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10453
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DIR
REICHENAUER GLOSSEN
TblXTK KITISCHE UND SPRACHLICHE UNTERSUCHUNGEN
KENNTNIS DES VORLITERARISCHEN FRANZÖSISCH
TEIL 1
1)£K
VON DER l'HIT.nSOPHlSCHEN FAJvULTA T ZU BONN
GEKRÖNTEN PREISSCHRIFT
VON
KURT E. HETZER
HALLE A. S.
DRUCK VON EHRHARDT KARRAS
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•\
DIE REICHENAUER GLOSSEN
TEXTKRITISCHE UND SPRACHLICHE UNTERSUCHUNGEN
ZUR
KENNTNIS DES VORLITERARLSCHEN FRANZÖSISCH
ALS
INAUGURAL-DISSERTATION
ZUR
ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE
BEI DER
HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT
DER
RHEINISCHEN FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT
ZU [BON N •— ^
IM JULI 1906 I
VORGELEGTER
TEILI
DER VON DERSELBEN FAKULTÄT GEKRÖNTEN PREISSCHRIFT
VON
KURT £. HETZER
AUS WEIMAR
-<S>-
HALLE A. S.
DRUCK VON EHRHARDT KARRAS
1906
Die Arbeit erscheint vollständig als Heft 7 der
Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie
herausgegeben von Dr. Gustav Gröber.
Meinen lieben Eltern
in herzlicher Zuneigung.
L.
Inhaltsübersicht.
Seite
Literatur VI
Einleitung i
1. Besserungen und Kommentar 7
2. Glossenroaterial in alphabetischer Anordnung, zugleich als Index . . 16
3. Wortbestand 24
4. "Wortverbreitung 55
\
Literatur.
Archiv für lat. Lexikographie und Grammatik, hsg. von Wölfflin. = AlLex.
Altromanische Glossare berichtigt und erklärt von Fr. Diez, Bonn 1865.
= ARGloss.
Bonnet, Le Latin de Gr6goire de Tours, Paris 1890.
Diez, Grammatik der rom. Sprachen. 4. Aufl. Bonn 1877.
Draeger, Historische Syntax der lat. Sprache. 2. Auf 1. Leipzig 1878.
Foerster und Koschwitz, A frz. Übungsbuch. 2. Aufl. Leipzig 1902.
Gaul, Romanische Elemente im Latein der Lex Salica. Diss. Giefsen 1886.
Görlich, Der burgundische Dialekt im 13. und 14. Jahrhundert. (Frz. Studien
VII, I.)
Haag, Die Latinität Fredegars, RF X, S. 835—932.
Mackel, Die germ. Elemente in der französischen und provenzalischen Sprache.
Heilbronn 1887.
Marchot, Petite Phon6tique du fran9ais pr61itt6raire. 1. u. 2. Teil. Freiburg
(Schweiz) 1901 — 2. = Marchot.
Marc ho t, Remarques sur le glossaire de Reichenau Karlsruhe 115 in RF
Xil, S. 641—649.
Meyer-Lübke, Grammatik der romanischen Sprachen. Leipzig i890ff.
Pirson, La Langue des inscriptions de la Gaule. Bruxelles 1901.
Ron seh, Itala und Vulgata. Marburg 1875.
Bibelglossar aus dem S.Jahrhundert in der Hs. Karlsruhe 86, abgedruckt
im Afrz. Übungsbuch Sp. 27 — 34. = Rz.
Schröder, Romanische Elemente in dem Latein der Leges Alamannorum. Diss.
Rostok 1898.
Schuchardt, Der Vokalismus des Vulgärlat. Leipzig 1886.
Schwan-Behrens, Grammatik des Afrz. 7. Aufl. Leipzig 1903.
Seelmann, Die Aussprache des Latein nach physiologisch-historischen Grund-
sätzen. Heilbronn 1885.
Biblia sacra vulgatae editionis. Sixti V. Pontificis jussu recognita et Clementis
VUI auctoritate edita. Parisiis et Lugduni, Hilaire Blanc, 1846.^
= Vulgata (Vlg.).
Waltemath, Die fränkischen Elemente in der frz. Sprache. Paderborn-
Münster 1885.
* Zur Kritik der Bibellemmata dienten Berger, Histoire de la Vulgate
pendant le moyen äge, Nancy 1893; Vercellone, Variae lectiones vulgatae
latinae Bibliorum editionis, Romae 1860 — 66; aufserdem wurde benutzt die
Konkordanz von Dutripon.
VII
An Wörterbüchern wurde benutzt Diez (1878), Ducange (1840),
Georges (1879), Godefroy, Kluge (1900), Körting (1901); Labernia,
Diccionari de la llengua catalana, Barcelona 1865; Levy, Provenzalisches
Supplementwörterbuch, 1892 ff.; Littr^; Marx, Hülfsbüchlein für die Aus-
sprache der lat. Vokale in positionslangen Silben, Berlin 1901 ; Mistral;
Nuevo Diccionario de la lengua castellana, Paris, Bouret 1884; Petrocchi
(1894); Raynouard; Spano, Vocabolario sardo-italiano e italiano-sardo:
Vieira, Dicciouario portuguez, Porto 1871.
Der Kenntnis nfrz. Patois konnten die Fascikel i — 14 des Gilliöron
et Edmond* sehen Atlas Linguistique de la France (A. L.) dienen; aufserdem
verdankt der Verf. schätzbare Auskünfte, die in vorliegender Arbeit mehrfach
verwertet werden konnten, dem liebenswürdigen Entgegenkommen ihm be-
kannter Franzosen, denen auch an dieser Stelle der gebührende Dank aus-
gedrückt sei. So gaben mir Kenntnis über die Mundarten von Malmedy
Herr stud. phil. Josef Marichal , Brühl b. Bonn; von Noiron-sur-Bize (D6p.
C6te d'or) Herr Lektor Prof. Louis Joliet, Bonn; von Puilly (D6p. Ardennes)
Herr cand. phil. Gustave Gobert, Nancy; von Weismes Herr stud. phil. Josef
Marichal, Brühl b. Bonn.
Einleitung.
Die vorliegende sprachliche Untersuchung der „die Reichenauer
Glossen'' genannten Sammlung urfranzösischer Bibelglossen ist ge-
dacht als der erste Schritt zu einer systematischen Erforschung des
vorliterarischen Französisch auf Grund unserer reichen Glossen-
literatur, die uns den Mangel literarischer Denkmäler ersetzen mufs,
aber, wie Verf. durch diese Arbeit zeigen zu können hofü, auch
bis zu einem bisher wohl kaum vermuteten Grade ersetzen kann,
vor allem nach der Seite der Lautlehre hin, während die Ausbeute
für Formenlehre und Syntax naturgemäfs geringer sein mufs als in
einem zusammenhängenden Texte. Doch wurden im vorliegenden
Falle auch in dieser Hinsicht die vom Verf. ursprünglich gehegten
Erwartungen einigermafsen übertroflFen. Über den etymologischen
Abwurf der Untersuchung s. am Schlüsse der Einleitung.
Bei der Wahl gerade dieser Texte zu einer ausführlichen sprach-
lichen Durchforschung war für den Verf. besonders auch mafsgebend
der Gesichtspunkt, dafs das fragliche Glossar auch eine Reihe
germanischer Elemente enthält, die uns „Sprachgut von hoher
Altertümlichkeit" (Kluge, PauFs Gdr. d. german. Phil. I, 2. Aufl.,
S. 332) überliefern, wenn auch die von namhaften Germanisten
(s. § 85) vertretene Anschauung, dafs diese Bestandteile einen ost-
germanisch-burgundischen Lautcharakter trügen, einer eingehenden
Untersuchung unter Mitzugrundelegung romanistischer Gesichts-
punkte im § 65 nicht Stand halten konnte, womit natürlich jede
Hoffnung schwinden mufste, in diesen Elementen eine Bestätigung
einer Ansicht über den Entstehungsort der Glossen auf Grund des
Erbwortbestandes zu sehen.
Die behandelte Glossensammlung ist uns aufbewahrt in Karlsruhe
im Codex Augiensis CCXLVIII^ fo i — 39 vb, einer schön geschriebenen,
aber zum Teil durch Feuchtigkeit hart mitgenommenen Handschrift,
die der Entzifferung daher an vielen Stellen grofse Schwierigkeiten
entgegensetzt. Über den sonstigen Inhalt der Handschrift s. die
Beschreibung von Holtzmann, Germania VIII, S. 404 ff.
* Früher 115, s. „Die Hss. der Grofsherzogl. Hof- und Landesbibliothek,
Beilage II: Lamey S. i und Längin S. 83".
Nach dem übereinstimmenden Urteil aller derer, die den Codex
vor Augen gehabt haben, ist er noch ins 8. Jahrhundert zu setzen.
Gaston Paris (Comptes rendus des Seances de TAcademie des
Inscriptions et Belles-Lettres 1893, S. 92, Anm. i) spricht sich aus
anderen als paläographischen Gründen für (den Anfang des?)
9. Jahrhunderts aus: „Ceux gut ont vu le manuscrit Vatiribuent au
VIII ^ sikle, mais on vieillU presque ioujours ces manuscriis, La nature
mime de ce glossaire montre qtiil appariient ä Vensemhle des travaux
de rinovation des Siudes grammaticales et hibliques qui fut inauguri
par Charlemagne^^.
Diese Argumentation kann als zwingend nicht anerkannt werden,
da unser Text (s. S. 3) nachweislich wenigstens zum Teil eine vor-
vulgatische Übersetzung glossiert, d. h. die Existenz von Bibel-
glossaren schon für Jahrhunderte vor der Zeit der Alcuinschen
Revision des Vulgatatextes sichert. Den Zeitpunkt der Entstehung
der uns vorliegenden Kompilation nach anderen als palaeographischen
Gesichtspunkten festzustellen dürfte daher schlechterdings unmög-
lich sein.
Die „Reichenauer Glossen'' setzen sich aus zwei Glossaren
zusammen:
I, einem Bibelglossar, das die Bücher der Vulgata in
Auswahl und in jeweils gröfserer oder geringerer Ausführlichkeit
fortlaufend glossiert und ein Zurückgehen auf mehrere Vorlagen
deutlich erkennen läfst,
II, einem alphabetischen Glossar, dessen Lemmata gleich-
falls vorwiegend Worte der Vulgata darstellen, und das eine
stattliche Anzahl von Glossen mit I gemein hat.
Die Glossierung besteht zumeist in einer Erklärung eines lat.
Wortes durch ein der Volkssprache angehöriges lat oder deutsches,
oder auch durch einen ganzen Satz, wobei der Glossator das zu
verdeutlichende Lemma gelegentlich dadurch näher zu bringen
versucht, dafs er etymologische Beziehungen aufstellt. Wie alle
mittelalterlichen Etymologien, so vermögen auch die seinigen uns
nur ein Lächeln abzunötigen, wofür einige Beispiele genügen
werden:
43 Femora dicta eo quod ea parte sexus uiri ac femtne discrepet\
1I3 Ireium mare dictum eo quod ferueat\ 263 Ferie noncupate sunt
qS Sit in eis nohis iempus dictionis (also offenbar von /an'/); 321 Nb'
misma: . , . eo qä nomen principis ibi sit scriptum.
Über die Art der Entstehung, d. h. über die für die Kompilierung
von I und II benutzten Vorlagen, über die diesen zu Grunde
liegenden Bibelhss., über Herkunft der nicht zur Bibel gehörigen
Lemmata in U etc., hatte Verf. zwecks der ursprünglich von ihm
geplanten Veranstaltung einer kritischen Ausgabe des Textes eine
besondere Untersuchung angestellt, von deren Veröffentlichung er
^ Nach W. Foerster sichert schon allein die Form des g die Entstehung
der Hs. im 8. Jahrh.
zur Zeit absieht, da eine Untersuchung ähnlicher Art auf breiterer
Basis, von Herrn Josef Stalzer-Graz vorgenommen, dem Drucke
entgegengeht Verf begnügt sich daher an dieser Stelle mit zwei
Feststellungen, die ihm von besonderer Wichtigkeit scheinen:
1. Wohl alle Lemmata von I, fär die sich in den ihrem Vor-
kommen im Glossar entsprechenden Vulgata-Kapiteln eine Bezug-
stelle nicht finden läfst, sind Synonyme eines Vulgata- Wortes, dafs
in den Zusammenhang durchaus pafst. Diese Synonyme liefsen sich
in allen untersuchten Fällen in einer oder einer Reihe Vulgata-Hss.
als Entsprechung des betreffenden Normalvulgata-Wortes wiederfinden,
so zwar, dafs nicht alle Abweichungen von der Normalvulgata sich
auf eine einzige Bibelhandschrift zurückfuhren liefsen, d. h. das
Glossar mufs nach einer Hs. angefertigt sein, die wenigstens als
Vulgatahandschrift uns nicht erhalten ist
2. Gegenüber allen erhaltenen Vulgata-Hss. weisen unsere
Glossen bisweilen auf eine Bibellesart zurück, die durch die Überein-
stimmung aller Vlg.-Hss. als vorvulgatisch gesichert ist:
6| Manzer: qui de scorta nascitur-, Vulgata: manzer, hoc est de
scorto natus\ 63 BuUas: ornamenia regalium camelorum: Vulgata:
builaSf quibus colla regalium camelorum decorari solenL
Der Text des Glossars ist an vielen Stellen mehr oder weniger
arg verderbt und weist gelegentlich fehlerhafte Zusammenziehungen,
Lücken usw. auf, die jedoch fast stets ^ einer zuverlässigen Emen-
dation zugänglich sind.
Doch hält Verf. gegenwärtig dafür, dafs wegen des vielen
Ballastes, mit dem das wertvolle Glossenmaterial im Codex behaftet
ist, ein Gesamtabdruck nicht erforderlich ist. Vielmehr glaubt er
mit einer alphabetischen Aufführung aller der Wörter, die nach
irgend einer Seite hin Beachtung zu verdienen schienen, das
irgendwie bedeutsame Material des Textes bequem zugänglich ge-
macht und damit das Interesse erschöpft zu haben, das eine Ge-
samtausgabe beanspruchen kann. Alle in Frage kommenden Glossen
sind hier abgedruckt in dem Paragraphen unserer sprachlichen
Untersuchung, der die darin belegte Erscheinung behandelt und
aus dem im Verzeichnis beigedruckten Verweise in Klammern er-
sichtlich ist. Die Ziffern vor diesen Klammern geben die Nummer
in Foersters Abdruck oder, falls die Glosse sich dort nicht findet,
Seite und Spalte in der Hs. Durch eben diese Verweise auf die
§§ der sprachlichen Untersuchung glaubt Verf. gleichzeitig die Inter-
pretierung des Textes wesentlich erleichtert zu haben. Im übrigen
dient dem besseren Verständnis und der Emendation des Textes
ein besonderer Abschnitt „Besserungen und Kommentar 'S der die
wesentlichen Ergebnisse der auf eine kritische Ausgabe abzielenden
Vorarbeiten des Verf. verwertet
^ Vielleicht mit alleiniger Ausnahme des am, Ende einer Glosse allein-
stehenden Interpretamentsrests seu acceptis 152.
Holtzmann fügte seiner oben (s. S. i) zitierten Beschreibung
des Codex eine reiche Auswahl aus den Glossen bei, die, um
einiges vermehrt, von Diez in seinem Werke ,, Altromanische Glossare
berichtigt und erklärt" (Bonn 1865) neu abgedruckt und nach
Möglichkeit gedeutet wurden. Unter Beidruck der Zahlung bei
Diez veröfifentlichte Foerster auf Grund einer 1883 genommenen
Abschrift etwa ein Viertel sämtlicher Glossen im „Altfranz. Übungs-
buche'' S. ifif. Da die Zählung der Glossen in den beiden Auf-
lagen dieses Werks nicht die gleiche ist, dürfte hier der Ort sein,
eine Vergleichungstabelle einzufügen:
I. Aufl. 2. Aufl.
I — 418 = 1 — 418
Eingefügt 419 jus: lex l potestas
419—514 = 420—515
Ungezählt blieb 515 Litore: ripa = 516
515— 1163 = 517— 1165.
Die sonstige Literatur, Besserungsvorschläge, Kommentare und
sprachliche Erörterungen verzeichnet Foerster L c. 2. Aufl.; nach-
zutragen sind die mittlerweile erschienenen Ausführungen über
unser Glossar von Kluge, Paul's Gdr. der german. Phil. I, 2. Aufl.
S. 332 f. Kögel, Gesch. d. dtsch. Lit Bd. I. Teil 2. S. 424 f.
Die vorliegende Untersuchung wurde vorgenommen auf Grund
zweier mir gütigst zur Verfügung gestellten Abschriften unseres
Codex, nämlich der erwähnten Foersters aus dem Jahre 1883
und einer im Januar 1905 von Herrn Josef St alz er -Graz her-
gestellten, von Prof. Schenkel -Graz nachgeprüften vollständigen
Abschrift. In denjenigen Fällen, in denen beide voneinander ab-
wichen^ und eine Entscheidung für die eine oder andere Lesung
sich nicht ohne weiteres aus sachlichen oder sprachlichen Gründen
ergab, hat Verf. selbst eine nochmalige Kollationierung der Hs. im
März 1905 vorgenommen.^
Für das liberale Entgegenkommen, das mir die genannten
Herren durch die Überlassung ihrer Abschriften bewiesen, sei ihnen
auch an dieser Stellen nochmals verbindlicher Dank ausgesprochen.
Besondere Hervorhebung gebührt ferner dem Verdienste, das sich
Herr Hofrat Holder- Karlsruhe durch liebenswürdigste Erteilung
von Auskünften über die Hs. und deren Übermittelung nach Bonn
um die Förderung dieser Arbeit erworben hat
^ Betrefifs der Abweichungen der Stalzer'schen Lesungen von denen
Foerster 's s. Stalzer's mittlerweile erschienene „Neue Lesungen zu den
Reichenauer Glossen" Zs. XXX, S. 49 — 52. Erst während des Druckes er-
fahrt Verf., dafs die Stalzer'sche Abschtift im Dezemberhefte 1905 der Wiener
Sitzungsberichte veröffentlicht wurde.
* Von einer zusammenhängenden Veröffentlichung der Ergebnisse dieser
NachkoUationierung sieht Verf. ab mit Rücksicht auf die Priorität des Herrn
Stalzer. Von den Foerster'schen abweichende Lesimgen des Verf. werden
nur an den Stellen angeführt, wo sie für sprachliche Erörterungen in Betracht
kommen.
Die Untersuchung der Sprache beider Glossare, ursprüng-
lich für beide getrennt durchgeführt, lieferte das Ergebnis, dafs
beider Sprache soweit identisch^ war, als es sich überhaupt er-
warten liefs bei der Spärlichkeit des Auftretens der Zeugnisse für
romanische Laut- und Formenbildung im Texte infolge des Be-
strebens des Glossators, möglichst lat imd nicht französisch zu
schreiben. Mit Rücksicht auf Übersichtlichkeit und Raumersparnis
wird daher im Folgenden die Sprache beider Glossare gemeinsam
dargestellt. Aus praktischen Gründen wurde der Lautlehre in den
Hauptzügen das Schema der afranz. Grammatik von Schwan-Behrens
zu Grunde gelegt. Die Zeugnisse beider Glossare für die einzelnen
sprachlichen Erscheinungen wurden in den meisten Fällen voll-
ständig gegeben, doch hat Verf. hier und da mit Rücksicht auf
den Raum von einer Anführung sämtlicher Beispiele abgesehen,
wenn das Verhältnis zwischen der Anzahl der Belege und ihrem
sprachlichen Werte zu ungünstig schien.
Wenn sich jedoch auch zwischen der Sprache der Glossare I
und II keine Unterschiede nachweisen lassen, so ist damit keines-
wegs gesagt, dafs das beiden gemeinsame Idiom wirklich eine Ein-
heit bildet. Eine besondere Untersuchung der Verbreitung der
nicht gemein franz. Worte im Texte zeigt, dafs das verarbeitete
Material grofsenteils dem Norden Frankreichs entstammt. Der
i™ § 75 gemachte Versuch einer Lokalisierung der uns vor-
liegenden Redaktion mufs bei der Spärlichkeit der romanischen
Formen im Text, bei der häufigen Unmöglichkeit einer Entscheidung
zwischen Schreibfehler und eventueller dialektischer Entwicklung
und bei der bereits eingangs der Einleitung erwähnten Belanglosig-
keit der german. Elemente für die Frage der Herkunft des Textes
sich mit der Feststellung begnügen, dafs eine Reihe von Kriterien
unsere Redaktion etwa dem Nordosten des Sprachgebietes zu-
weisen, soweit dieser Prosthese kennt. Inwieweit gewisse Indiden,
die sich damit scheinbar schlecht oder nicht sicher in Einklang
bringen lassen, bei einer besseren Kenntnis jener Sprachperiode zu
diesem Ergebnis vielleicht durchaus stimmen würden, inwieweit sie
auf Rechnung eventueller Beibehaltung dialektischer Züge der Vor-
lagen zu setzen sind, dürfte sich heute so wenig wie je entscheiden
lassen.
Die Untersuchung über den Wortbestand ist in erster Linie
als Ergänzung zu Körting's Lat.-roman. Wörterbuch gedacht, jenem
bei mancherlei Mängeln im Einzelnen für den kritisch geschulten
Gelehrten so schätzbaren Hülfsmittel, dessen Berichtigung und
Vervollständigung jedem Romanisten am Herzen liegen mufs. Die
in diesem Kapitel der Arbeit gegebenen Beiträge zur roma-
nischen Etymologie und Wortverbreitung geben daher nicht
etwa ein vollständiges Wortverzeichnis unseres Textes, sondern
' Nur ist II gelegentlich in der Schreibung weniger sorgfiUtig als I,
was an einschlägiger Stelle hervorgehoben ist
berücksichtigen zunächst nur diejenigen Wörter desselben, deren
romanisches Fortleben aus Körting's Wörterbuch entweder gar nicht
oder doch nicht vollständig ersichtlich ist, oder für die Verf.
eine erste oder von den bisherigen abweichende Etymologie vor-
zuschlagen hat, die im Zusammenhange des romanischen Fort-
lebens der betreffenden Wortsippe vorgetragen wird.
Aufnahme in dieses Verzeichnis haben aufserdem die Wörter
gefunden, deren Vorkommen in einem so frühem Beleg eine
besondere Beachtung verdiente, sei es, weil sie eine besondere
Bedeutungsentwicklung bereits vollzogen zeigen, sei es wegen
der Seltenheit ihres Auftretens überhaupt, sei es wegen ihrer Ent-
lehnung aus dem Germanischen. Aus dem letzteren Grunde sind
die germanischen Elemente sämtlich aufgenommen worden.
1. Besseningeii und Kommentar.
1. I2 F 40: -fi' regione\ contra bessere in coniraXA, Vlg. Gen.
16, 12: € regione fratrum figet iabemacula,
2. 24 F 194: Für Hs. Deformes: male forti schlägt Foerster's
Fufsnote male /or[ma]li zu lesen vor. Paläographisch und sprachlich
leicht möglich wäre auch statt dessen male /'ac//' gemäfs gemein-
roman. dene /actus „hübsch" = it. den /atto, franz. öten fait, cat.
den /etOf sp. bten hecho^ pg. hem feito.
Entsprechend wäre dann auch zu ergänzen: 282 Informisi quod
male factum.
3. 32 F 229: Emisarius\ qui non est castraä ist aufzufassen als
entstanden durch Korrektur einer ursprünglich anders lautenden
Glosse nach einer an anderer Stelle des Glossar befindlichen
ähnlichen. Die ursprüngliche Glosse war etwa Emis!\XBi inuiatus,
zu einer in den Zusammenhang des Glossar passenden Vlg. Stelle
Gen. 49, 21: Nephiali, cervus emissus gehörig. Sie wurde abgeändert
nach Emisarius', qui non est castraS^ einer Glosse, die, auf Vlg.
equm emissarius „Zuchthengst** (Eccli. 33, 6 oder Jerem. 5, 8) be-
züglich, aus der Vorlage zufallig nicht in unsere Redaktion über-
nommen wurde. Unser Text erklärt nur Emissarius in anderer
Bedeutung, nämlich zu Leuit 16, 8 caper emissarius gehörig 73 Emi--
sarius: ab emitendo ad uindictam dictus.
Solche willkürliche Abänderungen einer Glosse nach einer ihr
mehr oder weniger ähnlich sehenden, an anderer Stelle der Vor-
lage befindlichen treten im Texte noch öfter auf und sind sämtlich
oder zum Teil wohl auf Rechnung schlechter Lesbarkeit der Vor-
lage an der betreifenden Stelle zu setzen.
Ein weiterer Fall dieser Art ist z. B. I4 F 102 Sciscitantes\
interrogantes zu Gen. 24, 58: sciscitaii sunt gehörig, aber Vlg. an
anderer Stelle mehrfach sciscitantes.
Ähnliche Beispiele s. Bess. 11. 13. 21 etc.
