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Full text of "Die Reichenauer Glossen: Textkritische und sprachliche Untersuchungen zur Kenntnis des ..."

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DIR 




REICHENAUER GLOSSEN 



TblXTK KITISCHE UND SPRACHLICHE UNTERSUCHUNGEN 



KENNTNIS DES VORLITERARISCHEN FRANZÖSISCH 



TEIL 1 

1)£K 
VON DER l'HIT.nSOPHlSCHEN FAJvULTA T ZU BONN 

GEKRÖNTEN PREISSCHRIFT 

VON 

KURT E. HETZER 



HALLE A. S. 

DRUCK VON EHRHARDT KARRAS 
Tt)o6 




•\ 



DIE REICHENAUER GLOSSEN 



TEXTKRITISCHE UND SPRACHLICHE UNTERSUCHUNGEN 

ZUR 

KENNTNIS DES VORLITERARLSCHEN FRANZÖSISCH 



ALS 

INAUGURAL-DISSERTATION 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

BEI DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

RHEINISCHEN FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT 

ZU [BON N •— ^ 



IM JULI 1906 I 



VORGELEGTER 
TEILI 

DER VON DERSELBEN FAKULTÄT GEKRÖNTEN PREISSCHRIFT 

VON 

KURT £. HETZER 

AUS WEIMAR 



-<S>- 



HALLE A. S. 

DRUCK VON EHRHARDT KARRAS 

1906 



Die Arbeit erscheint vollständig als Heft 7 der 

Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie 
herausgegeben von Dr. Gustav Gröber. 



Meinen lieben Eltern 



in herzlicher Zuneigung. 



L. 



Inhaltsübersicht. 



Seite 

Literatur VI 

Einleitung i 

1. Besserungen und Kommentar 7 

2. Glossenroaterial in alphabetischer Anordnung, zugleich als Index . . 16 

3. Wortbestand 24 

4. "Wortverbreitung 55 



\ 



Literatur. 



Archiv für lat. Lexikographie und Grammatik, hsg. von Wölfflin. = AlLex. 

Altromanische Glossare berichtigt und erklärt von Fr. Diez, Bonn 1865. 
= ARGloss. 

Bonnet, Le Latin de Gr6goire de Tours, Paris 1890. 

Diez, Grammatik der rom. Sprachen. 4. Aufl. Bonn 1877. 

Draeger, Historische Syntax der lat. Sprache. 2. Auf 1. Leipzig 1878. 

Foerster und Koschwitz, A frz. Übungsbuch. 2. Aufl. Leipzig 1902. 

Gaul, Romanische Elemente im Latein der Lex Salica. Diss. Giefsen 1886. 

Görlich, Der burgundische Dialekt im 13. und 14. Jahrhundert. (Frz. Studien 
VII, I.) 

Haag, Die Latinität Fredegars, RF X, S. 835—932. 

Mackel, Die germ. Elemente in der französischen und provenzalischen Sprache. 
Heilbronn 1887. 

Marchot, Petite Phon6tique du fran9ais pr61itt6raire. 1. u. 2. Teil. Freiburg 
(Schweiz) 1901 — 2. = Marchot. 

Marc ho t, Remarques sur le glossaire de Reichenau Karlsruhe 115 in RF 
Xil, S. 641—649. 

Meyer-Lübke, Grammatik der romanischen Sprachen. Leipzig i890ff. 

Pirson, La Langue des inscriptions de la Gaule. Bruxelles 1901. 

Ron seh, Itala und Vulgata. Marburg 1875. 

Bibelglossar aus dem S.Jahrhundert in der Hs. Karlsruhe 86, abgedruckt 
im Afrz. Übungsbuch Sp. 27 — 34. = Rz. 

Schröder, Romanische Elemente in dem Latein der Leges Alamannorum. Diss. 
Rostok 1898. 

Schuchardt, Der Vokalismus des Vulgärlat. Leipzig 1886. 

Schwan-Behrens, Grammatik des Afrz. 7. Aufl. Leipzig 1903. 

Seelmann, Die Aussprache des Latein nach physiologisch-historischen Grund- 
sätzen. Heilbronn 1885. 

Biblia sacra vulgatae editionis. Sixti V. Pontificis jussu recognita et Clementis 
VUI auctoritate edita. Parisiis et Lugduni, Hilaire Blanc, 1846.^ 
= Vulgata (Vlg.). 

Waltemath, Die fränkischen Elemente in der frz. Sprache. Paderborn- 
Münster 1885. 



* Zur Kritik der Bibellemmata dienten Berger, Histoire de la Vulgate 
pendant le moyen äge, Nancy 1893; Vercellone, Variae lectiones vulgatae 
latinae Bibliorum editionis, Romae 1860 — 66; aufserdem wurde benutzt die 
Konkordanz von Dutripon. 



VII 

An Wörterbüchern wurde benutzt Diez (1878), Ducange (1840), 
Georges (1879), Godefroy, Kluge (1900), Körting (1901); Labernia, 
Diccionari de la llengua catalana, Barcelona 1865; Levy, Provenzalisches 
Supplementwörterbuch, 1892 ff.; Littr^; Marx, Hülfsbüchlein für die Aus- 
sprache der lat. Vokale in positionslangen Silben, Berlin 1901 ; Mistral; 
Nuevo Diccionario de la lengua castellana, Paris, Bouret 1884; Petrocchi 
(1894); Raynouard; Spano, Vocabolario sardo-italiano e italiano-sardo: 
Vieira, Dicciouario portuguez, Porto 1871. 

Der Kenntnis nfrz. Patois konnten die Fascikel i — 14 des Gilliöron 
et Edmond* sehen Atlas Linguistique de la France (A. L.) dienen; aufserdem 
verdankt der Verf. schätzbare Auskünfte, die in vorliegender Arbeit mehrfach 
verwertet werden konnten, dem liebenswürdigen Entgegenkommen ihm be- 
kannter Franzosen, denen auch an dieser Stelle der gebührende Dank aus- 
gedrückt sei. So gaben mir Kenntnis über die Mundarten von Malmedy 
Herr stud. phil. Josef Marichal , Brühl b. Bonn; von Noiron-sur-Bize (D6p. 
C6te d'or) Herr Lektor Prof. Louis Joliet, Bonn; von Puilly (D6p. Ardennes) 
Herr cand. phil. Gustave Gobert, Nancy; von Weismes Herr stud. phil. Josef 
Marichal, Brühl b. Bonn. 



Einleitung. 



Die vorliegende sprachliche Untersuchung der „die Reichenauer 
Glossen'' genannten Sammlung urfranzösischer Bibelglossen ist ge- 
dacht als der erste Schritt zu einer systematischen Erforschung des 
vorliterarischen Französisch auf Grund unserer reichen Glossen- 
literatur, die uns den Mangel literarischer Denkmäler ersetzen mufs, 
aber, wie Verf. durch diese Arbeit zeigen zu können hofü, auch 
bis zu einem bisher wohl kaum vermuteten Grade ersetzen kann, 
vor allem nach der Seite der Lautlehre hin, während die Ausbeute 
für Formenlehre und Syntax naturgemäfs geringer sein mufs als in 
einem zusammenhängenden Texte. Doch wurden im vorliegenden 
Falle auch in dieser Hinsicht die vom Verf. ursprünglich gehegten 
Erwartungen einigermafsen übertroflFen. Über den etymologischen 
Abwurf der Untersuchung s. am Schlüsse der Einleitung. 

Bei der Wahl gerade dieser Texte zu einer ausführlichen sprach- 
lichen Durchforschung war für den Verf. besonders auch mafsgebend 
der Gesichtspunkt, dafs das fragliche Glossar auch eine Reihe 
germanischer Elemente enthält, die uns „Sprachgut von hoher 
Altertümlichkeit" (Kluge, PauFs Gdr. d. german. Phil. I, 2. Aufl., 
S. 332) überliefern, wenn auch die von namhaften Germanisten 
(s. § 85) vertretene Anschauung, dafs diese Bestandteile einen ost- 
germanisch-burgundischen Lautcharakter trügen, einer eingehenden 
Untersuchung unter Mitzugrundelegung romanistischer Gesichts- 
punkte im § 65 nicht Stand halten konnte, womit natürlich jede 
Hoffnung schwinden mufste, in diesen Elementen eine Bestätigung 
einer Ansicht über den Entstehungsort der Glossen auf Grund des 
Erbwortbestandes zu sehen. 

Die behandelte Glossensammlung ist uns aufbewahrt in Karlsruhe 
im Codex Augiensis CCXLVIII^ fo i — 39 vb, einer schön geschriebenen, 
aber zum Teil durch Feuchtigkeit hart mitgenommenen Handschrift, 
die der Entzifferung daher an vielen Stellen grofse Schwierigkeiten 
entgegensetzt. Über den sonstigen Inhalt der Handschrift s. die 
Beschreibung von Holtzmann, Germania VIII, S. 404 ff. 



* Früher 115, s. „Die Hss. der Grofsherzogl. Hof- und Landesbibliothek, 
Beilage II: Lamey S. i und Längin S. 83". 



Nach dem übereinstimmenden Urteil aller derer, die den Codex 
vor Augen gehabt haben, ist er noch ins 8. Jahrhundert zu setzen. 
Gaston Paris (Comptes rendus des Seances de TAcademie des 
Inscriptions et Belles-Lettres 1893, S. 92, Anm. i) spricht sich aus 
anderen als paläographischen Gründen für (den Anfang des?) 
9. Jahrhunderts aus: „Ceux gut ont vu le manuscrit Vatiribuent au 
VIII ^ sikle, mais on vieillU presque ioujours ces manuscriis, La nature 
mime de ce glossaire montre qtiil appariient ä Vensemhle des travaux 
de rinovation des Siudes grammaticales et hibliques qui fut inauguri 
par Charlemagne^^. 

Diese Argumentation kann als zwingend nicht anerkannt werden, 
da unser Text (s. S. 3) nachweislich wenigstens zum Teil eine vor- 
vulgatische Übersetzung glossiert, d. h. die Existenz von Bibel- 
glossaren schon für Jahrhunderte vor der Zeit der Alcuinschen 
Revision des Vulgatatextes sichert. Den Zeitpunkt der Entstehung 
der uns vorliegenden Kompilation nach anderen als palaeographischen 
Gesichtspunkten festzustellen dürfte daher schlechterdings unmög- 
lich sein. 

Die „Reichenauer Glossen'' setzen sich aus zwei Glossaren 
zusammen: 

I, einem Bibelglossar, das die Bücher der Vulgata in 
Auswahl und in jeweils gröfserer oder geringerer Ausführlichkeit 
fortlaufend glossiert und ein Zurückgehen auf mehrere Vorlagen 
deutlich erkennen läfst, 

II, einem alphabetischen Glossar, dessen Lemmata gleich- 
falls vorwiegend Worte der Vulgata darstellen, und das eine 
stattliche Anzahl von Glossen mit I gemein hat. 

Die Glossierung besteht zumeist in einer Erklärung eines lat. 
Wortes durch ein der Volkssprache angehöriges lat oder deutsches, 
oder auch durch einen ganzen Satz, wobei der Glossator das zu 
verdeutlichende Lemma gelegentlich dadurch näher zu bringen 
versucht, dafs er etymologische Beziehungen aufstellt. Wie alle 
mittelalterlichen Etymologien, so vermögen auch die seinigen uns 
nur ein Lächeln abzunötigen, wofür einige Beispiele genügen 
werden: 

43 Femora dicta eo quod ea parte sexus uiri ac femtne discrepet\ 
1I3 Ireium mare dictum eo quod ferueat\ 263 Ferie noncupate sunt 
qS Sit in eis nohis iempus dictionis (also offenbar von /an'/); 321 Nb' 
misma: . , . eo qä nomen principis ibi sit scriptum. 

Über die Art der Entstehung, d. h. über die für die Kompilierung 
von I und II benutzten Vorlagen, über die diesen zu Grunde 
liegenden Bibelhss., über Herkunft der nicht zur Bibel gehörigen 
Lemmata in U etc., hatte Verf. zwecks der ursprünglich von ihm 
geplanten Veranstaltung einer kritischen Ausgabe des Textes eine 
besondere Untersuchung angestellt, von deren Veröffentlichung er 



^ Nach W. Foerster sichert schon allein die Form des g die Entstehung 
der Hs. im 8. Jahrh. 



zur Zeit absieht, da eine Untersuchung ähnlicher Art auf breiterer 
Basis, von Herrn Josef Stalzer-Graz vorgenommen, dem Drucke 
entgegengeht Verf begnügt sich daher an dieser Stelle mit zwei 
Feststellungen, die ihm von besonderer Wichtigkeit scheinen: 

1. Wohl alle Lemmata von I, fär die sich in den ihrem Vor- 
kommen im Glossar entsprechenden Vulgata-Kapiteln eine Bezug- 
stelle nicht finden läfst, sind Synonyme eines Vulgata- Wortes, dafs 
in den Zusammenhang durchaus pafst. Diese Synonyme liefsen sich 
in allen untersuchten Fällen in einer oder einer Reihe Vulgata-Hss. 
als Entsprechung des betreffenden Normalvulgata-Wortes wiederfinden, 
so zwar, dafs nicht alle Abweichungen von der Normalvulgata sich 
auf eine einzige Bibelhandschrift zurückfuhren liefsen, d. h. das 
Glossar mufs nach einer Hs. angefertigt sein, die wenigstens als 
Vulgatahandschrift uns nicht erhalten ist 

2. Gegenüber allen erhaltenen Vulgata-Hss. weisen unsere 
Glossen bisweilen auf eine Bibellesart zurück, die durch die Überein- 
stimmung aller Vlg.-Hss. als vorvulgatisch gesichert ist: 

6| Manzer: qui de scorta nascitur-, Vulgata: manzer, hoc est de 
scorto natus\ 63 BuUas: ornamenia regalium camelorum: Vulgata: 
builaSf quibus colla regalium camelorum decorari solenL 

Der Text des Glossars ist an vielen Stellen mehr oder weniger 
arg verderbt und weist gelegentlich fehlerhafte Zusammenziehungen, 
Lücken usw. auf, die jedoch fast stets ^ einer zuverlässigen Emen- 
dation zugänglich sind. 

Doch hält Verf. gegenwärtig dafür, dafs wegen des vielen 
Ballastes, mit dem das wertvolle Glossenmaterial im Codex behaftet 
ist, ein Gesamtabdruck nicht erforderlich ist. Vielmehr glaubt er 
mit einer alphabetischen Aufführung aller der Wörter, die nach 
irgend einer Seite hin Beachtung zu verdienen schienen, das 
irgendwie bedeutsame Material des Textes bequem zugänglich ge- 
macht und damit das Interesse erschöpft zu haben, das eine Ge- 
samtausgabe beanspruchen kann. Alle in Frage kommenden Glossen 
sind hier abgedruckt in dem Paragraphen unserer sprachlichen 
Untersuchung, der die darin belegte Erscheinung behandelt und 
aus dem im Verzeichnis beigedruckten Verweise in Klammern er- 
sichtlich ist. Die Ziffern vor diesen Klammern geben die Nummer 
in Foersters Abdruck oder, falls die Glosse sich dort nicht findet, 
Seite und Spalte in der Hs. Durch eben diese Verweise auf die 
§§ der sprachlichen Untersuchung glaubt Verf. gleichzeitig die Inter- 
pretierung des Textes wesentlich erleichtert zu haben. Im übrigen 
dient dem besseren Verständnis und der Emendation des Textes 
ein besonderer Abschnitt „Besserungen und Kommentar 'S der die 
wesentlichen Ergebnisse der auf eine kritische Ausgabe abzielenden 
Vorarbeiten des Verf. verwertet 



^ Vielleicht mit alleiniger Ausnahme des am, Ende einer Glosse allein- 
stehenden Interpretamentsrests seu acceptis 152. 



Holtzmann fügte seiner oben (s. S. i) zitierten Beschreibung 
des Codex eine reiche Auswahl aus den Glossen bei, die, um 
einiges vermehrt, von Diez in seinem Werke ,, Altromanische Glossare 
berichtigt und erklärt" (Bonn 1865) neu abgedruckt und nach 
Möglichkeit gedeutet wurden. Unter Beidruck der Zahlung bei 
Diez veröfifentlichte Foerster auf Grund einer 1883 genommenen 
Abschrift etwa ein Viertel sämtlicher Glossen im „Altfranz. Übungs- 
buche'' S. ifif. Da die Zählung der Glossen in den beiden Auf- 
lagen dieses Werks nicht die gleiche ist, dürfte hier der Ort sein, 
eine Vergleichungstabelle einzufügen: 

I. Aufl. 2. Aufl. 

I — 418 = 1 — 418 

Eingefügt 419 jus: lex l potestas 
419—514 = 420—515 

Ungezählt blieb 515 Litore: ripa = 516 

515— 1163 = 517— 1165. 

Die sonstige Literatur, Besserungsvorschläge, Kommentare und 
sprachliche Erörterungen verzeichnet Foerster L c. 2. Aufl.; nach- 
zutragen sind die mittlerweile erschienenen Ausführungen über 
unser Glossar von Kluge, Paul's Gdr. der german. Phil. I, 2. Aufl. 
S. 332 f. Kögel, Gesch. d. dtsch. Lit Bd. I. Teil 2. S. 424 f. 

Die vorliegende Untersuchung wurde vorgenommen auf Grund 
zweier mir gütigst zur Verfügung gestellten Abschriften unseres 
Codex, nämlich der erwähnten Foersters aus dem Jahre 1883 
und einer im Januar 1905 von Herrn Josef St alz er -Graz her- 
gestellten, von Prof. Schenkel -Graz nachgeprüften vollständigen 
Abschrift. In denjenigen Fällen, in denen beide voneinander ab- 
wichen^ und eine Entscheidung für die eine oder andere Lesung 
sich nicht ohne weiteres aus sachlichen oder sprachlichen Gründen 
ergab, hat Verf. selbst eine nochmalige Kollationierung der Hs. im 
März 1905 vorgenommen.^ 

Für das liberale Entgegenkommen, das mir die genannten 
Herren durch die Überlassung ihrer Abschriften bewiesen, sei ihnen 
auch an dieser Stellen nochmals verbindlicher Dank ausgesprochen. 
Besondere Hervorhebung gebührt ferner dem Verdienste, das sich 
Herr Hofrat Holder- Karlsruhe durch liebenswürdigste Erteilung 
von Auskünften über die Hs. und deren Übermittelung nach Bonn 
um die Förderung dieser Arbeit erworben hat 



^ Betrefifs der Abweichungen der Stalzer'schen Lesungen von denen 
Foerster 's s. Stalzer's mittlerweile erschienene „Neue Lesungen zu den 
Reichenauer Glossen" Zs. XXX, S. 49 — 52. Erst während des Druckes er- 
fahrt Verf., dafs die Stalzer'sche Abschtift im Dezemberhefte 1905 der Wiener 
Sitzungsberichte veröffentlicht wurde. 

* Von einer zusammenhängenden Veröffentlichung der Ergebnisse dieser 
NachkoUationierung sieht Verf. ab mit Rücksicht auf die Priorität des Herrn 
Stalzer. Von den Foerster'schen abweichende Lesimgen des Verf. werden 
nur an den Stellen angeführt, wo sie für sprachliche Erörterungen in Betracht 
kommen. 



Die Untersuchung der Sprache beider Glossare, ursprüng- 
lich für beide getrennt durchgeführt, lieferte das Ergebnis, dafs 
beider Sprache soweit identisch^ war, als es sich überhaupt er- 
warten liefs bei der Spärlichkeit des Auftretens der Zeugnisse für 
romanische Laut- und Formenbildung im Texte infolge des Be- 
strebens des Glossators, möglichst lat imd nicht französisch zu 
schreiben. Mit Rücksicht auf Übersichtlichkeit und Raumersparnis 
wird daher im Folgenden die Sprache beider Glossare gemeinsam 
dargestellt. Aus praktischen Gründen wurde der Lautlehre in den 
Hauptzügen das Schema der afranz. Grammatik von Schwan-Behrens 
zu Grunde gelegt. Die Zeugnisse beider Glossare für die einzelnen 
sprachlichen Erscheinungen wurden in den meisten Fällen voll- 
ständig gegeben, doch hat Verf. hier und da mit Rücksicht auf 
den Raum von einer Anführung sämtlicher Beispiele abgesehen, 
wenn das Verhältnis zwischen der Anzahl der Belege und ihrem 
sprachlichen Werte zu ungünstig schien. 

Wenn sich jedoch auch zwischen der Sprache der Glossare I 
und II keine Unterschiede nachweisen lassen, so ist damit keines- 
wegs gesagt, dafs das beiden gemeinsame Idiom wirklich eine Ein- 
heit bildet. Eine besondere Untersuchung der Verbreitung der 
nicht gemein franz. Worte im Texte zeigt, dafs das verarbeitete 
Material grofsenteils dem Norden Frankreichs entstammt. Der 
i™ § 75 gemachte Versuch einer Lokalisierung der uns vor- 
liegenden Redaktion mufs bei der Spärlichkeit der romanischen 
Formen im Text, bei der häufigen Unmöglichkeit einer Entscheidung 
zwischen Schreibfehler und eventueller dialektischer Entwicklung 
und bei der bereits eingangs der Einleitung erwähnten Belanglosig- 
keit der german. Elemente für die Frage der Herkunft des Textes 
sich mit der Feststellung begnügen, dafs eine Reihe von Kriterien 
unsere Redaktion etwa dem Nordosten des Sprachgebietes zu- 
weisen, soweit dieser Prosthese kennt. Inwieweit gewisse Indiden, 
die sich damit scheinbar schlecht oder nicht sicher in Einklang 
bringen lassen, bei einer besseren Kenntnis jener Sprachperiode zu 
diesem Ergebnis vielleicht durchaus stimmen würden, inwieweit sie 
auf Rechnung eventueller Beibehaltung dialektischer Züge der Vor- 
lagen zu setzen sind, dürfte sich heute so wenig wie je entscheiden 
lassen. 

Die Untersuchung über den Wortbestand ist in erster Linie 
als Ergänzung zu Körting's Lat.-roman. Wörterbuch gedacht, jenem 
bei mancherlei Mängeln im Einzelnen für den kritisch geschulten 
Gelehrten so schätzbaren Hülfsmittel, dessen Berichtigung und 
Vervollständigung jedem Romanisten am Herzen liegen mufs. Die 
in diesem Kapitel der Arbeit gegebenen Beiträge zur roma- 
nischen Etymologie und Wortverbreitung geben daher nicht 
etwa ein vollständiges Wortverzeichnis unseres Textes, sondern 



' Nur ist II gelegentlich in der Schreibung weniger sorgfiUtig als I, 
was an einschlägiger Stelle hervorgehoben ist 



berücksichtigen zunächst nur diejenigen Wörter desselben, deren 
romanisches Fortleben aus Körting's Wörterbuch entweder gar nicht 
oder doch nicht vollständig ersichtlich ist, oder für die Verf. 
eine erste oder von den bisherigen abweichende Etymologie vor- 
zuschlagen hat, die im Zusammenhange des romanischen Fort- 
lebens der betreffenden Wortsippe vorgetragen wird. 

Aufnahme in dieses Verzeichnis haben aufserdem die Wörter 
gefunden, deren Vorkommen in einem so frühem Beleg eine 
besondere Beachtung verdiente, sei es, weil sie eine besondere 
Bedeutungsentwicklung bereits vollzogen zeigen, sei es wegen 
der Seltenheit ihres Auftretens überhaupt, sei es wegen ihrer Ent- 
lehnung aus dem Germanischen. Aus dem letzteren Grunde sind 
die germanischen Elemente sämtlich aufgenommen worden. 



1. Besseningeii und Kommentar. 



1. I2 F 40: -fi' regione\ contra bessere in coniraXA, Vlg. Gen. 
16, 12: € regione fratrum figet iabemacula, 

2. 24 F 194: Für Hs. Deformes: male forti schlägt Foerster's 
Fufsnote male /or[ma]li zu lesen vor. Paläographisch und sprachlich 
leicht möglich wäre auch statt dessen male /'ac//' gemäfs gemein- 
roman. dene /actus „hübsch" = it. den /atto, franz. öten fait, cat. 
den /etOf sp. bten hecho^ pg. hem feito. 

Entsprechend wäre dann auch zu ergänzen: 282 Informisi quod 
male factum. 

3. 32 F 229: Emisarius\ qui non est castraä ist aufzufassen als 
entstanden durch Korrektur einer ursprünglich anders lautenden 
Glosse nach einer an anderer Stelle des Glossar befindlichen 
ähnlichen. Die ursprüngliche Glosse war etwa Emis!\XBi inuiatus, 
zu einer in den Zusammenhang des Glossar passenden Vlg. Stelle 
Gen. 49, 21: Nephiali, cervus emissus gehörig. Sie wurde abgeändert 
nach Emisarius', qui non est castraS^ einer Glosse, die, auf Vlg. 
equm emissarius „Zuchthengst** (Eccli. 33, 6 oder Jerem. 5, 8) be- 
züglich, aus der Vorlage zufallig nicht in unsere Redaktion über- 
nommen wurde. Unser Text erklärt nur Emissarius in anderer 
Bedeutung, nämlich zu Leuit 16, 8 caper emissarius gehörig 73 Emi-- 
sarius: ab emitendo ad uindictam dictus. 

Solche willkürliche Abänderungen einer Glosse nach einer ihr 
mehr oder weniger ähnlich sehenden, an anderer Stelle der Vor- 
lage befindlichen treten im Texte noch öfter auf und sind sämtlich 
oder zum Teil wohl auf Rechnung schlechter Lesbarkeit der Vor- 
lage an der betreifenden Stelle zu setzen. 

Ein weiterer Fall dieser Art ist z. B. I4 F 102 Sciscitantes\ 
interrogantes zu Gen. 24, 58: sciscitaii sunt gehörig, aber Vlg. an 
anderer Stelle mehrfach sciscitantes. 

Ähnliche Beispiele s. Bess. 11. 13. 21 etc. 

