(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Biodiversity Heritage Library | Children's Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Die preussische Expedition nach Ost-Asien, nach amtlichen Quellen (Zoologischer Theil, bearb ..."

Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 




600038440P 



■j . 





r«i^B^ 


1 




^H 


H 


^^^^^ DIE 




^^H 


I'REUSSISCHE EXin^:i)ITI<)N 

1 


/ 




^_ OST- ASIEN. 




^^^^^^H XAHl A»T1.10H£X UCKT.IEN. 




^^^^^^ /<M)I, OOI$ri'l KK TUR IL. 




^^^^^^^^1 HiuuiiKrrKT voK 




^^^^^^^ 




^H HH»TKIi lt\Mi KILSTK tlUnK 




1 




^^^^^^^H BEKLl^ »i>rrci<jc\'. 


1 


^^^^^■rarelle Hälfte di.« ersten Bandes mit Titel, Vorwort ete. wird ^^^^^H 



DIE 



PREUSSISCHE EXPEDITION 



NACH 



OST-ASIEN 



ZOOLOGISCHER- THEIL. 



KKSTKU HAND. 



DIE 

PREUSSISCHE EXPEDITION 

NACH 

OST-ASIEN. 

NACH AMTLICHEN QUELLEN. 

ZOOLOGISCHER THEIL. 

ERSTER BAND. 
ALLGEMEINES UND WIKBELTHIERE. 

MIT XV TAFELN. 

BEARBEITET VON PROF. D-- EDUARD v. MARTENS. 




BERUN MDCCCLXXVI. 

VERLAS DEB kOnI&UCBEN QEBEntES OBEB-HOFBUCHDBDCKEBEI 
(B. T. DECXEB). 



loG. c5L. iS" 



VORREDE. 



Der Zoologe ^iiier Expedition in fremde Länder hat eine 
<loppelte Aufgabe: erstens die Tliierkunde überhaupt durch neue 
Beobaclitungen und Entdeckungen zu fordern, und zweitens 
die lieimischen Sammlungen durch noch nicht oder niclit hin- 
reichend vertretene Gattimgen und Art^n, seien sie an sich 
aucli schon bekannt , zu bereichem. Diese beiden Bestrebungen 
l)edingen und ergänzen sicli gegenseitig, das Sammeln führt 
zimi Beobachten, das an sich Neue ist auch für die Museen 
neu und eine sichere wissenschaftliche Bestimmung des Beobach- 
teten meist erst mit den Ilülfsmitteln und bei der Müsse in 
der Heimat möglich , also nur durch Sammeln imd kunstgerech- 
tes Verwahren erreichbar; aber in gewissem Grade sind sie auch 
im verträglich , da jedes fiir sich Zeit und Kraft in Anspruch 
nimmt, wovon dem Einzelnen während der Reise nur ein be- 
stimmtes Maass zur Verfiigung steht. Auf See an Bord eines 
nicht ausdrücklich zu wissenschaftlichen Untersuchimgen aus- 
geschickten Schiffes fehlt es zwar selten an Zeit, wohl aber an 
Raimi imd Ruhe oder Licht, oft auch an Beobachtimgsobjekten; 
denn es ist nur eine seltene Ausnahme, dass die Fahrt erlaubt 
ein Netz auszuwerfen, und heissersehnte vielversprechende Inseln 
werden nur von ferne gesehen oder ihre Nähe beim Einzeichnen 
des Kurses auf der Karte erkannt. An Land geht stets einige 



VI 

Zeit mit dem ersten Orientiren und Einricliten hin, die Ungewiss- 
heit über die Länge des Aufenthaltes ersehwert einen rationellen 
Plan fiir die Vertheilung der einzelnen Arbeiten, man rafft zu- 
sammen, was sieh darbietet, und hat öfters gerade die richtigen 
Stellen, Gelegenheiten und Helfer aufgefunden, wenn man sie 
nicht mehr benutzen kann. 

Die Naturforscher der preussischen Expedition nach Ost- 
asien haben allerdings dankbar anzuerkennen, dass für sie 
eigene Kammern in der Batterie der »Thetis« , je eine für zwei 
Personen, mit Aufopferung je eines Geschützes aufgeschlagen 
worden waren, wodurch sie bei gewöhnlichem Seegang hin- 
reichend helle und verhältnissmässig bequeme, von den Seeoffizie- 
ren viel beneidete Wohnräume erhielten ; es war ihnen mehrmals 
möglich, mit Schiffsbooten kleinere Exkursionen zu machen, mid 
wähi'end jedes Aufenthaltes waren ihnen reichlich die nöthigen 
Mittel geboten, um am Lande zu wohnen. Besonders ver- 
pflichtet fiir mannichfache Förderung meiner Bestrebungen bin 
ich dem Geschwaderbefehlshaber Commodore Sundewall, 
Bruder des bekannten schwedischen Zoologen, dem Lieutenant 
zur See imd Observationsoffizier 0. Krausnick, dem Stabsarzt 
Dr. Johswich imd dem Gärtner Otto Schottmüller (diese 
ibeiden unterdessen verstorben). 

Dennoch ist während der ganzen Reisezeit uns nur ein 
vielfach imterbrochenes Nippen an dem reichen Tische der Natur 
möglich gewesen und der beste Gewinn fiir mich eben die eigene 
Anschauung der lebenden Thiere in ihrer natürlichen Umge- 
bung, ein Gewinn, der sich nicht vollständig mittheilen läÄst. 
Feinere, die Wissenschaft direkt fordernde Einzel -Untersuchun- 
gen an fleischen Thieren femer Gegenden noch so nothwendig, 
sind nur bei längerem Aufenthalt an einigermaassen dazu einge- 
richteten Orten 'möglich. 

Als im Frühling 1861 dem Gros der Expedition ein ziem- 
lich unerquickliches Zuwarten an der flachen Küste des Golfes 
von Petsheli bevorstand, wurde die »Thetis« mit den Natur- 



VÜ 

forscliem zu einer seehsmonatliclien Rundfahrt nach Südchina, 
den Plülippinen , Celebes , Java und Singapore ausgesandt (vgl. 
den amtlichen Reisebericht Band III. S. 376 und Band IV. S. 230), 
einer der genussreichsten Abschnitte der Reise, wodurch wir 
erst mit der reichen Tropen weit des indischen Ai'chipels und dem 
eigenthümlichen Leben in den älteren Kolonien desselben in 
nähere Berülirung kamen. Wir fanden hier die freundlichste 
Aufiiahme sowohl von amtlicher als rein persönlicher Seite und 
wesentliche Erleichtenmg miserer Bestrebungen, welche sich 
unter Anderem auch darin zeigte, dass durch Verfügimg der 
Königlich niederländischen Regienmg wir deren eigenen Beamten 
betreffs der Reisegelegenheiten und Reiseausgaben ganz gleich- 
gestellt wurden, wodurch dort das Reisen auf eigene Hand uns 
allein möglich wurde. Dieses bewog mich beim Schluss der Ex- 
pedition (amtl. Bericht Band IV. S. 350), bevor ich auf dem Ueber- 
landweg nach Europa zurückkelirte , erst noch einmal Nieder- 
ländisch -Indien zu besuchen; die nöthigen Geldmittel dazu 
>vurden mir thcils durch die Ersparnisse aus dem bisherigen 
Gehalte, theils durch eine besondere von Prof. W. Peters aus- 
gewirkte Bewilligung der Königlich preussischen Regienmg im 
Betrage von 1000 Tlihn. geliefert. Das gastfreie, liebenswürdige, 
mit Rath und That hülfreiche Entgegenkommen, das ich liier 
überall imd in besonderem Grade auf den entlegeneren Stationen 
bei den holländischen Civilbeamten, Offizieren und vor Allem 
l)ei den Militärärzten, den nächsten Berufs verwandten, fand, er- 
möglichte mir diese Reise auf die hauptsächlichsten Inseln des 
holländischen Gebiets auszudehnen (s. diesen Band S. 244), imd 
trug sehr wesentlich dazu bei, diese anderthalb Jahre von Reisen 
nach eigenem Ermessen mir zu unvergesslich schönen und be- 
friedigenden zu machen. So ist es gekommen, dass neben Japan, 
China imd Slam der indische (malaiische) Archipel eine hervor- 
ragende Stelle in dem vorliegenden zoologischen Theile einnimmt. 
Das gesammte Thierreich bildet ein so grosses Arbeits- 
feld, dass gegenwärtig der einzelne Forscher sich vorzugsweise 



vm 

niu' mit Einer oder einigen wenigen Thierklassen eingehend und 
produktiv beschäftigen kann: ebenso kann der Reisende nicht 
alle Thierklassen mit gleichem Erfolge berücksichtigen , um so 
weniger als jede einzelne für riditiges Beobachten, Sammeln 
und Verwahren besondere Vorkenntnisse imd besondere Uebung 
verlangt. In Japan wirkte der längere Aufenthalt an Einem 
Ort, die winterliche Jahreszeit und das Bewusstsein, dass die 
Säugethiere und Vögel von da zwar im Allgemeinen schon 
bekannt, aber doch in imseren heimischen Museen noch w^ehig 
vertreten sind, zusammen, um meine Thätigkeit auf diese zu 
richten und ich habe viele Zeit und Mühe darauf verwandt, 
solche zu sammeln und zuzubereiten, freilich mit nur theil- 
weisem Erfolge, da einerseits die feuchte Witterung und der 
Mangel geeigneter Einrichtungen das Trocknen erschwerte, an- 
drerseits die beständige Unsicherheit über den Termin der Ab- 
reise immer wieder zu raschem Einpacken verleitete. Im weite- 
ren Verlauf conccntrirte ich meine Bestrebungen mehr und mehr 
auf das Sammeln von Mollusken , Crustaceen imd Echinodermen, 
sowie auf das Beobachten, welche Glieder dieser und anderer 
Thierklassen in süssem Wasser vorkommen, welche charakte- 
ristisch für das Brackwasser und für die einzelnen Bodenformen 
im Meere sind. Ich dm'fte das um so eher, als die höheren 
Thiere des indischen Archipels durch andere Forscher schon 
ziemlich bekannt und in den europäischen Museen verbreitet sind. 
Demgemäss musste auch die Bearbeitung der ei-zielten 
Resultate nach den einzelnen Thierklassen eine verscliiedene 
werden. Es lag mir einerseits daran, ein Gesammtbild des 
Vorkommens der Thiere nach den einzelnen Oertlichkeiten zu 
geben, wobei selbstverständlich das Neue nicht von dem schon 
Bekannten getrennt werden konnte; auch was ich von Andern 
an Ort und Stelle erfuhr, durfte hier seine Stelle finden und 
zur Ergänzung des Bildes mussten auch manche einschlägige 
Angaben aus der Literatur entnommen werden, olme dabei auf 
irgend eine Vollständigkeit Anspruch zu machen; im Einzelnen 



'*. 



IX 



wurde dabei stets die mündliche oder literarische Quelle an- 
gegeben, abgesehen von den Fällen, wo es sich um notorische, 
keines einzelnen Zeugnisses mehr bedürfende Thatsachen über 
das Vorkommen bekannter Thiere handelt. Hieran schliessen 
sich, ebenfalls als Reisefrucht, Mittheilungen über das, was die 
Eingeborenen von ihren Thieren wissen und glauben, wie sie 
dieselben benennen und darstellen, sozusagen die anthropolo- 
gische Seite der Zoologie. Bei Angabe der einheimischen Namen 
habe ich zumeist die auf der Reise gekauften kleinen Vocabula- 
rien der einzelnen Sprachen benutzt, deren Angaben aber soweit 
möglich durch den mündlichen Verkehr mit den Eingeborenen 
kontrolirt imd habe dadurch vielfach eine genauere Bestimmung 
der unter den einzelnen Namen verstandenen Thiere gewonnen. 
Andererseits liegt es mir auch ob, im Einzelnen \md in 
systematischer Weise über die gesammelten Thiere zu berichten. 
Für die Wirbelthiere glaube ich mich auf ein einfaches Ver- 
zeichniss der mitgebrachten oder doch speziell zur Beobachtung 
gekommenen Arten beschränken zu dürfen, da eine eingehendere 
beschreibende 'Bearbeitung doch nur ein sehr unvollständiges 
Bild der betreffenden Fauna geben und wenig Neues zu dem 
schon durch Temminck und Schlegel, Swinhoe, Wallace u. A. 
Bekannten hinzufugen könnte, — die einzelnen neuen Arten 
aber schon in den Monatsberichten der Akademie der Wissen- 
schaften in Berlin beschrieben sind , worauf ich hier verweisen 
kann. Die genaueren Bestimmungen der mitgebrachten Säuge- 
thiere, Reptilien und Fische verdanke ich dem Director des Ber- 
liner zoologischen Museiuns, Prof. W. Peters, die der Vögel 
meinem Mitarbeiter an demselben, Prof. Cabanis. Für die- 
jenigen Abtheilungen des Thierreichs dagegen, mit denen ich 
mich mehr beschäftigt habe, behalte ich mir eine eingehendere 
systematisch -faunistische Bearbeitung vor, wie eine solche für die 
Landmollusken in dem bereits erschienenen zweiten Bande, fiir 
die Echinodermen in Troschel's Archiv fiir Naturgeschichte 
1865 — 1867 erschienen ist. 



Der vorliegende Band enhält demnach erstens die all- 
gemeinen Mittheilmigen über das Vorkommen der Thiere in der 
Reihenfolge der während der Reise besuchten Orte ( — nur 
Niederländisch -Indien ist, um Wiederholungen zu vermeiden, als 
Ganzes behandelt — ) und mit besonderer Rucksicht auf die 
höheren, den Menschen im Allgemeinen mehr interessirenden 
Thiere; zweitens das Verzeichniss der speziell beobachteten und 
mit wenigen Ausnahmen auch mitgebrachten und im Berliner 
zoologischen Museum aufgestellten Arten von Wirbelthieren. 
S. 1 — 192 ist schon im Jahre 1866 gedruckt und ausgegeben 
worden; die Verzögenmg der zweiten Hälfte beinilit theils auf 
den vielfach ablenkenden Arbeiten, welche die Stellung an einer 
grösseren öffentlichen Sammlimg mit sich bringt, tlieils auf dem 
Wimsche,*die Einzelbestimmungen der gesammelten Arten iur 
das genannte Verzeichniss abzuwarten. 

Füi* die Abbildungen sind theils neue Arten, theils an- 
dere charakteristische im Text besprochene Thierformen aus- 
gewählt, namentlich Süss wasserfische nach an Ort imd Stelle 
von mir gemachten Farbenskizzen, da dieselben bis jetzt nur 
nach Spiritusexemplaren bekaimt waren; auch hielt ich es für 
passend, einige Copieen aus japanischen Bildei*büchem zu geben, 
zur Erläuterung des darüber S. 62 u. ff. Gesagten. 

Berlin, den 22. Dezember 1875. 



EDUARD VON MARXENS. 



INHALT. 



Seite 

I. Madeira 3 

1. Landthiere 8 

2. Strandbewohner 13 

3. Der Fischmarkt 15 

4. Meerthicre des Grundes 17 

Anmerkungen 20 

II. Tropischer Theil des atlantischen Oceans 26 

Ainuerkungen 34 

III. Rio Janeiro 35 

Landthiere 35 

Der Markt 37 

Brackwasser 38 

Steiniger Strand 39 

Steingrund 41 

Schlammgrund 42 

Schwimmende Meerthiere 42 

Anmerkungen 44 

IV. Der südliche Ocean . . .- 45 

Anmerkungen 49 

V. Die Sundastrasse . 51 

VI. Chinesische See .55 

Anmerkungen 60 

VII. Japan 61 

1. Ueber japanische Thierbilder und Thiernamen 62 

2. Japanische Säugethiere 75 

3. Vögel Japans 87 

4. Japanische Reptilien 109 

5. Japanische Fische 116 

6. Wirbellose Landthiere 127 

7. Wirbellose Seethiere der Yeddobay 137 

8. Die Felsenkuste von Nangasaki 145 

Anmerkungen 152 

VUI. China. 

1. Die Alluvialebene um Shanghai .155 

2.*Tam8ui auf Formosa 162. 



XII 

Seite 

3. Hongkong l64 

4. Kanton 166 

5. Makao 168 

6. Ueber die Thicrkunde der Chinesen und unsere Kenntniss 
chinesischer Thiere 169 

Anmerkungen 180 

IX. Die Philippinen. 

1. Die Stadt Manila 186 

2. Philippinische Vogel 187 

3. Die übrigen Landthiere 11)3 

4. Süsswasserthicre de« Flusses Pasig und drv Laguna del Bay . 198 . 

5. Fauna der Laguna de Taal 2tX) 

G. Thiere aus der Bay von Manila 201 

7. Zamboanga auf Mindanao 202 

Aiunerkungen 204 

X. Siam. 

1. Salzwasserthiere 208 

2. Susswasserthiere 209 

3. Wirbellose Landthiere 211 

4. Land -Reptilien 212 

5. Vr>gel 215 

(>. Wilde Säugethierc 217 

7. Hausthiere, einheimische Tliiernamcn und Tliierbilder . . . . 221 

Anmerkungen 224 

XI. Singapore. 

1. Landthiere 228 

2. Susswasserthiere 231 

3. Brackwassert liiere 232 

4. Mecrthiere 234 

Anmerkungen 243 

XIL Indischer Archipel 244 

1. Säugethierc 248 

2. Vögel 2<;i 

3. Reptilien 277 

4. Wirbellose Landthiere 288 

5. Süss wasserfische 297 

(>. W^irbellose Susswasserthiere 314 

7. Brackwasserthiere 317 

8. Höhere Meerthicre .320 

9. Meerfische 322 

10. Wirl)ellose Meerthicre 327 



THIERWELT DER BESUCHTEN GEGENDEN 



IH ALLGEMEINEN. 



u(^. 




oL. \^ 



L 



MADEIRA. 

VOM SO. MAERZ BIS 12. APRIL ItWO. 



Durch den englischen Kanal und die unruhige biskayische See 
hatten uns die schönen Silbermöven in grosserer Anzahl begleitet; 
als am 26. März Cap Finisterre hinter uns lag, der Himmel klar, 
die See still wurde und die ersten sogenannten Passatvvolken sich 
zeigten, wurden sie seltener; die letzte zeigte sich am Nachmittage 
des 28., in 37^ Grad Nordbreite; die Temperatur war in diesen 
Tagen rasch gestiegen, des Morgens um 6 Uhr von 8° R. auf 14, 
des Mittags von 10 bis 12 auf 20, des Abends 10 Uhr von 8 bis 9 
auf 15 bis 17. Jeder beeilte sich, die warmen Winterkleider, die 
sowohl des Windes als Regens wegen in der spanischen See so 
gute Dienste gethan, mit der leichtesten, hellsten Sommertracht zu 
vertauschen. Unter solchen Eindrücken kam uns Madeira in Sicht, 
in Begleitung der drei eckigen Felseninseln, las Desertas, von kleinen 
Sturmvögeln (Puffinus?) umflogen. Aller Augen, unbewaffnet oder 
bewaffnet, waren nach der Insel gerichtet, gegen welche die ab- 
nehmende Briese uns nur langsam hintrieb. Sie verdient auch jetzt 
noch ihren Namen, von materia, Bauholz, wegen dejr dichten Be- 
waldung der höheren Gegenden: die höchste Spitze, der Pico Ruivo 
(rothe Spitze), blieb von Wolken verhüllt; terrassenartige Abstufun- 
gen, von fem an die der schwäbischen Weinberge erinnernd, zeig- 
ten, wie hoch die Bodencultur an den Bergen hinaufreiche; einzelne 
gelbe Streifen wurden als Zuckerrohrfelder gedeutet. Der weisse 
Fleck unten, der Funchal sein sollte, nicht ohne Grund von einem 
früheren Reisenden mit einem Haufen ans Ufer geworfener Auster- 
schalen verghchen, entwickelte sich mehr und mehr zu einer ansehn- 
lichen Stadt, in welcher wir bereits die einzelnen Dattelpalmen mit- 
telst des Fernrohrs zählen konnten. Kaum war der Anker gefallen, 



4 Fuiidial. 

so uuischwärniteu uns auch schon zahlreiche Boote, welche neben 
der wohlbekannten Charakterfrucht des europäischen Südens, der 
Orange, uns auch die Banane als Vorschmack der Tropenzone 
brachten. Mehrere grosse grau6 Möven umschwärmten wieder das 
Schiff, da so augenscheinlich Esswaaren hineingebracht wurden. 

Das Ufer ist fast überall steil, am Landungsplatz, neben 
dem kleinen Fort, das wie ein Abbild des Castel del Uovo in 
Neapel erscheint, schief abfallend, von grossen schwarzen Roll- 
steinen gebildet, mit beständiger Brandung; ein paar Kerle müssen 
ins Wasser springen und das Boot über die knirschenden Steine 
hinaufziehen, ehe man trockenen Fusses aussteigen kann, was 
natürlich für die Boote selbst nicht vortheilhaft ist, daher man 
schon hier Heber gemiethete Boote als die zum Schiffe gehörigen 
benutzt. Die Stadt macht überhaupt zunächst einen italienischen 
Eindruck, wue Neapel oder Genua, der schon mit dem lauten Lärm 
des viel fordernden und mit wenig zufriedenen Schiffer- und 
Führergesindels beginnt und fortgesetzt wird durch die weissen 
Häuser mit vierseitigen flachen Dächern, die Strassen mit rauhem 
Pflaster aus kleinen Steinen, die breiteren Hauptstrassen, rua ge- 
nannt, dem Strande parallel, die engen Queergässchen , traversa, 
aufsteigend, femer durch die Mauern, welche auch ausserhalb der 
eigentlichen Stadt noch häufig die Wege einfassen und für das 
Verhindern der Aussicht zuweilen durch hübsche Schhngpflanzen, 
namentlich eine Ficus der stipulata ähnlich und Mesembryanthemum 
acinacifolium, Ersatz gewähren. Zunächst um die Stadt findet man steile 
Schluchten, in deren Mitte tiefeingegraben ein Bach über grosse 
Steine dahinbraust (ribeiro), und dürre steinige Anhöhen, auf denen 
die Opuntie häufig ist und auch nicht selten zu meinem Erstaunen 
das grosse italienische Rohr, Arundo donax; einzelne verlassene 
Rebenschösslinge , deren unterirdischer Stock beim systematischen 
Ausrotten übersehen worden w^ar, verkünden nur den Ruin dieses 
vor wenigen Jahren noch blühenden Culturzweiges, durch die 
berüchtigte, Jahr für Jahr wiederkehrende Traubenkrankheit ver- 
anlasst: an seiner Stelle ist nun die Cochenillezucht und der Bau 
des Zuckerrohrs aufgekommen. Ilie und da hebliche Landhäuser; 
in eines derselben führte uns der freundUche preussische Consul, 
Herr Welsh, es gehört seinem Schwager, einem directen Nach- 
kommen eines der Entdecker der Insel, Zargo; der Sohn des Letz- 
teren habe hier schon vor 300 Jahren — die Insel wurde 1419 



Umgebung von Funchal. «^ 

entdeckt — sich das Landhaus gebaut und eine einheimische Ceder 
(Jimiperus cedrus Webb = brevifoha Höchst) gepflanzt, welche noch 
in voller Kraft steht, während sie in den Wäldern selten geworden: 
der Besitzer gab unserem Botaniker ein Stück von seinem Holze, 
das einen eigenen Wohlgeruch hat, nicht unähnlich dem des ameri- 
kanischen zu Bleistiften verwandten Holzes von Juniperus virginiana: 
hier sahen wir auch eine blühende männliche Dattelpalme und dicht 
daneben eine deutsche Eiche, deren Aeste aber in dem milden Klima 
nicht so zackig abgebrochen gewachsen waren , wie gewöhnlich bei 
uns. Den schönsten Punct der näheren Umgebung bildet Kloster 
und Kirche Nossa Senhora de Monte, die »mount - church« der 
Engländer, 1900 Fuss über der See: hinauf führt ein längerer, aber 
bequemer und freundlicher Weg, theilweise durch frischen Wald, 
an dessen Boden die häufige Vinca major gerade in voller Blüthe 
stand. Hinab fahrt man in wenigen Minuten auf einem Doppel- 
SchUtten, von einem Knaben geleitet, die steile, roh gepflasterte 
» Bergstrasse« entlang. Jenseits dieser nächsten Höhen erhält Alles 
ein rauheres Ansehen, dunkle Felsenmassen treten überall zu Tage, 
dazwischen kleine Stückchen bebautes Land und kleine Häuschen, 
cyclopisch gebaut, mit Rohrdach und umgeben von einem Rohr- 
zaun, hie und da eine einzelne Venta oder auch eine Grotte in einer 
Felswand, deren Wände reichlich mit Farn bewachsen, deren Boden, 
nach unzweideutigen Spuren zu schliessen , zeitweise den Ziegen und 
ihren Hirten als Nachtlager dient. 

Es versteht sich fast von selbst, dass eine Cavalcade nach 
dem grossen Corral, als dem berühmtesten Aussichtspuncte in der 
Nähe, gemacht wurde. Corral heisst im Portugiesischen Hof, vom 
Lateinischen cohors; man nennt hier so einen tiefen Bergkessel in 
der Mitte der Insel, um dessen Ränder die höchsten Spitzen der 
Insel liegen, ursprünglich vulkanisch, jetzt Urspiimg des grössten 
Flüsschens der Insel, das westlich von Funchal an der Südküste 
mündet. Diese Excursion brachte mir nur eine kleine Nacktschnecke 
ein, und von Aussicht war wegen des Nebels auch nicht viel zu 
sehen; die Kastanienbäume waren hier oben im Walde noch kahl*) 
und Spartium scoparium noch nicht in Blüthe, wie doch schon 
unten. Reicher an Ergebnissen für den Zoologen wie den Botaniker 
war ein Ausflug nach der Nordseite der Insel, den Ortschaften San 
Vincente und Santa Anna, der in Gesellschaft mehrerer anderer 
Herren von der Expedition zu Pferde gemacht wurde, aber schon 



v) S. Anna. S. Vincente. 

vom Beginn an zeigten sich die Felsengehänge und feuchten Wald- 
schluchten, an und durch welche der Weg führte, so reich an 
Farn, Laubmoosen, Lebermoosen und Flechten aller Art, dass Herr 
Wichura sein Pferd gar nicht bestieg, und in der That, auch der 
Nicht - Botaniker fühlte sich zum Studium der Crj'^ptogamen angelockt 
durch die lebhaft gelben Astflechten, Alectoria flavicans Sw., auf 
Erica arborea, welche uns zum Tort gern an den steilsten, un- 
zugänglichsten Stellen wuchs, die bleichen Usneen an Oreodaphne, 
ein niedliches Stereocaulon an feuchten Felsen , die krausen Cladonien 
an trockeneren Stellen, die in den Stein förmlich vertieften ver- 
schiedenfarbigen Krustenflechten und die zahlreiche Reihe von Farn, 
welche man hier bei einander sah, von unserm wohlbekannten 
Adlerfarn bis zu der fein zertheilten, an den Lorbeerbäumen 
kriechenden Davallia Canarieusis. Landschnecken waren dagegen um 
so seltener, trotz der reichlichen Feuchtigkeit, ohne Zweifel wegen 
der vulkanischen Bodeubescliafl*enheit, d. h. des Mangels an Kalk. 
Um so mehr zoologische xVusbeute gewährte am nächsten Tage, der 
in S. Vincente verbracht wurde, ein in Müsse ausgeführter Besuch 
der Meeresküste (s. unten). Der dritte Tag wurde fast ganz zu 
Pferde verbracht, beständig bergauf und bergab, und wir lernten 
jetzt erst die Vortrefflichkeit unserer kleinen Thiere gehörig schätzen, 
welche die steilsten, oft treppenartig gepflasterten Aufgänge im 
Galopp hinaufeilten und abwärts, wo die losen Steine und stellen- 
weise der feuchte glatte Lehmboden selbst den Fussgänger bedenk- 
lich machen konnten , langsam mit sicherem Tritte hinabstiegen. Der 
Unterschied dieser Nordscite von der Südküste in Bezug auf die 
Vegetation erscheint dem Laien nicht so bedeutend, als er erwartet: 
denn grosse Mesembryanthemum und verwilderte Agaven fallen auch 
hier ins Auge , wie unter den Culturpflanzen Zuckerrohr und einzelne 
Bananen. Zu guter Zeit Naclimittags in Santa Anna angekommen, 
blieb mir noch Zeit, auch hier zur See herabzusteigen, diesesmal 
nicht auf breitem Fahrwege, wie bei S. Vmcente, sondern auf 
wahren Ziegenpfaden, die ich nicht betreten hätte, wenn ich nicht 
schon halbwegs gewesen wäre und der kleine Junge , der aus einem 
Begleiter mein Führer geworden war, mir versichert hätte, man 
könne da hinunter: denn die letzten hundert Fuss weit hatten wir 
das Meer mit seinen grossen schwarzen Lavablöcken ziemlich senk- 
recht unter uns und mussten uns immer erst die Stelle suchen, wo 
wir den Fuss oder wenigstens den Fussrand aufsetzen konnten. 



Pico Ruivo. Ribeiro frio. • 

Als ich von unten nach dem zurückgelegten Wege emporsah , über- 
kam mich erst ein leiser Schauer und dann grosse Zufriedenheit, 
mit ganzen GUedem unten zu sein. Hier dieselben Patellen und 
Trochus, wie bei S. Vincente. Hohe, von der steilen Uferwand 
abgelöste Felsenpfeiler, wie sie von Helgoland her den meisten 
meiner Leser bekannt sein mögen, bezeugten, mit welcher Gewalt 
und Ausdauer hier die Brandung arbeitet, und doch fanden sich 
kleine zarte Fliegen (Dipteren) zahlreich gerade an den noch vom 
Meerwasser feuchten Stellen der Felsen ein. Für die Rückkehr 
fand sich ein bequemerer Weg. 

Den nächsten Tas hatten Herr Wichura und ich für die 
Besteigung des Pico Ruivo (6056 Fuss hoch nach der mir vor- 
Uegenden englischen Karte) bestimmt; trotz des nassen Lehmbodens 
gingen wir rüstig aufwärts, bald war die Culturregion hinter uns, 
Ulex und Spartium scoparium wurden vorherrschend, von ersterem 
fast alle Exemplare blühend, von letzterer noch nicht; auch der 
rothe Fingerhut ist hier, Laub- und Lebermoose in Menge, Tausend- 
fusse und Kellerasseln nicht minder, und zu der einen Glasschnecke 
(Vitrina Ruivensis) des vorigen Tages ist die zweite schönere Art 
mit Orangeroth verbrämtem Mantel (V. nitida Gould) hinzugekommen. 
Aber endlich kommen wir in dichten Nebel, unser Führer, der sich 
anfangs noch nach einem thurmähnUchen Felsblock, hom en pe. 
Mann zu Fuss oder aufrechter Mann, genannt, orientirt hatte, kennt 
sich gar nicht mehr aus, auf alle unsere Fragen ist nur das trostlose 
no sai, ich weiss nicht, aus ihm herauszubekommen, und statt über 
den grossen Corral nach Funchal , müssen wir so wieder nach Santa 
Anna zurück, um am nächsten Tage nach Funchal zurückzukehren, 
erst durch die schöne »kühle Schlucht« (Ribeiro frio), voll Lor- 
beerbäume und romantischer Felsformen, die auch an Landschnecken 
einige Ausbeute Uefern, und dann über ein Plateau mit kurzem 
Gras, hohem Moos (Polytrichum) und dem einheimischen Heidelbeer- 
strauch, Vaccinium Madeirense, höher als der unserige, aber die 
Beeren minder wohlschmeckend. Li Funchal war unterdessen, zu 
meiner traurigen üeberraschung , Segelordre für die »Thetis« ein- 
getroffen, und ich benutzte die zwei letzten Tage noch, um durch 
einen Taucher, den mir der freundliche Herr Herschel aus Mann- 
heim zugeführt, einige Meerthiere aufzufischen und die Bekanntschaft 
des Herrn Johnson zu machen, der seit längerer Zeit sich speciell 
mit den niederen Thieren dieser Insel beschäftigt und seitdem mehrere 



8 



Raniiicheu. Fledermäuse. Vögel. 



werthvoUe Mittheilungen darüber in den Proceedings of the zoological 
of London, Jahi^ang 1860—1862, gemacht hat. Diese treffliche 
Gelegenheit des Zusammenarbeitens mit einem localkundigen und 
erfahrenen Fachgenossen, nun so vergebUch gezeigt, machte mir 
den Abschied von der schönen Insel, den ersten auf dieser Reise, 
noch schwerer. 

1 . Landthiere. 

Eigenthümhche Landsäugethiere besitzt Madeira keine, wie 
es mit der Mehrzahl der kleineren Inseln in allen fünf Erdtheilen 
der Fall ist; das einzige Wild, das mir und Anderen aufgestossen 
ist, sind die Kaninchen zwischen den Büschen von Ulex und 
Spartium am Pico Ruivo und anderwärts ; eine historische Nachricht 
über ihre Einführung ist mir nicht bekannt, doch ist es an sich 
höchst wahrscheinlich, dass sie ihres Fleisches wegen eingeführt 
wurden. Mäuse und Ratten sind selbstverständlich mit den europäi- 
schen Schiffen auch hierher gekommen. Auffallender ist, dass auch 
die bis jetzt beobachteten Fledermäuse*) europäische Arten, die 
eine sogar eine speciell südeuropäische ist; es beweist das gewaltige 
Flugvermögen dieser Thiere, wenn man nicht etwa annehmen will, 
dass sie auf Schiffen, unfreiwiUig von beiden Seiten, herüber- 
gekommen sind; aber auch auf den Bermudasinseln, die in einem 
ähnlichen Verhältniss zu Amerika stehen, wie IVIadeira und die 
anderen atlantischen Inseln zum alten Kontinent, finden sich nur 
nordamerikanische Arten von Fledermäusen, und man glaubt dort 
aus ihrer Anwesenheit nur w^ährend eines Theiles des Jahres auf 
eine regelmässige Wanderung von dort herüber schhessen zu dürfen. •) 
Nicht viel weniger übereinstimmend mit der europäischen ist die 
befiederte Bevölkerung; in den Schluchten nahe der Stadt und bei 
den kleineren Ortschaften sahen wir nicht selten Thurmfalken und 
Bussarde, in den Wäldern hört man öfters die wilde Taube, an 
den Bächen und selbst am Meeresstrande begegnete mir wiederholt 
die gelbe Bachstelze. Auch die Amsel ist hier einheimisch und 
neben ausländischen Papageien ein beliebter Stubenvogel in FunchaL 
Von den 25 Arten Vögeln, welche als auf Madeira regelmässig 
vorkommend und sich fortpflanzend bekannt sind, sind nur sechs 
nicht auch in Europa zu Hause und von diesen fünf mit europäischen 
sehr nahe verwandt; die einzige recht fremdartige ist eine lorbeer- 
fressende Taube.*) 



Reptilien. Aal. Landschnecken. «^ 

Eigenthümlicher, aber noch ärmer sind die Reptilien vertreten 
durch eine einzige*) Art von Eidechsen, (Lacerta Dugesii Mihie 
Edwards = Teira punctata Gray = Lac. Maderensis Fitzinger) , diese 
sah ich sehr zahlreich in S. Vincente, sowohl zwischen den Steinen 
am Meeresstrande, als an den Mauern, so weit die Kultur reicht: 
höher fand ich sie wenigstens nicht Sie erscheint bald fast schwarz, 
mit wenigen kleinen gelben Puncten, bald mehr erdfarbig, die 
jüngeren mehr grün, mit einer blassen Längsbinde jederseits: die 
Unterseite ist bei erwachsenen schwarzen schön orangeroth, bei 
den jüngeren grünUchgelb , und während diese somit mehr an unsere 
Lacerta agiUs und muraUs erinnern, zeigen jene von oben mehr 
Aehnüchkeit mit L. viridis, von unten mit L. crocea. Ein rother 
Bauch scheint überhaupt bei mehreren Arten der Gattung Lacerta 
vorzukommen, ohne bei irgend einer Art allen Individuen und 
Alterszuständen zuzukommen. Schlangen hat noch Niemand auf 
Madeira gefunden, was schon Forster bekannt war, wie sie auch 
manchen kleinen Inseln des Mittelmeeres ganz fehlen. Auch die 
Batrachier würden fehlen, wenn nicht vor einiger Zeit ein Portugiese 
einen Frosch aus Europa eingeführt hätte, eine Sage, welche mir 
auf der Insel selbst bestätigt wurde. Die Kaulquappen sah, die 
Stimme der erwachsenen hörte ich selbst in einer der Schluchten 
nächst der Stadt. 

Der einzige Süsswasserfisch ist der Aal, wie auf der Insel 
Sardinien und auf den Azoren, und betrachtet man die wildbach- 
artige Natur aller süssen Gewässer der Insel, so kann man auch 
nicht mehr erwarten, höchstens noch Analoga unserer Groppe und 
Forellen. Auch am hiesigen Aal variirt das Breitenverhältniss der 
Schnauze, was mehr dafür spricht, keine Artentrennung darauf zu 
gründen. 

Die Landschnecken sind mehr an Arten , als an Individuen 
reich, die Mehrzahl sind kleine Erd- und Mulmschnecken, so die 
Pupen und viele kleine Helix. Erstere findet man zuweilen gesellig 
an von Rasen mehr oder weniger bedeckten Felsstücken; eine Art, 
P. laurinea, soll an Lorbeerbäumen vorkommen, vielleicht nur am 
unteren dicken Theil, so weit von abgefallenem Laub bedeckt. 
Helix undata Lowe ist vielleicht die grösste einheimische Schnecke, 
sie kommt sowohl am Meeresufer, als auf den Bergabhängen, immer 
unter Steinen vor: ähnUch die kleinere noch häufigere H. nitidiuscula 
Sow.; kugelige Laubschnecken, unserer H. nemoraUs oder auch nur 



10 



Vertheiluug uDd Verwuidtschafl der Landschnecken. 



H. adspersa entsprechend, scheinen zu fehlen. Die kleine, an den 
dürren Südabhängen am Boden häufige, zierliche Helix polymorpha 
erinnert zugleich an unsere europäische H. rotundata und lapicida, 
ihr Vorkommen gleicht dem der H. rotundata. Die halbbedeckten, 
viel Feuchtigkeit verlangenden Vitrinen (V. nitida Gould und Rui- 
vensis Couthouy) sind in den höheren Waldgegenden zu Hause, 
beide sind grösser, als die europäischen Arten. Nacktschnecken 
sind auch nicht selten, ich sah kleine hellbraune Arion (ater L.?), 
unseren deutschen Limax agrestis, dann die süd westeuropäischen 
L. gagates Dr. und (wahrscheinlich) L. Sowerbyi Fer. Neben diesen 
sind noch einige kleine Mulmschnecken, wie Hyaüna cellaria, mit 
Europa gemeinsam ; femer Stenogyra decollata L. , die aber hier so 
wenig wie dort verwandte Arten findet; ich habe die letztere nur 
in der nächsten Umgebung Funchals gesehen und werde dadurch 
in der Meinung bestärkt, dass sie eingeschleppt sei; sie ist hier 
viel dünnschaliger, mehr glänzend, durchscheinend und gelb, als 
gewöhnUch in ItaUen, offenbar fehlt es ihr an Kalk. Die Cyclostomeu 
sind nur durch zwei Arten einer kleinen, Europa fremden Gruppe, 
Craspedopoma, repräsentirt, deren dritte Art auf den canarischen 
Inseln lebt. Es sind dieses übrigens kleine Erdschnecken, in der 
Lebensart unserem Cyclostoma ähnUch, in Humusboden zu finden. 
Die Gattung Pomatias, früher für rein europäisch gehalten, bis in 
der neuesten Zeit Eine Art auf den canarischen Inseln gefunden 
wurde, wird auf Madeira (bis jetzt) vermisst; dieses scheint sich 
daraus zu erklären, dass es kalkUebende Felsschnecken, und unsere 
Insel keine Kalkfelsen hat, daher überhaupt die specifischen Fels- 
schnecken sehr zurücktreten, so ist z. B. die Gattung Pupa zwar 
zahlreich vertreten, aber durch lauter kleine Mulmschnecken: 
Analoga unserer Pupa avena und frumentum scheinen ganz zu 
fehlen. ClausiUen sind jedoch mehrere vorhanden, darunter fand 
ich eine mit sehr dickem Mundsaum, Cl. Lowei, in der Waldregion. 
Die zwei Hauptregionen Madeira's treten auch in dem Vor- 
kommen der Landschnecken deutlich aus einander: der unteren 
warmen und trockenen des bebauten Landes und der dürren steinigen 
opuntienreichen Abhänge gehören die mehr eigenthümUchen H. un- 
data, nitidiuscula, polymorpha: der höheren feuchten Waldregion 
die Nacktschnecken, Vitrinen und Hyalinen, Craspedopoma, Pupa 
und Clausilia, also grossentheils den europäischen ähnUche oder 
gleiche Formen. Von eigenen Strandschnecken konnte ich nichts 



Susswassereclineckeu. lusekten. •>■ i 

sehen , obwohl Lowe's Gruppenbenennung Ochthephila darauf deutet, 
sie dürften mehr in Portosanto auftreten. 

Süsswasserschnecken sind sehr sparsam, ich fand nur 
z\vei, Limnaeus truncatulus und Ancylus aduncus Gould (exp. shells 
p. 41), in kleinen Rinnsalen und Bächen; ersterer ist europäisch und 
der zweite einer europäischen Art sehr ähnUch und beide gerade 
unter allen anderen europäischen dadurch ausgezeichnet, dass sie 
zuweilen auch über dem Wasser, nur im Feuchten, leben, was fixr 
die hiesigen Verhältnisse vollkommen passt. Herr Jolmson zeigte 
mir eine dritte bei Funchal gefundene, Planorbis glaber Jeffr., 
unserem Fl. albus sehr ähnlich, auch in der schiefen Mündung, 
aber olme Haare/) 

Die benachbarte Insel Portosanto besitzt mehrere grössere 
dickschaUge Arten von Landschnecken, welche Madeira fehlen, so 
z. B. H. Portosanctana , wahrscheinhch auf Kalkboden ; von 54 Arten, 
welche Portosanto besitzt, sind nur eilf mit Madeira gemeinschaftlich. 
Auch die Desertas haben eine oder zwei eigenthümhche Formen, 
neben einigen gemeinschaftlichen. 

Insekten. Wenn die Vögel durch ihre leichte Beweglichkeit, 
die Landschnecken durch ihre örthche Beschränktheit die zoologische 
Geographie interessiren , so finden wir bei den Insekten Beispiele 
für beides. Auf den ersten Anblick bieten die Insekten Madeira's 
nichts Besonderes dar, man findet keine schon dem Laien auffallige 
eigene Form, da und dort kleine schwarze Käfer am Boden, hie 
und da einen Schmetterling, wie sie in Europa auch sind oder sein 
könnten. Jedoch eine nähere Untersuchung führt zu anderen Re- 
sultaten. Herr WoUaston hat mehrere Jahre hindurch nur die Käfer 
der Insel mit besonderer Aufinerksamkeit verfolgt und ein eigenes 
schönes Werk darüber herausgegeben. Die hervorragendsten Züge 
sind hiemach , dass unverhältnissmässig viel ungeflügelte Arten vor- 
kommen, dass die Familie der Melasomen hier besonders reich 
vertreten ist (Schmarda wählt sie als die bezeichnende für das 
Mittelmeerbecken), und dass der Verbreitungsbezirk der einzelnen 
Arten sehr beschränkt ist; in jeder Schlucht findet man wieder 
andere, nicht nur Portosanto, sondern auch die einzelnen Desert^is 
haben eigenthümhche Arten. Die meiste Verwandtschaft und Arten- 
gemeinschaft findet auch für diese Classe mit den Ländern um das 
Mittelmeer Statt. Dieselbe Aehnlichkeit tritt in anderen Ordnungen 
durch das Vorkommen der italienischen Termite , Termes lucifugum 



12 



Insekten. Spinnen. Myriopoden. 



Rossi, und das (wie in Süddeutschland) mehr unregelmässige Er- 
scheinen der südeuropäischen Gottesanbeterin, Mantis rehgiosa, 
hervor. Von Schmetterlingen sah ich unsern bekannten Kohl- 
weissling, Pieris brassicae L. Die Hymenopteren spielen, wie .in 
allen wärmeren Gegenden, keine geringe Rolle, so unter anderen 
die Gattung Ophion; Ameisen findet man viele im Freien, und 
berühmt durch Heer's Schilderung ist die Hausameise von Madeira. 
Culex longiareolatus macht sich als Muskito lästig. Das europäische 
Heimchen, Gryllus domesticus L., ist auch hier vorhanden. Läuse 
und Flöhe sind so häufig, wie anderwärts, und man sieht auf den 
Strassen Funchals nicht selten die Mutter der Tochter, die Schwester 
der Schwester nach derartigen Tliierchen den Kopf absuchen, wie 
man es in civilisirten Gegenden nur von Affen in Menagerieen zu 
sehen gewohnt ist. Eine Schildlaus aus der Abtheilung Lecanium 
fand ich, auf einer verwilderten Acacia melanoxylon. ') 

Spinnen verschiedener Farben sind nicht selten: Johnson 
führt namentüch eine »Lycosa tarentulojdes maderensis« auf, also 
eine Verwandte der apulischen Tarantel. Von Scorpionen habe ich 
nichts gesehen, noch erfahren; nur den sogenannten Bücherscorpion, 
Chelifer, wie auch bei uns, im Freien. 

Tausend fü SS e. Noch nirgends habe ich die Gattung Julus 
so häufig gesehen, als in Madeira, namentlich in der unteren 
Region, fast unter jedem Steine. Der gemeinste ist ein ziemlich 
grosser, honiggelber, daher einem Mehlwurm (Larve von Tenebrio 
moUtor) auf den ersten Anblick gleichend, mit dunkelm Rücken- 
streif; in Europa habe ich nie einen solchen gesehen; dann ein 
schwarzer mit einer Reihe hellerer Puncte; endlich kleine, mehr 
graue Scolopendem in mehrfachen Arten, theils unseren I^ithobius, 
theils unseren Geophilus gleichend. Ein verw^andtes, mehr breites, 
langfussiges Thier, die Galera der Venetianer, Cermatia coleoptrata, 
lebt in Häusern. 

Onisciden, Armadille und PorceUionen ebenfalls nicht 
selten und, wie es scheint, europäische Arten darunter, so P. scaber. 

Süsswasserkrebse. Der Flusskrebs selbst fehlt; nur die 
kleinen Wasserasseln (Asellus aquaticus) und Geizen (Gammarus) 
finden sich in den Bächen, letztere oft nur im Feuchten, am Ufer 
der Bäche über Wasser. 

Anneliden, Regenwürmer, sind nicht selten, darunter auf 
der Nordseite der Lisel bei Santa Anna eine wahrscheinlich neue 



Letzte Landpflanzen. Erste Meerthiere. 1«> 

Art mit grossem gelbem Gürtel. Kleine Blutegel (Nephelis) in 
Bächen. 



2. Strandbewohner. 

Die Ufer des Meeres sind entweder von anstehenden Felsen 
oder von massig grossen Rollsteinen und einzelnen Felsblöcken 
gebildet. Einen Sandstrand oder Schlammküste habe ich nicht zu 
sehen bekommen. Zwischen den Steinen und an den Felsblöcken 
des Strandes bei S. Vincente fand ich noch Eidechsen und einzelne 
Schnecken (H. undata, nitidiuscula) , von phanerogamen Pflanzen 
Chrysanthemum pinnatifidum, eine Fumaria (Vaillanti?), ein Solanum 
und Plantago coronopus, nebst einem Famkraut, Asplenium marinum, 
und einer gelbgrauen Steinflechte aus der Abtheilung der Parmehen ; 
die gelbe P. parietina dagegen bekleidet die steilen Felsabhänge der 
Schlucht von S. Vincente in Menge , hört aber sogleich auf, sobald 
sich die Schlucht gegen die See hin öffnet. Eine kurze Strecke, 
etwa ein Dutzend Schritte, sind die Steine ganz leer von lebenden 
Wesen, alsdann beginnen in einer Höhe, die nur kurze Zeit und 
vielleicht nicht bei jeder Fluth vom Wasser erreicht wird, die 
Litorinen (L. striata King) , anfangs nur kleine (junge?) Exemplare, 
und sehr vereinzelt die. kleinen flachen Meereicheln (Chthamalus) ; 
von Vegetation noch keine Spur. Etwas tiefer, wo die Litorinen 
schon häufig sind, beginnt eine kleine konische Patelle, P. guttata 
Orb. Noch tiefer, bei mittlerem Wasserstand etwa gerade im Niveau 
des Wassers , wo die Litorinen schon weniger zahlreich sind , beginnt 
ein grüner Ueberzug (kurze Enteromorphen) die Felsen schlüpfrig 
zu machen , und hier werden die genannten zwei Schnecken bereits 
durch andere ersetzt, deren schöneres glatteres Aussehen, namentlich 
der mehr oder weniger perlmutterartige Glanz der Innenfläche, an- 
deutet, dass sie des Wassers weniger entbehren können. Es sind 
Trochus colubrinus Gould, die sternförmige, flache, innen blaue 
Patella scutellaris und die mehr längliche, aussen rauhgerippte, meist 
von Algen überzogene Patella aspera. •) Noch tiefer, nur bei 
niedrigem Wasserstand entblösst, kommt ein pothgefärbter Gürtel; 
diese Farbe rührt von einem kurzen Dickicht von Corallinen 
(Calvadosii) auf den Steinen her, deren Rauhigkeit dem nackten 
Fuss wieder einen sicheren Anhalt giebt, und in welchem kleine, 
noch lebhafter roth gefärbte Mollusken (Hydrobia sp. und Kellia 



14 Sti*andkrabbeii. Anriculaceen. 

rubra) ziemlich zahlreich stecken. Dazwischen kleinere, auch auf- 
fallend kurze, rothe und gelbliche Algen (Gelidium, Laurencia, 
Cystosira pumila), einzeln auch der schön grüne Se§lattich (Phyco- 
seris). Auf den Steinen laufen mit grosser Geschwindigkeit grössere 
und kleinere Krabben umher, leicht zu sehen, aber schwer zu 
fangen , Grapsus marmoratus F. und G. Webbi M. E. All diese mögen 
ringsum an allen Seiten der Insel sein: andere fand ich nur an 
einzelnen Stellen, so bei S. Vincente in einer feuchten Spalte in 
der Höhe, wo die Litorinen am häufigsten, einen Haufen von etwa 
zwanzig kleinen, erbsengelben, runden Schneckchen, Pedipes 
afer Gm., deren schrittweises Gehen, vae es schon Adanson vor 
hundert Jahren beschrieben hat, leicht in einem Glase zu beobachten 
ist; in demselben sah ich sie auch an der Luft nicht nur kriechen, 
sondern auch die Fühler ausstrecken und das runde Luftloch öfinen, 
dieses aber nie im Wasser selbst, was sie in Bezug auf die Frage, 
ob Land- oder Meerthiere, auf gleiche Stufe mit den Auriculen 
setzt, die ich früher in den venetianischen Lagunen beobachtet 
Mit ihm zusammen leben an der Nordküste von Madeira nach 
Lowe drei andere Anriculaceen: Auricula (Melampus) exigua, 
(Marinula) aequaUs und gracilis Lowe. Etwas tiefer, zwischen 
zahlreichen Patella guttata, sah ich ebenda eine kleine blass- 
rothe Milbe zahlreich und ziemlich rasch herumlaufen, eben so 
bei Santa Anna zwischen den Litorinen eine kleine FHege; und 
ebenda, am erstgenannten Orte, fielen mir einige der Krabben 
durch ihre ungemeine Grösse und die Breite ihrer Füsse auf; ich 
erkannte dieselben wieder an der Wirthstafel zu St. Anna in der 
schönen, durch ihre bogenförmigen Haarreihen ausgezeichneten 
Plagusia squamosa. ") Auf der Südküste sah ich diese nicht, dagegen 
zahlreiche kleine Seeigel in Löchern anstehender Klippen, als ob 
von ihnen selbst gegraben. Die Geschickhchkeit eines Fischers, 
Don Emanuel da Silva, verschaffte mir mehrere kleine Thiere aus 
den an grünen Algen reichen kleinen Lachen , die auf und zwischen 
den Felsblöcken beim Rücktritt des Meeres zurückbleiben; es war 
ein kleiner Schleimfisch (Blennius galerita Linn.), ein kleiner lang- 
schwänziger Krebs (Alpheus) und eine kleine grüne Aplysia. An 
den Kuppen des Loo - rock vor Funchal sitzt ziemlich zahlreich die 
rothmündige Purpura haemastoma, weniger häufig eine Columbella, 
der C. rustica nahe verwandt, und eine Mitra aus der Gruppe von 
M. lutescens Lam., aber grösser, als diese Art des Mittelmeeres. 



Vergleichung mit dem Mittelmeer. Fischmarkt. Id 

Unter den Käfern fuhrt WoUaston zwei hierhergehörige 
eigenthümliche Arten des Strandes auf: Calobius Heeri, am Vor- 
gebirge Gorgulho, zwischen Meerconferven, selten, klein, cylindrisch, 
schwarz; Thalassophilus Whiti, unter Steinen, cylindrisch, lang- 
hömig, gelb. 

Der Gesammthabitus dieser Litoralfauna ist offenbar derselbe, 
wie im Mittelmeer; nur wenige der genannten Gattungen fehlen dem 
letztgenannten, namentUch Pedipes und Plagusia, diese nämlich sind 
an den Tropenküsten zu Hause imd stehen hier an ihrer Nord- 
granze. Die Arten sind dagegen bei den eigentlichen Litoralthieren 
fast durchweg andere, wenn auch ähnhche; so entspricht Trochus 
colubrinus dem T. tessellatus Born des Mittelmeeres, die sogenannte 
Patella scutellaris und guttata den P. caerulea L. und lusitanica 
Gmel. des Mittelmeeres. Nur Purpura haemastoma kommt selbst 
im Mittelmeere vor, ist aber dort keinesweges allgemein verbreitet. 
Auch die Litorina ist von denen des Mittelmeeres und des englischen 
Canals noch verschieden. Mehrere dieser Arten mag Madeira mit 
den Azoren und Canaren gemeinschaftlich haben. Die Algen und 
die Echinodermen scheinen dagegen dieselben Arten mit denen der 
europäischen Meere. 

Zur Ergänzung der Meeresrandfauna möge erwähnt werden, 
dass Lowe einige Auriculaceen und eine Truncatella in Madeira fand. 

3. Der Fischmarkt. 

Die Fischmärkte der europäischen Küstenstädte zerfallen in 
2 Classen, solche, auf denen Fische aus den Linneischen Gattungen 
Gadus und Pleuronectes , und solche, auf denen Sparoiden vor- 
herrschen; erstere sind die des nördlichen, letztere die des süd- 
lichen Europa's; auch hierin schliesst sich Madeira an Südeuropa 
an, wie ein Blick auf die silberne goldgestreifte Box salpa und die 
rothen Pagellus (namentlich P. centrodontus Delaroche) zeigt. Der 
häufigste Fisch im April, von allen Classen gegessen und auf allen 
Strassen vorübergetragen, ist die Makrele, hier cavallo, Pferd, ge- 
nannt; des Morgens frühe kann der Fremde leicht, ohne zu fragen, 
den Fischmarkt finden, wenn er nur der Richtung nachgeht, von 
welcher er Eingebome mit ein paar Makrelen in der Hand herkom- 
men sieht. Am auffallendsten und fremdartigsten erscheinen dagegen 
dem Neuangekommenen zwei andere Fischgattungen, die eine ein 
riesengrosser schwarzgrauer Fisch mit stark hervorgequollenen 



16 Fischinarkt. 

Augen, Polyprion cernium, selten im Mittelmeer, hier häufig, und 
der schön rothe, stark zusammengedrückte Alfons in (Beryx deca- 
dactylus und splendens) , aus einer nicht artenreichen FamiUe , deren 
mehr charakteristische Formen an den Küsten von Neuholland 
(Trachichthys) und Japan (Monocentris) vorkommen, und längst 
bekannt waren, ehe man einen Repräsentanten derselben auch im 
Mittehneer entdeckte (Hoplostethus). Beide genannten imponiren 
durch die Grösse ihrer Augen imd deuten dadurch an, dass sie in 
der Tiefe leben: bei Polyprion sind dieselben stark hervorgetrieben 
und der Fisch sieht deshalb, da die Bindehaut den vortretenden 
Bulbus in Form eines kurzen Cylinders umhüllt, wie mit einem 
Opernglas versehen aus. Bekanntlich gilt dieser Fisch, nach den 
Angaben von Risso und de la Roche, auch im Mittelmeer für einen 
Bewohner grösserer Tiefen , und der Gedanke hegt nahe , dass erst 
beim Heraufjgezogenwerden , indem der Druck des umgebenden 
Wassers sich rasch vermindert, die Augen dergestalt hervorgepresst 
werden, wie bei andern Fischen unter ähnUchen Umständen der 
Magen durch den Mund heraustritt. 

Fast eben so roth, wie der Alfonsin, aber durch bräunUche 
Wolken gemildert, ist die Farbe des »Schwarzmaules«, Sebastes 
imperialis Cuv.; seinen Namen verdankt er der schwarzen Farbe 
der Mundschleimhaut, die er mit manchen andern sonst sehr un- 
ähnlichen Fischen, z. B. Gadus carbonarius u. a., theilt. Eine 
grosse Häringsart, Clupea maderensis, ist im Beginn und soll im 
folgenden Monat häufig werden. Femer sah ich sehr grosse Meer- 
Aale (Conger) und kleine Haifische, dagegen keine Rochen und 
keine Schollen, doch soll ein kleiner Butt (Rhombus) zuweilen vor- 
kommen'"). Ausgezeichnet ist dagegen der Fischmarkt von Funchal 
dadurch, dass er fast tägHch frische Seeschildkröten (Chelonia ca- 
retta L. = caouana Schweigger, dieselbe Art wie im Mittelmeer) 
aufzuweisen hat und zu billigen Preisen; fünf Schillinge für ein 
Stück zu verlangen , ist schon eine nur Fremden gegenüber mögUche 
Ueberforderung. 

Krebse, Cephalopoden, Muscheln oder sonstige wirbellose 
Thiere waren auf dem Fischmarkte an den wenigen Tagen, an 
denen ich ihn besuchen konnte, nicht zu sehen, doch erfuhr ich 
von solchen, die längere Zeit auf Madeira zubrachten, dass Tin- 
tenfische nicht selten gefangen werden und ausserhalb der Stadt 
sieht man fast vor jedem Bauernhause einen grossen Haufen leerer 



Schnecken als Nalirungsmittel. Echinodermen. 1« 

Schalen von lapes (Patella scutellaris, aspera und guttata) und ca- 
ramuchos") (Trochus colubrinus), als Zeugniss, eine wie wichtige 
Rolle diese Schalthiere als Nahrungsmittel des Volkes spielen; der 
Naturforscher freut sich, hier an einer grossen Anzahl von Exem- 
plaren das Wandelbare einzelner Kennzeichen und das Gleichbleiben 
des Totalcharakters, namentlich in Bezug auf die drei Arten von 
Patella, zu beobachten, und wird dabei zuweilen noch durch eine 
einzelne zwischen den Tausenden von Patellen versteckte Haliotis 
überrascht. Dass Muscheln dem Menschen zur Speise dienen, sah 
ich auf Madeira nicht, während sie doch sonst viel häufiger als 
Schnecken dazu verwandt werden, man denke, ausser der Auster, 
nur an die Miesmuschehi der holländischen Matrosenküchen und 
die Vongole (Venus edulis, aurea u. a.) der neapohtanischen Restau- 
rationen; dieser Umstand, dass einschalige, nicht zweischalige 
Conchylien das Haupt - Contingent zur Volksnahrung stellen, be- 
zeichnet mehr als jeder andere Madeira als reine Felsenküste, ohne 
Sand- oder Schlammflächen. 

4. Meerthiere des Grundes. 

Durch Tauchen brachte mein Fischer in der Nähe von Loo- 
rock mir ein paar Echinodermen in die Hände, welche er vom 
Boote aus gesehen, die aber nie über Wasser kommen, so einen 
dunkelblutrothen Seestem, Ophidiaster ophidianus Ag., zweierlei 
Seeigel, Echinus brevispinosus Risso, mit kurzen violetten, an der 
Spitze dunkelrothen Stacheln, und ein Diadema mit langen schwarzen 
rauhen Stacheln, endlich eine Holothurie, H. tubulosa?, welche 
sofort einen zähen, rasch zu Fäden erstarrenden Schleim von sich 
gab und in Spiritus gebracht nicht ermangelte, auch ihre Einge- 
weide von sich zu geben. *') 

Von Bewohnern grösserer Tiefen bekam ich me^jrere bei den 
schon erwähnten Naturforschem und Naturfreunden zu sehen, 
welchen mehr Müsse für solche Forschungen vergönnt war. Herr 
Johnson erhielt als häufigere Ausbeute des Schleppnetzes nament- 
lich den kleinen hübschen Pecten corallinoides Orb. '*), nächsten 
Verwandten des westindischen Pecten nodosus L. sp., aber weit 
verschieden von allen Arten des Mittelmeers. Hauptsächlich wird 
diese Region charakterisirt durch grössere Stern- und Horn- 
kor allen, welche hier verhältnissmässig reicher als im Mittel- 
meer vertreten sind, aber noch nicht in dem Grade, wie in dem 

Ott -Asien. Zoologt««h. I. 2 



lö Koralleu. Farbe in Bezug zur Tiefe. 

Gorgonien-reichen Westindien. So erhielt ich hier die zarte Prj^mnoa 
gracilis Gray, wohl nicht verschieden von der Art des Mittehneers, 
und sah mehrere Exemplare von Antipathes subpinnata Solander, 
auf deren Zweigen sich eine interessante Cirripede , Ox ynaspis celata, 
eingenistet hatte, femer drei Arten grösserer Stern korallen, in denen 
allen ich europäische Arten wederzuerkennen glaube : Dendrophyllia 
ramea L. sp., mit gestreiftem Stamm und kurzen dicken P^ndasten. 
D. comigera Blainville , deren Endäste etwas länger sind, von ihrer 
Basis gegen ihr freies Ende zu an Umfang zunelunen und fast recht- 
winklig vom Stamm abgehen, endlich Ocuüna (Lophelia M. E.) pro- 
lifera Pallas sp. . ausgezeichnet durch ihre tiefen , seitUch zusammen- 
gedrückten Kelche mit sehr ungleichen, am Rand übergreifenden 
Lamellen, ohne Mittelsäule. Diese ist auch in der Nordsee zu 
Hause, die anderen im Mittelmeer.'*) 

Zahlreiche kleine nackte Mollusken, namentUch von den Gat- 
tungen Doris, Polycera und Aeolis, aus dieser Region wurden von 
Herrn Johnson beobachtet. Es ist bemerkenswerth, dass die vor- 
herrschenden Farben derselben vorzugsweise zwischen Gelb und 
Roth sich bewegen; auch die Farbe der DendrophyUien im frischen 
Zustande scheint pomeranzengelb zu sein , nach dem einen vor nicht 
langer Zeit aufgefischten Exemplar, das mir gezeigt wurde, zu ur- 
theilen. Wie Blau bei den auf hoher See lebenden Thieren, so 
scheint Roth nahe der untern Gränze der Ebbe (Coralüna offici- 
nalis. Ästenden, Kellia rubra) und das schwächere Gelbroth in 
der Region der Stemkorallen eine häufige Farbe der Thiere zu sein. 



Als Resultat aus dem, was man bis jetzt über die Thiere 
Madeira's kennt, lässt sich aussprechen, dass die Faima dieser 
Insel, ihrer geographischen Lage entsprechend, im Allgemeinen und 
Grossen sich zunächst an die Fauna des Mittelmeerbeckens an- 
schliesst, ja in Bezug auf die Mehrzahl der Thierclassen derselben 
zugezählt werden darf; die Abweichungen von derselben bestehen 
hauptsächUch darin, dass 

bei den grösseren Landthieren sich dieselbe Armuth w\e bei 

allen vom Festland entfernteren Inseln geltend macht; 
bei den kleineren dagegen, namentlich Schnecken und Käfern, 
ein grosser Reichthum an eigenthümlichen nicht nur Arten, 
sondern auch Formen (Gruppen, Untergattungen oder klei- 



Vergleichung mit dem Mittelmcer. 1«^ 

nen Gattungen) hervortritt, so dass man genöthigt ist, für 
diese Classe die Insel als eigenes Reich oder Verbreitungs- 
Centrum zu betrachten; 

die Süsswasserthiere womöglich noch schwächer als auf den 
grossem Inseln des Mittelmeers vertreten sind; 

bei den Meerthieren der obern Litoralzone die Uebereinstimmung 
mit der Mittelmeerfauna mehr auf Aehnhchkeit als Identität 
der Arten beruht (Patella, Trochus, HaUotis) und durch 
Auftreten einiger tropisch - atlantischen Gattungen gestört 
wird (Pedipes, Plagusia). Interessant in dieser Beziehung 
sind zwei der häufigeren Litoralschnecken, welche die Fauna 
Madeira's nach verschiedenen Seiten hin verknüpfen: Pur- 
pura haemastoma ist hier viel häufiger als in dem fluthlosen 
Mittelmeer und erinnert an die eben so häufige Purpura 
lapillus der oceanischen Küsten Europa's bis Norwegen, 
und sie selbst ist an allen tropisch - atlantischen Küsten zu 
Haus; Litorina striata hält im Allgemeinen in ihren Kenn- 
zeichen die Mitte zwischen der grossem Art der Nordsee, 
L. Utorea, und der ganz kleinen des Mittelmeers, L. neri- 
toides L. sp., zeigt aber auf ihren obern Windungen die 
ersten Spuren einer Sculptur, welche bei der westindischen 
L. muricata L. sp. vollständig entwickelt ist. Trochus co- 
lubrinus ist einerseits nahe verwandt mit dem westeuro- 
päischen crassus und dem Tr. OUvieri des Mittelmeers, 
andererseits mit Tr. Tamsii der Capverdischen Inseln. 

Unter den eigentUchen Meerthieren zeigen sich neben 
solchen , die vollständig mit denen des Mittelmeers überein- 
stimmen, einzelne mit denen der Nordsee identische (Ocu- 
üna prolifera) oder nächstverwandte (ein von Johnson ge- 
fundener neuer Platycarcinus), aber auch einzelne mehr an 
die Tropenwelt erinnernde, wie Pecten corallinoides und 
Madracis. 



ANMERKUNGEN. 



1) Obwohl im Allgemeinen auf Madkira der Winter die feuchte Jahreszeit und 
damit das erste Frühjahr die BlQthezeit sehr vieler Pflanzen, der regenlosc Sommer 
aber die Zeit des Stillstandes der Vegetation ist , so halten sich doch die europäischen 
Bäume auch dort im Wesentlichen an die Vegetationsperiode ihrer Heimath und be- 
lauben sich nicht früher als bei uns , wie die genaueren Beobachtungen von Professor 
Oswald Heer an Eiche und Buche zeigen, (lieber die periodischen Erscheinungen 
der Pflanzenwelt in Madkira.) — Ueber die Vegetationsverhältnisse und namentlich 
die Kulturpflanzen ist auch zu vergleichen H. Schacht, Madkira und Tenerife 
mit ihrer Vegetation. Berlin 1859. 8\h), mit 6 lithographirten Tafeln. 

') Vespertilio Leisleri Kühl und Vespertilio marginatus Cretzschmar (= Kuhlii 
Leisler) nach Tomes, Proceedings of the zoological society of London 1858, pag. 80 
und 1859, pag. 70. 

S) Jones the naturalist in Bermudas. London 1859. 8vo. pag. 12 ff. 
*•) Mehrerer Vögel von ^L\deira erwähnt schon der alte Sloane, a voyage to 
Madeira, Barbados etc. London 1707. Band I. , pag. 14, so der Amsel, des wil- 
den Kanarienvogels, des Rothhuhns, aber er nennt auch den Fasan, von dem ich 
nichts mehr daselbst gehört habe. Reichere Beobachtungen machten G. R. Forster, 
der bei der dritten Reise Cook's sich vom 29. Juli bis 2. August 1772 hier aufhielt, 
siehe seine descriptiones animaliain, edidit Lichtenstein Berlin 1844, pag. 1 — und 
Heinecken in dem zoological Journal XVII. Die neueste und vollständigste Aufzäh- 
lung der Vögel von Madeira gab Harcourt in den Annais and Magazine of nat. 
bist. b. XV. 1855, pag. 490. Er nimmt folgende 25 — 26 als eigentliche Bewohner 
der Insel, daselbst brütend, an: 

Falco tinnunculus, francelho, Thurmfalke. 

Buteo vulgaris, manta, Bussard. 

Strix flammea, coruja, Schleiereule. 

Turdus merula, merlo prete (Priestcrdrossel wegen ihrer schwarzen Farbe), 
Amsel. 

Lusciola rubecula, papinho, Rothkchlchcn. 

Sylvia atricapilla, tintonegro, d. h. schwarzgcfarbter, unser Schwarzkopf 

— Heineckeni Jardine, vcrmuthlich nur Abart des vorigen. 

— conspicillata Marmora. 

Regulus Madeirensis Heinecken Proc. zool. scc. 1854, pag. 553, in den 
Lorbeerhainen des nördlichen Thcils , ein Bruder unseres Goldhähnchens, 
der einzige eigenthümliche Vogel der Insel. 

Motacilla sulfurea Bechst. lavandeira amarella, gelbe Bachstelze. 

Anthus pratensis, conx) de caminho, Wiesenpiper. 



Anmerkungen zu Madeira. ^1 

Fi-ingilla Canaria L. canario, Kanarienvogel (butyracea auet.). 

— carduelis L. pinta silva, Distelfink. 

— petronia L. pardao, Ringsperling. 

— tintillon Webb et Berthelot ^ Canariensis Vieill, tentilhao, 

nächster Verwandter unseres Buchfinken. 

— cannabina L. tinto rosso, Hänfling. 

C'ypselus unicolor Jardine, andorinha da scrra, d. h. Bergschwalbe. 

— apus L. andorinha do mar, d. h. Meerschwalbe, ist unsere Thurm- 

schwalbe. 
Columba trocaz Heinecken := laurivora Webb etBerthelet, trocaz. (Dieses 
ist der gewöhnliche portugiesische Name ftir wilde Tauben, 
vielleicht von torques, Halsband, und ursprünglich der Ringel- 
taube gehörig, jedenfalls unpassend auf einen nicht in Portugal 
einheimischen Vogel als Artname augewandt.) 

— palumbus, pombo, Ringeltaube. 

— livia, pombinho, d. h. Täubchen, die südeuropäische Felsentaube. 
Perdix rubra, perdiz, Rothes Rebhuhn. 

— cotumix, cordouez, Wachtel. 
Scolopax rusticula L. galinhola, d. h. Hühnchen, unsere Waldschnepfe. 
Larus argentatus (?) gaviota. 

Die einheimischen Namen sind aus White's allgemehier Schildermig von Madeira, 
zweite Auflage, entnommen. Die mit gesperrter Schriil gedruckten finden sich nur 
auf den atlantischen Inseln , nicht auf dem Festland von Europa oder Afrika. Ausser 
den erwähnten sind noch manche andere Vögel zeitweise und vorübergehend auf 
Madkira gesehen worden, ohne als deren wirkliche Bewohner gelten zu können, 
darunter die meisten ebenfalls europäische, doch auch einige acht tropisch - westafri- 
kanische, z. B. Musophaga und nach Forster auch Loxia (Estrelda) astrild, L. , eine 
Kategorie, die im Verzeichniss der Brutvögel ganz fehlt. 

Bis jetzt nirgends anders als auf Madeira bemerkt worden sind nur zwei Ar- 
ten: Sylvia Heineckeni und Regulus Madeircnsis, oder wenn man erstem nicht als 
verschieden von S. atricapilla gelten lassen will, gar nur Eine. 

*) Gray , catalogue of lizards , fuhrt noch zwei andere Eidechsen als Bewohner 
von Madeira an, Lacerta Galloti Dum. Bibr. und Platydactylus Delalandi Dum. 
Bibr.; auch Herr Johnson kannte diese nicht, in der ersteren vermuthet er eine 
Verwechslimg der Fundortsangabe mit den kanarischen Inseln, die zweite soll nur 
auf der Insel Salvages, südlich von Madeira, vorkommen. Lacerta Dugesii wird 
schon von Forster 1. c. S. 2 als Lacerta agilis mit dem Beisatz numerosissima auf- 
geführt. Dieselbe Art lebt nach Mordet auch auf einer der azorischen Inseln, 
Graciosa, er vermuthet aber auch sie von Menschen aus Madeira euigefiihrt. 
Morelet notice sur Thistoire naturelle des Azores. Paris 1860, pag. 54. 

*) Die Land- luid SüsswassermoUusken Madeira's sind mehrfach bearbeitet 
worden. Die frühesten, aber noch sehr ungenügenden Nachrichten über Land- 
schiiecken der Madeira -Gruppe, namentlich auch die eigenthümlichen von Porto- 
santo, gab Bowdich in seinem Werke: Excursion to Madeira etc. in the year 1823, 
with an appendix contaiiüng zoological and botanical descriptions. London 1825. 



^^ Anmerkuugeu ui Madeira. 

4to, mit mehreren Tafeln, die aber nicht uumerirt smd. Der grossere Theil der 
zoologischen und botanischen Notizen bezieht sich übrigens auf die Westküste von 
Afrika selbst, die Kolonie am Gambia. Mehrere Landschnecken von Madeisa sind 
abgebildet, aber nicht specicll benannt. Helix delphinula Lowe figmirt hier als Art 
der (marinen) (vattmig Delphinula. Weit wichtiger sind die Arbeiten des englischen 
Geistlichen Lowe und unseres verstorbenen Landsmannes Geh. Rath Albers: 

Lowe primitiae florac et faima Maderensis in den Transactions of the Cam- 
bridge philosophical society 183 L 

— Synopsis diagnostica etc. in den Annais and magazine of natural 

history 1852. 

— catalogus moUascorum pneumonatorum insulamm Maderensium in den 

Proceedings of the zoological society 1854 , pag. 161 — 218. 
Albers malacographia Maderensis. Berlui 1854. 4to, mit 17 Rupfertafeln. 
Neuere Zusätze dazu gaben Lowe in Annais and Mag. of nat. bist. 1860 und 
1862, Jolmson ebenda 1860 (Plaiiorbis, Craspedopoma) , Baron von Paiva in Pfeiffers 
Malakozoologischen Blättern Bd. XL 1864. S. 51—56. 

^ Ein kleines Verzcichuiss von 22 auf Madeiba beobachteten Insekten gab 
Forster 1. c. , die meisten sind wohl bekannte deutsche Arten; von Schmetterlingen 
nennt er Papilio brassicac, Palaeno, Monuste, baeticus und virgaureae, also Eine 
amerikanische Art auf vier europäische; spätere Beobachter erwähnen femer eines 
anderen Gelblings, Colias Edusa F., des Admirals, Vanessa Atalanta L. sp., und 
dreier allbekannter Abendschwärmer , des Todtenkopfs, Windenschwärmers und 
Taubenschwanzes, Splünx Atropos, convoKiili und Maeroglossa stellatarum L. Die 
meisten dieser europäischen Arten finden sich auch auf den kanarischen Inseln und 
auf dem Festlande von Afrika, wie überhaupt unter den Schmetterlingen manche 
Arten sehr weit verbreitet sind mid einige sich durch grosse Wanderungen aus- 
zeichnen, so gerade der Todtcnkopf, ferner der Rohlweissling und Colias Edusa 
(vgl. G. Koch, die geographische Verbreitung der europäischen Schmetterlinge in 
andern Welttheilen. Leipzig 1854. 8vo. S. 37 und 42). 

Das Werk von Wollaston über die Käfer Madeiba's, welches ich bei dem 
preussischen Konsul zu Funchal zu finden das Vergnügen hatte, fuhrt den Titel 

Insecta Maderensia. London 1854. 4to, mit Tafeln. 
Spätere Zusätze gab derselbe in den Aimals and Mag. of nat. bist. Jahrgang 1858, 
pag. 18 bis 28 und 113 bis 125. 

Ich kann nicht umhin, auf die vielfache Aehnlichkeit mit den Verhältnissen der 
kanarischen Insektenfauna hinzuweisen, wie letztere durch W^cbb mid Berthelet ge- 
schildert ist. (Wiegmann*s Archiv für Naturgeschichte, Jahrgang VII., Band 2., 
S. 153, und Schmarda, die geographische Verbreitmig der Thiere, S. 428.) 

Die Hausameise wird schon von Forster 1. c. als •Formica minima, plura insecta 
a mc capta comcdit- erwähnt. 

^) Ich gebe hier die Bestimmmigen dieser Patellen nach Reeve's conchologia 
iconica, Band VIIL, P. scutellaris Fig. 49., P. aspcra Fig. 23. und P. guttata Fig. 91., 
obgleich die von Lamarck mit diesen Namen gemeinten Arten (muidestens scutellaris) 
davon verschieden zu seui schein^i. 



Anmcrkuugeii zu Madeira. ^O 

^) Plagusia squaniosa Herbst sp. ist eines der merkwürdigeren Beispiele weiter 
Verbreitung eines Thiers der Litoralzone. Die Art ist dureh ihre bogenförmigen 
Borstenkämmc sehr charakteristisch und nicht mit andern zu verwechseln. Herbst, 
der sie zuerst beschrieben mid abgebildet hat, Naturgeschichte der Krabben mid 
Krebse, Bd. I., 1790, S. 260, Taf. 20., Fig. 113., gibt Ostindien als Vaterland an; 
hier koimte man annehmen, dass sie von einem nach Ostindien gehenden oder von 
dort zurückkehrenden Reisenden in Madeira mitgenommen worden wäre. Milne 
Edwards, bist. nat. des crustacees IL, 1837, pag. 94, sagt von ihr: habite la mcr 
Rouge, rOcean indien et peut-etre les iles de la cöte occideutale de TAfrique, und 
fuhrt sie in dem Aufsatz über die geographische Verbreitung der Crustaceen, Bd. III., 
S. 563 , als bezeichnende Art für die indische Fauna an. Krauss , südafr. Cmstaceen, 
8. 42, nennt sie von der Natalküste (Südostafrika), die schon eine indische Fauna 
hat Die Naturforscher der amerikanischen Expeditionen , Dana und Stimpson , kennen 
sie uiu* von Madeira, nicht aber vom östlicheren Theil der indischen Meere, die 
sie vielfach durchforscht mid wo diese Art auch mir nie vorgekommen ist, dagegen 
die veiwandte PI. oricntalis M. E. von Hongkong und den Sandwichinscln. 

^^ lieber die Fische von Madeira hat derselbe R. J. Lowe wiederholt wcrth- 
volle Arbeiten geliefert, die hauptsächlichsten sind: 

Lowe on the fishes of Madeira, in den Proceedings of the zool. soc. of 
London. Jahrg. 1833. 

— a new genus of fishes , Alepisaurus , in den Transactions of the zool. 

soc. Bd. L, 1835. 

— piscium Madercnsium specics novae, m den Transactions of the 

Cambridge philosophical society, 1836. 

— Synopsis of the fishes of Madeira in den Transact. of the zool. soc. 

Bd. IL, 1841; ein Supplement dazu in Bd. IH., Theil L, 1849. 

— history of the fishes of Madeira. London 1843 und 1844, in 8vo 

mid 4to erschienen. 

— a new genus of Lophiidae (Chaunax). Transact. zool. soc. III. , 1843. 

— an account of fishes discovered or observed in Madeira sincc the 

year 1842. Proceed. zool. soc. 1850, pag. 247. 

^^) Diese Namen haben die Portugiesen selbstverständlich von ihren einhei- 
mischen Schalthieren auf die in Madeira vorgefundenen übertragen, wie den oben 
erwähnten Namen der wilden Taube. Es sind Stammworter, die in Süd- und 
West -Europa weit verbreitet sind; so ist lapes identisch mit dem altgriechischen 
\txaqy dem provenzalischen lapedo und dem heutigen englischen limpet. Caramnjo 
ist nur eine Variation des ebenfalls portugiesischen und spanischen caracol, vene- 
zianisch caragolo und französisch escargot, was vielleicht mit dem altgriechischen 
Ki^Qx*4 zusammenhängt (vgl. meine Bemerkungen über die classischen Conchyliennamen 
in den Jahresheften des Vereins für Naturkunde in Württemberg, 1860, S. 214 und 
227). Das Meerohr, Haliotis, nannte unser Wirth in S. Vincente nicht unpassend 
lapes - concha , Muschel — patelle. 

*') Folgende weitere Echinodermen sind in verschiedenen Sammlungen und 
Schriften als bei Madeira gefunden angegeben: 



^4 Anmerkungen zu Madeira. 

Astcrias glacialis L., im Amsterdamer Museum der Gesellschaft natura artis 

magistra. 
Echinocidaris aequituberculata Desmoulins, in Castelneau's Reise nach Süd- 
amerika und von Stimpson bei der zweiten amerikanischen Expedition 
nach Japan. (Proceedings of the philosophical society at Philadelphia. 
December 1863.) 
Echinocyamus Tarentinus Lam. sp. (= pusillus MGll. sp.) , Stimpson ebenda. 
Brissus dimidiatus Ag., wenn ich nicht irre, bei Johnson gesehen. 
Die drei ersten leben auch im Mittelmeer wie die drei oben aufgeführten, der 
vierte ist mindestens sehr nahe, wenn nicht zu nahe verwandt mit der Art des 
Mittelmeers, Br. Scillae Ag. (Gray catalogue of recent Echinida., 1855, pag. 53.) 
Er wurde nach Exemplaren von den kanarischen Inseln unterschieden. 

^^ Pecten corallinoides ist schon bei Bowdich (s. oben Anmerkung 6.) auf der 
Tafel zu Seite 75, Fig. 20.. abgebildet Gelegentlich finden sich einige Meeres- 
mollusken von Madeira in den Berichten der verschiedenen grösseren naturwissen- 
schaftlichen See - Expeditionen beschrieben, welche ja fast alle diese Insel berührten, 
besonders mehrere von A. Gould in dessen Expedition - shells. 1846. 8vo. Ein 
Verzcichniss von 156 Meer -Mollusken von Madeira gab Mac Andrew, on the geo- 
gi-aphicaJ distribution of testaceous Mollusca, Liverpool 1848, 8vo, pag. 37, und im 
Report of the 26th meeting of the British association for the advancement of science, 
1856, pag. 137 ff. 

^^) Die Angabe, dass Oculina prolifera auch im Mittelmeer lebe, beruht meines 
Wissens nur auf der Deutung einer sehr mittelmässigen Abbildung bei Donati und 
bedarf daher sehr fernerer Bestätigung, ihr Vorkommen bei Madeira kann aber als 
Wahrscheinlichkeitsgrund daftir geltend gemacht werden. 

Herr Johnson hat femer mehrere ganz neue Korallen in Madeira entdeckt: 
Allopora Madeirensis, Corallium Johnsoni Gray, eine weisse Schwester der rothen 
Koralle des Mittelmeers, Mopsea arbuscula, Pr3minoa imbricata, Acanthogorgia atlan- 
tica und Cirripathes setacea (Ann. and mag. of uat. bist., 1860, und Proceedings of 
the zoological society, 1860). Im britischen Museum finden sich ferner aus Madeira 
noch Paragorgia Johnsoni Gray und Antipathes furcata Gray; Milnc Edwards und 
Haime (bist, nat des coralliaires , Bd. II., pag. 139 und 599) nennen weiter noch 
Cladocora debilis und Madracis asperula von dieser Insel, crstere findet Gattungs- 
angehorige im Mittelmeer, letztere nur im indischen Occan. 

Von Bryozoen hat Busk im Microscopical Journal, Bd. VL, 1858, und VIL, 
1859, eine ganze Reihe meist neuer Arten beschrieben, welche Johnson gesammelt 
hat, sowie einige Hydrozoen. 

Zur Vervollständigung des Versuchs, die bis jetzt bekannt gewordenen wesent- 
lichsten Züge dieser Inselfauna zusammenzufassen , mögen noch folgende Bemerkungen 
hier eine Stelle finden: 

1) Eine Robbe soll zur Zeit der Entdeckung Madeira's daselbst häufig ge- 
wesen sein, ihr Andenken lebt in dem Ortsnamen Cama de lobos, Lager 
der (See-) Wolfe fort, sie selbst scheint aber sein* selten geworden oder 
ganz verschwunden zu sein, denn fast keiner der neueren SchrifUtellcr 
kennt sie näher. Nur Dr. J. E. Gray hat zwei Bälge und einen Schädel 



Anmerkungen zu Madeira. 



25 



von der grösseren Insel der Desertas erhalten und erst als eine eigene Gattung 
unter dem Namen Sonnenrobbe, Heliophoca atlantica, beschrieben (Pro- 
ceedings of the zool. soc., 1854, pag. 43), später aber sie als identisch mit 
der Robbe des Mittelmeers, Phoca monachus Hermann, ^ Monachus albi- 
veuter Gray, erkannt (ebenda 1864). Also auch hier Uebereinstimmnng mit 
dem Mittelmeer. Abgesehen von der wenig glaublichen Vaterlandsangabe 
•Jamaika« für zwei Robben im britischen Museum dürfte Madeira die der 
Tropenzone nächste Gegend sein, wo Robben leben oder wenigstens in 
historischer Zeit gelebt haben. 
2) Auch einer Anzahl besonderer eigenthümlicher Seevögel können sich die 
Desertas rühmen, so neben den auch im Mitteimer lebenden PufHnus major 
Faber, anglorum Tem. und Baroli Benelli, namentlich zweier, die Europa 
fremd sind, der Thalassidroma Bulweri Jardin (Bulweria columbina bei 
Bonaparte) und des Prion brevirostris Gould ; ersterer ist die grösste aller 
bekannten Sturmschwalben oder eigentlichen Sturmvögel , von der Grösse der 
Misteldrossel; er wird anginho. Engelchen, genannt, weil er auf den Mee- 
reswogen zu gehen scheint, was seinem Gattungsgenossen den Namen 
St. Petersvogel, Petrel, verschafil hat. Der andere ist in der nördlichen 
Hemisphäre der einzige Repräsentant der Sturmvögel mit Entenschnabel, 
wenn die Angabe überhaupt zuverlässig ist (C. L. Bonaparte conspectus 
avium, U., pag. 194.) 



IL 

TROPISCHER THEIL DES ATLANTISCHEN OCEANS. 



Jjei gutem Winde hat der Zoolog nichts zu thun; seine Erntezeit ist 
die Windstille, bei der jeder andere auf dem Schiff müssig und 
ärgerlich ist. Glückhch, wenn er dann von diesen nicht in seinen 
Arbeiten gehemmt wird oder das schwimmende Netz auf höheren 
Befehl eingezogen wird, weil Hoffnung auf Wind sich zeigt. Zwei 
Tage Windstille unmittelbar nach der Abfahrt von Madeira, also 
nahe der Gränze der Tropenzone, und ungefähr eben so viele am 
Aequator gestatteten mir einen Blick in die pelagische Fauna, die 
weder ganz arm, noch sehr reich ist. 

Aecht pelagisch, von der Nähe des Landes fast oder ganz 
unabhängig, sind unter den Wirbelthieren nur wenige; von Säuge- 
thieren die Wale, der Kaschelot und die Delpliine; von Vögeln die 
Sturmvögel, einsclüiesslich der Albatrosse , und einige Ruderfüssler, 
wie Fregattvogel und Phaeton; von Reptilien die Meerschildkröten 
und Meerschlangen (Hydrophis); von Fischen hauptsächhch Scom- 
l)eroiden und fliegende Fische, sowie einige Haie und Riesenrochen 
(Cephaloptera). Von diesen wiederum sind die Wale und Sturm- 
vögel hauptsächhch den kälteren Zonen, die Meerschlangeu dem 
indisch -pacifischen Ocean eigen: che übrigen linden sich innerhalb 
oder nahe der Tropenzone rings um die Erde; Delphine, Kaschelot 
und Haie auch in kälteren Meeren. 

Delphine, von den Matrosen Tümmler genannt, sahen 
wir sowohl bei Madeira, als nahe dem Aequator: hier kamen sie 
ganz nahe an unser Schiff, und ich glaubte ihrer äussern Gestalt 
nach sie als zur Unterabtheilung Grampus Gray (Delphinus griseus 
Cuvier) gehörig ansprechen zu dürfen. Zuerst erschien meist nur 
die hohe Rückenfinne über Wasser, dann die Schnauze und ein 
Theil des Rückens , seltener wurde der Kopf senkrecht über Wasser 
erhoben. Sie sclmaubten wie Pferde und zuweilen war ein auf- 



Sturmschwalbeu. Seescliildkruteii. 



27 



steigender Strahl sichtbar; die Erklärung, dass das Wasserspritzen 
der Cetaeeen nur auf dem Niederschlag des in der Athemluft ent- 
haltenen Wasserdunstes durch die Kälte der Atmosphäre beruhe, 
klang hier, unter 1° 5' Südbreite bei einer Morgentemperatur von 
24,8^ R., nicht sehr plausibel. Das Untertauchen ging ruhig von 
Statten , im Bogen nach vorn und imten , so dass der Rücken dabei 
in grösserer Ausdehnung sichtbar wurde. 

Die pelagischen Vögel waren im tropischen Theil des 
atlantischen Oceans nicht zahlreich; mehrmals sahen wir kleine 
Schwalben - Sturmvögel (Thalassidroma mit gerade abgestutztem 
Schwanz, also wohl Th. pelagica L.), oft dicht hinter dem SchiflTe, 
über die Wogen dahinstreifend ; sie zeigten sich besonders häufig 
südhch von der Linie, im Südostpassat, doch auch schon vorher. 
Der Abend des ersten Tags, an welchem sich nach längerer Wind- 
stille der Südostpassat eingestellt, 3. Mai imter 2° 40' Südbreite, 
brachte uns auch den ersten und einzigen Tropikvogel, Phaeton, 
seiner langen Steuerfedem wegen Schwanzspieker von den Matrosen 
genannt; er schwebte hoch über dem Schiff, ruhig mit ausgebreiteten 
Flügeln, die er nur sparsam bewegte, und konnte hier so wenig 
als die Sturmvögel die Nähe von Land verkündigen. Truppen 
grosserer Vögel, braun mit weissem Halsband oder grau, von mö- 
▼enartigem Aussehen, aber wahrscheinhch doch zur Sturmvogel- 
famiUe gehörig, zeigten sich einigemal, doch stets in solcher Ent- 
fernung, dass sie nicht deutUch erkannt werden konnten. Angesichts 
der Küste von Brasilien, den 17. Mai, unter 23° Südbreite, erschien 
auch die den südhcheren Gegenden eigene »dumme Seeschwalbe a 
(Stema stolida L., Anous I^each), ausgezeichnet durch die verhält- 
nissmässig ausserordentUche Länge und Schmalheit der ausgebrei- 
teten Flügel, w^orin sie dem Fregattvogel gleicht, aber ohne den 
Gabelschwanz des letztem; sie fliegt mit häufigen Flügelschlägen, 
wie die Raben, bald hoch, bald niedrig, mischt sich unter die 
Sturmvögel und setzt sich auch zuweilen auf das Wasser; zwei 
derselben folgten dem Schiffe längere Zeit, doch ohne so dumm zu 
sein, sich fangen zu lassen. 

Seeschildkröten wurden in der Nähe von Madeira während 
der Windstille mehrfach beobachtet und auch eine gefangen; sie 
ergab sich als die auch im Mittelmeer lebende Art (Chelonia caouana 
Schweigger =: Caouana caretta Gray), mit 27 Randplatten und mit 
je zwei Nägeln an jedem Fuss; an ihrem Halse und an den Vorder- 



28 



Fliegende Fische. 



flössen Sassen Schmarotzer aus der Classe der Cirripeden, Cineras 
vittata Leach. 

Von den pelagischen Fischen sind die berühmtesten die flie- 
genden Fische (Exocoetus). Ich sah deren zuerst den 20. April 
unter 21° Nordbreite, und dann häufig in den folgenden Tagen, 
bei sanftem Ostnordost- und Ostsüdostwind; sie zeigen sich stets 
schaarenweise, und fliegen mit beträchtUcher Schnelligkeit wie 
Silberpfeile über die See dahin, nie höher als einige Fuss über 
derselben und die Linie ihres Flugs schmiegt sich oft deutUch den Wel- 
lenbergen imd Wellen thälern an, was Burmeister (Reisebilder) aus 
dem grossem oder geringem Widerstand der Luft, je nach dem 
An- oder Abschwellen der Wellen, erklaren wilL Die Richtung 
ihres Fluges war meist rechtwinklig zum Winde, dem Lauf des 
Schifi'es scheinbar entgegen imd nach auswärts von ihm sich ab- 
wendend; bei kürzeren Strecken erschien sie geradlinig, bei längeren 
wurde gegen Ende des Fluges ein horizontaler Bogen beschrieben, 
als ob der ermüdete Fisch durch den Einfluss des Windes von 
seiner ursprünghchen Richtung abgebracht würde; das Abbiegen 
trat zu bestimmt in einem gewissen AugenbUck ein, als dass es auf 
Rechnung der stetigen Ortsveränderung des Beobachters allein 
kommen könnte. Die Weite des Fluges wechselt innerhalb ziemUch 
enger Gränzen, sie scheint für einen Sprung zu gross, für wirk- 
hchen Flug zu klein und zu wenig veränderhch; Laurie (sailing di- 
rectory for the ethiopic or southem atlantic ocean, 4th edit. 
London 1855. 8vo. pag. 36) schätzt sie auf 60—80 englische Yards. 
Man kann den Fisch vollkommen gemächlich mit dem Auge ver- 
folgen , die Dauer des Fluges schien mir nie eine Minute zu erreichen. 
Während des Fluges war die weisse Bauchseite des Fisches etwas 
gegen den Wind gerichtet, so dass die Fische von Leebord aus 
gesehen weiss, von Luvbord aus dunkel erschienen. Bewegung der 
Brustflossen im Flug glaube ich einmal gesehen zu haben und als 
ich einen lebenden in der Hand hielt, machte er mit der einen ihm 
freigelassenen Brustflosse anhaltend heftig zitternde Bewegungen, 
vermuthlich um zu fliegen. Ich möchte daher mich der Ansicht von 
Freminville (Isis 1834) , Valenciennes (hist. d. poiss.) und Hochstetter 
(in der Novara-Expedition) gegen Burmeister (1. c.) anschlicssen , dass 
die Brustflossen bei Exocoetus als Flügel und nicht bloss als Fall- 
schirm dienen, die sogenannten fliegenden Fische in der That fliegen 
und nicht bloss Sprünge über Wasser machen. Man sieht sie am 



Andere Fische der hohen See. ^«f 

schönsten bei Sonnenschein, aber sie fliegen auch bei Nacht; der 
vorhin erwähnte war eines Abends durch eine Stückpforte in der 
Batterie, etwa 8 Fuss über Wasser, hereingeflogen imd blieb zehn 
Minuten lang am Leben; auf dem Schooner Frauenlob, dessen Bord 
weit niedriger über Wasser ist als der unserer Fregatte, kamen sie 
Nachts oft in grosser Menge auf das Verdeck geflogen. Während 
der Windstille wurden keine mehr gesehen.*) 

Ein anderer acht pelagischer Fisch, welcher während der 
Windstille in der Nähe des Aequators (1° 48' Südbreite, 30°westl. 
von Greenwich) mit Physalien gefangen wurde, ist ein Scomberoid, 
Nomeus Mauritii Cuv., von oben stahlblau wie Exocoetus voli- 
tans, aber an der weissen Unterseite mit vollen schwarzen Flecken 
geziert; bald darauf, unter 2° 13' Nordbreite, wurde im schwim- 
menden Netz ein anderer Scomberoid, Psenes, gefangen, ausgezeich- 
net durch Buntheit und MetaUglanz: Kopf und Rücken gelbgrün, er- 
sterer mit goldenen, letzterer mit schwarzen Pimkten; Seiten gold- 
grün; Bauch glänzend gelblichweiss mit einem Goldpunkt auf jeder 
Schuppe; Wurzel der Brust- und Schwanzflosse scharlachroth. 
Auch der Lootsenfisch, der Haie und Schifi'e begleitet, ist stahlblau 
gebändert. Lebhafte sogenannte warme Farben, namentlich ein vio- 
lettes Blau, dem der hohen See selbst entsprechend, scheint häujSg 
bei pelagischen Thieren zu sein, so finden wir es ausser bei den 
genannten Fischen auch bei den kosmopoUtischen Boniten (Pelamys 
sarda) und ihren Verwandten, und selbst bei einem Hai, Squalus 
glaucus L., unter den Schnecken bei lanthina und Glaucus, unter 
den Quallen bei Physalia, Velella und Porpita. 

Ein Haifisch mittlerer Grösse (Galeus canis) wurde auf ofiener 
See, unter 1° 29' Nordbreite, 29° westlich von Greenwich, gefan- 
gen; sein Magen war ganz leer, er sprang aus dem Wasser nach 
dem mit einem Stück Salzfleisch besetzten Angelhaken, riss sich 
dabei die Schnauze wund, aber wiederholte sogleich seinen Sprung 
und bUeb diesmal fest am Haken; nach gewöhnhcher Sitte ward, 
sobald er an Deck gezogen, der gewaltig um sich schlagende 
Schwanz abgehauen und das ganze Thier in wenig Minuten von 
den Matrosen zerfleischt, da Jeder seinen Muth an ihm kühlen imd 
ein Stückchen frisches Fleisch von ihnr profitiren wollte. An seinem 
Bauch hingen vier Saugfische (Echeneis), deren Kopfschild je 17 
bis 18 Blätter zählte; träge Fische, welche* auf diese Weise doch 
grosse Reisen machen. Im Magen derselben fand ich kleine Crusta- 



oV VeilchenschBecke. Seeblase. 

ceen (Copepoden) uiid einen Bandwurm (Botkriocephalus). Auch 
ein Teufelsfiscli wurde während der Stille unter der Linie eines 
Morgens von dem wachthabenden Cadetten und den Matrosen ge- 
sehen; bis aber der Naturforscher auf Deck kam, war er ver- 
schwunden; der Beschreibung nach — ein breites schwarzes ün- 
gethüm mit deutUchen Hörnern — scheint es ein Riesenrochen, 
Cephaloptera, gewesen zu sein (vergl. Oken, allgemeine Natur^ 
geschichte VI., S. 49). 

Von pelagischen Mollusken zeigten sich die veilchenblauen 
lanthinen schon nördlich vom Wendekreis, in Sicht von Madeira, 
bei Windstille; mehrmals fischte ich den blasigen Schwimmapparat 
allein auf, was vielleicht eine freiwillige Abstossung desselben an- 
deutet ; zugleich mit ihnen erschienen massenweise die indigoblauen 
Velellen und die grosse Seeblase, Physalia caravella Eschscholtz ; 
diese letztere war hinuifelblau mit rothem Kanun, die Blase kaum 
zu einem Drittel ihrer Lange mit Anhängseln besetzt, an dem freien 
Ende zugespitzt imd dunkler blau, von der Farbe der Kornblume, 
Centaurea cyanus L., nahe dem Ende ein kleiner gelbhcher kreis- 
runder Fleck, von rothen Stralüen umgeben. Die Anhänge (oder 
Individuen) waren dreierlei: 1. wurmförmige, kürzere, konische in 
Büscheln zusammen, Saugröhren nach Eschscholtz; 2. wurstformige, 
grünliche, geräumige Cylinder, an der Wurzel der folgenden ent- 
springend und ganz an sie angeschmiegt, Flüssigkeitsbehälter von 
Eschscholtz genannt, Fühler nachKöUiker; 3. endUch schnurformige, 
bis mehrere Fuss lange, mehr oder weniger lose spiralgedrehte, 
verkürzbare Fäden , die kleineren violett,' die grösseren blau, Fang- 
faden von Eschscholtz; sie enthalten eine Anzahl Zellen mit Spiral- 
fäden im Innern (Nesselzellen) in queer und etwas schief hegende 
Häufchen geordnet, und sie sind es auch, welche der berührenden 
Hand eine schmerzhafte Empfindung verursachen, die nicht sogleich, 
sondern erst nach ungefähr einer Minute eintritt und erst noch 
etwas zunimmt Die jüngeren derselben sind noch wasserhell und 
erscheinen dem blossen Auge als feine rosenkranzförmige Fäden, 
ganz verschieden von den ausgebildeten; dieses Aussehen ist nament- 
üch in der Abbildimg von Olfers kenntUch wiedergegeben. Die 
mikroskopische Untersuchung weist aber ihre Uebereinstimmung mit 
den Fangfäden nach. 

Der Kamm ist Aald prall mit Luft gefüllt und steif aufge- 
richtet, wobei an seinem Grunde röthUche septumartige Einschnü- 



Seeblase. ol 

rungen, ähnlich denen am menschUchen Colon, hervortreten, bald 
mehr zusammengefallen. Er befindet sich mit dem grösseren Theil 
der Blase meist über Wasser, zuweilen liegt er auf dem Wasser 
auf und alsdann kann das ganze Geschöpf willkürlich, wie es mir 
schien, sich wieder aufrichten durch wurmartige Bewegungen, die 
am freien Ende der Blase beginnen, dieses in verschiedener Rich- 
tung hin und her drehen, und schUessUch die ganze Blase um- 
wenden. Die langen Fangfaden werden zuweilen plötzlich bedeutend 
verkürzt und dann aUmähch wieder ausgestreckt. Sonstige Schwimm- 
bewegungen waren nicht zu bemerken. Ein leichter Luftzug treibt 
das Geschöpf vor sich her. Luft war aus der Blase auf keine Art 
auszudrücken, namentlich auch nicht aus jenem gelbUchen Fleck; 
schneidet man die Wandung der Blase ein, so fällt der grösste 
Theil derselben plötzlich zusammen, ihre Wand zeigt sich dann 
selbst blau gefärbt, ziemlich dick imd rollt sich nach innen ein; 
nur der dunklere blaue Endtheil bleibt gefüllt imd aus diesem lässt 
sich eine zweite kleinere röthUch- weisse Blase herausziehen, welche 
viele kleine verzweigte, selbst wieder Bläschen tragende Anhänge 
hat. Der obenerwähnte gelbhche Fleck ist die Stelle, an der diese 
innere Blase an die sie einschliessende äussere angeheftet ist. 

Wenn in der That die Luft nicht willkührhch entleert wer- 
den kann, so ist das Geschöpf für die ganze Dauer seiner Existenz 
zum Treiben auf der Meeresfläche angewiesen, und der Gedanke 
liegt nahe, dass es nur Ein Stadium aus einer längeren, uns frei- 
lich noch unbekannten Entwicklungsgeschichte darstellt, eine Wan- 
derperiode zum Aussäen der Art 

unsere Matrosen nannten die Physaha »Bei - de -Winder«, 
als ob sie bei dem Winde (Seemannsausdruck) segelte; die Seeleute 
anderer Nationen nennen sie Galeere und Linienschiff, man of war, 
alle ihren Kamm als Segel deutend, und der systematische Name 
der Art, caravella, ist eine weitere, schon von Sloane 1707 erwähnte 
Variation dieser Vergleichung. Die ersten Physaüen wurden gesehen 
und gefangen in der Windstille, als Madeira noch in Sicht war, 
und sie bUeben um uns, bis in der Nähe des Wendekreises mehr 
Wind eintrat; dann kehrten sie wieder während der Windstille in 
der Nähe des Aequators. Kleine Fischchen, so viel ich urtheilen 
konnte, ganz junge Exemplare von Nomeus Mauritii Cuv. , fanden 
sich zwischen den langen Fangfäden der Physalia verwickelt; ob 



ÖÄ Seewanze. Kleine Thierchen. 

sie derselben zur Nahrung dienen? jedenfalls könnte sie dieselben 
nur aussaugen, nicht verschlucken.') 

Die Windstille nächst der Linie, von den letzten Tagen Aprils 
bis 3. Mai (imter 29/30° westhcher Länge von Greenwich), ver- 
schaffte noch eine andere Siphonophere, die niedliche Porp ita, deren 
Oberseite während des Lebens in concentrischen Kreisen gefärbt 
ist, zu innerst rosenroth, dann blau, am Rande gelbbraun, die Un- 
terseite einfarbig weiss ; femer verschiedene Pteropoden, wie Hya- 
laea longirostris und Cleodora (Creseis) elava; endhch nicht ganz 
selten die sonderbare Seewanze, Halobates Burmeister, das einzige 
Lisekt des offenen Meeres, verwandt mit unsem Wassertretern, 
Hydrometra, und wie diese zu nicht unbedeutenden Sprüngen fähig, 
aber mit fast rudimentärem Abdomen, so dass das Ganze wie eine 
schwarze Kugel mit langen Beinen aussieht. Endhch fanden sich 
im Gasnetze noch öfters ovale oder nmde blaupunktirte Gallert- 
klümpchen, bis 5 MiUimeter gross, welche bei mikroskopischer 
Untersuchung als Polycystinen, Collosphaera J. Müll., sich er- 
gaben; die blauen Punkte sind selbst Kugeln, die kleine Krystalle 
und in ihrer Mitte eine hellere stark Uchtbrechende Stelle enthalten; 
umgeben ist jede einzelne noch von einer besondern farblosen 
Hülle, in welcher noch viel kleinere schwefelgelbe Kömchen ein- 
gelagert sind. 

Wiederholt wurde auch Seewasser geschöpft, und darin nach 
kleinen Thierchen gefahndet, in fördernder imd anregender Gemein- 
schaft mit dem Botaniker Herrn Wichura und Herrn Jakob, dessen 
scharfem Auge die durchsichtigen Geschöpfe weniger entgingen und 
der sich schon des herrhchen allnächtUch ims erfreuenden Meer- 
leuchtens wegen dafür interessirte. Es fanden sich in dem auf 
Gerathewohl geschöpften Wasser farblose Sagitten von 5 MilUmeter 
Länge, kleine Salpen bis 3 Millimeter lang, verschiedene Cyclopi- 
den, worunter eine blassrothe Pontella und die himmelblaue Ano- 
malocera, deren einer Fühler viel länger imd stärker ist, knieförmig 
gebogen imd an der Biegimg knotenartig angeschwollen, während 
der andere (rechte) kürzer und gleichmässig dünn ist; in der Mitte 
des Rückenschildes waren mehrere gelbe Flecke zu bemerken, welche 
bei den in Spiritus gebrachten Exemplaren bald krebsroth wurden. 
Dieses Rothwerden in Spiritus so gut wie beim Kochen kommt bei 
sehr vielen höheren Crustaceen, namentUch bei den frisch durch- 
scheinenden fast wasserhellen kleineren Langschwänzen (Cariden), 



Mikroskopische Tliiere im Seewasser. 06 

aber nicht bei allen, und bei den Amphipoden vor; für eine Ento- 
mostrake war es mir neu; später sah ich es selbst einmal bei klei- 
nen Fischen. Endlich fanden sich in dem geschöpften Wasser 
nicht selten eine Radiolarie,.Acanthochiasma rubescens Krohn, schar- 
lachroth mit glashellen, fein echinulirten , langen Stacheln olme 
Schneiden oder Blätter, die in der Mitte nicht zusammentreffen. 

Diese kleinen, unserm unbewaffneten Auge kaum oder nicht 
mehr erkennbaren Thiere, auch wenn sie nur zu besonderen Zeiten 
und an ruhigen Stellen nächst der Oberfläche des Meeres sich so 
ansammehi, dass sie in dem auf gut Glück aufgeschöpften scheinbar 
reinen Wasser zu finden sind , müssen doch in ungeheurer Menge vor- 
handen sein und Uefem gewiss, wie namentlich die kleinen Crusta- 
ceen in allen Meeren, einen wesentlichen Bestandtheil der Nahrung 
für die grösseren Seethiere. So herrscht auch in der Stille des 
Oceans ein reges Leben, aber eben damit auch nothwendigerweise 
ein unaufhörlicher Vemichtimgskrieg des Lebenden gegen das Le- 
bende, an dem der Mensch, der ja hier nur als Fremdling durch- 
zieht, unschuldig ist, wenn er sich auch vorübergehend daran 
betheiligt 



Oit-Asloi. ZoologUch. I. 



ANMERKUNGEN. 



^) Nur zwei Exemplare der fliegenden Fisclic kamen mir in die Hände, der 
erste, in 15*^ Nordbreite, 28 '^ Westlänge von Greenwich, hat ganz kurze farblose 
Baucbflossen, welche vor der Mitte der Entfernung zwisrhen Schnauzenspitze und 
Basis der Schwanzflosse liegen, also Exococtus evolans L., Vah; bei dem zweiten, 
in 8° Nordbreite und gleicher Länge erhalten, sind die Bauchflossen weit länger, 
zeigen an ihrer Oberseite, nahe der Spitze, einen schwarzen Flecken und sitzen 
hinter der Mitte des Fisches, so dass sie mit ihrem Ende dem Ende der langen 
Brustflossen nalie kommen, also E. spilopus Val. Die Brustflossen des letztem 
haben ein schiefes weissliches Band auf dunklem Grund. Früher nannte man alle 
mit langen Brustflossen E. exsiliens und die mit kurzen Brustflossen volitans ; wahr- 
scheinlich in diesem Sinne ist es, dass Burmeister (Reisebilder) exsiliens die gewöhn- 
lichste Art in der nördlichen, volitans die gewöhnlichste in der südlichen Tropen- 
zone des atlantischen Occans nennt. Nach Valencienn^ kennt man in der That 
auch nur Eine Art von kurzflossigen , den genannten evolans , welcher im atlantischen 
Ocean von der Bretagne bis Rio Janeiro verbreitet ist; dagegen unterscheidet der- 
selbe viele Arten mit langen Bauchflossen hauptsächlich nach deren Farbe, worunter 
der genannte spilopus im nördlichen und südlichen Theil des atlantischen Oceaiis, 
sowie auch im Gebiet des indischen, gefangen worden ist. Dass pelagische Thiere 
durch verschiedene Meere und Zonen verbreitet sind, davon gibt es manche Beispiele 
unter den Cetaceen, Pteropoden und Cirripeden. 

*) lieber die Fische und Cnistaceen, welche im schwimmenden Seetang des 
atlantischen Oceans auf der Rückreise beobachtet wurden, wird in der Bearbeitung 
der Tange von Georg von Martcns berichtet werden. 



m. 

RIO JANEIRO. 

VOM 19. MAI BIS 5. JUNI 1860. 



Uie Schönheit dieser Bai ist schon so oft gerühmt und beschrieben 
worden, dass ich es fuglich unterlassen kann; nur der gewaltige 
Gegensatz mag hier hervorgehoben werden zwischen der schroffen, 
dunkeln, vegetationsleeren Aussenküste, einzig von Seevögeln (Fre- 
gattenvögeln und Möven) belebt, über welcher die Gavia, »das Haupt 
des liegenden Riesen«, hervorragt, und dem freundlichen Ansehen 
des Innern der Bai sich zeigt, wo das Auge abwechselnd auf Palmen 
und Palästen ruht und die tropischen Schmetterlinge uns entgegen 
an Bord geflogen kommen. 

Landthiere. 

« 

Bei der ungewissen Dauer und Kürze unseres Aufenthaltes 
habe ich mich mehr der Vertheilung der Meerthiere in der Bai selbst 
und in den nahen kleinen Wasserbecken zugewandt, als der brasi- 
lischen Landfahna, welche ja schon so vielfach bearbeitet worden 
ist, wie z. B. damals gerade von Prof. Burmeister, und für welche 
ein längeres, mit den übrigen Zielen der Reise nicht übereinstim- 
mendes Vorstudium mir nöthig gewesen wäre; aber doch freute ich 
mich, hier die Farbenpracht der Vögel und Schmetterlinge im Freien 
zu sehen, die ich bis dahin nur aus den Museen kannte. Nament- 
lich fallen die Kolibri jedem Ankömmhng durch ihr glänzendes 
Gefieder und ihren raschen Flug auf; die Bälge mancher Arten, 
selbstverständlich nicht der seltensten, findet man in vielen Läden 
der Stadt feil, so wie auch solche von Tanagra, Euphone und 
anderen bunten Singvögeln; bekannt sind auch die künstlichen 
Blumen, welche hier aus Vogelfedern, namentUch von Papageien, 
gemacht werden. 

3» 



36 

Von Flederthieren kam Artibeus perspicillatus L. sp. mir in 
die Hände. 

Ein kleiner Gecko, Hemidactylus mabuia Cuv., wurde in den 
Häusern selbst gefunden, eine andere, Ecphymotes torquatus, erhielt 
ich vom Director des Passeio publico, Herrn Rudio. 

Kaimaus sollen zuweilen in den Canälen des botanischen 
Gartens gesehen werden. 

Eine kleine bunte Schlange, Liophis poecilogyrus , brachte 
mir Herr Schottmüller von seiner zweiten, an Flechten- und Moos- 
ausbeute reichen Excursion auf den Corcovado zurück. 

Auf ebendemselben , dem ersten Ziele für die Ausflüge der 
Neuangekommenen, fand ich bei der Wasserleitung zweierlei Frösche, 
Cystignathus Missiesi und Crossodactylus Gaudiehaudi, im botani- 
schen Garten eine in Südamerika weit verbreitete Kröte, Bufo or- 
natus. ^) 

Unter den Schmetterlingen* fallen besonders die Gattung 
Morpho (bei Linne unter den Kittern) und die langflügeligen Heli- 
conier auf, von letzteren namentlich zwei Färbungsgruppen, die 
auch in den surinamischen Schmetterlings -Sammlungen sich wieder- 
holen, die mit Gelb und Orange buntgestreiften (Mechanitis), deren 
häufigste Art in Rio Janeiro H. Nesaea sein soll, und die schwar- 
zen mit gelben oder rothen Flecken auf den Oberflügeln, nach dem 
Typus von H. ricini L. Ich hatte das V^ergnügen, hier einen Sohn 
des bekannten Professors Burmeister kennen zu lernen; bei demsel- 
ben sah ich sechs bis acht Arten von HeUconiern, ferner mehrere, 
die unseren europäischen, wie dem Distelvogel, Weissling, Todten- 
kopf, Weinschwärmer und anderen, sehr ähnlich sind, aber doch 
als verschiedene Arten betrachtet werden , endhch die grosse Agrip- 
pina und stattliche, an die Ritter erinnernde Bombyciden, alle hier 
oder bei Petropolis gefangen oder aus Raupen gezogen. In den 
Nächten machen sich die Leuchtkäfer durch ihre Menge bemerklich; 
der grünliche Ton unterscheidet sie von den Lichtpunkten der weit- 
hin zerstreuten menschlichen Wohnungen. Es sind Lampyrisarten ; 
aber auch ein leuchtender Elater kommt hier vor, mit zwei Leucht- 
punkten, doch nur in den Monaten Januar und Februar. Julus und 
Polydesmus, PorceUio und Armadillidium sind an ähnhchen Stellen, 
wie in Europa, häufig; aber auch die tropischen grossen Scolopendra 
fehlen nicht. Unter den Landschnecken sind Vaginulus, Streptaxis 



6-"^ 



III. 



RIO JANEIRO. 

VOM 19. HAI BIS 5. JUNI 1800. 



JJie Schönheit dieser Bai ist schon so oft gerühmt und beschrieben 
worden, dass ich es fuglich unterlassen kann; nur der gewaltige 
Gegensatz ist hier hervorzuheben zwischen der schroffen, felsigen, 
dunkeln , vegetationsleeren Aussenküste , einzig von Seevögeln (Fre- 
gattenvögeln und Möven*) belebt, über welcher die Gavia, »das 
Haupt des hegenden Riesen«, hervorragt, und dem freundhchen 
Ansehen des Innern der Bai , wo das Auge abwechselnd auf Palmen 
und Palästen ruht und die tropischen Schmetterhnge von selbst an 
Bord geflogen kommen. 

Landthicre. 

Bei der ungewissen Dauer und Kürze unseres Aufenthaltes 
habe ich mich mehr der Vertheilung der Meerthiere in der Bai selbst 
und in den nahen kleinen Wasserbecken zugewandt, als der brasi- 
Uschen Landfauna, welche ja schon so vielfach bearbeitet worden 
ist, wie z. B. damals gerade von Prof. Burmeister, und fiir welche 
ein längeres, mit den übrigen Zielen der Reise nicht übereinstim- 
mendes Vorstudium mir nöthig gewesen wäre ; aber doch freute ich 
mich, hier die Farbenpracht der Vögel und Schmetterlinge im Freien 
zu sehen, die ich bis dahin nur aus den Museen kannte. Nament- 
lich fallen die Kohbri jedem Ankömmling durch ihr glänzendes 
Gefieder und ihren raschen Flug auf; die Bälge mancher Arten, 
selbstverständlich nicht der seltensten, findet man in vielen iJlden 
der Stadt feil, so wie auch solche von Tanagra, p]uphone und 
anderen bunten Singvögeln; bekannt sind auch die künstlichen 
Blumen, welche hier aus Vogelfedem, namentlich von Papageien, 
gemacht werden. 

:r 



ö(3 Reptilien und Insekten von Rio Janeiro. 

Von Flederthiereu kam Artibeus perspicilatus L. sp. mir in 

die Hände. 

Ein kleiner Gecko, Hemidactylus mabuia Cuv., \\Tirde in den 
Häusern selbst, eine andere Eidechse, Crossodactylus Gaudichaudii 
Cuv., auf dem Corcovado, dem ersten Excursionsziele des An- 
kömmlings, gefunden, eine dritte, Ecphymotes torquatus, erlüelt 
ich vom Director des Passeio publico, Herrn Rudio. 

Kaimans sollen zuweilen in den Canälen des botanischen 
Gartens gesehen werden. 

Eine kleine bunte Schlange, Liophis poecilogjTnis , brachte 
mir Herr Schottmüller von seiner zweiten, an Flechten- und Moos- 
ausbeute reichen Excursion auf den Corcovado zurück. 

Einen Frosch (Cystignathus Missiessi Eydoux) fand ich auf 
dem Corcovado bei der Wasserleitung und die in Südamerika weit- 
verbreitete Kröte, Bufo ornatus , im botanischen Garten. *) 

Unter den Schmetterlingen fallen besonders die Gattung 
Morplio (bei Linne unter den Ritteni) und die langilügeligen Heü- 
couier aul', von letzteren namentlich zwei Färbungsgnippen , die auch 
in den surinamischen Schmetterlings -Sammlmigen sich wiederholen, 
die mit Schwarz , Gelb und Orange bunt gestreiften , deren häufigste 
Art in Rio Janeiro H. Nicaea sein soll, und die schwarzen mit gelben 
oder rothen Flecken auf den Oberflügehi, nach dem Typus von H. 
ricini L. Ich hatte das Vergnügen, hier einen Sohn des bekamiten 
Professors Burmeister kennen zu lernen; bei demselben sah ich 
sechs bis acht Arten von Heliconiern, femer mehrere, die unseren 
europäischen, wie dem Distelvogel, Weissling, Todtenkopf, Wein- 
schwärmer und anderen, sehr ähnlich sind, aber doch als ver- 
scliiedenc Arten betrachtet werden, endlich die grosse Agrippina 
und statthche, an cUe Ritter erinnernde Bombyciden, alle hier oder 
bei Petropolis gefangen oder aus Raupen gezogen. In den Nächten 
machen sich die Leuchtkäfer durch ihre Menge bemerkhch; der 
grünUche Ton unterscheidet sie von den Lichtpunkten der weithin 
zerstreuten menschlichen Wohnungen. Es sind Lampyrisarten ; 
aber auch ein leuchtender Elater kommt hier vor, mit zwei Leucht- 
punkten, doch nur in den Monaten Januar und Februar. Julus und 
Polydesmus, PorceUio und ArmadilUum sind an älmlichen Stellen, 
wie in Europa, häufig; aber auch die tropischen grossen Scolopendra 
fehlen nicht. Unter den Landschnecken sind Vaginulus, Strcptaxis 



Fisch- und Getlugelmarkt in Rio. «5« 

und Helix Brasiliana üesh. die auffallendsten Formen, die ich ge- 
funden, aber in dieser Jahreszeit nicht häufig. 

Der Markt. 

Der Markt, gemeinschaftUch für Fische, Geflügel und Vegeta- 
bilien, nahe dem Landungsplatze, bietet hier wie überall einen 
interessanten Ueberblick der häufigsten und für den Menschen 
praktisch interessanteren unter den einlieimischen Thierfonnen. 
Neben den Gemüsen fand ich lebende Säugethiere und Vögel zum 
Verkauf ausgestellt, neben dem einheimischen Rüsselbären (Nasua), 
Uistiti (Hapale) und Aguti auch einen afrikanischen weissnasigen 
Cereopithecus , von Papageien die bekannten Aras, Amazonen und 
einen kleinen grünen Sperüngspapagei , Psittacus passerinus L.?, 
femer neben den für den Tisch bestimmten gewöhnlichen Tauben 
und Hühnern weit kleinere, mir fremde Tauben, zweifelsohne zu 
Stubenvögeln bestimmt, und mehrere rothe Rebhühner, Perdix 
rufiis, die aus Europa gekommen (akklimatisirt?) sein müssen. 

Auf dem Fischmarkt herrschen die Stachelf losser vor, nament- 
lich Percoiden, Sparoiden, Sciaenoiden und ähnhche Formen , unter 
anderen die lebhaft roth oder gelb gezeichneten Centropristis aureo- 
nibens und radiaUs Q. G. , Ilolocentrum furcatum Gthr. Schöne 
rothe MuUus (Upeneus maculatus C. V.) und zahlreiche Mugil er- 
innerten mich an die italienischen Fischmärkte , eben so ein dunkel- 
rother Meerhahn, Trigla (Prionotus) punctata Bloch. Der grösste, 
imposanteste Fisch, den ich hier fand, war der massive Poma- 
canthus paru L. sp., schwarz, alle Schuppen mit goldgelbem Rande. 
Man sieht, dass er auch den Fischen an Farbenpracht nicht fehlt. •) 
Die bescheiden gefärbte FamiUe der Gadoiden, so reich vertreten 
auf den europäischen Fischmärkten, vermisste ich liier gänzlich: 
aus der Familie der Flunder und Zungen, Pleuronectides, nur Eine 
Art, Pseudorhombus vorax Günther, unter den Haien fiel ein kleiner 
Hammerfisch, Sphyma tiburo L. sp., auf. 

SüsswassQ^fische spielen hier eine sehr geringe Rolle, der 
einzige Siluroid, den ich auf dem Markte sah, Bagre genannt, 
Aeluricbthys marinus Mitchill, scheint auch mehr Meer- als Süss- 
wasserfisch zu sein, wie ich denn auch ein kleines Exemplar 
ausgeworfen am Meeresstrande fand. Doch fand ich in den 
Graben des botanischen Gartens kleine Cyprinodonten , PoeciUa 
unimaculata C. V. 



«50 N Brack wassefkrabbeii. 

Von deu Crustaceen werden eine grosse Garneele, Penaeus 
setifer L. s]). , und eine Scliwimmkrabbe, Lupa dicantha Latr., in 
Massen auf den Markt gebracht; die Cephalopcden sind durch 
Loligo und Octopus , die Landschnecken durch dpn grossen BuUmus 
ovatus Müll, vertreten. 



Brackwasser. 

Nördlich von der Stadt, bei Praya formosa, reicht ein 
Meeresarni mit schlammigem Grunde, mehrere Bäche aufnehmend, 
weit ins Land hinein; sein innerstes Ende, längs der Pferde- 
Eisenbahn, ist ausgetrocknet, und man kann hier verbleichte 
Schalen von Meerconchvhen aus dem Schlamm herauslesen, so 
Venus flexuosa (macrodon Desh.) und Paphia, einige Teilinen, eine 
Artemis afiinis Duh., eine Lucina Jamaicensis, Corbula ochreata 
Hinds*), Bulla striata u. s. w. Weiterhin folgt ein schwarzer weicher 
Grund mit noch frisch aussehenden Schalen von Planorbis Bahiensis 
Dkr. und Melampus colTea L. sp. , welch letzterer ohne Zweifel hier 
auch lebend vorkommt. Endlich kommt man an offenes gesalzenes 
Wasser, mit einzelnen Muschelfragmeuten und voll Krabben. Zwei 
derselben gehen freiwillig aus dem Wasser heraus: ein kleiner 
gesprenkelter Gelasimus und die grosse blassblaue Uca una L. sp., 
weniger rasch, aber um so kampflustiger, so dass sie leicht zu 
fangen ist, indem man ihr die Spitze des St.ockes entgegenhält, 
welchen sie sofort mit der Scheere fasst imd nicht mehr loslässt. 
Nur im Wasser, aber bis zu dessen liande, sah ich zwei andere 
Krabben, Eriphia gonagra F. sp., gelbbraun, rothgefleckt, mit 
kräftigen, rauhen Scheeren, und einen schwächeren, rascheren 
Grapsus. Die drei letztgenannten flüchten sich bei Gefahr in Löcher, 
welche sie wahrscheinlich selbst gegraben, aber wohl nicht immer 
in ihr eigenes, sondern in das nächste, da man oft kleine Krabben 
in grosse Löcher eingehen sieht. Der Gelasimus ist mehr ausser- 
halb, als im Wasser, die Uca verlässt dieses nur für kurze Zeit 
und wandelt öfter nahe unter dem Wasserspiegel, ziemUch langsam 
und ganz geräuschlos, wie ein Gespenst, dahin, so dass man oft 
erst in nächster Nähe plötzlich ihr Dasein bemerkt. Ohne Zweifel 
verdient sie so gut, wie der europäische Portunus, den Namen 
«lepurator, Reiniger, aber vielleicht eben deshalb scheint sie selbst 
nicht für rein zu gelten: ich sah das stattliche Thier weder auf dem 



Lagoa Rodrigo und Tejuca. ^^ 

Fischiiiarkt, noch sonst je auf dem Tische. Ausserhalb des Wassers 
bUeb sie mehrere Tage am Leben. 

Lagunen. Der See Rodrigo, längs dessen Ufern der Weg 
von Botafogo zum botanischen Garten geht, ist nur durch eine 
flache Sandstrecke vom Meere geschieden, diese wird zeitweise 
überfluthet, sein Wasser ist daher schwach gesalzen; von lebenden 
Wesen fand ich darin nur eine kleine grüne Alge, Cladophora 
Brasiliana n. sp., eine kleine Amphipode und zwei Fische aus den 
marinen Gattungen Gerres (G. gula C. V.) und Engraulis. 

Oestlich davon, am Fuss der Tejuca, ist der fast gleich grosse 
See vonTejuca, in offener Verbindung mit dem Ocean, nicht aber 
mit der Bai von Rio, von Schlamm und Rohrdickicht umgeben, 
worin der genannte Planorbis häufig ist; weiterhin in schwarzem 
Mooi^und waren todte Schalen von Melampus coffea L. sp. wieder 
häufig. Das Salzwasser selbst zu erreichen, war mir nur an einer 
Stelle möglich , wo ein Weg z\vischen dem bodenlosen Schlamm zu 
einem kleinen Hause und Nachen an der Ostseite des Sees fülirt: 
hier ist ein Streif weichen Sandbodens: von Phanerogamen war nur 
eine niedrige Portulacee mit rosenrothen Blumen und etwas fleischi- 
gen Blättern, Sesuviuin L., von Thiereu nichts zu sehen, der 
Kescher brachte unter vielen Holzstückchen und schwarzem Schlamm 
nur todte Schalen einer kleinen Schnecke aus der Gattung Ilydrobia 
hervor. Also auch hier scheint diese Brackwassergattung noch da 
vorhanden zu sein, wo keine anderen, weder Meer- noch Süss- 
wasserthiere, leben wollen, wie ich es von der lebenden Hydrobia 
ulvae im Uferschlamm von Southampton gesehen hatte. 

Steiniger Strand. 

Der Uferrand in der Stadt selbst und ihrer nächsten Umgebung 
wird grossentheils von schwer zugänglichen Mauern, stellenweise 
aber, wie z. B. nahe der Kirche Nuestra Sennora da Gloria und 
überall am Eingange der Bai, von anstehendem Granit oder Gneiss 
gebildet Aussen erscheint dieser dem VorbeischilTenden, so weit 
die höchste Fluth reicht, kahl abgespült und ohne alles Leben; in 
der Stadt fallen dem Auge des Suchenden zunächst Ueberbleibsel 
menschlicher Anwesenheit und menschlicher Eingriffe in die Kultur 
auf, so Reste von Orangen und Citronen, Kohlköpfe, Holzstücke, 
womit die Wellen das Ufer bedeckt haben, nach dem itaUenischen 



4U Ligia. Stiaiidkrabbeii. 

Sprüchworte, dass das Meer nichts behalte; auch todte Fische, 
nur wenige Algen. Die einzigen lebenden und geniessenden Wesen 
zwischen diesen Leichen sind flüchtige Assehi mit langen Gabel- 
schwänzen, Ligia (Baudiniana M. £.?), sehr zahlreich und in sehr 
verschiedener Grösse. Wo maÄ steht und geht , sieht man vor sich 
dieselben aus einander eilen , um sich zu verbergen ; man muss rasch 
zugreifen, um sie zu erhaschen, und doch vorsichtig, um sie nicht 
ganz zu verderben Denn sie laufen an der Luft sehr schnell, 
weniger schnell unter Wasser, wohin sie sich gelegentlich flüchten, 
ohne zu schwimmen. Sie wissen sich vortrefflich in kleine Spalten 
zu verstecken. Die grössten fand ich immer dicht über dem Wasser, 
in grösseren Gesellschaften bei einander und stillsitzend, bis sie 
aufgescheucht wiu'den; kleinere sieht man öfter freiwillig umher- 
streifend und weiter vom Meere entfernt, an Mauern ziemUch hoch 
hinauf, so dass sie mit den ersten Landpflanzen zusammenkommen. 
Aber an süssem Wasser oder überhaupt fern vom Meere habe ich 
sie nie gesehen, so wenig als ihre europäischen Schwestern, L. 
oceanica L. sp. und L. itaUca F.; ilir Vorkommen an einer um- 
mauerten Stelle des Sees von Rodrigo verrieth mir allein schon 
den Salzgehalt desselben, ehe noch der Geschmack Um bestätigte 
und ein Bück auf die Karte ihn erklärte. 

Nach den Ligien und bei Ebbe noch ausser Wasser findet 
man kleine Strandschnecken, Litorina Uneata Orb. PhiL, blassblau 
mit feiner dunkler Zickzackzeichnung, auch von ihnen die kleineren 
Exemplare zahlreicher und weiter oben, die grösseren fast immer 
unter Wasser; es scheint nicht, dass sie hier die gewöhnliche Flutb- 
gränze nach oben überschreitet. *) Noch etwas tiefer treten gelb- 
liche kleine Meereicheln (Chthamalus ?) auf, besonders zahlreich in 
einspringenden Ecken. Schon hier verw^eilt zuweilen eine glatte, 
dunkelbraune Krabbe , Grapsus cruentatus Latr. , in einer der Spalten 
zwischen den schief gelagerten Steinschichten, wo sich das Wasser 
von einer Fluth zur anderen erhält. Aufgeschreckt, läuft sie ent- 
weder längs der Spalte hastig, auf Taschenkrebsmanier seitlich 
gehend, abwärts dem Meere zu, oder sie schmiegt sich , von diesem 
abgeschnitten, noch enger z\vischen die Steine, regungslos und nur 
die Scheeren dem Feinde bietend, die sie auch heber verUert, als 
sich daran herausziehen lässt Bei Praya formosa hatte ich eine 
Krabbe (Eriphia) erhascht, welche nur noch Eine Scheere hatte; 
der Verlust musste noch neu sein, da noch keine Spur von Nach- 



Couchylien des Steingniudes. 



41 



wachsen zu sehen war, und das Thier schien zu leiden, denn es 
bewegte sich merkUch langsamer, als die übrigen. 

Auch einzelne grössere Schnecken, Purpura haemastoma L. 
sp., findet man schon hier an den Felsen sitzend. 

An der Ebbegranze, dicht unter dem Chthamalus, findet sich 
ein breiter schwarzer Streifen von kleinen gekrümmten Miesmuscheln, 
Mytilus Charpentieri Dkr., imtermischt mit einer eben so kleinen, 
glatten Modiola, ähnlich dem Mytilus minimus Poli des Mittelmeeres, 
der eben so am Meeresrande wohnt. Selbst hier noch keine Algen, 
ausser vereinzelten Exemplaren von Ulvaceen (Phycoseris und 
Enteromorpha). Die letzteren sind neben kleinen Ligien auch die 
einzigen Bewohner der kleinen Schlammpfutzen zwischen Steinen, 
an der Stelle, wo eine neue Strasse längs des Strandes an- 
gelegt wird. 

Steingrund. 

Die nächstfolgende, nie vom Wasser entblösste Tiefenregion, 
lernte ich nur durch einige Schleppnetzzüge kennen , dicht bei einer 
niedrigen Kuppe in der kleinen Bucht nordöstlich von der Stadt; diese 
brachten aus ein bis zwei Faden Tiefe zahlreiche Seeigel, Psam- 
mechinus variegatus, einige Encope emarginata Gmel. sp., und noch 
viel zahlreichere, mit verschiedenem Lebendigen besetzte Steine 
heraus; der grösste Theil derselben war mit kleinen Meereicheln 
(Baianus) und mit einer Pantoffelschnecke, Crepidula aculeata Chemn., 
bedeckt, oft mit beiden zugleich, indem auf den grösseren, also 
älteren, Crepidulen selbst ein Baianus aufsass. Die Schale dieser 
Schnecke ist dunkelrothbraun, in der Jugend mit divergirenden 
Reihen weisser Stacheln besetzt, im Alter mehr oder weniger ab- 
genutzt; sie klebt so fest an den Steinen wie Patella, so dass sie 
nur durch Unterschieben einer Messerkhnge oder dergl. davon zu 
trennen ist, und scheint noch weniger beweglich, als die Patellen, 
denn ihr Rand schmiegt sich genau allen Unebenheiten des Steines 
an, so dass er an jedem Individuum verschieden ist, imd die ganze 
Schnecke hinterlässt nach ihrer Entfernung eine polirte Stelle als 
Spur ihres Sitzes. Dazwischen fanden sich kleine Chiton, kleine 
Serpulen, roth in weissem Gehäuse, und einige andere Rothwünner, 
ganz kleine Krabben, seltener einzelne Isopoden, und verschiedene, 
meist kleine Conchylien, so Venus flexuosa L., Ceritliium atratum 
Born*), Fissurellasp., letztere zwei fast immer von Bryozoen über- 



42 



Thicre des Schlammgnuides. 



zogen, ferner Arten der Gattungen Ostrea, Murex, Natica (limbata 
Orb.?) u. a. Stundenlanges Durchsuchen eines Haufens solcher 
Stehle an Bord ergab mir noch eine niedUche Caprella, die ihren 
aufgerichteten Vorderleib hin und her bewegte, wie ein Wurm, der 
halb aus seiner Röhre hervorsieht, einige Turbellarien (Leptoplana), 
eine aggregirte Ascidie, kleine Schlangensterne und eine blassrothe 
Actinie (Rhodactis?). ') 

Schlammgrund. 

In derselben Bucht, so wie in der gegenüberliegenden, au 
deren Ufer das Gelbfieber -Hospital liegt, besteht der Grund in 
einiger Entfernung vom Ufer aus zähem , festem , hellgrauem 
Thon, in dem ich bei fünf Faden Tiefe fast nur todte Conchy- 
lienschalen fand, so ein Dentalium und die schon erwähnte Venus 
ilexuosa L. (macrodon Desh. ), Amphidesma reticulatmn Sw., 
Cardium muricatum L. , Artemis afiinis Desh., Corbula und dei^l., 
von lebenden nur die hübsche Tellina punicea Born, blässer als 
gewölmhch, nur rosenroth zu nennen, dagegen verschiedene grössere 
und kleinere Ringelwürmer, meist blutroth gefärbt; ferner einmal in 
der zweiten Bucht einen schönen Seestern , \iolett mit orangegelbem 
Saume: Astropecten Brasiheusis M. Tr., mehrere röthliche kleine 
Krabben und einen Schlangenstem , Ophiothrix, von der grauen 
Farbe des Schlammes selbst. Bei nur zwei Faden Tiefe kamen 
Trümmer einer schwarzen Comatula herauf. Aus einer Tiefe von 
18 Faden dagegen, ebenfalls zähem Schlamm, kam das Netz reich 
beladen mit Schlangensternen, Ophiuriden, herauf, welche zwischen 
den Maschen steckten, von verschiedenen Gattungen, namentUch 
Opliioderma und Ophiolepis, einige einfarbig braun, andere weisshch 
und schwärzlich gebändert. Aus noch grösserer Tiefe, 27 Faden, 
brachte der Anker denselben Schlamm mit einem röthlichbrauneu 
Schlangenstem und mehreren todten, aber vollständigen Schalen 
einer Corbula (Otaheitensis Lara.?). 

Im Allgemeinen ist demnach auch hier die Färbung der Thiere 
in der Tiefe entweder eine unscheinbare, dem Grunde mehr oder 
weniger ähnliche oder, wo sie lebhaft wird, eine rothe. 

Schwimmende Meerthiere. 

An einzelnen Tagen war in der Mitte der Bai eine Menge 
von Quallen sichtbar, den Gattungen Aurelia ^) und Cephea an- 
gehörig; mit denselben wurden einzelne kleine Fischchen, ein junger 



Vergleichuiig mit der europäischen Fauna. 



43 



Caranx (wahrscheinlich chrysos Mitchill), herausgeschöpft, welche 
wohl unter ihnen ein Versteck suchen. Es war dieses Ende Mai, 
also im Spätherbst der südUchen Halbkugel, und erinnerte mich 
deshalb an die Schwärme der Medusa (Aurelia) aurita L., welche 
sich in der Ostsee auch im Herbst zu zeigen pflegen. Ein anderes 
schwimmendes Geschöpf der Bai ist der Stachelbauch, Diodon, der 
zuweilen noch mit Luft aufgeblasen von den Wellen an den Strand 
geworfen wird. 



Es braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, wie sehr 
das Vorkommen der einzelnen Gattungen hier mit dem derselben 
an den europäischen Küsten überehistimmt, wohl aber kann ich die 
Bemerkung nicht unterdrücken , dass ich eine grössere UnähnUchkeit 
in der Fauna vorausgesetzt hatte , und dass eigentlich nur Angesichts 
der grossen blauen Uca una in der kleinen Lache bei Praya formosa 
mir das Bewusstsein, in der Tropenwelt zu sein, ziun Gefühl und zur 
Anschauung wurde. Freihch ist dabei zu bedenken, dass Rio selbst 
am Rande der Tropenzone hegt, dass die vielbeschiiübe Bai der 
grössten Handelsstadt Südamerika's nicht der geeignetste Ort und 
der Spätherbst nicht die geeignetste Zeit zu solchen Forschungen 
ist, für die überhaupt eine Dauer von 14 Tagen kaum einen Anfang 
gestattet. 

Unter den Bryozoen und Hydroidpolypen , welche theils an 
den Steinen, theils an der Schiflstreppe gefunden wurden, waren 
sogar einige, die ich nicht von den europäischen Arten unterscheiden 
konnte, so von ersteren Aeamarchis neritina L. sp., von letzteren 
Plumularia pluina L. sp. und eine Tubularia. Auch sind mit dem 
Schleppnetze zwei Exemplare eines Amphioxus gefangen worden, 
der nicht verschieden vom europäischen scheint. 



ANMERKUNGEN. 



^) Die Moven, welche ich um Rio Janeiro sowohl in der Bai als ausserhalb 
von Bord aus zu sehen bekam , waren zweierlei Art : die grössere mit schwarzem 
Mantel, wie der europäische Larus mai*inus, und mit gelben Füssen, ohne Zweifel 
L. Dominicauus Licht., Dominicanus Azarae bei Bonaparte; die kleinere mit hell- 
grauem Mantel, rothem Schnabel und rothen Füssen, vielleicht L. maculipennis 
Licht 

') Femer finden sich Hyla marmorata Law. sp. , infulata Spix und Phyllomedusa 
bicolor Bodd. sp. nach Burmeister , Limnocharis fusca nach Darwin , zoology of thc 
Beagle, um Rio Janeiro. 

^ Quoy und Gaimard in Freycinet's voyage de rUranie, Zoologie pag. 189, 
bemerken, dass die auf dem Markt von Rio Janeiro gesehenen Fische im Allge- 
meuieu mattere Farben zeigten als die der meisten anderen Tropengegenden und 
hauptsächlich aus Röchen, Characinen, Saums, Makrelen, Vomer und Trichiurus 
bestehen. Mir erschien dieses anders. Vielleicht dass nach den Jahreszeiten die 
vorherrschenden Fische verschieden sind, vielleicht ist die Differenz auch mehr sub- 
jectiv; es war für mich der erste tropische Fischmarkt , den ich sah, und ich konnte 
ihn deshalb noch nicht mit andern vergleichen; soweit übrigens jetzt meine Erinne- 
rung mir noch ein Urtheil zulässt, sieht es auf den Fischmärkten von Singapore und 
Batavia nicht bunter, eher eintöniger aus, als auf dem von Rio. 

*) Corbula ochreata wird als Süsswasserbewohnerin , Potamomya, betrachtet, es 
ist daher bemerkenswerth , dass ich sie hier nur mit Meermuscheln zusammen , wenn 
auch todt fand. Was den Namen betrifft, so soll er doch wahrscheinlich •ockergelb- 
bedeuten und würde alsdann passender ochracea lauten. 

'^) Die kleinen Litorinen der Nordsee, namentlich rudis Mont. und tenebrosa 
Mont., sowie diejenige des Mittelmeers, L. neritoides L. sp. (coenilescens Lam.), 
leben gi'ossentheils entschieden über der gewöhnlichen Fluthhöhe, \^'ie Andere und 
ich selbst vielfach gesehen haben. 

•) Es ist bemerkenswerth, dass die meisten Arten von Conchylien, welche ich 
zu Rio Janeiro fand (auch Trochus cruciatus L. gehört noch hierher) , auch in West- 
indien häufig sind; während an der Küste der Laplata-Staaten sie nicht mehr vorzu- 
kommen scheinen. Die Uebereiustimmung im Klima ist also hier für die Verbrei- 
tungsbezirke der Arten wichtiger als die continuirliche Küstenrichtung. 

'^) In dreizehn Faden Tiefe wurde von Macgillioray in der Bai von Rio Janeiro 
eine kleine rosenrothe Terebratel, Bouchardia tulipa, aufgefischt. 

^) Diese Qualle glich in ihrer ganzen äussern Erscheinung, der Länge und Form 
der Arme , den vier Magenhöhlen und ilu*en vier unteni Oeffnungen , dem Verlauf der 
Gcfasse u. s. w. unserer europäischen Medusa (oder Aurelia) aurita L., zeigte aber 
16 statt 8 Einkerbungen im Scheibenrande. Ihre Farbe war ganz wasserhell, die 
Randfaden, der beiderseitige Uautrand der Arme und die Ovarien blass rosenroth 
Vielleicht Aurelia colpota Brandt, Mem. ac. Pctersb. 1838. 



IV. 



DER SÜDLICHE OCEAN. 

VOM 6. JUNI BIS 18. JULI 18(X). 



Ivaum hatte die Thetis Rio Janeiro verlassen und den Wendekreis 
überschritten, so zeigte sich auch schon als Vorbote des kälteren 
Südens eine Captaube , zu der sich während desselben Tages , 7. Mai, 
in 25° 26' Südbreite des Mittags noch grössere braune Sturmvögel 
gesellten, während fliegende Fische noch zahlreich vorhanden waren. 
Den folgenden Tag musste die Glaspforte wieder in unserer Batterie- 
kammer eingesetzt werden, während wir zwischen den Tropen die 
ab Fenster dienende Kanonenluke der frischeren Luft wegen ganz 
offen gelassen hatten, und mit der Zeit kam sogar noch die Holz- 
pforte mit dem kleinen Ochsenauge aus dickem Glas als einziger 
Lichtquelle wieder an die Stelle der Glaspforte. Die Vögel bildeten 
von nun an beständig die Staffage des sonst sehr eintönigen Land- 
schaftsbildes von grauem Himmel und bleifarbigem Meer, ausser 
dass, öfter als uns heb war, noch der weisse Schaum der sich 
überstürzenden Wogen dazu kam. Je weiter wir nach Süden ka- 
men — unsere höchste Breite war 43° 11' bei 48° Ostlänge von 
Greenwich, am 30. Juni, dem Winter der südlichen Hemisphäre, 
mit 7—9° R. Lufttemperatur während des Tages — desto zahlreicher 
wurden die Vögel; nicht oft sahen wir sie auf dem Wasser ruhen, 
fast immer waren sie im Fluge (on the wing, auf dem Flügel, wie 
die Engländer sagen); schon des Morgens erschienen sie, häuften 
sich aber immer mehr an bis Mittag, den Augenbhck erwartend, 
wo die Abfalle von dem Essen der Mannschaft der See übergeben 
wurden. Darüber sammelten und zankten und bissen sie sich denn 
untereinander, fliegend und auch schwimmend, und während die 
so beschäftigten weiter hinter dem Schiff zurückblieben, machten 
sich andere wieder näher heran, in Hoffnung auf weitere Beute. 



4Ö Sturmvögel. 

(jegen xVbend verloren sie sich gewöhnlich, nach Sonnenuntergang 
war selten mehr einer zu sehen, nur einigemal wollte Jemand in 
der Nacht über dem Schiffe sie schreien gehört haben. Wie sie die 
Nacht verbringen, war mir ein Rathsel; doch wohl schwimmend 
auf den Wellen, denn dass sie St. Helena, das Cap oder Tristan 
d'Acunha, wovon wir nur das letztere von weitem sahen, erreichen 
sollten, ist ihnen doch wohl zu viel zugemuthet. 

Offiziere, Passagiere und Matrosen erfreuten sich, am Heck 
des Schiffes stehend, dieser Vögel und disputirten über die Namen 
der einzelnen Arten, aber sie in die Hände zu bekommen, war 
nicht so leicht. Das vielgerühmte Mittel, mit Speck die Albatrosse 
zu angeln, bewährte sich uns nicht, und ein glücklicher Zufall wie 
der von der Arkona erzählte, dass ein blauer Sturmvogel sich in 
die Logleine verwickelt habe und so an Bord gezogen worden sei, 
wollte auf der Thetis auch nicht eintreten. Den 1. Jidi wurde daher 
das Schiessen an Bord vom Capitän erlaubt, viele Schüsse fielen, 
aber weniger Vögel und auch diese ins Wasser, da sie nie gerade 
über dem Schiffe, sondern hinter demselben flogen. So kam nur 
Ein Exemplar in meine Hände und meine Sammlung, von Herrn 
Otto Schottmüller geschossen. Für die andern bheb nur die Be- 
stimmung auf Distanz übrig. Was ich erkennen konnte, ist folgendes: 

1. Die Captaube, Procellaria Capensis Linne, Daption bei 
Bonaparte, le damier der Franzosen, von oben schwarz 
mit weisser Zeiclmung auf Flügeln und Rücken, von unten 
weiss mit schwarzem Kopf, Flügelrändem und Schwanz- 
ende; Avie schon erwähnt zuerst am 6. Juni gesehen, einen 
Tag nachdem wir Rio Janeiro verlassen, häufiger vom 
10. Juni, 35° Südbreite an und bis zum 30° im indischen 
Ocean, 16. Juli, uns begleitend, aber minder zalilreich in 
den höheren Breiten, 37 bis 40°, 14. Juni bis 6. Juli. 

2. Noch häufiger war die Art, welche erlegt wurde, Procel- 
laria haesitata Forst.*), von weitem gesehen braungrau 
mit dunklerem Schwänze, die Unterseite des Rumpfes 
weiss, vom 12. Juni, 36° Südbreite im atlantischen Ocean, 
bis zum 10. Juli, 35° im indischen, häufig gesehen, in 
grösster Zahl aber in Sicht von Tristan d'Acunha. Er 
taucht sowohl vom Fliegen, wie vom Schwimmen aus. 

3. Ein grösserer schwarzer Vogel mit auffallend langen und 
schmalen, sichelförmigen Flügeln, am Kopf hellere Stellen, 



Albatrosse. 



47 



die Füsse blass, der Schwanz verhältnissmässig kurz und 
abgerundet, vermuthlich der sogenannte Puffinus aequinoc- 
tialis L. sp,'), zuerst in 36^. Südbreite, am 12. Juni, 
bemerkt, dann wieder am 20. in 39°, die letzten am 6. Juli, 
40°. Ist nur einzeln, nie in Haufen beisammen, taucht 
nie, und benimmt sich sehr bissig gegen die Captauben 
und die andern Sturmvögel. 
4. Der Albatross, Diomedea (exulans L. oder melanophrys 
Boie?), der grösste von allen, weiss mit schwarzen Flügeln 
und schwarzem Schwanzende, an der Unterseite der Flügel 
längs deren innerem Rand eine gelbUche Binde; wenn er 
recht nahe kam, was selten geschah, konnte man auch 
eine gelbe Stelle am Schnabelrücken und einen kleinen 
schwarzen Flecken hinter dem Auge erkennen. Zuerst am 
16. Juni in beinahe 38° Südbreite gesehen, dann wieder 
am 19. und von da an nicht selten bis zum 11. Juli, 39° 
Südbreite im atlantischen bis 34° im indischen Ocean, 
doch nicht so alltäglich wie die zwei ersten Sturmvögel, 
meist nur einer oder zwei zu sehen; fliegt viel ruhiger, 
schwebend, und kommt dem Schiffe selten so nahe als die 
kleinen Sturmvögel. 
5. 6. Andere Albatrosse, theils braune mit weissem Kopf (Dio- 
medea fuliginosa Gmel.?), theils ganz weisse, an denen 
nur die Flügelspitzen schwarz waren (D. exulans L.?), 
wurden wiederholt bemerkt, namentlich die braune am 
12. und 14. Juni in 36/37° Südbreite westüch — und \vie- 
derum am 10. Juli in 35° Südbreite östlich vom Cap, sie 
kamen aber nie so nahe, dass sie mit grösserer Besimmt- 
heit zu erkennen gewesen wären. 

7. Kleine silbergraue Vögel, bedeutend kleiner als die Cap- 
tauben, vermuthUch die sogenannten blauen oder Enten- 
Sturmvögel, Pachyptila vittata, kamen wiederholt ziemlich 
nahe an die Seiten des Schiffes, nie hoch fliegend und 
immer so schnell, dass ihre Formen nicht deutlich zu er- 
kennen waren. 

8. Den 20. Jimi, unter 39° Südbreite und 1° östlich von 
Greenwich, zogen zwei schwarze Vögel, in viel grösserer 
Höhe als die Sturmvögel zu ersteigen pflegten, über das 
Schiff weg; ihre Flügel, auffallend kurz und rund gegen 



48 Raben. Ein Walfisch. 

die der Sturmvögel, machten weit zahlreichere und tiefere 
Schläge und doch kamen die Vögel dabei nur langsam 
vorwärts; sie machten auf mich ganz den Eindruck, als 
seien es Raben. Das nächste Land war Tristan d'Acunha, 
das wir vier Tage zuvor gesehen hatten. 
Auch ein Walfisch wurde einmal gesehen, am 13. Juni 
Nachmittags, er tauchte wiederholt neben dem Schiffe auf, das mit 
einer Geschwindigkeit von 10 Kiioten (Seemeilen in der Stunde) 
lief, erst zur Seite, dann vom und zuletzt wieder zur Seite. Zuerst 
schnaubte er, ohne dass Wasser sichtbar ward; bei seinem letzten 
Auftauchen aber wurde ein Staubregen über Mannshöhe emporge- 
worfen und fiel nach allen Seiten wieder nieder, ein kompakter 
Wasserstrahl war nicht zu erkennen; die Lufttemperatur des Mit- 
tags war 17° R. Das Thier war über 30 Fuss lang, hatte eine 
kleine dreieckige Rückenfinne und ein einfaches Blasloch, das ziem- 
Uch weit hinten liegt.') 



ANMERKUNGEN. 