4. 34 Hs. Castrametati sunt constricti . coangüt stellt eine in
kopierten oder kompilierten Glossaren nicht seltene Verschmelzungs-
glosse dar, wie wir solche in unserem Texte noch mehrfach an-
treffen werden. Zum Vorkommen solcher zusammengeschweifsten
Glossen s, Landgraf, Glossographie und Wörterbuch, AlLex. IX,
S. 375 unter 37. und 38.
8
Im vorliegenden Falle ist unsere Glosse, die an E/errei ex
portare zu Exod. 13, 19: Efferte ossa mea anschliefst, aufzulösen
wie folgt:
Castra meiati sunt: trsues tenderunt zu Exod. 13, 20:
casira metati sunt in Ethan
CoarotBLÜ: canstricti [coangu/i?] zu Exod. 14, 3: coarciaii
sunt in terra.
Weitere Verschmelzungsglossen s. u. 10. 13.
5. 4| F 275 Suggerat: aixerai . oriaret bessere in SuggeEBerat^
da dem Plusquamperfekt der beiden Interpretamente in der zu-
gehörigen Stelle Exod. 18, 24 die gleiche Zeit entspricht (: quae ille
suggesserat) und an eine lautiiche Deutung von Suggerat •< Sugges"
serat nicht gedacht werden darf.
6. 42 F 291 Inierrasilemi grinitam zu Exod. 25,25: coronam
interrasilem bessere in grinvUam, da grinitam nur eine durch be-
griffliche Einmischung von crinitus „ haarfein '^ hervorgerufene Ent-
stellung von grinaiam = crenatam ,, ausgekerbt" darstellt, s. Wort-
bestand s. V. crenare.
7. 5i F 335 Uesiculum: gutturis paparönem ist zu lesen, nach
der zugehörigen Stelle Lev. i, 16: uesiculam vero gutturis ^ Uesiculum
gutturis: paparönem, um so mehr, als gutturis als erklärender Zu-
satz zu paparönem mindestens überflüssig wäre, s. Wortbestand s. v.
papparo* Ebenso ist in
8. 5i F 338 Subbucula: linea tonica (nach Lev. 8, 7: vestivit, •
sudueula linea) linea zum Lemma zu ziehen.
9- 5i P 34^ Erui: eradicaui bessere in eradican nach Lev.
14, 40: jubebit erui lapides,
10. 52 Hs. Sponte ut M&uitu, temto (so F 353 als zu Xev.
23, 38 gehörig gedruckt) ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4.) und
aufzulösen wie folgt:
Sponte: ultra : Lev. 23, 38: quae sponte trihuetis
Metuitu: temto : Lev. 25, 43 : metuito Deum tuum,
worin temto imperat. fut. zu einem von der 2. zur 3. übergetretenen
(s. FormenL § 121) tlmere > timlSre entsprechend altcat. temhre mit
Schwund des Zwischentonvokals (s. Lautl. %22') darstellen könnte.
11. 61 Hs. Classibus: nauibus ist ein weiterer Fall von Ab-
änderung einer Glosse nach einer anderen (s. u. 3.), da das
Lemma sich schlechterdings im Deuteron, nicht unterbringen läfst
Denkbar wäre eine ursprüngliche Glosse: Carnibus: uiuandis zu
Deut. 28, 55: ne det eis de carnibus.
12. 61 Hs. Fumet ad uindictam exhered& ist Verschmelzungs-
glosse (s. u. 4.) und zu lesen:
Fumet: ad uindictam [bulliat] zu Deut 29, 20: furor {Do-
mini) fumet . . . contra hominem
Ejecit de terra sua: ex/teredetsmi zu Deut. 29, 28: ejecit
eos de terra sua.
Zur Volkstümlichkeit von exhereditare^ desseli Bedeutungsent-
wicklung und Fortleben s. Wortbestand s. v.
13. Über 62 F 397 Capulum: sagum, sagelium sagt Foersters
Fufsnote y^Capulum ist zu streichen, es ist Lemma zu 409 und
hier fälschlich geschrieben'*. 409 lautet: ^^Capulum: spata manubrium
(9> 54)"- Judic. 9, 54 steht indes kein capulum^ das sich Judic. nur
3, i6y d. h. im selben Verse findet, zu dem auch das Lemma Anci"
pttem der vovhergehenden Glosse und das aus unserer Verschmelzungs-
glosse (s. u. 4.) herauszunehmende Lemma Sagum gehören:
Ancipitem: ex utraque parte \ zu Judic. 3, 16: fecit . . .
acutum \ gladium ancipitem, hahentem
Cz/t//»^:8patamanubriuDi ( • • • capulum . . ., et accinctus
Sagum: sagelium ] est eo suhter sagum.
Somit ist Capulum in F 397 ein Rest der ursprünglichen Glosse
Capulum: spata manübrium am rechten Platz, die in F 409 zu Un-
recht und ohne ersichtlichen Grund wiederholt, d. h. wohl aus einer
andern ähnlich lautenden Glosse an jener Stelle abgeändert ist
(s. ähnliche Fälle u. 3*).
14. 7i Stareiis: hulziolis will Foerster's Fufsnote zu 420 mit
Vlg. Sitarciis lesen. Diese Konjektur mufs gebilligt werden, da
mangels jeden afranz. Beleges kaum daran gedacht werden darf, in
^/- statt Sit" eine umgekehrte Schreibung zu erblicken infolge einer
gewissen nordostfranz. Dialekten eigenen Umstellung der Frosthese-
gruppe f + j + cons. > j + ^+ cons., auf die zuerst Foerster,
Zs. XXVIII, S. 512, Anm. 2 hingewiesen hat.
15» 72 Degenerare: iterum iurare bessere in DegQrare ent-
sprechend Reg. I, 20, 17: addidit Jonathan dejerare David,
i6. 72 Lucos: populäre bessere in ZjbAcos entsprechend Reg. I,
21, 4: non habeo laicos panes ad manum,
17. 74 Palate: masse caricarum quae de recentis fiunt ergänze
durch ein fiois vor fiunt. Über eine ähnliche Glosse bei Eucherius
Lugdunensis s. Diez, ARGloss. S. 28.
18. 74 Tumultum: seditionem t terram congeriem super ducti se^
pulchrum ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4) und anfzulösen wie folgt:
Tumultum: seditionem zu Reg. II, 18, 29: vidi tumultum
magnum,
Aceruum: i terram congeriem superductBini. in sepulchrum
zu Reg. II, 18, 17: comportaverunt super cum acervum
lapidum magnum,
worin terram lautlich identisch mit terrae nach Lautl. § i8£{.
IQ. *82 Ana* gliffa: grece, kUine dicunt celature iS sculpare
bessere in sculpa\xire\ der Glossator kennt ein sonst unbezeugtes
sculpare im Sinne von sculpere nach Ausweis von 43 F 301 Scul-
pare: intaliare, 373 Sculpare: contaliare.
Dieses rätselhafte sculpare, dem man nur fugare gegenüber
klassischem y»^(fr<? > xomaLn./ugire in i^ F 4 Profugus: porro fugatus,
lO
4i Fugauit: fugire cipü^ 1O3 Abire: tffugarty 343 I^ofugus: porro
fugaius zur Seite stellen könnte (das aber lat. doch, wenn auch
mit anderer Bedeutung, vorhanden ist), läfst sich möglicherweise,
jedenfalls ohne lautliche Schwierigkeit, auffassen ab ^ex-coifajpare
(ss afranz. escouper) im Sinne von „ausschneiden'', „aushauen",
s. Wortbestand s. v. escolapare.
20. 82 Maturiumi nauium bessere in MaiBHum (= Mortarium^
8. LautL § 30, § 67) zu Reg. in, 7, 50: moriariola et thurtbula.
Über nauium s. Wortbestand s. v. nau£a und Formenl. § 95.
21. 82 liest F 450 ^Ropia tnterpretatur excelsum (15, 14)",
wozu Fofsnote ^^opi radiert". Die vorgeschlagene Vlg.-Stelle Reg. III,
15, 14 Excelsa autem non abiulii würde Annahme einer statt-
gefundenen Umstellung von Lemma und Interpretament erfordern,
die für unsem Text nur an einer einzigen Stelle (s. u. 52.) sicher
nachzuweisen. Aufserdem böte das Interpretament ropia nur ein
neues Rätsel.
Da unser Glossator ein „interpreiaiur^* zwischen Lemma und
Interpretament häufiger, aber ausschliefslich bei Erklärung hebräischer
Namen anwendet, wie z. B. i^ Adam^ 14^ Betsaida^ 142 SamaritanuSy
243 Eua^ 2Tx Gamur, so ist mit ziemlicher Sicherheit in i?{|||{a ein
hebräischer Name zu suchen. Roma, wie St liest, würde sich auf
Ruma zu Reg. IV, 23, 36 deuten lassen, das mit excelsum einwand-
frei übersetzt wäre. Da aber unsere Glosse sich ursprünglich auf
Reg. lU bezogen haben mufs, so ist sie in ihrer vorliegenden Ge-
stalt offenbar durch Abänderung (s. u. 3.) nach einer andern her-
gestellt aus einer Glosse, deren Lemma Roboam (zu Reg. III, 14, 27)
bildete, also etwa Rohoa tnterpretatur dilatans populum»
22. Zu 84 F 460 Commentariis: macionihus bemerkt Foerster's
Fufsnote „1. Coementariis^^. Demgegenüber betrachte ich die Glosse
als zusammengeschmolzen (s. u. 4.) aus zwei Glossen des Originals:
Commentariis: linde explicationes continentur zu Reg.
IV, 18, 16: Joahe filius Asaph ä commentariis.
Cementariis: macionihus zu Reg. IV, 22, 6: tignariis . . . et
caemtntariis \detur\,
23. 84 Us. aram. ne pussem, condiior (e in i durch Rasur)
traconitidis qui palestinam et coelen syriam tenuit, principatum unde fuit
iob, unde scriptum est: Uir est in terra us nomine iob bessere in
Us: filius Kram, nepus Sem zu Job 1,1: Vir erat in terra Hus^
nomine Job.
Die Glossierung erklärt sich aus einer in der Unsicherheit des
Gebrauches von anlautendem h (Lautl. § 6g) begründeten Ver-
wechslung des Ländernamens Hus mit Us, dem Namen von SenCs
Enkel; s. Gen. 10, 22\ Filii Sem: Aelam . . . et Aram\ 10, 23: Filii
Aram: Us et HuL
24. Für Qi F 472 Centrum: pontus in caelo uhi totus uergitur
nimmt F als Bezugsstelle Job 35, 5 an: Suspice coelum et intuere^
et contemplare aethera quod altior te sit, — Die Glosse dürfte wohl
11
abgeändert (s. n. 3.) sein aus einer ursprünglich zu Job 38, 37
gehörigen: concentum coeli quis dormire faciet
25. 92 Harior: htior bessere in Hilarior,
26. 92 Tricltnium: singulorum annorum continentur ist Ver-
schmelznngsglosse (s. u. 4), die ich wie folgt löse:
Triclinium: ubi tres lecti habentur zu Hest 2, 13: de tri-
clinio fetninarutn , . . transtbani,
Annälibus: libris unde gesta singulorum annorum continen-
tur zu Hest 2, 31: annälibus tradttum cor am rege,
worin Tricltnium glossiert nach 1 14 Triclinium: ubi tres lecti habentur.
27. 92 Decemere: definere bessere in de/inire.
28. 92 F 475 Ueru: spidus ferreus dürfte vielleicht zu Hester
16, 24: gladio et igne pereat gehören und eine Glosse mit ursprüng-
lichem Doppelinterpretament darstellen, von denen das eine infolge
Verlustes des ursprünglichen Lemmas an dessen Stelle rückte (s.
Landgraf, Glossographie und Wörterbuch, AlLex. IX S. 379), wie denn
ueru als Interpretament erscheint z. B. Rz 3, Rz 5 1,
Denkbar als alleinige oder mitwirkende Ursache wäre auch
Abänderung nach einer andern Glosse (s. u. 3); s. ueru: spitu Corp.
Gloss. Lat V, 51832 (zitiert von Kluge, a. a. O. S. 333).
2g. 94 F 485 Reuereatut : uerecundatur bessere in TXe uereatur
gemäfs der Bezugsstelle Judith 12, 12: mm vereatur bona puella in-
troire. S. zur Begündung §101.
30. Zu lOj "Pentecontarcos ergänze das fehlende Interpretament
gemäfs entweder 1I3 Centurio: qui super ,C. homines est oder 141
Decurio: qui curam habet Sfiper ,X, homines oder endlich 342 PentC'
contarcus: quinquagenarius,
31. lOi Tecpartias piromidas ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4.)
und aufzulösen in
Topartias: principatus. oontratas zu Macc. I, 11, 28
postulavit tres toparchas.
"Siromidas: sepulcra zu Macc. I, 12, 2^ statuit . .. pyra-
midas.
32. ' 1O2 Cassaml uanam iuanam zu Macc. U, i, 20- invenerunt
aquam crassam (?) stellt wohl Abänderungen nach einer Glosse zum
Lemma Cassus dar (s. u. 3.), wie sie sich ähnlich findet in 22^ Cassa:
uana, uacua.
33. 1O2 Oblectatio: delectio t blanditio bessere in delectdbUo,
34. 103 Decussio scortantium ist Verschmelzungsglosse (s. u. 4.)
und aufzulösen in
Decussio: inuasio zu Macc. II, 6, 3: gravis malorum incursio.
Scortantium: qui meletrioes futuunt zu Macc. II, 6, 4:
templum . . . plenum scortantium cum meretricHnis,
35. 103 Edicto precepto future regt ist Verschmelzungsglosse
(s. u. 4.) und aufzulösen in
Tibi impune futurxnn, : sine pena eris zu Macc. II, 7,
19: «<? existimes tibi impune futurum.
12
Edicio regi: precepto regt zn Macc. ü, 7, 30: tum obedio
pratcepto regis,
36. 1O4 Epictnia: mnouatiofus i tahemacuJorum bessere in .^-
xuota und fuge an festa: Macc. II, 8, 33: cum epinicia ageraiU
37. In 1O4 OculU: abscondiiCf UtlaUy conperte^ secrete ist eine
nrspräDglich einzige Glosse zu sehen zu Matth. i, 19 occulie dtmiüere.
Ähnliche Fälle von Zerdehnuogsglossen s. n. 46. 68. 70.
38. 1 12 F 537 Exterminant: dücolorant bessere in discolooant
Zur Berechtigung dieser schon von Diez, ARGIoss. S. 31 vor-
geschlagenen Änderung s. Wortbestand s. v. dücoüocare. — Anderer
Ansicht ist Rönsch, Jahrbuch VII, S. 67.
39. 1I3 Damtsti: famult bessere in. DomisticL
40. I2j F 590 Deßciant: sufragant i fcreani bessere in sufrcair
gant nach Laut! § 72 Anm. 4, s. auch 55.
4z. I3| F ö6o Mirratuml amaraium bessere in ämarioa/um
zu Marc 15, 23: ötdere myrrhatum vinum.
42. I4i Mirrata: amaratas (das erste a des Lemmas aus
deutlichem e korrigiert; zwischen beiden Worten auf Rasur ein
Lemma Color zu erkennen). Die Glosse mufs in der unter 3. be-
handelten Weise durch Abänderung einer ursprünglich anders
lautenden nach einer andern entstanden sein, da Mirrata = myrr-
hata sich im Joh. schlechterdings nicht unterbringen läfst. Da
myrrhatum in der Vlg. nur einmal, nämlich Marc. 15, 23 vorkommt,
so ist unsere Glosse zweifellos nach dem Muster der unter 41. be-
handelten umkorrigiert
Das noch zu erkennende ursprüngliche Mirreta der Hs. läfst
für die Vorlage vermuten ein Mirreta: [modiata?] zu Joh. 2, 6:
hydriae capimtes singulae metretas tnnas,
43. Zu 143 Idiote qui proprietate lingue et naturali scientiae fage
hinzu oarent.
44. 143 Ahr*^ ohne Interpretament, vielleicht entstellt aus
Ad breue zu Joh. 5, 34: jussit foras ad breve homines fieri?
45. 144 Nudiusquartana die liest F 708: Nudius: quartana die.
Die Glosse ist wohl zusammengezogen aus ursprünglichem Nudius--
quarta die: quartana die zu Joh. 10, 30: a nudiusquarta die.
46. In 152 Barbaris: indoctis . incunditis . Obtusis . moderatis .
inperitis (Hs. inpertis) ist eine Zerdehnungsglosse (s. u. 37) zu sehen
zur einzigen Bezugstelle Macc. II, 10, 4: barbaris ac blasphemis ho-
minibus tradereniur,
47. 1 52 lela flumina . tela . sagitta . lacula . arma .fulmina , iacu^
tum . flamma . ictus ist eine Glosse zu dem Doppelienuna Tela [et]
fvlmina (entsprechend Macc. II, 10, 30: tela et fulmina jaciebanf)^
von dem im folgenden jedes einzelne durch drei Interpretamenta
glossiert wird.
48. 152 Deicerentur: delerentur^ prostarentur^ deruentur bessere
in prostTB,tarentur, s. Duc. s. v. prostradare,
49. 162 F 723 Intriuerim: contriuerim . confrixerat bessere in
IntriuerdX: contriuer^X^ da das Plusquamperfekt des zweiten Inter-
13
pretamentes durch das Tempus der Bezugstelle Dan. 14, 32: 1«-
iriverat partes in alveolo als ursprüDglich gesichert ist.
50. 163 Exe Datam: absiaam lucidum bessere in Exeäxam ge-
mäfs Jerem. 35, 2: introduces in unam exedram.
51. 173 i» commutatione: in concambiis bessere in commu"
iaUon&a\XA auf Grund des Plurals im Interpretament und in der
Bezugsstelle Ps. 43, ly, fuit muliitudo in commutationibus eorum.
52. 192 Genus auiutn sunt aues stelle um in Aues: genus auium
sunt zu Ps. 117, 12: circumdederunt me sicut apes,
53. 2O2 Areticius: furiosus . iracundus bessere in Jreticius,
Eine Verderbnis des Lemmaanlauts ist im alphabetischen Glossar
des öftem festzustellen und wohl dahin zu deuten, dafs eine der
zu II benutzten Vorlagen in der Weise geschrieben war, dafs immer
eine oder zwei Glossen je eine Zeile einnahmen, und dafs der
linke Rand dieser Vorlage irgendwie beschädigt worden war.
Ähnliche Fälle s. u. 56. 80. 81. 82. S. auch F. Anm. zu 898.
54. 2O3 F 845 Aldipem: alaues bessere in Adt^em.
55. 22^ Connectunt: coniugunt bessere in conitmgunt nach
Lautl. § 72 Anm. 4, s. auch 40.
56. 224 Coire: purgamentum ferri t alicuius metalli bessere
in Scoire (= Scoria nach Lautl. § 22), Zur Verderbnis des Lemma-
anlauts s. u. 53. S. jedoch auch Lautl. § 54.
57. 224 Cor actus: ostia l fenestras bessere in Cataractas (s.
ij F IG Cataracta: ostium^ fenestre),
58. 243 ¥ Sg4 Ebitatum : bulcatum will Rönsch, Jahrbuch VIII
S. 70 = euitatum und bulcatum (offenbar mit Diez, ARGloss. S. 43) =
franz. bougi fassen. Doch ist Ebitatum = Hebetatumy s. Wortbest
s. V. bulcare,
59. 262 Für: latro l a für ||||| /5" niger bessere in Für: latro
{ furbus a /«rbiendo, s. Wortbest s. v. /urbus.
60. 260 Ferie noncupate sunt qS sit in eis nobis tempus dictionis
iä in deuino {e in i korrigiert oder umgekehrt) l uno anno offitio
bessere in deuino i uaiano offitio.
61. 262 ¥ g22 Faretra: teca sagittarum idÜ cupra bessere in
ciApra entsprechend gotisch "^qiwar- „Köcher". Zur Wiedergabe
von -wr- durch -pr- in der Schrift s. Lautl. § 39 a. Zur Begründung
der Emendation s. Germ. Lautl. § 85 Anm. 3.
62. 282 Zu Informis: quod male ergänze factum nach den
Ausführungen unter 2.
63. 284 F 960 Ignominia: haut tes bessere in hatcnies ent-
sprechend anfrk. "^haunij^a,
64. 284 F 962 Ignitores: ostiarii bessere in I^nitores,
65. 284 F 968 In penetrahilib\ * interioribus bessere in Inpenetra^
\^us: in interioribus (so mehrfach Vlg.)
66. 29| /. . . . // ale\nabit ergänze zu /nspirabi/; alenabit,
* So St. He.; F Inpeneträhilis.
67. 29i Insurgunt: \\\eleuaut bessere in re/euan/ JiB.ch 363 Re-
surgunt: releuant\ s. Syntax § 129.
68. 3O2 Uhidinose: Luxuriöse ist Zerdehnungsglosse (s. u. 37.)
und daher in luxuriöse zu bessern.
69. 3O2 Liquidum: purum bessere in Livc^idum.
70. 3O2 Litum: lotatum . Uuncium ist Zerdehnungsglosse (s.
u. 37.) und daher in Munctum (statt unctum nagh Lautl. § 16) zu
bessern.
71. 3ij Matrimönium: iuxia cmuentio et condicio bessere in
zV/ar/ondi conuentio et condicio ^ worin unter iuxtare die copula car-
nalis zu verstehen wäre? S. dazu Wortbestand s. v.
72. 32^ F 1003 Neoiericus: nouitius t neo/icus bessere in
neo/itus,
73' 324 F 10 14 Olfactariola: bismodis (wozu s. Diez, ARGloss.
S. 47) möchte ich bessern in bismi odoris.
74. Eünter 342 Parrus: corium siue hrittoni eine ähnliche Glosse
zu vermuten wie Germ. VIII, 387: Faticis J, palistris .1. modica coriola\
Germ. VIII, 402: pittaciis: modicis coriolis t palcutris\ Hs. 11O4:
Pictaciis: modicis corioris i palcLstris\ Rz 94 Plitacis: palustris]
Sie vers u. Steinm. 376, 6: Pitaciis: modicis coriolis ist wohl der
einzige Weg, sie trotz ihrer Verstümmelung zu deuten.
Demnach würde Parrus eine starke Entstellung von Pittacius
(statt Piiiacium^ s. Formenl. § 94), eventuell zu Jos. 9, 5 gehörig,
darstellen. — Möglich wäre auch, dafs keine Korruption, sondern
ein romanischer Stamm parr- vorläge, der sich in cat parrach
„padäs, pellingot" = „Flicken, aufgesetztes Stück** wiederfände,
und zu dessen Beziehungen man Wortbestand s. v. Parrus ver-
gleiche.
Hinsichtlich hrittoni wage ich eine Konjektur nicht vorzu-
schlagen.
75* 342 ^ 1050 Poliio: limiario bessere in limtato < limpidato^
wie schon Diez, ARGloss. S. 48 f. vorschlägt und begründet.
76. 344 F 1057 Passer: musco i omnes minute aues bessere
in muscio (s. Wortbest. s. v.), indem musco, entsprechend altit. moscone
ffgrossa mosca che vola ronzando** einen Irrtum des Kopisten dar-
stellt, der aues = apes nimmt, wozu cf. 193 (s.u. 52.): Aues genus
auium sunt'. Vlg. apes. So erklärt sich die von Marchot, R. F. XII,
S. 647, beanstandete Schreibung: „Zf glossateur ritdblit mal la
forme latine, qui doit itre ^muscio^\
77» 353 F 1059 Quin: unoni wäre vielleicht nach I3 F 83
Quin: ut non dahin umzuformen; s. jedoch die Auffassung Kögel's
1. c. S. 424 und die sich dagegen erhebenden Bedenken Formenl.
§124.
78. 353 F 1062 testamentum: placitum t pactum ist eine ver-
sehentlich aus der nicht alphabetischen Vorlage miteingeschieppte
Glosse.
78 a. 362 F 1070 Hete: rit bessere in Redte: rit auf Grund
der Untersuchung Lautl. § 8.
15
79. 3^3 Rigoho: humtliaho bessere in humi^ho.
80. 363 RefellU: fallit bessere in 'FefelliL Zur Verderbnis
des Lemmaanlauts s. u. 53.
81. 383 Teno: magister mereirico bessere in lAeno. Zur Ver-
derbnis des Lemmaanlauts s. u. 53.
82. 383 Trenuae: fortis^ utilis bessere in Strenuae. Zur Ver-
derbnis des Lemmaanlauts s. u. 53.
83. 384 F II 35 Tehrehai: perforat bessere in TerehraU
84. 394 F II 55 Uiscera: iniralia dicta eo qStihi uiia continetur
bessere in &^/taIia: viscera^ iniralia etc. Vgl. zur stattgehabten
Änderung unter 28.
2. Olossemnaterial
in alphabetischer Anordnung zugleich als Index.
Über den Zweck dieser Zusammenstellung s. die Einleitung S. 3.
Wörter mit Majuskel treten im Glossar als Lemmata, solche
mit Minuskel als Interpretament auf.
Mit einem * versehene Wörter sind als auch lexikalisch be-
merkenswert auch (und zwar in normalisierter Schreibung!) unter
„Wortbestand" behandelt.
abattas F 502, 1OI2 (§ 24, 74).
