spiralig auf- 
gerollt sind und temperiertes Wasser führen. 

Besondere Besprechung erheischt 
der Eisbeutel (Fig. 15). Sein Gebrauch 
erfordert die Einhaltung gewisser Vor- 
sichtsmaßregeln, deren Außeracht- 
lassung sich mit Erfrierung der Haut 
rächen kann. Man beschicke den 
Fig. 15. Eisbentel. Beutel entweder bloß mit wenigen, 



Statothermtherapie. 



83 



nußgroßen, mitKochsalz bestreuten Eisstücken und fülle ihn oft aufs neue 
oder hänge ihn, wenn er schwer ist, an eine über den Körper gestellte Eeifen- 
bahre (Fig. 16). Nie soll der Eisbeutel auf die bloße Haut gelegt werden, 
sondern auf eine mehrfach zusammengelegte trockene Kompresse. Man 
lasse den Eisbeutel nie länger liegen, als er klaglos vertragen wird, 
gebe bei Beginn des Unbehagens sofort der Haut Gelegenheit zur 
Erholung durch Entfernung der Eisblase. 




Fig 16. Reifenbahre. 

An Stelle kalter Umschläge verwendet man bei den im Kapitel 
„Umschläge" bezeichneten akuten, entzündlichen Erkrankungen häufig 
die Eisblase; bei sehr empfindlichen und hochgradig geschwächten 
Personen sehe man aber von derselben lieber ab. 

Statt des Eisbeutels verwendet man zuweilen den Ohapmanschen 
Beutel (Fig. 17), der sieh besonders für die Applikation auf die Lenden- 




Fig. 17. Ohapmanselier Beutel. 

region eignet, eine Stelle, von der aus — wie oben bereits erwähnt 
wurde — Eeflexwirkungen auf den Uterus mit bemerkenswerter Sicherheit 
zu erzielen sind. Der Chapmansche Beutel wird entweder mit kaltem 
Wasser gefüllt und bei sexuellen Erregungszuständen, Nymphomanie, 
Pollutionen appliziert oder mit heißem Wasser gefüllt und bei Meno- uad 
Metrorrhagien verwendet (Beni-Barde). Olshausen macht den Vor- 
schlag, blutende Kranke auf einem mit heißem Sande gefüllten Sacke liegen 
zu lassen. Wir wissen, daß durch Wärmeapplikation an der Lenden- 
region Uteruskontraktionen zu erzeugen sind und tatsächlich konnte 
ich mich von dem günstigen Erfolge derartiger Maßnahmen wiederholt 
überzeugen. 

6* 



gg Statothenntherapie. 

Lindemanns Idee; auch die W,interriitz»che KOblblase fttr den 
Mastdarm sowie der Atzbergersche Apparat (Fig. 24) eignen sich 
für die statothertnisehe Behandlung der Tagina. Es ist natflrlich mfiglicb, 
sowohl durch Abfluß von Wasser aus einem höher postierten Beseiroir, als 
»icb durch den Hydrotbermoregalator oder den Tbermogen entsprechend 
temperiertes Wasser durch die Thermode zu schicken. 

Mirtels Anordnung gestattet 
keine genaue Dosierung der W&rme. 
Hingegen hat Seilheim einen Apparat 
konstruiert, bei welchem nicht nur die 
Temperatur, sondern auch der Druck 
variiert und an einem Manometer ab- 
gelesen werden kann, was gewiß nicht 
bedeutungslos ist, da ja bei all diesen 
Instrumenten, zumal jenen, welche 
nicht aus starrem Material, sondern 
aus einer Blase bestehen, die endo- 
kolpisehe Belastung von Wichtigkeit ist 
Da auch bei der Irrigation das 
mechanische Moment eine Bolle spielt, 
ist die physiologische Wirkung aller 
statothermischen Taginalapparate von 
jener der prolongierten Irrigation nicht 
sehr verschieden, und das Indibaüons- 
gebiet der warmen Thermoden ist 
auch ungefähr das gleiche wie jenes 
der prolongierten, warmen Vaginal- 
irrigationen. Dazu kommt die An- 
wendung kahler Vagiuatthermoden bei 
klimakterischen Blutungen (Ei seh), 
bei Vagiaismus, Vulvo-Vaginitis, Pollu- 
tionen ; warme Thermoden werden 

.^ ci .7.1.1 . 1 ., i auch bei Tenesmus und 8trans:urie 

Fiff. 24. Kuhlapparal nacli Af/.bcrger. ° 

verwendet. 
Anhangsweise wäre noch des kurzen Psychrophors für die 
weibliehe Urethra nach TJIImann Erwähnung zu tun (Fig. 25). Bei 
Enuresis und Sphinkterparese läßt man 
kaltes, bei ülzerationen warmes bis heißes 
Wasser durchströmen. 

Statothermische Intrauterin - 
apparate. Dieselben haben die Form 
einer Sonde und dienen zur lokalisier- y[^ 25 Kurzer Psyohrophor 
ten Ätzung der Uterusscbleimhaut. Es (Urethralilicnnode) nach üllmann. 




Literatur. 89 

gehören dahin der Zestokauter (Pineas) und die elektrothermische 
Sonde (Schücking). Der Zestokauter hat die Form des Atmokauters, 
doch strömt der Dampf hier nicht ins üteruskavum, sondern erhitzt 
bloß den vollkommen geschlossenen üteruskatheter. Auch der Zesto- 
kauter ist mit Zervixschutz ausgestattet. Die elektrothermische Sonde 
gestattet eine genaue Einstellung und Variation der Temperatur und 
dementsprechend verschiedene Grade der Wirkung, und zwar von der 
einfachen Hyperämisierung bis zur energischen Kauterisation. Die Ver- 
wendung beider Instrumente gegen Endometritis, Zervixkatarrhe, Erosionen, 
und Dysmenorrhoe blieb nicht unbestritten. 

Über Brennapparate hier zu sprechen, halte ich für tiberflüssig. 
Jedes chirurgische und gynäkologische Lehrbuch gibt über die An- 
wendung des Thermokauters nach Paquelin und über Galvanokaustik 
so eingehende Erörterungen, daß deren Verwendungsart und Indikations- 
bereich als bekannt vorausgesetzt werden dürfen. 

Literatur. 

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1905, TD. 1242. 
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Davidsohn, Zur therapeut. Verwendung der feuchten Wärme. Temperierbare Kata- 

plasmen. Berl. klin. Woehensehr. 1900, Nr. 5. 
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Wiener med. Woehensehr. 1888, Nr. 44. 
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Gerich, Über Atmokausis u. Zestokausis. Ebenda 1899, Nr. 19. 
Glax, Einteilung der Bäder in physikal. u. chemischer Hinsicht. Handb. der phys. 

Ther. Bd. I, T. 1, p. 315 ff. 
Goldscheide r. Physiologisches zur Thermotherapie. Ebenda. 
Grawitz, Über die Verwendung des heißen Sandes zu therapeut. Zwecken. Zeitschr. 

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Hildebrandt, Sandtherapie. Inaug.-Diss. Berlin 1900. 
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Laqueur, Über Elektrothermbehandlung. Zeitschr. f. diät. u. phys. Ther. Bd. IV, 

p. 570. 
Marcuse. Thermotherapie. Handb. d. phys. Ther. Bd. I, T. 1. 
Olshausen, Diskuss. z. Vortr. Czempins. Zeitschr. f. Geb. u. Gyn. Bd. XLH, p. 377. 
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Pincus, Über Atmokausis und Zestokausis i. d. Gynäk. Volkmanns Samml. klin. 

Vortr. N. F. Nr. 238. 



90 Literatur. 

Pincus, Einige Bemerkungen z. d. Aufsatze über Zestokausis aus der Treubschen 

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^ Die erste Sammelforschung u. Weiteres z. Atmokansis u. Zestokausis. 

Volkmanns Samml. klin. Vortr. N. F. Nr. 261, 262. 

— Kritisches u. Positives zur Atmokausis u. Zestokausis. Zentralbl. f. Gyn. 
1900, Nr. 16. 

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Sarrason, Eine neue Sandbadeinrichtang. Zeitschr. f. diät u. phys. Ther. Bd. Y, 

p. 616. 
Schauta, Diskuss. z. Vortr. Pflanz'. Zentralbl. f. Gyn. 1899, Nr. 42. 
Schüoking, Die galvanothermische Behandlung der Uterusschleimhaut. Yerh. d. 

71. Naturforsohervers. München, 1900, p. 170. 
Sellheim, Zur Dosierung der physikalischen Heilmethoden in der Geburtsh. u. 

Gynäkol. Zeitschr. f. diät. u. phys. Ther. Bd. VE, H. 12. 
Strovnowski, Apparat zur Applikation lokaler Kälte im weibl. Genitaltrakt. Zentralbl. 

f. 'Gyn. 1902, p. 1376. 
Teu scher. Heiße Sandbäder. Deutsche med. Wochenschr. 1900, Nr. 31. 
Ulimann, Zur Thermotherapie mittels konstanter Wärme. Zeitschr. f. diät. u. 

phys. Ther. Bd. VI, p. 603. 

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— Zur klinisch-therapeutischen Verwertbarkeit konstanter Wärme. Wiener Min. 
Rundschau 1902, Nr. 23—25. 



IL Mechanotherapie. 

A. Massage. 

Wenige Heilmethoden wurden so vielfach und leidenschaftlich 
umstritten, wie die Massage bei gynäkologischen Aflfektionen. Enthu- 
siastisches Lob steht unbedingter Ablehnung gegenüber. Es wird sich 
daher empfehlen, ohne Voreingenommenheit die unangezweifelten Heil- 
wirkungen den effektiven Mißerfolgen gegenüberzustellen, um dadurch 
den realen Umfang des Indikationsgebietes der „manuellen Behandlung", 
wie Schauta die gynäkologische Massage mit Recht bezeichnet, abzu- 
grenzen. 

Zweifellos ist heute Kugelmanns Ansicht überwunden, der auf 
dem medizinischen Kongreß zu Berlin 1890 diese Methode für schädlich 
und für eine Art Onanie erklärte. Ebenso überwunden ist Leopolds 
Anschauung, welche er an derselben Stelle vertrat, dahingehend, daß 
man die Organe und pathologischen Produkte im kleinen Becken 
nicht durchfühle und daher durch Massage die letzteren nicht ent- 
fernen könne. Die vielen Gynäkologen, welche dem aufs energischeste 
widersprechen, können unmöglich der Unwahrheit geziehen werden, 
wenn sie behaupten, den Uterus und die Ovarien trotz mannig- 
facher pathologischer Veränderungen durchgetastet zu haben, und wenn 
dies im Beginne der Behandlung nicht möglich war, doch nach einiger 
Zeit im Verlaufe der Kur meist zu einer vollkommen exakten Diagnose 
gelangt zu sein. Sind übrigens alle inneren Genitalorgane dauernd zu 
einem nicht differenzierbaren Tumor verbacken, so kommt die Massage 
ohnehin nicht oft in Frage. 

Bunge bemerkt mit Recht, daß Thure Brandt, der berühmte 
Lehrer der gynäkologischen Massage, durch allzu laute Proklamierung der 
Erfolge seine Methode in Mißkredit gebracht hat. Damit soll ja Brandts 
Verdienst um die Ausbildung und Propagierung der manuellen Be- 
handlungsmethode der Frauenkrankheiten nicht geschmälert werden, 
aber die Empfehlung der Massage für nahezu alle Frauenkrankheiten 
mußte lebhaften Widerspruch wecken. Natürlich schössen Brandts 



92 Massage. 

Gegner vielfach übers Ziel. Wer in der Massage bloß ein unschick- 
liches, die Geschlechtsbegierde reizendes Vorgehen sah, der hatte seine 
Mißerfolge auf die eigene technische Unkenntnis zu beziehen, und der 
Vorwurf gilt demnach nicht der Methode, sondern denjenigen, welche 
sie falsch ausübten. Doch hatten auch viele Gynäkologen frühzeitig die 
Massage objektiv und richtig beurteilt, so allen voran B. S. Schnitze 
in der Vorrede zu Profanters bekanntem Buche, Chrobak (1879) 
mit der Vorhersage, „daß sich die Methode der Massagebehandlung 
mit genauer Auswahl passender Fälle und in noch sehr zu vervoll- 
kommnender Technik einen dauernden Platz in der Therapie der Frauen- 
krankheiten erringen werde", Schauta (1887) und andere. Diese 
günstigen urteile behielten ihre Gültigkeit bis auf den heutigen Tag, 
freilich unter der schon vor 27 Jahren von Ohrobak betonten Voraus- 
setzung, nämlich „bei genauer Auswahl der Fälle und mit vervoll- 
kommneter Technik". 

Historisches. Wir haben zu unterscheiden zwischen allgemeiner 
Körpermassage und manueller, vaginaler Behandlung von Frauenkrankheiten, 
insoferne als die letztere Technik bei weitem jüngeren Datums ist als die 
erstbezeichnete. Die allgemeine Massage, auch jene der Bauchdecken, reicht 
nach den Angaben von Weiß bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. zurück. 
Sie wurde damals im alten China bereits vielfach geübt. Nach Berichten 
der indischen Yedas (Weisheitsbücher) fand sie schon 1800 v. Chr. An- 
wendung bei den Ägyptern und Persern. Insbesondere aber wurde die 
Massage bei den Griechen in ausgebreiteter Weise sowohl nach Eingkämpfen 
als auch nach Bädern geübt. Im Mittelalter schwand die Massage aus dem 
Heilschatze der Ärzte und wurde von Laienhänden geübt, wodurch sie voll- 
kommen in Verfall geriet. Erst im XVI. Jahrhundert wurde durch Am- 
brosius Pareus der Versuch unternommen, die Massage auf eine physio- 
logische Basis zu stellen. Auch Tissot (1780) und Meibom (1795) 
erwarben sich diesbezüglich Verdienste. Die Deutschen verhielten sich lange 
Zeit ablehnend und erst durch die nordischen Völker, insbesondere die 
Schweden, welche die Massage und Heilgymnastik zu hoher Blüte führten, 
wm'de Deutschland auf die Methode aufmerksam gemacht. Für die Ver- 
breitung der Technik setzten sich besonders Gussenbauer unter den 
Chirurgen, Bandl unter den Gynäkologen ein. 

Die spezifisch gynäkologische, insbesondere die intravaginale Massage 
datiert erst seit der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts und ihre Anfönge 
lassen sich sicher nachweisen. Wenn auch schon Laisne (1868) und 
Phelippeaux die Massage des Uterus vielfacli geübt hatten, kommt doch 
dem schwedischen Major und Mechanotherapeuten Thure Brandt das Ver- 
dienst zu, als erster die hohe Bedeutung der bimanuellen Massage, aber 
auch der bimanuellen Untersuchung betont, durch Publikationen verbreitet 
und durch viele Schüler in die Welt hinausgetragen zu haben. Gleichzeitig, 
zum Teile unabhängig von ihm, wurde von Asp, Bandl, Chrobak und 
Prochownik die mechanische Behandlung von Frauenkrankheiten geübt. 
Brandt und seinen Schülern, vor allen Profanter in Wien, Nissen in 
Christiania und Norström in Paris, bleibt doch der Euhm, das Indikations- 
gebiet der Massage — wenn auch vorläufig zu weitgehend — abgesteckt 



Massage. 93 

und die Technik fundiert zu haben. Durch die Mitwirkung einer großen 
Zahl von Autoren wurde später der Anwendungsbereich gegenüber Brandts 
Angaben eingeengt und verschoben, die Technik verändert und vereinfacht. 
Die Vibrationsmassage ist nun auch bereits 30 Jahre alt. Die intra- 
vaginale Anwendung derselben datiert indes seit etwa 10 Jahren her. 
Witthauer und Lange haben sich für die Ausbildung der Methode be- 
sonders eingesetzt. 

Physiologisches. Wir sehen hier ab von der bekannten Wirkung 
der allgemeinen Körpermassage, welche Eespiration, Blut- und Lymph- 
zirkulation anregt, den StoJ9fwechsel und die Diurese steigert, und gehen 
gleich zu der uns interessierenden Bauchmassage über. Durch Wini- 
warter wurde klinisch, durch Mosengeil experimentell nachgewiesen, 
daß durch dieselbe die Blut- und Lymphzirkulation angeregt wird. 
Stapfer und Bum betonen die Blutdrucksteigerung, welche nach der 
Ansicht des letzteren auf Verdrängung des Blutes aus den Bauch- 
eingeweiden, nach Stapf er auf reflektorich gesteigerte Herz- und Gefäß- 
aktion zu beziehen ist. Hiedurch wird Stasen im Abdomen wirksam 
begegnet. Die arterielle Blutzufuhr wird durch Massage natürlich nicht 
verringert. Nicht zu unterschätzen ist die Kräftigung der quergestreiften 
Bauchwandmuskulatur sowie die direkte, mechanische Eeizung der 
Darmmuskulatur zu peristaltischer Bewegung, gleichzeitig der üterus- 
muskulatur zu tonischer Kontraktion. Durch mechanische Zerteilung patho- 
logischer, exsudativer Produkte, Überführung in einen leichter resorbier- 
baren Zustand wird bei Erhöhung der Lymphdurchflutung des Gewebes 
die Aufsaugung gesteigert, durch mechanische Lösung abnormer Ad- 
häsionen die physiologische Beziehung der Organe zueinander wieder 
hergestellt. 

Die vaginale manuelle Behandlung anlangend, ist deren deple- 
torische Wirkung durch Anregung der Zirkulation zwar außer Zweifel 
stehend, aber nicht von so hoher Bedeutung wie die Anregung des 
Lymphstromes; nach Glax und Klemensiewics wird dieselbe verwertet, 
indem vor der Massage eines jeden Exsudates einleitend die in der 
Peripherie des Entzündungsherdes befindlichen, komprimierten Lymph- 
gefäße durch Massage entleert und für die Aufnahme und Fortschaflfung 
pathologischer Produkte tauglicher gemacht werden. 

Nicht sowohl die Verringerung der venösen Hyperämie und 
Stase, als vielmehr die Vasokonstriktion der üterusgefäße infolge des 
direkten mechanischen Eeizes durch Massage von mäßiger Intensität 
bewirkt die Stillung von Blutungen. Wird die Massage verstärkt, so 
tritt nach den Beobachtungen von Stapfer, Ziegenspeck, Kumpf 
neuerlich Blutung ein infolge sekundärer Vasodilatation — ähnlich wie 
dies bei den hämostatisch wirksamen, heißen Scheidespülungen dar- 
getan wurde. Durch mäßige Massage wird der Uterus kleiner, härter, 
nimmt eine gestreckte Form und Steilstellung an. Kumpfs an Aflfen 



94 Massage. 

ausgeführte Experimente bestätigen diese von Arendt und ßeineke 
beschriebene, klinische Erfahrung vollkommen. Forcierte Massage 
bewirkt ErschlaflFung, Atonie des Uterus. Es sind dies Dinge, die 
man gelegentlich der Frühdiagnose der Gravidität und der Behandlung 
atonischer Zustände post partum jederzeit beobachten kann. Die Kon- 
traktion des Uterus erfolgt indes nicht bloß infolge mechanischer 
Beizung der Muskulatur, sondern auch durch mechanische Eeizung 
des zervikalen gangliösen Apparates. Daher wirkt die Massage am 
sichersten tonisch, wenn man die Hinterfläche des Uterus, eventuell 
auch die Seitenkanten nahe dem inneren Muttermunde massiert. 

Die wichtigste Wirkung der vaginalen, manuellen Behandlung 
liegt in der rein mechanischen Dehnung von Narbenzügen und Adhä- 
sionen, Lösung abnormer Verlötungen uad Verwachsungen der ein- 
zelnen Organe untereinander sowie derselben mit der Beckenwand. 
Die brüske Zerreißung bewirkt mehr oder minder umfängliche Blutung; 
die sachte, kunstgerecht ausgeführte Dehnung erzeugt bloß primäre 
Anämie, sekundäre Hyperämie der gedehnten Stränge ohne Gefäß- 
rupturen. 

Die Vibration des ganzen Körpers bewirkt Anregung der Zirku- 
lation (Achert), Blutdrucksteigeruog (Bum), Herabsetzung erhöhter 
Hautsensibilität und Schlafbedürfnis (Boris chpolsky). Die intra- 
vaginale Applikation der Vibrationspelotte erzeugt kleinwellige, in die 
Tiefe des Gewebes dringende, vertikal gegen das getroffene Gewebe 
sich fortpflanzende Impulse von geringer Intensität, aber hoher Frequenz, 
wodurch die Muskulatur des Uterus zur Kontraktion, das Bindegewebe 
narbiger Adhäsionen aber zur Dehnung gebracht wird. Die bei dieser 
Gelegenheit anfänglich auftretenden Schmerzen schwinden sehr bald, 
indem die in die Narben eingebetteten Nerven und Ganglien ihres 
Druckes entledigt werden (Witthauer). Die Zitterdrückung (Tapo- 
tement, Kumpf) hat nahezu gleiche physiologische Wirkung; hier 
handelt es sich freilich um intensivere und in der Zeiteinheit seltener 
folgende Gewebserschütterungen als bei der Vibration. 

Bauchmassage. Technisches. Für uns kommt fast ausschließ- 
lich Knetung der Bauchdecken und zugänglichen Darmpartien (Bum) 
in Betracht. Nur bei der Behandlung von Exsudaten, welche bis an 
die Bauchdecken reichen, handelt es sich um Streichungen. Die Massage 
des Uterus lediglich durch die Bauchdecken kommt wohl selten in 
Frage, da ohne Gegendruck von der Scheide oder zumindest vom Mast- 
darm her eine solche — mit Ausnahme des Puerperiums — nicht leicht 
durchführbar ist. Wenn der Uterus von den Bauchdecken her leicht 
und vollkommen zu umgreifen ist, wie dies bei metritischer Vei> 
größerung des Organs vorkommt, mag die Massage zuweilen von 
außen, bei Gegenhalt per vaginam ausgeführt werden. Dehnung von 



96 Massage. 

habituelle Stuhlverstopfung mit all ihren Folgen, Stasen im Bereiche 
der Bauch- und Beckenorgane, Erschlaffung der Bauchdecken durch 
Überdehnung nach Geburten, Hängebauch bei schwächlichen und 
marantischen Individuen lassen die Bauchdeckenmassage angezeigt er- 
scheinen. Auch Exsudate, insbesondere alte, starre, oft panzerartige, 
bis auf die Bauchdecken emporreichende, wenn kein Fieber, keine 
Leukozytose, insbesondere keine Schüttelfröste bestehen, gestatten vor- 
sichtiges Streichen. Dazu kommt als Indikation abnorme Beflex- 
erregbarkeit der Bauchdecken, welche das eben empfangene Sperma 
unmittelbar post coitum zur Entleerung bringt und so Sterilität er- 
zeugt. Eontraindikationen sind alle akuten und subakuten Entzündungs- 
prozesse an den Bauch- und Beckeneingeweiden, welche sich kundgeben 
durch Fieber, durch den Blutbefund, durch Schmerz und palpatorisch 
erhobene, charakteristische Symptome; insbesondere schließen Eiter- 
ansammlungen, Tuberkulose und Tumoren die Bauchdeckenmassage aus. 
Auch schwer nervöse und hysterische Zustände, die Menstruation und 
Schwangerschaft sind Gegenanzeigen. Ist der Uterus mit den Bauch- 
decken verwachsen, so ist die Massage der letzteren erst nach Lösung 
der Adhäsionen statthaft (Bunge). 

Sonstige Methoden. Abgesehen von der Vibration der Bauch- 
deeken, deren Technik aus dem unten Folgenden erhellt, sind zu nennen 
die bei besonders hartnäckigen Exsudaten wiederholt mit Erfolg geübte, 
von Ziemssen (1877) herrührende Massage im warmen Bade mit 
warmer Dusche. Wenig erprobt ist bisher Goldscheiders Thermo- 
massage, welche mittels eines Thermophors in Gestalt eines Bügeleisens 
oder einer Löschwiege vorgenommen wird. Erwähnenswert sind die von 
Preiss angegebenen Massagebäder, welche sich in der Anstalts- 
behandlung von exsudativen Erkrankungen bestens bewährt haben sollen. 
Das unter einem gewissen Drucke stehende Badewasser wird mittels 
Elektromotors in Wirbelbewegung versetzt, doch triflft durch geeignete 
Vorrichtungen der Wirbel nur ganz bestimmte, eben zu behandelnde 
Körperpartien. Die angeblichen Erfolge bei Onanie dürften auf Suggestion 
beruhen. Seit langer Zeit wird auch die Massage mit walzenförmigen 
Elektroden oder mit der elektrischen Hand geübt. Bei Anwendung des 
konstanten Stromes ist die Walze, respektive Hand des Arztes mit der 
Kathode der galvanischen Batterie in Verbindung. Die Vibration wird 
vorzugsweise bei sehr harten, alten Exsudaten, welche bis an die Bauch- 
decken reichen, und bei^Atonie der Bauch wandmuskeln gebraucht. 

Vaginale manuelle Behandlung. Technik. Wir können heute 
weder Thure Brandts Technik beibehalten noch seine zahllosen In- 
dikationen für dieses Verfahren anerkennen. Man unterscheidet dreierlei 
Arten der endokolpischen Manualbehandlung, und zwar a) bimanuelle 
Massage, h) Dehnung pathologisch entstandener oder geschrumpfter 



Massage. 97 

Stränge und Lösung von abnormen Verbindungen, c) Bedreasione- und 



Schon in der Lagerung der Eranken weichen jetzt die meisten 
Autoren von Brandt ab, indem sie statt des niederen Sofas den Unter- 
suchungstisch mit FuBstützen benützen. Auch sitzt der Arzt nicht nach 
Brandts Vorschrift zur Linken der Kranken, um die untersuchende 
linke Hand unter deren linkem Oberschenkel durchzuschieben, soadem 
steht zwischen den abduzierten und leicht flektierten Oberschenkeln der 
Frau in etwas rorgeneigter Stellung. Bei fetten Bauchdecken oder starker 
Anspannung derselben bedient man sieh nach Beuttners Vorschlage 
mit Vorteil einer mäßigen Beckenhochlagerung. Brandt fordert, daß 
man bei bimanuellen Eingriffen ausschließlich mit der linken Hand 



Fig. 37. Handetellung bei der inlravagiaalen Massage. 

intravaginal, mit der rechten außen manipuliere. Die Begründung, daß die 
rechte Hand die kräftigere und dergestalt für die abdominellen Hand- 
griffe geeigneter sei, trifft deshalb nicht zu, weil die Massage nie als 
Kraftleistung angesehen werden darf. Die Ermüdung betrifft aber beide 
Hände des Arztes in gleicher Weise. Es kommt hiebei vielmehr das 
Moment in Betracht, mit welchem Finger man den zu bearbeitenden 
Teil besser abtasten kann. Wir folgen daher Dührssens Vorschlag, 
der übrigens ursprünglich von Hegar ausging, man möge mit der- 
jenigen Hand intravaginal manipulieren, weleHe der ungleichnamigen 
Beckenseite der Patientin entspricht. Also bei Prozessen, welche das 
linke Ovarium oder Parametrium betreffen, mit der rechten Hand. Es 
ist auch durchaus gestattet, mit zwei Fiogern zu massieren, insbesondere 
bei Dehnungen, wenngleich die Behandlung mit einem Finger prin- 
zipiell vorzuziehen ist. 

Ohw FruDkl, Die fbja. H«llmetliad«i in der afDikalogle, 7 



Massage. 99 

narbigen Veränderungen der Scheide mögen sie immerhin mit Nutzen 
angewendet werden. Auch Weißen bergs Meinung, man könne den 
massierenden Finger durch einen Mutterspiegel-Obturator ersetzen, ist 
inakzeptabel. Verfügt man über einen genügend laugen, dünnen, 
gelenkigen und kräftigen Pinger nicht, so ist man eben zur Ausführung 
der manuellen Intravaginalbehandlung nicht befähigt. 

Die endokolpische Behandlung soll auch nie früher als zwei Stunden 
nach einer größeren Mahlzeit vorgenommen werden. Blase und Mastdarm 
müssen entleert sein. Der endokolpisch liegende Finger schiebt sich unter 
das zu massierende Organ oder Gewebe und trachtet dasselbe unter lang- 
samem Vordringen, niemals unter brüsker Hebung, nach Tunlichkeit 
den Bauchdecken zu nähern. Die äußere Hand kommt der inneren in 
der Weise entgegen, daß sie unter leichten Zirkelreibungen der Haut 
die Därme beiseite drängt, was sehr rasch gelingt, und dann sachte 
unter weiteren Zirkelreibungen immer tiefer eindringt. Die Patientin 
darf hiebei keine besonderen Schmerzen empfinden; der Arzt beobachte 
das Mienenspiel der Kranken. Ruhige Atmung bedingt das Gelingen 
jedes bimanuellen Eingrifies. 

Trotz Brandts angelegentlicher Empfehlung möchte ich die 
Massage während der Menses nicht befürworten. Auch werden sich 
wenige Kranke hiezu verstehen können. Dann aber heißt es, die 
während der Menstruation bestehende Eeizung der Frau noch erhöhen, 
wenn man zu dieser Zeit intravaginal manipuliert. Die katameniale 
Hyperämie zu benützen, haben wir aber heute umsoweniger Ver- 
anlassung, als wir durch thermische Agentien eine Hyperämie vor jeder 
Massagesitzung künstlich zu provozieren im stände sind. 

Bei ganz besonders sexuell reizbaren Individuen, Onanisten, dann 
aber auch bei sehr jungen Mädchen kann man die Massage, wie ich 
mich wiederholt überzeugt habe, sehr wohl per rectum ausführen. Die 
Lagerung der Patientin ist hiebei entweder die geschilderte oder noch 
besser die Seitenlage mit leicht angezogenen Oberschenkeln bei Lagerung 
auf die gesunde Seite, oder schließlich manchmal die Knieellbogenlage, 
zumal wenn es sich um Eetrodeviationen oder um retrouterine Exsudate 
handelt. Man macht bei einiger Übung die Wahrnehmung, daß diese 
Massagemethode nicht wesentlich schwieriger ist als die intravaginale. 

a) Intravaginale Massage. Olshausen hat einmal behauptet, 
daß von einer eigentUchen Massage hier nicht die Eede sein könne. 
Damit hat er wohl auch insoferne recht, als nicht der endokolpisch 
arbeitende Finger, sondern fast immer die äußere Hand Bewegungen 
vollführt, welche als Massage in des Wortes engerem Sinne an- 
gesprochen werden können. Die Massage des Uterus erfolgt in der 
Weise, daß der intravaginal liegende Pinger den Uterus in Anteflexions- 
stellung fixiert und die äußere Hand die Hinterfläche der Gebärmutter 

7* 



100 Massage. 

Zirkelreibungen unterwirft. Die gleiche Methode wird bei der Massage 
vergrößerter Ovarien angewandt. Die Tuben werden massiert mittels 
zarter Kreisreibungen von geringem Umfange, deren Biehtung gegen 
den Uterus hinzielt. Bei Exsudaten wird stets vorerst in deren Peri- 
pherie massiert, um die Lymphgefäße zu entleeren (Schauta), und 
dann erst werden zarte Zirkelreibungen vorgenommen, die sich allmählich 
dem Zentrum des Exsudates nähern. Zu erwähnen bleibt noch die Blasen- 
massage, welche nach Gerbsmannam besten in Knieellbogenlage aus- 
geführt wird. Man führt am Blasenhalse mit der Pingerbeere zuerst 
quere, dann der Längsachse der Blase parallel laufende Reibungen aus, 
die immer stärker werden und im ganzen zwei Minuten dauern. Hierauf 
folgen zarte, allmählich stärker werdende Erschütterungen, welche gegen 
den Blasenhals zielen. Statt des stoßenden Pingers ist für diesen Akt 
aucht ein Vibrator verwendbar. Hieher gehört schließlich die Be- 
handlung der Ooccygodynie durch Streichungen des Levator ani mit 
nachfolgender Kreuzbeinklopfung (Hertsch). 

b) Dehnungs- und Lösungsbewegungen. Diese Gruppe der 
endokolpischen Manipulationen gehört zu den wichtigsten physikalischen 
Maßnahmen, denn sie richtet sich mit Erfolg gegen überaus häufig 
vorkommende pathologische Zustände. Die Gefahren, welche der ein- 
zeitigen brüsken Lösung von Adhäsionen in Narkose nach Schnitze 
anhaften, kommen hier in Wegfall. Die brüske Lösung hat sehr oft 
schwere Blutungen im Gefolge, nach deren teilweiser Eesorption, teil- 
weiser Organisation nicht selten neue Narbenmassen entstehen, deren 
Schrumpfung die alte Deviation wiederbringt oder eine neue, andere 
veranlaßt. Derartige Ereignisse erlebt man nicht selten. Dennoch 
können wir der Schultzesehen Lösung in Narkose nicht vollkommen 
entraten, zumal bei empfindlichen Prauen, oder wenn aus äußeren 
Gründen eine allmähliche Dehnung in mehrere Sitzungen unmöglich 
ist. Die beste Narkose für die brüske Dehnung, Lösung und Deviations- 
korrektur nach Schnitze wird wohl durch Thilos Kelen erzielt. Nach 
erfolgter Dehnung sind kalte Umschläge oder kalte statothermische 
Kompressen zu applizieren, Bettruhe zu verordnen und bei Verdacht auf 
Blutungen Opiate zu verabreichen. 

Bei der allmählichen Dehnung verfährt man auf folgende Weise. 
Handelt es sich z. B. um Dehnung des narbig verkürzten rechten Para- 
metrium, so werden (wenn irgend möglich) Zeige- und Mittelfinger der 
linken Hand in die Vagina eingeführt und bis an das verkürzte Para- 
metrium vorgeschoben. Die äußere Hand trachtet unter kreisförmigen 
Bewegungen an die Hinterfläche des Uterus zu gelangen (Fig. 29); 
ist ihr dies gelungen, so dringt sie allmählich entlang der rechten Seiten- 
kante des Uterus möglichst tief ein. Die endokolpisch liegenden* Pinger 
drücken nun mit ihren Volarflächen die Portio gegen die linke Becken- 



MMBage. 101 

h&lfte, während die äußere Hand die Zirkelreibungen mit einem sieh 
sachte steigersden, kontinuierlich wirksamen Zuge vertauscht, durch - 
welchen das rechte Farametrium und Ligamentum latum gedehnt 
werden. Hiedureh darf der Arzt keine bedeutenden Schmerzen provo- 
zieren. Handelt es sich um ein fixiertes Ovarium, so trachte man zu- 
nächst durch den intravagiual liegenden Finger dasselbe der äußeren Hand 
zu nähern. Ist dies gelungen, so muß sowohl die innen als auch die 
außen wirkende Hand der Tendenz Eechnung tragen, zwischen Becken- 
wand und Eierstock zu gelangen, um hierauf die Dehnung nach der 
erforderlichen Eichtung vorzunehmen. Nach diesen Paradigmen sind 



Fig. 29. Dehnung des rechten, verkürzten Parametrium. BepoBition des deitro- 

ponierlen Uterus. Ut. = Uterus, Tu. — Querschnitt der Tube, L. l. = ligam, latum, 

Pa. = Parametrium P. v. = Portio vaginalis. 

die verschiedenartigen Yerwaehsungen der Organe mit der Beckenwand, 
respektive untereinander zu behandeln. 

Besondere Schwierigkeiten bietet meist die L5sung flächenhafter 
Adhäsionen zwischen dem retroflektierten Uterus und der vorderen 
Bektal-, beziehungsweise hinteren Beckenwand. Es gelingt da nicht 
leicht, mit der äußeren Hand an die Hinterfläehe der Gebärmutter zu 
gelangen. Dann muß die innere Hand mehr leisten. Unter allmählicher 
Dehnung des hinteren Laquear sucht sie mit seitlich pendelnden 
Streichungen an der hinteren Gebärmutterfläehe immer höher empor- 
zndringen und so die Adhäsionen zu dehnen, ßs hat sich mir hiebei 
ein kleiner Kunstgriff bewährt, der darin besteht, daß man während 



102 Massage. 

der intravaginalen Manipulation die Patientin auffordert, rasch das 
Gesäß nach vorne zu schieben und sich ein wenig zu erheben, 
um sofort wieder zurückzusinken. Während die Kranke versucht, 
sich ein wenig zu erheben, dringe ich rasch, aber ja nicht stoß- 
weise, ohne Gewalt ins hintere Scheidengewölbe ein und zuweilen 
geUngt es im Nu, hoch empor an die hintere üterusfläche zu 
gelangen. Es werden offenbar gleichzeitig mit der Kontraktion der 
Bauchdecken auch die Ligamenta teretia gespannt, der Uterus etwas 
gehoben, aber genügend, um eine leichtere Lüftung seiner fixierten 
Lage zu gestatten. Ist der endokolpisch liegende Finger genügend 
hoch emporgelangt, werden auch die Fingerspitzen der äußeren Hand 
die Hinterfläche des Uterus bald erreichen und die Eedression des 
Uterus unter Dehnung der Fixationen wird wohl in sehr vielen Fällen 
unter Anwendung der unten zu schildernden Eegeln mit der Zeit 
gelingen. 