^) Die Artunterscheidung der sQdlichen Sturmvogel liegt bekanntlich noch ziem- 
lich im Argen und so machte mir auch die Bestimmung dieses einen mehr zu 
schaffen, als die aller nur von ferne gesehenen zusammen. Das erhaltene Exemplar 
stinmit recht gut zu einem schon früher im Berliner Museum vorhandenen, das als 
haesitata Forster und Gould, non Tem., aber mit einigen Zweifeln bestimmt war, 
und ist sehr ähnlich der Procellaria major derselben Sammlung, nur dass der 
Schnabel der letztem weit kräftiger ist; der Schnabel des fraglichen Exemplars ist 
dagegen eben so schwach wie der von Pr. glacialoides Smith. Bonaparte conspect. 
avium IL, pag. 187, vereinigt nun major und haesitata in Eine Art, seinen Ada- 
mastor typicus, und stellt glacialoides in eine andere Gattung, Thalassoica, und selbst 
Unterfamilic. Forster's Beschreibung, descriptiones animal ed. Lichtenstein, 1844, 
pag. 208, passt recht gut, nur nennt derselbe die Farbe der Oberseite einfach asch- 
grau, cinerea, während sie bei den beiden Exemplaren des Berliner Museums aus 
Aschgrau und Braun gemischt ist , stellenweise die eine oder die andere vorherrschend, 
vielleicht sind es jüngere Thiere. Procellaria cinerea Gmelin (Linne syst, nat ed. 13, 
pag. 563) scheint derselbe Vogel zu sein , nach von Cook's Reise mitgebrachten Exem- 
plaren von Latham als cinereous fiilmar beschrieben; nur hat Gmelin die Beschrei- 
bung irgend einer andern Art hineingemischt, da er zwar in der Diagnose subtus 
alba, aber in der Beschreibung pectus et abdomen interdiun nigra sagt, femer Vertex 
et frons reliquo capite pallidior, was weder in Forster's Beschreibung zu finden, 
noch bei dem meinigen zu sehen ist, bei welchem die Stime sogar etwas dunkler 
ist; doch hat Lichtenstein wohl unrecht, diese cinerea für Forster's Pr. tristis zu 
nehmen, bei der der Körper dunkelbraun ist (1. c. pag. 205). Ich mag daher den 
Namen cinerea nicht, wie Coues (Proceed. acad. Philadelphia, 1864) vorgeschlagen 
hat, vorziehen. Die Iris hatte ich bei dem meinigen als schwarzgrün notirt, Läufe 
und Zehen blassgrünblau, die Schwimmhaut weisslich, was alles zu Forster's Be- 
schreibung passt. Ich nehme demnach keinen Anstand, in unserem Vogel die "bean- 
standete- Art Forster's zu sehen; seine Ortsangabe ist etwas südlicher, 48° Breite. 
Schon Forster hebt seine Aehnlichkeit mit Pufßnus hervor und Coues stellt ihn 
als Adamastor sogar in die Unterfamilie Puffineae; auch ich hatte ihn erst für 
einen -Sturmtaucher« gehalten, da ich ihn öf\ers tauchen sah. Faber (über das 
Leben der hochnordischen Vögel, S. 258) spricht der Gattung Puflmus nur das 
Tauchen vom Schwimmen aus, den Procellarien — er beobachtete nur die nordische 
Art, P. glacialis L. — nur das Tauchen vom Flug aus, Stosstauchen , zu, und be- 
merkt überhaupt, dass kein Schwimmtaucher zugleich Stosstaucher sei oder umge- 
kehrt. Mir schien das eine und das andere mehrmals von diesen Vögeln ausgeführt 
zu w^erden, aber eine Täuschung ist leicht möglich, da, wenn eine Woge sich in 

Oti-A»vtn. Zoologisch. I. 4 



5u Anmerkungen zum südlichen Ocean. 

einiger Entfernung von dem Beobachter, aber noch vor dem schwimmenden oder 
gerade niedrig fliegenden Vogel erhebt, es den Anschein hat, als versenke sich der 
Vogel hinein. 

2) Der Linneische Artnamen Aequinoctialis ist unpassend , er kann nur den Sinn 
haben, dass der betreffende Vogel nahe der Tag- und Nachtgleichen-Linie (Aequa- 
tor), also mindestens zwischen den Tropen lebe, dieses thut aber unser Vogel gerade 
nicht; schon Forster bemerkte mit Recht (1. c. pag. 26): habitat in oceano australi 
extra Tropicum , nunquam visa ad lineam aequinoctialem , unde patet in ipsam nomen 
aequinoctialis non quadrare, und nannte ihn daher Procellaria nigra. Dennoch ist 
ihm bei allen Omithologen , von dem Herausgeber des Forster'schen Manuscripts bis 
zum neuesten Monographen der Sturmvogel, Coues, der Name aequinoctialis geblie- 
ben, indem sie aus Achtung vor Linne auch seine Irrthümer verewigen wollen. 

Uebrigens ist auch fiir dieselbe Art von Sturmvögeln ihre Aequatorialgrinze 
nach Jahreszeit und Oertlichkeit verschieden; so ist die Captaube uns zuerst in 
25° Südbreite im dortigen Winter erschienen, Cook südlich von Neuseeland 1773 
im dortigen Sommer erst in 43°, dagegen beobachtete man sie auf der Expedition 
des Schiffes Beagle unter Fitzroy an der peruanischen Rüste noch in 16 — 17° Süd- 
breite, was offenbar mit dem dortigen Kaltwasserstrom zusammenhängt, wie ja auch 
Pinguine bis Peru kommen sollen. 

^) Das Spritzloch sah ich nur während der kurzen Zeit des »Blasens-, aber 
sie genügte doch, um den Ort desselben, und dass nicht zwei gesonderte gleich 
grosse und gleich thätige neben einander vorhanden sind und blasen, zu erkennen. 
Diese zwei Charaktere , die Lage nicht am vordem Ende des Kopfes , sondern weiter 
zurück, und die Unpaarigkeit, verweisen aber das betreffende Thier in die Gattung 
Physeter, nach Dr. Gray's Umgränzung, den Black -fish der Wallfischfänger, den 
dieselben oft nennen, aber nie fangen und von dem nur ältere ungenügende Be- 
schreibungen existiren. 



V. 



DIE SUNDASTRARSSE. 

VOM Sa. BIS 96. JULI 1860. 



Von Süden kommend, hatte die Thetis den 16. Juli in 30° Süd- 
breite den Passatwind getroffen, der Himmel wurde wieder blau, 
der Horizont von weissen Haufenwolken imisäumt, nur nach Süd- 
osten, in der Richtung von Australien, blieben langgezogene graue 
Schichtenwolken. Die Sturmvögel waren bis auf einzelne Captauben 
verschwunden, die Pforten wurden wieder aus unseren Fenstern 
entfernt, in der Batterie wurde wieder exercirt und an den Segeln 
geflickt, oben auf Deck Flaggen getrocknet und die von Rio Janeiro 
mitgenommenen Papageien gesonnt. Zwei Tage darauf, als wir den 
Wendekreis passirten, waren in der That alle Captauben definitiv 
verschwunden und der erste Tropikvogel gesehen worden, dem in 
den nächsten Tagen noch andere folgten; auch der Fregattvogel 
(Tachypetes aquilus), den wir zuletzt vor Rio Janeiro gesehen, und 
fliegende Fische stellten sich am nächsten Tage ein. Wir waren 
wieder in der Tropenwelt. 

Am 22. kam das dunkle Westende von Java, von den Eng- 
ländern Java head genannt, imd die Prinzeninsel ia Sicht, damit 
trat aber auch Windstille ein, so dass wir es am nächsten Morgen 
immer noch vor uns hatten, nur näher und schwärzer, mit starker 
Brandung; als die Sonne höher stieg, konnte man einzelne Bäume 
unterscheiden. Käfer, eine Grille und Fliegen kamen an Bord 
geflogen, imd nach dem abendlichen Regen sprach Jeder von dem 
angenehmen Waldgeruche, der vom Lande herüber gelange. Den 
24. Morgens hatten wir die drei Inseln der Sundastrasse ia Sicht; 
das zweigipflige Rakata, von den Seeleuten zu Krakatu entstellt, 
das kraterförmige , aber dicht bewachsene Sebesi und das mehr 
kleinzackige Sebuku, dahinter Sumatra selbst hoch ansteigend (das 

4' 



52 Affen und Eichhörnchen. 

Gebirgsland der Lampongs). Auf die gelinde Morgenbrise war 
gegen Mittag wieder Windstille gefolgt; vom Lande kamen mehrere 
schmale, spitzige Boote mit lateinischen Segeln zu uns heran, von 
kupferbraunen Malaien bemannt; frische Esswaaren und lebende 
Thiere, Reis und spanischen Pfeffer und auch ein paar grosse 
Conchylien (Pterocera, Hippopus, Cypraea tigris) zum Verkaufe 
bringend. Sofort ging mm ein lebhafter Handel an, der zur Folge 
hatte , dass Ananas , Bananen und Cocosnüsse auf unserem JVIittags- 
tische prangten imd Käfige zur Unterbringung der gekauften Thiere 
ein allgemein gesuchter Artikel wurden. Die Anzahl der Arten 
von Unterhaltungsthieren , die an Bord gekommen, betrug in der 
That ein volles Dutzend. Die interessantesten davon für den Natur- 
forscher waren drei schwarze Schlankaffen, Semnopithecus Maurus 
L. sp., von den Malaien lutung genannt, mit aufstehendem Kopf- 
haar und tiefem Haarscheitel längs des Rückens, ernst und schwer 
zu halten , wie die meisten ihrer Gattung. Fast immer sassen sie un- 
bewegUch bei einander auf dem ihnen angewiesenen Platz im vorderen 
Theil des Decks, sie frassen wenig, htten bald an Diarrhöe, und in 
14 Tagen war keiner mehr am Leben. Vielleicht dass unpassende 
Nahrung daran schuld war: sie erhielten, wie fast alle zahmen 
Thiere, von den Malaien Reis in Hülsen (Paddi), von uns daneben 
Alles, was sie von den Bestandtheilen unserer Mahlzeiten annehmen 
wollten. Besser zu halten, aber auch in der Folge noch viel Aei^er 
durch ihre Streiche verursachend, waren zwei sogenannte Makako's, 
die gewöhnlichsten Afien der europäischen Menagerieen, Macacus 
cynamolgos L. sp., der eigentliche Monj et der Malaien, woraus die 
Spanier und Portugiesen mono, die Engländer monkey gemacht 
haben, passend von den Holländern Javaner -Affe genannt, imd der 
aus Sumatra stammende Macacus (oder Liuus) nemestrinus L. sp., 
kurzschwänzig, mit nackten Ohren imd dunkelbraunem Scheitel- 
streifen, brüh der Malaien. Mein Liebhng wurde ein Eichhörnchen, 
Sciurus bicolor Sparrm., oben schwarz mit einzelnen helleren 
Haaren, unten gelbUchweiss, beide Farben von der Kehle bis an 
den Schwanz scharf von einander getrennt. Seine Bewegungen 
waren langsamer und ruhiger, als diejenigen der europäischen Art: 
es hatte verhältnissmässig grosse Augen , aber doch ein^ schwaches 
Gesicht, und schhef bei Tage viel, was Alles auf ein mehr nächt- 
hches Leben zu deuten scheint. Das Thierchen war noch jung, 
gewöhnte sich bald an mich und versuchte nie, mich zu beissen; 



Papageieu und Tauben. ö«> 

den Schweif trug es nie hoch, wie unsere Eichhörnchen so oft; 
wenn es schüef , lag es bogenförmig eingerollt auf der Seite« und 
hatte den Kopf durch den Schweif bedeckt; eines Tages fand ich 
es in dieser Lage in seiner gewöhnlichen Schlafstelle erstarrt und 
kalt, nachdem es über zwei Monate scheinbar gesund am Bord 
gewesen war; der gekochte Reis , den es Tages zuvor erhalten, war 
schon einen Tag alt, also nicht mehr frisch gewesen, und diesem 
Umstände musste ich den Tod zuschreiben, da keine andere Ursache 
äusserUch und innerhch zu finden war. 

Unter den an Bord gebrachten Vögeln spielten die Tauben 
die erste, Papageien erst die zweite Rolle , charakteristisch für die 
westUche Hälfte des indischen Archipels ; denn es waren nur Arten, 
die auf Java oder Sumatra selbst einheimisch sind, daher von 
Papageien nur eine kleinere grüne, der langschwänzige Psittacus 
(Palaeomis) longicauda Boddaert (= barbatulatus Bechst, Kühl.), 
mit schwarzen Bartflecken, betet der Malaien, imd der kurz- 
schwänzige (Loriculus) galgulus L. sp., mit einheimischem Namen 
serindit; beide von Sumatra; letzterer pflegte sich zum Schlafen 
verkehrt an Einem Fusse aufzuhängen. Unter den Tauben waren 
ebenfalls die Hauptformen dieser Hälfte des Archipels vertreten 
durch die papageigrüne Taube, Columba (Treron) aromatica L., die 
bronzegrüne C. (Chalcophaps) Jayanica GmeL, die unserer ächten 
Turteltaube so ähnliche C. (Turtur) tigrina Tem. = Chinensis Scopoli, 
und die kleine langschwänzige C. (Geopelia) striata L., eifrige 
Reisfiresser, wie der bekannte Reisvogel, Loxia (Munia) oryzivora L., 
der einzige sperhngsartige Vogel, der uns gebracht wurde. 

Des Abends wurde vor dem Leuchthurm von Anyer geankert 
und am nächsten Tage, 25. Juni, da die Windstille glückücherweise 
anhielt, eine Excursion an Land gemacht. Der Strand der javani- 
schen Küste ist hier flach und besteht hauptsächUch aus Korallen- 
Trümmern , unter denen namentiüch die Gattungen Mussa und Astraea 
durch ihre Zahl, Maeandrina durch ihre Form und kleine Stückchen 
von Tubipora durch ihre rothe Farbe sich sehr bemerklich machen; 
stellenweise sind auch Algen in Mehrzahl ausgeworfen, namentUch 
die oüvengelben (getrocknet schwarzen) Sargassen imd die hell- 
grünen (verbleicht weissen) Halimeden. Belebt ist der Strand fast 
nur von Einsiedlerkrebsen, welche Schalen der verschiedensten 
Schneckengattungen mit sich herumschleppen. Zunächst hinter dem 
Strand folgt ein Wäldchen von Cocospalmen, das erste, das wir 



04 Cocoswäldcheu. Pelagische Thiere. 

auf dieser Reise sahen, daher das untere zwiebelformige Ende der 
Stamme, plötzlich in viele dünne Wurzeln ausgehend, besonders 
auffiel; es scheint oft, als ob sie durch das Wachsthum etwas aus 
dem Boden gehoben würden, indem die scharfe Granze zwischen 
Wurzel und Stamm bei allen erwachsenen ein wenig über dem 
Niveau des umgebenden Bodens hegt; bei Pandanus brechen be- 
kanntlich fortwährend wurzelartige Stützen aus dem unteren Theil 
des Stammes hervor, so dass er zuletzt auf Stelzen zu stehen 
scheint, ganz verschieden von den viel dünneren, zahlreicheren, in 
Einer Höhe entspringenden Wurzeln der Cocospalme. Eine kleine 
violette Blume, Lourea Desv. (PapiUonaceae), war die einzige, die 
mir liier ins Auge fiel. Von da kamen wir zu den Häusern, wo 
malaiische, ziemlich dunkelbraune Mädchen unter Aufsicht eines 
gelben Chinesen Kaffeebohnen sortirten, und bald in das europäische 
Quartier, wo wir so freundUche Aufnahme bei den hier wohnenden 
Europäern , dem MiUtärkommandanten , Mihtärarzt und Wirth, fanden, 
dass nur für einen kleinen Abendspaziei^ang nach einer benachbarten 
Anhöhe noch Müsse bheb, der uns noch den Anbhck mehrerer 
Casuarinen verschaffte, die hier, wie die Cocospalmen, dem Meere 
näher als andere Bäume kommen (C. equisetifoUa). 

Spät in der Nacht kamen wir an Bord zurück, und am nächsten 
Morgen ging es »Anker auf«; Schwärme von blauen lanthinen und 
Velellen, zwischen denen die nähere Untersuchung mehrere eben 
so eigenthümhch pelagische Pfeilwürmer (Sagitta) fand, bestätigten 
auch hier die von Messina her den deutschen Zoologen geläufige 
Erfahrung, wie reich an pelagischen Thieren gerade die Meerengen 
sind. Die tiefblaue Farbe der Velella veränderte sich in Spiritus 
noch an demselben Tage in Violett. 

Nachmittags war Java ausser Sicht, den folgenden Tag kamen 
wir durch die klippenreiche Gasparstrasse (zwischen den Inseln 
BiUton und Banka) und den 30. Nachmittags ankerte die Thetis 
auf der Rhede von Singapore. Die dort gemachten Bemerkungen 
übergehe ich hier, um sie mit denen zu vereinigen, welche ein 
späterer, mehr Müsse gewährender Aufenthalt ebendaselbst ei^ab. 



VI. 



CHINESISCHE SEE. 

VOM 12. AUGUST BIS 5. SEPTEMBER 1860. 



In der südchinesichen See hatte die Thetis vom 15. bis 17. 
in 5/8° Nordbreite, gerade südlich von Cambodja, andauernde 
Windstille, und alsbald war auch für den Zoologen etwas zu machen. 
Seetang (Sargassum) und Uolzstücke trieben in Menge vorüber, 
kleine hellbraune Schwalben umflogen zahlreich das Schiff, und 
auch Seeschlangen wurden gemeldet. Zunächst wurde Tang auf- 
gefischt, es war ein Sargassum myriocystum J. Ag., untennischt 
mit einzelnen Stückchen von Turbinaria, und in ihm versteckt fanden 
sich sowohl Fische, wie Petroscirtes variabitis Cantor,*) als kleine 
Schnecken, Litiopa, diese mittelst eines Schleimfadens sich an den 
Tang anhängend. Zugleich aufgefischt, aber frei schwimmend als 
unabhängige pelagische Thiere, Porpita (coeruleaEschscholtz?) und 
lanthina globosa Swains, beide bekanntlich blau, mit letzterer aber 
auch eine ähnUche blassbraune Schnecke, Recluzia Petit, welche 
einen ähnlichen, aber verhältnissmässig kleineren Schwimmapparat 
zeigte. Auch die Meerwanzen, Halobates, waren wieder häufig. 
Zweimal wurde das Schleppnetz herabgelassen auf weichem grauem 
Schlammgrund in einer Tiefe von vierzig Faden, das erste Mal 
brachte es mehrere riesige Plumularien von mehr als einem Fuss 
Länge und mehrere sechsseitige langstachhge Schwimmkrabben, 
Thalamita CalUanassa Herbst sp., herauf; letztere waren vermuthUch 
nur unterweges in das Netz gerathen, denn sie machten ihrem Namen 
alle Ehre durch kräftiges Schwimmen , wobei sie das hintere, breit- 
gUedrige Fusspaar tüchtig auf- und abwärts bewegten *). Das zweite 
Mal, am 17., war die Ausbeute noch reicher: erstüch stattliche 
dunkelrothe Seesteme , Stellaster equestris Retz sp. , dann Schlangen- 
sterne, Ophiacantha, Haarsterne, Comatula, und ein kleiner Seeigel, 



56 



Seeschlangen. 



Cidaris metularia Lam. ; femer zwei lebende Schnecken, die glän- 
zende Marginella Bemardi Largilliert und ein feinbehaarter Murex, 
noch mehr aber todte Conchylien, worunter namentlich Den- 
talien zahlreich, und ein Spondylus imperialis Clienu; endlich 
mehrere Krabben, wie z. B. Myra fugax F. Pilumnus vespertilio 
Ad. Wh. u. s. f., eine weiche zusammengesetzte und eine harte 
Einzelkoralle, Nephthya und BalanophylUa- Ich hatte nicht er- 
wartet, dass der Schlammgrund in dieser Tiefe so reich an thie- 
rischem Leben sei. 

Noch ehe die Durchmusterung beendet war, wurde mein 
Wunsch erfüllt, in einem Boote den pelagischen Thieren entgegen- 
zugehen und sie in ihrem Elemente selbst zu sehen. Zunächst galt 
es den Seeschlangen, die das allgemeine Interesse erregt hatten, 
und von denen Herr A. Berg, der diese Bootsfahrt mitmachte, 
mehrere mit eigener Hand mittelst eines gewöhnlichen Keschers 
fing. (Vergl. dessen Schilderung im ersten Bande der Reisebesclirei- 
bung S. 232.) Wir sahen sie schon von Weitem oft über dem 
Wasserspiegel, als ob sie wie auf einem festen Boden darüber 
hinweghefen, immer in horizontalen, nie vertikalen Schlangen- 
biegungen sich bewegend. Die häufigste und einzig gefangene war 
die oben schwarze , unten gelbe Pelamis bicolor Daud. ; diese schien 
das Tauchen gar nicht zu Heben, sie kam stets dem Boote sehr 
nahe, ehe sie sich dazu entschloss, und stieg dann gleich hinter 
dem Boote wieder au die Oberfläche; noch öfter entwischte 
sie nur nach der Seite hin unserem Fanginstrument. Eine grössere 
Art mit Ringbändem, also eine ächte Hydrophis, ging dagegen viel 
früher vor dem herankonunenden Boot in die Tiefe und kam nie so 
nahe, dass wir sie fangen konnten; auch ihre Farben schienen uns 
im Wasser gelb und braun, nicht weiss und blau, wie manche in 
den Sammlungen aussehen. Die erstere benahm sich in der Ge- 
fangenschaft sehr ruhig und machte nie Miene zu beissen. 

Eine weitere Beute brachten uns die schwimmenden Holz- 
stücke; dicht um diesell^en fand sich fast immer eine Anzahl kleinerer 
Fische, namentlich Therapon und Chaetodon, beide silberweiss mit 
dunklen Bändern, welche sich, selbst auf die Flossen erstrecken, 
aber bei dem ersten der Länge nach, bei dem zweiten von oben 
nach unten verlaufen. Anfangs glaubte ich, sie suchen das Holz 
des Schattens wegen auf, aber als ich auch verschiedene Crustaceen, 
namentUch eine kleine Garnele, Alpheus Neptunus Dana, und eine 



Schwimmendes Holz. Chinesische Fischer. ^i 

Galatea an dem Holze bemerkte, wurde mir klar, dass ein mehr 
materieller Gnind sie anziehe. Die Krabbe war die viereckige Varuna 
literataF. sp., die einzige Gattung unter den eigentUch kurzschwänzigen 
Krebsthieren, die alle Fusspaare ausser den Scheeren zum Schwim- 
men eingerichtet, d. h. abgeplattet, zeigt. Doch hielt sie sich auch 
gern an dem Holze fest und verliess es nur, wenn wir darnach 
griffen. Ein Individuimi dieser Art war am zweiten Tage der Fahrt 
von Singapore ab in einem der Boote beim Reinmachen gefunden 
worden, es war vermuthlich auf der Rhede hineingekommen, als die 
Boote meist zu Wasser waren, war also über 48 Stimden ohne 
frisches Meerwasser am Leben geblieben. Fest an dem Holze sassen 
zweierlei Arten sogenannter Entemnuscheln, eine glatte und eine 
rauhe (Lepas anatiferaL. und L. serrata Spengl.?); im Innern des ganz 
durchlöcherten Holzes fanden sich in nicht geringer Anzahl grosse 
Ringel\iiirmer (Amphinome) und Bohrmuscheln, Pholas striata L. 
Diese letztere ist, wie die Lepasarten, durch verschiedene Meere 
verbreitet, was gerade mittelst treibenden Holzes u. dgl. geschehen 
sein kann. 

Auch fliegende Fische wurden wieder gesehen, aber leider 
nicht gefangen; als letzter pelagischer Fisch ist endUch noch Alutera 
Cuv. zu erwähnen, wovon Ein kleines Exemplar ganz oberflachUch, 
frei schwimmend, gefimden wurde. 

Den 18. August kam mehr Wind, die Seeleute hatten wieder 
zufriedenere Gesichter, die zoologische Idylle der Windstille war 
hinter uns, aber sie wiederholte sich einigermaassen in der For- 
mosastrasse (oder Fukianstrasse , zwischen der Insel Formosa 
und der chinesischen Provinz Fukian), als wir gegen contrairen 
Nordostwind kreuzen mussten, am 27. , gerade unter dem nördlichen 
Wendekreise, und in der Windstille des folgenden Tages. Rings 
um uns waren Fischerboote oder auch blosse Fischerflösse, man 
wollte einmal 150 gleichzeitig in Sicht befindliche gezählt haben. 
Was diese See - Chinesen hier fischen , erfuhren wir bei dem Besuch 
einer der grossen Dschunken. (Vergl. den ersten Band der Reise- 
beschreibung S. 234.) Ein grosser Theil des Deckes derselben war 
bedeckt mit angeschnittenen Loligo Sinensis Gray, welche schon 
hier an der Sonne getrocknet wurden, um dann nach China und bis 
Japan versandt zu werden, wo ich später diese Delicatesse öfters 
auf den Märkten wiedergesehen habe; femer hatten sie noch einen 
geringen Vorrath eines schwarzen Balistes (ringens Bloch?) und 



58 



Ausbeute des Schleppnetzes. 



eines gefleckten Serranus (diacanthus Val.). Wahrend unserer An- 
wesenheit wurde frischer Fang von einem Einzelfischer an die 
Dschunke abgeliefert: er bestand aus demselben Serranus, einem 
Brassen (Pagrus)mit zwei verlängerten Strahlen der Ruckenflosse nebst 
einzelnen kleinen Haien (Carcharius acutus?), die noch am Leben 
waren und schwach zu beissen versuchten , einigen Eidechsenfischen; 
Saums, und einem Caranx. Der Brassen war oben roth, unten 
silberweiss; die Rücken-, Schwanz- und Afterflosse lebhaft roth; 
auf dem Rumpf mehrere blauUche und gelbliche Bänder von oben 
nach unten, welche nach dem Tode des Fisches bald völlig ver- 
schwanden. 

Den 28., als wir nur 15 — 20 englische Meilen von der 
chinesischen Küste entfernt waren, brachte das Schleppnetz aus 
25 Faden Tiefe eine ähnliche Ausbeute , wie in der südchinesischen 
See, herauf: denselben Seestem, dieselbe Plumularie, wiederum 
verschiedene Crustaceen, worimter selbst Einsiedlerkrebse, und eine 
kleine Reihe lebender, acht chinesischer Muscheln, wie Ficula 
reticulata Lam., Cardium Asiaticum Brug. , Pecten inaequivalvis Sow. ; 
unter den leeren Conchyüen waren die interessanteren : Area semitorta 
Lam., Pleurotoma flavidula Lam. und Murex luculentus Hinds; sehr 
erfreuhch war mir eine graue Seefeder, Pennatula (Pteroides) Esperi 
Herkl., und neben der BalanophyUia eine zweite Einzelkoralle^ 
Flabellum, mit scharlachrother Mundhaut und weissgesprenkelten, 
an der Spitze dimkeln, keulenförmigen Fühlern in mehreren Reihen; 
die Aussenwand nackt und lebhaft violett. BalanophylUa besitzt, 
den Palissaden entsprechend, einen einfachen Kreis kürzerer, eben- 
falls weisser Fühler innerhalb des wie bei Flabellum mehrfachen 
Kreises der übrigen hier mehr kegelförmigen Fühler. 

Auch dieselben Seeschlangen, wie im südchinesischen Meer, 
und dasselbe Benehmen der verscliiedenen Arten wurden auf einer 
zweiten Bootsfahrt beobachtet, dieselbe Schwnmmkrabbe und eben 
so wieder eine Alutera an der Oberfläche gefangen, aber weder 
schwimmendes Holz, noch Tange beobachtet. 

Den 31. August, als wir auf dreissig englische Meilen der 
Nordspitze von Formosa nahe waren, kamen mehrere Libellen 
(Aeschna sp.) und eine Art Grasmücke an Bord geflogen; in der 
uordchinesischen See zeigten sich noch einmal bei einer kurzen 
Windstille am 2. September (demselben Tage, an welchem 7° nörd- 
Hcher der Schooner Frauenlob in Taifun verloren wurde) in 26° 



Mikroskopische Alge. Eintritt in den grossen Oeean. 



59 



Nordbreite grosse Alutera Cuv. , kleine Petroscirtes und verschiedene 
Quallen, worunter eine dem Gebiet des stillen Oceans eigenthümliche 
Blasenqualle, Physalia utriculus Eschscholtz, kleiner als die atlan- 
tische. Am 4. bemerkte man im Wasser mehrere lange gelbliche 
Streifen, in ziemUch gleichen Entfernungen, von zehn bis zwölf 
Fuss, hinter einander; es sah aus, als ob Sägspäne ins Meer ge- 
fallen wären und sich parallel den Wellen in Reihen geordnet hätten; 
die mikroskopische Untersuchung des geschöpften Wassers, das in 
einem Glase nur schwach getrübt erschien, ergab unserem Botaniker 
die Anwesenheit zahlreicher mikroskopischer Algen, Zellenreihen 
von trübgrüner Farbe, bündelweise vereinigt, verwandt der Se^- 
blüthe, Limnochlide flos aquae. 

Wie die Formosastrasse das tropische südchinesische Meer 
von dem nordchinesischen, der gemässigten Zone angehörigen, trennt, 
so scheidet die Inselreihe von dem nördUchen Ende Formosa's bis 
zur südhchsten japanischen Insel Kiusiu, in die Gruppen der 
Meiakoshima, Liu-kiu und Linschoten vertheilt, das nordchinesische 
Meer von dem grossen stillen Ocean; dieser kündigte sich, als wir 
am Morgen des 5. September die letztgenannte Gruppe passirten, 
durch bleigraue Farbe des Wassers und, wie einst der atlantische 
beim Ausgang aus dem Kanal, durch höheren Wogengang, daher 
stärkere Schwankungen des Schiffes an. Noch einmal kamen hier 
die Seeblasen, Physalia utriculus, und schwimmender Tang, mit 
Lepas besetzt, wie auch schwimmende Bimssteine mit derselben 
Verzierung, vorbei, wie zum Abschluss des dem Zoologen so 
günstigen chinesischen Meeres. Dann folgte schlechtes Wetter, 
damit Mangel an Gelegenheit und Objecten der Beobachtung. Aber 
doch Hessen sich noch am 10. September in 31° Nordbreite ein 
Tropikvogel und fliegende Fische sehen. Es war zwar windstill, 
aber ziemUcher Wogengang und bewölkter. Himmel, gar nicht von 
tropischem Aussehen. Die fliegenden Fische scheinen allerdings 
etwas Bewegung des Meeres zu lieben oder nur dann aufzufliegen; 
ich erinnere mich nicht, sie bei ganz stiller See gesehen zu haben. 
Der Tropikvogel aber überraschte mich; er ist ein neues Beispiel, 
wie in Japan Glieder der tropischen und der kamtschadalischeu 
Fauna zusanunentreffen. Denn am zweiten Tage darauf hatten wir 
einen Theil der Südseite von Nipon in Sicht. 



ANMERKUNGEN. 



^) Die typischen Arten der Blennioidengattung Petroscirtes Ruppell ss Bleu- 
nechis C. V. sind Bewohner der Litoralzone, wie auch die Kleinheit ihrer Kiemen- 
ofihung andeutet Aber schon bei Cuvier und Valenciennes findet sich (ur eine Art 
dieser Gattung , BI. breviceps , ein ähnliches Vorkommen an schwimmendem Holz im 
Meerbusen von Bengalen angegeben. Diese Art ist im Uebrigen der von mir beob- 
achteten recht älinlich, aber die Angaben über die Dimensionen des Kopfes stimmen 
nicht überein. 

^ Es ist Zweifel erhoben worden , ob die verbreiterten Fussglieder vieler Krab- 
ben wirklich zum Schwimmen dienen (Ruppell, Krabben des rothen Meers, 1830, 
und mehr dafür Krauss, südafrikanische Crustaceen, 1843, S. 12). Die obige 
Beobachtung zeigt, dass wenigstens Thalamita ihre platten Hinterfusse zum Schwim- 
men anwendet und dasselbe ist wahrscheinlich bei Lupa , Varuna und Nautilograpsus, 
als Bewohner des offenen Meeres; dagegen mögen die platten Füsse der Matuta 
hauptsächlich als Schaufeln dienen, da sie nicht mit Härchen besetzt sind und ich 
diese Krabbe nur auf flachem Sandgrunde fand. 



vn. 

JAPAN. 

TEDDO UND YOKOHAMA, VOV 14. SEPTEMBER 1860 BIS aO. JANUAR 1861. 
NANOASAKI, VOM 17. BIS 34. FEBRUAR 1861. 



iliin schöner Herbst und ein trüber, doch milder Winter, während 
dessen es nur an wenigen Tagen Schnee oder Eis , aber um so mehr 
Regen gab, ein Terrain von niedrigen dünn bewaldeten Hügehi, Reis- 
feldern in den Thälem und flachem Schlamm- oder Rollsteinstrand, 
worin wir factisch Stunden weit ungehindert gehen, aber nirgends 
anders, als in Yeddo, Yokohama oder an Bord unserer Schiffe 
übernachten konnten, freie Verfugung über die gegenwärtige Zeit 
und reichhche Ausstattung mit dem hier gangbaren Geld, dagegen 
Mangel an aller technischen Hülfe und fortwährende Ungewissheit 
über die fernere Dauer des Aufenthaltes, ob er nach Tagen, Wochen 
oder Monaten zu rechnen sei, eine kleine Kammer zu ebener Erde 
ohne eigentliche Fenster zugleich als Wohnung und Laboratorium, 
bereitwiUige anstellige Eingebome als Diener, mit denen aber erst 
das Medium der Verständigung aufzufinden war, tägUch morgens 
ein Fischmarkt, mehrere stets uns offene kleine Menagerieen und 
Vogelhandlungen, im Spätherbst und Winter gut versehene Geflügel- 
und Wildpretläden, endlich die Gelegenheit, zahlreiche Bilderbücher 
und Thierfiguren aus dem verschiedensten Material anzuschaffen — 
das bezeichnet ungefähr das Feld, das den Naturforschem der Ex- 
pedition in Japan sich öffnete. Die erste schöne Zeit wurde selbst- 
verständlich zu zahlreichen Excursionen verwandt, in der späteren 
verboten sich dieselben grossentheils durch das ungünstige Wetter 
von selbst, dagegen hatte ich allmälich so viel von der japanischen 
Sprache au%efasst, dass ich nicht nur mit mehr Ruhe über 
das Dargebotene unterhandeln, sondern auch mancherlei mir zu 
bringen Auftrag geben konnte. So brachte mir die erste Zeit haupt- 



62 



Japanische BDderbticher. 



sachlich kleinere wirbellose Thiere . die ich selbst an Ort und Stelle 
(and, die spätere hauptsachlich grossere, nur mit Hülfe von anderen 
zu erlangende Wirbelthiere : und in den trüben . an materieller Aus- 
beute ganz leeren Tagen unterhielt ich mich viel mit den einhei- 
mischen Bilderbüchern , um daraus wenigstens die Namen der Thiere, 
sowie die practischen oder eingebildeten Beziehungen derselben zu 
den Menschen kennen zu lernen. 

1. Ueber japanische Thierbilder und Thiemamen. 

Wie für manches andere Greifbare und Practische. so haben 
die Japaner im Allgemeinen auch für ihre Thierwelt, namentlich 
die höheren, den Menschen durch deutlichere Aehnhchkeit, augen- 
fälligeren Schaden oder Nutzen näher berührenden Classen ein leb- 
haftes Interesse. Zahlreiche Bilderbücher stellen die einheimischen 
und einige ausländische Thiere mehr oder minder flüchtig gezeichnet, 
aber fast immer in recht charakteristischep , dem Leben entnommenen 
Stellungen dar, einige in buntem Gemisch mit Menschen und mensch- 
Uchen Erzeugnissen, andere mehr oder weniger ausschhessUch und 
systematisch, zuweilen auf Eine Classe sich beschränkend. Kolorirte 
Abbildungen in Folio, theils einzeln, theils eine ganze Reihe zusam- 
mengeheftet in den Buchläden gefunden, stellen japanische Vogel 
und Fische in Lebensgrösse oder wenig kleiner recht kenntUch 
dar, doch sind sie inuner im Detail flüchtig und ungenau, selbst in 
Charakteren, die dem europäischen Naturforscher schon seit lange 
von erster Wichtigkeit sind, wie Schnabelform der Vögel, Flossen- 
strahlen der Fische ; man kann dieselben nicht als Resultate wissen- 
schaftlicher Arbeit, sondern nur als Bilderbogen oder Bilderbücher 
betrachten. Bei den Fischen ist iiicht einmal ein Name beigesetzt, 
sondern nur je eine Stelle aus einem Gedichte, welche sich i^endwie 
überhaupt auf Fische bezieht. Bei den Vögeln ist dagegen der 
japanische Name beigesetzt, und die einzelnen Blätter sind numerirt, 
die Reihenfolge ist aber keine systematische , sondern durch die vier 
Jahreszeiten bestimmt, wie denn auch jedem Vogel eine Blume bei- 
gegeben ist, welche gleichzeitig blüht. Wie wenig emstUch aber 
dieses eingehalten ist, crgiebt sich daraus, dass eine gar nicht un- 
beträchtliche Anzahl Stubenvögel darunter vorkommt, so zwei Hühner- 
rassen, zwei Papageien, der Kanarienvogel, der Reisvogel und zwei 
andere indische Dickschnäbelarten, und zwar in den verscliiedensten 



Beurtheilimg derselben. Die Encyclopädie. ^i 

Jahreszeiten; femer, dass die das ganze Jahr über bleibenden Vögel, 
wie Sperling und Rabe, in verschiedene Jahreszeiten, der erste in 
den Frühling, der letztere in den Sommer, eingereiht sind, eben so 
die weissen Abarten von Sperling und Schwalbe in andere, als die 
betreffende Hauptart, endlich dass zweimal unter verschiedenen 
Nummern und Namen unverkennbar dieselbe Vogelart abgebildet ist, 
und dass der Titel 48 Raubvögel, taka, ankündigt, statt 48 Vögel 
überhaupt So verlockend imd interessant es erscheint, in jener 
Reihenfolge einige Anhaltspuncte zur Kenntniss der Vogelwan- 
derungen in Japan zu schöpfen, so wenig Vertrauen lässt sich 
in das daraus Geschöpfte setzen. Mag immerhin die Einreihung der 
Wachtel in die zweite Hälfte des Frühlings, die Eröflhung des 
Herbstes mit der »heimkehrenden« Schwalbe sich auf die regel- 
mässige Wanderung dieser Vögel beziehen, aber die Versetzung 
des Seidenschwanzes in den Sommer macht einen argen Strich 
durch die Hoffnung, etwas Neues und Glaubwürdiges daraus zu 
lernen. Naturgeschichtliche Monographieen, welche man mit unseren 
gleichzeitigen europäischen einigermaassen in Vergleich bringen 
könnte, habe ich allerdings nicht gesehen, doch dürfte das von 
Siebold erwähnte Werk des Japaners Suiken über die einheimischen 
Crustaceen vielleicht dahin gehören; trotz aller Nachfragen und 
Bestellungen konnte ich es wähnsnd unseres Aufenthaltes in Yeddo 
und Yokohama nicht erhalten, dagegen aber ein 1838 erschienenes 
Buch von Dr. Kurimoto aus Tanba über die Fische (hauptsächlich 
Süsswasserfische) Japan's, das in Bezug auf die Unterscheidung der 
Arten und Kenntlichkeit der (schwarzen) Abbildungen recht befrie- 
digend zu nennen ist, obwohl den Anforderungen der gleichzeitigen 
europäischen Ichthyologie, z. B. Zählung der Flossenstrahlen und 
Schuppenreihen, Berücksichtigung der Zähne u. dgl., noch nicht 
genügend. Am nächsten einer methodischen, um des Wissens selbst 
willen unternommenen Bearbeitung kommt neben den schon ge- 
schilderten illuminirten Vogel- und Fischbildem die sogenannte ja- 
panische Encyclopädie, im vorigen Jahrhundert zusammen- 
gestellt, zahlreiche schwarze Abbildimgen in allzukleinem Massstabe 
enthaltend, mir schon vor unserer Abreise von Prof. Dr. J. Hoffmann 
in Leiden als eine der Quellen für die japanische Fauna gezeigt; 
sie fuhrt den Titel: Wakan san-sai dzu-e, und besteht aus über 
hundert dünnen Heften in gr. 8. (öfters Doppelheften), wovon 
18 Nummern (13 Stück) die Thierkunde enthalten, nämlich: 



^>4 Reihenfolge der Thiere in der Encyclopädie. 

Heft 37. Zahme Säugetlüere. 

» 38. Wilde Säugethiere, und zwar die grösseren, wie Raub- 
tliiere, Wiederkäuer und Seehunde. 

« 39 und 40 (veremigt). Die Nagethiere und Affen. 

» 41. Sumpf- und Wasservögel. 

» 42. Hühner, sperlingsartige Vögel, Schwalben und Fleder- 
mäuse (nebst dem fliegenden Eichhorn). 

» 43. Tauben, Drosseln, Raben und insektenfressende Sing- 
vögel. 

• 44. Pfau, Kasuar, Raubvögel und fabelhafte Vögel. 

» 45 und 46. Schuppenthiere , Eidechsen, Schlangen, Schild- 
kröten und Krabben. 

» 47. Muscheln und im Wasser lebende Schnecken, einschliess- 
üch der Einsiedlerkrebse, ferner Seeigel und Seesteme. 

» 48 und 49. Fische und zwar diejenigen von gewöhnlicher 
Fischform (Oken's: regelmässige Fische). 

• 50 und 51. Welse, Aale, Knorpelfische, Walfisch und Krebse 

(man möchte sagen: unregelmässige Fische). 
» 52. Insekten, zunächst Bienen und Wespen, Schmetterlinge 

und Spinnen. 
» 53 und 54. Weitere Insekten, namentlich Raupen, Cicaden, 

Heuschrecken und Fliegen, femer Frösche, Tausend- 

fusse, Landschnecken, Würmer und Maden. 

• 59 und 60 enthält unter den Mineralien noch einige Korallen. 

Dürfen wir überhaupt nach diesem Werke die Stufe, welche 
die Zoologie als Wissenschaft in Japan erreicht hat, beurtheilen, 
so können wir mit grosser Bestimmtheit sagen, es sei dieselbe, 
welche in Europa bald nach dem Wiederaufleben der eigenen For- 
schung im sechszehnten Jahrhundert herrschte, wesentlich noch auf 
die Alten gestützt und durch die Werke von Rondelet, Belon, 
Gesner und Wotton dargestellt Es ist ungefähr dieselbe Classifica- 
tion, auf äussere Körperbedeckung und Bewegung gebaut, die 
Wirbelthierclassen , mit Ausnahme der hierin vielgestaltigen Reptilien, 
schon nahezu richtig unterscheidend, aber unter den Wirbellosen 
nur einige Typen, welche durch ihre Artenzahl sich selbst auf- 
drängten , wie Insekten und Schalthiere, aufgreifend, alles Andere 
nach Art des Procrustes, nicht unterbringend, sondern unter- 
zwingend. Dass die Fledermäuse bei den Vögeln, die Wale bei 
den Fischen, die Landschnecken und auf dem Lande lebenden 



Eiiitheilung. Fabelhafte Thierc. o5 

Würmer neben den Insektenlarven, die Echinodermen bei den Schal- 
thieren, die Korallen bei den Mineralien stehen, entspricht ganz 
jener Periode der europäischen Wissenschaft; die Krebse aber zu 
den Fischen zu stellen, greift noch weiter zurück in die allgemeine 
Volksanschauung, welche dieselben eben als Wasserthiere zu den 
Fischen zählt, so nennt der Engländer den Flusskrebs cray-fish, 
der ItaUener subsumirt alle Krebse und Krabben imter dem Begriff 
pesce armado, gewappneter Fisch. Die Batrachier endlich von den 
beschuppten ReptiUen zu trennen, wäre an sich wohl sehr lobens- 
werth, aber sie zu den Würmern zu bringen, ist doch arg; es rülirt 
von der chinesischen Systematik her, welche alle Thiere nach der 
äusseren Bedeckung in Haarthiere , Federthiere, Schuppenthiere und 
nackte Thiere theilt, jeder Classe einen eigenen König zutheilend, 
Einhorn, Phönix, Schildkröte und Mensch, welche denn auch richtig 
in der japanischen Zoologie unausweichüch wiederkehren. 

Dieses Hochhalten der Tradition, die unbewusste Annalune, 
dass die Alten es viel besser wussten, als wir, ist ein gemeinsamer 
Zug der japanisch -chinesischen und der damaligen europäischen 
Wissenschaft, China spielt für die japanischen Schriftsteller dieselbe 
Rolle, welche das classische Alterthum fiir unsere Gelehrten im sechs- 
zehnten Jahrhundert; daher die grosse Zahl fabelhafter Thiere, 
welche wir bei beiden finden. Dieses ist eine bedeutende Schatten- 
seite der meisten japanischen Naturgeschichten: Menschen mit Einem 
Bein, mit schreckhch langen Armen oder Beinen, Einhörner ver- 
schiedener Art, zwei- oder siebenköpfige Vögel stehen ganz im- 
befangen neben recht naturgetreuen Abbildungen. Aber man darf 
es ihnen, wie unseren mittelalterlichen Gelehrten, nicht zu hoch 
anrechnen, sondern muss dabei bedenken, dass ihnen die Hülfs- 
mittel zur Selbstanschauung, welche unsere Zeit dem Europäer so 
reichUch bietet, Reisen und zoologische Gärten, ganz oder fast ganz 
fehlen. Wenn einem ganzen Volke, wie in Japan seit mehreren 
Jahrhunderten, das Ausland ein verbotenes Land ist, worüber es 
nur durch vereinzelt zu ihm dringende Angaben der Fremden selbst 
etwas erfahren kann, dann wird ihm freilich auch der Maassstab 
schwinden, um fabelhafte und fremde Thiere zu unterscheiden, 
Einhorn und Sirene wird ihm nicht minder möglich und nicht minder 
gut bezeugt erscheinen, als Elephant, Kameel, der feuerfressende 
Kasuar und der Neger. Die fabelhaften Thiere der japanischen 
Bücher haben übrigens alle einen gemeinschaftUchen, auf ihre Her- 

Oat-Anen. Zoologisch. I. 5 



t>U Fabelhafte Thiere der Japaner. 

kunft deutenden Familienziig, sie sind alle nach chinesischem 
Geschmack verziert, mit recht lang und dicht behaarten, wo 
möglich zwei- und dreitheiligen Schweifen, an Schultern und 
Füssen mit zackigen Auswüchsen, bei denen man nicht weiss, ob 
das Motiv dazu einem Hirschgeweih oder einem im Winde flattern- 
den Wimpel entnonmien ist. Zu diesen oft als Bilder oder in 
Bronzefiguren dargestellten Fabelthieren gehört unter den Yier- 
fusslem vor allen das kirin (chin. kiUn), ein zweihufiges Einhorn, 
der shishi (sisi), ein entstellter, doch noch erkennbarer Löwe, der 
tatasu, ein Einhorn mit Krallen und schildkrötenartig getäfeltem 
Kücken, der baku, Kopf und Körperform des Elephanten mit der 
Zeichnung und Fussbildung des Panthers vereinigend, der ka-u-to 
(ki-a-u-tu chinesisch), ein riesiger Hase mit Wolfsmaul, endhch 
einige zwischen Affen, \%'ilden Menschen und Gespenstern schwan- 
kende Figuren, imter den Vögeln der langschwänzige hoo-wo, 
fung-hwang bei den Chinesen, der achtflügeUge seidaku, der 
zweiköpfige xiyotundori, unter den Reptilien der haarschweifige 
Schildkrötenkönig, minongame (minokame), Strohmantelschildkröte, 
eine Schildkröte mit Ohren und vier Vogelfüssen, ein aus Schlangen- 
leib, Adlerfussen, Tigerkopf und Hirschgeweih zusammengesetzter 
Drachen, datsu oder riu, und viele andere. Sie sind offenbar chinesi- 
schen Quellen entlehnt, die meisten reine Combinationen der Phan- 
tasie, welche Theile verschiedenartiger Geschöpfe vielleicht aus 
allegorischen Gründen zusammensetzte. 

Mit den europäischen Thierbüchem der genannten Periode 
harmonirt die japanische Encyclopädie auch in Bezug auf die 
schwarzen in den Text eingedruckten Holzschnitte und in der Be- 
handlung des Textes, in dem nicht die Beschreibung des Thieres 
an sich, sondern seine »Kräfte« als Nahrungsmittel und Arznei, 
höchstens noch besondere, nicht immer richtig verstandene Lebens- 
gewohnheiten, das Hauptthema bilden; wenigstens schUesse ich 
das aus dem, was mir Prof. Hofimann in Leiden über mehrere der- 
selben zu übersetzen die FreundUchkeit gehabt hatte. 

Der Text der Encyclopädie ist nämlich nicht nur chinesisch 
geschrieben und mir somit ganz unverständlich, sondern auch fast 
immer zunächst aus einer älteren chinesischen Encyclopädie entlehnt, 
worauf erst, durch ein kleines Dreieck kenntUch gemacht, die Zusätze 
des japanischen Schriftstellers folgen, wenn nämlich das Thier auch 
in Japan vorkommt; in einzelnen Fällen scheint aber das von dem 



Schiift der Encyclopädie imd Bilderbucher. 07 

Chinesen gemeinte chinesische Thier nicht dasselbe zu sein, wie das 
von dem Japaner darauf bezogene japanische. Die Abbildungen, in 
bedauemswerth kleinem Maassstab, scheinen öfters einfach aus der 
chinesischen Encyclopädie entlehnt, in einzelnen Fällen nur nach 
der Beschreibung entworfen zu sein, so bei den Mäusen. 

Die chinesische ideographische Schrift spielt für den Ja- 
paner die Rolle, welche das Lateinische zu Ende des Mittelalters 
in Europa, es ist das gemeinsame Band nicht nur zwischen den 
Schriftstellern, sondern zwischen allen nicht ganz unwissenden 
Bewohnern beider Länder, welche sich gegenseitig nicht durch 
Worte, wohl aber mittelst der chinesischen, von Jedem anders 
ausgesprochenen, Schriftzeichen verstandigen können, wie etwa in 
Europa die verschiedenen Nationen die arabischen und römischen 
Ziffern (und damit Rechnungen) gleich verstehen, aber verschieden 
aussprechen. Andere, mehr populäre Bilderbücher haben einen 
fortlaufenden japanischen Text in Cursivschrift, mit zahllos ein- 
geflochtenen chinesischen Zeichen , ähnlich dem mit lateinischen oder 
französischen Wörtern durchwehtem Deutsch der vergangenen Jahr- 
hunderte, die meisten aber keinen, sondern nur Namen, sind also 
wahre Bilderbücher. Was diese Namen betrifft, so fehlt nur in 
wenigen, ist dagegen in manchen allein vorhanden oder doch sehr 
vortretend der chinesische Name für das betreffende Thier, durch 
ein ideographisches Zeichen ausgedrückt: links davon steht in der 
Encyclopädie meistens dessen in Japan übUche Aussprache in 
japanischer Fracturschrift (katagana), rechts die eigen thch japanische 
Benennung in Cursivschrift (hiragana). Bei dieser Cursivschrift, 
welche die am meisten gebräuchliche in Büchern sowohl, als beim 
Schreiben zu sein scheint, ist für den Ungeübten oft schwer zu 
erkennen, wo ein Buchstabe beginnt oder endet, ob irgend ein 
Strich nur ein Verbindimgsstrich zwischen zwei Zeichen oder ein 
wesentücher Zug des einen ist, lun so mehr, als Verdoppelung eines 
2^ichens regelmässig nur durch einen angehängten Schnörkel an- 
gezeigt wird. Während meines Aufenthalts in Yokohama üess ich 
mir diese japanischen Namen in der Encyclopädie und anderen 
Bilderbüchern wiederholt von meinem Diener, einem anstelligen 
Ji^[>aner, lesen, befragte ihn auch sonst nach den Namen von in 
Natur oder Abbildung vorUegenden Thieren und notirte mir sogleich 
den Wortlaut, controürte seine Angaben in beider Hinsicht öfters 
durch die Anderer und gelangte so zu einer nicht ganz geringen 



68 Lesen und Hören der Namen. 

Zahl von Tliiernamen; nachher wurde Medhurst's engUsh and Ja- 
panese and Japanese apd english vocabulary, compiled from native 
works, 1830, vergUchen und mit Hülfe davon, wie von Ho ff mann 's 
Grammatik, noch in Japan selbst das der Aussprache nach Nieder- 
geschriebene mit der japanischen Orthographie vei^üchen. Medhurst's 
Vocabular hat mir überhaupt an Ort imd Stelle gute Dienste geleistet, 
mit seiner Hülfe und durch meinen intelligenten Diener war ich bald 
im Stande, zu rechnen und zu kaufen, zu beauftragen und zu fragen, 
so weit es materielle, nahe hegende Dinge betraf; eine Erzählung 
im Zusammenhange zu verstehen (nicht bloss aus einzelnen bekannten 
Wörtern zu errathen) oder gar Gescliriebenes vom Blatte weg zu 
lesen, so weit habe ich es allerdings nicht gebracht. 

Gewissermaassen als Rechtfertigung möge es mir erlaubt sein, 
eine Stelle aus einem Briefe des verehrten Prof. Hoffinann, des 
besten und langjährigen Kenners der japanischen Sprache in Europa, 
hier anzuführen, welche sich auf den Besuch der japanischen Ge- 
sandtschaft in Holland bezieht: »nun ich endhch im Stande bin, 
mit einem Japaner ein Gespräch zu führen , wobei ich jedoch häufig 
ersuchen muss, ein zu schnell gesprochenes Wort oder halb ver- 
schlucktes Wort zu wiederholen oder deuthcher auszusprechen, 
schäme ich mich nicht mehr, zu bekennen, dass ich, wenn zwei 
Japaner mit einander reden, doch wenig davon verstehe.« (Novem- 
ber 1864.) 

Jene Vergleichung erlaubt mir auch, mehrere der Angaben 
Medhurst's bestimmter und wissenschaftücher auszudrücken, indem 
derselbe die japanischen Tliiere oft durch nur entfernt ähnUche 
europäische wiedergiebt, z. B. tanuki (Canis viverrinus) mit Dachs, 
yamatori (Phasianus Sömmeringi) mit jungle fowl (wilder Hahn in 
Ostindien), kisi (Ph. versicolor) mit Rebhuhn, ara (Serranus) mit 
cod (Stockfisch) etc. , was freiUch dem Nichtgelehrten ziemUch gleich- 
gültig, deqi Zoologen aber ein Gräuel ist. 

Sehr bald ei^ab sich nun, dass die Japaner nicht genau so 
sprechen, wie sie schreiben, was sich zwar aus der Analogie aller 
anderen Völker von vorn herein erwarten üess, aber in den spe- 
ciellen Fällen doch immer wieder unerwartet und ärgerhch war. 
Die Abweichungen waren an sich nicht gross, aber doch oft hin- 
reichend, um ein sofortiges Verständniss zu verhindern, so sprachen 
die Japaner, von denen ich lernte und die allerdings nicht zu den 
höheren Ständen gehörten, regelmässig ska, stots', xi» welche 



Uebertragung iu europäische Buchstaben. ^^ 

Wörter si-ka, fi-to-tsu und fi in den europäisch-japanischen Sprach- 
lehren geschrieben werden. (Vergl. die übereinstimmenden Bemer- 
kungen von Herrn Berg im ersten Bande der Reisebeschreibung 
Seite 6.) 

Herr Ho ff mann, für welchen die japanische Litteratur Ziel, 
wie Ausgangspunct seines Studiums dieser Sprache ist, hat sich 
namUch selbstverständlich an den allgemeinen Grundsatz gehalten, 
bei Wiedergabe der Wörter in europäischen Buchstaben der ein- 
heimischen Orthographie zu folgen, d. h. für dasselbe japanische 
Zeichen stets dieselben europäischen Buchstaben zu setzen, ohne 
sich darum zu bekümmern, ob diese der Aussprache der Japaner 
entsprechen, da diese theils in verschiedenen Gegenden, theils bei 
verschiedenen Worten etwas verschieden ist und nicht in jedem 
Fall, so wie die Schreibweise, zu constatiren sei. Für ütterarische 
Studien ist dieses gewiss das Richtige , aber zum Zweck des münd- 
lichen Verkehrs mit den Japanern eben so, als wenn man einem 
Griechen das deutsche Wort schön durch o-xotv, einem Deutschen, 
der nicht Französisch kann, beau durch b-e-a-fi wiedergeben 
wollte. Da ich selbst aber die Namen hauptsächlich im mündlichen 
Verkehr und für denselben lernte, so habe ich sie auch so auf- 
gezeichnet, wie ich sie hörte und selbst sprechen musste, um ver- 
standhch zu sein, den Dienern, Fischern und Bauern gegenüber, 
mit denen ich zu thun hatte. Ich gebe im Folgenden diese Auf- 
zeichnungen wieder, in der Hoflhung, dass sie anderen Natur- 
forschem, die das Land besuchen, von einigem Nutzen sein können, 
habe aber, wo die Aussprache von der Umschreibung der japanischen 
Orthographie mit europäischen Buchstaben wesentlich abweicht, 
letztere in Klammem daneben gesetzt. Wo zwei Namensformen, 
sei es mit oder, sei es mit auch, verbunden sind, bezeichnen sie 
dagegen entweder verschiedene Schreibarten in verschiedenen 
Büchern, oder abweichende Aussprache derselben von Seiten der 
Japaner, die ich hörte, vielleicht auch in einzelnen Fällen nur ab- 
weichende Auffassung von meiner Seite. 

Unser Alphabet reicht übrigens bekanntlich nicht einmal für 
unsere eigene Sprache aus, und es konnte die Frage entstehen, ob 
nicht das von Lepsius vorgeschlagene Standard -Alphabet (Tjondon 
und Berlin 1863 , 8. , vergl. den ersten Band dieser Reisebeschreibung 
Seite XXIH) anzuwenden sei. Ich habe es nicht durchgeführt, 
hauptsächlich weil die vielerlei kleinen diakritischen Zeichen dem 



• " Verwendung einzelner europäischer Buchstaben. 

Auge wie dem Gedächtniss des darin Ungeübten das Lesen wesent- 
lich schwer machen und meine Bemerkungen doch mehr für Natur- 
forscher , als Philologen bestimmt sind ; femer auch weil die feinere 
Unterscheidung der Vokale , der verschiedenen Zisch - und Gaumen- 
laute mir nicht geläufig und in meinen augenbUckUchen Aufzeich- 
nungen ausser Acht gelassen , nicht mehr nachgeholt werden konnte. 
So beschränke ich mich im Folgenden darauf, die Buchstaben un- 
seres Alphabets in einer Weise zu verwenden, die sich möglichst 
an Lepsius' System anschliesst und sowohl den Deutschen selbst, 
als Engländern und Franzosen möglichst wenig Anlass zu Miss- 
verständniss giebt, nämlich die Vokale wie im Deutschen und 
Italienischen, 

u also stets gleich dem französischen ou und englischen oo, 

holländisch oe; femer unter den Consonanten: 
z für das weiche s, wie im Französischen und Englischen 
gegen das Deutsche, da der deutsche Laut z sich richtig 
als ts oder ds darstellen lässt. 
sh für das breiteste s, wie im Engüschen, entsprechend un- 
serem deutschen noch schwerfälligeren seh und dem fran- 
zösischen eh. 
ng für den gutturalen Nasenlaut, im Deutschen und Englischen 
ng, bei Lepsius n, in Verbindung mit nachfolgen- 
dem deutlich hörbarem g, wie fast immer im Japa- 
nischen , genau nach Lepius ng ; dagegen h wie bei Lepsius 
für denselben Laut ohne nachfolgendes g, wie so oft in 
der Endsilbe deutscher Wörter. 
y als Consonant gleich dem deutschen J, j. Ich habe mich 
nur ungern entschlossen , letztem im Deutschen unzweideu- 
tigen Buchstaben, der schon durch Form und Entstehung 
an den ähnlichen Vocal I erinnert, aufzuopfern und dafür 
Y anzunehmen, das nach seiner Entstehung ein Vocal 
und zwar ein zu U gehöriger ist; aber neben Lepsius' Vor- 
gang bewogen mich hierzu hauptsächlich die von ihm an- 
geführten Gründe, dass J sowohl von Engländern, als 
Franzosen ganz anders ausgesprochen, also leicht miss- 
verstanden wird, dagegen Y von den Engländern gerade 
als Jot, von den Deutschen und Franzosen als I und 
daher für den an I annähernden Consonanten leicht ver- 
standen wird. 



Silbenzeicheu der Japaner. • 1 

X aus dem griechischen Alphabet ist im Folgenden nach 
Lepsius' Vorgang für den einfachen Consonanten gebraucht, 
welcher im Deutschen ch geschrieben wird, im EngUschen, 
Französischen und Italienischen ganz fehlt. Obwohl ich 
es im Japanischen nur im Beginn eines Wortes hörte, war 
es doch, so weit ich mich erinnere, stets die weichere 
Form desselben, welche Lepsius mit einem Accent über 
dem Buchstaben bezeichnet, und welche wir Deutsche nie 
als Anlaut, sondern nur als In- oder Auslaut sprechen, 
wie z. B. in ich und lachen. 
Um zu zeigen , dass die Abweichungen zwischen Orthographie 
und Aussprache in Japan, wie anderwärts, nicht regellos sind, muss 
ich etwas näher auf die japanischen Schriftzeichen eingehen und 
Einiges darüber erörtern, was schon Hoffmann und Andere aus- 
einandergesetzt haben, um dann die Regeln jener Abweichungen ver- 
ständUch zu machen. Die japanischen Schriftzeichen bezeichnen 
nicht einzelne Laute, d. h. Consonanten oder Vocale, sondern je 
eine Silbe, möge sie nun aus einem einzelnen Vocal oder aus einem 
Vocal und Consonanten bestehen, in letzterem Falle aber stets nur 
eine solche, die aus einem einzigen Consonanten und einem fol- 
genden Vocal besteht. Nur für Einen Consonanten (n) am Schluss 
der Wörter oder Silben haben sie ein eigenes Zeichen; ich hörte es bald 
entschieden als n (ng der Deutschen), bald als einfaches n sprechen, 
ersteres z. B. in ban, Wasserhuhn, letzteres in Nipon, Japan. Direr 
rein vocalischen Silben oder kurzweg Vocale sind fünf — dieselben, 
wie die Hauptvocale des lateinischen und deutschen Alphabets — 
a, i, u, e, o (nach japanischer Reihenfolge), und kann man auch 
die consonantischen Silben in Gruppen von je fünf theilen, deren 
GUeder unter sich denselben consonantischen Anlaut mit je einem 
dieser fünf Vocale verbinden. Obwohl nun das japanische Alphabet 
oder Abece (iroha, irofa, ebenfalls nach den drei ersten Zeichen, 
genannt) 48 Zeichen (das Schluss - N eingeschlossen) enthält, so 
kann es doch nach dem Gesagten weit weniger Consonanten in 
unserem Sinn unterscheiden, als unser Alphabet, nämUch nur 

^ h 1 oder noch genauer ^ h 1 = 10, indem die 

Anlage des iroha eigentlich noch drei weitere Zeichen, als die 
48 vorhandenen fordert, aber diese drei Silben wegen Aelmlichkeit 
mit anderen kein besonderes Zeichen haben, nämlich yi mit i, we 



^ ^ Aussprache der japaiiiscbeii Zeichen. 

mit e und \vu mit u zusammengefallen ist oder nie existirt hat: 
eben so wird o und wo, i und wi, obgleich besondere Zeichen für 
jedes existiren, in der Aussprache nicht immer unterschieden, die 
ersteren im Beginn eines Wortes o, nach einem anderen Vocal 
wo gesprochen ; auch das Zeichen wa wird in der ersten Silbe eines 
Wortes oft ganz wie a gesprochen. Jene zehn Consonanten sind 
nun: k, s, t, n, m, y, w, r, n und eine Aspirate; ihre Zahl 
wächst aber dadurch, dass mittelst diakritischer Zeichen, ähnlich 
denen von Lepsius, aus k g, aus t d, aus s weiches z, aus der 
Aspirate sowohl b als p werden kann; demnach sind der in der 
Schrift unterscheidbaren Consonanten 15: k, g; t, d; p, b; m, n. 
n: s, z: w, j: r und die Aspirate; zwei auf einander folgende 
Consonanten können aber gar nicht ohne Zwischenvocal geschrieben 
werden, ausgenommen, wenn der erste u ist. 

In der Aussprache treten nun Modificationen ein durch die 
Beschaffenheit des Vocals der betreffenden Silbe; ti und tu, wie 
auch di und du, wird durchgehend tsi und tsu, dsi und dsu ge- 
sprochen, so regelmässig, dass selbst Uoffmann diese Umschreibung 
für die betreffenden Zeichen angenommen hat, obgleich er sie mit 
Recht in dieselbe Gruppe mit ta, te, to stellt. Aehnlich verhält es 
sich mit dem oben als Aspirate bezeichneten Consonanten: in der 
Regel gibt man an: dass er bald wie h, bald wie f oder auch wie v, 
oder ganz unnachalunhch kUnge, Hoffmannwill ihn fast immer f. 
in einzelnen Fällen auch v schreiben, Medhurst (an enghsh and 
Japanese and Japanese and enghsh vocabulary 1830, 8., Batavia) 
bezeichnet ihn im Silbenverzeichniss als h oder f , setzt aber richtig 
vor u und i das f, vor den anderen Vocalen h voran und wendet 
es consequent so im Text an. In der That hörte ich auch sehr 
regehnässig in Yokohama den betreffenden Laut vor a, e und i 
als h, vor u als f, vor i ein Mittelding zwischen % und f, doch 
dem ersteren näher, und umschreibe daher die fünf Zeichen in ent- 
sprechender Weise, z. B. hana Blume, hebi Schlange, hoosiro 
eine Ammerart, xi Feuer, und Fusi-yama, der von dort aus so 
schön sichtbare Vulkan. Die zur K- Gruppe gehörige, u enthal- 
tende Silbe, ku, wurde in früheren Vocabularien mit kfu (enghsch 
kfoo) umschrieben. Hoffmann setzt mit Recht einfach ku: als End- 
silbe eines Wortes klang es mir weit öfter ko als ku. 

Andere Unregelmässigkeiten entstehen durch die ziemhch 
allgemeine, aber keinesweges durchgeführte Regel, dass alle einer 



Differenzen zwischen Orthographie und Aussprache. 



73 



Erweichung fähigen consonantischen Silben eine solche in der Mitte 
oder am Ende eines Wortes erleiden, so namentlich die tenuis und 
aspirata zur media wird; besonders deutUcli zeigt sich dieses in 
Zusammensetzungen , so oho - dori , yama - dori von tori , Vogel , yama- 
bato von hato, Taube, Kana-gawa von kawa, Bach. Ausnahmen 
von dieser Regel sind nicht selten, so schreibt und spricht man 
Yokohama (Queer- Strand), nicht Yokohama , andererseits kommt es 
auch vor, dass man in der Schrift die Erweichung nicht bezeichnet, 
obwohl allgemein, wenigstens in der Umgebung von Yeddo, spricht; 
so schreibt namentUch die Encyclopädie niwa-tori, ihehato, haku- 
kan, hasi-taka, jama-kara, dagegen wieder oho -dori, yama-bato, 
susumi-daka, ko-gara, wo in der Aussprache die ersteren ganz 
wie letztere weich sind und auch in anderen Büchern weich ge- 
schrieben werden. Die Aussprache geht aber noch weiter und 
verwandelt das g und b in der Mitte eines Wortes in ng und mb, 
so schreibt der Japaner sagi (Reiher), Nagasaki, tobi (Weihe) und 
spricht sangi, Nangasaki, tombi, wenigstens in der Gegend von 
Yeddo. Hierin halten sich HofTmann und Medhurst an die japanische 
Orthographie und geben namentlich kurzen zweisilbigen Wörtern 
ein ganz anderes Ansehen, als sie im Munde des Japaners, wenig- 
stens so weit ich es hörte, haben. 

Zwei Consonanten unmittelbar hinter einander hört man in der 
gewöhnlichen Umgangssprache zu Yokohama sehr oft, wie die schon 
oben gegebenen Beispiele zeigen; sieht man nach, wie diese Worte 
geschrieben werden , so findet man , dass für den ersten Consonanten 
diejenige Silbe geschrieben wird, welche den betreffenden Conso- 
nanten und als Vocal i oder u enthält, so wird ksa. Gras, Kraut, 
kusa geschrieben, ska, Hirsch, sika; namentUch sind es diese zwei 
Silben si und ku, welche so als blosse Consonanten auftreten. Ja, 
der Japaner kommt dadurch noch zu einer eigenen Bezeichnung des 
breiten sh, wo er nämlich die einfache Silbe sha und sho spricht, 
schreibt er die zwei Silben si-ya oder si-yo. Dieses ist analog 
unserer deutschen Orthographie seh oder der enghschen sh: wie 
hier die Vergleichung mit den scandinavischen Sprachen und dem 
Gothischen (z. B. Schild, skiold, skildus) zeigt, dass ursprüngUch 
wirkUch zwei Consonanten gesprochen wurden, der zweite die 
breite Aussprache des S (s impurum) veranlasst hat, aber selbst 
verschwunden ist, so mag auch das japanische sha, geschrieben 
siya, früher auch sya gesprochen worden sein; ob das aber bei all 



•4 Variationen des R und S. 

diesen scheinbaren Silben mit stummem Vocal der Fall gewesen 
ist, oder ob nicht einige in der That nur Nothbehelfe der Ortho- 
graphie, in p]rmangelung genügender Zeichen, von Anfang an 
gewesen, weiss ich nicht zu sagen. Iloffmann schreibt in diesen 
Fällen öfters den Vocal mit kleinerer Schrift oder ersetzt ihn 
zuweilen durch einen Apostroph; letztere Methode ist zu empfehlen, 
indem sie zugleich die Aussprache richtig angiebt und die Ortho- 
graphie andeutet. In anderen Fällen wird, um die Länge eines 
Vocals anzudeuten , dem betreffenden Silbenzeichen noch das .gleich- 
artige oder ein älmhches Vocalzeichen hinzugefugt, z. B. wo-o, 
oder wo-u, also in der That der Vocal doppelt geschrieben, doch 
einfach gesprochen. 

Minder regelmässige und wahrscheinUch mehr nach einzelnen 
Gegenden dialectisch abändernde Variationen scheinen folgende zu 
sein: die gewöhnlich als ra, re, ri, ro, ru umschriebenen Silben 
enthalten nicht immer unser reines r, sondern öfters nur ein Mittel- 
ding von r und 1, so namenthch ri, werden daher auch zuweilen 
mit 1 umschrieben; so schreibt z.B. die Fauna japonica Sciurus hs, 
während ich gerade bei diesem Wort in Yokohama nur ris' hören 
konnte. Ueberhaupt ist unser l dem Munde des Japaners, wenig- 
stens so weit meine Erfahrung mit den gemeinen Leuten aus der 
Gegend von Yeddo reicht, so durchaus fremd, dass sie selbst, wenn 
sie unsere Wörter nachsprechen, r statt 1 sagen, z. B. Oranda für 
Holländer, stifaru für Stiefel In anderen Fällen lautete das r ähnUch 
unserem d, namenthch in re, zuweilen auch ru, so dass man in 
Versuchung kommen konnte, de oder dru zu schreiben. Dieses 
stimmt damit zusammen, dass auch in anderen Sprachen d und 1 
wechseln kann , wovon ein bekanntes Beispiel das griechische doxjnj^ 
verglichen mit dem lateinischen lacruma, ist 

Die veränderlichste Aussprache haben endhch, wie ander- 
wärts, die S- Laute, so hörte ich in Yokohama fast alle si so breit 
ausgesprochen, dass sie es verdienten, shi geschrieben zu werden, 
zuweilen aber auch wie tsi, z. B. kishi und kitsi statt kisi, femer 
manche Silben, welche übereinstimmend tsi oder tsu (aus der 
t- Gruppe) geschrieben werden, wie ein einfaches scharfes S, so 
z. B. üsura, Wachtel Mein Diener wollte übrigens noch die Aus- 
sprache von tsi, dsi und dem wie tsi gesprochenen si unterschieden 
wissen, was aber meinem Ohre nicht gelang. 



Betonung. — Gelegenheit Wild zu erlangen. • 5 

Al8 allgemeine Regel verdient noch bemerkt zu werden , dass 
in der grossen Mehrzahl der japanischen Wörter, welche mehr als 
zwei Silben haben, nicht die vorletzte, wie z. B. im Italienischen 
Regel ist, sondern die drittletzte (antepenultima) oder auch die 
letzte betont wird, selbst bei zusammengesetzten Wörtern, z. B. 
okame, karasu, gangiro, yama-dori; so hörte ich, wenn Japaner 
unter einander sprachen, mehrmals bestimmt die Ortsnamen Kanä- 
gawa, Kawasaki, während die Europäer sich schon angewöhnt 
haben, Kanagäwa und Kawasaki zu sagen. Yokohama selbst scheint 
auch hier eine Ausnahme zu bilden; eine zweite ist, dass die Silben, auf 
welche das oben erwähnte mb und ng folgt, betont sind, so siro- 
sangi, tenanga, momonga, aber monguro, yama-ngara. Zweisilbige 
Wörter haben in der Regel den Ton auf der vorletzten , welche oft 
zugleich lang gesprochen wird, so ümi, küma, üshi, adsi; nur 
manche halb oder ganz stumme u und i machen eine Ausnahme. 
Dagegen fallt der Ton auf die letzte Silbe, wenn diese aus zwei 
(ursprünghch getrennten und noch) besonders geschriebenen Lauten 
besteht, z. B. akai, roth, geschrieben a-ka-kiund ataksi, geschrie- 
ben watakusi. 

2. Japanische Säugthiere. 

Ueber die Säugthiere Japan's besitzen wir bereits eine be- 
finedigende Zusammenstellung in Siebold*s Fauna Japonica, der 
ich daher hier nur einzelne Bemerkungen beifüge über diejeni- 
gen, welche ich während des Aufenthaltes in und bei Yeddo 
lebend oder todt zu beobachten Gelegenheit hatte. Die Umgrän- 
znng unserer Excursionen und das im Verlauf unseres Aufenthaltes 
zu strengerer Geltung kommende Verbot der Jagd beschränkten 
selbstverständlich das Feld meiner Arbeiten in dieser Classe be- 
deutend und verwiesen die Kenntnissnahme grossentheils auf 
das, was mir von den Einwohnern selbst, denen ich bestimmte 
Preise für jedes ihnen dem Namen nach bekannte wilde Thier ver- 
sprochen hatte, todt oder lebend gebracht wurde. Für die Raub- 
thiere bot hierzu allerdings der in Japan verlebte Winter mehr 
Chance, da diese durch den Schnee in den Bergen herabgetrieben 
wurden und schon ihres besseren Pelzes wegen in dieser Jahreszeit 
mehr als sonst ein Gegenstand der Verfolgung sind. Berge und 
Wildniss ist aber für den Japaner, dem der Reisbau die wichtigste 
Bodenkultur ist, so sehr gleichbedeutend, dass er den Begriflf »wild« 



76 



Japanischer Bär. Wölfe. 



bei Thieren und Pflanzen nur durch Zusammensetzung mit dem 
Wort yama, Berg, bezeichnet, so ist yama-ino der wilde Hund 
oder Wolf, yama-buta das wilde Schwein, und yama-ma heisst 
in der japanischen Encyclopädie das vermuthlich aus der chinesischen 
Litteratur entlelmte wilde Pferd (Dschigetai oder Kiang?). 

So erhielt ich im December in Yeddo in Folge meiner Auf- 
träge den firisch abgezogenen Balg nebst Schädel des japanischen 
Bären, kuma, welcher in den einheimischen Bilderbüchern meist 
eine Schneelandschaft als Hintergrund hat und nach denselben in 
grossen hölzernen Fallen, wie der Tiger in Java, gefangen wird. 
Es war ein stattliches Thier, zwischen dem malayischen und nord- 
amerikanischen Bären die IVIitte haltend, grösser und langhaariger 
als ersterer, mit nur schmalem weissem Halbmond zwischen den 
Vorderbeinen und ganz schwarzer Färbung der Schnauze, daher 
jetzt als eigene Art betrachtet, Ursus Japonicus (Schlegel hand- 
leiding der dierkunde, L 1857, pag. 42. — - Sclater Proceedings of the 
zoological Society, 1862, pag. 261, Taf. 32.), während man ihn früher 
mit dem im Himalaya lebenden U. Tibetanus Fr. Cuv. = torquatus 
Wagn. vereinigte. Von den beiden Wölfen oder wilden Hunden 
Japan's habe ich nichts zu sehen bekommen, kann aber nach den 
Aussagen meines japanischen Dieners und den durch ihn mir er- 
klärten Bilderbüchern bestätigen, dass die Eingeborenen in der That 
zwei solche Thiere unterscheiden, den einen yama-ino (wilden 
Hund), den andern mit eigenem Namen okame (oo-kami) bezeich- 
nen, und diesen als schreckUcher und grausamer, in Schnitzereien 
mit entsetzlich weitgespaltenem Rachen und einem Menschenschädel 
in der Nähe, darstellen. Dass der yama-ino sich durch kürzere 
Beine und daher niedrigere Gestalt auszeichne und die in der Fauna 
Japonica abgebildete Art sei, steht mit jenen Bildern wenigstens 
nicht im Widerspruch, wenn aber dort ihm der lateinische Name 
hodophylax, Wegwächter, gegeben wird, so finde ich dazu weder 
in jenem Werke selbst, noch in den Erzählungen der Japaner eine 
Erklärung und möchte fast vermuthen, dass jene Bezeichnung ein 
Missverständniss sei, ursprüngUch für den Strassenhund (chien de 
rue, pag. 37 der Fn. jap.) beabsichtigt. 

In neuster Zeit ist auf Grund einer nach Europa gekommenen 
gegerbten Haut mit japanischer Aufschrift eine eigene japanische 
Art des Leoparden (Leopardus Japonensis Gray, Proceed. zool. 
80C. , 1862, pag. 262, Taf. 33.) aufgestellt worden. Die von Gray 



Kehl Leopard in Japan. • « 

gegebene Beschreibimg und Abbildung scheint mir mit der des 
Leoparden von Korea, Felis orientalis, bei Schlegel, handleiding 
Bd.1., pag. 23, Atlas Taf. 2., Fig. 13., übereinzustimmen; allerdings 
habe ich selbst einen lebenden Leoparden gesehen, und zwar in 
einer Schaubude zu Yeddo (11. December 1860), und finde auch 
mehrere Bilder eines solchen in meinen japanischen Büchern. Nichts- 
destoweniger bezweifle ich noch sehr das Vorkommen einer solchen 
grossen Katzenart in Japan, d. h. auf einer der drei Liseln Nippon, 
Kiusiu oder Sikok. Was die japanischen Abbildungen betrifft, so 
stellt ihn die eine grössere in Yeddo gekaufte gerade in einem 
Käfig, einen Haushahn bedrohend, dar, imd ist wahrscheinUch für 
jenen speciellen Fall gezeichnet; eine andere zeigt ihn charakte- 
ristisch genug in Gesellschaft einer Dame in europäischem Costüm 
mit einem Kakadu, also wieder ein Menageriebild und auf den 
indischen Archipel als Vaterland hinweisend; die kleinen Bilder in 
der Encyclopädie und andern ähnUchen Lehrbüchern führen ilm 
aber neben und zwischen entschieden ausländischen oder fabelhaf- 
ten, von den Japanern selbst für ausländisch gehaltenen Thieren, 
z. B. dem Tiger, einem Einhorn mit Löwenfüssen und einem 
Leopard mit Elephantenkopf, auf. Endlich sind die diesen beige- 
schriebenen Namen hioo oder boo von meinem Diener zu verschie- 
denen Malen verschieden gelesen, ein Beweis, dass es ilmi kein 
bekanntes geläufiges Wort war; es ist einfach die Uebertragung des 
chinesischen Namens bau, auch pah, offenbar nach der Stimme, 
und die Encyclopädie gibt auch nur Liautong (nördUchste Provinz 
von China) als Vaterland an. Nie erscheint sein Bild mit einem 
Stück japanischer Landschaft im Hintergrund oder gar auf Jagd- 
scenen, wie so oft der Bär und Hirsch. Die Menagerie -Bilder 
stellen die Flecken rund und voll dar, was bei dem lebend in Yeddo 
gesehenen sicher nicht der Fall war, die der Lehrbücher ringförmig 
und bogenförmig, nach vom oder oben offen, diese s<^einen also 
den ostasiatischen noch am Amur einheimischen Lrbis oder den 
diesem ähnhchen Leoparden von Korea, Felis orientalis Schlegel, 
anzudeuten. 

Die kleineren Raubthiere, welche nicht dem Menschen ge- 
(ahrUch werden, sondern nur in ihrer Beute mit ihm concurriren, 
sind dagegen in der Umgegend von Yeddo nicht selten, theilweise 
aus denselben Gattungen wie in Deutschland, so Fuchs, Fischotter, 
Marder und Wiesel; alle diese erhielt ich nach gegebenen Aufträgen 



• o Fuchs uiid Obst^chs. 

mehrfach frisch im Fleisch zu billigen Preisen. Der japanische 
Fuchs, ki-tsu-ne genannt, scheint in Nichts von der europäischen 
Art verschieden*); er fehlt in fast keinem Bilderbuch, seine Be- 
schreibung in der Encyclopädie nimmt mehrere Seiten ein, und 
man sieht ihn öfters in Holz geschnitzt in den Läden, auf den 
Hinterfüssen sitzend, mit eichhörnchenartig erhobenem Schwanz, als 
Nachbildung der zwei kolossalen Fuchs -Statuen vor einem Tempel 
in Yeddo, den wir deshalb kurzweg den Fuchstempel nannten. Dass 
er im Aberglauben der Japaner eine nicht unbedeutende Rolle spiele 
und als höheres Wesen, wohl auch als böser die Menschen be- 
hexender Geist betrachtet werde, wie schon Kämpfer und Siebold 
angeben, hörte ich in Yeddo mehrfach bestätigen, aber meine Sprach- 
kenntniss reichte nicht aus. Bestimmteres darüber zu erfahren. Im 
indischen Archipel sind es Tiger und Krokodil, welche als dem 
Menschen todbringend zugleich gemieden und in gewisser Weise 
verehrt (namentlich als Vorfahren einzelner Menschen betrachtet) 
werden; in Kamtschatka ist es der Bär. Sollte in den Kultui^e- 
genden Japan's der Fuchs als grösstes der vorliandenen Raubthiere 
diesem Bedur£hiss des Aberglaubens genügen? wie J. Kohl von der 
irischen Insel Rathlin erzählt, dass dort die Mütter in Ermangelung 
deT3 Wolfes mit dem Namen des Fuchses ihre Kinder fürchten 
machen. 

Für Japan und China eigenthümUch ist dagegen die Gruppe 
der Obstfüchse (Nyctereutes Temm.), zienüich unpassend auch 
Viverrenhunde oder Marderhunde genannt, denn ihre äussere Er- 
scheinung ist vielmehr die des nordamerikanischen Waschbären. 
Leider bekam ich nie einen lebenden zu sehen, die frisch getödteten 
aber bestätigten mir, dass die japanischen Bilder nicht unrecht 
haben, ilin als dickbäuchiges, kugelrundes Thier mit ziemUch kur- 
zem, buschigem Schwanz und fuchsartiger Schnauze darzustellen; 
auch die Färbung ähnelt der des Waschbären, während Schädel- 
form und Gebiss ihn in die Gattimg Canis L. verweisen. Die 
erhaltenen Exemplare zeigten einen gelbbraunen Pelz mit schwarzen 
Haarspitzen, welch letztere besonders auf dem Rücken, an der 
Schulter und am Schwanz eine schwärzUche Schattirung bedingen; 
alle vier Extremitäten schwarzbraun; zwei grosse dunkelbraune 
Flecken im Gesicht, einer hinter und unter jedem Auge, erinnern 
auffallend an die Gesichtszeichnung des Waschbären, hängen aber 
nicht wie bei diesem in der Mitte zusammen. Die japanischen Diener 



Obstfüchse. Fischotter. Marder. 7 «/ 

waren sehr begierig nach dem Fleische dieses Thieres, sie nannten 
ihn übereinstimmend als ihnen wohlbekanntes Thier tanuki, und 
unter diesem Namen ist er auch in der Encyclopädie ziemlich un- 
deutUch, besser in andern Lehr- und Bilderbüchern abgebildet, 
genauer, aber wahrscheinlich zu dünnleibig, in der Fauna Japonica, 
Taf. 8., als Canis (N.) viverrinus Tem. Nach den japanischen 
Quellen frisst er sowohl Obst als Geflügel, wie unser Fuchs. Figu- 
ren des Tanuki in aufgerichteter Stellung (ein Männchen machend), 
mit vorstehendem Schmeerbauch , findet man sowohl auf Bildern 
wie als Kinderspielzeug, wie bei uns Eatzenfiguren. Neben ihm 
figuriren in den japanischen Büchern noch ein paar ähnhche Thiere, 
wie es scheint mit minder ausgesprochener Zeichnung, theils unter 
dem Namen mushina (mu-si-na), theils unter Bezeichnungen, die 
mit tanuki zusammengesetzt sind, so namentUch mi- tanuki. Ein 
solcher soll auf dem von Yeddo aus sichtbaren Fusi-yama leben; 
Siebold gibt auch mami-danuki an; die Bezeichnung hatsimonsi 
aber verstanden die Leute, welche ich sprach, nicht. Es ist noch 
nicht ausgemacht, ob damit verschiedene Arten oder verschiedene 
Pelzzustände nach den Jahreszeiten gemeint sind , wie auch , ob die- 
selben Arten dieser Thiere (procyonoides und viverrinus) zugleich in 
Japan und China leben, oder ob vielleicht nur aus japanischen Thieren 
gemachte Pelze nach China kommen und umgekehrt. 

Die Fischotter, käwasu (eigentUch kawa-uso oder kawa-oso, 
von kawa, Bach), scheint wiederum von der europäischen nicht 
verschieden zu sein , und ist sowohl um Yeddo als Nangasaki keine 
Seltenheit. Von den europäischen verscliieden dagegen sind der 
japanische Marder, Mustela melampus Tem., ten, gelbbraun mit 
gelber Kehle und schwärzlichen Extremitäten, von Schnauzenspitze 
zu Schwanzspitze 0,714 M. lang, wovon 0,270 auf den Schwanz kom- 
men, und der kleinere unserem Iltis ähnliche itatsi, Mustela itatsi 
Tem., braun mit weissen Lippen, bis 0,6io M. lang, wovon 0,196 
auf den Schwanz, beides den Japanern wohlbekannte Thiere. 

Vom Dachs, Meles anakuma Tem. (ana-kuma, Höhlenbär), 
habe ich dagegen weder etwas gehört, noch in den japanischen 
Bilderbüchern gesehen; der Name war meinem Diener ganz unbe- 
kannt und er scheint daher nicht zu den häufigeren, durch alle 
japanische Inseln verbreiteten Thieren zu gehören. 

Der japanische Maulwurf ist bei grosser äusserlicher Aehn- 
Uchkeit auffallend heller gefärbt als der europäische, fast erdfarbig; 



öü Maulwurf. Fledermäuse. Eichhörnchen. 

in der Fauna Japonica wird er als Talpa vvogura nach der einhei- 
mischen Benennung bezeichnet, in der Encyclopädie selbst aber 
finde ich geschrieben ugoro - motsi , und der Japaner, welcher mir 
zwei derselben als sehr merkv\iirdige seltene Thiere brachte , sprach 
deutUch mongura; HofiBsiann's japanische Grammatik, erste Aus- 
gabe S. 20 gibt noch mehrerlei Variationen nach den verschiedenen 
Provinzen an und schreibt selbst ukoro (holländisch oekoro). Vom 
Igel erliielt ich nur ein Fell oline Kopf und Beine, vielleicht zu 
pharmaceutischen oder sonstigen Zwecken vom Festland Asiens 
eingeführt, wie Siebold angibt, wonach er in einzelnen Theilen 
der Insel (Provinz IVIito) durch Chinesen akklimatisirt worden sein 
soll; es scheint der kehari - netsumi zu sein, den die Encyclopädie 
nur nach chinesischen Quellen auiSuhrt und mit einem langen Schwanz 
beschenkt hat, da er ja zu den Mäusen gerechnet wird. Deutücher 
ist er in einem kleinen japanischen Bilderbuch abgebildet unter dem 
Namen k'sabu. Fledermäuse sahen wir in der Abenddämmerung 
nicht selten in den Strassen herumfliegen; einige von Herrn O. 
SchottmüUer erlegten waren Vespertilio akakomuli Teni. Ihr all- 
gemeiner Name ist komuri (kaumori): speziellere Bezeichnungen für 
verschiedene Arten sind in der Fauna Japonica angegeben, aber 
wohl so wenig als bei uns im Munde des Volkes allgemein, denn 
ich hörte sie weder von meinem Diener, noch finde ich sie in den 
Bilderbüchern, wo stets nur, wie in unseren Kinderbüchern, die 
Fledermaus als Eine Thiergattung oline Unterabtheilungen figurirt; 
übrigens immer unter den Vögeln, weil sie fliegen. Nur in einem 
Bilderbuche findet sich neben dem komuri noch ein grösseres Fleder- 
tliier unter dem Namen seki-yen abgebildet, was vielleicht den im 
Süden Japans nach Siebold vorkommenden Fiederhund, Pteropus 
dasymallus Tem., vorstellen soll. 

Von Nagthieren bekam ich in Yeddo und Yokohama 
zweierlei Eichhörnchen, ein dem deutschen recht ähnUches, 
grau gesprenkelt, mit Olirpinseln, 0,1 so M. lang, wovon 0,1 90 auf 
den zweizeiligen Schwanz kommen, Sciurus lis Tem. , seinen japani- 
schen Namen sprach mein Diener deutUch ris aus (geschrieben ri su), 
geläufiger war ihm aber der Ausdruck kinesmi (ki- netsumi), Baum- 
maus; als risu oder Hsu findet es sich in vielen Bilderbüchern. 
Mehr eigenthümlich ist das grössere fliegende Eichhorn. 
Pteromys leucogenys Tem., in der Fauna Japonica hübsch ab- 
gebildet, 0,740 M. lang, wovon 0,408 auf den Schwanz, weich- 



Fliegendes Eichliöriicheii. Ol 

haarig , aschgrau , unten weiss , an der Gränze beider Farben etwas 
'orangebraun. Es ist ein nächtliches Thier, das den Tag über fast 
immer im Stroh versteckt schUef und die ihm zu dieser Zeit ge- 
gebenen Mandeln oft erst des Abends berührte. Einmal war es 
aus meiner Hand entschlüpft und erreichte mit ein paar gewaltigen 
Sprüngen den Muskitovorhang meines Bettes, wo es sich alsbald 
versteckte , aber ohne weiteren Widerstand sich wieder greifen üess. 
Ueberhaupt suchte es, aus seinem hölzernen Käfig mit Drahtgitter 
genommen, stets nur Schatten und Dunkelheit. Ein mir fremder 
Japaner hatte es gebracht, mit der Versicherung, es sei das einzige, 
was in weitem Umkreis zu haben sei, und verlangte dafür 60 itsipu 
(30 preuss. Thaler); ich war des Ueberforderns schon gewohnt und 
bot ihm 10. Er versicherte hoch und theuer, er könne nicht darauf 
eingehen, es habe ilm selbst mehr gekostet etc., und machte Miene, 
es wieder mit sich fort zu nehmen. Es war das erste und einzige, 
das ich in Japan gesehen, ich hätte es gar zu gern gehabt; da nun 
gerade keiner meiner Concurrenten in Yokohama sich befand, so 
erklärte ich ihm: heute biete ich 10 itsipu, morgen gebe ich nur 9 
dafür und so jeden folgenden Tag einen weniger, und Uess ihn 
vorläufig mit dem Schatze wieder gehen. Am dritten Tage forderte 
er 12 itsipu , am fünften gab er es mir um 6. Dieses mag anschauUch 
machen, wie wenig »feste Preise« im Handel mit den Fremden 
gehalten wurden; 6 itsipu ist nach den dortigen Geld Verhältnissen 
für einen gewöhnüchen Mann schon eine stattUche Summe. 

Als japanischen Namen dieses fliegenden Eichhorns nannte 
man mir musasabi, und unter diesem Namen findet es sich auch in 
den einheimischen Wörterbüchern, in der Ency clopädie , wie die 
Fledermäuse unter den Vögeln, zuweilen ziemUch entstellt mit 
fledermausartigen Flügeln, aus übereilter Systemsucht. 

Die kleinere Art, Pteromys momonga Tem., habe ich dagegen 
weder nn der Natur zu sehen bekommen , noch in den Büchern 
unterschieden gefunden, doch scliien meinem Diener das Wort 
momontshi für ein solches Tliier nicht ganz unbekaimt zu sein. 

Mäuse spielen, wie überall, so auch in Japan, nach Individuen- 
und Artenzahl eine bedeutende Rolle in der Säugethierfaima ; ihr 
allgemeiner Name ist nesmi, geschrieben nedsumi; die einzelnen 
Arten werden durch Zusammensetzungen unterschieden und dabei, 
wie in den meisten Sprachen, neben Nagthieren auch Insectenfresser 
einbegriffen. So folgen im 40. Heft der Encyclopädie auf die eigent- 

Ost- Asien. Zoologiach. I. 6 



o2 Mäusearten. Hase. Wildschwein. 

liehe netsümi, Mus musculiis L. , erst die siro - netsumi , weisse Maus, 
auch in anderen Bilderbiichem wiederkehrend, dann unter anderen* 
midsu- netsumi, Wassermaus, Fische und Krebse fangend , vielleicht 
Mus decumanus Fall, oder erythronotus Tem., ferner ki-iro- netsumi, 
gelbe Maus, und take - netsimii , Bambumaus, wahrscheinUch be- 
stimmte japanische Arten, doch aus der dürftigen Darstellung nicht 
zu errathen; nur aus chinesischen Quelle;^ entlehnt sind die zijako- 
netsumi, Bisammaus, vielleicht die nach Moschus riechende grosse, 
in Ostasien weit verbreitete Riesenspitzmaus , Sorex Indiens GeoflF. = 
myosurus PalL, die hebi - kufi - netsumi , schlangenfressende Maus, 
xino-n., Feuer- oder Sonnenmaus, tora-n., Tigermaus, und gar 
eine buta-n., Schweinsmaus. Die Abbildungen zu den letzteren sind 
oflFenbar nur nach den Namen erfunden, so stellt die zur Schweins- 
maus eben ein Schwein mit Rattenschwanz dar. 

Hasen, jap. usangi (u-sa-gi), kamen im Winter häufig bei 
den Wildprethändlem vor: sie gleichen in Grösse und Farbe so 
sehr unserer deutschen Art, dass ich keinen anderen Unterschied 
anzugeben weiss, als die kürzeren Ohren, 0,105 Met. lang, nach 
vom gelegt beinahe die Schnauzenspitze erreichend, und den kür- 
zeren Schwanz, 0,062 Met., bei einer Totallänge des Thieres 
(Schnauzenspitze bis Schwanzspitze) von 0,644 Met. (Durchschnitt 
der Messungen von vier frischen Exemplaren: Maximum 0,080 und 
0,664, Minimum 0,048 und 0,53 Met.). Der Schwanz ist, wie bei 
unserem Hasen, zweifarbig, oben schwärzlich, unten weiss; die 
Farbe des übrigen Pelzes durchaus nicht so einfarbig dunkelbraun, 
wie in der Abbildung der Faun^ Japonica, sondern aus ockergelb 
und grau melirt, wie bei der europäischen Art, und eben so die 
Kehle weiss, die Spitze der Ohren schwarz. Lepus braehyurus Tem. 
Fn. Jap. scheint demnach ein anderes, mehr kaninchenartiges Thier 
zu sein, und die Angabe, dass L. nigricoUis in Japan lebe (A. Wag- 
ner Säugethiere, Supplement Band IV. S. 88 und Giebel, tSäuge- 
thiere S. 488), beruht vielleicht bloss auf Verwechselung der Worte 
Japan und Java. 

Die wilden Hufthiere sind noch etwas sparsamer hier als in 
Mitteleuropa vertreten. Vom wilden Schwein, yama-buta. Herr- 
sch wein, genannt, erhielt ich in Yeddo einen frischen Kopf, in 
Gestalt, so wie Dicke und doppelter Farbe der Borsten durchaus 
dem des europäischen Wildschweines gleich, einzig durch einen 
helleren, wenig abgegränzten, nicht rein weissen Streifen am Mund- 



Hirsch. Gemse. ö«i 

wiiikel unterschieden (Sus leucomystax Tem.). Der japanische 
Hirsch, ska, geschrieben sikaf (Cervus sika Tem. ^ Rusa Japonica 
Gray), öfters zahm gehalten und vielfach abgebildet, ist kleiner als 
der europäische, hat meist nur acht Enden (Augensprosse, Mittel- 
sprosse und eine ungleiche Endgabel) und scheint auch erwachsen, 
zu gewissen Zeiten, wie Damhirsch und Axis, die hellen runden 
Flecke zu zeigen, welche unser Edelhirsch nur in der ersten Jugendzeit 
hat, da ihn die japanischen Abbildungen fast immer bei ausgebildetem 
Geweih deutlich gefleckt, selbst in einer Schneelandschaft, darstellen 
(Axis und Damhirsch sind ifti Sommer gefleckt, im Winter einfarbig). 
Der schwarze Rückenstreif ist in den Abbildungen nur zuweilen er- 
kennbar, die dunkle Rückenfarbe erstreckt sich auf denselben aber 
auch auf die Oberseite des Schwanzes, während Temmink letztere 
gar nicht angibt; ein begränztes helles Afterfeld, wie bei C. elaphus 
und Canadensis, ist nie gezeichnet. Die Figur des nordchinesischen 
Hirsches, welche Gray in den Proceedings of the zooL soc. 1861 
pL XXVTL unter dem Namen Cervus pseudaxis? gegeben hat, stimmt 
recht gut zu den ausgeführteren unter den japanischen Bildern. In 
einem der Bilderbücher finde ich den gefleckten als kano-sika vom 
ungefleckten, sima-sika (Inselliirsch), unterschieden, bei überein- 
stimmendem Geweih. Die Encyclopädie lässt auf den ausführücher 
behandelten sika, dessen Abbildung keine deutlichen Flecken zeigt, 
noch einen ungefleckten sechsendigen oho -sika und einen gross- 
fleckigen achtendigen siu, wie andere Thiere nur aus der chinesi- 
schen Litteratiu* entlehnt, folgen; dieser scheint in seiner Grösse 
und Endenzahl ein VerbindungsgUed zwischen dem europäischen 
Edelhirsch und der Gruppe der indischen Sechsender (Rusa) zu 
bilden. Von der japanischen Gemse, Antilope crispa Tem., erhielt 
ich in Yeddo nur die Homer und finde in der Encyclopädie unter 
den wilden Thieren Abbildungen mit den Namen kamo-sika, Wild- 
entenhirsch, und yama-hidsusi, Bergziege, oder nigu, welche dieselbe 
darzustellen scheinen, aber beide mit zu stark nach hinten gebogenen 
Hörnern; nimmt vielleicht der Grad der Biegung mit dem Alter zu, 
so dass die Abbildungen recht alte Thiere vorstellen? oder ist nur 
dieser Charakter, wie auch sonst zuweilen, in der Zeiclmung über- 
trieben? 

Der japanische Affe, saru, Inuus speciosus (Fr. Cuv.?) 
Tem. = Papio Japonicus Ogilby , von welchem ich ein entwachsenes 
Weibchen und zwei junge Männchen in der kleinen Menagerie zu 

6- 



ö4 Japauischer Afle. Pferde. 

Yokohama beobachtet und gekauft habe . gleiclit in der Verkümme- 
runs: des Schwanzes . wie auch in G?össe und Aussehen , dem nord- 
afrikanischen Magot (I. sylvanus L. sp. = I. ecaudatus Geoff.), der 
zweit -nördhchsten Aflenart. Sein Gesicht ist nicht immer so roth. 
wie es meist beschrieben und in der Fauna Japonica abgebildet ist, 
sondern nur in den öfters wiederkehrenden Perioden geschlecht- 
hcher Erregung, in den Zwischenzeiten und bei den Jungen immer 
bedeutend blasser. Das Benehmen in der Gefangenschaft gleicht 
dem der übrigen Arten der sogenannten Makako's: geselUg gegen 
Ihresgleichen imd sich gegenseitig da» Ungeziefer absuchend, so 
lange nichts zu fressen vorhanden ist, aufmerksam und lüstern, 
sobald Hofljiung auf Erlangung von etwas Essbarem sich zeigt, 
zornig zähnefletschend und je nach Umständen eben so klug zurück- 
weichend, als tapfer sich vertheidigend , sobald sie sich bedroht 
oder beleidigt fülilen , aber auch durch langsames ruhiges Vorwärts- 
bewegen der Lippen und Entblössen der Zähne freundliche Bitte 
ausdrückend und befreundeten Menschen gern den Rücken bietend, 
um von ihnen gekratzt zu w erden. Er ist in vielen Bilderbüchern 
zu finden, nicht selten an eine Stange angeschlossen oder auf dem 
Rücken eines Mannes getragen dargestellt, zum Beweis, dass er 
häufig zahm gehalten wird. Er lebt wild nach Siebold nicht nur 
auf den zwei südUcheren Inseln Kiusiu und Sikok, sondern auch in 
der diesen nächsten Provinz Aki der Insel Nipon, bis etwa zum 
35. Grad Nordbreite. 

Ueber die zahmen Säuget liiere Japans habe ich früher 
einiges Wenige in Weinland's »Zoologischem Garten«, Jahrg. 11. 
1861, S. 113, auf den Wunsch des Herausgebers mitgetheilt, was 
ich liier ungefähr zu wiederholen mir erlaube: 

Pferde sind häufig, meist dunkel, schwarz oder braun, 
seltener braun und weiss gescheckt, auch einzelne Füchse und 
Falben mit schwarzer Mähne ; Schimmel habe ich nur auf Abbil- 
dungen gesehen. Kopf und Hals, überhaupt der ganze Bau ist 
mehr massiv als schlank. Da viele Hengste darunter sind, gibt es 
zuweilen arge Schlägereien und Beissereien , wenn mehrere Personen 
zusammen reiten und ihre Pferde nicht gehörig getrennt halten. 
Nur Vornehme dürfen reiten; über Sattel und Steigbügel s. den 
ersten Band der Reisebeschreibung S. 304. Die Pferde dienen aber 
auch allgemein zum Lastentragen, oft mit einem grossen Strohkorb 
auf jeder Seite, wie einst unsere europäischen Saumrosse. Die 



Rindvieh. Schweine. Hunde. Ö5 

Ochsen dienen nur zum Ziehen schwerer Lasten auf zweirädrigen 
Karren , da die Reisfelder nur mit der Hand bearbeitet werden. Ihr 
apanischer Name ist usi, offenbar identisch mit dem Sanskrit ukshas, 
deutsch Ochse, während der Name des Pferdes, ma (muma), mon- 
golisch ist; man darf vielleicht daraus schliessen, dass die Pferde 
aus Centralasien über die Mandschurei und Korea, das Rindvieh 
aus Indien nach Japan gekommen ist. Die Ochsen sind fast alle 
schwarz und werden mittelst eines durch die Nase gezogenen Strickes 
regiert, ähnlich den Büffeln in Italien, was auf mehr Halsstarrigkeit 
als Gelehrigkeit deutet. Büffel und Esel sah ich nur auf Bildern, 
der letztere führt den Namen usangi-ma, Hasenpferd, offenbar 
wegen der langen Ohren. Auch Schafe und Ziegen sah ich nur in 
der Menagerie zu Yokohama, wo sie ffir besonders merkwürdige 
Thiere galten: die Ziegen haben einen eigenen japanischen Namen, 
xidsusi (hidsusi), auch yangi (chinesisch), beide waren aber den Japanern, 
mit denen ich verkehrte, wenig geläufig: für die Schafe konnte ich 
nicht einmal einen Namen erfahren, was mir besonders bemerklich 
war, wenn die Leute wissen wollten, aus was unsere Tuchkleider 
bestehen. Haar der holländischen Ziege, war die einzige verständ- 
liche Antwort. Die Japaner kleiden sich in Baumwolle und leben 
von Reis und Fischen, daneben Arumknollen, etwas Mohrrüben, 
Bohnen und Tangen: Butter und Milch von Thieren existirt für sie 
nicht. 

Schweine, buta, sind nicht häufig, alle, die ich sah, gehören 
der chinesisch-siamesischen Rasse an , mit kurzen Beinen und rundem 
Rücken, und haben noch weniger Aehnlichkeit (mindestens im 
Aeussem) mit jdem japanischen Wildschwein, Sus leucomystax, als 
in Europa die zahmen mit den wilden. 

Hunde sieht man in Japan hauptsächlich zweierlei: die 
grossen Strassenhunde, ino, mit aufrechten Ohren und kurzen 
Haaren, unseren Schlächterhimden nicht unähnlich, braun, schwarz 
oder gescheckt; sie leben und hausen, wie in der Türkei, ohne 
bestimmten Herrn, auf den Strassen und nähren sich hauptsächlich 
von den Ueberbleibseln auf dem Fischmarkte; man sieht sehr viel 
verletzte und verstümmelte unter ihnen, theils durch Beissereien 
unter sich, theils durch die Hufe der Pferde der Vorüberreitenden. 
Die anderen sind theure Zwergschoosshunde , Tschin genannt, 
ähnlich den König - Karls - Hündchen, aber weiss und schwarz 
gefleckt, langhaarig, mit hängenden Ohren, mit fast kugelrundem 



o6 Zwerghund. Kurzscbwänzige Katze. 

Schädel und scharf abgesetzter, naseweis aufgerichteter, kurzer 
Schnauze. Dieses — ich möchte sagen — embryonale Aussehen, 
besonders am präparirten Schädel auffällig, bestätigt die von meinem 
Freunde Dr. Hensel öfters hervorgehobene Regel, dass, wenn zwei 
nahe verwandte Thiere sich bedeutend in der absoluten Grösse 
unterscheiden, wie die verschiedenen Hunderassen, oder Katze und 
Tiger u. s. w., die kleinen auch im Alter eine mehr jugendUche 
Form des Schädels beibehalten, als die grossen, namentUch in der 
runden Wölbung des Himtheils und seinem verhältnissmässigen 
üeberwiegen über den Schädeltheil. Mit der absoluten Grösse- 
zunahme steigt auch die Modification der Form. 

Katzen, japanisch neko, sind nicht selten, fast alle gescheckt, 
meist schwarz und weiss, zuweilen auch dreifarbig, schwarz, roth- 
gelb und weiss, selten nur rothgelb und weiss; nur einmal sah ich 
eine gestreifte, und auch diese hatte mehr Gelb in ihrer Farbe, als 
unsere gestreiften, den wilden so ähnUchen zahmen Katzen in 
Europa. Diese starken Abweichungen in der Färbung vieler japa- 
nischer Haus thiere von den uns bekannten nächststehenden wilden 
Arten könnte darauf hindeuten , dass sie schon seit sehr langer Zeit 
nur als Hausthiere, ohne'Einfluss fremden Blutes, bestehen, wenn 
es nicht vielleicht nur in einer besonderen Vorüebe und daher Be- 
vorzugung für scheckige Individuen beruht. Alle japanischen Katzen 
haben einen sehr kurzen und arg verdrehten Schwanz, es sieht oft 
aus, als ob er zusammengeknotet wäre; dasselbe gilt von manchen 
chinesischen Katzen und in geringerem Grade auch von denen des 
indischen Archipels: zuweilen scheint bei einer japanischen Katze 
der Schwanz auf den ersten AnbUck gar nicht vorhanden, aber 
immer , wo ich sie in die Hände bekommen konnte , fühlte ich noch 
ein paar Wirbel bogenförmig an einander gereiht. Narben , wie vom 
Abschneiden eines Stückes, sah ich nie, und auch die von mir 
befragten Japaner wussten nichts davon; die Katzen werden so 
geboren. Nichtsdestoweniger erscheint es so unnatürlich, dass man 
sich des Gedankens nicht en^^ehren kann, es sei einst eine künst- 
liche Verstümmelimg und Verdrehung des Schwanzes durch viele 
Generationen hindurch Mode gewesen und dadurch zuletzt erblich 
geworden. Dass Verstümmelungen , welche die Eltern während des 
Lebens erlitten, auf die Kinder als angeboren übergehen können, 
wird zwar principiell geläugnet, aber ist in einzelnen Fällen nach- 
gewiesen, also an sich nicht unmöglich. (Zool. Garten FV. 219. V. 54, 344.) 



Kauinclien uud Meerschweinchen. oi 

Kanincheu sieht man iii Japan selten, häufiger in ihren 
Bilderbüchern; ihre späte Einfülirung , wahrscheinlich durch Europäer, 
zeigt sich schon darin , dass sie keinen eigenen und allgemein gültigen 
Namen haben, sondern eben nur als Bärenhasen, weibUche Hasen 
oder weisse Hasen bezeichnet werden. Eben so ist das amerikanische 
Meerschweinchen, Cavia cobaia, auch schon nach Japan ge- 
kommen und figurirt sogar in der Encyclopädie , wo ich das Kaninchen 
vermisse. Sie nennt es madara-netsumi, gescheckte Maus, und hat 
es ihrer chinesischen Vorgängerin entlehnt, welche, wie mir Prof. 
Hoffmann nach Abel- Remusat mittheilte, von 1714 datirt, also einer 
Zeit, wo es längst in Europa akkUmatisirt war. Ausdrücklich wird 
es hier als »in neuerer Zeit« eingeführt bezeichnet, und dieses, 
zusammen mit der Farbenbeschreibung: gescheckt aus mehreren 
Farben: weiss, gelb und schwarz, lässt keinen Zweifel darüber, was 
gemeipt sei, trotzdem dass die Abbildung der japanischen Ency- 
clopädie es mit einem langen Rattenschwanz darstellt, offenbar weil es 
zu den Mäusen gerechnet w^ird. Dieses bestätigt eine Vermuthung, 
die sich auch bei anderen Abbildimgen desselben Werkes aufdrängt, 
dass die Abbildungen zuweilen nur nach dem Namen gemacht, d.h. 
erfunden sind. Die Encyclopädie bildet eben Alles ab, selbst 
Cyclopen und Fischmenschen, und wo sie kein Original oder 
richtige Abbildung findet, erfindet sie eine. 

3. Vögel Japans. 

Japanische Vögel erhielt ich auf dreifachem Wege zur An- 
schauung und theilweise in Besitz. ErstUch durch eigene Excur- 
sionen in den Umgebungen von Yokohama, noch mehr durch 
solche einiger Reisegefährten, welche eifrigere Schützen waren, 
und unter denen ich vor Allen den Gärtner Otto Schottmüller, 
sodann den Commodore Sundevall und die Seecadetten Graf Schack, 
Deinhard , Lindequist dankbar zu nennen habe ; zweitens durch kleine 
Menagerieen lebender Thiere, hauptsächUch Vögel, in Yokohama 
sowohl als Yeddo; drittens durch Besuch der Wildpret- und Ge- 
flügelhändler. 

Die erste Quelle ergab zunächst die in der Umgebung von 
Yeddo häufigeren Arten , Stand - oder im Herbst (namentlich October, 
wo der bald gestörte Jagdeifer blühte) vorhandene Zugvögel. Zu 
den häufigsten Vögeln des Feldes gehört hier, wie bei uns, eine 
Rabenart, von Bonaparte als eigene Species Corvus Japonensis 



oö Vogel uui Yokohama im Herbst. 

genannt, von Schlegel früher mit C. macrochynchos Tem. des 
indischen Archipels vereinigt, in Eigenschaften und Benelimen un- 
serer deutschen Rahenkrähe, C, corone, ähnlich. Die Rolle unseres 
Bussards in Häufigkeit und Trägheit spielt eine nahe Verwandte 
unserer Gabelweihe, mit weniger tief gegabeltem Schwanz , Milvus 
govinda Sykes (M. melanotis Tem.); im Winter, obwohl kein Schnee 
lag, war er oft auf den Dächern der Häuser in Yokohama zu sehen 
und stand im Verdacht, Hühner zu rauben. Der Sperling stimmt, 
wie in ganz Ostasien, mit dem deutschen FeldsperUng, Passer 
montanus L. sp. , überein. An den schlammigen Ufern der Canäle 
und Bäche sieht man sehr oft die weissflügelige Bachstelze, Mota- 
cilla lugens 111., und vielleicht noch öfter den schönen w^eissen 
Silberreiher, Ardea garzetta L., Naumann (Garzetta egrettaBp.), an 
stillen, mehr bewachsenen Gegenden auch einen Eisvogel, Alcedo 
Bengalensis Gmel., kaum zu unterscheiden von der europäischen 
Art. Seltener ist der grosse graue Fischreiher, Ardea cinerea L., 
und der als kosmopdhtischer Vogel bekannte Nachtreiher, Ardea 
nycticorax L. Die Hecken im Felde werden von verschiedenen 
Ammerarten und einem Verwandten unsererRothschwänzchen, 
Ruticilla aurorea Pall., belebt, welch letzteres in Färbung und Be- 
nehmen auch an die Heckenschmätzer erinnert. Im Walde findet 
man recht häufig eine wilde Taube, blau mit zwei schwarzen Flügel- 
binden, kaum von derUrfärbung unserer Haustaube zu unterscheiden, 
wahrscheinUchColumbaintermediaBp.; ferner braune Würg er (Lanius 
bucephalus Tem.), einige Drosselarten und einen dem europäischen 
recht ähnUchen Häher, Garrulus Japonicus Bp. , etwas kleiner, mit 
mehr Schwarz an den Seiten des Kopfes. Geschätztes Wildpret 
in Japan, ^vie in Europa, hefem die Fasanen, wovon in den Um- 
gebungen von Yokohama die beiden Japan eigenthümlichen Arten 
gar nicht selten sind, Phasianus versicolor Tem., von der Grösse 
unseres Fasans, vorherrschend oben grau, unten grün, und der 
noch schönere bronzeglänzende Phasianus Sömmeringii Tem., mit 
weit längerem Schweif; dieser kam mir mehrmals auf meinen Ex- 
cursionen, über den Weg dem Gebüsch zulaufend, ganz nahe; noch 
Ende November wurden welche geschossen, sie sind also zweifels- 
ohne, wie unsere Fasanen, Standvögel Bekassinen, von unseren 
Seeofficieren gelegenthch erlegt, stellten sich als Scolopax stenura 
heraus. Grosse Kormorane (Haheus capillatus Tem. ?) nisten schaa- 
renweise innerhalb der Mauern des kaiserlichen Palastes auf Bäumen 



Vogel im Winter. Ö9 

mitten in Yeddo; eine andere, kleinere Art, H. urile Gmel. sive 
bicristatus PalL sp., erhielt ich von Fischern, welche ihn in ihren 
Netzen gefangen hatten. Um die Schiffe auf der Rhede von Yeddo 
endlich sammelten sich während der ganzen Dauer unseres Aufent- 
haltes, September bis Januar einschliesslich , zweierlei Möven, eine 
grössere, unserer Silbermöve verwandte, und eine kleinere, roth- 
schnäbUge, Larus melanurus Tem. (crassirostris VieilL); in Perry's 
Reisewerk werden zwei andere, braun- und schwarzköpfige Arten, 
L. ichthyaetus Fall, und L. brunneicephalus Jerd., als in der Bai 
von Yeddo vorhanden erwähnt, vermuthlich Sommervögel. 

In der zweiten Hälfte des October sahen wir (Herr Schott- 
müller und ich) mehrmals Gesellschaften des weissen Kranichs auf 
den Feldern, es gelang uns aber nicht, welclie zu erlegen. Noch 
in den letzten Tagen des November, nachdem mehrere Nachtfröste 
eingetreten waren , fand ich in einem Bauernhause eines abgelegenen 
Thaies in Käfigen den niedlichen Brillenvogel, Zosterops Japonicus 
Tem., zeisiggrün mit gelber Kehle und einem weissen Ring um das 
Auge, und die Beständigkeit, womit, so oft ich in den folgenden 
Tagen wieder dahin kam, neue Exemplare desselben zu haben 
waren, liess mich glauben, dass sie auch in dieser Jahreszeit ge- 
fangen werden, also. Standvögel sind, wie unsere Goldhähnchen 
und Zaunkönige. In der Gefangenschaft füttert man sie haupt- 
sächlich mit dem saftigen Fruchtfleisch der sogenannten Dattel- 
pflaume, Diospyros kaki. 

Den ganzen Winter über nicht selten bei den Wildpret- 
händlem, also Zugvögel, welche des Winters Japan besuchen, 
waren mehrere wilde Enten und Gänse, von ersteren die in 
Deutschland bekannte Krik - Ente , Anas crecca L. , und die schönere 
ostsibirische A. glocitans Fall, (formosa Gmel.), (\er Scheitel weiss 
und schwarz gebändert, ein metallgrüner bogenförmiger Fleck an 
den Seiten des Kopfes; von wilden Gänsen war häufig die kleinere 
Blässengans, Anser albifrons Gmel.? (Schnabel rosenroth mit 
pomeranzengelben Mittelstreifen und Kieferrändem, Füsse pomeran- 
zengelb), seltener die ostsibirische grosse Gans, Anser grandis Gmel. 
(von Schnabel zu Schwanzspitze 0,860 Met, wovon auf Kopf und 
Hals 0,430, Flügelspitzen den Schwanz nicht erreichend; Schnabel 
schwarz mit einem pomeranzengelben Gürtel nahe der Spitze; Füsse 
pomeranzengelb). Auch ein kleiner Fodiceps kam im Winter vor. 
Mitte Januar erhielt ich endlich aus Yeddo noch durch die Auf- 



y V Vögel iu Käiigeii. Der weisse Krauicli. 

merksamkeit des Herrn Barons von Richthofen eine frischgeschossene 
Schnee-Eule, Strix nyfteaL. , bekanntlich ein circumpolarer Vogel, 
welcher nur sehr selten im Winter bis Deutschland herabkommt. 

Die Japaner sind im Allgemeinen Vogelfreunde. Dass manche 
Bauern den zierUchen Zosterops in Käfigen halten, ist schon erwähnt; 
grössere Lachtauben, Columba bitorquata Tem. , und noch häufiger 
Wachteln, den europäischen ganz gleich, sieht man auch oft in 
Käfigen, letztere in solchen, die oben nur ein Netzwerk als Decke 
haben , da sie gern in die Höhe springen oder flattern und dabei an 
einer harten Decke sich den Kopf einstossen würden. Der weisse 
Kranich, Grus Montignesia Bp., gilt als heiUg und Sinnbild des Glückes : 
in der Menagerie zu Yokohama wurden mehrere lebend gehalten, 
und als ich die Absicht äusserte, sie zu kaufen, exorbitante Preise 
dafür gefordert, wahrscheinlich nur eine höfliche Form der Ab- 
lehnung; auch fanden wir uns bewogen, die vergeblichen Kranich- 
nachstellungen vor den Japanern geheim zu halten. Kein Vogel ist 
so häufig, wie dieser, bildlich dargestellt, in Bilderbüchern, auf 
lackirten Theebrettem und Schränkchen, endUch in Bronze aus- 
geführt als Lampenträger und sofort: er scheint noch eine weit 
bedeutendere Rolle in" poetischen Sagen und kindlichem Glauben der 
Japaner zu spielen, als der europäische Kranicluim alten Griechenland 
"oder der Storch in Deutschland. Vielleicht wird er auch deshalb 
so hoch gehalten, weil er als vorzugsweise zur Falkenjagd geeignetes 
WHd ein fürstliches, dem gemeinen Mann verbotenes Tliier ist, 
wie früher bei uns Edelliirsch und Wildschwein. Dass er trotz 
angeblicher HeiUgkeit mit Falken gejagt wird oder wurde, zeigen 
die Bilderbücher. Doch reicht dieser Grund kaum aus, das grosse 
Ansehen zu erklären, worin er steht, denn eben so wird z. B. der 
Fasan gejagt. Aijch einen jungen weissen Storch, mit noch schwärz- 
hchem Schnabel, sah ich in der Menagerie zu Yokohama. In Yeddo 
traf ich in verschiedenen Strassen grössere und kleinere Vogel- 
handlungen, welche neben den unvermeidlichen, durch europäische 
Sclüfie gebrachten Reisvögeln und Kanarienvögeln auch ein hübsches 
Sortiment einheimischer Arten enthalten, nicht nur Kömerfresser, 
wie Kernbeisser, Gimpel, Ammern, und Beerenfresser, wie Drosseln 
und Meisen, den Staar u. a., sondern auch ächte Insectenfresser, 
z. B. Fliegensclmäpper, Rothkehlchen, selbst Spechte. Ab Universal- 
futter für alle diese dient ein grüner Brei, dessen hauptsächüchste 
Ingredienzien frische saftige Blätter (einer Umbellifere?) und zu 



Falken und Eulen. «/l 

Mehl zerriebene getrocknete Fische sind. Mein anstelliger japanischer 
Diener lernte es bald selbst zurecht machen , es musste aber zweimal 
taglich frisch bereitet werden , sonst kamen manche Vögel um. Auch 
kleinere Raubvögel werden daselbst lebend gehalten, so ein Thurm- 
falke, Falco tinnunculus Japonicus T. Schi., der Zwergfalke, F. 
aesalon L. , und ein ziemUch kleiner Kauz, Strix (Scops) semitorques 
Tem. und Schleg. , dessen komische Bewegungen uns noch auf dem 
Schiffe viele Freude machten. Einigen meiner Vögel kam aber ihre 
Nachbarschaft theuer zu stehen: als einst ein ganzer Transport 
Vögel in meiner Wohnung ankam , wurde der Käfig des 2^wergfalken 
unvorsichtiger Weise neben die anderen gestellt, und wenige Minuten 
nachher lag im nächsten Käfig, an der dem Raubvogel zugewandten 
Seite , der Bewohner todt. Der Raubvogel musste mit seinen Krallen 
zwischen den Stäben beider Käfige durchgedrungen sein, konnte 
aber seine Beute nicht hindurchziehen. Den kleinen Kauz hatte 
ich in der Kabine auf See bei Tage manchmal freigelassen, und er 
benahm sich in meiner Gegenwart ganz Vertrauen erweckend; als 
ich aber einmal plötzUch hinausgerufen worden war, sah ich ihn 
bei meiner Rückkehr in verdächtiger Weiae von der Seite des Käfigs 
eines meiner letzten kleinen Singvögel wegfliegen, und richtig lag 
darin die bereits zerrissene Leiche des Bewohners. Dass die Raub- 
vögel solche Streiche versuchen, wunderte mich nicht, wohl aber, 
dass ihre Opfer nicht verständig genug waren, sich stets an der 
entgegengesetzten Seite zu halten, wo sie sicher gewesen wären; 
wahrscheinlich flogen sie in ihrer Angst im ganzen Käfig herum und 
kamen so selbst zwischen die Krallen des Räubers. Ein derartiges 
kopfloses Benehmen erklärt vielleicht auch Einiges von der sogenann- 
ten Bezauberung der Vögel durch die Klapperschlange. 

Sowohl in jenen Vogelhandlungen und durch meinen ein- 
geborenen Diener, welcher selbst kitsi (geschrieben kisi), Fasan, 
sich nannte, als aus den Bilderbüchern, lernt« ich eine nicht un- 
• beträchtliche Anzahl japanischer Namen für Vögel kennen, und da 
in der Fauna Japonica nur sehr wenige genannt werden, dürfte es 
nicht imangemessen sein, ein »raisonnirendes« Verzeichniss derselben 
hier zu geben. 

Raubvögel. 

Die edleren Stossvögel, Falken und Habichte, heissen im 
Allgemeinen taka. In der Encyclopädie , Heft 44., eröffnet ein 



y^ Namen der Falken, Habichte und Adler. 

solcher, gefesselt auf einer verzierten Stange dargestellt, mit un- 
gewöhnlich ausfuhrUchem Text, die Reihe der Raubvögel; in Büchern 
über Jagd und Fischfang erscheint er auf der Faust der ausziehenden 
Jäger, so wie auf Fasanen stossend. Nach den Angaben der Japaner 
wurde die Falkenjagd im Jahre 355 nach Christus aus Korea in Japan 
eingeführt fMittheilung von Prof. Hofimann), wie sie auch erst im 
Mittelalter nach Europa kam, als von Mittelasien aus ein mächtiger, 
noch nicht hinreichend zu verfolgender Einfluss gleicher Staats- 
formen und Lebensrichtungen nach Europa wie Ostasien ging (Lehen- 
system, Hitterthum, Klöster und Bettelmönche). Die Arten der 
Raubvögel sind bekanntUch schon nach vollständigen Beschreibimgen, 
um so mehr noch nach stark verkleinerten, im Detail ungenaueren 
Bildern, schwer oder gar nicht zu unterscheiden. Der erste taka 
der Encyclopädie scheint nach dem allgemeinen Habftus und der 
feinen Queerzeichnung des Unterleibes unseren Hühnerhabicht , Astur 
palumbarius L., vorzustellen, welcher bekanntlich auch im Orient 
und im nordwestlichen Indien als Jagdgehülfe geschätzt wird, der 
folgende, hashi-taka oder hai -taka (Aschen -Habicht?), könnte unser 
Wanderfalke , Falco peregrinus Gmel. , sein ; in einem anderen Bilder- 
buch erscheint er eine wilde Ente verfolgend. Sutsume - daka, 
Sperlings - Habicht , ist der Sperber, welcher ja auch in den germani- 
schen Sprachen den Namen von seiner gewöhnlichen Beute, den 
Sperlingen, führt (enghsch sparrow - hawk , spar-hawk, dänisch 
spurg-hög, auch das deutsche Sperber dürfte mit SperUng zusam- 
menhängen). Haja-busa-taka (haja rasch, schnell) nannte man mir 
in Yokohama den japanischen Thurmfalken: in der Encyclopädie 
figurirt unter diesem Namen aber ein grösserer, stärkerer Falke, 
auf den Kranich stossend. — Der kuma-taka, Bärenhabicht, lässt 
sich leicht an seinem Federbusch als der gehaubte Spizaetos orien- 
taUs T. Schi, erkennen. Dieser Bärenhabicht scheint, wie sein süd- 
amerikanischer Verwandter, die Harpyie, ein gewaltiger Jäger zu 
sein, denn in einem der besseren japanischen Bilderbücher ist er 
mit einem Affen in den Krallen dai^estellt. 

Adler, washi (wasi). Der Name erinnert an das vorderindische 
basha, bashin oder baz (Habicht). Einige Abbildungen 
zeigen die einfach weisse Färbung der Schwanzfedern der 
erwachsenen Aquila pelagica Fall., andere, so die der 
Encyclopädie, eine fleckige Zeichnung; eine andere Abbil- 
dung stellt recht deutUch den Steinadler, Aq. fulva, dar; 



Namen der Weiheu und Eulen. «/o 

zwei weitere , unter sich ganz übereinstimmende , eine viel- 
leicht noch unbekannte eigene Art mit kleiner Haube, heller, 
schwarz umsäumter Kehle und langen, oben wie unten 
schwarzen, in der Mitte weissen Schwanzfedern; ob die 
Läufe gani befiedert, wie beim Steinadler, oder nur zur 
Hälfte, wie beim Seeadler, seien, lässt sich bei keiner 
von beiden, der gegebenen Stellung wegen, deutUch er- 
kennen. 

Weihen und Bussarde. Hier scheinen die Namen, wie in Europa, 
wenig bestimmt zu sein; so zeigt in der Encyclopädie die 
Figur des misango einen schwach gegabelten Schwanz, 
stellt also die japanische Gabelweihe, Milvus govinda, in 
Yokohama tombi genannt, dar, die darauf folgende des 
tombi (tobi) aber einen abgerundeten, keilförmigen, also 
einen Bussard (Buteo Japonicus Schleg.?); kso- tombi (kuso- 
tobi, Schmutzweihe) der Encyclopädie, mit einer Maus im 
Schnabel, ist ohne Zweifel ein Bussard. In anderen Bilder- 
büchern hat auch der misango einen abgerundeten Schwanz 
und wird auf eine Gans stossend dargestellt. Unbestimmbar 
ist mir femer der sashiba, der Fasanen würgt, vielleicht 
ein Habicht. Der yamakotori, Bergvogel, aus der Provinz 
Fiuga, scheint ein Bussard zu sein. 

Eulen. In fast allen Bilderbüchern figuriren zweierlei Eulen, eine 
glattköpfige, furo oder fkuro (fukuroru geschrieben), mit 
dunklen Augenringen, unserem Baumkauz ähnUch, ver- 
muthUch Strix fuscescens Tem., und eine Ohreule, mimi- 
suko (mimidsuko) , unter welchem Namen ich Strix (Scops) 
semitorques Schleg. erhielt. Ueber die verhältnissmässige 
Grösse beider geben die Abbildungen wenig Aufscliluss, 
vermuthlich fassen die japanischen Systematiker, wie manche 
europäische, alle ihnen vorkommenden Arten mit Federohren 
unter Eine, die ohne solche unter die andere zusammen, 
ohne deren sonstige wesentlichere Verschiedenheiten zu 
beachten. 

Schwalbenartige Vögel. 

Caprimulgus jotaka Schlegel., Ziegenmelker. In mehreren Bilder- 
büchern abgebildet, aber stets unter anderen Namen. Der 
Name yo-taka kann Nacht -Habicht (yoi-taka) bedeuten 



v4 Namen der Schwalben und Drosseln. 

und würde insofern passen, ich finde aber damit in einem 
meiner japanischen Bilderbücher einen ächten Raubvogel 
bezeichnet; in der Encyclopädie scheint das Wort zu fehlen. 
Schwalbe, dsubame, auch dsubarame, vielfach abgebildet, und 
zwar mit schwarzem Gürtel unter der rothen Kehle und 
mit weissem Bauch, ganz wie die europäische Rauch- 
schwalbe, Hirundo rustical L. In einem Buch fuhrt eben- 
dieselbe den Namen kairo- dsubame. Froschschwalbe oder 
heimkehrende Schwalbe (vgl. unten). Die weisse Ausartung, 
siro- dsubame, findet sich auch öfters abgebildet, wie über- 
haupt die Japaner Werth auf weisse Vögel zu legen scheinen. 

Feinschnäbler. 

Muscicapa (Hypothymis) cyanomelana Tem. Schi. , oben schön blau, 
unten schwarz und weiss, in den Büchern oft abgebildet 
unter dem Namen ruri, zuweilen auf Dächern sitzend dar- 
gestellt; in den Vogelhandlungen zu Yeddo verstand ich 
den Namen als koruri oder kudruri (kleiner ruri). 

— (Xanthopygia) narcissina Tem. Schi. = dirysophys Blyth, schwarz 
und weiss, ein gelber und ein schwarzer Augenstreif. In 
einigen Bilderbüchern als x^taki, in den Vogelhandlungen 
notirte ich kibitaki (Vorsetzung einer Silbe). Auf einer der 
besseren Vogelabbildungen finde ich beide Namen vereinigt 
als ruri-bitaki: der Vogel scheint aber eben so gut oder 
besser Lusciola cyanura PalL darzustellen. 

Drosseln. Der allgemeine Name ist tsüngumi (geschrieben tsu-gu-mi). 
Die Abbildungen deuten zunächst auf die hellbraunen, ge- 
fleckten Arten , wie Turdus eunomos Tem. , T. palhdus Gmel. 
(dauUas T. Schi.) und T. pallens Fall., Schleg. Eine oben 
fast schwarze Art, T. cardis Tem., heisst in den Vogel- 
handlungen und auf den Bildern kuro - tsüngumi , Schwarz- 
drossel. Auch erhielt ich in einer Vogelliandlung zu Yeddo 
eine blasse Drossel unter dem Namen kawaÄ-te-uma (vergl. 
die Namen kawari-xiwa und kawari - susme) , eine andere 
(T. pallens Fall.) als mami-shiro. Der aka-hara, Roth- 
• bauch, einiger Bilderbücher scheint ein grell illuminirter 
Turdus chrysolaus Tem. oder Fetrocossyphus Manilensis 
zu sein. Den goldbraunen T. fuscatus Fall, erliielt ich zu 
Nangasaki. 



Namen der Sänger u. dgl. */& 

Orpheus oder Ixos amaurotis Tein. und Schleg. könnte vielleicht der 
sito der Encyclopädie sein. 

Sänger: ünguiso (geschrieben ukuisu in der Encyclopädie, sonst 
uguhiso , auch ukihisu , bei Kämpfer und Thunberg ogiisu), 
fehlt in keinem Vogelbuche und ist als Sänger berühmt, 
wie bei uns die Nachtigall , auch , wie man mir sagte , Zug- 
vogel, der nur im Sommer in Japan vorhanden ist. In den 
Vogelhandlungen kam er mir nie vor. Die Abbildungen 
passen mehr auf eine Grasmücke oder einen Rohrsänger, 
als auf die Nachtigall, sind aber zur genauen Bestimmung 
nicht hinreichend; illuminirt sind sie grün. Ein anderer 
grösserer Rohrsänger, vermuthlich Calamoherpe OrientaUs 
Schleg., Bp., fiihrt den bezeichnenden Namen josi-kiri, 
Rohrspalter, in der Encyclopädie josi-hara, daselbst wird 
ausdrücklich seiner schrillen Stimme gedacht. 

Lusciola akahige Tem. Schi. Das unter diesem Namen beschriebene, 
unserem europäischen Rothkehlchen sehr ähnliche Vögel- 
chen fan^ ich sowohl in den Vogelhandlungen zu Yeddo, 
als in einigen Büchern , namentlich der Encyclopädie , unter 
dem Namen komadori, Füllenvogel, dagegen umgekehrt 

Lusciola komadori Tem. Schi., oben braunroth, Brust schwarz, Bauch 
weiss, in demselben Vogelbuch mit der Unterschrift akahige, 
in einem anderen übrigens auch als komadori. Da aka - hige 
Roth -Bart bedeutet, so erscheint SchlegeUs Anwendung 
des Namens gerechtfertigt. 

— cyanura Fall. , ruri - bitaki (vergl. oben bei den Fliegenfängern). 

Ruticilla aurorea Fall, nannte mir mein Diener hoo-sobiku (hoo, 
Wange). 

Motacilla. Die Bachstelzen, weisse und gelbe, M. lugens 111. und 
sulfurea auct., heissen japanisch sekire (sekirei), auch 
isitataki (Steinklopfer). Sie stehen in der Encyclopädie 
unter den Wasservögeln. 

Troglodytes fumigatus Tem. Der japanische Zaunkönig, vom 
europäischen kaum oder gar nicht constant verschieden, 
fiihrt in den Büchern meist den Namen misosasai (auch 
misosasahi geschrieben), in der Encyclopädie daneben auch 
noch takumi-tori, verständiger, geschickter Vogel, und 
sasaki, welchen Namen auch Hoffmann (japanische Gram- 
matik S. 60) nennt. Er ist auf Zäunen und Strohbündeln, 



«/U Goidhäluiehei). Namen der Meisen und Lerchen. 

womit man bei Frost die Blumen bedeckt, sitzend .abge- 
bildet, mit aufgerichtetem Schwanz, ganz wie die euro- 
päische Art, und wird bauptsächUch im Winter gesehen. 
(Angabe der Encyclopädie.) 

Regulus ignicapillus Brelun, das Goldliähnchen, japanisch giku- 
itadaki, d. h. die Blume giku, Chrysanthemum Indiciun, 
auf dem Kopfe tragend. Die mir vorüegende Abbildung 
ist so genau, dass man daran die specifischen Unterschiede 
der feuerköpfigen von der gelbköpfigen Art demonstriren 
kann. 

Zosterops Japonicus T. Schi., mesiro, Augenw^eiss, wegen des 
weissen Ringes um die Augen, oft abgebildet, zuweilen 
mit seiner Lieblingsnahrung, dem Diospyros kaki. Die 
Gattung Zosterops, mit den australischen Honigsaugem 
verwandt, ist von Afrika über Indien bis Neuholland ver- 
breitet, überschreitet aber an ihrer Ostgranze, in Japan 
und Vandiemensland die tropische Zone. 

Parus, Meise. Die Arten dieser Gattung fuliren den Namen kara 
mit verschiedenen Vorsilben für die einzelnen Arten. Eine 
der grösseren mid häufigeren in den Vogel handlungen wie 
Büchern ist die Europa ganz fremde bunte Meise, aus 
Blaugrau, Rostroth, Schwarz und Weiss gescheckt, Paru§ 
varius T. Schi., yamangara, Bergmeise oder wilde Meise 
genannt, femer die unserer Kohlmeise ähnhch gefärbte, 
aber kleinere sisiu-kara, Parus minor Tem. und Schleg. 
(soll Wintervogel sein). Schwieriger zu erkennen, der 
wenig detaillirten Zeichnimg wegen, sind zwei andere, 
kongara, Weine Meise, gegen Ende des Herbstes weg- 
ziehend, und xitara oder x^ogara (hi-gara gesclurieben) : 
sie scheinen unserer europäischen Tannen - und Sumpfmeise, 
P. ater und palustris L., ähnhch zu sein. Yenanga (ob 
abgekürzt aus yenangara, Schleppmeise?) ist der unserer 
Schwanzmeise sehr älmhche Parus trivirgatus Tem. und 
Sclilegel. 

Sperlingsartige Vögel. 

Alauda Japonica Tem. und Schleg., Lerche, x^bari (hibari), oft 
abgebildet. Kaja-kuki scheint eine grössere Lerchenart 
zu sein. 



Namen der sperlingsartigeii Vögel. «/■ 

Ainmem, Emberiza. Japan besitzt, wie Ostasien überhaupt, eine 
beträchtliclie Anzahl von Ammern, aber es ist nicht ganz 
leiclit, die verschiedenen Namen, welche mir in den Vogel- 
handlungen und in den Büchern vorkamen, auf die be- 
schriebenen Arten zu vertheilen. Am häufigsten in beiden . 
begegnete mir hoo-siro, Weisswange, für Emberiza elegans 
Tem. Schi., und E. ciopsis Bonap. (cioides Tem. Schi.); 
mashkodori (masiko-tori) der Encyclopädie scheint Emb. 
fiicata Fall.; atori und aoshitori (awosi-) scheinen ferner 
hierher zu gehören, aber ich kann die betreffenden Arten 
nicht bestimmen; kawari - sus'me der Vogelhandlungcn zu 
Yeddo ist Emb. aureola Pall. 

SperUng, susme (susume), Passer montanus L. sp.; eine verwandte 
Art, P. rutilans Tem. oder P. russatus Schleg., in der 
Encyclopädie als beni- susme, rother Sperling. 

Grünfink, xi^^'^i ^i^d kawara-xiwa, abgekürzt kawaxiwa, auch 
kawara - susme , in Vogelhandlungen und Bilderbüchern 
nicht selten. Dieser Name scheint mehrere unter sich 
ähnliche Arten zu umfassen, wie Chlorospiza kawariba 
Tem. (in den Vogelliandlungen erhalten), Chi. Sinica L. 
sp. = kawariba minor Schleg., und den Bilderbüchern 
nach entschieden auch den Zeisig, Chrysomitris spinus L. sp. 

Kanarienvogel, kanadija oder kanärija (ka na a ri ja), von den 
Europäern nach Japan gebracht, wie schon der Name zeigt: 
fehlt noch in der Encyclopädie. 

R^isvogel, Loxia (Munia) oryzivora L., buntso (bu n tsi o), aus 
Indien eingeführt, in allen Vogelhandlungen und Bilder- 
büchern zu finden: die Encyclopädie gibt in der That an, 
dass er erst in neuerer Zeit nach Japan gebracht worden 
sei (Prof. Hoffmann) und stellt ilin ganz passend in einem 
Käfig dar, andere Bilder minder richtig auf einem Tan- 
nenbaum. 

Gimpel, Pyrrhula orientalis Tem. Schleg. = P. griseiventris La- 
frenaye , durch die stets graue Farbe des Bauches von dem 
europäischen verschieden, so dass das Roth nur an der 
Kehle vorhanden ist, nicht selten in den Vogelhandlungen 
und heisst daselbst, wie in den meisten Büchern, uso, in 
der Encyclopädie uso-tori, Gimpel -Vogel. 

Coccothraustes personatus Schleg. , C. nippon au(»t. , ein schön asch- 

Ott-A«icn. Zoologisch. I. 7 



«'ö Staare und Seidenschwanz. 

grauer Kembeisser mit. sammetschwarzem Vorderkopf und 
gummiguttgelbem Schnabel, in den Vogel handlungen nicht 
selten und daselbst, shinia - ikaru (siina, Insel) genannt, 
zuweilen auch, wie der Gimpel, uso. Unter den japanischen 
Abbildungen finde ich ihn unter zweierlei , in der Encyclo- 
pädie ausdrückUch als identisch zusammengestellten Namen : 
ikaru oder ikaruri und mame- wumashi oder mame - niuw^ashi, 
auch mame-dori, Bohnen- Vogel, oft so wenig charakte- 
ristisch abgebildet, dass man ihn auch für den Gimpel 
nehmen könnte. 

Staaren- und krähenartige Vögel. 

Staar, Sturnus cineraceus Tem., xicdori oder xiodori, frisst die 
Weinbeeren ab, scheint auch im Winter in Japan zu bleiben, 
da er mit Schneelandschaft abgebildet wird. 

I^astor (Heteromis) Dauricus Fall, und sericeus Gmel. , bei Perrj 
(narrative. Vol. IL ornithol. plate 5) abgebildet, shima- 
xiodori, Inselstaar: in den Vogelhandlungen und auch in 
der Encyclopädie unter demselben Namen, wobei bemerkt 
wird, er sei in «neuerer« Zeit aus dem Auslande als Stuben- 
vogel eingeführt worden : doch findet er sich in den Bilder- 
büchern bald auf mit Schnee bedeckten Tannen, bald auf 
blühenden Pfirsichbäumen abgebildet, als ob es ein Winter- 
und Frühhngsvogel wäre. 

(iracula Javanica Osbeck (Eulabes Cuv.), im indischen Archipel 
häufig zahm gehalten und ohne Zweifel von da als Stuben- 
vogel in Japan eingeführt, öfters abgebildet, in der Ency- 
clopädie unter dem Namen saruka, vielleicht von saru, 
Affen, wegen seiner possirlichen Geberden. 

Seidenschwanz, Boml)ycilla phoenicoptera Schleg., bis auf die 
rothen statt gelben Spitzen der Schwung- und Schwanz- 
federn dem europäischen sehr ähnlich, rendschako (re n 
si ya ko), oft abgebildet: dass er übrigens auch in Japan, 
wie in Europa, ein unregelmässiger Wintergast sei, datiir 
scheinen zwei Umstände zu sprechen: erstlich, dass sein 
Name auch auf andere, halb fabelhafte Vögel angewandt 
wbd, zweitens, dass er fast immer auf demselben ßauin 
dargestellt wird, dessen rothe Beeren auch als Winter- 
futter des Staares figuriren, nämhch der schönen Lager- 



Häher und Elstern. ou 

strömia Indica. In der That bestätigt die Encyclopädie, 
dass dieser Vogel in Japan sehr selten sei. 

Neuntodter, Lanius bucephalus Schleg. , überall als modsu (mo zu) 
bekannt; ob noch andere Arten unter demselben Namen 
begriflFen werden, lassen die wenig genauen Abbildungen 
nicht erkennen. Commodore Sundevall schoss die erwähnte 
Art an der Mississippibai, am 9. October. 

Häher, Garrulus glandarius Japonicus Schleg., G. Japonicus Bp., 
kaum verschieden von dem europäischen; in Yokohama 
nannte man ihn mir gaiso , was ich nur unter den Provinzial- 
namen von Fiuga als gaisi wiederfinde: sonst heisst er auf 
den Bildern kasira-dori, Kopfvogel, wegen des gefleckten 
Oberkopfes. 

Tannenhäher, Nucifraga caryocatactes L. sp., bis jetzt uns noch 
nicht aus Japan bekannt gewesen, ist unter den Thieren 
von Fiuga recht kenntUch neben dem vorigen abgebildet, 
mit dem Namen kabuto-tori, Helmvogel. 

Blaue Elster, Pica cyanea Fall., mehrfach kenntlich abgebildet, 
der Name schwer entzifferbar: kakesu oder kamii. 

Schwarzweisse Elster, Pica varia Japonica Schleg., P. Japonica 
Bp., kaum von der deutschen zu unterscheiden, soll nach 
Kämpfer S. 174 »korej-garas«, Rabe von Korea> genannt 
werden, und nach der Encyclopädie aus Korea herüber- 
gebracht worden sein; jenen Namen finde ich aber in keinem 
der mir vorliegenden Bücher, w^ohl aber in der Encyclopädie 
einen anderen, kasasaki (in anderen Büchern kasasangi), 
ein Ausdruck übrigens, der in dem japanisch - englischen 
Wörterbuch von Medhurst mit »ein indischer Sperling« 
übersetzt wird; die Stellung in der Encyclopädie gleich 
zwischen Raben, Papageien und Gracula Javanica spricht 
durchaus dagegen, dass es ein sperlingsartiger Vogel sein 
könne. Unmittelbar darauf folgt unter der Bezeichnung 
yama- kasasaki, wdlde Elster, ein Vogel, worin leicht der 
in der Fauna Japonica abgebildete, wahrscheinlich nicht 
japanische Biophorus paradiseus Schleg. zu erkennen ist. 

Rabe, kärasu, abgekürzt karas, in allen Bilderbüchern. Der Name 
offenbar eine Nachahmung des Krächzens, wie das indo- 
germanische , uns unbekannte Wort , woher das griechische 
xd^(x4 und xopcTiT], das lateinische corvus und cornix, das 



lOU Raben. Paradiesvogel. Wiedehopf. 

deutsche Ilabc (altiiordiscli lirafii) und Krähe entstanden. 
Der japanische Kabe, Corvus Japonensis Bonaparte (C, 
niacrorhynchos fn. jap.), ist ein Mittelding zAvischen dem 
Waldraben und der Rabenkrähe Europa's. Nach den 
Ornithologen soll auch die ächte Rabenkrähe , eine unserer 
Saatkrähe nächst stehende Art, Corvus pastinator Gould. 
und die ostasiatischc Dohle, C. Dauricus Fall., in Japan 
leben; auch in der Encyclopädie finden sich Spuren, dass 
die Japaner mehrere Arten unterscheiden: nach dem karasu 
schlechtweg folgt nämlich als besonderer Artikel ein hasi- 
futo mit grösserem Schnabel, ob der eigentliche C. Japo- 
nensis Bp.?, dann ein x^sen — garasu (hisen karasu), am 
Wasser stehend, noch ganz schwarz, endlich als ya- 
mangarasu (yama karasu, Bergrabe), ein Bild, das den 
weissen Halskragen des C. Dauricus hat, aber einen 
Schwanz fast so lang wie die Elster. In einem anderen 
Buch erscheint ein sima- karasu, Inselrabe, dem Bilde nach 
nicht von den anderen Raben zu unterscheiden. Hier sind 
noch ein paar fabelhaft aussehende, langschwänzige Vögel 
zu erwähnen, welche in den Bilderbüchern öfters wieder- 
kehren, aber vemmthlich nicht in Japan leben, so neben 
dem bei der Elster er\vähnten Biophorus die ähnlichen 
onangadori und sanyedori, der sans'yako, auch zuweilen, 
wie der Seidensclnvanz , rens'yako genannt. 
Paradiesvögel: In einem der Bilderbücher finden sich recht kennt- 
liche, nicht entstellte Darstellungen der zwei bekannten 
Arten Paradisea apoda L. und regia L., ohne eigene Na- 
men. Die Bälge (lieser Vögel bilden bekannthch im öst- 
lichen Theil des inchschen Archipels einen Handelsartikel 
und werden oder wurden als Kopfschnmck verwandt: so 
mögen sie auch schon nach Japan gebracht worden sein. 

Spechtartige oder Schreivögel. 

Wiedehopf, UpupaL., unverkennbar abgebildet als yatsu-gasira, 
Acht- Kopf, in verschiedenen Büchern, aber nicht in der 
Encyclopädie ; der Name l)ezieht sich ohne Zweifel auf die 
Federn des Kopfbusches, welche als Andeutung von eben 
so viel eigenen Köpfen genommen wurden; übrigens sind 



Nauieii der Eisvogel, Spechte und Papageien. IUI 

es auf den Bildern mehr als acht. Die Art scheint, den 
Bildern nach, durch die einfarbigen Schwungfedern von 
der europäischen sich zu unterscheiden; die Flecken an der 
Spitze der Haubenfedern sind wie bei letzterer, die Schwanz- 
federn haben nicht nur einen , sondern zwei weisse Flecken. 
Exemplare sind bis jetzt noch nicht nach Europa gekommen. 

Eisvogel. Der um Yokohama nicht seltene Alcedo bengalensis 
GmeL, unserem europäischen sehr älmlich, wird kawa- 
semi (Flusscicade , vermuthlich wegen des schnarrenden 
Lärms, den die jungen Vögel im Neste machen) genannt, 
dieser Name kehrt auch in allen Büchern wieder, nur die 
Encyclopädie schreibt kawa-sebi, der Vogel ist aber öf- 
ters verschönert mit langem weissen Federbusch und 
amarantrothem Schnabel, wie meines Wissens keine Art 
existirt. 

Aicedo (Ceryle) lugubris Schleg., in einem der japanischen Bücher 
abgebildet unter dem Namen kabusegi (kawasemi ?). 

Spechte. Man keimt zwei Spechte in Japan , denen schon Temmink 
die japanischen Namen als lateinische Species - Benennung 
beigelegt, beide europäischen Arten ähnlich; einen Grün- 
specht, awongara (awo-kara, grüne Meise), Picus awakera 
Tem., und einen Buntspecht, kitsuts'ki (kitsutsuki) , Picus 
kizuki Tem., letzterer oft in den Bilderbüchern vorkommend; 
beide fand ich lebend in den Vogelhandlungen zu Yeddo. 
In dem Manuscript über die Thiere von Fiuga heisst der 
Grünspecht kurikatori ( Kastanien vogel). 

Kukuk, Cuculus canorus L., hotongisu oder hotongiso, stets fliegend 
abgebildet, die Füsse nicht gezeichnet, von dem gemeinen 
Mann für füsslos gehalten. 

Papageien finden sich unter den Namen omu (chinesisch wu, im 
Canton - Dialect mo) und inko , auch xinko (nach einem an- 
dern chinesischen Namen dieser Vögel ying), in den Büchern 
abgebildet, meist schon durch die Umgebung, eine Sitz- 
stange mit Futternapf oder dergl., als Hausthier gekenn- 
zeichnet. So weit sich die Arten erkennen lassen, sind es 
in der Regel die rothen kurzschwänzigen Loris, welche 
aus dem indischen Archipel stammen und dort so häufig 
zahm gehalten werden, wie Psittacus garrulus, domicella 
und grandis , sehr selten ein weisser Kakadu. Ein solcher. 



lU^ Tauben und Huhn. 

in der Menagerie zu Yokohama gehalten . erregte \'iele Auf- 
merksamkeit bei den einheimischen Besuchern, und wurde 
mir vom Besitzer als das werthvoUste seiner Thiere be- 
zeichnet. Theilweise mag es damit zusammenliängen , dass 
weisse Thiere bei den Japanern überhaupt besonders 
geachtet sind, so neben dem Kranich auch weisse Mäuse, 
weisse SperUnge: selbst weisse Schwalben und ein weisser 
Adler finden sich in den japanischen Wörterbüchern. — 
Kein Papagei lebt wild in Japan.') Im oceaiüschen Ost- 
asien geht also die Verbreitung der Affen weiter nach 
Norden, als die der Papageien, in Amerika bekanntlich 
umgekehrt. 

Tauben und Hühner. 

Die Taube heisst auf japanisch hato, wilde Tauben nennt man 
yama-bato, Bergtaube, und zwar hörte ich beide Bezeich- 
nungen in Yokohama für verschiedene Arten , hato für die 
eigentliche Haustaube , Columba domestica , und die unserer 
Lachtaube ähnhche gezähmte C. bitorquata Tem. , yamabato 
für die wild lebende, der Stammart unserer zahmen so 
höchst ähnliche C. intermedia und die wilde Turteltaube, 
C. maena Sykes (C. gelastes Tem.). Andere Zusammen- 
setzungen finde ich in den Büchern , so in der Ency clopädie 
jebato (ihe-hato), Haustaube, und kuz yako - hato , d. h. 
Pfauentaube, unerkennbar, in anderen Büchern kisibato, 
Fasanentaube, haku hato, weisse Taube (Haustaube). 

Huhn , niwatori ; hauptsächlich zweierlei Rassen : grosse mit hohen, 
starken Beinen, ähnlich der Cochinchinarasse , der eigent- 
Uche ni\va-tori, und kleinere mit sehr kurzen, doch nicht 
befiederten Beinen , tshabo (tsi - ya - bo) genannt , beide 
sowohl in den Häusern, als in den Büchern. In der 
Menagerie zu Yokohama waren noch verschiedene andere 
Rassen, namentUch diejenige mit krausen Federn, aber ich 
erinnere mich nicht, in Japan die bekannten Bantamhülmer 
gesehen zu haben, welche doch nach neueren Nachrichten 
von dort stammen sollen. 