Ähgetarii F 329 (§ 26 a).
Ahieres = -igeres F 157 (§ 62a).
Ahita 2O4 (§ 69).
Abitus 158 (§ 69).
Aholende = -litae lOa (§ 26a, 45, 72).
Abrutissimus 72 {§ 39/9).
* Abscondi iperf, 192 (§ 114 Anm. 2).
abscofisus F 536, 163 (§ II 7).
*Abszntw F 850 (§ 53).
abstraere F 157, 251 (§ 69 Anm. 2).
*accedia F 477 (§ 74).
aceruis nom. 9^ (§ 88).
Aceruus = -bus F 834, 203, a — e 152
{§ 40).
dchitiferum F 292 (§ 26 a, 66, 85),
acipere 151 (§ 74).
Acitdbulum F 292 (§ 26 «).
aculionis F 849 (§ 26 a, 64 (J, 89).
Adamans 203 (§71 Anm. i).
"^adastare F 1151 (§76, 79).
♦a dentes = a^ dentes F 43 (§ 48).
adersus F 79 (§ II 7).
adfirmacionem 2^ (§ 49 0().
adtucttis lO-i (§ 73).
adiungeat F 315 (§ 59).
*^rtf^i?/ F 853 (§ 77).
Adscitis = -^rf^- 2O2 (§ 65 y Anm. i).
adsecuntur F 841 (§ 63).
^üT/j 2O1 (§ 44).
Afectus 203 (§ 74).
afinis 152 (§ 74).
*a^er <C,acer 20^ (§ 56).
*alare F 1030, 1124, II32, 1133
{§ i8/9, 21, 26a, 41, 68, 70, 74).
alaret plqpf. F 1132 (§ 115).
alatus act. F 1030 (§ 120).
^alaues < alipis F 845 (§ 20, 36, 68).
alenare <:^ anhelare 291 (§ 68, 69).
alia = altera F 44 {§ 107).
*alianatus F 829 (§ 26 a).
*alodem F 902 (§ 19 a, 74, 78, 88).
altum clamo F 742 (§ 98).
ambicio 2O3 (§ 49 a).
ammonere 33 (§ 46).
Anachorita 20^, 27^ (§ 8).
Anagliffa 82 (§ 42).
Anchro F 847 (§ i8a, 23, 66).
anelare F 1108 (§ 68, 69).
anetsare F 452, 510, 697, 722, 831
(§ 25, 49, 76, 84).
Angare F 848 (§ 72 Anm. 2).
anoget F II22 (§ i8/9, 28, 62).
antecantante imperat. 194 (§72).
Antropum 203 (§ 53).
Apellare 22, a- 92 (§ 74).
17
ApoUcka F 833 (§53).
fl/«^ 3I1, IH (§ 48).
arbriscellus F 835 (§ 26 «).
Archanum 2O3 (§ 66).
Arma sg. 2O4, a- sg. F 480 (§ 95).
Arrere F 390 (§ 74).
Arunda F 830, 839 (§ 93).
*ascialis 6= axalis F 824 (§ 2, 65 y).
assiduo 5i (§98).
attenuare intrans. F 814 (§ 129), *a/-
tenuare F I129 Irans.
audaciter 132 (§ 98).
audatia 203 (§ 65 a),
Autnentare F 840, au" 184 (§ 648).
auttumat F 522 (§ 74).
auorteHz F 829 (§19«, 22, 25, 35,
64 /9, 65 «, 88).
*Auortiuus F 829 (§ 35).
Babtizare 94 (§ 39/9).
Baccare 64 (§ 66).
Hanstas F 581 (§ 76).
BatHlla 5, (§ 74).
Haucus F 838 (§ 78. 82).
berhicarius F 168 (§ 34, 40).
berbices F 1018 (§9, 34, 40).
BiblioUcha 2is (§ 53).
bine = <^t/< [^/ <ft/<] 3i, 49, 21, [F 8]
(§ 102).
*bisatta F 425 (§ 65 a, 74).
blandüio 1O9 (§ i8a, Anm. 3).
*blista F 931 (§ 76).
Boanarges F 637 (§ 9).
Ö0nf^^ acc. pl. 358 (§ 88).
brachia sg. F 470 (§ 95).
bragas F 859 (§19«, 58).
*brunia F 474 (§ 75, 85).
*bulcatum F 894 (§ 76).
bulsia F 1098 (§ 59).
bulziolis F 420 (§ 59).
*bustiola F 478 (§ 34, 47, 64/?).
caderunt F 754 (§ 114).
cadisset F 628 (§ 114, Il6).
*calciarius F 869 (§ 26 a, 88).
CaliditcLs = -ü- 22a (§ 74)*
*Caligo F 276, 731, 22s, ^- 82.
*calU = -o 94 (§ 19 a, 88).
caüidior = -/- 26^ (§ 74).
Calutnpnia F 122 (§41).
Catumpntare II^ (§41).
fo/M^j <^ -of F 1142 (§ i8/9).
Capattus 22} (§65 a).
Carasta 32 (§ 29).
*carcare F 437, 1019 (§26«, 74).
cardonis nom. F 1032 (§ 89).
CasidiU F 478 (§ 74).
castradus F 229, 600, 1090 (§ 45).
*causart F 627 (§ 57).
*caiianna F 1137 (§ 36).
celature acc. plar. 82 (§ 87).
ceüarius F 833 (§ 94).
Cenobita 224, 23^ (2) (§ 7).
censo= 'U y^ (§ 90).
Cerz'montas I4 (§ 26 a).
cessare trans. 152 (§ 129).
cessus act. 34^ (§ 120).
cibum nom. 27^ (§ 94).
*cimcella F 870 (§ 26 a).
^cinctüa F 242.
Cinomia 223 (§ 7).
*ctngolo F 89 (§ 24, 88).
circuü F 934 (§19« Anm. 2).
*circuitur F 937 (§ 19 a).
circumdauü F 725, II 47 (§ II4).
Clamis 72, 122 (§ 66).
Coctinum F 172 (§ 65 (F),
cofinus F 184 (§ 42).
Cogitus = Coitus 228 (§ 62^).
Cohire = Coir* 58 (§ 69).
CöiW 224 cf. Besser 56, §54.
iTöZfra F 856 (§ 66).
colpus F373, 612 (§ 20, 42).
colutnpna 21 ^ (§41).
commune adv. 223, 23^ (§ 98).
competis abl. 7^ (§ 22).
comulus F 241, 834 (§ 15).
Conbuserunt 223 (§ 74).
concalcar* 23^ (§ 122).
Condempnare 1I4 (§41).
condetor 84 (§ 22).
Congresio 94 (§ 74).
coniuctio F 143 (§ 73).
coniuctus F 162 (§ 73).
Coniungunt statt »iugunt 22^ nach
Besser. 55 (§ 72 Anm 4).
comnnxt F494 (§73).
Conlacteneus 144 (§ 3, 4).
2
tä
conlocare 194, 22^ (§ 122).
Conpage nom. pl. 161 (§91).
ConplaHHor \%^ (§65^).
conpulUrunt F 83 1 (§ 74).
Conpusuerunt F 721 (§ 30).
Consolens 15s (§ 24).
Consumare li (§ 74).
Contemelia ^ 690 (§26 a).
ConUmpnere 113. 12^» 22s, 33i» 372
(§ 41).
Conteri perf. 163 (§ 114 Anm. 2).
Conticuus 228 (§ 60).
*contingere F 174 unpers. „zustofsen''.
Contitatus 5,, $3 (§ 65 a).
contra ire 142 (§ 99).
^conturnare 231 (§ 12),
Coortem \^^ 15^ (§ 69).
tora obl. zu cor 31^ (§ 89).
Coquitus F 469 (§ 63).
Cbriosus 22^ (§ 32).
Corpolentior 153 (§ 26«).
Costuprare 231 (§ 71).
Coturnices npip. sg. F 266 (§ 89).
Creacras 163 (§ 64 y).
Crebrum F 879 (§ 10).
Cremebantur 5^ (§ iii).
Crepere 223 (§ i).
Crescere, C' trans. F 840, 22^ (§ 129).
criuolus F 879 (§ 23, 39 a. 94).
crutiätor 12} (§65a).
«//a F 169 (§ 74 Anm. 3, 76, 83).
*cuipra statt ff//ra F 922 nach Bess.
61 (§ 39«, 81, 85 Anm. 3).
Culicare, culcare F 882 (§ 12, 23, 74).
cummemoraiio 313 (§ 30).
cummendare F 944, 284 (§ 30).
cutnmertiutn 223 (§ 30, 65^).
cummiscere 3I1 (§ 30).
cummovere IO2 (§ 30).
cummune 223 (§ 30).
cunspectus 291 (§ 30).
currerunt 262 (§ 114).
cymblis F 821 (§ 20).
cyrografum 93 (§ 66).
dampnum 151, 234 (§ 41).
<fa«tfa F 447, 851 (§ 76, 85).
dauat fut 23^ (§ 35).
Decacordo 184 (§ 66J.
decaäere 24^ (§ 122).
Decussio = -rjfb 103 (§ 67).
*deganare F 129, 523, 659 (§ 74).
Degerare statt Degenerare 72 nach
Bess. 15 (§ 62).
Deiestos = jDj^- 1O3 (§ 27).
Demicare F 380 (§ 10).
denarium nom. I2i (§ 94).
deorsum mittere F 630, -iactare F 672
(§ 99).
derelinquit perf. 233 (§ II4).
Desüiuit F 454 (§ 114).
destraere 393 (§ 69 Anm. 2).
deuinus 262 (§ 27).
Didracma I2i (§ 66).
düiciose 134 (§ 28).
dimiso 20^ (§ 74).
Disperietur 94 (§ 119).
disr apere 233 (§ 122).
rfzrfö 153 (§65«).
<f2tt»l 383 (§ 70).
Docma 92, 143. 233 (§ 648).
Domisticus 1 13 (Bess. 39, § 6).
douoratio F 273, 695 (§ 28).
dragma 12^ (§ 66).
-E&r« 248 (§ 69).
Edisserat = -;c^ra^ F 185 (§ 64/?).
-ß/Jf''^^ 34 (§ 74).
EgicatiUr 244 (§ 65 rf).
efugat<:^tre(P) 93 (§121).
EUgans 244 (§ 22).
^'•^J 3i (§ 69).
e[x]longare 24^ (§ 5 1 /9).
Emisarius F 229 (§ 74).
ir»if/tfr<f 72 (§ 74).
Emuncturia F 899 (§ 13).
entdunt 1O4 (§ 19/?, 45).
tf/r*«j 342 (§ 39«, 69, 85 Anm. 4).
Eptaticum 244 (§ 69).
Erassisse 25^ (§ 74).
Erodianis; erodi 131 (§ 69).
Eroneus 251 (§ 74).
Errarium F 223 (§ 74).
Eructuare 193 (§ 24).
Erumpna 243 (§41),
*esdarnare F 1156 (§33. 76).
Ethetnoloia 251 (§ 26«, 53, 62^).
Etursam 243 (§ 13, 51«, 117).
1^
exaceruare 24«, 25i (§ 40).
*exbuliret plqpf. F 886 (§ l%ß, 2T,
74' 115'-
excessus part. act. I49 (§ 120, l).
Exefnpla[r] F 294 (§ 67).
Exerciehant 99 (§ 65 /?).
Exeredare 24^ /^ 69).
Exestuü 128 (§ ^H)*
Exffertus lO, (§ 117).
Exibere 20^, 244 (2), 2Si (2) (§ 69).
^^pjhV) I9i (§ 49 a).
exiebam F 189, 173, 183 (§ Hl Anm. l).
Exiere = "igere 5^ (§ 62 /?).
Exocubatus F 900 (§ 36).
£xo[r]dü I Ii (§ 67).
*explicare inf. pass. 182 (§ II9)*
explicata 14« (§ II 7).
*exporurat plqpf. F 185 (§ 64/?).
ExtimpU 5« (§ 6).
^x/ra /frr^ 143 (§ 99).
Euloias 25i (§ 62/?).
Euuangelitare 17« (§ 42).
fallace pl. 169 (§ i8a, 22, 65 ce).
/fl/ÄV; Fefellit F 912 (§ 114, auch
Anm. 7).
*fänonem F 701 (§ 76).
/?a««m F 734, 917 (§ 77).
femus „Mist" F 399, 803 (§ 8).
Fenicium F 916 (§7).
Fenix F 923 (§ 7).
ferriis F 864 (§ 94). •
festinante[r] 63 (§ 67).
FheUthi 73 (§ 42).
ficatus sbst. F 932 (§ 94).
Fictnentutn 261 (§ 645).
;W> gen. 2^, dat. 15, (§90'
fidutta 192 (§ 65 a).
firmiter S7a (§ 9«).
/i/ö 148, 26^ (§ 53).
Flagicium i^, f- 1O3 (§49«).
Flagrare <ifr'' F 907 (§ 67).
*Flasconem F 906 (§ 68).
*fodunt <C'dire F II2I (§ 121).
>/&• F 634 (§ 89).
Fangi 262 (§ 15).
foras ducere F 573, — portare 5s
(§ 99).
fortissimus Positiv 362 (§ 98).
fracmentum F 857 (§ 64 c).
i^V-an/ia F 936 (§ 65 /?)
♦/ra^a F 734, 917 (§ 79, 82).
Fraudolentia 161 (§26a).
*Jruncetura F 1069 (§ 25, 76. 79).
*frustas F 820 (§ 95).
Frustrum < -j/wm F 309 (§ 67).
/^f/rtf ij, F 272, 378 (§ 121).
/w* + part. praet. 192, 251 (§ 120, 2).
*fulcos F 161 (§76, 85).
Fulgorationes \%x (§ 26 cc).
^Fumigantem nom. F 565 (§ 89).
funderat 84 (§ 114).
fundutas F 908 (§ 117).
*gafortum F 607, 875 (§ 78, 83).
GalU F 933 (§ 57).
*garbas F 203. 816 (§ 76).
Gatur 27i (§ 15).
Gazofilatium F 652 (§ 65 a).
Gecor F 934 (§ 62).
Gentaculum 27^ (§ 62).
Gigans 164 (§71 Anm. i).
^/<Z£/2,r F 1055 (§89 Anm. 5).
^/flA>j 194 (§ 65 a).
grafium F 1095 (§ 42).
grauidine il^ (§8).
^«^r^ 194 (§ 24).
habenti^'di F 56 (§ II 3).
habere inprütatum F 455 (§ 120, l).
*habundare, ^ntia 84, 134, I9i, 26^
(§ 69).
*hadisti F 102 1 (§ 76, 79, 82).
hara 2O2 (§ 69).
*hauntes statt Äa«/ /^j F 960 nach
Besser. 63 (§ 78, 79).
Haut 63 (§ 48).
*?muus F 302, 1158 (§ 76, 79, 85
Anm. 3).
hebrius 64. 94, 154 (§ 69).
Hedere F 588 (§ 69).
*helmus F 930 (§ 76, 79, 85).
^heriöergo F 874 (§ l8a Anm. 4, 76,
79).
Hetnicus 184 (§ 53).
hodium F 813 (§ 69^.
^husas F 424 (§ 76, 79).
Icoas 29] (§ 66, 72).
ÜHs 152 (§ 66).
2*
io
IlhU F 9SI (§ 4«).
in + gernnd. 4, (§ 131).
inbarbis 341 (§ 122).
IncoanU 283 (§ 66).
incolometate 84 (§ 26 a).
incolomis IS^, 37s (§ 24).
Ineolumes dodl sg. F 966 (§ 89 Anm« 5).
incofibuserunt F 1016 (§ 74).
incundüus 17« (§ 12),
indofitus I5s (§64a).
Indueias 284 (§ 49 a).
inflare intrans. F 171, 6t« F I123
{§ "9).
infrangere F 66 (§ 122).
infundent = -^nt 283 (§ 19/?).
*inganare F 969 (§ 74).
/Vi^tfWtf sg. F 949 (§ 95).
ingenias F 989 (§ 95).
IngraviscenU F 221 (§26 a).
/ffilcib ii (§ 49 a).
iniustiffia 284 (§ 49 a).
Inlicent 284 (§ 19, 22, 65 a).
Jnnociens 29| (§ 65 a).
/«ödj 29, (§ 39/9).
inproprare = inpröbrare ly^» 24^
(§ 39).
inprütare F 455, 758 (§ 14, 26 a).
Inquid 2^, 144 (§ 48).
InHHuit F 964 (§ 1 14).
insinuens 132 (§ II3).
Intermtio 5g, 54, 283; -»finb 191 (§ 26 a,
65 a).
i«/ra mittere 172 (§ 99).
tntratus act. 192 (§ '20, l).
introitus n. 94 (§ 94).
m/fij- cadere F 974, — perintrare
F 1025 (§ 99).
f]^^tf best. Artik. 344 (§ 104).
Ireticius statt Ar- 2O2 nach Besser. 53
(§ 25).
iuorgiis F 896 (§ 21, 29, 35, 62 y).
yacinctinas F 289 (§ 73).
iactare inf. pass. 4^ (§ 119).
ianiculorum F 404 (§ 29, 62).
5^tfr<>r^ nom. F 476 (§ 89).
7iiiÄij 84 (§ 7).
iocundus lOj, I9i, 20i (§31).
>^i/^j 284 (§ 18^.
^iomalü F 963 (§ 15, 28, 62).
tubeleum 4, (§ 26 a).
iuctus 2g, (§ 73).
iudicetur acL 34, (§ 119).
iuditmm F 619, 122 (§ 65 a).
ütfWM F 947 ( 14, 28, 62, 67).
iusto 31, (§ 98).
iuuenior F 691 (§ 97).
iuxia etse 21^ (§ 99).
lacertas F 860 (§ 95 Anm. 2).
Lacescüns 3O2 (§ 65 y).
LacessanUs 152 (§6, 113).
«Zo^rv/fi 152 (§ 24. 76).
Laguena 62 (§ 62).
Langescere 52 (§ 63).
*laniare <^ laciniaria 3O2 (§ 18 <r, 22,
26 a, 56).
Zä/öA«* 30g (§ 22, 53).
laudis nom. F 913 (§ 89).
lauatus 52. 134 (§ 117).
lauavü 94 (§ 114).
lecior 124 (§ 49 a).
^Uctarium <i'iaY 986 (§ 95).
Lenus = -is F 128 (§ 19 a).
*UprüceUus F 982 (§ 26 a).
Uticia 2O1, 248 (§49«).
leuare intrans. F 730 (§ 129).
*ligna sg. F 333. 1O4 (§ 95).
ligumen F 1029 (§ 29).
*limptaretn F 980 (§ 26 a).
limtato statt -ar«? F 1050 nach Besser.
75 (§ 26 a, 4I' 47).
linciolus F411, 621 (§ 21, 49/?, 94).
*lisca F 233 (§ 76).
de loco in locum F I140 (§ 99).
/of«j n. F 22 (§ 94).
longe = Att F I130, — tempus 4^
(§ 100).
Longeuis 4i (§ 88).
longiquitas 184 (§ 72).
* Longobardia F 366 (§ 76).
*fo/artf 3O2 (§30-
Lucubris F 340, 3O2 (§ 60).
*maciones F 460 (§ 49 a Anm. 3).
*maculare s maüeare 24, (§ 64 cf).
Magestas F 684, 181, m- 9, (§ 62).
tnagis conpositus 64, — piaans 181
(§ 96).
21
maarior F 715 (§ 64/).
malicia 342 (§ 49 a).
ma&j nom. F 1035 (§ ^^)'
*manaces F 997 (§ 18/J, 22, 28, 65 a).
*manatiat F 131 (§28, 65 a).
manducare inf. pass. F 15 (§119).
mar^ abl. I5i, l8„ 184, 334 (§ 89
Anm. i).
Marcs nom. sg. <[ mos F 996 ( § 89).
*mastas F 713 (§76).
Mutarium (= mortariumF) statt Ji£i-
turtum 82 nach Besser. 20 (§ 30,
67 Anm. i).
*mationes F 878 (§ 49 a Anm. 3, 76,
84).
menbrum F 404 (§ 70).
mercati sbst. F 1007 (§ 90).
Mestrua 5i (§ 71).
mi < »w:ä/ 34 (§ 105).
minisiirium F 81 (§5).
minores = -ibus F 535 (§ 89).
Mirratum F 660 (§ 69).
Mirreta <^ metretas 141 (§ 29, 46).
modicum adv. 342 (§ 98).
Modolamine F 487 (§ 26 a).
3^/^j < -as F 782 (§ i8/9)/ in mole
<-a 164, 282 (§ i8a).
mo/(fj <[ -/i<?j 9i (§ 74).
Morus «< »fw F 990 (§ 89 Anm. 2).
*muli F 1121 (§76).
Musitatis ^x* 3^2' (§5^ Anm. i, 74).
mutile F 540 (§ li» 19a, 2^, 46, 88).
*nasculis F 700 (§ 24. 76).
nauium < -za 82 (§ 95).
Nazorei F 230 (§ 25).
neofitus statt -;^r«J F 1003 ^^^^ Besser.
72 (§ 42).
nigris nom. 18^ (§ 88, auch Anm. i).
nomerus 233 (§ 15).
nouiter F lOOl (§98).
nouitius F 1003 (§ 65 a),
Ohaudire 33^ (§ 122).
Obclaudere I0|, o- IO2 (§ 122).
Obmittere 12) (§ 122).
obtare 19, (§ 39 Ä-
ObUmates 154, 324 (§ 39/»).
0^/iVwttj 3j (§ 391», § 97).
obuiam uenire 183 (§ 99).
OcuÜe, 'US, O' IO4, 154, 22,, 374
(§ 74).
oderare F 907 (§ 26 a).
*Ofendas F 502 (§ 74).
Offertus F566 (§ 117).
Oficium F 81 (§ 74).
Oliquus F 448 (§ 39/J).
Olocaustum 32^ (§ 69).
omnictY II52 (§ 19a, 26a, 52, 65«,
88).
Opinantus 93 (§ 72).
ör/a«ttj 334» 344 (§ 42).
orrei F 200 (§ l8a).
ör/ar^/ [plqpf. F 275 (§ 18/J, 21, 115),
Ortodoxorum 33, (§ 53).
ospicium 13, (§49Cf).
öj//a sg. 34, öjft> F 459 < ostium
(§ 9S>
öj/ia pl. <^ *hostium 164 (§ 95).
Otius 33t (§ 65 «).
pabtäa <i Papula F 347 (§ 36).
pagritia F 889 (§ 28).
Palate F 439 (§ 53).
Palustris = -ibus F 188 (§ 89).
Paraclitus 142 (§ 8).
paranypßs 63 (§ 7, 42).
Parascheve 131 (§ 66).
patiendo — -/^ 3I2 (§ II3).
patrua 52 (§ i8a).
Patruelus 52 (§ 19 a).
patunt 1O4 (§ 19/»).
/^c^öra F54 (§74).
/^t«j, <>rij m. 334 (§ 94).
/^^w nom. F 1045 (§ 89).
Peluem 142 (§ 89 Anm. 5).
Pentateucum 62 (§ 66).
Pentecontarcos lOj, 34, (§ 25, 66).
/ifr unde F 304 (§ 99).
percuräbant •=. 'Curre^ I5i (§iii).
perditum esse 344 (3) (§ 120 Anm. 2).
perfacere F 720 (§ 122).
Peribülum lO^, 342 (§ 24).
periurare 5^ (§ 122).
permitere 34 (§ 74).
Perpetis = -««> 343 (§ 24).
perpetuis nom. 34^ (§ 88).
Persuadunt 334 (§ 19 jj).
*Pessimus 164, 29, (§ 97).
22
Pignarus F 1047 (§ 19 a, 89 Anm. 2).
pi^guis 2O1 (§ 72 Anm. 2).
pistritam F 255 (§ 26 a).
pUuphemare F 364 (§ 34, 42, 85
Anm. 4).
plus sanus F iiiS (§ 96).
Pomelio F 1046 (§ 8, 32).
Pondere nom. I li (§ 89),
ponius<C.puncttis F 472 (§ 15, 75,
94).
porro digressus I2j, — fugatus F \,
1053, — iactt 344 (§ 99).
Postergum F 67, 259 (§ 74).
Postolare IT4 (§ 26 a).
/^7//ö <C Portio 153 (§ 67).
precapttatus Ifj (§57 Anm. i, 122).
Precoce 52 (§ 63).
Prepucium ij (§ 49 a).
presumptiose 342 (§ 24 Anm. i).
presumptose 343 (§ 24).
pretUus 26s (§ 65 (f)*
PreuaUtur 342 (§ II9).
*pretuntu5 act. 341 (§ 120, l).
*principatum nom. 84 (§ 94).
Prdblesma F 410 (§51/?).
Procelles F 1033 (§ 1^/9).
proiecerent F 705 (§ 8).
Prominentes <[ -antis 334 (§ 19 a» 113).
Promulcare 34, (§ 59).
Pronantiare 19^ (§ 26/9).
Propiciari 5^ (§ 49 a).
Propinatur F 1051 (§119).
prosperatus sum = proper aui 174
(§ 51a, 120, i).