4. 34 Hs. Castrametati sunt constricti . coangüt stellt eine in 
kopierten oder kompilierten Glossaren nicht seltene Verschmelzungs- 
glosse dar, wie wir solche in unserem Texte noch mehrfach an- 
treffen werden. Zum Vorkommen solcher zusammengeschweifsten 
Glossen s, Landgraf, Glossographie und Wörterbuch, AlLex. IX, 
S. 375 unter 37. und 38. 



8 

Im vorliegenden Falle ist unsere Glosse, die an E/errei ex 
portare zu Exod. 13, 19: Efferte ossa mea anschliefst, aufzulösen 
wie folgt: 

Castra meiati sunt: trsues tenderunt zu Exod. 13, 20: 

casira metati sunt in Ethan 
CoarotBLÜ: canstricti [coangu/i?] zu Exod. 14, 3: coarciaii 
sunt in terra. 

Weitere Verschmelzungsglossen s. u. 10. 13. 

5. 4| F 275 Suggerat: aixerai . oriaret bessere in SuggeEBerat^ 
da dem Plusquamperfekt der beiden Interpretamente in der zu- 
gehörigen Stelle Exod. 18, 24 die gleiche Zeit entspricht (: quae ille 
suggesserat) und an eine lautiiche Deutung von Suggerat •< Sugges" 
serat nicht gedacht werden darf. 

6. 42 F 291 Inierrasilemi grinitam zu Exod. 25,25: coronam 
interrasilem bessere in grinvUam, da grinitam nur eine durch be- 
griffliche Einmischung von crinitus „ haarfein '^ hervorgerufene Ent- 
stellung von grinaiam = crenatam ,, ausgekerbt" darstellt, s. Wort- 
bestand s. V. crenare. 

7. 5i F 335 Uesiculum: gutturis paparönem ist zu lesen, nach 
der zugehörigen Stelle Lev. i, 16: uesiculam vero gutturis ^ Uesiculum 
gutturis: paparönem, um so mehr, als gutturis als erklärender Zu- 
satz zu paparönem mindestens überflüssig wäre, s. Wortbestand s. v. 
papparo* Ebenso ist in 

8. 5i F 338 Subbucula: linea tonica (nach Lev. 8, 7: vestivit, • 
sudueula linea) linea zum Lemma zu ziehen. 

9- 5i P 34^ Erui: eradicaui bessere in eradican nach Lev. 
14, 40: jubebit erui lapides, 

10. 52 Hs. Sponte ut M&uitu, temto (so F 353 als zu Xev. 
23, 38 gehörig gedruckt) ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4.) und 
aufzulösen wie folgt: 

Sponte: ultra : Lev. 23, 38: quae sponte trihuetis 
Metuitu: temto : Lev. 25, 43 : metuito Deum tuum, 
worin temto imperat. fut. zu einem von der 2. zur 3. übergetretenen 
(s. FormenL § 121) tlmere > timlSre entsprechend altcat. temhre mit 
Schwund des Zwischentonvokals (s. Lautl. %22') darstellen könnte. 

11. 61 Hs. Classibus: nauibus ist ein weiterer Fall von Ab- 
änderung einer Glosse nach einer anderen (s. u. 3.), da das 
Lemma sich schlechterdings im Deuteron, nicht unterbringen läfst 
Denkbar wäre eine ursprüngliche Glosse: Carnibus: uiuandis zu 
Deut. 28, 55: ne det eis de carnibus. 

12. 61 Hs. Fumet ad uindictam exhered& ist Verschmelzungs- 
glosse (s. u. 4.) und zu lesen: 

Fumet: ad uindictam [bulliat] zu Deut 29, 20: furor {Do- 
mini) fumet . . . contra hominem 

Ejecit de terra sua: ex/teredetsmi zu Deut. 29, 28: ejecit 
eos de terra sua. 



Zur Volkstümlichkeit von exhereditare^ desseli Bedeutungsent- 
wicklung und Fortleben s. Wortbestand s. v. 

13. Über 62 F 397 Capulum: sagum, sagelium sagt Foersters 
Fufsnote y^Capulum ist zu streichen, es ist Lemma zu 409 und 
hier fälschlich geschrieben'*. 409 lautet: ^^Capulum: spata manubrium 
(9> 54)"- Judic. 9, 54 steht indes kein capulum^ das sich Judic. nur 
3, i6y d. h. im selben Verse findet, zu dem auch das Lemma Anci" 
pttem der vovhergehenden Glosse und das aus unserer Verschmelzungs- 
glosse (s. u. 4.) herauszunehmende Lemma Sagum gehören: 

Ancipitem: ex utraque parte \ zu Judic. 3, 16: fecit . . . 
acutum \ gladium ancipitem, hahentem 

Cz/t//»^:8patamanubriuDi ( • • • capulum . . ., et accinctus 
Sagum: sagelium ] est eo suhter sagum. 

Somit ist Capulum in F 397 ein Rest der ursprünglichen Glosse 
Capulum: spata manübrium am rechten Platz, die in F 409 zu Un- 
recht und ohne ersichtlichen Grund wiederholt, d. h. wohl aus einer 
andern ähnlich lautenden Glosse an jener Stelle abgeändert ist 
(s. ähnliche Fälle u. 3*). 

14. 7i Stareiis: hulziolis will Foerster's Fufsnote zu 420 mit 
Vlg. Sitarciis lesen. Diese Konjektur mufs gebilligt werden, da 
mangels jeden afranz. Beleges kaum daran gedacht werden darf, in 
^/- statt Sit" eine umgekehrte Schreibung zu erblicken infolge einer 
gewissen nordostfranz. Dialekten eigenen Umstellung der Frosthese- 
gruppe f + j + cons. > j + ^+ cons., auf die zuerst Foerster, 
Zs. XXVIII, S. 512, Anm. 2 hingewiesen hat. 

15» 72 Degenerare: iterum iurare bessere in DegQrare ent- 
sprechend Reg. I, 20, 17: addidit Jonathan dejerare David, 

i6. 72 Lucos: populäre bessere in ZjbAcos entsprechend Reg. I, 
21, 4: non habeo laicos panes ad manum, 

17. 74 Palate: masse caricarum quae de recentis fiunt ergänze 
durch ein fiois vor fiunt. Über eine ähnliche Glosse bei Eucherius 
Lugdunensis s. Diez, ARGloss. S. 28. 

18. 74 Tumultum: seditionem t terram congeriem super ducti se^ 
pulchrum ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4) und anfzulösen wie folgt: 

Tumultum: seditionem zu Reg. II, 18, 29: vidi tumultum 

magnum, 
Aceruum: i terram congeriem superductBini. in sepulchrum 
zu Reg. II, 18, 17: comportaverunt super cum acervum 
lapidum magnum, 
worin terram lautlich identisch mit terrae nach Lautl. § i8£{. 

IQ. *82 Ana* gliffa: grece, kUine dicunt celature iS sculpare 
bessere in sculpa\xire\ der Glossator kennt ein sonst unbezeugtes 
sculpare im Sinne von sculpere nach Ausweis von 43 F 301 Scul- 
pare: intaliare, 373 Sculpare: contaliare. 

Dieses rätselhafte sculpare, dem man nur fugare gegenüber 
klassischem y»^(fr<? > xomaLn./ugire in i^ F 4 Profugus: porro fugatus, 



lO 

4i Fugauit: fugire cipü^ 1O3 Abire: tffugarty 343 I^ofugus: porro 
fugaius zur Seite stellen könnte (das aber lat. doch, wenn auch 
mit anderer Bedeutung, vorhanden ist), läfst sich möglicherweise, 
jedenfalls ohne lautliche Schwierigkeit, auffassen ab ^ex-coifajpare 
(ss afranz. escouper) im Sinne von „ausschneiden'', „aushauen", 
s. Wortbestand s. v. escolapare. 

20. 82 Maturiumi nauium bessere in MaiBHum (= Mortarium^ 
8. LautL § 30, § 67) zu Reg. in, 7, 50: moriariola et thurtbula. 
Über nauium s. Wortbestand s. v. nau£a und Formenl. § 95. 

21. 82 liest F 450 ^Ropia tnterpretatur excelsum (15, 14)", 
wozu Fofsnote ^^opi radiert". Die vorgeschlagene Vlg.-Stelle Reg. III, 
15, 14 Excelsa autem non abiulii würde Annahme einer statt- 
gefundenen Umstellung von Lemma und Interpretament erfordern, 
die für unsem Text nur an einer einzigen Stelle (s. u. 52.) sicher 
nachzuweisen. Aufserdem böte das Interpretament ropia nur ein 
neues Rätsel. 

Da unser Glossator ein „interpreiaiur^* zwischen Lemma und 
Interpretament häufiger, aber ausschliefslich bei Erklärung hebräischer 
Namen anwendet, wie z. B. i^ Adam^ 14^ Betsaida^ 142 SamaritanuSy 
243 Eua^ 2Tx Gamur, so ist mit ziemlicher Sicherheit in i?{|||{a ein 
hebräischer Name zu suchen. Roma, wie St liest, würde sich auf 
Ruma zu Reg. IV, 23, 36 deuten lassen, das mit excelsum einwand- 
frei übersetzt wäre. Da aber unsere Glosse sich ursprünglich auf 
Reg. lU bezogen haben mufs, so ist sie in ihrer vorliegenden Ge- 
stalt offenbar durch Abänderung (s. u. 3.) nach einer andern her- 
gestellt aus einer Glosse, deren Lemma Roboam (zu Reg. III, 14, 27) 
bildete, also etwa Rohoa tnterpretatur dilatans populum» 

22. Zu 84 F 460 Commentariis: macionihus bemerkt Foerster's 
Fufsnote „1. Coementariis^^. Demgegenüber betrachte ich die Glosse 
als zusammengeschmolzen (s. u. 4.) aus zwei Glossen des Originals: 

Commentariis: linde explicationes continentur zu Reg. 

IV, 18, 16: Joahe filius Asaph ä commentariis. 
Cementariis: macionihus zu Reg. IV, 22, 6: tignariis . . . et 

caemtntariis \detur\, 

23. 84 Us. aram. ne pussem, condiior (e in i durch Rasur) 
traconitidis qui palestinam et coelen syriam tenuit, principatum unde fuit 
iob, unde scriptum est: Uir est in terra us nomine iob bessere in 

Us: filius Kram, nepus Sem zu Job 1,1: Vir erat in terra Hus^ 
nomine Job. 

Die Glossierung erklärt sich aus einer in der Unsicherheit des 
Gebrauches von anlautendem h (Lautl. § 6g) begründeten Ver- 
wechslung des Ländernamens Hus mit Us, dem Namen von SenCs 
Enkel; s. Gen. 10, 22\ Filii Sem: Aelam . . . et Aram\ 10, 23: Filii 
Aram: Us et HuL 

24. Für Qi F 472 Centrum: pontus in caelo uhi totus uergitur 
nimmt F als Bezugsstelle Job 35, 5 an: Suspice coelum et intuere^ 
et contemplare aethera quod altior te sit, — Die Glosse dürfte wohl 



11 

abgeändert (s. n. 3.) sein aus einer ursprünglich zu Job 38, 37 
gehörigen: concentum coeli quis dormire faciet 

25. 92 Harior: htior bessere in Hilarior, 

26. 92 Tricltnium: singulorum annorum continentur ist Ver- 
schmelznngsglosse (s. u. 4), die ich wie folgt löse: 

Triclinium: ubi tres lecti habentur zu Hest 2, 13: de tri- 
clinio fetninarutn , . . transtbani, 

Annälibus: libris unde gesta singulorum annorum continen- 
tur zu Hest 2, 31: annälibus tradttum cor am rege, 

worin Tricltnium glossiert nach 1 14 Triclinium: ubi tres lecti habentur. 

27. 92 Decemere: definere bessere in de/inire. 

28. 92 F 475 Ueru: spidus ferreus dürfte vielleicht zu Hester 
16, 24: gladio et igne pereat gehören und eine Glosse mit ursprüng- 
lichem Doppelinterpretament darstellen, von denen das eine infolge 
Verlustes des ursprünglichen Lemmas an dessen Stelle rückte (s. 
Landgraf, Glossographie und Wörterbuch, AlLex. IX S. 379), wie denn 
ueru als Interpretament erscheint z. B. Rz 3, Rz 5 1, 

Denkbar als alleinige oder mitwirkende Ursache wäre auch 
Abänderung nach einer andern Glosse (s. u. 3); s. ueru: spitu Corp. 
Gloss. Lat V, 51832 (zitiert von Kluge, a. a. O. S. 333). 

2g. 94 F 485 Reuereatut : uerecundatur bessere in TXe uereatur 
gemäfs der Bezugsstelle Judith 12, 12: mm vereatur bona puella in- 
troire. S. zur Begündung §101. 

30. Zu lOj "Pentecontarcos ergänze das fehlende Interpretament 
gemäfs entweder 1I3 Centurio: qui super ,C. homines est oder 141 
Decurio: qui curam habet Sfiper ,X, homines oder endlich 342 PentC' 
contarcus: quinquagenarius, 

31. lOi Tecpartias piromidas ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4.) 
und aufzulösen in 

Topartias: principatus. oontratas zu Macc. I, 11, 28 

postulavit tres toparchas. 
"Siromidas: sepulcra zu Macc. I, 12, 2^ statuit . .. pyra- 

midas. 

32. ' 1O2 Cassaml uanam iuanam zu Macc. U, i, 20- invenerunt 
aquam crassam (?) stellt wohl Abänderungen nach einer Glosse zum 
Lemma Cassus dar (s. u. 3.), wie sie sich ähnlich findet in 22^ Cassa: 
uana, uacua. 

33. 1O2 Oblectatio: delectio t blanditio bessere in delectdbUo, 

34. 103 Decussio scortantium ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4.) 
und aufzulösen in 

Decussio: inuasio zu Macc. II, 6, 3: gravis malorum incursio. 
Scortantium: qui meletrioes futuunt zu Macc. II, 6, 4: 
templum . . . plenum scortantium cum meretricHnis, 

35. 103 Edicto precepto future regt ist Verschmelzungsglosse 
(s. u. 4.) und aufzulösen in 

Tibi impune futurxnn, : sine pena eris zu Macc. II, 7, 
19: «<? existimes tibi impune futurum. 



12 

Edicio regi: precepto regt zn Macc. ü, 7, 30: tum obedio 
pratcepto regis, 

36. 1O4 Epictnia: mnouatiofus i tahemacuJorum bessere in .^- 
xuota und fuge an festa: Macc. II, 8, 33: cum epinicia ageraiU 

37. In 1O4 OculU: abscondiiCf UtlaUy conperte^ secrete ist eine 
nrspräDglich einzige Glosse zu sehen zu Matth. i, 19 occulie dtmiüere. 

Ähnliche Fälle von Zerdehnuogsglossen s. n. 46. 68. 70. 

38. 1 12 F 537 Exterminant: dücolorant bessere in discolooant 
Zur Berechtigung dieser schon von Diez, ARGIoss. S. 31 vor- 
geschlagenen Änderung s. Wortbestand s. v. dücoüocare. — Anderer 
Ansicht ist Rönsch, Jahrbuch VII, S. 67. 

39. 1I3 Damtsti: famult bessere in. DomisticL 

40. I2j F 590 Deßciant: sufragant i fcreani bessere in sufrcair 
gant nach Laut! § 72 Anm. 4, s. auch 55. 

4z. I3| F ö6o Mirratuml amaraium bessere in ämarioa/um 
zu Marc 15, 23: ötdere myrrhatum vinum. 

42. I4i Mirrata: amaratas (das erste a des Lemmas aus 
deutlichem e korrigiert; zwischen beiden Worten auf Rasur ein 
Lemma Color zu erkennen). Die Glosse mufs in der unter 3. be- 
handelten Weise durch Abänderung einer ursprünglich anders 
lautenden nach einer andern entstanden sein, da Mirrata = myrr- 
hata sich im Joh. schlechterdings nicht unterbringen läfst. Da 
myrrhatum in der Vlg. nur einmal, nämlich Marc. 15, 23 vorkommt, 
so ist unsere Glosse zweifellos nach dem Muster der unter 41. be- 
handelten umkorrigiert 

Das noch zu erkennende ursprüngliche Mirreta der Hs. läfst 
für die Vorlage vermuten ein Mirreta: [modiata?] zu Joh. 2, 6: 
hydriae capimtes singulae metretas tnnas, 

43. Zu 143 Idiote qui proprietate lingue et naturali scientiae fage 
hinzu oarent. 

44. 143 Ahr*^ ohne Interpretament, vielleicht entstellt aus 
Ad breue zu Joh. 5, 34: jussit foras ad breve homines fieri? 

45. 144 Nudiusquartana die liest F 708: Nudius: quartana die. 
Die Glosse ist wohl zusammengezogen aus ursprünglichem Nudius-- 
quarta die: quartana die zu Joh. 10, 30: a nudiusquarta die. 

46. In 152 Barbaris: indoctis . incunditis . Obtusis . moderatis . 
inperitis (Hs. inpertis) ist eine Zerdehnungsglosse (s. u. 37) zu sehen 
zur einzigen Bezugstelle Macc. II, 10, 4: barbaris ac blasphemis ho- 
minibus tradereniur, 

47. 1 52 lela flumina . tela . sagitta . lacula . arma .fulmina , iacu^ 
tum . flamma . ictus ist eine Glosse zu dem Doppelienuna Tela [et] 
fvlmina (entsprechend Macc. II, 10, 30: tela et fulmina jaciebanf)^ 
von dem im folgenden jedes einzelne durch drei Interpretamenta 
glossiert wird. 

48. 152 Deicerentur: delerentur^ prostarentur^ deruentur bessere 
in prostTB,tarentur, s. Duc. s. v. prostradare, 

49. 162 F 723 Intriuerim: contriuerim . confrixerat bessere in 
IntriuerdX: contriuer^X^ da das Plusquamperfekt des zweiten Inter- 



13 

pretamentes durch das Tempus der Bezugstelle Dan. 14, 32: 1«- 
iriverat partes in alveolo als ursprüDglich gesichert ist. 

50. 163 Exe Datam: absiaam lucidum bessere in Exeäxam ge- 
mäfs Jerem. 35, 2: introduces in unam exedram. 

51. 173 i» commutatione: in concambiis bessere in commu" 
iaUon&a\XA auf Grund des Plurals im Interpretament und in der 
Bezugsstelle Ps. 43, ly, fuit muliitudo in commutationibus eorum. 

52. 192 Genus auiutn sunt aues stelle um in Aues: genus auium 
sunt zu Ps. 117, 12: circumdederunt me sicut apes, 

53. 2O2 Areticius: furiosus . iracundus bessere in Jreticius, 
Eine Verderbnis des Lemmaanlauts ist im alphabetischen Glossar 
des öftem festzustellen und wohl dahin zu deuten, dafs eine der 
zu II benutzten Vorlagen in der Weise geschrieben war, dafs immer 
eine oder zwei Glossen je eine Zeile einnahmen, und dafs der 
linke Rand dieser Vorlage irgendwie beschädigt worden war. 

Ähnliche Fälle s. u. 56. 80. 81. 82. S. auch F. Anm. zu 898. 

54. 2O3 F 845 Aldipem: alaues bessere in Adt^em. 

55. 22^ Connectunt: coniugunt bessere in conitmgunt nach 
Lautl. § 72 Anm. 4, s. auch 40. 

56. 224 Coire: purgamentum ferri t alicuius metalli bessere 
in Scoire (= Scoria nach Lautl. § 22), Zur Verderbnis des Lemma- 
anlauts s. u. 53. S. jedoch auch Lautl. § 54. 

57. 224 Cor actus: ostia l fenestras bessere in Cataractas (s. 
ij F IG Cataracta: ostium^ fenestre), 

58. 243 ¥ Sg4 Ebitatum : bulcatum will Rönsch, Jahrbuch VIII 
S. 70 = euitatum und bulcatum (offenbar mit Diez, ARGloss. S. 43) = 
franz. bougi fassen. Doch ist Ebitatum = Hebetatumy s. Wortbest 
s. V. bulcare, 

59. 262 Für: latro l a für ||||| /5" niger bessere in Für: latro 
{ furbus a /«rbiendo, s. Wortbest s. v. /urbus. 

60. 260 Ferie noncupate sunt qS sit in eis nobis tempus dictionis 
iä in deuino {e in i korrigiert oder umgekehrt) l uno anno offitio 
bessere in deuino i uaiano offitio. 

61. 262 ¥ g22 Faretra: teca sagittarum idÜ cupra bessere in 
ciApra entsprechend gotisch "^qiwar- „Köcher". Zur Wiedergabe 
von -wr- durch -pr- in der Schrift s. Lautl. § 39 a. Zur Begründung 
der Emendation s. Germ. Lautl. § 85 Anm. 3. 

62. 282 Zu Informis: quod male ergänze factum nach den 
Ausführungen unter 2. 

63. 284 F 960 Ignominia: haut tes bessere in hatcnies ent- 
sprechend anfrk. "^haunij^a, 

64. 284 F 962 Ignitores: ostiarii bessere in I^nitores, 

65. 284 F 968 In penetrahilib\ * interioribus bessere in Inpenetra^ 
\^us: in interioribus (so mehrfach Vlg.) 

66. 29| /. . . . // ale\nabit ergänze zu /nspirabi/; alenabit, 

* So St. He.; F Inpeneträhilis. 



67. 29i Insurgunt: \\\eleuaut bessere in re/euan/ JiB.ch 363 Re- 
surgunt: releuant\ s. Syntax § 129. 

68. 3O2 Uhidinose: Luxuriöse ist Zerdehnungsglosse (s. u. 37.) 
und daher in luxuriöse zu bessern. 

69. 3O2 Liquidum: purum bessere in Livc^idum. 

70. 3O2 Litum: lotatum . Uuncium ist Zerdehnungsglosse (s. 
u. 37.) und daher in Munctum (statt unctum nagh Lautl. § 16) zu 
bessern. 

71. 3ij Matrimönium: iuxia cmuentio et condicio bessere in 
zV/ar/ondi conuentio et condicio ^ worin unter iuxtare die copula car- 
nalis zu verstehen wäre? S. dazu Wortbestand s. v. 

72. 32^ F 1003 Neoiericus: nouitius t neo/icus bessere in 
neo/itus, 

73' 324 F 10 14 Olfactariola: bismodis (wozu s. Diez, ARGloss. 
S. 47) möchte ich bessern in bismi odoris. 

74. Eünter 342 Parrus: corium siue hrittoni eine ähnliche Glosse 
zu vermuten wie Germ. VIII, 387: Faticis J, palistris .1. modica coriola\ 
Germ. VIII, 402: pittaciis: modicis coriolis t palcutris\ Hs. 11O4: 
Pictaciis: modicis corioris i palcLstris\ Rz 94 Plitacis: palustris] 
Sie vers u. Steinm. 376, 6: Pitaciis: modicis coriolis ist wohl der 
einzige Weg, sie trotz ihrer Verstümmelung zu deuten. 

Demnach würde Parrus eine starke Entstellung von Pittacius 
(statt Piiiacium^ s. Formenl. § 94), eventuell zu Jos. 9, 5 gehörig, 
darstellen. — Möglich wäre auch, dafs keine Korruption, sondern 
ein romanischer Stamm parr- vorläge, der sich in cat parrach 
„padäs, pellingot" = „Flicken, aufgesetztes Stück** wiederfände, 
und zu dessen Beziehungen man Wortbestand s. v. Parrus ver- 
gleiche. 

Hinsichtlich hrittoni wage ich eine Konjektur nicht vorzu- 
schlagen. 

75* 342 ^ 1050 Poliio: limiario bessere in limtato < limpidato^ 
wie schon Diez, ARGloss. S. 48 f. vorschlägt und begründet. 

76. 344 F 1057 Passer: musco i omnes minute aues bessere 
in muscio (s. Wortbest. s. v.), indem musco, entsprechend altit. moscone 
ffgrossa mosca che vola ronzando** einen Irrtum des Kopisten dar- 
stellt, der aues = apes nimmt, wozu cf. 193 (s.u. 52.): Aues genus 
auium sunt'. Vlg. apes. So erklärt sich die von Marchot, R. F. XII, 
S. 647, beanstandete Schreibung: „Zf glossateur ritdblit mal la 
forme latine, qui doit itre ^muscio^\ 

77» 353 F 1059 Quin: unoni wäre vielleicht nach I3 F 83 
Quin: ut non dahin umzuformen; s. jedoch die Auffassung Kögel's 
1. c. S. 424 und die sich dagegen erhebenden Bedenken Formenl. 

§124. 

78. 353 F 1062 testamentum: placitum t pactum ist eine ver- 
sehentlich aus der nicht alphabetischen Vorlage miteingeschieppte 
Glosse. 

78 a. 362 F 1070 Hete: rit bessere in Redte: rit auf Grund 
der Untersuchung Lautl. § 8. 



15 

79. 3^3 Rigoho: humtliaho bessere in humi^ho. 

80. 363 RefellU: fallit bessere in 'FefelliL Zur Verderbnis 
des Lemmaanlauts s. u. 53. 

81. 383 Teno: magister mereirico bessere in lAeno. Zur Ver- 
derbnis des Lemmaanlauts s. u. 53. 

82. 383 Trenuae: fortis^ utilis bessere in Strenuae. Zur Ver- 
derbnis des Lemmaanlauts s. u. 53. 

83. 384 F II 35 Tehrehai: perforat bessere in TerehraU 

84. 394 F II 55 Uiscera: iniralia dicta eo qStihi uiia continetur 
bessere in &^/taIia: viscera^ iniralia etc. Vgl. zur stattgehabten 
Änderung unter 28. 



2. Olossemnaterial 

in alphabetischer Anordnung zugleich als Index. 



Über den Zweck dieser Zusammenstellung s. die Einleitung S. 3. 

Wörter mit Majuskel treten im Glossar als Lemmata, solche 
mit Minuskel als Interpretament auf. 

Mit einem * versehene Wörter sind als auch lexikalisch be- 
merkenswert auch (und zwar in normalisierter Schreibung!) unter 
„Wortbestand" behandelt. 



abattas F 502, 1OI2 (§ 24, 74). 

Ähgetarii F 329 (§ 26 a). 

Ahieres = -igeres F 157 (§ 62a). 