Fasanen. Von den zwei Japan eigenthümUchen wilden Arten 
heisst Ph. versicolor Tem. kizi, auch kitsi und kishi 
gesprochen, und findet sich in jedem Bilderbuch: der 



Fasanen. Pfau. lOo 

noch langschvvänzigere Ph. Sömmeringi fuhrt m Büchern 
und Wildprethandlungen nicht nur xar ä^oxV» sondern 
ausschliessUch die Benennung yania-tori, Bergvogel, wilder 
Vogel. In den Menagerieen findet man ausserdem den 
Gold- und Silberfasan, beide mit ihrem Namen aus China 
stammend, ersteren als kinke, kinkei, Goldliahn (chinesich 
kinki), letzteren als haku-gan, entstellt aus dem chinesi- 
schen peh-hien, im Canton-Dialect pak-han: die erste 
Silbe bezeichnet im Chinesischen weiss und kommt in 
dieser Bedeutung auch ün Japanischen als haku vor, neben 
dem ursprüngüch japanischen siro; beide sind auch in 
der Encyclopädie als chinesisch angegeben. Der katsukei 
• der Encyclopädie ist dem Bilde nach nicht recht von Ph. 
versicolor zu unterscheiden : korai - kisi , koreanischer Fasan 
eines Bilderbuches, scheint der chinesische Halsbandfasan, 
Ph. torquatus Tem. ; uishikitori, der westliche gelbe Vogel 
eines anderen, scheint wieder der Goldfasan zu sein (China 
hegt westlich von Japan). Eudhch finden sich noch Bilder, 
die sehr bestimmt auf die Gattung Tragopa n weisen, 
unter dem Namen toziyukei oder kosiyukei, dessen letzte 
Silbe auch wieder auf chinesischen Ursprung deutet 
Pfau, kushak' (kuziyaku), vielleicht aus dem chinesischen hiung- 
^ tseuk ; er steht in der Encyclopädie nicht bei den Fasanen 
und Hühnern, sondern bei den fabelliaften und fremden 
Vögeln, dem Kasuar, vor den Falken, so zu sagen, unter 
den edlen Vögeln. Prof Hoflfmaim theilte mir nach japa- 
nischen Quellen mit, dass die Japaner selbst ihn als chine- 
sischen Vogel betrachten , welcher zuerst im Jahre 598 nach 
Cliristus aus Korea nach Japan gebracht worden sei. Nach 
China ist er entweder aus Hinterindien oder Java als Zier- 
vogel gekommen, wenn er nicht im südlichen China viel- 
leicht noch wild lebt. Auch das bestätigt, was übrigens 
umsichtigen Forschem längst bekannt war, dass kein Pfau 
in Japan wild lebt, sondern der sogenannte japanische 
Pfau nichts Anderes ist, als die hinterindische javanische 
Art mit spitzen Haubenfedern (Pavo spicifer Tem., le spi- 
cifere Buff.) , als Ziervogel in ^apan hie und da gehalten. 
Er hat einen Sporn, wie die vorderindische in P^uropa 
verbreitete Art, P. cristatus L., und Linne nannte ihn 



iv4 Kcnntnisi» von Strauss und Kasuar. 

dalier mit Unreclit P. muticus. Hiermit stimmt vollkommen 
ebensowohl das lebende Exemplar der Menagerie zu 
Yokohama, als die japanischen Abbildungen. Leider sind 
die letzteren, die ich besitze, alle nicht colorirt, Hals und 
Flügel erscheinen mehr oder weniger dunkel darauf. Vom 
schwarzschulterigen Pfau, der den in kleine Scheiben 
endenden Federbusch des vorderindischen hat, P. nigri- 
pennis Sclater, habe ich in Japan nichts gesehen und 
nichts gehört, obwold einige Sclmftsteller in Europa ihn 
den japanischen Pfau nennen. 

Truthahn. In einem der japanischen Bilderbücher findet sich ein 

Bild, das unverkennbar diesen (aus Amerika stammenden) 

Vogel darstellt, mit den zwei Namen baso-u iwa und 

karawan: mein Diener bestätigte mir ausdrückhch, dass 

dieser Vogel nicht in Japan lebe. 

Wachtel, Cotumix vulgaris Japonica Schlegel, nicht von der 
europäischen zu unterscheiden, lisura, geschrieben udsura, 
häufig in Käfigen und auf Bildern. 

Straussartige Vögel. 

Die Andeutung des Vogel Strauss finde ich in der Encyclo- 
pädie bei den fremden und fabelhaften Vögehi in dem Bilde eines 
grossen Vogels mit Gänsekopf und starken, übrigens gespornten 
und vierzehigen Füssen, welcher auf dem Rücken mehrere Bündel 
(Stroh?) trägt; als Name steht dabei hoo-dori. Weit deutUcher ist 
der darauf folgende indische Kasuar, unter dem Namen clü-kui- 
tori, feuerfressender Vogel, eine Bezeichnung, welche deutUch 
verräth, woher die Kenntniss desselben den Japanern gekommen 
ist Schon auf ihrer ersten Reise nach Ostindien , 1595 — 1597, 
erhielten nämUch die Holländer auf Java einen von den Gewürz- 
inseln stammenden grossen Vogel, »so Feuer gefressen und gar 
seltsam von Gestalt war«, und brachten Um lebend nach Amsterdam; 
der beigegebene Holzschnitt und die spätere Beschreibung von 
Clusius lassen den Kasuar ganz deutlich erkennen. Das Feuerfressen 
reducirt sich darauf, dass er neben anderen unnützen Dingen, wie 
Steine und Metallstücke , au?h gelegentlich heisse Kohlen aufgepickt 
und verschlungen hat. Ganz deutüch erscheint er auch in anderen 
japanischen Bilderbüchern als dashu (da si yuu, nach Anderen dateu). 



Naiuen der Krauiche und Storclic. 1"& 

StelzvögeL 

Krauich, tsuru, der erste der in der Encyclopädie vorkommenden 
Vögel (vergl. oben), weiss, mit rothem Scheitel, schwarzem 
Vorderhals und Schwanzfedern, Grus Montignesia Bp., ein 
uaher Verwandter des sibirischen Gr. leucogeranos PalL 
Eine 'zweite einfarbig weissUche Art, totsju (totsusiyu) der 
Encyclopädie, ko-dsuru anderer Bücher, dürfte vielleicht 
die ebenfalls sibirische Grus Antigone Pall. (Antigone tor- 
quata VieilL, Bp.) darstellen. Der Kranich mit schwärz- 
lichem Bauch, schwarzem Vorder- und weissem Hinterkopf, 
zuweilen oo-dori, grosser Vogel, oder mana- tsuru, auch 
als takeni - dsuru , Bambukranich vom matsuni - tsuru, 
Tannenkranich, dem erstgenannten, unterschieden, ist wohl 
als Grus leucauchen Tem. , vipio Pall. nach Bp. zu deuten : 
eine vierte Art, heller grau mit weissem Kopf, shiri-kuro 
(hinten schwarz) oder kofu , kömite G. monachus Schleg. sein. 

Storch. Der weisse Storch, Ciconia alba Briss., ist ganz keimtlich 
abgebildet in einem der Bilderbücher, leider ohne Angabe 
des einheimischen Namens , weniger sicher in einem anderen 
mit der Bezeichnung neho ; in der Menagerie zu Yokohama 
verstand ich seinen Namen als nabe-dsuru (Pfannen ?-kranich). 
Den schwarzen Storch , Ciconia nigrs^ L. sp. , finde ich nur 
einmal, aber deuthch, abgebildet als shaku-sangi (siyaku- 
sagi), Bisamreiher. 

Kiesenstorch oder Marabu, Ciconia argala Lath. In der Ency- 
clopädie erscheint als halb fabelhafter Vogel der bumotsi. 
Fliegen ausspeiend. Ich wusste ihn lange nicht zu deuten, 
bis ich im zoologischen Garten zu London den Riesenstorch 
in einer ganz ähnlichen Stellung, wie dies japanische Bild 
sie zeigt, unbewegUch dastehend sah. Kommt nicht in 
Japan vor, wohl aber auf Java. 

Löffelgaus, Platalea major, in Yokohama erhalten unter den Namen 
shadsisangi (sasi-sagi, Löffelreiher) und genosangi, unter 
ersterem in einzelnen Büchern abgebildet, fehlt aber, wie 
der Storch , sonderbarer Weise in der Encyclopädie , wenn 
es nicht deren berasangi , Rechenreiher , sein soll , in welchem 
Fall der Schnabel auffallend zu klein gezeichnet wäre. 

Reiher, Ardea L. Der allgemeine Name ist sangi (sagi), die ein- 
zelnen Arten werden meist nach der Farbe unterschieden: 



lv)b Keiherarteii. Schnepfen. 

als satigi kurzweg figurireu aucli die sonst bestimmter 
shirosangi genannten weissen Reilier, A. alba L. (egrett^i 
Tem., Naum.), A. intermedia und A. garzetta L., zwei auch 
in Europa bekannt, der erstere, grössere, in der Ency- 
clopädie auch als dawa-sangi, Rohrreiher; ein anderes 
Bucli unterscheidet den grossen weissen Reiher, A. alba, 
als sosangi von dem kleinen , A. garzetta, rosangi. Ao - sangi ') 
(bei Kämpfer awoi) heisst der grosse graue Reiher, Ardea 
cinerea L. Baka-sangi, dummer Reiher, ist die Rohr- 
dommel, Ardea stellaris L. Goi-sangi ist nach den Bildern 
sowold, als den in Japan erhaltenen Exemplaren unser 
Nachtreiher, Ardea nycticorax L. ; übrigens mag denselben 
Namen auch die seltenere , Japan eigenthümliche Art führen, 
welche in der Fauna Japonica als Ardea goisaki Tem. steht 
von Pucheran und Bonapart«, noch mehr; entstellt, Gor- 
sachius typus genannt wird. (Medhurst übersetzt goisangi 
gar mit Bussard! vielleicht Druckfehler für bustard, Trappe.) 
Hosi-goi der Encyclopädie (von hosi, Stern) ist \ielleicht 
die mir mündUch als bakasangi angegebene Rohrdommel, 
Ardea stellaris L., aber dann sehr wenig charakteristisch 
abgebildet 

Kibitz, Vanellus cpstatus Briss., als tsidori in der Encyclopädie 
undeutlich, deuthcher auf anderen Bildern dargestellt, 
immer im Fluge. Tsi kann Erde, Blut, Milch, tausend 
und Kenntniss bedeuten; Medlmrst erklärt tsidori durch 
»♦ein Raubvogel« (a bird of prey). 

Charadrius auratus (var. orientalis Schlegel) oder Ch. longipes, 
Goldregenpfeifer, ma-singi (Pferde?- schnepfe), sehr deut- 
üch auf einem japanischen Bilde dargestellt 

Schnepfen und Strandläufer; hier scheint in den Namen Verwirrung 
zu herrschen; shingi (sigi), von Medhurst als Schnepfe 
erklärt, ist nach mehreren Bilderbüchern eine Art Strand- 
läufer, mit nicht besonders langem Schnabel, im Wasser 
watend, nach der Umgebung zu schliessen, bald Süss-, 
bald Seewasser ; in der Encyclopädie dagegen ist der Vogel 
dieses Namens im Flug abgebildet, mit grossem Kopf und 
starkem Schnabel, als ob er sich eben ins Wasser herab- 
stürzen wollte, was nur auf einen Eisvogel passt, dazu 
mit feingeschecktem Gefieder und verhältnissmässig gross, 



Namen der Moven und Scharben. lv/7 

also vielleicht Alcedo lugubris Schlegel. In einem anderen 
Buch erscheint unter dem Namen hama-sliingi, Strand- 
schnepfe, recht kenntUch ein bekannter, fast über die ganze 
Erde verbreiteter Strandvogel, Strepsilas interpres L. Die 
eigentüche Schnepfe oder Waldschnepfe (bec&sse, Scolopax 
rusticula L.) findet sich dagegen in der Encyclopädie mit 
gewissem Recht nicht unter den Wasservögeln, sondern 
bei den Hühnern,, unter dem Namen tsira-kei; die letzte 
Silbe scheint das chinesische auch in's Japanische über- 
gegangene ki oder kai, Huhn, zu sein. 
Wasserhuhn, Gallinula chloropus L. sp., unter dem Namen bau 
häufig abgebildet, auch in Yokohama lebend erhalten unter 
demselben Namen. 

Schwimmvögel 

Möven, kamome, wie im Deutschen, verschiedene Arten der 
Gattungen Larus umfassend; Thunberg schreibt kagume, 
Medhurst kakf'me. Der Name ist wahrscheinlich ihrem 
Geschrei entlehnt, wie das lateinische gavia, italienisch 
gabbiano. In dem Manuscript über die Thiere der Provinz 
Fiuga lautet der Provinzialname der Möve siwokusotori, 
Salz - Dreck - Vogel. In einigen Büchern finde ich auch 
unter dem "Namen miyakodori (nach der Hauptstadt Miako?) 
mövenartige Vögel, während die Encyclopädie darunter 
einen Stelzvogel abbildet. 

Puffinus leucomelas Tem., makori in dem Manuscript über die 
Thiere von Fiuga. 

Kormoran oder Scharbe, u., auch shima-dsu-tori, Insel -Anlande- 
Vogei, genannt, häufig abgebildet, auch als Diener des 
Menschen beim Fischfang, doch kann das eben so gut 
chinesischen Quellen entlehnt sein, als der eigenen Praxis. 
Dass versclüedene Arten in der Nähe von Yeddo vor- 
konunen, wurde schon erwähnt. 

Pelikan, Pelecanus (vielleicht crispus Bruch.), in einem der Bilder- 
bücher mit nur chinesischer Schrift findet sich eine Figur, 
welche nichts Anderes als einen Pelikan vorstellen kann, 
selbst die Schwimmhäute der Füsse richtig darstellt, aber 
den Kelüsack kaum andeutet; in . einem anderen eine 
schlechtere Abbildung mit dem Namen karan-tsiau. 



lUo Nanieii der Gänse und Enten. 

Schwan, Cygnus (musicus?), haku-tshao (tsiyao). Die Angabc 
der Encyclopädie , dass Schnabel und Füsse schwarz seien, 
zeigt , dass es ein Schwan und nicht die Schneegans , Anser 
Hyperboreus Pali. , ist; in einem anderen Bilderbuch deut- 
licher dargestellt unter dem Namen gadsu. 

Gans, gan, offenbar ein ilirem Geschrei nachgebildetes Wort, we 
das deutsche oder dessen indogermanisches Stammwort 
(woraus auch das griechische xh^\ dorisch x«**» Is^t. anser). 
Auch chinesisch heisst die Gans ngo, die wilde yen, im 
Canton - Dialect gan. Das japanische Wort gilt gleichmässig 
für die zalune (selten gehaltene) Anser cygnoides L. sp., 
wie für die «gewöhnüche \vilde Art, Anser albifrons Gmel. : 
andere Arten erhalten besondere Zusätze, so no-ngan, 
Feldgans oder Wildnissgans, eine kleinere Art; tau -gan, 
eine mir unl)ekannte Art mit kleinem Kamm und lappigen 
Wangen, beide in der Encyclopädie abgebildet; kari scheint 
ein zweiter Name für die gewöhnliche wilde Art, A. albi- 
frons, zu sein; x>sikui ist eine andere wilde, grosse Art, 
vielleicht Anser grandis Gmel., für welch letztere ich aber 
in den Wildprethandlungen zu Yokohama keine andere 
Benennung als oki-gan, grosse Gans, erfuhr. 

Enten. Die zahme Ente heisst äxiru, die wilde kamo, letzteres 
mehrere Arten umfassend, wie Anas glocitans PalL, A. 
crecca L. , A. Peneloj>e L., doch lassen sich die meisten 
Abbildungen dieses Namens wegen des dunkelcn Kopfes 
des Männchens auf die wilde Schwester der zahmen Ente, 
A. boschasL. , beziehen. Die Encyclopädie kennt noch ein 
paar Zusammensetzungen mit kamo, so atsi-kamo, wohl- 
schmeckende Ente, und ko-ngamo, Kind - Ente, der 
Kleinheit wegen, wie der deutsche Jäger Halbente sagt^ 
Dieses ist nach der Farbenbeschreibung der Encyclopädie 
unsere Kriek-Ente, Anas crecca; sie soll vor der gewöhn- 
lichen W^ildente ankommen und nach ilir wegziehen. Die 
Arten lassen sich aus den gegebenen Bildern nicht er- 
kennen. 

Anas galericulata L., die chinesische Mandarinen - Ente , welche 
nach Thunberg auch wild in Japan vorkommt, jedenfalls 
oft zahm gehalten wird, fiihrt den eigenen Namen oshi- 
dori, stummer Vogel. 



Taucher. — Reptil ienfauna. lUJ 

Podiceps. Ein kleiner Steissfuss, den ich im Winter zu Yokohama 
frisch getodtet bekam, und desseÄ weder in der Fauna 
Japonica, noch in den japanischen Büchern Envähnung 
geschieht, wurde mir kai - tsin - monguri genannt, ein offen- 
bar zusammengesetzter Name, wofür ich aber keine be- 
friedigende Etymologie finden kann. 

(^olymbus arcticus L.? kawa-tsumuri nach einem Bilderbuch. 

üria umizusume Tem. Schleg. Diesen Namen finde ich in keinem 
der mir zu Gebote stehenden japanischen Bücher; es lässt 
sich aber deutUch darin umi-susme (susume), Meersperling, 
erkennen. 

4. Japanische Reptilien. 

In dieser Classe zeigt die japanische Fauna bei geringem 
Artenreichthum doc^i fast noch mehr als in anderen ein merkwürdiges 
Gemisch von europäisch - sibirischen , nordamerikanischen und indi- 
schen Formen: mit europäischen Arten übereinstimmend oder ihnen 
doch recht ähnlich, von den Systematikern, je nach der individuellen 
Ansicht über Artunterschiede, als Varietäten oder repräsentirende 
Arten betrachtet, sind mehrere Frösche (Rana esculenta und tem- 
poraria, Bufo vulgaris japonicus), ein kleiner Wassermolch (Triton 
subcristatus Schleg.), die häufige Süsswasserschildkröte (Emys vul- 
garis Japonica Schleg. ^ E. Japonica Gray), auch einige Nattern 
(Tropidonotus tigrinus Boie, Elaphis \nrgata und Coluber conspi- 
cillatus Schleg.) sind den südeuropäischen Arten derselben Gattungen 
höchst ähnUch. Eine Aehnlichkeit mit der indischen Fauna liegt in 
der einzigen Giftschlange Japans, Trigonocephalus (Halys) Blom- 
hoffii Boie, der Rüsselschildkröte , Trionyx (Potamochelys) Schlegelü 
Brandt, der einzigen eigentlichen Eidechse, Tachysaurus Japonicus 
Gray (Lacerta tachydromoides Schleg.), und dem Gecko, Platy- 
dactylus jamori Schleg. (nach Gray dieselbe Art mit seinem Gecko 
Chinensis aus dem mittleren China), ferner mehreren der von 
Halowell in den Proceedings of the acad. of nat. hist. in Philadelphia 
1860 beschriebenen japanischen Reptihen, wie Lygosaurus poecilo- 
pleurus, Ophthalmidion tenue, Ixalus Japonicus, und dem einen 
der Laubfrösche , welcher nach Dr. Günther zur Gattung Polypedates 
gehört; zu bemerken ist dabei aber, dass auch im subtropischen 
Asien überhaupt, von Transkaukasieu bis Cliina, theilweise ähnUche 
Formen vorkommen, der Ausdruck indisch nur »die wärmeren Ge- 



110 



Aehiilichkcit mit Nordamerika. 



genden Asiens im Gegensatz zu Europa eharakterisirend« bezeichnen 
soll. Die üebereinstinroiung mit dem wänneren Theil Cliina's wird 
sich bei näherer Untersuchung noch mehrfach heraussteUen, die 
japanischen Inseln bilden in ähnlicher Weise einen vorgeschobenen 
Aussenposten der indochinesischen Fauna, wie England in manchen 
Pflanzen und Schnecken einen solchen der südeuropäischen oder 
Mittelmeerfauna. 

Von den AehnUchkeiten der japanischen ReptiUenfauna mit 
der nordamerikanischen ist die bedeutendste olme Zweifel der 
Riesenmolch (Salamandra maxima Schleg. = Tritomegas Sieboldi 
Dum. Bibr. = Megalobatrachus S. Tschudi = Sieboldia Bp. = Crypto- 
branchus Japonicus v. d. Hoeven), welchen Schlegel und van der 
Hoeven mit Recht trotz des frühen Verschwindens der äusseren 
KiemenölTnungen als nahen Verwandten des ebenfalls zwei Fuss 
langen »Hellbender« aus dem mittleren Nordamerika, Menopoma 
giganteum Harlan, auffassen. Die am meisten paradoxe AehnUchkeit 
zunschen beiden Faunen beruht in dem einzigen Scincoiden Japans, 
welchen Schlegel und Andere als* dieselbe Art mit dem nordameri- 
kanischen Eumeces (Plestiodon) quinquelineatus L. sp. ansehen , doch 
hat Prof. Peters an den von mir mitgebrachten japanischen Exem- 
plaren, welche ich der Güte des Dr. Pompe von Meerdervoort, 
damals in Nangasaki, verdanke, Unterschiede in der Grösse und 
Zahl der Schuppen, so wie in der Form der Krallen, gefunden 
(Monatsberichte der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 
1864, S. 57), welche, wenn sie sich bei Vergleichung von noch mehr 
Exemplaren aus beiden p]rdtheilen bestätigen, wohl eine artliche 
Trennung rechtfertigen dürften. Eine Uebereinstimmung mit Nord- 
amerika liegt auch in der relativ grossen Artenzahl der japanischen 
Salamander oder Molche, Schlegel zählt deren fünf auf, worunter 
drei den meines Wissens sonst nur in Nordamerika vorkommenden 
Gattungen (Gruppen) Onychodactylus und Ellipsoglossa angehören. 
Als eigene bis jetzt nur japanische Gattungen betrachtet Halovvell 
(l. c.) Leptophidium, Lepidocephalus und Proterodon. 

In der Umgegend von Yokohama spielen, wie in anderen 
Tiefebenen, unter den Reptilien die Wasserschlangen und Frösche 
die Hauptrolle. Tropidonotus tigrinus Boie ist recht häufig und 
gleicht in der Lebensart unserer europäischen Ringelnatter, ihre 
gewöhnliche Färbung um Yokohama ist oben nattemartig dunkel- 
grau und schwarz gewürfelt, an den Seiten abwechselnd schwarze 



Nattern, Fi*üschc und Eidechsen. -l 1 A 

und schön inennigrothe Flecken, die Bauchscbilder an der Basis 
grauschwarz , am freien Rand blass grüngelb, an den vorderen das 
Gelbliche, an den hinteren das Graue überwiegend, Schwanzschilder 
schwarz, mit gelben Punkten. Den braunrothen Tropidonotus vibakari 
Boie fand ich nur einmal, und zwar ganz im Trockenen, bei einer 
Hütte nahe dem Städtchen selbst. Auch Elaphis virgata Schleg. 
fand ich mehrmals in Wassergräben schwimmend in der Umge1t)ung 
von Yokohama, dagegen nie den Trigonocephalus. 

Frösche, Rana esculenta und temporaria L. , auch in den 
Farben den deutschen gleichend, sind in den grösseren und kleineren 
Teichen der Umgegend nicht selten , in dem einen derselben fand ich 
auch den Triton subcristatus Schleg. zu wiederholten Malen, was mir 
der vorgerückten Jahreszeit (September) wegen auffiel, zu welcher 
in Deutschland nicht wohl ein Triton mehr im Wasser selbst ge- 
funden wird. Die Unterseite seines Körpers war dunkel scharlach- 
roth gefärbt. Rana rugosa Schleg. traf ich in einer ganz kleinen 
mit Wasser gefüllten Vertiefung einer künstlichen Felsennische, 
welche vielleicht absichtlich als Wasserbehälter angelegt ist; das 
Vorkommen stets im Wasser und das äussere Ansehen dieses 
Frosches erinnerten mich lebhaft an unsere deutsche Unke, Bom- 
binatOT igneus Merr., einen Laut hörte ich nicht von ihm; nach 
V. Siebold gleicht er aber auch durch die traurig - ernsten Töne, die 
er Nachts hören lässt, unserer Unke. Eine riesengrosse Kröte mit 
hellen Seitenbinden, ganz wie in der Fauna Japonica abgebildet, 
fand sich an einem schönen Septembermorgen in einem der Zimmer 
unserer Wohnung in Yeddo. *) 

Noch Anfangs October fand ich ferner mehrmals einen Frosch, 
welcher äusserlich unserem europäischen Laubfrosch täuschend ähn- 
lich sieht, aber durch tiefer gespaltene Zunge und einige andere 
Einzelnheiten seines Baues sich von ihm unterscheidet, Polypedates 
Schlegelii Günther.*) 

Melurmals traf ich auch auf meinen Streifzügen in der Um- 
gegend von Yokohama im Walde zwischen trockenem Gestrüpp die 
eine Eidechse, Tachysaurus Japonicus Gray, doch ist sie dort bei 
weitem nicht so häufig, als die Eidechsen im mittleren und süd- 
lichen Europa (in der Fauna Japonica ist deren Vorkommen auf der 
Insel Nippon noch bezweifelt). 

Selbst im Monat Januar sah ich zu Odsi bei Yeddo noch 
einen kleinen Frosch mit rothem Bauch, Rana temporaria L. var. 



112 Schildkröten. 

Zu Naiigasaki ist ebenfalls der unschädliche Tropidonotus 
tigrinus häufig, diese Schlange wurde vom Missionär Schmidt im 
eigenen Hause gefangen; ich erhielt daselbst aber durch die Güte 
des Arztes Dr. Pompe van Meerdervoort noch einige japanische 
Reptilien, welche ich vorher in Yokohama vermisst hatte, wahr- 
scheinlich alle aus der Umgegend von Nangasaki stammend, näm- 
Uch *Elaphi8 quadrivirgata , Coluber conspicillatus , Platydactylus 
jamori und Euraeces quinquelineatus. 

Eine lebende Schildkröte, Emys Japonica, fand Herr Wichura 
bei einer seiner Excursionen in einem Reisfelde ; sie mag im grössten 
Theile des Landes nicht selten sein, nur wegen ihrer Scheuheit, 
wie die europäische Art, schwer zu finden, da sie dem Volke 
wohl bekannt ist und so häufig, auf alle mögliche Weise, von der 
Bronzefigur bis zum papiernen Kinderspielzeug, nachgebildet wird; 
auch ihre Schale fand ich in den Läden Yokohama's queer- 
durch auseinandergesägt und die Lücken mit Lack geschlossen 
zu einer taschenförmigen Schachtel mit Schnüren verarbeitet. Ich 
kaufte lebende Exemplare zu Yokohama, und zwar sowohl von 
Emys Japonica, als Trionyx Schlegelii, letzterer war oben dunkel- 
braungrau, von der Farbe moorartigen Schlammes, unten schmutzig 
weiss; auf der Schnauze in der MittelUnie ein schmaler schwarzer 
Längsstreifen, nach hinten durch einen ähnlichen Queerstreifen 
zwischen den Augen abgeschnitten; von jedem Auge nach vom imd 
unten zur Lippe ein eben so schmaler schwarzer Streif: die Lippen 
mit gelbUchweissen schwarzpunktirten Flecken: ähnhche, aber 
grössere Flecke an der Kelüe und an den Seiten des Halses , scharf 
begrenzt, nach hinten und oben aufsteigend. 

Die einheimischen Namen der Reptilien sind zwar schon 
in der Fauna Japonica angegeben (Reptil. Einleitung Seite V), doch 
erlaube ich mir auch hier eine neue Zusammenstellung derselben 
nach dem, was ich in Yokohama selbst gehört und in den dort 
gekauften Büchern gefunden habe. 

Schildkröten. 

Game, zuweilen auch mit Weglassung des Erweichungs- 
zeichens käme geschrieben, ist der allgemeine Name der Schild- 
kröten, und gilt daher auch xar^ P 4«X^' speciell für die am häufig- 
sten zur Anschauung kommende p]mys Japonica (Schleg.) Gray, 
welche in Büchern öfters näher bezeichnet wird als isingame. 



Namen der Schildkröten. llo 

Steinschildkröte, misu-game, Wasserschildkröte, oder nach HoSmann 
bei Schlegel auch yama-game, Bergschildkröte. In der Encyclopädie 
finde ich übrigens die Wasser- und die Steinschildkröte in zwei 
verschiedenen Artikeln hinter einander, kann aber keinen anderen 
Unterschied in den betreffenden Abbildungen finden, als dass die 
Wasserschildkröte am steinigen Ufer eines grossen Gewässers; die 
Steinschildkröte auf unebenem Boden neben einem Bergbache ab- 
gebildet ist. Mino-ngame ist der Name des fabelhaften, oft in Bild 
und Sculptur dargestellten Schildkrötenkönigs mit äusseren Ohren 
und reichem Haarschweif; letzteren wollten Manche, um die Treue 
der japanischen Darstellungen zu verfechten, als auf der Schale 
gewachsene Wasserpflanzen, Conferven, deuten, aber die Vergleichung 
mit anderen fabelhaften Thieren (vergl. oben) spricht entschieden 
dagegen. In der Encyclopädie finde ich noch eine ko-ngame oder 
hebi-kui-game, schlangenfressende Schildkröte, ebenfalls mit äusse- 
ren Ohren abgebildet und deshalb, wie ihrer angebUchen Nahrung 
wegen, wohl nicht minder fabelhaft, als die vorige. Als umi-game, 
Meerschildkröte, und tai-mai erscheinen in der Encyclopädie zwei 
recht kenntUch dargestellte Meerschildkröten der Gattung Chelonia, 
erstere mit einfarbiger, letztere mit gefleckter Schale. Tama-game, 
Juwelenschildkröte, soll ohne Zweifel die das Schildpatt liefernde 
Rarettschildkröte, Chelonia caretta L. sp. = Ch. imbricata auct, 
darstellen, aber die Schuppen ihrer Schale sind in der betreffenden 
Figur etwas gar zu fliigelförmig ausgefallen, und die Zahl der Füsse 
ist auf sechs gestiegen; es ist also fiif" die Japaner ein fremdes, 
halb fabelhaftes Thier, wie z. B. das Moschusthier oder der Löwe. An- 
dere Entstellungen, wie eine Schildkröte mit Menschenkopf, welche 
in der Encyclopädie neben den anderen wirklich existirenden Arten 
sich findet, sind offenbar rein erfunden. Nur für die eigenthümliche 
Schnappschildkröte, Trionyx (stellatus var. Schlegel = Schlegelii 
Brandt), hat der Japaner auch ein eigenes Wort, gesprochen spon, 
geschrieben so-u-po-n; die Abbildung in der Encyclopädie ist im 
Allgemeinen gut, nur in der Zahl der Zehen nicht genau; ihr schliesst 
sich eine ähnUche mit noch längerer gavialähnlicher Schnauze an, 
vielleicht eine eigene Art, vielleicht nur abweichende Darstellung 
derselben aus anderer Quelle, und endlich ein dreibeiniger spon, 
offenbar nur auf einer Monstrosität oder geheilten Verstümmelung 
beruhend. 

Ott^Anca. Zoologisch. I. ^ 



114 Nameu von Krokodil und Eidechsen. 

Krokodile 

kommen in Japan nicht vor, konnten aber bei der Häufigkeit des 
Crocodilus biporcatus im indischen Archipel den Japanern nicht 
unbekannt bleiben; ganz deutlich erscheint es in einem meiner 
japanischen Bilderbücher, ohne einheimischen Namen, ziemlich gut 
auch in der Encyclopädie unter dem Namen wawi bei den Haifischen, 
und eben so als wawi-same, Krokodil -Hai, in einem anderen Bilder- 
buch. Medhurst schreibt in seinem Vocabular wani, ich lese aber 
an beiden Stellen wa-wi. 

Eidechsen. 

Der allgemeine Name ist tokange, was wohl nicht mit dem 
Laute des indisch -siamesischen Gecko Toko zusammenhängt, da es 
zunächst, so namentlich auch in der Encyclopädie, den stummen 
Scincoiden, Eumeces quadrilineatus L. sp., bezeichnet; ao- tokange, 
blaue (grüne) Eidechse, scheint nur eine Farbenabänderung desselben 
zu sein. Für Tachysaurus gibt Hofimann in der Fauna Japonica den 
Namen sisi-musi, Löwen -Insect, an, den ich selbst nie gehört habe 
und auch in den mir zu Gebote stehenden japanischen Schriften 
nicht finde. Der kleine japanische Haus -Gecko heisst yämori. 

Schlangen. 

Als gewöhnliche Bezeichnung einer Schlange hörte ich in 
Yokohama stets hebi; auf Unterscheidung einzelner Arten Uessen 
sich meine Leute daselbst wenig ein. Hoffi[nann in der Fauna 
Japonica 1. c. sagt, dass die unschädlichen Schlangen bei den 
Japanern kutsi-nawa, Mundfaden, die giftigen aber febi nach dem 
chinesischen fanpi, rückgestülpte Nase, heissen. Alle Schlangen, 
welche ich in Yokohama unter dem Namen hebi erhielt, waren 
unschädliche Nattern, aber die gemeinen Japaner halten auch, wie 
so viele andere Menschen, alle oder doch fast alle Schlangen für 
giftig. Die Encyclopädie handelt vierzehnerlei Schlangen unter ver- 
schiedenen Namen, doch mit wenig kenntlichen Abbildungen, ab: 
mungi-wara-hebi, Weizenstrohschlange, ist eine längsgestreifte 
Elaphis, wahrscheinlich E. virgata Schleg.; misu-kustinawa, ist 
nach Abbildung und Namen eine Wasserschlange, Tropidonotus 
tigrinus; misu-mabusi-hebi, ebenfalls eine Wasserschlange, kann 
ich nicht davon unterscheiden; die schwarze karasu-hebi, Raben- 
schlange, wird in der Fauna Japonica für Elaphis quadrivii^ta 



Namen der Schlangen und Frösche. liO 

Schleg. erklärt; sato-menguri, auf einem Strohdache emem Sperling 
nachstellend dargestellt, soll nach derselben wieder Elaphis virgata 
sein, wofür wenigstens die Abbildung gar keinen Anhaltspunkt gibt; 
xibakari (so sprach es mein japanischer Diener aus) ist nach 
Kampffer eine gefürchtete Giftschlange, und der Name soll bedeuten, 
dass der von ihr Gebissene nur noch Eine Sonne sieht, d. h. einen 
Tag lebt; die Abbildung in der Encyclopädie bei diesem Namen 
reicht nicht zur Erkennung der Art hin, und in der Fauna Japonica 
wird dieser Name nicht dem japanischen Trigonocephalus, wie man 
erwarten sollte, sondern dem kleinen unschuldigen Tropidonotus 
vibakari Boie zugewiesen. •) Als senzai - hebi, Tausendsündenschlange, 
erscheint in der Encyclopädie endlich eine Schlange mit vier kurzen 
Füssen, wahrscheinlich auf einer schlangenähnUchen , sei es ims noch 
unbekannten, sei es nicht japanischen Eidechse beruhend; der Name 
deutet an, dass ihr eben so sehr von den Japanern die Sünden der 
Giftschlangen aufgebürdet werden, wie dem Seps von den Italienern 
oder der Blindschleiche von den Deutschen. Auch eine zweiköpfige 
Schlange figurirt eben so in der japanischen Wissenschaft, als in 
der europäischen vor einigen Jahrhunderten. Dagegen findet sich 
auch in der Encyclopädie ganz kenntlich die wahre Seeschlange, 
Hydrophis, unter dem Namen to-tscha, geschrieben to-zi -ja, wäh- 
rend die Fauna Japonica für sie nur die zusammengesetzte Bezeich- 
nung umi-hel^i, Meerschlange, nennt. 

Frösche. 

Allgemeiner Name kairu, zunächst für Rana esculenta L. 
Besondere Namen in der Encyclopädie ama-ngairu, Regen -frosch, 
nach der Fauna Japonica ein Laubfrosch, wozu aber die Abbildung 
der Encyclopädie nicht passt; xiki-gairu, die Kröte. Auch ein 
schlangenfressender hebi - kui - gairu erscheint wieder unter den 
Fröschen. Kaulquappen sind in der Encyclopädie abgebildet unter 
dem richtigen Namen kairo-ko, Froschkind. 

Molche. 

Der Riesenmolch heisst sansiuwo , geschrieben sansiyau-uwo, 
er steht in der Encyclopädie neben den Welsen, und in einem an- 
deren Bilderbuch finde ich ihn mit ein paar Jungen abgebildet, 
welche Kiemenbüschel an den Seiten des Halses tragen; es war 
das zwar an sich vorauszusetzen, aber doch nicht positiv bekannt. 

8* 



üb Namen der Molche. Fischniarkt. 

Die kleinen Teichmolche, Triton subcristatus Schleg., heissen imori 
(wimori) und stehen in der Encyclopädie unter den Kidechsen; 
tsi- imori, der grosse oder stattliche imori, scheint ein Männchen im 
Friihling mit ' entwickeltem Rückenkamm darzustellen. Die Aehn- 
lichkeit des Namens mit yämori ist auffällig, da auch die betreffenden 
Thiere , Molche und Gecko , auf den ersten Anblick viel Aehnüchkeit 
unter einander haben. Nach Hofimann in der Fauna Japonica ist 
übrigens diese Aehnüchkeit nur insofern eine organische , als yamori 
Hauswächter, imori (wimori) Brunnenwächter bezeiclmet Derselbe 
gibt noch manche andere Etymologieen für japanische Thiemamen, 
welche weder zu bestätigen, noch zu bezweifeln meine Sprach- 
kenntnisse hinreichen. Eine der frappantesten dieser Worterklä- 
rungen ist die von kairo, Frosch, als »qui court chez soi«, gewiss 
aber nicht, weil er, verjagt, wieder an denselben Platz zurückkehrt, 
sondern weil der japanische grüne Wasserfrosch, wie der europäische, 
still am Ufer sitzt, aber bei Annäherung eines Menschen mit lautem 
Plumps ins Wasser springt, daher erst bemerkt wird, wenn er 
»nach Hause geht«, das Wasser als seine eigenthche Heimath be- 
trachtet. 

5. Japanische Fische. 

Die Japaner sind in ausgezeichneter Weise ein fischessendes 
Volk; der Fischmarkt ist entschieden der wichtigste Theil des Victua- 
Henmarktes, Fische in allen möghchen Formen, mit Saucen oder ge- 
trocknet, ganz oder zur Unkenntlichkeit zerstückelt und verkocht, 
bilden die fast nie fehlende Zuspeise zum Reis, von den Massigen 
als Würze in spärücher Quantität, von den besser Lebenden mehr 
um ihrer selbst wollen genossen, ganz wie das oiliov der alten 
Griechen, das Sokrates in Xenophon's MemorabiUen HI. 14. so 
drollig bespricht, und das wahrscheinlich auch hauptsächUch aus 
Fisch bestand. Getrocknete Fische bilden sogar einen Bestandtheil 
des Universal -Vogelfutters. 

Auf den nordeuropäischen Fischmärkten spielen im Allgemeinen 
die Pleuronectiden (Plattfische, wie namenthch der Flunder), auf 
den südeuropäischen Sparoiden und Mugil (Brassen und Meeräschen) 
die grösste Rolle, in Yokohama herrschen die Sparoiden über Mugil 
und Pleuronectiden vor, häufig waren auch Rochen und Meerengel 
(Squatina), Seehähne (Trigla), Meergrundeln (Gobius) und ein Gun- 
nellus, dem Butterfisch von Helgoland ähnUch; die Mannichfaltigkeit 



Fischmarkt in Yokohama. 117 

war aber gross, und so oft ich MorgCDS nach dem Markte ging, 
fand ich des mir noch Neuen, also zu Kaufenden, mehr, als ich 
erwartet und — gewünscht hatte. Die Farbenmannichfaltigkeit aber 
war massig, weiss, silberfarbig und braun in verschiedenen Schat- 
tirungen das Meiste; schön rosenroth aber mehrere Chrysophrys 
(tai), der auch nicht seltene Latilus argentatus (ämatai), buntfarbig, 
aber ohne Silberglanz, wie überall, die Lippfische (Labroiden, 
namentlich Julis). Durch schiefe orangefarbige Bänder zeichnet 
sich Chilodactylus zonatus aus, dur^h fast einfarbig schwarze Fär- 
bung der kuro-tai, d. h. Schwarzbrassen, Girella punctata Gray := 
Melanichthys Schleg., und eine Art des kasango (Sebastes?), ferner 
ein dorschartiger Fisch, umi-itatsi, Meerwiesel genannt, und ein 
kleiner Haifisch, wanisarae (Triakis?). Von Scomberoiden spielen 
hauptsächlich einige grosse Arten von Thunfischen und Boniten, 
schnittweise verkauft, eine wichtige Rolle auf dem Fischmarkt und 
in den Bilderbüchern Japan's , so namentUch der kätsuwo , Thynnus 
pelamys L. Zu einer Sonderimg der das ganze Jahr hindurch vor- 
handenen und der nur in gewissen Jahreszeiten gefangenen Fische 
zu gelangen , dazu reichte die an sich lange Zeit von Mitte September 
bis Ende Jailuar doch nicht aus, theils wegen anderweitiger Be- 
schäftigung, theils weil von Anfang an Alles neu erschien und später 
ich leider das schon früher Gesehene nicht mehr notirte. Doch 
spricht dafür, dass ich fortwährend neues Besonderes antraf; 
namentlich mehrere seltsame Formen, wie Chimaera, Haheutaea, 
Macrourus, Dactylopterus , bekam ich erst im Januar zu Gesicht; 
den eigenthümüchen Monocentris erhielt ich nur getrocknet, nie 
frisch. Es ist dabei aber zu bedenken , dass allmälig der Ruf meines 
Sammeins sich verbreitet hatte imd zuletzt auch aus etwas grösseren 
Entfernungen mir gebracht wurde, was etwas Besonderes schien. 
Gleich am Anfang unseres Aufenthaltes wurden Einem von der Ge- 
sellschaft als grosse Rarität »Drachenzähne« gezeigt, die im Besitz 
eines Priesters sein sollten und wofür über 100 Itsipu's (50 preuss. 
Thaler) gefordert wurden: es war ein Kieferknorpel von Cestracion, 
der eigenthümlichen neuholländisch -japanischen Haifischgattimg mit 
Pflasterzähnen, und später erhielt ich dergleichen zu weit billigeren 
Preisen. 

Dr. Giiuther hat auf einzelne merkwürdige Aehnlichkeiten 
zwischen der japanischen Fischfauna und derjenigen der subtropi- 
schen Theile des atlantischen Oceans, namenthch Madeira*s und des 



iio Süss- und Brackwasserfische. 

Mittelmeeres, hingewiesen, so die Gattung Lophotes; ein weiteres 
Beispiel hierfür dürfte die Gattung Beryx bilden, welche in Madera 
ausgezeichnet vertreten ist, indem unter den von mir in Yokohama 
gekauften Fischbildem mein eben genamiter Freund diese Gattung 
mit Bestimmtheit erkannt hat 

Süsswasser fische spielen auf dem Fischmarkt eine geringe 
Rolle; man sieht von solchen daselbst fast nur Aale,^) anango, die 
auch eigentUch nur halbe Süsswasserfische sind, höchstens noch 
hie imd da einen Wels , nämasu , Silurus Japonicus Schleg. Sie sind 
aber trotzdem keinesweges wenig zahlreich, weder an Individuen, 
noch Arten. Ein Fischteich , Karpfen , koi , Cyprinus haematopterus 
Schleg., und Karauschen, funa, enthaltend, bei Yeddo, ist ein 
Hauptvergnügungsplatz der Angler unter den vornehmen Bewohnern 
der Hauptstadt. In den kleinen Bächen und Wassergraben der 
Umgegend von Yokohama fand ich mehrmals einen kleinen Weiss- 
fisch mit rothgesäumter Afterflosse (Capoeta lanceolata Schleg., 
Achilognathus Bleeker) . tanango, femer Bartgrundeln (Cobitis rubri- 
pennis Schleg.*), ähnhche, noch kleinere Fische aus der Famihe der 
Cyprinodonten , metaka genannt, Aplochilus latipes Schleg. sp., von 
oben grünüch, an den Seiten silbern, und auch Neunaugen (Petro- 
myzon Japonicus m.). Lachs- und forellenartige Fische habe ich 
in Japan nie gesehen, ausser in den Bilderbüchern, sie scheinen 
nur oder doch hauptsächUch auf den nördlicheren Inseln vor- 
zukommen, wo die Perry'sche Expedition mehrfach solche gefunden, 
wie überhaupt die ganze Familie eine nordische ist. 

Als Brackwasserbewohner, in den schwach gesalzenen 
Canälen um Yokohama lebend, lernte ich zwei Gobius, einen 
. Sparoiden, Chrysophrys hasta Bleeker, aber auch einen Cyprinoiden, 
Carassius Langsdorffii, und junge Aale kennen. 

Wie sich schon aus dem Vorhergehenden ergibt, besitzt die 
japanische Sprache eine grosse Zahl von Namen für einzelne Fisch- 
arten; schon in der Fauna Japonica werden viele derselben erwalint 
aber auch manche der in Yokohama sehr häufig genannten nicht, 
z. B. fungo für Tetrodon, same für die Haie, ina für Mugil. Ich 
gebe daher, theils zur Bestätigung, theils zur Ergänzung auch für 
die Fische in Folgendem ein Verzeichniss der mir vorgekommenen 
japanischen Namen, indem ich dabei mit I die in Yokohama ge- 
hörten und nach dem Gehör aufgeschriebenen, mit H die in der 
Encyclopädie und verschiedenen Bilderbüchern gefundenen bezeichne 



Namen der Knorpelfische. 11 «7 

und in Anordnung wie Namengebung im Allgemeinen der systema- 
tischen Reihenfolge in Bleekers sechstem Beitrag zur japanischen 
Fischfauna in den Acta societatis regiae seien tiarum Indo - Neer- 
landicae VIU. 1860 folge. Sehr oft fand ich es passend, nur die 
Gattungen zu nennen, da die einzelnen Arten derselben entweder 
nicht von den Japanern mit eigenen Namen unterschieden werden, 
oder doch in den Bildern nicht zu erkennen sind. 

Plagiostomen (Haie und Rochen). 

Haie im Aligemeinen same; ScylUum neko-same I, d. h. Katzen- 
hai, wie diese Gattung auch im Mittelmeer in alten und 
neuen Sprachen nach Katzen oder jungen Hunden genannt 
wird; Bleeker gibt für ScyUium Bürgen die Bezeichnung 
tora, d. h. Tiger. Triakis wani-same I, vergl. wawi-same, 
Krokodil. 

Grosse Haie, wie es scheint, hauptsächUch Lamna Comubica L. 
sp., heissen fuka H oder zusammengesetzt fuka-same H; 
Scymnus in Fiuga kara-tono-bou. 

Meerengel, Squatina Japonica BleeL, käs'- same I. 

Hairochen, Rhinobatus, kensame I (Säbelhai?) in der Fauna Japo- 
nica steht kemei (keh-jei, Säbelrochen?). 

Zitterrochen, Torpedo (Astrape) Japonica Schleg. , shibireil, ver- 
muthlich sibiri-jei, lahm- (machender) Rochen. 

Stachelrochen, Trygon., aka-jei, abgekürzt akai, I, U, rother 
Rochen. 

EigentUche Rochen, Raja, keno-jei H. 

Seekatze, Chimaera monstrosa L., gin-same I, Silberhai. 

Ganoiden. 

Störe finde ich in keinem japanischen Bilderbuch, obwohl ich 
einen solchen (Gruppe Antaceus Gray, vielleicht Acipenser 
Chinensis Gray), schlecht getrocknet, angeblich aus Japan 
stammend, bei einem Missionär in Nangasaki gesehen habe. 

Den chinesischen Schwertstör, sin (Polyodon gladius mihi), hat 
die japanische Encyclopädie aus der chinesischen entlehnt, 
aber offenbar mit dem Schwertfisch (Xiphias L.) confundirt, 
indem sie ihn Steuerdurchbohrer nennt imd angibt, dass 
er im Frühjahr blind werde. 



l^U Stachelbäuche, Platt- und Lippfische. 

Plectognathen. 

Kofferfisch, Ostracion, hako-fiingo I, von hako, Koffer, Kistchen, 
und fungo s. die folgenden, auch isikaki-tai 11 , Stein- 
mauerbrassen, und umi-sus'me 11 , Meersperling, oder 
sus'me-uwo II, Sperlingsfisch, in Fiuga kau-gou ü. 

Triacanthus brevirostris Val., Schleg. in Fiuga tsuno-fake 11 
(Hornbürste ?). 

Monacanthus cirrifer Schleg., eben so; in Yokohama kawa-hangi I, 
Lederschiene; in Fiuga yatofake. 

Stachelbauch , Tetrodon. Allgemeiner Name fungo L T. argenteus 
Lacep. katsuwo - fungo I , von katsuwo , Thunfisch. Mehrere 
Arten recht kennthch in den Bilderbüchern dargestellt, aber 
ohne specielle Namen, so T. firmamentum, mermis, pardaUs 
porphyreus, rubripes und xanthopterus von Schlegel. 

Schwimmender Kopf, Orthagoriscus , ukiki II. 

Lophobranchier. 
Seepferdchen , Hippocampus : kaibu 11 , vielleicht von kai , Schale. 

Pleuronectides, Plattfische. 

Butte , Rhombus cinnamomeus Sclileg. , ishi - ngare I , Steinflunder. 

Flunder, Platessa, kare, gesclirieben karei, II und xirame II. PL 
asperrima fuhrt diese Namen einfach, PL variegata Schleg. 
wird als oslii-kare I, hosi- ngare oder hosi-xirame II, 
Stemflunder, PL comuta Schleg. als musi-kare 11 , Un- 
gezieferflimder, bezeichnet. 

Zunge oder Sole, Solea (Synaptura) zebra Bloch und Plagusia 
Japonica Schleg., ohne Unterschied sta - xirame I, 11 , 
Zungenflunder; nach der Fauna Japonica usino- sta, Ochsen- 
zunge. # 

Stachelflosser. 

Seeteufel, Lophius setigerus Vald, anko I, geschrieben angou, 11. 
Haheutaea stellata Vahl sp., akangutso I, ak-angko EL, rother 

Seeteufel oder Rochen -Seeteufel? 
Lippfische: Choerops Japonicus Schleg. , kandai I — Labrichthys 

rubiginosus Schleg., bera I. 
Jungfemfisch, Julis, bera I (in Fiuga bero U), nach der Fauna 

Japonica kusabi, einzelne Arten nishi-ki-uwo II, Regen- 



Barsche und Brassen. ^^^ 

bogen -Goldfisch, und tora-kisu, Tigerbarscb, Alles nach 
ihrem bunten Farbenkleide. 

Papageifisch, Scarus, in Fiuga tsin, oflFenbar aus dem Chinesischen 
stammend. 

Fanzerfisch, Monocentris Japonicus auct. (Sciaena cataphracta 
Thunberg, Gasterosteus Japonicus Houtt), einer der eigen- 
thümUchsten Fische Japan's, jebisu-tai I, d. h. Brassen des 
jebisu, des Krebs- und Fischgottes. In den Bilderbüchern 
finde ich unter diesem Namen eine Figur, welche mehr dem 
Myripristis Japonicus Cuv. gleicht. Die Fauna Japonica 
gibt £ur Monocentris den Nameij mats'kasa , Tannenzapfen. 

Myripristis Japonicus Cuv., nishi-ki-tai II, Regenbogen - Gold- 
brassen, oder k'soku-uwo II, Fisch in voller Rüstung, 
nach Bleeker 1. c. umi-kingjo, Meer -Goldfisch; in der 
Provinz Fiuga tsi-iki oder tsi-kiki II. 

Seebarsch oder Sägebarsch, Serranus. Allgemeiner Name fiir 
diese und ähnliche Fische ara I, 11; einzelne Arten werden 
mit besonderen Vorsilben bezeichnet. SchlegeUs Serranus, 
mo-ara, glaube ich in einem als hata-siro, Weissflosser, 
bezeichneten Bilde wiederzufinden ; hata wurde mir in Japan 
Serranus octofasciatus = Plectropoma susuki Schlegel 
genannt. 

Wolfsbarsch, Labrax Japonicus Cuv. Val. (Percalabrax Schleg., 
Lateolabrax Bleeker), suzuki I, 11, auch seengo I. 

Meerbarbe, Mullus, in der Provinz Fiuga fimedzi. 

Zaimbrassen , Dentex setiger Cuv. , Val. (Synagris Sinensis Lacep, 
Günth.), itoyori II oder itoyori-tai 11 , Fadenbrassen, wegen 
der fadenförmigen Verlängerung der Schwanzfiosse. 

Latilus ai^entatus Cuv. Val. (Coryphaena Sinensis Lacep.), äma- 
tai I, n, süsser Brassen, in der Encyclopädie auch kuzure, 
nach der Fauna Japonica kusuna. Sehr aufiallend durch 
das steif abfallende Profil seines Gesichts und die schöne 
rosenrothe Färbung, oft abgebildet, so namentlich schon 
vom alten Kämpfer, deutsche Ausgabe S. 154, unter dem 
Namen »Stumpfhase«. 

Brassen, Pagrus und Chrysophrys, tai I, II, häufig auf dem Fisch- 
markt imd in Abbildungen. Verschiedene Arten, wie P. 
cardinaUs Lacep. sp. , tumifrons Schleg. imd major Schleg., 
erhielt ich in Yokohama, dieselben und andere, wie Chr. 



1^2 Weitere Stachelflosser. 

hasta, lassen sich in den Bilderbüchern erkennen; der 
gefleckte Pagrus cardinalis führt auf einem Bilde den Namen 
ko-tai (junger Brassen?). Uebrigens nannte mein Diener 
denselben Namen , tai , mir auch für Abbildungen äusserhch 
ähnhcher, doch wesentlich verschiedener Fische, wie Dentex 
hypselosoma Bleeker und Beryx sp. In den Abbildungen 
der Fische der Provinz Fiuga in Kiusiu finde ich wieder 
andere (Provinzial-) Namen, umi-goi, Meerkarpfen, für 
Chrysophrys aries , und fada - sako für eine andere Art, 
vermuthUch Chr. major. 

Girella punctata Gray (Melanichthys Schleg., Crenidens Richardson) 
kuro-tai, Schwarzbrassen, I, II. Es scheinen unter diesem 
Namen aber auch andere schwarze Fische einbegriffen zu 
werden. 

Chilodactylus (Pteronemus v. d. Hoeven) zonatus Cuv. Val. und 
quadricomis Günther takapa I, isi-tai, Steinbrassen, und 
sima-tai, Inselbrassen, II. 

Lakaienfisch, Therapon sp., als dsinara und beni-uwo (Rothfisch) 
unter den Süsswasserfiscnen von Kurimoto aufgefulirt 

Lethrinus haematopterus Schleg. , in der Provinz Fiuga yeba oder 
eba n. 

Feilenfisch, Labrax hexagrammus PalL, ainame I, umi-ayu, Meer- 
forelle, in der Provinz Fiuga 11. 

Kaulkopf, Cottus sp., eine Süsswasserart kawa okoze, d. h. Bach- 
uranoscopus, U, mehrere wahrscheinhch im Meer lebende 
Arten kazika 11 imd kokubutsu. 

Kaiserfisch, Sebastes marmorätus Cuv. Val., kasango I, II, auch 
kitsiku n und kitoki I. Sebastes ventricosus Schleg. ako, 
geschrieben akawo 11, wahrscheinlich aus aka-uwo, Roth- 
fisch, wie auch, sein Verwandter in Norwegen genannt 
wird (röd-fisk). Eine weitere Art dieser Gattung als miko- 
uwo bei Kurimoto. 

Pterois lunulata Schleg., mino- kasango I, Ohren? -kasango. 

Pelor Japonicum Schleg., okosi 11 (vgl. Uranoscopus). 

Sillago Japonica Schleg., mudsu L 11, auch kisu.II. 

Corvina sima Schleg. , ishi-motsi I, II, von ishi (isi). Stein, nach 
den grossen Gehörsteinen. 

Hoplognathus fasciatus Richardt. (Scarodon Schleg.), kau-dai I 
(von tai) oder ishi -tai, Steinbrassen, I, II, sima-tai, Insel- 



Makrelen, Thunfische u. s. w. ^^o 

brassen, IL Dieselben Namen wie bei dem äusserlich ähn- 
liehen Chilodoctylus zonatus. 

Schnäpperfisch, Acanthurus (Prionurus) scalprum Cuv. VaL, ka- 
mami-tai I, U, kurofage, schwarze Bürste, in Fiuga IL 

Spiesshecht, Sphyraena, verschiedene Arten, kamasu I, 11. 

StichUng, Gasterosteus (trachurus Cuv.), fehlt in der Encyclopädie, 
ist aber in dem neueren Fischbuche von Kurimoto unter 
dem Namen ito-uwo unverkennbar abgebildet. 

Makrele, Scomber, sabar I, U, die häufigste und im engeren Sinn 
so genannte Art ist Sc. saba Bleeker (Sc. pneumatophorus 
major Schleg.); in Fiuga uke U. 

Thunfisch, Thynnus pelamys L. sp., katsuwo I, 11, ob vielleicht 
aus katsi-uwo, Steuerfisch? 
— Thynnus maeropterus Schleg., manguro II, nach der Fauna 
Japonica hire-naga, Langflosser. 

Cybium Chinense Lacep. Cuv. Val. , sawara 11, ob etwa als saba- 
ara, Makrelenbarsch, zu erklären? Die Orthographie wi- 
derspricht. 

Degenfisch oder Spitzschwanz, Trichiurus Japonicus Schleg., tatsü I, 
richtiger tatsi-uwo II, Degenfisch. Der langen, platten, zu- 
gespitzten Form und des Metallglanzes wegen, nannte 
schon Oken diese in den Tropenmeeren nicht seltene Fisch- 
gattung so, ohne von dem japanischen Namen etwas zu 
wissen. Nicht zu verwechseln mit dem Schwertfisch, der 
das Schwert am Munde fuhrt (Xiphias)* 

Segelfisch, Histiophorus orientaUs Schleg. Die Fauna Japonica 
gibt hierfiir den Namen heiwo (ob hei-uwo, Mauerfisch?); 
ich finde diesen auffallenden Fisch in den japanischen Bil- 
derbüchern nicht, wohl aber einen ähnhchen, doch durch 
niedrigere Flosse und kürzeren Schnabel verschiedenen 
imter den Fischen von Fiuga als nouraki IL 

Trachinotus (Psenes) anomalus Schleg., iwo-tai I, in Fiuga usi hiki II. 

Coryphaena Japonica Schleg. Dorade, fisu oder hisu in der 
Provinz Fiuga, H. 

Seriola quinqueradiata Schleg., inata I, U. 
— aureovittata Schleg., in Fiuga takabe ü. 

Bastardmakrele, Stöker (Trachurus trachurus L. sp. ^ Caranx 
trachurus Japonicus Schleg., Selar Japonicus Bleeker), 
adsi I, n. AehnUche Arten durch verschiedene Vorsilben 



124 



Meci-äscheii , Seehähne, Meergrundeln. 



unterschieden , so bei Schlegel Caranx (Decapterus]^ muro- 
adsi von muro, Haus, und C. maru-adsi von maru, rund, 
vollkommen; letzterer scheint dieselbe Art mit dem sima- 
adsi eines der Bilderbücher, von sima, Insel. 

St. Peterfisch, Sonnenfisch, Zeus Japonicus Cuv. VaL, mato-tai, 
Zielscheibenbrassen I, der schwarze Fleck in der Mitte 
des Fisches mit dem Schwarzen in der Scheibe verghchen; 
kangami-tai, Spiegelfisch, II. Unter letzterem Namen er- 
hielt ich zu Yokohama einen ähnlichen, doch verschiede- 
nen, rein silberfarbigen Fisch. In Fiuga oito-dai. 

Blepharis Indiens Cuv. VaL, in Fiuga muma-hiki, von muma, Pferd. 

Stromateus punctatissimus Schleg. (aculeatus Schneid., Bleek.), 
mana-katsuwo, Augen thunfisch, 11. 

Meeräsche, Mugil cephalotus Cuv. (Japonicus Schleg.) und haema- 
tochilus Schleg., ina I, bora 11, menada 11, iwashi II, 
nayosi II. Wie in Europa, so werden sie wahrscheinlich auch 
in Japan von den Fischern mehr practisch nach Grösse 
und Vorkommen mit verschiedenen Namen bedacht, so 
dass es schwierig ist, die einheimischen Namen auf die 
von den Naturforschern unterschiedenen, unter sich sein* 
ähnUchen Arten zu vertheilen. 

Sterngucker, Uranoscopus, mehrere Arten, okosai, okote, mi- 
shima-okosai I (okose nach der Fauna Japonica); kana 
bisya zinzoku in der Encyclopädie. 

Fliegender Seehahn, Dactylopterus Orientahs Cuv. VaL, mok'fu- 
tombi, von tombi. Weihe, I (okasi in der Encyclopädie?). 

Seehahn, Trigla kumu Less. , ho-o oder hobo, auch hobu-tai ü, 
vielleicht von ho-o, Wange, wegen der gepanzerten 
Wangengegend. 

Priacanthus benmebara Schleg., in Fiuga ben-kei 11 (ben, roth). 

Plattkopf, Platycephalus insidiator Schneid, und andere Arten, 
kotsi n. 

Spinnenfisch, Calhonymus, mehrere Arten, me-ngotsi I, d. h. 
Augenplattkopf, wegen der grossen Augen, in Fiuga no- 
tohosari U. 

Meergrundel, Gobius, haze I, 11; die verschiedenen Arten mit 
verschiedenen Vorsilben, zuweilen auch mit ganz eigenen 
Namen, so Gobius flavimanus Schleg., bonoko 11, G. oh- 
vaceus Schleg., kanangisi 11, eine weitere Art, isi-butsi, d. h. 



Schleimfische, Welse und KarpfcD. 1^5 

zwischen den Steinen liegend, II. Auch eine Art in Flüs- 
sen, kawa-haze 11. 

Springfisch, Periophthahnus und Boleophthalmus , mutsugorou in 
dem Buche von Kurimoto, in der Fauna Japonica steht 
motsiguro (was auf kuro , Erhöhung zwischen zwei Acker- 
furchen, deutet, da dieser Fisch, im weichen Schlamm- 
boden kriechend, förmUche Furchen hinter sich lässt). 

Schleimfisch, Blennius (oder Brotula imberbis Schleg.?), guri suna- 
mu n, von suna, Sand. 

Butterfisch, Gunellus nebulosus Schleg., gimpo I. 

Pfeifenfisch , Fistularia immaculata Commers. , yangara 11 , yakara I. 

Schifishalter, Echeneis, funa-tome 11, ebenfalls wörtlich SchifTs- 
halter. 

Labyrinthfische. 

Schlangenkopf, Ophicephalus sp. , imter dem chinesischen Namen 
ü-yu bei Kurimoto abgebildet, mit der ausdrücklichen 
Angabe, dass er aus China eingeführt sei. 

Weichflosser (meist Süsswasserfische). 

Wels, Silurus asotus L. (Japonicus Schleg.), namasu I, namadzu U. 

Stachelwels, Bagrus aurantiacus Schleg., gigi II, eine weitere 
Art gigi-ü n. 

Streifenwels, Plotosus anguillaris Lacep. s. lineatus Val. , miko- 
uwo; bei Kurimoto noch eine weitere Art, sitso-uwo. 

Karpfen, Cyprinus haematopterus Schleg. (flavipinna Hasselt, 
Bleeker), koi (kohi) I, 11 , eine Abart? mingoi, Kaiser- 
karpfen, n. 

Goldfisch, Carassius auratus L. sp. , kingyo (geschrieben ki n gi 

yo) I, n. 

Karausche, Carassius Langsdorffi Schleg. und mehrere ähnliche 
Arten, funa, allein oder mit verschiedenen Vorsilben , I, IL 

Barbe, Barbus sp. , migoi EL. 

Weissfische: Leuciscus (Achilognathus) lanceolatus Schleg. sp., 
tanango I, 11 — (Opsarius) Temmincki Schleg.? hasu 11 
— (Ops.) platypus Schleg.? yamabuki ü. L. Sieboldi 
Schleg., abura-ke, von abura, Fett. 

In dem hauptsächUch den Süsswasserfischen Japans 
gewidmeten Buche von Kurimoto findet sich noch eine 



l^b Weitere Weichflosser. 

ganze Reihe Cyprinoiden mit eigenen Namen (mehrere da- 
von mit -haye zusammengesetzt) abgebildet, aber obwohl 
die Abbildungen gut genannt werden dürfen, reicht doch 
ihr Detail nicht hin, um sie auf die von Schlegel und 
Bleeker unterschiedenen Arten zu reduciren. Einen andern 
Weissling, mit Thynnichthys verwandt, erhielt ich unter 
dem Namen ungui. 

Bartgrundel, Cobitis, verschiedene Arten, dos'yo, dodso-o 
(dodziyau) 11. 

Zahngrundel, Poecilia latipes Schleg. (Aplochilus Bleek.), medaka 
I, n, in Fiuga zingi EL. 

Lachs und Forelle, Salmo, ai oder ayu 11 , nebst andern seltener 
vorkommenden Namen, z. B. ihana, bei Kurimoto: sake, 
masu u. a. für verschiedene Arten. 

Eidechsenfisch, Saurus trachinus Schleg. (myops Val. Bleeker), 
yama-me 11 , d. h. Bergauge, weil das Auge hoch ange- 
bracht ist. 

Sardelle, Engraulis Japonicus Schleg., isaza ü. 

Häring, Clupea sp. , wakasangi 11. 

Borstenhäring, Chatoessus punctatus Schleg., konoshiro I, EL. 

Nasenhäring, CoiUa Grayi Richards, (nasus Schleg.), yesu II, etsu IL 

Leucosoma Chinense Gray? sira-uwo, Weissfisch, 11, öfters ab- 
gebildet. 

Halbschnabel, Hemiramphus sayori Schleg., sayori I, 11, häufig. 

Hornhecht, Belone (gigantea oder graciUs Schleg.), saira, saira- 
norangi H, von sai, Spiess; tatsu I, in Fiuga nai-raki und 
ein ähnlicher Fisch sazu. 

FUegender Fisch, Exocoetus L., tobino-uwo H, d. h. Hühnerweih- 
fisch, den Flug desselben mit dem des häufigsten Raub- 
vogels vergleichend. 

Grenadierfisch, Maerourus Japonicus Schleg., mename I. 

Aal, Anguilla Japonica Schleg., imangi H, in Fiuga hidaka II, 
eine andere Art als mitsu-hebi (Wasserschlange) bei Ku- 
rimoto. 

Meeraal, Conger bagio Cantor (hämo Schleg., Muraenesox b. 
Kaup), hämo I, H. Eine andere Art, C. anago Schleg. 
und Anguilla myriaster Brevoort (narrative exp. Perry H. 
pl. XL f. 2.), anango I, H (gefleckt). 

Muraene, Muraena variegata Richards, (nebulosa Thunberg. , minor 



Neunauge. — Herbstblumen. 



127 



Schleg. Poecilophis v. Kaup), tscha-unangi, Theeaal, I, 
kidango-unangi 11. 

Lampreten. 

Neunauge, Fetromyzon sp., yatsume-unangi , Achtaugenaal, I, U, 
auch suna-yatsume, Sandachtauge, U. 

Dieses Neunauge, oder, wie die Japaner mit etwas weniger 
Unrecht sagen, Achtauge, ist schon in der Encyclopädie abgebildet 
und daraus schon von Kämpfer entlehnt, fehlt aber in allen späteren 
Verzeichnissen japanischer Fische. Ich erhielt es zu Yokohama auch 
nur Einmal von den Eingebomen, zusammen mit Süsswasserfischen ; 
die Encyclopädie sagt, es lebe in Baien und Binnenseen. 

EndUch findet sich in dem schon erwähnten Buch , das haupt- 
sachlich Süsswasserfische enthält, unter dem Namen sira-uwo-no- 
woba, Tante des Weissfisches (Leucosoma), ein ganz einfaches 
Fischchen dargestellt, das fast nur durch ein deutliches Auge von 
Amphioxus zu unterscheiden ist. 

6. Wirbellose Landthiere. 

Auf dem Lande hat der Botaniker vor dem Zoologen den 
Vortheil, dass seine Beute zugleich ins Auge fallt und still 
hält, er daher unterwegs viel findet und mitnimmt, während viele 
Thiere durch die Flucht der Hand, noch mehr durch ihren ver- 
steckten Aufenthalt selbst dem Auge des vorübergehenden Menschen 
sich entziehen. So kamen denn die Botaniker von unsem ersten 
oft gemeinschaftlichen Excursionen stets mit vollen Händen zurück 
und setzten dieselben im October Tag für Tag imermüdlich mit Erfolg 
fort Schon die Waldränder boten in dieser ersten Zeit noch eine 
reiche Anzahl von Blumen, worunter namentlich ein weisses Gera- 
nium , eine weisse Adenophora (Campanulacee) , hellrothe Polygonum 
und Labiaten, ein gelbes Bupleurum, dem europäischen falcatum 
mindestens ähnlich, und als einzige recht fremdartige Form die 
vergissmeinnichtblaue Commelyna, eine ostindische Gattung, mir als 
häufig im Gedächtniss gebUeben sind; später, imi Mitte October 
bis in den November, waren diese seltener, Sanguisorba und Gen- 
tiana, Aster und Distel häufig, eine Aster fand ich am 27. November 
noch in Blüthe. 

Dieser Buntheit gegenüber machten sich unter den niedemThie- 
ren nur die charakteristischen thaler-grossen gelben dunkelgebänder- 



l^ö Laiidschiiecken , Schmetterlinge, Cicade. 

ten Landschneckeu, kata-tsuburi oder maimai-tsuburi, wan- 
dernde Knöpfe genannt, geltend, die ich. Dank den vorher- 
gehenden Regentagen, gleich auf der ersten Excursion in Mehrzahl 
gefunden ; Helix peUomphala Pfr. und H. quaesita Fer. , sowie einige 
Schmetterlinge, diese scheinen aber, wenigstens zu dieser Jahres- 
zeit, nicht sehr zahlreich zu sein; unter andren sah ich noch am 
dritten November einen solchen fliegen, den ich nicht von unserem 
europäischen AdmiraL Vanessa Atalanta L. sp., unterscheiden konnte. 
(Thunberg nennt noch zwei andere europäische Arten, den kosmopo- 
litischen Distelfalter, Vanessa cardui, und den Todtenkopf, Ache- 
rontia Atropos.) Die Schmetterlinge, die ich am häufigsten und 
ebenfalls bis in den November hineinfliegen sah, gehörten in die 
Reihen der Weisslinge Pieris, Gelbhnge Colias und Bläulinge Ly- 
caena. Auch die japanischen Bilderbücher geben wenige und oft sehr 
undeutliche Darstellungen von Schmetterlingen; darunter lasst sich 
ein grösserer Ritter von den Umrissen unseres Schwalbenschwanzes, 
vermuthlich PapiUo Xuthus L., erkennen, der age - bano - tefu der 
Encyclopädie und der yama-tsio von Kämpfer. Die allgemeine 
Bezeichnung der SchmetterUnge im Japanischen ist von dem chine- 
sischen tsie entlehnt, wird mit den zwei Silbenzeichen te-fu ge- 
schrieben, aber teo oder tsio, aus tio, ausgesprochen (Mittheilung 
von Prof. Hofl&nann); in Yokohama hörte ich den Namen noch 
mehr verkürzt und meist verdoppelt tso-tso sprechen. Age-bano- 
tefu bedeutet Schmetterling mit au%erichteten Flügeln, bezeichnet 
also sehr passend die Tagfalter. Raupen sind mehrfach in der 
Encyclopädie dargestellt, unter eigenen Namen und nicht neben den 
dazugehörigen Schmetterlingen, so die haarigen ira-musi und ke- 
musi, Haarinsekt; eine Spannraupe, Geometra, sehr deutlich als 
shakutori - musi (siyaku etc.), eine Schmetterlingspuppe als nisidotsi. 
Durch ihr lautes Geschrei machte sich während der ersten 
Zeit unsrer Anwesenheit sehr bemerklich eine meist an Baumstäm- 
men sitzende Cicade, die semi der Japaner, und diesen eben so 
allbekannt, wie den ItaUenem ihre ähnUche europäische Schwester, 
denn man findet sie sehr oft auf Bildern, als Bronzefiguren und dgl. 
wieder. Schon der alte Kämpfer berichtet ausführUch und richtig 
über dieselbe, obwohl er sie als Käfer aufiuhrt. Er nennt die 
grösste Art kiuna-semi, Bärencicade, in der Encyclopädie aber finde 
ich muma-semi, Pferdecicade. 



Heuschrecken. Käfer. iZv 

Zahlreich und mannichfaltig waren während des ganzen Herb- 
stes die Heuschrecken nebst Verwandten in den Feldern und 
an den Wegen. Acridien, unserer deutschen Schnarrheuschrecke 
ähnlich, aber mit gelben statt rothen Unterflügeln, flogen auffallend 
gerauschvoll vor dem Herannahenden auf, und die schlanke spitz- 
köpiige bläuUchgrüne TruxaUs sass an den Gräsern ofb so, dass 
man sie selbst für ein noch unentwickeltes Grasblatt ansehen konnte. 
Auch an langhömigen Heuschrecken fehlte es nicht, wie ich deren 
eine, noch Larve, auf der ersten Excursion im ersten hohlen Baume 
fand. Demgemäss hat das Japanische auch eine Reihe eigener Na- 
men für diese Thiere: inago ist die gewöhnliche Bezeichnung der 
Schnarrheuschrecken, Acridium; kiringisu heissen die langhömigen, 
Locusta. Unter dem Namen nengi (ne gi) stellt die Encyclopädie 
sehr kenntlich die TruxaUs dar, korongi derselben ist eine Feld- 
grille, doch hörte ich dieselbe Bezeichnung in Yokohama auch für 
Heuschrecken. Kera ist eben so unverkennbar die Maulwurfsgrille, 
Gryllotalpa, und kama-kiri die Fangheuschrecke, Mantis, welche 
ich bis Ende October häufig in der Umgegend von Yokohama, oft 
grüne und braune beieinander, sah; die Mauhvurfsgrille kam eines 
Abends in unsere Wohnung geflogen, vne ich es später öfters im 
indischen Arcliipel, aber nie in Europa gesehen. In den Büchern, 
namentUch der Encyclopädie, finden sich noch andere Bezeichnun- 
gen für ächte Heuschrecken, so itodo, hata-ori, hata-ku (ich 
hörte den Namen einfach bata aussprechen) und one-musi. 

Weniger bemerkUch machten sich die Käfer: auf den ersten 
Excursionen fielen mir grüne gelbbraun bestäubte Blumenkäfer, 
HopUa, auf; unter den später theils gefundenen, tlieils von einem 
jungen Kaufimann in Yokohama, Herrn Noack, mir gegebenen waren 
die ansehnUchsten ein Hirschschröter, Lucanus, dem europäischen 
capreolus ähnUch, oni-mushi, Teufelsinsekt, von meinem Diener 
genannt, ein dunkler Prachtkäfer, Buprestis Japonica, von den Di- 
mensionen der grösseren europäischen Arten, und mehrere Lauf- 
käfer, Carabus. Der grosse schwarze Damastor, auf welchen man 
mich vor der Abreise besonders aufmerksam gemacht hatte, ist mir 
in Japan nirgends zu Gesicht gekommen; Dr. Mohnicke, ein eifriger 
. Käfersanunler, der mehrere Jalire in Nangasaki zugebracht, sagte 
mir später auf mein Befragen, dass er ihn auch nie gesehen und 
dass er bezweifle, ob er in Japan lebe; dagegen gibt Fortune an, 
ihn wieder daselbst gefunden zu haben, wenn ich nicht irre. 

Ost -Asien. Zoologisch. I. 9 



130 Tausendfusse , Flohkrebse u. dgl. 

Eine Anzahl Käfer mit besondem Namen findet sich in der Ency- 
clopädie und andern japanischen Bilderbüchern dargestellt, aber 
ohne eine grössere Sammlung japanischer Käfer vor Augen zu ha- 
ben, wird es nicht leicht sein, sie zu errathen. Ebenso ist es mit 
den Neuropteren und Dipteren. Hadsi ist der Name der Biene und 
damit das allgemeine Grundwort fiir die Bezeichnimg der Hymenop- 
teren: yama-batsi, wilde Biene, heisst in der Encyclopädie eine 
Art Hummel, Bombus; taka-batsi, Falkenbiene, und andere Zu- 
sammensetzungen bezeiclmen verschiedene Wespen. Kiuna-batsi, 
Bärenbiene, nannte mir mein Diener die Homiss; andere gaben pas- 
sender diesen Namen der Hummel und bezeichneten die Homiss als 
oho-batsi, grosse Biene. 

Die flügellosen Gliederthiere findet man auch hier am 
leichtesten durch Aufheben des abgefallenen Laubes und der Steine, 
zwischen Baumwurzeln und dgl., so von eigentiichen Insekten Ohr- 
Avürmer, Forficula, hasami-musi, d. h. Scheereninsekt, der Ency- 
clopädie, und Johanniswürmchen, Larven von Lampyris, vermuth- 
Uch Japonica Thunberg; femer verschiedene Spinnen, k mo (kimio), 
Tausendfiisse verschiedener Gattungen, \^ie kleine hellgelbe lulus, 
orangegefleckte Polydesmus (Japonicus und Martensi Peters), osa- 
musi der Encyclopädie, Scolopendra, mukade, bis fingerslang und 
kleine «chlanke Geophilus ; der Biss der Scolopendra ist schmerzhaft, 
doch ohne weitere Folgen, wie ich an mir selbst erfuhr. Von 
Crustaceen fanden sich ebenda mehrerlei Kelleresel, PorceUio, ome- 
musi der Encyclopädie, und Armadillidium, alle von europäischem 
Habitus. Um so mehr fiel es mir daher auf, gleich bei der ersten 
Excursion zwar unter feuchtem Laube , doch mitten auf dem Lande, 
weit von irgend einer Wasseransammlimg entfernt, am Waldrande, 
in Gesellschaft von Polydesmus imd Porcellio, ein kleines krebs- 
artiges Thier zu finden, dass sich sogleich durch seine flohartigen 
Sprünge als zur Familie der Flohkrebse (Amphipoda saltantia) ge- 
hörig und bei näherer Untersuchung als naher Verwandter der- 
jenigen Art herausstellte, welche an den Sandgestaden der Ostsee 
so häufig ist, TaUtrus locusta Pall. Diese lebt bekanntUch auch 
hauptsächlich an der Luft, nicht unter Wasser, und wie sie den 
wirkUch meerbewohnenden Gammarus, so steht unsere neue Art, 
Orchestia humicola m., den langbekannten Gammarus des süssen 
Wassers gegenüber. In der Encyclopädie, Band 53., Seite 13, ist 
er unter andern Landthieren kenntUch dargestellt; er ist daselbst 



Nacktschnecke. Libellen. Wasserkäfer. lol 

als tobi-musi, Raubvogelinsekt, bezeichnet, oline Zweifel mit Be- 
ziehung auf seine weiten flugartigen Sprünge, und gesagt, dass er 
an feuchten Stellen unter Töpfen und Geräthen, auch in Löchern 
in der Erde sich auflialte und den Mäusen sich auf den Rücken 
setze. Ich fand Um später noch öfter, aber er ist seiner Schnel- 
ligkeit wegen schwer zu erhaschen; er ist dunkelrothbraun gefärbt 
und geht für gewöhnUch aufirecht, wie Talitrus locusta, nicht auf 
der Seite liegend, wie imsere Gammarus, wenn sie aufs Trockene 
kommen. Auch Regenwürmer, Lumbricus, japanisch mimisu, sind 
an solchen Stellen häufig, übrigens den unsem ähnlich. Dagegen 
vermisste ich unsere Nacktschnecken; die einzige, die ich in einem 
hohlen Baumstamm fand, überhaupt die einzige Art, welche bis 
jetzt aus Japan bekannt ist, Philomycus bilineatus, gehört einer 
Gattung an, die in Europa nicht vertreten, dagegen Ostasien und 
Amerika gemeinsam ist. Sie ist in der Encyclopädie kenntlich als 
namekudsi (von name, gleiten), die- Hausschnecken, Helix, als 
katadsuburi abgebildet: in Yokohama nannte man mir die letzteren 
mai - mai - tsuburi. 

Nicht an der Erde, wie andere Tausendfüsse , sondern an 
Baumstämmen (in ItaUen an den Wänden der Zimmer) findet sich 
die zierliche langfüssige und rasche Cermatia, die japanische Art 
hat sehr lange Homer und ist recht kenntüch in der Encyclopädie 
und verschiedenen Bilderbüchern abgebildet unter dem Namen 
ketsiku oder kesi-kesi, meinen Diener hörte ich sie kosiki nennen. 

Wieder andere Thiere finden sich an und in den Teichen 
und Wassergräben. Der Nattern, Frösche und Wassersala- 
mander ist schon firülier gedacht. Die SchmetterUnge werden durch 
die Libellen, japanisch tombo, ersetzt; auch hier, wie im tropi- 
schen Ostasien, sind die häufigsten solche aus der Abtheilung 
Agrion, mit schlankem, meist blutrothem Leibe , doch sah ich auch 
eine grosse Aeschna öfters und finde in der Encyclopädie als yama- 
tombo beide Formen dargestellt. Ueber die Oberfläche des Wassers 
hin gehen, wie in Europa, die leichten spinnenfüssigen Wasser- 
treter, Hydrometra, auch in den Bilderbüchern unter dem sonder- 
baren Namen katsuwo-musi, Thunfiscliinsekt, sehr deutlich gezeich- 
net; in der Wasserfläche zieht seine Kreise, ebenfalls wie bei uns, 
der Tummelkäfer, Gyrinus, ähnlich dem europäischen, doch 
etwas grösser, ganz passend als Tänzerin - Insekt, maiku - musi 
in der Encyclopädie bezeichnet: durch das Wasser schwimmt der 

9* 



Id2 Wasserwanzen. Süsswasserkrabben. 

eigentliche Schwimm- oder Tauchkäfer, Dytiscus (marginalis L.?), 
kunane mus' mir in Yokohama genannt, und zwischen den Wasser- 
pflanzen des Grundes wandelt, ohne zu schwimmen, ein riesiger 
Verwandter unseres Wasserskorpions, Belostoma, 62 llillimeter 
lang und 24 breit, plattgedrückt und erdfarbig; dieses kleine Teich- 
ungeheuer habe ich mehrmals in dem einen an Salamandern reichen 
Teiche zwischen den Hügeln südUch von Yokohama gefangen, ohne 
dass es mich je gestochen hätte, so wenig als der eiiropäische 
Wasserskorpion, Nepa cinera; es ist ohne Zweifel der tangame 
(tagame) der Encyclopädie, obwohl unter d6n Landinsekten, aber 
doch im Wasser, dai^estellt; dieselbe enthält noch ein anderes 
Wasserungethüm , isango-musi, Sand- oder Staubinsekt genannt, 
das trotz Vogelschnabel und zweizeiliger Füsse doch wohl nichts 
anderes sein dürfte,* als die Larve einer Libelle, die aber schon 
vorher einmal als taiko-musi, Trommelinsekt, vorkommt. Auch 
eine ächte Nepa fand ich in Meinen Gräben der Reisfelder, Ranatra 
in dem Salamanderteich und Notonecta in kleinen Bächen, endUch 
auf einem andern Teiche den schlanken Limnobates Burm. , den 
bedächtiger schreitenden Verwandten der stossweise remienden Hy- 
drometra, alle von den europäischen Arten ohne näliere Verglei- 
chung nicht zu unterscheiden. 

Mehr Leben machen die Krabben, kani. Während nänüich 
die grössere Hälfte von Europa und fast ganz Nordamerika keine 
Süsswasserkrabben kennt, wohl aber die subtropischen und 
tropischen Gegenden, sind solche in Japan noch sehr häufig. Ich 
war das erstemal nicht wenig überrascht, als ich mitten im Wald 
an einem kleinen stillen Bach mit lehmigem Ufer plötzlich ein paar 
Krabben erbUckte, welche am Wasserstrand zwischen den Baum- 
wurzeln leise dahin wandelten; da sie sehr scheu waren und ich 
kein geeignetes Fanginstrument bei mir hatte, bUeb nichts übrig, 
als ruliig an ihren Löchern dicht über Wasser, wohin sie sich bei 
meiner ersten Bewegung geflüchtet, abzuwarten, und sowie sie an 
deren OeffioLimg zum Vorschein kamen, durch Einstossen des Stockes 
hinter ihnen die Höhle zu verschütten und zugleich mit der andern 
Hand sie im getrübten Wasser zu haschen. Später traf ich sie 
wohl mehrere Schritte vom Wasser, aber doch nie so weit davon 
entfernt, dass sie nicht in wenig Augenblicken es hätten erreichen 
können; Landtlyere sind es daher nur in dem Sinne, wie etwa un- 
sere grünen Wasserfrösche, indem sie mehr an der Luft als im 



Krebse und Schnecken des süssen Wassers. loo 

Wasser leben, aber sich doch nie weit von diesem trennen. Es 
waren dreierlei, Telphusa Berardi Haan = Geotelphusa de Haani 
Stimps. , Sesarma quadrata Haan und haematochir Haan, letztere 
mit schön scharlachrothen Scheeren. Die Telphusa sah ich nur 
binnenlands, die Sesarmen ebenso, aber auch an der Mündung eines 
Baches, ganz nahe dem Meere, doch immer noch im süssen Wasser 
und ausserhalb des Wassers zwischen Landpflanzen. Die Ency- 
clopädie fuhrt drei Süsswasserkrabben auf; die erste kurzweg kani 
genannt, eine zweite kleinere als asiwara - kani, Schilfkrabbe, 
und die noch kleinere isi-gani, Steinkrabbe, aus kleinen Bächen. 
Die Zeichnungen sind nicht genau genug, um die Gattuhg zu be- 
stimmen. Nach Hofimann fuhrt Sesarma haematochir den passenden 
Namen Bei^krabbe, yamagani oder yamazogani. 

Ein ächter Flusskrebs, dem europäischen sehr ähnlich, wird 
schon von Kämpfer') angedeutet, von Thunberg als Cancer astaeus 
aufgeführt und von de Haan in der Fauna Japonica als Astaeus 
Japonicus näher beschrieben; sonderbarer Weise habe ich ihn in 
Japan weder in natura noch irgendwie abgebildet zu sehen bekom- 
men, vielleicht kommt er nur im höher gelegenen Binnenlande vor, 
jedenfalls wird er demnach in Japan als Speise nicht sonderUch 
geachtet. Dagegen ist eine kleinere Gameele, Palaemon sp. , kurz- 
w^ yebi, bestimmter kawa-yebi, Flussgameele, häufig in fast allen 
süssen Gewässern der Umgegend von Yokohama. Auch wirkliche 
Süsswasseramphipoden, Gammarus, sind mir vorgekommen, aber 
ich kann mich nicht erinnern, die in Europa häufige Süsswasser- 
assel, Asellus, gefunden zu haben; dagegen ist eine Kugelassel, 
Sphaeroma, aus den Gräben der Reisfelder zu nennen, die zweite 
Art meines Wissens, die im süssen Wasser beobachtet wurde (die 
erste fand ich in den pontinischen Sümpfen). 

Sehr zahlreich an Individuen sind die Süsswasser-Mol- 
lusken, namentlich auch weit zahlreicher als die Landsclmecken. 
Zweierlei grosse Paludinen, P. Japonica Martens und P. malleata 
Reeve, im allgemeinen unsem europäischen ähnUch, nisi oder ta- 
nisi, Feld -nisi, finden sich massenweise in den Gräben der Reis- 
felder am Boden, eben so träge und schwerfaUig wie die euro- 
päischen. Etwas seltener sind Limnäen und ein kleiner Planorbis ; von 
Melania, einer Gattung des fliessenden Wassers , die in Europa nur 
durch Eine in einem Theil des Donaugebiets, in Nordamerika aber 
nordwärts bis zu den grossen Seen reich vertreten ist, sind mir 



1«>4 Süsswassermuschehi. 

einige Arten um Yokohama vorgekommen , alle nur an beschrankten 
LokaUtäten, aber dort in Mehrzahl: die eine, M. ambidextra, im 
Fluss zwischen Yokohama und Kanagawa, nahe vor seiner Mündung, 
noch im süssen Wasser; eine zweite fand Herr Wichura zuerst auf 
dem Wege nach der Mississippibai an Felsen, da, wo sie von herab- 
rieselndem Wasser benetzt wurden. Die Encyclopädie fuhrt sie 
imter dem Namen mina oder nina als Bewohner steiniger Bäche 
auf. Süsswasser-Neritinen fanden sich um Yokohama keine, wohl 
aber bei Nangasaki eine stark abgenagte ovale Art an grösseren 
Steinen eines Baches. Von Muscheln dagegen traf ich um Yoko- 
hama eine mittelgrosse Anodonta einigemal in den aufgestauten 
Teichen am obem Ende der kleinen Thäler, und eine statt- 
liche Cyrena (Untergattung Corbicula Desh.), sisimi, zahlreich in 
den Gewässern von Odsi bei Yeddo; es ist dieses das nördlichste 
mir bekannte Vorkommen der Gattung.- Sie scheint von den Japa- 
nern gegessen zu werden, denn ich fand einen Haufen leerer Scha- 
len derselben an unsrem Landungsplatze in Yeddo, als ich zuerst 
den Fuss auf japanischen Boden setzte, wahrscheinlich Ueberbleibsel 
von einer Mahlzeit der wachehabenden Beamten. Die Cyrena ist 
allgemein bekannt als sisimi, auch sisime und sitsime gesprochen; 
für Anodonten und Unionen hat die Encyclopädie zwei Artikel mit 
je zwei Namjen: 1. nangata-kai oder dobu-kai, 2. karasu-kai, Ra- 
benmuschel, oder kamisori-kai, Rasirmessermuschel, weil sie, im 
Schlamme versteckt, die Füsse der unvorsichtig Hineintretenden 
verletzt; in Yokohama kennt man keinen von diesen, sondern nur 
haike. 

Endlich ist unter den Süsswasserthieren noch der Blutegel, 
xiru, zu erwähnen, deren sich verschiedene um Yokohama fanden, 
theils unserem medicinischen ähnliche, buntgestreift, doch kleiner, 
theils die flachgedrückten aus der Gattung Clepsine. Die ersteren 
werden auch von den japanischen Aerzten zu Blutentziehungen 
benutzt. 

Die genannten Süsswasserthiere bilden die Hauptbevölkerung 
sowohl der Teiche, als der kleineren Wassergräben am Rande der 
Reisfelder, zwischen und an den Stengeln und Blättern von Ne- 
limibiimi, Potamogeton, Ranunculus, Sagittaria und anderer Wasser- 
pflanzen. Die Reisfelder selbst, die in der zweiten Hälfte des Herb- 
stes regelmässig unter Wasser standen, boten weniger, von Pflanzen 
hauptsächlich Pontederia, von Thieren Frösche und Palivdinen. 



£influ88 der Jahreszeit; schädliche Insekten. lo5 

Was den Einfluss der Jahreszeit betriflft, so waren schon 
Ende Septembers, als wir noch mehr schwitzten als froren, die 
grossen Landschnecken: Helix pehomphala, quaesita und myomphala, 
selten geworden und Ende Octobers ganz verschwimden; auch 
kleinere Arten fand ich um diese Zeit schon mit ilirem Winterdeckel 
versehen im Moos. Die Heuschrecken und rothen Libellen dagegen 
waren noch zu Anfang Novembers häufig; am 27. desselben Monats, 
' nachdem schon mehrmals des Morgens Reif eingetreten war, fand 
ich Libellen imd gelbe Schmetterlinge noch fliegend, die Land- 
amphipoden noch munter, und am 28. November m einem der 
Teiche die Wassersalamander, Triton subcristatus, und Sumpf- 
Schnecken, Paludina Japonica, noch in Bewegung, aber keine 
Frösche und keine Wasserinsekten mehr. 

Um Nangasaki fand ich im Februar, trotz des milden Wetters, 
bei dem schon viel Grünes zu sehen war, Alles sprossend und 
treibend, noch keine kriechende Landschnecke, sondern nur im 
Winterschlaf begriffene oder leere Schalen, dagegen kleine Scolo- 
pendra, PorceUio und die Landamphipoden schon in Thätigkeit. 
Trotz der ungünstigen geognostischen Beschaffenheit — Trachyt 
und Schiefer, kein Kalk — war die Anzahl der hier in Kurzem 
gefundenen kaum geringer als diejenige um Yokohama, meistens 
dieselben Arten, Helix pehomphala durch die dunkelbraune Helix 
Luhuana (von den Liukiuinseln) ersetzt; bei dem felsigen Terrain 
war aber der Mangel an Clausihen und Pupen noch mehr auffallend. 
Dagegen fand ich die einzige grössere Cyclostomacee Japan's, 
Cyclophorus Herklo tsi, nur hier, nicht um Yokohama. 

Insekten, die dem Menschen direct schädlich oder lästig 
werden, gibt es in Japan so gut wie anderwärts, doch auch nicht 
in höherem Grade; so FUegen hai, Ameisen ari, die geflügelten 
ha-ari, Federameise, eine grössere Art xi- ari, Feuerameise genannt. 
Motten xitori-musi — Feuervogelinsekt — , Milben dani. Flöhe 
nomi und Läuse sirami (tsubi-sirami, Pedicuhs pubis, usi-sirami 
die Zecke, Lcodes). Die Stechmücken, ^ Culex, ka, sind nicht 
schlimmer, als auch in Europa im Herbst in sumpfigen Gegenden; 
die Encyclopädie scheint ihre Entstehung aus den im Wasser 
lebenden Larven, bofuri-musi, zu kennen. Femer finde ich in 
derselben sehr kenntüch das niedUche Zuckergästchen , Lepisma 
saccharinum L., als simi, und auch die Kakerlake oder Küchen- 
schabe, cockroach der Engländer, welche wir auch auf imseren 



Awb Schädliche Insekteu; Seidenraupe. 

SchifTen in Fülle hatten, Blatta orientalis L., ist in Japan bekannt 
unter dem bezeichnenden Namen abra-muslii (abura-musi), Fett- 
insekt, Oelinsekt. Ob beide in Japan eingeführt oder seit Menschen- 
gedenken vorhanden, darüber ist in der Encyclopädie keine An- 
deutung zu finden, nur die Bemerkung, dass das erstere mit Büchern 
verbreitet werde, lässt sich darauf beziehen ; es ist auf einem Briefe, 
den es durchlöchert, dargestellt. Skorpione habe ich in Japan nicht 
gesehen; weder Kämpfer noch Thunberg er\%' ahnen solcher, und 
auch in den Bilderl)üchem ist von dieser doch auflUUigen Thierform 
nichts zu sehen, ausser einem etwas rathselhafben Bilde der Ency- 
clopädie, Band 52. Fol. 20. verso, des senkat«', das nur in China 
vorkommen soll und damit die Abwesenheit derselben in Japan be- 
stätigt. Femer sind mir weder Wanzen noch Termiten voi^ekom- 
men, doch erwähnt Kämpfer der letzteren sehr bestimmt, mit der 
japanischen Benennung do-toos, Bohrer. '") 

Die nützlichsten Insekten Japan's sind die Seidenraupen. 
Es war ^ir vor der Abreise noch besonders aufgetragen worden, 
die Naturgescliichte der Noctua serici zu ermitteln, welche Thun- 
berg nach Angabe der Tolken (Dolmetscher) als die Seidenraupe 
Japan*s besclurieben hat, und unterdessen hatte ein anderer japani- 
scher Seidenschmetterling, der Yama-mai, durch seine bescheidene 
Nahrung von Eichenblättem die Begierde der europäischen Accü- 
matisationsvereine erregt. Jene Aufgabe wurde nicht gelöst, da in 
den uns zugänglichen Gegenden von Japan keine Seidenzucht ge- 
triel)en wird und mir auch im Freien der betreffende Schmetterling 
nie vor Augen kam. Ein japanisches Buch über Seidenbau in drei 
Heften bildet nur Eine Art von Seidenraupen und deren Schmetter- 
ling ab , die in der sehr verkleinerten Zeichnimg unseren europäischen 
Bombyx mori zeigt. Was ich sonst erfuhr, durch mündliche Er- 
kundigung bei Leuten, deren Interesse oder Studium ihnen diese 
Gegenstände näher legte, ist Folgendes: 

Herr .Kaufimann Hertens in Yokohama theilte mir im 
September 1860 mit, ergebe zweierlei Seidenraupen in Japan, die 
eine sei dieselbe mit der europäischen und fresse ebenfalls Maul- 
beerblätter, die andere sei eine verschiedene Art und fresse die 
Blätter einer Eichenart, welche Eiche auch bei Yokohama wachse. 
Die Districte, aus denen Seide nach Yokohama zum Verkauf ge- 
bracht wird, liegen in einem weiten Bogen nördUch und westlicb 
von Yeddo, bis Miako hin. Die Jahreszeit, in der die Raupen leben 



Zweierlei Seidenraupeu in Japan. 



137 



und spinnen, ist der Monat Mai; ob eine zweite Zucht und Ernte 
im Herbst stattfinde, konnte er nicht sagen. Die Seide dieser Art 
sei übrigens viel gröber, als die der Maulbeerraupe, die der letzteren, 
in Japan gezogen, feiner und mehr gleichmässig, als die der in 
China gezogenen, fast so gut wie die itahenische. 

Herr Burrett in Yokohama, Seideninspector für Remis, 
Schmidt und Comp, in Shangai, bestätigte (Januar 1861) ebenfalls, 
dass zweierlei Seidenraupen in Japan gezogen würden, die eine, 
welche Maulbeerblätter firisst, und eine grössere, deren Nahrung die 
Blatter einer schmalblätterigen inunergrünen Eiche seien; die Seide 
der letzteren sei gröber imd doch theurer, man bereite daraus rothe, 
violette und andere Cr&petücher. Herr Burrett hat Eier derselben 
über Califomien nach Paris an Guerin-Meneville geschickt, sie 
kamen lebend an, und die Raupen wurden dort erzogen. Die beste 
Zeit zur Versendung der Eier sei der Monat September. Derselbe 
gab mir auch einen Cocon, zeigte mir die Eichenblätter und ein 
ausgespanntes Exemplar des SchmetterUngs; dieser ist in der Tliat 
ein Bombyx aus der Verwandtschaft des Atlas, den ich hier nicht 
naher zu beschreiben brauche, da er seitdem in Europa, unter 
Anderem auch durch die London illustrated news, liinlänglich be- 
kannt geworden ist. 

Diese beiden Berichte stimmen darin vollkommen mit einander 
überein , dass sie als japanische Seidenschmetterlinge nur die zwei 
Spinner, Bombyx mori und yama-mai, nicht aber Thunberg's Eule 
kennen. 

Die japanische Benennung der Seidenraupe ist kaiko, die des 
Cocons mayu. Yama-mai bedeutet also Bergcocon, wilder (^ocon, 
und deutet darauf hin, dass diese Art wild auf den japanischen 
hiseln lebe, während die Maulbeerseidenraupe ohne Zweifel aus 
China eingeführt ist.^') 

7. Wirbellose Seethiere der Yeddobai. 

Im Rücken von Yokohama befindet sich ein weiter Brack- 
wassersumpf, von der Einbuchtung am Nordende der Stadt 
ausgehend, grossentheils eingedämmt und durch einen gegrabenen 
Canal an deren Südende wieder mit dem Meere verbunden. Auf 
dem Damme hingehend, sieht man einen Fisch oder auch eine 
Gameele (Palaemon) aus dem Wasser springen oder einen schnee- 
weissen Reiher bedächtig im ärgsten Schlanune stehen. An den 



ioo Schalthiere des Brackwassers und Strandes. 

Steinen des Danunes selbst sitzt Litorina balteata Rv, und ein 
Brackwasser -Ceritliiuin (C. zonale Brug., Lampania z. Gray) in 
Menge, seltener Neritina crepidularia und eine kleine Assiminea, 
letztere auch auf dem Schlammboden selbst. Einzelne Partliien des 
Sumpfes, jenseits des Dammes, durch Rolirhecken vielfach ab- 
getheilt, erinnern lebhaft an die venetianischen Valle und sind, vne 
diese, ein Sammelplatz der wilden Enten, müssen also auch viel 
kleine Thiere zu deren Nahrung enthalten, es gelang aber nicht, 
die Terrainhindernisse zu überwinden , welche mich davon trennten. 
In der Nähe des Weges nach Kanagawa waren die Ränder des 
Salzwassersumpfes mit Atriplex und Chenopodium besetzt, auf dem 
Schlamml)oden selbst triel) sich eine eigenthümhche Krabbe, Hehce 
tridens Haan, lunlier, und auf dem Wasser selbst erschien als das 
erste Insekt ein grosser Wassertreter, Hydrometra. Nach der See 
zu werden die Li torinen häufiger, das Cerithium seltener, dagegen 
begannen schon Einsiedlerkrebse (Pagurus) gauna, kamina, deren 
leere Schalen in Besitz zu nehmen. An der Seeseite des Dammes, 
zwischen den zwei Brücken auf dem Wege von Yokohama nach 
Kanagawa, deren erste gerade die Verbindung des Sumpfes mit dem 
Meer überspannt, sah ich, vom Lande her kommend, die ersten 
Ligien und die ersten Meereicheln, Baianus. Das Aussehen der 
letzteren war in auflfallender Uebereinstimmung mit der Stelle, wo 
sie sassen: schmutzig dunkelgrau an den Steinen, heller an den 
Pfählen und besonders rein, weiss mit violetten Stralilen, an den 
gehobelten hölzernen Brückenpfeilern. Patellen vermisste ich hier 
und erlüelt deren überhaupt nur wenige kleine in Japan. 

Südlich von Yokohama enden die Hügel mit steilen, oft 
senkrechten Wänden bröcklichen Lehmes und Thones gegen das 
Meer; nur an den kleinen Rinnsalen süssen Wassers sind hier noch 
Pflanzen zu sehen; an den feuchten, kahlen Wänden selbst begegnen 
sich von oben eine schwarze Forficula und von unten die so häufige 
Ligia. Unten ist ein Streif groben Sandes und Kieses, bei Ebbe 
über Wasser, aber von den mehr vorspringenden Ecken der Wände 
unterbrochen, besät mit von oben herabgestürzten Gesteinsstücken, 
so vrie mit den von den Wellen ausgeworfenen und ai^ miss- 
handelten ConchyUen, namentlich Vermetus imbricatus Dkr., Trochus 
rusticus Gm. , Dolium variegatum Lam. , Purpura luteostoma Chenm., 
Cancellaria Spengleri Desh. u. a. Zosteren findet man hier in Menge 
ausgeworfen, von eigentUchen Algen nur Ulven und wenige kleine 



Echinodermeii. Essbare Conchylien. ^^^ 

Florideen, diese an ausgeworfenen Conchylien, namentlich dem 
genannten Trochus, aufsitzend. Unter diesen Auswürflingen treiben 
sich lebende Amphipoden herum; Strandkrabben vermisste ich. 
Chthamalus sind nicht selten am anstehenden Gestein ; weiter gegen 
die Mississippibai zu, wo weichere, von den Wellen vielfach an- 
genagte Felsen auftreten , werden die grobgekielten Litorinen wieder 
häufig, und finden sich in den Vertiefungen kleine grasgrüne Actinien 
bei Ebbe über Wasser. 

Auch auf dem Steindamm des Landungsplatzes zu Yokohama 
begegnen sich Forficulen und Ligien, die letzteren sind den Ein- 
wohnern wohlbekannt und erscheinen in der Encyclopädie als fune- 
musi, Schiffsinsekt. 

An der IVIississippibai kommen einzelne sandige Strecken des 
Grundes mit Zostera bewachsen vor, und am Strande fand ich 
mehrere interessante Echinodermen, so die flache dunkelviolette 
Scutella Japonica m. (Chaetodiscus scutella Lütken), von den Japa- 
nern Kuchenmuschel, motsingai, genannt, einen neuen Seeigel, uni, 
Temnopleurus Japonicus m. , und stachlige Seesteme, Astropecten 
scoparius Val.: einen der letzteren brachte mir das Schleppnetz in 
der Nähe von Yokohama aus sieben Faden Tiefe herauf, die einzige 
erfireuliche Ausbeute mehrerer Züge, da sonst der Inhalt nur aus 
zähem, hellgrauem Thonschlamm und Fragmenten von Muscheln 
(Tapes, Tellina etc.) bestand. 

Nichtsdestoweniger muss die Bai reich an Conchylien sein, 
denn diese bilden einen bedeutenden Bestandtheil der Volksnahrung: 
Haufen leerer Muschelschalen traf ich hier, wie auf Madeira, häufig 
neben den Bauemhütten an, und die Märkte in Yeddo und Yoko- 
hama verschafften mir eine nicht ganz kleine Reihe interessanter 
Conchylienarten in zahlreichen und frischen Exemplaren. Die 
ansehnlichste darunter ist das Riesen -Seeohr, Haliotis gigantea 
Chenmitz, japanisch awabi, innen schön perlmutterglänzend, aber 
aussen neben der natürUchen glanzlosen Rindenschicht regehnässig 
noch mit einem wahren Dickicht kurzer Corallinen (filicula) und 
anderer kleiner Algen bewachsen. Die zahlreichste unter den 
Marktmuscheln dagegen war Tapes semidecussata Desh. , äsari, 
kaum zu unterscheiden von der in den italienischen Seestädten 
eben so häufigen T. decussataL. sp., in vielerlei Farbenanderungen: 
eine andere Art von Venusmuscheln, die grössere glänzende Cytherea 
petechiahs Lam. . hamangori (famaguri bei Kämpfer), ist auf dem 



14u Grossere japanische Schalthiere. 

Markte fast eben so zahlreich und in den Bilderbüchern noch öfter 
abgebildet oder mindestens leichter zu erkennen. Durch ihre Grösse 
fallen femer unter den Conchylien des Marktes auf: von den 
Sclmecken der sasai (sasaje der Encyclopädie) , Turbo comutus 
Gmel. , und eine rothmündige Pur|)ura, Rapana Thomasi von Crosse 
benannt, kaum von der chinesischen bezoar L. sp. verschieden; diese 
nannte man mir auf dem Markte aka-nisi, rothe Schnecke, oder 
auch horangai (horano-kai), welch letzterer Name nach der Ency- 
clopädie eigentlich dem Tritonshom, Tritoniimi australe Lam., 
angehört, wovon ich mehrere Exemplare in Yokohama erhielt, und 
das seiner abgebrochenen Spitze nach in der That auch hier noch 
zuweilen als Trompete benutzt zu werden scheint. Unter den 
Muscheln eine weit klaflfende Lutraria, nächst verwandt der L. 
maxima Middendorff, zu Yokohama wagangai genannt, in der 
Encyclopädie recht deutlich unter dem Namen mirukiu abgebildet: 
die aussen kurzbehaarte Area inflata Reeve, wegen ihres orange- 
rothen Fusses akangai, rothe Muschel, genannt, und eine dünne, 
fast glatte, innen rosenrothe Herzmuschel, Cardium Japonicum Dkr., 
in der Encyclopädie als toringai, Vogelmuschel, dargestellt; eine 
massive, aussen schnmtziggelbe, innen dunkelviolette Venusmuschel, 
Saxidomus giganteus Phil. , endlich die lange , aber schmale Auster, 
Ostrea gigas Tlmnbei^, der virginianischen ähnlich, kaki der 
Japaner. Dieser lleiclithum an auffallend grossen, aber von aussen 
imansehnlichen , glanzlosen — ich möchte sagen — groben Conchy- 
üen ist ein Zug, den die japanische Fauna mit ihrer nördUchen 
Nachbarin, der kamtschadalisch-nordw^estamerikanischen und über- 
haupt den Faunen des höheren Nordens gemein hat, während die 
Conchylien der subtropischen und tropischen Gegenden sich im 
Allgemeinen melir durch das feinere Detail der Sculptur und Zeich- 
nung hervorheben. Jene sind, so zu sagen, die Bären und Walfische 
unter den Muscheln. Gerade in dieser Hinsicht ist es auch bemer- 
kenswerth, dass in den japanischen Läden ziemlich häufig Rotella 
gigantea Less. zu sehen ist, bei weitem die grösste, aber nicht die 
bunteste Art einer sonst tropischen Gattung, und ebenso Ebuma 
Japonica, ein zweiter Repräsentant einer tropisch -indischen Gattung, 
aber mit einer filzigen dunkelbraunen Epidermis fast inuner so fest 
überkleidet, dass man ihren Namen nicht begreifen würde, wenn 
man nicht ihre Gattungsverwandte aus anderen Meeren kennt Ich 
vermuthe, dass beide nicht in der Bai von Yeddo, aber doch an 



Pinna. Cypraea. Cephalopoden. 141 

irgend einem Theil der japanischen Küste leben; um so mehr, als 
sie auch schon in der Encyclopädie und in verschiedenen Bilder- 
büchern dargestellt sind, die Ebuma ziemhch kenntlich unter dem 
Namen bai, die Rotella als sungai (su-kai). 

In den Strassen von Yeddo sah ich einmal eine sonst noch 
nie gesehene Muschel, Mactra sulcataria Desh., deren Vaterland 
bis jetzt unbekannt war, in ziemlicher Anzahl als Esswaare feil- 
geboten; man liannte sie mir baka (Narr), und in der That findet 
sie sich auch, doch sehr flüchtig gezeichnet, unter diesem Namen 
neben dem mehr bezeiclmenden onokai, Axtmuschel. Vielleicht ist 
sie eine Eigenthünüichkeit des inneren flacheren Beckens dieser Bai. 
In Yokohama erhielt ich in späterer Zeit unter Anderem noch mehrere 
grosse Exemplare einer schwärzlichen glatten Pinna, von der bis 
jetzt nur erst ganz junge Exemplare als Pinna Japouica Ilanley 
beschrieben wurden; sie heisst in den Büchern tairangi (tairaki), 
von meinen Fischern aber verstand ich, mit Versetzung des i, den 
Namen als itarangai. Die grössere Compassmuschel ist seit lange in 
Europa als Pecten Japonicus bekannt und scheint dieumi-kami der 
Encyclopädie zu sein, worin sie mit einer kleinen Krabbe, Pinnoteres, 
als Bewohner dai^estellt wird; ich sah sie hier nicht, wohl aber in 
einzelnen Exemplaren den grösseren gröberen Pecten Yessoensis Jay, 
nächsten Verwandten der magellanischen Art, und eine andere der 
europäischen Jakobsmuschel sehr ähnliche (Pecten filosus Reeve?), 
letzterer ist wahrscheinUch der hotate - kai oder itaya - kai der 
Encyclopädie. 

Porzellanschnecken, Cypraea, fand ich in Japan auch- nur in 
den Läden, und zwar waren es die kleineren allbekannten Arten 
des indischen Oceans in schlechten abgeriebenen Exemplaren; man 
nannte sie ziemUch passend tamango- kai, Eiersclmecken; die Ency- 
clopädie hat zwei andere Namen: koyasungai und takarangai; unter 
letzterem erwähnt ihrer auch Kämpfer und bemerkt, dass sie von 
den Liukiuinseln gebracht und zur Verfertigung einer Schminke (?) 
verwandt werden. 

Cephalopoden sind auf dem Markte nicht selten, wie ächte 
Sepien, ika, Sepiola, Onychoteuthis , Loligo, tatsi-ika, Schwertsepie, 
und Octopus, tako.'') Auch die Argonauta ist in Japan bekannt und 
fiihrt in der Encyclopädie die Namen kai-tako. Schalen -Octopus, 
und tako-fune, Octopus -Schiff; sie ist richtig schwimmend, nicht 
segelnd, dargestellt, aber die beiden Namen lassen es zweifelhaft, 



142 



Essbare Crustaceen; Macrocheira, Dorippe. 



welche Partei die japanischen Gelehrten in dem Streit ergriffen 
haben, welcher vor einiger Zeit in der europäischen Wissenschaft 
über die Zusammengehörigkeit des lebenden Thieres und der Schale 
gefuhrt wurde: jedenfalls ist es auffallend, dass Argonauta in der 
Encyclopädie unmittelbar auf den Einsiedlerkrebs folgt, welcher 
übrigens auch unter den Schalthieren steht. 

Die Crustaceen des tägUchen Fischmarktes sind eine in ganz 
Ostasien viel gesehene Schwinunkrabbe , Lupa pelagica auct. , fiisch 
von graugrüner Farbe, meist mit dem allgemeinen Namen kani be- 
zeichnet, aber in der Encyclopädie als gasame (gadsame bei Kämpfer, 
kazami bei Siebold) unterschieden, eine Benennung, die ich selbst 
nie gehört; fem er Langusten , Palinurus Japonicus Dehaan, ise-jebi, 
d. h. Krebs von Ise, verhältnissmässig grosse Gameelen aus den 
Gattungen Penaeus und Palaemon, einfach yebi genannt, und fast 
eben so zahlreich ein blasser, gelbgefleckter Fangheuschreckenkrebs, 
Squilla oratoria Haan, für dessen Häufigkeit schon spricht, dass er 
einen ganz eigenen Namen im Japanischen hat: gesprochen shako, 
geschrieben si-ya-ko. Andere grosse Crustaceen wurden mir nur 
spät im Winter auf wiederholte Aufträge imd, wie es scheint, aus 
grösserer Entfernung gebracht, so ein zweiter Palinurus, P. trigonus 
Haan, die weiche, doch stachlige, schon im Leben rothe Teufels- 
kräbbe, Lithodes Kamtschatica, benkengani, von beni, roth, die 
seit Kämpfer berülunte Macrocheira Kaempferi Haan, tenanga-kani, 
langarmige Krabbe , das Männchen mit l\ Meter langen Armen. Die 
Encyclopädie nennt Um Inselkrabbe, sima-gani, und gibt noch 
kennthche Abbildungen dreier anderer indischer Gattungen, die mir 
aber in Japan nicht selbst vorgekommen sind : tembo - gani = Gela- 
simus, kabuto-gani, Helmkrabbe =: Limulus, Molukkenkrebs, und 
takefimgani, Soldatenkrabbe, auch Heikengani, nach einem mythischen 
Helden genannt, weil sie ein nach japanischer Anschauung schrecken- 
erregendes Menschengesicht zeigt, =: Dorippe: in der That zeigen 
die grinunigen Gesichter der alten japanischen Helden, wie sie in 
Hunderten von Bilderbüchern wiederkehren, manche Aehnhchkeit 
mit der Rückenzeichnung dieser Krabbe , die auf uns Europäer aber 
mehr den Eindruck eines lächelnden dickwangigen Chinesen macht 
oder, wie der alte Herbst in seiner Naturgeschichte der Krabben 
und Krebse sagt, »nicht undeutUch ein Fratzengesicht vorstellt, 
zumal wenn man die zwei hintersten Paar Füsse fiir einen Zwickel- 
bart [besser Sclmurrbart] annelunen Avill.« 



Holothuneii. Korallen. 



143 



Von Echinodermen sah ich auf dem Markte nur grün- und 
gelbfleckige noch lebende Holothurieu, namako, die demnach auch 
frisch, nicht nur getrocknet imd geräuchert in der japanischen 
Küche verwendet werden. Seesteme, Asteriscus pectinifer, sah ich 
wiederholt in den Kehrichthaufen der Bauernhäuser, aber unver- 
letzt, nie auf dem Markt; es scheint daher nicht, dass sie gegessen 
werden ; eben so wenig Seeigel. Von den niedrigeren Thieren kennt 
der Japaner, wenigstens seine Encyclopädie , nur noch Quallen, 
kurake, und Korallen; von ersteren bekam ich während unseres 
Aufenthaltes in der Bai von Yeddo keine zu sehen, obwohl der 
Herbst anderswo eine günstige Jahreszeit für dieselben ist. Nach 
Kampfer wird eine besondere Art davon gegessen; vielleicht meint 
er eme Actinie; diese werden auch in Südeuropa vom gemeinen 
Manne gegessen. Die Koralle kennt der Japaner mehr als Schmuck- 
und Handelsgegenstand, und als solche, auf Tischchen oder gar in 
Vasen aufgestellt, bildet sie auch die Encyclopädie (unter den 
MineraUen) ab: sangosiyu ist entweder, wie schon Thunberg angibt, 
die rothe Koralle des Mittelmeeres, welche überall im Osten, wo 
sie nicht vorkommt, geschätzt w4rd, vielleicht auch deren bleichere 
Schwester vom nördlichen Theile des stillen Oceans: Coralhum 
secundum M. E., oder vielleicht auch die fast eben so dunkelrothe, 
aber wesentUch verschiedene Distichopora coccinea Gray, welche 
ich mehrmals in den Kaufläden zu Yokohama sah; Thunberg erwähnt 
der letzteren noch besonders als Millepora sp. von der Insel Syosu- 
sima (Syodosima auf Siebold's Karte?) in der japanischen Binnensee. 
Die holländischen Museen besitzen noch mehrere schöne Korallen 
von Japan, so die einer europäischen ähnliche Dendrophyllia semi- 
ramea Haan , die grosse kelchförmige Turbinaria ovata , vermuthlich 
die hari der Encyclopädie, die feine Antipathes Sieboldi, die ge- 
gUederte Isis hippuris L. und die weit schlankere Isis elongata Esp. ; 
letztere erhielt ich ebenfalls in Yokohama und finde sie nicht ver- 
schieden von der gleichnamigen Art, welche Phihppi und ich früher 
in Neapel bekommen. In der Bai von Yeddo selbst scheint keine 
dieser Korallen vorzukommen. 

Der berühmteste der japanischen Schmuckgegenstände aus 
den niederen Thierklassen ist die — ich möchte fast sagen — be- 
rüchtigte Glaskoralle. In den älteren Werken über Japan, von 
Kämpfer und Thunberg, so wie in der eigenen Encyclopädie finde 
ich nichts, was darauf zu deuten wäre; Gray in London hat sie 



144 Glaskoralle. 

zuerst (1834) als Hyaloneina Sieboldi in die lätteratur eingeführt. 
Es sind Bündel fusslanger, schwach spiralgedrehter, glasartiger 
Fäden, welche aus einem Schwamm hervorkommen und als Ganzes 
von einem üeberzug eines rindenartigen achtarmigen Polypen besetzt 
sind. Gray hatte den Glasfadenbündel für die zu diesem Polypen 
gehörige Centralaxe, analog der homartigen bei Gorgonia, und den 
Schwamm nur als Wohnplatz des Polypen betrachtet; derselben 
Meinung war noch Brandt in seiner ausführUcheren Bearbeitung 
dieser von ihm Hyalochaetiden genannten Geschöpfe. Erst Max 
Schnitze wies nach Untersuchung der Exemplare des Leidener 
Museums in einer eingehenden , an mikroskopischen Untersuchungen 
reichen Arbeit: Die Hyalonemen, ein Beitrag zur Naturgeschichte 
der Spongien, Bonn 1860, 4to, mit fiinf Tafeln — nach, dass die 
Glasfäden zum Schwamm gehören und der Polypenüberzug ein 
parasitischer, ihnen wesenthch fremder sei. Zu demselben Resultat 
war ich, ohne noch seine Arbeit zu kennen, in Japan am Ende 
desselben Jahres gelangt, leider auch ohne frische Exemplare unter- 
suchen zu können (s. meine briefliche Mittheilung an Pro£ Peters 
in den Monatsberichten der Berhner Akademie, 1861, Seite 479). 
Diese Glasfadenbündel waren nämhch in einigen Läden zu Yokohama 
mehrfach zu kaufen, öfters künstlich zusammengesetzt, in Pholaden- 
bohrlöcher grösserer Steine eingesetzt oder einfach auf Stein fest- 
geleimt. Man erzählte mir, dass der niederländische Consul, van 
Polsbroek, finsche Exemplare besessen habe, imd auf meine Anfrage 
deshalb hatte derselbe die Güte, mir brieflich mitzutheilen, dass er 
dieselben durch einen Japaner bekommen, den er nach Enosima bei 
Uraga geschickt, um Korallen und andere Meergewächse zu kaufen 
(Uraga liegt am Eingange der Bai von Yeddo, Enosima finde ich 
auf den mir zugängUchen Karten nicht, die Bezeichnung sima be- 
deutet Lisel). Die anfangliche Hofihung, in einem der preussischen 
Schiffsboote eine Expedition dorthin machen zu können, erwies sich 
bald als trügerisch; so blieb mir nichts übrig, als meinen getreuen 
japanischen Diener — der von Herrn Polsbroek verwandte Mann 
war damals nicht mehr dort, sondern in Nangasaki — mit möglichst 
fassUchen Instructionen dahin zu schicken. Derselbe schien Alles 
verstanden zu haben, ging, blieb einige Tage aus luid kam dann 
zurück mit einigen dieser Glaskorallen , die allerdings der Listruction 
gemäss in einem Gefass voll Meerwasser lagen. Aber im Uebrigen 
sahen sie ganz aus, wie die in den liUlen gekauften, so dass trotz 



Meerschnecken der Ufersteine. A40 

der gegentheiligen Versicherungen des sonst redlichen Mannes der 
Gedanke nicht zu unterdrücken war, sie seien trocken gekauft und 
dann in Seewasser gelegt, nicht frisch aus dem Meere genommen, 
üebrigens erlaubten einige der so erhaltenen Exemplare doch den 
Nachweis, dass einestheils zwischen dem Polypenüberzug und den 
Glasfaden öfter die Fäden von Haifischeiem, den Bündel umwickelnd, 
sich befinden, also die Polypen nicht mit den Glastäden zusammen 
entstanden und gewachsen sind, andererseits die Glasfaden sich an 
ihrem unteren Ende vielfach und fein in die Masse des Schwammes 
vertheilen, also der Bündel nicht einfach künsthch in den Schwamm, 
wie in die Pholadenlöcher, hineingesteckt sein kann, sondern die 
Glasföden mit und aus dem Schwamm entstanden ^ind. Ob die 
Fäden ursprünghch ganz vom Schwammgewebe umhüllt, ob sie 
spontan aus demselben hervorgetrieben und wie ihre Spiraldrehung 
entsteht, das zu erklären, fehlt es noch an den nöthigen Beobach- 
tungen am Orte ihres Vorkommens selbst. Die Spiraldrehung 
erinnert an die mancher Tange, z. B. Fucus vesiculosus var. spiralis, 
sowie die mancher Pflanzenstengel überhaupt.") 

8. Die Felsenküste von Nangasaki. (Insel Kiusiu.) 

Die enge Bucht von Nangasaki, von hohen konischen Trachyt- 
hügeln umschlossen, bildet landschaftlich einen auflallenden Gegen- 
satz zu der weiten flachen Bai von Yeddo, imd auch dem Zoologen 
machte sich dieser Unterschied für die Seethiere sehr geltend, viel 
weniger für die Landthiere. 

Die obersten Meerschnecken, sowohl an den Bachmün- 
dungen, als am offenen Strande Mauern und anstehendes Gestein 
besetzend, den grössten Theil des Tages über Wasser, sind kleine 
tiefgefurchte Litorinen, dieselbe Art, wie bei Yokohama, aber auch 
eine flache schwarzweisse Neritina, beide sehr häufig, die Litorine 
in sehr verschiedener Grösse, die Neritine mehr gleichmässig. Ein 
wenig tiefer, in den Vertiefungen der Felsen, die zur Zeit der Ebbe 
über dem Niveau der See liegen, aber mit Wasser gefüllt bUeben, 
doch noch ohne Tange sind, kriechen drei andere Meerschnecken 
herum, ein Trochus mit stark gezahnter Mündung aus der Gruppe 
Turcica Ad., eine andere glatte schwärzlichrothe Art derselben 
Gattung, Gruppe Oxystele, und häufiger als beide eine grobhöckerige 
trubgraue etigmündige Purpura. In denselben Spalten findet sich 
oft ein ganz kleiner Mytilus, ähnUch dem europäischen M. minimus 

0»t-AaScn. Zoologisch. I. 10 



14Ö Saiidstrcckeii. Steiniger Strand bei Mogi. 

Poli, in unsäglicher Menge , seltener eine kleine, innen bunte Patella. 
Keine Uferkrabbe und nicht euunal Ligien habe icli hier gesehen; 
der einzige Grund, den ich für ihre Abwesenheit finden kann, ist 
der, dass in dieser stillen tiefen Bucht, in einiger Entfernung von 
den nienschUchen Wohnungen, wie die besuchten felsigen Uferstellen 
waren, fast nichts vom Meere ausgeworfen wird, also die strand- 
reinigenden Crustaceen ihre Rechnung nicht finden. Der oberste 
Tang, der sich in einiger Häufigkeit zeigte, war, wie in Helgoland, 
der schleimige braungrüne Chondrus crispus, hier übrigens die dreh- 
runde, weitläufig verzweigte Abart patens Turner.: Enteromorphen 
und kleine Florideen fanden sich stellenweise höher, doch sehr 
sparsam. 

Aehnlich fand ich den Meeressaum an allen Stellen der Bucht, 
wo ich bei verschiedenen Bootsfalirten landete, und auch auf der 
kleinen Insel Papenberg am Eingange der Bucht; doch ist hier auch 
eine kleine Sandstrecke , wo die Fischer in groben Netzen eine grosse 
Sepioteuthis und einen kleinen , unserem Sandaal, Ammodyt^s, alm- 
lichen Fisch in Mehrzahl fingen. 

Das Schleppnetz brachte mir auf dem Sande gar nicht«, in 
den felsigen Stellen der Bucht nur einige kleine todte Conchyhen: 
Murex, Dentalimn etc. Das Interessanteste war mir eine grössere 
nackte Meerschnecke, Plocamophorus, von der innerhalb zw^eier 
Tage drei Exemplare mir vorkamen: eines frei schwimmend, eines 
im Schleppnetz imd eines am Ufer ausgeworfen. 

Mannichfaltiger war die Ausbeute an dem offenen , den Wogen 
des Oceans mehr ausgesetzten Strande von Mogi, wohin auf Ver- 
anstaltung des holländischen Consuls eine gemeinschaftliche, sehr 
heitere Landpartliie gemacht wurde, in der That über Land, da es^ 
auf der Ostseite der langen Halbinsel hegt, von deren Westseite 
aus die Bucht von Nangasaki eingreift. Der Strand ist im Allgemeinen 
flach, voll grosser sclilüpfrigcr Steine , an und zwischen denen sich 
vielerlei Meerschnecken zur Ebbezeit im Trockenen fanden : am auf- 
fallendsten war aber ein Pollicipes (Cirripede),v aus weiss, grün- 
gelb und röthUch bunt gemischt, gruppenweise in den engsten 
Spalten und Lücken zwischen den Steinen sitzend, so dass es oft 
schwer, ja unmöghch war, ilm abzulösen, da er an der Basis los- 
gestossen werden muss, wenn man ihn ganz erhalten will: an den 
Spitzen anfassend, bringt man ihn nur in Trüumienf von seiner 
Unterlage ab. Hier fanden sich nun auch Einsiedlerkrebse und 



Raubvogel und Waifischfleisch als Nahrung. 147 

einzelne Krabben, Grapsus; die Patellen waren grösser und stärker, 
Alles vermuthüch in Causalzusaramenhang mit dem stärkeren Wellen- 
schlag. 

Nördlich von Mogi tritt eine weisse Tuffbank an das Meer 
heran, an der Berührungslinie haben die Wogen mannichfaltige 
hübsche Nischen und Einsprünge ausgenagt, über welche oft noch 
wie ein Dach der imverletzte Theil der Bank sich erstreckt. Diese 
Nischen, namentUch che Unterseite der vorspringenden Dachparthien, 
sind der Lieblingsaufenthalt grosser, schwarzer, borstiger Käfer- 
schnecken, Chiton, so wie einer Miesmuschel , Septifer, und einiger 
Bohrmuscheln, bei Ebbe über Wasser. 

Nach den Muschelhaufen zu sddiessen, welche da und dort 
neben den Häusern sich finden, bilden auch in diesem Tlieile von 
Japan die Muschehi einen wichtigen Tlieil der Volksnahrung: 
es w^aren wiederum die zwei zu Yokohama so häufigen Venus- 
muscheln Tapes semidecussata imd Cytlierea petechialis , dann aber 
auch Austern, eine behaarte Modiola und ein Septifer. Auf dem 
Markte zu Nangasaki waren wiedenun Turbo comutus und Hahotis 
gigantea häufig, daneben auch, w^as ich sonst selten auf Märkten 
gesehen, schon aus den Schalen herausgenommene Weichtheile vieler 
Muschelthiere. Unter den Cephalopoden herrschte die Sepioteuthis 
vom Papenberg und ein grösserer Octopus vor; von Crustaceen bot 
der Markt keine Krabben, nur einige Langsciiwänze , Palinurus Ja- 
ponicus und Penaeus sp. Von Fischen waren hauptsächlich Makrelen, 
Schollen, kleine Rochen und weiss gelleckte Haie, von Wildpret 
ein Hirsch, Fischottern und der Tanuki, Canis procyonoides ; neu 
war es mir, todte Eulen, Strix fuscescens Tem., und Reiher, Ardea 
nycticorax L., goi-sangi, auf dem Geilügehnarkt — beide fand ich 
auch wirküch recht fett — und frisches Fleisch eines Walfisches, 
kusira, in einem Victualienladen ausgeboten zu sehen: Anklänge an 
die Esslust des Kamtschadalen und Grönländers, die, von Ceres 
verlassen, zu Fleischfressern geworden. Schon Kämpfer berichtet, 
dass gerade liier in dem südwestlichen Theile Japan's viel Walfische 
im Winter gefangen werden, bis 274 in Einem Jahre, und dass ihr 
Fleisch sowohl für wohlschmeckend als gesund gelte, namentlich 
(ur Leute, welche viel der Kälte und Nässe ausgesetzt sind. In der 
That, da das Fleisch zaluner Säugethiere und Vögel eine sehr 
geringe Rolle in der japanischen Küche spielt, ihre Hauptartikel 
aber, Fische und Reis, wenig Fett enthalten, so muss die Zufuhr 

10- 



14o Zusainnicutreffeii nordischer und tropischer Thierformeu. 

dieses fettreichen Fleisches sehr willkommen in der Oekonomie des 
menschüchen Körpers für die Bestreitung des Athmungsprozesses 
sein, der ja eng mit dem Widerstand gegen die Kälte zusammen- 
hängt. 

9. Die japanische Fauna im Ganzen. 

Japan verhält sich zum Continent Ostasiens ähnlich vrie 
Grossbritannien zu dem übrigen Eiu-opa. Wie jenes auf luid an 
den Shetlandinseln imd Hebriden die nordischen Seevögel und 
imterseeischen Thiere, in Comwallis und Devonshire in Land- und 
Seeconchylien Arten der Mittelmeerfauna, die dem Gebiet der 
Nordsee ganz fehlen, aufzuweisen hat, eben so zeigt die japanische 
Fauna, als Ganzes betrachtet, auf den ersten Blick ein Gemisch 
von nordischen und sul)tropi sehen, selbst tropisclien Thierformen, 
die Bärenrobben des Beringsmeeres neben einem Affen, ein fliegendes 
Eichhorn aus der sibirisch -nordamerikanischen Reihe (Sciuropterus), 
Pteromys momonga, neben einem solchen aus d^r hinterindischen 
Reihe, Pt. leucogenys, Haubenadler, Glanzstaare, grössere Eisvögel 
und die indisch - afrikanische Schnepfenform Rhynchaea neben einer 
Lumme, üria, und anderen kamtschadalischen Seevögeln; unter den 
Süsswasserfischen Salmonen neben Cyprinodonten , unter den See- 
fischen Sebastes und Chirus neben Amphacanthus und Tetrodon, 
unter den Crustaceen Lithodes neben Palinurus, unter den Meer- 
conchyUen Mya, Lutraria imd Nejitunea neben Ualiotis, Ebuma 
und Rotella. Theilweise, we in Grossbritannien, sind diese nor- 
dischen und südlichen Thierformen innerhalb des Archipels in 
Wirklichkeit räumlich getrennt, und nur durch die poHtische 
Einheit entsteht der Schein eines Zusammenvorkommens mit den 
entgegengesetzten. So sind namenthch die Insel Yesso, das nicht 
mehr japanische SachaUn und die nächsten Kurilen, imterworfene 
Barbarenländer für Japan, der eigentliche Aufenthalt vieler nordischen 
Tliiere, die den Japanern bekannt sind und der japanischen Fauna 
zugezählt werden, wie der grossen Bären, der Robben, der Sal- 
monen. Aber diese Erklärung reicht nicht für alle aus , es leben in 
der Tliat auch sonst nordische und sonst tropische Formen hier 
neben und selbst unter einander. Die erste amerikanische Expedition 
traf auf den Uferfelsen bei Simoda Colonieen einer kamtschadaUsch- 
kurilischen Lumme, Uria (BrachjThamphus) antiqua Pall.. während 
in der Nähe und noch nördhch davon an den Ufern der Yeddobai 



Aehnlichkeiten mit Europa und Nordamerika. 14" 

iu einer sonst an die mitteleuropäische erinnernden Vogelfauna noch 
die afrikanisch -indische Gattung der Brillenvögel, Zosterops, an 
Individuen reich vertreten ist. Die eben beispielsweise angeführten 
Seefische und Crustaceen habe ich zusammen unter gleichen Um- 
standen in Yokohama von Fischern erhalten, und eben so lebt die 
subtropische Riesenhaliotis in derselben Bai von Yeddo mit der 
circumpolaren Mya arenaria L. ; diese Berührungen und Gränzen des 
Vorkommens zu verfolgen, bieten, auch wenn die Arten schon dem 
Systematiker hinreichend bekannt, dem mehrseitigen Naturforscher 
noch ein weites Feld künftiger Beobachtungen imd Resultate. 
HabitusahnUchkeit mit der euroj)äischen Faima tritt in allen Classen 
hervor, Artengemeinschaft namentlich unter den Raubsäugethieren, 
Raubvögeln , Wasserv'ögehi und Fröschen ; sie erklärt sich leicht aus 
der ununterbrochenen Verbreitung derselben über das nördliche 
Asien. Besondere Aehnlichkeit mit Nordamerika, im Gegensatz zum 
alten Continent, fallt bei den Säuge thieren und Vögeln nicht auf, 
wohl aber bei den Reptilien durch die Artenzahl der Salamander, 
die Riesengrösse des einen, analog dem amerikanischen Hellbender, 
Menopoma , und ganz besonders in dem Vorkommen einer Eidechse, 
welche man bis jetzt nicht arthch von dem nordamerikanischen 
Euprepes (Plestiodon) quinquelineatus unterschieden hat. Wenn 
auch der von Prof Peters zuerst bemerkte Unterscliied in der 
Schuppenzahl zwischen beiden eine Trennung ermöghcht, so bleibt 
für den, der nicht an eine willkürliche lokale Erschaffung jeder 
einzelnen Art glaubt, die nahe Uebereinstimmung beider nicht 
weniger rathselhaft. 

Die Süsswasserfische , so wie Land - und Süsswassermollusken 
reihen sich wesentli(;h denen der ostasiatischen Küstenländer an, 
eben so die Meerthiere beider Abtheilungen, und wie überhaupt 
die nördhchere ostasiatische Fauna sich der nordamerikanischen, 
namentUch der kaüfoniischen nähert, so ist dieses auch mit Japan der 
Fall; z.B. die grösseren japanischen Helix ebensowohl kalifornischen 
als mantschurischen Arten verwandt, die Gattung Philomycus mit 
Nordamerika und China gemeinsam, in Europa fehlend; grosse 
HaUotis wie in Califomien und Kamtschatka. Nur ein Meerfisch, 
Ditrema Temminckii, ist Repräsentant einer speciell kaUfomischen, 
in Ostasien nicht weiter bekannten Famihe (Embiotocidae). 

Die ersten einigermaassen zuverlässigen Nachrichten über 
japanische Thiere erhielt man in Europa durch den mit Recht noch 



150 



Unsere Kenntniss japanischer Thiere vor 



jetzt hocligeschätzten Engelbert Kämpfer, welcher Japan in den 
Jahren 1690 — 1692 besuchte, dessen Beschreibung davon aber erst 
1727 (zuerst in enghscher üebersetzung) nach seinem Tode ver- 
öffenthcht w^rde. Was er von Tliieren anführt, scheint er haupt- 
sächUch japanischen Quellen entnommen zu haben, da seme Angaben 
recht japanisch klingen und die gegebenen Abbildungen derselben 
denen in der oft genannten Encyclopädie gleichen ; eigene Beobachtung 
und eine Originalabbildung finden wir aber bei dem langen Arm der 
Krabbe, die jetzt nach ihm den Namen Macrocheira Kaempferi 
fuhrt. Kämpfer s Arbeit kann als deutscher Auszug aus den Kennt- 
nissen der Japaner selbst in dieser Richtung gelten. Da aber eine 
Besclupeibung in der Regel fehlt und auch durch die kleinen, wenig 
detaillirten Abbildungen nicht ersetzt wird, so konnte sie von den 
gleichzeitigen und nächstlebenden Zoologen wenig beachtet werden. 
Beinahe ein Jahrhundert später hatte ein Schüler von Linne, 
Karl Peter Thunberg, ebenfalls als Arzt in hoUänchschen Diensten, 
dieselbe Gelegenheit — Aufenthalt in Desima und Hofreise 1775 
und 1776 — zur zoologischen und botanischen Erforschung Japan's 
und gab als Linneaner in seiner Reisebeschreibung (Bd. UL, 1791 er- 
scliienen) ein Verzeicluiiss der ihm bckaimt gewordenen japanischen 
Tliierarten aller Classen nach Linne's System, bestimmt ausgedrückt, 
aber sehr dürftig in manchen Abtheilungen; ziemhch viele nahm er 
für dieselben mit europäischen Arten , die doch in kleineren, damals 
noch weniger beachteten Einzelnheiten constant verschieden sind, 
so dass sein Verzeichniss noch weit mehr einem Stück europäischer 
Fauna ähnhch sieht, als die wirkUche japanische Tliierwelt: einzelne 
Arten von SchmetterUngen, Reptilien und Fischen hat er in den 
Abhandlungen der Akademie zu Stockholm 1781 — 1793 in schwe- 
discher Sprache beschrieben. Im ersten Viertel unseres Jahrhunderts 
hat ein Deutscher, Ph. Fr. v. Siel)old, dieselbe Stellung als Arzt 
in Desima (1823 bis 1830) und den Einiluss seiner einlieimischen 
Schüler in der Arzneiwissenschaft mit grosser Energie dazu benutzt 
unter anderen Sammlungen auch naturgeschichtliche in grösserem 
Maassstabe als bisher zu machen, zu denen das Reichsmuseum in 
Leiden noch bald darauf die von Bürger ebenda gesammelten Ge- 
genstände erhielt. Das wissenschaftUche Ergebniss derselben hegt 
in der bekannten Fauna Japonica vor, wovon die Wirbelthiere von 
Temminck und Schlegel bearbeitet, 1833 — 1850, die Crustaceen 
(fast niur Decapoden) von de Haan 1833, erschienen sind. Die übrigen 



und seit der Eröfliiung Japan». i«)i 

Thierclassen fehlen noch darin; aber von dem im Leidener ]Museum 
vorhandenen Material werden mehrfach kleinere Abtheilungen von 
dortigen und auswärtigen Naturforschern untersucht und bekannt 
gemacht, so z. B. die Seesterne von Troschel, eine Abtheilung der 
Tagschmetterlinge von Snellen van Vollenhoven, die Landsclmecken 
von Dr. Pfeiffer und mir, die Seefcdeni von Dr. Herklots. 

Die Wiedereröffnung Japan's fiilu'te eine neue , mehr allseitige 
Phase unserer Kenntniss der japanischen Tliiere herbei; jede der 
Expeditionen, von der ersten amerikanischen an, deren officieller 
Bericht (Band 11., 1856) schon einige zoologische Kapitel über 
Vögel, Fische und Conchylien enthält, lieferte einiges Neue; Beob- 
achtungen durch Naturforscher europäischen Standpunktes an Ort 
und Stelle wurden möglich, sowohl zur Controle der einheimischen 
Angaben, als aus Gesichtspunkten und mit Methoden (z. B. dem 
Schleppnetz), die der japanischen Wissenschaft noch fremd sind. 
Die Wirbelthiere sind in der Fauna Japonica schon so nahe der 
Vollständigkeit, dass verhältnissmässig nicht viel Neues hinzukam, 
am meisten noch bei den Fischen, deren Artenkenn tniss auch der 
Niederländer Bleeker nach in gewohnter Weise aus Japan erhaltenen 
Sammlungen durch mehrere »Beiträge« in den Abhandlungen der 
Niederländisch - indischen Gesellschaft der Wissenschaften förderte. 
Für die meisten Abtheilungen der wirbellosen Tliiere, namenthch 
diejenigen von geringerer Körpergrösse , beginnt erst durch (he 
neueren Expeditionen unsere Kenntniss; es lial)en sich hierum 
namenthch zwei Naturforscher sehr verdient gemacht, der Ameri- 
kaner W. Stimpson, auf der zweiten amerikanischen »exploring« 
expedition imter Ringgold und Rodgers, für die kleineren Seethiere 
verschiedener Küstenplätze und Inseln, namenthch Crustaceen, Tur- 
bellarien, sclialenlosc Seeschnocken, Echinodermen , und der Eng- 
lander A. Adams, der auf und bei den kleinen Inseln längs der 
Westküste von Nippon eine reiche Anzahl neuer Meersclmecken, 
namentlich kleiner Pyramidelhden , hauptsächlich mit dem Schleppnetz 
gesammelt hat,'*) und dem wir auch eine Reihe neuentdeckter 
Landschnecken von dort verdanken. Nur für die zoologische 
Kenntniss des Binnenlandes sind wir immer noch auf die Angaben 
der Japaner selbst beschränkt. 



ANMERKUNGEN. 



') A. Adams will den japanischen Fuchs als eigene Art von dem europäischen 
mterscheiden wegen eines schwarzen Fleckens nahe der Schwanzwurzel, Proceedings 
of the zoological society 1860, pag. 195. An allen Füchsen , die ich in Japan unter 
die Hände bekommen, habe ich keine Abweichung in der Färbung von den euro- 
päischen Füchsen bemerkt, und finde auch jetzt noch keine bei Vergleich ung de-s 
mitgebrachten, im zoologischen Museum zu Berlin aufgestellten japanischen Exem- 
plars mit deutschen Individuen derselben Sammlung. Die Rückenseite des Schwanzes 
ist bei beiden mit einzelnen schwarzen Haaren untermischt, aber kein besonderer 
schwarzer Fleck vorhanden. Auch in der Weichheit der Haare ist kein Unterschied 
zu fühlen. Ich kann daher den japanischen Fuchs in keiner Weise für verschieden 
von dem europäischen halten. 

^ Der von Aldrovandi sogenannte Psittacus Japonicus ist eine in Neu- Guinea 
lebende Art, Ps. (Charmosina) Papuensis. 

') Es ist dieses dasselbe Wort wie in awongara, Grünspecht. Medhurst über- 
setzt es mit »grün, azurfarbig- und erwähnt der Zusammensetzungen ao-no, grünes 
Feld, und ao-kagane, weisses Kupfer. Diese Farbenbezeichnung scheint demnach 
einen ziemlich weiten Sinn zu haben und wird wohl am besten mit Grau übersetzt. 

*) Dr. Günther, catalogue of the Batrachia salientia 1858, pag. 55, 56, imter- 
scheidet die ostasiatischen Varietäten der gemeinen Kröte von der europäischen 
durch die hornige (nicht weiche) Oberfläche der Warzen und durch lebhaftere Fär- 
bung: Seiten deutlich schwarz mamiorirt, Bauch schwarz gefleckt, und unter diesen 
wieder die japanische von der clünesischen durch zalilreiche, nahezu gleich grosse 
Warzen. Das erwähnte in Yeddo gefangene Exemplar stimmt in Betreff der Fär- 
bung mit dieser Beschreibung überein, zeigt aber die Warzen ohne Homüberzug, 
so weich wie bei den europäischen. 

') Die von mir in Japan gesammelten Exemplare von Hyla arborea zeigen 
schwarze Flecken regelmässig an den Seiten des Rumpfes, zuweilen auch auf den 
Schenkeln und einzelne auf dem Rücken. Die von Polypedates waren ohne Flecken. 
In Spiritus sind die letztem violcttblau, die erstem blassgrau geworden. 

•) Ein anonymes , in Yokohama erhaltenes Manuscript über Thiere und Pflanzen 
der Provinz Fiuga (Insel Kiusiu), betitelt Buts' tsan si Noba oka, die Erzeugnisse 
von Noba oka , mit Angabe dortiger Provinzialnamen , gibt Abbildungen verschiedener 
Schlangen, theilweise kenntlich, unter wieder andern Namen: 

a) mit hebi zusammengesetzt: tora - su - hebi , Tigerschlange, mit grossen, fast 
quadratischen Rückenflecken , sehr wahrscheinlich Tropidonotus tigrinus , und 
kusi-hebi, Kammschlange oder Loosschlange , Rücken weiss getüpfelt; 

b) mit kutsinawa zusammengesetzt: kuro - kutsinawa , »schwarze Schlange«, roth- 
braun mit weissen Flecken an den Seiten, dickköpfig, und siro - kutsinawa, 



Aiimerkuiigeii zu Japan. 



153 



weisse Schlange, dem dicken Kopf und dem grossen vordem Zalin nach 

der Trigonocephalus ; 
r) zusammengesetzt mit kasa, einem Worte, für das ich keine entsprechende 

Bedeutung finde, wieder eine weisse und eine schwarze wilde oder Bergart, 

siro-yama-kasa und kuro-yama-kasa , auch letztere nicht schwarz illuminirt, 

sondern hellgrau; endlich 
d) kiiro-madara, schwarz - bunt , oben dunkelgrau, unten mit weissen P'lecken, 

den Umrissen nach wieder an Trigonocephalus erinnernd, vielleicht eine 

schwarze Abart desselben. 
Es ergiebt sich hieraus, dass auch in Fiuga der Name hebi mehr den unschul- 
digen Nattern und kutsinawa wirklichen Giftschlangen gegeben wird. 

^) Das Vorkommen der Aale ni Japan ist desshalb bemerkenswerth , weil im 
ganzen asiatischen Russland, in einem grossen Theil Osteuropas, den Wassergebicten 
des schwarzen und kaspischen Meeres die Aale gänzlich fehlen. (Pallas zoographia. 
rossoasiatica III.) Uebrigens sind auch schon Aale im nordlichen sowohl wie mitt- 
lem und südlichen China gefunden worden. 

*) Es fallt mir auf, dass ich in Yeddo und Yokohama keine derjenigen Arten 
von Süsswasserfischen erhielt, welche Bleeker als in den Umgebungen von Yeddo 
wohnend erhalten und in den Act. soc. Indo-Neerl. VIII. 1860 beschrieben hat, im 
Gegentheil die meinigen theils schon in der Fauna Japonica, theils noch gar nicht 
beschrieben sind. 

') Kämpfer, Beschreibung von Japan, S. 157, nennt diesen angeblichen Fluss- 
krebs dakma-jebi. Dieser Name ist mir weder im Munde der Japaner, noch in 
ihren Büchem vorgekommen. Hofimann in der Fauna Japonica, Cnistaccen pag. XIII., 
bezieht den wahrscheinlich identischen Namen Takuma-yebi auf Scyllarus (Ibacus) 
ciliatiis Siebold, einen ächten Meerkrebs. Nur gerade unter den Crustaceen fuln-t 
Kämpfer mehrere an, die nicht in der Encyclopädie stehen. Sein kumnia - yebi, 
richtiger karuma - yebi , Radgaraeele, ist nach Siebold und HofTmann ein Penaeus. — 
Siebold und Hofimann geben in der Fauna Japonica, Cmstaceen pag. XII — XVI., 
Dodi ein reiches Verzeichniss japanischer Krebsnamen nach andern japanischen 
Schriften, die mir nicht zugänglich sind. Der Flusskrebs erscheint hier als syari- 
gani, id est Cancer reliquiarum, auflfallenderweise mit gani, nicht yebi, zusammen- 
gesetzt, während sonst alle langschwänzigen Dccapeden als yebi, alle kurzschwänzigen 
als kani bezeichnet sind. Sollte es vielleicht eine Verwechslung mit einer Binnen- 
landkrabbe sein, z. B. Telphusa, die in diesem Namensverzeichniss fehlt. Einige 
Namen der Encyclopädie finde ich in diesem Verzeichniss gar nicht wieder, andere 
mit etwas abweichender Orthographie ; z. B. schreibt die Encyclopädie die Benennung 
der Lupa pelagica ganz deutlich gasame, Uoffmann und Siebold kazami. 

*•) Das einzige systematische Verzeichniss einer Reihe in Japan gesammelter 
Insekten, das mir bekannt wurde, ist das von Thunberg in seiner Reisebeschreibung 
Seite 115 — 117 gegebene — 96 Arten, damnter sehr viele europäische , die vielleicht 
nach jetzigen Anschauungen nur nahe Verwandte der europäischen sind. Jedenfalls 
ist der Habitus der Insektenfauna um Yokohama dem der nnttcleuropäischen recht 
ähnlich. Die einzigen auffallend abweichenden , die ich sah , waren cme grössere Scolo- 
pendra und die grosse Belostoma. Südeuropäische Formen sind Tmxalis und Mantis. 



1«^** Anmerkungen zu Japan. 

*^) Das oben erwähnte japanische Buch über Seidenzucht ist von Hotfmanu 
übersetzt worden unter dem Titel: Yo-san-fi-rok, l'art d'elever les vers ä soie au 
Japon par Ouekaki Morekani , Paris 1848. Der Verfasser bemerkt ausdrücklich , dass 
er sich nur mit den von Maulbeerblättern lebenden Seidenraupen beschäftigen will. 
Dagegen ist 1827 in Yeddo ein anderes Buch über die Zucht der Eichenseideuraupe, 
yama-mayu, von dem Japaner Kitasawa Sihoo erschienen und durch HoSmanus 
holländische üebersetzung in der -Tijdschrift ter bevordering van Nyverheid, 1864,- 
den Europäern zugänglich geworden; hieraus ergibt sich, dass diese Seidenraupe 
einerseits wild vorkommt auf Kiusiu und im Bimienlande von Nippon, wo an manchen 
Orten die Cocons in den BergwäJdern gesammelt werden, andrerseits in vielen Ge- 
genden Japans regelrecht gezüchtet wird. Ihre Futterbäume sind Quercus serrata 
Thunb. , dentata Thunb. und sirokasi Siebold; die Zeit des Haupenlebens ungefähr 
00 Tage, mit 4 Ruheperioden (Häutungen) und sie werden theils miter Dach mit 
freiem Luftzutritt, theils im Freien auf den Eichbäumen selbst gezogen. 

Thunberg, Konigl. Votenskabs Akademiens nya handlingar, Stockholm, II., 
1781, S. 242, 243, schiebt die Bürgschaft dafür, -dass die hier beschriebene und ab- 
gebildete Noctua serici wirklich der Seide producirende Schmetterling sei, wieder- 
holt offenbar, mit etwas Misstraucn, seinem Dolmetscher zu. Guerin-Meneville hat 
dieselbe nun allerdings in der Revue zoologique 1862, pag. 351 beschrieben, zwar 
unter dem neuen Namen Bombyx (Ailaxa?) Thunbergi, aber nicht nach neuen Ma- 
terialien, sondern nur eine Copie der Beschreibung Thmibergs gegeben, um von 
Neuem auf diese verschollene Art aufmerksam zu machen. Es scheint mir demnach 
die Scidenproduction durch jene Noctua höchst zweifelhaft. 

Bombyx yama-mai ist von Gucrin, Revue 1861 , pag. 191 und später beschrieben. 
Sie ist seitdem namentlich auch von Dr. Sace in Barcellona mit Erfolg gezücjitct 
worden; vergleiche dessen Berichte in Weinland's Thiergarten 1864, S. 16 und 109. 

^^) Kämpfer sagt, der tako werde nicht gegessen; ich habe ihn aber auf dem 
Fischmarkt in Yokohama wiederholt gesehen. 

^^) Siehe meine Bemerkungen über Hyalonema, mitgctheilt in den Monats- 
berichten der Berliner Akademie 1861, S. 479. Seitdem soll auch ein Hyalonema 
an der portugiesischen Küste gefunden worden sein, nach Barboza, Proceedings of 
the zoological society 1864, pag. 265, plate 122. Derselbe hat aber auffallender 
Weise noch die alte Anschauungsweise, dass das Ganze ein Polyp sei. 

^*) Stimpsons Arbeiten finden sicli in den Proceedings of the academy of natural 
scicnces of Philadelphia h\ den Jahi*gängen 1855 — 1863 und sind durch die Smitb- 
sonian Institution vielfach auch als Separatabdrücke verbreitet worden, diejenigen 
von A. Adams in den Annais and Magazine of nat. bist. 1860 und 1861 , hauptsäch- 
lich aber in den Proceedings of the Linnean society, zoologische Abtheilung, 
Bd. VU. 1863. Auch Gould hat in den Proceedings of the Boston society of na- 
tural history, VII. 1859, eine Reihe japanischer Meerschnecken beschrieben und 
Dunker eine aus Nangasaki erlialtene Sammlung von Secconchylien zu einer selbst- 
ständig erschienenen Uebcrsicht der japanischen Mollusken benutzt. 