Prospiceant 344 (§ 22).
Prumptus F 1034 (§ 14, 41).
Prütuaria F 818 (§ 31, 41).
Prtt/MJ F 608 (§ 14, 41).
pudor < ^^ör 262 (§ 45).
/'«/J/te 342 (§ 30).
-Pw/J/j F 1039 (§ 35, 85 Anm. 4, 89
Anm. 5).
puplicum F 223 (§39«, 85 Anm. 4).
*quaccola F 801 , quacoles F 266,
quacules F 877 (§ l8/9, 24, 74).
Quadrie F 1060 (§ 62/9).
^2/atf = ^tt<z/» 63 (§ 106).
quaJecumque II4 (§ 106).
qualtcumque nom. pl. l6| (§ 89).
Quantotiits 3^ (§ 65 a).
quartanus F 708 (§ 75 Anm. i, 102).
que statt m. sg. 194 (§ IG, 106).
Quociens 35, (§49«)-
^«tf J < ^u0/ 3i» F 599. F 789 (§ 48).
*qvoquendum = co* F 864 (§ 63).
Racha 1I4 (§66).
*raciuncuh*s 369 (§ 49 a).
*Radientia < -an/iii 36, (§ 6, II 3).
*ranta F 352 (§ 96).
*Ratiotinium 363 (§ 65 d).
recentis = -üfus F 439 (§ 89).
Rede = Ä^/^ F 1070 (Besser. 78 a,
§8).
Recunpensare 363 (§ 30).
Recuntiliare F 706 (§ 30, 65 cf).
Redüre < -/;ftfr^ lOj, 181 (§ 62/9).
*regi<:rigus F 513 (§8).
^^£f«w 364 (§ 18 a).
reiactare F 745 (§ 122).
reletdare intraos. 363 (§ 129).
Remitere II4 (§74).
*remittere intrans, F 738 (§ 129).
*rennuita 374 (§ 74).
Repedehat <[ -oöa/ IO2 (§ l, lil).
retribucio 74 (§ 49 a).
"^reutiardare F 1075 (§ 76# 80).
Rinocero[nP]s Ss (§ 71 Anm. l).
rit F 1070 (§ 8, 19 a, 88).
*Rita F 1076 (§ 9, 65 d).
r/^a 283 (§ 19 a).
*röj, röja F 658, 830, 839, 863 (§ 78,
85).
Rubore 362 (§ 15).
rubrtis F 1065 (§ 88 Anm. i).
rupis 92 (§ 89 Anm. 5),
sacrificia sg. F 253, 324 (§ g^).
sallire F 43T, 964 (§ 74).
saltiaticus F 463, 825 (§ 28).
sarcofagum F 616, 133, F 1 117 (§ 42).
Satapres 373 (§ 67).
"^scabare F 826 (§ 32, 35).
*Scabro F 288 (§ 54, 67).
*scauare F 893 (§ 33).
^scantio F IO44 (§ 76, 84).
Scenopheia 373 (§ 42).
Sciscis 23 (§ 65 y).
23
Scisma 143 (§ 66),
ScopoH F 362 (§ 24).
Scoire statt coire 224 nach Besser. 56
(§ 22, 54).
Scorta sg. 379, jt- sg. 6^ (§ 95).
*scrabro F II50 (§54).
scrupolositas 374 (§ 26 a).
*sculpature statt scuipare 83 nach
Besser. 19 (§ i8/9, 87).
Seccare •< -c- F 310 (§ 74).
secatus mit a aus e F 278 (§ l, il?)»
Semicintia 144 (§ 73).
Senetus <[ -a/Mj 152 (§ l).
Senopide 164 (§ 27).
seorsum ire 133» — cübare 37^ (§ 99)
sepelütis F 165 (§ II 7).
seperat F 526 (§ 20).
j<r/Af 244 (§ 70).
*serricellus F 847 (§ 26 a, 29, 74, 94).
set < -rf 394 (§ 48).
Setuplum Fl. (§ 39 1»).
5«<</<> 1 1 j (§ 34).
Sicitna 174 (§ 66, 70).
«<r«j F 822 (§ 74).
simulachras F 453 (§ 66, 95).
simulacras F 325 (§ 95),
Singülatim ly^ (§ 72).
Smaracdus F 1088 (§ 645).
5ö*ö/<?j 63, 378 (§ 15).
solamente F 1120 (§ 98).
solarius F 7 (§ 94).
solempnitatatem 34 (§41).
SoUmpniter 374 (§41).
SoUicius l6| (§ 49 a).
♦jöma F348 (§ 17, 64 c).
sora F III (§ 78).
sorbtt F 514 (§121 Anm. i).
*sorcerus F 1096 (§4, 22, 49^, 55).
sordis nom. 381 (§ 89 Anm. 5).
5öj//> 37j (§ 89 Anm. 5).
*soiütas 98, 132» 161 (§65«).
sotius 63, 144, 163, 228 (§65«).
Spaciosus II 2 (§ 490()*
spacium I2„ 13 j, 284, 324. 334 (§ 49a).
*sparniare F 1008 (§ 75, 76).
5>frt>j 37 j, sP' 158 (§65«).
5/^a F 1089 (§ 42).
i/fW^OT F 884 (§ 96).
j/jVwj F 876 (§ ^6).
♦j/^^«j F 475 (§ 76, 82).
Spondidi F II5 (§114).
*sprendere F 1084 (§ 33. 69).
spunte F 642 (§ 12).
Spurtitia 58 (§ 65 cf).
5/^»fa 378 (§ 74 Anm. 3).
j/<?rtf/w F 148 (§ 22).
sterniuit '^ Sternire F 77 (§ 114, 121).
Stientia 184 (§657).
-S^V/ö 372 (§ 8)-
Striaton 9^ (§ 53).
stuUicia 153 (§49«).
*stulus -< stupulus F 1097 (§ ^3» 24,
39 «• 95>
Subbucula F 338 (§ 74).
subponere refl. F 378 (§ 129).
Subsanare 18^ (§ 74).
Subveere 42 (§ 69).
sucurrite 374 (§ 74).
jif/Zar^ F 247, 547 (§ 74).
*sufrangant statt ^agant F 590 nach
Besser. 40 (§ 72 Anm. 4, 74, 122).
sumitate 20^, 283 (§ 74).
sumpnus F IIOI (§ 12, 41).
* Super sticiosus F 710 (§ 49 a).
sursum aspicere Ij» I4it 372 (§99)*
suspitio 5 2 (§65«).
sustenere F 827 (§ 122).
to«^/.- 2>/i;f2/ F 1128 (§ 114, auch
Anm. 7).
Tapitudo 383 (§ 35, 85 Anm. 4).
te = tibt i^ (§ 105).
teca F 922 (§ 53).
tempus m. 18^ (§ 94).
*temto < //w?rtf 52 (§ 8, 22, 118, 121).
Terebintus 23 (§ 53).
Teristrum F 169 (§ 53).
Tesaurizare F 538 (§ 53).
tesaurus F 538, 27^ (§ 17, 53).
teula F 436 (§ 60).
Tiare F 306 (§ i8a, 70).
ticio 384 (§ 49 a).
Tobazion 193 (§ 36).
*tollitus F 674 (§117, 121).
♦/<>fiz£rÄ F 338 (§ 15).
Topartias statt Teopartias lo^ nach
Besser. 31 (§65/?).
24
Torax F 474 (§ 53).
*toxa F 986 (§ 16, 59, 61, 64/9).
frohere intrans. 7^ (§ 129).
Tramüam F 482 (§ i8a).
/ranj alare F 1 132, 1 133, — nauigare
F 585, — «fli/ifrtf F 586 (§ 99).
transiehant 15^ (§ in Anm. l).
Transüiuit F II33 (§ 114).
Turbolentus 384 (§ 26 a).
luribulum F 1126 (§ 53).
*/«r/a „Torte" F 432 (§ 12).
Tymphanum i%^ (§ 42).
tyrus F 1071, 383 (§ 19 a, 89, Anm. 2).
übt « ywö F423, 10, F 652, 35j (§ 99).
ultissimus F 999 (§ 97).
«Ära alare F II24 (§ 99).
*unde = übt 81, 84, F 466, 164 (§ 99),
= abl. instr. S^, 1O4, r2i, F 771,
174, 222 (§ i28);/tfr unde s. u. per.
*ungtientibus F 231 (§ 89).
»ff^m F 1059 (§ 124, s. Besser. 77).
untta 48 (§ 66/^).
unus unbest. Art. 43 (§ 104).
Uridine F 177 (§ 8).
utüitatü nom. 22^ (§ 89).
Uulcio F 792 (§ 15, 49/9).
Uulciscens F 800 (§ 15).
uunctus 3O2 (§ 16, s. Besser. 70).
£/«j«([7 F II 49 (§ 16, 49/9).
«jp// F 339 (§ 73).
Uacantem < -/jaot F 687 (§ 65 S).
uacari = -^- 7^, uacuatus = ua^a'
tus F 17, 1160 (§58, 63).
UaUtudo F 1154 (§ 26 a).
«aj < 'is F 604, 122» I3i (§ 89).
W?^//a/ F 19 (§ 22).
uendere inf. pass. I2i (§ 119).
uermus F 769 (§ 93).
Uesiculum F 335 (§ lO, 95).
uestimenta sg. I9i, F 1103 (§ 95).
uice „mal" F44, 60, 599, 789 (§ 102).
*uictare F 891 (§ 49 a).
Uicini <^ -tf«z* 93 (§ 26 a).
£/zf:/a = -tta 3I1 (§ 64 a).
uictum nom. 223 (§ 94).
uincisti 64 (§ II 4).
«irw = 'US 38 (§71).
«wzfra F 347 (§ 28).
ttz/iÄ „Wicke" F 572 (§ 65 a).
*uiuendi statt uiuanda F 788 (§121
Anm. i).
uiuent = -««^ 224 (§ 19/8).
Uixülum F I159 (§ 27).
tt<7Äfj für «ir F 551 (§ 123).
uolumpta' = uolunta- I4, F 127, 164,
3i» 42» 72* 74. 161, 3O2, 308» 372»
393. 394 (§ 41 Anm. I).
uolumptcste 3O2 (§ i).
uoluntas = uoluptas II4, 164, 2O3
(§ 41 Anm. I).
uoluptas =s uoluntas 8| (§41 Anm. i).
^uuadius F 285, IO47 (§ 7^» 80, 85,
auch Anm. 2).
*uuapces F 288, 1150 (§ l8/9, 76,
80).
l^n^m 193 (§ 69).
3. Wortbestand.
über den vorüehmlichen Zweck dieses Vokabulars, eine Er-
gänzung zu Körtings Lateinisch-romanischem Wörterbuch zu bilden,
und über »die aufserdem für die Auswahl der hier aufgeführten
Wörter mafsgebenden Gesichtspunkte s. die Einleitung am Schlüsse.
Wörter mit Majuskel treten im Glossar als Lemmata, Wörter
mit Minuskel als Interpretamente auf.
Der Einheitlichkeit halber zitiere ich im allgemeinen nur die
von Foerster abgedruckten Glossen, und zwar hier einfach nach
ihrer Nummer in der 2. Aufl. des Afranz. Übungsbuches. Bei er-
wähnenswerten Wörtern aus von Foerster nicht abgedruckten Glossen
füge ich diese hier, je nach Bedarf sämtlich oder in Auswahl, ein.
Abortiuus (829): sard.^ aurttvu\ it. abortwo, pv. cat. abortiu^
franz. aboriify sp. ahortivo^ apg. ahorsivo (cf. pg. aborso < abortus)
mit gelehrter Erhaltung des b gegenüber sard. avortire^ franz. avorter^
avorion,
abscondere (536, 667): afranz. escondre,
Absinthium (850): Diez AR Gloss. S. 40 führt an pv. ätssens,
encenSf rtr. issienz und afranz. tissen •< aussen, das Godf. nicht kennt.
Die Volkstümlichkeit des Wortes wenigstens auf einem Teile des
franz. Sprachgebietes beweist sein Fortleben in modernen franz.
Mundarten: die Tafel absinihe des A. L. belegt das Wort in Erb-
wortform an 12 Orten: D6p. Basses- Alpes (3 mal), Hautes Alpes
(2 mal), Landes (2 mal); Italie (3 mal).
Absorbere (354, 783, 785): mer. assurbtri, it. assorbire.
abiindantia (196): it. abbondanza.
abimdare (393 Uberrimum: abundantissimum): it abbondare
(asp. apg. abondar\
Acoendere (787): log. azzendere, pv. acendre, asp. apg. accender,
aoedia (477): zum Auftreten dieses Wortes in der Glossen-
literatur s. Landgraf, AlLex. K, S. 359.
Acer (20| Acer: ager): sard. agru, argu,
aouoiilio (849) ist gegenüber Kört. 146) acucülto anzusetzen
als Augmentativbildung zu acucüla: cat. agullö*
adbattuere (502, 1012): log. abbaitire, mer. abbättiriy set. ab-
battij cat. abdirer.
ad dentes = afranz. adenz s. u. dens.
^ Das Sardische wird im Folgenden Öfters geschieden in das Logudore-
sische (log.), das Nordsardische (set.) und das Südsardische (mer.).
26
Adeps s. u. aleps,
ad(h)astare (i 151): das von Diez, ARGloss. S. 52 daranter ver-
mutete afranz. ^ahasier ist nicht zu belegen, mufs aber vorhanden
gewesen sein nach Ausweis von afranz. ahaste sbst f. „Eile", dhasiif
„eilig". — Vielleicht mit unserm Worte identisch ist adasiare Zeumer,
Diplom. S. 130, 16 (etwa = „herzuströmen", „zahlreich teilnehmen"?),
das die Addenda lexicis lat. AlLex. II S. 1 1 1 als ad-astare deuten
unter Hinweis auf ad-alligare bei Plin. maior. (s. § 7 g).
adiungere (315): cat. adjunytr,
adorare (29): sard. adorä etc., pv. azorar.
Adredare s. u. redare,
aeramen (326): log. rämine^ mer. ar ramint, set. rämu.
Aerugo (182 Erugo: genus uermis): log. ruinzu (mer. arruinu
= aerugo + rubtginem?).
aestimare (104, 442, 522): log. istimare, set. istimä, mer. stimai,
altcat. esmar.
aetas (109): log. edäde, mer. edädt, set. eiai, cat. edat,
affigere (84 tahulata quae ah inferiore parte irabibus adfiguntur):
cat a/egir „unir, apegar una cosa ab altra".
affligere (243, 414, 1I3 Torqueiur: adfligetur, 2O1 Adieriiis:
adfligiiisy 20^ Affectus: afflictus): log. affrigtre, mer. affligiriy set.
affligi, sp. afligir, pg. affUgir.
Agger (241): log. ärgine, set. argini,
aggrauare (221): it. aggravare, afranz. agrever, cat. sp. agravar,
pg. aggravar.
albor (22^ Candor: albor): sard. it albore, pv. sp. albor, afranz.
aubor, pg. alvor „Helligkeit, Morgenröte".
aleps (845): afranz. auve noch nfranz. fortlebend mundartlich
in Beauce, Orleannais.
alienare (829): pv. alienar, afranz. aliener, alegner, cat. (en)'
agenar, asp, ajenar, pg. alhefijar meist „verändern", „aufser sich
bringen", „das Bewufstsein verlieren lassen".
allodum (902}: germanisches Lehnwort entsprechend einem
anfrk. all -}- öd <C, aud = ano. auSr, ae. ead, ahd. öt: cat alou.
aloxinum (850): das wohl zuerst im Anthimus 15 (s. Valentin
Rose, Index) auftretende Wort, zu dessen Verbreitung bei K 529)
afranz. ' aloisne, pv. aluisna nachzutragen, lebt noch in modernen
franz. Mundarten: die Tafel absinihe des A. L. weist unser Wort
auf in 6 Ortschaften: Dep. Pas de Calais (284, 285), Dep. Indre-
et-Loire (406, 408) und Suisse (977, 978).
amaricare (660; s. Bess. 41.): cat amargar,
amator (261 Filosofus: -sapieniia): sard. amadore, it. amatore,
pv, amaire, amaire, amädor, cat. sp. pg. amador.
ambulator (34^ Profectores: 'es)\ sard. andadore, pv. anaire,
anador, franz. alere, aieor, altcat. anador, sp. pg. andador.
ambulare (61, 133, 389, 638, 925; in synkopierter Form
alare 1030, 112 4, 113 2, 113 3): sard. andä etc.; cat anar.
amplus (543): sard. ampru, cat. ample.
27
anaüare {452, 510, 697, 722, 831, 862, 867): Über das
romanische Fortleben dieses germanischen Lehnwortes, das nach
Kluge, Pauls Gdr. der germ. Phil., 2. Aufl., I, S. 333 auf einen
Typus *anatjan entsprechend ahd. anazzen „anzeigen" zurückgeht,
s. K 628) s. V. änazan. S. unsere Lautl. § 49 a; Diez, ARGloss.
S. 41; G. Paris, Comptes rendtis des Seances de T Acad6mie des
Inscript. et Belles-Lettres 1893, S. 92 Anmerk. Über die Formen
des Wortes im Afranz. s. § 76.
anoilla (144): pv. ancela.
Angariare (510, 831): sard. iL angariare „plagen"; pg. an-
gartar „zinspflichtig machen^S „liebkosen".
angustiare (784): altcat. angöixar,
angustiosus (2O4 Anxius: — ): das zuerst bei Gregor d. Gr.
belegte Wort, zu dem s. Löwe AlLex. I, S. 22, ist erhalten in pv.
afranz. angoissos.
Anxiari (784): sard. ansare.
aptiis (81 Docilis , , , ad docendum — ): sard. aptu^ it. atio.
aqua (239, 584, 737, 394 Uligo: sordes ? aque): log. abba,
set. ebuy cat. aygua.
arbitrium (8^ Optio: eledio .potestas . arhitrium . lihera uoluptai)',
sard. ärhüriu „facultade de fagher o non fagher", cat albedriu,
arcarium (92 Archariis: custodes archarii)\ afranz. archiere f.
„cofFre" < arcaria. Sollte hierzu auch sp. alqueria „casa de la-
branza", pg. alcaria^ alqueria „casa de campo para guardar os
instrumentos de lavoura; cabana" zu stellen sein mit ähnlicher
Akzentverlegung wie in arhitrium >• alhedriol Bedeutungssttifen
wären „Lade", „Behältnis", „Geräteschuppen".
ardor (48): sard. it. ardore, afranz. ardour^ pv. cat. sp. pg. ardor,
Area (447, 851): sard. scheint fortzuleben nur das Diminutiv
ariöla > log. arzola, mer. argiola, set. agliöla.
Aridus (822): log. mer. ariduy set. ärritu (sp. pg. arido\
Armentum (54): sard. armentü\ afranz. arment scheint nur in
Übersetzungen aufzutreten.
Armilla (92 — .* propria uirorum\ 838): it. pv. armiHa, franz.
armilleSf sp. pg. cat. armilla^ afmilha können Nvegen der Erhaltung
des 1 nicht als Erbworte betrachtet werden. Erbwortlichen Laut-
stand zeigt nur die moderne Dialektform armala (Suisse romande):
„oreille d'un vase de bois", während afrz armeilles (reimt bei
E. Deschamps.- or eitles) auf eine Form mit Suffixtausch < *armicula
weist. Über den gelehrten Charakter von armilla im Romanischen
s. Cohn, Suffixwandel S. 54.
Ascia (181 — .• genus ferramentt): Godf. belegt ein einziges
Mal afranz. aisse,
aspeotus (274 ab omine (= hominum) aspectu remoti): sard.
aspectUy ispectu^ it. aspetto, afranz. espit in der Redensart voir a espit
„vor Augen sehen", z. B. La Charrette, Vat. Chr. 1725 i^ 33a: Et
a mis la chose en f espit JusqtCa tant que voie a espit Un bon lieu\
apg. aspeito.
28
Attendere (iS^ Adtendite: inteliegiie), aitendere (324 Olnixis:
adtenits)\ log. attlndere (mer. -1), set. attendiy cat. aiendrer,
attenuare (814, 11 29, 383 Tabesdi: -i): scheint mir fortzuleben
in der heutigen Mundart von Noiron-sur-Beze (Cote d'or) in etene
„etourdir, ennuyer, fatiguer".
atterrare (23^ Cosiuprare: ad-): sard. aiterrare „abbattere, de-
molire, umiliare, confondere" it atterrare „abbattere, buttar a terra,
violare", pv. atterrar „renverser", cat. aterrar „abitrer, humillar",
sp. aterrar „echar por tierra", pg. aterrar „derrocar, derribar".
Von allen diesen Bedeutungen deutet nur die it. Nebenbedeutung
„violare" die Richtung der Entwicklung an, die in der Mundart
unseres Glossators die Bedeutung von atterrare zweifelsohne ein-
geschlagen hat, nämlich von „zu Boden werfen" > „notzüchtigen",
eine Entwicklung, die eine völlige Parallele findet in der des Verbs
culhuter^ als dessen Bedeutung Sachs nur „Hals über Kopf herunter-
werfen, stürzen, zu Grunde richten" gibt (auch der Nachtrag kennt
nur intr. culhuter = faire la culbute „sich [beikommen] lassen"),
dessen zweite, aus der ersten entwickelte Nebenbedeutung „foutre"
jedoch z. B. bei Zola bis zum Überdrufs zu belegen ist, sporadisch
sich übrigens auch schon in der altern Sprache findet so z. B. So-
rel, Francion, S. 311 der Bibl. Gaul, „mademoisel/e, aimez-vous Uen
ä itre culbutee"' nach dem Zusammenhange unbedingt = foutue.
Zu dieser naheliegenden Begrifisübertragung cf. deutsche Euphe-
mismen wie „ins Gras werfen", „auf dem Rücken liegen" usw.
axalis (geschrieben ascialis 824): Suchier (Afranz. Grammatik
S. 87 Anm, i) zitiert unsere Glosse zur Entscheidung der Streit-
frage des Etymons von afranz. atssieis. In der Tat kann nach
der Lautlehre unseres Denkmals hinter ascialis sich nicht das von
Koschwitz vorgeschlagene Etymon axellus verbergen, das K. 1106
„am meisten befriedigt". S. § 2.
baiula (416): afranz. haile^ haille.
bansta (581): als bodenständiges Wort, wohl zu gotisch hansts
gehörig (s. Diez, Et. W. s. v. benna)^ lebt dies germanische Lehn-
wort noch heute im Nordost-franz., so im Dialekt von Puilly par
Carignan (Ardennes): bäs „grofser Korb zum Trüifelsammeln". In
wallonischer Form (s. Marchot, RF XII, S. 645) ist das Wort ins
Schriftfranzösische übergegangen: banse f. „grofser Warenkorb".
baugus (838): germanisches Lehnwort entsprechend anfrk.
baugy ae. beagy ahd. boug.
bestia (780, 261 Ferarum: "Um): cat. bitxa,
bibator (563): nur afranz. bevere, beveory das nicht mit K. 1362)
auf bibitor zurückgeführt werden kann, auf das andere roman.
Sprachen (ergänze ibd. sard. bidore) zurückgehen.
bisacoium (425): Diez AR Gloss. S. 28 führt npv. biassa an,
Mistral biasso, besafo, bigasso etc.; cat beassa^ sp. hizazas f. pl.
blista (931): afranz. bleste, blestre „petite motte", s. K. 1477)
s. V. bh'ster; nfranz. mundartlich fortlebend als Verstärkung der
Negationspartikel, so pikard.-normann. (vallee d'YSres): «V in quit-
tera point une hielte „er wird dir auch nicht ein Krümchen hinter-
lassen".
Botrys (858): eine Augmentativbildung hiervon ist wohl log.
hudrone^ set. hutroni „Traube".
bninia (474): germanisches Lehmwort entsprechend ano.
hrynjüy anfrk, ahd. hrunnja.
buloare (894): Diez, ARGloss. S. 43 stellt dies Wort zu
mlat bulitcare, das nach ihm sowohl „abstumpfen" heifsen konnte
(von bulla Kopf oder Hut des Nagels, woher auch franz. boulon
„Nagel mit dickem Kopf") als auch („von bulla Wasserblase")
„sieden, wallen, Blasen werfen, sich bewegen" = it. bulicare^ pv.
bolegar, franz. bouger.
Diese Herleitung, für die zweite Sippe einleuchtend und anerkannt,
erscheint mir für die erste keineswegs unbedenklich, da Duc. für
mlat. bullicare nur „menstnlo, puerili sanguine inquinare" gibt, was
sich höchstens zur zweiten Sippe in Beziehung setzen liefse. —
Was zunächst die Glaubwürdigkeit der Überlieferung unserer Glosse
Ebitatum (= hebeiatutn nach Bess. 58.): bukatum betrifft, so wird
sie erwiesen durch ein von Diez übersehenes, im nfranz. veraltetes
(Sachs „ + ") reboucher „stumpf machen" (neben unveraltetem Homo-
nym „wieder vollstopfen", das erst im 15. Jahrhundert als Neu-
bildung zu boucher „(den Mund) stopfen" auftaucht, während afranz.
rebouchier ausschliefslich „emousser, f ausser" bedeutete). Afranz.
bestand des weitern ein Simplex bouchier „in Garben binden" und
ein sbst. f. boiiche = „botte, fagot". Zu diesen Worten, denen vlglat.