Es wäre bloß noch der Dehnung des hinteren Laquear bei 
angeborener Seichtheit Erwähnung zu tun, einer Anomalie, die zu 
Samenabfluß post coitum und Sterilität führen kann. Sie geschieht 
mittels seitlich pendelnder, sachte drückender Bewegung des intra- 
vaginal liegenden Fingers, indes die äußere Hand den Uterus in 
Anteflexion fixiert. 

c) Hebungs- und Eedressionsbewegungen. Die Dehnungs- 
manöver sind, wie eben erwähnt wurde, nicht selten die einleitenden 
Akte der gleich anzuschließenden Eedression zwecks Lagekorrektur des 
Uterus. 

Die Anteversion und -flexion erfordert nur dann eine Eedression, 
wenn Adhäsionen die Stabilität der abnormen Lage bedingen, was 
allerdings nicht sehr oft der Fall ist. Der intravaginal liegende Finger 
drückt bei der pathologischen Anteversion die Hinterfläche der Portio 
nach vorne, während die äußere Hand zwischen Symphyse und vordere 
Uterusfläche zu gelangen trachtet. — Bei der Anteflexion bleibt der 
innen arbeitende Stützfinger an der Vorderfläche der Portio und 
trachtet möglichst hoch gegen die Knickungsstelle emporzugelangen, 
während die andere Hand von außen her zwischen Uterus und Sym- 
physe unter gelinden Zirkelreibungen eindringend das gleiche Ziel 
verfolgt, wodurch die Dehnung eventuell vorhandener Adhäsionen 
bewirkt wird. In beiden Fällen ist die Dehnung der Sakrouterin- 
ligamente von Wichtigkeit. Die korrigierte Lage wird durch ein Pessar 
gesichert. 

Die Behandlung der Lateroflexio, -versio und -positio ist mit der 
Methode der Dehnung verkürzter Parametrien identisch. 

Wichtiger ist die Beschreibung der Eetrodeviationsbehandlung. 



103 



Historisch interessant sind die verschiedenen Methoden, welche Thure 
Brandt für die Eedression der rückwärts gelagerten Gebärmutter angegeben 
hat. Es seien erwähnt: 

a) Eeposition in stehender Stellung, beziehungsweise Bauchlage; 

1. Eektovaginale Eeposition = Umwerfung. 
h) Eeposition in krummhalbliegender Stellung. 

2. Yentrovaginale Eeposition: 

a) Umkippung, 
i) Klemmung, 

c) Einhackung, 

d) Eepositionsdruck. 

3. Ventrorektale Eeposition. 

4. Yentro-rekto-vaginale Eeposition. 

Jeder dieser Methoden kommt nach Brandt eine genau präzisierte 
Indikation zu, jede hat ihre scharf gekennzeichnete Technik. Dazu kommt, 
daß Brandt auch die Lyftung unter Beihilfe eines Assistenten für die 
Eeposition der rückwärts gelagerten Gebärmutter verwertet. Wir wissen 
heute, daß diese komplizierten Manöver nichts sind als der Ausdruck einer 
überflüssigen Polypragmasie. Wer bei Aufgebot einiger Geduld, unter Yor- 
aussetzung einiger Geschicklichkeit und Übung mit der gleich zu schildernden, 
von Altmeister Schnitze herrührenden Hebungstechnik nicht zum Ziele 
gelangt, wird auch mit Hilfe der von Brandt angegebenen abundanten 
Methoden nichts erreichen. 

Mit einem, wenn tunlich mit zwei Fingern der linken Hand 

dringt man gegen das retroflektierte Corpus uteri vor, indes die äußere 




Fig. 30. 1. Akt. Reposition des retroflektierten Uterus nach B. S. Schnitze. 

Hand unter leichten Zirkelreibungen meist unschwer den Kniekungs- 
winkel des Uterus erreicht. Unter seitlieh streichenden Bewegungen 
arbeiten nun die intravaginal liegenden Finger den Uteruskörper bis 
zur Höhe des Promontoriums empor (Fig. 30). Ist dies gelungen, so 



104 



Massage. 



ist damit wohl meist die Betroflexion eigentlich behoben und das Organ 
bereits gestreckt. Nun trachten die endokolpisch wirkenden Pinger den 




Fig. 31. 2. Akt. Der Fundus passiei-t das Promontorium. 

Fundus der äußeren Hand zugänglich zu machen. Zu diesem Behufe 
muß der Fundus das Promontorium passieren (Fig. 31). Gelingt dies 




Fig. 32. 3. Akt. Gegenüber Sohultze etwas modifiziert. 

nicht ohne weiteres, so bringe man die innen liegenden beiden Pinger 
der linken Hand an die vordere Fläche der Portio und übe daselbst 
einen leichten Druck aus. Sind durch vorangegangene Dehnungsversuche 
fixierende Stränge zum Nachgeben gebracht worden, so gelingt es 



Massage. 



105 



alsbald der außen arbeitenden Haud, den Fundus und die Hinterfläche 
des Korpus zu erlangen (Fig. 32). Der Schlußakt besteht lediglich 
darin, daß die äußere Hand das Korpus allgemach hinter die Symphyse 
zu drängen trachtet, was durch die endokolpisch wirkenden Finger 
unterstützt wird, indem diese einen Druck auf die vordere Fläche der 
Portio ausüben und gleichzeitig die fortschreitende Anteflexionstendenz 
des üteruskörpers durch Abtasten verfolgen (Fig. 33). 

Ist die Lagekorrektur gelungen — aber erst dann und nicht 
früher — so empfiehlt es sich, dieselbe durch ein passendes Pessar zu 
fixieren. Bei Anwesenheit frischer Entzündungsprozesse darf ein Pessar 
nicht eingelegt werden: freilich ist dann auch eine Eeposition nur 




Fig. 33. Hebung vollendet. Ähnlieh der Darstellung von Fritsch. 



gestattet, wenn sie ohne Druck, vollkommen leicht, sozusagen mit 
einem Griflf gelingt. 

Olshausen empfahl (1867) für schwierige Fälle die Anwendung 
der Sonde. Eine Eeihe von Autoren folgt seinem Vorschlage bis auf 
den heutigen Tag. Auch im Nageischen Lehrbuche (1904) ist die 
Sondenredression warm empfohlen. Dieser Befürwortung für die allge- 
meine Praxis möchte ich nicht beipflichten. Nur in der Hand des 
sehr geübten Fachmannes, insbesondere innerhalb der Kliniken, ist 
diese Methode gefahrlos. In der Hand des Mindergeübten, insbesondere 
im Hause der Kranken, ist die Sondenhebung als eminent gefährlich 
zu bezeichnen. Perforation und Infektion — das sind die beiden ihr 
anhaftenden Gefahren. 



106 Massage. 

Hält es schwer, mit den Fingern der linken Hand hoch empor- 
zugelangen, so ist es hingegen nach gründlicher Desinfektion der Portio 
gestattet, eine Kugelzange an dieselbe za hacken und durch Zug ein 
wenig nachzuhelfen. Herzfeld empfiehlt für schwierige Fälle die Knie- 
ellbogenlage, von deren Anwendung auch ich Nutzen gezogen habe. 
Freilich läßt sich diese Lage nicht bei jeder Frau durchsetzen. Ich 
habe mehrmals die Eeposition per rectum in Knieellbogenlage aus- 
geführt und gefunden, daß die Schwierigkeiten keine wesentlich größeren 
sind als bei endokolpischer Manipulation. Über die Erleichterung des 
Verfahrens durch vorangehende thermische Präparation will ich ein- 
gehend im speziellen Teile dieses Buches berichten. 

Die Prolapsbehandlung nach Thure Brandt machte seinerzeit 
ungemein viel von sich reden und wurde von einer sehr großen Zahl 
von Autoren nachgeahmt. Die Resultate waren temporär nicht ungünstig, 
aber die Zahl der Dauerheilungen war eine höchst bescheidene. Wir 
wissen heute, daß die Prolapsbehandlung mittels Hebung und Lyf tung 
des Uterus nur bei ganz frischen Fällen, bei welchen es sich lediglich um 
Atonie der Muskulatur des Beekenbodens ohne besondere Verletzung 
desselben und des Dammes handelt, bei kräftigen Frauen erfolgreich 
ist. Es sind diese Fälle naturgemäß nicht häufig. Alle anderen erheischen 
operative Behandlung, oder wenn diese abgelehnt wird, respektive aus 
irgend welchen Gründen nicht ausführbar ist, die palliative Behandlung 
mit Prolapspessarien. 

Thure Brandt vollführte die Lyffcimg mit Hilfe eines Assistenten, 
der ebenso geschult sein mußte wie der Ordinarius selbst. Die Kranke lag 
auf einem niederen Sofa, der Arzt saß zu ihrer Linken und redressierte 
mit seinem linken, intravaginal wirkenden Zeigefinger nach Eeposition des 
prolabierten Uterus dessen Eetrodeviation ; die über der Symphyse liegende 
rechte Hand half dabei mit. War dies geschehen, so drängte der linke 
Zeigefinger die Portio stark nach hinten und oben gegen das Promontorium, 
die rechte Hand schob sich zwischen Symphyse und vordere Uteruswand 
bis gegen die Portio hinab. Nun erst trat der Assistent in Aktion. Er 
stand rechts neben den Füßen der Kranken und blickte ihr ins Gesicht. 
Er setzte die stark supinierten Hände unterhalb der rechten Hand des 
Ordinarius, oder zu beiden Seiten derselben flach auf den Bauch und 
trachtete dicht hinter der Symphyse die Portio zu errreichen (Fig. 34). 
War ihm dies gelungen, so entfernte der Ordinarius seine rechte Hand 
und kontrollierte bloß mit dem linken Zeigefinger die weiteren Leistungen 
des Assistenten. Dieser neigte sich nunmehr allmählich gegen das Gesicht 
der Kranken, drang stets tiefer gegen den Beckeneingang vor, krümmte 
seine Finger nach aufwärts (Fig. 35) und hob unter Zitterbewegung den 
Uterus ad maximum, bis der Ordinarius mit der Spitze seines linken Zeige- 
fingers die Portio nicht mehr erreichen konnte. Sodann ließ der Assistent 
den Uterus langsam hinabgleiten; der Ordinarius fing mit seinem linken 
Zeigefinger die Portio auf. 



Literatur. 111 

ziehen, welche mittels Elektrizität betrieben werden gegenüber den 
durch Handbetrieb in Gang gesetzten. Die letzteren erfordern Assistenz, 
die ersteren nicht. Doch leisten im übrigen die Handapparate gleich 
gute Dienste. Von solchen ist zu nennen Kornfelds Prostatavibrator, 
bei welchem durch Drehung einer Kurbel mittels Schalträdern ein 
gleichmäßiges Klopfen zweier kleiner Trommelschlägel erzeugt wird; 
sodann der von Eulenburg empfohlene Apparat von Daniels, bei 
dem durch Kurbeldrehung ein Vorgelege mit hoher Übersetzung, das 
in ein Gehäuse eingeschlossen ist, in Gang gebracht wird, wodurch 
eine gleichmäßige Vibration erzielt wird. Die elektrisch betriebenen 
Apparate stehen mit einem Motor in Verbindung, der vom Straßenstrom 
oder durch eine Akkumulatorenbatterie gespeist wird (Acherts transpor- 
tabler Apparat). Das System Johansen (Kopenhagen) ermöglicht die 
Ausführung klopfender, aber auch zirkulär reibender Bewegungen 
(Friktionen). Mittels des Hirschmannschen Apparates läßt sich je 
nach gerader, schräger oder rechtwinkeliger Einstellung der Ansatz- 
stücke verschiedene Intensität und Eichtung der Vibration, selbst Ro- 
tation erzielen. Witthauer, dem wir eine schöne Monographie über 
Vibrationsmassage verdanken, benützt den Bihlmaier sehen Apparat 
mit elektrischem Antrieb. Der Ansatz ist leicht auswechselbar auf einem 
Haupts tüek angebracht, das, ähnlich wie bei der Bohrmaschine der 
Zahnärzte, an einer biegsamen Spiral welle sitzt, durch welche die Vibra- 
tionen auf das Ansatzstück übertragen werden (Fig. 37). 

Von den vielen Indikationen, welche für die endokolpische 
Vibration aufgestellt wurden, halte ich bloß die Behandlung alter, sehr 
harter Exsudate, kurze Vibration bei Menorrhagien aus dem schlaffen, ato- 
nischen Uterus herabgekommener Frauen, sowie die Dehnung von Ad- 
häsionen und Narben lür akzeptabel. Die Kontraindikationen fallen mit 
jenen zusammen, welche gegen die manuelle vaginale Behandlung namhaft 
gemacht wurden. 

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B. Heilgymnastik. 

Historisches. Die Verv^endung der Heilgymnastik zu therapeutischen 
Zwecken reicht bekanntlich bis ins graue Altertum zurück. Die alten Inder 
und Chinesen bedienten sich derselben viele Jahrhunderte vor unserer Zeit- 
rechiiung. Die höchste Blüte erlangte die Grynmastik in deji griechischen 
Eingschulen. Im Mittelalter stark vernachlässigt, gelangte sie erst im 
XViii. Jahrhundert durch die Tätigkeit Friedrich Hoff man ns wieder zu 
Ansehen. Auf die derzeitige Höhe wurde sie aber erst durch die Leistungen 
der Schweden, allen voran P. H. Lings, gebracht. 

Die Verwertimg der Heilgymnastik iDCL Dienste der Gryniatrie ist dais 
geistige Eigentum Thure Brandts. Er kombinierte die gynäkologische 
Massage in jedem Falle mit Heilgymnastik. Trotz der Anerkennung seiner 
diagnostischen Kunst und therapeutischen Initiative läßt sich doch heute 
die übermäßige Polypragmasie, welche er bei Behandlung jedes eiinzelnen 
Falles an den Tag legte, nicht mehr verteidigen. Nur wenige Teile des 
Brandt sehen heilgymnastischen Systems behielten ihren Wert und das 
Indikationsgebiet der Heilgymnastik wurde wesentlich eingeengt. In diesen 
Zeilen soll nur der heute noch anerkannten Prozeduren gedacht werden. 

Physiologisches. Thure Brandt unterschied vom physio- 
logischen Standpunkte aus dreierlei Bewegungen, und zwar 1. solche, 
welche die Kräftigung des Beckenbodens bewirken, 2. Bewegungen, 
durch welche das Blut aus dem Becken abgeleitet, und 3. solche, durch 
welche Blut dem Becken zugeleitet wird. Lange, wohl allzulange wurde 
die Lehre von den zu- und ableitenden Bewegungen n9.chgebetet; es 
ist hoch an der Zeit, gründlieh aufzuräumen mit einer — wissenschaft- 
lichen Anstrich zeigenden — lichre, welche ohne irgendwelche Bück- 

8* 



116 Heilgymnastik. 

sichtnahme auf physiologische Gesetze die Erfahrungen der Praxis 
unmittelbar in die Theorie tiberträgt! Unbestritten bleibe, daß man 
Blut ableitend und Blut zuleitend auf die Beckenorgane wirken kann. 
Aber nicht die verschiedenen Brandt sehen Modifikationen der Be- 
wegung sind hiebei das Maßgebende, sondern vielmehr der Zustand, 
in dem sich die Beckenorgane jeweilig befinden. 

Durch mechanische Arbeit einer oberen Extremität wird das 
arterielle Blutgefäßsystem derselben erweitert, die Blutmenge, welche 
in der Zeiteinheit durch die Extremität fließt, ist vergrößert. Aber 
daraus folgt noch nicht, daß dieses Plus an Blut den Gefäßen der 
Bauch- und Beckeneingeweide entnommen sein muß! Ebensowenig 
läßt sich Brandts Laienglaube von der Blutzuführung zum Becken bei 
gewissen Bewegungen in der Hüftregion aufrecht erhalten. Unser 
Organismus besitzt nicht nur regulatorische Einrichtungen, welche den 
sofortigen Ausgleich zwischen den einen bestimmten Blutgefäßbezirk 
versorgenden arteriellen und venösen Gefäßen innerhalb des be- 
treffenden Organes besorgen, sondern es wird auch durch kompen- 
satorische Variation der Herzinnervation bei Mehranforderungen rasch das 
Gleichgewicht hergestellt, indem durch die Frequenz, Kontraktionsgröße 
und die Schnelligkeit im Ablauf der Systole der Status quo im Gefäß- 
system so lange wie möglich erhalten wird. 

Die durch Heilgymnastik zweifellos erzielten Erfolge lassen sich 
vielmehr auf einfache Weise ungezwungen erklären. Besteht eine venöse 
Hyperämie in den Blutgefäßen der Beckenorgane, so wird jeder Impuls 
zur Anregung der Herzkontraktionen — und solche Impulse bewirkt 
die gesamte Heilgymnastik in intensivster Form — eine Verbesserung der 
Zirkulationsverhältnisse auch in den Venennetzen der Beckenorgane mit sich 
bringen, sofern das Herz gesund ist. Je rascher das arterielle Blut die 
arbeitenden Muskel durchfließt, um so prompter wird die Saugwirkung des 
rechten Herzens auf das venöse Körperblut inklusive Pfortadersystem sich 
geltend machen. Dazu kommt, daß bei tiefer Inspiration diese Saug- 
wirkung vermehrt wird teils durch Druck des Zwerchfells auf die 
Intestina abdominis, allenfalls auch durch die sich kontrahierenden 
Bauchmuskeln, teils durch direkte Saugwirkung des besser gespeisten 
Herzens und der mit erweiterten Kapillaren versehenen Lungen (Zuntz). 
Durch die Beschleunigung der Pulsfrequenz und die Verstärkung der 
Herzkontraktionen wird also ableitend auf die venös hyperämischen 
Beckenorgane gewirkt. Aber dieselben Bewegungen — ich habe mich 
in Fällen von Amenorrhoe davon überzeugt — bewirken bei anderen 
Individuen „Zuleitung" des Blutes zu den Beckengefäßen; natürlich, 
es sind dies Personen mit darniederliegender Zirkulation, bei welchen 
sich in der engen Arteria hypogastrica ein hoher Druck geltend 
macht, bei denen die arterielle Blutzufuhr zu den Beckenorganen eme 



Heilgymnastik. 117 

mangelhafte ist. Da setzen alle Beinbewegungen, wie Herz ganz richtig 
bemerkt, den Blutdruck in der Arteria hypogastrica herab; mit der 
Hebung der gesamten Zirkulation wird auch der arterielle Blutzufluß 
zu den Beckeneingeweiden wesentlich verbessert und eine Amenorrhoe 
kann so behoben werden. 

Nach dem Gesagten halte ich es nicht für notwendig, von der 
^ableitenden" oder „zuleitenden" Eigenschaft einer Bewegungsform die 
Indikation für dieselbe abhängig zu machen, sondern behaupte, daß 
durch jede der unten anzuführenden heilgymnastischen Methoden mit Aus- 
nahme der den Levator ani stärkenden Prozeduren verschiedene Effekte bei 
ganz verschiedenen Krankheitsprozessen erzielbar sind, wobei die Heil- 
wirkung einfach der Verbesserung der gesamten Zirkulation, Eespi- 
ration, Verdauung durch erhöhte Peristaltik zuzuschreiben ist. Wenn 
außerdem Ziegenspeck sagt, daß durch Widerstandsbewegungen bei 
apathischen Frauen, deren Energie ganz darniederliegt, eine wohltätige 
Anregung zu Willensimpulsen und damit eine Hebung des Bewußt- 
seins der eigenen Kräfte verknüpft ist, so kann ich ihm hierin nur 
vollkommen beipflichten. — Hingegen teile ich die Brandtsche An- 
schauung, daß durch Übung der Adduktoren der unteren Extremitäten 
der Levator ani gleichzeitig innerviert und gestärkt wird. 

Methodik und Technik. Habe ich der Brandtschen Er- 
klärung von der Wirkungsweise heilgymnastischer Prozeduren auch 
entschieden widersprochen, so folgt daraus nicht, daß ich die Zweck- 
mäßigkeit aller Brandtscher Bewegungsformen negieren muß. Einige 
seiner Rezepte haben sich bewährt und finden auch heute noch 
Verwendung. 

Eine brauchbare Bewegungsform ist zunächst jene, welche die 
Kräftigung der Muskulatur des Beckenbodens, insbesondere des Levator 
ani und der Sphinkteren bewirken soll. Brandt nennt diese Bewegung 
„krummhalbliegend, Knieteilung" sowie „krummhalbliegend, Knie- 
zusammendrückung", beide als Widerstandsbewegungen. Die Kranke 
liegt hiebei zurückgelehnt, aber nicht ganz horizontal, mit mäßig 
angezogenen und im Knie gebeugten unteren Extremitäten. Die Füße 
sind gegen eine feste Unterlage gestemmt, die Knie geschlossen. Unter 
Widerstand der Kranken werden die Knie auseinander gezogen, bei 
der zweiten Bewegungsform unter Widerstand der Patientin geschlossen. 
Es ist kein Zweifel, daß bei der energischen Arbeit der Adduktoren 
gleichzeitig der Levator ani, der Sphincter ani est vesicae innerviert 
und durch die häufige Aktion gestärkt werden können. Das Gleiche 
gilt, vielleicht sogar noch in erhöhtem Maße von der Bewegungsform, 
welche Brandts Schlagwort „krummhalbliegend, Knieteilung und 
Kniezusammendrückung unter Kreuzhebung", beide als Widerstands- 
bewegungen, kennzeichnet. Auch gehört hieher die systematische, will- 



118^ Healgyiianagtik. 

kürliche Ittnervation des Sphincter ani externus mit begleitender, mehr 
oder weniger willkürlich sich vollziehender Kontraktion deö Sphincter 
tesicae. Brandt nennt das Rezept „stützneiggegenstehend — Knippnin- 
gama". Die Kranke steht leicht vorne übergeneigt, in Schulterhöhe 
mit den Händen gestützt, die Beine gekreuzt. Man weist die Krwike 
an, dasselbe zu tun, was man beim krampfhaften Zurückhalten des 
Stnhles macht, wobei sieh die Sphinkteren energisch kontrahieren« 
Man läßt dies 3— 4 mal ausführen. 

Ton hohem Werte sind jene Bewegungsformen, welche forcierte 
und vertiefte Atmung bewirken, so das Rezept „schlaff sitzend, Brust- 
hebtmg", „hebestehend, Brustspannung", beide als Passivbewegungen, 
sowie die zur instrumenteilen (Zanderschen) Gymnastik hinüberleitendea 
Bewegungen des Rumpfes und der Beine, welche nach Brandts Lehre 
teils Blut zuführend, teils Blut ableitend wirken, nach meiner Über-^' 
Zeugung Jedoch nur dann eine reale Hyperämie der Beckeneingew eid«^ 
hervorrufen, wenn der Musculus iliacus und Musculus psoas dabei mit- 
beteiligt sind, und wpnn die Dauer der Bewegungen übermäßig lange 
ausgedehnt wird, so daß die Hyperämie des Beckens eine allgemeine 
wird. Doch kann nicht bezweifelt werden, daß bei normalem Herzen 
auch diese Hyperämie rasch vorübergehen wird, um normalen Zirku- 
lationsverhältnissen Platz zu machen. 

Von maschinell bewirkten Bewegungsformen sind für die Gyni- 
atrie von Belang die Balancierbewegungen (Zander), wobei der Ober- 
körper auf dem durch den Apparat bewegten Becken zu balancieren 
hat; neben der hiedurch bewirkten Stärkung der Bauch- und Rücken- 
muskulatur ist die Wirkung bei Obstipation und Amenorrhoe nicht 
ztt übersehen. Um die Willenskraft torpider Kranker zu heben, ist 
die Anwendung des Apparates zur Kniebeugung und -Streckung* 
als Widerstandsbewegung (Zander, Krukenberg) mitunter gerecht*- 
fertigt. Als Apparat für Balancierbewegungen ist auch der Zander sehe 
für „quersitzende Rumpfrollung" zu empfehlen. Für die Brustweitung 
ist Zanders Apparat anwendbar, welcher die beiden Oberarme zum 
Angriffspunkt wählt. Als mildes Anregungsmittel der Zirkulation, insbe- 
sondere bei venöser Hyperämie im Unterleibe, ist der Apparat von 
Herz für Ellbogenbeugung und -Streckung als Widerstandsbewegung, 
sowie der Apparat von Herz für Kniebeugung und -Streckung als 
Pörderbewegung zu nennen. 

Diese Apparate bilden den Übergang zu den nicht sowohl thera- 
peutisch, als vielmehr prophylaktisch wirksamen Sportübungen, deren 
unten noch gedacht werden soll. 

Die Indikationen für die Anwendung der Heilgymnastik be- 
schränken sich zunächst auf die wenigen Fälle, in denen durch manueller 
Behandlung Heilung eines Prolapses intendiert wird, wobei die Kräftigung 



Heilgymnastik. 119 

des muskulösen Beckenbodens eiae wichtige Bolle spielt Dazu kommt 
die Ineontin^ntia urinae und die Enuresis nocturna. Weiters geben 
Amenorrhoe, Dysmenorrhoe, Venter propendens undcrassus, Enteroptose, 
chronische Obstipatio alvi, schließlich Metrc^rrhagien und Menorrha- 
gien, insoferne sie Symptome einer venösen Stauung in den Becken- 
organen und einer chronischen Hyperaemia Endometrii et Myometrii 
sind, die Anzeige für heilgymnastische Bewegungen ab. Auch in der 
Therapie der Adipositas und der bereits gebesserten Anämie (siehe 
speziellen Teil) spielt die Heilgymnastik eine Bolle. 

Eontraindikationen sind gegeben durch das Vorhandensein frischer 
Entzündungen der Bauch- und Beckenorgane, insbesondere gonor- 
rhoischer Natur, durch Eiterherde — auch kleinsten ümfanges — Fieber, 
Thrombose und Entzündung der Venen des Beckens oder der unteren 
Extremitäten, maligne Tumoren, hochgradige Schwäche, hämorrhagische 
Diathesen, Schwangerschaft, Menstruation. 

Anhang: Sport. Um eine normale Funktion der Geuitalorgane 
zu sichern, respektive zu bewahreu, kommen in prophylaktischer Be- 
ziehung die Sportübungen hervorragend in Betracht.. Der Wert der 
diversen Sportzweige ist indes vom hygienischen /Standpunkte ver-' 
schieden einzuschätzen. Daher sollen die wichtigsten Sportzweige kurz 
besprochen werden. 

Das Turnen, sei es unter Benützung der verschiedenen Zimmer- 
turnapparate (Hoffa, Sandow u. a.), oder in Form der Freiübungen 
mit Keulen, leichten Hanteln und Stäben ist zweifellos ein Mittel zur 
Anregung der Zirkulation und Bespiratiou, aber auch zur Kräftigung 
der ganzen Körpermuskulatur. Nicht zu unterschätzen ist der psychische 
Effekt, die Hebung des Kraftbewußtseins sowie die Ablenkung der 
Gedanken von der sexuellen Sphäre, die bei reizbaren und zur Mastur- 
bation neigenden Individuen nicht geiiüg hoch zu schätzen istj 
Wichtig ist, daß während des Turnens kein Staub aufgewirbelt 
wird, sowie daß die Kleidung keine Behinderung der Zirkulation durch 
Taillenschnürung bedingt. Von den Turnspielen ist Lawn-Tennis wegen 
der Möglichkeit, tiefe Inspirationen in freier Luft zu vollführen, von Wert. 

Bergsteigen spielt wegen der Gefahr des Outrierens keine Bolle 
für unser Gebiet. Durch Übertreibung kommt es wohl zu Hyperämie 
der Beckenorgane. 

Hingegen ist das Schlittschuhlaufen als eine mit geringem E^raft- 
aufwand einhergehende ausgiebige Bewegung im Freien von Bedeutung. 

Das Schwimmen in nicht zu kühlem Wasser bedingt tiefe Inspi- 
rationen und Aktion fast aller Muskelgruppen des Körpers. Herzklopfen 
und erschwerte Atmung, insbesondere Schwindel geben das Signal zu 
sofortigem Unterbrechen des Schwiramens. Tritt Frösteln ein, so ist das 
Wasser sogleich zu verlassen. 



120 Literatur. — Belastung. 

Das Rudern kräftigt die Rücken- und Bauehmuskulatur, den 
ganzen Schultergürtel sowie die Armmuskulatur und provoziert tiefe 
Atmung. 

Minder empfehlenswert (trotz der Befürwortung durch Zuntz) 
ist für Frauen das Radfahren und Reiten; wegen der Einatmung ver- 
dorbener Luft und der fehlenden Berücksichtigung der Übermüdung ist 
auch dem Tanzen durchaus nicht das Wort zu reden. 

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— Turnen, Turnspiele und Sport. Ebenda. 



C Belastung. 

Historisches. Nach den Mitteilungen, welche wir Pin aus ver- 
danken, kannten schon die Alten therapeutische Maßnahmen, welche als 
Vorläufer der Belastungstherapie anzusehen sind. Diokles empfiehlt das 
Einlegen von in Essig eingeweichten Granatäpfeln in die Scheide, Strato 
die Füllung der Vagina mit Asche. Bei Celsus ist von der Kompression 
des Bauches die Eede. — Oharcot verwendete bei gewissen hysterischen 
AnföUen einen Schrotsack (Compresseur de rovaire). Vorläufer der intra- 
vaginalen Belastung finden wir in Bozemans Dehnzylindern und -kugeln 
(1883), Prochowniks passiver Massage (1885). Auch sind Ghrobaks 
Methode der Dehnung verkürzter Parametrien mittels elastischen, kontinuier- 
lichen Zuges (1881) sowie Sängers unterbrochene Zugmassage als Ante- 
cedentien der Belastung, respektive Belastungslagerung (s. u.) von Interesse. 



Belastung. 121 

Methodisch wurde die äußere Belastung gleichzeitig mit der intra- 
vaginalen erst von Auvard geübt, der einen Schrotsack auf die Eegio 
hypogastrica legte und gleichzeitig ein Grarielsches Luftpessar in die 
Scheide einführte (1892). Eine Yervollkonunnung erfuhr die Methode durch 
W. A. Freund (1897), der mittels Eöhrenspekulums, das einen kondom- 
artigen Überzug trug, Schrot in die Yagina einbrachte. Gleichzeitig, un- 
abhängig von ihm, übte Pincus in Danzig vielfach die mit Becken- 
hochlagerung kombinierte äußere und innere Belastung. Durch Schauta 
und Halb an wurde die Anwendung des Quecksilbers für die endokolpische 
Belastung eingeführt. Pincus, der sich um den Ausbau der Methodik 
Yerdienste erworben hat, modifizierte das Instrumentarium; er kombinerte 
prinzipiell die Belastung mit Mittelhochlagerung des Beckens. 

Physiologisches. Die in Mittelhochlagerung des Beckens 
(Pincus) ausgeführte Belastung mit gleichzeitiger Belastung des Ab- 
domens bewirkt Druck und Zug auf die inneren Genitalorgane. Durch 
Hai bans Versuche an der Leiche wurde dargetan, daß das Scheiden- 
gewölbe gespannt, mit Quecksilber ausgefüllt, der Uterus eleviert ist. 
Ich habe mich gelegentlich einiger Leichenversuche, die allerdings dem 
Nachweise einer anderen, später zu erwähnenden Tatsache galten, von 
der Eichtigkeit der Angaben Haibans überzeugt. Es ist daher die 
physiologische Wirkung der kombinierten Belastung leicht verständlich. 
Exsudate, welche topographisch dem Beckenboden angehören, werden 
durch die Belastung sozusagen zwischen zwei Gewichte gelegt und 
können, wie Funke sich ausdrückt, wie ein Schwamm ausgepreßt 
werden, falls die Beschaffenheit des Exsudates das Auspressen einer 
Flüssigkeit ermöglicht. Liegt der durch Kompression zu beeinflussende 
Herd nicht am Beckenboden, sondern höher, so wird, wie Auvard 
und Pincus bemerken, das betreffende Gebilde durch die endokolpische 
Belastung gehoben und der äußeren Kompression zugänglich gemacht. 
Daß durch die Belastung neben der Elevation auch eine Euhigstellung 
bewirkt wird, daß die Atmung den abdominalen Charakter verliert und 
mehr kostalen Typus annimmt, ist sichergestellt und leicht erklärlich. 

Während der Dauer der Kompression sind die inneren Genital- 
organe in einem Zustande der Anämie; bei erfolgender Entlastung tritt 
reaktive Hyperämie ein im Sinne der Reaktion der Hydrotherapeuten. 
um diese reaktive Fluxion beherrschen zu können, nimmt man nach 
Pincus die Entlastung nicht plötzlich, sondern etappenweise vor (Luft- 
kolpeurynter). Bei Neigung zu Hämorrhagien ist es gewiß von Wert, 
diese Fluxion vermindern zu können. Anderseits dürfen wir uns darüber 
nicht täuschen, daß wahrscheinlich ein gut Teil der durch Belastung 
erzielten Heilerfolge gerade dieser reaktiven Hyperämie zuzuschreiben 
ist Insbesondere die schmerzstillende Wirkung ist der sekundären 
Hyperämie zu danken. Wird die Belastung, wie dies jetzt meist ge- 
schieht, nach dem Vorschlage von Pincus bei Mittelhochlagerung des 



Belastung. 125 

eine endokolpische, instrumenteile Massage, die er als Kolpeurynter- 
massage bezeichnet. Die Wirksamkeit der Methode dürfte sich indes 
bloß bei Vaginismus und Narbenbildung in der Scheide bewähren, 

Die Beckenhoehlagerung läßt sich mittels des gebräuchlichen 
Untersuehungstisches in der Privatordination sehr leicht durchführen. 
Sie ist wohl unerläßlich bei der Belastung und darum ist es berechtigt, 
wenn Pincus das ganze Verfahren als „Belastungslagerung** be- 
zeichnet. 

Für einzelne Fälle kann die Einwicklung der unteren Extremitäten, 
wohl auch die Anlegung elastischer Binden über den Bauch (Pincus, 
Wernitz) Nutzen bringen. 

Eine ganz unbestrittene Wirkung der Belastung ist die „Weg- 
drückung" des chronisch-indurativen Ödems aus dem Beckenzellgewebe. 
Daß trotz Besserung des objektiven Beftmdes Schmerzen nach wie vor 
bestehen können, beruht darauf, daß zuweilen nach erfolgreich durch- 
geführter Belastung erst komplizierende Adnextumoren entdeckt werden 
(Halban), Anderseits ist das Persistieren der Schmerzen auch damit zu 
erklären, daß der Krankheitsprozeß durch Wegdrückung des Odems 
oder Exsudates nicht geheilt ist, sondern daß Verwachsungen der 
Organe untereinander bestehen, welche durch Belastung nicht alteriert 
wurden (Ooe), weil das Punctum fixum hiezu immer der Knochen 
sein muß; überdies kann eine Perisalpingitis oder Perioophoritis be- 
stehen, welche auch durch die Belastung nicht gebessert wird. Es 
treten hier vielmehr andere physikalische Methoden in Wirksamkeit. 
* Gerade darum ist die Belastung als wertvolle Bereicherung unseres 
Heilschatzes zu begrüßen, weil — wie wir gesehen haben — durch 
thermische Methoden eine Besserung des subjektiven Befindens ohne 
objektive Besserung oft erzielt wird, indes durch Belastung das objektive 
Bild nicht selten günstig beeinflußt wird. Doch wirkt auch die Be- 
lastung zuweilen schmerzlindernd trotz mangelhaften Eückganges der 
objektiven Veränderungen (Halban, Foges). 

Bei Bestehen von Narben in der Vagina oder parametrischen und 
perimetrischen Narben mit einem Punctum fixum am Knochen geht 
mit der Dehnung der Eückgang der Schmerzen Hand in Hand. Über 
die von Pincus, Auvard, Bukojemski anstatt der Belastung 
empfohlene Tamponade (Staflfeltamponade, Kolumnisation) soll unten die 
Bede sein. 

Seilheim läßt mittels des von ihm konstruierten Apparates 
Wasser unter genau bemessenem Drucke und regulierbarer Temperatur 
in endokolpisch liegende Blasen einfiießen. Man kann auf diese Weise 
Belastung und Thermoapplikation kombinieren. Das Verfahren wurde 
bisher nicht genügend gewürdigt und wird einer genauen Erprobung 
unterzogen werden müssen. 



126 Belastung. 

Die Mussage wird durch die Belastungstherapie nicht verdrängt, 
wohl aber vielfach ergänzt. Nach Schautas Vorschlage sind die 
Besiduen nach absolvierter Belastungsbehandlung, die zurückbleibenden 
Strääge, mittels Massage zu beseitigen. Auch die Hydro- und Balneo- 
thesrapie wird mannigfach mit der Belastung zu kombinieren sein. 