VIII. 



CHINA. 

»lAEKZ UNO APRIL 1861. 



1. Üie Alluvialebene um Shanghai. 

Vom 11. — 25. März. 

»öo weit das Auge reicht, eine unabsehbare, reich bebaute Fläche, 
von Flüssen und Canälen tausendfach durchschnitten, besät mit 
Ortschaften und Gehöften, um welche heriun sich die weninjen 
Baumgruppen finden, die daselbst vorkonnncn.« So schildert einer 
der Naturforscher der Novara - Expedition , G. von Frauenfeld,*) 
bündig und treffend die Umgegend von Shanghai am Wusungflusse 
in der Mündungsebene des Yangtsekiang. Während aber seine erste 
Acquisition eine Singheuschrecke war, die er (im Hochsommer) fast 
in jedem dritten oder vierten Laden fand , so kamen mir im ersten 
Frühjahr fast keine andern Insekten, als Fliegen und Blatten vor. 
Der Winter ist hier auf dem Kontinente weit strenger, als im meer- 
Tunflossenen Japan; Nangasaki hatten wir m der schönsten weissen 
und rosenrothen Blüthenpracht verschiedener Prunusarten verlassen, 
wie sie auf den japanischen Bildern stereotyp wiederkehrt, und hier 
war fast einen Monat später noch keine einzige Blüthe zu sehen. 
Mehrere Excursionen in der Umgebung der Stadt, sowie der des 
weiter abwärts gelegenen Wusung machten zunächst mit den hier 
häufigeren Stand- oder Winter- Vögeln bekannt. Ueberall häufig 
ist selbstverständlich der Sperhng, identisch, wde es scheint, mit 
unserm FeldsperUng, Passer montanus L. sp. Auf den Dächern in 
der Stadt, sowie am Ufer der Gewässer sieht man häufig einen 
schwarzen staarartigen Vogel mit Kopfliaul)e und weissem Flügel- 
fleck, Pastor cristatellus L. sp. : an den Bächen haust die kamt- 
Bchadalisch -japanische weissflüglige Bachstelze, Motacilla lugens 



156 



Wiutervögel in China. Hase. 



111. = lugubris Tem. , »Geldmuttcr« von den Chinesen genannt. Die 
Baum- und Bambugruppen einzelner Höfe beleben schwarzweisse 
und blaugraue Elstern, Pica sericea Gould und Pica cyanea Pall., 
so wie der drosselartige grünliche Ixos s. Pycnonotus Sinensis GmeL 
sp., letzterer schaarenweise , lärmend und nicht scheu, die Elstern 
dagegen schon von Weitem einem Menschen mit Sclüessgewehr 
ausweichend. Dafür wurden noch braungelbe Würger, Lanius 
schacli L., und verschiedene Ammern erlegt, Eisvögel, Alcedo ben- 
galensis, chinesisch tsui, und weisshalsige Raben, Corvus pectoralis 
Gould, Fasanen und wilde Enten gesehen. Die nähere Bestimmung 
der letzteren ergab der Geflügel markt: hier sah ich die gewöhn- 
lichen europäischen Winterenten. Anas boschas, querquedida und 
crec(*a L., aber auch die seltenere nordische Sammtente, Melanetta 
fusca L. sp. Der Fasan ist Phasianus torquatus Tem. , das Mäimchen 
von dem europäiscüien durch ein weisses Halsband und buntere 
hellere Färbung des Rückens miterschieden. Femer befand sich 
unter dem wilden Geflügel der Wildprethändler unsere Waldschnepfe, 
Öcolopax rusticula L. , und ein ebenfalls europäis(rher Wasserläufer, 
Totanus caUdris, so wie mehrere Drossehi. In Käfigen wird ziemlich 
häufig eine grosse dickschnäbelige Lerche mit schwarzem Halsfleck, 
Alauda Mongolica Pall., gehalten, wotur per Stück nicht weniger 
als vier Dollars gefordert wurden , so wie ein kleiner zeisigähnücher 
Vogel, Chlorospiza Sinica L. sp. Die genannten Enten und Siunpf- 
vögel shid zweifelsohne Zug^'ögel, der Sj)atz, die Elstern und der 
Ilaubenstaar Standvögel, da v. Frauenfeld dieselben auch im Sommer 
hier fand. Demnach würden sich die Reiher und wilden Tauben, 
welche der Letztere, aber nicht unsere Ex})edition, um Shanghai 
zahlreich fand, als Souunervögel ergeben, ganz hi Uebereinstimmung 
mit ihrem Verhalten in Europa. 

Hasen') waren das einzige vierfüssige Wild der Gegend, 
wie in Venetien, und auf dem Markte reichlich vertreten; die Art ist 
älmlii^h dem europäischen, aber kleiner, mit kürzeren Hinterfussen. 

Für Reptilien war die Jahreszeit noch zu ungünstig: ich 
sah im Freien keine und hört« nur in den letzten Tagen den 
gnmzenden Ruf eines Frosches, der mich lebhaft an den des 
deutschen braunen Grasfrosches, Rana temporaria L. , erinnerte^ 
bei uns auch die erste aus dem Winterschlaf erwachende Art 
und auch in Japan wie im mittleren China zu Hause. Auf dem 
Markte sah ich mich vergebUch nacli demselben um, sah dagegen 



Fischmarkt in Shanghai. lö' 

dort, doch nicht häufig, eine bissige Schnappschildkröte, Trion}Tc 
perocellatus Cantor, dsang genannt, und die Iiarmlose, auf dem 
Rücken mit drei Längskanten versehene Emys Reevesü Gray. 

Fische werden in grosser Menge zu Markt gebracht; etwa 
die Hälfte davon, nach Arten wie nach Individuen gerechnet, sind 
Cyprinoiden , darunter ein grosser Karpfen, eine kleinere Karausche, 
dann verschiedene unserem Ueckelei, Elritze und Ziege (Albumus, 
Phoxinus und Pelecus) verwandte, doch verschiedene Arten, die 
meisten auch verschieden von den zalilreichen südchinesischen, welche 
Bichardson nach den Bildern von Reeves beschrieben hat. Aus 
anderen Famiüen waren die auffallendsten ein ziemlich kleiner Wels, 
Pseudobagrus fulvidraco Richards., der schildkrötfleckige Ophi- 
cephalus argus Cantor, hang (nach Richardson sangjni), ein Mugil, 
die silberglänzende, bandförmige Coilia nasus Schleg. , tong, bei 
Richardson fung-wi, der blassgelbe, langgestreckte Gobius omma- 
turus Rieh, und die verwandte braune fleckige Eleotris potamophila 
Gthr., der silberne, schwarz getropfte Percalabrax Japonicus C. V. 
ni'ung, ein grösserer mattgrauer, ebenfalls gefleckter Pen^oid, Perca 
(Siniperca) chuatsi Bas., und der helle, stumpf köpfige Leimfisch, 
ColUchthys lucidus Richards., Günther, wong genannt. Die Familie 
der Aale war durch einen ächten dunkelgraugrünen Aal und eine 
aus braun, gelb und ziegelroth bunte Muräne, die Seitenschwmmer 
nur durch eine spitzschwänzige Zunge, Plagusia, vertreten; Gadoiden 
fehlten völlig. Da mir eine zuverlässige Verständigimg mit den 
chinesischen Fischern nicht möglich war, komite ich nicht erfahren, 
welche von diesen Arten im Flusse gefangen , welche aus dem Meere 
heraufgebracht worden; denn dass auch ächte Meerfische hier zu 
Markte kommen, zeigten ein Seehahn, Trigla, und ein Seebrassen, 
Chrysophrys. 

Der Wusungfluss ergiesst sich ungefähr 14 englische See- 
meilen unterhalb Shanghai nahe dem Dorfe Wusung in den südlichen 
Mündungsarm des Yangtsekiang, welcher schon mehr ein Meerbusen, 
als ein Flussarm zu nennen ist. Bei der gewaltigen Wassermasse. 
die jener Strom ins Meer fühlt, der Niedrigkeit und den \'ielen 
natürlichen oder künstlichen Canälen des Landes, so wie der Seich- 
tigkeit des Meeres, muss hier Süss- und Salzwasser sehr allmälich 
und an verschiedenen Stellen in verschiedener Weise in einander 
übergehen und ein reiches, aber S(;h\\'ierig genau zu bearbeitendes 
Feld interessanter Beobachtungen über das Verhältniss der Thiere 



löö Beziehung der Farbe zum Aufenthalt der Fisehe. 

zum Salzgehalt des Wassers, etwaige Angewolmuiig an denselben 
u. dei^l. bieten. Schon die Beachtung der Färbung lässt einiger- 
inaassen auf die verschiedene Lebensart jener auf dem Markte bei- 
sammen gesehenen Fische schUessen. nach der allgemeinen Regel, 
dass die Thiere der herrschenden Farbe ilires Wolinortes sich 
anzunähern streben, um weniger gesehen zu werden. Die silher- 
fflänzenden Fische müssen in reinerem Wasser , nahe der Oberfläche 
leben. Der Rücken, stets dunkler, ist bei den ächten Süsswasser- 
fischen unter denselben grünhch, bläulich oder bräuuUch, so bei 
allen Cypnnoiden und bei Coiüa, dagegen rosenroth bei den silber- 
glänzenden Seefischen Trigla und Chrysoplurys. Eine Ausnalune 
bildet die mehr bläuUclie, nicht rothe Silberfarbe des Percalabrax, 
der doch ohne Zweifel ein Salzwasserfisch ist: matter glänzend, 
(limkler blau sind der !MugiI und eniige Cypnnoiden. Scharfbegranzte 
schwarze Flecken auf dem Rumpfe kommen bei den zwei Percoiden 
vor, lebhafter gefTirbte Flossen namenthch bei den Cyprinoiden, 
scharlachroth bei einem Pelecus, dreifarbig: ziegelroth, blassgelb 
und schwarz, bei einem Carassius. 

Eine eigenthümhch grünlich - messinggelb matt glänzende 
Färbung, überdeckt von dem Schwarz eines dicken, abwischbaren 
Schleimüberzuges, zeichnet den Wels aus, der vermuthUch gern, 
wie sein europäischer Bruder, in weichem, dunkelem Moorgrunde 
lebt; eben so der schwarzgrüne Aal, beide vennuthhch noch ächte 
Süsswasserfische. Auch dem Schlanungrunde, aber hellerem, und 
vielleicht hauptsächhch dem Brackwasser, dürften die erdfarbige 
Zunge. Muräne und Eleotris angehören: die blassgelbe eintönige 
Färbung des Gobius deutet vielleicht auf freieren Aufenthalt in dem 
durch den Schlamm getrübten, eben so hellgelben Wasser der 
Strommündung, die diuikelgrün - scheckige , mit scharfer Zeichnung 
und lebhaft rothen Ghederflossen des Ophicephalus ^^elleicht auf 
einen Aufenthalt zwischen Süsswasserpttanzen. 

Die Trübung des Wassers durch feine Schlammtheilchen ist 
an der Mündung des Yangtsekiang sehr intensiv luid ausgedelinter, 
als ich irgendwo sonst gesehen: che trübgelbe Färbung der See, 
nicht unpassend mit Erbsensuppe von einem der Reisegefalirten 
verglichen, ist die erste Ankündigung der Annäherung an die 
chinesische Küste, lange ehe man das Land sieht, und wer seine 
Mündung gesehen, ^^'ird gewiss nicht mehr in Versuchung kommen, 
diesen Strom den blauen zu nennen, sondern eher, gleich dem 



Leucusoma und Polyodun. Krabben. 



159 



Hoangho, den gelben. Diese Trübung des Wassers spiegelt sich 
namentlich in zwei eigenthünilichen Fischen al), dem grössten und 
kleinsten, die ich auf den hiesigen Märkten fand: dieser, Leucosoma 
Chinense Gray, wenig über fingerslang, glanzlos gelblichweiss. 
schlank, mit spitziger Schnauze, massigen Augen und hechtartig 
nach hinten gerückter kurzer Rückenflosse; der andere, Polyodon 
gladius m., ein Bruder des LöfTelstöres im Mississippi, den ich am 
ersten Tage meiner Anwesenheit auf chinesischem Boden zu Wusung 
bei einem Fischhändler fand, 1,020 Meter lang, mit einem Auge von 
nur drei Millimeter Durchmesser, bei einer Schnauze , welche fast ein 
Drittel der ganzen Körperlänge einnimmt und wahrscheinlich fein füh- 
lend, zum Tasten im trüben Wasser bestimmt ist, der ganze Fisch 
bleich gefärbt, nur an den Kiemendeckeln mit zierlic^hen Rosetten 
brauner Flecken gezeichnet. Leider w^ar es mir nicht möglic^h, etwas 
Näheres über die Lebensweise dieses Fisches zu erfahren: ich traf 
zwei Exemplare, das eine noch grösser, als das gemessene, bei 
einem Fischhändler in einer der Strassen von Wusung inid fand ihn 
als hwae oder tsin in einer cliinesischen Encyclopädie , welche mir 
Herr Bridgeman in Shanghai zeigte, leidlich abgebildet, nur mit zu 
langer Rückenflosse, dargestellt als tsin-tsue, woraus er auch, wie 
schon (S. 119) erwähnt, in die japanische Encyclopäche übergegangen 
ist Nach Basilewsky, der längere Zeit in Peking zugebracht, lebt 
er ausser im Yangt«ekiang auch in dem Hoangho mid selbst in der 
Mantschurei. ') 

Krabben fand ich dreierlei auf dem Markte von Shanghai, 
eine grössere oh vengelbe mit gezahnten Seitenrändern und Haar- 
büscheln an der Basis der Scheeren, Eriocheir, die kleinere, auch 
vierseitige HeUce tridens Haan und die auf allen ostasiatischen 
Märkten häufige Lupa pelagica auct. , letztere hier selten und meistens 
ihrer Füsse beraubt, ein Zeichen, dass sie weit her, von der See 
gebracht wird; die zwei ersteren dagegen finden sich häufig im 
süssen Wasser der Umgegend, namentÜch in stillen, etwas tieli^ren 
Pfützen und Tümpeln, doch sind auch von ihnen auf dem Markte 
Exemplare mit beiden Scheeren mid allen acht Füssen nicht häufig, 
da sie, in Melu^ahl zusanunengesperrt, wie alle Krabben, sie sich 
gegenseitig abkneipen. Eine kleinere Krabbe, Ocypode, nur erbsen- 
gross, daher nicht zu Markte gebracht, treibt sich auf den 
Schlammufem der Canäle und Flüsse mnher, welche zur Ebbezeit 
durch ihre zahlreichen Löcher ein siebartiges Ansehen darbieten. 



16U Viel Süsswasser - , wenig Land - Mollusken. 

Vou langschwänzigen Krebsen sind verschiedene mittelgrosse und 
kleine Gameelen, meist zur Gattung Palaemon gehörig, häufig auf 
dem Markte : ich horte sie hier ho nennen (Wells WiUiams schreibt 
ha), und es scheinen Süss- oder Brackwasserbewohner zu sein. 
Aechte Krebse, Hummer, Pahnurus oder Scyllarus, sah ich hier 
nie : sie sind alle Bewohner steinigen Grundes , und Steine fehlen hier. 

Mollusken. Es ist charakteristisch fiir die chinesische Tief- 
ebene und wiederholt sich in jeder anderen, z. B. um Berlin und 
in Venetien, dass die Süsswasserschnecken weit zahlreicher und 
weit leichter zu finden sind, als Landschnecken. Hierzu tragt hier 
noch der Umstand bei, dass aus den vermuthUch leicht verschlam- 
menden Canälen der Morast regelmässig ausgeschöpft und auf die 
Felder ausgebreitet wird: nach längerem TrockenUegen heben sich 
dann die verbleichten Schnecken- oder Muschelschalen weiss vom 
graubraunen Grunde ab und verlocken immer wieder ztun Auf- 
sammeln. Ist das Auge einmal darauf gerichtet, so findet es auch 
bald Exemplare, deren Farbe besser erhalten ist. Die bei weitem 
häufigste unter den Conchyhen, weh^he ich so in der Umgebung 
von Shanghai und Wusung fand , ist eine hoclige\\imdene , hellgrün- 
braime, kantige Paludina, P. angularis Müll, sp.,*) di-lo, Grund- 
sclmecke genannt: dann folgt die grosse herzförmige glänzende 
Cyrena fluminea Müll, sp., he-ka: selten ist ein Unio mit zickzack- 
artig gestreiften Wirbeln und eine Anodonta, beide mir als ga-li 
genannt. Ganz fruchtlos fand ich zu dieser Jahreszeit das Suchen 
am Boden der Baumgruppen und an den die Särge mehr oder 
weniger bedeckenden Rasenhügeln, dem einzigen, was die Ein- 
förmigkeit der Felder unterbricht. Nur die künstUchen Felsen des 
Theegartens in der Stadt selbst boten mir einige Landschnecken, 
so die grössere kugeUge Helix ra\ida Bens, und die braune dick- 
lippige ClausiUa Shanghaiensis Pfr. In der That wüsste ich keine 
andere Stelle in dem von mir gesehenen Theile iheser Gegend, der 
iur eine Clausilie passend wäre. 

Die genannten Paludinen und Cyrenen werden auch in den 
Esswaarenläden der Strassen verkauft, letztere meist ohne Schale. 
Bei den Fischhändlern findet man oft Körbe voll einer fingerslangen 
Muschel, Novaculina, ähnüch N. constricta Bens., dsing-dsu, deren 
bleichgrünlichweisse Farbe meist von einer dunkeln Schlammhülle 
ganz verdeckt ist, beide den Aufenthalt im Schlammboden verrathend. 
Andere Conchyhen werden zu verschiedenen Bedürfjiissen des Haus- 



Verwendung der Miisclieln. Ilnusthiere. Ibl 

haltes verwandt, und ich sah liier derartige Anwendungen mehr als 
ii^endwo anders; so dient eine halbe Schale von Barbala plicata 
(Dipsas auct.) regelmässig den Verkäufern von Hülsenfrüchten und 
Mehl zugleich zum Schöpfen und ungefähren Messen ihrer Waare. 
In Wusimg sah ich Scheiben von Laternen und Fenstern aus den 
durchscheinenden weissen Schalen der Placuna placenta L. sp. 
zusammengesetzt und in Shanghai selbst einen Arbeiter damit be- 
schäftigt, solche in quadratische Stücke zu sclmeiden. Bei Gassen- 
trödlem findet man öfters Schalenhälften von Pecten Japonicus durch 
einen Stiel aus Bambu zu einem Löffel umgewandelt, ferner Fusus 
colosseus Lam. mit abgebrochener Spitze als Trompete , wie anderswo 
die Tritonien; endUch nicht selten, doch immer unverarbeitet, die 
japanisehe HaUotis gigantea. 

Echinodermen als ächte Meerthiere sind liier gar nicht zu 
finden, abgesehen von den als Trepang berühmten Holothurien, die 
aus dem indischen Archipel eingeführt werden. 

Hausthiere. Der Büffel, cliinesisch shwui niu, Wasser- 
ochse, ersetzt in der Umgebung Shanghai's durchaus das Rindvieh 
und dient hauptsächUch als Zugthier: »Milch trinken die Chinesen 
nicht. Pferde, ma, wie im Japanischen, sieht man hier selten, 
hauptsächhch nur bei niilitairischen Aufzügen; sie sind klein, mit 
kurzem geradem Halse und meist von braimer Farbe. Port-chaisen 
und Tragsessel ersetzen in den engen, menschenreichen Strassen 
der Stadt unsere Equipagen und Droschken. Schafe sah ich nur 
bei einem Schiffsvictualienhändler, sie waren alle auffallend hoch- 
beinig und grobwollig : Ziegen, yang, sind etwas häufiger, namenthch 
wurden einige schöne feinliaarige weisse Böcke im Vorhofe eines 
Tempels gehalten; bei allen, (Ue ich sah, sind die Homer an ilirer 
Basis sehr breit und flach, erheben sich nur wenig und neigen sich 
von vom herein stark nach hinten, Capra liircus depressa L. Hunde, 
kiuen, auch kau, nach ihrer Stimme benannt, sind in der Stadt selbst 
nicht häufig, aber in den Vorstädten und auf dem Lande um jedes 
Gehöft zu finden; alle haben aufrechte Ohren, eine spitze Sclmauze 
und den Schwanz nur wenig gekrümmt; che meisten sind gelblich- 
braun, unten weiss; einige auch schwarz. Es sind, wie im Orient 
überhaupt, nur Strassen- und Hofliunde; von Schoosshunden sah 
und hörte ich in China nichts , aber eben so wenig von Hunden als 
Mast- und Schlachtvieh. Katzen, mau, sind häufig in der Stadt, 
die meisten scheckig, einzelne auch grau mit dunkleren Streifen, 

Ott-Asiok ZoologiMh. I. 11 



Av^^ Hausgeflügel. Ansiclit von Tamsui. 

ähnlich unserer wilden Katze: sie haben meist einen kurzen Schwanz, 
(loch war er bei keiner, die ich sah, so verkrüinuit und verkrüppelt«, 
wie bei den japanischen. 

Hühner, ki, Gänse, np^o, und Enten, yah, sind häufig 
auf den Gellügeluiärkten; erstere gleichen durch ihre hohen Beine 
mehr oder weniger den cocliinchinesischen. Die zalunen Enten 
schienen mir alle eher grösser und langhalsiger, als die imsrigen; 
in der Färbung sind sie eben so verschieden, wie bei uns. Die 
Gänse sind aber nicht die europäische Art, sondern die an ihrer 
Stimme und an dem Scluiabelhöcker leicht zu erkennende Trompeter- 
gans , Anser cygnoides L. sp. , welche also mit Recht von Manchen 
chinesische Gans genannt \\ird, bald in ihrer eigenthümlichen braunen 
Färbung, wie sie in Euroj)a zuweilen mit Schwänen als Luxusvogel 
gehalten wird, bald weiss.*) 

2. Tamsui auf Formosa. 

3. April 1861. 

Durch das freundliche Entgegenkommen unseres Capitains 
woirde es walirend der Fahrt der Fregatte Thetis von Shanghai nach 
Hongkong möglich , für einige Stunden die Insel Formosa zu betreten, 
welche damals bis auf das altberühmte »formosanische Teufelchen«, 
Manis pentaductyla L., zoologisch völlig terra incognita war, aber 
seitdem durch die eifrigen Forschungen des englischen Consuls 
Swiidioe in Betreff der Wirbelthiere zu einem der bestgekannten 
Theile des cliinesischen Reiches geworden ist.*) Die Thetis hielt 
Angesichts der Mündung des Tamsuiflusses , westlich von der Nord- 
spitze der Insel, und im Laufe des Vonnittags brachten uns die 
Boote an's Land, mit der Weisung, Naclmiittags lun 3 Uhr.AWeder 
zurückzukommen. Wir fanden ein kleines Städtchen, die Häuser 
aus Backstemen gebaut, mit flachen Dächern, bewohnt von Clunesen 
sammt deren gewöhnlichsten Hausthieren: Büffeln, Hunden und 
Enten. Im Hintergnmde nach Nordosten erhoben sich höhere , theils 
bewaldete, öfter kahle Berge. Die uns zugängliche Küstengegend 
selbst bot ehi weUiges Terrain, voll kleiner Wasserläufe, die zur 
Bewässenmg der zahlreichen Reisfelder dienen, die Anliöhen da- 
zwischen ziemlich kahl upd steinig, einzelne Strecken durch Hecken 
einer cactusförmigen Euphorbie al)gegränzt. Von wilden vierfussigen 
Thieren war nichts zu sehen; häufig zeigte sich dagegen auf den 



Laiid- und Straiidthicre von Tninsui. lDt5 

Hügeln ein lerchenälinlicher Vogel, Antlius cen^inus Fall, sp., 
einzelne Exemplare mit eintönig graurother, andere mit schwarz- 
gefleckter Brust Während dieser »Pieper« singend wne eine Lerche 
in die Höhe stieg, zog ein grösserer schwarzer Vogel mit leier- 
(ormigem Gabelschwanz durch seine komischen Schwenkungen und 
Burzelbäimie in der Luft die Aufmerksamkeit auf sich, es war ein 
Dicrurus (EdoUus Cuv.), eine wesentUch indisch - afrikanische Gattung. 
Unmittelbar nach dem Landen war von einem der Cadetten, Herrn 
von Rabenau, ein Silberreilier geschossen w^orden, mit schönen 
Sclmiiuckfedem am Hinterhaupt und Hinterrücken, Schnal)el und 
Beine schwarz , Zehen und Zügel grünHch - gelb (Ardea garzetta L. ?). 

Eidechsen waren trotz des intensiven Sonnenscheins nicht zu 
crbUcken; dagegen ertönte lautes Froschgequak aus den Pfützen, 
und die Urheber desselben stellten sich bald als (he von Cliina bis 
zu den Phihppinen verbreitete Rana \'ittigera Wiegm. heraus. Eben 
so waren die Landschnec^ken sparsam — ich sah nur wenige scihlecht 
erhaltene Exemplare zweier Hehxarten, die eine nächst verwandt 
der cliinesischen H. ravida Bens., die andere der II. eh^gantissima 
Ffr. von den Liukiuinseln, — um so häufiger aber wiederum Süss- 
wasserconchyhen, wie überall, wo Reisfelder sind, so eine Anodonta. 
die von den Einwohnern gegessen wird, eine grosse Pahiduia, ähnlicli 
der Sinensis, ein mittelgrosser Limnaeus, unserem ovatus ähnlich, 
und eine kleine Stenothyra. Land - Amphipeden kommen auch 
liier vor. 

Der Strand wird theils durch feinen Sand, theils durch 
Stein — vorherrschend Granit — gebildet; an letktercin sitzen kleine 
dunkle moosälmüche Algen: Acrocarpus pusillus Kg. und Caula- 
canthus fastigiatus Kg., nebst gerippten Meereichehi; in einzelnen 
Vertiefungen dazwischen finden sich auch schon etwas längere rothe 
Algen, wie Grateloupia filiCormis imd Sphaeroco(!cus confervoides, 
femer die überall häufigen blatt- und fadenförmigen Ulvaceen 
(Fhycoseris und Enteromorpha) : zwischen chesen Algen traf ich 
kleine Ampliipoden, Gammarus, zwischen den Steinen noch im 
Trockenen Ligia nicht selten. 

Der Sandboden zeigt zahlreiche cylindrische Löcher, über 
einen Zoll tief, und eben so zahlreiche kleine Krabben, welche bei 
Annäherung des Menschen rasch einem solchen Loche zueilen: 
dieselben sind hellgrau und grünUch marmorirt, so dass sie auf 

geringe Entfernung ein ähnUch punctirtes Ansehen bieten, wie der 

n* 



1Ö4 Conchylicn von Tamsui. Landthicrc auf Hongkong. 

Sand selbst, und «gehören zur Gattung Cleistostoina Haan. Grössere 
Strandkrabben, Ocypode, sali icli nur einzelne todte, von den 
Wellen angespült. Eben so finden sich einzelne Muschelschalen am 
Strande zerstreut ausgeworfen, viel mehr aber in grossen Haufen 
zusannuen in nächster Nähe der Häuser, welche zugleich zeigen, 
was draussen an den mir unerreichbaren Steinen lebt, die den 
Andrang der Wellen von der Einfalirt abwehren, und was die 
Chinesen zu speisen pflegen: es w^aren dreierlei Trochoideen aus 
den Gruppen Lunella, Labio und OmphaUiis, minder häufig eine 
knotige Purpura , drei Arten von Nerita und ein gekörntes Cerithium. 
Zweischalige Muscheln sind selten: ich sah nur ihrei Art^n aus der 
Familie der Venusmuschehi , worunter Cytherea castanea Lam., 
endli(;h eine grössere faltige Auster, deren einzelne Schalen weit 
in's Land hinein zerstreut liegen. 

3. Hongkong. 

9. — 14. und 19. — 20. April 1861. 

Der Anblick dieser Insel ist ähnlich dem von Madera, die 
Stadt zeigt dem Ankonunenden zunächst elegante, europäisch aus- 
sehende Strassen, weiterhin schmutzige chinesische Gassen: sie 
steigt amphitheatrahsch an der steilen Lehne plutonischer Berge an, 
welche hauptsächUch aus verwittertem PorphjT bestehen und nach 
unten zu kahl und öde erscheinen, weiter ol)en aber, unter und an 
grossen Steinblöcken in kleinen Thalrissen mein* bleibende Feuch- 
tigkeit und damit reicheres organisches Leben bieten, namentUch 
ist ein Lycopochum und eine Selaginella häufig; von grösseren Land- 
schnecken fand ich Cyclophorus exaltatus Pfr. und die flache , viel- 
gewundene Helix pulvinaris Gould. 

Wirft man von dem Gipfel mit der Flaggenstange einen Blick 
nach dem Innern, so erbhckt man in überraschender Nähe die Süd- 
küste der Insel und die zwischen liegenden Berge oder Hügel, mit 
inbegriflen den höchsten der Insel , Victoriapik , 1825 englische Fuss 
hoch, nicht viel belebter, als der Nordabhang. Ein Dytiscus von 
mittlerer Grösse in einer Wasserpfiitzc und zahlreiche grosse, laut 
schwirrende Heuschrecken (Acridien) neben wenigen, nicht erreich- 
baren Vögeln w^ar Alles, was ich auf einer Fusswanderung nacli 
Aberdeen sah, obwohl der Rückweg theilweise durch ein vegetations- 
reiches und bebautes Thal führte. ') 



Straiidthiere auf HougkuDg. lÖD 

In den Strassen der Stadt seihst werden Süsswasserfische 
(Cy|)rinoiden) verkauft, die aber meist von Kanton herunter zu Schiffe 
kommen; am Fusse von Mauern und. am Rande der Wege lebt die 
kosmopolitische Helix similaris Fer. in Gesellschaft einzelner Julus 
und Porcellio. Die zwei unvermeidlichen Stadtvögel Ostasiens fehlen 
auch liier nicht, eine unserer Bauchschwalbe höchst ähnliche Hinmdo 
und ein unserem Feldspatzen höchst ähnlicher Passer. 

Die Strandbewohner fand ich an Zahl der Arten und Individuen 
reicher, als Frauenfeld's negative Schilderung 1. c. andeutet. Das 
Happy- Valley an der Stadt ist durch eine noch nicht vöUig aus- 
getrocknete Schlammstrecke mit der See verbunden, die zahlreichen 
chinesischen Booten zu bleibendem Aufenthalt chent: hier fand ich 
wälirend der Ebbe junge Mädchen beschäftigt, die umherliegenden 
zahlreichen Enteromorphen zu Tschau -tschau (Essen) zu sammeln, 
und dicht dabei sah ich \'iele Tausende von kleinen Brackwasser- 
Cerithien wie lunhergesät auf dem Schlamme liegen; Aehnliches sah 
ich vorher schon dicht vor den Häusern der Stadt. Da bekanntlich 
die ärmere Klasse der Clünesen zum grösseren Theile von derartig 
frei gebotenen Geschenken der Natur lebt und diese so ganz ohne 
weitere Mülie zu erreichen waren, kein Grund bekannt ist, warum 
sie nicht jeden Tag aufgesammelt werden sollten, so ist diese zahl- 
lose Menge essbarer Gegenstände dicht neben einer so zahlreichen 
Einwohnerschaft in der That einer der schlagendsten Beweise un- 
erschöpflicher Fruchtbarkeit. 

Weiterhin folgt eine Sandstrecke, wo bei Ebbe viele 3Iärnier 
und Weiber beschäftigt, sind, lebende Muschehi zu sammeln und 
dabei oft bis an die Waden im Sand und Wasser waten: es ist 
hauptsachhch eine Venusmuschel, Venus (Anomalocardia) scpia- 
mosaL. , zuweilen schön blau angehaucht, welche Färbmig aber an 
todten Exemplaren bald verschwindet. 

Mehr Mamiichfaltigkeit bieten die Steine und grösseren Stein- 
blöcke des Strandes westhch von der Stadt und noch mehr solche 
an der Südküste, nahe bei Aberdeen. Bei beiden sind es grössere 
Chthamalusarten , Litorinen undNeriten, welche die oberste Gruppe 
der Meerbewohner bilden, nebst einzelnen Krabben (Grapsus) mid 
kleinen schwarzrothen Algen: dazwischen auch ein Trochus aus 
der Gruppe Monodonta und eine ricinulaähnliche Purpura. Endlich 
bildet am erstgenannten Ort den äussersten Vorposten der Meer- 
thiere eine sehr kleine, flach trochusförmige , erbsengelbe Sclmecke, 



166 



lloiigkung. Kaiiton. 



die gesellig in den Ritzen und Vertiefungen der grösseren Steinblöeke 
sitzt (Risella). 

Die schlammigen Stellen , in welche die Bucht von Aberdeen 
landeinwärts endigt, sind l)evölkert von Ceritlüum sulcatum, einer 
Krabbe, die sich bei Amiäherung eines Feindes in ihre cylindrischen 
Löcher zurückzieht, und von einem kleinen Fisch, Periophthalmus? 
der ausserhalb des Wassers, auf die Brustflossen gestützt, mit er- 
hobenem Kopf zu ruhen pflegt und mit seinen hochgestellten Augen 
gut Wache hält, denn es gelang mir nie, ilm zu erhaschen; stets 
plätscherte er mit raschen Sprüngen durch Schlagen des Schwanzes 
davon, und meist war dieses Springen mir das erste Zeichen seiner 
Anwesenheit. Ein gelbbuschiger Silberreiher, der behagUch im 
Schlamm herumwatet, und eine Silbermöve waren die emzigen 
Wasservögel, die ich hier an der Südseite der hisel sah: an der 
Nordseite sah ich gar keine. 

Dass auch an grösseren Meerschnecken in der Tiefe kein 
Mangel ist, zeigt der grosse P'usus colosseus Lam., den ich lebend 
auf dem Victualienmarkt von Aberdeen traf. 

4. Kanton, 

15. — 18. April 1861, 

Flauptstadt der gleichnamigen Provinz (Kwantiuig) , an der Südwest- 
ecke von China, ist rings von Niederungen, Reisfeldern und Flnss- 
armen umgel)en, in denen imr Pahidina Sinensis Ciray und Cyrena 
fluminea Müll. lel)en. Nur nördlich erhebt sich eine Ilügelgruppe, 
die weissen Wolkenberge, pak- wan-schan, grösstentheils kahl, mit 
zahlreichen INIandarinengräbeni und Tempeln geschmückt; die spar- 
samen Gebüsche daselbst beherl)ergen ein paar Landschnecken , \vic 
Cyclophorus punctatus Gratel., die eigenthümUche linksgewundene 
Helix cicatricosa Müll. , früher iur westafrikanisch gehalten , und ilie 
kleine kosmopolitische II. similaris. Bunte RittersclunetterUnge und 
grosse Heuschrecken bestätigen den Trof)encharakter der Gegend. 
In den reichen und kunstvollen Gärttm südlich der Stadt sah ich 
mich fast ganz vergeblich nach Sclmecken um. nur eine H. similaris, 
wenige Cyrenen und die s(^hlankere Paludina angularis, todt imd 
verkalkt, waren zu sehen. 

Mehr Beute kann der Zoologe auf den Strassen selbst machen, 
wo Fische, kleine Krebse (Palaemon) und Muscheln häufig feil- 



Fische, Hausuugeziefer und käufliche Muschchi. ^^» 

geboten werden, von letzteren namentlicli Cyrenen und eine stark 
knotige Area, ^vie deren ähnliche oder gleiche von Singapore bis 
Japan häufig sind. 

Die Fische sind et\va zur Hälfte Cyprinoiden, die anderen 
Aale, Gobius u. a.; namentUch filllt ein nicht seltener, kleiner, \vurin- 
förmiger Fisch, Amblyopus, durch die lebhaft violettrothe Farbe 
und den stumpfen Kopf auf. Ein längerer Aufenthalt hat Herrn 
Jolm Reeves ermögUcht, eine grosse Reihe von Abbildungen von 
Fischen anfertigen zu lassen, welche in Kanton zu Markte kommen, 
See- und Flussfische, deren Bestimmung durch Richardson im 
Jahrgang 1845 der Reports of the British association for the advan- 
cement of science sich findet, vermischt mit den sparsamen fnilieren 
Naclurichten über chinesische Fische überhaupt. 

In den Häusern findet sich häufig eine grosse haarige Spinne, 
den amerikanischen Vogelspinnen nicht unähnUch, wenn auch an 
Grösse nicht gleich, und zuweilen selbst Schlangen, schwarz und weiss 
geringelt, Bungarus, von den Chinesen mit Recht sehr geturchtet. 
Auch Gecko's und grosse Scolopendern scheinen im südlichen 
China in den Häusern zu leben, von Scorpionen dagegen habe ich 
wälirend meines Aufenthaltes nichts gesehen und gehört: damit soll 
nicht gesagt sein, dass gar keine Scorpione vorkommen, hn Gegen- 
tlieil scheinen diese im südlichen China, nördhch bis zum Yang- 
tse- klang, vorzukouunen, wie auch eine Notiz der japanischen 
Encyclopädie (vergl. oben S. 136) andeutet. 

Der Fluss, an welchem Kanton liegt, heisst Tschu-kiang, 
Perlfluss; ich konnte nicht erfalu'en, ob Flussperlmuscheln sich in 
ihm finden, kann aber auch nicht annehmen, dass er von der 
Klarheit des Wassers den Namen hat, denn ich fand ilm so gelb, 
vrie die anderen cliinesischen Flüsse, und hörte, dass er cUese 
Färbung zu jeder Jahreszeit habe. Williams bemerkt übrigens , dass 
er zwei bis drei Arten Süsswasser - Mytilus enthalte (The middle 
kingdom p. 271), ob Anodonten? 

Hier in Kanton (und jetzt auch in Flongkong) ist es, wo man 
die fertigen Sammlungen chinesischer Insekten und Conchylien zu 
kaufen bekommt, die in Europa seit längerer Zeit bekannt sind; sie 
scheinen wirküch in Südchina einheimische Thiere zu enthalten. 
Zwischen den Insekten fehlt nie das Seepferdchen, Hip[)Ocampus : 
von den ConchyUen sind bemerkenswerth Ovida volva L. sp. , die 



168 



Land- und Sumpflhiere in Makao. 



äclite Woborspule, Oniscia cancellata und Cancellaria clegans Sow., 
sowie Soletelliiia Chineiisis Mörck. 



5. Makao, 

•21.— 23. April 1861, 

erste europäiselie Niederlassung in China, auf einer kleinen Halbinsel 
von Granit- und Syenithügebi , auf beiden Seiten vom Meere bespült 
und nur durcli eine ilaehe Landenge nach Osten mit der grössten 
Insel des KantontUissdeltas (Makao- Insel) zusammenhängend. 

Die Höhen sind kahl und sonnig, von portugiesischen Forts, 
einem Kloster oder ver\%'itternden Steinblöcken gekrönt, von wenigen 
Vögeln (den oft genannten Schwalben und Spatzen), grossen 
Heusclirecken und sammetschwarzen Ritterschmetterhngen belebt 
Schlangen sah ich hier keine, von Eidechsen nur einen bissigen, 
blassgrünen , gelbköpfigen Calotes am Boden , der übrigens kaum so 
rasch wie unsere Eidechsen läuft; von Landschnecken ist auf der 
ganzen Halbinsel (he Eine HeUx similaris überall vorhanden, dieselbe, 
die auch in Rio und im tropischen Afrika lebt, vielleicht eingeschleppt; 
sie zeigt diesell)en Farbenänderungen, mit und ohne Band, die 
Hauptfarbe meist gelbUchwciss, selten röthUch, wie unsere HeÜx 
fruticiun. Im westfichen syenitischen Tlieil kommt eine zweite, mehr 
kugehge Helix vor. Die einzige vegetationsreiche Stelle ist der 
bekannte Garten Pereira's mit Camoens' Denkmal, aber auch dort 
fand ich keine andere Landschnecke, als H. similaris. 

Die wenigen Niederungen sind ganz durch die Stadt und ein 
paar Dörfer ausgefüllt, Reisfelder finden sich nur jenseits der Land- 
zunge, natürhch wieder mit der unvenneidUchen Paludina Sinensis 
und diesesmal voll PVoschgequak : die Frösche , welche ich sah "und 
fing, waren aber die nä(;hstt»n Brüder imseres grünen Wasserfrosches, 
Rana esculenta L. **) 

Der Strand wird an der dem Lande zugewendeten Seite, nicht 
weit von der Landzunge, von Sumpfboden gebildet; carexähnhche 
Gewächse mit dreikantigem gegUederten Halme, jetzt nicht blüliend, 
wacrhsen umnittelbar auf dem von Salzwasser durchfeuchteten Boden, 
und zwischen ilmen kriecht eine über haselnussgrosse Bulla (Haminea) 
umhvr, deren schwarze, rothv erb rämte Färbung der Weichtheile (in 
und ausser der Schale) an che ähnliche Färbung der grossen Vitrina 
Madera's erimiert: ebenda ist auch eine kleine blassgelbe Assiminea, 



Fische in Makao. Alte chiuesische Literatur. 



169 



unmittelbar auf dem Schlamm kriechend , häufig. Springende Fische, 
gleich denen von Hongkong, finden sich an offeneren, pflanzenleeren 
Stellen, die mit Steinen untermischt sind. Die Sandstrecken an der 
Meerseite der Halbinsel bieten nur ausgeworfene todte Muscheln und 
Tange, von ersteren namentUch solche aus der Gattung Area, von 
letzteren Sargassen. Stellenweise wird aber der Strand von grossen 
herabgestürzten Steinblöcken unterbrochen, und man ist sicher, an 
diesen Litorinen, namentUch L. scabra, L. melanostoma u. a., zu 
finden: L. melanostoma ist hier häufig und findet sich an allen Steinen 
rings um die Halbinsel und stellenweise sogar an Grashalmen : etwas 
tiefer sitzt eine Nerita. Strandkrabbeu fehlen auch hier nicht, sind 
aber so flüchtig als anderwärts. 

Die häufigsten Fische, welche ich sah, sind ein Caranx, der 
allmorgendUch frisch in grosser Anzahl in Fischerbooten an Land 
gebracht wurde , und ein grosser Tricliurus , den man an der Sonne 
trocknet, wie auch Cluysophrysarten u. a. Von den Fischern be- 
kommt man ferner noch Ostracion, Halieutaea stellata u. a. , von 
Muscheln Persona elathrata, Pecten pleuronectes, eine Lutraria aus 
der Gruppe Zenatia Gray u. a. 

6. Ueber die Thierkunde der Cliinesen und unsere 

Kenntniss chinesischer Thiere. 

Das Reich der Mitte beansprucht, das älteste Kulturland der 
Erde zu sein, und in der That finden sich auch, achtiuigswerthen 
Angaben zufolge, schon in früherer Zeit, als in unserem p]uropa, 
Beschreibungen und Abbildungen von zahlrei(;hen Tliieren, zwar 
nicht in eigenen Specialwerken, sondern nur m vielbänchgen Ency- 
clopädieen, z. B. in Ur ya tsiuen tu, bildüches Wörterbuch, und 
Sau tsai tu hwui, bildüche Encyclopädie , che ich in Shanghai bei 
Herrn Bridgeman (leider niu' zu flüchtig) durchzusehen Gelegenheit 
hatte. Eine fleissige Durchforschung dieser Werke und vielleicht 
noch mehr eine solche der zahlreichen Stadt - oder Provinz- 
Mouographieen dürfte manche interessante Thatsache in Betreff 
zeitlicher und räumUcher Verbreitung der Thiere ergeben: dazu 
gehört aber eben so eine fertige Kenntniss der schwierigen Schrift, 
als eine geA\nsse iBekamitschaft mit dem zoologischen System iiber- 
liaupt und dei; Tliierwelt Chinas insbesondere, um in A))bildung 
und Beschreibung che wesentlichen Charaktere herauszufinden und 



170 



Mytliisclie Tliiere der C'hiueseu. 



daraus wenigstens die Gattungen bestinunen zu können; ferner eine 
gewisse Nüchtenilieit des Urtlieils , um die natürliche (rrundlage aus 
den wunderbar klingenden Beri(;hten herauszidilauben: denn dass es 
an solchen nicht mangeln wird, zeigen die zahlreichen einfussigen, 
vielköpfigen und sonstwie verzerrten Figuren, welche ganz harmlos 
zwischen besseren , kenntlich gezeichneten Abbildungen vorkommen. 
Die Chinesen haben alle ihnen bekannte Thiere in vier Classen, 
vennuthlich nach den vier Ecken der Welt, gebracht und geben 
jeder dieser Thierclasseu, die nach der Körperbedeckung bestimmt 
sind, einen König: den nackten Thieren den Menschen selbst, dessen 
Existenz und l\*berinacht allerdings nicht zu bezweifeln ist, dagegen 
den Ilaarthieren das Einhorn, ki-lin, wohl unterschieden vom Nas- 
horn, si, den Eederthieren oder Vögeln eine Art Phönix, fung Invang, 
den Schalthieren eine grosse Schildkröte mit Hmidekopf und Haar- 
scliwanz, kwei, den bes(;huppten Thieren endUch den Drachen, 
ling, eine wirkUch fabelhaft abentheuerüche Gestalt mit Schlangen- 
leib und Adlerkrallen. 

In dem Vogelkönig wollen Einige den Argusfasan, Argus 
giganteus Tem., finden, der auf Malakka, Sumatra und Bomeo lebt, 
aber die chinesischen Figuren zeigen keine besondere Zeichnung der 
Fliigel, dagegen eine regehnässige Abstufung der Länge der Schwanz- 
federn , deren feine Zerzaserung an die ähnlich gefonnten Anhängsel 
der anderen Thierkönige erinnern, und so bin ich geneigt, alle für 
rein eingebildet, für die Thier- Ideale des chinesischen Gesclmiacks 
zu halten. Drachen und Ehdiorn spielen bekanntUch auch eine Rolle 
in den dunkleren Epochen der europäischen Bildung, die zwischen 
der Blüthe des Alterthimis und der Neuzeit liegen, die Beschreibungen 
des Phönix, welche uns Ilerodot, Plinius und später der Kirchen- 
vater Lactantius gegeben haben, })assen ziemlich auf einen chinesischen 
Vogel, den Goldfasan. Dieses deutet auf einen alten Verkelir zwisclien 
Occident und China , ejjen so wie die Bekanntschaft mit dem Löwen,') 
von dem man in China häufig Abbildungen luid Schnitzereien sieht, 
letztere z. B. in Shanghai fast an jedem Pfosten der Kaufläden, 
freili(;h hinreichend entstellt, um zu zeigen, dass ihe Künstler nie 
einen lebenden gesehen, in vollständigem Gegensatz zum Tiger; im 
ganzen Bereiche des chinesischen Reiches lebt unseres Wissens kein 
Löwe, wohl aber überall der Tiger, hu, wo er nicht durch die 
Dichtigkeit der menschli(;lien Bevölkerung verdrängt ist: er spielt 
dieselbe Rolle in der Anschauumj der Chinesen, wie der Löwe in 



Thierkenntniss und Thiernamcn. 



171 



der unsrigeu: tapfere Soldaten werden mit Tigern verglichen, die 
Schauspieler, welche Offiziere und Generale voi*stellen, bemalen ihr 
Gesicht mit schwarzen Linien , die denen des Tigergesichtes gleichen, 
und »den Tiger bei den Barthaaren lassen« ist sprüchwörtHche Be- 
zeichnung eines muthigen Mannes. 

Voreilige Schlüsse aus unvollständigen Beobachtungen haben 
auch bei den Cliinesen zu einer Reihe naturhistorischer Fabeln 
gefulurt, z. B. über Verw^andlung von einem Thier in ein anderes, 
Feldmäuse in Wachteln u. s. f., wie ganz ähnliche bei PUnius, selbst 
Aristoteles u. A. sich finden. Solche Vorurtheile sind auch in luiropa 
noch nicht erloschen, aber doch mehr und mehr auf die Ungebildeten 
beschränkt; in China aber hat die allgemeine A(;htung der Tradition 
sie auch bei den Gebildeten noch in voller Geltung erhalten, und 
sie erscheinen in der Litteratur oft als etwas längst Ausgematdites, 
Allbekanntes, ohne Spur eines Zweifels, aber auch ohne neue Be- 
gründung, ein Merkmal wissenschaftlichen Stillstandes.*") 

Dagegen könnte es scheinen, als ob die Chinesen in Betrefl' 
der allgemein verständlichen volksthümhchen Bezeichnungen der 
Thiere wissenschaftlicher als wir Europäer wären. Da nämlich das 
Wesen der chinesischen Schrift für jeden einzelnen Begriff, d. li. 
einfaches Nomen oder Verbum, ein besonderes Zeichen verlangt, 
aber eine grosse Anzahl miabhängiger Zeichen schwerer im Gcdächt- 
niss zu behalten ist, als gleich viele Zusammensetzinigen aus einer 
geringen Anzahl einzelner Zeichen (Buchstaben), so nmsste die 
cliinesische Sprache früher und allgemenier als die europäischen 
das Hülfsmittel einer Namengebung nach Art des naturhistorischen 
Systems ergreifen, nämUch den minder bekannten oder neu erkun- 
deten Thierarten nicht eigene unabhängige Namen zu geben, sondern 
den des nächsten allbekannten Thieres mit einem unterscheidenden 
Zusatz, oder auch, wo ein eigener Name vorhanden war, denselben 
mit dem des bekannteren verwandten Thieres zu verbinden. Es ist 
das nichts Anderes, als was in imseren deutschen Ausdrücken 
Fledermaus, Seehund, Walfisch und Haifisch stattfindet. Die euro- 
päischen Sprachen benutzen vielfach noch ein anderes Auskunfts- 
mittel, die Einfülirung von Fremdwörtern; aber dieses ist dem 
Cliinesen eben durch sein System, ganze Worte, nicht Laute zu 
bezeichnen, theoretisch ganz versagt, practiseh nur unvollkommen 
und mit Zweideutigkeiten möglich: die einzelnen Silben des Fremd- 
wortes werden nämlich durch diejenigen chinesischen Wortzeichen 



172 



Chinesische Abbilduiigeii. 



dargestellt, deren Aussprat'he ihnen am nächsten kommt, und die 
Sinnlosigkeit der Zusammensetzung zeigt an, dass diese Zeichen 
nicht als Begriffe, sondern nur als Lautnachahmungen aufzufassen 
sind. Für Fremdwörter ist demnach das Chinesische noch un- 
behülflicher und widerstrebender, als das Japanische mit seiner 
Silbenschrift. Aus diesen Gründen musste jenes erstere Hülfs- 
mittel eine mächtigere Entvvickelung gewiimen, und es ist eine 
Anzahl Wortzeichen zu generellen, unentbehrlichen Elementen der 
Thiernamen geworden; so li, Fuchs, für kleinere Raubthiere, tsioh 
lur kleine Singvögel und so fort. Dadurch wrd allerdings das 
Be^vusstsein der Aehnlichkeit aller Thiere, deren Namen denselben 
Bestandtheil enthalten, untfer einander dem Sprechenden, Hörenden 
und Lesenden immer wieder belebt, eine gewisse grobe System- 
kunde damit wach erhalten, aber wo dieselbe so grob ist, das 
Schuppenthier zu dem Fuchse, che Fledermäuse zu den Vögeln 
einzureilien , muss diese Jlethode der Benennung die richtige Er- 
kenntniss und nähere Einsicht eher erschweren als befördern. 

Kolorirte chinesische Abbildungen von Thieren, hauptsachlich 
von vierfüssigen , Vögehi, Fischen und Schmetterlingen, auf 
sogenanntem Reispapier, sind in Kanton, auch Hongkong, in 
Menge zu kaufen; ihre Ausfuhrung ist je nach Grösse und Preis 
verschieden, im Allgemeinen ungenau, die Zeiclmung entschieden 
schlechter und minder individuaUsirt , als die der japanischen, die 
Farben meist greller und bimter, als in der Natiur, öfters das Er- 
kennen der Arten mehr störend als fördernd. Leicht zu erkennen 
sind unter den vierfiissigen neben den Hausthieren der Tiger, Fuchs 
und ein Affe, Macacus, unter den Vögeln der Gold-, Silber- und 
Halsband- Fasan, ein Tragopan, Polyplectron und Cryptonyx, ") 
die chinesische Turteltaube, ein langschwänziger Papagei (Palaeomis), 
die chinesische Prachtelster, Calocitta Sinensis L.sp.=erythrorhyTicha 
Gmel., femer Paradies-, Reis- undCanarienvögel; diese drei letzteren 
zeigen deuthch, dass man nicht jeden auf chinesischen Bildern ab- 
gebildeten Vogel für einen chinesischen Vogel halten darf. 

Unter den Fischen kehren, wie zu erwarten, der Goldfisch oft 
wieder, dann mehrere Karpfen und Karauschen, verschiedene Silu- 
roiden, Siniperca, rothe Brassen (Chrysopluys oder Pagrus); nicht 
zu verkennen sind auch Belone mid Hetnirhamphus , so wie die 
Rochen. Auf ein paar Flossen und Flossenstrahlen mehr kommt es 
dem Zeichner dabei nicht an. Lacepede hat im Anfang dieses Jahr- 



Aeltere europäische Quellen über Clüua. 1 ^ " 

hunderts auf Grund solcher cliinesischer Bilder hin verschiedene 
neue Fische in das wissenschaftüche Tliiersystem einzufuhren gesucht, 
die in der Natur nicht so existiren, wie sie gemalt sind. Aher hei 
verstandiger Anleitung imd Hinweisimg auf wesentliche Merkmale 
kann man Chinesen sehr wohl zum Verfertigen befriedigender natiir- 
geschichtUcher Abbildungen benutzen, wie die Fischbilder in den 
Sammlungen von Reevcs und Basilewsky zeigen. Die chinesischen 
Sclunetterlingsbilder sind in Eiu*opa allbekannt, viele lassen existirende 
Gruppen und Arten wiedererkennen, al)er die Farben sind nicht 
immer zuverlässig; ich habe Blätter gesehen, die in Zeichnung der 
einzelnen Schmetterhnge, meist auch in der Gruppirung derselben, 
einfach Copieen von anderen , aber ganz abweichend colorirt waren, 
was dort rosenroth, hier grün und so fort: manchen Zeichmmgen 
derselben liegt wahrscheinhch gar keine l)estimmte Art, sondern 
nur der allgemeine BegriflF Schmetterling im Kopfe des Zeichners zu 
Grunde, der dann in verschiedenen Couleuren ausgefiilirt wird. 

Die allgemeinen Beschreibimgen des cliinesischen Reiches in 
europäischen Sprachen, von Du Halde (1735) an l)is Davis imd Wells 
WiUiams (1856 und 1857)**), geben alle ungefähr dieselbe Aufzählung 
der grösseren oder sonstwne dem Menschen \vichtigeren imd auf- 
fallenderen Thiere China's, welche hauptsächlich aus der chinesischen 
Litteratur, theilweise auch aus den Erfahrungen der katholischen 
Missionaire geschöpft scheint: gemäss der Ausdehnung des Reiches 
finden wir darin bunt durch einander die menschenähnUchen AflFen, 
sing- sing und fifi, Hylobates?, den Tapir, meh, und das Rhinoceros. 
si, aus der wasser- und waldreichen, tropischen Buiiienprovinz 
Yunnan, an der Gränze von Hinterinchen , das Moschusthier, shie 
oderhiang tshang, duftende Gazelle, aus den Gebirgen von Setshuen 
an der thibetanischen Gränze, mit dem Dscliiggetai , luh schuh, und 
der gelben Ziege, wang yang, Antilope gutturosa Pall. der mongo- 
Uschen Bergweiden, und den Seehunden der nördlichsten Provinz, 
Liautong, wo auch schon einmal ein Eisliär gesehen worden sein 
soll; aber auch brauchbare Notizen über das Vorkommen verschie- 
dener Bären, Hasen, des Schuppcntliieres, der Fasanen und 
anderer Thiere in China finden sich in diesen älteren Berichten. 
Weniger hieraus, als nach den imbestimmten Angaben von 
Matrosen und Händlern, figurirt die Vaterlandsangabe China imd 
die Artbezeichnung Sinensis oder Chinensis in den systematisch- 
naturgeschichtUchen Werken seit der zweiten Hälft« des vorigen 



174 



Eiiropäisclie Naturforsrlicr in China. 



Jalirlmnderts: in der Regel sind es Gegenstande, die in Kanton 
gekauft wurden, im besten Fall wirklich im südliehen Cliina ein- 
heimisc^h, zuweilen aucdi nur durch den Handel dahin gekommen, 
z. B. Stubenvögel , — der seit Brisson sogenannte» Psittacus Sinensis 
lebt gar nicht in China, sondern auf den 3Iolukken, Maja Sinensis 
Briss. auf den Sundainsehi, und beide werden häufiger in Eiuropa 
als in China gehalten — andere waren von Cocliinehina oder anderen 
Küstenländern des chinesischen Meeres mitgebracht: bei noch anderen 
bezieht sicli die Bezeiclinung Sinensis gar nicht auf das Vaterland, 
sondern auf die Formähnlichkeit mit einem chinesischen Hut oder 
chinesischen Thunn, so bei Patella (jetzt Calyptraea) Sinensis Linne 
und Murex (jetzt Cerithium) Sinensis Gmel.. denen der Linne'sche 
Name Voluta Lapponica ebenbürtig zur Seite steht. Auch die 
früheren englisclien Gesandtschaftsreisen von Graf Mac artney 1792 
und Lord Amherst 1816 brachten der speciellen Zoologie nur wenige 
llesultate. Einiges verdanken wir der Reise um die Erde, 1830—1832 
ausgeführt auf dem königl. preussischen Seehandlungschiff Prinzess 
Louise, commandirt von Capitän Wen dt, mit dem Naturforscher 
F. .1. F. Meyen. Dieser gibt in seinem 1834 — 1835 erschienenen 
Reisebericht einige specielle Fundorte und Beschreibungen süd- 
<^hinesischer Vögel und Reptilien. Die speciellere Kenntniss der 
Zoologie beginnt erst mit dem gewaltsameren Eingreifen der Euro- 
päer in China, dem berüchtigten Ophunkriege 1840, während dessen 
die Tshusaninseln , südlich von Shanghai , von den Engländern besetzt 
wurden. Wie bei diesem Volke jode politische Besitzergreifung als- 
bald auch zu einer wissensc^haftlichen wird, so fand sich auch hier 
unter den Militärärzten ein eifriger Naturforscher, Tlieodor Cantor, 
der \un cheses Zweckes willen sich zu dem Expeditionscorps hatte 
versetzen lassen und trotz des traurigen, ihn selur in Anspruch 
nehmenden Gesundheitszustandes der Truppen doch eine inhalts- 
reiche Uebersicht der Flora und Fa\ma dieser Küsteninseln zu Stande 
brachte (Annais and magazins of natural history X. 1842). Gleich- 
zeitig und auch schon vorher hatten zwei Engländer, Reeves, 
Vater und Sohn, einen langjährigen Aufenthalt in Makao und Kanton 
zum Sammeln von Exemplaren und Anfertigenlassen von Abbildungen 
südchinesischer Thiere benutzt: die Resultate davon, die Fische 
betreffend, liegen in Richardson's Report on the Chinese ichthyology 
(Report of the British association for the advancement of science, 
1845) vor, während Dr. J. il. Gray mehrere von ihnen erhaltene 



Neuere Sammlungen. Eintheilung Chinas. 17^ 

neue Säugethiere schon frülier in den Illustrations of Indian zoologj'^ 
hesclirieben hatte, die Vögel und Reptilien aber alhnälirh durch die 
Museen in die systematischen Werke gelangten. Seitdem haben die 
zahlreichen friedlichen und kriegerischen Expeditionen mehr und 
mehr zur Kenntniss der einzelnen Küstenplätze beigetragen, nicht 
nur des südhchen China's, wie früher, sondern auch des mittleren, 
Araoy, Shanghai, und des nördlichen, Tientsin. In Peking hat ein 
Russe, Basilewsky, eine Anzahl Fische, theils des süssen Wassers 
nach frischen, theils des Meeres nach gefrorenen oder getrockneten 
Exemplaren, besclirieben und abbilden lassen;') ebenfalls über 
Russland hat die Wissenschaft durch Bremer und Grey die »Rei- 
trage zur Schmetterhngsfauna des nördlichen China, Peters1)urg 1853« 
erhalten, Consul Swönhoe hat werthvolle Beobachtimgen über die 
höheren Tliiere bei Amoy, so wie auf Formosa, gemacht, und ein 
Sohn des um die japanische Faima so sehr verdienten Prof. Schlegel 
eine Sammlung Fische von Amoy nach Holland geschluckt. * ^) Auch 
der dritte chinesische Krieg ist nicht ohne Elrfolg für die Thierkiuule 
geblieben, indem unter Anderem von dem französischen Militärarzt 
Debeaux Landschnecken zu Tientsin und Tschifu gesanunelt wurden. 

Es ist leicht einzusehen, dass eine na tu rgemässe Betrachtung 
die südliche, tropische und subtro|)ische , Fauna Chinas von der 
nördlichen, mantschurisch-mongoUschen trennen muss, aber weniger 
leicht, wo die Gränze beider zu ziehen sei, indem wahrscheinlich 
gar keine schroffe Abgrenzung, sondern ein allmälichcr Ucbergang 
stattfindet. 

Für die Küstenländer fallt dieser Gegensatz grossentheils 
zusammen mit dem des Berglandes und der Stromebenen, und da- 
durch empfiehlt es sich, die Gränze ziemlich weit nördlich zu legen. 
Beide Gebiete zerfallen durch die Configuration des Landes in Lnter- 
abtheilungen , das nördliche in die ilachen Küsten dos Golfes von 
Petsheli, das isolirte Bergland Shantong und die Tiefe])ene der 
beiden grossen Ströme, Hoangho und Yangtsekiang, das südUche 
in die subtropische Ostküste, von den Tschusaninseln bis etwa 
Swatau, und die tropische Südküste.**) 

Die Differenz der mittleren Jahrestemperaturen von Peking 
und Kanton, 9,8 imd 16,8° R., beträgt 7, die mittlere des wärmsten 
Monats beider Städte ist nahe an 22° R. , die des kältesten ist m 
Peking — 3,1, in Shanghai + 2,8, in Kanton -h 9,1. Dieses gibt 



17b Nordchincsisclie Tlüere. 

einen ungefähren BegrÜF der Teinperaturdifferenzen zwischen dem 
Norden und Süden Cliina's. 

Wenig jenseits der chinesischen Mauer bei der kaiserlichen 
Sommerresidenz Dsheho werden (Ue Hasen im Winter weiss (Staunton 
in Macartney's Reise), wie auf den Alpen, in Skandinavien und 
Sibirien. An der Küste von Tschifu, Provinz Shantong, am £Iingang 
des Golfs von Pctsheli sammelte Herr O. Schottmüller während 
des Aufenthalts der ^Vrkona daselbst che mitteleuropäische Unke, 
Bombinator igneus Merr., und eine uralokaspische Eidechse, Eremias 
variabilis Pall. sp. Im Bergland derselben Pro\'inz Shantong lebt 
na eil älteren Nachrichten noch ein grösserer Bär, hiung-lin (Ursus 
aretos? Japonicus?). während im mittleren China gar keiner und 
im südlichen nur der kleinere malaiische vorzukommen sclieint. Bis 
zur Mündung des Yangtsekiang ist ein dem mongoUschen tolai min- 
destens ähnlicher Hase*) häufig, und wenn man aus der Menge der 
zu Shanghai feilen unverarbeiteten Bälge schliessen darf, auch der 
blassgelbe sibirische litis, Mustela Sibirica Pall., yu, und der Fuchs, h. 
Dieser muss in der ursprünglichen Heimath der Cliinesen häufig 
sein, da sein Name als Gattlingsbezeichnung aller kleineren Baub- 
thiere, selbst der Katze, gilt: aber im Süden von Cliina scheint er 
niclit vorzukommen, wenigstens finde ich keine Angaben darüber in 
der Litteratur: die Bälge, welche idi zu Shanghai sah, waren schön 
gelbroth, und icli hielt sie so w^nig wie die japanischen, vgl. oben 
S. 152, für verschieden von dem europäischen Fuchs. Unter den 
121 Schmetterlingen aus der Umgegend von Peking bei Bremer imd 
Grey'*) sind 52 mittel- und südeuropäische ^Vrten, darunter der 
kosmopolitische Distelfalter, 49 neue, die übrigen ostasiatisch- 
indische Formen. Die Süsswasserfische des Peiliogebietes und des 
unteren Yangtsekiang sind, soweit ich aus Basilewsky's und meinen 
Beobachtungen schliessen kann, in Gattungen und Habitus ziemlich 
übereinstimmend. Am meisten fallt auf, dass Basilewsky Osteo- 
glossum, sonst tropische Fische, dort gefunden haben will. Eine 
weitere tropische Gattimg, die sich sowohl bei Peking als Shanghai 
findet, Ophicephalus , ist von geringerer Bedeutung, da diese 
Fische in ganz Ostasien als Speise geschätzt sind und aus China 
nach Japan gebracht \\iirden, vergleiche oben Seite 125, daher 
wohl aiicli aus den südlicheren Theilen China's eingeführt sein 
können. 



Faiina des mittlem Clüna's. 1 • • 

Die grossen Seen, welche landeinwärts nahezu in Einer 
Reihe vom Peiho bis über den Yangtsekiang hinaus liegen, dürften 
noch manches interessante Süsswasserthier beherbergen. 

Südlichere Formen, die sich noch um Shanghai, aber unseres 
Wissens nicht nördUcher, finden, sind die Schnappschildkröte, die 
Gobioiden und die Süsswasserkrabben. Auf dem Tshusan - Archipel 
hat deren Zahl bedeutend zugenommen, imter den Säugethieren 
erscheint hier zuerst das Schuppenthier, Manis (vermuthlich Manis 
Dalmanni Sundevall), der sclmppige Bergdurchbohrer, tshun shau 
kap, oder Karpfenfuchs, Ung-li, der Chinesen, über das sie mehr 
fabeln, als unsere Landleute über den Igel; unter den Vögeln die 
Gattungen Dicrurus und Philedon (nacli Cantor), unter den Reptilien 
mehrere Gecko, ein Scincoid und eine Reihe indischer Schlangen- 
formen, darunter die Brillenschlange, Naja tripudians var. atra, und 
eine Riesenschlange, Python reticulatus Sclmeider sp.; letztere ist 
aber walirscheinhch durch die Menschen eingeführt, da die Cliinesen 
sehr oft ein solches Thier aus abergläubischen Rücksichten in iliren 
Schiflfen halten und futtern, wo sie sich übrigens als Mäuse- und 
Rattenvertilgerin practisch nützlich macht. Unter den Süsswasser- 
fisclien treten zu Opliicephalus mehrere stachelflossige Labyrinthfische 
indischer Gattungen. Die Frösche und Kröten von Tshusan und 
dem benachbarten Ningpo stimmen aber noch mit den mittel- 
europäischen überein; in Ningpo ist auch ein Salamander, Triton 
(Cynops) Chinensis Gray (Proc. zool. soc. 1859) gefunden worden. 

Der chinesische Obstfuchs, Canis procyonoides Gray, ko tz li 
oder auch höh, im Kantondialekt kok, ein naher Verw^andter des 
japanischen tanuki, wird fast in jeder Beschreibung von China 
erwähnt, aber man erfahrt in keiner derselben, in welchen be- 
sonderen Gegenden er vorkommt; ich möchte ihn fiir ein mittel- 
und südchinesisches Thier halten, da er zuerst durch Reeves' 
Sammlungen näher bekannt wurde und vieUeicht die Angabe auf 
ihn zu beziehen ist, dass in der Provinz Kwantung wilde Katzen 
von den Einwohnern gegessen werden (Wells Williams, third edition, 
1857, pag. 249). Eben so geschieht der fliegenden Eichhörnchen 
öfters Erwähnung, unter den Namen \vu shu, im Kantondialekt 'ng 
shii, fei -shu, fi-sang, Fluggebärer, undi-yu, Pfotenvogel; Swinhoe 
hat zwei Arten derselben von Formosa beschrieben, von denen, wie 
in Japan, die eine der nordischen, die andere der indischen Reihe 
angehört. Gewöhnliche Eichhörnchen, sung - shü, Bergmaus, genannt, 

Ott • Aaien. Zoologisch. I. 1*2 



1 'ö pyichhornchen , Hirsche, Viverrcii und Reptilien. 

scheinen durch ganz China häufig zu sein; es ist kaum zu bezweifehi, 
(lass im Norden die durch das ganze waldige Sibirien häufige, mit 
der europäischen übereinstimmende Art vorkomme: im südlichen 
China gibt es mehrere Arten , welche von Einigen mit hinterindischen 
und javanischen für identisch gehalten werden, während Gray zwei 
als eigenthümliche, Sc. Chinensis und castaneiventris, neu benannt 
hat: letzteres geht nördlich bis Amoy. Auch von Hirschen gibt es 
in Cliina verschiedene Arten , deren Unterschiede imd geographische 
Verbreitung aber trotz der neuesten, scharf trennenden Aufzählung 
von Swinhoe**) noch w^enig sicher stehen: nach demselben gibt es 
im mittleren und südUchen Theil des Reiches nur kleinere, sechs- 
endige, meist gefleckte Arten, daher Geldhirsche, kin-tsien-luh, 
genannt, den indischen und dem japanischen verwandt: jenseit« der 
grossen Mauer, in der Tartarei und Mantschurei, neben solchen 
auch grössere, namentlich unsere europäische Art, Cervus elaphus; 
auf diese grösseren beziehen sich wohl die älteren Angaben, dass 
»Elennthiere« auf den Markt von Peking kommen, so wie die 
cliinesischen Namen tili, nang und mi. Im Norden ^-ie im Süden 
werden lebende Hirsche in Parken gehalten, und der Fremde kann 
nicht immer erfahren, wo die Arten, die er sieht, ihre Heimatb 
haben. Wildschweine scheinen durch ganz Cliina verbreitet zu sein. 

Mit dem südlichsten, tropischen Tlieil des Festlandes hat For- 
mosa einige kleine llaubthiere gemein, so die Zibetkatze, hiang-li, 
duftender Fuchs der Cliinesen (Viverra indica Gmel. = pallida 
Gray), femer die Gattungen HeUctis und Paradoxunis (Gray, Pro- 
ceed. zool. soc. 1831 und Swnnhoe 1. c). Der tropischen Südküste 
eigenthümlich scheint die Eidechsengattung Liolepis, eine Blind- 
schlange, Typhlops, und mehrere Giftschlangen der indischen 
Gattungen Bungarus und Tropidolaemus. Liolepis und Bimgarus 
erhielt ich selbst in Kanton von befreundeten Deutschen. Zweifelhaft 
ist es, ob auch noch Varane und Krokodile im südlichsten Theil 
von China vorkommen, beide sind in Hinterindien und dem ganzen 
indischen Archipel häufig, daher kein Grund vorhanden, warum sie 
nicht da sein sollten; aber für beide ruhen die positiven Angaben 
ilires Vorkommens auf schwachen Füssen, bei Varanus bivittatus 
ist es der allgemeine Ausdruck b Cliina« bei einem Exemplar des 
britischen Museums; in Betreff* des Krokodils er^vähnen chinesische 
Quellen, dass in früherer Zeit solche, ngoli, an einer bestimmten 
Stelle der Provinz Kwantung gelebt haben, und der Ausdruck soll 



SQdchinesische Vogel. Fasanen. 



179 



noch jetzt für räuberische mächtige Mensclien im Gebrauch seiii 
(Wells WiUiams dictiouary of the Cantondialect pag. 328). 

Tropische Formen des südlichen China's sind unter den Vögeln 
die Grattungen Endynamis, Centropus (bis Formosa), Bucco, Eu- 
rystomus, Pitta (selten, vielleicht nur verirrt), F^ancolinus Sinensis, 
Lobivanellus (als Zugvogel im Sommer bis zum Yangtsekiang), 
Rhynchaea und Parra Sinensis. Papageien werden schon in den 
älteren Beschreibungen von Cliina erwähnt, aber die meisten der in 
Kanton käuflichen sind fremde, aus dem indischen Archipel eingeführt, 
wie mit Recht schon Murray und Williams bemerken. Du Halde nennt 
die zwei südhchsten Küstenprovinzen Kwangtung und Kwangsi , ferner 
die Binnenprovinz Setshuen als ilire Heimath. Aller Wahrschein- 
lichkeit nach gehören sie zur Gruppe Palaeomis, die in Vordcr- 
und Hinterindien bis zum Hunalaya in mehreren Arten vertreten ist : 
in Reeves' Sammlung findet sich der über diese beiden Ilalbinsehi 
verbreitete Psittacus (Pal.) cyanocephalus L. =: Bengalensis Briss. als 
chinesischer Vogel, und von derselben Art wurde nach Swinhoe ein 
Trupp in neuerer Zeit einmal bei Kanton von Dr. Dod beobachtet.**) 

Den Glanzpunkt der chinesischen Vogelwelt bilden die Fasa- 
nen, nach denen Sclunarda China tlüergeographisch das Reich der 
Phasianiden genannt hat. China ist in der Tliat die Mitte der 
geographischen Verbreitung dieser Vögel , welche von hier aus nach 
Japan, der Mongolei, Centralasien bis zum kaspischen Meer, den 
beiden indischen Halbinseln und den Sundainseln ausstrahlt. Doch lel)t 
nur eine Art wild in den Küstenprovinzen China's, der Halsbandfasan, 
Phasianus torquatus Tem., vom Amurland bis Formosa verbreitet. 
Gold- und Silberfasan sind längst von Cliina nach Europa gekommen, 
so dass sie hier jedes Kind kennt; auch in China werden sie nur 
ihrer Schönheit wegen gehalten, und ihr Vorkommen in der Freiheit 
kennt man noch wenig. Der Goldfasan findet sich nach Pallas wild 
in DawTirien und der östlichen Mongolei bis zum Amur, Du Halde 
gibt an, dass der kin-ki, Goldhahn, — so nennen die Chinesen 
diesen Vogel — in den Binnenproinnzen Sliensi. Setshuen und 
Yunnan, also weit nach Süden, vorkomme, und neuere europäische 
Angaben versetzen ihn gar nach Müigrelien als Gesellschafter des 
ächten Fasans. Der Silberfasan, peh liiaii, weisser Fasan, genannt, 
soll in waldreichen, bergigen Gegenden des südli(*Jien Cliina's 
leben und auch schon bei Amoy vorgekommen sein. Zwei andere, 
noch statthchere Fasanenarten sind erst in unserem Jahrhundert 

12* 



löv Vogelhäuser iu China. 

den Europäern in Cliina bekannt geworden, der Phasianus Reevesii 
J. E. Gray := venera tus Tein. := superbus Jardine, tschi-kai der 
Chinesen, unserem europäischen Fasan gleichend, aber mit doppelt 
so langen, queergebänderten Schwanzfedern, die von den chi- 
nesischen Schauspielern als Kopfschmuck bei vornehmen Rollen 
gebraucht werden, wie ich selbst im cliinesischen Tlieater zu 
Singapore regelmässig sah, \md Ph. (Thaumalea) Amherstiae Lead- 
beater, in Kopfhaube und Halskragen dem Goldfasan ähnlich, aber 
ganz anders gefärbt: die Haube roth, der Kragen weiss mit ähnlichen 
schwarzen Bändern, Oberrücken und Brust metallgrün, der Bauch 
weiss, die Schwanzfedern weit länger und queergebändert , medallion- 
pheasant der Engländer. Der erstere soll im Binnenland des nörd- 
licheren Cluna bis zum Yangtsekiang hin, nach Anderen »in den 
hohen Gebirgen von Cliina«, der zweite in der Gränzprovinz Yimnan 
oder in Tibet selbst vorkommen. Das Verdienst, den ersten in den 
Bereich europäischer Kenntnissnahme gebracht zu haben, gebülirt. 
dem Engländer Beal e, welcher eine lange Reihe von Jahren hindurch 
(mindestens 1808 bis 1831) ein mit Recht berühmtes VogeUiaus, 
aviary, in Makao unterhielt und darin die schönsten Vögel des 
chinesischen Binnenlandes und der angränzenden Länder, die nur 
irgend lebend zu erhalten waren, versammelte, so unter Anderem 
auch einen Tragopan und einen tibetanischen Pfau, Polyplectron, 
der auch sonst von chinesischen Grossen zahm gehalten wird. 
Ueberhaupt ist es eine alte Sitte in China, lebende Thiere, wie 
Hirsche, Fasanen, selbst Fische, nur um der Freude an ihrer 
Schönheit \villen, lebend zu halten.'*) 



ANMERKUNGEN. 



^) V. Fraucnfeld, Notizen über die Fauua Hougkong's und Slianghai's, aus dem 
XXXV. Baude, Jahrgang 1859, der Sitzungsberichte der inath. naturwiss. Classc 
der kais. Akademie der Wisscnschaflen in Wien, S. 250 (12). Au» dem in Shanghai 
erscheinenden Shanghai Almanae, prhited at the Nortli China Herald oflice, Jahr- 
gang 1860, entnehme ich folgende Temperaturangaben der uns hier gerade intercssi- 
renden Monate nach einer Beobachtungsrcilie von acht Jahren, 1852 — 1859: 

Mittlere Temperatur 



des Tages 

Januar 44 bis br F. = 5^ bis 8^"" R. 

Mirz 51 bis 56° F. = 8^ bis 105^'' R. 

Juli 85 bis 92° F. = 23^ bis 26%° R. 



der Nacht 
20 bis 35° F. = — 5i bis -+- 1^° R. 
38 bis 43° F. = '2>, fast 5° R. 
76 bis 80° F. = 194 ^'s *-^' H. 



Die Breite von Shanghai ist 31° 14', also die von Marokko und uordanicrika- 
nisch Georgien, S. Diego in Califomicn und der Südspitze von Japan. 

In Nangasaki beträgt die mittlere Temperatur (Tag und Nacht) des Januar 
-h 4,57, des März 7,65, des Juli 21,05° R. 

^ Der Hase, den ich zu Shanghai gesehen, stimmt in vielen Beziehungen mit 
dem centralasiatisehen Lepus tolai Pall. übercin: die Haare des Rimipfes waren we- 
niger wollig als bei dem europäischen , die des Rückens hatten vorstehende schwarze 
Spitzen, die der Seiten vorstehende weisse; Nacken und Aussenseite der Ohren 
rostgelb, am vordem oder innern Rand der Ohren aussen ein undeutlich begränzter 
hellbrauner Streifen, am hintern oder äussern Rand aussen und oben ein scharf be- 
gr&nzter schwarzer Flecken. Die Ohren länger als der Kopf. Der Schwanz oben 
braun, etwas dwikler als der Rücken, doch nicht schwai*z, unten weiss. Durch die 
Länge der Obren weicht er auiTallend sowohl vom japanischen Hasen , als von Lepus 
Sinensis Gray ab, den ich nur aus der Abbildung in den illustrations of Indian zoo- 
logy kenne. Das nackte Zwischenläppchen der Oberlippe nicht gefaltet. Die Bart- 
tiaare in ihrer vordem Hälfte schwarz, in der hhiteni weiss. Totallänge von der 
Schnauze zur Schwanzspitze nur 0,460 Meter. Kopflänge 0,084, Ohrenlänge 0,Oöo, 
Schwanzlänge 0,088 Met. 

•) Basilewsky, Nouvelles memoires de la socirte des naturalistcs a Moscou X. 
1855, p. 256, unter dem Namen Syung-yui, mongolisch cirima; acipenscri ailinis, 
sed dorso laevi nee scutellato, genis fusco viride maculatis, rostro aeuto longi- 
tudinc corporis. Habitat in aquis profundiorihus, fluvio flavo et aliis Mongoliae attpie 
Mantschuriae prope locos saxosos, longitudinc 10 — 20 pedum, solc Oriente et occi- 
dente diebus obscuris super a(}uam eniergit; pracdatur tertia luna (nach chinesischen 
Büchern). Wells Williams, tonic dictionary of the Chinese language in the Canton 



182 



Anmerkungen zu China. 



dialect, Canton 1856, 8vo, 8. 552, erklärt eines der vielen tsin als au enormous 
fish with a long nose, found in the Yangtsekiang , probably a stiu'geon. Dieses ist 
offenbar unser Fisch. In den altern Nachrieht«n über die chinesische Fauna finde 
ich nichts, was mit Wahrscheinlichkeit auf ihn zu deuten wäre; Du Halde spricht 
wohl von einem grossen Fische des Yangtsekiang, bis achthundert Pfund schwer, 
der aus einem See zu gewissen Zeiten in diesen Strom komme, nennt ihn aber 
whang-yü, den gelben Fisch, was nicht auf unseni Polyodon passt; doch könnte 
diese üebersetzung auch eine unrichtige sein, da auch Wells Williams 1. c, S. 672, 
ein ebenfalls hwang gesprochenes, aber anders als das Wort gelb geschriebenes 
Zeichen für den grossen Stör des Yangtsckiang anfuhrt. Die wirklichen Störe un- 
terscheidet Du Halde als cho-kya-yü, geharnischte Fische. 

Die Beschreibung dieses Fisches habe ich von Shanghai aus nach Berlin gesandt 
und sie ist in den Monatsberichten der Berliner Akademie , 2. Mai 1861 , S. 476 , abge- 
druckt; Lieutenant, jetzt Capitän Werner, Conunandant des königl. preussischen 
Transportschiffs Elbe, der zu gleicher Zeit mit mir in Shanghai war, hat von da 
ein Exemplar in getrocknetem Zustand dem Hamburger Museum gebracht, das später 
von Prof. Raup in Troschel's Archiv für Naturgeschichte , Bd. XXVIII. 1862, S. 278, 
als Spatularia angustirostris beschrieben wurde, mit der unrichtigen Vaterlandsangabe 
»japanisches Meer». Werner hatte mir dasselbe an Bord der Elbe seiner Zeit selbst 
gezeigt, einige Tage nachdem ich ihn zu Wusung gefunden, und gegen mich sein 
Erstaunen über diesen >Süsswasserhai« ausgesprochen. Da sein Leib ganz nackt 
ist , sieht er allerdings , abgesehen von dem Kicmendeckcl , äusserlich einem Hai ähn- 
licher als einem Stör. 

lieber den Grad der Trübung des Wassers an der Strommündung findet sich 
bei v. Frauenfeld am angefuhi-ten Orte, S. 249 (11), die Bemerkmig, dass eine 
20 Centimeter hohe Säule bei Wusung geschöpften Wassers einen Niederschlag von 
fast 1^ Millimeter ergab. Diese Menge fester Bcstandtheile im Wasser sei aber 
nicht unmittelbar vom Strom herabgeführt , sondern auch vom Grunde durch die 
Fluth- und Ebbe - Bewegung aufgerührt, denn weiter oberhalb, schon bei Shanghai, 
ist das Wasser heller. 

*) Diese Paludinc, in den Sammlungen als P. quadrata Bens, bekannt, ist die 
Nerita angularis von O. Fr. Müller, wie in der speciellen Bearbeitung der Süss- 
wasser- Mollusken näher ausgeführt werden soll. 

^) Dass auch der Kormoran, Ualieus carbo L. sp. (Sinensis Shaw), in China 
als zahmer Vogel zum Fischfangen gehalten wird, ist bekannt; diese Sitte scheint 
aber nur einzelnen Gegenden eigen zu sem; ich sali ihn nie, wohl aber ein anderes 
Mitglied unserer Expedition , Herr II. Maron , auf seinem Ausflug von Shanghai aus 
in den Seidendistrikt auf dem U^ng-su- Flusse unweit Selitschau, vergl. dessen 
Keiseskizzen »Japan und China-. Berlin 1863, 8vo, Bd. L, S. 209. Er wie andere 
Europäer in Shanghai weiss nichts von dem Ringe, der nach altem Sagen den Vögeln 
um den Hals gelegt werden soll, um sie am Selbstverzehren der gefangenen Fische 
zu verhhidem. Ob dieser Vogel aber auch gezüchtet werde oder nur stets wieder 
wilde eingefangen , wie es beim indischen Elephanten der Fall ist , war nicht zu erfahren. 

Etwas ausführlicher habe ich über die chinesischen Uausthiere in Weinland's 
zoologischem Garten, Jahrgang II. 1861, S.222 f , berichtet, mit Zuziehung der mir 



Aniuerkuugen zu China. lOo 

damals üi Chiua zugänglicheu Litteratur; in Obigem sind nur die unmittelbar selbst 
gemachten Beobachtungen gegeben. 

•) Robert Swinhoe, Narrative of a visit to the island of Formosa. Journal of 
the North China Brauch of thc Royal Asiatic society, 1859, 8vo, 
pag. 145 — 164. 

— uotea on some ncw species of birds fouud in the island of Formosa. 

Ebenda, pag. 225— 2^0 und Sclater's Ibis 1863, pag. 196, 250, 377. 

— mammals observed in F., Proceedings of the zoologicai society of 

London, 1862, pag. 347 — 365, mid 1864, pag. 185. 

— ucw species of birds, described by Gould. Aiumls and magaziiie of 

natural histoi-y, c. XII., 1863, pag. 158. 
Unter den achtzehn Säugthieren sind neun, also die Ilälfle, vernmthlich der 
Insel cigenthümliche Arten, die interessantesten davon ein Affe, eine Art Panther, 
ein kleines Schwein und eine der japanischen und sumati*anischcn ähnliche Berg- 
antilope (Macacus cyclopis, Leopardus brachyurus, Porcula Taivana und Capricornis 
Swinhoii); unter den sechszehn neuen Vögeln ist namentlich Euplocanuis Svvinhoii 
hervorzuheben als Vertreter euier auf Hintcrindien bis Borneo einheimischen Fasaneii- 
gruppc 

^ V. Frauenfeld 1. c. , S. 244 — 247, nennt verschiedene Vögel, Reptilien und 
zwei kleine Süsswasserfische der Insel, und macht interessante Bemerkungen über 
die Coleopterenfauna der Insel nach Sir Bowring's Sanmilung: reich an Lamellicor- 
nien, Bock- und Rüsselkäfern; viele Cicindclen, aber kein ächter Carabus mehr. 
Ursprünglich scheint die Insel nur kleine Säugthiere, wie Mäuse, Fledermäuse und 
Spitzmäuse beherbergt zu haben; die Engländer haben aber nun einen kleinen Wie- 
derkäuer, Moschus (Tragulus) Javanicus Gmel., eingeführt. 

•) Es gelang mir nicht, das Thier wiederzufinden , das v. Frauenfeld 1. c. S. 248 
als einen sehr schonen Frosch, in die Nähe von Dactylethra gehörig, bezeichnet, 
woran vielleicht die Verschiedenheit der Jahreszeit zwischen seinem und meinem 
Besuche Schuld wai*. 

*) Lebende Löwen kamen im fünfzehnten Jahrhundert mehrmals an den chine- 
sischen Hof als Geschenke westasiatischer Fürsten, wie Murray in dem gleich zu 
erwähnenden Werke Bd. III., pag. 395 erzählt. Das nächste Vorkommen des Lö- 
wen unseres Wissens ist die Halbinsel Guzerate im westlichen Vorderindien und 
das untere Euphratland (das alte Babylonien). 

***) Ein auffallendes Beispiel thcilweiser Kritik in solchen Fragen hei einem chine- 
sischen Schriftsteller gibt Weinland, der zoologische Garten IL, S. 46. 

") Unter den allgemeinen Beschreibungen des chinesischen Reichs ist diejenige 
von Murray reich an zoologischem Detail, das von ausgebreitetem Wissen und rich- 
tigem Urtheil zeugt und hauptsächlich dem gründlichen Kenner des indischen Archipels, 
J. Crawfurd, zu verdanken ist. Der Titel lautet: an historical and descriptive 
account of China, by Hugh Murray, John Crawfurd, Peter Gordon, Thom. Lynn, 
Will. Wallace and Gilbert Bumett. Edinburgh 1836. Drei Bände in klein 8vo. 

*^) Bremer und Grey, Beiträge zur Schmetterlingsfauna des nördlichen Cluna. 
Petersburg 1853. Der wesentliche Inhalt auch von Kollar mitgetheilt in den Ver- 
handlungen des zool. bot. Vereins in Wien, IV., 1854. Die Ritterschmetterlingc 



184 



Aiuiierkuiigeii zu China. 



Cliiua's (und Japans) hat Snellcn van Vollenliovcii nach dem Material des Leidener 
Museums 18G0 zusanunengestcllt. 
Swinhoe, ornithology of Amoy, hi Dr. Sciater's Zeitschrift Ibis II. 1860 p. 45, 130, 
428, und im Journal of the asiatic society of Bengal, 1860, pag. 240— *266. 

— birds observed at Tientsin. Proceedings of the zoolog. society, 1862, 

pag. 315—320. 

— catalogue of the birds of China, with remarks principally on theii* gco- 

grapliical distribution. Ebenda 1863, pag. 259 — 329; Nachträge dazu 1864, 
pag. 271. Swinhoe unterscheidet die weissflGgligc Bachstelze China*s und 
Kamtschatka's (oben Seite 155) als Motacilla ocularis von der japanischen, 
M. Japonica , und von der osteuropäischen lugubris , ebenso die ostasiatische 
Schwalbe (oben Seite 94 und 165) als Hirundo guttiiralis Scopoli von der 
europäischen Rauchschwalbe. 
Die von Swinhoe gesammelten Reptilien sind beschrieben in Günther*8 Reptiles 
of British India. 1864. 

Blceker in Nedcrlandsch tijdschrift voor de Dierkunde, 1864, S. 18 und 58, über 
aus Peking und Amoy eingesandte Fische. 

*') Der französische Missionar Huc, welcher wohl unter allen Berichterstattern 
extensiv am meisten vom Reich der Mitte gesehen hat , theilt dieses nach Temperatur 
und Produkten in drei Gürtel, die ich hier zur Vergleichmig und Orientiruug mit 
Aufzählung der einzelnen Provinzen angebe: 

A. Der nördliche, bis herab zum 35stcn Breitegrad, mit Hirse, Mohrhirse 
und Hafer als Kulturpflanzen, noch ohne Tbee, Reis mid Maulbeerbaum. 
Der einzig grössere Fluss ist der Peiho. Hierher die Provinzen 

1. Liautong, die Südküste des Golfs von Petsheli, naturhistorisch mit der 
Mantschurei übereinstimmend. 

2. Petsheli mit Peking. 

3. Shantong, am Meer, trennt den Golf am Petsheli nach Süden ab vom 
gelben Meer. 

4. Shansi , mifr zahlreichen Solfataren, i . ^. , , , 
_,,,.., rw^ , - I wn Bmnenlande, an der mongo- 

5. Shensi, reich an Traubengarten, v u r^ 

6. Kansu (Kantsio) reich an Steinkohlen, ' 

B. Der mittlere Gürtel, zwischen dem Nord- und Südgebirge, Tsinting oder 
Peling und Nanling, das Land der zwei grossen Ströme Hoangho mid Yang- 
tsekiaiig, im Westen gebirgig und reich an Bauholz, nach Osten Atluvialebenen 
mit blühendem Reisbau (Kornkammer China's) , Seidenzucht und Baumwollcn- 
manufactur; Weizen, Thee, Orangen, Zuckerrohr und Bambu vorhanden. 

7. Kiangnan oder Kiangssi, Mündungsland beider Strome, mit grossen 
Seen; hier Shanghai. 

8. Tshekiang, hügeliges Küstenland im Süden des vorigen: hierher auch 
die Tshusaninseln. 

9. Nganhoei, stromaufwärts am Yangtsekiang , mit dem Binnensee Tsiao. 

10. Honan, stromaufwärts am Hoangho, soll das Stammland der Chinesen sein. 

11. Hupe, mittleres Hügelland am Yangtsekiang, voll Teiche und Sümpfe. 

12. Kiangsi, südliches Bergland mit dem grossen Landseo Phuyaug. 



Aumerkungeii zu China. ioO 

13. Iluuaii, südliches Berglaiid mit dem Landsee Tmigting. 

14. Setshuen oder Szütshuaii, "die vier Thäler-, Gränzprovinz gegen Tibot, 
hQgclig und flussreich, mit gemässigtem Klima. 

15. Kuei-tsheu, südliches Bergland. 

('. Der Gürtel südlieh von Nauling, 27 — 26° Nordbreite, mit ähnlichen Pro- 
dukten, doch von geringerer Qualität. Hier schon Palmen, aber kein Wein 
mehr. Darf als tropischer Theil von China bezeichnet werden , obwohl er ein 
paar Grade nördlich vom Wendekreis beginnt. 

16. Fokien oder Fukian, bergige Ostköste, Formosa gegenüber. Hier Amoy. 

17. Rwantoug oder Kwantung, bergige Südküste, ostlich von Hainan. Hier 
die (gleichnamige) Stadt Canton, nebst Hongkong und Makao. 

18. Kwansi, bergige Küste im Winkel des südchinesischen Meers, westlich 
von der Insel Hainan. 

19. Yunnau, südlichste Binnenprovinz, naturhistorisch mit Hinterhidien über- 
einstimmend. 

*') Swinhoe miterscheidet folgende Hirscharten in China (Proc. zool. soc. 1864.): 
Cer\us Taiwanus Blyth und C. Swinhoei Sclater auf Formosa. Pror. z. soc. 1802. 
Taf. 16 und 17. 

— dama L., der europäische Dammhirsch, in Gärten zu Kanton. 

— axis L., der indische gefleckte Hirsch, von der Stadt Ilankau im mittlem 

China erhalten. 

— hortulorum Swinhoe ^ pseudaxis Gray Proeeed. zool. soc. 1861 Taf. 27. 

und elaphus L. , der europäische Edelhirsch , beide in dem Park des kaiser- 
liehen Sommeq)alastes. 

— Wallichii Cuv., »in der Taitarei jenseits der grossen Mauer«. 

— Mantschurieus Swinhoe, in der Mantschurei. 

**) Die mir vorliegende chinesische Abbildung eines Papageis , wenig vcrkleineit 
und gut ausgefilhrt, stimmt mit keiner der im Berliner Museum vorhandenen Arten 
von Palacomis überein; am nächsten kommt er dem P. Javanicus Osbeck. Die 
Stimc ist blau, die W^angen weiss, die Brust blass röthlich, der Bauch weiss. 
Ober- und Untersehnabel roth kolorirt. Denniach wäre es eine neue Art, aber auf 
die Farben der ehinesischen Bilder darf man sich nur wenig verlassen, und das 
Origuial des Malers kann ebensowohl aus dem indischen Archipel zu Scliifle, als 
aus dem Binnenlande nach Canton gebracht worden sein. 

Eine neue Art von Tragopan, T. Caboti, angeblich aus China, ist von Gould 
iii den Proeeedings of the zool. soc. 1854 beschrieben. 

Polypleciron lebt in Tibet und Ilinterindien; Cryptonyx auf der Halbinsel von 
Malakka, auf Sumatra uud Borneo. 

*•) Ueber das Alter der Liebhaberei in China, lebende Thiere zu halten, vergl. 
auch die "sinologisch- zoologischen Notizen« von Andreae in Dr. Weinland's zoolo- 
gischem Garten, HL, 1862, S. 178—180. 



IX. 



DIE PHILIPPINEN. 

VOM 2. MAI BIS 19. JUNI 1861. 



1. Die Stadt Manila. 

iVlANiLA, aiif der i>;rössten pliilippiuischen Insel Luzon, im Lmeni 
der grossen Bai gleiclien Namens unter 17° Nordbreite gelegen, 
rechtfertigte während unserer Anweseidieit die Bemerkung von Sir 
John Bowring, dass in den Monaten März bis Juni daselbst Hitze 
und Staub selir niederdrückend seien, und es hätte mit seiner 
flachen näheren Umgebung dem Naturforscher wenig Interessantes 
geboten, wenn es nicht, als Hauptsitz der spanischen Macht in 
(Ostindien seit 1571, bereits einigen wissenschaftlichen Apparat zur 
Kenntnissnahme der Naturgeschichte des Landes böte, nämlich 
Buchläden imd eine Naturaliensamndung. In ersteren fand ich neben 
einer Flora der Pliihppinen , vom Augustiner Blanco , 1845 zu Manila 
gedruckt, zwei geographisch - statistische Beschreibungen, welche 
auch einiges natiu'historische Detail, namentUch über die höhereu 
Thiere, geben, und ein Vocabular der tagahschen Sprache, einer 
Schwester der malaiischen, welche von den Eingeborenen dieses 
Theiles von Luzon gesprochen >nrd, woraus ich die bekannteren 
Thiemamen und damit, welche Thiere hier den Menschen besonders 
interessiren , entnelunen konnte.') Die Naturaliensammlung, 
in der 1847 gegründeten Biblioteca militar aufgestellt, enthielt neben 
Exemplaren aus anderen Thierdassen namentlich eine schöne Reihe 
ausgestopfter Vogel. Ich hielt es der Mühe werth, sie mit Hülfe 
von Bonaparte's Conspectus und SchlegeFs Ilandleiding zu bestim- 
men und iiber die mir zweifelhaft bleibenden Notizen zu machen, 
die mir deren Bestinnnung in Europa ermöghchten. lun so mehr. 



Haubvogel. Schwalben. 



187 



als ich während der Arbeit immer deutlicher erkaimte, dass keine 
fremde, von aussen gebrachte Art darunter sei. Ich nelune um so 
weniger Anstand, dieses Verzeichniss hier einzureihen, da ich nicht 
weiss, ob bei der Verwüstimg Manila s durch das Erdbeben von 1863 
jene interessante Samndung verschont gebüeben sei. Auch zur 
Wiedererkennung der im Freien gesehenen Yögel diente mir jene 
Liste als Anhaltspunct, und indem ich ihretwegen auch die frülieren 
Angaben über phUippinische Vögel von Pater Camel, Sonnerat und 
Meyen ') durchgesehen, entlehnte ich auch hieraus Einzelnes für 
das folgende Verzeichniss , doch stets mit Angabe der Quelle , wes- 
halb alle in der Sammlung der Bibhoteca mihtar zu Manila gesehene 
Arten noch besonders mit B. bezeiclmet sind. 

Die tagalischen Thiernamen, welche mit den allgemein 
malaiischen übereinstimmen oder nur unwesentHch, hauptsächlich 
in den Vocalen, abweichen, sind im Folgenden atrdv gedruckt. 

2. Philippinische Vögel. 

Haliaetos leucogaster Gmel. sp. , ein weisser Seeadler mit schwar- 
zen Flügeln. B. 

Hahastur Pondicerianus Gmel. sp., banog, der häufigste Raub- 
vogel auf Luzon: ich sah ihn wiederholt auf dem Pasig- 
fluss und der Lagune, nach Fischen stossend und von 
Raben verfolgt. B. 

Nisus Manilensis Meven Taf. 49. 

Falco sericeus Kitthtz, Zwergfalke, verwandt dem bekannteren 
hinterindischen F. coerulescens L. B. 

Geier scheinen auf den Pliiüppinen, wie im ganzen indischen 
Archipel, zu fehlen. 

Eulen fand ich auch keine in der genannten Sammlung, doch 
kennt schon Camel vier verschiedene mit eigenen einliei- 
mischen Namen, und im britischen Museum befinden sich 
dreierlei philippinische Arten. 

Caprimulgus macrourus Horsf. B. Eine Art dieser Gattung hörte 
ich sehr oft am Strand von Ca^nte des Abends schreien. 

CollocaUa troglodytes Gray. Die Nester dieser Schwalbe werden 
an den steilen Küsten der südücheren Inseln nicht selten 
gesammelt und als Delicatesse an die Chinesen verkauft 
(Buzeta L 219), so auf den Calamianes, an einigen Stellen 
von Mindanao und auf den Soloinseln. 



löo Würger, Drosseln. 

Hiriuido Javanica Sparnnaiin :^ Paiiayensis (hiiel., Somierat 
Taf. 76 ^ rustiea Meyen, kaum verschieden von der 
euroj)äisehen Raiiehsohwalbe. Eine andere Art, mit hell- 
isabellfarbigem Bürzel (H. daurica Pall.?), sah ich häufig 
an und in den Häusern von Bafios. Beide nemit der Tagale 
layang oder^angay, und von diesem allgemein malaiischen 
Wort stammt auch die bei den europäischen Bewohnern 
der Pliihpj)inen niclit luibekaimte Bezeichnung salaugane 
fiir die essbaren Schwalb einiester. 

Lanius phoenicurus Gmel. B. 

Irena cyanogastra X'igors. B. 

Oriolus Chinensis L. i^ acrorhynchus Vigors, oripendula der 
Spanier, guliyavan der P^ingeborenen auf Luzon nach 
Camel. War in der Umgebung der Lagune nicht selten 
zu sehen und zu hören. B. 

Ocypterus (Artamus) leucorhynchus Gmel., Somierat Taf. 26. Ich 
sah mehrere zu Zamboanga auf hohen freien Aesteii eines 
einzelnen Baumes: im Flug gleicht er so sehr einer 
Schwalbe, dass einer unserer Cadetten, der ilm geschos- 
sen, kein schlechter Vogelkenner, ilm ohne Weiteres fiir 
eine Schwalbe ansprach, und ich ihm erst bew^ciseu 
nmsste, dass es keine sei. Der barbarische Name langrayen, 
der sich bei Buflbn für ihn findet, ist vielleicht aus dem 
tagaUschen Namen der Schwalbe, langay, entstanden. B. 

Pitt« erythrogastra Cuv. B. 

— atricapilla Cuv. ^ Corvus brachyurus PhiUppinus Gmel. B. 

Ilypsipetes Pliilippensis Stricht, auch von F. Jagor eingesandt. 

("opsychus Mindanaensis Gmel., Soimerat Taf. 72., blauschwarz 
und weiss, langschwänzig , mn Zamboanga nicht selten an 
Hecken gesehen. B. 

Petrocinela Manilensis Gmel., der südeuropäischen Stein- und 
Blaudrossel verwandt und, wie diese, auch von den Spa- 
niern Einsiedler, sohtario, genannt und ihres Gesanges 
wegen berühmt: hieher gehört wohl auch der von Buzeta 
als Nachtigal, ruisenor, bezeichnete Vogel der Calamiaues. 
Ich habe sie übrigens während meines kurzen Aufenthaltes 
auf den Philippinen nicht gesehen. 

Motacilla viricUs Scopoli, grüngelb, häufig am Steindamm der 
Pasigmündung bei Manila. B. 



Staare, Honigvogel, Eisvögel. 



189 



Loxia (Munia) oryzivora L. , tagalisch maya, daher der systematisclie 
Name maja für eine verwandte Art. B. 

— (Dermophrys) Jagori Cabanis Journal fiir Orn. 1865, ähnlich 

Malacea L., aber ohne Weiss. B. 

— — minuta Meyen, in Zuckerpflanzungen. Camel erwähnt noch 

anderer sperlingsartiger Vögel unter den Namen pacquing, 
pirit, posicquit und pipit. 
Paster cristatellus L. sp. := Phiüppensis Tem. , Bp. , häufig in der 
Stadt Manila und deren Umgegend gesehen, oft auf dem 
Vieh sitzend. Sturnus Sinensis bei Camel. B. 

— (Gymnops) calvus L. sp. = G. griseus Meyen, der Vorderkopf 

bis auf einen schmalen Mittelstreifen nicht befiedert , goulin 
oder culin, coUn, auch iting nach Camel, der ihn auf 
Cocospalmen nisten lässt. B. 

Lamprotornis cantor Gmel. sp. = Turdus Panayensis ScopoU, 
Sonnerat Taf. 73., metallglänzend schwarz mit rothen Augen; 
von den Europäern Staar genannt, gulacbing der Eingebore- 
nen nach Camel. B. 

Corvus enca Hersf., mit einer kahlen Stelle hinter dem Auge, 
tagaUsch ouac oder guac, B. 

Nectarinia (Cinnyris) coccineogastra Tem. = sperata ß Gmel., unten 
roth. B. 

— — jugularis Gmel. , unten gelb , mit schwarzem Kehlflecken. B. 

Diese Bliunensauger heissen bei den Spaniern pajaro mosca, 
Fliegenvogel, \vie die Kolibri, bei den Eingeborenen 
nach Camel sivit. 

Zosterops Mcyeni Bp. = Sylvia flava Meyen. 

Coracias (Colaris) OrientaUs L. B. 

Merops PhiUppinus L., Brust braungelb. B. 

— omatus Lath., Unterseite ganz grün. B. 

Ein Pärchen dieser Gattung kam während unserer Fahrt in 

der Mindorosee an Bord geflogen und rulite eine Zeit 

lang auf einem Tau aus, eigenthümlich fein zwitschernd. 

Alcedo (Halcyon) Lindsayi Vigors , fleckig , mit blauem Hinterkopf 

und Wangenfleck, salsac. Eydoux voy. de la Bonite 

Taf. 7. B. 

— — fusca Boddaert = rufirostris 111. Licht., gross, aus kastanien- 

braun und blau gemischt. B. 

— (Todirhampbus) collaris Swains. z= sacra var. e Gmel., Son- 



lyy Eisvögel, Nashoruvogel , Spechte. 

nerat Taf. 33., oben himmelblau. Unterseite und Halsband 
weiss: mehrmals am See von Taal und am Strande bei 
Zamboanga von mir gesehen. B. 
Aleedo (Alcyone) cyanipectus Lafresnaye, dreizehig. B. 

— (Ceyx) tridactyla L. := Luzoniensis Stephens. B. 

Die Eisvögel heissen bei den Spaniern auch hier martin 
pescador. Camel nennt sie avis auguraUs, Weissage- 
vogel, mid fuhrt drei Arten mit den einheimischen 
Namen balatiti, tigmamanucquin und salacsac (vergl. 
oben Da(*elo) auf, ohne deren Unterschiede anzugeben. 
Bueeros hydrocorax L., der grösste Nashornvogel, mit rothem 
Sclmabel und plattem Hom: Gesicht schwarz, Hals rost- 
roth. Heisst, wie die übrigen Arten, auf Luzon calao, ein 
Name, den Buffon in's Französische eingeführt hat. Frisst 
die Früchte der einheimischen Ficus, Camel. B. 

— (Tockus) Gingalensis Shaw? mit Haube, ohne Hom, Schnabel 

schwarz. B. 

— — sulcirostris Wagl. = Panayensis Scopoli = Manilensis 

Gmel. , Sonnerat Taf. 83. , Meyen Taf. 23. Im Bambugebüsch 

paarweise von dem Letztgenannten, zu Zamboanga von mir 

gesehen. B. 
Bucco Philippensis Briss. Zamboanga im Wald. B. 
Trogon (Ilarpactes) ardens Tem., Brust intensiv rosenroth. B. 
Centropus Philippinus Cuv., Spomkukuk, schwarz, Rücken und 

Flügel braunroth: nicht selten in der Umgegend von 

Manila. B. 
Phoenicophaeus (Dasylophus) Cumingi Fräser, Purpurkukuk. B. 
Picus (Chrysocolaptes) haematribon Wagl., bräunlich roth, unten 

gelb, mit s(*.hwarz und weiss gezeichneter Haube. B. 

— — palalaca Wagl. :^ Philippinarum Lath., Sonnerat Taf. 37. 

— — menstruus Scopoli = Manilensis Gmel. Sonnerat Taf. 36. 

Alle drei gehäubt, daher von Camel mit dem Wiedehopf 
verglichen, palalaca von den Eingeborenen, Schmidt, 
herrero, oder (der letztere) Grünspecht, picoverde, 
von den S[)aniern genannt. 
-- — cardinalis Gmel. Sonnerat Taf. 35. 

— (Hemilophus) Javensis Hersf. B. 

— — Lichtensteini Wagl. =: funereus Val. B. 

Psittacus (Loriculus) Philippensis Briss. = minor Lath., psittacus 



Tauben und Hühner. -^^^i 

minimus Camel, tagalisch culasisi, giilasisi, colasisi: Stirn 
rotb. Sonnerat Taf. 40. 

- — simplcx Kühl., einfarbig grün. B. 

- (Cacatua) Pbilippinarum Gmel. , Kakadu mit rotbem Steiss. B. ') 
Columba (Treron) vernans Gmel. = C. Philippensis viridis Briss., 

Sonnerat Taf. 64., papageigrüne Taube mit rotb(»n Augen, 
tagaliscb ponay oder punay, frisst Reis. B. 
Columba (Omcotreron) Batildae Bonap., gross, grün, mit hellen 
Federrändern, Turtur Baynensis bei Camel. 

- (Carpophaga) cbalybura Bonap. , dunkelgrün , imten trübrosen- 

roth. B. 

- (Macropygia) tenuirostris Gray, verwandt mit phasianella Tem., 

zimmtbraun, langschwänzig. B. 

- (Turtur) cinerea ScopoU, Sonnerat Taf. 22., ähnlich unserer 

Turteltaube, tagahsch bato-bato, wie in Japan die Taube 
überhaupt. 

- (Geopeha) striata L., die kleine, langsc^hwänzige Turtel- 

taube. B. 

- (Phlegoenas) cruenta Gmel. = Luzoniensis Scopoli, Sonnerat 

Taf. 21. Durch einen blutrothen Fle(!k auf der Brust aus- 
gezeiclmet, paloma trocaz der Spanier nach alten Landes- 
beschreibungen, lugmon auf Luzon genannt nach Camel, 
kawasu auf Mindanao, von Buzeta bei Beschreibung der 
Calamianinseln erwälmt. 

- (Chalcophaps) Javanica Gmel., Sonnerat Taf. 66. grün und 

chokoladebraun mit weisser Stirn. B. 

(irallus sp. , wdlder Hahn, labuyo der Tagalen, gallo montes oder 
salvajo der Spanier, urogallus bei Camel, schwarz mit 
gelbrothen Halsfedern, Kamm klein; häufig in ganz Luzon, 
von Cagayan bis Albay (Buzeta), in den Wäldern um die 
Laguna del Bay mehrmals von mir bemerkt, kräftig und 
muthig, soll bei Hahnenkämpfen stets die grösseren, aber 
feigeren chinesischen Hähne besiegen. B. 

Cryptonyx sp., Hinterzehe ohne Nagel. B. 

Perdix (Arboricola) sp., Kopf grünschwarz, Brust weinroth, 
schwarz gestrichelt, Seiten blassroth, schwarz gefleckt. B. 

- (Cotumix) Sinensis L. = Manilensis Gmel., Soiuierat Taf. 24., 

kleine Wachtel, pago oAerpogo, auch oloc auf I^uzon genannt. 
Hemipodius Luzoniensis Gmel., Somierat Taf 23. = thoracicus 



'"^ Siimiifvügel. 

Teiii. ^ (Mvlliitiis Mcyi'ii. nhiit' Hiiitorzelien, IlaU schwarz- 
wcis« fjctnipft. Bnwt rotli. die cotiimix pnniUa montana de« 
CaiiioK iliviliii auf Ltizoii. B. 

McgnpotliiM sp.. vicllpicht M. Fn'y<!ineti Q. <t . taboii der Ein- 
geborenen vi>n Min{lanau und Slimloro. sclion von Pigafetta, 
Magellian's Gefalirten und Reisebesulireiber, 1621 enrähnt 
und seitdem in allen Beschreibungen der Philippinen. Ic)^ im 
März bi» Mai seine grossen, länglichen Kier. 40—60, in den 
Sand des (.■eKta<le8 und lässt sie dureh die Sunne ausbrüten, 
soll aber nuirhh<T zu den anügciavhlüpfton Jinigen zurückkeh- 
ren. Die Kier werden von <leii Eingeborenen gern gegessen. 

Charadrius (Iliatit'ula). C'uroniciis Beseke ^ minor Meyer. Sonnerat 
Taf, 46. B. Aueli von F. Jagor eingesandt. 

(iniK sp.. tagalisch ripol odor tiliol, nicht von mir gesehen, aber 
naeb den Ansiiagen der Kingeborenon am Taalsee Öftere 
vorkommend. 

Ardea purpurea L. var. 31nnilensis Meyen. an der I^aguna del 
Bay (Meyen), gross. B. 

— (t^gretta) sp. (longicolhs Meyen), weisser Reiher, talabong, auch 

tagac auf Luzon genannt, «ehr liiuiflg an beiden Seen. 

— (Bnhulcus) eoromandebca Bodd. ^russata Tem., weiss, Ober- 

kopf blassgelb. Füsse schwarz, keine Schnnickfedcm. B. 

— (Ardetta) biüneata Cuv., jederscits ein gelber L&ngsstreifen am 

Halse. B. 

— — (liiiiiamomea Gmel., zimmtbraun, unten gelb. B. 

— (Botaurus) l'liilippensis Gniel. = luidulata Gmel-, Zebrilua 

undulatiis Bp. , oben schön brannroth , mit echwranen 
(Jueerlinien, unten beller, mit schwarzem Längsstreifen auf 
jeder Feder. B. ') 

— (Nycticorax) nycticorax I,., an beiden Seen nicht selten von 

Meyen und mir ge»elien. B. 

— — Manilensis Vigors ^ Caledoiiiea Meyen. 
Niimenius sp. B. 

Khyne.haeal' -avi» destruens oryzam, (-oloris perdicis, sed species 

Kusticolac, germaniee Dschneppen- bei Camel. 
Ralliis (Eulabeomis) tonpiatus Brisa. Meyen Taf. 29. B. 

— (Erythra) phoenie.uru» (imel., zu Zamboanga lebend von 

Knaben gekauft. 

— (Amaurornis) olivacens Meyen. Taf. 30. B.? 



I 



i 



PREIT8SISCHE EXPKDITIOIS 
OST- ASIEN. 

. .:> i lUna. lAM. > 

ii.li. 4 Thlr. i ^ 

Zneilor B»n<l. ISii*.. ^l(i. iJ liltwml^ 
gell. < TMr iu rogl. F.lul»ii<l 4 Thlr 10; 



ZtMlUHilSCHEK TIIEIL. 

ZWniTKU «AMI, 

Itit: LANDSCUNKCKKN. 

Mil 22 lllafllrnliuDen. Bo&rltälRl vun Dr. KdowA t< MU 
Idfi". geh. h llilr. -Jfy Si;r 

ItO'I'AMSCHKK THEn« 
DIE T.VNtiE. 

Mit M |lliiBtrnhi.fi-ti Hfnrl.fit.-i v.,!t iiron ' 



ANS(rllTEN AUS JAPAN * lUNA I'NIM 

iSto, 'kr F 



Ben 1 < 

B«n n. 
Heft in, 







■ 


^B DIE 




^»REUSSISCITE EXPEDITION 


1 


^P 0«T- ASIEN. 


1 


^^^^H 

^^^^r 




^^B ZOOl.oOISCnE ABTHEILUN» 




^^^^H^ liHAMIFITKT <"» 




^^^^^^H 1 




^^^^^^^H 




w_ # 


1 
1 




1 


^^^^ t*llL\Ü HKII kAxiUUtUEH «EUKWH» OIIMr-II*VI'(in|lWlt'<KWIKI 
^■^ (R. ' DECKKHI. 




L ~ . ] 



Scliwiiiinivdiirl d«T l'liilippincn. 15)3 

P()r[)li\Tio pulvtTultMitus Teiii. H. 

Parra Sinensis Ginel. ^ Liizoiiiensis (tmel., Sonneiat Tal". Clf). B. 

Plotus inelanogaster (Jinol. B. 

Carbo sp., Kormoran, rucrvo marino der S[>anit*r, casili der Tu- 
<^alen, (!olocolo in andern »Spraehen von Luzon, hüuii«;. 
Der in der Biblioteca militar vorhandene war einfarl>iij; 
schwarz. B. 

Pelecanus Philippensis (unel. = Manilensis (Innd., Sonnerat Taf. oli. 
und 54., pagala der Kinj^eborenen: naeh Cainel wird die 
f^eliederte Brusthaut von denselben auf der Brnst als 
Mittel tje^en Asthma ^etraujen. 

Sterna (Hvilrochelidon) fluviatilis («ould Tem. , schwarz mit «jrau- 
weissen Flü«:^eln und Schwanz, sehr häuHü: auf dem Pasi*»;- 
fluss und auch in der Bai von Gianda selbst. B. 

Larns sp. Älöven, ijaviota der Spanier. Ich sah kleinere mit 
dunklem Kopf, unserer Lacdimöve gleichend, im 5Iai sehr 
häufig auf dem Pasigtluss. Camel erwähnt schon dreier 
Arten von Luzon mit eii;;iu»n einheimischen NamcMi gitgit, 
tambilauan unil tarin^-tarintj, die ich aber in Serrano's 
tagalischem Vocabuhir nicht wiederfinde. In der Sannn- 
lung der Biblioteca militar war keine vorhanden. 

Alias Luzonica Fräser, von der (Jrösse unserer MärziMite, Ko|)f 
lieIIrostl>raun mit drei dunkeln LängsbindiMi. papan, Anas 
ma^na reiiia bei Camel. B. 

— (Dendrocygna) vai^ans Fräser. Sclater Proc. zool. soc\ 18(»4. 

Gianda. Cuming und Jagor. 

— sp. . eine kleine wilde Ente, tagalisch Ifalint.s, häufig auf (Umu 

Taalsee um! der Laguna del Bay. B.') 

3. Die übriifcii linndthicuM». 

Affen sah ich an verschiedenen Stellen im Walde, so auf Luzon 
bei los Banos an der La2:une und auf Mindanao bei Zam- 
boans:a: an letzterem Orte wurden mehrere von Herrn 
Piescbel erlegt. Sie verrathen sich leicht durch ihr cigen- 
tbümliches, oft wiederholtes (ieschrei. lautem kindischem 
Stöhnen vergleichbar, ilas sie ausstossen, weini sie die 
Nähe eines Menschen bemerken. Ks war der im indischen 
Archipel weit verbreitete Javaner- Alle. Maca(rus cyna- 

Oül-AMrD. Zoolot;iir1i. I. 1') 



li)4 PhilipphiibHie Säuget liicic. 

iiiulgos L. Im Tagalischen heisseii sie aino, bei den Spaniern 
mono oder aucli sambo/) 

Koholdäf feilen, Tarsius spectrum Fall. sp. , Cercopithecus Lu- 
/onis minimus bei Camel, mago auf dieser Insel und nach 
Herrn Jagor auch auf Samar genannt, nialmay auf Min- 
danao. B. 

Fliegender Maki, Galeopithecus Philippinus Waterhouse Proc. 
zool. soo. 1838: catosimins volaus bei Camel, guiga oder 
gagua der Tagalen, caguang auf den sudlicheren Inseln 
genannt, aurh tagua, ein Name, den Butfon mit Unrecht 
auf ein fliegendes Kichhorn als taguan übertragen hat. B. 

Fliegende Hunde, Ptero[)us, sind häufig und allbekannt als 
pani(|ui; zu Zamboanga sah ich sie regelmässig jeden Abend 
nach ^Sonnenuntergang von einer kleinen Insel schaareu- 
weise nach dem Hauptlande herüberfliegen, hoch genug, 
um nicht mit der Flinte erreicht zu werden. In den euro- 
päischen Sammlungen hat man mindestens 10 philippinische 
Arten unterschieden und benannt. 

Fledermäuse sind nicht minder häufig und unter verschiedenen 
Namen bekannt: <!abag oder cacabag oder cabug: calapuU 
oder colalapuit (eine Blattnase nach Camel), ferner cala- 
bidang, talibaga und butabuta. Man kennt in den euro- 
päischen Sammlurtgen bis jetzt 24 Arten, wovon die Mehr- 
zahl nur auf den Philippinen gefunden. F^ine der eigen- 
tlünnlicheren und auilallendsten ist Taphozous Phihppinus 
Waterh., den ich in der Kirche von los Banos fand. 

Spitzmaus, Sorex murinus Linne, S. myosuros Pall. , cocle bei 
Camel; nach Moschus riechend, daher auch hier von den 
Katzen getödtet, aber nicht gefressen; lebt in den Häusern 
und am Wasser: ich sah sie an einer Hausthüre zu Zam- 
boanga und am Hafendamm der Pasigmündung zu Manila, 
die erstere grau, die letztere zimmtfarbig. 

Haubthiere. Diese sind bis jetzt sehr schlecht bekannt. Die Ta- 
galen kennen drei Namen dafür: alamid, immang und lampog, 
wofür die spanischen Schriftsteller in sehr verwirrter Weise 
bald Fuchs, zorro, bald wilde Katze, gato moutes, oder 
auch Marder, huroii übersetzen; lampog oder lampong soll 
nach Camel eine wilde Katze, nach Serrauo's Vocabular 
eine verwilderte sein: musang ist vielleicht der Paradoxurus 



Piiilippini.srlie Säiigetliii-ir. ll)i) 

Pliilippitius Waterli. B , da derselbe Name aul' Sumatra 
und Borneo für Paradoxurus gilt. Kndlieli kennt mau auch 
Zibetkatzen B. und deren malaiischen Namen tangahnig, zu 
dingalong oder singaroug entstellt, auf den Pliilippineii. 
Camel, der sie mit dem musang zusammenwirft, sagt, dass 
die Leute sich nicht die Mühe geben , sie höhend zu halten, 
sondern nur in Fallen fangen und tödten, um den Zibeth 
zu bekommen. Endlicli ist auch der malaiische Name des 
Leoparden, harimau, als sarimao auf Leyto, liaUmao im 
Tagahsclien bekannt, aber das Vorkommen dieses Thieres 
selbst auf den Philippinen noch nicht glaubwürdig bezeugt; 
Buzeta gibt es als »(?onjectur« von den (^alamian- Inseln 
(zwischen Mindoro und Palawan) an. 

Kichhörnchen, alalacsin hei Camel; in der Bibhoteca militar 
sah ich keines und Buzeta nennt sie nur bei der JSpecial- 
beschreibung der Cahimianes, sowohl gewöhnliche, ardillas, 
als fliegende, ardillas voladoras: Watcrhouse hat 1839 eine 
Art, Sciurus Philippinus, aus Mindanao beschrieben. 

Mäuse*, tagaÜKch daga. Camel erwähnt mehrere Arten, wovon 
eine, manharag, gegessen werde. Waterhouse hat als neue 
Art Mus castaneus (Ann. and mag. n. Ii. 1843) und als neue 
Gattung die grössere zimmtfarbige ßindenmaus, Phloeomys 
Cumingi (Proc. zool. soc. 1839 und 1840) beschrieben, parrat 
oder parret der schwarzen Eingeborenen in Luzon. 

Stachelschwein, Hystrix oder Atherura, von Camel nur von 
der Insel Mindanao unter dem Namen balatnamatinic, von 
Buzeta auch von den Calamianes und vielleiclit von Luzon 
selbst als Igel, erizo, erwähnt, fehlt der Sammlung der 
Biblioteca militar. 

Wildes Schwein, javali der Spanier, baboy damo der Tagalen, 
an andern Orten pagil, bayong etc. genannt, überall häulig, 
von Cagayan, der nördlichsten Provinz Luzons, bis Mindanao, 
das Fleisch allgemein geschätzt. 

Hirsche sind ebenso verbreitet, tagalisch o^a und sungayan, das 
Weibchen libay. (jeweihe und Häute kommen von den 
Provinzen Pangasinan und Pampanga nach Manila, die 
Sehnen werden an die Chinesen zum Leimsieden verkauft.') 

Der Büffel, carabao der Spanier, avang in einigen einheimischen 
Sprachen nach Camel, soll in den Bergwäldern der meisten 



190 Pliilippinischc Koptilicii. 

Inseln wild leben. In einer älteren Beschreibung der 
Philippinen heisst es: »Die Felder in den pliilippinischen 
Inseln wimmeln von einer so grossen Menge wilder BüiFel, 
dass ein guter Jäger wohl zwanzig mit der Lanze erlegen 
kann. Die Spanier tödten sie blos um der Haut willen 
und überlassen das Fleisch den Indianern.« 
Reptilien sind auf den PhiUppinen zahlreich und viele schon 
von Pater Caniel erwähnt, in neuerer Zeit durch Meyen, Cuming 
und Jagor u. A. in die europäischen Sammlungen gekommen. Ich 
habe hier nur das Wenige zu erwähnen, w-as während unseres 
Aufenthaltes auf den Philippinen selbst über sie oder ihre einheimi- 
schen Namen mir bekannt geworden. Wie im ganzen indischen 
Archipel, scheinen auch hier keine eigentlichen Landschildkröten, 
Testudo, vorzukommen, sondern nur Süsswasser-Schildkröten 
(Cistudo Amboinensis und ein Trionyx, hneatus D. B.), von den 
Tagalern pagong, von den Spaniern galapago genannt, im Gegensatz 
zu den Meerschildkröten, pauican und tortuga. Das Krokodil, 
caiman der Spanier, buaya der Tagalen, soll häutig sein: mau 
warnte mich oft vor ihnen , aber sichere Fälle , dass • es einen 
Menschen angegriflen, habe ich nicht erfahren; ein ausgestopftes 
Exemplar, das ich zu Zamboanga gesehen, mass 4,2 Meter (13 Fuss 
4^ Zoll rheinisch), und ergab sich durch je eine kurze Leiste an 
jedem Auge, sechs zusammengedruckte Nackenschilder und acht 
Reihen von Riickenschildern als Crocodihis biporcatus Cuv. Nur 
die Europäer zuweilen, niemals ilie Eingeborenen, verwechseln mit 
ihm den Varan (Varanus bivittatus Kühl = Manilensis Wiegm. , Meyen 
Taf. 53. u. A.), bayava der Tagalen; die Spanier haben auf ihn 
den Namen der westindischen iguana übertragen, weil er wie diese 
als wohlschmeckendes Essen gilt. Auf ihn beziehe ich auch die Er- 
zählung eines englischen Pflanzers in der Umgegend von Manila, 
dass ein Krokodil unter seinem Hause (im Trocknen) lebe und bei 
Nacht herauskomme, um Hühner zu rauben. Fast ebenso gross wird 
die flossensi'hwänzige Kammeidechse, Histiurus; sie wird als oaga- 
sagan oder layagan (Meyen III. p. 457), die fliegendt»n Eidechsen, 
Draco spilopterus (Meyen Taf. 54.) als ginyayangao oder manya- 
yangao von Pater Camel angegeben. Kleinere Iguanoiden (Calotes, 
Lophyriis) werden von den Spaniern unrichtig als Chamaeleoue be- 
zeichnet. (jrecko*s sind häutig in den Häusern, man unterscheidet 
die grösseren, Platydactylus guttatus Herm., nach ihrem lauten 



Sclilaiigcii, Tauseiidtusso . Laiidsciincckeii. 197 

Rufe als toko^ tagoto, spauiscli chacon, von den kleineren, Ilenii- 
dactylus (inutilatus Wiegm. und andere), butiqui genannt. 8(mucus 
(Euprepes) carinatus Schneid. = rufescens Shaw ist vennutlilich 
der in sumpfigen Nipadickichten einheimische timbabalac der Ta- 
galen. Die Haut einer Riesenschlange, die in der Biblioteca niilitar 
aufbewahrt wird, scheint zu bestätigen, dass auch eine solche, 
Python reticulatus Schneid., auf den PhiUppinen vorkomme, saua 
der Tagalen, culebra casera , Ilausnatter von den Spaniern genannt, 
weil sie von den Chinesen öfters in den Häusern gehalten wird , um 
die Mäuse zu vertreiben. Alle Schlangen gelten für giftig, für die 
giftigste aber, ihrer grünen Farbe wegen, die dahon-palat/, Hei^blatt, 
was nach F. Jagor's Sammlung eine unschädliche Baumschlange, 
Dryiophis prasinus Reinw. ist, während die wirklich giftigen Tropi- 
dolaemus, düpong oder dupong genannt, weniger gefürchtot würden 
(Jagor), doch heisst auch diese bei P. Camel perniciosissima. Kin 
junger Priester in San 3Iateo wusste sich zweier Todesfälle durch 
Schlangenbiss in seiner Bekanntschaft zu erinnern. l>er regenwurm- 
ähnliche Onychocephalus ist schon bei P. Camel als tuna erwähnt 
und von F. Jagor unter demselben Namen eingesandt. 

Unter den Gliedert liieren sind hauptsächlich die Termiten, 
anatff verschiedene Ameisen, langam und hantic, ferner grössere 
Tausendfüsse . alopUian, verhasst. Die grossen bronoegläiizenden 
unschuldigen Rollasseln, Glomeris und Spirostreptus*. cacaluy der 
Eingeborenen, sind schon dem Pater (^amel aufgefallen: mehrere 
derselben sind von Newport nach Cuming's Kxemplaren im britischen 
Museum beschrieben. Land-Amphipoden hat in den letzten .laliren 
Dr. Semper auf Luzon gefunden. Blutegel, Unta, setzen sich auch 
zuweilen an die nackten Beine der Eingeborenen in feuchten 
Wäldern, scheinen aber nirgends so zur Landplage zu werden wie 
in Ceylon.**) 

Die Philippinen sind wegen ihrer Land seh necken be- 
rühmt; als die Thetis in den ersten Tagen des Juni längs den 
Küsten von 31indoro, Panay, Negros und Mindanao dahinsegelte 
— lauter dem Schneckenliebhaber wohlbekannte Namen — sahen 
wir die langgezogenen, gleichmässig sich wiederholenden Berg- 
umrisse, oft von steileren vulkanischen Kegeln gleichsam gekrönt, 
vom Strande an, der nur in grösserer Nähe als schmaler gell)er 
Sandstreif sichtbar wurde, dicht bewaldet und jede Einsenkung des 
Morgens mit einer dichten weissen Nebel wölke bezeichnet, nur selten 



198 Pasig- Fliiss. 

« 

einzelne Lichtungen. Dass dieses Land günstig für Landschnecken 
sein müsse, lag klar vor Augen, dagegen in der flachen Umgebung 
des heissen Manila war nichts von ihnen zu sehen , ich musste erst 
in das Thal von S. Mateo, bis ich die ersten todten Schalen, und 
über die Lagune nach los Bailos, bis ich das erste lebende 
Exemplar der faustgrossen Nanina ovum zu Gesicht bekam. P. Camel 
gibt omaneg und buhay als einlieimische Namen der Landschnecken 
an und behauptet, dass sie viel Geräuscli machen, vermuthhcli nur, 
indem sie sich beunruhigt rasi^h in ilirc Schale zurückziehen. Für die 
nähere Umgebung von Manila aber ist es charakteristisch, dass das 
tÄgahsche Vocabular von Serrano nur den Naiiien soso oder susu 
kennt, der nach P. Camel einer gedeckeltcn Süsswasserschnecke , ver- 
mutldich zunächst Paludina costata, zukommt. 

4. Süsswasserthiere des Flusses Pasig und der Lagiina del Bay. 

14. — 17. Mai 1861. 

Kine Bootsfalirt von Manila, den Pasigfluss aufwärt«, ge- 
währt landschafthch wie naturhistorisch viel Interesse. Auf die hän- 
gende eiserne Brücke und die grosse Tabaksfabrik folgen Gruppen 
von Bananen, plantano der Spanier, und die hohen zierlichen Ge- 
stalten der Bambu, »nicht Baum, nicht Strauch«, auf elegante 
Villen vereinzelte Bauernhäuser und Kneipen , alle der Ueberschwem- 
mungen sowohl als des bequemeren Anliegens wegen auf Pfähle gebaut. 
Wassertreter (Hydrometra) , sowie schlanke blaue und braunrothe 
Wasserjungfern (Agrion) sind äusserst zahlreich auf dem Flusse 
selbst. Zahme Bülfel mit ungeheuren, flachen Hörnern liegen be- 
haglich im Wasser und lassen es sich ruhig gefallen, dass badende 
Wäscherinnen ihre Tücher und Röcke auch auf ihrem Rücken rein 
schlagen, statt auf Steinen, was die allgemeine Waschmethode in 
Ostasien ist. Bei jedem Dorfe fallen zahlreiche Heerden von 
zahmen Enten, Uik^ auf, jede von einem kleinen Mädchen ge- 
hütet und zusammengehalten; man erzählt, dass es hier allgemein 
von den Chinesen eingeführte Sitte sei, die Enteneier in künstlich 
erwärmter Reisspreu ausbrüten zu lassen; die EntenheeftJen werden 
über Nacht in eigene Bambuumzäunungen eingeschlossen und über 
Tag an den Fluss geführt. Unter den Tausenden, die ich gesehen, 
kehrte sehr oft eine bestimmte Färbung wieder: der ganze Körper 
dunkelbraunschwarz, nur die Kehle blass, öfters auch ein weisser 



Zalinir Kiitrii. Kisrlir u. s. W. 195) 

Waiigenfleck ; Schnabel und Füssc sülivvcirz. Neben diesen finden 
sich andere, bei denen das Schwarz an dieser oder jener Körper- 
stelle ohne konstante Begränzung durch Weiss, wie bei so vielen 
llausthieren , ersetzt wird, während das Schwarz der Füsse von 
Roth, das des Schnabels von Gelb ganz oder theilwcise verdrängt 
wird. Das Prachtkleid unserer europäischen Ente, perlgrau mit 
grünem Kopf und kastanienbrauner Brust, habe ich in Manila nie 
gesehen. Es macht dieses ganz den Eindruck, als ob eine andere 
wilde Art, vielleicht die oben erwähnte Dendrocygna vagans oder 
vielleicht auch die mir nicht näher bekannte kleinere A. ]\Ianilensis 
Gmel. den Stamm dieser zahmen Enten ursprünghch gebildet, aber 
mit der europäischen Ente sich verbastert hätte; ähnlich scheint es 
im ganzen indischen Archipel mit den zahmen Gänsen zu sein, die 
in allen Stufen zwischen der europäischen Art und der chinesischen 
Schwanengans vorkommen. 

Woher die Kahnladungen Entenfutter kommen, welche auf 
dem Pasig uns begegneten, erfuhren wir, als wir in die Seiten- 
zweige desselben eindrangen: diese sind streckenweise mit einer hell- 
grünen Pflanzendecke überzogen, die nicht aus WasserHnsen besteht, 
wie man erwarten möchte, sondern aus den zierlichen IJosetten 
einer Pistia, wovon einzelne Exemplare im Flusse hcrabtreibend bei 
Manila selbst gefunden werden, und beherbergt eine grosse 51 enge 
Wasserschnecken: Paludina costata, zwei bis drei Arten von Me- 
lanien, seltener Amphipeplea Luzonica und eine Linmaea. dazwischen 
auch kleine Blutegel, Larven von Wasserjungfern u. dgl. 

Der Pasig ist der Ausfluss eines grossen Süsswassersees, 
Laguna del Bay nach einem Dorf an seinem Ufer genannt, worin 
man verschiedene zum Fischfang bestimmte Umzäunungen von Hohr- 
staben findet. Die berühmtesten und häuligsten iMsrhe desselben 
sind der dalag, Ophicephalus striatus Bloch, und die Curbina, 
spanisch von Corvina, ayumi der Tagalen (Corvina ähnlich der 
(.\ Sina C. V.). Minder geschätzt ist ein ebenfalls häufiger Siluroid, 
candole genannt, Hemipimelodus Manilensis (\ V. und eine gross- 
schuppige Eleotris (ophiocephalus C. V.). Auch fehlt es nicht an 
kleinen Süsswassergarnelen, Palaemon Idae HUr. , grünen Fröschen 
(liana tigrinaDaud, palaca der Tagalen), Schnecken (Paludina costata, 
Melania) und Muscheln (Anodonta) an den geeigneten Lokalitäten. 
Ich fand in demselben ferner bei dem Orte los Banos eine Wasser- 
schlange, Chersydrus granulatus Schneid, sp. , welche schon manche 



200 Liipuna de Taal. 

Aelinliclikeit mit den Meerschlaiigen hat und auch von Herrn 
F. Jagor im Brackwasser bei Manila gefunden worden ist. Dicht am 
Sceufer, unweit Banos, nur durch eine schmale mit Gebüsch be- 
deckte Strecke davon getrennt, liegt die kleine Lagunita de los 
Caimanes, welche durch ihre runde Gestalt an einen Kratersee 
erinnert und nach den dort häufigen Krokodilen benannt ist. Diese, 
caiman von den Spaniern, buaya von den Tagalen genannt, werden 
sehr gei'ürchtet, man warnte mich beständig, ihretwegen nicht in 
das Wasser zu waten; in früheren Zeiten seien sie hier noch häu- 
figer gewesen. Trotzdem ich eine gute Belohnung versprach , konnte 
ich keines erhalten: no se cogen, man fängt sie nicht, sagte mir 
der Ortsgeistliehe, zugleich auch die oberste weltliche Autorität im 
Dorfe: doch beschreibt Buzeta ausdrücklich, dass die Eingeborenen 
sie fangen mittelst eines zugespitzten Stockes, der ihnen quer in 
den Hachen gesteckt werde. 

5. Fauna der Laguna de Taal. 

li). Mai 18(J1. 

Von los Baüos aus erreichte ich zu Pferde in Einem Tage, 
den südlicher gelegenen etwas kleineren See, in dessen Älitte als 
Insel sich der thätige Taal -Vulkan erhebt, ohne Vegetation, während 
die Umgebung theils noch von Urwald, theils von neuen Zucker- 
rohrpflanzungen gebildet wird. Man hatte mir gesagt, dass in diesem 
See ein ganz besonderer Seefisch lebe, atum, d. h. Thunfisch oder 
auch sabalo genannt; er soll der schmackhafteste von allen Fischen 
der Philippinen sein, werde aber nur zu gewissen Jahreszeiten ge- 
fangen; nach vielem Nachfragen erhielt ich ein geräuchertes J^xemplar 
von 0,5 5 Met. Länge und 0,168 Met. Höhe (er soll noch viel grösaer 
werden). p]s zeigte, dass er zur Gattung Caranx gehört und dem 
weit verbreiteten C. liippos L. sp. sehr nahe steht, aber verschieden 
durch kleinere und zahlreichere Schuppen. Ferner erbeutete ich 
auf diesem See einen Ilalbschnabel, Ilemirhamphus, einen lang- 
schuauzigen Gobius und eine nahe Verwandte der pelagischen Krabbe, 
Varuna, wahrscheinlich neu: auch fanden sich an dem Strande 
einer der Inseln Ligien vor, die wohl an der Mündung des Pasig 
hei Manila, aber nicht an der Laguna del Bay vorkommen. Es ist 
also vorherrschend eine Meerfauna; ich kostete das Wasser und fand 
es stark salzig, noch bitterer als reines Meerwasser, so dass es mir 



Fischmurkr zu Mniiila. 201 

trotz lebliaften Durstes widerlicli blieb. Leider fehlte es an Zeit 
und Gelegenheit, um bis zur Verbindung dieses Wasserbeckens mit 
dem Meere vorzudringen; diese wird in den mir zugänglichen Karten 
und Beschreibungen als ein kurzer Fluss, Rio Pansipit, angegeben, 
in dem die sabalos alljährUeh heraufziehen sollen. Der ThierbevöU 
kenmg und der Tiefe nach — auf einer englischen Seekarte der 
»China -sea« von 1859 an einer Stelle 92i'aden — dürfte dieses Wasser- 
becken als eine frühere Einbucht des Meeres aufzufassen, sein.'**) 

6. Thiere ans der Bai von Manila. 

20. Mai bis l. Juni 180 J. 

Auf dem Fisch markt zu Manila iielen mir besonders auf 
Trichiurus savalaCuv., pesce spada (Degenfiscli) der Spanier, Mugil 
oephalotus C. V., alimasin oder aHngasin der Tagalen, Hsa der 
Spanier, Kquula insidiatrix Blech, sapi-sapi oder sape-sape, Mullus 
(Upeneoides) sulfureus C. V., saramulete, violett- rosa mit gelben 
Längslinien und ein ganz ähnHch gefärbter Fisch anderer Gattung, 
bisugu, Synagris sp.; eine Scholle, Psettodes erumei Schneid., daba 
der Tagalen, ferner eine Sphyraena, eine Alausa, laulau, eine 
Engraulis, dilis, und ein Saurus nebst dem schon genannten Silu- 
Toiden des Pasig. Von Crustaceen waren häufig zwei Schwimm- 
krabbeu: die grössere Lupa Tran(piebarica, alimango und die kleinere 
pelagica, alimasing der Tagalen, beide einfach cangrejo von den 
Spaniern genannt, und ein langschwänziger Krebs, Penaeus monoceros, 
tagalisch ulang oder olang, spanisch caniaron; von Mellusken endhch 
eine Venusmuschel, Tapes Philippinarum Adams, alan oder halaan, 
spanisch ahnejo, und eine Auster, dalaba der Kingeborenen. ^") An 
dem Steindamm der Pasigmünclung, der die Einfahrt für Manila 
bildet, sind zwei Crustaceen häufig, die llüchtige Assel, Ligia, schon 
von Pater Camel No. fc'3. erwähnt, und eine Viereckkrabbe mit violetten 
Scheeren, Metopograpsus maculatus. 

Das Stadtchen Cavite, auf einer sandigen Landspitze in der 
Bai von Manila, gewöhnliche Station der hier anwesenden Schiffe 
und so auch zeitweise unserer Thetis, bietet bei längerer Müsse 
reiche Gelegenheit zum Studium der Seethiere und ich hörte zu 
Manila von dem Pfarrer eines benachbarten Dorfes, der mit Eifer 
dasselbe betreibe. Leider erlaubte mir die bedenkliche Ermattung 
und Abspannung, welche mich in dem heissen Manila nach der 



202 Mocrtliiero aus Sohlaiiimgmiid und Manjjlodirkioht. 

Riickkunft von der Tour in die Lagune und auf den Taal -Vulkan 
beßel, nicht, dieselbe gehörig zu benutzen: so inachte ich nur von 
Bord aus noch eine Bootsfahrt mit dem Schleppnetz, die mir aus 
sandhaltigem schwarzem Schlamm, in zwei bis vier Faden Tiefe, 
verschiedene interessante Thiere verschaffte, von Cnistaceen die 
Gattung Iphis und Leucosia marmorea, von Conchylien lebende 
Kanellen, Nassen und Solaniuni, von Seesternen eine achtarmige 
Luidia; endlich einen interessanten Sipunculiden (Tbalassema) , mit 
sieben violetten Längsstreifen bemalt. Auch eine Qualle, Cassiopea?. 
fand sich im Mai nicht selten in der Bai. 

7. Zamboanga auf Mindanao. 

1:1 — 19. Juni 18r>l. 

Zamboanga oder Samboanga, am Südende der südlichsten 
Insel der PliiHppinen, Mindanao, als fester Platz der spanischen 
Herrschaft zwischen die mahomedanischen Seeräuberstaaten und die 
Gebiete der noch unbekehrten Bewohner der Westseite von Mindanao 
eingeschoben, wurde mir hauptsächlich interessant durch die benaeh» 
harte kleine Insel Santa Cruz , wo ich zuerst eine Korallenbank kennen 
lernte. Der Rand der Insel ist eben, kaum über die See erhaben 
und besteht aus grobem Grus, hauptsächhch spitzeckigen Korallen- 
trümmern, zwischen denen einzelne grössere Korallen und Muscheln, 
namentüch Schalen der Riesenmuschel, Tridacna, tagalisch taclovo, 
umherliegen; die Hauptmasse der Insel wird von wenig mehr als 
mannshohem Manglegebüsch , Rhizophora, eingenommen, zwischen 
und unter dem überall seichtere oder tiefere Pfützen von Meerwasser 
sich hindurchziehen, so dass man hier weder mit Waten noch 
Schwimmen vorwärts kommt, sondern nur durch Klettern auf den 
zahlreichen Stützen der Manglestämmc, bald über, bald im Wasser. 
An diesen Stämmen finden sich häufig Krabben (Grapsus strigosus), 
und Springfische (Periophthalmus), auf den Zweigen Litorina scabra, 
in den Pfützen erregten zahlreiche handgrosse hellgrüne St«me, 
drei bis vier Fuss unter Wasser, meine Aufmerksamkeit, es war eine 
Einzelkoralle, Fungia patella, der die bis zolllangen, cylindrischen, 
zahlreichen Arme jenes befremdende Aussehen gegeben. 

Der umgebende Korallengrund« soweit er bei Ebbe sichtbar 
wird, stets von zahlreichen Lachen und Strömchen durchsetzt, wird 
von bunten Fischen, Krabben und Seesternen belebt, obwohl die 



Kor<iilri)hank hol Zanit)oaiißa. 20H 

ICorallen in dieser Höhe fast alle srhoii abgestorben sind: ich fand 
zwischen iiinen einen hell gunimigutt- gelben Antennarius, blau- und 
weissgebänderte Chaetodon, himmelblaue Seesterne (Linckia miliaris), 
rosenrothe dunkelrothgetteckte Viereckkrabben, Trapezia, schwarze 
Bogenkrabben , Chlorodius und grüngelbe Schvvanenkrebse, Gono- 
dactylus chiragra neben mehr unscheinbaren Krabben, Seeigeln, 
Holothurieu. Am meisten freute mich ein dreizehnarmiger Seestern 
(Kchinaster solaris). Von (?onchylien fiel hauptsächlich Ohva fune- 
bralis auf, deren äussere Weichtheile ganz ähnlich wie die Schale 
blass grünüchbraun mit kleinen schwarzen Flecken gefärbt waren. 
Ferner fand sich zwischen den Korallen ein eigenthümlicher Sipun- 
culide (Aspidosiplion Curaingi) , beiderseits mit einer gefurchten p]nd- 
scheibe. Aus Korallengrund von 3 — 4 Faden Tiefe wurde das derbe 
pilzförmige Sarcophyton heraufgezogen und noch in 25 Faden Tiefe, 
auf steinigem Grunde, ergab das Schleppnetz eine Reihe von Krabben, 
Ringelwürmern und Seesternen, sowie hübsche Ilydroidpolypen aus 
den Gattungen Sertularia, Thujaria und Plumularia, und zablreiche 
lederartige Ascidien. 



ANMERKUNGEN. 



^) Die Titel der in Manila gekauften» hier benutzten Bücher sind: 
Diecionario gcografico, estadistico, liistorico de las Islas Filipinas par los MM. 
RR. PP. Misioncros Agiistinos Calzados, Fr. Manuel Buzeta et Fr. Felipe 
Bravo. Madiid 1850. 8vo. Zwei Bande in Svo. 
Mcmorias historicas y estadisticas de Filipinas y particulannente de la grande isla 
de Luzün cscritas por D. Rafacl Diaz Arenas. Imprcnta Del Diario de 
Manila 1850. 17 Nummern und ein Supplement. (Der K. Bibliothek gegeben.) 
Diecionario de tenninos eoniunes tagalo-castellano. saeado de graves autores (!) 
por D. Rosalio Scrrano. Mauila 1858. 8vo. 144 Seiten. Es fallt auf, 
dass nach diesem Wörterbuch der Vokal E der tagalischen Sprache fehlt. 
Vgl. auch den botanischen Theil, '1 ange, S. 44 — 48. 
^) Die ersten zusammenhängenden Nachrichten über die Thiere der Philippinen, 
für ihre Zeit gnlndlich und umfassend, gab der Geistliche Geoi*g Joseph Caoieli 
wie es scheint in Mähren zu Ilause, dessen Name durch Linne in dem der allbe- 
kannten Cainellia vei-ewigt ist. Seine Nachrichten wurden handschrif\lich au den 
Londoner Apotheker Jacob Petiver eingesandt und von diesem in den Philosophical 
transactions, Jahrgang 1702 — 1708, Band XXIII. — XXVI.. in acht, die einzelnen 
Thierklassen behandelnden Aufsätzen veroiTcntlieht. Die einheimischen Namen sind 
darin besonders reichhaltig aufgezählt. 

Sonne rat war 1741 Mitglied einer franzosischen Expedition, um Pflanzen der 
Gewürznelke und Muskatnuss nach Isle de France zu bringen, und l>csuclite hierbei 
die Philippinen, namentlich Manila, Antique auf Panay und Zamboanga; er hat in 
der Beschreibung dieser Reise, voyage ä la Nouvelle Guinee, Paris 177G. 4to, eine 
verhältnissniässig grosse Anzahl von Vögeln dieser Inseln besehrieben und abgebildet. 
— Cuvier nennt ihn collecteur indefatigable — aber seine Vaterlandsangabeu sind, 
wo sie nicht von Späteren bestätigt werden, nicht unbedingt anzunehmen, da er 
z. B. den bekannten südafrikanischen Sekretär, Gypogeranos, als von den Philippinen, 
und drei Pinguine, Vögel des kälteren Südens, als von Neu -Guinea beschreibt und 
abbildet , während er beide vermuthlich unterwegs vom Cap der guten Hoffnung 
erhalten (vergl. Anmerkung 5). 

Wegen Meyen siehe oben S. 174; das Zoologische findet sich im dritten Theil 
seiner Reise um die Erde 1834 luid in den Acta aead. Leop. Carol. XVI. 1834 und 
XVII. 1835; die Original - Exemplare befinden sich im Zoologischen Museum tn 
Berlin, wie auch die reichen Sammlungen. >\ eiche Herr Feodor Ja gor während 
seines Aufenthaltes auf den Philippinen in den Jahi*en 1859 und 18G0 in dieser wie 
andei'cn Thierklassen zusammengebracht und dem Museum zum Gescheuke gemacht. 
Verzeichnisse der von ihm gesammelten llalljaffen, Fledeithierc , Schlangen und 
Frösche hat Prof. Peters in den Monatsbcriclitcn der Berliner Akademie, 1859 S. 269, 



Aiinicrkungcn 7.11 den Pliilippinon. 205 

1862 S. C8:i und 70(5, ISßS S. 457 veröffentlicht. Siehe auch dessen -Kciscn in den 
Philippinen« 187H. 8vo. 

Das Meiste und Glänzendste für die Kenntniss der philippinischen Fauna, nieht 
nur in Bezug auf Conchylien . hat der Engländer Hugh Cuniing (gestorben 1865) 
gethan, welcher in den Jahren 1830 — 1838 die verschiedenen Inseln besuchte. -Konig 
der Sammler« mit Recht von seinen Landsleuten genannt, und in neuester Zeit, be- 
süDders für wirbellose Seethiere, Prof. Carl Sein per 18()0 — 18G5, dem wir auch 
eine gründliche zoologische Bearbeitung der Ilolothurien und eines Theiles der Mol- 
lusken, sowie einen küraeren interessanten ücberblick über die natürlichen Verhält- 
ui&sc "die Philippinen und ihre Bewohner. 18G1), 8V0,« verdanken. 

') Pater Camel führt zwei Arten von Kakadu auf und gibt dem einen die ein- 
heimischen Namen catatua, abucay oder calanguy; ferner einen blauen Papagei, 
(Tanygnathus Luzonensis?) tagaliseh bototoe oder bubutoc. Zu Zamboanga sah ich 
ferner zwei Lori, Ps. (Lorius) garnilus L. und lori L. =: Lorius Philippensis Briss. =: 
tricolor Stephens, beide zahm und mit der Angabe, dass sie von Makassar hier- 
hergebracht seien (also aus den Molukken stammen). Der crstere befand sich übrigens 
auch unter den ausgestopften Vögeln der Biblioteca militar zu Manila, der letztere 
wird von früheren Autoren als Bewohner der Philippinen und Solo -Inseln angegeben; 
Camel scheint denselben unter seinem vielfarbigen Papagei, manueiiianiie auf Luzon 
genannt, zu verstehen; aber auch diese Benennung, die bekanntlich in der Bezeich- 
nung der Paradiesvogel manukdewata, Göttcrvogel, wiederkehrt, scheint auf seine 
Herkunft aus dem südöstlichen Theil des indischen Archipels hinzudeuten; im Taga- 
liscben bezeichnet manoe einfuch das lliihn. 

*) Vielleicht eher A. melanolopha Ratll. 

*) Pfauen, Gänse und Schwäne werden von älteren Sehrit'i st ellern über die 
Philippinen, die ersteren zwei selbst noch von Buzeta gelegentlich genannt ; dieselben 
scheinen mir zu unsicher bcstinmit, vielleicht sind nur ähnliehe Vögel gemeint, die 
ornithologisch andern Gattungen angehören. 

Sonnerat bildet Taf. 49 einen kibitzähnlichen Vogel ab, den er Paon sauvage 
de rislc de Luv'on nennt, mit der Bemerkung, dnss er dort Pfau genannt werde; da er 
aber zugleich angibt, dass er auch am Cap der guten Hoffnung vorkonnne, so ist er wohl 
mit demselben Unrecht zu den philippinischen Vögeln gerathen, wie der Sekretär, eine 
Wittwe, VidiLi Panayensis, und ein Colins. C. Paiiayensis bei demselben Vert'asser, 
lauter südafrikanische Vogel. Waiden (M*klärt ihn für Otis Kori. 

Ein AVeber^'ogel fuhii den Beinamen philippinisch: Loxia Philippina L., Ploecus 
Phil. Cuv.. Bonap. Keiner der neueren Reisenden hat ihn dort wieder gefunden, die 
Gattung ist hauptsächlich afrikanisch, doch bis in den westlichen Theil des indischen 
Archipels (Java) verbreitet; der Trivialiiame, der ihm beigelegt wurde, touenam- 
roiirvi, erinnert in recht verdächtiger Weise au den neli-courvi, Ploceus pensilis, 
von Madagaskar. Es seheint mir daher noch sehr bedenklieh, ob jener in Wahrheit 
ein Philippiner sei. Auch zwei der oben auf Soimerat's Autorität noch angcfTihrten 
Spcehtarten. Picus menstruus und cardinalis S. 190 und Psittaeus simplex S. 191, sind 
aus der Liste der philippinischen Vögel zu streichen. 