Ahita 2O4 (§ 69). 

Abitus 158 (§ 69). 

Aholende = -litae lOa (§ 26a, 45, 72). 

Abrutissimus 72 {§ 39/9). 

* Abscondi iperf, 192 (§ 114 Anm. 2). 

abscofisus F 536, 163 (§ II 7). 

*Abszntw F 850 (§ 53). 

abstraere F 157, 251 (§ 69 Anm. 2). 

*accedia F 477 (§ 74). 

aceruis nom. 9^ (§ 88). 

Aceruus = -bus F 834, 203, a — e 152 

{§ 40). 
dchitiferum F 292 (§ 26 a, 66, 85), 
acipere 151 (§ 74). 
Acitdbulum F 292 (§ 26 «). 
aculionis F 849 (§ 26 a, 64 (J, 89). 
Adamans 203 (§71 Anm. i). 
"^adastare F 1151 (§76, 79). 
♦a dentes = a^ dentes F 43 (§ 48). 
adersus F 79 (§ II 7). 
adfirmacionem 2^ (§ 49 0(). 
adtucttis lO-i (§ 73). 
adiungeat F 315 (§ 59). 
*^rtf^i?/ F 853 (§ 77). 
Adscitis = -^rf^- 2O2 (§ 65 y Anm. i). 



adsecuntur F 841 (§ 63). 

^üT/j 2O1 (§ 44). 

Afectus 203 (§ 74). 

afinis 152 (§ 74). 

*a^er <C,acer 20^ (§ 56). 

*alare F 1030, 1124, II32, 1133 

{§ i8/9, 21, 26a, 41, 68, 70, 74). 
alaret plqpf. F 1132 (§ 115). 
alatus act. F 1030 (§ 120). 
^alaues < alipis F 845 (§ 20, 36, 68). 
alenare <:^ anhelare 291 (§ 68, 69). 
alia = altera F 44 {§ 107). 
*alianatus F 829 (§ 26 a). 
*alodem F 902 (§ 19 a, 74, 78, 88). 
altum clamo F 742 (§ 98). 
ambicio 2O3 (§ 49 a). 
ammonere 33 (§ 46). 
Anachorita 20^, 27^ (§ 8). 
Anagliffa 82 (§ 42). 
Anchro F 847 (§ i8a, 23, 66). 
anelare F 1108 (§ 68, 69). 
anetsare F 452, 510, 697, 722, 831 

(§ 25, 49, 76, 84). 
Angare F 848 (§ 72 Anm. 2). 
anoget F II22 (§ i8/9, 28, 62). 
antecantante imperat. 194 (§72). 
Antropum 203 (§ 53). 
Apellare 22, a- 92 (§ 74). 



17 



ApoUcka F 833 (§53). 

fl/«^ 3I1, IH (§ 48). 
arbriscellus F 835 (§ 26 «). 

Archanum 2O3 (§ 66). 

Arma sg. 2O4, a- sg. F 480 (§ 95). 

Arrere F 390 (§ 74). 

Arunda F 830, 839 (§ 93). 

*ascialis 6= axalis F 824 (§ 2, 65 y). 

assiduo 5i (§98). 

attenuare intrans. F 814 (§ 129), *a/- 

tenuare F I129 Irans. 
audaciter 132 (§ 98). 
audatia 203 (§ 65 a), 
Autnentare F 840, au" 184 (§ 648). 
auttumat F 522 (§ 74). 
auorteHz F 829 (§19«, 22, 25, 35, 

64 /9, 65 «, 88). 
*Auortiuus F 829 (§ 35). 
Babtizare 94 (§ 39/9). 
Baccare 64 (§ 66). 
Hanstas F 581 (§ 76). 
BatHlla 5, (§ 74). 
Haucus F 838 (§ 78. 82). 
berhicarius F 168 (§ 34, 40). 
berbices F 1018 (§9, 34, 40). 
BiblioUcha 2is (§ 53). 
bine = <^t/< [^/ <ft/<] 3i, 49, 21, [F 8] 

(§ 102). 
*bisatta F 425 (§ 65 a, 74). 
blandüio 1O9 (§ i8a, Anm. 3). 
*blista F 931 (§ 76). 
Boanarges F 637 (§ 9). 
Ö0nf^^ acc. pl. 358 (§ 88). 
brachia sg. F 470 (§ 95). 
bragas F 859 (§19«, 58). 
*brunia F 474 (§ 75, 85). 
*bulcatum F 894 (§ 76). 
bulsia F 1098 (§ 59). 
bulziolis F 420 (§ 59). 
*bustiola F 478 (§ 34, 47, 64/?). 
caderunt F 754 (§ 114). 
cadisset F 628 (§ 114, Il6). 
*calciarius F 869 (§ 26 a, 88). 
CaliditcLs = -ü- 22a (§ 74)* 
*Caligo F 276, 731, 22s, ^- 82. 
*calU = -o 94 (§ 19 a, 88). 
caüidior = -/- 26^ (§ 74). 
Calutnpnia F 122 (§41). 



Catumpntare II^ (§41). 

fo/M^j <^ -of F 1142 (§ i8/9). 

Capattus 22} (§65 a). 

Carasta 32 (§ 29). 

*carcare F 437, 1019 (§26«, 74). 

cardonis nom. F 1032 (§ 89). 

CasidiU F 478 (§ 74). 

castradus F 229, 600, 1090 (§ 45). 

*causart F 627 (§ 57). 

*caiianna F 1137 (§ 36). 

celature acc. plar. 82 (§ 87). 

ceüarius F 833 (§ 94). 

Cenobita 224, 23^ (2) (§ 7). 

censo= 'U y^ (§ 90). 

Cerz'montas I4 (§ 26 a). 

cessare trans. 152 (§ 129). 

cessus act. 34^ (§ 120). 

cibum nom. 27^ (§ 94). 

*cimcella F 870 (§ 26 a). 

^cinctüa F 242. 

Cinomia 223 (§ 7). 

*ctngolo F 89 (§ 24, 88). 

circuü F 934 (§19« Anm. 2). 

*circuitur F 937 (§ 19 a). 

circumdauü F 725, II 47 (§ II4). 

Clamis 72, 122 (§ 66). 

Coctinum F 172 (§ 65 (F), 

cofinus F 184 (§ 42). 

Cogitus = Coitus 228 (§ 62^). 

Cohire = Coir* 58 (§ 69). 

CöiW 224 cf. Besser 56, §54. 

iTöZfra F 856 (§ 66). 

colpus F373, 612 (§ 20, 42). 

colutnpna 21 ^ (§41). 

commune adv. 223, 23^ (§ 98). 

competis abl. 7^ (§ 22). 

comulus F 241, 834 (§ 15). 

Conbuserunt 223 (§ 74). 

concalcar* 23^ (§ 122). 

Condempnare 1I4 (§41). 

condetor 84 (§ 22). 

Congresio 94 (§ 74). 

coniuctio F 143 (§ 73). 

coniuctus F 162 (§ 73). 

Coniungunt statt »iugunt 22^ nach 

Besser. 55 (§ 72 Anm 4). 
comnnxt F494 (§73). 
Conlacteneus 144 (§ 3, 4). 

2 



tä 



conlocare 194, 22^ (§ 122). 
Conpage nom. pl. 161 (§91). 
ConplaHHor \%^ (§65^). 
conpulUrunt F 83 1 (§ 74). 
Conpusuerunt F 721 (§ 30). 
Consolens 15s (§ 24). 
Consumare li (§ 74). 
Contemelia ^ 690 (§26 a). 
ConUmpnere 113. 12^» 22s, 33i» 372 

(§ 41). 
Conteri perf. 163 (§ 114 Anm. 2). 

Conticuus 228 (§ 60). 

*contingere F 174 unpers. „zustofsen''. 

Contitatus 5,, $3 (§ 65 a). 

contra ire 142 (§ 99). 

^conturnare 231 (§ 12), 

Coortem \^^ 15^ (§ 69). 

tora obl. zu cor 31^ (§ 89). 

Coquitus F 469 (§ 63). 

Cbriosus 22^ (§ 32). 

Corpolentior 153 (§ 26«). 

Costuprare 231 (§ 71). 

Coturnices npip. sg. F 266 (§ 89). 

Creacras 163 (§ 64 y). 

Crebrum F 879 (§ 10). 

Cremebantur 5^ (§ iii). 

Crepere 223 (§ i). 

Crescere, C' trans. F 840, 22^ (§ 129). 

criuolus F 879 (§ 23, 39 a. 94). 

crutiätor 12} (§65a). 

«//a F 169 (§ 74 Anm. 3, 76, 83). 

*cuipra statt ff//ra F 922 nach Bess. 

61 (§ 39«, 81, 85 Anm. 3). 

Culicare, culcare F 882 (§ 12, 23, 74). 

cummemoraiio 313 (§ 30). 

cummendare F 944, 284 (§ 30). 

cutnmertiutn 223 (§ 30, 65^). 

cummiscere 3I1 (§ 30). 

cummovere IO2 (§ 30). 

cummune 223 (§ 30). 

cunspectus 291 (§ 30). 

currerunt 262 (§ 114). 

cymblis F 821 (§ 20). 

cyrografum 93 (§ 66). 

dampnum 151, 234 (§ 41). 

<fa«tfa F 447, 851 (§ 76, 85). 

dauat fut 23^ (§ 35). 

Decacordo 184 (§ 66J. 



decaäere 24^ (§ 122). 
Decussio = -rjfb 103 (§ 67). 
*deganare F 129, 523, 659 (§ 74). 
Degerare statt Degenerare 72 nach 

Bess. 15 (§ 62). 
Deiestos = jDj^- 1O3 (§ 27). 
Demicare F 380 (§ 10). 
denarium nom. I2i (§ 94). 
deorsum mittere F 630, -iactare F 672 

(§ 99). 
derelinquit perf. 233 (§ II4). 

Desüiuit F 454 (§ 114). 

destraere 393 (§ 69 Anm. 2). 

deuinus 262 (§ 27). 

Didracma I2i (§ 66). 

düiciose 134 (§ 28). 

dimiso 20^ (§ 74). 

Disperietur 94 (§ 119). 

disr apere 233 (§ 122). 

rfzrfö 153 (§65«). 

<f2tt»l 383 (§ 70). 

Docma 92, 143. 233 (§ 648). 

Domisticus 1 13 (Bess. 39, § 6). 

douoratio F 273, 695 (§ 28). 

dragma 12^ (§ 66). 

-E&r« 248 (§ 69). 

Edisserat = -;c^ra^ F 185 (§ 64/?). 

-ß/Jf''^^ 34 (§ 74). 
EgicatiUr 244 (§ 65 rf). 

efugat<:^tre(P) 93 (§121). 

EUgans 244 (§ 22). 

^'•^J 3i (§ 69). 
e[x]longare 24^ (§ 5 1 /9). 
Emisarius F 229 (§ 74). 
ir»if/tfr<f 72 (§ 74). 
Emuncturia F 899 (§ 13). 
entdunt 1O4 (§ 19/?, 45). 
tf/r*«j 342 (§ 39«, 69, 85 Anm. 4). 
Eptaticum 244 (§ 69). 
Erassisse 25^ (§ 74). 
Erodianis; erodi 131 (§ 69). 
Eroneus 251 (§ 74). 
Errarium F 223 (§ 74). 
Eructuare 193 (§ 24). 
Erumpna 243 (§41), 
*esdarnare F 1156 (§33. 76). 
Ethetnoloia 251 (§ 26«, 53, 62^). 
Etursam 243 (§ 13, 51«, 117). 



1^ 



exaceruare 24«, 25i (§ 40). 
*exbuliret plqpf. F 886 (§ l%ß, 2T, 

74' 115'- 
excessus part. act. I49 (§ 120, l). 

Exefnpla[r] F 294 (§ 67). 

Exerciehant 99 (§ 65 /?). 

Exeredare 24^ /^ 69). 

Exestuü 128 (§ ^H)* 

Exffertus lO, (§ 117). 

Exibere 20^, 244 (2), 2Si (2) (§ 69). 

^^pjhV) I9i (§ 49 a). 

exiebam F 189, 173, 183 (§ Hl Anm. l). 

Exiere = "igere 5^ (§ 62 /?). 

Exocubatus F 900 (§ 36). 

£xo[r]dü I Ii (§ 67). 

*explicare inf. pass. 182 (§ II9)* 

explicata 14« (§ II 7). 

*exporurat plqpf. F 185 (§ 64/?). 

ExtimpU 5« (§ 6). 

^x/ra /frr^ 143 (§ 99). 

Euloias 25i (§ 62/?). 

Euuangelitare 17« (§ 42). 

fallace pl. 169 (§ i8a, 22, 65 ce). 

/fl/ÄV; Fefellit F 912 (§ 114, auch 

Anm. 7). 
*fänonem F 701 (§ 76). 
/?a««m F 734, 917 (§ 77). 
femus „Mist" F 399, 803 (§ 8). 
Fenicium F 916 (§7). 
Fenix F 923 (§ 7). 
ferriis F 864 (§ 94). • 
festinante[r] 63 (§ 67). 
FheUthi 73 (§ 42). 
ficatus sbst. F 932 (§ 94). 
Fictnentutn 261 (§ 645). 
;W> gen. 2^, dat. 15, (§90' 
fidutta 192 (§ 65 a). 
firmiter S7a (§ 9«). 
/i/ö 148, 26^ (§ 53). 
Flagicium i^, f- 1O3 (§49«). 
Flagrare <ifr'' F 907 (§ 67). 
*Flasconem F 906 (§ 68). 
*fodunt <C'dire F II2I (§ 121). 

>/&• F 634 (§ 89). 
Fangi 262 (§ 15). 
foras ducere F 573, — portare 5s 

(§ 99). 
fortissimus Positiv 362 (§ 98). 



fracmentum F 857 (§ 64 c). 
i^V-an/ia F 936 (§ 65 /?) 
♦/ra^a F 734, 917 (§ 79, 82). 
Fraudolentia 161 (§26a). 
*Jruncetura F 1069 (§ 25, 76. 79). 
*frustas F 820 (§ 95). 
Frustrum < -j/wm F 309 (§ 67). 
/^f/rtf ij, F 272, 378 (§ 121). 
/w* + part. praet. 192, 251 (§ 120, 2). 
*fulcos F 161 (§76, 85). 
Fulgorationes \%x (§ 26 cc). 
^Fumigantem nom. F 565 (§ 89). 
funderat 84 (§ 114). 
fundutas F 908 (§ 117). 
*gafortum F 607, 875 (§ 78, 83). 
GalU F 933 (§ 57). 
*garbas F 203. 816 (§ 76). 
Gatur 27i (§ 15). 
Gazofilatium F 652 (§ 65 a). 
Gecor F 934 (§ 62). 
Gentaculum 27^ (§ 62). 
Gigans 164 (§71 Anm. i). 
^/<Z£/2,r F 1055 (§89 Anm. 5). 
^/flA>j 194 (§ 65 a). 
grafium F 1095 (§ 42). 
grauidine il^ (§8). 
^«^r^ 194 (§ 24). 
habenti^'di F 56 (§ II 3). 
habere inprütatum F 455 (§ 120, l). 
*habundare, ^ntia 84, 134, I9i, 26^ 

(§ 69). 
*hadisti F 102 1 (§ 76, 79, 82). 

hara 2O2 (§ 69). 

*hauntes statt Äa«/ /^j F 960 nach 

Besser. 63 (§ 78, 79). 
Haut 63 (§ 48). 
*?muus F 302, 1158 (§ 76, 79, 85 

Anm. 3). 
hebrius 64. 94, 154 (§ 69). 
Hedere F 588 (§ 69). 
*helmus F 930 (§ 76, 79, 85). 
^heriöergo F 874 (§ l8a Anm. 4, 76, 

79). 
Hetnicus 184 (§ 53). 

hodium F 813 (§ 69^. 

^husas F 424 (§ 76, 79). 

Icoas 29] (§ 66, 72). 

ÜHs 152 (§ 66). 

2* 



io 



IlhU F 9SI (§ 4«). 

in + gernnd. 4, (§ 131). 

inbarbis 341 (§ 122). 

IncoanU 283 (§ 66). 

incolometate 84 (§ 26 a). 

incolomis IS^, 37s (§ 24). 

Ineolumes dodl sg. F 966 (§ 89 Anm« 5). 

incofibuserunt F 1016 (§ 74). 

incundüus 17« (§ 12), 

indofitus I5s (§64a). 

Indueias 284 (§ 49 a). 

inflare intrans. F 171, 6t« F I123 

{§ "9). 
infrangere F 66 (§ 122). 
infundent = -^nt 283 (§ 19/?). 
*inganare F 969 (§ 74). 
/Vi^tfWtf sg. F 949 (§ 95). 
ingenias F 989 (§ 95). 
IngraviscenU F 221 (§26 a). 
/ffilcib ii (§ 49 a). 
iniustiffia 284 (§ 49 a). 
Inlicent 284 (§ 19, 22, 65 a). 
Jnnociens 29| (§ 65 a). 
/«ödj 29, (§ 39/9). 
inproprare = inpröbrare ly^» 24^ 

(§ 39). 
inprütare F 455, 758 (§ 14, 26 a). 

Inquid 2^, 144 (§ 48). 

InHHuit F 964 (§ 1 14). 

insinuens 132 (§ II3). 

Intermtio 5g, 54, 283; -»finb 191 (§ 26 a, 

65 a). 
i«/ra mittere 172 (§ 99). 
tntratus act. 192 (§ '20, l). 
introitus n. 94 (§ 94). 
m/fij- cadere F 974, — perintrare 

F 1025 (§ 99). 
f]^^tf best. Artik. 344 (§ 104). 
Ireticius statt Ar- 2O2 nach Besser. 53 

(§ 25). 
iuorgiis F 896 (§ 21, 29, 35, 62 y). 

yacinctinas F 289 (§ 73). 

iactare inf. pass. 4^ (§ 119). 

ianiculorum F 404 (§ 29, 62). 

5^tfr<>r^ nom. F 476 (§ 89). 

7iiiÄij 84 (§ 7). 

iocundus lOj, I9i, 20i (§31). 

>^i/^j 284 (§ 18^. 



^iomalü F 963 (§ 15, 28, 62). 

tubeleum 4, (§ 26 a). 

iuctus 2g, (§ 73). 

iudicetur acL 34, (§ 119). 

iuditmm F 619, 122 (§ 65 a). 

ütfWM F 947 ( 14, 28, 62, 67). 

iusto 31, (§ 98). 

iuuenior F 691 (§ 97). 

iuxia etse 21^ (§ 99). 

lacertas F 860 (§ 95 Anm. 2). 

Lacescüns 3O2 (§ 65 y). 

LacessanUs 152 (§6, 113). 

«Zo^rv/fi 152 (§ 24. 76). 

Laguena 62 (§ 62). 

Langescere 52 (§ 63). 

*laniare <^ laciniaria 3O2 (§ 18 <r, 22, 

26 a, 56). 
Zä/öA«* 30g (§ 22, 53). 
laudis nom. F 913 (§ 89). 
lauatus 52. 134 (§ 117). 
lauavü 94 (§ 114). 
lecior 124 (§ 49 a). 
^Uctarium <i'iaY 986 (§ 95). 
Lenus = -is F 128 (§ 19 a). 
*UprüceUus F 982 (§ 26 a). 
Uticia 2O1, 248 (§49«). 
leuare intrans. F 730 (§ 129). 
*ligna sg. F 333. 1O4 (§ 95). 
ligumen F 1029 (§ 29). 
*limptaretn F 980 (§ 26 a). 
limtato statt -ar«? F 1050 nach Besser. 

75 (§ 26 a, 4I' 47). 
linciolus F411, 621 (§ 21, 49/?, 94). 
*lisca F 233 (§ 76). 
de loco in locum F I140 (§ 99). 
/of«j n. F 22 (§ 94). 
longe = Att F I130, — tempus 4^ 

(§ 100). 
Longeuis 4i (§ 88). 
longiquitas 184 (§ 72). 
* Longobardia F 366 (§ 76). 
*fo/artf 3O2 (§30- 
Lucubris F 340, 3O2 (§ 60). 
*maciones F 460 (§ 49 a Anm. 3). 
*maculare s maüeare 24, (§ 64 cf). 
Magestas F 684, 181, m- 9, (§ 62). 
tnagis conpositus 64, — piaans 181 

(§ 96). 



21 



maarior F 715 (§ 64/). 
malicia 342 (§ 49 a). 
ma&j nom. F 1035 (§ ^^)' 
*manaces F 997 (§ 18/J, 22, 28, 65 a). 
*manatiat F 131 (§28, 65 a). 
manducare inf. pass. F 15 (§119). 
mar^ abl. I5i, l8„ 184, 334 (§ 89 

Anm. i). 
Marcs nom. sg. <[ mos F 996 ( § 89). 
*mastas F 713 (§76). 
Mutarium (= mortariumF) statt Ji£i- 

turtum 82 nach Besser. 20 (§ 30, 

67 Anm. i). 
*mationes F 878 (§ 49 a Anm. 3, 76, 

84). 
menbrum F 404 (§ 70). 
mercati sbst. F 1007 (§ 90). 
Mestrua 5i (§ 71). 
mi < »w:ä/ 34 (§ 105). 
minisiirium F 81 (§5). 
minores = -ibus F 535 (§ 89). 
Mirratum F 660 (§ 69). 
Mirreta <^ metretas 141 (§ 29, 46). 
modicum adv. 342 (§ 98). 
Modolamine F 487 (§ 26 a). 
3^/^j < -as F 782 (§ i8/9)/ in mole 

<-a 164, 282 (§ i8a). 
mo/(fj <[ -/i<?j 9i (§ 74). 
Morus «< »fw F 990 (§ 89 Anm. 2). 
*muli F 1121 (§76). 

Musitatis ^x* 3^2' (§5^ Anm. i, 74). 

mutile F 540 (§ li» 19a, 2^, 46, 88). 

*nasculis F 700 (§ 24. 76). 

nauium < -za 82 (§ 95). 

Nazorei F 230 (§ 25). 

neofitus statt -;^r«J F 1003 ^^^^ Besser. 

72 (§ 42). 
nigris nom. 18^ (§ 88, auch Anm. i). 

nomerus 233 (§ 15). 
nouiter F lOOl (§98). 
nouitius F 1003 (§ 65 a), 
Ohaudire 33^ (§ 122). 
Obclaudere I0|, o- IO2 (§ 122). 
Obmittere 12) (§ 122). 
obtare 19, (§ 39 Ä- 
ObUmates 154, 324 (§ 39/»). 
0^/iVwttj 3j (§ 391», § 97). 
obuiam uenire 183 (§ 99). 



OcuÜe, 'US, O' IO4, 154, 22,, 374 

(§ 74). 
oderare F 907 (§ 26 a). 

*Ofendas F 502 (§ 74). 

Offertus F566 (§ 117). 

Oficium F 81 (§ 74). 

Oliquus F 448 (§ 39/J). 

Olocaustum 32^ (§ 69). 

omnictY II52 (§ 19a, 26a, 52, 65«, 

88). 
Opinantus 93 (§ 72). 
ör/a«ttj 334» 344 (§ 42). 
orrei F 200 (§ l8a). 
ör/ar^/ [plqpf. F 275 (§ 18/J, 21, 115), 
Ortodoxorum 33, (§ 53). 
ospicium 13, (§49Cf). 
öj//a sg. 34, öjft> F 459 < ostium 

(§ 9S> 
öj/ia pl. <^ *hostium 164 (§ 95). 

Otius 33t (§ 65 «). 

pabtäa <i Papula F 347 (§ 36). 

pagritia F 889 (§ 28). 

Palate F 439 (§ 53). 

Palustris = -ibus F 188 (§ 89). 

Paraclitus 142 (§ 8). 

paranypßs 63 (§ 7, 42). 

Parascheve 131 (§ 66). 

patiendo — -/^ 3I2 (§ II3). 

patrua 52 (§ i8a). 

Patruelus 52 (§ 19 a). 

patunt 1O4 (§ 19/»). 

/^c^öra F54 (§74). 

/^t«j, <>rij m. 334 (§ 94). 

/^^w nom. F 1045 (§ 89). 

Peluem 142 (§ 89 Anm. 5). 

Pentateucum 62 (§ 66). 

Pentecontarcos lOj, 34, (§ 25, 66). 

/ifr unde F 304 (§ 99). 

percuräbant •=. 'Curre^ I5i (§iii). 

perditum esse 344 (3) (§ 120 Anm. 2). 

perfacere F 720 (§ 122). 

Peribülum lO^, 342 (§ 24). 

periurare 5^ (§ 122). 

permitere 34 (§ 74). 

Perpetis = -««> 343 (§ 24). 

perpetuis nom. 34^ (§ 88). 

Persuadunt 334 (§ 19 jj). 

*Pessimus 164, 29, (§ 97). 



22 



Pignarus F 1047 (§ 19 a, 89 Anm. 2). 
pi^guis 2O1 (§ 72 Anm. 2). 
pistritam F 255 (§ 26 a). 
pUuphemare F 364 (§ 34, 42, 85 

Anm. 4). 
plus sanus F iiiS (§ 96). 
Pomelio F 1046 (§ 8, 32). 
Pondere nom. I li (§ 89), 
ponius<C.puncttis F 472 (§ 15, 75, 

94). 
porro digressus I2j, — fugatus F \, 

1053, — iactt 344 (§ 99). 
Postergum F 67, 259 (§ 74). 
Postolare IT4 (§ 26 a). 
/^7//ö <C Portio 153 (§ 67). 
precapttatus Ifj (§57 Anm. i, 122). 
Precoce 52 (§ 63). 
Prepucium ij (§ 49 a). 
presumptiose 342 (§ 24 Anm. i). 
presumptose 343 (§ 24). 
pretUus 26s (§ 65 (f)* 
PreuaUtur 342 (§ II9). 
*pretuntu5 act. 341 (§ 120, l). 
*principatum nom. 84 (§ 94). 
Prdblesma F 410 (§51/?). 
Procelles F 1033 (§ 1^/9). 
proiecerent F 705 (§ 8). 
Prominentes <[ -antis 334 (§ 19 a» 113). 
Promulcare 34, (§ 59). 
Pronantiare 19^ (§ 26/9). 
Propiciari 5^ (§ 49 a). 
Propinatur F 1051 (§119). 
prosperatus sum = proper aui 174 

(§ 51a, 120, i). 
Prospiceant 344 (§ 22). 
Prumptus F 1034 (§ 14, 41). 
Prütuaria F 818 (§ 31, 41). 
Prtt/MJ F 608 (§ 14, 41). 
pudor < ^^ör 262 (§ 45). 
/'«/J/te 342 (§ 30). 
-Pw/J/j F 1039 (§ 35, 85 Anm. 4, 89 

Anm. 5). 
puplicum F 223 (§39«, 85 Anm. 4). 
*quaccola F 801 , quacoles F 266, 

quacules F 877 (§ l8/9, 24, 74). 
Quadrie F 1060 (§ 62/9). 
^2/atf = ^tt<z/» 63 (§ 106). 
quaJecumque II4 (§ 106). 



qualtcumque nom. pl. l6| (§ 89). 