*bulcare, *bulca entsprechen würden, stellt sich in modernen franz.
Mundarten wallon. buji „(zusammen)hauen", bw^ sbst. f. „Klotz" z, B.
in der Redensart tps to bw^ „du bist verrückt" in den Dialekten
von Malmedy und Weismes, welche Formen nach der Lautlehre
dieser Mundarten ein vlglat. Substrat Hulc-ia, Hulc-iare erfordern
würden (s. auch böge sbst. m. = „Rumpf, Stumpf" bei Grand-
gagnage).
Das gemeinschaftliche Etymon dieser ganzen Sippe erblicke
ich in einem germanischen sbst, das wir in mndl. bulck „Masse,
Rumpf, Stumpf" erhalten sehen, von wo es in gleicher Bedeutung
ins Englische {bulk) übergegangen ist. Ein vielleicht unter Einflufs
von la masse als fem. gebildete Lehnwort Hulca, *bulcta konnte seine
Bedeutung „Masse, Rumpf, Stumpf" nach zwei Seiten entwickeln,
nämlich einschränkend zu „Baumstumpf, Ellotz" (so wall, buy^ oder
erweiternd zu „Haufen überhaupt" > „Haufen Getreide" > „Garbe"
(so afranz. bouche). Ein zugehöriges Verb, das bulc^are unserer
Glosse, mufste heifsen „um Stumpfe machen, abstumpfen" (so afranz.
(re)b(mckier\ woraus sich wallon. buji „(zusammen)hauen" ohne Mühe
entwickeln konnte.
bustiola s. u. pyxidiola,
oaloaneum (881): log. calcanzuy mer. cargangiu, cracängiu^ pg.
ccdcanho.
30
oäloeariua (869): altit. calzaio „calzone", afranz. chaucier y,soti*
Her, chaussure", pv. caussür „chausses".
Caligo (276; 731 = 222 — : tenebre): alle drei Glossen geben
übereinstimmend als Bedeutung „Finsternis^, woraus zu schliefsen
ist, dafs der Glossator, falls seine Mundart das Wort noch kannte,
es in anderer Bedeutung brauchte. Was nun das von EL 1754)
s. V. caligo angeführte afranz. chaline (dessen Bedeutung „chaleur,
inflammation" sich übrigens durch die Zwischenstufen „Dunkelheit
beim Gewitter" „(Gewitter-)Schwüle" erklären liefse) betrifft, so bietet
es in seiner Endung eine lautliche Schwierigkeit (cf. vertigo >
(ajverttn) und ist daher richtiger als Weiterbildung zu dem auch se-
masiologisch näherliegenden ccäor zu betrachten. Dagegen lebt
caligo in tadelloser Erbwortform in afranz. chalin „brouillard" „ob-
scurit^" in pikard. und anglonorm. Texten. Demgegenüber befremdet
zunächst die dreimalige Erklärung von caligo als tenebre^ ein Wider-
spruch, der sich dadurch löst, dafs die ursprüngliche Bedeutung
des Wortes nicht im ganzen franz. Sprachgebiet erhalten blieb.
Denn unser Glossator kennt caligo als Interpretament, d. h. als Erb-
wort seiner Mundart, in der abgeleiteten Bedeutung „Unwetter",
„Gewittersturm" in
82 Turbinem: uim uentorum . tempesiatem . caliginem . procellam,
einer Bedeutung, die sich noch heute im Patou von Poiton [chalin
= „orage") erhalten hat und die der heutigen des Wortes in
Bessin und Aunis {chalin = „eclairs sans tonnerre") als Zwischen-
stufe voraufgegangen sein mufs. Gleichfalls aus der Bedeutung
„Gewittersturm" in unserem Texte scheint entwickelt über „(Gewitter-)
Schwüle" die Bedeutung „chaleur", in der die Mundarten 370
(kälen) und 259 {kälhi) des Departements Seine inf. (Tafel chaleur
des A. L.) unser Wort bewahren.
Zur afranz. Bedeutung von chalin „brouillard", „obscurit6" cf.
noch it caligine „vapore, nebbia" neben caleggine „fuliggine".
oallum (94 Callis: semita paruula dicta eo quod quasi calle (= -<?)
memuretur): set. caddu, log. mer. callu.
oaninus (223 Cinomia [= Coenomyia nach Lautl. §7]: musca
canina): so it mosca canina^ sSranz, mosche chenine; ssltö.» caninu, it.
sp. pg. caninOf pr. canin, cat. cam\ afranz. chenin, noch nfranz. mund-
artlich fortlebend in Lyonn. chanin „mauvais, aigre, hargneux",
Guernesey gu'nin „mal foule" „mal drape".
oapanna (1137): K.s 1683) s.v. cabanna ausgesprochene Be-
hauptung, Isidor's Schreibung capanna stehe der Ableitung von capio
zu Uebe statt cabanna y wird durch die it. pv. sp. pg. Formen des
Wortes widerlegt, die, in Übereinstimmung mit unserer Glosse un-
bedingt capanna fordern.
oapitale „Kopfkissen" (644): log. cabidäle, set cabilali „Kopf-
kissen", afranz. chevel „chevet". Von gleichem Stamme gebildet
sind capit'iale > it. capezzale „Kopfkissen", capit'iolu > afranz. cheve»
fuel „oreiller, chevet, traversin" oder mit Suffixtausch chevecel (reimt
cmoncel) in gleicher Bedeutung.
31
oapulare (78): das wohl zuerst Anthimns 75 auftretende Wort
ist belegt ferner Lex Burgund. m, 5; s. auch Lex Sal. Gaul S. 44.
oarioa „Feige" (439): log, cärtgäf sei. carica {gegenüber ßgu
siccada mer., ficasiccu gal.) = \\^fico secco in der Bedeutung baga-
teUa, z. B. nCimporiai una cariga = „da geb' ich keinen Pfifferling
drum."
oarrioare (437, 1019): log. garrigare\ zum Auftreten des
Wortes in der Glossenlitteratur s. Landgraf, AlLex. IX S. 426.
Cassus (1O2 'ain\ uanam .inanam, 22^ -a: uana.uacua): das
gemeinromanisch erhaltene Wort wird also mehrmals in seiner lat. Be-
deutung erklärt, ein Zeichen, dafs die Bedeutungsverschiebung zu
afranz. guas „casse, brise, abime, abattu" bereits vollzogen.
oastellum {32): sard. casieddu^ cat. castelL
Catulus (873): cat. f j/Ar<7.
oausari (627) „reden, disputieren": entgegen Mackels auch
von K. s. V. angenommener Ansicht ist nicht ein germanisches,
übrigens nirgends anzuknüpfendes got *kaus6n entspr. ahd. kösön
das Etymon zu afranz. cpser^ nfranz. causer „plaudern, reden"; viel-
mehr ist umgekehrt afranz. rpx^r Erbwort aus \dX.camari „eine causa
haben", woraus ahd. kösön entlehnt
Cimex (870): czX, xinxa.
oimicella „Wänzchen" „Milbe" (870): nfranz. mundartlich
fortlebend in Bern (Champ.) sinctle „ciron". Dagegen ist afranz.
das Wort aus naheliegenden Gründen nicht zu belegen; die von
Godf. s. V. cincele mit dem eben behandelten Dialektwort irrtümlich
zusammengeworfenen afranz. Formen cincele , ctncenelle^ cincerelle, ci"
cindelle „moucheron, cousin" haben damit nichts zu tun, sondern
sind Ableitungen vom Stamme zinz-^ betreffs dessen s. Wortbestand
s. V. zinzella,
oinoella s. u. zinzella,
oingiilum (89, 509): sard. aVi^r^i, chingia\ csX. cingla,
oinnare (751} „winken": zum Auftreten dieses bisher nur
unbefriedigend erklärten Stammes in der Glossenlitteratur s. Land-
graf, AlLex. IX, S. 398.
Cinomia s. u. caninus,
oircitor = ctrcu{m)iior (937): sard. it afranz. ersetzt durch
*circaior in der Bedeutung „controleur, inspecteur, surveillant", in
der auch circitor inschriftlich (Pirson S. 239) erscheint Zur Be-
deutung „Herumtreiber" unseres Wortes, dessen /»-lose Form
Bücheier für Petr. 53, 10 (Hs. circumitore) in den Text setzt, s. die
Bedeutung „Hausierer" UIp. dig. 15, 3, 5.
olauus (1035): \og, giäu^ mer, crdu, cdX. clau.
ooour westgerm. = ostgerm. qiwarus (922) „Köcher": Über das
Verhältnis dieser Formen zueinander und die im Texte (bessere in
cuipra nach Bess. 61) vorliegende Form s. § 85, Anm. 3.
oogitare (446, 993): cat cuydar,
Collatio (714 B» 223, 224 Con-: conferentia): diese dreimal
auftretende Glosse belegt anderwärts Löwe, AlLex. I, S. 23.
3^
Comitatus (670): in abgeleiteter Bedeutung mer.con^u „cam-
pagna ad inghiriu de sa citade", cat conda/ „dignitat y domini
del comte".
Comparare (150, 779): nur sard. cumparäre etc. bewahrt die
lat. Bedeutung des Vergleichens, Gegenüberstellens: „paragonare,
confrontare".
comparator (663): pv. compraire, comprador,
Complaoere (770): \og, cumpidghere, sei, cumpiazt, it. coniptacere,
pv. complazer (afranz. ein Beispiel in Übersetzung!), cat. compldurer^
pg. comprazer (sp. complacer).
oomplere (142): sard. cumpltre etc., cat. cumplir^ pg. cumprir,
oonoambium (772): it. concamhio^ sp. concamhio] miat. Belege
für das Wort s. z. B. Index zu Mon. Genn. Leg. II 2.
oonferentia s. s. v. Collatio,
Confioere (190): zur Bedeutungsentwicklung des Wortes im
sard.: log. cunfäghere^ mer. cunfat, set cun/ä „esser giov^vole" cf. lat.
iuvat „hilft" und „freut".
oonfringere (172 Conltdo: -0, 222 Conlidit: -it, 2^^ ContriuisH:
con/registi): afranz. confraindre,
oongaudere {417, 668): pv. conjoir „föter, aflfectionner, sa-
vourer, goüter".
conquassare (1058): s?ücd, isconquassäre etc., it. conquassare^
pv. concasar,
consequi {846): sard. consighire etc., afranz. consievre^ pv. coS'
seguirf cossegre^ sp. pg. conseguir,
Conspeotus, us (32 Non sum fraudatus a -u tuo id vtsio tua
non fuü subiracta, ig^ In cunspectu meo : ante ine) : it. cospetto, apg,
conspeito,
Conspergere (255): it. cospargere,
constringere (217, 174 Urgeat: -0/, 2O2 Amplectus: -ctus^ zi^
Conpescere: — ): set custrigniy cat constrinyer,
oontaliare {1106): ^it^nz. contaillier bei dem Trouvere beige
J. de Baisieux.
oontentio (31, 122, 979): zh2Jiz, contengon^ ys.contenson^ altcat
contenzö „Sireitgedicht" „Streit".
oontingere (313): afranz. containdre „erreichen". In 174
Nouerat: contingehat ist das Verb unpersönlich gebraucht = „es
begegnet mir, stöfst mir zu", eine gmroman. Ausdrucksweise; cf. it
contingere „accadere", asp. ctmtir „acontecer". Zum Bedeutungs-
übergang cf. it toccare^ das „berühren" und unpers. „zustofsen" in
sich vereinigt
contomare {l^^ Conuertaniur : coniurnent): ii. contomare^ afranz.
contomer, asp. contornar,
oonuenientia (601): sard. cumhenünzia^ it conveniema^ afranz.
covenancty pv. covenensa, cat. covinmsa^ pg. convinga,
conuentus {559, 223 Co\g\itus: simul -, 26^ Forum: mercatum .
-/»): voLcr, guvhtiUy csX, cavent
ooquere (864): log. cdghere, mer, cdirt, set. cozt\ cat cöurer.
33
corliim (342 s. u. Bess. 74): log. cdrzu^ mer. crbxiu^ set cbgliu\
cat cuyro,
Crabro (288), crdbro {1150): zum Vorkommen des Wortes s.
Landgraf, AI Lex. IX, S. 424.
cremaxe (1O3 Torren: st'ccari, -u assart): it. cremare, afranz.
cramer (vom gleichen Stamme pv. cremor „Brand, Hitze").
crenare {291): afranz. fr^w^r „entaillier"; rr^»/ = Fimbriatus,
= chiquet6 comme creneaulx s. Godf. s. v. Über grinitam unseres
Textes statt grinatam s. u. Bess. 6.
cuffia (169): pv. cofa^ cat. cufia\ s. K 5339) s. v. *kupphja, —
Schon Venantius Fortunatus kennt das Wort, dessen Herleitungen
nicht befriedigen können, s. § 83.
oultura (34 In uestram coloniarni in uestram , , , culturä): pv.
coltura „Bebauung, bebautes Feld".
Cymbalis: cymhlis (821): ssud. cembulu^ afrdiuz, dmble, cimbre,
pv. cat. cimboL
danea (447,851) „Tenne": dieses „Grundwort von ahd. /^/^m"
(Kluge, Pauls Grdr. der germ. Phil. 2. Aufl., I S. ^^2) lebt nach
Ausweis des A. L. (Tafel aire) noch heute in den Patois von Liege
(196) und Namur (197). Sonstige Belege des Fortlebens bringt bei
Marchot, R. F. XII, S. 646.
darnare s. u. exdarnare.
defendamentum (1134): ^y, defendemeny ^Xr^nz, de/endement
zitiert Diez, ARGIoss. S. 52.
degannare (129, 523, 659, 29^ Inridehit\ deganah't: das Afranz.
kennt 6 inen anglonorm. Beleg für deganer, das Pv. ein Verbalsubst
degan. Das Wort lebt aber noch heute mundartlich in Bessin:
deganer „contre faire". S. auch u. ingannare.
dens (782). Beachte adverbiales ^^ad denUs"' in 43 Pronusi
qui a deni^ iacet, dem nur afranz. adenz^ nfranz. y^sur les denis^ ent-
spricht.
desuper (333, 44 IncuhahiV, desuper pendehat) : afranz. desor,
discollocare (537, s. Bess. 38.): nfranz. decoucher „aus dem
Bette vertreiben"; afranz. Belege fehlen Godf., auch Supplem., da-
gegen belegt transit. descolchür Littre im Job 462: „/<?j tenehres de
ceste nuit qui descolchent et despitent la iumiere^''y also etwa „ver-
drängen" „bekämpfen", wozu das von unserer Glosse geforderte
„vertilgen" ungefähr stimmen würde. — Altit. scorcare^ pv. descoigar,
sp. pg. descolgar weisen keine ähnliche Bedeutungsnüance auf, sind
daher wohl als jüngere Zusammensetzungen zu betrachten.
disligare (591, 694): Über den Ursprung des unlat. Wortes
s. Diez, ARGIoss. S. ^2,
diumalis (963) „Morgen Landes": Diez, ARGIoss. S. 45 ver-
weist auf afranz. pv. 2&^,jornal in dieser Bedeutung. Das Wort
lebt noch heute im wall.: Weismes dSornä, Malmedy dzürnä „arpent",
s. auch u. diurnus.
Biumus (i2i 'Ol unius diei spacio): läfst schon die gemein-
romanische Substantivierung des ursprünglichen Adjektives in der
3
M
Bedeutung „Tag" erkennen. — In den Ardennen (Puilly) wird es
mundartlich für diurfialis (siehe oben) gebraucht: dfo „arpent".
Cf. dazu unser südd. „Tagwerk" = Morgen.
dolare {5): afranz. doler „glätten, hobeln".
efifugare (1O3 Ahire: — )\ s. u. fugare,
Effondere (737): \\^ effondere^ dSt^nz, effondre „vergiefsen, zer-
streuen", refl. „mager werden", sp. efundir^ pg. effundir.
exbullire (886) : it. sbollire, afranz. eshoillir^ pv. eshultr,
exoauare (826, 893): das so schon von Diez, ARGloss. S. 39
gedeutete scauare der Hs. lebt in it. scavare^ wall, haver^ sp. escavar
(Fortleben des Simplex s. Diez ibd.). Anders Kluge, Pauls Grdr.
2. Aufl. I, S. 333, der in scauare ein germanisches Lehnwort sieht:
„das Ztw. scabare , schöpfen' zeigt keine Lautverschiebung, aber
vlglat. Erweichung der Tenuis", wozu s. Wortbestand s. v. scabare,
exool(a)pare s. u. sculpare,
excol(a)patara s. u. sculpatura.
exdamatus von exdamare „verwirren" „schwindeln machen"
(1156): das Verb lebt nfranz. in der Form ßdami oder ähnlich in
folgenden Mundarten (A. L. Tafel itourdir)\ Vosges 59, Alsace 85,
S.-et-Marne 210, Yonne 117, Aube 122 in der Bedeutung itourdir
„verblüffen, verwirren, aus der Fassung bringen", fdarni „bestürzt"
entspricht also hinreichend dem esdarnaius: Uecors „der Besinnung
beraubt" unseres Textes. Damit ist die korrekte Überlieferung
unserer Glosse ein für allemal gesichert und gleichzeitig die von
Rönsch, Jahrb. VII, S. 7 1 — 72, ausgesprochene Vermutung, esdarnaitis
sei „eine romanisierte Umbildung des lat. exiematus, das ganz die
gleiche Bedeutung wie vecors hatte", als lautlich unzulässig erwiesen.
Ich erblicke den Ausgangspunkt der ganzen Wortsippe, von der
wir bisher nur das Verb exdamare > fdarnS kennen gelernt haben,
in dem germanischen Adj. darni = ahd. tarnt, ae. dyme „heimlich,
versteckt". Mit einer naheliegenden Erweiterung des Sinnes zu
„in Dunkel gehüllt" „verdutzt" finden wir dies Wort im Afranz.
als darne, daurne (bei Roquefort ohne Stellennachweis, fehlt Godf.)
„etourdi, fou" wieder. Dieser schon etwas übertragenen Bedeutung
gegenüber hat sich die ursprünglichere, „in Dunkel gehüllt", bis
auf den heutigen Tag erhalten in der Mundart von Puilly (Ardennes)
in der Redensart dfü so tu dam (wofür auch dgri) „mir wird es
schwarz vor den Augen, wirr im Kopf, ich habe Schwindelanfalle".
Ein von diesem darni > darn^ „in Dunkel gehüllt, verdutzt,
schwindelig" abgeleitetes (exjdarnare mufste also ohne weiteres
„(völlig) in Dunkel hüllen, schwindelig machen, verblüflfen" bedeuten.
So erklärt sich das bei Roquef. verzeichnete adaurni „niais, Etourdi**,
so die eingangs aufgezählten Patoisformen pdarni „etourdir", so
die sonstigen Ableitungen vom Stamme dam', vlt Typen ^dam^idus
„ebloui" und *darn»ionem „vertige, eblouissement" voraussetzend,
die Marchot, R. F. XII S. 649 unerklärt aufgeführt.^
^ So erklären sich auch franz. Ortsnamen wie Darney <^ Damiacum
(Vosges) = dtsch. Blendheim, Blennheim; DarneUttes (Norm.) etc.
35
Einem Teile des Südostfranz, scheint ein sekundärer Wandel
des -/2- in -/- eigen in der Zasammensetzung mit in, d. h. wohl
infolge Dissimilation des zweiten «: A. L. (Tafel itourdir) zeigt
Doubs 54 ädürlä, Suisse 74 ädürle < tn-darnare. Doch kennt auch
Roquef. adarU neben adaurtiL
exhereditare (ö^: s. Bess. 12.): Ejecit de terra sua: exheredetauit):
afranz. s'esserter (Christine de Pisan) „se donner tout entier".
Zwischenstufen wären „sich völlig entäufsem, selbstlos handeln".
Identisch damit könnte das heutige mundartliche esat/ Noiron-sur-
B6ze (C6te d'or) in der Bedeutung „arr acher" sein, für das sich
jedoch auch an ex'sariiare (von sariium zu sartre, cf. afranz. eissart
< exsafitum für exsaritum) denken liefse.
Expandere (1015 Opansa lies Spansa nach Bess. 53.?): it
spandere. Frühe Belege für die apokopierte Form dieses Verbs
gibt Weymann, AlLex. IX S. 138).
explioare (182 Juhilum: inmensa letitia quae uoce — non potest):
afranz. esploner nur heraldisch, so noch nfranz. Sployi „mit aus-
gebreiteten Flügeln".
exponere (185, 721): afranz. espondre „interpr6ter, expliquer";
dagegen Exponere: 33 Exposuit: proiecit\ 705.
exportare (34 Eferre: — ,143 Efferentes: -nies iäi extra ferentei):
afranz. nur esporti „getragen", „abgenutzt"; cf. dtsch. „abgetragen",
engl, „worn off".
exprehendere (1084): genau entsprechend pv. afranz. esprendre
„anzünden, „in Brand setzen" (noch nfranz. ipris „verliebt"), wofür
schon Diez ARGloss. S. 50 Beispiele anführt
fanOy onifl (701): germanisches Lehnwort entsprechend ahd.
fano.
femoralia (307}: schon Diez ARGloss. S. 24 weist auf pv.
afranz. femoraus „Beinkleider".
Feruor (48) : afranz. einmal belegt, sp. hervor, pg. fervor,
flagellare (6 1 8, 704) : afranz. flaeler, flaieler lebt noch heute
mundartlich in norm, flpli ^{äSo. Obstbäume) heftig schütteln" nach
Diez, ARGloss. S. 61.
flaxnma (152 s. Bess. 47.: YMimina: iaculum .flamma .ictus)\ der
älteste Beleg für flamma als „Waffe" (mlat. flammea = lancea siehe
bei Duc), in welcher Bedeutung noch das heutige Argot y^petite
flamhe^ {flamma durch Dissimilation, s. Foerster, Zs. XXII, S. 265)
= „petite epee, couteau ä Fusage des coupeurs de bourses" kennt,
zitiert bei Godf. unter der afranz. allein belegten Diminutivform
flamete „Sorte de lancette". Denselben Bedeutungsübergang zeigt
das Germanische: ae. hrand > ne. hrand „buming, sword", isl.
hrandr „fire-brand, sword-blade" (Skeat, Etym. Diction.: „from its
flashing"); mhd. hrant „Brand, Schwert". Zudem mufste afranz.
diese Sinnesübertragung gefordert werden durch die Aufnahme des
germanischen Wortes in beiden Bedeutungen, s. afranz. hrant
„Schwert" neben hrandon, „Feuerbrand", „Fackel".
Xlasoo s. u. uasculo,
3*
36
fodere (1121): i^v, fofzjir,
Foetor (262 Fetor: pudor)\ sp. hedor,
frata s. u. hrata,
frunoetura s. u. hrunkjatura,
£rustiiin(82o): it, frusto „Stück", 2Sx2j\z. /rüste „Überbleibsel"
aus Roquef. zitiert Diez ARGloss. S. 38; Frustum 309 zeigt bereits
den altfranz. Verlust der ursprünglichen, it festgehaltenen Bedeutung.
fügare (4, 1053); Fugare (2^2) in der Bedeutung „fliehen",
ähnlich effugare (s. u. v.). S. Bess. 19.
fagitiuus (372, 1027): pv. fuidiu (so schon Diez, ARGloss.
§• 53); afranz. fuiiiz.
fiiloiis (161): noch in modemer Mundart ?\s flo^ flio „troupeau"
Norm., Manche.
Fiunigare (565): ^sjd. fumigare, dSxdinz. fumoier, caX, fumejar,
funder e (330, 84 Conflauerat: funder ai t in unum coiligeraf,
908): K's s. 4057) angefahrtes cat. /ondre bessere in f andrer. —
Nicht mehr verstandenes Fusi 405.
Fiirari (623): auch dSi^jiz, furer belegt
forbiis (s. Bess. 59: 262 Fun lairo l furhus a furbtendo): zur
Sinnesentsprechung von furhus „Schelm, Spitzbube".* furhire <
furhjan „blank reiben" vergleicht Diez, Et W. 144 fripon: friper,
sp. limpiar „putzen" und „entwenden", Littr6, der auch ein burgund.
Patoiswort forh nachweist, polisson: polir,
gaforium (607, 875): Diez, ARGloss. S. 32 nennt das Wort
noch „ein rein deutsches, keiner romanischen Zunge bekanntes",
doch lebt es, identisch mit ahd. ga/ori, gafuori^ mhd. gevüere
„Nutzen, Vorteil", afranz. als ja/uer „bonne chere, vie d^licieuse",
wozu s. Rom. XXI, 293.
garba (203, 816): germanisches Lehnwort entsprechend ahd.
garha.