Anas Manilensis Gmel. bernht auf der Besehreibung und Abbildung von Sonnerat, 
I. e. S. 91 Taf. 54; die Abbildung gleicht ziemlich gut der südafrikanischen Anas 



2U() 



IMiilii)j)ini.s('lic Atlcn. 



vidiiata, su dass luaii auf den Glauben kommen kann. Sunnerat liahe auch liier einen 
atrikanischcn Vogel iur philippiniseh ausgegeben. Der Beschreibung naeh aber soll 
sie nur die Grosse einer Kriekente haben. Demnach wäre sie eine eigen£, mir nicht 
weiter bekannte Art. Schlegel vennuthet in ihr Nettapus pulchellus. Die in der 
Hiblioteca niilitar gesehene war wohl auch klein, aber entbehrte der bestimmten 
Zeichnung, war schwarz und weiss an Hals und Kopf, und ebensowenig konnte ich diese 
an anderen von mir im Freien nur auf Entfernung gesehenen kleinen Enten erkennen. 

Eine etwas ausiuhrlicheie Liste der philippinischen Vögel habe ich in Cabanis 
Journal für Ornithologie Jahrg. 1866 png. 8 — 31 gegeben. Seitdem hat Lord Waiden 
im Ibis 1S71 S. 93 einen neuen Beitrag dazu geliefert, und soeben in den Transaet. zool. 
8oc. IX. 2. 1875 eine gi-össere Arbeit über dieselben vcröflcnt licht, worm er die Arten- 
zahl auf 218 gebracht hat. 

^) Es werden noch andere tagalische Worte Iur Affen aufgeführt, so baculao, 
maching und mananit; Camel erwähnt di-ei dieser Namen als seien es verschiedene 
Arten . und Buzeta spricht im Allgemeinen von verschiedenen . und Band L pag. 265, 
in Bezug auf die Gegend von Abra im nördlichen Luzon von "Unzähligen- Arten 
von Affen. Doch kennt man bis jetzt noch keine andere Ait mit Sicherheit von den 
Philippinen. Isidor (ieofiroy hatte einen aus Manila erhaltenen Afl'en unter dem 
Namen ])aIpebrosus als Art von cynamolgos unterscheiden wollen wegen dimklerer 
Gesichtsfarbe und einem weissen Flecken über dem Auge, schmalerer Schnauze und 
längerem Schwänze. Die Gesichtsfarbe des cynamolgos ist aber überhaupt sehr ver- 
schieden, ebenso die Schwanzlänge, wie ich selbst an den drei bei Zamboanga er- 
legten gefunden habe. Alle drei hatten ein trüb röthlichgraues Gesicht, die obeni 
Augenlider in ihrer ganzen Ausdehnung weiss, aber keine weissen Flecken oberhalb 
derselben, Ohren imd Hände schwärzlich, innen im Ohr schmutzig weisse Haare. 
Der Oberkopf und der Kücken war bei allen gleichmässig mit gelb und schwarz ge- 
ringelten Haaren besetzt. Die DiiTerenzen bestanden in Folgendem: 



Körperhaare überhaupt 



Vorderkopf hinter den 
Orbilalleisten 



Altes 
Männchen. 

dunkler, mehr 
bräunlieh 

grossentheils 
schwarz 



Juni^es 
Männchen. 



Junges 
Weibchen. 



Haarkamm auf dem 

Scheitel | 

Kör|)erlänge von Schnauze 
zu After 



schwach 



0.445 



Schwanzlänge 



0,510 



gelblich 



gelblieh. 



fast ohne Schwara 



stärker 



0.388 



0.505 



grossentheils 
schwarz. 

sehr stark. 
0,320 Met. 
0,44a Met. 



Die weissen Affen, die schon von Camel und später von andern genannt werde«, 



AiiiiR'i'kungcu zu den Pliilippineii. 2U/ 

sind verumthlieh Albinos; ein solcher wurde als Cereocebus Philippinus von Isidor 
Geofli-uy beschrieben. Wenn Buzcta 1. pag. 507 in der Pi-ovinz Caraga »ufMindanao 
einen Orangutang wohnen lässt, so meint er damit vielleicht den von den Solo -Inseln 
angogebcnen Gibbon, Hylobatcs fünereus Is. Oeoff. Auch der sehwarze AlTc von 
Celebes, Macacus nigcr Desm , soll naeh einer leider nieht näher bestimmten Angabe 
auf den Philippinen leben. 

^) Die philippinischen Hirsche sind den europäischen Systematikern noch sehr 
wenig bekannt, scheinen aber denen aus andern Inseln- des indischen Archipels nahe 
vervi'andt. In der Revue zoologique von 1847 ist ein einfarbiger Cervus Plülippinus 
Dcsin. abgebildet, den Einige tur dieselbe Art mit dem Hirsch der Marianen halten; 
der Cervus pseudaxis der Zoologie du voyagc de la Bonite ist vermuthlieh die ge- 
fleckte Art, deren Caniel vun den Solo-Insehi envähnte. Auch ein Mimtjak kommt 
nach Buzeta auf Luzon, Provinz Bataaii, vor. 11. (Tuning bespricht ferner systema- 
tisch noch unbekannte Wiederkäuer der Philippinen in den Proceediii>;s of the zoolo- 
gical Society, Id^ pag. 93 und 1840 pag. 30, der eine scheint der Kuhantilope, Anoa 
depressicornis , des nördlichen Celebes ähnlich zu sein. 

•) Meycn erwähnt solcher Blutegel als Sanguisuga Tagalla, Heise S. 2()9. 
^ Sir John Bowring, a visit to the Philippino Islands, London 1800, 8vo. , gibt 
eine hübsche Ansicht eines Stückes des Taalsees und seines Vulkans, sowie einige 
Details über die Methode, den Sabalo zu fangen, pag. 104; wenn er aber ebenda 
das Walser des Sees als süss angibt, so muss ich ihm aus eigener Erfahrung wider- 
sprechen. Buzeta beschreibt auf ähnliche Weise 1. e. Bd. IL S. 43G die Vorrich- 
tungen zum Fange des Sabalo und sagt, sie werden gefangen, wenn sie durch den 
Fluss ins Meer hinunter ziehen um zu laichen. (?) Ebenderselbe berichtet, dass der 
Taalvulkan früher unthätig und angebaut gewesen, bis zum Ausbruch von 171() (1706?), 
dem 1754 ein zweiter heftiger folgte. Als ich ihn besuchte, wurden nur kleine Steine 
bis Mannsliöhe. und nie über den Rand des Ilauptkraters hinüber ausgeschleudert. 
Vgl. hicmit die Nachrichten von Prof. Sem per in dessen obenerwähntem Werkehcn 
-die Philippinen«, S. 8 und S. 07. 

'^) Camel's Aufzählung ergibt noch eine Heihe weiterer einheimischer Benenninigen 
für Meertliiere, so miter anderen: 

basac. tambasacan oder tambalc iur die Seekuh, Halicorc duyong; 

pauican fiir Seeschildkrote ; 

lavinduyong oder tagan für den Sägefisch. Pristis; 

tabalong, tabarong für die Koflerfische . Ostracion; 

paroh>g und talli für das Secpterdchen , llippocampus; 

pating für Haie, par/i iur Stachelrochen, Trygon; 

calainbutan für den Tintenfisch. Sepia; 

binigcan = Gclasimus, belagan = Palinurus; 

balat für Ilolothuricn 
und eine Anzahl Benennungen fiir bcstinnntc Conchylicn. die später erwähnt werden 
sollen. 



X. 



SIAM. 

l>Kt KMBKK IKil. JAM'AK 1W>». 



Von diesem Königreich, dessen binnenländische Berggegeadeu kurz 
zuvor der Zoologie so viel des Neuen und Interessanten in den 
Sammlungen gebrac^ht, welche der Reisende H. ilonhot, 1858 — 1860, 
mit seinem Leben bezalilen musste, bekam die preussische P^xpedition 
auch nur einzelne Stellen des Küstensaums zu Gesichte, die Sumpf- 
gegend der Menam-Mündung zunächst der Hauptstadt Bangkok, 
ein etwas trockneres, hügeliges Terrain bei Petshaburi (Pechaburi 
der Engländer) an der Westseite und das Stranddickicht bei Sima- 
liaratsha (Simaharacha) an der Ostküste der kleinereu seichten 
Bucht, in welche der grosse (rolf von Siam nach Norden ausläuft 
Süsswasserthiere waren daher, wie um Shanghai, die zahlreichsten 
und am leichtesten sowohl auf eigenen Exkursionen zu finden, als 
auf dem Markte oder sonstwie von den Eingeborenen zu erhalten, 
gelegentlich auch einige Meer- oder Brackwasserbewohner. Der 
Fischmarkt zu Bangkok, und der noch reiclierc des etwas weiter 
unterhalb am Mcnam gelegenen Ortes Paklat, bot eine ziemlich 
reic^he Auswahl von Gattungen und Arten, aber es war mir auch 
hier nicht möglich zu erfahren, welche speziell im Strome selbst 
und wie weit aufwärts von dessen Mündung, welche draussen auf 
der Barre gefangen wurden. 

1. Salzwassorthierc. 

Auf der Rhede ausserhalb der Barre wurden an Bord der 
Thetis öfters Fische geangelt, namentHch Therapon servus. Saums 
undTetrodon: die beiden erstem fand ich .-luch wiederholt auf dem 
Fischmarkte, und daneben andere, denen ich den gleichen Ursprung 
aus dem Meere zuschreiben möchte, so Scomber, Caranx und 



Thicrc von der Müiidiiiig dfh Meiuiiii. 209 

Kquula, Synagris filamentosus Kupp. , Corvina, Epliippus orbis, eine 
Zunge, Synaptura zebra, endlicli verschiedene Haie und Rochen, 
die schon von anderen Küstengegenden des indischen Oceans be- 
kannt sind. 

Dass es singende Fische an der Mündung des Menam 
gebe, war mir schon zu Singapore erzählt worden; die Leute, welche 
an Bord der Thetis gebHeben, hörten öfters bei stillem Wetter, 
des Abends, leise Töne, die aus dem Wasser zu kommen schienen 
und einer fernen Musik verglichen wurden. Der Ursprung der Töne 
war nicht mit Bestimmtheit zu ermitteln: dass sie in der That von 
Fischen hervorgebracht wurden, erscheint nach den Angaben an- 
derer Beobachter nicht undenkbar. In Paknam, dem Zollamte der 
Menammündung, wurde mir auf meine Nachfrage von einem siame- 
sischen Fischer eine Art Seezunge, Plagusia, als der musikalische 
Fisch überbracht. Diese Fische liegen ruhig auf dem Schlamm- 
boden, während man die singenden doch zunächst unter den schwim- 
menden, nahe dem Meeresspiegel sich aufhaltenden suchen wird.*) 

Als Brackwass erbe wohn er lernte ich an den Schlamm- 
ufern des Menam unterhalb Paklat eine kleine gefleckte Schnecke, Assi- 
miuea carinata Lea, kennen, in den Mündungsarmen des Meklongs 
zwischen Bangkok und Petshaburi mehrere Auriculaceen, namentlich 
Scarabus plicatus, Cassidula auris- felis und Melampus Siamensis, 
Scarabus und Assiminea bei Ebbe über Wasser, von Krabben den 
an allen Schlammküsten des indischen Oceans unvermeidlichen Gela- 
simus, und dasselbe gilt unter den Fischen von dem Springer, 
Periophthaimus, pla-teu der Siamesen. 

2. Süsswasserthiere. 

Die stilleren, weniger gestörten Kanäle und Wassergräben 
zu beiden Seiten von Bangkok wimmeln von Wasserinsekten, 
worunter z. B. ein Orectochilus aus der Familie der Taumelkäfer, 
Sigara und Hydrometra, ferner Schnecken (Plauorbis Coroman- 
deUcus, Limnaea Javanica) und kleinen Fischen, unter denen na- 
mentlicli die bissige Betta pugnax und der durch seinen silbernen 
Selieitelfleck weithin erkennbare Panchax Buchanani. All diese 
lassen sich leicht in dem Dickicht der Wasserpflanzen mit der 
(Tand oder einem einfachen Kescher erreichen. Kleine Tümpel ohne 
Wasserpflanzen mit Lehmboden, um Petshaburi, lieferten mir haupt- 
sächlich vier Arten von Paludinen: troclioides Martens, Martensi 

Ott -Asien. Zoologisch. I. 11 



210 Fische auf dem Markt in Bangkok. 

Fraueiif. , polygrainina Martens und ciliata Reeve, alle vier in dem- 
selben Tümpel, doch die zweite bei weitem die zahlreichste. Dass es 
auch an Süsswasserkrabben, hier hauptsächlich Parathelphusa Sinensis 
31. P]., nicht fehlt, ist in einem Tropenlande selbstverständlich. 

Die häufigeren Fischtormen auf dem Markte in Bangkok sind 
Cyprinoiden, manche mit lebhaft rothgefarbten Flossen , Labyrinth- 
kiemer (namentlich Osphronemus und Ophicephalus) , Siluroiden, 
Notopterus und Coiha, Aale und nicht selten auch liochen (Rhino- 
batus iigonifer und armatus, Pteroplatea micrura u. s. f.); seltener 
ist Polynemus paradiseus L. und der im Leben aalähnlich schlei- 
mige Mastacemblus argus Gthr.« mit ziegelrothen Flecken längs den 
Seiten. Die gewöhnlichsten Crustaceen des Marktes sind Lupa 
(Scylla) Tran(|uebarica F., diese wohl aus dem Meer, und Palaemon 
carcinus F. 

Die siamesischen Namen, welche ich namentlich auf dem 
Fischmarkt zu hören bekam, sind folgende: 
pla go, Saurus, 1 pla ten, Periophthalmus, 

— gula, Corvina nasus, — timbantu, Süsswasser - Syg- 
- kathing, Osphromenus, nathus, 

— koba, Therapon, ' — to, Siluroid (Arius), 

— krua, (Jiobius, — to heo, Belone, 

— lai, Aal, ^ — tshalam, Haifisch (Carcha- 

— lok, Ciarias, rias), 

— ma (Pferdefisch), Anabas, — tso, ein rothflossiger Cypri- 

— lin ma (Pferdezungeniisch), noid (Ilampala macrole- 

Cynoglossus u. Synaptura, ' pidota), 

— pen, Caranx, ! — tson. ) ^ ,. , , 

... , /i . . 1 .1 l Oplncephalus . 

— piia, em schwarzer Cypnnoid i — tshon,^ * * 

(Merulius chrysopheca- | mungroi, Clupea, 
diou), sisiet, Scomber, 

— salet, ) ^ , kong oder kung, Garnele (Pa- 

..... ; (Jsphromcnus , , . 

— sihbia,^ ' , laemon). 

Der Schlangenkopf, Oplncephalus, gilt wie in China und im indischen 
Archipel für einen der besten Fische, und namentlich nach Pallegoix 
auch für eine gute Krankenspeise: aus den kleinen Garnelen (Pa- 
laemon), vermuthlich sowohl denen des Flusses als denen des 
Meeres, bereitet der Siamese durch Zerstossen mit Salz eine violette 
pikante Zuspeise zum Reis, kapi genannt.^) 

Frösche, siamesisch kab, sind häufig, darunter fand ich zu 



Siis.s\va.sMM--Ke|itilieii vt»ii Siaiii. 211 

Bangkuk wie Petshaburi den äusscrlicli an unsoiv liike erinnernden 
Oxyglossus lima Tschudi. Die häuGgste VV asserschlangc desMc- 
namstroms, mir von den ^Eingeborenen bis zum Ueberdruss gebracht, 
ist die bekannte unschuldige Ilomalopsis buccata L. sp. Aber auch 
die interessantere Fühl fad enschlange, Herpeton tentaculatum 
Lacep., wurde mir gebracht und die auf ihren Schuppen aufgewach- 
senen kleinen Conferven bewiesen, dass sie eine Wasserschlange 
sei. Die sogenannten Fühler waren platt und wurden nur wenig 
selbständig bewegt; der Kopf platt, der Leib vom Stielrunden nach 
hinten ins Dreiseitige übergehend, indem die Rückenseite eine 
stumpfe Mittelkante erhält und unter stumpfen Winkeln in die 
Bauchseite übergeht; die Farbe dunkelbraun, in der vordem Hälfte 
fast ganz gleichmässig, in der hintern treten auf dem Kücken drei 
Paar, am Baucli ein Paar scliwarzer Längslinien hervor.') Zum 
Beissen war das Thier nicht zu bringen. Die Siamesen nannten 
diese Schlange mir nuang. Krokodile, take, sah ich mehrmals, 
lebende und todte, in den Kanälen zwischen Bangkok und Petsha- 
buri, es war stets die bekannte, weit verbreitete Art, Crocodilus 
biporcatus Cuv. : nirgends sali icli die von Perrault 1699 beschrie- 
bene, seitdem verschollene Art mit zwei mittleren Längskämmen 
hintereinander auf dem Scheitel. Crocod. galeatus t'uv. = Siamensis 
Schneid. Auch Süsswasserschildkröten sind in Siam zahlreich, 
und zwar wie in den übrigen ostasiatischen Ländern sowohl die 
harmlosen Emys, siamesisch tao, als die weichschaligen bissigen 
Schnappschildkröten, Trionyx, siamesisch taphab. 

3. Wirbellose Lniidthicre. 

Unter den Insekten Sinms sind die Leuchtkäfer (Lam- 
pyris), hing noi, mit Recht berühmt. Wenn man auf dem Flusse 
oder einem Kanäle des Abends dahinfährt. erscheinen die Bäume 
am Ufer oft förmlich illuminirt durch die 3Ienge derselben und man 
bemerkt mit Erstaunen, dass die Leuchtkäfer Eines Baumes gleich- 
zeitig aufleuchten und gleichzeitig dunkel werden. Dieses ist schon 
C. Kämpfer 169() aufgefallen und seitdem von fast allen Bericht- 
erstattern über Siam wiederholt: es ist auch im Allgemeinen richtig, 
aber doch nicht streng genommen: einzelne Lichtpunkte si^'ht man 
auch während der dunkeln Zwischenzeiten und das Aufleuchten, 
wie das Dunkelwerden geschieht nicht ganz plötzlich, sondern die 
Lichtmenge steigt und fällt etwas langsamer als bei dem einzelnen 



212 Lcuchtkalor und Muskito's in Siaui. 

Käier, so dass aiizunelunen i^?t, dass nicht alle gleichzeitig begiuueu 
und gleicrhzeitig enden. Es kann die Frage entstehen, ob das Phä- 
nomen nicht einfach dadurch entsteht, dass eben jeder einzelne 
Käfer in gleichuiässig vertheilten Intervallen leuchtet und nicht 
leuchtet, und diese Intervalle für alle gleich lang sind, ohne gleich- 
zeitig zu sein: es müssen sich dann auch bei der unregelmässigsteu 
Vertheilung von Anfang und Ende jedes Einzelnen doch im Ganzen 
die Perioden, in denen gleichzeitig die Mehrzahl leuchtet und in denen 
gleichzeitig die Mehrzahl nii'ht leuchtet, regelmässig wiederholen. Ge- 
rade ein Gleichbleiben dos Lichtes, während jeder einzelne periodisch 
leuchtet, würde eine bestimmt regehnässige Vertheilung voraussetzen. 

Eben so viel genannt, aber wegen ihrer Lästigkeit, nicht 
ihrer Schönheit, sind die Mus ki tos des unteren Meuamgebiets. 
(siamesis«*Ii yung), wie in einem solchen Sumpfland nicht anders zu 
erwarten. Jedes europäische Bett hat seinen dichten Muskitovorhang, 
der es nach Art eines hohen Betthimmeln von der Aussenwelt ab- 
schliesst, doch hörten wir meist vor dem Einschlafen noch die 
fatale Musik der Muskitos um unsern Kopf und sahen Morgens beim 
P'rwachen dieselben, vollgesogen mit unserm Blute, an der innern 
Seite des schützen sollenden Vorhanges sitzen. 

Selbstverständlich fehlt es in den Häusern auch nicht an 
Ameisen, mot, Spinnen, meng mum, Skorpionen, meng-pong, und 
Tausendfüssen, takab (Scolopendra und ein leuchtender Geophilus): 
von den verderblicheren Termiten oder sogenannten weissen Ameisen, 
phiek, habe ich in Bangkok nur gehört, nichts gesehen. Erwähnung 
verdient noch die Sing-Cit^ade, (\ imperatoria Westw. 

4. Land - Reptilien . 

Sehr bemerkh(*h macht sich in den Häusern der grosse 
Haus-gecko (Platydactylus guttatus Daudin s. Gecko verus 
Merrem), eine Eideclise, die fusslang wird, aschgrau mit orange- 
rothen Fle<'ken; schon von den älteren Berichterstattern über Siam, 
Tariiard, Tavernier u. s. w. wiederholt erwähnt, und von Perrault 
in den Abhandlungen der Pariser Akademie 1G99 ausführlich be- 
schrieben nach von Missionären erhaltenen Exemplaren, in Folge 
des reg^i Verkehrs zwischen Siam und Frankreich, der durch den 
unternehmenden Constantin Falcon aufgellammt war, um ebenso 
plötzhch wieder nach dessen gewaltsamem Tode zu erlöschen. 
Ihren Ituhm verdankt diese Eidechse hauptsäcliHch ihrer lauten 



Ciocko und andere Kidechsen iji Siani. 213 

Stimme,^) worin sie und ihre näclisten ViM'wandren allerdings allein 
unter den beschuppten Reptilien dastehen; sie wiederholt die zwei 
kurzen Silben to-ke in kurzen Intervallen mehrmals hintereinander, 
laut genug, um in einem benachbarten Zimmer während eines ge- 
wöhnlichen Gespräches die Aufmerksamkeit zu erregen, daher auch 
ihr gleichlautender siamesischer Name, den die europäischen Autoren 
je nacii ihrer Weise als toquet, tockaie u. s. w. schrieben. Sie ist 
nicht selten in den belebtesten europäischen Häusern, und da sie 
sich durch Aufzehrung des Ungeziefers, selbst der Släuse, wie man 
sagt, nützlich macht, von allen verständigen Kinwohnern geduldet, 
maciit daher auch am hellen Tage in Anwesenheit der Mens(!hen 
ihre Jagdexkursionen an den Wänden und an der Decke der Zimmer, 
wozu sie bekanntlich einen eigenen auf Luftverdünnung beruhenden 
Haftapparat an den Zehen besitzt, meist allerdings in einer Höhe, 
welche sie vor dem Eingreifen des Menschen sichert: doch kommt sie 
auch tief genug herab, um ergriilen werden zu können. Als ich eine 
derselben erhaschte, biss sie meinen Finger blutig. Auch schnappt 
sie gelegentlich kleinere Kidechsen ihrer eigenen Gattung weg, immer 
auf allgemeine Keptilienart langsam und stille, mit längeren Zwischen- 
pausen hcrankriechend, bis sie mit einer oder wenigen blitzschnellen 
Bewegungen ihre Beute erfassen kann. 

Auf den Bäumen in der Nähe der Häuser sieht man nicht 
selten eine grüne P^idechse, Calotes versicolor Daud., kingka der 
Siamesen; gewöhnhcli grün, wie das Laub der Bäume« worauf sie 
sich aufhält, ändert sie bei Aufregung etwas ihre Farbe, wird 
namentlich am Halse mehr roth, daher halten die Eurojjäer sie 
öfters für ein Chamaeleon, und Bischof Pallegoix gibt unter diesem 
Namen eine etwas lebhafte Beschreibung ihres Farbenwechsels. 
Von andern Eidechsen finden sich in den von mir besuchten Strecken 
mehrere Sciucoiden, wie der weit verbreitete Euprepes carinatus Sehn. 
sp., tshing-tshek oder tshin-loig, und das kleinere blindschleichen- 
ähnliche Lygosoma serpens L. sp. , aber auch eine unserer europäi- 
schen näher stehende Gattung mit langer gespaltener Zunge, Tachy- 
dromus sexlineatus Daud. 

Unter den Landschlangen ist die grösste der giftlose Python 
reticulatus Schneid., nu luom, von den Europäern meist kurzweg 
Boa constrictor und Riesenschlange genannt. Ein mehr als 15 Fuss 
langes Exemplar wurde mir in Bangkok lebend gebracht. Pallegoix 
erzählt den Fall, dass eine solche Schlange ein schlafendes Kind 



214 >Iaiijf *)■*■.•»»: S<*iii;4'.gf:. — I.audsrtiildkrMi«-. 

lieben der Mutter im Bitte verseliluiigeu habe. Neben der Brillen- 
schlange. Naja tripudians. welche nach Pallesoix auch liier wie in 
Vorderindien zum Tanzen abgerichtet wird, ist die einzige Gift- 
schlange, welche ich in die Hände bekam, der hellgrüne breitköp6ge 
Trigonocephalus albolabris Gray, nu kio, er war im Garten eines 
der europäisclien Aiii«iedler wiederholt vorgekommen. Die Siamesen 
halten aber auch viele andere Schlangen für giftig und erzählten 
dem Bi^»chof Palleffoix .Schauergeschichten von Schlangen, deren 
blosse Berührung versengt, und anderen, die ebenso mit dem Schwanz 
wie mit dem Kopf beisseu. ganz wie man es in den Mährcheu der 
Alten vom Prester und von der Amphisbaena findet. Das letztere 
beruht augenscheinlich auf tlüchtii^er Beobachtung der kleinköpfigen 
Schlangen, wie Calamaria. Cylindrophis. Typhlops, bei denen das 
Kopfende dem Schwänzende älinUch scheint, die aber alle gift- 
los sind. Drjiophis prasinus Reinwardt. die ich zu Petshaburi er- 
hielt, ist ihrer grünen Farbe wegen getTirchtet. worin sie dem vorhin 
erwähnten Trigonocephalus gleicht, während der scharf zugespitzte 
Kopf diese unschuldige Schlange sogleich unterscheidet. Noch 
schöner, mit Goldgelb. Grün und Schwarzbunt gezeichnet, ist Chrj'so- 
pelea ornata Shaw., nu kiau oder die Sonnenstrahlschlange der Siamesen. 
In dem Hause eines europäischen Kaufmanns zu Bangkok fand ich 
einmal alle Bewohner in .VulVeguiig. weil eine Schlange des Morgens 
im Zimmer gesehen worden war: vergeblich suchte ich nach der- 
selben in allen Winkeln und hinter d<*n Mubeln, endlich fand ieh 
sie behaglich zusammengerollt unter dem I-'ussteppich: es war eine 
unschuldige Natter, Klnphis virgata. Kine bekannte Kröte, Bufo 
melauo^tiiMus Schneid., lebt unter losen Steinen auf der grossen 
Pyramide, Phra- prang, als ob dieselbe zu ihrer Wohnung gebaut 
wäre. 

Die meisten der genannten Keiitilien finden sicli auf den 
Inseln des indischen Archipels wieder. Die weiter oben erwähnte 
Pühlfadeiischlange. Ilerpeton. dagegen sclieint Siam eigen thümhch 
zu sein und ebenso ist Siam das einzige Land, in welchem ich 
während meines Aufenthaltes in Ostasien eine Landschildkröte 
zu sehen bekam: einer unserer C'adetton hatti» sie im Walde an der 
Küste von Simaharadsha (Ostseite des Golfes) lebend gefunden; sie 
war noch nicht handgross. und ein junges Kxemplar von Testudo 
elongata Blyth. Auch Pallegoix spricht von kleinen Landschild- 
kröten, die so wenig selten seien, dass in Ayutia sein dazu dressirter 



Siaincsisrlic Vögel. 215 

Hund ihm fast jeden Tag eine Holche in don Feldern auiiand und 
zuBchleppte. ^) 

5. Vögel. 

An Vögeln ist der von uns besuchte Küstenstricli Sianrä 
reich. In der Hauptstadt selbst sieht man wieder den ostasiatischen 
Sperling, Passer montanus , und sehr zahlreich einen Kaben, Corvus 
macrorhynchus Temm., siamesisch ka, über dessen Zudringlichkeit 
Bischof Pallegoix viel zu klagen weiss: besonders des AJorgens und 
Abends hörte man sein Krächzen und sah einen nach dem andern 
über unsere Wohnung wegziehen, von oder nach dem Nachtquar- 
tier, wie ich es einst in Stuttgart von der Rabenkrähe gewohnt 
war. Im Gras an den Wassergräben, nahe der Stadt, sahen wir 
öfters einen scliwarzweissen Staar, Acridothcres nigricollis I'aykuU, 
und auf hohen Bäumen an den Ufern der Kanäle, in der nächsten 
Umgebung von Bangkok, nisteten zahlreiche weisse Reiher, Ardea 
nigrirostris Gray, und ein Riesenstorch oder Marabu, Leptopila 
capillata Tem. Wir sahen mehrmals Flüge des letzteren in \'- för- 
miger Ordnung wie die Kraniche über uns hinziehen; er ist unter seinem 
siamesischen Namen nok-karien schon von älteren Reisenden erwähnt. 

Auf der Fahrt durch die Binnenkanäle nach Petshaburi 
zeigten sich neben den weissen und andern Reihern, nok-kasa, 
auf den Zweigen der Ufergebüsche bald grossere oder kleinere 
blaue Kisvögel, Halcyon Capensis L. sp. und Alcedo Bengalensis 
Gmel., bald der zimmtbraune, weissköpfige Seehabicht, Ilaliastur 
Indus, bald ein Pelikan, P. Philippinensis Gmel., nok-paug, bald 
Tauben, Drosseln oder der schon von Linne als siamesisch ge- 
kannte Scheerenvogel, Dicrurus paradiseus L. sp. Um Petshaburi 
sahen wir besonders häufig einen braunen langschwänzigen N'ogel, 
den meine Gefährten mit einem Fasan verglichen, weil wir ihn 
meist am Boden trafen; aufgescheucht aber flüchtete er mit niedri- 
gem, etwas schwerfälligem Fluge ins Gebüsch; als einer erlegt 
wurde, zeigte sich, dass es ein Spornkukuk war, Centropus 
Bengalensis Gmel., nok-ut von den P^ingeborenen genannt. Ferner 
schössen wir daselbst noch andere Arten kukuksartiger Vögel, 
z. B. Eudynamis nigra L. sp., nok-kauau, wahrscheinhch nach seiner 
Stimme genannt, Blauracken, Coracias afßnis, siamesisch salega, 
Bienenfresser, Merops PhiUppinus, Bartvögel, Megalaema caniceps, 
einen dunkelköpfigen Grünspecht, Picus ((lecinus) dimidiatus und 



216 Aasgeier bei Bangkok. 

einen Wiedehopf, wie es mir schien, nicht von der europäischen 
Art verscliieden. 

Wie diese Gattung, so sind auch die Geier von Europa und 
Afrika bis 8iam verbreitet, ohne auf die Inseln des indischen 
Archipels überzugehen. Weder auf diesen, noch in China oder 
Japan hatte ich Geier gesehen. Die Buddhisten verbrennen die 
Leichen, in Bangkok ist eine eigene geräumige Teuipelanlage, Wat- 
Saket, dafür bestimmt. Aber dieses Verbrennen ist mit Sporteh) 
an die Priester verknüpft und wenn solche nicht bezahlt werden, 
wie in der Regel bei armen Leuten, bleibt die Leiche unbeerdigt 
hegen, den Naturkrüften zur endgültigen Besorgung überlassen. 
Diese stellen sich denn auch alsbald in Gestalt von herrenlosen 
Hunden, Kaben und Geiern ein; von allen dreien ist eine ansehnUche 
Menge in Wat-Saket angesiedelt, hinreichend, um ihren Dienst 
mit einer gewissen Kegelmässigkeit und Promptheit zu thun. Aus- 
einandergerissene Skelete und einzelne Knochen findet man in den 
etwas abgelegneren Stellen von Wat-Saket daher in Menge umber- 
hegend, und die Hunde knappern in p]rmanglung neuen Stoffes noch 
lange daran. Einmal sah ich aber auch eine frische angefressene 
Menschenleiche, die eine Hälfte von Gesicht und Brust noch so 
wenig verändert, als ob der Mensch schliefe, die andere schon bis 
an die Knochen abgefressen, ein Anblick, der auch den an anato- 
mische ZergUederung Gewöhnten durchschauern kann. Die Geier 
sassen, so lange keine Beschäftigung für sie war, klumpenweise 
beisammen auf den Dächern der kleinen Heiligthümer, anscheinend 
gleichgültig, aber doch stets Wache haltend. Ein angeschossener 
suchte durch Sprünge uns zu entkommen und vertheidigte sich, 
eingeholt, mit Schnabel und Krallen nachdrücklich und respekt- 
erregend bis zum letzten Augenblick. Es war Vultur leuconotus 
Gray, grösser und heller gefärbt als der südeuropäische ruthUch- 
falile Gänsegeier, V. fulvus, sonst demselben sehr ähnlich. Alle, 
die ich in Wat-Saket gesehen, schienen derselben Art anzugehören. 
Sein siamesischer Name ist ren. 

Schwärme graublauer Tauben, unsern zahmen sehr ähnhch. 
Columba intermedia Strickl., beleben die grosse in einen Buddha- 
tempel umgewandelte Höhle bei Petshaburi. 

Die wilden. Hühner bilden bekanntUch einen bezeichnenden 
Zug der indischen Länder, aber da sie mehr in Wäldern, als in 
bewohnten Gegenden leben, hat der Reisende weniger Gelegenheit 



Siamcsischo Vogel. Glcphant. 217 

sie zu sehen. Dem englischen Consul, Sir Robert Schomburgk , war 
eine neue Art derselben gebracht worden, aber zur Zeit unserer 
Anwesenheit nur erst das Weibchen; dieselbe ist unterdessen als 
Diardigallus Crawfurdii Gray beschrieben worden, eine Verwandte 
des 40 Jahre früher vom französischen Reisenden Diard in Cochin- 
china entdeckten Gallus Diardi. ^) In Käfigen bei den Eingeborenen 
sah ich öfters den javanischen beo, Gracula religiosa h., Turtel- 
tauben, Columba tigrina Teui. und striata L. und den weissgetüp- 
felten Bengali, Estrelda amandava L. Letzterer ist wahrscheinlich 
der von Pallegoix Colibri genannte Vogel, der in Siaui hochgeschätzt 
und ein Ausfuhrartikel sei. Nach demselben gehen auch die schönen 
blauen Bälge der Eisvögel, siamesisch pik nok kateu, als Handels- 
artikel nach China zu Kleiderverzieruugen, das Hundert zu drei- 
bis funtliundert Francs; hiezu fange man die Vögel, indem man 
einen lebenden am Ufer in einem Käfig aufstelle, auf dessen Stimme 
andere eifersuchtig herbeieilen und mit den bereit gehaltenen Netzen 
beruckt werden. Pfauen und Papageien (Palaeornis) sollen im 
Innern des Landes leben; wir sahen keine derselben. Die IMenge 
der Webervögel bei der alten Hauptstadt Ayutia wird schon von 
altern Besuchern erwähnt.^) 

6. Wilde Säugethiere. 

Unter den vierfüssigen Thieren spielt selbstverständlich der 
Elephant, siamesisch tsliang, die Hauptrolle. Im Innern soll er 
noch häufig sein; in Bangkok besitzt meines Wissens nur der König 
Elepbanten, wir sahen deren mehrere in den königHchen Ställen, 
sie wurden regelmässig des Abends an den Fluss in die Schwemme 
geritten. Nur wenige hatten grosse Zähne. Da hier noch aller 
Verkehr zu Wasser geschieht, so haben sie wenig zu thun und 
scheinen mehr nur der Pracht wegen gehalten zu werden. Weiter 
aufwärts, im unebenen Land, sind sie das hauptsächlichste Trans- 
portmittel tur Reisende und Lasten. Der sogenannte weisse P^lephant, 
in einer eigenen Abtheilung des königlichen Palastes gehalten, war 
ein junges Thier von merklich hellerer Farbe als die andern, aber 
immer noch mittelgrau. (Vgl. Reisebericht IV., S. 275.) Zu seiner 
Unterhaltung sind ihm ein paar Meerkatzen beigegeben; im Allge- 
meinen fuhrt er aber ein einsames langweiliges Leben, und ist daher 
auch oft verdriesslich gestimmt. Die Hauptmasse seiner Nahrung 
besteht, wie bei den andern Elephanten, in Gras oder Heu: Gras 



218 Weisse .siamesische Thiere. 

für die königlichen Elephauten zu schneiden, ist ein wesentlicher 
Theil des tägUchen ITofdienstes, wozu öfters degradirte höhere 
Beamte verurtheilt werden sollen. 

Der Naturforscher der Crawfurd'schen Expedition nach Siam, 
Dr. Finlayson, machte darauf aufmerksam, dass sich so vielerlei 
weisse Thiere in Siam finden. Die ihm aufgestossenen Fälle 
vertheilen sich aber, wie er theilweise selbst wusste, in zwei wesent- 
lich von einander verschiedene Kategorieen: 

1. Albino's, d. h. abnorm farblose Individuen von Arten, die 
sonst anders gefärbt sind, hieher der weisse Klephant, die 
weissen Affen. Kin solcher Albinismus dürfte in Siam nicht 
häufiger vorkommen als in Kuropa (weisse Hirsche, Aläuse, 
Sperlinge, Amseln u. s. f.), aber die Siamesen legen einen 
eingebildeten Werth darauf, daher werden solche Thiere, 
wo sie sich finden, gefangen und dem Könige gebracht. 

2. Normal weissgefärbte Arten aus Gattungen, deren übrige 
Arten nicht weiss sind : hieher das w^eisse p]ichhorn, Sciurus 
Finlaysoni Horsf., der weisse Delphin des südchinesischen 
Meers , Delphiuus Sinensis Fr. Cuv., pla niu thale, Mecrsch weiu- 
fisch , den ich auch wie Osbeck und Finlayson mehrmals in 
diesen Meeren gesehen, olme ihn zu genauerer Charakteri- 
sirung nahe genug zu bekommen, und die weisse schwarz- 
flügligc Taube der siamesischen Küstoninseln , Columba 
(Myristicivora) bicolor ScopoH = alba Gmel. = litoralis 
Tem. Unter den Walthieren ist die weisse Farbe selten 
und findet sich sonst nur bei den hochnordischen Arten, 
derBeluga, Delphinapterus leucasPalL, und gewissermaassen 
auch bei dem Narwal, wieder. Unter den Seevögeln ist 
die weiss - und schwarze Färbung durch alle Zonen häufig 
(Möven, Albatros und einige Sturmvögel, Phaethon), und jene 
Küstentaube kann daher in Färbung wie Lebensart als Stell- 
vertreterin der im indischen Archipel selteneren Möven gelten. 

In diese Kategorie der weissen Thiere gehört gewissermaassen 
auch der halb weiss, halb schwarz gefärbte Tapir, Tapinis Indicus 
Desni. , der sowohl auf der Halbinsel Malakka als an der chinesischen 
Gränze lebt, und von früheren Schriftstellern zuweilen ungenau als 
Flusspferd (IlippopotÄmus) aufgeführt wurde. 

Ein Ilhinoceros, ret, kommt im Innern vor, seine Haut, 
in kleine Stücke zerschnitten und stark gekocht, wird gegessen 



Hufthiorp lind H<iiibthi«MT. in Siani. 219 

(Pallegoix), die llonier sind Ausfuhrartikel. Crawl'urd nennt ew 
ausdrücklich das einhörnige (Hh. unicornis L. =: Indicus Cuv.); nach 
einer Notiz in den Proceedings of tlie zoological society 1862 pag. 1 
scheint aber auch das zweiliörnigc suiuatraniscl;e Khinoceros an der 
Westgränze von Siain vorzukommen. 

Schweine, mu pa, sind liäufig, doch kh»iner als die euro- 
päischen, wahrscheinlich zur chinesischen Art gehörig, ungefährlich 
und wenig beachtet, doch den Pflanzungen schädlich. Hirsche, 
kuang, scheinen im Innern des Landes nicht selten zu sein und 
werden nach Pallegoix zur Zeit der Ueberschwemmungen in Menge 
mit leichter Muhe gefangen. Die eigeuthünilichste Art derselben ist 
Cervus frontalis McClelland (Gattung Panolia von (tray), dessen 
Geweih, durch die starke Riegung der Hauptstange nach hinten 
und die grosse Augensprossc mit mehreren Zinken ausgezei(;hnet, 
ich in Bangkok erhalten habe. Ein lebendes Thier, in Ermanglung 
des Geweihes nicht sicher zu bestimmen, doch vielleicht zu dieser 
Art gehörig, sah ich ebenfalls in Bangkok: es hatte die (rrösse 
unseres europäischen Edelhirsches und war oben braungrau, \uiten 
weisslich; ein Längsstreif, wenig dunkler als die übrige Färbung, 
erstreckte sich vom Hinterkopf bis zur Schwanzwurzel: der Schwanz 
war ganz kurz, oben mit dem Rücken gleichfarbig, unten weiss. 
Ein wildes Rind, von den älteren Schriftstellern, z. B. Kämpfer 
und Tachard Büffel genannt, wird in fast jeder Beschreibung des 
Landes angeführt. 

Unter den Raubthieren steht auch hier der Tiger, siamesisch 
sira, vorne an; er soll nach Finlayson kleiner als der bengalische^ 
und nicht selten ganz schwarz sein. An ihn reiht sich der Schild- 
kröten- oder Wolkentiger, Felis macroceloides Hodys. , und der 
Panther, dieser als »gestirnter Tiger« wahrscheinlich nach seinem 
einheimischen Namen von Pallegoix aufgeführt. Die Siamesen wissen 
auch von wilden Hunden, ma pa, zu erzählen; sie sollen graben 
wie Füchse, aber kein Europäer hat sie noch gesehen. Kleinere 
einheimische Raubthiere sind die Zi1)etkatze, öfters des Zibets, 
tscbamot, wegen in den Häusern gehalten, und die ihr verwandten 
Paradoxurus trivirgatus und Finlaysoni; endlich der malaiische Bär, 
Ursus Malaianus, siamesisch nii, den Menschen nicht gefährlich, 
aber um so mehr dem Honigvorrath der Bienen. Eine Fischotter, 
Lutra leptonyx Horsf., siamesisch nak, sah ich selbst zu Rangkok: 
ihr Pelz wird nach China ausgeführt. 



220 Naget liiere und Afleii in Siaui. 

Hasen habe ich in Siam nicht gesellen, so wenig als Fin- 
lavson und Crawfurd: aber frühere Reisende. wieTaehard, er\väh- 
nen ihrer und Pallegoix erzählt, sie seien häufig, namentlich in der 
l'mgebung der alten Hauptstadt Ayutia, doch sollen die Siamesen 
die Jagd derselben nicht der 3Iühe werth halten und nur viele 
Fabeln über die Schlauheit dieser Thiere erzählen: ein in Bangkok 
gekauftes siamesisches Vocabular gibt einen einheimischen Namen, 
katai, für den Hasen an. Da der indische Arcliipel ursprünglich 
keine Hasen besitzt (vgl. unten), wohl aber Vorderindien, so scheint 
das eine weitere Thiergattung. deren Verbreitung das kontinentale 
Asien gegenüber der Inselweh charakterisirt. 

Zahlreicher sind die Eichhörnchen, rothbraune. Sciurus 
Siamensis Gray, schwarz- und weisse, Sc. bicolor Sparrm. und 
dreifarbige, oben schwarz, unten rolh, *mit einem weissen Seiten- 
streifen, Sc. Prevosti Desm.: seltener das weisse. Sc. Finlaysoui 
Horsf. Pallegoix gibt an . dass man das letztere nie auf Cocos- 
palmen, wie die andern, sondern nur in den menschlichen Woh- 
nungen als Dieb finde; sollte daraus sich vielleicht seine auflallendc 
Färbung erklären lassen';* Auch grosse fliegende Eichhörnchen , Pte- 
romys petaurista Pall., kennt man aus Siam. 

Unter den übrigen Nagthieren sind neben den zahlreichen 
Ratten, nu in der Landessprache, noch zu erwähnen die Gattung 
Rhizomys, ein bissiges Thier von über 6 Zoll Länge, das den Reis- 
vorräthen gefahrlich wird, thur nach Finlayson hier genannt, und 
zweierlei Stachelschweine, lua men, das kurzschwänzige, Hys- 
trix cristata, und das langschwänzige, x\therura fasciculata. 

Das Schuppen tili er. Manis brachyura. ist schon den 
älteren Reisenden (Tachard 1689) aufgefallen; seine Haut, klet lin, 
ist ein Handelsartikel für die Apotheken bis Singapore und China. 

Unter den Affen, ling, scheint auch hier wie im indischen 
Archipel der gemeine Makako, 3Iacacus cynamolgos, der häufigste 
zu sein; die Affen, welche ich im Stalle des weissen Elephanteu 
gesehen, gehörten dieser Art an. Seltener sind die SchlankafTen, 
Semnopithecus obscurus Reid und S. Siamensis Wagn. Der inter- 
essanteste und niedlichste ist ein langarmiger Affe, Hylobates pileatus 
Gray, nur durch die tief schwarze Färbung des Oberkopfes vom alt- 
bekannten Hylobates lar L. unterschieden, Stirne und ein Ring um 
das Gesicht weiss, die Hände weisshch. Zwei dieser langarmigen 
Affen erhielt der preussische Gesandte zum Geschenke, und sie 



Siaiiiesischc Ilaustliieiv. 221 

wurden bald die Lieblinge der ganzen Gesellschaft durch ihr sanftes 
einschmeichelndes Betragen. Wir hatten sie auf der Veranda un- 
serer Wohnung angebunden; die Nacht brachten sie auf den Dach- 
balken zu. Sie belustigten uns durch ihre gewandten Turnkünste, 
indem sie die Ffisse frei herabhängen lassend, nur mit den langen 
Armen abwechselnd ausgreifend und festhaltend, überraschend 
selmell an einem Balken oder Stricke sich vorwärts bewegten. So- 
bald Früchte auf unsern Tisch kamen und wir nicht sogleich an 
ihn dacliten, wusste der eine von ihnen durch das jämmerlichste 
Kindergeschrei und verzweifluugsvolles Herumwälzen auf dem Boden 
unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der andere hatte ganz 
besonders die Haare des Vorderkopfs kurz aufgerichtet, wie die 
siamesischen Alänner sie zu tragen pflegen und es war ein Gegen- 
stand der Controverse, ob er von seinem früheren Herrn so frisirt 
geworden , oder ob das siamesische V^olk seine Frisur von der natür- 
lichen des AiFen entlehnt.*) 

7. Haiisthiere, cinlieimLsche Thiernamen und Thiorhilder. 

üeber die zahmen Thiere ist wenig zu sagen; das werth- 
vüllste und eigenthümlichste ist der Elephant, aber insofern kein 
Ilausthier, als er sich nicht als solches fortpflanzt, sondern stets 
wieder neue aus der Wilduiss eingefangen werden müssen. Das 
Schwein, mü, ist das bekannte siamesische oder chinesische mit 
hängendem Bauch und rundem Kücken, wahrscheinlich dieselbe Art 
mit dem hier wild vorkommenden. Das Pferd, ma, spielt, wie in 
Indien eine geringe Kolle, und ist nur Luxusthier der Reichsten. 
Der gemeine Mano. geht zu Fuss, Nachen vertreten im Flachland 
die Wagen, im Binnenland der Rücken des Elephanten, Ochsen, 
ugua, oder Büffels, kuai. Letztere Beide dienen aucli zum Ackerbau, 
nicht aber als Schlachtvieh, denn die Siamesen sind kein fleisch- 
essendes Volk. Ebensowenig zahlreich sind Ziegen, phe, und 
Schafe, ke, deren ich einige wenige zu Bangkok sah. Die Hunde, 
auch ma, aber mit etwas anderem Ton gesprochen, sind wie in ganz 
Ostasien fast herrenlos und auf sich selbst angewiesen, mehr an 
Strassen und andere Oertlichkeiten (vgl. oben S. 216) als an die 
Menschen anhänghch. 

Hühner, ke, Gänse, han, und Enten, pet, werden häufig 
gehalten, üeber einen Hahnenkampf siehe den erzählenden Reise- 
bericht, Bd. IV., S. 297. 



222 Siaiiie.sisclii.' und l•Ililte^<i^('lK' Tliicriiaineii. 

Kiue grosso Uebereiiistiiumung des Siamesischen mit dem 
Chinesischen fallt besonders bei den Namen der Ilausthiere auf, 
doch ist dabei zu bedenken, dass es meist Nachahmungen des eigen- 
thümhchen Lautes der Thiere selbst sind. So 

Kind siamesisch ngua, chinesisch niu, in Kanton ngau, 
Kat/e «> meo, » mau, 

Hahn » ki, » ki. 

Uans han, » ngan, im Kantondialekt 

wilde Gans, japanisch 
gan, 
Knte » pe, •> im Kantondialekt ap, 

aber auch 

Pferd siamesisch ma, chinesisch ma, 
Elepliant » tshang, » siang oder tsiang. 

Diese Ueberoinstimmung kann freihch so erklärt werden, dass das 
Pferd erst durch* die Chinesen in Ilinterindien, der Elephant durch 
Hinterindien den Chinesen bekannt geworden und die betrefienden 
Namen daher in dem einen und andern Lande entlehnte Worte 
sind. Aber eine ähnliche üebereinstimmung linden wir auch bei 
einzelnen Namen wilder Thiere, z. B. 

Garnele siamesisch kong, chinesisch ha, 

Vogel n nok, >' niau, im Kantondialekt 

niu, 
Kröte X kang kok tschen, 

Schildkröte » tao, » (Schildpatt) tai, 

Schlange » uuod. ngu, » nan. 

Mehrere dieser Fälle lassen sich auch dadurch erklären, dass das 
eine Volk die erste Kenntniss des betrellenden Thiers dem andern 
verdankt und damit auch seinen Namen aufnahm. Die meisten der 
siamesischen Thiernamen sind aber, obgleich die Sprache auch 
wesentHch monosyllabisch , ganz abweichend von dem chinesischen 
z. B. pla Fisch, chinesich yu, und ebenso fremd dem malaiischen 
(ikan). Dagegen scheint die Sprache von Cambodja mit der siaiue- 
sischen verwandt zu sein, nach einigen Thiernamen, die ich aus 
Mouliot's Reisebeschreibung notirt: 

Rind in Siam ngua, in Cambodja ku, 

Schaf » >• ke, » » chiem, 

Geier • » reng, » •• rat, 

Adler » *> insi, • - antri. 



Rohe Tiiicrdiirstclluiip'ii. 223 

Frosch in Siam kop, iu Cambodja oiig-kep, 

Grille » » tshangrit » » tshangret. 

Das siamesische Volk nennt sich selbst das Volk der Freien, 
aber ich habe nirgends anders einen so entschiedenen Despotismus ge- 
sehen wie hier und damit ein solches Damiederliegen des Kunstfleisses; 
wer etwas kann, muss für den König arbeiten, gegen willkürliche 
und geringe Vergütung; so fehlt jeder Sporn zum Fortschritte und 
die einzige Kunstübung besteht in einem barbarischen, von ferne glän- 
zenden Luxus der königlichen Bauten. Die einzigen Thierdarstel- 
hingen, die ich in ganz Bangkok zu kaufen fand, waren elende 
Thonfiguren, mit unnatürlichen Farben überstrichen, von Eleplianten, 
Ilülinern, Mäusen u. dgl. , so plump, steif und grob gearbeitet, wie 
nur das geringste Kinderspielzeug bei uns, ohne alle Spur der liebe- 
vollen Naturaufiassung , die in den japanischen Thieriiguren erfreut. 



ANMERKUNGEN. 



*) Ich wurde dieser Angabe des Fischers weniger Glauben schenken, wenn nicht 
auch der franzüsische Bischof Pa Ilegoix, der so lange in dem Lande gelebt luid 
mit den Eingeborenen so vielfach verkehrt hat, deutlich denselben Fisch als den 
I Icn'orbringcr jener Töne betrachtete; diese Uebercinstimmung macht wenigstens 
wahrscheinlich, dass dieses die allgemeine Annahme der Eingeborenen , nicht chi nur 
auf Uebervortheilen des Fremden abzweckeuder Einfall des Einzelneu gewesen. Die 
Worte von Pallegoix, in dessen description du royaume Thai ou Siam, ein Buch, das 
ich in Slam selbst von dem ehrwüi*digen Greise erhalten, sind folgende (Bd. L 
S. 194): II y a un poisson (}u'on appelle langue du chien; il a absolumcut la ineme 
form que la sole; il s'attache au dessous des bat'(}ues et fait entendre un bniit tres- 
sonore et mcme hannonieux. ce qui est encorc bicn plus frappant, lorsquc cinq ou 
six de ces animaux sont collcs a la barque. Es ist nicht einzusehen, wie eine Sole 
sich an ein Schiff anheften soll. John White, Reise nach China 1^24, S. 187, er- 
zählt von musicirenden Fischen an der Mündung des (Siam benachbarten) Cambodja- 
llusses (Oken , allgemeine Naturgeschichte. Fische S. 249) ; die Töne vergleicht er mit 
Orgel , Maultrommel und dem Murksen der Frösche. Auch hier gab ein Dolmetscher 
die Erklämng, dass die Fische sich an das Schiff anhängen und zwar mit dem Munde. 
Aehnliche an den amerikanischen Küsten gehörte Töne wurden von Schöpf und Cuvicr 
auf Pogonias bezogen» einen barschartigen, frei schwimmenden Fisch. Auch 
Tennent meldet aus Ceylon von musikalischen Tönen in der Lagune von Batticaloa, 
die von den Eingeborenen einem Schalthier zugeschrieben werden. Ceylon, vol. IL 
pag. 4G8— 471. 

') Bischof Pallegoix erwähnt noch mehrerer Süsswasserfische , die sich mit mehr 
oder minder W^ahrschehilichkeit deuten lassen, Bd. I. des erwähnten Werks, S. 192 ff. 
Der Mondfisch der Siamesen ist ohne Zweifel ein Tetrodon. eine Gattung, welclie 
in den grösseren Flüssen Indiens und selbst im Nil vertreten ist; der pla krai. bis 
einen Meter lang, schuppcnlos, flach, mit drei Sternen an jeder Seite, vermuthllch 
ein Mastaeemblus , ähnlich M. argus ; in dem ])la kako , dem grössten Süsswasserfisch, 
einzelne Schuppen von der Grösse eines Fünffi-ankenstücks, möchte ich ein Osteo- 
glossum vermuthen; meng-phu, schön grünblau. 20 — 30 Pfund schwer, gefrüssig 
und bissig, daher den Badenden gefährlich, bleibt mir ein Rätlisel. Als Fische, die 
über Land wandern, nennt derselbe drei Arten: pla dak und pla mo, der erste ist 
zweifelsohne Ophicephalus, der dritte vielleicht Osphromenus, vom zweiten bleibt es 
mir zweifelhaft, ob auch ein Labyrinthkiemer gemeint ist oder der Siluroid, den ich 
pla lok nennen hörte, da auch Siluroiden nach einzelnen in Amerika gemachten Erfah- 
rungen über Land wandern (Callichthys coelatus, hassar, nach Rieh. Schomburgk's Reisen 
in Britisch-Guyana 1848. IL S. 412). Die Krebse, ecrevisses, -tout k fait differentes 



Anmerkungen zu Slam. 225 

de Celles d'Europe- , mit blauen zehn Zoll langen Schceren bei Pallegoix S. 105 sind 
die grossen indischen SGsswasser-palaemon. Ein reichhaltiges Verzeichniss siame- 
sischer Sflsswasserfische , aber gemischt mit Seefischen, wie sie eben auf den Markt 
kommen, nach einer Sammlung von Bocourt, ist vor Kurzem in der Nederlandsch 
tydschrift voor dierkonde 18G4 pag. 34 ff. gegeben; frühere Notizen von Bleeker nach 
Durchsicht der Zeichnungen des Grafen von Castelnau finden sich in der natuur- 
kundig tydschrift voor Nederlandsch Indie XX. 1850 S. 101, von Dr. Günther nach 
Mouhot's Sammlungen in den Proceedings of the zoological society of London ]H60 
])ag. 113 und 1801 pag. 187 , sowie in Annais and Magazine of nat. bist. 18G3 pag. 245. 
Bleeker macht auf die besondere Aehnlichkeit der Susswasserfische Slams mit denen 
von Bomeo aufmerksam, und ich kann dieselbe nur bestätigen nach dem, was ich in 
beiden Landein gesehen, z. B. die Gattung Datnioides und die Cyprinoidenarten : 
Barbus apogon, bramoides. Schwancfcldi , hampal. Hasbora arg^^-rotaenia , Chela 
oxygastroides und macrochir. Neben der geographischen Nachbarschaft ist es nament- 
lich das Vorhandensein grosser Ströme und grosserer Alluvialebenen, was diese 
Aehnlichkeit erklärt. 

^ Ilerpeton tentaculatum. Eine schöne Abbildung dieser Schlange nach von 
Mouhot eingesandten Exemplaren, hat mein Freund Dr. Günther in den Proceedings 
of the zoological society 1800, Kcptilcs pl. XX III., mitgethellt. 

Bischof Pallegoix erwähnt einer Wassorschlangc unter der Bezeichnung sei-pent 
tronipe d'elcphant, description du royaume Thai ou Slam I. pag. 178, vielleicht die 
oben ena'ähntc Ilomalopsis. 

^) Ueber den anatomischen Bau der Stimmorgane dieser Eidechse hat Dr. Dole- 
sehall in der Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch Indie Band VIII. S. 147 
Näheres mitgetheilt; ein Auszug davon in Troschel's Archiv f. Naturgeschichte XXII. 2. 
]8oQ. 8. Gl. 

*) Ein Verzeichniss siamesischer Reptilien nach Mouhot's Sammlungen hat Dr. 
Günther in den Proceedings of the zoological society von 1800, pag. 3 — 6, Zusätze 
ol>enda im folgenden Jahre und pag. 187 in den Annais and Magazine of nat. bist. 
November 186.3 gegeben. Einige von Herrn Jagor aus Slam erhaltene hat Prof. Peters 
in den Monatsberichten der Berliner Akademie, Juni 18()3, angctulu't; andere Dr. Cope 
in den Proceedings of the aeademy of Philadcljihia 1860. Zu diesen , .^)8 an der 
Zahl, kamen durch die preussische Expedition folgende sechs, als in Siani einhei- 
misch, hinzu: 

Taehydromus sexlineatns Daud. (var. aencus Peters 1. c. pag. 40.'^), 

Lygosoma seq)ens L. , 

Typhlops braminus Daud., 

Acrochordus Javanicus Ilornstedt, 

Rhabdion torquatum D. B. . 

Elaphis virgata Schlcg. 

•) Proceedings of the zoological society of London 18ß2 p. 2.')(.). 

') Auch von den Vögeln Slams ist vor wenigen Jahren in den Proceedings of 

tho zoological society, 1850, S. 151, ein systematisches Verzeichniss veröffentlicht 

worden nach den von Sir Robert Sehoniburgk eingesandten Materialien. Einige 

andere von der Crawfurdsehen Expedition 1821 durch Dr. Finlayson mitgebracht und 

Ott- Auen. Zoologiacli. L 15 



22() Anmerkuiigeii zu Siam. 

den Sainmliiiigen der ostiiidischcu Coiiipagiüe einverleibt , finden sich in den Catalogeu 
derselben von Fr. Moore verzeiehnet. 

Die Arten, welche ich in Siam erlangt und in keiner dieser beiden Quellen als 
siamesisch erwähnt finde, sind folgende: 

Vultur leuconotus Gray, Ardea cinerea L. var. major, 

Milvus sp., — nigrirostris Gray, 

Corvus niacrorhynchos Tein. , Gallinago stenura Horsf., 

Lanius nigriceps Frankl., Charadrius sp., 

Passer montanus L. sp., Poq)hyrio sp. , 

Halcyon Capensis L. sp., Sterna Panayensis Lath., 

Megalaema caniceps Frankl. , Larus sp. , 

Leptopila capillata Tem. , Carbo sp. 

Mit diesen ist die Zahl der bis jetzt bekannten Vogelailen aus Siam i)8. Der 
schon von Tachard 1G89 beschriebene nok herian ist wahrscheinlich der Riesenstorch, 
nok karien. Die Webervogel in der alten Hauptstadt Ayutia, deren Tavemier und 
Kämpfer gedenken, durften wohl zu der in der vorderindischen Halbinsel bcnihniten, 
auch in Birma und Malakka beobachteten Art, Ploceus baya Blyth., gehören. 

^) Ks existirt meines Wissens noch keine befriedigende Zusammenstellung der 
Säugcthierc Siams, aber einzelne Notizen darüber finden sieh hi allen W^erken zer- 
streut, welche überhaupt über die Naturgeschichte Siams handeln. Die wichtigsten 
derselben, in der obigen Darstellung mehrfach benützt, sind: 

Tavernicr, coUections of travels through Turkey into Persia and the East Indies. 

London 1Ö84. Fol. 
Gouyc, P., obsenations physiques et mathematiques pour servir ä Thistoire na- 
turelle etc., envoyces de Siam a rAcademie royale par les peres Jesuites 
Franvois. Paris 1688. 8vo. Heschreibung und Abbildung des Ci*ocodilus 
galeatus und Gecko verus. Dasselbe auch in den Memoires de rAcademie 
des Sciences avant 1099. toni. HI. pl. 64 und 67. 
Tacliard, P. , voyage de Siam des peres Jesuites. Amsterdam 1689. 8vo. Die 
Jesuiten kamen 1685 unter Louis XIV. nach Siam und waren bis zum 
Sturze Constantin Falcons 1687 in grossem Ansehen daselbst. 
— second voyage du Pere Tachard et des Jesuites envoyez par le roy au 
royaume de Siam. Paris 1689. 4to. (Eine andere Ausgabe in Amsterdam 
1689, 8vo.); enthält Abbildungen von Manis und Gecko verus. 
Kämpfer, K. , Geschichte und Beschreibung von Japan, herausgegeben von Dohm. 
Lemgo 1777. 4to. Der Verfasser war vom 7. Mai bis 4. Juli 1690 mit einer 
holländischen Gesellschaft in Siam. 
Crawfurd, John, Journal of thc embassy to the courts of Siam and Cochinchina, 
in thc years 1821—22. London 1828. 4to. 

Finlayson, Dr. Georg, Arzt und Naturforscher dieser Gesandtschaft, hat auch 
eine eigene Reisebesehreibung geliefert, welche nach seinem allzufrühen Tode 
von Sir Raflies 1826 herausgegeben wurde, beide sind übersetzt in der 
Bibliothek der neuesten und wichtigsten Reisebeschreibungen von Sprengel 
und Khmiann. Weimar, Landesindustric-Comtoir. 8vo., Band XLIV. und 
Band LVL 



Zoologisrhe Literatur ilhor Siaiii. 227 

Lieber Finlayson's Sanimliingen finden sich noch einige spezielle An- 
gaben in Horsfield's eatalogne of the Manmialia of thc niuseuni of thc 
Hon. Fast India Company. London 1856, 8vo., und Fr. Moore 's eataloguc 
of thc birds of the inuseum of the Hon. East India Company. Zwei 
Bände 1856—58. Svo. 

Pallegoix. deseription du royaume Thai ou Siani. Paris 1854. 2 Bande kl. Svo. 
Fmeht eines vierundzwanzigjälirigen Aufenthaltes im Lande als Chef der 
französischen Missionäre, enthält hnuptsächlich , was die Eingeborenen 
selbst über iiu'e Thiere wissen und glauben. 

Uo wring, Sir John, the kingdom and people of Siam, with a narrativc of the 
mission tothat country in 1855. London 1857, zwei Hände 8vo. , enthält 
wenig speziell Zoologisches. 

Muuhot, Henry, travels in the centml part of Indoehina, Cambodia and Laos 
during the years 1858 (wo der Verfasser da.selbst in seinem 35. Jahr ge- 
storben). London 1804, zwei Bände 8vo. , mit zoologischem Anhang über 
einige Reptilien, Fisehe und Mollusken, die meist auch schon in den vor- 
hergehenden Jahrgängen der Proeeedings of the zool. soe. beschrieben 
und abgebildet sind. 

Schomburgk, Sir Hoben, englischer Consul zu Bangkok während unserer An- 
wesenheit daselbst. 11. März 18()5 zu Schöneberg bei Berlin 61 Jahre alt 
gestorben, hatte schöne Sammlungen aus verschiedenen Thierklassen , noch 
reichere an Insekten und Fischen der französische Consul, Graf Castcl- 
nau, au Reptilien und Conehylicn dessen Sohn, Vieomtc Casteluau. 



15* 



XL 



SINGAPORE. 

3ii. JULI BIS l-.>. AUGUST 18<J<». 

1.K SEPTEHREK HIS 5. NOVEMKEK I»G]. 

17. FEBRUAR BIS 15. BIÄRZ IMR& 



Uiese lusel, ein unbedeutendes Anhängsel des unbedeutenden Ma- 
laienstaates Djohore, bis 1818 die Kngländer hier eine Niederlassung 
gründeten, tist seitdem der Knotenpunkt des europäischen V^erkehrs 
mit Ostasien geworden; hier trafen die auf dem Seeweg und die 
über Land (d. h. über die Landenge von Suez) gekommenen Glieder 
der Expedition zusammen, von hier aus und hierher zurück gingen 
die Fahrten nach Japan und Cliina, nach Siam und in den indischen 
Archipel. Der erste kürzere Aufenthalt diente mir zur allgemeinen 
Orientirung, den zweiten benutzte ich hauptsächlich zum Sammeln 
von Mecrthieren, namenthch an den Korallenbänken, unter thätiger 
Beihülfe des verstorbenen Stabsarztes Dr. Jobs wich, wobei mir der 
Aufenthalt der Fregatte Thetis theils in Newharbour, dem für die 
Postdampfer neu eingerichteten Hafen, theils bei den nächstgelegenen 
kleinen Eilanden selbst beliufs Schiessübungen treft'Iich zu Statten kam. 
Das drittemal bezog ich mit dem leider auch verstorbenen Botaniker 
der Expedition, Otto Schottmüller, auf freundliche Einladung 
des engUschen PoHzei -Inspektors Pennyfather ein einzelnes Haus, 
nahezu in der Mitte der Insel, zunächst dem Bukit-tima (Zinnhügel) 
gelegen und machte von da aus Landexcursionen , einmal bis auf 
das I^estland von Djohore hinüber.*) 

1 . Landtliiere. 

Der vorherrschende Boden ist ein rother Lehm, in der Stadt 
selbst viel Staub gebend, so dass nach jedem Uange die weissen 
Strümpfe des Europäers mehr oder weniger roth gefärbt erscheinen. 



Tiger in Siuj^aporf. 229 

Der böcbste Hügel in der Mitte der Insel, der eben erwäluite Bukit- 
tima (530 engl. Fuss) bestebt, wenn ich micb recht erinnere, aus 
Granit, andere niedrigere aus Sandstein. Ursprünghebe Wälder, 
voll Schlingpflanzen und Orchideen , nehmen nocli einen bedeutenden 
Tbeil des Areals ein, werden aber mit jedem Jahr mehr beschränkt 
durch den sich ausdehnenden Anbau des Gambir und des Pfetrers. 
Gerade diese Zunahme der Kultur hat hier eine sonderbare Folge 
gehabt, nämlich die Zunahme dej^Iäufigkeit des Tigers. Früher, 
als Singapore nur wenige Kinw^Kier zählte und diese alle dicht 
beieinander wohnten, war der Tiger eine Seltenheit auf der Insel, 
man sagt, es seien gar keine dagewesen; aber seitdem in neuerer 
Zeit die Zerstreuung der Arbeiter in den genannten Pflanzungen und 
das frei umherlaufende Vieh der kleineren Niederlassungen ihm 
bequeme Beute bieten, ist sein Erscheinen auch häufig geworden. 
Man behauptete zu unserer Zeit, dass auf der Insel (von etwa vier- 
zehn Quadratmeilen mit rund 100,000 Einwohnern) täglich ein Mensch 
von einem Tiger gefressen werde: jedenfalls ist in der Stadt selbst 
die Nachricht, es sei ein Chinese in der Nachbarschaft auf diese 
Art umgekommen oder es sei ein Tiger gefangen worden, durchaus 
nichts Ungewöhnhches. Gleich in den ersten Tagen unseres Aufent- 
halts sah ich ein lebendig gefangenes prachtvolles Exemplar imd 
hörte, dass ein Tiger den Abend zuvor in der Vorstadt einen Wagen 
angefallen und einen Chinesen von da weggenommen habe; später 
sah ich beim preussischen (.^onsul einen allerliebsten jungen Tiger 
von der Grösse eines mittleren Hundes, wie die alten gezeichnet, 
zahm und spielerisch wie eine junge Katze. Während unseres 
Aufenthaltes auf Bukit-tima aber fanden wir eines Morgens die 
frischen Spuren, Tatzen von 20 Centim. Breite, auf unserm Wege imd 
hörten dann, dass ein Tiger des Abends in der Nachbarschaft eine 
Kuh zerrissen. Doch wusste man keinen Fall zu erzählen, dass ein 
Europäer von einem Tiger getödtet worden sei, diese kommen 
freilich auch wenig aus der Stadt und dann meist in Gesellschaft. 

Von dem genannten Herrn Pennyfather und einem früheren 
Polizei- Inspektor, Herrn Franke, erhielt ich glaubwürdige Nach- 
richten über dieses Thier; zu ihren Obliegenheiten gehörte auch die 
Todtenschau und da ihre Distrikte ausserhalb der Stadt gelegen, 
so hatten sie viele vom Tiger getödtete Menschen gesehen. Ihren 
übereinstimmenden Erfahrungen nach ist es allgemeine Kegel, dass 
der Tiger seinem Opfer, meist einem in den genannten Pflan- 



230 Tiger in Singaporc. 

Zungen beschäftigten allein befindliclien Arbeiter, von dessen Kück- 
seite naiit, namentlich wenn der Mensch stille sitzt, und ihn mit 
einem Schlage der Tatze auf den Nacken tödtet; die Köpfe solcher 
Leichen sollen so schlaff und haltlos herabhängen, als ob kein 
Knochen im Hals ganz wäre (Verrenkung der obern Halswirbel? 
und dadurch plötzlicher Tod); oft konnte 0ian konstatiren, dass 
der Mensch auf der Stelle todt gewesen. Nach geschehener That 
pflegt der Tiger, wenn er nicht JMfitört wird, die Leiche eine Strecke 
weit fortzuschleppen, frisst daiV davon, entfernt sich darauf und 
kehrt in der Regel inneriialb 24 Stunden, wenn er unterdessen keine 
neue Beute gemacht, wieder zu der früheren zurück. Hierauf baut 
der Mensch die Vergeltung: Die Leiche wird an demselben Ort 
gelassen, wo sie gefunden wurde, auf dem nächsten hohen Baum 
ein Sitz eingerichtet und von einem Schützen eingenommen , um das 
zurückkehrende Raubthier zu ersciiiessen. Diese Metiiode versagt 
fast nie. Eine andere Art, sich des Tigers zu bemächtigen, sind 
die Tigergruben , bis 20 Fuss tief und 8 Fuss breit , mit Baumzweigen 
und Laub lose zugedeckt, welche man da anlegt, wo man das Pas- 
siren des Tigers vermuthet. Tritt dieser darauf, so stürzt er mit 
der Decke hinab und ist gefangen, denn die senkrechten Wände 
und die Weite der Grube verbieten das Hinaufklettern, die Tiefe 
das Hinausspringen. Bemerkt man den Tiger in der Grube, so 
sucht man zunächst eine seiner Tatzen nach der andern in hinab- 
gelassenen Schlingen aus Rotang (Spanischrohr) zu fesseln, worauf 
man ihn lebendig heraufzieht, um ihn nach Beheben gleich zu 
tödten oder lebend zu erhalten. Trotzdem nun beide Methoden oft 
mit Glück angewendet werden, erscheinen immer wieder Tiger auf 
der Insel; man muss annehmen, dass sie vom festen Lande herüber- 
scbwimmen, was bei der Schmalheit des Meeresarmes keine Schwierig- 
keit hat, aber was bewegt die dortigen Tiger so zahlreich dazu 
herüberzustreben? ich weiss darauf keine andere Antwort, als dass 
sie, wie Raubthiere überhaupt, ein umherstreichendes Leben führen, 
also gewissermaassen zufäüig herüberkommen, aber wenn einmal da, 
der guten Beute wegen bleiben , bis sie getödtet werden. 

Auch einen lebenden Schabracken-Tapir, Tapir Indiens 
Desm. = Malayanus Raffl., bekamen wir auf Singapore zu sehen, 
und er wurde von einem Mitghede der Expedition für einen der 
zoologischen Gärten in Europa angekauft; er war aber nicht auf der 
Insel selbst, sondern drüben auf dem Festlande von Djohore gefangen. 



Laiidthicrc auf Siiigapore. 231 

Vögel sah ich nur wenige zu Singapore: auf den Land- 
strassen und bis in die Strassen der Stadt hinein den indischen 
SperUng mit graurothbraunem Scheitel, mit dem deutschen Feld- 
sperhng (Passer montanus L. sp.) übereinstimmend und einen be- 
deutend kleineren dunkelbraun gefärbten Dickschnabel (wahrschein- 
lich Munia Malacca L. sp.); am Bukit-tima beobachtete ich im März 
die hübsche Nectarinia pectoraHs liorsf. mit stahlblauer Kehle; auf 
den kleinen Eilanden an der Südwestseite der Insel begegneten mir im 
September ein kleiner Sperber, Astur virgatus, ein grösserer, oben hell- 
blauer, unten weisser Eisvogel (Halcyon chloris Gray), die kleine 
schwärzliche Nectarinia lepida, ein Pycnonotus und ein Strand läufer, 
welcher nicht vom europäischen Totanus glareola verschieden ist. 

Von Reptilien fand ich während unseres ersten Aufenthalts 
kleine Kröten, junge Bufo melanostictus, nach Regen häufig selbst 
in der Stadt, in den Häusern kleine Gecko's (Hemidactylus frenatus) 
und an den Lehmwänden kleiner Wassergräben eine bronzefarbene 
Eidechse mit orangerothen Seitenstreifen (Euprepes carinatus Schneid. 
sp.). Unter den Schlangen erwähne ich Typhlina lineata Reinw. 
(Pilidion D. B.). 

Unter den Insekten machten sich besonders auifällig die 
Baumcicaden durch ihren lauten Gesang und einige Ritterschmetter- 
linge durch Grösse und Farbenpracht. Kleine Muskito's sind in 
den Häusern häufig. Grosse schwarze Skorpione im Freien auch 
nicht selten, doch hörte ich nie, dass ein Mensch durch sie ver- 
letzt worden. Von Landschnecken ist für die Insel charakteristisch 
Nanina striata Gray (Heüx naninoides Bens.), häufig an den rasigen 
Abhängen des Governors-hill nach einem Regen umherkriechend: 
ferner fand ich in der Umgegend der Stadt noch Ilelix sirailaris 
und Stenogyra gracihs; in den feuchten Waldungen von Bukit-tima 
kamen hinzu zwei grosse Naninen, Humphreysiana und Macken- 
siana, ein schwarzer Helicarion, Trochomorpha lychnia, Cyclophorus 
Borneensis und ein kleiner Cyclotus. Endlich ist von niederen 
Thieren zu erwähnen eine Landplanarie, wurmförmig lang, aber platt, 
schwefelgelb mit drei schwarzen Längsbinden, welche mir in dem 
feuchten Buschwerk von Bukit-tima vorgekommen. 

2. Süsswasserthiere. 

Neben dem Singapore - river selbst münden in der Nähe der 
Stadt mehrere kleine Bäche ins Meer; verfolgt man dieselben land- 



232 Süsswasscrthicre auf Siugapore. 

einwärts, so findet man dieselben bald sehr seicht und schlammig, 
stellenweise wieder tiefer, immer nur langsam iliessend, zuweilen 
mit stehenden Wassergräben in Verbindung, stellenweise reich 
an Wasserpflanzen: von solchen fielen mir hauptsächlich auf in 
fliessendem Wasser eine Spirogyra (nitida Dillw.) und Hydrilla verti- 
cillata, an ruhigeren Stellen häufig eine Utricularia, in kleinen Lachen 
Pistia. Zwischen diesen Pflanzen fanden sich, meist gesellig, zwei 
Fischchen, der scharfgezähute , durch einen Silberfleck auf dem 
Nacken schon auf Entfernung erkennbare Panchax Buchanani Cantor 
(Haplochilus panchax M. Clell.) und ein seitUch zusammengedrückter 
ächter Cyprinoid, Barbus maculatus K. Hass., mit grossen stahlblauen 
Flecken an der Seite, die unpaaren Flossen lebhaft roth gefärbt, der 
erstere an ganz seichten lehmigen Stellen, der zweitein tieferen reineren 
Gräben, stellenweise in fliessendem Wasser, auch beide zusammen und 
mit ihnen eine kleine Süsswasserkrabbe (Sesarma), welche zahlreiche 
schiefe cylindrische Löcher in die Lehmwand des Ufers macht; 
zwischen den Spirogyren zuweilen auch ein kleiner langschwäuziger 
Krebs (Palaemon). Auf der Oberfläche viele Wasserläufer, sowohl 
eine grössere Gerris Latr. (Ilydrometra Burm.), als auch ein klei- 
nerer langköpfiger Limnobates, Burm., beide wie die europäischen 
Arten stossweise über die Wasserfläche hinlaufend und beim Stehen 
mit den vier grösseren Füssen kleine Eindrücke auf derselben her- 
vorbringend. Eine platte kurze Libellenlarv^e lebt in denselben 
Gräben, und zu ihr gehört wohl die Libelle mit schlankem blut- 
rothen Leib und ebenso gefärbten Flügeln, welche den Bach um- 
flattert. Die Larve sowohl als das ausgebildete Insekt war im 
August wie im September und Oktober nicht selten. In anderen 
Bächen fand sich eine Kugelassel, Sphaeroma, und an den Süss- 
wasseralgen entdeckte der Botaniker der P^xpedition, M. Wichura, 
auch die kleinen aus linsenförmigen Körperchen zusammengesetzten 
Röhren eines Räderthiers, Mehcerta, mehr cyhndrisch und mehr 
grade als die der europäischen M. ringens. 

3 . Brack wasserthiere. 

Unmittelbar bei der Stadt, westUch vom Governors-hill, 
zieht sich schwarzer Morastboden längs des Flusses hin, der von 
der Fluth noch erreicht wird, aber der Nähe der Stadt wegen nicht 
gut zugänglich ist; ich sah nur Krabben darin sich bewegen, aber 
fand einmal auf dem Fischmarkte der Stadt, noch von demselben 



Brack wassert hierc auf Singapore. 233 

schwarzen Schlamm bedeckt, zweierlei Muscheln feilgeboten, Modiola 
arcuatula Hanl., und Solen (Pliarella) Javanicus Lam., von denen 
man wohl annehmen darf, dass sie in jenem Moraste leben. In den 
grösseren Graben , welche von ihm durch die Stadt zum Meer gehen 
und denselben Grund zeigen, sieht man eine abgestutzte braungraue 
Schnecke, Cerithium obtusum Sow., und in anderen reineren, doch 
auch salzhaltigen, die kleinere spitzige Melania tuberculata Müll. sp. 
Oestlich von der Stadt, unweit der neuen englischen Kirche und 
durch einen grossen weithin sichtbaren Feigenbaum mit wurzeltrei- 
benden Zweigen bezeichnet, befindet sich die schlammige Mündung 
eines Baches. Hier fand ich am ersten ^Nachmittag meiner Anwesen- 
heit in Singapore ein C6 Milhmetcr grosses braungraues Onchidium, 
und au den untersten Steinen der einschliessendcn Mauer, im 
Schlammgrunde zahlreiche Löcher, aus denen lächerliche Winkkrabben, 
Gelasimus, die eine grosse halb rothe, halb weisse Scheere liervor- 
sehen Hessen, in einem der Löcher auch eine Wasserschlange, 
Ilomalopsis (Cerberus) boaeformis Schneid., in der aschgrauen Farbe 
des Kückens und gelblich weissen, schwarzfleckigeu des Bauches 
an die deutsche Ringelnatter erinnernd; endhch auf der Schlamm- 
fläche selbst gesellig scharlachrothe kleine Schnecken, Assiminea 
miniata.') Verfolgt man den Küstensaum von der Stadt aus noch 
weiter nach Osten, so kommt man an die durch den Kelangfluss 
gebildete Einbuchtung , welche durch eine Landzunge reinen weissen 
Sandes vom Meere abgetrennt wird und deren blindes Knde von 
dunkelm, aus Schlamm und Sand gemischten Boden gebildet wird, 
bepflanzt mit Cocospalmen und vielfach durchschnitten von künst- 
lichen Gräben, welche alle in oflener Verbindung mit der Einbuch- 
tung stehen und daher bei Ebbe beinahe ohne Wasser sind, währ^d 
der Fluth aber sich füllen. Hier findet sich noch auf dem Trocknen, 
neben schwer zu haschenden P^idechsen (Kuprepes), auch eine mittel- 
grosse Landkrabbe mit orangegelben Fussgliedern, wahrscheinhch 
Sesarma Dussumieri M. E.; am Kandc der Gräben dicht unter 
dem Rasen sitzt in Menge eine Schnecke, die ihrer Verwandtschaft 
nach zu den Meerconchylien gehört, Cerithium (Potamides) obtusum, 
und etwas tiefer im Grunde der Gräben, aber doch bei fibbe an 
der Luft, kriechen einige Ohrschnecken' umher: Auricula Judae, 
Cassidula mustelina und multiplicata, Scarabus trigonus und Me- 
lampus Singaporensis , die beiden letzteren durchschnittlich etwas 
tiefer. Nie im Trockenen sah ich und mein Begleiter auf dieser 



234 Brackwasserthierc auf Singapore. 

Exkursion, Stabsarzt Johswich, dagegen die dunkle INeritina crepi- 
dularia, oft an im Wasser faulenden Palmblättern sitzend; rotli- 
mundige und schwarzmündige Exemplare fanden sich nicht weit 
von einander, ohne anderweitige Unterschiede weder in den Weich- 
theileu und Schalen selbst, noch im Aufenthalt. Die Ränder der 
(Jräben sind durchlöchert von zalilreichen ungleichscheerigen Krabben 
(Gelasimus brevipes j\I. K.), Das ist die Bevölkerung der auslaufenden 
höheren Enden der Gräben; wo sie tiefer und breiter werden und 
stets mit Wasser reichlich versehen bleiben, findet sich schwimmend 
ein kleiner langschwänziger Krebs und am Grunde eine grosse 
schwere Schnecke, Cerithium telescopium L. sp. Zunächst der Ein- 
mündung der Gräben in die Meeresbucht ist der weiche Boden ab- 
wechselnd ein klein wenig vom Wasser bedeckt und von den sprin- 
genden Fischen, Periophthalmus, belebt, der festere reinere Sand- 
boden mit etwas mehr Wasser dagegen von Einsiedlerkrebsen 
(Coenobita), welche verschiedene marine Conchylienschalen mit sich 
herumschleppen. 

Auch die kleinen Eilande gegenüber New-harbour, südlich 
von der Stadt Singapore, bieten einzelne kahle Schlammflächen , bei 
Ebbe von einer kleinen Süsswasserrinne durchzogen, bei Fluth von 
Meerwasser bedeckt, worauf die charakteristischen Brackwasser- 
schnecken Assiminea, Cassidula, Melampus und Cerithium sulcatum 
mit lebenden Meerschnecken aus den Gattungen Murex und Nerita 
zusammentreffen. liier kommen übrigens noch Dickichte von Mangle 
(mangrove der Engländer, Khizophora der Botaniker) vor, auf deren 
Blätter oft mehrere Fuss über Wasser die dünnschalige und etwas 
buntgezeichnete Litorina scabra lebt, eine Laubschnecke unter den 
Maerconchylien. 

4. Meertliiere. 

Armuth an See vögeln ist schon Dr. Finlayson, dem Arzt 
und Naturforscher der englischen Gesandtschaft nach Siam im Jahr 
1822, liier aufgefallen, und auch ich bekam auf meinen Exkursionen 
und Bootsfahrten neben dem schon erwähnten Strandläufer keinen 
andern Seevogel zu sehend als den zimmtbraunen weissköpfigen See- 
habiclit, Haliastur Indus, welcher zahlreich auf der Rhcde ist und 
hier die Rolle der Möven spielt, die SchiiTe umfliegt, deren Abfalle 
oder auch Fische aus dem Meere sich heraufholt und öfters auf 



Flschmarkt. 235 

den die Fischreusen stützenden Piahlen gesehen wird, nach Fischen 
umherspähend, wie die Fischer selbst. 

Üeber die Fische einer Gegend erhält man am leichtesten 
und schnellsten eine Uebersicht durch den Besuch der Fisch- 
märkte. Singapore bot mir deren drei, zwei am Meere selbst in 
den beiden chinesischen Vierteln östlich und westlich von der euro- 
päischen Stadt, den dritten zunächst der letzteren, am Flusse, 
gegenüber dem Ice-house, alle drei verbunden mit Märkten für 
Vegetabihen. Der hier feilgebotenen Fisclie sind vielerlei, man kann 
keine Famihe oder Ordniuig als besonders vorherrschend nennen; 
im Aligemeinen mehr Stachelflosser, als Weichflosser. Am zahl- 
reichsten und regelmässig wiederkehrend sah ich im Monat Oktober 
von barschähnlichen Fischen den gelbliniirten und gelbschwänzigen 
Mesoprion chrysotaenia Bleek. , von Lederfischen, einer Europa ganz 
fremden Familie, die orangegelbe, schief himmelblau gebänderte 
Teuthis virgata, von Scomberoiden grosse Makrelen oder Thun- 
fische und kleinere Caranx. Von Weichflossen waren Chirocentrus 
und Clupea, sowie Belone und Hemirhamphus sehr häufig. Gobius 
und Mugil, auf den Fischmärkten des Mittelmeers so zahlreich, sah 
ich hier fast bei jedem Besuch in mehreren Arten, doch geringerer 
Individuenzahl; dasselbe gilt von den auf den nordeuropäischen 
Märkten so überwiegenden Pleuronectiden, worunter namenthch 
Verwandte unserer Zungen (Synaptura) uud Butten (Pardachirus, 
Psettodes, Pseudorhombus) mir vorkamen. Auch aalartige Fische 
waren zahlreich; die Chaetodonten dagegen weniger, als von einer 
Tropengegend zu erwarten, vermuthhch weil sie, wenn auch im 
Meere zahlreich, doch wegen geringerer Grösse im Allgemeinen als 
Speise wenig gesucht sind; nur die Gattung Chelmo fand ich öfters. 
Ebenso waren die acht tropischen Famiüen von Balistes uud Te- 
troden nur schwach vertreten , wahrscheinlich weil viele Arten der- 
selben für giftig gelten. Von Plagiostomen landen sich fast immer 
einzelne kleine Haifische (ScyUium, Chiloscyllium) und mehrere Kochen 
(Temera, Trygon, Myliobatis) vor. L'nter den Crustaceen spielte die 
Hauptrolle die grosse dunkelgrüne Lupa (Scylla) Tranquebarica 
und der langarmige Palaemon carcinus; selten sah ich etwas anderes. 
Schildkröten wurden zuweilen auf den Markt gebracht, sowohl 
marine, Chelonia, als die weiche Schnappschidkröte, Trionyx, welche 
nur in süssem Wasser, also wohl auf der Insel selbst lebt. Süss- 
wasseriische sah ich dagegen hier nie auf dem Markte. Von Mol- 



236 Mceilhicre des Sandgimides auf Smgaporc. 

lusken kommt neben den schon genannten Brackwassermuscheln 
und einigen Cephalopodeu namcntüch Area granosa L. auf den 
Markt; die leeren Schalen derselben findet man häufig als Rüchen- 
abfall bei den Hütten der Eingeborenen und Chinesen, nicht nur 
an der Küste, sondern auch weiter landeinwärts. 

In den Tagen tiefster Ebbe fielen mir auf dem Markte meh- 
rere Arten von Fischen nnd Crustaceen auf, welche ich vorher da- 
selbst nicht gesehen, so Sygnathus biaculeatus, Hippocampus comes, 
Matuta, Calappa, Lambrus und Squilla; diese mögen daher an etwas 
tieferen, in dieser Zeit besser zugängHchen Stellen mit der Hand 
gefangen werden. Der erstgenannte Sygnathus verräth durch seine 
grasgrüne Farhe (mit rosenrothen Flecken an den Kanten), dass er 
zwischen grünen Mcerpflanzen lebt, und dieselben sind auch be- 
kannthcli der Aufenthalt des wickelschwänzigen Seepferdchens; 
Matuta aber lebt meines AVissens im Sande. 

Um wirbellose Thiere zu finden, muss der Naturforscher 
selbst an Ort und Stolle gehen. Am ärmsten ist im Allgemeinen 
der Sandstrand; derselbe bot mir über Wasser nur zahlreiche 
Flohkrebse (Tahtrus) und unter dem Auswurfe des Meeres kleine 
bunte Conchylien aus den Gattungen Kotella, Mitra u. a. Es ist 
aber die einzige Bodenart, welche Meerphanerogamen liefert, die 
grössere Strecken geschlossen überziehen, so beim Badeplatz an 
der östhchen G ranze der Khede der breitere säbelförmige Enlialus 
acoroides und eine schmälere Zostera-ähnhche, beide gesellig unter- 
einander. In der Nordsee pflegen die Zosteren von kleinen Schnecken, 
Kissoa, bevölkert zu sein; diese fehlen aber dem indischen Ocean 
und der Zoolog fand seine einzige Ausbeute an den Pfählen, die 
hie und da zum Anbinden der Boote eingeschlagen waren; diese 
trugen meist zahlreiche Meereicheln (Baianus) und nicht selten 
kletterte auch eine schnellfüssige, braune, dunkler gefleckte Viereck- 
krabbe daran umher, die, wenn ich sie nicht beim ersten Ueberfall 
erhaschte, durch einen Sprung die weitere Verfolgung vereitelte, 
ganz wie ich es früher in den Barene der venetianischen Lagunen 
erfahren, und in der That war es auch eine dem venetianischen 
Grapsus marmoratus nahe verwandte Art, Gr. (Metopsograpeus) 
bidens. 

Reicher ist die Fauna des steinigen Grundes. Der grosste 
Theil des Strandes zu beiden Seiten der Stadt wird von Schlamm- 
boden gebildet, welcher während der Ebbe in einem ziemlich breiten 



Meerthicre des Steingniudcs. 237 

Gürtel von Wasser entblösst wird, wobei einzelne Eiusenkungen 
ihr Wasser nicht ganz verlieren und einzelne Steinblöcke frei werden. 
Auf dem kahlen Schlamme findet man fast nichts, höchstens einmal 
eine kleine Nassa; doch verrathen einzelne runde Löcher die An- 
wesenheit anderer lebender Wesen, die ich aber trotz raschen Nach- 
grabens mit dem Wurzelstecher nicht zu erreichen vermochte. In 
den kleinen Wasserläufen, welche auf dem Schlammboden sich er- 
hielten, trieb sich zuweilen eine Schaufelkrabbe, Thalamita Prymno 
Herbst, umher. Dagegen war ich sicher, lebende Thiere zu finden, 
wo auch nur Ein Stein aus dem Schlamm sichtbar wurde; min- 
destens sassen einzelne Meerschnecken daran aus den Gattungen 
Nerita, Trochus (seltener), Kicinula, Columbella oder Planaxis; die 
drei letzteren von aussen unscheinbar, matt, aber an der Mündung 
lebhafk violett gefärbt. Oft auch fanden sich an solchen Steinen 
kleine Tange und an diesen kleine Crustaceen, besonders Amphi- 
poden. unter den losen Steinen verstecken sich öfters kleine Fische; 
ich sah einen armen Chinesen sich sein Mittagsbrod verschaffen, 
indem er solche Steine vorsichtig lüftete und mittelst einer hölzernen 
Schaufel rasch die darunter befindlichen Fische noch im FUehen auf- 
fing; es waren Gobius, Eleotris und ein kleiner Siluroid (Plotosus), 
der seiner gespreizten Brustflossenstacheln wegen sehr vorsichtig 
anzufassen ist. 

Noch reicher zeigt sich die Thierwelt auf den kleinen Felsen- 
inseln und vorHegenden Klippen nahe New-harbour bei einem Be- 
suche zur Zeit der tiefsten Ebbe. Vor jedem Fusstritt stiebt eine 
Anzahl raschfussiger langschwän/iger Asseln, Ligia, aus einander. 
An den losen Steinen sitzt häufig eine Nacktschnecke, Onchidium, 
und unter denselben kleine ziegelrothe gesellige Amphipoden; schwarze 
Poduren gehen auf dem Trocknen am Rande des Wassers umher 
oder schwimmen in Kreisen, wie unser Taumelkäfer, Gyrinus (so 
auf der Signalinsel); zu den Neriten (hier N. albicilla, Kumphii und 
lineata bei einander) und kleinen Trochus, in dieser Zeit ein wenig 
über Wasser, haben sich ein grösserer Silbermund, Turbo concinnus 
Phil., mit blaugrünem Deckel, und die Delfinschnecke, Delphinula atrata, 
femer Patellen und Siphonarien gesellt. Mehrerlei Krabben, worunter 
der dunkelamaranthrothe Cancer Ocyroe Herbst und die kräftige 
rothäugige Eriphia laevimana Latr., laufen über die Klippen weg. 
In den Vertiefungen, die noch Wasser enthalten, streckt sich eine 
schwärzliche Holothurie, von den mich begleitenden Matrosen erst 



238 Korallcnbäukc bei Singaporc. 

tur eine See»chlange gelialteu ; au<;efasst krümmt und verkürzt sie sicti 
heftig, und treibt dabei einen weissen klebrigen Schleim aus, der 
rasch zu Fäden erstarrt, welche kaum mehr von der Hand abzubringen 
sind. In engen Zwischenräumen zwischen den Steinen quartiert sich 
ein kleiner Octopus ein und setzt an ähnlichen Stellen seine Eier- 
büschel ab. An grösseren anstehenden Felsblöcken sitzt eine grössere 
tiefgefurchte Meereichel, Conia, fest, oft eine auf der andern, lebende 
auf todten angeheftet, und in der todten, leeren findet man öfters 
noch kleine Schnecken, z. B. eine dunkelgrüne Bulla, versteckt. 

Das Paradies der niederen Tliiere bildet aber der Korallen- 
grund. Zur Zeit des Voll- oder Neumondes, wo die Ebbe am 
tiefsten, kann der Zoolog hier in wenig Stunden viel und vielerlei 
fmden, wenn er ein paar alte Schuhe daran setzt, um auf dem 
rauhen Grunde, sei er nocli ein wenig von Wasser bedeckt oder 
nicht, ungescheut umherzugehen, und nicht vergisst einen Hammer 
mitzunehmen, womit er die Verstecke der einzelnen Thiere er- 
brechen kann. Nahe der südwestlichen Gränze der Rhede, an 
der Ostseite der kleinen Inseln, die sich von New-harbour bis zum 
Signaleiland erstrecken, iinden sich grössere Korallenbänke, meist 
scharf gegen den tieferen Meeresgrund abgeschnitten und zur Zeit der 
tiefsten Ebbe in nicht unbedeutender Ausdehnung über Wasser 
kommend. Die so zugänglich werdenden Stellen bestehen hauptsächlich 
aus abgestorbenen, mehr oder weniger massigen Korallen, den 
grossen Gattungen Astraea, Maeandrina und Polyphyllia angehörig, 
seltener aus weniger massiven, verzweigten Korallen, welche aber 
bis zur Unkenntlichkeit abgewaschen oder überwachsen sind. Le- 
bende Korallen sah ich hier nicht viele, hie und da eine kleine 
Fungia mit lang vorgestreckten bleistiftdicken, lebhaft grüngelben, 
an der Spitze weissen Fühlern, oder eint» lappig zertheilte Eusmilia 
mit Fühlern von gleicher Länge und Färbung, oder auch eine 
Astraea, deren lebender gelbgrüner Theil scharf von dem abgestor- 
benen dunkelbraunen sich absetzte. Darauf nun sassen zahlreiche 
weiche lebende Pflanzenthiere , so buschige blassrothe oder blassvio- 
Ictte Nephthyen mit weissen oder braunen polypentragenden Zweig- 
enden, das pilzförmige grauröt bliche Sarcophy ton, auf dessen etwas 
concaver oberer Hutseite die gelbgrünen, dem blossen Auge deutlich 
erkennbaren Polypen stehen; ferner grasgrüne verzweigte Schwämme, 
eine kugelige Thethya, von Tangen die trübgelben Sargassen und die 
unter Wasser silberschimmernden Zonarien. Die Unterseite und die 



Thicrlcbcn auf den Korallciibänkcn. 239 

Höh laugen der freien oder halbfreien Korallenblöcke bieten nun 
einer Menge von Thieren einen bequemen Aufenthalt: erstüch 
fluchten sich kleine Fischchen und langschwänzige Krebschen bei 
abnehmendem Wasser oder bei Wahrnehmung einer Gefahr in der- 
artige Schlupfwinkel; dann sitzen zwischen den Korallen verschie- 
dene Aleerconchylien aus den Gattungen Purpura, Pisania, Colum- 
bella, Delphinula, Trochus, Imperator, Cypraea, Pteroccra, Spon- 
dylus und Area; ferner hausen zwischen den Korallen mancherlei 
Krabben, so Cancroiden von brauner, blutrother oder amaranth- 
rother Farbe und häufig ein träger, dicht- und grobbehaartor gelb- 
brauner Pilumnus, welcher ruhig und langsam weiter geht, wenn 
man seinen Korallenblock zerschlägt. Auch eine eigentliche Spinne,') 
ähnlich der Taucherspinne des Süsswassers, Argyroncta, lebt auf 
diesen Korallenblöcken , welche nur bei tiefer Ebbe an die Luft 
kommen, und macht sich in deren Löchern ein tapetenartiges Gespinnst; 
sie läuft beunruhigt rasch über die Korallen weg, schwimmen sah ich 
sie nicht. Endlich sind die besagten Blöcke noch vielfach durch- 
bohrt von Bohrmuscheln der Gattungen Lithodomus, Saxicava und 
Gastrochaena, und die leeren Löcher nicht selten auch von Wür- 
mern eingenommen, unter welchen sich grössere Nemertincn aus- 
zeichnen, so Borlasia quinquelineata Q. G. noch in Spiritus 152 Mill. 
lang, gelbgrün mit fünf schwarzen Längsstreifen auf dem Kücken, 
zwei auf dem Bauche gezeichnet, ähnlich der schon erwähnten Land- 
planarie, femer von Borstenwürmern die lange vierseitige Amphinome 
(Pacifica Kinb.) und die durch ihre langen schwefelgelben Borsten 
ausgezeichnete Chloeia capillata. In den kleinen Wasserläufen, 
welche durch Erhebung der Korallenbank über die Ebbegränze ge- 
bildet werden und deren Einwärts- oder Auswärtsströmen einen 
sichern Maassstab für Steigen und Fallen des Wassers abgiebt, 
treiben sich kleine Fische (Monacanthus, Callionymus) umher, zu- 
weilen auch Holothurien und Actinien. 

Etwas tiefer, nie an die Luft kommend, fand ich andere 
lebende Korallen, theils Hornkorallen, Melitaea, theils Madreporen, 
die auf breiter gemeinschafthcher Grundfläche zahlreiche Zweige 
von übereinstimmender Gestalt und Höhe emportreiben, so zu sagen 
Uasenkorallen, und zwischen deren Zweigen wieder andere Thiere, 
nämlich grössere schwärzliche Schlangensterne (Ophiocoma scolo- 
pendrina) und Flaarsterne (Comatula), eine kleine porzellanglatte, 
rosenrothe. vorn schwarzgesäumte Krabbe (Trapezia nigrifrons Dana), 



240 Meeres - Auswurf. 

(lünnfussigc Dreieckkrabben (Naxia. Micippe), kleine langscliwänzige 
Krebse (Alplieus) und kleine stumpf köpfigc spitzzähnige Fische (Go- 
biodon), welche lebend dunkel blaugrün waren, aber in Weingeist 
binnen wenigen Stunden ganz wie Krebse gelblichroth wurden. 

Der Auswurf des Meeres gibt nur wenig Kunde über die 
tiefer lebenden Thiere; eine so reiche und mannigfaltige Ausbeute, 
wie sie in Europa ein Septembernachmittag in Scheveningen oder 
ein paar Stunden nach einem Februarsturm in Portsmouth gebot.en, 
fand ich hier nirgends, wohl weil selten oder nie das Meer so stark 
bewegt, wie in Kuropa oft zur Zeit der Nachtgleichen, und nur 
einmal, wälirend meines ersten Aufenthaltes zu Singapore im August, 
eine schwache P^rinnerung daran. Südwestlich von der Stadt fuhrt 
die Strasse nach New-harbour am chinesischen Kirchhof vorbei zu 
einem Fischerdörfchen, dessen einzelne Hütten auf Pfählen, also 
schon innerhalb des höchsten Wasserstandes stehen. Die Reihe des 
Meerauswurfes begann , wie in Scheveningen mit Buccinum undatum 
und Skeletresten grösserer Fische, so hier mit zahllosen Frag- 
menten von ConchyUen, deren Arten selten mehr zu erkennen waren, 
aber deutüch grössere, schwerere Stücke, von stärkeren Wogen an- 
geschwemmt und daher auch mehr zertrümmert: dann folgte hier 
wie dort eine Strecke feineren gleichmässigen (in Singapore rothen) 
Sandes mit ausgeworfenen Tangen (Sargassum), endhch zunächst 
dem Wasser feinere, besser erhaltene Concliylienschalen, offenbar 
aber hier aus verschiedenen Wohnorten zusammengeschwemmt, 
denn neben einer Süsswasserschnecke (Ampullaria) und Brack- 
wasser -cerithien lagen die rein marinen, sandbewohnenden Py^ra- 
midella maculosa und Natica maculosa, daneben Reste von holz- 
oder steinbewohnenden Meereicheln (Baianus), durch Ausbleichen 
violett gestrahlt, aber keine andern Reste von Crustaceen, auch 
keine von Echinodermen und Ilydroid-zoophyten, welche doch am 
Strand europäischer Meere selten ganz fehlen. 

Auf der Rhede selbst brachte das Schleppnetz bis zu 
einer Tiefe von 15 Faden nichts Anderes, als was auch schon vom 
Ufer aus bei Ebbe zu erreichen war: grob zerriebene Muschel- 
fragmente, aber kein lebendiges Wesen. Sowie sich aber mein 
Boot der erwähnten Korallenbank näherte, zeigte sich in der Aus- 
beute des Schleppnetzes aus 7 — 1) Faden Tiefe der tropische Reich- 
thum an Ilornkorallen : besonders oft Fragmente einer ockergelben 
Gorgonella und einer lebhaft rosenrothen, zuweilen auch blutrothen 



Ilurnkorallcii. Schwrumiic und pelagisclic Thiciv. 241 

Mclitaca, dereu Farben aber au der Luft schon in der nächsten 
Viertelstunde merkUch erbleichten; dazwischen kleinere Stücke eines 
fein verzweigten Antipathes und einer blutrothen Gorgonie mit riick- 
ziehbaren weissen Polypen. Daran sassen einzelne Comatulen und 
Ophiuren, nicht selten auch dieSchwalbenuiuschel, Avicula seniisagitla. 
Die Menge solcher Hornkorallen, welche ein Zug herauf I)rachte, 
deutet förmliche Dickiclite von solchen an; dazwischen finden sich, 
gleichsam als Unterholz, mehrere Bryozoen, besonders eine Uete- 
pora, und als Kräuter die feineren Ilydroid-zoophyten, worunter 
mehrere Plumularien (fihcina Pall., eil'usa Busk und Gaimardi Lamx), 
Sertularien (distans Lanix und serra Blv.) und Laomedea antipathes 
Lamx. All das hat als Boden wieder grössere Sternkorallen, von 
denen nur einzelne abgebrochene Fragmente im Schleppnetz zu 
Tage kommen. Aulfailend ist endlich die grosse Menge von 
Spougien in verschiedenster Form, Consistenz und Farbe, von den 
weichsten, wie durchnässtes Weissbrod anzufühlenden, bis zu sehr 
<lerben, sohlenlederartigen, die Farben bald braun, bald grasgrün, 
einige selbst lebhaft ockergelb und rosenroth, wie die Hornkorallen. 
Von Singapore stammen auch die riesigen Schwämme, Uhaphiophora 
patera Gray, welche als >Jeptunsbecher in den europäischen Samm- 
lungen bekannt sind: ich erhielt sie daselbst zwar nur trocken zu 
kaufen, aber Crawfurd und Finlayson haben sie 1822 vom südhchen 
Knde der Insel aus tiefem Wasser von den Kinsjeborenen frisch er- 
halten, denn letzterer sagt »frisch ist die Farbe hell safrangelb, 
t rocken wird sie brauna.*) 

Auch an frei schwimmenden Thieren fehlt es auf der 
Rhede von Singapore nicht. Oefters wurden Fische von Bord der 
Fregatte aus geangelt, namentlich ein grasgrüner Labrus und auch 
i'ine bunte Murä^ie. Grössere Quallen wurden im Monat September 
öfters gesehen, und von nackten Mollusken die als pelagisch be- 
kannte Gattung Scyllaea, letztere während des Lel)ens durchschei- 
nend hell, mit braunen Flecken, nicht an der Wasserlläche kriechend, 
sondern durch heftiges Hin- und llerwenden ihres Körpers im 
Wasser nach oben, unten oder seitwärts schwimmend; in einer 
Schüssel mit Meerwasser confinirt, ermattete sie bald und noch so 
lange sie lebte, lösten sich die meisten ihrer Uückenanhänge wäh- 
rend ilirer Bewegungen ab. 

Von mikroskopischen Geschöpfen im Seewasser fielen 
mir namentlich Acanthometren und Diatomeen auf. 

Ott •Asien. Zoologisch. I. IG 



242 Tliieiv an ächwhiiintriult'iii Ilol^. — Miiächelliäudler. 

In «iewissor Hinsiclil auch zu den pelagiscIuMi Tliieren ge- 
hören diejenigen, welche an frei scliwiiumendeii Körpern ihren 
Wohnsitz nehnjen. Dieses ist ganz regehuässig der Fall bei der 
Ciattung Anatita Brug. (Lepas L. im engern Sinn); diese iaiid ich 
nicht selten auf schwimuiendeni Holz auf der lihede von Singapore, 
im Innern desselben aber die dem Bohrwurm noch verwandte Gat- 
tung Septaria l-am. Noch reichere Ausbeute gewährte ein alter 
SchilVsrumpf (Ilulk der Kngländer), welcher vor New-harbour lag 
und an welchem die Freijatte Thetis einige Tage lang behufs einer 
Revision ihrer äusseren Kupferliekleidung festgemacht war. Ks 
sassen an demselben fest kleine G — 7 Zoll lange Hornkorallen der 
(Gattung Melitaea von roscnrother Farbe, zahlreiche federfönnige 
Plumularien (Aglaophenia rostrata Ivirchp.), welche beim Berühren 
wie Nesseln das Gefühl von Brennen erregten,^) und verschiedene 
Bryozoen, zwischen denen sich wiederum kleine Krebsthiere (unter 
andern auch Laemodipoden der Gattung Phoxichilus) und kleine 
blassgrüne, meist sechsarmige »Schlangensterne (Ophiactis sexradia 
Grube) herumtreiben. 

Sobald ein europäisches Schitt' auf der Khede von Singapore 
ankert, wird es neben den Booten, welche Orangen und anderes 
frisches Obst bringen, die Wäsche zu besorgen sich anbieten und 
so weiter, auch alsbald von sogenannten »Muschelkähnen« belagert-, 
grossen flachen Kähnen, auf welchen eint? grössere Anzahl schöner 
und schön geputzter (""onchylien feilgeboten wird, wo möglich en 
bloc, wnni das nicht Anklang findet, auch einzeln. Papstkronen 
und polnische Hammer, Cvmbien, die e;ewöhnhchen Arten von Cv- 
praea und Coinis u. dgl. kann der Sammler hier ziemlich wohlfeil 
erwerben, aber er möge ja nicht nun ohne Weiteres Singapore 
als Aufenthaltsort dieser Arten angeben. Der Handel mit Conehylien 
in den Händen eingeborener Kaulleute ist im indisclien Archipel seit 
den Zeiten der holländischen Li«»bhabereien ziendich verbreitet, und 
viele dieser Muscheln sollen nicht näher als von den Molukken lier- 
gel)racht werden. 



ANMERKUNGEN. 



*) Eiii/L'Ine An<;abcii ril)Ci' Tliicre von Siiigaporc sind vicllarli in der ■/.(n»lot»isclieii 
Litcnitur zci'Strout, naiiuMitlich auch in den IJcrirlilcn der /alilrcirhen wissensfluift- 
liclicn Expeditionen, welrlu- diese Insel Ueruhrt halten, von C'rawfnrd's (lesandiseliat'isreise 
nach Siaiii 1822, welche Dr. Kinlayson als Nntuilbrsclicr mitniachtc. bis zur osier- 
iciehischcn Nuvara- und italienisclx-n Map*nta- Expedition, terner auch in den C'aia- 
logeu des hritischen Museums durch Dr. J. E. Gray. A. Günthern. A. und denen der 
iVuhcr selbständigen. jet/.t damit vereinigten Sammlungen der ostindischen (*ompa<;nio 
in London dui'ch Thom. Ilorsfield und Friedr. Moore; auch finden sicli zahlreiche 
spezielle Angaben über die Thiepweli Singapore's von Dr. Gxley in Crawl urd's treft- 
liehein Dietionary of the Indian Arehipclago. In unserm Texte ist zuweilen darauf 
Bezug genommen, we>cntlich aber nur gegeben, was ich selt>st auf Singaporc ge- 
sehen oder doch, z. B. in IJetrcfl" des Tigers, unmittelbar \on dort Ansässigen ge- 
holt habe. Diese Nachrichten über den Tiger habe ich schon in der Zeitschrift -Der 
zuoIogi.sche Garten- V. 1804 S. .*W"2 mitgetheilt. 

*) Beschrieben in AnnaLs and Magazine of natural history VII. ISiM] pag. 2<.4. 

') Desis Martensii L. Koch in seinen Arachnidcn Australiens S. .'{47 Taf '2\). Fig. 2. 

*) Neue Bibliothek der wichtigsten Keiscbesehrcibungen. herausgegeben von meh- 
rrrcii Gelehrten. AVeimar. 8vo., Band 44. \}^27, (Finhiyson's Tagebuch) S. .')! und 
Band .V>. 18IU. (Crawfurd's Tagebuch) S. 7."). Schlegel handleiding tot de boefening 
der dierkonde II. lÖ.'tS S. .'»42 nennt sie Spongia (Poteri(»n) Nej)iuni, in andern Sanun- 
hiugen fand ich sie als Sp»)ngia cyatliiformis oder ohne Namen. Der älteste systema- 
tische Name scheint Spongia patera Ilardwicke. Asiatic Kesear«hcs XI. pag. 180 1822; 
Kaphiophora p. Gray l*roc. zool. soe. 18(57 pag. .'»24. 

') Eine solche Phunularie ist horhst wahrscheinlich auch die nesselnde Art. wch-hc 
Dr. Finlayson auf den Koiiillenbankcn bei Singap(»rc gefunden und iKir einen Fucus 
gehalten iiat (a. a. O. S. 54.). Es gibt keine nesselnd'* Wasscrpllanze. weder unter 
den Tangen, noch unter den IMianerogamen . w«)hl aber ist das Nesseln, eine bii den 
l*i)l\-pen und Quallen ziemlich verbreitete charakteristisehe Eigenschaft, namentlich 
auch bei Plunudaricn sputer wieder brobachtel worden; Senator Kirchonpancr in 
][amburg, dem ich auch die Bestimmimg der im Text genannten Arten verdanke, liat 
daher auch eine Art PI. urens genannt. 



w 



XU. 

iM)is( iu:k ak< nii>KL. 

JAVA vnii Pa.sMiriiaii liis Hatavi.*! /.ii Lainir. 'J-l. Juli i)is Aiifaiii; 2Si-]tt(Mn))('r IStM. 

HANKA (Miiiitnk). l'J. SrpicinluM" 1S(>1 luul 17. l)is '2.'). Alarz 18(52. 

siMATKA Voll I\'il(Mnl>aii^ <|iirnlinrli iiacli linikiilrii. 'J(). März liis .'U..I111H lMi2. 

(•i:li:i;i:s. Mnllirlirs (Makassai). Kl Juli isiil. -Jii. l.is '2± .luli l.S<)2 

und H. I'Vliruar ISiJ.'i. 

nnnllicln*> (Maiiailo. Tnuilano und Koma). 25. liis "27. tliili l^O'J. 

MOLlKKr.N. TernaK', ISatJan und Doilin^a auf llaluialiora. 2S. Juli Ms 

2S. Si'j>lcMnlMT \^{\'2. 

AnilH)ina iifhst ISrsucli auf ISuni und Walini (Cerain). 
1. OkioluT l»is 1. Dezrinhor \Hit2. 

Baiidai<:i'ii])]M'. .'». und 4. DezrinlMT ISfrJ. 

TIMOK ^»«'i I)i»lhi und vcuv.iiiiswfise Kujtanu;. 7. Dozpiiiber iSili lii.s 
T). .laniiar 1n;;j imd .■>0. .lanuar his i). IVlirnar I8(i3. 

i"l.<iKi:s (Lmvntuka). Adman* und Solnr, <;. Ms 3o. «lanuar \><{u\. 

noKM:o. Wcslküslo (Sinirkawani^. Heniikayanu;. INintianak, Miindlior. Sintaui; 
unil riilii Matjan im Danau Srianu)« l.'i. März 1»is 13. Juni IStiS. 



JNi(*(l(M'lrm(lisi'li- InditMi, von Sumatra Ins /.u cUmi IMoIukkon und 
Tiuior. uiulasst durch rtwa 3r> Läni^riitjrado uud IT) Breitengraile 
Inseln (lor versrliitMliMistoii (Jrösso, lanp:r (iobirj^skctlon und weif«' 
Tiofländor mit mä('litin;(>n Strömen, zaldriMclio vulkanisclie Erhobuiipjen. 
'/alillose IrlxMidr und er>t(>rbt'n<.* Korallrnrille. Die Tiefländer und 
«▼rissen Str()ni«rebii'te liauptsäeblieli im üsl lieben Tbeil von Su- 
matra, im westlieluMj »ind siidliebeu von Borneo: eine Ueibe von 
Feuerbertien län^s der .Südwesstküste von Sumatra nordwärts in 
die Nikobaren fortffeset/r. eine zweite längere, weslöstliebe, in 
stumpfem Winkel an die vorbfrjxeliende sieb anlegend, dureli Java 
und die Iieilie der Inseln östliidi von Java )>is zum Illimandiri am 
östlieben Knde v»)n Fb»res, und eine dritte, senkreebt auf die vorige* 
von der Nordspitzt» von (\del)es über die «Mjientlieben Mobikken 



tlahri'szcltiMi im Aivhiprl. 245 

(Tcrnatc, Tidore, ^lakian) zu deui Uuniiug-api (d. li. Fcuerbcrg) der 
ßandagruppe und dem gleiclinainigrn isolirten nahe der Nord West- 
küste von Timor: endlich letztj^jenannte Insel selbst in schielVm 
Winkel zu beiden und ältere üebirgsl'ormatioueu darbietend/) Die 
Koralleubildungen umfassen den Küstensaum der grösseren InseUi 
mit Ausnahme der grossen Flussmündungen und einzehier schroller 
Felsenküston (z. B. im südlichen Java) und bilden für sich allein 
kleine Inseln, wie diejenigen südlich von Singapore und mindestens 
den grossem Theil von Amboina. I)ie vertikale Erhebung erreicht, 
soweit genaue Kenntnisse reichen, nirgends die Hegion des ewigen 
Schnees, und bei der geringeren Verschiedenheit in der 'l'emperatur 
der Jahreszeiten tritt auch eine regelmässige Kisj)eriode, ein Winter 
im mitteleuropäischen Sinne des Wortes, nur an den wenigsten 
Stellen ein. Der Unterschied der Jahreszeiten besteht chigegen 
wesentlich in der herrschenden Windrichtung (Monsun) und der 
dadurch bedingten Menge des wässrigen Niederschlages, während 
die Temperaturdifl'erenzen zwischen den verschiedenen Jahreszeiten 
au demselben Orte sehr massig sind. Die Windrichtung hängt an 
sich in letzter Instanz, wie Dove gezeigt hat, vom Stande iU»r Sonne 
ab, und da einerseits der indische Archipel zu beiden Seiten des 
Aequators liegt, also der senkrechte Sonnenstand für den einen 
Tlieil die Sonnenferne für den andern bedingt, andererseits die Lage 
der Bergketten den Kinfluss des einen oder andern Monsuns auf die 
anUegenden Tiandschaften abhalten, so folgt aus Bei(U'm, dass Hegen- 
zeit und Trockenzeit durchaus nicht gleichzeitig durch den ganzen 
Archipel herrsclit, sondern für jede Gegend eigene, durch die sj)e- 
zielle Lage gegebene Hegeln annimmt. Auch ist der Unterschied 
zwischen beiden Monsunen in der einen Landschaft bedeutender als 
in der andern, in einigen sehr gering. Einzelne heftige Regengüsse 
habe icli in allen Gegenden, wo ich mich länger aufgehalten, durch- 
geinacht, nördlich vom Aequator zu Singapore im jNlärz, im nord- 
westlichen Borneo (Bengkayang und Mandhor) im März und April, 
in Celebes (Kema) Ende Juli, südlich vom Aequator auf Sumatra 
(Kepahiang) Anfangs Mai, Java (Solo) Anfangs August, und Timor 
(Kupang) Ende Dezember und Anfangs Februar: den Wasserstand 
des grossen Binnensees Danau Sriang im nördlichen Borneo fand 
ich Mitte Mai (hS62) sehr niedrig, als ob schon längere Zeit Trocken- 
Iieit geherrscht hal)e, dagegen machte in nahezu gleicher Breite in 
Singapore der Monat März mit seinem üppigen Grün und den zahl- 



24G l'eliorganfr ^ci' oäI indischen ^ 

reichen oft rötlilich gdarbtcn jiinjjsjrn BliitN-rii vieb-r Pllanzoii. zu- 
sammen mir don häuiigen Kegon, durchaus den Kindruck der feuchten 
.Fahreszeit. Kin so grosser Unterschied zwischen l)ei(h*n Jahres- 
hälften aher, wie wir von kontinentalen Ländern zu lesen gcwolint sind, 
scheint im indischen Arcliipel nicht stattzuiinden. 

Die Fauna des indischen Arcliipels ist im gro:;sen Ganzen 
ein Uebergang von der indischen zur australisclien. Ks sind wenig 
cliarakteristische Formen in derselben, welche zugleich dem asiatischen 
Kontinent und Neu2;uinea . Neuholland oder Polynesien fehlten. Die 
westlichen Inseln des Archipels reihen sich selbstverständlich enger 
an Asien , die östlichen mehr an Australien an, aber da zugleich die 
westlichen die grossen, mit (lebirgen, grossen Wäldern und weiten 
Ebenen ausgestatteten sind, so lässt sich nicht unterscheiden, in 
wie weit die Uebereinstimmung der Fauna der Nähe des Kontinentes, 
in wie weit der ähnlicheren (iestaltiuiy; des Landes zuzuschreiben 
ist. Frappante Beispiele sind das Vorkr)mmen der grösseren asia- 
tischen Pachydermen (Klephant, Nashorn, Tapir) auf den grossen 
Sunda-Inseln. der Beutelthiere, Kakadu's und pinselzüngigen Papa- 
geien auf den IMohikken. Timor und Celebes. Der Uebergang von 
einer Fauna zur andern ist wesentlich stufenweise, wie au<*li Sah 
Müller den Archipel »ein vermittelndes Glied vom indischen Fest- 
lande und Australien*, die Inseln (\debes, Flores, Timor und B um 
insbesondere als »den Uebergangsstrich bildend« bezeichnet.') Aber 
der menschliche Verstand sucht für sein*» Abstractionen bestimmte 
(■ranzen und so hat man sich seit lange vergeblich bemüht, eine 
(■ränzlinie zwischen Asien und Australien zu ziehen, und zwar mehr- 
mals mitten durch den indischen Archipel; der neueste Versuch in zoo- 
logischer Beziehung ist der des verdienstvollen -englischen Reisenden 
VVallace, welcherdic Gränze beider Faunen zwischen Bornco und Celebes 
legt und die Inselreihe östlich von Java vor Lombok durchschnei- 
den lässt.') Kr hat hauptsächlich Vögel und Insekten gesammelt, 
und das Vorkommen der Kakadu's scheint von Kinfluss auf diese 
Wahl gewesen zu sein. Celebes auf die austrahsche Seite zu 
setzen, lässt sich in mancher Hinsicht rechtfertigen, in rein geogra- 
phischer namentlich durch seine Formähnhchkeit mit Halmaliera, 
aber man darf auch darauf aufmerksam niachen, dass, wenn man 
sich die drei Meerbusen von Celebes durch Alluvialland ausgefüllt, 
oder die Niederungen der grossen Ströme in Borneo unter da« 
Äleeresniveau hinabgesenkt deidit, wiederum diese beiden Inseln 



in die aiistrulischc Kamin. 24/ 

eine auiTallendc Formähnlichkeit initeinainhT /ei^rn würdon. In 
zoologischer B^»ziehung kann man von Colebes nur wiederholen, 
was schon Schlegel im geographiscdien Ahschnitt seines Werkes 
über die Schlangen hS37 S. 241 gesagt hat, dass die. charakteristi- 
seilen Züge Asiens und der grossen Sunda- Inseln theihveise noch 
hier vorhanden sind , z. B. unter den vierfüssigen Thieren All'en, 
Ilirsclie und Bergantilopen, unter den Vögeln Spechte und Nas- 
liornvögel, aber auch schon ebenso charakteristisch -australische 
auftreten, wie ein Beutelthier, ein Kakadu, der Hegenvog<d (Sey- 
throps) und ein Jlegapodius (maleo). Zwei dieser A'ogelgattungen 
finden sich aber wieder auf den Philippinen, welelie docrh im 
Tebrigen wahrlich keine australische Fauna zeigen. Unter den 
Land- und Süsswassercone.hylien herrscht dieselbe Mischung, die 
grossen gelben Buhmus, die Ampullarien und Paludinen von Celebes 
finden nur auf der asiatischen, seine bunteren Naninen, grosse Neritinen 
und grosse (^yrenen nur nach Osten, auf den Molukken u. s. f. 
oder doch gleich weit östlich (Philippinen, Flores) ihre Verwandten. 
Noch minder natürlich scheint es mir, zwischen Bali und Lonibok 
eine Hauptgränze durchzuziehen, obwohl ich keine der beiden Inseln 
selbst betreten: Wallacc führt hiefür mehrere \'()gelgattungen an. 
welche von Osten her noch Lombok aber nicht mehr Bali erreichen, 
so Cacatua und Tropidorhynchus, und eine von Westen her bis 
Bali, nicht mehr bis Lombok reichende, Buceo. Aber die Klasse 
der VögeL deren Fähigkeit zu wandern die der meisten andern 
Thierklassen übcrtriift, dürfte weniger geeignet zur Begründung 
eines allgemeinen abschliessenden Resultates sein. In geraden) Wider- 
spruclie damit stehen die» Landschnecken, welche II. ZoUinger vor 
längerer Zeit bei Bima (auf Sund)awa, östlich von Lonibok) gesam- 
melt hat und die zum grossen Theil dieselben Arten wie im östlieiien 
•lava sind. Meine eigenen Beobachtungen weisen aUerdings auch 
darauf hin, dass das östliche Knde von Flores seiner Fauna, na- 
mentlich Vögeln und Landschnecken nach , nicht von Timor getrennt 
werden darf, obwohl die geognostische Beschaffenheit und Gebirgs- 
richtung beider eine verschiedene ist. 

Timor ist unter allen Inseln des indischen Archipels Neuhol- 
land am näciisten und hat manche charakteristischen Thierformen mit 
demselben gemeinsam (Beutelthiere, Scythrops, Kakadu), aber den- 
noch nähert sich auch Timor wieder in andern Thieren mehr Asien 
und den Sunda -Inseln als Australien, so z. B. dun^h seine Hirsche, 



248 Oraiig-utaji. 

Von den zwei liäiifigsten Landsclinecken in der Unigebunp der hollän- 
dischen Hauptstadt Timor's. Kupan^, scliliesst sicli die eine, HeUx 
argillacea, entschiechMi zunäclist an älinliche, reiclier entwickelte 
Arten des nördliclien Australiens an, aber die andere, Bulimus 
contrarius, gehört einer enpgeschlossenen Artenreihe an, welche von 
Sumatra über Java, Suml)awa und Flores bis hielier verbreitet ist und 
weder in Australien noch selbst auf den ilolukken Verwandte findet, 
wohl aber auf allen Sunda-hiseln und auf dem hinterindischeu Fest- 
lande. Hierin stimmt also Timor mehr mit Java und Asien überein 
als selbst die Molukken. Die Landschnecken l)a1)en im Allgemeinen 
eine geringe Verbreitnngslahigkeit und sind beispielsweise innerhalb 
Europa nacli den verschiedenen Ländern weit verschiedener als die 
höliern Thiere, und eben deslialb für die Begränzung.der Faunen 
von besonderer Brauchbarkeit.*) 

Wie Timor an Neu -Holland, so und noch mehr scidicssen 
sic^h die Molukken an Neu-Guinea, einigermaassen auch das nördhche 
(VIebes und nordöstlichste Rorneo an Mindanao, West-Borneo an 
Siam (vgl. oben 8. 225), sclir entschieden endlich Sumatra an Ma- 
lakka in ihren Landthicren an. Die Meeresfauna dagegen ist durcli 
den ganzen Archipel eine mehr übereinstimmende, ein Tlieil der 
grossen indo-pacifischen, welche von Ost- Afrika bis Polynesien 
herrscht. 

1 . La nd - Säugethiere. 

Die Affen sind auf den drei grossen Sunda- Inseln (Sumatra, 
Java und Borneo) zahlreich und mnnnichfaltig. schwinden aber rascii 
im Osten. Der eigenthümlichstc ist der Orang-utan, nicht ganz 
selten in den rferwäldern im mittleren Laufe der grossen Ströme 
auf Borneo und angeblich au(di in Sumatra zu Hause. Auf letzterer 
Insel bekam ich ihn nicht zu (lesicht . auf ersterer sah ich mehrmals 
junge, vor Kurzem eingefangene, von den eingeborenen Soldaten- 
weibern mit nahezu mütterlicher Zärtlichkeit aufü:czoffen und ihnen, 
wie sie sagten, um keinen Preis feil. Das langsame, unbehülfliche 
und zärtHche Wesen des jungen Thiers in seinen ersten Jahren, 
ganz das (iegentheil des leidenscliaftlich- beweglichen so vieler an- 
derer Affen, lässt ihn neben seiner Menschenähnlichkeit in der That 
als grossen Säugling erscheinen. Im Klettern und Balanciren auf 
schwankem Seile zeigt er sich als ächten Alfen und weiss die langen 
Arme dabei, wcmhi auch niclit besonders rasch, doch ausgiebig för- 



Laugarmigc zVlfoii und SclilankaiTcn. 249 

(lernd, oftors wie Enterhaken . zu bcMUitzen. Der Name Oran«»;-utan 
ist malaiisch und bezeichnet Waldinenscli (niclit ()ran<;-utang, was 
verschuldeter Mensch l)edouten würde), kann aber nicht als einhei- 
mischer Name des Thieres gelten, denn wo er U^bt, wenigstens in 
Bonieo, ist die einheimisclie Spraclie niclit die malaiische, und der 
Malaie denkt sich unter jenem Ausdruck nicht gerade diesen Aflen, 
sondern wirkliche, in Wäldern lebende, d. h. unciviiisirtc Mensehen, 
etwa das, was bei uns der gemeine Mann unter dem Ausdruck 
»Wilde« sich denkt. Die Kingeborenen im Innern von Borneo haben 
eigene Namen lur ihn, Je die verschiedenen Stämme verschiedene, 
so mias. mawe etc. 

Die drei (iattungen der langarmigen Allen, Schlankailen und 
sogenannten Makako (Macacus Cuv. , Inuus Wagn.) sind den grossen 
Sunda- Inseln mit dem indischen Festland gemein, die Arten öfters 
den einzelnen Inseln eigenthiunlich oder Sumatra und Borneo ge- 
meiuschaftlich (Macacus nemestrinus), die javanischen aber den 
Sumatranischen öfters sehr äimlich (Semnopithecus Maurus dem 
pruinosus). Die langarmigen Affen hörte ich öfters des Morgens 
währt»«d der Landreise durch Sumatra in den Wäldern, es war ein 
vielstimmiges, lustiges, helltönendes (Jebell, das der betreuenden 
Art (Hylobates variegatus) liier die Benennung ungko, ungka, im 
westlichen Borneo (II. concolor) kalampiauw, auf Java die von 
• Wauwau« eigentlich uwa-uwa verschallt hat. Die e:rösste Art. den 
schwarzen Siämang, II. syndactylus Haftl., sah ich nur einmal auf 
Sumatra und zwar einen allein, hoch oben quer über meinen Weg 
von einem Baum zum andern, ungefäbr 20 Fuss weit, si(*h schwin- 
gend. Unter den langgeschwänzten Schlankaifen oder ernsten Allen 
(Semnopithecus Fr. Cuv.), die im ernsten Wiesen dem Orang- 
utan sich nähern, ist auf Java der häufigste der schwarze lutung, 
Semnopithecus Maurus L. sp. (vgl. oben S. 52): auf Sumatra sah 
ich als (befangenen den ähnlichen etwas helleren S. pruinosiis Desm. 
(eristatns Raffl.) ebenfalls lutung. aber auch tshing-kau genannt, 
und den schwarz.schopfigen sim[)ai, S. melalophos Kaffl., letzterer 
schon ein mehr aufgeweckter, lustiger Spielkamerad. Der eigen- 
thumlichste ist der Nasenaife, S. nasica Schreb., der in den Ufer- 
waldungen des Kapuasstromes auf Borneo nicht selten sein soll, 
also Gesellschafter des Orang-utan, dem er auch in der rothbraunen 
Haarfarbe und der für seine (rattung bedeutenden (i rosse etwas 
ähnelt; auch er verräth sich oft von ferne durch seine laute Stimme. 



25^ Makakn und IlalhaiToii. 

(1er er auch soiiie oinlu*imisclio BrnenDiinfj kaltaii, verdankt, in Sambas 
(lagef^en nannte man ihn mir pika. Der bekannteste Alle durch den 
ganzen Arrliij:)el ist aher Macaeus eynaniolgos L. sp. , luonjet 
der Ilalaien, in Sumatra nnd Rorneo ancli kra oder kerra, von den 
Holländern und dalier in europiiiselien Menagerieeu oft Javanerafie 
genannt: monjer ist vielleielit die (^)uelle des spanischen mono und 
engliselien nidnkey , wenn diese nicht mit einem altern, in den 
Sprachen des östlichen Kuropa's als maimon noch fortbestehenden 
Wortstamnie /nsammenhän^en : der Name Shikako, seit Bulfon auf 
diese Art übertragen, scheint dagegen afrikanischen Ursprungs und 
gehört wohl mit Mokoko iiikI Maki. den IlalbatVen (Lemur) Mada- 
gasknr's. zusammen. Dieser allbekannte Alfe ist die einzige Art, 
welche allen drei grossrn Sunda-hiseln Sumatra, Java und Borneo 
• gemeinsehaftlieh ist, und die einzige unter den bis jetzt genannten 
(rattungen, die noch weiter nach Osten verbreitet ist. Ihm ähnHch 
und fast ebenso häufig in den europäischen Menageriecn ist der 
S<;hweinschwanzalfe , M. n e m e s t r iniu s , welcher nur auf Sumatra, 
Borneo nnd ^lalakka zu Hause ist. auf Suniatra hruh oder bruk, 
in unsern Menagerieen oft La[)ondera(fe genannt. 

\'on den nächtlichen grossen Halbaffen besitzt der Archipel 
nur zwei Gattungen, den schwanzlosen mopsschnauzigen Stenops. 
malaiisch kukang. pukang oder tukang. von den Hollandern öfters 
luyaard. Faulthier, genannt, daher seit Butlbn in den europäisclien 
Büchern als Lj)ri aufgeführt — die javanische Art, Stenops .Tava- 
nicus (reoir (kukang Sehröd.), mir wenig von der hinterindischen 
auch auf Sumatra und Borneo vorkommenden, St. tardigradus L. 
sp. verschieden — un<l das («espenstälfchen, Tarsius, durch die 
Länge des Schwanzes, der Fusswurzel und der Ohren ausgezeichnet, 
in Kiner und derselben Art von Malakka über tlie drei grossen 
Sunda-Inseln nebst Banka, wo ich ein Kxemplar erhielt, bis Celebes 
und auf die Philip|;)inen verbreitet. Den IMolukken fehlen l>eide, 
wohl aber besitzen diese, wie der westliche Theil des Archipels den 
sogenannten iliegenden Maki, (iaieopithecus, malaiisch kubung, der 
nur mittelst der ausgedehnten Haut der Seiten, wie die sogenannten 
Ihegenden Kichhörnchen. grosse Sprünge macht und übrigens den 
Insektenfressern näher steht als den Afl'en. 

Unter den in Wahrheit Iliegenden Säugethieren sind die 
grösstcn und auHalligsten die obstfressenden Fiederhunde, Pte- 
ropus, auf allen grossen Sunda-Inseln kahiang oder kalong (daher 



Fh*d»'iiuiii(lr . KlrdcM'inaiiso und rnscktoiifrcsscr. 251 

der Name der javanisrlitMi Stadt Pe- kalong-an), auf Timor kapaiik, 
von den Knropäern auch »fliegende Füchse« genannt: man sieht sie 
am häufigsten bei Kinhrueli des Abends, nicht eigentUcli «leliaaren- 
weise, sondern einen naeh dem andern in grossen Zwischenräumen 
hoch in der Luft eiulierzielien. Die Arten sind zaiilreich, aber unt<T 
»ich älinlich, oft nur (Kirch den helleren oder dunkh»ren Ton (h's 
gelbröthhchen Halses und Nac^kens unterschieden, manche bis jetzt 
nur von Einer Lokahtät bekannt, die eine, Pr. echdis (leotf. , über 
den ganzen Archipel von Sumatra bis Ternate und Timor verbreitet,'') 
was bei ihrem bedeutenden Fhigvermögen nidit zu verwundern ist. 
Die frisch geschossenen zeigen meist einen sehr hässliclien (ierucli, 
der von ihrem Urin herzurüliren scdieint: aucli liabe ich nie ge- 
sehen, dass sie von SIenschen gegessen wenhMi, doch mag das wolil 
in einigen (iregenden der Fall sein, wie viele früliere Schriftsteller 
angeben und auch noch Wallace betrelfs der Insel Ratjan erzählt. 
Die kleineren insektenfressen(U»n Fledermäuse, malaiisch kala- 
hiwar oder balaluwar, aucli lalau oder burung-tikus, JL-iusvogel. 
finden sich hier wie anderwärts in vielerlei Arten, namentlicli auch 
zaiilreich in Höhlen, (Umi Hoden mit ihrem (uiano bedeckend, so 
z. B. eine Hufeisennase, lihinolophus euryotis, in der Höhle Batu- 
gantong auf .\mboina. Zahlreich vertreten sind die auch in Kuropa 
vorkommenden Gattungen N'espertilio und Hhinolophus; bemerkens- 
werth sind noch die afrikaniscli- indischen (laltungen Megaderma 
und Taphozous, eigenthümlich für die grossen Sunda -Inseln die 
durch einen Daumen mit plattem Nagel am Hinterfuss ausgezeichnete 
Gattung Chiromeles. 

Unter den Insektenfressern felilen li^el und Maulwurf 

CT» 

dem Archipel, dagegen ist eine grosse Spitzmaus, Sorex myosuros 
PalL. Bisammaus, tikus-kasturi, oder stinkende Maus, tikus-husu([, 
jXenannt, überall verbreitet und wie die Katten ein lästiger Kindring- 
ling in die menschlichen AVohnungen. Kigentliümlicher. nur auf 
den grossen Sunda- Inseln und in Hinterindien vorkommend, sind 
die Spitzeichhörnchen , (Madobates III. oder Tupaja Hafll.: letzterer 
Käme ist eigentlich die malaiische Bezeichnung der wahren Kich- 
homchen, tupai, und wird von den Kingeborenen nur in Zusammen- 
setzungen, wie z. B. tupai-lana, Erdeichhorn, auch auf diese 
insektenfressenden Analoga derselben angewandt/') 

Unter den eigentlichen Uauht liieren steht auch im Archipel 
ohen an diT Tiger, malaiisch harimau oder nur rimau, wahrschein 



252 Her 'Vi]icv im imlisHicu Ai-cliipol. 

lieh iiuch st'iiK'i* »Stimine. suiidanesisrh inatjan. Auf Sumatra und 
Java ist vr noi'h all/uhäuti<^. da^ogeii iclilt er i^äuzlieli im östlichen 
Thoil des Archipels, schon, so viel wir wissen, auf Celobes; von 
den Inseln östlich von Java habe ich nur die erste, Bali, als Heimatk 
desselben nennen gehört. Auf Borneo scheint er ganz zu fehlen: 
auch ich konnte im westlichen stromreichen, Malakka und Sumatra 
zu«>ewandten Theil dieser grossen Insel nichts Sicheres von ihm 
i'rfahren: ebenso scheint er auf Banka nicht vorzuk(»mmen, trotz der 
Nähe- von Sumatra. Auf Java dai'e«::en hörte ich viel von ilim er- 
zählen und auf Sumatra warnte man mich seinetwegen vor nächt- 
lichen Wanderungen. Aber man sieht ihn nicht leicht im Freien, 
da er. wie mir wiederholt bestätigt wurde, hauptsächlich bei Nacht 
umherstreift und den Mensehen nur von hinten anfällt, doch beides 
mit Ausnahmen: so hörte ich von einem Javaner erzälden, der von 
vorn durch einen Tiger angegritlen worden sei: dieser habe ilun die 
Vordertatzen in die Stirne, die Ilintertatzen in die Kniee geschlagen; 
trotzdem habe der Anü-eij-rillenc ihn zuriiekijeworfen und zuuleich 
mit seinem Kris (Dolch) ihm einen Siich versetzt, worauf das Thier 
eilig weggelaufen sei. Man fängt ihn lebend in mit Bambu und 
Laub leicht überdeckten Ciruben und lässt ihn alsdann bald mit einem 
Bütl'el kämpfen, bald von Lanzenträgern erstechen (rampokken). 
In diesem Falle wird der Tiger in einem geschlossenen Kasten aus 
Holz oder festem Band)u in die Miite eines freien Platzes gebraclit 
und um ihn herum ein dreifacher Kreis von Lanzenträgern gebildet. 
Dann gehen zwei Männer, nur mit einem Kris bewalfnet in die Mitte 
und öll'nen den Kasten: es ist adat (heihge Sitte), dass sie lang- 
samen Schrittes, ohne sieh umzusehen, wieder zuruckgelien, und nie 
soll es vorgekonunen sein, dass einer dabei von] Tiger verletzt 
worden wäre. Der Tiger mag in der That. schon durch die Ge- 
fangenschaft und öfier durch längeres Fasten deprimirt, Angesichts 
iler zahlreichen Menschen keine grosse Lust zum Angrilfe haben, 
in der Hegel will er gar nicht aus dem Kasten heraus und muss 
öfters erst durch Anzünden desselben herausgetriei)en werden. Dann 
läuft er rathlos im Kreiste undier, einen Ausweg sucliend, aber 
überall von Lanzenspitzen zurückgewiesen und wird endlich beim 
Versuch mit (Jewalt durchzubrechen niedergemacht. Die raschen 
Bewegungen und Wendungen des ebenso gewandten als gewaltigen 
Thiers sind das Anzi<diendste an diesem Schauspiel; nie gelingt es 
ihm durchzubre<dn*n , wohl aber soll der Panther zuweilen bei dem 



I'HiuIicr und Felis niacrocclis. 25 H 

gleiolioii Spieli; unterhalb der Lan/eii zwischoii cltMi I^eiiiiMi der 
iläiiner durcliscldüpfeii und so entkommen. Bei der zweiten Art 
wird der Tiger, meist naclidem man ihn durcli Fasten geliciri»; ge- 
schwächt, innerhalb einer Bambuumzäunung mit einem Hüilel zu- 
sammengebracht; in der IJegel hat keines der beiden Thiere Lust 
zum Angreifen, sie werden daher dure,h Stechen mit spitzen Bambu- 
stöcken und andere llittel gegen einander gehetzt, bis endlieh der 
Tiger gegen den Büttel springt oder der Büttel gegen ihn anläuft; 
meist unterliegt der Tiger, gegen den auch das Publikum lebhaft 
Partei nimmt, zuweilen stirbt aber auch der Büttel bald darauf an 
steinen Wunden.') 

Der Panther scheint im Archipel so weit wie der Tiger ver- 
breitet zu sein; die europäischen Thierkundigen sind noch nicht 
einig, ob sie ihn als eigene Art (Felis pardus Temm. = variegata 
A. AVagü.) vom westasiatisch -afrikanischen (F. leopardus auct. = 
pardus A. Wagn.) Irennen sollen; der Malaie nnterscln'idet ihn vom 
Tiger nur durch Beiwörter, welche die tleckige Zei(!hnung ardeuten, 
so rimau-lalat, Fliegentiger, oder rimau- kundiang, Ilummeltiger, 
auf Java matjan-tutul; ihm gegenüber heisst dann der rechte Tiger 
rimau- tungal. Wimpeltiger oder Fabnentiger, wegen sein<*r Streifen. 
Auch die Kuropäer untersch(»iih'n in der Hegel den Panther nicht, 
sondern nennen ihn aui'h 'J'iger. Kine fast völlig schwarze Abart, 
von welcher nur bei besonders günstiger Beleuclitung noch die 
kohlschwarzen Flecken auf braunschwarzem (Irunde zu unterscliei- 
den sind, kommt öfters vor und auch mir wurde erzählt, dass zu- 
weilen von Jungen desselben Wurfes das eine so schwarz, das an- 
dere normal geHirbt sei.'*) Auf Borneo. sowie in IMalakka lebt eine 
dritte grössere Katzenart, die grosstte(*kige Felis ma(^rocelis (nicht 
macr«)scelis. grossschenklig), nach den grossen eckigen Flecken ancdi 
Wolken- oder Schildpatttiger genannt, rimau-dahan, Zweigtiger, 
bei den King<»borenen, vielleicht w(»il er auf Bäunn» steigt, was der 
äclite Tiger nicht thut; diese Art bat verliältnissmässig sehr grosse 
Krk/äiinc und es ist daher ihM'h wohl möglicli, dass die grossen 
Zähne, welche A. Adams bei den Orang-Scgai am Berouwlluss als 
Olirenschmuck gesehen und auf den Tiger gedeutet hat, der Felis 
inacrocelis angehören: auch ihr Fell soll den Eingeborenen als 
.S<*hmuck dienen, und sie dürfte überhaupt gemeint sein, wenn in 
einzelnen Reiseberichten von Tig(»rn in Borneo gesprochen wird. 
Ausser diesen leben auf den Sunda- Inseln nocli mehrere kleine 



254 IrliriLic Kauliiliicir. 

Arteu des Ivjitzeiigfsrliloclits, von eleu Kiiropäoni Tigerkalzeii , von 
(loa Malaien kuwiik, auch kut jing-utan, \VaIdkatze, oder kutjiug- 
hatu, Stoinkat/e, genannt, Felis niannorata, planiceps und minuta; 
die letztere ist allen drei Sunda- Inseln gemeinschaftlich, ihre Felle 
^sah ich im westlitdien ßorneo hei Kuropäern und Chiueseu als 
kleine Fussteppiche benutzt, auch ihre Haut in den chinesischen 
Apotheken. 

Das Ilundegeschlecht tritt dagegen im Archipel zurück, 
die einzige Art ist der rothe Mund, Canis nitilans Sah 3IülI., auf 
allen drei Sunda -Inseln, aher überall sehen, ein Wald- und (le- 
birecsthier wie seine nächsten W^rwandten. der vorderindische ('. 
primaevus, der altaische (\ alpinus und der ahyssinisehe C. Simeusis, 
übriijens keineswegs unserem Haushunde so nahe stehend als der 
Schakal; zu Sintan<>- auf Horneo sau:te man mir. dass die Üavaker 
seine (rallcid)lase als Heilmittel schätzen. 

Zahlreicher und weiter verbreitet sind die Vi vcrren- artigen 
Uaubthiere, namentlich aus der Gattung Viverra, Zibetkatze, selbst, 
tangalung, tingalung oder bindalung der Malaien, und Paradoxurus, 
musang derselben, beide von den Ht)lländern unter dem Namen 
»»wilde Katzen« einbegritlen. Vom Musang erzählte man mir in den 
lva(reeü:ärten Java's, dass er die schönsten Kaireeheeren zu seiner 
Nahrung auswähle und die Dohnen unverdaut wieder von sich gebe, 
die sodann gesammelt würden und die erste Sorte Kallee gäben. 
Weniger häufig ist eine .\rt Ichneumon, Herpestes javanicus, gerang- 
gang, die schlanke Viverre, Prion« kIou gracilis, linsang. und der 
Bärenmarder, Arctictis binturong, doch alle wiederum den drei 
grossen Sunda- Inseln gemeinsam. Die Marder sind auf denselben 
durch die einzige Mustela llenrici Westerm. vertreten, wenig ver- 
schieden von der vorderindischen M. Ilavigula: ich erhielt sie zu 
Sintang auf Borneo. wo man sie auch nuisang nannte. Allgemein 
verbreitet ist wiederum die Fisrdiotter. Lutra leptonyx Horsf., 
andjing-ayer, Wasserluuid, aui'h barang oder brang-brang, am- 
brang genannt. Der kurzsehwänzige Stinkdachs, Mydaus meliceps, 
auf Sumatra telagu oder teledu, in den hidiern Gebirgsgegenden 
des westlichen Java's sjegung genannt, ist auf beiden Inseln selten, 
und der Otterbär. Cynoi^ale Bennetti Gray (Potamophilus bar- 
batus Sal. Müller) auf Borneo beschränkt. Letzteren fand ich 
einmal lebend ^-ehalten in einem chinesis<dien Hause unweit Mandhor: 
er sei nicht selten au den Abhängen des Berges Selaman, sagte 



Nagi't liiere dos indisclicn Arrliipcls. 255 

man uiir tlort, uud werde in Gruben gelangen, seines Fleisches 
wegen: er wurde mit Fischen gefüttert, soll aber aucli dem Feder- 
vieh nachstellen. Im äusseren Ansehen erinnerte er mich zugleich 
an Waschbär und an Fischotter, an letztere durch die breite 
Schnauze mit starken weissen Bart1)(>rsten, an ersteren durch die 
allgemeine Körperhaltung; seine Bewegungen waren gemessen luid 
bedachtig, aber unerschrocken, mehr die eines Bären als eines 
Marders; beunruhigt knurrte er wie ein Hund und ging im Begriff 
anzugreifen zu einem drm der Katzen ähnlichen Fauchen (Blasen) 
ilber. Endlich ist noch der kleine glatt- und kurzhaarige llonig- 
bär, Ursus Malayainis Rafll. , nicht zu vergessen, der im Innern 
von Sumatra und Borneo nicht selten ist, aber auf Java fehlt, von 
den Kingeborcnen wegen seines Brummens bruang genannt, von den 
Uayakern auf Borneo lego. F^r lebt hauptsächlich von Kokosnüssen, 
Ilouig und Zuckerrohr, frisst aber auch Fleisch und wird inunerhin 
als reissendes Thier gefürchtet. 

Unter den Nagetliieren sind mehrere Arten von Ki(*hhörn- 
chcu, malaiisch tupai. tupe oder auch ba<Ijing, auf den Sunda- 
Inseln häufig, alle untereinander nahe verwandt, aber an ihrrr s<diarf 
abgegrän/ten Färbung leicht zu unterscheiden, so das zweifarbige, 
Sciurus bicolor Sparrm., oben scliwarz, unten gelblich- weiss, das 
purpurne. Sc. Leschenaulti Desm., oben dunkel purpurl)raun. unten 
gelb, und zwei mit einem Seitenstreifen, Sc. Prevosli Desm., oben 
schwarz, unten rothbraun, Scitenstreif weiss, un<l Sc. vittatus IJafll., 
üben grau, unten roth. Seitenstreif weiss und schwaiz, letzteres an 
den Binnenseen des obern Kapuasgebietes in Borneo öfters von mir 
gesehen. F^igenthümlicher sind die fliegenden Eichhörnchen, 
von denen im Archipel beiderlei Formen vorkommen, grössere mit 
ringsum langbehaartem Schwanz wie Pteromys nitidus (ieoif., und 
kleinere mit zweizeilig behaartem Schwanz wie Sciuropterus sagilta 
L. ; ein eigener malaiischer Name für dieselben ist mir nicht bekannt.^) 
Bemerkenswerrh sind noch die Stachels c li w eine, wovon auch 
zwei Arten vorkommen, ein unserm südeuropäischen ähnliches 
kurzschwänziges , Ilystrix Javauica Fr. Cuv. , auf allen drei Sunda- 
Inseln. und das pinselschwänzige, Atherura fasciculata, nur auf 
Sumatra und in Malakka: beide werden von den Malaien landa(|, 
auch babi landaq, und bulubabi, Borstenschwein, genannt. Ander 
Westküste von Borneo führt seinen Namen, Landak, ein eigener 
Bezirk an der Nordseite des Kapuasstromes, einst selbständiges malaii- 



25G Si'liiii>[>('iiiliici'. Elcphuiit. 

.sclios Koicli. Nocli weniger verbreitet ist der Hase, l.epus iiigri- 
collis Fr. Cuv. , ich sah denselben nur auf den Märkten von Batavia, 
wo er habend in Käfigen feilgeboten wird, und man sagte mir, er 
sei erst durch Marschall Daendels (1808 — 1811)" hier des Jagdver- 
gniigens wegen eingeführt und ausgesetzt worden. Zwar habe ich 
vergebens nach einer Bestätigung dieser Angabe in der Literatur 
gesucht/^) aber sie €»rscheint doch nicht unwahrscheinlich, da von 
keinem andern Theile des Archipels ein Ilasc bekannt ist und die 
genannte Art identisch mit der in Britisch- Indien häufigen ist. Auf 
Borneo und Sumatra sind Hasen ganz unbekannt. 

Aus der Ordnung der Zahnarmen Säugethiere kommt in ganz 
Ostasien'*) nur das Schuppen t hier, Manis, vor, malaiisch penguling 
(der Koller, daher der Büchername Pangolin), auch tanggilang oder 
tangiling genannt; bei den Holländern mieren-eeter, Ameisenfresser, 
nach ihrer Nahrung, aber nicht mit den haarigen amerikanischen 
Ameisenfressern, Jlyrmecophaga L. , zu verwechseln. Dieselbe Art, 
M. «lavanica Desm., auf allen drei grossen Sunda-Inseln: die schuppige 
Haut findet man öfters bei einheimischen Droguenhändleni und sie 
soll nach Valentvn früher auch zu Panzern sjedient haben. 

Kin Klephant. Klephas Suniatranus Schleg. , findet sich in 
Sumatra nicht selten in kU'inen Ileerden; ich fand öfters des Morgens 
ilire kolossalen KothbaUen auf der Landstrasse zwischen Palembang 
und Tibingtingi, sah die Stellen, wo sie durch das Dickicht durcli- 
gebrochen waren, und brachte einen beider beschädigten Schädel 
eines solchen, der einige Zeit vor meiner Ankunft zu Bunge -Mas 
geschossen war, mit. Man wusstc kein Beispiel, dass er einem 
Menschen gefährlich geworden. Ob er auch auf Borneo lebe, ist 
immer noch nicht sicher ausgemacht: an der "Westseite, im Gebiete 
des Kapuas und Sambas, existirt er sicher nicht; je weiter die spe- 
zielle Kenntniss in das Innere dieser kolossalen Insel vordringt, 
desto weiter weichen auch die Angaben ü])er das Vorkommen des 
Klephanten, wie die über geschwänzte Menschen und über Schnee- 
berge, in den fernen Nordosten zurück. Doch wird berichtet, dass 
gerade an der von Sumatra fernsten Nordosteckc Borueo's, bei 
Caj) Unsang, Klfenbein einen Ausfulirartikel bilde.*') Auf Java 
findet man nur einzelne zahm gehaltene Klephanten als Luxusthiere 
iler Fürsten, jetzt noch e])enso wie zur Zeit der ersten Keiseii der 
Kuropäer nach dem Andiipel. Der malaiische Name des Elepliauten 
ist gadja, nach dem Sanskrit wort gaja. 