Quantotiits 3^ (§ 65 a). 

quartanus F 708 (§ 75 Anm. i, 102). 

que statt m. sg. 194 (§ IG, 106). 

Quociens 35, (§49«)- 

^«tf J < ^u0/ 3i» F 599. F 789 (§ 48). 

*qvoquendum = co* F 864 (§ 63). 

Racha 1I4 (§66). 

*raciuncuh*s 369 (§ 49 a). 

*Radientia < -an/iii 36, (§ 6, II 3). 

*ranta F 352 (§ 96). 

*Ratiotinium 363 (§ 65 d). 

recentis = -üfus F 439 (§ 89). 

Rede = Ä^/^ F 1070 (Besser. 78 a, 

§8). 
Recunpensare 363 (§ 30). 
Recuntiliare F 706 (§ 30, 65 cf). 
Redüre < -/;ftfr^ lOj, 181 (§ 62/9). 
*regi<:rigus F 513 (§8). 
^^£f«w 364 (§ 18 a). 
reiactare F 745 (§ 122). 
reletdare intraos. 363 (§ 129). 
Remitere II4 (§74). 
*remittere intrans, F 738 (§ 129). 
*rennuita 374 (§ 74). 
Repedehat <[ -oöa/ IO2 (§ l, lil). 
retribucio 74 (§ 49 a). 
"^reutiardare F 1075 (§ 76# 80). 
Rinocero[nP]s Ss (§ 71 Anm. l). 
rit F 1070 (§ 8, 19 a, 88). 
*Rita F 1076 (§ 9, 65 d). 
r/^a 283 (§ 19 a). 
*röj, röja F 658, 830, 839, 863 (§ 78, 

85). 
Rubore 362 (§ 15). 
rubrtis F 1065 (§ 88 Anm. i). 
rupis 92 (§ 89 Anm. 5), 
sacrificia sg. F 253, 324 (§ g^). 
sallire F 43T, 964 (§ 74). 
saltiaticus F 463, 825 (§ 28). 
sarcofagum F 616, 133, F 1 117 (§ 42). 
Satapres 373 (§ 67). 
"^scabare F 826 (§ 32, 35). 
*Scabro F 288 (§ 54, 67). 
*scauare F 893 (§ 33). 
^scantio F IO44 (§ 76, 84). 
Scenopheia 373 (§ 42). 
Sciscis 23 (§ 65 y). 



23 



Scisma 143 (§ 66), 

ScopoH F 362 (§ 24). 

Scoire statt coire 224 nach Besser. 56 

(§ 22, 54). 
Scorta sg. 379, jt- sg. 6^ (§ 95). 
*scrabro F II50 (§54). 
scrupolositas 374 (§ 26 a). 
*sculpature statt scuipare 83 nach 

Besser. 19 (§ i8/9, 87). 
Seccare •< -c- F 310 (§ 74). 
secatus mit a aus e F 278 (§ l, il?)» 
Semicintia 144 (§ 73). 
Senetus <[ -a/Mj 152 (§ l). 
Senopide 164 (§ 27). 
seorsum ire 133» — cübare 37^ (§ 99) 
sepelütis F 165 (§ II 7). 
seperat F 526 (§ 20). 
j<r/Af 244 (§ 70). 

*serricellus F 847 (§ 26 a, 29, 74, 94). 
set < -rf 394 (§ 48). 
Setuplum Fl. (§ 39 1»). 
5«<</<> 1 1 j (§ 34). 
Sicitna 174 (§ 66, 70). 
«<r«j F 822 (§ 74). 
simulachras F 453 (§ 66, 95). 
simulacras F 325 (§ 95), 
Singülatim ly^ (§ 72). 
Smaracdus F 1088 (§ 645). 
5ö*ö/<?j 63, 378 (§ 15). 
solamente F 1120 (§ 98). 
solarius F 7 (§ 94). 
solempnitatatem 34 (§41). 
SoUmpniter 374 (§41). 
SoUicius l6| (§ 49 a). 
♦jöma F348 (§ 17, 64 c). 
sora F III (§ 78). 
sorbtt F 514 (§121 Anm. i). 
*sorcerus F 1096 (§4, 22, 49^, 55). 
sordis nom. 381 (§ 89 Anm. 5). 
5öj//> 37j (§ 89 Anm. 5). 
*soiütas 98, 132» 161 (§65«). 
sotius 63, 144, 163, 228 (§65«). 
Spaciosus II 2 (§ 490()* 
spacium I2„ 13 j, 284, 324. 334 (§ 49a). 
*sparniare F 1008 (§ 75, 76). 
5>frt>j 37 j, sP' 158 (§65«). 
5/^a F 1089 (§ 42). 
i/fW^OT F 884 (§ 96). 



j/jVwj F 876 (§ ^6). 

♦j/^^«j F 475 (§ 76, 82). 

Spondidi F II5 (§114). 

*sprendere F 1084 (§ 33. 69). 

spunte F 642 (§ 12). 

Spurtitia 58 (§ 65 cf). 

5/^»fa 378 (§ 74 Anm. 3). 

j/<?rtf/w F 148 (§ 22). 

sterniuit '^ Sternire F 77 (§ 114, 121). 

Stientia 184 (§657). 

-S^V/ö 372 (§ 8)- 

Striaton 9^ (§ 53). 

stuUicia 153 (§49«). 

*stulus -< stupulus F 1097 (§ ^3» 24, 

39 «• 95> 
Subbucula F 338 (§ 74). 

subponere refl. F 378 (§ 129). 

Subsanare 18^ (§ 74). 

Subveere 42 (§ 69). 

sucurrite 374 (§ 74). 

jif/Zar^ F 247, 547 (§ 74). 

*sufrangant statt ^agant F 590 nach 

Besser. 40 (§ 72 Anm. 4, 74, 122). 
sumitate 20^, 283 (§ 74). 
sumpnus F IIOI (§ 12, 41). 
* Super sticiosus F 710 (§ 49 a). 
sursum aspicere Ij» I4it 372 (§99)* 
suspitio 5 2 (§65«). 
sustenere F 827 (§ 122). 
to«^/.- 2>/i;f2/ F 1128 (§ 114, auch 

Anm. 7). 
Tapitudo 383 (§ 35, 85 Anm. 4). 
te = tibt i^ (§ 105). 
teca F 922 (§ 53). 
tempus m. 18^ (§ 94). 
*temto < //w?rtf 52 (§ 8, 22, 118, 121). 
Terebintus 23 (§ 53). 
Teristrum F 169 (§ 53). 
Tesaurizare F 538 (§ 53). 
tesaurus F 538, 27^ (§ 17, 53). 
teula F 436 (§ 60). 
Tiare F 306 (§ i8a, 70). 
ticio 384 (§ 49 a). 
Tobazion 193 (§ 36). 
*tollitus F 674 (§117, 121). 
♦/<>fiz£rÄ F 338 (§ 15). 
Topartias statt Teopartias lo^ nach 

Besser. 31 (§65/?). 



24 



Torax F 474 (§ 53). 

*toxa F 986 (§ 16, 59, 61, 64/9). 

frohere intrans. 7^ (§ 129). 

Tramüam F 482 (§ i8a). 

/ranj alare F 1 132, 1 133, — nauigare 

F 585, — «fli/ifrtf F 586 (§ 99). 
transiehant 15^ (§ in Anm. l). 
Transüiuit F II33 (§ 114). 
Turbolentus 384 (§ 26 a). 
luribulum F 1126 (§ 53). 
*/«r/a „Torte" F 432 (§ 12). 
Tymphanum i%^ (§ 42). 
tyrus F 1071, 383 (§ 19 a, 89, Anm. 2). 
übt « ywö F423, 10, F 652, 35j (§ 99). 
ultissimus F 999 (§ 97). 
«Ära alare F II24 (§ 99). 
*unde = übt 81, 84, F 466, 164 (§ 99), 

= abl. instr. S^, 1O4, r2i, F 771, 

174, 222 (§ i28);/tfr unde s. u. per. 
*ungtientibus F 231 (§ 89). 
»ff^m F 1059 (§ 124, s. Besser. 77). 
untta 48 (§ 66/^). 
unus unbest. Art. 43 (§ 104). 
Uridine F 177 (§ 8). 
utüitatü nom. 22^ (§ 89). 
Uulcio F 792 (§ 15, 49/9). 
Uulciscens F 800 (§ 15). 
uunctus 3O2 (§ 16, s. Besser. 70). 
£/«j«([7 F II 49 (§ 16, 49/9). 
«jp// F 339 (§ 73). 
Uacantem < -/jaot F 687 (§ 65 S). 
uacari = -^- 7^, uacuatus = ua^a' 

tus F 17, 1160 (§58, 63). 



UaUtudo F 1154 (§ 26 a). 

«aj < 'is F 604, 122» I3i (§ 89). 

W?^//a/ F 19 (§ 22). 

uendere inf. pass. I2i (§ 119). 

uermus F 769 (§ 93). 

Uesiculum F 335 (§ lO, 95). 

uestimenta sg. I9i, F 1103 (§ 95). 

uice „mal" F44, 60, 599, 789 (§ 102). 

*uictare F 891 (§ 49 a). 

Uicini <^ -tf«z* 93 (§ 26 a). 

£/zf:/a = -tta 3I1 (§ 64 a). 

uictum nom. 223 (§ 94). 

uincisti 64 (§ II 4). 

«irw = 'US 38 (§71). 

«wzfra F 347 (§ 28). 

ttz/iÄ „Wicke" F 572 (§ 65 a). 

*uiuendi statt uiuanda F 788 (§121 

Anm. i). 
uiuent = -««^ 224 (§ 19/8). 
Uixülum F I159 (§ 27). 
tt<7Äfj für «ir F 551 (§ 123). 
uolumpta' = uolunta- I4, F 127, 164, 

3i» 42» 72* 74. 161, 3O2, 308» 372» 

393. 394 (§ 41 Anm. I). 
uolumptcste 3O2 (§ i). 
uoluntas = uoluptas II4, 164, 2O3 

(§ 41 Anm. I). 
uoluptas =s uoluntas 8| (§41 Anm. i). 
^uuadius F 285, IO47 (§ 7^» 80, 85, 

auch Anm. 2). 
*uuapces F 288, 1150 (§ l8/9, 76, 

80). 
l^n^m 193 (§ 69). 



3. Wortbestand. 



über den vorüehmlichen Zweck dieses Vokabulars, eine Er- 
gänzung zu Körtings Lateinisch-romanischem Wörterbuch zu bilden, 
und über »die aufserdem für die Auswahl der hier aufgeführten 
Wörter mafsgebenden Gesichtspunkte s. die Einleitung am Schlüsse. 

Wörter mit Majuskel treten im Glossar als Lemmata, Wörter 
mit Minuskel als Interpretamente auf. 

Der Einheitlichkeit halber zitiere ich im allgemeinen nur die 
von Foerster abgedruckten Glossen, und zwar hier einfach nach 
ihrer Nummer in der 2. Aufl. des Afranz. Übungsbuches. Bei er- 
wähnenswerten Wörtern aus von Foerster nicht abgedruckten Glossen 
füge ich diese hier, je nach Bedarf sämtlich oder in Auswahl, ein. 

Abortiuus (829): sard.^ aurttvu\ it. abortwo, pv. cat. abortiu^ 
franz. aboriify sp. ahortivo^ apg. ahorsivo (cf. pg. aborso < abortus) 
mit gelehrter Erhaltung des b gegenüber sard. avortire^ franz. avorter^ 
avorion, 

abscondere (536, 667): afranz. escondre, 

Absinthium (850): Diez AR Gloss. S. 40 führt an pv. ätssens, 
encenSf rtr. issienz und afranz. tissen •< aussen, das Godf. nicht kennt. 
Die Volkstümlichkeit des Wortes wenigstens auf einem Teile des 
franz. Sprachgebietes beweist sein Fortleben in modernen franz. 
Mundarten: die Tafel absinihe des A. L. belegt das Wort in Erb- 
wortform an 12 Orten: D6p. Basses- Alpes (3 mal), Hautes Alpes 
(2 mal), Landes (2 mal); Italie (3 mal). 

Absorbere (354, 783, 785): mer. assurbtri, it. assorbire. 

abiindantia (196): it. abbondanza. 

abimdare (393 Uberrimum: abundantissimum): it abbondare 
(asp. apg. abondar\ 

Acoendere (787): log. azzendere, pv. acendre, asp. apg. accender, 

aoedia (477): zum Auftreten dieses Wortes in der Glossen- 
literatur s. Landgraf, AlLex. K, S. 359. 

Acer (20| Acer: ager): sard. agru, argu, 

aouoiilio (849) ist gegenüber Kört. 146) acucülto anzusetzen 
als Augmentativbildung zu acucüla: cat. agullö* 

adbattuere (502, 1012): log. abbaitire, mer. abbättiriy set. ab- 
battij cat. abdirer. 

ad dentes = afranz. adenz s. u. dens. 



^ Das Sardische wird im Folgenden Öfters geschieden in das Logudore- 
sische (log.), das Nordsardische (set.) und das Südsardische (mer.). 



26 

Adeps s. u. aleps, 

ad(h)astare (i 151): das von Diez, ARGloss. S. 52 daranter ver- 
mutete afranz. ^ahasier ist nicht zu belegen, mufs aber vorhanden 
gewesen sein nach Ausweis von afranz. ahaste sbst f. „Eile", dhasiif 
„eilig". — Vielleicht mit unserm Worte identisch ist adasiare Zeumer, 
Diplom. S. 130, 16 (etwa = „herzuströmen", „zahlreich teilnehmen"?), 
das die Addenda lexicis lat. AlLex. II S. 1 1 1 als ad-astare deuten 
unter Hinweis auf ad-alligare bei Plin. maior. (s. § 7 g). 

adiungere (315): cat. adjunytr, 

adorare (29): sard. adorä etc., pv. azorar. 

Adredare s. u. redare, 

aeramen (326): log. rämine^ mer. ar ramint, set. rämu. 

Aerugo (182 Erugo: genus uermis): log. ruinzu (mer. arruinu 
= aerugo + rubtginem?). 

aestimare (104, 442, 522): log. istimare, set. istimä, mer. stimai, 
altcat. esmar. 

aetas (109): log. edäde, mer. edädt, set. eiai, cat. edat, 

affigere (84 tahulata quae ah inferiore parte irabibus adfiguntur): 
cat a/egir „unir, apegar una cosa ab altra". 

affligere (243, 414, 1I3 Torqueiur: adfligetur, 2O1 Adieriiis: 
adfligiiisy 20^ Affectus: afflictus): log. affrigtre, mer. affligiriy set. 
affligi, sp. afligir, pg. affUgir. 

Agger (241): log. ärgine, set. argini, 

aggrauare (221): it. aggravare, afranz. agrever, cat. sp. agravar, 
pg. aggravar. 

albor (22^ Candor: albor): sard. it albore, pv. sp. albor, afranz. 
aubor, pg. alvor „Helligkeit, Morgenröte". 

aleps (845): afranz. auve noch nfranz. fortlebend mundartlich 
in Beauce, Orleannais. 

alienare (829): pv. alienar, afranz. aliener, alegner, cat. (en)' 
agenar, asp, ajenar, pg. alhefijar meist „verändern", „aufser sich 
bringen", „das Bewufstsein verlieren lassen". 

allodum (902}: germanisches Lehnwort entsprechend einem 
anfrk. all -}- öd <C, aud = ano. auSr, ae. ead, ahd. öt: cat alou. 

aloxinum (850): das wohl zuerst im Anthimus 15 (s. Valentin 
Rose, Index) auftretende Wort, zu dessen Verbreitung bei K 529) 
afranz. ' aloisne, pv. aluisna nachzutragen, lebt noch in modernen 
franz. Mundarten: die Tafel absinihe des A. L. weist unser Wort 
auf in 6 Ortschaften: Dep. Pas de Calais (284, 285), Dep. Indre- 
et-Loire (406, 408) und Suisse (977, 978). 

amaricare (660; s. Bess. 41.): cat amargar, 

amator (261 Filosofus: -sapieniia): sard. amadore, it. amatore, 
pv, amaire, amaire, amädor, cat. sp. pg. amador. 

ambulator (34^ Profectores: 'es)\ sard. andadore, pv. anaire, 
anador, franz. alere, aieor, altcat. anador, sp. pg. andador. 

ambulare (61, 133, 389, 638, 925; in synkopierter Form 
alare 1030, 112 4, 113 2, 113 3): sard. andä etc.; cat anar. 

amplus (543): sard. ampru, cat. ample. 



27 

anaüare {452, 510, 697, 722, 831, 862, 867): Über das 
romanische Fortleben dieses germanischen Lehnwortes, das nach 
Kluge, Pauls Gdr. der germ. Phil., 2. Aufl., I, S. 333 auf einen 
Typus *anatjan entsprechend ahd. anazzen „anzeigen" zurückgeht, 
s. K 628) s. V. änazan. S. unsere Lautl. § 49 a; Diez, ARGloss. 
S. 41; G. Paris, Comptes rendtis des Seances de T Acad6mie des 
Inscript. et Belles-Lettres 1893, S. 92 Anmerk. Über die Formen 
des Wortes im Afranz. s. § 76. 

anoilla (144): pv. ancela. 

Angariare (510, 831): sard. iL angariare „plagen"; pg. an- 
gartar „zinspflichtig machen^S „liebkosen". 

angustiare (784): altcat. angöixar, 

angustiosus (2O4 Anxius: — ): das zuerst bei Gregor d. Gr. 
belegte Wort, zu dem s. Löwe AlLex. I, S. 22, ist erhalten in pv. 
afranz. angoissos. 

Anxiari (784): sard. ansare. 

aptiis (81 Docilis , , , ad docendum — ): sard. aptu^ it. atio. 

aqua (239, 584, 737, 394 Uligo: sordes ? aque): log. abba, 
set. ebuy cat. aygua. 

arbitrium (8^ Optio: eledio .potestas . arhitrium . lihera uoluptai)', 
sard. ärhüriu „facultade de fagher o non fagher", cat albedriu, 

arcarium (92 Archariis: custodes archarii)\ afranz. archiere f. 
„cofFre" < arcaria. Sollte hierzu auch sp. alqueria „casa de la- 
branza", pg. alcaria^ alqueria „casa de campo para guardar os 
instrumentos de lavoura; cabana" zu stellen sein mit ähnlicher 
Akzentverlegung wie in arhitrium >• alhedriol Bedeutungssttifen 
wären „Lade", „Behältnis", „Geräteschuppen". 

ardor (48): sard. it. ardore, afranz. ardour^ pv. cat. sp. pg. ardor, 

Area (447, 851): sard. scheint fortzuleben nur das Diminutiv 
ariöla > log. arzola, mer. argiola, set. agliöla. 

Aridus (822): log. mer. ariduy set. ärritu (sp. pg. arido\ 

Armentum (54): sard. armentü\ afranz. arment scheint nur in 
Übersetzungen aufzutreten. 

Armilla (92 — .* propria uirorum\ 838): it. pv. armiHa, franz. 
armilleSf sp. pg. cat. armilla^ afmilha können Nvegen der Erhaltung 
des 1 nicht als Erbworte betrachtet werden. Erbwortlichen Laut- 
stand zeigt nur die moderne Dialektform armala (Suisse romande): 
„oreille d'un vase de bois", während afrz armeilles (reimt bei 
E. Deschamps.- or eitles) auf eine Form mit Suffixtausch < *armicula 
weist. Über den gelehrten Charakter von armilla im Romanischen 
s. Cohn, Suffixwandel S. 54. 

Ascia (181 — .• genus ferramentt): Godf. belegt ein einziges 
Mal afranz. aisse, 

aspeotus (274 ab omine (= hominum) aspectu remoti): sard. 
aspectUy ispectu^ it. aspetto, afranz. espit in der Redensart voir a espit 
„vor Augen sehen", z. B. La Charrette, Vat. Chr. 1725 i^ 33a: Et 
a mis la chose en f espit JusqtCa tant que voie a espit Un bon lieu\ 
apg. aspeito. 



28 

Attendere (iS^ Adtendite: inteliegiie), aitendere (324 Olnixis: 
adtenits)\ log. attlndere (mer. -1), set. attendiy cat. aiendrer, 

attenuare (814, 11 29, 383 Tabesdi: -i): scheint mir fortzuleben 
in der heutigen Mundart von Noiron-sur-Beze (Cote d'or) in etene 
„etourdir, ennuyer, fatiguer". 

atterrare (23^ Cosiuprare: ad-): sard. aiterrare „abbattere, de- 
molire, umiliare, confondere" it atterrare „abbattere, buttar a terra, 
violare", pv. atterrar „renverser", cat. aterrar „abitrer, humillar", 
sp. aterrar „echar por tierra", pg. aterrar „derrocar, derribar". 
Von allen diesen Bedeutungen deutet nur die it. Nebenbedeutung 
„violare" die Richtung der Entwicklung an, die in der Mundart 
unseres Glossators die Bedeutung von atterrare zweifelsohne ein- 
geschlagen hat, nämlich von „zu Boden werfen" > „notzüchtigen", 
eine Entwicklung, die eine völlige Parallele findet in der des Verbs 
culhuter^ als dessen Bedeutung Sachs nur „Hals über Kopf herunter- 
werfen, stürzen, zu Grunde richten" gibt (auch der Nachtrag kennt 
nur intr. culhuter = faire la culbute „sich [beikommen] lassen"), 
dessen zweite, aus der ersten entwickelte Nebenbedeutung „foutre" 
jedoch z. B. bei Zola bis zum Überdrufs zu belegen ist, sporadisch 
sich übrigens auch schon in der altern Sprache findet so z. B. So- 
rel, Francion, S. 311 der Bibl. Gaul, „mademoisel/e, aimez-vous Uen 
ä itre culbutee"' nach dem Zusammenhange unbedingt = foutue. 

Zu dieser naheliegenden Begrifisübertragung cf. deutsche Euphe- 
mismen wie „ins Gras werfen", „auf dem Rücken liegen" usw. 

axalis (geschrieben ascialis 824): Suchier (Afranz. Grammatik 
S. 87 Anm, i) zitiert unsere Glosse zur Entscheidung der Streit- 
frage des Etymons von afranz. atssieis. In der Tat kann nach 
der Lautlehre unseres Denkmals hinter ascialis sich nicht das von 
Koschwitz vorgeschlagene Etymon axellus verbergen, das K. 1106 
„am meisten befriedigt". S. § 2. 

baiula (416): afranz. haile^ haille. 

bansta (581): als bodenständiges Wort, wohl zu gotisch hansts 
gehörig (s. Diez, Et. W. s. v. benna)^ lebt dies germanische Lehn- 
wort noch heute im Nordost-franz., so im Dialekt von Puilly par 
Carignan (Ardennes): bäs „grofser Korb zum Trüifelsammeln". In 
wallonischer Form (s. Marchot, RF XII, S. 645) ist das Wort ins 
Schriftfranzösische übergegangen: banse f. „grofser Warenkorb". 

baugus (838): germanisches Lehnwort entsprechend anfrk. 
baugy ae. beagy ahd. boug. 

bestia (780, 261 Ferarum: "Um): cat. bitxa, 

bibator (563): nur afranz. bevere, beveory das nicht mit K. 1362) 
auf bibitor zurückgeführt werden kann, auf das andere roman. 
Sprachen (ergänze ibd. sard. bidore) zurückgehen. 

bisacoium (425): Diez AR Gloss. S. 28 führt npv. biassa an, 
Mistral biasso, besafo, bigasso etc.; cat beassa^ sp. hizazas f. pl. 

blista (931): afranz. bleste, blestre „petite motte", s. K. 1477) 
s. V. bh'ster; nfranz. mundartlich fortlebend als Verstärkung der 




Negationspartikel, so pikard.-normann. (vallee d'YSres): «V in quit- 
tera point une hielte „er wird dir auch nicht ein Krümchen hinter- 
lassen". 

Botrys (858): eine Augmentativbildung hiervon ist wohl log. 
hudrone^ set. hutroni „Traube". 

bninia (474): germanisches Lehmwort entsprechend ano. 
hrynjüy anfrk, ahd. hrunnja. 

buloare (894): Diez, ARGloss. S. 43 stellt dies Wort zu 
mlat bulitcare, das nach ihm sowohl „abstumpfen" heifsen konnte 
(von bulla Kopf oder Hut des Nagels, woher auch franz. boulon 
„Nagel mit dickem Kopf") als auch („von bulla Wasserblase") 
„sieden, wallen, Blasen werfen, sich bewegen" = it. bulicare^ pv. 
bolegar, franz. bouger. 