Indikationen und Kontraindikationen. Die Belastung paßt 
nur für das chronische Stadium der entzündlichen Erkrankungen, 
nicht für das akute und subakute. Fieber, auch periodisch aufflackernde 
Temperaturerhöhung, insbesondere eine solche zur Zeit der Menses 
oder vor Eintritt derselben, verbietet die Belastung. Auch die Hoch- 
lagerung des Beckens für sich soll im akut entzündlichen Stadium 
vermieden werden. Die Belastung ist indiziert: 1. Bei chronischer 
Parametritis, sei es daß dieselbe mit narbiger Schrumpfung des Becken- 
zellgewebes einhergeht, also bei Eesiduen nach Entzündungen (Wald- 
stein) oder bei den chronisch exsudativen Formen. Insbesondere cto 
chronisch indurative Odem eignet sich für die Belastung (Funke, 
Halban). Doch schwindet nicht nur das Odem, auch seröse Exsudate 
und rundzellige Infiltrate schwinden, insbesondere an der Bauchwand 
liegende Exsudate (Kehrer). Vollkommenes Versagen der Therapie ist 
nach Pincus ein Beweis dafür, daß virulente Keime und Eiterherde 
eingeschlossen seien, welche eine Inzision erfordern. 2. Bei chronischer 
Perimetritis, zumal wenn das Exsudat am ßeckenboden sitzt. Die 
Empfindlichkeit der Sakrouterinligamente, welche den Koitus schmerz- 
.haft macht und bekanntlich ein überaus häufiger Befund bei Frauen 
ist, welche über „Kreuzschmerzen" klagen, schwindet durch die 
Belastung rasch (Halban). Peritoneale Adhäsionen nach gonorrhoischen, 
puerperalen und appendikulären Prozessen sind gleichfalls der Belastungs- 
therapie zuzuweisen (Foges). Ich möchte hinzufügen, daß gerade in 
diesen Fällen die Massage oft vorzuziehen sein wird, zumal, wenn 
es sich um strangförmige Adhäsionen zwischen einzelnen Organen und 
nicht zwischen diesen und dem knöchernen Becken handelt. 3. Besonders 
günstige Erfolge erzielt man bei Zervixlaquearnarben nach violenten 
Geburten. Diese Narben haben nicht selten schwere nervöse Allgemein- 
erscheinungen, Magen-Darmsymptome, Sehmerzen beim Koitus und — 
worauf Ohrobak mit Nachdruck hingewiesen hat — Sterilität im 
Gefolge. 4. Chronische Adnextumoren, wobei aber zu bemerken ist, 
daß Erfolge nur zu erwarten sind, wenn die Tumoren im Douglas 
sitzen; befinden sie sich in der Ebene des Beckeneinganges, so wird 
durch intravaginale Belastung bloß Elevation und Euhigstellung bewirkt. 
Halban betont, daß es während der Behandlung nicht selten zu ent- 
zündlichen Nachschüben komme, weshalb Vorsicht geboten sei. 
ö. Vaginismus (Huppert, Pincus). 6. Eetroversio -fiexio uteri mobilis, 
auch bei gravidem Uterus. Die fixierte Eetrodeviation läßt Erfolge 



. Literatur. 127 

.durch Belastung nur dann erwarten, wenn die Fixation am knöchernen 
Becken besteht. Menses, Gravidität (außer bei Eetroflexio), akute und 
subakute Entzündungsprozesse, Tumoren sind die kurz rekapitulierten 
wichtigsten Gegenanzeigen. 

Literatur. 

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— Der Queoksilberluftkolpeurynter. Kolpeuryntermassage. Zentr. f. Gyn. 1901, Nr. 32. 

— Zur Frage der Belastungslagerung. Volkm. Samml. klin. Vortr. N. F. Nr. 332. 

— Der Belaetungskolpeurynter. Zentr. f. Gyn. 2902, Nr. 36. 
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Schauta, Diskuss. z. Vortr. Haibans. Zentr. f. Gyn. 1899, Nr. 35. 
Schneider, Über Belastungstherapie in der Gynäkologie. Demonstr. Münch. med. 
Wochenschr. 1903, Nr. ^, u. Monatssehr. f. Geb. u. Gyn. Bd. XVHI, H. 6. 



128 Lagerung. 

Sellheim, Zur Dosierung der physikal. Heilmethoden j, d. Geb. u. Gyn. Zeitsohr. 

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Wald stein, Über Belastungstherapie. Zentr. f. Gyn. 1902, p. 1308. 
Wernitz, Zur Beb. y. Beckenexsudaten. Ebenda 1889, p. 777. 
Wolff, Beitr. z. Belastungstherapie. Inaug.-Diss. (Olshausen). Berlin 1900. 



!>• Lagerung. 

Historisches, Nach Pincus finden sich bereits bei Hippo- 
krates Angaben, welche darauf schließen lassen, daß die Alten die 
therapeutische Bedeutung der Lagerung richtig beurteilten. Sie behandelten 
z. B. Menorrhagien mittels Beckenhochlagerung im Bette. Bei Soranus 
finden sich bemerkenswerte Angaben über die Lagerung. — Von der knienden 
Bauchlage ist zu Beginn des XTX. Jahrhunderts bei W. J. Schmidt und 
Eitgen die Eede. Sims gab in der Mitte des XIX. Jahrhunderts die Knie- 
ellbogenlage an. Um die Verbreitung des Gebrauches der Beckenhochlagerung 
für operative Fälle machten sich Trendelenburg und Schauta verdient. 

Physiologisches. Die Beckenhochlagerung — sowohl die steile 
als die mäßige — erleichtert den Eückfluß des venösen Blutes aus den 
Becken eingeweiden, erschwert den arteriellen Zufluß; desgleichen ver- 
bessert sie die Lympheabfuhr aus den Beckenorganen. Der Uterus und 
die Adnexe nähern sich dem Beckeneingang, indem sie durch ihre 
eigene Schwere an ihren Bändern hängen. Dadurch kommt es zur 
Kompression der in den Bändern verlaufenden Gefäße und Anämie der 
Beckeneingeweide. Durch Autotransfusion kommt es zu besserer 
Speisung des Herzens, hiedurch zu kräftigeren, volleren Pulsationen. 
Infolge derselben kann die arterielle Durchrieselung der Beckenorgane 
trotz der Hochlagerung eine sehr gute bleiben. 

Sind die Därme frei, so streben sie der Zwerchfellkuppe zu und 
es entsteht eine Grube oberhalb der Symphyse. Sind die Därme adhärent, 
so bleibt auch bei steiler Beckenhochlagerung das Darmkonvolut zwischen 
außen palpierender Hand und Fundus uteri liegen (Schauta). 

Bei Seitenlagerung sinkt die Gebärmutter, wie durch Untersuchung 
per rectum nachweisbar ist, nach der entsprechenden Seite, indem die 
Vorderfläche sich der gleichnamigen Seite ein wenig zuneigt. Dadurch 
wird das obere Ligamentum latum etwas gespannt, das untere leicht 
gefaltet. Die Seitenlage wird meist kombiniert mit mäßiger Beckenhoch- 
lagerung und die Wirkung ist dann auch eine kombinierte. 

Bei Knieellbogenlage wird die Vulva und Vagina sehr leicht zu- 
gänglich, die Eingeweide sinken entlang der vorderen Bauchwand 
gegen die Zwerchfellkuppe, aber nur dann, wenn der Steiß höher zu 
stehen kommt als der Kopf. Befinden sich Steiß und Kopf in einer 
Höhe, so senken sich die Eingeweide bloß gegen die vordere Bauch- 
wand. Ln letzteren Falle findet auch keine Anämisierung der Kontenta 
statt, wohl aber bei steiler Knieellbogenlage. 



Lagerung. 129 

Die Bauchlage bei erhöhtem Steiße bewirkt ähnliehe Effekte wie 
die Knieellbogenlage mit schiefem Rucken, freilich in geringerer 
Intensität. 

Technik und Wirkung. Die Lagerung ist nur selten — jetzt 
weniger denn je — Selbstzweck, sondern wird fast aussehlieQlich in 
Verbindung mit Massage, Belastung sowie zur Erleichterung der 
Diagnosestellung verwendet. Die Beckenhoohlagerung, welche fOr unsere 
Zwecke fast ausschließlich in Betracht kommt, ist die Mittelhochlagerung 
(Fincus); die steile Beckenhochlagerung dient fast nur operativen 
Zwecken. Die Mittelhochlagerung wird entweder im Bette durchgeführt, 
indem das Fußende um 10 — 30 cm höher gestellt wü'd als das Kopf- 
ende, indem man Ziege) unterschiebt, oder aber mittels des gewöhn- 
lichen Untersncbangstiscbes ; man lagert hiebei die Beine und das 



Fig. 40. Stellung des UnterBuchiingetiacheB für Mitfelhoolilagenuig. 

Becken auf ^en geneigten Teil, das Planum) inelinatum, so daß die 
Fofle bei a (Fig. 40), das Becken zwischen b und e, also noch auf 
den erhöhten Teil, der Kopf bei d zu liegen kommen. Selbstverständlich 
ist in jedem Falle der Kopf, respektive die Schultergegend auf ein 
Kissen zu betten. 

Bei der steilen Beckenhochlagerung beträgt der Winkel des 
Planum inelinatum mehr als 45*, aber auch die Position des Körpers 
ist eine andere, indem der Kopf tiefer liegt als der Beckeneiugang, 
die Knie gebeugt sind, so zwar, daß die E'üße viel tiefer zu liegen 
kommen als die Knie. 

Die Knieellbogenlage wird ftlr Zwecke der Massage, der Diagnosen- 
stellung oder als Selbstzweck nicht in Form der horizontalen Bumpflage 
verwendet, sondern derart, daß das Becken um die Länge der Ober- 
sehenkel höher steht als der auf dem Lager, respektive auf den vor- 

Oacu FritDkl, Die piyt. Hellmathodfln tu der QynKkDlOBle. 9 



130 Literatur. 

gelagerten Unterarmen auf ruhende Kopf. Jene, die ßozemansehe 
Lage auf dem eigens konstruierten Tische, wobei Schultern und Becken 
in einer Höhe lagern, dient für operative Zwecke. 

Die Bauchlage mit etwas erhöhtem Becken als Buhelage während 
eines Teiles des Tages oder während der Nacht ist nur dadurch zu 
erzielen, daß die Kranke lernt, den Schultergürtel so zu halten, die 
Halswirbelsäule derart zu drehen, daß der Luftzutritt zu Mund und 
Nase ungehindert bleibt. 

Indikationen und Kontraindikationen. Jegliche Position, 
welche Spannung der Gebärmutterbänder bedingt, ist bei Anwesenheit 
entzündlicher Prozesse zu vermeiden, da sie mit Steigerung der 
Schmerzen verbunden ist. Die Indikationen für die Mittelhochlagerung 
fallen mit jenen der Belastung und Massage zusammen. Nächtliche 
Mittelhochlagerung als ünterstützungmittel während einer Prolapsbehand- 
lung empfiehlt Beckers. Neu ist Pincus' Indikation der Mittelhoch- 
lagerung des Beckens bei Chlorose, behufs verbesserter Speisung des 
Herzens. Die Knieellbogenlage wird für manche Eedressionskuren des 
Uterus, insbesondere für Untersuchung und Massage per rectum (z. B. 
bei Virgines), oft mit Nutzen verwendet. Leider stößt man bei prüden 
Individuen leicht auf Eesistenz wegen der „Unschicklichkeit" der 
Position. 

Bei mobiler Retrodeviation ist die Bauchlagerung mit mäßiger 
Beckenhochlagerung während des nächtlichen Schlafes oft von über- 
raschendem Nutzen. Nach Adler soll sich die Mittelhochlagerung 
auch bei Menorrhagien bewähren. 



Literatur. 

Adler. Beitrag zur Lagerimgsbeliandlung. Münch. med. Wochensehr. 1900, Nr. 43. 
Aveling, The use of the inelined plane. The Amer. Journ. of Obst. 1892, p. 782. 
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Beuttner, Über gynäkol. Massage in Beckenhochla^erung. Zentr. f. Gyn. 1897, 

Nr. 19. 
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Halb an. Über Belastungstherapie. Monatsschr. f. Greb. u. Gryn. Bd. X. 
Mendes de Leon, Ein neues Untersuchungsverfahren. Zentr. f. Gyn. 1888, 

Nr. 21. 
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Pincus, Belastungslagerung, Wiesbaden. Bergmann 1905. 
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Wochensehr. 1892, H. 1. 
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Operationen in der Bauchhöhle. Volkmanns Samml. kl. Vortr. Nr. 355. 
Veit, Über die Technik der Laparotomie. Berliner Klinik 1889, H. 15. 



Suktion. 131 

E. Sttktlon. 

Historisches. Die Anwendung von Saugapparaten zur Erzielung 
einer Fluxion und Anschwellung ist uralt. Der früher ungemein aus- 
gedehnte Grebrauch des Schröpfkopfes, der Junnodsche Schröpfstiefel, 
die verschiedenen Hilfsinstrumente für den Aderlaß benützten das Prinzip 
der Ansaugung unter Luffcverdünnung. Die Anwendung der Suktion 
auf gynäkologischem Gebiete datiert aus allerletzter Zeit. Bier demonstrierte 
auf dem letzten Chirurgenkongreß (1905) die Vorteile der ausgedehnten An- 
wendung von Saugglocken und Pumpen bei chirurgischen Krankheiten. 
Die ersten Angaben über Ansaugung der Portio mit Pumpen rühren von 
Rudolph in Heilbronn her (1905). 

Physiologisches. Wird in der Vagina ein luftverdünnter 
Raum geschaffen, so ist die Folge davon ein Tiefertreten der durch 
den negativen Druck herabgezogenen Portio, damit in Verbindung eine 
Dehnung der Parametrien und Gebärmutterligamente. Der Uterus wird 
bei fortgesetzter Suktion hyperämisch, als Ausdruck der Blutstauung 
sieht man Anschwellung und bläuliche Verfärbung der Portio. Wird 
die Saugung längere Zeit geübt, so kann nicht bloß Sekret, sondern 
auch Blut durch Rhexis der Schleimhautkapillaren dem Uteruskavum 
entzogen werden. Durch Reizung des Zervikalganglion werden Kon- 
traktionen des Uterus ausgelöst, die sich in wehenartigen Schmerzen 
kundgeben können. 

Technik und Wirkung. Rudolph verwendete ein Milchglas- 
spekulum, dessen abgeschrägter Teil an die Portio gesetzt wurde. Die 
kreisrunde Öffnung war mit einem durchbohrten Gummistöpsel ver- 
schlossen (Fig. 41); durch den Stöpsel ging ein Röhrchen, an dem 




Fig. 41. Suktion sapparat nach Rudolph. 

ein Schlauch befestigt war, welcher mit der Saugpumpe in Verbindung 
gebracht werden konnte. Ein beigegebener Hahn gestattete, die 
Stauung beliebig lang zu erstrecken. Ehe ich selbst andere Kon- 
struktionen kannte, bemängelte ich in der Diskussion zu Ranzis Vor- 
trage in der k. k. Gesellschaft der Arzte zu Wien, daß man bei 
Rudolphs Apparat nicht sehe, was in der Vagina während der Suktion 
vorgehe und schlug vor, den Stöpsel besser durch eine Glasplatte zu 
ersetzen. Eversmann hatte scheinbar gleichzeitig dieselbe Idee, denn 

9* 



PesaarCherapie. 137 

wie Eosenfjelds Zapfenpessar, welches aus einer trichterförmigen, 
durehloehten Sehale, mit kurzem, angeaehraubtem Hartgummistiel besteht, 
durch Menges Keulenpessar, dessen Stiel keulenförmig und mittels 
B^onettversehlusses an den Eing anfügbar ist (Fig. 48), wohl auch 
durch Zweifels Apparat, der dem letztgedachten ähnlich ist. Diese 
Pesearien bleiben vermftge des Stieles quer stehen, auch dann, wenn 
man kleine Nummern des Kinges wählt. Daß sie aber auch Usur der 
Vagiualwand erzeugen können, beweist die Beobachtung Hildebrandts. 
Daher erfordert ihre Anwendung auch große Vorsicht und häufige, 
regelmäßige Untersuchung der Kranken. 



k 




Pig. 48. KpulenppRsai* nueli Menge. Fig. 4il. IntraHterinpestü 



Die nur mehr in überaus seltenen Fällen gebrauchten Intrauterin- 
pessarien bestehen aus durehbohrteu Stiften (Fehling). an deren einem 
Ende meist eine Sehale angebracht ist, welche sich der Oberfläche der 
Portio anschmiegt (Fig. 49). Es sind auch Kombinationen von In- 
trauterin- und Vaginalpessarien konstruiert worden (Pinna-Pintor). 

DOhrsseii nannte das Pessar eine Krücke, welche das Gefühl 
der Gesundheit nicht aufkommen lasse. Das Pessar ist eine Krücke, 
aber sie ist für die Außenwelt unmerkbar und bei richtiger Wahl auch 
für die Patientin ganz unfühlbar; jedem Gynäkologen sind zahlreiche 
Fälle bekannt, in denen sich die Patientinnen während des Tragens 
eines Pessars ausgezeielineten Wohlbefindens erfreuen. Daß die Pessar- 



138 Pessartherapie. 

therapie dennoch die operative Behandlung des Prolapses nicht ver- 
drängen kann, steht fest. Aber das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. 
Sie hat vielmehr in jenen Fällen einzutreten, in welchen eine Operation 
verweigert wird oder unmöglich ist. Die manuelle Lagekorrektur bei 
der Retrodeviation mit nachfolgender Eentention durch ein Pessar vermag 
indes in einer erheblichen Zahl von Fällen die Operation hintanzuhalten. 
Was im Kapitel über die Massage gesagt wurde, gilt auch hier. Die 
Handhabung der Technik spielt eine große Rolle, und Fraenkel und 
Fritsch bemerken sehr richtig, daß die Zahl der mechanotherapeutisch 
zu heilenden Fälle von Retrodeviation mit der wachsenden Geduld und 
steigenden Geschicklichkeit des betreffenden Arztes sich mehrt. 

Die Technik der Pessartherapie erfordert immerhin eine gewisse 
Übung sowohl betreffs Wahl des richtigen Pessars als auch in der 
Applikation desselben. Stets hat der Einführung eines Pessars die Repo- 
sition der Scheide und Gebärmutter voranzugehen. Entzündliche Zu- 
stände der Scheide, Harnröhre und Blase, Erosionen, akute Entzün- 
dungen an den Adnexen und am Blinddarm, Narben in der Vagina 
müssen zuerst behandelt und beseitigt werden, ehe man ein Pessar 
einführt. Die Schwangerschaft erfordert während der ersten Monate 
keine Rücksichtnahme. 

Man führt die ringförmigen Pessarien, welche bei geringeren 
Graden des Prolaps und Deszensus Verwendung finden, nach Hebung 
und Reposition des Uterus, insbesondere nach Behebung einer etwa 
begleitenden Retroflexion, in der Weise ein, daß man dieselben in Lysol- 
lösung schlüpfrig macht, und sie sodann nach Entfaltung der Labien 
im schrägen Durchmesser, die Urethra vermeidend, an die Vulva setzt; 
mit einem Fingerdrucke schiebt man den Ring in die Scheide und 
gibt ihm mit dem nachfolgenden Finger eine derartige Wendung, daß 
die Portio in seine Höhlung zu liegen kommt. Nie darf der Ring 
Schmerzen auslösen; er darf beim Pressen, Bücken, Stuhlabsetzen weder 
Druckerapfindlichkeit setzen noch herausfallen. Man bestellt die Kranke 
für den Fall, daß sie Schmerzen empfände, für den nächsten Tag in 
die Sprechstunde, ansonsten kontrolliert man alle drei bis vier Wochen, 
um Usuren der Scheide zu verhüten. Insbesondere nach dem Zessieren 
der Menses sei man vorsichtig, weil es oft zu erschreckend rasch fort- 
schreitender Scheidenschrumpfung kommt. (Man vergleiche hiezu Neuge- 
bauers Statistik.) Man verordnet desinfizierende Spülungen, welche 
mindestens dreimal wöchentlich, bei vorhandenem Fluor täglich zu 
machen sind. Der Koitus kann gestattet werden. 

Wird bei schweren Veränderungen am Levator ani und Damm 
der eingelegte Ring durch leichtes Pressen wieder geboren, so versuche 
man die Einlegung eines schalenförmigen, besser noch eines gestielten 
Pessars nach Menge oder Rosenfeld, welches selbst bei bedeutenden 



PeBBartberapie. 139 

Dammdefekten mitunter sehr sicher Hegt. Ist aber der Levator vollkommen 
tnnktioDsuntOchtig, stark lädiert, die Elastizität der Seheide gänzlich ge- 
schwunden, so wird bei verweigerter oder aus anderen Grönden un- 
möglicher Operation — wenagleich nolens volens — zu einem Hy- 
sterophor mit Gurt die Zuflucht genommen. 

Gelingt die Eetention des Uterus, so hören die Sehmerzen, Blasen- 
uod D&rmbesehwerden bald auf, und wenn das Pessar auch keine 
Heilung bringt, so schafft es doch einen relativ guten Zustand. 

Bei Antederiation des Uterus bedient man sich eines Hodge- 
Pessars, das so eingeführt wird, d»ß sein breiterer, höherer Bügel vor 
der vorderen Muttermundslippe liegt, oder besser eines exzentrischen 
Bingpessars, dessen dickere Partie nach vorne kommt (Fränkel) oder 



Fig. 50. Hodge-Pesssr in situ. KaeJi Runge. 

eines konzentrischen Bingpessars, das auch gute Dienste leistet, 
da es doch bloß auf die Hebung des Uterus ankommt. Eine Eetention 
kann das Pessar ohnedies nicht gewährleisten. 

Anders bei der Eetrodeviation : Hier ist eine Eetention des vorher 
reponierten Organes durch ein Pessar wohl zu erreichen. 

Die Pessarieu nach Hodge oder Thomas werden ähnlieh wie 
ein King schräg an die Vulva gesetzt, unter leichtem Druck gegen die 
hiutere Tulvar- und Vaginalwand eingeschoben; der nachfolgende Finger 
drückt mit gelinder Kraft den breiteren Bügel hinter die Portio. Das 
Pessar soll so liegen, wie dies Fig. 50 andeutet. Noch kräftiger wird 
die Portio nach hinten gezogen und in dieser Lage erhalten durch 
Schnitzes Achterpessar, in dessen kleinerem Eing der Scheidenteil 
stark eleviert und retroponiert liegen bleibt (Fig. 45). Das Schlittenpessar 



140 Pessartherapie. 

nach Schul tze wirkt in der gleichen Weise, indem sein höherer 
Bügel hinter, sein niedrigerer vor der Portio, der Scheidenteil selbst 
in der Konkavität des Pessars liegt. Aber die Einführung ist nicht 
leicht und die Kohabitation wird stark behindert. Bei tiefem Scheiden- 
gewölbe wird das Thomas-Pessar dem Hodge-Pessar vorzuziehen sein. 
Jedenfalls ist es ratsam, vor Einlegung des Pessars eine genaue Unter- 
suchung vorzunehmen und dann entsprechend den anatomischen Ver- 
hältnissen die Krümmung des Pessars zu korrigieren, indem man es in 
warmes Wasser legt, zurecht krümmt und dann unter Festhaltung der 
ihm gegebenen Form das Pessar in kaltes Wasser bringt. Fehling 
stimmt Löhlein bei, daß 18 — 20% aller Fälle von Eetroflexion durch 
die Pessarbehandlung dauernd geheilt werden. Man erlebt nicht selten 
die Freude, daß alle Beschwerden, welche die Eetroflexion begleiteten, 
mit einem Schlage schwinden; und daß sie durch eine Verschiebung 
oder Entfernung des Pessars wiederkehren, ist dann wohl ein Beweis 
dafür, daß die Eeposition und Eetention des Uterus tatsächlich einen 
günstigen Einfluß nicht nur auf die lokalen Beschwerden, sondern 
auch auf das Gesamtbefinden der Kranken gehabt hat. Daß aber die 
Allgemeinerscheinungen trotz geglückter Lagekorrektur und dauernder 
Eetention gelegentlich nicht schwinden, spricht nicht gegen den Wert 
der eingeleiteten Eepositionsbehandlung, sondern beweist bloß das Vor- 
handensein sekundär entstandener Nervenläsionen. 

Die Einführung von Intrauterinpessarien erfordert vor allem nach 
erfolgter Eeposition der geknickten Gebärmutter die genaueste Be- 
obachtung der Asepsis. Man beschränke den Gebrauch dieser Apparate, 
welche das Endometrium unter allen Umständen reizen und Gefahren 
bergen, auf die geringste Zahl. 

Die Dauer der Pessarbehandlung ist fallweise sehr verschieden. 
Man wird nicht selten, wenn man nach mehrmonatlicher Verwendung, 
ja ein- bis zweijährigem Tragen ein Pessar entfernt, Wiederkehr der 
alten Beschwerden eintreten sehen und das Pessar wieder einlegen 
müssen. In anderen Fällen bleiben die Kranken beschwerdefrei, zum 
Teil bei bestehender Normallage des Uterus, in anderen Fällen trotz 
Eeetablierung der Eetrodeviation. Nagel bemerkt, daß im allgemeinen 
das Pessar um so länger 'getragen werden muß, je größer die ärzt- 
lichen Bemühungen waren, die Eeposition der Gebärmutter zu erzielen. 

Anzeigen und Gegenanzeigen. Die letzteren wurden bereits 
oben erwähnt. Sie bestehen in frischen entzündlichen Erkrankungen, 
narbigen Veränderungen, Tumoren. Anzeigen zur Pessarbehandlung 
werden gegeben zunächst durch Deszensus und Prolaps, sodann durch 
Anteflexio und Anteversio, häufiger durch Eetroflexio und Eetroversio, 
während die reponierte Lateroversio-flexio-positio durch kein Pessar 
in Eetention erhalten wird. Die Einführung eines Hodge-Pessars kann 



Literatur. 141 

prophylaktisch auch schon im Spätwochenbett vorgenommen werden 
(Fritsch). Desgleichen kann bei unwillkürlichem Harnabfluß im Spät- 
wochenbett ein exzentrisches Eingpessar behufs Kompression der Urethra 
eingelegt werden. Intrauterinstifte dürfen nur in ganz verzweifelten 
Fällen von Uterusflexionen mit hochgradigen (nervösen) Beschwerden 
verwendet werden, doch darf keine entzündliche Komplikation vor- 
liegen. Man wird dieses harmlos scheinende und doch so gefährliche 
Instrument möglichst beiseite lassen. 



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Tamponade. 143 

G. Tamponade. 

Historisches. Man vorgleiche das im Kapitel „Belastung" aufgefühi-te 
historische Material. Die methodische endokolpische Kompression bei ent- 
zündlichen Erkrankimgen der inneren Grenitalorgane und Eesiduen nach 
solchen rührt von Bozeman her. Aber schon vor ihm (1874) haben 
Capeman und Martin die Wergtamponade bei Uterusprolaps empfohlen. 
Pincus baute die Methode der Kolumnisation (Staffeltamponade) aus und 
stellte ihr Verhältnis zur Belastungstherapie in klares Licht. Die Tampo- 
nade mittels einzelner Wattetampons reicht bis in den Anfang des XIX. Jahr- 
hunderts zurück. Engelmann machte sich um die Verbreitung der Me- 
thode verdient. 

Physiologisches. Es gilt hier zum größten Teile das, was bereits 
gelegentlich der Belastung hervorgehoben wurde. Durch die Tamponade 
der Vagina wird der Uterus gestützt, gehoben, seine Adnexe ruhig- 
gestellt. Schon dadurch kommt es möglicherweise zu subjektiver Besserung 
bei entzündlichen Erkrankungen. Durch den konstanten, wenn auch 
nicht sehr intensiven Druck auf die Wand der Vagina wird Erleichterung 
des venösen Blutabflusses, Schwinden der Ödeme bewirkt. Die Mittel- 
hochlagerung des Beckens wirkt im gleichen Sinne. Daß durch den 
direkten Druck Blutungen gestillt werden, ist bekannt; aber auch auf 
indirektem Wege, durch Druck aufs Zervikalganglion und Anregung 
tonischer Uteruskontraktion kann eine Vaginaltamponade Uterusblutungen 
zum Sistieren bringen. Die Wehenerregung durch Scheidentamponade 
ist auf das gleiche Moment zurückzuführen. Ist der Uterus selbst tam- 
poniert, so wird durch Kontraktionen der Gebärmutter die Tamponsäule 
nach abwärts gedrängt und der innere Muttermund hiedurch erweitert. 
Die Vermittlung medikamentöser Stoffe durch die Tamponade ist bekannt 
und bedarf hier keiner Erörterung. Die Aufsaugung von Sekreten 
(Schnitzes Probetampon), die schützende Wirkung gegen Irritationen, 
die Stütz Wirkung auf intrauterine Pessarien oder Quellstifte durch 
Tamponade der Scheide ist bekannt. Eine selbsttätige Dehnung 
von Adhäsionen ist von der Tamponade nie zu erwarten, ebenso- 
wenig eine Lagekorrektur des dystopischen Uterus. Wohl aber kann 
im Anschluß an eine manuelle Korrektur die Tamponade eine Eetention 
bewirken. 

Technik und Wirkung. Die Einführung medikamentöser Tam- 
pons ist kein Teil der physikalischen Therapie, daher hier nicht zu be- 
sprechen. Die Applikation des Schultzeschen Probetampons behufs 
Aufsaugung aus dem Uterus stammender Sekrete, die Technik der Va- 
ginal- und Uterustamponade zur Blutstillung, die Einlegung eines Stütz- 
tampons auf intrauterin gelegene Quellstifte darf als allgemein bekannt 
vorausgesetzt werden. Hier soll nur die Technik und Wirkungsweise 
der Kolumnisation und der sogenannten Staffeltamponade besprochen 
werden. Bozemann, welcher dieses Verfahren bei älterer Peri- und 



144 Tamponade. 

Parametritis, Schrumpfung der Ligamente und dadurch bedingter Lage- 
veränderung des Uterus, bei Bxsudatresten verwendete, stopfte die 
Vagina der in Knieellbogenlage befindlichen Kranken alle 2 — 3 Tage 
mit kleinen, stark ausgedrückten GHyzerinlampons aus, die er rings um 
die Portio anordnete, um hierauf noch einige Tampons in die Vagina 
zu legen. Pincus verwendete als Ersatz für den Belastungskolpeurynter 
bei erethischen, erotisch und neurasthenisch veranlagten Frauen, welche 
den Kolpeurynter nicht vertragen, die „Staflfeltamponade", die er alle 
4 — 6 Tage bei der in Eückenlage und Mittelhochlagerung des Beckens 
befindlichen Frau ausführt. Mittels kurzen ßöhrenspekulums, dessen 
Einführung bei reizbaren Frauen unter Kokainisierung des Introitus 
geschieht, wird die Portio eingestellt, mit Lysollösung gereinigt und 
sorgfältig mit sterilen HolzwoUebäuschchen ausgetupft. Sodann werden 
die Scheidenwände mit geringen Mengen Jodoform- oder Airolpulver an- 
geblasen. Nun führt Pincus mehrere fingerdicke und höchstens 5 cm 
lange Tampons, welche aus einem Holzwollekern und Jodoformgaze- 
mantel bestehen, ins Scheidengewölbe rings um die Portio. Nach Er- 
hebung der Kranken zu einem Winkel von 45® und Andrücken der 
Tampons werden 3—6 Streifen steriler Gaze von je 5 cm Breite in 
doppelter Lage und 80 cm Länge mittels Gazestopfers in die Scheide 
gebracht. Das Spekulum wird entsprechend der Füllung der Vagina 
zurückgezogen. Hierauf folgt eine Lage von 2 — 3 Streifen 107o 
Jodoformgaze, dann ein Teelöfi'el pulverisierter Borsäure und weitere 
2 — 3 Streifen steriler Gaze, zum Schlüsse eine Lage nichtentfetteter 
Baumwolle. In die Vulva darf die Tamponsäule niemals hineinragen. 
Die Frau bleibt 24 Stunden auf dem Planum inclinatum liegen. 
Treten Schmerzen ein, so appliziert Pincus Prießnitzumschläge oder 
2—272 ^9 Töpferton auf den Bauch. Bei Tubenaffektionen sei Vor- 
sicht geboten. 

Da ich selbst die Tamponade der Scheide prinzipiell 12, selten bis 
24 Stunden liegen ließ, konnte ich bisher stets der verschiedenen Ma- 
terialien, deren sich Pincus bei der Staflfeltamponade bedient, leicht 
entraten. Denn ich machte die Erfahrung, daß trotz aller antiseptischen 
Mittel bei längerem Liegen der Tamponade stark übelriechende Sekrete 
zur Absonderung gelangen, die im Genitalschlauche zurückgehalten 
werden, und daß trotz aller Vorsichtsmaßregeln die Schleimhaut der 
Vagina bei Entfernung des Tamponadematerials in Fetzen abgeht, was 
stets mit heftigem, mehrere Tage dauerndem Brennen verbunden ist. 
Ich halte es daher so, daß nach gründlicher Eeinigung und Desinfektion 
zunächst ein Streifen steriler, hydrophiler Gaze ins hintere Scheiden- 
gewölbe gelegt wird, und zwar nach der von Fritsch angegebenen 
Methode, indem der Streifen von links nach rechts und retour gefaltet 
wird; ist das Laquear in einer Höhe mit dem äußeren Muttermunde 



Tamponade. 145 

plombiert, so werden die Touren in sagittaler Eiehtung über die Portio 
(von der vorderen zur hinteren Scheidenwand und retour) gelegt. Nach 
wenigen derartigen Touren wird der Streifen zur Scheide herausgeleitet. 
Neben und über diesen Streifen werden einige Lagen steriler, anhydro- 
philer Gaze eingeführt und auch dieser Streifen zur Vulva heraus- 
geleitet und durch einen Knopf gekennzeichnet. Die Tamponsäule reicht 
nicht bis zum Scheidenausgang, sondern endet so hoch oben, daß die 
kraniale Fläche des Levator ani ihr Ende zu stützen vermag. Nach 
12 Stunden, höchstens nach 24 Stunden wird die Tamponade entfernt 
und eine Vaginalspülung mit Lösung von übermangansaurem Kali oder 
Lysoform angeschlossen. 

Indikationen und Kontraindikationen. Da die Tamponade 
Wehen erzeugt, ist bei Schwangerschaft die größte Vorsicht am Platze. 
Bei akut katarrhalischen Prozessen ist jede Tamponade, welche vermöge 
ihrer Festigkeit eine Eetention und Fäulnis, respektive Resorption des 
Sekretes befürchten läßt, verboten. Akute und subakute Adnexentzün- 
dungen verbieten gleichfalls jede feste Tamponade. Insbesondere erheischt 
die Salpingitis Vorsicht, da bei Eiteransammlung in der Tube durch 
Wehen, die sich auch auf die Tubenwand erstrecken, leicht Infektion 
des Peritoneums erfolgen kann. Das Gleiche kann durch hohen Druck 
bei der Tamponade verschuldet werden. Die Anzeigen zur Tamponade 
geben zunächst die Blutungen aus der Vagina und aus dem Uterus, 
deren genauere Besprechung dem speziellen Teile vorbehalten sein mag. 
Der Schultzesche Probetampon als Erkennungsmittel einer Endome- 
tritis steht auch heute noch in Gebrauch. Im Anschluß an eine ma- 
nuelle Lagekorrektur des deviierten Uterus sowie an eine manuelle 
Dehnung narbig geschrumpfter Ligamente kann bei empfindlichen In- 
dividuen sowohl an Stelle des Pessars, aber auch anstatt des Belastungs- 
kolpeurynters die Kolumnisation treten. Doch darf man nicht glauben, 
daß die Tamponade von allen Frauen vertragen wird. Bei Anwesenheit 
peritonealer Reizerscheinungen löst sie zuweilen hochgradigere Schmerzen 
aus als eine endokolpische Belastung. Der trockene Wattetampon wird 
benützt als Schutz gegen das Reiben der Portio an der Vagina 
und gegen andere Irritationen, als Stütze für intrauterin gelegene 
Pessarien oder Quellstifte, zur Ruhigstellung und Elevation des Uterus 
und seiner Adnexe, vielfach bei Descensus ovariorum, beim Prolaps der 
Greisinnen und bei Vaginitis obliterans, wo ein Pessar nicht verwendet 
werden kann. Die vielfache Verwendung des Tampons als Träger für 
Medikamente soll hier nicht besprochen werden. Ansonsten gilt das im 
Kapitel „Belastung" Gesagte auch hier; im allgemeinen kann die Kolum- 
nisation als milderer Eingriff aufgefaßt werden als die Belastung. Gleich- 
wohl gelten alle dort namhaft gemachten Gegenanzeigen auch für die 
Kolumnisation. 