Naslioni, wilde Schweine , Hirsche. 257 

Der einzige grosse Dickhäuter Java's ist <Ias Naslioru, 
badaq, und zwar ein einhörniges, Kliinoceros Javanicus Cuv., in 
den Bergen der Preanger- Regentschaften immer noch nicht selten, 
aber im östlichen Java minder bekannt. Sumatra besitzt dagegen das 
zweihörnige Nashorn Asiens, Kh. Sumatranus Shaw., Cuv. und da- 
neben, wie es scheint, noch eine eigene einhörnige Art« Rh. Floweri 
Gray (Proc. zool. soc. 1867). In Borneo ist es sowohl an der West- 
ais Ostküste den Kingeborenen bekannt, die Dajaker sollen manche 
Geräthschaften, wie Köcher u. dgl. aus seinem Hörne machen; es 
lebe ebenfalls in den Bergen, wie auf Java, nicht an den Seen, so 
wurde mir am Danau Sriang erzählt; ob es ein oder zwei Hörner 
iiabe, darüber lauteten die Angaben, die ich zu hören bekam, ver- 
schieden; letzteres würde Uebereinstimmung mit der sumatranischen 
Art andeuten; Gray glaubt eine eigene einliörnige Art, Kh. frontahs, 
in Borneo annehmen zu können. Entschieden genieinsrhaftlicli für 
Borneo, Sumatra und Malakka ist wieder der zweifarbige Tapir, 
Tapir Indiens Desm. = Malayanus Kaffl.; die verschiedenen Völker- 
schaft-en beider Inseln bezeichnen ihn mit sehr verschiedenen Namen, 
an den Seen des oberen Kapuasgebiets beschrieb man ihn mir unter 
der Benennung rason; ferner werden als Namen desselben genannt 
t^nnu, seladang, babi-alu und kuda-ayer, Wasserpferd; letztere 
Bezeichnung hat frühere Schriftsteller zur Verwechslung desselben 
mit dem Nilpferd, Hippopotamus, geführt. 

Wilde Schweine, babi utan, finden sich durch den ganzen 
Archipel, man hat verschiedene Arten unterschieden, die aber unter 
sich sehr ähnlich sind; Java besitzt zwei derselben, S. vittatus und S. 
verrucosus Sal. Müller, ersteres findet sich auch auf Sumatra: Borneo 
hat ein eigenes S. barbatus, babi puti (weisse Schwein) der Malaien, 
dahak der Dajaker im obern Ka[)uasgebiet. Auch die Sundasprache 
hat ein eigenes Wort, tjiling oder tjeleng für das wilde Schwein im 
Gegensatz zum zahmen, der mohamedanische Malaie nennt ])eide babi. 

Die Hirsche, malaiisch rusa, sind eben so häufig und fast 
eben so weit verbreitet. Die Arten des Archipels, wie die meisten 
vorderindischen , bringen* es nur zu sechs Enden , nändich euier 
Augeusprosse und einer Endgabel (Gruppe Kusa bei Harn. Smith). 
Der grösste ist der sogenannte W^asserhirsch, Cervus equinus Cuv., 
von Borneo, ßanka und Sumatra, die beiden Endzacken ungleich in 
Grösse und Richtung, Gesicht und Beine mit ockergelben Längs- 
streifen, Analfeld (Spiegel) braunroth. Weiter verbreitet ist der 

Ost «Asien. 2Soolopsch. L 17 



258 Wiederkäuer des indiscliea Ai^hipels. 

javanische Hirsch, Cervus hippelaphus Cuv. = rusa 8al. Müller, 
kleiner, mit gleichen Endzacken, auch auf Sumatra neben dem 
vorigen vorkommend (ich erhielt die Geweihe von beiden im Innern 
von Sumatra, unweit Tibingtingi), auf Borneo nach Schlegel einge- 
führt und verwildert. Rusa ist der allgemeine Name des Hirsciies 
im Malaiischen, mendjangan dasselbe im Javanischen; die Dajakei 
im westlichen Borneo nennen ihren Hirsch danjok. Ueberall vom 
Hirsche wohl unterschieden wird der kleinere Muntjak, durch lange 
Kosenstöcke und vorstehende Kckzähne kenntlich, Gruppe Cervulus, 
Prox oder .Styloceros der systematischen Schriftsteller, auf allen 
drei grossen Sunda- Inseln nebst Banka dieselbe Art, Cervus mantjac 
Zimmermann; letzteres soll sein Name in der Sundasprache des 
westlichen Java sein, wo er bis in die Umgebung von Batavia vor- 
kommt, kidang oder kidjang im Malaiischen und im eigentlich Java- 
nischen; die Holländer übersetzen es öfters mit Reh. Ihm verwandt, 
aber noch weit zierlicher und kleiner, einem Aguti ähnlicher als 
einem Hirsche, ist das Zwerghirschchen, Tragulus, kantjil auf Java, 
auf Sumatra napu, und pelando(| auf Borneo genannt; auch hier ist 
die javanii>che Art (Javanicus Pall.) von der Sumatra's und Borneo's 
(napu Fr. Cuv.) noch ein wenig verschieden. Das wilde Rind, 
Bos leucoprymuus Q. G. = Sundaicus Sal. Müller, banteng der 
Javaner, ist Java und Borneo gemeinschaftlich und findet sich 
östlich von Java nur noch auf Bali, wie der Tiger. Der Büffel soll 
im südwestlichen Borneo häufig wild vorkommen, es scheint dieses 
etwas zweifelhaft, vielleicht Verwe(*hslung mit dem Banteng, denn 
in allen andern Gegenden des Archipels kennt man ihn nur als Haus- 
tliier. Sumatra hat endlich eine eigene Antilope, die ziegen- oder 
gemsenähnliche A. (Capricornis) Sumatrensis Shaw., kambing-utau, 
wilde Ziege genannt, welche Verwandte im Himalaya hat. 

Hirsche und Schweine sowie ein Musang kommen selbst noch 
auf den kleinen Inseln längs der Westküste von Sumatra, wie 
Kngano und der Mentaweigruppe vor,*') eine kleinere Abart des 
Wasserhirsches, Cervus Kuhlii von Sal. Müller genannt, soll einzig 
auf der Insel Bawean vorkommen , einer Insel mitten zwischen Java 
und Borneo, von etwa drei deutschen Meilen im grössten Durchmesser. 

Diesem Säugethierreichthum der drei grossen Sunda-Inseln 
gegenüber erscheint der östlichere Theil des Archipels auffallend 
arm, nicht nur die kleineren Inseln, sondern auch das grosse 
Celebes. Allerdings sind Hirsche und Wildschweine auch hier 



Hirsche und Schweine auf den Molukken. 259 

Läufig, erstere sind ein beliebter Jagdgegenstand der wohlberittenen 
Makassaren, welche sie förmlich zu umstellen und in freies Feld zu 
treiben pflegen, um sie hier zu Pferde einzuholen, ihnen dann eine 
Schlinge über das Geweih oder um den Hals werfen und sie mit 
lenzen niederstechen; solche Treibjagden gelingen besonders in 
der trockenen Jahreszeit, wo sich die Thiere an den Flüssen zu- 
saminenfinden , weniger in der nassen, wo sie überall Wasser finden, 
dalier mehr zerstreut und unstät umherschweifen. Ebenso finden 
sich Hirsche auch noch auf den Mohikken und sie scheinen alle 
von der javanidchen Art nicht spezifisch verschieden, selbst der 
phiUppinische nur wenig. Der alte Valentyn sagt in seiner Beschrei- 
bung von Amboina (1724 — 26 S. 267) bestimmt, dass die Hirsche 
dort nicht ursprünglich einheimisch seien, sondern aus Java und 
später auch einige von Makassar her eingeführt worden seien. 
Ob das nun nur für die Insel Amboina gelte, oder für die Molukken 
überhaupt, wie Sal. Müller annimmt, ist schwer zu entscheiden: für 
letzteres spricht einigermaassen, dass sie nach ebendemselben auf 
Amboina nicht anders genannt wurden als mit dem speziell java- 
nischen Namen mendjangan und dass sie auch jetzt nicht, wie doch 
die Wildschweine, auf Neuguinea vorkommen, während sie doch 
überall sind, soweit die mohamedanisch- malaiische Halbeivilisation 
und die holländischen Ansiedlungen sich erstrecken, so noch auf 
Haimahera, wo ich einen frisch geschossenen erhielt, und auf Batjan, 
auf Buru und Ceram, auf Timor nebst den anhegenden kleineren 
Inseln Rotti, Samao und Pulo-kambing, das von seinen Hirschen 
den Namen erhalten hat, ja auch auf dem isolirten Gross -Banda. 

Das Wildschwein von Timor und Batjan soll dem javanischen 
Sus vittatus, das von Celebes und Ternate dem S. verrucosus zu- 
nächst stehen, aber beide nit^ht die volle Grösse derer auf den grossen 
Sunda- Inseln erreichen. Dagegen tritt auf den zwischen Celebes 
und den Molukken liegenden Xula-Inseln, sowie im benachbarten 
Buru und im nordöstUchen Theil von Celebes selbst^*) eine eigen- 
thümliche Gattung von Schweinen auf, bei denen die obern Hauer, statt 
aus dem Muüd hervorzustehen, die Oberkieferknochen nach oben 
durchbrechen, um zwischen Oberlippe und Auge hervorzutreten; 
es ist dieses der seitBontius bekannte Babi-rusa, wörtlich Schwein- 
hirsch , aber nach der Konstruktion der malaiischen Sprache genauer 
als Hirschschwein zu übersetzen, übrigens durchaus Schwein und 
nicht Hirsch. 

17' 



260 Andere Säugcthicrc der Molukkcii. 

Eine weitere Eigenthümlichkeit des nördiichen Theiis vou 
Celebes ist ein massig grosser Wiederkäuer von Ochsengestalt mit 
Antilopenbörnern , Anoa depressicornis H. Smith, wilde Kuh von 
den Holländern genannt, wilder Büffel bei Valentyn. Ferner finden 
wir, wälirend der gemeine Javaneraffe, Macacus cynamolgos, noch 
auf Timor und Celebes sicli findet, als dritte Eigenthümlichkeit für 
letztgenannte Insel einen eigenthümlichenscbwarzen kurzgeschwänzten 
Pavian, Cynopithecus niger Quoy,*^) und zwar auf der südUchen, 
wie auf der nördlichen Halbinsel; Quoy und Gaimard erhielten ihn 
in Mauado, ich sab ihn bei Maros unweit Makassar. Derselbe lebt 
aucli auf der Molukkeninsel Batjan, wo ich ein altes frischgetod- 
tetes und ein junges lebendes Exemplar erhielt. Man nennt sie dort 
yakis. Dr. Bernstein versicherte mir, dieser Affe finde sich innerhalb 
dieser grossen Insel nur in der Nähe der gleichnamigen Haupt- 
niederlassung, sonst nirgends, und auch nicht auf dem benachbarten 
noch grösseren Halmahera, es sei daber anzunehmen, dass er hier 
nicht ursprünglich einheimisch sei, sondern von Celebes Affen dieser 
Art in Gefangenscbaft von Menschen herübergebracht, dann ent- 
kommen und verwildert seien. 

Fiederhunde, Pteropus, und Fledermäuse, Rliinolophus 
und Vespertilio, erstrecken sich ziemlich gleichmässig von den 
Sunda- Inseln über die JMolukken bis Polynesien; nur finden wir 
auf den Molukken einen neuen Namen für erstere, faniki oder auch 
paniki, denselben, mit welchem man sie auch auf den Philippinen 
und Marianen kennt; eine übereinstimmende Benennung, fany, kehrt 
auf Madagaskar wieder, wo ja aucb eine malaiische Sprache herrscht; 
auf den Sunda Inseln babe ich aber einen solchen Namen nie gehört. 
Neu treten auf den Molukken und Timor zwei mit Pteropus verwandte 
Gattungen Cepbalotes Geoff. (Ilarpyia 111.) und Hypoderma Geoff. auf. 

Dagegen schwinden im östlichen Tbeil des Archipels , sobald 
das Gebiet der Beutelthiere beginnt, plötzlich die Insektenfresser, 
Raubthiere und Nagethiere, also die den Beutelthieren älinUchsten 
placentareu Ordnungen der Säugetliiere, auf ein Minimum. Von 
ersteren bleibt nur die auch in Häusern vorkommende, daher wohl 
durch den Menschen verbreitete Kattenspitzmaus, Crocidura 
myosuros Pall., allgemein auf den Molukken verbreitet; von Raub- 
thieren scheinen nocli Zibetkatzen und eine Paradoxurusart , hier 
tusa-utan genannt, vorzukommen. Von Nagethieren besitzt zwar 
Celebes nocIi einige Eichhörnchen, sie fehlen aber schon den 



Beutehhicrc. 261 

Molukkeu. ^*) Nur die durch Schiffe verbreitete Uatte hat sich 
überall, wo Europäer wohnen, angesiedelt. Timor aber, das auch 
durch seine Affen sich wieder näher an die Sunda- Inseln anschliesst, 
hat auch noch eine eigene Spitzmaus, Sorex tenuis S. Müll., und 
eine eigene wilde Katze, Felis megalotis Tem. 

Dagegen reichen von Neuholland her die Beutelt liiere bis 
in den östlichen Theil des Archipels. Der Kusu der Molukken, 
dessen Namen im modernen naturwissenschaftlichen Latein zu Cuscus 
geworden, Cuscus (oder Phalangista) Orientalis Pallas sp. auf Batjan, 
Amboina, Banda und Timor, ist ein träges Thier, bald roth, bald weiss 
gefärbt, das einzige mit Greifschwanz in Ostasien; die P^ingebornen 
fabeln von ihm, man könne es durch unverwandtes Anblicken vom 
Baume »heruntersehen«. Auf Batjan erhielt ich auch noch ein den 
fliegenden Eichhörnchen analoges kleines fliegendes Beutelthier, 
Petaurus ariel, tikus-kalapa, Cocusnuss-Maus mir von den Kingebor- 
neo genannt, schon beim alten Valentyn als »fliegende Katze u von 
Halmahera erwähnt (Amboina S. 270). Celebes endlich besit/t in 
Phalangista ursina die westlichste Art dieser Thierordnung in der 
auf der östlichen Hemisphäre gegenwärtigen Ordnung der Dinge. 

Gegen Neuholland hin nehmen die Beutelthiere rasch an 
Arten zu: auf den Arn -Inseln lebt die Känguru - artige Dorcopsis 
Brunii Gmel. sp., auf welche die Malaien ihren Namen des Moschus- 
thierchens von Borneo, pelandok, übertrugen, woraus europäische 
Schriftsteller das scheinbar griechische Wort philander gemacht 
(r statt c ursprünglich wohl nur verschrieben). In Neuguinea leben 
die Baumkänguru*s, Dendrolagus, deren eines ich auf den Molukken 
lebend gehalten gesehen, ein blödes, bedächtiges, aber kräftiges 
Thier, das beunruhigt seine Arme in langsamer aber unzweideutiger 
Weise zum Umschlagen und Erdrücken des Feindes nach Art der 
Känguru's in Bewegung setzte. Obgleich von Natur pflanzenfressend, 
hatte es doch in der (Gefangenschaft ein besonderes Wohlgefallen 
an gebratenen Hühnerkeulen, die es ganz ordenthch abnagte, ein 
einzelner Beweis mehr dafür, dass Pflanzenkost und Fleischkost bei 
den Thieren, namentlich den höhern, nicht so streng geschieden sind. 

2. Vögel. 

Die Vogelwelt des indischen Archipels ist in neuerer Zeit der 
Gegenstand so eingehender Untersuchungen und anziehender Schil- 



262 Nashornvögel. 

(lerungen von Seiten der beiden Forscher Bernstein und Wallacc 
gewesen, dass ich mich auch hier darauf beschranken werde, das 
Wichtigste über ihre geographische Verbreitung und Kiniges, was 
sich mir unmittelbar darbot^ zu erwälinen. 

Eine der aufl'allendsten Vogelformen dieses Gebiets bilden die 
Nashornvögel, Buceros L. , übrigens auch in Vorderindien und 
dem tropischen Afrika einheimisch und durch die enormen Dimen- 
sionen des Schnabels, nicht aber in den Füssen, den amerikanischen 
Tukan's, Rhamphastos L., ähnlich, nach ihrer lauten, unharmoni- 
schen Stimme kangkarang, rangkong, belicang, angang (inggang), 
tingang in den verschiedenen Gegenden genannt; namentlich als 
tingang spielen sie auf Borneo eine bedeutende KoUe in dem Aber- 
glauben der dortigen Eingebornen, denen sie wegen ihres lauten 
Schreiens bei Annäherung eines Menschen als Sinnbild der Tapfer- 
keit gelten. Das Sträuben der Federn, das Ausbreiten des Schwanzes, 
als Gebärde der Kampflust und des Stolzes, kehrt oft in den von 
(lardelang mitgetheilten Liedern der Dajaker wieder, und tingang 
dient geradezu als Bezeichnung eines beherzten Mannes, wie etwa 
bei uns Löwe oder Adler.*') Ich habe die recht kenntlich aus 
Holz geschnitzte Figur eines solchen Vogels, Buceros rhinoceros L., 
nebst ähnlichen des Krokodils, bei den Dajakern im obern Kapuas- 
gebiet erhalten. Buceros plicatus mit Querfurchen auf dem Schna- 
bel, das Männchen mit gelbem Kehlsack, gehört Sumatra und Java 
an. Eine andere Art, Buceros cassidix Tem., deren Schnabel in 
den Trödelbuden zu Makassar mit den Hörnern der Anoa feil war, 
heisst dort burong taun, Jahrvogel, indem die Anzahl der Furchen 
seines Schnabels die seiner Jahre anzeigen soll. Denselben Namen 
trägt auf den eigentlichen Molukken, sowie auf der Amboinagnippe 
die einzige dortige Art. Buceros ruficoUis, schon von Valentyn als 
solcher erwähnt, mit kleinen Farbenunterschieden, indem der Hinter- 
kopf bei den Vögeln der einen Inselgruppe etwas dunkler als bei 
denen der anderen ist. Dieselbe Art findet sich noch auf Neu- 
guinea, aber Neuholland hat keine Nashornvögel mehr. 

Umgekehrt nehmen die Papageien sowohl an Artenzahl als 
an Mannichfaltigkeit der Formen und Farben, sowie an Grösse der 
Arten von Indien bis Neuholland auffällig zu. Die grossen Sunda* 
Inseln ha])en keine andere Formen aufzuweisen, als die schon auf 
dem indischen Festland und in Ceylon vorhandenen kleinen grünen 
Lang- und Kurzschwänze, Palaeornis und Loriculus, von denen der 



Papageien der Suiida- Inseln. 263 

Alexanderspapagei und derlnseparabel eine Vorstellung geben können ; 
der Malaie nennt die ersteren betet oder balan oder bayan, die 
letzteren serindit, silindit oder tjelindit; auch hier scheinen die Arten 
von Sumatra, Borneo und Malakka identisch, aber den javanischen 
nur ähnlich zu sein, so entspricht dem Palaeornis longicaudus Bodd. 
(barbatulatus Bechst.) von Malakka. Borneo und Sumatra der java- 
nische P. Alexandri L. ( pondicerianus auct.), der übrigens auch im 
südlichen Borneo vorkommen soll, der Loriculus (Coryllis) galgulus 
L. auf Malakka, Sumatra und Boroeo dem L. (C.) pusillas Gray auf 
Java. Dagegen kennt man auf letzterer Insel noch keinen Reprä- 
sentanten des borneo - Sumatranischen taua oder keke, Psittacula 
incerta Shaw (Malaccensis Lath.). Kakadu und Lori findet man 
auf Java wohl in den Häusern, aber wenn man fragt, woher sie 
gekommen, wird man stets nach Osten gewiesen, in Batavia nach 
Surabaya, in Surabaya nach Makassar, in Makassar nacli »den Mo- 
lukken«. Dieses bezeichnet den Weg ihrer Einführung. Auf Celebes 
soll allerdings, wie das erste Beuteithier, so aucli der erste Kakadu, 
Cacatua sulfurea Gmel. (aequatorialis Tem.) vorkommen: jedenfalls 
sind aber die zahlreichen Kakadus, die in Makassar feilgeboten 
werden, zum grössten Theile, wenn nicht alle, von den Molukken 
eingeführt. Ebenso finden wir von Westen her zuerst in Celebes 
einzelne Arten der falinenschwänzigen und der grossschnäbligen 
Papageien, Prioniturus und Tanygnathus, bei denen aucli Grün 
noch die Ilauptfarbe des Körpers bildet, und selbst einen Pinsel- 
zÜDgler, Trichoglossus ornatus L. , bei welchem das Grün schon 
gelbfleckig, die Brust roth mit dunkeln Federrändern und der Kopf 
roth mit dünkelblauer Kappe ist. Noch grösser wird die Mannidi- 
faltigkeit der Arten auf* den Molukken uud bei vielen derselben ist 
das Papageigrün zu Gunsten der rothen Farbe ganz verschwunden, 
oder es hat doch einen anderen satteren, mehr bläulichen Ton an- 
genommen, wie bei Eclectus polychloros Scopoli (Sinensis Gmel.), 
der auf den meisten Molukken -Inseln, z. B. Halmahera und Batjan, 
Ceram und Amboina, zu Hause ist, übrigens auch schon durch die 
pomeranzengelbe Farbe des Oberschnabels, die schwarze des Unter- 
schnabels und die scharlachrothe der unteren Flügeldeckfedern an 
der grösseren Buntheit der östlichen Arten Theil nimmt. Nächst- 
verwandt mit diesem ist der purpurrot!] e Eclectus grandis Gm., den 
ich auf Batjan wild sah. Diese beiden schönen aber ziemlich phleg- 
matischen Vögel ertragen die Gefangenschaft sehr leicht und wurden 



264 Lori - Papageien. 

daher schon seit längerer Zeit zahlreich lebend nach Europa ge- 
bracht. Die malaiisch redenden Bewohner der Alolukkeu nennen 
den rothen Eclectus uwo, den grünen wie die weissen Hauben- 
papageien kakatuwa, was in ihrer Spraclie Beisszange bedeutet, und 
unterscheiden genau davon die weit lebhafteren aber auch zärt- 
hcheren luri oder nuri, auch kasturi, in unseren Büchern meist 
Lori genannt, uämUch den scharlachrothen grünflügligen Lorius 
garrulus L. von Ilalmahera und den ähnHchen aber durch blau- 
schwarze Kappe gezierten L. domicella L. (Domiceila atricapilla 
Wagl.) von Ceram. Beide haben eine feine Stimme, die gerne in 
pfeifendes Flöten übergeht; der erstere zeigt einen minder verträg- 
lichen, streitsüchtigeren Charakter gegen Seinesgleichen sowohl als 
gegen Menschen, er hält durch unerschrockene Schnabelhiebe Katzen 
und kleinere Hunde in Itespekt, während das «Fräulein« (domicella) 
anhänglicher und zutrauHcher ist. Schon der alte Valentyn hat 
diesen Unterschied bemerkt und ich habe denselben an mehreren 
lebenden Exemplaren, auch solchen im gleichen Hause bei gleicher 
Beliandlung, bestätigt gefunden. Sie gehören zu den Pinsel- 
zünglern, wi& auch einige seltenere Arten der Molukken, Gruppe 
Eos Wagl., karminroth mit mehr oder weniger Blau, aber ohne 
Grün, beide auch in Neuguinea vertreten. Der zärtlichste unter allen 
Papageien, die ich auf Amboina lebend sah, auch hier in Gefangen- 
schaft oft kränkelnd und kaum die U eberfahrt nach «lava aushaltend, 
wie man mir sagte, ist der Königslori, kasturi-radja, Platycercus 
Amboinensis L., einfach scharlachroth mit lebhaft grünem Rücken, 
Flügel und Schwanz, ein naher Verwandter zäherer neuholländi- 
scher Arten, die wir öfters in den Thiergärtcn Europas finden. 
Erwähnung verdient noch eine weitere für die Molukken charakte- 
ristische Form, der Maskenpapagei, Pionias (Cieoflroyus) cyanicoUis 
Müll., grün mit rothem nach dem Nacken zu blauem Kopf; diesen 
sah ich nie in Gefangenschaft, sondern nur im Freien erlegte 
Exemplare, sowohl auf Batjan als auf Amboina. Kecht charakte- 
ristisch für die Molukken sind endlich die weissen Kakadu's; es 
war mir ein besonderes Vergnügen, diese eigenthümlichen Vögel, 
die ich früher so oft in Menagerieen und zoologischen Gärten ge- 
sehen, im Freien zu finden, bald in kleinen Schaaren auf den Zwei- 
gen einzelnstehender Bäume oder kleinerer Gebüsche, bald einzeln 
in bedeutender Höhe vorüberfliegend. Sie sind Art für Art auf die 
verschiedenen Inselgruppen vertheilt, der weisshaubige , C. leucolo- 



Kakadu's. 265 

plios Less. (cristatu auct.), auf den eigentlichen Molukken von Ter- 
nate bis Batjan und auf der gegenüberliegenden grösseren Insel 
Halmahera, der rothhaubige, Moluccensis GmeL, auf Ceram, der 
kleine mit schwefelgelber Haube und gelblichen Wangen , C. sulfurea 
GmeL, auf Timor und Flores. Man hat alle diese häufig in Ge- 
fangenschaft, wo sie aber oft durch unerträglicli lautes und anhal- 
tendes Schreien bei drohendem oder vorhandenem Regenwetter lästig 
werden. Sonst sind es angenehme spielerische Hausgenossen; es 
scheint, wenn man sie mit den nahe verwandten, aber mehr einzeln 
lebenden apathischen Eclectus vergleicht, auch hier, wie bei den Affen, 
sich zu bestätigen, dass Thiere, die in der Freiheit gesellig leben, in 
der Gefangenschaft sich leichter an den Menschen anschliessen und 
in ihm einen Kameraden sehen , als die von Natur einsam lebenden. 

Zu Wahai sah ich unter anderen von Neuguinea herüber- 
gebrachten Thieren auch einen schwarzen Kakadu, Microglossus 
aterrimus GmeL, ein drolhges Thier, durch das ernsthafte rothe 
Gesicht, den mächtigen Schnabel und den stets sichtbaren Feder- 
busch komisch imponirend, übrigens ruhig und phlegmatisch gegen 
die Sitte der weissen Kakadu's, mit unschöner knarrender Stimme. 
Die Einheimischen behaupteten, die Speiseröhre sitze bei ihm in 
der Zunge und die ansässigen Europäer sprechen es nach: die Zunge 
ist nämlich fleischig, nicht breiter als hoch, oben ausgehöhlt, roth, 
an der Spitze abgeflacht und schwarz; der Vogel schlürft damit die 
vom Schnabel zerkleinerten Nahrungsmittel (hauptsächlich die Nuss 
des Kanarienbaumes ) auf, und während er sie nach hinten gegen 
die Zungenwurzel zu gleiten lässt, wölben sich die Seitenränder 
darüber und schliessen fest aneinander, eine bedeckte Rinne bildend, 
in welcher die Speise fortgeschoben wird. Weiter hinten wird die- 
selbe wieder sichtbar und gleitet schliesslich wie bei anderen Thieren 
über Zungenwurzel und Kehlkopf in die Speiseröhre hinab. 

Auf der Insel Timor kreuzen sich auch unter den Papageien 
wieder molukkische, respective australische und javanische, eigent- 
lich indische Formen, so finden wir daselbst den Loriculus vernalis, 
aber auch einen Kakadu , einen Geofi*royus , Platycercus und Tricho- 
glossus.^*) 

Eine grosse Rolle in der Vogelfauna des indischen Archipels 
spiele ferner die Tauben; Alfr. Wallace, welcher eine trelFHche 
Abhandlung über dieselben veröiTentlicIit hat,^^) zählt einschliesshch 
Neuguineas 118 Arten, reichlich ein Drittel aller überhaupt bekann- 



266 Grüne Tauben. 

ten, aus diesem Gebiete auf und macht darauf aufmerksam, dass 
sie hier nach Osten um so mehr an Zahl und Mannichfaltigkeit zu- 
nehmen, jemehr die Aflen und kleinen Raubsäugethiere abnehmen, 
welche ihre offenen Nester, wenig versteckten Eier und lange un- 
behülflich bleibende Brut bedrohen; ebenso fanden sich von den an 
sich weniger zahlreichen amerikanischen Tauben die meisten in 
Gegenden, wo keine Affen sind, so in den Gebirgen von Chile und 
Mexiko, den offenen Ebenen des Orinoko und La Plata, während 
in den Urwäldern des Amazonenstromes sehr viele Affen und fast 
keine Tauben sich finden — ein auffallendes Beispiel, wie das Vor- 
kommen einer Thierart von dem gleichortigen einer ganz verschiedenen 
negativ so gut wie positiv beeinflusst sein kann. Die malaiische 
Sprache besitzt daher auch eine ganze Reihe verschiedener Namen 
für Tauben, melir noch als die griechische, abgesehen von ver- 
schiedenen Beiwörtern und Zusammensetzungen für einzelne Arten. 
Am meisten charakteristisch für den Archipel, und daselbst am 
reichsten, 54 Arten, etwa die Flälfte aller bekannten, ist die Abthei- 
lung der grünen von Baum fruchten lebenden und nie zum Boden 
hcrabkommenden Fruchttauben, Treronidae, welche sich um drei 
Hauptformen gruppiren : die glanzlosen , hellgrünen , dickschnabligen 
Papageitauben, Treron, malaiisch pune, öfter verdoppelt pune- 
pune, die kleinen satter grün gefärbten Federfusstauben, Pti- 
lopus, und die grossen, oben dunkel metallgrünen, unten blass- 
grauen Bronzetauben, Carpophaga, pergam der Malaien, kum- 
kum auf den Molukken , worunter mehrere (C. aenea und perspicil- 
lata) auf den Banda- Inseln die eben geöffneten Muskatnüsse der 
anhängenden sogenannten Blüthe (Macis) wegen ganz verschlingen 
und ohne letztere wieder von sich geben, daher daselbst von den 
Holländern unpassend nooteneeters oder nootenkrakers, Nussknacker, 
genannt; noch unpassender aber haben die systematischen Omitbo- 
logen den ihnen zuständigen Namen Myristicivora, Muskatfresser, 
der Küstentaube des indischen Oceans, C. htoralis Tem. = bicolor 
Scopoli, gegeben, welche nichts mit Muskatnüssen zu tliun hat. 
Ptilopus und Carpophaga nehmen im westlichen, Treron im östlichen 
Theil des Archipels merklich an Artenzahl ab, in Vorderindien ist 
Treron noch häufig, Carpophaga schwach und Ptilopus gar nicht 
vertreten; auf den kleinen Inseln der Südsee sind die Federfuss- 
tauben häufig und fehlen die eigentlichen Papageitauben. Näher 
unseren europäischen Tauben stehen die dunkelbraunen grossschwän- 



Andere Tauben. 267 

zigen Fasanentauben, Macropygia, mehr am Bodf^n lebend und 
durch den ganzen Archipel nicht häufig, die metallglänzenden Jan- 
tho^nas von den Molukken, Neuguinea und Timor, und einige 
nahe Verwandte unserer Turteltaube und Lachtaube, Turtur tigri- 
ous und bitorquatus Tem., perkutut, terkuku oder kukur, tukor 
nach der Stimme von den Malaien genannt, beide im Osten bis 
Timor verbreitet, aber in Neuguinea fehlend. Die Erdtauben gehören 
mehr dem Osten an, doch zeigen einzelne Arten eine bemerkens- 
werthe Verbreitung; so ist das ganz kleine langschwänzige, niedhch 
gewellte Sperbertäubchen , Geopelia striata, auf Java, Sumbawa, 
Lomhock und den Inseln östlich davon häufig, fehlt aber weiter 
westlich und schliesst sich zunächst an eine zweite timoresische und 
einige australische Arten an. Die goldglänzende, in der Befiederung 
des Halses hahnenartige Mähnentaube, Caloenas Nicobarica, unter 
dem Namen burong mas, Goldvogel, als grosse Merkwürdigkeit mir 
von einem eingeborenen Prinzen auf Batjan vorgestellt, findet sich 
hauptsächlich auf kleinen unbewohnten Inseln von Neuguinea 
über die Molukken und Celebes bis zu Malakka, den Nikobaren 
und Andamanen, sie ist ein kräftiger Flieger, wurde nach Wallace 
schon mitten auf der See ge trollen und er glaubt, dass sie fort- 
während noch hinüber- und herüberwanderc , da sie bei ihrer weiten 
Verbreitung nirgends Lokalverschiedenheiten zeigt. Anders die dun- 
kel bronzegrüne, weissstirnige Chalcophaps javanica, welche von 
Neuguinea über die Molukken, Timor, Celebes und die drei grossen 
Sunda- Inseln bis Vorderindien je durch eine nur ein klein wenig 
verschiedene Race repräsentirt ist und welche Wallace daher, durch 
menschliches Eingreifen früher verbreitet, in jedem Bezirk isolirt 
sich weiter entwickelnd annimmt. Ihren Höhenpunkt erreichen end- 
lich die P]rdtauben in den gekrönten Riesentauben von Neuguinea 
und den nächstliegenden Inseln, Goura coronata und Victoriae, 
welche öfters ihrer Schönheit wegen lebend nach Banda und auch 
Java gebracht werden , daher von früheren Schriftstellern fälschlich 
als dort zu Hause angegeben wurden und von den Europäern da- 
selbst Pfauen oder Kronvögel genannt werden. 

Wir nennen im Deutschen einen Vogel Eisvogel, weil er 
am Wasser lebt und auch im Winter bei uns bleibt; es ist das aber 
kein nordischer Vogel, denn er fehlt in dem grössten Theil von 
Skandinavien; schon seine schöne Azurfarbe bezeichnet ihn als einen 
Vorposten der Tropen weit, und in der That spielt die Familie dieser 



268 Eisvogel. 

• 

»Eisvögel« (Alcedo L.) im indischen Archipel eine grosse Rolle, 
artenreicher, die einzelnen grösser und häufiger als bei uns; die 
meisten leben auch hier am Wasser, sowohl süssem als auch ge- 
salzenem, von Baumzvveigen herab nach ihrer Beute, Fischen und 
Krebsen, spähend, oder zu demselben Zweck über die Wasserfläche 
hinstreichend, und der Malaie kennt sie unter dem bezeichnenderen 
Namen radja-udang, Krebs-König, analog dem englischen king-fisher, 
zugleich die Pracht seines Gefieders und seine Nahrung andeutend. 
Die grösste Art, A. (Halcyon) leucocephala Gmel., von Dohlengrösse, 
wird auch Krokodilvogel, burong buaja, seines weiten Rachens 
wegen, und kaha, benkaka genannt; er soll den Fischteichen der java- 
nischen Grossen noch mehr schaden als die Fischotter; die häufigste 
durch den ganzen Archipel ist oben grunUch- himmelblau, unten 
weiss, A. (Todirhamphus) collaris Scopoli ( chlorocephala Gmel., 
chloris Boddaert) mit unbedeutenden Farbennüancen zwischen den 
javanischen und molukkischen Individuen, nahe verwandt mit denen, 
die auf den polynesischen Inseln für heilig gelten sollen, sacra und 
venerata Gmel. Andere Arten heissen auf Malakka und Sumatra 
kain-kain (bekleidet? wegen der abstechenden Farben), auch kain- 
kimka, Damast-Kleid, kleinere, unserer deutschen ähnüche, meuin- 
ting oder binti, auf Java burong biru, blauer Vogel, ähnliche finden 
sich auch auf den Molukken. Ebenso finden sich im ganzen Archipel 
die kleinen dreizehigen Eisvögel, Ceyx Lacep., während eine andere 
dreizehige australische Gruppe Alcyone Svvains., und die schönen lang- 
schwänzigen Paradies - Eisvögel Neuguineas, Tanysiptera (Ale. dea L.), 
saliwan oder sariwan bei Valentyn, auf den Molukken beginnen.") 

Das glänzende Griinlichblau der Eisvögel kehrt in drei an- 
deren Vogelfamilien ebenso regelmässig wieder, den Bienenfressern, 
Merops, biri>biri oder barai-barai der Malaien, und den Racken 
oder Mandelkrähen, Coracias, beide auch in Südeuropa noch ver- 
treten und Deutschland in wärmeren Zeiten besuchend, sowie in 
den dem Archipel mehr eigenthümlichen Prachtdrosseln, Pitta, kurz- 
schwänzigen, grossköpfigen, hochbeinigen Vögeln, welche meist auf 
sumpfigem Waldboden leben, vom indischen Festland aus durch 
den ganzen Archipel verbreitet, unter verschiedenen Namen: punglor, 
auf Sumatra sintor, im westlichen Java manuk paok, auf den 
Molukken tohoko.'^) 

Die Raubvögel spielen im Archipel keine bedeutende Rolle, 
Geier fehlen, wie früher erwähnt, ganz;") dagegen finden sich auf 



Raubvogel, Schwalben, Sperling. 269 

allen Iiiselu des Archipels, von Sumatra bis in den fernen Osten, 
kleinere Habichte und Falken, malaiisch alap; so erhielt ich auf 
Timor den Falco frontatus Gould, unserem Baumfalken verwandt, 
auf Flores und Amboina den unserem Thurmfalken sehr ähnhchen 
F. tinnunculus moluccensis Schleg. ; weniger zahlreich, doch auch 
allgemein verbreitet, ist der graue Seeadler, Haliaetos leucogaster, 
lang- laut, und der kleine zimmetbraune, weissköpfige Seehabicht, 
HaUastur Pondicerianus, lang-bondol oder auf Java ulang. Die 
Eulen, ebenfalls auf allen Inseln nicht selten, sind den Malaien 
unter verschiedenen Namen bekannt, deren manche ihrer Stimme 
nachgebildet scheinen, wie die europäischen Uhu, ulula, chouette 
u. a., so kukukbloq, tuhuk, djompoq, djomboq oder djamboq, pongoq 
oder pongau, wowo-wiwi; auch burong seraq, heiserer Vogel, für 
Strix Javanica Wurmb (unserer Schleiereule höchst ähnlich) deutet auf 
die Stimme. An sie schliessen sich durch ihre nächtliche Lebensart 
die sogenannten Ziegenmelker, Caprimulgus, tjaboq, tjabaq oder 
auch burong swangi , Gespenstvogel, genannt. Unter den Schwal- 
ben, layang, sind weitaus die berühmtesten diejenigen, welche die 
essbaren Nester (mal. sarang, daher »salangane«) It^uen, an steilen 
Felsen, meist dicht an der See, so an der Südküste von Java (Col- 
locaUa nidifica Lath.) und in verschiedenen Gegenden der Molukken 
(C. hypoleuca Gray); ihre Nistplätze sind theilwcise Eigenthum be- 
stimmter Personen und werden dann regelmässig, wenn auch öfters 
mit Lebensgefahr der betrelTenden Arbeiter, ausgebeutet. In den 
näusern findet sich von Java bis zu den Molukken (Teruate) die 
von unserer deutschen Rauchschwalbe kaum zu unterscheidende 
Hirundo Javanica. Eine eigenthümliche Schwalben- oder wie die 
Salangane systematisch richtiger Seglerform bilden die grossen , unten 
weissen Baumschwalben, Dendrochelidon, die frei auf den Aesten 
der Bäume nisten; auf Java nennt man sie manuk-pedang, Schwert- 
YOgel, aufXernate ekor-gunting, Scheerenschwanz , des langen tief- 
gegabelten Schwanzes wegen. 

Der zweite Hausvogel ist auch hier der Sperling, und zwar 
durch den ganzen Archipel unser Feldsperling, Passer montanus L. 
sp.; er findet sich nur, wo Menschen wohnen imd Landbau getrieben 
wird, und ist nach allgemeiner U eberlief erung erst durch die Euro- 
päer im verflossenen Jahrhundert ins Land gebracht worden. Dafür 
spricht auch entschieden, dass der Malaie keine andere Bezeichnung 
fiir ihn hat, als burong gredja, Kirchen vogel (gredja vom portugie- 



270 Sperliiigsartigc Vögel, Raben, Staai'e. 

»iscben igreja, christliche Kirche, während die mohamedanischeu 
Moscheen missigit genannt werden). Alle übrigen körnerfressenden 
oder sperlingsartigen Singvögel des Archipels gehören einer anderen 
Unterabtheilung an, den sogenannten Amadinen und Webervögeln; 
der bekannteste darunter, sehr häufig von Java lebend nach 
Europa gebracht, ist der aschgraue, weisswangige Reisvogel, 
Munia oryzivora L. sp. , malaiisch burong glatiq , welchen die Kinder 
auf Java oft an einem Faden fliegen lassen , wie bei uns wohl die 
Maikäfer. Eben solche Freunde des Reises sind dessen Verwandte, 
die mehr braune M. fuscata Vieillot von Timor, M. fuscans ScL 
von Borneo, die weissköpfige M. Maja L. sp., Nonne unserer Vogcl- 
händler, in Java und Sumatra, die unten gesperberte M. punctularia 
L. sp. (nisoria Tem.), Muskatvogel der Händler, von Malakka bis 
Flores, und die ähnhch gezeichnete M. Molucca L. sp., Bohnen- 
vögelchen bei Valentyn, in der That auf den Molukken: Ternate, 
Batjan, Halmahera und Buru zu Hause. Zu diesen kommen noch 
einige durch ihren langen rothen Schwanz ausgezeichnete Arten, 
so prasina Sparrm. auf Java, phoenicura Bernstein auf Temate und 
tricolor Vieill. auf Timor, eine Artengruppe (Erythrura Swains.), die 
bis Neu-Caledonien und den Carolinen sich fortsetzt Dagegen gehen 
die Munien nicht über Timor hinaus und werden in Neuholland 
durch andere Gruppen (Douacola, Sporothlastes, Poephila) ersetzt, 
während auf dem zwischenHegenden Neuguinea die sperhngsartigeu 
Vögel ganz zu fehlen scheinen. 

Die Raben des Archipels, gagaq, auf den Molukken woga- 
woga, Corvus macrorhynchos, Tem., validusTem., enca Horsf. und 
andere, sind wenig von den europäischen verschieden; nur auf den 
eigentlichen Molukken tritt eine eigenthümliche Gruppe derselben 
auf, kleiner, mit dunkelrothbraunem Kücken und Flügeln: Corvus 
(Lycocorax) pyrrhopterus Tem. auf Batjan, mit wenig abweichenden 
Nebenarten auf einigen benachbarten Inseln. Aus der Familie der 
Staare sind die sogenannten Hirtenvögel, Pastor, namentlich die 
schwarzweissen gelbfüssigen P. jalla Horsf. und melanopterus Daud. 
auf Sumatra und Java häufig, als »Büflclpicker« auch den Europäern 
bekannt, weil sie dem weidenden Vieh das Ungeziefer absuchen; 
im Osten schliesst sich an dieselben der Kaiserstaar, Basilornis 
corythaix Wagl., von Celebes an. Dagegen gehen die verwandten 
Gattungen der Beo*s (Gracula) und Glanzstaare (Lamprotornis) vom 
indischen Festlande bis Neuguinea durch; der Beo wird zum Ver- 



Blumciisauger, Paradiesvögel ii. s. w. 271 

gilugen iii Käßgen gelialteu, da er die veröchiedenston Töne uacli- 
zuahmen verstellt und auch menschliche Worte nachspricht; solcheji 
angelernten Worten verdankt er sogar seinen linneischen Artnamen 
Urac. religiosa. 

Ebensoweit im Archipel verbreitet sind die metallschwarzen, 
durch ihren verlängerten Gabelschwanz ausgezeichneten Scheeren- 
vögel, sala gunting oder burong sawe, Dicrurus Vieill. , auch un- 
passend nach dem südafrikanischen Namen einer Kukuksart Edolius 
genannt; die schwarzweissen Schwalben würg er, Ocypterus, 
die schwarzgelben Pirole, malaiisch pulavan und tjelalong, auch 
punting-alu, sundanesisch mentjarong oder bintjarong, ferner meh- 
rerlei Drosseln und Fliegenfänger. 

Allgemeiner bekannt sind die kleinen bunten Bluuien- 
sauger, Dicaeum und Cinnyris, welche man in den heissen 
Mittagsstunden in den C* arten öfters von Blume zu Blume tliegen 
sieht, ihren langen dünnen Schnabel und fasrige Zunge schwebend 
liineintauchend , nicht um des Blütlienhouigs willen, sondern wegen 
der durch diesen angelockten Insekten; der Europäer nennt sie 
meist Kolibri, das Malaiische hat verschiedene Namen für sie: nallu 
oder nella, tji tjap, tjabc, siap und andere. Eigenthümliche Formen 
des westlichen Theils des Archipels sind ferner der blauschwarze 
Feenvogel, Irena puella, die lebhaft roth und schwarz gefärbten 
Safranmeisen , Pericrocotus , die weissscheckigen Gabelstelzen, He- 
nicurus, und die blaugrünen rothschwänzigen lieber, Kitta, sowie 
der grün gefärbte Arecapalmen- Vogel, Calyptomena, burong - 
tam^o-pinang, von Sumatra und Borneo, der schon auf Java 
fehlt. Dagegen sind wiederum dem östlichen Theil des Archipels 
eigen die grössern Pinselvögel, Philedon Cuv., Tropidorhynchus 
V"ig., Ptilotis Swains. , von Celebes an bis Neuholland, auf 
Flores kawoka genannt, und noch mehr die altberühmten Para- 
diesvögel, deren allermeiste Arten Neuguinea angehören, von wo 
seit lange die fusslosen Bälge unter dem Namen burong mati, todte 
Vögel, als Tribut oder Handelsartikel nach den Molukken gehen, 
in neuester Zeit auch einzelne lebend bis nach Europa gekommen 
sind. Auf den Molukken selbst ist aber auch eine Art entdeckt 
worden, die von Wallace auf Batjan und von Bernstein auch auf 
Ualmahera gefundene Semiophora Wallacei Gray, von den Ein- 
geborenen nicht unpassend burong polet, Epaulettenvogel, getauft, 
das Männchen unten lebhaft grün, an Zweigen und den Baum- 



272 Sperhtc und Kukukc. 

Stämmen selbst ähnlich wie ein Specht kletternd, während die 
ctigentlichen Paradiesvögel Neuguinea^s sich in den höchsten Baum- 
kronen aufzuhalten pflegen. 

Dagegen sind wieder die Spechte, glato, k*labu oder balatuk, 
blatuk oder tukki, offenbar nach ihrem Hämmern, und die ihnen 
verwandten grossköpfigen Bartvögel, Bucco L. oder Megalaema 
Gray, hier qüqü, kukuk, tokon nach ihrer Stimme genannt, nur im 
westUchen Theil des Archipels vorhanden. Die Spechte gehen mit 
einigen Arten bis Celebes und vielleicht Flores, erreichen aber nicht 
die Molukken, obwohl einer bei den Systematikern rooluccensis 
heisst, die Bartvögel nur bis Lombok (Wallace), Borneo und Phi- 
lippinen; beide fehlen nicht nur in Neuholland, sondern auch in 
Neuguinea trotz seiner AVälder gänzlich. Auch die glänzend grünen, 
aber stillen und einsamen Trogon, im tropischen Amerika am reichsten 
entwickelt, schwinden rasch gegen Osten; sie sind schon auf Java 
seltener als auf Borneo, Sumatra und Malakka, wo man sie burong 
mas, Uoldvogel, und kasumba nennt. So sind ausser den Papageien 
die Kukuk e die einzige Familie der KlettervögeL welche durch den 
ganzen Archipel verbreitet ist, in zahlreichen Arten und verschie- 
denen Untergattungen; von mehreren indischen und neuholländischen 
Art«n ist es konstatirt, dass sie wie der europäische von andern Vögeln 
ihre Eier ausbrüten und die Jungen auffüttern lassen, und so dürfte 
es auch bei manchen des Archipels der Fall sein. Auffallendere Formen 
unter ihnen sind die Purpurkukuke, Phoenicophaeus, lontok auf 
Java, burong mandu auf Borneo, die langschwänzigen den Erdboden 
oder niedriges Gebüsch Hebenden Sporukukuke, Centropus, dudut 
oder bubut, und vor Allem der grossschnäblige aschgraue Fratzen- 
vogel, Scythrops Novae Hollandiae Lath., eine neuhoUändiscbe, auf 
Flores und Celebes wiederkehrende Art, die überall, wo sie vor- 
kommt, als Wetterprophet, durch ihr Geschrei regenverkündigend, 
bei den Eingeborenen gilt; dieses erzählte mir der Militärarzt 
J. Semmehnk auf Flores, der selbst zwei junge Vögel lebend hatte, 
ohne zu wissen, dass esKeinwardt von Celebes und White vom süd- 
lichen Neuholland früher berichtet: seine malaiischen Diener nannten 
den Vogel deshalb burong-minta-udjan , Vogel , der um Regen bittet. 

Nicht weniger geographische Abgränzungen zeigt die Verbrei- 
tung der hühnerartigen Vögel im indischen Arclüpel: eigentliche 
Fasanen finden sich nirgends, wohl aber im nordwestlichen Theil des- 
selben die zwischen den Fasanen und Hühnern in der Mitte stehen- 



Hühnervögel. 273 

ileii Spicifer, Gallophasis oder Kuploeamus, worunter der Feuerliahn, 
ignitus Shaw, tugang auf Sumatra, und der rothäugige Hahn, erythro- 
phthalmus Raffl. , pagas in Malakka, mera-mata in Sumatra, ferner 
der grosse scheue Junovogel oder Argusfasan , Argus giganteus Tem., 
kuwau in Sumatra, ruwe in Borneo genannt, die kleinen pfauähn- 
lichen zweispornigen Polyplectron und die mit überhängendem Feder- 
busch gezierten Rulul, Cryptonyx. All diese Gattungen sind Malakka, 
Sumatra und Borneo gemeinsam, fehlen aber schon auf Java; dieses 
besitzt aber noch wilde Pfauen und wilde Hähne. Der Pfau der 
Sunda-Inseln, marak oder merak, abgekürzt mra, Pavo javanicus 
Tem., früher falschlich als spornlos, P. muticus, gekennzeichnet, 
ist häufig in den Berggegenden von Java, Sumatra und Malakka, 
namentlich an den Rändern der Wälder, wo er beim ümherstolziren 
mit ausgebreitetem Rade nicht selten den Tigern oder Leoparden 
zur Beute werden soll. Von wilden Hähnen, malaiisch biruga 
oder ayam-utan, unterscheidet man zweierlei, den Gallus Bankiva 
Tem. mit gelbrothem Halskragen, sundanesisch kasengtu. neben 
Java auch auf Sumatra, Banka, vielleicht auch Celebes und Timor, 
und den fast ganz schwarzen G. varius Shaw sp. mit ungezähneltem 
Kamm, im Osten angeblich bis Flores verbreitet; auf Sumatra soll 
noch eine andere, unsern zahmen Hühnern mindestens ebenso ähn- 
liche Art, G. aeneus, leben. Auf Borneo (bei Montrado) sprach man 
mir von einem blauvioletten wilden Huhn, marasuai genannt. 

Grössere rebhuhnartige Vögel finden sich noch auf Java und 
Sumatra, wo z. B. eine Art, Perdix curvirostris Raffl., im (xebirge 
von Benkulen orlanting genannt, wegen ihrer lauten, namentUch des 
Morgens ertönenden Stimme bekannt ist; ebenso die kleine chine- 
sische Wachtel, Coturnix Chiuensis oder excalfactoria, malaiisch 
pikui, wohl nach ihrer Stimme, sundanesisch pepeko, in den Alang- 
Alang- Strecken auf Borneo mir oft vorgekommen, und die ähnlichen, 
aber dreizehigen Hemipodius, puyu oder kapuyu, beide, namentlich 
letztere, zu Wachtelkämpfen missbraucht; eine Art Rebhuhn, mir 
unter dem Namen korbako beschrieben, lebt auf Timor, die aller- 
kleinste Wachtel, C. minima Gould, im südlichen Celebes und viel- 
leicht dieselbe auf Halmahera, wo ich sowohl als Bernstein sie oft 
plötzlich 4icht vor uns aus dem dichten Grase auffliegen und ebenso 
schnell wieder einfallen sahen, ohne sie erlangen zu können. 

Diese Zwergwachtel würde der einzige Hühnervogel der 
Molukken sein, wenn nicht hier eine neue FamiUe aufträte, die der 

Oat-Anea. Zoologucb. L 19 



274 (iri>55fu9>siiülaiei und lva>uar 

Grosst'iisshüliner, Megapodius. grössere Vögrl mit starken Füssen 
und einfacher Färbung, weiche ^ern am Seestrande leben und wie 
die Strausse das Ausbrüten ihrer grossen länglichen, meist blass- 
roth geiarbten Hier der Wärme der physikaUschen Umgebung über- 
lassen , wozu sie dieselben mit Sand und sich zersetzenden Pflanzen- 
theilen zusammen häufen. Ihre X'orbreitung erstreckt sich über ganz 
Neuholland, Neuguinea, die Molukken , die südlichen Philippinen 
und Celebes bis an die Nordostküste von Bomeo, also hier noch et^as 
weiter als die Beutelthiere nach Westen: dagegen sind sie auf Timor 
noch nicht beobachtet worden. Die Eingeborenen auf Celebes und 
den Molukken kennen sie unter dem Namen maleo oder meleo, 
auch momon; unter letzterem hat schon Valentyn ihre Nester be- 
schrieben. 

An diese schon schwertliegenden Vögel schliessen sich nicht 
unnatürlich diejenigen an. deren Flügel am meisten unter allen verküm- 
mert sind, die Kasuare, welche übrigens nach den neueren Beob- 
achtungen selbst brüten. Diese sind von Neuholland überNeuguinea zu 
den Molukken verbreitet, aber noch ärmer an Arten und Individuen; 
auf den Molukken und zwar, wie es scheint, allein auf Ceram (nach 
Valentyn auch auf Butou nahe Celebes),") findet sich nur Einer, 
der altbekannte sogenannte indische Kasuar, Casuarius indicus Lath.; 
eme oder emeu soll dessen einheimische Benennung sein, burong- 
rusa, liirsclivogel, wegen der haarähnUchen Federn ist eine pas- 
sende, sichtlich neuere Bezeichnung desselben in malaiischer Sprache; 
kassuwaris soll der Sprache der Papua*s angehören und würde dem- 
nach zunächst nicht dieser Art gehören . sondern den auf Neuguinea 
oder dessen vorliegenden Inseln mit [)apuanischer Bevölkerung 
lebenden, wie C. Kaupi Rosenberg. 

Die AVasservögel (Sumpf- und Schwimmvögel) sind wie im 
Allgemeinen weiter und gleichmässiger verbreitet, so auch im indi- 
schen Archipel weniger von den europäischen verschieden als die 
Landvögel. Der auffallendste unter den Sumpfvögeln ist der 
Riesenstorch, Ciconia (Leptoptilos) Javanica Horsf. = capillata Tem., 
bango oder burong-sawa, Reisvogel, von den Holländern mitunter 
domine, Pfarrer, genannt, ähnUch wie sein Bruder in Vorderindien 
von den Franzosen Marabu und von den Engländern Adjq^nt wegen 
seines scheinbar gravitätischen Wesens, wodurch er auch in den 
zoologischen Gärten Europa^s Eindruck macht Er lebt in Java auf 
Reisfeldern und Viehweiden, aber nicht in Städten wie der indische, 



i Sumpfvögel des indischen Archipels. . 275 

ist ein gewaltiger Schlangen vertilger und fällt neben seiner Grösse 
auch durch laute, menschlichem Lachen nicht unähnHche Töne auf. 
Die untern Schwanzdeckfedern werden liier nicht beachtet, obwohl 
sie nicht minder fein sind als die des afrikanischen und vorder- 
indischen Marabu. Während dieser Riesenstorch sich auf die grossen 
Sunda-lnseln mit ausgedehntem Reisbau beschränkt, finden wir da- 
gegen zahlreich durch den ganzen Archipel verbreitet die weissen 
Reiher, malaiisch kuntul, auch puntjong, Schnepfen und Wasser- 
läufer (Totanus), kandidiq, kindidi oder sakadidi, Wasserhühner, 
baling, namentlich die schwarzweisse rothschwänzige GaUinuIa 
erythrura Bodd. (phoenicura Tera.) , und Purpurhühner, Porphyrio; 
von letzgenannter Gattung lebt auf Java, Celebes und Timor eine 
Art mit grünem Rücken , P. smaragdinus Tem. , malaiisch burong 
tedona, auf Ceram dagegen der schwarzrückige P. melanotus Tem., 
von Valentyn als »Wasserpfau« erwähnt, eine australische Art. 
Eine Art Brachvogel (Numenius) heisst auf Flores burong -swangi, 
Gespenstvogel, aus demselben (Jrunde, w^eshalb anderwärts Capri- 
mulgus diesen Namen führt, nämlich seiner nächtlichen Lebensweise. 
Für Schnepfen sah ich bei Sambas (Borneo) im Monat April die- 
selben hohen Netzwände von den Europäern gestellt, welche bei 
uns üblich, und auch die gefangenen Vögel schienen mir nicht ver-' 
schieden von der deutschen Waldschnepfe. Auch sonst finden wir 
unter den Sumpfvögeln des Archipels manche europäische oder 
richtiger annähernd kosmopolitische Arten, so den Naclitreiher 
(Nycticorax griseus), den Sichler (Falcinellus igneus), den kleineren 
Brachvogel (Numenius phaeopus), den Steinwälzer (Strepsilas inter- 
pres), den üferläufer (Actitis hypoleucos), den roth- und den grün- 
beinigen Wasserläufer (Totanus calidris und glottis). Selbst der hoch- 
nordische Wassertreter (Lobipes hyperboreus) kommt während des 
Winters der nördlichen Halbkugel auf den Molukken vor. 

unter den Schwimmvögeln des süssen Wassers ist 
einer der häufigsten eine hochbeinige braunscheckige Baumente , Anas 
(Dendrocygna) arcuata L., balibis oder blibis der Malaien, maliuis 
oder milivi der Sundanesen; die grössere weissköpfige Anas radja 
Less. nistet wie unsere Brandente in Erdhöhlen und lebt ausserhalb 
der Fortpflanzungszeit gerne in den Sümpfen nahe der Meeresküste; 
eine andere braune Art mit weissen Flecken an den Seiten des 
Kopfes, von der Grösse der zahmen P^nte, Anas superciliosa Gmel., 
belebt die Seen mittlerer Höhe in Java, z. B. den Telaga patengan 

18' 



276 Wandern der Vögrl. 

(Junghuhii). All diese Enten sind durch den ganzen Archipel bis 
Neuholland verbreitet. Seltener ist der Pelikan, Pelecanus Philippi- 
nensis Gmel. , malaiisch ingang oder ondan, undan, welcher zu 
\'alentyn's Zeiten zuweilen auf den Geflügelmarkt in ßatavia ge- 
bracht wurde, häufiger wiederum die Scharben, patjoq, und einige 
europäische Arten von Süsswasser- Seeschwalben (Hydrochehdon 
nigra und leucopareia). Im Innern von ßorneo, am See Danau 
Sriang, fand ich den 23. Mai zahlreich die europäische Zwergsee- 
schwalbe, Sterna minuta, hier einfach als »Schwalbe«, layang, be- 
zeichnet. Sommerzugvogel in Kuropa, erscheint sie in Deutschland 
und Italien im Mai, im südlichen Sibirien mindestens im Juni; sie durfte 
daher hier in Borneo kaum nur im Winterquartiere gewesen sein. 

Ueberhaupt weiss man leider über das Wandern der Vögel 
in den Tropen noch sehr wenig, und ein Reisender, der nicht ver- 
schiedene Jahreszeiten hindurch an demselben Orte bleibt, und 
überhaupt aus Nichtfinden keineswegs auf Nichtvorhandensein 
schliessen darf, kann kaum etwas dazu beitragen. Bei der mehr 
gleichmässigen Temperatur ist zu erwarten, dass es mehr Stand- 
und weniger Zugvögel gebe als in den Zonen wechselnder Tempe- 
ratur; doch gibt es bestimmt auch Zugvögel im indischen Archipel, 
- namentlich unter den Sumpfvögeln : so wird von Tantalus lacteus 
Tem. , Ibis melanocephala L. (leucos Tem.) und Rhynchaea australis 
L. berichtet,'*) dass sie nur von November bis April auf Java ge- 
funden werden und nie brütend; es wären demnach, obgleich Java 
südlich vom Aequator hegt, also in diesem Halbjahr höheren Sonnen- 
stand hat, dennoch Wintervögel im europäischen Sinne, Vögel, welche, 
derungünstigeren Jahreszeit in ihrer eigentUchen Heimath ausweichend, 
hier mehr Zuflucht als Vaterland finden. Die Rhynchaea ist in 
Neuholland brütend beobachtet, kommt also vielleiclit von dort, der 
Trockenlieit ausweichend; der genannte Ibis lebt auch in Vorder- 
indien und wurde schon im südösthchen Europa gelegentHch ge- 
sehen, kommt also vermuthUch von Norden. In diese Categorie 
gehören vielleicht auch einige bekannte europäische Sumpfvögel, 
welche Wallace auf den Molukkcn (Halmahera und Batjan) erhielt, 
so Charadrius squatarola, Limosa Lapponica sive rufa, welche ich auch 
auf Amboina erhalten, und Actitis hypoleucos, während der Stein- 
wälzer, Strepsilas interpres, von Sal. Müller und Wallace auf Buten, 
Halmahera und Amboina erhalten , in der That ein kosmopolitischer 
Vogel, überall zu Hause scheint. 



Schildkröten des indischen Archipels. 277 

VoD wandernden Singvögeln ist mir nur das Eine zu Ohren 
gekommen, dass ein Brillenvogel , Zosterops (flava?), im südlichen 
Borneo nur zur Zeit des West- Monsuns (Winterhalbjahr) sich 
zeigt und daher dort burong barat, Westvogel, genannt wird.") 

3. Reptilien. 

Schildkröten spielen im indischen Archipel nur eine 
massige Rolle; eigentliche Landschildkröten, Testudo, sind mir gar 
nicht vorgekommen und fehlen wahrscheinlich vollständig,'*") aber 
ziemlich nahe kommt ihnen in der Wölbung des Schildes, sowie 
durch öftern Aufenthalt im Trocknen, die sogenannte amboinische 
Dosenschildkröte, Terrapene (oder Cistudo) Amboinensis Daud. sp., 
malaiisch baning, in der That durch den ganzen Archipel von 
Malakka und Sumatra über Java, Borneo und Celebes bis zu den 
Molukken (ich erhielt sie auch auf Batjan und Amboina, Wallace 
auf Halmahera) verbreitet. Valentyn nennt sie einfach Landschild- 
kröte und sagt, sie lebe in Wäldern, besonders in schattigen 
feuchten Thälern nahe den Bächen. Von der ebenfalls noch amphi- 
bischen Gattung p]mys finden sich drei grössere, den Landschild- 
kröten in der Lebensweise näher stehende Arten, K, (Cyclemys) 
platynota Gray, dhor Gray und E. (Clemmys) spinosa Bell auf den 
grossen Sunda- Inseln — von ersterer fand ich zu Lahat ein 0,2 2 Met. 
langes und 0,191 Met. breites Schild, in Borneo ein noch bedeutend 
grösseres, 0,57 Met. lang, 0,362 Met. breit, von den einheimischen 
Begleitern beyogo genannt — während sie auf den kleineren Inseln 
des östlichen Theils völlig fehlen. Die weichschaligen, nie das Wasser 
verlassenden bissigen Schnappschildkröten, Trionyx, sind ebenso 
allen drei grossen Sunda -Inseln gemeinsam und finden sich auch 
auf den PhiUppinen, vielleicht selbst auf der grössten der Molukken, 
Ccram, wieder.*') Ein grosses Albino -Exemplar eines Trionyx sah 
ich zu Passuruan wie heilig gehalten. Von Neuguinea sind bis jetzt 
weder Land- noch Süss wasser- Schildkröten bekannt geworden, so 
dass diese Ordnung am entschiedensten unter den Reptilien im 
Archipel von Westen nach Osten abnimmt. AuIIallend ist aber, 
dass die Abtheilung der langhalsigen Fluss- Schildkröten, welche 
ihren Hals seitlich unter den Schild zurückbeugen (Chelyden), im 
tropischen Afrika, Neuholland und Brasilien, also hauptsächlich in 
der südlichen Hemisphäre zu Hause, im indischen Archipel nach 
unsern jetzigen Kenntnisseri nicht Einen Vertreter hat. 



278 Krokodile des Archipels. 

Eine um so grössere Kollc spielt hier das Krokodil, ma- 
laiisch buaya, von den Dajakern rawing, von den Holländern öftere 
nach dem Vorgang der Engländer aUigator oder nach dem der 
Spanier auf den Philippinen kaiman genannt; es ist aber nichts- 
destoweniger ein achtes Krokodil, dem des Nils nahe verwandt, 
Crocodilus biporcatus Cuv. = porosus Schneid. Von Singapore und 
Sumatra bis Amboina und Timor fand ich es überall wohl bekannt 
und oft genannt, aber hörte nie von einem bestimmten Fall, dass 
es einen erwachsenen Menschen angegriffen oder gar getödtet hätte; 
doch vermied man es gerne, durch Flüsse au solchen Stellen zu 
reiten, an denen man buaya's vermuthete. Kinder sollen aber öfter 
von ihnen geraubt werden , und wie bei dem Menschen Furcht und 
P^hrfurcht, Trauer und glaubensstarke Resignation öfters eines aus 
dem andern hervorgehen, so sollen auch die P^ingeborenen , nach 
den Erzählungen, welche ich auf mehr als einer Insel hörte, das 
Krokodil, das in ihrer Nähe haust und ihr Kind verschlungen hat, 
nicht verfolgen, sondern heilig halten, in dem Glauben, die Seele 
eines ihrer A'^orfahren wohne in ihm und habe gleichsam ein Recht, 
den Enkel »zu sich zu nehmen«. Selbst über den Tiger sollen hie 
und da ähnliche Anschauungen auftauchen. Der Eingeborene wie 
der europäische Ansiedler kennt das Krokodil nur als eirte einzige 
Thierart, doch scheint neben dem jedenfalls häufigeren Crocodilus 
biporcatus Cuv. auch eine zweite, dem Nilkrokodil noch nähere Art, 
Cr. palustris Less., im indischen Archipel vorzukommen. Nur auf 
Borneo an den grossen Binnenseen des obern Kapuasgebiets sprachen 
mir die Eingeborenen von zwei Arten von Krokodilen, das zweite 
durch Vergleichung mit dem Fische djulung, d. h. Belone, näher be- 
zeichnend ; sie meinten also zweifelsohne die Borneo eigen thumliche 
Art, welche sich durch ihre dünnere lange Schnauze auszeichnet 
und dem vorderindischen Gavial nähert, Croc. Schlegeüi Sah Müller, 
oder Mecistops Gray; dasselbe wird in den grossen Altwassern des 
südlichen Borneo's von den Eingeborenen als buaya- sapit, Zangen- 
krokodil, unterschieden. 

Die Eidechsen sind im indischen Archipel reich vertreten 
und ihres verschiedenen Aussehens wegen werden die hauptsäch- 
lichsten Gattungen überall durch besondere Namen unterschieden. 
Wie schon die alten Griechen und Römer den nordafrikanischen 
Waran seiner Grösse wegen als Landkrokodil bezeichneten, so hört 
man auch im indischen Archipel die daselbst häufigen Warane öfters 



Warane, Histiunis. 279 

ähnlich nennen, z. B. auf Timor buaya-darat; die besser unterrich- 
teten Eingeborenen der grossen Sunda- Inseln aber haben für ihn 
den eigenen Namen biawaq oder minjawaq, mit den Variationen 
benjawaq, menjawaq, badjawaq, auf den eigentlichen Molukken 
soa-soa, während die Holländer seit lange auf ihn den eigentlich 

der mittelamerikanisclien l^uane entlehnten Namen Le^^uan über- 

• . . . . 

tragen haben. Diese bewegliclicn und kräftigen Eidechsen, deren 

Länge einen vollen Meter erreichen kann, wovon freilich der Schwanz 

mehr als die Hälfte ausmacht, halten sich gern an Flussufern auf, 

leben übrigens auch öfters in unmittelbarer Nähe der menschlichen 

Wohnungen , wenn sie nur daselbst einen Versteck für die belebtere 

Tageszeit finden, und sind alsdann als Hühnerdiebe gefürchtet. 

Einer, welchen ich auf Batjan erhielt, kletterte sehr geschickt an 

den Bambuwänden meiner Wohnung hinauf und war dann nur mit 

grosser Mühe und Kraftanstrengung davon wegzubringen; so fest 

wusste er sich mit seinen Krallen zu halten und so eng sich jedem 

Winkel anzuschmiegen. Bei unserm ersten Aufenthalt auf »Singapore 

wurde mir ein lebender gebracht, der bereits von dem Chinesen, 

der ihn gefangen, zum Verspeisen bestimmt war; ich hielt ihn an 

Bord der Fregatte lebend, bis er kurz vor unserer Ankunft in 

Japan nach Angabe der Matrosen aus seinem Holzkäfig ausbrach 

und durch eine Kanonenluke ins Meer entwischte, erlebte aber 

wenig Freude an dem ungestümen, gefrässigen und kaum rein zu 

haltenden Thiere. Eine Stimme hörte ich nie von ihm, obwohl 

Valentyn die amboinesischen des Morgens pu pu pu schreien lässt. 

Es gibt mehrere Arten, auf den grossen Sunda- Inseln nebst Singa- 

|K)re ist Varanus bivittatus Kühl, (salvator Laurenti) häufig, nach 

Sah Müller bis zu den Molukken verbreitet: auf Batjan und 

Amboina erhielt ich nur V. chlorostigma Schlegel, der auch auf 

Neuguinea vorkommt, auf Timor ist seit Peron als eigenthündiche 

Art V. (Odatria) Timorensis Gray bekannt. 

Der Grösse nach zunächst nach den Waranen kommt die den 

Molukken im weitern Sinn eigenthümliche Gattung Histinrus, der 

sogenannte amboinesische Basihsk , mit holier Vertikalflosse auf dem 

Schwanz, welche auf ein noch mehr amphibisches Leben als das 

des Warans deutet, womit die Schilderung übereinkommt, welche 

der alte Valentyn von diesem Thier unter dem Namen Kam|)f hahn 

oder Wasserleguan gibt; in seinem Magen fand ich nur halbzerstörte 

grüne Blätter, Valentyn gibt Samen und Beeren einer Wasserpflanze 



280 Baum- Eidechsen des Archipels. 

an. Die Eingeborenen sowohl auf B:itjan als Aiuboina geben ilim 
denselben Namen wie dem Waran, soa-soa, obwohl er zoologisch 
einer andern Familie von P^idechsen angehört. 

Wie Leguan und Alligator, so hört man auch die Benennung 
Chamaeleon oft im indischen Archipel aus dem Munde von Euro- 
päern, welche sich damit den Schein von naturgeschichtUchen 
Kenntnissen geben wollen; es lebt aber im ganzen Bereich des 
indischen Archipels kein wahres Chamaeleon,") d. h. keine gross- 
äugige Eidechse mit Pfeilzunge, Wickelschwanz und Klammer- 
füssen, so wenig als Alligatoren und Iguanen im zoologischen Sinne 
der Namen, sondern es sind kleine dickköpfige Eidechsen mit kurzer 
platter Zunge und sehr langem dünnen Schwanz, Calotes (Bron- 
chocela) der Zoologen, bunglon, kruning oder tanggarlasan der 
Malaien, baUsamba auf Batjan, welche wegen eines leichten Farben- 
wechsels der Kehle je nach dem gereizten oder ruhigen Zustande 
des Thieres Chamaeleon genannt werden. Sie sind als Baumthiere 
von papageigrüner Farbe, welche freilich in Spiritus verloren geht, 
und zeigen grosse Gewandtheit und Uaschheit im Klettern und 
Springen von Ast zu Ast; wenn man eines verfolgt und plötzlich 
aus dem Auge verhert, so sehe man erst nach, ob es nicht an oder 
in die Kleider des Verfolgers selbst sich geflüchtet. Die Eier sind 
verhältnissmässig gross, bis zur halben Kumpilänge, pergamentartig 
und spindelförmig. Die häufigste Art von Singapore, Sumatra, 
Java und Borneo ist Calotes cristatellus Kühl. , ein wenig verschieden 
davon ist derjenige der Molukken, C. Moluccanus Less.'*) Ihnen nahe 
verwandt ist die Gattung Lophyrus, welche auf den Molukken und 
vielleicht auch auf Celebes fehlt, aber auf allen Inseln und Halb- 
inseln der westhclien Hälfte des Archipels Borneo, Java, Sumatra, 
Banka und Malakka vertreten ist, und nicht minder nahe verwandt 
in Bau und Lebensweise sind die sogenannten fliegenden Drachen, 
Draco L. , nur 'dass diese durch ganz ungewöhnliche Verlängerung 
der Kippen jederseits einen behebig auszuspannenden Fallschirm 
erhalten haben, welcher sie zu noch grösseren Sprüngen befähigt, 
daher auch die malaiische Benennung tjitjaqterbang, fliegende Eidechse. 
In mehreren Arten durch den ganzen Archipel verbreitet, sind sie 
doch im Allgemeinen selten und schwer zu sehen, obwohl sie öfters 
in den Gärten der Europäer selbst wohnen, aber stets hoch oben in 
den Kronen der Bäume sich aufhalten; namentlich des Mittags bei 
heissem Sonnenschein — als kaltblütigen Thieron wird es iluien 



»Fliegende- Vicrfussler. Gecko's. 281 

nicht leicht zu warm — und bei ruhigem Wetter soll man sie von 
Zweig zu Zweig springen sehen. Wenn gleich der Mechanismus 
anders ist als bei den sogenannten fliegenden, richtiger luftsprin- 
genden Säugethieren (Galeopithecus , Pteromys, Petaurus), bei denen 
die Seitenhaut durch die Extremitäten , nicht durch die Bippen aus- 
gespannt wird, so ist es doch eine bemerkenswerthe Uebereinstim- 
mung, dass innerhalb des indischen Archipels die so verschiedenen 
Verbreitungsbezirke der wesentlich asiatischen »fliegenden« Eich- 
hörnchen (Pteromys) und der australischen »fliegenden« Beutel thiere 
(Petaurus) zusammengränzen , und derselbe Archipel zugleich die 
eigentliche Heimath der »fliegenden« Maki (Galeopithecus) und dor 
•fliegenden« Eidechsen (Draco), ja auch eines »fliegenden« Frosches, 
von Wallace auf Borneo entdeckt, ist. Im tropischen Afrika finden 
wir nur die »fliegenden« Eichhörnchen, wie in Osteuropa, Nord- 
asien und Nordamerika; im tropischen Amerika dagegen gar keine 
•fliegenden« vierfüssigen Thiere in dieser uneigentlichen Bedeutung 
des Wortes, während dagegen dort eine andere Anpassung au das 
Leben auf Bäumen, der Greif- oder Wickelschwanz, auf ähnliche 
Weise in verschiedenen Thierordnungen mehr oder weniger spora- 
disch auftritt, so bei Allen, was bei keinem indischen oder afrika- 
nischen der Fall ist, Raubthieren (Cercoleptes), Nagern (Synethere) 
und Ameisenfressern; im indischen Archipel kommt dieser streng 
genommen nur bei Einem Thier, dem Kusu (Cuscus), vor. 

Mit allen wärmeren Gegenden , subtropischen und tropischen 
gemeinschaftlich, hat der indische Archipel die FamiUe der Wand- 
eidechsen oder Gecko's, durch Haftblättchen an der Unterseite der 
Zehen cbarakterisirt. Als bei unserer Hinreise eine Windstille in der 
Sundastrasse benützt wurde, um ein paar Stunden an Land zuzu- 
bringen und in dem Städtchen Anjcr während des geseUigen Bei- 
sammenseins mit den gastlichen Holländern die Nacht hereinbrach, 
erschienen in der Gaststube oben an Wänden und Decke diese 
kleinen grauen Eidechsen, leise und bedächtig, endlich aber mit 
raschem Zufahren ihrerseits nun die Insektenjagd betreibend. Es 
war Hemidactylus frenatus Schleg. und ich sah denselben später 
noch oft in ähnlicher Weise auf Java. Der Malaie nennt ihn 
tjitjaq, was auf einen Laut, ähnhch dem des eigenthchen Gecko in 
Slam, zu deuten scheint, wovon aber etwas vernommen zu haben 
ich mich nicht erinnern kann. Auf andern Inseln, namentUch den 
Molukken (Amboina, Batjan), spielen dieselbe KoUe andere Arten 



282 Erd - Eidechsen des indischen Archipels. 

von ähnlichem Ausselien, Platydactylus monarchus Schleg. und 
Hemidactylus mutilatus Wiegni. Im Freien lebt auf Amboina- nicht 
selten eine graue Art mit schön weissem vorn gegabelten Rücken- 
streifen, Platydactylus vittatus Iloutt. sp. , als tjitjak-traban von 
meinem Diener bezeichnet, schon vom alten Valentyn als Pandang- 
eidechse erwähnt, indem er sie auf den Blättern von Pandanus fand. 
Nur aufBorneo erhielt ich den sonderbaren, durch einen seitlichen 
Ilautsaum ausgezeichneten Platydactylus (Ptychozoon) homalo- 
cephalus Crev. , welcher übrigens nach KuhVs Angabe auch auf Java 
und zwar wie andere Geckonen in den Häusern lebt. 

Die Kidechsen des Archipels, im allgemeinen Aussehen und 
der Lebensweise unsern deutschen Eidechsen der Gattung I^certa 
vergleichbar, sind nur zum kleinsten Theil denselben auch zoologiscli 
nächst verwandt, wie der lebhaft gestreifte Tachydromus sexlineatU8 
Daud., den drei grossen Sunda- Inseln gemeinsam — ich fand ihn 
im Innern von Sumatra und Borneo, bei Tibingtingi und Bengkayang, 
am Waldrand zwischen niederm Gesträuch, und er rechtfertigte 
seinen Namen »Schnellläufer« hinreichend, indem er mir mehrmals 
glücküch entwischte. Den Molukken scheint diese Abtheilung der 
Kidechsen gänzhch zu fehlen. Weit häufiger an Individuen und 
zahlreicher an Arten durch den ganzen Archipel sind aber die auch 
auf der Bauchseite mit kleinen Schuppen bedeckten Scineoiden, 
vom Habitus der vierfüssigeu raschen P^idechse zu dem der un- 
behülflichen Blindschleiche wechselnd, meist oben bronze - glänzend 
und sehr oft mit streifiger Zeichnung, die grösseren eidechsenähn- 
lichen von Malaien bingkarong genannt, so namentlich Euprepes 
carinatus Schneid, sp. (= Tihqua rufescens Shaw sp., Gray, = 
Eupr. Sebae D. B.), mit drei Kielen auf jeder Rückenschuppe, den 
ich wie auf Siam, so auch auf den drei grossen Sunda- Inseln Su- 
matra, Java und Borneo erhielt, und auf Amboina am Meeresstrand 
selbst haschte, wo ich denn in seinem Magen eine kleine Garnele 
(Palaemon) fand, welche er unter dem Meeresauswurf gefunden. 
Ebenda fand ich einen kleineren raschen Scincoiden mit röthlichem 
Schwänze, Heteropus Schlegehi Peters, auf den Steinen bis dickt 
an den Band des Seewassers vordringend. Häufiger auf Amboina 
und Buru, zuweilen selbst in den Häusern, ist der ebenso kleine 
und ebenso gewandte aber hübs<'here P^uprepes cyanurus Less., 
durch drei blassgrüngelbe Längsstreifen auf dem Kücken und die 
himmelblaue Farbe des Schwanzes ausgezeichnet; im westlichen 



Scincoiden, ßlindschlaugen , Riesenschlangen. 283 

Theil des Archipels scheint er ganz zu fehlen, während seine Ver- 
breitung nach Osten mindestens bis Neuguinea sich erstreckt. Zu 
Wahai auf Ceram erhielt ich eine neuholländische Riesenform von 
Scincoiden f Cyclodus flavigularis Wagl. (carinatus Günth.) und man 
sagte mir dort, dass er entsetzlich giftig sei, ein Wahn, der wohl 
nur der plumpen ungefälligen Gestalt des arglosen Thieres seinen 
Ursprung verdankt. Es ist dieses eine der grössern und auträlligen 
Thierarten der grossen Insel Ceram, welche dem anhegenden kleinen 
Amboina fehlen, wie unter den Vögeln der Kasuar, unter den Land- 
schnecken Helix ungulina, daher wohl schon öfters aus zweiter 
Hand über Amboina nach Europa gebracht, ohne dass man liier 
recht wusste, wo es zu Hause sei. Eine weitere australische Form 
des östlichen Archipels ist der augenhdlose Cryptoblepharus Bou- 
tonii D. B., den ich auf Amboina fand, und den das Leidner Mu- 
seum aus Timor besitzt. Die mehr cylindrischen kurzfüssigen Lygo- 
somen, in einzelnen Arten über den ganzen Archipel zerstreut, bilden 
den Uebergang zu den ganz regenwurmförmigen Scincoiden, welche 
in unserm Gebiet nur durch die Gattung Dibamus D. B. und die 
ihr sehr ähnhche neue Typhloscincus Peters") vertreten sind; 
letztere brachten mir meine Bootsleute auf Ternate, denen ich für 
dergleichen Thiere zuvor gute Bezahlung versprochen, zusammen mit 
ächten Typhlops, T. braminus und flaviventris Peters, unter dem 
Namen ular-besi, Eisenschlange, auch ular-minjak, Oelschlange, 
wegen der glänzend stahlgrauen Farbe der Thiere; sie fanden die- 
selben im Walde, in lockerm Humus, wie bei uns die Regenwürmer. 
Unter den Schlangen sind zuerst zu erwähnen die Riesen- 
schlangen des Archipels, die javanische ular-sawa, Reisfelder- 
schlange, nach ihrem Aufenthalt genannt, Python molurus L. = 
tigris Daud. ^ bivittatus Kühl., Schleg. und der durch den ganzen 
Archipel verbreitete P. reticulatus Schneid. = Schneiden Schleg., 
ular petola auf Amboina genannt, woraus die Zoologen das pseudo- 
lateinische Wort petholatus als Ausdruck für die ähnlich bunte 
Zeichnung anderer Schlangen und selbst Conchylien (Turbo petholatus 
Linne) gemacht haben. Die Grösse der ersten übersteigt nicht 
leicht 20, die der zweiten selten 10 — 15 Fuss. Der alte Valentyn, 
welcher selbst die letztere in seinem Hause auf Amboina hatte, er- 
zählt, wie »sie die Ratten gar nett zu fangen weiss; sie lässt die- 
selben ohne sich zu rühren über ihren Leib laufen, aber wenn sie 
von dem Kopf wegspringen, schnappt die Schlange zu und weg ist 



284 Riesenschlangen des indischen Archipels. 

die Ratte«. Als Hatten vertilgerin wird sie daher auch in den Häu- 
sern geduldet und vielleicht auch ursprünglich dieses Nutzens 
wegen, vielleicht aber auch nach dem Satze: timor fecit deos, oder 
aus einer unklaren Confusion beider Gründe öfters als heilig be- 
trachtet. Wer eine tödtet, soll bald darauf selbst sterben, sagt der 
Aberglaube auf Amboina, obwohl schon der für seine Zeit hin- 
reichend aufgeklärte Prediger Valeutyn keinen andern Schaden dar- 
nach verspürt zu haben bezeugt als die Zunahme der Hatten im 
eigenen Hause; auch dieses wusste der Aberglaube sich zurechtzu- 
legen : der Geist der Schlange habe über einen Prediger keine Macht 
Ebenso wird sie von den Chinesen in ihren Dschunken gerne ge- 
sehen und als ein Pfand des Glückes betrachtet, wenn sie etwas 
frisst, als Unglück, wenn sie die Dschunke verlässt, und so hat die 
Schiilahrt der Chinesen vermuthlich zu ihrer weiten Verbreitung 
durch den Archipel beigetragen. Valentyn sagt ausdrückhch von 
Amboina in dem ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts: sie kommt 
gegenwärtig liier häufig vor, doch ist sie mit den chinesischen oder 
javanischen Schiffen herübergebraclit. Auch ist sie in neuerer Zeit 
von der kleinen isolirten Bandagruppe und von China selbst ange- 
geben worden, was beides durch Verschleppung mittelst Scliiffen 
seine Erklärung findet. Die Amboinagruppe der Molukken besitzt 
übrigens noch einen anderen Python, den P. (Liasis) amethystinus 
Schneid, sp. , vielleicht Valentyn's rothe oder apfelblüthfarbne 
Schlange, Timor nebst dem anliegenden Samao den diesem sehr 
nahe stehenden P. Mackloti 1). B. . auf Timor mir als ular-menke 
bezeichnet. 

Beiden Hauptgruppen der Molukken gemeinschaftlich, aber 
den Sunda- Inseln fremd, ist eine kleinere Verwandte der amerika- 
nischen Boa, Enygrus carinatus Schneid, sp.; die zusammengedrückte 
Form ihres Körpers hess in ihr eine \Vasserl)ewohnerin vermuthen, 
daher der Name En-ygrus, im Feuchten, nass, aber die kurze, ein- 
gebogen gehaltene Schwanzspitze und die ockergelbe Erdfarbe wider- 
sprechen dieser Vermuthung; in der That fand ich sie auch auf 
Moti (zwischen Tidore und Makian) nicht im Wasser, sondern auf 
dem Berge im Wald, unter trocknem Laub zwischen Baumwurzeln, 
und hörte, dass sie aucli in Häusern gefunden werde. Unter den 
natterartigen (Colubrina) treten im indischen Archipel die dünnen, 
theils schön grünen, tlieils lebhaft gezeichneten, theilweise spitz- 
nasigen Baum schlangen hervor: Dendrophis pictus Boie, oben 



Baumschlaiig(>ii y Wasserachlaiigcii u. s. w. 285 

• 

dunkel bronze- braun, mit hellgelbem Streifen au der Seite, ist mir 
am häufigsten vorgekommen , überall von Sumatra bis Ceram wieder- 
kehrend, etwas weniger oft der schönere Dendrophis (Chrj'sopelea) 
ornatus Siiaw, mit goldenen oder röthlichen Querbändern auf dem 
Kopf, auf Siam, Sumatra und Banka (auch Java nach Schlegel), 
welchem auf Borneo und den Phihppinen D. rubescens Gray, auf 
Amboina D. rhodopleurus Reinw. entspricht, letztere vermuthhch 
Valentyn's ular tsjinde, Seidenzeugschlange. Durch die Sunda- 
Inseln und Molukken zugleich verbreitet dürften noch einige wenige 
andere seit lange in den europäischen Sammlungen bekannte Colu- 
brinen sein, so Brachyorrhos albus (auf Amboina mir falsch lieh als 
ular mata-buta, Blindschlange, bezeichnet), und Lycodon aulicus 
(bis Timor), dagegen den drei grossen Sunda-Insehi (oft auch Ce» 
lebes) gemeinsam, aber den Molukken fremd, viele Arten, welche 
in den dort von Liebhabern zusammengebrachten Reptiliensamm- 
lungen bis zum Ueberdrusse wiederkehren, so Simotes octoHneatus 
und purpurascens , Ablabes balioderus, ("oluber korros. fuscus und 
(Spilotes) melanurus, Tropidonotus quincunciatus , vittatus, (Am- 
pbiesma) rbodomelas, subminiatus, Herpetodryas (Gonyosoma) oxy- 
eephala, Psammophis pulverulentus, Dryiophis prasinus, mycterizans 
und Dipsas dendrophila. Umgekehrt gehört die lang bekannte Dipsas 
irregularis Merr. den Molukken an. 

Die aus dem Typus der Colubrinen bereits heraustretenden 
Susswasserschlangen , Homalopsis und Verwandte, sind wie viele 
andere Süsswasserthiere auf den Molukken weniger zahlreich als 
auf den grossen Sunda- Inseln: am weitesten verbreitet scheint H. 
(Cerberus) cinerea Daud. = boaeformis Schneid, zu sein , wir kennen 
sie von Malakka bis Timor: 11. (Hypsircina) aer Boie von Java, 
Borneo und Sumatra hat ihren Namen nicht etwa von aer, Luft, 
sondern aus dem malaiischen ular ayer, Wasserschlange überhaupt, 
erhalten und ist daher richtiger ayer oder ajer zu schreiben. Xeno- 
dermus Javanicus Reinh. und Acrochordus Javanicus Hornstedt sind 
bis jetzt in der That, wie ihr Name verlaugt, nur auf Java gefun- 
den worden. 

Auch im indischen Arcliipel, wie überall auf Erden, gelten 
bei den Ungebildeten und Halbgebildeten alle Schlangen für giftig; 
in der That ist das aber nur bei einem Bruchtheil der Fall , etwa \ 
der von den grossen Sunda -Inseln, ^y der von den Molukken und 
Timor bis jetzt bekannt gewordenen Arten. Aber die für Europa 



286 Giftschlangen des Arclii^tclb: Klaps. BuDgarus. 

gültige Uegel, dass die Giftsclilangen an dem breiten . voui Hals 
deutlieh abgesetzten Kopf zu erkennen seien, reicht für diese Ge- 
genden nicht aus, und ein holländischer OCBzier zu Ambarawa 
musste diese Halbheit seiner zoologischen Kenntnisse kurze Zeit vor 
unserer Ankunft auf Java mit dem Leben bussen, indem er eiaen 
Bungarus semifasciatus seines kleinen Kopfes wegen für unschäd- 
lich hielt. ^*) Dieser Fall ist übrigens der einzige von einem durch 
Schlangenbiss getodteten Kuropäer, wovon ich während meines 
anderthalbjährigen Aufenthalts im Archipel hörte; freihcti setzen 
sich die Europäer einer solchen Möglichkeit weniger aus, und bei 
den Kingebornen mag es öfters vorkommen, ohne dass die Kunde 
davon über die nächste Umgebung hinausgeht: doch auch ich wurde 
nie von einer Schlange gebissen, obgleich ich, die anfangliche Vor- 
sicht bald vergessend , sehr oft sorglos genug in abgefallenem I^ub 
handirte, Steine umdrelite und den nur leichtbeschuhten Fuss in 
Dickicht und Gestrüpp setzte. 

Die Giftschlangen des Archipels gehören den Gattungen Flaps, 
Bungarus, Naja und Trigouocephalus, im weiteren Sinne genommen, 
an. Alle indischen Arten der erstgenannten zeigen helle Längs- 
streifen auf dunkelem Grunde und können ihres kleinen Mundes 
wegen kaum einen Menschen verwunden, sind also praktisch nicht 
gefahrlich, obwohl Dr. A. B. Meyer bei einigen derselben eine ko- 
lossal entwickelte Giftdrüse nachgewiesen hat.") Die Art«n von Bun- 
garus, ular belang auf Java genannt, sind weiss und schw*ärzlich ge- 
ringelt, theils vollständige Ringe, theils am Bauch unterbrochen: 
Schlangen derartiger Zeichnung also sind es, die neben den dick- 
köpfigen besonders zu meiden sind. Da Vorderende und Hinterende 
auf den ersten Blick bei denselben nicht allzu verschieden aussehen, 
so hält das Volk sie hier für doppelköpfig, und warnt vor den 
doppelköpfigen Schlangen als besonders gefahrlichen, ein Aber- 
glauben, den wir ebenso bei den alten Griechen, wenn auch durch 
andere Gattungen veranlasst, finden und dem der Name Amphis- 
baena seine Entstehung verdankt. Beide Gattungen, Bungarus und 
Elaps, siud in einigen wenigen Arten über die drei grossen Sunda- 
Inseln verbreitet; auf den Molukken sah ich sie nicht. Ebenso die 
mit Vorderindien gemeinsame Brillenschlange, Naja tripudians, im 
Leben daran kenntHch , dass sie in Gefahr den Vorderleib aufrichtet 
und den Hals durch Aufwärtsziehen der vorderen Rippen schild- 
artig verbreitert. \'alentyn beschreibt sie als »Bergschlange« von 



Trigonoccphalus und Tropidulacinus. I^aubfröschc. 287 

der lusel Bali, deren Fauna ja überhaupt nahe mit derjenigen von 
Java übereinstimmt; weiter östlich ist sie noch nicht mit Sicherheit 
bekannt. Im östlichen dagegen wie im westlichen Theil des Archi- 
pels, von 31alakka bis Amboiua und Timor, finden sich die theils 
grünen, theils braunen Trigonoccphalus (einschUessHch Tropidolae- 
mus) mit breit dreieckigem Kopf, ähnlich dem der Klapperschlange; 
sie können den Rachen so weit aufsperren, dass Ober- und Unter- 
kiefer fast in einer Ebene stehen und er bietet dann mit den spitzen 
aus dem rosenrothen Zahnfleisch vorstehenden Giftzähnen einen 
allerdings erschreckenden Anblick. Gleichmässig mit kleinen Schuppen 
bedeckt ist der Kopf (Tropidolaemus) bei dem grünen quer gebän- 
derten T. Sumatranus Uaffl. (Wagleri Schleg.), ular kapok auf Ma- 
lakka, Sumatra und Celebes, dem einfarbig grünen T. viridis Daud. 
(gramineus Shaw) von Sumatra (ular dann) bis Timor (ular kesan) 
verbreitet, sowie bei dem rothl)rauneu T. puniceus. Schlegel von 
Java und Sumatra. Grössere Tafeln auf dem Kopfe, wie die meisten 
unschädlichen Schlangen, zeigt der ebenfalls bräunliche T. rhodo- 
stömus Keinw., ebenfalls auf Java und Amboina (uUir kawa); Borneo 
bat einige verwandte Arten. Eine neuholländische, in unserem Ge- 
biet bis jetzt erst auf Ceram beobachtete Form von Giftschlangen 
ist der hochäugige braune Acanthophis cerastinus Lacep. 

Unter den fr ose hartigen Reptilien, malaiisch kodoq oder 
lantji, treten auch hier als drei Ilauptformen die Laubfrösche mit ver- 
breiterten Zehen, die eigentlichen Frösche und die Kröten hervor. 
Dieersteren sind auf dt-n Sunda - Insehi (Celebes und Timor) hauptsäch- 
lich durch die Gattung Polypedates vertreten, nebsteinigen anderen 
selteneren, wie Hylorana, IxaUis, Rhacophorus, Cornufer und Hy- 
laedactylus, während den Molukken all diese fremd sind und dafür 
der neuholländische Calamita (sive Pelodryas) caeiTileus White") 
auf Ternate, Buru und Amboina auftritt, der seinen Artnamen »blau« 
von der Farbe der in Spiritus aufbewahrten Exemplare europäischer 
Sammlungen hat, da er doch im Leben so grün wie unser ein- 
heimischer Laubfrosch ist. Micryla ist die einzige Gattung des Archi- 
pels mit unausgebildetem Ohr, sehliesst sich aber im Uebrigen an 
die I^ubfrösche an. 

Die eigentlichen Frösche zeigen auf den Sunda -Inseln die 
Gattungen Oxyglossus und Rana, von welch letzterer auch je eine 
Art auf Amboina und Timor vorkommen soll, nebst den selteneren 
Ilorufröschen : Megalophrys und Ceratopliryne. Zahlreicher sind 



288 Kioicii. (irossf Iiibokteii. 

noch die Kröten, mnlaiiscti kodoq-puru, Frösche mit Geschwüren, 
oder auch kangkong genannt, wovon Bufo melanostictus Schneid, 
(scaber Daud.) und B. biporcatus Boie auf den Sunda- Inseln die 
liäufigsten, erstere von Malakka über Singapore, Banka, Java (auf 
Sumatra fand ich den nahe verwandten B. cla\nger Peters) und 
Bomeo bis Celebes und den Philippinen verbreitet, letztere ausser 
Java auch auf Bali nach Bleeker vorkommend. Oefters findet man 
sie in den Bade verschlagen der europäischen Häuser, da es hier 
feucht, dunkel und einen grossen Theil des Tages über still ist« 
Auf den 3Iolukken dagegen ist mir keine Kröte vorgekommen und 
auch in der Literatur finde ich keine andere als den nicht wieder 
beobachteten Bufo minimus Lessons von Buru angegeben. 

Geschwänzte Betrachier (Molche) fehlen dem indischen Archi- 
pel vollständig.'*) 

4. Wirbellose Landthiere. 

Obwohl es im indischen Archipel an Käfern und Schmetter- 
lingen nicht fehlt, so scheinen die grossen und auffälligsten Formen 
unter denselben doch weniger häufig und weniger dem, der nicht 
speziell ihnen nachgeht, sich aufdrängend zu sein, als dieses im 
tropischen Amerika sein dürfte. Doch stellen sich den altbekannten 
amerikanischen Kiesenkäfem: Scarabaeus (Dynastes) Hercules L. 
und Ceramb}^ (Acrocinus) longimanus L. im Archipel gegenüber 
der bis 0,08 Met. lange Scarabaeus (Chalcosoma) Atlas L. und Gi- 
deon L. von den Sunda -Inseln und der unserem Rosengoldkäfer 
verwandte Euchirus longimanus L. sp. , 0,07 Met. lang, mit den 
Vorderbeinen 0,1 Met. klafternd, von Ceram, unter den Pracht- 
käfern der surinamisclien Buprestis gigantea L. die kaum kleinere 
B. bicolor F., fulminans F. und ßuquetii Lap. von Java. Die hol- 
ländischen Sammlungen enthielten gegen Ende des vorigen Jahr- 
hunderts, als man noch hauptsächlich auf Grösse und Farbenreich- 
thum sah, nach Cramer'^) zu urtheilen, ebensoviele Ritterschmet- 
terlinge aus Surinam allein, als aus dem ganzen indischen Archipel; 
Snellen van Vollenhoven brachte die Anzahl der letzteren 1860 auf 
55 Arten. Einer der schönsten unter ihnen ist Ornithoptera Pria- 
mus L. , sammetschwarz und smaragdgrün, mit einer Flügelspan- 
nung von mehr als 0,2 Met., auf den Molukken, schon vom alten 
Valentyn gerühmt, w^elcher ihn auf der kleinen Insel Nusa-Iaut 
unweit Amboina gefangen hatte. Eine andere Art des Archipels 



Srhnictterlinge des ArcliipoLs. 280 

hat ihreu Namen von der schönen Helena erlialten. Die (jättung 
Ornithoptera, mit langen Vorderflügehi und ungeschwänzten Hinter- 
llQgeln, ist überhaupt auf den Mohikken nebst Phihppinen und 
Neuguinea am reiclisten entwickelt, auf Java und Borneo schon 
sparsamer an Arten. Unter den Ritterschmetterhngen des indischen 
Archipels finden wir auch die merkwürdigen Fälle dimorpher oder 
polymorpher Weibchen, welche Wallace näher auseinandergesetzt 
hat: wälirend nämlich die Männchen der betreffenden Art stets 
untereinander gleich sind, existiren zwei- oder mehrerlei in Färbung 
und Flugelschnitt etwas abweichende Formen von Weibchen der- 
selben Art, in der Regel eine davon dem Männchen sehr ähnlich 
(virago); zuweilen leben die verschiedenen Formen an demselben 
Orte, zuweilen sind sie geographisch getrennt. ^*^) Auch die Gattung 
Nymphalis (Charaxes, bei Gramer Equites Argonautae), durch die 
geschwänzten Flügel den Rittern ähnlich, ist in manchen schönen 
und auffalligen Arten durch den Archipel verbreitet: zu ihr gehört 
z. B. Wallacc's Zirkelschmetterhng. Nahe verwandt damit ist auch 
Kalliroa Paralecta, welche durch den Schnitt der Flügel, sowie die 
Zeichnung und Färbung ihrer Aussenseite ruhend einem dürren 
Blatte so täuschend ähnlich sieht.*') Sehr häufig sieiit man übrigens 
im Archipel auch Weisslinge, den europäischen ähnlich, und die 
sogenannten Danaer aus der Gruppe des Chrysippus L. , gelbbraun. 
schwarz geädert mit schwarzen wcissgetleckten Spitzen der Vorder- 
flügel; diese letztere Familie ist Europa wesentlich fremd, doch 
streift die eben genannte Art eben noch seinen Südrand. Ebenfalls 
häufig sind noch zwei Gattungen derselben Familie, Euploea (Papilio 
Midamus L. auf den Sunda-Inseln, Eunico God. auf Amboina), schwarz 
mit weissen Flecken, und Ilestia (Idea). auf weissem Grunde schwarz- 
gefleckt, letztere einige recht grosse Arten enthaltend, so P. Lyn- 
ceus Drurv. Charakteristisch ist auch die unseren Eckfaltern ver- 
wandte Gattung Junonia, mit Augcnflecken und gezähneltem Rande 
der Flügel; bekannt ist die durch das Ultramarinblau ihrer Unter- 
flügel ausgezeichnete J. Orithyia L. auf den Sunda-Inseln, und J. 
Hedonia L. von Batjan. Bemerkensworth durch die schmäleren Flügel 
sind Cethosia (P.Penthesilea L.), in der Färbung jenen Danaern ähnlich, 
aber der Rand der Flügel gezähnelt, und Flamadryas, als einzige 
Annäherung an die südamerikanischen Ileliconier, welche in neuerer 
Zeit durch Bates als Gegenstand der auflalligsten Nachahmung 
(mimiery) von Seiten anderer Schmetterlinge berühmt geworden 

Oat- Alien. Zoolo^cb. L 19 



290 Nachtschincttorliiigc, Käfer. 

sind. Die südamerikanischen Morplio sind im Arcliipel dureli die Gat- 
tungen Clerome, Drusilla (D. Domitilla erhielt ich auf Batjau) und Thau- 
mantis ersetzt. Unter den Abendschvvärmern finden wir im Archipel 
wie anderwärts den Typus der europäischen Arten wieder. Die Nacht- 
schmetterlinge sind verhältnissmässig nocli wenig gesammelt, nament- 
lich die kleineren; auch unter ihnen finden wir eine Europa ganz 
fremde FamiHe, welche in Grösse und Fliigelform mit den Rittern 
wetteifert, die den Spannern verwandten Uraniiden, wovon auf Batjan 
Nyctalemon Patroclus L. , auf Amboina der nahe verwandte N. Achil- 
laria und der australische A leides Orontes L. leben. Ihre Färbung ist 
aber eine düstere, vorherrschend braun oder schwarz, mit weissem 
Band. Auirällig durch seine Färbung ist dagegen ein grosser Spanner 
der Sunda- Inseln, Hazis militaris L., schön blau und gelb, fast 
schachbrettartig gefleckt. Die grossen, in neuerer Zeit vielbespro- 
chenen Seidenschmetterlinge Indiens und Chinas, aus der Verwandt- 
schaft unserer Nachtpfauenaugen, Saturnia (Gruppe Atla« L.), mit 
durchscheinenden Flügelflecken, reichen auch noch auf die Sunda- 
Inseln herüber, es ist mir aber nicht bekannt, dass sie hier irgendwo 
der Seide wegen in grösserem Maassstabe gezüchtet werden. 

Unter den Käfern'^) sind die Lamellicornier, wozu unsere 
Maikäfer, Mistkäfer und Hirschschröter gehören, die reicliste Familie 
im Archipel, nicht nur an Arten überhaupt, sondern auch an grossen, 
schönen und auflalligen Formen; ihr gehören auch die zwei schon 
oben S. 288 angeführten Hiesen an. Sehr zahlreich sind namentlich 
die Arten aus den Unterabtheilungen der Goldkäfer (Cetoniden) und 
der Melolonthiden. Auch die wesentlich afrikanischen Goliathiden 
haben noch zwei Vertreter auf Java. Die Küsselkäfer sind hier wie 
überall reich vertreten, darunter von bemerkenswerthen Formen 
hervorzuheben die schlnnken, bis \\ Zoll langen Brentus, dorlanghör- 
nige Mecocerus gazella, die von Wallace hervorgehobenen Xenocerus, 
Arachnobas, der einer Spinne in seinem (lange nachahmt, und £u- 
pholus, an den brasilianischen Edelsteinkäfer durch die Beschaffen- 
heit der Flügeldecken erinnernd. Unter den Blattkäfern, Chrvso- 
mehden, fallen die goldgrünen Sagra durch ihre dicken Hinter- 
schenkel auf; sie sind mir namentlich auf Flores viel vorgekommen. 
All das sind Pflanzenfresser. Weniger fallen die von animaUscken 
Stoffen lebenden Käfer ins Auge, während diese umgekehrt in der 
kalten Zone und bei uns in der kältereu Jahreszeit überwiegen, doch 
fehlt es nicht an Lauf- und Schwarzkäfern, Carabiden und Melusomen, 



Kater, Heuschrecken. 291 

und unter den ersteren sind ganz besonders hervorzuheben: die 
flache blattförmige Mormolyce auf Java und die zwar kleinere, aber 
durch ein verhältnissmässig eben so langes Bruchstück ausgezeich- 
nete Collyris. Häufig sind auch die Leuchtkäfer, Lampyris, ma- 
laiisch kunang oder einfach api-api (Feuer) genannt, doch sah ich 
sie hier nie so massenhaft, wie an den Stromufern in Siam. Valentyn 
gibt an, dass sie auf den isolirten Banda- Inseln ganz fehlen sollen. 
Eine in Palmstämmen lebende Käferlarve, malaiisch sabeta, schon 
von Valentyn genannt, soll gegessen werden; vielleicht ist es Ca- 
landra ferruginea, eine nahe Verwandte des in Surinam als Leckerei 
geschätzten Palmwurms, Calandra palmarum. Ein kleiner Käfer, 
vielleicht zur Gattung Melandrya, soll in Java zu Giftmischerei und 
Verfertigung von Liebestränken gebraucht werden; es scheint aber 
mehr Aberglauben, als reale Schädlichkeit zu sein.'^) 

Melur bemerklich machen sich im Allgemeinen durch ihre 
Grösse und einzelne P^igenschaften die Orthopteren. Eine der 
europäischen ähnliche Werre, Gryllotalpa, hier ganz allgemein Erd- 
hund, andjing-tana, genannt, kommt in Sumatra. Borneo und Java 
oft des Abends in die otfenen Häuser und auf die von einer Lampe 
erleuchteten Tische geflogen. Häufig sind Grillen (Gryllus achatinus 
und andere Arten), tjangkre, tshangkre, tjingkreq, nach ihrer Stimme, 
und Heuschrecken (Acridien), balang oder bilalang. Von langhör- 
nigen (Locustinen) fand ich Pseudophyllus durch das ganze Gebiet, 
Gryllacris auf den drei grossen Suuda- Inseln, die spitzköpfigen 
Conocephalus und Xiphidium auf Borneo , Salomona auf Amboina 
und Adenare. Zu ihnen gehört auch der stachlige Megalodon ensifer, 
welcher auf Java wie Hähne und Wachteln zum Kämpfen abgerichtet 
werden soll. Valentyn erzählt, dass zu seiner Zeit auf Java und 
Bali Heuschrecken von den Einwohnern gegessen wurden und dass 
sie auch im Archipel zeitweise in grossen Schwärmen auftreten, so 
1671 in Timor. Fangheuschrecken, Mantis, von brauner und von 
grüner Farl^, sah ich öfters, namentlich auf Borneo, und auch sie 
kamen Nachts in die Zimmer geflogen. Besonders charakteristisch 
für den Archipel sind aber die dünnen, dürren Stabheuschrecken, 
Pliasma; Bacteria nematodes fand ich auf Java und Sumatra; in Ba- 
tavia gab man mir eine stachlige braune Art (Ileteropteryx de Haani) 
als Rarität aus dem westHchen Borneo, und ich fand später sie 
daselbst nicht ganz selten unter abgefallenem Laub im Sambasgebiet, 
z. B. bei Sepang, stets flügellos. Die grösste aber ist das geflügelte 



292 Blattlicuhclircckon. Cicaden, Feldwaiizcu. 

Phasma (Cvpliocrani«a) gigas L. , auch über 0,2 Met. lang, Iiäugfig zu 
Aniboina in den Gärten nächst der Stadt, hier tanke -seitan, Teufels- 
stal) , genannt. An sie schliesst sich an das wandehide Blatt, Phyllium 
siccifoHum L. sp. , schon von Valentyn auf Amboina beobachtet und 
mit besonderem Interesse besclirieben; man nennt es dort nach seiner 
Angabe ay übt laun, Blatt des Baumes Condondong ( Evia acida, 
Spondiaceae). Der Hortulanus des botanischen Gartens in Buitenzorg, 
Herr Teysmann, hatte mehrere lebend von einer Keise nach den 
Mohikken mitgebracht und sie in seinem Hause in Buitenzoi^ ge- 
züchtet; man sagte mir auf Java, sie fanden sich nur auf den Mo- 
lukken, in der europäischen Literatur finde ich aber ihr Vaterland 
viel weiter angegeben. Wie dieses einem verdorrten Blatte, so sieht 
ein anderes, das ich auf Java zu Tjandjor (Preanger-Regentschaften) 
selbst gesehen, Hymenopus coronatus Oliv, sp., einer Zusammen- 
setzung aus frischen Blumenblättern einer Kose in Farbe und Form 
täuscliend ähnlich und hielt sich in der That auch gern auf Rosen 
auf, wo es deshalb gar nicht ins Auge fällt. Ebenso ahmen die 
genannten Stabheuschrecken (Phasma) dürre Reiser, die Fangheu- 
schrecken (Mantis) sowie Pseudophyllus und Phylloptera noch grüne 
Blätter und die Spitzheuschrecken (Truxalis) spitze, erst halb ent- 
wickelte (^rasblätter täuschend in Form und Farbe nach. 

Grosse (Mcaden*^) hörte und sah ich in Sumatra und Borueo 
nicht selten, z. B. im Binnenland ])ei Sintang eine der C. imperatoria 
ähnliche Art; auf Ambonia (\ ocellata; andere auf Flores und Timor. 
In Borneo machte man mich auf grosse goldgrüne Feldwanzen 
(Pycanum amethystinum), mit schwarz- und orange - gewürfeltem 
Rande, aufmerksam, welche sehr stark, doch nicht unangenehm 
rieclieii und an heissen Tagen viel fliegen , doch auch an dürrem 
Holz sitzend gefunden werden; die Dajaker sollen sie gerne essen. 
In Sambas nannte man sie mir pengas, anderswo sollen dieselben 
walang-sangat (Stechheuschrecke, nach anderen mündlichen Nach- 
richten tahnsangi) heissen. Noch schöner metalliscik, blau und 
purpurn ist CaUidea, durch die Länge ihres Schildchens ausgezeichnet 
(C. [mrpurata auf Amboina, Peroni auf Timor,, andere auf Java). 
Häufig von Sumatra bis Timor fand ich schwarzrothc Feuerwanzen 
(Pyrrhocoris). Andere Feldwanzen werden in Java und Sumatra kape 
genannt, was Eltenrieder zu Cappaea latinisirt hat, auch kapiding 
und pinding. 

Betrefls die geselligen staatenbildenden Insekten ist im 



Ameisen, Wespen, Bienen, Milcken. 293 

indischen Archipel noch ein weites Feld zu interessanten Beobach- 
tungen oflFen; so erhielt ich auf Java mit anderen gewöhnlicheren 
Insekten von einem einheimischen Sammler ein 14^ Linien grosses 
flügelloses Weibchen einer anscheinend neuen Gattung Dichthadia, 
das wahrscheinHch als weibliche Form zu Dorylus gehört.**) Die 
Europäer sprechen auf den Sunda-Insehi sowohl als auf den Mo- 
lukken von schwarzen, rothen und weissen Ameisen; letztere sind 
die Termiten, welche das Malaiische richtiger als ani-ani oder auch 
rajap gänzHch von den wirkhchen Ameisen, semut, unterscheidet. 
Von beiden kommen einige Arten im Freien , andere in den Häusern 
vor. Termitenhügel von halber Mannshöhe, aus Erde fest zusammen- 
gekittet, sah ich nicht selten im westhchen Borneo im Wald, meist 
nahe oder dicht an den Bäumen, so dass diese sie vor dem Regen 
schützen. Dass sie auch in den Häusern Schaden anrichten, zeigt 
sich schon aus der mehrfach im indischen Archipel erzählten Anek- 
dote, dass eine ungetreue Haushälterin auf den Gedanken kommen 
konnte, sich damit zu rechtfertigen , die ani-ani hätten das ihr über- 
gebene Silbergeld aufgefressen! Von wirklichem grossen Schaden, 
den sie angerichtet hätten , hörte ich übrigens nichts. Lästiger sind 
<lie Ameisen in den Häusern, da sie es nothwendig machen, Ess- 
waaren theils unter Wasser, theils wenigstens in Schränken, deren 
Füsse durch Schälchen mit Wasser isolirt sind , aufzubewahren. 

Wespen, tcbuan, auf Sumatra Vespa tropica L., auf Borneo 
dieselbe und V. anomala Sauss. , andere auf den Molukken , werden 
dem Reisenden zuweilen lästig. Freinistende (Polistes) sammelte ich 
auf Borneo, Amboina und Timor, Lehmpillen -Wespen (Eumenes) 
auf Borneo und Amboina, Tapezier- Bienen (Megachile) auf Java 
und Flores. Eine grosse dunkelblaue, einsam lebende Holzhummel, 
kumbaug, Xylocopa?, sah ich mehrmals, auf Borneo sowohl als 
auf Flores, in die Häuser kommen, um in den Thürpfosten oder in 
dem Fussboden sich ein Nest anzulegen. Bienen, alba oder leba, 
sind namentlich in den Wäldern des westlichen Borneo am oberen 
Kapuas häufig und man findet bei den dortigen Einwohnern oft 
grössere Quantitäten von Honig, mada (Sanskrit madhu, daher ^ifKi 
und ^i«^' mel und Meth), den sie dort gesammelt; damit hängt wohl 
zusammen, dass auch ein Honigkukuk, Indicator, auf Borneo lebt. 

Fliegen, lalar. und Stechmücken, njamoq oder agas, age, 
sind nirgends selten, die ersteren, wo Häuser, die zweiten, wo 
stehendes Wasser ist, daher die Verhüllung der Betten durch 



294 Mücken, Hreiiiseii. Haus- Insekten. 

Muskito-Vorliäuge, klainbu, bei den Europäern und wohlhabenden 
Einwohnern allgemein ist. Doleschall, der einzige, der sich speziell 
mit der Untersuchung der Dipteren im Archipel selbst beschäftigt 
hat. ist der Ansicht, dass es sehr vielerlei Arten sind, welche den 
Menschen mit ihren Stichen belästigen. Beide Jahreszeiten sollen 
eigenthümhche Arten zeigen und wahrscheinlich seien dieselben an 
verschiedeneu Plätzen verschieden. Er hat sieben Arten von Culex, 
der bekanntesten unter den lästigen Gattungen Europas, theils aus 
Java, theils aus Amboina beschrieben. Auf Amboina hat derselbe 
auch fast mikroskopisch kleine Mücken beobachtet, deren Stich viel 
schmerzUcher wird, als derjenige der Culexarteu, wahrscheinlich 
ein Simulium.") 

Lästiger als die Muskitos wurden mir auf Borneo stellen- 
weise im Freien, namentlich auf den Flüssen selbst im Boote, die 
Bremsen, Tabanus, hier pitjaq genannt, von den Europäern als 
Dajak*sche Fliegen bezeichnet. Die Familie der Bremsen, Tabanidae, 
nimmt nach Doleschall gegen Osten merklich ab, während die 
Mehrzahl der Dipteren -Famiüen keinen auffallenden Unterschied in 
ihrer Vertretung zwischen Java und Borneo (Sarawak), Makassar 
und Amboina zeigt. Weit verbreitete Arten sind nach demselben 
namentlich Ptilocera quadrideutata Wiedemann, von Sumatra bis zu 
den Philippinen und Amboina und Java (Stratiomyidae) , ferner Om- 
matius fulvus Wiedemann, auf allen grossen Sunda- Inseln, den 
Molukken und auch in Japan (Asilidae). Es ist übrigens zu er\%'arten, 
dass noch viele der Arten, die bis jetzt nur an Einem Platze von 
Einem Beobachter beschrieben worden sind, bei fortgesetzter Unter- 
suchung eine nicht minder weite Verbreitung ergeben werden. Sehr 
auffallend durch ihren hammerfischartig verbreiterten Kopf, wodurch 
die Augen auf langen Stielen zu sitzen scheinen, sind die zwei 
Gattungen Diopsis L.. auch in Afrika zu Hause, und Achias Fair. 

Von anderen menscidichen Parasiten hat nur die I^us einen 
eigenen malaiischen Namen, kutu: der Floh wird Hundelaus, kutu 
andjing, die Wanze Stinklaus, kutu busuq. genannt. Man möchte 
daraus vermutheu, dass die beiden letzteren erst später durch mensch- 
hohen Verkehr in den Archipel gekommen seien. Die Küchen- 
schaben endlich, ßlatta, malaiisch hpas, und die Zuckergästchen 
oder Fischchen, Lepisma. sind sowohl im Archipel selbst, als auf 
den Schiffen, die zwischen ihm und Europa fahren, häufig, daher 
nicht zu entscheiden, wo ursprünglich zu Hause. 



Skorpione und Spinnen. 295 

Skorpione, malaiisch kala tjinking oder auch kaladjingkiug, 
auf deu Molukken bibilatu, sah ich auf Sumatra liäufig, es waren 
grosse schwarze Arten, vom Aussehen des vorderindisclien soge- 
nannten Scorpio Afer L. (Heterometrus Ehrenb.). Die Kingebornen 
furchten ihn sehr und hieben ihm meist den Schwanz ab, wenn sie 
ihn mir brachten; doch habe ich von einem ernstliclien Unglücks- 
fall durch denselben nie gehört. Sc. nmcroiiatus von Java hat da- 
gegen das Aussehen und die geringere Grösse der europäischen Arten. 
Beiderlei Arten finden sich auch auf Borneo und zwar in den Häusern, 
daneben auch der kleinere, dem europäischen im Habitus ähnliche 
Ischnurus complanatus Koch. Der schon Seba bekannte falsche 
Skorpion, Thelyphonus, gunting, unschädhch, da er keinen Stachel 
am Schwänze hat, ist von Sumatra bis Timor und zu den IMiilippinen 
verbreitet; ich fand ihn auf Ternate und Amboina. 

Unter den eigentlichen Spinnen, lawa-lawa malaiisch, fallen 
dem Europäer am meisten die hartleibigen, stachligen, schwarzgelben 
oder schwarzweissen auf, welche die Gattung (iastracantha Latr. 
oder Plectana Walck. bilden. Auf den Molukken fand ich dieselben 
im Gebüsche der Wälder häufig, auch auf Sumatra und Timor; sie 
sind überhaupt von Malakka bis Neucaledonien und zu den Philippinen 
verbreitet und haben auch ihre Repräsentanten im tropischen Ame- 
rika. Grösser sind die unserer Kreuzspinne ähnlichen Nephila Leach., 
mit länglichem Hinterleib, auch durch den ganzen Archipel ver- 
breitet, so N. chrysogastra Walck. auf Java, Celebes und Amboina. 
Sehr zahlreich sind auch die Springspinnen, Salticus Latr. Die 
grösste Spinne (der Leib 0,059, ein Vorderfuss 0,132 Met.) ist eine 
Verwandte der surinamischen Vogelspinne, Mygale Javanensis W^alck.. 
aus Java und Celebes bekannt, von mir auch bei Palembang auf 
Sumatra gefunden: dass sie in der That kleine Vögel angreift und 
tödtet, ist von Dr. Doleschall direkt an einem Reisvogel beobachtet 
worden. Dr. Hunnius beobachtete im westlichen Borneo eine grosse 
Spinne, tabangkang der Dajaker, welche ihre Erdlöcher mit einer 
beweglichen Thüre verschliesst, vernnitblich eine (Jattungs verwandte 
der von Sauvages bei Montpellier beobachteten Cteniza eaementaria 
L. und ihrer von Doleschall auf Amboina gefundenen Schwester, 
Ct. Malayana Dol.*') Auch Weberknechte, Phalangium, und 
Zacken, Ixodes, malaiisch karapti, fehlen dem Archipel nicht, so- 
wie verschiedene Milben. p]ine der letzteren, Trombidium Borneense, 
wurde von Dr. Hunnius bei einer Hautkrankheit der Eingebornen, 



296 Tausendrüssc . Land -Blutegel. 

Herpes, beobachtet, übrigens als Folge, nicht als Ursache der 
Krankheit betrachtet. 

Tausendfüsse, Myriopoden, verschiedener ücstalt sind 
durcli den ganzen Archipel zalilreich, doch sah ich die grösseren 
hauptsächhch auf den grossen Sunda-Insehi, Sumatra und Borneo, 
so die flachen, rothbraunen oder grünUchen giftführenden Scole- 
pendern, malaiiscli lialalipan oder alipan, die unschukligen cyhn- 
drischen Julus (Spirostreptus Brandt), auf Amboina ular tjintjin, 
Ringschlange, auf Ternate kolomi genannt, die zur Vertheidiguug 
nur einen dunkelrothen beschmutzenden Saft von sich geben und 
sich in eine Spirale einrollen, meist schwarz, mit rothen oder blassen 
Füsschen, beide mehrere Zoll lang, und endhch die breiteren glänzend- 
glatten Zephronia Gray (Sphaeropoeiis Hercules Brandt), die ich im 
mittleren Sumatra häufig gefunden, zu einer vvallnussgrossen Kugel 
bei Beunruhigung sich zusammenrollend , nicht selten geseUig im 
Wald unter altem Holz. Cileichmässiger im Osten wie im Westen, 
überall nicht selten, land ich die platten mattschwarzen Polydes- 
mus,**) die sich durch mehr von einander abgesetzte Segmente mit 
oft hübscher Skulptur auszeichnen , übrigens so träge wie die Julus 
sind. Von leuchtenden Tausendfüssen hatte ich mehrmals gehört 
und fiude auch in den malaiischen Vocabularien ein eigenes, freilich 
sonderbar klingendes Wort, almair, für dieselben; gesehen habe icli 
das Leuchten nur einmal, im westlichen Borneo zu Bengkayang, als 
wir spät Abends noch in der Veranda sassen: es war ein kleines, 
dünnes Thierchen, von ähnlichem Ansehen, wie der europäische 
Geophilus, das in seiner ganzen Ausdehnung und coutinuirlich 
schwach leuchtete, aber zwischen den Planken entkam, ehe ich 
mich seiner versichern konnte. 

Unter den Anneliden sind in Ostasien die Laudblutegel 
(Haemadipsa) berüchtigt; vorzügHch von Ceylon sind ernste Klagen 
über sie als Landplage laut geworden. Auf Sumatra und im west- 
lichen Borneo sind sie mir mehrmals vorgekommen und haben mich 
auch einige Tropfen Blutes gekostet, immer nur in sehr feuchten 
BergwäMern, und ohne dass ich je an mir oder anderen von ern- 
sten Folgen ihrer Angriffe etwas erfuhr. Freihch fühlte ich mich 
ein wenig unbehagUch, wenn ich eine Sekunde stehen bleibend von 
allen Seiten über die feuchten Blätter viele solcher kleiner Blutegel 
wie Spannerraupen gegen meine Füsse heranmarschiren sah, auf 
vier bis fünf Fuss im Umkreis, oder plötzlich an meinem leineneu 



Land - Anneliden und Landschneokcn. 297 

Beinkleid einen Blutfleck bemerkte, indem die Bissstelle, nachdem 
der Egel voligesogen und abgefallen war, noch fortblutete, aber 
dieses war oft auch das erste und letzte Zeichen, wodurch ihre 
Angriffe mir kund wurden. Ueberhaupt sah ich sie nur einige wenige 
Male , auf den Molukken nie. 

Regenwürmer, den unsrigen ähnlich aber durchschnittUch 
kleiner, fand ich auf den meisten der von mir besuchten Inseln des 
Archipels einschliessUch der eigentlichen Molukken, wo sie mir als 
kolotili bezeichnet wurden. Auch einzelne Landplanarien aus 
dem indisclien Archipel sind bereits bekannt. 

üeber die Landschnecken, deren spezielle Bearbeitung 
den folgenden Band füllt, möge hier nur so viel gesagt werden, 
dass sie für den Nichtliebliaber auf den grossen Sunda- Inseln 
kaum sich irgendwie bemerklich machen, auch dem Sammler selbst 
oft erst durch die verbleichten weissen Schalen auf dem schwarzen 
kahlen Grunde einer niedergebrannten Waldstrecke sich verrathen. 
Die grösste Art des holländisch -indischen Archipels, Nauina Brookei, 
wird von den Eingeborenen des nordwestlichen Borneo zuweilen als 
Schmuck getragen, die einzige praktische und nationale Verwendung 
einer Landschnecke, welche mir im Archipel vorgekommen; nament- 
lich hörte ich auch nie, dass Eingeborene sie als Speise benutzen. 
Kaum mehr fallen sie auf den Molukken ins Auge, doch finden wir 
einige wenige grössere derselben ihren AVeg unter die daselbst von 
eingeborenen Händlern feilgebotenen Seeconchylien, so Helix ungulina, 
zonaria und Nanina citrina. Allein auf Timor traf ich zwei Arten, 
Helix argillacea und Bulimus contrarius, stellenweise so zahlreich* 
auf niedrigem Gebüsch, dass sie sich schon dem Vorübergehenden 
verriethen, ehe er stille stand und absichtUch nach Schnecken 
suchte. Als Nahrung habe ich sie auch hier nicht benutzt gesehen. 

5. Süsswasserfische. 

Der schon bei den Säugethieren erörterte Gegensatz zwischen 
der westlichen und östlichen Hälfte des indischen Archipels tritt 
wiederum bei den Süss wasserfischen sehr stark hervor, und zwar 
in der Weise, dass der östliche Theil weit ärmer als der westUche 
ist, ganze Famihen dort fehlen, ohne dass neue hinzukommen. 
Unter den grossen Sunda -Inseln ist wiederum Borneo am günstig- 
sten für Süsswasserfische, seiner grossen Ströme und Seen wegen; 
ich beobachtete daselbst 94 Arten während eines dreimonatUchen 



298 C'yprinoidcii im indischen Archipel. 

Aufenthaltes in dorn Gebiete der beiden Ströme Kapuas und 
Sambas,") obwolil ich das grösste Stromsysteni der Insel, das des 
Barito , das fast ein Drittel derselben einnimmt und im Südosten bei 
Banjermasin ausmündet, der damaligen Unruhen wegen nicht betreten 
konnte. Unter diesen 94 Arten sind alle artenreicheren Hauptabtliei- 
lungen der Fischklasse vertreten, Stachelflosser, Weichflosser mit und 
ohne Luftgang der Schwimmblase, Fische mit verwachseneu Schlund- 
kiefern, Fische mit unbeweglichen Kiefern, Büschelkiemer und 
Knorpelfische; es fehlen aber die üoppelathmer (Lepidosiren) , Ga- 
noiden und Neunaugen, obgleich diese in andern Erdtheilen auch 
in süssem Wasser leben. Die an Arten zahlreichste Familie ist auch hier 
die der karpfenartigen Fische, wie in Europa und wahrscheinlich 
auch in den meisten Ländern Asiens mit Ausnahme des Nordens, 
wo sie gegen die lachsartigen Fische zurücktreten. Doch finden 
sich auch in dieser Familie nach Bleeker's engerer Umgränzung der 
Gattungen nur t^ine (Chela), nach Günther's weiterer zwei Gat- 
tungen (Chela und Barbus), welche auch in Kuropa vertreten sind, 
und zwar die erstere nur in der östlichen Hälfte unseres Erdtheils, 
den untern Stromgebieten der Ostsee und des Schwarzen Meers 
durch die sogenannte »Ziege« , Chela cultrata. Besonders charak- 
teristische Formen sind die Labeoninen, durch dickfleischige Lippen 
und lange Rückenflosse ausgezeichnet, die meisten auch dunkler gefärbt, 
nicht so silberweiss wie unsere Weissfische, sondern grünlich -golden 
wie der ikan pato, Üsteochilus Kappeni Blkr., oder schwärzlich wie 
der ikan k'labo , O. melanopleurus Blkr. Eine eigenthümliche Form in 
dieser Familie, mehrfach an den Hecht erinnernd, ist auch die Gat- 
tung Luciosoma, djemunga im obern Kapuasgebiet genannt, mit bis 
unter die Augen gespaltenem Kachen , weit hinten stehender Rücken- 
flosse, fadenförmiger Verlängerung des ersten Strahls der Bauch- 
und Afterflosse und ungleich lappiger Schwanzflosse. Die grossere 
Farbenmannigfaltigkeit, welche den Thieren der heissen Gegenden 
im Allgemeinen zukommt, bewährt sich aucli an ziemUch vielen 
Arten dieser Familie: die rothe Färbung der Augen und Flossen, 
welche schon manche europäische Arten ausgezeichnet und ihnen 
eigene Namen, wie Rothauge, Rothfeder u. dgl. verschaflTt hat, ist 
hier ziemlich häufig, z. B. bei Barbus apogon und bulu, sowie dem 
ebengenannten Luciosoma; das Auge allein ist lebhaft roth gefärbt 
bei Üsteochilus melanopleurus und Dangila ocellata, Auge und 
Rückenflosse allein bei Osteochilus vittatus, Rücken- und Schwanz- 



Versciüedcnc Färbung an Flossen und Rumpf. 299 

flösse bei Rasbora Sumatrana, die Bauchflossen besonders lebhaft 
rotb bei Barbus Sumatranus. Dazu kommen bei ziemlicli viel Arten 
noch bestimmte schwarze Bänder, wie wir sie an europäischen 
Cyprinoiden nicht kennen, theils an den Flossen, theils am Körper. 
An den Flossen sind diese schwarzen Bänder 

1. Endständig längs des freien Randes, also die Enden aller 
Strahlen verbindend, 

a) an allen drei unpaarigen Flossen bei Barbus mela- 
nopterus , 

b) an der Rückenflosse allein bei Dangila festiva, 

c) an der Schwanzflosse allein bei Rasbora argyrotaenia. 

2. Randständig längs der Strahlen, am Vorderrande der 
Flossen am Rumpf, am obern und untern Rande der 
Schwanzflosse 

a) an allen Flossen bei Barbus rubripinnis, 

b) nur an der Schwanzflosse bei Barbus hampal. 

3. Ebenfalls den Strahlen parallel, aber nur nahe, nicht an 
dem Rande und zwar nur an der Schwanzflosse; oben und 
unten bei Barbus Scinvanefeldi, Luciosoma trinenia, Dan- 
gila festiva und Cliela oxygastroides. 

4. Eine schwarze Querbinde durch die Rückenflosse von vorn 
nach hinten, die Strahlen kreuzend, etwas höher und 
schon am freien oder obern Rand endigend bei Barbus 
Schwanefeldi, etwas tiefer und bis zum hintern Rand 
gehend bei Barbus Sumatranus. 

Die Flossen, welche schwarze Bänder tragen, sind 
meist mehr oder weniger lebhaft roth gefärbt, entweder 
durchaus oder doch in der Nähe des Bandes. 
Die Bänder auf dem Rumpf sind 
1. Längsbänder, vom Kopf zum Schwanz, 

a) ein einziges in mittlerer Körperhöhe die Seitenlinien 
einbegreifend, vom Kiemendeckel bis zur Schwanzflosse, 
bei manchen Exemplaren noch in diese bis zur Mitte 
ihres Einschnittes fortgesetzt, bei Osteochilus vittatus; 

nur spurweise, unterbrochen und grossentheils ober- 
halb der stark abwärts gebogenen Seitenlinien bei Chela 
oxygastroides , 

b) mehrere Längsbänder, jederseits drei bis sechs, eine 
mittlere darunter die Seitenlinie einbegreifend, bei 



300 Färbung der Cypriiioidcn des Archipels. 

Barbus fasciatus. Dieser erinnert dadurch an die marine 
Gattung Therapon. 
2. Querbänder, von oben nach unten, 

a) vier sciiarfbegränzte schwarze, das vorderste durch das 
Auge, das zweite dicht vor, das dritte dicht hinter der 
Rückenflosse, in diese und die Afterflosse übertretend, 
das hinterste am Grunde der Schwanzflosse, bei Barbus 
Sumatranus, 

b) zwei breite dunkelbraune, eines vor, das andere hinter 
der Rückenflosse, bei Botia macracantha , 

c) unbestimmt begränzto, grünlich -graue in wechselnder 
Zalil, 1 — 3, (las deutlichste unter der Rückenflosse, 
zuweilen noch mehrere halbverbundene im hintern 
Körpertheile, bei Barbus lateristriga, 

d) ein undeutliches verblasstes unter der Rückenflosse bei 
Barbus hampal, 

e) ein schwarzes kurzes im Nacken, bis zum Kiemendeckel 
herabreichend bei einem Exemplar von Rohteichthys 
microlepis aus dem Binnensee Danau Sriang. 

Wenn zugleich am Rumpf und auf den Flossen 
Bänder vorkommen, zeigen sich bei niedergelegter Flosse 
ihre endständigen Bänder (1) als Fortsetzungen der Quer- 
bänder am Rumpf, die längs der Strahlen verlaufenden, 
sowohl die randständigen als die mittlem (2 und 3), als 
Längsbänder. 
Schwarze runde Seitenflecken , wie solche sich oft bei Meer- 
fischen linden, linden sich auch unter den Cyprinoiden von Bornco 
und zwar 

a) je einer an der Basis des Schwanzes l>ei vielen, nicht allen 
PLxemplaren von Barbus apogen, bei Rohteichthys micro- 
lepis und bei Osteochilus Kappeni, 

b) neben diesem auch noch ein ähnlicher in der Schulter- 
gegend über der Brustflosse bei Dangila ocellata. 

Kin metallisch glänzendes Längsband an der Seite, silbern 
oder messingglänzend, an dasjenige von Atherina erinnernd, 

a) die SeitenHnie begleitend bei Dangila festiva und Thyn- 
nichthys polylepis, 

b) oberhalb der SeitenHnie bei Rasbora argyrotaenia , welche 
hie von den Namen hat, und Chela oxygastroides. 



Grosse Cy^riiioidcn. Stacliligc Siiiiruideii. SOI 

Die Cypriüoiden Borneo's sind durchschnittlich vou mittlerer 
Grösse uud werden überall von den Eingeborenen und Chinesen als 
Speise genossen, ohne dass ich einzelne Arten als besonders bevor- 
zugt hatte rühmen hören. Zu den kleinsten gehört der bunte Barbus 
Sumatranus, häufig in pflanzenreichen, langsam fliessenden Bächen 
^Hid so wenig scheu, dass er dem Badenden durch wiederholtes 
Anstossen an die Füsse sich bemerklich macht, höchstens bis 
0,07 Met. lang, meist bedeutend kleiner, uud Kasbora Sumatrana, zu 
den grösseren Arten der tingangat oder umban, Barbus bulu bis 0,5, 
der benuan, Barbus armatus 0,3, und der djilawat, Leptobarbus 
Hoeveni (?), bis 0,57 Met. lang. In der Unterfamilie der Cobiti- 
dinen, zu der die europäische Bartgrundel gehört, linden wir neben 
dieser ähnlichen Formen auch die verhältuissmässig grosse Botia 
macracantha, durch einen starken beweglichen Stachel vor dem 
Auge ausgezeichnet, von der ich ein 0,2 32 Met. langes Exemplar 
durch Dr. z'Hooft in Pontiaiiak erhielt. 

Die welsartigen Fische (Siluroiden) spielen im indischen 
Archipel vielleicht eine ebenso wichtige Kolle als die karpfeuarligen: 
wenn auch etwas weniger zahlreich an Arten, sind sie doch durch- 
schnittlich grösser und zeigen eine grosse Mannigfaltigkeit der 
Formen. Bei der Mehrzahl trägt die Brustflosse einen starken ge- 
zähnelten Stachel, womit der lebende Fisch die Hand dessen, der 
ihn ergreift uud festhalten will, ernstlich verwunden kann; solche 
werden malaiisch ikan>duri, Stachelfisch, genannt und man warnt 
den Fremden eindringlich davor sie zu berühren; wahrscheinlich 
hat Fluss und Ortschaft Sungi-duri im westlichen Borneo davon 
den Namen. Ziemlich viele, die Abtheilung Siluridae proteropteri 
Gthr, bildend , haben auch in der ersten Rückenflosse einen ähn- 
lichen gezähnelten Stacliel; liieher die im indischen Archipel arten- 
reichen Gattungen Arius uud Macrones (früher mit Bagrus vereinigt) 
nebst Verwandten; diese zeigen in der gegabelten Schwanzflosse 
und den von ihr weit getrennten kurzen Rücken- und Afterflossen 
noch mehr die Formen der gewölmlichen Fische, doch fallen 
sofort die starken Bartfäden, von denen ein Paar oft nahezu die 
Länge des ganzen Körpers erreicht, und die bei Macrones oft sehr 
langgedehnte Fettflosse hinter der Rückenflosse auf. Die Farbe des 
Körpers ist ein mehr oder weniger blasses Grau, auch Graublau, 
mehr oder weniger glänzend, bei einer Art ein lebhaftes Gummigutt- 
gelb mit rother Basis und schwärzlichem Ende der Flossen, daher 



302 Verschiedene Formen der Siluroidcu. 

ain obern Kapuas ikau pisaug, Bananenfisch, genannt, Bagroides 
melanopterus Blkr.; bei Liocassis stenoinus linden sich grosse schwarze 
Flecken» die mehr oder weniger unter sich verbunden sind. Bei 
einer andern Gruppe welsartiger Fische bleibt zwar noch die 
Schwanzflosse frei und gegabelt, aber die Afterflosse dehnt sich 
ungemein lang, während die Rückenflosse verkümmert oder ganz 
verschwindet (Gattung Cryptopterus im weiteren Sinne); der Kopf 
ist verhältnissmässig klein, der Köqier seitlich zusammengedrückt, 
die Färbung hell, matt metallglänzcnd, öfters ein dunkelstablblauer 
oder schwarzer Seitenfleck hinter dem Kiemendeckel oder auch an 
der Basis der Schwanzflosse; diese Fische, die auf Borneo ziemhch 
häufig sind und eine ansehnliche Grösse erreichen , werden von den 
Malaien im Allgemeinen lais genannt; Cryptopterus micropogon, von 
dem ich am Binnensee Danau Sriang ein Exemplar von 0.3 3 Met. 
Länge erhielt, nannte man mir dort lais-tima nach seiner Zinnfarbe 
(tima mal. Zinn). Ebenda erhielt icli eine andere auffallige Gattung, 
welche mit den systematischen Charakteren der welsartigen Fische, 
namentUch auch dem gezähnelten starken Stachel der Brustflosse, 
hier blattförmig, die plattgedrückte breitmäulige Gestalt des See- 
teufels verbindet, hier tuka genannt (ChacaC. V.); die Körperfarbe 
ist dunkelbraun, oben mit einigen divergirenden gelben Streifen, 
unten auffallenderweise dunkler, fast schwarz. Das Thier lebt wahr- 
scheinlich am Grunde sumpfiger Gewässer; die auffällige Kleinheit 
der Augen und die zahlreichen kurzen Fühlfaden an den Seiten des 
Kopfes deuten darauf hin, dass er mehr mit Tasten als Sehen sich 
behilft. Eine andere charakteristische Form sind die langgestreckten 
braunen Ciarias, in Borneo kale oder k'li genannt, vorn cyhndrisch, 
hinten mehr zusammengedrückt, einfarbig oder hell getüpfelt, mit 
langgedehnter niedriger gleichartiger Kücken- und Afterflosse; sie 
besitzen ausser den normalen Kiemen noch eine accessorische Höhle 
mit verzweigten Kiemenblättern unter dem Schädel, worin sie Wasser 
längere Zeit aufbewahren können; sie können sich dadurch in zeit- 
weise austrocknenden Gewässern am Leben erhalten, sollen sogar 
über Land nach andern Gewässern wandern. 

Eine analoge Einrichtung von derselben physiologischen Be- 
deutung besitzt bekanntlich eine andere Familie, die der Labyrinth- 
fische oder Blätterkiemer, welche zwar nicht artenreich, aber doch 
für Indien und seinen Archipel sehr charakteristisch ist. Die Laby- 
rinthfische im engeren Sinne sind kurze seitlich zusammengedrückt« 



Labyriiithfische . Sclilaiigcnköpfe, Ilcclitkopf. H03 

Staclielflosäer uut mittelmüssigeu oder eher kleinen Schuppen, aus- 
gezeichnet durch die grössere Anzalil einfacher kurzer Stachehi in 
der langgedelmten Afterflosse; oft ist der erste Strahl der Brust- 
flosse fadenart'ig, auflallend lang bei der Gattung Osphromenus; die 
vorherrschende Farbe ist ein trübes Grau in verschiedenen Nuancen, 
was gut zu ilirein Vorkommen auf schlammigem Boden passt, oft 
mit einem oder zwei grossen runden schwarzen Seitenflecken, bei 
verschiedenen Arten an verschiedenen Stellen, so in der Mitte des 
Leibes und nahe der Schwanzflosse bei Osphromenus trichopterus, 
der ausserdem noch durch rothes Auge und rotlie Strichelchcn am 
freien Rande der Afterflosse gesclimückt ist, oder auch sclion halb 
auf dem Grunde der Kückenflosse, wie bei dem sonst erdfarbenen 
Polyacanthus Einthovenii. Durch zahlreiche goldglänzende Längs- 
linien bei rothem Auge und schwarzer vorderer Hälfte der After- 
flosse zeichnet sich Helostoma aus. Die Fische dieser Familie werden 
überall zu den besseren Tafelfischen gerechnet, so der bekannte 
gorami, Osphromenus olfax, welcher deshalb auch oft von Eingebo- 
renen in Weihern gezüchtet wird und selbst durch französische 
Kolonisten auf der Insel Mauritius akklimatisirt wurde, am obern 
Kapuas kälowe genannt, und der biawan, Helostoma Temmiucki, 
dessen Rogen in Borneo sehr geschätzt wird. Verwandt mit ihnen 
und im Kiemenbau übereinstimmend, aber durch ihre gestreckte 
cylindrische Körperform und die Weichheit aller unpaaren Flossen- 
strahlen abweichend, sind die Seh langenköpfe, Ophicephalus, 
wegen des flachen, grossschuppigen Kopfes so genannt, malaiisch 
gabus, die bunteren auch toinan oder tuman und serandan in Borneo 
genannt, so O. pleuroplithalmus mit kleinen ziegelrothen, oft in 
Halbkreise gestellten Flecken an der Seite, und Oph. micropeltis 
K. H. mit einem breiten rosenrotheii, beiderseits indigoblau -ge- 
säumten Seitenbande, das sich bis auf die Schwanzflosse erstreckt. 
Sie sind als Speise beliebt und wie unser Aal durch zähes Leben 
ausgezeichnet. Auch noch den Kiemen nach zu den Labyrinth- 
fischen, den Flossen nach zu den Weichflossern geliört der Hecht- 
ko pf, Luciocephalus pulcher, neben der Kopflbrm auch in der nach 
hinten gerückten Stellung der einzigen Rückenflosse unserm Hecht 
ähnlich, aber viel kleiner, mit vorstreckbarer Schnauze, fadenförmig 
verlängertem ersten Strahl der Bauchflosse und blassen Längsstreifen 
an der Körperseite, bruson oder tom-brudjon von den Dayakern 
am innensee Danau Sriang genannt. 



•{04 MasiaromMui.. NotopUM'u.s. OsU'Oi;lo^i>uni. 

Üie bis jetzt erwähnten Familien der kcirpfen- und wels- 
artigen, sowie der Labyriutlifische bilden etwa ^ der Süsswasser- 
fische des indischen Archipels (unter den 94 Arten, die ich in 
Borneo sammelte, sind 38 Cyprinoiden, 17 Siluroiden, 11 mit laby- 
rintliförmigen Kiemen): es sind zugleich solche, die ausschliesslich 
oder doch nur mit geringen Ausnahmen (Plotosus unter den Silu- 
roiden) nur im SGsswasser vorkommen und dem Meere fremd sind. 

Zu den genannten gesellen sich noch einige andere Süss- 
wassergattuugen, welche nur wenige Arten enthalten, aber so eigen- 
thümlich sind, dass sie im System gegenwärtig als eigene Familien 
betrachtet werden, welche ebenfalls dem Meere ganz fremd sind; es 
sind das die Gattungen Mastacemblus, Notopterus, Osteoglossum, Sym- 
branchus und Monopterus. Die KüsseÜische, Mastacemblus (eigent- 
lich Mastac-embolus, Oberlippenschnabel) sind langgestreckte, fast 
aalförmige Fische, schleimig, mit sehr kleinen Schuppen, mit vielen 
freien Stacheln vor der niedrigen Rückenflosse und mit verhältniss- 
mässig kleinem Kopf, dessen Oberlippe in einem weichen beweglichen 
Uüssel verlängert ist; ihre Färbung ist trüb braun oder grünlich, 
öfters mit einer bestimmten Zeichnung, Längsstreifen oder rund- 
lichen Flecken. Am Danau Sriang erhielt ich den kastanienbraunen 
Mastacemblus erythrotaenia, beiSeminis den marmorirten hell grünlich- 
braunen M. maculatus. dieser wurde mir daselbst luntjing oder Un- 
ding genannt. Ihrer Färbung gemäss scheinen sie am Grunde der 
Gewässer, auf Schlammboden oder zwischen AVasserpflanzen zu 
leben. Notopterus, auf Java kapirat oderlopis, am obern Kapuas 
blida genannt, gehört zu den grössten Süsswasserfischen des Archi- 
pels; zu Sintang erhielt ich ein Kxemplar des K. chitala Ham. Buch. 
(hyp.*^elonotus Blkr.) von 0,668 Met. Länge: die Fischer stechen ihn 
daselbst mittelst eines Dreizacks, ganz ähnhch demjenigen, welchen 
die Künstler dem Gotte Neptun als Attribut zu geben pflegen. Die 
sehr charakteristische Gestalt dieser Gattunsr war schon den ältere 
Naturforschern des Archipels, Renard und Bontius, aufgefallen: 
schmal zusammengedrückt, mit konkavem Scheitel, kurzer aber 
ziemlich hoher Rückenflosse, verkümmerten Bauchflossen und sehr 
langer Afterflosse , welche mit der kleinen Schwanzflosse zusammen- 
hängt. Die Farbe ist auf dem Rücken grünschwärzlich, an den 
Seiten silbern, die Flossen mehr oder weniger dunkelgrau. Osteo- 
glossum ist der schönste Süsswasserlisch Borneo's, 0,62 Met. lang, 
mit grossen, am freien Rande goldglünzenden Schuppen; die kurze^ 



Vcrhrcitung der Süsswasseiiiseh - Familien. 305 

Rückenflosse wie bei unsenn Hecht weit zurückgeruckt, die Brust- 
ilosseu lang und spitzig, ein starker Bartfaden am Unterkiefer; die 
vertikalen und die Brustflossen schwärzlich mit breitem orangerothem 
Saum, der Bauch scharfrandig, doch nicht wie beim Iläring von 
einer, sondern von zwei Schuppenreihen gebildet. Am Danau Sriang 
bezeichnete man diesen Fisch mit dem Namen silo. Symbranchus 
und Monopterus sind aalähnliche Fische mit kleinen Kiemen- 
öflhungen, welche nur in den süssen Gewässern der heissen Zone 
vorkommen und überhaupt nur in wenigen Arten vorhanden sind. 

Von den bis jetzt genannten Süsswasserfamilien sind die der 
karpfenartigen und der welsartigen am weitesten verbreitet, die 
erstere fehlt nur in Südamerika und AustraHen, die zweite gehört 
überhaupt mehr den wärmeren Gegenden an und ist im Norden nur 
schwach vertreten, so nur durch P^ine Art in Kuropa und zwar 
allein in dessen östlicher Hälfte. Die Labyrinthfische gehören fast 
ausschliesslich dem tropischen Theil Asiens an: in Afrika sind sie 
nur durch die P^ine Gattung Ctenopoma vertreten. Mastacemblus 
ist ganz auf Asien beschränkt, erstreckt sich aber hier im Nord- 
westen bis Syrien, wo Russell am P^nde des vorigen Jahrhunderts 
bei Aleppo eine Art dieser Gattung, die ältest bekannte, gefunden. 
Zu Osteoglossum finden sich zwei nahe Verwandte, der eine in Süd- 
amerika, der andere in Australien. Dagegen fehlen unter den Süss- 
wasserfischen des indischen Archipels vollständig die lachsartigen 
Fische, welche im Norden beider Erdhälften eine so grosse Rollo 
spielen, ferner von den europäischen Formen noch Hecht, Stichling, 
Gn)ppe (Cottus) und Neunauge (Petromyzon), alle vier ebenfalls 
nordische Formen, aber auch die afrikani3chen Mormyrus und die 
Characinen, welche eigenthümlicher Weise in Afrika und in Süd- 
amerika reich vertreten, aber dabei Indien ganz fremd sind. Endlieh 
fehlen auch die dem gemässigten Theil der südlichen p]rdhälfte 
eigenthümlichen zwischen Hecht und Lachs stehenden Galaxias. 

Neben den bis jetzt betrachteten dem Süsswasser eigenthüm- 
lichen Familien und Formen linden sich aber wie in allen Erdtheilen 
und besonders in den wärmeren Zonen, so auch auf den Sunda- 
Inseln noch mancherlei marine Fiscliformen in den süssen Gewässern. 
So vertheilen sich die 23 übrigen Arten von Flussfischen, welche 
ich in Borneo beobachtet, auf dreizehn verschiedene Familien, 
deren Mehrzahl zahlreiche marine Arten innerhalb des Archipels auf- 
zuweisen hat. Wir müssen hier mehrere Fälle unterscheiden: 

Ott -Anco. Zoologisch. I äU 



;{0() I^'p^^l^iLMltalltCIl, Zii^tischc und Hrackwassei*fische. 

1. Die Art (oder (Jattuiig) kommt nur im SQsswasser vor, 
aber alle oder doch die allermeisten Verwandten der- 
selben, d. h. die übrigen Arten derselben Gattung und die 
ubrij^en Gattungen derselben Familie, leben im Meer. Mau 
kann sie als Re[)räsentan ten der Meeresfauna im 
Binnenlande bezeielinen. 

2. Die einzelnen Individuen wandern aus dem Meere zeitweise, 
mehr oder minder regelmässig, in die Flüsse hinauf: Zug- 
fische, in der I\eg«'l so, dass die Fische im erwach- 
senen, geschleehtsreifen Zustande die Flüsse hinaufsteigen, 
um dort zu laiehen, die jungen aber ins Meer zurück- 
kehren, wie in Kuro[)a der Lachs: aufsteigende Zug- 
fische, pisces anadromi. Der umgekehrte Fall, dass er- 
wachsene Flussfische stromab ins Meer wandern, um dort 
z\i laichen, und die jungen wieder ins süsse Wasser eiu- 
wandern, ist bis jetzt meines Wissens nur vom Aal bekannt. 

3. Die Arten (oder Gatr\uigen) leben hauptsächlich an den 
Flussmündungen, also ni Wasser von geringerem und zeit- 
weise wechselndem Salzgehalt, gelangen wohl auch auf- 
wärts bis in rein süsses Wasser, aber bleiben in der Nähe 
der Küste und fehlen d«Mn eigentlichen Binnenland: Brack- 
wasserfi seile. 

Für den Heisenden, dessen Beobachtungen an jedem Ort auf 
kürzere Zeit beschränkt sind, ist es nicht immer möglich, diese drei 
Ivategorieen bestimmt auseinanchr zu halten: was er hn Binnenlande 
erhält, kann zur ersten oder zweiten, was er auf den Fischmärkten 
der grösseren Städte an der Küste linth»t , auch zur dritten gehören 
oder zu den richtigen Meerlisch en und nur des Verkaufs halber aus 
etwas grösserer Entfernung herbeigebracht werden. Auf die Aus- 
sagen der Verkäufer ist dabei wenig z\i geben, denn sie beantworten 
gern jede Frage des Fremden, die nicht ihr nächstes Interesse be- 
trifft, mit Ja. Doch will \cA\ im Folgenden versuchen, die von mir 
beobachteten Fische nach jenen drei Katogorieen zu scheiden und 
beginne mit denjenigen marinen Formen, welche mir tief im ßinncn- 
landc vorgekommen sind und für die gegenwärtig kein Grund vor- 
liegt, ihnen eine regelmässige Wanderung zuzuschreiben: 

Pcrcoiden, barschartige Fische. Fnser Flussbarsch und 
dessen nächste Verwandte fehlen den süssen Gewässern der Tropen- 
zone, dagegen beobacht»tc ich zwei andere Gattungen im Binnen- 



Kepräscntnnten mariner Familien im Süsswasser. ä07 

laude ßorneo's, den Kapuas aufwärts bis in den Landsee Danau 
Sriang, 75 ^ogr. Meilen von seiner Mündung, dein Flusslaufe nach 
gemessen; den kleineren rimba-tawan, Ambassis inicrolepis (Bogoda 
macrolepis Blkr.),*') blassgelblich, mit grossem röthlichen Auge, 
Gabelschwanz und schwarzem Fleck an den vordem Stacheln der 
Ruckenflosse, und den grössern ringgau, Datnioides microlepis, bis 
0,84 Met, lang, rosenroth mit schwarzen Querbändern und schwarzem 
etwas breitem Endsaum der abgerundeten vertikalen Flossen. Die 
Intensität der schwarzen Zeichnung ist sehr verschieden, zuweilen 
sind die Bänder nur grau mit einzelnen entschieden schwarzen 
Stellen, und einmal fand ich die beiden Seiten Eines Individuums, 
das längere Zeit auf dem Trocknen liegen geblieben war, ganz ver- 
schieden, die eine Seite rothgrau mit schwärzlichen Bändern, die 
andere rein rosenroth mit nur sc^hwach angedeuteten blassgrauen 
Bändern: zeitweise Ausdehnung und Zusammenziehung der schwarzen 
Pigmentzellen ((^hromutophoren)*") dürfte diese Erscheiiuing, ähn- 
lich dem Farbenwechsel des (^hamaeleons, hinreichend erklären; 
vielleicht dient er auch hier dazu, die Farbe des Tliieres derjenigen 
seiner Umgebung zu nähern. Die Malaien am obern Kapuas wollten 
diesen Fisch nicht essen und behaupteten, sein Fleisch verursache 
einen üautausschlaii;. 