Diese Herleitung, für die zweite Sippe einleuchtend und anerkannt, 
erscheint mir für die erste keineswegs unbedenklich, da Duc. für 
mlat. bullicare nur „menstnlo, puerili sanguine inquinare" gibt, was 
sich höchstens zur zweiten Sippe in Beziehung setzen liefse. — 
Was zunächst die Glaubwürdigkeit der Überlieferung unserer Glosse 
Ebitatum (= hebeiatutn nach Bess. 58.): bukatum betrifft, so wird 
sie erwiesen durch ein von Diez übersehenes, im nfranz. veraltetes 
(Sachs „ + ") reboucher „stumpf machen" (neben unveraltetem Homo- 
nym „wieder vollstopfen", das erst im 15. Jahrhundert als Neu- 
bildung zu boucher „(den Mund) stopfen" auftaucht, während afranz. 
rebouchier ausschliefslich „emousser, f ausser" bedeutete). Afranz. 
bestand des weitern ein Simplex bouchier „in Garben binden" und 
ein sbst. f. boiiche = „botte, fagot". Zu diesen Worten, denen vlglat. 
*bulcare, *bulca entsprechen würden, stellt sich in modernen franz. 
Mundarten wallon. buji „(zusammen)hauen", bw^ sbst. f. „Klotz" z, B. 
in der Redensart tps to bw^ „du bist verrückt" in den Dialekten 
von Malmedy und Weismes, welche Formen nach der Lautlehre 
dieser Mundarten ein vlglat. Substrat Hulc-ia, Hulc-iare erfordern 
würden (s. auch böge sbst. m. = „Rumpf, Stumpf" bei Grand- 
gagnage). 

Das gemeinschaftliche Etymon dieser ganzen Sippe erblicke 
ich in einem germanischen sbst, das wir in mndl. bulck „Masse, 
Rumpf, Stumpf" erhalten sehen, von wo es in gleicher Bedeutung 
ins Englische {bulk) übergegangen ist. Ein vielleicht unter Einflufs 
von la masse als fem. gebildete Lehnwort Hulca, *bulcta konnte seine 
Bedeutung „Masse, Rumpf, Stumpf" nach zwei Seiten entwickeln, 
nämlich einschränkend zu „Baumstumpf, Ellotz" (so wall, buy^ oder 
erweiternd zu „Haufen überhaupt" > „Haufen Getreide" > „Garbe" 
(so afranz. bouche). Ein zugehöriges Verb, das bulc^are unserer 
Glosse, mufste heifsen „um Stumpfe machen, abstumpfen" (so afranz. 
(re)b(mckier\ woraus sich wallon. buji „(zusammen)hauen" ohne Mühe 
entwickeln konnte. 

bustiola s. u. pyxidiola, 

oaloaneum (881): log. calcanzuy mer. cargangiu, cracängiu^ pg. 
ccdcanho. 



30 

oäloeariua (869): altit. calzaio „calzone", afranz. chaucier y,soti* 
Her, chaussure", pv. caussür „chausses". 

Caligo (276; 731 = 222 — : tenebre): alle drei Glossen geben 
übereinstimmend als Bedeutung „Finsternis^, woraus zu schliefsen 
ist, dafs der Glossator, falls seine Mundart das Wort noch kannte, 
es in anderer Bedeutung brauchte. Was nun das von EL 1754) 
s. V. caligo angeführte afranz. chaline (dessen Bedeutung „chaleur, 
inflammation" sich übrigens durch die Zwischenstufen „Dunkelheit 
beim Gewitter" „(Gewitter-)Schwüle" erklären liefse) betrifft, so bietet 
es in seiner Endung eine lautliche Schwierigkeit (cf. vertigo > 
(ajverttn) und ist daher richtiger als Weiterbildung zu dem auch se- 
masiologisch näherliegenden ccäor zu betrachten. Dagegen lebt 
caligo in tadelloser Erbwortform in afranz. chalin „brouillard" „ob- 
scurit^" in pikard. und anglonorm. Texten. Demgegenüber befremdet 
zunächst die dreimalige Erklärung von caligo als tenebre^ ein Wider- 
spruch, der sich dadurch löst, dafs die ursprüngliche Bedeutung 
des Wortes nicht im ganzen franz. Sprachgebiet erhalten blieb. 
Denn unser Glossator kennt caligo als Interpretament, d. h. als Erb- 
wort seiner Mundart, in der abgeleiteten Bedeutung „Unwetter", 
„Gewittersturm" in 

82 Turbinem: uim uentorum . tempesiatem . caliginem . procellam, 

einer Bedeutung, die sich noch heute im Patou von Poiton [chalin 
= „orage") erhalten hat und die der heutigen des Wortes in 
Bessin und Aunis {chalin = „eclairs sans tonnerre") als Zwischen- 
stufe voraufgegangen sein mufs. Gleichfalls aus der Bedeutung 
„Gewittersturm" in unserem Texte scheint entwickelt über „(Gewitter-) 
Schwüle" die Bedeutung „chaleur", in der die Mundarten 370 

(kälen) und 259 {kälhi) des Departements Seine inf. (Tafel chaleur 
des A. L.) unser Wort bewahren. 

Zur afranz. Bedeutung von chalin „brouillard", „obscurit6" cf. 
noch it caligine „vapore, nebbia" neben caleggine „fuliggine". 

oallum (94 Callis: semita paruula dicta eo quod quasi calle (= -<?) 
memuretur): set. caddu, log. mer. callu. 

oaninus (223 Cinomia [= Coenomyia nach Lautl. §7]: musca 
canina): so it mosca canina^ sSranz, mosche chenine; ssltö.» caninu, it. 
sp. pg. caninOf pr. canin, cat. cam\ afranz. chenin, noch nfranz. mund- 
artlich fortlebend in Lyonn. chanin „mauvais, aigre, hargneux", 
Guernesey gu'nin „mal foule" „mal drape". 

oapanna (1137): K.s 1683) s.v. cabanna ausgesprochene Be- 
hauptung, Isidor's Schreibung capanna stehe der Ableitung von capio 
zu Uebe statt cabanna y wird durch die it. pv. sp. pg. Formen des 
Wortes widerlegt, die, in Übereinstimmung mit unserer Glosse un- 
bedingt capanna fordern. 

oapitale „Kopfkissen" (644): log. cabidäle, set cabilali „Kopf- 
kissen", afranz. chevel „chevet". Von gleichem Stamme gebildet 
sind capit'iale > it. capezzale „Kopfkissen", capit'iolu > afranz. cheve» 
fuel „oreiller, chevet, traversin" oder mit Suffixtausch chevecel (reimt 
cmoncel) in gleicher Bedeutung. 



31 

oapulare (78): das wohl zuerst Anthimns 75 auftretende Wort 
ist belegt ferner Lex Burgund. m, 5; s. auch Lex Sal. Gaul S. 44. 

oarioa „Feige" (439): log, cärtgäf sei. carica {gegenüber ßgu 
siccada mer., ficasiccu gal.) = \\^fico secco in der Bedeutung baga- 
teUa, z. B. nCimporiai una cariga = „da geb' ich keinen Pfifferling 
drum." 

oarrioare (437, 1019): log. garrigare\ zum Auftreten des 
Wortes in der Glossenlitteratur s. Landgraf, AlLex. IX S. 426. 

Cassus (1O2 'ain\ uanam .inanam, 22^ -a: uana.uacua): das 
gemeinromanisch erhaltene Wort wird also mehrmals in seiner lat. Be- 
deutung erklärt, ein Zeichen, dafs die Bedeutungsverschiebung zu 
afranz. guas „casse, brise, abime, abattu" bereits vollzogen. 

oastellum {32): sard. casieddu^ cat. castelL 

Catulus (873): cat. f j/Ar<7. 

oausari (627) „reden, disputieren": entgegen Mackels auch 
von K. s. V. angenommener Ansicht ist nicht ein germanisches, 
übrigens nirgends anzuknüpfendes got *kaus6n entspr. ahd. kösön 
das Etymon zu afranz. cpser^ nfranz. causer „plaudern, reden"; viel- 
mehr ist umgekehrt afranz. rpx^r Erbwort aus \dX.camari „eine causa 
haben", woraus ahd. kösön entlehnt 

Cimex (870): czX, xinxa. 

oimicella „Wänzchen" „Milbe" (870): nfranz. mundartlich 
fortlebend in Bern (Champ.) sinctle „ciron". Dagegen ist afranz. 
das Wort aus naheliegenden Gründen nicht zu belegen; die von 
Godf. s. V. cincele mit dem eben behandelten Dialektwort irrtümlich 
zusammengeworfenen afranz. Formen cincele , ctncenelle^ cincerelle, ci" 
cindelle „moucheron, cousin" haben damit nichts zu tun, sondern 
sind Ableitungen vom Stamme zinz-^ betreffs dessen s. Wortbestand 
s. V. zinzella, 

oinoella s. u. zinzella, 

oingiilum (89, 509): sard. aVi^r^i, chingia\ csX. cingla, 

oinnare (751} „winken": zum Auftreten dieses bisher nur 
unbefriedigend erklärten Stammes in der Glossenlitteratur s. Land- 
graf, AlLex. IX, S. 398. 

Cinomia s. u. caninus, 

oircitor = ctrcu{m)iior (937): sard. it afranz. ersetzt durch 
*circaior in der Bedeutung „controleur, inspecteur, surveillant", in 
der auch circitor inschriftlich (Pirson S. 239) erscheint Zur Be- 
deutung „Herumtreiber" unseres Wortes, dessen /»-lose Form 
Bücheier für Petr. 53, 10 (Hs. circumitore) in den Text setzt, s. die 
Bedeutung „Hausierer" UIp. dig. 15, 3, 5. 

olauus (1035): \og, giäu^ mer, crdu, cdX. clau. 

ooour westgerm. = ostgerm. qiwarus (922) „Köcher": Über das 
Verhältnis dieser Formen zueinander und die im Texte (bessere in 
cuipra nach Bess. 61) vorliegende Form s. § 85, Anm. 3. 

oogitare (446, 993): cat cuydar, 

Collatio (714 B» 223, 224 Con-: conferentia): diese dreimal 
auftretende Glosse belegt anderwärts Löwe, AlLex. I, S. 23. 



3^ 

Comitatus (670): in abgeleiteter Bedeutung mer.con^u „cam- 
pagna ad inghiriu de sa citade", cat conda/ „dignitat y domini 
del comte". 

Comparare (150, 779): nur sard. cumparäre etc. bewahrt die 
lat. Bedeutung des Vergleichens, Gegenüberstellens: „paragonare, 
confrontare". 

comparator (663): pv. compraire, comprador, 

Complaoere (770): \og, cumpidghere, sei, cumpiazt, it. coniptacere, 
pv. complazer (afranz. ein Beispiel in Übersetzung!), cat. compldurer^ 
pg. comprazer (sp. complacer). 

oomplere (142): sard. cumpltre etc., cat. cumplir^ pg. cumprir, 

oonoambium (772): it. concamhio^ sp. concamhio] miat. Belege 
für das Wort s. z. B. Index zu Mon. Genn. Leg. II 2. 

oonferentia s. s. v. Collatio, 

Confioere (190): zur Bedeutungsentwicklung des Wortes im 
sard.: log. cunfäghere^ mer. cunfat, set cun/ä „esser giov^vole" cf. lat. 
iuvat „hilft" und „freut". 

oonfringere (172 Conltdo: -0, 222 Conlidit: -it, 2^^ ContriuisH: 
con/registi): afranz. confraindre, 

oongaudere {417, 668): pv. conjoir „föter, aflfectionner, sa- 
vourer, goüter". 

conquassare (1058): s?ücd, isconquassäre etc., it. conquassare^ 
pv. concasar, 

consequi {846): sard. consighire etc., afranz. consievre^ pv. coS' 
seguirf cossegre^ sp. pg. conseguir, 

Conspeotus, us (32 Non sum fraudatus a -u tuo id vtsio tua 
non fuü subiracta, ig^ In cunspectu meo : ante ine) : it. cospetto, apg, 
conspeito, 

Conspergere (255): it. cospargere, 

constringere (217, 174 Urgeat: -0/, 2O2 Amplectus: -ctus^ zi^ 
Conpescere: — ): set custrigniy cat constrinyer, 

oontaliare {1106): ^it^nz. contaillier bei dem Trouvere beige 
J. de Baisieux. 

oontentio (31, 122, 979): zh2Jiz, contengon^ ys.contenson^ altcat 
contenzö „Sireitgedicht" „Streit". 

oontingere (313): afranz. containdre „erreichen". In 174 
Nouerat: contingehat ist das Verb unpersönlich gebraucht = „es 
begegnet mir, stöfst mir zu", eine gmroman. Ausdrucksweise; cf. it 
contingere „accadere", asp. ctmtir „acontecer". Zum Bedeutungs- 
übergang cf. it toccare^ das „berühren" und unpers. „zustofsen" in 
sich vereinigt 

contomare {l^^ Conuertaniur : coniurnent): ii. contomare^ afranz. 
contomer, asp. contornar, 

oonuenientia (601): sard. cumhenünzia^ it conveniema^ afranz. 
covenancty pv. covenensa, cat. covinmsa^ pg. convinga, 

conuentus {559, 223 Co\g\itus: simul -, 26^ Forum: mercatum . 
-/»): voLcr, guvhtiUy csX, cavent 

ooquere (864): log. cdghere, mer, cdirt, set. cozt\ cat cöurer. 



33 

corliim (342 s. u. Bess. 74): log. cdrzu^ mer. crbxiu^ set cbgliu\ 
cat cuyro, 

Crabro (288), crdbro {1150): zum Vorkommen des Wortes s. 
Landgraf, AI Lex. IX, S. 424. 

cremaxe (1O3 Torren: st'ccari, -u assart): it. cremare, afranz. 
cramer (vom gleichen Stamme pv. cremor „Brand, Hitze"). 

crenare {291): afranz. fr^w^r „entaillier"; rr^»/ = Fimbriatus, 
= chiquet6 comme creneaulx s. Godf. s. v. Über grinitam unseres 
Textes statt grinatam s. u. Bess. 6. 

cuffia (169): pv. cofa^ cat. cufia\ s. K 5339) s. v. *kupphja, — 
Schon Venantius Fortunatus kennt das Wort, dessen Herleitungen 
nicht befriedigen können, s. § 83. 

oultura (34 In uestram coloniarni in uestram , , , culturä): pv. 
coltura „Bebauung, bebautes Feld". 

Cymbalis: cymhlis (821): ssud. cembulu^ afrdiuz, dmble, cimbre, 
pv. cat. cimboL 

danea (447,851) „Tenne": dieses „Grundwort von ahd. /^/^m" 
(Kluge, Pauls Grdr. der germ. Phil. 2. Aufl., I S. ^^2) lebt nach 
Ausweis des A. L. (Tafel aire) noch heute in den Patois von Liege 
(196) und Namur (197). Sonstige Belege des Fortlebens bringt bei 
Marchot, R. F. XII, S. 646. 

darnare s. u. exdarnare. 

defendamentum (1134): ^y, defendemeny ^Xr^nz, de/endement 
zitiert Diez, ARGIoss. S. 52. 

degannare (129, 523, 659, 29^ Inridehit\ deganah't: das Afranz. 
kennt 6 inen anglonorm. Beleg für deganer, das Pv. ein Verbalsubst 
degan. Das Wort lebt aber noch heute mundartlich in Bessin: 
deganer „contre faire". S. auch u. ingannare. 

dens (782). Beachte adverbiales ^^ad denUs"' in 43 Pronusi 
qui a deni^ iacet, dem nur afranz. adenz^ nfranz. y^sur les denis^ ent- 
spricht. 

desuper (333, 44 IncuhahiV, desuper pendehat) : afranz. desor, 

discollocare (537, s. Bess. 38.): nfranz. decoucher „aus dem 
Bette vertreiben"; afranz. Belege fehlen Godf., auch Supplem., da- 
gegen belegt transit. descolchür Littre im Job 462: „/<?j tenehres de 
ceste nuit qui descolchent et despitent la iumiere^''y also etwa „ver- 
drängen" „bekämpfen", wozu das von unserer Glosse geforderte 
„vertilgen" ungefähr stimmen würde. — Altit. scorcare^ pv. descoigar, 
sp. pg. descolgar weisen keine ähnliche Bedeutungsnüance auf, sind 
daher wohl als jüngere Zusammensetzungen zu betrachten. 

disligare (591, 694): Über den Ursprung des unlat. Wortes 
s. Diez, ARGIoss. S. ^2, 

diumalis (963) „Morgen Landes": Diez, ARGIoss. S. 45 ver- 
weist auf afranz. pv. 2&^,jornal in dieser Bedeutung. Das Wort 
lebt noch heute im wall.: Weismes dSornä, Malmedy dzürnä „arpent", 
s. auch u. diurnus. 

Biumus (i2i 'Ol unius diei spacio): läfst schon die gemein- 
romanische Substantivierung des ursprünglichen Adjektives in der 

3 



M 



Bedeutung „Tag" erkennen. — In den Ardennen (Puilly) wird es 
mundartlich für diurfialis (siehe oben) gebraucht: dfo „arpent". 
Cf. dazu unser südd. „Tagwerk" = Morgen. 

dolare {5): afranz. doler „glätten, hobeln". 

efifugare (1O3 Ahire: — )\ s. u. fugare, 

Effondere (737): \\^ effondere^ dSt^nz, effondre „vergiefsen, zer- 
streuen", refl. „mager werden", sp. efundir^ pg. effundir. 

exbullire (886) : it. sbollire, afranz. eshoillir^ pv. eshultr, 

exoauare (826, 893): das so schon von Diez, ARGloss. S. 39 
gedeutete scauare der Hs. lebt in it. scavare^ wall, haver^ sp. escavar 
(Fortleben des Simplex s. Diez ibd.). Anders Kluge, Pauls Grdr. 
2. Aufl. I, S. 333, der in scauare ein germanisches Lehnwort sieht: 
„das Ztw. scabare , schöpfen' zeigt keine Lautverschiebung, aber 
vlglat. Erweichung der Tenuis", wozu s. Wortbestand s. v. scabare, 

exool(a)pare s. u. sculpare, 

excol(a)patara s. u. sculpatura. 

exdamatus von exdamare „verwirren" „schwindeln machen" 
(1156): das Verb lebt nfranz. in der Form ßdami oder ähnlich in 
folgenden Mundarten (A. L. Tafel itourdir)\ Vosges 59, Alsace 85, 
S.-et-Marne 210, Yonne 117, Aube 122 in der Bedeutung itourdir 
„verblüffen, verwirren, aus der Fassung bringen", fdarni „bestürzt" 
entspricht also hinreichend dem esdarnaius: Uecors „der Besinnung 
beraubt" unseres Textes. Damit ist die korrekte Überlieferung 
unserer Glosse ein für allemal gesichert und gleichzeitig die von 
Rönsch, Jahrb. VII, S. 7 1 — 72, ausgesprochene Vermutung, esdarnaitis 
sei „eine romanisierte Umbildung des lat. exiematus, das ganz die 
gleiche Bedeutung wie vecors hatte", als lautlich unzulässig erwiesen. 
Ich erblicke den Ausgangspunkt der ganzen Wortsippe, von der 
wir bisher nur das Verb exdamare > fdarnS kennen gelernt haben, 
in dem germanischen Adj. darni = ahd. tarnt, ae. dyme „heimlich, 
versteckt". Mit einer naheliegenden Erweiterung des Sinnes zu 
„in Dunkel gehüllt" „verdutzt" finden wir dies Wort im Afranz. 
als darne, daurne (bei Roquefort ohne Stellennachweis, fehlt Godf.) 
„etourdi, fou" wieder. Dieser schon etwas übertragenen Bedeutung 
gegenüber hat sich die ursprünglichere, „in Dunkel gehüllt", bis 
auf den heutigen Tag erhalten in der Mundart von Puilly (Ardennes) 
in der Redensart dfü so tu dam (wofür auch dgri) „mir wird es 
schwarz vor den Augen, wirr im Kopf, ich habe Schwindelanfalle". 
Ein von diesem darni > darn^ „in Dunkel gehüllt, verdutzt, 
schwindelig" abgeleitetes (exjdarnare mufste also ohne weiteres 
„(völlig) in Dunkel hüllen, schwindelig machen, verblüflfen" bedeuten. 
So erklärt sich das bei Roquef. verzeichnete adaurni „niais, Etourdi**, 
so die eingangs aufgezählten Patoisformen pdarni „etourdir", so 
die sonstigen Ableitungen vom Stamme dam', vlt Typen ^dam^idus 
„ebloui" und *darn»ionem „vertige, eblouissement" voraussetzend, 
die Marchot, R. F. XII S. 649 unerklärt aufgeführt.^ 

^ So erklären sich auch franz. Ortsnamen wie Darney <^ Damiacum 
(Vosges) = dtsch. Blendheim, Blennheim; DarneUttes (Norm.) etc. 



35 

Einem Teile des Südostfranz, scheint ein sekundärer Wandel 
des -/2- in -/- eigen in der Zasammensetzung mit in, d. h. wohl 
infolge Dissimilation des zweiten «: A. L. (Tafel itourdir) zeigt 

Doubs 54 ädürlä, Suisse 74 ädürle < tn-darnare. Doch kennt auch 
Roquef. adarU neben adaurtiL 

exhereditare (ö^: s. Bess. 12.): Ejecit de terra sua: exheredetauit): 
afranz. s'esserter (Christine de Pisan) „se donner tout entier". 
Zwischenstufen wären „sich völlig entäufsem, selbstlos handeln". 
Identisch damit könnte das heutige mundartliche esat/ Noiron-sur- 
B6ze (C6te d'or) in der Bedeutung „arr acher" sein, für das sich 
jedoch auch an ex'sariiare (von sariium zu sartre, cf. afranz. eissart 
< exsafitum für exsaritum) denken liefse. 

Expandere (1015 Opansa lies Spansa nach Bess. 53.?): it 
spandere. Frühe Belege für die apokopierte Form dieses Verbs 
gibt Weymann, AlLex. IX S. 138). 

explioare (182 Juhilum: inmensa letitia quae uoce — non potest): 
afranz. esploner nur heraldisch, so noch nfranz. Sployi „mit aus- 
gebreiteten Flügeln". 

exponere (185, 721): afranz. espondre „interpr6ter, expliquer"; 
dagegen Exponere: 33 Exposuit: proiecit\ 705. 

exportare (34 Eferre: — ,143 Efferentes: -nies iäi extra ferentei): 
afranz. nur esporti „getragen", „abgenutzt"; cf. dtsch. „abgetragen", 
engl, „worn off". 

exprehendere (1084): genau entsprechend pv. afranz. esprendre 
„anzünden, „in Brand setzen" (noch nfranz. ipris „verliebt"), wofür 
schon Diez ARGloss. S. 50 Beispiele anführt 

fanOy onifl (701): germanisches Lehnwort entsprechend ahd. 
fano. 

femoralia (307}: schon Diez ARGloss. S. 24 weist auf pv. 
afranz. femoraus „Beinkleider". 

Feruor (48) : afranz. einmal belegt, sp. hervor, pg. fervor, 

flagellare (6 1 8, 704) : afranz. flaeler, flaieler lebt noch heute 
mundartlich in norm, flpli ^{äSo. Obstbäume) heftig schütteln" nach 
Diez, ARGloss. S. 61. 

flaxnma (152 s. Bess. 47.: YMimina: iaculum .flamma .ictus)\ der 
älteste Beleg für flamma als „Waffe" (mlat. flammea = lancea siehe 
bei Duc), in welcher Bedeutung noch das heutige Argot y^petite 
flamhe^ {flamma durch Dissimilation, s. Foerster, Zs. XXII, S. 265) 
= „petite epee, couteau ä Fusage des coupeurs de bourses" kennt, 
zitiert bei Godf. unter der afranz. allein belegten Diminutivform 
flamete „Sorte de lancette". Denselben Bedeutungsübergang zeigt 
das Germanische: ae. hrand > ne. hrand „buming, sword", isl. 
hrandr „fire-brand, sword-blade" (Skeat, Etym. Diction.: „from its 
flashing"); mhd. hrant „Brand, Schwert". Zudem mufste afranz. 
diese Sinnesübertragung gefordert werden durch die Aufnahme des 
germanischen Wortes in beiden Bedeutungen, s. afranz. hrant 
„Schwert" neben hrandon, „Feuerbrand", „Fackel". 

Xlasoo s. u. uasculo, 

3* 



36 

fodere (1121): i^v, fofzjir, 

Foetor (262 Fetor: pudor)\ sp. hedor, 

frata s. u. hrata, 

frunoetura s. u. hrunkjatura, 

£rustiiin(82o): it, frusto „Stück", 2Sx2j\z. /rüste „Überbleibsel" 
aus Roquef. zitiert Diez ARGloss. S. 38; Frustum 309 zeigt bereits 
den altfranz. Verlust der ursprünglichen, it festgehaltenen Bedeutung. 

fügare (4, 1053); Fugare (2^2) in der Bedeutung „fliehen", 
ähnlich effugare (s. u. v.). S. Bess. 19. 

fagitiuus (372, 1027): pv. fuidiu (so schon Diez, ARGloss. 
§• 53); afranz. fuiiiz. 

fiiloiis (161): noch in modemer Mundart ?\s flo^ flio „troupeau" 
Norm., Manche. 

Fiunigare (565): ^sjd. fumigare, dSxdinz. fumoier, caX, fumejar, 

funder e (330, 84 Conflauerat: funder ai t in unum coiligeraf, 
908): K's s. 4057) angefahrtes cat. /ondre bessere in f andrer. — 
Nicht mehr verstandenes Fusi 405. 

Fiirari (623): auch dSi^jiz, furer belegt 

forbiis (s. Bess. 59: 262 Fun lairo l furhus a furbtendo): zur 
Sinnesentsprechung von furhus „Schelm, Spitzbube".* furhire < 
furhjan „blank reiben" vergleicht Diez, Et W. 144 fripon: friper, 
sp. limpiar „putzen" und „entwenden", Littr6, der auch ein burgund. 
Patoiswort forh nachweist, polisson: polir, 

gaforium (607, 875): Diez, ARGloss. S. 32 nennt das Wort 
noch „ein rein deutsches, keiner romanischen Zunge bekanntes", 
doch lebt es, identisch mit ahd. ga/ori, gafuori^ mhd. gevüere 
„Nutzen, Vorteil", afranz. als ja/uer „bonne chere, vie d^licieuse", 
wozu s. Rom. XXI, 293. 

garba (203, 816): germanisches Lehnwort entsprechend ahd. 
garha. 