Oscar Fr an kl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 10 



146 Literatur. — Unblutige Dilatation. 

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H. Unblntlge Dilatation. 

Historisches. Die m*alte Methode der Erweiterung der Uterushöhle 
mit Preßschwamm wurde durch die 1834 zuerst von Haeberl empfohlene, 
bald in Vergessenheit geratene und erst durch Win ekel wieder entdeckte 
Verwendung der Radix Gentianae, insbesondere aber durch die 1862 von 
Sic an gefundene Wirkung der Laminaria digitata überholt. Wilson in 
Glasgow schickte 1862 einige Muster an Nelaton. Aus derselben Zeit 
rührt Barnes' Water-Dilatator, eine Blase mit zu- und abführendem Rohre, 
her. Der Tupelostift wurde 1877 von Sußdorf angegeben. Die Dilatation 
mit unquellbaren Körpern anlangend, ist auf die bereits mehrfach erwähnten 
Bozeman sehen Dehnzylinder hinzuweisen, welche die Vorläufer der 
Hegar sehen Stifte darstellen. Die mittels spreizbarer Branchen diktierenden 
Instrumente (nach Busch, Scanzoni, Sims u. a.) sind zum Teile älteren 
Datums als die konischen Dilatatoren. 

Physiologisches. Die Dilatation mittels Quellstiften beruht 
darauf, daß durch Imbibition des Stiftes mit den Sekreten des Uterus 
oder eingespritzten Flüssigkeiten die Dicke allmählich zunimmt, 
ohne daß der Uterus diesem kontinuierlichen Drucke zu wider- 
stehen vermöchte. Der den stärksten Widerstand leistende innere 
Muttermund läßt am gequollenen Stifte eine zirkuläre Furche zurück. 



Unblutige Dilatation. 147 

Die Tamponade des Uterus (Plombierung) bewirkt Wehenerregung, die 
im Caviim corporis befindliche Gazesäule wird gegen den inneren 
Muttermund gepreßt und dieser unter Wehen dilatiert. Die brüsiie Er- 
weiterung mittels konischer Diktatoren bedingt eine gewisse Nach- 
giebigkeit des Uterusstronias. Bei Feblen derselben kommt es zu 
Rupturen der Schleimhaut, eventuell der Zervixwand. Das gleiche gilt 
in noch höherem Maße fQr die Dilatation mit Instrumenten nach dem 
Prinzip des Handscbuhdehners. 

Technik und Indikationen. Die Dehnung der angeboren 
engen oder narbig verengten Vagina wird auch heute noch luweilen 
mit Bozemanschen Dehnzylindern (Fig. 51), häufiger mittels selbst- 
haltender, erweiterbarer Spekula nach Nott, Ouseo 
u, a. vorgenommen. Auch werden mit Flüssigkeiten 
oder mit Quecksilber gefüllte Kolpeurynter (Barnes- 
sche Blase) mit Erfolg verwendet. Die unblutige 
Dilatation des Zervikalkanales , beziehungsweise des 
inneren Muttermundes erfolgt 1. zu diagnostischen 
und 2. zu therapeutischen Zwecken. Die letzteren 
intendieren entweder die Erweiterung des inneren 
Muttermundes, um den Sekreten oder bei Dysmenorrhoe Fig. 51. 

dem Blute freieren Abzug zu gewähren, oder aber Dehn^jUndemaeli 
um intrauterine Eingriffe verschiedener Art zu er- 
möglichen. Ist der Uterus nachgiebig, insbesondere bei Mehrgebärenden, 
bei welchen der letzte Partus vor nicht langer Zeit erfolgt ist, so kann 
man die brQske Dehnung mit Hegars konischen Zapfen (Fig. 52) 
aus Hartgummi (o) oder Glas (6) vornehmen. Man beginnt unter 



Fig. 52. Hegara Uterusdilatatoren, ii) aus Hartgummi, b) aus Obs. 

Wahrung peinlichster Asepsis mit derjenigen Nummer, welche eben 
noch mühelos ins Oavura uteri eindringt. Derjenige Zapfen, dessen 
Bindringen bereits schwierig war, bleibt einige Minuten liegen, jeder 
folgende, nächst dickere, ebenso. Es genügt meist, wenn ein 16 — 18 mm 



148 



Unblutige Dilatation. 



dicker Stift passieren kann. Seltener verwendet man die Instrumente, 
welche nach dem Prinzip des Handschuhdehners gebaut sind und deren 
Paradigma der alte Metranoikter nach Sehatz ist. Von diesen Instru- 
menten wäre noch am ehesten empfehlenswert der dreiteilige Apparat nach 
Scanzoni (Fig. 53), doch ist auch dessen Gebrauch nicht ungefährlich. 




Fig. 53. Dreiteiliger üterusdilatator nach Scanzoni. 

Schleimhautverletzungen sind da an der Tagesordnung, aber auch tiefe 
Bisse wurden vielfach beobachtet. 

Handelt es sich um eine Nullipara oder um eine Frau, deren 
letzte Entbindung weit zurückliegt, so bedient man sich am besten der 
Quellstifte, allen voran der Laminaria. Die Sterilisation derselben geschieht 
in Subliraatalkohol. Man bewahrt die Stifte in ätherischer Jodtinktur 
auf. Vertraut man der Asepsis dennoch nicht, so kann man im Sinne 
des von Oerio und mir angegebenen Verfahrens, dessen Priorität aber, 
wie ich jetzt weiß, bereits Kocks und in letzter Linie schon Emmet 
(1879) gebührt, den zentral durchbohrten Laminariastift, den ein Metall- 
röhrchen durchzieht, mit einem Kondorafingerling umhüllen, welcher 
in der durch Fig. 54 angedeuteten Weise mittels zweier Ligaturen 
geschlossen wird. Die eine Ligatur verhindert das Abgleiten des 




Fig. 54. Laminariastift, armiert nach Oerio und Frankl. L. Laminaria. B. Zentrales 

Röhrchen. C. Condomfingerling. 



Säckchens vom Stift, die zweite verhindert das Abfließen des zum 
Aufquellen des Stiftes notwendigen Wassers, welches in das Säckchen 
gefüllt wird. Das Condom wird natürlich ausgekocht. Führt man den 
Quellstift ohne Säckchen ein, so ziehe man stets solche Exemplare vor, 
die ihrer ganzen Länge nach zentral durchbohrt und von einem Faden 
durchzogen sind, weil beim Extrahieren des gequollenen Stiftes der am 
Ende angebundene Faden leicht abreißt. 



Literatur. 149 

Für viele Fälle ist die von Fraenkel (1881) empfohlene Kom- 
bination der Quellstiftbehandlung mit nachfolgender Hegar- Dilatation 
empfehlenswert. Der Metreurynter (Barnes), eine Kautschukblase von 
Geigenform, wird vorzugsweise dann verwendet, wenn es sich nicht 
bloß um Dilatation, sondern insbesondere um Wehenerregung handelt. Die 
von Vulliet empfohlene Ausstopfung des Uterus mit Jodoformgaze 
wird sowohl bei Endometritis geübt, um auf das Endometrium mechanisch 
und medikamentös einzuwirken, als insbesondere bei Blutungen zur 
Tamponade (Landau). 

Akute und subakute Entzündungen des Uterus und seiner An- 
hänge, insbesondere Eitersammlung in den Adnexen verbieten die 
Uterusdilatation. Tritt Fieber (über 38®) auf, so sind intrauterin 
liegende Quellstifte und Tamponadegaze zu entfernen. Zirkuläre Narben 
am Muttermunde, Neubildungen daselbst machen die unblutige Dila- 
tation unmöglich. Man wählt dann blutige Methoden. 



Literatur. 

Ahlfeld, Eine neue Behandlungsmethode der durch Zervikalstenose bedingten 
Menstruationserseheinungen etc. Areh. f. Gyn. Bd. XVIII, p. 341. 

— Über die Beh. des Katan*hs u. der Zervixstenose nach Sehultzeseher Methode. 
Deutsehe med. Woehensehr. 1880, Nr. 14, 15. 

Braun 0., Über die Anwendung der Laminaria digitata u. einer neuen Uterus- 
sonde etc. Wien. med. Woehensehr. 1863. 

Chrobak und Rosthor n. Die Erki-ankungen der weibl. Geschlechtsorgane. 1900. 

Oohn, Über intrauterine Behandlung von Spiegelberg. Volkm. Samml. klin. Vortr. 
Bd. I, p. 218. 

Ellinge r, Die extemporierte Erweiterung des Muttermundes. Arch. f. Gyn. Bd. V, 
p. 268. 

Fehling, Über die Beh. der Zervixstenose. Ebenda Bd. XVIII, p. 346. 

Frankl und Ce'rio, Zur Verwendung der Laminaria. Wien. med. Woehensehr. 1901. 

Fraenkel, Kombinierte Quellstift- und Hegarsche Bougiedilatation. Bresl. ärztl. 
Zeitsehr. 1881, p. 75. 

— Über Zervixdilatation. Ebenda Nr. 7 u. 8. 

— Ein neues Verfahren, um Preßsehwämme aseptisch zu machen. Areh. f. Gyn. 
1882, Nr. 32. 

— Allg. Therapie der Krankheiten der weibl. Geschlechtsorgane 1899. 
Fritseh, Die mechanische Uterusdilatation. Zentr. f. Gyn. 1879, Nr. 25. 
Hildebrandt, Über fibröse Polypen des Uterus. Volkm. Samml. klin. Voi-tr. Nr. 47, 

p. 26. 
Jungbluth, Zur Beh. der Placenta praevia. Ebenda Nr. 235. 
Kocks, Zur asept. Dilatation des Uterus mittels Quellkegeln in Gummischläuchen. 

Zentr. f. Gyn. 1881, p. 235. 
Landau, Demonstr. v. Tupelostiften. Ebenda 1878, p. 508. 

— Über Erweiterungsmittel der Gebärmutter. Volkm. Samml. klin. Vortr. Nr. 187. 
Lumpe, Beitr. z. Lehre von der durch Inflexion des Uterus bedingten Sterilität. 

Österr. Zeitschi-, f. prakt. Heilkunde 1864. 
Olshausen, Die blutige Erweiterung des Gebärmutterhalses. Volkm. Samml. klin. 

Vorles. Nr. 67. 
Sänger, Über Erweiterung u. Austastung des Uterus als Vorakt der Behandlune:. 

Zentr. f. Gyn. 1898, Nr. 7. 
Scanzoni, Lehrb. der Krankh. der weibl. Sexualorgane. Wien 1875. 
Seh atz. Ein neues Instrument zur ersriebigen Eröffnung: des Uterus. Metranoikter. 

Arch. f. Gyn. Bd. XVIII, p. 445. 



150 Bandagierung. — Literatur. 

Schröder, Sind die Quellmittel in der gynäk. Praxis nötig? Zentr. f. Gyn. 1879, 

Nr. 26. 
Schul tze, Eine neue Methode der Reposition hartnäckiger Retroflex. des Uterus. 

Zentr. f. Gyn. 1879, Nr. 3. 
— Zur Kenntnis von den Methoden der Dilatation des Uterus. Ebenda 1880, p. 350. 
Sims, Gebärmutterchirurgie. 1866. 
Spiegelberg, Die Diagnose des ersten Stadiums des Gare, colli uteri. Arch. f. Gyn. 

Bd. III, p. 233. 
Win ekel, Ein neues, sehr einfaches und billiges Mittel zur Dilatation f. die gyn. 

u. chir. Praxis. Deutsche Klinik 1867, Bd. XXIX, p. 270. 



J. Bandagierung, 

Die Bandagierung des Bauches mit Leibbinden, welche nach 
Koeliotomien, Geburten, bei Hängebauch, Enteroptose, Darmatonie, 
zur Prophylaxis gegen Anteversion verwendet wird, soll hier nicht 
besprochen werden. Sie ist allzu innig mit der allgemeinen und operativen 
Gyniatrie verknüpft, als daß sie in die Eeihe der physikalischen 
Methoden einbezogen werden müßte. Hier soll bloß daran erinnert 
werden, daß die Einwickelung des Bauches mit elastischen oder 
Flanell binden zuweilen in der gleichen Absicht geübt wird, welche der 
abdomiaellen Belastung zu gründe liegt. Ihre physiologische Wirkung 
ist dann auch ganz ähnlich, bei energischem Anziehen der Binde 
sogar weit intensiver als jene der Applikation eines Schrotbeutels 
auf die Bauchdecken. Die straffe Bandagierung des Bauches erhöht 
den intraabdominellen Druck, befördert den venösen Eückfluß, stellt die 
Eingeweide ruhig. Bei intensiver Einschnürung ändert sich der Atem- 
typus, Bauchdecken und Baucheingeweide stehen still, der Thorax macht 
größere Exkursionen. Die Indikationen ähneln jenen der abdominalen 
Belastung. Da die Binden jedoch von vielen Personen nur kurze Zeit 
vertragen werden, ist ihr Gebrauch sehr beschränkt. 

Literatur. 

Braun G., Über eine verbesserte Form des Beekengürtels u. dessen Verwendung 

i. d. Gynäkologie. Zeitsehr. f. prakt. Heilk. 1868. 
Ohrobak, Untersuchung der weibl. Genitalien. In Billroths Handb. 1885. 
Chrobak und Rostliorn, Die Erkrankungen der weibl. Geschlechtsorgane. Wien 

1900. 
Hegar und Kaltenbach, Die operative Gynäkologie m. Einschluß der gynäkol. 

Untersuehungslehre. Stuttgart 1881. 
Klein, Über Leibbinden. Wiener klln. Rundschau 1903. 
Piering. Ein einfacher Hysterophor u. eine Bandage gegen Hängebaueh u. Prolaps. 

Zentralbl. f. Gyn. 1903, Nr. 7. 
Pincus, Belastungslagerung. Wiesbaden 1905. 

Seanzoni, Lehrb. der Krankheiten der weibl. Sexualorgane. Wien 1875. 
Veit, Handb. der spez. Pathologie u. Therapie v. Virchow. Erlangen 1867. 
Wernitz, Zur Behandlung von Beckenexsudaten. Zentralbl. f. Gyn. 1889, p. 777, 



III. Elektrotherapie. 



Es ist stiller geworden* von dem einst so überlauten, enthusiastischen 
Lobe auf die Gynäko-Elektrotherapie; wenn gerade in letzter Zeit auf 
Kongressen einzelne Eedner — insbesondere russische — das stark 
verblaßte Ansehen dieses Heilzweiges wieder zu heben trachteten, so 
war dies ein ziemlich fruchtloses Beginnen; ihre Darlegungen 
weckten teils Widerspruch, teils blieben sie unbeachtet. Und seinerzeit, 
in den Achtziger- und Neunzigerjahren, welch ein Schwall von nach 
vielen Hunderten zählenden Arbeiten, deren größter Teil der Be- 
geisterung über die neue therapeutische Errungenschaft Ausdruck gab l 
Die Dauerbeobachtung hat indes den wahren Wert der Gynäko-Elektro- 
therapie dargetan, und heute müssen wir eingestehen, daß die Wirk- 
samkeit der Elektrizität seinerzeit ungeheuer überschätzt wurde; tat- 
sächlich ist auch ihr Indikationsbereich ein wesentlich engerer 
geworden. Doch wäre es sehr verfehlt, die Elektrotherapie darum 
gänzlich zu vernachlässigen. Liegt doch nicht in der großen Zahl der 
Indikationen der Wert einer Heilmethode begründet! 

Historisches. Die Elektrizität wurde für gyniatrische Zwecke — 
wenn auch nicht systematisch — auffallend fi-ühzeitig verwendet. Wir 
wissen, das Albert (1764) die Eeibungselektrizität gegen Amenorrhoe, 
Hypoplasie und Dysmenorrhoe verwertete, zu einer Zeit, da die großen 
(xalvani-Voltaschen Entdeckungen noch nicht gemacht waren! Erst 
diese großen Erfolge vermochten der therapeutischen Verwendung der 
Elektrizität ein breiteres Feld zu erringen. Und als dann die Faradaysche 
Lehre von den induzierten Strömen auftauchte, als Du Bois-Keymond 
sein Schlitteninduktorium publizierte, da machte die Elektrotherapie infolge 
Beteiligung einer ül>erreichen Zahl von Forschern ganz unglaubliche Fort- 
schritte. Auch auf gyniatrische m Grebiete begann eine rege Tätigkeit. 
Nachdem Duchenne, Schreiber, Benjamin Frank bereits Alberts 
Pfade verfolgt hatten, begann schon um 1850 die elektrische Behandlung 
der Uterusmyome (Smith, Legros, Onimus), und Ciniselli machte 
alsbald die ersten Versuche, sich über . die elektrochemischen Vorgänge 
Klarheit zu verschaffen. Cutter berichtete auf dem Kongreß zu Chicago 
(1871) über die erste Galvanopunktur eines Uterusmyoms, ihm folgte 
Kimball — Semeleder. Und nun begann eine rege Beteiligung der englischen, 



152 Elektrotherapie. 

französischen, italienischen, weniger der deutschen Forscher (Zweifel, 
Bayer), an der Bestimmung des gynäko-elektrotherapeutischen Indikations- 
gebietes. Die wissenschaftliche Grundlage wurde indes erst von Apostoli 
in Paris (1847 — 1900) gefunden, welcher seine erste Abhandlung 
1881 (Anwendung der Elektrizität im Wochenbett) veröffentlichte und 
1883 der Pariser Akademie einen Bericht über 26 elektrisch behandelte 
Myome überreichte. Zweifellos gebührt Apostoli das Verdienst, die Grynäko- 
Elektrotherapie aus dem Bereiche der Empirie zu wissenschaftlicher Er- 
kenntnis erhoben zu haben. Es folgte eine Unmenge von Publikationen, 
anfangs fast durchwegs zustimmenden, in den letzten 15 — 10 Jahren 
meist kühl kritisierenden Inhaltes. 

Galvanischer und faradischer Strom. Physiologisches, 
a) Galvanischer Strom. BekanntUch wächst die Stromintensität mit der 
elektromotorischen Kraft und sinkt mit den eingeschalteten Wider- 
ständen. In bezug auf die Eeizgröße können wir folgende Skala auf- 
stellen. Am stärksten wirkt Kathodenschließung, nächst schwächer 
Anodenschließung, dann folgt Anodenöffnung und endlich Kathoden- 
öffnung als schwächster Eeiz. Es ist gut, sich daran zu erinnern, da 
wir mit allen Reizen ein- und ausschleichen müssen; daher ist die 
Kathodenschließung bei einiger Stromintensität verpönt. Zu bemerken 
ist noch, daß die Stromdichte mit der Verkleinerung der Elektrode 
wächst. Daraus erklärt sich die Schmerzlosigkeit bei Verwendung 
einer relativ großen Bauchplatte als inaktiver Elektrode. Wir haben 
polare, interpolare und extrapolare Wirkungen des galvanischen Stromes 
2u unterscheiden. Die polare Wirkung besteht beim galvanischen und 
undulatorischen Strom zunächst in chemischer Zersetzung der Gewebs- 
flüssigkeit und der organischen Gewebssubstanz in Anionen und 
Kathionen, deren Grad von der Intensität und Dauer des Stromes, 
deren Art von der Wahl des Poles abhängt (Ohrobak und Eost- 
horn). Daneben kommen thermische (Klein), bakterizide und physio- 
logische Wirkungen zur Entfaltung. Als interpolare Wirkung werden 
von Shaw, Massey, Bröse u. a. thermische, katalytische und 
kataphoretische Vorgänge bezeichnet; dabei kommt angeblich ein 
Austausch und ein Durchpassieren von Elementen von einem Pol zum 
anderen (Parsons) und ein Zerfall von Elementen zu stände. Als 
extrapolare Wirkung bezeichnet man die Effekte, welche durch den 
vom Hauptstrom abzweigenden Nebenstrom hervorgerufen werden. 

Die Wirkungen des positiven Poles (Anode) sind nach Apostoli 
die folgenden: Durch Abscheidung von Sauerstoff, Chlor, Kohlen- 
säure und Schwefelsäure kommt es zu Gerinnung des Eiweiß, zu 
Nekrose und Schorfbildung, und zwar ist die letztere stärker als an 
der Kathode (Prochownik und Späth). Der Schorf ist rot bis 
schwarzbraun, festhaftend, zuweilen tiefgreifend und hinterläßt eine 
feste, sich retrahierende Narbe. Aus all dem folgt die wichtige hämo- 



Elektrotherapie. 153 

statische Wirkung des positiven Poles. Daneben werden betont die 
anästhesierende (Engelmann), thermische (Klein), kontraktions- 
erregende, gefäßverengende und antimykotisehe Wirkung. 

Der negative Pol, die Kathode, wirkt im Gegensatz hiezu hyper- 
ämisierend, macht sogar konsekutive Blutungen, wirkt schmerzlindernd 
(Bröse) und resorbierend (Schäffer). An der Schleimhaut bildet sich 
unter Ausscheidung von WasserstofiFbläschen nebst Alkalien ein weiß- 
grauer weicher, sulziger, nicht festhaftender und nicht tiefgreifender 
Schorf, der eine weiche, nicht retraktile Narbe hinterläßt. Auch dieser 
Pol wirkt schmerzlindernd (Bröse) und thermisch (Klein). 

6) Faradischer Strom. Die physiologische Wirkung desselben ist 
zunächst abhängig von der Stromintensität. Diese wächst mit der Zahl 
der in der Sekunde vorkommenden Unterbrechungen, jedoch nur bis 
zu einer gewissen Grenze. Denn beim Arsonvalschen Strom, dessen 
Schwingungen nach vielen Tausenden in der Sekunde zählen, stellt sich 
kein Beiz auf motorische und sensible Nerven ein — wir sind gegen 
eine so hohe Zahl von Stromunterbrechungen unempfindlich. Wir 
unterscheiden die Wirkung des von der primären Bolle (kurzer, dicker 
Draht mit wenigen Windungen) und des von der sekundären Bolle 
(langer, dünner Draht mit unzähligen Windungen) abgeleiteten Stromes. 
Der primäre, auch Quantitätsstrom genannt, bewirkt eine Kontraktion 
der glatten und quergestreiften Muskelelemente. Der sekundäre, auch 
Spannungsstrom genannt, wirkt mehr auf die nervösen Organe und 
hat eine schmerzstillende Wirkung. 

Technik der Galvanisation (Apostolisches Verfahren). Das 
unerläßhche Instrumentarium besteht zunächst in einer Batterie, welche 
genügend stark ist, um trotz des hohen äußeren Widerstandes, welchen 
der eingeschaltete menschliche Körper darbietet, eine Stromstärke von 
300 Milliampere (= Ma) zu ergeben. Verfügt man über Straßenstrom, so 
ist dessen Zufuhr durch ein Schaltbrett (eventuell mit Transformator) 
zweckmäßig. Verwendet man eine Batterie, so soll dieselbe mit einem 
Doppelkollektor ausgestattet sein, welcher ermöglicht, eine beliebige 
Zahl von Elementen einzuschalten, sowie mit einem Kommutator, der 
die sofortige Stromwendung durch ümlegung einer Wippe gestattet, 
ohne daß Klemmen gelöst werden müssen, und schließlich mit einem 
Stromwechsler, welcher durch Kurbeldrehung oder Stöpselung den 
Austausch des galvanischen mit dem faradischen Strom ermöglicht. 
(Apparate von Gaiffe, Hirschmann, Beiniger, Gebbert und 
Schall etc.) Die Stromquelle ist mit einer Beihe von Apparaten in 
Verbindung zu bringen, wie das Fig. 55 andeutet. Die Leitungs- 
schnur (2) führt zum Galvanometer (4), dieses ist mit einem Graphit- 
rheostaten (5) und mit der inaktiven Bauch elektrode (6) in Verbindung. 
Die andere Leitungsschnur (3) führt zur aktiven Elektrode (7). 



Elektrotherapie. 



155 



und durch Watte oder Polsterung von der Haut geschieden sein, um 
Ätzung durch Ionen hintanzuhalten. 

Als Galvanometer kann man Vertikal- oder Horizontalgalvanometer 
gebrauchen; wenn auch die Eichung der Apparate von Gaiffe, Edel- 
mann, Waite etc. nicht ganz genau gleiche Werte ergibt, so ist dies 
für uns belanglos: Denn nicht die absolute Stromstärke, sondern das 
Maß der Stromsteigerung während einer Sitzung ist für uns von Inter- 
esse. Ebenso ist es gleichgültig, ob man Flüssigkeitsrheostaten (Schauta), 
Metall- oder Graphitrheostaten verwendet. 

Die positive Elektrode muß von Platin, Gold, Iridium oder Alu- 
minium sein. Bei der negativen ist das Material gleichgültig. Man ge- 
braucht zunächst kugelförmige Yaginalektroden, wobei der Stab aus 
einem isolierenden Materiale hergestellt ist (Fig. 56) ; dazu paßt ein ge- 




Pig. 56. Kngelelektrode für die Vagina. 



eigneter Universalgriff (Pig. 57). Die Kugel wird ins Scheidengewölbe 
oder an die Portio gelegt, Als intrauterine Elektroden dienen sonden- 




Fig. 57. Blekü-odengriff. 



förmige Instrumente (Fig. 58), deren intravaginal liegender Teil durch eine 
Hartgummiröhre (oder mittels Drainrohres, Guttaperchahülle) isoliert 




Fig. 58. unipolare üteriissonde mit Isolationsröhre. 



wird. Gegen Blutungen verwertet man meist Apostolis Kohlenelektrode, 
welche aus einem isolierenden Stabe besteht, der mehrere Kerben trägt, 
um die Tiefe der eben geätzten Stelle kenntlich zu machen, und an 



156 Elektrotherapie. 

seinem Bade eine abschraubbare Olive zeigt (Pig. 59). Jeder Kohlen- 
sonde ist ein Satz von verschieden dicken Xohlenoliven beigegeben. 
Der intrauterinen Galvanolyse soll, wie Fraenkels beherzigenswerter 
Bat lautet, jedesmal eine Untersuchung der Adnexa uteri vorangehen, um 
etwaige entzündliche Vorgänge an denselben ausschließen zu können. 
Ist dies geschehen, so kann man nach Einstellung der Portio im 
Spekulum und gründlicher Desinfektion die vordere Muttermundslippe 
mit einem Häkeben herabziehen und die aosgekoehte Elektrode ins 
Gavum uteri einsehieben. Man beginne stets mit Strömen von IMa. 
und steigere dieselben unter ständiger Beobachtung des Gesiebtes der 
Kranken. In den ersten Sitzungen begnüge man sieb mit 30 — 50 3fa., 
in späteren Sitzungen kann man bis 150Jlfa. und darüber anwenden. 
Apostoli verwendete bis zu SOOJIfa. starke Ströme. Nicht der Gal- 



aftBfl 



Fig. 59. KohlenoÜven-Elektrode für Uteriisgiilvftnigätion. Hlezu ein Satz 
abschraubbarer EohieDoliven. 



vanometerausschlag, sondern das subjektive Empfinden der Patientin 
ist maßgebend. Nie dürfen hochgradige Schmerzen ausgelöst werden. 
Ist das Einführen der Sonde nur unter Gewaltanwendung durchführbar, 
dann nehme man lieber von dem Verfahren gänzlich Abstand. Man schleiche 
mit dem Strom langsam ein und schließe die Sitzung auch nicht mit 
brüsker Stromunterbrechung, sondern unter allmählichem Ausschleichen 
ab. Während der ganzen Sitzung ist sowohl die Bauehelektrode als 
auch die Uteruselektrode ruhig zu halten. Wünscht man jedoch die 
Utemselektrode an eine andere Stelle des Endometrium vorzuschieben, 
so ist der Strom allmählich abzuschwächen, dann die Sonde zu vei^ 
schieben und hierauf der Strom langsam wieder zu verstarken. Apostoli 
rät, bei Vorbandensein von Blutungen der negativen Elektrolyse die 
positive nachzuschicken . Bei dieser Strom Wendung ist in gleicherweise 
mit dem Strom aus- und einzuschleichen. 

Die Galvanolyse wird immer mit der unipolaren Elektrode aus- 
geführt. Ihre Dauer schwankt zwischen 3 und 7 Minuten, die Zahl 



Elektrotherapie. 157 

der wöchentlichen Sitzungen betr&gt höchstens 2; die Gesamtzahl der 
Sitzungen ist meist eine große, bis über 50. Die blutstillende Wirkung 
stellt sich in manchen Fällen erst spät ein, und wenn selbst nach den 
ersten Sitzungen Verstärkung der Hämorrhagien eintritt, so hat dies 
nicht viel zu bedeuten. Wird indes die Intensität der Blutuiigen hoch- 
gradig verstärkt, dauern dieselben lange an, so war der Fall für die 
Galvanolyse nicht geeignet; handelte es sich um ein Myom, so war 
dessen Sitz gewiB snbmuk&s. 

Während der Menses ist die elekrolytische Eur zu unterbrechen. 
Nur bei Menorrhagien von bedrohlicher Stärke kann man mit der 
positiven Eobienektrode unter Anwendung intensiver Ströme galvani- 
sieren. Die Eobabitation ist während der Eur unbedingt zu vermeiden. 
Nach Abschluß jeder Sitzuag ist ein kühler Frießnitzumsehlag zu 
applizieren, mit welchem die Patientin eine halbe Stunde liegen bleibt. 
Am selben l'age soll die Frau daheim in horizontaler Buhelage 
verharren. 

Die frtlher ?ielfa<% empfohlene Galvaiu^unktur ist heut« ob ihrer 
Greföhriichkeit und Unwirksamkeit gäuzlich verlassen. 

Technik der Paradisation. Der Du Bois-Beymondsche 
Schlittenapparat, dessen schematische Darstellung Fig. 60 zeigt, besteht 



Fig. 60. Sehematisehe Darstellung des Indnhtioiiaapparates. Nach Erben. 



aus einem Element (D), einem Unterbreehungsapparat [bestehend aus 
einer MetaJIsäule (S), einer federnd eingerichteten Platt« (F, e) mit 
Kontaktsehraube (h) und Elektromagnet (H, d. f)^ der primären 
Spirale mit kurzem, dickem Draht (xx), die einen weichen Disenkern (i) 
birgt. Die Pfeile bezeichnen die Stromrichtung vom Element zur primären 
Bolle und zurück. Die sekundäre Rolle, bestehend aus einem langen, 
dünnen Draht von sehr großer Windungszahl (E, K) ist auf einem 
Schlitten (p,p) Ober die primäre Rolle zu schieben. Bei der in der 
Pig. 60 angedeuteten Anordnung ist der Strom geschlossen. Dadurch, 



158 Elektrotherapie. 

daß der Elektromagnet magnetisch geworden ist, wird der Wagnersehe 
Hammer (e) angezogen und der Strom miterbrochen. Hiedurch verliert 
der Elektromagnet wieder seine magnetische Eigenschaft, der Hammer 
federt empor, der Strom wird geschlossen und das Spiel wiederholt 
sich fortwährend. 

Wir können, wie aus der Fig. 60 ersichtlich ist, sowohl den 
primären als auch den sekundären Strom ableiten und therapeutisch 
benützen. Der sekundäre Strom wird um so schwächer, je weiter die 
sekundäre Rolle von der primären entfernt wird. Als Elektroden ver- 
wendet man entweder die gleichen wie zur Galvanisation, oder es 
kommen bipolare Elektroden zur Anwendung, bei denen die Bauch- 
platte entfällt. Es sind dies Vaginalelektroden (Fig. 61), bei denen das 




Fig. 61. Bipolare Vaginal elektrode. 

Ende und'ein von demselben isolierter Ring metallisch sind und die 
voneinander isolierten Polenden darstellen. Die nämliche Konstruktion 
haben die bipolaren Uteruselektroden (Fig. 62), sondenförmige Instru- 




Fig. 62. Bipolare Uteruselekti-ode. 

mente von gleicher Beschaffenheit, nur entsprechend schlanker gebaut. 

Die Stromintensität des faradischen Stromes wird in der Regel 
nicht gemessen, sondern bei allmählicher Verstärkung des anfangs 
sehr schwachen Stromes die subjektive Reaktion beachtet. Die Sitzungen 
dauern 10 — 20 Minuten. 

Die Erfolge der Myombehandlung mittels Galvanolyse 
stellen sich heute als rein palliative Effekte dar, welche sich besten- 
falls auf temporäre Blutstillung und Besserung der nervösen Er- 
scheinungen, der begleitenden Schmerzen beziehen. Eine Verkleinerung 
der Myome wird heute kaum mehr ernstlich verfochten. Nur interstitiell 
sitzende Knoten dürfen der Apostolischen Methode unterworfen werden; 
denn subserös sitzende reagieren gar nicht auf die Behandlung, bei 
submukösen ist Kapselgangrän und Verjauchung zu befürchten. 



Elektrotherapie. 159 

Die Indikationen der galvanischen und faradischen Be- 
handlung sind folgende: Blutungen und Schmerzen bei interstitiell 
sitzenden, nicht komplizierten, kleinen bis mittelgroßen Myomen bei 
Frauen, welche dem klimakterischen Alter nahe sind (Fraenkel). 
Man verwendet die Anode des galvanischen Stromes intrauterin, die 
inaktive Elektrode als Bauchplatte. Eine Verkleinerung oder gar ein 
Schwinden der Tumoren ist nicht zu erwarten. Bei Sabin volution ver- 
wendet man zur Anregung der kontraktilen Elemente des Uterus den 
faradischen Quantitätsstrom, und zwar entweder mittels bipolarer Sonde 
intrauterin oder häufiger vagino-abdominal. Bei Vorhandensein von 
Blutungen wird gelegentlich auch der positive galvanische Strom utero- 
abdominal verwendet. Gegen Dysmenorrhoe und Stenose des Orificium 
internum mit Menstrualbeschwerden bewährt sich die Anwendung der 
negativen utero-abdominalen Galvanisation, 20— 40 Jfa. (Smith, Schauta). 
Bei hysterischen Frauen verwendet Ginsburg utero-abdominelle Faradi- 
sation. Amenorrhoe infolge mangelhafter Entwicklung der Ovarien wird 
mit dem utero-abdominal oder bipolar intrauterin applizierten Quantitäts- 
strom behandelt. Einzelne Autoren enipfehlen negative intrauterine 
Galvanisation, 30 — 50 Ma. Bei der Dysmenorrhoea membranacea soll 
sich positive intrauterine Galvanisation mit starken Strömen bewähren. 
Über die Wirkung der Elektrizität bei Inversio uteri chronica liegt 
bisher nur eine Beobachtung von Jaworski vor. Er verwendete mit 
Erfolg die mit einer Wasser enthaltenden tierischen Blase überzogene 
Alexandroffsche Kohlenelektrode. Gegen Dyspareunie wird vagino- 
abdominale Faradisation empfohlen. Bei Ovarialneuralgien bewähren 
sich positive vagino-abdominal e Galvanisation mit der Kohlenelektrode; 
noch besser wirkt vagino-abdominale Faradisation mit dem Spannungs- 
strom. Gegen Vaginismus wird sowohl der galvanische Strom — Anode als 
Platte gegen die Vulva zu setzen, Kathode aufs Kreuz, sehr schwache 
Ströme, fünf Minuten Dauer (Lome r, Oholmogoroff) — als auch bipolare 
Faradisation mit dem Spannungsstrom empfohlen. Gegen Pruritus vulvae 
wird der galvanische Strom verwendet; die Anode als nichtmetallische 
Elektrode in der Vulva, die Kathode wird über die juckenden Stellen 
bewegt, zehn Minuten (Blackwood, Campe u. a.). Bei Enuresis und 
Detrusorparese wird recto-perineale Faradisation mit dem Quantitäts- 
strom empfohlen. Auch wird derselbe in der Weise appliziert, daß eine 
Plattenelektrode an die Symphyse, der Knopf ans Perineum, respektive 
intravaginal in die Gegend des Blasenhalses gesetzt wird. Ich hatte bei 
der Behandlung der Enuresis mit dieser Methode keinen Erfolg 
(zwei Fälle), bei Sphinkterparese (ein Fall) Erfolg. Ein Fall von 
Detrusorparese trotzte sowohl der faradischen als auch der galvanischen 
und Arsonvalschen Behandlung. Bei beginnendem Descensus uteri emp- 
fiehlt sich Faradisation mit dem Quantitätsstrom, wobei die aktive 



160 Elektrotherapie. 

Elektrode am Perineum oder in der Eegion der Fossa ischiorectalis zu 
liegen hat. 

Die früher empfohlene elektrische Behandlung entzündlicher Er- 
krankungen des Endometrium und Myometrium, der Adnexe, des para- 
und perimetrischen Lagers, extrauteriner Schwangerschaft und Hämato- 
kele sind heute voUkommen aufgegeben; die Elektrotherapie gut- und 
bösartiger Tumoren, Zysten, gonorrhoischer Prozesse und üterusdys- 
topien ist heute bereits in Vergessenheit geraten. 