Den barschartigen Fischen im Aussehen noch sehr ähnlich 
ist die kleine Famihe der Nandidae, nach Bleekers Anordnung nur 
indische Süsswasserfische umfassend, während (iünther auch die 
marine Gattung Plesiops in dieselbe einbe^reift: es sind wenig an- 
sehnliche Fische, mit zahlreichen Stacheln in der Küekcnflosse und 
drei starken Stacheln in der Aftertlosse, trüb braun oder grünlich 
gefärbt, die Gattung Catopra meist mit lebliaft rothen Aut^en und 
rotlien Bauchflossen. Von dieser fand ic^h drei, von Nandus eine 
Art im Binnensee Danau Sriang. iNIan gab mir an verscliiedenen 
Stellen Borneo's verschiedene Namen für dieselben an , batong, 
bantu und ikan glabat: katoprak ist nach Bleeker der Name eines 
dieser Fische auf dem Fischmarkt zu Batavia und nandoo in einer 
der vielen Sprachen Vorderindiens. 

Die FamiUe der Hornhechte, Scomberesoces , wird in dem 
genannten Binnensee durch Belone canciloides Blkr. repräsentirt, 
eine Art, welche im allgemeinen Ansehen sich wenig von den in 
den Meeren Euro|)a's lebenden unterscheidet; auch im indischen 
Archipel finden wir mehrere marine Arten. Ihr allgemeiner Name 

V)* 



308 Ziig:(isc}ic : Aale. Alnusa. 

ist dort (Ijuloiig-djulon^, am Danau Sriang nannte man mir obige 
Art tongitong-buaya: das zweite Wort vergleicht ufienbar seine 
lange Srhnauze mit der dos Krokodils. Noch auflalligere Keprä- 
sentanten (b'r Mt»en'sfauna sind die drei folgenden Fische, welche 
ausgezeichneten und weit verbreiteten marinen Ordnungen angeboren, 
die ich aber am Danau Sriang und anderswo im Binnenlande Bor- 
neo*s selbst frisch erhalten habe und deren Körperbau gerade keine 
so grosse Schwimmfertigkeit andeutet, dass man sie zu den Wander- 
fischen rechnen möchte: es ist das eine kleine schwarzschnauzise 
Schollcnart, Svnaptura melanorhvncha , auch hier ikan-lida, 
Zun«^enfisch. genannt, ein bräunlicher, oben dunkel-, unten gelblicli- 
getlcckter Kröpfer, Tctrodon (Arothon) Palembangensis Blkr., 
tuugnl, bei den Chinesen in Mandhor sa-kwai, und eine kleine 
Seenadel, Sygnathus Martensi Peters.*'^) l^etztere ist bis jetzt 
noch nicht anderswo als in dem genannten Binnensee gefunden 
worden, die zwei andern sah ich auch sonst in Borneo und Bleeker 
erhielt beide auch von Sumatra, wie schon der Name des einen 
anzeigt. 

Kndlich ist die (lattung der Muränen zu nennen, welche 
zwar vorwiegend marin, doch durch einzelne Arten hier im süssen 
Wasser vertreten ist: so erhielt ich die gefleckte Muraena polyu- 
rano4lon Blkr. im Bergland von Sumatra bei Binduhati, etwa 
5 gcogr. Meilen oberhalb Benkulen: auch Bleeker kennt diese Art 
nur aus Flüssen. 

Als Zugfische, welche aus dem Meer oder doch aus dem 
^lüiulungsgebiet der grossen Ströme in diesen weit aufwärts wan- 
dern, mötdite ich. weniger aus direkter Krfahrung als nach der 
Analogie mit ähnlichen Fällen in andern Ländern den AaU einige 
Clupeoiden und die Paradiesfische betrachten. 

Aale (Aniruilla maculata Harn. Buch, und andere Arten) kommen 
in den Flüssen von Borneo, wie in denen der beiden andern grossen 
Sunda- Inseln vor. wo sie malaiisch mowa, javanisch sidat, sunda- 
nesisch lubang genannt werden.") l.udeking erwähnt wohlschmecken- 
der Aale aus dem Binnensee ^lanindju im nördlichen Sumatra.*') 

Tnter den Clu[)eoiden (häringsartigen Fischen) zeichnet sich 
A I a u sa Sinensis Bl. aus , ein Verwandter unserer deutschen Alse, 
welche im Mai den Rhein heraufkommt: ich erhielt zu Sambas in 
di»n ersten Tagen des April (1863) ein Exemplar von 0,28 Met. 



Fiscliroj^cn. Paradiesfi'iche. 309 

Länge« man nannte ihn ikan trubii und sagte njir, er komme all- 
jährlich zahlreich den gleichnamigen Strom herauf, sein Rogen 
werde eingesalxen und sei eine beliebte S[)eise. Ks ist dieselbe Art, 
von welcher Crawfurd, Moor und Cantor erzählen, dass er bei 
Malakka und im nördlichen Theil Sumatra's auch seines Rogens 
wegen in grosser Menge gelangen werde: er führt dort denselben 
malaiischen Namen, die Kngländer daselbst nennen ihn, wie in 
Bengalen eine verwandte Art, ganz passend slijCd, was ursprünglich 
die englische Benennung der europäischen Alse ist. •''°) Ein anderer 
häringsartiger Fisch , der im (lebiet des Kapuasstroms von Pontianak 
bis zu den Binnenseen aufwärts vorkommt, ist die dem euro[)äisrhen 
Anschovi verwandte Kngraulis crocodilus Rlkr. , nach dem tief ge- 
spaltenen Rachen so genannt, mit verhältnissmässig grossem Auge 
und sehr langgedebnter Afterilosse: die Rückenflosse nach hinten 
gerückt, die Bauchflossen sehr klein, die Sch\Nanzflosse tief gegabelt, 
lebhaft rötldich, der untere Lappen ein wenig länger: zu Rontianak 
erhielt ich 3Iitte April ein Exemplar von 0,iö6 Met. Länge, am 
Binnensee Danau Sriang in der zweiten Hälfte des 3Iai nur kleine 
Exemplare von nur 0,05 Met.; es lässt sich das gut so auslegen, 
dass dieser Fisch aufwärts wandert, um in den Seen zu laichen, 
dann aber wieder abwärts zieht, während die Jungen ihre erste 
Lebenszeit oben zubringen: doch ist das bis jetzt nur \\M'nmthuiig. 
Die Paradies fische, Polvnemus, we^jen der laiiüen freien 
Strahlen an der Brustflosse so genannt, malaiisch kuru oder kurau. 
in Singkawang mir auch senangin (P. tetradaciylus) und tjungut 
(P. Iiexanemus) genannt, sind grosse kräftige Fische mit haifisch- 
artig vorspringender Nase, durch gestreckte Körperform, tief ge- 
gabelte Schwanzflosse und zwei gut entwickelte Rückenflossen, die 
eine den Bauchllossen, die zweite der Afterflosse gegenüber, zu 
energischem Schwimmen befähigt. Sie werden hauptsächlich nahe 
den Mündungen grösserer Ströme» gefunden, wandern in denselben 
aber auch aufwärts, nicht nur soweit die Fluth rei<*ht, wie von 
Einigen angegeben wird,^*) sondern weit ins Binnenland hinein; so 
erhielt ich zwei Exemplare von P. multifilis Schleg. im Monat Juni 
in Sintang, 55 geogr. Meilen vom ^leer, dem Flusslaufe nardi ge- 
messen, das eine 0,741, das andere nur 0.244 Met. lang. Die Fär- 
bung im frischen Zustand ist bei dieser Art und bei P. tetradactylus 
hiass silberglänzend, die Flossen mehr oder weniger röthUch; P. 
hexanemus dagegen ist graugelbhcli ohne Silberglanz, die Brust- 



ilu-^^itTi Ulli !ii* II*: iirr. --l-r .ii: j'vi .V'»ii*;i ^rra-iiit-ri iiiiror -ienselben 

.ini-li \i i'.i 'ü i;'ir!'*fr. \ •:: :'.r l'!ii>sf :i'.naiit';reiien. w»*nii;- 
-»reTjs -^nt^t-* i»!!' '..•!•. !iii:iMu- .11 "^inrtint:. ia>s iorr /ii\v«*üt*n rsoUrlie 

.nu^*« :ii:iii iiiriiii-;!«* A;i^:ii'i*ii 'ii»-r .lairi.-fiir riiiine innen, «ia müsr- 
.ii-:ie'."\ '•;.si» ii'i s>r» l\:f:i;n!;ir * Irr -Imti •r.v:iliiiri»ii Polvriemus von 
!.;fcu*:j '.Vir ^i.m'Ih- ,'■■'. :iiri-:i v -r L-'n i'!:i:'.ri*n. 

['•t'>i*"A 1- «-i-Ihvj :!.• .: -v u ;i;;iiv[n»ri yainiiifa irnx'Mionir. weir 
.m inni-r:! it-^ I.iiivl.-. i^'-^'äiiiij: lit-r iiirij .:<Mr^v»»is«* vorkommen. 

■V -i.^ii.» .«'ii luir ^n !rr .\ '.y^ri':\'Z-'-^'ri'i. i:inii»ii";ii-ii .:u Ponrianak und 
^Mi'jli.w ir.ij . .r!.»-;iii ^»'-tvii'r; iii-:" i.-fii '.V>«*ii -".•!iai---n : von einigen 
v-^^ ,.|j T .•\ .» IM«: ■■ »1 ii^r .Mi'iii'nn.i. :^!^ .:ti V'Tmiirlii'n . dass sie 
!fi -.v rAÜ»*!! -i:'-*!r:ii ^A i--»'!' ^-^rViüci.»:! -.v-*!' i-vi. lijer 'lo«:!i habe iL'h 
-»irt •.Vf»;ri^r uit'-viii-^ i.i-:;' :i.i':»l" :/i . — iiriiT 'jrMi.aninrQ. aiu'ii da nicht, 
'.vi^ .i'li .aniT'^r-* Z«"." "" t'x Mi.:-' i;iii '"fl >ti»\vas«itM'tisi'iii» erhielt, wie 
/.. Tl. .11 ,\[.in«i ;.';!• ;:;-: ^r.Müj:. iaiitu' :!i< '■«•:. 't» ii'ii st^hiiessen. ila;»s 
-«ie .niMiT wii»!" A-^ni-j;*!' -'r-n;: lu:' Ü-' Iv is^'-üiX^'-^'^Lül ijes4'hrünkt siml. 
Ffierlier 2 »ii«ir-:i ^rnr^.ywvz':^ yin^'.l. :.»• ioiioul-'n i:iii Blennioijen. 
'^ Vi •■ .:)!. i^;- .\.rj:\s [... ^n Sr;it;i:,-i.:l* ss.^* aus «ler Familie 
liT "*••!. :r)'-,»'n:!i,-s.-r ^-.i i.r.'r-r*!:::'-»^ •!=*?' ";ia-''"Oti.:.ri::iiaei . malaiisoh 

i 1 » ■ 

it.M,er 'j-ii^r k;rj'*r. j:'\\'.- .r.u^7'\.\ 111:" /.:r;.!rt»;i:[ii*ri liie.aea run»ilichen 
i' !•*.•!%•»:-. '. .n ?.ri:;r.«»r :*irr -■:*-.v-irz..t'!>T L*'irlje ssr im Kapuasstrom 
..*\\ T' /r.'i.ir.-iA :■. .-ii" -v'r*... ['i »^r v.,r. B»"na'i-^'ii h\< zu ilen ilo- 

lii:i-»:v." . He;:.s- :,,-• l'i!. "i' ::'-i' .ii.l-*:. -i'ii'. -. iL.''"*) a' ■ i>r er v\-.)hl als 
\I.^i^-tl:4.-|j /!. ■ «--rai':;"»-:! . •i'*r n^ir --'ü '.Vf^r.iii: i:i 'iie Flüsse herauf- 
k irrir:".^. N.i^:.' :^'*I.-.' ^ '.---a :i.-^i*r:i-«-li :-" vi.^lLt'iiV." ein.> andere <^at- 
"iülj: •!'*r-»*i:7e:i K'ir.....-*. :!-:* S ^, r; 'z 1 1 -■' h. T'jx-.-"es jaj'ulacor. ma- 
la!: -«i^!. ".A3fi -^'ir-.ji.'. F'!:i*ri 11 ::>•:!;. ■! ;:■ -li ^^rir-e IvT^ii'-r, Insekten auf 
•> i r; ". er- F r. *■ iV r r. ■ : r. -j: l : *• :"\ ! / - . - r- :-. ' :v :; . ! .■ 1 ■ r". L n: * : ■ i '.m;!! \\ eiss wl\ keinen 
F^'!. rla«*-« Kf 'AirkÜ'*!. :in B.iir.-rilafxi«* :;^:';iii'lr-a u-.trden . wohl aber 
-oll -iüili -:• '. ofi B'-r.^a[r*r. b> zu -len M<jlukkrn und Neuguinea 

M'isil. M«-'*rri«;.'li-. i.oÜändisi.'h har'ler. eri^lisch jjrev mullet. 
niJ»Ia':i<^»:h }i«"!ariak o Ir-r irailr-h. auf 'len Molukkru -joru oder grua: 
f\'\f^f ^iar^^inar v»Thn!r ^'.nh im huilsolion Ar«*hipel älinlich wie in 
Furopa. «li»' l»-hf hatipr-j-äi-hlirli an Flii-suifinduiiiren und in LagiiD^"" 



(robioidoii. Spriiijrfisclio. 311 

bilduugen, konmit aber auch gelegentlich in süsses Wasser lierauf, 
ohne jedoch die Küstengegeiid zu verlassen. Aul" den Fischmärkteu 
ist sie meist reichhch vertreten. 

Gobioidei, Meergrundeln. Kbeufalls wie in Südeuropa 
ist auch im indischen Archipel die Gattung Gobius noch im Brack- 
wasser und auch in rein süssem Wasser vertreten, doch fand ich sie 
nur in der Küstengegend. Ausgezeichnet durch seine horhgelbe 
Farbe, mit breiten schwarzen Querbänderu und dazwischen schwarzen 
Punkten, also die Färbung unseres Erdsalamanders, ist Gohius xan- 
thozouus im süssen Wasser des Kapuasstromes bei Ponlianak, aber 
noch unter dem Kinfluss von Kbbc und Flutli. Entschie(h'nere Süss- 
wasserarten enthält die Gattung Kleotris, mit einander si'hr genäherten, 
doch noch getrennten Bauchflossen und punktirter Zeichnung der verti- 
kalen Flossen, w«)runter zwei weit von einander getrennte Jxücken- 
flossen: der Körper braun, einfarbig oder marmorirt; ich sah sie 
zwar auch nur in der Küstengegend, wenn auch in rein süssem 
Wasser, sowohl in B«jrneo bei Pontianak. als in Sumatra bei Pa- 
lembang, aber Dr. Thepass schickt(» aucii von Sintang, also aus 
dem Binnenlande von Borneo, eine Art, Kleotris marmorata, an 
Bleeker, und e])enso kennt man auf andern Inseln (lobioiden in rein 
süssem Wasser, z. B. Sicydium cynocephalum im Flüsscheu Tji 
kadjang auf Java, über !WOü Fuss hoch über dem Meer. '^■') 

Ganz cliarakteristis(di für die Brackwasserregion sind aber 
wiederum die Springfische, Periophthalmus und Boleophthahnus, 
malaiisch blodok. in Singapore auch hsa, kenntlich an dem schmalen 
Kopf, den hochstehenden einander sehr nahen Augen und den wie 
auf einem besondern Aermchen sitzenden Brustflossen. Diese Fische 
sieht man häufig auf Schlammflächen nahe den Fhissmündungen ein- 
hergehen — man kann es kaum anders ])ezeichnen. Wenn unge- 
stört, sind sie dabei fast immer über Wasser und kriei!hen durch 
gleichzeitiges Vorsetzen beider Brustflossen, während der Rumpf 
iu diesem Moment auf die Bauchflosse gestüzt, sich etwas erhebt; 
dann werden die Brustflossen in den weichen Grund eingedrückt, 
dadurch ilxirt und durch die Armnmskeln der Rumpf nachgezogen; 
damit ist ein Schritt gemacht. So geht es ruckweise, doch langsam 
und geräuschlos vorwärts; die Rückenflosse ist dabei oft hochgehoben. 
Auf ganz weichem Grunde hinterlassen sie dabei als Spur eine sanft 
wellenförmig gebogene Linie mit paarweise einander gegenüber- 
stehenden queren Eindrücken zu beiden Seiten. Solche Spuren sah 



312 l)iesoll)Cii Arten in Roniro und Sumatra. 

ich in Menge, oft sich kreuzend, an der flachen Küste von Mampawa 
(Borneo): man könnte sie auch wohl einmal Ibssil finden. Näherte 
icli midi den Fisdien auf einige Schritte, so eilten sie rasch in fuss- 
langen wiederholten Sprüngen davon, seltener tauchten sie ganz in 
den weichen Scidamm unter. Bei der hohen Lage ihrer Augen sehen 
sie gut auf einige Knti'ernung. entfliehen auch, wenn man ganz ge- 
räuschlos nalit, und messen ihre Sprünge nach den einzelnen Gegen- 
ständen, die im Wege liegen, z. B. Steine oder Baumwurzeln, so ab, 
dass sie gleicli an diesen Deckung finden. Auf härterem Grunde 
konnte ich manchmal erkennen, dass unmittelbar vor dem Sprung 
ilir Rumpf eine welleuförmige Biegung annahm, so dass der »Sprung 
wahrscheiidich durch rasches Strecken desselben erfolgt. Da sie oft 
auf kahlen ganz weichen Sehlanunflächen sich herumtreiben, wo ein 
Mensch tief einsinken würde, so gebrauchen die Eingebornen zu 
ihrer Verfolgung ein Brett, auf das sie das eine Knie stützen, indem 
sie es dabei fortschieben. 

Aus andern schon vorher erwähnten Familien erwähne ich 
hier noch zwei Clupeoiden: Kngraulis rhinorhynchos und Coilia 
(juadrifilis, sowie eine grössere Zungenart, (Vnoglossus lingua, die 
ich nur zu Singkawang, sowie einen zweiten Kropffisch, den kleinen, 
oben schwarzen, unten blassgelben Tetrodon (Chonerhinus) mode- 
stus Blkr. , den ich nur zu Pontianak friscrh erhalten, und weicheich 
daher alle zu dieser Kategorie der Brackwasserfische rechnen möchte. 

Im Bisherigen ist zunächst nur von (h*n Süsswasserfischen 
Borne OS die Hede gewesen, da ich auf dieser Jnsel am meisten 
(lelegenheit hatte, solche zu sammeln. Wie schon !)ei den Säuge- 
thieren und Vögeln hervorgehoben, sind auch hier die meisten 
Arten mit Sumatra gemeinsam, unter den von mir beobachteten 
(JÜ Süsswasserfischen im engeren Sinne, d. h. mit Ausschluss der 
Zug- und Brackwassi'rfiscln», 55 Arten oder fünf Sechstel auch in 
Sumatra theils von mir gefunden, tlwils d.irch Dr. Bleeker's Arbeiten 
konstatirt,^") darunter so eigenthümliche und cliarakteristische For- 
men, wie Osteoglossum, Synaptura melanorliyncha, Luciosouia. 
Botia u. a.; einige andere sind wenigstens aiu'h auf dem zwisclien- 
hegenden, Sumatra viel näheren Banka, so dass ihr Vorhandensein 
auf Sumatra selbst wahrscheinlich wird, so z. B. Luciocephalus und 
die darnach benannte Chaca Bankanensis. Es bleiben demnach als 
ausschliesslich Borneo angehörig nur wenige, etwa sieben Arten 
übrig, und auch von diesen ist es d\irchaus nicht unwahrscheinlich. 



Mangel an Süsswasscrfischcn im Osten. 313 

(1as8 sie noch in Sumatra zu finden seien, wo die grösseren JSeen 
und mehrere Stromgebiete ichthyologisch noch unbekannt sind. 
Vermuthhch ist auch eine nicht unbedeutende Anzahl der Süss- 
\vasserfische Borneos auf der malaiischen Halbinsel vorhanden, so- 
weit hier nicht die geringere Entwicklung der Flüsse und Seen be- 
schränkend wirkt. Im wasserreichen Kü.'^tenlande Siams finden wir 
eine ganze Anzahl derselben Süsswasserfische wieder, namentlich 
Cyprinoiden (beinahe ein Drittel). 

Andererseits fehlt dagegen schon auf Java mehr als die 
Hälfte der zwischen Borneo und Sumatra gemeinsamen Arten, 
namentlich die eben als charakteristisch genannten Formen, und luiter 
den (56 Arten Borneo's weiss ich nur von vier, dass sie auch in 
Java, aber bis jetzt niclit in Sumatra gefunden worden sind. Da 
Java unverhältnissmässig besser durchforsclit ist als Sumatra, dürfen 
wir wohl vermuthen, dass auch diese noch in Sumatra zu finden 
sind und dass überhaupt die Süsswasserfauna Javas sich nur negativ 
durch den Mangel mancher Gattungen und zalilreicher Arten, niclit 
aber ])Ositiv durch das Auftreten eigener Gattungen von derjenigen 
seiner beiden grösseren Nachbarinsein unterscheidet. 

Mit Celcbes beginnt nun aber eine weit grössere Armuth 
an Süsswasserfischen, indem von hier an durch den ganzen 
östlichen Theil des Archipels die eigentlichen Süss- 
wasserfamili en unter den Fischen fehlen: Die Gyprinoidon 
mangeln völlig, ebenso die Süsswasser-Nandoiden. die (iattungen 
Mastacemblus, Notopterus und Osteoglossum; die Siluroiden sind 
auf den Molukken nur durch die marine Gattung Plotosus'*') und 
auf Celebes auch noch durch den ebenfalls im Meer lebenden Nasen- 
wels, Arius thalassinus Kupp. (Netuma nasuta Blkr.) und liocephalus 
Blkr. , die Labyrinthlische auf Celebes und den 3Iolukken nur durch 
eine wahrscheinlich eingeführte Art von Ophiceplialiis (striatus V. \'.), 
auf Celebes allein nach Bleeker auch noch durch zwei Arten der 
Gattung Anabas vertreten. Ks sind daher hauptsächUch die oben 
als Zugfische und als Brackwasserfischc betrachteten Gattungen, wie 
die Aale, einige Percoiden und manche Gobioiden, welche in Celebes 
und auf den Molukken die Süsswasserfauna bilden^*) und von denen 
mehrere Arten bis jetzt auch nur im süssen Wasser gefunden wor- 
den zu sein scheinen, wie Dules marginatus und maculatus, Gobius 
grammepomus und P]Ieotris Hoedti., während die ]\lehrzahl auch im 
Meer oder doch im Brackwasser (in aquis tluviomarinis. wie Bleeker 



314 Süsswashorki-ahbcij. 

saj^t) lebt. Timor verhält sioli in Bezu<j auf Süsswasserfisclie ganz 
wie die Molukken. auf l'lores hatte ich leider keine Gelegenheit, 
Süsswasserfisclie zu erhalten, und erst von Bali, der Java nächst<^u 
Insel, kennt man wieder einige wenige C'ypriuoiden, Susswasser- 
.Siluroiden und Labvrinihtisrhe, und zwar solche, die durch alle 
grossen Sunda- Inseln verbreitet sind.^*) 

Die so schwache Kntwicklung der »Süsswasserfauna in der 
Ost heben Hälfte des Archipels rührt wohl zunächst daher, dass fast 
nur kleine Flüssi'hen oder Bäche mit steinigem (inind und veränder- 
h(!hem Wasserstand vorhanden sind: nur für Celebes reiclit diese 
Krklärung nicht aus. da doch z. B. der See von Tondauo eine an- 
sehnhche Wassermasse i)esitzt, in der sieh schon Cvprinoiden und 
Siluroiden behaglich i'ühlon könnten. In dem Mangel dieser zwei 
Familien von Süsswasserfischen stimmt der östliche Theil des Archi- 
pels mit seinen östlichen und südlichen Nachbarn, NeuhoUaud und 
den kleinen Inseln des stillen Oceans überein. Südamerika hat zwar 
noch zahlreiche Süsswasser- Siluroiden, aber keine Cyprinoideu. da- 
für eine andere zahlreiche Süsswasserfisch-Famihe, die Charaeinen, 
welche Asien ganz fehlt :*^'^) Südafrika besitzt alle drei. 

6. ^Virbollose Süsswassortliiere. 

Die erste Stelle unter ihnen nehmen die Krebse und Krab- 
ben ein; unter letzteren kann man einzelne sogar als Landthiere 
betrachten, so fand ich im Binnenland von Borneo, bei ßengkayang, 
einzelne Krabben im feuchten Wald, fern von Bächen oder Teichen, 
und in der Stadt Amboina wurde während meiner Anweseulieit ein 
grosser (Jecarcinus (Cardisoma) carnifcx Herbst in der Speisekammer 
meines Wirthes lebend gefangen. Die Süsswasserkrabben gehören 
den (.lattungen Parathelphusa (auf Borneo und Sumatra), Sesarma 
(durch den ganzen Archipel) und Ilelice (Timor, Flores) au. !Noch 
grösser, daher auch regelmässig auf den Markt gebracht, sind die 
l^üsswasserkrebse des indischen Arrhipels, malaiisch udang oder 
hudang, bei den (^hinesen auf Borneo hakun genannt, nicht deui 
bekannten euro[)äischen, Astacus, verwandt, sondern systematisch zu 
den (iarneelen oder shrim[)s, Palaemon, gehörig, seitlich zusammen- 
gedrückt, mit langem sägeförniigem Schnabel und noch längeren), 
oft schön himmelblauem Scheereupaar. Auf Borneo fand ich die 
grossen nur im untern Kapuasgebiet und weiter oben, namentlich 
in den Seen, nur kleinere Arten: übrigens sammelte ich solche 



Krehsc und Insekten des Sfisswassers. H15 

{i^rossc Garneelen ebensowohl auf den Molukken, z. B. Aniboina 
(Pal. ornatus Ol.), auf Fiores (Pal. lürtinianus Ol.), als auf Celebes, 
den drei grossen Sunda- Inseln, Malakka und in Siani (P. forceps 
M. E.?). Alle gehören zu derjenigen Abtheilung der (Jattung Palae- 
mon. welche zwei Stacheln hintereinander am Augenrande trägt, 
eine Abtheilung, zu welcher auch die grossen Süsswasserkrebse Süd- 
auierika*s (P. Jamaicensis Herbst) gehören und welche noch im Nil 
darch eine kleinere Art, P. Niloticus Klunzinger, vertreten ist, wäh- 
rend alle europäischen Arten, sowohl die marin<»n, als diejenigen 
der italienischen Seen, P. lacusstris Martens, anderen A])theiUingen 
angehören. Ausser ihnen, aber weniger häufig, findet sich noch eine 
andere (iattungSüs8wasser-(iarn(*elen, Atya, im indischen Archipel, 
durch die gleichfingrige pincettenförmige Form der Scheeren aus- 
gezeichnet; sie wird aber weder so gross, noch ist sie so häufig als 
jene Palaemon , spielt daher für die Eingebornen keine UoUe. \'on 
kleineren Crustaceen aus den Ordnungen der Amphipoden ((reizen) und 
Isopoden (Asseln) ist mir, obwohl ich einigermaassen darauf geachtet, 
in den süssen Gewässern des Archi[)els niclits anderes vorgekommen, 
als ein kleines Sphaeroma in einem Bach auf Singapore, und eine 
neue Aega an einem Süsswasserfisch aus Boriico.*'*) 

Die Insekten der süssen (rcwässer des Archipels stechen 
weniger auf den ersten Aid)lick gegen die europäischen ab, wir 
linden ähnliche AVasserkäfer wie bei uns, theihveisr nach Dr. 31oh- 
nicke's Angabe sogar dieselben Arten; in Makassar samm«'ite ich z. B. 
den Dytiscus (Eunectes) sticli(Uis L. und Berosus attenuatus F., auf 
Sumatra mehrere Cybister- Arten, auf Java, Sumatra, Borneo und 
Timor ferner sah und fing ich Wasserläufer, Hydrometra, auf Java, 
Borneo und Celebes AVasscrskorpione, Kanatra. auf Timor bei 
Atapupu einen llü(^kenschwimmer. Notonecta, von ganz europäischem 
Habitus, bei Makassar eine neue Art der (Gattung Ploa. Ausgezeichnet 
durch ihre (f rosse sind einige Wasserskorpione, wie Belostoma gigan- 
teuni auf Java und Sumatra, GO Mill. lang. Von Libell(»n, malaiisch 
tjapung, sind im ganzen Archipel rothleibige. dunkeltlüglige Agrion 
häufig. In Borneo, auf dem Kapuasstrom, fand ich einmal Ende Mai 
1863 zahllose Eintagsfliegen, schwarz mit grünen, an der Spitze 
weissen Flügeln und drei Schwanzfäden, schaarenweisc dicht über 
Wasser, die Endfäden oft eingetaucht, bald stromauf, bald stromab 
fliegend. Den Einheimischen war ihr rasches Erscheinen und Ver- 
schwinden auf dem Flusse wohlbekannt, sie hatten für das Insekt einen 



Hl() Sfiss\vasscr-Srhm.'ckeii und - Miisi'hclii. 

eigtMicii oinfachen N.amrn: ladu, und die angesiedelten Europäer be- 
trachteten es als eine l)esündere Kigentliümlichkeit des Flusses, ohne 
zu ahnen, wie oft dasselbe Pliaenonien schon in P^uropa vorgekommen. 

l'eber Süsswasser- Anneliden fehlt es für den indischen 
Archipel noch sehr an Nachriciiiten; ich habe wiederholt kleine Blut- 
egel gefunden und erhielt auch solche von den Aru- Inseln durch 
Herrn Le Pique auf Amboina. 

Bei der geringem (J rosse der Flüsse sind auch manche SüiB- 
wasser-M ollusken im Allgemeinen weniürer gross und ausgezeieknet 
als in den Küstenländern von Siam und China; namentlich gilt 
dieses von den Najadeen ( l'nio inid Anodonta). bei welchen »ich 
sogar derselbe (Jegensatz noch st^härfer zwischen dem östlichen und 
westlichen Theil des Archipels aussj)richt: die Halbinsel Malakka 
und die ihr nächste Insel Sumatra besitzen noch sehr grosse, den 
siamesischen ähnliche Unionen: auf und von Borneo, trotz seiner 
grossen Flüsse und Seen, sind mir nur kleinere bekcinnt geworden, 
und das viel genauer durchforschte ,Iava hat ebenfalls nur verhält- 
nissmässig kleine und wenige Arten geliefert. Auf Celebes, den 
Molukken und Timor scheinen sie ganz zu fehlen®-) luid man kann 
nicht einmal sagen, dass sie daselbst von den grossen Cyrenen mit 
glatten Seitenzähnen (C cyprinoides und ähnliche) ersetzt würden, 
da diese meiner lu'fahruug nach im Brackwasser leben. Die grös- 
sern Süsswasserschnecken, wie Paludina und Ampullaria, finden in 
(.'elebes ihre (iränze und fehlen gänzlich den Molukken, ebenso ist 
mir und Andern auf den Molukken, sowohl Ilalmahera und Ternate, 
als Ceram, Amboina und Bandagrup[)e nicht Eine Art aus der Fa- 
milie der Teichschnecken, Limnacacecn. vorgekommen, und erst 
wieder auf Timor eine Phvsa und eine Linjuaea;*") selbst auf den 
grossen Sunda- Inseln zählt sie nur wenige und unscheinbare Arten, 
keine davon mit unseren deutschen Limnaeus stagnalis, palustris 
und Planorbis corneus zu vergleichen, während Siam wenigstens 
noch Kinen massig grossen Planorbis, PI. Indiens Bens., besitzt. 
l)a":e!rcn sind die ilclanien und Neritinen. Schnecken rasch fliessen- 
der (fcwässer mit steinigem (i runde, durch den ganzen Archipel 
reich vertreten und nehmen im Allgemeinen an Zahl und Grösse 
eher nach Osten als nach Westen zu, wie die riesige Neritina labiosa 
des nördhchen Celebes, ,')'i ilill. breit, 46 hoch und 30 dick, das 
Uothauge, Neritina pulligera, und die Fhisspabstkrone. Melania 
amarula. beide auf der verhältnissmässig kleinen Insel Amboina. 



Susswasscr - Schwuitim. Brack wassert liiere. 317 

zeigen, denen Java und Sumatra keine gleich grossen V^erwandten 
entgegenstellen kann. 

Siisswasser-Brvozoon und Räderthiere dürften auch auf 
den Inseh) des indischen Archipels noch zahlreich zu finden sein: 
erstere sind in Vorderindien nicht selten*^) und aucli auf den Philip- 
pinen nachgewiesen, wo Herr F. Jagor eine IMuniatella auf Vallisneria- 
blättern im Fluss Lihmanan und im See Buhi auf (k'r Insel Luzon 
nachgewiesen hat; hetreffs der letzteren verweise ich auf die oben 
S. 232 erwähnte Melicerta. 

Aus den niedrijjeren Thicrklassen macht sich nur ein Geschöpf 
auch dem Laien auflallig. ein wespennestförmiges Gewächs, dunkel- 
braun und hart, in den Binnenseen von Borneo an den Zweijjen der 
Bäume, welche ins Wasser hänj:>;en, so dass es je nach der Höhe 
des Wasserstandes bald über bald unter AVasser sich l)eiindet. Dr. 
Hunnius, leider nun audi verstorben, madite mich zuerst darauf 
aufmerksam und sprach dabei seine Meinung aus, dass es nicht von 
In.sekten gebaut, sondern selbst gewachsen sei: später hatte ich im 
See Danau .Sriang Gelegenheit, es sell)st zu sehen, aber leider bei 
dem niedrigen Wasserstand nur eingetrocknet über AVasser. Die 
Untersuchung dieser Exemplare ergab aber schon, dass es in der 
That eine Süsswasser - Spongie sei, und Khrenberg hat in dem 
ihr anhängenden Schlamm auch noch einige Süsswasser-Khizopoden 
(eine Difilugia und mehrere Arcellinen) aurgefunden/**^) 

7 . Bra ck wassorth ic re. 

Von den Süssw;'.sser- Bewohnern treimen sich ziemlieh scharf 
die Brackwasserthiere oder su])niarinen Thiere. eben dad\irch, dass 
sie nur in der Nähe des ileeres leben, ohne aber doch als wirk- 
liche Meeresbewohner gelten zu können. AVollte man sie nicht als 
eigene Abtheilunc: der Fauna betrachten, so känu* man bei vielen 
davon in Verlegen heit, ebensowohl ob sie zu den AVasser- oder 
Luftthieren, als ob sie zu den Snsswasser- oder Aleerthiercn zu 
rechnen seien. Ilieher gehört vor Allen die Familie der Ohr- 
schnecken (Auriculaceen), über welche bekanntlich schon seit 
(). Fr. Müller, Cuvier und Ferussac derartige Zweifel herrschen. In 
Ostasien habe ich die Auriculaceen nur in der Nähe des Meeres 
und nur wenige Zoll über dessen Niveau, an morastigen Stellen, 
wo süsses Wasser dem Meere zufliesst, gefunden, sei es auf dem 
Schlammboden selbst oder an, selbst in durchfeuchtetem, lebendi- 



iJlS VorkomnuMi ilor AMiiculacroii. 

goin oder fauleiulcin Holze. Zur Zeit, als ich sio fand, waren sie 
meist an der liuft, da selbst verstäiullicli die Ebbezeit zu solchen 
Exkursionen benutzt wurde, und sie krochen auch an der Luft — 
im Trocknen kann man hier nicht sajjen — mit ausgestreckten Füh- 
lern umher, aber ihr Fundort lag in den meisten FäUen so, dass er 
bei gewöhnlicher Fluthhöhe vom Wasser erreicht werden musste, 
entweder vom Meerwasser selbst oder an andern mehr landeinwärts 
liegenden Stellen von dem durch die Fluth aufgestauten Flusswasser. 
So beobachtete ich es bei Auricula Midae, Judae und der kleinen 
A. subula (). Ct., ferner bei verschiedenen Arten der Gattungen 
Scarabus, Cassidula und Melampus (Conovulus), ohne einen wesent- 
lichen rnterschie<l zwisclien den einzelnen zu finden: höchstens mag 
vielleicht Scarabus ein wenig früher landeinwärts auftreten, Melam- 
pus ein wenig weiter seewärts ausharren. Eigentliche Eandschuecken, 
d. h. Arten aus den Familien der Ileliceen oder Cvclostomaceen, 
fand ich nie lei)eiul in (icsellschart lebender Auriculaceen, obwohl 
öfters todte mit todten zusammen, und nur in Einem Falle, an der 
tlaclien Sandküste von Mampawa (Romeo), lag die P^rklärung, che 
Landschnecken-Schalen seien todt vom Wasser herab- und hier 
angeschwemmt worden, ferner als die X'ernnithung, dass an der 
betrellenden Stelle auf schon salzhaltigem Boden mit kärglicher 
(irasveijetation in der That die Lebensbezirke beider Schnecken- 
familien, von der einen Seite lielix Winteriana und eine Steuo«rvra, 
von der andern Scarabus plicatus, sich berühren.*") Wesenthch 
verschieden ist übrigens der Aufenthalt zweier anderer Auriculaceen- 
(iattuugen, welche bis jetzt noch nicht in dem hier behandelten 
geographischen (»ebiet gefunden sind: Carvchium lebt im Hinnen- 
lande fern vom ileer im Feuchten, wie jeder deutsche Schuecken- 
samnder weiss, und Tedipes fand itdi auf Madeira am offenen 
Meer in Felsenspalten, bei Ebbe über Wasser, aber ausser aller 
Heziehung mit süssem Wasser, ganz wie Litorina: ebenso beschreibt 
schon der Entdecker der (Jatlung. Adauson, ihr Vorkommen. IMe- 
cotrema s«dieint ähidich wie Pedipes, dem es auch im Habitus der 
Schale sich nähert, zu leben, aber auch einige Arten von Mclam|ms 
dürften nach den Beobachtungen anderer Forscher ebenso an Stei- 
nen im ^leere selbst lel»en. 

Zu den Brackwasser- Schnecken gehört f«»rner als charakte- 
ristische F(»rm die (iattung Assiminea, auch in Europa durch 
<»inzelne Arten, z. B. eine an der Themsemündung, vertreten. Von 



Neritincn. Potaniidcs, Tyrcnen. 319 

grösseren Susswasscr-dattungen (oder in neueren Hysteineii Fami- 
lien) sind die 31elanien nur durch Pirena, die Ncritinen durch 
die Artengruppen der N. erepidularia. der N. communis und N. dubia 
in der Brackwasserfauna vertreten; letztere (Neritodryas) ist sogar 
fast als I^andthier zu betrachten , ich fand sie in Harjan auf den 
Zweigen und grünen Blättern der Manglebüsche mehrere Fu&s über 
dem Boden, an der Luft umherkriecliend: aber keine andere Land- 
schnecke neben ihr und der Boden war weicher iMorast, läng:« einer 
Flussmündung und fast im Niveau des Äleeres. Aehnlich fanden es 
andere Forscher. "^) 

Von Seiten der MerrmoUusken greift hauptsüchlicli die Gat- 
tung Cerithium in das Brackwasser über; die Palaeontologen haben 
schon frühe solche scheinbare Süsswasser-Cerithieii als eigene Gat- 
tung Potamides unterschieden: anfangs von den Konchyliologeu 
wenig beachtet, hat sie in neuerer Zeit dadurch an Bedeutung und 
Anerkennung gewcmnen. dass di * meisten Brackwasser- (^Titliien, 
wie C. telescopium, palustre, »ulcatum und obtusum. auch durch 
den enggewundenen kreisrunden Deckel sich von den ächten Mari- 
nen mit ovalem wenig gewundenem Deckel unterscheiden. Dieser 
Unterschied fallt allerdings nicht durchgreifend mit demjenigen des 
Aufenthaltes zusammen, icli fand mehrmals ächte Cerithien. d. h. 
solche mit ovalem Deckel neben Potamidesarten im Brackwasser, 
sie nehmen aber dann meerwärts zu und bleiben, wo Potamides 
aufhört.") 

Unter den Muscheln sind zweierlei Formen für das Brack- 
wasser in Ostasien charakteristisch, von Seiten der Süsswasser- 
Familie der Cycladeen die grossen eigentlichen Cyrenen mit kurzen 
platten Seitenzähnen, die durch Oellnen ihrer Schale im weichen 
Schlamm einen quakenden, auf einige Kntfernung vernehmbaren 
Ton hervorbringen , wie ich auf Iva joa selbst gehört habe, und des- 
halb bei Uumph als Froschnnis(!hel oder quakende Muschrl, Chama 
coaxans, bia kodok, aufgeführt worden, sie ist als Nahrung bei 
den Eingebornen behebt; von Seiten der marinen Familie der Sole- 
naceen die Gattungen Novaculina, Pharella und vielleicht auch 
Cultellus. 

Unter den Crustaceen ist im indischen Archipel die Gattung 
Gelasimus ganz charakteristisch für Brackwasser, ihr kurzer 
breiter Leib ist meist dunkelblau gefärbt , mit melir oder weniger 
hellen Flecken, die Scheeren, welche beim Männchen im höchsten 



320 Delphine. Diiyoug; Seoxögol. 

(jlrad ungleich sind, halb rotli. halb weiss: man findet sie zahlreich 
auf Schlammboden, in den sie sich tiefe Löcher graben, Sesarma 
dagegen ist im Brackwasser sowohl als im süssen Wasser des Bin- 
nenlandes vertreten, doch wohl zalilreicher in ersterem/*) 

Lieber Brackwasscriische wurde schon oben S. 310 gesprochen; 
ich hebe nur noch einmal alie Springtische, Periophthalmus, als 
solche hervor. 

8. Höhere Mecrthiore. 

Die Meersängethiere spielen in der Tropenzone absolut und 
relativ eine weit geringere Rolle als in den Polargegenden: Seehunde 
fehlen dem indischen Archipel vollständig und auch unter den Ce- 
taceen erscheinen die Bartenwale nur sehr selten '°), dagegen sind 
hier einheimisch der ihnen an (ürösse nicht nachstehende Kaschelot, 
Physeter L., pawnsder Ilalaien, und verschiedene Arten von Delphinen, 
lumba-lumba derselben. Leider werden sie in der Regel von den 
Seefahrern und so auch von uns nur auf Distanz gesehen, wie sie 
reihenweise, öfters dem bestsegelnden Schitf vorauseilend, den 
Kücken über die Wasserfläche erheben und wieder untertauchen, 
so dass man mit Mühe die allgemeine (lestalt und Farbenvertheilung 
erschliessen kann. Im südchinesischcn Alfter, namentlich im Golf 
von Siam, sollen nach älteren Angaben (Osbeck und Finlayson) ganz 
weisse Delphine vorkommen und auch auf unserer Expedition wurden 
solche gesehen: sie haben sich aber bis jetzt der näheren Untersu- 
chung der Zoologen von Fach entzogen. Kigenthümlich dem indi- 
schen Ocean ist endlich eine Seekuh, deren malaiischer Name 
duyong auch in die wissenschaftliche Nomenclatur übergegangen ist, 
Ilalicore dugong, peje-muger, Weibfisch der Spanier auf den Phi- 
Hp[)inen, weit verbreitet, aber gegenwärtig überall eine Seltenheit: 
von Singapore bis zu den Molukken hörte ich gelegentlich davon 
erzählen, auf Amboina war in demselben Jahr, li^62. als ich dort 
war, eine gefangen worden, nirgends aber bekam ich eine zu sehen. 

Auch in den See vögeln steht die heisse Zone der kalten 
nach: der häufigste und verbreitetste ist nicht einmal ein Schwimm- 
vogel, sondern ein Raubvogel, der Seehabicht, HaHastur Indus 
Bodd. ^ Pondicerianus (Jmel. sp., alang oder ulung, beinahe jeder- 
zeit auf jeder Ivliede zu sehen: seltener dagegen findet sich, liaupt- 
sächHch an weniger besuchten Stellen, um ungestört selbst fischen 
zu können, der grössere See- Adler, malaiisch lang-laut, Haliaetos 



• o 



Secvögol und Sccschildkrüteii. 321 

Icucogaster Cuiiel. , beide über den ganzen Archipel verbreitet. 
Ebensoweit verbreitet auf den einsameren Küstenstrecken und Inseln 
von Siam bis zu den Molukken, in verschiedenen Unterarten und 
Racen, ist die Küstentaube, Carpophaga bicolor Scopoh sp., oder 
Htoralis Tem. , burong-rawa, durch ilire weisse Farbe mit schwarzen 
Schwanz- und Flügelspitzen die Möven nachahmend, wie auch die 
genannten See- Adler und Seehabichte in der weissen Farbe von 
Kopf, Hals und Brust damit übereinstimmen. Seemöven selbst sieht 
man im Archipel weit weniger als z. B. in unserer Nordsee oder 
im Mittelraeer, obwohl sie keineswegs ganz fehlen.^*) Weiter vom 
Lande entfernen sicli einige eigenthümHch tropischen Seevögel, wie 
die Fregatte, Tachypetes aquilus, durch Schwalbenschwanz und 
unverhältnissmässig lange schmale Flügel ausgezeichnet, schon von 
Valentyn unter dem Namen talan genannt, bei Kaflles dandang-laut 
nach der AehnUchkeit mit Plotus, dandang-ayer — ich sah ihn auf 
See z. B. nahe bei Batjau und Ilalmahera, wo die mich begleiten- 
den Eingebornen ihn burong shong nannten'*) — die braunen oder 
weissen Tölpel, Sula fusca und piscator, die dummen Seeschwalben, 
Sterna stolida L. , beide durch die Verzweiflung des Hungers oder 
der Müdigkeit in den Ruf der Dummheit gekommen, und endlich 
die hochfliegenden Tropikvögel, Phaethon. Dasss dagegen die hocli- 
südHche Gattung der Pinguine schon auf Neuguinea vorkomme, ist 
ein Irrtluun, der in der Wissenschaft nur gar zu lange auf die un- 
zuverlässige Angabe von Sonnerat hin sich fortfjepflanzt hat. In 
neuester Zeit wurde wiederum ein lebender Pinguin auf der Ivhcdc 
von Batavia gefangen: es stellte sich aber bald heraus, dass er aut 
einem von den Inseln Paul und Amsterdam kommenden Schilf lebend 
mitgebracht und eben erst entflohen war.'') 

Aus der Klasse der Keptilien besitzen dagegen nur die wär- 
meren, nicht die kältereu Zonen Meeresbewohner: zwei weitverbrei- 
tete Arten von Meerschildkröten sind im indischen Archipel, 
von den grossen Sunda- Inseln bis zu den Molukken und Philij)pi- 
nen, nicht selten, die grüne, Chelonia midas L. (viridis Schneider), 
und die eigentliche Carettschildkröte mit dem Habichtschnabel. Vh. 
imbricata L. sp. Die Thiere selbst heissen malaiisch pinju, und 
dass das Schildpatt hauptsächlich durch die Nachfrage der Euro- 
paer ein Handelsartikel geworden, scheint dessen aus dem Portu- 
giesischen tartaruga entlehnte malaiische Bezeichnung tutrugu an- 
zudeuten. Eine ebenso seltene Erscheinung wie in den europäischen 

Ott -Auen. ZoologUeh. L 'il 



322 Hanx'kr Form und Färbung vieler Fische. 

Meeren ist die riesi<j^e Lederscliildkröte, Spliargis coriacea L. sp., 
wovon eine im Juli 1859 zu Tjeribon (Cheribon) auf der Nordkuste 
Javas vorgekommen ist. '*) Kigenthümliclier für den indischen Oceau 
dagegen, d. Ii. nur ihm und dem tropischen Theil des stillen Oceans 
zukommend, sind die Seeschlangen, Ilydrophis, vgl. oben S. 56, 
und es sclieint beinahe, als ob man auch das gemeine Krokodil 
des indischen Arcliipels, Crocodilus biporcatus Cuv., zu den Meer- 
t liieren rechnen dürlc, indem es nicht nur an den Mündungen 
grösserer Flüsse häufig ist, sondern auch auf kleinen isolirten Inseln, 
wie z. ß. den Cocos- Inseln, zeitweise vorgekommen ist, von Fischen 
und Ilolothurien, also Mcerthieren, sich nährend.") 

9. Meerfische. 

Die Meeriischo lernt man zuerst und am leichtesten auf dem 
Fischmarkt kennen, freiHch nur ihre oft sehr auilalligen Formen 
und Farben, ohne deren wahrscheinlich oft sehr bestimmten Zusam- 
menhang mit dem Aufenthalt und der Lebensweise der einzelneu Arten 
zu ahnen. Wer in Kuropa einmal den weiss- und schwarzscheckigen 
stachligen Seeteufel der llelgoländer (Cottus scorpius und bubalis) in 
der Nähe betrachtet hat und dann doch in einem Aquarium denselben 
kaum zwischen den umherliegenden dunkeln und hellen Steinen 
herausfinden konnte, der wird auch in den abenteuerlichen Fisch- 
gestalten und deren barock scheinenden Färbungen, wie sie schon 
von den älteren Sammlern indischer Naturgegenstände, Valentyn, 
Renard, Seba, mehr oder wenioer richtig dargestellt worden, be- 
stinunte Anpassungen au die Wohnplätze der betrefTenden Fische 
vermuthen: der spezielle Nachweis für die einzelnen Formen und 
Farben ist freilich bei unserer äusserst mangelhaften Kenntniss der 
Lebensweise der Seefische noch nicht möglich: ein glänzendes Bei- 
spiel aber gibt der neuholländische Fetzenfisch, Phyllopteryx eques,") 
dessen Körper mit langen Ilautverlängerungen verziert ist, deren 
(f estalt und braungelbe Farbe täuschend diejenige der Blätter vieler 
Meertange (Sargassum, Cystosira) nachahmt, so dass sie zwischen 
diesen gerade zur Verbergung des Fisches beitragen. Namentlich 
die Korallenriffe bieten in ihren vielerlei Zacken und tiefen Spalten, 
in der bunten Bevölkerung festsitzender oder langsam beweglicher 
niedriger Thiere eine solche Mannichfaltigkeit von Hell und Dunkel, 
Farben und Formen, dass ein einfarbiger grösserer Fisch hier viel- 



Analoge Funncii bei gleicliciii Aulciithalt. 323 

mehr ins Auge fallen würde, als ein gefleckter oder gestreifter; 
dem entsprechend finden wir die buntesten Fische in den Familien, 
welche hauptsächlich die KorallenriiTe bevölkern , wie Scaroiden und 
Labroiden, Squamipennen, Amphacanthiden und Pomacentriden, 
Balistiden und Gymnodonten. Gewisse Typen der Zeichnung und 
auch der äusseren Form wiederholen sich bei Gattungen verschie- 
dener Familien zuweilen so auflallig, dass man frülier solche Fische 
im System zu einander stellte, weil sie eben auch in der Natur 
neben einander leben, so die hohe kurze Körperforni mit senk- 
rechter schwärzHcher Bänderzeichnung und langen nach hinten 
lappig vorspringenden Vertikalflossen bei vielen Squamipennen (Chae- 
todon, Holacanthus, Heniochus, mal. kepper-laut oder ikan kipas, 
Fächerfische, auf den Molukken kalibobo) und Pomacentriden (Da- 
scyllus, Glyphidodon); ebenso finden sich manche AehnHchkeiten 
in der lang elHptischen Körperforni, der langgedehnten einfachen 
Kückenflosse, der oft punktirten oder auch senkrecht gebänderten 
Zeichnung des Rumpfes und der wellig -streifigen Zeichnung des 
Kopfes, der gerundeten oder nur flach mondförmig ausgeschnittenen 
Form der Schwanzflosse zwischen Arten der Gattung Serranus (ma- 
laiisch krapo, im östlicheren Theil guropa) unter den Percoiden und 
manchen Labroiden, namentlich Anampses und Cheilinus, AehnHch- 
keiten, die ohne Zweifel auf Uebereinstimmung in Aufenthalt und 
einzelnen Zügen der Lebensweise deuten. Eine gewisse Ueberein- 
stimmung bei sonst grosser V'^erschiedenheit zeigen die Lederfische 
(Amphacanthus, Acanthurus, Naseus) und mehrere Balistiden, wie 
Monacanthus und Alutarius in der chagrin- artigen Beschafl'enheit 
der Haut, die Papageifische (Scarus) und die Gymnodonten (Tetro- 
den, Diodon) in den scheinbar nackten, eigentlich mit Zahnmasse 
dicht überzogenen Kiefern, bei beiden wahrscheinlich für das Al)- 
kratzen der weichen lebenden Substanz der Korallen von deren 
rauher Unterlage organisirt. Auch in Familien von sonst einförmiger 
Rörperfarbung finden wir im indischen Archipel auf Korallengrund 
lebhaft gezeichnete , so die gebänderte Zunge, Synaptura zebra, und 
die fleckigen Muränen (Poecilophis Kaup., sowie auch Ophichthys 
colubrinus). Dagegen kommt die unter den Fischen sonst so ver- 
breitete Silberfarbe bei denen der Korallenriffe fast nie vor, eben 
wegen der bunten vollen Färbung ihrer Wohnplätze. Eigentlich 
steiniger Grund ist an den tropischen Küsten selten, der Felsen- 
boden wird gleich von Meer pflanzen und Pflanzen thieren überzogen, 

21* 



324 Verdächtige Koi-alleiifischc. Nadelfische. 

und dort sind auch die mancherlei Stachel- und zackenköpfigen Fisclie 
zu suchen, wie Scorpaena, Synancidium und Peristethus (Periste- 
dion), alle ihrer gefürcliteten Stacheln wegen unterschiedslos ikan 
seitan, Teufelstisch, genannt, und die langstrahlige Pterois, krapo- 
matjan, Tigerbarsch, dem iriiher mit unrecht die Fähigkeit zu flie- 
gen wegen seiner hingen Brustflossen -Strahlen angedichtet worden.") 

All diese eigenthfimlichen und auflalligen Fischformen spielen 
aber keine grosse Rolle auf dem Markte, die Korallenfische im All- 
gemeinen sind nicht als Speise beliebt, manche sogar mehr oder 
weniger entschieden als schädlich gefurchtet. Eine grosse Anzahl 
der in verschiedenen Welttheilen als für den Verspeisenden giftig be- 
rüchtigten Fische gehören den vorzugsweise Korallenriffe bewohnen- 
den Familien an, namentlich den Pectognathen, wie z. B. Tetro- 
don Honkeneyi am Cap, T. sceleratus Forst, in der Südsee, Balistes 
bursa auf Mauritius, B. vetula in Westindien. Auf der Insel Batjan 
wurden Dr. Bernstein und ich ängstlich vor dem Genuss eines 
Fisches derselben Famihe, Monacanthus, seines vermeintlichen (liftes 
wegen gewarnt; wir gebrauchten die Vorsicht, die rauhe Haut zu 
entfernen, assen aber das weisse Fleisch ohne allen Nachtheil.") 

An die Korallenfis(;he schliessen sich unmittelbar diejenigen 
an, welche zwischen Tangen leben, da letztere im indischen Archipel 
hauptsächlich auf Korallengrund wachsen: es gehören hieher haupt- 
sächlich die Nadelfische, Sygnathus, worunter der häufigste in die- 
sem Meere, Gastrotokeus biaculeatus, schon durch seine grasgrüne 
Farbe (mit rosenrot hen Flecken an den Enden der Segmente) seinen 
Aufenthalt anzeigt, und die Seepferdchen, die mit ihrem Wickel- 
s(!hwanz sich an den Meergewächsen festhalten, letztere auch hier 
ikan kuda, Pferdetisch, der (lest^lt des Kopfes wegen genannt. 

Die Fische des offenen Meeres stehen mehrfach im Gegen- 
satz zu denen der Korallenriffe; sie sind meist länger gestreckt, hinten 
dünn, haben eine tief eingeschnittene Schwanzflosse und luräftige, 
aber nicht ununterbrochen lang gedehnte Rückenflossen und sind 
meist silberfarbig oder doch bläulich, ohne besonders vortretende 
Zeichnung; die ersteren Eigenthümlichkeiten mögen ihnen ein an- 
haltendes, energisches Schwimmen erleichtern, die Färbung verbirgt 
sie in dem klaren, das Tageslicht zurückspiegelnden Wasser. Hieher 
gehören im Allgemeinen die Scomberoiden und Scombresociden, 
viele Carangoiden und die meisten Clupeoiden, malaiisch temban 
oder bulan-bulan. Unter den Scoinberoiden sind hauptsächUch die 



Fische der uITeiicii See; Vcrgiftungsfalle. 325 

Makrelen, malaiisch kembong oder gembong, die weit verbreiteten 
Boniten, tjikalang, und die Thunfische, tonggol, zu nennen, unter 
den Scombresocideu die Hornhechte, Belone, und die charakteristi- 
schen Halbschnäbel, Hemiramphus, «lulJava beide djulong genannt, 
auf den Molukken die ersteren als tsjaka-lang oder abgekürzt 
sako, die letzteren als mulut- batang, Stock - im -]\1 und, unter- 
schieden, und die fliegenden Fische (Exocoetus), ikan terbang. End- 
lich noch zwei eigenthümlich lange zusammengedrückte, stark ge- 
zähnte Fische, der spitzschwänzige Trichiurus, mal. putjuk oder 
layor, und Chirocentrua, dieser der Körperlbrm und des Silber- 
glanzes wegen nicht unpassend ikan parang, Säbelfisch, von den Ma- 
laien genannt; wahrscheinlich auch Sphyraena. Diese Fische sind 
durchgängig bei den Eingebornen als Speise beliebt und stellen ein 
wesentliches Kontingent zu dem Bestand der Fischmärkte, um so 
mehr, als manche schaarenweise zu leben scheinen und daher auch 
gleich in grösserer Anzahl zusammen gefangen werden. Vergiftungs- 
falle kommen aber auch durch sie vor, in Westindien sind mehrere 
Sphyraenen (barracuda und becuna), ein Caranx und die Borsten- 
llosse, Clupea thrissa, als gefährlich bekannt: im Mittelmeer gilt 
das Fleisch des Thunfisches, sobald es nicht mehr ganz frisch ist, 
als schädlich; imd auch im Gebiet des indischen Archipels fehlt es 
nicht ganz an ähnlichen Beispielen: Valentyn In-schreibt den weit- 
verbreiteten Boniten (Thynnus pelamys L.), unter dem malaiischen 
Namen ikan kamatian, tödtlicher Fisch, indem er hinzufügt . gewiss 
in sehr übertriebener Weise, dass Jeder, der davon rsse, sogleich 
todt niederfalle, und Cantor erzählt von mehreren in Benkulen 1823 
und 1825 vorgekommenen Vergiftungsfällen durch einen härings- 
artigen Fiscli, der für die sonst unschädliche Clupeonia prribrata 
gehalten worden war, aber vielleicht doch die auf den Scycliellen 
als schädlich bekannte Moletta venenosa C. W gewesen sein könnte."'') 
Es ist immerhin zu beachten, im (iegensatz zu den vorhin berührten 
gefurchteten Korallenfischen, dass es sich hier um solche Arten 
handelt, die entweder selbst (der Bonit) oder deren nächste Ver- 
wandte häufig ohne Schaden gegessen werden, dass also eher an 
einen krankhaften Zustand des betreflenden Exemplars oder begin- 
nende Fäulniss desselben zu denken ist, als an eine besondere 
Eigenheit der Art. 

Zu den Fischen des offenen Meeres gehören auch noch die 
Haie, malaiisch tjutjut, auf den Molukken gorango, unter denen der 



32o Haie. Fische des Schlamni - und Sandbodens. 

blasse Carcharias uielanopterus mit schwärzliclieiu Fleck an der 
zweiten kleinen Rückenflosse besonders häufig ist; unter den klei- 
neren Katzenliaien zeichnen sich mehrere durch lebhafte Zeichnung 
aus und führen darnach eigene Namen, so Scyllium maculatum 
tjutjut kembang, d. h der geblümte Hai, Stegostoma fasciatum tj.^ 
matjan, d. h. Tigerhai. Ferner dürfte auch die eigen thüm liehe Am- 
phisiic scutata, malaiisch passend ikan piso, Messerfisch, genannt, 
nach ihrem Silberglanz und der nach unten scharfkantig zusammen- 
gedrückten Körperform, worin sie noch die Heringe übertrifft, zu 
den dem offenen Meere angehörigen, wesentlich auf Schwimmen 
angewiesenen Fischen gehören. 

Eine dritte Gruppe bilden die Fische des weichen Grundes, 
d. h. des Sand- oder Schlammbodens; ihr Körper ist vorherrschend 
flachgedrückt, um sich dem Boden anzuschmiegen, die Farbe der 
Oberseite braun in verschiedenen Schattirungen , der Umgebung 
mehr oder weniger angepasst, die vom Lichte abge\yandte Unter- 
seite weiss. Hieher gehören zwei sonst unter sich weit verschiedene 
und in allen Krdtheilen bekannte Fischformen, die Kochen und die 
Schollen oder Pleuronectiden, beide in ganz verschiedener Weise, 
aber zu ähnlichem Erfolge abgeplattet, die Rochen vom Rücken 
zur Bauchseite mit bedeutender Betheiligung der Brustflossen, die 
Schollen von den Seiten mit Verkümmerung der Brustflossen, an 
deren Statt die Kücken- und Afterflosse beim Auf- und Absteigen 
eintreten, uud mit Verdrehung des Kopfes, um doch beide Augen 
oben zu behalten. Unter den ersteren sind im indischen Archipel 
namentlich die Stechrochen, Trygon, malaiisch pareh, auf den Mo- 
lukken noa, und die ihnen nächst verwandten Adlerrochen, Mylio- 
batis und Aetobatis, zahlreicli, letztere auch hier vom Volke Vogel- 
rochen, pareh- burong, genannt, weil sie, mit dem Netze aufs 
Trockene gezogen, durch heftiges Auf- und Abschlagen der grossen 
flügelähnlichen Brustflossen sich fortbewegen. Bei einer Art dieser 
Gattung, Myliobatis milvus, die ich mit Dr. Bernstein zusammen am 
Sandstrand von Batjau im Zugnetzc gefangen, fanden wir das 
Fleisch ganz schwarz, aber nicht unschmackhaft. Auch die elek- 
trischen Kochen, pareh kubbas, sind durch mehrere Gattungen ver- 
treten (Narcine, Astrape, Temera) — es sind die einzigen elektri- 
schen Fische des Archipels — dagegen fehlen Repräsentanten 
unserer Nagel- und Glattrochen (Raja) völlig.**) Unter den Pleu- 
ronectiden flnden wir Repräsentanten unserer europäischen Butten 



Fische der Tiefe. Ocographiselic Verbreitung. 327 

(Rhombus) und Zungen (Solea, Synaptura); erstere nennt der Malaie 
sehr bezeichnend mala - sablah , Augen • einerseits , letztere überein- 
stimmend mit uns lidah, Zunge. Beide Familien, Kochen und Pleu- 
ronectiden, erscheinen auf den Fischuiärkton, doch nicht in so 
überwiegendem Verhältniss wie im nördhchen Europa. Kine be- 
deutende Rolle auf den Märkten des Archipels spielt aber noch 
eine Gattung, die ihrer Gestalt und Färbung nach ebenfalls zu diesen 
Fischen des weichen Grundes gehört, aber Europa ganz fremd ist, 
nämUch die Plattköpfe. Platyceplialus, malaiisch bobossok, auch 
badji-badji, Keil, genannt, auf den Molukken auch ikan buaja, 
Krokodiliisch. 

Endlich möge noch mit Einem Wort der Fische grösserer 
Meerestiefen gedacht werden; es stehen mir leider darüber keine 
direkten Erfahrungen zu Gebot, aber nachdem was wir aus andern 
Meeren, namentlich dem Mittelmeer®*) wissen, dürfen wir vielleicht 
solche in einigen auflallig grossaugigen, vorherrschend liellroth ge- 
färbten Stachelflossern vermuthen, wie dem grossseliupj)igen 31yri- 
pristis, ikan gora auf Amboina, und dem rosenfarbigen Priacanthus, 
ikan swangi, Gespenstfisch, der Malaien. 

10. Wirbellose Meerthiere. 

Indem ich eine speziellere Behandlung der gesammelten Mol- 
lusken, Crust^ceen und Strahlt liiere für die folgenden Hände auf- 
spare« soll hier nur in Kürze die allgemeine j)hy8i()grapliisehe und 
geographische Vertheilung derselben und gelegentlieh ihre Verwen- 
dung von Seite des Menschen angedeutet werden. 

Wie bei den Fischen, so tritt auch bei den wirl)ellosen Thie- 
ren die Gleichheit der Meeresfauna von den ostafrikaniselnMi Küsten 
an durch den ganzen indischen Ocean hindurch bis tief in das tro- 
pische Polynesien, aber nicht bis zur Westküste Amerikas als all- 
gemeine Regel auf: die meisten Ciattungen und sehr viele Arten 
bleiben in dieser weiten Ausdehnung sich gleich, so namentlich 
viele der bekannteren, in den europäischen Sammlungen so häufigen 
(^onchyhen.*') 

Was den näheren Aufenthalt der Meerthiere betrifft, so ist 
für alle, welche nicht zeitlebens frei schwimmen, sondern eines 
Bodens bedürfen, die physikahsche Beschaffenheit desselben von 
entscheidendem Einfluss: Schlamm-, Sand- und Stein- oder Felsen- 
grund zeigen eine ganz verschiedene Thierbevölkerung. Andererseits 



d28 Mecrthici'C des Schlainiiigmiides. 

bedingt aber auoli die Tiefe eine wesentliche Aenderung des Thier- 
lebens. Zwischen Fluth- und Kbbegräuze (Litoralzone) ist selbst- 
verständlich der Boden dem Einzelneu ohne besondere Apparate 
noch zugänglich und daher am leichtesten seine Fauna zu erforschen. 
Für bedeutende Tiefen sind besondere Apparate und ein Aufgebot 
von mehr Menschenkräften erforderlich, es ist daher deren Erfor- 
schung erst in neuerer Zeit für die europäischen Meere, in aller- 
neuester auch für den indischen Ocean begonnen. 

Schlammgrund herrscht einerseits an Flussmündungen, 
andererseits in grösseren Tiefen vor , wir haben demnach eine Fauna 
des Schlammgrundes in der Litoralzone , welche sich eng und ohne 
scharfe Gränze an die schon oben S. 317 besprochene Brackwasser- 
fauna anschliesst, und eine Fauna der tiefen Schlammgrüude, die 
charakteristische Tiefseefauna. Uemeinschafthch beiden ist etwa 
nur das, dass beide keinem stärkeren Wellenschlag ausgesetzt sind, 
daher die einzelnen Thiere weniger Schutz und Widerstandskraft 
gegen mechanische Unbilden bedürfen, also dünnschalige, überhaupt 
zarte, zerbrechHche Thierformen nicht selten sind, wie ja bekannt- 
lich auch manche Tiefseefische durch den losen Zusammenhang 
ihrer Wirbel auffallen. 

An den Fhissmündungen treten der Süss- und Brackwasser- 
Fauna gegenüber die Meerthiere zuerst entschiedener in den Mangle- 
Dickichten auf, welche nicht allein von den eigentlichen Mangle, 
Khizophora, sondern auch von im Habitus ähnlichen Stauden oder 
Bäumen aus ganz anderen Famihen des Pflanzensystems gebildet 
werden, besonders den Gattungen Sonneratia (Myrtaceen), Avicennia 
(Verbenaceen) und Aegiceras (Myrsineen). An den lebenden Blättern 
dieser Gewächse sitzt häutig über AVasser eine ihrer Verwandtschaft 
nach schon zu den Mocrthieren gehörige Strandschnecke. Litorina 
scabra L. (Buccinum foHorum bei Rumph), spiralgestreift, hellbraun 
mit dunkelbrauner Flammenzeichimng, dünnschaliger als die Felsen- 
strandschnecke unserer Nordsee (L. litorea), an den aus dem Schlamni- 
grund vorragenden Wurzeln, Cerithium (Potamides) sulcatum Br., 
von Rumph deshalb strombus mangiorum genannt; er gibt an, es 
hauptsächlich an Sonneratia gefunden zu haben, die Litorina erin- 
nere ich mir speziell an den Blättern von Aegiceras gesammelt zu 
haben, glaube aber nicht, dass die eine oder die andere Schnecke 
an die betreffende Pflanzengattung sich bindet. Auriculaceen (vgl. 
oben S. 318) finden sich oft in unmittelbarer Nähe, an dem lebenden 



und der Maiiglc- Dickichte. 329 

oder todten Holz, oder auch auf dem Scblammgrunde selbst. Be- 
ruiimt sind die Mangle - Dickichte aber dadurch, dass in ihnen »die 
Austern auf den Bäumen wachsen«, freilich nicht überall, und so- 
viel ich beobachten konnte, hauptsächlich nur an dem der See zu- 
gewandten Rande der Dickichte. Es sind das grössere oder kleinere 
Austern mehrerer Arten, namentlich die flachere blasse O. parasitica 
und die scharfgefaltete gelbe oder röthliche O. folium, welche an 
den Stammstützen und selbst an den ins Wasser herabreiehendcn 
Zweigen festsitzen, die erstere unmittelbar mit der Schalenflächc 
aufgewachsen ,. die letztere oft mit eigenen aus der Schale sich er- 
hebenden Klammern die dünnen Sprosse (z. B. von Aegiceras) um- 
fassend. All diese Weichthiere der 31anglesümpfe bis zur Grösse 
der Litoriua herab werden von den P^ingeboruen gerne gegessen, 
es sind keine schädlichen darunter bekannt und sie sind meist mit 
geringer Mühe in grosser Menge zu sammeln; eine besondere Rolle 
für den Tisch der Europäer spielen übrigens auch die Austern in 
Indien nicht. 

Schlammstrecken, welche nicht mehr dem Wechsel von Süss- 
und Meerwasser unterworfen sind , belierbergen verschiedene weiche 
langschwänzige Krebse aus der Familie der Thalassinen und manche 
dünnschalige Muscheln, wie Telliniden und Soleniden; all diese 
graben sich in den Boden ein, während die Meerschneckengattung 
Nassa frei auf der Schlammfläche herumkriecht. In weichem schwärz- 
lichen Grund in der Bai von Amboina lebt häufig eine dünne violett- 
blaue Muschel mit strahliger Zeichnung, Psammobia violacea und 
Ps. radiata, deren Fleisch von den p]ingebornen zu einer gewürz- 
reichen Brühe, bokassan genannt, verarbeitet wird.**') Der eigen- 
thümliche Molukkenkrebs oder Pfeilschvvanz, Limulus Moluccanus, 
findet sich an sehr seichten schlammigen Stellen der Küste, ähnlich 
wie unser Iviefenfuss, Apus cancriformis, in Deutschland in untiefen 
Lehmgräben; er ist aber nicht etwa den Molukken, der östlichen 
Hälfte des Archipels, eigen, ich fand ihn z. B. auch bei Muntok auf 
Banka: er bewegt sich nur langsam vorwärts, erhebt aber bei Be- 
rührung drohend den Stachel und kann sich mittelst desselben um- 
wenden, wenn er auf den Rücken gelegt wird, wie die Süsswasser- 
Schildkröten mittelst des Halses, freilich beide in der Regel erst 
nach mehreren vergeblichen Versuchen. 

Von der Thierbevölkerung etwas tieferer Schlammgründe 
gibt die Ausbeute eines Schleppnetzzugcs eine Andeutung, welchen 



330 Mcorthicre des Saiidstrandes. 

ich in 16 Fadeu Tiefe am Eingange des Golfs von Siam 8° 29' 
Nordbreite, 104° 12' Ostlänge von Greenwich, am Seitenrand der 
von Süden kommenden nach dem chinesischen Meer ziehenden 
Strömung anzustellen Gelegenheit hatte; es waren darunter lebend 
zwei kugehge Krabben, die grünlichgraue Leucosia craniolaris mit 
lebhaft pomeranzengelben Scheeren- und Fussspitzen , eine weiss- 
hche Khizopa, ferner eine kleine Galatea, ein blassröth lieber See- 
stern, Archaster Hesperus, eine kleine weisse Scheidenmuschel 
(Nx)vaculina?) und eine grosse Plumularia, auf einem Schwämme 
wachsend. Daneben zahlreiche leere Muschelschalen, z. B. Pleuro- 
toma gravis, Turritella gemmata, Dentalium eburneum, Tellina can- 
dida und virgo, Arten der Gattungen Kanella, Murex, Natica, Area, 
\'enus und Mactra. üeber eine ähnliche Ausbeute aus der süd- 
chinesischen See (40 Faden) s. oben S. 55, die dort erwähnte Plu- 
mularia ist PI. (Aglaophenia) secunda Kirchp. 

Der Sandstrand, meist gerade lange Küstenlinien mit gleich- 
massiger schwacher Abdachung bildend, bietet überhaupt und na- 
mentlich auf den ersten Anblick dem Zoologen wenig Ausbeute. 
Das Erste, was er zu sehen bekommt, sind hellgrau gefärbte, fein 
gesprenkelte, ziemhch kleine Vierickkrabben (Ocypode), welche mit 
freischwebendem Rumpf mittelst ihrer langen Beine flüchtig wie 
Schatten über den Sand hineiliMi und sehr schwer zu erhaschen 
sind, nebst einer grossen Zahl kleinerer, mehr oder weniger ab- 
geriebener Schneckenschalen: oft sieht er dieselben sich bew^egen 
und greift freudig darnach, in der Hoffnung, nun endlich einmal 
das lebende Thier einer ihm längst nur der Schale nach bekannten 
(rattung beobachten zu können, aber er findet dann nur einen Ein- 
siedlerkrebs darin und lernt bald die ruckweise Bewegung derselben 
von der stetig kriechenden eines Schneckeuthieres unterscheiden. 
Diese Einsiedlerkrebse, namentlich Coenobita (rugosus, violascens 
und clypeatus), deren grössere Scheere mit einigen vorderen Füssen 
sich zu einem convexen Schilde oder Deckel in der SchneckeD- 
mündung zusammenschmiegt, sammeln sich oft haufenweise an irgend 
einem Nahrungsstoft\ einem ausgeworfenen faulenden Seethier oder 
üeberresten menschlicher Thätigkeit. Sie entfernen sich ziemlich 
weit vom Wasser und werden manchmal noch zwischen den letzten 
Landpflanzen gefunden, unter welchen namentlich eine hiassviolette 
Strandwinde (Ipomoea pes caprae L. sp.) sich durch Häufigkeit und 
schöne Rlüthe auszeichnet. Auch die Haine von Cocospalmeo, 



Crustaceen u. s. w. auf Sandgruiid. 331 

welche öfters den Sandstrand umsäumen und zuweilen-, wie z. ß. 
bei Benkulen, mit an Nadelholz erinnernden Casuarinen (C. equiseti- 
folia) gemischt sind, zeigen ihrer lichten Beschaffenheit und des 
mangelnden Unterholzes wegen wenig thierisches Leben. Unter 
Wasser fehlt es auch auf Sandgrund nicht an Thieren, aber da die 
einförmige ebene Fläche ihnen keinen Schutz gibt, so wissen sie 
sich auf mannichfache Weise den Augen ihrer Feinde zu entzielien. 
So fand ich z. B. einen eigenthümlichen Krebs, seines gewölbten 
Ruckenschildes wegen mit einer Schildkröte vergHchen, Kemipes 
testudinarius, in ziemHcher Zahl beim Baden auf einer flachen san- 
digen Stelle des Strandes von Ternate; er schmiegt sich dicht an 
den Boden an und ist dann, so lange er sich nicht bewegt, seiner 
hellgrauen fein punktirten Färbung wegen so schwer zu sehen, wie 
die kleinen Flunder am Strande der Ostsee. Auch die ähnlich ge- 
sprenkelte Matuta lebt auf Sandgrund und die breite Schaufelform 
aller ihrer Fusspaare dient ihr wohl weniger zum Schwimmen als 
zum Einschaufeln in den Sand, ebenso manche der sogenannten 
Schwimm krabben (Lupa), deren blasse Färbung und flache Gestalt 
schon den Sandbewohner verräth, obwohl sie auch gut zu schwim- 
men verstehen, wie das pelagische Vorkommen verwandter Arten 
bestätigt; rasches Schwimmen, wenn auch für kürzere Strecken, 
ist ihnen eben nöthig, weil der gleicli förmige Grund keine beson- 
deren Schlupfwinkel bietet. Noch in manchen anderen Crustaceen- 
Gattungen, die in verschiedenen Familien sich durch flachen Körper- 
baa auszeichnen, dürfen wir Bewohner ebenen Grundes vermuthen, 
80 namentlich in Thenus und Ibacus. Die flachen kuchenförmigen 
See -Igel, Lobophora biforis Gmel. sp., die ich bei Palabuan (S. W. 
Java) an einer ähnlichen Stelle fand , bedecken sich mit einer dün- 
nen Sandschicht und entzielien sicli dadurch dem Aujre. Viele 
zweischalige Muscheln graben sich mehr oder weniger tief in den 
Sand ein und halten nur durch ihre sehr verlängerbaren Köhren 
ein kleines Loch über sich ofl'en, um Wasser und mit diesem ihre 
Nahrung zu bekommen , so die Teilinen und die im indischen Archi- 
pel weit verbreitete Asaphis deflorata (Teilina arenosa bei Kumph). 
Ebenso machen sich manche langschwänzige Krebse Löcher im 
Sand als Wohnung, so z. B. Squilla maculata (Sq. arenaria No. 1. 
bei Rumph). Endlich ist ein weicher Sandgrund auch die Wohn- 
statte der grossen Seefeder in der Bai von Amboina, deren Ein- 
bohren und Nesseln schon ßumph schildert und von welcher ich 



332 Meerthiere au losen Steinen. 

an der von ihm angegebenen Stelle ein 0,523 Met. langes Exemplar 
erhielt, welches Professor KölUker als Virgularia Kumphii be- 
schrieben hat.**) 

Das Kontingent, das der Sandgnind an wirbellosen Tbiereu für 
die Nahrung des Menschen liefert, ist nicht unbedeutend und besteht 
hauptsächlich in den erwähnten Sandmuscheln und nocb mehr in 
den grossen Schwiminkrabben (Lupa pelagica), soweit diese bieher 
gerechnet werden dürfen: wichtiger aber lür die Eingebomen ist 
dieser Boden dadurch, dass er die Anwendung grösserer bis zum 
(f rund reichender Netze erlaubt und damit öfters eine ganz betracht- 
liche Ausbeute an Fischen verschiedener Art gewährt. 

Reicher und mehr auf den ersten Bhck bemerkbar wird das 
thierische Leben auf Steingrund. Wo auch nur mitten im Schlamm 
mehr oder weniger lose Steine umherliegen, finden sich an und auf 
ihnen charakteristische Weich- und Schalthiergattungen, die man 
auf dem weichen Grund der Umgebung vergebens sucht, so die 
Gattungen Ricinula, Columbella. Planaxis, Onchidium, kleine Austern 
u. a. In ähnlicher Weise genügen mitten auf weichem Grund ein 
Steindamm oder auch eine Reihe von Holz- oder Bambupfahlen 
zum Behuf des Fischfangs (sero) als Ansied lungspunkt iur Crusta- 
ceen verschiedenster Art, von den raschkletternden Viereckkrabben 
(Grapsus) bis zu den festsitzenden Meereicheln, für allerhand Mu- 
scheln, namentlich kleinere Austern, und ebenso für vielerlei Pflanzen- 
thiere, namentlich Ilydroidpolypen, von denen manche Aussehen 
und Befestigungsweise mit den Tangen theilen, aber sofort bei Be- 
rührung das Gefühl leichten Brennens erregen und sich damit 
als Klassenangeliörige der Meernesseln ausweisen; namentlich meh- 
rere Plumularien zeigen diese Eigenschaft, doch bei der geringen 
Grösse immer nur in sehr massigem Grade (vgl. oben S. 242). Wo 
ein flacher Strand mit losen abgeschliffenen Steinen dicht bedeckt 
ist, wie bei Larentuka am Fuss des Vulkans Illimandiri, ist freilich 
auch zunächst nicht viel von thierischem Leben zu sehen , aber bei 
ernstlichem Nachsuchen findet sich doch in den Lücken zwischen 
den dunkelfarbigen Steinen hier ein violetter oder schwarzer Schlan- 
genstern, dort eine See -Anemone, dann wieder eine dunkelblaue 
Nacktschnecke (Phyllidia), ein kleiner Octopus, und wenn man 
durch kleine Belohnungen das Interesse und den AVetteifer der zu- 
schauenden Kinder erregt, so erhält man auch hier bald eine ziem- 
liche Anzahl von Meerthieren der verschiedensten Klassen. Wo 



Mcerthiei'c des Fclscnufci's. 333 

(las Meeresuter selbst vou austehendem Gesteine gebildet wird, 
sind wiederum verschiedene bestimmte Stufen in der Thierbevölkerung 
zu beobachten. Zu oberst, wo die letzten Landpflanzen wachsen, 
über der Granze der höchsten Fluth, findet sich eine dem Bincen- 
laude fremde Gattung kleiner Deckelschnecken, Truncatella, lebend — 
häufiger findet mau die todten Schalen im Auswurf des Meeres; — 
gleich darunter an steilen abfallenden Stellen, wohin durch Wind 
und Anschlagen der Wogen noch zuweilen das Meerwasser empor- 
getrieben wird, beginnen als erste Meerschnecken die Litorinen und 
zwar dickschaligere rauhere Arten, als die an den Manglezweigen, 
oft in Farbe und Skulptur aulfällig dem angenagten Gestein ähnelnd, 
woran sie sitzen , wie ich es z. B. mit Litorina pagodus L. an einem 
pfeilerartigen Strandfelsen bei Kupaug auf Timor gesehen. Nicht 
viel tiefer beginnt die Schneckengattung Nerita, nach Zunge und 
Kingeweiden einer andern Ordnung angehörig, aber im Bau der 
Schale, namentlich des breiten innern Mundrandes, manchen Lito- 
rinen recht ähnlich; der gleiche Wohnort bedingt gleiclie Anpas- 
sungen. Bei beiden (iattungen ist mir wiederholt aufgefallen, dass 
höher oben nur kleinere (jüngere?) Kxemplare vorkommen und die 
grösseren etwas tiefer leben, an Stellen, die regelmässiger und 
länger befeuchtet werden. Ist es jugendliche ünerfahrenheit und 
Wanderlust, welche die jungen höher hinauftreibt? oder sind sie 
dort mehr Gefahren durch Wassermangel oder Vögel ausgesetzt, 
so dass sie nicht das Alter der tiefer lebenden erreichen? Auch 
Schüsselschnecken (Fatella) und Meereicheln (Baianus) leben im 
unteren Theile dieser Klippenregion, erstere jedoch im indischen 
Archipel nicht so zahlreich und mit Ausnahme der P. testudinaria 
auch nicht so gross, als an den europäischen Küsten. Endlich 
treiben auch hier die Einsiedlerkrebse ihr Wesen, sowie der ihnen 
verwandte grosse aber seltene Beutelkrebs, Birgus latro, dessen 
fetthaltiges Hinterstück von den Feinschmeckern unter den Ein- 
gebornen hoch geschätzt wird. Ich hörte ihn nur katan-kalapa, 
Cocosnuss- Krabbe, nennen, während Uumph diesen Namen einer 
andern Gattung (Calappa) gibt. Auch die den Meereicheln ver- 
wandten buntgelben zusammengedrückten Schlangenkronen (Polli- 
cipes mitella) finden sich in engen Spalten über Wasser, so dass 
sie nur von der Brandung befeuchtet werden. In der regelmässig 
von der Fluth bedeckten Region nimmt die Anzahl und Mannich- 
faltigkeit der Thiere rasch zu, unter den Meerschnecken sind die 



334 Koriiiiünifrivn und Ilornkurallcii. 

Gattungen Turbo und Trocbus, namentlich Tr. labio L., ferner die 
eigenthümlichen achtschaligen Käfersebnecken , Clüton , hervorzu- 
heben, welch letztere gern an der Unterseite vorspringender Ge- 
steinsmassen sitzen; auf Flores und Timor fand ich so den über 
0,0 6 Meter grossen schwarzen Cb. spinosus Brug. mit 0,012 Meter 
langen Stacheln am Iland. Melirere kleine dunkelgeßirbte Meer- 
schnecken, welche auf den KUppcn zwischen grünen Tangen leben, 
zeichnen sich durch ein flüchtiges Rosenroth der Mündung aus, so 
Columbella fulgurans, Engina mendicaria, mehrere Ricinula und ein 
Planaxis. Unter den zweiscbaligcn Muscheln ist namentHch die 
Gattung Area, die sich mit einem hornartigen Fortsatz, dem Byssus 
der Miesmuscheln entsprechend, anheftet; unter den Crustaceen sind 
manche stachlige Dreieckkrabben und einige langschwänzige Krebse 
an mit Tangen bewachsenen Stellen , von Pflanzentliieren die weichen 
Actinien, sowohl mit einfachen als mit zusammengesetzten Fühlern 
(Thalassianthus u. a.), für diese Kegion charakteristisch. 

Mit der Ebbegränze beginnen die grösseren Tange, hier im 
indischen Archipel hauptsäcblich durch die Gattungen Sargassum 
und Turbinaria vertreten, sowie zahlreiche Florideen , zwischen und 
an diesen sitzen wiederum zahlreiche Thiere , von den höheren Cru- 
staceen und Mollusken an bis zu den kleinen Foraminiferen , unter 
welchen hier hauptsächlich die sternförmigen Calcarinen, die kolbi- 
gcn, oft triedrischen Tinoporus, die scheibenförmigen Orbitulites 
und die nautilusförmigen Polystomellen häufig sind.^^) Schon merk- 
lich tiefer, unterhalb der Ebbegränze und vom Boot aus noch sicht- 
bar, aber nur durch Tauchen erreichbar, wachsen die rothgelben 
spröden, vielverzwcigten Gliederkorallen (Melitaea ochracea und 
rubra) und an ihnen, mittelst ihrer Arme angeschlungen, sowohl 
Medusenhäupter (F^uryale) als Haarsterne (Comatula), beide von den 
Malaien als bulu ayam, Hühnerfedern, bezeichnet. Noch tiefer ist 
die Region der weissen Gliederkoralle (Isis hippuris) und einiger 
wenig verzweigter Rinden- oder Hornkorallen (Juncella und Gor- 
gonia sasappo Fall., nach dem malaiischen sasappo, Besen). Die 
letztgenannte Familie ist übrigens im indischen Ocean lange nicht 
so reich entwickelt als in Westindien. Etwas häufiger sind wieder 
die schwarzen Korallen, sowohl verzweigte, eigentliche Antipathes, 
als das einfache spiralgcdrehte Cirripathes, beide von den Ein- 
gebornen hoch geschätzt, zu Schmuck und Amuleten verwendet. 
All diese haben nichts mit den Korallenriü'en zu thun."*) Noch 



Thiere auf den Koi-allenrifteii. 335 

grösseren Tiefen geboren die Liliensterue an, von denen erst in 
neuerer Zeit eine Art auch in dem indischen Arcliipel gefunden 
worden ist.*') 

Keiner Felsengrund ist im indischen Archipel selten, da er 
meistens von Sternkorallen bedeckt und überwuchert wird und so 
Veranlassung zu den Korallenriffen gibt, welche in ähnlicher 
Ausbildung durch den tropischen Theil des grossen Oceans gehen, 
in Westindien und im rothen Meer wieder auftreten, aber den käl- 
teren Meeren, schon dem Mittehneer, ganz fremd sind. Die Korallen- 
rilTe sind in der Kegel durcli eine mehr oder weniger breite Lücke 
von der Uferlinie entfernt, diese Lücke ist aber zuweilen mit ihren 
zerriebenen Trümmern, dem Korallengrus, ausgefüllt, so dass man 
zu Fuss, wenn auch nicht gerade ganz trockenen Fusses, hinüber 
waten kann. Diese Grusflächen sind wenig belebt, es finden sich 
darauf nur krieciiende Meerpflauzen (Caulerpa, Ilaiophila) und ver- 
einzelte Meerschnecken. Um so reicher das eigentliche Riff, wo 
der Sammler bald nicht mehr weiss, wie er all die Schätze unter- 
bringen soll. Zwar trifft er auch hier zunächst auf abgestorbene 
Korallenstücke verschiedener Gattungen oder solche, an denen nur 
noch ein Theil fortlebt; die vollständig belebten schönen Stücke 
wollen auch hier gesucht sein und finden sich mehr in Vertiefungen 
und Abstürzen, wo sie nie vom Wasser verlassen werden; hier 
sieht man die gestirnten Astraeeu, die labyrinlhis<»hen Maeandrinen 
und die punktirten Poriten ihre lebenden Sj^rnc entfalten, meist 
von gelbgrüner Farbe, und diese massigeren Formen dienen wiederum 
als Grundlage für die dünneren und mehr verzweigten, unter wel- 
chen die sparrigen eigentlichen Madreporen mit kleinen krugförmig 
der Mittelaclise zugewandten gelbgrünen Sternen, die feineren, frisch 
schön rotligelben Seriatoporen und die lappigen Mussa mit grossen 
schneidend -dornigen Sternen die häufigsten sind. Auf, in und zwi- 
schen diesen Korallen leben nun Thiere der verschiedensten Klassen: 
hier sclilingen schwarze Schlangensterne (Ophiocoma scolopendrina 
und nigra), gorita- karang, Korallen -Vielfuss, ihre stachligen gelen- 
kigen Arme langsam von Zweig zu Zweig und verkriechen sich bei 
Störung immer tiefer in das Dickicht derselben, so dass der Sammler 
Muhe genug hat, durch Abschlagen der Zweige sie nach und nach 
unverletzt heraus zu lösen; dort wandeln hochgewölbte kurzbeinige 
Krabben (Carpilius und Atergatis) bedächtig zwischen den einzelnen 
Stücken herum und wissen sich geschickt in jede P^cke zu drücken, 



336 Thicre der Koiallenriflc. 

von wo sie der zugreifenden Hand nur die kräftigen schwarzfingrigen 
Scheeren drohend darbieten. Hier dehnt sich in einer kleinen Lache 
eine dunkle Holothurie so lang aus , dass man sie für eine Schlange 
halten möchte, zieht sich aber bei Berührung zu einer runzligen 
lederartig anzufühlenden Gurkengestalt zusammen und treibt, wenn 
man sie aus dem Wasser nimmt, durch anhaltende Contraction 
langsam ihre eigenen Eingeweide aus. Eine andere grau - gebänderte 
von wurmartiger Form (Synapta vittata) haftet klettenartig durch 
zahlreiche mikroskopische Ankerchen an jeder Stelle der Hand, die 
sie streift, an und ist so nicht mehr von den Fingern wegzubringen. 
Dort starrt ein grosser See-Igel (Diadema, Echinothrix) uns ent- 
gegen, die langen schwarzen oder auch weissbunten Stacheln nach 
allen Richtungen ausstreckend, so dass man nicht weiss, wie ihn 
anfassen, um so mehr wenn man erfahren, wie leicht die Spitzen 
seiner feineren Stacheln in der Haut der berührenden Hand ab- 
brechen und noch mehrere Tage lang empfind hchen Schmerz ver- 
ursachen. Dort schleicht ein unschuldiger himmelblauer langarmiger 
Seestern (Linckia miliaris), kaki-ayam, Hühnerfuss, von den Ein- 
gebornen genannt, oder ein anderer grösserer, der auf dem gewölb- 
ten Rücken stumpfe dicke Dornen trägt (Oreaster), mit seinen hun- 
dert weichen Füsschen so langsam daher, dass man seine Orts- 
bcwegung nur erschliessen, nicht sehen kann.*®) Von Würmern 
sind ein blassgelber, schwarzliniirter Strudelwurm, Borlasia quadri- 
lineata Q. G., die sfeitthche Amphinome (t^urythoe) Pacifica Kin- 
berg, ein grosser Zangenwurm, Eunice gigantea Cuv., und die durch 
ihre langen gelben Borsten ausgezeichnete schöne Chloeia oapillata 
Sav. mir wiederholt auf den Korallenriffen des indischen Archipels 
vorgekommen. Die Bewegungen dieser niederen Meerthiere sind im 
Allgemeinen langsamer, als die der höheren; wir müssen schon zu 
den langscliwänzigen Krebsen (Alpheus, Gonodactylus) und den 
Cephalopoden aufsteigen, um rasche, energische Ortsbewegung unter 
den Bewohnern des Korallenriffs zu linden. Andere haben auf die- 
selbe ganz verzichtet und ihre Sicherheit in der Verborgenheit ge- 
sucht, durch aktives Einbohren in die Korallenmasse selbst, wie 
die Meerdattel (Lithodomus) und andere Bohrmuscheln, oder indem 
sie passiv sich von der Koralle umwachsen lassen, wie einzelne 
Cirripeden (Pyrgoma), Schnecken (Magilus) und Würmer (Sipuncu- 
lus in Heteropsammia), wobei sie nur ein kleines Loch für Nahrung 
und Athmen offen zu halten bestrebt sind. Bemerkenswert!! ist auch, 



Kalkreichthoni und Essbarkcit derselben. 337 

wie der reiche Kalkgehalt, der eben die Bildung des KorallenriflTs 
bedingt, auch in den anderen Thierklassen und selbst in den Pflan- 
sen hervortritt: so finden wir auf den Riffen gerade die Echinoder- 
men so reich entwickelt, also Thiere, deren Körperhaut in hohem 
Grade durch Kalkeinlagerung ausgezeichnet ist, wir finden Muscheln 
und Seeschnecken mit besonders dicken Kalkschalen , wie Tridacna, 
Strombus, Cypraea, Terebra und Mitra, wir finden unter den Fischen 
die gepanzerten Kofferfische, ikan totombo oder auch (auf Amboina) 
ikan kabila; wir finden endlich auch Meerpflanzen aus verschiedenen 
Familien der Tange, welche durch massenhafte Kalkeinlagerung das 
Ansehen von Korallen erhalten und daher von früheren Natur- 
forschem für solche gehalten wurden, so Halimeda mit scheiben- 
förmigen, an manche Cactus erinnernden Gliedern, Amphiroa mit 
keilförmigen Gliedern, Galaxaura mit cylindrisch- elliptischen, die 
fadenartig feine Jania und die krustenartigen Melobesien.^^) 

Im Verhältniss zur grossen Anzahl ihrer Thiere geben Felsen- 
gmnd und Koiallengrund nur einen sehr massigen Beitrag zu den 
Nahrungsmitteln des Menschen. Wohl sieht man öfters einzelne 
Eingeborene an solchen Stellen Mollusken und andere Thiere für 
den eigenen Bedarf sammeln , aber auf den Märkten findet man fast 
keine Thiere, welche auf diesen Bodenarten heimisch sind, und mit 
mehr oder weniger Recht gelten die Meerschnecken mit glänzenden 
schön gefärbten Schalen, wie die auf den Riffen häufigen Cypraea, 
Mitra u. a., sowie manche dort lebende Krabben, namentlich die 
mit schwarzen Scheeren (katam gigi itam) , bei den Eingebornen als 
untauglich zur Nahrung oder gar schädlich. Nur die Holothurien 
(Trepang) bilden einen nicht unbedeutenden Handelsartikel, da sie 
bekanntlich bei den Chinesen als Delikatesse gelten, vielleicht we- 
niger ihrer wirklichen stofflichen Eigenschaften, als ihrer besonde- 
ren Form wegen. Ausserdem werden seit dem Einheimisch werden 
der Europäer Korallen und Conchylien vielfach, namentUch im 
Osten, auf den einzelnen Inseln der Molukken gesammelt und von 
Händlern nach Amboina und Singapore gebracht, um sie den Euro- 
päern als Raritäten und Kuriositäten zu verkaufen, daher viele der- 
selben schon seit lange in den europäischen Naturaliensammlungen 
bekannt sind, aber auch das Vorkommen bei solchen gekauften 
Stücken oft gar nicht oder falsch angegeben ist. 

Unter den freischwimmenden wirbellosen Thieren des 
indischen Oceans haben . einige Cephalopeden schon seit lange das 

Oit-AncB. ZoologiMk. I. 22 



338 Argonauta, Nautilus, Spirula. 

Interesse der Liebhaber und Naturforscher erregt, der weisse dünne 
sogenannte Papiernautilus (Argonauta), der perlmutterartige gekam- 
merte ächte. Nautilus und das kleine lose gewundene, ebenfalls ge- 
kammerte Posthörnchen (Spirula). Von der ersten Gattung kommen 
im indischen Ocean alle drei bekannten Hauptarten vor, die schmale 
einfach gestreifte A. Argo, die gekörnte A. tuberculosa und die 
kleinere breit« bräunliche A. hians. Da sie nur bei ruhigem 'Wetter 
an der Oberfläche des Meeres sich sehen lassen, gelten sie als 
Glückszeichen und werden als solche auf den Molukken bei Fest- 
lichkeiten zur Schau getragen und auch zu Geschenken benutzt, so 
habe ich zwei kleine Exemplare von A. hians von einem eingeboroen 
»Prinzen« auf Batjan erhalten. Sie werden öfters schwimmend an- 
getroffen und es ist längst ausgemacht, dass ihnen die zwei breiten 
Arme zum Umfassen der Schale dienen, nicht als Segel, wie man 
früher dichtete. Nautilus pompilius L. oder das Perlmutterboot ist 
der Schale nacii häufig und wird bekanntlich seines schönen Perl- 
mutters wegen liäufig ausgeschnitten oder bemalt als Zierstück ver- 
wandt; die vollständigen Thiere sind auch wiederholt nach Europa 
ij^ekommen und dort anatomisch untersucht worden, dennoch wissen 
wir über ihr Vorkommen und Leben nicht mehr, als was schon der 
alte Kumph berichtet hat, dass sie meist auf dem Grunde leben 
und hier die zahlreichen Fühler sowohl zum Kriechen als Greifen 
benutzen^ aber auch zuweilen schwimmen, angeblich durch Stürme 
aufgetrieben, aber nicht auf lange Zeit. Auf Amboina erhielt ich 
zwei lebende Exemplare, die einige Tage in einem grossen Gefass 
mit Meerwasser lebend blieben, sie hielten sich aber ruhig am 
Grunde desselben und ich konnte keine andere Bewegung an ihnen 
wahrnehmen, als dass die sogenannte Kappe bald etwas mehr, bald 
etwas weniger weit einwärts vom Schalenrande sich befand. Diese 
Kappe, welche die ganze Mündung verschliesst, war im Leben fast 
so dunkel rothbraun gefärbt, wie die Flammenzeichnung der Schale, 
mit grösseren und kleineren runden weissen Flecken, welche in 
Reihen von innen nach aussen geordnet sind. "Noch weniger wissen 
wir von der kleinen Spirula Peronii, deren Schalen an alten Küsten, 
nicht nur des indischen Archipels, sondern auch sonst in der wär- 
meren Zone, nicht selten an deUjStrand getrieben werden, während 
das vollständige Thier noch jetzt zu den grössten Seltenheiten ge- 
hört; die Angabe desselben Rumph, dass es mittelst eines dünnen 
Doms an Klippen festsitze, ist von Niemand seitdem bestätigt wer- 



Pelagische Thiere. Milchsee von Banda, 339 

den.*^) Von aDdern schwimmenden Mollusken sind die veilchen- 
blauen Janthinen im indischen Ocean häufig und auch die ähnlichen 
aber unscheinbar graubraunen Recluzien kommen ebenso freischwim- 
mend vor. Zuweilen findet man auch schwimmende Nacktschnecken; 
so fischte ich unweit Singapore im ofienen Meer im Oktober Scyl- 
laea pelagica auf, freischwimmend durch bogenförmige Krümmungen 
des ganzen Körpers; es ist dieselbe Schnecke, welche für das 
schwimmende Sargasso im atlantischen Ocean charakteristisch ist, 
und dieses Vorkommen spricht demnach auch dafür, dass das Sar- 
gasso aus dem indischen Ocean durch Meeresströmungen in den 
atlantischen gelangt.*^) Von etwas grösseren wirbellosen Thieren 
des offenen Meeres sind hauptsächlich noch die ihres Generations- 
wechsels wegen berühmten Salpen und die Quallen als augen- 
fällige Erscheinungen hervorzuheben; Salpen traf ich z. B. am Ein- 
gang des Golfes von ISiam, 16. November 1861, grössere Quallen in 
Mehrzahl Ende August 1862 auf den Molukken, so bei Batjan ein 
der Seelunge des Mittelmeeres ähnliches Khizostoma von etwa ein 
Fass im Durchmesser, violett -rosen farbig mit acht gabelförmigen 
Armen, deren jeder einen blaugefärbten Nahrungskanal enthielt, und 
bei Kajoa eine der gewöhnlichen Qualle unserer Ostsee ähnliche 
Hedusa (Aurelia) mit 16 Randlappen, kurzen vierspaltigen Armen 
und vier röthlichvioletteu Kreisen um die Mitte der Scheibe. 

Von mikroskopisch kleinen lebenden Wesen an der Ober- 
fläche des Meeres beobachtete ich z. B. in der Celebessee unter 4^ 
N. Br. und 120° O. L. v. Green w. den 26. Juni 1862 Arten der 
Gattungen Eucyrtidium, die von dreizackigen Kieselnadeln umgebe- 
nen Gallertkugelchen von Sphaerozoum und die starren Schrauben- 
zieherformen von Spirillum. Kumph berichtet, dass das Meerwasser 
um die Inselgruppe Banda jährlich iu den Sommermonaten zur Zeit 
des Ostmonsuns des Nachts weisslich leuchte, so dass man Luft 
und Wasser nicht gut unterscheiden könne; er gibt an, dass er 
viele nesselnde Quallen (bezaantje's, wahrscheinlich Physalia) darin 
gefunden und dass zuweilen am Ende dieser Zeit grosse Mengen 
faulen stinkenden Schleimes ausgeworfen würden, auch dass Viele 
der Meinung seien, diese Erscheinung rühre von einer grossen An- 
zahl kleiner Thierchen her. Nähere Untersuchungen hierüber sind 
mir nicht bekannt, und ich selbst kam in einer anderen Jahreszeit, 
Anfangs Dezember, nach den Banda -Inseln, so dass ich keine Ge- 
legenheit hatte, es zu untersuchen. Doch kann ich nicht umhin. 



340 Polycystinen . Thiere in schwimmendem Holz. 

darauf aufmerksam zu machen, dass eben in diesem Theile des 
Meeres durch Tie'flothungen in 990 — 2000 Faden eine nicht un- 
bedeutende Anzahl von Polycystinen- Schalen am Grrunde durch 
Kapitänlieutenant A. F. Siedenburg und Professor Harting**) nach- ' 
gewiesen worden sind; diese Polycystiuen sind Thierchen, welche 
während des Lebens in grossen Schaaren nahe der Oberfl&che des 
Meeres zu schwimmen pflegen, und es scheint nicht undenkbar, 
dass jene Schalen die hinabgesunkenen Reste grosser Schwärme 
mikroskopischer Thierchen sind , die zeitweise die obersten Wasser- 
schichten bevölkert und den erwähnten hellen Schein hervoi^rufen 
hätten. Zwar ist bis jetzt unseres Wissens noch kein Leuchten 
von Polycystinen direkt beobachtet worden, wenigstens schweigen 
Job. Müller und Häckel ganz darüber, aber wenn wir erwägen, 
dass diese Thierchen in der Meerenge von Messina schaarenweise 
mit andern pelagischen Thierchen, die als leuchtend bekannt sind, 
wie Schirmquallen, Salpen und kleinen Crustaceen vorkommen und 
all' diese bei ungünstigem Wetter, Sturm und Regen verschwinden, 
so dürfen wir wohl annehmen, dass in ähnlicher Weise in der 
Bandasee die Zeit des Ostmonsuns, d. h. des Passatwindes, die 
Jalireszeit für ebenso aus leuchtenden und nicht leuchtenden pela- 
gischen Thierchen zusammengesetzte Schwärme sein dürfte. 

Eine andere Reihe von Thieren findet sich zwar nicht frei- 
schwimmend im Meere, sondern nur an andere schwimmende Körper, 
Holz oder losgerissene Tange, angeheftet oder wenigstens dieselben 
begleitend , zeitweise darauf ausruhend. Sie werden auf diese Weise 
mehr oder weniger passiv auf weite Strecken fortgeführt und es 
sind in der That grossentheils dieselben Arten in den verschieden- , 
sten Meeren verbreitet, vielleicht in höherem Grade, als bei Thieren 
von anderer Lebensweise. In diese Reihe gehören vor Allen einige 
gestielte Cirripeden,-wie Lepas und Cineras, und einige Holzbolir- 
muscheln, wie der berüchtigte Schiffsbohrwurm, Teredo, und die 
weitverbreitete Pholas (Martesia) striata. An letztere schliesst sich 
auch noch eine dem indischen Ocean eigenthümliche Röhrenmuschel 
an, welche ausschliesslich die holzigen in's Wasser gefallenen 
Früchte eines Strandbaumes der Molukken, des Xylocarpus grana- 
tum, bewohnt; es ist dieses die sogenannte Herkuleskeule, Teredo 
clava GmeL oder Fistulana gregata Lam.*') Auch höhere Ringel- 
würmer, eine graue Amphinome und grasgrüne Nereis, finden sich öfters 
in schwimmendem Holze, femer an- demselben kleine Hydroidpoly- 



Durch das Meer verschleppte Thiere. 341 

pen; endlich liabe ich auch verschiedeue Crustaceen als Begleiter 
desselben gefunden, und zwar aus den Gattungen Gammarus, Pa- 
laemon, Alpheus, Galatea, Varuna (vgl. oben S. 56, 57) und selbst 
eine Plagusia depressa, eine sonst dem Felsengrund eigene Gattung, 
an Treibholz in der See zwischen den Inseln Negros und Mindanao, 
10. Juni 1861, in einer von Nordosten, also von jener erstgenannten 
lusel herkommenden Strömung. Hiedurch fallt einiges Licht auf 
die weite geographische Verbreitung der nahe verwandten Plagusia 
squamosa (vgl. oben S. 23). Auf der Fahrt von Singapore nach 
Siam trafen wir im oflFenen Meer den 12. November 1861 unter 7° 
54 ' Nordbreite 105 ° 40 ' Ostlänge von Greenw. auf eine aufgege- 
bene treibende Fischreuse, die nicht nur Lepadeu und festsitzende 
Bryozoen (Eschara chartacea) beherbergte, sondern an der ich auch 
noch Schlangensterne (Ophiactis maculosa), einen kleinen Pecten 
und einen langstachligen See -Igel fand, lauter Thiere, die sonst 
festen Grund lieben, aber auf die angegebene Weise mit verschleppt 
werden können. 



ANMERKUNGEN. 



^) Prof. Beyrich »Ueber eine KohleDkalk-Faima von Timor« in den Abhand- 
lungen der Konigl. Akiideniie der Wissenschaften zu Berlin 1864, 4to.y nach Ma- 
teri^ien , welche ich auf unserer Expedition von Dr. Schneider für die Königl. Samm- 
lungen erhalten habe. 

*) Dr. Sal. Müller (in Verbindung mit H. Schlegel und W. de Haan), Zoologie 
der nederlandsche overzeeische besittingen, Leiden 1839 — 1843, mit 102 kolorirten 
Tafeln. Ein Auszug davon in Erichson's Archiv für Naturgeschichte, Jahrgang XII., 
1846, S. 109 — 128 und in Oken^s Isis 1840, S. 436. 

') Alfr. Rüssel Wallace zuerst in einem Brief aus Ba^an, Mftrz 1839 an Dr. 
Sclater, veröffentlicht in dessen omithologischer Zeitschrift »Ibis« Oktober 1859, dann 
in mehreren Aufs&tzen über einzelne Thiergruppen des Archipels, und endlich in 
seinem grosseren Werk -the Malay Archipelago«. 

Prof. W. Peters über die Arten der Gattung Pteropus in den Monatsberichten 
der Königl. Akademie der Wissenschaften. 1867, S. 319 ff. 

^) Eine kurze Besprechung der zoologischen Literatur des indischen Archipels, 
der auch ich im Obigen manche Einzelheit entnommen, dürfle hier nicht ganz unan- 
gemessen sein. Aus der &1teren Zeit sind nur zwei Naturforscher zu nennen: 
Georg Eberhard Rumph, gebürtig aus Hanau und lange Zeit »Oberkaufiniann« 
in Amboina, wo er 1702 in einem Alter von 75 Jahren gestorben. Sein Werk, 
d'amboinsche rariteitkamer, 1699 im Manuskript nach Holland geschickt und da- 
selbst 1705 zu Amsterdam in Folio gedruckt, gibt eine interessante und an eigenen 
Beobachtungen reiche Beschreibung der an den Küsten von Amboina und in den benach- 
barten Gegenden gefundeneu Crustaceen, Echinodermen und einiger andern niedern 
Seethiere, diese im ersten Buch unter der Benennung -weiche Schalfische« zusam- 
mengefasst , sodann eine &hnliche noch etwas ausführlichere der Conchylien im zweiten 
Buch,, während das dritte Mineralien, Versteinerungen und -andere seltsame Sachen« 
(z. B. Bezoarkonkretionen , Ambra, alte Steingeräthe) behandelt. Als faunistische 
Quelle ist er insofern mit Vorsicht zu benutzen , als in Holland manche Abbildungen 
und einige Zusätze beigefugt wurden, die nicht alle ostindische Vorkommnisse be- 
treffen. Aus dem gedruckten Text sind dieselben leicht zu erkennen, und auch in 
den Abbildungen sind diese Figuren meist mit Nummern, nicht mit Buchstaben be- 
zeichnet (Ausnahme auf Tafel 34). Es folgt daraus, dass eine noch so unzweifelhafte 
Abbildung in diesem Werke nichts fiir das Vorkommen der betreffenden Art in Ost- 
indien beweist , wie manche späteren Compilatoren angenommen haben , sondern immer 
hiefür erst der Text zu vergleichen ist. Es gibt noch eine spätere abgekürzte Aus- 
gabe desselben, unter dem Titel Thesaurus imaginum, Haag 1739, und eine deutsche 
Uebersetzung des konchyliologischen Theils durch Chenmitz, Wien 1766 foL, mit 



Anmerkungen zum ind. Archipel. 343 

theilweise etwas veränderten Abbildungen. Ein zweites noch grösseres Foliowerk 
desselben Verftssers, Uerbsrium Amboinense, het amboinsche Rruidboek, erst nach 
seinem Tode durch Burmann veröffentlicht, enthält in seinem sechsten Bande, 1750 
erschienen, die damals noch fiir Pflanzen gehaltenen Korallen. 

Bald nach Rumph schrieb Franz Valentyn, evangelischer Prediger in Amboiua, 
ein grosses Werk in fünf Foliobänden Oud en nieuw Oost Indien (Alt- und Neu- 
Ostindien), das Geschichte, Geographie und Statistik der damaligen holländischen 
Besitzungen im indischen Archipel behandelt; es bildet insofern ein Seitenstück und 
eine Ergänzung zu Rumph, als der dritte Band, 1726 erschienen, S. 263 — 297 Vcr- 
handeling der dieren van Amboina, S. 297 — 329 Verh. der Vogelen, S. 330 — 346 
Verh. der Waterdieren und S. 347 — 510 Ongemeene Visschen van Amboina manche 
interessante Bemerkungen über Vorkommen und Lebensweise von Säugethieren , Rep- 
tilien, Insekten und Vögeln, sowie Namen und Farbenbeschreibungen von 525 Fischarten 
gibt, von denen die meisten nach den beigegebenen für unsere jetzigen Begriffe etwas 
zu kleinen und rohen Abbildungen noch systematisch erkennbar sind. Dieselben 
Fischabbildungen wurden später 1754 von L. Renard in einem eigenen Werke ver- 
öffentlicht. Eine kleine Abhandlung über Schalthiere in demselben Band, öfters auch 
gesondert im Buchhandel, enthält auf saubem Kupfertafeln eine Reihe von Conchy- 
Hen, gleielisam als Supplement zu Rumph, doch auch wieder nicht -ostindischc dar- 
unter; der Text hiezu ist sehr mager und dilettantisch, durchaus vom Standpunkt des 
Raritätensammlers. Auch hiervon gibt es eine deutsche Uebersetzung. In der neuen , 
Ton Dr. S. Keyzer besorgten Ausgabe des Valcntynschen Werkes in 8vo.. Haag 
1856, sind gerade die naturhistorischen Kapitel als veraltet weggelassen. Freilich 
sind sie das, aber dieses Werk ist neben dem von Rumph und einem altern unbe- 
deutenderen des Arztes Bontius in Batavia, historia naturalis et medica Indiae 
oricntalis 1658, längere Zeit die Hauptquelle für die Kenntniss der Thiere des 
Archipels gewesen. 

Erst in dem letzten Viertel des vongen Jahrhunderts zeigte sich wieder neue 
wissenschaftliche Regsamkeit, und zwar jetzt der Veränderung des politischen und 
merkantilischen Schwerpunkts gemäss in Batavia; es entstand dort die Bataviaasche Ge- 
nootschap van Künsten en Wetenschappen , 1779, welche eine Zeitschrift herausgab, 
in deren ersten Bänden einer der Stifter, Herr von Wui-mb, 1775 — 1781 in Batavia 
mehrere zoologische Aufsätze veröffentlichte, unter anderm über einen grossen Orang- 
utan aus Bomeo. Ungefähr um dieselbe Zeit kamen die ersten lebenden Exemplare 
solcher Affen nach Holland, wo sie Gegenstand eingehender Arbeiten von Vosniacr 
1778 und Camper 1782 wurden; 1793 folgten die ersten Beschreibungen des snma- 
tranisehen Nashorns durch englische Beamten in Benkulcn. 

In der kurzen Zeit der englischen "Zwischenherrschaft" 1811 — 1816 nahmen die' 
naturgeschichtlichen Untersuchungen durch das Interesse und eigene Forschungen des 
Gouverneurs Sir Stamford Raffles, später in Benkulen und Gründer von Singapore, 
sowie durch den Naturforscher von Facti, Thomas Ilorsficld, einen weiteren Auf- 
schwung , namentlich in Betreff der Säugethiere und Vögel sowohl Java's als Sumatra's ; 
die Resultate sind niedergelegt in dem XIH. Band der Transactions of the Linnean 
soeiety 1821 und 1822, in Horsfield's zoological rcsearches in Java, London, 4to., 
1821 — 1828,*ferner in einem naturgeschichtlichen Anhang zu RafHes's Lebensbeschrei- 



344 Anmerkungen zum ind. Archipel 

bung und in den neuerdings erschienenen Catalogen der durch beide so bereicberteD, 
man konnte fast sagen gegründeten zoologischen Sammlungen der uatindischen Com- 
pagnie (catalogue of the Mammalia of the Museum of the Hon.'East-India Company, 
London 1851, 8vo., von Horsfield, Birds von Fr. Moore, Bd. 1. .und II. 1856 — 58^ 
Bd. II. Lepidoptera Bd. I. 1856). Die in doppelter Beziehung erneute hollindiache 
Herrschaft legte — und ^s ist das hauptsächlich Verdienst des General- Gouvemeors 
Baron van der Capellen, 1816 — 1826 — grossen Werth auf die naturgeschichtliche 
Durchforschung ihres Gebietes durch eigene Fachgelehrte und berief nacheinander 
folgende Naturforscher und mehr oder weniger spezielle Zoologen aus Eiu>opa nach Java: 
Caspar Georg Carl Reinwardt, 1816 — 21 auf Java, machte 1821 eine Reise nach 
Bima, Timor, Banda, Amboina. Ternate. Gorontalo und Manado, kehrte 
später nach Europa zurück und stai'b als Professor in Leiden 1854. 
J. C. van Hasse It, nach kurzem Aufenthahe in Java 8. September 1823 gestorben. 
Briefe und Berichte über seine Beobachtungen in der holläudisclien Zeit- 
schrift Konst- en Letter- bodc 1823 und 1824. 
Heinr. Ruhl, September 1821 gestorben. 
Heinr. Boie, aus Riel, 1825, ebenfalls bald gestorben. 
Macklot, machte 1828 mit Sal. Müller die Expedition nach Timor und Neuguinea 

mit, wurde 1832 bei einem Aufstande der Chinesen in Batavia ermordet. 
Forsten, besuchte Celebes und die Molukken, gestorben 3. Januar 1843 zu 

Amboina. 
Sal. Müller, vergl. dessen oben angeiiihrtes Werk. 

Franz Junghuhn aus Eisleben, vorwiegend Botaniker und Geognost, kam 1837 
nach Java und wurde, da die eigene Rommission für Naturwissenschaften 
aufgehoben wurde, als Inspektor der Chinarinde- Anpflanzungen auf Java 
angestellt, wo er 1864 starb. Bekannt sind seine drei grosseren Werke, 
die sowohl in holländischer als deutscher Sprache erschienen sind: Topo- 
graphische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java. Magdeburg 1845. 
gr. 8vo., mit Atlas von 38 Tafeln und 2 Rarten. Java, seine Gestalt, 
Pflanzendecke und innere Bauart. Dresden 1852 — 54. 8vo.y mit Atlas v<m 
11 Tafeln. Die Battaländer auf Sumatra. Berlin 1847. bvo., mit 19 Tafeb. 
Während von den früheren Sammlern auf Amboina hauptsächlich die fremd- 
artigen Gestalten der Meertlüere bevorzugt wurden, wandte sich auf den grossen 
Inseln das Interesse der Forscher zunächst den höheren Wirbelthieren zu» und das 
Reichsmuseum in Leiden, worin die von jenen Reisenden gesanunelten Natorgegen- 
stände sich anhäuften, trat unter der Leitung von C. J. Temminck {f 1858) and . 
H. Schlegel in die Reihe der grossartigsten zoologischen Anstalten. Die Säugethiere 
und Vögel wurden grossentheils von ersterem wissenschafUich verwerthet, ziuilchst 
in den gemeinschaftlich mit Sal. Müller herausgegebenen Verhandelingen over de 
natuurlijke geschiedenis der ncderlandsche overzeesche besittingen. 1839 — 1844 yfoL, 
dann mehr systematisch in den Monographie« de mammalogie, seit 1824, 4to. and dem 
nouveau recueil de planches coloriees d'Oiseaux, 1820 — 1839. foL Die Vögel vcni 
Schlegel Mtiseum d'hist. nat des Pays-bas seit 1862. Die Reptilien von Schlegel, 
Essai sur la physionomie des serpents, 1837, 8vo. mit Atlas in Fol. (im aligemeinen 
Theil dieses Werkes S. 225 — 243 auch eine Uebersicht der Verbreitung der Sänge- 



Anmerkungen zum ind. Archipel. 345 

thiere, Vogel imd Reptilien durch die Inseln des Archipels), und in seinen Abbildungen 
neuer oder unvollständig bekannter Amphibien 1837 — 1844. Fol. Die eingesandten 
Fische wurden von Cuvier und Valenciennes in ihrer histoire naturelle des poissons 
1828 — 1849, die Seesterue von Joh. Müller und Troschcl (dieser reiste deshalb 1841 
nach Leiden) in dem System der Astenden 1842 bcsehricben, während noch später 
die Seefedem dem Gustos Dr. Herklots 1856, die Schmetterlinge und manche Co- 
ieopteren dem Custos Snellen van Vollenhoven 1860 und 1863 Anlass und Stoff zu 
beaondem Arbeiten gaben. 

Ein praktisches Handbuch für die Renntniss vieler ostindischer Arten verdanken 
wir demselben Prof. Schlegel; es fuhrt den Titel handleiding tot de beoevening der 
dierkunde, *2 Bände, 1857 und 1858, kl. 8vo. mit einem Atlas in Fol., allerdings Hand- 
buch (tür Zoologie überhaupt, aber zunächst fiir den naturwissenschaftlichen Lehrkurs 
an der Akademie zu Breda bestimmt, an welcher die OfBziei'e der holländischen Armee 
und Marine ausgebildet werden, daher mit besonderer Rücksicht auf die in den nieder- 
ländischen Besitzungen vorkommenden Thiere, so dass namentlich der erste, nur 
Säugethiere und Vogel behandelnde Theil ganz speziell zur Erkennung der häu- 
figeren oder ausgezeichneteren Arten, die im Archipel leben, dienen kann, während 
der zweite alle übrigen Thiere umfassende Band sich mehr in den Gränzen eines 
allgemeinen Lehrbuchs hält. 

Von englischer Seite gab Eyton einen Catalog der Vogel von Malakka mit An- 
gabe vieler einheimischer Namen in den Proceediugs of the zoological society of 
London, 1837, und derselbe Dr. Theodor Cantor, dessen Verdienste um die chine- 
sische Fauna wir schon oben S. 174 lühmend zu er^^-ähnen hatten, von Singapore 
ans werthvoUe Bearbeitungen der von ihm beobachteten Reptilien und Fische im 
Journal of the asiatic society of Bengal, 1847 und 1850, 8vo. mit mehreren Tafeln. 
Gleichzeitig hatten die von der französischen Regierung ausgehenden wissenschaft- 
lichen Erdumsegelungen besonders in dem ostlichen Theil und den anstosseiiden 
Grinzgebietcn des indischen Archipels die zoologische Kenntnlss in allen Thier- 
kJaasen gefördert. Die hauptsächlichsten dieser Expeditionen sind im zweiten Band 
S. 103 angeführt. 

In Niederländisch -Indien selbst war seit Aufhebung der naturwissenschaftlichen 
Kommission ein Stillstand im Studium der dortigen Thierwelt eingetreten, der den 
grossem Theil des zweiten Vierteljahrhunderts hindurch andauerte. Einen neuen 
Aufschwung erhielten die zoologischen Bestrebungen dort erst durch Dr. P. Bleeker, 
welcher mit Eifer und Energie die Systematik und Beschreibung der Fische des 
Archipels in die Hand genommen und für diesen Zweig der Thierkunde halbofBzicil- 
Propaganda gemacht, indem er als Chef des Medicinalwesens seine durch den ganzen 
Archipel zerstreuten Untergebenen zum Sammeln von Fischen und Reptilien an- 
spornte, sowie 1850 die »naturkundige Vereinigung- in Batavia gründete, deren Prä- 
sident er, bis er Indien verliess, geblieben ist. Arbeiten von ihm über die Fische 
und Reptilien des Archipels, einzelne auch über Crustaceen (Doclea) und Seefedem, 
finden sieh seit 1846 in den Verhandelingen van het Bataviaasch Genootschap, 4to., 
Verbandelingen der natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch Indie, 4to., auch 
Acts soeietstis scientiarum Indo - Neerlandicae betitelt, und in der von derselben 
Gesellschaft herausgegebenen Natuurkiindig Tydschrift vooi* Nederlands Indie, 8vo., 



346 Anmerkungen zum Ind. Archipel. 

hauptsächlich fiir kleinere Mittbeihingen zu rascherer Veröffentlichung bestimmt, wie 
die Proceedings englischer und amerikanischer Gesellschaften, eine Zusammenstellung 
von Fischen aus Sumbawa auch in dem zu Singapore erschienenen Journal of the Indian 
archipelago, vol. II. 1848. Die Zahl der einzelnen Aufsätze ist sehr gross, da fast jede 
Zusendung^ zu einer besondem Aufzählung Veranlassung gab ; die umfassendsten sind 
eine Bearbeitung der karpfenartigen Fische 1860, der Welse 18.58 und eine Aufzäh- 
lung aller bis dahin bekannten Fischarten aus dem Archipel, 1859, im IV., VI. und 
Vni. Band der zweiten der oben genannten Zeitschriften. 1855 begleitete er den 
General - Gouverneur Duymaer van Twist auf dessen offizieller Reise über Celebes 
nach den Molukken und gab in der ausführlichen Reisebeschreibung, reis door de 
Minahassa en den molukschen Archipel, zwei Bände gr. 8vo., Batavia 1856. Listen 
der Thiere aller Klassen, welche bis dahin von den betreffenden Inseln in der zoo- 
logischen Literatur angegeben waren, Verzeichnisse, welche freilich der Natur der 
Sache nach sehr unvollkommen ausfallen mussten. Definitiv 'nach Europa zurück- 
gekehrt, hat er seit 1862 begonnen seine ichthyologischen Resultate in einem um- 
fassenden Bilderwerke, Atlas ichthyologique des Indes orientales neerlandaisea, 
Amsterdam, Fol., niederzulegen, wovon bis jetzt die Papagei- und Lippfische, die 
Welse, Karpfen, Aale, Lophioiden, Plectognathen und Pieuronectiden erschienen sind. 

Gleichzeitig thaten sich auch an andern Punkten der niederländischen Besitzungen 
unter den Aerzten einige als Sammler und Kenner einzelner Thierabtheilungen rühm- 
lich hervor, so O. Mohnicke (aus Stralsund) in Amboina und später in Sarabaya fiKr 
Käfer . C. L. D o 1 e s c h a 1 1 in Amboina (gestorben) filr Spinnen und Zweiflügler und 
H. A. Bernstein aus Breslau, erst Privatarzt auf Java, für Vögel; Dolescliall ver- 
öffentlichte einige systematische Arbeiten über die genannten Gliederthiere, Bernstein 
mehrere interessante Aufsätze über Anatomie und Biologie javanischer Vögel in den 
Abhandlungen der naturkundigen Gesellschaft und im Journal für Omitliologie 1859 
bis 1860. Auf Amboina ging daneben das Sammeln von Conchylien und anderen 
Raritäten des Meeres nach Rumph's Beispiel fort, ohne den seitherigen Fortscluntten 
der Wiss'^nscliaft zu entsprechen; jeder Arzt, der dort einige Zeit stationirt war, 
brachte eine kleine Conchyliensamnilung zusammen , und einzelne dort ansässige Lieb- 
haber verkauften von Zeit zu Zeit grössere Sammlungen nach Batavia oder Europa; 
leider wurde dabei auf das nähere Vorkommen gar nicht geachtet, waa durch ma- 
laiische Händler oder eigen« kleine Reisen von Timor, den Tenimber- Inseln, den 
eigentlichen Molukken, Celebes u. s. w. gekommen, mit den bei Amboina selbst vor- 
kommenden Naturalien zusammengeworfen uiTd alles von da ohne Fundortsangabe nach 
.Batavia und Europa verschickt, so dass es dort als amboinisch, hier als javanisch galt 
Daher viele falsche Vaterlandsangaben noch in neueren systematischen Werken. 

Eine strengere Beachtung der faunistischen Unterschiede der einzelnen Inseln und 
Inselgruppen zeichnet vortheilhafl die reichen Sammlungen des Engländers Alfred 
Rüssel Wallace aus, der in den Jahren 1854 — 1862 alle grösseren und viele der 
kleineren Inseln des Archipels, namentlich im östlichen Theile besuchte, und nach 
seiner eigenen Angabe etwa 125,(XX) Stück zoologischer Gegenstände, darunter 8060 
Vögel, 13,100 Schmetterlinge und 83,200 Käfer zurückbrachte. Nel>cn zahlreichen 
kleineren und spezielleren Aufsätzen hat er in einem zweibändigen Werke The Ma- 
layan Archipelago, London 1869 8vo. (ins Deutsche übersetzt von A. B. Meyer 1869), 



Anmerkungen «um ind. Archipel. 347 

eine eingehende Schilderung seiner Reisen, Forschungen und Anschauungen gegeben, 
geistreich und anziehend, voll feiner Beobachtungen, wenn auch zuweilen etwas ein- 
seitig und theoretisirend. Der grosse Unterschied zwischen der Thierbevölkerung der 
grossen westlichen und der kleineren ostlichen Inseln, schon von den holländischen 
Forschem dargelegt und im Allgemeinen jedem Spezialzoologen schon früher be- 
kannt, wurde von Wallace sehr scharf hervorgehoben , durch viele neue Beispiele er- 
läutert und mit einem vermuthlichen früheren Zusammenhang der Küsten von Bomeo, 
Sumatra und Java unter sich und mit Malakka in Verbindung gebracht. 

Wallace*s reiche Erfolge regten nun auch wieder in Holland zur Nacheiferung 
auf, und in Folge davon wurden nun auch wieder von der Kolonialverwaltung ein- 
zelne Beamte eigens für natiu-wissenschaftliche Sanimelreiseu bestellt, so der schon 
genannte Bernstein, welcher in den Jahren 1860 — 1862 die eigentlichen Molukken, 
Halmahera, Morotai, die Obi- Inseln, Gebe und Waigin durchforschte, aber zu 
grossem Verlust für die Wissenschafl schon am 18. April 1865, als er sich eben 
zu einer grösseren Reise nach Neuguinea selbst anschickte, unerwartet rasch starb, 
und H. von Rosen berg aus Darmstadt. 

') Vgl. die 'Mittheilung von Prof. Peters in den Monatsberichten der Berliner 
Akademie 1867, S. 319. 

^ Oken, allgemeine Naturgeschichte, VII., S. 953, bezieht das von Rumph unter 
dem Namen Tupe angeführte Thier auf die Gattung Cladobates. Valentyn , a. a. O. 
S. 276, 277, sagt, man sehe in Amboina zuweilen ein Thierchen, Tupe genannt, das 
am meisten einem Eichhörnchen gleicht; sie kommen aber daselbst nicht ursprünglich 
vor, sondern werden von andern Gegenden gebracht. Die ausdrückliche Angabe von 
vier Zehen an den Vordcrfüssen , sowie dass es Cocosnüsse, Pisang, Reis und allerlei 
Baumfirüchte fresse, spricht entschieden für ein wirkliches P^ichhorn, und gegen den 
•Insektenfresser« Cladobates; unklar bleibt aber, wie Valentyn nach den zwei langen 
Zähnen in Ober- und Unterkiefer noch Hundszähne erwähnen kann. Die Eckzahne 
vom Cladobates sind übrigens zu klein, um einem Laien als Hundszähne zu gelten. 
Weder Eichhörnchen noch Cladobates kommen unseres Wissens wild auf den Molnkkcn 
vor, wohl aber wird Sciurus bicolor auf Java den Fremden lebend zum Kauf angeboten 
(S. 52) und so mögen überhaupt Eichhonichen in der BlQthezeit Amboina's dahin 
gebracht worden sein, ihrer Gutmüthigkeit und Kurzweiligkeit wegen, welche von 
Valentyn ausdrücklich hervorgehoben wird und welche nicht auf einen Insektenfresser 
passt. Die grossen, doch freundlichen Augen, welche Valentyn hervorhebt, passen gut 
auf das von mir eine Zeitlang lebend gehaltene zweifarbige Eichhörnchen, Sciurus bicolor, 
sowie auch alles was Valentyn von seinem Betragen in der Gefangenschaft erzählt; 
offenbar hat er auch ein solches Thierchen lebend gehabt und lieb gewonnen, wie ich. 

^) Die Schilderung eines solchen Kampfes mit einem Büffel, sowie was ich vom 
Tiger auf Java hörte, habe ich in der Zeitschrift »der zoologische Garten« Jahrgang 
1861 S. 418 und 384 mitgetheilt. Das Erstechen des Tigers durch Lanzenträger 
schildert als Augenzeuge unter Andern von Wollzogen , Briefe des Herrn von Wurmb 
und des Herrn Baron von W. auf ihren Reisen nach Afrika und Ostindien in den 
Jahren 1774—1792. Gotha 1794. 8vo. pag. 389. 

') Dasselbe haben schon Reinwardt und Kühl angegeben, s. Oken allgemeine 
Naturgeachichte VH. S. 1608; es ist dieses entscheidend dafür, dass der schwarze 



348 ADmerkiuigen zum ind» ArchipeL 

Panther nur eine FarbenspieUrt des gewöhnlichen, nicht eine eigene Art (Felis melas 
Peron) ist, wie auch rom afrikanischen, sowie vom Jaguar und Kuguar schwane 
Individuen vorkommen, vergl. meine Bemerkungen im »zoologischen Garten* 1864 
8. 279. RafBes, Trausact. Linn. soc. Xlll. 1821 pag. 250 f&hrt allerdings rimau- 
kumbang als spezielle Namen für den »schwarzen Tiger« an, aber er unterscheidet 
in dieser Abhandlung überhaupt nicht den Panther vom Tiger und scheint daher 
den malaüschsu Namen des Panthers auf die schwarze Abart allein bezogen zu haben; 
wenigstens deutet der oben angegebene Sinn des Wortes entschieden auf ein ge- 
Oecktes Thier. 

*) Der scheinbar einheimische Name, welchen Pteromys petaurista PalL ans 
Hinterindien seit Buffon in den zoologischen Büchern führt, taguan, stammt von 
den philippinischen Inseln — allgemeine Historie der Reisen Bd. XI. S. 428, Pallas 
miscellsnea zool. pag. 55 — und ist höchst wahrscheinlich nur eine Variation von 
caguaug, wie Pater G. J. Camel den philippinischen Namen eines fli^enden Singe- 
thiers schreibt, das vielmehr Galeopithecus Philippinus sein dürfte, vgl. oben S. 194. 

^^ Die erste Nachricht über Hasen auf Java, welche ich aufzufinden vermocht, 
ist in Major Thom's history of the conquest of Java, London 1815, pag. 218, und 
lautet: hares and rabbits are pretty conunon, and deer and antilopea also pleutifiil; 
es ist hier im Allgemeinen von Java die Rede , aber doch wohl zunächst an die Um- 
gegend von Batavia gedacht; von Kaninchen auf Java habe ich nie etwas gesehen 
oder gehört. Doch sagt der alte Valentin:! in seiner Beschreibung von Batavia, oud 
en uieuw Oost Indie, Bd. IV. pag. 255 (1724 — 1726, neue Ausgabe durdi Kejzer, 8vo., 
1858, Bd. 111. S. 540) , unmittelbar nach der Anzahlung der zahmen und einiger wilden 
Vögel: »es gibt auch Kaninchen, doch nicht im Ueberfluss«; und bald darauf nennt 
er eine ziemliche Anzahl wilder Säugethiere , aber nidit den Hasen. Was Tbom sich 
unter seiner Antilope gedacht, ist zweifelhaft, vielleicht den Kidjang, Cervus (Prox) 
niuntjac, als dem Hirsche ähnliches, zarteres Thier. Eine Antilope kommt auf Java 
nicht vor. In den Vocabularien der malaiischen Sprache werden wohl anch Namen 
für Hasen oder Kaninchen genannt, kawelu und kelintji, klintji, ersteres kann aber 
vielleicht auch ein ganz anderes Thier sein und das letztere ist nach Roorda v. Rj- 
singa erst aus dem holländischen konyntje entstanden. Derselbe Lepus nigrieellis 
findet sich auch auf der Insel Reunion (Bourbon) nach Maillard, hier ohne Zweifel 
eingeführt. 

^^) Wenn in früheren oder auch neueren, aber nicht speziell zoologischen Schriften 
ein Fauhhier, holländisch luyaard, von den Suuda- Inseln oder auch Ceylon genannt 
wird, so ist damit immer der Faulaffe, Stenops, gemeint; ebenso unter dem Namen 
Flusspferd, Hippopotamus , nicht das rein afrikanische Thier dieses Namens, sondern 
der indische Tapir. 

") Näheres hierüber in P. J. Veth*s Bomeo's Wester -afdeling, Zaltbonunel 185i 
I. S. XII; dass Elephanten früher von chinesischen Kolonisten eingeführt worden 
seien, klingt unwahrscheinlich, da der Elephant in Cluna nirgends, unseres Wissens, 
vorkommt und namentlich nirgends zahm gehalten wird, ausser etwa früher am kaiser^ 
liehen Hof zu Peking als Paradestück, auch nicht in andern chineaisehen Kolonieen. 
Wohl aber könnte man fragen, ob jenes Elfenbein etwa von fossilen Thieren, wie 
das sibirische, stamme. Resident Schwaner, der längere Zeit auf der OstkOste Bomeo's 



Anmerkungen zum lud. Archipel. 349 

mid in steter Berührung mit den Eingeborenen gewesen und den ich 1863 deshalb 
befragte, hat keinen Elephanten daselbst gesehen und kannte auch keinen einheimi- 
schen Namen fiir das Thier. Aber in den dajak'schen Liedern, welche Missionar 
Hardeland auf der Südostküste gesammelt, (Hardeland, Versuch einer Grammatik der 
dajak'schen Sprache, Amsterdam 1858, 8vo.), kommt ein eigener Name, njawaloi, 
Tor, der mit Rlephant überaetzt wird, doch fugt der Uebersetzer und Herausgeber 
selbst hinzu, dass dieses Thier im südlichen Bomeo gegenwärtig unbekannt sei. Auch 
die älteren Nachrichten über das Vorkommen von Elephanten auf Mindanao und den 
Solo -Inseln (Jesuit Gremelli Carreri) haben sich nicht bestätigt, wahrscheinlich be« 
ruhen sie auch auf zeitweise von dortigen Fürsten zahm gehaltenen. Ueber das Rhino- 
ceros von Bomeo vergl. die neuesten Angaben von Wallace in Proc. zool. soc. 1874 
pag. 498, wo auch eine gute Abbildung von Rh. Sondaicus, Tafel 78, wie im vorher- 
gehenden Jahrgang, Tafel 67, eine von Rh. Sumatrensis mitgetheilt ist. 

*•) V. Rosenberg in der Tydschrift voor indische Taal-, Land- en Volkenkunde. 
Batavia L 1853 pag. 399 und II. 1854 pag. 379. 

**) Schon Piso und Valentyn geben als Vaterland des Babi-rusa ganz richtig Buru 
an, aber da es als merkwürdiges Thier von den Holländern, bei denen sich die Nei- 
gung, fremde Thierc lebend zu erhalten, früh entwickelt hat, öfters nach ihren Haupt- 
niederiassongen Amboina und BatnWa gebracht wurde, so kamen diese als Vaterland 
des Thiers in manche Bücher, so Amboina z. B. bei Zimmermann specimcn zoologiae 
geographicae pag. 552, Java bei Gmelin in der 13. Ausgabe von Linne's Natursystem 
S. 221, ja Temate noch bei Bleeker reis door de Minahassa en den molukscheii Ar- 
chipel 1856 I. S. 190. Bomeo bei Zimmermann 1. c. dagegen ist wohl nur ein Miss- 
verständniss für Buru, holländisch Boeroe oder Boero geschrieben. Schon Valcntyn 
enihlt Manches von seinem Leben im Freien; der Baimi Wanngin, dessen Blätter 
er als seine Nahmng nennt, ist eine Ficusart. 

*') Man hat auch noch einen Cynocephalus nigrescens und einen Inuus fuscoater 
von Celebes beschrieben, welche wohl nicht als eigene Arten von dem oben genannten 
niger unterschieden sein dürften. Dieser schwarae Affe von Celebes ist übrigens 
den afrikanischen Pavianen nicht besonders nahe verwandt, so wenig als der Babi- 
pisa den afrikanischen Warzenschweinen, und daher der kühne Gedanke von A. Wallace, 
wegen beider einen uralten Zusammenhang dieses Gebiets des Archipels mit Afrika 
zu postuliren, nicht gerechtfei-tigt. Die Anoa findet ihre nächsten Verwandten, wenn 
man sie als Rind betrachtet, auch in Asien, als Antilope dagegen allerdings in 
Afrika an der Elenn- Antilope, A. oreas. 

*•) Die Zibethkatze geben übereinstimmend die verschiedenen Autoren als auf 
Celebes, Temate, Batjan, Haimahera und Amboina voHiomniend an; da sie aber, 
früher vielleicht häufiger als jetzt , des Zibeths wegen auch von den Menschen lebend 
gehalten wurde, so wird dadurch fraglich, ob sie der ursprünglichen Fauna dieser 
Inseln angehört. Der alte Valentyn sagt von diesem Thiere in dem angefiihrten Werke 
S. 270: »Die Zibethkatze findet sich auch auf Amboina, ist aber nicht von allen zugehöri- 
gen Inseln bekannt ; sie kommt hier allein , wie ich glaube , auf der Insel Buni ursprüng- 
lich vor. Aber da dann und wann wohl einige auf Amboina aus ihren Behältern 
entkommen sind, und sich dann hier fortgepflanzt haben, so werden dann und wann 
aueh hier einige gefangen.« Paradoxurus musanga wird neben den grossen Sunda- 



350 Anmerkungen zum ind. Archipel. 

Inseln auch von Timor angegeben und soll im Leidner Museum aneh von AmbcHna 
verti*eten sein, freilich vielleicht auch von anderswoher nach Amboina gebracht und 
von dort eingesandt. Uebrigens wQsste ich das Thier Lauw, das Valentyn beschreibt 
und abbildet, kaum anders zu deuten, obwohl die angebliche weisse Schwanzquaste 
mir von keiner Art bekannt ist; er sagt übrigens nicht, es lebe auf Amboina, son- 
dern man finde es zuweilen bei den Araboinesen. Was die Nagethiere der Molukken 
betrifft, so fiihrt zwar Bleeker, reis door de Minahassa etc. II. 1856, 8. 61, Pteromys 
elegaus Sal. Müller unter den Säugethieren von Amboina auf, aber sonst keiner der 
holländischen Naturforscher, namentlich nicht Sal. MQller, der die Vertheilung der 
Säugethiere durch den indischen Archipel genau verfolgt hat. Bleeker's Verzeidmisse in 
dieser Reise sind nicht frei von irrthfimlichen Bestimmungen (vergl. über einige Echi- 
nodermen in dieser Beziehung meine Bemerkungen in Troschel's Archiv fiir Natur- 
geschichte Bd. XXXII. 1866 S. 187). Vielleicht hörte er von einem fliegenden 
Ueutelthier, Petaurus, erzählen und deutete es auf das javanische fliegende Eichhorn, 
Pteromys elegans. Valentyn's recht kenntliche Beschreibung des Petaurus ariel von 
Halmahera findet sich in seinem Kapitel über die Thiere von Amboina, S. 270, nach 
Schiffernachrichten aus dem Jahre 1677. Ueber das von ihm Tupe genannte Thier 
vergl. Anmerkung 4. S. 347. 

^^) Hardeland, Versuch einer Grammatik der dajakschen Sprache. Amsterdam 
1858. 8vo. 

^*) Ueber die Papageien des indischen Archipels haben Dr. Sclater (Proc. zool. 
soc. 1860), Rosenberg (Journal für Ornithologie 1862), Wallace (Proc. zool. soc. 1864) 
und Bemsteu) (Nederl. Tydschrift voor Dierkunde II. 1865) eigene Aufsätze veröffent- 
licht. Ich habe im Obigen bei der Bestimmung der Arten mich hauptsichiich an die 
Monographie der Papageien von O. Fiuscli, Leiden 1867, zwei Bände 8vo., gehalten, 
kann aber dessen allzu puristische Verdammung der Namen Cacatua, Lorius und 
Loriculus nicht theilen; haben doch die Griechen und Römer selbst auch für fremde 
Thiere Namen aus fremden Sprachen adoptirt, so z. B. elephas und camelua. 

^*) A. Wallace in Newton's omithologischer Zeitschrift Ibis, 1865, mit Aufzählung 
aller Arten und Fundorte, im Auszug von mir übersetzt im Journal för Ornithologie 
1866. (Vgl. auch Schlegel Nederl. Tydschrift v. Dierkunde III. S. 192—213.) 

^) In einer neueren Bearbeitung der Eisvögel, monograph of the Alcedinidae, 
1868 — 1871, unterscheidet Shnrpe folgende Arten von Tanysiptera innerhalb unseres 
Gebietes: 

T. Doris Wallace, Insel Morotai im Nordosten von Halmahera, 
^ Emiliae, Insel Rau ebenda, 

— Sabrina Gray, Insel Kajoa an der Westküste von Halmahera, 

— Acis Wall., Buru, 

— Margaretae, Heine, Halmahera und Batjan, 

— Nais Gray, Ceram und Amboina, 

— Rirdeli Verr. Celebes, wahrscheinlich von Manado. 

Ausserdem noch einige von Neuguinea und den anliegenden Inseln. Wenn es 
auch wahrscheinlich ist, dass die beiden Hauptgruppen der Molukken, einerseits 
Halmahera mit Batjan u. s. w., andererseits Ceram mit Amboina, einige Formen be- 
sitzen, die man je nach Belieben als Lokalracen (Schlegel NederL Tydschr. voor 



Anmerkungen zum ind. Archipel. 351 

Dierkunde III. 1866 S. 269 ff.) oder Arten bezeichnen kann , so erscheint es doch höchst 
sonderbar, dass so kleine und den grossem so nahe liegende Eilande, wie Rajoa und Rau, 
eigene Arten haben sollen, um so mehr als die angeblichen Artunterschiede sehr gering 
sind. Die Art von Amboina dürfte wohl als Linne's Alcedo dea zu betrachten sein. 

**) Der Name Pitta , der diesem Vogel in unsem systematischen BQcherii gegeben 
wird, ist nicht malaiisch oder indisch, und ich wQsste keine sichere Etymologie des- 
selben anzugeben, wenn es nicht etwa auf das griechische kitta gleich lateinisch pica 
zurflckzunihren ist. Linne nannte eine Art Corvus brachyurus und Buffon la brove, 
von brevis, breve, wegen des kurzen Schwanzes, daher auch in deutschen Büchern 
die Bezeichnung -Kurzschwanz«. Ueber die Arten vgl. Schlegel a. a. 0. S. 188 — 190. 

**) Der Name ruak oder ruq , der in den malaiischen Vocabularien für die Geier 
angegeben wird, ist arabischen Ursprungs und wahrscheinlich identisch mit dem des 
Vogels Rok, 'deroms aus den arabischen Mährchen bekannt ist. 

") Die erste holländische Expedition nach Indien, unter Houtman, erhielt 1596 
einen lebenden Kasuar, den ersten, der überhaupt beschrieben und abgebildet wurde 
und der auch lebend nach Europa kam, als Geschenk vom König einer Stadt nn der 
Nordkfiste von Java, welche sie Cidayo nennen, das heutige Sidaju, westlich von Su- 
rabaya und Grisse; man sagte ihnen, dass er auf der Insel Banda lebe und auch dieses 
Exemplar von dort stamme. Dieses beweist, dass auch von einheimischen Fürsten 
der Vogel öfters lebend gehalten wurde und auch als Geschenk von der einen Insel 
zur andern geschickt wurde; man niuss daher doppelt vorsichtig mit den Angaben 
über sein Vaterland sein. Die Banda- Inseln sind aber so klein und >^urden bald, 
1G21 , von den Holländern so vollständig in Besitz genonmien , dass ein solcher 
Vogel ihrer Aufmerksamkeit nicht hätte entgehen können, und doch findet sich nir- 
gends eine andere, spätere Angabe über sein Vorkommen auf Banda. Der Prediger 
Valentyn, der jahrelang auf Amboina lebte und viel mit den Eingeborenen veikehrtc,. 
gibt die detaillirtestc und wie mir scheint zuverlässigste Angabe über sein Vaterland: 
•er kommt vor auf der Insel Ceram und zwar meist auf dessen Südseite, von Eli- 
papateh bis Kellemuri. Man sagt, dass sie auch auf Buton (Insel an der Südostecke 
von Celebes) und in den Arn -Inseln vorkommen, doch diese unterscheiden sich 
einigennaassen von denselben, wie sich weiter unten ergeben wird.« Die spätere 
Stelle, welche zweifelsohne gemeint ist, lautet: »Der Kasuar, der auf Arn vor- 
kommt, ist beinahe wie der Ceram'sche; doch die Eier des Ai-u'schen Von;els sind bei 
Weitem nicht so schön, als die des Ceram'schen, indem sie viel längere und ver- 
wirrtere Tüpfel haben.- Spätere SchriAstellcr haben das Vaterland des Kasuars nach 
sehr unzuverlässigen Angaben ungebührlich ausgedehnt, so heisst es in der Gmelin'schen 
Ausgabe von Linne: habitat hitra zonam torridam Asiae orientalis. und noch Oken 
sagt: sein Vaterland ist das südliche Asien, die Molukken, Ceram, Banda, Java und 
Sumatra, ja er fugt nachher noch »die Halbinsel jenseits des Ganges« hinzu. Von 
einem Kasuar auf Buton hat man in neuerer Zeit nichts mehr gehört, die Insel ist 
aber so wenig besucht und bekannt, dass dieses gegen Valentyn's Angabe wenig ins 
Gewicht fällt. Auf den Am -Inseln fand Wallace eine Art de^ Kasuars, welche 
Selater als Casuarius bicarunculatus beschrieben hat; Rosenberg aber hält ihn für 
identisch mit seiner neuen Art von Neuguinea, Casuarius Kaupi. Dass der Kasuar 
auf seinen Eiern sitzt, also brütet, hat schon Valentyn gesehen; aber erst in neuester 



u52 Anmerkungen zum ind. Archipel. 

Zeit hit Rosenberg Näheres darüber berichtet, und zwar belrefis der Art von SsU- 
watti, Casuarius Kaupi, siehe Natuurkundig Tydschrift voor Nederlandscb Indie 18fö 
oder Cabanis' Journal ftlr Ornithologie 1861. 

*«) Nach Schlegel handleidmg I. S. 156, 428 und 483. 

^) Ueber die Vogelfsuna der einzelnen Inseln des Archipels sind neben den 
schon erwähnten und den allgemein systematischen Werken namentKch noch folgende 
Abhandlungen zu vergleichen: 
Sumatra: Raffles in den Transactions of the Linnean Society Bd. XIII. 1821. 
manche Bestimmungen rectiBcirt von Fr. Moore, catalogoe of birds of the 
Museum of the Hon. East-India Company, vol I., IL 1856 — 1858. 
Borneo: Low, Sarawack, its inhabitants and productions 1848, 8vo. (60 Arten 
von Vögeln genannt). Sclater in den Proceedings of the zoologieal aociety 
of London 1863 pag. 206 nach der Sammlung von Mottley Im Gebiet von 
Banyermassin. 
Java: Horsfield zoologieal researches in Java 1825, 4to., und in dem eben ge- 
nannten Band der Trans. Linn. Soc., vergL dazu ebenfalls den Catalog 
von Moore. Bernstein in Cabanis' Journal flir Ornithologie 1859, 1860 
imd 1861, namentlich Lebensweise, Nester und Eier betreffend. 
Celebes : Waiden in den Transactions of the zoologieal Society of London , VIII. 2. 

1872. 4to. 
Xula- Inseln: Wallace Proc. zool. soc. 1862. 
Eigentliche Molukken : Gray Proc. zool. soc. 1860 nach der Sammlung von Wallace. 

Bernstein im Journal filr Ornithologie 1864. 
Ceram: Wallace in der Zeitschrift Ibis 1861. 
Timor: Wallace Proc. zool. soc. 1861. 
^ Zwar wird Eine eigene Art von Testudo, T. Forsteni, von Schlegel und 
Sal. MflUer Hir die Insel Djilolo (Halmahera) angegeben, aber diese Art ist sehr 
wenig bekannt geworden (vergl. Strauch, Vert Heilung der Schildkröten S. 34), auch 
von den neueren Besuchern der genannten Insel. Wallace, Bernstein und mir, nicht 
wieder aufgefunden, so dass wir erst weitere Aufklärung abwarten möchten, ehe wv 
ai|nehmen, dass die vorherrschend afrikanische, schon auf dem indischen Festland 
spärlich werdende Gattung Testudo mit Ueberspringung der grossen Sunda- Inseln 
plötzlich wieder auf den Molukken auftrete, um so mehr als sie auch in Neuguinea, 
Neuholland , Polynesien und selbst auf den Philippinen fehlt 

*') Trionyz cariniferus Gray, \on Frau Ida Pfeiffer aus den Molukken mitge- 
bracht, doch ohne sichere Angabe, ob aus Amboina selbst oder Ceram, Gray catal. 
shield. rept pag. 67, 1855, Strauch, geogr. Verbreitung der Schildkröten, S. 128, später 
Proc. zool. soc. 1864, von Gray zu einer eigenen Art, Aspilus (?) punctulatus, ge- 
macht. Da wir von den holländischen Naturforschern, welche viel von Amboina, 
aber verhältnissmässig wenig von Ceram beschrieben haben, nichts Aber sie erfahren, 
auch Valentyn auf Amboina nur von Einer Schildkrötenart, Cistado Ambotnensis. 
weiss, und die Insel Oberhaupt an Sflsswasserthieren arm ist, so ist es weit wahr- 
scheinlicher, dass jener Trionyx von Ceram, das Frau Ida Pfeiffer quer durchreist 
hat, wenn Oberhaupt von den Molukken stammt. Es wäre dieses das sfidöst- 
lichste Vorkonunen der Gattung. 