Gehenna (935): die hier bekundete Unvolkstümlichkeit des 
Wortes ist ein Beweis gegen Diez' Ansicht (Et W. 595, von K 4196 
wiederholt) gehenna > ^kawz. gehene > nfranz. ^/>/^ ; ansprechender 
leitet das Dict. G6n. afranz. gehine {gehene) gehie „Folter zur Er- 
zwingung eines Geständnisses" von gehir = germanisch jehan ab. 

gelata (811, dieselbe Gl. 334) „Reif": it gelaia; für afranz. 
geke, jcdee gibt Godf. nur „Frost", obwohl mehreren seiner Beispiele 
sicher die Bedeutung „Reif" zukommt, cf. noch nfranz. gelie blanche 
„Reif"; pv. gelada, gilada, cat gelada^ sp. helada^ pg. gehdo 
„Reif". 

generare (497, 1O4 Parieti -bitt 928, 27^ Gignuntur: gene- 
runtur^ 334 Paries: -bis, 34^ Proletarii\ filios "ntes): K. Nachtr. 
4216 a: aiianz. gendrer füge hinzu it generare , pg.gerar. Die von 
Diez, ARGloss. S. 58 noch gegebenen asp. generar, pv. generar sind 
nur Latinismen. 

gerlosa (839): Diez, ARGloss. S. 34 vermutet hinter gerlosa 
^^. garlocha „Speer und Widerhaken", indem er bemerkt „ähnlich 
bedeutet arundo^ (d. h. unser Lemma) „auch eine Angelrute". — 



37 

Näher würde vielleicht liegen gerlosa = ^grallosa zu lat. graliae 
„Stelzen", also „Stäbe" zu stellen. 

granatus (305) in mala granata „Granatapfel": it. la granaia, 
sp. la granaday afranz. erbwortlich pommes gran{n)ees neben fremdem 
grenadty grenate etc., wovon sich nfranz. la grenade durchsetzt 

grauitas (233 Difficultas: — ) afranz. ^n>/<?/ 

Gyrouagus (937): diese unlat Zusammensetzung weist zuerst 
die Benediktinerregel auf, s. Thomas, Rom. XXIV, S. 1 19. it, giravago. 

haribergum (874): die ältere afranz. Bedeutung dieses ger- 
manischen Lehnwortes „Heerlager" entspricht durchaus dem Lemma 
unserer Glosse. 

hatire (102 1): germanisches Lehnwort entsprechend goUhaljan, 

hauis (302, 1158): müfste sich, nach Lautl. § 19 a durchaus 
möglich» hinter hauos, hauus der Hs. verbergen, wenn die von 
Marchot R. F. XII S. 644 ohne diesen Vorbehalt ausgesprochene 
und damit lautlich unmögliche Identität unseres Wortes mit wallon. 
hi „tire-fient", pikard. ä/ „esp6ce de fourche ä dents recourbees" 
vorliegen sollte, welche Vermutung sehr anspricht. Der Stamm des 
Wortes ist derselbe wie in franz. haveau, havet, Havels über deren 
Herkunft s. § 85 , Anm. 3. Zum Vorkommen des Wortess. Wort- 
verbreitung. 

haunta (960 Juiut tes bessere in kauntes nach Bess. 63): ger- 
manisches Lehnwort entsprechend afränk. *haumpa. 

helmus (930): germanisches Lehnwort entsprechend got,Mms, 

heribergtun s. u. haribergum. 

hosa (424): germanisches Lehnwort entsprechend ahd. hosa. 

hrata (734, 917): „Honigscheibe": mit romanischem Anlaut- 
wandel zu /r-, der den ältesten germanischen Lehnworten eigen 
(s. Germ. Lautl. § 79), entspricht dies Wort wie ndfränk. räla (ndl. 
raal) „Honigscheibe", mhd. rdze (nhd. I^o/s) „Honigwabe" einem 
Typus germanisch *hräta^ s. Kluge, PauPs Grundr. d. germ. Phil. 
2. Aufl. I S. 375. — Das nur franz. vorkommende Lehnwort, afranz. 
ree, nfranz. rate (de miel), kann kein Wort der ältesten Aufnahme- 
schicht sein, da es als solches, genau entsprechend der Form 
unseres Denkmals, durchaus y>- im Anlaut zeigen müfste; in seiner 
ältesten Entlehnung, die unser Text bezeugt, scheint es also keine 
Verbreitung gefunden zu haben. 

hrunkjatura (1069) „Runzel": mit romanischem Anlautwandel 
(s. u. hrata) auftretend, ist das Wort der älteste Beleg für franz. 
fronceure, frongurey cdX, frunsidura (sard, /runztdura) ^ Ableitungen 
von fTSLXXZ./ronce (sSiTd. /runza)^ woneben die Verben a&oxiz, /roncir 
{nhanz. /roncer), pw,/ronzir, csit. /runsz'r, asp./ronctr (nsp, /runct'r), 
pg, franztr „runzeln, fälteln" (s3id» /runztre). Das Vorkommen der 
Worte auch im Sard. läfst zunächst an lat. Ursprung der Sippe 
denken, doch müssen gegen Diez' Ableitung von frontem (Et. W. 
S. 149) entschieden Bedenken geltend gemacht werden. Denn die 
altromanischen Formen weisen sämtlich auf ein -ir<?-Verbum von 
der Form frünts-ire^ die aus ^/ronfio^ */roni'ire ebensowenig ent- 




38 

standen sein kann wie man etwa aus menfto^ meniire ein *mentsire 
erwarten würde. Zur Erklärung des ts müfste man also eine 
Mischung von *froni^ire und *front'iare annehmen. Da nun jedoch 
die Vertreter der Sippe im Sard. nicht gemeinsard., sondern nur 
mer. auftreten, also eine Auffassung als Lehnwort gestatten, so 
steht nichts im Wege, mit Kluge (Pauls Grdr. d. germ. Phil. 2. Aufl. 
If S. 333) die Sippe aus germanisch *hrunkjan (s. ano. hrukka, mhd. 
runke „Runzel" Kluge, Et. W. s. v. Runzel) herzuleiten, das tadellos 
einen vlglat Typus "^fruntsire liefert; franz. fronet etc. sind zu- 
gehörige Verbalsubstantiva, fruncetura unseres Textes der älteste 
Beleg der gemeinromanischen Weiterbildung davon auf '{a)tura, 

husa s.u. hosa, 

ültuninare (956): afranz. enluminer, pv. elluminar, 

impingere (955): afranz. empeindre „stofsen, werfen, stürzen, 
prallen". 

inbreuiare (356) „ausheben" (?) ist lat. wie rom. gleichmäfsig 
unbekannt. 

inoantator (20^ Anolosi ^es eo quod circa aras auguriahant)\ 
pv. encantaire, encaniador, afranz. enchantere, enchanieor, nfranz. eti' 
chanteur auch adj. „entzückend". 

incastrare (1067) „einrammen" s. u. Retia, 

inoensarium (i 126): it. incensiere^ afranz. encensür^ (nfranz. 'oir), 
pv. essessier, cat. encenser^ sp. pg. incensario. 

inolinare (283 Inflectit', -/, 284 Incumbti: -/, 334 Procltuusi 
'ius)', afranz. encltner. 

inoludere (331 Obstruaturx -ant): afranz. nur *inclaudere > 
(/) enclore „(s*) engager"; sp. pg. incluir. 

inoontra (37, 50, 103): sard. it. /«fö»/rj, ps, encontra^ afranz. 
encontrcy asp. encontra. 

inoontrare (10 13): sard. it. incontrare^ afronz, enconfrer, pv. cat 
sp. pg. enconirar. 

inorementare (840): die unlat. Bildung kennt nur das It. 

inorescere (343): ^y. encretsser. 

Inoubare (284 -/: supercubaret): afranz. encouver nur transit 
„bespringen, decken" belegt. 

ingannare (969): wohl der älteste Beleg dieses gemeinroma- 
nischen Wortes unbekannter Provenienz, s. auch u. degannare. 

ingeniosus (197, 8^ Dociltsi non qüod stt doctus quia doceri 
potest, est enim — et ad docentum aptus i docibilis gut bene dicere i 
intellegere potest ^ 823, 2O4): afranz. engignos. 

inhortari (334 Persuadunt: inortant): nur ^hanz. enorter. 

Iniungere (284 -ctum: cummendatum) „anempfehlen, einschärfen": 
afranz., nie in dieser Bedeutung, enjoindre, während sie it. ingiungere, 
pv. enjonher^ nfranz. enjoindre gewöhnlich ist 

inodiare (11 22): ein anderer lat Beleg des gemeinromanischen 
Wortes findet sich Cod. Lugd. Exod. 5,21 (s. AlLex. III S. 254). 

Instruere (749): sard. it. istruire, pv. afiranz. estruire sind ent- 
gegen K 5049) sämtlich erbwortlich. 




39 

Ihsiirgere (291 -unix rekuant)\ it. ensorgire^ ^v.essorger^ afranz. 
essordre. 

intaliare (301): it. intagliare^ pv. enialhar, afraDz. entaillür, 

interalia (i 155): das nach Diez, ARGloss. S. 24 „unlateinische^, 
nach Cohn, Suffixwandel S. 163, S. 241, durch Suffixtausch aus 
interanea entstandene Wort findet sich nur auf gallischem Boden 
in fi-anz. eniraiUes^ pv. intralias^ entralhas wieder. Daneben kentit 
unser Text jedoch auch, afranz. entraigne entsprechend, das gemein- 
romanische interanea (250, 312). — Auch Rz kennt intralia (s. Diez, 
ARGloss. S. 24). 

interanea s. u. interalia, 

inuenire (211,64 Repertum: ^ium, 22<i Cönperta: cogntta, -A2): 
Diez ARGloss. S. 55 erinnert an das Auftreten des Verb im Pv.: 
Passion (44. Str.) ne fut trovez ne envengut, 

irasci (175, 287): ^y.iraisser. 

iuxtare (3I1 Matrimonium\ iuxtandi conuentio et condicio ge- 
bessert aus iuxta etc. s. Bess. 71) „zusammenkommen, sich ver- 
einigen'^: afranz. mehrfach belegt intransit/e^^/^r „zusammenkommen^ 
„sich vereinigen 'S wozu sich aus heutigen Mundarten stellt jouter 
„toucher, etre attenant i" (Bessin, Orleanais, Berry, Suisse romande). 
Die Bedeutung der copula carnalis läfst sich nachweisen für das 
Kompositum adiuxtare > afranz. ajoster^ pv. ajosiar „copuler char- 
nellement, accoupler, unir". 

kupphja s. u. cuffia. 

Labrum (317 Lahium: concd) „Wanne": Vercellone sagt zur 
zugehörigen Bibelstelle £xod. 30, 18: y,Codices enim et vett. edd. heic 
legehant lahium^. Über die häufige Verwechselung von lahium und 
labrum s. Vercellone Bd. I, 8. 278, Spalte 2 oben. 

laoiniaria (3O2 Lacinium: laniare) „Riemen": afranz. lasniere 
nach § 5 1 i?- 

lanlaria s. u. laciniaria, 

lattula (-um?) [Tela\ sagitta . lacuia . arma 152) „kleines Wurf- 
geschofs": das Wort, zu dessen lautlichem Bestände man s. Lautl. 
§24, stellt eine Diminutivbildung dar zu germanisch latta (^<&,l<£ttay 
ahd. unerklärterweise (s. Kluge Et. W. s. v., auch lattci) „Latte", 
als Lehnwort noch im nfranz. latte Subst. für „Kürassierpallasch, 
Studentenhieber" bei Sachs, welchen Bedeutungen noch „Lanze der 
Dragoner" hinzuzufügen ist. Die noch nfranz. erkennbare Ver- 
wendung des Wortes zur Bezeichnung einer Hieb- und auch einer 
Stichwaffe findet eine Parallele in afranz. glavve^ das schon in 
unserm Denkmal in beiden Bedeutungen bezeugt ist: s. 904 = 
Framea, 342 Pugionem: gladius gegenüber 422 = Ensis, 

Dagegen scheint mir das Wort lattula in ursprünglich pluraler 
Auffassung, etwa einem deutschen „Gestänge" entsprechend, vor- 
zuliegen in sp. lancha „cierto armadijo formado de varios palillos 
(sie!) y una piedra que se usa para la caza de perdices; 1. bom- 
bardera, caüonera ü obusera: la que se construye i proposito para 
llevar mortero, cailon & obus montado con el objeto de batir de 



40 

cerca las escuadras 6 las fortalezas de tierra.^ — Zur lautlichen 
Entwicklung cf. macula >> tnancha. 

lectaria (986) (zur Form hciarium des Textes s. Formenl. 
§95, Anm. — S. — ) „Bettdecke": diese Bedeutung kann, neben 
der gmromanischen „Sänfte", „Lager", „Streu", auch it. leitiera 
(= „strapunto") haben; ebenso auch afranz. litiere „ce qui gamit 
un lit". — Cat. llttera. 

Genau die Bedeutung in unserer Glosse, zu der man noch 
Wortbestand s. v. tusca^ dem als gleichbedeutenden Interpretament 
gegebenen Worte, vergleiche, weist auch die Lex Sal. auf (s. Gaul 
.S. 38 „Bettdecke"), während Rz 124 Stratoria', — noch die all- 
gemeinere Bedeutung des „zum Bette Gehörigen" festhält. 

leporiscellus (982): Diez, ARGloss. S. 39 == „sp. liebrecillo". 

ligna (statt lat lignum nach Formenl. § 95 : 333, 1O4 Securisi 
unde — ceditur) „Holz". K's Femininformen s. 5587) ist zuzufügen 
it. legna, die modernen mundartlichen Formen in den Ardennen 
und Mons bei Meyer-L. II, § 54, und endlich Rouchi Jeigne^^ 
Allier, Vichy Jigne^, 

limitaris (980) „Schwelle": it. limiiare. — Auch die Lex Sal. 
kennt das Wort als Subst. j^super illo limitare stare'^ (Gaul S. 44). 

linea (1031) „linnenes Gewand". 

lisoa (233) „Binse, Riedgras": germanisches Lehnwort ent- 
sprechend anfränk. *liska > afranz. lesche, 

litigare (20^ Altercantes\ -ntes)', iL leticare^ cat. sp. lidiar^ pg. 
lidar, — Dagegen 142 Lrhant', contendehant. 

Lixatus (: luxoriosus 3O2) scheint mir einen Sinn nur zu ergeben 
als „ausgelaugt", „ausgebrüht", „ohne Saft und Kraft", „ohne Mark". 
— Denkbar wäre allenfalls auch Zusammenhang oder begriffliche 
Mischung mit einem Stamme Itx = caper (so Papias); cf. franz. 
chaud comme un bouc, dtsch. „bocken" = futuere. 

Longobardia (366). 

lutare (3O2 Litutn: lotatum . uunctum] s. Bess. 70.: afranz. ioer 
„beschmutzen". 

lutum (122 Figuli: qui de -0 uasa fingunt^ 181 In limo: in 
'Ol 22^ Cenutn: — ): pv. lot „Lehm", afranz. lot Roquef. Die 
Lex Bui]gund. kennt als Todesstrafe des „im Schlamme Ertränkens" 
necare in luto (Diez, ARGloss. S. 56). 

maculare erscheint im Text in drei deutlich zu scheidenden 
Bedeutungen: 

1. 262 Fuscaret: -/ „trüben, schwärzen", aus der latei- 
nischen „besudeln" leicht zu entwickeln. 

2. 144 Uiolauit: -uit , contaminauit^ 192 Constuprauerunt: 
coffi'Uerunt, 283 Inuiolatam: in-tam „notzüchtigen", eine lat. häufige 
(doch meist mit beigesetztem stuprof), mlat. die gewöhnlichste 
Bedeutung, s. Duc. „stupro polluere, cucurbitare" ; auch in andern 
zeitgenössischen Denkmälern so, s. Mon. Germ. Leg. IP Index 
commaculare = „fomicare". 

3. 243 Etursäm (entsprechend lat. extortam): 'tarn, „aus- 



41 

drehen, verrenken", auch mlat. (Duc. «= vulnerando deformare, 
vulnerare") zu belegen. 

Romanische Spuren eines Fortlebens der ersten und zweiten 
Bedeutung vermag ich nicht aufzuzeigen. Die dritte könnte sich 
erhalten haben in mundartlichem französischen mailler „tordre, froisser, 
fausser, marteler" (Suisse), das jedoch auch eine lautliche Deutung 
<; *malleare zu malle-olus „Hammer" zulassen würde. Für die 
letztere Herleitung scheint zu sprechen, dafs afranz. maillier nur 
heifst: „mit einem Hammer oder einer Keule schlagen, zerschlagen". 
Eine Entscheidung über das in afranz. maillier^ nfranz. mailler vor- 
liegende lat. Grundwort läfst sich auf Grund der andern romanischen 
Sprachen herbeiführen, in denen nicht wie im Franz. ein lautlicher 
Zusammenfall der Stämme maculare und *malleare eintritt. Zunächst 
ergibt sich, dafs sich beide Verben nebeneinander erbwortlich ent- 
wickelt haben. So erscheint 

maculare in it. macchiare „befleqken", cat. manxar „daflar, 
corromper, echar i perder", sp. manchar „beflecken" (betreffs 
des cat. sp. Einschubs von n in diesem Worte s. Gröber, AlLex* 
III, S. 520; VI, S. 392; doch wäre auch eine rein lautliche 
Deutung möglich), pg. machiar „fazer-se a planta esteril". 

^malleare in it. magliare „hämmern", cat. sp. major „macha- 
car con repetidos golpes" (pg. mallear „bater com martello"). 

Die pg. Bedeutung von maculare setzt offenbar eine jfrühere 
Entwicklungsstufe „entmannen", also „verstümmeln", voraus, die 
zusammen mit der allgemeineren des cat., „beschädigen, verderben, 
zu Grunde richten" uns berechtigt, in der von unserer Glosse ge- 
forderten Bedeutung „verrenken" nur eine Abtönung der altroma- 
nischen von maculare „übel zurichten" zu sehen, wohingegen afranz. 
nfranz. maill(i)er der Bedeutung wegen eine Kreuzung der Stamme 
maculare und *malleare, zu mindestens aber eine begriöliche Ein- 
mischung von ^malleare, unbedingt voraussetzen. 

malleare s. u. maculare. 

manaoes s. minaciae, 

manatiat s. u. minaciae. 

maritalis (733): it. maritale^ afranz. marial (y^RCo), sp. maridah 

mastuB (713): germanisches Lehnwort entsprechend ano. 
mastr. 

mat[t]io, onis (460, 878) "Maurer": germanisches Lehnwort 
identisch mit ahd. {stein)mezzo, s. Pauls Gdr. d. german. Phil. 2. Aufl. 
I, S. 333. 

meretiix (5^ Pelicatum: 'Cem^ 383 Letw: magister meretrico 
(s. Bess. 81.): afranz. meltriZy miauiriz. 

xninaoiae (997): als zu ahd. mandn gehörig betrachtet manaces^ 
manatiat unseres Textes, Kögel, Gesch. d. d. Litt. I, 2 S. 425. 

xninaciare (131): ältester Beleg des gemeinromanischen Verbs 
„drohen" (K. 6175) s. u. minaciae, 

miliare (131): infolge der gemeinromanischen Bedeutungs- 
entwicklung von „drohen" zu „leiten, führen" wird Minari nicht 



42 

mehr verstanden, wofür als direktes Zeugnis die falsche Aufl^tssung 
von comtninattin 123 Comminatus est: simui amhtdauü „führte", ^be- 
gleitete", „ging mit" dienen kann. Zu minare „fähren" s. auch 
Rz. 158 Abtgebat: inde minahat = emmenait\ Lex Sal. Gaul S. 29. 

minutatim (182 Concidam: minuiaiim incidani). 

molus (1121) „Maulwurf": entlehnt aus einem germanischen 
Worte, „das mit engl, mole „Maulwurf" als Kurzform zu einem 
Kompositum wie ahd. moUwerf zu fassen ist" (Kluge, Pauls Gdr. 
2. Aufl. I, S. 332); s. ndl. westf. fries. moL — Ober die Möglichkeit, 
in muH unseres Textes einen Typus mülus zu erkennen, wie dies 
die von Diez, ARGIoss. S. 5 1 vermutete Zugehörigkeit zum Stamme 
von nfiranz. mulot „grofse Feldmaus" erfordern wurde, s. Germ. 
Lautl. § 76. 

miiliis s. molus. 

xnuscio, onis (1057, s. Bess. 76) „kleiner Vogel, Sperling": 
s. Marchot, RF XII, S. 647. Mundart von Malmedy moydy Weismes 
mo)(fiy Zum erbwortlichen Fortleben s. auch Tafel moineau des A. L. 
Auf deutschem Boden lebt das Wort im rhein. Platt als md$ 

m 

„Sperling" 

musco s. Bess. 76. 

nastilus (700) „Nestel": Diez ARGIoss. S. 35 leitet nasculis 
unseres Textes „vom deutschen Nestel" ab. Demgegenüber gibt 
^* 6457) ^^ Etymon der zugehörigen romanischen Sippe ein lat. 
y,na5tulusy 'um m. (Demin. zu nassd)'^y 6523) ein *nasiuluSy wie sich 
denn das Wort im guten Latein in der Tat nicht belegen läfst. — 
Für lat. Ursprung des Wortes hat sich K. oflfenbar wegen rum. 
nastur „Knoten" etc. entschieden, denn ein lat. Typus *nastulus 
völUg gerecht würde; da sich jedoch das intervokale r des Rum. 
auch in it. nastro „Band" wiederfindet, so kann rum. nastur aus 
it. nastro entlehnt sein, während das Umgekehrte ausgeschlossen 
ist. Ein erbwortliches *nastulus mufste aber it ein "^naschio ergeben 
(cf. vetulus > vecchio, masculus >• maschio), während unser Wort it 
nastro (comask. nastola lautet, d. h. der Stamm kann im it. erst 
Eingang gefunden haben nach Abschlufs der Lautwandel // > kl 
und kl > ki. Damit ist die von Diez behauptete Abstammung vom 
germ., d. h. got. *nastila > ahd. nestilo, aufser Frage gestellt. 

Negotdum (274, 428, 489, 10 10): nur sard. negüsciu, mit 
Umlaut durch das zwischentonige i, wie it. paüra > *pavorta. 

Nudare (629): afranz. nuer vorwiegend = „berauben". 

odium (813): für das hodio habui der Glosse führt Diez, AR- 
GIoss. S. 66, ein pv. lo munt a ceuz en odi an, wozu man noch it. 
avere in uggia fügen könnte. 

Offendere (502, 10 12): die konkrete Bedeutung war ent- 
sprechend dem romanischen Sprachgebrauch (sard. offendiri etc., 
it. oßendere, afranz. pv. ofendre, cat ofendrer, sp. of ender ^ pg. offender) 
dem Glossator bereits abhanden gekommen. 

offendiculum (193 Scandalum: — ): das sonst unbelegte Wort 
kennt auch Greg. Tur., s. Bonnet S. 458. 



'4*3 

papparo (335) „Kropfs : dies lat. und romanisch nirgends zu 
belegende Wort stellt offenbar dar eine suffixale Weiterbildung des 
Stammes *pappus (Etymologie siehe weiter unten) „Kropf", der fort- 
lebt in cat. pap „part camosa entre la barba y coli dell animal. 
se diu particularment lo dels aucells, que es com una bosseta ahont 
depositan lo menjar", sp. papo „parte camosa del animal, entre 
la barba y el cuello; usase particularmente . . . hablando de las 
aves, las cuales tienen una especie de bolsita donde depositan la 
comida intes de que pasa al buche", pv. scheint das Wort er- 
halten im heutigen Fapa-blu „gorge-bleu" „Blaukehlchen". 

Ableitungen von diesem Stamme liegen vor in 

1. sp. papada „la carne que crece formando pliegues de- 
bajo de la barba" pg. papada „carne grossa na garganta, bar- 
belha". 

2. venez. veron. papoia „gota camosa". 

3. cat. papuU sp. pg. papudo „mit grofsem Kropf" (pg. nur 
„fallando das aves"). ^ 

Der Ursprung des bisher (s. Parodi, Rom. XVII. S. 71) un- 
beachtet gebliebenen Grundwortes *pappu5 dieser Sippe scheint mir 
in den lat. Ausdrücken der Kindersprache pop{f)(i „Speise", pap' 
{p)are „essen" zu wurzeln, von denen der letztere gemeinromanisch 
zur Bezeichnung des Essens in allen möglichen Abtönungen dient: 
sard. papat etc. „essen", mm. papa „essen", it. pappare „mangiare 
abusivamente", npv. papa „manger avec app6tit, gloutonnement" 
(bes. Kindersprache I), afranz. paper „mächer, avaler, engloutir; 
manger sans appetit„, cat papar „menjar cosas tovas que non 
necessitan mastegarse", sp. papar „comer sin mascar" (bes. Kinder- 
sprache I), pg. papar „comer, manducar". Bildete man nun zu 
diesem Verb ein Verbalsubstantiv vom Typus *pappus, das als 
spezifisches Wort der Kindersprache vorwiegend eine breiartige 
Speise (s. paparium „Speisebrei" Georges) bezeichnen mochte, so 
mochte dieser Ausdruck leicht auf einen etwas schwammigen 
Körperteil, wie die Partie zwischen Kinn und Hals, in derselben 
Weise übertragen werden, wie dies in dtsch. Mundarten mit dem 
Ausdruck „Wassersuppe" geschehen ist, der z. B. im Thüringer 
Volksmunde das schriftsprachliche „Doppelkinn" ersetzt Gefördert 
werden konnte diese Sinnesübertragung leicht durch eine begrift- 
liche Einmischung von papula „Blatter, Bläschen", die *pappus den 
Nebensinn des Geschwollenen, Aufgedunsenen verleihen konnte, 
• s. venez. papoto „fett". 

Das von Diez, ARGloss. S* 25 angeführte papache „gosier" 
(Roquef.) dürfte sich demnach am leichtesten als pappiu mit der 
der Kindersprache eigenen Reduplikation erklären. 

In einer nicht völlig durchsichtigen Zusammenstellung lebt unser 
Wort in it pappagorgia „pinguedine sotto il mento". 