Als Kontraindikationen gegen jede vaginale und intrauterine 
Elektrotherapie sind akut und subakut entzündliche Prozesse in der 
Umgebung des Uterus, Menstruation und Schwangerschaft zu bezeichnen. 
Dazu kommt Degeneration des Herzens, akute Nephritis, Malignität des 
in utero sitzenden, eben zu behandelnden Tumors, zystische Entartung, 
Nekrose desselben, sowie ein anderer als interstitieller Sitz. 



Der Gebrauch anderer Stromesarten, deren physikalische Eigen- 
schaften und Wirkungsweise zumeist erst in der letzten Zeit studiert 
wurden, gegen Erkrankungen des weiblichen Geschlechtsapparates kann 
hier kurz besprochen werden, einmal weil bisher nur wenige Erfahrungen 
auf diesem Gebiete vorliegen, dann aber auch deshalb, weil die kom- 
plizierten und überaus kostspieligen Apparate die Verwertung dieser 
Methoden seitens des praktischen Arztes unmöglich machen; sie bleibt 
vorerst einigen Fachärzten und Instituten vorbehalten. 

Was zunächst den Arsonvalschen Strom anlangt, so muß dessen 
Verwertung für die Gyniatrie als ziemlich bedeutungslos erklärt werden. 
Es ist dies ein Strom von ungemein hoher Spannung mit nach Hundert- 
tausenden zählenden Unterbrechungen in der Sekunde, für den unsere 
sensiblen und motorischen Nerven fast unempfindlich sind. Bei Hysterie 
und Hyperästhesie, insbesondere bei Juckreiz und dem uns inter- 
essierenden Pruritus vulvae sowohl diabetischen als auch essentiellen 
Charakters wird seine Wirksamkeit gerühmt (Eulenburg). Ich konnte 
mich von der absoluten Unwirksamkeit dieses Stromes in einem Falle 
von Detrusorlähmung überzeugen. 

Der Sinusoidalstrom, ein von der Dynamomaschine gelieferter 
Wechselstrom, dessen hohe Spannung mittels eines Eheostaten oder 
eines Transformators abgeschwächt ist, erzeugt eine ähnliche Emp- 
findung wie der Induktionsstrom. Er wirkt sowohl kontraktionserregend 
als auch schmerzstillend. Strokin empfiehlt seine Anwendung bei 
Dysmenorrhoe, Ovarialgien, gegen Schmerzen bei exsudativen Prozessen 
und Lageveränderungen. Die Universalheilkraft des dreiphasigen Stromes, 



Literatur. 161 

von welcher Sletow und Iwanow berichten, harrt vorläufig der Be- 
stätigung von anderer Seite. 

Der undulatorische Strom, welcher chemische Wirkungen 
entfaltet wie der galvanische Strom, ist ein sinusoidaler Strom, bei 
welchem durch eine Vorrichtung von Arsonval der Wechsel in der 
Stromrichtung aufgehoben und gleiche Richtung hervorgebracht wird. 
Dieser Strom vereinigt gewissermaßen die Charaktere des galvanischen 
und des faradischen Stromes. In physiologischer Beziehung tritt die 
schmerzstillende Wirkung gegenüber der kontraktionserregenden in den 
Vordergrund. Auch diese Stromesart wurde von mehreren Seiten zur 
Bekämpfung von Ovarialneuralgien, gegen spastische Dysmenorrhoe, 
sowie gegen Schmerzen bei Adnexentzündungen empfohlen. 

DieKataphprese fand bisher keine erfolgreiche Anwendung in 
der Gyniatrie, obwohl ihr mannigfache Versuche gewidmet wurden. 

Die hydroelektrischen Bäder finden bei Hysterie und Neuras- 
thenie Anwendung. 

Die Franklinisation, d. h. die Verwertung der Eeibungs- 
elekrizität, kommt in Form der Spitzenausstrahlung, des sogenannten 
elektrischen Windes, bei Pruritus, Amenorrhoe, Strangurie und Inconti- 
nentia urinae, in Form des elektrostatischen Luftbades bei hysterischen 
Zuständen in Betracht. 

Die Mortonisatin ist eine mittelbare Form der Franklinisation, 
bei welcher nebst der Influenzmaschine Leydenerflaschen eingeschaltet 
werden, wodurch Ströme von sehr großer Frequenz und hoher Spannung, 
aber geringer elektromotorischer Kraft erzeugt werden, die übrigens 
dem Arsonvalschen Strom nicht unähnlich sind. Sie wirken bei manchen 
Lähmungen, auf welche der faradische Strom keine Wirksamkeit äußert 
und finden daher bei Paresen des Detrusor und Sphincter vesicae An- 
wendung. Der Strom kann eventuell mittels geeigneter Sonden, welche 
in die Urethra eingeführt werden, lokal appliziert werden. Angeblich 
hat die Mortonisation der Innenfläche der Oberschenkel günstige Er- 
folge bei Amenorrhoe aufzuweisen. 



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11* 



IV. Phototherapie, Köntgen- und Eadium- 

bestrahlung. 

Zur Phototherapie sind streng genommen nur jene Heil- 
methoden zu zählen, bei welchen das Licht entweder der alleinige 
wirksame Faktor ist, oder doch die anderen mitwirkenden Faktoren 
an Bedeutung wesentlich tiberragt. Dies ist durchaus nicht der Fall 
bei den lokalen und allgemeinen Gltihlichtbädern, auch nicht beim 
Kell oggschen Lichtbade. Daher habe ich diese Applikationsformen im 
Kapitel Aerothermtherapie besprochen. Größere Bedeutung kommt dem 
Lichte als Heilfaktor beim Sonnenbade zu. Wenn auch die Sonnen- 
wärme von hoher Bedeutung ist für die Wärmestauung, Schweißab- 
sonderung und den Stofifwechsel, muß doch auch die chemische Wirkung 
der Sonnenlichtstrahlen berücksichtigt werden. Denn auch sie hat auf 
die Schweißsekretion, auf die Rötung der Haut und Pigmentbildung 
maßgebenden Einfluß. 

Der Phototherapie xat i$o/T^v sind indes beizuzählen jene Applika- 
tionsformen des elektrischen Lichtes, bei welchen die Wärmestrahlen 
vollkommen abgeblendet werden, und nur die ehemisch wirksamen 
Strahlen an den Organismus gelangen können. 

Wenn auch die Sonnenbäder von Hellmer, Snegirew und 
anderen gegen Frauenkrankheiten, insbesondere exsudative Prozesse, sowie 
anämische Zustände empfohlen wurden, so ist deren Anwendung keine 
allgemeine wegen der Unbequemlichkeiten, die sie mit sich bringt. Wir 
können die Sonnenbäder durch bequemere und sicherer wirkende Me- 
thoden ersetzen. Die Kaltlichtbehandlung scheint indes — obwohl bisher 
wenig erprobt — eine Zukunft zu haben und wäre des genaueren 
Studiums wert. 

Über dieses Thema liegen nur die Arbeiten von Curat olo (Rom) 
und Orloff (Petersburg) vor. Obwohl beide Autoren voneinander unab - 
hängig gearbeitet haben, decken sich doch ihre Eesultate vollkommen. 
Ourätolo verwendet ein sinnreich konstruiertes, doppelwandiges Glas- 
spekulum aus isometropischem Material, zwischen dessen beiden Wänden 
Schwefelkupferammoniaklösung zirkuliert, durch welche die Wärme- 
strahlen absorbiert werden und ein monochromatisches, violettes Licht 



168 Phototherapie, Röntgen- und Radiumbestrahlung. 

erzeugt wird. Die Lichtquelle ist eine im Innern des Spekulums befindliche, 
eigenartig konstruierte Glühlampe. Das Spekulum zeigt an seinem Ende 
eine Delle zur Aufnahme der Portio. Denn jede phototherapeutische 
Prozedur muß unter einem gewissen Druck auf das Gewebe erfolgen, 
da nur ein möglichst blutleeres Gewebe die aktimischen Strahlen 
durchläßt, weil das Blut die chemischen Strahlen absorbiert (Finsen). 
Die Sitzungsdauer beträgt anfangs 2—3, später 10 — 12 Minuten. 
Ourätolos Versuche erstrecken sich auf Peri- und Parametritis, Endo- 
metritis mit starker Sekretion, Eetroflexio mit Adhäsionen, Ovario- 
Salpingitis, Dysmenorrhoea spasmodica. Ourätolo berichtet zunächst 
über die auffallende schmerzlindernde Wirkung sowie über Verkleinerung 
und Schwinden der Exsudate, qualitative und quantitative Änderung des 
Fluor, Nachlassen der Schmerzen bei der Menstruation. Als Neben- 
erscheinungen erwähnt er allgemeine Schwäche, Unempfindlichkeit der 
unteren Körperhälfte. Er ist geneigt, die Erfolge auf die bekannte 
bakterizide, das Gewebe stimulierende Wirkung des Lichtes zu beziehen 
und regt auch die Erprobung bei Karzinom und Tuberkulose des Uterus 
an. Ourätolo ist scheinbar mit seinem Instrumentarium noch nicht zu- 
frieden, auch gentigt ihm die Nemstlampe nicht. Ob die konzentrierte 
Applikation des kalten Bogenlichtes in die Tiefe der Vagina gelingen 
wird, ist vorläufig nicht zu entscheiden. Nach persönlichen Mitteilungen 
und Demonstrationen des Wiener Eadiologen Dr. Kaiser, der sieh des 
kalten Bogenlichtes seit langer Zeit vielfach bedient, scheint es mir 
sehr wahrscheinlich zu sein. Kaiser verwendet Bogenlicht von 
sogenannter Ultraviolettkohle, welches an und für sich schon mehr 
chemische Strahlen (violett und ultraviolett, sie haben die kürzesten 
Schwingungen und werden am stärksten gebrochen) als die anderen 
Lichtquellen aussendet. Die Wärme wird durch blaues Kobaltglas mit 
Uran abgeblendet; überdies passieren die Strahlen eine Lösung von 
Methylenblau mit Alaun und Ammoniak. Die ßefiexion des Lichtes 
geschieht mittels eines Magnaliumspiegels, welcher nur Wärraestrahlen 
absorbiert und chemische Strahlen reflektiert. Ob diese Erfahrungen 
Verwertung auf unser Gebiet finden können, steht indes vorläufig dahin. 

Bemerkenswert ist, daß Orloff genau dieselben Erfolge erzielte 
wie Ourätolo. Auch berichtet er über die gleichen Nebenerscheinungen. 
Er fügt als Kontraindikationen Schwangerschaft und Metrorrhagien an. 

Auch die Strebeischen Versuche mit dem Lichte des Induktions- 
funkens, dem sogenannten Glimmlicht, gegen Gonorrhoe fordern Nach- 
ahmung heraus. Ein Eöhrchen, das in der männlichen Urethra Baum 
findet, kann gewiß auch in den Uterus eingeführt werden. Vermutlich 
werden derartige Versuche nicht lange auf sich warten lassen. 

Röntgen- und Eadiumbestrahlung. Es ist auffallend, daß 
diese so vielfach angewandten Methoden bisher relativ wenig auf gyni- 



Phototherapie, Röntgen- und Radiumbestrahlung. — Literatur. 169 

ätrischem Gebiete versucht wurden. Die Ursache mag wohl darin liegen, 
daß das Eöntgeninstrumentarium und die sehr, teueren Radiumpräparate 
nicht vielen Gynäkologen zur Verfügung stehen. Immerhin liegen Beob- 
achtungen von Bedeutung vor, welche zu weiteren Studien aneifern sollten. 
Die Röntgenstrahlen können zunächst zu diagnostischen Zwecken, 
so beim Nachweis von Fremdkörpern in der Blase, im üteinis, in den 
Parametrien, zur Peststellung des Weges und der Lagebeziehungen von 
Fisteln (Sondierung mit Bleidraht) verwendet werden; therapeutisch 
findet die Röntgenbestrahlung allgemeine Anerkennung bei Pruritus. 
Nach Kaiser verwende man harte Röhren,. die Sitzungen seien bis zu 
halbstündiger Dauer, mit 1 H. (Maßeinheit nach Holzknecht). Die 

* 

Ovariengegend ist mit Bleiplatten zu schützen, da die Röntgenstrahlen, 
wie wir durch Halberstädters schöne Experimente wissen, auf die 
Graafschen Follikel deletär wirken. Nach Deutsch bewirkt die Röntgen- 
bestrahlung bei Myomen prompt Verkleinerung der Tumoren, doch 
harrt diese Angabe noch der Bestätigung. 

Bei inoperablen Karzinomen des Uterus darf man sich indes von 
der Wirkung der Röntgenstrahlen einiges versprechen. Die von mehreren 
Seiten unternommenen Versuche sind nicht ungünstig ausgefallen. Kaiser 
teilte mir mit, daß er Verringerung der Blutung und Jauchung nach 
anfänglicher Verstärkung, baldiges Schwinden der Schmerzen beobachtet 
habe. Es stimmen diese Angaben mit denen anderer Autoren voll- 
kommen überein. Man kann zur Röntgenbehandlung der Portio ent- 
weder Caldwells spezielle Röhre anwenden, oder nach Kaisers 
Vorschlag ein gewöhnliches Hartgummispekulum in die Vagina schieben 
und an dessen äußeres Ende einen mittels Gummikondoms verschlos- 
senen Bleitrichter ansetzen, in welchen die Röntgenstrahlen eindringen. 
Das Gummikondom läßt ausschließlich harte Strahlen durch» Schutz 
der Ovarien ist unerläßlich. Ein Schwinden des Tumors ist selbstver- 
ständlich nicht zu erwarten; wenn aber Blutung, Jauchung und 
Schmerz, die drei schlimmsten Symptome, auch nur für einige Zeit 
behoben werden, so ist das Verfahren für viele Fälle, insbesondere für 
Rezidiven nach Operationen, angezeigt. 

Die von den radioaktiven Substanzen (Radium, Polonium) aus- 
gesandten Strahlen wirken ähnlich wie die Röntgenstrahlen. Ihre 
effektiv antibakterielle und zytolytische Kraft läßt den Versuch ihrer 
Anwendung bei inoperablen, exulzerierten Karzinomen, insbesondere bei 
Rezidiven nach Operation wünschenswert erscheinen. 

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SPEZIELLER TEIL. 



174 Hygiene, Physikalische Prophylaxe. 

durch Mechanotherapie noch verstärken läßt. Radfahren ist wegen 
der durch diesen Sport veranlaßten sexuellen Reizung und wegen der 
Gefahren für das Herz bei Übertreibung nicht zu empfehlen, wenngleich 
seine Wirksamkeit bei chronischer Stuhlverstopfung nicht zu leugnen 
ist. Insbesondere zur Zeit der Menarche^) und des Klimakterium ist 
Radfahren unbedingt zu vermeiden. Fernhaltung lasziver Lektüre, An- 
haltung zu fesselnder, den Geist von sexuellen Gedanken ablenkender 
Beschäftigung, Mäßigkeit in der verabreichten Speise, insbesondere 
abends blande Diät, Sorge für regelmäßige Entleerung der Blase und 
des Mastdarmes, dazu ein verständiger geistiger Einfluß erfahrener 
Personen, das sind die Momente, durch welche die heranwachsende 
Jungfrau einer Reihe von Gefahren, welche sowohl dem Organismus 
als auch der Psyche gerade während der Entwicklungszeit drohen, 
ferngehalten wird. 

Ein weiteres Gebot bezieht sich auf die tägliche Waschung des 
ganzen Körpers mit kühlem Wasser, wodurch eine Abhärtung des 
Organismus erzielt wird, insbesondere aber eine tägliche kühle Waschung 
des äußeren Genitales. Dadurch wird dem Entstehen von Vulvitis, Ek- 
zemen, Pruritis wirksam vorgebeugt. Nur während der Menstruation 
verwende man laues Wasser zur äußeren Waschung, um das an den äußeren 
Geschlechtsteilen und Oberschenkeln befindliche, alsbald in Fäulnis über- 
gehende Blut gründlich zu beseitigen. Wie sicher nachgewiesen ist, kann 
durch Fäulnis des abgesonderten Menstrualblutes eine Infektion erfolgen, 
welche selbst bei virginellen Individuen eine Scheiden- und Gebärmutter- 
entzündung erzeugt. Jeder Sport, Tanzen, anstrengende Tätigkeit ist 
während der Katamenien zu vermeiden. Maschinnähen, Fußbodenbürsten, 
aber auch allzu vieles Sitzen steigert die Beckenhyperämie, so daß die 
Blutüberfüllung eine dauernde werden kann. Schon darum achte man 
besonders während der Menses auf regelmäßige Harn- und Stuhl- 
entleerung. 

Die Frage der Scheidenspülungen anlangend, ist zunächst zu be- 
merken, daß solche während der Menstruation zu unterlassen sind; in 
der intermenstruellen Zeit sind sie nur dann anzuwenden, wenn ver- 
mehrter schleimiger Ausfluß besteht, oder wenn regelmäßige Kohabi- 
tation stattfindet, ohne daß die Menstrualblutung genügend kräftig ist, 
um in den Geschlechtswegen angesammelte Schleimmassen gründlich 
zu entfernen. Bei virginellen oder deflorierten, jedoch des Koitus ent- 
behrenden Individuen ist in der Regel die Vornahme von Vaginal- 
irrigationen überflüssig. Bei Frauen und Mädchen, welche den Koitus 
ausüben, ist indes die Veranlassung zur Vaginalspülung (1 — 3mal 
wöchentlich) sehr häufig gegeben, denn bei der Kohabitation ist 
die Möglichkeit einer Verunreinigung oder Infektion nur zu oft 

^) So nennt Eis oh zutreffend die Zeit des Eintrittes der ersten Menses. 



Vulvitis. — Bartholinitis. — Pruritus vulvae. 175 

vorhanden. Ein Schaden ist von einer lege artis ausgeführten Scheiden- 
spülung nie zu befürchten, auch wenn sie viele Jahre hindurch geübt 
wird. Doch muß sich der Arzt dazu bequemen, die Frauen über die 
Technik dieser Manipulation genau zu instruieren, damit nicht durch die 
Spülung selbst ein Katarrh hervorgerufen werde. 

Vulvitis. Die Therapie derselben ist allerdings hauptsächlich eine 
medikamentöse. Doch kommt der physikalischen Behandlung als unter- 
stützendem Moment eine wichtige EoUe zu. Bei nicht gonorrhoischer 
Vulvitis nehme man im akuten und subakuten Stadium kühle, im 
chronischen warme Waschungen vor. Statt derselben sind auch Sitz- 
bäder anwendbar. Bei Juckreiz kann man kühle Umschläge, auch Kühl- 
schlauchkompressen vor die Vulva legen. Brocq empfiehlt gerade 
gegen den Juckreiz heiße Duschen von 43 — 45*^0, welche auf 1 — 5 Mi- 
nuten auszudehnen sind. Ist die Vulvitis bloß Teilerscheinung einer 
höher oben im Geschlechtskanal sitzenden Erkrankung, so ist die Be- 
handlung derselben nach den zu schildernden Prinzipien unerläßlich. 
Bei der gonorrhoischen Vulvitis beschränke man sich auf Waschungen, 
bei welchen jedoch die Mastdarmschleimhaut sorgfältig gegen Infektion 
geschützt werden muß. Darum sind auch Sitzbäder besser zu vermeiden. 
Bei ödematöser Schwellung der äußeren Genitalien ist zuweilen die 
Vorlage eines kleinen Eisbeutels zweckmäßig. Im chronischen Stadium 
der Vulvitis, und zwar sowohl der gonorrhoischen als auch der nicht 
gonorrhoischen bewähren sich Eisenvitriolbäder. 

Bartholinitis. Die Entzündung der Bartholinischen Drüsen geht 
in einer großen Zahl von Fällen, insbesondere bei Tripperinfektion, in 
Abszeßbildung über, deren Behandlung eine chirurgische ist. Um ent- 
weder die Abszedierung zu befördern, oder aber die Eesorption von 
Infiltraten zu beschleunigen, appliziert man warme Medien. Bei nicht 
gonorrhoischen Prozessen verabreicht man warme Sitzbäder, bei gonor- 
rhoischen feucht warme Umschläge, Thermophore, lokale Dampf- und 
Heißluftduschen. Mitunter wird so die Coupierung gelingen, zumeist wird 
die Abszeßbildung hiedurch beschleunigt werden. Bei bereits vor- 
handenem Abszeß ist die moderne Behandlung mit Saugglocken nach 
erfolgter punktförmiger Inzision auf der Geschwulstkuppe (Bier, Klapp) 
am Platze. 

Pruritus vulvae. Diese oft qualvolle Erkrankung erfordert, 
wenn sie ein Symptom der Vulvitis darstellt, die Behandlung der 
letzteren; beruht sie auf Diabetes, so weicht sie der diätetischen und 
balneologischen Behandlung der Zuckerharnruhr; basiert sie auf einer 
allgemeinen Neurasthenie, so empfiehlt sich ein roborierendes und 
beruhigendes Regime, der Gebrauch von Akratothermen und Schwefel- 
bädern. Ist der Juckreiz die Folge von phagedänischen Prozessen, dann 
ist das Glüheisen anzuwenden. Ist die Verunreinigung durch Harn bei 



176 Kraurosis vulvae. — Furuneulosis vulvae. — Carcinoma vulvae. 

Anwesenheit von Fisteln die Ursaclie des Pruritus, so ist nur von 
dem Verschlusse der abnormen Kommunikation eine Heilung des Juck- 
reizes zu erhoffen. 

Es gibt aber eine große Zahl von Fällen, wo keine von den 
genannten Ursachen für das lästige Jucken aufzufinden ist, und man 
spricht dann — eine durchsichtige Hülle für unsere Unkenntnis der 
Ätiologie — von essentiellem Pruritus. Bei diesem ist von der Elektro- 
therapie nicht allzuviel zu erwarten. Blackwood und Campe empfehlen, 
die Anode des konstanten Stromes an die Vulva zu legen, mit der 
Kathode die juckenden Stellen zu bestreichen. Oholmogoroff schiebt 
die zylindrische Elektrode, welche bis auf den Knopf isoliert ist, 
4 — 5 cm tief in die Scheide. Die Kathode, eine 4 cm breite Platte, 
gleitet über die juckende Oberfläche (20 Jfa., 10 — 15 Minuten, jeden 
zweiten Tag). Lomer galvanisiert perineoabdominal mit schwachen 
Strömen. In neuester Zeit soll sich auch der Arsonvalsche Strom 
.(Eulen bürg) bei essentiellem und diabetischem Pruritus bewährt 
haben, desgleichen der elektrische Wind. Jedenfalls bestehen neben 
der elektrischen Therapie die Erfolge der Thermotherapie zurecht. 
S kutsch empfiehlt kalte Umschläge, kühle Sitzbäder. Ich glaube, die- 
selben seien zu reservieren für jene Fälle, wo es durch Kratzen zu 
ßötung und Schwellung oder gar zu akuter Dermatitis gekommen ist. 
Dann sind auch Kühlapparate am Platze. Für alle anderen Fälle 
bewähren sich besser die von Brocp empfohlenen heißen Duschen bis 
zu 45" bei gut eiügefetteten äußeren Genitalien oder die Applikation 
der Heißluftdusche. 

Kraurosis vulvae. Dieser Prozeß, bekanntlich eine atrophische 
Schrumpfung des äußeren Genitales im Gefolge von Entzündungs- 
prozessen an demselben, wird günstig beeinflußt durch Heißwasser- 
umschläge (Heller, Skutsch), heiße Sitzbäder, die Heißluftdusche und 
den Dampfstrahl. 

Furuneulosis vulvae. Beruht dieselbe auf Diabetes, so merkt 
man nach absolvierter Brunnenkur fast immer — auch wenn der Zucker- 
gehalt nicht zurückgegangen ist — eine Besserung der Furuneulosis 
vulvae. Auch bei fetten Frauen und bei habitueller Stuhl Verstopfung sieht 
man nicht selten diese Afl'ektion. Hier ist nur eine kausale Behandlung 
(siehe unten) von Erfolg begleitet. In Fällen, bei denen eine Ursache nicht 
zu eruieren ist, verabreicht man lauwarme Sitzbäder und Schwefelbäder. 
Carcinoma vulvae. Die Therapie des Vulvarkrebses ist selbst- 
verständlich eine operative. Für inoperable Fälle, insbesondere für 
Rezidive nach bereits einmal oder öfter ausgeführter Operation, wohl 
auch für jene Fälle, wo ein primäres Scheiden-, Uterus- oder Kektum- 
karzinora bereits aus der Vulva hervorwuchert und profuse Blutungen, 
Jauchung und hochgradige Schmerzen verursacht, ist ein Versuch mit 



Vaginitis. — Hyperaesthesia vulvae, Vaginismus. 177 

Röntgen- oder Radiumstrahlen angezeigt. Wenn auch bloß der Jauchung 
und Blutung Einhalt getan wird, so ist der Kranken damit schon ein 
großer Dienst erwiesen. Bei schwer transportablen Kranken ist die 
Radiumbehandlung leichter durchführbar als die Röntgenbestrahlung. 

Vaginitis. Wenngleich die Therapie der Scheidenentztindung 
eine vorwiegend medikamentöse ist, kommt doch auch die physikalische 
Therapie insoferne zu Wort, als nicht bloß die adstringierende oder 
antiseptische Wirkung des eingespritzten Medikamentes von Heilwert 
ist, sondern auch die gründliche Fortschaffung der Sekrete, die bei 
Rentention der Zersetzung anheimfallen und stets aufs neue reizend 
wirken, eine bedeutsame Rolle spielt. Anderseits weiß jeder Gynäkologe, 
daß reines Wasser von der Scheidenschleimhaut nicht gut vertragen 
wird. Es ist besser, physiologische Kochsalzlösung, adstringierende 
oder antiseptische Lösungen zu applizieren. 

Veranlaßt ein Fremdkörper die Vaginitis, so ist seine Entfernung 
geboten. Ist eine Erkrankung des Uterus im Spiele, so muß dieselbe 
behandelt werden. Bei der senilen Kolpitis, bei welcher die entzünd- 
lichen Vorgänge gegenüber der atrophischen Schrumpfung zurücktreten, 
bewähren sich warme Scheidenspülungen nebst loser Tamponade. Die 
bei Chlorose, Anämie und Schwächezuständen auftretende katarrhalische 
Erkrankung soll unten noch speziell besprochen werden. Verursacht 
venöse Stase in den Beckenorganen eine Vaginitis, wie dies bei fett- 
leibigen Frauen nicht selten vorkommt, wo ursprünglich bloß eine 
Hyperaemia vaginae vorliegt^ indes durch Hinzutreten von Entzündungs- 
erregern gelegentlich echte Entzündungsprozesse entstehen, so empfiehlt 
es sich, die Frauen eine Kur mit salinischen Abführwässern und 
danach eine Moorbadekur absolvieren zu lassen. Macht man bei 
der Vaginitis medikamentöse Vaginalirrigationen, so sollen sie anfangs 
kühl, im subakuten Stadium lauwarm, im chronischen Stadium warm 
sein. Für chronische, insbesondere nicht gonorrhoische Fälle empfehlen 
sich Eisenvitriol- und Moorbäder. Bei gonorrhoischer Vaginitis versagen 
die Moorbäder nicht selten. Das Eindringen des Moores in die Scheide 
ist nicht erwünscht, weil bei vielen Personen große Schleimhaut- 
defekte entstehen. Gehen im Verlaufe einer Vaginitis nekrotische 
Fetzen aus der Scheide ab, so schützt man die Beranke durch Gaze- 
tamponade vor Atresiebildung. 

Hyperaesthesia vulvae, Vaginismus. Die Hyperästhesie der 
Vulva muß nicht unbedingt mit Vaginismus (id est Kontraktion des 
Oonstrictor cunni, Levator ani, eventuell auch der Adduktoren der Ober- 
schenkel und Glutaei), verbunden sein, wenngleich dies sehr häufig 
der Fall ist. 

Wird die Hyperästhesie durch eine Schleimhautfissur veranlaßt, 
so ist deren galvanokaustische Verätzung angezeigt. Im übrigen be- 

Oscar Fr an kl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 12 



178 Prolapsus vaginae. — Deformitäten der Scheide. 

währen sich kühle Sitzbäder, Kühlschlauchkompressen, eventuell intra- 
vaginale Applikation eines mit durchfließendem, kaltem Wasser gespeisten 
Atzbergerschen oder Heitzmannschen Apparates. Auch wird der 
Gebrauch der Akratothermen gerühmt. 

Gegen Vaginismus empfiehlt sich die Dehnung der Scheide 
nach vorangegangener Kokainpinselung mittels He gar seh er Stifte, 
Bozemanscher Zylinder oder mit erweiterbaren Metallspiegeln; man 
kann allenfalls auch mit dem Quecksilberkolpeurynter einen Ver- 
such machen (Huppert, Pincus). Gelingt es nicht, in die Vagiua 
einzudringen, so unternehme man am nächsten Tage an der im warmen 
Vollbade befindlichen Patientin den Versuch noch einmal. 

Besteht zweifellos Neurasthenie, so trachte man derselben durch 
die unten bezeichneten Maßnahmen Herr zu werden. 

Balneotherapeutisch werden Akratothermen (Kisch), auch warme 
Süßwasserbäder empfohlen. Lomer befürwortet Galvanisation, indem 
eine rundliche Elektrode als Anode auf den Damm, eine Plattenelektrode 
auf die Bauchdecken gelegt, der Strom allmählich gesteigert wird. 
Auch bipolare Faradisation mit dem Spannungsstrom wird empfohlen 
(Oholmogoroff). 

Prolapsus vaginae. Der Beginn eines jeden Prolapsus ist die 
Senkung, und das trifft auch für den isolierten Prolaps der Scheiden- 
wandungen zu. Gerade dieses Stadium, das des Descensus, ist der 
physikalischen Behandlung ganz zweifellos zugänglich. Kühle Scheiden- 
irrigationen, bei sonst kräftigen Individuen Schwimmen und Turnen, 
daneben Thure Brandtsche Gymnastik zur Kräftigung des muskulösen 
Beckenbodens, insbesondere des Levator ani (Kumpf), Applikation eines 
ringförmigen, hohlen Hartgummipessars, auch Faradisation mit dem 
Quantitätsstrom lassen Erfolge gewärtigen, deren geringster das Stationär- 
bleiben ist. Schwerere Grade des Prolapses sind wohl nur durch Ope- 
ration reparabel. Ist dieselbe aus irgend welchen Gründen unmöglich, 
so kann eines der im allgemeinen Teile beschriebenen Prolapspessarien 
(Menge u. a.) appliziert werden. Bei Greisinnen wird man sich nicht 
selten mit einer Bandage oder mit der Einlegung von Wattetampons 
begnügen müssen. (Vergleiche Prolapsus uteri.) 

Deformitäten der Scheide. Von angeborenen Scheiden- 
deformitäten kommt für uns hier bloß die Enge und Flachheit des hinteren 
Laquear in Betracht, auf deren Bedeutung für die Sterilität der Frau 
durch Samenabfluß post coitum Chrobak nachdrücklich hingewiesen hat. 
Durch Massage, eventuell Vibration, auch durch Belastung kann das 
hintere Scheidengewölbe gedehnt und schon dadurch die Sterilität be- 
seitigt werden. Hieher gehört sodann die Besprechung von Vaginal- 
narben, insbesondere solchen, die von der Zervix ins seitliche Laquear 
reichen: dieselben sind mit Schmerzen bei jeder Kohabitation, Stuhlver- 



Urethritis. — Oystitis. — Funktion sanomaiien der Blase. 179 

Stopfung, stechendem Schmerz bei der Defäkation, hysterischen Erschei- 
nungen und Sterilität vergeselligt. Ehe man derartige Fälle operativ zu 
heilen gedenkt, versuche man durch manuelle oder vibratorische Massage 
die Narben zu dehnen, appliziere bei Härte und Starrheit der Narben 
aber vor der Massage stets für V2 — 1 Stunde die warme Vaginalther- 
mode mit durchfließendem, konstant auf 40 — 45^ erwärmtem Wasser; 
auch kann man die Quecksilberbelastung mit der Vibrationsmassage 
verbinden. Bei der Vaginitis obliterans vetularum wende man Tamponade 
mit steriler Gaze an. 

Urethritis. Die Behandlung derselben ist eine medikamentöse 
und nicht von jener der Blase zu isolieren. Von physikalischen Maß- 
nahmen kommen bloß in Betracht die warme Psychrophorbehandlung 
bei ulzerativen Prozessen (Uli mann) sowie der Gebrauch der Kühl- 
sonde bei hyperämischen Zuständen, wie solche nicht bloß bei Stauungen 
im Becken, sondern auch als postgonorrhoische Erscheinung auftreten. 

Oystitis. Auch der Blasenkatarrh erheischt eine ausschließlieh 
medikamentöse Behandlung. Da es sich jedoch stets um die Applikation 
von Medikamenten handelt, die in relativ großen Plüssigkeitsmengen 
gelöst sind, soll der Anwendungsart und der zu wählenden Temperaturen 
gedacht werden. Die Spülung ist nicht mittels Spritze, sondern stets 
mittels Glasirrigator auszuführen, an dessen Schlauch ein Katheter anzu- 
fügen ist. Die Temperatur soll — wenn nicht durch Blutungen niedriger 
temperierte Flüssigkeit erfordert wird — gegen 30*^ betragen. Kühle 
Blasenspülungen lösen leicht Blasenkoliken aus. Gegen die Begleit- 
syraptome der Oystitis führt man indes die physikalischen Heilmethoden 
vielfach zu Felde. Gegen die dumpfen Schmerzen in der Blasengegend, 
welche die gonorrhoische Oystitis meist begleiten, bewähren sich 16 — 24^ 
kurze Sitzbäder. Gegen schmerzhaften Harndrang, Tenesmus, aber auch 
bei Harnverhaltung durch Sphinkterkrampf (Oystospasmus) verabreiche 
man 30 — 36® prolongierte Sitzbäder, warme Dunstumschläge, Schlamm- 
und Fangoumschläge. Ich habe mit gutem Erfolge bei Infiltration der 
Blasenwand (Myocystitis) nach vorausgegangener gonorrhoischer Oystitis 
sowie bei Pericystitis im Gefolge von epityphlitischem Abszeß Heißluft 
gegen die ünterbauchregion appliziert. 

Funktionsanomalien der Blase. Bei Parese des Sphincter vesicae, 
welche weder auf zentrale Läsionen, noch auf nachweisbare Koutinuitäts- 
trennungen, noch auf Blasenkatarrh zurückzuführen ist, versuche man 
jedenfalls Massage des Blasenhalses per rectum oder per vaginam nebst 
der im allgemeinen Teile angegebenen speziellen Heilgymnastik (Osillag), 
wobei insbesondere die Knippningarna Brandts, das willkürliche Kon- 
trahieren des Beckenbodens und der Sphinkteren eine Rolle spielt. 
Daneben verordnet man kurze kühle Sitzbäder oder Kohlensäurebäder 
zur Anregung der Muskulatur (natürlich nur dann, wenn keine Oystitis 

12* 



180 Fimktionsanomalien der Blase. 

vorliegt), appliziert eventuell kurze, kühle und kräftige Duschen gegen 
die Symphysen- und Kreuzregion, oder den rekto-perinealen oder 
bipolar-vaginalen, faradischen Strom. Bei anämischen und neurasthe- 
nischen Individuen verordnet man Stahl- und Säuerlingsbäder. Bekanntlich 
sind die Erfolge der Gersunyschen operativen Achsendrehung der 
Urethra günstig und so bleibt bei Versagen der physikalischen Therapie 
noch die operative offen. 

Die Detrusorparese, mitunter bei hysterischen Individuen anzutreflfen, 
trotzt oft der Behandlung ungemein lange. Man verordnet kurze, kühle 
Sitzbäder, kühle Güsse gegen die Lendenregion, Kohlensäurebäder, 
eventuell faradisiert man, wendet auch bei Versagen dieser Stromes art 
die Mortonisation an. Der Arsonvalsche Strom versagte mir in einem 
Falle vollständig. Man kann auch von der Vagina aus manuelle oder 
vibratorische Massage der Blasenwand vornehmen. Da es sich meist um 
schwer nervöse, hysterische, belastete Individuen handelt, ist die Prognose 
stets mit Vorsicht zu stellen. 

Auch die irritable bladder, die nervöse Hyperästhesie der Blase, 
welche dadurch charakterisiert wird, daß schon sehr geringe Harn- 
quantitäten in der Blase den Reiz zum Urinieren auslösen, gibt keine 
besonders gute Prognose, ob sie nun durch katarrhalische oder tub er- 
kulöse Geschwüre an der Blasenmukosa veranlaßt wird oder ob sie Teil- 
erscheinung einer Neurasthenie ist. Wenn auch letztere gebessert wird, 
bleibt die reizbare Blase mitunter ungebessert trotz Anwendung hydria- 
tiseher, diätetischer und elektrotherapeutischer Prozeduren. 