Gehenna (935): die hier bekundete Unvolkstümlichkeit des
Wortes ist ein Beweis gegen Diez' Ansicht (Et W. 595, von K 4196
wiederholt) gehenna > ^kawz. gehene > nfranz. ^/>/^ ; ansprechender
leitet das Dict. G6n. afranz. gehine {gehene) gehie „Folter zur Er-
zwingung eines Geständnisses" von gehir = germanisch jehan ab.
gelata (811, dieselbe Gl. 334) „Reif": it gelaia; für afranz.
geke, jcdee gibt Godf. nur „Frost", obwohl mehreren seiner Beispiele
sicher die Bedeutung „Reif" zukommt, cf. noch nfranz. gelie blanche
„Reif"; pv. gelada, gilada, cat gelada^ sp. helada^ pg. gehdo
„Reif".
generare (497, 1O4 Parieti -bitt 928, 27^ Gignuntur: gene-
runtur^ 334 Paries: -bis, 34^ Proletarii\ filios "ntes): K. Nachtr.
4216 a: aiianz. gendrer füge hinzu it generare , pg.gerar. Die von
Diez, ARGloss. S. 58 noch gegebenen asp. generar, pv. generar sind
nur Latinismen.
gerlosa (839): Diez, ARGloss. S. 34 vermutet hinter gerlosa
^^. garlocha „Speer und Widerhaken", indem er bemerkt „ähnlich
bedeutet arundo^ (d. h. unser Lemma) „auch eine Angelrute". —
37
Näher würde vielleicht liegen gerlosa = ^grallosa zu lat. graliae
„Stelzen", also „Stäbe" zu stellen.
granatus (305) in mala granata „Granatapfel": it. la granaia,
sp. la granaday afranz. erbwortlich pommes gran{n)ees neben fremdem
grenadty grenate etc., wovon sich nfranz. la grenade durchsetzt
grauitas (233 Difficultas: — ) afranz. ^n>/<?/
Gyrouagus (937): diese unlat Zusammensetzung weist zuerst
die Benediktinerregel auf, s. Thomas, Rom. XXIV, S. 1 19. it, giravago.
haribergum (874): die ältere afranz. Bedeutung dieses ger-
manischen Lehnwortes „Heerlager" entspricht durchaus dem Lemma
unserer Glosse.
hatire (102 1): germanisches Lehnwort entsprechend goUhaljan,
hauis (302, 1158): müfste sich, nach Lautl. § 19 a durchaus
möglich» hinter hauos, hauus der Hs. verbergen, wenn die von
Marchot R. F. XII S. 644 ohne diesen Vorbehalt ausgesprochene
und damit lautlich unmögliche Identität unseres Wortes mit wallon.
hi „tire-fient", pikard. ä/ „esp6ce de fourche ä dents recourbees"
vorliegen sollte, welche Vermutung sehr anspricht. Der Stamm des
Wortes ist derselbe wie in franz. haveau, havet, Havels über deren
Herkunft s. § 85 , Anm. 3. Zum Vorkommen des Wortess. Wort-
verbreitung.
haunta (960 Juiut tes bessere in kauntes nach Bess. 63): ger-
manisches Lehnwort entsprechend afränk. *haumpa.
helmus (930): germanisches Lehnwort entsprechend got,Mms,
heribergtun s. u. haribergum.
hosa (424): germanisches Lehnwort entsprechend ahd. hosa.
hrata (734, 917): „Honigscheibe": mit romanischem Anlaut-
wandel zu /r-, der den ältesten germanischen Lehnworten eigen
(s. Germ. Lautl. § 79), entspricht dies Wort wie ndfränk. räla (ndl.
raal) „Honigscheibe", mhd. rdze (nhd. I^o/s) „Honigwabe" einem
Typus germanisch *hräta^ s. Kluge, PauPs Grundr. d. germ. Phil.
2. Aufl. I S. 375. — Das nur franz. vorkommende Lehnwort, afranz.
ree, nfranz. rate (de miel), kann kein Wort der ältesten Aufnahme-
schicht sein, da es als solches, genau entsprechend der Form
unseres Denkmals, durchaus y>- im Anlaut zeigen müfste; in seiner
ältesten Entlehnung, die unser Text bezeugt, scheint es also keine
Verbreitung gefunden zu haben.
hrunkjatura (1069) „Runzel": mit romanischem Anlautwandel
(s. u. hrata) auftretend, ist das Wort der älteste Beleg für franz.
fronceure, frongurey cdX, frunsidura (sard, /runztdura) ^ Ableitungen
von fTSLXXZ./ronce (sSiTd. /runza)^ woneben die Verben a&oxiz, /roncir
{nhanz. /roncer), pw,/ronzir, csit. /runsz'r, asp./ronctr (nsp, /runct'r),
pg, franztr „runzeln, fälteln" (s3id» /runztre). Das Vorkommen der
Worte auch im Sard. läfst zunächst an lat. Ursprung der Sippe
denken, doch müssen gegen Diez' Ableitung von frontem (Et. W.
S. 149) entschieden Bedenken geltend gemacht werden. Denn die
altromanischen Formen weisen sämtlich auf ein -ir<?-Verbum von
der Form frünts-ire^ die aus ^/ronfio^ */roni'ire ebensowenig ent-
38
standen sein kann wie man etwa aus menfto^ meniire ein *mentsire
erwarten würde. Zur Erklärung des ts müfste man also eine
Mischung von *froni^ire und *front'iare annehmen. Da nun jedoch
die Vertreter der Sippe im Sard. nicht gemeinsard., sondern nur
mer. auftreten, also eine Auffassung als Lehnwort gestatten, so
steht nichts im Wege, mit Kluge (Pauls Grdr. d. germ. Phil. 2. Aufl.
If S. 333) die Sippe aus germanisch *hrunkjan (s. ano. hrukka, mhd.
runke „Runzel" Kluge, Et. W. s. v. Runzel) herzuleiten, das tadellos
einen vlglat Typus "^fruntsire liefert; franz. fronet etc. sind zu-
gehörige Verbalsubstantiva, fruncetura unseres Textes der älteste
Beleg der gemeinromanischen Weiterbildung davon auf '{a)tura,
husa s.u. hosa,
ültuninare (956): afranz. enluminer, pv. elluminar,
impingere (955): afranz. empeindre „stofsen, werfen, stürzen,
prallen".
inbreuiare (356) „ausheben" (?) ist lat. wie rom. gleichmäfsig
unbekannt.
inoantator (20^ Anolosi ^es eo quod circa aras auguriahant)\
pv. encantaire, encaniador, afranz. enchantere, enchanieor, nfranz. eti'
chanteur auch adj. „entzückend".
incastrare (1067) „einrammen" s. u. Retia,
inoensarium (i 126): it. incensiere^ afranz. encensür^ (nfranz. 'oir),
pv. essessier, cat. encenser^ sp. pg. incensario.
inolinare (283 Inflectit', -/, 284 Incumbti: -/, 334 Procltuusi
'ius)', afranz. encltner.
inoludere (331 Obstruaturx -ant): afranz. nur *inclaudere >
(/) enclore „(s*) engager"; sp. pg. incluir.
inoontra (37, 50, 103): sard. it. /«fö»/rj, ps, encontra^ afranz.
encontrcy asp. encontra.
inoontrare (10 13): sard. it. incontrare^ afronz, enconfrer, pv. cat
sp. pg. enconirar.
inorementare (840): die unlat. Bildung kennt nur das It.
inorescere (343): ^y. encretsser.
Inoubare (284 -/: supercubaret): afranz. encouver nur transit
„bespringen, decken" belegt.
ingannare (969): wohl der älteste Beleg dieses gemeinroma-
nischen Wortes unbekannter Provenienz, s. auch u. degannare.
ingeniosus (197, 8^ Dociltsi non qüod stt doctus quia doceri
potest, est enim — et ad docentum aptus i docibilis gut bene dicere i
intellegere potest ^ 823, 2O4): afranz. engignos.
inhortari (334 Persuadunt: inortant): nur ^hanz. enorter.
Iniungere (284 -ctum: cummendatum) „anempfehlen, einschärfen":
afranz., nie in dieser Bedeutung, enjoindre, während sie it. ingiungere,
pv. enjonher^ nfranz. enjoindre gewöhnlich ist
inodiare (11 22): ein anderer lat Beleg des gemeinromanischen
Wortes findet sich Cod. Lugd. Exod. 5,21 (s. AlLex. III S. 254).
Instruere (749): sard. it. istruire, pv. afiranz. estruire sind ent-
gegen K 5049) sämtlich erbwortlich.
39
Ihsiirgere (291 -unix rekuant)\ it. ensorgire^ ^v.essorger^ afranz.
essordre.
intaliare (301): it. intagliare^ pv. enialhar, afraDz. entaillür,
interalia (i 155): das nach Diez, ARGloss. S. 24 „unlateinische^,
nach Cohn, Suffixwandel S. 163, S. 241, durch Suffixtausch aus
interanea entstandene Wort findet sich nur auf gallischem Boden
in fi-anz. eniraiUes^ pv. intralias^ entralhas wieder. Daneben kentit
unser Text jedoch auch, afranz. entraigne entsprechend, das gemein-
romanische interanea (250, 312). — Auch Rz kennt intralia (s. Diez,
ARGloss. S. 24).
interanea s. u. interalia,
inuenire (211,64 Repertum: ^ium, 22<i Cönperta: cogntta, -A2):
Diez ARGloss. S. 55 erinnert an das Auftreten des Verb im Pv.:
Passion (44. Str.) ne fut trovez ne envengut,
irasci (175, 287): ^y.iraisser.
iuxtare (3I1 Matrimonium\ iuxtandi conuentio et condicio ge-
bessert aus iuxta etc. s. Bess. 71) „zusammenkommen, sich ver-
einigen'^: afranz. mehrfach belegt intransit/e^^/^r „zusammenkommen^
„sich vereinigen 'S wozu sich aus heutigen Mundarten stellt jouter
„toucher, etre attenant i" (Bessin, Orleanais, Berry, Suisse romande).
Die Bedeutung der copula carnalis läfst sich nachweisen für das
Kompositum adiuxtare > afranz. ajoster^ pv. ajosiar „copuler char-
nellement, accoupler, unir".
kupphja s. u. cuffia.
Labrum (317 Lahium: concd) „Wanne": Vercellone sagt zur
zugehörigen Bibelstelle £xod. 30, 18: y,Codices enim et vett. edd. heic
legehant lahium^. Über die häufige Verwechselung von lahium und
labrum s. Vercellone Bd. I, 8. 278, Spalte 2 oben.
laoiniaria (3O2 Lacinium: laniare) „Riemen": afranz. lasniere
nach § 5 1 i?-
lanlaria s. u. laciniaria,
lattula (-um?) [Tela\ sagitta . lacuia . arma 152) „kleines Wurf-
geschofs": das Wort, zu dessen lautlichem Bestände man s. Lautl.
§24, stellt eine Diminutivbildung dar zu germanisch latta (^<&,l<£ttay
ahd. unerklärterweise (s. Kluge Et. W. s. v., auch lattci) „Latte",
als Lehnwort noch im nfranz. latte Subst. für „Kürassierpallasch,
Studentenhieber" bei Sachs, welchen Bedeutungen noch „Lanze der
Dragoner" hinzuzufügen ist. Die noch nfranz. erkennbare Ver-
wendung des Wortes zur Bezeichnung einer Hieb- und auch einer
Stichwaffe findet eine Parallele in afranz. glavve^ das schon in
unserm Denkmal in beiden Bedeutungen bezeugt ist: s. 904 =
Framea, 342 Pugionem: gladius gegenüber 422 = Ensis,
Dagegen scheint mir das Wort lattula in ursprünglich pluraler
Auffassung, etwa einem deutschen „Gestänge" entsprechend, vor-
zuliegen in sp. lancha „cierto armadijo formado de varios palillos
(sie!) y una piedra que se usa para la caza de perdices; 1. bom-
bardera, caüonera ü obusera: la que se construye i proposito para
llevar mortero, cailon & obus montado con el objeto de batir de
40
cerca las escuadras 6 las fortalezas de tierra.^ — Zur lautlichen
Entwicklung cf. macula >> tnancha.
lectaria (986) (zur Form hciarium des Textes s. Formenl.
§95, Anm. — S. — ) „Bettdecke": diese Bedeutung kann, neben
der gmromanischen „Sänfte", „Lager", „Streu", auch it. leitiera
(= „strapunto") haben; ebenso auch afranz. litiere „ce qui gamit
un lit". — Cat. llttera.
Genau die Bedeutung in unserer Glosse, zu der man noch
Wortbestand s. v. tusca^ dem als gleichbedeutenden Interpretament
gegebenen Worte, vergleiche, weist auch die Lex Sal. auf (s. Gaul
.S. 38 „Bettdecke"), während Rz 124 Stratoria', — noch die all-
gemeinere Bedeutung des „zum Bette Gehörigen" festhält.
leporiscellus (982): Diez, ARGloss. S. 39 == „sp. liebrecillo".
ligna (statt lat lignum nach Formenl. § 95 : 333, 1O4 Securisi
unde — ceditur) „Holz". K's Femininformen s. 5587) ist zuzufügen
it. legna, die modernen mundartlichen Formen in den Ardennen
und Mons bei Meyer-L. II, § 54, und endlich Rouchi Jeigne^^
Allier, Vichy Jigne^,
limitaris (980) „Schwelle": it. limiiare. — Auch die Lex Sal.
kennt das Wort als Subst. j^super illo limitare stare'^ (Gaul S. 44).
linea (1031) „linnenes Gewand".
lisoa (233) „Binse, Riedgras": germanisches Lehnwort ent-
sprechend anfränk. *liska > afranz. lesche,
litigare (20^ Altercantes\ -ntes)', iL leticare^ cat. sp. lidiar^ pg.
lidar, — Dagegen 142 Lrhant', contendehant.
Lixatus (: luxoriosus 3O2) scheint mir einen Sinn nur zu ergeben
als „ausgelaugt", „ausgebrüht", „ohne Saft und Kraft", „ohne Mark".
— Denkbar wäre allenfalls auch Zusammenhang oder begriffliche
Mischung mit einem Stamme Itx = caper (so Papias); cf. franz.
chaud comme un bouc, dtsch. „bocken" = futuere.
Longobardia (366).
lutare (3O2 Litutn: lotatum . uunctum] s. Bess. 70.: afranz. ioer
„beschmutzen".
lutum (122 Figuli: qui de -0 uasa fingunt^ 181 In limo: in
'Ol 22^ Cenutn: — ): pv. lot „Lehm", afranz. lot Roquef. Die
Lex Bui]gund. kennt als Todesstrafe des „im Schlamme Ertränkens"
necare in luto (Diez, ARGloss. S. 56).
maculare erscheint im Text in drei deutlich zu scheidenden
Bedeutungen:
1. 262 Fuscaret: -/ „trüben, schwärzen", aus der latei-
nischen „besudeln" leicht zu entwickeln.
2. 144 Uiolauit: -uit , contaminauit^ 192 Constuprauerunt:
coffi'Uerunt, 283 Inuiolatam: in-tam „notzüchtigen", eine lat. häufige
(doch meist mit beigesetztem stuprof), mlat. die gewöhnlichste
Bedeutung, s. Duc. „stupro polluere, cucurbitare" ; auch in andern
zeitgenössischen Denkmälern so, s. Mon. Germ. Leg. IP Index
commaculare = „fomicare".
3. 243 Etursäm (entsprechend lat. extortam): 'tarn, „aus-
41
drehen, verrenken", auch mlat. (Duc. «= vulnerando deformare,
vulnerare") zu belegen.
Romanische Spuren eines Fortlebens der ersten und zweiten
Bedeutung vermag ich nicht aufzuzeigen. Die dritte könnte sich
erhalten haben in mundartlichem französischen mailler „tordre, froisser,
fausser, marteler" (Suisse), das jedoch auch eine lautliche Deutung
<; *malleare zu malle-olus „Hammer" zulassen würde. Für die
letztere Herleitung scheint zu sprechen, dafs afranz. maillier nur
heifst: „mit einem Hammer oder einer Keule schlagen, zerschlagen".
Eine Entscheidung über das in afranz. maillier^ nfranz. mailler vor-
liegende lat. Grundwort läfst sich auf Grund der andern romanischen
Sprachen herbeiführen, in denen nicht wie im Franz. ein lautlicher
Zusammenfall der Stämme maculare und *malleare eintritt. Zunächst
ergibt sich, dafs sich beide Verben nebeneinander erbwortlich ent-
wickelt haben. So erscheint
maculare in it. macchiare „befleqken", cat. manxar „daflar,
corromper, echar i perder", sp. manchar „beflecken" (betreffs
des cat. sp. Einschubs von n in diesem Worte s. Gröber, AlLex*
III, S. 520; VI, S. 392; doch wäre auch eine rein lautliche
Deutung möglich), pg. machiar „fazer-se a planta esteril".
^malleare in it. magliare „hämmern", cat. sp. major „macha-
car con repetidos golpes" (pg. mallear „bater com martello").
Die pg. Bedeutung von maculare setzt offenbar eine jfrühere
Entwicklungsstufe „entmannen", also „verstümmeln", voraus, die
zusammen mit der allgemeineren des cat., „beschädigen, verderben,
zu Grunde richten" uns berechtigt, in der von unserer Glosse ge-
forderten Bedeutung „verrenken" nur eine Abtönung der altroma-
nischen von maculare „übel zurichten" zu sehen, wohingegen afranz.
nfranz. maill(i)er der Bedeutung wegen eine Kreuzung der Stamme
maculare und *malleare, zu mindestens aber eine begriöliche Ein-
mischung von ^malleare, unbedingt voraussetzen.
malleare s. u. maculare.
manaoes s. minaciae,
manatiat s. u. minaciae.
maritalis (733): it. maritale^ afranz. marial (y^RCo), sp. maridah
mastuB (713): germanisches Lehnwort entsprechend ano.
mastr.
mat[t]io, onis (460, 878) "Maurer": germanisches Lehnwort
identisch mit ahd. {stein)mezzo, s. Pauls Gdr. d. german. Phil. 2. Aufl.
I, S. 333.
meretiix (5^ Pelicatum: 'Cem^ 383 Letw: magister meretrico
(s. Bess. 81.): afranz. meltriZy miauiriz.
xninaoiae (997): als zu ahd. mandn gehörig betrachtet manaces^
manatiat unseres Textes, Kögel, Gesch. d. d. Litt. I, 2 S. 425.
xninaciare (131): ältester Beleg des gemeinromanischen Verbs
„drohen" (K. 6175) s. u. minaciae,
miliare (131): infolge der gemeinromanischen Bedeutungs-
entwicklung von „drohen" zu „leiten, führen" wird Minari nicht
42
mehr verstanden, wofür als direktes Zeugnis die falsche Aufl^tssung
von comtninattin 123 Comminatus est: simui amhtdauü „führte", ^be-
gleitete", „ging mit" dienen kann. Zu minare „fähren" s. auch
Rz. 158 Abtgebat: inde minahat = emmenait\ Lex Sal. Gaul S. 29.
minutatim (182 Concidam: minuiaiim incidani).
molus (1121) „Maulwurf": entlehnt aus einem germanischen
Worte, „das mit engl, mole „Maulwurf" als Kurzform zu einem
Kompositum wie ahd. moUwerf zu fassen ist" (Kluge, Pauls Gdr.
2. Aufl. I, S. 332); s. ndl. westf. fries. moL — Ober die Möglichkeit,
in muH unseres Textes einen Typus mülus zu erkennen, wie dies
die von Diez, ARGIoss. S. 5 1 vermutete Zugehörigkeit zum Stamme
von nfiranz. mulot „grofse Feldmaus" erfordern wurde, s. Germ.
Lautl. § 76.
miiliis s. molus.
xnuscio, onis (1057, s. Bess. 76) „kleiner Vogel, Sperling":
s. Marchot, RF XII, S. 647. Mundart von Malmedy moydy Weismes
mo)(fiy Zum erbwortlichen Fortleben s. auch Tafel moineau des A. L.
Auf deutschem Boden lebt das Wort im rhein. Platt als md$
m
„Sperling"
musco s. Bess. 76.
nastilus (700) „Nestel": Diez ARGIoss. S. 35 leitet nasculis
unseres Textes „vom deutschen Nestel" ab. Demgegenüber gibt
^* 6457) ^^ Etymon der zugehörigen romanischen Sippe ein lat.
y,na5tulusy 'um m. (Demin. zu nassd)'^y 6523) ein *nasiuluSy wie sich
denn das Wort im guten Latein in der Tat nicht belegen läfst. —
Für lat. Ursprung des Wortes hat sich K. oflfenbar wegen rum.
nastur „Knoten" etc. entschieden, denn ein lat. Typus *nastulus
völUg gerecht würde; da sich jedoch das intervokale r des Rum.
auch in it. nastro „Band" wiederfindet, so kann rum. nastur aus
it. nastro entlehnt sein, während das Umgekehrte ausgeschlossen
ist. Ein erbwortliches *nastulus mufste aber it ein "^naschio ergeben
(cf. vetulus > vecchio, masculus >• maschio), während unser Wort it
nastro (comask. nastola lautet, d. h. der Stamm kann im it. erst
Eingang gefunden haben nach Abschlufs der Lautwandel // > kl
und kl > ki. Damit ist die von Diez behauptete Abstammung vom
germ., d. h. got. *nastila > ahd. nestilo, aufser Frage gestellt.
Negotdum (274, 428, 489, 10 10): nur sard. negüsciu, mit
Umlaut durch das zwischentonige i, wie it. paüra > *pavorta.
Nudare (629): afranz. nuer vorwiegend = „berauben".
odium (813): für das hodio habui der Glosse führt Diez, AR-
GIoss. S. 66, ein pv. lo munt a ceuz en odi an, wozu man noch it.
avere in uggia fügen könnte.
Offendere (502, 10 12): die konkrete Bedeutung war ent-
sprechend dem romanischen Sprachgebrauch (sard. offendiri etc.,
it. oßendere, afranz. pv. ofendre, cat ofendrer, sp. of ender ^ pg. offender)
dem Glossator bereits abhanden gekommen.
offendiculum (193 Scandalum: — ): das sonst unbelegte Wort
kennt auch Greg. Tur., s. Bonnet S. 458.
'4*3
papparo (335) „Kropfs : dies lat. und romanisch nirgends zu
belegende Wort stellt offenbar dar eine suffixale Weiterbildung des
Stammes *pappus (Etymologie siehe weiter unten) „Kropf", der fort-
lebt in cat. pap „part camosa entre la barba y coli dell animal.
se diu particularment lo dels aucells, que es com una bosseta ahont
depositan lo menjar", sp. papo „parte camosa del animal, entre
la barba y el cuello; usase particularmente . . . hablando de las
aves, las cuales tienen una especie de bolsita donde depositan la
comida intes de que pasa al buche", pv. scheint das Wort er-
halten im heutigen Fapa-blu „gorge-bleu" „Blaukehlchen".
Ableitungen von diesem Stamme liegen vor in
1. sp. papada „la carne que crece formando pliegues de-
bajo de la barba" pg. papada „carne grossa na garganta, bar-
belha".
2. venez. veron. papoia „gota camosa".
3. cat. papuU sp. pg. papudo „mit grofsem Kropf" (pg. nur
„fallando das aves"). ^
Der Ursprung des bisher (s. Parodi, Rom. XVII. S. 71) un-
beachtet gebliebenen Grundwortes *pappu5 dieser Sippe scheint mir
in den lat. Ausdrücken der Kindersprache pop{f)(i „Speise", pap'
{p)are „essen" zu wurzeln, von denen der letztere gemeinromanisch
zur Bezeichnung des Essens in allen möglichen Abtönungen dient:
sard. papat etc. „essen", mm. papa „essen", it. pappare „mangiare
abusivamente", npv. papa „manger avec app6tit, gloutonnement"
(bes. Kindersprache I), afranz. paper „mächer, avaler, engloutir;
manger sans appetit„, cat papar „menjar cosas tovas que non
necessitan mastegarse", sp. papar „comer sin mascar" (bes. Kinder-
sprache I), pg. papar „comer, manducar". Bildete man nun zu
diesem Verb ein Verbalsubstantiv vom Typus *pappus, das als
spezifisches Wort der Kindersprache vorwiegend eine breiartige
Speise (s. paparium „Speisebrei" Georges) bezeichnen mochte, so
mochte dieser Ausdruck leicht auf einen etwas schwammigen
Körperteil, wie die Partie zwischen Kinn und Hals, in derselben
Weise übertragen werden, wie dies in dtsch. Mundarten mit dem
Ausdruck „Wassersuppe" geschehen ist, der z. B. im Thüringer
Volksmunde das schriftsprachliche „Doppelkinn" ersetzt Gefördert
werden konnte diese Sinnesübertragung leicht durch eine begrift-
liche Einmischung von papula „Blatter, Bläschen", die *pappus den
Nebensinn des Geschwollenen, Aufgedunsenen verleihen konnte,
• s. venez. papoto „fett".
Das von Diez, ARGloss. S* 25 angeführte papache „gosier"
(Roquef.) dürfte sich demnach am leichtesten als pappiu mit der
der Kindersprache eigenen Reduplikation erklären.
In einer nicht völlig durchsichtigen Zusammenstellung lebt unser
Wort in it pappagorgia „pinguedine sotto il mento".