Farrus (342 — : corium siue hritioni) „dicker Stoff", " Flicken "(?): 
falls nicht (s. Bess. 74 ) Korruption aus pittacium vorliegt, könnte das 
Wort wohl zu c2X,parrach „padäs, pellingot == „Flicken, aufgesetztes 



44 

Stock'' zn stellen sein. Dieses wiederum dörfte dann wohl m dem 
dmikeln Stamme parr^ gehören, als dessen ältesten Vertreter Batst, 
Revue hispaniqne U, S. 205 sp. parra ^ Spalier^, pv. parran „ein- 
gefriedigtes Gartenland^ betrachtet, und der seit dem 4. Jahrhundert 
im Westgermanischen in Lehnworten vom Typns parraky parrik 
^abgegrenzter Ranm'^ (s. KInge, Et W. s. v. Pferch) auftritt 

Passer (1057): afrar>z. passe, pesse, paisire. Das Wort ist von 
hohem Interesse deshalb, weil es noch heute in den verschiedensten 
mundartlichen Formen (s. God£ s. v.) in Frankreich weitverbreitet 
ist (Beauce, Perche, Orleanais, Anjou, Suisse romande, Ardennes). 

permanere (244 Eierna: -sura, Existunt: -nt t sunt): afranz. 
parmatndre, cat permaniixer, sp. pg. permanecer. 

perportare (i4| Peribet: -/, 34^ Pertbere: — ): zum Vorkommen 
des unromanischen Wortes im Lat der Zeit „in unklarer Bedeutung^ 
8. Diez, ARGloss. S. 35. Duc: „guerpire, rem possessam dimittere". 

persos (289): afranz. pv. pers „dunkelblau^. 

pessimiis (29^ Iniusti^ pessimi): it pessimo, afranz. pestnes 
„wild, schlimm, böse^. 

Pignus (285, 1047): sard. ptgnu, cat penyora (f). 

piimaculuni (444): K. 7171) gibt als einziges erbwortliches 
Fortleben it pennachio nach Diez, Et. W. 241, dem das Fortleben 
unseres Wortes im cat, sp. und pg. offenbar entgangen ist Wie 
facula > hachüy macula > ma{n)cha, so wird sp. pinnaculum >/tf- 
nacho (s. zur Entwicklung von -äcul" im sp. je nach dem Dialekt 
> 'dch' oder > -4/" Gröber, AlLex. III, S. 520) „Federschmuck auf 
dem Kopfe (des Vogels)" „Helmbusch", „Stolz", wovon die mittlere 
Bedeutung gleichzeitig die einzige von it pennachio bildet Cat 
pandatxo „Federbusch", „Wimpel", pg. pennacho „Federbusch", 
„Stolz" stimmen genau zum sp. 

Das Französische hat zur Bezeichnung des Helmbusches sein 
panache dem sp. penacho entlehnt Doch ist der Stamm pinnaculum, 
wie dies auch aus unserer Glosse hervorgeht, auch auf franz. Boden 
heimisch gewesen. Als Beweis dafür kann dienen die Ableitung 
dipenailler << *depinnaculare, dessen ältester Beleg bei Littr6 noch 
deutlich den ursprünglichen Sinn „des Federschmucks berauben" 
erkennen läfst; y^leur grands panaches blans et noirs . . . depenailles de 
coups^. Bei passivem Gebrauch konnte das Wort daher leicht die 
Bedeutung „gerupft werden", „verlumpt aussehen". Erst nach 
Erreichung dieser Entwicklungsstufe sind wohl gebildet die Ab- 
leitungen ^^««///d?« „Haderlump", „Mönch" und^^«a///i? „Geschmeifs". 

Fittaoiiim (1049): s. Bess. 74. 

planare (5): it, pianare^ dStdmz. plener^ planer „glätten, hobeln". 
Auch bei Greg. Tun, s. Bonnet S. 473. 

planotus (81, 554, 3O2 Lucius: — ): sard. pranto^ it pianto, 
afranz. plaint, pv, planch, cat. plant, sp. llanto, pg. chanto. 

plorabilis (26^ Fiebile: -e): ironz, ploravle, pleurable, CRt plorable, 
sp. llorable. 

portatrix (416): it portairice\ auf franz. Boden tritt frühe 



45 

Tausch des Suffixes mit dem ursprünglich makedonischeD, aus dem 
Griechischen übernommenen -issa ein, so schon afranz: Bible Richel. 
899, P 137^* y^Noemi recut Venfani et le misi en son sain^ et en fu 
norrice et porteresse"' y und noch heute mundartlich /öw/rßjj^ „porteuse" 
(La Bresse, Vosges). — Zum eingetretenen Suffixtausch s. amairicetn 

> friaul. madresse^ servitricem > altit. servirissa etc. 

Fotare (7531 334 — : hihere^ -bitur: bibttur): sard. pudare, it. 
potare. 

Potator (563): sdjd. pudadore^ ii. Potatore, 

praestator (802): iL prestatore^ 'py, prestaire^ 'udor afranz. /r^J- 
tere^ ^eor > priteur, cat. sp. pg. prestador. 

praestitus (283) „geliehen": romanisch fort lebt nicht das 
Adjektiv als solches, sondern nur praestitum (sc. aes^ cf. lat. {aes) 
alienum^ mutuum) als Subst. >• it prestito, afranz. prest > nfranz. prit, 
s^.pristido „Darlehen". Als Femininbildung stellt sich dazu praestita 
(sc. pecum'a, summa) > it pristita. Auf ein vlglat. *impraestttum 
weisen it impristito, apg. empristido „Darlehen", wozu auch cat. 
sp. pg. empristito in gleicher Bedeutung, aber nicht rein erbwort- 
lichen Charakters, gehören. 

Nicht dasselbe Wort wie afranz. prest > nfranz. prit „Darlehen" 
scheint mir afranz. prest > nfranz. prit „Löhnung des Soldaten". 
Wohl identisch mit cat. pre^ sp. prest^ pre^ pg. pre „Löhnung des 
Soldaten" (auch mit apv. prest in der Stelle „iVi* alber gada, ni do, 
ni prest"' y die Rayn. IV, S. 638 wohl irrtümlich mit „sorte d*exaction" 
übersetzt?), dürfte dies prest zurückgehen auf ein vielleicht dem 
sermo castrensis angehöriges *praestum, das sich als substantivisch 
gebrauchtes (sc. aes?) Adjektiv zu dem im guten Latein nur als 
Adverb auftretenden praesto „gegenwärtig, zur Hand" darstellen 
würde im Sinne von „das Gegenwärtige", „in Bar in die Hand 
Gegebene" im Gegensatz zu dem gedienten Soldaten in Aussicht 
stehenden Landbesitz, d. h. „die Löhnung". Für das Alter dieser 
Bildung scheint mir schwer ins Gewicht zu fallen der Umstand, 
dafs nur sie die gut lat. Bedeutung des Stamm praest^, nämlich 
des „Gebens", „Gewährens" bewahrt im Gegensatz zu der gemein- 
romanischen Entwicklung von „geben" > „leihweise überlassen", 
„leihen". 

Nicht auf dieses *praestum geht zurück it. presto, wie schon 
die Bedeutung „Darlehen" sichert; es ist dies vielmehr das ^ynr 
kopierte (dialektisch und vulgär noch heute übliche partic. presto 

> prestatOy woneben it presta „Darlehen" steht wie oben pristita 
neben prhttto. Dagegen können y^. prest, presta, altcat prest „Dar- 
lehen" durchaus auf praestitum zurückgehen. 

praeuenire 34^ Preocupatus: preuentus . cess) : sa. pervinnere, 
it. prevenire, cat. sp. pg. prevenir, 

prinoipatus (83 ... principatum unde fuit tob, s. Bess. 23): 
afranz. prmcez „Herrschaft, Fürstenstand, Fürstentum", in seiner 
lautlich korrekten Enrwicklung zu ^princevez offenbar durch principe 
^ prince beeinilufst; it principato „Fürstenstand, Macht". 



46 

probamenttun (207): pv. provameui, afranz. provemeni^ sp. 
probamiento. 

profectUB, ÜB (1161): K. 7454) setzt %^,provecho = *provectu5 
an, wogegen zu erinnern ist, dafs provectus^ üs „Förderung, Wachs- 
tum, Gedeihen, Emporkommen", welche Bedeutungen provecho noch 
heute neben „Vorteil" hat, lat. gut belegt ist It prcweccioy erst 
seit Buonarotti dem Jüngern zu belegen, darf wegen des "V- sowohl 
als auch ganz besonders wegen der Behandlung der Gruppe 'Ct- 
> ch als spanisches Lehnwort aus der Zeit des spanischen Besitzes 
in Italien angesprochen werden. Auch das v in npg. proveito 
gegenüber apg. profeito dürfte wohl dem Einflufs von sp. provecho 
verdankt werden. 

profundum (134 Cahosi constitutio i — ) „Tiefe": die gleiche 
Substantivierung bei Greg. Tur. s. Bonnet S. 459. 

profundus (673, 183 Lacum: fossam 'am): afranz. parfont, 
demgegenüber nfranz. profond Latinismus. 

proportare (99 = 341, 342 Prouectus: -tus): nur franz. por* 
porter „tragen, halten, darreichen", noch heute mundartlich se pour- 
porter „se comporter, s'etendre" (Norm.). 

pugnare (380, 781): Diez, ARGloss. S. 65 zitiert pv. ponhar^ 
afranz. poignier „sich anstrengen, sich mühen". 

purgamentum (224 Scoire: — ferri { ali'cmus metaih) s. Bess. 
56) „Auswurf, Schlacke" : so afranz. purgement, 

pyxid-iola (478 als bustiola) „Büchschen", Diminutiv zu franz. 
boiste, 

quacoula (266, 801, 877) „Wachtel": das gemeinromanisch 
verbreitete Wort, zu dessen Fortleben K. 5344) cat guatlla zu er- 
gänzen ist, ist zweifellos germanischen Ursprungs und gehört zu 
ndL kwakkel^ womit ahd. quahtela, wahtala^ ae. wyhtel verwandt 
scheinen, die ihrerseits nach Kluge, Et. W. erst „durch mehrfache 
Umbildung zu diesem Aussehen gekommen" sind. Das Verhältnis 
der germanischen Formen untereinander wird meiner Meinung nach 
klar durch die Feststellung einer indogermanischen Wurzelverwandt- 
schaft mit dem gleichbedeutenden lat. coturnix^ als dessen Urform 
Havet, Mem. de la soci6t6 de ling. VI, S. 234fF., quocturnix im 
Quadratus des Lucrez nachweist Stowasser, AlLex. VI, S. 563, 
scheidet von diesem Worte ein Compositionsglied -umix ab, das 
er in spinturnix und cornix (= ^cora-ornix) wiederfindet und mit 
dorisch ^OQVL^ identifiziert Der zurückbleibende Bestandteil qudct" 
nun scheint mir die indogermanische Entsprechung der germanischen 
Formen darzustellen, die sich dann folgendermafsen erklären: 

In der germanisch genau korrespondierenden Stammsilbe ^hwaht'^ 
von der unsere Formen mittelst /- Suffixes abgeleitet sind, folgte 
derselbe spirantische Laut h zweimal kurz hintereinander. Die nach 
allgemeinen lautphysiologischen Grundsätzen wahrscheinliche Dissi- 
milation konnte nun verschiedene Wege einschlagen: es konnte 
entweder das anlautende, allmählich ohnehin schwächer artikulierte 
h fallen (ahd. wahtala^ ae. wyhtel)^ oder aber das inlautende h 



47 

assimilierte sich dem folgenden / zu //, wobei die entstehende 
Konsonantengruppe -///-, ähnlich wie vlglat. // > ^/, (über *-/^/-?) 
in "kkl" überging. In ndl. kwakkely mlat. quaccula und der davon 
stammenden Sippe scheint sodann das anlautende h dem innlautenden 
kk assimiliert zu sein. 

Dafs auch der ndl. Form ursprünglich einlautend -/- zukam, 
wird meines Erachtens unwiderleglich dargetan durch die ndl. Neben- 
form kwartely in der offenbar inlautend h den Wert r annahm, 
während das anlautende k wohl dem Einflufs der ndl. Schriftform 
zu verdanken ist. 

quiwarus s. cocur-. 

racemus (544, 858): cat. rahim, 

Badiare (362 Radi€ntia:fulgentid): afranz. raiier^ rotier „strahlen, 
strömen". 

rama (= lat ramus) (352): afranz. raime^ sbst f., in nfranz. 
Mundarten vielfach weiterlebend: so in Hennegau y^rime^ (Diez, 
Et W. 664), in Morvan (Meyer-L., II, § 54), Aunis, Picardie, Wal- 
lonie (Godf. s. v.), wozu ich noch r^m der Mundart von le Tholy 
bei Gerardmer (Vosges) füge. 

Betreffs des Geschlechtswechsel des Wortes s. Formenl. § 96. 

rasorium (418=321): it. rasojoy pv. rasofj franz. rasoir^ s. 
Diez, ARGloss. S. 27, nach dem sich das Wort auch bei Alcuin findet. 

rata s. hrata. 

Batiooinium (363 Ratiotiniis: raciunculus): mlat. häufig = 
„ratio", „computus" bei Duc. belegt. 

ratiunoulus (363 Ratiotiniis: r(uiunculus)\ das Duc. fremde 
Wort findet sich in femin. Form in Calepini Dict, Bäle, 1584: 
Ratiuncula: raisonnette, 

paus (658, 830, 839, 863): afranz. ros „Rohr, Binse, Halm". 
Alteste Belege dieses nach § 85 nicht ostgermanischen Lehnwortes. 

reoipere (44 Arula: que carhones subter posita ^ity 74 Effugiuin: 
locus qui effugientem 'it): cat. reebre, 

redan (853): germ. Lehnwort entsprechend got. redan, ae. 
rößdan, ahd. rätauy über dessen Aufnahmeperiode s. § 77. 

Brememorari (615), r- (791): afranz. remembrer, pv. cat. asp. 
apg. remembrar, 

remittere (186, 269, 391, 738): von Belang sind die drei 
letzten Belege wegen der ausschliefslich dem afranz. eigenen Be- 
deutung von remittere = „schmelzen"; s. auch afranz. reines „Talg, 
ausgelassenes Fett". 

Pen (773): franz. rein „Niere", Kreuz". 

renuita (11 15): s. y^Renuitae, dicti Monachi vagi^ alias Saru' 
baitae, quasi renuentes jugum Monasticae disciplinae"" bei Duc. 

restaurare (648, 17^ Restituo: -0): it rtstorare, pv. restaurar^ 
afranz. restgrer durchaus erbwortlich, daher K.*s [ ] s. v. 8019) 
zu Unrecht steht. 

Bet[i]a (1067, geschrieben Rita nach Lautl. § 65(J) „Um- 
friedigung, Hürde": Horning, Zs. XIX, S. 104, führt ein nfranz. 



48 

mundartliches resse^ reisse „corbeille, panier" (Centre, Haut-Maine), 
bei Sachs und Littre resse „grofser Kohlenkorb" und eine Nebenform 
rasse^ „deren a in lothringisch - burgundischer Weise aus e ab- 
geändert sein mag^S auf lat retta zurück, wobei man zur auffälligen 
Behandlung des -/|-, die G. Paris Rom. XXIV S. 3 1 1 beanstandet, 
s. Homing, Zs. XVIII S. 239. 

Für die Bedeutungsentwicklung nun von „Netz" zu „Korb" 
bietet unsere Glosse einen erwünschten Beleg der Durchgangsstufe 
„Behältnis (aus durcheinander gesteckten, verflochtenen Stangen?)", 
womit maceriüy lat. = „Umfriedigung", also etwa „Hürde", sich 
wohl in Einklang bringen läfst; incastraia wäre dann „durch blofses 
Einrammen in die Erde hergestellt". — Die von uns angenommene 
Bedeutungsentwicklung darf als um so sicherer gelten, als sich 
auch die zwischen „Netz" und „Behältnis" liegende Etappe 
„Gitter" bezeugen läfst in asp. red „Gitter (hecho con caüas, varas 
6 listones entretejidos)", nsp. nur „Gitter im Sprechzimmer eines 
Nonnenklosters". S. auch reiiaculum „Gitter" Vlg. exod. 38, 5; 
39» 39; jerem. 52, zy^ reiiatus „vergittert" Itala Ez. 41, 16. 

retinaculuin (451): afranz. retenail „Zügel", „Band"; pv. nur 
übertragen „retenue", „menagement". 

reuuardare (1075): it. riguardare^ franz. regarder^ cat. sp. pg. 
reguardar, Ältester Beleg des germanischen Lehnwortes in mund- 
artlicher Form, s. Germanische Lautl. § 80. 

riga (471) „Furche": apg. rega „regra", „Vorschrift", „Regel". 
Zum Bedeutungswandel und zur afranz. Bedeutung s. u. rigus. 

rigus (513) j7Zug", „Zeile": wie rlga (s. d.) ursprünglich 
Verbalsubstantiv zu rlgare „(Wasser)rinnen, Furchen ziehen", daher 
Urbedeutung „Furche" > „gezogener Strich", in unserer Glosse 
noch „Strich" = „Buchstabe", während im literarischen Afranz. 
das Wort {roisy „ordre, mesure, regle") sich bereits weiter zu „(ge- 
zogene) Grenze, Mafs" entwickelt hat, z. B. n*est rois ne mesure^ 
tCa mesure ne rot = „es gibt kein Mafs noch Ziel". Diesem Be- 
deutungswandel entspricht es, dafs auch afranz. roü > riga in der 
Nebenbedeutung „Grenz; Mafs für Ländereien" belegt ist. S. auch 
pg. rega s. v. rJga, 

Für die Richtigkeit unser Herleitung scheint zu sprechen die 
pg. erhaltene Durchgangsstufe: pg. rego „Furche, Wagenspur". 

nuna (466) „Kehle, Gurgel, Schlund (?)": Grandgagnage gibt 
ein rume „ecoutille", das mit unserm Worte identisch oder ver- 
wandt sein könnte. 

nixninare (466): afranz. rumer. 

nunor (iii: Opinio: — .fama)\ sard. romori^ it romore, afranz. 
remor „bruit, vacarme, tumulte", pv. rimor^ cat remor^ sp. pg. 
rumor. 

Sagma: soma (348). 

Saguxn (298; zu 397 s. Bess. 13.): nur der ursprüngliche 
Plural saga war gemeinromanisch volkstümlich; s. K. 8264), CasseU 
Glossen 11 1 seia tunica. 



49 

sapientia (26^ Filosofus: amaior-): afranz. sevance, sp. sahenza^ 
pg. sabenga, 

sapor (il| Euanuerunt: -em perdideruni): franz. savor > saveur, 
pv. cat sp. pg. sabor. 

Sarabaltae (11 15) „Einsiedler": Duc. belegt Sarahaüat: ren- 
ntientes aliorum disciplinam. Auch die Benediktinerregel kennt das 
Wort in gleicher Bedeutung (s. Sittl, AlLex. VI, S. 443). S. auch 
Wortbest. s. v. renuita, 

sarcelltun (847): Diez, ARGloss. S. 39 führt an afranz. np. 
sarcel, sp. sarctUo. 

sauma s. sagma. 

sauras (m) „goldbraun": ältester Beleg dieses it. pv. franz. 
(afranz. spr) vorhandenen germanischen Lehnworts. 

scabare (826, 893) sieht Kluge, Pauls Grdr. 2. Aufl. I, S. 333, 
als germanisches Lehnwort an, das „keine Lautverschiebung, aber 
vlglat. Erweichung der Tenuis" aufweise, d. h. er hält das Wort 
für identisch mit „schöpfen" = ahd. scepfan^ as. skeppjan, ndl. 
scheppen. Die Existenz einer romanischen Sippe vom Typus cavare 
bei gleicher Bedeutung (s. Diez, ARGloss. S. 39) entzieht jedoch 
Kluges Vermutung den Boden. 

soanoio (1044) „Mundschenk" < germanisch skankjo. 

scauare s. excauare^ scabare, 

Soiniphes (242) „Mücke": Georges gibt als Bedeutung Ameisen- 
art, welche die Feigen benagt"; mlat. heifst das Wort jedoch 
„Mücke", s. Diez, ARGloss. S. 22, Landgraf, AlLex. IX, S. 426; 
Duc. zitiert aus den Gloss. Aelfr.: Sciniphes: gnasL 

scrabro s. crabro. 

Sculpare (301, 1106), sculpatura (82 s. Bess. 19) „meifseln, 
in getriebener Arbeit ausführen" : da die Formen als Nebenformen 
oder Ableitungen von sculpere weder lat. noch romanisch bisher zu 
belegen waren, in beiden vielmehr nur entweder sculpere oder 
sculptare denkbar, da andrerseits das dreimalige Auftreten der Form 
jedes Schreibversehen ausschliefst, so kann sich unter dieser Schreibung 
nur, genau entsprechend der Lautlehre unseres Textes (s. §§ 20, 33) 
ein excol{a)pare {excol{cL)paturd) „aushauen", „ausschneiden", „in 
getriebener Arbeit ausführen" verbergen. 

Sculpatura s. sculpare, 

serrioellus s. u. sarcellum, 

Serua (144): unserer Glosse entspricht es, dafs afranz. serve 
erst vom 13. Jahrhundert, d. h. als analogische Femininbildung zu 
serf erscheint 

seruiens (678) „Soldat" = afranz serjanz usw. 

signifloare (i2i Fermenium -/ doctrinarn): afranz. senefier. 

similis (349, 992): afranz. semble^ samble, 

skankjo s. scancio, 

sooietas (124 Coniubernia: — , 670): afranz. soiste, 

sortiarius (1096) „Zauberkünstler, Hexenmeister": das Femin. 
dazu belegt Diez, ARGloss. S. 50, in einem Kapitular Karls des Kahlen. 



50 

Spandere s. Expandere. 

spamiare (1008) „sparen" < germanisch *sparanjan. Zur 
Bedeutung des Wortes für die Frage der Lokalisierung s. § 75. 

spitus (475) „(Brat)spiefs": einen andern Beleg dieses gemein- 
romanisch verbreiteten Lehnwortes < germanisch *spiiuz gibt Kluge, 
s. Bess. iS, 

splendere (402): it. spUndere^ afranz. esplandir^ asp. pg. es^ 
plender „poetico". 

Stare facere (74, 732): Diez, ARGloss. S. 61 erinnert an it 
vi fo stare^ pv. fauc estar. 

stemire (77): K's „wall, sterni^ ist zuzufügen ahanz. esfemi'r; 
in modemer Mundart H. Norm., vall6e d'Yeres, iternir „etendre de 
la paille sous les bestiaux". 

Stipula: stulus (1097): über slulus = sfpulus < siupulus s. 
Lautl. §§ 13, 39 a. Zum Auftreten des Typus stupuU neben stipuU 
s. Rönsch, Jahrbuch XIV, S. 341; Landgraf, AlLex. IX, S. 416. 

Anders Kluge, Pauls Gdr. 2. Aufl. I S. 333: y^sttdus „Stoppel" 
1095 ist vielleicht verwandt mit ags. stela „Stengel" (got. *stula = 
germ. stola?)"". Die afranz. Formen esioble, estouble, neben estoule 
auf den Gebieten, auf denen dialektisch -//- > -z'/- > -«/- wird 
(s. Lautl. § 39 a), vermögen Kluges Annahme in keiner Weise zu 
stützen. 

stupulus s. Stipula, 

submergere (596): pv. somergir. 

Sucoedere (373 — .• posi alium uenire)\ sard. sussediri, cat 
succehir, 

suocurrere (11 13): it socorrere^ pv. socorre^ afranz. secorre, 
cat. socörrer, sp. pg. soc(c)orrer. 

Sudarium (701): pv. su{z)an\ acat. suari. 

suf&ingere (590 su/rangan/ nach Bess. 40): afranz. sofraindre. 

Superare {1102): cat sobrar, 

supermontare (199)^ pv. sobremontary franz. sour monier > sur^ 
monier „übersteigen", „hinausgehen über". 

Superstiücsus (710): zur Bedeutung „überflüssig" unserer 
Glosse s. die von Diez, ARGloss. S. 35 zitierten Stellen aus Isidor 
und dtsch. Glossaren. 

Supplantare (164 ^o: decipio): it. soppiantare „durch List ver- 
drängen, täuschen" (pv. sospianiar „d6tourner, subverser, devier"; 
afranz. sosplanier „arracher, enlever" mit Bedeutungsverschiebung). 

supportare (631, 683, 28): sard. supporiare^ it sopporiare^ cat. 
sp. pg. soportar\ dagegen pv. sotzporiar^ afranz. sozporier mit 
subius, 

tempesta, ae (8^ In — .• cerium iempus noctis, iäi ante gallorum 
canium t media nocte): ältester Beleg dieser für die romanische 
Wortbildungslehre wertvollen Form = it tempesta, pv. tempesta, 
franz. iempesie > tempite. 