Viel günstiger stehen die Chancen für die Behandlung der Enure^^is 
nocturna. Es kann darüber kein Zweifel mehr obwalten, daß die Be- 
handlung eine Stärkung des Sphincter externus und internus inten- 
dieren muß, einmal da Guyon nachgewiesen hat, daß bei den Fällen 
von Enuresis der Tonus dieser Muskeln ein mangelhafter ist, zum anderen 
da wir heute allgemein Ultzmanns Anschauung, daß zwischen Inner- 
vation des Detrusor und Sphinkter ein Mißverhältnis zu Ungunsten des 
letzteren bestehe, daß insbesondere nachts dieser Muskel geradezu 
narkotisiert sei, als zurecht bestehend anerkennen. 

Die Maßnahmen zur Kräftigung des Sphincter vesicae (externus) 
sind von dreierlei Art. Man kann zunächst durch hydriatische Be- 
handlung auf den Muskel tonisierend wirken und wird damit zuweilen 
sein Auslangen finden. Man verabreicht kurze, kühle Sitzbäder, führt 
einen Atzbergerschen Apparat bei Erwachsenen, insbesondere bei De- 
florierten, als Kühlthermode in die Vagina ein, indes man bei Virgines 
Kühlschlauchkompressen vor die Vulva legt, läßt kühle Waschungen vor 
dem Schlafengehen vornehmen. Auch Kohlensäurebäder werden verwendet. 

V. Frankl-Hochwart und Zuckerkandl befürworten warm die 
elektrische Behandlung der Enuresis. Csillag bemerkt ganz richtig, daß 



Fimktionsanomalien der Blase. — Endometiitis. 181 

man durch die in den Mastdarm eingeschobene Elektrode auch auf den 
Sphincter vesicae externus wirken kann, weil die Schließmuskeln der Blase, 
des Mastdarms und der Vagina yon Nervenstämmen innerviert werden, 
welche aus dem gleichen Plexus, nämlich dem Plexus pudendus hervor- 
gehen. Bei Eindem setzt man daher die eine Elektrode in den Mastdarm, die 
andere in eine Analfalte oder ans Perineum und faradisiert mit dem 
Quantitätsstrom. Bei deflorierten Mädchen kann man auch von der 
Vagina her die Elektrode gegen den Blasenhals vorschieben (Olivier u. a.). 

Wieder andere Autoren bevorzugen die mechanische Behandlung 
und rühmen ihr gute Erfolge nach. Csillag gibt ein Schema für 
diese Behandlung, welches ungefähr so lautet: 1. Krummhalbliegend, 
Sphincter vesicae = Drückung jederseits per vaginam oder per rectum. 
2. Krummhalbliegend, Plexus hypogastricus = Drückung jederseits neben 
dem Kreuzbein. 3. Knieteilung und -Schließung als Widerstandsbewegung, 
wodurch die Sphinkteren mitkontrahiert werden. 4. Die Knippningarna 
(s. 0.). 5. Stützneiggegenstehend, Kreuzbeinklopfung. Die Methode 
wurde auch von Auerbach und Huldschiner versucht und gut 
befunden. Auch Walko und Gerbsmann empfehlen auf Grund gün- 
stiger Eesultate die kombinierte Blasenhaismassage vom Rektum oder 
von der Vagina her. 

Nicht zu vergessen ist der Vorschlag van Tienhofens, durch 
Erhebung des Bettendes den Sphinkter zu entlasten. 

Endometritis. Im akuten Stadium ist die Bettruhe von aller- 
größter Bedeutung. Man sucht möglichst ohne Lokalbehandlung des 
Endometrium auszukommen und appliziert kalte Umschläge, Kühlschauch- 
korapressen, bei peritonealen Erscheinungen eventuell eine Eisblase. 
Nach einmaliger Entleerung des Darmes mittels Klysma verabreicht 
man Opiate. Bei reichlicher Sekretabsonderung mache man unter 
niedrigem Drucke kühle Scheidenspülungen. Nm: wenn sich hohes 
Fieber bei mangelhaftem Sekretabfluß einstellt, ist die Lokalbehand- 
lung der Gebärmutterschleimhaut geboten. Doch ist dieselbe nur dann 
gestattet, wenn die Adnexa von der Entzündung verschont geblieben 
sind. Man macht unter nicht zu hohem Drucke mit dem Pritsch- 
Bozemanschen Katheter Uterusspülungen mit desinfizierenden Lösungen, 
deren Temperatur zirka 20 — 25® und deren Quantität ^/g— 2 Liter 
beträgt. Daneben können Medikamente mittels Wattesonde oder in Form 
von Stäbchen auf die Schleimhaut gebracht werden. 

Im subakuten Stadium, wenn das Fieber nachgelassen hat, kann 
man die kühlen Umschläge mit erregenden vertauschen, laue Scheiden- 
spülungen und warme Mastdarmeingießungen zur Ableitung vornehmen, 
auch Sitzbäder von 30 — 35® und fünf Minuten Dauer verordnen. 

Auch im chronischen Stadium der Endometritis (ich spreche hier nur 
von der bakteriellen Form im Sinne Wyders) suche man wenn irgend 



182 Endometritis. 

möglich ohne lokale BehandlungderGebärmutterschleimhautauszukommen, 
was zweifellos in einer Eeihe von Fällen gelingen wird. Durch Hebung der 
Zirkulation im Uterus, durch Verbesserung des Tonus des Myometrium, 
durch gründliche Portschaflfung der Sekrete aus der Scheide wird es 
nicht selten gelingen, der Entzündung Herr zu werden, zumal wenn 
sie nicht gonorrhoischen Ursprunges ist. Man verwendet bei Abwesenheit 
eitriger Entzündung an den Adnexen, am Para- und Perimetrium heiße 
Scheidenspülungen, auch solche mit großen Plüssigkeitsmengen, daneben 
warme Sitzbäder von halbstündiger Dauer, wohl auch konzentrierte 
Solbäder, Stahlbäder, Moorbäder. Ist das Orificium externum eng, 
die Entleerung des Sekretes mangelhaft, tritt Fieber auf durch Sekret- 
stauung im Uterus, so kann man durch Suktion die Zutageförderung 
des Sekretes erleichtern. Gelangt man mit diesen Maßnahmen nicht 
zum Ziele, so wird man wohl — wenn die Adnexa frei sind — zur 
medikamentösen Lokalbehandlung, eventuell zur Ausspülung des Uterus 
gezwungen sein. Dies ist in den meisten Fällen von Uterusgonorrhoe 
unausweichlich. Oft genügt es, bloß die Zervixschleimhaut lokal 
medikamentös zu behandeln und daneben die oben skizzierte physi- 
kalische Therapie anzuwenden. Diese Fälle sind es auch, bei welchen 
die Kaltwasserbehandlung nach Ollier und Jersild günstige Erfolge 
bringt. Sie besteht in täglicher Scheidenspülung, die anfangs mit 
28®, später mit kühlerem, bis 15® Wasser vorgenommen wird. Tritt 
das Symptom der Blutung in den Vordergrund, so wird man nebst 
DaiTeichung hämostyptischer Präparate Ausspülungen mit 1 — 2 Liter 
heißen M'^assers mehrmals täglich machen. Findet man mit diesen 
Mitteln nicht das Auslangen, so wird oft das Evidement in seine 
Rechte treten. Die Blutungen bei Endometritis sind kein besonders 
dankbares Gebiet für die Anwendung des galvanischen Stromes. Ebenso- 
wenig kann die Atmokausis weder gegen die Blutung noch gegen die 
Entzündung als solche empfohlen werden. 

Man subsumiert unter Endometritis oft Prozesse, welche eigentlich 
mit einer Entzündung des Endometrium nichts gemein haben. Dahin 
gehört zunächst das Symptom der Leukorrhoe bei anämischen und 
chlorotischen Mädchen. Ursprünglich handelt es sich in diesen Fällen 
um keinen entzündlichen Vorgang, sondern bloß um eine mangelhafte 
Durchblutung der Schleimhaut, abnorme Durchlässigkeit der Gefäße für 
das hydrämische Blut, seröse Transsudation ; aber auf diesem Boden 
entstehen sehr leicht durch Hinzutreten von Entzündungserregern echte 
Endometritiden. Man beugt deren Entstehen wirksam vor durch kurze, 
kühle Sitzbäder, welche den Tonus der Uterusmuskulatur heben, durch 
Atemgymnastik, reichliches Spazierengehen in reiner Luft, zweckmäßige, 
das Becken nicht einengende Kleidung, geschlossene Beinkleider, welche 
das Eindringen des durch die Röcke aufgewirbelten Staubes in die 



Endometritis. — Metritis. 183 

Geschlechtsteile verhindern, tägHche kühle Waschungen, auch durch 
Stahlbäder. (Vergl. das unten über „Leukorrhoe" Gesagte). 

Für jene Fälle von hyperplastischer Endometritis, bei denen es 
sich ursprünglich um hyperämische, sekundär um hyperplastische Ver- 
änderungen des Endometrium ohne entzündliche Vorgänge handelt, die 
also mit der bakteriellen Endometritis (Wyder) nichts zu tun haben 
und deren Entstehung meist auf mangelhafter sexueller Hygiene, ge- 
störter Involution, krankhaften Vorgängen in der Umgebung des 
Uterus etc. beruhen, gilt die Döderleinsche Anschauung, daß nie das 
Endometrium allein erkrankt ist, sondern daß das Myometrium stets 
mitbeteiligt ist, was in sehr vielen Fällen bakterieller Endometritis 
freilich auch der Fall ist. Man spricht in jenen Fällen daher besser 
von Metro-Endometritis und die Therapie derselben fällt mit jener der 
Metritis zusammen. 

Die isolierte Entzündung der Zervixschleimhaut ist zwar auf 
medikamentösem Wege günstig zu beeinflussen, doch bietet die 
physikalische Therapie auch hier einige Unterstützungsmittel zur 
raschen Heilung. Vaginalspülungen, kühl im akuten, heiß im chronischen 
Stadium der Erkrankung, eventuell mit einem Zusätze von Moorsalz 
(Kleinwächter), sind von hoher Bedeutung für die Abkürzung der 
Krankheitsdauer. Nicht zu leugnen ist der Heilwert der Franzens- 
bader Moorbäder, die sich auch ohne Lokalbehandlung bestens 
bewähren. Bei gleichzeitiger Anwesenheit von Stauungen im Unterleibe, 
plumper, hyperämischer Portio läßt man neben der Badekur Glauber- 
salzwässer trinken. Geht die Hyperämie nicht zurück, so läßt man kühle 
Scheidenspülungen von 20 — 12® machen, stichelt wohl auch die 
Portio und vollführt eine Suktion, um Blut durch die Skarifikations- 
öffnungeo abzuzapfen. Die Behandlung der Erosion ist am besten eine 
medikamentöse, bei hypertrophischer und follikulärer Erosion, zumal 
bei Ektropium der Muttermundslippen eine operative. Die Atzung kann 
man durch Vaginalinjektionen von Moorsalzlösung unterstützen (Klein- 
wächter). Doch darf man nie gleichzeitig Irrigationen der Scheide 
mit alkalischen Mineralwässern vornehmen lassen, wie dies in manchen 
Bädern fälschlich geschieht. 

Metritis. Bei akuter und subakuter, bakterieller Metritis kommt 
die gleiche Behandlung in Frage wie bei der akuten, bakteriellen En- 
dometritis. Euhe, kühle Applikationen, Entfernung des angesammelten 
Sekretes, Sorge für die Entleerung von Blase und Darm sind die wich- 
tigsten Postulate. 

Die physikalische Behandlung der chronischen Metritis ist ver- 
schieden je nach der Ursache, welche dem Leiden zu gründe liegt. 
Handelt es sich um eine echte, bakterielle Form, deren Charaktere 
anfangs Hyperämie, herdweise oder diffuse Infiltration, ödematöse 



184 Metritis. 

Schwellung später Bindegewebsneubildung und Sklerosierung sind, so 
mache man von der Wärme ausgiebigen Gebrauch, soferne nicht die 
Anwesenheit von Eiterherden in der Gebärmutterwand oder in der 
Umgebung der Gebärmutter deren Anwendung verbieten. Heiße Prießnitz- 
um schlage oder ein Thermophor, heiße Schlauchkompressen, am besten 
mit konstant temperiertem, durchfließendem Wasser, warme Sitzbäder, 
Kataplasmen von Fango, Sand, Moor, heiße Scheidenspülungen bewähren 
sich sowohl gegen die entzündliche Schwellung als auch gegen die 
kolikartigen Schmerzen. Auch Heißluftapplikation ist behufs Hebung 
der Zirkulation und Beförderung der Abschwellung des entzündeten 
Organes von großem Nutzen. Daneben kann man eine Trinkkur mit 
Glaubersalzwässern absolvieren lassen. 

In späteren Stadien, wenn die sklerotischen Veränderungen her- 
vortreten, kann man nach vorangegangener Stichelung oder ohne eine 
solche die Suktion ausführen; bei nervösen, reizbaren Individuen ver- 
ordnet man Badekuren mit Akratothermen (Kisch), sonst mit kräftigen 
Solbädern, mit Stahl- und Moorbädern. Zur Nachkur für kräftige Indi- 
viduen eignen sich im Frühherbst und Sommer Seebäder in der Adria. 

Handelt es sich um Subinvolution der Gebärmutter nach Geburt, 
Frühgeburt oder Abortus, wobei die Erscheinungen der Uterusatonie im 
Vordergrund stehen, so verwertet man neben heißen Scheidenspülungen 
kurze, kühle Sitzbäder, üterusmassage, und zwar sowohl manuelle (Talmey) 
als auch vibratorische (Witthauer), den faradischen Quantitätsstrom 
bipolar intrauterin oder vagino-abdominal. Bei Blutungen empfiehlt sich 
die utero -abdominale Applikation des positiven galvanischen Stromes. 

Liegt lediglich passive Hyperämie des Uterus vor, auf deren Boden 
allerdings leicht eine echte, entzündliche Metritis entsteht, so trachte 
man zunächst, ein geregeltes, sexuelles Regime herzustellen, verordne 
mehrwöchentliche, vollkommene Abstinenz, suche etwaige Lageanomalien 
zu korrigieren oder entzündliche Vorgänge in der Umgebung des Uterus, 
welche Stauungen im letzteren provozieren, zu beseitigen. Bei fetten 
Frauen bewährt sich gegen die Hyperämie und die selten fehlende 
Obstipation eine Trinkkur mit glaubersalzhältigen Wässern, verbunden 
mit genügender Bewegung und stuhlbefördernder, leichter Diät, am 
besten in Marienbad (s. Artikel „Obstipation"). Daneben verwendet man 
kühle Scheidenspülungen, bimanuelle Massage (dieselbe ist bei echt ent- 
zündlichen Vorgängen zu unterlassen), Heilgymnastik, kühlere Moorbäder. 

Bei lymphatischen und skrofulösen Frauen findet man den Uterus 
sehr oft vergrößert, plump; dabei besteht reichlicher schleimig- eitriger 
Fluor. Gegen diese Form der Metritis bewähren sich am besten Sol- 
bäder, vorzugsweise die Jod und Brom enthaltenden. Kisch läßt solche 
Frauen auch Umschläge mit verdünnter Mutterlauge machen. Intern 
sind Eisenarsen Wässer zu gebrauchen. 



Atrophia uteri. — Uterusstenose. — Anteversio uteri. 185 

Atrophia uteri. Ist dieselbe ein Symptom allgemeiner Körper- 
sehwäche, Chlorose, Tuberkulose, eines Diabetes, einer Vergiftung oder 
Infektionskrankheit, so fällt die Therapie der Atrophie mit jener des 
Grundleidens zusammen, überdauert die Atrophie das letztere, so wende 
man heiße Vaginalspülungen, warme Sitzbäder, eventuell versuchsweise 
Suktion, Massage, Moorbäder an. Bei sonst kräftigen Individuen kann 
man statt der warmen Sitzbäder auch durch kurze, kühle Sitzbäder eine 
Fluxion zum Uterus und zu den Ovarien erzeugen und zweckmäßig 
leichte heilgymnastische Bewegungen anschließen. 

Ist durch psychische Alteration oder in Begleitung einer allge- 
meinen Neurasthenie üterusatrophie entstanden, so verwerte man Loi- 
manns kohlensaure Gasdusche zur Auslösung der Menstruation, eventuell 
vagino-abdominale Faradisation, Moorbäder, Moorumschläge. Die gleiche 
Behandlung erfordert der hyperinvolvierte Uterus bei zu langer Laktation, 
wenn nach Unterbrechen des Stillens die normalen Funktionen nicht 
wiederkehren. Auch Heißluftanwendung wird da empfohlen (Thomson). 

Uterusstenose. Die beiden Hauptsymptome derselben, Dys- 
menorrhoe und Sterilität, werden unten speziell besprochen. VP'enn auch 
heute die alte Anschauung nicht mehr zurecht besteht, daß bei der 
spitzwinkeligen Anteflexion eine faktische Stenose des inneren Mutter- 
mundes besteht, ist doch eine Lagekorrektur anzustreben, weil dys- 
menorrhoische Schmerzen bei der Anteflexion auch ohne eine solche 
Stenose einfach dadurch entstehen können, daß das in der Korpushöhle 
angesammelte, leicht gerinnende Blut an der Knickungsstelle schwerer 
passieren kann als de norma, und daß überdies eine Hyperämie des Endo- 
metrium besteht, welche die zur Herausbeförderung des Blutes notwendigen 
Uteruskontraktionen zu schmerzhafteren macht als dies physiologisch ist. 

Die Stenose des Orificium externum wird dauernd am besten ope- 
rativ behoben. Die echte, angeborene oder narbige Stenose des Zervikal- 
kanales oder des inneren Muttermundes wird durch unblutige Dilatation 
geheilt. Treten die dysmenorroischen Beschwerden in den Vordergrund, 
so verwende man negative utero-abdominale Galvanisation (Schauta). 
Besteht gleichzeitig Atrophie des Uterus, so ist die Behandlung der- 
selben eine wichtige Bedingung für die Behebung der Stenose. 

Anteversio uteri. Besteht die Ursache derselben in einer nar- 
bigen Verkürzung der hinteren Gebärmutterligamente oder in entzünd- 
licher Verlötung der Tuben oder Ovarien mit der vorderen Beckenwand 
bei gleichzeitiger Streckung des Uterus durch einen entzündlichen Vor- 
gang, so besteht die Therapie in Dehnung der Sakrouterinligamente, 
eventuell Lösung von Adhäsionen der Adnexe, sowie in der bereits be- 
sprochenen Behandlung der Metritis. Ist die manuelle Reposition des 
Uterus gelungen, so besor^rt ein runder, hohler Hartgumrairing oder 
ein Hodge-Pessar eine Hebung des Uterus und damit die Behebung 



186 Anteflexio uteri. — Retroversio uteri. 

der Blasenbeschwerden. Die von Fritsch empfohlenen weichen Ringe 
sind zwar leichter einzuführen, doch erzeugen sie allzu bald Katarrhe. 

Anteflexio uteri. Wie bereits erwähnt, wissen wir seit B. S. 
Schnitzes Untersuchungen, daß bei der Anteflexio keine reale Stenose 
in der Gegend des inneren Muttermundes im Sinne von Schröder 
oder Sims besteht; die dysmenorrhoischen Schmerzen sind bereits vor- 
handen, ehe Blut in der üterushöhle ist, denn die Beschwerden werden 
durch die Metro-Endometritis corporis veranlaßt, und diese wieder hat 
ihre letzten Ursachen in Zirkulationsstörungen. Man wird sich daher 
bei der Behandlung der Dysmenorrhoe nicht zu sehr auf Dilatationen 
des Uteruskanales einlassen, sondern lieber eine rasche Lagekorrektur 
anstreben. Über die symptomatische Behandlung der Dysmenorrhoe 
vergleiche man das im betreffenden Abschnitte Folgende. Die An- 
wendung von Intrauterinstiften ist gewiß nur in ungemein seltenen 
Fällen gerechtfertigt. Viel wichtiger ist die Behandlung der Metro- 
Endometritis nach den bereits dargelegten Prinzipien, respektive die 
Therapie der veranlassenden Para-Perimetritis nach den noch zu er- 
örternden Grundsätzen. Ist nach Beseitigung der veranlassenden Momente 
die manuelle Lagekorrektur geglückt, so hat oft die temporäre Ein- 
legung eines dicken, hohlen Hartgummiringes eine Bedeutung, insoferne 
durch die also erzielte Hebung des Uterus baldige Beseitigung der oft 
überaus lästigen Blasenbeschwerden erzielt wird. Schmerzen, Katarrh, 
meist auch die Sterilität schwinden nach Beseitigung der pathologischen 
Anteflexion von selbst. 

Retroversio uteri. Die Behandlung der mobilen ßetroversion 
wird angezeigt durch das Bestehen von Blasenbeschwerden und durch 
die Gefahr der Etablierung einer ßetroflexion. Sie besteht in manueller 
Lagekorrektur, der eventuell eine endokolpische Belastung vorangehen 
kann, um die Korrektur leichter und schmerzloser zu gestalten. Die 
Therapie der fixierten Eetroversion fällt zum Teile zusammen mit der 
Behandlung der entzündlichen, perimetritischen Adhäsionen und nar- 
bigen Stränge, von der unten noch die Eede sein soll. Bestehen band- 
förmige Adhäsionen, welche bei der allmählichen manuellen Dehnung 
nicht nachgeben, so kann allenfalls die Zerreißung derselben nach 
Schultze in Narkose vorgenommen werden. Dieselbe ist indes zu 
unterlassen bei Vorhandensein breiter, flächenhafter Verwachsungen, da 
nach derartigen Manipulationen schwere Blutungen beobachtet wurden, 
nach deren teilweiser Eesorption, teilweiser Organisation nicht selten 
neuerlich Adhäsionsbildung resultiert. Intravaginale Belastung hat nur 
dann einen Sinn, wenn das Punctum fixum der zu dehnenden Stränge 
einerseits der Knochen ist. Hingegen kann man sehr zähe Stränge 
durch Einlegung einer konstant erwärmten Vaginalthermode für die 
Massage präparieren. Man findet hiebei manche zuvor sehr fest fixierte 



Retroflexio uteri. 187 

Eetroversion mobiler, als man gedacht hat, was auf das Weicherwerden 
der Fixationen zurückzuführen ist. Es kommt auch die durch die intra- 
vaginale Durchwärmung der Gewebe geschaffene Anästhesie bei der 
bimanuellen Lagekorrektur zu günstiger Wirkung, indem man intensivere 
Manipulationen ohne SchmerzäuJJerungen an den Kranken ausführen 
kann als vorher. Dührssen weist darauf hin, daß eine fixierte Betro- 
deviation durch Moorbäder nicht behoben wird, daß aber die subjektiven 
Beschwerden durch eine solche Kur fast immer verringert werden. Er 
bezieht diese Besserung auf die Heilung der begleitenden Endometritis. 
Es spielt gewiß auch die Besserung der Metro-Endometritis hiebei eine 
große Bolle; anderseits glaube ich, daß gerade solche Fälle eine so- 
fortige Anschließung der manuellen endokolpischen Behandlung, 
Dehnung der Fixationen und Lagekorrektur möglichst bald nach dem 
Bade durch den Badearzt erheischen. Man lasse sich die erweichende 
und anästhesierende Wirkung, welche durch das Moorbad geschaflfen 
wurde, nicht entgehen, sondern nütze sie durch sofort angeschlossene 
vaginale Manualbehandlung voll und ganz aus. Die Eetention des Uterus 
nach geglückter Beposition geschieht durch ein Hodge- oder Thomas- 
Pessar, durch welches der Belaps verhindert, die Blasenbeschwerden 
behoben werden. Bei empfindlichen Frauen kann man nach Pincus 
statt dessen eine Kolumnisation vornehmen. 

Bei mobiler Betroversion ist eine Lagerung der Kranken auf eine 
Seite, noch besser auf den Bauch bei mäßiger Beckenerhebung während 
der Nacht entschieden von Nutzen. Ich habe mich oft davon überzeugt, 
wie rasch die Frauen das Schlafen in Bauchlage erlernen. Bedingung 
hiefür ist, daß der Kopf durch Kissen gestützt in Seitenlage bleibt, 
damit der Luftzutritt zur Nase nicht gehemmt werde. Im Momente der 
Verhinderung freien Luftzutrittes dreht sich die Patientin im Schlafe 
unwillkürlich auf den Bücken oder auf die Seite. 

Betroflexio uteri. Die unkomplizierte mobile Betroflexion mach t 
in der Begel keine Beschwerden und bedarf dann auch keiner Be- 
handlung. Erst wenn sich Obstipation, Schmerzen bei der Defäkation, 
Erbrechen, Dyspepsie, Schmerzen im ünterleibe und Kreuz, krampf- 
haftes Husten zeigen, die durch Allgemeinbehandlung nicht rasch be- 
seitigt werden können, schreite man an die Lage- und Gestaltskorrektur 
der Gebärmutter (Fritsch, Winter, Fraenkel). Wodurch eigentlich 
bei der Betroflexion die hochgradigen Beschwerden, insbesondere jene 
des Nervensystems, zumal des sympathischen, erzeugt werden, ist uns 
noch immer nicht ganz klar (Nacke). Es will mir scheinen, daß 
Witthauer im Eecht ist mit seiner Annahme, daß die begleitende 
Parametritis posterior — oder sagen wir besser Perimetritis posterior — 
die Veranlassung für dieselben abgebe. Tatsächlich findet man derartige 
Veränderungen im Douglas, wenn man nach ihnen fahndet, öfter als man 



1.88 Retroflexio uteri. 

glauben sollte, und meine langjährigen Erfahrungen aus dem Seziersaale 
bestätigen dies. Wir wissen, daß die nervösen Symptome weder durch ge- 
glückte konservative noch durch operative Heilung der Betrofleiion immer 
zu beseitigen sind. Fehling gibt dafür die Erklärung, daß die Ver- 
änderungen sich im Nervensystem schon so fest eingenistet haben, daß 
eine restitutio ad integrum nicht mehr möglich ist, ähnlieh wie das 
Freund fllr die Parametritis atrophicans geschildert hat. Daß aber die 
Betroflexion trotzdem die Ursache für die nervösen Erscheinungen ab- 
gegeben hat, steht fest. Jedenfalls fordert Fehling mit vollem Eechte, 
daß man über die Lokalbehandlung nicht die Allgemeinbehandlung 
vernachlässigen soll. Sie besteht in Sorge für die Entleerung der Blase 
und des Darmes, diätetische und thermische Behandlung der Anämie, 
Aufenthalt im Gebirge und an der See. Die Lokalbehandlung ist ver- 
schieden, je nachdem die Betroflexion eine fixierte oder mobile ist. 

Die Fixation kann eine direkte sein durch Anlötung des Uterus 
selbst oder eine indirekte durch Verwachsung der Adnexe (Steffek). 
Wirklich frei ist eine Betroflexion nach Sielski nur dann, wenn hinter 
dem Corpus uteri Darmschlingen liegen. Denn, ist der üteruskörper 
nicht durch Adhäsionen hinten fixiert, so ist er durch „Kontakt- 
adhäsion" im Douglas fixiert. Daher kommt es auch, daß beim Versuche 
manueller Lagekorrektur so mancher Uterus für fixiert erklärt wird, der 
tatsächlich mobil, d. h. nicht adhärent ist. Die Behandlung einer mobilen 
Betroflexion besteht in bimanueller Lagekorrektur und Betention des Uterus 
durch ein Pessar (siehe allgemeinen Teil). Zur Überwindung der Kon- 
taktadhäsion kann intravaginale Belastung dem Bedressionsversuche voran- 
geschickt werden. Durch Lagerung auf den Bauch während der Nacht- 
ruhe kann auch einigermaßen dem Belaps vorgebeugt werden. Immer 
wieder relabierende Fälle können eine Operation notwendig machen. 

Schwieriger gestaltet sieh die Beposition bei Vorhandensein einer 
fixierten Betroflexion. Man gebe nicht allzubald den Versuch auf, 
betrachte nicht jeden Fall vom Standpunkte der Operabilität, sondern 
schlage ein möglichst konservatives und konservierendes Verfahren ein, 
sagt Steffek. Selbstverständlich wird gerade bei fixierten Betroflexionen 
trotz mühevollster Versuche konservativer Behandlung immer eine große 
Zahl von Fällen erübrigen, bei denen nur eine Operation dauernd Hilfe 
bringen kann. Es sind dies zunächst diejenigen Fälle, bei denen die 
Adhäsionen auf nichtoperativem Wege nicht zu lösen sind, ferner 
diejenigen Fälle, bei welchen nur eine scheinbare Lösung der Adhä- 
sionen gelingt, aber federnde Stränge im Parametrium oder Perimetrium, 
elastische Fixationen der Adnexe bei den verschiedensten Gelegenheiten 
ein Zurückschnellen des Uteras in die Betroflexion verursachen. 

Die Lösung der Adhäsionen geschieht — soferne nicht akute 
oder subakute Entzündungen in der Umgebung des Uterus oder oar 



Prolapsus uteri. 189 

Eiteransammlungen dies verbieten, durch die im allgemeinen Teile 
geschilderten bimanuellen endokolpischen Manipulationen ; bei Anheftung 
der Stränge am Knochen kann durch vorangehende intra vaginale Be- 
lastung, im übrigen durch Heißwasserirrigation und warme Vaginal- 
thermoden (bis 45® und darüber) die Manualbehandlung aufs beste 
vorbereitet werden. Auch durch Hebung des Uterus in Narkose nach 
Schul tze mittels brüsker Dehnung, respektive Zerreißung der Adhä- 
sionen, soferne dieselben nicht flächenhaft sind, kann man die Lage- 
korrektur erzielen bei Frauen, die sich häufiger Ordination aus äußeren 
Gründen nicht unterziehen können oder die besonders empfindlich sind, 
die Bauchdecken straff spannen etc. Die Betention geschieht durch 
Pessarien (s. allgemeinen Teil). Die Verwendung von Intrauterinstiften 
ist möghchst zu vermeiden. 

Die Erweichung von Schwielen gelingt durch Moorbäder und 
darin liegt es begründet, daß manche Betroflexion durch den Badearzt 
korrigiert wird, welche durch den Ordinarius trotz langer Behandlungs- 
dauer nicht behoben werde konnte. 

Fraenkel hat auf der Naturforscherversammlung 1886 behauptet, 
daß 70 7o aller Fälle von Betroflexion durch mechanische Behandlung 
vollkommen heilbar seien und Küstner schloß sich ihm an. Wer unter 
zweckmäßiger Kombination der physikalischen Heilmethoden, mit Auf- 
gebot der nötigen Geduld und bei Vorhandensein der genügenden 
technischen Gewandtheit an die Behandlung der Betroflexion schreitet, 
wird finden, daß Fraenkels Annahme das Tatsächliche nicht bloß nicht 
überschreitet, sondern die Grenze des Erreichbaren unterschätzt. 

Prolapsus uteri. Die vorherrschende Therapie des Uterus- 
prolapsus ist und bleibt die operative. Der konservativen Behandlung 
ist hier ein relativ bescheidener Platz zugedacht. Was zunächst die 
Prophylaxe anlangt, so kann dieselbe nicht treffender gekennzeichnet 
werden, als dies vonseiten Winters geschah: kein frühzeitiges Mit- 
pressen der Gebärenden, keine künstliche Entbindung bei engem 
Muttermund, keine Zange ohne treffende Indikation und gute Technik, 
sorgfältige Dammnaht. Das wichtigste aller dieser Momente ist wohl 
jenes der Zangenoperation, da bekanntlich gerade durch den gegen die 
vorliegende Indikation und zuwider den gegebenen Bedingungen ausge- 
führten Forzeps, insbesondere bei mangelhafter Technik, Abreißungen 
des Levator ani am Schambeinansatz sehr häufig vorkommen (Schatz). 
Die Bedeutung des Levator ani für die normale Lage des Uterus im 
Becken ist aber eine altbekannte. Daher ist von einer erfolgreichen 
Behandlung des Prolapses durch Hebung (Lyftung) gewiß in jenen 
Fällen keine Bede, wo eine bedeutende Läsion des Levator ani durch 
die Geburt zustande gekommen ist. Die Anzahl der durch manuelle 
Behandlung heilbaren Prolapsfälle ist gewiß sehr gering und beschränkt 



190 Inversio uteri. 

sich auf solche bei jungen, kräftigen Individuen, deren Beckenboden- 
muskulatur temporär infolge schlechten Tonus nachgegeben hat, wo 
der Prolaps erst seit kurzer Zeit besteht, wo die Scheide nicht durch 
langes Tragen von Pessarien überdehnt wurde. Auch der Intaktheit des 
Dammes ist einige Bedeutung nicht abzusprechen. Über die Technik sowie 
den Pessargebrauch vergleiche man das im allgemeinen Teile Gesagte. Der 
im Becken befindliche Uterus verkleinert sich bald, auch die prolabiert 
gewesene Scheidenwand schwillt ab, sowie sie an normaler Stelle liegt. 
Beckers empfiehlt nächtliche Mittelhochlagerung des Beckens, wobei 
der Uterus durch seine eigene Schwere sich dem Beckeneingang nähert. 

Bei inoperablen Prolapsen sehr geschwächter, herzkranker, alter 
Frauen, bei Verweigerung der Operation nimmt man zu einem 
der im allgemeinen Teile beschriebenen Prolapspessarien Zuflucht. Bei 
Greisinnen wird statt des Pessars bloß ein Tampon (mit Glyzerin und 
anderen Medikamenten getränkt) oder eine zwischen den Schenkeln 
durchlaufende Binde mit eingelegter Pelotte verwendet. 

In den Anfangsstadien des Prolapses, zumal wenn erst ein 
Deszensus vorliegt, kann man mit der physikalischen Therapie immerhin 
einige Erfolge erzielen. Schäffer hat nachgewiesen, daß in den Früh- 
stadien der Senkung stets eine bedeutende Hyperämie der Befestigungs- 
mittel des Uterus vorliegt, welche zu Elastizitätsschwund führt. Es ist wohl 
schon darum ein tonisierendes Verfahren rationell. Man verwendet kühle 
Scheidenspülungen, bei sonst kräftigen Individuen Schwimmen, Turnen, 
Thure Brandts Heilgymnastik zur Kräftigung des muskulösen Becken- 
bodens, zumal des Levator ani (Kumpf), Faradisation mit dem Quantitäts- 
strora. Bei erheblicher Verletzung des Levator ani ist von all diesen Maß- 
nahmen nur ein vorübergehender Erfolg zu erwarten. Bald fällt der Uterus 
dennoch vor und nur eine Operation vermag die Anomalie zu beheben. 

Inversio uteri. Die ßeposition ist immer zunächst auf konser- 
vativem Wege zu versuchen, und zwar vorerst durch manuelle ßeposition 
in Nai'kose (Schultze). Die linke Hand sucht von den Bauchdecken 
her den Inversionstrichter zu dehnen, die rechte sucht entweder zuerst 
die invertierte Zervix umzustülpen oder sie beginnt an den Tubenecken. 
Gelingt es auf diese Weise nicht, die normale Lage des Uteras wieder- 
herzustellen, so schiebt man den invertierten Uterus in die Scheide uud 
tamponiert maximal oder legt noch besser einen mit 2 — 3 kg Quecksilber 
gefüllten, großen Kolpeurynter in die Scheide bei Mittelhochlagerung 
des Beckens. Jaworski berichtet über einen Fall von chronischer 
Inversion, den er durch Kombination der Belastung mit dem galvanischen 
Strom zur ßeinversion brachte. Er benützte die Alexandroffsche 
Kohlenelektrode, die mit einer zirkulierendes Wasser enthaltenden 
tierischen Blase überzogen war. Gelingt die ßeinversion auf konserva- 
tivem Wege nicht, so schreitet man zur Operation. 



Metrorrhagie. 191 

Metrorrhagie. Wenn auch die Uterusblutung nicht als Krankheit, 
sondern stets nur als Symptom aufzufassen ist, empfiehlt es sich doch, 
die physikalische Behandlung der Metrorrhagien speziell zu schildern, 
da es uns in einer Reihe von Fällen nicht möglich ist, eine kausale 
Therapie einzuleiten und nicht selten überdies die Beherrschung der 
Blutung die wichtigste Indikation darstellt. 

Das sicherste Mittel einer raschen Blutstillung ist die Tamponade 
der Scheide, eventuell auch des Uterus mit steriler weißer oder Jodoform- 
gaze. Aber auch durch hydriatische, respektive statothermische Proze- 
duren kann man hämostyptische Wirkung erzielen. Dieselben bestehen 
entweder in kalten Ausspülungen, die aber zuweilen nicht gut ver- 
tragen werden und durch ein Eiswasserspekulum zu substituieren sind 
(v. Preuschen, Stroynowski). Noch wirksamer sind heiße Scheiden-, 
respektive Uterusspülungen mit 45 — 50® warmem Wasser, aber nicht 
mit zu großen Mengen ausgeführt. Wir können schließlich auch, wie 
dies im allgemeinen Teile ausgeführt wurde, von entfernten Körperstellen 
aus auf den Kontraktionszustand der Uterusgefäße einwirken. 