Farrus (342 — : corium siue hritioni) „dicker Stoff", " Flicken "(?):
falls nicht (s. Bess. 74 ) Korruption aus pittacium vorliegt, könnte das
Wort wohl zu c2X,parrach „padäs, pellingot == „Flicken, aufgesetztes
44
Stock'' zn stellen sein. Dieses wiederum dörfte dann wohl m dem
dmikeln Stamme parr^ gehören, als dessen ältesten Vertreter Batst,
Revue hispaniqne U, S. 205 sp. parra ^ Spalier^, pv. parran „ein-
gefriedigtes Gartenland^ betrachtet, und der seit dem 4. Jahrhundert
im Westgermanischen in Lehnworten vom Typns parraky parrik
^abgegrenzter Ranm'^ (s. KInge, Et W. s. v. Pferch) auftritt
Passer (1057): afrar>z. passe, pesse, paisire. Das Wort ist von
hohem Interesse deshalb, weil es noch heute in den verschiedensten
mundartlichen Formen (s. God£ s. v.) in Frankreich weitverbreitet
ist (Beauce, Perche, Orleanais, Anjou, Suisse romande, Ardennes).
permanere (244 Eierna: -sura, Existunt: -nt t sunt): afranz.
parmatndre, cat permaniixer, sp. pg. permanecer.
perportare (i4| Peribet: -/, 34^ Pertbere: — ): zum Vorkommen
des unromanischen Wortes im Lat der Zeit „in unklarer Bedeutung^
8. Diez, ARGloss. S. 35. Duc: „guerpire, rem possessam dimittere".
persos (289): afranz. pv. pers „dunkelblau^.
pessimiis (29^ Iniusti^ pessimi): it pessimo, afranz. pestnes
„wild, schlimm, böse^.
Pignus (285, 1047): sard. ptgnu, cat penyora (f).
piimaculuni (444): K. 7171) gibt als einziges erbwortliches
Fortleben it pennachio nach Diez, Et. W. 241, dem das Fortleben
unseres Wortes im cat, sp. und pg. offenbar entgangen ist Wie
facula > hachüy macula > ma{n)cha, so wird sp. pinnaculum >/tf-
nacho (s. zur Entwicklung von -äcul" im sp. je nach dem Dialekt
> 'dch' oder > -4/" Gröber, AlLex. III, S. 520) „Federschmuck auf
dem Kopfe (des Vogels)" „Helmbusch", „Stolz", wovon die mittlere
Bedeutung gleichzeitig die einzige von it pennachio bildet Cat
pandatxo „Federbusch", „Wimpel", pg. pennacho „Federbusch",
„Stolz" stimmen genau zum sp.
Das Französische hat zur Bezeichnung des Helmbusches sein
panache dem sp. penacho entlehnt Doch ist der Stamm pinnaculum,
wie dies auch aus unserer Glosse hervorgeht, auch auf franz. Boden
heimisch gewesen. Als Beweis dafür kann dienen die Ableitung
dipenailler << *depinnaculare, dessen ältester Beleg bei Littr6 noch
deutlich den ursprünglichen Sinn „des Federschmucks berauben"
erkennen läfst; y^leur grands panaches blans et noirs . . . depenailles de
coups^. Bei passivem Gebrauch konnte das Wort daher leicht die
Bedeutung „gerupft werden", „verlumpt aussehen". Erst nach
Erreichung dieser Entwicklungsstufe sind wohl gebildet die Ab-
leitungen ^^««///d?« „Haderlump", „Mönch" und^^«a///i? „Geschmeifs".
Fittaoiiim (1049): s. Bess. 74.
planare (5): it, pianare^ dStdmz. plener^ planer „glätten, hobeln".
Auch bei Greg. Tun, s. Bonnet S. 473.
planotus (81, 554, 3O2 Lucius: — ): sard. pranto^ it pianto,
afranz. plaint, pv, planch, cat. plant, sp. llanto, pg. chanto.
plorabilis (26^ Fiebile: -e): ironz, ploravle, pleurable, CRt plorable,
sp. llorable.
portatrix (416): it portairice\ auf franz. Boden tritt frühe
45
Tausch des Suffixes mit dem ursprünglich makedonischeD, aus dem
Griechischen übernommenen -issa ein, so schon afranz: Bible Richel.
899, P 137^* y^Noemi recut Venfani et le misi en son sain^ et en fu
norrice et porteresse"' y und noch heute mundartlich /öw/rßjj^ „porteuse"
(La Bresse, Vosges). — Zum eingetretenen Suffixtausch s. amairicetn
> friaul. madresse^ servitricem > altit. servirissa etc.
Fotare (7531 334 — : hihere^ -bitur: bibttur): sard. pudare, it.
potare.
Potator (563): sdjd. pudadore^ ii. Potatore,
praestator (802): iL prestatore^ 'py, prestaire^ 'udor afranz. /r^J-
tere^ ^eor > priteur, cat. sp. pg. prestador.
praestitus (283) „geliehen": romanisch fort lebt nicht das
Adjektiv als solches, sondern nur praestitum (sc. aes^ cf. lat. {aes)
alienum^ mutuum) als Subst. >• it prestito, afranz. prest > nfranz. prit,
s^.pristido „Darlehen". Als Femininbildung stellt sich dazu praestita
(sc. pecum'a, summa) > it pristita. Auf ein vlglat. *impraestttum
weisen it impristito, apg. empristido „Darlehen", wozu auch cat.
sp. pg. empristito in gleicher Bedeutung, aber nicht rein erbwort-
lichen Charakters, gehören.
Nicht dasselbe Wort wie afranz. prest > nfranz. prit „Darlehen"
scheint mir afranz. prest > nfranz. prit „Löhnung des Soldaten".
Wohl identisch mit cat. pre^ sp. prest^ pre^ pg. pre „Löhnung des
Soldaten" (auch mit apv. prest in der Stelle „iVi* alber gada, ni do,
ni prest"' y die Rayn. IV, S. 638 wohl irrtümlich mit „sorte d*exaction"
übersetzt?), dürfte dies prest zurückgehen auf ein vielleicht dem
sermo castrensis angehöriges *praestum, das sich als substantivisch
gebrauchtes (sc. aes?) Adjektiv zu dem im guten Latein nur als
Adverb auftretenden praesto „gegenwärtig, zur Hand" darstellen
würde im Sinne von „das Gegenwärtige", „in Bar in die Hand
Gegebene" im Gegensatz zu dem gedienten Soldaten in Aussicht
stehenden Landbesitz, d. h. „die Löhnung". Für das Alter dieser
Bildung scheint mir schwer ins Gewicht zu fallen der Umstand,
dafs nur sie die gut lat. Bedeutung des Stamm praest^, nämlich
des „Gebens", „Gewährens" bewahrt im Gegensatz zu der gemein-
romanischen Entwicklung von „geben" > „leihweise überlassen",
„leihen".
Nicht auf dieses *praestum geht zurück it. presto, wie schon
die Bedeutung „Darlehen" sichert; es ist dies vielmehr das ^ynr
kopierte (dialektisch und vulgär noch heute übliche partic. presto
> prestatOy woneben it presta „Darlehen" steht wie oben pristita
neben prhttto. Dagegen können y^. prest, presta, altcat prest „Dar-
lehen" durchaus auf praestitum zurückgehen.
praeuenire 34^ Preocupatus: preuentus . cess) : sa. pervinnere,
it. prevenire, cat. sp. pg. prevenir,
prinoipatus (83 ... principatum unde fuit tob, s. Bess. 23):
afranz. prmcez „Herrschaft, Fürstenstand, Fürstentum", in seiner
lautlich korrekten Enrwicklung zu ^princevez offenbar durch principe
^ prince beeinilufst; it principato „Fürstenstand, Macht".
46
probamenttun (207): pv. provameui, afranz. provemeni^ sp.
probamiento.
profectUB, ÜB (1161): K. 7454) setzt %^,provecho = *provectu5
an, wogegen zu erinnern ist, dafs provectus^ üs „Förderung, Wachs-
tum, Gedeihen, Emporkommen", welche Bedeutungen provecho noch
heute neben „Vorteil" hat, lat. gut belegt ist It prcweccioy erst
seit Buonarotti dem Jüngern zu belegen, darf wegen des "V- sowohl
als auch ganz besonders wegen der Behandlung der Gruppe 'Ct-
> ch als spanisches Lehnwort aus der Zeit des spanischen Besitzes
in Italien angesprochen werden. Auch das v in npg. proveito
gegenüber apg. profeito dürfte wohl dem Einflufs von sp. provecho
verdankt werden.
profundum (134 Cahosi constitutio i — ) „Tiefe": die gleiche
Substantivierung bei Greg. Tur. s. Bonnet S. 459.
profundus (673, 183 Lacum: fossam 'am): afranz. parfont,
demgegenüber nfranz. profond Latinismus.
proportare (99 = 341, 342 Prouectus: -tus): nur franz. por*
porter „tragen, halten, darreichen", noch heute mundartlich se pour-
porter „se comporter, s'etendre" (Norm.).
pugnare (380, 781): Diez, ARGloss. S. 65 zitiert pv. ponhar^
afranz. poignier „sich anstrengen, sich mühen".
purgamentum (224 Scoire: — ferri { ali'cmus metaih) s. Bess.
56) „Auswurf, Schlacke" : so afranz. purgement,
pyxid-iola (478 als bustiola) „Büchschen", Diminutiv zu franz.
boiste,
quacoula (266, 801, 877) „Wachtel": das gemeinromanisch
verbreitete Wort, zu dessen Fortleben K. 5344) cat guatlla zu er-
gänzen ist, ist zweifellos germanischen Ursprungs und gehört zu
ndL kwakkel^ womit ahd. quahtela, wahtala^ ae. wyhtel verwandt
scheinen, die ihrerseits nach Kluge, Et. W. erst „durch mehrfache
Umbildung zu diesem Aussehen gekommen" sind. Das Verhältnis
der germanischen Formen untereinander wird meiner Meinung nach
klar durch die Feststellung einer indogermanischen Wurzelverwandt-
schaft mit dem gleichbedeutenden lat. coturnix^ als dessen Urform
Havet, Mem. de la soci6t6 de ling. VI, S. 234fF., quocturnix im
Quadratus des Lucrez nachweist Stowasser, AlLex. VI, S. 563,
scheidet von diesem Worte ein Compositionsglied -umix ab, das
er in spinturnix und cornix (= ^cora-ornix) wiederfindet und mit
dorisch ^OQVL^ identifiziert Der zurückbleibende Bestandteil qudct"
nun scheint mir die indogermanische Entsprechung der germanischen
Formen darzustellen, die sich dann folgendermafsen erklären:
In der germanisch genau korrespondierenden Stammsilbe ^hwaht'^
von der unsere Formen mittelst /- Suffixes abgeleitet sind, folgte
derselbe spirantische Laut h zweimal kurz hintereinander. Die nach
allgemeinen lautphysiologischen Grundsätzen wahrscheinliche Dissi-
milation konnte nun verschiedene Wege einschlagen: es konnte
entweder das anlautende, allmählich ohnehin schwächer artikulierte
h fallen (ahd. wahtala^ ae. wyhtel)^ oder aber das inlautende h
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assimilierte sich dem folgenden / zu //, wobei die entstehende
Konsonantengruppe -///-, ähnlich wie vlglat. // > ^/, (über *-/^/-?)
in "kkl" überging. In ndl. kwakkely mlat. quaccula und der davon
stammenden Sippe scheint sodann das anlautende h dem innlautenden
kk assimiliert zu sein.
Dafs auch der ndl. Form ursprünglich einlautend -/- zukam,
wird meines Erachtens unwiderleglich dargetan durch die ndl. Neben-
form kwartely in der offenbar inlautend h den Wert r annahm,
während das anlautende k wohl dem Einflufs der ndl. Schriftform
zu verdanken ist.
quiwarus s. cocur-.
racemus (544, 858): cat. rahim,
Badiare (362 Radi€ntia:fulgentid): afranz. raiier^ rotier „strahlen,
strömen".
rama (= lat ramus) (352): afranz. raime^ sbst f., in nfranz.
Mundarten vielfach weiterlebend: so in Hennegau y^rime^ (Diez,
Et W. 664), in Morvan (Meyer-L., II, § 54), Aunis, Picardie, Wal-
lonie (Godf. s. v.), wozu ich noch r^m der Mundart von le Tholy
bei Gerardmer (Vosges) füge.
Betreffs des Geschlechtswechsel des Wortes s. Formenl. § 96.
rasorium (418=321): it. rasojoy pv. rasofj franz. rasoir^ s.
Diez, ARGloss. S. 27, nach dem sich das Wort auch bei Alcuin findet.
rata s. hrata.
Batiooinium (363 Ratiotiniis: raciunculus): mlat. häufig =
„ratio", „computus" bei Duc. belegt.
ratiunoulus (363 Ratiotiniis: r(uiunculus)\ das Duc. fremde
Wort findet sich in femin. Form in Calepini Dict, Bäle, 1584:
Ratiuncula: raisonnette,
paus (658, 830, 839, 863): afranz. ros „Rohr, Binse, Halm".
Alteste Belege dieses nach § 85 nicht ostgermanischen Lehnwortes.
reoipere (44 Arula: que carhones subter posita ^ity 74 Effugiuin:
locus qui effugientem 'it): cat. reebre,
redan (853): germ. Lehnwort entsprechend got. redan, ae.
rößdan, ahd. rätauy über dessen Aufnahmeperiode s. § 77.
Brememorari (615), r- (791): afranz. remembrer, pv. cat. asp.
apg. remembrar,
remittere (186, 269, 391, 738): von Belang sind die drei
letzten Belege wegen der ausschliefslich dem afranz. eigenen Be-
deutung von remittere = „schmelzen"; s. auch afranz. reines „Talg,
ausgelassenes Fett".
Pen (773): franz. rein „Niere", Kreuz".
renuita (11 15): s. y^Renuitae, dicti Monachi vagi^ alias Saru'
baitae, quasi renuentes jugum Monasticae disciplinae"" bei Duc.
restaurare (648, 17^ Restituo: -0): it rtstorare, pv. restaurar^
afranz. restgrer durchaus erbwortlich, daher K.*s [ ] s. v. 8019)
zu Unrecht steht.
Bet[i]a (1067, geschrieben Rita nach Lautl. § 65(J) „Um-
friedigung, Hürde": Horning, Zs. XIX, S. 104, führt ein nfranz.
48
mundartliches resse^ reisse „corbeille, panier" (Centre, Haut-Maine),
bei Sachs und Littre resse „grofser Kohlenkorb" und eine Nebenform
rasse^ „deren a in lothringisch - burgundischer Weise aus e ab-
geändert sein mag^S auf lat retta zurück, wobei man zur auffälligen
Behandlung des -/|-, die G. Paris Rom. XXIV S. 3 1 1 beanstandet,
s. Homing, Zs. XVIII S. 239.
Für die Bedeutungsentwicklung nun von „Netz" zu „Korb"
bietet unsere Glosse einen erwünschten Beleg der Durchgangsstufe
„Behältnis (aus durcheinander gesteckten, verflochtenen Stangen?)",
womit maceriüy lat. = „Umfriedigung", also etwa „Hürde", sich
wohl in Einklang bringen läfst; incastraia wäre dann „durch blofses
Einrammen in die Erde hergestellt". — Die von uns angenommene
Bedeutungsentwicklung darf als um so sicherer gelten, als sich
auch die zwischen „Netz" und „Behältnis" liegende Etappe
„Gitter" bezeugen läfst in asp. red „Gitter (hecho con caüas, varas
6 listones entretejidos)", nsp. nur „Gitter im Sprechzimmer eines
Nonnenklosters". S. auch reiiaculum „Gitter" Vlg. exod. 38, 5;
39» 39; jerem. 52, zy^ reiiatus „vergittert" Itala Ez. 41, 16.
retinaculuin (451): afranz. retenail „Zügel", „Band"; pv. nur
übertragen „retenue", „menagement".
reuuardare (1075): it. riguardare^ franz. regarder^ cat. sp. pg.
reguardar, Ältester Beleg des germanischen Lehnwortes in mund-
artlicher Form, s. Germanische Lautl. § 80.
riga (471) „Furche": apg. rega „regra", „Vorschrift", „Regel".
Zum Bedeutungswandel und zur afranz. Bedeutung s. u. rigus.
rigus (513) j7Zug", „Zeile": wie rlga (s. d.) ursprünglich
Verbalsubstantiv zu rlgare „(Wasser)rinnen, Furchen ziehen", daher
Urbedeutung „Furche" > „gezogener Strich", in unserer Glosse
noch „Strich" = „Buchstabe", während im literarischen Afranz.
das Wort {roisy „ordre, mesure, regle") sich bereits weiter zu „(ge-
zogene) Grenze, Mafs" entwickelt hat, z. B. n*est rois ne mesure^
tCa mesure ne rot = „es gibt kein Mafs noch Ziel". Diesem Be-
deutungswandel entspricht es, dafs auch afranz. roü > riga in der
Nebenbedeutung „Grenz; Mafs für Ländereien" belegt ist. S. auch
pg. rega s. v. rJga,
Für die Richtigkeit unser Herleitung scheint zu sprechen die
pg. erhaltene Durchgangsstufe: pg. rego „Furche, Wagenspur".
nuna (466) „Kehle, Gurgel, Schlund (?)": Grandgagnage gibt
ein rume „ecoutille", das mit unserm Worte identisch oder ver-
wandt sein könnte.
nixninare (466): afranz. rumer.
nunor (iii: Opinio: — .fama)\ sard. romori^ it romore, afranz.
remor „bruit, vacarme, tumulte", pv. rimor^ cat remor^ sp. pg.
rumor.
Sagma: soma (348).
Saguxn (298; zu 397 s. Bess. 13.): nur der ursprüngliche
Plural saga war gemeinromanisch volkstümlich; s. K. 8264), CasseU
Glossen 11 1 seia tunica.
49
sapientia (26^ Filosofus: amaior-): afranz. sevance, sp. sahenza^
pg. sabenga,
sapor (il| Euanuerunt: -em perdideruni): franz. savor > saveur,
pv. cat sp. pg. sabor.
Sarabaltae (11 15) „Einsiedler": Duc. belegt Sarahaüat: ren-
ntientes aliorum disciplinam. Auch die Benediktinerregel kennt das
Wort in gleicher Bedeutung (s. Sittl, AlLex. VI, S. 443). S. auch
Wortbest. s. v. renuita,
sarcelltun (847): Diez, ARGloss. S. 39 führt an afranz. np.
sarcel, sp. sarctUo.
sauma s. sagma.
sauras (m) „goldbraun": ältester Beleg dieses it. pv. franz.
(afranz. spr) vorhandenen germanischen Lehnworts.
scabare (826, 893) sieht Kluge, Pauls Grdr. 2. Aufl. I, S. 333,
als germanisches Lehnwort an, das „keine Lautverschiebung, aber
vlglat. Erweichung der Tenuis" aufweise, d. h. er hält das Wort
für identisch mit „schöpfen" = ahd. scepfan^ as. skeppjan, ndl.
scheppen. Die Existenz einer romanischen Sippe vom Typus cavare
bei gleicher Bedeutung (s. Diez, ARGloss. S. 39) entzieht jedoch
Kluges Vermutung den Boden.
soanoio (1044) „Mundschenk" < germanisch skankjo.
scauare s. excauare^ scabare,
Soiniphes (242) „Mücke": Georges gibt als Bedeutung Ameisen-
art, welche die Feigen benagt"; mlat. heifst das Wort jedoch
„Mücke", s. Diez, ARGloss. S. 22, Landgraf, AlLex. IX, S. 426;
Duc. zitiert aus den Gloss. Aelfr.: Sciniphes: gnasL
scrabro s. crabro.
Sculpare (301, 1106), sculpatura (82 s. Bess. 19) „meifseln,
in getriebener Arbeit ausführen" : da die Formen als Nebenformen
oder Ableitungen von sculpere weder lat. noch romanisch bisher zu
belegen waren, in beiden vielmehr nur entweder sculpere oder
sculptare denkbar, da andrerseits das dreimalige Auftreten der Form
jedes Schreibversehen ausschliefst, so kann sich unter dieser Schreibung
nur, genau entsprechend der Lautlehre unseres Textes (s. §§ 20, 33)
ein excol{a)pare {excol{cL)paturd) „aushauen", „ausschneiden", „in
getriebener Arbeit ausführen" verbergen.
Sculpatura s. sculpare,
serrioellus s. u. sarcellum,
Serua (144): unserer Glosse entspricht es, dafs afranz. serve
erst vom 13. Jahrhundert, d. h. als analogische Femininbildung zu
serf erscheint
seruiens (678) „Soldat" = afranz serjanz usw.
signifloare (i2i Fermenium -/ doctrinarn): afranz. senefier.
similis (349, 992): afranz. semble^ samble,
skankjo s. scancio,
sooietas (124 Coniubernia: — , 670): afranz. soiste,
sortiarius (1096) „Zauberkünstler, Hexenmeister": das Femin.
dazu belegt Diez, ARGloss. S. 50, in einem Kapitular Karls des Kahlen.
50
Spandere s. Expandere.
spamiare (1008) „sparen" < germanisch *sparanjan. Zur
Bedeutung des Wortes für die Frage der Lokalisierung s. § 75.
spitus (475) „(Brat)spiefs": einen andern Beleg dieses gemein-
romanisch verbreiteten Lehnwortes < germanisch *spiiuz gibt Kluge,
s. Bess. iS,
splendere (402): it. spUndere^ afranz. esplandir^ asp. pg. es^
plender „poetico".
Stare facere (74, 732): Diez, ARGloss. S. 61 erinnert an it
vi fo stare^ pv. fauc estar.
stemire (77): K's „wall, sterni^ ist zuzufügen ahanz. esfemi'r;
in modemer Mundart H. Norm., vall6e d'Yeres, iternir „etendre de
la paille sous les bestiaux".
Stipula: stulus (1097): über slulus = sfpulus < siupulus s.
Lautl. §§ 13, 39 a. Zum Auftreten des Typus stupuU neben stipuU
s. Rönsch, Jahrbuch XIV, S. 341; Landgraf, AlLex. IX, S. 416.
Anders Kluge, Pauls Gdr. 2. Aufl. I S. 333: y^sttdus „Stoppel"
1095 ist vielleicht verwandt mit ags. stela „Stengel" (got. *stula =
germ. stola?)"". Die afranz. Formen esioble, estouble, neben estoule
auf den Gebieten, auf denen dialektisch -//- > -z'/- > -«/- wird
(s. Lautl. § 39 a), vermögen Kluges Annahme in keiner Weise zu
stützen.
stupulus s. Stipula,
submergere (596): pv. somergir.
Sucoedere (373 — .• posi alium uenire)\ sard. sussediri, cat
succehir,
suocurrere (11 13): it socorrere^ pv. socorre^ afranz. secorre,
cat. socörrer, sp. pg. soc(c)orrer.
Sudarium (701): pv. su{z)an\ acat. suari.
suf&ingere (590 su/rangan/ nach Bess. 40): afranz. sofraindre.
Superare {1102): cat sobrar,
supermontare (199)^ pv. sobremontary franz. sour monier > sur^
monier „übersteigen", „hinausgehen über".
Superstiücsus (710): zur Bedeutung „überflüssig" unserer
Glosse s. die von Diez, ARGloss. S. 35 zitierten Stellen aus Isidor
und dtsch. Glossaren.
Supplantare (164 ^o: decipio): it. soppiantare „durch List ver-
drängen, täuschen" (pv. sospianiar „d6tourner, subverser, devier";
afranz. sosplanier „arracher, enlever" mit Bedeutungsverschiebung).
supportare (631, 683, 28): sard. supporiare^ it sopporiare^ cat.
sp. pg. soportar\ dagegen pv. sotzporiar^ afranz. sozporier mit
subius,
tempesta, ae (8^ In — .• cerium iempus noctis, iäi ante gallorum
canium t media nocte): ältester Beleg dieser für die romanische
Wortbildungslehre wertvollen Form = it tempesta, pv. tempesta,
franz. iempesie > tempite.
Temum (384 — .• uinuni) „Rausch", Georges nur in Ableitungen
bekannt
1
51
tepiditas (362 Rancor: — , 1127) it tiepidiiä „Verdrossenheit"
führt Diez, ARGloss. S. 51, an.
tixnere (353): interessante, nur in altcat. tembre wiederkehrende
Form. S. FormenL § 121, Bess. 10.
timor (63 Oh metum: propter -em): afranz. temor.
tiiLaltiin (1157) „Hebebaum, Tragstange der Weinbutten".