Temum (384 — .• uinuni) „Rausch", Georges nur in Ableitungen 
bekannt 



1 



51 

tepiditas (362 Rancor: — , 1127) it tiepidiiä „Verdrossenheit" 
führt Diez, ARGloss. S. 51, an. 

tixnere (353): interessante, nur in altcat. tembre wiederkehrende 
Form. S. FormenL § 121, Bess. 10. 

timor (63 Oh metum: propter -em): afranz. temor. 

tiiLaltiin (1157) „Hebebaum, Tragstange der Weinbutten". 
Grundwort von franz. fznei „mit unetymologischem t" nach Foerster, 
Zs. III S. 565. S. Duc. s. V. finale. 

tdnctura (916): pv. tentura, afranz. taMure, it. cat. sp. pg. itntura. 

tinctus (172, 345, 716; 190): die letztgenannte Stelle liefert 
einen wertvollen Beleg für die nur afranz. Bedeutung des Wortes: 
teint = wPsle, pali", worauf schon Marchot, R. F. XII, S. 642 auf- 
merksam macht. 

tollire (674): das aus tolliius des Textes zu erschliefsende 
(s. Formenl. § 121) tollire wird bestätigt durch altit. tolire, afranz. 
tolir, so noch nfiranz. in den Mundarten von Haut-Maine, Normandie, 
Picardie, Suisse „enlever, diminuer"; s. auch cat. tulirse „gelähmt 
werden", pg. tol(h)ido „gelähmt". 

torta (432) „rundes Backwerk", „Torte". Zum Vokal s. § 12. 

transnotcure (1131): afranz. tresnoer, tranoer. 

traiLStniin (449): it trasto „la parte dl mezzo della barca 
dove stanno i rematori e anche i passeggieri". 

tributuxn (1146): sp. treudo. 

tristare (656): pv. tristar, afranz. trist{r)er. 

tunica (338): it. tonaca, 

turta s. torta. 

tusoa (986) „rauher, grober Stoff", „Mantel, Decke aus rauhem 
Stoff": in dem toxa unseres Lena: — . lectarium erblicke ich (nach 
Lautl. § 16) das gleiche Wort wie Rz. 125 Tapetia: tusce < tüsca. 
Nach Ausweis beider Glossen würde es etwa „dicker, rauher Stoff" 
bedeuten und scheint sich mir demgemäfs als substantiviertes Ad- 
jektiv (sc. etwa cappa^ s<^<^ zu stellen zu cat. tosch^ tosca „grofser, 
bast; ignorant, rudo", sp. tosco „basto, grosero, rustico, inculto", 
pg. tosco „sem trabalho de artifice, e come sde das mäos da natu- 
reza; rüde, sem cultura; mal feito". Dieses Adjektiv von der 
Grundbedeutung „roh, rauh, grob", führt Storm, Rom. V, S. 185, 
auf ein *thyrsicus „strunkig", zurück, was meines Erachtens neben 
to(r)scus auch vlglat. '^troscus^ ergeben mufste, wovon sich jedoch 
niemals eine Spur in Gestalt einer Nebenform nachweisen läfst. 
Ich halte das Wort vielmehr für identisch mit it tosco < tuscus, 
einer Nebenform von toscano. Schon Plautus und später Horaz 
kennen den vtcus Tuscus in Rom als den „Aufenthalt liederlichen 
Gesindels, besonders der Buhldimen" (Georges), und so war wohl 
nichts natürlicher, als das tuscus neben seinem ursprünglichen, im 
it. allein bewahrten Sinne die Nebenbedeutung „gemein, gewöhnlich. 



* Cf. afranz. tros <^ thyrsus; -^y.presseguirs neben pesseguiers ; s-^.prisco 
neben pirsico, pijego; cat. presseg, presseguer -^ per sie-, 

4* 



52 

roh, grob^ annahm , aus der sich dann die oben aufgeführten Be- 
deutungen sämtlich leicht entwickeln konnten. 

Die eben aufgestellte Behauptung eines Zusammenhanges unseres 
Subst toxa = tusca „Decke, Mantel aus grobem Stoff", das sich 
übrigens genau in der Form unseres Textes und fast identischem 
Sinne bei Papias findet (Stragulum: uesiis quae Toxa uocatur, s. 
Duc), mit dem erörterten Adjektiv tuscus ist an sich wohl nicht 
zu kühn, doch läfst sie sich durch die Untersuchung der weiteren 
Verbreitung dieses Subst im Romanischen noch bestätigen. In der 
Bedeutung unserm toxa am nächsten steht cat iosca „tel, capa o 
betum que forman los liquits en los Hochs per ahont passan o's 
detenen" also „mantelartiger Überzug, abgesonderte Schicht (auf 
einer Flüssigkeit)"; daneben tosca (== pedra tosca) „rauher Stein" 
= „Tuffstein". Dagegen verblüfft auf den ersten Blick die Be- 
deutung des Wortes im Mlat. (tusca) und im Afranz. {tosche): „Baum- 
gruppe, Gehölz". Erinnern wir uns jedoch der Bedeutungsentwicklung 
von lat. macula „Fleck" zu rum. tnagurä, iL macchia^ sp. pg. mancha 
„bewachsene Stelle, Gebüsch", die Gröber, AlLex III, S. 520, sehr 
ansprechend erklärt, so führt uns von der letzterreichten Etappe 
„abgesonderte Schicht" ein naheliegender Schritt zu „(dunkler) Fleck" 
und damit zum Ausgangspunkt einer der von macula parallel ver- 
laufenden Entwicklung zu „Baumgruppe, Gehölz". 

üna germanisch „ohne" findet Kögel wieder in 1059 Quin: 
unonu S. die Bedenken gegen diese Annahme im § 124. 

undare (262 Fluctuans: 'tis): sard. undare^ afiranz. onder, 

Hilde (304, 466, 771; weitere Belege s. §99, § 128): noch 
in nfranz. Mundarten in Lyonnais, Forez: onty onte^ ounie „oü"; 
Poitou, Aunis, Saintonge: onte „oü". 

unguentum (231): it. unguento, pv. enguen, franz. onguenU cat. 
unguent, sp. pg. unguento, 

Uredo (177): it urMine „Karfunkel, Geschwür". 

utare (1073) „betauen, benetzen": das auch Duc. vollkommen 
fremde Wort findet sich rätselhafter Weise im Humanistenlat. wieder, 
Sa- Conrad Gel t es, De origine, situ, moribus et institutis Norim- 
bergae libellus, Kap. VI, in Bilibaldi Pirckheimeri Opp. Frankfurt 
1610, S. 126 f. 

uanare (946) „prahlen": pv. vanar, 

Uasculo, oms (906) „Flasche" : it. fiascone, pv. flascon^ afranz. 
fla{s)con (seit dem 14. Jahrhundert); cat. sp. ^%. frasco. Kluge s. v. 
„Flasche" zweifelt an der von Diez, Et. W. S. 138 ausgesprochenen 
Ableitung flasco < vasculum und denkt an keltischen Ursprung; 
doch lehrt die Tatsache der Nichtübereinstimmung der sard. Dia- 
lekte (Dial. Gen. fiascu^ gegenüber vel&l, frascUy wozu c^. flatosus > 
log. fiagbsu^ mer. frägosu), dafs das Wort im sard. nicht Lehnwort 
sein kann, daher ein lat. Grundwort vorliegen mufs. 

Ueotis (1157): die Glossierung des Wortes durch tinalum 



1 Wohl ital. Einflufi? 



53 

(s. d.) zeigt, dafs der Bedeutungswandel des in Frankreich bis heute 
durchaus volkstümlichen Wortes von „Hebebaum" > „männliches 
Glied" bereits eingetreten war, was sich auch ohnedem hätte ver- 
muten lassen, da ihn das bei K. fehlende pv. veg, vteg, viel teilt. 

iienatio (126): it. vmagione, asp. venaciön^ pg. veagäo, 

uereoTindari (485, 649): nur afranz. ver gonder (so Psaut. 
Bodl. 24, i). Dagegen gemeinromanisch *verecundiare nach dem 
Subst. > log. hirgonzare^ mer. bngungtäi, set valgugnä\ it. ver^ 
gognarsi^ pv. vergonhar^ afranz. vergoignier^ pv. {a)vergonhar, 

uereoundia (690, 1064): log. birgonza, mer. brigungia, set 
valgogna\ cat vergonya, 

uereoundialis {22) „Scham*": zu uerecunaiale loco des Textes 
s. locum genetale nom.) bei Greg. Tur. (Bonnet S. 508) und das 
in Foersters Anm. ziterte loco uerecundiosa bei Steinm. u. Siev. 164, 5. 

Uespa (1150): die Glosse bezeugt die Ersetzung des lat. 
vespa durch germanisch wa/sa etc. in lothringisch-wallonischen Dia- 
lekten, s. Homing, Zs. XVIII, S. 230. S. auch s. uuapsa. 

uetare (1024, 34^ Proibeamus: ^amus): pv. cat. vedar, 

uindicatio (351): afranz. vengison, 

uindicta (792; s. auch Bess. 12.): sard. vinditta, 2iSi>. vendecha, 
daneben vendeita offenbar aus apg. *vendetta, 

iiinea (357, 702): log. binzay mer. bmgia, cat vinya. K.'s 10 196) 
sp. vina ist in vifla zu korrigieren. 

uitiosuB (i) „gerieben, schlau": in dieser Bedeutung aus- 
schliefslich afranz. voisos* 

tiitiare (891) „verderben, verführen": diese Bedeutung scheint 
zu Grunde zu liegen dem noch modern mundartlichen votser (Lor- 
raine) „courir en desordre", worin offenbar „dem Laster ergeben 
machen" sich zu einem Intransitiv „dem Laster ergeben sein", 
„sich ungehörig benehmen" weiter entwickelt und späterhin noch 
weiter eingeschränkt hat 

Nicht identisch mit unserm Worte ist hingegen das einmal im 
Guy de Warwick belegte sot votsier „sich belustigen", das vielmehr 
infolge einer dem Angionorm, eigentümlichen Neigung zur Apo- 
kopierung der Präfixe (s. Stimming, Bueve de Hanstone, S. XLIIIf.) 
statt des in diesem Sinne häufigen sot envoisier steht. 

Von weiterer Verbreitung als das Wort vitiare ist das zum 
Adj. gewordene Partie. Pass. vitiaius „verdorben", „durchtrieben", 
„schlau", s. K. 10243. 

uittare (484): pv. vetat^ asp. vetado „gestreift", pg. betar „listrar 
o tecido de varias cores". 

uiuanda (788) „Lebensmittel": K.'s Annahme (s. 10266) eines 
Etymons *vitanda für franz. viande widersprechen log. bivanda, mer. 
fianday it vtvanda, pv. (schon alt-)sp. cat vtanda, S. auch Baluz., 
Capitul. reg. franc, anno 803, tome I, col. 399 : Excepto uiuanda et 
fodro quod . . . 

uox (182 Jübilum: inmensa ktitia quae uoce explicare non potest): 
cat. veu. 



54 

uuadious (285, 1047) »Pfand": suffixale Weiterbildung des 
germanischen Stammes wadja^^ ältester Beleg des franz. gage. S. 
§ 60, Anm. I. 

uuadius s. uuadicus, 

uuapsa {uuapäa?) (288, 11 50): germanisches Lehnwort. Das 
lat. uespa ist durch einen germanischen Typus verdrängt in zahl- 
reichen franz. Mundarten, s. Homing, Z. XVIII S. 230, doch werden 
nach Ausweis der Tafel guipe des A. L. allein die wallonischen 
(s» § 75) unserer Form gerecht Bei dem verwirrenden Reich- 
tum des germanischen Wortes an mundartlichen Formen (s. Kluge, 
Et. W. s. V. Wespe) und der Mehrdeutigkeit des c in unserem 
Texte (s. § 65) mufs von der Ansetzung eines germanischen Typs 
für unser Wort abgesehen werden. Über die dialektischen Formen 
des Wortes auf franz. Boden äufsert sich eingehend Marchot, RF 
XII S. 648, dessen Ausführungen übrigens durch die Tafel guipe 
des A. L. zum Teil bestätigt werden. 

uuardare s. reuuardare. 

zinzella (242) „Mücke*' Deminutivform eines *ztnzula zu dem 
bei Georges nachgewiesenen onomatopoetischen zinzilulare „schwirren, 
summen": Corp. gloss. lat. V. 526, i belegt zinzala\ Hs. 442 Culix: 
cingula\ Gloss. lat fr9. Rieh. 7679 fö 268 r^ Zinzala: petite mousce 
ou cincerelle. Weitere Zeugnisse für das Wort bei Diez, ARGloss. 
S. 22. Es lebt romanisch aufser in den bei K. 10456) zitierten it 
zenzarüy zanzara, chianes. cecera in genues. sinsaa, log. zinzula, mer. 
smzulo; aufserromanisch tritt es in ahd. zmzila, zinzala) albanes. 
zinziras „Grille" auf. Die Ableitung auf »ella scheint ausschliefslich 
franz. zu sein : afranz. cincele f. „Mücke" und zahlreiche Nebenformen 
bei Godf. Noch heute lebt das Wort mundartlich im Pas de Calais 

(285) als tshSel (f.). (Tafel moucheron des A. L.).i 



^ Diez, ARGloss. S. 22 fasste auch (F 870) Cimex: cimcella als identisch 
mit zinzella auf und wollte der Bedeutung wegen Cimex in Cinifes (s. Wort- 
best. s. V. Sciniphes) ändern, „da nicht anzunehmen ist, dafs cincelle zugleich 
Mücke und Wanze bedeutet haben sollte"; cimcella ist jedoch ein ganz anderes, 
gleichfalls in nfranz. Dialekten (= „ciron") fortlebendes Wort <[ lat. cimic- 
ella, über das man Wortbest. s. v. vergleiche, wo auch ein ähnlicher Irrtum 
bei Godf. berichtigt wird. 



4. Wortverbreitling. 



Eine Untersachung der Verbreitung des in unserm Denkmal 
als Interpretamente vorkommenden Wortmaterials in der Hoffnung, 
etwas Licht in die Frage der Entstehung des Textes zu tragen, 
hat bei der Stellung unseres Glossars als Bindeglied zwischen dem 
Gallolat einerseits und dem literarischen Französisch andrerseits 
ein doppeltes Interesse. Doch mufs man sich hüten, den Wert 
einer derartigen Untersuchung irgendwie zu überschätzen, da unsere 
Kenntnis der Bodenständigkeit eines Wortes in alten und modernen 
Mundarten des Französischen nur eine annähernde sein kann. 
Im Afranz. darf aus dem Nichtvorkommen eines Wortes in der 
beschränkten, mehr oder wenig zufallig überlieferten Literatur auf 
dessen Nichtvorhandensein um so weniger geschlossen werden, als 
das Schrifttum jener Zeit, je früher desto mehr, durch seine stoff- 
liche Beschränkung viele Begriffsgebiete einfach ignorierte, wodurch 
gerade viele echt volkstümliche Worte des Alltagslebens sich der 
Aufzeichnung entzogen. ^ Auch unsere Kenntnis der modernen 
franz. Mundarten ist weit davon entfernt, irgend Anspruch auf 
Vollständigkeit erheben zu können, und wird es stets bleiben müssen, 
da selbst ein so grofsartig angelegtes, mit seltener Umsicht und 
aufserordentlichem Fleifs ausgearbeitetes Werk wie der A. L. Stück- 
werk und von Zufälligkeiten abhängig bleiben mufs. 

Trotz dieser notorischen Unzulänglichkeit unserer Hülfsmittel 
soll in der folgenden Tabelle (s. umstehend) versucht werden, der 
Verbreitung gewisser nicht allgemeinfranzösischen Wörter nachzu- 
gehen, wobei die oberen Kreuze in jedem Geviert auf ein Belegt- 
sein im Afranz., die untern auf ein solches in modernen Mundarten 
hinweisen: 

Die Tabelle lehrt, dafs 
I. eine Reihe von Wörtern zwar nur mundartlich, aber an 
ganz verschiedenen Stellen des Gebietes auftreten und daher eine 
einstige Kontiguität ihrer Verbreitung erschliefsen lassen: so aloxi- 
num^ cam'nuSf iux/are, die daher für die weitere Erörterung aufser 
Betracht bleiben. 



^ So wird sich z. B. niemand wundern, wenn das Wort cimicella „Wanz- 
chen" unseres Glossars afranz. nie belegt ist und gleichwohl noch heute (s. 
Wortbest. s. t.) in der Champagne als sincele „ciron" lebt. 



V 



56 





Normandie 
westl. Frkr. 


1 


g 

% 




i 


d 

bfi 

a 

•S 
o 


1 




aleps 


+ 
















aloxinum 


+ 


+ 












+ 


aitenttare 










. 




+ 




bansta 


+ 


+ 


+ 












bUsta 


+ 






+ 










caligo 


+ 

+ 


"J* 














caninus 


+ 
+ 












+ 




capUale 


+ 
















cimicella 










+ 








danea 






+ 












degannare 


+ 
















discoüocare 




+ 














exdarnare 


[+n 




[+2] 


+ 


+ 


+ 




+ 


flagellare 


1 
















fulcus 


f 


+ 


+ 


+ 










gaforium 


+ 
















hauis 


[+3] 


+ 


+ 












iuxiare 


+ 














+ 


lutare 


+ 
















muscio 


+ 


+ 


+ 












ruma 






+ 












uerecundari 


+ 
















uitiare 










+ 








uuapsa 






+* 













^ Hier nur der Stamm des Wortes und zwar nur noch in Ortsnamen, 
s. Wortbest. s. v. 

* Hier nur das zu Grunde liegende Adjektiv, nicht das Verb. 

^ Die bekannte Gelehrtenfamilie Hauet stammt aus der Normandie. 

* S. hierzu § 75 am Ende. 



57 

2. eine weitere Gruppe ist in ihrer Verbreitung beschränkt 
auf einen oder mehrere der reinöstlich-südöstlichen Dialekte der 
(Isle de France) Champagne, Lothringens, der Bourgogne und der 
Schweiz: so attenuare^ cimicellaj exdarnare, utttare. 

Von diesen hat attenuare den andern dreien gegenüber insofern 
weniger Gewicht, als es sich bei diesem Interpretament nicht un- 
bedingt um ein wirklich romanisches Wort handelt; denn da atim' 
uare ein gut lat. Wort, so besteht wenigstens die Möglichkeit, dafs 
hier der Glossator wie so oft sich mit der Wiedergabe eines Lenmias 
durch ein ihm bekannter scheinendes schriftlat. Wort begnügt habe, 
das der Volkssprache fremd war;^ cimicella, exdarnare und uitiare hin- 
gegen sind dem Lat. völlig fremde Bildungen, die daher der Sprache 
des Redaktors oder des Verfassers einer Vorlage angehört haben 
müssen. Nun zeigt sich das Auffallende, dafs alle drei Wörter nur 
in II auftreten, so dafs es zunächst scheinen könnte, als sei bei 
der Kompilierung von II im Gegensatz zu I, für das ein Gleiches 
nicht nachweisbar, Sprachgut des reinöstlich- südöstlichen Frankreich 
mit verarbeitet worden. Bei schärferem Zusehen erkennt man 
jedoch, dafs diesem Schlüsse kein anderer Wert als allenfalls der 
einer vagen Vermutung beizumessen ist Denn 

cimicella ist ein Wort, dessen Begrifssinhalt ein afranz. Belegt- 
sein a priori unwahrscheinlich macht, selbst bei einer eventuellen 
Verbreitung über ganz Frankreich, und auch in nfranz. Mundarten 
kann das Wort, durch seine Bedeutungsentwicklung > „Mübe" 
(s. Wortbest. s. v.) aufserhalb des alltäglichen Begriffsvorrates des 
Volkes stehend, leicht weiter verbreitet sein als wir wissen. 

exdarnare ist im Auftreten seines Stammes (s. Wortbest. s. v.) 
als Verbum in den heutigen Mundarten allerdings scheinbar auf 
die genannten Gebiete beschränkt, doch zeigt das Vorkommen des 
Stammes darn" als Adjektiv im Wallonischen, in Ortsnamen in der 
Normandie (s. Wortbest. s. v. Anm.), dafs dieser in früherer Zeit un- 
bedingt eine weitere Verbreitung gehabt hat, die vielleicht zur Zeit 
unseres Textes auch noch für das Verbum galt. 

uitiare läfst sich ausschliefslich in modernen Mundarten, und 
zwar nur in lothr. voiser (s. Wortbest s. v.) nachweisen; da aber 
afranz. voisos etc., vom gleichen Stamme gebildet, notorisch über 
das ganze Gebiet des Franz. verbreitet war, so scheint dieses allein 
übrig bleibende Wort zur Stütze einer Theorie auf Einflufs reinost- 
südostfranz. Sprachgutes kaum ausreichend. 

3. die übrigen 17 Worte von nur mundartlicher Verbreitung 
gehören einem oder mehreren der Dialektgebiete der Normandie 
(bez. Westfrankreich überhaupt), Pikardie und Wallonie (eventuell 
auch Isle de France) an, und zwar sind 

ausschliefslich norm. (bez. westfranzösisch) 7 

ausschliefslich pikard. i 

ausschliefslich wallon. 3 



^ Cf. z.B. 15, F 714 Conlatio: conferentia. 



58 

norm.-pikard. (i + i auch in Isle de France) 2 
norm.-wallon. — 

pikard.-wallon. — 

norm.-pikard.-wallon. (3 + 1 auch in Isle de France) 4 
Man braucht wohl keinen Einwand zu gewärtigen, wenn man 
aus diesen Daten den Schlufs zieht, dafs unser Glossar nördliches 
Sprachgut aufweist Angesichts der Tatsache, dafs im § 75 der 
Nachweis erbracht wird, dafs unser Text weder in der Norraandie 
noch in der Pikardie entstanden sein kann, wohl aber in der Wal- 
lonie, könnte man einen Augenblick daran denken, durch Kombi- 
nierung der Ergebnisse obiger Aufstellung eine Theorie der Be- 
nutzung einer norm.(-pikard.) Vorlage aufzustellen. Zu einer 
solchen Hypothese reicht jedoch das beigebrachte Material bei 
weitem nicht aus: es möchte kühn erscheinen, aus der rein zu- 
falligen literarischen Überlieferung nur einiger weniger Worte 
ausschliefslich in gewissen Gegenden irgendwelche weitergehenden 
Schlüsse auf deren Verbreitung im 7. — 8. Jahrhundert und damit 
auf unsern Text zu ziehen. Was das Vorkommen unserer Wörter 
in modernen Mundarten betrifft, so ist allerdings für diejenigen, 
die der A. L. aufgenommen, durch die grofse Anzahl regelmäfsig 
verteilter Auskünfte eine gewisse Garantie geboten, die man sich 
indessen hüten mufs zu überschätzen. Denn die bisher auf Grund 
des A. L. gelieferten Arbeiten haben bereits das methodisch wichtige 
Ergebnis gezeitigt, dafs die Bedeutung dieses monumentalen Werkes 
wesentlich nach der positiven Seite zu liegt, d. h. das Fehlen einer 
bestimmten Erscheinung, eines Wortes in einer bestimmten Gegend 
im A. L. ist für deren dortige Nichtexistenz keineswegs beweis- 
kräftig. Ausserdem unterliegt es wohl keinem Zweifel, dafs in dem 
Zeitraum von mehr als 1000 Jahren, der zwischen unserm Text und 
der Abfassung des A. L. liegt, mannigfache Verschiebungen und 
Veränderungen im Wortgebrauch eintreten mufsten. 

Wir hüten uns also durchaus, aus den Ergebnissen dieser 
Untersuchung der Wortverbreitung irgendwelche Schlüsse auf be- 
nutzte Vorlagen zu ziehen: vielmehr beschränken wir uns darauf, 
festzustellen, dafs ge\¥isses Sprachgut im Glossar auf den Norden 
Frankreichs weist, und dafs, da Normandie und Pikardie durch 
lautliche Kriterien ausgeschlossen sind, eine gewisse Wahrscheinlich- 
keit für eine Entstehung unseres Denkmals in der Wallonie spricht 
Zwingende sprachliche Gründe, eine oder mehrere aus einer andern 
Gegend stammende Vorlagen anzunehmen, vermögen wir nicht an- 
zuerkennen. 



-<•>- 



Lebenslauf. 



Ich, Kurt Ehrich Hetzer, evangelischer Konfession, wurde 
geboren in Weimar am ii. Februar 1882 als jüngster Sohn des Hof- 
zimmermeisters Otto Hetzer und seiner Ehefrau Marie, geborene 
Hallbauer. Nach vierjährigem Besuche der I. Bürgerschule meiner 
Vaterstadt bezog ich Ostern 1892 deren Realgymnasium, das ich Ostern 
1901 mit dem Zeugnis der Reife verliefs, um mich dem Studium der 
neueren Sprachen, insbesondere der Romanistik, zu widmen. In 
Leipzig, wo ich meine ersten zwei Semester studierte, gewährte Herr 
Professor Weigand mir auf Grund privatim angeeigneter roma- 
nistischer Kenntnisse Aufnahme als ordentliches Mitglied in sein 
Rumänisches Seminar, das den Grund zu meiner wissenschaftlichen 
Schulung legte. Im S. S. IQ02 siedelte ich nach Bonn über und 
ward von Herrn Geheimrat Fo erster als ordentliches Mitglied in 
sein Romanisches Seminar aufgenommen, in dem ich von meinem 
4. — 8. Semester die Obliegenheiten des Seniors und Bücherwarts 
erfüllte. Zwei Semester lang nahm ich an den Übungen des Ger- 
manistischen Proseminars unter Herrn Geheimrat Wilmanns teil; 
als ordentliches Mitglied gehörte ich, z. T. mehrmals, an den eng- 
lischen Seminaren unter Herrn Geheimrat Trautmann und Herrn 
Professor Bül bring, sowie dem französischen unter Herrn Professor 
Gaufinez. 

Die Ferien benutzte ich mehrfach zu Auslandsaufenthalten. Ende 
des S. S. 1905 liefs ich mich exmatrikulieren. Am 29. November 
1905 bestand ich das Examen Rigorosum auf Grund einer am 
3. August desselben Jahres von der Philosophischen Fakultät der 
Universität Bonn preisgekrönten Arbeit, deren ersten Teil die vor- 
liegende Dissertation bildet. 

Meine akademischen Lehrer waren die Herren Dozenten: 

in Leipzig: Birch-Hirschfeld, Duchesne, Heinze, 
Marx, Lake, Schmarsow, Sievers, Weigand, Witkowski, 
Wülker. 

in Bonn: Bülbring, Cann, C. Giemen, Dyroff, Eng- 
bert, Erdmann, Foerster, Franck, Freytag, Gaufinez, 
Geyser, loliet, Meyer, Roudet, Sachsse, Schultz, Steffens, 
Trautmann, Wentscher, Wilmanns. 

Allen meinen hochverehrten Lehrern spreche ich meinen warm 
empfundenen Dank aus, besonders denjenigen, welchen ich auch 
persönlich näher treten durfte. In erster Linie fühle ich mich ver- 
pflichtet Herrn Geheimrat Foerster, der die Abfassung dieser 
Arbeit mit unermüdlichen Wohlwollen begleitet und mit Rat und 
Tat gefördert hat 



Druck von Ehrhardt Karras, Halle a. S. 



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BQ03D1117B