Von speziellen Indikationen wären hier, ohne den Besprechungen 
in den betreffenden Kapiteln vorgreifen zu wollen, bloß folgende zu 
nennen. Bei der chronischen Atonie des Uterus (Lomer), die sich bei 
schwächlichen, lymphatischen, tuberkulösen Frauen, nach gewissen 
Vergiftungen, protrahierter Laktation, sowie nach rasch hintereinander 
erfolgten Geburten findet (ßheinstädter), sind insbesondere heiße 
Seheidenspülungen, kühle Moorbäder, manuelle oder Vibrationsmassage 
des Uterus (Arendt), vagino-abdominale Paradisation zu empfehlen. 
Ergotin ist kaum zu entbehren. Bekanntlich ist gerade in diesen Fällen 
das Curettement unwirksam, auch wegen der Perforationsgefahr nicht 
gleichgültig. Die präklimakterischen Blutungen werden unten speziell 
besprochen. Gleich hier mag indes erwähnt werden, daß gerade für 
diese die Atmokausis als Eefugium vor Ausführung einer radikalen 
Operation bedeutungsvoll ist. Besteht eine venöse Stauung in den Abdo- 
minalorganen und veranlaßt dieselbe die Uterusblutungen, so ist selbst- 
verständlich kausal zu behandeln. Brunnenkuren mit alkahsch-salinischen 
Wässern sind gegen die Blutungen sowie gegen die meist begleitende 
Obstipation nutzbringend. Bei kleinen Myomen sind kühle Moorbäder, 
Solbäder, heiße Scheidenspülungen, unter den bereits im allgemeinen 
Teile gekennzeichneten Bedingungen auch galvanische Behandlung von 
günstigem Erfolge begleitet. Bei Hämophilie ist zur Atmokausis zu 
greifen. Sind entzündhche Vorgänge am Uterus, an den Adnexen oder 
am Parametrium die Ursachen der Blutung, so wird man sich neben 
der palliativen Behandlung stets die Kausaltherapie angelegen sein 
lassen. Bei irregulären Blutungen infolge Polypen, Schleimhautwucherung, 
Sarkom, Karzinom wird man mit der Blutstillung nicht zu viel Zeit 



192 Myonia uteri. — Carcinoma uteri. 

verlieren, sondern so bald als möglich an die radikale, operative Be- 
handlung des Grundleidens sehreiten. 

Gleichwohl gibt eis Fälle, bei welchen eine unmittelbare Ursache 
für die Blutung schlechtweg nicht zu finden ist; Bheinstädter faßt 
eine Zahl derselben als vasomotorische Blutungen auf. Neben den bereits 
geschilderten Maßnahmen kann man nach Olshausen solche Frauen 
für mehrere Stunden auf einen heißen Sandsack legen, oder nach dem 
Vorsehlage von Gueneau de Mussy einen mit 45—48® warmem Wasser 
gefüllten Ohap man sehen Beutel an die Lenden gegend setzen; wenn 
vonseiten des Herzens und der Lunge keine Gegenanzeige besteht, kann 
man auch laue und warme Duschen des Oberkörpers vornehmen (Grenell). 

Myoma uteri. Daß durch irgend welche konservative Methode 
die Verkleinerung oder auch bloß die Wachstumshemmung eines Uterus- 
myoms zu erzielen sei, glauben heute nur mehr sehr wenige Autoren. 
Wenn denmaeh die Therapie des Myoms vorzugsweise eine operative 
ist, kommt doch der konservativen, speziell der physikalischen einige 
Bedeutung zu, insoferne sie gegen das Symptom der Blutung, gegen 
den Schmerz und gegen die allgemeine Abnahme der Körperkräfte 
manches zu leisten vermag. 

Der Euf jodhaltiger Solbäder bezüglich ihrer Wirksamkeit bei 
Uterusmyomen ist nicht imbegründet; beeinflussen sie auch nicht das 
Wachstum der Tumoren, so setzen sie doch die Hyperämie derselben 
herab und verringern die Blutungen (Kisch). Auch kühlen Moorbädern 
wird bei kleinen Myomen blutstillender Effekt nachgerühmt. Doch be- 
währen sieh in dieser Richtung auch warme Süßwasserbäder, besser 
Vollbäder als Sitzbäder (Landau), von zirka 28® Temperatur; bei Ab- 
wesenheit peritonealer Eeizerscheinungen mag man sich mit Vorsicht 
der Heilgymnastik bedienen. Die Massage, und zwar nicht bloß die 
intravaginale, sondern auch die integumentäre des Abdomens, ist gänzlich 
zu vermeiden. Gegen die Massage der oberen Körperhälfte ist nichts 
einzuwenden; in Verbindung mit einem roborierenden Begime, Auf- 
enthalt an der See oder klimatischen Winterstationen leistet sie Günstiges 
für die Erhaltung der Körperkräfte. Heiße Vaginalspülungen sind meist 
unentbehrlich; auch wird man der medikamentösen Blutstillung nicht 
entraten können. Das Apostolische Verfahren bietet keine Chancen in bezug 
auf Verkleinerung oder Wachstumshemmung, sondern kann bestenfalls die 
Blutung vermindern, respektive bannen. Wie bereits erwähnt wurde, paßt 
die Galvanolyse nur für interstitiell sitzende, nicht komplizierte, kleine bis 
mittelgroße Myome bei Frauen, welche dem Klimakterium nahe sind. 

Carcinoma uteri. Daß die Behandlung des Gebärmutterkrebses 
eine operative sein muß, bedarf keines weiteren Wortes. Daß aber die 
konservative Behandlung des inoperablen Uteruskarzinoms eine überaus 
wichtige und durchaus nicht ganz undankbare Aufgabe für den Arzt 



Salpingo-Oophoritis. 193 

ist, wurde bereits mehrfach, insbesondere von Ohrobak, betont. 
Auch die physikalische Therapie darf hier ein Wort mitreden. Ist 
es doch durch die Anwendung der Eöntgen- und Eadiumstrahlen 
gelungen, der Jauchung und Blutung Einhalt zu tun, auch die 
Schmerzen herabzumindern. Es wurde im allgemeinen Teile dar- 
getan, daß insbesondere Eezidive nach vorangegangener Radikal- 
operation die Domäne für die Bestrahlungstherapie werden dürften. 
Wenn es durch diese — freilich komplizierten und kostspieligen — 
Methoden gelingt, die quälendsten Erscheinungen beim inoperablen 
Krebs auch nur für einige Zeit zu verringern in Fällen, wo es durch 
andere Mittel nicht gelingt, dieses Ziel zu erreichen, so ist damit bereits 
viel für die bedauernswerten Kranken geleistet. Jedenfalls ist das Ver- 
fahren schonender als eine Verschorfung mit oder ohne vorangeschickte 
Exkochleation; doch bedarf es erst weiterer Untersuchungen, um fest- 
zustellen, ob der temporäre EflFekt der beiden Methoden der gleiche ist. 

Salpingo-Oophoritis. Im akuten Stadium wird man das Haupt- 
gewicht auf absolute Bettruhe legen, kühle Umschläge oder Kühl- 
schlauchkompressen applizieren, bei Fehlen eines stärkeren Fluor den 
Ktihlapparat nach Winternitz oder Heitzmann in die Scheide ein- 
legen, gegen hochgradige Schmerzen Narkotika verabreichen. Bei 
Anwesenheit peritonealer Eeizerscheinungen ist ein Eisbeutel von Wert. 
Wenn Koblanck sagt, „ein schwerer Eisbeutel bringt oft mehr Schaden 
als Nutzen", so hat er damit ganz recht. Doch darf man daraus nicht 
folgern, der Eisbeutel sei gänzlich wegzulassen, sondern man hat den 
Eisbeutel aufzuhängen (siehe allgemeinen Teil), damit er die Bauchhaut 
absolut nicht drückt. Dann wird er gewiß nicht nur unschädlich, 
sondern von entschiedenem Nutzen sein. Die Eegulierung der Darm- 
tätigkeit ist ein weiteres Gebot der Behandlung. Bei hoher Kontinua 
macht man kalte Waschungen, appliziert wohl auch kühle Stanun- 
umschläge. Von Bädern ist vorerst abzusehen, da durch sie das Gebot 
der Euhe verletzt wird, da warme Bäder die Suppuration befördern 
und kühle leicht Tubenkontraktionen provozieren können. Auch Scheiden- 
spülungen sind im akuten Stadium nur bei abundanter Sekretion vor- 
zunehmen, sonst zu unterlassen. Man mache sie jedenfalls eigenhändig, etwa 
mit 22 — 24^ Flüssigkeit, langsam, absatzweise und unter sehr niedrigem 
Druck. Die Einlegung medikamentöser Tampons ist kaum zu entbehren. 

Hat das Fieber und der Schmerz bereits an Intensität nach- 
gelassen, so kann man an Stelle der kalten Umschläge erregende 
Umschläge auf den Bauch applizieren und allenfalls 25—20^ Sitzbäder 
verordnen; durch dieselben wird wohl nicht so leicht ein neuerlicher 
Fieberanstieg provoziert als durch die von Bumm empfohlenen feuchten, 
heißen Kompressen. Nunmehr können auch lauwarme Hegarsche 
Mastdarmeinläufe in Verwendung kommen, doch muß die Körper- 

Oscar Fr an kl, Die ptays. Heilmethoden in der Gynäkologie. \S 



194 Salpingo-Oophoritis. 

temperatur genauer Beobachtung unterworfen werden. Zeigt sich eine 
Piebersteigerung, so ist unverzüglich zur Therapie des akuten Stadiums 
zurückzukehren. Über die medikamentöse Therapie, welche auch in diesem 
Stadium unentbehrlich ist, brauche ich hier wohl nichts anzugeben. 

Energischer und eingreifender wagt sich die physikalische Therapie 
an die Behandlung des dritten, chronischen Stadiums heran; auch sind 
ihr hier leichter wahrnehmbare Erfolge beschieden als in den beiden 
vorangehenden Etappen, während derer durch physikalische Prozeduren 
nur Linderung der Beschwerden zu erzielen ist. Es liegen bereits von 
so vielen maßgebenden Seiten einwandfreie Berichte über günstige 
Eesultate der konservativen Behandlung entzündlicher Adnexerkrankungen 
vor, daß nicht mehr daran zu zweifeln ist, daß eine große Eeihe von 
Fällen, in welchen selbst schwere objektive Veränderungen vorliegen, 
auf nichtoperativem Wege der Heilung zuzuführen sind. Freilich ist 
nie eine Bestitutio ad integrum im anatomischen Sinne zu erreichen; 
aber es genügt, wenn Beschwerdefreiheit und Arbeitsfähigkeit, in einer 
ansehnlichen Zahl von Fällen sogar die Konzeptionsfahigkeit erzielt 
wird. Dazu kommt, daß die konservative Behandlung, wie Fett, 
Nebesky, Peham und Keitler, Amann u. a. betonen, nahezu mit 
0% Mortalität arbeitet. Wenn auch die operative Therapie durch Ver- 
vollkommnung der Technik mit einer staunenswert geringen Mortalität 
einhergeht, so ist doch nicht zu leugnen, daß das Periculum vitae bei 
denjenigen Fällen, die man konservativ behandeln darf und behandelt, 
geringer ist als bei operativer Therapie. Behandeln darf, sagte ich. 
Denn trotz des schönen Ausbaues der konservativen Therapie bleibt 
doch eine Zahl von Fällen übrig, für welche einzig und allein die 
Operation angezeigt ist. Dahin gehören jene Fälle, bei welchen unter 
beständigem Fieber und peritonealen Erscheinungen die Ruptur eines 
Eitersackes droht (Fett), bei Bestehen dünnwandiger tubarer Eiter- 
säcke, beiPyovarium, ferner wo monatelange konservative Behandlung keine 
merkliche Besserung erzielt hat (Peham und Keitler), und daher zu 
befürchten steht, daß die Arbeitsfähigkeit überhaupt nie wieder werde 
hergestellt werden können, bei Puellis publicis, welche stets neuerlichen 
Infektionen ausgesetzt sind (Koblanck), schließlich bei Stieldrehung 
und tuberkulösen Prozessen an den Adnexen (Franque). Daß gleichwohl 
eine sehr große Zahl von Fällen der konservativen Therapie erhalten 
bleibt, beweisen die bereits vorliegenden Berichte verschiedener Autoren. 
Straßmann hat von 1000 Fällen 91 operativ behandelt; Franqu6 
operierte in 14<^/o der Fälle. Nebesky hat von 360 Kranken 50 operiert. 

Was die Erfolge anlangt, so sind vor allem die von Peham und 
Keitler aus der Klinik Ohrobak berichteten Erfolge bemerkenswert. 
Von 126 konservativ behandelten Fällen können 74 Frauen einem 
schweren Berufe nachgehen! Trotz schwerer anatomischer Veränderungen 



Salpingo-Oophoritis. 195 

trat in 20 Fällen Schwangerschaft und normale Geburt ein. Treub 
(Amsterdam) berichtete auf dem internationalen Kongreß zu Madrid 
(1903), daß 507o aller Fälle auf konservativem Wege heilbar seien. 
Dazu ist zu bemerken, daß sich dieser Autor durchaus nicht aller 
verfügbaren physikalischen Methoden bedient hat, daß überdies die von 
ihm angegebene durchschnittliche Behandlungsdauer von 6 Wochen 
wohl zu kurz bemessen ist. Jung hat in der Greifswalder Klinik 
116 Fälle von Adnexerkrankungen mit Heißluft behandelt und teils 
ohne Operation, teils nach einfacher Eiterentleerung die entzündlichen 
Produkte durch Heißluft zum Schwinden gebracht. Über ähnlich 
günstige Besultate berichtet Stratz. Krönig sagt sogar, in 90^0 
der gonorrhoisch kranken Frauen gelinge die exspektative Behandlung und 
habe die besten Besultate aufzuweisen. Fett berichtet,erhabe volle Arbeits- 
fähigkeit und Beschwerdefreiheit in 65'87o seiner Fälle allein durch 
konservative Behandlung erzielt. Ich übergehe die große Zahl von 
Autoren, welche in Vorträgen, Diskussionen und Publikationen die 
konservative Behandlung der Salpingo-Oophoritis und des entzünd- 
lichen Adnextumores in den letzten zehn Jahren befürwortet haben. 
Immerhin mag es berechtigt sein, perzentuelle Angaben über voll- 
kommene Heilung mit einiger Vorsicht aufzunehmen, da erfahrungs- 
gemäß Bezidive nach Jahr und Tag vorkommen, ohne daß eine Be- 
infektion angenommen werden muß. Es ist jedenfalls dahin zu streben, 
möglichst lange Zeit nach Abschluß der Behandlung Nachunter- 
suchungen vorzunehmen, da nur so Fälle aus der Statistik auszu- 
scheiden sind, deren Beweiskraft keine triftige ist. 

Die physikalische Behandlung der chronisch entzündlichen Adnex- 
erkrankungen erstreckt sich fast inuner auf mehrere Wochen, auch auf 
mehrere Monate. Ich selbst habe einzelne Fälle 10 — 12 Monate behandelt. 
Es ist eben Sache des Arztes, nicht nur selbst die Geduld nicht zu ver- 
lieren, sondern auch der Kranken die Geduld zu bewahren und ihren 
Willen, die Behandlung bis ans Ende durchführen zu lassen, zu kräftigen. 

Der Heilplan richtet sich ungefähr nach folgenden Grundsätzen. 
Solange noch — wenn auch geringes — Fieber besteht, sei man 
vorsichtig mit der Anwendung der Wärme. Am ehesten zulässig sind 
erregende und warme Umschläge, warme Scheidenspülungen mit 
geringen Flüssigkeitsmengen, warme Sitzbäder von höchstens zehn Mi- 
nuten Dauer. Läßt das Fieber endgültig nach, sind sicher keine abge- 
sackten Eiterherde vorhanden (siehe allgemeinen Teil), so schreite man 
zu prolongierten heißen Scheidenspülungen, appliziere warme Schlauch- 
kompressen, Thermophore, mag wohl auch bei nur mäßig verdickter, nicht 
sehr empfindlicher Tube und bei hartem, nicht allzusehr vergrößertem, nicht 
sehr empfindlichem Ovarium, zumal bei nicht gonorrhoischen Fällen, mit 
Vorsicht bimanuelle Massage vornehmen. Bei hochgradiger Empfindlich- 

13* 



196 Salpingo-Oophoritis. 

keit der Organe, frischeren Adneztumoren lasse man die Massage zunächst 
ganz beiseite. Warme, prolongierte Sitz- und Vollbäder, bei im Fundus 
des Douglas fixierten Adnexen endokolpische und abdominal-integumen- 
täre Belastung, insbesondere aber diö Heißluftbehandlung führen bald 
eine Abnahme der Schmerzen, bei Vorhandensein öd ematöser Schwellungen 
Schwinden derselben, nicht selten auch eiue Verkleinerung von Adnex- 
tumoren herbei. Tritt nach einer Heißluftsitzung oder Belastungslagerung 
Fieber auf, so ist durch mehrere Tage zu den minder energischen 
Prozeduren zurückzukehren. 

Nicht jede Eiterbildung muß uns zu sofortiger Operation bewegen. 
Wir wissen, daß bei Einhaltung vollkommener Euhe, durch erregende 
Umschläge, bei Nachlassen des Fiebers durch warme Umschläge, 
Moorbäder und Heißluftbehandlung eine Eindickung des Eiters, Sterili- 
sation desselben und Organisation infolge Bindegewebsdurchwachsung 
erfolgen kann. Wird aber die Bildung eines dünnwandigen Eitersackes 
unter hohem Fieber und intensiven Schmerzen durch die Palpation 
festgestellt, dann beharre man nicht länger auf konservativer Behand- 
lung, sondern sehreite an die Operation. Man halte daran fest, daß die 
biologische Dignität, der momentane Stand des entzündlichen Prozesses 
und die durch ihn gesetzten Veränderungen der Adnexe maßgebend 
sind dafür, ob durch physikalische Maßnahmen Resorption oder Suppu- 
ration erzeugt wird. In der Beobachtung der Körpertemperatur, in der 
Palpation haben wir Mittel zur Erkenntnis, zu welchem Vorgange hin- 
neigende Tendenz besteht, in der Blutuntersuchung (Leukozytose 
mit Werten über 13 — 14.000), in dem Vorhandensein peritonealer Er- 
scheinungen, im Palpationsbefunde haben wir die Hinweise auf die 
bereits erfolgte eitrige Einschmelznng. 

Durch Kombination der Heißluftapplikation mit der Belastung, 
respektive Massage bei fieberfreien Fällen von langem Bestände, wo 
Eiteransammlung sicher fehlt und die chronische Induration das Bild 
beherrscht, sind wir im stände, wesentliche Verkleinerung von chronisch 
entzündeten, eventuell zu Tumoren verbackenen Adnexen zu erreichen, 
doch sind derartige Kuren meist von langer Dauer. Man hat indes 
hiebei nicht selten die Genugtuung, das Schwinden der Schmerzen, 
sowohl während der intermenstruellen Zeit als auch während der 
Menses, sowie das Schwinden von Unregelmäßigkeiten der Periode zu 
beobachten; durch Förderung der Durchblutung des Eierstockes und 
Eileiters und fortschreitende Eesorption der entzündlichen Produkte 
erhöht man die stark herabgesunkene Konzeptionsfähigkeit. So sah ich 
selbst mehrere Frauen schwanger werden und entbinden, welche an 
umfänglichen Aduextumoren gelitten hatten. 

Nicht zu unterschätzen ist schließlich die balneologische Behand- 
lung der Eierstocks- und Eileiterentzündung sowie des entzündlichen 



Desoensus ovariorum. — Ovarialneuralgie. 197 

Adnextumors. Doch paßt sie nur für das chronische Stadium. Wahr ist, 
daß die EindickuQg kleiner Eiterherde durch Mineralmoorb'ider nicht 
selten zu erzielen ist, und daß man Fälle, die immer wieder zu akutem 
Aufflackern geführt hatten, nach einer kombinierten Trink- und Bade- 
kur in Pranzensbad, Kohlgrub, Marienbad, Elster etc. wesentlich ge- 
bessert heimkehren sieht. Keinesfalls darf man von Moorbädern oder 
konzentrierten Solbädern für alle Fälle Erfolg erwarten. Jeder Gynäko- 
loge kennt Fälle, die ungebessert wiederkehrten — aber das sind eben jene 
Frauen, bei denen die konservative Therapie meist gänzlich erfolglos bleibt, 
wo die operative Therapie am Platze ist. Die Virulenz der Gonokokken ist 
mitunter so hochgradig, daß sie auch durch monatelange Behandluug nicht 
abgeschwächt wird, und in diesen Fällen kann nur mehr durch das Messer 
die Heilung gebracht werden: „Kaun" — aber „muß" nicht. 

Descensus ovariorum. Besteht die Ursache der Tieflagerung des 
Eierstockes in einer Entzündung, so ist natürlich diese zu behaudeln. 
Bei Fixation des Ovarium an abnormer Stelle kann man, wenn das Punctum 
fixationis der Knochen ist, durch Quecksilberkolpeuryse oder auch durch 
Scheidentamponade, ansonsten durch Massage die Fixation zu beheben 
trachten. Bei Fehlen akut entzündlicher Prozesse und Eiteransammlungen 
kann man die Massage durch vorheriges Einlegen einer warmen Vaginal- 
thermode (45—55®), auch durch prolongierte heiße Spülungen wirksam 
vorbereiten. Verursacht eine üterusdjstopie die Dislokation des Eier- 
stockes, so ist die Behebung der ersteren geboten (Koblanck). Eüandelt 
es sich bei anämischen und herabgekommenen Individuen um Er- 
schlaffung des Bandapparates, so ist ein allgemein roborierendes Re- 
gime, und nach erfolgter Hebung des Kräftezustandes mäßige Heil- 
gynmastik angezeigt. In vielen Fällen ist die Einlegung eines 
Prochowniksehen Pessars von Nutzen. Dasselbe hebt den Uterus und 
damit auch die Ovarien. Bei Anwesenheit frischer entzündlicher Er- 
scheinungen in der Umgebung des Uterus ist natürlich von der Ein- 
legung eines Pessars abzusehen. Die physikalische Behandlung der 
neurasthenischen Erscheinungen, welche sich sehr oft an eine Ovarial- 
dystopie anschließen, ist meist unerläßlich (siehe unten). 

Ovarialneuralgie. Die Schmerzen werden durch warme Bäder, 
Thermophore, warme Schlauchkompressen, warme Vaginalthermoden 
verringert. Einige Autoren berichten über die schmerzlindernde Wirkung 
der positiven vagino-abdominalen Galvanisation mit der Kohlenelektrode 
sowie der vagino-abdominalen Faradisation mit dem Spannungsstrom. 
Auch der undulatorische Strom soll bereits günstige Erfolge gebracht 
haben. Ist die Ovarialneuralgie bloß ein Symptom einer Neurasthenie 
oder Hysterie, so ist die Behandlung des Grundleidens indiziert. Symp- 
tomatisch bewähren sich hier hydroelektrische Bäder, auch mag man 
einen Versuch mit der Franklinisation und dem Arsonvalschen Strom 



198 Hämatokele. — Para- und Perimetritis. 

unternehmen. Den Akratothermen kommt eine eminent beruhigende 
Wirkung zu. Ist die Ovarialneuralgie — und das ist nicht so selten 
der Fall — ein Symptom bei chronischer Koprostase, so ist eine Trink- 
kur mit Glaubersalzwässern am Platze. 

Hämatokele. Die physikalische Therapie kann erst dann zur 
Behandlung einer Hämatokele herangezogen werden, wenn dieselbe 
bereits seit längerer Zeit besteht, Nachblutung nicht mehr zu befürchten 
ist und die Eesorption, respektive Organisation des Blutergusses im 
Gange ist. Man befördert diesen Vorgang durch warme Sitz- und Voll- 
bäder, warme, statothermische Kompressen, später heiße, prolongierte 
Ausspülungen, auch durch vorsichtige Massage (Eosenstirn). 

Para- und Perimetritis. Da wir sehr wohl wissen, daß durch- 
aus nicht jede Eutzündung des Parametrium oder Perimetrium, wenn 
sie gleich mit der Bildung eines großen Exsudates einhergeht, in 
Eiterung überzugehen braucht^), ist es immer unsere Aufgabe, zunächst 
durch physikalische Maßnahmen die Beschleunigung der Eesorption 
anzustreben, und nur, wenn dieses Bestreben sich als erfolglos erweist, 
die Beförderung der Suppuration zu versuchen, um durch operative 
Entleerung des Eiters Heilung zu bringen. Nicht selten schließt nach 
dieser Entleerung wieder physikalische Therapie die Kur ab. Die Ee- 
sorption tritt seltener bei gonorrhoischen, häufiger bei puerperal ent- 
standenen Exsudaten ein, daher wird die Chance für die Wirksamkeit 
physikalischer Prozeduren naturgemäß eine günstigere sein bei den 
puerperal entstandenen Exsudaten. Größe und Sitz des Exsudates ist, 
wie Prochownik richtig bemerkt, nicht maßgebend für die Dauer des 
Bestandes, und mit Hilfe der physikalischen Heilmethoden gelingt es nicht 
selten, umfangreiche, hoch an den Bauchdecken emporragende Exsudate 
in relativ kurzer Zeit ohne Suppuration — manchmal freilich mit einer 
solchen und durch operative Eiterentleerung — zum Schwinden zu bringen. 

Das akute und subakute Stadium der Para- und Perimetritis wird nach 
den gleichen Grundsätzen behandelt wie das akute und subakute Stadium der 
Salpingo-Oophoritis. Besteht keine Endometritis, sind die Tuben und Ovarien 
gesund, so kann man kalte statothermische Vaginalspekula mit durch- 
fließendem Wasser, auch kühle Scheidenspülungen anwenden, v. Eost- 
horn empfiehlt bei längerer Dauer hohen Fiebers kalte Einpackungen. 

Die Therapie des chronischen Stadiums ist verschieden je nach 
der Art des vorliegenden pathologischen Prozesses. Bekanntlich ist das 
Substrat der Para- und Perimetritis fallweise verschieden. Es handelt 
sich in dem einen Falle wesentlich um Hyperämie und Ödem, in an- 
deren Fällen um Ablagerung eines verschieden großen, oft sehr um- 
fangreichen, hoch gegen die Bauchdecken emporragenden Exsudates, 
das entweder die Tendenz zu eitriger Einschmelzung oder nach mehr 

^)Kelirer behauptet, 95% aller Parametiitiden enden durch Resorption. 



Para- und Perimetritis. 199 

oder weniger langem, stationärem Bestände die Neigung zur Eesorption 
zeigt, wieder in anderen Fällen herrseht ■ nach einem kurzen Stadium 
der Bindegewebsneubildung das Bild atrophischer Schrumpfung vor 
(Freund). So ist es begreiflich, daß unsere physikalischen Maßnahmen 
dem pathologischen Prozesse angepaßt werden müssen, daß nur auf 
Grund einer exakten Detaildiagnose die Wahl des passenden therapeu- 
tischen Weges getroffen werden kann. 

Die Unterscheidung zwischen Odem und Exsudat ist freilich nicht 
immer leicht zu treffen, und in manchen Fällen wird sie erst durch 
den Erfolg der eingeleiteten Therapie gesichert. Eelativ rasch weicht das 
Odem des Parametrium bei Heißluftbehandlung, Massage, endokolpischer 
Belastung. Letztere wirkt beim Ödem geradezu spezifisch, auch bei der 
chronisch indurativen Form (Funke, Halban). Die Belastung wird 
durch Pincus' Mittelhochlagerung des Beckens wirksam unterstützt. 

Liegt ein Exsudat vor, so ist es unsere Aufgabe, vorerst die Ee- 
sorption ohne eitrige Einschmelzung anzustreben, was in einer großen 
Zahl von selbst umfänglichen Exsudaten gelingt. Ist das fieberhafte 
Stadium vorüber, ^o beginnt man mit der Heißluftbehandlung, appliziert 
erregende Umschläge mit inliegender heißer Schlauchkompresse, oder 
macht statt dessen, insbesondere wenn das Exsudat im Douglas hegt, 
heiße Spülungen mit 1 — 2 Liter Wasser, und zwar 1 — 2mal täglich. 
Treten Fieberschwankungen auf, so ist mit dieser Therapie sofort inne- 
zuhalten. Eeicht das Exsudat an die Bauchdecken heran, so kann man 
durch Heißluftapplikation die Eesorption mächtig anregen. Aber in 
einer großen Zahl von Fällen, und zwar gehören hieher wohl öfter 
jene gonorrhoischen als puerperalen Ursprunges, wird durch eben diese 
Therapie die Suppuration beschleunigt, respektive provoziert; darum ist 
während der Hitzebehandlung eine beständige, genaue Beobachtung 
der Körpertemperatur, insbesondere Achtung auf Schüttelfrost, auf 
plötzliches Aufflackern heftiger Sehmerzen, auf leukozy totischen Blut- 
befund notwendig. Deutet eines dieser Symptome auf Eiterung hin, 
oder ergibt die bimanuelle Untersuchung eine auffallende Erweichung 
bei gleichzeitigem erhöhtem Spannungsschmerz, so ist die Hitze- 
behandlung sofort zu unterbrechen und zu erregenden Umschlägen, 
insbesondere zu vollkommener Euhelage zurückzukehren. Geht indes 
die Eesorption ungestört vor sich, so kann man nach 1—2 wöchent- 
lichem Ausbleiben von Fieberschwankungen darangehen, die durch 
Heißluft, heiße abdominale oder vaginale Applikationen verschiedener 
Art geschaffene Hyperämie vollkommen auszunützen, indem man an 
die Thermobehandlung sofort eine gelinde Massage anschließt. 01s- 
hausen, der entschiedene Gegner der Massage, muß gerade bei diesen 
Zuständen den Wert der Massage unumwunden zugeben. Ich habe mich 
ungemein oft davon überzeugt, daß die Kombination der Heißluft mit 



200 Para- und Perimetritis. 

der Massage eine sichere Beschleunigung der Resorption herbeiführt. 
Denn nicht bloß die durch die Hyperämie gewonnene ünempfind- 
lichkeit, sondern auch die bessere Gewebsernährung, die Erweiterung 
der Lymphbahn und die Vergrößerung der Eesorptionskraft wird erst 
durch die Massage voll und ganz ausgenützt. Besteht irgend ein auf 
Suppuration hindeutendes Symptom, so ist natürlich auch die Massage 
sofort zu sistieren. Die Vibrationsmassage paßt nur für ganz alte Fälle, 
wo das pathologische Bild nicht mehr durch rundzellige Infiltration, 
sondern vielmehr durch massige Bindegewebsneubildung beherrscht wird, 
wo seit langer Zeit keine Fieberschwankungen aufgetreten sind und 
das Exsudat sich steinhart anfühlt. Sitzt das Exsudat im Douglas, so 
kann man durch kombinierte Belastungslagerung, sitzt es nahe den 
Bauchdecken, so kann man durch abdominal-integumentäre Belastung 
auf die Beschleunigung der Eesorption günstigen Einfluß nehmen. 

In den späten Stadien der Krankheit, wo die Frauen nicht mehr bett- 
lägerig sind, wird man von der Balneotherapie ausgiebig Gebrauch machen. 
Starke Sol- und Mutterlaugenbäder, insbesondere in Form warmer, prolon- 
gierter Sitzbäder, auch Moorbäder, insbesondere in Fränzensbad, in Ver- 
bindung mit einer Trinkkur, auch Fangoapplikationen sind hier am Platze. 

Kommt es zur Suppuration, so ist die operative Entleerung des 
Eiters geboten. Ist nicht das ganze Exsudat zur Vereiterung und Ent- 
leerung gelangt, so kann man bei oflFener Inzisionsöflfnung weiter ther- 
mische Behandlung üben, wodurch eine gründliche Entleerung des eitrig 
eingeschmolzenen Exsudates zu bewirken ist. Man versucht dies durch 
warme Bäder und statothermische Kompressen, bei vaginaler Inzision durch 
heiße Vaginalthermoden zu bewirken, wohl auch durch heiße Spülungen, 
wenn man weiß, daß der Peritonealsack sicher intakt geblieben ist. Wurde 
die Inzision in der Nähe des Poupartschen Bandes gemacht, so verabreicht 
man warme Sitzbäder oder bedient sich der Heißluft. Die Behandlung der 
resultierenden narbigen Veränderungen ist im Sinne der zu schildernden 
Grundsätze gleichfalls der physikalischen Therapie vorbehalten. 

Tritt die narbige Schrumpfung primär (Parametritis atrophicans, 
Freund) oder sekundär nach Ablauf des exsudativen Stadiums in den 
Vordergrund, mit ihr Dislokation und Gestaltveränderungen mannigfacher 
Art am Uterus und an den Adnexen, so ist es geboten, durch Hyper- 
ämisieruDg den atrophischen Schwund des Bindegewebes der elastischen 
und muskulären Elemente im Perimetrium, in den Parametrien und 
Ligamenten hintanzuhalten, sowie durch Mechanotherapie die Wieder- 
herstellung der verlorenen Formen und topischen Beziehungen zu er- 
streben. Es wird sich daher gerade in diesem Stadium die thermische 
Aktion dem Locus morbi möglichst nähern müssen, da nicht nur die 
Hyperämisierung, sondern auch die direkte Durchwärmung der Gewebe 
hier von Belang ist. Daher sind in solchen Fällen heiße statothermische 



Para- und Perimetritis. 201 

Vaginalapparate und prolongierte heiße Scheidenspülungen anzuwenden. 
Durch dieselben werden die geschrumpften Parametrien und Ligamente 
stark hyperämisch, anästhetisch, sukkulent und dehnbar. Schließt man an 
die Thermositzung sofort eine Massage, sei es eine manuelle oder vibra- 
torische, bei Bestehen abnormer Fixationen des Uterus oder der Adnexe 
am Knochen eine endokolpische Belastung an, so erzielt man einen bei 
weitem intensiveren Effekt als durch eine der genannten Encheiresen 
für sich. Ohne besondere Schmerzen zu erzeugen, kann man relativ 
mühelos in einer mäßigen Anzahl von Sitzungen oft starke Fixationen 
lösen, breite und derbe Adhäsionen dehnen und so Dystopien beheben, deren 
konservative Behandlung man vor nicht gar langer Zeit als aussichtslos er- 
klärt hatte. Selbstverständlich muß bei Auftreten von Fieberschwankungen 
sofort mit dieser — immerhin eingreifenden — Kur unterbrochen werden. 
Bei der diffusen Parametritis athrophicans stehen die Chancen auch bei 
Anwendung dieser kombinierten Behandlung ungünstig. Bei der zirkum- 
skripten Form kann man indes relativ günstige Eesultate gewärtigen. 

Bandl wies seinerzeit darauf hin, daß bei 58% aller Frauen, die 
geboren haben, narbige Stränge im Beckenbindegewebe und Becken- 
bauchfell zu finden seien. Witthauer hat in neuester Zeit diesen Ge- 
danken aufgenommen und die Bedeutung dieser Stränge eingehend ge- 
würdigt. Tatsächlich findet man sie öfter als man glaubt, und wenn 
man die Erscheinungen, welche durch solche Eesiduen nach entzünd- 
lichen Prozessen erzeugt werden, überblickt, so darf man es nicht gering 
anschlagen, wenn uns durch die physikalischen Heilmethoden die 
Möglichkeit geboten wird, einen großen Teil derartiger Fälle zu heilen. 
FreiUch wird ein anderer — nicht allzu großer — Teil ungeheilt bleiben 
und der operativen Therapie zufallen. 

Die balneologische Behandlung dieser entzündlichen Eesiduen in 
Form von Narben besteht in der Anwendung warmer Moorbäder und 
warmer, konzentrierter Solbäder. Es ist notwendig, daß dem Bade die 
Massage, respektive manuelle Dehnung baldigst angeschlossen werde. 
Dührssen bemerkt, daß auch ohne lokale Behandlung Besserung durch 
Moorbäder zu erzielen sei und bezieht dies auf die Heilung der Metro- 
Endometritis. Aber die Erfolge sind keine dauernden, wenn man nicht 
gleichzeitig die Dehnungs- und Lösungsbewegungen vornimmt, was 
auch im Anschlüsse an Moorbäder sehr gut gelingt. 

Nicht immer wird durch die Behebung der Veränderungen am 
Genitalapparat auch das Schwinden von Eeflexneurosen, Sympathikus- 
affektionen, vasomotorischen oder psychischen Störungen, welche im Ge- 
folge der Genitalerkrankung sich etabliert haben, zu erreichen sein. In 
solchen Fällen ist es notwendig, nach Beseitigung der Anomalien an 
den Geschlechtsorganen eine roborierende und restaurierende Allgemein- 
behandlung einzuleiten. 