Annierkuiigeu zum iiid. Archipel. 353 

*) Chamaeleo bifurcus Brongn. =s bifidus Daud. wird zwar in froheren Schriften 
von den Molukken, auch Neuholland und den Sunda- Inseln angefilhrt, so noch bei 
Donicril und Bibron, neuere Angaben geben ihm aber mit weit mehr Wahrschein- 
lichkeit Madagaskar zur Heimath, Gray catal. of lizards 1845 pag. 2G8. 
*) Peters in den^Monatsberichten der Berliner Akademie 1867 S. 17. 
») Ebenda 1864 S. 271. 

**) Ausfilhrlich erzählt von Thepass in der geneeskundig Tydschrift voor Ncdcr- 
landsch Indie IX. 1861. 

•*) A. B. Meyer über den Giftapparat der Schlangen, insbesondere der Gattung 
Callophis, in den Monatsberichten der königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 
März 1869, mit 2 Tafeln. 

"•) Doch bieten die von den Molukkcn mitgebrachten Exemplare (Pelodryas do- 
lichopsis Cope 1867) einige Unterschiede von den neuholländischen. 

**) Lieber die Reptilienfauna der einzelnen Inseln des Archipels sind neben den 
schon erwähnten allgemeineren Werken zu vergleichen: 

Sumatra: Bleeker in Natuurkundig Tydschrift voor Nederlandsch Indie XVI. 1855, 
XX. 1859, XXI. 1860 und Ludeking, natuur- en geneeskundig Topographie 
van Agam. 1867. 8vo. 
Batika: Giebel in der Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften, 1866 

(Schildkröten). 
Bintaiig: Bleeker Nat. Tydschr. Nederl. Indie XVI. 1858 und XX. 1859. 
Bomeo: Kdeling in Nat. Tydschr. Ned. Ind. II. 1865; Günther in den Proceed. 
of the zool. Soc. of London 1872, pag. 586 — 600; Peters in den Annali del 
Museo Civico di storia naturale di Genova III. 1872 (von Beccari und Doria 
gesampielt). 
BaU: Blecker Nat. Tydschr. Nederl. Indie XVI. 1858. 
Celebea: Bleeker ebenda XXII. 1860. 
Batjan: Bleeker ebenda XVI. 1858. 

Ceram: Bleeker ebenda XXII. 1860; Günther Proc. zool. soc. 1863. 
Amboina: Bleeker ebenda XXII. 1800. 
Timor: Bleeker ebenda XXII. 1860. 
•*) P. Gramer, nitlandsche Kapellen. Amsterdam 1779 — 1781. 4 Bände in 4to. 
Neuere Arbeiten über die Schmetterlinge des Archipels sind: 
Zinken', in den Acta Academ. Caes. Carol. Leopold. Band XV. 1831 von Java. 
W. de Haan^ Papilioniden in Temminck's Verhandelingen (auch Raupen). 
Horsfield, Th., descriptivc catalogue of the Lepidoptei-a containcd in the Mu- 
seum of the Hon. East-India Company. London 1828 und 1829. 4to. 
— und Moore, catalogue of the Lepidoptera of the Museum of the Hon. East- 
India Company I. 1857, 8vo., mit besonderer Rücksicht auf die Raupen. 
Snellen v. Volle nhoven essai d'unc faunc entomologique de TArchipel indo- 
Deerlandais. I. Papilioniden 1860, 55 Arten. II. Pierides. 1865. 67 Arten, 
deren Namen auch in Nederl. Tydschr. voor de Dierkunde III. p. 53 — 61. 
Wallace, Alfr., in Proceedings of the Linnean Society VI. 1862, VIL 1863, 
Proc. of the entomological society 1864, Transactions of the Linnean 
Society XXV. 1865, 8 Tafeln, Transactions of the entomological society, 

Ost-Asien. Zoolopseh. L 23 



354 Aaiiicrkungcii zum iiid. Archipel. 

Ihird scrics IV. 1867 (Picridcs). Ein Verzeichniss der von ihm gesaui- 
• nielten Tagschmetterlinge durch Hewitson im Joum. Linn. Soc. Zool. 

Vm. pag. 143—149. 
Drucc, IL, in den Proceedings of the zoological society 1873r mit 3 Ttfehi. 
(Schmetterlhige aus N. B. Bomeo, von Lowe gesammelt.) 
^) Wallace, Beiträge zur Theorie der natürlichen Zuchtwahl, übers, von 
A. B. Meyer, 1870, S. 166 — 173 imd der malayische Archipel, Bd, L, 1869. 
S. 182-184. 

87) Wallace, mal. Archipel. Bd. L S. 161 und 186. 
^) Ucber die Käfer des indischen Archipels vergl. unter anderm: 
Haan in N. Ann. Mus. hist. nat. IV. 1S3() (Lanicliicomier und ihre Lar\*en). 
Vollen h Oven, Sn. v.« in der holländischen Tydschrift voor Entomologie. Haag. 
Bd. VIL 1863—1864. pag. 145—170, pl. 9—12 und seriesIL, Bd. L 1866. 
ßaly, Phytophaga Malayana, collected by Wallace. Part. I. London 1865. 8vo. 
Pascoc, F. P. , Longicomia Malayana, collected by Wallace, Transact. entomol. 

soc. Lond.. third series vol. IIL 1864 — 1869. 
Wallace, Cetoniidae of the Malayan Archipelago. Ebenda vol. IV. 1868. 
Mohnicke, O. , Cctoniiden im Archiv (ur Naturgeschichte 1871 (174 Arten). 
Unter den Käfern, welche ich im Archipel sammelte (170 Arten), betnigen die 
Lamellicornier 30, die Longicomier 12, Melasomcn 9, Carabiden 8, Rüsselkäfer mid 
Chrysomeliden je 6 Procent; Staphyliniden keine. 

*^) Dr. Bensen in der holländischen Zeitschrift: geneeskundig Tydschrift voor 
Nederlandsch Indie 1855. Es wird angegeben, dass man diese Käfer mit verschie- 
denen starkwirkenden Stoffen , wie Arsenik , Stramonium . Benzoe u. dgl. futtere und 
sie dann über die Speisen, welche für die betreffende Person bestimmt sind, weg- 
laufen lasse. Dr. Bensen's Versuche haben ergeben, dass dieser Käfer von Arsenik 
wie andere Thiere stirbt, Stramonium aber längere Zeit ertragen kann, doch sind 
die in seine Exkremente übergehenden Quantitäten davon zu gering, um eine merk- 
liche Einwirkung auf einen Menschen auszuüben. 

^) Ueber die Ortfiopteren des Archipels vergl. Haan, in den -Veriiandelingen«. 
Ueber die Hemipteren : 
Ellenrieder in Tydschrift der natuurkundige Vereeniging voor Nederland's Indie. 

XXIV. 1863 (von Sumatra). 
Wallace ebenda XIX. 1859 (Cicaden von Sarawak) und Proc. zooK soc. 1862. 
Walker, catalogue of Homopterous Insects collected on the Indian Archipelago 

by Wallace. Joum. Linn. Soc. X. 1869. 
Sn eilen v. VoUenhoven, Faune entomologique de 1' Archipel Indoneerlandais. 
I. Seutellerides 1863, 4 Taf. IIL Pentatomides 1868, 4 Taf. 
«1) Ger stäcker in der Stettiner entomologischen Zeitung 1864 S. 76, Taf. 1, Fig. 2. 
Ueber die von Wallace gesammelten Hymenopteren s. F. Smith in den Proc. of 
the Linnean Soc. VI. 1862 bis IX. 1871. 
^ Doleschall, eerstc, twecde und derde bydrag tot de kennis der dtptero- 
logische Fauna van Nederlandsch Indie, in Tydschrift natiiurknndig 
Vereeniging Ncderi. Indie X. 1856, XL 1857 und XU. 185S. 
Van der Wulf in Tydschrift voor Entomologie, 2 series, Bd. IIL 1867. 



Aunicrkungei) zum iiid. Arciiipel. 355 

Vergl. auch Wallace in den Proc. Linn. Soc. 1856 (von Sarawak und Singapore), 
Proc. zool. soc. 1862, und dessen Ausbeute F. Walker bearbeitet im Journ. 
of the Proc. Linn. Soc. I. 1856 und IX. 1866. 

^) Ueber die Arachuiden des indischen Archipels vergl. Dolcschall in den 
Acta societ. Indo Neerl. 1857 (von Java und Amboina), sowie Tydschrift natuurk. 
Vercenig. Nederl. Indie Jahrgang XII. 1856 und XIII. 1857, pag. 399 — 4H4. 

*^) Prof. Peters in den Monatsberichten der königl. Akademie der Wisscn- 
schaflen in Berlin 1864, S. 529 — 551, wo mehrere von mir mitgebrachte neue Arten 
von Polydesmus beschrieben sind. 

^) Vorläufige Bemerkungen über diese Süsswasserfischc habe ich in den Sitzungs- 
berichten der Gesellschaft natui-forschender Freunde in Berlin, Mai 1864, S. 9, 
mit Vorzeigung von nach den frischen Exemplaren verfertigten Farbenskizzen und in 
Troschers Archiv für Naturgeschichte Bd. XXXIV., 1868, S. 8— 17, mitgetheilt. 
Die im Text besprochenen Fische sind hauptsächlich nach Blecker's ichthyologischem 
Atlas bestimmt, aber die Benennungen nach Dr. Gunther's Fischkatalog angenommen. 

*•) Blceker hat dieser Art den Namen Bogoda macrolepsis gegeben, weil sie sieh 
von der früher bekannten vorderindischen Art Anibassis bogoda C. V. = Bogoda nama 
Blkr. unter Anderm durch die zwar sehr kleinen, aber doch deutlich sichtbaren Schuppen 
(squamae minutissimae , conspicuae, 70 in der Seitenlinie), unterscheiden. Wenn wir 
nach Günthcr's Vorgang nun Bogoda wieder mit Ambassis vereinigen , so können wir 
vernünftigerweise der Art nicht den Namen macrolepis. grossschuppig, lassen, da ihre 
Schuppen weit kleiner als die der andern Ambassisarten sind, und ich habe ihn 
daher in TroscheFs Archiv 1868 in micrulcpis, kleinsehuppig, umgeändert. 

*'') Vergl. Siebold, Süsswasserfischc von Mitteleuropa. 1863. S. 14 — 16. 

**) Blceker, atlas ichthyologique, nennt 6 Arten von Aalen aus dem Sflsswasser, 
ferner 2 Pisoodonophis (verwandt mit Ophisurus), 1 Sphagebranehus , 2 Muraenen 
(Gymnothorax) , die letzteren alle nur aus den grossen Inseln. 

*•) Ludeking natuur- en geneeskundigc Topographie van Agam. 1867. S. 52. 

^) Dr. Cantor im Journal of the Asiatic Society of Bengal vol. XVIII. part. IL, 
1850, pag. 1281 — 1284, unter dem Namen Alausa toli. 

") So sagt Prof. Schlegel in der oben angeführten handlciding der dierkundc 
Bd. IL, 1858, S. 105, »gaan de rivieren op, zoo ver als zieh de vloed uitstrekt.- 
Cantor in der eben angeführten Arbeit über die Fische der malaiischen Halbinsel, 
S. 1008 u. ff., gibt nur das Meer und Brackwasser (estuaries) als Wohnplatz der 
Polynemusarten an, dagegen Blceker Act. soc. Indo-Nccrland. Bd. VI. , 18.59. S. 39 
— 41, für P. Borncensis und dubius »in mari et in fluviis«, für niultifilis allein -in 
fluviis« , für plebejus und hexadactylus -in mari et in ostiis fluvionnn« , für hexane- 
nuis und Indiens »in mari et aqnis fluvio-marinis« ; gerade die drei erstgenannten 
sind solche, welche er aus Borneo kannte. Meine Beobachtungen bestätigen das 
Vorkommen des P. multifilis in den Flüssen in weiter Entfenuing vom Meere. 

^ Besctu'ieben von Prof. Peters in den Monatsberichten der Berliner Akademie 
der Wissenschaften 1868, S. 459, nach den von mir mitgebrachten Exemplaren. 

") Nach den Angaben der Naturforscher der Novara - Expcdhion , tische, S. 106. 

") Bleeker a. a. ü. S. 33. 

w) Holle in Natuurkundig Tydschrifl voor Nederlands Indie. Bd. XX. 1859. S. 156. 

23* 



o56 Aiiinerkiiiigeii zum ind. Archipel. 

'^) Ueber die Susswasserfisclio von Palembang und Benkulen auf Sumatra vergl. 
die Listen von BIceker in Natuurkundig Tydschrift voor Nederlands Indie Bd. XVL, 
1858, 8. 210, 263, 273, 338 und 385, nach Sendungen von E. A. Lange und van Ophuy- 
sen. Nach den umfassenden Zusammenstellungen desselben im Atlas ichthyologique, 
kennt man aus der Familie der Cyprinoiden überhaupt 109 Arten von den drei 
grossen Sunda- Inseln und davon 

von allen drei grossen Sunda- Inseln 13 (15) 

von Borneo und Sumatra, aber nicht von Java. 22 (27) 

von Sumatra und Java, aber nicht von Bonieo, 14 (12) 

von Borneo und Java, aber nicht von Sumatra, (1) 

allein von Bnmeo 14 (13) 

allein von Sumati^ 18 (14) 

allein von Java 28 (27) 

109 (109) 

und somit 

überhaupt aus Borneo 51 (58) 

überhaupt aus Sumatra 67 (68) 

überhaupt aus Java 59 

Aus der Familie der Siluroiden IX) Arten überhaupt, von den drei grossen Sunda- 

Inseln davon 

von allen drei grossen Sunda -Inseln 16 (19) 

von Bonieo und Sumatra, aber nicht von Java 17 (18) 

von Java und Sumatra, aber nicht von Bonieo, 14 (12) 

von Java und Borneo, aber nicht von Sumatra, 2 (2) 

allein von Borneo 7 (7) 

allein von Sumatra 14 (13) 

allein von Java 20 (19) 

90 (90) 

überhaupt aus Borneo 48 (52) 

überhaupt aus Sumatra 69 (70) 

überhaupt aus Java 56 

Die eingeklammerten Zahlen geben die kleinen Umänderungen an, welche diese 
Zahlen durch Hinzurechnen meiner Sammlungen erleiden, die liaiipt sachlich auf 
Borneo gemacht sind. Immer ist aber Borneo noch die am wenigsten, Java die am 
meisten durehforachte Insel und dürften daher l>ei näherer Kenntniss die Zahlen 
für Bonieo noch ziuiehmen, die der Java ausschliesslioh eigenthürolichen abnehmen, 
wahrscheinlich auch die für Sumatra und Borneo gemeinsamen zunehmen und die 
wenigen für Java und Borneo gemeinsamen, aber Sumatra fremden, ganz schwinden. 
^') Auch Les.son sagt: des Plotoses de petite taille a epine aceree se reunissent 
en troupes comme nos epinoches ä remboncliiire des rivicres de la terre des Papous 
et des Moluques , Voyage de Diipen'cy , Zoologie II. , pag. 77 ; ich traf sie bei Ma- 
kassar am offenen Meeresstrandc unter Steinen. 

**) Spreenwenberg gibt aus dem See von Lienoog hi der Umgebung von Manado 
sechserlei Fische an, leider nur mit einheimischen Namen: cabo, gete-geto, sayo. 



Anmerkungen zum ind. Archipel. 357 

luroulontik, komo i^d grosse Aale, siehe Logans Jour-nal of the Indian Archipelago 
II. 1848 pag. 825; Bleeker als Süsswasserfische der Minaliassa überhaupt, also wohl 
vorzugsweise des Sees von Tondano die Gattungen Dules, Anabas, Ophicephalus, 
Cestreus (neben Mugil), Sicydium, Platyptera (beides Gobioiden) und Anguilla, und 
betont ausdrücklich «die gänzliche Abwesenheit der Karpfen und Welse, an denen 
das angrenzende Bomeo so reich ist-, El. reis door de Minahassa 1856, I. pag. 22. 
Von Temate sagt er, dass daselbst von ächten Flussßschen keine Kede sein könne; 
von Batjan, dass die karpfcnartigen Fische ebenfalls fehlen und in den süssen Ge- 
wässern durch Arten der Gattungen Ambassis, Dules, Mesoprion und Eleotris er- 
setzt werden, worunter nur Dules als eigentlicher Süsswasserüsch zu nennen sei; 
endlich von der Insel Buru, dass an den Flussmfindungcn bei Kajeli Alien von Am- 
bassis, Mugil, Petroscirtes , Eleotris und Penophthalmus leben, aber als eigentlicher 
Süsswasserfisch auf dieser Insel nur Anguilla Elphinstoni betrachtet werden könne; 
es sei dieses wahrscheinlich auch der Aal, der im Binnensee von Wakoholo leben 
soll, Bleeker a. a. O. Bd. I. S. 191 und 249, Bd. U. S. 37. Später hat er noch 
einen eigenen Süsswasseraal von Ilahnahcra beschrieben. Auch ich konnte auf den 
Molukken und ebenso auf Timor trotz oftmaliger Nachfragen weder Siluroiden noch 
Cjprinoiden erhalten, und ich muss es daher für sehr unwahrscheinlich halten, dass 
ein Cyprinoid, Barbus maculatus K. H., von Frau Ida Pfeiffer aufAmboina gefunden 
worden sein soll, wie Günther cat. fish. VII. , pag. 123, angibt. Diese Art ist häufig 
um Singapore und wurde wohl dort von der bekannten Heisenden niitgcnonmien. 

**) Barbus maculatus und Rasbora argyrotaenia, vun Siluroiden des süssen 
Wassers Ciarias batrachus, alle drei auch sonst auf den Sunda- Inseln zu Hanse, 
sind die einzigen ihrer Familie , welche Bleeker von Bali erhielt. Auf den Philippinen 
sollen noch zwei eigene Arten von Cyprinoiden, Dangila cyanopareia und Philippina 
sowie ein Süsswasscrwels, Arius venosiis, vorkommen; von Neuguinea kennt Bleeker 
nur einen weit verbreiteten Brackwasserwels, Ilexancmichthys, abgesehen von der 
fikr dort sehr zweifelhaften Chaca lophioidcs. 

•*) Zwar wurde eine der ältest bekannten Arten aus der Familie der Characinen 
orsprunglich aus Amboina angegeben: Coregenoides amboinensis =s Tetragonoptems 
argenteus Artedi, nach einer Angabe des an falschen Fundortsangaben reichen Seba, 
thesaur. III. 34, 3. Diese Angabe hat sich aber nicht bestätigt , obwohl noch Lesson, 
voyage de Duperrey zool. IL pag. 77, sie wiederholt hat, und es ist wohl keine Frage 
mehr, dasti es ein südamerikanischer Fisch ist: T. chalccus Ag. , vergl. Müller und 
Troschel, Archiv für Naturgeschichte 1844 pag. 88 und Günther, catal. fish. V. pag. 320. 
Der von Lesson ebenda neben den Süsswasserfischen genannte Elops sabre von 
Commerson ist Chirocentrus dorab, ein Meerfisch. 

•*) v. Martens in Troschers Archiv für Naturgeschichte. Bd. XXXIV. 1861. 
S. 17—61. Taf. 1. Fig. 3 — 6. 

**) Ueber die Najadeen des uidischen Archipels vergl. meine Bemerkungen in 
Pfeiffer's Malakozoologischen Blättern 1867 S. 10— 17. 

**) üeber die ostasiatischen Limnaeacecn ebenda S. 211 — 227. 

**) Vergl. Carter in Annais and Magazine of nat bist. 1859. S. 335. Die 
erwähnten Plnmatellen von Luzon befinden sich im zoologischen Museum zu 
Berlin. 



ööo Aiimerkuiigeii zum ind. Archipel. 

^) V. Martens in Troschcrs Archiv für Naturgeschichte Bd. XXXIV., 1868, 
S. 61 . Taf. I. , Fig. 1 , und Ehrenberg in den Abhandhingen der Konigl. Akademie 
der Wissenschaften hi Berlin. 1869. S. 38 ff. Taf. IL Fig. 17-30. 

^) Nähere Angaben über da6 Vorkommen der Auriculaceen , sowie anderer 
Süss- und Brackwasser- Mollusken auf den einzelnen Inselgruppen, siehe in 
meinem noch unterwegs geschriebenen Aufsatze ȟber Land- und Strandschnecken 
der Molukken- in Pfeiffcr's nmlakologischen Blättern. 1863. S. 79, 125—131 und 
175—177. 

^^) Uebcr diese Brackwasser- Nerit inen siehe meine Bemerkungen in dem Sitzungs- 
bericht der GesellschaA naturforschender Freunde in Berlin, Juni 1869, S. 22 (Ncri- 
todryas), sowie A. Adams in Zoology of the voyage of H. M. S. Samarang. Mol- 
lusca 1848, introduction pag. V und Lesson, voyage de la Coquille, Zoologie Bd. IL, 
183*3, pag. 373, wo die Art passend N. amphibia genannt wird. 

^) Potamides wurde durch Brongniait 1817 von Cerithium als selbständige Gattung 
getrennt, Annales du Museum d'hist. nat. Bd. XV., S. 367, hauptsächlich wegen des 
Vorkommens im Brackwasser. Später ergab sich fiir die Mehrzalil dieser Brack- 
wasser-Cerithien noch ein objektiver Unterschied in den zahlreichen Windungen und der 
kreisrunden Form des Deckels gegenüber den ächten meerbewohnenden Arten (Wood- 
ward manual of the moliusca 1851 pag. 128) und sie wurden sogar nach Schalen- 
unterschieden noch in mehrere Gattungen , welche wir eher Gruppen nennen mochten, 
zerspalten (Gray guide of syst, distrib. of Mollusca 1857 pag. 106, A. et H. Adams 
genera of moliusca I. pag. 286). Meinen Beobachtnngen zufolge sind allerdings die 
Cerithicn mit kreisrundem viclgewundenem Deckel vorherrschend Braekwasser- 
bewohner: C. sulcatum Brug. (Rumph*s strombus mangionmi) lebt an und auf den 
Manglebüschen in Gesellschaft von Neritnia communis und Cassidula- Arten, C. de- 
collatum L. sp. ebenso oder auf Steinen, C. palustre in Schlammgräben mit den 
grossen Aunculen zusammen, aber sie gehen alle etwas weiter gegen das Meer vor 
als Neritina und Auricula und treffen . da wo der Kinfluss des süssen W^assers ganz 
aufgehört hat und der von der Ebbe entblösste Schlamnigrund mit Steinen sich 
mischt, sowohl mit eigentlichen Cerithicn mit ovalem Deckel, als mit einigen andern 
marinen Gattungen: Kicinula, Planaxis u. a. zusammen, doch so, dass in demselben 
Gi-ad die einen seltener, die andern häufiger werden. Aehnlieh ist es mit den euro- 
päischen Arten: man hat Cerithium manimillatum Risso zu Potamides gebracht, aber 
C. lima und vulgatum Bnig. des Deckels wegen bei den eigentlichen Cerithien lassen 
müssen ; mammillatum ist auch von allen dreien am entschiedensten Brackwasserthier, 
es scheint in den Lagunen Sardiniens häufig zu sein, von wo es Villa, welcher selbst 
in Sardinien gewesen , es sogar in seine Sammlung extramariner Conchylien als Pirena 
nigra aufnahm (dispos. syst, conchyl. torr. et (luv. 1841 pag. 37) und nach Philippi 
ist es »frequens m lacunis et salinis Messinae, Augustae (Agosta in Sicilien) et Ta- 
renti«. Die beiden andern sind häufig in den venctianischen Lagunen mit Troehiis 
Biasoletti und Adriaticus Phil., aber auch sonst an den Küsten des Mittelmeers ge- 
mein, ohne an Brackwasser gebunden zu sein. 

^) Ueber das Vorkommen der Crustaceen gibt auch A. Adams in der schon 
vorhin angeführten Zoology of the voyage of H. M. S. Samarang, Crustacea. 1848. 
introduction pag. IV — VI interessante Mittheilungen. 



Anmerkungen zum ind. Archipel. 359 

'®) Otaria lobata Gray sp. soll nach Häuten, welche im britischen Museum auf- 
bewahrt werden, von der Nordküstc Australiens, speziell Port Essiugton, stammen, 
Gray catalogue of the Mammalia of thc British Museum, Seals 1850 pag. 44. Der 
sonstigen rein ausser« tropischen Verbreitung der. ganzen Gattung und Familie gegen- 
über erscheint diese Angabc wenig glaublich und um so weniger als ebenda wieder- 
holt noch Houtmau's Abrolhos an der Westküste des sudlichen ausser -tropischen 
Theils von Australien, 2d^ Südbreite, als Fundoil genannt wird; von da mochten 
die abgezogenen Häute wohl nach Port Essington als Handelsartikel gekom- 
men sein. Ein Finwal (Sibbaldius Schlegelii Flower) von 45' Länge strandete im 
April 1863 an der Nordküste Java's bei Pckalongan. Nat. Tydschr. Nedcrl. Ind. XXVI. 
p. 423 und 445. Vgl. Proc. Zool. Soc. Lond. 1864 p. 400. 

'*) Folgende Arten von Seemöven werden aus dem indischen Ocean angegeben: 
Larus Fritzei Bruch und dominicanus Licht, beide unserer grossen Mantelmove sehr 
äluilich, citrirostris Schimp. und Gabianus Pacificus Lath. als ständige Bewohner, 
die europäischen L. marinus, argentatus und canus als zeitweise Gäste. Cabanis' 
Journal für Ornithologie 1866. 

") Schlegel in der oben erwähnten handleiding nennt von den Molukkcn eine 
kleinere Art mit gelbem Kehlsack, Tachypetes minor oder arid, aber auch die 
grossere mit rothem Kchlsack kommt dort vor, denn Valentyn ei'VNähnt ausdrücklich 
diese Färbung und ich selbst habe den auf Batjan gesehenen unbedenklich für T. 
aquilus genommen. 

^) Natuurkimdig Tydschrift voor Nederlands Indie Bd. XX. 1859. S. 90. 

^♦) Ebenda S. 204. 

») Ebenda Band XVI. 1858. S. 260. 

'•) Phyllopteryx foliatus Shaw und cques, letzterer abgebildet von Günther 
Proc. zool. soc. 1865 S. 327. 

") Pterois voütans (Gasterosteus volitans L.), seiner abenteuerlichen Gestalt 
wegen von vielen älteren Autoren nachgebildet, so Ruysch thcatr. anat. I. 3, 1, 
Valentyn Fig. 213, Renard Fig. 41 und 215 und Nieuhoff IL S. 268 Fig. 4. Bennet 
protestirt zuerst gegen seine Flugfaliigkeit. Ebenso unrichtig ist, dass er in süssem 
Wasser lebe, wie Linne, Cuvicr (1817) und noch Okcu 1836 angaben. 

'*) VcJ'gl* Autenricth über das Gift der Fische, Tübingen 1833, wo die früheren 
Nachrichten zusammengestellt und bcurthcih sind. 

^ Valentyn in dem oben angeführten Werke S. 4*J0 No. 242. Vergl. Lcsson 
in Duperrey's voyage autour du monde, Zoologie Bd. IL Theil 1. S. 164, wo ein Fall 
▼OD Vergiftung durch denselben Fisch (Thynnus vagans Lcsson ^ pclamys L.) er- 
zählt wird, und Cantor Jouni. As. Soc. vol. XVIII. 1850 pag. 1277. 

W) Blecker, Act. soc. Indo Neerl. VI. 1859 S. 210, führt allerdings Eine Art 
^ eigentlicher Rochen , Raja asterias aus dem Archipel der Molukkcn an, aber nur nach 
andern Schriftstellern, nicht aus eigener Erfahrung, wie die Cursivschrift der Orts- 
angabe beweist; es ist nicht wohl anzunehmen, dass ihm bei seinen langjährigen ich- 
thyologischen Forschungen im Indischen Gebiet diese Gattung entgangen wäre, 
wenn sie sich wirklich dort vorfinden würde, zumal da die Arten anderswo, wo sie 
vorkommen, häufig sind, oberflächlich leben und auch dem gemeinen Mann bekannt 
sind. Auch ich habe keine Raja im indischen Archipel zu Gesicht bekommen. 



360 Amnerktingen zum iod. Archipel. 

") Vei-gl. Georg v. Martcns Italien Bd. II. S. 370. 

^ Vergl. einige Angaben darüber von mir in den Malakozoologisehen Bllttern 
Bd. XI. 1804, Literatur S. 7 — 11 und in v. d. Decken's Reisen in Ostafrika, dritter 
Band, 1869, S. 61 — 66. 

^) Runipli auiboinschc rariteitkamcr II. pag. 146 (deutsche Ausgabe S. 137, 
138). Auf dem Markte in Aniboiiia fand ich wiederholt Psammotea violacea Lam. 
feilgeboten. 

^) Rumph ebenda I. pag. 43; Kölliker anatomisch -systematische Beschreibung 
der Alcyonaricn I. S. 202 — 205. 

Uehcr das Nesseln der Plumularicn vergl. oben bei Singapore, Anmerkung 5, 
S. 242 und 243. Die von mir gesammelten Arten dieser Gattung sind beschrieben 
von Dr. Rirchenpauer in seiner Abhandlung über die Plumularidae, Abhandlungen 
des naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg III. 1872. 

^) Diese Foraminiferen haben sich zalilreich an den von mir an verschiedenen 
Orten des indischen Archipels gesammelten Sargassen beim Einlegen derselben ge- 
funden; man trifft sie aber auch ausgewaschen im Sande. 

^) Vergl. Rumph herbarium Amboinense — Bd. VI. — wo die aufillligeren Ko- 
rallcnarten des indischen Archipels und verschiedene Schwämme desselben nach da- 
maliger Weise beschrieben und abgebildet suid. 

"^) Pentacrinus Amdti S. Schnitze im Bericht der Naturforscher -Versammlung 
zu Carlsruhe 1858. Meines Wissens ist nichts Näheres darüber bekannt gew*orden. 

Auch das Bruchstück eines Doldenpolypen, Crinillum Siedenburgi v. d. Hoeven, 
verwandt mit den grossen Umbellularien des Nordens, ist von Lieutenant Siedenburg 
in dem Bankasee aus einer Tiefe von 2700 Faden im Jahre 1858 aufgefischt worden. 
Siehe in den Verslagen en Mededelingen der konigl. Akademie der Wetenschapen 
1861 S. 286, mit Abbildung, und KolIiker Alcyonaricn L S. 380. 

Ferner besitzt das Lcidncr Museum auch eigenthümliche Glasschwämme, welche 
bei Ccrani aus grosser Tiefe heraufgebracht wurden: Hyalothauma Herklots und 
Marshall Archives ncerlandaises des seieuces exactes III. 1868, übereinstimmend mit 
der von Semper bei den Philippinen gefundenen Semperella Gray (Hyalonema Schultzei 
Semper). 

^) Die Echinodermcn des indischen Archipels habe in TroschePa Archiv (lir 
Naturgeschichte Bd. XXXL 1865 S. 345 — 360 ausHihi lieber behandelt Bd. XXXIL 
1866 S. 57—88 und 133—189, Bd. XXXIII. 1867 S. 106—119. 

••) Vergl. den botanischen Theil dieses Werkes, Tange, S. 109, 110. Eine 
lebensvolle Schilderung der KorallenrifTc und ihres Thierlebens hat Dr. Rlunzinger 
in den Verhandlungen der kaiserl. konigl. zoologisch - botanischen Gesellschaft 1870, 
S. 389—394, und in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde in Beriin Bd. VII. 
1872, S. 20 — 56, gegeben. Sie betriSl allerdings zunächst das Rothe Meer, aber 
bei der grossen Uebcreinstimumug der Thien^'clt passt sie auch in den meisten Einzel- 
heiten auf die Korallenriffe des indischen Archipels. 

"^ Rumph amboinsche rariteitkamcr. IL S. 59. (Deutsehe Ausgabe S. 6.) 
Taf. 17. 

Owen memoir on the pearly Nautilus London 1832. 4to. 

Valenciennes nouvelles recherches sur le Nautile flambe. Paria 1839. 4to. 



Anmerkungen zum ind. Archipel. 361 

» 

Van der Hoeven bijd ragen tot de ontleedkundige kennis aanga&nde Nautilus 
pompilius. Amsterdam 1856. 4to. 

Keferstein in den Nachrichten von der königl. Gesellschaft der Wissenschaften 
in Gottingen 1865, S. 353 — 375, und in seiner Bearbeitung der Weichthiere fiir 
Bronn's Klassen und Ordnungen des Thierreichs. Bd. III. Theil 2. 1866. 

*^) Vergl. den botanischen Theil, Tange, S. 8 und 12. 

**) Rumph amboinsche raritcitkamer S. 247. 

Harting bijdrage tot de kennis der mikroskopische Fauna en Flora van de Banda- 
Zee. Amsterdam 1863. 4to. 

^ Schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts ausführlich beschrieben von Walch 
und Spengler in der Zeitschrift »Naturforscher«, Bd. X., 1777, S. HS, Taf. I. und 
Bd. XIII., 1779, S. 53, Taf. I. IL Diese Abbildungen sind in viele naturgeschicht- 
liche Sammelwerke übergegangen. 



Verzeichniss 

der gesammelten oder beobachteten Wirbeltlüerc, 



Gattung und Art 



Fundort 



Seite. 



Bemerkongen, 



IbuiBalia. 

Qa»draiii»iia. 

OAtirrUna. 

Simia Satynis L 

Hylobates pileatus Gray . 

— leuciscus 111 

Seninopithecus Maurus L. 
Macacus cynamolgos L. . . 

— var. Philippinus Geoff. 
luuus nemestrinus L. ... 

— speciosus Tom 



Cynopitbecus nigcr Q. G. 



PrMtaulL 
Stenopf) tardigradus L. var. Javanicus 

Geoff. 

Tarsius spectrum Pall 

Chlr^ptera. 

Pt6f9fi« 

Ptcropus edulis Geoff. 



Sintang auf Bonieo . 

Siain 

Palabuan (Java) . . . 

Java 

Java 

Zamboanga 

Sumatra 

Japan 



Batjan 



— mcdius Tem. 

— hyponielanus Tem 

— Temminckii Peters 

Cynonyeteris aniplcxicauda Geoff. . . 
Cynoptcrus marginatus Geoff. .... 

— brevicaudatus Geoff. 



Java 

Banka, Capitain Müller, 
Java , Dr. Swaring . . . . 



IfchntepM 
Rhinolepbufl euryotis Tem. 



Bangkok, Banka. Anjcr 

(Java) 

Bangkok. 

Batjan 

Aniboina 

Bangkok. 

Banka. 

Sintang (ßorneo). 



Amboina 



248 

220 

(249) 

52 

52. 25<) 

193. 2(16 

52. 2.T() 

83 

2(K) 



2:>() 
2.V) 



250 

200 
2ßO 



251 



lebend erhalten. 
Balg. 

Schädel. 

Schädel und lebende 
Thierc mitgebracht 



in der Hohle Batuloba 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



363 



Gattung und Art. 



Fundort 



Seite. 



)rrhina insignis Horsf. 



Palabuan (Java) 



'icuspidata (Geoflf.?) > Batjan 



PhyDtttiaata. - 

^s perspioillatus (L.) Geoff. 

BrackynnL 

>zou8 Philippinensis Waterh. 
iccolaemus Tem 



lelanopogon Tem. 



Qomus plicatus Buch. . 
tneles torquatus Horsf. 



irtilio Hassel ti Tem. var. macel- 
Tcm 



ralatitioides Gray . 
- var. ater Bemst. 
irugo abranius Tem. 



Rio Janeiro 



Ics Banos unfern Manila 
Lembok und Lahat auf 

Sumatra 

Bangkok 



Palabuan auf Java. 
Singkawang auf Borneo 



Siam 



•rachypterus Tem 

licejos Temminckii Horsf. 



lBsecilT«rA. 

ceos sp. indet. , . . . 



iura Luzoniensis Peters 



Scminis auf Borneo. 

Ternate. 

Yokohama und Nangasaki 

Banka, Capt. Müller. 
Kupang (Timor). 



Japan 



Manila 



»umatrana Peters* 
Detida Peters . . . 
lyosuros Pall. . . 
i wogura Tem. . . 



i torquatus Fr. Cuv. 



Palembang auf Sumatra . 
Bengkayang auf Borneo . 
Zamboanga auf Mindanao 
Yokohama 



Yeddo 



lalayanus Raflfl Sintang auf Borneo . . . 



251 

36 

194 
251 



252 



80 



80 



Bemerkungen. 



in einer Ralkhohle am 
Meer. 



in einer Kirche. 



in einem Hause. 



im Schiff auf der Rhede 
an der Mcnammündung 
gefangen. 



=akokomuli Tem. 27. Okt. 
1860, in Yokohama ge- 
schossen. 



194. 251 
79 



76 
255 



ein Fell ohne Kopf und 
Füsae in Yeddo gekauft. 

Monatsberichte der Berl. 
Akad. 1870 S. 595. 

ebenda S. 593. 

ebenda. 

in der Stadt. 



lebend im Besitz meines 
Wirthes. 



364 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



Gattung und Art 



Mustela Henrici Schlegel 

— melampus Tem. . . . 
Putorius itatsi Tem.. . . 
Lutra vulgaris Storr. . . 

— lepton)rx Horsf. . . . 
Viverra rasse Horsf. . . . 



Cynogale Bennetti Gray 
Canis familiaris var. . . , 



— vulpes L 

— viverrinus Tem. 
Felis tigris L 



minuta Tem. ..... 

domestica Briss. var. 



Gllres. 

Sciurus lis Tem 

— cf. atrodorsalis Gray 



— bicolor Sparrm 

Pteromys leucogenys Tem. 
Mus decumanus Fall. . . . 

— speciosus Teip. Schi. . 



Lepus brarhyunis Tem.? 



— Sinensis Gray . . . 

— nigricollis Fr. Cuv. 

BraiA. 

Manis Javanica Desm. . 



Fundort. 




Bemerkiingen. 



Sintang auf Borneo . . . . 

Yokohama 

Yokohama 

Yeddo 

Sintang auf Borneo . . . . 
Palabuan auf Java und Sin- 
tang auf Borneo 

Maudhor auf Borneo . . . 
Yokohama 



Yokohama . 

Yokohama 

Singapore, Java; Sumatra 

Selimbouw in Borneo . . . 
Yokohama 



Peeera. 

Cer^nis (Panolia) frontalis M. Clell. . 
— (Ru^a) equinus Cuv 



Siam 

Muntok auf Banka und 
Palembang auf Sumatra 

hippelaphus Cuv. var. Moluc- 

censis Q. G 'Dodinga auf Halmahera 

I und Ceram 

— — sika Tem i Yokohama und Nangasaki 



Yokohama 

Petshaburi in Siam . . . 



Anjcr auf Java 
Yokohama . . 
Yokohama . . 
Yokohama . . 



254 

79 

79 

79 
2.54 

254 
254 
85 

78. 152 

78 
229. 252 

254 
86 



80 
220 



Yokohama 



Shanghai 
Batavia . 



Java 



52 

80 
82 



82 



15G. 181 
256. 348 



2.56 



219 



257 



2r)9 
83 



Balg und Schädel. 

Schädel. . 

Balg und Schädel. 

Balg u. Schädel, Dec 

Schädel. 

Schädel. 

Schädel eines japaB» 
Zwerghundes. 

Balg o. Schädel, Okt-J 

Balg und Schädel. 

ein Schädel, von Dr. S* 
ving erhalten. 

Fell. 

Schädel. 



Skelet 

Rucken kaum dimUer 

die Seiten , sonst üb 

einstimmend. 
Schädel. 

mehrere Schädel, 
auf dem Felde 2^. 

todt gefunden. 
Balg und Schädel, T 

u. Jan. häufig aaf d 

Markt. 
Balg und Schädel. 
Schädel. 



Haut aus einem Raanx) 



Geweihe. 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



365 



Gattung and Art. 



Fundort. 



[le (Capricornis) crispa Tem. . . 
Doa) depresaicornis H. Smith . 

Pachyderma« 

8 Indic. var. Sumatranua Schlegel 



■eroa Javanicua Cuv. 



Indicua Desm 

Dcomyatax Tem 

Cele. 

nua (Grampus) sp. indet. 
er ap. indet 



MartHplallA. 

giata (Cu8cus) Orientalis Fall. 

omata Gray 

ua (Belideus) Ariel Gould . . . 
ilagus ursinua Tem 



Aves. 



Japan 

Makassar 

Bungo Mas auf Sumatra 

Java 

Johore 

Yeddo 



Atlantischer Ocean . . . . 
Südatlantischer Ocean 3G^ 
S. Br. 




Accipitrea. 



leuconotua Gray 



:ur Indus Bodd. (Pondiccrianus 
1.) 



irostenios Gould 

griseogularis Gray 

virgattts Tem. Schleg 

■ommunis Gmel. (peregrinus auct.) 

. indet 

>ntatus Gould 

»alon L 

u*ulus Moluccensis Schleg. . . . 

ponirus Bp 

govinda Sykes (melanotis Tem.) 
sp. indet ^ 

leinwardti Tem 



Batjan . . . . 
Bat Jan . . . . 
Neu -Guinea. 



83 
260 



25G 

257 

230 
82 



26 

48. 50 



Bemerkungen. 



Homer gekauft. 
Horner gekauft. 



Bruchstücke des Schädels 
mit den Backenzähnen. 

Schädel von Dr. Swaving 
erhalten. 

Schädel. 



Jvoni Schiff aus gesehen. 



Bangkok 



2G1 

261. 350 

261 



216 



Golf von Slam 269. .'«() 

Batjan. 

Batjan 261) 

Singapore 231 

Yeddo 92 

Tshifu — 

Timor 269 

Yokohama 91 

Larentuka i 269 

Yokohama I 91 

Yokohama I 88 

Bangkok ' 226 

Amboina 



Weibchen. 



lebend gehalten. 



Oktober 1861. 
Comniod. Sundewall. 
Januar 1861. 
Januar 1861. 



366 



Vürzeir^inis» d. gesammelt. Wirbel thiere. 




StrigMae. 

Surnia 'iiyctea L 

Syrniuni (Ptyiix) fusrescens Tciii. Srhl. 

Ephialtes Lempyi Horsf. 

— sp. iiidet 



Ptieiacl. 

Palaeoniis longicauda Bodd 

Micr4»pl(».ssus aterrimuM Gmc»l 

Cacatua sulfurea Giiicl 

Pionias (Geoffroj-us) cyanicollis Bp. . 

rhodops G. R, Gray 

Psittacula galgulus L 

Lorius garrulus L 

— domicella L 



Bygedactylae. 



Megalaema Philippinensis Briss. 
— caiüceps Franklin 



Eudynamis Orientalis L 

— nigra L 

Centropus Bengalensis Gmel. . . . 

— Philippinus Cuv 

— Guliath Forsten 

Centrococcyx rufipennis 111 

Srythrops Novae Hollandiae Lath. 
Zandostomus sp. indet 



PleiiAA. 
Gecinus avokara Tem. Schi. 

— diniidiatus Tem 

Picus kizuki Tem. Schi. . . 



Clanalrlcet. 

BioerttiiM. 

Rhyticeros sulcatus 'Reinw. 
— mficoUis Vieill 



Yeddo . . 
Nangasaki 
Yokohama 
Timor . . 



Sundast ranse 

Ncu-Guinea 

Larentuka auf Florcs . . 

Batjan 

Amboina 

Ilalmahera 

Wahai auf Ccram .... 



Zlamboanga 
Petshaburi 



Java , 

Petshaburi , 

Petshaburi , 

Manila 

Dodinga auf Halniahera 
Siam. 

Larentuka 

Bangkok , 



Yeddo . . 
Petshaburi 
Yeddo . . 



Banka. 

Batjan und Amboina 



90 

93 

91. 93 

269 



Januar Ifc^Gl. 



53. -i«« 

2^).') I leitend gehalten. 
205 (101) 
264 
264 
' 53. 263 
264 
264 



190 
21. -> 



272 
215 
215 
190 
272 

272 - 



101 
215 
101 



262 



Männchen und Weil 

Schädel. 

) auf Amboina leben 

) halten. 



Januar 1862. 



Janaar 1862. 



jung. 
Deceniber 1861. 



December 1861. 



Männchen und Weibd 



Verzcichuiss d. gesamtiiolt. Wirbelthiore. 



367 



Gattung und Art. 




Bemerkungen. 



o cassidix Tem 

:u8 sulcirostris Wagl 

lloatfniiae. 
yon chloris Bodd 

irollaris Scop 

Capensis L. (Javana Bodd.) . . . 
lu Bengalensis Giucl 

»ps omatus' Lath 

ip. indet 

Otradadae. 

c*iafl sp. indet 

••eines. 

PleotMae. 

a oryzivora L 

)iicha sp. indet., au nova? . . . 

rrtetfUMae. 
[lula Orientalis Tem. Schi. . . . 
>thrauste8 personatus Tem. Schi 
ir montanus L 

-ospiza chloris L 

cawariba Tem. Schi 

Mnica L. 

»riza ciopsis Bp 

»legans Tem. Schi 

nistica Pall 

iza aureola Pall 

phus melanicterus Lath. 

■•tacil 
cilla lugens Bl 

mlforea Becbst 



Celcbes 

Zaniboanga 

Kleine Inseln bei Singa 

pore. 
Luzon, Zamboniiga und La 

rentuka. 

Bangkok 

Yokohama 

Mindorosee 

Bangkok 



Simaharadsha in Siani 



Java. Japan in Kuiigcn . 
Pulo Matjan bei Sintang 
(Borneo). 



Ycddo . . 
Yeddo . . 
Yokohama 

Yeddo . . 
Yeddo . . 
Shanghai 
Yokohama 
Yeddo . . 
Yeddo. 
Y'eddo . . 
Hongkong 

Yokohama 
Shanghai 
Yeddo . . 



262 
189 



231 

189. 2r)8 

(215) 

88. 101. 

156 

189 
(215) 

(215) 



ein Schädel. 



5:3. 97. 270 
(270) 



97 

97 

88.97.155. 

ir)5.2l5. 

231.269 

(97) 

97 

156 
88. 97 

97 

97 



88. 95 
155 
95 



Decomber 1861. 



Januar 1862. 



Oktober 1860. 



April 1861. 



368 



Veneichuias d. getMUumelf. Wirbel Üiiere. 




Gattung und Art. 

Budytes viridis Scop. . 
Anthus ceniuus Gould 

Alauda Japonica Sohleg 

— Mongülica Pall. . . 

Tunk 

Ruticilla aurorea Pall 

Rubecula akahige Tem. Schi 

Turdu8 ciueraceus Tem 

— cardis Tem 

— daulias Tem 

— fu8catU8 Pall 

— (Oreocinela) variu8 Pall 

Copsychua Mauilensin Gmel 

— Mindanaensis Gniel 

Ixos Sinensis Gmel 

— sp. indet 

— sp. indet 

Hypsipetes amaurotis Tem. Schi. . . 

■attphalüae. 

Zosterops Japonicus Tem. Schi. . . . 
Tropidorynchus sp. indet 

Heotarlittiat. 

Nectariiiia lepida Sparrm 

— solaris Tem 

— auriceps Gray 

■inpM 

Uiruudo nistica L. 

Rhipidura Javanica Sparrm 

— tricolor Vieill 

Hypoth3rmis cyanomelana Tem. Schi. . 
Xanthopygia narcissina Tem. Schi. . . 



Fundort 




Bemeritungen. 



Manila 

Tamsuni auf Formosa . . . 

Yeddo 

Shanghai 

Yokohama 

Nangasaki 

Yeddo 

Yokohama 

Yokohama 

Yokohama 

Yokohama u. Nangasaki . 

Nangasaki 

Yokohama 

21amboanga 

Wusung bei Shanghai . . 

Kleine Inseln bei Singapore 

Petshaburi. 

Yeddo 

Yokohama 

Larentuka 

Kleine Inseln bei Singapore 

Larentuka 

Halmahera 

Nordchinesisches Meer . . 

Singapore. 

Ba^an 

Yeddo 

Yeddo 



188 
163 



3. April 186a Mim 
und Weibdien. 



96 
156 



in K&figen. 



I 88. 95 I 



95 
88 
94 
94 
94 



188 
156 
231 

95 



28. Oktober imx 
Februar 1861. 

12. Oktober 1860. 



rectr. 14. Februar \ 
12. Oktober 1860. 

April 1861. 



89. 96 
271 



2:^1 
271 
271 



M&nnchen und Weibd 
ebenso. 



94. 165 



1. April 1861 auf 
Schiff geflogen. 



S. Joum. f. Gm. 1866 
S. 141. 



94 
94 



d. geMiiuueli, Wirbelibiere. 



369 



.tUM Igni-u« Blyth. . . 
s mclaiioUiruij Gray . 



a panditeus Gniel. 
Dcoeruleus Gray . - 
indet. 



« lencorrhyiithus Vieill. . 

hoMphaluN Teiii 

Kch Gmel 

ricepa KnnlLl 



Siiieiiai» L 

TfMilMM. 
X BeJangcri Lcaa. . . . 



». S<-Ii]. . 

Mna rrinaiellu» L. . . 
DM Daurinu* Pnll. . . . 
fT. veiieraia Duniniii . 



ü Japouk-uH B|>. . 



ax pyrrhüpicma Tei 



■rorrhynrhti« Tem. . 
disBiina^ Gray . . . 
toralii Gould . . . 
■inai Gould . . . . 



t Pill. . 



I^hal (Sumnlra) . 
Baljaii. 



Ppijtliahuri . . . 

IUija.i 

Taiiisui auf Furii 



ZainboHüga 

Ynkohaiiitt 

W'iuiitig btii Sliiiligli'ii 



Luf^iiiia dal Bay Wi Muiiils 



Yfddi. . , 
Itangknk. 



Yokniiama - 

Uutian. 

Yokniiaiiia. 

Baiigkuk . . . 
Batjan . . . . 
SImnghai . . 
Shanghai . . 
äbanghai . . 



S<-iLH'»nzr«lcrii ganz rotli. 



D. oki.ii \mi 

A[,ril ISIil. 



i 

87. SHt 
■215. 270 



370 



VerzcichuisM d. gesanuiielt. Wirl)ekhiere. 



Gattung und Art 



Cslomliae. 

Ptilopus superbus Tem 

Trcron aromaticus L 

— sp. indct 

— Sieboldi Tem. Schi. . . . 
Carpopliaga perspicillata Tem 
Chalcophaps Javaiiica Gmcl. . 
Columba sp. indet 

— intennedia Strickl 

Turtur tigrinus Tem 

— bitorquatus Tem 

Geopclia striata Gmel 

Galllnae. 

T«ira«BMa0. 

Coturnix dactylisonans Mey. . 

— Sinensis L 

FhiitiimWfiti 
Pbasianus torquatns Tem. . . 

— versicolor Tem 

— Sommeringi Tem 

Diardigallus punctatu-s Gray . 

Gallus sp. indet 

— domesticus Briss. varr. . 



Megapodius Freyeinet i Q. G. . . 



I 



Siraihlsnes. 

Casnarius galeatns I^ath. . 
— Raupi Kosenb 



Fundort. 




Amboina . . . . 
SundaHtrasse . . 
Larentuka . . . . 

Yeddo 

Batjan 

Java 

Yokohama . . . 
Petshaburi . . . 
Java, Larentuka 
Yokohama . . . 



Java, Larentuka 



Yeddo und Nangasaki . . 

Pulo Matjan l>ci Sintang 
(Borneo). 



Shanghai 
Yokohama 

Yokohama 
Slam .... 

Luzon . . . 
Japan . . . 

Batjan . . . 

Ceram . . . 
Neu-Guinea 



266 
58. 266 
53. 266 

266 
53. 267 
88. 102 

216 
53. 267 
90. 102. 

267 
53. (191) 

267 



90. 104 



273 



156 
88. 102 

88. 102 
217 

191 
•102 



(192)274 



Bemerkungen. 



Balg und Schädel. 



9. Okt. 1860 gcschos 



als Wildpret und in 
(igen. 



im Freien und auf 

Markt, 
ebenso. 
Geschenk des Coii>nls 

bert Schomburgk. 



Ei und junger Vogel. 



(UM). 274 
274 



Ei. 

Ei, von Hrn. v. Rosenln 



Verzeichniss d. gesammelt Wirbelthiere. 



371 



Gattung und Art. 



Grallae. 

Oiarairlldae. 

Irius sp. indet. . . 



topos ostralegus L. 



Scaltpacidae. 

ax msticula L 

igo Horsfieldi Gray (stenura 

.) 



Fundort. 




Zwischen Bangkok 

Petshaburi. 
Tshifu 



und 



i Lapponica L. (rufa Briss.) . . 

IS calidris L 

ireola L. 



HeaUlettMat. 

. indet 

a major Tem. Sclileg. 



AHeidme. 

i (Leptoptila) capillata Tem. . . 

cinerea L 

indet 

erodias) Javanica Gray 

!»retta) cf. nigrirostris Gray . . 

garzetta L 



Shanghai 



Yeddo 

Petshahuri 

Aniboina 

Hongkong 

Kleine Insehi bei Singapore 



Yeddo 
Yeddo 



226 



Januar 1862. 



— Commodore Sundcwall. 



Bangkok 



sp. indet. 



iibuicus) Coromandeliana Bodd. 
•rax griseus Gmel 



Oraidaa. 
[ontignesia Bp. 



aquaticus L. 



la erythrura Bodd. (phoenicura 
I 



Yokohama; Bangkok . . 

Yeddo 

Bangkok. 

Bangkok 

Yokohama 



156 

88 

226 

(276) 

(274) 

231 



Bangkok 



Hongkong 
Yokohama 
Nangasaki 
Bangkok . 



Yokohama 



lO.") 



(10r>) 215. 

(274) 

88. 22(; 



21.'i 

SH. 106 

(163) 

215 

166.(192) 

SS. 106 

(274) 



Mära 1861. 

Januar 1860. 
Januar 12^62. 
Oktober 1862. 
16. April 1861, 
Oktober 1861. 



todt gekauft Jan. 1861. 
Schädel. 



89. 90 
105 



Yokohama 



Bangkok; Zamboanga 



192. (274) 



Januar 1861. 

Schnabel frisch gelb. 
11. Oktober 186c>. 

weiss m. gelbem Schnabel, 
klein. 

26. Oktober 1860. 
Februar 1861. 
December 1861. 



auf dem Markt als Wild- 
pret, Januar 1861. 



24' 



372 



Verzeicliuiss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



Gattung und Art 

Gallinula chloropus L 

Porpliyrio sp. indet ^. . 

Anteres. 

LarkbM. 

Sterna Panayensis Gmel 

— velox Rupp 

— minuta L 

Hydrochelidon fluviatilis Gould . . . 
Aiious stolidus L 

Larus Dominicanus Licht 

— argentatus Brunn, var. Occiden 
talis Audub 

— (Adelarus) melanunis Teni. . . . 

— (Xcnia) maculipeunis Licht. . . . 
sp. indet 

— sp. indet. 

Diouiedea sp. indet 

Procellaria haesitata Forst 

— (Daption) Capensis L 

Thalassidroma pelagica L 

Paiacuiklit. 

Carbo capillatus Teui 

— sp. indet 

— cf. bicristatus Pall 

Sula fusca Briss 

Phacthon sp. indet 

Tachypetes aquilus L 

AnatiiM. 

Anser grandis Gmel 

— albifrons Gmel 

— cygnoides Gmel 

Anas boschas L 



Fundort. 




Yeddo . 
Bangkok 



Siani 

Batjan. 

Danau Sriang, Borneo . . 

Manila 

C«lebes-See. 

Atlant. Ocean 23° S. Br. . 

Rio Janeiro 



Yokohama 

WuNung bei Shanghai . . . 

Yokohama 

Tshifu 

Rio Janeiro 

Manila . . 

Rhede von Bangkok . . . 



SQdatlantJscher Ocean 4'1\^ 
S. Br. 

Ebenda 

Ebenda 

Tropisch-Atlant. Ocean . . 



Tshifu 

Bangkok 

Yokohama 

Amboina 

Atlant. Ocean 2' S. Br. . 

Indischer Ocean bis nahe 

oapan •••«.•..... 

Atlant, u. Ind. Ocean . . . 



107 
226 (275) 



226 

276 
193 

27 
44 

89. 107 

89 

44 

193 

226 

46 

46. 49 

46. 51 

27 

(88.) 107 
22<> 
89 
321 
27 

51.59.321 

51. 321 

359 



Yokohama 89. 108 



Yokohama. . 
Japan, China 
Shanghai . . 



89. UX 

loa 162 

156 



Bemerknngei 



December 1860. 



23. Mai 1863. 



Januar 1861. * 
März 1861. 
24. Oktober 186l>. 
Commodore Sunden 



Comniodore Sundew; 



Oktober und Jauiur. 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



373 



Gattung und Art 




;locitans Pall Yokohama 

erquedula L ! Shanghai 

)ccai L I Yokohama, Shanghai . . . 



tta fusca L. 



ps sp. indet. . . 



Chelenla. 

elongata Blyth 

one (Cistado) Amboinensis Daud. 
Notochelys) platynota Gray . . 

dhor Gray (Diardi D. B.) . . . 

Dociemmys) Reevesii Gray . . . 
lemmys) crassicollis Bell . . . . 

Japonica Schleg 

eterociemmys) gibbera Petei*» . 

K Sinensis Wiegm. (Japonicus 

«•) 



ia couana Schweigg. 



It«rlcata« 

ilos porosus Schneid, (biporca- 
?nv.) 



▼anaL 

r (Varanus) bivittatus Kühl (sal- 
Laor., Gray) 



orostig^ma Cuv., Schleg. 



Shanghai 



Yokohama 



Simaharadscha, Siam . . . 
Bangkok, Amboina, Batjan 
Lahat auf Sumatra; Sin- 

gapore. 
Mandhor und Danau Sriang 

auf Borneo. 

Shanghai 

Borneo. 

Yokohama und Nangasaki 

Pulo Matjan im Danau 

Sriang, Borneo. 



Nangasaki 
Shanghai 
Madeira . 



89 

156 

89. 156 

136 



89. 109 



Banka, Capt. Müller' . . 
Benkulen auf Sumatra. . 
Java, Dr. Reben tisch . . 
Timor 



Muntok auf Banka, Capt. 

Müller. 
Adenare bei Flores. 
Batjan und Amboina . . . 



214 
277 
277 

277 

157 

109. 112 



109 

157 

16. 27 



(196) 278) 
822 ^ 

- \ 



279 



279 



Bemerkungen. 



Monaisber. Beri. Akad. 
1874 S. 622 Taf. 2. 



Schädel. 
Eier. 



374 



Verzeichnlss d. gesammelt, Wirbelthiere. 



Gattung und Art. 



Fandort. 




Monitor (Varanus) Dumerilii Schleg. . Banka, Capt. Müller. 

— Timerensis Gray :Atapupu auf Timor, Dr. 

Wienecke. 



Qeckmet. 

Platydactylus guttatus Herrn. (Gecko 
verus Merr.) 



— Chinensis Gray (jamori Schleg.) . 

— nionarchus Schleg 

— vittatus Houtt 

Ptychozoon homalocephttlum Creveldt . 

Hemidactylus frenatus Schleg 



— cf. Cocteaui D. B 

— niabüia Cuv 

— (Peropus) uiutilatus Wiegm. . . 



(Platjrurus) platyurus Schneid. . 



Calotcs versicolor Daud 

— (Bronchocela) cristatcllus Kuh! 



Molucccnsis I^iess. 



Bangkok 

Batavia, Cressonnier. 
Banka, Capt. Müller, 
los BaSos bei Manila. 
Larentuka auf Flores. 
Nangasaki, Dr. Pompe. 
• 

Banka, Capt. Muller . . . 
Amboina und Ternate. 

Amboina 

Pontianak auf Bomeo, Dr. 

z'Hooft. 

Singapore 

Bangkok Muara-Enim in 

Sumatra. ' 

Anjer und Surabaya auf 

Java. 
Sintang und Mandhor in 

Bonico. 
Amboina und Bat ja n . . . 
Bangkok. 

Rio Janeiro 

Amboina 

Danau Sriang, Borneo. 

Bangkok. 

Bangkok; Muara-Euim in 

Sumatra. 



279 



212 



109. 112. 
114 
282 

282 

282 

231 
281 



BemerkiuD^ 



in Häusern häufig 



Bangkok 

Muntok auf Banka, Dr. 

Mo(*k. 
Kcpahiang auf Sumatra. 
Pontianak auf Bomeo. 
Ternate und Batjan . . . . 
Amboina. 
Kajeli auf Bum 



36 

282 



213 

280 



280 



in Häusern. 



im Haus. 



häufig. 



Peters Monatsbericht 
Berl. Akad. 1867 S 
lebend papageigrön. 



Verzeichuiss d. gesaiiunelt. Wirbel thiere. 



375 



Gattung und Art 


Fundort. 


Seite. 


Bemerkungen. 


(Brouchocela) jubatus D. B. . 


Batavia, Cressonnier und 

de Kock. 
Malaug auf Java, Dr.Greiiier 
Muntok auf Banka, Capt 

•Müller. 




C. gatturosus Seh leg. | 


« nigrolabiata Peters* 


Batu-lubar am See Danau- 


— 


Monatsber. d. Berl. Akad. 




Sriang, Borueo. 




18(54 S. 35r>. 


18 (Aplianotis) fusca Peters* . . 


Malakka 





ebenda 18(>4 S. 385 als 






Otocryptis f. 


volans L. (viridis Daud.) .... 


Siam, Herr Markwald . . 
Muntok auf Banka, Dr.Mock 
Batavia, Major de Kock. 
Bengkayang auf Boriieo. 


280 




niorensis Peron, Kühl 


Kupang auf Timor .... 


^^^^ 


Kopf und Grundfarbe der 
Flügel gummigut tgelb. 


ibriatus Kühl 


Kepahiang auf Sumatra, 
Dr. Gay maus. 












racunculus) lineatus Daud. . . . 


Bandong auf Java. 
Amboina. 

Wahai auf Ceram, Dr. 
Beyen. 






quinquefasciatus Gray 


Pontianak auf Borneo, Dr. 
z'IIooft. 






US tieriiius KauD 


Muntok auf Baiika, Dr.Mock 


28Ö 




meensis Sohlee 


Pontianak, Dr. z'IIooft . . 


280 




OS Amboinensis Schneid 


Amboina und Batjan . . . 


279 




<« euttata Cuv 


Kanton, Herr Menke. 






o 


Ostkustc des Golfs von 








Siam, Dr.'V. Richthofen. 






WuoMmb, 








lotes torquatus Schinz 


Rio Janeiro, Herr Rudio . 


36- 




UcartMae. 








(Teira) punctata Gray .... 


S. Vincente auf Madeira . 


9. 21 




» Areus Peters* 


Tshifu im nördl. China, 
SchottmGller. 




Peters Monatsber. d. Berl. 






Akad. 1869 S. (Jl u.G6 








Fig. 3. 


romus sexlineatus Daud 


Lahat und Tibinetinci in 


282 






Smnatra; Muntok auf 








Banka; Bengkayang in 








Borneo. 






var. aeneo-&sciatus Petei*s* . . 


Bancrkok 


213 


ebenda 1863 S. 405. 


ichysaunis) Japonicus Sclileg. . 


Yokohama 


111 


1 





376 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



Gattung und Art. 


Fundort. 


Seite. 


Bemerkniigen. 


flciM^^teA. 








a) Saurophthalma. 








Cyclodus flavigularis Wagl 


Wahai auf Ceram, Dr. 


2a3 


an C. carinatus Gtbr 




Beyen. 




- 


Eumeces (Plestiodon) quisquelineatus 


' 






L. var. Japonicus Peters* 


Nangasaki, Dr. Pompe . . 


HO. 112 


ebenda 1864 S. 57. 


— (Tiliqua) carinatus Schneid, (ru- 








fesoens Shaw, Sebae I). B.) 


Bangkok, Muara-Enim und 
Kepahiaug in Sumatra. 
Bandong und Malang in 
Java. Singkawang in 
Bomeo, Dr. Hubus. Ma- 
ros im sfidl. Celebes. 
Amboina. Wahai auf Ce- 


213. 282 


ebenda 18(>4 & 511 




ram. Batjan. Singapore 


231. 233 




var. niulticarinatus Gray . . . 


Malang auf Java, Dr.Greiner 






— Sainoensis A. Dum. var. Moluc- 








censis Peters* 


Muntok auf Banka und 




am erstgenannten On 
Meeresstrand leben 




Moti, eine der Molukken. 




— (Mabuya) oyanurus Less 


Batu-mera auf Amboina 
und Insel Buru. 


282 


ebenfalls am Meeress 


— (Dasia) Emesti D. B 


Wahai auf Ceram. 






Heteropus Schl^elii Peters* 


Amboina 


282 


Monatsber. d Berl AJ 






1864 & 57, 5a A 








am Meeresstrand. 


Lygosoma (Podophis) serpens Blooh . 


Bangkok, Herr Thiess . . 


213 




— (Elania) Mülleri Seh leg 


Wahai auf Ceram, Dr. 
Beyen. 






— (Hinulia) sanctum Boie 


Muntok aui^ Banka . . . . 




am Meeresstrand. 


h) Ophiophthalma. 








Cryptoblepharus Boutonii I). B. var. 


• 




• 


quinquelineatuü Peters* 

c) Typhlophthalma. 


Amboina 


283 


Monatsber. d. Berl. Ab 








Typhloscincus Martensi Peters* .... 


Ternate 


283 


Monatsber. d. Beri. Ali 




1864 S. 271. 


•phldla. 








iBgittttaa. 








a) Typhlopina. 








Typhlop« braminua Daud 


Bangkok 


214 




Pontianak in Borneo, Dr. 


\ 






z'Hooft. 







Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



377 



Gattung und Art. 


Fundort. 


Seite. 


Bemerkungen. 


ops braniinus Daud. 


Temate 


283 




Kupang auf Timor und La- 








rentuka auf Flores. 




• 


iviventris Peters* 


Ternate 


283 


Monatsl)er. d. Berl. Akad. 
1864 S. 271. 






ocephalus multilineatus Schleg. 


Wahai aul (?erani, Dr. 
Beyen. 




im Hause. 


ine lineata Reinw 


Bukit-tima bei Sineapore . 


231 






Tibingtingi in Sumatra, 








Dr. Broers. 






b) Tortricina. 






^ 


Tophis rufus Laur 


Bangkok 


214 






Anjer auf Java 




in Häusern. 




PontianakjSingkawang und 








Bengkayang in Bonieo. 






«Itis uni(*olor Schleg 


Bangkok. 

Banka, Capt. Müller. 

Singkawang und Sambas 

in Borneo, Dr. Hubus 

lind Tressling. 
Pontianak in Bornco, Dr. 

z'Hooft. 
Bangkok B. 


' 




FtnpMa« 








OS carinatus Schneid 


Amboina 


284 
284 




tperciliosus Gthr. 


Moti (Molukken) 

Banfifkok 


1 reticulatus Schneid 


(177). 213 
283 






Banka, Capt. Müller . . . 




.iasis) amethystinus Schneid. . . 


Wahai auf Cerani, Dr. 
Beyen. 


284 




Gttalrtaia. 








a) Calamaridae. 








äria Linnaei Boie 


Banka, Capt. Müller. 
Banka, Capt. Müller. 






odesta D. B 






color D. B 


Bengkayang in Borneo. 






ftculolineata Peters' 


Kepahiang in Sumatra, 




Monatsber. d. Bert. Akad.' 




Dr. Gaymans. 




1863 S. 403. 


ion torquatum D. B 


Bangkok 


214 




*"**"0 ........... 

Lahat in Sumatra. 








Pontianak in Borneo, Dr. 




# 




z'Hooft. 







378 



Veneichniss d. gesammeit. Wirfaelthicfe. 



Gattung und ArL 



Fundort. 






Brachyorrhos albus L. Temate; Amboina; Wahai 

I auf C«rara. 

Elapoides fnscus Boie Banka, Capt. Müller. 

Oligodon bitorquatus Reiow Java, Comm. Sundewall. . 



b) Coronellidae. 



I 



Simotes octolineatus Schneid. Banka, Capt. Müller . . . 

: Singkawang und Pontianak 
in Borneo, Dr. Hubus 
und z*Hooft. 

— taeniatus Gthr 'Bangkok. 

Sty|>orynchus truncatus Peters* . . . .;I>odinga auf Halmahera. . 

.Wahai auf Ceram 

Enicognathus omatus Schleg Luburaman bei Muara- 

Enini in Sumatra. 
Pontianak in fiomeo, Dr. 
z'Hooft. 
Liophis poecilog3rms Neuw Rio Janeiro 



e) Natricidae. 
Tropidonotus quincunciatus Schl^. 



vittatus L. 



— stolatns L 

— subniiiiiatus Reinw, 



— trianguligems Reinw. 



— chrysargus Boie, Schleg. 



I 



— chrysargoidea Schleg. 

— flaviceps D.B.var. semilasciatus Jan. 



Bangkok 

Batavia, Major de Kork. 
Muntok auf Banka; Tibing- 

tingi in Sumatra; Ma- 

lang in Java. 
Kanton, Herr Menke. 

Rangkok 

Kepahiang in Sumatra, Dr. 

GaMuans. 
Batavia, Bandongu. Malang 

in Java, 'Major de Kock 

und Dr. Greiner. 
Bangkok. 
Kepaliiang in Sumatra, Dr. 

Gaymans. 
Batavia und Bandong in 

Java. 
Tibingtingi und Kepahiang, 

in Simiatra, Dr. Bruers, 

und Gaymans. ! 

Java. 
Sambas in Borneo, Dr. 

Tressling. 



Seite. 



2do 



O. aabquadratom ] 



2Ö5 



3G 



•J85 



285 



Monatsbericht d 
Akad.l8(>9a44; 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiore. 



379 



Gattung und Art. 



ouotus tigrinus Boie, Sclilcg. 



takari Boie, Schleg. . 
Klomelas Boie, Sclileg. 



Fundort. 



Seite. 



Bemerkungen. 



Yeddo, Yokohama und 109. 112. 



Naiigasaki. 



) Klaphidae (Colubridae). 

quadrivirgata Boie, Sc^hleg. . . 

^ata Schleg 

ispicillata Boie, Schleg 

i radiatus Reinvv 

lanums Schleg 

korros Reinw 

K>sus L. (Coryphodon Blumcn- 

D. B.) 

:us Gthr. (Coryphodon) . . . . 

e) Herpetodryadidae. 

is (Phraginitophis) tricolor 

iras serra Schleg 



f) Psammophidar. 

»dynastes pulverulentUR Boie, 



Yokohama 

Banka, Capt. Müller . . . 

Muara-Enim und Tihing- 
tingi in Sumatra, Herr 
Gersen und Dr. Gaymans. 

Java. 



Yokohama, Nangasaki, Mis- ; 

sion. Schmidt und Dr. 

Pompe. 

Yokohama 

Nangasaki, Dr. Pompe . . 
Bangkok, Herr Markwald. 
Banka, Capt. Müller. 
Tibingtingi, Kepahiang und 

Benkulen in Sumatra, 

Dr. Broers , Gaymans 

und Foremann. 

Siani, B 

Banka, Capt. Müller. 

Bangkok 

Batavia und Malang in 

Java, Major de Kock 

und Dr. Greiner. 

Pctshaburi in Siam .... 
Banka, Capt. Müller . . . 



Banka, Capt. Müller. 

Rio Janeiro auf dem Cor- 
rovado, Schot tmüllcr. 



Tibingtingi in Sumatra, 
Dr. Broera. 



152 



110 
285 



112 



110 
112 



2a^> 

285 



285 



285 



auf dem Felde. Die Seiten 

abwechselnd schwarz u. 

mennigroth gedeckt; 

Schwan^childer 

schwarz, gclbpunktirt. 



in einem Hause. 



in einem Hause. 



380 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbehhiere. 



Gattung und Art. 

« 

Psammodynastes pietus Gthr. . 
var. frenatus 

g) Dendrophidae. 

Chrysopelia rhodopleura Reinw 

— rubescens Gray 

— ornata Shaw 

var 

Dendrophis pietus Gmel 





Luburaman in Sumatra. 
Sanibas in Bomeo, Dr. 
Tressling. 



h) Dryophidae. 
Dryophis (Tragops) prasinus Reinw. . 



var. xanthozonus 



Aml>oina 

Am DanaU'Sriang in 

Borneo. 
Banka, Capt. Müller . . . 
Tibingtingi auf Sumatra, 

Df. Gaymans. 
Sintang in Borneo. 
Amboina R. 
Bangkok, Herr Markwald 

und Ducosta. 

Bangkok 

Banka, Capt. Müller. 
Muara - Enim und Kepa- 

hiang in Sumatra, Herr 

Gersen und Dr. Gaymans. 
Ai\jer, Batavia, Bandong 

und Malang in Java, 

Schottmüller, Major de 

Kock und Dr. Greiner. 
Pontianak, Singkawaug und 

Bengkayang in Borneo, 

Dr. z'Hooft, Hubus und 

Duniont. 
Amboina und Wahai aut 

Ceram. 
Atapupu auf Timor, Dr. 

Wienecke. 



Banka, Capt. Müller . . . 
Muara - Enim und Kepa- 

hiang in Sumatra, Herr 

Gersen und Dr. Gaymans. 
Batavia und Malang in Java, 

Migor de Kock und Dr. 

Greiner. 
Singkawang und Pomang- 

kat in Borneo. 
Lembok in Sumatra. 



Bemerkuiigen. 



285 
285 

285 



214 

284 



Die Schuppen theilw 
gekörnt. 



(197). 285 



Verzeirhniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



B81 



Gattung und Art. 



ita mycterizans L. (Dryinus na- 
s Merr.) 

. i) Dipsadidae. 

dendrophila Reinw 

uicana Peters' 

pegularis Merr 

k) Lyrodontidae. 

)n aulh'us L 

»mus iiympha Daud 

s subcinctus Boie, Seh leg. . . . 
jofusnis D. B 

1) Homalopsidae. 

ojisis buccata L. 

US alternaiis Reuss 

UB . rfaynchops Schneid 

riiina enhydris Schneid 

on teutaculatum I^cep 



Fundort 




Bangkok und Petshaburi 
in Siain. 



Banka, Capt. Müller . . . 
Banka, Capt. Müller . . . 



Amboina 



Bangkok, Herr Markwald 
Kupang auf Timor und 

Adeiiare l>ei Flores. 
Bangkok 



Bangkok. 

Batavia, Major de Kock. 
Kc])ahiang in Sumatra, Dr. 
Gaymans. 



214. 285 



Bangkok sehr häufig. 
Banka, Capt. Müller. 
Pontianak auf Borneo, Dr. 

z'Hooft. 
Banka. 

Singapore 

Banka 

Pontianak in Borneo, Dr. 

z'IIooft. 
Kupang auf Timor. 
Bangkok. 
Singkawang, Pontianak und 

am Danau - Sriang in 

Borneo. 
Bangkok 



285 



285 



285 



233 
285 



211 



Bemerkungen. 



Monatsber. d. Berl. Akad. 
1867 S. 26. 

Sämmtliche Schwanzschil- 
der gekielt ; einzelne 
Schuppen auf der Mitte 
des Rückens sehr ver- 
grössert. 



=s Hydrophobus scmifas- 
ciatus Gthr. Ann. Mag. 
n. h. 1862. 



an einer Bachmündung. 



382 



Vcrzcirliiiii>s d. gesaiiinicit. WiHHthiere. 



Gattung und Art. 



Fandort. 



Seite. 



m) Aeroehordidae. 

Acrocliordus Javanirus Ilomstedt . 
Chersydrus granulatus Mcrr 



Platurus fasciatus I^tr 

Ilydniphis pelamidoides Si'lilci;. 

var. unimai-ulaius . . . . 

Pelamis bicolur Schneid 



a) Klapidae. 

Bungarus fastüatus Si*liiieid 

— scmirasciatus Kühl 

Naja tripudians Merr. var. unioolor 
(D. Gihr.) 

— — var. nigra I). B 

— — var. sputatrix Boie 

Haiiiadryas huiigarus Schlog 

Elap8 (Adciiiophi^) intestinalis Laur. . 

— — — var. nigrotaeniatus Pclers* 

— — bivirgatus Schleg. ........ 

— - quadrivirgatus Jan 



Bangkok 

Bangkok. 

Los Banos unweit Manila 
Atapupu auf Timor, Dr. 
Wienecke. 



Amboina 

Hhede von Bangkok. 
Banka, Capt. Müller. 
Sudchinesisches Meer, 5 — 

8^ N. Br., und Formosa- 

strasse häufig. 
Siani, B. 



285 
Il>9 



,3J2 



50. 08 



h) Trigonoeephalidae. 

Tropidolaemus viridis Merr. var. albo- 
labris Gray 
— maculatus Gray 



Kanton, Herr Menke ... 178 

Kanton, Herr Menke . . . 28<> 

Bangkok. 

Maläng inJava^Ur.Greiner. 

Kanton, Herr Menke . . . (177) (214) 

Kopahiang auf Sumatra, 286 

Dr. Gaymans. ; 

Banka, Capt. Muller. 
Pontianak in Borneo, Dr. 

z*Hooft. 
Banka. Capt. Mfillor. 
Banka, Dr. Schneider . . . 286 
Kcpahiang in Sumatra, Dr. — 

Gaymans. j 

Muara-Enim in Sumatra,, — 

Herr Gerscn. ' 

Bengkayang, Samba j und 

Pontianak, Dr. Dumont,. 

Tressling und z'Hooft. 



Bangkok , Hr. Thiess . . . 214 C^") i 

Pontianak in Borneo, Dr. I 
z'Hoofi. 



Bemerkui^n. 



R furcatus Schneid. 
Monatsber. d. Berl. Wa 

186:^ p. 404. 
Vgl. A. B. Meyer, M 

Berl. Ak. im. 



VerzoU'hiuss d. gcsaiiiiiielt. Wirbelthiei*c. 



383 



Gattung und Art. 


Fundort. 


Seite. 


Bemerkungen. 


olaemus subanimlatus Gray . . 


Leinpai am Danau - Sriang 
in Borneo. 






esunis erythrurus Cantor. . . . 


Kupang und Atapupu auf 


287 


Schwanz immer bla.ssroth- 




Timor. Adenare bei 




lich. 




Flores. 






€ij mnmjfhlmnm. 








m iFlutiiiosum L 


Bangkok. 






Batraclila. 






QylMae. 








iia Er}nhniea Schlcg 


Bcngkayaiig in Borneo . , 


287 




dates niaeulatus Gray 

adrilineatus Wiegin 


Banirkok 


210 




Banka, C'apt. Müllrr . . . 


287 






Lembok in Sumatra. 






iilccelii Gthr 


"S^okohüina 


111. 1.V2 


im Wald, 27. Okt. 18<;c). 


t • • X fe^^r ■■■ ^^»•••< • • • • • • • • • • • 

iiehuhni Blkr 


am Danau-Sriang i. Borneo. 
am Danau-Sriang in Borneo 




■ ••■ •»*» AVK • mm m % V-' •% •• At '''V» 


1 ■ Bk ■• •• ■ • • ■ ■ Ai^ ■ ^^ ■•■ • • • • • ■ • • ■ 

nigrilahris Peters' 


287 


Monatsber. d. Berl. Akad. 








1804 S. 385. 


inctylus Gaudtfhaudi D. B. . . 


Rio Janeiro auf dem Cor- 
covado. 


%\ 




rl>orea L. var 


Yokohama 


152 




ras cacrulciis White var. doli- 


A Vr ■& ^ ' AKIV •■ 11% ••••••••• 


*i.H Cone 


Tomate, Dodinga auf Hal- 
maluTa, Buru und Am- 


287. S53 


grün, nicht blau, im Leben. 
Vgl. Cope, Journ. Ar. n. 


• • » ^h^ B ^^ ••••• ••••••••• 


••V,' • • % 9^ t\ ß 




hoina. 




so. Philad. VL p. 204. 


la balcata S. Mull 


Pontianak in Borneo. 






ndana Peters* 







Monat.sber. d. Berl. Akad. 
18(i7 S. \Vö, 


W^^V^PVV^V^V ^B ^h^ ^ ^"■. ^ ^ü^ ^^»^^» vvvv 




uiantis fnsra Peter»* 


Amboina 




ebenda. 


taaliae. 


^ft ^^ V*^*' ^»» ^^P ■■ •»••••»• 


88UN lima S<'hleg., Tsohudi . . . 


Bangkok und Petshaburi 
in Siam. 


211 






Passuruan in Java 


287 


in Gartenteichen. 


glossus* Martensi Peters* . . . 


Bantikok 




Monatsber. d. Berl. Akad. 
1867 S. 29. 


^^^r ^^ V V ^^ v^ ^b^ v^B w ■ ■■ •• vv *■ 


racilis W^ieffin 


T'ftiniftiit aiiT l^^nrino<in. 


1G3 




K W^>*#*^<F w » ■^^(^■•as •••••••••• 


Bangkok. Banka 


210 






Lembok und Kepahiang in 


287 






Sumatra. 








Singkawang, Bengkayang 








und Mandhor in Borneo. 







384 



VerzeiciinisH d. gesaiiuiielt. Wirbelthiere. 



Gattung und Art. 



Raua tigrina Daud. 
— rugosa Schleg. 



— esculenta L. . 

— temporaria L. 



Cystignathus Missiesi Eyd. 



Baiwidae. 

Bufo vulgaris Laur 

var. praetextatus Boie 



— isos Less. (mclanostictus auct., 
nou Schneid.) 



- claviger Peters* 



asper Gravenh. 



— biporcatus Schleg., Tschudi 

— omatus Spix 



PelobatMae. 

Bonibinator igneus Merr. 



IJr«dela. 

* 

Salanandridie. 

Triton subcristatus Schleg. 



Fundort. 



Seit^. 



BemeiiLimgen. 



Los Bafios unweit Manila. 
Yokohama, Nangasaki und 

Hongkong. 
Yokohama und Nangasaki 
Yeddo und Yokohama . . 



Rio Janeiro 



Nangasaki 
Yokohama 



• • • 



Bangkok 

Singapore 

Muntok auf Banka 
Lembok in Sumatra. 
Pontianak in Borneo. 
Benkulen in Sumatra . . . 

Kepahiang in Sumatra, Dr. 

Gaymans. 
Sintang in Borneo. 

Bandong in Java 

Rio Janeiro 



Tshifu im nördl. China, 
Schot tiHÜl 1er. 



Yokohama 



Hyiiobius naevius Schleg Nangasaki, Dr. P 

Megalobatrachus Sieboldi Tschudi . . 



omj)e. 



111 

111 
111. (156) 

86 



109. 152 
111. 152 



214 
231 

288 



288 



288 



109. Uü 



Sudliches Japan, in Nan- 110. 115 
gasaki gekauft. 



noch am 1. Jan. 186 
Odsi bei Yeddo g< 
den, mit rotbem Bj 



in einem Hauae Sq 
1860. 

auf der Pagode WatM 



Monatsber. d. Berl. AI 
186:^ S. 405. 



im botanischen (iarte: 



Verzeichniss d. gesanunelt Wirbelthiere. 



B85 



Gattung und Art. 



Pisces. 

rentris Japontca Houtt. 



decadactylus C. V. . 

»lendens Lowe 

riiitis Pralinia C. V. . 

inidens BIkr 

lusta BIkr. 

irrophthalma BIkr. . . 

olacea BIkr. 

*ntnini furcatum Gthr. 
auctatissimum C. V. . 

ercoides BIkr 

adema Lacep 



jnmara Forsk. 



Fundort. 




S. PtroUae. 

m) Pereini. 

abrax Japonicus C. V Yokohama — Nangasaki, 

Herr Gläser. 

Shanghai 

rra chuatai Basilewski Slianghai 



Yeddo und Yokohama . . 

Nangasaki B. und Schott- 
müller. 

Madeira 

Madeira 

Amboina 

Amboina 

Amboina 

Amboina 

Amboina R 

Rio Janeiro 

Amboina R. 

Amboina R. 

Amboina. Larentuka auf 
Flores. 

Amboina R 



117. 121 



16 
16 

:w 

827 

327 

327 

37 



b) Serr^nini. 

»priatis radialis Q. G. 
iua cabrilla L 



tocinctus Schleg. 
imaculatus Val. . 
arantbua Val. . . 



Rio Janeiro 
Madeira . . 



grofasciatus Hombr. Jacq. 

gripinnis BIkr 

i>deluB Forst .* . 



Nangasaki, Srhottmüller . 
Nangasaki B. 
Formosastrasse — Nanga- 
saki, B. 
Amboina — Nangasaki B. 
Larentuka auf Florcs . . . 
Amboina R. 



157. 158 
157. 158 



37 



121 

58 

323 
323 
323 



im Januar. 



Fischmarkt in Funchal. 
ebenso. 

D. 10 - 1/14. A. 4/13. 



Fischmarkt. 



I). H/13. A. 4/a 
D. n/u. A. 4/7. 



121 Fischmärkte. 



Plectroperca Berendti Pe-r 
ters Monatsbericht der 
Berl. Akad. 1864 S. 121. 



D. 10/15. A. 3 '8. Von Dr. ' 
Johnson erhalten. 



D.»/l5. A. 8/9. 



tf 



386 



Verzeichuiss d. gesammelt. Wirbel thiere. 



Gattung und Art 



Fandort. 



Seite. 



Serranns leucostigma Ehrenb. . 

— Celebious Blkr 

— hexagonatus Forsk 

— fasciatomacalosos Peters * . 

Plectropoma susuki C. V. ... 
Gramraistes Orientalis BI. Sehn. 

Diploprion bifasciatus K. H. . 
Genyoroge Bengalensis BI. . . . 
Mcsoprion chrysotaenia Blkr. . 

— fulviflamma Forsk 

— annularis C. V 

— aurorubens C. V 

— vitta Q. G 

e) Apogonini 

Ambassis intemipta Blkr. . . . 

— Buruensis Blkr 

— (Bogoda) microlepis. . 

sp. indet , 

Apogoii lineatus Schleg 

— fasoiatus White 

— Hartzfeldi Blkr. 

Soombrops chilodipteroides Blkr. 

5. nitfiiiBitiiifl 

Therapon theraps C. V 

— servus BI 

— trivittatUB BI 

— oxyrynchus Schleg 

— quadrilineatus BI 

— argenteus C. V 

Pristipoma maculatnm BI 

Diagramma alBne Gthr 

— pardalis K. H 



Amboina R. 
Larentuka auf Flores . 
Benkulen auf Sumatra. 
Singapore — Amboina. 
Nangasaki B 



Yokohama — Nangasaki B. 
Muntok auf Banka — Am- 
boina R. 
Nangasaki B. 
Larentuka auf Flores . . . 
Bangkok und Singapore . 
Larentuka auf Flores. 
Nangasaki B. — Bangkok. 

Rio Janeiro 

Nangasaki B. 



Singapore. 

Luzon. Rupang auf Timor. 
Danau-Sriang im Innern 
von Borneo. 



Palembang in Sumatra. 

Yokohama und Nangasaki. 

Amboina R. 

Temate. 

Yokohama. 



Sfldch inesisches Meer 5 — 
8° N. B. — Muntok auf 
Banka; Anjer auf Java. 

Rhede von Bangkok .... 

Muntok auf Banka. 

Kajoa (Molukken). 

Manila. 

Yokohama 

Manila. 

Manila 

Bangkok. 

Singapore. 

Singapore. 



121 



235 



37 



307. 355 



5(» 



2Ü8. 210 



(122) 



Bemerkungen 



D. n/ift. A. 3/8, 



Monatsber. dL Berl. 

1865 S. 111. 
Fisdunarkt im Okt 



Gatt. Diacope C. \ 
Fischmarkt Oktbr. 1 



B. macrolepsis Blkr. 
Martens in Tros 
Archiv XXXIV. 
S. 9. 



an sch^'immeiideni li 



D. l2/a A. S/u 



Verzeichniss d. gesammelt. Wtrbelthiere. 



387 



Gattung und Art. 




ramma cinctum S<*hleg 

>ictain Thunberg 

Lessoni C. V 

ilbovittatom Rüpp 

nacrolepidotum Peters 

lioides polota Buch. Harn, 
nicrolepis BIkr 



Yokohama. 

Singapore — Aniboina R. 

Amboina. 

Ternate. 

Yeddo. 

Bangkok. 

Kapuasstrom und Danau- 
Sriang im Innern von 
Borneo. 

»psis cHiatu Lacep Amboina. 

MÜneata BI | Amboina. 

^hanam Forsk. Larentuka auf Flores. 

5x hypselosoma Blkr Yokohama 

lufar Ehrenb., C. V , Nangasaki. 

Enris lutea Bl. Sehn Bangkok 

faponica BIkr Manila 

o erythrogastcr K. H 

»isang Blkr 



Singapore. 
Yokohama. 



f. HiP Wnt . 
eoides \'ittatus Forsk. 

ragula Rieh 

ulfiireus C. V 



Amboina. 
Amboina K. 
Manila . . . 



Manila. 



ilolnccensis BIkr. 

»ides flavolineatus Lacep Singapore. 

eus barberinus Lacep Ternate. 

pilurus BIkr 

rifa«ciatu8 Lacep 

laculatus Bl 



Yokohama 

Larentuka auf Flores. 
Rio Janeiro 



7. 



rulgaris C. V. 



Madeira 



s unimaculatus Bl Rio Janeiro 



inus Amboinensis Blkr. 

eticulatus C. V 

arak Forsk 

p. indet 

s orphus Risse .... 



Ternate. 

Larentuka auf Flores. 

Ternate. 

Singapore 

Rio Janeiro 



nicolor Q. G Yeddo 



lajor Schleg. . 
Lrdinalis Lacep. 



ofl centrodontus Delaroche 



Yokohama . . 
Fonnosastrasse 



Madeira 



807 



122 

208 
201 



121 



27 



15 
37 



37 

121 

117. 121 

58 



2<U Fischmarkt, -saramulete« 
genannt. 



Fischmarkt. 



Fischmarkt in Funchal. 
Fischmarkt. 



Mund und Flossen roth. 
Fischmarkt. 

Fischmarkt. 

von chinesischen Fischer- 
booten erhalten. 
15. (121) Fischmarkt von Funchal. 



SS 



388 



Verzeiclmiss d. gesammelt. Wirbelihiere. 



Gattung und Art. 



Chrysophrys aries Schleg. 
— hasta Bl. Sehn. . . . 



Chaetodon setifcr Bl. 

— bioccllatus Cuv. . 

— Nesogallious Cuv. 



— Kleinii Bl 

— vittalus Bl. Sehn 

— punctatofasciatus Cu\. . . 

— Rafüesii Benn 

— occilicauda C. V 

— Selene Blkr 

— baroncssa C. V 

— citrinellus Brouss 

— oligacanthus Blkr. .... 

— strigatufl I^ngsd 

— catenifer Bloch 

Hcuiochus uiacrolepidtttus L. 
Holacanthus sexstriatus K. II. 

— semictrculatus C. V. ... 
Pomacanthus paru Bl 

— melanopterus Blkr 

I ScatophagUB Argus L. . . 



— ornatus C. V 

I Ephippus orbis Bl 

Drepane punctata L 

Toxotes microlepis Gthr. 



9. OrritUbM. 
Chilodactylus zonatus C. V. 



10. TritfMaa. 

a) Heterolepidini. 

Chirus hexagrammua Pall. . 
AgrammuB Schlegel ii Gthr. . 



b) Seorpaenini. 

Sebaates inermis C. V. . . 
— pacbycephalus Schleg. 



Seite. 




Yeddo und Yokohama 
Yokohama 



Amboina R. 
Amboina R. 
Amboina 



Amboina 

Amboina 

Amboina R 

Amboina 

Amboina 

Yokohama 

Amboina 

Amboina R 

Singapore und Amboina . 
Nangasaki B. 

Amboina R. 

Singapore 

Singapore 

Amboina R. 

Rio Janeiro 

Amlioina R. 

Bangkok, Pontianak in Bor- 
neo u. Passuruan i. Java. 
Bangkok. 

Bangkok 

Singapore und Batjnn. 
Bangkok 



Yokohama 



121. 122 
118. 122 



323 
323 
323 

32:^ 
323 
323 
323 
.32,3 
323 
323 
323 
2:J5 



32:^ 
323 
323 
37 

310 



21)0 
(310) 



117. 122 



Yokohama 
Yokohama. 



Yokohama 
Yokohama 



122 



122 



Fischmarkt, 
in BradLwasBersömpfi 
auf dem Fisdmiari 



auf Rorallengmnd, wi 
folgenden. 



D.M/22. A. 8/» • 



D. i3/ai A. 3/s,. 



Fischmarkt. 

im Unterlauf der Fluss 

Fischmarkt. 



Fischmarkt, Oktober. 



Fischmarkt. 

D. U/12. A. 57. ClatJ 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



389 



Gattung und Art. 



tes dactylopterus Delaroche 



larrooratus C. V. . . 
•trongensis C. V. . . 
aena Erythraea C. V. 

iabolus C. V 

is lunulata Schleg. . 

Bbra C. V 

rachyptera C. V. . . 
opogon sp. indet. . . 

08 sp. indet 

roge longispinis C. V. 



podasys cottoides L. 
actis aspera Rieh, 
icidinm horridum L. 
pus unipinna Gray 
18 pusillus Schleg. 
Japonicum C. V. . 



e) CottinL 
«phalus insidiator Forsk. 

iponltus Tiles 

»ngiceps C. V 

atber Gmel 

»per C. V 

)ino8U8 Schleg 

>tus punctatus Bl 

. kumu Less 



Fundort. 



Madeira 



Yokohama 

Zamboaiiga aufMindanao. 

Yokohama 

Singapore 

Yokohama 

Ainboina 

Amboina R 

Aniboina R. 
Hongkong B. 
Nangasaki B. 
Amboina R. 
Muntok in Banka. 
NangasakL 

Aniboina R 

Ternate. 

Nangasaki. 

Nangasaki B 



Seite. 



d) CfttftphrftctL 
opterus Orientalis C. V. . . . 

IL TraeUaMae. 

Bcopus asper Schleg 

ibarbis C. V 

cylindrica Bt 

> sihama Forsk 

iponica Schl^. 

s argentatus C. V 

na cirrosa L 

cnata C. V 



Nangasaki, Herr Gläser. 

Yokohama 

Singapore 

Bangkok 

Yokohama 

Nangasaki. 

Rio Janeiro 

Yokohama 



Yokohama 



Yokohama. Nangasaki B. 

Aniboina. 

Amboina und Larentuka. 

Bangkok und Singapore . 

Yokohama 

Ycddo und Yokohama . . 



Rio Janeiro. 
Rio Janeiro. 



16 
122 



324 

122 
324. (359) 
324. (359) 



324 



(122) 



124 
327 



37 
IIG. 124 



117. 124 



124 



122 
117. 121 



Bemerkungen. 



Fischroarkt Mundschleim- 
haut schwarz. 
Fischmarkt, Okt. Nov. 

Fischmarkt, December. 



Fischmarkt. 
Fischmarkt, Nov. Dec 
Fischmarkt. 

Fischmarkt 



im Januar. 



Fischmarkt. 



Fischmarkt. 
Fischmarkt. 
Fischmarkt 



3d0 



ViRTeiefanifl» <L isaammeit. 



Gsarmag «nd Art. 



Famiart. 



ämaena äiua C. V. 



lü .Fl 



Teddo mui ToitohaBa:' 

♦'üölithiw UanifaBs C. V. Rio Jaxieiro IJ)!> 

— jtrxi»nt«»Txa R. H. Teddo. Bangkok äl>9. HO 

(l*AUehthj% lacidiiii Rii'h. Shanghai 137 



Sd 



I 



Polynemiu nalcit'ilts Schleg. .... SMntang im Isuum. voa 

Bomeo. 

— pajradiMQs L. Paklas bei Bangkok . . . .1 

I 

— b#^xan«»iasi C. V Singkawang in Bameo . .. 

— tetndaütjlns Shaw. Singkawang ia Bomeo . . 



Sphjraena j^llo C. V 
— obcDsata C. V. 



. Amboina 

. Yokohana und Manila 



\ 



3U9 



savala Cuv >lanila 

Japoniais Sdücg. Ycddo und Tokohama 



tior. :J25 
123 



Scomber paeunatophoras Delaroche .'Madeira 15 

— janewiba Blkr. Yokohama ... 123 

— Moloccensis Blkr. Amboina | 3£ 

— mierulepidotos Rfxpp Anjer auf JaTo. o. Bangkok. 208. 210 

Thjnnas pelamjs L. Yokohama 117. 123. 

— Orientalis Sehleg. j Xangasaki . Herr GliUer. 

Cybiom Crookeviti Blkr. Singkawang in Bomeo . 



Fuchmarkt in Fmchal 



Naamtes dactor L. 



Atlantiarhcr Oeean 



Echeneia remora L. Makaasar. 

L. Rhcde too Bangkok and 



325 



j and Passaman (Java^ 
Nooieat GronoYü GanL : Atlantischer Ocean 1 ^ 48^ 

& a 

17. Ctei^iM 

Tracharas trachnnu L. 
Caraax maraadsi Sefakg. 



Yokohama 



29 



123 
BodManilal SS. (124) 



D.U. fü, Vm. A.3 

vm. 

BKhraialB hinter d. Schi 

niditg 



anter and bei Phjsal 



d. geummelt. Wirbelthiere. 



I santhnnu K. U. 
wi» Blkr. 



RluuparoidoB Btkr. . 

qkiolepia C. V. . . . . 

poeioaiM Fonk. . . . 

brysos Milch. . . . . 

uelampjgoa C. V. . . 

blongM C. V 

nuatas Forsk 

iljarie Bl 

■»mos Ijsu Funk. . 
)rieDUlis Schleg. . . . 
K Bo«rai Blkr. . . . . 
lu coruTitua L. . . . . 
• c£ leumnu C. V. 
Domalus Schleg. . . . 
Im «deninla BL . . . . 
inclttlia ächleg. . . . . 

pl«Ddciu Cuv 

blooga C. V. 

isidiatrix Bl 



U. XlpkUtM. 
»phonu OrienUlia Schleg. 

19. «otlUae. 

■) GahiinL 

u uliiaceiu Schleg 

licralus C. V, 

'UDiuigoiiles Blkr 

riuris Ilani. Buch 

ilbopuDctaius C. V 

^icieiuis C. V 

•phthatmoUeniB Blkr. ... 

wiiiiiu a V, 

hlorosiigmatoides Blkr. . . . 

fanoclnvis Cantor 

lonlii Blkr. 

I. B.) Madelrenala C. V. . 



Singapore 

Singapurs .... 

Singapurs und Passuru.i 

Bangkok 

Singapure. 
Singapore. 

von lliu Janeiro . . 
Amboina. 

I^guna de Ta.-il in l.ur.n 
Singapnro. 

Singapore 

Atnbuina. 
Singapore. 



Singapore , . 

Batjan. 

Ailaiiiischcr OcpanS'N.I 

Yeddo und Yokohoina . 



Naugnaaki. Manila. 
SingapnrL' und Baijan. 
Nangasaki. Bangkok . 

Manila 

Manila und Baijan. 



Yokohama 

Batjan 

Yokohama. 

Singajiorc und Manila . . 

niulia auf t'lurea. 
Zamboanga auf Mindanao. 
Nangasaki. 

Singapore 

Manila. 
ManiU. 

Singapore 

Madeira. 



Fiscbniaitt, Nov. häufig. 



Fisi'hnmrkt , Okl. hiiifig. 



Fischniarkl, Okl ober. 



IIS. 134 
235, 2:h7 

23.'i 



392 



Verzeichniss d. gesammelt Wirbelthiere. 



Gattung und Art. 



Fundort. 



Gobius (I. B.) brunneus Schleg. 



— xanthozona Blkr 

— sphiiix C. V 

— phalaena C. V 

— (II.) flavimanus Schleg 

— hexanema Blkr 

— ommaturus Rieh 

— Doriae Gthr. Ann. Mag. n. h. 1868. 
12, A 

Apocryptes lanceolatus Bl. Sehn. . . . 

— deiitatus C. V 

— Borneensis Blkr 

— iiexipinnis Caiitor 

— Madurensis Blkr 

Gobiodon histrio K. H., C. V 




Sicydium cynocephalum C. V. .,. . . 
Periophthalmus Kölreuteri BI. Sehn. 



^— Schlosser! Pall 

Boleophthalmus Boddaerti Pall. 

Eleotris Cantori Gtbr 

— Hoedti Blkr 

— obscura Schieg 

— potamophila Gthr 

— butis Buch. Ham 

— ; Amboinensis Blkr 

— caperata Cantor 

— marmorata Blkr. 

— (Valeuciennea) muralis Q. G. . . . 

b) AmblyopinL 

Amblyopus caeculus Bl. Sohn 

— gracilis C. V 



Yokohama 

Pontianak 

Ternate. 

Amboina R. 

Yokohama* 

Yokohama. 

Shanghai 

Pontianak 

Singapore 

Singapore. 
Manila. 
Manila. 
Manila. 

Singapore und Zamboanga 
auf Mindanao. 



Wuri auf Adenare 

Kanton. Manila. Pontianak 

in Borneo. Molukken. 

Larentuka auf Flores. 
Siam u. Muntok auf Banka. 
Sambas und Seminis in 

Borneo. 
Amboina R. 

Adenare bei Flores . . . . 
Manila. 
Shanghai 

Singapore 

Borneo und Amboina . . . 
Singapore. 

Benkulen in Sumatra . . . 
Amboina R. — Larentuka 
auf Flores. 

Kanton 

Singapore. 



118 



311 



124 



157. 158 



311 



Bemerkangen. 



24() 



(311) 
(167) (169) 

an 

wo. 210 
311 



313 

157. 158 

237 
(311) 

(311) 



in Brackwasser. Flosaea 
schwärzlidi, P. mit 
orangerothem Band. 

Süsswaaser. 



in Brackwasser. Flossen 
rothgelb. 

Fischniarkt, wahrschein- 
lich aus 



Süsswi 
L. Ut. 29. 



167 



zwischen Korallen, l^>eod 
dunkelgraagrOn mit 
blauen Streifen, in Sfi- 
ritus gelbroth. 

an Flussmündiu^en, oft 
noch in süssem Wasser. 

ebenso. 
Sflsswasser. 



wahrscheinlich in 
Wasser. 



frisch violett. 



Verzeicbniss d. gesammelt. Wirbeltbiere. 



393 



Gattung und Art. 




Bemerkungen. 



opus brachysoma Blkr. . . . 
icben vagina BI. Sehn 

e) Callionymini. 

ymus curvicornis C. V 

igicaudatus Scbleg 

dactylopus Benn., C. V 

S. Batrackida». 

lus gmnniens Bl 

spinosua Gthr. 

29. Padiodati. 

8 setigerus Vahl 

larina tridens Schleg 

»luccensis Blkr. 

»cellatus Cuv 

gospilos Blkr. 

. indet 

taea stellata Vahl 

34. BtoBoiMae. 

18 galerita L. 

»rtes rhinorhynchus Blkr. . . . 

ema Blkr. 

riabilis Cantor 

8 tridactylua BI. Sehn 

idu8 Gthr. 

iciatuB BI 

matranus Blkr 

idricomis C. V 

rti Blkr * . . 

lotua ( Gunellus ) nebulosus 

«• 

ia expanaa Blyth 

blennius percoides (Schleg.) 



Bangkok 
Kanton. 



Yokohama und Yeddo 

Nangasaki. 

Amboina. 



Singapore. 
Singapore. 



Manila. 

Yokohama 

Yokohama. 
Amboina. 
Timor. 
Amboina. 

Zamboanga auf Mindanao 
Yokohama, Nangasaki und 
Makao. 



Madeira 

Amboina R. 

Amboina R. 

Südchinesische See, 5 — 8° 
N. Br. 

Muntok auf Banka. 

Amboina. 

Amboina R. 

Muntok auf Banka und 
Palabuan auf Java. 

Banka, Capt. Müller, Am- 
boina R. 

Muntok. 



Yokohama 
Amboina R. 
Yokohama. 



SOsawasser. 



124 



Fischmarkt, Sept.. Okt. 



120 



202 

117. 120. 

109 



14 



55. 59. (30 



ganz jung. 
Januar und April. 



IIÜ. 125 



Fischmarkt, Oktober. 



394 



Vereeichnifls d. gesanunelt. Wirbelthio«. 



Gattung und Art. 



2». iMpfcnurtMiM (TMtkMMM) 

Auipha(*anthu8 Javanus L 

— albopunctatus Schleg 

— fuscescens Iloutt 

— virgatus C. V 

• 

M. Aca 

Prionurus scalpnim I^ngsdorf 

Keris anginoaa C. V., BIkr 

— Amboinensis Blkr 

SL ntpla<nitfcMM 

Hoplognatbus faac'iatus Schleg 

SS. Maaiiia«. 

Plesiops caerubolineatus RQpp 

— corallicola K. H 

Nandus nebulosus Blkr 

Catopra fasriata Blkr. 

— nandoides Blkr. 

— Grooti Blkr 

SS. LayrtetkleL 

Anabus scandcns Duldorf 

— macrocephalus Blkr 

— sp. indet 

Helostoma Temniinckii K. H. . . 

Polyacanthus cf. Einthoveni 

Blkr. 
Osphromenus olfax Comroem. . . 



Fundort. 




Singapore, Bangkok, Ba- 
tavia. 



Nangasaki B. — Singapore. 

Yokohama. 

Singapore 



Yokohama 
Amboina 
Temate . 



Yokohama — Nangaaaki B. 



Luzon — Amboina R. 
Pulotikus bei Benkulen 

( Sumatra ). 
Danau Sriang in Bornco . 
I^hat in Sumatra; Sing- 

kawang, Mandhor und 

Danau Sriang in Bomeo. 
Sintang und Danau Sriang 

in Borneo. 
Danau Sriang in Bomeo . 



Bangkok. Palerobang auf 
Sumatra. 

Anjer. 

Palembang in Sumatra. 

Palembang in Sumatra und 
Danau Sriang in Borneo. 

Seminis, Mandhor und Da- 
nau Sriang in Bomeo. 

Bangkok. Lahat in Su- 
matra. Kapuaaatrom 
oberhalb Sintang in 
Bomeo 



235 



122 



307 
:^Ü7 



307 
307 



210 



310 
'303 



»Teuthis ja^-a« L. j 
meist zu ja\iis un 
ändert , beide Nai 
unphilologisch. 



I Fischmarkt, Decembei 
auf Korallengrand. 



Scarodon f. Schleg. 



D.n/U-15. A.M-15i7-{ 

L. lat. 
A. U-15/13^ 



210 D.15/11. A.10.^ (Born« 
303 



Veraeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



395 



Gattung und Art 



Fundort. 




iromenus trichopterusPall. 



• iamensis Gthr 

triatus Blkr 

ft trifasciata Blkr 

ugnax Cantor 

90. lafiltrnatitMm 

ocephalus puleher Gray . . 

S7. AtteriaUaa. 

ina Bleekeri Gthr 

inguis Lacep 

38. MMfßiM, 

caphalotes C. V 

ibviridis C. V 

undanensis Blkr 

Bnis Gthr 

/^aigiensis Q. G 

teruleomaculatu» Blkr 

roscheli Blkr. 

elinopterus C. V 

i cf. elongatus Gthr. 

38. Opfttooevkaliiaa. 

ocephalus gachuaBuch.IIam. 

ankauensis Blkr 

icius K. H 

leurophthalmus Blkr 

rgn9 Cantor 

icropeltes K. H 

igU8 Peters 



Singkawang und Mandhor 

in Bomeo, Muara-Enim 

in Sumatra. 
Bangkok. 
Paknam bei Bangkok. Sin- 

tang in Borneo. 
Lahat in Sumatra. Danau 

Sriang in Bdrnco. 
Bangkok. Seminis in Borneo 



Lahat in Sumatra. Danau 
Sriang in Borneo. 



Bemerkungen. 



303 



Nangasaki. 
Amboina R. 



Yokohama 

Manila 

Singapore 

Shanghai 

Singapore und Makassar 
Bangkok und Manila . . 

Singapore 

Singapore und Luzon . . 
Singapore 



Seminis auf Borneo. 
Danau Sriang in Borneo. 
Bangkok. Mandhor in 

Borneo. 
Danau Sriang in Borneo . 

Shanghai 

Sintang und Danau Sriang 

in Borneo. 
Yokohama? Bangkok . . . 
Palembang in Sumatra. 
Singkawang und Mandhor 

in Borneo. Laguna dcl 

Bay in Luzon. 



209 



303. 312 



124 
201 
235 



310 
310 
310 
310 



210 

303 

157. 158. 

303 

(125) 



) auf den Fischmärkten. 



Monat sber. d. Berl. Akad. 
der Wisaensch. 1868. 
S. 280. 



396 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbehhiere. 



Gattung und Art. 



4L CtptMae, 

Cepoia Krosensterni Schl^ 

— sp. indet 

Amphisile scutata L 

4S. ntdarttiae. 
Fistularia ^rrata Bl 

46. MattacMiiMtfae. 
Rhynchobdella aculeata Bl. . . . 
Mastacemblus erythrotaenia 
Blkr 

— Argus Gthr 

— armatus Lacep 

— maculatus Reinw., C. V 

DL Pharyng^giiatliL 

Amphiprion Clarkii Benn. var. Japo- 

nicus Schleg. 

chiysargurus Rieh 

— p«rcula Lacep 

Dascyllus Aruanus L 

— melanurus Blkr 

Pomacentrus nematopterus Blkr. . . . 

— violascens Blkr 

— cyanomus Blkr 

— rectifrenum Gill 

— dorsalis Gill 

— biocellatus Cuv 

Gljrphidodon coelestinus Solander . . . 

— xanthurus Blkr 



Fundort. 



Seite. 



Bemerimngen. 



Yokohama 
Nangasaki 



Amboina. Rupang auf 
Timor. 



Yokohama. Amboina- 



125. 326 



Bangkok , Herr Marki^-ald. 

Siutang in Bomeo 

Bangkok und Petshaburi 
in Slam. 

Bangkok 

Seniinis in Bomeo 



Nangasaki B. 

Amboina. 

Tomate. 

Amboina 

Amboina 

Yokohama. 
Amboina R. 
Yokohama. 
Amboina R. 
Amboina R. 
Knpang auf Timor. 

Amboina 

Amboina R. ... 



125 



.304 
210 

210 
304 



323 
323 



323 
323 



— Januar. 

— D. 99, A. 104, beide mit C. 
vereinigt. Fünf domige 
Ecken am nntem Rande 
des VordeckeU. Linge 
8iZoU,KopriZ.8Lin. 



bei Ebbe unter Steinen. 



F. immamiata Cuv. 






Verzeichiiiss d. gesauinielt. Wirbel tliiere. 



397 



Gattung und Art. 



Fundort. 




Bemerkungen. 



a) Choeropini. 

>p8 Japonicus C. V. 



b) Jolidini. 

>hua mesotherax BI. S<'hn. 
hthys rubiginosus Schleg. . 

des paradiseus Blkr 

teria spilogastra Blkr. . . . 

18 Ceramensis Blkr 

juIis trilineata Bl. Sehn. . 

terrupta Blkr 

leradopleura Blkr 

>juUs Dussumicri C. V. . . 

color Bl. Sehn 

apularis Benn 

'hwarzi Blkr. 

iniata R. H 

»ecila Rieh 

iinaeulata Q. G 

iiotopsis Blkr. 

artzfeldi Blkr 

rrhogranuna Sehleg 

unaris L 

slanochir Blkr. 

»rsalis Q. G 

inennis Forsk 

Utes praetextatus Q. G. . . 



e) ScArini. 

ith3r8 caemleopunctatus Rüpp. . 

don spinidens Q. G 

>seara8 ef. Sanetae - crucis Bl. 



>8caru8 nuchipunctatos C. V. . . 

>. indet 

. indet 



gula C. V. . 
pas Blkr. . . 
MTosoma Blkr. 



Yokohama ., 



120 



Ainboina R. 

Yokohama 

Amhüina R. 
Yokohama. 

Amboina 

Amboina R. 
Amboina R. 
Amboina R. 

Nangasaki B 

Singapore. Amboina R. 

Amboina 

Amboina und Ternate . 

Amboina R 

Ternate. Amboina R. . 

Amboina 

Amboina 

Larentuka auf Flores . . 

Yeddo und Yokohama . 

Ceram und Amboina R. 

Amboina R. 

Amboina R. 

Ternate und Amboina. . 

Ternate 



120 



:m 



117. 120 



Amboina R. 
Amboina R. 

Amboina 



Batavia . 
Singapore 
Amboina. 



Rio Janeiro 

Bangkok. 

Batavia. 



323 
323 

323 



39 



Fischmarkt, Januar. 



Fischmarkt, Oktober. 



Der Gattungsname Platy- 
glossus Klein ist als 
vorlinncisch und unpas- 
send nicht beizubehal- 
ten , Ilalichoeres Rüpp. 
(richtiger - us) wegen 
Halichoerus Nilss. bei 
den Seehunden nicht 
anwendbar, so bleibt 
nur Choerojulis Gill. 



ein Exemplar D. 8/14 
ein junges Exemplar. 



aufiallig, da diese Art sonst 

amerikanisch ist 
Fischmarkt, Juli. 
Fisclmiarkt, Oktober. 



Brackwasser. 




/i 



398 



Verzeichnis,*» d. gesammelt. Wirbelthiere. 




m. AnacanthliiL 

Lotclla phycis Schleg. . . . 



OpUdiMM. 

Siremlu) imberhis Schleg. (Hrotula) . 
Congrogadus nebulatiis Blkr 



Marrurus Japoiiicus Sc*hleg. 



Psettodes cmmei Hl. S<*hn 

Pseudorhombos cf. Rüssel li Gray . . 

— olivaceus Schleg 

— vorax Gthr 

— oligolepis Blkr 

Rhomboidiclithys pantherinus RQpp. 

— graudisquamis Schleg 

Pleuronectes variegatus Schleg. . . . 

— «p. indet 

Solea Hartzfeldi Blkr 

Pardachirus pavoniims Lacop 

Synaptura aspilos Blkr 

— zebra Bl 



— Japonica Blkr 

— panoides Blkr 

— melanorhyncha Blkr. 



— Suiidaica Blkr. . . 
Plagusia*) Blochii Blkr. 

— Japonica Schleg. . 



Yokohama 



117 



Yeddo. 
Singapore. 



Yokohama 

Manila 

Bangkok B. 

Yokohama 

Rio Janeiro 

Nangasaki. 

mngkok. 

Nangasaki. 

Yokohama — Nangasaki B. 

Yeddo. 

Ternate 

Singapore 

Bangkok * 

Yeddo. Bangkok 

Yeddo 

Bangkok. 

Sintang und Danaa Sriang 

im Innern von Bomeo. 

Singapore 

Batavia 

Yeddo und Yokohama — 

Nangasaki B. 



117. 126 



2i>l 

lÄ) 
37 



120 

327 
235 
210 
120. 209. 
(.123) 
120 

308. 312 

235 

120 



Januar, »0011 -itatsi- d.h. [ 
Meerwiesel. 



Fisclunarkt, Okt. bis Dec. 



PI. bilineata Gthr., nonBL 
Fiadimmrkt, Sept. bis Jan. 



*) Dieser Oattungmiimmc bt sehon fr&hcr tob LätrcUle b«i den Cnist«e««a T«ifcb«s. 



w 



• >» 



VeneichniM d. gesammelt 'Wirbelthiere. 



399 



Gattui^ und Art. 



Fundort 




Bemerkungen. 



^lossus trigrammus Gthr. 

lacrolepidotus Blkr. 

lumatrensis Blkr 

uadrilineatus Lacep 

rarhyrynchus Blkr 

revia Gthr 

ingua Uam. Buch 

IT. Pll7t«tt«llii. 

L SflnrUM. 

») S. hoin»lopteri. 
is Teysroanni Blkr 

fieuhofi C. V 

igur Hani. Buch 

JUS anguillaris Bl 

inius Uam. Buch 

Bankanensis Blkr 

b) S. heieropterL 

IS asotus L 

^hthys phaeosoma Blkr 

[aaselti Blkr. 

opterus limpok Blkr 

licropus Blkr 

icirris C. V 

lia Blkr 

licropogen Blkr 

leekeri Bocourt 

[iroua hypophthalmus Blkr. . . . 
eutropiua braehypopterus Blkr. . 



Shanghai 

Yokohama und Bangkok . 

Singapore. 

Ycddo. 

Manila. 

Paknam unterhalb Bangkok 

Pontianak in Borneo . . . 



157 
210 



Seniinis und Danau Sriang 

in Borneo. Lahat in 

Sumatra. 
Singkawang und Seminis 

in Borneo. Lahat in 

Sumatra. 
Danau Sriang in Borneo . 
Bangkok. Makassar Ani- 

boina. 
Singkawang und Pontianak 

in Borneo. 
Danau Sriang in Borneo . 



Yeddo und Nangasaki . . 

Danau Sriang in Borneo. 

Singkawang und Seniinis 
in Borneo. 

Sintang in Borneo 

Bangkok. 

Siam. Kapuasfluss ober- 
halb Sintang. 

Danau Sriang in Borneo. 

Danau Sriang in Borneo . 

Siam 

Danau Sriang in Borneo. 
Danau Sriang in Borneo. 



209 
312 



302 



302 



302 
(125) 313 

(237) 313. 

356 
302. 312 



mit rundlichen dunkeln 
Flecken auf der Ober- 
seite. 



125 



:?02 



302 



S. Japonicus Schleg. 



(Nouv. Arch. Mus. II. 1866 
pl. 1. fig. 3.) 



400 



Verzeic)iiiis8 d. gesammelt. WiAiMlthiere. 



Gattnog und Art 



c) S. proteropterL 
Macrones cavasius Harn. Buch. . 

— nigriceps C. V 

— cf. gulio Harn. Buch 

— nemurus K. H 

— tengara Harn. Buch 

— Wolffi Blkr 

— sp. indet 

Pseudobugrus fulvidraco Rieh. . . 
Liocassis longirostris Gthr 

— Stenomus K. H 

Bagroides melanopterus Blkr. . . 
Arius truncatus C. V 

— pidada Blkr 

— falcarius Rieh 

Ilemipimelodus Bomeensis Blkr. 
Aelurichthys marinus Mitch. . . . 
Osteogeuiosus Valenciennesi Blkr. 

5. SohOMm. 

Saums varius Laeep 

— myops Forst 

Saurida tumbil Bl 

— nebulosa C. V 

— argyrophanes Rieh 

— undosquamis Rieh 

7. lahMaMaa. 

Salanx Chineusis Osbeck 

14. lrwi>ragtcMa>. 

Belone annulata C. V 

— strongylura Blkr. 

— cancila Bach. Harn 

— sp. indet 



FuDdort 




Danau Sriang in Bomeo . 

Singkawang, Semini8,Man- 
dhor, Bengkayang und 
Danau Sriang in Bomeo. 

Petshaburi in Siam. 

Seminis, Sintang und Danau 
Sriang in Bomeo. 

Petshaburi in Siam. 

Bangkok. 

Bangkok. 

Shanghai 

Shanghai. 

Seminis in Bomeo .... 

Sintang in Bornoo .... 

Bangkok 

Bangkok und Manila . . 

Bangkok. 
Bangkok. 

Rio Janeiro 

Singapore. 



Ternate — Amboina R, 

Amboina R. 

Singapore. 

Amboina. 

Bangkok, Singapore und 

Manila 

Formosastrasse 

Shanghai 

Singapore 

Singapore, Pontianak auf 

Bomeo. 
Danau Sriang im Innern 

von Booieo. 
Yokohama 



301 



157. 158 

302 
302 
210 
199 



37 



201. 208. 
210 
58 



(126) 159 



235. :^25 
235. 325 

307 

126 



Bemerkungen. 



•candoli« in Manila g 
nannt. 



Leucoaoma Gray. 



D.24. A.2L 



incl. canciloides Blkr. 



Veneichüiss dL gesammelt. Wirbelthiere. 



401 



Gattung und Art. 



Ilemiramphus sayori Schleg 

— Quoyi C. V 

— dispar C, V 

— gp. indet 

— sp. indet 

Exocoetus evolans L 

— nigricans Benn 

— brachysoma Blkr. 

19. Oyyiioedmittlas. 
Ilapiochilus panchax Buch. Ham. 

— latipes Schleg 

Poecilia unimaculata C. V. . . . 
17. Oypriniia«. 

a) Cyprinini. 
Cyprinus carpio L. var. haeniatopterus 
Schleg 

Carassius vulgaris Nilss. var. (C. Bfir- 
gcri Schleg.) 

var. (Langsdorii Val. und C. 

caenileus Basil.) 

— — var. 

var. (auratus L.) 

b) Lftbeonini. 
Dangila ocellata Heckel 

— festiva Heckel 

— Siamensis Blkr 

Osteochilus melanopleurus Blkr. . . . 

— Hasselti C. V 

— Rappenii Blkr 

— hradiynotopterus Blkr 

— vittatus C. V 

— triporos Blkr 

— sp. indet 

Ost • AaicB. Zoologisch. I. 



Fundort. 



Yeddo , Yokohama und 

Nangasaki. 

Manila 

Bangkok 

Golf von Petsheli, Comm. 

Sundewall. 
Laguna de Taal, Luzon . 
Atlantischer Ocean 15'' N.B. 
Atlantischer Ocean 8° N. B. 
Zwischen Makassar und 

Surabaya. 

Bangkok und Singapore . 
Yokohama 



Rio Janeiro 



Yeddo , Nangasaki und 
Shanghai. 

Yeddo und Yokohama . . 



Shanghai 



Bangkok. 

China , Coiuni. Sundewall . 



Danau Sriang in Borneo . 

Ebenda 

Bangkok. 
Bangkok. 

Pontianak, Mandlior und 
Danau Sriang in Borneo 
Seminis in Borneo. 

Lumar in Borneo 

Benkulen in Sumatra. 
Danau Sriang in Borneo . 
Danau Sriang in Bonieo. 
Bangkok. 




Seite. 



126 

(325) 
210 



200 

34 

28. 34 

325 



200. 232 
118. 12() 



37 



118. 125 
157 

118. 125 



157. 158 



(125) 



298. 300 

299. 3tX) 



298 



298. 300 



298. 299 



Fischmarkt häufig, Sept. 
bis Febr. 

D. 12. A. II. 



E. spilopus C. V. 



in Pfützen und Gräben, 
in langsam fliessenden 
Graben. 



in Teichen und in Wasser- 
gräben der Reisfelder, 
C. Bürgeri Schleg. 

auf dem Markt. 



26 



402 



Veraeichniss d. gesammelt. Wirbelthiefe. 



Gattung uiid Art. 


Fundort. 


Seite. 


^ 

f 

Bemerkungen. 


Labeo chrysophecadion Blkr 


« 
Palembaug in Sumatra . . 


210 


•ikan-sitam« genannt 


Tylognathus Sinensis Kner 


Shanghai. 






c) B»rbini. 








Barynotus microlepis Blkr 


Danau Sriang in Bomeo. 






Barbus (Puntius) amiatus C. V. ... 


Sintang in Bomeo 


301 




Schwanefeldi Blkr ." . 


Banskok 


210 






Mandhor und Danau Sriang 


299 






in Bomeo. 






— ■— balleroides C. V 


Siam. 

Danau Sriang in Bomeo . 


29?) 




rubripinnis K. H., C. V. . . . 


— — bramoides C. V 


Bangkok 


210 




— — Javanicus Blkr 


Petshaburi in Siam. 
Petshaburi in Siam. 
Lahat in Sumatra. Man- 
dhor in Bomeo. 


300 




altus Gthr 


— — fasciatus Blkr 




maculatus K. H., C. V 


Sineapore 


232 


in kleinen Eichen nui 




Scminis und Sanibas in 




Pfiltien. 




Borneo. 






goniosoma Blkr 


Singkawang und Danau 
Sriang in Bomeo. 






— — lateristrira C. V 


Benkulen in Sumatra. 








Seminis, Lumar und Danau 


300 






Sriang in Borneo. 






Sumatranas Blkr 


Bengkayangf Mandhor und 
Danau Sriang in Bomeo 


299. 300. 






301 




liacanthus Blkr 


Petshaburi in Siam. 






bulu Blkr 


Selimbouw und Danau 


298. 301 






Sriang in Borneo. 






melanoptenis Blkr 


Siam. 








Sintang und Danau Sriang 


299 






in Bomeo. 






apogon C. V 


Petshaburi in Siam .... 


2.10 






Singkawang, Bengkayang, 


298. 300 






Seminis,' Mandhor und 








Pontianak in Bomeo. 




j 


proctozyscon(?) Blkr 


Petshaburi in Siam. 
Sintang in Bomeo. 




i 
1 


— (Hampala) hampal Blkr. (tna- 






1 


crolepidotus C. V.) 


Bancrkok 


210 


•pladzo« genannt. : 


Seminis und Danau Sriang 


299. 300 




in Bomeo. 






Thynnichthys polylepis Blkr 


Danau Sriang in Bomeo . 


:m 





Verzeicliniss d. gesammelt. Wirbeithiere. 



403 



1 . Grattung und Art. 


Fundort. 


Seite. 


Bemerkungen. 


Amblyrhynchichthys troncatus Blkr. . 
Psendorasbora parva Schleg 

d) Rohteichthyini. 

Rohteichthys microlepis Blkr 

e) Leptobarbini. 

Leptobarbus Hoeveiü Blkr 

f) RasborinL 

'Rasbora cephalotacuia Blkr 

— lateristriata Hass 


Pontianak in Borneo. 
Shancrhai 


• 

157 

3CX) 
HOl 

299. :i01 
298. 299. 312 

118. 125 

(120) 

157 
157. 158 

299. :w 

298 

• 


• 

• 

incl. R. Dusonensis Blkr. 

Monatsber. d. Berl. Akad. 
1868 S. 608. 


Hanau Sriang in Bonieo . 

Sintang und Danau Sriang 
in Borneo. 

Lahat in Sumatra. 

Benkulcn in Sumatra. 

Danau Sriang in Borneo. 

Bangkok. 

Muara-Enim in Sumatra. 

Pontianak , Sintang und 

Danau Sriang in Borneo. 
Sintang in Borneo. 
Bengkayang und Danau 

Sriang in Borneo. 
Danau Sriang in Borneo . 
Petshaburi in Siam. 

Yokohama 


— ar^vrotaenia Blkr. 


• 

— Buchanaui Blkr 


— Sumatrana Blkr 


Lfiiciosoma triuema Blkr 


^aria danrica Buch. Harn 

1 g) RhodeinL 

Achilognathus lanceolatus Schleg. . . . 
— rhombeus Schlecr 


Shanghai. 
Shanghai. 

Yokohama 


Rhodeus ocellatüs Kuer 

h) D»iiioninL 
Opsariichthys Sieboldi Schleg 

i) AbrAmidini. 

Chanodichthys leucisculus Basil 

D l7ii1tAi* rM*iirvicATm T^irh 


ShAii&rhai 


Shanghai 


Chela oxygastroides Bleek. (megalo- 
leois Gtlir.^ 


Bangkok. 

Danau Sriang in Borneo . 

Bangkok. 

Danau Sriang in Borneo . 

Hongkong, Schottmüller . 


H — macrochir C. V 


k) Hoin»lopterini. 

Homaloptera Octonema* rotundicauda 
Martens* 





»• 



404 



Verzeichnis» d. gesaiuiiielt. Wirbelthiere. 



Gattung und Art. 




1) CobitidinL 
Cobitis (Misgurnus) anguillicaudata 
Cautor 

— (Nemachilus) fasciata K. H. . . . 

notostigma Blkr. ..."..... 

Botia macracantha Blkr 



Osteoglossum formosum Sal. Müll. . 



at Olifeiiae. 

Engraulis tri Blkr. 

— rhinorhynchos Blkr 

— sp. indet 

— (Thrissa) setirustris Brouss. . . . 

— (Lycothrissa) crocodilus Blkr. 

— (Telara) taty C. V 

Coilia qiiadrifilis Gthr 

— nasus Schleg 

— macrognathos Blkr 

— sp. indet 

Chatoessus punctatus Schleg 

— chacunda Ham. Buch 

Clupea fimbriata C. V 



— (Alauaa) Maderensis Lowe . . . . 



Yokohama und Nangasaki 

Danau Sriang in Borneo. 
Benkulen in Sumatra. 
Tibingtingi in Sumatra . . 
Pontiauak in Borneo, Dr. 
z'Hooft. 



Danau Sriang in Borneo . 



118. 126 



30). 301 
(312) 



Batjan. Manila 



Singkawang in Bonico . . 

Singapore. 

Bangkok. 

Bangkok. 

Pontianak und Singkawang 

in Borneo. 
Singkawang in Borneo. 
Singkawang in Borneo . . 
Shanghai 

Bangkok 

Bangkok 

Yeddo und Yokohama . . 

Manila 

Manila 



304. 312 



201 



312 



Madeira. 



309 



312 
(126.) 1.57. 
158 
210 
210 



126 
201 



Bemerkungen. 



in Graben der Reisfeld« 
C. mbripinnis Schleg 



Kopf und Zeichnung d 
ganzen Fisdies. 



auf dem Rückeq schwai 
Punkte, auch im Untc 
kiefer Zähne bemerkba 
•dilis« in Manila g 
nannt. Wahrscheinli 
nicht als Art von 
Commersoniana Sha 
zu trennen. 



A. bis 58. 



A. circa 7f). 1. lat. 00^-« 

D. 12. A. 75. 38 Kiem« 

stacheln am untern The 

d. ersten Riemenbogen 

•kawasi« genannt. 

•laulau« in Manila. Erste 
Kiemenbogen mit 35 h 
32 Fortsätzen, so laa 
als die RiemenAden. 



Verzeirliiiisj* d. geüiuimielt. Wirl^elthiere. "^ 



405 



Grattung und Art. 



Fundort. 



ia ( Alausa) Sinensis Bloch (ilisha 
m. Buch.) 

— toli C. V.* 

— uielanura C. V 

— zunasi Blkr 

*p. indet 

telluid«» gracilis fcH'lilcg 7 . 

OS salmoneus (Forst.) 

92. OhirooratrMM. 

»centrus dorab Forsk 

• 

24. lf«toRt«ridi«. 

ptcnis chitala Harn. Bucli 

jp. indet 

27. SyBbmicUdae. 

>pterus Javanicus Lacep 

ip. indet 

>rauchu9 caligans Cantor 

2t. MmmiMaa. 

a) Anguillini. 

lilla Mauritiana Benn 

laponica Schleg 

Vniboinensis Peters* 

lidat Blkr.* 

er marginatus Val 

ruigaris Cuv 

romiiraena anango Schleg 

b) Muraenefocini. 

eneaox cinereus Forsk 



Sainbas in Borneo 



Bangkok 

Bangkok 

Yokohama. Manila. Singa- 
pore. 

Batjan 

Aniboina 

Papenberg bei Nangasaki 
Manila. 



Siiigapore 



Sintang in Bornc(» 



Bangkok 



Bangkok nud Ratavia 

Shanghai 

Singapore. 



Seite. 



:508 

210 

210 

201. 235 

.T25 



2.35. 325 



304 



210 



305 
3(.)5 



Ainboina. Kupang anf 

1 iiMor. 
Yokohama und Shanghai . 

Aniboina K. 

Batavia 

Atapnpu auf Timor und 
Larcntuka auf Flores. 

Yokohama 

Yeddo. Aniboina U. . . . 



313 

118. 12(;. 
157 
313 

308 



126 
126 



Bangkok, Singapore und| 210. 235 
Manila. 



Bemerkungen. 



-dnibu- D. Vl3. A. ^/n. 1. 
lat. 41— 43.1. traijpv.l2. 

D. 16. A. 17. lin. lat. 36. 

scheint identisch mit Me- 

letta venenosa C. V, 

D. 18. A. 18. 

auf Sandgrund , zahlreich. 



Fischmarkt, Oktober 1871. 



1). 2'a N. hypselonotus 
Blkr. Act. Leopold. 
XXIV. 1. Taf. 1). 



Fisrhmarkt. 



Muraena maculata Blkr. 

bei Yok. 20 Cent im. lange 
Exempl. i. Brackwasser. 

Monatsber. d. Beil. Akad. 
1806 S. 523. 

C. Noordzieki Blkr. 

Fischmarkt im Januar. 
Ophisoma anagoides Blkr. 



Fischmärkte. 



Veneicliiii«» i. 



Moneairhthys marropterus l 
d| Opbücliibrni. 



Ophichlhys apivalU Ben» 

- (Pisodouluphia) raiKTivunu Kirli. 

— — ruIuliriuuH Boddiert 






Slur..=i»L 

Mnraena sp. lud«!, (an Hciraa L. v 
unicolor?) 

— pun^atofaariaia BIkr.. 

— Bmbriaia Beun 



- uiidaUia Lai«p. 

- poljunnodoB Blkr. 



- (Puecilophiit) nebuloM Alil . 



»mblyodon Blkr. 

— 8p. indol . 

GyninoiDDnena marruorala Llrej). 



— Bp. indet 

Helniichthja ocnlos Poten* . 



Amboina. Larentnka attr 
Flore«. 

SiDgap«ra 

Singapore 

Aiiitioiiia R. Bum. Ade- 
nare bei Flores. 



Rio Janeiro 

Ambiiina R. 

Beiikulen auf Sumalra. 

Ambujna R. Larentnka 

auf Florf». 

Singapore 

Rindnhaii oberhalb Ben- 

kuleii, Sumatra. 
Amboina R. — Bnru. 
.amboina R 



Auiboina R. 
Pulotifciu bei U 

(äutuatn). 
Beiikulen. Buru . 



Amboina 

ZaniboanKa auf Mindanao. 

Shaiigbai. Benkuleii aof 
Sumatra. Zamboangia 
auf Mindanao. Amboina 
R. Alapupu auf Timor. 

Amboina R 



iwiachru Simdch, bei E 
im Trocknen. 

L. colabriniu Kaup. 

O. bangko Blkr. 

Oph isums fäaf latus Lai 

Blkr. 
Ophisums ophis Im 

Blkr. 



auf KorallMigmud. 



Brhidna ^ßxitgßt» Tot 
Blkr. 



G. saDthopLcra n. nie 
en Blkr. 



Monauber. d. Beri. Aki 
1866 S. 524. Die ZU 
der inneni Reibe «i 
linger, nicht kSn 
ala die der intsern. 

Honataber. d. Berl. Aki 
1866 & 525 Fig. 4. 



Verzeichniss cl. gesammelt. Wirbelthiere. 



407 



Gattung und Art. 



29. Pe^aiMae. 

US sp. indet 



T. L«pli«kraBchll. 

Sygnathus Schlegelii Kaup. . . 

— serratus Schleg 

— conspicillatus Jenyns . . . 



— Martensi Peters* 



— ap. indet (pelagicus L.?) 



Doryichthys boaja Blkr. . . 

— lineatus Val., Kaup. . . 

Gastrotokeus biaculeatus Bl. 

Hippocampus comes Cantor 



▼L Pect«cnathl. 

Sderoderal. 

Triacanthus brevirostris Schleg. 

var. Nieuhofi Blkr. . . . 

Batistes stel latus Laeep 

— maculatus Gmel 

— niger Mungo Park 

— aeuleatus L 

— verrucosus L., Bl 

— undulatus Mungo* Park . . 

— sp. indet 

— sp. indet 



Monacanthus Sinensis Bl. 

— tomentosus L 

— aetifer Benn. 

— melanoeephalus Blkr. 

— macmrus Blkr. . . . 

— sp. indet 

— (Aluteres) sp. indet. 




Bemerkungen. 



Hongkong B. 



Yokohama. 

Hongkong B. 

Batjan. Atapupu auf Timor. 
Larentuka auf Flores. 

Danau Sriang im Innern 
von Borneo. 

Sargassomeer, Comm. Sun- 
dewall u. Dr. Johswich. 

Bangkok 

Rio Janeiro. 

Singapore. Batjan. Amboina 

Singapore. Batjan . . . . 



Ostrarion punctatum Lacep., Bl. Sehn. 



Passuruan auf Java. 
Batjan. 

Singapore 

Nordchinesisches Meer. 

Wahai auf Ceram. 

Ternate. 

Wahai auf Ceram. 

Larentuka auf Flores . 

Amboina R. 

Amboina R 



Singapore , . . 

Singapore und Amboina . 

Nangasaki 

Singapore 

Südchinesisches Meer. 

Singapore 

Südchinesisches Meer und 

Formosast rasse. 
Wahai auf Ceram. 



30d 

:u 

210 
236. 324 
236. 324 



23') 



Männchen und Weibchen 
(S. fasciatus Gray.) 

Monatsber. d. Berl. Akad. 
1868 S. 459. 

Botan. Theil, Tange S. 9. 



grasgrün mit einzelnen 
rosenrothen Flecken. 



vTiKroq befestigt, nicht 
xXtxroq geflochten. 



237. 323 
237. 324 

120 

237 

2S7 
57. 58. 59 



B. lineatus Bl. Sehn. 

zur Unterabtheilung Py- 

rodon Rüpp. gehörig, 
auf Korallengrund. 

M. cirrifer Schl^. 



D. 27. A. 25. 



408 



Kit. Wirtwlilüae. 



Ikirai-ina nirnaiiioi 1_ 
diiphanom Bi. Sliii 






tiypacI»erDi>in BUr. 



obUit 



^ — lar. pon-ilonoli» S-hlep. 

— — vir. alhupImulieiLi Ri<-h. ■ 
^ — vemiiralaris Schlei;. 

Blkr. '. 

— (rhelDnudmi) paiw-a Ifatn- Btk'li. 

— lArothmni im niai-n latus BI. S-hn. 
tar. wiKXus Kirh. 

— Maeua» BI. . . 

— — fluiiaiili» Harn. B*ti 

-- I.VauMniait) *th"lainK <J. (>. ... 

DJudoTi kiarulalus Laivp.. lilhr. .... 

— |<*lii]u(nvrti'ru«i KFumeirii-iu' BI. 
Srlin. . .'. 



. .\Blh..l[U 



. P.jaiiaii^ in BuruR) . . .' :fl'J 

. YnUu. BuigfcoL PUbu- 13). A^. 

mau auf Java. (-C£l) , 

■ Manila. | 
- Aniboina und Sinenpmr. | 

. \-fdd.i la» I 

■ VL>k'>liaina. >bnila .... VI 

■ Yrfd.. \ l-J 



.Mandhor ood Dmim Sriai^ 



rMHuMr^t. 

T. ManilcBsi« Prori. 



a M Ritt Jam-iru , 



Ai-ipenMF *p, inj« Sanca-iaki . 



l'iilyadnn ijladiiui Martfiis' 



. WiiMQiu; )«i ShanRlMi . .' I.V. IKl 



Manal»b<r. d. Berl. Mai. 
\mi S. 476. Haixhsi^ 
Piw- Roy, Sor- Edia- ' 
hurgh lä73 p. iAK Sf»- > 
nUrik uiinBliroliäi ; 
K«np inl^Mdiel'cAi^ ; 

rhiv xxvia ie«a. • 

& 27K PKphnrw rt\ 
<iSDlher Ann. Mag.*D. j 
h. 1873 p. 3£A\ 



Verzeichniss d. gesammelt. Wirbelthiere. 



409 




Gattung und Art. 



Fundort. 



n. Cli«B4r«pter7Cll« 

CUBaarMaa. 
Aera monstrosa L 

Oaiofcariidae. 

tiarias (Scoliodon) acutus RGpp. . 

— sp. indet 

[Prionodon) alboniarginatus Rüpp. 

— menisorrah M. H 

— Teuiminckii M. H 

US canis Bp 

rna Blochii C. V 

tiburo L 

SejIUMao. 

tum marmoratum Benn 

Bürgert M. H 

lymostoma concolor Rupp 

»scylHum Indicum Gmel 

fffttniffItatMati 

racion Phillipi Cuv. var. zebra Gray 

a squatina L 

IMntkttMiff 
obatus Thonini Lacep., M. II. . 

granulatus Cuv 

Schl^elii M. H 

Ttrpetfiiidae. 

ap« dipterygia Bl. Sehn 

era Hardwickii Gray 

TrygMiMt«. 

^on uarnak Forsk 

walga M. U 

nudus Gthr 

Asien. Zoologiceh. I. 



Yokohama 



Fonnosastrasse. Bangkok. 

Singapore. Sundast rasse. 

Batjan. 

Madeira 

Makassarstrasse 

Singkawang auf Borneo . 

Makassarstrasse 

AtlantischerOcean l'' N.Br. 
Pontianak auf Borneo. 
Rio Janeiro 



Singapore 

Nangasaki ß. Anihoina . 
Singapore. 

Hongkong, Bangkok und 
Singapore. 



Nangasaki 



117. 119 



58. 21)9. 
210. 325 

IG 
325 
325 

325 
29 

37 



235. 320 



119 



235 



Yokohama 



Bangkok und Batavia . . . 
Bangkok und Singapore . 
Yokohama. Nangasaki . . 



Yokohama 
Singapore 



Bangkok . 
Singapore 
Singapore 



117 



116. 119 



209. 210 
210 
119 



119 
235. 326 



209 
2:^. 326 
235. 326 



Fischmarkt, Dec. Jan. 



26. Juni 1861. ■ 
Fischmarkt. Zweite D. 

schwärzlich. 
25. Juni 1861. Gebiss. 



Sc. ninculatum Gray. 



Zähne auch in Yeddo er- 
halten. 

Fischmarkt, Oct. — Dec. 



Rh. ligonifer Cantor. 



Yokoh. Januar. 



Januar. A. JaponicaSchleg. 



27 



410 



(L gauBiiielt. Wirbelthiere. 




Trygon pastinaüa L. var. akajei X. H. Yokohama. Tflcfaifo^Sehott- 

mnller. 

Taeninra lymnia Forsk Stngapore. 

Urolophua (Trygonopcera) Javanicns. 
Martens* Baiavia 



Pteroplatea himmio Lowe '9 

— micmni BL Sdm. 



Myltobatis sp. Inder Hoockoofr BL 

— ctl cobijei BIkr. TokohaoH. 

— et*. Nieahofi BL Sdm. 



— milvu:» Val ; Batjan 



X. C 




11&119 



210 






Monatsber. d. BerL Akad . 
1864 S. 260. ; 

Pt. Japonica Schleg. 



PetromjsoQ Japomcns Martei»* 
Brauchiotftooia lanceolanm F'dl!. 



Yokohaou 



1I&127 



Rio Janeiro 



43 



mit blauen getrennteo 
Flecken. Fischmarkt Oh. I' 

f 



Januar. Tro6<4ier$ Arck ' 
f. Naturgesch. XXXIV. 
1868 S.rL Tau L Fig. a 

auf Schlamn^nmd bei g 
5 Faden Tiefe mit dem ^ 
Schleppnetz erbalteiL | 



I 



l>ie mi: * bezeichneten Gactancen omi Arten sind, auf die von der Expedition mitgehraditen ExempUrt 
bev^Tumiet. • 

IVr Bu«*hsit:tHe & bei den Fiindt*rfen bedeatet. dad« die be tr e ffen den Exemplare von Lieuteiunt 
Betend i wihreiid der Expedition £»ammeU md später an das zoolo^sche Museum ab^ 
^beii worden «und — IL, das» die beuelEeuden von Heim Ton Rosenberg auf Aniboiiu 
dem Vert^i:«er al*i Ge«chetik tilr die Koniscüehen Saflanlunfen mitgegeben worden sind. Die 
Fuiiiiorte. bei denen ketii Geber ^euannc ist. beziehen sich auf Tom Veriasser selbst gesammelte 
»nlor d<H.*h be\»ba*'htete Thiere. 

l>te uiii Sicherheit au> ^nls^em \Vja«er :M3mmenden Fiadbe sind dorch gesperrte Schrift ansgezeidinet, 
Aib<i^*U(.umueu die beiden scrocieeu F^imiiien der Cjprinyidfn uid Siluroiden. 



Brrlia. )(c«i<<M^ 






KKKLÄKITNG DKK AHHILDUNOKN. 



Tatel I. Taiiiiki , i-anin {yyctereui^ti) nrerrintix Toni.. S. 78, die ohoreii Fipjuren aus 
japaniHclieii Bilderlmchcn» ko])irt, die iintoro iiarli cineiii lohondeii Tlucr 
von Herrn Mfit?. ol ^o/eirlmet, in \ der nniurliclieii Orösse. 

2. Scliadel des ja])ani8ohcn Wildschwoins. Sus hucotHyaUixTvm., S.t^% Fig. I. 
von der Seite, in halher naturlicher Grosse. Fip. 2. Zalnin'ilu' des linken 
()l>erkiefers von unten, in naiürliclHM* Grosse. 

(1*1«* Form «ies Thriliicnheins deutet auf uAlierr VrrwAndtM'liAA mit «Iimh tMiropSi^olirn 
WiMswhwein «Is mit drin »•hinrsisriini Srhwriii . narli den vcui H. v. N at )i ii s i u s anuricrbcneii 
Unt4*rsrhip»!rn.) 

3. Voj;eIa!)!)ildunj;en aus japanisclMMi IJilderbürhern. tun deren nanu*«retreue 
Auffassung aueli l»ei der fhlchtiirsten Ausfiilirung zu zeigen . und zwar oImmi 
links Brillenvdgel , Zonterops Japo» »cum Tvm. , S. 96, redits ein weisstM* 
Kranieli, Grus MontiyneHia B]). . S. 105. im Flug, in der Mitte links ein 
l.öffelreilier, Platalm maor Tcni., S. 105, links ein(* pjilo. watu-si-lHMnlidi 
Strix fusnefirt-ns Tem. , S. 93. unten versehiedene Suni])fvogel. 

(l^ir einzelnen sintl versehietlenen HiSttern des japaniHelien Oriuinals entnommen nnti daher 
nicht in riehtiKen» (IröswenverhilltniMS zu einander.) 

4. Sturmvogel, Procrllaria haesitnta Kühl, aus dem südatlantisi-hrn ()«'»»an, 
S 4(» und 49. in halber natürlicher (irosse. 

5. Datfiioidts niicroirpis BIkr. . Susswasserfisrh aus dem Kapuasflnss nluM'halh 
Sintang in Bornco. S. 307, in halber natt"trlirher (irosse. 

•6. Polynfmus iniiiiifiui Schleg. , aus dem Ka])uasnuss hei Sint.ing im Innern 
von Borneo, junges Exemplar in natürlicher Grosse, danchen der linriss 
des Kopfes eines erwachsenen, auf gleiche Grr»sse reducirt. S. 309. 

7., Fig. I. Ophiocrphalus mUTopeltis \\ . H., aus dem Innern v»»n Borneo. S. .*{0.3, 
in natürlicher Grosse. 
• 2. Ophiouphalus Argus (antor, aus Shanghai. S. 1.57, 15fc<. in natür- 
licher (irösse. 

S. CfMca BankanensiM Blkr. , aus dem Binnensee Danau Sriang in Borneo, 
S. 302, in natürlicher (irösse. 

9. Batproides meianoptei'us Blkr.. aus dem Kapuasfluss hei Sintang. S. 302. in 
ha 1 her natürlicher Ci rosse. 

- l(K. Flg. 1. und 2. Hf^nahpfera (Octonema) rrtundicauda Martens, aus sü.ssem 

Wasser in Hongkong, S. 40.3, in natürlicher (irös.se. 
.3. LucuHcphnl US pu Icher (iray. aus dem Binnensee Danau Sriang in 
Borneo, S. 303, in natürlicher (irösse. 
» 4. Mastacc/nhIuM AryuM Gthr. . au> Bangkok. S. 210, in natürlicher 
»rosse. t 



412 

Tafel II., V\f^. ].^arbiM Sumatranus BIkr. , von Mandhor in Borneo. S. 299, 30l\ 

in naturlicher Grösse: lli Sf'hhindkieferzShne, l«* ein einzelner Zahn 
vergrossert. 

- *2. Barbus Schwanefeldi Blkr., aus dem Binnensee Danau Sriang in 

Bonieo, S. 299, junges Exemplar in natürlicher Grosse: 2^.Srhlund- 
kieferzähne, 2«* einzelner Zahn vergrössert. 

" '.\. Osteochäus vittahis C. V., aus Mandhor in Borneo, S. 2SW, in 
natürlicher Grosse; 3*> Schlundkieferzähne, Ji«' einzelner Zahn ver- 
grössert. 

Fig. 1. LudoBoma trinema Blkr., aus dem Binnensee Danau Sriang in 
Borneo, S. 298, 299, in natürlicher Grosse; P» Schlundkieferzähne. 
i<* ein einzelner Zahn aus dem oberen. H ein solcher aus dem 
unteren Theil vergrösser:. 

- 2. Barbus /(uciatnji Blkr.. aus Mandhor in Bonieo, S. .^X>, in natür- 

licher Grösse; 2*» S<*hlundkieferzähne , 2«* ein einzelner Zahn ver- 
grössert. 

» 18. Osteoglossum forniostwi S. Müll., aus dem Binnensee Danau Sriang in 
Borneo, S. Ii04, in ^ der natürlichen Grösse. 

« 14.. Fig. l. Sygnathus Martensi Peters, aus dem Binnense<* Danau Sriang in 

Borneo, S. 3(>8, in natürlicher Grösse; l^ Kopf von oben, in 
doppelter Grösse, 1*" ein Stück des Rumpfs von der Seite, el>enso 
vergrössert, l«i Querdurchschnitt des Rumpfs. 
2. und 3. Synaptura melcmorhyncha Blkr., aus dem Kapuasfluss bei 
Sintang in Borneo, S. 308, in natürlicher Grösse, Fig. 2. Licht- 
seite, Fig. 3. Scliattcnseite. 

- 4. Teirodon Paietnbanpensis Blkr., aus Mandhor in Borneo, S. 3118. 

in \ der natürlichen Grösse; 4*» Nasenröhre vergrössert. 

15., Fig. l. Polywhn {Psephurus) gladius Martens. aus der Mündung des Yangt- 
sekiang, S. 159, in \ der natürlichen Grösse, mit Benurzung der 
ZiMchiiung von Bocourt in den Nouvelles Arehives du Museum 
d'hist. nat. IW, 18<W. 

•> 2. Nomeus dronoeü Gniel. sp. (MauriUi Cuv.y, aus dein tropischen 
atlantischen Occan, S. 29, in natürlicher Grösse. 

» 3. Junges Exemplar desselben ebendaher, auch in natürlicher Gröeae. 

Das Kolorit der V'xwpht auf Tafel 5—15. mit Ausnahme Ton Tafel la. Tafel U , Fif . 1. and TalU IS^ 
Fig l. beruht auf Farlieiiftkixsen . die ieh an Ort und Stelle nach frtM^ien Kxemplaren 






Cb 







(H.v.üeokiir) in ßotlio W-. WUluOiiu*-- 75 - 
<liir.-li tili.« Bi"!jiliui.il|tii.ii.'ii zu l>.t;fi"l.iipi . 


11 


H 


\im. m Bog. lilil tu llUicUa 


^M 




U. B«...l. IW*. SU m«, mil 12 llliwr,. 


1 




(U. Bauil. Il<73. SiltBv;. niil tma br' , 


■ 




IV. Bniid. 18711. 38^ B»;. mit 2i lUilitnlMnnu iit»l 


1 Kam- ^B 




fr\,. 


^ ■ 


^^K < 


In oiij^liwiln'iii EiiiKmi'l » Bi»>ii 


la ^ ^1 


^^^^H 


GTJirllitillo. {irpIlB.lUM'Iir. <..i. I. OU - A»:«-»- AOSiobleD 0119 


Jaiiiui, H 




OUKIiKSIUL |I' 


~l 




gt^eböi Ton A. H. 




^^^^^^Mmj iinl 




^^^^^P "r \ I - tu-. 1 «i> > 








^^^^Hk er. 








^^^^^1 r ir. Bniul. Mf Ui4)irlwfriri. B<«l.<.if«.i 




^H 1 1 1W;7. 'JH\ Bnp, tili! '.•:' tll»t.t™ili,m'n eeh- 




^H nutanutbi<r 'Iliril. 


d 


^H j Ulf Till««. RenrlioiM von v. MnftiMi^^ 


I 


^^1 1 llhietnltKiK'it, l'I'Il 


j 


■' 1 



>ft, 









> 



\