Grundwort von franz. fznei „mit unetymologischem t" nach Foerster,
Zs. III S. 565. S. Duc. s. V. finale.
tdnctura (916): pv. tentura, afranz. taMure, it. cat. sp. pg. itntura.
tinctus (172, 345, 716; 190): die letztgenannte Stelle liefert
einen wertvollen Beleg für die nur afranz. Bedeutung des Wortes:
teint = wPsle, pali", worauf schon Marchot, R. F. XII, S. 642 auf-
merksam macht.
tollire (674): das aus tolliius des Textes zu erschliefsende
(s. Formenl. § 121) tollire wird bestätigt durch altit. tolire, afranz.
tolir, so noch nfiranz. in den Mundarten von Haut-Maine, Normandie,
Picardie, Suisse „enlever, diminuer"; s. auch cat. tulirse „gelähmt
werden", pg. tol(h)ido „gelähmt".
torta (432) „rundes Backwerk", „Torte". Zum Vokal s. § 12.
transnotcure (1131): afranz. tresnoer, tranoer.
traiLStniin (449): it trasto „la parte dl mezzo della barca
dove stanno i rematori e anche i passeggieri".
tributuxn (1146): sp. treudo.
tristare (656): pv. tristar, afranz. trist{r)er.
tunica (338): it. tonaca,
turta s. torta.
tusoa (986) „rauher, grober Stoff", „Mantel, Decke aus rauhem
Stoff": in dem toxa unseres Lena: — . lectarium erblicke ich (nach
Lautl. § 16) das gleiche Wort wie Rz. 125 Tapetia: tusce < tüsca.
Nach Ausweis beider Glossen würde es etwa „dicker, rauher Stoff"
bedeuten und scheint sich mir demgemäfs als substantiviertes Ad-
jektiv (sc. etwa cappa^ s<^<^ zu stellen zu cat. tosch^ tosca „grofser,
bast; ignorant, rudo", sp. tosco „basto, grosero, rustico, inculto",
pg. tosco „sem trabalho de artifice, e come sde das mäos da natu-
reza; rüde, sem cultura; mal feito". Dieses Adjektiv von der
Grundbedeutung „roh, rauh, grob", führt Storm, Rom. V, S. 185,
auf ein *thyrsicus „strunkig", zurück, was meines Erachtens neben
to(r)scus auch vlglat. '^troscus^ ergeben mufste, wovon sich jedoch
niemals eine Spur in Gestalt einer Nebenform nachweisen läfst.
Ich halte das Wort vielmehr für identisch mit it tosco < tuscus,
einer Nebenform von toscano. Schon Plautus und später Horaz
kennen den vtcus Tuscus in Rom als den „Aufenthalt liederlichen
Gesindels, besonders der Buhldimen" (Georges), und so war wohl
nichts natürlicher, als das tuscus neben seinem ursprünglichen, im
it. allein bewahrten Sinne die Nebenbedeutung „gemein, gewöhnlich.
* Cf. afranz. tros <^ thyrsus; -^y.presseguirs neben pesseguiers ; s-^.prisco
neben pirsico, pijego; cat. presseg, presseguer -^ per sie-,
4*
52
roh, grob^ annahm , aus der sich dann die oben aufgeführten Be-
deutungen sämtlich leicht entwickeln konnten.
Die eben aufgestellte Behauptung eines Zusammenhanges unseres
Subst toxa = tusca „Decke, Mantel aus grobem Stoff", das sich
übrigens genau in der Form unseres Textes und fast identischem
Sinne bei Papias findet (Stragulum: uesiis quae Toxa uocatur, s.
Duc), mit dem erörterten Adjektiv tuscus ist an sich wohl nicht
zu kühn, doch läfst sie sich durch die Untersuchung der weiteren
Verbreitung dieses Subst im Romanischen noch bestätigen. In der
Bedeutung unserm toxa am nächsten steht cat iosca „tel, capa o
betum que forman los liquits en los Hochs per ahont passan o's
detenen" also „mantelartiger Überzug, abgesonderte Schicht (auf
einer Flüssigkeit)"; daneben tosca (== pedra tosca) „rauher Stein"
= „Tuffstein". Dagegen verblüfft auf den ersten Blick die Be-
deutung des Wortes im Mlat. (tusca) und im Afranz. {tosche): „Baum-
gruppe, Gehölz". Erinnern wir uns jedoch der Bedeutungsentwicklung
von lat. macula „Fleck" zu rum. tnagurä, iL macchia^ sp. pg. mancha
„bewachsene Stelle, Gebüsch", die Gröber, AlLex III, S. 520, sehr
ansprechend erklärt, so führt uns von der letzterreichten Etappe
„abgesonderte Schicht" ein naheliegender Schritt zu „(dunkler) Fleck"
und damit zum Ausgangspunkt einer der von macula parallel ver-
laufenden Entwicklung zu „Baumgruppe, Gehölz".
üna germanisch „ohne" findet Kögel wieder in 1059 Quin:
unonu S. die Bedenken gegen diese Annahme im § 124.
undare (262 Fluctuans: 'tis): sard. undare^ afiranz. onder,
Hilde (304, 466, 771; weitere Belege s. §99, § 128): noch
in nfranz. Mundarten in Lyonnais, Forez: onty onte^ ounie „oü";
Poitou, Aunis, Saintonge: onte „oü".
unguentum (231): it. unguento, pv. enguen, franz. onguenU cat.
unguent, sp. pg. unguento,
Uredo (177): it urMine „Karfunkel, Geschwür".
utare (1073) „betauen, benetzen": das auch Duc. vollkommen
fremde Wort findet sich rätselhafter Weise im Humanistenlat. wieder,
Sa- Conrad Gel t es, De origine, situ, moribus et institutis Norim-
bergae libellus, Kap. VI, in Bilibaldi Pirckheimeri Opp. Frankfurt
1610, S. 126 f.
uanare (946) „prahlen": pv. vanar,
Uasculo, oms (906) „Flasche" : it. fiascone, pv. flascon^ afranz.
fla{s)con (seit dem 14. Jahrhundert); cat. sp. ^%. frasco. Kluge s. v.
„Flasche" zweifelt an der von Diez, Et. W. S. 138 ausgesprochenen
Ableitung flasco < vasculum und denkt an keltischen Ursprung;
doch lehrt die Tatsache der Nichtübereinstimmung der sard. Dia-
lekte (Dial. Gen. fiascu^ gegenüber vel&l, frascUy wozu c^. flatosus >
log. fiagbsu^ mer. frägosu), dafs das Wort im sard. nicht Lehnwort
sein kann, daher ein lat. Grundwort vorliegen mufs.
Ueotis (1157): die Glossierung des Wortes durch tinalum
1 Wohl ital. Einflufi?
53
(s. d.) zeigt, dafs der Bedeutungswandel des in Frankreich bis heute
durchaus volkstümlichen Wortes von „Hebebaum" > „männliches
Glied" bereits eingetreten war, was sich auch ohnedem hätte ver-
muten lassen, da ihn das bei K. fehlende pv. veg, vteg, viel teilt.
iienatio (126): it. vmagione, asp. venaciön^ pg. veagäo,
uereoTindari (485, 649): nur afranz. ver gonder (so Psaut.
Bodl. 24, i). Dagegen gemeinromanisch *verecundiare nach dem
Subst. > log. hirgonzare^ mer. bngungtäi, set valgugnä\ it. ver^
gognarsi^ pv. vergonhar^ afranz. vergoignier^ pv. {a)vergonhar,
uereoundia (690, 1064): log. birgonza, mer. brigungia, set
valgogna\ cat vergonya,
uereoundialis {22) „Scham*": zu uerecunaiale loco des Textes
s. locum genetale nom.) bei Greg. Tur. (Bonnet S. 508) und das
in Foersters Anm. ziterte loco uerecundiosa bei Steinm. u. Siev. 164, 5.
Uespa (1150): die Glosse bezeugt die Ersetzung des lat.
vespa durch germanisch wa/sa etc. in lothringisch-wallonischen Dia-
lekten, s. Homing, Zs. XVIII, S. 230. S. auch s. uuapsa.
uetare (1024, 34^ Proibeamus: ^amus): pv. cat. vedar,
uindicatio (351): afranz. vengison,
uindicta (792; s. auch Bess. 12.): sard. vinditta, 2iSi>. vendecha,
daneben vendeita offenbar aus apg. *vendetta,
iiinea (357, 702): log. binzay mer. bmgia, cat vinya. K.'s 10 196)
sp. vina ist in vifla zu korrigieren.
uitiosuB (i) „gerieben, schlau": in dieser Bedeutung aus-
schliefslich afranz. voisos*
tiitiare (891) „verderben, verführen": diese Bedeutung scheint
zu Grunde zu liegen dem noch modern mundartlichen votser (Lor-
raine) „courir en desordre", worin offenbar „dem Laster ergeben
machen" sich zu einem Intransitiv „dem Laster ergeben sein",
„sich ungehörig benehmen" weiter entwickelt und späterhin noch
weiter eingeschränkt hat
Nicht identisch mit unserm Worte ist hingegen das einmal im
Guy de Warwick belegte sot votsier „sich belustigen", das vielmehr
infolge einer dem Angionorm, eigentümlichen Neigung zur Apo-
kopierung der Präfixe (s. Stimming, Bueve de Hanstone, S. XLIIIf.)
statt des in diesem Sinne häufigen sot envoisier steht.
Von weiterer Verbreitung als das Wort vitiare ist das zum
Adj. gewordene Partie. Pass. vitiaius „verdorben", „durchtrieben",
„schlau", s. K. 10243.
uittare (484): pv. vetat^ asp. vetado „gestreift", pg. betar „listrar
o tecido de varias cores".
uiuanda (788) „Lebensmittel": K.'s Annahme (s. 10266) eines
Etymons *vitanda für franz. viande widersprechen log. bivanda, mer.
fianday it vtvanda, pv. (schon alt-)sp. cat vtanda, S. auch Baluz.,
Capitul. reg. franc, anno 803, tome I, col. 399 : Excepto uiuanda et
fodro quod . . .
uox (182 Jübilum: inmensa ktitia quae uoce explicare non potest):
cat. veu.
54
uuadious (285, 1047) »Pfand": suffixale Weiterbildung des
germanischen Stammes wadja^^ ältester Beleg des franz. gage. S.
§ 60, Anm. I.
uuadius s. uuadicus,
uuapsa {uuapäa?) (288, 11 50): germanisches Lehnwort. Das
lat. uespa ist durch einen germanischen Typus verdrängt in zahl-
reichen franz. Mundarten, s. Homing, Z. XVIII S. 230, doch werden
nach Ausweis der Tafel guipe des A. L. allein die wallonischen
(s» § 75) unserer Form gerecht Bei dem verwirrenden Reich-
tum des germanischen Wortes an mundartlichen Formen (s. Kluge,
Et. W. s. V. Wespe) und der Mehrdeutigkeit des c in unserem
Texte (s. § 65) mufs von der Ansetzung eines germanischen Typs
für unser Wort abgesehen werden. Über die dialektischen Formen
des Wortes auf franz. Boden äufsert sich eingehend Marchot, RF
XII S. 648, dessen Ausführungen übrigens durch die Tafel guipe
des A. L. zum Teil bestätigt werden.
uuardare s. reuuardare.
zinzella (242) „Mücke*' Deminutivform eines *ztnzula zu dem
bei Georges nachgewiesenen onomatopoetischen zinzilulare „schwirren,
summen": Corp. gloss. lat. V. 526, i belegt zinzala\ Hs. 442 Culix:
cingula\ Gloss. lat fr9. Rieh. 7679 fö 268 r^ Zinzala: petite mousce
ou cincerelle. Weitere Zeugnisse für das Wort bei Diez, ARGloss.
S. 22. Es lebt romanisch aufser in den bei K. 10456) zitierten it
zenzarüy zanzara, chianes. cecera in genues. sinsaa, log. zinzula, mer.
smzulo; aufserromanisch tritt es in ahd. zmzila, zinzala) albanes.
zinziras „Grille" auf. Die Ableitung auf »ella scheint ausschliefslich
franz. zu sein : afranz. cincele f. „Mücke" und zahlreiche Nebenformen
bei Godf. Noch heute lebt das Wort mundartlich im Pas de Calais
(285) als tshSel (f.). (Tafel moucheron des A. L.).i
^ Diez, ARGloss. S. 22 fasste auch (F 870) Cimex: cimcella als identisch
mit zinzella auf und wollte der Bedeutung wegen Cimex in Cinifes (s. Wort-
best. s. V. Sciniphes) ändern, „da nicht anzunehmen ist, dafs cincelle zugleich
Mücke und Wanze bedeutet haben sollte"; cimcella ist jedoch ein ganz anderes,
gleichfalls in nfranz. Dialekten (= „ciron") fortlebendes Wort <[ lat. cimic-
ella, über das man Wortbest. s. v. vergleiche, wo auch ein ähnlicher Irrtum
bei Godf. berichtigt wird.
4. Wortverbreitling.
Eine Untersachung der Verbreitung des in unserm Denkmal
als Interpretamente vorkommenden Wortmaterials in der Hoffnung,
etwas Licht in die Frage der Entstehung des Textes zu tragen,
hat bei der Stellung unseres Glossars als Bindeglied zwischen dem
Gallolat einerseits und dem literarischen Französisch andrerseits
ein doppeltes Interesse. Doch mufs man sich hüten, den Wert
einer derartigen Untersuchung irgendwie zu überschätzen, da unsere
Kenntnis der Bodenständigkeit eines Wortes in alten und modernen
Mundarten des Französischen nur eine annähernde sein kann.
Im Afranz. darf aus dem Nichtvorkommen eines Wortes in der
beschränkten, mehr oder wenig zufallig überlieferten Literatur auf
dessen Nichtvorhandensein um so weniger geschlossen werden, als
das Schrifttum jener Zeit, je früher desto mehr, durch seine stoff-
liche Beschränkung viele Begriffsgebiete einfach ignorierte, wodurch
gerade viele echt volkstümliche Worte des Alltagslebens sich der
Aufzeichnung entzogen. ^ Auch unsere Kenntnis der modernen
franz. Mundarten ist weit davon entfernt, irgend Anspruch auf
Vollständigkeit erheben zu können, und wird es stets bleiben müssen,
da selbst ein so grofsartig angelegtes, mit seltener Umsicht und
aufserordentlichem Fleifs ausgearbeitetes Werk wie der A. L. Stück-
werk und von Zufälligkeiten abhängig bleiben mufs.
Trotz dieser notorischen Unzulänglichkeit unserer Hülfsmittel
soll in der folgenden Tabelle (s. umstehend) versucht werden, der
Verbreitung gewisser nicht allgemeinfranzösischen Wörter nachzu-
gehen, wobei die oberen Kreuze in jedem Geviert auf ein Belegt-
sein im Afranz., die untern auf ein solches in modernen Mundarten
hinweisen:
Die Tabelle lehrt, dafs
I. eine Reihe von Wörtern zwar nur mundartlich, aber an
ganz verschiedenen Stellen des Gebietes auftreten und daher eine
einstige Kontiguität ihrer Verbreitung erschliefsen lassen: so aloxi-
num^ cam'nuSf iux/are, die daher für die weitere Erörterung aufser
Betracht bleiben.
^ So wird sich z. B. niemand wundern, wenn das Wort cimicella „Wanz-
chen" unseres Glossars afranz. nie belegt ist und gleichwohl noch heute (s.
Wortbest. s. t.) in der Champagne als sincele „ciron" lebt.
V
56
Normandie
westl. Frkr.
1
g
%
i
d
bfi
a
•S
o
1
aleps
+
aloxinum
+
+
+
aitenttare
.
+
bansta
+
+
+
bUsta
+
+
caligo
+
+
"J*
caninus
+
+
+
capUale
+
cimicella
+
danea
+
degannare
+
discoüocare
+
exdarnare
[+n
[+2]
+
+
+
+
flagellare
1
fulcus
f
+
+
+
gaforium
+
hauis
[+3]
+
+
iuxiare
+
+
lutare
+
muscio
+
+
+
ruma
+
uerecundari
+
uitiare
+
uuapsa
+*
^ Hier nur der Stamm des Wortes und zwar nur noch in Ortsnamen,
s. Wortbest. s. v.
* Hier nur das zu Grunde liegende Adjektiv, nicht das Verb.
^ Die bekannte Gelehrtenfamilie Hauet stammt aus der Normandie.
* S. hierzu § 75 am Ende.
57
2. eine weitere Gruppe ist in ihrer Verbreitung beschränkt
auf einen oder mehrere der reinöstlich-südöstlichen Dialekte der
(Isle de France) Champagne, Lothringens, der Bourgogne und der
Schweiz: so attenuare^ cimicellaj exdarnare, utttare.
Von diesen hat attenuare den andern dreien gegenüber insofern
weniger Gewicht, als es sich bei diesem Interpretament nicht un-
bedingt um ein wirklich romanisches Wort handelt; denn da atim'
uare ein gut lat. Wort, so besteht wenigstens die Möglichkeit, dafs
hier der Glossator wie so oft sich mit der Wiedergabe eines Lenmias
durch ein ihm bekannter scheinendes schriftlat. Wort begnügt habe,
das der Volkssprache fremd war;^ cimicella, exdarnare und uitiare hin-
gegen sind dem Lat. völlig fremde Bildungen, die daher der Sprache
des Redaktors oder des Verfassers einer Vorlage angehört haben
müssen. Nun zeigt sich das Auffallende, dafs alle drei Wörter nur
in II auftreten, so dafs es zunächst scheinen könnte, als sei bei
der Kompilierung von II im Gegensatz zu I, für das ein Gleiches
nicht nachweisbar, Sprachgut des reinöstlich- südöstlichen Frankreich
mit verarbeitet worden. Bei schärferem Zusehen erkennt man
jedoch, dafs diesem Schlüsse kein anderer Wert als allenfalls der
einer vagen Vermutung beizumessen ist Denn
cimicella ist ein Wort, dessen Begrifssinhalt ein afranz. Belegt-
sein a priori unwahrscheinlich macht, selbst bei einer eventuellen
Verbreitung über ganz Frankreich, und auch in nfranz. Mundarten
kann das Wort, durch seine Bedeutungsentwicklung > „Mübe"
(s. Wortbest. s. v.) aufserhalb des alltäglichen Begriffsvorrates des
Volkes stehend, leicht weiter verbreitet sein als wir wissen.
exdarnare ist im Auftreten seines Stammes (s. Wortbest. s. v.)
als Verbum in den heutigen Mundarten allerdings scheinbar auf
die genannten Gebiete beschränkt, doch zeigt das Vorkommen des
Stammes darn" als Adjektiv im Wallonischen, in Ortsnamen in der
Normandie (s. Wortbest. s. v. Anm.), dafs dieser in früherer Zeit un-
bedingt eine weitere Verbreitung gehabt hat, die vielleicht zur Zeit
unseres Textes auch noch für das Verbum galt.
uitiare läfst sich ausschliefslich in modernen Mundarten, und
zwar nur in lothr. voiser (s. Wortbest s. v.) nachweisen; da aber
afranz. voisos etc., vom gleichen Stamme gebildet, notorisch über
das ganze Gebiet des Franz. verbreitet war, so scheint dieses allein
übrig bleibende Wort zur Stütze einer Theorie auf Einflufs reinost-
südostfranz. Sprachgutes kaum ausreichend.
3. die übrigen 17 Worte von nur mundartlicher Verbreitung
gehören einem oder mehreren der Dialektgebiete der Normandie
(bez. Westfrankreich überhaupt), Pikardie und Wallonie (eventuell
auch Isle de France) an, und zwar sind
ausschliefslich norm. (bez. westfranzösisch) 7
ausschliefslich pikard. i
ausschliefslich wallon. 3
^ Cf. z.B. 15, F 714 Conlatio: conferentia.
58
norm.-pikard. (i + i auch in Isle de France) 2
norm.-wallon. —
pikard.-wallon. —
norm.-pikard.-wallon. (3 + 1 auch in Isle de France) 4
Man braucht wohl keinen Einwand zu gewärtigen, wenn man
aus diesen Daten den Schlufs zieht, dafs unser Glossar nördliches
Sprachgut aufweist Angesichts der Tatsache, dafs im § 75 der
Nachweis erbracht wird, dafs unser Text weder in der Norraandie
noch in der Pikardie entstanden sein kann, wohl aber in der Wal-
lonie, könnte man einen Augenblick daran denken, durch Kombi-
nierung der Ergebnisse obiger Aufstellung eine Theorie der Be-
nutzung einer norm.(-pikard.) Vorlage aufzustellen. Zu einer
solchen Hypothese reicht jedoch das beigebrachte Material bei
weitem nicht aus: es möchte kühn erscheinen, aus der rein zu-
falligen literarischen Überlieferung nur einiger weniger Worte
ausschliefslich in gewissen Gegenden irgendwelche weitergehenden
Schlüsse auf deren Verbreitung im 7. — 8. Jahrhundert und damit
auf unsern Text zu ziehen. Was das Vorkommen unserer Wörter
in modernen Mundarten betrifft, so ist allerdings für diejenigen,
die der A. L. aufgenommen, durch die grofse Anzahl regelmäfsig
verteilter Auskünfte eine gewisse Garantie geboten, die man sich
indessen hüten mufs zu überschätzen. Denn die bisher auf Grund
des A. L. gelieferten Arbeiten haben bereits das methodisch wichtige
Ergebnis gezeitigt, dafs die Bedeutung dieses monumentalen Werkes
wesentlich nach der positiven Seite zu liegt, d. h. das Fehlen einer
bestimmten Erscheinung, eines Wortes in einer bestimmten Gegend
im A. L. ist für deren dortige Nichtexistenz keineswegs beweis-
kräftig. Ausserdem unterliegt es wohl keinem Zweifel, dafs in dem
Zeitraum von mehr als 1000 Jahren, der zwischen unserm Text und
der Abfassung des A. L. liegt, mannigfache Verschiebungen und
Veränderungen im Wortgebrauch eintreten mufsten.
Wir hüten uns also durchaus, aus den Ergebnissen dieser
Untersuchung der Wortverbreitung irgendwelche Schlüsse auf be-
nutzte Vorlagen zu ziehen: vielmehr beschränken wir uns darauf,
festzustellen, dafs ge\¥isses Sprachgut im Glossar auf den Norden
Frankreichs weist, und dafs, da Normandie und Pikardie durch
lautliche Kriterien ausgeschlossen sind, eine gewisse Wahrscheinlich-
keit für eine Entstehung unseres Denkmals in der Wallonie spricht
Zwingende sprachliche Gründe, eine oder mehrere aus einer andern
Gegend stammende Vorlagen anzunehmen, vermögen wir nicht an-
zuerkennen.
-<•>-
Lebenslauf.
Ich, Kurt Ehrich Hetzer, evangelischer Konfession, wurde
geboren in Weimar am ii. Februar 1882 als jüngster Sohn des Hof-
zimmermeisters Otto Hetzer und seiner Ehefrau Marie, geborene
Hallbauer. Nach vierjährigem Besuche der I. Bürgerschule meiner
Vaterstadt bezog ich Ostern 1892 deren Realgymnasium, das ich Ostern
1901 mit dem Zeugnis der Reife verliefs, um mich dem Studium der
neueren Sprachen, insbesondere der Romanistik, zu widmen. In
Leipzig, wo ich meine ersten zwei Semester studierte, gewährte Herr
Professor Weigand mir auf Grund privatim angeeigneter roma-
nistischer Kenntnisse Aufnahme als ordentliches Mitglied in sein
Rumänisches Seminar, das den Grund zu meiner wissenschaftlichen
Schulung legte. Im S. S. IQ02 siedelte ich nach Bonn über und
ward von Herrn Geheimrat Fo erster als ordentliches Mitglied in
sein Romanisches Seminar aufgenommen, in dem ich von meinem
4. — 8. Semester die Obliegenheiten des Seniors und Bücherwarts
erfüllte. Zwei Semester lang nahm ich an den Übungen des Ger-
manistischen Proseminars unter Herrn Geheimrat Wilmanns teil;
als ordentliches Mitglied gehörte ich, z. T. mehrmals, an den eng-
lischen Seminaren unter Herrn Geheimrat Trautmann und Herrn
Professor Bül bring, sowie dem französischen unter Herrn Professor
Gaufinez.
Die Ferien benutzte ich mehrfach zu Auslandsaufenthalten. Ende
des S. S. 1905 liefs ich mich exmatrikulieren. Am 29. November
1905 bestand ich das Examen Rigorosum auf Grund einer am
3. August desselben Jahres von der Philosophischen Fakultät der
Universität Bonn preisgekrönten Arbeit, deren ersten Teil die vor-
liegende Dissertation bildet.
Meine akademischen Lehrer waren die Herren Dozenten:
in Leipzig: Birch-Hirschfeld, Duchesne, Heinze,
Marx, Lake, Schmarsow, Sievers, Weigand, Witkowski,
Wülker.
in Bonn: Bülbring, Cann, C. Giemen, Dyroff, Eng-
bert, Erdmann, Foerster, Franck, Freytag, Gaufinez,
Geyser, loliet, Meyer, Roudet, Sachsse, Schultz, Steffens,
Trautmann, Wentscher, Wilmanns.
Allen meinen hochverehrten Lehrern spreche ich meinen warm
empfundenen Dank aus, besonders denjenigen, welchen ich auch
persönlich näher treten durfte. In erster Linie fühle ich mich ver-
pflichtet Herrn Geheimrat Foerster, der die Abfassung dieser
Arbeit mit unermüdlichen Wohlwollen begleitet und mit Rat und
Tat gefördert hat
Druck von Ehrhardt Karras, Halle a. S.
U.C. BERKELEY LIBRARIES
BQ03D1117B