202 Pelviperitonitis. — Menarche. 

Pelviperitonitis. Die physikalische Behandlung der Entzündung 
des Beckenbauchfelles ist zwar nach dem bereits Gesagten selbstver- 
ständlich, dennoch soll sie hier kurz zusammengefaßt werden. Im akuten 
Stadium Euhe, Eisblase (unbedingt aufgehängt auf eine über den Bauch 
gestülpte Eeifenbahre, Bandl), kalte Schlauchkompressen. Sorge fOr 
einmalige, ausgiebige Darmentleerung, hierauf medikamentöse Euhig- 
stellung des Darmes. Im subakuten Stadium erregende Umschläge, bei 
Nachlaß des Fiebers ableitende Klysmen; im chronischen Stadium 
warme Sitz- und Vollbäder, später Heißluft, Belastung. Treten die ex- 
sudativen Vorgänge in den Hintergrund gegenüber der Bildung von 
Bindegewebssträngen und abnormen Adhäsionen, so sind manuelle oder 
in späten Stadien der Erkrankung vibratorische Massage, Dehnungs- 
und Lösungsbewegungen am Platze, soferne vollkommene Fieberfreiheit 
besteht. Die mechanische Behandlung kann alsdann zweckmäßig durch 
vorangeschickte endokolpische Durchwärmung oder Heißluftapplikation 
vorbereitet und in ihrer Wirkung verstärkt werden. Für die mit exsuda- 
tiven Vorgängen einhergehenden, aber bereits fieberfreien Fällen paßt 
die balneologische Behandlung sehr gut. Es kommen Akratothermen, 
stärker konzentrierte, warme Solbäder, Thermalsolbäder, eventuell Jod 
oder Brom enthaltende Kochsalzbäder, insbesondere aber Mineralmoor- 
bäder in Betracht. Bei alten Fällen mit Adhäsionsbildung ist An- 
schließung der mechanischen Behandlung an die Badekur von Wichtigkeit. 

Menarche. Die Zeit des Eintrittes der ersten Periode und ihre 
Pathologie wurde eingehend untersucht und mehrfach trefiiend geschildert 
von Kisch, dessen Darstellungen ich hier im wesentlichen folge. Die 
Behandlung der in dieser Epoche des Frauenlebens vorkommenden Ano- 
malien ist von der größten Bedeutung für das Individuum, da zu dieser 
Zeit nicht bloß schwere Emährungs- und Stofiwechselstörungen, sondern 
auch irreparable Veränderungen im Nervensystem sich etablieren. 

In der Pubertät und der ihr vorangehenden Zeit ist eine zweck- 
mäßige Abhärtung und Kräftigung des Organismus von ganz besonderer 
Wichtigkeit. Bewegung im Freien, die bereits oben geschilderte psy- 
chische, physikalische und diätetische Hygiene, morgens und abends 
kühle Abreibungen, mäßige Sportübung sind der vielfach überlasteten 
und gewiß zu viel sitzenden weiblichen Jugend dringendst zu empfehlen. 
Liegt lymphatisch-skrofulöser Habitus vor, so bringe man die Mädchen 
in waldi'eiche Mittelgebirgsgegend und verabreiche wenn möglich Sol- 
bäder. Bei höheren Graden der Nervosität bewährt sich besser der Ge- 
brauch von Akratothermen. 

Tritt die Periode zu früh ein, so spricht man von Menstruatio 
praecox. Nicht selten ist allzu üppige Kost, sitzende Lebensweise, früh- 
zeitige Beschäftigung der Phantasie mit sexuellen Motiven schuldtragend 
an der Funktionsanomalie. Durch Fernhaltung der genannten Schädlich- 



Menarche. — Amenorrhoe. 203 

keiten gelingt es zwar nicht leicht, die einmal begonnene Menstrual- 
tätigkeit zum Sistieren zu bringen, was auch nicht wünschenswert 
ist, wohl aber kann man hiedurch dem Entstehen neurasthenischer Zu- 
stände wirksam entgegentreten. 

Erschwerter, verspäteter Eintritt der Menstruation — Menstruatio 
tarda — beruht in vielen Fällen auf Anämie und Chlorose, und die 
Behandlung fällt mit jener des Grundleidens zusammen (s. u.). Aber 
auch bei ganz gesunden Mädchen mit relativ gut entwickeltem Genitale 
beobachtet man zuweilen Ausbleiben der ersten Menstruation bis ins 
18. Lebensjahr und darüber, oder aber die Periode tritt einmal, respektive 
einige Male auf, um dann für Monate oder Jahre zu schwinden. Klima- 
tische, psychische Einflüsse, Heredität sind hiebei im Spiele. Es ist nicht 
zu leugnen, daß für solche Fälle Aufenthalt an der See und nach erfolgter 
Akklimatisation, absolvierter Vorkur mit warmen Seewasser- Wannenbädern 
die Meerbäder von eklatantem Nutzen sind, vorausgesetzt daß solche ver- 
möge der Konstitution der Patientin statthaft sind. Daneben ist Heil- 
gymnastik und Sport — mit Ausschluß des Eadfahrens — zu verwerten. 

Besteht zur Pubertätszeit Amenorrhoe bei gleichzeitiger Empfind- 
lichkeit der Ovarien mit schleimigem Ausfluß, so empfiehlt sich der 
Gebrauch von Eisenmoorbädern (Kisch). Zeigt sich Postponieren und 
erschwerter Eintritt der Menses, so verabreicht man warme Sitz- und 
Fußbäder, macht laue Waschungen oder appliziert kurze, kräftige Duschen 
gegen die Oberschenkel und die Lumbairegion. 

Amenorrhoe. Beruht dieselbe auf mangelhafter Entwicklung des 
Uterus und der Ovarien, so sind die Erfolge der physikalischen Therapie 
im allgemeinen nicht sehr ermutigend. Man versucht Heilgymnastik 
und mäßigen Sport, empfiehlt Aufenthalt im Freien und an der See, 
appliziert daneben den faradischen Quantitätsstrom, und zwar entweder 
utero-abdominal oder bipolar-intrauterin. Beruht die Amenorrhoe auf 
Anämie, Ohiorose, Neurasthenie, Adipositas, entzündlichen Veränderungen 
an den Ovarien, auf TJterusatrophie, so ist das Grundleiden nach den 
in den betrefifenden Kapiteln geschilderten Prinzipien zu behandeln. 
Beruht die Amenorrhoe auf Intoxikationen, so ist die Unterbrechung 
der Giftzufuhr herbeizuführen, daneben sind roborierende Behandlung, 
Heilgymnastik, mäßiger Sport von Wert. 

Es bleibt indes eine Zahl von Fällen übrig, bei welchen keine 
der genannten Ursachen, auch keine Laktationsatrophie, keine nachweis- 
baren psychischen oder klimatischen Momente die Amenorrhoe ver- 
anlassen, sowie Fälle, in welchen die Behandlung des Grundleidens 
das Wiedererscheinen der Menstruation nicht provoziert. Man hat dann 
stets noch eine Eeihe physikalischer Mittel zur Verfügung, welche rein 
symptomatisch wirken, eine Fluxion zum Uterus erzeugen, und nicht 
selten erzielt man durch derartige Maßnahmen tatsächlich den Wieder- 



206 Kliinakterium. 

Die letztere wird am besten im Badeorte abgehalten, mit entsprechender 
Diät und mäßiger Bewegung vereint. Von rein symptomatischen Mitteln 
sind zu nennen kurze, kühle Sitzbäder, kalte Abreibungen, insbesondere 
solche der unteren Extremitäten (Beni-Barde). 

Findet sich bei schwächlichen Frauen, nach Intoxikationen, nach 
Forcierung des Koitus ein schlaffer, atonischer, weicher, leicht dilatier- 
barer, dünnwandiger Uterus, so wird nebst Anwendung von Sekale- 
präparateu der Aufenthalt an der See und im Hochgebirge, der Gebrauch 
kühler Stahl- und Mineralmoorbäder (Fellner), intravaginale manuelle 
und vibratorische Massage, Faradisation, eventuell auch Tamponade zur 
Anwendung kommen. Theilhaber faßt einen großen Teil der prä- 
klimakterischen Blutungen gleichfalls als atonische Hämorrhagien auf; 
ich glaube, daß häufiger lokalisierte Arteriosklerose in den üterus- 
gefäßen im Sinne Fritschs als Ursache anzusehen ist; der Beginn der 
Arteriosklerose ist bekanntlich stets mit Blutdrucksteigerung verbunden 
(v. Basch), welche freilich dem Klimakterium als solchem gleichfalls 
zukommt (Siredey und Francillon). Das Ohrensausen, welches gerade 
im Klimakterium oft zu beobachten ist, soll nicht als nervöse Er- 
scheinung aufgefaßt werden, sondern als Frtihsjmptom einer Arterio- 
sklerose (Stein), welche sich in den üterusgefäßen bereits geltend 
macht. Gegen die oft ungemein schweren, präklimakterischen Blutungen 
stehen uns — nachdem zuvor eine maligne Neubildung als Ursache 
sicher ausgeschaltet worden — mannigfache physikalische Heilmethoden 
zur Verfügung. Neben der Einhaltung vollkommener Ruhe und Tampo- 
nade bewähren sich heiße Scheidenspülungen mit 1 — 2 Liter Wasser, 
auch kühle Scheidenspülungen (Kisch), Duschen des Oberkörpers 
(Grenell), heiße Umschläge auf das Kreuz, Lagerung auf einen heißen 
Sandsack (Olshausen), kühle Fußbäder, anderseits auch der Kolpeurynter 
mit Eiswasser oder der Vaginalrefrigerator nach Kisch, prolongierte 
kühle Sitzbäder (Gzempin), kühle Sol- und Mutterlaugenbäder. Daneben 
können intern Abführwässer gebraucht werden. Ergotin ist oft unent- 
behrlich. Als sicheres Mittel bewährt sich die Atmokausis (Pincus), 
durch welche eine Operation umgangen werden kann. 

Geben Lage Veränderungen, entzündliche Erkrankungen des Uterus 
und seiner Umgebung oder Tumoren die Ursache für Menorrhagien 
ab, so ist rein kausale Behandlung geboten. Symptomatisch bewähren 
sich neben den bereits genannten Prozeduren Regenduschen auf den 
Kopf und Oberkörper, meist von lauwarmer Temperatur (Beni-Barde), 
zuweilen auch wechselwarme Fußsohlenduschen, Abreibungen des Ober- 
körpers; auch mäßige Beckenhochlagerung kann Nutzen bringen (Adler). 

Klimakterium. Nicht das häufigste, jedoch das bedeutsamste 
Symptom stellen die Blutungen dar. In jedem Falle ist festzustellen, 
ob dieselben nicht etwa durch eine in Bildung begriffene maligne 



SteriHtät. 207 

Neubildung hervorgerufen werden. Zu diesem Behufe ist es oft not- 
wendig, den Uterus zu diktieren, mittels Sonde und Finger auszu- 
tasten, eventuell eine Abrasio mucosae anzuschließen. Ist ein Neoplasma 
ausgeschlossen, so behandle man die Meno- und Metrorrhagien nach 
den oben gekennzeichneten Prinzipien. 

Ein weiteres, wichtiges Symptom sind die vasomotorischen Störungen, 
welche wohl auf die mangelhafte innere Sekretion der Ovarien zu 
beziehen sind. Fliegende Hitze, Wallungen, Schwindel, geistige Unruhe 
machen sich geltend. Sie werden bekämpft durch wärmesteigernde 
Bäder von 32—37® und 15—20 Minuten Dauer, welche den Blutdruck 
herabsetzen (Gottschalk). Wiegen die Symptome der Abdominalplethora 
und des Fettansatzes vor, so mag man neben dem innerlichen Gebrauch 
von Glaubersalz- und Bitterwässern allgemeine Körpermassage, leichte 
Heilgymnastik, insbesondere passive mit Herz sehen Apparaten, auch 
Thure Brandts Atemgymnastik vornehmen. Treten die nervösen 
Erscheinungen in den Vordergrund, welche sich oft als Eeizerscheinungen 
in der Genitalsphäre kundgeben und von den Frauen im gesetzten 
Alter, die oft schon Großmütter sind, höchst peinlich empfunden werden, 
so mag man gelinde hydriatisehe Prozeduren, wie Teilwaschungen, 
Abreibungen, laue bis kühle Eegenbäder dagegen zu Felde führen. 
Bei Vorherrschen der Herzbeschwerden kann man sich der Kohlensäure- 
bäder bedienen. Doch geben Angst- und Aufregungszustände eine 
Gegenanzeige derselben ab. Stahl- und Säuerlingsbäder empfehlen sich 
bei antizipiertem Klimakterium (Kisch), soferne keine intensive nervöse 
Reizbarkeit vorhanden ist. In der Wahl klimatischer Kurorte sei man 
vorsichtig ; die zu Wallungen neigenden, meist erregbaren Frauen ver- 
tragen weder bedeutendere Höhenlage noch Seeklima. Es werden Sol-, 
Schwefel-, See-, oft genug auch Stahl- und Säuerlingsbäder nicht vertragen. 

Sterilität. Ist dieselbe bloß eine relative infolge entzündlicher 
Veränderungen der Schleimhaut oder Muskulatur des Uterus, der Ad- 
nexe, Lage- und Gestaltsanomalien, Stenose des Zervikalkanales oder des 
inneren Muttermundes, Fettansatz, Anämie und allgemeiner Schwäche, 
so ist die Behandlung des Grundleidens für die Behebung der Sterilität 
ausschlaggebend. Bei schwächlichen Personen empfehlen sich SäuerUngs- 
und Stahlbäder, bei skrofulösen Individuen Jod und Brom enthaltende 
Solbäder, auch kohlensaure Kochsalzthermen. Die gleichen Maßnahmen 
bestehen zurecht bei schwächlichen Frauen mit Neigung zu Abortus. 
Zur Anregung der Zirkulation im Uterus wurden auch Kohlensäure- 
duschen empfohlen (Loimann). Besteht Sterilität infolge Wochenbetts- 
atrophie, so sind warme Bäder, Sondierung des Uterus, Faradisation 
und roborierende Diät anzuwenden (Straßmann). Bumm hat darauf 
aufmerksam gemacht, daß angeborene Enge des Scheidengewölbes, 
richtiger gesagt, angeborene Flachheit desselben, den vorzeitigen Samen- 



208 Anomalien der Baiiehdecken. — Nervöse Störungen des Sexualapparates. 

abfluß veranlaßt. Er sehlägt als Mittel gegen diese Anomalie intra- 
vaginale Massage und Tamponade vor. Doch sind auch endokolpische 
Belastung und Vibration heranzuziehen. Überdies gibt nach B u m m die 
Induration der Zervixschleimhaut gelegentlich die Ursache der Sterilität ab. 
Man nehme keine Ätzungen vor, sondern vielmehr Dilatation und Sonder- 
massage, die nach Straßmann bloß einmal wöchentlich ausgeführt und mit 
Bädergebrauch kombiniert werden soll. Gegen abnorme Eeflexerregbarkeit 
der Beckenmuskulatur und Bauchdecken, durch welche das Sperma unmittel- 
bar post coitum ausgepreßt wird, empfiehlt Eis eh Massage der Bauch- 
decken. Diese kann manuell und instrumentell ausgeführt werden. Daneben 
sind milde hydriatische Prozeduren oder Akratothermalbäder angezeigt. 

Anomalien der Bauchdecken. Der abnormen Eeflexerregbarkeit 
wurde eben gedacht. Bei Schlaffheit der Bauehdecken infolge Über- 
dehnung nach Geburten, bei anämischen und herabgekommenen Indivi- 
duen bewährt sieh manuelle und instrumenteile Massage der Bauchdecken 
sowie die Anlegung einer passenden Bandage. Bei Hängebauch empfiehlt 
Kumpf Heilgymnastik und Vibration. Abnorme Fettauflagerung auf 
den Bauch wird mittels Heißluft und Massage behandelt, daneben 
allgemeine Behandlung der Adipositas (s. u.). 

Nervöse Störungen im Bereiche des Sexualapparates. Die 
Dyspareunie soll bei eben erst verehelichten Frauen keiner Behand- 
lung unterworfen werden, da sie nichts Krankhaftes ' bedeutet. Erst 
wenn nach mehrmonatlicher oder jahrelanger Ehe, ohne daß bei der 
Kohabitation Sehmerzen empfunden werden, ohne Vorhandensein einer 
organischen Anomalie, absolute Frigidität besteht, mag man deren 
Behandlung aufnehmen. Nenadovics unterscheidet acht Arten der 
Anaesthesia sexuaUs, deren gemeinschaftliches Symptom die Anaphro- 
disie ist. Wenngleich die Auseinanderhaltung dieser Typen in praxi 
nicht leicht durchführbar ist, steht doch fest, daß die Ursachen der 
Anaphrodisie verschiedene sein können. Wir sind indes noch nicht so 
weit, die Therapie den einzelnen Formen speziell anpassen zu können, und 
stehen vorläufig in diesen Dingen auf dem Versuchsetat. Man verordnet 
vorerst kühle Waschungen, Duschen, hygienische Eegelung des sexuellen 
Verkehres, allgemeine Massage, Heilgymnastik, versucht allenfalls vagino- 
abdominale Faradisation. In besonderem Eufe stehen Kohlensäurebäder 
und Kohlensäureduschen, auch Scheidenspülungen mit einfachen Säuer- 
lingswässern. Nebstdem werden Stahl- und Säuerlingsbäder empfohlen. 

Nymphomanie und Pollutionen sind zwar stets Teilerschei- 
nungen einer allgemeinen Neurasthenie, doch treten sie als Symptom 
so sehr in den Vordergrund, daß ihre spezielle Behandlung erforderlich 
wird. Man verabreicht prolongierte, kühle Halbbäder, appliziert kühle, 
statolhermische Korapressen, macht abends kühle Waschungen. Der 
Arsonvalsche Strom soll mit Erfolg angewandt worden sein. 



Neurasthenie und Hysterie. 209 

Auch der Masturbation wäre hier kurz Erwähnung zu tun, 
deren Behandlung zwar hauptsächlich eine psychische sein soll, wobei 
jedoch die Herbeiführung einer hygienischen Lebensweise mit Vermeidung 
vielen Sitzens, mit leichter Muskelbetätigung durch Turnen, Heil- 
gymnastik, mäßigen Sport, insbesondere Schwimmen, aber nicht Eeiten 
oder Eadfahren, bei blander und nicht zu reichlicher Diät und regel- 
mäßigen kühlen Waschungen den Erfolg wahrscheinlicher macht. 
Ein Versuch mit Massagebädern kann bei stets wieder rückfälligen 
Individuen immerhin gemacht werden. 

Neurasthenie und Hysterie. Der Zusammenhang zwischen 
Sexualleiden und Neurasthenie wurde gerade in letzter Zeit von vielen 
Neurologen und Gynäkologen eingehend behandelt, so von. Rhein- 
städter, Bouveret, Krafft-Ebing, Pürbringer, Löwenfeld, Eins- 
wanger u. a. Die Neurasthenie und Hysterie wird am häufigsten 
durch solche Sexualleiden provoziert, welche mit Blutungen einher- 
gehen (Rheinstädter); wird durch die allgemeine Ernährungs- 
störung eine Anämie und Chlorose gesetzt, so kommt sehr leicht 
Neurasthenie oder Hysterie zum Ausbruch (Eulenburg). Aber auch 
Stenosen des Zervikalkanales, Dysmenorrhoe, Fluor, chronische Eier- 
stockseotzündung, Descensus ovarionim, Vaginismus, Pruritus, Onanie, 
Sterilität, chronische Metritis und Lageanomalien können einen neur- 
asthenisehen Zustand herbeiführen (Rhein Städter). Ovarialgion sind 
häufiger die Folge als die Ursache eines hysterischen Zustandes. 

Durchaus nicht alle Fälle von Neurasthenia sexualis beruhen auf 
vorangegangenen Sexualleiden. Nach Amann haben 20^0 aller 
hysterischen Frauen ein gesundes Genitale. Nach Krafft-Ebing ist 
die nervöse Belastung die unbedingte Voraussetzung einer Sexual- 
neurasthenie, in vielen Fällen wird sie indes ausgelöst durch eine Sexual- 
erkrankung. Bins wanger nimmt denBegriff der Sexualneurasthenie wohl 
am engsten. Jedenfalls haben wir in therapeutischer Beziehung Oogge- 
shalls Anschauung zu berücksichtigen, der darauf hindeutet, daß 
durch die Beseitigung pathologischer Veränderungen am Genitalapparat, 
welche den Ausbruch einer allgemeinen Neurasthenie provoziert haben, 
nicht auch diese schwindet oder schwinden muß ; es ist vielmehr meist 
notwendig, eine Behandlung der nervösen Erscheinungen anzuschließen. 

Die spezielle Therapie der Neurasthenie hier auszuführen, wäre 
nicht am Platze. Hier mag bloß betont werden, daß neben der Ein- 
leitung eines psychischen und diätetischen Regimes eine hydriatische 
Behandlung geboten ist; man beginnt mit milden Prozeduren, Ein- 
packungen mit folgenden Halbbädern, Halbbädern mit Rückengüssen 
und Frottierungen nach vorangegangener Wärmestauung im Bett oder 
Dampfkasten, schließt allgemeine Körpermassage an, Heilgymnastik, 
insbesondere mit Herzschen oder Zand ersehen Apparaten; bei Hyper- 

Oscar Frankl, Die phys. Heilmethoden in der Gynäkologie. 24 



210 UntereiTiährimg. — Anämie, Chlorose. 

ästhesien verabreicht man hydroelektrische Bäder, verwendet den Arson- 
valschen Strom. Gegen Schlaflosigkeit, Krampf- und Erregungszustände 
gibt man 30—35® Vollbäder, welche beruhigend und schlafbringend 
wirken (Schweinburg). Bei der Wahl eines klimatischen Kurortes 
ist besondere Vorsicht zu verwenden; nicht nur die Konstitution der 
Kranken, sondern auch die Neigungen, Laune und äußere Umstände 
sind 5fu berücksichtigen (Nothnagel). Höhenluft und Seeklima wirken 
selten günstig. Ist der Kräftezustand bereits ein guter, bestehen nur 
mehr Eesiduen der Neurasthenie in Form von ßeizungszuständen in 
der Genitalsphäre, so kann man Seebäder anraten. Denselben sind 
stets warme Seewasser- Wannenbäder als Vorkur voranzuschicken. 

Die Therapie der hysterischen Ovarialgie fällt zusammen mit dem 
im Abschnitte „Ovarialneuralgie" Gesagten. 

Unterernährung. Nicht sowohl durch diätetische als vielmehr 
durch balneo-klimatische Behandlung ist die durch erschöpfende Genital- 
erkrankungen hervorgerufene Unterernährung zu behandeln. In kurzer, 
aber treffender Weise faßt Kisch die schwierige Frage der Kurorte- 
wahl zusammen: Bei reizbaren Individuen ist ein sedativ-roborierendes 
Klima mit gleichmäßiger Temperatur, mäßiger Feuchtigkeit und wind- 
geschützter Lage zu empfehlen; bei torpiden Frauen ist dagegen ein 
exzitierend-roborierendes Klima mit Höhenlage, vermehrtem Luftdruck 
und leicht bewegter Luft zu empfehlen. Hinzuzufügen ist noch, daß 
bei schwachen Menses warmes Klima angezeigt ist, bei profusen Menses 
kühleres Klima, sowie Aufenthalt an der See entspricht. Im Herbst 
und Winter werden bei Unterernährung die klimatischen Winter- 
stationen (siehe allgemeinen Teil) ausgiebig verwertet. 

Will man den darniederliegenden Stoffwechsel hydrotherapeutisch 
heben, so dürfen die Prozeduren nie mit einer Wärmeentziehung ein- 
hergehen (Schweinburg). Balneotherapeutisch kommen Säuerlings- 
und Stahlbäder, bei nervösen Individuen Akratothermen, bei lymphatischen 
Personen Solbäder in Anwendung. Man hüte die Kranken anfangs vor 
vieler Bewegung; denn durch diese wird der Appetit nicht angeregt, 
sondern vollkommen untergraben. Erst wenn der Kräftezustand sich 
gebessert hat, kommt Bewegung im Freien, allgemeine Körpermassage, 
leichte Gymnastik, später Turnen und Sportübungen in Frage. 

Anämie, Ohiorose. In den beiden letzten Jahrzehnten hat sich 
in der Behandlung der „Blutarmut" ein gründlicher Wandel vollzogen. 
Die früher fast ausschließlich medikamentöse Therapie wurde durch 
die Erfolge der physikalischen Behandlung beiseite gedrängt und 
repräsentiert heute nur mehr einen unterstützenden Faktor von geringerer 
Bedeutung. Die wichtigste Anforderung im Beginne der Behandlung ist 
die Einhaltung vieler Euhe, eventuell in Form einer Liegekur. Dieselbe 
soll wenn möglich unter Zufuhr frischer und reiner Luft vor sich 



Anämie, Chlorose. 211 

gehen, was erfahrungsgemäß auch bei sehr niedrigen Temperaturen im 
Winter möglich ist, wenn bloß der Körper wohl verwahrt ist. 

Gleich im Beginne der Behandlung sucht man durch kurze 
hydriatische Prozeduren, welche nicht wärmeentziehend wirken und, 
mit mechanischen Beizen verbunden, eine rasche und ausgiebige 
Eeaktion hervorbringen, eine Verbesserung der Blutqualität, Ver- 
mehrung der roten Blutkörperchen, Erhöhung des Hämoglobingehaltes 
und spezifischen Gewichtes des Blutes hervorzubringen (Wintern itz, 
No Orden). Selbstverständlich beginnt man mit gelinden Prozeduren, 
mit Teilwaschungen von 22®, die jeden Tag um V kühler gemacht 
werden, unter gleichzeitiger Friktion, nach vorangegangener Wärme- 
stauung im Bette, worauf durch Eückkehr ins warme Bett oder durch 
Bewegung im Freien die Eeaktion beschleunigt und verstärkt wird 
(Schweinburg). Wird das vertragen, so schreitet man zu Abreibungen, 
Halbbädern mit Übergießungen und Friktionen, nach vorangegangener 
Wärmestauung in Form von Einpackungen, lauen Eegenbädern oder 
kurzen Dampfbädern (Schweinburg). 

In letzter Zeit wurde auch die energische Wärmezufuhr als Heil- 
mittel der Anämie und Ohiorose warm empfohlen und die Eesultate 
sind tatsächlich günstig. Grawitz behauptet, durch die Wasserent- 
ziehung erfolge eine Entlastung der Zirkulation, Steigerung der Oxy- 
dation und der Herztätigkeit, Vermehrung der Atemzüge. Man verwendet 
dreimal wöchentlich Dampfbäder (der Kopf bleibt frei, ist mit einer Kühl- 
haube bedeckt; während der Prozedur läßt man kühle Getränke schlürfen), 
elektrische Lichtbäder (Kellogg) von fünf Minuten Dauer; darauf folgt eine 
kalte Abklatschung oder kühle Dusche mit abschließender einstündlicher 
Euhe (Eosin, Mamlock, Eaebiger u. a.). Statt der Dampf- und Heiß- 
luftbäder verwendet man auch Sonnenbäder und 35 — 40° Vollbäder von 
halbstündiger Dauer. Die darauffolgende kühle Prozedm- ist die gleiche. 

Mag die Entwässerung des Blutes Zunahme der Blutdichte be- 
wirken (Scholz, Traugott) oder die mächtige Anregung des Stoff- 
umsatzes auf die Neubildung der Blutkörperchen anregend wirken, wie 
dem immer sei, die Erfolge dieser Kuren sind bei Anämie recht 
günstig zu nennen. Daneben ist anfangs viel Euhe geboten; etwas 
Eisen mag zugeführt werden, am besten in Form der Arseneisen- 
wässer oder eisenhaltiger alkalisch-salinischer Wässer. Ist der Hämo- 
globingehalt des Blutes gestiegen, so gestattet man mäßige Bewegung; 
erzeugt dieselbe weder Kopfschmerz noch Schwindel, so beginnt man 
allgemach mit allgemeiner Körpermassage und Heilgymnastik. 

Die klimatischen Kurorte sollen als Nachkur und zur Vervoll- 
ständigung des physikalisch-diätetisch erzielten Effektes, beziehungs- 
weise zu seiner Stabilisierung dienen. Hauptsächlich kommen die süd- 
lichen Küstenkliraate und die südlichen Übergangsstationen in Betracht. 

14* 



212 Adapositis. 

Das über diesen Punkt im eben vorangegangenen Kapitel Gesagte ist 
auch hier anzuwenden. — Treten lymphatisch- skrofulöse Symptome 
zutage, so ist vom Gebrauche der Solbäder und warmen Seewasser- 
bäder bei gleichzeitigem Aufenthalt an der See guter Erfolg zu hoffen. 
Bei Vorwiegen der Herzerscheinungen, die auf Herzmuskelsehwäche 
basieren, ist den kohlensäurereichen Badewässern der Vorzug zu geben. 
Bei häufigen katarrhalischen Aflfektionen an den Luftwegen sind Trink- 
und Inhalationskuren mit alkalischen Wässern am Platze. 

Gegen die Leukorrhoe junger, virgineller Individuen ist eine Lokal- 
behandlung nur in den allerseltensten Fällen nötig. Mit der Besserung 
der Chlorose schwindet in der Eegel auch der Fluor albus. Ist indes 
durch Eindringen von Infektionserregern aus dem anämischen Fluor 
ein echt entzündlicher, katarrhalischer geworden, dann ist mitunter 
die Allgemeinbehandlung erfolglos und man entschließt sich — nolens 
volens — auch bei intaktem Hymen zu adstringierend und thermisch 
wh'ksamen Spülungen. Ist durch die Behandlung der Chlorose der Fluor 
nicht beseitigt worden, so verwendet man zur Hebung des Tonus uteri 
bei gut genährten Individuen kurze, kühle Sitzbäder, bei schwächlichen, 
erregbaren Mädchen Akratothermalbäder, bei eitriger Beschaflfenheit 
des Sekretes Badekuren mit Vitriolwässern. Daneben legt man besonderes 
Gewicht — und zwar mit vollem Eechte — auf eine gleichzeitige 
Trinkkur mit Arseneisenwässern. Nicht selten sind gerade Moor- und 
Stahlbäder, bei bereits gekräftigten Individuen Seebäder von dem lang 
ersehnten Erfolge gekrönt, den andere Mittel nicht herbeiführen konnten. 

Adipositas. Die Entfettung des Körpers ist bei vielen Frauen 
eine ungemein wichtige Indikation, da gleichzeitig mit dem Fettansätze 
Zirkulationsstörungen im Sinne venöser Stauungen, schwere Obstipation, 
Amenorrhoe und Sterilität beobachtet werden. Doch ist bei jeder Ent- 
fettung besondere Vorsicht geboten, damit nicht gleichzeitig mit der 
Zerstörung des angehäuften Fettes der Eiweißbestand des Körpers zu 
sehr geschädigt werde (Richter). Durch Muskelarbeit und geeignete 
Diät wird das Verhältnis zwischen Fettbildung und Fettverbrauch 
geregelt. Beginnt man indes sofort mit energischer Muskelarbeit und 
allzu fettarmer Diät, so wird das Körpereiweiß angegriffen und es 
kommen schwere Erscheinungen der brüsken Unterernährung mit 
konsekutiven Herzdegenerationen zustande. 

Die Verbrennung des Fettes geschieht zunächst mittels Schwitz- 
prozeduren, welche den StoflFwechsel energisch anregen. Man verwendet 
Dampf kästen- und Dampfwannenbäder, Heißluft- und Kellogg sehe 
Glühlichtbäder. Auf die Applikation der Wärme, deren Dauer von 
anfangs 5 Minuten bis zu 25 Minuten gesteigert wird, folgt stets eine 
kühle Prozedur, welche um so energischer wirkt, als ja zuvor intensive 
Wärmestauung an der Körperoberfläche vorgenommen worden. Man 



Chronische Obstipation. 213 

beginnt mit Teilwaschungen, kühlen Abreibungen, läßt Halbbäder von 
24 — 15^ mit kräftigen Übergießungen und Friktionen folgen und 
geht allmählich zu den energischeren Prozeduren wie Fächer- und Strahl- 
duschen über. Auch kann man See-, Strombäder mit Schwimmübungen 
nach vorhergehender Wärmestauung durch Sonnenstrahlen verordnen 
(Buxbaum). Den Abschluß macht reichliche Bewegung, allgemeine 
Körpermassage, Mechanotherapie, insbesondere Widerstandsbewegungen, 
Turnen, Sport. Nebstdem ist eine Trinkkur mit Glaubersalz, Kochsalz 
oder Bittersalz enthaltenden Wässern zweckmäßig. Auch die Diät soll 
allmählich spärlicher und fettärmer werden, damit die größeren An- 
forderungen, welche durch die eingeleitete Kur an den Körper gestellt 
werden, seinen Biweißbestand nicht zu brüsk attackieren. Besteht eine Er- 
krankung des Herzens, so ist selbstverständlich große Vorsicht in der 
Wahl der physikalischen Heilmittel zu gebrauchen. Vollblütige Indi- 
viduen vertragen kühle Bäder sehr gut, indes anämisch-fette Personen 
kühle Prozeduren erst nach vorangegangenem Training durch allmähliche 
Abstufung der thermischen Mittel vertragen. 

Chronische Obstipation. Nicht bloß venöse Stase, sondern 
zweifellos auch ein Teil derjenigen Erkrankungen, welche mit Ver- 
dickung, Infiltration, Empfindlichkeit des Douglasbauchfells und der 
Sakrouterinbänder einhergehen, ferner Menstruationsstörangen, ja so- 
gar Lageanomalien werden durch chronische Obstipation und Kopro- 
stase verschuldet. Daher ist die Behandlung dieses Grundübels sehr 
häufig eine an den Gyniater herantretende Aufgabe. Man entledigt sich 
derselben nicht durch Verordnung von Klysmen oder Verschreibung 
eines Abführmittels, denn hiedurch wird zwar temporär Stuhlgang 
provoziert, aber die Atonie des Darmes, seine Muskelträgheit, die Schlaff- 
heit der Bauchdecken und des muskulösen Beckenbodens nicht behoben. 

Ein altbewährtes Mittel gegen die chronische Obstipation ist die 
Massage der Bauchdecken und des Darmes, wodurch die Peristalik 
angeregt wird; dazu kommt methodisches Eumpfbeugen, Erheben der 
Kranken von horizontaler Eückenlage in sitzende Position ohne Zuhilfe- 
nahme der Hände, Schwimmen, Heilgymnastik, mit Vorsicht auch Ead- 
fahren. Auf hydriatischem Wege läßt sich gleichfalls Erfolg erzielen ; 
es kommen insbesondere kurze, kühle Prozeduren zur Verwendung, 
welche den Tonus der Darmmuskulatur anzuregen vermögen. Bei der 
spastischen Obstipation sind es hingegen gerade die warmen Sitz- und 
Vollbäder, warme statothermische Kompressen, welche den Krampf 
lösen und dadurch die Defäkation ermöglichen. 

Es muß anerkannt werden, daß durch eine methodische Trinkkur 
mit Glaubersalzwässern, wie sie in Marienbad und anderen Kurorten 
absolviert wird, bei gleichzeitiger Diät und Bewegungskur eine chronische 
Obstipation tatsächlich geheilt werden kann. Der Darm nimmt seine 



214 Koceygodynie. — Literatur. 

physiologische Funktion wieder auf, indem während des Kurgebrauches 
die Darmmuskulatur gekräftigt, die automatischen nervösen Zentren 
angeregt und eingefahren werden, wobei die Kranke sich von den meist 
mitspielenden mannigfachen psychischen Hemmungen befreien lernt. 
Freilich darf man nicht immer erwarten, ein viele Jahre hindurch 
bestehendes Übel durch eine vierwöchentliche Kur sieher beseitigen zu 
können, sondern hat die Kranke auf die Möglichkeit von Eezidiven, ja 
auf gänzliche Erfolglosigkeit vorzubereiten und eine mehrmalige Wieder- 
holung der Kur vorherzusagen. 

Gegen die oft kausal bedeutsame Atonie der Bauchdecken bewährt 
sich manuelle und instrumentelle, auch vibratorische Massage, daneben 
die Anlegung einer passenden Bandage. Man verwertet auch mit Nutzen 
den faradischen oder galvanischen Strom. Wild lagert die Kranke auf die 
positive Plattenelektrode, indes die negative die Bauchwand kräftig walkt. 

Koceygodynie. Man legt oft mit günstigem Erfolge emen Atz- 
bergerschen Apparat, den kaltes Wasser konstant durchfließt, in den 
Mastdarm. Eose empfiehlt kreisförmige Massage vom Eektum her. 

Literatur.^) 

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^) Nebst den folgenden Arbeiten wurden zahlreiche, in den früheren Literatur- 
verzeichnissen genannten Publikationen im speziellen Teile verwendet, jedoch um 
Wiederholungen zu vermeiden, hier nicht aufgezählt. Einige besonders wichtige 
fi.firurieren hier nochmals. 



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